Der Menschlichkeit Der Menschenwürde Dem Frieden bahne dies Buch den Weg Ich bin die Vorsehung. In meinem Herzen bin ich in Wirklichkeit ein Künstler. Und ich beschloß Politiker zu werden. Vorwort Hitler. Vieles hat sich aus kleinsten Anfängen entwickelt und ist ohne besonderes Zutun gewachsen. Aneinander gereihte Aufzeichnungen, Notizen und Dokumente wurden zu einem Heft und unmerklich ward ein handliches Buch daraus. So darf ich es auch wohl von dem vorliegenden Buch behaupten, das eigentlich nur ein Heft werden sollte. Als Hitler 1932 zum ersten Mal an der Nordgrenze Deutschlands auftauchte und im Flensburger Stadion sein Hakenkreuz- Evangelium verkündete, vermerkte ich mir den ersten Bluff des sog. Nationalsozialismus. Seine mehr als inhaltslosen Phrasen und Versprechungen gaben einem Nazi- Chronisten Anlaß, aufzuzeichnen ,,, daß an diesem Tage die Idee über alle und alles den Sieg errungen habe". Der nachmalige NS- Oberbürgermeister Kracht schrieb in seiner Chronik: ,, Eine neue Seite im Buche der Stadtgeschichte ist aufgeschlagen, einst werden unsere Enkel sie lesen: Mögen sie es mit stolzem Herzen tun!" Es kam anders. Das Jahr 1945 sah das ,, Tausendjährige Reich" in Flensburg- Mürwik, an der Endstation der Straßenbahn, in ein Nichts zerrinnen. Als nach der sogenannten ,, Machtübernahme" die Schergen der Gestapo Abertausende Gegner des Nationalsozialismus in die Strafanstalten und Konzentrationsläger brachten, da wurde auch ich nicht vergessen und bekam von allem, was dort geboten wurde, mehr als reichlich zu kosten. Von sehr vielen KZ- Insassen sind Aufzeichnungen gemacht, doch haben sie nur einen Bruchteil dessen gesehen, was in Wirklichkeit geschah. Noch viel weniger waren es, die wie ein Mirakel die langen Jahre des Grauens überstanden und über ihre Leidenszeit berichten konnten. Für sie war es außerordentlich schwer, Aufzeichnungen zu machen und diese zu verbergen, weil bei einer stets zu erwartenden Leibes visitation oder Durchsuchung der kärglichen Habseligkeiten des Häftlings, die geringste Kleinigkeit ihm zum Verhängnis werden konnte und er Gefahr lief, auf der Stelle erschlagen oder beim Abendappell gehängt zu werden. Schon die Kenntnis von Dingen, die ein Häftling nicht haben durfte, konnte ihm den Tod bringen. Auf das Hinausschmuggeln von Briefen und Notizen, selbst harmlosen Inhalts, stand zumindest Pfahlhängen oder fünfundzwanzig Hiebe mit der Stahlrute, die dem Unglücklichen auf dem Bock verabreicht 7 wurden. Darüber hinaus wurde noch Einweisung in die SK ( Strafkompagnie)- eine der furchtbarsten Marterplätze im Lager verfügt. - - - Nicht nur die SS- Blockführer spürten den Häftlingen nach, nein, auch Häftlinge gaben sich zu Denunzianten und Handlangern der SS her, wenn sie oftmals nur eines zugesagten Vorteils wegen ihren Kameraden verrieten und ihm dadurch den Tod am Galgen oder in der Gaskammer brachten. Kaum wagte einer dem andern zu trauen, und so ist es auch zu erklären, daß nur wenige es waren ehrliche politische Überzeugungskämpfer im engsten Kreise nicht nur ihre Meinung austauschten, sondern darüber hinaus noch interne illegale Zellen einer Widerstandsbewegung im Lager auf- und ausbauten. Der Kreis alter politischer Häftlinge im Lager war eng gezogen und nur vereinzelten wurde es ermöglicht, in eine Position zu gelangen, die ihnen gestattete, Einblick in Dinge zu gewinnen, die sonst nur der SS zugänglich waren. Sehr selten befand sich ein Häftling längere Zeit in einer Position, die man als ,, prominent" zu bezeichnen pflegte. Zumeist ohne ersichtlichen Grund wurde der ,, Prominente" abgelöst oder in ein anderes Lager überführt, um zu verhindern, daß er mit der Umwelt, den Kameraden oder dem Gesehenen vertraut wurde. Zu den ,, Prominenten" zählten u. a. die Beschäftigten in den Schreibstuben des Lagers, des Reviers, der Werkstätten, des Arbeitseinsatzes und vor allem der Politischen Abteilung. In dieser letztgenannten Abteilung wurden durchweg nur fremdsprachenkundige ,, Politische" als Dolmetscher beschäftigt. " Die in der Politischen Abteilung Tätigen wurden vorher mehrfach auf ihre Zuverlässigkeit und Eignung geprüft oder richtiger gesagt: gesiebt, was von dem Lagerkommandanten und den Lagerführern vorgenommen wurde; alsdann konnten sie das Blickfeld des Lagers betreten. Hier war ein heißer Boden, denn ununterbrochen wurde von der SS spioniert und durchsucht ,, filzen" war hierfür der lagerübliche Ausdruck. Als die ersten norwegischen Häftlinge als Zugang" in das Lager kamen, wurde ich als Dolmetscher in die Politische Abteilung beordert und kam dort mit dem spanischen Dolmetscher Emil Büge zusammen. Wir gewannen sehr schnell Vertrauen zueinander, und da wir bald erkannten, welch wichtige Fundgrube unsere neue Arbeitsstätte für alle Einblicke im Lagerbereich darstellte, wurde beschlossen, Tagebuch zu führen, obwohl uns bewußt war, daß jede aufgefundene Notiz uns beiden das Leben kosten konnte. Ohnehin war unsere illegale Betätigung ein va banque- Spiel, weil niemand wußte, wielange die ,, Schutzhaft" währte und ob wir die Freiheit je wieder sehen würden. Vor allem beschäftigte uns die Frage, wie unsere Tagebuchaufzeichnungen sicher aus dem Lager schmuggeln und an zuverlässiger Stelle deponieren. Das Geschick war uns in allem gütig. Es siegte auch hier der Intellektuelle über die rohe Gewalt, in diesem Falle über die brutale SS. Wir haben zwar mit unserem Leben gespielt, haben aber gewonnen; es war den Einsatz wert, aus der inneren Verpflichtung heraus, der Welt nachzuweisen, was ein ,, Schutzhaftlager" in Wahrheit darstellte. Nicht nur gelang es, wichtige 8 Nachrichten zu schmugge es verstande richtenüberm fangen, Nien und Blockfü im Lager si - Radioanla Die Dau die eingeker Volk und di derten Völk Widerstands ihrem Schut zu wirken Liebenden, Widerstands den übrigen konnten an den Nazijoc gime, dessen Zivilisation Nach zw heraufdämm Jahre, Jahrz sein wird, A da hatte der begriffen, d Hitler- Staat dungsbrücke gierte" weit diesem Unf burg" sperrt Da erst mit ihnen n und die Ges und Braus, schandung u Jahre Nacht Kriegs- und und erlitten stellung des lichen Schäd sich als un von dänische konnte ich n Flensburg, i die SK ätze im en nach, nd Handgesagten dadurch n, Kaum h zu erThe ÜberMeinung illegale sbauten, war eng in eine Dinge zu hr selten tion, die ohne erer in ein mit der twurde. in den ten, des ung. In fremdigt. vorher üft oder ten und nten sie Boden, d durchuck. 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Und dennoch war diese Nacht allen jenen Widerstandskämpfern erwünscht, ja für jene notwendig, die in ihrem Schutze illegal an der Unterminierung des Naziregimes zu wirken genötigt waren. Die Nacht, die gütige Freundin der Liebenden, sie deckte auch ihre dunklen Schleier über die Widerstandsgruppen im Konzentrationslager in Deutschland und den übrigen unterdrückten Länder, damit sie ungestört arbeiten konnten an der Beseitigung und Vernichtung des auf uns lastenden Nazijochs, und wirken für die Befreiung von einem Regime, dessen Ziel es war, Menschheit und Kultur, Freiheit und Zivilisation restlos und für alle Zeiten auszumerzen. Nach zwölf furchtbaren Jahren erst wich diese Nacht dem heraufdämmernden Morgen nur langsam ward es Tag- und Jahre, Jahrzehnte werden vergehen, bis es hell um und in uns sein wird. Als die Morgenröte das Ende dieser Nacht ankündete, da hatte der Rest der Hitler- Regierung unter Dönitz noch nicht begriffen, daß der 1933 im ,, Kaiserhof" in Berlin gestartete Hitler- Staat ein vorzeitiges Ende auf der Patria" an der Landungsbrücke in Flensburg- Mürwik gefunden hatte. Sie ,, regierte" weiter durch den Äther, bis die Besatzungsbehörden diesem Unfug ein Ende machten, den ,, Reichssender Flensburg" sperrten und die ,, Regierung Dönitz' abführten. Da erst begriffen Dönitz, Rosenberg, Himmler und der mit ihnen nach Flensburg geflüchtete Troß führender Pgs, SS und die Gestapo die nüchterne Wirklichkeit: zwölf Jahre Saus und Braus, Protzentum und eingebildetes Heldentum, Menschenschändung und Massenmord hatten ein Ende gefunden zwölf Jahre Nacht für eine Welt der Unterdrückten, Gepeinigten, der Kriegs- und KZ- Opfer waren verstrichen. Ich habe sie erlebt und erlitten und in diesem Buch aufgezeichnet. Die Fertigstellung des Manuskripts wurde verzögert durch die gesundheitlichen Schädigungen, die ich im KZ erlitt. Nach Vornahme, einer sich als unumgänglich erweisenden Operation und eines mir von dänischen KZ- Freunden ermöglichten Erholungsaufenthalts konnte ich nunmehr die letzten Kapitel abschließen. Flensburg, im Juli 1949 Heinrich Lienau 9 HEINRICH LIENAU Im Mün politischen ihren Lade Grundfonds neben einen aufgehoben keiner trau unterwegs, schaftlicher losen Bevöl war es nich der Zinskn gleichen um verantwortli den Rassen ungswürdigs Idealrasse wohnten, so ,, nordischer Der Nor germanen" Goebbels a Hetztournee sie noch ni zogen Hitle Wallfahrt derzeit die Grenzen hie Der ein ,, Gauleiter" mat gepries Es war Mürwik zun dichein gab Reinhold H den wegen, war, Hitler Die Deutschen ahnen nicht, wie viele Leute irregeführt werden müssen, wenn man die Unterstützung der Massen wünscht. Hitler. ,, Mein Kampf." Einleitung Im Münchener Bürgerbräukeller" hatten sich jene sieben politischen Wegelagerer unter Hitler zusammengefunden, die ihren Laden unter der Firma ,, NSDAP" aufmachten. Der Grundfonds bestand aus zusammengefochtenen Geldern, welche neben einem Gummistempel in einer ausgedienten Zigarrenkiste aufgehoben waren, über die ein Schatzmeister waltete; denn keiner traute dem andern. Hitler als Wanderapostel, ständig unterwegs, versprach allen goldene Berge, denn in Zeiten wirtschaftlicher Misere haben stets die Allesversprecher bei urteilslosen Bevölkerungsschichten großen Zulauf. Auch bei Hitler war es nicht anders, als er mit Schlagworten wie ,, Brechung der Zinsknechtschaft" ,,, Gebt mir vier Jahre Zeit", und dergleichen um sich warf. In erster Linie machte er die Juden verantwortlich für alles Unheil in der Welt und leitete damit den Rassenkampf ein. Die Juden waren ihnen die verabscheuungswürdigsten Zeitgenossen, denen er die Germanen als die Idealrasse gegenüberstellte. Weil die Germanen im Norden wohnten, so hatte sich bei den Nazis sehr bald die Bezeichnung ,, nordischer Mensch" und ,, Aufnordung" breitgemacht. Der Norden und seine Bewohner hatten es also dem ,, Randgermanen" Adolf Hitler und dem Schrumpfgermanen" Josef Goebbels angetan. Überall waren sie so ziemlich auf ihrer Hetztournee herumgekommen, nur im Norden des Reiches waren sie noch nicht gewesen. Die Nordgrenze und seine Bewohner zogen Hitler an und so ließ er sich zu einer Wahlfahrt oder Wallfahrt wie man will nach Flensburg einladen, obwohl derzeit die Zahl der Nazis sich in mehr als bescheidenen Grenzen hielt. Der einstige Mühlenbarbeker Dorfjunge und nachmalige ,, Gauleiter" Hinrich Lohse hatte Hitler die Vorzüge seiner Heimat gepriesen, und daher kam Hitler mit seinem Anhang. Es war am 23. April 1932, als sich auf dem Stadion in Mürwik zunächst eine Reihe verkrachter Existenzen ein Stelldichein gaben, angefangen beim stellungslosen Marine- Offizier Reinhold Heydrich, der nicht nur allein der unzähligen Schulden wegen, sondern auch aus anderen Gründen verabschiedet war. Hitler nahm ihn unter seine Fittiche, denn derartige Leute 11 waren ihm stets willkommen. Schon im Münchener Bürgerbräukeller, wo er mit einer Handvoll verkrachter Existenzen den Grundstein zu seiner Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei legte, war es so. Daß alle arbeitsscheu waren, tat nichts zur Sache, also paßte der arbeitsscheue Heydrich und spätere Reichs- Protektor für Böhmen und Mähren ausgezeichnet in den engeren Zirkel um den Scharlatan Hitler hinein. Im Flugzeug war Hitler auf dem Flugplatz am Schäferhaus gelandet. Von dort fuhr er durch Flensburgs Straßen, in denen sich die Neugierigen von weit und breit drängten. Man fuhr zum Stadion, wo er einen weiten Blick über die Förde bis zur dänischen Küste hatte. Daß Josef Goebbels mit dem starken Geltungsbedürfnis nicht von seiner Seite wich, muß besonders hervorgehoben werden. Er hatte auch allen Grund in nächster Nähe Hitlers zu bleiben, denn es war ihm schon zugeflüstert worden, daß es hier etwas zu ,, erben" gäbe. Nachdem Adolf seine üblichen Tiraden über die ,, 14 Jahre Miẞwirtschaft" und die ,, verrottete" Weimarer Verfassung, den versammelten politischen Kindern verzapft hatte, pries er sein ,, Programm", in welchem er die Erhöhung der Viehpreise für die Bauern forderte, damit diese wieder auf die Beine kämen. Endloses Beifallsgeheul der aus den Dörfern herbeigeströmten Besitzer von Mastochsen und Borstenvieh. Ein Flensburger Schlachtermeister H. war derart hingerissen, daß er für Adolf einen geräucherten Schinken stiftete, der mit Hakenkreuz- geschmückten Bändern sinnvoll verziert, durch eine Frauendeputation der Schlachtergattin selbst, einer Putzmacherin, einer Korsettnäherin und einer angehenden Frauenschaftsleiterin depotest überreicht wurde. Gerührt und dankbar zugleich blickte Adolf auf dieses saftige Borstenvieh- Hinterteil, doch bedauernd, daß er selbst als Vegetarier leider nichts davon genießen könne, hingegen würde er seiner Schwester dieses nahrhafte Geschenk mitnehmen. Goebbels, der mit scheelen Augen nach dem Schinken blickte, war nicht blöde er nahm den Schinken an sich mit der Begründung, daß er seiner vielköpfigen Familie besser zu statten käme. So kam Josef Goebbels zu jenem Schinken, der Adolf seiner Rede wegen zugedacht war. Auf alle Fälle waren beide davon überzeugt, daß die Leute im Grenzgebiet eine recht nahrhafte Grundlage hatten, und als dann Hinrich Lohse noch durchblicken ließ, daß jenseits der Grenze Milch und Honig in Strömen fließen, da war Adolfs und Josefs Sympathie für den Norden vollends gesichert. Noch einige Zeit verweilte Hitler auf dem Stadion, und nachdenklich sinnend ließ er seine Blicke ins gelobte Land" Dänemark schweifen. Erst das Geheul der Zuhörermeute rief ihn in die Wirklichkeit zurück, und als er auf der Fahrt zum Flugplatz erneut angeheilt und angeheult wurde, war in ihm der Gedanke gefestigt, daß in dieser nördlichen Gegend ,, viel zu machen" sei also reifte in ihm vollends der Entschluß zur ,, Aufnordung, wenn nur erst sein Traum in Erfüllung gehen möchte. Widers Endlich Hitler die Gewaltstreich tismus riß s mil sich, und die eine neu und kleine besten ging. 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Einige von ihnen behaupten sogar, daß der Jude ein Mensch sei. Goebbels. Widerstandsbewegung im Grenzgebiet Endlich war's so weit. Der 30. Januar 1933 brachte Adolf Hitler die langersehnte ,, Machtübernahme" wie er seinen Gewaltstreich nannte. Ein im Grenzgebiet nie gekannter Fanatismus riẞ selbst schwer zu gewinnende Bevölkerungsgruppen mil sich, und hier wie fast überall waren es verkrachte Bauern, die eine neue Inflation herbeisehnten, sowie Handwerksmeister und kleine Geschäftsleute, denen es augenblicklich nicht zum besten ging. Die besonnenen Elemente ließen sich in keiner Weise blenden, sondern warteten in Ruhe der kommenden Dinge. Nach der Knebelung der Presse war man in Flensburg genötigt, über die Zustände in Deutschland, sich in den dänischen und auch in jenen ausländischen Zeitungen, welche in Dänemark erhältlich waren, zu orientieren. Das Mitnehmen ausländischer, insbesondere sozialistischer und kommunistischer Zeitungen ins deutsche Hoheitsgebiet wurde gefährlich, da aus ihnen zu ersehen war, in welch rigoroser Weise die Nazis bereits Verhaftungen vorgenommen hatten und Greueltaten und Gewalttätigkeiten an politisch Andersdenkende verübten. - Schon nach wenigen Tagen trafen die ersten politisch Verfolgten aus Nord- und Mitteldeutschland- vorzugsweise Angehörige der Linksparteien, führende Köpfe des politischen Lebens und der Religionsgemeinschaften in Flensburg ein, um über die Grenze nach Dänemark zu gelangen. Soweit sie sich einwandfrei über ihre Person auszuweisen vermochten, wurden sie von den Vertrauenspersonen sicher hinübergeleitet und dort den inzwischen verständigten dänischen Gesinnungsfreunden zugeführt. Unzählige dieser Gefährdeten, darunter viele bekannte politische Persönlichkeiten, waren mir als entschiedene Gegner der Nazis bekannt geworden. Alle Emigranten erreichten unge13 hindert Dänemark, von wo aus sie zum größten Teil ins weitere Ausland gelangen konnten. Es lassen sich nicht alle Schliche wiedergeben, welche zum Menschenschmuggel in Anwendung kamen, doch soll hier nur bemerkt werden, daß der Dreivorzügliche Tage- Grenz- Passierschein sog. Groschenpaẞ" - Dienste neben dem dänischen Zehn- Öre- Paß leistete. - Beim Menschenschmuggel war es keine Seltenheit, daß zeitweilig mit einem Förde- Schiff ein halbes Hundert jener Emigranten nach dem dänischen Grenzdorf Kollund befördert wurden, deren Leben stärkens bedroht war hatte doch schon bei den Nazis das in Hitlers ,, Mein Kampf" angekündigte ,, Köpferollen" begonnen. Auch die Landesgrenze wies für die kundigen Grenzbewohner viele Durchlässe auf, durch die zumeist Einzelgänger geleitet wurden. Es soll auch hier nicht verschwiegen werden, daß unter den dänischen Grenzbewohnern und nicht zuletzt unter den beim Grenzdienst tätigen Beamten viele hilfsbereit waren, die beide Augen zudrückten, wenn es galt, ein Menschenleben zu retten. Neben dem Hinüberschaffen gefährdeter politischer Personen fiel den Vertrauensleuten an der Grenze noch die Aufgabe zu, die illegalen Schriften und Zeitungen von Dänemark herüberzuschaffen oder zu holen. Hier handelte es sich meist um nicht kleine Kollis und Ballen, die unter den Augen der Gestapo häufig im Schutze der Nacht nach Flensburg und anderen Grenzorten gebracht werden mußten. Da auf einer längeren Strecke die Grenze durch das Jardelunder Moor verlief, so wurde auch auf den Torfwagen die Bannware unter Torf versteckt, seelenruhig von der einen Seite zur anderen befördert. Von den Flensburger Zollbeamten, den ,, Grünröcken", soll lobend erwähnt werden, daß die Mehrzahl innerlich mehr ,, rot" als ,, braun" war, nicht ein einziger Fall wurde bekannt, daß von ihnen Verrat verübt wurde. Gar manche Fuhre mit Baumstämmen usw. kam über die Grenze, begleitet von einem Zollbeamten, dem die mit einem Sack bedeckte Bannware als Sitz diente. Es galt nicht nur obacht zu geben auf die Spitzel der Gestapo diesseits der Grenze, nein, noch mehr mußten die Schriftenschmuggler Vorsicht üben auf dänischer Seite, wo es von deutschen Spitzeln nur so wimmelte. Zum weitaus größten Teil war dieses Gesindel bekannt, selbst, wenn auch häufiger Personenwechsel vorgenommen wurde. Daß sie selbst nicht davor zurückschreckten, auch der dänischen Post Briefe zu entwenden und zu öffnen, sofern sie Verdächtiges darin vermuteten, soll nur am Rande erwähnt werden. Auch sogenannte ,, Heimdeutsche" dänischer Nationalität machten Spitzeldienste für die Gestapo, wie nachstehender Fall beweist. In Sonderburg( Dänemark) lagerten zwei Ballen sozialdemokratischer Schriften und Zeitungen( vorzugsweise der in Prag gedruckte ,, Neue Vorwärts" und die ,, Sozialistische Aktion"), die schon eine weite Reise über Polen hinter sich hatten. Diese 100 kg- Ballen sollten per Schiff nach Flensburg gebracht werden, wo ein Hamburger Lastauto sie weiter zu befördern hatte. Ein mir befreundeter Altpapierhändler hatte etwa hundert 14 Ballen dänisc schiff nach illegaler Sch angepaßt und wurde rechtze Restaurant an arbeiter die spräch mit Ballenpapier Schnellste strierte Telef stapo. 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Die Ballen illegaler Schriften waren dem Aussehen der übrigen Ballen angepaßt und sollten gut getarnt die Tour mitmachen. Es wurde rechtzeitig bekannt, daß Verrat im Spiele sei. Aus einem Restaurant am Hafen wurde mir durch einen dänischen Hafenarbeiter die Mitteilung überbracht, daß dort soeben ein Gespräch mit Flensburg geführt sei, welches die Schiffsladung Ballenpapier betraf. - Schnellstens ermittelte ich durch die Post die dort registrierte Telefon- Nummer- es war die der Flensburger Gestapo. Die Abfahrt des Schiffes ließ sich verzögern vorgetäuschter Motorschaden um zunächst weiter zu disponieren. Es wurde dunkel und die Nacht rückte heran sie mußte wieder einmal helfen und sie half auch. In der Nacht segelte die Ladung Papierballen ab und langte auch noch in der Dämmerung des nächsten Morgens in Flensburg an, wo die Gestapo und die von ihr engagierten Arbeiter zum Empfang bereit standen. Um 6 Uhr morgens begannen die Arbeiter mit der Löschung und Öffnung aller Ballen unter Protest des Altpapierhändlers. Als gegen Mittag sämtliche Ballen ergebnislos durchgewühlt waren, ließ der Papieronkel sie wieder neu in Form bringen und präsentierte die Rechnung der Gestapo, die unter Knurren zahlte. Der in Sonderburg stationierte Spitzel wurde wegen falscher Berichte abberufen. Sein Bericht stimmte, nur hatte der Spitzel nicht geahnt, daß die in der Wirtschaft sitzenden und sich dänisch unterhaltenden Hafenarbeiter auch deutsch verstanden. Die gesuchten Ballen mit dem illegalen Inhalt waren schon in der Frühe des Morgens in Hamburg abgeladen worden. Ein Fischer hatte auf besondere Verständigung hin die Ballen auf der Höhe des Feuerschiffs ,, Kalkgrund" an Bord genommen und dem an der deutschen Küste an abgelegener Stelle wartenden Lastauto still und unauffällig übergeben. Nicht immer verliefen die Transporte der Schriften gefahrlos, insbesondere dann nicht, wenn die stets zu beobachtende Vorsicht außer Acht gelassen wurde. Vertrauensseligkeiten gegenüber Unbekannten, Gleichgültigkeit und leider auch der Alkohol haben zuweilen Schaden und Verdruß gebracht; es mußten eine Reihe Schriftenschmuggler Gefängnis- und Zuchthausstrafen auf sich nehmen. Je nachdem die Umstände es erforderten, wurden die Schmuggeltransporte auch am hellen Tage vorgenommen. In der Nacht kam er an, nämlich ein Adlerwagen, das Lautsprecher- Auto der Sozialdemokratischen Partei Berlins. Das Auto mußte schnell den Besitzer wechseln und weil man den Wagen nicht in die Hände der Nazis gelangen lassen wollte, wurde die Sozialdemokratische Partei in Dänemark als ,, Erbe" bestimmt. Mit dem Nummernschild meines Opelwagens versehen, fuhr ich in einer recht verkehrsreichen Zeit über die Grenze und lieferte den Adler bei den schon wartenden politischen Freunden ab. Die benötigten Ersatzteile habe ich dann 15 laufend hinterher geliefert. Daß hier auch die mit uns sympathisierenden Beamten im dänischen Grenzdienst, wie Polizei, Zoll- und Grenzgendarmerie hilfreiche Hand boten, sei nur beiläufig erwähnt. Es bereitete auch ihnen eine Freude, wenn den Nazis wieder einmal ein Schnippchen geschlagen werden konnte. Bis zu meiner im Mai 1935 erfolgten Verhaftung habe ich laufend die illegale Beförderung von und nach Dänemark ausgeübt. Die illegale Arbeit, wie Schmuggel der verbotenen Schriften und Briefe, sowie Begleiten politischer Gesinnungsfreunde über die Grenze, bedeutete für mich die Fortsetzung einer traditionellen, verpflichtenden Tätigkeit, wie sie bereits mein Vater während der Zeit des Sozialistengesetzes in den Jahren 1878 bis 1890 auszuführen genötigt war, als es galt, den Schergen Bismarcks jeden nur möglichen Abbruch zu tun. Hier erinnere ich mich noch besonders seiner persönlichen Schilderungen, wie der Mitwirkung an der Arrangierung des Parteitages der deutschen Sozialisten in Kopenhagen, der dort am 29. März 1883 zusammentrat. Auch hier war es gelungen, sämtliche Delegierte ungehindert über die Grenze zu bringen, weil die Polizeispitzel nach der schweizer Grenze genarrt waren gungsort war inoffiziell eine Stadt in der Schweiz publiziert worden! - als Ta16 Nr. 014005 Ausgabestelle: Polizelpräsident Flensburg Dieser Abschnitt ist bei der Einreise nach Danemark abzugeben Deutsch- dänischer Ausflugsverkehr Nur für deutsche Reichsangehörige Deutsch- dänischer Ausflugsverkehr fuc. Galtig 3 Tage Ausingsschein Nr.014005 ( Vorname. Zuname, Graahe Dole dea Dreudens Derio nsaebu 8107 Dienststempel Sogenannter Groschenpass Nr. 014005 Deutsch- dänischer Ausflugsverkehr Dieser Abschnitt ist bei der Ausreise aas Danemark abzugeben. Ausgabestelle Polizeipräsident Flensburg nach Fle Während Fördedampfe Ausflüge na Orten Kollu häufigsten a die Sonne es der erste So auf dem We jenseitigen U des dänische Eine Notiz mich, In Be ließ sich nic eine große So war scho Gesprächsthe Anlegen des dem Radio fahren. 2 Lienau, Zwölf uns symie Polizei, i nur beiwenn den en konnte. e ich lauausgeübt, Schriften unde über r traditioein Vater n 1878 bis ergen Bisrerinnere lderungen, itages der 29. März tliche Dedie Polizei- als Tapubliziert 2. Kapitel .... um Dir zu danken mein lieber Ernst Röhm für die unvergeßlichen Dienste, die Du der nationalsozialistischen Bewegung und dem deutschen Volke geleistet hast und um Dir zu beweisen, wie ich dem Schicksal dankbar bin, einen solchen Mann wie Dich einen Freund und Mitkämpfer zu nennen. In herzlicher Freundschaft und dankbarer Ergebenheit Dein Adolf Hitler." ( Geburtstagsbrief, kurz bevor Hitler am 30.6. 1934 Röhm erschießen ließ). Hitlers Flucht nach Flensburg während der Röhm- Affäre Während des Sommers benutzen die Flensburger gern die Fördedampfer zu täglichen Erholungsfahrten und zählen die Ausflüge nach den idyllisch am dänischen Ufer liegenden Orten Kollund, Süderhaff, Gravenstein usw. mit zu den am häufigsten aufgesuchten Stätten, besonders an Sonntagen, wenn die Sonne es recht gut meint. Ein solch schöner Tag war auch der erste Sonntag im Juli 1934, der mich mit meiner Familie auf dem Weg zum Hafen sah, um das erste Schiff nach dem jenseitigen Ufer zu benutzen. Ich nahm die Sonntagsausgabe des dänischen ,, Flensborg Avis" mit, um sie an Bord zu lesen. Eine Notiz aus Berlin an erster Stelle im Blatt fesselte mich. In Berlin war irgend etwas Sensationelles passiert, doch ließ sich nicht ergründen, wie die Zusammenhänge waren. Da eine große Anzahl der Passagiere gleichfalls den ,, Avis" las, so war schon nach wenigen Minuten diese Notiz das alleinige Gesprächsthema an Bord, und alles wartete darauf, sofort nach Anlegen des Schiffes in Kollund aus dänischen Zeitungen und dem Radio Kalundborg- Kopenhagen weitere Nachrichten zu erfahren. 2 Lienau, Zwölf Jahre Nacht 17 Wir täuschten uns nicht schon an der Landungsbrücke in Kollund wurden Extrablätter ausgerufen und durch die Radiomeldungen erfuhren wir etwas Näheres über die Vorgänge in Berlin und München, die bald darauf unter der Bezeichnung ,, Röhm- Affäre" bekannt wurden. Bis zur Rückfahrt am Abend war man durch die dänischen Nachrichten über alles Vorgefallene völlig orientiert. Aus Sicherheitsgründen wurden die Zeitungen nicht mit nach Flensburg genommen, weil sie bei der Revision durch die Gestapo zum Verhängnis werden konnten. Die an einem Sonntag- Abend sonst so ruhigen Straßen waren jetzt auffallend belebt und zwar von Scharen der schwarzen Berliner SS, wie die Nummern der gleichfalls zahlreichen Autos, das Berliner IA auswiesen. Was hier vor sich ging, war immer noch nicht für die Flensburger ersichtlich. Erst am nächsten Vormittag konnte ich Näheres erfahren, was für mich sehr aufschlußreich war. er Ein in der Großen Straße( Stadtzentrum) wohnender Drogist J., im Nebenamt Blockwart der Nazis, erschien bei mir an der Tür und bat um eine vertrauliche Unterredung hatte mich für einen mit den Nazis sympathisierenden Nachbarn gehalten und ließ ich ihn näher treten. ,, Herr Lienau, ich habe eine ganz wichtige Aufgabe für die Partei", begann er einleitend ,,, ich komme zu Ihnen, weil ich bestimmt annehme, daß Sie mich auch unterstützen werden". Zunächst wünschte ich zu hören, was er mir denn so Geheimnisvolles anzuvertrauen hatte. ,, Ich habe für einen hohen Herrn der Regierung zwei Zimmer für einige Tage zu besorgen, und da möchte ich Sie bitten, Ihre beiden Zimmer zur Straße bereitzustellen. Die Herren haben im ,, Bahnhofshotel"( in nächster Nähe meiner Wohnung) eine vertrauliche Beratung, und daher sollen sie sämtlich in der Nähe privat untergebracht werden." Auf meine Frage, welchen Herrn man denn bei mir einzuquartieren gedächte, eröffnete mir der Biockwart, daß es sehr wichtig wäre, entweder den Führer, Minister Heß oder Minister Goebbels meiner Obhut anzuvertrauen. Da ich weder die Miene verzog oder die Farbe wechselte, noch sonst irgendwelche Anzeichen aufwies, die vielleicht auf Abweisung schließen konnten, so fuhr er fort: ,, Es darf nichts in der Stadt von dieser Tagung noch von der Anwesenheit dieser Herren bekannt werden; ich vertraue auf Ihre strengste Verschwiegenheit", die ich ihm auch zusicherte. ,, Wir nehmen an", fuhr der Herr Drogist fort ,,, daß der Führer doch noch vielleicht bei Herrn Prien( dem Besitzer des ,, Bahnhofs- Hotel"), einige Zimmer bekommt. So wären nur noch die Minister Heß und Goebbels unterzubringen. Am liebsten wäre mir, wenn Sie Goebbels nehmen würden, da ich bereits für seinen Chauffeur im Hause gegenüber beim Fruchthändler ein Zimmer bekam." Es lag nun bei mir, einen von diesen dreien auszusuchen, doch fand ich es für geraten, ihm zu sagen, daß wir bereits Fremdenbesuch hatten und noch weiteren Besuch für diese Tage erwarteten. Zudem hielten wir es im Hause so, daß ich meiner Frau die Regelung dieser Angelegenheiten überließ und 18 bat ihn, da mittag wiede Damit war Nachdem ic war, rief ic der Wohnun aufhielt und gedächte, M sich besuchs ab und ware macher wied zusetzen, we verzichten zu Der Qua und Tochter gründe ause hinaus war tenen vorzüg sagte Tagun im Hotel be ständigt und Freund M. und mit die fangsherrn, H seine Rolle männer ihn hüter hielte Hitler zur Anhänger h tiere und d Die Erm Anhänger r Ein Mo In Hitle und zittern wesen sei, Aus Gründe wären die N gekommen, so lange zu weilen muf Anhängern mand hätte nis, es wa Flucht) nac werden zu Natur erteil lichen Loka Ley Einer h er s gewohnheits des Hotels 28 angsbrücke die Radioorgänge in ezeichnung am Abend alles Vorwurden die eil sie bei is werden en Straßen er schwarzahlreichen sich ging, lich. Erst , was für ender Droen bei mir Hung- er den Nachufgabe für hnen, weil ützen werr denn so inen hohen besorgen, zur Straße "( in nächatung, und tergebracht ei mir einrt, daß es Heß oder ich weder nst irgendg schließen Stadt von en bekannt viegenheit", r der Herr bei Herrn Zimmer bed Goebbels e Goebbels r im Hause ." uszusuchen, wir bereits für diese so, daß ich berließ und bat ihn, da meine Frau nicht zu Hause sei, doch am Nachmittag wieder zu kommen, um mit ihr die Sache zu besprechen. Damit war der Blockwart einverstanden und empfahl sich. Nachdem ich SO einigermaßen wieder zu mir gekommen war, rief ich meine Frau, die sich in den hinteren Räumen der Wohnung und nicht, wie ich mich ausredete, außerhalb aufhielt und eröffnete ihr, wen man bei uns einzuquartieren gedächte. Meine Frau und noch energischer meine Tochter, die sich besuchsweise aus USA bei uns aufhielt, lehnten entschieden ab und waren auch bereit, am Nachmittag, falls der Quartiermacher wieder kommen sollte, ihm die Gründe auseinanderzusetzen, weshalb sie bedauerten, auf einen solch hohen Besuch verzichten zu müssen. Der Quartiermacher kam nicht wieder, so daß meine Frau und Tochter der Mühe enthoben waren, ihm ihre Absagungsgründe auseinanderzusetzen. Kaum, daß J. wieder zur Tür hinaus war, nahm ich Gelegenheit, auf Grund der erhaltenen vorzüglichen Informationen, auszuforschen, wann die besagte Tagung im ,, Bahnhofs- Hotel" vor sich gehen sollte. Ein im Hotel bestens bekannter alter Freund wurde von mir verständigt und sogleich wurde beraten, was nun zu tun sei. Mein Freund M. besorgte sich zunächst ein goldenes Parteiabzeichen und mit diesem versehen, mimte er am Saaleingang den Empfangsherrn, Platzanweiser, kurzum Faktotum für alles. Er spielte seine Rolle so geschickt, daß die gesamten Nazi- Regierungsmänner ihn für einen besonders ausgewählten vertrauten Saalhüter hielten. Es war ihm möglich, während der Rede, die Hitler zur Rechtfertigung seiner Morde an Röhm und seine Anhänger hielt, unauffällig im Raum zu bleiben, zwischen Portiere und der verschlossenen Tür stehend. Die Ermordung seines einstigen Freundes Röhm und dessen Anhänger rechtfertigte Hitler mit den Worten: Ein Mord ist ein Verbrechen Weltgeschichte! - tausend Morde sind In Hitlers nicht allzulangen Ausführungen kam in nervöser und zitternder Sprache zum Ausdruck, daß er gezwungen gewesen sei, das anzuordnen und zu tun, was nun geschehen war. Aus Gründen der Sicherheit der eigenen selbstverständlich wären die Mitglieder der Regierung und Partei nach Flensburg gekommen, um ungestört die Regierungsgeschäfte von hier aus so lange zu führen, bis die Revolte niedergeschlagen sei. Einstweilen mußte man noch abwarten, was im Reich von den Anhängern Röhms möglicherweise unternommen würde. Niemand hätte von seinem( Hitlers) Hiersein an der Grenze Kenntnis, es war bei Todesstrafe verboten, über die Reise( sprich: Flucht) nach Flensburg und deren Zweck irgend etwas lautbar werden zu lassen. Dann wurden noch Anweisungen privater Natur erteilt: Niemand durfte sich auf der Straße und in öffentlichen Lokalen sehen lassen. Einer hat sich ganz strikt an diesen ,, Befehl" gehalten: Ley er saẞ in einem stillen Winkel des Hotels und schwelgte gewohnheitsmäßig in Spirituosen, wie späterhin der Inhaber des Hotels vertraulich erzählte. Von Heß wurde bekannt, daß 2* 19 er den Flensburger Grog kennen lernen wollte und sich diesen in ,, Cafe Ehebruch", wie ein Lokal im Volksmunde hieß, in allen Sorten und Stärken reichen ließ. Die übrigen Komplizen Hitlers ließen sich in ihren Autos durch die Straßen fahren, jedenfalls, um für den Fall der Flucht hinreichend Ortskenntnisse zu sammeln. Die Fahrten dehnten sich bis zur Grenze nach Kupfermühle aus. Daß die gesamte Hitlermeute auf ihrer Flucht nach Flensburg Zivilkleidung trug, sei noch besonders hervorgehoben; denn in den der Öffentlichkeit bekannten Uniformen wären sie bald erkannt worden. Für die eventuelle Flucht Hitlers und seiner Korona ins Ausland waren noch weitere Vorkehrungen getroffen. In dem 10 km von Flensburg entfernt liegenden Ostseebad Glücksburg hatte an der Landungsbrücke vor dem Kurhaus eine seetüchtige Pinasse festgemacht, die ständig unter Dampf lag. Der Schiffsname war durch Planken und Persenninge verhängt, und von der Schiffsbesatzung war nichts zu erfahren über Name, Zweck und Ziel des Schiffes. Als nach zwei weiteren Tagen offenbar keine beunruhigenden Nachrichten aus Berlin, München und sonstigen ,, Gefahrenpunkten bei Hitler einliefen, war eines Morgens die gesamte Meute sang- und klanglos, wie sie gekommen, wieder nach Berlin zurückgefahren. Auch die Pinasse in Glücksburg war abgedampft; man ließ dort das Gerücht verbreiten, es hätte sich um ein Schmugglerschiff gehandelt. So ging der Hitlerspuk vorbei, ohne daß die Bevölkerung, ja selbst nicht einmal die Pgs davon erfuhren, welch ,, hoher" Besuch und aus welchem Grunde er sich in Flensburg aufgehalten hatte. " In der Wenige Tage nach dieser Tagung" in Flensburg berief Hitler seine Marionetten im sog. Reichstag zusammen und ließ das nur einen einzigen Paragraphen enthaltende Gesetz verkünden, in welchen die begangenen Massenmorde als zur Sicherheit des Reiches erforderlich, sanktioniert wurden. Chronik der Stadt Flensburg, des bereits zitierten Oberbürgermeister Kracht, findet sich auf Seite 76 folgendes: ,,.. So sah Flensburg im Juli 1934 die Reichs- und Gauleiter in seinen Mauern versammelt und konnte bei dieser Gelegenheit die Reichsminister Heß und Dr. Goebbels begrüßen." Daß Hitler mit seiner gesamten Gefolgschaft nach Flensburg geflüchtet war, weil er der eventl. Nachstellung der Röhmanhänger entgehen wollte, wurde schamhaft verschwiegen. an den Der nie Gemüter in man sich d zelheiten de formieren, konnte, Da die tägliche täglich die orten Krus stätten bei über die V wurde nac kanntenkrei Einige Ochseninsel listischen d gleichfalls der ,, Sozial anwesenden Diese A des SA- Man in welchem nierte Reich Hitler und gegeben wu SA- Man Göring gedi 20 20 und sich Wolksinunde Die übrigen die Straßen Lucht hinehnten sich amte Hitlerg trug, sei fentlichkeit en. Korona ins n. In dem Glücksburg seetüchtige Der Schiffst, und von me, Zweck eunruhigen,, Gefahrendie gesamte ieder nach sburg war , es hätte der Hitlericht einmal d aus weltte. burg berief en und ließ Gesetz verzur Sicherm. In der OberbürgerSo sah in seinen genheit die Daß Hitler geflüchtet hänger ent3. Kapitel Europa und die ganze Welt mag in flammen aufgehen, was fümmerts uns? Deutschland muß leben, um frei zu sein. Röhm( in seiner Autobiographie). Offener Brief an den Reichspräsidenten v. Hindenburg Der niedergeschlagene Röhmputsch hielt nach wie vor die Gemüter in Bewegung, und besonders im Grenzgebiet konnte man sich durch die ausländische Presse bestens über die Einzelheiten der Bewegung und deren Hintergründe eingehend informieren, was auch der Gestapo nicht unbekannt bleiben konnte. Da das Hinüberschmuggeln einzelner Zeitungen durch die täglichen Passanten nicht ratsam erschien, so sah man täglich die Massenwanderungen der Flensburger nach den Grenzorten Krusau, Kollund und Padborg, um dort in den Gaststätten bei einer Tasse Kaffee usw. die neuesten Nachrichten über die Vorgänge im Dritten Reich nachzulesen. Das Gelesene wurde nach der Rückkehr am Abend in Freundes- und Bekanntenkreisen weiterdiskutiert. Einige Wochen nach dem Röhmputsch fand auf der kleinen Ochseninsel in der Flensburger Förde ein Treffen der sozialistischen dänischen Jugend statt, an der auch ich teilnahm und gleichfalls zu den Versammelten sprach. Die neueste Ausgabe der ,, Sozialistischen Aktion" war eingetroffen und von den dort anwesenden Flensburger Gästen lebhaft besprochen worden. Diese Ausgabe enthielt einen Abdruck des offenen Briefes des SA- Mannes Kruse an den Reichspräsidenten v. Hindenburg, in welchem in sehr ausführlicher Weise der von Göring inszenierte Reichstagsbrand, sowie die Auseinandersetzungen zwischen Hitler und Röhm, kurz vor der Massenabschlachtung wiedergegeben wurden. SA- Mann Kruse gehörte der Zehn- Mann- Gruppe an, die von Göring gedungen war, den Reichstag in Brand zu stecken. Wäh21 rend neun dieser SA- Leute kurz nacheinander von der SS beseitigt, jedenfalls erschossen wurden, um die Zeugen gegen Göring aus dem Wege zu räumen, gelang es dem SA- Mann Kruse, der bei Röhm den Adjutanten machte, von Wiessee, wo Röhm erschossen wurde, unter Mitnahme des Tagebuches von Röhm in die Schweiz zu entkommen. Über den englischen Sender ist über diese Angelegenheit derzeit ausführlich berichtet worden. Einige dieser Exemplare dieses Kruse- Briefes gelangten auch nach Flensburg, wo sie vervielfältigt und an Vertraute weitergegeben wurden. Schon nach einigen Tagen ließ sich feststellen, daß die Zahl der Kruse- Briefe rapide gewachsen war; denn die vervielfältigten Kruse- Briefe gingen anonym an Freunde und Bekannte. Wohin ich auf meinen Geschäftsreisen kam, wurde von dem Kruse- Brief gesprochen. Die Gestapo entwickelte eine fieberhafte Tätigkeit, um Absender, Hersteller und Verbreiter zu ermitteln. Da erfahrungsgemäß die Gestapo selbst noch nie etwas ermittelt hatte, sondern nur auf die Mitarbeit von Denunzianten angewiesen war, so bediente sie sich auch in diesem Falle der Spitzel und Denunzianten. Als ich auf einer Geschäftsreise nach Lübeck im Herbst 1934 mit dem dortigen Vertreter unserer Firma Biovis- Werk G. m. b. H., deren Mitinhaber ich war, zusammenkam, konnte mir auch dieser Ficke war sein Name vom Kruse- Brief erzählen, und wir unterhielten uns darüber. Kurze Zeit darauf hatte ich eine Haussuchung nach der andern, die alle erfolglos verliefen. Sämtliche Schreibmaschinen der Firma wurden von der Gestapo und ihren Hilfskräften durchgesehen und die Typen mit der Schrift eines zufällig erwischten Kruse- Brief- Exemplars verglichen. Nichts konnte zu meiner Belastung gefunden werden. Der Denunziant Ficke, nebst Vater und Schwager versuchten es nun mit einem Erpressungsversuch bei mir, der mißglückte. Daraufhin gab Ficke sen. eidlich zu Protokoll, von mir ein Exemplar des Kruse- Briefes bekommen zu haben. Die Bemühungen der Gestapo, eines Exemplars der ,, Sozialistischen Aktion" habhaft zu werden, dürften vergebens gewesen sein. Auch in Freundeskreisen war es mir später nicht möglich, eine Abschrift dieses Krusebriefes zu bekommen. Erst kurz vor Drucklegung dieses Buches gelangte durch politische Freunde in Schweden nachstehender Auszug aus: ,, Sozialistische Aktion" von Anfang August 1934 in meine Hände: Ein Reichstagsbrandstifter meldet sich. SA- Mann Kruse, Nr. 134 522, vom Stabe Röhms, schreibt an Hindenburg. Ein SA- Mann Ernst Kruse, Nr. 134 522, hat von der Schweiz aus an Hindenburg einen Brief über den Reichstagsbrand geschrieben und zugleich der ,, Deutschen Freiheit" eine Abschrift gegeben. Dieser Kruse stellt sich als der letzte aktive Brandstifter vor. Er behauptet, im Besitz von Akten Röhms zu sein, die er der englischen Regierung zur Kenntnis und Veröffentlichung übergeben werde. A Ernst auch i des. wu mache, und w bike l vereinb ihn ni seinem kam u nicht dem S rückter wurde ihm w einstei Neben wir ab Saal a W Präsid wieder lange teiligt He Mann, bach, Ic mehr Febru Göring Hause fansad Zellul gesagt stimm binder auszu am an zum K der s Neben F troffe Mehl brenn D verab verspr Haft, gegen Ameri 22 22 er SS begen gegen SA- Mann Wiessee, agebuches englischen hberichtet ngten auch ute weitersich festhsen war; an Freunde isen kam, stapo entHersteller ie Gestapo uf die Mitte sie sich im Herbst iovis- Werk m, konnte Kruse- Brief nach der maschinen filfskräften es zufällig konnte zu ant Ficke, em ErpresFicke sen. use- Briefes der ,, Sovergebens päter nicht men, Erst politische zialistische s, schreibt at von der len Reichsschen Freillt sich als , im Besitz ischen Reübergeben ,, Am 10. Februar 1933 wurde von Röhm, Heines und Ernst eine Gruppe von zehn Mann ausgesucht, darunter auch ich, zu einer vertrauten Sitzung. Der Plan des Brandes. wurde genau besprochen und jeder gefragt, ob er mitmache, d. h. er wurde unter Eid gelegt, zu schweigen und weitere Befehle abzuwarten. Ein Mann namens Lobike lehnte ab; er könne es mit dem Gewissen nicht vereinbaren, das zu tun. Er wurde abgeführt, wir haben ihn nie mehr gesehen, er durfte doch nicht aussagen in seinem inneren Druck. Wir andern ahnten, wohin kam und schwiegen, wir wußten, daß wir sonst die Sonne nicht mehr scheinen sehen würden. Van der Lubbe war dem Stabschef Röhm hörig, und weil er ein ganz verrückter Streber war, und sich überall groß machen wollte, wurde er mitbestimmt, den Reichstag anzuzünden, d. h. ihm wurde nichts gesagt von uns, er sollte ganz allein einsteigen, mit Fackeln, die ihm geliefert wurden, die Nebenräume anzünden nach ganz bestimmter Vorschrift, wir aber sollten im genau gleichen Zeitpunkt den großen Saal anzünden mit Explosivbrandstoff. er Wir mußten zweimal nachts Übung halten und vom Präsidentenpalais aus durch den Kellergang hinstürmen und wieder forteilen. Ich will mich mit den Vorarbeiten nicht lange aufhalten, jetzt die Namen nennen, die direkt beteiligt waren: Heines, Ernst als Führer, jeder eine Gruppe von fünf Mann, dann Brähm, Stettmann, Nagel, Sirop, Kummelsbach, Dieriger, Bratschke, Lehmann, Schmitz und Kruse. Ich kann heute die genaue Zeit auf die Minute nicht mehr nennen, als der Befehl kam, in der Nacht des 27. Februar, als wir im Keller des Präsidentenpalais von Göring versammelt waren, daß van der Lubbe bereits am Hause angekommen sei. Jeder von uns hatte einen Zellofansack mit einem leichten Pulver darin und eine Rolle Zelluloidstreifen. Was für Pulver, das wurde uns nicht gesagt. Wir hatten jeder Befehl, die Säcke an ganz bestimmten Orten aufzustellen, mit den Streifen zu verbinden und den Streifen gegen den Ausgang des Kellers auszuziehen. Dort standen Ernst an einem Streifenbündel, am anderen Heines und als wir uns zurückgezogen hatten zum Kellereingang, zündeten diese auf einen Befehl Röhms, der sich inzwischen überzeugte, daß van der Lubbe im Nebensaal herumsprang, die Streifen an. Feuerschlangen nach allen Seiten, wo der Sack getroffen wurde, ein dumpfer Ton und wie brennendes Mehl war die Luft voll und sofort war alles in einen brennenden Dunst eingehüllt. Wir flohen sofort. Das Werk war getan. Van der Lubbe wurde, wie verabredet, getroffen, das sollte ja so sein, man hatte ihm versprochen, daß er nach der vielleicht ziemlich langen Haft, die man eben nicht vermeiden könne, dem Volke gegenüber, ihn wohl verurteilen werde, aber man werde ihn dann heimlich entlassen und mit viel Geld nach Amerika spedieren, wo er es gut haben könne. Ein reicher 23 Mann, da könne man schon mal ein paar Monate sitzen, besonders wenn man es ihm so bequem als möglich mache. Was diese Leute gehalten haben? Mich schaudert, wenn ich daran denke, mich schaudert aber auch, wenn ich daran denke, daß meine Kameraden, denen unter Todesdrohung die Tat abverlangt wurde, alle nach und nach verschwanden, der eine früher, der andere später. Nur Röhm, Heines, Ernst und Nagel waren neben mir noch am Leben in letzter Zeit. Nagel ist aber auch am 30. Juni mit Heines erschossen worden." Trotzdem der Brief Kruses in zahlreichen angesehenen Blättern des Auslandes veröffentlicht worden ist, wagen Hitler, Göring und Goebbels nicht, zu dementieren. Das dürfte ihnen auch schwer fallen. Denn gerade in den Punkten, an denen das Reichsgericht absichtlich vorbeigegangen ist, und die Schuld der Nazis an der Brandstiftung vermuten ließen, gibt die Darstellung des SA- Mannes Kruse absolut schlüssige und plausible Beweise. Wer schweigt, klagt sich an. es Das Hanseatische Sondergericht erhob gegen mich Anklage wegen Vergehen gegen das Heimtückegesetz. Vor dem Haupttermin fand noch eine Vernehmung des Ficke sen. vor dem Amtsgericht in Schwartau statt, wo er die gemachte Aussage widerrief. Der mir zugewiesene Verteidiger Dr. Reuß aus Hamburg ließ diese Aussage beeiden und erklärte darauf, daß Ficke bestimmt einen Meineid geleistet habe. In der Hauptverhandlung am 15. Mai 1935 schwor Ficke sen, entgegen seiner letzten Aussage, daß er von mir ein Exemplar des Kruse- Briefes bekommen habe. Das bei den Akten liegende Exemplar war, wie der Richter erklärte, anderweitig beschafft worden. Trotz des von Ficke sen. geleisteten und erwiesenen Meineides wurde ich im Gerichtssaal verhaftet. Nach vier Verhandlungstagen, auf welchen mein Verteidiger sich mit Überzeugung für meinen Freispruch einsetzte und auf eine Rechtsbeugung hinwies was ihm die Ankündigung der Entziehung des Mandats einbrachte, wurde ich am 14. Juni 1935 vom Hanseatischen Sondergericht in Hamburg, Vorsitzender von Bargen, zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Wegen hartnäckigen Leugbesonders betont wurde die Untersuchungshaft nicht nens - angerechnet. - Dem letzten Verhandlungstag voraus gingen noch einige Vernehmungen durch den Staatsanwalt Jauch, einem sehr üblen Gesellen, wie auch aus weiteren politischen Prozessen bekannt wurde. Er wollte Geständnisse erpressen und drohte, wenn ich nicht so aussagte, wie es dem Gericht behage, würde er mir den Kopf vor die Füße legen. Bei der letzten. Vernehmung ich hatte die Nacht zuvor im Keller zubringen müssen als Zellennachbar des am nächsten Morgen hingerichteten Kommunisten Fiete Schulze sagte Jauch: ,, Ich habe Sie während der Nacht die letzten Stunden neben dem hingerichteten Kommunisten Schulze verbringen lassen. Bekennen Sie jetzt, das Leugnen ist zu Ende, das Spiel ist aus, wenn Sie jetzt 24 nicht eingest zu haben, s Schulze sich Da ich daß nieman bezichtigen, abgeführt, sich die glei wie vorher. nach Fuhlsh in der Stra Unterbringun doch zum w vorhanden. Kosegarten Mann, Augu Meine B daß ich in lungen Einh haus zu tu gebessert w litischen we ren, Wer in bereits einer sahen die gegen, denn den Schutz Angehöriger men wollte faßte den I führen, Da ich hatte, so n fängnisstraf zentrationsl nicht los, u Gestapo ent warf schon 80% und sloffmangel und schliel neue Rohst deren Staa durch die Der Ta vor ließ n eröffnete n Gestapo er auf Anfrag mich wirk zwei Jahre Man hatte Gefängnisd Abend, we ate sitzen, möglich schaudert, ch, wenn men unter nach und re später. neben mir auch am gesehenen wagen es Das dürfte nkten, an ist, und en ließen, schlüssige h Anklage em Hauptvor dem e Aussage aus Hamdaß Ficke ptverhandner letzten Briefes beplar war, n. enen MeinVerhandDerzeugung atsbeugung des Manom Hansen Bargen, igen Leugshaft nicht och einige sehr üblen en bekannt - wenn ich de er mir ehmung müssen als eten KomSie wähgerichteten Sie jetzt, Sie jetzt nicht eingestehen, diese Pamphlete vervielfältigt und verbreitet zu haben, so wissen Sie, daß Ihnen das Schicksal des Fiete Schulze sicher ist." er zu Da ich nichts einzugestehen hatte, sondern darauf bestand, daß niemand mich zwingen könne, mich einer Tat bezichtigen, die ich nicht begangen habe, wurde ich wieder abgeführt. Am Tage vor der Schlußverhandlung wiederholte sich die gleiche Szene mit demselben negativen Erfolg für Jauch wie vorher. Einige Tage nach der Verhandlung wurde ich nach Fuhlsbüttel überführt; im September 1935 landete ich in der Strafanstalt Lübeck- Lauerhof. Dort war Beköstigung, Unterbringung und Behandlung nicht zu bemängeln, war dort doch zum weitaus größten Teil noch das alte Gefängnispersonal vorhanden. Nur ein Nazi- Oberwachtmeister mit Namen August Kosegarten kam inzwischen hinzu; harmloser war ein Mann, August hieß er, und als August wurde er auch gewertet. Meine Beschäftigung auf der Kammer brachte es mit sich, daß ich in viele Zweige der Verwaltung und anderer Abteilungen Einblick bekam. Ich hatte auch in dem Frauenzuchthaus zu tun, wo die gesamte Wäsche gewaschen und ausgebessert wurde und nahm die Gelegenheit wahr, mit den politischen weiblichen Gefangenen kurze Besprechungen zu führen. Wer im Gefängnis zur Entlassung kam, wurde der Kammer bereits einen Monat vorher mitgeteilt. Mit gemischten Gefühlen sahen die politischen Gefangenen ihrem Entlassungstag entgegen, denn er brachte für viele nicht die Entlassung, sondern Wenn die den Schutzhaftbefehl für das Konzentrationslager. Angehörigen ihr entlassenes Familienmitglied in Empfang nehmen wollten, so trat der Gestapomann brutal dazwischen und faẞte den Entlassenen, um ihn dem Konzentrationslager zuzuführen. Da ich zwei Jahre Gefängnis als Strafe zudiktiert erhalten hatte, so mußte ich damit rechnen, bei Beendigung der Gefängnisstrafe gleichfalls mit einem Schutzhaftbefehl ins Konzentrationslager befördert zu werden. Dieser Gedanke ließ mich nicht los, und so erwog ich, wie ich mich im Eventuellfall der Gestapo entziehen konnte. Es war 1936- der kommende Krieg warf schon seine Schatten voraus: Rationierung der Butter auf vom Roh80% und dergleichen mehr. Bald darauf las man stoffmangel auf diesem und jenem Gebiet; man las von Autarkie und schließlich von Görings Vierjahresplan. Neue Werkstoffe, neue Rohstoffe wurden gesucht, um das Dritte Reich von anderen Staaten unabhängig zu machen. Alles das erfuhr ich durch die Zeitungen schon während meiner Gefängnishaft. Der Tag meiner Entlassung rückte heran. Einige Tage zuvor ließ mich der Direktor Leonhardt zu sich kommen und eröffnete mir, daß ich wirklich entlassen und nicht von der Gestapo erneut verhaftet würde. Meiner Frau habe er bereits auf Anfrage die Stunde meiner Entlassung mitgeteilt; sie konnte mich wirklich am Entlassungstage in Empfang nehmen. Nach zwei Jahren und einem Monat sah ich die Freiheit wieder. Man hatte mir von seiten der Nazis nichts geschenkt, nur der Gefängnisdirektor entließ mich schon am Vormittag, statt am Abend, weil dieses in seiner Macht stand. 25 25 4. Kapitel Zu viel fett fördert den dicken Wanst. Ich selber esse weniger Butter und habe schon zwanzig Pfund an Gewicht abgenommen. Göring. Eintrittskarte die bestimm kommen, op verkauf wied Als ich end Amtes erreic Tasche, für Wiederverlas gekaufte Ein verkauf, Ma Nepperei. Das Vor habern von ten, daß hie gramm, wel verhältnismä Vorzimmer Sterblichen; der Tür des schlag begri rechte oder Vierjahresplan- Rummel Wie bereits im Vorkapitel ausgeführt, sollte der Vierjahresplan schnellstens Wirklichkeit werden. Hermann Göring wollte das Dritte Reich autark machen. Zuerst erfuhren wir im Gefängnis etwas Näheres über seinen Plan und die Planwirtschaft durch die Gefängniszeitung Der Leuchtturm" oder„ Knastzeitung", wie der im Bau übliche Name für dieses Blatt war. Jeder wurde aufgefordert, mitzuwirken, um aus allen möglichen und unmöglichen Sachen, die bisher ungenutzt und unbeachtet umherlagen, neue Produkte herzustellen. Es war ein Anreiz für sogenannte Erfinder und solche Zeitgenossen, die es werden wollten. War es bisher gelungen, vom Knüppelholz über die Zellwolle zu Anzügen und Kleidern zu kommen, so lag es nahe, auch weitere Rohstoffe durch einen Veredelungsprozeß in Gebrauchsgegenstände zu verwandeln, die sich niemand träumen ließ. Der Rohstoff, mit dem ich aufzuwarten hatte, war uralt, nur in Deutschland so gut wie ungenutzt; es waren Meeresalgen, ein Rohstoff, den ich als Expert seit Jahrzehnten hinsichtlich seiner industriellen Auswertung bestens kannte und darüber auch mit entsprechenden Unterlagen aufwarten konnte. Ein Lübecker Kaufmann, der gleichfalls als politischer Gesinnungsfreund mit mir den Aufenthalt im Gefängnis teilte und kurz vor mir entlassen wurde, ebnete mir den Weg zu dem Sitz des Vierjahresplanamtes in Berlin, wozu er Beziehungen hatte. ein TeIn wenigen Tagen war der Kontakt hergestellt legramm berief mich nach Berlin, und an einem der ersten Oktobertage 1937 betrat ich die geheiligten Hallen des Vierjahresplanamtes, welches in dem Gebäude Behrensstraße 68/70 untergebracht war. Am Eingang saß ein SS- Mann, der sich die Ausweise vorzeigen ließ und die Besucher registrierte; nebenbei oder vielleicht auch hauptamtlich drängte er jedem Eintretenden 26 Diesem Her sich schon Herr nicht war auch el durch eine Facharbeiter byrinths vo Dieser H empfing mi einleitend, Experten in völlig frem diese Mate waffen- Offiz verstand un sich etwas zum Halskr noch weiter die sehr au stellten, die Sachbearbei Das gesam schließlich derer Betät ihnen völli eigentlichen Als ich kommen de und die no reich schild noch intere dicken Wanst. r Butter und fund an GeGöring. Vierjahresring wollte vir im Gemwirtschaft er ,, KnastBlatt war. allen mögzt und unEs war ein sen, die es elholz über so lag es ungsprozeß mand träuwar uralt, eeresalgen, hinsichtnd darüber nnte. Ein Gesinnungsd kurz vor z des Vier2. - ein Teder ersten Vierjahres8/70 untersich die ; nebenbei intretenden Eintrittskarten für alle erdenklichen Naziveranstaltungen auf, die bestimmt niemand besuchte. Um schneller vorwärts zu kommen, opferte ich einige Mark. Diese Kontrollen mit Kartenverkauf wiederholten sich an jeder Treppe und in jedem Winkel. Als ich endlich die Türklinke des Vorzimmers zum Chef des Amtes erreicht hatte, zählte ich sieben Eintrittskarten in meiner Tasche, für die ich etwa 20 Mark verausgabt hatte. Wiederverlassen des Hauses gab ich jedem ,, SS- Nepper" die gekaufte Eintrittskarte gratis zurück zum alsbaldigen Wiederverkauf. Man entging dadurch einer abermaligen Kontrolle und Nepperei. Beim Das Vorzimmer wimmelte von Rohstoff- Erfindern bzw. Inhabern von guten Ideen und überhaupt von Leuten, die witterten, daß hier der Stein der Weisen zu entdecken sei. Das Telegramm, welches mir schon durch das Treppenhaus die Wege verhältnismäßig schnell freimachte, verschaffte mir auch im Vorzimmer den Vorrang vor allen anderen gewöhnlichen Sterblichen; im nächsten nächsten Augenblick stand ich schon in der Tür des großen Empfangsraums, von dem Chef durch Handschlag begrüßt. Es war nicht Hermann Göring, sondern seine rechte oder linke Hand und stellte sich mir vor: Oberst v. Loeb. Diesem Herrn v. Loeb trug ich nun meinen Plan vor, wobei sich schon nach wenigen Minuten feststellen ließ, daß der hohe Herr nicht mit Sach- und Fachkenntnissen belastet war. Er war auch ehrlich genug, es mir zu sagen und ließ mich darum durch einen herangetippten Boten zu dem entsprechenden Facharbeiter führen, den ich nach Durchwandern eines Labyrinths von Gängen erreichte. Dieser Fach- und Sachbearbeiter, ein Offizier der Luftwaffe, empfing mich gleichfalls sehr zuvorkommend und sagte mir einleitend, daß er sich sehr freue und geehrt fühle, von einem Experten in eine Materie eingeführt zu werden, die ihm bisher völlig fremd sei. Wäre er Marine- Offizier, dann wäre ihm diese Materie sicher bekannt und vertraut, aber als Luftwaffen- Offizier..., na, ich könnte wohl verstehen... Ich verstand und hielt ihm einen einstündigen Vortrag, damit er sich etwas von dem aneignen konnte, womit er eigentlich bis zum Halskragen voll geladen sein sollte. Inzwischen hatten sich noch weitere Luftwaffen- Offiziere in dem Zimmer eingefunden, die sehr aufmerksam zuhörten und zwischendurch auch Fragen stellten, die samt und sonders verrieten, daß nicht ein einziger Sachbearbeiter war, weder auf diesem noch auf jenem Gebiet. Das gesamte Personal des Vierjahresplan- Amtes bestand ausschließlich aus Offizieren der Luftwaffe, die sich mangels anderer Betätigung mit Dingen zu beschäftigen hatten, welche ihnen völlig fremd waren und auch ganz außerhalb ihres eigentlichen militärischen Wirkungsfeldes lagen. Als ich im Verlauf meiner Ausführungen auf das Vorkommen der zu verwendenden Meeresalgen zu sprechen kam und die norwegische und isländische Küste als äußerst algenreich schilderte, wurden die Offiziere recht aufmerksam, und noch interessierter wurden sie, als ich ihnen sagen konnte, daß 27 mir die Küsten bekannt seien. Man versprach mir, mein Vorhaben in jeder Weise zu fördern, und sie baten darum, das Amt durch entsprechende Berichte auf dem Laufenden zu halten und ihnen Berichte zu geben, mündlich wie auch schriftlich. Um nicht mit leeren Händen nach Hause zu kommen, ließ ich mir ein Schreiben ausfertigen, in welchem bestätigt wurde, welche Mission ich für das Vierjahresplan- Amt auszuführen hatte. Dieses Schreiben hielt ich, wieder in Flensburg angekommen, der Gestapo unter die Nase, die mir vor einigen Wochen den Paẞ abgenommen und mir in Aussicht gestellt hatte, mich ins KZ zu bringen, wenn ich mich irgendwie staatsfeindlich betätigen würde. Nun konnten sie schwarz auf weiß lesen, daß mir eine staatspolitisch wertvolle Position übertragen war und somit hatte ich auf längere Zeit Ruhe. Zwar stellte ich fest, daß meine recht lebhafte Korrespondenz mit dem Amt in Berlin sehr häufig geöffnet war, jedoch konnte mir durch diese Kontrolle nur bestätigt werden, daß ich keinerlei illegale Tätigkeit ausübte. Als ich nach Berlin berichtete, daß ich für eine Reise ins Ausland Devisen und zudem einen neuen Paẞ brauchte, erhielt ich umgehend untenstehendes Schreiben: Ministerpräsident Generaloberst Göring Beauftragter für den Vierjahresplan Amt für deutsche Roh- und Werkstoffe Berlin W 8, 27. Januar 1938. Behrenstr. 68/70 Fernsprecher: 1200 48 Tgb.-Nr. 6818/38 Abt. III Dr. Bdt/ Eis. Bei Rückfragen unbedingt anzugeben Bezug: Ihr Schreiben vom 30. 1. 1938 Betr. Vithormin, Kraftfuttermittel Herrn Heinrich Lienau Flensburg Ihrem Wunsche um Förderung Ihres Vorhabens, Trocknungsanlagen im Ausland zu besichtigen und größere Meeresalgenvorkommen zu erkunden, wurde gemäß anliegend beigefügtem Schreiben an den Herrn Oberfinanzpräsidenten in Kiel entsprochen. Eine besondere Anweisung an das Polizeipräsidium betreffend Ausfertigung eines Reisepasses wird amtlicherseits nicht für notwendig gehalten. Eine Anlage Im Auftrage ( gez.) Beschmidt Während die Korrespondenz mit dem Amt für den Vierjahresplan auf hohen Touren lief, hatte ich inzwischen die schriftlichen Beziehungen nach Dänemark und Island aufgenommen, da ich wußte, daß sich in Island eine Gesellschaft unter staatlicher Mitwirkung gebildet hatte, welche die Auswertung der Meeresalgen betreiben wollte. Ich führte zunächst briefliche Verhandlungen mit dem isländischen Gesandten Sveinn 28 Björnsson( d penhagen. In dorthin. Diese Re denn die Ge Kriegsgefahr lain und Dal war durch worden, daß litische Gegn Da ich mich für geraten, Dritten Reich An jenen chen die En wanderte ich die Grenze. ordentlich st das ruhige Kupfermühle sich ging, v borg das Ma burg über H Expreßwager Gepäck brac Schon a diesmal der Nach der B der Regelung erforderlich wieder verla der Gestapo für den Übe bei einem il jener Nacht, gespickt wa ich kam un nämlich sto Die pol händigte mi mich bered Deutschland Dampfer, I die Leitung nehmen. Nach mit den do auf, deren Deutschen schlagen, di javik wohn nung, und denen sich Ankunft ver mein Vor, das Amt malten und lich, Um B ich mir e, welche hatte, urg angeor einigen at gestellt vie staatsauf weiß ibertragen var stellte dem Amt mir durch ei illegale Reise ins te, erhielt ar 1938. ns, Trockdgrößere emäß anberfinanzidium beamtlicherdt den Vierschen die nd aufgeesellschaft die Auszunächst en Sveinn J Björnsson( dem jetzigen isländischen Staatspräsidenten) in Kopenhagen. Im September fuhr ich zur persönlichen Verhandlung dorthin. Diese Reise war mit mancherlei Hindernissen verbunden, denn die Gestapo hatte mir inzwischen wegen der drohenden Kriegsgefahr( Zusammenkunft von Hitler, Mussolini, Chamberlain und Daladier in München) meinen Paẞ abgenommen. Mir war durch die schwedische Gewerkschaftspresse bekannt geworden, daß Hitler bei Ausbruch eines Krieges etwa 40 000 politische Gegner ins Konzentrationslager bringen lassen würde. Da ich mich zu diesen 40 000 zählen mußte, so hielt ich es für geraten, die kommenden Tage jenseits der Grenzsteine des Dritten Reiches zu verbringen und das Weitere abzuwarten. An jenem Tage dem 28. September 1938 da in München die Entscheidung über Krieg und Frieden fallen sollte, wanderte ich im hellen Sonnenlicht paß- und sorgenlos über die Grenze. Der Verkehr war in den Vormittagsstunden außerordentlich stark, insbesondere waren es Ausländer, welche in das ruhige Dänemark strebten. Während an der Grenze bei Kupfermühle die Massenflucht in Autos und Omnibussen vor sich ging, vollzog sich auf dem dänischen Grenzbahnhof Padborg das Masseneinströmen der Reisenden mit dem von Hamburg über Flensburg eintreffenden D- Zug, der auch noch die Expreßwagen von Paris mitführte. Meine Frau, die mir mein Gepäck brachte, benutzte gleichfalls diesen Zug. Schon auf der Fahrt nach Kopenhagen erfuhr ich, daß diesmal der Kelch, d. h. der Krieg an uns vorübergegangen sei. Nach der Besprechung mit dem isländischen Gesandten und der Regelung weiterer Dinge, welche für die Reise nach Island erforderlich waren, mußte ich nach vierzehn Tagen das Land wieder verlassen. Um beim Zurückkehren nicht in die Hände der Gestapo an der Grenze zu geraten, wählte ich die Nacht für den Übergang über die ,, grüne Grenze". Selten habe ich bei einem illegalen Grenzübertritt soviel Blut geschwitzt als in jener Nacht, wo die Grenze deutscherseits förmlich mit Spitzeln gespickt war. Meinen Durchschlupf kannten sie nicht, denn ich kam ungehindert durch alle Fährnisse hindurch, es war nämlich stockfinstere Nacht und Nebel obendrein. Die politische Lage hatte sich inzwischen geklärt, und sc händigte mir die Polizeibehörde wieder meinen Paß aus, der mich berechtigte, zunächst für einige Monate außerhalb Deutschlands Aufenthalt zu nehmen. Mit dem isländischen Dampfer ,, Dettifoss" reiste ich Anfang 1939 nach Island, um die Leitung der dortigen neugegründeten Gesellschaft zu übernehmen. veranNach meiner Ankunft nahm ich persönliche Fühlung mit den dort als Emigranten weilenden politischen Freunden auf, deren Zahl sich auf etwa fünfzig belief. Die Zahl der Deutschen überhaupt war auf etwa über hundert zu schlagen, die zum weitaus größten Teil in der Hauptstadt Reykjavik wohnten. Ich nahm in einem isländischen Hause Wohnung, und mied die mir nicht bekannten Deutschen, unter denen sich auch Nazispitzel befanden, wie mir schon bei meiner Ankunft vertrauensvoll gesagt wurde. 29 29 5. Kapitel Ich bin menschenfreundlich, daran gibt's nichts zu tippen; ich bin wirflich menschenfreundlich. Ich will lieber ein paarmal zu kurz oder zu lang schießen, aber schießen werde ich auf jeden Fall. Görings Fiasko auf Island Göring. In den letzten Tagen des März 1939 wurde in Reykjavik bekannt, daß mit der ,, Dronning Alexandrine" eine RegierungsAbordnung aus Berlin eintreffen würde, welche mit der isländischen Regierung wegen Überlassung eines Stützpunktes für die Lufthansa zu verhandeln gedächte. In der Reykjaviker Tagespresse wurden sofort Stimmen laut, welche der isländischen Regierung nahe legten, dem Ansinnen nicht stattzugeben. Als die Abordnung zumeist aus Vertretern der Luftwaffe und des Außenministeriums bestehend- bald nach der Landung im Regierungsgebäude in Reykjavik vorsprach, wurde ihnen der lakonische Bescheid zuteil, daß die isländische Regierung es ablehnen müsse, irgend einer ausländischen Gesellschaft einen Flugzeug- Stützpunkt zu überlassen. Etwa vier bis fünf der soeben eingetroffenen Herren reisten daraufhin sofort wieder ab. Am darauffolgenden Nachmittag wurde ich vom deutschen Konsul Dr. Timmermann angerufen und zu einer kleinen Abendgesellschaft ins Konsulat eingeladen. Ich sagte zu und als ich gegen acht Uhr das Empfangszimmer des Konsuls betrat, wurden mir drei Herren vorgestellt: Dr. Best vom Außenministerium, sowie die beiden Meteorologen Dr. Junge und Merz. Dieser Vertreter des Außenministeriums, Dr. Best, war neben Dr. Bovensipen, Panke und v. Hanneken, einige Jahre später Mitangeklagter im sogenannten Kleinen Nürnberg- Prozeß, der am 16. 6. 1948 in Kopenhagen begann. Trotz anregender Getränke und sonstiger Genüsse wollte keine rege Unterhaltung in Fluß kommen, was an der Verstimmung von Dr. Best lag, der es nicht verwinden konnte, daß die hohen Herren aus Berlin unverrichteter Sache wieder abreisen mußten. In vorwurfsvollen Worten machte er Dr. Timmermann dafür verantwortlich, daß er es nicht habe durchsetzen können, für ein Unternehmen des Großdeutschen Reiches 30 einen Flugzeu darauf hin, das Bestimmu daß diese Al wohl unanger Auf Dr. keinen großer und Anekdote folgsmänner anlaßte, ihm Vorrat an Na Unterhaltung Sprache, der Wikingern ab auf isländisch erbringen. Wir verf sagen, wenn ein Klumpful gefunden wü als teilweise rischen Überf dem eine vert schreitungen eine Verwan Glossen, bra eine Zimmer zu finden. Als bei e suls Dr. Bes Reihe fand diesen Dichte des Dr. Best thos des 20. Es war also Norden einm man seit der belassen hatt Daß Dr. wurmte, läß daß Görings für die Isla sichern, Er ches hauptsa Göring hier worfen hatte auch in Isl Welt Lohn is Mit dem das ungnädig dort ihres Tagen erhiel er mußte sic ndlich, daran ich bin wirkIch will kurz oder zu hießen werde Göring. Reykjavik Regierungsder isläntes für die ker Tagessländischen geben. Als waffe und r Landung urde ihnen Regierung chaft einen = fünf der wieder ab. deutschen nen Abendund als ich etrat, wurBenministeund Merz. war neben hre später rozeß, der isse wollte der Veronnte, daß wieder abr Dr. Timabe durchhen Reiches einen Flugzeugstützpunkt zu erzwingen. Dr. Timmermann wies darauf hin, daß hier ausschließlich die isländische Regierung das Bestimmungsrecht habe. Darauf ließ Dr. Best durchblicken, daß diese Ablehnung des deutschen Ersuchens ihm( Dr. T.) wohl unangenehm zu stehen kommen könne. Auf Dr. Timmermann machte diese versteckte Drohung keinen großen Eindruck, im Gegenteil, er erging sich in Witzen und Anekdoten über Hitler, Goebbels, Göring und weitere Gefolgsmänner der Regierung und der Nazipartei, was mich veranlaßte, ihm beizupflichten und auch meinen nicht geringen Vorrat an Naziwitzen zum Besten zu geben. Im Verlaufe der Unterhaltung kam auch eine deutsche Zeitungsmeldung zur Sprache, derzufolge Himmler behauptete, daß die SS von den Wikingern abstamme und er beabsichtige, durch Ausgrabungen auf isländischen Grabstätten den Nachweis für seine These zu erbringen. Wir verfehlten nicht, Dr. Best zu sekundieren und ihm zu sagen, wenn etwa ein Schädel mit einem Goebbelskiefer, oder ein Klumpfuß und ein weiterer Schädel mit kleiner Stirnhöhle gefunden würde, der Nachweis der Abstammung doch schon als teilweise erbracht angesehen werden könne. Die räuberischen Überfälle der Wikinger auf friedliche Völker hätten zudem eine verteufelte Ähnlichkeit mit den Plünderungen und Ausschreitungen der SS, so daß man wohl auch hieraus auf irgendeine Verwandtschaft schließen könne. Verärgert über diese Glossen, brach Dr. Best die Unterhaltung ab und stierte in eine Zimmerecke, um vielleicht einen anderen Gesprächsstoff zu finden. Als bei einem flüchtigen Blick auf die Bibliothek des Konsuls Dr. Best die Werke Heinrich Heines in der vordersten Reihe fand und von Dr. Timmermann hören mußte, daß er diesen Dichter besonders hoch schätze, da war es mit der Ruhe des Dr. Best vorbei. Nicht einmal ,, Mein Kampf" und der ,, Mythos des 20. Jahrhunderts" fand sich im Besitz des Konsuls. Es war also die höchste Zeit, daß Dr. Best sich hier im Norden einmal nach dem weltvergessenen Vertreter umsah, den man seit der ,, verfl... Systemzeit" noch auf diesem Posten belassen hatte. Daß Dr. Best die Ablehnung des Stützpunktes besonders wurmte, läßt sich am besten verstehen, wenn man erfährt, daß Göring schon im Vorjahre, also 1938, mit einem Geschenk für die Isländer aufwartete, um sich deren Sympathien zu sichern. Er schenkte ihnen nämlich ein Wasserflugzeug, welches hauptsächlich die Strecke Reykjavik- Akureyri beflog. Daß Göring hier vergebens mit der Wurst nach dem Schinken geworfen hatte, mußte auch Dr. Best nahe gehen. Er fand also auch in Island das Sprichwort bestätigt, daß Undank der Welt Lohn ist. Mit dem nächsten Dampfer verließ darum auch Dr. Best das ungnädige Land; nur die beiden Meteorologen blieben, um dort ihres Amtes als Wetterfrösche zu walten. Nach wenig Tagen erhielt Dr. Timmermann seine Abberufung als Konsul, er mußte sich in Berlin melden. Ich habe später nichts mehr 31 von ihm gehört. Das Konsulat war verwaist und die Geschäfte wurden einstweilen vom Konsulatssekretär Haubold wahrgenommen. Doch schon nach wenigen Tagen ging das Gerücht um, daß ein neuer diplomatischer Vertreter kommen sollte, und zwar würde das Konsulat in ein General- Konsulat umgewandelt. Großbritannien, Dänemark, Schweden, Norwegen unterhielten auf Island Generalkonsulate, auch Frankreich beabsichtigte sein Konsulat in ein Generalkonsulat umzuwandeln; da konnte Hitler mit seinem ,, Großdeutschen Reich" keineswegs zurückstehen, zumal er schon Österreich geschluckt hatte. Zwar hatte er Kummer mit dem österreichischen Konsul auf Island, weil dieser ,, Adolf" nicht als seinen Gebieter ansah und auch aus diesem Grunde weder die Akten noch Dokumente hergab, sondern ihm sagen ließ, er möge sich das Archiv selbst holen. Endlich vernahm man auch den Namen des deutschen Generalkonsuls, der alsbald erscheinen sollte; es war ein Professor Gerlach aus Jena. Nach einigem Rätselraten wurde ermittelt, daß der Professor Gerlach ein Intimus von Wilhelm Gustloff in der Schweiz gewesen sei. Nach dem dort erfolgten gewaltsamen Tod Gustloffs hatte die Schweiz den Professor Gerlach abgeschoben und nun sollte er als Generalkonsul die Belange des Hitlerreiches in Island wahrnehmen. Am 16. April langte der neue Diplomat nebst Frau, zwei Töchtern und einem weiblichen dienstbaren Geist in Reykjavik an. Man konnte ihnen die Seereise ansehen, denn die ,, Dronning Alexandrine" mußte schwer Schlagseite gehabt haben. Vielleicht hatten Professor Gerlach auch die erneut auftauchenden dunklen Wolken am politischen Himmel stark beeindruckt, denn es sah wieder einmal sehr nach kriegerischen Verwicklungen aus, wie den Nachrichten des Senders Reykjavik zu entnehmen war. Nach Überreichung seines Beglaubigungsschreibens bei der isländischen Regierung stürzte sich der Generalkonsul sofort in die Arbeit, Arrangierung der Feier von Hitlers Geburtstag am 20. April. Die Feier mußte um einen Tag vorverlegt werden, um nicht mit dem isländischen ,, Sumarid- Daginn", dem Sommeranfang in Island zu kollidieren. Obwohl der Generalkonsul mich persönlich einlud, bedauerte ich, wichtiger geschäftlicher Besprechungen wegen, ablehnen zu müssen. Mein Bedarf an Nazi- Tamtam war mehr als reichlich gedeckt, zudem hatte ich die Prise vom ,, Heldengedenktag" im März noch nicht verwunden, obwohl ich noch während der Begrüßungsrede das Guttemplerhaus, wo die Feier stattfand, verließ. Während die Nazis ihrem Führer aus dem hohen Norden ihre Ergebenheits- Adresse telegraphierten, erfuhr ich im ,, Hotel Borg", daß die politische Lage außerordentlich ernst sei und alles darauf hindeutete, daß Hitler den Krieg heraufbeschwor. Zwar saß ich wohlgeborgen im höchsten Norden, aber es ging ja nun am wenigsten um mein eigenes Schicksal. Nach einer anderen Lesart war die Lage noch nicht so ernst, denn meine Frau hatte noch ohne Schwierigkeiten einen Paß für Island visiert erhalten und konnte ich sie mit dem nächsten Schiff ,, Gullfoss" erwarten. 32 Die islän rangige Bede dampfer viele um Heringe u fahrzeuge hi Fischfang tre zwar etwas nicht auf Kr schiff und de auf der Auß schutzboot k das isländisc Kanone an besaß, da es sei hier ein Truppe war lizeikorps, w Wikinger- Ges die im Ever konnten, Zum Sc Emden" er tal, Den Isla rung wegen satzung in d Emden" un Mai ein sog Reykjavik e MHS. 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Fischdampfer vieler Nationen kreuzen in den nördlichen Gewässern, um Heringe und Dorsche zu fangen. Zum Schutz ihrer Fischereifahrzeuge hielten sich gleichfalls die Fischereischutzboote der Fischfang treibenden Länder hier auf. Diese Schutzboote sahen zwar etwas kriegerisch aus, doch brauchte man deswegen noch nicht auf Krieg zu tippen, wenn hier ein französisches Kriegsschiff und desgleichen das englische Kadettenschiff ,, Vindictive" auf der Außenreede vor Anker lagen. Ein dänisches Fischereischutzboot kreuzte gleichfalls in den Gewässern und außerdem das isländische Schutzboot ,, Thor". Letzteres hatte nur eine Kanone an Bord, die einzige Kanone, welche Island überhaupt besaß, da es nicht, wie etwa Göring, mit Kanonen hielt. Island, sei hier eingefügt, hat kein Militär. Die einzige uniformierte Truppe war das in der Hauptstadt Reykjavik stationierte Polizeikorps, welches keinerlei Waffen trug. Es waren ausgesuchte Wikinger- Gestalten mit entsprechenden Handschuh- Nummern, die im Eventuellfall etwaige radaulustige Elemente beruhigen konnten. Zum Schutz der deutschen Fischereifahrzeuge wurde die ,, Emden" erwartet, die auch schon im vergangenen Jahre Dienst tat. Den Isländern war die ,, Emden" in unangenehmer Erinnerung wegen des vorjährigen anmaßenden Auftretens der Besatzung in den Straßen von Reykjavik. Zur Proviantierung der Emden" und Versorgung mit flüssigem Brennstoff traf Mitte Mai ein sogenanntes Marine- Hilfsschiff auf der Außenreede von Reykjavik ein und ging dort vor Anker. Es hatte den Namen MHS. ,, Samland", wie ich am nächsten Tage durch Nachfragen bei der Hafenbehörde erfuhr. " 3 Lienau, Zwölf Jahre Nacht 33 33 Um die Mittagszeit lief das norwegische Postschiff ,, Lyra" von Bergen in den Innenhafen ein, während ich mit einigen Isländern am Kai sprach. Zwei in nächster Nähe stehende Zivilisten unterhielten sich in deutscher Sprache und hätten gern erfahren, welches Schiff nun an der Molê beidrehte. Ich glaubte den beiden Fremden die Auskunft geben zu müssen und beide dankten mir gleichfalls in deutscher Sprache. Der eine Herr stellte sich mir vor als Kapitän Bartels von der ,, Samland", während der andere Herr als Oberingenieur dort Dienst tat. Nachdem wir uns einige Zeit unterhalten hatten, wurde ich zu einer Besichtigung des Schiffes eingeladen, und nahm die Einladung für den nächsten Nachmittag an; eine Pinasse holte mich am Innenhafen ab. Zunächst wurde ich im Speisesaal empfangen und bewirtet und erhielt auch einige Auskünfte über die Größe des Schiffes und seine Bestimmung. Es sollte die Kriegsschiffe auf See mit Proviant und flüssigem Brennstoff versorgen. Bei einem Rundgang durch das Schiff erfuhr ich, daß es etwa neunzig Mann Besatzung habe, deren Uniform weder der der Kriegsmarine noch der Handelsmarine glich. Auf dem tiefliegenden Vorderdeck lagen riesige Mengen Schläuche auf Schwimmklötzen; das Vordeck barg Öltanks. Beim Passieren der Provianträume konnte ich nur feststellen, daß diese leer waren, doch sah ich große Mengen von leeren Säcken gestapelt und viele leere Tonnen und Kisten. Ein großer mit Fleischhaken ausgestatteter Kühlraum war gleichfalls leer, so daß ich beim besten Willen nicht verstehen konnte, womit dieses Schiff die ,, Emden" verproviantieren sollte. Durch weitere Nachfragen erfuhr ich so beiläufig, daß noch ein Schiff gleichen Typs, die ,, Altmark" existiere und beide Schiffe die Aufgabe hätten, im Kriegsfalle den U- Booten zu folgen. Im ersten Weltkrieg hätten die U- Boote die gekaperten Handelsschiffe torpediert und mit der gesamten Ladung in die Tiefe geschickt. In einem kommenden Krieg sollte die gesamte wertvolle Ladung geborgen werden, und zur Aufnahme dieser Ladung seien die ,, Samland" und ,, Altmark" bestimmt. Diese Auskunft genügte mir vollkommen, mich davon zu überzeugen, daẞ Hitler einen neuen Schiffstyp für den nächsten Krieg geschaffen hatte: die Piratenschiffe Seeräuberei in neuer Gestalt. Für den nächsten Tag hatte ich mich der Besatzung als Führer nach den heißen Quellen bei Hveragerdi zur Verfügung gestellt, wo sich gleichfalls die Trocknungsanlage des von mir geleiteten Unternehmens zur industriellen Auswertung der Meeresalgen befand. Während der Fahrt, die mit mehreren Omnibussen vor sich ging, erfuhr ich noch manches Wissenswerte über die Einzelheiten der auszuführenden Kaperungen am laufenden Band im kommenden Kriege. Der Zufall brachte mich abends mit einem Schiffsingenieur der ,, Vindictive" zusammen, weil sich dieser mit der Besatzung eines dänischen Motorschiffes nicht zu verständigen vermochte. Nachdem ich das Gewünschte übersetzt und die Dänen sich wieder entfernt hatten, lud mich der Schiffsingenieur ins Hotel 34 ,, Island" ein, befanden, So meine politisc strafe als Geg uns an einen verabschiedet Inzwische seinen Hausr und sich in mitgebracht, um Reykjavi Dann dachte sich zu vers zeitung Mor 1939, inmitter D sich fre Kolonie 6 Uhr Der Gen granten näm was der ne berichten ha an diesem hatten sich schen und Is Hinter dem Hakenkreuzt Fliegenfänge rechten Arm gepaßt", w im Saal alle einen Gruß ergänzend eine ganz b gesetzt habe formen. Große sollte die Fi während die Hitler- Jugen verhelfen. denn es gin und freund 38 iff ,, Lyra" mit einigen ehende Zimätten gern Ich glaubte und beide eine Herr Samland". Dienst tat. wurde ich and nahm ne Pinasse im SpeiseAuskünfte Es sollte em Brennch, daß es weder der fdem tiefSuche auf Passieren diese leer n gestapelt it Fleisch,, Island" ein, wo wir uns bald in einer angeregten Unterhaltung befanden. So erfuhr denn mein englischer Gesprächspartner meine politische Einstellung und über meine erlittene Gefängnisstrafe als Gegner des Nationalsozialismus. Mit dem Versprechen, uns an einem der kommenden Abende weiter zu unterhalten, verabschiedeten wir uns mit einem ,, good night". Inzwischen hatte der neue deutsche Generalkonsul Gerlach seinen Hausrat mit dem Frachtschiff über Hamburg erhalten und sich in seinem Hause eingerichtet. Zwei PKW hatte er mitgebracht, und benutzte er diese vorerst zu Fahrten in und um Reykjavik, um den Bewohnern zu zeigen, daß er da sei. Dann dachte er auch daran, die deutsche Kolonie einmal um sich zu versammeln. Es erschien in der Reykjaviker Tageszeitung ,, Morgunbladid" vom Donnerstag( Fimtudaginn) 18. 5. 1939, inmitten des isländischen Textes nachstehende Anzeige: Der Generalkonsul und Frau Gerlach würden sich freuen, die Männer und Frauen der Deutschen Kolonie am Sonnabend, den 20. Mai, zwischen 4 und 6 Uhr zum Tee im Hotel Borg bei sich zu sehen. so daß ich eses Schiff daß noch und beide Booten zu gekaperten ung in die ie gesamte me dieser mt. Diese berzeugen, Krieg geneuer Geals Führer ng gestellt, geleiteten esalgen bebussen vor über die laufenden fsingenieur Besatzung vermochte, Dänen sich ins Hotel Herrn Gerlach deckte Der Generalkonsul rief, doch nicht alle kamen, die Emigranten nämlich; sie blieben fern, doch waren sie interessiert, was der neue diplomatische Vertreter des Dritten Reiches zu berichten hatte. Mir fiel die Aufgabe zu, als Berichterstatter an diesem five o'clock- Tee teilzunehmen. Etwa fünfzig Gäste hatten sich eingefunden, darunter Isländerinnen, die mit Deutschen und Isländer, die mit deutschen Frauen verheiratet waren. Hinter dem Sitz des eine große Hakenkreuzflagge die Wand. Begrüßung mit Heilrufen und Fliegenfängergruẞ ich machte nicht mit ,, wegen Rheuma im rechten Arm"; auch früher schon hatte ich aus gleichem Grunde gepaßt", wenn irgendwo geheult" oder geheilt" wurde. Als im Saal alle Gäste Platz genommen hatten, überbrachte Gerlach einen Gruß des Chefs der Auslandsorganisation Bohle und fügte ergänzend hinzu, daß den Deutschen hier im hohen Norden eine ganz besondere Aufgabe zufalle und er es sich zum Ziel gesetzt habe, jeden Deutschen zum Nationalsozialisten umzuformen. Große Pläne hatte er vor: die Frau des Generalkonsuls sollte die Frauenschaft aufziehen und in richtige Form bringen, während die ältere, etwa 16jährige Tochter vorgesehen war, der Hitler- Jugend einschließlich BDM, zu Glanz und Ansehen zu verhelfen. Am besten gefiel das kleine Mädel von acht Jahren, denn es ging von Tisch zu Tisch und kredenzte mit höflichem und freundlichem Knix Bremer Zigarren und Zigaretten. 3* 55 35 Im einzelnen setzte der Generalkonsul dann auseinander, welches die nächsten Aufgaben seien, Island zum Eckpfeiler des Großdeutschen Reiches auszubauen, damit Hitler wirklich seine Freude an einem nazistischen Island erleben könne. Daß es nicht gelungen war, eine Luftbasis auf Island zu bekommen, obwohl Hermann Göring mit seinem Flugzeuggeschenk so gut vorgebaut hatte, wäre wohl bedauerlich, aber nun sei er da, und beim zweiten Wurf würde schon das gesteckte Ziel erreicht werden. Eine große Villa, gegenwärtig noch vom britischen Generalkonsul bewohnt, sollte gekauft werden und daneben würde ein großes Versammlungshaus entstehen, in dem sich die Anhänger der Nazis an den noch zu haltenden Reden erbauen konnten. In diesem Sinne ging es weiter und während sich die Gesellschaft zu einem besonderen Heil von den Sitzen erhoben hatte, benutzte ich die Gelegenheit, in die Garderobe zu verschwinden und mich unbemerkt zu entfernen. Die Uhr ging auf sechs und vereinbarungsgemäß lag jetzt die Pinasse der ,, Vindictive" am Kai, um mich abzuholen. Ungesehen kam ich fort, denn die deutschen Nazis dachten gar nicht daran, aufzubrechen; sie blieben noch im ,, Hotel Borg" bei Tee, Likör und auserlesenen Delikatessen sitzen, und berauschten sich an den Versprechungen und großen Plänen, an denen die Nazis ohnehin reich waren. An Bord der , Vindictive" verblieb ich etwa eine Stunde, die für mich äußerst unterhaltsam war. Der Abend sah mich wieder im Kreise emigrierten Freunde, denn auch sie wollten erfahren, was auf dem Tee- Nachmittag des Generalkonsuls vor sich gegangen und geredet war. " Sie erfuhren auch, was es mit der ,, Samland" auf sich hatte. Zu erwähnen sei noch, daß das Schiff 9000 Tonnen hatte, für die Fahrt von Island nach dem Heimathafen Wilhelmshaven kaum drei Tage brauchte, also sehr schnell fuhr und die Mannschaft auch im Heimathafen nur unter bestimmten Vorsichtsmaßnahmen einen kurzen Urlaub erhielt und verpflichtet war, über alles Gesehene und Gehörte nichts verlautbaren zu lassen. Ich glaube kaum, daß in weiteren Kreisen der Name ,, Samland" bekannt wurde. Ob sie das gleiche Schicksal ereilte, wie ihr Schwesterschiff die ,, Altmark", welche an der norwegischen Küste unterging, habe ich nicht in Erfahrung bringen können. Hitlers Schwärmerei für die Kriegsmarine zeitigte mancherlei Absurditäten, die allesamt bewiesen, daß er auch in nautischen Dingen ein Stümper von Format war, was sich schon bald nach dem Eintritt der kriegerischen Ereignisse zeigte. Ihm kam es darauf an, sich auch als ,, Stratege zur See" in den Vordergrund zu drängen. Auf seiner ,, Führeryacht" ,, GRILLE" protzte er in jenen Tagen, als 1938 die Entscheidung in München noch nicht gefallen war. Die GRILLE", vor der Marine- Schule in Flensburg- Mürwik ankernd, wird in diesem Buch erstmalig veröffentlicht. In der Fo sich Schwieri lande bezogen einlegen und unternehmen, Schiff ,, Katla Passagiere w Dauer der R einstens die entdeckte un Wir änd nach Flensb geschäftlicher Die politisch hofften wir, damit im He ließen wir m kip" Reykjavi an, statteten zweiten Hälft Tage im Kre Alles irge sichtshalber legenheit nac Leibesvisitati uns ungescho Padborg Flen Einige T ins Haus, di 36 36 useinander, kpfeiler des rklich seine e. Daß es bekommen, enk so gut sei er da, Ziel erreicht en Generalwürde ein e Anhänger en konnten. die Geselloben hatte, erschwinden B lag jetzt holen. UnHachten gar Hotel Borg" en sitzen, großen PläBord der ich äußerst im Kreise en, was auf gangen und fsich hatte. hatte, für helmshaven ddie MannVorsichtslichtet war, zu lassen. ,, Samland" te, wie ihr orwegischen gen können. e mancherch in nausich schon e zeigte. e zur See" ihreryacht" e EntscheiRILLE", vor wird in die7. Kapitel Polen muß seine Lektion haben; es muß zu Kreuze kriechen oder seine Hiebe empfangen.- Meine Tat beweist es, daß ich den Frieden liebe. Hitler.( beim Überfall auf Polen). Dem Kriege entgegen In der Fortführung des von mir geleiteten Betriebes ergaben sich Schwierigkeiten, weil die benötigten Maschinen vom Festlande bezogen werden mußten. Ich wollte einige Monate Pause einlegen und erwog, mit meiner Frau eine Reise nach USA zu unternehmen, weil eine Fahrgelegenheit mit dem isländischen Schiff ,, Katla" bestand, die, obwohl Frachtschiff, doch einige Passagiere während der etwa für 16 Tage zu veranschlagenden Dauer der Reise mitnehmen konnte. Sie fuhr die Route, wie einstens die Wikinger unter Leif Erikson, welcher Amerika entdeckte und es Vinland nannte. Wir änderten jedoch unsern Plan und entschlossen uns, nach Flensburg zurückzufahren, weil dort noch eine Reihe geschäftlicher und privater Angelegenheiten zu ordnen waren.. Die politische Lage erschien uns nicht bedrohlich, und so hofften wir, den gesamten Hausstand verladen zu lassen und damit im Herbst nach Island zurückzureisen. Mitte Juni verließen wir mit dem Dampfer ,, Gullfoẞ" der Isländischen ,, Eimskip" Reykjavik und legten auf einer Zwischenlandung in Leith an, statteten Edinburgh einen Besuch ab und langten in der zweiten Hälfte des Juni in Kopenhagen an, wo wir noch einige Tage im Kreise unserer Freunde verbrachten. Alles irgendwie Verdächtige und uns Belastende ließ ich vorsichtshalber in Kopenhagen zurück, um es bei passender Gelegenheit nachzuholen. Nach einer eingehenden Gepäck- und Leibesvisitation durch die Gestapo die Zollbeamten ließen uns ungeschoren, erreichten wir über den dänischen Grenzort Padborg Flensburg. - Einige Tage nach der Rückkehr flatterte mir eine Karte ins Haus, die mich aufforderte, bei der Marine- Kommandantur 37 in Flensburg- Mürwik vorstellig zu werden. Da ich das militärpflichtige Alter längst überschritten hatte, so konnte der Zweck dieser Vorladung nur im Zusammenhang mit meiner Reise nach Island gesucht werden. Mein Tip, daß man etwas über Island erfahren wollte, war richtig. Ich wurde recht freundlich und zuvorkommend empfangen und wanderte von einem Zimmer ins andere, denn jeder wollte etwas erfahren. Ebenso freundlich und zuvorkommend bin ich mit meinen Antworten ausgewichen und habe im allgemeinen nur über Landschaft, Wasserfälle und Geyser gesprochen, was übrigens auch in der Literatur über Island nachzulesen war. So wurde ich dann gebeten, nach Kiel zu fahren und mich bei einem Korvettenkapitän Lemke zu melden, der mit seinem Stabe in einer Villa in Kiel- Düsternbrock residierte. Auch hier wieder ein überaus zuvorkommender Empfang. Die gestellten Fragen bewegten sich im gleichen Rahmen, wie in FlensburgMürwik. Man wußte, daß ich beruflich an der Küste Islands zu tun gehabt hätte und wünschte einiges zu erfahren über etwaige militärische Anlagen oder Anlandungen von Gütern usw. fremder Schiffe, wie dort der Empfang im Radio sei, ob die Störungen durch Nordlicht erheblich seien und welche Nachrichten auf Island am meisten gehört würden. Auf alles gab ich Antworten, mit denen die Offiziere nichts anzufangen vermochten. - Inzwischen fuhr ein Wagen vor und ein Offizier brachte mich zum Oberkommando der Marinestation Ostsee, wo ich mit einer Anzahl Marine- Offizieren bekannt gemacht wurde. Ob ich wohl dänische, norwegische und isländische Sender abhören könne, wünschte man in der Nachrichten- Abteilung wohin ich geführt wurde zu wissen. Wenn ja, so würde man mich sofort bei der Nachrichten- Abteilung in Dienst stellen. Allerdings müßte ich dann den Verkehr mit der Außenwelt abbrechen und könne nur unter Zensur schreiben und Besuch empfangen, was einer freiwillig auf sich genommenen Gefängnishaft gleichkam. zu Bei diesem Punkte glaubte ich zweckmäßig einwenden müssen, daß mein Gehör nicht so gut sei und ich infolge eines Ohrleidens, welches mich stark behinderte, nicht in allem folgen könne, was gesagt würde. Mir wurde eine erstklassige ohrenärztliche Betreuung in Aussicht gestellt und wurde ich gebeten, mich innerhalb einer Woche zu entscheiden, ob ich gewillt sei, diese erstrangige Vertrauensstellung zu übernehmen. Gleichzeitig drückte man mir ein Schreiben in die Hand mit der Bitte, es nach Durchsicht mit meiner Unterschrift zu versehen und dann der darauf verzeichneten Adresse zuzusenden; alsdann würde diese alles automatisch regeln. Ich nickte, empfahl mich und fuhr mit der Straßenbahn zum Bahnhof. Unterwegs las ich das Schriftstück durch; es war ein Aufnahmeformular, durch welches ich um Aufnahme als Mitglied bei der Naz.- Soz. Propaganda- Gaustelle nachsuchen sollte. Dann sollte ich bekunden, daß ich nicht politisch vorbestraft sei ( kriminelle Strafen waren also kein Hinderungsgrund), fest zur Idee des Na eine noch da beantworten Wochen erh die kurze Mi Inzwischen arbeiten mit Flensburg in punkto polit Auf jede herigen poli auch lag fü keit im deu gangen war reinen" vera gedacht hatt Durch I mich ständig Da mir die zusagte, so landspresse tungen und in Flensbur nachdem ic folgte und galt ausschl der vor ih lesen konn gleichfalls i Buchbinder Wenn i den Leser e nur in dän anderes als dann für Nachfrage ebenfalls n Um zu ließ, besuc mit meiner Grenzort P des dänisch stündlich entnahmen es bestimm raschte un Handlung Im ers auf mich u bleiben, I Überschrei ungehinder slapo nicht in allen Fa 38 88 Has militärder Zweck Reise nach ren wollte, orkommend dere, denn und zuvorund habe und Geyser iber Island n und mich mit seinem Auch hier e gestellten Flensburgste Islands ahren über Gütern usw. sei, ob die lche Nachfalles gab fangen verier brachte ee, wo ich wurde. Ob Sender abbteilung- so würde enst stellen. Außenwelt und Besuch Gefängniseinwenden und ich derte, nicht wurde eine gestellt und entscheiden, ng zu überben in die Unterschrift resse zuzuIch nickte, Bahnhof, ar ein Aufals Mitglied sollte, Dann bestraft sei d), fest zur Idee des Nationalsozialismus usw. stehe. Da ich weder das eine noch das andere mit gutem Gewissen wahrheitsgemäß zu beantworten vermochte, gab ich keine Antwort. Nach etwa zwei Wochen erhielt ich vom Oberkommando der Marine Ostsee die kurze Mitteilung, daß man auf meine Einstellung verzichte. Inzwischen dürfte das Marine- Oberkommando im Zusammenarbeiten mit der Nat.- Soz. Propaganda- Gaustelle und der Gestapo Flensburg in Erfahrung gebracht haben, daß mein Konto in punkto politischer Bestrafung stark überlastet war. Auf jeden Fall muß man doch vielleicht in meiner bisherigen politischen Vergangenheit ein Haar gefunden haben, auch lag für mich der Gedanke nahe, daß meine Offenherzigkeit im deutschen Konsulat dem Dr. Best auf die Nerven gegangen war und er im Bericht über den ebenfalls nicht ,, stubenreinen" verabschiedeten Konsul Dr. Timmermann auch meiner gedacht hatte. Durch Freunde wurde ich unterrichtet, daß die Gestapo mich ständig beobachten ließ und mir überall ein Spitzel folgte. Da mir die im nat.- soz. Fahrwasser segelnde Presse keineswegs zusagte, so informierte ich mich, soweit möglich, in der Auslandspresse und vor allem in der dänischen Presse, deren Zeitungen und Nachrichten im Lesesaal der dänischen Bibliothek in Flensburg auslagen. Ich konnte feststellen, daß mir bald, nachdem ich den Lesesaal betreten hatte, ein Unbekannter folgte und am Nebentisch Platz nahm. Seine Aufmerksamkeit galt ausschließlich meiner Person und nicht etwa dem Inhalt der vor ihm liegenden Zeitung, die er offenbar nicht einmal lesen konnte. Das Personal der dänischen Bibliothek hatte gleichfalls ihr Augenmerk auf diesen unheimlichen Gast, einen Buchbindergehilfen, wie inzwischen ermittelt wurde, gerichtet. Wenn ich im Flüsterton mit irgend einem neben mir sitzenden Leser einige Worte zu wechseln hatte, so geschah es bewußt nur in dänischer Sprache und niemals betraf das Thema etwas anderes als das Wetter, um niemanden zu gefährden. Als ich dann für eine Woche die Bibliothek mied, konnte ich durch Nachfrage feststellen lassen, daß mein Schatten, der Spitzel, ebenfalls nicht mehr erschien. Um zu erfahren, ob die Gestapo mich überall verfolgen lieẞ, besuchte ich an einem Vormittag es war der 3. 9. 1939-mit meiner Frau eine uns befreundete Familie im dänischen Grenzort Padborg, wo wir Gelegenheit hatten, die Sendungen des dänischen Radios Kopenhagen- Kalundborg zu hören. Halbstündlich kamen die Meldungen aus Deutschland, denen wir entnahmen, daß die Lage äußerst kritisch sein mußte. Sie war es bestimmt; denn wie ein Blitz aus heiterem Himmel überraschte uns die Nachricht vom Ausbruch der kriegerischen Handlung mit Polen und daß seit 5 Uhr zurückgeschossen würde. Im ersten Augenblick wirkte diese Mitteilung chockartig auf mich und war mein nächster Gedanke, hier in Dänemark zu bleiben. Ich überlegte und erwog das Für und Wider. Beim Überschreiten der Grenze hatte der deutsche Paßbeamte mich ungehindert passieren lassen, woraus ich folgerte, daß die Gestapo nicht so sehr an mich interessiert sei, sonst hätte sie, wie in allen Fällen, der Paßstelle entsprechende Order gegeben, mich 39 verhaften zu lassen. Gegen Abend kehrten wir nach Passieren der beiderseitigen Paßstellen nach Flensburg zurück, ohne daß irgend etwas Auffälliges auf deutscher Seite zu bemerken war, selbst von irgendwelchen Sperrmaßnahmen an der Grenze war nicht die Rede. Auch die nächstfolgenden Tage verliefen für mich ruhig, wenn ich auch nach einigen Tagen wieder feststellen konnte, daß mir ein ,, Schatten" folgte. Man gestattete mir, eine Beschäftigung anzunehmen, und zwar beim Anlegen eines bei dem Dorfe Tarp geplanten Flugplatzes. Einige Wochen war ich dort und mir fiel nicht auf, daß ich dort bespitzelt würde. Von befreundeter Seite wurde mir eine andere, besser zusagende Beschäftigung nachgewiesen, doch verweigerte das Arbeitsamt die Zustimmung, weil ich auf meiner Beschäftigungskarte einen Vermerk hatte, aus der meine politische Unzuverlässigkeit hervorging. Ich sagte dies dem Leiter des Arbeitsamtes, der nichts eiligeres zu tun hatte, als den Leiter der Gestapo anzurufen. Am Nachmittag besuchte ich noch den Lesesaal der dänischen Bibliothek, wo wiederum der Gestapoapostel saẞ. Am Tage darauf, es war der 17. Oktober 1939, wurde ich in meiner Wohnung verhaftet und dem Gestapomann Woinke vorgeführt, der mir zum Vorwurf machte, defaitistische Reden gehalten zu haben. Mit Recht wehrte ich mich gegen diese Anschuldigung. Mein Ersuchen, mir evtl. Belastungszeugen gegenüber zu stellen, wurde schroff abgelehnt. Man brachte mich in das Flensburger Gerichtsgefängnis, bis die Gestapo vom RSHA in Berlin einen Schutzhaftbefehl, von Heydrich unterzeichnet, für mich erwirkt hatte. Dieser Heydrich, jener politische und verkrachte Wegelagerer und verschuldete Flensburger Ex- Marineoffizier, von dem ich bereits in einem Vorkapitel schrieb, war nun schon zu einem ,, hohen Tier" emporgestiegen. Einige Tage vor Weihnachten wurde ich abtransportiert, gelangte über die Zwischenstationen Altona und dem berüchtigten Berliner Polizeigefängnis ,, Alex" am 21. Dezember 1939 im Konzentrationslager Sachsenhausen- Oranienburg an, das den harmlosen Namen ,, Schutzhaftlager" trug. Ministerpräsident Generaloberst Göring Beauftragter für den Bierjahresplan Amt für deutsche Roh- und Werkstoffe Tgb.-Nr. 6818 Berlin 8, 2 Januar Behrenstraße 68-70 Fernsprecher: 120048 188 Abt.III Dr. Bdt/ Eis Briefkopf Görings zum Vierjahresplan 193 8. Einer de Dichter Dant Schrecken de sangen der N lieB Hätte Da gesehen, so die Hölle be ihm nicht be lers die Hand die tatsächli in der Höll tasie zur fur Lasset, Inschrift übe Komödie", s Toreingang fälschlich eingemeiß zum Schutz abschließen, welche gebr passieren k Meer; der le durch den S Drei gr den Naziho dessen Stell Sicherheitsdi Schutzhaftbe ihm war sch noch auf sei 40 00 Passieren , ohne daß erken war, Grenze war nich ruhig, len konnte, r, eine Bemes bei dem ar ich dort vürde. Von Sagende Bebeitsamt die arte einen sigkeit herder nichts anzurufen. al der dãel saß, Am in meiner vorgeführt, gehalten zu igung. Mein zu stellen, Flensburger Berlin einen ich erwirkt chte Wegefizier, von in schon zu vor Weihe Zwischenzeigefängnis er SachsenSchutzhaftnuar 193 8. 8. Kapitel Laßt, die ihr eingeht, alle Hoffnung schwinden. Dante. ,, Göttliche Komödie" Hitlers Inferno Einer der größter Geister der Menschheit, der italienische Dichter Dante schildert uns in seiner ,, Göttlichen Komödie" die Schrecken der Hölle. Es ist eine Vision, die er in hundert Gesängen der Nachwelt als sein bestes und reifstes Werk hinterließ. Hätte Dante die ,, Schutzhaftläger" Adolf Hitlers vorausgesehen, so wäre er genötigt gewesen, jene Gesänge, welche die Hölle betrafen, um ein hundertfaches zu erweitern, sofern ihm nicht beim Niederschreiben der realen Grausamkeiten Hitlers die Hand den Dienst versagte. Dantes Visionen wurden durch die tatsächlichen Bestialitäten Hitlers weit überschattet; denn in der Hölle des Nationalsozialismus war die kühnste Phantasie zur furchtbarsten Wirklichkeit geworden. ,, Lasset, die ihr eingeht, alle Hoffnung schwinden"; diese Inschrift über dem Eingangstor zur Hölle in Dantes ,, Göttliche Komödie", sie konnte mit unbedingter Berechtigung über dem Toreingang zu jedem der mehr als hundert Konzentrationsläger -- fälschlich und irreführend als ,, Schutzhaftlager" bezeichnet eingemeißelt werden. Fast jeder, hinter dem sich das Tor zum ,, Schutzhaftlager" schloß, durfte getrost mit der Außenwelt abschließen, er sah die Freiheit nicht wieder. Die wenigen, welche gebrochen an Leib und Seele dennoch das Tor lebendig passieren konnten, verschwinden wie die Wassertropfen im Meer; der letzte Weg der Masse aller Insassen der KZs führte durch den Schornstein der Krematorien. Drei große H dräuten vom Beginn bis zum Ende über den Nazihöllen: HITLER, HIMMLER, HEYDRICH, und als dessen Stellvertreter im Hintergrund Dr. Werner Best, der den Sicherheitsdienst( SD) mit aufgezogen hatte und den sogenannten Schutzhaftbefehl schuf, der einem Todesurteil gleichkam. Von ihm war schon im Island- Kapitel die Rede; späterhin werde ich noch auf sein Wirken zurückkommen. Sie alle waren es, welche 41 die Menschenvernichtungsanstalten schufen und sich den trau- rigen Ruhm als die größten Verbrecher aller Zeiten und Völker sicherten. Sie haben ihre Vorbilder: Nero, den Hunnenkönig Attila und den größten aller asiatischen Despoten, Dschingis Chan weit in den Schatten gestellt. Den Grundsatz dieses mon- solischen Barbaren, niemals milde zu sein, blühendes Land und Städte zu zerstören, alle erreichbaren Schätze und Kunstgegen- stände zu rauben und die Menschen auszurotten, nahm Hitler mit seinem Anhang zur Richtschnur. Während die Geschichts- schreibung über Dschingis Chan mehr als fünf Millionen Todesopfer verzeichnete, hat der Hitlerkrieg, nach bisheriger Schätzung mehr als 30 Millionen Menschenopfer gekostet, da- von über 11 Millionen Ermordete in den Konzentrationslägern. Das Konzentralionslager Sachsenhausen gehörte zum Stadt- bezirk Oranienburg, 30 km nördlich Berlin an der Nordbahn gelegen. Auf gerodetem Boden des Stadtforstes Sachsenhausen wurde es in den Jahren 1934--1938 errichtet; Häftlinge fron- deten hier unter der Knute der SS. Neben Dachau und Bu- chenwald gehörte Sachsenhausen zu den Hauptlägern. Durch die Nähe Berlins wurde Sachsenhausen zu einem Zentrallager und wies ständig Besichtigungen durch führende Nazis, Militärs und Vertreter fremder Nationen auf. Prominente Gefangene wurden von dem Hausgefängnis des Reichs-Sicherheits-Haupt- amtes in Berlin nach hier überführt. Namenlos wurden sie in den Zellenbau eingeliefert und schon nach kurzer Zeit endeten sie unter den Kugeln der SS oder in der Gaskanımer. Im Rapport wurde am Schluß nur die Zahl der Opfer vermerkt: „Von der Lagerstärke abgesetzt............ Häftlinge“. Die bereits im Reichssicherheits-Hauptamt(RSHA) in Berlin, Prinz-Albrecht- Straße 8 Ermordeten wurden in versiegelten Transportkisten direkt zum Krematorium gebracht und konnten im Rapport zahlenmäßig nicht erfaßt werden. Hinsichtlich der Grausamkeiten, der Massenmorde usw, steht Sachsenhausen keineswegs hinter Dachau und Buchenwald zurück. Die folgenden Kapitel vermitteln dem Leser einen Ein- blick in die Stätten des Grauens und Entsetzens. Die auf den Ordensburgen erhaltene Schulung in sadistischen Quälereien und allen erdenklichen Mordtaten hat die entmenschte SS in den Konzentrationslägern praktisch ausgewertet. Die Folterknechte und Scharfrichter als Nachrichter der mittelalterlichen Straf- justiz waren Waisenkinder im Vergleich zu der SS-Wachmann- schaft in den KZ. Die Blutdürstigkeit dieser Nazi-Vampire steigerte sich, je mehr und je schneller das Dritte. Reich seinem Verfall entgegenging. Die großen Vernichtungslager Bel- sen und Auschwitz haben der Kulturwelt unverhüllt gezeigt, wie entartet die Gefolgsmänner der nazistischen ‚‚Herrenmen- schen“ waren. Die Menschheit neigt sehr leicht zum Vergessen, selbst wenn sie das Furchtbare hat erdulden müssen; in den Kreisen der Nazifreunde, auch solche gibt es heute noch, ist man ständig versucht, selbst die gemeinsten Verbrechen gegen die Mensch- lichkeit in Abrede zu stellen oder zu bagatellisieren. Wer dieses Buch aus der Hand legt, für den wird es kein Vergessen geben; 42 er wird für mus und Na \ilitarismus Wahrung. dei harmherziger halle, den trauund Völker innenkönig Dschingis lieses monLand und Kunstgegenahm Hitler GeschichtsMillionen bisheriger kostet, daionslägern, zum StadtNordbahn hsenhausen linge fronu und Burn. Durch Centrallager is, Militärs Gefangene eits- Hauptden sie in eit endeten mmer. Im vermerkt: Die bereits z- Albrechtsportkisten m Rapport orde usw. Buchenwald einen EinDie auf den lereien und SS in den llerknechte chen StrafWachmannazi- Vampire ritte Reich gslager Belallt gezeigt, Herrenmenselbst wenn Kreisen der man ständig lie MenschWer dieses ssen geben; er wird für alle Zeiten ein eingeschworener Feind des Faschismus und Nazismus und des auf gleichem Boden wuchernden Militarismus bleiben. Er muß zum Wegbereiter werden für die Wahrung der Menschenrechte, die das Hitler- Regime in unbarmherziger Weise systematisch vernichtet und ausgerottet hatte. OSTPREUSSEN SLAGER STUTTHOF bei Danzig POMMERN 4 LAGER POLEN POLEN 35 LAGER 20 LAGER bei Oranienburg LAGER LUBLIN KRAKAU AUSCHWITZ TSCHECHO- SLOWAKE SCHLESIEN 10 LAGER GROSS ROSEN THERESIENSTADT bel Prag WIESENGRUND d.Tschechoslowakei NEUENGAMME OLDENBURG BREMEN HAMBURG MECKLENBURG& LAGER LAGER BERGEN BELSEN bei Celle WESTFALEN BRAUNSCHWEIG PROV. HANNOVER 20 LAGER › LAGER RUHRGEBIET 3 LAGER MESSEN 8 LAGER RAVENSBRUCK PROV. SACHSEN BRANDENBURG SACHSENHAUSEN bei Furstenberg M DEUTSCHLAND BUCHENWALD bel Weimar THURINGEN 5 LAGER LAGER SACHSEN SUDETENGAU LAGER SCHLESW HOLSTEIN 8 LAGER RHEINLAND 11 LAGER FLOSSENBURG MAUTHAUSEN. 17 LAGER BAYERN DACHAU bel München ◆ LAGER WURTTEMBERG BADEN LAGER PFAIZ SAAR 4 LAGER ELSASS NATZWEILER 09 60 45 WOLTERSDORF bei Wien OSTERREICH WAREN NOCH 10 LAGER IN OSTERREICH KZ- SACHSENHAUSEN hatte 80 Nebenlager KZ,- BUCHENWALD... KZ. DACHAU....... KZ- MAUTHAUSEN AUSSERDEUTSCHE KZ- LAGER z. B. in RIGA LETTLAND, VUGTH u. AMERSFOORT in HOLLAND u. a. Lageplan der Konzentrationslager 43 33 9. Kapitel Wem haben wir eine einzige Beleidigung zugefügt..... oder wem haben wir seinen Besitz genommen? Hitler 1938. Kieler Wochen Nachdem ich die ersten Monate im KZ hinter mir hatte, wurde ich am 8. Mai 1940 zur Kammer gerufen ,,, Einkleiden" hieẞ es. Man raunte mir etwas zu von plötzlicher Entlassung, als ich eine Reiseverpflegung zugesteckt erhielt und vom SSPosten zur Kommandantur geführt wurde. Dort wurde mir sofort klar, daß es nichts mit einer Entlassung war, denn zwei Gestapoleute nahmen mich in Empfang und eröffneten mir, daß sie mich nach Kiel zu bringen hätten. Man machte mich darauf aufmerksam, daß sie mit Waffen versehen seien und ich bei einem etwaigen Fluchtversuch... Ich winkte ab und erklärte, daß beide wohl nicht im Ernst daran dächten, daß ich überhaupt fliehen könne; ich konnte mich kaum auf den Beinen halten dank der bisher gehabten ,, Verpflegung". Vorsichtshalber wurde ich dennoch mit der ,, Acht" gefesselt, als es zum Bahnhof ging. Im Abteil des D- Zuges, der mich mit meiner Reisebegleitung nach Kiel brachte, nahm man mir die ,, Acht" ab, damit ich mein Brot verzehren konnte; vielleicht auch wollte man der übrigen Mitreisenden wegen kein Aufsehen erregen. Der Abend sah mich bereits in Kiel, wo ich Logis in der ,, Blume"( Polizeigefängnis) bezog. Grund eines hieß es jeden Schmidt und tur, auf mich bereits fertige Miene zu verz likte und gab beschuldigten und weitere w bestens bekan stark belastet Aussagen mit Zögernd noch nachger gebliche Prot des Secret Se Aufzeichnunge und daraufhi sächlich hatte mit meinem Schon während der Fahrt zerbrach ich mir den Kopf, aus welchem Grunde ich nun nach Kiel überführt wurde. Mich ließ der Gedanke nicht los, daß, nachdem Dänemark vor Monatsfrist von den deutschen Truppen besetzt wurde, die mit ihnen gekommene Gestapo irgend etwas gefunden haben könnte, was mich belastete. Nur konnte ich nicht erraten, um welche Delikte es sich handelte; denn ich war in viele Dinge verwickelt und erwog nun für jeden Eventuell- Fall, wie ich mich herauszureden hätte. Die Vernehmung, welche am nächsten Morgen vor der Gestapo begann, bestätigte mir, daß meine Vermutung richtig war. Man bezichtigte mich des Landes- und Hochverrats auf 44 des Zeitpunkt wie ich aus Den beid Überraschung in Tondern, sammen gewe gefangener in keinen Urlau um dort mit Eine telefonis bestätigte me tokoll zu un auch dann, halte gewonn die Gestapo weitere Vern in das Kieler ich denn ein auf die nächs Es gibt k usw, undurch daß ein we auch in der wenigen Stun ,, strengen Ei andern Statio das noch kommen soll Nicht die ral Jessen, deutscher Sc fuhr ich, da könne und einzige Belei.. oder wem z genommen? Hitler 1938. mir hatte, Einkleiden" Entlassung, d vom SSwurde mir denn zwei en mir, daß mich darauf nd ich bei md erklärte, 3 ich überden Beinen sichtshalber um Bahnhof iner Reise,, Acht" ab, auch wollte en erregen. ogis in der Kopf, aus urde, Mich rk vor Mode, die mit ben könnte, um welche Dinge verie ich mich en vor der ung richtig verrats auf Grund eines vorgefundenen umfangreichen Beweismaterials, so hieß es jedenfalls. Abwechselnd drangen die Gestapoleute Dr. Schmidt und Orsin, ausgefeimte Vertreter der seelischen Tortur, auf mich ein, alles einzugestehen, was man mir aus einem bereits fertigen Protokoll" vorlas. Kaltblütig und ohne die Miene zu verziehen, bestritt ich alle mir zur Last gelegten Delikte und gab nur zu, daß mir die genannten Namen der mitbeschuldigten dänischen Staatsangehörigen Jens Dons- Kolding und weitere wie Hans Lytzen- Bredebro und Emil Fries- Götterup bestens bekannt seien. Ihre angeblichen Aussagen, die mich sehr stark belasteten, bestritt ich und forderte, daß man mir diese Aussagen mit der Unterschrift der Betreffenden zeigte. Zögernd kam man damit heraus, daß die Unterschriften noch nachgereicht werden sollten. So bekam ich nur das angebliche Protokoll des Jens Dons zu sehen, der im Dienste des Secret Service gestanden haben sollte. Man hatte bei Dons Aufzeichnungen und außerdem ein Register mit Namen gefunden und daraufhin umfangreiche Verhaftungen vorgenommen. Tatsächlich hatte Dons von mir erhaltene vertrauliche Mitteilungen mit meinem Namen vermerkt, doch hatte er sich hinsichtlich des Zeitpunktes unserer Zusammenkünfte um zwei Jahre geirrt, wie ich aus dem mir vorgelegten Protokoll ersah. Den beiden Gestapoleuten erklärte ich zu deren größten Überraschung, daß ich zu der angegebenen Zeit nicht mit Dons in Tondern, Mjolden und weiteren dänischen Grenzorten zusammen gewesen sein könnte, weil ich mich derzeit als Strafgefangener im Lübecker Gefängnis befunden habe und auch keinen Urlaub erhalten hätte, um nach Dänemark zu reisen, um dort mit Dons Landes- und Hochverrat verüben zu können. Eine telefonische Anfrage beim Strafanstaltsdirektor in Lübeck bestätigte meine Angaben. Das mir vorgelegte ellenlange Protokoll zu unterschreiben, weigerte ich mich ganz entschieden; auch dann, als man das Datum willkürlich vorverlegte. Ich hatte gewonnen und zog den Kopf aus der Schlinge, welche die Gestapo schon zuzuziehen gedachte. Es wurde mir eine weitere Vernehmung in Aussicht gestellt. Einstweilen kam ich in das Kieler Gefängnis( Faeschstr.) in ,, strenge Einzelhaft", wo ich denn einige Wochen bei guter und reichlicher Verpflegung auf die nächste Vernehmung wartete. Es gibt keine Gefängnismauer oder-tür, die für Nachrichten usw. undurchlässig ist. Schon am nächsten Morgen wußte ich, daß ein weiterer KZ- Häftling, Richard Normann, im ,, Bau" Schon nach auch in der Dons- Angelegenheit verwickelt sei. wenigen Stunden hatten wir miteinander Verbindung trotz der ,, strengen Einzelhaft", in der sich auch Normann auf einer andern Station befand. Beim nächsten Spaziergang klärten wir das noch Erforderliche und warteten der Dinge, die kommen sollten. Und sie kamen, die Vernehmungen nämlich. da Nicht die Gestapo vernahm mich, sondern der Amtsgerichtsrat Jessen, ein äußerst jovialer Richter, dem ich als niederdeutscher Schriftsteller seit Jahren bekannt war. Von ihm erfuhr ich, daß man nichts Belastendes gegen mich vorbringen könne und die angeblichen Protokolle der Mitangeschuldigten 45 sämtlich Fälschungen der Gestapo seien. Mir wurden auf Wunsch alle Erleichterungen zuteil, die der Untersuchungsrichter gewähren konnte: Schreiberlaubnis, Einkauf, Besuchsempfang, Zeitunglesen und Selbstrasieren, so daß ich wenig von meiner strengen Einzelhaft spürte. Zudem wurde mir die Einordnung der Bibliothek auf Veranlassung des Hauptwachtmeisters übertragen. Im Verlaufe meines Aufenthalts im Kieler Gefängnis schrieb ich den Heimatroman ,, Die Damholter Truhe", das Fragment eines Hamburger Romans sowie den Roman ,, Die Gildebraut". Letzteren entwendete mir die Gestapo, während es mir gelang, die beiden anderen Manuskripte, dank des Entgegenkommens des Untersuchungsrichters meiner Frau anläẞlich eines Besuches zu übergeben. Nach kurzer Zeit konnte ich auch als Hilfskalfaktor fungieren und bekam Verbindung mit weiteren befreundeten politischen Leidensgenossen, die wegen verschiedener ,, Delikte" von der Gestapo eingefangen waren. Darunter den Inspektor der dänischen Schule in Schleswig, Svend Johannsen, den Lok.Führer Lassen aus Padborg usw. Nicht lange dauerte es, da füllte sich das Gefängnis mit Dänen, die sich der Arbeitssabotage" schuldig gemacht hatten. Die Deutsche Arbeitsfront hatte mit dem dänischen ,, Fagforbund" einen Vertrag geschlossen, demzufolge ein Stundenlohn von 85 Pfg. vereinbart worden war. Als man dann am Lohntage den Dänen nur 55 Pfg. auszahlte, wurde von ihnen die Arbeit niedergelegt, worauf die Gestapo diese ,, Arbeitssaboteure" ins Gefängnis brachte, das in einigen Tagen eine Überbevölkerung zu zeichnen hatte. Zu den Dänen gesellten sich noch einige Norweger, die den allzu gefälligen norwegischen Gestapoliebsten die Zöpfe abgeschnitten hatten. Da im Gefängnis kein Dolmetscher vorhanden war, so rückte ich zum Dolmetscher auf und ,, zensierte" gleichfalls die ein- und ausgehenden Briefe der dänischen und norwegischen Gefangenen. Es fiel gar nicht auf, daß man mit mir den Bock zum Gärtner gemacht hatte. Ein- und ausgehende Briefe sah ich flüchtig durch und versah sie mit dem Zensurstempel; der Hauptwachtmeister unterschrieb. verInzwischen war es draußen recht ungemütlich geworden: Kiel erlebte die ersten starken Bombenangriffe, die sehr schwere Verluste auch an Menschenleben brachten. Obwohl die Presse diese Verluste zu vertuschen versuchte, wurde ich dennoch bestens durch die abends einrückenden Arbeitskommandos informiert, wenn ich bei der Essenausgabe mithalf. Ich erfuhr von einer verunglückten deutschen Flotteninvasion nach England. Man hatte alle erdenklichen Fahrzeuge, vom Fischerkahn und Gummiboot aufwärts, für diese Invasionsflotte, Hitlers Armada der schwimmenden Särge, mobil gemacht, um England in die Kniee zu zwingen. Die englische Flotte brauchte zur Abwehr nicht in Aktion zu treten, denn der einsetzende starke Südweststurm machte völlig reinen Tisch mit diesen seeuntüchtigen Fahrzeugen, von denen sich kümmerliche Reste nach Wilhelmshaven, Cuxhaven und Kiel retteten. Die deutsche Nordseeküste war übersät mit Wrackstücken und angeschwemmten Opfern des verbrecherischen Unternehmens Hitlers. 46 In der P retteten wußt land" werden aber nicht ge unglückten L heit: In den still auf gere Auf einer denburg" vom machen, obw Diese Probefa oberfläche bi treffer hatte g einzigen Flug schweigen, un lag unsichtba Anlaß zur Dis Da ich w hatte, wartet weiter gegen Bombenangri gemütlich, de ein Teil des worden, wie ich glaubte Gefängnis en Bombenabwü An einem Mittag- ka und teilte mi denn ich wü bracht, Wäh gelinde Zweit teilung. Das teilung, daß befehl auf A aufgehoben s Mit mein daß man mi in die Freihe etwas beküm Nachricht, d Gestapo hab packte ich n stapo, die de befehl zum I Wieder zum zweiten Sachsenhause Kiel vergesse Volksgerichts ersah, daß n gestellt sei, wurden auf tersuchungsuf, Besuchsh wenig von mir die EinHauptwachtIts im Kieler olter Truhe", Roman ,, Die während es nk des EntFrau anläẞalfaktor funundeten poer ,, Delikte" nspektor der , den Lok.uerte es, da er ,, ArbeitsArbeitsfront Vertrag geg. vereinbart Dänen nur niedergelegt, s Gefängnis ung zu vereinige Noroliebsten die Dolmetscher uf und ,, zener dänischen uf, daß man in- und aussie mit dem b. h geworden: sehr schwere al die Presse ich dennoch nmandos inIch erfuhr nach EngFischerkahn otte, Hitlers nt, um Engtte brauchte reinsetzende it diesen seeerliche Reste Die deutsche geschwemmitlers. In der Presse las man jedoch nichts davon, nur die Geretteten wußten darüber zu berichten: ,, Wir zogen gegen Engeland" werden diese noch ,, einmal Davongekommenen" geklagt, aber nicht gesungen haben. Auf Hitler als Arrangeur dieser verunglückten Landungs- Aktion paßte vortrefflich die Lebenswahrheit: In den Ozean segelt mit tausend Masten der Jüngling, still auf gerettetem Boot treibt in den Hafen der Greis. Auf einer Kieler Werft war der neue Flugzeugträger ,, Hindenburg" vom Stapel gelaufen und sollte seine erste Probefahrt machen, obwohl die Farbe noch nicht einmal trocken war. Diese Probefahrt währte nicht lange sie ging von der Wasseroberfläche bis zum Grunde der Kieler Förde ein Bombentreffer hatte ganze Arbeit geleistet. Niemand hat damals von dem einzigen Flugzeugträger ,, Hindenburg" erfahren. Alles hatte zu schweigen, und das Schweigen war nicht schwer, denn das Schiff lag unsichtbar auf dem Meeresboden und bot somit keinen Anlaß zur Diskussion. - Da ich weder über Behandlung noch Verpflegung zu klagen hatte, wartete ich nur ab, was man von seiten der Gestapo weiter gegen mich unternehmen würde. Die sich verstärkenden Bombenangriffe machten den Aufenthalt im Gefängnis recht ungemütlich, denn in nächster Nähe hatte es Treffer gegeben, und ein Teil des Gefängnisses in der Ringstraße war schon zerstört worden, wie mir erzählt wurde. Der Sommer ging dahin, und ich glaubte nicht anders, als daß ich wohl das KZ mit dem Gefängnis endgültig vertauschen sollte, was mir, bis auf die Bombenabwürfe, nicht unangenehm war. - An einem der letzten Novembertage es war kurz nach Mittag kam ein Wachtmeister aufgeregt zu mir in die Zelle und teilte mir mit, daß ich mich sofort fertig machen müsse; denn ich würde jetzt entlassen, das Schreiben würde bald gebracht. Während ich meine Sachen packte, kamen mir doch gelinde Zweifel an der Richtigkeit dieser überraschenden Mitteilung. Das Schreiben kam wirklich. Es enthielt die Mitteilung, daß der am 28. 8. 1940 gegen mich erlassene Haftbefehl auf Antrag des Oberreichsanwalts beim Volksgerichtshof aufgehoben sei. Da hatte ich es nun schwarz auf weiß. Mit meinem Bündel im Arm wartete ich nun nur darauf, daß man mir die Zelle aufschließen sollte, damit ich den Weg in die Freiheit betreten konnte. Die Zellentür öffnete sich, doch etwas bekümmert kam der Wachtmeister mit der mündlichen Nachricht, daß es wohl noch etwas dauern würde; denn die Gestapo habe durchgerufen, daß ich noch bleiben müsse. So packte ich meine Sachen wieder aus und wartete auf die Gestapo, die denn nach einigen Tagen mir erneut den Schutzhaftbefehl zum KZ brachte. Wieder war es inzwischen Weihnachten geworden, als ich zum zweiten Mal, nunmehr als ,, Rückführung" in Hitlers Inferno Sachsenhausen einzog. Längst schon war das Zwischenspiel in Kiel vergessen, als ein Schreiben vom Oberreichsanwalt beim Volksgerichtshof, datiert vom 5. 4. 1941 einging, aus dem ich ersah, daß nunmehr das Ermittlungsverfahren gegen mich eingestellt sei. Einige Monate später kamen die weiteren Mitange47 schuldigten Nic. Ehlers und Rich. Normann von Kiel und bezogen das KZ, denn auch sie waren ,, entlastet", dank meiner Kaltblütigkeit, mit der ich es verstanden hatte, die von Dons aufgezeichneten irrigen Daten als richtig anzuerkennen. Diese Kleinigkeit rettete uns allen das Leben, mit dem wir vor dem Volksgerichtshof hätten abschließen müssen. Kommandantur des Konzentrationslagers Sachsenhausen Politische Abteilung Beschreibung Zilliken 1.80 Familienname: Größe:.. Vorname: Josef unters. Gestalt: geb. am: 17.9.72m: Nayen/ Koblenz Geficht: voll Wohnort:... Straße: Beruf:. Wassenach über Andernach Kirchstrasse- Pfarrhaus. Pfarrer Augen: grau. Nase:... Mund:. gew. Krankheit gew. und Religion: kath Staatsangel.: DR. Ohren: gew. Gebreche lckh. Ehefrau: ledig. Zähne:. Bruder: August Z. Haare: Glatze Besonde Kinder oder Verwandte: Name Wohnort Mas Mayen/ Koblenz Bart: ras. Göbelstrasse Sprache: deutsch franz.... am: Warbengang Schußhaft angeordnet durch:. Stapo Koblenz Grund: Nicht beachtung des Reichsmarschalls Personalkarte eines K.- Z.- Insassen eingeliefert amans entlassen am: Ein eisige Omnibusse m von Berlin ge senhausen, D meinschaft mi heit im Berli insassen ware in der Morge Was wußten hausen- sc pfiff der Wi Die letzte Zig 48 Gleich mußte im Bus saß, Noch ein raus! Zu fün ein ,,, Willst abnehmen!" lähmter Man einer Wucht, das Nasenber Sanfte wegtra ihn durchs lähmten zwis war: Schutz Schutzha trationslager gekommenen zu fünfen hi Windes in d 4 Lienau, Zwölf Ciel und beank meiner e von Dons nnen. Diese wir vor dem 5. 10. Kapitel In Deutschland ist während der letzten sechs Jahre mehr für die Kultur getan worden, als in England während der letzten hundert Jahre. Hitler. Krankheit und Gebreche Besonde e ch ngeliefert am laffen am: Mas Empfang der Zugänge Ein eisiger Wintermorgen. Bis zum Bersten vollgepfropfte Omnibusse mit Gefangenen rattern auf den holprigen Straßen von Berlin gen Norden, mit dem Ziel: Konzentrationslager Sachsenhausen. Diese lebende Fracht hatte mehrere Nächte in Gemeinschaft mit Verbrechern aller Art, dem Auswurf der Menschheit im Berliner Polizeigefängnis ,, Alex" zugebracht. Alle Autoinsassen waren froh, diese verlauste und stinkende Hölle noch in der Morgendämmerung verlassen zu können. Sachsenhausen! Was wußten die Gefangenen in den Omnibussen von Sachsenhausen schlimmer als im ,, Alex" konnte es nicht sein. Kalt pfiff der Wind durch die Spalten der Fenster in die Abteile. Die letzte Zigarette ging herum, jeder konnte zwei Züge machen. Gleich mußte man am Ziel sein. Eine ,, Rückführung", die mit im Bus saẞ, hatte es so beiläufig bemerkt. Noch einige Wegbiegungen, und die Wagen stoppten. ,, Alles raus! Zu fünfen antreten!" Ängstlich reihten sich die Häftlinge ein. ,, Willst Du Schweinehund, Du Drecksack, wohl den Hut abnehmen!" und schon hatte ein etwa siebenzigjähriger gelähmter Mann den eisenbeschlagenen SS- Stiefel im Gesäß, mit einer Wucht, daß er auf die zementierte Straße hinschlug und das Nasenbein brach. ,, Wir sollen Dich wohl noch mit einer Sänfte wegtragen? Hebt den ollen Simulanten auf und schleppt ihn durchs Tor!" Barhäuptig zog die lange Kolonne, den Gelähmten zwischen sich tragend, durchs Tor, über dem zu lesen war: ,, Schutzhaftlager". Schutzhaftlager? Das kann nicht so schlimm sein, Konzentrationslager ist viel schlimmer, so war die Meinung der Angekommenen. Nun standen sie da, in Reihen ausgerichtet und zu fünfen hintereinander, die Kopfbedeckung trotz des eisigen Windes in der Hand, innerhalb des Tores mit dem Gesicht der 4 Lienau, Zwölf Jahre Nacht 49 grauen Mauer zugewandt. Vorn, durch die Schneedecke hindurchscheinend ein Warnungsschild mit dem Totenkopf und Knochen, Bilder wie auf den üblichen Giftflaschen. Dem elektrisch geladenen Stacheldrahtzaun waren spanische Reiter vorgelagert. Der ,, Rückgeführte" instruierte im Flüsterton die Zugänge, daß man nicht sprechen dürfe. Auch das Stampfen mit den Füßen wegen der Kälte habe zu unterbleiben. Länger als zwei Stunden standen die fast zu Eissäulen erfrorenen ,, Zugänge" neben dem Tor. Der Zeiger der Turmuhr war auf zwölf vorgerückt. ,, Mittagessen" raunte man sich zu, doch der Uhrzeiger rückte über die zwölf hinaus, und niemand rief zum Mittagessen. Drei betreẞte SS- Männer näherten sich vom Tor her der wartenden Zugangskolonne. Der Rückgeführte" hustet vernehmlich, um die übrigen auf die brutal aussehenden SSMänner aufmerksam zu machen. ,, Nehmt Euch zusammen, der ,, Eiserne Gustav" kommt mit Schubert und dahinten erscheint außerdem noch Bugdalla. Nicht rühren!" Keiner ahnte, welch brutalen Gesellen wir nunmehr verfallen waren. ,, Warum hierhergekommen?" war die Frage des ,, Eisernen" an den Flügelmann im ersten Glied. Zynisch lächelnd und auf die Antwort wartend, standen Schubert und Saathof vor dem Gefragten, der dann ängstlich bemerkte, daß er politisch belastet sei. Ein Faustschlag ins Gesicht belehrte ihn, daß die Antwort nicht ausreichend sei. , Was hast Du Halunke ausgefressen, das will ich wissen!" fuhr ihn der ,, Eiserne" an ,,, erst will ich Antwort haben, ehe Du Schwein Dir das Blut von der Fresse wischt!". " ,, Ich bin denunziert worden, warum und von wem weiß ich nicht", antwortete er bestimmt und steckte das vom Nasenblut durchfeuchtete Taschentuch wieder in die Rocktasche. ,, Ja, ja, Ihr unschuldsvollen Engel! In welcher Partei gewesen?" wollte der ,, Eiserne" wissen. Als er mit Sozialdemokrat" antwortete, erhielt er einen Kinnhaken, daß er zurücktaumelte und den Hintermann ins Wanken brachte. " Willst Du Sack wohl stillstehen!", und schon hatte auch dieser, der sich als Kommunist bekannte, einen Fußtritt in die Leiste, daß er sich vor Schmerzen krümmte und niederkniete. Inzwischen hatten Schubert und Saathof sich weitere Zugänge als Zielscheibe ihrer Brutalität erkoren. Ein Krimineller, im KZ als BV gleich Berufsverbrecher bezeichnet, und sein Nebenmann, ein§ 175er, erhielten gleichfalls Backpfeifen und Faustschläge ins Gesicht. Warum stehen Sie nicht aufrecht?" wollte der Saathof von einem alten, etwas schwerhörigen Invaliden wissen. ,, Herr Wachtmeister, kann ich irgendwo austreten, ich habe ein schweres Darmleiden". Der Alte erhielt ausnahmsweise keinen Faustschlag oder Fußtritt, sondern den bestimmt nicht erwarteten Rat: Der Block lichen Uterm wurde, aufs I herauszubring gegen den Un Etwas leb serne" einen warum" fragt Worten zu en ,, Ich gebe Ih Stunden aufzu ,, Sch... Sie sich in die Hose! Lange haben Sie doch nicht mehr zu leben; was diese Kanaille noch für Wünsche hat, vielleicht soll ich ihm auch noch den A... abwischen." 50 Der Jude Gebrauch gen dem Appellp beseitigte, lief rend der übe die Juden sta dürftigster K Ein evans ,, Eisernen" in etwas gegen Todsünden, Und dann h geholt und to ,, Nein", meinde hat Der Eis auf schließer führern, der Mengen aufg müßte, Nich kam der mu war längst v vielleicht wa Hinlege Eiserne" si von Kälte u und die gan walzend über alle hatten Walstatt geb einer wurde leiden. Ihn Wie der Tot Todesursach Kreislaufstör gen, Hunger Die Bar sich die G die enge Tu litischen Ab Lager gekon einige Faust 4* eedecke hintenkopf und m. Dem eleke Reiter vordie Zugänge, fen mit den nger als zwei ,, Zugänge" uf zwölf vorer Uhrzeiger zum Mittagom Tor her hrte" hustet sehenden SSkommt mit gdalla, Nicht wir nunmehr ar die Frage ied, Zynisch Schubert und emerkte, daß sicht belehrte ich wissen!" t haben, ehe n wem weiß s vom Nasenocktasche, er Partei geSozialdemoB er zurückte, n hatte auch ußtritt in die niederkniete, itere Zugänge rimineller, im sein Nebenn und Faustr Saathof von en. eten, ich habe usnahmsweise estimmt nicht Sie doch nicht Wünsche hat, wischen," Der Blockführer Schubert hatte sich den katholischen Geistlichen Utermann, der in seiner Priesterkleidung eingeliefert wurde, aufs Korn genommen. Offenbar war aus ihm nicht viel herauszubringen, und so kam er mit einigen harten Püffen gegen den Unterleib davon. Etwas lebhafter ging es im letzten Glied zu, wo der ,, Eiserne" einen Juden aufstöberte und ihn nach ,, woher und warum" fragte. Es war ein Kaufmann, soweit aus den wenigen Worten zu entnehmen war. Der Eiserne" gab ihm einen Rat: ,, Ich gebe Ihnen einen Strick, mit dem Sie sich innerhalb 36 Stunden aufzuhängen haben, andernfalls ich nachhelfen werde". Der Jude hatte nach 36 Stunden von diesem Angebot keinen Gebrauch gemacht. Nach vier Wochen noch sah man ihn auf dem Appellplatz im Judenblock antreten. Wann die SS ihn beseitigte, ließ sich nicht feststellen, weil das Judensterben während der übergroßen Kälte zu einer Epidemie ausartete, denn die Juden standen oft halbe Tage lang mit leerem Magen in dürftigster Kleidung draußen. Ein evangelischer Pastor, Bokelo, ein Ostfriese, geriet dem ,, Eisernen" in die Finger. Daß er Pastor sei und von der Kanzel etwas gegen den Führer" gesagt hatte, gehörte zu den NaziTodsünden. Wutschnaubend fuhr er den jungen Pastor an: ,, Und dann hat die Gemeinde Sie nicht von der Kanzel heruntergeholt und totgeschlagen?" ,, Nein", war die ruhige und bestimmte Antwort ,,, die Gemeinde hat mir zugestimmt!" Der ,, Eiserne" war zunächst sprachlos, doch ließ alles darauf schließen, daß, im Verein mit den beiden übrigen Blockführern, der Pastor gesteinigt oder, da Eisstücke in rauhen Mengen aufgetürmt lagen, er unter diesen begraben werden müßte. Nichts von alledem. Mit einer schallenden Backpfeife kam der mutige Kanzelredner diesmal davon. Die Mittagszeit war längst vorüber, die ,, Zugänge" hatten kein Essen erhalten, vielleicht war ihnen auch schon ohnehin der Appetit vergangen. ,, Hinlegen!" gab Schubert das Kommando, nachdem der ,, Eiserne" sich entfernt hatte. Einige lagen schon im Schnee von Kälte und Schwäche überwältigt. Jetzt hieß es ,, Rollen", und die ganze Kolonne rollte, sich in Schnee und Eis ständig wälzend über den Appellplatz bis zur Aufnahme- Baracke. Nicht alle hatten diese Prozedur überstanden. Einige waren auf der Walstatt geblieben und mußten hinterhergetragen werden. Nur einer wurde gefahren, der Alte mit dem chronischen Darmleiden. Ihn brachte die Totenkarre in die Leichenkammer. Wie der Totenschein vermeldete, war eine Kreislaufstörung die Todesursache gewesen. Na ja, jedes Leben wird durch eine Kreislaufstörung beendet. Tod durch Erfrieren, durch Erschlagen, Hunger, Galgen oder Gas. Todesursache: Kreislaufstörung. Die Baracke B. war erreicht. Etwas schwerfällig erhoben sich die ,, Gerollten" und wurden unter Knüppelhieben durch die enge Tür getrieben. Aufnahme der Personalien in der Politischen Abteilung. Wer nicht angeben konnte, weshalb er ins Lager gekommen war, erhielt von Schubert zusätzlich noch einige Faustschläge oder Fuẞtritte. 4* 51 ,, Raus, ihr Säcke!" Abgabe der Effekten, Kleidung usw. in der Effektenkammer. Mit der in der Politischen Abteilung erhaltenen Karte, welche seine nunmehrige Häftlings- Nummer und Haftartbezeichnung als Politischer, Krimineller, Asozialer usw. aufwies, gings im Galopp weiter zum Baden, Gottseidank, das Wasser war warm und unter der Einwirkung der Wärme lebten die ,, Zugänge" wieder für einige Minuten auf. Abtrocknen. Ein wenig ansprechender Lappen, das Handtuch darstellend, wird ihnen an den Hals geworfen. Einkleidung. Ein zerrissenes Hemd mit einem Ärmel, Unterhose kaum bis zum Knie reichend, ein Paar defekte Strümpfe, Schuhe mit Ventilation, blau- weiß gestreifte Jacke und dazu Hose aus Holzstoff und einer halbwegs passenden Mütze, und die Ausstattung des ,, Zugangs" war fertig. ,, Zu fünfen antreten!" donnerte Schubert. Flüchtig musterte er noch die Kolonne und verschwand zum Tor hinaus. Alles atmete auf. Ein Häftling führte die Zugänge" in den Zugangsblock. Egon Nickel, ein Politischer, war Blockältester, der jedem seinen Tischplatz, sein Spind und Bett anwies und zudem noch Vorsorge getroffen hatte, daß für die Durchgefrorenen und von Hunger Gequälten noch eine Rübensuppe bereit stand. Weitere Kameraden stifteten noch einen Kanten abgesparten Brotes. Eine kurze Belehrung über alles Notwendige, was der ,, Neue" wissen mußte, fand statt, um vor unangenehmen Überraschungen durch die SS- Blockführer gesichert zu sein, und dann ins eiskalte Bett. beseitigt werd lung vor, was auf irgend ein der Sonderbe dalla, van D setzten die M Großziegelwer berichtet wi also nach Ve Frühling war es geworden, allerdings noch ein sehr ungemütlicher April. Der Kalender verzeichnete den 16. April 1940. Der Blockführer Baierle mit dem Spitznamen ,, Kleine Schweinebacke" brachte einen soeben eingetroffenen Trupp neuer Häftlinge zum Block B. Alle mußten sich wieder über den Appellplatz zum Bestimmungsort rollen. Ein großer, korpulenter Mensch vermochte das Tempo des ,, Rollens" nicht innezuhalten. Baierle half mit Fußtritten den am Boden hilflos Jammernden nach. Als letzter kam dieses bedauernswerte Opfer des SS- Sadisten vor dem Block B. an. Er erhielt drinnen Sonderbehandlung. In Kniebeuge gehend, mußte er einen Holzschemel mit gestreckten Arm halten. Sowie die Arme vor Schwäche zu sinken begannen, versetzte ihm Baierle unmenschliche Fußtritte in die Weichteile. Es war offensichtlich, daß der etwa 60jährige Mann mit einem schweren Herzleiden und mit einem Bruchleiden behaftet war. schen Behand zum Abendap geschafft wur Kurz nac Intellektueller KZ gebracht, morder- Proze beiden Mörde antragt. Kau siert, als au ihn mit Knu nach kaum e Ohnmächtig fiel er um, und Baierle schlug erneut auf ihn ein. Kameraden der Politischen Abteilung bemühten sich um ihn, denn sie mußten seine Personalien aufnehmen. Es war Wilhelm Hammer, geb. 18. 6. 1879, wissenschaftlich unständiger Arzt, fünffacher Dr.- Titel, Verfasser einer Reihe ärztlicher Schriften und ständiger Mitarbeiter der Wochenzeitschrift ,, Volkswohl" in Berlin, in der er in volkstümlicher Weise über Gesundheitsfragen, Ernährung usw. schrieb. Ein Arzt, der sich erlaubte, der Menschheit Ratschläge zu erteilen, wie man sich erhält, und dem Staat kranke, also ,, unnötige Fresser" aufzuhalsen, statt mitzuhelfen sie ,, um die Ecke" zu bringen, mußte 52 52 Platze getrag Ein Offi aus Köln, w SS- Mann ges verbat, daß Kriege als O das Opfer vo Tod trat nac Durch d einem Privat hüllter, alter der Baracke tergebracht autos und n Es mußte si leicht ein g kein besond merkt, daß hatten, Der Herrn, etwa herzleidend haftunfähig len, weshall sich setzen, Vernehmung Der mit heime Kom desberg, Köl haft befand, führen sei, mittels eine dung usw. in Abteilung erings- Nummer Ler, Asozialer Gottseidank, g der Wärme Abtrocknen, darstellend, Armel, Unterte Strümpfe, e und dazu Mütze, und Flüchtig muTor hinaus. ange" in den Blockältester, wies und zurchgefrorenen bereit stand, abgesparten Hige, was der ehmen Überzu sein, und ein sehr unen 16. April men ,, Kleine fenen Trupp wieder über großer, kor" nicht inneBoden hilflos nswerte Opfer hielt drinnen reinen Holzie Arme vor le unmenschtlich, daß der iden und mit neut auf ihn aten sich um en, Es war unständiger tlicher Schrifhrift ,, Volkseise über Gerzt, der sich vie man sich Fresser" aufringen, mußte beseitigt werden. Sein Schutzhaftbefehl sah eine Sonderbehandlung vor, was in der SS- Lagersprache bedeutete, ihn schnellstens auf irgend eine Art ins Jenseits zu befördern. Baierle hatte mit der Sonderbehandlung begonnen. Die weiteren SS- Sadisten Bugdalla, van Deezen, Fickert, Juhren, Knittler, Meierhofer usw. setzten die Mißhandlungen fort. Dr. Hammer kam nach dem Großziegelwerk Klinker worüber in einem besonderen Kapitel. berichtet wird- mit dem Erfolg, daß er am 16. Mai, also nach Verlauf eines Monats, an den Folgen dieser bestialischen Behandlung starb. Der Arbeitskarren brachte seine Leiche zum Abendappell ins Lager, von wo sie in den Leichenraum geschafft wurde. Auf der Totenliste stand: Nr. 18594 verstorben. Kurz nach Kriegsausbruch wurden alle politisch unsicheren Intellektuellen, Militärs, Wissenschaftler, Juristen usw, in die KZ gebracht. Aus Wien kam der Ankläger aus dem Dollfuẞmörder- Prozeß ins Lager. Er hatte die Todesstrafe gegen die beiden Mörder des österreichischen Bundeskanzlers Dollfuẞ beantragt. Kaum hatte der Richter das Tor zum Appellplatz passiert, als auch schon die SS- Sadisten über ihn herfielen und ihn mit Knüppeln und Fußtritten derart zurichteten, daß er nach kaum einer halben Stunde, furchtbar zugerichtet, tot vom Platze getragen werden mußte. Ein Offizier des ersten Weltkrieges, Dr. Lothar Erdmann aus Köln, wurde gleich beim Eintreffen ins Lager von einem SS- Mann geschlagen, was sich Dr. Erdmann mit dem Hinweis verbat, daß er Offizier sei und seine zwei Söhne im jetzigen Kriege als Offizier dienten. Erfolg: weitere Mißhandlungen, bis das Opfer vom Platz ins Revier geschafft werden mußte. Der Tod trat nach zwei Tagen ein. Todesursache: Kreislaufstörung. Durch das Tor fährt eine elegante Limousine, geführt von einem Privat- Chauffeur; neben dem SS- Mann ein in Decken gehüllter alter Herr. Der Wagen fährt über den Appellplatz nach der Baracke 56, in welcher die Politische Abteilung später untergebracht war. Seit wann kommen denn ,, Zugänge" in Privatautos und noch dazu in einer vornehmen Limousine zu uns? Es mußte sich um einen sehr vornehmen Gast handeln, vielleicht ein guter Freund von Adolf dem Erlauchten! Es war kein besonderer Tag, der 23. November 1942, nur sei vermerkt, daß es ungemütlich kalt war und wir schon geheizt hatten. Der Chauffeur führte den alten, vornehm gekleideten Herrn, etwa 70 Jahre alt, zu uns an den Tisch. Er war schwer herzleidend und nach dem mitgeführten ärztlichen Gutachten haftunfähig wegen Herzwassersucht. Die Füße waren geschwolEr mußte len, weshalb er mit Filzpantoffeln bekleidet war. sich setzen, und nur mit Mühe konnten die Kameraden bei der Vernehmung seine Aussagen vermerken. Der mitgebrachte Schutzhaftbefehl sagte aus, daß der Geheime Kommerzienrat Adolf Pochwadt, Kaolinwerke Köln- Godesberg, Kölner Straße 90, welcher sich seit Mai 1940 in Einzelhaft befand, weil schwer leidend, in den Krankenbau zu überführen sei. P. erhielt die Häftlings- Nummer 53 572 und wurde mittels einer Bahre ins Revier gebracht. Nach dem Appell 53 besuchte ich Pochwadt im Revier, wo er bereits von dem Pflegepersonal in einem gesondert stehenden Bett untergebracht war. Von ihm, der sein Ende voraussah, erfuhr ich seinen Fall, der hier wiedergegeben sei. Pochwadt hatte sich in einem Brief an den Reichswirtschaftsminister Funk beschwert. Seine Beschwerde galt dem Mitglied Nr. 17 der NSDAP, Ludwig von Freien- Seipoldsdorf. Dieser hatte ihn um 1,8 Millionen RM betrogen. Pochwadt hatte auf Anordnung der Partei dem Mitglied Nr. 17 als ganz altem Kämpfer eines seiner Werke verkaufen müssen, wofür selbstverständlich die festgesetzte Kaufsumme nicht bezahlt wurde. In dem Beschwerdebrief war der etwas derbe, wenn auch zutreffende Ausdruck ,, Schweinehund" sehr übel vermerkt worden, weshalb die Gestapo den Briefschreiber verhaftete. Pochwadts gesamtes Vermögen in Höhe von 18 Millionen RM wurde von der Partei beschlagnahmt. Man drohte ihm noch mit Anklage wegen Landesverrat und allen möglichen Delikten. Dieses alles mußte auf den Schwerkranken sehr niederdrückend wirken. Bei meinen Besuchen erfuhr ich, daß man von ihm noch wichtige Rezepte habe erpressen wollen, und zwar handelte es sich um ein neues Verfahren zur Herstellung von wetterfesten Farben, welche an Qualität die besten Ölfarben übertreffen sollten. Pochwadt hat die Freiheit nicht wiedergesehen; am 12. 12. 1942 ist er im Krankenbau des KZ verstorben. Als Hitler verkündete, die Polen ,, mit Mann und Roß und Wagen geschlagen" zu haben, wanderten die Polen in ungezählten Scharen, alt und jung, Männer und Frauen in die Konzentrationsläger. Ja, selbst vor Schulkindern wurde kein Halt gemacht. Vor allem galt es den Nazis, die polnischeIntelligenz auszurotten. Um mit einer recht hohen Zahl von ,, Kriegsgefangenen" und ,, Heckenschützen" aufwarten zu können, wurden die Schüler in den Schulen festgenommen, die Besucher der Kinos und Theater wurden gleichfalls abgeführt. So kamen die hohen Zahlen der Kriegsgefangenen und ,, Heckenschützen" zusammen; mit denen der OKW- Bericht alle Welt glauben machen wollte, welche Erfolge die deutschen Armeen erzielten. Sämtliche Zu 17 geführt, u sie in den B hatten, Nach Schubert und sie eine beso In der M dreitürigen K Fach eine m ein Korpuler Nachdem die gekippt, so den Boden auf den Kop dem Rücken gewöhnliche Beim Öff In den ersten Tagen des April 1940 langte ein Polentransport, etwa 600 Mann stark, im Lager an; in Bromberg und anderen Städten waren sie verhaftet worden, Polen und Deutsche durcheinander. Alle waren gut gekleidet und verfügten über reichliche Barmittel und wertvolle Effekten. Es waren Kaufleute, Fabrikanten, Gutsbesitzer, kurzum Angehörige der höheren Gesellschaftsschicht. Ein Verhaftungsgrund lag in keinem einzigen Fall vor. Man hatte es vor allem auf das Vermögen, Schmucksachen, Uhren und dergleichen abgesehen, alles Dinge, die sich die SS skrupellos aneignete. Der Empfang dieses Transportes fand im sogenannten ,, Kleinen Lager" statt, welches die Baracken 15, 16, 17 und 18 usw. umfaßte. 1 In diesem Transport befanden sich ebenfalls eine Anzahl kath. Pfarrer, an denen sich die Blockführer Baierle, Knittler, Meierhofer, Schubert, Fickert und andere besonders ausließen. 54 letzten Opfer aus, Blutübe schundenen revier gescha Bewachungs genug in der beschlagenen Kopf, daß Nach de der Baracke die vor Kält überliegender dort zu rei wannen zur wurden, wel Mitgebrachte Sowie Rauch viel zu, fil draußen ber sich die SS Mit einer Mann stark Kleidung na stande an, einander, M gange" ange Euch Poler die Worte, n racho zum Ein 70ja Arm genom Ganz zuletz sammenbrac der alte Ma hinderte, d mit den W dem Pflegeracht war. m Fall, der inem Brief Seine Beudwig von en RM beem Mitglied verkaufen Kaufsumme wenn auch merkt wortete. PochRM wurde ch mit Anten. Dieses end wirken. noch wichelte es sich festen Farfen sollten. 12, 12, 1942 Roß und in ungeen in die vurde kein polnische efangenen" die Schüler Kinos und die hohen zusammen, hen wollte, Polentransmberg und and Deutsche ügten über aren Kaufler höheren einem einVermögen, alles Dinge, ang dieses -statt, welte. ine Anzahl le, Knittler, ausließen, Sämtliche Zugänge wurden zunächst in den A- Flügel des Blocks 17 geführt, um die Personalien aufzunehmen. Von dort wurden sie in den B- Flügel getrieben, wo sie ihre Effekten abzugeben hatten. Nachdem dieses geschehen war, suchten sich Baierle, Schubert und die weiteren SS- Büttel ihre Opfer aus, mit denen sie eine besondere Teufelei vornahmen. In der Mitte des Barackenraumes stand einer der üblichen dreitürigen Kleiderspinde, groß genug, um in jedem Abteil oder Fach eine mittlere Person aufzunehmen. In jedes Fach wurde ein Korpulenter, die Pfarrer in erster Linie hineingezwängt. Nachdem die drei Fächer besetzt waren, wurde das Spind umgekippt, so daß die darin Befindlichen mit dem Gesicht auf den Boden schlugen. Dann stellten die SS- Teufel das Spind auf den Kopf. Beim nochmaligen Kanten lagen die Opfer auf dem Rücken, und zum Schluß erhielt das Spind wieder seine gewöhnliche Stellung. Beim Öffnen der Spindtüren fielen die zum Teil stark verletzten Opfer bewußtlos aus den Fächern auf den Boden heraus. Blutüberströmt, mit Nasen- und Schädelbrüchen und zerschundenen Gliedern mußten sie, schwerverletzt, ins Krankenrevier geschafft werden. Besonders viehisch benahmen sich die Bewachungsmannschaften, wenn die Mißhandelten nicht schnell genug in den Nebenraum zum Entkleiden gelangten. Mit eisenbeschlagenen Stöcken erhielten sie wuchtige Schläge auf den Kopf, daß das Blut aus den klaffenden Wunden spritzte. Nach dem Entkleiden wurden die Unglücklichen nackt aus der Baracke herausgeholt und ins Freie getrieben. Dort warteten die vor Kälte Zitternden, bis sie in den Wachraum der gegenüberliegenden Baracke 18 geführt werden konnten, um sich dort zu reinigen. Für die Reinigung standen nur Fußbadewannen zur Verfügung, die mit lauwarmem Wasser gefüllt wurden, welches in Tonnenwagen herangebracht worden war. Mitgebrachte Lebensmittel wie Wurst, Brot, Butter, Schinken sowie Rauchwaren wurden abgenommen. Um möglichst recht viel zu ,, filzen", wurde allen befohlen, die gesamte Habe in draußen bereit gestellte Behälter und Tonnen zu tun, aus denen sich die SS dann ausgiebig versorgen konnte. - 1000 Der Mit einem etwas später eintreffenden Polentransport Mann stark wurde keineswegs humaner verfahren. Kleidung nach zu urteilen, gehörte die Mehrzahl dem Arbeiterstande an, meist Landarbeiter. Wiederum alt und jung durcheinander. Mit Knüppeln und Ochsenziemern wurden die ,, Zugänge" angetrieben, als sie das Tor zur Hölle passiert hatten. ,, Euch Polenpack wollen wir unsere Kultur beibringen!" waren die Worte, mit denen sie begrüßt wurden, und so ging es in carracho zum Eingang des berüchtigten ,, Kleinen Lagers". Ein 70jähriger Mann wurde von seinem Sohn unter den Arm genommen, weil er nicht mehr vorwärts kommen konnte. Ganz zuletzt kam dieses Paar am Tor an, wo der Alte zusammenbrach und keinen Fuß mehr ansetzen konnte. So lag der alte Mann in den letzten Zügen, was jedoch Schubert nicht hinderte, dem Alten einen Fußtritt ins Gesicht zu versetzen mit den Worten: ,, Willst Du polnisches Schwein machen, daß 55 Du fortkommst?" Flehentlich bat der dabeistehende Sohn, den sterbenden Vater nicht zu mißhandeln. Als Antwort versetzte ihm Schubert einen Schlag mit dem Knüppel ins Gesicht. Mit einem Fußtritt ins Gesäß wurde der Sohn dem nächsten SSMann zugeschleudert. Die Krankenkarre holte die Leiche des alten Vaters zum Krematorium ab. Schubert zündete sich eine Zigarette an, mit denen er sich aus dem Bestande der ausgeplünderten Polen reichlich versehen hatte. Dem alten toten Polen nahm er noch Uhr und Brieftasche ab. Mit einem Transport, der am 20. 12. 1939 ins Lager kam, traf ein westfälischer Gutsbesitzer, der 70 Jahre alte August Klosterschulte aus Lünen ein. Laut Schutzhaftbefehl sollte er durch Sonderbehandlung schnellstens verschwinden, angeblich, weil er einquartierten Soldaten keine Betten, sondern nur Lagerstroh zur Verfügung gestellt hatte. Klosterschulte, ein gläubiger Katholik, war entschiedener Nazigegner, woraus sich die Anordnung der Sonderbehandlung erklärt. Der Blockführer Saathoff übernahm im Verein mit dem Blockführer Hoeẞ die ,, Behandlung", indem er täglich, sowohl beim Appell als auch im Block den Westfälinger mit einem eisenbeschlagenen Knüppel in unmenschlicher Weise verprügelte. Als ich Klosterschulte nach einigen Tagen im Bad wieder sah, war sein Körper mit blutunterlaufenen Striemen und offenen Wunden bedeckt. Anschließend wurde er zum ,, Klinker" geschickt, um durch Bugdalla die ,, Letzte Ölung" zu erhalten. Am Abend des 13. Januar 1940 brachte der Arbeitswagen den arbeitsunfähigen Klosterschulte ins Lager zurück. Er mußte in der Kälte mit zum Appell antreten. Ohnmächtig fiel er um. Saathoff versetzte ihm einige Fußtritte in die Weichteile und Rippen. Als Kl, sich nicht rührte, sprang Saathoff mit seinem ganzen Körpergewicht dem Kl. auf den Brustkasten, daß das Blut zum Mund_herausspritzte. Vier Kameraden trugen den Sterbenden ins Revier. Dort angekommen, konnte nur noch der Tod festgestellt werden. Die Untersuchung ergab als Todesursache: Zerrissene Lunge und Leber; die gebrochenen Rippen waren in die Lunge eingedrungen. Die Angehörigen wurden benachrichtigt, daß Klosterschulte an doppelseitiger Lungenentzündung verstorben sei. Dann folgte ein Beileidsschreiben nach folgendem Schema: Ihr Vater meldete sich vor einigen Tagen krank und wurde daraufhin unter Aufnahme im Krankenbau in ärztliche Behandlung gegeben. Es wurde ihm die bestmöglichste medikamentöse und pflegerische Behandlung zuteil. Trotz aller angewendeten ärztlichen Bemühungen gelang es nicht, der Krankheit Herr zu werden. Ich spreche Ihnen zu diesem Verlust mein Beileid aus. Der Verstorbene hat keine letzten Wünsche geäußert. Heil Hitler! Der Lagerkommandant. gez. Loritz. Zu jener Zeit war es noch üblich, daß die Leiche eines Verstorbenen den Angehörigen auf Wunsch ausgehändigt wurde. 56 In der Autog gerichtet und Untersturmfü drückte den sich die Ang Schausarg w Transportkist dieser Trans beim Eintref senken sei. Unter de der 62jährige schwächliche Kniebeugen Allen hier!" aufgenommer befehl diente Der im dem die deu die Tür zur blutig gesch blutete, Fau Was? Gesch nunmehr wu begleitenden Die aufg kleinen Einh welche ledig Wie es ihne nachfolgende Sohn, den rt versetzte Gesicht, Mit chsten SSLeiche des e sich eine der ausgealten toten Lager kam, alte August al sollte er angeblich, nur LagerIn gläubiger ch die Anührer Saatẞ die ,, BeIs auch im en Knüppel Osterschulte Körper mit edeckt, Andurch Bugrbeitswagen Er mußte fiel er um. chteile und mit seinem asten, daß den trugen konnte nur gergab als ebrochenen Angehörigen ppelseitiger n Beileidskrank und au in ärzttmöglichste teil, Trotz g es nicht, zu diesem eine letzten 1 ndant, eiche eines digt wurde. In der Autogarage wurde eine provisorische Leichenhalle hergerichtet und der Tote in einem Schausarg aufgebahrt. Ein Untersturmführer sprach am Sarge verbindliche Worte und drückte den erschienenen Angehörigen sein Beileid aus. Hatten sich die Angehörigen entfernt, dann wurde die Leiche aus dem Schausarg wieder herausgenommen und in eine plombierte Transportkiste gelegt. Ausdrücklich erging die Anweisung, daß dieser Transportsarg nicht geöffnet werden durfte, sondern beim Eintreffen auf dem Heimatfriedhof unverzüglich zu senken sei. verUnter den Angekommenen vom 9. 5. 1942 befand sich auch der 62jährige Gastwirtsgehilffe Arno Kubig, ein kranker und schwächlicher Mann. Die Überanstrengungen durch Rollen_und Kniebeugen ertrug er nicht. Mit den Worten: ,, So geht's Euch Allen hier!" endete sein Leben, noch bevor seine Personalien aufgenommen werden konnten. Der mitgeführte Schutzhaftbefehl diente uns als Ausweis seiner Person. Der im April 1941 eingelieferte Franzose Armand Faure, dem die deutsche Sprache fremd war, wurde beim Eintreten in die Tür zur Politischen Abteilung ohne irgend welchen Grund blutig geschlagen. Der Lagerführer Suhren fragte, warum blutete. Faure stotterte die Worte heraus: ,, Ich geschlagen!" ,, Was? Geschlagen? Das ist Belügen eines Vorgesetzten!" und nunmehr wurde der arme Armand von Suhren und dem ihn begleitenden Hauptscharführer Hecht viehisch mißhandelt. Die aufgeführten Beispiele sollen dem Leser nur einen kleinen Einblick gewähren in die Fülle der Aufzeichnungen, welche lediglich den Empfang der Neuankömmlinge betreffen. Wie es ihnen im Lager unter der SS weiter erging, werden die nachfolgenden Kapitel zeigen. Konzentrationslager Sachsenhausen PRÄMIENSCHEIN 719626 WERT: RM 1.00 K.L Sh. 7. 41. 500 000. Druck: Möller, Oranienburg Prämienschein 57 57 11. Kapitel Jch glaube auf Erden nur an Adolf Hitler. Jch bin zeitweilig bange, daß Gott neidisch werden könnte der überwältigenden Dinge wegen, die ein einziger demütiger Mensch vollbringt. Dr. Robert Ley. Einweisungsgründe ( Heydrichs Höllenpässe) und wie Von Göring ist behauptet worden, daß die Insassen der Konzentrationsläger den Abschaum der Menschheit darstellten und er es nicht verantworten könne, diese Dreckkübel mit ihrem Inhalt auszugießen. Wenn schon Göring die KZ mit Dreckkübel verglich, so durfte man sich nicht wundern, wenn in den nicht eingeweihten Kreisen der Bevölkerung wenige erfuhren die Wahrheit über die KZ und ihre Insassen allgemein die Meinung Geltung fand, daß die Nazis die übelsten Verbrecher von der stets gerühmten ,, Herrrenrasse" absperrten, und somit für das Volk ein unbedingtes Wohlwollen bewiesen. Wer waren nun die Insassen der Konzentrationsläger und aus welchen Gründen wurden sie ins KZ gebracht? Wer veranlaßte ihre Einweisung und was war der mittelbare oder unmittelbare Anlaß zur Verhaftung und zur Einweisung als sog. ,, Schutzhäftling"? Nach der ursprünglichen Lesart sollte der sog. Schutzhäftling vor seinen Mitmenschen geschützt werden. So ein Schutzhaftbefehl sah wie folgt aus: Der Landrat An Flensburg, den 9. Juli 1934- 103/2 den Bauern Herrn Nikolaus Cordsen in Großenwiehe. Im Auftrage der Staatspolizeistelle in Altona verhänge ich auf Grund§ 1 der Verordnung des Herrn Reichspräsidenten zum Schutze von Volk und Staat vom 28. 2. 1933 ( Reichsgesetzblatt I S. 83) in Verbindung mit§ 2 der Preus sischen sammlung vom 1. 6 haft, Sie schaft au yon Gro erwarten um Ihret erscheint gegen Sie Über den genden Kapi haft hatten können, wes Gefängnisstra Allgemein ,, Schutzhaftb schrieben vo tenbrunner. gleich; er w Zurück ließ wurde unter häftlingen. Politischen minelle der trugen die H Brustseite ü nungszeichen violette, die dreiecke ode Asos schwar Farbe des Die Träg Mehrzahl ke Sonstige Ein Verbrechertu verbrecher versehen w Amt als Spi kampfer aus Den Dol blieb diese seits dafür, eingelieferter dieser Vorsi Elementen die manche regime schw lung oder Nach d 58 nur an Adolf tweilig bange, en könnte der ewegen, die Mensch vollRobert Ley. sassen der darstellten kkübel mit ie KZ mit dern, wenn - und wie Insassen Hie übelsten absperrten, bewiesen, släger und Wer verre oder unng als sog. g. Schutzn. So ein 34- 103/2 nwiehe a verhänge Reichspräsi28, 2, 1933 der Preus sischen Ausführungsverordnung vom 2. März 1933( Gesetzsammlung S. 33) und§ 41 des Polizeiverwaltungsgesetzes vom 1. 6. 1931( Gesetzsammlung S. 77) gegen Sie die Schutzhaft. Sie haben durch Redensarten, die Sie mit der Wissenschaft aus der Bibel zu begründen suchen, die Bevölkerung von Großenviehe in einen Erregungszustand versetzt, der erwarten läßt, daß es zu ernsthaften Auseinandersetzungen um Ihretwillen kommt. Die Sicherheit Ihrer eigenen Person erscheint mir ausreichend gefährdet, um die Schutzhaft gegen Sie auf die Dauer von vier Tagen zu verhängen. In Vertretung gez. Carstensen. Über den Fall Cordsen wird noch in einem der nachfolgenden Kapitel berichtet. Die verhängten vier Tage Schutzhaft hatten Cordsen nicht zu einem folgsamen Nazi umformen können, weshalb man ihn nach der Verbüßung einer längeren Gefängnisstrafe ins Konzentrationslager brachte. Allgemein erfolgte die Einweisung mittels eines rotfarbigen. ,, Schutzhaftbefehls" vom RSHA in Berlin, schematisch unterschrieben von dem Leiter dieses Amtes Heydrich, später Kaltenbrunner. Dieser ,, Schutzhaftbefehl" kam einem Todesurteil gleich; er war ein Paß in die Hölle des Dritten Reiches; ein Zurück ließ dieser Höllenpaß nicht zu. Bei der Einlieferung wurde unterschieden zwischen Schutzhäftlingen und Vorbeugehäftlingen. Zu der ersten Kategorie zählten die sogenannten Politischen und Bibelforscher, während für Asoziale und Kriminelle der Begriff Vorbeugehäftling galt. Als sichtbares Zeichen. trugen die Politischen rote Dreiecke aus Stoff auf der linken Brustseite über der Häftlingsnummer und die gleichen Erkennungszeichen am rechten Hosenbein. Die Bibelforscher hatten violette, die Kriminellen grüne und die Asozialen braune Stoffdreiecke oder Winkel, wobei einzuschalten ist, daß später die Asos schwarz markiert wurden, nachdem braun zur geheiligten Farbe des Nazismus proklamiert worden war. Die Träger eines roten Winkels waren in ihrer übergroßen Mehrzahl keine Politischen, denn die einweisende Gestapo und sonstige Einweisungsstellen gaben die Anweisung, daß das NaziVerbrechertum nicht mit dem grünen Winkel für Berufsverbrecher( BV), sondern mit dem roten Winkel der Politischen versehen wurde, um so unauffällig das ihnen aufgetragene Amt als Spitzel gegen die unbedingten politischen Überzeugungskämpfer ausüben zu können. Den Dolmetschern und Schreibern der Politischen Abteilung blieb diese Tarnung nicht, verborgen und so sorgten sie ihrerseits dafür, daß die Politischen über den Charakter der neu eingelieferten Rotwinkelträger sofort informiert wurden. Trotz dieser Vorsichtsmaßnahmen gelang es zuweilen den getarnten Elementen doch Spitzeleien und Denunziationen zu betreiben, die manchem aufrichtigen Kämpfer gegen das verhaẞte Naziregime schwere Schädigung seiner Gesundheit infolge Miẞhandlung oder gar den Tod brachten. Nach der Aufrichtung der ersten Konzentrationsläger 1933 59 bevölkerte man diese zunächst mit den führenden Köpfen der kommunistischen und sozialdemokratischen Partei, weil die Nazis in diesen Personen mit Recht ihre entschiedenen Gegner sehen mußten. Nur so ganz nebenher wurden Bibelforscher, Kriminelle und Asoziale mit eingeliefert. Während des Sommers 1936 wurde eine Großaktion gegen die Asozialen eingeleitet, indem man die Landstraßen von den Handwerksburschen, Tippelbrüdern, ambulanten Händlern, Schaustellern, Zigeunern, kurzum von Leuten ,, säuberte", die nach Hitler- Himmlerscher These dem Herrgott den Tag wegstahlen. Hierbei sei eingeschaltet, daß der überwiegende Teil dieser ,, Asozialen" einem legalen Beruf nachging und Steuern zahlte, selbst wenn es sich um Gelegenheitsarbeiter oder unstät Beschäftigte handelte. Die wenigen Bettler oder harmlosen Originale, wie sie fast jeder Ort von jeher aufwies, fielen kaum ins Gewicht. Mit der Aktion von 1936 fand die Romantik des Wanderburschen und der fahrenden Gesellen ihr Ende. An ihrer Stelle übernahmen die Nazis das ,, Klinkenputzen", indem sie die Bettelei sofort im großen ,, organisierten" und die wenig Gebefreudigen mit mehr oder weniger bekannten Erpressermethoden zum Füllen ihrer ständig leeren Kassen nötigten. Am laufenden Bande wurden nun die neuen ,, Fechtklubs" gegründet, als da sind: KdF, WHW, Mutter und Kind, NSV und ungezählte Reichsverbände neben den lokalen Bettlervereinigungen mit den Anfangsbuchstaben NS. Nicht zu vergessen die sich regelmäßig wiederholenden öffentlichen Straßen- und Haussammlungen, die sämtlich zu ,, sozialen" Einrichtungen gestempelt wurden, nachdem man die durchweg bescheiden auftretenden asozialen Armen aus dem Felde geräumt und ins KZ gebracht hatte. Die Einweisung von Politischen nahm ungehindert ihren Fortgang, denn die Nazis sahen nunmehr auch in den Lesern von illegalen antinazistischen Blättern KZ- würdige Elemente, die man nicht frei herum laufen lassen konnte. Als im September 1939 der Krieg gegen Polen inszeniert wurde, erfolgten die Massenverhaftungen bekannter politischer Persönlichkeiten, die in endlosen Scharen in die KZ's gebracht wurden. Grund der Einweisung: Gefährdung der Sicherheit des Staates. In allen möglichen Wendungen oder Umschreibungen mußte die gefährdete Staatssicherheit herhalten. weiteres als den mußten. Mit der Betriebe der - nahm die wurde zwisc gemacht, Ko dern nicht g noch frei B Festgenomme dann auch P d, h, die Fi lohn pro Hä und Unterku mark pro Ta Unsummen a Zugrundelegu 3 RM für u Aus der lichen Rupe Androhung nis zu verle etwa 100 ve War es nicht die Staatssicherheit, dann wurde als Grund angegeben, daß der Verhaftete Unruhe in die Bevölkerung tragen könnte oder es war anzunehmen, daß er defaitistische Ideen ( Friedensfreund) verbreiten konnte. Dann kam die Verächtlichmachung der Staatseinrichtungen in Frage, Schädigung des Ansehens des Deutschen Reiches, Greuelpropaganda und unzählige weitere Verhaftungsgründe, sofern nicht in den vielen Fällen überhaupt auf die Angabe der Haftgründe verzichtet wurde. Bei den Ausländern waren durchweg keine Haftgründe angegeben, schon die Tatsache, daß sie keine deutschen Staatsangehörige waren, ließ ihre Überführung ins KZ als erforderlich erscheinen. Juden und Bibelforscher wurden ihres Glaubens wegen automatisch eingesperrt; Zigeuner galten ohne 60 00 teien festgen der Pfarrer Die beid und Josef Z dernach) kan absichtlich a eintrat, Ni Schutzhaftbe bau täglich im Nacken, schmutzige Der Gei Zeit später betreuer des meisters Gö teilung betra karte" 42 22 10 Tagen zu in der Umg Weber gegen mit seinen jagden zertr dern könne. Bei dies im Preise s freiheit, man mit sechs Ja Weber den zur Kenntn betreuende Copfen der weil die en Gegner elforscher, tion gegen aßen von Händlern, Derte", die Tag weggende Teil d Steuern der unstät harmlosen elen kaum 5 Wanderhrer Stelle m sie die enig Gebermethoden laufenden et, als da ungezählte en mit den regelmäßig ungen, die den, nachzialen Arhatte, dert ihren en Lesern mente, die September olgten die keiten, die Grund der In allen die gefährals Grund erung trasche Ideen eráchtlichng des Anunzählige len Fällen tet wurde. ründe anen Staatss erforderhres Glaualten ohne weiteres als asoziale Elemente, die von der Straße verschwinden mußten. Mit der Steigerung des Bedarfs an Arbeitskräften für die Betriebe der SS, der ,, Deutschen Ausrüstungswerke"- DAW -- nahm die Verhaftung auch der Facharbeiter zu, und daher wurde zwischen Deutschen und Ausländern kein Unterschied gemacht. Konnte z. B. der Bedarf an Schuhmachern und Schneidern nicht gedeckt werden, so wurde eine Razzia unter den noch frei Beschäftigten dieser Berufe durchgeführt, und die Festgenommenen dem KZ überwiesen. Von den KZ's bezogen dann auch Privatfirmen ihre billigen und willigen Arbeitskräfte, d. h. die Firmen mußten nach einem gestaffelten Tarif- Tagelohn pro Häftling an die SS bezahlen. Da sich die Verpflegung und Unterkunft usw. für einen Häftling auf kaum eine Reichsmark pro Tag stellte, so läßt sich sehr leicht errechnen, welche Unsummen aus der Arbeitskraft herausgeschunden wurden, unter Zugrundelegung von mindestens 6 RM pro Tag für Fach- und 3 RM für ungelernte Arbeiter. Aus der Akte des am 22. 12. 1939 eingelieferten kath. Geistlichen Rupert Mayer( 16 397) ging hervor, daß er sich, trotz Androhung des Erschießens, geweigert hatte, das Beichtgeheimnis zu verletzen. Es waren im August 1939 in Süddeutschland etwa 100 verdächtige Anhänger monarchisch eingestellter Parteien festgenommen worden, und über deren Vorhaben sollte der Pfarrer Aussage machen, was er ablehnte. Die beiden kath, Pfarrer Joh. Schulz( 28 620) aus Nickenich und Josef Zilliken( 28 621) aus Wassenach( zwei Orte bei Andernach) kamen ins Lager, weil sie sich in einem großen Lokal absichtlich abgewendet hatten, als Hermann Göring mit Gefolge. eintrat. Nichtachtung des Reichsmarschalls" verzeichnete der Schutzhaftbefehl. Als strafverschärfend mußten beide im Zellenbau täglich zwei Stunden den Sachsengruß, mit den Händen im Nacken, in Kniebeuge hockend, üben und im übrigen schmutzige Arbeit verrichten. Der Geist des Allgewaltigen von Karinhall spukte einige Zeit später wieder einmal durch das KZ, als der Kunstschätzebetreuer des ,, hochfeudalen" Reichsmarschalls und Reichsjägermeisters Göring, mit einem Schutzhaftbefehl die Politische Abteilung betrat. Emil Weber hieß er und erhielt die ,, Eintrittskarte" 42 229. Die Gestapo hatte ihm eine befristete Haft von 10 Tagen zudiktiert, weil er gemeckert" hatte. Die Landbesitzer in der Umgegend von Karinhall und der Schorfheide hatten Weber gegenüber ihren Unmut Ausdruck verliehen, daß Göring mit seinen Jagdgästen rücksichtslos ihre Felder bei den Saujagden zertrampelte und man nicht einmal Schadenersatz fordern könne. Bei dieser Sauwirtschaft wäre es kein Wunder, daß alles im Preise stieg und die Inflation komme und dann die Unfreiheit, man sei nicht einmal Herr über seine Kinder, die schon mit sechs Jahren von der HJ mit Beschlag belegt wurden. Daẞ Weber den Bauern und Nachbarn Recht gegeben hatte, kam zur Kenntnis der Gestapo, und darum wanderte der kunstbetreuende Meckerer ins KZ. Nach 10 Tagen konnte er seine 61 Arbeit in Karinhall wieder aufnehmen. Das Putzen der Kunstschätze und blind gewordenen Orden Görings war vordringlicher Freilassungsgrund! Sehr beunruhigend war für die Nazis das Auftreten der Hellseher, Wahrsager und Kartenleger. Die Zahl der Wahrsager hatte in den Kriegsjahren erheblich abgenommen, weil die Deutung der Zukunft aus dem Kaffeesatz, des Kaffeemangels wegen, nicht mehr gefragt war. Umso gefährlicher wurden die Hellseher angesehen; war doch schon vor dem Kriege der bekannte Hannussen wegen Gefährdung der Staatsgewalt und Beunruhigung des abergläubigen Adolf beiseite geschafft worden. Die Verhaftung aller bekannten Hellseher und deren Unterbringung im KZ wurde für Adolf ein Gebot der Stunde. Deshalb durfte sich auch William Steinert( 61 300) nicht wundern, daß man ihm das Handwerk legte, weil er schon 1939 vorausgesagt hatte, der Krieg würde nach mehr als vierjähriger Dauer verloren gehen. Er saß also im Lager und konnte allabendlich auf dem Appellplatz Josef Goebbels im Rundfunk den totsicheren Sieg und zum Schluß den ,, Endsieg" verkünden hören. Die Gruppe der Hellseher war ansehnlich groß; Adolf muẞ doch Furcht und Vertrauen zu ihnen gehabt haben, denn nach der Verhaftung Mussolinis im Juli 1943 wurden sämtliche Hellseher zur Kommandantur bestellt und ihnen aufgegeben, nun einmal ihre Hellsehergabe unter Beweis zu stellen, um Adolf Hitler zu verraten, wohin die italienischen ,, Staatsumstürzler" den Duce gebracht hatten. Angeblich soll der Tipp des einen Hellsehers Licht in das Dunkel um Mussolini gebracht haben. Daß die Hellseher sich hüteten, den Untergang des Nazireiches vorauszusagen, braucht nicht besonders erwähnt zu werden. Die Lagerbelegschaft in ihrer Gesamtheit sah ohnehin voraus, daß der Krieg verloren gehen müsse, dazu bedurfte es keiner besonderer Sehergabe. Wegen Verbreiten des Hirtenbriefes des Bischofs von Galen in Münster mußten die beiden Schüler Klaus Reichmuth( 41 650) und Klaus Rendtorff( 41 652), zwei Pastorensöhne aus Stettin ins Lager, das ihnen drei Monate Aufenthalt gewährte. Mit einer Philippika des Lagerführers wurden sie wieder nach Hause geschickt. Es seien noch einige Einzelfälle herausgegriffen, um darzutun, was alles den Nazis als Verhaftungsgrund triftig erschien. So wurde der Holländer Cornelius Arnold( 36 245) aus Rotterdam ins KZ gebracht, weil er auf rotspanischer Seite gekämpft hatte, eine Angelegenheit, welche die Gestapo in Deutschland wirklich nichts anging. Weiter brachte man den 14jährigen Polenjungen Zygmund Grzywinski( 37 602) wegen Sabotage ins wegen Schwächlichkeit vermochte er die schwere Arbeit beim Bauern nicht auszuführen. KZ Der Badedirektor Oskar Alexander( 40 732) aus Bad Bramstedt in Holstein hatte die Auflage erhalten, seinen Wohnsitz nicht zu verlassen. Als er zur Beerdigung eines Familienangehörigen nach Hamburg fuhr, brachte man ihn ins KZ, das er lebend nicht mehr verließ. 62 Wegen Ve dinand Kleme leistet hatte, sprechende, veltat: Anläßli Armes ,, Heil akt durch ein Doch nich Nazistaatsgefü an die niema staatsfeindlich der Tiroler K ling hukepack ihm beide Be bediente sich der es ihm er verteiler ausz lassen, sonde garten" bezei Die Begün Gruß mit Jude es Heinrich G von einem P dischem Reis wegen Kaffee sitzen mit Ju draht, Schlim invalide Theo gelähmten Ju lichen Handr Frau betreut, lehrten, Er 1 nachdem er heide über d Das Verb der inneren I Das Weiterer wurden, wur ( 37 602) mußte Entlassung a erzählt hatte. wurde dort i Hier die Kommandant Berlin Ni An die G Betr, Sch Vorgang Für den auf weite befehl is Inden ungu der Kunstvordringftreten der Wahrsager weil die feemangels wurden die Kriege der ewalt und fft worden. ren Unterunde. Destwundern, 1939 vorwierjähriger konnte allRundfunk verkünden Adolf muß denn nach liche Hellgeben, nun um Adolf umstürzler" des einen cht haben. Nazireiches zu werden. in voraus, e es keiner von Galen uth( 41 650) aus Stettin ährte. Mit mach Hause , um darig erschien. aus RotterLe gekämpft Deutschland 14jährigen abotage ins vere Arbeit Bad BramWohnsitz milienangeKZ, das er Wegen Verächtlichmachung des deutschen Grußes kam Ferdinand Klement( 40.983) eines Tages bös an. Was er sich geleistet hatte, konnte nur durch einen KZ- Aufenthalt und entsprechende ,, Erziehung" gesühnt werden. Hören wir seine Freveltat: Anläßlich einer Naziveranstaltung grüßt alles erhobenen Armes ,, Heil Hitler", und dieser Klement wagt es, diesen Gruß akt durch einen unverschämt lauten Pf... zu diffamieren. Doch nicht nur durch solche Missetaten allein konnte das Nazistaatsgefüge Schaden leiden, nein, es gab tausenderlei Dinge, an die niemand dachte. Meistens genügte schon der Verdacht staatsfeindlicher Tätigkeit. Zu diesen stark Verdächtigen gehörte. der Tiroler Kajetan Schörghofer( 41 481), den ein anderer Häftling hukepack in die Politische Abteilung bringen mußte, weil ihm beide Beine amputiert waren. In seiner Tiroler Heimat bediente sich der bedauernswerte Krüppel eines Selbstfahrers, der es ihm erlaubte, eine kommunistische Tätigkeit als Flugblattverteiler auszuüben(!!) Er hat das Lager nicht lebend verlassen, sondern endete auf einem Krankentransport ,, Kräutergarten" bezeichnet, durch Giftgas. Die Begünstigung von Juden, ja sogar schon ein flüchtiger. Gruß mit Juden genügte, jemanden ins KZ zu bringen. So erging es Heinrich Gerlach( 53 802), weil er einem Juden das Besohlen von einem Paar Schuhe ermöglichte. Das Befördern von jüdischem Reisegepäck kostete einem Kofferträger das KZ und wegen Kaffeetrinkens im öffentlichen Lokal und Zusammensitzen mit Juden kamen nicht wenige Sünder hinter Stacheldraht. Schlimm stand es mit den ,, Rasseschändern". Der Halbinvalide Theodor Straßer, 56 Jahre alt, war einer 65jährigen gelähmten Jüdin behilflich beim Einkauf und sonstigen häuslichen Handreichungen. Seit sechzehn Jahren hatte er die alte Frau betreut, bis die Nürnberger Gesetze ihn eines anderen belehrten. Er ließ sich nicht belehren und mußte daher ins K.Z, nachdem er zuvor schon einige Wochen im Arbeitslager Wuhlheide über diese ,, Rassenschande" nachdenken konnte. Das Verbreiten von Greuelmärchen und das Untergraben der inneren Front zählten mit zu den KZ- würdigen Verbrechen. Das Weitererzählen von Verbrechen, welche im KZ begangen wurden, wurde als Greuelmärchen angesehen. Max Bandusch ( 37 602) mußte es erfahren, weil er wahrheitsgemäß nach seiner Entlassung aus dem KZ von dem Leichenverbrennen im KZ erzählt hatte. So kam er als ,, Rückfälliger" wieder hinein und wurde dort jämmerlich von der SS verprügelt. Hier die Akten eines Fernschreibens aus den Akten der Kommandantur: Berlin Nü. 139. 830 3. 9. 41. 15,40 NU. An die Gestapo- Leitstelle in Prag... Betr. Schh, gegen Anton Schreiber, geb. 24. 3. 07 in Ritschau. Vorgang dort, Bericht vom 4. 8. 41. Roem, 2 D H Nr. 19 280. Für den Obengenannten ordne ich hiermit Schutzhaft bis auf weiteres an. Haftprüfungstermin 1. 12. 41. Schutzhaftbefehl ist wie folgt festzustellen: Indem er durch seine Betätigung als Gesundbeter einen ungünstigen und unheilvollen Einfluß ausübt, damit er63 hebliche Unruhe in weite Kreise der Bevölkerung trägt und die angesichts des Krieges besonders wichtige Geschlossenheit der inneren Front zu untergraben unternimmt. Sch. ist in das K Lg Sh zu überführen. Überführungsvordruck, Schutzhaftbefehl und kurzer Bericht zur Unterrichtung der Lgkt, sind dem Transport mitzugeben. RSHA. Roem 4 C 2 H Nr. 10 130. Heydrich/ Ne. Dem Denunziantentum war Tür und Tor im Dritten Reich weit geöffnet. Wer einen unliebsamen Nachbar, einen hartnäckigen Gläubiger, kurzum, sich einen persönlichen Feind vom Halse schaffen wollte, den zeigte er den willigen Achtgroschenjungen der Gestapo als Staatsfeind oder dergl. an. Ohne irgendwelche Nachprüfung der Anschuldigung nahm die Gestapo die Verhaftung vor und erwirkte einen Höllenpaß, genannt ,, Schutzhaftbefehl für das Konzentrationslager, und der Denunziant war seinen unbequemen Nachbar los. Nachstehend folgt ein besonders krasser Fall, welcher in allen Einzelheiten nachweist, wie ein Naziverbrecher seinen politischen Gegner ins KZ und in den Tod brachte: Der Amtsvorsteher als Ortspolizeibehörde. 64 Schutzhaf anlassung Wie nicht folg. Petersen richtsgefängni gefertigte Sch aussah: Geheime Sta Geheimes Sta B. Nr. II D H VorGebur Beruf Famil Staats Religi Rasse Wohn Viöl, den 26. August 1939. U. den Herrn Landrat Schloß vor Husum. Betr. Anzeige gegen den Bäckermeister Hans Petersen in Viöl und dessen Inhaftnahme. Auf Grund der anliegenden Vernehmungen ersuche ich hiermit den Herrn Landrat, den Bäckermeister Petersen in Viöl in Schutzhaft zu nehmen und ihn der Geheimen Staatspolizeistelle zu überliefern. Petersen hat es anscheinend darauf abgesehen, unter der Bevölkerung eine schlechte Stimmung zu verbreiten und die deutschen Nachrichten sehr ins Unwahre und Lächerliche zu ziehen. Schon im vorigen Jahr hat er bei der Sudetenkrise ähnliche Äußerungen getan. Er kommt hier von Haus zu Haus, um seine Backwaren abzusetzen, es ist deshalb anzunehmen, daß er in mehreren Häusern solche Äußerungen getan hat und gerade bei unseren Frauen eine sehr miese und drückende Stimmung hervorbringt. Er ist hier als scharfer Gegner von früher her bekannt und in den letzten Jahren entwickelte er sich als Miesmacher und Meckerfritze. Den Hitlergruẞ lehnt er bis jetzt noch ab. Die Erregung hier im Orte ist sehr groß," besonders unter den Parteigenossen. Ich halte es für dringend notwendig, daß es solchen Kreaturen unmöglich gemacht wird, daß sie jetzt, wo die ganze Bevölkerung ruhige Nerven behalten muß, noch von Haus zu Haus gehen können, um eine schlechte Stimmung zu verbreiten. Ich sehe mich deshalb genötigt, ihn in Polizeigewahrsam nehmen zu lassen und bitte, ihn wegen seiner Äußerungen und wegen der großen Erregung hier im Orte in Er ge Fests die S hetze Bevöl 5 Lienau, Zwölf -Tung trägt ichtige Ce- ben unter- iren, Über- er Bericht \Sport mit- Irich/Ne, itten Reich inen hart- Feind vom htgroschen- hne irgend- sestapo die nt„Schutz- Denunziant welcher in seinen PO- ‚ugust 1939, I; Petersen in ersuche ich Petersen IN men Staats- ‚nscheinen » schlechte ‚ichten sehr im vorigen erungen ge seine Back- daß er in und gerade xende Stim- Gegner von entw ickele itler; der Er Schutzhaft zu nehmen und diesen Fall zur weiteren Ver- anlassung der Geheimen Staatspolizei zu übergeben. Der Amtsvorsteher gez. Carstensen/Hermann. Wie nicht anders zu erwarten, hatte diese Denunziation Er- folg. Petersen wurde verhaftet und. zunächst in das Kieler Ge- richtsgefängnis gebracht, bis der vom RSHA in Berlin aus- gefertigte Schutzhaftbefehl, lies Höllenpaß, eintraf, der wie folgt aussah: - Geheime Staatspolizei Geheimes Staatspolizeiamt Berlin SW 11, 20. Sept. 1939. B. Nr. II D Haft— Nr. 3417 Schutzhaftbefehl. Vor- und Zuname: Hans Petersen Geburtstag und-ort: 20. 4. 92, Sörupholz Beruf: Bäckermeister Familienstand: Verh. Staatsangehörigkeit: RD. Religion: Ev. Rasse(bei Nichtariern anzugeben): Wohnort und Wohnung: Viöl wird in Schutzhaft genommen. Gründe: Er gefährdet nach dem Ergebnis der staatspolizeilichen Feststellungen durch sein Verhalten den Bestand und die Sicherheit des Volkes und Staates, indem er durch hetzerische‘ und. defaitistische Reden Unruhe in die Bevölkerung trägt. gez. Heydrich Beglaubigt: gez: Bieper Kanzleiangestellte Hans Petersen 5 Lienau, Zwölf Jahre Nacht 65 Die Behauptung des denunzierenden Amtsvorstehers, die Erregung im Orte sei außerordentlich groß gewesen, trug den Stempel der Lüge an der Stirn; denn Petersen genoß die größten Sympathien im Dorf. Er wußte sich eins mit den Friedensfreunden, gerade in jenen Tagen, als die Kriegshetze gegen Polen ihren Höhepunkt erreichte, die am 3. September den Angriff auf Polen auslöste. Petersen wurde in das KZ Sachsenhausen transportiert. Bis zum 25. 1. 1942 hat er das Martyrium ausgehalten. Ein Telegramm des Kommandanten setzte seine Frau davon in Kenntnis, daß ihr Ehemann an Bronchopneumonie verstorben sei und weitere Nachricht durch die Gestapo abwarten solle. Die vorausgegangenen Bemühungen der Ehefrau, ihren Mann aus dem KZ wieder herauszubekommen, waren erfolglos; denn auf Anweisung des Amtsvorstehers Carstensen sollte sein politischer Gegner Petersen die Freiheit nicht wieder sehen, wie die von mir aufgefundenen Schriftstücke in der Akte Petersen untrüglich bewiesen. In Sachen Petersen finden sich die Schriftstücke in Faksimile auf dem Umschlag am Schlusse des Buches. Obwohl dieser Amtsvorsteher den Tod Petersens auf dem Gewissen hatte, besaß er die Unverfrorenheit, beim Entnazıfizierungs- Ausschuß in Husum seine Einstufung möglichst als Mitläufer zu erwirken. Der am 1. 2. 1949 in Husum tagende Entnazifizierungs- Ausschuß stufte den ehemaligen Amtsvorsteher und Ortsgruppenleiter Carstensen in Gruppe III ein, legte ihm eine Buße von DM 4000,- auf zuzüglich die Kosten des Verfahrens und übergab die Akten der Staatsanwaltschaft zur weiteren Verfolgung des Falles wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Weil Läch Nazis lächerli von der Büh gab eine Zeit, wurden, weil dium des Pul besten Vortra mit Vorname teilung des K befehl: Veräc Hören wi bedeuten, üb nichts gesagt. ich bezahlt u eigenartiges V würde, Scho Wir Wilhel Wilhelm usw kurze Beine kurzes Bein, sagte das ver Goebbels rief war für Wer er das Publik Beim nä er sagte nich sich einen m hatte und m Publikum sp verlangte, da schließlich w Man müßte eigentlich der Ansicht zuneigen, daß der Nazistaat mit seinen 99 Prozent Jasagern durch das eine Prozent ,, Miesmacher" und ,, ewig Gestriger" nicht in seinen Grundfesten zu erschüttern wäre. Die Massenverhaftungen durch die Gestapo haben uns jedoch eines anderen belehrt. Schriftsteller, Dichter, Musiker, Zeichner, Maler, Kabarettisten neben anderen Intellektuellen brachten Hitlers Herrschaft ins Wanken und daher galt es in erster Linie diese Personen zu beseitigen und ins KZ zu bringen. Der friesische Dichter und Sprachforscher Jens Mungaard aus Keitum/ Sylt gefährdete durch seine Sprachforschungen die Einheit der deutschen Sprache, weshalb er ins KZ wandern mußte. Am 15. 2. 1940 ist er dort an einer schweren Lungenentzündung gestorben; der Kommandant versagte die Aufnahme des Schwerkranken im Revier und so hauchte Mungaard sein Leben auf einem Strohsack in der Baracke 27 aus. Die häufig gehörte Meinung, daß Göring die über ihn gemachten Witze honoriere, ist natürlich eine Fabel. Wer Glossen und Witze über den Staat und die Männer um Hitler riẞ, dem drohte man zunächst mit dem KZ, und im Wiederholungsfalle wurde die Festsetzung hinter Stacheldraht bitterer Ernst. Nie sind so vorzügliche Witze und in unübersehbarer Zahl entstanden und kolpotiert, als zur Zeit der Nazis. Als das schnallte We die wenigen Teil ist vorb zum Anfange ihn fest, um lesen, Werne sönlichkeiten nächsten Au mäßig seines Vor dem der Kabarett vorzutragen. langweilig u Darauf richt zwei Meter H Vorlage, eine alles!" Das tan begeister ring und and nicht von K 5 99 66 tehers, die , trug den B die größen Friedensnetze gegen tember den KZ Sachsen- das Maranten setzte an Brontdurch die hungen der bekommen, stehers Carreiheit nicht iftstücke in en Petersen Umschlag ms auf dem m Entnaziöglichst als um tagende mtsvorsteher , legte ihm en des Vertschaft zur gegen die B der Naziine Prozent Grundfesten rch die Gechriftsteller, Den anderen Wanken und seitigen und s Mungaard chungen die Z wandern ren Lungene Aufnahme ngaard sein S. ber ihn geWer Glossen Hitler riß, ederholungsterer Ernst, barer Zahl Weil Lächerlichkeit tötet, so mußten diejenigen, welche die Nazis lächerlich machten, von der Bildfläche, d. h. zunächst von der Bühne verschwinden. Sie wanderten ins KZ. Es gab eine Zeit, wo fast täglich bekannte Kabarettisten eingeliefert wurden, weil sie ganz vorzügliche Witze zum größten Gaudium des Publikums zum Vortrag gebracht hatten. Einer der besten Vortragskünstler aus einem Berliner Kabarett, Werner mit Vornamen, sah sich eines Tages in der Politischen Abteilung des KZS wieder. Grund der Einlieferung lt. Schutzhaftbefehl Verächtlichmachung führender Persönlichkeiten. Hören wir, was Werner auf den Brettern, die die Welt bedeuten, über die Nazigrößen gesagt hatte: ,, Ich habe gar nichts gesagt. Ich mußte etwas vortragen; denn dafür werde ich bezahlt und so bemerkte ich nur, daß die Deutschen ein eigenartiges Volk seien, weil dort soviel im Plural gesprochen würde. Schon bei Wilhelm II. fiel es auf, daß er stets von Wir Wilhelm von Gottes Gnaden" sprach, statt von ,, Ich, Wilhelm usw." Nehmen wir das Sprichwort: ,, Lügen haben kurze Beine warum sagt man nicht: Der Lügner hat ein kurzes Bein. Mehr habe ich nicht gesagt, denn das Weitere sagte das verehrte Publikum, indem es hundertfältig den Namen Goebbels rief, woran ich es nicht hindern konnte." Die Folge war für Werner zunächst Verwarnung durch die Gestapo, weil er das Publikum gereizt habe. - Beim nächsten Auftreten war Werner etwas vorsichtiger; er sagte nichts, und vermochte auch nichts zu sagen, weil er sich einen mächtigen Hundemaulkorb über den Kopf gestülpt hatte und mit diesem auf der Bühne auf und ab ging. Das Publikum spendete Lachsalven, trampelte mit den Füßen und verlangte, daß Werner zumindest einige Worte sagte, denn schließlich will es doch etwas für sein Eintrittsgeld haben. Als das Toben des Publikums kein Ende nehmen wollte, schnallte Werner sich den Hundemaulkorb ab und sagte nur die wenigen Worte: ,, Meine Damen und Herren, der politische Teil ist vorbei, jetzt fange ich an." Werner kam nicht mehr zum Anfangen; denn jetzt fing die Gestapo ihn ein und setzte ihn fest, um ihm noch einmal ernsthaft ein Privatissimo zu lesen. Werner versicherte, wirklich nichts gegen leitende Persönlichkeiten gesagt zu haben und verpflichtete sich, beim nächsten Auftreten völlig zu schweigen, obwohl er vertragsmäßig seines Honorars wegen etwas vortragen mußte. Vor dem wieder zahlreich erschienenen Publikum kroch der Kabarettist im Kreis auf der Bühne herum, ohne etwas vorzutragen, Dem Publikum wurde das lautlose Herumkriechen langweilig und rief ihm zu: ,, Warum kriechen Sie denn?" Darauf richtete Werner sich in seiner ganzen Länge von etwa zwei Meter Höhe auf und bemerkte nur, daß keine Veranlassung vorläge, eine solche Frage zu stellen, denn heute krieche doch alles!" Das war der Gestapo erst recht zu viel. Bei einer spontan begeisterten ,, Volksgemeinschaft", die Hitler, Goebbels, Göring und anderen Größen zujubelte, durfte auch der Kabarettist nicht von Kriechern sprechen. Folge: Letzte Vermahnung. 5* 67 Was nun machen. Engagement verlieren oder versuchen etwas vorzutragen, was nicht als Glosse gedeutet werden könne. Vor wiederum vollbesetztem Hause stand Werner auf der Bühne und überlegte, ob er etwas sagen solle oder etwas Mimik genüge. Weiter kam er nicht in seinem Nachdenken; denn urplötzlich versagte das Licht, und Werner mußte sich mit einer Taschenlampe anstrahlen, um dem Publikum sowohl als auch der Variete- Bühnenleitung zu beweisen, daß er wirklich da sei. Mit der Taschenlampe bewaffnet, stieg er vom Podium herab und begab sich unter das Publikum, wo er am Boden zwischen den Sitzplätzen nach irgend etwas suchte. Darob großes Gelächter und Zurufe aller Art, was Werner veranlaßte, wieder auf die Bühne zu steigen und von dort zu verkünden: Meine Damen und Herren! Ich glaube, Ihnen versichern zu können, beim Volke liegt es nicht, es muß an der Leitung liegen! Nun war es mit der Geduld der Gestapo aus, denn offenbar handelte es sich nicht um eine Bemängelung der Lichtleitung, sondern der Staatsleitung, und daher verfügte das Reichs- Sicherheits- Hauptamt die Einweisung des Spötters ins KZ. Würde man alle Einweisungsgründe einzeln aufführen, so reichte selbst das Mehrfache dieses Buches an Umfang nicht aus. Nicht unerwähnt soll bleiben, daß Anton Kloucek( 39 485) ins KZ kam, weil er in einem Lokal den Wirt aufforderte, das Radio abzustellen, als der OKW- Bericht mit den sensationellen Siegesnachrichten durchgegeben wurde. Weiter der Chauffeur Kurt Töpfer( 40 680). Er hatte auf der Autobahn mit seinem Wagen das Auto eines vor ihm fahrenden SS- Obergruppenführers überholt; Grund genug, dem Überholer eine Überholung im KZ zuteil werden zu lassen. Selbst Vegetarier waren nicht vor dem KZ sicher. Das mußte der Rechtsanwalt Otto Rauth aus Leipzig( 42 872) erfahren. Er war in Mexiko Anhänger der Maz- daz- nan- Lehre geworden, die eine vegetarische und naturgemäße Lebensweise vorsieht. Das Bestreben der werktätigen Bevölkerung, Lohn- und Arbeitsbedingungen durch Stellenwechsel zu verbessern, wurde als Arbeitssabotage oder Arbeitsverweigerung mit KZ bestraft, und zumeist die Eingewiesenen den Asozialen zugesellt. Die Gestapo verfuhr hier sehr willkürlich; denn zuweilen sah sie in Arbeitsverweigerung ein politisches Delikt. Bei der Einweisung von Kriminellen wurde ebenfalls recht willkürlich verfahren. In nicht wenig Fällen wurden Handwerker als Berufsverbrecher( BV) eingewiesen, die überhaupt keine Vorstrafe hatten und so mit dem Odium eines Kriminellen zu Unrecht belastet waren. Die Zigeuner galten ohne weiteres als Asoziale, obwohl die überwiegende Zahl als seẞhafte Bewohner einen Beruf oder ein Gewerbe ausübten und auch Steuern zahlten, wie schon vorhin vermerkt. Auch im Lager haben sich die Zigeuner in allen Arbeitskolonnen als wirklich willige Arbeitskameraden erwiesen, so daß das Argument des Asozialen völlig absurd war. Die Behandlung der Zigeuner war nicht so brutal wie diejenige, welche man den Juden zuteil werden ließ. Es sei hier noch eingefügt, daß ein sog. Arier ins KZ kam, und zwar war es der seit 15 Jahren mit einer Zigeunerin zu68 sammenlebend Er wurde au lassen, weil timsten Angel sich die Ges Ausländer mi anbändelte, i Deutsche Volksgruppen ersehen läßt, untergebracht Bemerkt sei ,, Segnungen" wurde zunäc gesunde Volk widriges Tre junge Bronis jährigen deu gegangen wa Die Einv unfähigen Al gültigen Aus die Umstellu zureichende standsfähiger zumal, wenn geschah. 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Er wurde’ aufgefordert, die Zigeunerin mit den Kindern zu ver- lassen; weil es den ‚„Rassegefühlen widerspräche“.. In die in- timsten Angelegenheiten des Liebes- und Familienlebens mischte sich die Gestapo ein. Wer als slavischer oder romanischer Ausländer mit einer Deutschen intim verkehrte oder auch nur anbändelte, ihr ein Angebinde machte, wurde mit RZ bestraft. * Deutsche Staatsangehörige, die mit Mädchen vorgenannter Volksgruppen verkehrten, traf die gleiche Strafe, woraus sich ersehen’ läßt, welch’ unendliche Zahl dieser Liebesleute im KZ untergebracht wurde, die wirklich nichts verbrochen hatten. Bemerkt sei noch, daß jeweils auch dem Liebespartner die „Segnungen“ des KZ zuteil wurden. Als Einweisungsgrund wurde zunächst auf: dem Schutzhaftbefehl vermerkt:„Hat das gesunde Volksempfinden auf das gröblichste verletzt“. Als sitten- widriges’ Treiben wurde angegeben, daß der polnische Schul- junge Bronislaw Gancasz(12 Jahre alt)(52735) mit seiner eli- jährigen deutschen Schulkameradin Hand in Hand spazieren gegangen war. Die Einweisung von Krüppeln, Lahmen, Blinden, arbeits- unfähigen Alten geschah offensichtlich zu dem Zweck der end- gültigen Ausmerzung dieser bedaueruswerten Geschöpfe. Schon die Umstellung auf schlechte Kleidung, Unterbringung und un- zureichende Ernährung brachte diesen nicht mehr so wider- standsfähigen Leuten zumeist in den ersten Wochen den Tod, zumal, wenn ihre Einlieferung in der ungünstigen Winterzeit geschah, Die bestialische Behandlung durch die Blockführer tat ein weiteres, um die Zahl der Kategorie:— Alte und Krüppel— so stark zu dezimieren, daß nach einigen Wochen auch der letzte dieser Unglücklichen das Lager durch den Schorn- stein des Krematoriums verlassen hatte, Aus allen Gauen und Ländern brachte die SS und die Ge- stapo die Ausgemergelten mit dem Vorsatz zusammen, sie als unnütze Esser zu beseitigen. Warum brachte sie den blinden 8&0jährigen Serben- Idriz Music(39143), einen Greis, der von seinen Nebenmännern gestützt wurde, ins Lager? Man mußte den Kopf schütteln, daß als Einweisungsgrund: Gemeingefähr- licher Verbrecher angegeben war. Die Zahl derartiger Begrün- dungen für die Einweisung ins KZ läßt sich an Hand der mir vorliegenden Unterlagen um ein hundertfaches vermehren. Ein besonderes Kapitel waren die Homosexuellen, kurz 175er genannt, die durch einen rosa Winkel gekennzeichnet waren. Etwas für oder gegen sie zu sagen ihrer Veranlagung wegen, ist nicht meine Aufgabe. Lediglich soll hier festgestellt werden, daß man auch diese Leute ins KZ brachte, selbst dann, wenn nicht einmal der Beweis eines sexuellen Verfehlens gegeben war. Familienväter, die vor einem Menschenalter einmal eine Jugend- dummheit begangen hatten, sie wurden hier zu den schlimmsten Verbrechern gestempelt, dementsprechend behandelt und aus- gerottet, Die Ausrottung der Homosexuellen lag im System der mor- denden Lager-SS. In der Strafkompanie(SK) isoliert, wurden sie mit den schwersten und schmutzigsten Arbeiten ohne Rück- 69 sicht auf ihren Körperzustand beschäftigt. Wenn am Abend einige 175er auf der Strecke geblieben waren, dann gab sich die SS damit zufrieden. Erst als im Januar 1943 die Zahl der im Klinker verstorbenen Homosexuellen an einem Tage die Zahl von 24 erreicht hatte, wurde man auch in der Kommandantur etwas bedenklich. Es trat eine Pause ein, und die 175er konnten sich etwas mehr als Mensch fühlen. Wer von ihnen bei der Kapitulation noch am Leben war, durfte sich als ein vom Glück besonders Begünstigter betrachten. Neben den sonst üblichen Haftgründen fanden sich auch solche wie: Verdacht der illegalen Herstellung von Flugblättern und Treffen mit Gleichgesinnten. Dieses galt namentlich von ehemaligen KPD- Leuten und Anhängern der ,, Scheringer"- Fehmemordzeugen. Aufschlußreich waren ebenfalls die Transportzettel, welche die Gemeingefährlichkeit" der Gefangenen dartun sollten wie z. B. ,, Ausreißer" ,,, Fesselung unbedingt notwendig", Trägt Fluchtgedanken"," Größte Vorsicht" ,,, Fluchtgefahr ,,, Selbstmorder" ,,, Fesselung auch im Gefangenen- Sonderwagen". " Mit welch gemeinen Methoden die Gestapo arbeitete, um dem KZ neue Opfer zuzuführen, mag der Fall der Hochschulprofessoren der Universität Krakau dartun. Nach der Niederwerfung Polens wurden die Professoren, Dozenten, Studenten usw. zur Entgegennahme einer Verfügung in die Aula der Universität beordert. Als sich die Aula gut gefüllt hatte, wurden die Türen geschlossen, und alle darin befindlichen Angehörigen des Lehrkörpers als verhaftet erklärt und ins KZ Sachsenhausen gebracht, wo sie Anfang Dezember 1939 eintrafen. Der erste Transport umfaßte 60 Personen, welche die Häftlingsnummern 13 995-14 154 erhielten. Ihre Zahl stieg bis in den Januar 1940 hinein weiter an. Die Sterblichkeit dieser Professoren, die zum Teil alte Herren waren, darunter Ehrendoktoren der Leipziger und anderer deutscher Universitäten, war sehr hoch. Etwa ein Viertel der in Sachsenhausen eingelieferten Angehörigen des Krakauer Lehrkörpers ist durch Hunger, Kälte und unmenschliche Behandlung bis Ende 1940 vorsätzlich ums Leben gebracht worden. Grund: Ausrottung der polnischen Intelligenz. Was noch am Leben geblieben war, wurde zum größten Teil im Februar 1940 bedingt entlassen. Aber auch noch unter den nach Polen ,, in Freiheit" entlassenen Professoren räumte die Gestapo und SS weiter auf; kurz nach ihrer Rückkehr aus dem KZ verstarben an den Folgen der Entbehrungen und unmenschlichen Behandlung u. a. der Geologieprofessor Jan Navak, der Astronom Wilk, Professor der polnischen Literaturgeschichte Koiaczkowski, Professor der Pflanzenzucht an der agronom. Fakultät Wiodek, während der alte Sekretär der Universität Ottmann und der Ökonomieprofessor Heydel bei einer der ständigen ,, Sonderaktionen" erschossen wurden. An den Folgen der unmenschlichen Behandlung ist auch der Präsident der Polnischen Akademie der Wissenschaften, Professor Thaddäus Kowalski, im Frühjahr 1948 verstorben; seine 70 Angehörigen besten Kamer nach der Kap Über die die braune P teres zu lese die Intelligen schichte hat Überlegenheit davontrug. I weiter. Kurz vor am 18, Nove Prag und B nahme an ei hat nach un doch haben halten müsse werden, daß allen Häftling Opfer zu en Kranken im großer Teil die Zusamme mola, Alex Jahre meine Politischen A Waren s KZ im große noch wenige Opfers. Ob oder lagerfä Pro forma w vorgeführt u matisch ausg Ausdruck un fügte die Ge spiele laut Stapo Pl befund des ,, Lag zune Stapo K Er mäßi Gebis Weiter Bes becil Rechtsan vom 8. Juli am Abend gab sich die Cahl der im e die Zahl mandantur 175er konnmihnen bei als ein vom sich auch Flugblättern namentlich Scheringer" die TransGefangenen Dedingt not" Flucht-nen- Sonder" beitete, um Hochschulder NiederStudenten la der Unitte, wurden Angehörigen chsenhausen Der erste gsnummern Januar 1940 il alte Hernd anderer Viertel der kauer LehrBehandlung den. Grund: am Leben ar 1940 bereiheit" entweiter auf; en an den andlung u, a. k, Professor rofessor der ährend der Ökonomietionen" erg ist auch haften, Proorben; seine Angehörigen sandten mir die Todesanzeige. Er war einer der besten Kameraden, die ich im KZ kennen lernte; wir standen nach der Kapitulation im regen Briefwechsel miteinander. Über die Ausrottung der Intellektuellen aller Nationen durch die braune Pest wird in einem der nachfolgenden Kapitel weiteres zu lesen sein. Nichts war diesen Gesellen verhaßter als die Intelligenz; denn soviel hatten sie begriffen und die Geschichte hat es immer wieder bestätigt, daß die geistige Überlegenheit über die brutale Gewalt letzten Endes den Sieg davontrug. Dennoch ging die Vernichtung der Intellektuellen weiter. Kurz vor der Einlieferung der Krakauer Professoren trafen am 18. November 1939 von den tschechischen Universitäten Prag und Brünn 1100 tschechische Studenten ,, wegen Teilnahme an einer politischen Manifestation" in Prag ein. Man hat nach und nach den größten Teil der Studenten entlassen, doch haben noch viele von ihnen bis zum Schluß im KZ aushalten müssen. Den tschechischen Studenten muß nachgerühmt werden, daß sie zu den besten und hilfsbereitesten Kameraden allen Häftlingen gegenüber zählten. Wenn es galt, der SS ein Opfer zu entziehen, so war auf sie unbedingter Verlaẞ. Die Kranken im Revier stellten ihnen das beste Zeugnis aus; ein großer Teil war nämlich stud, med.; unvergeßlich bleibt mir die Zusammenarbeit mit Josef Zeman, Robert Janik, Oleg Homola, Alex Strobach und vielen anderen, die im Laufe der Jahre meine vertrautesten Mitarbeiter als Dolmetscher in der Politischen Abteilung waren. Waren schon die Haftgründe für die Überführung in das KZ im großen und ganzen wenig oder gar nicht stichhaltig, so noch weniger die körperliche Beschaffenheit des eingelieferten Opfers. Ob das Opfer der SS oder Gestapo haft-, transportoder lagerfähig war, darüber entschied nicht etwa ein Arzt. Pro forma wurde jeder ins KZ zu Überführende dem Polizeiarzt vorgeführt und ebenso pro forma wurden deren Atteste schematisch ausgestellt. Brachte ein Polizeiarzt sein Bedenken zum Ausdruck und erklärte den Häftling als nicht haftfähig, so verfügte die Gestapo die Haftfähigkeit. Nachstehend einige Beispiele laut vorliegenden Akten. Stapo Plauen vom 7. Juni 1940 über den Untersuchungsbefund des Schneiders Eduard Prosch( 25 950): ,, Lagerfähigkeit trotz dürftigen Ernährungszustandes anzunehmen." Stapo Karlsbad vom 4. Juli 1940 über Josef Seitz( 26 907): Atexis ,, Er ist beschränkt arbeitsfähig, er leidet an mäßigen Grades. Kachexie infolge Kauunfähigkeit des Gebisses, starke Abmagerung." Weiter über Heinrich Wagner( 26 908): ,, Beschränkt arbeitsfähig. Er leidet an geistiger Imbecilität bei erhaltenem Orientierungsvermögen." Rechtsanwalt und Notar Adam Kudrich( 26 885); Zugang vom 8. Juli 1940 von Stapo Oppeln: 71 ,, Er ist schwer nierenleidend, Überführung in ein KZ wird angeordnet, Krankenabteilung, voll arbeitsfähig und gesund." Der Polizeiarzt im Polizeigefängnis Königsberg/ Pr. urteilt über Franz Gerlach, Zugang vom 19. Dezember 1942: ,, Lagerhaft- und arbeitsfähig. Leidet an einem mannskopfgroßen Wasserbruch. RKPA ersucht um Mitteilung, ob G. so hergestellt ist, daß er später der Wehrmacht überstellt werden kann." Alle Bruchleidenden wurden im KZ operiert. Wer sich vor der Operation drücken konnte, tat es, denn es war bekannt, daß nur wenige Operierte am Leben blieben. Auch ich habe es vorgezogen, mein Leiden erst nach meiner Befreiung operieren zu lassen. In vorstehenden Fällen wurde gezeigt, daß neben fadenscheinigen Haftgründen auch vielfach Verdachtsgründe als ausreichend für die Überführung ins KZ galten. Doch waren auch Fälle gang und gäbe, daß jemand ins KZ kam, wenn er durch Freispruch vor einem Sondergericht von jeglichem Verdacht gereinigt wurde. Alfred Durych( 48 424), Zugang vom 22. September 1942, war vom Sondergericht Leitmeritz von der Anklage wegen Abhörens fremder Sender freigesprochen worden; dennoch kam er ins KZ. Die Zahl dieser Überführungsgründe läßt sich an Hand der vorliegenden Akten endlos weiterführen. Bald nach der Besetzung Norwegens landete der Geschäftsführer einer großen Berliner Pelzwaren- Firma im KZ. Zu ihm war eine recht vornehme Dame gekommen, um einen Pelz umändern zu lassen. Nachdem sich der Geschäftsführer den Mantel hat zeigen lassen, erklärte er, diesen nicht ändern zu wollen, Empört über diese Weigerung sagte die Dame: ,, Wissen Sie, wer ich bin?" ,, Wer Sie sind, ist mir gleichgültig!" ,, Ich bin Frau v. Terboven, die Gattin des Reichs- Statthalters in Norwegen, und wenn Sie sich weigern den Mantel zu ändern, dann werde ich Ihnen beweisen, was mit Ihnen geschehen wird!" Auch diese Vorstellung ihrer Person nebst zugefügter Drohung konnte den Geschäftsführer nicht bestimmen, dem Ersuchen der Reichs- Statthaltergattin nachzukommen. Bestimmt eröffnete er ihr: ,, Dieser Pelzmantel ist in unserm Geschäft hergestellt als einmalige Arbeit; es ist der Krönungsmantel der norwegischen Königin Maud ich ändere ihn nicht!" Weil also der Geschäftsführer den von der Reichs- Statthaltergattin erworbenen" Krönungsmantel der Königin nicht ändern wollte, kam er ins KZ!! litischer führe Arbeit aus de unter Nr. 44 von insgesam wegen aussch Berufsverbrec strafen, getar sich als Hand An dieser die Ermordu Gabe des zwe häftling Otto Zellenbau un Untergang pr Es war schon davon die Rede, daß kriminelle Nazis als Politische getarnt, zu Spitzelzwecken ins KZ kamen, dort nach kurzer Zeit eine Position inne hatten, die ihnen gestattete, ihr verbrecherisches Treiben eine Zeitlang unbemerkt fortzusetzen. In einem dieser Fälle wird in Sachen Dr. Pechel und Lienau noch die Rede sein, wo der frühere SA- Mann Arthur Wirth, ein Sachse, sich bis zum Vorarbeiter der Häftlingsklasse aufschwang, dort systematisch Bespitzelung und Denunziation po72 gehend ins S einen Brief gesehen habe bau zwei Mo tuschen wollt wurden began vor weiteren Schmidt ohn Am 25, 7 dem Departe ungenügende Aktion hatte 25, 1, 1943 ei Von Tunis ho zeug nach N hausen, Es Kurz zuvor französischen der gehört ha Der Sohr kam ins Lag nigsfamilie n stand, weiter Eine bes in der Lager Leute( Sond auswurf". M Knochenma Spiegeln( zw zumeist Dru zu brauchba Zumeist wa dergl. Delikt Kameraden- I beiden Grup rungsbemüh Dieses F nes abschlie Hitlers als gin ein KZ arbeitsfähig rg/ Pr. urteilt 1942: inem mannsm Mitteilung, - Wehrmacht Wer sich vor var bekannt, ch ich habe efreiung openeben fadeninde als auswaren auch enn er durch em Verdacht wom 22. 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An dieser Stelle möchte ich noch einen Fall einschalten, der die Ermordung eines Angehörigen der SPD, betrifft, dem die Gabe des zweiten Gesichts eigen war. Es betrifft den Schutzhäftling Otto Schmidt( 13 534), der 1939 ins Lager kam und im Zellenbau untergebracht war. Schmidt hatte den Nazis ihren Untergang prophezeit. Aus Krankheitsgründen kam er vorübergehend ins Staatskrankenhaus Berlin, von wo er der Gestapo einen Brief des Inhalts übergab, daß er ,, Hellseher" sei und gesehen habe, wie der SS- Hauptscharführer Ettlinger im Zellenbau zwei Morde verübt habe, die der Kommandant Loritz vertuschen wollte. Das ,, Hellsehen" war Wirklichkeit, die Morde wurden begangen, als Schmidt im Staatskrankenhaus war. Um vor weiteren unliebsamen Hellsehen sicher zu sein, wurde Schmidt ohne Urteil am 20. 10, 1942 gehängt.. Am 25. 7. 1942 kamen 244 französische Grubenarbeiter aus dem Departement Pas de Calais ins Lager, weil sie gegen die ungenügende Entlohnung demonstrierten. Bei der sog. LunaAktion hatte die Gestapo 1603 Franzosen eingefangen, die am 25. 1. 1943 eintrafen. Politische und Kriminelle durcheinander. Von Tunis holte man Anfang April 1943 45 Franzosen per Flugzeug nach Neapel; auch sie landeten am 6. 7. 1943 in Sachsenhausen. Es waren meist Intellektuelle, darunter einige Ärzte. Kurz zuvor kam Pierre Chautemps( 59 030), der Bruder des französischen Ministerpräsidenten, ins KZ, weil er englische Sender gehört hatte. Der Sohn des holländischen Flugzeugkonstrukteurs Fokker kam ins Lager, weil man ihn bezichtigte, die holländische Königsfamilie nach England geflogen zu haben, und er in Verdacht stand, weitere prominente Holländer nach dort folgen zu lassen. Eine besondere Gruppe bildeten die ,, Erziehungsstürmer", in der Lagersprache ,, Knochenmänner" genannt und die ,, SAW"- Leute( Sonder- Aktion Wehrmacht), im Lagerjargon ,, Soldatenauswurf". Mit beiden Gruppen war kein Staat zu machen. Die ,, Knochenmänner", kenntlich an abgetragenen SS- Uniformen mit Spiegeln( zwei übereinander liegenden Beinknochen), erhielten zumeist Druckposten wie Lagerfeuerwehr usw., damit sie wieder zu brauchbaren(!!) fronttüchtigen SS- Leuten erzogen würden. Zumeist waren sie im KZ wegen Kameraden- Diebstahls und dergl. Delikte. Auch die ,, SAW"-Leute waren allermeist wegen Kameraden- Diebstahl im Lager, um gebessert zu werden. Bei beiden Gruppen konnte nur festgestellt werden, daß die Besserungsbemühungen durchweg negative Resultate aufwiesen. Dieses Kapitel möchte ich mit der Schilderung eines Mannes abschließen, der ins Lager kam, weil er die Position Adolf Hitlers als Führer erschüttern könnte. Hans Olitzka war sein 73 Name, geb. 1901, Sohn eines Bergwerks- und Hüttenbesitzers, der sich mit der Ausbeutung des Quecksilbervorkommens befaßte. Olitzka, der die Nr. 41 191 erhielt, hatte sich vorgenommen, nicht etwa alle Parteien unter einen Hut zu bringen, wie es Hitler vorschwebte, als er die NSDAP gründete, nein, Olitzka wollte sämtliche Religionsgemeinschaften, Sekten usw., angefangen bei den evangelischen und katholischen Glaubensanhängern über die Anhänger des Islam, des Talmud, Konfucius, Buddhismus, sowie der sonstigen asiatischen Religionen bis zu den Bibelforschern in einer einzigen Religions- oder Glaubensgemeinschaft vereinen. Er hatte nach seinen Angaben darüber eine Schrift verfaßt: Wahres Christentum in heutiger Auffassung. Mit seinem Vorhaben gelangte er nach Berchtesgaden, wo er Hitler einen Vortrag halten konnte, der jedoch bald abgebrochen wurde, weil Adolf befürchtete, daß ihm ein unangenehmer Konkurrent erwachsen könne, als Olitzka ausführte, daß er dann selbst Religionsminister werden möchte, eine Stellung also, die den Papst in Rom in den Schatten stellen würde. Das wurde Adolf zu viel; er drückte auf den Knopf, worauf der Papst aller Päpste in spe abgeholt und zunächst in eins der Gästehäuser gebracht wurde. Hier durchsuchte man seine Sachen auf das gründlichste und nahm ihm seine neue Einheits- Religions- Bibel ab. Dann durfte er, mit Reiseverpflegung versehen, wieder nach Berlin fahren, wo sich nach einiger Zeit die Gestapo seiner annahm, und er zunächst im Polizeipräsidium am Alexanderplatz Quartier bezog als Gefangener selbstverständlich. Von dort kam der neue Messias Hans Olitzka ins KZ, wo er nach Durchwanderung aller möglichen Arbeitskommandos, körperlich und seelisch gebrochen, im Krankenbau landete. 1943 ist er dort der Tuberkulose erlegen, und Hitler brauchte ihn nicht mehr als Rivalen zu fürchten. Ronzentrationslager Sachsenhausen Oranienburg bei Berlin Auszug aus der Lagerordnung: - Pfingsten 1941. Der Tag der Entlaffung hann jegt noch nicht anges geben werden. Besuche im Lager sind verboten. Anfragen find arvedilos. Jeber Häftling darf im Monat 2 Briefe oder Postkarten empfangen und absenden. Eingehende Briefe dürfen nicht mehr als 4 Seitem 15 Zeilen enthalten und müffen übersichtlich unb qut lesbar fein. Batete jeglichen Inhalts find verboten. Beldsens dungen sind nur durch Postaniveifung sulaffig, deren Abschnitt nur Vor, Zuname, Geburtstag, Häftlingsnummer trägt, jedoch keinerlei Mitteilungen Weld, Fotos und Bildereinlagen in Briefen find verboten. Die Annahme von Bost sendungen, die den gestellten Anforderungen nicht entsprechen, wird verweigert. Unübersichtliche, schlecht lesbare Briefe wverden vernichtet. Jm Lager hann alles gekauft werden Nationalsozialistische Zeitungen find sugelaffen, milffen aber vom Häftling felbft im Ronzentrationslager bestellt werden Der Lagerfommandant. Briefkopf vom KZ. „ Turn Mitternac Schlafraums strich über zeichneten H Lumpen eini auf den feu gegenseitigen unterbrachen ein Schwerk wehrt worde entzündung ,, Verreck angeschrien, gemessen hat warmen Bet richteter Sa kranken wie Blockälteste flößte und am Abend silbersäule Vorn in recht lebhaf zurückgekom rituosen bei aufgebrochen Kommandan 74 enbesitzers, ommens besich vorgezu bringen, ndete, nein, ekten usw., Glaubensmud, KonReligionen - oder Glauen Angaben in heutiger aden, wo er abgebrochen angenehmer rte, daß er tellung also, len würde. opf, worauf chst in eins e man seine e neue Eineverpflegung ach einiger im PolizeiGefangener Hans Olitzka hen ArbeitsKrankenbau und Hitler 1941 mody nicht ange ager find verboten. bürfen nicht mehr perboten. Gelbfen ilgsnummer frägt, abme von Boft et lesbare Briefe en, milfen aber vom gerfommandant. 12. Kapitel Wo auch immer ich in dieser Zeit gekommen bin, habe ich nur begeisterte Menschenscharen und glückliche Gesichter gesehen Hitler 1938. Ohne die deutsche Nation würde nur Barbarei eristieren. Daß ich den frieden liebe, brauche ich nicht zu betonen. Deutsche Macht muß siegen. Hitler. - Turm A, auf Posten nichts Neues" Mitternacht war vorüber. Durch die vereisten Fenster des Schlafraums drängte sich gespensterisch das Mondlicht und strich über die Gesichter der von Hunger und Strapazen gezeichneten Häftlinge, die zusammengekauert unter zerfetzten Lumpen einige Stunden Schlaf suchten. Zu zweien lagen sie auf den feuchten Strohsäcken eng aneinander, um von der gegenseitigen Körperwärme zu profitieren. Einige Schnarcher unterbrachen die Stille; vorn rechts neben der Tür röchelte ein Schwerkranker, dem die Aufnahme im Krankenbau verwehrt worden war, obgleich am Abend zuvor bei ihm Lungenentzündung mit 40 Grad Fieber festgestellt war. ,, Verrecken sollen die Hunde!" hatte der SS- Arzt den Pfleger angeschrien, als dieser den Puls fühlte und die Temperatur gemessen hatte. ,, Das könnte diesen Säcken passen, in unseren arbeiten!" Unverwarmen Betten herumfaulenzen statt zu richteter Sache mußten die beiden Kameraden den Schwerkranken wieder in die Baracke zurückbringen, wo sich der Blockälteste um ihn bemühte, indem er ihm etwas Tee einflößte und ihn in Decken einhüllte. Die Außentemperatur hatte am Abend 28 Grad Kälte gezeigt, und sicher fiel die Quecksilbersäule während der Nacht noch um einige Grade. Vorn in der Kommandantur im Führerheim ging es noch recht lebhaft zu, denn die Weihnachtsurlauber der SS waren zurückgekommen und löschten den Nachdurst, weil die Spirituosen bei ihnen reichlich zu haben waren. Nun war die SS aufgebrochen, um ihre Quartiere aufzusuchen, die gleichfalls im Kommandanturbereich lagen. Doch nein, das Lärmen kam 75 75 - - näher, und die wenigen im Schlafsaal, welche keine Ruhe der Kälte wegen finden konnten, vernahmen deutlich ein Stampfen durch den verharrschten Schnee auf dem Appellplatz. Vielleicht wollten die betrunkenen Blockführer denn nur solche konnten es sein sich auslüften. Sie kamen näher. Schon wurde die Tür zur Baracke aufgerissen, und die drei Blockführer Schubert, Meierhofer und Knittler torkelten lallend und mit aufgedunsenen Gesichtern in den Aufenthaltsraum, wo sie zunächst mit den Stöcken den aus dem Schlaf aufgeschreckten Blockältesten Egon eine Tracht Prügel als Einleitung der nun beginnenden Tumultszene verabreichten. Warum meldest Du Halunke nicht?" wollte die Bestie Schubert wissen, während die beiden anderen Sadisten in den Schlafraum stürzten, um dort ihre Gelüste an den Schlafenden auszulassen. Egon Nickel kam nicht dazu, die Stärke der Belegschaft des Blockes zu melden; denn schon war Schubert den beiden andern nachgestiefelt und im Dunkeln des Schlafraums hub nunmehr ein wüstes Dazwischenschlagen auf die Häftlinge ein, die im Halbschlaf noch nicht begriffen hatten, daß die SS eine ihrer üblichen nächtlichen Schreckensszenen aufführte. ,, Wollt Ihr machen, daß Ihr rauskommt, Ihr Biester, Ihr roten Verbrecher!" und die Knüppel tanzten nur so auf die nur dürftig Bekleideten, die angstvoll in den Aufenthaltsraum flüchteten. Aber auch hier war ihres Bleibens nicht lange; denn erbarmungslos wurden alle barfuß hinausgetrieben, nur mit dem Hemd bekleidet, und einige Male um die Baracke gejagt. Wehe, wer sich nicht schnell genug dem Knüppel zu entziehen vermochte, oder gar stolperte, weil ihm der verharrschte Schnee die Füße zerschnitt, ihm wurden obendrein noch einige Fußtritte versetzt. Als der Fieberkranke sich nicht erhob, rissen die viehischen SS- Banditen ihm die Decken weg, zerrten ihn vom Strohsack herunter und hieben unbarmherzig auf ihn ein. Der Blockälteste versuchte ihnen klar zu machen, daß es sich um einen Schwerkranken handle, der mit hohem Fieber darniederläge. ,, Also schützen will dieser famose Blockälteste noch die faulen Kadetten", und schon hatte Egon einige weitere Hiebe weg. Als die vor Kälte starrenden Unglücklichen nach einiger Zeit sich wieder zur Tür zurückgetastet hatten, sahen sie noch, wie die drei Vertreter der braunen Pest durch das Tor zur Kommandantur zurückwankten. Also war in dieser Nacht nur ein Block, nur diese eine Baracke mit ,, Politischen" ihrer Willkür zum Opfer gefallen. Egon machte noch einen Rundgang um die Baracke, um nachzusehen, ob alle wieder zurückgekommen seien. Nein vier Mann waren auf der Strecke geblieben, unfähig, sich zu erheben, weil sie furchtbar von der braunen Horde zugerichtet worden waren. Man brachte sie in den Tagesraum, der noch etwas erwärmt war und stellte fest, daß alle durch die Miẞhandlungen so schwere Verletzungen erlitten hatten, die am nächsten Morgen ihre Überführung in den Krankenbau nötig machten. Einige Kameraden hatten sich inzwischen um den Fieberkranken bemüht. Es gab nichts mehr für ihn zu 76 76 tun, denn di ihn tot hina weiteres Opfe läufig Platz Halb fu Blockältesten Augen; denn die nächtlich Wecken muß die Zahl der drei im Kran wo das The Block, als v Langsam Strohsäcken, gedient hatte motten apath Reinigen des zwei der ihr im Waschrau zum Leichen Die Kaff Brühe von d halben Liter es ist der F Nacht ,, erled Schlafraum den Strohsäc noch einmal leisten sie d Auch da der Nacht a Nacht, durch pest. 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Halb fünf war es, als der Wecker neben dem Pett des Blockältesten rasselte. Zerschunden und müde rieb er sich die Augen; denn nur kaum drei Stunden hatte er gedöst, nachdem die nächtliche Schreckensszene beendet war. Noch vor dem Wecken mußte er zur Schreibstube, um beim Rapportschreiber die Zahl der Blockstärke abzustimmen- 426 waren es, davon drei im Krankenbau. Auf dem Wege an der Wäscherei vorbei, wo das Thermometer 30 Grad zeigte, landete er wieder im Block, als vom Appellplatz die Glocke zum Aufstehen rief." Langsam erhoben sich die zermürbten Gestalten von den Strohsäcken, die ihnen in dieser Nacht wenig als Ruhestätte gedient hatten, zogen mit ihren dürftigen, zerlumpten Klamotten apathisch zum Waschraum und nehmen beim flüchtigen Reinigen des Gesichts und der Hände kaum davon Notiz, daß zwei der ihrigen in dieser Nacht ausgelitten hatten und hier im Waschraum nur noch darauf warteten, nach dem Appell zum Leichenkeller gebracht zu werden. Die Kaffeeholer kommen mit den Kübeln warmer brauner Brühe von der Küche und füllen an den Tischen jedem einen halben Liter ein. Am Tisch Nr. III fehlt ein Mann, richtig, es ist der Fieberkranke von gestern Abend, den die SS über Nacht ,, erledigte". Am Tisch Nr. IV sind zwei Plätze frei. Der Schlafraum wird durchrevidiert, die Fehlenden liegen noch auf den Strohsäcken und rühren sich nicht. ,, Aufstehen!" hallt es noch einmal laut und auffordernd zu den beiden hinüber, doch leisten sie dem Rufen keine Folge. Auch das Wachrütteln hilft nicht, beide waren während der Nacht auf ihren Strohsäcken erfroren. Vier Tote in dieser Nacht, durch Hunger und Bestialität Opfer der braunen Mordpest. Der Schreiber nimmt die Habseligkeiten der Toten aus ihren Spinden; die Brotrationen und die Marmelade, welche sie aufgehoben hatten, um sie am Morgen zum Kaffee zu essen, waren inzwischen von hungrigen Mitgefangenen gestohlen worden, die schon vor dem Wecken bemerkt hatten, daß die Eigentümer den letzten Atemzug getan hatten. Die Toten brauchen nichts mehr, der Hunger wirft alle Rücksichtnahme über den Haufen. Laut dröhnen die schrillen Töne der Glocke über den Platz. ,, Alles raustreten!" In Fünferreihen wird vor den Blocks angetreten. ,, Richtung nehmen!" Blockälteste, Schreiber und Stubenälteste zählen die Reihen durch; denn es muß alles zur Stelle sein, wenn der Block auf dem Appellplatz antritt und der Blockführer den Block abnimmt. Es müssen 426 sein, davon drei im Krankenbau stimmt; angetreten sind 423, davon vier Tote. Abmarsch zum Appellplatz. Am Schluß des Zuges haben je zwei Häftlinge einen toten Kameraden untergehakt; denn auch diese müssen mit zum Appellplatz, sie müssen in Reih und Glied stehen, bis sie nach dem Appell im Leichen77 keller des Krankenhauses abgeliefert und von der Blockstärke abgesetzt werden. Vom Turm A werfen drei Scheinwerfer ihre Strahlenbündel über den Appellplatz und die anrückenden Blocks. In alle Ecken dringt das grelle tastende Licht, als suche es noch etwa sich versteckende Häftlinge aufzuspüren und heranzuzerren. In einer der letzten Blockkolonnen ist eine Unruhe entstanden, es fehlt im Block 65 ein Häftling. Er muß gesucht werden. Vom Wachtturm E ist ein Schuß gefallen, er galt dem gesuchten Häftling, der durch den elektrisch geladenen Stacheldraht zu entkommen versuchte und nunmehr auf dem spanischen Reiter durch die Kugel des Wachtpostens sein Leben lassen mußte. In Fünferreihen ausgerichtet steht die gesamte Lagerstärke auf dem Appellplatz, als der Rapportführer die Meldungen der Blockführer über die Stärke der einzelnen Blocks entgegennimmt. Vom Turm A über dem Eingangstor meldet der Wachtposten neben dem Maschinengewehr dem Lagerkommandanten und Lagerführer monoton ,, Turm A. Auf Posten nichts Neues!" Nein, es war nichts Neues passiert; denn die wüsten Szenen über Nacht, und die seit dem gestrigen Abendappell auf alle erdenkliche Art zum Tode beförderten Häftlinge, es war etwas Alltägliches, also nichts Neues. ,, Arbeitskolonnen antreten!" und wie in einem Ameisenhaufen wühlt alles durcheinander, um, soweit zur Arbeit eingeteilt, sich bei seinem Arbeitskommando einzureihen und mit diesem zum Arbeitsplatz zu marschieren. Nur wenige Handwerkerkolonnen bleiben im Lager; die größte Kolonne marschiert durch das Tor hinaus zum Großziegelwerk ,, Klinker", begleitet von bewaffneten SS- Wachtposten, denen einige Bluthunde beigegeben sind. Wie viele werden von der Mordstätte ,, Klinker" heute zum Abendappell nicht lebend zurückkommen? Wie viele werden als ,, auf der Flucht erschossen" mit dem Arbeitskarren tot zurückkommen? Es ist etwa 62 Uhr, als die letzten Arbeitskolonnen abgerückt sind; das Gros der Häftlinge wartet auf dem Platz bei 30 Grad Kälte, ohne Mantel oder schützende Kleidung auf das Kommando: ,, Stehkommandos abrücken!" Die Turmuhr zeigte auf neun; denn inzwischen war es hell geworden. Frierende, hungernde Menschen, lebende Skelette führen einen Totentanz auf, um die erfrorenen Glieder in Bewegung zu halten. Vom Fenster des Rapportführers Sorge, des ,, Eisernen Gustav", schallt es gebieterisch über den Platz: Stillgestanden! Hier wird nicht gestrampelt". Für einige Minuten wird mit dem Trampeln innegehalten. Hier fällt einer um und kann sich nicht mehr erheben; dort wieder einer und so fort. Fast übersät erscheint der Platz mit Erfrorenen, die von je vier Mann ins Revier getragen werden. Mehr als fünfzig Tote werden gezählt, als sie durch das Tor zum Revier geschleppt wurden, und immer noch fielen die Opfer der Kälte, bis der Revierarzt beim Kommandanten energisch forderte, daß die Häftlinge sofort in die Blocks zu beordern seien, um weitere Fälle des Kältetodes zu verhüten. Als n fähigen H sich vor gedrängt, ohne daß sorgte für Saathoff Platz ,, r als zusät werden. In de Einwirku dos" mu Toiletten in einer Erstickun hörte, w dem aus minellen Hinte 38 laute SS- Block das Bild Knüppeln getrieben Als die S ,, Lumpen Ein Krüppel, decke, h gelegten den Bara standen, noch wa Mitta Uhr zu Mittagsap bestehen einzuneh Ein neue von der Aufstellu sinken z gemunter bis zur teilung v In d und Kni einander dalla( B ,, Rollen" mene Es alle dur 78 78 stärke bündel Ecken a sich einer s fehlt Wachtaftling, ommen ch die rstärke en der nimmt. posten n und Neues!" Szenen uf alle etwas meiseneit einnd mit Hande marlinker" e Blutrdstätte mmen? em Armen ablatz bei auf das zeigte erende, potentanz men Gustanden! mit dem ch nicht übersät ann ins gezählt, en, und vierarzt Häftlinge Salle des Als nach dem zehnten Schlage der Turmuhr die noch gehfähigen Hungergestalten in die Blocks abgerückt waren, hatten sich vor dem Tor zum Revier etwa hundert Kranke zusammengedrängt, die sich vor Schmerzen krümmten und aufschrieen, ohne daß ihnen Einlaß gewährt wurde. Der ,, Eiserne Gustav" sorgte für ,, Abhilfe", indem er mit den Blockführern Fickert und Saathoff alle Kranken vom Reviertor verjagte und sie über den Platz ,, rollen" ließ. Resultat: zwölf Schwerverletzte konnten als zusätzliche Tote von den Leichenträgern abtransportiert werden. In den Wohnblocks waren die Ärmsten wohl vor den äußeren Einwirkungen der Kälte geschützt, aber als sog. ,, Stehkommandos" mußten sich alle im kalten Waschraum oder auf den Toiletten aufhalten, wo sie wie die Heringe zusammengedrängt in einer Atmosphäre standen, die jedem nach einiger Zeit den Erstickungstod garantierte. Wer nicht zum Stehkommando gehörte, wankte zum Block 17, wo die ,, Lumpentrenner" von dem aus Worms stammenden brutalen Böhm, einem Kriminellen mit rotem Winkel ,,, behandelt" wurden. Hinter dem Block 17 von der Richtung der Blocks 37 und 38 laute Schreie, und dazwischen das bekannte Fluchen der SS- Blockführer. Durch die leicht getauten Scheiben bot sich das Bild eines neuen Martyriums dar. Die Juden wurden mit Knüppeln und Ochsenziemern durch den aufgehäuften Schnee getrieben, auf sie eingeschlagen und getreten, wenn sie stürzten. Als die Schreie und das Fluchen nachließen, wagten sich einige ,, Lumpentrenner" hinaus, um Nachschau zu halten. Ein furchtbares Bild: etwa zehn Juden, meist Alte und Krüppel, lagen blutüberströmt, mit eingeschlagener Schädeldecke, herausdringendem Gehirn, eingetretenen Rippen, bloẞgelegten Gedärmen wimmernd auf den Schneehaufen zwischen den Baracken. Nicht ein einziger hatte diese Barbarei überstanden. Die Leichenträger hatten einen schweren Tag, und noch war er nicht zu Ende. Mittagszeit war es geworden; man brauchte nicht auf die Uhr zu sehen, der hungrige Magen kündete die Zeit. Beim Mittagsappell haben die Arbeitskolonnen ihren Schlag Essen, bestehend aus gefrorenen Mohrrüben und Kartoffeln, im Stehen einzunehmen, um nach kaum zehn Minuten wieder abzurücken. Ein neuer Transport ,, Zugänge" kommt durchs Tor, getrieben von der SS, und muß entblößten Hauptes neben dem Tor Aufstellung nehmen. Einige der Neuen, Alte und Schwächlinge sinken zusammen und werden von der SS mit Fußtritten ,, aufgemuntert". Anschließend ,, Rollen" durch den gefrorenen Schnee bis zur Baracke B, wo die Aufnahme durch die Politische Abteilung vor sich geht. In der Strafkompanie( SK) müssen die Unglücklichen laufen und Kniebeuge mit Sachsengruß( Hände am Hinterkopf übereinandergelegt) machen. Wütend schlägt der Blockführer Bugdalla( Brutala genannt) mit dem Knüppel dazwischen. Beim ,, Rollen" gibt ein Teil der Gequälten das soeben eingenommene Essen wieder von sich. Dessen ungeachtet müssen sich alle durch die im Schnee ausgebrochenen rotschleimigen Essen79 reste rollen, daß sie wie die Schweine aussehen, die im Dreck gewühlt haben. Rein in den Waschraum und notdürftig den gröbsten Schmutz mit eiskaltem Wasser wieder abgewaschen. Wieder raus und stillgestanden. Das Zeug des einen ist nach Ansicht Bugdallas nicht sauber genug geworden, weshalb er diesen eigenhändig mit dem Wasserstrahl aus dem Gummischlauch behandelt. Triefend vor Kälte und Nässe bleibt er vor der Baracke stehen, während die übrigen nach dem Appell wieder in die Baracke treten können. Grausige Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Zwischen den Baracken B und E wird der transportable Galgen aufgestellt. Hm, hm, wer wird heute beim Abendappell das Opfer sein? Niemand weiß es, selbst der zum Tode durch den Strang Verurteilte weiß es nicht. Er wird noch ahnungslos auf seiner Arbeitsstelle wirken oder mit einer Vorahnung in der SK angstvoll durch das Gitter der Isolierung zum aufgerichteten Galgen hinüberblicken. Es war inzwischen im Lager verlautbar geworden, daß auf dem Klinker" jemand geflüchtet sei und mit verspätetem Appell und evtl. Stehen auf dem Appellplatz während der Nacht zu rechnen war, sofern der Geflüchtete nicht ergriffen würde. Die Glocke ruft zum Appell. Auch die ,, Klinkerleute" kommen durch das Tor. Auf dem Arbeitskarren, der von einem Dutzend Häftlingen gezogen und geschoben wird, liegen drei Tote, davon einer mit Schußwunden durch Kopf und Rücken. Die beiden anderen waren Opfer der Kälte und der Mißhandlungen geworden. Die Leichenkarre holte sie zum Leichenkeller ab. Der Erschossene war der Geflüchtete. Auf einer Bahre wurde er, mit entblößtem Oberkörper auf der Betonstraße für die einrückenden und anrückenden Kolonnen zur Schau gestellt, damit allen vor Augen geführt werden sollte, was jedem ,, blühte", der es wagen sollte, aus dem KZ zu entfliehen. Alle Blocks sind zum Appell angetreten. Durch das Tor kommt der Lagerführer, etwas verspätet der Kommandant mit einigen unbekannten höheren SS- Führern, die offenbar Zuschauer bei der vorzunehmenden Strangulierung sein wollten. Vom Wachtturm meldet der SS- Wachtposten in üblicher monotoner Weise: ,, Turm A. Auf Posten nichts Neues!" Nach dem Appell hat alles auf dem Platz zu bleiben, um von dem Lagerführer zu hören, daß jedem, der vom KZ oder von seinem Arbeitskommando zu fliehen versucht, der Tod sicher sei. Dieser Tote auf der Bahre solle als abschreckendes Beispiel dienen. Anschließend an diese Worte verkündete der Lagerführer, daẞ heute Abend ein weiterer auf der Flucht Ergriffener den Tod am Galgen erleiden würde, weil auch er versucht habe, zu fliehen. Er sei ergriffen worden und würde nun gehängt. Das Tor zur Isolierung öffnete sich und das Opfer aus der SK wurde gefesselt zum Galgen geführt. Willen- und hoffnungslos war der Ärmste die Betonstraße entlang bis zum Galgen gegangen. Der dem Tode Geweihte sollte auf das erhöhte Brett treten, welches zwischen den beiden Galgenpfählen angebracht war; dieser Aufforderung kam er nicht nach. Mit brutaler 80 Gewalt w während einem Fu Körper lang hatt hängten matorium Leichenk Für änderung dem Wir Appellpla Es sollte gestimmt bracht un unser Ka diesem i dirigieren ... ab ist grün, Szene ge Die Hinrichtu in die B SS hatte mandant es leidli belagert, Mann un zudem n für die ,, Ein Bech nächsten ten Krun Kartoffel Hunger Aben litischen erfahren im Lage gemeldet war daru einwirku Tagen au von 714 mithin w der sark innerhall SS und schafften An e obachter in USA 6 Lienau, Dreck tig den aschen, st nach alb er Gummileibt er Appell wischen en aufell das rch den slos auf in der ichteten verlauthtet sei Appelllüchtete " komeinem en drei Rücken, iBhandLeichenf einer Betonmen zur sollte, zu entHas Tor ant mit par Zuwollten. er moch dem Lagerseinem Dieser dienen, rführer, mer den mt habe, gehängt. der SK mungslos Igen gete Brett gebracht brutaler Gewalt wurde der Häftling von drei Blockführern hochgehoben, während ein vierter ihm die Schlinge um den Hals legte. Mit einem Fußtritt wurde das stützende Brett weggestoßen und der Körper des Unglücklichen schnellte herab. Fünfzehn Minuten lang hatten die übrigen Lagerinsassen ihre Blicke auf den gehängten Kameraden zu richten, bis die BV- Häftlinge vom Krematorium die Leiche herunternahmen und in die mitgeführte Leichenkiste zum Verbrennungsofen brachten. Für heute hatte der Kommandant eine kleine Programmänderung eingeschoben. Während der Gehängte am Galgen von dem Winde hin- und hergependelt wurde, erscholl über den Appellplatz die Aufforderung des Eisernen Gustav": ,, Singen!" Es sollte nun nicht etwa ein Choral oder ein Grabgesang angestimmt werden. Von einem Läufer wurde eine Trittleiter gebracht und auf der Mitte der Lagerstraße plaziert. Dann bestieg unser Kamerad Haller, ein alter Politischer die Stufen, um von diesem improvisierten Podium die befohlenen Lagerlieder zu dirigieren: ,, In Esterwegen war ich mal, holderie, holdria 11 aber der Wagen rollt" ,,, Grün ist die Heide, die Heide ist grün, aber rot sind die Rosen..." Das Tribunal war zur Szene geworden Lache Bajazzo! - Die Tragödie war vorüber. Einige Häftlinge waren bei der Hinrichtung ohnmächtig geworden. Stillgestanden!" Abmarsch in die Blocks; der Hornist vom Turm A blies ab, auch die SS hatte dienstfrei und marschierte zum Tor hinaus zur Kommandantur. In den Aufenthaltsräumen der Wohnblocks war es leidlich warm; die Plätze um den Ofen herum wurden belagert. Erst als die Brotration an den Tischen 300 g pro Mann und Tag erfolgte, wurde es ruhiger. Heute gab es zudem noch 50 g Margarine, welche von der Mehrzahl sofort für die ,, Kuhle"( Tagesbrotration) als Aufstrich verwandt wurde. Ein Becher Kaffeebrühe spülte es herunter. Aufheben für den nächsten Morgen? Nein, der Hunger verschlingt auch die letzten Krumen. Vielleicht gelingt es über Nacht, noch einige rohe Kartoffeln beim Schälen im Keller zu erwischen, wenn der Hunger am nächsten Morgen allzusehr plagt. Abends noch schnell einen Gang ins Revier zu den politischen Kameraden, die dort als Pfleger tätig sind, um zu erfahren, wieviele Tote der heutige Tag, der 18. Januar 1940, im Lager gekostet hatte. In der Schreibstube waren 73 Tote gemeldet, auch der zur Eissäule erstarrte Häftling aus der SK war darunter festgestellt; die Zahl der Todesopfer durch Kälteeinwirkung vom heutigen Tage erhöhte sich in den nächsten Tagen auf 182. Der Januar 1940 schloß mit einer Totenbilanz von 714 bei einer Durchschnittslagerstärke von 8300 Häftlingen, mithin war mehr als ein Zwölftel gestorben worden", wie es in der sarkastischen Lagersprache hieß. Mit anderen Worten: innerhalb eines Jahres stürbe das Lager aus wenn nicht SS und Gestapo täglich neue Opfer in die Hölle Hitlers hineinschafften. An einem der nächsten Tage brachte der ,, Völkische Beobachter" die Mitteilung von der furchtbaren Kälte, die allein in USA am 18. Januar 1940 über hundert Tote durch Erfrieren 6 Lienau, Zwölf Jahre Nacht 81 aufwies. Dort auf kaum eine Million Einwohner einen Toten. Hier starb jeder Zwölfte. Und vom Wachtmann wird bei jedem Appell, tagein, tagaus, jahrein, jahraus verkündet: ,, Turm A. Auf Posten nichts Neues!" Übermüdet waren die Häftlinge bald nach dem ,, Abendessen" in den Schlafraum gewankt, um für einige Stunden auf dem Strohlager auszuspannen. Wenn das Glück ihnen hold war, wurden sie in der Nacht nicht wieder von den Blockführern aufgeschreckt und zerschlagen. Nach dem zweiten Läuten herrschte Ruhe, nur ein tiefes Schnarchen drang vom Schlafraum zu dem Blockältesten und Schreiber herüber, die im Verein mit dem Stubenältesten den Rapport für den nächsten Morgenappell fertigstellten. Der 18. Januar 1940 von Mitternacht Mitternacht: ,, Turm A. Auf' Posten nichts Neues!" zu Heinrich Lienau auf dem Hungermarsch im April- Mai 1945 G Nach tionslager waltungsa man auch leitung a litische denn sie amtes od zusamme wurden H nummer, Akte mit gebrachte anweisun die SS in den Häft Autor kammer schließen wurden. gehörigen es auch Vorrat v einen Kle den erste am Schn lingskluft er als P usw, ein 6 82 32 Toten, ird bei ,, Turm , Abendden auf n hold Blockzweiten ng vom ber, die m näch40 von nichts 13. Kapitel Die Konzentrationsläger sind keine Schande, im Gegenteil, sie sind ein Schmuck der Kultur. Hier werden die mißratenen Elemente mit ausgesuchter Freundlichkeit zu wirklichem Leben und nützlicher Arbeit erzogen. ,, Fränkische Tageszeitung". Gemeinwesen KZ. Sachsenhausen Nach Art eines Gemeinwesens war auch das Konzentrationslager aufgezogen; denn es war für alles denkbare eine Verwaltungsabteilung vorhanden und in gewissem Sinne durfte man auch von einer ,, Selbstverwaltung" sprechen mit der Lagerleitung als ,, Aufsichtsbehörde". Weshalb und woher die Politische Abteilung ihren Namen erhielt, ist nicht ersichtlich; denn sie hatte im eigentlichen Sinne die Aufgaben eines Meldeamtes oder einer Bürgermeisterei zu erfüllen, wo alle Fäden zusammenliefen. Alle Neuankömmlinge ,,, Zugänge" genannt, wurden hier erfaßt und registriert; sie erhielten ihre Häftlingsnummer, die sie während der Lagerzeit behielten. Es wurde eine Akte mit Karteikarte angelegt, Personalbogen und den sonst mitgebrachten Papieren, wie etwa Schutzhaftbefehl und Sonderanweisung der einweisenden Gestapo oder Kripo. Später fügte die SS in der Kommandantur weitere Schriftstücke hinzu, die den Häftlingen nicht bekannt werden durften. Automatisch durchwanderte der ,, Zugang" die Effektenkammer zur Abgabe seiner Habseligkeiten, und erhielt anschließend ein Bad, nachdem ihm zuvor die Haare geschoren wurden. Dann wurde ihm die Zebrakluft verpaẞt mit dazugehörigem Unterzeug, Stiefeln und Mütze im Winter gab es auch noch Ohrenklappen und Fausthandschuhe und wenn Vorrat vorhanden, einen Mantel. Das eigene Zeug kam in einen Kleidersack und wanderte in die Desinfektion, so daß auf den ersten Blick jeder den Eindruck gewann, daß alles wie am Schnürchen ging wie beim Kommiß. Angetan mit der Häftlingskluft wurde er einem Wohnblock zugeführt, je nachdem er als Politischer, Krimineller, Asozialer, Jude, Bibelforscher usw. eingewiesen wurde. In Sonderfällen, It. Einweisungs6* 83 papiere, kam der Zugang" sofort in die SK( Strafkompanie), in den Zellenbau, Bunker genannt, oder, wenn man ihm im Krankheitsfall wohl wollte, in den Krankenbau. = Im Wohnblock erhielt er eine Belehrung durch den Blockältesten, einem älteren Häftling, dem Schreiber und dem Stubenältesten, bis ihn dann der Tischälteste in Empfang nahm. Am nächsten Morgen kamen alle zum Arbeitsdienst, um auf Grund ihrer Fähigkeiten einem Arbeitskommando zugeteilt zu werden. Der Arbeitsdienst bzw. Arbeitseinsatz lag jahrelang in den Händen eines Politischen, und erst in den letzten zwei Jahren bemächtigten sich die BVer( Berufsverbrecher Kriminelle) dieser Position, weil die SS- Lagerleitung in ihnen willige Handlanger im Denunzieren und Menschenschinden fand. Der letzte Schreiber des Arbeitseinsatzes war der Berufsverbrecher Alfred Flegel( Flögel), der seinem Namen alle Ehre machte. Er war es, der zum weitaus größten Teil mit verantwortlich war für die ,, Verfrachtung" der Häftlinge in die Vernichtungslager. Der 1. Lagerälteste war jahrelang ein Politischer und gleichfalls der Rapportschreiber. Hier sei besonders des Lagerältesten Harry Naujoks, eines Hamburgers, gedacht, der es mit Hilfe des Rapportschreibers Rudi Große und weiterer Mithelfer in den verschiedenen Schreibstuben, dem Revier, der Politischen Abteilung, ermöglichte, durch geschicktes Lavieren gefährdete politische Kameraden vor dem Zugriff der mordenden SS zu bewahren. Mit Hilfe gefälschter Namen und Nummern wurden nicht wenige unserer besten Kameraden vor dem Tode bewahrt. Es hatte sich inzwischen ein besonderes Fälschungssystem herausgebildet, das selbst den daran Mitwirkenden nicht bekannt wurde. Man ließ einen bereits Verstorbenen noch einmal oder wenn nötig mehrmals ,, sterben". Es war dann nur nötig, daß in der Totenabteilung der Politischen Abteilung der Kommandantur die entsprechende ,, Abbuchung" oder Umbildung vorgenommen wurde. Dieses vermochte nur der dort tätige politische Häftling. Mehrere Jahre hatte ich als alleiniger Politischer diesen ,, Vertrauensposten" inne und ließ ,, die Toten nochmals sterben", damit die Gefährdeten am Leben blieben. Zu der Akte eines Toten- meistens eines Ausländers, der keine Angehörigen hatte- wurde der alte mit einem neuen Totenschein ausgewechselt, und die Akte wanderte wieder in die Ablage. Der gerettete Kamerad war aktenmäßig tot, und die Lagerleitung kümmerte sich nicht weiter um ihn. Nun war es Aufgabe der an der ,, Schiebung" oder richtiger Rettung des Gefährdeten beteiligten Kameraden den Überzähligen" zunächst zu verstecken, wozu die Dysenterie- Baracke der sicherste Ort war, weil selbst die SS sich nicht in diese Höhle des Todes hinein wagte. Beim Ausrücken der Arbeitskolonnen am nächsten Morgen wurde der Gefährdete in einen größeren Trupp eingereiht und bei dem flüchtigen Zählen am Tor mit hinausgeschmuggelt. Auf der Arbeitsstätte, die neben den Häftlingen auch Zivilisten, d. h. freie Arbeiter, aufwies, wurde der Gerettete einem vertrauenswürdigen zivilen Arbeiteskollegen übergeben, der im Laufe des Tages für einen Zivilanzug und Gelder Sorge 84 trug und heit bra schen N der groß zutauche sondern An Große denken, führer d Großes die Lage geführt. Rudi ältesten zehn pol befanden diesen z der KPI in Erinn Albert Gornus, welch le Tod im Säm den zun arrest g litärisch erging e Kommun durch H schwere Zum Vo deren U nelle Vo sehr ba ,, verzink eine Un ( Kuhle Häftling habe. Wäh auf ihr Kamera man, O waren litischen zum ,, K er dem galt gru Flossen in stren BVer( mpanie), ihm im BlockStubenom. 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Rudi Großes Rapport hat nie gestimmt, aber ausgezeichnet hat er die Lagerleitung mit gefälschten Zahlen an der Nase herumgeführt. Rudi Große wurde Anfang Oktober 1942 mit den beiden Lagerältesten Harry Naujoks und Werner Stake sowie weiteren fünfzehn politischen Häftlingen, die sich z. T. in Schlüsselpositionen befanden, ins Vernichtungslager Flossenburg ,, verfrachtet". Von diesen zur Liquidierung ausersehenen Kameraden, die sämtlich der KPD angehört hatten, sind mir noch nachstehende Namen in Erinnerung: Willi Hannemann, Flensburg, Karl Schwaiger, Albert Buchmann, Fritz Selbmann, Rudi Rotkegel, Wilhelm Görnus, Hein Meyer, Karl Schirdewahn und Ernst Guggenhahn, welch letzterer zusammen mit Rudi Große in Flossenburg den Tod im Steinbruch fand. Die SS hatte die beiden dort liquidiert. Sämtliche für die Liquidierung ausgesuchten Häftlinge wurden zunächst acht Wochen lang in Sachsenhausen im Dunkelarrest gehalten. Der Grund dieser Festsetzung war in der militärisch bedenklichen Situation von Stalingrad zu suchen. Es erging ein Geheimbefehl, in sämtlichen Lagern die führenden Kommunisten zu liquidieren und zwar in unauffälliger Weise, durch Herabsetzung der Verpflegungsration und gleichzeitiger schwerer Arbeit mit etwa 16-20stündiger Arbeitszeit täglich. Zum Vorwand für die Arrestierung diente eine Denunziation, als deren Urheber der sudetendeutsche Spitzel Lammel( 11 kriminelle Vorstrafen und Träger des roten Winkels) als ,, Politischer" sehr bald ermittelt wurde. Er hatte die obigen Kameraden verzinkt", indem er die Behauptung aufstellte, diese hätten eine Unterstützungsgruppe unter dem Namen ,, Rote Kuhle". ( Kuhle tägliche Brotration) gebildet, wozu ein vermögender Häftling, der einst Konsul in Uruguay war, das Geld gestiftet habe. " - Während die achtzehn Kameraden noch im Dunkelarrest auf ihr Schicksal warten mußten, brachte ich mit meinen Kameraden in der Politischen Abteilung Emil Büge, Josef Zeman, Oleg Homola und Alex Strobach( die drei letztgenannten waren tschechische Studenten) den als Vorarbeiter der Politischen Abteilung tätigen Lammel zu Fall. Er kam zunächst zum ,, Klinker" und wurde dann einer Baubrigade zugeteilt, wo er dem Vernehmen nach liquidiert sein soll. Bei Denunzianten galt grundsätzlich: Aug' um Aug', Zahn um Zahn. Die nach Flossenburg verbrachten Kameraden wurden dort ein Jahr lang in strengem Arrest gehalten; jeder hatte in seiner Zelle einen BVer( Krimineller) als Kapo, der ihn täglich zur schwersten 85 85 Arbeit anzutreiben hatte und dem auch die Aufgabe oblag, das ihm übergebene Opfer bei sich passender Gelegenheit selbst umzulegen. Zur Ehre dieser BVer soll jedoch vermerkt werden, daß sie dieses teuflische Ansinnen mit den Worten ablehnten: Wenn die Politischen umgebracht werden sollen, dann mag die SS es selbst tun". Außer den vorgenannten Opfern Große und Guggenhahn brachte die SS es nicht zu Wege, weitere Kameraden durch Gewalttaten zu erledigen. Im übrigen sorgte die gut organisierte internationale Widerstandsbewegung der Politischen Häftlinge im Lager dafür, daß durch Sammlungen von Lebensmitteln die auf etwa die Hälfte herabgesetzten Rationen soweit wieder aufgefüllt wurden, daß die Ausgemergelten am Leben erhalten werden konnten. Wie schon eingangs erwähnt, wurde der Verwaltungsapparat auigezogen wie in einer politischen Gemeinde. Es existierte ein Krankenbau mit allen erdenklichen Einrichtungen, um einen erkrankten Häftling wieder gesunden zu lassen, wenn sich die SS nicht quer legte, was leider häufig der Fall war. Eine Gemeinschaftsküche und ein Proviantamt sorgten für die Verpflegung. Eine Wäscherei für saubere Wäsche, ein Bad für 14tägige Reinigung, so daß im allgemeinen gesehen, es den Häftlingen so einigermaßen erträglich gehen konnte, wenn nicht die SS- Blockführer und die Schar der sonstigen Quälgeister den Häftlingen das Leben zur Hölle machten. Die Politische Abteilung im Lager hatte nur die Aufnahme der ,, Zugänge" und Anlegen der Akte vorzunehmen. Dann wanderte die Akte in die Kommandantur, wo sich der eigentliche Sitz der Politischen Abteilung befand, und ausschließlich SS- Leute tätig waren. In die hier weiter geführten Akten konnte ein Häftling aus der Politischen Abteilung des Lagers keine Einsicht nehmen, denn hier waren alle Akten und Schriftstücke Geheimakten. Erst als der Mangel an SS- Kräften größer wurde, griff man im Februar 1942 zum Einsatz eines Häftlings, dem bei Todesstrafe eingeschärft wurde, über alles Gesehene und Gehörte unbedingtes Schweigen zu bewahren. Mir wurde zuerst diese Position in der Politischen Abteilung übertragen. Die Mitarbeiter in der Politischen Abteilung des Lagers waren durchweg Politische, die dort als Schreiber und Dolmetscher ihre Tätigkeit verrichteten. Es soll hier vermerkt werden, daß im Lager 36 verschiedene Sprachen gesprochen wurden, wofür auch die entsprechenden Dolmetscher zur Verfügung standen. Wurde vom Kommandanten, dem Lagerführer oder sonstwo ein Ausländer vernommen, so mußte die Politische Abteilung einen Häftling als Dolmetscher stellen; denn unter den SSLeuten fanden sich keine Fremdsprachlichen, wenn man von der von ihnen zumeist gebrauchten Sprache des Knüppels und der sonstigen Schlagwerkzeuge als besondere Sprache absah. Das Leben in der Aufnahme der Politischen Abteilung wurde den dort tätigen Häftlingen durch die SS zur Hölle gemacht; denn ständig wurde überholt, um festzustellen, ob dort nicht staatsgefährliche Dinge betrieben wurden. Das ständige Mißhandeln der Schreiber gehörte mit zu den alltäglichen 86 Dingen. etwas e setzte es SK oder Es halten. anstalt keiten litische befehl a senswer die inte des ,, Zu Zu teilung schen kannten Listen u wurden als ,, Zu führt, s männer der Ne hatte, d einige B Uns Teil der ges Ne Fäden Organis Kapitel Nic und Sc gung gu wurden Oft gen zu brin Campe fünf Sc den Vo 2. Mai lung" u Häftling Herzgeg der To Kronen Mörder furchtb Die Abgeord scher H kanina, handlun ag, das selbst verden, ehnten: n mag enhahn durch nisierte inge im eln die wieder rhalten altungsEs exitungen, , wenn ll war. für die Bad für n Häftnicht lgeister fnahme Dann eigentließlich konnte ne EinEtstücke wurde, S, dem und Gezuerst n. Die durcher ihre daß im wofür tanden. onstwo poteilung en SSan von els und bsah, teilung Hölle en, ob as stanglichen Dingen. Bestand auch nur der Verdacht, daß einer der unsrigen etwas erzählte, was vielleicht der SS nicht genehm war, so setzte es Prügel, Torstehen, Pfahlhängen, Unterbringung in der SK oder im ,, Klinker" ab. Es war verboten, sich mit den Zugängen" privat zu unterhalten. Diese brachten, sofern sie nicht aus irgend einer Strafanstalt oder einem Lager kamen, meistens interessante Neuigkeiten mit ins Lager, zumal wenn es sich um wirklich Politische handelte. Meist verrieten schon die im Schutzhaftbefehl aufgeführten Einweisungsgründe, ob der ,, Zugang" Wissenswertes zu berichten hatte, und in solchen Fällen merkten die interessierten Schreiber und Dolmetscher sich den Namen des ,, Zugangs", um ihn später in seinem Wohnblock zu befragen. Zu der illegalen Aufgabe der Häftlinge der Politischen Abteilung zählte vor allem die Herstellung der Verbindung zwischen politischen ,, Zugängen" und deren Freunden und Bekannten, welche bereits im Lager waren, an Hand vertraulicher Listen und Namen, welche nach Ländern, Städten usw. geführt wurden. Wurde z. B. ein bekannter Politischer aus Hamburg als ,, Zugang" eingeliefert oder von einem anderen Lager überführt, so waren schon in der ersten Stunde die Vertrauensmänner dieses Ortes verständigt, und nicht wenig erstaunt war der Neuankömmling, nachdem er den Zugangsblock betreten hatte, daß ein Landsmann oder Freund ihn begrüßte und ihm einige EB- oder Rauchwaren übergab. Unsichtbar für die SS- Lagerleitung und den weitaus größten Teil der Lagerinsassen wurde so Jahre hindurch ein engmaschiges Netz der Politischen geschaffen. Die hier gesponnenen Fäden der Verbundenheit verdichteteten sich später zu einer Organisation der Widerstandsbewegung, wovon in einem andern Kapitel die Rede sein wird. Nicht immer war die Zusammensetzung des Dolmetscherund Schreiberstabes eine für den Zweck der illegalen Betätigung günstige und fördernde, denn von Seiten der Lagerführung wurden stets Spitzel und Denunzianten dazwischen geschoben. Oft genügte eine unscheinbare Sache, einen Verdächtigen zu Fall zu bringen und ihn zu beseitigen. So hatten die Rapportführer Campe und Sorge in den ersten Maitagen 1940 den Tod von fünf Schreibern und Dolmetschern auf dem Gewissen. Zunächst den Vorarbeiter Hermann Kronenberg, der in der Nacht zum 2. Mai 1940 in der SK bestialisch durch ,, Kaltwasserbehandlung" ums Leben gebracht wurde. Dem gefesselten entkleideten Häftling wurde aus dem Schlauch eiskaltes Wasser auf die Herzgegend gestrahlt, bis die Körpertemperatur nachließ und der Tod durch Herzschwäche eintrat. Laut Totenschein war Kronenberg an Herzschwäche und Asthma verstorben. Sein Mörder war der Blockführer in der SK, Bugdalla, eine der furchtbarsten Bestien im Lager. Die weiteren Opfer waren der tschechische kommunistische Abgeordnete Antonin Zapatocki und der Verleger kommunistischer Bücher Paul Prokop aus Prag. Der nächste, Ivan Sekanina, ein Rechtsanwalt aus Prag, wurde durch die Miẞhandlungen derart zugerichtet, daß er einen Armbruch davon87 trug und ins Revier kam. Kaum wieder hergestellt, wurde er erneut weiteren Mißhandlungen in der SK ausgesetzt. Als er sich am 1. Mai den Arm im Revier verbinden ließ, sagte er zu einem unserer Kameraden: ,, Jetzt muß ich beten lernen". Eine Stunde später hatte sich Sekanina erhängt, weil er die Tortur, die von neuem begonnen hatte, nicht zu ertragen vermochte. Als weiteren Opfers sei in diesem Zusammenhang noch Walter Zipfels gedacht. Ihn hatte man zum ,, Klinker" geschickt und ihn dort mit Hilfe krimineller BVer, also Häftlingen ,, fertig" gemacht. Nicht weniger als fünfmal wurde der ohnehin körperlich schwache Zipfel in den Hohenzollernkanal geworfen. Als er abends vom Klinker ins Lager zurückkam, vermochte er sich kaum auf den Füßen zu halten. Er wurde von Kameraden entkleidet und mit trockener Wäsche versehen. Der Körper war blutunterlaufen, der Mund geschwollen, alles Folgen der erlittenen Schläge und Fußtritte. Am 24. April 1940 erlag Walter Zipfel seinen Verletzungen. Ständig von Gefahren umlauert, wurden an die Nerven der illegal tätigen Politischen höchste Ansprüche gestellt. Waren es nicht die Spürhunde der SS, so ihre Handlanger, die gedungenen Spitzelhäftlinge, welche immer wieder in die Politische Abteilung eingeschoben wurden, bzw. denen es gelang, sich durch Dienste bei der SS beliebt zu machen, um auf diese Weise zur Politischen Abteilung zu kommen. Der wegen krimineller Dinge elfmal vorbestrafte Sudetendeutsche Josef Lammel aus Schreckenstein bei Aussig gehörte mit zu dieser Sorte. Durch Schiebungen aller Art mit den in der Politischen Abteilung( Kommandantur) tätigen Scharführern Jude, Wiegand, Eilers, Clausen, Schnepper, Erdmann und anderen gelang es Lammel, sich zum Vorarbeiter aufzuschwingen, um Erpressungen aller Art, namentlich an den tschechischen Studenten auszuüben. Weiter versprach er, gegen entsprechende Geldsummen, seinen Einfluß geltend machen zu wollen, daß die Geldgeber bald zur Entlassung kämen, worauf ein Häftling überhaupt keinen Einfluß hatte. Als Lammel dann noch alte politische Kämpfer, wie bereits unter ,, Rote Kuhle" erwähnt, denunzierte, und diese ins Vernichtungslager Flossenburg transportiert wurden, war das Maß der Geduld zum Überlaufen voll. Die von Lammel verübten Erpressungen wurden dem Chef der Politischen Abteilung, SS- Hauptscharführer Schleef, vorgetragen, von dem bekannt war, daß er zu den wenigen SS- Führern im Lager zählte, die jeder Mißhandlung und Ungerechtigkeit gegen die Häftlinge abhold waren. Inzwischen hatte sich Lammel noch erneut schwerer Mißhandlungen von Mithäftlingen schuldig gemacht, darunter einen Fall, der den früheren Bahnhofswirt Krüger aus Rostock betraf. So waren die Vorbedingungen gegeben, diesen Denunzianten zu stürzen, und er stürzte. Zunächst wurde ihm das körperliche Arbeiten beigebracht, was er so manchem Politischen im ,, Klinker" verschafft hatte. Später wurde er mit einer Baubrigade abgeschoben, und man hat nichts mehr von ihm gesehen. Unverbürgten Nachrichten zufolge ist er unterwegs. ,, erledigt" worden; denn das Lager schrieb seine eigenen und strengen Gesetze, nach denen die Häftlinge handelten und vollzogen. 88 Kaum diese mit maligen 1942 vom Er wurde man sich gesetzt. danten ei drich Ge die Politi er schon schreiben Währ assistent SS gang an Werte von einer roten Wi richtsver SS- Dienst SS- Standa ,, requirie versetzt, straffrei selbstvers gelangte. Eines schwund gegen ih Stullenbe im Lage Sie wur gefesselt Appellpla gefesselt. ander wi Tagen al zu ersch hatte ma fördert. " Von erregen führung abgesetzt mals auf litischen wandfrei 56, wo in Desinfek lingsnum Kleidung Listen s feststelle rde er er sich er zu Eine Tortur, mochte. g noch schickt m ,, ferhnehin worfen. mochte Kame. Der Folgen erlag wen der Waren die gelie Pogelang, m auf wegen = Josef dieser tischen Wiegand, ang es Erpresudenten e Geldlaß die Häftling ch alte rwähnt, g transen voll. hef der etragen, rern im it gegen er Mißer einen betraf nten zu perliche ,, Klinabrigade en. Unerledigt" strengen llzogen. Kaum war ein Handlanger der Lager- SS beseitigt, so wartete diese mit einem neuen Banditen auf, diesmal mit dem ehemaligen SS- Hauptsturmführer Ludwig Rabitsch, der am 12. 10. 1942 vom KZ Flossenburg nach Sachsenhausen gekommen war. Er wurde unter der Nr. 50 481 als Häftling registriert und ehe man sich's versah, vom Kommandanten als Lagerältester eingesetzt. Zu seinen ersten Aufgaben zählte es, dem Kommandanten einen ebenfalls ausgeglittenen SS- Obersturmführer Frieddrich Gertz aus Lübeck, Gärtner von Beruf, als Schreiber in die Politische Abteilung hineinzulanzieren. Als Dolmetscher kam er schon nicht in Frage, er konnte kaum ein richtiges Deutsch schreiben, von der unleserlichen Handschrift gar nicht zu reden. Während des Krieges war diese SS- Blüte Oberkriminalassistent in Warschau gewesen und hatte, wie bei der gesamten SS gang und gäbe, die Wohnungen ausgeplündert, für 20 000 RM an Werten konnte man ihm nachweisen. Er wurde daraufhin von einem SS- Gericht verurteilt und als ,, Politischer" mit einem roten Winkel versehen, ins KZ verfrachtet. Während der Gerichtsverhandlung war zur Sprache gekommen, daß die höheren SS- Dienstgrade vom General, Obersten, Kommandeur bis zum SS- Standartenführer herab, weit größere Beträge und Sachwerte ,, requiriert" hatten. Eine dieser SS- Größen wurde nach Tokio versetzt, während die übrigen Mitschuldigen als unanfechtbar straffrei ausgingen. Diese Einzelheiten plauderte Gertz aus, was selbstverständlich auch zur Kenntnis des Lagerkommandanten gelangte. Eines Tages war Gertz aus der Politischen Abteilung verschwunden und in den Zellenbau gebracht. Neues Verfahren gegen ihn und seinen Komplizen, den SS- Hauptsturmführer Stüllenberg. Nach einigen Monaten erschienen die beiden wieder im Lager, diesmal durch Handschellen aneinander gefesselt. Sie wurden im Herbst 1943 in die SK gebracht, schliefen gefesselt nebeneinander, liefen tagsüber ,, Schuhe" auf dem Appellplatz mit vollem Tornister, aßen nebeneinander, immer gefesselt. Nach einigen Wochen wurden beide kurz nacheinander wieder in den Zellenbau gebracht, um dann nach einigen Tagen als ,, von der Lagerstärke abgesetzt" in der Rapportliste zu erscheinen. Im Hinrichtungsstand neben dem Krematorium hatte man beide durch Erschießen in das Nazi- Walhall befördert. ,, Von der Lagerstärke abgesetzt" hieß: Ohne Aufsehen zu erregen erschossen, gehängt, vergast oder vergiftet. Die Lagerführung glaubte mit der Bezeichnung ,, von der Lagerstärke abgesetzt" die Häftlinge täuschen zu können, kam jedoch niemals auf den Gedanken, daß unter den Häftlingen in der Politischen Abteilung sehr schnell ein Weg gefunden wurde, einwandfrei den Verbleib der ,, Abgesetzten" festzustellen. Im Block 56, wo in den letzten Jahren die Politische Abteilung neben der Desinfektion untergebracht war, ließen sich an Hand der Häftlingsnummern, die aus den vom Krematorium zurückgelieferten Kleidungsstücken angebracht waren, durch die vorhandenen Listen sofort die Namen aller im Krematorium Verbrannten feststellen. 89 69 Unauffällig und mit großer Vorsicht hatten die Vertrauten der Politischen Abteilung die desinfizierten Kleidungsstücke kontrolliert und die Nummern notiert, um dann unter Zuhilfenahme der laufenden Nummernliste Sonderlisten der Ermordeten aufzustellen. Selbst Zivilisten, welche vom RSHA direkt zur Hinrichtung ins Krematorium gebracht wurden, konnten an Hand der z. T. in der Kleidung noch befindlichen Legitimationspapiere oder sonstigen Kennzeichen identifiziert werden. Dank der unbedingten Verschwiegenheit der Kameraden, die diesen Identifizierungsdienst laufend durchführten, wurde selbst der SS nichts von diesem Geheimdienst bekannt, die diesen Beteiligten ohne Aburteilung den Tod am Galgen gebracht hätte. Nicht nur die Kleidungsstücke der Ermordeten passierten die Desinfektion, nein, alles, was die SS in den besetzten Ländern zusammengeraubt hatte. Die Wohnungen und Geschäfte in diesen Ländern wurden bis zum Äußersten ausgeplündert und wahllos alles auf Kraftwagen ,, heim ins Reich" transportiert. Das in den Ostländern gestohlene Gut kam ausschließlich nach Sachsenhausen, um dort in den Desinfektionskammern von Ungeziefer und Bakterien gesäubert zu werden. Monatelang rollten täglich die Autos ins Lager, um die ,, Beute" abzuladen, als da waren: Kleidungsstücke von Männern, Frauen und Kindern, einschließlich Leibwäsche, Bettwäsche, Steppdecken, Federbetten, Tischwäsche, Gobelins, Teppiche, Läufer, Portieren, Gardinen, Vorhänge, Pelze, wertvolle Tücher und Seidenwaren, Tischdecken, Stickereien, Spitzen, kurz gesagt, alles, was in einer Wohnung zu finden war. Mit welcher Brutalität die SS bei dem Rauben zu Werke ging, möge aus Nachstehendem erhellen: In mehreren Anlieferungen fanden sich blutgetränkte Frauen- und Kindernachthemden und Schlafanzüge, die den untrüglichen Beweis lieferten, daß die Besitzer im Bett oder während des Schlafs ermordet worden waren, denn die Nachtkleidung war blutdurchtränkt und durch Bajonette oder Messer zerfetzt. Es ließ sich feststellen, ob das Opfer den Tod durch Brust- oder Rückenstich erlitten hatte. In einem Fall wurde beim Durchsuchen des geraubten Gutes von den damit beschäftigten Häftlingen in der Desinfektion die Leiche eines Säuglings in blutigen Windeln gefunden, der arme Wurm war durch einen Bajonettstich durch die Brust aufgespießt und getötet worden. In der Eile hatten die Bestien vergessen, die kleine Leiche am Tatort zu lassen, und somit brachte der arme Wurm Kunde nach Sachsenhausen von dem Leidensweg der ganzen Familie. Über den gemachten schaurigen Fund der Lagerleitung Meldung zu machen, war nicht ratsam; denn diese Meldung hätte den Augenzeugen dieser Schandtat als ,, Wissende" das Leben gekostet. So wurde kurzerhand die Säuglingsleiche während des Nachtdienstes im Ofen der Zentralheizung der Desinfektion verbrannt und niemand hat je über diese furchtbare Begebenheit etwas erfahren. Während des Monats Mai 1942 langte ein Lastwagen, gefüllt mit leeren Koffern und Handtaschen, in der Desinfektion an. Die zum Teil noch daran befindlichen Aufschriften verrieten, daß es Wiener, In der F Vertraute tion, wo gen zu n In e an einen gesamte befände Es fande sogar ein reise gee lichkeit Kremato Koffer n Einfall keiten d Beim der Bloc blick. E bis acht war eing gang" m Mann fo ohne der Zugangsl Zugänge der Nan Meist ha genden von der Dock 40 147 z der pens a. d. Lah her bra weisungs scheinig Weise g nach er wenn si seiner P zum un ,, weil er wurde i Den seit Janu ker, Geis indemn fünf Mi oder ein habe ein 90 90 ertrauten cke konZuhilfemordeten rekt zur nten an mationsm. 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Es fanden sich auch in einer Anzahl Koffer Stullenpapier und sogar einige Brotreste. In welcher Gaskammer diese Erholungsreise geendet hatte, ließ sich nicht ermitteln. Die Wahrscheinlichkeit sprach für Linz, als das vielleicht zunächst gelegene Krematorium, während man aus Gründen der Tarnung die Koffer nach Sachsenhausen brachte, weil hier niemand auf den Einfall kommen konnte, daß es sich um die letzten Habseligkeiten der Opfer eines Massenmordes handelte. Beim Abendappell am 17. 11. 1941 bot sich den Häftlingen der Blocks, welche nahe am Tor standen, ein eigenartiger Anblick. Ein alter uniformierter Polizist, der mindestens sieben bis acht Koffer und sonstige Gepäckstücke mitgebracht hatte, war eingeliefert worden. Nach dem Appell wurde dieser ,, Zugang" mit seinem Gepäck in den Bunker gebracht und ein SSMann forderte in der Politischen Abteilung für ihn eine Nr., ohne den Namen des ,, Zugangs" zu nennen. Also wurde in der Zugangsliste vermerkt: ZB 40 147. Es war keine Seltenheit, daß Zugänge in den Bunker( Zellenbau) gebracht wurden, ohne daß der Name der Politischen Abteilung bekannt gegeben wurde. Meist handelte es sich um Persönlichkeiten, die schon am folgenden Tage als ,, unbekannt" im Krematorium geendet und von der Lagerstärke abgesetzt wurden. Doch in diesem Fall wurde der Unbekannte mit der Nr. 40 147 zur Aufnahme seiner Personalien vorgeführt. Es war der pensionierte Polizeiwachtmeister Jakob Küchle aus Limburg a. d. Lahn, den man unter irgend einem nichtigen Grund hierher brachte, um ihn unschädlich zu machen. Da der Einweisungsgrund auf dem Schutzhaftbefehl doch gar zu fadenscheinig war, so wurde der alte Küchle in freundschaftlicher Weise gesprächig gemacht. Und was man denn so nach und nach erfuhr, konnte allen die Haare zu Berge stehen lassen, wenn sie nicht geschoren gewesen wären. Küchle wurde nach seiner Pensionierung mit einem Vertrauensposten bedacht und zum unbedingten Schweigen verpflichtet, was er jedoch brach, ,, weil er gern a mal ä Schwätzle" machte. Dieses ,, Schwätzle" wurde ihm zum Verhängnis. Den Erzählungen Küchles war zu entnehmen, daß bereits seit Januar 1939 systematisch mit dem Töten unheilbarer Kranker, Geistesgestörter und teilweise auch Juden begonnen wurde, indem man ihnen eine Injektion verabreichte, die innerhalb fünf Minuten das Opfer tötete. Ein Professor Heide( Heyde oder ein ähnlicher Name), so ließ sich Küchle vernehmen, habe einige vertrauliche Vorträge gehalten, in welchen er von 91 einem nahe bevorstehenden Krieg gesprochen habe, der u. a. bedingte, daß für Verwundete und Kranke in Heilanstalten, Pflegeheimen und Krankenhäusern Raum geschaffen werden müßte. Daher habe es sich als zweckmäßig, ja notwendig erwiesen, daß die Insassen dieser Anstalten möglichst schnell und sicher geheilt" werden müßten. Dieses geschehe durch ein neues Verfahren", durch eine Injektion, die 100% wirksam sei, sofern der behandelte Patient dieses ,, aushielt". " Küchle, der auf seinem Vertrauensposten in Hadamar bei Limburg a, d, Lahn täglich diese neuartige ,, Blitzheilung" verfolgen konnte, bestätigte, daß die Wirkung wirklich 100% ig sei aber 100% ig tötlich. Man erfuhr weiter von Küchle, daß von Januar 1939 bis zu seiner Festnahme im Herbst 1941 allein in den ihm bekannten Orten Limburg a. d. Lahn( Hadamar), Buch, Pirna, Linz a. d. Donau und einigen weiteren Plätzen mehr als 60 000 Menschen eingeliefert und durch Injektion getötet wurden. Allein von Hadamar wollte er wissen, daß dort die Zahl der Toten monatlich bis zu 25 000 betragen habe. Was die Juden anbetraf, die auch in großen Scharen zusammengetrieben, dort eingeliefert und getötet wurden, so bekundete Küchle, daß es sich um Juden aus der Gegend von Mannheim und Ludwigshafen gehandelt habe, die jedoch nicht wegen Siechtum und dergl, beseitigt wurden, sondern lediglich ihres Vermögens wegen, dessen sich die SS bemächtigte. Es waren Millionenwerte an Juwelen, Möbel, Gemälden, Kleidung usw. und schließlich auch die freigewordenen Wohnungen und Häuser. Daß ein Mann wie Jakob Küchle mit seinem ,,, Schwätzle" der braunen Nazipest unerträglich wurde, nachdem so einiges von seinem Wissen zu Ohren Außenstehender gedrungen war, bedarf keiner weiteren Worte. Nur einige Tage befand sich Küchle im Wohnblock, wo er tagtäglich auf die ihm ,, versprochene ,, Entlassung" wartete. Eines Tages brachte die SS ihn in die SK und dort haben ihn die SK- Sadisten, vor allem der ,, Eiserne Gustav" derart mißhandelt, daß seine Überführung in den Krankenbau nötig wurde. Hier erhielt er dann am 23. Dezember 1941 gleichfalls eine Injektion, die ihm den erlösenden Tod brachte. Todesursache: Infektion des Großhirns durch äußere Einwirkung. Wenn der Schreibstube des Krankenbaues der Tod eines Häftlings bekannt gegeben wurde, so erging Meldung an etwa sechs bis sieben Abteilungen im Lager; zuerst an die Politische Abteilung in der Kommandantur, damit dort die pietistisch- frisierten Benachrichtigungen an die Angehörigen gesandt werden konnten. In der mit fünf bis sechs SS- Leuten besetzten Totenabteilung wurde sich durch Telegramme und Beileidsschreiben an die Angehörigen hinsichtlich Lügen, Verstellungen und Heuchlerei geradezu überboten, wie der nachstehende Fall Cordsen beweist. Cordsen wurde im April 1942 unter der Nr. 41 778 als politischer Häftling vom Gefängnis Neumünster eingeliefert, wo er 18 Monate Strafe verbüßte, weil er den Nazibauern gegenüber geäußert hatte: ,, Hitler ist zum Regieren unfähig!" Der asth92 92 matische Cordsen halb ich sätzliche Wegen D zur Beh Bett hüte führer U dem er a Behebun erhielt i nach Ver Leichenk Abschied vertraute mehr die 1883 wieh im gesto Ruhr Pneu wur liche lichs Trot nich zu d letzt tums Ihre er u, a. mstalten, werden otwendig schnell e durch % wirkmar bei ng" ver% ig sei daß von allein in ), Buch, mehr als wurden. Zahl der aren zu, so beend von ch nicht lediglich igte. Es Kleidung gen und hwätzle" O einiges gen war, and sich m ,, vere die SS or allem rführung am 23, den erGroßhirns Tod eines an etwa Politische stisch- frit werden en Totenschreiben nd HeuchCordsen 1778 als efert, wo gegenüber Der asther das matische und durch Unterernährung wenig widerstandsfähige Cordsen war mir schon seit Jahren persönlich bekannt, weshalb ich mich hier auch sofort für ihn verwandte, ihm zusätzliche Lebensmittel und leichte Beschäftigung verschaffte. Wegen Dysenterie und Gürtelrose wurde Cordsen im August 1942 zur Behandlung in den Krankenbau eingeliefert, wo Bett hüten mußte. In dieser Zeit durchstreifte der Stabsscharführer Ullmann auch die Baracke, in welcher sich C. befand, dem er am 21. 8. 1942 eine Injektion verabreichte, angeblich zur Behebung der Krankheit. Als ich ihn mittags besuchen wollte, erhielt ich von dem politischen Pfleger den Bescheid, daß C. nach Verabreichung einer Spritze verstorben und bereits in den Leichenkeller gebracht sei, wo ich von meinem Landsmann Abschied nehmen konnte, bevor er verbrannt wurde. Der Pfleger vertraute mir: Schutzimpfung mit Blausäure. Es folgen nunmehr die der Witwe Cordsen gesandten Schreiben in Abschrift: Der Bauer Nikolaus Cordsen, geboren am 9. Februar 1883 in Atsbüll, Kreis Flensburg, zuletzt wohnhaft in Großenwiehe, Kreis Flensburg, ist am 21. August 1942 um 9,15 Uhr im Krankenbau des Konzentrationslagers Sachsenhausen gestorben. Todesursache: Herz- und Kreislaufschwäche bei Ruhr und doppelseitiger Lungenentzündung( croupöse Pneumonie). Oranienburg, den 21. August 1942. ( Stempel) Der behandelnde Arzt ( Name unleserlich) SS- Untersturmführer Oranienburg, den 22. August 1942. Frau Margarete Cordsen Großenwiehe bei Flensburg. Sehr geehrte Frau Cordsen! Ihr Ehemann meldete sich am 22. 4. 1942 krank und wurde daraufhin unter Aufnahme im Krankenbau in ärztliche Behandlung genommen. Es wurde ihm die bestmöglichste medikamentöse und pflegerische Behandlung zuteil. Trotz aller angewendeten ärztlichen Bemühungen gelang es nicht, der Krankheit Herr zu werden. Ich spreche Ihnen zu diesem Verlust mein Beileid aus. Ihr Ehemann hat keine letzten Wünsche geäußert. Ich habe die Gefangeneneigentumsverwaltung meines Lagers angewiesen, den Nachlaẞ an Ihre Adresse zu senden. Heil Hitler! ( gez.) Loritz SS- Oberführer Schn. 93 Konzentrationslager Sachsenhausen Kommandantur- II/ 41 778/ Rt. An Oranienburg, den 28. 8. 1942. Großenwiehe, Kreis Flensburg. Frau Margarete Cordsen Ihr Ehemann Nikolaus Cordsen, geb. 9. 2. 1883, ist am 21. August 1942 an den Folgen von Herz- und Kreislaufschwäche bei Ruhr und doppelseitiger Lungenentzündung gestorben. Die Leiche wurde am 26. 8. 1942 im staatlichen Krematorium eingeäschert. Gegen die Ausfolgung der Urne bestehen, wenn eine Bescheinigung der örtlichen Friedhofsverwaltung beigebracht wird, keine Bedenken. Totenschein ist anliegend beigefügt. Kommandantur K, L. Sh. Abt. III/ 16. 9. 42/ Ho. - Der Der Lagerkommandant I. A.( Unterschrift) Oranienburg, den 16. September 1942. Frau Margarete Cordsen Großenwiehe. Die Kommandantur K. L. Sh. teilt auf das Schreiben vom 12. 9. 1942 mit, daß die Urne mit den Aschenresten des verstorbenen Nikolaus Cordsen am 7. 9. 1942 an die Friedhofsverwaltung in Esgrus abgesandt worden ist. Der Leiter des Krematoriums K. L. Sh. gez. Klein SS- Hauptsturmführer Die Anforder Zusendu späterhi und Ma wurden als Dün daß die verstorb großen Pest! In d wurden und dor jedoch schrecke bedenkli burg m und nic breiten Um Sachsen der Kon gebrach Hauptsc trauung registrie Abe senhaus die Häf regung men. I der Pat welcher eingeric Das chen st um von vorzube 94 40 durch schieden tungslag solche scheine Erlaubn bedürft Nac Nikolaus Cordsen +21. 8. 42 im KZ Sachsenhausen eine R Minuter lizitas Gucklo Höhne 1942 urg. . ist am reislaufzündung m staatgung der en Fried- Der ant ) 1942. iehe. chreiben enresten ie FriedSh. hsenhausen Die Zusendung der Urne mit den Aschenresten erfolgte auf Anfordern der Angehörigen. Während in den ersten Jahren die Zusendung noch gegen Nachnahme( RM 4,75) erfolgte, wurde späterhin keine Gebühr mehr erhoben. Als durch Epidemien und Massenmorde die Zahl der Toten ins Unermeßliche stieg, wurden keine Urnen mehr verschickt, sondern die Asche wurde als Düngemittel verladen. Es soll nicht verschwiegen werden, daß die den Angehörigen zugesandte Urne nicht die Asche des verstorbenen Familienopfers enthielt, sondern einfach vom großen Haufen in die Urne getan wurde. Pietät der braunen Pest! In den ersten Jahren des Bestehens des KZ Sachsenhausen wurden die Sterbefälle beim Standesamt Oranienburg registriert und dort auch die Todesbescheinigungen ausgefertigt. Als sich jedoch die Todesfälle durch die Massenmorde der SS in erschreckender Weise häuften, wurde es der Lagerleitung doch bedenklich; denn den Zivilangestellten des Standesamtes Oranienburg mußten diese Rekordzahlen des Massensterbens auffallen, und nichts lag näher, als daß die Schandtaten vom KZ der breiten Öffentlichkeit bekannt wurden. Um allen Eventualitäten vorzubeugen, wurde für das KZ Sachsenhausen ein besonderes Standesamt Oranienburg II in der Kommandantur errichtet. Dieses Standesamt II wurde untergebracht im Gebäude der Inspektion und unterstand dem SSHauptscharführer Klein. Von einigen vorgenommenen Häftlingstrauungen abgesehen, wurden dort ausschließlich Todesfälle registriert; denn Geburten kamen im KZ nicht vor. Aber noch eine andere Bereicherung erfuhr das KZ Sachsenhausen im Herbst 1943: die Errichtung eines Bordells für die Häftlinge! Es geht die Sage, daß Josef Goebbels die Anregung gab, dem Sexualbedürfnis der Häftlinge entgegenzukommen. Im äußersten Winkel des Krankenbau- Bereiches hinter der Pathologie und dem Leichenkeller war dieser Liebestempel, welcher zehn Freudenmädchen in Einzelkabinen beherbergte, eingerichtet. Das Frauenkonzentrationslager Ravensbrück mußte die Mädchen stellen, und zwar sechs Germaninnen und vier Slavinnen, um von vornherein einer Rassen- oder Nationalitätenmischung vorzubeugen, die dem ,, Herren volk" selbst im KZ einen Strich durch das Gebot der Aufnordung" machen könnte. Juden schieden aus; denn sie waren schon vom KZ in die Vernichtungslager abtransportiert worden. Besuchsberechtigt waren nur solche Häftlinge, welche für ihre geleistete Arbeit Prämienscheine erhielten. Außerdem mußten sie vom Lagerführer die Erlaubnis einholen, die nur dann erteilt wurde, wenn der Liebesbedürftige in der letzten Zeit keine Lagerstrafe gehabt hatte. Nach Erfüllung dieser Vorbedingungen konnte er dann für eine Reichsmark das Ticket erwerben, welches ihm zwanzig Minuten Liebesfreuden in den Armen der Fanny, Rosa, Felizitas und wie sie sonst noch hießen, gewährte. Durch ein Guckloch überzeugten sich abwechselnd die Lagerführer Kolb, Höhne und sonstige SS- Führer davon, daß die Liebesleute sich 95 96 96 keine Extravaganzen erlaubten, die dem ,, Reglement" zuwiderliefen. Zur Ehre der Politischen soll besonders hervorgehoben werden, daß sie den Besuch des Bordells für unter ihrer Würde hielten und es boykottierten. Das Gleiche galt von den Norwegern, Dänen, Holländern und einigen weiteren Ausländern, während die Kriminellen zu jenen Besuchern zählten, welche hinsichtlich der Frequenz auch hier die Stange hielten. Die im Häftlingsbordell untergebrachten Freudenmädchen waren nicht freiwillig vom Frauenkonzentrationslager Ravensbrück nach hier gekommen. Der Lagerführer Suhren suchte selbst die Frauen und Mädchen für diesen Zweck aus. Er versprach ihnen die Freiheit nach Verlauf von drei bis sechs Monaten Bordellaufenthalt. Er ging nach ,, Schönheit und Gestalt". Die schönsten Mädel, ob sie wollten oder nicht, sie wurden in die zahlreichen SS- Bordelle gebracht, wo nur ,, erstklassige, junge und frische Ware" in Frage kam. Mit der nächstfolgenden Garnitur wurden die Häftlingsbordelle versehen. Mir ist nicht bekannt geworden, daß diese Mädel nach Verlauf von drei bzw. sechs Monaten aus dem KZ entlassen wurden. Wie überall, wurden auch hier Versprechen gegeben und nicht gehalten. Unt auch d Rußland temkin, Weise lichkeit deutsch Kompli Konzen nannter täuscht lalll.. Mit auch n baren Stachel Papier, einem komme Verpflic Letzte Behausung des 4000 000- Gasmörders Hoess in Gottrupel Kreis Flensburg 1. I S 2. V 3. 4. 7 Liena zuwidergehoben Würde en Norländern, welche mädchen Ravens■ suchte Er veris sechs und Gecht, sie ar ,, erstMit der ersehen. Verlauf wurden. nd nicht 14. Kapitel Jeder in Deutschland ist Nationalsozialist; die paar, welche außerhalb der Partei stehen, sind entweder geistesfrank oder Jdioten. Hitler 1938. T Potemkin redivivus Unter den Vorbildern, deren sich Hitler bediente, durfte auch der Günstling und Geliebte der Zarin Katharina II. von Rußland nicht fehlen, nämlich der Feldmarschall Fürst Potemkin, der es verstanden hatte, seine Gebieterin in skrupelloser Weise zu täuschen und ihr Dinge vorzugaukeln, die der Wirklichkeit nicht entsprachen. Hitler täuschte nicht nur das deutsche Volk, er belog die ganze Welt, und seine braunen Komplizen als gelehrige Schüler ahmten ihm nach. Auch im Konzentrationslager fand Potemkin, durch die nach ihm benannten Kulissen, welche reiche Dörfer in der Krim täuschten, seine Wiederauferstehung. vorMit peinlichster Genauigkeit wurde darüber gewacht, daß auch nicht das Geringste über die Grausamkeiten, die furchtbaren Zustände im allgemeinen und die Massenmorde über den Stacheldraht der KZs hinausdrang. Jeder Brief, jeder Fetzen Papier, der das Tor passierte, wurde zensiert; und wenn einem Häftling einmal glückte, auf die Liste der Entlassenen zu kommen, so mußte er in der Politischen Abteilung nachstehende Verpflichtung unterschreiben: es 1. Ich erkläre, daß ich mich nie, weder in Rede noch in Schrift, gegen das jetzige Staatswesen, die NSDAP oder einer ihrer Gliederungen wenden werde. 2. Sobald mir Handlungen bekannt werden, die gegen die NS- Einrichtungen gerichtet sind, werde ich sofort der nächsten Polizeibehörde Mitteilung davon machen. 3. Ich habe mir im K. Lg. weder eine Krankheit zugezogen, noch einen Unfall erlitten. 4. Es ist mir bekannt, daß ich nicht über Einrichtungen des Lagers sprechen darf. 7 Lienau, Zwölf Jahre Nacht 97 5. Alle mir abgenommenen Gegenstände habe ich zurückerhalten. Ersatzansprüche kann und werde ich nicht stellen. 6. Ein Zwang ist bei Abgabe dieser Erklärung nicht auf mich ausgeübt worden. 7. Mir ist aufgegeben, mich bei meiner Rückkehr sofort bei der.... Polizei zu melden. Oranienburg,...( Datum) Daß jeder der Entlassenen diese Erklärung bewußt gegen seine innere Überzeugung unterschrieb, braucht nicht betont zu werden, wußte er doch, wenn er sich weigerte, diese Erklärung zu unterschreiben, daß er niemals zur Entlassung kam. Er verzichtete auf die ihm von der SS gestohlenen Wertsachen, Uhr usw. und bestätigte, alles erhalten zu haben. Wer zum Krüppel oder Invaliden im KZ geworden war und trotzdem zur Entlassung kam, bestätigte ebenfalls, keine körperlichen Schäden erlitten zu haben. Es sind Fälle zu verzeichnen gewesen, wo ein Häftling durch Unglücksfall eine Hand verlor oder ihm die SS ein Auge ausschlug. In solchen Fällen hatte er seinen Angehörigen die wahrheitswidrige Erklärung abzugeben, daß ihm schon vor Einlieferung in das Lager ein Unfall zugestoßen und er im Krankenbau deswegen behandelt worden war. Wenn Schwerkranke, denen man nur noch einige Stunden Leben voraussagen konnte, einen Gruß an ihre Angehörigen schrieben oder schreiben ließen( wenn sie nicht mehr zum Schreiben fähig waren), so mußte diese Mitteilung den Satz enthalten, daß es dem Betreffenden gesundheitlich gut ging. In nicht wenigen Fällen kam die telegraphische Todesnachricht der Lagerführung wochenlang yor dem Brief des Verstorbenen in die Hände der Familie. Als zentral in der Nähe Berlins gelegenes Lager hatte Sachsenhausen ständig ,, Hohen Besuch" von führenden Faschisten aller Länder, Zivil, Militärs und Nazikoryphäen in phantastischer Kriegsbemalung; oftmals glichen diese Besuchergruppen dem Ausschnitt aus einem Karnevalszug oder im Hinblick auf den übermäßigen Ordensbehang einem wandelnden Klempnerladen, nach dem Vorbild des Klempneroberinnungsmeisters Hermann Görings. War ein ganz vornehmer Besuch in Aussicht, so kam schon am Tage zuvor Befehl, alles auf das vorteilhafteste zu säubern und vorzubereiten, damit der Eindruck bei den Besuchern der denkbar beste war. Das Lagerreinigungskommando mußte Papierreste sammeln, den Appellplatz harken und in den unmittelbar am Platz liegenden Wohnbaracken mußte alles auf Draht sein, denn nur in diese Baracken wurden die Besucher geführt. Nur die Kulisse wurde gezeigt; bei einem Blick hinter die Kulissen hielten die Zustände der Kritik nicht stand. Beim Eintritt durch das Tor präsentierten sich den Besuchern an den Stirnseiten der Baracken des ersten Ringes in etwa meterhohen Buchstaben: ,, Es gibt einen Weg in die Freiheit! Seine Meilensteine heißen: Fleiß, Gehorsam, Ehrlichkeit, Sauberkeit, Gerechtigkeit, Nüchternheit, Wahrhaftigkeit, Opfersinn und laubt, da der Weg Wer gezeichne stand ge rei, Betr und der nen Gan nicht off die SS i Unte Besuch" Halt ger geben, i standen, klärte d sind un wandt: Thr weit sehen, m zu faul genden Baracker Ofen an Sofe den Häf worden; usw, wa oder SK das Rad bitterste wohl Fe der Ko blühte, und die War ihm vo einige H Krimine kannten straft?" wegen B friedens stehende wahrhei ,, Dann wort de Noc Betteln wurden wendet, denn hi sind la 7* 88 98 zurücknicht ht auf ort bei m) gegen ont zu klärung Er vern, Uhr rüppel r Entchäden Häftling n Auge gen die or EinKrantunden hörigen r zum n Satz t ging. chricht rbenen e Sachchisten stischer n dem uf den rladen, ermann so kam este zu en Bemando und in te alles die Beeinem k nicht en Benges in ie Freiichkeit, Opfersinn und Liebe zum Vaterland!" Hierbei sei zu bemerken erlaubt, daß neben der Baracke, die das Wort Freiheit trug, der Weg zum Krematorium auf den Industriehof führte. Wer nun etwa glaubte, daß die braune Bande mit den aufgezeichneten Tugenden voranging, irrte; auf ihrem Panier stand geschrieben: Faulheit, Sadismus, Verlogenheit, Schweinerei, Betrug, Rechtsbruch, Diebstahl, Suff, Schwelgerei, Mord und der Hang zur Sittenlosigkeit. Dieser Katechismus des braunen Gangstertums wurde den ,, Hohen Besuchern" allerdings nicht offenbar; denn während der Zeit des Besuches hatte sich die SS im Lager reserviert zu verhalten. - wenn ,, höchster Unter Führung des Lagerkommandanten Besuch" kam wurde nach Passieren des Tores ein kurzer Halt gemacht und dem Besuch so einige Erläuterungen gegeben, insbesondere über die paar Sünder, welche am Tor standen, aus Gründen, die sie selbst nicht kannten. Also erklärte der Lagerkommandant Loritz: ,, Diese Häftlinge hier sind unverbesserliche Radiohörer" und zu den Häftlingen gewandt: ,, So, macht, daß Ihr auf Euren Block kommt, da könnt Ihr weiter hören!" Und nun wieder zu den Besuchern: ,, Sie sehen, meine Herren, die Häftlinge gehen nicht! Sie sind selbst zu faul trotz der Kälte( es war Wintertag) die vor ihnen liegenden Mäntel anzuziehen. Ja, wenn sich die Häftlinge in den Baracken befinden, sind sie zu faul, um sich ein Feuer im Ofen anzulegen!" Sofern sich einer der Besucher etwa erlaubt haben sollte, den Häftling selbst zu fragen, so wäre ihm keine Antwort geworden; denn eine Erklärung wegen seines Aufenthalts am Tor usw. wäre ihm teuer zu stehen gekommen, zumindest Prügel oder SK. Daß sich kein Häftling freiwillig ans Tor stellt, um das Radio von der Blockführerstube zu hören, freiwillig bei bitterster Kälte seinen Mantel ablegt und im Block friert, obwohl Feuerung genug vorhanden ist, wußte jeder und vor allem der Kommandant. Allen war bewußt, welche Strafe ihnen blühte, wenn sie sich vom Tor entfernt, den Mantel angezogen und die Wohnbaracke geheizt hätten. War beim Eintritt des Besuches Appell, so ging Loritz mit ihm von einem Block zum andern, um in loyaler Weise an einige Häftlinge Fragen zu stellen. Zuerst zu einem Block der Kriminellen( BV). Frage an einen vielleicht ihm schon bekannten BVer: Wieviel Vorstrafen?" ,, 28." - ,, Warum bestraft?" ,, Vierzehn Mal wegen Diebstahl und Hehlerei, achtmal wegen Betrug, dreimal wegen Urkundenfälschung, zweimal Hausfriedensbruch und einmal wegen Widerstand." Als der danebenstehende BVer nach seinen Vorstrafen gefragt wird, gab dieser wahrheitsgetreu die Antwort, daß er keine Vorstrafen habe. ,, Dann wird es Zeit, daß Sie eine bekommen" war die Antwort des Kommandanten. Noch einige BVer und daneben einige Asoziale, die wegen Betteln und Landstreicherei Vorstrafen von kurzer Dauer hatten, wurden befragt und befriedigt lächelnd zu dem Besuch gewendet, sagt ihnen Loritz: ,, Sehen Sie, die hier werden anders, denn hier werden sie zu brauchbaren Menschen erzogen. Es sind lauter Spitzbuben und Taugenichtse. Aber hier werden 7* 99 wir den Halsabschneidern das Handwerk gründlich legen. Hier werden sie erzogen. In den ersten Jahren dürfen sie nicht heraus, besonders jetzt nicht während des Krieges; denn da wären sie eine Gefahr für die Allgemeinheit." Zunächst führt der Potemkin- Schüler Loritz die Besucher zum Krankenbau in die Baracke R I, welche die Aufnahme, Verbandsraum, Operationszimmer, Bad, Massage, Röntgenraum, Krankenzimmer der Operierten, Apotheke, Zahnstation und neben der Schreibstube das Ärztezimmer birgt. Alles ist sauber und zu irgend welchen Fragen besteht keine Neigung. Die daneben liegende Pathalogie wird übergangen, schon des darunterliegenden Leichenkellers wegen, das Bordell wird ebenfalls gemieden, und zum R II hinübergesteuert, wo die innere Abteilung untergebracht war. Damit war die Besichtigung des Krankenbaues beendet, Was sich hinter der Baracke II zutrug, in den Baracken der Tuberkulosen, der Ruhrkranken und jenen Baracken, aus denen die Leichenkarre laufend ihre traurige Fracht holte, wurde den Besuchern nicht gezeigt. Weiter ging es zur Wäscherei, in welche ein flüchtiger Blick auf die Maschinen und die emsigen Wäschereiarbeiter( Häftlinge) geworfen wurde. Dann zum Gegenüber in den Proviantraum und zur Küche. Da konnte der Besuch sich überzeugen, wie lukullisch die Häftlinge lebten; an den Fleischhaken hingen in langen Reihen die halben Schweine, welche jedem Häftling mindestens ein Viertel Pfund Fleisch zum Mittagessen garantierten, und wie duftete das Essen, es mußte direkt eine Freude sein, Insasse des KZ zu sein. Wem es beliebte, durfte auch eine Probe nehmen. Da rede noch einer, daß es den KZ- Leuten schlecht ginge oder sie gar hungern mußten Greuelmärchen waren es, was die Auslandssender in die Welt hinausposaunten. - In der Kantine konnten die Häftlinge in rauhen Mengen alle erdenklichen Waren und Spezialitäten kaufen, wie die dort aufgehängten Plakate verrieten: Fleischsalat mit Majonaise, Bockwurst mit Sauerkraut, Bratheringe, Emmentaler Käse, alle Sorten Wurst, Schinken, roh und gekocht, Bonbons, Pralinen, Kuchen, Torten, kurz alles, was das Herz begehrte. Dann gab es Rauchwaren von der billigsten Zigarette bis zur Havanna und alle sonst erlesenen Dinge, welche die Bevölkerung außerhalb des Lagers schon längst nicht mehr kaufen konnte. Auf dem Rückwege gings noch vorbei an der Baracke, wo die Guthaben ausgezahlt wurden. ,, Na, mein Junge", fragte Loritz leutselig ,,, wieviel hast Du denn ausgezahlt erhalten?" ,, Fünfzehn Mark, Herr Kommandant", war die Antwort. ,, Und Du?" zu einem andern Häftling gewandt. ,, Ich habe nichts auf meinem Konto". ,, Da sehen Sie, meine Herren! Dieser ist fleißig gewesen und bekommt fünfzehn Mark in der Woche und jener, weil er faul war, ging leer aus." Wie war die Wahrheit? Diejenigen Häftlinge, welche von ihren Angehörigen Geldüberweisungen per Post erhielten, konnten von ihrem Konto monatlich bis zu fünfzehn Mark abheben und dafür in der Kantine einkaufen. Die armen Teufel, deren 100 Familien saß, und den Besu wurde ve nicht um Geld, das Bevor einen kun 2, 3, 4, 5 im Schlaf Kommiß hatten di ausgeteilt Butter o Voll Besucher dantur an hälften a Kommand linge, sor Schweine klame- Ess übrig gel aus Erfal Für das erfrorene ausschau Augen hi hielten. Auch liches A zügiger wieder en von den temkins Komman wieder e sellschaft Soba hatte, be in altgev gekündig den, die Pfg. usw It. Bekan Lager g diesbezüg vom 26. am Verl Großhän 100 kg). den, der linge ver en. Hier le nicht denn da Besucher ufnahme, genraum, ion und ist sau- ing. Die des dar- rd eben- je innere sung des Baracken ken, aus ıt holte, zur Wä- inen und urde. r Küche, die Häft- sjhen die n Viertel des KZ nehmen. nge oder was die Mengen die dort ajonaise, äse, alle Pralinen, Jann 84 Hayann g auber- ınte, Auf die Gut- ER TER TIEREN DORT Familien zu Hause hungern mußten, weil ihr Ernährer im KZ saß, und somit keinen Pfennig ihr eigen nannten, sie wurden den Besuchern gegenüber als faul bezeichnet. Den Besuchern wurde verschwiegen, daß es sich bei den ausgezahlten Geldern nicht um verdientes Geld im Lager handelte, sondern um! eigenes Geld, das ihnen von ihren Familien überwiesen wurde. Bevor der Rückweg durchs Tor angetreten wurde, noch einen kurzen Orienlierungsbesuch in einer der Musterbaracken 2, 3, 4, 5 oder 6. Tische und Bänke waren korrekt ausgerichtet; im Schlafsaal ein Bettenbau, an welchem jeder Feldwebel beim Kommiß seine helle Freude haben konnte. Ja, ja, die Häftlinge, hatten die ein Leben! Auf den Tischen lagen Brote, welche ausgeteilt werden sollten, und daneben einige Würfel bester Butter oder Margarine und eine große Schale Marmelade. Voll befriedigt über alles Gesehene und Gehörte traten die Besucher gemächlichen Schrittes den Rückweg zur Komman- dantur an, während in der Küche eilends sämtliche Schweine- hälften auf Wagen verladen und zur Kantine der SS in der Kommandantur zurückgeschafft wurden; denn nicht die Häft- linge, sondern die SS-Leute waren diejenigen, welche sich an Schweinekoteletts gütlich tun sollten. Vom Topf mit dem Re- klame-Essen aus der SS-Küche war allerdings nichts mehr übrig geblieben, weil einige alte Lagerhasen, die den Rummel aus Erfahrung kannten, diese Rarität schon ausgelöffelt hatten. Für das Lager lautete der Speisezettel auf Weißkohlsuppe mit erfrorenen‘Kartoffeln, aus der nicht ein einziges Fettauge her- ausschaute, aber am Tisch in die Blechschüssel umsomehr Augen hineinsahen, welche nach einer Fleischfaser Ausschau hielten, Auch die Kantine hatte wieder ihr alltägliches und ärm- liches Aussehen bekommen. Die Plakate mit den in groß- zügiger Weise angekündigten Delikatessen aller Art mußten wieder entfernt werden und wanderten in den Ofen. Der Spuck von den Fleischtöpfen Ägyptens war vorüber; der Geist Po- temkins hatte sich verflüchtigt und schwebte nunmehr über der Kommandantur, wo sich Loritz von den hochbefriedigten Gästen wieder einmal verabschiedete, innerlich erfreut, auch diese Ge- sellschaft gehörig düpiert zu haben. Sobald die Besucherkommission das Lager wieder verlassen hatte, begann das Mißhandeln und der Betrug an den Häftlingen in altgewohnter Weise. Die in der Kantine für 45 Pig. an- gekündigten Brote mußten wieder mit 60 Pfg. verkauft wer- den, die Gurken 30 statt 10 Pig., die Marmeladen 80 statt 40 Pig, usw. Die behördlich untersagten Kuppelungsgeschäfte— lt. Bekanntmachung der Preisprüfungsstelle Berlin— waren Im Lager gang und gäbe. Man kehrte sich keineswegs an die diesbezüglichen Bestimmungen. Der„Völkische Beobachter“ vom 26. 3. 194% schrieb zwar:„Der Gewinn des Einzelhändlers am Verbrauch darf mit RM 6,— überschritten werden, vom Großhändler an den Einzelhändler nicht mehr als RM 8,80(per 100 kg). Es braucht nur der Artikel Sauerkraut erwähnt wer- den, der im März 1942 mit 45 Pfg. pro Pfund an die Häft- linge verkauft wurde, und der Gemüsesalat(Kartoffeln, Rüben, 101 Kohlblätter und Mohrrüben), die Tomaten mit 50 statt 16 Pfg. usw., dann erklärt sich leicht, daß z. B. im Februar 1941 der Kantinenüberschuß mehr als RM 40 000,- zu Gunsten der SSKasse betrug. Nun noch zu den Kupplungsverkäufen einige Beispiele der Erpressungen an die hungrigen Häftlinge. Anfang August 1941 wurden an jeden Block zwanzig Brote. zu 60 Pfg. abgegeben, jedoch nur, wenn rote Rüben gleichzeitig zu einem Überpreis mit abgenommen wurden. Mitte Oktober 1942 kosteten 10 kg Muschelfleisch und zwei Eimer Pellkartoffeln RM 38,20, ein Eimer abgekochter, gesüßter Maiskolben RM 25,-. Zu Weihnachten 1941 wurde jeder Block gezwungen, 30 Mundharmonikas zu 1,70 RM abzunehmen, Gegenstände, mit denen niemand etwas anfangen konnte. Man stelle sich vor, welch eine Nerventortur es bedeutete, wenn im Lager auf 2000 dieser Maulhobeln die hungrigen Lippen hin- und herglitten, und die Kaumuskeln nichts zu tun hatten, sondern nur den Magen revoltieren ließen. ,, Im Lager kann alles gekauft werden". Dieser Satz fand sich im Kopf eines jeden Briefes, welchen der Häftling an seine Angehörigen in die Heimat sandte. Es mußte der Eindruck erweckt werden, daß der Häftling sich zur Verbesserung der Lebenslage alles beschaffen konnte, wenn ihm Geld von zu Hause gesandt wurde. Wie schon angeführt, wurden die Waren zu Wucherpreisen verkauft, und zumeist auch noch solche Dinge, die keineswegs zur Stillung des Hungers angetan waren. Was dann wirklich an guten Lebensmitteln in die Kantine kam, wurde von der SS gestohlen. So holten sich u. a. die SS- Lagergrößen Campe, der ,, Eiserne Gustav", Novacki allwöchentlich und monatelang Wurst, Speck und Marmelade aus der Häftlingskantine und besaßen obendrein noch die Unverfrorenheit, die dort gestohlenen Zutaten zur Kuchenbäckerei zu bringen, um sich die delikatesten Kuchen und Torten in der Häftlingsbäckerei( unter der Kantine) herstellen zu lassen. Die den Häftlingen laut Küchenzettel zustehenden Rationen aus Proviantraum und Küche wurden von der SS gleichfalls in ausgedehnter Weise gestohlen. Einer der übelsten Gauner war der Küchenchef selbst, der Hauptscharführer Rackers. Am 27. 3. 1942 wurde eine der größten Schiebungen aufgedeckt. Wagenweise hatte er den Häftlingen gestohlene Lebensmittel, vor allem Fettigkeiten und Nährmittel, Zucker, Mehl, Wurst, Fleisch, Kartoffeln in seine Wohnung schaffen lassen, wo sie im Schwarzhandel an die Schieber verkauft wurden. Zu diesem Schieberquartett zählten noch der Chef des Häftlingsproviantraums, der SS- Oberscharführer Pöhlmann, der SS- Oberscharführer Birke von der Heizung und der SS- Hauptscharführer Landgräber, dem die Gärtnerei und der Schweinestall unterstand. Für die Kranken gekochte Diät, wie Haferflocken, Nudeln, Reis und Grieß in Milch kam nur in verschwindend geringen Mengen zu den Magenkranken und jenen Schwachen, für welche diese Kost bestimmt war. Rackers hatte sich unter der Häftlingsküche seinen privaten Proviantraum und einen Kaninchen102 stall bau mit Diät rungen z Als bande ab Arrest, al aufbewah mann er bensmitte Als d in beträc wurde 14 Tage " Kantine ken, Spe aufgezähl seiner M wegs na Fee En war, gi sofort ei Befehl is braten d mit die konnten. 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Pöhlmann erhielt gleichfalls diese Strafe, weil er überzählige Lebensmittel aufgehoben und davon keine Meldung gemacht hatte. Als dann ruchbar wurde, daß auch der Kommandant Loritz in beträchtlichem Maße Nutznießer dieser Generalschiebung war, wurde ,, Das Ganze Halt" geblasen und Loritz ging zunächst 14 Tage in ,, Urlaub". Vorher deckte er sich noch in der SSKantine mit etwa RM 4000,- an Waren ein: Würste, Schinken, Speck, Butter, Liköre, Weine usw. Es soll nur beiläufig aufgezählt werden, daß Loritz um den 10. 1. 1941 herum mit seiner Mätresse eine Spritzfahrt nach Stettin machte. Unterwegs nach einem besonderen Wunsch befragt, gab die holde Fee Entenbraten an. Weil dieser nicht sofort zur Stelle war, ging ein Telegramm nach dem Lager Oranienburg, sofort einen garnierten Entenbraten nach Stettin zu schicken. Befehl ist Befehl. Die SS- Küche sandte den begehrten Entenbraten durch einen SS- Hauptscharführer per Motorrad ab, damit die in Stettin schmachtenden Schlemmer befriedigt werden konnten. Diese Gaunereien mit Lebens- und Genußmitteln im Lager fanden ein Gegenstück zu jenen Großschiebungen in den ,, Deutschen Ausrüstungswerken"( DAW), einem Industrieunternehmen der SS, eingerichtet von Heinrich Himmler und unter der Oberleitung des SS- Obergruppenführers Pohl. In allen Konzentrationslagern bestanden diese DAW- Betriebe, mit billigen Fachkräften der Häftlinge. Tausende der Häftlinge wurden hier ausgebeutet im Privatinteresse der braunen Meute. Die dort hergestellten Sachen, von den teuersten Vitrinen, Wohnungseinrich-, tungen bis zu den pompösesten Villen erstanden hier durch Fronarbeit der Häftlinge unter dem SS- Pharao Pohl. Als Himmler am 30. 8. 1941 das Lager Sachsenhausen einmal wieder besuchte, diesmal in Begleitung spanischer Franco- Offiziere, geruhte er mit seinem unendlich großen Gefolge auch einen Abstecher nach dem Industriehof zu machen, um sich nach dem Likörkühlschrank zu erkundigen, der für Bisher waren etwa ein Dutzend ihn dort gearbeitet wurde. Probeschränke angefertigt worden, welche an Unkosten ca. RM 58 000,- verschlungen hatten, doch keiner dieser Probeschränke hatte Gnade vor den Augen des ,, hohen Gebieters" gefunden. Ob bis zu seinem Ende besagter Likörschrank fertiggestellt wurde, konnte nicht ermittelt werden. Was hier für die SS- Offiziere und deren weiblichen Anhang aus den kostbarsten Edelhölzern und Furnieren an Luxusgegenständen angefertigt wurde, geht in die Millionen, und läßt sich die Höhe der endgültigen Summe nicht einmal schätzen. So kleine Einzelheiten betr. angefertigter Sachen für die SS- Führer sollen hier noch registriert werden. Der SS- Brigade103 führer Hansen von der Bauleitung Berlin- Lichterfelde verfügt am 17. 2. 1942, daß alle Arbeiten für den Rüstungsbedarf zurückzustellen seien, damit sein Wintergarten noch bis zum 1. 3. fertiggestellt werden konnte. Vom SS- Gruppenführer Eicke sei vermerkt, daß dieser ein Hundebett anfertigen ließ, welches sich dem gemaserten Holz der Schlafzimmermöbel seiner Tochter anpaßte. Die darauf verwendete Arbeitszeit betrug eine Woche. Hier sei eingeschaltet, daß Eicke als SS- General vor Leningrad gefallen ist, während seine Frau nebst Tochter es weiter mit einer weniger komfortablen Bettstelle in einem Barackenlager bei Flensburg fürlieb nehmen mußte. Über den bereits genannten Kommandanten Loritz, dem Potemkin des Lagers, soll nachstehende soll nachstehende kleine Biographie beleuchten, was der Nachwelt bekannt werden muß. Loritz hatte vom Dezember 1939 bis zum 21. August 1942 unumschränkte Gewalt im Lager und war Herr über Leben und Tod der Häftlinge. Seine Brutalität war geradezu sprichwörtlich gegeworden. Als Betrüger, Erpresser und unter Ausnutzung seiner Position zum eigenen Vorteil rangierte er mit an der Spitze der Sinekuren- Inhaber. Am Wolfgangsee im Salzkammergut ließ er sich eine der luxuriösesten Villen bauen, an der zeitweilig 24 Häftlinge des Lagers Sachsenhausen als besonderes Arbeitskommando ,, Am See" eingesetzt waren. Der Besitz lag in St. Gilgen( Franzosenschanze). Fast das gesamte Baumaterial, selbst Klinkersteine und Bäume wurden in Lastautos von Sachsenhausen zum Wolfgangsee transportiert, daneben noch eine transportable Jagdhütte nebst betoniertem Ententeich! In großer Zahl wurden Gemälde nach dort verfrachtet, welche die Künstler unter den Häftlingen ausgeführt hatten; außerdem etwa 60 Teppiche und Brücken, gleichfalls im Lager gewebt. Lampenschirme aus Leder, Wäschekörbe, Tische und Sessel aus Flechtwerk, Briefbeschwerer mit Helmverzierung aus Silber und tausend nicht aufzuzählende Gegenstände, von Häftlingen gefertigt, empfing die Villa am Wolfgangsee. Daß die gesamten Zimmerausstattungen gleichfalls von Sachsenhausen kamen, braucht nicht besonders hervorgehoben zu werden. In den Felsen wurde ein Bootshaus für das Motorboot gesprengt, wofür tausende Mark verausgabt wurden. Wer war nun dieser Loritz? In Augsburg hatte er als Gaswerkskassierer begonnen, hatte zeitweilig den ehrenwerten Beruf eines Zeitungsverkäufers und Austrägers ausgeübt und fand rechtzeitig den Weg aus seiner engen Wohnung im Hinterhaus in die SS, wo er durch skrupelloses Niedertrampeln seiner Rivalen sehr bald an leitender Stelle stand. Als er Kommandant von Sachsenhausen ward, gewahrte er dort unter den Häftlingen einen ehemaligen Vorgesetzten, den Landtagsabgeordneten Clemens Högg( Soz.),( Nr. 16 003). Dieser Mann konnte, da er seine Vergangenheit kannte, den Nimbus Loritz' trüben. Daher ließ er ihn kurzerhand in den Zellenbau bringen, in welchem er jahrelang allen Schikanen und Quälereien der SS ausgesetzt, zubringen mußte. Ein Unglücksfall im Zellenbau( Oberschenkelhalsbruch) war die Ur104 sache, d operiert um ihn zeit erträ und uner fast hoff tierte ma er nicht sucht des Mit mußte s beschäfti begann, verwicke Oslo. 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Doch aus dem einst so lebensstarken und unerschrockenen Kämpfer gegen das Hitler- Regime war ein fast hoffnungsloser Krüppel geworden. Im Februar transportierte man ihn nach dem Vernichtungslager Belsen, von dem er nicht zurückgekehrt ist. Ein Opfer der persönlichen Rachsucht des Loritz. Mit den Schiebungen und Verschwendungen des Loritz mußte sich der Sicherheitsdienst und eine Sonderkommission beschäftigen. Als dann jedoch der Pfuhl gar zu stark zu stinken begann, weil höchste und allerhöchste SS- Verbrecher mit darin verwickelt waren, verfrachtete man kurzerhand den Loritz nach Oslo. Über sein Schicksal kursierten mehrere Berichte, von denen man nicht wußte, welchem Glauben zu schenken sei, bis bekannt wurde, daß er nach der Kapitulation in einem bayrischen Internierungslager gelandet sei. Wie schon vorstehend aufgeführt, war die Kommandantur stets besorgt, daß von den furchtbaren Zuständen im KZ auch nicht das Geringste an die Öffentlichkeit kam; niemand durfte erfahren, wie die Wirklichkeit dort war. Wenn Zeitungen des Auslandes und die ausländischen Sender Einzelheiten aus den Lägern und einmal recht krasse Fälle von Bestialitäten, Unterschleifen usw. brachten, so wurden diese Nachrichten stets als ,, Greuelmärchen" abgetan und der allzeit gläubige deutsche Michel war wieder beruhigt. Inzwischen hatte das Internationale Rote Kreuz erwirkt, daß den Ausländern im Lager Pakete geschickt werden durften und wurden mit diesen Paketen die Norweger, Dänen, Holländer, Belgier, Luxemburger, Tschechen, Franzosen und Polen bedacht. In den Paketen der Norweger und Dänen befanden sich vorwiegend Butter, Speck, Wurst und dergl, nahrhafte Dinge, die auch der SS gut mundeten; also wurden diese Sendungen regelmäßig bestohlen, sie kamen beschädigt an. Die Pakete der Franzosen und Belgier, welche zumeist aus der Schweiz gesandt wurden, enthielten als Liebesgabe Schokolade, Kaffee, Tee, Kakao, Zucker. Zu hunderten wurden diese Pakete von der braunen Räuberbande systematisch geplündert; Kaffee, Tee, Schokolade und Kakao war von ihnen gestohlen, bevor die Pakete zur Poststelle des Lagers gelangten. In der Kommandantur, vornehmlich im Raum des Rapportführers wurden die gestohlenen Sachen zusammengetragen, um von hier aus den Weg in die Wohnungen der SS- Führer zu nehmen, damit die SS- Weiblichkeit sich dieser seltenen Genüsse erfreuen konnte. Eine Reklamation war vollkommen ausgeschlossen, denn ein Wort, welches den geringsten Verdacht aussprach, daß die SS; die Paketdiebstähle ausgeführt habe, hätte den Tod des Reklamierenden bedeutet, Im Herbst 1942 konnten die Häftlinge in den Briefen ihren Angehörigen mitteilen, daß es erlaubt sei, Strümpfe und Unterwäsche ins Lager zu senden. Inzwischen war nämlich ein sehr fühlbarer Mangel an diesen Dingen eingetreten. Die Pakete 105 wurden von den SS- Blockführern geöffnet; wenn sich gute Sachen darunter befanden, wurden diese von der SS behalten. Im November 1942 durften sogar regelmäßig Pakete gesandt werden, welche Lebensmittel und Rauchwaren enthielten. Bevor diese in die Hände der Häftlinge kamen, waren sie bereits von der SS revidiert und ihres Inhalts beraubt worden, namentlich wenn es sich um Zigaretten und Fettigkeiten handelte, die sich die Angehörigen in der Heimat vom Munde abgespart hatten. In den Briefen, welche den Empfang bestätigten, mußten selbst solche Sendungen bestätigt werden, die den Empfängern nicht ausgehändigt worden waren die SS- Gauner hatten diese schon für sich annektiert. Mit welcher Skrupellosigkeit die Raubzüge gegen die Häftlinge ausgeführt wurden, soll an einem der krassesten Fälle in der Bekleidungskammer der Häftlinge beleuchtet werden. Unter den tausenden Opfern, welche z. T. als Unbekannt im Schießstand oder der Gaskammer endeten, befanden sich auch Angehörige hoher und höchster Kreise, die in bester Kleidung ins Lager eingeliefert wurden oder unter Umgehung des KZ direkt zum Hinrichtungsplatz gebracht wurden. Soweit die Opfer erschossen wurden, hatten diese sich zuvor der Oberkleider, des Jacketts und der Weste zu entledigen, damit diese nicht durch die Schüsse beschädigt wurden. Diese Kleidungsstücke kamen dann, wie alle andere Garderobe der Toten in die Desinfektion und danach in die Bekleidungskammer. Doch hatte der Chef der Häftlingsbekleidungskammer Höpken für diese Kleidung einen besonderen Block eingerichtet; denn diese elegante Garderobe kam nicht in die Hände der Häftlinge. Der verbrecherische Chef der Kammer hatte nicht weniger als 10 000 komplette Anzüge, Hüte, Mäntel, Schuhe usw. dort zusammengebracht und trieb mit den Kleidungsstücken einen schwunghaften und ausgedehnten Engros- Handel nicht nur nach Berlin, sondern überall hin. Er machte also aus der Habe der Ermordeten ein Riesengeschäft. Man ist geneigt zu glauben, daß diese Leute nur ihrer Kleidung wegen ermordet wurden, damit diese als wertvolles Handelsobjekt für diese verbrecherischen SS- Banditen diente. Außer diesen Riesenmengen an Kleidungsstücken bereicherte sich der Leichenfledderer engros Höpken noch an den Schmucksachen und dem Geld der Ermordeten, die in der Kleidung eingenäht waren. Weil Höpken in seiner Habgier alles für sich behalten wollte, forderte er die Wut und Mißgunst derjenigen SS- Räuber heraus, die bei der Leichenfledderei leer ausgegangen waren. Höpken wurde vor ein sofort zusammenberufenes SSSondergericht gestellt, welches im Führerheim der Kommandantur tagte. Es wurde auf Todesstrafe erkannt und die Strafe durch Erschießen sofort vollstreckt. Soweit noch etwas von den Sachen oder deren Erlös erfaßt werden konnte, wurde dieses von dem SS- Sondergericht beschlagnahmt, das geraubte Gut wechselte nur den Besitzer. In einem weiteren Kapitel wird über den Handel mit dem Eigentum der Ermordeten noch weiter die Rede sein. 106 Dun und Du hungrige Abfälle gertyphu die SS merleber men lief Wie die KZS zustellen wohlhab seine ge Volk, n der Ko durch P schwätze die Häf nüssen Welt es Sinn ge mit ihre in seine Hin gute halten. esandt m. Bebereits amentte, die gespart - mußmpfänhatten Häftälle in Unter Schießch Anng ins direkt fer erer, des durch e Gardie Bebekleinderen nicht ef der Hüte, eb mit ehnten in, Er Dunkelheit lag über dem Lager. An den Kehrichthaufen und Dungstätten wird es lebendig. Hungrige Häftlinge und hungrige Ratten durchsuchen die stinkenden und verdorbenen Abfälle und Essenreste, um ihren Hunger zu stillen. Der Hungertyphus kostet hunderten von Häftlingen das Leben, während die SS in den Führerräumen der Kommandantur ein Schlemmerleben führte, wie es sich die ,, Volksgenossen" nicht träumen ließen. Wie alles bei den Nazis Fassade und Kulisse war, so auch die KZs, die man der Weltöfffentlichkeit als Sanatorium hinzustellen sich erdreistete. Potemkin spiegelte der Katharina wohlhabende Dörfer in der eroberten Krim vor. Hitler und seine gelehrigen Kommilitonen täuschten nicht nur das deutsche Volk, nein, die ganze Welt mit dem Wohlleben der Insassen der Konzentrationsläger. Sie haben es verstanden, der Welt durch Presse und Rundfunk und alle erdenklichen Propagandaschwätzereien das KZ als das Paradies hinzustellen, in welchem die Häftlinge sich dem Wohlleben bei allen erdenklichen Genüssen hingeben konnten. Mit geringen Ausnahmen hat die Welt es als bare Münze hingenommen und nie ist ihr in den Sinn gekommen, daß das KZ furchtbarer war, als die Hölle mit ihren Schrecken, wie sie uns die Bibel und die Vision Dantes in seiner ,, Göttlichen Komödie" schildert. schäft. leidung andelsicherte hmuckleidung 4= ür sich jenigen egangen es SSmmanStrafe as von e dieses te Gut 2. Himmlers letzter Aufenthalt in Ausacker- Hüholz, Kr. Flensburg el wird noch 107 15. Kapitel Wenn es notwendig ist, lasse ich tausend Tschechen erschießen. Und wenn das nicht hilft, wird die ganze tschechische Nation liquidiert. Himmler. Braune Inquisitoren Die an Beispielen und Vorbildern reiche Geschichte grundloser Verhaftungen, Einkerkerungen, Folterungen, bestialischer Behandlungen und Massenmorde findet in der Christenverfolgung Neros und der Inquisition des dunklen Mittelalters ihren Niederschlag in einem Ausmaße, das uns heute noch mit Schaudern erfüllt. Man wähnte, daß die Menschen humaner geworden seien und konnte nicht daran glauben, daß im Zeitalter der Aufklärung und Erziehung jemals die Brutalitäten und Grausamkeiten wieder aufleben würden, die sich mit der Roheit der Menschen weit zurückliegender Zeitepochen vergleichen ließen. Nur die Kriege und die sich anschließenden Zeiten der Not und Entbehrungen ließen die Bestie im Menschen wieder aufleben. Beispiele bieten vor allem die Zeit des dreißigjährigen Krieges und die folgenden Jahrzehnte. Ein weiteres Beispiel sind die nach den napoleonischen Kriegen auftretenden Räuberbanden, wie am Niederrhein die Bande unter Schinderhannes, der gegenüber Hitler und seinen Banditen geradezu als Musterknabe gelten kann. Auch Mussolini hatte in Rinaldo Rinaldini einen Vorläufer, der allerdings auch nicht den Vergleich mit dem Duce aushält. Um Schinderhannes und Rinaldini spann sich im Laufe eines Jahrhunderts eine Romantik, die sich heute noch ganz unterhaltsam liest. Man würde dem Nimbus dieser beiden Räuberhauptmänner mit Unrecht Abbruch tun, wenn man ihre Taten mit denen eines Hitler und Mussolini vergliche. Die während des Wütens der braunen Pest im Verlaufe von mehr als zwölf Jahren begangenen Verbrechen an der Menschheit und gegen die Menschlichkeit sind um mit den Worten Hitlers zu reden einmalig, und um nur annähernde Vergleiche zu ziehen, ist man genötigt, sich in die Zeit zurückzuversetzen, in der die Inquisition bisher kaum gekannte Ver108 - brechen, Unschuld mada, de schen le verblasse schen, di Die tur, um taten, w lassen ni sanften Karl V. ,, peinlich brennen, Rädern, in der F über hin rungen, zugefügt, lassen, v Beim frühester und be man die knechte oder Wa einen M vor unau haufen Auf es schon Torturen gegeben, kommne Kurse a Wandel der Wis sadistisc geschun Wen zur Zei lebende und and Zerreiße diesen H abgetan, seien, u denkbar trumpft Beispiel Zun deren buchen je ich tau- Ind wenn ze tiche- Simmler. grund- ılischer ıverfol- s ihren Schau- worden ter der | Grau- heit der ließen, jer Not er aul- ährigen Beispiel Räuber- hanneS, Muster- rläufer, „ushält. ‘e eines ' unter- Räuber- J Taten ufe von \Vensch- 2 TE RETTET brechen, Torturen und Massenschlächtereien an Abertausenden Unschuldiger beging. Die Taten des Großinquisitors Torque- mada, der in einem Zeitraum von fünfzehn Jahren 8800 Men- schen lebendig auf dem Scheiterhaufen verbrennen ließ, sie verblassen beim Vergleich mit den Millionen unschuldiger Men- schen, die Hitler und seine Mordgesellen zu Tode folterten. Die von den SS-Henkern angewandten Methoden der Tor- tur, um Geständnisse zu erpressen, die Vielseitigkeit der Mord- taten, welche zur Beseitigung der Opfer angewandt wurden, lassen nicht einmal einen Vergleich zu mit der gewiß nicht sanften Peinlichen Halsgerichtsordnung der ‚Karolina“ Kaiser Karl V. Von den dort aufgeführten Arten der Tortur oder „peinlichen Frage“ bis zum Register der Todesarten durch Ver- brennen, Vierteilen, lebendiges Begraben, Ertränken, Hängen, Rädern, öffentliche Auspeitschungen fehlt nicht das geringste in der Folter- und Mordfibel der sadistischen SS; sie hat dar- über hinaus noch eine Anzahl weiterer Methoden der Folte- rungen, u. a. die japanische Tortur und sonstige Mordtaten hin- zugefügt, die dem Leser schon das Blut in den Adern erstarren lassen, wenn sie nur angedeutet würden. Beim Durchsehen der Literatur über den Strafvollzug vom frühesten Mittelalter bis in das neunzehnte Jahrhundert hinein und beim Vergleich mit der Mordtechnik der Nazis, muß man die Feststellung machen, daß die Scharfrichter, Schinder- knechte und Büttel der alten Zeit eigentlich große Stümper oder Waisenkinder in ihrem blutigen Fach waren. Wenn sie einen Menschen zu rädern hatten, so haben sie das Opfer zu- vor unauffällig erdrosselt, um so dem rohen schaulustigen Volks- haufen nur das Zerfetzen eines Toten vorzuführen. Auf den Kongressen der Scharfrichter— auch so etwas hat es schon gegeben— wurden Erfahrungen auf dem Gebiete der Torturen und Todesarten ausgetauscht und neue Anregungen gegeben, sich in ihrem ‚unehrlichen Handwerk“ zu vervoll- kommnen. Sie blieben rückständig auf diesem Gebiet; erst die Kurse auf den Ordensburgen. der Nazis haben hier gründlich Wandel geschaffen. Hier wurden mit Hilfe von Verbrechern der Wissenschaft Methoden ausgeheckt, die zeigten, in welch sadistischer und viehischer Weise die Mitmenschen zu Tode geschunden werden sollten und wurden. Wenn uns aus der Geschichte übermittelt wird, daß Nero zur Zeit der Christenverfolgungen in Rom die Menschen als lebende Fackeln einer rohen Volksmasse im Capitol vorführte und andere Opfer wiederum den hungernden Raubtieren zum Zerreißen vorwerfen ließ, so hat man sich mit Abscheu von diesen Bestialitäten abgewandt; man hat dieses mit den Worten abgetan, daß die Menschen damals äußerst roh gewesen seien, und daß in unserem humanen Zeitalter derartiges nicht denkbar wäre, Weit gefehlt, die braunen Sadisten der SS über- igen der nachstehenden trumpften sie auch hier, wie an ein Beispiele bewiesen werden soll. Zunächst muß man sich mit jener Bestie beschäfligen, auf deren Konto die ausgeklügelten Arten der Tortur zu ver- buchen sind; es war ‚der bereits mehrfach genannte SS- 109 Gruppenführer Loritz, der Großinquisitor des Hitlerischen Schreckensregimes, der von Himmler als ,, würdigster und furchtbarster Vertreter, die mit Menschenhaut überzogene Bestie" Folterqualen erdachte und zur Ausführung bringen ließ, vor denen selbst der als schlimmstes Scheusal benannte Höllenfürst erblassen müßte. Nachdem Loritz die Proben seiner entmenschten Gesinnung bereits als Lagerführer in Esterwegen im Emsland abgelegt hatte, beförderte Himmler ihn 1936 zum Kommandanten des KZ Dachau, wo er bis 1939 verblieb. Von 1939 bis 1942, also etwa drei Jahre, haben die Häftlinge im KZ SachsenhausenOranienburg unter seinem Schreckensregiment leiden und sterben müssen, bis man ihn nach den vielen Gaunereien im KZ nicht mehr halten konnte und ihn in eine leitende Stellung nach Norwegen versetzte. Alle in der Zeit von 1939 bis 1942 begangenen Grausamkeiten sind seinem Hirn entsprungen, und er fand willige Helfer, die das für die Ordensburgen geschriebenes Folter- Reglement praktisch anwendeten und gar noch mit eigenen Finessen verschärften. Von den vertierten SSBlockführern in der SK und im Klinker bis zu den moralisch am tiefsten gesunkenen Verbrechern im Krematorium und den Vorstationen Schießstand und Gaskammer sind sie sämtlich durch die Schule des Loritz gegangen. Ihm gebührt der traurige Ruhm für alle Zeiten, den Großinquisitor Toquemada entthront zu haben; Loritz war, um auch hier mit Hitler zu reden: einmalig im Lager. In der Strafkompanie( SK), die in einigen Baracken isoliert vom allgemeinen Lager untergebracht war, feierte die SS förmliche Orgien beim Zutodepeinigen unschuldiger Menschen. Einem slavischen Häftling, den man zuvor entkleidet und an einen Pfeiler in der Baracke gefesselt hatte, wurde eine Rattenfalle vor den Leib geschnürt, in welcher zwei ausgehungerte Ratten gesperrt waren. Gierig fraßen sich die ausgehungerten Ratten. in die Gedärme des sich vor Schmerzen windenden und laut aufschreienden Unglücklichen, während die beiden SS- Blockführer der SK auf dem Tisch sitzend ihre Zigaretten rauchten, sich mit zynischen Bemerkungen an diesem grauenvollen Anblick weideten, bis das Opfer ohnmächtig zusammensank und nach etwa einer Stunde ausgelitten hatte. In einem andern Falle glaubten die zwei SS- Bestien auch noch das Vierteilen überbieten zu können. Das Opfer wurde in einen eigens dafür hergerichteten Rahmen gespannt, mit vier Schlingen für Hände und Füße und einer fünften Schlinge für den Kopf. Durch einen besonderen Mechanismus zogen die Seile mit den Schlingen gleichmäßig an. Als die Haut des Opfers sich zu straffen begann, trennten die SS- Schinderknechte die Haut an Händen und Füßen mit Rasierklingen, daß das Blut im Bogen herausspritzte. Die Kopfschlinge hatte schneller gearbeitet, und diesem Umstande ist es zu verdanken, daß das Opfer schon erdrosselt war, bevor die Glieder auseinandergerissen wurden. Die Augenzeugen dieser furchtbaren Prozedur wurden noch am gleichen Tage zum Klinker gebracht und dort in üblicher Weise ,, erledigt". Übersehen wurde jedoch, 110 daß ein Verfasse Wei Einführe After, u zum Pla Art der die Her trat, W Opfer v tränken Baracke und nac gebrach Glei ling ko unterzu Todesur SS- Bloc war, ha Häftling gestoßer auf den getreten Ein Treiben kam in wollte vom St daß nie eist seie den Hä stehend ( Pole), ihn nic den Ko lief. 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Während des Winters beliebten die Schinderknechte das Opfer völlig mit Wasser zu begießen und die Kleidung zu durchtränken. Bei eisiger Kälte wurde der Unglückliche vor der SKBaracke gefesselt aufgestellt, damit er zur Eissäule erstarrte und nach einigen Stunden als Erfrorener in den Leichenkeller gebracht werden konnte. Gleichfalls gehörte es nicht zu den Seltenheiten, den Häftling kopfüber in ein mit Wasser gefülltes Faẞ so lange unterzutauchen, bis der Tod durch Ertrinken eingetreten war. Todesursache laut Totenschein Tod durch Unglücksfall. Der SS- Blockführer Saathoff, von dem schon mehrfach die Rede war, hatte im Januar 1940 vor dem Block 44 einen politischen Häftling( Krüppel) zu Fall gebracht und in einen Schneehaufen gestoßen. Dann trat Saathof dem Opfer solange mit dem Fuß auf den Kopf, bis der Tod durch Ersticken im Schnee eingetreten war. Einige Häftlinge, welche vom Fenster des Blocks 45 diesem Treiben zugesehen hatten, wurden von Saathoff bemerkt. Er kam in den Aufenthaltsraum des B- Flügels vom Block 45 und wollte wissen, wer zum Fenster hinausgesehen habe. Als ihm vom Stubenältesten Jakob Adorf, einem Kölner, bedeutet wurde, daß niemand hinaussehen könne, weil die Scheiben völlig vereist seien, ließ Saathoff seine Wut an den ihm zunächst stehenden Häftling aus, indem er mit einem ihm gerade zur Hand stehenden Knüppel auf diesen einhieb. Einem älteren Häftling ( Pole), der ihm keine Antwort auf seine Frage gab, weil er ihn nicht verstand, warf Saathoff einen schweren Stiefel an den Kopf, der das eine Auge so unglücklich traf, daß es auslief. Erst nach dem Verlassen der Baracke konnte der Schwerverletzte unbemerkt zur Behandlung ins Revier gebracht werden. Zu Beginn des Jahres 1940 hatte sich die SS eine neue Art des schmerzvollen Hinmordens ausgedacht. In der bisherigen Mordgrube neben dem Krematorium wurde als Hinrichtungsstätte ein mit allen Raffinessen ausgestatteter Schießstand eingerichtet. Etwa einen Meter vor dem Kugelfang_befand sich eine etwa 20 cm tiefe, auszementierte Grube, gerade groß genug, damit das Opfer seine Füße hineinstellen konnte. Durch einen Klappdeckel mit Scharnieren wurde das Opfer festgehalten. Über dem Opfer befand sich ein transportabler Galgen. Nachdem der Kopf in die Schlinge gezwängt war, setzte der den Mord ausführende SS- Mann die Winde langsam in Bewegung und löste ihm beim Erdrosseln das Rückgrat aus, ein äußerst schmerzvoller Tod. Der auf diese Art Hingerichtete war, soweit bekannt wurde, ein Geistlicher aus Brieg in Schlesien, dem man den Verdacht des Landesverrats nachsagte. 111 Der Verfasser hatte Gelegenheit, diese Mordart von einem Holzschuppen( durch ein Astloch) unbemerkt zu beobachten. Diese Hinrichtungsart kam selten zur Anwendung, umso häufiger der Tod durch Erschießen, sofern es sich um die von der Gestapo oder dem RSHA eingelieferten Prominenten handelte oder um SS- Leute, die dem Tode verfallen waren. Während der Deliquent langsam die schiefe Ebene zum Schießstand hinunterging, hatten zwei zum Strafvollzug beorderte SS- Leute im Hintergrund der Grube vor einem Verschlag Aufstellung genommen, in welchem sich stets ein oder mehrere Särge zur Aufnahme der Opfer befanden. Kaum hatte der Deliquent die vorerwähnte zementierte Grube mit dem Holzdeckel erreicht, so streckten ihn schon einige Schüsse durch den Rücken nieder. Die Leiche wurde von den beiden SS- Männern in den bereitgehaltenen Sarg geworfen und von den im Krematorium beschäftigten Häftlingen, durchweg Kriminelle, darunter der durch Grausamkeiten berüchtigte Hans Gärtner, weggeschafft. Nach dem Entkleiden kam der Ermordete sofort in den Verbrennungsofen. Zeitweilig nahm auch die SS selbst das Entkleiden der Leichen vor, besonders, wenn es sich um Personen handelte, die vielleicht von den Krematoriums- Häftlingen erkannt wurden. Die Erschossenen der SS wurden stets von ihresgleichen entkleidet. Die im Krematorium zur Verbrennung gelangenden Toten kamen nicht nur allein aus dem Lager, auch mit Kraftwagen wurden laufend Transportkisten gebracht, welche, wie schon erwähnt, aus dem Häftlingsgefängnis des RSHA stammten; in Marterkeller des Reichssicherheitshauptamtes in der Prinz- Albrecht- Straße 8 wurden unzählige politische Verdächtige zu Tode geschunden, über deren Persönlichkeit beim Einliefern im Krematorium nichts festgestellt werden konnte. Meist verriet die Kleidung schon, daß es sich um prominente Personlichkeiten handelte.. Zuweilen kam die Order mit, daß die Transportkiste nicht geöffnet werden dürfe, sondern ungeöffnet mit dem Toten zu verbrennen sei. Da jedoch der Verbrennungsofen die großen Transportkisten nicht zu fassen vermochte, so wurde auf Anordnung des diensttuenden Leiters des Krematoriums die Leiche herausgenommen. In einem Fall Februar 1941- mußte eine große Transportkiste geöffnet werden. Der darin befindliche Tote war mit Stacheldraht umwickelt und das Gesicht durch Übergießen mit einer pechartigen Masse vollkommen unkenntlich gemacht. Die Kleidung verriet auch in diesem Fall, daß der Ermordete aus den ersten Gesellschaftskreisen stammte. Das zuerst im Gebrauch befindliche Krematorium hatte nur zwei Öfen, die bei weitem nicht die Leichen zur Verbrennung aufnehmen konnten, welche laufend eingeliefert wurden. Als nach Abschluß des Überfalls auf Polen( September 1939) die dort gebrauchten fahrbaren Krematorien nicht mehr in so großem Maße verwendet wurden, erhielt Sachsenhausen vier dieser fahrbaren Öfen, welche neben einem Schuppen hinter dem Holzplatz im Industriehofe Aufstellung fanden. Ein Blick 112 in die an Opfer a Kinderkle hingemor aber furc rung in F Eine gebräuch führer gle angetreter Schlage Reihen d dieser G herausrag tuch wu würgt. 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Eine besondere Art des Erdrosselns, die an die in Spanien gebräuchliche Methode der Garotte erinnert, übten die SS-Block- führer gleichfalls im Lager aus. Wenn die Häftlinge zum Appell angetreten waren, gingen die sadistischen Blockführer vom Schlage Saathoff, Fickert, Schubert, Knittler usw. durch die Reihen der angetretenen Blocks hindurch. Fielen ihnen bei dieser Gelegenheit Häftlinge auf, deren Halstuchzipfel etwas herausragten, so war es um den Träger geschehen; das Hals- tuch wurde zusammengedreht und der Häftling kaltblütig er- würgt. Das schon in einem der vorstehenden Kapitel erwähnte Rollen ist nicht wenigen Häftlingen zum Verhängnis geworden. Der Häftling wurde niedergestoßen und mußte durch Schnee und Schneeschlamm sich wälzen'bis ihm die Kräfte schwanden. Niemand durfte ihn aufheben oder ihm Hilfe reichen. Eine Lungenentzündung usw. führte meist noch am gleichen oder dem nächsten Tage den Tod herbei. Der Tod am Galgen war. die gebräuchlichste Art, die Häft- linge aus der Welt zu schaffen. Der transportable Galgen wurde auf dem Appellplatz aufgestellt; denn diese Art der Hinrichtung war öffentlich, Jeder Häftling war gezwungen, diesem schauer- lichen Akt zuzusehen, und der Fälle sind nicht wenige, daß es Ohnmächtige bei dieser Gelegenheit gab. Vielfach wußten die zum Tode Verurteilten nichts von dem ihnen bevorstehen- den Ende am Galgen. In den meisten Fällen wurden die Opfer in der berüch- tigten SK interniert, doch sind auch die Fälle nicht selten, daß das Todesopfer noch während des ganzen Tages auf seinem Arbeitsplatz ahnungslos beschäftigt war und beim Einrücken der Arbeitskolonnen am Tor herausgerufen und zum Galgen geführt wurde, ohne zu wissen, weshalb ihn der Tod traf. Es wurde zwar das Todesurteil mit einer fadenscheinigen Begründung, die meistens nur aus einem nichtigen Verdacht bestand, verlesen. Die Dolmetscher mußten das Vorgelesene in die verschiedenen Sprachen übersetzen, damit jeder von diesem„Akt der ge- rechten Strafe“ Kenntnis erhielt. Bei der Hinrichtung eines Häftlings, die am 13. August 1943 vorgenommen wurde, riß der Strick und der halbohnmächtige Deliquent fiel herunter. Der die Hinrichtung überwachende Lagerführer Höhn fragte den Unglücklichen, ob er nochmals gehängt werden wolle oder das Erschießen vorziehe. Bevor dieser überhaupt eine Antwort geben konnte, hatte Höhn ihn schon durch einen Kopfschuß getötet. Im Juli 1944 wurde zum Abendappell ein schmächtiger ukrainischer Junge aus der SK herausgeholt und zum Galgen geführt. Man hatte ihn der Sabotage bezichtigt, und zwar sollte er aus einem Tornister ein paar Schuhsohlen herausgeschnitten haben. Der Junge wußte nichts von der ihm zur Last gelegten 113 8 Lienau, Zwölf Jahre Nacht Tat. Nun begann nach mittelalterlicher Methode die Tortur. Er wurde auf den Bock geschnallt und ihm mit einer lederüberzogenen Stahlgerte Gesäß und Rücken durch etwa fünfzig Hiebe derart zerschlagen, daß er ohnmächtig zum Galgen getragen werden mußte. Der bereits erwähnte BVer Hans Gärtner, welcher meist als Henkersknecht fungierte, knüpfte den Halbtoten am Galgen auf, an deren Pfosten die angeblichen Beweise des Sabotageaktes, der Tornister und zwei Sohlen hingen. Als am 24. Dezember 1940 der Tannenbaum auf dem Appellplatz im hellsten Lichterglanz erstrahlte, war vor ihm der Galgen aufgebaut. Nach dem Abendappell wurde ein Pole gehängt, und während noch die Leiche vom Wind hin- und hergependelt wurde, ließen die Lautsprecher über den Platz die Weihnachtsbotschaft erklingen: ,, Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen". Nichts hatte sich seit den Zeiten der Inquisition geändert. In Spanien und Portugal fanden an hohen kirchlichen Festtagen die Autodafees statt, jene feierliche Massenverbrennung der sog. Ketzer, die zuvor noch vor dem Altar mit unangezündeten Kerzen zu defilieren hatten, bevor sie den Scheiterhaufen bestiegen. Warum sollte denn Hitler hinter den Inquisitoren zurückstehen? Die öffentlichen Hinrichtungen, welche dem Volke als Schaustücke geboten wurden und bis in das vorige Jahrhundert in fast allen Staaten bestanden, sie sind unter Hitler wieder zu traurigen Ehren gekommen. Es gibt nichts, das menschliche Empfinden so schwer zu verletzen, als gezwungen zu sein, zuzusehen, wie ein Mitmensch gerichtet wird. Es sind Hinrichtungen im Lager zu verzeichnen gewesen, wo der eine Deliquent mit zusehen mußte, bis sein Leidensgenosse am Galgen ausgelitten hatte. Die Roheit der SS ging dann noch soweit, daß während des Hinrichtungsaktes der Lautsprecher eingeschaltet wurde und ein Tango über den Platz erklang. Was hatten denn die Gehängten verbrochen? Nichts! Sie wollten ihre Freiheit, die Freiheit, welche die Gestapo ihnen ohne Recht genommen hatte, sie waren geflücntet. Die Schergen fingen sie wieder ein, und so endeten die Freiheitsliebenden unschuldig am Galgen. Auch der politische Häftling Willy Nowak, aus einem mecklenburgischen Dorf stammend, war mit einem Kameraden geflüchtet, als beide auf dem Kommando Lichterfelde beschäftigt waren. Sie wurden ergriffen und ins Lager zurückgebracht, wo sie aneinander gefesselt, in der SK ,, Schuhelaufen" mußten. Bei Nowack war ein Taschenmesser gefunden worden; und der Besitz dieses Messers, das er zum Brotschneiden benutzte, wurde ihm zum Verhängnis: Besitz einer Waffe bedeutet Todesstrafe. Man ließ ihn wochenlang über das zu erwartende Schicksal im Unklaren, bis eines nachmittags im August 1944 Nowak vom Blockführer aus der SK herausgeholt und zu einem Wagen gebracht wurde, der ihn zurück zum Kommando Lichterfelde bringen sollte. Als Sitzplatz diente ihm der Sarg, in welchem er nach seiner Hinrichtung, die in Lichterfelde öffentlich vor114 genommen Auf dem g Man hatte Tode veru Richtstätte aus der L Zur E SS alle e auch hier Eine der hängen, w Strafe, tei Zeit der I Schemel b stand, vo Kette wur selung sch hängens. gestoßen, herunterfi konnte. E gekugelten Beim Hera sten Fälle brauchen. In vie selbst bein zum Mund die Gepfäl Pfahlhang so mußte angetriebe knechte, Doch turen bee weiteres und ihm herzig die die Nierer ben und an den B durchdran Blockführ Salz und bündel au nitäter sei Stelle die handlunge Wahll knechte a wenn ein konnte di nigen Fäl 8* Tortur. er lederfünfzig Igen gens Gärtofte den eblichen Sohlen Appellder Galgehängt, ependelt hnachtsFriede geändert. Festtagen der sog. zündeten ufen beoren zum Volke ge Jahrer Hitler hwer zu itmensch zeichnen bis sein t der SS aktes der Hen Platz chts! 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Der Häftling mußte einen Schemel besteigen, der vor einem etwa drei Meter hohen Pfahl stand, von dem eine starke Kette herunterhing. Mit dieser Kette wurde das Opfer rücklings gefesselt. War schon die Fesselung schmerzhaft, erst recht der nun folgende Akt des Pfahlhängens. Der Schemel wurde von dem SS- Schinderknecht weggestoßen, so daß der Unglückliche etwa einen halben Meter herunterfiel, doch mit den Füßen den Boden nicht berühren konnte. Er hing, die Hände auf dem Rücken, mit oftmals ausgekugelten Gelenken stundenlang in dieser qualvollen Stellung. Beim Herabnehmen war der geschundene Häftling in den meisten Fällen nicht imstande, die Arme wegen Lähmung zu gebrauchen. In vielen Fällen mußten die Kameraden diese Pfahlopfer selbst beim Essen bedienen, weil sie die Arme und Hände nicht zum Munde führen konnten. Es sind mir Fälle bekannt, daß die Gepfählten lebenslänglich Krüppel blieben. War nach dem Pfahlhängen der Häftling noch fähig, die Beine zu gebrauchen, so mußte er hüpfend die Marterstätte im Zellenbau verlassen, angetrieben durch die Fußtritte und Knüppel der Schinderknechte, bis der Appellplatz erreicht war. Doch auch hier war noch längst nicht die Kette der Torturen beendet; denn auf dem Appellplatz wartete seiner ein weiteres Marterinstrument: der Bock, auf den man ihn legte und ihm Arme und Beine festschnallte. Dann sauste unbarmherzig die mit Leder eingefaßte Stahlgerte auf das Gesäß und die Nierenpartie des Unglücklichen herab, bis zu fünfzig Hieben und darüber mußten ertragen werden. Wenn dann das Blut an den Beinen heruntertriefte oder durch die Beinkleider hindurchdrang, nahmen ihn die Blockführer oftmals noch in die Blockführerstube, rissen ihm die Hosen herunter und streuten Salz und Pfeffer in die Wunden. Alsdann wurde das Menschenbündel auf den Appellplatz hinausgeworfen, wo sich die Sanitäter seiner annehmen konnten. Oftmals traten schon an ihre Stelle die Leichenfahrer; denn nach all diesen entsetzlichen Miẞhandlungen war das Leben schon vielfach entflohen. Wahllos waren die Opfer, welche sich die SS- Henkersknechte aus den Reihen der Häftlinge heraussuchten. Schon wenn einem SS- Mann die Nase eines Häftlings nicht gefiel, konnte dieser Umstand seinen Tod bedeuten. In nicht wenigen Fällen machte der Blockführer Schubert zum Block8* 115 ben längs ältesten die Bemerkung: ,, Das Gesicht dahinten im letzten Glied, den fünften will ich morgen nicht mehr sehen!" Wenn es dem Blockältesten dann nicht gelang, den Verfemten in einen anderen Block oder in ein anderes Außenkommando zu verfrachten, so war tausend gegen eins zu wetten, daß am nächsten Tag der Mann mit dem nicht genehmen Gesicht in der SK auf irgend einer Weise ,, erledigt" wurde. Wie schon angeführt, waren die ,, Zugänge" in erster Linie dem Sadismus der SS ausgesetzt; an ihnen ließen sie ihre Willkür in der viehischsten Weise aus. Am 2. März 1940 war ein Transport mit etwa 25,, Zugängen" ins Lager gekommen und mußte vor der Aufnahmebaracke im Freien warten. Während dieser Zeit versetzten ein halbes Dutzend der SS- Blockführer unter Anführung des Unterscharführers Clausen der Politischen Abteilung den vor Kälte zitternden Leuten Fußtritte und Faustschläge ins Gesicht. von Der bisher noch von den Mißhandlungen verschont gebliebene Josef Gaschler aus München( Häftlings- Nummer 20 614), den diese Unmenschlichkeiten aufs tiefste empörten, rief der SS zu: ,, Ja, was sind denn das für Zustände hier? Sind wir unter die Räuber geraten oder erheben Sie noch Anspruch auf kultivierte Menschen?" Im nächsten Augenblick fällt ein Schuß, der jedoch Gaschler nicht traf; statt dessen packen ihn etwa sechs Paar SS- Fäuste, die ihm das Gesicht derart blutig schlagen, daß er kaum imstande ist, den Mund zu öffnen, um seine Personalien bei der Aufnahme anzugeben. Doch nicht genug damit, es setzte noch Fußtritte in den Unterleib und gegen die Schienbeine. Die ,, Weiterbehandlung" Gaschlers wurde dann in der SK vorgenommen mit dem Erfolg, daß innerhalb 24 Stunden bereits die Todesmeldung über ihn vorlag. In der Ausübung ihrer bestialischen Betätigung suchten sich die SS- Henker stets zu übertrumpfen, und der damalige Lagerführer Suhren, aus Bremen kommend, nachmaliger Kommandant des Frauen- Konzentrationslagers Ravensbrück, beliebte sich höchstpersönlich mit an den Exekutionen und Folterungen zu beteiligen. Wieder einmal war ein Freiheitsliebender ausgerückt und gefaßt worden Zimmermann war sein Name. Suhren verfügte, daß Z. wie ein Harlekin mit vielem Flitterwerk ausstaffiert, die einrückenden Arbeitskolonnen mit Paukenschlag am Tor mit den Worten: ,, Ich grüße Euch, Zimmermann, ich bin wieder da!" zu empfangen hatte. Als Podium diente der Bock, auf dem Z. nach Beendigung des Abendappells öffentlich ausgepeitscht wurde, Füntzig Hiebe hatte Suhren dem armen Sünder zudiktiert, die ihm die Blockführer( SS) mit Ablösung zu verabreichen hatten. Weil der Gepeinigte vor Schmerzen laut aufschrie, drückte Suhren ihm das Gesicht auf die Holzpritsche und feuerte die Schläger an, kräftiger zuzuschlagen. Da nach Ansicht Suhrens die Schläge nicht heftig genug ausfielen, ergriff Suhren selbst die Stahlgerte und hieb unbarmherzig auf den durch Schmerzen zum Wahnsinn getriebenen und inzwischen bewußtlos gewordenen Delinquenten Zimmermann ein, obwohl die festgesetzte Zahl von fünfzig Hie116 des Opfer erheben und in zuteil ge furchtbar können. 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Daher mußte Z. von Häftlingen weggetragen und in den Krankenbau gebracht werden. Nach einer ihm zuteil gewordenen Massage hat sich Zimmermann trotz der furchtbaren Mißhandlungen nach längerer Zeit wieder erholen können. Nicht immer ist dieses der Fall gewesen. Manchem Häftling sind die Nieren derart zerschlagen worden, daß er zeitlebens daran litt; zudem hat es viele Todesopfer gegeben. , Was? Nur neun Tote heute? Das wäre ja noch schöner, wenn nicht mehr krepieren wollen!" Mit diesen Worten fauchte der Oberscharführer Knittler vom russischen Kriegsgefangenenlager den Dolmetscher Wilhelm Beuche an, als ihm dieser beim Morgenappell des 28. 11, 1941 neun russische Kriegsgefangene als in der letzten Nacht verstorben meldete. Am Abend ließ Knittler alle Russen nach einem heißen Bad in dürftiger Bekleidung bei stärkster Kälte vor dem Wohnblock antreten. Am nächsten Morgen konnte der Dolmetscher dem Sadisten Knittler 37 Russen melden, die in der letzten Nacht verstorben waren. Als Handlanger der SS leisteten verbrecherische Häftlinge diesen in vielen Fällen Dienste. Allen voran war auf diesem Gebiet der langjährige Blockälteste der SK, der Asoziale Richard Mandel, allgemein unter dem Spitznamen ,, Perronje" bekannt und gefürchtet. Von den Blockführern der SK übernahm er die Aufträge, besonders gekennzeichnete ,, Strafwürdige" so zu schuriegeln, daß sie zusammenklappten, und ihnen dann nur noch durch eine spezielle ,, Schlußbehandlung" die letzte Ölung gereicht werden brauchte. So hatte er den Häftling Otto- Karl Hill( 52 027) schwer mißhandelt, daß dieser wegen Verletzung der Nieren das Bett hüten mußte. Bei einer Überführung ins Revier fürchtete Perronje, die Sache könnte ruchbar werden; denn er war darauf bedacht, daß man im Lager nicht so viele Schandtaten von ihm erfuhr. Da dem Schwermiẞhandelten keine ärztliche Behandlung zuteil wurde, starb er nach einigen Tagen( 18. 11. 1942). Nachstehender Fall brach Perronje das Genick. An einem Sonntag morgen im Juli 1943 forderte er den Sicherungsverwahrten Fiedler, der wegen Brotdiebstahl an Kameraden in der SK war, auf, sich innerhalb einer Stunde am Gerüst des Fußballtores zu erhängen und drückte ihm einen Strick in die Hand. Vor den Augen der in der SK angetretenen Häftlinge beging Fiedler den Selbstmord auf Befehl. Dies war selbst der Lagerführung zuviel; Perronje wurde sofort abgelöst; denn schließlich hat nur die SS das Vorrecht, die Häftlinge zum Selbstmord aufzufordern und nicht ein verbrecherischer Häftling, selbst wenn es der Blockälteste von der SK war. Man begnügte sich nicht nur mit der barbarischen Behandlung in der SK, nein, die nächste Steigerung war der ,, Klinker", wie schlechthin das Ziegelwerk benannt wurde, Schon auf dem Wege dorthin etwa eine halbe Stunde Wegs - setzten die Mordtaten ein. Wer während des Marsches etwa stolperte und um Haaresbreite die Postenkette überschritt, welche die SS- Begleiter genau festsetzten, wurde erbarmungslos 117 erschossen, zumal wenn es sich um sog. Gezeichnete handelte, die schnellstens erledigt werden sollten. Da diese Methode ,, Auf der Flucht erschossen" im Lager bekannt war, wurde mit größter Gewissenhaftigkeit während des Marsches Ordnung in Reih und Glied gehalten. Konnte das erwählte Opfer nicht im Glied erschossen werden, dann nahm ihm der Posten die Mütze weg und warf diese seitwärts in den Graben und forderte den betr. Häftling auf, sich sofort die Mütze zurückzuholen. Kam er dieser Aufforderung nach es gab hier kein Widersetzen so traf ihn entweder die tötliche Kugel oder es wurde einer der die SSWachtposten begleitenden Bluthunde auf den Häftling gehetzt. In nicht wenigen Fällen sind die Unglücklichen von diesen Bluthunden zerfleischt worden; ähnlich wie der Christenverfolger Nero seine Opfer den wilden Tieren vorwerfen ließ. - Auf dem ,, Klinker" herrschte als Rapportführer der SSHauptscharführer van Deezen, ein williges Instrument des Loritz, jeder Bestialität und jedes Mordes fähig. Ihm zur Seite standen nicht nur die SS- Henker, sondern auch Vorarbeiter, die zumeist aus den Reihen gewalttätiger Krimineller genommen wurden. Doch soll auch hier nicht verschwiegen werden, daß sich unter den BV- Vorarbeitern einige wirklich menschliche und kameradschaftliche Häftlinge befanden, wie z. B. Chech und Kranepuhl, die manchen ,, rotwinkligen" ,, Auch- Politischen" beschämten. Am berüchtigsten war das Kommando 16", deren Vorarbeiter Staniczek, der Asoziale Heinrich Eichler, die BVer Berthold Missuhn und August Möller, eine zeitlang waren und es fertig brachten, in wenigen Monaten jeder ein halbes Hundert Mitgefangene vom Leben zum Tode zu befördern. Während es gelang, den Eichler anderweitig ,, fertig" zu machen, daẞ er I am 11. 10. 1942 endete, wurden die beiden letztgenannten nach dem KZ Auschwitz verfrachtet, von WO uns nie wieder ein Lebenszeichen erreichte. Die berüchtigste Mordstelle auf dem ,, Klinker" war die Tongrube, von welcher nur wenige lebend oder ungeschunden zurückkehrten. Hier wie in der Kolonne 16, beim Schieben der Kippkarren, dem Tragen schwerer Lasten und beim Verladen der Steine in die Kähne am Kanal mußte jegliche Arbeit im Hetztempo ausgeführt werden. Wer von den ausgemergelten und total entkräfteten Jammergestalten nicht mitmachen konnte, auf den sauste der Knüppel der Vorarbeiter hernieder oder er wurde durch das Werfen mit Holzstücken und sonstigen Wurfgegenständen ,, aufgemuntert", bis er ohnmächtig zusammenbrach. Ein paar kräftige Hiebe mit eisernen Stangen oder entsprechende Tritte mit dem schweren Stiefelabsatz taten das Nötige, um bis zum Abend mit einem weiteren Toten ,, aufwarten" zu können. Das Hauptkontingent der Opfer stellten die Homosexuellen (§ 175er), an denen die SS und die verbrecherischen Vorarbeiter ihre Willkür in erster Linie ausließen. Wenige von ihnen haben bei Auflösung des Lagers die Freiheit wiedergesehen. Sie hatten längst die Reise durch den Schornstein des Krematoriums angetreten. Im Juli 1942 kamen als besondere Gruppe der auf 118 dem ,, K linge a maßung Nur diesen wurden Juli bis waren kamen den ,, A haben qualen kohl, de ein hilf derart trisch Wachtp Als die Hö zeichne Blockäl Politisc tung be was jed und Kr jeder b gerten zurückz auch m Grausa getan w Ein im allg Hans H nicht r Hinweis einige 28. 1. 1 als die zeichen Behand menges Roosev Chaban Nicht gekomm abgekü Daß Strafen geschal vollzug Glück Dunkel andelte, de ,, Auf de mit hung in en werd warf Häftling ser Auftraf ihn die SSgehetzt, en Bluterfolger Her SSdes Loir Seite rbeiter, nommen en, daß schliche ech und en" be, deren ie BVer ren und es Hun. 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Ihm wurde auf dem ,, Klinker" derart viehisch zugesetzt, daß er aus Verzweiflung in den elektrisch geladenen Draht lief und dort die tötliche Kugel des Wachtpostens empfing. Als die täglichen Todesopfer im ,, Klinker" sprunghaft in die Höhe gingen und am 13. Januar 1943 deren 23 zu verzeichnen waren, wurde eine Untersuchung eingeleitet und der Blockälteste der Klinker" SK der BVer Oskar Eckhoff zur Politischen Abteilung in der Kommandantur zur Berichterstattung befohlen. Bei seiner Vernehmung konnte er nur bestätigen, was jeder im Lager wußte, daß die SS keine sog. Muselmänner und Kranke kenne, zudem kein Revier vorhanden sei, sondern jeder bis zum Umfallen schuften müsse. Tatsächlich verringerten sich nach diesem Tage die Todesfälle, was wohl darauf zurückzuführen sein dürfte, daß sich die ausländischen Sender auch mit diesen Morden beschäftigten, die wie alle begangenen Grausamkeiten mit dem Sammelbegriff ,, Greuelpropaganda" abgetan wurden. Eingeschaltet sei hier, daß die Greuelpropaganda den Nazis im allgemeinen und Goebbels nebst seinem Rundfunksprecher Hans Fritsche viel zu schaffen machen mußte. Sonst wären nicht regelmäßig in den Naziblättern Dementis erschienen oder Hinweise, daß es bei den sog. Feinden nur Greuel gäbe, wie einige Notizen aus dem ,, Völkischen Beobachter" zeigen: Vom 28. 1. 1941 ,,. Man behandelt in England das Vieh besser, als die Arbeiter". Vom 6. 1. 1942: Prügelstrafe als Kennzeichen englischer Zivilisation". Vom 18. 5. 1942: ,, Haßerfüllte Behandlung der Deutschen in USA, Mit Negern zusamZum ersten Mal hal mengesperrt von Juden bewacht, Roosevelt Frauen interniert". Mitte Mai 1942: ,, Die Hölle von Chabarowsk von SS- Kriegsberichter Erich Kernmayr" usw. Nicht wenige dieser ,, Greuelmärchen"-Erzähler sind ins KZ gekommen und dort geendet, bis man zum Schluß für sie das abgekürzte Verfahren der Hinrichtung in Anwendung brachte. . " Daß es bei den geringsten Vergehen gegen die Lagerordnung Strafen absetzte, und die Mißhandlungen grundlos und willkürlich geschahen, wurde schon erwähnt. Nicht immer war der Strafvollzug so grausam wie er vorstehend geschildert wurde; wer Glück hatte, kam glimpflicher davon, etwa mit drei Tagen Dunkelarrest im Zellenbau auf einer harten Pritsche als Lager119 statt oder Torstehen, Dieses konnte von kurzer Dauer sein, aber auch vom: frühen Morgen bis zum späten Abend dauern im heißesten Sonnenbrand, bei strengster Kälte, Schneetreiben oder dem furchtbarsten Unwetter, ohne die Möglichkeit zu haben, etwas zu genießen oder seine Notdurft zu verrichten. Als Kollektivstrafe kam in Betracht, daß das zum Appell angetretene Lager stundenlang, oftmals die Nacht hindurch auf dem Platz verharren mußte, in Kniebeuge sitzen mit erhobenen Armen oder den Händen im Nacken(Sachsengruß). Weiter war bei der Lagerleitung der„Sport“ beliebt, nicht etwa der Sport mit Halbzeit, wie die Sportler ihn betreiben. Beim Lager- sport wurden die Häftlinge gejagt mit„auf und nieder“, im Dreck wälzen bis sie erschöpft und verschmutzt zusammen- brachen und zum Schluß noch die Stiefelabsätze der SS in die Rippen bekamen. So sah die Schutzhaft der Nazis aus, der Herrenrasse, die sich rühmte, das Tierschutzgesetz recht human zu gestalten, es jedoch nicht fertig brachte, ein Menschenschutz- gesetz herauszubringen, oder doch zumindest die Menschen zu behandeln, wie den Tierhaltern vorgeschrieben wurde, Im KZ stand der Mensch unter dem Tier. Zum Ziehen der großen Lastwagen wurden etwa 14 bis 22 Häftlinge eingespannt und auf dem Gut des einstigen Chefs des RSHA und Protektors Heydrich ‚Stolpshof“ bei Oranienburg waren die Pferde für die landwirtschaftlichen Arbeiten wie Pflügen und Eggen zu schade, Die Gutsherrin von Stolpshof, Frau Heydrich, Tochter des Schullehrers von Osten in Burg auf Fehmarn befahl, daß die Pferde zu schonen seien.„Wozu haben wir die Häftlinge?“ Auch in der Nähe Prags bewohnte sie ein Staatsgut, wo ihr 15 KZ-Häftlinge und Tschechen zur Verfügung standen, die für 60 Pfg. pro Tag frohnden mußten. Ende Juni 1949 stand Frau Heydrich vor dem Entnazifizierungs-Ausschuß in Burg auf Fehmarn; sie wurde in Gruppe IV eingestuft mit der Maß- sabe, daß sämtliches Eigentum, das sie durch Nutznießung des aziregimes erworben hat, einzuziehen sei. Im Verlaufe der Verhandlung wurde von Frau Heydrich die Vernichtung des Ortes Lidice als Verbrechen anerkannt. Der Originellität halber soll doch das Storchenkommando im KZ erwähnt werden. In der Kommandantur hatte sich Loritz einen künstlichen Baum errichten lassen, auf dem ein Storchennest thronte. und war es ihm auch geglückt, ein Stor- chenpaar zu internieren. Weil in dem daneben liegenden Teich die Frösche nicht gediehen und schließlich die Störche auf sie nicht verzichten wollten, wurde ein besonderes Storchen- kommando gebildet, welches die Aufgabe hatte, die das Lager umgebenden Sümpfe und Gewässer nach Fröschen abzusuchen und damit den Teich neben dem Storchennest zu bevölkern.' Wenn den Froschfischern besonders eingeschärft wurde, die Frösche sorgfältig zu behandeln und: nicht zu quälen, bestätigt auch der Fall Loritz, daß die größten Roheitsverbrecher zu- weilen doch einem kleinen Tier alle Liebe und Sorgfalt zu- wenden, er sein, dauern etreiben keit zu chten, Appell rch auf hobenen Weiter wa der Lagerer", im ammenSS in mus, der human schutzchen zu hen der espannt Otektors für die schade. ter des daß die tlinge?" gut, wo den, die 9 stand n Burg er Maßung des ufe der ung des mmando te sich dem ein in Storn Teich auf sie orchens Lager usuchen völkern, de, die bestätigt her zufalt zu16. Kapitel Auf jeden Telegrafenmast von Mün chen bis Berlin muß der Kopf eines prominenten Juden aufgespießt werden. Rosenberg. Dieses Weihnachtsfest wollen wir in den leeren Häusern der Juden feiern. Heil Hitler Juda verrecke. Streicher. Der Todesengel geht durchs Lager Es war längst kein Geheimnis mehr, daß sich die Leute um Hitler und Himmler und vor allem das RSHA keine Gelegenheit entgehen ließen, einen recht erheblichen Aderlaẞ an den KZ- Insassen vorzunehmen. Im Winter taten Hunger und Kälte schon ihr Teil, um die Elendsgestalten aus dem irdischen Jammertal des KZ abzurufen; die Kurve der Todesfälle stieg von Tag zu Tag, so daß der Vorsatz der Nazis, recht viele ,, lebensunwerte Elemente" zu beseitigen, sich auch ohne ihr aktives Zutun erfüllte. Besonders willkommen waren der braunen Meute Attentate aller Art, selbst fingierte. Da gab es die beste Gelegenheit, sog. Repressalien zu ergreifen und in allen KZ- Verwaltungsaktionen durchzuführen. Beim Attentat auf Hitler im Hofbräuhaus in München am 9. November 1939 mußten die Polen herhalten. Es wurden einige Dutzend von ihnen zur angeblichen Entlassung aufgerufen. Hiervon schied die SS 33 Opfer aus, die sich am Tor ihres Rockes zu entledigen hatten. Dann mußten sie sich die Stirn anfeuchten, damit die SS mit Kopierstift die Häftlingsnummern darauf vermerken konnte, bevor das Morden vor sich ging. Nachstehend die Namen und Nummern der Ermordeten: Bleszynski, Stanislaw( 23 996), Bielski, Anton( 24 284), Choczewski, Marian( 52 896), Chrabalowski, Czeslaw( 24 103), Figat, Henryk( 24 524), Golabek, Szalislaw( 23 871), Grabowski, Edmund( 23 757), Kalinowski, Wieslaw( 24 481), Kopek, Richard( 24 496), Kroczynski, Peter( 24 251), Latko, Tadeus ( 24 186), Lepianka, Johann( 23 723), Lewczuk Lewczynski, Alexander( 23 807), Marczynski, Josef( 23 811), Michalczak, Josef ( 24 105), Mosiewicz, Bleslaw( 24 621), Müller, Artur( 24 404), Nosecki, Eugen( 24 044), Polkowski, Czeslaw( 23 921), Przadacznik, Ryczard( 24 615), Ryll, Thomas( 23.. 7), Sopinski, Mieczyslaw 121 ( 24 329), Swiniarski, Janusz( 24 202), Stasinowski, Henryk( 24 529), Stojczyk, Maximilian( 23 777), Strozek, Wladislaw( 23 802), Trojanowski, Tadeus( 24 420), Tyszewski, Wladislaw( 24 053), Wanicki, Johann( 23914), Wieprzkowski, Bronislaw( 24 490), Witkowski, Czeslaw( 24 534), Wolmann, Heinrich( 23 739), Wybranowski, Jerzy( 24 616). Erst später wurde bekannt, daß das Attentat gegen Hitler bestellte Arbeit war. Der Attentäter Georg Elser, welcher verhaftet wurde, war bald dem Blickfeld entzogen. Alles wartete auf den Prozeß, der ihm gemacht werden sollte. Nichts geschah. Elser landete im Zellenbau des KZ Sachsenhausen, wo ihm im Nordflügel zwei Zellen eingerichtet wurden, die er nie verlassen durfte. Er erhielt seine Verpflegung aus der SS- Küche und vertrieb sich den Tag mit Tischlerarbeiten. Wenn er hinausgeführt wurde, trug er ein schwarzes Tuch vor dem Gesicht, was ihm den Namen ,, Der Mann mit der eisernen Maske" eintrug. Niemand erfuhr seinen Namen bis kurz vor der Evakuierung des Lagers der Name durch einen SS- Wachtmann bekannt wurde. Wo Elser verblieben ist, konnte ich nicht erfahren; er dürfte liquidiert sein, um so den Hauptzeugen des , Attentats" los zu werden. Als den Bluthund Heydrich der längstverdiente Tod für seine Massenmorde ereilte, mußten die Tschechen büßen. Doch gingen die Repressalien im Lager noch verhältnismäßig glimpflich ab. Die Tschechen mußten Trauerflor am Ärmel tragen; nur wurde niemand diese ,, Trauer" gewahr, denn die Tschechen wählten als Trauerflor einen schwarzen Zwirnsfaden. Bei jeder sich sonst bietenden Gelegenheit zahlten die Juden den Blutzoll an die KZ- Bestien; dann ging es in der Reihe herum bei den Ausländern, besonders bei den Polen und später bei den Russen. Sommeranfang 1941. Der Lautsprecher auf dem Appellplatz verkündete, daß der längst erwartete Krieg mit Sowjet- Rußland Tatsache geworden sei. Selbstverständlich hätten die Sowjets die Deutschen überfallen oder provoziert, und Hitler hätte zur Wahrung seiner Ehre oder Gott weiß was, nunmehr die Waffen ergreifen müssen. Hitler führte nur ,, Abwehrkriege"; er wurde immer angegriffen, wie er laufend dem deutschen Volke einredete, und was auch von allen jenen geglaubt wurde, die bereits ihr eigenes Denken ausgeschaltet hatten. Den OKW- Berichten zufolge ging die Aktion gegen SowjetRußland im Blitztempo vor sich; wenn man den Nachrichten Glauben schenken durfte, so war der Fall Leningrads nur noch eine Frage von Stunden. ,, Der Feind sieht seiner Vernichtung entgegen" und dergleichen bombastische Ronommistereien waren Proben der stereotyp wiederkehrenden Sophistik Goebbels, die dann laufend durch Hans Fritsche kommentiert wurden. Niemals vernahm man eine kompetente Bestätigung des in Aussicht gestellten Sieges. Alle Berichte bewegten sich auf einer banalen Plattform wie: die Bolschewiken vollständig von der Bildfläche verschwunden, der Kommunismus erledigt, unübersehbare Zahlen von Gefangenen, die Sowjetarmeen restlos aufgerieben! So sah es 122 nach Sowje Hitler zu tu hande Am t brauc zurüs A voreil rausc nach nicht mit e nen v zeit, verlor Länge land In die e Zahl, derte Genfe und Krieg schul gab, zum Erst den C gesch Gefan D davor falls 14 Ja wurd und Gegen Rosza ein: Nowa und und D gaben schlä gerter trieb Deck boder Tote 4529), TroWaWitWybraHitler r verwartete schah, m im lassen e und inausesicht, " ein- Evann beht eren des h der en die noch erflor ewahr, varzen Juden herum er bei ellplatz uBland owjets ite zur Waffen wurde ze einbereits Sowjetrichten r noch chtung waren els, die . Nieussicht attform chwunen von sah es nach Goebbelscher Propaganda aus, als der Krieg gegen die Sowjet- Union etwa vierzehn Tage gedauert hatte. Für die Hitlerschen Armeen gab es praktisch und faktisch nichts mehr zu tun; es konnte sich eigentlich nur noch um eine Polizeiaktion handeln, um eine Säuberung vergessener Ecken und Winkel. Am treffendsten glossierten die Politischen die Situation: Hitler braucht nur noch eine Kolonne Straßenreiniger mit Besen auszurüsten, um den Kriegsschauplatz reinzufegen! Auf die kritisch urteilende Lagerbelegschaft machten diese voreiligen Siegesnachrichten, an denen sich nur die SS berauschte, nicht den geringsten Eindruck; für sie stand fest, daß nach Eintritt Sowjet- Rußlands in den Krieg Hitlers Schicksal nicht mehr aufzuhalten sei und vielleicht in Monaten schon mit einem Kriegsende und der Vernichtung der Nazis zu rechnen war. Doch wurde es für die Politischen eine lange Wartezeit, und dennoch haben sie die Hoffnung und den Mut nicht verloren, als sich der Krieg immer mehr und mehr in die Länge zog, und die deutschen Truppen immer weiter in Rußland vordringen konnten. In den letzten Augusttagen 1941 langten in Sachsenhausen die ersten russischen Kriegsgefangenen an, etwa 2000 an der Zahl, die in der Isolierung untergebracht wurden. Man wunderte sich darüber, daß Kriegsgefangene, die dem Schutz der Genfer Konvention unterstanden, in das KZ gebracht wurden, und noch größer wurde das Erstaunen, daß die eingebrachten Kriegsgefangenen einen außergewöhnlich hohen Prozentsatz an schulpflichtigen Jungen aufwiesen, was der SS Veranlassung gab, zu behaupten, die Russen hätten bereits die Schulkinder zum Kriegführen herangezogen, weil es an Soldaten mangelte. Erst später wurden wir darüber aus anderen Quellen und von den Gefangenen selbst informiert, daß man einfach die Schulen geschlossen hatte und die Schüler einfing, um die Zahl der Gefangenen recht hoch erscheinen zu lassen. Der erste Transport umfaßte 448 Russen vom Stalag 315, davon 426 Juden und 22 Soldaten. Drei Tote wurden gleichfalls mit abgeladen. In dem Transport waren ein Junge von 14 Jahren und vier weitere von 16 Jahren. Dieser Transport wurde in der Politischen Abteilung noch kartenmäßig erfaßt, und konnte dort festgestellt werden, daß die ,, Zugänge" aus der Gegend von Minsk stammten, zumeist von Lebedewo, Grodno, Roszany, Oszniany, Dubrow usw. Beim Empfang stellten sich ein: der Lagerführer Suhren, die Rapportführer Campe und Nowacki sowie die Blockführer Häring, Keßler, Knittler, Zwejn und Fickert. Da die Russen der deutschen Sprache nicht mächtig waren und deshalb auch nicht auf gestellte Fragen der SS Antwort gaben, hagelte es auf die Unglücklichen Fußtritte und Knüppelschläge. Der Lagerführer Suhren verfügte, daß die ausgehungerten Russen auch im Lager nichts zu essen erhielten. Man trieb sie in einen Block zusammen, wo sie ohne Matratzen oder Decken, nur mit ihrem dürftigen Zeug bekleidet, auf dem Fußboden kampieren mußten. Am nächsten Morgen waren sieben Tote zu verzeichnen. 123 Hier ist noch nachzuholen, daß in den letzten Tagen vor dem Eintreffen der ersten Russen ein bisher im Industriehof als Schuppen benutzter Block in aller Eile umgebaut wurde. Der erste Raum wurde zum Auskleideraum und die daranstossenden durch Verschalungen abgeteilten Zellen als ärztliche Untersuchungszimmer eingerichtet. Das erste dieser Zimmer enthielt neben dem Tisch für den Arzt noch einen weiteren Tisch mit Blumen geschmückt. Alles war weiß gehalten, selbst weiße Tischtücher fehlten nicht. Zerstäubte Desinfektionsmittel mußten den Eindruck erwecken, daß hier ein ärztlicher Untersuchungsraum war. Im daranstoßenden Raum wurde der zu Untersuchende gewogen und gemessen, zu welchem Zweck er sich vor einer Tafel mit Skala und Meßklotz aufzustellen hatte. Nichts verriet ihm, daß er sich in einer mit allen Raffinessen ausstaffierten Anlage zum Massenmord befand, Der untersuchende Pseudoarzt im weißen Kittel war ein SS- Mann, der nur die Sekunden dauernde Untersuchung markierte. Der ,, Untersuchte" wurde dann durch die schallgedämpfte Tür in den Meẞraum befohlen, wo er die von militärischen Musterungen bekannten Messungen über sich ergehen lassen mußte. Hinter der Skala mit dem Meßklotz hielt sich ein SS- Mann verborgen, der den Untersuchten" in dem Augenblick durch einen Genickschuß erledigte, wo ihm der Meßklotz auf den Kopf fiel. Der Kugelfang war durch eine Draperie dem Opfer unsichtbar gemacht. Der durch Genickschuß Ermordete fiel auf eine schiefe Ebene und rutschte in den daneben liegenden Leichenraum, wo kriminelle Häftlinge ihres Amtes walteten und die Leichen am laufenden Band in die kürzlich eingetroffenen fahrbaren Verbrennungsöfen beförderten. Damit die Schüsse und Schreie nicht gehört werden sollten, wurde das Radio eingestellt, welches ununterbrochen mit höchster Lautstärke eine Radaumusik wiedergab. Die Mörderbande im Ärztekittel wurde vom Kommandanten Loritz mit Zigaretten und Spirituosen reichlich versehen und dauernd unter Alkohol gehalten, auch ein Grammophon wurde angestellt, damit die Schreie der nicht sofort Getöteten erstickt wurden. - Die ersten Morde an den Russen liefen nach dem Abendappell des 2. September an und wurden bis zum nächsten Morgen die Nacht hindurch fortgesetzt. Weil die Öfen diese Opfer nicht hatten vernichten können, lagen noch am nächsten Tage einige Hundert Tote im Leichenraum. Als die Arbeiten auf dem Industriehof begonnen hatten, entdeckten einige in der Nähe der Mordbaracke beschäftigte Häftlinge, daß sich an der Rückwand ein mit Blut angefüllter Teich gebildet hatte. Der politische Häftling Hermann Dettmer( ein Lübecker) wurde beauftragt, einen Graben zu ziehen, in welchem die Blutmassen abfließen oder versickern sollten. Durch ein ausgebrochenes Brett der Verschalung konnten einige Häftlinge und auch ich einen Blick in den Leichenraum werfen, wo sich ein Bild des Grauens darbot. Die nur teilweise mit einem Wasserschlauch abgespritzten Leichen lagen wüst durch124 einand die T De weiter Kriegs sich vermo den M derta teres an R einige mand zu G dalisn ersatz A schlä ständ Vertr nicht Schul in et von gen i untru V schaf tage trieb daß Arbe fähig ange losen Brot wurd ihrer auf hatte Aber neut Auto ters sich und SO teilu weit gelie und en vor riehof vurde, daranztliche immer eiteren selbst smittel Unterde geeiner ES verusstafchende ur die suchte" Braum annten S- Mann durch uf den Opfer te fiel genden alteten getrofsollten, hochrbande aretten Alkohol mit die AbendSächsten e Öfen ch am Als die Jeckten ftlinge, ich ge er( ein n welDurch e Häftwerfen, ise mit durcheinander; dazwischen scharwerkten die Leichenverbrenner, um die Toten zum Verbrennungsofen zu schleppen. Der Blutrausch der SS- Mörder wurde von Loritz noch weiter gesteigert durch das Verleihen eines Bandes, das dem Kriegsverdienstkreuz ähnlich war. Erst wer hundert Morde für sich verbuchen konnte, erhielt dieses Band. An den Bändern vermochten die Politischen zu erkennen, wer den Rekord bei den Massenschlachtungen erreicht hatte. Wer ein zweites Hundert auf sein Konto nachweisen konnte, erhielt noch ein weiteres Band verliehen. Wer nachweislich einige Hundert Morde an Russen verübt hatte, dem wurde eine Urlaubsreise von einigen Wochen nach Italien gewährt!! In den Akten der Kommandantur sind mir später Briefe italienischer Hotelbesitzer zu Gesicht gekommen, in welchen über Diebereien und Vandalismus der SS- Feriengäste Beschwerde geführt und Schadenersatz gefordert wurde. An dieser Stelle sei noch eingeschaltet, daß die SS- Massenschlächter die Kleidungsstücke der Russen nach Wertgegenständen durchsuchten und für sich behielten. Weiter haben Vertraute der Politischen festgestellt, daß die Opfer, welche nicht nach dem ersten Schuß sofort getötet waren, den zweiten Schuß in hockender Stellung erhielten. Die Einschußstellen Auch war der Gebrauch in etwa 70 cm Höhe bewiesen es. von Dum- Dum- Munition festgestellt, denn die Ausschußöffnungen im Gesicht bzw. der vorderen Halspartie oder Brust waren untrügliche Beweise dieser neuen Grausamkeiten. Weil, wie schon erwähnt, die Verbrennungsöfen das Beiseiteschaffen der Toten nicht bewältigen konnten, wurde ein Ruhetag eingelegt und dieser dazu benutzt, einigen Russen die Betriebe des Industriehofes zu zeigen, wo ihnen erklärt wurde, daß sie hier in der Zimmerei, Tischlerei, Schlosserei usw. zur Arbeit eingesetzt würden, nachdem sie zuvor auf ihre Arbeitsfähigkeit vom Arzt untersucht wären.( Verfahren wie oben angeführt). Ermunternd wirkte die weitere Mitteilung für die ahnungslosen Opfer, daß ihnen eine sog. Arbeitsportion von 200 g Brot, 50 g Wurst und 10 g Margarine pro Tag versprochen wurde. Dieses hatten sie nach ihrer Rückkehr in den Block ihren Kameraden mitzuteilen. Wie der Erfolg dieser Nachricht auf die Hungernden, die bisher noch nichts zu essen erhalten hatten, wirkte, zeigte sich, als die Transportautos am folgenden Abend die Opfer. in Abständen von 10-20 Minuten neut abholten. Wie die Wahnsinnigen drängten sich alle zum Auto, um möglichst schnell zur vermeintlichen ärztlichen Untersuchung zu kommen; 50-60 ahnungslose Hungernde drängten sich in das Auto, das den Pendelverkehr zwischen Russenblock und Mordstätte, dem vorgetäuschten Arbeitsplatz, unterhielt. erLaufend trafen neue Transporte der Kriegsgefangenen ein, so daß die Dolmetscher und Schreiber in der Politischen AbDaher wurde von einer teilung die Nächte durcharbeiteten. weiteren Erfassung durch Kartei usw. abgesehen, und die Eingelieferten, welche sämtlich aus den Stalags kamen, listenmäßig und an Hand ihrer Erkennungsmarken erfaßt. Diese Tätigkeit 125 wurde im Hofe der Russen- Isolierung zwischen den Blocks 11 und 12, 34 und 35 vorgenommen. Durchweg kamen 1000 bis 1500 Gefangene an. Der 2. September 1941 brachte einen kleinen Transport, 254 Sowjetsoldaten vom Stalag X, alles gut aussehende, gesunde, junge Leute und in verhältnismäßig guter Uniform. Davon waren 203 in einem besonderen Schreiben aufgeführt. Bezgl. der restlichen 51 hieß es: ,, Liste 3, Stalag X in Wietzendorf( im Kreis Soltau, Bezirk Lüneburg gelegen), die oben angeführten 51 russischen Kriegsgefangenen sind auf Anordnung der Stapo Hamburg am 2. 9. 1941 dem KZ Sachsenhausen zwecks Sonderbehandlung, d. h. liquidieren, zuzuführen. Untersturmführer W. Meyer".. Am nächsten Tag bekamen die Kriegsgefangenen mittags einen Liter Essen( Wassersuppe mit Mohr- und Steckrüben). Auf ihre Frage durch die Dolmetscher ließ der SS- Mann Fickert ihnen sagen, daß sie am Abend auch Brot bekommen würden. Abends wurden 50 Mann wiederum im Auto zum Mordplatz Kriegsgefangenen waren starke Bedenken gefahren. Einigen Kriegsgefangenen waren gekommen und daher weigerten sie sich bei der Ankunft vor dem Krematorium angesichts der rauchenden und stinkenden Schlote den Wagen zu verlassen. Kurzerhand feuerte die SS in das Auto hinein und erledigte sämtliche Insassen durch ein Massaker. Wegen eines Fliegerangriffes wurde das Massenmorden an diesem Abend ausgesetzt, und der noch im Block verbliebene Rest von 50 Opfern für die Exekution am nächsten Tage aufgehoben. - Ein am 3. 10. 1941 für die Hinmordung bestimmter Transport von 174 Kriegsgefangenen wurde gezwungen, mit seinem Vorsänger den eigenen Grabgesang vorher zu singen nach folgender Melodie, einer russischen Volksweise. Am letzte; schosse geb. 1. sein un fangene fuhr. der Ei meinsa Na zustelle sich m gebrach waren einem heraus mit de Am mus in sinnig einem wurder der P Hungri Kannib und an Politis dem R eingrei arbeite nach d Blocks Brot g Do Kommentarlos bringe ich diese Tatsache zu Papier, weil mir das Blut in den Adern stockt angesichts dieser noch nicht dagewesenen Gemütsroheit. Es ist bei der Fülle des zur Verfügung stehenden Materials schwer möglich, alle Einzelfälle der furchtbaren Geschehnisse aufzuführen, da sich alles hundertfach wiederholte. Zu den grausigsten Erlebnissen zählte der Transport vom 11. Oktober 1941, der 600 Mann vom Stalag 323 umfaßte. Die Lastwagen brachten schon 63 Tote und neun Sterbende mit, die bei der Ankunft vor der Russen- Isolierung vom Hauptschlächter, dem bereits aufgeführten Häftling ,, Krematorium- Böhm" wie verendetes Vieh vom Wagen heruntergeworfen wurden. Unter den Toten befanden sich solche, denen die Augen entweder ausgestochen oder ausgetreten waren; blutbesudelt waren alle Leichen. So kon zehn L sowohl Organe Als einem üblich, her, u war d Ein russisc stunder einem Dutzen Beim Mann waren worder 126 locks 11 1000 bis ansport, gesunde, Davon . Bezgl. dorf( im eführten er Stapo ks Sonmführer mittags krüben). Fickert würden. ordplatz Bedenken unft vor inkenden erte die n durch Massenn Block m nächTransseinem ach folier, weil ch nicht Materials hehnisse Zu den Oktober astwagen bei der er, dem vie vernter den der ausren alle Am nächsten Morgen fand ich im Block zwei tötlich Verletzte; sie waren nachts am Fenster vom Wachtposten angeschossen worden, der Name. des einen war Gawrilenko, Alex, geb. 1. 9. 1921 in Grefenowka. Beide starben in meinem Beisein und wurden von den arbeitsfähigen oder kräftigeren Gefangenen auf den Wagen geladen, der sie zum Krematorium fuhr. Die Auflader fuhren mit und wurden nach dem Abladen der Einfachheit halber gleich mit umgelegt und auf den gemeinsamen Leichenhaufen geworfen. Nach Betreten des Russenblocks am 13. 10. 1941, um festzustellen, wieviele Tote die letzte Nacht ergeben hatte, bot sich mir beim Eintritt in den Abortraum wohin die Toten gebracht waren-, ein furchtbarer Anblick. Einem Toten waren die Ohren, einem weiteren die Nase abgeschnitten und einem dritten war ein Stück Fleisch aus dem rechten Oberarm herausgeschnitten worden, daneben saß ein Kriegsgefangener mit dem Blick eines Wahnsinnigen und aẞ von diesem Fleisch. Am Tage darauf wiederholte sich der Fall von Kannibalismus in einem weiteren Russenblock. Zwei vor Hunger wahnsinnig gewordene zankten sich um Leber und Lunge, die sie einem Toten aus dem Leibe herausgeschnitten hatten. Die Fälle wurden der Lagerleitung gemeldet und dabei von den Häftlingen der Politischen Abteilung der Wunsch vorgetragen, doch den Hungrigen Brot zu geben. Statt einer Antwort wurden die Kannibalen auf Befehl des Lagerführers Suhren herausgeholt und an Ort und Stelle erschossen. Mit Erschüttern mußten die Politischen wahrnehmen, daß die vor Hunger Erschöpften auf dem Rasen Gras ausrauften und es aßen. Um etwas helfend eingreifen zu können, wurde mit den in der Häftlingsküche arbeitenden Kameraden vereinbart, einige Kessel Essen mehr nach der Russen- Isolierung herüberzuschicken; einige politische Blocks gaben von ihrer Ration gleichfalls ab. Desgleichen wurde Brot gesammelt und ausgeteilt. Doch alles half nichts, der Kannibalismus grasierte weiter. So konnten am Morgen des 23. 10. 1941 bei den Russen fünfzehn Leichen festgestellt werden, an denen Fleischteile fehlten, sowohl am Gesäß, dem Rücken, den Lenden und auch innere Organe, Als eines Tages bei der Essenausgabe die Essenträger mit einem Kübel stolperten und sich der Inhalt, Wassersuppe wie üblich, auf den Erdboden ergoẞ, stürzten die Hungrigen darüber her, um es mit allem Schmutz zu essen; in wenigen Minuten war die Suppe restlos mit anhaftendem Schmutz ,, verzehrt". Eines besonderen Transportes sei noch gedacht, der 1800 russische Kriegsgefangene umfaßte und in den frühen Morgenstunden des 18. Oktober 1941 im Lager eintraf. Außer den auf einem Wagen mitgeführten 18 Toten langten noch etwa ein Dutzend Sterbender an, die in den nächsten Stunden starben. Beim Durchzählen dieses Transportes ergab sich, daß zwei Mann zuviel waren, die keine Erkennungsmarke hatten. Beide waren auf einem Transport entwichen und wieder eingefangen worden. 127 Am nächsten Tag, einem Sonntag, wurden beide ans Tor gestellt und vor dem Fenster der Blockführerstube plaziert. Als sich die Häftlinge nach dem Mittagessen auf dem Appellplatz ergingen, fielen plötzlich zwei Schüsse. Sie hatten den beiden Russen gegolten, die entseelt zusammenbrachen. Die Leichenträger holten die Toten ab und legten sie in einen Sarg, den sie zunächst in den Leichenabstellraum des kleinen Krematoriums brachten. Als am Montag- Morgen die Krematoriums- Häftlinge zur Arbeit antraten und die Tür zum Abstellraum öffneten, hatte sich einer der Erschossenen, der nur schwer verletzt war, aus dem Sarg herausgearbeitet und bat die Eintretenden flehentlich um sein Leben. Eine Kugel des Hauptscharführers Klein von Krematorium machte auch dem Leben dieses Schwerverletzten ein schnelles Ende. Die Zahl der Ermordeten wuchs in einem Maße, daß sowohl die beiden Öfen des kleinen Krematoriums als auch die Öfen der fahrbaren Krematorien das Verbrennen der Leichen nicht schaffen konnten. Vor dem Mordschuppen häufen sich die Leichen; es wurde zunächst ein Ruhetag eingelegt, an dem keine Russen erschossen wurden. In Voraussicht der sich lawinenhaft mehrenden Sterbefälle, nicht allein durch Morde, hatte die Lagerleitung den Bau eines neuen Krematoriums angeordnet, an dessen Fertigstellung unter dem Bauvorhaben, Wärmehalle" fieberhaft gearbeitet wurde. Es wurde ein Menschenschlachthaus mit allen Raffinessen, darunter auch Gaskammern, erbaut. Von meinen Kameraden Walter Franz und Karl Sieck, welche im Erkennungsdienst der Politischen Abteilung der Kommandantur beschäftigt wurden, erhielt ich die vertrauliche Mitteilung, daß größere Mengen Agfa- Fotomaterial für die Aufnahme der vor dem Mordschuppen liegenden Leichenhaufen bereitgestellt waren. Die beiden Kameraden, welche später beim Bombensuchen ums Leben kamen, mußten diese Bilder entwickeln und behielten einige Abzüge für sich zurück, die meinem Kameraden Büge und mir gezeigt wurden. Als bald darauf Josef Goebbels in Berlin eine seiner bekannten Propaganda- Ausstellungen veranstaltete unter der bombastischen Überschrift ,, Bolschewistische Greuel im Sowjetparadies" und auch Abbildungen darüber in den Illustrierten erschienen, da mußten wir Eingeweihten im Lager die Feststellung machen, daß es sich um jene Aufnahmen handelte, welche die SS wochenlang vorher von den Leichenhaufen vor dem Mordschuppen im Industriehof gemacht hatte. Das Morden nahm seinen ungehinderten Fortgang, bis die toten Russen sich rächten. Sie hatten die Ruhr und die Kleiderlaus, den Träger des Fleckfiebers mit in das Lager gebracht, das nunmehr begann, nicht nur den Häftlingen, sondern auch der SS gefährlich und unheimlich zu werden. Das erste Opfer unter der SS war der Scharführer Homann, einer der wenigen Blockführer, der sich von Mißhandlungen und dem Morden ferngehalten hatte. Als bei ihm der Tod durch Fleckfieber 128 festges waren ordne nungs Versto In Mauer der B könne bot a tender das H D schon litisch renz über richte D mach Ausga ein I M U 19 S Am a S 9 Lie ans Tor plaziert. Appellten den en. Die en Sarg, en Krenge zur n, hatte var, aus hentlich ein von erletzten daß souch die Leichen fen sich an dem Sterbeing den Fertighaft gemit allen -1 Sieck, ler Komche Mitdie Aufenhaufen e später se Bilder rück, die einer beHer bomSowjetustrierten die Festhandelte, Lufen vor , bis die die Kleigebracht, ern auch ste Opfer wenigen Morden eckfieber festgestellt wurde, auch andere Häftlinge daran waren, wurde am 16. November die Lagerquarantäne angeordnet und sämtliche Russentransporte gesperrt. Die Verbrennungsöfen hatten genügend zu tun, die Leichen der ,, regular" Verstorbenen zu verbrennen. Inzwischen war man in Moskau hellhörig geworden; denn Mauern und Stacheldraht des KZ hatten das Hinausdringen der Berichte über diese furchtbaren Mordtaten nicht verhindern können. Weder schärfste Kontrolle der Briefe noch das Verbot an die Außenkommandos, den mit ihnen zusammenarbeitenden Zivilisten Berichte aus dem Lager zu geben, hinderten das Bekanntwerden dieser grauenhaften Vorkommnisse. Die Lagerführung hatte keine Ahnung, daß sich im Lager schon seit langem ein enger Kreis Intellektueller unter den Politischen zusammengeschlossen hatte, welche Goebbels Konkurrenz machte und die Ätherwellen in ihren Dienst stellte. Hierüber wird unter ,, Widerstandsbewegung" noch ausführlich berichtet. Die Sowjetpresse muß Josef Goebbels arg zu schaffen gemacht haben, denn der ,, Völkische Beobachter" brachte in der Ausgabe vom 26. November 1941 Nachstehendes, das fast wie ein Dementi anmutet: ,, Aus den Kämpfen vor Moskau wird in steigendem Maße das Überlaufen bolschewistischer Soldaten gemeldet. Um dieser Krise entgegenzuwirken, sieht sich die Regierung Stalins veranlaßt, in einer Note über Greueltaten deutscher Soldaten an sowjetischen Gefangenen zu berichten. Die deutsche Wehrmacht und die mit ihr kämpfenden verbündeten Truppen sehen mit tiefster Verachtung auf derartige Falschmeldungen, durch die das bestialische Verhalten bolschewistischer Horden verschleiert und deren Kampfmoral gehoben werden soll." Am Schluß heißt es in dieser Nummer weiter: ,, Heuchlerische Note der Moskauer Verbrecher" Wie das Oberkommando der Wehrmacht berichtet, sind auch verzeichan der Ostfront besondere Erfolge zu nen, und von den Kämpfen vor Moskau wird gemeldet, daß bolschewistische Soldaten in steigendem Maße zu den deutschen Linien überlaufen. Diese für Stalin so bedenkliche Entwicklung hat nun den Kremlmachthaber zu einer ebenso schamlosen wie zynischen Note veranlaßt, in der angebliche Greueltaten deutscher Soldaten an bolschewistischen Gefangenen behauptet werden. Eine derartige Gemeinheit kann tatsächlich nur von dem Gehirn eines Menschen erfunden werden, der in einer zwanzigjährigen Blutherrschaft bewiesen hat, daß ihm ein Menschenleben weniger bedeutet als ein Staubkorn." Schon einige Tage vorher brachte ,, Das Reich" in seiner Nr. vom 23. November eine ähnliche Mitteilung: ,, Der sowjetische Fliegeroberst T( Sowjetsoldat): Die Verbreitung des Gerüchts, daß Sowjets in deutscher Gefangenschaft getötet würden, sei lediglich eine propagan9 Lienau, Zwölf Jahre Nacht 129 distische Maßnahme der Kommissare, um den einfachen Soldaten zur höchsten Tapferkeit anzustacheln". Damit hatte Goebbels dem deutschen Volke und der ganzen Welt wieder einmal beteuert ,,, kein Kind, kein Engel ist so rein", wie die SS. Vor aller Welt verschwieg er, daß in den KŹ die Kriegsgefangenen gezwungen wurden, sich zu besonderen Formationen militärischer Art zusammenzustellen, um in den Reihen der Waffen- SS gegen ihre eigenen Landsleute zu kämpfen: ,, Landeseigene Verbände" nannte man diese Truppenverbände und der Name Wlassow braucht nur in diesem Zusammenhang als einer der bekanntesten genannt zu werden. Doch darüber noch an anderer Stelle. Zunächst galt im Lager der Kampf dem Fleckfieber und der Ruhr, weil die SS um ihr Leben und ihre Gesundheit bangte. Nach außen wurde nichts von dem furchtbaren Wüten des Fleckfiebers im Lager lautbar. Dieses verschwieg Goebbels dem deutschen Volke; aber er ließ durch die Nazipresse berichten, daß in anderen Ländern das Fleckfieber grassierte, um die Aufmerksamkeit von hier ab und woanders hinzulenken, wie es stets der Rundfunk und die Nazipresse machten. Man ging dem Fleckfieber mit Blausäuregas zu Leibe, von der Hamburger Firma Tesch und Stavenow hergestellt, jener Firma, die auch das Gas für die Massentötungen der Häftlinge in den Gaskammern lieferte. Die Häftlinge wurden in andere Blocks für einige Tage einquartiert und dann die verseuchten Blocks vergast, nachdem sie zuvor mit Klebestreifen luftdicht abgeschlossen wurden. Auch die Häftlinge selbst wurden desinfiziert und erhielten nach Möglichkeit sterile Kleidungsstücke. Nach der Block vergasung mußten die Blocks noch etwa zwei Tage auslüften, um Nachwirkungen des Gases zu verhüten. In einem der Russenblocks wurde diese Vorsichtsmaẞnahme nicht getroffen. Nach oberflächlicher Durchlüftung muẞten die Russen schon in der nächsten Nacht wieder im vergasten Block schlafen. Da das Gas geruchlos war, so wurde es nicht wahrgenommen. Am nächsten Morgen, es war der 24. Dezember 1941, hatten 42 russische Kriegsgefangene dent Tod in diesem Block gefunden. Es muß besonders festgehalten werden, daß die Lagerführung die kriegsgefangenen Russen in zwei Kategorien einteilte eine, die zum Sterben von vornherein bestimmt war und eine zweite, die kleinere Gruppe, welche zur Arbeit eingesetzt wurde, die sog. ,, Arbeitsrussen", zumeist Leute von kräftiger Statur und mit Fachkenntnissen. Wenn der Aufnahmeabteilung in der Politischen Abteilung bekannt wurde, daß die Kriegsgefangenen- Zugänge am Leben bleiben sollten, erging die Anweisung, neben der üblichen Personalkarte auch noch eine ,, Sterbefallanzeige" auszufüllen, weil die Sterblichkeit ohnehin sehr groß war und die ,, Totenabteilung" nachträglich Schwierigkeiten mit der Anzeige an die Angehörigen hatte. Als der derzeitige Chef der Politischen Abteilung, Untersturmführer Frerichs, gelegentlich der Ausfüllung von Karteikarten sah, daß zugleich Sterbefallanzeigen mit ausgefüllt wur130 den, w rascht: nach h Prä- St Am Kommi Schild lager" beitsrus 2500 im gestorb Zahl de von de waren lager A sie auc gehäng übrigen alles in Bei fertigun darauf sondere jedem alten nuar 1 als 13 und G infektio Kleidun sen di welche Abteilu hausen mordet schlagt Na schlach ungehi Opfer senhau mit 13 porte, besetzt Ende und R wurde. Üb der K im La neren minent weder 46 infachen r ganzen so rein", den KZ sonderen in den u kämpppenverà Zusamn. Doch ber und sundheit n Wüten Goebbels resse beLerte, um zulenken, ten. eibe, von It, jener Häftlinge andere seuchten luftdicht den desgsstücke. ch etwa zu verchtsmaßang mußim vero wurde war der gene den Lagerrien einwar und eingesetzt kräftiger abteilung e Kriegsdie Anoch eine ohnehin Schwieg, UnterKarteiüllt wurden, was ihm scheinbar nicht bekannt war, fragte er überrascht: ,, Sind denn die Leute zum Sterben oder zur Arbeit nach hier gekommen?" Für die Zukunft unterblieben dann die Prä Sterbefallanzeigen. Am 16. Oktober 1941, es war einmal wieder eine hohe Kommission im Lager, wurde über dem Russenlager ein großes Schild angebracht, das dieses als ,, Kriegsgefangenen- Arbeitslager" besonders kennzeichnete. Von diesen offiziellen ,, Arbeitsrussen" befanden sich am genannten Stichtag deren etwa 2500 im Lager, von denen bis zum Monatsschluß ,, offiziell" 209 gestorben waren. Obwohl sich bis zum 16. Januar 1943 die Zahl der Zugänge auf 4355 erhöht hatte, lebten an diesem Tage von der Gesamtzahl nur noch 965. Durch Giftspritzen allein waren 674,, erledigt" worden, 247 kamen in das Vernichtungslager Auschwitz, 340 kamen zum ,, Klinker", von wo es für sie auch keine Rückkehr gab, 7 wurden auf dem Appellplatz gehängt, 35 zum Mordlager Mauthausen gebracht, und die übrigen endeten durch die verschiedensten Methoden im Lager; alles in allem wurden 3390 zu Tode befördert. Bei allen Russenzugängen wurden Listen in fünffacher Ausfertigung angefertigt und vom überwachenden SS- Mann streng darauf gesehen, daß sich die Schreiber nicht noch einen besonderen Durchschlag anfertigten. So war es nur möglich, von jedem Zugangstransport einen Vermerk auf der Rückseite eines alten Wandkalenders zu machen. Diese Liste wies Mitte Januar 1942 die Zahl von über 1400 auf. Insgesamt haben mehr als 13 000 ihr Leben eingebüßt, zumeist durch Genickschüsse und Gastod. An Hand der vom Krematorium an die Desinfektion zurückgelieferten russischen Uniformen und ähnlicher Kleidungsstücke ließ sich ermitteln, daß noch etwa 10 000 Russen direkt zum Vergasen in den Industriehof gebracht waren, welche nicht das Lager und somit die Kontrolle der Politischen Abteilung passiert hatten. Mithin darf die Zahl der in Sachsenhausen während der Herrschaft des Großinquisitors Loritz ermordeten russischen Kriegsgefangenen auf etwa 24 000 veranschlagt werden. Nach der Fertigstellung des neuen massiven Menschenschlachthauses konnte das Massenmorden durch Gas und Gift ungehinderten Fortgang nehmen, denn die Zugänge brachten Opfer in rauhen Mengen. Bis zur Evakuierung des KZ Sachsenhausen im April 1945 war die fortgeschriebene Zugangsliste mit 137 000 weit überschritten. Wellenartig kamen die Transporte, wenn irgend eine Großaktion im Bereich des von Hitler besetzten Gebietes gestartet war. So nach der Mussolini- Affäre Ende Juli 1943, die dem deutschen Volke erst durch die Presse und Radio zwei Monate später leise weinend bekannt gegeben wurde. Überall liefen Sonderaktionen, und im Inspektionsgebäude der Kommandantur tagte laufend die Sonderkommission, die In kleiim Lager einen ganzen Stab von Spitzeln unterhielt. neren und größeren Trupps verschwanden nach und nach proEntminente Politische, beste und zuverlässigste Kameraden. weder wurden sie unbemerkt in der Gaskammer erledigt oder 9* 131 zum Zwecke der Beseitigung in ein anderes Lager überführt, wie der gebräuchliche Ausdruck neben dem ,, von der Lagerstärke abgesetzt" war. Stets waren Opfergruppen in petto, war es nun die Aktion NN, jene Politischen, die bei Nacht und Nebel zu verschwinden hatten, oder die Aktion ,, Gewitter", welche die nach dem 20. Juli 1944 verhafteten und ins KZ verbrachten sozialdemokratischen und kommunistischen Inhaber ehemaliger Posten in gesetzgebenden Körperschaften betraf. Außerordentlich groß war die Zahl der Zugänge, welche aus Anlaß des gegen Hitler verübten Attentats nur das Wort ,, schade" geäußert hatten. Dieses eine Wort ,, schade" brachte vielen den Gastod. Auch diejenigen, welche Zweifel über den ,, Endsieg" gehegt hatten, kamen ins Lager und verschwanden dort von der Lagerstärke. Die zunehmende Verschlechterung der Verpflegung im Lager begünstigte den Verfall der körperlich ohnehin nicht taktfesten Insassen, meistens der Alten, Gebrechlichen und Kranken. Diese aus der Welt zu schaffen, war die Losung der Regierung Hitlers und seiner Oberhenker. Je weiter die Heere der Alliertén auf das Herz des Dritten Reiches, Berlin, vorrückten, umso bedenklicher wurde auch die Situation für die Nazis selbst. Sie wollten leben und das nicht schlecht. Die Versorgung mit Lebensmitteln drohte zur Katastrophe zu werden. Die ,, unnützen Fresser" und lebensunwerten Elemente im KZ mußten schneller beseitigt werden. So erfand man die ,, Selektion", d. h. es wurde sortiert wer reif war für die Gaskammer. Fast während des ganzen Jahres wurde das Revier durchkämmt, nicht vom Arzt, nicht von den Pflegern, nein, vom Rapportführer Böhm und seinem Adlatus Horst Hempel, oder wie er im Lager genannt wurde, der Fallschirmspringer mit der Kriegskasse. Sie durchsuchten die Blocks, die Arbeitskommandos der Strumpfstopfer und Nietensortierer, wo sich die nicht ,, Volleinsatzfähigen" befanden und angelten zwischen den Baracken wie auf dem Appellplatz ihre Opfer. Unter dem Arm trugen sie eine rote Mappe; daran waren beide kenntlich für jene, welche ihre Mission kannten und ihnen daher aus dem Wege gingen. Wenn einer dieser beiden ,, Invaliden- Fischer" sich mit der Mappe blicken ließ, so tuschelten die Eingeweihten einander die Worte zu: Der Todesengel geht durch das Lager! Wehe jedem Alten, wehe jedem Krüppel und gesundheitlich nicht besonders gut aussehenden Häftling, wehe jedem, der hustete und nicht den Eindruck machte, daß er für voll gesund anzusehen war, unbemerkt notierte der Todesengel die auf seinem Jacket oder Hosenbein aufgenähte Häftlingsnummer in seiner roten Mappe, und dann war es um ihn geschehen. Am nächsten Tag wurde er ins Revier bestellt, pro forma untersucht und erhielt zur Besserung seines Gesundheitszustandes eine Spritze oder längeren Erholungsaufenthalt in einem Sanatorium", wie nachstehende Fälle am besten dartun. Seit einiger Zeit befanden sich im Revier als Patienten der in Berlin bestens bekannte Baumschulenbesitzer Späth und der Gewerkschaftsbeamte Lorenz Breunig. Ihnen wie noch einigen weiter sollter aspira Decke konnt anfäll sorgli W Breun rinner litisch erwäh noch Weg gleich gen fahre sie a alle D sich Bader hande schlo ström sich einen berei die C Auslu mato in de N den I für welch bewi Säure und werd stam fahre befol been Diese bewa liche Hitle nähe samt umz die S 132 erführt, - Lagere Aktion winden dem 20. emokraosten in h groß Hitler hatten, 1. Auch hatten, erstärke. m Lager ktfesten n. Diese ung HitAllierten , umso = selbst. ung mit ie ,, unmußten sortiert ganzen t, nicht seinem rde, der ten die Nietenden und atz ihre ; daran kannten r dieser ließ, so dheitlich em, der für voll ngel die nummer schehen. o forma dheitszuthalt in dartun, nten der und der einigen weiteren Kranken wurde mitgeteilt, daß sie sich bereit halten sollten für die Überführung in ein Sanatorium. Die Sanatoriumsaspiranten wurden mit Verpflegung für die Reise und wollenen Decken versehen, damit ihnen unterwegs nichts passieren konnte es war Mitte Februar 1945; gegen die Kälte müssen anfällige Personen besonders geschützt werden, so wurde fürsorglich betont. Was es mit dem Sanatorium auf sich hatte, wußte Lorenz Breunig nur zu gut. Er wußte auch, daß es für ihn kein Entrinnen gab, und gefaßt verabschiedete er sich von seinen politischen Freunden, als das Krankenauto vorfuhr, um die Auserwählten abzuholen. Die Fahrt ging durch das Tor und auch noch durch das Haupttor auf die Straße, während der übliche Weg zum Krematorium nach dem Passieren des ersten Tores gleich rechts abschwenkte. Späth und Breunig sowie die übrigen Opfer wurden kreuz und quer durch Oranienburg gefahren, um sie zu irritieren. Nach zwanzig Minuten waren sie am Ziel das Sanatorium war die Gaskammer, welche alle Insassen des Krankenautos aufnahm und liquidierte. Die Einrichtung einer Gaskammer zu beschreiben, dürfte sich erübrigen; es sei nur bemerkt, daß es sich um nachgeahmte Baderäume mit getarnten Brausen und blauen Blindfenstern handelte. Nachdem sich die Opfer hinter der hermetisch verschlossenen Tür befanden, lieẞ man entweder das Gas einströmen oder öffnete die mit Blaugas gefüllte Dose, welche sich in einer Nische innerhalb der Gaskammer befand, durch einen Hebeldruck von außen. Nach einigen Minuten konnten bereits die oberen Luftklappen wieder geöffnet werden, denn die Opfer waren schon nach einer Minute tot. Nach gehöriger Auslüftung wurden die Türen wieder geöffnet, damit die Krematoriumsarbeiter die Leichen herausholen konnten, um sie in den Verbrennungsofen zu bringen. Nach der Einspannung verbrecherischer Wissenschaftler in den Dienst des Massenmordes und der Leichenbeseitigung wurde für kurze Zeit eine neue Methode zur Anwendung gebracht, welche die schnelle Zersetzung und Auflösung der Weichteile bewirken sollte. Es handelte sich um eine neuartige scharfe Säure, welche das Fleisch sehr schnell von den Knochen löste und durch Zusatz von Wasser alles zu einem schleimigen Brei werden ließ, den man ableitete. Die Skelette wurden stampft, zu Düngemitteln verarbeitet und waggonweise abgefahren. Das Zerstampfen der Knochen wurde von eigens dazu befohlenen Juden vorgenommen, deren Schicksal es war, nach beendigter Arbeit selbst den Weg in die Gaskammer anzutreten. Diese Methode des Zersetzens durch Säure dürfte sich nicht bewährt haben; denn sehr bald ging man wieder zu dem üblichen Verbrennen der Leichen über. zerAls nach dem 12. Januar 1945 die militärische Lage für Hitler immer bedrohlicher wurde, die Sowjetheere ihm immer näher auf den Leib rückten, erging zunächst die geheime Order, sämtliche prominenten politischen Deutsche als auch Ausländer umzubringen. In der Nacht vom 1. zum 2. Februar 1945 ging die Sonderaktion vor sich. Es wurden 178 Opfer aus den Betten 133 geholt und mit großem SS- Aufgebot zum Richtplatz im Industriehof gebracht. Unterwegs gab es selbstverständlich Widerstand, weil die Abtransportierten über das ihnen bevorstehende Schicksal vollkommen im Bilde waren. Darunter waren luxemburgische Gendarme, die sich nicht widerstandslos abschlachten lassen wollten, sowie sieben britische Kriegsgefangene unter Leutnant Goodwin, einem Seeoffizier, ferner französische und russische Militärs. war Nachdem in der Bartholomäusnacht vom 1. zum 2. Februar 1945 178 politische Häftlinge aller Nationen aus den Betten geholt und auf dem Schießstand im Industriehof erschossen wurden, setzte nach wenigen Tagen eine erneute Verhaftungswelle gegen Politische ein. Die Baracke 59 wurde seit Sommer 1944 als Isolierblock für die Elite der Politischen, zumeist Kommunisten und Sozialdemokraten, benutzt laut Verfügung der Sonderkommission, welche in der Inspektion außerhalb des Lagers untergebracht war. Untersturmführer Ballhause während dieser Zeit der Leiter der Sonderkommission. Mitte Februar 1945 wurden in den Vormittagsstunden 27 dieser Politischen von der SS herausgeholt und zunächst ans Tor gestellt. Später, nach ihrem Abtransport, wurde im vertrauten Kreise bekannt, daß diese 27 auf dem ,, Klinker" erschossen seien. Die Namen dieser vortrefflichen Kameraden waren: Erich Bolze( Schreibstube), Josef Tschub, Alfred Ahrens, Andreas Bergron, Fritz Bücker( Radiofachmann), Emil Dersch, Willy Grübsch( Krankenbau), Arthur Henning, Otto Kröbel ( Pfleger), Rudolf Henning( ehem. Abgeordneter), Erich Mohr, Roger Robine, Dietrich Hornig, Josef Rutz, Gustav Siegel( aus Salzwedel), Kurt Spolek, Heinz Bartsch( Lagerschreibstube), Ernst Schneller( ehem. Reichstagsabgeordneter), Hans Rothbart, August Sander( Krankenbau R III), Ludgart Söllighofer, Siegmund Szedski, Wilhelm Sandhofer, Ernst Fürstberg, Mathias Tesen, Rudolf Nokry. Der Name des letzten Opfers, ein jugendlicher Franzose, ließ sich nicht mehr feststellen. Unaufhörlich ging der Todesengel weiter durch das Lager und holte die Opfer zur Gaskammer, zum Schießstand und zum Galgen. Inzwischen war wieder eine neue Anordnung getroffen, hinter der man nichts Gutes vermuten durfte. Wegen eventueller Evakuierung des Lagers sollten alle schwächlichen, alten und nicht marschfähigen Häftlinge mit der Eisenbahn nach dem Westen abtransportiert werden, und zunächst wurde zur freiwilligen Meldung für diesen Transport aufgefordert. Weil die Meldungen zu gering blieben, wurden die Schonungskranken, die Arbeitskommandos der Invaliden wie Strumpfstopfer, Nietensortierer usw. erneut durchgekämmt. Allen wurde versprochen, daß jeder für die Reise zwei Wolldecken mitnehmen dürfe, neben ausreichender Reiseverpflegung. Etwa 10 000 nicht marschfähige Häftlinge wurden dann mit allen Finessen für diese Transporte zusammengebracht. Von allen wurde die Bekleidung aus der Effektenkammer in Bahnwaggons verladen und ein Teil der in der Effektenkammer beschäftigten Häftlinge fuhr in diesen Waggons mit, als deren Ziel Bergen- Belsen bei Celle angegeben war. 134 D Ausku wurde Lager wäre unfäh M wisse vorga gar Hölle zugeg die Zustä D dem BVern für d denn und alle e wever sich zugez ten. daß Arbe schäf aufge samt auch in si weite Böhn keit gewe mit hatte die InViderhende xemchten unter e und bruar Betten ossen tungsmmer meist ugung b des war Mitte r Poor geauten mossen waren: 5, Anersch, Die bisher von Bergen- Belsen nach Sachsenhausen gelangten Auskünfte waren sehr widersprechend. Von der Lagerführung wurde durch ihre BVer- Spitzel ausgestreut, daß es in dem neuen Lager ausgezeichnet sei, gute Unterkünfte, reichliche Verpflegung wäre vorhanden und besonders für die Kranken und Arbeitsunfähigen würde das Beste getan. Man müßte nicht so lange im Lager gewesen sein, um zu wissen, was davon zu halten sei, wenn die SS den Häftlingen vorgaukelte, für sie würde ein Sanatorium bereitgestellt oder gar der Himmel auf Erden. Für alle hatte man nur die Hölle auf Erden geschaffen. Die den Politischen im Lager zugegangenen vertraulichen Informationen ließen erkennen, daß die Vermutungen und Auskünfte über denkbar schlechteste Zustände in Bergen- Belsen die richtigen waren. Die Lagerleitung hatte den BVer- Lagerältesten Beier und dem BVer Alfred Flegel als Arbeitseinsatzleiter neben weiteren BVern die Vollmacht erteilt, nach eigenem Ermessen die Leute für den Transport auszusuchen, und diese BVer brachten es denn auch fertig, in erster Linie die Politischen zu verfrachten und in den sicheren Tod nach Bergen- Belsen zu jagen, wo alle elendiglich umkamen. Unter ihnen waren Prof. Johs. Verweven aus Bonn und der soz. Abgeordnete Klemens Högg aus Monats Februar 1945 waren fast Kröbel Mohr, 1( aus stube), hbart, Siegathias ugendorlich Opfer offen, evenalten nach de zur Weil anken, Nietene zwei iseverwurden bracht. mer in ammer deren sich durcn Frost unu zugezogen hatten und denen die Beine amputiert weruen ten. Bei der Obduktion im Lager Verstorbener zeigte sich, daß die Verdauungsorgane verkohlt waren. muwAls die Bomben die in der Nähe Sachsenhausens gelegenen Arbeitsläger Auer usw. zerstört hatten, mußten die dort beschäftigten Häftlinge( Frauen) mit im Lager Sachsenhausen aufgenommen werden; man brachte sie in der Isolierung unter, samt den Kindern, die sie bei sich führten. Unaufhörlich ging auch hier der Todesengel durch die Reihen und holte die Opfer in sich steigerndem Umfange. Daneben arbeitete die Gaskammer weiter auf hohen Touren dank der Selektion des Rapportführers Böhm und seines Gehilfen Horst Hempel. Wenn ihre Tätigkeit im Lager eine recht lebhafte war, so wußten die Eingeweihten, daß im Krematorium der Hauptscharführer Moll Moll mit seinen SS- Schinderknechten seines Amtes waltete. hatte seinen Weg über alle großen KZ genommen, um dort die Massenvergasungen der Konzentrationäre durchzuführen. 135 geholt und mit großem SS- Aufgebot zum Richtplatz im Industriehof gebracht. Unterwegs gab es selbstverständlich Widerstand, weil die Abtransportierten über das ihnen bevorstehende Schicksal vollkommen im Bilde waren. Darunter waren luxemburgische Gendarme, die sich nicht widerstandslos abschlachten lassen wollten, sowie sieben britische Kriegsgefangene unter Leutnant Goodwin, einem Seeoffizier, ferner französische und russische Militärs. Nachdem in der Bartholomäusnacht vom 1. zum 2. Februar 1945 178 politische Häftlinge aller Nationen aus den Betten geholt und auf dem Schießstand im Industriehof erschossen wurden, setzte nach wenigen Tagen eine erneute Verhaftungswelle gegen Politische ein. Die Baracke 59 wurde seit Sommer 1944 als Isolierblock für die Elite der Politischen, zumeist Kommunisten und Sozialdemokraten, benutzt laut Verfügung der Sonderkommission, welche in der Inspektion außerhalb des Lagers untergebracht war. Untersturmführer Ballhause war während dieser Zeit der Leiter der Sonderkommission. Mitte Februar 1945 wurden in den Vormittagsstunden 27 dieser Politischen von der SS herausgeholt und zunächst ans Tor gestellt. Später, nach ihrem Abtransport, wurde im vertrauten Kreise bekannt, daß diese 27 auf dem ,, Klinker" erschossen seien. Die Namen dieser vortrefflichen Kameraden Erich Bolze( Schreibetubal Zwölf Jahre Nacht. Berichtigungen Seite 134, Abs. 2, Zeile 11: Statt Februar 1945 muß es heißen: am 11. 10. 1944 aus Block 58 ( nicht Baracke 59) herausgeholt und liquidiert. Zu ändern sind die Namen Siegel in Spiegel und Nokry in Mokry. Nachzutragen ist der Name des letzten Opfers: Franzose Benoit Morceau, 16 Jahre alt, bei Heinckel beschäftigt gewesen. time neue Anordnung getroffen, unter der man nichts Gutes vermuten durfte. Wegen eventueller Evakuierung des Lagers sollten alle schwächlichen, alten und nicht marschfähigen Häftlinge mit der Eisenbahn nach dem Westen abtransportiert werden, und zunächst wurde zur freiwilligen Meldung für diesen Transport aufgefordert. Weil die Meldungen zu gering blieben, wurden die Schonungskranken, die Arbeitskommandos der Invaliden wie Strumpfstopfer, Nietensortierer usw. erneut durchgekämmt. Allen wurde versprochen, daß jeder für die Reise zwei Wolldecken mitnehmen dürfe, neben ausreichender Reiseverpflegung. Etwa 10 000 nicht marschfähige Häftlinge wurden dann mit allen Finessen für diese Transporte zusammengebracht. Von allen wurde die Bekleidung aus der Effektenkammer in Bahnwaggons verladen und ein Teil der in der Effektenkammer beschäftigten Häftlinge fuhr in diesen Waggons mit, als deren Ziel Bergen- Belsen bei Celle angegeben war. 134 D Ausk wurd Lager wäre unfäl M wisse vorga gar Hölle zugeg die Zustä I dem BVer für denn und alle weye Augs alle gab Läge denn geleg trup Tran Mens Fuß ger, Ange sich zuge ten. daß Arbe schä aufg sam auch in s weit Böh keit gewe mit hatt die m InViderhende xemchten unter - und bruar Betten ossen tungsmmer meist igung b des war Mitte r Poor ge-auten Ossen 11: 58 die der alt, offen, evenalten nach e zur Weil nken, Wietenzwei severurden racht. er in mmer deren Die bisher von Bergen- Belsen nach Sachsenhausen gelangten Auskünfte waren sehr widersprechend. Von der Lagerführung wurde durch ihre BVer- Spitzel ausgestreut, daß es in dem neuen Lager ausgezeichnet sei, gute Unterkünfte, reichliche Verpflegung wäre vorhanden und besonders für die Kranken und Arbeitsunfähigen würde das Beste getan. Man müßte nicht so lange im Lager gewesen sein, um zu wissen, was davon zu halten sei, wenn die SS den Häftlingen vorgaukelte, für sie würde ein Sanatorium bereitgestellt oder gar der Himmel auf Erden. Für alle hatte man nur die Hölle auf Erden geschaffen. Die den Politischen im Lager zugegangenen vertraulichen Informationen ließen erkennen, daß die Vermutungen und Auskünfte über denkbar schlechteste Zustände in Bergen- Belsen die richtigen waren. Die Lagerleitung hatte den BVer- Lagerältesten Beier und dem BVer Alfred Flegel als Arbeitseinsatzleiter neben weiteren BVern die Vollmacht erteilt, nach eigenem Ermessen die Leute für den Transport auszusuchen, und diese BVer brachten es denn auch fertig, in erster Linie die Politischen zu verfrachten und in den sicheren Tod nach Bergen- Belsen zu jagen, wo alle elendiglich umkamen. Unter ihnen waren Prof. Johs. Verweyen aus Bonn und der soz. Abgeordnete Klemens Högg aus Augsburg. Um die Mitte des Monats Februar 1945 waren fast alle für Bergen- Belsen bestimmten Transporte fort. Nunmehr gab es weitere Transporte nach Mauthausen und kleineren Lägern, die im Westen lagen. Die Belegschaftsstärke des Lagers nahm jedoch nicht ab, denn täglich kamen neue Zugänge, meistens aus den östlich gelegenen Lägern, die im Bereich der anrückenden Sowjettruppen lagen. Aus Ungarn trafen von einem abgesandten Transport, der einst 800 Menschen umfaßte, kaum 100 als Menschenruinen im Lager ein. Alle anderen waren auf dem Fußmarsch, der einige hundert km betragen hatte, durch Hunger, Entbehrungen und Kälte ums Leben gekommen. Von den Angekommenen starben gleichfalls noch eine große Zahl, die sich durch Frost und Verletzungen den Brand in den Füßen zugezogen hatten und denen die Beine amputiert werden mußten. Bei der Obduktion im Lager Verstorbener zeigte sich, daß die Verdauungsorgane verkohlt waren. Als die Bomben die in der Nähe Sachsenhausens gelegenen Arbeitsläger Auer usw. zerstört hatten, mußten die dort beschäftigten Häftlinge( Frauen) mit im Lager Sachsenhausen aufgenommen werden; man brachte sie in der Isolierung unter, samt den Kindern, die sie bei sich führten. Unaufhörlich ging auch hier der Todesengel durch die Reihen und holte die Opfer in sich steigerndem Umfange. Daneben arbeitete die Gaskammer weiter auf hohen Touren dank der Selektion des Rapportführers Böhm und seines Gehilfen Horst Hempel. Wenn ihre Tätigkeit im Lager eine recht lebhafte war, so wußten die Eingeweihten, daß im Krematorium der Hauptscharführer Moll mit seinen SS- Schinderknechten seines Amtes waltete. Moll hatte seinen Weg über alle großen KZ genommen, um dort die Massen vergasungen der Konzentrationäre durchzuführen. 135 schon kräfte den die in Deut reich, I ländern Ein Ostländ wenden für die 17. Kapitel Wenn Lord Halifar behauptet, daß er die Kultur repräsentiert, so antworte ich: Sir, wir haben eine Kultur, wovon Sie keine Ahnung haben. Dies neue Deutschland hat weder Kriegsabsichten noch Kriegsziele. Hakenkreuz- Pharaonen Hitler. Die Konzentrationsläger dienten drei Zwecken; einmal wollten die Nazis alle ihnen unbequemen Leute vom Halse schaffen und sich vor ihnen gesichert sehen. Zum zweiten hatten die KZs die Aufgabe, von diesen unbequemen Insassen möglichst viele Arbeitsunfähige, Kranke, Staatsfeinde im Nazisinne, Juden und Ausländer durch alle erdenklichen Todesarten zu beseitigen, um sie nicht mehr als ,, unnütze Fresser" zu unterhalten. nun Was nun die dritte Kategorie anbetraf, so waren es Arbeitskräfte, deren man für verschiedene Einrichtungen der SSBetriebe und sonstige SS- Einrichtungen bedurfte; vorzugsweise Spezial- und Facharbeiter aus allen Branchen. Sofern Fachkräfte nicht genügend in die KZ eingeliefert wurden, mußte durch Sonderaktionen nachgeholfen werden; waren es Schneider, Schuhmacher, Dachdecker, Maler, Elektriker, Tischler, Bauhandwerker usw., man ließ sie durch die Gestapo meist unter dem stereotypen Grund: ,, Gefährdung der Sicherheit des Staates" verhaften und ins KZ transportieren. Mit dem zunehmenden Bedarf an Arbeitskräften reichten die deutschen Reserven bei weitem nicht aus, weshalb auf die Arbeitskräfte in den besetzten Ländern zurückgegriffen wurde. Die Methoden zur Erfassung der Arbeitskräfte reichten von der ,, tarifmäßigen Arbeitsverpflichtung" bis zum Menschenraub, der den Seeleuten unter dem Begriff ,, shanghaien" am geläufigsten ist. Nach dem Überfall auf Dänemark im April 1940 gingen die nazistischen Menschenräuber zunächst daran, Facharbeiter aller Art gegen Tariflöhne nach Deutschland zu verpflichten mit einem Stundenlohn von 80 Pfg. bis 1 RM. Selbstverständlich wurden die getroffenen Vereinbarungen von der deutschen Arbeitsfront nicht innegehalten. Es war 136 die Arb so verl dem ru auch d und Tr Trick Gratisallen O benötig war, w Trupps die sie unterwe schen portiert Seh Einfang Opfer Ortscha komme sie wu mark, aus Un getriebe Vernich Juden Ein gend g gehörig lierer, 1941 an dieser zu ver etwa 1 bracht. Uhren, deren herzuri tischen Handel Die Block uptet, daß t, so anteine Kulng haben. hat weder sziele. Hitler. al wollschaffen hatten en mögazisinne, arten zu u unteres Arder SSvorzugsSofern , mußte es nun r, Tischpo meist heit des reichten auf die wurde, ten von henraub, n gelaupril 1940 n, Fachzu verRM. barungen Es war schon von vornherein die Absicht, die angeworbenen Arbeitskräfte ohne Lohn für sich schuften zu lassen. Sehr bald wurden die Dänen wach und verzichteten auf diese Tarifarbeit" in Deutschland. Man ging zu Arbeitsverpflichtungen in Frankreich, Belgien und Holland und schließlich auch in den Ostländern über. " Eine Zeitlang vermochten die Menschenräuber noch in den Ostländern diese Methode des Arbeitsdienst verpflichtens anzuwenden, namentlich wenn es sich darum handelte, Jugendliche für die Landwirtschaft zu bekommen. Doch auch hier folgten die Arbeiter den Lockungen nicht immer, waren sie auch noch so verlockend. Zuerst kamen noch die ehemals Deutschen aus dem russischen Gebiet Wolhynien, dem Banat, Galizien; doch auch diese hörten und sahen sehr bald, daß alles eitel Lug und Trug war, was man ihnen vorgeredet hatte. Als nächster Trick wurde nunmehr das Einfangen der Arbeiter angewandt. Gratis- Kinovorstellungen wurden in den besetzten Gebieten an allen Orten veranstaltet und je nach den Altersgruppen, welche benötigt wurden, diese dazu eingeladen. Sobald das Kino gefüllt war, wurden die Türen abgeriegelt, die Eingeschlossenen in Trupps abgeführt und zu den bereitstehenden Zügen getrieben, die sie nach Deutschland brachten. Zum Teil wurde schon unterwegs Auslese gehalten und ein Teil der kräftigeren Burschen und Mädchen in die landwirtschaftlichen Betriebe transportiert. Der Rest kam in Arbeitsläger oder in die KZ. zu beSehr bald verzichtete man auch auf diese Methoden des Einfangens in den Kinos und dergleichen; man griff die Opfer von der Straße weg oder kämmte Stadtteile und ganze Ortschaften durch, um Menschenmaterial zusammen kommen. In erster Linie mußten überall die Juden herhalten; sie wurden aus allen besetzten Gebieten, aus Norwegen, Dänemark, Holland, Luxemburg, Belgien, Frankreich und vor allem aus Ungarn, den Balkanländern und den Ostgebieten zusammengetrieben. Der weitaus größte Teil war von vornherein zur Vernichtung bestimmt, gemäß dem Naziprogramm, daß die Juden auszurotten seien. Eine Ausnahme machte man mit Spezialarbeitern, die dringend gebraucht wurden, z. B. Uhrmacher, Optiker und Angehörige des graphischen Gewerbes, wie Steindrucker, Ziselierer, Zeichner, Graveure usw. Von der Lagerleitung erging 1941 an die Politische Abteilung die Anweisung, Juden- Zugänge dieser vorbenannten Berufe besonders auf den Personalkarten zu vermerken. Die Uhrmacher und Juweliere, sowie Optiker, etwa 100 Mann, wurden in einer Baracke gesondert untergebracht. Sie hatten die in allen Ländern zusammengeraubten Uhren, Juwelen und optischen Instrumente für die SS- Betriebe, deren oberster Chef der SS- Obergruppenführer Pohl war, neu herzurichten. Mit den wertvollen Uhren, Juwelen und optischen Instrumenten wurde von der SS ein schwunghafter Handel betrieben. Die jüdischen Graphiker usw. wurden im kleinen Lager im Block 18 isoliert; später kam noch der danebenliegende Block 137 19 hinzu. Beide Blocks waren mit Stacheldraht umzogen, der jeglichen Verkehr mit der Belegschaft im Lager ausschloß. Nach dem letzten Abläuten am Abend und während der Nacht wurden häufig Maschinen in diese Baracke transportiert, so daß man mit Recht vermuten mußte, daß in den isolierten Baracken Dinge vor sich gingen, von denen niemand im Lager Kenntnis erhalten durfte. Die Verpflegung wurde von den Essenfahrern bis zu den Baracken gebracht und dort von den aufsichtführenden SSWachtleuten entgegen genommen. Zum Baden wurden die Juden unter strengster Aufsicht geführt, damit niemand mit ihnen sprach. Im Falle einer ärztlichen oder ambulanten Behandlung im Krankenbau wurden die Juden gleichfalls von einem Scharführer begleitet. Bei dieser Gelegenheit war es dann doch möglich, mit dem einen oder anderen Juden einige Worte zu wechseln, wenn der SS- Wachtposten etwa einen Kranken zur Zahnstation begleitete und den anderen zum Ohren- oder Augenarzt, der dritte seinen Verband erneuert bekam. Während der SSWachtposten den einen Juden also streng unter Aufsicht hatte, konnten sich drei bis vier andere isolierte Juden mit den sie behandelnden Pflegern und Angehörigen der Politischen Abteilung unterhalten. Durch einige ihnen zugesteckte Zigaretten oder Lebensmittel wurden die Zungen gelockert, und das Geheimnis der Baracken 18 und 19 offenbart. Was ging nun in diesen Baracken vor sich? Es war dort die illegale Reichsdruckerei der SS eingerichtet, eine Fälscherwerkstätte größten Ausmasses. Dort wurden Dollarnoten, englische Pfunde, holländische Gulden, Schweizer Franken, norwegische und dänische Kronen, kurzum das Papiergeld derjenigen Länder, deren Währung am günstigsten stand, hergestellt. Doch nicht allein mit dem Herstellen der Banknoten begnügte man sich, die Baracken waren gleichzeitig der Herstellungsort für gefälschte Dokumente aller Art, Dokumente und Urkunden, deren sich die Hitlerregierung und die Gliederungen der NSDAP, vor allem jedoch der Reichspropagandachef Goebbels bediente, Wenn nach der Besetzung eines Landes oder deren Hauptstadt die Nazizeitungen, vor allem der ,, Völkische Beobachter", ,, Enthüllungen" über das ,, infame Treiben der Feinde" brachten und als Beweis Schriftstücke in Faksimile zur Veröffentlichung gelangten, welche die Schuld der ausländischen Diplomaten und Staatsmänner" dartaten, so wissen wir heute, daß alle diese in Faksimile veröffentlichten Schriftstücke zu den gröbsten und gewissenlosesten Fälschungen des verflossenen Naziregimes gehörten: Made im KZ Sachsenhausen. Durch geschickte Photomontagen wurden Bilder zusammengestellt, die dem Volke Dinge vortäuschten, die niemals Wirklichkeit waren und nicht sein konnten. Auf diesen durch Photomontagen gefälschten Bildern wurden u. a. führende Persönlichkeiten im harmlosen Verkehr miteinander dargestellt, die niemals zusammen gewesen sind. 138 Hitle vorgefüh der Fro ling und son" de das gefä nicht, se mit Füß wundete Die stätten und den racken f der Deu die SS Rüstung Dari Industrie darf an gruppen wurde 1942 die Dachdec unter Z und der schüler stätten was sie konnten Alle angeschl Häftling Polierer Buchbin hergeste Wohnun dem Ma es jeder die teue Führer qm gro Daß betont z besetzter jagte de Material Schein und ein Pohl de tragssch auch an Der Ausschla en, der Schloß. 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Die für den eigenen Bedarf in den verschiedenen Werkstätten arbeitenden Häftlinge, wie Schuhmacherei, Schneiderei und den notwendigen Werkstätten für Unterhaltung der Baracken fallen nicht ins Gewicht gegenüber den Industriebetrieben der Deutschen Ausrüstungswerke( DAW), die ausschließlich für die SS arbeiteten sowie das Flugzeugwerk Heinckel und der Rüstungsbetrieb Speer. Darüber hinaus wurden die Häftlinge vermietet an unzählige Industriebetriebe, welche während des Krieges ungeheuren Bedarf an Arbeitskräften hatten. War an bestimmten Facharbeitergruppen Bedarf, und konnten diese nicht beschafft werden, so wurde ,, umgeschult". Beispielsweise erging auch am 23. Mai 1942 die Aufforderung, sich als Maurer, Tischler, Elektriker, Dachdecker, Klempner, Installateur usw. umschulen zu lassen unter Zusicherung höherer Brotrationen, besserer Behandlung und dergl. Versprechen mehr. Als sich nicht genügend Umschüler meldeten, wurden sämtliche Schneider aus den Werkstätten als Maurer umgeschult, die nunmehr zeigen sollten, was sie mit der Maurerkelle statt mit der Nähnadel schaffen konnten. Allen Konzentrationslägern waren die Betriebe der DAW angeschlossen und in ihnen auch zeitweilig mehr als 100 000 Häftlinge beschäftigt. In den Werkstätten der DAW, Tischlerei, Poliererei, Zimmerei, Bilderrahmenfabrik, Elektrikerwerkstatt, Buchbinderei, Kraftfahrwerkstatt und Depot usw. wurde alles hergestellt, was die Führer der SS in ihren Häusern und Wohnungen und an Einrichtungsgegenständen benötigten. Mit dem Material wurde keineswegs schonend umgegangen, wie es jeder rentabel arbeitende Betrieb kennt; nein, es wurden z. B. die teuersten Furnierblätter zerschnitten, wenn von einem SSFührer ein oftmals nur einige qcm großes Muster aus einem qm großen Blatt gefordert wurde. Daß die DAW- Betriebe sich nicht rentierten, braucht nicht betont zu werden, obwohl das weitaus meiste Material in den besetzten Ländern zusammengestohlen war. Ein Auftragsschein jagte den anderen, und wenn auf einem Auftragsschein zuviel Material und Arbeitsstunden verbucht waren, so wurde ein neuer Schein mit neuer Nummer ausgefertigt. Neben Loritz, Himmler und einigen weiteren SS- Größen war SS- Obergruppenführer Pohl der Hauptauftragsgeber; denn für ihn liefen dauernd Auftragsscheine am bekanntesten war der Auftrag 901, auf dem auch andere SS- Leute ihre angefertigten Möbel verbuchen ließen. Der Betrieb Speer beschäftigte zumeist Häftlinge mit dem Ausschlachten von Kabeln zerstörter Telefonanlagen, Schiffs139 motoren, Flugzeug- und Automotoren, Lichtmaschinen, Radios usw., alles Dinge, welche in den besetzten Ländern gestohlen waren. Beim Kabelausschlachten waren etwa 3000 Häftlinge tätig. Die Ausbeute war in den Monaten September und Oktober 1942 etwa: 112 230 kg Kupfer, 321 320 kg Blei; die übrigen Metallsorten fallen weniger ins Gewicht, jedenfalls sind sie nicht nennenswert. Obwohl im Jahre 1941 das Kommando Speer noch keine Löhne an Häftlinge zahlte, war ein Defizit von 1900 000 RM zu verzeichnen. Zahllose Privátbetriebe bezogen ihre Arbeitskräfte aus den KZ und zahlten dafür der SS pro Mann und Tag Löhne von 3, bis 8, RM, je nachdem es sich um qualifizierte Arbeiter oder Ungelernte handelte. Erst ab 1942 erhielt ein Teil der Häftlinge Prämienscheine von 50 Pfg. pro Woche bis zu 1,- RM täglich. In ganz besonderen Fällen wurde auch noch darüber gezahlt. Für diese Gutscheine konnten die Häftlinge in der Kantine zusätzlich Waren kaufen, sofern es überhaupt noch etwas zu kaufen gab. Die Scheine wurden auch beim Besuch des Lagerbordells angenommen, wobei zu bemerken ist, daß namentlich die BVer sehr häufig den größten Teil ihrer Gutscheine für die gewährten Minnedienste ausgaben. - Auch als Filmkomparsen hat man die Häftlinge des Konzentrationslagers verdingt. So wurden für den von Goebbels und Hitler protegierten Film ,, Kolberg" wochenlang hunderte von Häftlingen nach Bernau beordert, um an den dort gespielten Szenen Kampfhandlungen an der ,, Maikuhle", Vermitzuteidigung Kolbergs durch Überschwemmung usw. wirken. Für die Häftlinge waren diese Filmproben nicht unangenehm; sie wurden gut behandelt und verpflegt und waren nicht den Miẞhandlungen der SS- Wachtmannschaften ausgesetzt Was Wunder die wie bei allen sonstigen Gelegenheiten. Szenen wurden gefilmt, und da durften die SS- Sadisten als Menschenschinder im Film nicht festgehalten werden. Wundern konnte man sich nur, daß für die Aufführung des Films ,, Jud Süß" keine Juden aus dem KZ angefordert wurden. Möglicherweise wurden die dafür erforderlichen echten Judentypen anderweitig gestellt. Die KZ- Komparsen für den ,, Kolberg"-Film erhielten keine Extra- Vergütung für ihre Mitwirkung; die für sie gezahlten Gagen, wenn man es so nennen darf, wurden von der Lagerleitung eingezogen, die sich damit gute Tage und Nächte verschaffte. Wenn man die Kosten des Unterhalts für Ernährung, Bekleidung und Unterkunft auf höchstens RM 1,20 pro Mann und Tag veranschlagt, so läßt sich leicht errechnen, welche enormen Beträge die SS aus der Sklavenarbeit der vermieteten Häftlinge herausschlug. Vom KZ Sachsenhausen waren über 5000 Häftlinge bei den Flugzeugwerken Heinckel in einem besonderen Lager tätig; und weil ein großer Teil erstklassige Facharbeiter waren, so mag sich jeder leicht ausrechnen, welche Riesensummen allein aus diesem Betrieb in die Kassen der SS flossen. Daneben wurden unzählige weitere Privatbetriebe mit billigen KZ- Arbeitskräften versorgt, deren Zahl sich auch noch auf einige Tausende veranschlagen läßt. 140 Wie ihr gelei erhellt Speer, industrie denen v stellen. die SS erzielen Bezü schnittlic Sachsen Inhaber Offiziere zahlen tätigen RM neb Privatbe triebska zeug, so in Betrie hatte, z waren n Daß Häftling werden. wäre W ramponi ruiniere Wol Leute un und Aso an, doc diesen P heit, un nend, w sind K.N zu prän In e heißt es ausz linge und Hier talsten sie auch Es Vorarbe Ausnah Radios stohlen aftlinge md Okübrigen e nicht Speer zit von aus den ne von Arbeiter Teil der zu 1,- noch Cäftlinge erhaupt h beim emerken en Teil ben. es KonGoebbels underte ort gee", Vermitzucht undwaren usgesetzt - die sten als führung efordert m echten für den hre Mitnennen h damit ung, Beann und enormen en Häftber 5000 sonderen arbeiter Riesenflossen, billigen och auf Wie sehr die SS und die mit ihr arbeitenden bzw. von ihr geleiteten Betriebe im Reich auf Gewinn eingestellt waren, erhellt ein Brief der SS aus Berlin an den Rüstungsbetrieb Speer, worin etwa 30 Anschriften von kaufmännischen und industriellen Firmen in Deutschland aufgeführt werden, bei denen verboten wird, zu kaufen oder ihnen Arbeitskräfte zu stellen. Der Grund für diese Anordnung war offensichtlich: die SS konnte bei diesen Firmen nicht genügend Preisnachlaẞ erzielen oder nicht genügend an Löhnen herausschinden. Bezüglich der Firma Speer sei nur erwähnt, daß sie durchschnittlich pro Arbeitsstunde 4 Pfg. pro Häftling an das KZ Sachsenhausen zahlte, wohingegen andere ,, Privatfirmen", deren Inhaber vielfach führende Nationalsozialisten oder gar SSOffiziere waren, bis zu 30 Pfg. Stundenlohn pro Häftling zu zahlen hatten. Zu bemerken ist, daß die im gleichen Betrieb tätigen Arbeiter, also Zivilisten, Stundenlöhne von 1,10-1,60 RM nebst Zuschlägen erhielten. Es sei erwähnt, daß diese Privatbetriebe der Nazis und SS- Offiziere durchweg kein Betriebskapital besaßen, ja nicht einmal ein Stück eigenes Werkzeug, sondern dieses noch in den SS- Betrieben entliehen oder in Betrieben, deren Inhaber man als ,, staatsfeindlich" interniert hatte, zusammenstahlen. Was diese führenden Nazis besaßen, waren nur ,, Protektionen". Daß die Arbeitslust der zu diesen Frondiensten gepreßten Häftlinge nicht allzu groß war, braucht wohl kaum betont zu werden. Jeder drückte sich, wo es irgend möglich war; es wäre Wahnsinn gewesen, seine ohnehin durch Unterernährung ramponierte Gesundheit durch übermäßige Arbeit vollends zu ruinieren. Wohl trieben die in den Betrieben schmarotzenden SSLeute und die ihnen hörigen Vorarbeiter aus der Kaste der BVer und Asozialen die Häftlinge mit Knüppeln und dergl. zur Arbeit an, doch fand sich immer wieder Gelegenheit, für einige Zeit diesen Peinigern zu entrinnen. Es gab Lagerstrafen wegen Faulheit, und da ist ein bei Speer gefundenes Dokument bezeichnend, wie man mit den Renitenten verfahren sollte: ,, Gegen die Arbeit sich widerspenstig zeigende Häftlinge sind zu bestrafen: Kenn- Nr: Peitschenhiebe: K. Nr. Fasten und besonders zu registrieren: Nicht zu entlassen. Für Arbeitswillige Geld- und Lebensmittelprämien." In einem Papier aus den Jahren 1940/41, ebenfalls bei Speer, heißt es: ,, Die Arbeitskraft der Häftlinge ist bis auf das Letzte auszunützen. Die als Vormänner besonders geeigneten Häftlinge( zu bevorzugen BV) sind nach Vorschrift zu schulen und ist auf Körperkonstitution Bedacht zu nehmen." Hiermit wurde nur allzu deutlich gefordert, daß die brutalsten Verbrecher als Vorarbeiter bestimmt wurden, und haben sie auch als solche ihre Kameraden geschunden. Es soll jedoch hervorgehoben werden, daß auch humane Vorarbeiter die Häftlinge schützten, statt sie zu prügeln. Die Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel. Daß manchem der 141 üblen Menschenschinder im Schutze der Dunkelheit an einer entlegenen Stelle des Lagers eine entsprechende Abreibung zuteil wurde, ohne daß er sich dagegen wehren konnte, war nicht nur für die von diesen Halunken Gepeinigten eine Genugtuung, sondern auch eine Warnung für andere Bestien, die in Häftlingskleidung herumliefen. Handelte es sich um ein ganz besonderes Exemplar dieser Menschenhyänen, so fanden sich auch Mittel und Wege, es unschädlich zu machen. Ein Vorarbeiter, zwar mit rotem Winkel, doch kein Politischer im üblichen Sinne, hatte auf dem ,, Klinkerwerk" den Tod mehrerer Häftlinge auf dem Gewissen. Ihm wurde ein Bein gestellt, und eines Tages landete er wieder im KZ auf dem Block 47. Niemand beachtete ihn, kein Gruß wurde ihm erwidert, ausgestoßen aus der Gemeinschaft der Politischen. Als ihm seine Eẞschüssel überreicht wurde, fand er darin einen Strick und die Aufforderung, noch bis Mittag, es war an einem Sonntagmorgen, von dem Strick entsprechenden Gebrauch zu machen. Er fand keinen Ausweg mehr, und kurz vor dem Austeilen der Mittagsportion hatte er sich im Schlafsaal am Bettpfosten erhängt. Sein Komplize, der mit ihm zusammen vom Klinker" kam und gleichfalls nichts Gutes wegen seiner Schandtaten erwarten durfte, flüchtete in den Krankenbau. Doch auch hier ereilte ihn die rächende Nemisis. Als Simulant wurde er sehr bald wieder herausgeholt und mit dem nächsten Transport nach Flossenburg verfrachtet, nicht ohne den Begleitern entsprechende Anweisung mit auf den Weg zu geben. Nach kaum acht Tagen hatte ihn dort das Schicksal ereilt, das er selbst Dutzenden braver Kameraden im Lager vermittelt hatte. Im Steinbruch tötlich verunglückt! Es konnte zuweilen den Anschein erwecken, als habe die SS auch einmal menschliche Züge gegenüber den arbeitenden Häftlingen gezeigt, wenn ein für eine Privatfirma tätiger Facharbeiter zur Entlassung kam. Er wurde dann für diese Firma dienstverpflichtet, was wohl eine Erleichterung seines bisherigen Häftlingsdaseins darstellte, doch nicht die Freiheit eines Zivilarbeiters, der sich überall bewegen konnte. Der Häftling muẞte sich im Kreise tummeln wie ein Kettenhund. Bevor er dienstverpflichtet wurde, hatte er noch so allerlei Stufen zu durchlaufen, wie nachstehendes Formular beweist: Der Reichsführer SS Der Chef des Hauptamtes Verwaltung und Wirtschaft W I Berlin W 50, Geisbergstr. 21 Januar 1942: Ein etliche J Lagerst sich de und ga bezüglic der Sat rung se oft, daf der Hä hatte, g Entlassu der die Che Lager arbeiter pflichte lassung lehnte sei. Al forderte und tra Speer v daß de zutreffe käme a daß ein An Häftling geliefert gehörige Wäre i für die der sich im Kon und Tra müssen Wie schwers auch un Er dur 142 Betrifft: Beruf: Name: Vorname: Geburtsdatum: Geburtsort: z. Zt. im K. Lg.: sein Ab Winter ten sch räumen ohne R einer ng zuwar me Gen, die ganz sich - Poli" den n Bein f dem merischen. darin s war en Ge1 kurz Schlafinker" dtaten h hier er sehr t nach ntspremacht OutzenSteinbe die tenden FachFirma merigen Zivilmußte dienstdurchgstr. 21 1942: Der Obengenannte wird z. Zt. wie bezeichnet. in den SS- Wirtschaftsbetrieben geschult bzw. beschäftigt. Ich bitte diesen Umstand seiner Entlassung zu berücksichtigen. Im Auftrage Unterschrift Ein Häftling, der dienstverpflichtet wurde, mußte schon etliche Jahre im KZ hinter sich haben, und es durften auch keine Lagerstrafen in seinen Akten verzeichnet sein. Zumeist sträubte sich der Lagerführer überhaupt gegen eine Dienstverpflichtung und gab über den Häftling die allerschlechtesten Auskünfte bezüglich seiner Führung. Stereotyp kehrte in allen Auskünften der Satz wieder, daß der Betreffende bisher noch keine Besserung seiner politischen Ansicht gezeigt habe. Weiter hieß es oft, daß er grundsätzlich faul sei. Selbst wenn feststand, daß der Häftling stets seine Arbeit zur Zufriedenheit ausgeführt hatte, gab die Lagerführung längst nicht zu, daß er für die Entlassung reif sei, wie der Fall des Häftlings Hans Chech, der die Lager- Häftlingsnummer 1 trug, beweist. Chech, der sich etwa neun Jahre im KZ befand und das Lager mit aufbauen half, war während der letzten Jahre Vorarbeiter bei Speer und sollte nun bei dieser Firma dienstverpflichtet werden. Der Chef des Hauptamtes forderte die Entlassung und Dienstverpflichtung für Chech. Der Lagerführer lehnte ab, weil Chech einer der ,, faulsten" Häftlinge im Lager sei. Als der Chef des Hauptamtes eine Aufklärung darüber forderte, wie es möglich sei, daß Chech einer der faulsten und trägsten oder unzuverlässigsten Arbeiter dem Kommando Speer vorstand, schaltete sich der Kommandant ein und schrieb, daß der bisherige Lagerführer über den pp. Chech eine unzutreffende Auskunft erteilt habe und Chech zur Entlassung käme als Dienstverpflichteter. Es war also eine Ausnahme, daß ein SS- Chef für einen Häftling eintrat. An diesem einen Beispiel soll nur gezeigt werden, daß die Häftlinge in jeder Hinsicht der Willkür der Lagerführer ausgeliefert waren, auch dann, wenn von seiten der Häftlings- Angehörigen um Entlassung bei dem RSHA nachgesucht wurde. Wäre im Fall Chech nicht der Chef des Hauptamtes selbst für die Entlassung eingetreten auf Grund des Widerspruchs, der sich aus der Auskunft und der langjährigen Beschäftigung im Kommando ergab, so hätte Chech als Muster der Faulheit und Trägheit weiterhin seinen Posten als Vorarbeiter ausführen müssen, ohne dienstverpflichtet zu werden. Wie zu Zeiten der ägyptischen Pharaonen die Juden zum schwersten Frondienst gepreßt wurden, so geschah es mit ihnen auch unter dem Naziregime. Das Leben eines Juden galt nichts. Er durfte sich nicht einmal krank melden, es sei denn, daß sein Ableben in einigen Stunden zu erwarten war. Wenn im Winter der Schnee fußhoch den Appellplatz bedeckte, so muẞten schon vor dem Frühappell die Juden zum Schneewegräumen antreten, angetan mit der dürftigsten Kleidung und ohne Rücksicht darauf, ob ihre körperliche Beschaffenheit es 143 Bei zuließ; ob alt, Krüppel oder arbeitsfähig, stets ertönte der Ruf: ,, Juden raus!" Es verging kein Tag, an dem die Totenlisten nicht mindestens einen Juden aufwiesen- meist waren es deren mehrere. Wenn die April- oder Novemberstürme den märkischen Sand über dem Appellplatz aufwirbelten, wurden die Juden zum Wassersprengen beordert. Um die Schläuche nicht durch das Schleifen auf dem Appellplatz zu beschädigen, hatten die Juden diese wassergefüllten Schlangen auf ihre Schultern zu nehmen. Oftmals trugen bis zu zwanzig Juden die Wasserschlange und wehe, wenn einer wegen Schwäche oder Kälte zusammenbrach, sofort waren die SS- Fronknechte mit ihren Knüppeln zur Stelle und teilten in bestialischer Weise Prügel aus, bis die Ärmsten leblos zusammenbrachen. Doch nicht nur die Arbeitskraft der noch wirklich arbeitsfähigen Juden wurde ausgebeutet, auch Effekten wurden ihnen gestohlen, sofern sie nicht schon nach ihrer Einlieferung die besten Wertgegenstände und Barbeträge der SS für angebliche Einrichtungen des Lagers hergaben. Tausende Mark schenkten die Juden zur Beschaffung von ärztlichen Instrumenten, für Ausstattung des Krankenbaus und zur Einrichtung einer Häftlingsbücherei, alles in der Erwartung, zumindest doch eine menschenwürdige Behandlung zu erreichen, wie man ihnen zugesichert hatte. Nichts von alledem; denn der Grundsatz der SS und der Nazis war, gegebene Versprechen nicht zu halten. Die sich während Jahrhunderte immer wiederholenden Judenverfolgungen wurden unter der Herrschaft Hitlers zur erbarmungslosen Ausrottung der Juden überhaupt. Noch 1940/41, als die Normalbelegschaft eines Häftlingsblocks 150 Mann betrug, waren im Judenblock deren 375 zusammengepfercht, eine Zahl, die sich in einigen Blocks im November 1941 auf mehr als 500 steigerte. Wegen der geringsten Vergehen, selbst wenn Juden nicht einmal Schuldige waren, traf die Kollektivbestrafung in erster Linie unbarmherzig die Juden. Diese Kollektivbestrafung bestand dann im ein- und mehrtägigen Entzug des Mittag- oder Abendessens oder des Brotes mitsamt den Portionen. Die den Lagerinsassen ohnehin schon kärglich bemessenen Rationen wirkten sich bei den von der Strafe des Essenentzuges Betroffenen katastrophal aus. Ständig sah man wandelnde Judenskelette auf dem Wege zum Appellplatz entseelt zusammenbrechen. Das Attentat auf den Massenmörder Heydrich in Prag im Mai 1942 löste als erstes eine neue Gewaltaktion gegen die Juden aus. Im Zusammenhang mit den von der SS und der Gestapo eingeleiteten Repressalien, wie die Ausrottung des tschechischen Dorfes Lydice, wurden in den Konzentrationslägern die Massenmorde an den Juden durchgeführt. Am 28. Mai 1942 suchte die SS im Krankenbau und in den Judenblocks 96 Juden aus, die in Autos zum Exekutionsplatz im Industriehof transportiert und dort erschossen wurden. 144 sich v Szenen Juden Es wa geb. 24 Durch verriet stand. Henker sie sic merten ringend hineing knallte selbst schwer arbeite dem T La mordet 30 bis Jahre Invalid ,, verse ( 38 856 lichkei striche vier v 1906 e Leben gehöri Totena als an Do die SS den a wurde aussor Repres daß a 154 Ju falls n Zahl geführ Selma geb. 10 ner H geb. 8 Da stellter den w mögen 10 Lien e der minehrere. 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Weil ein Teil der bereits in das Auto hineingedrängten Juden wieder heraus zu kommen versuchte, knallte Suhren auch diese erbarmungslos nieder und griff selbst mit ein, als die übrigen SS- Bestien die ermatteten und schwerverletzten Opfer, mit Fußtritten und Faustschlägen bearbeitet, halbtot ins Auto warfen, von wo das Schreien der dem Tode Geweihten über den Appellplatz drang. Laut der Tagebuchaufzeichnungen waren von diesen ermordeten Juden 13 im Alter von 20 bis 30 Jahren, 18 waren 30 bis 40, 28- 40 bis 50, 26 50 bis 60, 9 60 bis 70 Jahre alt, während zwei von Ravensbrück zurücktransportierte Invaliden 72 Jahre alt waren. Unter die Ermordeten war , versehentlich" der holländische Jude Ephraim Potsdamer ( 38 856) geraten. Weil die Lagerleitung vielleicht Unannehmlichkeiten befürchtete, wurde dieser Name in der Liste gestrichen und an seine Stelle der Name eines soeben im Revier verstorbenen Juden Erich Boronow( 34 329), geb. 25. 8. 1906 eingefügt. Da der ermordete Holländer nicht wieder ins Leben zurückgerufen werden konnte, sein Tod jedoch den Anmeldete die gehörigen bekannt gegeben werden mußte, so Totenabteilung der Politischen Abteilung am 6. 6, 1942 den P. als am 4. 6, 1942 an einer Krankheit verstorben. Doch mit den oben aufgeführten Ermordeten begnügte sich die SS- Führung nicht, sie lechzte nach weiteren Blutopfern. Von den am 28. und 29. Mai 1942 hereinkommenden Zugängen wurden 154 Juden für die Fortsetzung des Massenmordes heraussortiert, so daß Sachsenhausen 500 ermordete Juden als Repressalie für das Heydrich- Attentat aufwies. Es sei betont, daß auf Anordnung der Lagerführung diese zuletzt ermordeten 154 Juden nicht in der Totenliste aufgeführt wurden; jedenfalls muß man Bedenken getragen haben, mit einer solch hohen Zahl ,, verstorbener" Juden aufzuwarten. Unter den zuerst aufgeführten 96 Ermordeten befanden sich u. a. der Kaufmann Selmann Löwenstein, geb. 3. 2. 1868; Schneider Josef Flink, geb. 16. 12. 1868; Kaufmann Adolf Brand, geb. 25. 2. 1869; Gärtner Heinz Stargard, geb. 20. 1. 1921; Kaufmann Heinz Lewitzki, geb. 8, 8, 1912 und Sattler Heinz Rosen, geb. 1. 11. 1911. Das weitaus größte Kontingent der eingelieferten Juden stellten die Ostgebiete und der Balkan. Die Mehrzahl der Juden war als besitzlos anzusprechen, doch waren auch vermögende Juden in nicht geringer Zahl ins Lager gekommen. 10 Lienau, Zwölf Jahre Nacht 145 Da sie wohl damit rechneten, nicht wieder in die Heimat zurückzukehren, sondern ihnen anderweitig eine neue Heimat angewiesen würde, hatten sie ihre Wertsachen und das Barvermögen bei sich und durchweg in die Kleidung eingenäht in der Hoffnung, es vor fremden Zugriffen zu retten. war Doch sie irrten; die SS plünderte sie gründlich aus. Einer der schlimmsten Räuber war der Scharführrer Brandt von der Effektenkammer, der es so arg mit dem Plündern der Wertsachen der Häftlinge trieb, daß er von seinem Posten abgelöst und in den Zellenbau gebracht wurde. Weiteres ist ihm nicht passiert; denn es waren zu viele Mitwisser und Teilhaber, deren Namen nicht bekannt werden durften. Auffallend bei den jüdischen Zugängen aus dem Osten, daß sehr viele Fußzeug und nicht getragene Schuhe mit sich führten. Da es sich noch obendrein um wertvolles Leder handelte, kamen Schuhe und Stiefel in die Schuhfabrik, um dort ,, ausgeschlachtet" zu werden. SO So nach und nach wurde im Lager ruchbar, daß in dem Judenfußzeug Gold, Juwelen, Dollarnoten und wertbeständige Devisen äußerst geschickt in die Absätze und zwischen die Sohlen hineinpraktiziert waren. Ein neues Eldorado tat sich für die Arbeiter in der Schuhfabrik auf; sie hatten Werte in den Händen, mit denen sie ihre Käufe an Zigaretten und sonstigen Artikel tätigen konnten. Für einen Zehn- Dollarschein erhielten die unwissenden Ostarbeiter zehn Papierosy( Zigaretten), was ihnen sehr viel deuchte. Sehr bald hatten es die Berufsverbrecher ,, spitz", daß in den Judenschuhen ungeahnte Schätze verborgen waren, und nicht lange dauerte es, so war in den eingeweihten Berufsverbrecherkreisen des KZ eine Schieberorganisation aufgezogen, die sich sehen lassen konnte. Ja, sie arbeitete so ungeniert, daß auch die Lagerführung von diesem Gold- und Schmucksachenhandel, sowie von den Devisengeschäften Kenntnis erhielt. Mit den SS- Leuten machten die Berufsverbrecher die erfolgreichsten Schiebergeschäfte. Für goldene Ringe mit Brillanten brachten sie den BVern die begehrten Zigaretten ins Lager ohne Wissen der Lagerführung. Liköre aller Art, bisher nie gesehene Delikatessen tauchten im Lager auf, alles im Zuge des Gold- und Devisenstromes, der durch das KZ dahinrauschte. ,, Wer schafft das Gold zu Tage? Das ist die Schuhfabrik!" war zum geflügelten Wort im Lager geworden. Nur allzubald wurde auch die Lagerführung selbst auf die Funde in der Schuhfabrik aufmerksam, sie wollte gleichfalls ihren Anteil haben; nein, alles wollte sie haben. Vor allem war es der Lagerführer Grünwald, der ganz versessen auf die jüdischen Goldsachen und Devisen war. Eine Großrazzia setzte im Lager ein. Zuerst wurde aufgefordert, sämtliche Schmucksachen und Devisen beim Blockführer abzuliefern. Die Blockführer, welche etwas vereinnahmten, standen auf dem Standpunkt, daß auch hier Selberessen fett machte und dachten nicht daran, die Juwelen an den Lagerführer weiter zu geben. Nun wurde mit den rigorosesten Mitteln dem Schiebertum zu Leibe gegangen, d. h. es sollten die Sachen ausschließlich 146 in die sich geschy Wertsa desten nichts zunäch sender suchu bretter gefund herren diesem Al indisc Platin sich in die render dem ander ihnen Rücke liche U schieb 25 St wurde nicht Abruf schos brach stimm auf d Devis die A walds Juden tauch wurde einget A wievie haben Durch dem Hitler in die ihnen Hung dahin Natio 10* zueimat Barenäht Einer von der 1 abihm aber, war viele Da es , SO ausdem ndige die sich te in sonchein ( ZigaB in und erufscogen, , daß chenIt. e erBrilins bisher sim ahinchuhuf die hfalls allem uf die setzte muckBlockStandchten geben. ertum Blich in die Hände des Lagerführers Grünwald geleitet werden, der sich inzwischen zu der Position eines Großschiebers aufgeschwungen hatte. Wehe, wenn noch ein Häftling etwas an Wertsachen oder fremden Geldscheinen verborgen hielt, mindestens 25 Hiebe waren ihm sicher. Aber alle Strafen halfen nichts, dachte doch jeder Inhaber einer wertvollen Sache daran, zunächst einmal die Kleinodien zu verbergen und sie bei passender Gelegenheit aus dem Lager zu schaffen. Bei den Durchsuchungen der Blocks wurden in den Betten, unter den Dielenbrettern und allen möglichen Stellen die begehrten Wertsachen gefunden und von Grünwald beschlagnahmt, angeblich als herrenloses Eigentum zu Gunsten der SS. Die SS war er in diesem Fall allein; er häufte Vermögen auf Vermögen. Als das offenbar kostbarste Fundstück muß die sogenannte indische Rose erwähnt werden und eine äußerst kostbare Platinkette, die Grünwald nach einer langwierigen Razzia an sich brachte. Die größte Schiebergenossenschaft kam zunächst in die SK und mußte täglich 40 km mit den neu auszuprobierenden Schuhen für die Militärverwaltung Doppelkreise auf dem Appellplatz belaufen. Als abschreckendes Beispiel für andere Schieber und solche, die es werden wollten, wurde ihnen ein großes Schild schwarz auf weiß- auf den Rücken genäht, dem zu entnehmen war, daß es sich um wirkliche Schieber handelte. - Um ihnen die Lust am Konkurrenzkampf mit dem Großschieber Grünwald zu nehmen, erhielten sie zunächst einmal 25 Stockhiebe übergezählt; jene Schieber, die hart blieben, wurden auf dem Block mit Schlägen zusätzlich bedient. Es ist nicht anzunehmen, daß Grünwald bis zu seinem urplötzlichen Abruf er hatte aus Sport einen Häftling vom Baum geschossen alle noch verborgenen Judenschätze in seinen Besitz brachte, denn auch hier waren ihm die Berufsverbrecher bestimmt überlegen. Sie haben sehr bald Wege erschlossen, auf denen sie die den Juden abgenommenen Wertsachen und Devisen aus dem Lager schaffen konnten, was besonders durch die Außenkommandos geschah. Auch nach dem Fortgang Grünwalds waren noch verborgene Wertsachen der ermordeten Juden im Lager; denn nach der Evakuierung am 21. April 1945 So tauchten sie unterwegs als Tauschobjekte wieder auf. wurde beispielsweise eine goldene Uhr gegen ein Schwarzbrot eingetauscht und dergleichen ähnliche Fälle mehr. Aus der biblischen Geschichte ist zwar nicht bekannt, wieviele Juden sich im Frondienste der Pharaonen befunden haben; überliefert ist uns jedoch, daß ein großer Teil nach Durchschreiten des Roten Meeres und der Sinaiwüste nach dem gelobten Lande Kanaan zurückkehrte. Von den Juden, die Hitlers Pharao- Dynastie am Leben ließ, sind nur Bruchteile in die jetzige Zeit hinübergerettet worden; denn Millionen von ihnen sind neben den Millionen weiterer Opfer der KZ durch Hunger, Kälte, Gaskammern und alle erdenklichen Mordarten dahingerafft. Im KZ Sachsenhausen frondeten die Angehörigen von 42 Nationen, die sich in 36 Sprachen verständigten, ein anderes 10* 147 Babylon, als das alte biblische Babylon am Tigris, wo die Belegschaft auseinanderlief, weil man sich nicht verständigen konnte. Möglicherweise sind auch die Lohn- und Arbeitsbedingungen nicht so befriedigend gewesen, und haben aus diesem Grunde die Bauarbeiter am Turmbau zu Babel die Arbeit niedergelegt, um anderweitig bessere Arbeitsbedingungen zu finden. Die in den Konzentrationslägern des Hitler- Reiches zusammengetriebenen Sklaven konnten nicht die Arbeit niederlegen und abziehen. Unter den menschenunwürdigsten Verhältnissen, bei völlig unzureichender Ernährung, Kleidung und Unterkunft wurden sie von den SS- Fronvögten und deren Handlangern unter den verbrecherischen Häftlingen zu schwerster Arbeit angetrieben. Wehe dem, der Miene machte, eine Atempause einzulegen oder zu entfliehen, die Kugel der SS- Wachtmänner war ihm sicher, wenn nicht gar die Zerfleischung durch einen ihm nachgehetzten Bluthund. Die auf tausend Jahre vorberechnete Dynastie- Herrschaft der Hakenkreuz- Pharaonen fand in der faktisch nur zwölf Jahre währenden Schreckensherrschaft zwar keine Zeit und Gelegenheit, dem Pharao Hitler eine Pyramide zu bauen. Jedoch hatte Hitler selbst vorgesehen, nach dem von Goebbels prophezeiten ,, Endsieg" eine Siegespyramide zu bauen, welche das höchste der ägyptischen Baudenkmäler, die Cheopspyramide, mit 147 m übertrumpfen sollte. Diese Siegespyramide sollte eine Höhe von 175 m haben und aus einem marmorartigen schwarzen Granit erbaut werden, der in einem Steinbruch des schwedischen Kirchspiels Örkened geschlagen wurde. Ein großer Teil der Quadersteine war bereits nach Deutschland geliefert und angeblich schon bezahlt. Der weitaus größte Teil der für die vorgesehene Hitler- PharaoPyramide noch erforderlichen Quadersteine ist noch in den Steinbrüchen verblieben. Hitler hat es nicht erreicht, nach dem Vorbild der ägyptischen Diktatoren, welche die Israeliten unterjochten, ein Monument von den von ihm unterjochten Völkern erbauen zu lassen. Vielleicht hat Hitler auch daran gedacht, in dieser phantastischen Pyramide eine pompöse Grabkammer für sich einbauen zu lassen, die noch nach Jahrhunderten und Jahrtausenden den Geschlechtern ewigen Schrecken einflößen sollte, wenn sie den größten aller Verbrecher in dieser Pyramide wußte. War es das Schicksal oder war es die stets von Hitler im Munde geführte ,, Vorsehung", die ihm in einem Betonbunker der Reichskanzlei das Ende bereitete! Nicht als Mumie sollte er der Nachwelt erhalten bleiben; in Rauch und Asche haben ihn seine Komilitonen verwandelt, damit nichts mehr an diesen Pharao der Hakenkreuz- Dynastie erinnert. D jedem nach lieben je br umso zu en Tyran niema stärke Perso ihre schon letzter D seine und Schla die s Kreis willst Schäd seine 148 U unbel ler d ,, unsi die I hatte seiner o die ndigen bedindiesem miederFinden. S zumiedererhältd UnHandverster AtemVachtdurch schaft Jahre elegenhatte 18. Kapitel Intellektuelle Betätigung bildet eine Gefahr für die Charakterbildung. Lügen können die Gemütsstimmung des deutschen Volkes weder verwirren noch sonstwie stören. Goebbels. ezeiten öchste 147 m haben erden, rkened ar beezahlt. haraon den nach aeliten n Völphanh einausenwenn Bte. Hitler bunker sollte haben n dieWiderstand und Sabotage im Lager Der Mensch ist frei und wäre er in Ketten geboren. In jedem Lebewesen, erst recht im Menschen regt sich der Drang nach Freiheit, wenn man ihm Fesseln anlegt. Der freiheitliebende und denkende Mensch beugt sich nicht dem Tyrannen; je brutaler dieser die Faust über ihn hält und ihn quält, umso stärker ist der Wille des Gepeinigten, sich des Jochs zu entledigen. Die Geschichte beweist auch, daß noch jeder Tyrann seinen Übermann fand, und daß Tyrannenherrschaft niemals von langer Dauer war. Je brutaler der Tyrann, umso stärker der Wille der Unterdrückten zur Beseitigung seiner Person und Macht. In den wenigsten Fällen waren die um ihre Freiheit Kämpfenden die physisch Stärkeren, wie uns schon das biblische Beispiel von David und Goliath beweist; letzten Endes siegte die Intelligenz über die rohe Gewalt. Der Nationalsozialismus eines Hitler fand schon sehr bald seine Widersacher in den Kreisen der politischen Linksparteien und den kirchlichen Verbänden, gegen die er zunächst zum Schlage ausholte. In seiner blinden Wut gegen alle Personen, die sich ihm nicht willenlos fügten, verletzte Hitler auch jene Kreise, die ihm passiv oder abwartend gegenüber standen. ,, Und willst Du nicht mein Bruder sein, so schlag ich Dir den Schädel ein"; diesen Kernspruch hatte auch der ,, Führer" auf seine Fahne geschrieben. Um sich der ständig wachsenden Zahl unsichtbarer und unbekannter Feinde im eigenen Lande zu erwehren, schuf Hitler die Konzentrationsläger, wo er alle, nach seiner Meinung ,, unsicheren Elemente" internierte, in erster Linie hier wiederum die Kreise der Intellektuellen. Wie falsch Hitler spekuliert hatte, erwies sich schneller, als er ahnte. Die von ihm und seinen Schergen noch nicht erkannten und somit nicht ver149 hafteten Freunde, Verwandte und Anhänger der Intellektuellen, sowohl in Deutschland als auch im Auslande, wurden in Wort und Schrift zu den ersten Trägern der Widerstandsbewegung überhaupt. - war Für die in den Konzentrationslägern internierten ,, Schutz. häftlinge" wie die Bezeichnung so harmlos klang die Orientierung zunächst schwierig, weil erst ,, Tuchfühlung" genommen werden mußte, um zu sehen, mit wem man es als politischen Schutzhäftling zu tun hatte. Es stellte sich nur zu schnell heraus, daß die Nazis auch ihren Spitzeldienst im KZ hatten. Ihre Anhänger, die aus irgend welchen Gründen, meist wegen krimineller Delikte ins Lager kamen, erhielten den ,, roten Winkel" der Politischen, um getarnt Spitzeldienste zu leisten. In den Vorkapiteln war schon davon die Rede. Es handelte sich um SS- oder SA- Männer bzw. um Pgs, die sich eines kriminellen Deliktes schuldig gemacht hatten, jedoch nicht als Berufsverbrecher wie sonstige Kriminelle mit grünem Winkel gekennzeichnet wurden. Zu den Schutzhäftlingen zählten außer den Politischen noch die Bibelforscher mit violettem Winkel, während alle übrigen Kategorien als Vorbeugungshäftlinge registriert wurden. Die Zuteilung zu einer. Gruppe veranlaßte die Lagerführung, und zwar wurde auch hier durchweg recht willkürlich verfahren. Es war keine Seltenheit, daß mehrfach vorbestrafte Kriminelle, darunter sogar ,, schwere Jungen", die in der Trunkenheit auf Hitler und die Nazis geschimpft hatten, als ,, Politische" mit rotem Winkel einregistriert wurden. Dagegen wurden politische Überzeugungstäter, die sich der Arbeitssabotage schuldig machten oder eine Übertretung hatten zuschulden kommen lassen, die allgemein mit einer geringfügigen Polizeistrafe geahndet werden konnte, als Berufsverbrecher oder Asoziale eingruppiert. Gegenüber allen Neuankömmlingen wurde Distanz gehalten, bis durch Bekannte, zumeist Landsleute der Zugänge die Persönlichkeit einwandfrei als politisch oder nicht politisch bzw. unzuverlässig festgestellt werden konnte. Wie schon ausgeführt, nahm die Politische Abteilung die erste Fühlung und Sichtung vor, indem sie bei den Landsleuten der Zugänge vertrauliche Auskünfte einholten. Es kam vor, daß trotz aller Sichtung verbrecherische Elemente und Denunzianten sich als wirkliche Politische zu tarnen verstanden und im Laufe der Zeit die politischen Kämpfer gegen das Nazitum durch Bespitzeln und Provokation der Lager- SS auslieferten. Durch die politischen Zugänge kamen regelmäßig Lageund Stimmungsberichte aus ganz Deutschland ins Lager, ebenso durch Überführungen aus anderen Lägern und Strafanstalten, wie Gefängnis und Zuchthaus. Die Überführten unter den Politischen vermittelten zugleich die gesamten Nachrichten zwischen den verschiedenen Lägern, so daß es doch möglich war, ein einwandfreies und gutes Gesamtbild zu konstruieren. Am schwierigsten gestaltete sich die sich die Nachrichtenvermittlung Familienangehörige, Freunde, Bekannte und Vertrauensleute in der H traute Je Verda raten ging eine Angeh trolle daẞ konnt Briefu D Schwi die de werde unauf wurde wobei D sich auf d bei g übera statter etwas der I von H nisse recht selten teten neue halb Symp völker Nazis M auch trotec wager unter in di ländis weiter doch Gesch eigen V und eines richtu an reiche 150 len, Wort gung yutz- war ung“ s als r zu ı KZ neist ‘oten sten, Pgs, ‚tten, mit 'häft- - mit rbeu- uppe urch- der Heimat, also an die außerhalb des Lagers wohnenden Ver- trauten. Jeder Brief wurde zensiert, und wenn er auch nur den Verdacht erregte, daß irgend etwas zwischen den Zeilen ver- raten werden konnte, das der K7-Zensur nicht zusagte, so ging der Brief zurück, und der Briefschreiber erhielt zumindest eine Briefsperre zudiktiert. Ins Lager kommende Briefe von Angehörigen usw. unterlagen ebenfalls einer sehr strengen Kon- trolle,; unzählige Briefe wurden derart zerschnitten ausgehändigt, daß der Leser nicht den geringsten Zusammenhang finden konnte. Vielfach erfolgte nur die Aushändigung des leeren Briefumschlags. Das Hinausschmuggeln von Briefen hatte gleichfalls seine Schwierigkeiten; es war schwer, zuverlässige Boten zu finden, die den Brief weiterbeförderten, zudem mußte damit gerechnet werden, daß die Post der Angehörigen durch die Gestapo unauffällig zensiert wurde. Der illegale Briefschreiber im KZ wurde zum Strafrapport bestellt und erhielt eine Prügelstrafe, wobei bis 25 Hiebe ausgeteilt wurden. Die Nachrichtenübermittlung von und zum KZ gestaltete sich schon besser, da die Außenkommandos mit Zivilarbeitern auf den Arbeitsplätzen zusammenkamen und dort Verständnis bei gleichgesinnten Politischen fanden. Sehr bald bildete sich überall ein Vertrauensverhältnis heraus, das uns im Lager zu- statten kam. Auch die Außenwelt erfuhr auf diesem Wege etwas über die Wahrheit in den KZ. Es blieb jedoch auch der Lagerleitung nicht verborgen, daß das Zusammenarbeiten von Häftlingen und Zivilarbeitern die Lüftung der Lagergeheim- nisse förderte oder begünstigte. Daher wurde angeordnet, dab recht häufig die Häftlinge auf den Außenkommandos wech- selten, soweit sie Politische waren. Diese Maßnahmen fruch- teten jedoch sehr wenig, denn es fanden sich immer wieder neue Anknüpfungspunkte, und der Kreis der Vertrauten ‚außer- halb des Lagers erweiterte sich ständig und wuchs mit der Sympathie für die KZ-Häftlinge und der sich in allen Be- volkerungskreisen mehrenden Abneigung gegen Faschismus und Nazismus. Mit der Erweiterung der Eigenbetriebe im Lager wuchs auch die Zahl der Facharbeiter für Spezialbetriebe, wie Elek- trotechnik und das Gebiet der Radiofonie. Die Nachrichten- wagen der Wehrmacht wurden in den SS-Betrieben überholt; unter den Häftlingen waren nicht die schlechtesten Spezialisten in diesem Fach. In den Nachrichtenwagen wurden die aus- ländischen Sender abgehört und die Vertrauensleute im Lager weiter verständigt, So wurden wir in den engsten Kreisen doch unabhängig von den Goebbelsschen Tiraden, dem ewigen Geschwafel eines Hans Fritsche und den OKW-Berichten, die eigentlich nur Legenden und Märchen brachten, Vom Empfang bis zum Senden war nur noch ein Schritt, und im Sommer 1941 wurde in Sachsenhausen die Errichtung eines Geheimsenders vorsichtig eingeleitet. Die benötigten Ein-- richtungsgegenstände wurden aus den Beständen der umfang- reichen Radiowerkstatt beschafft; die besten Radiofachleute, 151 wie Ingenieure und Techniker zählten zu unseren politischen Freunden hatten wir doch den Chefingenieur unter uns, der die türkische Staatsradiofonie aufbaute. Durch einen Vertrauensmann im Außenkommando wurde aus einer Arbeitsstätte einige Kilometer außerhalb der Mauer der erste transportable Geheimsender mit den in den SS- Radiowerkstätten ,, organisierten" Geräten und Material errichtet. Das gesamte Material wurde an einem Sonntagmorgen von einem Kommando rausgeschmuggelt, welches dringende Notstandsarbeiten auszuführen hatte. Unter dem Baumaterial auf dem Arbeitswagen wurde es verborgen. Da nur ein harmloser SSWachtposten die Kolonne begleitete, so konnte der gleichfalls mit hinausgeschmuggelte Radioingenieur unauffällig für einige Stunden ,, abgezweigt" werden. Im Lager wurde gleichfalls ein Sender eingebaut und zwar im Krankenbau, wo er am sichersten in der Dysenterie- Baracke stand, weil der Zutritt wegen der Ansteckungs- und Lebensgefahr für jedermann verboten war, und selbst die SS diese Baracke in Sorge um ihr allzu kostbares Leben mied. Der Dysenterie- Sender hatte selbstverständlich nur einen kleinen Sendekreis und war mit dem Geheimsender außerhalb der Mauer auf eine besondere Welle abgestimmt. Dieser Sender konnte jedoch mit einer weiteren Zwischenstation London und andere Auslandssender erreichen und sie über alle Lagerereignisse informieren. Die Sendezeiten waren zumeist mittags und nach dem Abendappell. Im Lager selbst waren nur drei Eingeweihte, und dank dieser auf Leben und Tod mit einander Verschworenen war es möglich, die gesamte Einrichtung bis zur Kapitulation geheim zu halten. Zwar hatte jeder dieser drei auch noch einen engen Kreis, der jedoch nichts von dem Geheimsender wußte, sondern nur vertraute Mitteilungen brachte oder entgegennahm, ohne irgendwelche Nachfrage nach dem Woher und Wohin zu halten. Der Mittelsmann zwischen den beiden Geheimsendern hatte, weil er ein absolutes Schweigeverbot beachten mußte, angeblich soll er früher Trappist gewesen sein- den Namen ,, Moltke" erhalten. Nur wenige kannten diesen Namen und niemand wußte, wer er war. Er hat das Ende der Naziherrschaft leider nicht mehr gesehen, denn kurz vor der Kapitulation fand er auf einer Arbeitsstätte außerhalb des Lagers den Tod bei einem Bombenangriff. Es war der Vorarbeiter des Waldkommandos Josef Adorf aus Köln, einer der treuesten und besten, die im Kreise der Politischen seit 1939 wirkten, jederzeit einsatzbereit, wenn es galt, für die Kameraden etwas durchzuführen, was für unmöglich gehalten wurde. Um die ins Lager gelangenden vertraulichen Nachrichten tarnen zu können, waren stets einige Gruppen tätig, welche eigens fabrizierte ,, Latrinen- Parolen" in Umlauf setzten, weil der KZler unbedingt seine Sensation haben mußte. Auch die Lagerführung bediente sich häufig, ja fast regelmäßig eigener Parolen, die sie durch die SS- Blockführer über Lagerälteste, Blockälteste und Vorarbeiter an den Mann zu bringen versuchte, 152 wenn d angeblic Goebbel garantie schwam daß sic war. Nu Oby Abhörer nur sel im Som sich im ihm do noch ei richten nunzian Griebsc wurden Nac Gras ü berücht Erst sp worden spektion ning- Gr Die hause fast aus lassung brachte unter d Die Isolieru Rotwin Sliefbru nisse e lung zu slawisc tarnen. gebrach zur Ein Vor auffalle wo er der So wander Inspekt der Rü bald al dem R Ein wurde pitulati ischen ms, der wurde Mauer -Radioet. Das einem andsarf dem er SSchfalls einige zwar rie- Band Ledie SS mied. kleinen b der Sender n und rereiggs und dank nwar geheim einen wußte, nahm, Wohin endern mußte, Namen wußte, nicht er auf einem mandos die im bereit, , was richten velche , weil ch die igener älteste, suchte, wenn die außenpolitische Lage es nötig machte, Tamtam für angebliche Erfolge der Waffen- SS usw. zu schlagen. Auch Goebbels Vertrösten auf die neuen Waffen, die den Endsieg garantierten, gehörten mit zu den SS- Lagerparolen. Oftmals schwammen SS- und Häftlingsparolen derart durcheinander, daß sich niemand mehr auskannte, was Wahrheit oder Dichtung war. Nur die Vertrauten waren völlig im Bilde. Obwohl die SS ständig auf der Suche war, Häftlinge beim Abhören von Auslandssendern zu ertappen, gelang ihnen dieses nur selten. In einem Falle wurde der Elektriker Fritz Büker im Sommer 1944 von einem Blockführer überrumpelt, als er sich im Abstellraum des Trocknungsblocks 28 mit dem von ihm dort eingebauten Empfänger beschäftigte. Außerdem wurde noch eine Schreibmaschine und die darauf hergestellten Nachrichten gefunden. Die Lagerleitung ermittelte durch ihre Denunzianten zwei weitere Politische: Dietrich Horning und Willy Griebsch, die zunächst in die SK zur Aburteilung gebracht wurden. Nach einigen Wochen, als man schon glaubte, daß längst Gras über die Sache gewachsen sei, kamen alle drei in den berüchtigten Block 59, und von dort wurden sie ,, überführt". Erst später wurde bekannt, daß alle drei von der SS erschossen worden waren, nachdem sich die seit Ende 1943 in der Inspektion arbeitende Sonderkommission mit dem Fall Büker- Horning- Griebsch beschäftigt hatte. Die Sonderkommission unter dem Untersturmführer Ballhause bildete den Volksgerichtshof im KZ und bediente sich fast ausschließlich gedungener Häftlinge, die für zugesagte Entlassung aus dem Lager jeden ihrer Kameraden an den Galgen brachten. Hier zeigte sich offenkundig, wie viele Verbrecher unter den ,, Rotwinkel- Trägern" als Politische segelten. Die Lager- Gestapo befand sich im Zugangsblock 14, in der Isolierung, dem SK- Block gegenüber, und unterstand einem Rotwinkligen namens Rudolf Haas, dem von seinem angeblichen Stiefbruder assistiert wurde. Seine vielseitigen Sprachkenntnisse ermöglichten es ihm, mit allen Zugängen sehr bald Fühlung zu bekommen. Er stammte aus dem österreichisch- jugoslawischen Grenzgebiet, und verstand es ausgezeichnet, sich zu tarnen. Zunächst wurde Haas in der SK einige Wochen untergebracht, ohne daß die Karteikarte aufwies, welcher Strafgrund zur Einweisung vorlag. WO Von der SK rückte Haas, was den Häftlingen besonders auffallen mußte, sofort zum Blockältesten im Zugangsblock auf, er laufend seine Geheimberichte über politische Häftlinge der Sonderkommission übermittelte. In ungezählten Scharen wanderten die politischen Häftlinge zur Vernehmung in die Inspektion außerhalb des Lagers, und gar viele sah man nach wo sie dann der Rückkehr im Block 59 verschwinden, von bald als ,, überführt" oder ,, von der Lagerstärke abgesetzt" aus dem Rapport ausschieden, Eines Tages im Herbst 1944 hatte Haas es ,, geschafft",_ er wurde entlassen. Niemand wußte wohin. Erst nach der Kapitulation tauchte er im Mai 1945 als Dolmetscher bei der 153 britischen Militärregierung in Flensburg auf, wo er von mir wieder erkannt wurde. Das Wiedersehen mit mir und zwei weiteren Flensburger Politischen war keine reine Freude für ihn. Unser Erstaunen wuchs noch, als Haas sich in Flensburg unter dem Namen Rudolf Kuchan als Vertreter des jugoslawischen Roten Kreuzes vorstellte. In einer äußerst reichen phantasievollen Uniform raste er im eleganten Auto, mit eigenem Chauffeur, einem Serben, durch die Gegend. Nach kurzer Zeit ereilte ihn das Schicksal, er wurde in Lübeck festgenommen, nicht nur wegen begangener Unterschlagung von Rote- Kreuz- Paketen, sondern gleichfalls wegen seiner Spitzeltätigkeit in Sachsenhausen. Als Zuträger der Sonderkommission betätigten sich weiter die Rotwinkelträger Herbert Volck und Ernst Siegel, beide abenteuerliche Gestalten aus dem Baltenland, die es gleichfalls verstanden, durch ihre Sprachkenntnisse und Denunziationen politischer Kameraden sich in kurzer Zeit zu guten Positionen im Lager aufzuschwingen; Volck als Lagerältester und Siegel als Dolmetscher. Siegel, ein internationaler Hochstapler, war bei einer Masseninhaftierung in Paris mit festgenommen und mit etwa 1000 Franzosen ins Lager gekommen. Der Schriftsteller Herbert Volck war kein unbeschriebenes Blatt. Er wurde schon bei seiner Einlieferung in der Politischen Abteilung von mir wiedererkannt als die Seele der revolutionierenden Bauern( ,, schwarze Fahne mit weißem Pflug"), die um 1930 herum die Landratsämter, Finanzämter und dergl. Amtsgebäude in Schleswig- Holstein mit Bomben belegten; Attentate, die den Kommunisten fälschlicherweise in die Schuhe geschoben wurden. Auch Volck glaubte seine Freiheit mit Denunziationen Politischer erkaufen zu können; doch hatte er nicht mit der Stärke des geheimen Widerstandes gerechnet, den die Politischen ihm im Lager entgegensetzten. Als bekannt wurde, daß er mitschuldig war am Tode von 27 alten Politischen, die z. T. schon seit 1933 in Haft waren, da wurde er zunächst einmal in mitternächtlicher Stunde derart verdroschen, daß ihn niemand als Herbert Volck wiederzuerkennen vermochte. seiner Herrlichkeit als Lagerältester war es vorbei und die in leitenden Positionen wie im Arbeitseinsatz tätigen Politischen ,, verfrachteten" dieses Subjekt beim nächsten Transport in ein Vernichtungslager, aus dem nach kurzer Zeit die Nachricht einlief, daß er im Steinbruch tötlich verunglückt sei. Mit Von einem weiteren Denunzianten, dem Asozialen Kuhnke, der gleichfalls als Lagerältester fungierte und glaubte, auf Kosten des Verrats Politischer Karriere zu machen, soll die Rede sein. Es gehörte nicht viel dazu, auch dieses Muster menschlicher Verkommenheit so zum Straucheln zu bringen, daß die Lagerleitung ihn kassierte. Auf dem Transport in ein anderes Lager fand er sich im Waggon mit unzähligen ,, Massagestellen" wieder, die von Fäusten und Stiefelabsätzen herrührten und ihm eindringlich fühlbar machten, daß Austeilen und Entgegennehmen von Mißhandlungen doch zweierlei waren. 154 Als der BV sich gu wecken die sich mißhan melden. Wertsac nach ei eingewe Schicks merade Sch daß er und Ka beitsko ausgebi portion gaunerr einen o geführt tappt, Margar Von die Als einen H SK zun er befu er sich jenen, mehrer den in unter von Sta n po wurden Wirth Politisc lingska heit wi Sei die En haft m Greue Es wa sierte, hielten erschos Ma bau m schau) merkt n mir zwei de für nsburg goslaeichen mit eih kurfestg von Spitzelweiter beide chfalls ationen nen im gel als Far bei nd mit ebenes tischen utionieHie um Amtstentate, choben en Pomit der e Polide, daß ie z. T. einmal an niee. Mit ei und gen PoTransZeit die ckt sei. uhnke, Kosten de sein, menschdaß die anderes stellen" en und antgegenAls Zuträger und Mitarbeiter der Sonderkommission spielte der BVer Erwin Rathmann eine große Rolle. Er verstand es, sich gut zu tarnen und nach außen hin den Eindruck zu erwecken, daß es ihm in erster Linie darauf ankam, SS- Leute, die sich Schiebungen zum Nachteil der Häftlinge und Häftlingsmiẞhandlungen schuldig machten, der Sonderkommission zu melden. Er selbst war im Zusammenhang mit einer großen Wertsachenschiebung 1943 in die SK gekommen und avancierte nach einigen Monaten zum Blockältesten der SK, was bei den eingeweihten Politischen darauf deutete, daß Rathmann an dem Schicksal der bereits erwähnten 27 ermordeten politischen Kameraden nicht ganz unschuldig war. Schon als Kalfaktor in der Russenisolierung wurde bekannt, daß er mit den verbrecherischen Blockführern Knittler, Fickert und Kaiser gemeinsame Sache auf Kosten der russischen Arbeitskommandos machte. Es hatte sich dort zur Praxis herausgebildet, Falschmeldungen zu machen, um die Verpflegungsportionen an Brot, Marmelade, Wurst, Käse und Butter zu ergaunern, dergestalt, daß die täglich verstorbenen Russen noch einen oder mehrere Tage als lebende Portionsempfänger weitergeführt wurden. Am 1. Mai 1942 wurde Rathmann dabei ertappt, als er dem SS- Blockführer Fickert einen vollen Karton Margarine aushändigte, die dieser mit in seine Wohnung nahm. Von diesem Treiben waren einige Politische bestens unterrichtet. Als Rathmann an einem Winterabend 1943/44 den Russen einen Besuch abstattete, wurde er gehörig verbläut und in die SK zurückgebracht. Eine Revierbehandlung lehnte er ab, weil er befürchtete, dort noch weiter ,, massiert" zu werden. Als er sich einigermaßen wieder ,, fühlte", nahm er Rache an jenen, die ihm die verdiente Abreibung zuteil werden ließen; mehrere Politische, darunter der Kamerad Söllighöfer, verschwanden in dem bereits erwähnten Block 59. Er befand sich später unter den ermordeten 27 Kameraden. Ständig auf der Fahndung nach Auslandsmeldungen, die von politischen Kameraden vertraulich im Lager weitergegeben wurden, war der frühere SA- Mann und Berufsverbrecher Arthur Wirth aus Chemnitz, Träger des roten Winkels, der sich als Politischer tarnte. Er brachte es zum Vorarbeiter der Häftlingskasse und wollte wie alle im Lager doch gern die Freiheit wiedersehen. Sein Vorgesetzter, Untersturmführer Rossner, sicherte ihm die Entlassung zu, wenn er einen führenden Politischen namhaft machen könnte, der sich an den im Lager häufenden ,, Greuelmärchen", die von Auslandssendern stammten, beteiligte. Es war um die Zeit, als Rommel seine Rückmärsche organisierte, auf Sizilien die deutschen Verbände nicht mehr stand hielten, in Bulgarien der König und deutsche Gestapoleute erschossen wurden und Mussolini verhaftet ward. Man schrieb den 26. Juli 1943, als ich mich im Krankenbau mit Dr. Rudolf Pechel( Herausgeber der Deutschen Rundschau) vertraulich über diese Neuigkeiten unterhielt. Unbemerkt von uns beiden, hatte der Denunziant Wirth etwas davon 155 aufgeschnappt und eilte spornstreichs mit der Notiz zu Rossner, der die hochaktuelle Angelegenheit sofort dem Lagerführer Kolb unterbreitete. Kurz darauf wurden wir von Kolb nacheinander vernommen. Selbstverständlich wurde die Anschuldigung abgestritten. Als jedoch der Denunziant Wirth in die Erscheinung trat, gab es kein Ausweichen mehr. Zunächst gab es für beide Inkulpaten Einzelhaft in der Dunkelzelle des Zellenbaues. Ich hatte am nächsten Tag beim Chef der Politischen Abteilung, Erdmann, ein Protokoll, das von Wirth verfaßt war, zu unterzeichnen, welches in keiner Weise den Tatsachen entsprach. Am 28. 7. 1943 abends überbrachte mir Kolb im Bunker die Mitteilung, daß Dr. Pechel und ich nach dem Abendappell öffentlich gehängt werden sollten. Wir beide konnten also mit unserm Leben abschließen. Am nächsten Mittag erschien der Lagerkommandant Kaindl in meiner Zelle und teilte mir mit, daß ich nicht bestraft würde, sondern in der SK isoliert werden sollte. Wie war denn so eine Sinnesänderung möglich? Sie entsprach doch in keiner Weise den SS- und Nazigepflogenheiten, die doch nur darauf eingestellt waren, Deliquenten für den Galgen zu schaffen. Diesmal hatten es die einflußreichen politischen Kameraden doch geschafft und dem Kommandanten klar zu machen verstanden, daß ich diese Nachrichten als Parole aufgefaßt und weiter erzählt hätte; von Pechel war über mich gleichfalls zu Protokoll gegeben, daß meine Nachrichten als humoristische und nicht ernst zu nehmende Parolen gewertet wurden. So kamen wir beide mit dem Leben davon." Ausdrücklich sei bemerkt, daß bei Verbreiten sog. Greuelmärchen nicht immer so glimpflich wie in diesem Fall verfahren wurde. Immerhin riet der Vorfall zur noch größeren Vorsicht gegenüber den überall sich herumtreibenden Denunzianten. Daß die weiteren Nachrichtensendungen keinerlei Störungen erlitten, sei noch besonders erwähnt; sie haben bis zur Kapitulation weiter bestanden, ohne daß die Lagerführung auch nur den leisesten Schimmer hatte. Selbst meine Internierung in der SK hat mich in meiner Rundfunktätigkeit nicht gehindert. Als SK- Schreiber konnte ich überall Zutritt finden. Als am 22. Oktober 1942 die Lagerstärke auf dem Platz zum Abendappell angetreten war, vernahm man von der Baracke 56( Desinfektion) her Schüsse, Hilferufe und das Fluchen der Blockführer. Dann tauchten plötzlich zwischen den Baracken flüchtende Juden auf, die von den Blockführern zur ,, Schießt uns doch nieder", Lagerstraße getrieben wurden. zu waren die ängstlichen und verzweifelten Worte, die von uns gehört wurden. Ein Teil der Flüchtenden warf sich auf die Lagerstraße nieder und wartete auf den erlösenden Revolverschuß. Der Lagerführer Sauer legte sich ins Mittel, um erfahren, was denn vorgefallen sei. Die Juden sollten nach Auschwitz zur Vergasung, was sie von ihren Blockführern erfuhren, als diese ihnen die letzten Habseligkeiten mit den Worten stahlen: ,, In der Gaskammer braucht Ihr nichts mehr, darum nehmen wir es, Ihr verfluchte Judenbande!" 156 Zum zur We ster und der SS führer, sicherun in Arbe halb de gefunde bekannt vergast Lager. Am in den stellt w den Au Häftling die Pa Natione unentw Geräte bar wa Nie sichtlic delte, z begründ jungen Flugzeu Feuerze erforder firmen Aud zeuge schaffe Lager am nä stohlen herstell lich gr bei den kamen. niertest es mög Sei dem F zeug explosi Todesk bringer Flüge handlu Fas diese Rossrführer nachnschulg trat, beide es. Ich teilung, unterch, Am ie Mitöffentunserm Kaindl Destraft ar denn keiner darauf chaffen. meraden en verBt und falls zu istische en, So Greuelall verrößeren DenunFlei Stöben bis Führung - Interit nicht finden. Platz der BaFluchen len Baern zur nieder", on uns auf die evolverum zu n nach führern mit den s mehr, Zum ersten Mal setzten sich hier die Juden gegen die SS zur Wehr, die zu schießen begann, während die Juden Fenster und Türen aufbrachen und den Weg ins Freie fanden, von der SS verfolgt. Auf dem Appellplatz gelang es dem Lagerführer, die erregten und verängstigten Juden mit der Versicherung zu beruhigen, daß sie nicht nach Auschwitz, sondern in Arbeitsläger kommen würden. Man brachte sie dann außerhalb des Tores, womit die Judenrevolte ein schnelles Ende gefunden hatte. Später wurde in der Politischen Abteilung bekannt, daß alle Juden, welche sich der SS widersetzt hatten, vergast worden seien. So endete die erste Judenrevolte im Lager. Am fühlbarsten machte sich der Widerstand der Häftlinge in den Betrieben bemerkbar, die auf Rüstungsarbeiten eingestellt waren. Wo irgend möglich, wurde sabotiert, sei es in den Autowerkstätten, in den Flugzeugwerken mit seinen 5000 Häftlingen als Arbeitsbelegschaft oder im Waldkommando, wo Die Angehörigen aller die Panzerfäuste ausprobiert wurden. Nationen, die hier interniert waren, halfen wortlos und doch unentwegt mit, wo es galt, alle für die Rüstung bestimmten Geräte und Maschinen so zu beschädigen, daß sie nicht brauchbar waren. Niemand vermochte festzustellen, ob Beschädigungen absichtlich gemacht waren oder es sich um Materialschäden handelte, zumal sich doch vieles mit der Ausrede ,, Kriegsware" begründen ließ. Die im Flugzeugwerk Heinckel beschäftigten jungen Russen hatten es an sich, kleine Ventile von den Flugzeugen abzuschrauben, um aus diesen ganz brauchbare Feuerzeuge herzustellen. Die Wiederbeschaffung von Ventilen erforderte immerhin eine geraume Zeit, weil sich die Lieferfirmen in weit entfernten Städten befanden. SO Auch der Artikel Plexiglas für die Pilotensitze der Flugzeuge und die ,, Einmann torpedos" waren sehr schwer zu beschaffen. War dann glücklich eine ansehnliche Lieferung ins Lager der Heinckelwerke gekommen, so war bestimmt schon am nächsten Tage die Hälfte, wenn nicht alles wieder gestohlen; aus Plexiglas ließen sich die besten Zigarettenspitzen herstellen, und der Bedarf an diesen Artikeln war außerordentlich groß, weil auch die Außenkommandos erhebliche Umsätze bei den Zivilarbeitern hatten, mit denen sie täglich zusammenkamen. Dieses sind nur einige Beispiele, wie oftmals in raffiniertester Weise die seltensten Artikel verschwanden, ohne daß es möglich war, einzugreifen. Seit Monaten wurde bei Heinckel an einem Flugzeugtyp, dem Fledermaus- Flugzeug, gearbeitet, welches als Schleppflugzeug hochgezogen wurde und dazu bestimmt war, seine stark explosive Ladung mit einem Mann, der in diesem Fall ein Todeskandidat war, in die feindlichen Städte oder Linien zu bringen. Fast täglich wurde mit diesem Typ operiert und die Flüge ausprobiert, ohne daß von ihrem Einsatz in die Kampfhandlungen berichtet wurde. Fast ein Jahr lang, vom Sommer 1943 bis 1944, kreisten diese Fledermäuse über Sachsenhausen. Warum kam man 157 Was nicht weiter? Bei den Probeflügen hatte man einen Häftling als billigstes Menschenmaterial in so einem Ding untergebracht. Es funktionierte ausgezeichnet, so daß man es auch wohl einmal mit dem wertvolleren Leben eines SS- Mannes versuchen konnte. Die Geschichte klappte in diesen Fällen nicht; denn es ergaben sich ständig Störungen und Unfälle, bei denen die Versuchstiere, also die SS- Männer, ihre Knochen zerbrachen oder gar das kostbare Leben einbüßten. Bis zur Kapitulation kam man dank der ständigen Sabotage aus den Versuchsflügen nicht heraus. Der Artikel Panzerfaust war Zeitungs- und Radiomeldungen zufolge jene famose Waffe, die als Kinderspielzeug von jedem Schuljungen schon bedient werden konnte und die feindlichen Panzer totsicher in Atome zerschmetterte, ohne daß dem in Deckung hinter einem Baum oder einer Mauer stehenden Panzerfaustwerfer das geringste passieren konnte. Die fabelhaftesten Dinge wurden über dieses Kinderspielzeug als Mordinstrument kolportiert. Nach dem Werfen sollten sich nacheinander vier Explosionen auslösen, d. h. viermal würde der getroffene Panzer das Zerstörungswerk über sich ergehen lassen müssen und dann endgültig in Trümmer auseinanderfliegen. Lustig knallten im Waldkommando vom Morgen bis zum Abend die Versuchspanzerfäuste, um später auf eine sechsfache Wirkung hinaufzugehen. Die Beschaffung des Explosivmaterials und sonstiger Zutaten für die Panzerfaustherstellung gestaltete sich sehr schwierig. Das Material kam nur in geringen Mengen heran, und was herankam, reichte gerade aus, um damit tagsüber ausschließlich die Versuchsknallerei auszuführen. Für den Einsatz dieser sechsfachen Panzerfaust im Kriege blieb kein Material übrig, dafür sorgten schon die sabotierenden Häftlinge nach bestem Können und Wissen. Die Reihe der verübten Sabotagehandlungen in allen Betrieben des KZ ließ sich endlos erweitern, um zu zeigen, daß die Häftlinge aller Nationen in ihrer übergroßen Mehrheit dem Kriege und der Naziherrschaft abhold waren. Es war ein ungeschriebenes Gesetz, alles zu tun, um den Krieg zu verkürzen und dem verhaßten Hitlerregiment so schnell als möglich ein Ende zu machen. Als Saboteure haben die Häftlinge bestimmt entschlossener und mit mehr Erfolg gearbeitet, als die Arbeiter in den privaten Rüstungsbetrieben, wo man sich nicht so traute, weil der Zusammenhang nicht in dem Maße vorhanden war, als das KZ ihn seinen Sklaven aufzwang. Während an allen Ecken Sabotage verübt, passive Resistenz geübt und passiver Widerstand in jeglicher Form geleistet wurde, machten Emil Büge und ich Überstunden in der Politischen Abteilung. Reichten die Abendstunden nach dem Appell nicht aus, so nahmen wir die freien Stunden des Sonntags hinzu. Geschafft werden mußte die Arbeit, denn sie war notwendig: Aufzeichnungen für das Tagebuch. 158 in allen hatte, Politisc führer des Ko schon war nic wenn wurde. ich kon Stenogr keiner Zu weilige selbst barg. Schrift ein sell ein, bis Jahre H Etui ei einem wurde. unbrau ferten ab. Sel die Bri Als an Hitl der Sc unpràp bringen fertigen andere am Vo gleitete. herrsch Führer Die Zahl, h wartete dantur Währen terschr den Ko die de aufnah die vo Oranier nur be Zw Arbeit ältling jracht. | ein- uchen denn en die 'achen lation flügen lungen jedem lichen em in ‚enden fabel- Mord- Explo- er das dann en im suchs- ıinauf- or Zu- ‚chwie- |, und Tr Aus- n Ein- kein ftlinge . Was ich im Laufe des Tages während meiner Besuche in allen mir zugänglichen Baracken gesehen, gehört nud. erlebt hatte, fand Aufnahme in meiner rotfarbigen„Eilmappe der Politischen Abteilung“, die selbst nicht einmal ein SS-Block- führer durchschnüffelte, weil sie für ein amtliches Portefeuille des Kommandanten gehalten wurde; ich war tabu, was im KZ schon etwas heißen mochte. Außer belanglosen Formularen war nichts von Wert oder einiger Bedeutung in der Eilmappe, wenn von kleinen unlesbaren Notizen am Rande abgesehen wurde Für mich aber hatten sie ungeheuren Wert und nur ich konnte sie lesen, denn ich hatte dieselben in der Rollerschen Stenographie niedergeschrieben, die in unserer heutigen Zeit keiner verstand. Zu Emil Büge brachte ich im Laufe des Tages die je- weilige Ausbeute an Erlebnissen, welche er mit den von ihm selbst aufgegriffenen Neuigkeiten in einer Geheimkartei ver- barg. Auf kleinen Blättchen machte er dann in winzig kleiner Schrift Notizen mit Tusche, die unbedingt waschecht war. In ein selbstfabriziertes Brillen-Etui klebte er Blatt auf Blatt hin- ein, bis kaum noch die Brille drin Platz fand. Im Laufe der Jahre hatte Büge etwa zehn dieser Etuis vollgeklebt, in jedes Etui eine defekte Brille hineingetan und abgewartet, bis von einem zuverlässigen Politischen bekannt war, daß er entlassen wurde. Diese Abgänge nahmen die harmlosen Etuis mit den unbrauchbaren Brillen unbehelligt mit in die Freiheit und lie- ferten dieselben bei seinen Freunden oder Familienangehörigen ab. Selbst einige zuverlässige SS-Leute haben gegen Bezahlung die Brillen-Etuis mitgenommen und auch abgeliefert. Als dann Mitte April 1943 bekannt wurde, Emil Büge sollte an Hitlers Geburtstag entlassen werden, standen wir beide vor der Schwierigkeit, mindestens vier Brillen und einen Haufen unpräparierter Tagebuchblätter durch die KZ-Kontrolle zu bringen. Zwei Brillen ließen sich pro Mann immer recht- fertigen und diese zwei Brillen nahm Büge selbst mit. Alles andere packte ich seelenruhig in meine„Eilmappe“, die mich am Vormittag des Entlassungstages ia die Kommandantur be- gleitete.e. Passieren konnte ohnehin nicht viel, denn dort herrschte Geburtstagsstimmung bei reichlicher Alkoholika im Führerheim. Die zur Entlassung Kommenden, etwa ein Dutzend an der Zahl, hatten sämtliche Kontrollen mit ihrer Habe passiert und warteten nunmehr in der Politischen Abteilung der Komman- dantur auf die Aushändigung ihrer Papiere und der Fahrkarte. Während die nun heimkehrenden KZler im Zimmer ihre Un- terschrift leisteten, hatte ich Gelegenheit, die im Vorflur stehen- den Koffer zu mustern. Büges Koffer hatte eıne Seitentasche, die den Rest unserer bis dato gesammelten Tagebuchblätter aufnahm. Ein kurzer, letzter Händedruck an die Entlassenen, die von einem SS-Wachtposten durch die Postenkette nach Oranienburg geleitet wurden; sie waren IN Freiheit, jedoch nur bedingt. . Zwei Jahre noch mußte Arbeit des Tagebuchführens se 3 159 ich auf diesen Tag warten. Die tzte ich fort bis zur Kapitulation. Ungehindert nahm ich alles Aufgezeichnete mit hinaus in die Freiheit, welche uns die Alliierten nunmehr brachten. Mehr als ein Jahr war verstrichen, bis Emil Büge und ich uns wiederfanden. Seine Brillenetuis hatte er im Wasserbad aufgelöst und klebrige Notizzettel wirbelten im Waschkübel durcheinander. Gereinigt, getrocknet, geglättet und geordnet haben sie mitgeholfen, dieses Buch zu formen. Wenn in laufenden oder noch kommenden Prozessen gegen verbrecherische SS- Führer des Konzentrationslagers die sie angehenden Grausamkeiten aufgetischt werden, dann mögen sie sich daran erinnern, daß es mit ihrer Intelligenz nicht allzuweit her war. Die Häftlinge waren ihnen überlegen in der Tarnung auf jedem Gebiet. Weder Sabotage, noch Widerstand, passiv oder aktiv, Nachrichtenübermittlung durch den Äther oder durch Aufzeichnungen haben die Nazis verhindern können. tischen schlugen sie überall auf das Gründlichste. Die Poli160 D Mens eine die N Typ auch nordi währ mens D ,, Aufr anka zu sc unter den lich eigen vorfü E Rasse rufen Arier Nazis Emil Büge, Spanischer Dolmetscher Strei rasse daẞ und bald Wide gistri 11 Lie in die e und serbad ofs fdab besc kübel ordnet lau-rische Grauan erwar. jedem aktiv, AufPoli19. Kapitel ,, Seien Sie sich darüber klar, daß Sie dem größten Deutschen gegenüberstehen, den die Geschichte je gekannt hat". Hitler. ,, Herrenrasse" ohne Maske Der Ara Hitler blieb es vorbehalten, den bisher bekannten Menschengruppen, anthropologisch und ethnologisch gesehen, eine weitere Gruppe als Rasse hinzuzufügen, und so schufen die Nazis die Herrenrasse, mit der sie den nordeuropäischen Man ist Typ meinten und ihm einen Vorrang einräumten. auch nie daraus schlau geworden, ob die von Hitler benamste nordische Rasse identisch war mit der Herrenrasse, welche während der Jahre des Naziterrors als der sittlich verkommenste Typ des Untermenschentums bekannt wurde. Die Wahrheit spricht dafür, daß die von Hitler erstrebte ,, Aufnordung" nur Aushängeschild war, und es ihm darauf ankam, ohne anthropologische Probleme zu lösen, eine Clique zu schaffen, die mit brutaler Gewalt alle Menschen, alle Völker unterjochte und ihm dienstbar zu machen hatte. Es hieße den Rasseforschern um Hitler zuviel Ehre antun, sich ernstlich mit deren Rasseforschung zu beschäftigen, zumal sie eigentlich nur zwei Hauptrassen auf ihrer politischen Arena vorführten die arische und die jüdische Rasse. Es soll nicht die Aufgabe dieses Buches sein, sich mit Rassenforschung zu befassen, umso weniger, als schon berufenere Wissenschaftler, wie Felix von Luschan es ablehnten, Arier und Juden als besondere Rassen anzusehen. Selbst die Nazis waren sich nicht einmal einig, wo Hitler, Rosenberg, Streicher, Goebbels und Tausende andere Vertreter der ,, Herrenrasse" einzugruppieren seien. War es doch köstlich, fortlaufend feststellen zu können, daß die Herrenmenschen sich gegenseitig kritisch begeiferten, und Goebbels von seinen ,, Freunden" spöttisch bald als ,, Rand"-, bald als ,, Schrumpfgermane" bezeichnet wurde, während andere Widersacher, darunter Göring, ihn als Judenabkömmling registrierten, weil Goebbels Mutter einmal einen Seitensprung 11 Lienau, Zwölf Jahre Nacht 161 gemacht haben soll, und dabei auf die nicht arische Nase seines Rivalen Goebbels hinwies. Was Hitler- alias Schicklhuber anbelangte, brachte kurz nach der Machtergreifung die Kopenhagener ,, Politiken" zwei Bilder mit erläuterndem Text, in welchem nachgewiesen wurde, daß Hitlers Großmutter Jüdin war, er somit alle Ursache habe, sich den Juden gegenüber recht passiv oder wohlwollend zu verhalten. Die von Hitler im Naziprogramm aufgenommene Judenverfolgung hatte einmal seine Vorbilder in den geschichtlich nachgewiesenen Verfolgungen, denen die Juden seit Jahrhunderten in fast allen Ländern ausgesetzt waren. Zum zweiten in dem seit Jahrzehnten stark angefachten Antisemitismus, der sich besonders breit machte, als die wirtschaftlichen Verhältnisse nach dem verlorenen ersten Weltkrieg wenig erfreulich waren, und geschickte Antisemiten die Juden für die wirtschaftliche Misere verantwortlich machten. Auch Hitler machte die Juden für alles Mißgeschick verantwortlich, welches dem deutschen Volk widerfuhr. Mit einer Massensuggestion begann Hitler zunächst den Kampf gegen die Juden, wobei ihn vor allem der Gedanke leitete, sich der jūdischen Hochfinanz und des in jüdischen Händen befindlichen Kapitals und der Sachwerte auf billige Weise zu bemächtigen. Bereits in den Vorkapiteln ist angeführt, daß schon vor Beginn der Kriegshandlungen 1939, neben den unheilbaren Kranken die besitzenden Juden tausendweise den Vernichtungsanstalten zugeführt wurden, einmal, um sie als ,, lebensunwert" zu beseitigen und zweitens, um sich ihrer Habe zu bemächtigen. Mit der fortschreitenden Besetzung der umliegenden Länder vollzog sich neben der Vernichtung der Juden auch der Raub ihres Eigentums. Die nach außen getarnte Herrenrasse war nichts anderes als eine Verbrecherbande, denen gegenüber die Räubereien der ärgsten Gangster verblaßten. Sie scheute nicht davor zurück, die in den KZ internierten Berufsverbrecher, und zwar die sog. ,, schweren Jungen", für ihre Dienste nutzbar zu machen. Im Frühjahr 1941 wurden beim Abendappell mehrfach die Berufsverbrecher aufgerufen, welche sich mit Erfolg als Geldschrankknacker betätigt hatten. Auf den ersten Anhieb meldeten sich etwa zehn dieser Zunft. Sie wurden nach Lublin verfrachtet, um dort die stark gesicherten Tresore der Banken und Groẞindustriellen so geschickt zu öffnen, daß von dem Inhalt nichts beschädigt wurde. Ausdrücklich wurde den Verbrechern von ihren ,, herrenrassigen" Auftraggebern die Weisung erteilt, die Geldschränke und Tresore nicht mit Dynamit usw. zu sprengen. Diesen Berufsverbrechern wurden für die erbeuteten Werte entsprechende Gewinnanteile zugesichert. Es ist nicht bekannt geworden, ob sie die zugesagten Anteile auch wirklich erhielten; nur ist später durchgesickert, daß die Geldschrankknacker, nachdem sie im gesamten Ostgebiet die Geldschränke und Tresore geöffnet und den Inhalt an die verbrecherischen Herrenmenschen ausgeliefert hatten, 162 selbst Sachse von d Gelds ihrer F NON ten Ge wo es morde Vorka etwa und schen Verbr E dem oder setzte fekten die S der H bevor E dustri dierte welch wurd wurd Perso sämtl dieser raum ihre S kleide den gesch fang so na ,, Unb erfah hatte A 96 P ware urteil bau geleg und ging abger 11* seines achte iken“ ıllich rhun- reiten , der rhält- lich chaft- ver- einer n die T jü- ichen ligen. | vor baren ungs- wert" tigen. Län- ı der ‚rasse nüber ‚heule cher, nutz- h die Geld- mel- ublin Ban- ‚, dem Ver- Wei- namil r ‚die 1 An- ckert, Ost- Inhalt allen, selbst bald darauf ‚,‚erledigt‘ wurden, wie aus den nach Sachsenhausen eingegangenen Todesmeldungen hervorging. Auch von den später nachfolgenden Spezialisten aut dem Gebiet des Geldschrankknackens wurde bekannt, daß sie das Schicksal ihrer Vorgänger ereilt hatte. Für die Herrenrasse hatte auch der Ausspruch Vespasians NON OLET(Geld stinkt nicht) vollste Geltung; denn sie raub- ten Geld und Geldeswert nicht allein bei den Juden, nein, überall wo es vorhanden war, wenn die Besitzer vertrieben oder er- mordet waren. Eine Reihe von Beispielen sind bereits in den Vorkapiteln aufgeführt worden. Hitlers Herrenrasse war nicht etwa das deutsche Volk schlechthin oder die Norddeutschen und Angehörigen der nordischen Länder, die von den Deut- schen besetzt waren, nein, es war eine bunt zusammengewürlelte Verbrecherbande von internationalem Gepräge. Es waren Gangster, die um des Geldes willen jeden aus dem Wege räumten, der nur noch ein ärmliches Leben hatte oder Werte besaß, in deren Besitz sich die„Verbrecherbande“ setzte. In rücksichtslosester Weise wurden die bei den Ei- fekten sich befindlichen Wertsachen der Häftlinge geplündert; die. SS-Blockführer entblödeten sich nicht, den Zugängen bei der Einlieferung goldene Uhren, Juwelen usw. wegzunehmen, bevor:diese als abgegeben notiert waren. Es ist zu wiederholten Malen vom Holzschuppen im In- dustriehof beobachtet worden, daß die zur Exekution komman- dierten SS-Blockführer die Wertsachen jener Opfer raubten, welche direkt vom RSHA in Berlin zum Richtplatz geführt wurden, weil deren Sachen nicht erst im Lager registriert wurden. In fast allen Fällen handelte es sich um prominente Persönlichkeiten, die noch auf dem Transport zum Richtplatz sämtliches Geld und alle Wertsachen bei sich trugen. In allen diesen Fällen erfuhren die Delinquenten erst im Entkleidungs- raum des Krematoriums, daß die nach hier gemachte Fahrt ihre letzte war, Sofern sich die Opfer wehrten und weigerten, die Ober- kleider abzulegen, wurden sie gewaltsam enikleidet, an Hän- den und Füßen gepackt und in den tiefgelegenen Schießstand geschleppt. Die Erschießung geschah stets mit dem dem Kugel- fang zugekehrten Gesicht. Hatte der Erschossene gute Kleidung, so nahm die SS auch noch diese Kleidung an sich; es waren „Unbekannte“, welche erschossen wurden und niemand durfte erfahren, wie hier wieder das Opfer der. Herrenrasse geendet hatte. Am 1. Mai 1942 langte ein Trupp prominenter Holländer, 96 Personen, an, die im Zellenbau untergebracht wurden; sie waren von einem-Kriegsgericht in Maastrich zum Tode:ver- urteilt worden, was ihnen jedoch nicht bekannt war. Im Zellen- bau wurden sie aufgefordert, ihre Mäntel geordnet auf die Sitz- gelegenheiten zu legen, wo sie diese nach ihrer ‚„Vernehmung“ und„Untersuchung“ wieder vorfinden würden. Per Lastautos ging es zur Hinrichtungsstätte, an der ihnen die Oberkleidung abgenommen wurde. Der Lagerführer Suhren verlas(den Nichts- 11* 163 ahnenden das Todesurteil. Die Mörder gingen ans ,, Handwerk", je sechs SS- Mörder legten einen Delinquenten durch Rückenschüsse nieder. Alle Aus der Kleidung, die sofort zur Desinfektion gebracht wurde, ersah ich, daß die Schüsse durch den Rücken gegangen waren; Hemden und Westen waren mit Blut besudelt. trugen erstklassige Kleidung und gutes Schuhwerk, das von dem SS- Scharführer Höpken, von dem schon die Rede war, ,, organisiert" wurde, um es später zu veräußern. Mir war es nur möglich in der Kleidung zwei Namen der Besitzer zu finden: Fauchey und Postema. Die etwaigen persönlichen Notizen hatte die SS schon vorher entfernt. Die von Himmler an die Kommandanten der Konzentrationsläger gegebene Anweisung, von den dort herrschenden Zuständen nichts an die Öffentlichkeit gelangen zu lassen, wurde auf das gewissenhafteste innegehalten. Das Volk durfte auf keinen Fall etwas über die Bestialitäten und Raubzüge erfahren; der Nimbus der Herrenrasse mußte gewahrt bleiben. Wenn von höherer Stelle die Order kam, arbeitsunfähige, invalide und schwerkranke Häftlinge zu ,, erledigen", so geschah die ,, Erledigung" in fast allen Fällen in einer den Beteiligten harmlos erscheinenden Art. Von 100 Ganzin validen, die am 21. Mai 1942 vom KZ Ravensbrück nach Sachsenhausen zurückkamen, wurden fünf Juden für eine Spezialbehandlung ausgesucht, um sie schnell gesund zu machen: Jakob Ajchenbaum( 42 375), Fritz Mizes ( 42 388), Pinkus Mlynek( 42 424), Markus Münz( 42 384), Chaim Willig( 42 377). Die Spezialbehandlung bestand in einer Injektion, die augenblicklich tötlich wirkte. Die Opfer waren im Alter von 50-60 Jahren, Sofern es sich um größere Massen zum ,, Erledigen" reifer Opfer handelte, arrangierte die Lagerleitung Reisen in ein Sanatorium, die unter dem Namen S- Kommandos bei den Eingeweihten sehr bald einen üblen Ruf bekamen, da man mit Recht vermutete, daß sich hinter der humanen Geste eine neue Gemeinheit und Grausamkeit verbarg. Anfang Juni 1941 ging ein Transport Invaliden, Beinamputierter, Lahmer, Blinder usw. mit dem Ziel Pirna/ Sa, ab, einer anderen Lesart zufolge nach Sonnenstein, Bezirk Erfurt. 303 Häftlinge sollten sich in der Sommerfrische erholen. Schon nach wenigen Tagen war die ,, Erholungskur" abgeschlossen; denn die Sommerfrischler waren aller Sorgen und Leiden los und ledig. Die von der ,, Erholungsstätte" zurückgesandten Effekten an die Häftlings- Effektenkammer wie künstliche Glieder, Krücken, Glasaugen, Brust- und Geldbeutel bewiesen, daß die Besitzer dieser Sachen sie nicht mehr bedurften, sie waren auf dem Wege über die Gaskammer bzw. durch Giftinjektion im besseren Jenseits gelandet. Bei derartigen Transporten gingen auch Einzelgänger mit, die man auf unauffällige Art los werden konnte, wie z. B. in mitgesandten Papieren nachzulesen war: zu Versuchszwecken einem Transport mit beizugeben". 164 ist Ein ort ber die K behind Bruder ( 38 490) irgend Da ,, Kräut holung Abreis 23 geh ( 32 876) gefund ren/ Me hatte, genen human Ka Häftlin derum diesma ,, Sanat Polen, Russer Tagen Sache, erst na sucher An schick mollig pflegu lichke Ne abfahr Greise einige den F Tellev zurück wurde litisch nach Berich und bluten genug thoder derun komm 200 m verk“, iCken- racht angen Alle ; von war, ar es Tr zu ı No- ‚tions- ‚ Zu- vurde e auf Ihren; Wenn valide h die harm- Z Ra- nf Ju- chnell Mizes Chaim Injek- on Im Eine Zeitlang wurde ein ‚Sanatorium Buch“ als Vergasungs- ort berüchtigt, ein Ort in der N.he von Bernau. Wieder sollten die Kranken„behandelt“ werden, vor allem Tbc, Körper- behinderte, Bucklige, Schwerhörige usw., und als ‚„Beigabe‘“ der Bruder des Staatsschauspielers Junkermann, Fritz Junkermann (38490) auf die Liste gesetzt, der den Herrenmenschen in irgend einer Weise vielleicht unbequem war. Das Kommando erhielt den harmlos klingenden Namen „Kräutergarten“ und ging am 5. Oktober 1942 mit 118„Er- holungsbedürftigen“ auf Reisen. Als so ziemlich alles zur Abreise fertig war, wurde noch ein weiteres Opfer von Block 23 geholt, der mecklenburgische Rittergutsbesitzer Wilhelm Japp (32 876), geb. am 2.9. 1878. Aus einem in seinen Effekten gefundenen Brief seiner Anwälte Kassow und Kayser in Schwe- ren/Mecklenburg ging hervor, daß Japp, der drei Söhne im Felde hatte, seine als Arbeiter beschäftigten russischen Kriegsgefan- genen außergewöhnlich gut behandelt habe. Dieses büßte dieser human handelnde Arbeitgeber nun mit dem Tode. Kaum waren die üblichen Effekten der ‚Kräutergarten“- Häftlinge zurückgekommen, als schon zwei Tage später wie- derum ein ‚„Kräutergarten“-Transport zusammengestellt wurde, diesmal 146 Mann stark. Spezifiziert sah der Transport der „Sanatorium-Bedürftigen“ so aus: 38 Juden, 6 Zigeuner, 63 Polen, 11 8 175er, 2 Belgier, 8 Franzosen, 3 Staatenlose, 5 Russen, 5 Tschechen, 5 Holländer. Eigentlich sollte in einigen Tagen ein weiterer Transport folgen, doch verschoben sie die Sache, weil im KZ Unruhen entstanden waren. Man mußte erst nach einem neuen Decknamen für den nächsten Transport suchen. Am 13. 11. 1942 waren die Herrenmenschen fertig und schickten 293 Häftlinge nach Dachau. In Dachau harrten ihrer mollige, warme Altersheime mit Bedienung, erstklassiger Ver- pflesung, Unterhaltungsräume und alle erdenklichen Bequem- lichkeiten. Neidvoll sahen ein Teil der Kranken diese„Glücklichen“ abfahren, die sich aus Körperschwachen, Blinden, Ampulierten, Greisen und Sterilisierten zusammensetzten. Mit innen reisten einige russische Zivilgefangene, die man„zur Aufnahme“ in den Krankenbau geschickt hatte, sowie neun Norweger aus Tellevaag bei Bergen. Diesmal kamen aber keine Krücken zurück, womit etwaigen aufkommenden Gerüchten vorgebeugt wurde. Durch Rücktransporte aus Dachau wurde in der Po- litischen Abteilung bekannt, daß der gesamte Transport sofort nach Ankunft in der Gaskammer„‚umgelegt“” sel. Einer der Berichterstatter war Augenzeuge dieses Massenmordes gewesen und berichtete zudem noch, daß als Todesursache, Lungen- bluten usw. und ‚18 Minuten Herzflimmern“ angegeben sei. Wenn den SS-Behörden die Gaskammern nicht produkliv genug arbeiteten, so wurde auch gelegentlich zu anderen Me- thoden der Massentölung übergegangen, WIe nachstehende Schil- derung aus Lublin beweist, die mir von einem dort zurück- kommenden BVer gegeben wurde. Die Juden hatten eine etwa 200 m lange und 10 m breite Grube an einer Wegegabelung 165 ausheben müssen für Schanzzwecke hieß es. Spät abends wurden etwa 5000 Juden, Männer, Frauen und Kinder von der SS aus dem Lager in diese Grube getrieben unter dem Vorwande, daß Fliegeralarm sei. Angstlich duckte sich alles nieder. Im nächsten Augenblick folgte eine Explosion nach der andern, so daß die ausgehobenen Erdmassen die 5000 Juden im Massengrab begruben. Wenn schon das Nazi- Untermenschentum sich der Welt gegenüber als Herrenrasse präsentierte, so war es nicht zu verwundern, wenn es alle Mordtaten vor der Öffentlichkeit zu verbergen versuchte oder, sofern diese neben den furchtbaren Grausamkeiten dennoch bekannt wurden, dann wurden sofort Maßnahmen ergriffen, die auf Abdämpfen ,, falscher Gerüchte" hinausliefen. Das bereits mehrfach erwähnte neu erbaute Menschenschlachthaus, eine der raffiniertesten Mordstätten, mit den als Brausebädern getarnten Gaskammern und den angeschlossenen Verbrennungsöfen des Krematoriums, wurde im Bauvorhaben als ,, Wärmehalle" bezeichnet. Es wurde ausdrücklich der Befehl gegeben, diese Stätte des Massenmordes auch fernerhin mit dem harmlos erscheinenden Namen ,, Wärmehalle" zu benennen. Doch die dort begangenen tausendfachen Niedermetzelungen ließen sich auf die Dauer nicht vor der Öffentlichkeit verheimlichen; die ,, Wärmehalle" verriet nicht nur den Lagerinsassen, sondern auch den gesamten Bewohnern Oranienburgs und der weitesten Umgebung, durch die Tag und Nacht die Luft verpestenden Rauchschwaden, die von den verkohlten Leichen herrührten, welche furchtbaren Verbrechen von der Herrenrasse begangen wurden. Wenn die Außen- Arbeitskommandɔs durch die Straßen Oranienburgs zogen, dann riefen ihnen die Schulkinder zu: ,, Der Gestank von Eurem Räucherofen ist nicht auszuhalten; wie viel Menschen hat denn heute die SS geschmort?" In den Blicken der Erwachsenen zeichnete sich Schrecken und Erbitterung; zuweilen ließen sich Flüsterworte vernehmen, die den vorbeiziehenden Häftlingen galten: ,, Ihr Armsten, was habt Ihr dort alles zu erleiden!" Je stärker im Lager die Kurve der Morde anstieg, umso besorgter wurde die Herrenrasse, daß auch diese Tatsachen nach außen drangen. Dem summarischen Hinmorden folgte sehr bald auch die summarische Benachrichtigung an die Angehörigen, und zwar zunächst für die der Ostarbeiter. Der nach der Kapitulation in Flensburg durch Selbstmord geendete SS- Brigadeführer Glücks erließ an sämtliche Konzentrationsläger nachstehendes Rundschreiben: 166 ,, Ich weise nochmals ausdrücklich auf die Benachrichtigung der Angehörigen von verstorbenen K.- Lager- Insassen hin. Es ist in letzter Zeit wiederholt vorgekommen, daß die Leitung der K.- Lager Angehörige von verstorbenen Ostarbeitern und Bewohnern der besetzten Ukraine direkt benachrichtigt haben. Ich weise deshalb ausdrücklich nochmals an, daß Sterbenachrichten an die zuständigen Polizeistellen zu erfolgen haben, die andererseits den Arbeitsämtern re di mdBhdKhd fü di ha di au de fü Z1 D noch Der steller benen Todes ihre die P D bei d Deuts sank fledde baren Herre mit i D wesha von oder Bevöl gekän wurd SS- Le Unter sie d gonw wie wurd A mäßi reich zum mit schen reich entst über Linie herh bends - von dem alles h der Juden Welt ht zu eit zu tbaren sofort ichte" Menit den chlosauvorcklich h fer-halle" ungen verLagermburgs nt die n Lei- HerOra,, Der e viel licken erung; orbeir dort umso sachen folgte e Antmord Konenachger- Inmmen, benen direkt nochPolizeimtern resp. den Arbeitseinsatzstellen von dem Ableben der Betr. die Nachricht weiter zu geben haben, zum Zwecke der Benachrichtigung an die Angehörigen. Die Arbeitsämter füllen nicht aus, wo der Betr. verstorben ist. Durch die direkte Benachrichtigung sind die Sterblichkeitsfälle in den K.- Lagern unter der Bevölkerung bekannt geworden und haben dort Verwunderung und Beunruhigung hervorgerufen, die sich bei neuen Werbefeldzügen in der Zukunft ungünstig auswirken dürften, zumal die Behörden nicht immer in der Lage sind, den Angehörigen eine genügende Begründung für die Anwesenheit des Arbeitnehmers in einem K.- Lager zu geben." Der Ruf der Herrenrasse konnte leiden, als ob überhaupt noch etwas an dem Ruf der Mörderrasse zu verlieren war. Der obenstehende Befehl wurde bald darauf an alle Polizeistellen versandt und so erhielten die Angehörigen der Verstorbenen aller Nationen, auch der Deutschen, keine direkten Todesnachrichten mehr. Niemand erfuhr, wie, wo und wann ihre Familienangehörigen ums Leben gekommen waren, denn die Polizeistellen hüllten sich bei Nachfragen in tiefes Schweigen. Die Zurücksendung des Nachlasses der Toten unterblieb bei den Ausländern grundsätzlich und später auch bei den Deutschen. Die Herrenrasse nahm auch deren Sachen, und so sank sie damit noch weiter zu den professionellen Leichenfledderern herab. Mit den goldenen Uhren und sonstigen kostbaren Gegenständen, wie Ringe und dergleichen, trieben die Herrenmenschen schwunghaften Handel oder beschenkten damit ihre Frauen und Mätressen. Die Herrenrasse bewertete ihr eigenes Leben sehr hoch, weshalb sie auch während des Krieges ihre tapferen Mannen von jenen Plätzen fernhielt, wo die Kugeln pfiffen, Kanonen oder Bomben ihr Leben gefährden konnten. Als die wehrfähige Bevölkerung schon bis zum äußersten als Kanonenfutter durchgekämmt war und bereits Schüler und Greise einsatzpflichtig wurden, drückten sich die Herrenmenschen als wohlgenährte SS- Leute in allen möglichen Positionen herum, bestachen die Untersuchungskommissionen und Ärzte mit Lebensmitteln, die sie der Gesamtbevölkerung und den Konzentrationslägern waggonweise entwendeten und kauften sich frei durch Geschenke, wie Juwelen usw., die von ihnen als Leichenfledderer erbeutet wurden. Als die Angehörigen des eigenen Volkes nicht mehr zahlenmäßig und körperllich als Ersatz für den Heeresdienst ausreichten, wurden die wehrfähigen Männer der besetzten Gebiete zum Kriegsdienst gepreßt, entweder durch Versprechungen oder mit brutaler Gewalt, indem man sie zunächst zu ,, Volksdeutschen" machte. Doch auch diese militärischen ,, Volksdeutsche"-Formationen reichten nicht aus, um jene durch übermäßig hohe Verluste entstandenen Lücken zu füllen, weshalb die Herrenrasse dazu überging ,,, Landeseigene Verbände" zusammenzustellen. In erster Linie mußten die kriegsgefangenen Russen für diesen Zweck herhalten; sie wurden gegen ihre eigenen Landsleute als Sol167 daten eingesetzt und selbst die Offiziere aus ihren Reihen entnommen. Im KZ Sachsenhausen wurden im Frühjahr 1942 die Baracken 10, 11, 34 und 35 von den bisherigen Insassen geräumt und von den Häftlingshandwerkern für neue Zwecke instandgesetzt. Insbesondere wurde die Baracke 10 mit Einzelzimmer bzw. Zimmer mit zwei Betten hotelmäßig ausgestattet. Im Speisesaal standen gedeckte Tische mit einer üppigen Blumenpracht und erstklassigen EB- Servicen. Kriegsgefangene russische Generale, Oberste und Regimentskommandeure wurden hier einquartiert, um für die Niederzwingung ihrer eigenen Landsleute ausgebildet und umgeschult zu werden. Die Baracke 34 wurde etwas weniger komfortabel ausgestattet; denn hier fanden die Leutnants Unterkunft, während die Fähnriche und angehende Offiziere in den schlicht hergerichteten Baracken 11 und 35 Aufenthalt und Schulung erhielten. Die Verpflegung erfolgte aus der SS- Küche der Kommandantur. Der Unterricht lies Umschulung war theoretisch und praktisch. Damit auch sonstigen privaten Wünschen Rechnung getragen werden konnte, wurden die Offiziere täglich truppweise in ungezwungener Haltung ausgeführt, um Theater und Kino zu besuchen. - Die beabsichtigte Umschulung gelang jedoch nicht hundertprozentig, weil ein Teil der höheren Offiziere nicht so wollte, wie die Oberschicht der Herrenrasse es zu befehlen geruht hatte. Es wurden ,, Verschwörungen" aufgedeckt und einige der höheren Offiziere kassiert, bei Nacht und Nebel wurden sie abtransportiert. Einige Tage später wurden ihre Uniformen in der Desinfektion von den dort tätigen Häftlingen wiedererkannt, und damit die Tatsache festgestellt, daß diese Offiziere, darunter ein General, zwei Oberste, zwei Majore und drei Hauptleute erschossen waren. Es war also nichts mit der Zuverlässigkeit der ,, Landeseigenen Verbände". Als sich im Lager die Machinationen mit den ,, RussenFormationen" herumgesprochen hatten, rückten nach kurzer Zeit die ,, Umschüler wider Willen" ab, und die Hotelbaracken wurden wieder ihrer früheren Bestimmung als Wohnbaracken für die Isolierung zurückgegeben. Die Mannschaften dieser ,, Landeseigenen Verbände" wurden in Baracken außerhalb des Lagers im Waldgelände untergebracht. Später kamen sie von Sachsenhausen fort und sind teilweise zum Fronteinsatz mit verwendet worden. Wie verlautet, wurden sie auch gegen die Polen als Partisanen- Bekämpfer eingesetzt, weil die zwischen Weißrussen und Ukrainern einerseits und Polen andererseits bestehenden nationalen Gegensätze vielleicht eine Garantie geben konnten, daß sie sich zu Kampfhandlungen gegen diese gebrauchen ließen. Die ins KZ überführten luxemburgischen Polizisten, Gendarmen und Soldaten wurden gezwungen, SS- Polizeidienst zu machen und sollten in Jugoslawien Verwendung finden. Als sie sich weigerten, auf der SS- Polizeischule in Dresden Dienst zu tun und sich entschieden dagegen verwahrten, sich für die Herrenrasse der Nazis mißbrauchen zu lassen, wurden sie nach 168 Sachsen ,, Schuh führer Kolonn SA- Man burgern ihnen Verbind Mens das He kannter was ih Vertrete wären SS. N Überall eines T das K ziehen. und gä das Ha übrigen fallende Häftlin Ein liche S gar nic weshall Orier a als Ein Abteilu kranke nomme merade transpo der Ge Herren Im gegen stand vom S durch Namen Toussa medy 1940 in sie der Herren Die doch berger und he los ge Sachsenhausen zurücktransportiert und mußten in der SK „Schuhelaufen“. Ihre Behandlung war hart; denn der Lager- führer Kolb hatte eigens dem Vorarbeiter der ‚Schuhläufer“- Kolonne, Wilhelm Jakob, einem ehemaligen fahnenflüchligen SA-Mann, aufgegeben, keine Rücksicht gegenüber den Luxem- burgern walten zu lassen. Jede Erleichterung in der SK wurde ihnen versagt, selbst die Krankenbehandlung, insbesondere das Verbinden der zerschundenen Füße,: Menschenschändung, Entwürdigung der Wehrlosen war überall das Hervorstechendste der Sadisten, die keine Menschenrechte kannten. Sie machten keinen Halt vor Kindern und Greisen; was ihnen in die Finger geriet, wurde erbarmungslos von den Vertretern dieser Herrenrasse niedergemacht. Erwähnenswert wären noch die Befehle über Höflichkeitsbezeigungen vor der SS. Nur entblößten Hauptes konnten die Häftlinge passieren. Überall hieß es:„Mützen ab“. Der Lagerführer Suhren gab eines Tages den Befehl heraus, eine Schneise als Scheitel durch das Kopfhaar in der Breite der Haarschneide-Maschine zu ziehen. Etwa ein Jahr lang war diese„Suhren-Allee“ gang und gäbe. Als Suhren nach Ravensbrück versetzt wurde, konnte das Haupthaar die ‚„Suhren-Allee“ wieder überwuchern. Im übrigen sei noch erwähnt, daß alles beim Haarschnitt an- fallende Haar gesammelt und abgeliefert werden mußte. Die Häftlinge hatten faktisch Haut und Haare zu opfern. Sine Rücksichtnahme auf das Alter oder die gesellschaft- liche Stellung kannten die Nazis bei Inhaftierungen ganz und gar nicht. Überall vertraten sie ihren Herrenrasse-Standpunkt, weshalb an dieser Stelle auch des alt-ehrwürdigen Prälaten Orier aus Esch in Luxemburg gedacht werden soll, der: 1942 als Einzelgänger ins Lager kam. Die. Häftlinge der Politischen Abteilung trugen bei seiner Einlieferung dafür Sorge, daß dieser kranke und gebrechliche Greis sofort im Krankenbau aufge- nommen und dort von den als Pfleger tätigen politischen Ka- meraden behandelt und verpflegt wurde. Bei dem späteren Ab- transport in ein weiteres Lager, wohin man, den größten Teil der Geistlichen brachte, ist auch Prälat Orier ein Opfer der Herrenrasse geworden. Im Großherzogtum Luxemburg, dessen Bevölkerung ‚sich gegen die Herrenrasseherrschaft wehrte und geheimen Wider- stand leistete, wurden am 3. September 1942 neun Luxemburger vom Standgericht zum Tode verurteilt und erschossen, wie durch unseren Geheimdienst im Lager bekannt wurde. Deren Namen sind: Betz, Bruck, Kons, Lommel, Meieps, Schneiger, Toussaini und Weets. Aus dem kleinen Ländchen Eupen-Mal- medy wurden Einwohner, darunter der Bürgermeister, am 2. 10. 1940 ins Lager gebracht, wo dieser am 30. 11. 1940 verstarb, da sie den Bestand des Dritten Reiches gefährdeten. Ja, ja, die Herrenrasse hatte Sorgen, Die Rassenfrage war das A und© der Herrenrasse, und doch hatte die Welt gar bald durchschaut, daß die Nürn- berger Gesetze nur geschaffen waren, die Juden rechl-, besitz- und heimatlos zu machen, um sich selbst durch deren. herren- los gewordene Besitztümer mühelos unter dem Schein eines 169 Rechts, das aber kein Recht war, zu bereichern. Von den im KZ internierten reichen Juden wurden erhebliche Summen erpreßt, d. h. ihnen wurde nahegelegt, Schecks und Anweisungen auf ihr Vermögen bei den Banken zu Gunsten der Einrichtungen im Lager zum Wohle der Häftlinge zu unterschreiben. Die Juden bezahlten die Einrichtungen und Ausstattungen des Krankenbaus, wie medizinische Apparate, Instrumente usw. Dafür wurde ihnen dann die alsbaldige Entlassung aus dem KZ und die Ausreise ins Ausland versprochen aber nicht gehalten. Nur ein Beispiel von vielen: - Der Bankier Adolf Rothschild, 67 Jahre alt( 34 530), erinnert die SS- Herrenmenschen an die Einlösung ihres Versprechens. Mit Fausthieben und Fußtritten wurde er hinauskomplimentiert. Um weiteren Mißhandlungen zu entgehen, versuchte er, sich das Leben zu nehmen, in dem er in den mit Starkstrom geladenen Draht hinter dem Block 56 lief. Der Posten vom Wachtturm schießt auf ihn, ohne sofortigen Todeserfolg. Das Opfer wand sich vor Schmerzen laut aufschreiend, um dann nach Verlauf einer Viertelstunde unter Todeszuckungen sein Leben auszuhauchen. Der Strom wurde ausgeschaltet, damit die Leichenträger den Toten aus dem Stacheldraht herausnehmen konnten. Das Lager hatte einen Juden weniger und dafür sein Vermögen gekappt; denn ausdrücklich sei bemerkt, daß die unter Druck gegebenen ,, Spenden" der Herrenrasse zugute kam und nicht etwa den für die Häftlinge gedachten Einrichtungen. Am lautesten schlug die Herrenrasse die Trommel für die ,, Nordische Rasse", womit die skandinavischen Völker und die Norddeutschen gemeint waren. In Presse und Rundfunk war das ,, Aufnorden" zum stereotypen Thema geworden. Dessen ungeachtet wurden die beiden nordischen Länder Dänemark und Norwegen im April 1940 von den Truppen der Herrenrasse besetzt und ,, in Schutz" genommen. Nachdem man zunächst die dortigen Juden herausgekämmt, ins KZ gebracht und dort zum weitaus größten Teil tötete, ging es über die ,, arische Rasse" in diesen Ländern her und schaffte von ihnen Tausende in die Konzentrationsläger des Dritten Reiches. Es ließ sich nicht gerade behaupten, daß die so sehr gepriesene ,, nordische Rasse" glimpflich behandelt wurde. Nein, auch sie spürte recht fühlbar die Faust und den Fußtritt der Herrenrasse eines Hitler, der in dem norwegischen Landesverräter Quisling einen willfährigen Handlanger fand. Dieser Quisling, der vor langen Jahren mit dem Philantropen und Nordpolforscher Fritjof Nansen eine Expeditionsreise durch den Kaukasus machte, fand in seiner Schuftigkeit nichts darin, Tausende seiner Landsleute zu verraten und sie dem Herrenmenschen Hitler auszuliefern, der sie in die Konzentrationsläger schaffte. Auch den Sohn Fritjof Nansens, den Architekten Odd Nansen lieferte er ihm aus; er landete mit seinen Landsleuten im KZ Sachsenhausen. Unter den von der Herrenrasse ins KZ gebrachten Norwegern nenne ich noch den Dichter Arnulf Överland, ein Philantrop, den auch heute noch keiner vergessen hat, der mit 170 ihm die Briefwed der leide Svend C sorgung mann- So Was icl trage ic meraden und H. waren, sie auch noch he Anfa Norwege durften die Ver tragen, deutsche erhielter in der Zeichen den; es daß na schuhen Geheim d, h, un Von ist deri Zugänge Insel ge SS- Leut der wir das gan der Wo wurden in die kerung, wurden an kräf Steckrü krankte Daß geschlag Beute Schiffsr seinen zu diri Hände wander Die der no sich im en im mmen nweiEininterAuse, InEntochen innert chens. imente er, strom vom Das dann sein it die chmen r sein B die zugute nrichir die - und dfunk Dessen emark errenn zubracht er die ihnen hr geNein, tt der andesDieser und ch den darin, Herrensläger n Odd leuten NorPhier mit ihm die KZ- Zeit teilte. Nach wie vor stehe ich mit ihm in Briefwechsel. Der jetzige Ministerpräsident Gerhardsen- Oslo und der leider kürzlich an den KZ- Folgen verstorbene Sozialminister Svend Oftedal- Oslo( Arzt im R II) waren führend in der Versorgung hilfsbedürftiger Kameraden. Desgleichen Björn Deichmann- Sörensen und der in Belsen ermordete Carsten Ösebö. Was ich hier von den norwegischen Kameraden sage, übertrage ich gleichfalls auf die holländischen und dänischen Kameraden. Vergessen seien nicht die Kopenhagener Johs. Fosmark und H. C. Steen- Hansen, die allzeit einsatz- und hilfsbereit waren, wenn es galt, gefährdeten Kameraden, welcher Nation sie auch angehörten, zu helfen. Auch mit ihnen verbindet mich noch heute die Korrespondenz. Anfangs konnte es den Anschein haben, als würde den Norwegern und Dänen eine joviale Behandlung zuteil. durften sich, als noch für die Ostvölker, Slawen und Romanen die Verpflichtung bestand, das Kopfhaar kurz geschoren zu tragen, ihr Haar lang wachsen lassen wie die Deutschen, zwangsdeutschen Österreicher, Holländer und Luxemburger. Doch erhielten die Akten eines großen Teils der Dänen und Norweger in der Politischen Abteilung der Kommandantur ein neues Zeichen: NN. Erst später konnte das Geheimnis gelüftet werden; es sollte Nacht- und Nebelerlaẞ bedeuten, was besagte, daß nach außen hin die NN- Akteninhaber mit Glacehandschuhen anzufassen seien, jedoch nach noch zu erteilender Geheimorder, sie bei Nacht und Nebel beiseite zu schaffen, d, h, umzulegen seien. Von den dem KZ zugeführten Transporten der Norweger ist derjenige vom 27. 5. 1942 bemerkenswert. Unter den 114 Zugängen befanden sich 66 Einwohner des auf der gleichnamigen Insel gelegenen Dorfes Tellevaag bei Bergen, wo angeblich zwei SS- Leute getötet, sein sollten. Ohne eine Untersuchung wegen der wirklichen Todesursache dieser SS- Leute anzustellen, wurde das ganze Fischerdorf eingeäschert, nachdem zuvor ein Teil der Wohnhäuser gesprengt worden war. Frauen und Kinder wurden interniert, soweit sie nicht ihr Heil durch die Flucht in die Berge suchen konnten. Die gesamte männliche Bevölkerung, darunter Greise, Krüppel und zwei Geistesschwache wurden nach Sachsenhausen gebracht. Die an Fischkost und an kräftige Nahrung gewöhnten Norweger vertrugen die KohlSteckrübensuppen sehr schlecht; der weitaus größte Teil erkrankte und verstarb im Lager. Daß den Herrenmenschen auch einmal ein Schnippchen geschlagen wurde und sie nicht immer zu der erwarteten Beute gelangten, beweist der Fall Georg von Espeoom, einem Schiffsreeder aus Bergen. Er hatte es rechtzeitig bewerkstelligt, seinen gesamten Schiffspark aus den nordischen Häfen fort zu dirigieren, damit auch nicht ein einziges Schiff in die Hände der Deutschen kam. Erbost über den Griff ins Leere, wanderte von Especom am 26. 11. 1942 ins KZ Sachsenhausen. Die Frage, ob die östlichen Achsenpartner, die Japaner, der nordischen oder arischen Rasse zuzurechnen waren, ließ sich im Lager nicht klären, weil von dieser Spezies keine Ver171 treter interniert waren; vielleicht galten sie als östliche Herrenrasse. Die südlichen Partner in Italien hingegen wurden im Lager nicht als Herrenrasse behandelt, nachdem man dort den Duce so schmälich kalt stellte, und die Italiener ihm die Gefolgschaft im Kriegführen kündigten. Ebensowenig beliebt waren die Spanier, einerlei, ob sie für oder gegen Franco_gekämpft hatten es waren nämlich beide Kategorien der Einfachheit halber ins KZ gebracht und wurde mit ihnen auch wenig Federlesen gemacht. Nach der Besetzung Hollands, wo die Herrenrasse brutal herrisch zu Werke ging, kamen die Holländer ins Lager, darunter sehr viele Bibelforscher, die den Herrenmenschen ebenso gefährlich schienen, wie die deutschen Bibelforscher, die fast restlos die KZ bevölkerten. Nach der Besetzung Frankreichs langten die ersten Franzosen am 27. 7. 1941 im KZ an, 244 an der Zahl. Es waren Bergleute aus dem Departement Pas de Calais, deren Vergehen darin bestand, gegen ungenügende Bezahlung demonstriert zu haben. Die Herrenrasse hatte für sie einen Tagelohn von RM 3,- bis 3,80 festgesetzt( 1 RM= 20 Fr.), ein Betrag, von dem die Arbeiter nicht ihr Leben fristen konnten, weil damals schon ein Pfund Butter 60 Fr. kostete, und die übrigen Lebensmittel ebenfalls hoch geschnellt waren. Alles irgendwie an Lebensmitteln Erreichbare war von den Deutschen requiriert worden und wurde für die SS in erster Linie verbraucht, Bei der Aktion gegen die Bergleute wurden, nach Angaben der Zugänge, 1500 Bergleute verhaftet. Die Franzosen galten den Herrenmenschen als stark kommunistisch verseucht, weshalb es dringlich erschien, sie in möglichst großer Zahl aus dem Lande zu entfernen und in die Konzentrationsläger zu bringen. Unaufhaltsam gingen die Transporte nach Dachau, Sachsenhausen und nach weiteren, als Vernichtungsläger eingerichteten KZ- Lägern. Die ,, Grand Nation" war undenkbar für die Herrenrasse; jetzt war die Zeit gekommen, selbst ,, Grand Nation" zu markieren. Am 23. 1. 1943 kam wieder ein bemerkenswerter Transport aus Paris in Sachsenhausen an. Vor allem hatte man die Intellektuellen verhaftet und darüber hinaus alles Mögliche zusammengetrieben an Kommunisten, Sozialisten, Polizisten, die ,, isten" hatten es der Herrenrasse angetan. In diesem Transport, der unter der Firma ,, Luna- Aktion" lief, befand sich neben den Zigeunern auch ein großer Teil Krimineller, die sämtlich den roten Winkel als Haftgruppenabzeichen erhielten. Ganz barbarisch ging die Verladung der Verhafteten vor sich, selbst Unbeteiligte, die sich zufällig auf dem Bahnhof befanden, oder von den Angehörigen Abschied nehmen wollten, wurden rücksichtslos mit in die Transportwagen hineingetrieben. Als diese unbeteiligten Personen zu entkommen versuchten, schoß die SS blindlings dazwischen, so daß es Tote und Schwerverletzte gab, die sterbend in Sachsenhausen anlangten, weil ihnen keine ärztliche Behandlung unterwegs zuteil geworden war. Zwei junge Franzosen hatten Kopfschüsse er172 halten u kunft, t Behandl Wie erhellt geführt Anroy a aus Utre gaut au Zoom Beaudou land) us Pierre u präsiden des Tra Der machte zählte m Österrei Reich"-A Schärfe Staremb Gründe und Er folgers mit sein im Juni Beid heraus kreuzfal Hohenb Doch d zeigen, und so folgende D DESC Ent wurden ren des Kamera als hat Die Hohenh fehl, I gehörig nichts ‚chen cher, Fran- ‚aren sehen rt zu ı RM von mals ı Le- ndwie uriert ucht; n der kom- je in n die [rans- , als | Na- » Zeit (,1943 Sach- und Kom- ; der Firma auch ‚el als p Ver- > sich örigen a die ‚chled, ud ngied, il 88 se er halten und waren erblindet; sie starben bald nach ihrer An- kunft, trotz der ihnen durch Häftlingsärzte zuteil gewordenen Behandlung. Wie wahllos dieser Transport zusammengetrieben war, erhellt am besten aus einigen Namen, die nachstehend auf- geführt werden: Fernand Maurice aus Lore/Orrne, Van Hijams Anroy aus Den Haag, Adrien Hebrard aus Paris, Josef Staus aus Utrecht(Holland), Jean Demarsy aus Amiens, Ernest Tre- gaut aus Arpajon/S et O, Hermann Damfeld aus Bergen op Zoom(Holland), Maurice Royer aus St. Germain, Charles Beaudou aus Tholen, Willem van Wyk aus Den Haag(Hol- land) usw. Die Pariser Polizisten Francois Cachot, Maurice Pierre und Albert Priolot und der Bruder des ehem, ‚Minister- präsidenten Pierre Chautemps(59030) beschlossen den Reigen des Transportes, der 1603 Personen umfaßte. Der immer als jovial gelten wollende Hermann Göring machte keineswegs eine Ausnahme als„Herrenrassen-Typ“, er zählte mit zu den brutalsten dieser Species. Nach der Besetzung Österreichs im März 1938— fälschlicherweise als ‚Heim ins Reich“-Aktion bekannt— war es Göring, der sich mit aller Schärfe für die Niederknüppelung der Linksparteien und der Staremberg-Anhänger einsetzte und sie ohne irgend welche Gründe verhaften ließ. So erging es auch den beiden Fürsten Max und Ernst Hohenberg, den Söhnen des österreichischen'Thron- folgers Franz Ferdinand von Österreich-Este, der zusammen mit seiner Gemalin, der Fürstin Hohenberg(geb. Gräfin Chotek), im Juni 1914 in Serajewo dem Attentat zum Opfer fiel. Beide Fürsten Hohenberg wurden in Wien aus einem Hotel heraus verhaftet, angeblich, weil vom Gebäude eine Haken- kreuzfahne herunter gerissen worden war. Max und Ernst Hohenberg landeten im KZ Dachau, weil Göring es verfügte. Doch damit war es für Göring noch nicht abgetan; er wollte zeigen, daß er nunmehr die Gewalt über die Fürsten halte, und so sandte er dem Lagerkommandanten im KZ. Dachau folgendes Telegramm: Dr. Stl. Wien, Nr. 1229. 30. 3..38, 06,55 Uhr= UME— An das K. L. Dachau. Der General-Feldmarschall Göring hat angeordnet, daß die Grafen Hohenberg mit den schwersten und schmutzig- sten Arbeiten beschäftigt werden sollen. Der Inspektor der Sipo. Dauerdienst Wien Stl. Dachau Sinzger. Entsprechend dieser kategorischen Anordnung von Göring wurden die Fürsten Hohenberg mit Latrinenreinigen und Fah- ren des Jauchewagens beschäftigt, was sie ın der Achtung ihrer Kameraden keineswegs herabsetzte. Die Arbeit wurde gemacht, als hätten sie früher nie eine andere Tätigkeit ausgeübt. ‚Die von Göring beabsichtigte Herabwürdigung der beiden Hohenbergs in den Augen der Häftlinge schlug vollkommen fehl, Die politischen Häftlinge, insbesondere die früheren An- gehörigen der Linksparteien, durchschauten das Spiel; es wurde nichts mit dem„Fürstenhaß blutrünstiger Revolutionäre“. Als 173 Kameraden haben sie den beiden herausgestellten Hohenbergs bei den ihnen aufgezwungenen Schmutzarbeiten geholfen. Göring und die Lagerleitung hatten falsch spekuliert, als sie glaubten, einen Akt des Klassenhasses inszenieren zu können. Hier herrschte Einheit: die geschlossene Front der geschmähten und unterdrückten Politischen gegen die Menschenschinder und Achter der Menschenrechte und der Menschenwürde. Im Februar 1940 wurde Ernst Fürst Hohenberg in das KZ Sachsenhausen überführt, nachdem sein Bruder Max vom KZ Dachau entlassen war. An die Lagerleitung in Sachsenhausen war Anweisung ergangen, Ernst Hohenberg mit einer sauberen Beschäftigung zu betrauen. Hohenberg kam in die. Schreibstube des Krankenbaus, in der er bis zu seiner Entlassung im April 1943 verblieb. Während seiner KZ- Schutzhaft war Hohenberg mein Tischkamerad, ein Kamerad im wahrsten Sinne. Mit uns ertrug er alle Leiden und Mißhandlungen, hungerte und fror mit uns, als focht ihn dieser Zustand nicht an. Wenn in der Kantine Einkäufe getätigt werden konnten, dann ging die ihm zur Verfügung stehende Ratenauszahlung restlos drauf für die bedürftigen Kameraden, deren Angehörige keine geldlichen Unterstützungen ins Lager schicken konnten. Mit der Überführung Ernst Hohenbergs kam auch seine Personalakte nach Sachsenhausen. Als einziger Häftling, der zeitweilig in der Politischen Abteilung der Kommandantur beschäftigt wurde, war es mir möglich, auch Einsicht in jene Akten zu nehmen, die ausschließlich für die SS in der Kommandantur bestimmt waren. Ich hatte natürlich alle Vorsichtsmaßnahmen getroffen, wenn ich eine besondere Akte einsehen wollte. In der Regel wählte ich für diese Sonder- Passion einen Sonntagvormittag, weil dann die Politische Abteilung im Kommandantur- Bereich nur mit einem Wachtmann der SS besetzt war. Zwei dieser Wachtmannschaften wechselten miteinander; beide ließen mich schalten und walten und vertrauten mir sogar an, daß es ihnen zuwider sei, mich zu bespitzeln. In der Aufrichtigkeit dieser beiden Außenseiter der SS habe ich mich auch nicht getäuscht. In der bereits erwähnten Akte Hohenbergs war das Originaltelegramm Görings eingeheftet, das ich jedoch nicht zu entwenden wagte, da keine Möglichkeit bestand, es anderweitig sicher unterzubringen. Daher ließ ich es nur von meinem Kameraden Emil Büge, dem im Vorwort aufgeführten spanischen Dolmetscher, lesen und Abschrift machen, um das Original dann wieder der Akte beizufügen. Im Verlaufe des Nürnberger Prozesses ist dieses Telegramm Görings zur Sprache gekommen, als er sich damit auszureden versuchte, nichts von einer schlechten Behandlung und schwerer Arbeit der KZ- Häftlinge zu wissen. Nach der Kapitulation hatte ich eine Abschrift dieses Telegramms dem mich vernehmenden Offizier der alliierten Kriegsverbrecher- Untersuchungskommission übergeben und die Richtigkeit des Inhalts durch Eid bekräftigt. Die Elite der Herrenrasse ist durch den Nürnberger Prozeß der ganzen Welt hinreichend bekannt geworden. Ihr Ziel war die Ausrottung vor allem der Intelligenz aller Länder, 174 aller V nichtun ,, staatsp Sel Ehrend talen F sich un nordisc Polen, ländiscl den He turmho die deu sie wu ums L ihnen n Welt u geraten Na mensch ehemali wirkten mentlic Lon Blockfü im Mai Bauern übergeb 1947 in Suhren trations legung unter gelebt, gegeben Vom C kens, i der SS Von im Okt Zwangs 1942-19 rius, H stav"). trat er, aus. H für die die Op Sakows matoriu Ihn Scharfü Schuber bergs Bring bten, Hier und und S KZ KZ ausen Deren stube April berg Mit und n in gdie f für ichen seine der r bejene Komichtssehen einen Komesetzt nder; sogar Aufmich ginalentweitig einem span das e des prache nichts t der eine ffizier überäftigt. - Pror Ziel änder, aller Völker, aller Rassen. Sie betrieb systematisch die Vernichtung aller Kultur, Wissenschaft und Kunst, was nicht ,, staatspolitisch wertvoll" war nach der Anweisung Goebbels. Selbst ausländische Gelehrte, Wissenschaftler von Ruf, Ehrendoktoren deutscher Universitäten, fanden vor den brutalen Fäusten und Stiefelabsätzen keine Gnade, einerlei, ob es sich um Vertreter der von den Nazis angeblich bevorzugten nordischen Nationen handelte, ob es Gelehrte aus Frankreich, Polen, Rußland, Ungarn, Holland, Belgien, Peru, Mexiko, Holländisch Indien, Ägypten, der Türkei und sonstwo waren, den Herrenmenschen waren sie ,, Ausschuß", über dem sie selbst turmhoch zu stehen glaubten; achteten sie selbst nicht einmal die deutschen und österreichischen Wissenschaftler, denn auch sie wurden zu Tausenden eingesperrt und kamen in Massen ums Leben. Durch die Vernichtung der Intellektuellen, die ihnen nicht restlos gelang, glaubte die Herrenrasse sich die ganze Welt untertänig machen zu können. Sie hatte gründlich fehl geraten, sie fand ihre Meister. Nach der Kapitulation gelang es, einen Teil dieser Herrenmenschen aufzuspüren und festnehmen zu lassen, wobei die ehemaligen Konzentrationäre, dank ihrer Personenkenntnis, mitwirkten. Von dieser SS- Gangster- Elite seien nachstehend namentlich aufgeführt: Loritz, Lagerkommandant von 1939-1942, verhaftet; Höß, Blockführer, später Kommandant des KZ Auschwitz, wurde im März 1946 von mir im Dorfe Gottrupel bei Flensburg als Bauernknecht aufgespürt und der Military Police zur Festnahme übergeben. Beim Verhör gab er vier Millionen Gasmorde zu; 1947 in Warschau zum Tode verurteilt und gehängt. Fritz Suhren, Lagerführer, später Kommandant des Frauenkonzentrationslagers Ravensbrück, entwich 1947. Während der Drucklegung dieses Buches gelang seine Wiederverhaftung; er hatte unter einem falschen Namen als Brauereiarbeiter in Bayern gelebt. Auch in diesem Fall konnte ich durch das von mir gegebene Signalement einen Beitrag zur Identifizierung geben. Vom Chef der Häftlingsbekleidungskammer, Lagerführer Höpkens, ist bereits mitgeteilt, daß er als Leichenfledderer von der SS durch Erschießen hingerichtet wurde. Von dem Sowjet- Militär- Tribunal wurden in Berlin- Pankow im Oktober 1947 nachstehende Verbrecher zu lebenslänglicher Zwangsarbeit in Sibirien verurteilt: Kaindl, Kommandant von 1942-1945; Körner, Lagerführer; Baumkötter, Lagerarzt; Eccarius, Henker im Zellenbau; Gustav Sorge( der ,, Eiserne Gustav"). Sorge war einer der brutalsten Schinderknechte; mir trát er, als ich im Winter auf dem Appellplatz ausglitt, 17 Zähne aus. Höhn, Lagerführer; Horst Hempel, dieser suchte die Opfer für die Gaskammer aus. Rehn, Arbeitsdienstführer, bestimmte die Opfer für die Vernichtungslager und Gaskammer; Paul Sakowski, früherer Häftling, avancierte zum Henker im Krematorium( Wärmehalle). Ihnen reihten sich an die als Blockführer fungierenden Scharführer: Fritz Fickert, Fresemann, Knittler, Saathof und Schubert. Zu diesen vierzehn SS- Gangstern gesellten sich noch: 175 der Berufsverbrecher Paul Zander vom Krematorium und Ernst Brennscheidt, Leiter der Schuhprüfungsstelle, dem die„Schuh- läufer“ unterstanden. Die ‚„Schuhläufer“, welche in der Straf- kompagnie interniert waren, hatten täglich 40 km Gepäckmarsch auf dem Appellplatz zu machen, um die Güte neuer Militär- schuhe auszuprobieren. Brennscheidt und Zander wanderten auf 15 Jahre nach Sibirien. Über das Schicksal nachstehender Sadisten ist mir bis zur Drucklesung des Buches nichts bekannt geworden: Baierle (Schweinebacke), Bugdala(Brutala), Clausen, van Deezen, Ding- gräfe, Drechsler, Eilers, Gehring, Grünwald, Lagerführer-Ju- welenräuber en gros, Hering, Hoffmann, Plünderer der Häft- lingskantine Houtjes, Lagerführer Jude(Arier trotz seines Na- mens), Juhren, Janssen(Blaubacke), Rapportführer und später Lagerführer des KZ Natzweiler Hermann Campe, Kaiser, Keß- ler, Kindervater, Knoop, Köhler, Rönig, Lagerführer Krämer, Krieber, Kümmerle, Maierhöfer, Hauptscharführer Moll— arrangierte die Massenmorde durch Gas und fuhr mit zwei Henkersknechten von einem KZ zum andern; Müller(Knochen- brecher), Nägele, Rapportführer Nowacki, Pfaff, Pless, Pra- mann, Prengelmann, Hauptscharführer und Leiter der Häftlings- küche, Obergauner von Ruf Rackers, Ress, Lagerführer Sauer, Sadist des Zellenbaus Siemke, Schanz, Schmuntsch, Schnepper, Thieme, Timmerle, Wiegand, Winnich, Zwejn, Lehmann und Dannel, Chef der Politischen Abteilung. Zu ihnen gesellen sich noch: Untersturmführer Ballhause von der Sonderkommission, die für das RSHA die Opfer aus den Reihen der Politischen hervorholte und diese dem Tod durch Erschießen oder Gas überantwortete. Sein Helfer war der bereils genannte Häftling Rudolf Haas, genannt Kuchan, der in Flensburg erkannt und verhaftet wurde. Weiterer Helfer des RSHA war der Kriminalchef Erdmann von.der Politischen Abteilung. Der Rapportführer Böhm, welcher mit dem Horst Hempel die Opfer für die Gaskammer aussuchte, wurde in einem der Kapitel bereits genannt. Als letzten in der Reihe der Henker nenne ich noch den Stabscharführer Ullmann im Krankenbau, der ‚zu‘ Versuchszwecken“ die Giftspritzen in rauhen Mengen austeilte, Den Reigen der Herrenrasse-Elite beschließen die verbreche- rischen Häftlinge und Helfer der SS: Richard Mandel(ge- nannt: Peronje), Blockältester der SK; Wilhelm Böhm(aus Worms), Totschläger im Krematorium. Beide hat das Schicksal noch im Lager erreicht: tot. Mit der Aufführung der Namen des Berufsverbrechers Hans Gärtner, als Henkersknecht im Krematorium, Alfred Flegel, dem Handlanger des Arbeitsdienst- leiters Rehn, Wilhelm Jacob, Vorarbeiter der ‚Schuhläufer“ und Wilhelm Thierhoff, Vorarbeiter im Krankenbau und Hand- langer des bereits aufgeführten Giftmörders Ullmann möge die Liste, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit macht, ihren Abschluß finden. Vor den Augen der Überlebenden vom KZ Sachsenhausen sollen die Namen ihrer einstigen Peiniger noch einmal Revue passieren, 176 Ernst chuhStrafarsch litärMerten s zur aierle Dinger- JuHäfts Naspäter KeBFamer, 11zwei chenPratlingsSauer, epper, und hause er aus Tod r war uchan, Helfer ischen Horst de in Reihe nn im zen in recheel( ge( aus nicksal Namen ht im dienstläufer" Handge die ihren m KZ noch 20. Kapitel Deutschland hat das Wort„ Pazifismus" in seinem Wörterbuch gestrichen. v. Papen, Gesandter in Ankara. Friedrich der Große war der erste Nationalsozialiſt. Dr. Hjalmar Horace Greeley Schacht. Plaudereien zwischen den Baracken Jeder Zugang, mochte er aus der Freiheit, dem Gefängnis oder dem Zuchthaus kommen, auf ihn wirkten die im KZ angewandten ,, Erziehungsmethoden" und die Zustände überhaupt derart niederdrückend, daß selbst langjährige Zuchthausinsassen schon nach einigen Tagen äußerten: ,, Lieber zehn Jahre Zuchthaus als einen Monat KZ!" Vor dem Naziregime war der Sträfling im Zuchthaus noch als Mensch behandelt worden, wenn er sich der Anstaltsordnung fügte und sich damit abfand, eine Arreststrafe auf sich zu nehmen, wenn er sich vergangen hatte. Eine solche Arreststrafe war jedenfalls ohne die geringsten körperlichen Nachteile zu ertragen. Keinesfalls hatte er Mißhandlungen oder Torturen mit Todeserfolg wie hier, zu befürchten. Es gab dort auf Grund guter Führung die Möglichkeit, sich kleine Vergünstigungen zu verschaffen, alles Dinge, die im KZ fortfielen. Im KZ war das Leben und die Gesundheit stündlich bedroht ,,, Schutzhaft" nannten die Nazis diese Inhaftierung, die ohne ersichtlichen Grund geschah. Vor der Bevölkerung, vor seinen Mitmenschen brauchte er nicht geschützt zu werden, doch im KZ mußte er sich vor den Brutalitäten der SS schützen, so daß die Bezeichnung ,, Schutzhäftlinge" blutiger Hohn war, wenn die Lagerführung besonders zu betonen pflegte, die Schutzhäftlinge seien keine Gefangenen und die Schutzhaft keine Strafe. Es sollte auch eine Schrift in der KZ- Bibliothek existieren: ,, Das Recht der Schutzhaft", doch man hat bei Nachfragen unter den Häftlingen nie feststellen können, daß es diesem oder jenem gelungen sei, besagte Schrift in die Hände zu bekommen oder etwas von ihrem Inhalt zu erfahren. Unter dem Kommandanten Loritz, dem bereits genannten Erz- Sadisten, bestand die Woche aus sieben Arbeitstagen und 12 Lienau, Zwölf Jahre Nacht 177 wenn es den Häftlingen nicht gelang, einige Stunden Schlaf wegzustehlen, so hatte der Tag vierundzwanzig Arbeitsstunden. Bei bitterster Kälte, bei Sturm und Regen mußten die Mittagsmahlzeiten im Stehen auf dem Appellplatz eingenommen werden und nach spätestens zehn Minuten hatte der Häftling sich wieder zur Arbeit oder für das ,, Stehkommando" bereit zu halten. Der gegenseitige Besuch in den Baracken war zeitweilig bei Prügelstrafe verboten und irgendwelche Unterhaltungsspiele ebenfalls, ganz zu schweigen von kleinen Veranstaltungen zu Weihnachten, Neujahr, Ostern und Pfingsten. Pakete von Angehörigen durften nicht empfangen werden. Wurden solche aus Unkenntnis geschickt, so hatte der Häftling kein Recht, darüber nach Hause zu schreiben. Die eingegangenen Pakete stahl die SS und nahm den Inhalt für sich, wie es insbesondere die Polen und Tschechen monatelang teststellten. Auch später- nachdem 1942 Loritz abrückte blieb für die SS- Blockführer das Bestehlen der zugelassenen Häftlingspakete als Gewohnheitsrecht weiter bestehen. - Wenn Zeit und Witterung es erlaubten, konnten sich die Häftlinge leise unterhalten und ihre Gedanken austauschen; die Politischen machten hiervon besonders Gebrauch, um sich gegenseitig seelisch zu stützen und vor allem, um sich über alles zu verständigen, Warnungen zu geben und dergleichen mehr. Man erzählte sich im Flüsterton so manchen netten Witz, den die Zugänge mit ins Lager gebracht hatten, Witze, die selbstverständlich auf Kosten der Nazis im allgemeinen und auf die als den ,, Drei Koryphäen Hitler, Göring und Goebbels Weisen aus dem Morgenlande"- und den Generalsäufer Ley im besonderen gingen. - Man erfuhr von diesem und jenem Leidensgefährten, weshalb er ins Lager gekommen war, hörte von seinen Familienverhältnissen und Sorgen um seine Angehörigen zu Hause, denen sie brutal durch die Gestapo entrissen wurden. Ein Kölner namens Backhaus war ins Lager gekommen, weil der als Rivale auftretende Gestapomann ihm die Braut abspenstig machen wollte. Backhaus kam mit verschärftem Schutzhaftbefehl ins Lager und wurde gemäß Anweisung in der SK in einigen Wochen zu Tode geschlagen. Ob die Braut den Gestapomann erhörte, wurde nicht bekannt. Die von der SS zensierte Post, Briefe und Karten aus der Heimat, war nicht immer erfreulichen Inhalts, denn die Frau, Kinder, Eltern und andere Angehörige schilderten ihre Notlage, die durch die ,, Schutzhaft" ihres Ernährers heraufbeschworen wurde. War der Briefschreiber zu offenherzig mit seinen Auslassungen, so wurden von der SS- Zensur die entsprechenden Stellen herausgeschnitten und dem Empfänger ein völlig zerschnittener Papierfetzen, der häufig nur die Anschrift erkennen ließ, ausgehändigt. Der etwa auf der Rückseite befindliche harmlose Inhalt war vom Zensor gleichfalls zerschnitten worden, so daß überhaupt keine Möglichkeit bestand, dem Absender den Brief zu bestätigen. 178 Das denden Verhält mend 1 stapole scheide derunge setzen Gestapo Fällen von sic er neb lischen Heimat Erf der Fr über s Lebens schlech waren. Es wo die zumeis denn, beweis politis Die Ze bedaue bruch diese rückgä W platz, im La gaben, Märch verme man a kam bestim Leidan mittel An tisiert und F daß d erschu wegs den Be BVer die P Schlu 12* hlaf den. agsversich zu eilig Diele zu den. ling ganwie testenen die en; sich alles ehr. den lbstdie Drei Ley weslienenen Iner vale chen ins igen mann der rau, Notauferzig die nger Anückfalls beDas trübste Kapitel betraf die durch Briefe bekannt werdenden brutalen Einmischungen der Gestapo in die ehelichen Verhältnisse des Konzentrationärs. Tausendfach übereinstimmend lauteten die Briefe dahin, daß die verbrecherischen Gestapoleute die Frauen aufforderten, sich von ihren Männern scheiden zu lassen, weil sich dann die NSDAP mit ihren Gliederungen für die Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage einsetzen würde. Diese systematische Zerrüttung der Ehe durch die Gestapo und die Vergewaltigungen der Ehefrauen führten in vielen Fällen zu Ehescheidungen, die der Häftling entgegennahm oder von sich aus durch einen Anwalt anstrengen mußte. So hatte er neben dem unerträglichen KZ- Leben auch noch die seelischen Schmerzen zu erdulden, die ihm die Gestapo in der Heimat bereitete. Erfreulich ließ sich feststellen, daß ein großer Prozentsatz der Frauen Politischer allen Anfechtungen der Gestapo gegenüber standhielt und zu ihren Männern hielt, deren unbeugsame Lebensgefährtinnen sie Jahrzehnte lang schon in guten und schlechten Tagen und vor allem im Kampf gegen die Nazis waren. " Es war nicht immer leicht, dem Kameraden in den Fällen, wo die Frau die Klage eingereicht hatte, zu raten, doch fiel zumeist der erteilte Ratschlag so aus: Wehre Dich nicht, denn, wenn die Frau es vorzieht, Dich jetzt zu verlassen, so beweist sie, daß ihre Anteilnahme an Deinem Geschick als politischer Kämpfer niemals ernst war. Daher gib sie frei. Die Zeit wird kommen, wo sie diesen Schritt auf das tiefste bedauert." Dieses Argument hat sich nach dem Zusammenbruch des Hitler- Regimes als wahr erwiesen; denn nun hätten diese Ehescheidungs- Kandidaten das Geschehene gern wieder rückgängig gemacht. Wenn es Abend wurde, zog man gemächlich zum Appellplatz, um Nachrichten zu hören. Fünf Lautsprecher waren im Lager aufgestellt, die gegen acht Uhr OKW- Berichte durchgaben, deren Wert bei den Häftlingen im Kurs stand wie die Märchen aus ,, Tausend und einer Nacht". Es folgten die unvermeidlichen Worte: ,, Es spricht Hans Fritsche" und hatte man auch dieses Geschwafel über sich ergehen lassen, dann kam der unvermeidliche Josef Goebbels mit seinen Tiraden; bestimmt wurde uns am Freitag Abend sein Leit- oder besser Leidartikel aus der Großkinder- Zeitung ,, Das Reich" als Brechmittel serviert. Anschließend wurde von den Häftlingen das Gehörte kritisiert und kommentiert und ließ sich feststellen, daß Kritik und Kommentar wirklich erfrischend und aufmunternd wirkte, daß die Nazis nicht den gesunden Geist der Politischen zu erschüttern oder gar zu töten vermochten. Man war auch keineswegs zurückhaltend mit seiner Meinung, wenn die Umstehenden ,, stubenrein" waren. Bemerkenswert war die Tatsache, daß sich sehr wenig BVer und Asoziale zu den ,, Nachrichten" einfanden, sondern die Politischen überwiegend den Platz einnahmen. Nach dem Schluß des Nachrichtenempfangs wurden zwischen den Ba12* 179 Wo racken die Tagesereignisse durchgegangen und nötige Parolen herausgegeben, sowie Bekanntschaften mit den neuankommenden Gesinnungsfreunden angeknüpft, um den Kreis der politischen Widerstandsanhänger zu erweitern. Hier erhielten auch jene ihre politische Schulung, die im Kampf gegen den Nazismus untätig und uninteressiert abseits gestanden hatten und nunmehr erst durch ihre Verhaftung und KZ- Haft zu Mitkämpfern gegen die SS im Lager und das Regime überhaupt gewonnen wurden. Ein neuer Zugang wurde im vertrauten Kreise eingeführt. Politische Freunde hatten ihn erkannt und legitimiert, so daß seine Persönlichkeit einwandfrei feststand. Alle Torturen während der Gestapohaft hatte er über sich ergehen lassen müssen; nichts war ihm erspart geblieben: Gefängnis, Zuchthaus, Moorarbeit in Esterwegen, Lichtenberg, verunglückter Fluchtversuch mit darauffolgender Bestrafung durch Pfahlhängen und fünfzig Stockhieben bei Überschnallen auf dem Bock. Anschließend ein halbes Jahr in der SK und darauf in den Steinbruch eines Vernichtungslagers. Er hatte es überstanden; denn der Lebenswille stärkte ihn und hielt ihn hoch; er wußte, daß er aushalten mußte, weil die Nazis nicht ewig regieren würden, und einmal wieder die Sonne der Freiheit über Deutschland und die unterjochten Länder scheinen müsse. Als lebendes Skelett langte dieser politische Märtyrer in Sachsenhausen als einer von vielen an. Ihm mußte jetzt geholfen werden und ihm wurde geholfen. Einer der Kameraden reichte ihm den Rest seiner ,, Kuhle"( Tagesbrotration) und nach einigen Minuten hatten ihm weitere Kameraden Brot, Margarine und einen Schlag Essen gebracht, so daß er erklären konnte, nach vielen Jahren einmal wieder richtig satt geworden zu sein. Doch nicht genug damit, jetzt ging es Reih' um; täglich war ein anderer Kamerad mit seiner Zulage zur Stelle, und nach einigen Wochen hatte die kameradschaftliche Hilfe der Politischen aus dem Skelett wieder einen Menschen gemacht, der anerkennen mußte, daß der Geist im Lager ausgezeichnet sei und über die brutale Gewalt siegen müsse, selbst wenn der Zeitpunkt sich auch noch nicht errechnen ließ. So war der Zusammenhang der Politischen im KZ im Gegensatz zu den Kriminellen und Berufsverbrechern, die sich nicht gegenseitig halfen, sondern zum größten Teil darauf bedacht waren, das Wenige, was der Ausgehungerte besaß, dem anderen noch zu stehlen, um ihn dann verrecken zu lassen. Was hast Du mir zu geben, dann kannst Du von mir Brot, Wurst und Butter bekommen!", war der Standpunkt des Kriminellen, der auch im Lager nicht verleugnete, daß er als Feind jeglicher Gesellschaftsordnung und jeder Staatsform nur auf Kosten seiner Mitmenschen, selbst der Hungernden im KZ sich behaupten wollte. Kaltblütig und charakterlos verrieten sie selbst eines geringen, oftmals nur versprochenen Vorteils willen ihre eigenen Kumpanen, nicht zu reden von den Fällen, wo sie bei jeder sich bietenden Gelegenheit einen Politischen der SS auszuliefern geneigt waren. 180 von je merads gedach Heimat und zu Gunste keiner Wi schlech folgten nissen wenn Brühe Es den F Erlebn mehr, aus de widers Worin Hitlers erzähl ich tu nicht schen sie mi Saatko das S nichts Als de war m einen Platz durch mir, hab' Plank aufges der N ,, Gib meine Partie und ich: Fuß meint Jahr als B schne ein 7 ich k Wohltuend stachen die Ausländer und die Bibelforscher von jenen Egoisten ab; denn sie halfen stets.in wahrer Ka- meradschaft, und insbesondere sei hier der Norweger und Dänen edacht, die von den Rote-Kreuz-Paketen aus der nordischen eimat regelmäßig die hungernden Kameraden mitversorgten und zum größten Teil auf die ihnen zustehenden Lagerkost zu Gunsten der SK-Leute und der Russen verzichteten, denen von keiner Seite Sondergaben zuteil wurden. Wie Sonnenschein und Regen einander ablösten, den vielen schlechten Tagen auch gelegentlich gute Stunden im Lager folgten, so versuchten auch die Kameraden allen Vorkomm- nissen nach Möglichkeit die guten Seiten abzugewinnen, und wenn es auch nur wenige Fettaugen waren, die auf der trüben Brühe des elenden Lagerlebens schwammen. Es gab auch mal freudvolle Stunden, die man jedoch an den Fingern abzählen konnte. Neben den Witzen gab es doch Erlebnisse, die uns vergnügt zu stimmen vermochten, umso- mehr, wenn die Pointe auf Kosten der Nazis ging. Ein Bauer aus dem Hannöverschen, der sich dem Eintritt in die„Partei“ widersetzte, kam wegen Verhöhnung des„Führers“ ins KZ. Worin: sein frevelhaftes Tun gegen die geheiligte Person Adolf Hitlers bestand, hat er nachstehend launig und anschaulich erzählt: „Ja, als ich nun sagte, Ihr könnt machen, was Ihr wollt, ich tue, was ich will, ich gehe nicht in die Partei und auch nicht in die SA, und wenn Ihr mir den ‚Maskeradenanzug schenken wollt, mitsamt der Käseschachtel als Mütze; da haben sie mich aus der Genossenschaft rausgeschmissen, daß ich kein Saatkorn und künstlichen Dünger mehr bekomme. Und wenn das Saatkorn nichts unter die Füße kriegt, dann kommt auch nichts rein, wenn es auf Sandboden wächst, wie ich ihn habe. Als der Hafer überall gut stand. und gut aufgelaufen war, da war meine Haferkoppel an der Dorfstraße man sehr mau. Knapp einen Fuß hoch stand der Hafer; und dann war noch so viel Platz zwischen den einzelnen Halmen, daß man gut zwischen- durch gehen konnte. Da kam der Bauernführer und sagte mir, mir solle die Bauernfähigkeit abgesprochen werden. Ich hab’ nix gesagt und hab’ denn ein paar Tage danach einige Plankenbretter auf zwei Ständer angenagelt und auf der Koppel aufgestellt, daß jeder es sehen konnte und dann hat mein Sohn, der Maler ist, den Ausspruch von Hitler darauf gepinselt: „Gib mir vier Jahre Zeit!“ Da hatte ich die Lacher alle auf meiner Seite, aber der Bauernführer war nicht mit von der Partie und zeigte mich bei der Gestapo an, die mich abholte und fragte, wer die vier Jahre Zeit haben sollte. Na, sagte ich: der Hafer, damit er in dieser Zeit statt einen Fuß vier Fuß hoch wächst. Das wäre Verächtlichmächung des Führers, meinte der Gestapomann, denn der Hafer wächst nur ein Jahr und keine vier Jahre hintereinander, das wüßte ich auch als Bauer. Als ich dann sagte, daß bei Hitler doch alles viel schneller ging und tausend Jahre doch bei ihm wären wie ein Tag, da kriegte mich der Gestapomann beim Arm und ich kam zur Stadt ins Gefängnis und nun bin ich hier im KZ. 181 Derartige Erzählungen machten Laune und zeigten, daß auch unter der Landbevölkerung Gegner der Nazis waren, die sogar mit einem satirischen Humor aufwarten konnten, den man dort kaum vermutete. Zwei andere Dörfler saßen in gemeinsamer Sache im KZ, der eine war Kaufmann und der andere Kassierer von der Dorfsparkasse, zwischen denen sich folgendes Gespräch abgespielt hatte, welches von einem Denunzianten zur Gestapo getragen wurde: " Wenn ich nun meine tausend Mark hier einzahle", sagte der Kaufmann, ,, wer garantiert dafür, daß ich sie wieder zurückbekomme?" ,, Dafür garantiert der Führer", versicherte der Kassierer. ,, Aber wenn der Führer mal stirbt, was dann?" ,, In diesem Fall Göring". ,, Und wenn der auch stirbt?" ,, Dann garantiert die Nazipartei für die Einlage". ,, Ja, ganz gut; aber wenn die Partei Pleite macht, was wird dann mit meinem Geld?" Worauf der Kassierer ihm zuflüsterte: ,, Sollte denn das keine tausend Mark wert sein?" Nun warteten beide im KZ, bis die Nazipartei zum Teufel ging, wofür gern die tausend Mark draufgehen konnten und noch weitere Tausend dazu, die der Kassierer besonders opfern wollte, um den Denunzianten zu vertrimmen. Von einem Schutzpolizisten, der in der Nähe von Goebbels Villa Posten gestanden hatte, erfuhr man gleichfalls Interessantes über die Gründe seiner Einlieferung ins KZ. Er hatte auf die Frage nach der Belegenheit der Reichsbräuteschule geantwortet: ,, Sie meinen wohl das Reichsbordell des Bocks von Babelsberg?" Das war zu stark- Josef als den Bock von Babelsberg zu bezeichnen. Aber es war doch unterhaltsam, etwas Näheres über die Aufgaben der Reichsbräuteschule zu erfahren, die neben Goebbels Villa lag. Also dort wurden die Bräute der SS- Leute geschult", im Kaffeekochen, Reinmachen und abschließend in Kinderpflege. Den nächtlichen Unterricht in den Betten gab Josef persönlich. So der Bericht des Schutzpolizisten und nunmehrigen Häftlings. es Eines Tages kam Bewegung in die Reihen der Häftlinge; war der 22. Juni 1941. ,, Krieg gegen Rußland". Der ,, Führer" hatte wieder einmal rechtzeitig zugegriffen, wie er es bei allen Überfällen kund zu tun pflegte. Die Lautsprecher auf dem Appellplatz überschwemmten die Häftlinge mit Strömen von Siegesnachrichten. ,, Der Fall Leningrads in den nächsten Stunden zu erwarten!" So und ähnliche Schwätzereien wurden vom Nachrichtendienst des OKW durchgegeben. Die Tatsache, daß es nun zum unvermeidlichen Bruch mit der Sowjetunion kommen mußte, war also gegeben. Bei den Politischen wurde nun eifrig diskutiert, wie sich die Dinge auf dem östlichen Kriegsschauplatz auswirken würden. Der Optimismus feierte unter den Häftlingen kleine Triumphe und vor allem rechnete man damit, daß durch den nunmehrigen Zweifrontenkrieg das Kriegsende beschleunigt würde. Bei einem Teil der Politischen wirkte der schnelle Vormarsch in Rußland 182 beunruh zuneigte handelte Die wegs m Bresche sich geg Schattie hoffte n liche Be In Papier Zu Schöle weitere beunruhigend, während der überwiegende Teil der Ansicht zuneigte, daß es sich um eine Taktik der Sowjet-Heeresführung handelte. Die Siegesmeldungen des OKW konnten uns im Lager keines- wegs mißmutig stimmen; denn nun war endlich einmal die Bresche geschlagen und eines Tages würde das Waffenglück sich gegen Hitler wenden. Bei den Häftlingen aller politischen Schattierungen und Nationen, ja selbst in BVer- und Aso-Kreisen hoffte man auf den Sieg der Alliierten und damit unsere end- liche Befreiung aus den Klauen der Nazis und der SS. In diesen Tagen war es, als ich nachstehende Verse zu Papier brachte: Freiheitshymne der Konzentrationäre, (Mel.: Dänischer Sozialistenmarsch). Es rückt nun heran eine neue Zeit, . Das Morgenrot kündet sie an. Das Licht aus dem Osten— der Freiheit Geleit— Durch’s Dunkel bricht es sich Bahn. Aus Jahren der Trennung, der Haft und der Not, Der Drangsal, Entbehrung und Plag’, :,: Dem Hunger, der Kälte, entgangen dem Tod, Hinein in den strahlenden Tag.:,: Horch auf die Fanfaren, den jubelnden Chor, Hell klinget ihr Ruf schon herein. Bald öffnet sich allen uns wieder das Tor, Dann werden wir Mensch wieder sein. Der Freiheit entgegen im köstlichen Licht Und hinter uns Hölle und Nacht. :,: Die Ketten zerreissen, die Fessel zerbricht, Die hier uns zu Sklaven gemacht.:,: Gedenket der Kämpfer, die nun deckt das Grab, Die Opfer der Willkür wie wir. Wir senken die Fahne zu ihnen hinab, Die uns war Fanal und Panier. i Was sie mit begannen, wir führen’s zum Ziel, Getreu dem gemeinsam’ Gebot.; :: Wird mancher noch fallen, wie jener schon fiel, Nicht schreckt uns der Kampf, nicht der Tod.:,;: Und zieh'n wir gemeinsam hinaus durch das Tor, Mit Treuschwur fest Hand in Hand. In Einigkeit bleiben wir fest wie zuvor Und halten in Zukunft auch stand.:. Zum Kampf für die Freiheit war’n stets wir bereit. Zum Kampfe für Wahrheit und Recht. 5 :,: Wir schmieden die Waffen der neuen Zeit Für ein freies Menschengeschlecht.:,: Zuerst vertraute ich diese Verse meinem Landsmann Martin Schöler an, der nichts Eiligeres zu tun hatte, als sie einem weiteren Kreis vertrauter Politischer zur Kenntnis zu bringen, 183 ohne den Namen des Verfassers zu nennen. Im engsten Zirkel wurde die Hymne gesungen und auch in einige Sprachen, zuerst in die tschechische, übersetzt. Die Hoffnung auf baldige Beendigung des Krieges und Sieges der Alliierten und somit auch auf Befreiung aus langjähriger KZ- Haft ließ die Fälle des Flüchtens von den Außenarbeitskommandos seltener werden. Die Lagerführung formierte nach dem Abendappell Kolonnen bis zu tausend Häftlingen, die mit normaler Bewachung durch SS- Mannschaften zum Güterbahnhof Oranienburg marschierten, um dort sog. Beutewagen abzutransportieren, die im Lager und im Walde neben dem Lager ,, ausgeschlachtet" wurden. Nicht ein einziger Fall von Flucht war bei diesen Transporten zu verzeichnen, obwohl es bei eingetretener Dunkelheit ohne Schwierigkeiten möglich gewesen wäre, unbehelligt fortzukommen. Doch nichts von alledem. Die Häftlinge hielten aus, beseelt von dem Gedanken, daß die Freiheit für alle nicht mehr fern sei. Wie beim Kommis der Marschgesang die ,, Schlappen" wieder aufrütteln sollte, so auch das befohlene Singen im KZ. Nach Beendigung des Appells mußte auf dem Platz gesungen werden, nicht aus Freude am Männergesang, nein, um den Häftlingen die Freizeit zu beschneiden. Bis zum Erbrechen gröhlte man die sog. Lagerlieder, allen voran: In Esterwegen.. Grün ist die Heide... und dann solange, bis es den Rapportführern selbst aus dem Halse hing. Wenn die Texte nicht klappten, wurden Übungsstunden in den Baracken angesetzt. Von einer Begeisterung beim Singen konnte keineswegs die Rede sein. Nur die selbstgewählten Lieder, vor allem die verbotenen, konnten begeistern. Auf den Märschen zum Bahnhof marschierten die alten politischen Kämpfer an der Spitze und sangen Freiheitslieder, in die dann die übrigen Häftlinge mit einstimmten. Auch die auf den Straßen verweilenden Bewohner Oranienburgs riefen uns aufmunternde Worte zu. Es wurde gesungen: ,, Empor zum Licht"- ,, Brüder zur Sonne" ,, Wenn wir ziehen Seit' an Seite" usw., Lieder, an denen nicht einmal die SS Anstoß nahm, jedenfalls weil sie nichts mit dem Inhalt anzufangen wußte. Als man sich jedoch eines Tages mit der Arbeiter- Marselleise von Jakob Audorf durch die Straßen Oranienburgs gewagt hatte, wurde vom Rapportführer Nowacki das Singen auf dem Marsche verboten weil es kein Lagerlied war. Hätte er den Text des Liedes gekannt, so wäre höchstwahrscheinlich eine Kollektivbestrafung der gesamten Beutewagen- Kolonne die Folge gewesen. Am nächsten Abend, nachdem die Lagermauern außer Sicht waren, setzte der Gesang der Freiheitslieder durch die Straßen Oranienburgs aufs Neue ein, ohne daß irgendwelcher Einspruch oder Verbot wieder bekannt wurde. Ja, man konnte sich sogar erlauben, den Sozialistenmarsch und die Internationale singen. Was wußte die SS von ihren Texten!.. delte, n Zivilbev waren s Landleu Unte beordert die es Wagen und da der Lag sich üb ,, tausche Er wur Lager Tauschk Inne und Bev brachte hatte ke es die zu hab Dinge, oder La Organi Diebstah Gutes, Hin durch S werden, raden d mit den damit n stahl v dete, er exempla das Be Bei liche E nahmen wertvol minelle troffen jeder B Wachdi minelle die nun Mörder, schaum Zu zu gleich Bezüglich der Beutewagen sei bemerkt, daß es sich nicht. allein um erbeutetes Wagenmaterial der alliierten Heere han184 häuser verhafte besetzte delte, nein, auch Privatwagen wurden in rauhen Mengen der Zivilbevölkerung weggenommen, selbst die Bauernwagen und waren sie noch so minderwertig— man nahm sie den ärmsten Landleuten, um sie im Lager zu Brennholz zu zerschlagen. Unter den BVern, die gleichfalls mit zum Holen der Wagen beordert waren, fanden sich sofort einige„Geschäftstüchlige“, die es fertig ‚brachten, auf dem Transport die wertvollsten Wagen an Zivilisten gegen klingende Münze— 200 bis 300 RM und darüber zu ‚verscheuern“., Nur einmal wurde ein Fall der Lagerleitung bekannt, weil der Käufer reklamierte, da er sich übervorteilt fühlte und den Wagen beim Lagerführer „tauschen“ wollte. Dieses ist ihm‘jedoch schlecht bekommen. Er wurde über den Weg der Gestapo selbst als Häftling ins Lager gebracht und konnte sich nunmehr mit seinem BV- Tauschkontrahenten im KZ auseinander setzen. Innerhalb und zwischen den Baracken war immer Leben und Bewegung; denn der Tauschhandel, welcher immer blühte, brachte es mit sich. Das Geld und noch weniger das Lagergeld hatte keine Kaufkraft. Devise war die Zigarette, selbst wenn es. die schäbigste Machorka war. Für die Zigarette war alles zu haben und für sie wurde alles ‚‚besorgt“, selbst solche Dinge, die aus den Lagerbeständen der SS-Kantine, Küche oder Läger auf geheimnisvolle Art„requiriert“ waren. Das „Organisieren“ aus den Beständen der SS galt keineswegs als Diebstahl, es war lediglich das Wiederbeschaffen desjenigen. Gutes, welches den Häftlingen von der SS gestohlen wurde. Hingegen wurde der Diebstahl unter den Lagerinsassen durch Selbstjustiz streng geahndet. Es konnte nicht geduldet werden, daß verbrecherische Elemente den hungrigen Kame- raden das Brot und die sonst so kärglich bemessenen Portisnen, mit denen sie ihr Leben fristen sollten, entwendeten und dann damit noch Geschäfte machten. Wer gewissenlos durch Dieb- stahl von Lebensmitteln das Leben seiner Kameraden gefähr- dete, erhielt, wenn Ermahnungen nichts gefruchtet hatten, eine exemplarische„Abreibung“, die ihm zumeist für die Folgezeit das Begehen von Kameradschaftsdiebstählen verleidete. Bei den kriminellen Elementen versagten allerdings sämt- liche Ermahnungen; sie erbrachen Baracken und Spinde und nahmen alles, was für sie zum Tausch von Rauchmaterial wertvoll erschien. Als das Lager sich immer mehr mit Kri- minellen füllte, mußten besondere Sicherheitsmaßnahmen ge- troffen werden, und so blieben selbst während des Appells in jeder Baracke Wachen; auch des Nachts mußte ein besonderer Wachdienst eingerichtet werden. Die Überflutung durch Kri- minelle wurde veranlaßt durch das Leeren der Zuchthäuser, die nunmehr ihre langjährigen und lebenslänglich verurteilten Mörder, Sittenverbrecher, kurz gesagt, den wirklichen Ab- schaum der Menschheit auf die Häftlinge des Lagers losließen. Zu Tausenden langten die Sicherheitsverwahrten und ihnen leich zu wertende Kriminelle 1942 im KZ an; die Zucht- Kansen: wurden frei gemacht für die in immer größeren Massen verhafteten Politischen, sowohl aus Deutschland, wie aus den besetzten. Ländern. 185 Der weitaus größte Teil dieser zu langjährigen oder gar lebenslänglich Verurteilten hielt das Lagerleben nicht allzulange aus. Sie waren im Zuchthaus an ein geruhsames gleichmäßig ablaufendes Leben gewöhnt und dort als Menschen behandelt worden. Hier änderte sich alles von Grund auf. Die geheizte Zelle und die bessere Verpflegung wie auch die Behandlung wurde ersetzt durch unmenschliche Behandlung, Kälte und unzureichende Verpflegung. war. Schon in den ersten Tagen starben die Sicherheitsverwahrten und langjährigen Zuchthäusler dahin wie die Fliegen, Es weil die totale Umstellung für sie unmöglich war sichtbar, daß von Seiten Himmlers durch ,, Verlagern" dieser Kriminellen ins KZ deren beschleunigtes Ableben gewollt war. Von den Politischen wurden ihnen auch keine Tränen nachgeweint. Wer sollte denn überhaupt noch ein Interesse an den stereotypen Feinden der menschlichen Gesellschaftsordnung haben, Elemente, die jegliche Staatsform unterminierten und mit den Nazis zusammen die Kämpfer für politische Freiheit verrieten und ihnen den Tod brachten. Für die Politischen galt der Zusammenhalt unter sich als höchste Pflicht, die Stärkung der Kampfmoral selbst unter den schwierigsten Verhältnissen, wie sie eben nur ein KZ mit sich brachte. ,, Kopf hoch!" war die ständige Losung; denn einmal mußte der Tag kommen, der uns allen die Freiheit bringen mußte. Mochten auch die Lautsprecher und die im Lager gelesenen Nazi- Zeitungen täglich von den ,, unersetzlichen Verlusten und der gesunkenen Kampfmoral des Feindes" berichten, niemals konnten sie das Vertrauen der Politischen auf ein Beenden dieses elenden Daseins erschüttern. Mochten die deutschen Truppen noch tiefer in Rußland vordringen, Balkan und Nordafrika besetzt werden, es machte keinen Politischen sowie die mit ihm sympathisierenden Kameraden mutlos, selbst nicht die Ausländer, in deren Heimatländern die Waffen- SS hauste. Anders die SS- Führung, die in allen diesen Siegen sich dem Ziel: Endsieg über alle Völker- näher sah wie je zuvor. In ihrer Siegerlaune glaubte sie dann auch einmal eine billige Geste zu zeigen dadurch, daß kleine Erleichterungen im Lager geschaffen und zugelassen wurden. Es wurde erlaubt, Unterhaltungsnachmittage zu veranstalten, und so sah man dann in der zur Verfügung gestellten Trocknungsbaracke 28, die mit einer Bühne ausgestattet wurde, zunächst Variete- Vorstellungen, in der die Künstler aller Länder ihr Bestes hergaben: Virtuosen auf allen Gebieten und aller Länder, gleichsam eine internationale Schau. Die Häftlinge spielten den ,, Biberpelz" von Gerhart Hauptmann unzählige Male vor vollbesetztem Hause und gleichfalls das humorvolle Stück ,, Der Maulkorb". Bühnenausstattung und Garderobe ließen nichts zu wünschen übrig, Aufführungen, die jeder Kleinkunstbühne alle Ehre machten, Selbst die von den Häftlingen gespielten Damenrollen wirkten überzeugend. Den Häftlingen wurde gestattet, sich Musikinstrumente ins Lager schicken zu lassen; in kurzer Zeit hatte der als Politischer inhaftierte Peter Adam, ein Obermusikmeister, eine 40 186 bis 50 M uns allen Neunte Für gestellt, Sonntagn Ländersp gramm. Badebara zählende bei den Volkstän Die und auc gesproch chige Bü einen so ihren he sich unt befanden entgange waren d lichen G Dies Stunden rief scho keit, der allen au derung besonder bundene reichlich das Ent waren, gebracht Bei sicht ge auf die Die Lage suchen i Verspred märsche denn di überall, heit dur Aus wan Bomben mandos" Poli leitung bensuch den Ko tischen gern“ wollt änen Tesse 1afts- erten Frei- h als - den sich inmal ingen Lager Ver- ‚hten, n Be- Bland achte ı Ka- jmal- , die ker— dann kleine ırden, allen, rock- BZ: änder aller tlinge ablige ryolle jerobe Klein- Jingel te INS poli- ne 40 bis 50 Mann starke Kapelle von Berufsmusikern zusammen, die uns allen hervorragende Programme brachte, in denen selbst die ‚Neunte“ von Beethoven nicht fehlte, Für die Sportfreudigen wurde der Appellplatz zur Verfügung gestellt, die sich nach dem Abendappell und besonders an den Sonntagnachmittagen zumeist im Fußball:meisterten; selbst Länderspiele mit Sportkleidung gehörten zum stehenden Pro- gramm. Auf dem Appellplatz wurde vor der Stirnwand der Badebaracke eine Bühne aufgebaut und den nach Tausenden zählenden Häftlingen ein internationales Programm geboten, bei denen auch die russischen Kriegsgefangenen mit ihren Volkstänzen und Balaleika-Kapelle mitwirken durften, ‘Die Häftlingsbibliothek bot Literatur, die vielen Häftlingen und auch Politischen zusagte;, man war nicht nur auf aus- gesprochene Nazischundliteratur angewiesen. Selbst fremdspra- chige Bücher waren vertreten; Norweger und Dänen hatten dort einen so wertvollen Bücherschatz gesammelt, der ihnen und ihren heimatlichen Schriftstellern höchstes Lob einbrachte. Daß sich unter den Büchern auch Werke linksparteilicher Autoren befanden, die bei der Zensur den literaturunkundigen Nazis entgangen waren, sei nur am Rande bemerkt. Diese Bücher waren denn auch nur Jen„Eingeweihten“ aus leicht verständ- lichen Gründen zugänglich. Diese wenigen Lichtblicke der Unterhaltung ließen für einige Stunden das elende KZ-Dasein vergessen; der nächste Morgen rief schon wieder alle Insassen zurück in die brutale Wirklich- keit, den Kampf um Leben und Gesundheit, den die SS uns allen aufzwang. Nach dem Morgenappell erging die- derung zum freiwilligen Melden für die Bombensucher, denen besondere Vorteile für ihre mit unbedingter Lebensgefahr ver- bundene Arbeit zugesagt wurde. Berlin und Umgegend war reichlich mit Bomben bedacht worden, und das Bergen, wie das Entschärfen der ‚‚Blindgänger“, die zumeist Zeitzünder waren, hatte schon vielen unserer besten Kameraden den Tod gebrachl. Bei zehnmaligem Bombensuchen wurde Entlassung in Aus- sicht gestellt, weshalb sich zuerst viele Freiwillige, vertrauend auf die Wahrhaftigkeit des gegebenen Versprechens, meldeten. Die Lagerführung hoffte, daß niemand ein zehnmaliges Bomben- suchen überleben würde und gab aus diesem Grunde das billige Versprechen. Wer jedoch nach glücklich beendeten zehn Todes- märschen zum Bombenbuddeln auf Entlassung hoffte, irrte; denn die SS wie überhaupt die Nazis hielten auch hier, wie überall, ihr Versprechen nicht. Statt der erwarteten Frei- heit durften sie sich zukünftig ihr Haar lang wachsen lassen. Aus war es mit den Freiwilligen; und so wurden zukünftig die Bombensucher zu diesen ausgesprochenen„Himmelfahrts-Kom- mandos“ einfach befohlen. Politische, auf deren baldige ‚„Liquidierung“ es die Lager- leitung besonders abgesehen hatte, wurden laufend zum Bom- bensuchen beordert. Der Lagerführer Kolb hatte es sich in den Kopf gesetzt, den wegen Pazifismus eingelieferten Poli- tischen Erich Duus(45212) durch eine Bombe hochgehen zu 187 lassen. Nicht weniger als 32 mal machte er in Sachsenhausen die Höllenfahrt mit, ohne irgend welchen Schaden zu nehmen. Daraufhin erfolgte die Verfrachtung nach dem KZ Buchenwald mit der Anweisung, Duus nicht in seinem Beruf als Dentist zu beschäftigen, sondern stets an den gefährlichen Stellen beim Bombensuchen einzusetzen. Duus schien einen Schutzengel zu haben, und so verfrachtete man ihn mit einer Baubrigade zum Aufräumen nach Köln, wo ihn dann das Schicksal ereilte. Durch einen explodierenden Zeitzünder wurde er schwer verletzt und Invalide. Die Lagerleitung konnte nicht verhindern, daß bei den Unterhaltungen der Häftlinge das Gefahrvolle des Bombensuchens allgemein bekannt wurde. Meist wußte man schon nach einem Bombenunglück, daß diese oder jene Kameraden von der Bombe zerrissen oder schwer verletzt waren; beim Abendappell hatte man die Gewißheit, daß sie nicht zurückgekehrt waren. Man erfuhr so manches von den näheren Umständen durch die zurückkehrenden Überlebenden und an der Anteilnahme der Zivilbevölkerung, die unseren Kameraden überall ihre Sympathie ausdrückten. Mit der Ausdehnung der Arbeitskommandos ergab sich ebenfalls die häufige und vergrößerte Zusammenkunft mit dem Publikum, von dem uns alles Wissenswerte über die politische und wirtschaftliche sowie militärische Lage übermittelt wurde. Alle Anstrengungen der Lagerführung, das Unterhalten mit dem Publikum zu unterbinden, mißlang; denn selbst die Wachtmannschaften waren außerstande oder auch zum Teil nicht interessiert, den Verkehr der Häftlinge mit der Außenwelt zu verhindern, zumal wo es sich um neue SS- Leute handelte, die, wie manche selbst erklärten, wider ihren Willen zu diesem Posten gezwungen worden seien. Der KZler war an die niemals gehaltenen Versprechungen der Lagerleitung gewöhnt und nahm kaum noch Notiz davon. Bald wurde das eine Unheil vom andern abgelöst; eine Sensation folgte der anderen, doch niemals war es etwas Erfreuliches. Neue Mordmethoden, neue Schindereien wurden be kannt, wenngleich auch die SS so manches vor den Augen der Häftlinge zu verbergen versuchte. In der Zahnstation mußte nachgearbeitet werden: Totengebisse einsäuern! Die den Toten ausgebrochenen Zähne mußten von den Knochenresten gesäubert und mit Säure gereinigt werden. Diesmal war es ein Haufen Zahnplomben einer silberartigen Legierung- die Opfer waren also Russen gewesen. Diese Legierung sowohl wie herausgebrochenes Gold bei den sonstigen Toten mußte gewogen und an die SS abgeliefert werden. Doch nicht nur mit den Zahnplomben wurde ein schwunghafter Handel getrieben, nein, auch die seltsam geformten Schädel und Skelette waren begehrte Handelsobjekte. Ständig wurden Schädel und Skelette abgekocht und für die SS prapariert, die überall ihre Abnehmer hatten. Tauchte unter den Zugängen eine seltene Schädelform auf, so war hundert gegen eins zu wetten, daß in kurzer Zeit der Unglückliche zur Unter188 suchung Spritze machte zum Ver botenen Nich zu gehen einen Bl hängt w kehr mi stunden unterhalt zugetrage Ja, weiterges kischen nannten, brachte, viel wer mochten Inser mit allz gegeben, meine I machen der Naz Tote he de Κα Ja, Hitlers leicht h einer ge wie zu Die frugen alle feir geschoss zerstört Truppen etwas man ba g sieht se verkürzu könnte anführe und Les lein" seg suchung ins Revier kam— zur Beobachtung-—- und eine Spritze erhielt, die ihn für die Leichentransportkarre fertig machte und dann nach wenigen Tagen als präpariertes Skelett zum Verkauf stand. Das waren alles Dinge, die man auf ver- botenen Streifzügen zwischen den Baracken erfuhr. Nicht immer war es möglich, von einem Block zum andern zu gehen, um dort einen Bekannten zu besuchen. Wenn über einen Block etwa wegen Scharlach usw. die Quarantäne ver- hängt wurde, was sehr oft vorkam, dann mußte jeglicher Ver- kehr mit den Insassen unterbleiben und nur in den Abend- stunden war es möglich, sich per Distanz am Fenster'zu unterhalten und mitzuteilen, was sich Wissenswertes im Lager zugetragen hatte, Ja, Wissenswertes mußte von Seiten der Politischen häufig weitergegeben werden. Da gab es viel Neues aus dem„Völ- kischen Beobachter“, den wir ‚Die Ausgabe für Kinder“ nannten, weil er doch zu häufig und ununterbrochen Artikel brachte, denen nicht einmal Kinder Glauben schenken konnten, viel weniger die„alten Hasen“ im KZ zu überzeugen ver- mochten, Inserate und Artikel wurden mit größtem Eifer, aber auch mit allzugroßer Vorsicht, gelesen und an Interessenten weiter- gegeben, damit sich jeder„ein genaues Bild über die allge- meine Lage und über die bisherige politische Entwicklung“ machen konnte. Was bisher nicht passiert war, die Zeitung der Nazis brachte etwas nie Dagewesenes, ein Inserat, wenn Tote heiraten: Hiermit zeige ich die heute vollzogene Vermählung mit dem am 17. 2. 1944 gefallenen Oberleutnant Hermann Krause an Hannchen Krause, geb. Meyer. Berlin, den 5. 5. 1944. Ja, in dem zukünftigen„tausendjährigen Reich“ Adolf Hitlers war es schon möglich, Tote heiraten zu lassen. Viel- leicht hätten besonders begünstigte„Nazibonzen“ im Ablauf einer gewissen Entwicklungsperiode der NSDAP auch noch, wie zu Jesus Zeiten, Tote zum Leben erweckt. Die OKW:Berichte und Siegesmeldungen in der Pressi trugen den Stempel des baldigen„Endsieges“. Wenn nicht alle feindlichen Flugzeuge im Kampfraum ın der Luft ab- geschossen werden konnten, so wurde„der Rest am Boden zerstört“, Hatte es der Feind verstanden, unsere kämpfenden Truppen zu übervorteilen, dann mußte von unserer Seite auch etwas getan werden.„Einigeln“ wurde befohlen und so konnte man bald die hochtönenden Redensarten hören: Der Feind sieht seiner Vernichtung entgegen, denn durch die„Sehnen- verkürzung“ waren wir in der Lage, ihn„einzukesseln“. Man könnte noch unzählige Beispiele dieser„Kriegsnachrichten anführen; doch nun genug davon, denn die meisten Zuhörer und Leser wußten und sahen schon, wohin unser„Kriegsschitf- lein“ segelte: 189 Die Witzbolde im Lager ließen zur Erheiterung ebenfalls Heeresberichte zirkulieren wie etwa: ,, Italienischer Heeresbericht: Bei Tripolis wurde ein feindliches Motorrad mit Erfolg angegriffen. Die Decke des Hinterrades wurde durchlöchert. Um das rechte Pedal wird noch gekämpft." Dann zirkulierte eine neue Goebbels- Anekdote durch das Lager: ,, Unsere Truppen unter Rommel in der Sahara im steten Vormarsch. Außer viel Sand kein Widerstand. Aber den Sand brauchen wir, um ihn der Bevölkerung in die Augen zu streuen. Wir können nicht Sand genug bekommen." Weiter wurde Goebbels nachgesagt, er dränge darauf, daß Grönland besetzt werden müsse. Warum? Ganz eintach: Wir brauchen Grönland, um dem deutschen Volke begründen zu können, daß die Winterhilfe auch während des Sommers durchgeführt wird. In Grönland ist dauernd Winter, also konnte Goebbels mit dieser Begründung aufwarten. fidele Zur weiteren Erheiterung zirkulierte ein ,, Spielprogramm der Reichstheaterwoche", das wie folgt aussah: Sonntag: ,, Götterdämmerung", Hauptrolle Adolf Hitler. Montag: Lustspiel ,, Lauter Lügen", Hauptrolle Josef Goebbels. Dienstag: ,, Der Bauer", Hauptrolle Steckrübenminister Darree. Mittwoch: ,, Krach um die fette Sau Jolanthe", Hauptrolle Hermann Gōring. Donnerstag: Sondervorstellung KdF ,, Einer zuviel an Bord", Hauptperson Robert Ley( Logenplätze nur für Sekt oder Kognak zu haben). Freitag: ,, Der Bettelstudent", Hauptperson Hilgendorf, Oberfechtbruder der Winterhilfe. Sonnabend: ,, Die Räuber"; es wirken mit in den Hauptrollen die Hauptpersonen der letzten Woche. Es versteht sich, daß bei der bekannten Lügenpropaganda Goebbels das Vertrauen zu den Nachrichten nicht groß war, und so läßt sich auch erklären, daß die Parolenschmiede oftmals die unglaublichsten Dinge von Baracke zu Baracke trugen, die dort mit Schmunzeln aufgenommen wurden. Obwohl die OKW- Berichte nur Siege meldeten, verriet die Lagerleitung doch durch allerlei Maßnahmen, daß es mit den Siegen nicht allzuweit her war; denn laufend wurden Freiwillige für den Einsatz bei der Wehrmacht und der Waffen- SS gesucht unter den denkbar günstigsten Bedingungen, an die niemand glaubte. Bei einem Abendappell wurden Fallschirmspringer mit Londoner Slang gesucht. Ein paar BVer meldeten sich in der Hoffnung, beim Abspringen über England in Gefangenschaft zu geraten. Als man sie auf ihren Londoner Slang prüfte, stellte sich heraus, daß sie ,, Hamburger Platt" mit dem ,, Londoner Slang" verwechselt hatten. Das Lager hatte nun wieder neuen Unterhaltungsstoff. Im Laufe der Jahre zeigte sich schon überall die Zersetzungserscheinung; die Disziplin lockerte sich. Der Mittagsappell fiel 1943 weg, und nicht lange danach war auch der Abendappell nicht mehr nötig. Trotz aller Siegesmeldungen spürten die Häftlinge, daß die Wirklicheit eine andere war. Es wurde schlechter mit der Verpflegung, Kohlrübensuppen 190 und Kob linge wa vorhande die Lage besonder Den Rücken ling im sah die selbst Sn einander Kostüms Als daß die schicken jenigen welche keine A Die bensmitt wieder e wurde, Pakete n also in Nötigste zu Haus um es i welche Fettigkei lichen z den auc Bei arbeiter ihre Wu war der ( thüring Kamerad elf Stun stehen n der Lun geblieber plodieren der Blo sämtlich fallen. I masse er wurde d Dies werden, uns hie Opfer in in seine Freunder nfalls e ein Decke rechte das steten Sand reuen. , daß Wir en zu urchonnte ramm GötterLauter fidele voch: n Goel an I oder Derson ,, Die sonen ganda war, e oftruger, et die it den Freifen- SS n die chirmeldeten in Gendoner Platt" r hatte e Zerittagsch der Hungen e war. suppen und Kohlsuppen beherrschten den Speisezettel. Für die Häftlinge war fast kein Unterzeug, kein Fußzeug, keine Strümpfe mehr vorhanden. Die Zebra- Anzüge reichten nicht aus, daher griff die Lagerleitung auf die Zivilanzüge der Toten zurück, insbesondere derjenigen, die von Ausländern und Juden herrührten. Den Jacken und Mänteln wurde ein farbiges Kreuz auf Rücken und Vorderseite gemalt, damit der so gezeichnete Häftling im Außenkommando nicht die Flucht ergreifen sollte. Man sah die Häftlinge in allen möglichen Zivilanzügen herumlaufen, selbst Smokings, Fracks und Gehröcke waren im bunten Durcheinander vertreten und verliehen dem Ganzen das Gepräge einer Kostümschau oder einer Völkermaskerade. - Als der Sommer 1942 zu Ende ging, kam die Anordnung, daß die Angehörigen den Häftlingen Strümpfe und Unterkleidung schicken durften damit die Bekleidungskammer für diejenigen Insassen mehr Unterkleidung zur Verfügung hatte, welche buchstäblich nichts auf dem Leibe trugen und auch keine Aussicht hatten, von zu Hause etwas zu bekommen. Die zunehmende Verschlechterung der Versorgung mit Lebensmitteln gab dem Inspektor des KZ Veranlassung, einmal wieder eine gute Geste zu zeigen, indem im November verfügt wurde, daß nunmehr die Angehörigen den Häftlingen auch. Pakete mit Lebensmitteln schicken konnten, soviel sie wollten, also in einer Zeit, da in der Heimat selbst kaum noch das Nötigste zum Leben aufzutreiben war. Dennoch sparte man zu Hause etwas zusammen, weil die Familie es sich entzog, um es ins KZ zu schicken. Doch auch hier war es die SS, welche diese Pakete der Armen beraubte und vorsätzlich Fettigkeiten und Rauchwaren daraus entnahm. Bei den täglichen zwangslosen Zusammenkünften und Unterhaltungen wurden auch diese weniger erfreulichen Dinge erörtert. Bei den Kollektivbestrafungen wurden in erster Linie Vorarbeiter und Blockälteste herausgerufen, um zunächst an diesen ihre Wut auszulassen. So eines Tages beim Bombensuchen. Es war der 28. März 1941. Der Blockälteste Otto Fleischhauer ( thüringischer Landtagsabgeordneter) weigerte sich mit seinen Kameraden auszurücken, weshalb er während des ganzen Tages elf Stunden in Wind und Wetter und ohne Essen am Tor stehen mußte. Dennoch konnte er sich glücklich schätzen_trotz der Lungenentzündung, die er sich zuzog, daß er im Lager geblieben war. Das gesamte Kommando war durch eine explodierende Bombe in die Luft geflogen; fünf Tote, darunter der Blockälteste Heinrich Krützer aus Hamburg; die übrigen, sämtlich schwer verletzt, waren dem Unglück zum Opfer gefallen. Das Gesicht eines Verunglückten war durch die Sprengmasse entstellt und voller blaugefärbter Brandnarben. Dennoch wurde die ihm zugesagte Entlassung nicht zuteil. Diese unerfreulichen Nachrichten mußten mit hingenommen werden. Wir waren machtlos gegen das Schicksal, welches uns hier aufgezwungen wurde. Täglich lauerte der Tod auf Opfer in mannigfaltiger Gestalt. Ahnungslos sitzt ein Kamerad in seiner Baracke am Tisch und unterhält sich mit seinen Freunden. Ein Läufer erscheint und ruft ihm zu: ,, Sofort zum 191 Lagerführer kommen!" Viele wurden zum Lagerführer gerufen und kehrten nicht zurück liquidiert. Zuweilen kam der Gerufene zurück. Auch ich kam eines Tages zurück. Ein Läufer kam atemlos in die Politische Abteilung gestürzt und brachte mir den Befehl, sofort zum Kommandanten zu kommen. Zum Kommandanten zu müssen, stets bedenklich, aber Befehl ist Befehl; wer nicht kommt, wird von der SS geholt. Auf dem Wege zur Kommandantur kehrte ich unterwegs noch in der Schreibstube ein, um vom Lagerältesten zu erfahren, ob ihm etwas darüber bekannt sei, was ich so dringend beim Kommandanten Loritz zu tun hatte. Harry Naujock, der Lagerälteste, wußte nur, daß ich als Dolmetscher zum ,, Eisernen Gustav" beordert war; also ging es nicht um meine Person, sondern um mein Amt, was den Gang ,, nach oben" bedeutend erleichterte. - Als ich mich beim ,, Eisernen" meldete, stand als Opfer mein Kamerad Seip aus Oslo etwas bekümmert im Zimmer neben der Tür. Ich hatte ihm auf Geheiß des Rapportführers Sorge so war der Name des ,, Eisernen" auf norwegisch zu sagen, daß er beim Briefschmuggel erwischt sei und ihm jetzt Strafe drohte. Jedoch würde diesmal noch davon Abstand genommen, aber im Wiederholungsfalle drohte der ,, Eiserne" mit Prügel, Erschießen, Aufhängen und dergl. unerfreulicher. Sachen mehr, wobei er nicht unterließ, seine Anrempelei mit Kraftworten wie Halunke und Artbezeichnungen aus dem Zoo gebührend zu unterstreichen. Seip, Rektor der Universität in Oslo, verstand selbstverständlich deutsch, was jedoch der ,, Eiserne" nicht wußte. Da Sorge keinen Schimmer von von Fremdsprachen hatte, konnte ich mir erlauben, ihn ,, auf die Schippe" zu nehmen und sagte dem ,, Delinquenten" in norwegisch: Also, höre zu, was der Rapportführer Dir zu sagen hat. Du wirst erschossen, aufgehängt oder durchgeprügelt, wenn der Halunke hinterm Schreibtisch Dich wieder erwischt. Dieser Schweinehund ist zu jeder Gemeinheit fähig. Du weißt, wieviele er von uns auf dem Gewissen hat. Seip zitterte wie Espenlaub, was der ,, Eiserne" wohl dahin deuten mochte, daß seine kräftigen Worte Eindruck auf Seip machten. Der ,, Eiserne" lächelte und ließ uns abtreten. Nie sind wir so schnell die Treppen herunter gerast und zwischen den Baracken verschwunden, als nach dieser ,, Sitzung". Als ich Seip fragte, weshalb er denn so verängstigt gewesen sei, erklärte er mir, es sei die Befürchtung gewesen, der ,, Eiserne" habe norwegisch verstehen und somit meine Verhöhnung verstehen können. Wäre dies der Fall gewesen, dann hätte ich allerdings damit rechnen müssen, daß ich evtl. liquidiert worden wäre. Aber ich kannte meine Pappenheimer und wußte, daß von Fremdsprachenkenntnis beim Eisernen" keine Rede sein konnte. Warum sollten nicht auch wir einmal auf Kosten dieses Menschen triumphieren. 192 fen Ines che zum sen, vird ırte ger- was ıtte, Dol- es ang pfer mer Ters isch ihm and ne” ‚her, mit 200 t in „Ei- atte, und was" ‚sen, term ist auf „El: orte ließ und Ing. esen der V er- dann jqui- nd keine auf Der Verfasser als KZ-Schutzhäftling 21. Kapitel Adolf Hitler ist wirklich der heilige Geist. Kirchenminister Kerrl. Einen Adolf Hitler hat die Geschichte nur einmal erlebt.- Hitler ist einsam, Gott ist einsam Hitler ist Gott gleich. Dr. Frant, Reichsjustizminister. Totentanz Die uns bekannten bildlichen Darstellungen des Totentanzes, welche in einer Reihe von allegorischen Gruppen unter dem vorherrschenden Bilde des Tanzes die Gewalt des Todes über das Menschenleben veranschaulichen sollen, gaben mir Veranlassung, das Sterben der KZ- Opfer als einen besonderen abweichenden Totentanz zu schildern. Die überwiegende Mehrzahl der durch Mißhandlung und Krankheiten dem Tode Verfallenen vermochten sich nicht mehr gegen den Tod zu wehren, willenlos und apathisch wurden sie seine Beute in vielerlei Gestalt. Man glaubte eines Tages im Sommer 1943 an eine Vision, als eine Gruppe halbnackter lebender Skelette mit Totenköpfen und zuckenden Gliedern langsam zum Tor des Krankenbaus wankte, daß hier ein Totentanz realistisch dargestellt werde. Beim Näherschauen erkannte man die Gestalten mit den weißen Totenköpfen als noch lebende Menschen, die nach ärztlicher Diagnose dem Tode verfallen waren und auf diesem letzten Wege buchstäblich in den Tod tanzten. Vom Hunger überwältigte Russen waren es, welche beim Ausschlachten von Armaturen vorgefundene Fette, die mit starken Giften durchsetzt waren, zum Stillen ihres Hungers genossen hatten. Der besonders angegriffene Kopf der Unglücklichen war mit Salbe behandelt und dann mit weißen Papierbinden so umwickelt, daß nur die Augen, Nase und der Mund frei blieben; ein Totenschädel krönte das Gerippe. Ein Wintertag 1939/40 vor dem verschlossenen Tor des Krankenbaus. Mehr als hundert Kranke warten in bitterer Kälte auf Einlaẞ. Sie wanken und wiegen von einem Bein 13 Lienau, Zwölf Jahre Nacht 193 auf das andere, fallen vor Kälte um, versuchen, sich wieder zu erheben und sinken tot um. Dazwischen jammern die noch sich krümmenden Gestalten, teils barfuß und mit erfrorenen Händen oder Füßen und rütteln vergeblich an den eisernen Gitterstäben des Tores, das sich nicht öffnet, weil der Kommandant nur eine geringe Anzahl zur ambulanten Behandlung zulassen wollte. Den Vorzug haben die Sterbenden, weil für sie keine Betten im Krankenbau benötigt werden, sondern ihr Transport von der Aufnahme anschließend in den Leichenkeller erfolgen kann. Juden, deren Lebensdauer auf mehr als einen halben Tag veranschlagt wurde, durften nicht als krank gemeldet werden. Erst wenn im Wohnblock feststand, daß die letzten Atemzüge und das gebrochene Auge das facies hippokratia erkennen ließen, dann erst durfte der Blockälteste den Sterbenden zum Krankenbau bringen lassen; wenn dann in der Aufnahme oder unterwegs der Tod eingetreten war, so wurde er aufgenommen aufgenommen im Leichenkeller, wo man ihn entkleidete und auf den großen Haufen warf. Damals befand sich noch der Leichenkeller unter der Baracke R II, wo die Toten in allen Stellungen hockten, lagen oder angelehnt und mit verzerrten Gesichtern jedem Eintretenden ein Bild des Grauens darboten, wie es noch kein Maler der Totentänze auf die Leinwand brachte. In diese Stätte des Grauens wagte sich kein SS- Mann, nur die Leichenträger mußten hinein und die erstarrten Totentänzer auseinander zerren, um sie in Transportsärge zu legen, die zum Krematorium kamen. Nichts wurde an der Stellung oder Lage geändert; wie ihre letzten Bewegungen die Glieder geformt hatte, so wurden sie in der Leichenkiste belassen, sehr häufig zu zweien weil es doch nur Skelette waren Totentänzer im KZ. Beim Außenkommando im Klinker" war ein freiheitsdürstiger Russe in einen Baum geflüchtet. Der Lagerführer Grünwald schoß ihn herunter wie einen Affen. Das getroffene Opfer gestikuliert in den Ästen und stürzt dann leblos herab. Einige Zuckungen verrieten noch Leben und eine weitere Kugel beendete das Leben dieses Totentänzers auf dem Baum. Ein weiterer Häftling, versehentlich in die Sperrkette geraten, wird vom SS- Wachtmann rücklings erschossen, er taumelt, tanzt und sinkt am Graben zusammen. Auch er machte den letzten Tanz, den Tanz in den Tod.. Solange noch das Arbeitskommando ,, Klinker" des Abends ins Lager rückte, brachte der Arbeitswagen einige Tote von dort mit, neben den fast zu Tode geschundenen lebenden Skeletten, die gestützt von je zwei Arbeitskameraden zum Krankenbau geschleppt wurden; ihre Bewegungen verrieten, daß dies ihr letzter Gang, der Totentanz, war. Sehr häufig langten sie in der Aufnahme schon als Tote an und wurden von dort mit der Leichenkarre sofort in den Leichenkeller gefahren. Später brachte täglich ein besonderes Auto die Toten und Todeskandidaten vormittags und nachmittags zum Krankenbau; auf dem ,, Klinker" hielt der Tod reichliche Ernte, dort war Totentanz in Permanenz. 194 Ein die die wagten, Phantas dergege die leb zu erre schon Todesz Ein zumeist die terndst oft vie gepferc zu erh die Da ihren unterhi keller wieder Ni racke, schwü fing a in W Bettkis sten w selbst bandsz Di Barack drei a kamm keller, Pathol gestell Di Bild: um z handel den v Schäd wissen Abnor befand und s ,, Zur sehr - mit ein H der T 13* EinGang durch die Dysenteriebaracke gewährte den wenigen, die diese Stätte des Todes betreten durften bzw. sich hinein- wagten, den Totentanz in allen Stellungen, wie sie selbst die Phantasie eines Holbein, Rethel oder anderer Maler nicht wie- dergegeben hat, Sich an die Bettpfosten klammernd,. wankten die lebenden Skelette zum Abort bzw. versuchten diesen noch zu erreichen. Meist schon nach wenigen Schritten, die ihre schon willenlosen Beine machten, brachen sie nach kurzen Todeszuckungen zusammen, sie hatten ausgetanzt. Ein Blick in die Lagerstätten dieser Dysenteriekranken, die zumeist noch mit fünf in zwei nebeneinander stehenden Betten, — die Todesschubfächern elichen— lagen, zeigte die erschül- terndsten Bilder. Nur Totengesichter blickten uns an. In drei, oft vier Lagen übereinander waren die Todesspfer zusammen- gepfercht, außerstande, sich noch zu bewegen, geschweige sich zu erheben, Ihre Bedürfnisse verrichteten sie unter sich, und die Darunterliegenden waren gezwungen, sich in deren und in ihren eigenen Ausscheidungen zu wälzen. Die Leichenkarre unterhielt zwischen dieser Baracke des Todes und dem Leichen- keller dauernden Pendelverkehr. Kein Film konnte diese Szenen wiedergeben. Nicht weniger furchtbar waren die Zustände in der‘ Ba- racke, welche die mit Phlegmonen und sonstigen eiternden Ge- schwüren Behafteten beherbersten. Schon beim Eintritt emp- fing alle eine unbeschreibliche Atmosphäre, die sich selbst in Worten nicht wiedergeben läßt. Durch die Fugen der Bettkisten tropfte der Eiter auf den Boden; denn für die Ärm- sten war nicht einmal das Papierverbandsmaterial vorhanden; selbst die ersatzmäßig benutzten Klosettpapierrollen für Ver- bandszwecke gab es nicht mehr. Die nächstfurchtbare Stätte des Massensterbens war die Baracke für die Tbc-Opfer. Hier sei eingeschaltet, daß diese drei aufgeführten Baracken die Masse an Opfern für die Gas- kammer hergaben; man ersparte den Umweg über den Leichen- keller, der im Laufe der letzten Jahre unter der neu errichteten Pathologie eingerichtet war und bei weitem nicht den an ihn gestellten Ansprüchen genügen konnte. Die Pathologie mit Sezierraum bot ein weiteres grausiges Bild: Eine Unzahl von Toten, die hier hineingeschafft wurden, um zu Skeletten verarbeitet zu werden; denn der Skelett- handel war für die SS eine der besten Einnahmequellen. Neben den vollständigen Skeletten wurden hier besonders geformte Schädel für den Verkauf an Interessenten, die nicht immer wissenschaftliche Institute waren, bereit gehalten. Die vielen Abnormitäten, welche sich unter den Tausenden von Häftlingen befanden, waren nicht lange im Lager. Wenn sie beim Appell und sonstwo auffielen, wurden sie in den Krankenbau ‚beordert „zar Untersuchung“ und erhielten eine Spritze, die sie schon sehr bald in ein anderes Lager, d.h. ins Jenseits beförderte — ein anderes Bild des Totentanzes. Hier ein Beispiel: Am 24. 1. 1942 kam ein Heinrich Kuhne mit starker Rückgratverkrümmung als Zugang ins Lager. In der Totenmeldung vom 8. 3. 1942, also schon nach wenigen 13* 195 Zun Wochen, tauchte der Name des Kuhne auf. Laut Totenschein war er an Kreislaufstörung und Lungenentzündung verstorben und den Angehörigen mitgeteilt, daß er verbrannt sei. Aus. Nein, es war nicht aus! Im April, kaum vierzehn Tage später, war im Arztzimmer der Pathologie in einem Glasschrank das Skelett eines Buckligen aufgestellt. An der Scheibe vorn befand sich ein kleines Schild, daß nur die kurze Notiz trug: geb. 21. 11. 98- gest. 8. 3. 42. Bei Durchsicht der Totenmeldungen von diesem Tage und beim Vergleich von Geburtsund Sterbetag wurde in der Politischen Abteilung die Identität des Kuhne festgestellt. = Von Zeit zu Zeit sah man in der Kommandantur die Karteikarten der Häftlinge durch, auf denen sich eine besondere Rublik: Tätowierungen befand. Diese Tätowierten wurden zum Krankenbau bestellt, und unbekannte ,, Interessenten" nahmen die Tätowierungen in Augenschein. Häftlinge mit besonders vielen und auffallenden Tätowierungen blieben im Krankenbau, wo ihnen ein Präparat verabreicht wurde. Nach einigen Tagen meldeten sie sich krank, worauf sie eine Injektion erhielten oder zur Spezialuntersuchung ihrer ,, Krankheit" in ein anderes Lager oder sonstwohin ,, überführt" wurden. Sie kehrten nicht zurück; doch wurde nach geraumer Zeit ruchbar, daß diese Tätowierten im wahren Sinne des Wortes ihre Haut zu Markte getragen hatten. Sie selbst waren verstorben, ihre Haut gegerbt und zu irgend einem Überzug als Lampenschirm oder Handtasche verarbeitet. Ausgetanzt! Der allgemeine Zweck eines Krankenhauses soll sein, den Kranken durch ärztliche Behandlung wieder zu ihrer Gesundheit zu verhelfen und ihnen ausreichende Verpflegung mit nachfolgender Schonung bis zur völligen Genesung zuteil werden zu lassen. Der Krankenbau des KZ war lediglich die Durchgangsstation für Tote und solche, die dem Tode geweiht waren. Die SS hatte nicht das geringste Interesse daran, Kranken die Gesundheit wieder zurückzugeben, im Gegenteil, ihr Zweck war die Ausmerzung der Kranken und Hilfsbedürftigen im Lager. Wie schon erwähnt, war der ,, Klinker" als die berüchtigste Mordstätte Hauptlieferant der auf alle erdenklichen Arten ums Leben gebrachten Häftlinge. Es lassen sich nur Ausschnitte jeweils wiedergeben, weil es unmöglich ist, ausführliche Namensregister der Ermordeten im Rahmen dieses Buches aufzuführen. In der Zeit von Anfang Juli bis 18. August 1942 wurden 89 Häftlinge umgebracht, die unter der Anschuldigung interniert wurden, gegen den§ 175 verstoßen zu haben. = Aus den vorliegenden Veränderungsmeldungen sei nachstehendes anschauliches Bild wiedergegeben. Stichtag: 31. 1. 1940 Lagerstärke 12 187; davon waren im Laufe des Januar 702 Todesopfer zu verzeichnen. Unter den 2935 Toten von Dezember 1939 bis Mai 1940 befanden sich 16% Juden. Nach Altersstufen= 1% unter 20 Jahren, von 20-30 Jahren 11%, von 30-40 Jahren 25%, von 40-50 Jahren 27%, von 50-60 Jahren= 24%, über 60 Jahren 11,6%. Im Mai 1942 waren von 256 Toten allein 96 Juden, die in den Tod tanzten. = = - == R II( in alter, u Giften Tag w um seh die Opf befande hatten Vor innerha Tage i Die Za hängter einbegr Chefs schosse passier Erscho wurden Die Umgeh 13, 4. Leo S erschos die we umgele Otto S Dunke seheris Un Mißha men Ertrin den T sofort getötet in der schlug im Ne durch D präser die de kapite eine Behan anerke des a später ragend sei be der d 196 n ie ) ık 1- $- al N it u h- ie ar T, te ns te 2a ıf- 22 18 h- 40 02 "zul h m 42 nD, Zum Experimentieren nahm man vorzugsweise Juden. In R II(innere Krankheiten) waren elf Juden, alle noch im Knaben- alter, untergebracht, um durch Injektion mit allen möglichen Giften deren Wirkungen auszuprobieren. Meist jeden zweiten Tag wurden die Jungen gespritzt, und zwar handelte es sich um sehr schmerzhafte Injektionen, die Fieber hervorriefen und die Opfer nötigten, Bettruhe zu nehmen. Bis zur Kapitulation befanden sich diese Unglücklichen noch im Krankenbau. Sie hatten die Häftlinssnummern 70000 und folgende Nummern. Von den im März 1940 eingelieferten Zugängen verstarben innerhalb eines Monats 53, davon waren einige nur wenige Tage im Lager; die Mehrzahl verstarb innerhalb 14 Tagen. Die Zahl der im Zeitraum vom 1. 8. 1940 bis 17. 3. 1941 Ge- hängten und Erschossenen betrug 58. In dieser Zahl waren einbegriffen 33 Polen, welche am 9. 11. 1940 auf Befehl des Chefs der Sicherheitspolizei und des SD im Industriehof er schossen wurden(Heydrich-Revanche-Aktion). Die Gehängten passierten den Leichenkeller des Krankenbaus, während die Erschossenen direkt zur Richtstätte im Industriehof gebracht wurden, Die bekannten Verbrecher, Gebrüder Saß, ‚wurden unter Umgehung des Lagers zum Richtplatz gebracht und dort am 13. 4. 1940 erschossen. Der aus dem Sensationsprozeß bekannte Leo Sklarek wurde am 22.5. 1942 abends nach dem Appell erschossen. Am 20, 10. 1942 wurden 30 ukrainische Zivilarbeiter, die wegen Körperschwäche arbeitsunfähig waren, kurzerhand umgelegt. Am gleichen Tage wurde der frühere SPD-Angehörige Otto Schmidt(13514) gehängt, nachdem er drei Jahre im Dunkelarrest des Zellenbaus zugebracht hatte. Über seine„hell- seherische Gabe“ ist schon in einem Vorkapitel berichtet worden, Unendlich groß war die Zahl jener Häftlinge, die durch Mißhandlungen in den Tod getrieben wurden. Entweder nah- ınen sich diese KZ-Opfer das Leben durch Erhängen oder Ertrinken im Kanal beim„Klinker“. Gleichfalls suchten viele den Tod, indem sie in den Starkstrom liefen. Waren sie nicht sofort tot, so wurden sie durch Schüsse vom Wachtturm aus getötet, In einem Fall erschoß sich(11. 2. 1942) ein Häftling ‘in der SS-Garage mit einer SS-Dienstpistole. Die Kugel durch- schlug beide Schläfen und die Holzwand der Baracke, wo sie im Nebenraum einen am Schreibtisch sitzenden SS-Rottenführer durch Herzschuß tötete. Der Krankenbau hatte zwei Aufgaben für die SS, eine ve- präsentative den besuchenden Kommissionen gegenüber und ‘die der Liquidierung der Kranken. Wie schon in einem Vor- kapitel ausgeführt, herrschte in den Baracken RI und RII eine nahezu mustergültige Ordnung und Sauberkeit. Auch die Behandlung der Kranken hinsichtlich Operation und Pflege war anerkennenswert, nicht zum wenigsten durch die Mitwirkung des aus Häftlingen zusammengesetzten Pflegepersonals und der später hinzugezogenen Häftlingsärzle, unter denen sich hervor- ragende Spezialisten, Chirurgen und Internisten befanden. Hier sei besonders des norwegischen Arztes Svend Oftedal gedacht, der dem Krankenblock monatelang vorstand und mit den von 197 Skandinavien beschafften Medikamenten half, um Kameraden zu retten. Für die Tbc- Abteilung hatte man sogar längere Zeit einen holländischen Arzt Dr. Jahn als Spezialisten herangezogen. Die Kehrseite des Krankenbaus war furchtbar, so daß man mit Schillers Worten im Taucher" sagen konnte: ,, Und der Mensch versuche die Götter nicht und begehre nimmer und und nimmer zu schauen, was sie gnädig bedecken mit Nacht und Grauen". Mit der Vergrößerung der Belegschaft und der infolge Miẞhandlung, Hunger und Kälte rapide ansteigenden Krankheitsziffer, erwies sich der bisherige, aus zwei Baracken bestehende Krankenbau, als völlig unzureichend. Es wurden vier Wohnbaracken für die Kranken, die meist alle Todeskandidaten waren, hinzugenommen und zudem noch eine weitere Baracke im Krankenbaugelände neu errichtet. Des weiteren wurde in der Isolierung bei den Russen noch ein Barackenflügel für Kranke eingerichtet, der Leute wegen, d. h. um auch den Besuchern sagen zu können, welcher Fürsorge sich die Kriegsgefangenen erfreuen durften. Bei einer durchschnittlichen Lagerbelegschaft von 15 600 Häftlingen in der Zeit von Mitte September bis Mitte Dezember 1942 zählte der Krankenbau einen Tagesbestand von ca. 1000 Kranken. Davon starben in den angeführten drei Monaten 1229 an folgenden Ursachen: Ruhr 552, Körperschwäche 242, Pneumonie 164, Tbc 95, allgemeine Infektion 85, Herzkompensation 25, Pleuritis 23, Magengeschwüre 6, Peritunitis 5, Ileus 4, Lungenabseẞ 3, Vergiftung 4, gewaltsamer Tod( auf der Flucht erschossen, Selbstmörder usw.) 21, zusammen 1229. Hierbei sei eingeschaltet, daß die Todesursachen auf den Totenscheinen in den überwiegenden Fällen wissentlich falsch angegeben waren, um zu verschweigen, daß die Opfer durch gewaltsamen Tod wie Erschlagen, Ertränken, Gift usw. ums Leben gebracht wurden. Später erfand man für die gewaltsam ums Leben Gebrachten einen gemeinsamen Namen als Todesursache: Kreislaufstörungen, wobei zu bemerken ist, daß der Tod stets durch Kreislaufstörungen bedingt ist. Immerhin hörte sich die Sache besser an, wenn die Angehörigen diese tröstliche Mitteilung erhielten. Nachdem im Frühjahr 1942 einige tausende Invaliden usw. in die größeren Vernichtungslager Dachau, Gr. Roosen und Auschwitz abtransportiert waren, senkte sich die Zahl der Lagerinsassen auf 9503, wovon am 30. 4. 1942 an Ganzinvaliden 329 gezählt wurden, Halbinvaliden, Schonungskranke und Alte oder Gebrechliche 315. In den Jahren 1940 bis 1942 sind im Revier 395§ 175er ,, verstorben", d. h. umgebracht worden. Mit den im ,, Klinker" Ermordeten ergab sich bis April eine Gesamtzahl von über 600 getöteten§ 175ern. Was nach diesem Zeitpunkt bis zur Kapitulation noch von diesen bedauernswerten Geschöpfen lebend im Lager war, ist kaum erwähnenswert; es läßt sich mit Fug und Recht behaupten, daß man die§ 175er restlos vernichtet hat. Zu jener Zeit, als Sachsenhausen noch nicht das große Menschenschlachthaus mit den vier Verbrennungsöfen besaß, wurden die sog. ,, Muselmänner", d. h. jene Körperschwachen 198 und Un Skelette einer in 4000 d 2600-3 Grad d Bei gesagt, schein: zierten usw, n um merkt, haupt Der La Sanität tentanz und sa samme Vo Kriegsg geschil ihren getrieb Verpfle tern u Armste denden kam n Augen den A floß d lingen länger über vor H Bild d Ei welche wurde Barack Luftsc dem d und t um u Dach ihn s linge gelass So behaft geschl auf G en -it n. n er d it er en en er S- re en 1- ch ie 00 er 00 n 2, - BERENTSE ht en ch ch m S- er te t- W. d er en te m Lit hl kt e- es er Be B, en und Unterernährten, die nur noch lebenden Leichnamen oder Skeletten glichen, in die Vernichtungslager verfrachtet. einer im Laufe des Jahres 1940 gehaltenen Auslese kamen allein 4000 dieser Muselmänner nach Dachau im Austausch gegen 2600-3000 Arbeitsfähige, die in kurzer Zeit hier wieder den Grad der Muselmänner erreichten. Bei den an Körperschwäche Verstorbenen oder richtiger gesagt, den Verhungerten, las man stereotyp auf dem Totenschein: Die Aufnahmeuntersuchung ergab einen sehr reduzierten Allgemeinzustand. Trotz reichlicher Gaben von Digitalis usw. nahm die Herztätigkeit rapide ab und der Exitus trat um... Uhr ein." Der Richtigkeit halber sei auch hier bemerkt, daß in den meisten Fällen bei den Muselmännern überhaupt keine Aufnahmeuntersuchungen vorgenommen wurden. Der Lagerarzt oder sein Vertreter, der SS- Stabsscharführer, ein Sanitäter, schritt im Eilmarsch die Reihe der aufgestellten Totentanzkandidaten im Krankenhof oder im Gang des RI ab und sah kaum diese Elendsgestalten, die zum Teil schon zusammengebrochen am Boden hockten oder lagen. Von den im September 1941 ins Lager gebrachten russischen Kriegsgefangenen war schon die Rede und insbesondere wurde geschildert, in welch verhungertem Zustand sie ankamen. Nach ihren eigenen Aussagen hatte man sie in Wälder zusammengetrieben, die von Stacheldraht umzäunt waren. Da sie keinerlei Verpflegung erhielten, mußten sie sich von Baumrinden, Kräutern und Wurzeln nähren, wodurch schon die Unmasse der Ärmsten zu Tode ging. Die Zahl der an Hunger- Ödeme Leidenden war unübersehbar. Mehr als die Hälfte eines Transportes kam mit aufgeschwemmtem Körper, aufgedunsenem Gesicht, die Augen zugequollen, von Kameraden geführt, ins Lager. Aus den Augen, die nur noch durch einen Schlitz angedeutet waren, floß der Eiter, Erschütternde Anblicke boten sich den Häftlingen im Lager dar. Fast keiner der Hungerleidenden lebte länger als zwei Tage. Nichtsehend, blind stolperte der eine über den andern und fiel zu Boden, wo er sich hilferufend vor Hunger und Schmerzen wand und verendete ein weiteres Bild des Totentanzés. Ein anderes Bild soll gezeigt werden. In der Baracke 7, welche in den ersten Jahren die Effekten der Häftlinge barg, wurde ein Einbruch entdeckt und der Einbrecher noch in der Baracke vermutet. Die SS fand den Einbrecher in einem Luftschacht und feuerte mehrfach auf den Luftschacht. Nachdem dieser entfernt war, kam der Schwerverletzte zum Vorschein und torkelte noch einige Schritte. Weitere Schüsse legten ihn um und die SS warf den noch lebenden Schwerverletzten vom Dach herunter. Auf dem Wege zum Krankenbau, wohin man ihn schleifte, verstarb er. Die zum Appell angetretenen Häftlinge sahen, wie die Beinbewegungen des Sterbenden nachgelassen haben. Er war in den Tod getanzt. Schwerkranke, selbst solche, die mit Infektionskrankheiten behaftet waren, wurden über den Appellplatz zum Krankenbau geschleift. Wenn das Leben entwichen war, ließ man die Leichen auf Geheiß der SS liegen, bis der Leichenkarren sie abholte. 199 Mit sterbenden Menschen wurde verfahren, wie mit verendetem Vieh, das zum Schindanger gebracht wurde. Wer als Schwerkranker noch lebend die Aufnahmebaracke erreichte, doch für ihn kein Platz vorhanden war, wurde als Infektionskranker zu den übrigen Kranken gelegt, wodurch sich das zeitweilig rapide Ansteigen der Infektionskranken im Lager erklärte. Neue Gifte wurden auf ihre Wirkung ausprobiert an TbcKranken, zumeist Russen und andere Gefangene aus dem Osten oder vom Balkan. Die Opfer warteten in der Ambulanz in RI und werden einzeln zum Verbandsraum im R II hinübergeführt, auch Syphiliskranke waren darunter, die man über den Krankenhof in der charakteristischen Gangart hinüberführen sah. Im R II walteten der Stabsscharführer Ullmann und der derzeitige Vorarbeiter des Krankenbaus, der BVer Thierhoff, ihres Amtes mit der Giftspritze. Das Opfer zuckte nach Erhalt der Injektion, verdrehte die Augen und hatte ausgelitten. Die Leichenkarre wartete schon vor der Tür, um das Opfer zum Leichenkeller zu bringen. Zwischen dem Raum mit den Giftspritzmördern und dem Leichenkeller war mit fünf Minuten Zwischenraum ein Pendelverkehr für den Leichenkarren eingerichtet worden. Mit Giftampullen und Spritzen ausgerüstet, zogen die Giftmörder von Baracke zu Baracke oft tagelang, sich neue Opfer suchend, die in wenigen Minuten vom Leben zum Tode befördert wurden. Wenn die Kranken diese inzwischen bekannt gewordenen Giftmörder sahen, so versuchten sie aus den Lagerstätten zu entkommen, selbst solche, die sich kaum noch auf den Beinen halten konnten, es war die Flucht vor dem sicheren Tod. Totentänze am laufenden Band im KZ. - Einige Ziffern mögen auch hier wiederum illustrieren, wie stark sich zeitweilig der Bestand der Revierkranken im Verhältnis zur Lagerstärke verhielt: er schwankte zwischen 1000 und 1500. Am 22. 2. 1942 waren es 1250, am 17. 4. 1942 hingegen nur 889. Die Lagerstärke betrug an diesem Tage 9034, wovon 2118 Häftlinge in Abzug kamen, die sich als kommandiert außerhalb des Lagers befanden. Von dem Effektivbestand 6916 befanden sich mithin 12,85% im Krankenbau. Am 18. 3. 1943 war die Zahl der Kranken auf 1500 gestiegen. Hinzu kamen die ambulant behandelten Kranken, welche sich wegen Platzmangel in den Wohnbaracken befanden. Während der Typhus- Epidemie 1941/42 starben von etwa 200 ins Revier gekommenen Russen innerhalb 14 Tagen 51 an Typhus und Fleckfieber. Infolge der mehrfachen Überbelegung des Lagers und der unhygienischen Zustände war die Zahl der Verlausten und Krätzekranken ins Ungeheure gestiegen. Laut Auszug aus den geführten Statistiken zählte man im Lager während des Monats Januar 1941 1628 Verlauste und 1384 Krätzefälle; im Februar 1404 Verlauste und 1286 Krätzekranke, im März waren es 1894 Verlauste und 1258 Krätzekranke. Ein Jahr darauf, also 1942, stieg die Zahl der Verlausten von Januar mit 3461 und Februar mit 2410 auf 7355 im Au200 gust, um Krätzekr 502, um zugehen russisch waren. führung wozu et pro Lite Im handlun lägern keine M gleichen Skelette schuhen geweihte tanz der Wer Lager karren, Schwerk ambulan AugenKarrens Ohn sich; e Decken. kranken kranken bemerk 20 Grad dürftigs Tod, de Die daß der in den Leidens Skelette gehalter unteren sich r ausreic bracher zur ver aus de bilder Bonn, usw, be T- ir T: E er n {5 gust, um dann im Oktober auf 5888 abzusinken. Die Zahl der Krätzekranken bewegte sich im genannten Zeilraum von 50 bis 502, um dann im Herbst wieder auf 131 bzw. 175 zurück- zugehen. Es sei hier eingeschaltet, daß von den eingelieferten russischen Zivilarbeitern etwa neun Zehntel völlig verlaust waren. Aus Furcht, selbst verlaust zu werden, führte die Lager- führung eine Großaktion in den Räumen der Entlausung durch, wozu etwa RM 75000 für das Entlausungsmittel„Kuprex“(4,80 pro Liter) ausgegeben wurden. Im Krankenbau wurde in den letzten Jahren auch die Be- handlung der weiblichen Häftlinge aus den umliegenden Neben- lägern in Oranienburg(Auer usw.) vorgenommen, weil dort keine Möglichkeit einer ärztlichen Betreuung bestand. Hier die gleichen Bilder der eintreffenden Kranken, wie bei den Männern. Skelette in dünnen fadenscheinigen Kleidern, barfuß in Holz- schuhen, gestützt durch Pflegerinnen, wankten die dem Tode geweihten Opfer über den Appellplatz zum Krankenbau. Toten- tanz der Frauen! Wer nicht mehr gehen konnte, wurde mit der Karre ins Lager gebracht, auf Schubkarren und zweirädrigen Arbeits- karren, ohne irgendwelche Unterlagen ging der Transport der Schwerkranken vor sich, Gehfähige weibliche Kranke, die zur ambulanten Behandlung in die Zahnstation, zum Verbinden oder Augen- und Ohrenbehandlung mußten, versahen den Dienst als Karrenschieber. Ohne Rücksicht auf die Witterung ging der Transport vor sich; es gab bei schlechtem Wetter und im Winter keine Decken. Durchnäßt und durchgefroren kamen die oftmals fieber- kranken Frauen im Krankenbau an. Daß manche der Schwer- kranken schon auf dem Transport starben, sei auch hier nur bemerkt. Man bedenke: Lungenkranke mit hohem Fieber bei 90 Grad Kälte auf einer offenen Karre ohne Decken und in dürftigster Bekleidung bedeutete schon im Voraus den sicheren Tod, der von der Lagerleitung gewollt war. Die ständige Überbelegung des Krankenbaus führte dazu, daß der größte Teil Kranker noch vor ihrer Gesundung wieder in den Wohnblock entlassen werden mußte. So sah man diese Leidensgestalten an Blockwänden entlangtasten als lebende Skelette, die nur noch durch die dürftige Kleidung zusammen- ehalten wurden, Mühsam hoben diese Elendsgestalten die unteren Extremitäten und streckten sie vorwärts, oder mußten sich rückwärts und seitwärts stützen. Wo die Kräfte nicht ausreichten, und dieses traf bei vielen der Zwangsgesunden zu, brachen sie unterwegs zusammen— Totentanz auf dem Wege zur vermeintlichen Gesundung. Alles in allem: Totentanzbilder aus dem Konzentrationslager, die an Realistik die Totentanz- bilder überboten, welche als Kunstschöpfungen in Straßburg, Bonn, Konstanz, Luzern, Dresden, Lübeck, Basel, Freiburg usw, bekannt sind, 腐 Die„ Grille" mit Adolf Hitler an Bord vor Mürwik ankernd( 1938) Tag Verderb die von überscha über un bringend ken leu den Exp Der und rei getan. H passiere drohte. Leben die Kon weil die ganze A ins Lag stände War Tabu w Sie wu allen L die alli flugzeug die nach mit der 22. Kapitel Sollte das deutsche Volk an dieser Aufgabe zerbrechen, ich würde ihm feine Träne nachweinen- es hätte das Schicksal, das es verdient. Hitler, Weihnachten 1944 ( angesichts des kommenden Zusammenbruchs). Chaos Tag und Nacht heulten unablässig die Sirenen, Tod und Verderben kündend. Auch das KZ kannte die Sirenenwarnrufe, die von Oranienburg und weiterer Umgegend ins Lager hinüberschallten. Wir sahen die Bombenflugzeuge in Myraden über uns hinwegziehen: Richtung Berlin, um dort ihre todbringenden Ladungen abzuwerfen. Auf den überflogenen Strekken leuchteten die hohen Feuergarben auf, und die nachfolgenden Explosionen kündeten, wo der Tod furchtbare Ernte hielt. Der Luftschutz des Lagers trat automatisch in Funktion, und rein mechanisch wurde der Dienst von den Häftlingen getan. Es gab keine Aufregung. Was konnte ihnen noch groß passieren, ihnen, denen täglich der Tod durch die SS- Verbrecher drohte. Die Lagerinsassen fürchteten nicht so sehr um ihr wie die Lagerführung. Die tapferen ,, Führer", denen die Kommandantur nicht hinreichend Schutz zu bieten schien, weil die gut gezielten Bomben auch eben außerhalb des Lagers ganze Arbeit machten, sie flüchteten mit ihren SS- Mätressen ins Lager zu den Häftlingen, wo sie ihre geschützten Unterstände bezogen. Warum? Es war bekannt, daß das KZ für die Alliierten Tabu war, eine Stätte, die nicht von ihnen angegriffen wurde. Sie wußten hier die Opfer der SS zusammengepfercht aus allen Ländern und Nationen. Diese Unglücklichen schützten die alliierten Flieger; vorher warfen bereits die Erkundungsflugzeuge Leuchtkugeln in der Umgebung des Lagers ab, damit die nachfolgenden Bomber das bezeichnete Lager- Dreieck nicht mit der todbringenden Last belegten. 203 Mit zunehmender Verschlechterung der Kriegslage steigerte sich auch im Lager die Nervosität der SS- Lagerführung und der SS- Wachtmannschaften; sie schienen kein Vertrauen mehr zu den allabendlichen Versicherungen Goebbels über den bevorstehenden Endsieg und die neuen Waffen zu haben, wenn auch sie bei Gesprächen mit den Häftlingen fest behaupteten, daß die sagenhaften neuen Waffen unbedingt den Endsieg in kurzer Zeit bringen würden. - Das Bild im Lager änderte sich schlagartig wie die Nazis sich immer so nett auszudrücken pflegten als bei den Abendmeldungen am 6. Juni 1944 so nebenbei durch den Lautsprecher bekannt gegeben wurde, daß in der Seinebucht die Truppen der Alliierten gelandet seien. Na, hieß es, sie hätten nur einen Brückenkopf besetzt; der unüberwindliche Atlantikwall und der ,, Führer" würden diesem Spuck schon ein Ende machen. Für uns Schutzhäftlinge, die mit klarem Sinn alles bisherige auf dem Gebiet der Goebbelsschwafelei und die Miẞerfolge der Hitlerschen Kriegsführung erkannten, wurde es nunmehr zur Gewißheit, daß der Tag nicht mehr fern sein konnte, der uns die Befreiung bringen würde. Jetzt hieß es, nur Ruhe und klaren Kopf bewahren. Mit sichtbarem Interesse verfolgten die deutschen sowohl als die ausländischen Politischen im Lager die im Eiltempo vor sich gehenden Bewegungen der Alliierten, sowohl im Westen als auch im Osten. Man fragte sich, wann wird Hitler endlich das Spiel als verloren aufgeben und die Segel streichen? Wie eine Bombe platzte am 20. Juli 1944 die Nachricht ins Lager von dem mißglückten Attentat auf Hitler. Was wird man nun mit den Lagerinsassen machen, insbesondere mit den Politischen, an deren Beseitigung den Nazis in erster Linie lag. Wird man eine Großaktion starten lassen, ein Blutbad größten Ausmaßes anrichten und die Politischen nach den bisher bekannten Mustern massakrieren? Wir wurden förmlich auf die Folter gespannt und mußten damit rechnen, daß schon in der kommenden Nacht ein Teil der Politischen, Deutsche wie Ausländer, aus den Betten geholt und zum Erschießen in den Industriehof gebracht würden. Einstweilen geschah hier nichts. Aber im Lande war es lebhaft geworden. Dort stieg eine neue Aktion ,,, Gewitter", wie auch sehr bald im Lager bekannt wurde. In großer Zahĺ wurden alte Politische, Angehörige der sozialdemokratischen und kommunistischen Partei, ins Lager gebracht, zumeist frühere Mitglieder gesetzgebender Körperschaften. So landete eines Tages auch der frühere Oberpräsident von Schlesien, Hermann Lüdemann, bei uns, jedoch in einem derartigen körperlichen Zustand, der befürchten ließ, daß er die kommenden Tage nicht überleben würde. Jahrelang hatte man ihn durch die Gefängnisse und Konzentrationsläger geschleppt. Hier traf ich ihn wieder als menschliche Ruine; Karl Vollmerhaus vom Arbeitseinsatz kam mit ihm zu mir. Wie allen politischen Freunden geholfen wurde, so wurde auch ihm Hilfe und Pflege zuteil, damit er zu Kräften kam und bei der Evakuierung mit uns zusammen das Lager verlassen konnte. 204 Man Hitler i zum B kamen politisch Bedauer Ausdruc Doc nach de den täg geführt zu wiss Sympat hatten und U erfahre matorių beseitig Das Zugäng zu vie Mann beitspla der Un schaffe Die bzw, R Die Br trugen, auf 20 Wurst Der G infolge lịch tr Glieder Wasser Wi am de Haush Umfan treibt Verhäl Überfä weiter sie se Masser die H Ko größte Zerlun zeichn Stirn eine 3 e d r. n e 1 e S S 1 5, 0 S 1 g. r n e S 1- 1, S Man brachte die ,, Gewitter"-Leute mit dem Attentat auf Hitler in Zusammenhang und füllte mit ihnen die KZ- Läger zum Bersten. Neben diesen Angehörigen der Linksparteien kamen scharenweise Angehörige aller Parteien und auch Unpolitische ins Lager, weil man ihnen nachsagte, sie hätten ihr Bedauern über das Mißlingen des Attentates auf Hitler zum Ausdruck gebracht, Doch nicht nur das KZ innerhalb der Mauern füllte sich nach dem 20. Juli, nein, auch der Industriehof. Zu ihm wurden täglich, auch in der Nacht, zu Hunderten jene Personen geführt, die im Verdacht standen, von dem Attentat etwas zu wissen oder sich in einer Weise geäußert hatten, die auf Sympathie für die Attentäter schließen ließ. Die SS- Verbrecher hatten große Tage; zu Hunderten wurden diese Unglücklichen und Unschuldigen erschossen, ohne daß jemand deren Namen erfahren konnte. Die Schlote der Verbrennungsöfen im Krematorium rauchten Tag und Nacht, um die Ermordeten zu beseitigen. Das schon längst überfüllte Lager wurde durch die neuen Zugänge derart weiter belegt, daß in den Baracken die Betten zu vieren übereinander standen; jedes Bett wurde mit zwei Mann belegt. Selbst die täglichen Aufenthaltsräume und Arbeitsplätze dienten als Schlafplatz. Mit der Verschlechterung der Unterbringung kam die Verringerung und qualitative Beschaffenheit der Verpflegung. Die ohnehin schon sehr kalorienarmen Kohl- und Wurzelbzw. Rübensuppen wurden zu ausgesprochenen Wassersuppen. Die Brotrationen, welche bisher 375 g pro Mann und Tag betrugen, wurden bis Ende 1944 auf 300 g und bis April 1945 auf 200 g reduziert. Die Portionen( Margarine, Marmelade, Wurst oder Käse) sanken gleichfalls um mehr als die Hälfte. Der Gesundheitszustand der Lagerinsassen verschlechterte sich infolge dieser verknappten Rationen außerordentlich, namentlich traten schwere Nierenerkrankungen auf; die geschwollenen Glieder, der Leib der Kranken bewiesen die Ansammlung von Wasser, welches die Nieren nicht auszuscheiden vermochten. Wie bedrohlich die Lage in Berlin geworden war, bewies am deutlichsten die Tatsache, daß bei der Verknappung aller Haushaltsgüter die Diebstähle und Räubereien einen ungeahnten Umfang annahmen. Not kennt kein Gebot, und der Hunger treibt die Menschen zu Taten, zu denen sie sonst unter normalen Verhältnissen nicht fähig wären. Die Polizei konnte sich der Überfälle nicht mehr erwehren oder war auch nicht willens weiter mitzumachen, die Hungernden niederzuschlagen, weil sie selbst Hunger litt. Es folgten Sonderaktionen des SD. Massenverhaftungen aller derjenigen, welche mit Recht gegen die Hungerrationen und den Hunger überhaupt rebellierten. Kolonnenweise brachte man die Hungernden ins KZ, zum größten Teil junge Burschen, kaum der Schule entwachsen. Zerlumpt, ausgemergelt kamen sie ins Lager unter einer Bezeichnung: Terroristen. Mit einem schwarzen Kreuz auf der Stirn wurden sie gezeichnet und zunächst wie das Vieh in eine Baracke der Isolierung getrieben, wo kaum Platz zum 205 Stehen, geschweige zum Liegen war. Was nicht in die Baracken hinein ging, blieb draußen liegen, doch nicht lange. Die SS trieb sie in Gruppen von fünfzig Opfern zum Tore hinaus in das Menschenschlachthaus, wo sie durch Gas ein sehr schnelles Ende fanden. Oftmals blieben die hier zusammen getriebenen ,, Terroristen" keine Stunde im Lager, denn sobald die Gaskammern von den vorherigen Opfern geräumt waren, kamen die Neuankommenden wieder hinein. Wochenlang hat dieses Hinschlachten der hungernden Jugend gedauert, das nach außen hin als Aktion gegen die ,, Terroristen" bekannt gegeben wurde. Nur wir Eingeweihten erfuhren den wahren Sachverhalt. Mit der Bekleidung der Häftlinge sah es sehr schlecht aus. Oft wurde wochenlang keine Unterwäsche ausgegeben, weil einfach nichts vorhanden war. Das Ungeziefer vermehrte sich rasend und die Verlausung erreichte bisher nicht gekannte Rekordziffern. Die Abfallhaufen und Dungstätten wurden von den Hungernden aufgesucht und nach noch irgendwie genießbaren Dingen durchwühlt. Die dort genossenen verdorbenen Sachen brachten massenhaft Krankheiten und Tod in die Reihen der Häftlinge. Nichts tat die Lagerführung, um durch Zuteilung ausreichender Verpflegung diesen Übelständen zu steuern. In dem Führerheim, wo die SS verpflegt wurde, nahmen die Schwelgereien kein Ende. Dort war alles vorhanden, von den erlesensten Delikatessen bis zu den ausgesuchtesten Likören, Weinen und Weibern. Neben den Todesopfern, die Hunger und Kälte täglich forderten, rangierten jene, die durch Gift oder Gaskammer umgebracht wurden, nicht zu reden von jenen, die gehängt, erschossen und zu Tode gemartert wurden. Innerhalb der Mauer, jedoch vom Lager durch den Stacheldraht getrennt, wurden Maschinengewehrnester und Flammenwerfer eingebaut und mit SS- Posten, zumeist Fremdsprachigen( Rumänen) besetzt, so daß die Vermutung nahe lag, eines Tages das Lager konzentrisch unter Feuer zu nehmen und die gesamte Lagerstärke durch ein Blutbad zu liquidieren. In den Kreisen der Politischen rechnete man mit der Möglichkeit, daß SS- Flieger das Lager mit Bomben belegen würden, um dann durch Presse und Rundfunk der Weltöffentlichkeit glaubhaft zu machen, die Alliierten hätten diese grauenhafte Massentötung begangen. Wider Erwarten geschah nichts, und dennoch quälte uns ein Gefühl des Unsicheren und Unbehagens. ,, Was wird man mit uns machen läßt man uns lebendig heraus?" war die immer wieder aufgeworfene bange Frage; doch kannten wir keine Verzweiflung. Mochte kommen, was kommt wir würden uns schon zu wehren verstehen wissen, wenn es hart auf hart gehen sollte. Fest entschlossen waren wir, unser Leben so teuer als möglich zu verkaufen. Letzten Endes waren auch wir nicht waffenlos. - Es bereitete keine Schwierigkeit, den elektrisch geladenen Draht mit darauf geworfenen Bohlen und Barackenwänden zu zerreißen, um dann die Mauerplatten des Lagers zu durch206 stoßen. räuchern Schlafsäl weiterer war beiz worden. Der fünfjähr etwas Br diese er der Bekl los aus, kammer sten sch welche N Weib ob man Nein, es lage sich gestaltete Alliierten im Osten aus gese sichtern Die Stillstand frohlock Russen passieren Greis bi Gräben sollten. der Kön schief ge Mitte nach We Armeen, mit dem Lande, bekannte den soll Eine geben: A registrier dem We es ganz kannt ge linge m selbst f daß der Celle( H doch d stände stoßen. Die Wachtposten in den Türmen konnte man aus: räuchern durch die in Brand gesteckten Strohsäcke aus den Schlafsälen. Deszleichen stand uns‘Karbid und eine Reihe weiterer brennbarer und ätzender Stoffe zur. Verfügung. Alles war beizeiten aus den Lägern des Industriehofes requiriert worden. Der Hunger wurde stärker; ständig kamen die drei- bis fünfjährigen Kinder zu den Häftlingen in die Baracken, um etwas Brot zu erhaschen. Von den kärglichen Rationen, welche diese erhielten, gaben sie den Kleinen noch etwas ab. Mit der Bekleidung für Frauen und Kinder sah es mehr als trost- los aus, denn für sie war so gut wie nichts in der Effekten: kammer vorhanden. Während des Winters erfroren die Jüng- sten scharenweise, ohne daß die Lagerführung davon irgend welche Notiz nahm. Weihnachten 1944 rückte heran; es wurde im Lager orakelt, ob man: wohl noch bis zum Fest die Freiheit sehen würde, Nein, es wurde nichts mit der Befreiung, obwohl die Kriegs- lage sich für die zurückflutenden deutschen Heere katastrophal gestaltete. Mit größtem Interesse wurden die Stellungen der Alliierten auf den Kriegskarten sowohl im Westen als auch im Osten verfolgt. Es ging vorwärts— von unserm Standpunkt aus gesehen, und ein befriedigendes Lächeln lag auf den Ge- sichtern unserer politischen Kameraden. Die‘russische Front, welche seit langem scheinbar zum Stillstand gekommen war, erhielt neuen Auftrieb; die Nazipresse frohlockte und tröstete, daß die herangezogenen Reserven die Russen sehr:bald zurücktreiben würden. Es konnte nichts passieren‘denn in Ostpreußen wurde der Volkssturm. vom Greis bis zum Schuljungen:aufgeboten, um an der Grenze Gräben auszuwerfen, in denen die russischen Panzer versinken sollten. Die Führung lag bei den spatenbewaffneten Professoren der Königsberger Universität. Da konnte eigentlich nichts mehr schief gehen. Mitte Januar brachen die Russen mit elementarer Kraft nach Westen durch die deutschen Linien und umzingelten ganze Armeen. Durch vertrauliche Nachrichten wurde bekannt, daß mit dem weiteren Vorwärtsdrängen der Russen der Feind im Lande, d. h. die Russen und die Politischen, vor allem die bekannten Prominenten unter ihnen, in Massen umgelegt wer- den sollten. Die Nervosität steigerte sich von Tas zu Das. Eine neue Nachricht, ein neuer Befehl wurde bekannt ge- geben: Alle nicht marschfähigen und invaliden Häftlinge sollten registriert werden, um in den nächsten Tagen mit Zügen nach dem Westen in ein größeres Lager transportiert zu werden, wo es ganz„prima“ sel. Der Name des Lagers wurde nicht be- kannt gegeben. Die in der Effektenkammer beschäftigten Häft- linge mußten die Kleidung der Häftlinge verladen, und sie selbst fuhren in den Waggons mit. Dadurch wurde bekannt, daß der Transport nach Bergen-Belsen im der Gegend von Celle(Hannover) geleitet würde. Niemand kannte das Lager, doch die SS-Blockführer hatten Auftrag erhalten, die Zu- stände dort in den rosigsten Farben zu schildern. Zwei bis 207 Als drei Tage sollte die Fahrt dauern. Jeder bekam Brot, Margarine und Wurst mit als Marsch verpflegung, dazu ein Kochgeschirr und zwei wollene Decken. Das alles ließ sich augenscheinlich gut an. Doch die alten Lagerhasen kannten den Schwindel nur zu gut. Für sie stand fest, daß alles nur Tarnung war, und daß den Abtransportierten ein gleiches Schicksal beschieden sein würde wie allen denen, die vorher schon in die vorgegaukelten Sanatorien auf den Weg gebracht waren und in den Gaskammern endeten. Über 21 000 machten die Reise nach Bergen- Belsen mit, darunter auch solche, denen man geraten hatte, sich zu ,, drücken". Sie glaubten nicht an das von vielen Eingeweihten vorausgeahnte furchtbare Schicksal, welches ihnen in BergenBelsen bevorstand. Der Sprachlehrer Professor Johannes Verweyen aus Bonn glaubte, man würde seiner dort bedürfen und ging daher mit in den Tod. Zwangsmäßig wurden u. a. zwei der besten Kameraden mit verladen, der Norweger Carsten Ösebö und Klemens Högg( sozialdemokratischer Landtagsabgeordneter aus Augsburg). Viele weitere bester Kameraden wurden zu dieser Todesfahrt gezwungen. Weitere Transporte gingen nach Mauthausen und Flossenburg. Man mußte Platz im überfüllten Lager schaffen, denn vom Osten kamen die Insassen der dort gelegenen KZ in einem furchtbaren Zustande an. Tausende von ihnen waren schon verhungert und erfroren und teilweise ein Fraß für die nachfolgenden Wölfe aus Rußland und Polen geworden. Von Ungarn langte ein Transport an, der ursprünglich 1800 Mann stark gewesen war; über 800 km hatten sie durch Schnee und Eis, zum Teil ohne Fußzeug, marschieren müssen. Kaum 200 erreichten das Ziel Sachsenhausen. Doch in welcher Verfassung waren diese Elendsgestalten, die über zwei Monate hatten tippeln müssen, angetrieben durch die sie begleitende bestialische SS, die jeden niederschlug, der nicht mehr vorwärts konnte. Es waren nur wenige dieser Opfer zu retten, sie starben dahin wie die Fliegen. Hände und Füße mußten vielen amputiert werden. Bei einigen Obduzierungen zeigte sich, daß die inneren Organe verkohlt waren. Das warme Essen im Lager hatte sie nicht mehr retten können. Schreckensbilder über Schreckensbilder. Der 1. Februar 1945 ging zu Ende. Außer dem üblichen Alarm, der nach 23 Uhr abgeblasen wurde, hatte sich nichts ereignet. Nach Mitternacht wurden die Schläfer in den Baracken durch Schreie und Kommandos aufgeschreckt; Schüsse hallten über den Appellplatz. Die Mordgesellen der SS suchten bereits vornotierte Opfer heraus und trieben die Schlaftrunkenen mit Fußtritten und Kolbenstößen heraus auf den Appellplatz. Diese erkannten, daß es jetzt um ihr Leben ging, und ein Teil versuchte zu fliehen oder setzte sich zur Wehr. Zu spät! Die Kugeln der SS streckten sie nieder. Wie Vieh, das zur Schlachtbank getrieben wird, wurden sie zum Industriehof gebracht, wo wiederum noch einige in Todesverzweiflung Fluchtversuche machten, wobei sie sofort zusammengeschossen wurden. 208 ihnen a meraden stärke a bestialis von de ärgsten als 30 Polen Schlach Unt die Nar Luxemb cois Spa Jean B GaaschHerschl Anton Viktor Pierre Schleich dert- Be Von seiner stolen der Üb triebene Jones dustriel genes der SS Kamera gaben ausführ der au gegange Vo Sergean heitsha Kriegsg mord lischen auf ei sie in test de die Ge bracht. behand beantw weisun läufer" behand 14 Liena Iarchenzu den rde Saern sen zu ten genonn mit sten und aus eser senenn mem hon ach1800 arch sen. cher mate nde vorten, Bten ich, im der chen chts Baüsse hten enen latz. Teil Die chtcht, uche - Als der Morgen graute, zählten die Blockältesten in den ihnen anvertrauten Blocks nach, was fehlte. 178 beste Kameraden traten nicht mehr zum Appell an ,, von der Lagerstärke abgesetzt", die SS hatte die Wehr- und Waffenlosen bestialisch ermordet. Die Schlote der Verbrennungsöfen zeugten von der verbrecherischen Tat an unseren Kameraden. Am ärgsten war in der SK ,, aufgeräumt" worden, aus der mehr als 30 Opfer, zumeist Ausländer, Luxemburger, Franzosen, Polen und Russen, von letzteren ein Teil Offiziere, auf der Schlachtbank geendet hatten. Unter den Opfern dieser Bartholomäusnacht verzeichne ich die Namen nachstender Luxemburger: Polizei: Jaques PixiusLuxemburg, Nicolas Schaack, Esch- Alzette; Gerdarmerie: Francois Spautz, Troisvierges, Ferdinand Nepper, Diekirch; Soldaten: Jean Boever- Hosingen, Mich Marc Bormann- Troisvierge, Jean Gaasch- Dudelange, Marcel Brimeyer- Burmerange, Jean Herschbach- Echternach, Bapt Norbert Kaues- Schrondweiler, Anton Robert Lamboray- Machtum, Jean Ney- Strassen, J. P. Viktor Reuland- Dudelange, Emile Reding- Colmarberg, Math. Pierre Reisen- Dudelange, Nic. Ed. Schmitz- Diekirch, Antoine Schleich- Huldange, Camille Schaeler- Esch- Alzette, Paul Weydert- Beggen. Marc Von den Luxemburgern hatten Viktor Reuland und drei seiner Kameraden es fertig gebracht, den SS- Mördern die Pistolen zu entwinden und auf sie zu feuern. Doch erlagen sie der Übermacht. Ebenfalls setzten sich die zur Gaskammer getriebenen englischen Marineangehörigen unter dem Leutnant Jones Goodwin zur Wehr. Ihrer zwei wurden auf dem Industriehof erschossen; ein dritter, der durch ein eisenbeschlagenes Fenster in die Werkstatt geflüchtet war, wurde dort von der SS niedergeknallt. Die in der Nachtschicht arbeitenden Kameraden, darunter der Flensburger Wilhelm Thomsen( 40 317), gaben mir am nächsten Morgen über die Schreckensszenen ausführlich Bericht. Zudem bewiesen auch die Blutlachen und der aufgewühlte Boden, was dort an Furchtbarem vor sich gegangen war. Von den sieben britischen Marineangehörigen kam nur der Sergeant Alfred Roy mit dem Leben davon, weil er sich krankheitshalber im Revier befand. Die übrigen fünf britischen waren dem MassenKriegsgefangenen mit Leutnant Goodwin mord zum Opfer gefallen. Sie hatten der Besatzung eines_englischen Schnellbootes angehört, das an der norwegischen Küste Auf ihrer Flucht wurden auf einen Felsen aufgelaufen war. sie in Esbjerg( Dänemark) gefangen genommen und unter Prowelcher sich mit Recht auf test des Leutnants Goodwin ins KZ Sachsenhausen gedie Genfer Konvention berief bracht. Ihre ständige Berufung darauf, als Kriegsgefangene behandelt und in ein Kriegsgefangenenlager gebracht zu werden, beantwortete der Lagerführer Kolb damit, daß er die Einweisung in die SK verfügte und dem Vorarbeiter der ,, Schuhläufer", Jacob, auftrug, die Briten besonders schikanös zu behandeln; die Brutalität des Jacob war bekannt. 14 Lienau, Zwölf Jahre Nacht 209 Selektion Die Führung der Mordaktion in der Nacht vom 1. zum 2. Februar 1945 hatten die bereits genannten SS- Lagerführer Untersturmführer Höhn, SS- Untersturmführer Rehn, Rapportführer Hauptscharführer Böhm und SS- Unterscharführer Hempel. Am Morgen des 2. Februar konnte man diese Mordgesellen in der Kommandantur noch in ihrer blutbesudelten Uniform herumstreichen sehen. Sie hatten einen ,, Ruhetag" erhalten, den sie dazu benutzten, sich im Führerheim gründlich unter Alkohol zu setzen, wobei sie nicht unterließen, sich ihrer nächtlichen ,, Heldentaten" zu rühmen. In den nächsten Tagen trat eine gewisse Ruhe ein, die man jedoch nur als Ruhe vor dem Sturm werten konnte. Wann kam der nächste Schlag? Wann wird man die nächste Gruppe nächtlicherweise aus den Betten holen und morden? Es blieb bei dieser einen Großaktion. Scheinbar hatte die Stimme des Auslandes etwas beschwichtigend gewirkt, denn noch im Laufe des 2. Februar gab unser Geheimsender die Vorgänge zum Zwischensender außerhalb der Mauer, der die Nachrichten dann an die Auslandssender weiter vermittelte. So hörte es denn auch die Lagerleitung, und die SS- Führung neben allen Dienststellen im OKW. Man wird sich' den Kopf zerbrochen haben, wer unter den SS- Leuten hier Verrat geübt hatte. Sie mochten tippen, wie sie wollten, weder Sender noch Funkpersonal kamen in Verdacht, weil man an einen Geheimsender auch nicht im entferntesten dachte. Bald kam eine Nachricht, daß die Norweger und Dänen, die mit 2400 Häftlingen im Lager waren, durch Autos des schwedischen Roten Kreuzes abgeholt werden sollten. Man war skeptisch; denn derartige gute Nachrichten hatten zumeist einen dunklen Hintergrund. Doch ein, es war wirklich an dem. Eines Morgens trafen etwa zehn schwedische Rote KreuzAutos mit schwedischem Personal unter Führung des Grafen Folke Bernadotte, dem Präsidenten des schwedischen Roten Kreuzes, in Sachsenhausen ein. Sie nahmen an der Straße vor dem KZ die skandinavischen Kameraden auf, die zunächst erst eine warme Verpflegung vor Antritt der Reise erhielten. Mit gemischten Gefühlen sah man diese Kameraden ziehen. Einerseits freuten wir uns, daß sie unter so guten Verhältnissen die Hölle Sachsenhausen verlassen durften; andererseits wurde ihr Scheiden bedauert. Gerade sie waren es gewesen, die während der letzten Jahre ihrer Haftzeit, solange sie Rote KreuzPakete aus dem Norden erhielten, hungernde Kameraden aller Nationen damit versorgten und ihnen über die turchtbare Zeit der Not und Entbehrung hinweghalfen. Tausende verdanken ihnen Leben und Gesundheit, für alle Zeiten haben sie sich in den Herzen der KZ- Kameraden ein dankbares Andenken bewahrt. Als die letzten Autos nach den nordischen Gestaden abgefahren waren, trat wiederum eine kleine Pause der Entspannung ein. Doch eine Ruhe im Lager gab es nicht; immer noch schwebte das Damoklesschwert über uns Politischen, weil wir sehr wohl wußten, daß man uns beseitigen wollte und vielleicht nur noch nicht wußte, welche Art des ,, von der Lagerstärke absetzten" erneut in Anwendung zu bringen sei. Die 210 nahm fa bemerkt und Na und der laufende wurde a ein- bis die Lag daß ihn würde. Aber nicht m und wa Näherrü würde. Häftling Es wurd polizei. heranzie Politisch Mann s und 22 es sich dem Ge ehemali reden l und Mu Die Fül Block 1 des erst merad. Bei Gesichte talität täten v sie nich linge b der alli u. a. de politisch die Her spürte heit, w gegeben Kei die uns noch p gen d in Kür morg Inz der La 14* Selektionen, d. h. das Aussuchen der Opfer für die Gaskammer nahm fast täglich, doch für die Mehrheit des Lagers.un- bemerkt, seinen Fortgang. Die Verbrennungsöfen spieen Tag und, Nacht ihre übelstinkenden Rauchwolken über das Lager und deren Umgebung, stündlich kündend, daß das Morden am laufenden Band nicht die geringste Unterbrechung erfuhr. Es wurde auch nicht weiter zur Notiz genommen, daß täglich ein- bis zweimal Fliegeralarm war; daran hatten sich. schon die Lagerinsassen mit der tröstlichen Versicherung gewöhnt, daß ihnen nichts von Seiten der alliierten Flieger geschehen würde. Aber dennoch geschah etwas Neues. Man traute der SS nicht mehr, besonders der deutschen SS mißtraute man sehr und war höheren Orts nicht mehr der Meinung, daß sie beim Näherrücken der alliierten Heeresgruppen im Lager aushalten würde. Man traute ihr zu, daß sie„türmte“, und dann die Häftlinge sich selbst überlassen werden müßten. Es wurde daher eine neue Formation geschaffen: die Häftlings- polizei. Da man wohl schwerlich die Berufsverbrecher dazu heranziehen konnte, so wurden für diese Gruppe ausschließlich Politische genommen und zwar„Freiwillige“, die, etwa 500 Mann stark, in beiden am Appellplatz liegenden Baracken 1 und 2 zusammengezogen würden. Zum größten Teil handelte es sich um gediente Soldaten oder doch um Leute, die mit dem Gewehr umzugehen verstanden. So waren auch Jäger, ehemalige Fremdenlegionäre usw. darunter, mit denen sich reden ließ. Die Uniform war schon zur Stelle, nur Gewehre und Munition fehlten. Auch dieses alles sollte noch kommen. Die Führung der Häftlingspolizei oblag dem Blockältesten im Block 1, Arthur v. Lankisch-Hoernitz, kriegsversehrter Offizier des ersten Weltkrieges, alter Politischer und zuverlässiger Ka- merad. Ich wurde sein Schreiber und Stellvertreter. Bei den SS-Wachtmannschaften sah man fast täglich neue Gesichter. Es ging das Gerede, daß die durch Mord und Bru- talität„stark belasteten“ Blockführer— um allen Eventuali- täten vorzubeugen— in andere Lager versetzt seien, wo man sie nicht kannte. Man ahnte mit Recht die Rache der Häft- linge bei einem„Umschwung“, der durch das Näherrücken der alliierten Truppen ohne weiteres gegeben war. Zwar hatte u. a. der Lagerführer Kolb, ein Zyniker von Rang, häufig den politischen Kameraden gegenüber bemerkt:„Noch sind wir die Herren!“ mit der Betonung des Wortes: Noch! Doch ver- spürte man in diesen Worten schon den Unterton der Unsicher- heit, welche durch die katastrophale und militärische Lage gegeben war. Keineswegs wollte sich die Lagerführung eine Blöße geben, die uns in der Mehrheit längst erkennbar war. Man sang auch noch prahlerisch: Heute gehört uns Deutschland und mor- gen die ganze Welt!, obwohl schon feststand, daß es in Kürze lauten würde: Heute gehört uns Deutschland und morgen der ganzen Welt! Inzwischen wurde bekannt, daß tatsächlich ein großer Teil der Lager-SS zur Front einberufen war; auch die Namen von 14* 211 gefallenen SS- Leuten aus dem Lager hörten wir aufatmend mit dem ehrlichen Bekenntnis: Gottseidank, daß dieser Schweinehund verreckt ist! Immer mehr SS- Wachtmannschaften kamen zur Front; Kanonenfutter wurde reichlich verbraucht. Als die SS nicht mehr ausreichte, wurde im KZ zu besonderen Maßnahmen gegriffen. Es wurden Freiwillige für die Wehrmacht und Waffen- SS gesucht. Man predigte tauben Ohren. Wohl meldeten sich einige Freiwillige zur Wehrmacht, doch für die Waffen- SS bestand nicht die geringste Neigung. Mit dem sich ,, freiwillig melden" als Kanonenfutter war es nicht weit her. Es wurde daher zur Zwangsrekrutierung gegriffen. Zuerst kamen die BVer und Asozialen an die Reihe; ihnen folgten die Zigeuner. Für die sog. Partisanen- Gruppen genossen die Wildschützen den Vorzug, von denen nicht wenige im Lager waren. Österreich jetzt Ostmark genannt- stellte ein nicht unbeträchtliches Kontingent der Wildschützen, die den Gamsbock als vorzügliches Wildpret schätzten. Kategorie Wildschützen wurden auch die Sportfischer ohne Angelkarte eingereiht. Daß sie noch kein Gewehr in Händen gehabt hatten, war völlig unerheblich. Der träumerische Angelrutenbesitzer wurde umgeschult zum Scharfschützen mit dem Schießprügel zum ,, Garanten für den Endsieg". - Immer noch wuchs der Bedarf an Soldaten, die den in der Agonie liegenden Hitlerstaat retten sollten. Zum letzten griff man im KŽ die wehrfähigen Politischen wurden zwangsrekrutiert, jene Leute, die es als ihre höchste Aufgabe betrachtet hatten, den Nationalsozialismus zu bekämpfen- sie sollten ihn gegen unsere Befreier, die Alliierten verteidigen! Mit dem Einsatz der Politischen haben die Nazis wenig Freude gehabt, denn bis zur frontmäßigen Ausbildung, war nach Adam Riese keine Front mehr vorhanden. - Die Lagerleitung zeigte zeitweilig ein joviales Gesicht, doch diesem konnte man nie trauen. Die langjährige Erfahrung hatte alle eines besseren belehrt, der Januskopf der SS- Führung war nur zur Genüge bekannt. Man hatte allen Grund zum Mißtrauen; die Posten, welche bisher von prominenten Politischen eingenommen waren, wurden mit Asos und BVern besetzt, so der Arbeitseinsatz mit dem BVer Flegel, der seinem Namen alle Ehre machte. Der Luftschutz unterstand dem BVer Maschke, einem arroganten Fatzke, der sich durch stetigen Kotau vor dem Lagerführer und Kommandanten auszeichnete. Als Lagerälteste wurde der Asoziale Kuhnke eingesetzt, der es als seine vornehmste Pflicht betrachtete, die prominenten Politischen zu denunzieren und daneben wieder in sein Gewohnheitslaster: Diebstahl am Gemeinschaftsessen und Kame-, raden- Eigentum, verfiel. Er fiel nach kurzer Zeit in Ungnade anläßlich einer Großschiebung, bei der die mitmachende SS zu kurz gekommen war. Kuhnke wurde darauf in ein anderes Lager verfrachtet. - Als Lagerältester der letzte in Sachsenhausen- wurde, wie schon berichtet, darauf der BVer Kurt Beyer eingesetzt, nachdem einer seiner Vorgänger mit gleichem Namen beim Diebstahl gefaßt und in die SK gebracht wurde, wo ihm seine 212 Haftartg verstand oder As ähnlich wurde, Die zogene empfind von all Der binettsb politisch den pol und err Dies ko nicht a Abe als mit Wort S meinsan der Zu und er daß in Lager immer So wurd Die von Fl wichtige Lesen angedro dennoch Luft zu Politike auch im Da Papierfe im Kra das Pap Stück R Erstaun der dre hielt, d d M C V d a e, th, Je Haftartgenossen deutlich machten, was man unter Selbstjustiz verstand und ihn zur Zufriedenheit aller, ob Politisch, BVer oder Aso derart verbläuten, daß Zweifel an seiner Menschen- ähnlichkeit laut wurden. Obwohl er revierfähig geschlagen wurde, gab es für diesen Strolch kein Erbarmen. Die von seiten der eigenen Leidensgenossen an ihm voll- zogene Strafe entsprach in diesem Falle wirklich dem Volks- empfinden. Sie war für viele eine Warnung, doch leider nicht von allzulanger Dauer, denn BV blieb eben BV. Der letzte Lagerälteste Kurt Beyer nahm eine neue„KRa- binettsbildung“ vor, das heißt, er wechselte die alten bewährten politischen Blockältesten mit BVern aus, was insbesondere in den politischen Blocks zu scharfen Auseinandersetzungen führte und erneut eine gespannte Lage unter den Häftlingen schuf. Dies konnte der Lagerführung nur recht sein; so brauchte sie nicht an den Politischen ihre Wut auszulassen. Aber man wurde auch mit diesem Intriganten fertig, besser als mit der SS und viel einfacher. Zu keiner Zeit hatte das Wort Sabotage eine so furchtbare Bedeutung, als es galt, ge- meinsam einen Feind unschädlich oder zahm zu machen, wenn der Zusammenhalt der Gegner seinen Widerstand bricht— und er ward gebrochen. Beyer duckte sich, denn er merkte, daß in kurzer Zeit vielleicht doch der Wind aus einem anderen Lager wehen konnte— die nächtlich hörbaren Kanonen der immer näherrückenden Russen gaben ihm stark zu denken, und so wurde er passiv. Die Flieger der Alliierten wurden sehr rege im Abwurf von Flugblättern, die auch in unser Lager fielen und uns wichtige‘Nachrichten überbrachten. Obwohl das Aufheben und Lesen dieser Flugblätter verboten war, und sogar Toodesstrafe angedroht wurde, verschafften sich die führenden Politischen dennoch diese wertvollen Nachrichten, welche uns aus der Luft zuflatterten. Daß in Jalta auf der Krim die führenden Politiker Sowjetrußlands, Englands und der USA tagten, war auch im Lager bekannt, nur kannte man nicht deren Beschlüsse. Da— eines Tages im März 1945 flatterte ein unscheinbarer Papierfetzen mit bunter Vignette auf das Dach einer Baracke im Krankenbau und in das daneben liegende Gelände. Ich nahm das Papierstück in die Hand und glaubte, daß es sich um ein Stück Reklamepapier oder dergleichen handelte. Groß war mein Erstaunen, als ich die Überschriften und darüber die Flaggen der drei Alliierten— ein Flugblatt von Jalta— in den Händen hielt, das nachstehenden Wortlaut hatte: ERKLÄRUNG der Huchrer der dres verbundeten Mächte In der ersten Hälfte des Februar tagte in der Krim während acht Tagen eine Konferenz der Führer der drei Mächte— des Premierministers von Großbritannien CHURCHILL, des Präsidenten der Vereinigten Staalen von. Nordamerika ROOSEVELT und des Vorsitzenden des Rates der Volkskommissare der Sowjetunion STALIN unter Beteiligung der Außenminister, der Stabscheis und anderer Berater, 213 Über die Ergebnisse der Arbeit der Krim- Konferenz geben Roosevelt, Stalin und Churchill eine Erklärung ab, in der es heißt: 1. Über die Niederschlagung Nazideutschlands. ,, Wir haben die Kriegspläne der drei verbündeten Mächte zum Ziele der endgültigen Niederschlagung des gemeinsamen Feindes erörtert und festgelegt. Während der ganzen Konferenz sind die militärischen Stäbe der drei verbündeten Nationen täglich zu Beratungen zusammengetreten. Diese Beratungen waren in jeder Hinsicht in höchstem Grade befriedigend und führten zu einer engeren Koordinierung der militärischen Anstrengungen der drei Verbündeten, als es jemals früher der Fall war. Es fand ein gegenseitiger Austausch erschöpfender Informationen statt. Die Fristen, der Umfang und die Koordinierung neuer und noch mächtigerer Schläge, die unsere Armeen und Luftstreitkräfte von Osten, Westen, Norden und Süden gegen das Herz Deutschlands führen werden, wurden miteinander in vollem Einklang gebracht und im einzelnen planmäßig festgelegt. 214 Die sehr enge Arbeitsgemeinschaft unserer drei Stäbe, die auf der gegenwärtigen Konferenz erzielt worden ist, wird zur Beschleunigung des Kriegsendes führen. Nazideutschland ist dem Untergange geweint. Wenn das deutsche Volk versucht, seinen hoffnungslosen Widerstand fortzusetzen, wird es seine Niederlage nur noch schwerer zu bezahlen haben." 2. Über die Kriegsziele der Verbündeten. Unser unabänderliches Ziel ist die Vernichtung des deutschen Militarismus und Nazismus und die Schaffung der Garantie dafür, daß Deutschland nie mehr imstande sein wird, den Frieden der ganzen Welt zu stören. Wir sind von der Entschlossenheit erfüllt ,, sämtliche deutschen Streitkräfte zu entwaffnen und aufzulösen, den deutschen Generalstab, der wiederholt zur Wiederauferstehung des deutschen Militarismus beitrug, ein für alle mal zu vernichten, alles deutsche Kriegsgerät einzuziehen oder zu vernichten und die gesamte deutsche Industrie, die für Rüstungszwecke ausgenützt werden könnte, zu liquidieren oder unter Kontrolle zu stellen; alle Kriegsverbrecher einer gerechten und schnellen Bestrafung zu unterziehen und für die von den Deutschen angerichteten Zerstörungen Schadenersatz in Gestalt von Sachleistungen einzutreiben; die Nazipartei, die Nazigesetze, Organisationen und Institutionen vom Erdboden zu tilgen, jeden nazistischen und militaristischen Einfluß aus den öffentlichen Institutionen, aus dem Kultur- und Wirtschaftsleben des deutschen Volkes zu beseitigen und gemeinsam solche weitere Maßnahmen Deutschland gegenüber zu ergreifen, die sich für den künftigen Frieden und für die Sicherheit der ganzen Welt als notwendig erweisen sollten. von End Spa Wel kon Ost sich abs SO teil Süd hat auc joc dra wir Fre Unsere Beratung in der Krim hat erneut unsere gemeinsame Entschlossenheit bekräftigt, in der bevorstehenden Friedenszeit jene Einheit der Ziele und des Handelns zu wahren und zu verstärken, die in diesem Krieg den Sieg für die Vereinten Nationen möglich und unbestreitbar gemacht hat. Nur bei fortdauernder und zunehmender Zusammenarbeit und gegenseitigem Verständnis zwischen unseren drei Ländern und zwischen allen friedliebenden Völkern kann das höchste Streben der Menschheit Wirklichkeit werden, ein festgefügter, langdauernder Frieden, der die Gewähr dafür bietet, daß alle Menschen in allen Ländern ihr Leben, frei von Furcht und Not, werden leben können." 3. Über den Ausweg für das deutsche Volk. ,, Zu unseren Zielen gehört nicht die Vernichtung des deutschen Volkes. Erst wenn der Nazismus und der Militarismus ausgerottet sein werden, besteht für das deutsche Volk die Hoffnung auf eine würdige Existenz und einen Platz in der Gemeinschaft der Nationen. Die Krimkonferenz der Führer der drei Großmächte hat die letzten Hoffnungen der Naziclique auf eine Spaltung der Verbündeten zerschlagen. Für die nazistischen Kriegsverbrecher gibt es keinen Ausweg. Nazideutschland ist dem Untergang geweiht. Dem deutschen Volke aber zeigt die Krim- Konferenz den einzigen reinen Ausweg: Bruch mit der dem Untergang geweihten verbrecherischen Hitlerclique, Schluß mit der aussichtslosen Fortsetzung des verlorenen Krieges. Deutsche Offiziere und Soldaten! Stellt den Widerstand ein, kapituliert oder geht in die Gefangenschaft. Jeder andere Weg führt nur zu Eurem Untergang. Nur wenige meiner politischen Kameraden erhielten Kenntnis von diesem Flugblatt. Wir wenigen aber wußten nun, daß das Ende der Nazis mit Riesenschritten näher kam. Mit höchster Spannung verfolgten wir die militärische Lage, die für die Wehrmacht von Stunde zu Stunde bedrohlicher wurde; es konnte vielleicht nur noch Tage dauern, bis die Russen vom Osten, die Engländer und Amerikaner vom Westen kommend, sich vereinigen und Deutschland in einen Nord- und Südteil abschnüren würden. Auch Hitler sah diese Entwicklung und so verfügte er, daß für jeden der beiden entstehenden Länderteile eine Regierungsstadt im voraus benannt wurde. Für den Südteil war Villach vorgesehen und für den Nordteil Flensburg. Frühling war es wieder geworden; ach, wie viele Frühlinge hatten wir im Lager gesehen, immer in der Hoffnung, endlich auch den Völkerfrühling zu erleben, die Befreiung vom Nazijoch, den Genuß der Freiheitssonne außerhalb des Stacheldrahts und der grauen Mauern. Wie nahe war sie; würden wir sie noch erleben oder kurz zuvor an der Schwelle zur Freiheit noch dem Leben Valet sagen müssen? Frühling war 215 gekommen und die höher steigende Sonne nährte die Hoffnung auf Erfüllung des Wunsches Aller: Freiheit durch Zertrümmerung der Hitlermacht. Wohl nirgend war der Wunsch auf eine deutsche Niederlage so groß wie im KZ und insbesondere in dieser Zeit, die das Ende aller Qualen versprach. Doch mit dem Fortschreiten der fast sommerlichen Wärme meldete sich wieder ein neuer Feind, die Seuchengefahr. Bei den letzten Bombenangriffen war die Kanalisation Oranienburgs, welche auch die Abwässer des Konzentrationslagers aufnahm, zerstört worden. Ebenfalls geriet die Wasserzufuhr ins Stocken. Bei der mehrfachen Überbelegung des Lagers mußte sich eine Seuche katastrophal auswirken. Die Wasserklosetts wurden sofort gesperrt und hinter den Baracken Gruben ausgeworfen für Latrinen. Ein penetranter Gestank lag nunmehr dauernd über dem ganzen Lager und verpestete die Luft in cinem bisher unbekannten Maße. Die Führung der politischen Häftlinge wurde beim Kommandanten vorstellig und wies auf die Gefahren hin, die nicht nur die Insassen des Lagers treffen konnte, sondern sich auch auf die benachbarten Orte, vor allem auf Oranienburg ausdehnen konnte. In aller Eile wurde daraufhin auch die SS fürchtet um Leben und Gesundheit Chlorkalk herangeschafft und dauernd damit infiziert. Die metertief ausgehobenen Gruben waren oftmals in einer Woche bis zum Rande mit den Fäkalien gefüllt und wurden dann notdürftig zugeschüttet. Neue Gruben entstanden rund um die Baracken und wurden von Tag zu Tag zu einer sich entwickelnden Gefahr für die Gesundheit des ganzen Lagers. Im Dunkeln lief mancher Häftling, insbesondere Schwache und Hilflose, in diese Senkgruben, aus denen sie von anderen wieder herausgezogen und mit dem Wasserstrahl gereinigt wurden. In einigen Fällen, wo das Hineinfallen solcher Häftlinge nicht bemerkt wurde, kamen die Ärmsten in den Gruben um, und man nahm zum Schluß nicht einmal mehr Notiz davon. Ja, einige Leichen ließ man drin liegen und schüttete die Grube zu. Was bedeutet schon ein Menschenleben, noch weniger ein Toter in Sachsenhausen. Ein verhältnismäßig sonniger Tag war der 10. April. Frühzeitig zu ungewohnter Zeit um 10 Uhr schrillten die Sirenen über das Lager und Oranienburg. Mückenschwärmen gleich sah man die Bombengeschwader vom Westen und Nordwesten über das Lager hinwegfliegen; man konnte an den charakteristischen Flugbahnen der abgeworfenen Bomben wahrnehmen, daß es sich um einen massierten Angriff handelte. Aus der Ferne hörte man das Einschlagen der Bomben, und die aufschießenden Feuergarben zeigten an, daß das Verderben von Menschen und Sachwerten heute besonders starke Formen angenommen hatte. In nächster Nähe fielen einige Bomben und setzten die Industriebetriebe der DAW in Brand, vor allem ging die Schuhfabrik völlig in Flammen auf. Im Lager drohte eine Panik auszubrechen, die nur durch die Disziplin der Politischen abgewehrt wurde. Es schien, als sei nunmehr auch 216 das 1 keine Lager einiger Abend ins La Ar der L den A die sc Trupp weise Zigare war n über Di militä hatte. neue dem Worte unvers Na des h sie so mit H Zwang Höhn wurde treffen wie es Di gar ni halber Tag. tag. lassun vorgen durch lag es Ei fest; in Fo sonde stets a nicht mittag herum stätter keine Pa die B ing M- auf ere le el, jer uf- on an- die die ine 20” ıch das Lager zum Vernichten ausersehen. Zum Glück kamen keine Häftlinge ums Leben; es wurde auch klar, daß die ins Lager gefallenen Bomben lediglich Fehltreffer waren. Nach einigen Stunden war wieder Ruhe im Lager eingekehrt. Der Abend brachte den üblichen Alarm, doch fielen keine Bomben ins Lager. An den nun folsenden Tagen nahm die nervöse Stimmung der Lagerführung und eines Teils der SS sehr zu. Es hatte den Anschein, als würde vielleicht die SS türmen, weil sie die schon in nächster Nähe des Lagers befindlichen russischen Truppenverbände fürchtete. Blockführer bewesten sich teil- weise fast kameradschaftlich zwischen den Häftlingen, fochten Zigaretten und erörterten die nunmehr geschaffene Lage. Nichts war mehr vom Hoffen auf den Endsieg zu spüren. Die abendlichen Wehrmachtsberichte von den Lautsprechern über den Appellplatz posaunt, verrieten ebenfalls, daß sich die militärische Lage in den letzten Tagen vernichtend geändert hatte Nach dem Wehrmachtsbericht tauchte plötzlich eine neue Attraktion auf, der Wehrwolfbericht, offenbar berechnet, dem Volke die wirkliche Lage zu verschleiern. In abgehackten Worten hörte man: Cäsar sechs über elf nord, und dergleichen unverständliche Sentenzen mehr.: Nach eingetretener Dunkelheit bewesten sich die ‚Damen des horizontalen Gewerbes“ Henny, Gretchen, Margrit und wie sie sonst hießen, auf dem Appellplatz und gingen Arm in Arm mit Häftlingen zwischen den Baracken; die Kasernierung der Zwangsproslituierten bestand nicht mehr. Der Lagerführer Höhn fand sich eines Abends inmitten des Abendbummels und wurde angerempelt— ohne daß er protestierte oder den be- treifenden Häftling notierte oder in den Bunker bringen ließ, wie es vor einiger Zeit bestimmt geschehen wäre. Die Arbeitsfreudigkeit ließ merklich nach, es fiel auch gar nicht mehr auf, daß die Arbeitskommandos oftmals nur in halber Stärke ausrückten, Lockerungen überall, von Tag zu Tag. Der 20. April 1945 war angebrochen— Hitlers Geburts- tag. Was wird er bringen? Kaum anzunehmen, daß Ent- lassungen, von denen schon längst nicht mehr die Rede war, vorgenommen würden, außer. jenen, die täglich in Scharen durch die Schornsteine des Krematoriums gingen. Und doch lag es im Gefühl, daß sich etwas Besonderes ereignen würde. Ein Bombardement, wenn auch nicht des Lagers, stand fest; die Alliierten würden Adolf doch sicher Ovationen bringen in Form glühender Metallspenden, Feuerblumenbuketts von be- sonders eroßen Ausmaßen, wie sie es in den letzten Jahren stets an seinem Gebur tstag zu tun pflegten. Das Lager brauchte nicht lange nachzusinnen und zu warten. Um 11 Uhr vor- mittags ging der Höllenspektakel los Rund um das Lager herum gingen die wohlgezielten Bomben nieder. Die Werk- stätten waren leer, denn in Erwartung großer Dinge rückten keine Arbeitskommandos aus. Pausenlos donnerten die Bomben hernieder und rüttelten die rn derart durcheinander, daß die Spinde und Öfen 217 ins Wanken gerieten. Die Häftlinge mußten in den Baracken bleiben, was sehr schwer hielt, weil eine Panik auszubrechen drohte. Dennoch gelang es wiederum, die Ruhe zu bewahren; nach etwa einer Stunde wurde entwarnt. Wann würde der nächste Alarm kommen? Vielleicht am Nachmittag zum FünfUhr- Tee. Nichts geschah. Um zwanzig Uhr gaben die Lautsprecher den üblichen Sermon zum Besten, und Josef Goebbels sprach über den Geburtstag des ,, Führers": Wir siegen, wir müssen siegen, wir werden siegen; und warum müssen wir siegen? Weil wir unsern ,, Führer" haben... rrrr Bummmm. Aus! Irgendwo war der Draht gerissen oder vielleicht auch eine Bombe dazwischen geraten. Auf jeden Fall erhielt das Lager den Sermon über den Endsieg an diesem Abend nicht mehr, selbst die Wehrwolfmeldungen blieben aus, und so mußte man ohne Kenntnis der gegenwärtigen Standorte der sagenhaften Wehrwolfverbände den verödeten Lautsprecher verlassen und eigenen Gedanken nachgehen, die sich mit dem beschäftigten, was wohl in den nächsten Stunden geschehen würde. Um 23 Uhr war programmäßig Fliegeralarm, und gerade an diesem hohen Tage durfte bestimmt mit einem verstärkten Einsatz gerechnet werden. Das Lager war schlafen gegangen. Ruhe auf der ganzen Linie. Ich hätte Wache gehabt, doch ein jüngerer Kamerad löste mich ab und stülpte sich die Gloriahaube( italienischer Stahlhelm) über den Kopf und torkelte hinaus in die Nacht. Mitternacht war längst vorüber, und immer noch dieselbe Ruhe. Gegen zwei Uhr morgens kam ein Blockführer eilends über den Appellplatz zum Lagerältesten: Sofort zum Kommandanten! Nach zehn Minuten war er zurück und unterrichtete zunächst die Blockältesten der benachbarten Baracken davon, daẞ früh um sechs Uhr das gesamte Lager evakuiert würde. Unwillkürlich stellten wir uns die Frage: Wohin? Von allen Seiten rückten die Alliierten heran. Und doch war es so. Zweiundvierzigtausend Menschen, Männer, Frauen und Kinder sollten in Marsch gesetzt werden, eine Armee im Stadium des Verhungerns, sie sollte zunächst in vier Tagen 80 km in Richtung Nordwesten zurücklegen, wo als mutmaßliches Ziei die Stadt Wittstock angegeben wurde. Als Verpflegung für diese vier Tage war vorgesehen ein Brot( 1500 g), und für je vier Häftlinge 1 Kilo- Dose Blutwurst ( Schlimme Augenwurst) oder Leberwurst( Chausseestaub- Paste). Noch vor dem Wecken war Leben im Lager; denn eine derartige, einzig dastehende Nachricht ging im Rundfunktempo von einer Lagerstatt zur anderen. Freiheit! war der Ruf durchs Lager. Der Tag war da, auf den alle seit Jahren sehnsüchtig gehofft hatten und während des Schlafes war dieser große Tag gekommen. - Noch bevor die Abschiedsbrühe ausgegeben wurde, entwickelte sich auf dem Appellplatz ein reges, buntes Durcheinander, das einer großen Völkerschau glich; auch die freigelassenen Frauen aus der Internierung tummelten sich zwischen den Häftlingen, und bald waren sich die Paare einig darüber, 218 wie sten und wog füh Ver die den von ma sam SS ebe kal Son Mit Kin ster dur län ein alle fre letz die Gra un Be ken rer Ma en en n; er f- utels vir ir m. ne er r, an en nd en, 23 em atz en rad er ht. be ds anete on, de. on es inwie nach jahrelanger Trennung dieser Augenblick am passendsten zu verbringen sei. Die SS war nur noch in der Nähe des Tores zu sehen und schien kein Verlangen zu haben, sich noch unter die wogende Volksmasse im Lager zu mischen. Von der Lagerführerstube über dem Tor schweiften die letzten Blicke der Vertreter einer entschwindenden Macht zum letzten Mal über die Stätte, an der sie ihre sadistischen Orgien feierten. Ich sah den Kommandanten, die Lagerführer, den einstigen Lagerführer von Auschwitz, Hoess, mit ihren Maitressen am Fenster. Um sechs Uhr sammelten sich die ersten Trupps zum Abmarsch fünf Hundertschaften zu einer Marschkolonne zusammengestellt so gings zum Tor hinaus, wo die bewaffnete SS und die gleichfalls in Funktion getretene Häftlingspolizei, ebenfalls bewaffnet, die Truppe zu begleiten hatte. Ein naẞkalter Aprilmorgen hatte uns empfangen; bis Mittag war die Sonne noch nicht durch die Wolkenwand gedrungen. - Die Frauen rückten zuerst ab. Ein Bild des Jammers! Mit dürftigster Kleidung, barfuß in Holzklotzen, mit weinenden Kindern, die ihnen an den Kleidern hingen, schlafende und sterbende Säuglinge auf dem Arm, so zogen die ersten Trupps durchs Tor. Ihnen schlossen sich die Polen und weitere Ausländer an. Das war der Abmarsch von Sachsenhausen der 21. April, ein bedeutsamer Tag, der Marsch in die Freiheit, von der allerdings niemand wußte, ob man sich ihrer voll und ganz freuen durfte. Beim Austritt auf die Straße wurde noch ein letzter Blick auf das Torhaus zurückgeworfen, das immer noch die Worte trug: ,, Schutzhaftlager". Bald lag die Stätte des Grauens hinter uns. Die Landstraße, die freie Natur, Wald und Heide hatten die in die Freiheit Strebenden aufgenommen. Beim Bahnhof Sachsenhausen stand die verängstigte Zivilbevölkerung zwischen den Ruinen, die erst am Geburtstag des ,, Führers" zu solchen geworden waren. Weiter an ihnen vorbei! Man atmete freie Luft, es sollte die Luft der Freiheit sein. um in Ziel ein rst te). erпро chs tig Be enteinlasmen er, ERKLÄRUNG DER FÜHRER DER DREI VERBÜNDETEN MÄCHTE Titel des Flugblattes der Jalta- Konferenz 219 23. Kapitel Keiner soll hungern und frieren. Hitler. Wir müssen siegen, sonst hätte die Weltgeschichte ihren Sinn verloren. Goebbels. grupp trug Wer gefrag zentra Begri Bevöl die bedin E tratio gewol Koch Brun herri dernd schen sie d I Kinde linge Mütte stand Grub Hungermarsch auf den Straßen Adolf Hitlers Großes hatte Adolf Hitler mit seinen Volksgenossen vorgehabt. Als dauerndes Andenken sollten sie erstklassige Straßen erhalten, die bei jedem Schritt, den sie auf ihnen taten, an ihn mahnten. Die Straßen der alten Römer hatten Hitler vorgeschwebt, Straßen, die zweitausend Jahre überdauert hatten. Sein Reich war einstweilen auf tausend Jahre festgelegt, doch auch dieses Reich sollte von Straßen künden, die die Römerstraßen übertrafen; daher schuf er die Autostraßen, die in Wort und Bild aller Welt als die Straßen Adolf Hitlers gepriesen wurden. Wie einst die alten Römer ihre Straßen als Marschstraßen gebaut hatten, um die Heere schnell vorwärts zu bringen, so schuf Adolf die Autostraßen, auf denen die modernen Streitwagen, Tanks und Autos für den geplanten Krieg rasseln konnten. Es waren erstklassige Betonstraßen, von denen die Nazis schwärmten. Wir sahen die Straßen Adolf Hitlers in einer anderen Form, jene Straßen, auf denen sich von Osten her in ununterbrochenem Zuge die endlosen Scharen der Flüchtlinge zu Wagen und zu Fuß, die flüchtenden Soldaten der geschlagenen Wehrmacht mit Mann und Roß und Wagen sowie die Befreiten aus den Konzentrationslägern bewegten. Die Konzentrationäre zogen auf verschiedenen Wegen nach Nordwest, schwarmartig ging es vorwärts. Nach kaum einer halben Stunde war das Lager ihren Blicken entschwunden. Eine friedliche unzerstörte Landschaft nahm sie auf. Neugierig starrten die Dorfbewohner die durchziehenden Menschen220 es w selbst den eines D Unter Vorso die I zu p lieger mang linge Stilly Die ten zeln muß Holz Koch wied unter furch Leic darü Schw ware beko den Eler. die n. els. orBen an oren. och erin geBen SO eiteln die m, Theand cht den ach ner en. euengruppen an: Männer und Frauen, auch Kinder darunter. Jeder trug auf der Brust eine Nummer und ein farbiges Dreieck. Wer sind denn diese verhungerten Menschen? Scheu wurde gefragt, wer sie seien und woher sie kämen. ,, Aus dem Konzentrationslager", war die Antwort. Das war für viele kein Begriff und es bedurfte einiger erläuternder Worte, um der Bevölkerung klar zu machen, daß es sich um Menschen handle, die jahrelang unter den furchtbarsten Leiden und Lebensbedingungen schlimmer wie Sklaven hätten durchhalten müssen. Es wurde dämmerig, und Müdigkeit überkam die Konzentrationäre, die des Marschierens nach langer Inhaftierung ungewohnt, sich am Straßenrand niederließen. Wer noch ein Kochgeschirr bei sich hatte, nahm Wasser aus dem nächsten Brunnen und konnte sich über einem Strohfeuer etwas Warmes herrichten. Einige Feldscheunen boten für einen Teil der Wandernden notdürftige Unterkunft; der Rest kampierte unter Büschen und Sträuchern und am Wegerand. Halb erstarrt weckte sie dann wieder ein naẞkalter Morgen. In einem Gestrüpp hatte eine Schar Mütter mit kleinen Kindern die Nacht verbracht mit dem Erfolg, daß einige Säuglinge während der Nacht erfroren oder verhungert waren. Die Mütter hatten nicht Zeit zum Trauern; nur wenige Minuten standen ihnen zur Verfügung, um hinter dem Wall eine kleine Grube auszuheben und die Kinder zu begraben. Dann hieẞ es weiterziehen und die letzten Kräfte zusammennehmen, um selbst nicht am Wege liegen zu bleiben. Schwäche bedeutete den Tod; den Tod durch Erschöpfung oder durch die Kugel. eines begleitenden SS- Wachtpostens. Der Hunger meldete sich. So wenig wie für hinreichende Unterkunft gesorgt war, ebenso wenig war für die Verpflegung Vorsorge getroffen worden. Um nicht zu verhungern, waren die Konzentrationäre genötigt, die Kartoffelmieten der Bauern zu plündern- Not kennt kein Gebot. Die an den Wegrändern liegenden abgenagten Skelette der vor Erschöpfung und Futtermangel umgefallenen Pferde und Kühe der mitziehenden Flüchtlinge aus dem Osten zeigten an, daß diese gleichfalls mit zur Stillung des Hungers der westwärts Wandernden nötig waren. Die wenigen Ruhepausen während der langen Wandertage dienten zum Requirieren von Feldfrüchten, Baumrinden und Wurzeln bzw. Kräutern, mit denen das Leben gefristet werden mußte. Ein schnell hergerichtetes Feuer, genährt von dürrem Holz, brachte zwar diese zweifelhaften ,, Nährmittel" nicht zum Kochen, aber sie wurden doch erwärmt. Noch während des wiederbegonnenen Marsches mußte das halbgare Gericht hinuntergeschlungen werden. uns Am Morgen des zweiten Wandertages bot sich uns ein furchtbares Bild. An den Wegrändern und Gräben lagen die Leichen von Häftlingen; ein flüchtiger Blick belehrte darüber, daß sie durch Genickschüsse dahingestreckt waren. Schwache Leute, die den Marschstrapazen nicht mehr gewachsen waren, und deshalb von den SS- Henkern unterwegs eine Kugel bekommen hatten. Wie die Wölfe auf billige Beute wartend, den Herden nachziehend, so die SS- Henker mit der Maschinen221 pistole. Blieb ein schwacher Häftling am Wege liegen, dann setzte ihm die SS- Mordkolonne die Pistole ins Genick, und die Kugel beendete das Leben eines müden Erdenwanderers. Die Zahl der Ermordeten mehrte sich von Tag zu Tag. Die fehlende Verpflegung tat ein Übriges, um den schon ohnehin ausgemergelten Körper von einem Tag zum anderen dem Verfall näher zu bringen, so daß er entkräftet zusammenbrach. Allein auf dem Wege von dem Dorfe Klosterheide bis zum Flecken Zechlin zählte ich an einem Tage 218 ermordete Konzentrationäre, welche aus den vorhermarschierenden Kolonnen stammten. Auf den in gleicher Marschrichtung verlaufenden Wegen links und rechts war die Zahl der Todesopfer nicht geringer, wie die am Abend in Zechlin eintreffenden Häftlingskommandos berichteten, denen die Aufgabe oblag, sämtliche unterwegs Ermordeten in der Nähe der Mordstätten einzuscharren, damit die Bevölkerung nicht allzuviel von dieser Bestialität erführe. Dennoch hat es die SS- Henker nicht gehindert, selbst in den Dörfern die Morde auszuführen, wie Fälle in den Dörfern Lindow und Linow in der Nähe von Rheinsberg bewiesen. Dort lagen noch die Opfer der vorherpassierten Marschkolonnen auf der Straße und auf dem Dorfplatz. verSoweit es möglich war, auf den mitgeführten Karren zusammengebrochene Häftlinge zu transportieren, um sie vor der tötlichen Kugel zu retten, wurde es gemacht. Doch reichte die Kraft der Kameraden nicht aus, alle mitzuführen. So mußte man sie leider den Henkern überlassen, wenn es ihnen nicht gelang, sich soweit in die Büsche zu schlagen und zu kriechen, daß sie nicht von den Bestien entdeckt wurden. Einem Teil ist es gelungen, auf diese Weise zu entkommen und sich bei den mitfühlenden Bewohnern der Ortschaften zu verstecken, bis die Gefahr vorüber war. Einige Tage darauf meldeten sie sich dann bei den inzwischen eingetroffenen Vortrupps der russischen Truppenverbände, welche den Zügen der Flüchtlinge, Wehrmacht und Konzentrationäre folgten. Beim Passieren der Ortschaften, auch der kleinsten Dörfer, hatten die Bewohner auf ,, höheren Befehl" die Straßen am Ortseingang mit Baumsperren blockiert, um die zu erwartenden russischen Panzer an der Weiterfahrt zu hindern. Außerdem wurden alle Brücken mit Sprengladungen versehen, gleichfalls um den Vormarsch der Russen aufzuhalten. Mehrfach hatten wir Gelegenheit, die Ortsbewohner auf das Unsinnige dieser Maßnahmen hinzuweisen. Der Ortsvorsteher in Berlinchen hatte in richtiger Erkenntnis der Nutzlosigkeit von der Errichtung der Panzersperren abgesehen. Im Flecken Zechlin wurde eine mehrtägige Rast gemacht, weil einige Schuppen und Werkstätten ein einigermaßen trokkenes Quartier gaben. An der Wegkreuzung, die zum Dorfe Schweinrich führte, passierten an diesen Tagen die ElendsKolonnen Revue. Vom frühen Morgen bis zum späten Abend wechselte das Bild wie in einem Film, der von einem Gebiet ins andere hinüberspringt. Zunächst Marscheinheiten der Wehrmacht zu Fuß, und dazwischen die Wagen der Flüchtlinge, 222 mit d mitge Ein a gefah Schol mit e D befeh Panze Solda hatter unmö schau mit s wogte Tage sierte gerüc W am 2 Kreuz SS e Trans SS b Häftli Mittei nicht komm zusag N Drans Kreuz wohl Dorfe Felds Karto wurd in de V dauer bekan zwar gebro gange Selbs Kran terku linge A diese wir f sonde Leich mit dem nötigen Hausrat beladen, einschließlich Kleinvieh und mitgeführten Pferden, Kühen, Kälbern, Ziegen und Schalen. Ein alter Großvater wurde in einem Rollstuhl von seinen Enkeln gefahren, seine geretteten Habseligkeiten vor sich auf dem Schoß haltend. Daneben zu Fuß die noch rüstige Großmulter mit einem Korb, der einige Lebensmittel im Kochtopf barg. Dann folsten wieder KZ-Leute, die einen andern Marsch- befehl hatten und umgeleitet wurden. Bald darauf rollten Panzer der Wehrmacht über das Pflaster, besetzt mit einigen Soldaten und Flüchtlingen beiderlei Geschlechts. Auch Kinder hatten auf den Panzern Platz genommen. Es war einfach unmöglich, das bunte Bild festzuhalten, welches sich dem Be- schauer an der Wegekreuzung bot. Bilder, die selbst Menschen mit stärksten Nerven erschüttern mußten. Wochenlang schon wogten die Flüchtlingsströme durch diesen Engpaß, und einige Tage würde es noch dauern, bis die letzten diese Stätte pas- sierten; inzwischen waren die Russen schon erheblich näher gerückt. Während des dreitägigen Quartiers im Flecken Zechlin kamen am 24. April 1945 mehrere Autos des Internationalen Roten Kreuzes, welche an die KZler Pakete verteilten, die von der SS entgegengenommen wurden. Ich hatte Gelegenheit, den Transportleiter der R. K.-Autos darüber aufzuklären, daß die SS bisher die Roten Kreuz-Pakete beraubt hatte, und wir als Häftlinge fast nichts davon erhielten. Weiter konnte ich ihm Mitteilung machen von den Massenmorden an. Häftlingen, die nicht mehr marschfähig waren und bat ich darum, diese Vor- kommnisse an der zuständigen Stelle zu melden, was er auch zusagte, Nach dem Abrücken vom Flecken Zechlin wurde im Dorf Dranse Quartier gemacht, wo die SS uns einen Teil der Roten Kreuz-Pakete auslieferte. Zehn Mann erhielten ein Paket, ob- wohl für jedes Paket zwei Mann vorgesehen waren. Was im Dorfe Dranse nicht Unterkunft fand, quartierte sich in einer Feldscheune in der Nähe des Dorfes ein, wo sich reichlich Kartoffelmieten befanden, die von den Hungernden geplündert wurden, Bis zum Eintritt der Dunkelheit flackerten die Feuer, in denen rohe Kartoffeln geschmort wurden. Von den getrennt marschierenden Kolonnen, mit denen wir dauernd Verbindungen aufrecht erhielten, wurde inzwischen bekannt, daß auf dem Wege nach dem Dorfe Grabow und zwar im Walde beim Forsthaus Below, der Hungertyphus aus- gebrochen sei, und dort Hunderte von Häftlingen zugrunde ge- gangen wären, weil sie weder EB- noch Trinkbares erhielten, Selbst die Brunnen wurden ihnen gesperrt. Für Pflege der Kranken sei überhaupt nicht gesorgt, und ebensowenig für Un- terkunft, Unter Sträuchern und Laubhütten: mußten die Häft- linge hausen. Auf dem: Wege. über Berlinchen wurde nach einigen Tagen dieser Seuchenforst auch von unserm Marschtrupp erreicht; wir fanden die uns gewordenen Mitteilungen nicht nur bestätigt, sondern mußten zudem an den nur notdürftig verscharrten Leichen noch feststellen, daß unsere Kameraden am Hungertod 223 verstorben waren. Die entrindeten Bäume und Büsche zeugten davon, daß die Armsten sich von Baumrinden zu ernähren versucht hatten. Hier und dort ragte noch eine nicht mit Erde bedeckte Knochenhand zum Himmel empor; die nachfolgenden Einscharrungskommandos hatten wiederum zu tun, die Opfer endgültig zu begraben. Wir waren mit unserer Kolonne vom Wege abgekommen und trafen bis zum Dorf Grabow nur wenige Leichen erschossener Häftlinge. Beim Sammeln im Dort konnten wieder Verluste in den eigenen Reihen festgestellt werden. Sie waren am Wege liegen geblieben, weil sie nicht mehr die Kraft hatten, sich zu erheben, die SS- Hyänen erledigten sie nach gewohnter Manier. Im Dorf wurden Musterungen abgehalten. Wer nicht mehr marschfähig war, sollte mit Autos des inzwischen eingetroffenen deutschen Roten Kreuzes abtransportiert werden. Nur zögernd meldeten sich die Marschunfähigen, wissend oder ahnend, daß die deutschen Roten Kreuz- Autos sie sicher zu den nächsten Vergasungsöfen bzw.-stätten fahren würden. So schlecht war der Ruf des deutschen Roten Kreuzes geworden. Im Dorf Grabow waren inzwischen auch der bisherige politische Lagerälteste Georg Wieben vom Krankenbau Sachsenhausen und weitere Pfleger eingetroffen, die uns berichteten, daß beim Abmarsch noch mehr als tausend nicht transportfähige Kranke im Revier gewesen seien. Die SS war getürmt, und so hatten die Politischen die Verwaltung und Versorgung des Reviers übernommen. Die dort verbliebenen Insassen wurden in den Morgenstunden des 22. April 1945 von russischen Truppen befreit. Beim Morgengrauen brachte ein in der Nähe vom Krankenbau geflüchteter Häftling die Nachricht, daß die gesamte SS in Autos geflüchtet sei und er das Tor unbewacht gefunden habe. Bald darauf kam ein russischer Soldat und setzte die Glocke, welche bisher zum Appell gerufen hatte, in Bewegung. Die Insassen des Krankenbaues, sofern sie noch gehfähig waren, umringten erfreut den Soldaten, zu dem sich noch bald ein Vortrupp berittener Kosaken gesellte. Nach Besetzung des KZ wurde sofort für eine hinreichende Verpflegung und Behandlung der Kranken gesorgt, und vor allem die Bestände der SSMagazine, Keller usw. zur Verfügung gestellt. Nicht allen Unterernährten ist diese plötzliche und gute Kost bekommen; sofern sie nicht Maß zu halten verstanden, verschlimmerte sich ihr Leiden und ihr Zustand, und nicht wenige der Schwerkranken starben an der guten Verpflegung. Von Grabow schleppten sich die hungernden Häftlinge weiter durch die Sandwege, ohne die Möglichkeit zu haben, Eẞbares zu bekommen, bis zum Landstädtchen Freyenstein, nach dessen Durchschreiten wieder am Wegesrand Halt gemacht wurde. Einige Kartoffelmieten gaben noch von ihrem Inhalt her und vertrieben das Hungergefühl für die nächsten Stunden. Kurz vor Meyenburg wurde am späten Abend in einem Dorfe gerastet und von den Bauern einige Scheunen als Quartier zur Verfügung gestellt. Der Lagerführer Körner, 224 um B er ni wo d statte entna mit H geleg Parch weite Quar ein einge den Amer den, hatte Tran gabe Pake daẞ natio hatte Rote verm rend dem Gask sich auch Kaff der ausg auf kurz konn dere pass von Es bald uns dete Abte I gesp stige letzt angr auf sene ware 15 Li gten verCrde den pfer men ereder aren raft ach Iten. intiert gen,' 5 sie hren uzes erige seneten, portrmt, gung genfreit, kene SS nden e die gung. fähig bald g des Beer SSInterofern ihr anken tlinge aben, stein, t geihrem hsten d in eunen Srner, um Brot für die Hungernden angegangen, gab zur Antwort, daß er nichts beschaffen könne und auch nicht wußte, wann und wo die nächste Brotausgabe stattfinden würde. Gnädigst gestattete er, daß die Häftlinge dem Brunnen Wasser zum Trinken entnahmen. Am nächsten Morgen wurde Mayenburg passiert, überfülltmit Flüchtlingen aus dem Osten, die an den Straßen auf Fahrgelegenheit warteten, um weiter nach dem Westen in Richtung Parchim zu gelangen. Wiederum trotteten die Elendsgestalten weiter durch die Sandwege bis zum Dorf Kl. Pankow, das als Quartier vorgesehen war. Kurz vor dem Dorfe wurde gelagert; ein Verpflegungsauto des Internationalen Roten Kreuzes war eingetroffen, und jeder der Häftlinge empfing persönlich von den Begleitmannschaften ein vollständiges Liebesgabenpaket der Amerikaner, in welchem jene herrlichen Dinge gefunden wurden, die wir schon seit einigen Jahren nicht mehr gesehen hatten. Es war der 1. Mai 1945, ein Tag, den niemand vergaß. Der Transportführer und das Begleitpersonal überwachten die Ausgabe der Pakete selbst und ließen nicht zu, daß sich die SS der Pakete bemächtigte. Mit Genugtuung konnte ich also feststellen, daß meine Mitteilungen an den Transportführer des Internationalen Roten Kreuzes vom 24. April 1945 Erfolg gehabt hatten. Bald darauf folgten Transportautos des Internationalen Roten Kreuzes und nahmen soviele kranke Häftlinge mit, als sie vermochten. Hier drängten sich die Ärmsten um den Platz, während beim deutschen Roten Kreuz jeder dem Transport aus dem Wege ging, weil er befürchten mußte, die Todesfahrt zur Gaskammer anzutreten. Der Inhalt der empfangenen Liebesgabenpakete gestattete, sich einmal wieder als Mensch zu fühlen und sich satt zu essen; auch konnte man für einige darin enthaltene Spezialitäten wie Kaffee und Tee bei den Bauern Brot eintauschen, ein Artikel, der schon seit Tagen bei der Mehrzahl der Häftlinge völlig ausgegangen war. Der 2. Mai sah die Kolonnen schon wieder auf dem Marsch über Siggelkow in Richtung Parchim, wo kurz vor der Stadt noch einmal gelagert werden durfte. Wir konnten einmal Picknick machen, dank der Hilfe der Alliierten, deren Verpflegungskolonnen die feindlichen Linien ungehindert passierten. Bei lachendem Sonnenschein durch Parchim wurde von Bomben- oder Geschoßeinwirkungen nichts wahrgenommen. Es bot sich uns allen ein friedensmäßiges Bild, das sich jedoch bald nach dem Verlassen des Ortes änderte, wo in die von uns begangene Chaussee nach Criwitz weitere Wege einmündeten und sich erneut Ströme von Flüchtlingen und fliehende Abteilungen der Wehrmacht ergossen. Dauernd stockte der Weitermarsch, denn die Chausseen waren gespickt mit zertrümmerten Heeresautos, Panzerwagen und sonstigen Fahrzeugen, die durch Bomben und Tiefflieger in den Auf den Wegen und letzten Tagen hier vernichtet wurden. angrenzenden Feldern ein Bild des Grauens, wie wir es bisher auf dem ganzen Wege noch nicht gesehen hatten: Erschossene Häftlinge und Zivilisten, die zum größten Teil Flüchtlinge waren. 15 Lienau, Zwölf Jahre Nacht 225 Die Mordkolonnen der SS hatten hier ganze Arbeit gemacht; reihenweise lagen die Ermordeten am Wege und wiesen die üblichen Kopfschüsse auf, durch die sie getötet wurden. Dazwischen die Toten, die von den Tieffliegerangriffen herrührten. In den Bäumen hingen noch die Leichenteile der zerfetzten Körper sowie Teile von Tierkadavern. Kinder der Flüchtlinge lagen tot am Wege oder waren in den Graben geworfen; Frauen, die am Wege geboren hatten, tot mit den Neugeborenen, die vielleicht schon tot zur Welt gekommen waren. Hier und dort hatten Nachfolgende die Toten mit einem Sack oder einer Zeltbahn bedeckt, um den Vorübermarschierenden wenigstens diese furchtbaren Anblicke zu ersparen. So boten sich allen Passierenden die Straßen Adolf Hitlers dar, auf denen sich ebenfalls der von ihm heraufbeschworene totale Krieg in einer erschreckenden Form abgespielt hatte. An einem Walde wurde Halt gemacht. Ein Versuch, einige Meter in den Wald hineinzugelangen, mißlang, weil Militärposten das Gelände absperrten und jeden mit Erschießen drohten, der es wagte, sich einiges Leseholz zum Kochen zu holen. Nach dem Grunde befragt, gaben die Posten keine Antwort. Doch einige Zigaretten lösten bei einem Posten die Zunge und so erfuhr ich, daß ,, in des Waldes tiefsten Gründen" nicht etwa der Räuberhauptmann Rinaldini hauste, sondern der Nachtrupp des Regierungsstabes Dönitz, der selbst schon mit seinen ,, Regierungsmitgliedern" weiter nach Nordwest gezogen war. Um dem Posten keine Unannehmlichkeiten zu bereiten, wurde diese vertrauliche Mitteilung nur zur Kenntnis genommen und in meinem Tagebuch vermerkt. Kurz vor Criwitz, nach einem Marsch von etwa 50 km, wurde von den Hundertschaftsführern der Häftlinge der Lagerführer Körner wegen eines Nachtquartiers angegangen, weil die Beine der Marschierenden den Dienst zu versagen drohten. Beim Dorf Zapel wollte Körner uns eine Sandkuhle als Quartier anweisen, was von allen abgelehnt wurde, denn inzwischen war durch eigene Läufer bekannt geworden, daß vor einigen Nächten eine Ausländermarschkolonne in einer Sandkuhle mit Flammenwerfer völlig vernichtet worden sei. Als Körner unsere Weigerung wahrnahm, antwortete er, daß wir dann marschieren könnten, bis wir umfielen. Also wurde langsam weiter marschiert, weil sich in den engen Straßen Crivitz' alles staute. Aus der Ferne wurde Geschützdonner vernehmbar und ebenfalls außerhalb der Stadt kündeten das Aufblitzen eines starken Feuerscheins und Detonationen die Vernichtung von Munitionslägern an, welche von den fliehenden Wehrmachttruppen bzw. der Waffen- SS in die Luft gesprengt wurden. Nach vielen Schwierigkeiten gelang es, sich aus dem Chaos innerhalb der Stadt zu lösen und die Straße nach Schwerin zu gewinnen, wo nach etwa einer Stunde Rast gemacht werden mußte, weil es stockdunkel geworden war. Die Marschkolonne der Häftlinge war in Auflösung begriffen; denn ein Teil der sie begleitenden SS- Mannschaften hatte bereits die 226 Waf schla auch weil fand führ uns Wei weil neu es Häf Von ling nic den álte zut Ras von we kol kan zu wa und mi der Wu 2. ha zu ges Hi lin Ha po Sp da Fr hi sid sie Er Fr un 15* als lie )a- en. en N, elt en er- er- olf ıf- ıb- ige IT- )h- rt. nd ‚ht ch- en ar; de nd Waffen weggeworfen und sich„seitwärts in die Büsche ge- schlagen“, wobei es diesen Burschen nicht darauf ankam, sich auch noch der wenigen Habe der Häftlinge zu bemächtigen, weil sich noch ein Teil der erhaltenen Liebesgaben darin be- fand. Auch meinen Rucksack hatte ein flüchtender SS--Schar- führer in der Dunkelheit gestohlen. Bis zum Morgengrauen wurde biwakiert, und nachdem wir uns an den Lagerfeuern etwas erwärmt hatten, wurde der Weitermarsch nach Schwerin fortgesetzt. Langsam ging es, weil Übermüdung und Entkräftung sich geltend machten. Gegen neun Uhr vormittags, nach 60 km Marsch, Rast im Walde; es war eine kleine Fuhre mit Brot angekommen, für jeden Häftling eine Scheibe, etwa 100 g, soweit der Vorrat reichte. Von den SS-Posten war wenig mehr zu sehen, nur die Häft- lingspolizei versah noch ihren Dienst. Der Lagerführer Körner ließ erkennen, daß ihm die Zigarre nicht mehr schmeckte; gesenkten Hauptes wanderte er zwischen den Häftlingen einher, bis es ihm einfiel, fünf von unseren älteren Kameraden zu sich zu rufen, um ihnen folgendes mit- zuleilen:„Sagen Sie Ihren Kameraden, daß sie noch bis 10 Uhr Rast machen und ihr Brot verzehren können. Ich habe einige von der Häftlingspolizei zu den Amerikanern geschickt, die wenige Kilometer von hier sind, um zu hören, ob wir in Einzel- kolonnen oder im geschlossenem Trupp kommen sollen!“ Was war denn geschehen? Solche verbindlichen und geradezu kameradschaftlichen Worte hatte noch niemals ein SS-Führer zu einem Häftling gesagt, der doch bei ihm nur ein Verbrecher war, ein Mensch, der eigentlich nur Befehlen zu gehorchen und Prügel entgegenzunehmen hatte. Es war uns schon durch milgeführte Karten bekannt, daß wir nur noch etwa 6 km von der Demarkationslinie der Amerikaner entfernt waren. Weiter wurde uns durch Läufer gemeldet, daß die Amerikaner am 9, Mai mittags in Schwerin einrückten und die Stadt besetzt hatten. Jetzt galt es, so schnell wie möglich mit ihnen Fühlung zu bekommen, ohne erst abzuwarten, bis die angeblich aus- oesandten Häftlings-Polizeiposten mit der Antwort zurück waren. Hinter den in dichten Kolonnen aufgefahrenen Wagen der Flücht- linge, den Wehrmachtswagen und Panzern, formierten sich die Häftlinge zu kleineren und größeren Kolonnen, denen jeder ein politischer Truppführer beigegeben war, welcher der englischen Sprache mächlig war.\ Als die übermüdeten Kameraden die Nachricht vernahmen, daß sie nach nur wenigen Kilometern die seit Jahren ersehnte Freiheit erreichen würden, da wuchsen sie über ihre Kraft hinaus. Der Lebenswille regte sich in ungeahnter Weise. Der sich nach Freiheit sehnende Mensch, welcher das Ziel vor Augen sieht, bringt Kräfte auf, die er selbst nie in sich vermutet hat. Er wächst über sich selbst hinaus. Vorwärts ‚hieß es— die Freiheit winkte! Alles raffte seine letzten Kräfte zusammen, um das langersehnte Ziel zu erreichen. Selbst der plagende 227 15* Hunger konnte die Kräfte nicht lähmen, nein, er spornte nur noch an; das Letzte gab der Mensch her, wo.es zalt, der Freiheit entgegenzueilen. Es war gegen Mittag des 3. Mai 1945, als die ersten Trupps der Konzentrationäre an der amerikanischen Demarkationslinie — eine Brücke beim Püsserkrug südlich Schwerin— eintrafen. Nach kurzen Besprechungen zwischen dem amerikanischen Offi- zier und den Dolmetschern der Politischen, betraten die Ver- femien des Hitlerregiments nach langen Jahren der Knecht- schaft wieder den Boden, auf dem sie sich als freie Menschen bewegen konnten. Jetzt vermochten sie frei zu atmen, niemand brauchte zu fürchten, daß die SS ihm noch ein Leid zufügen würde. Das Blatt hatte sich gewendet. An der Stelle, wo die Konzen- trationäre den Boden der Freiheit betraten, wurden nunmehr die mitfolgenden SS-Wachtmannschaften von den Alliierten ver- haftet. Selbst diejenigen SS-Banditen, welche sich inzwischen Zivilkleidung beschafit hatten oder sich in der Kleidung er- mordeter Häftlinge zu tarnen versuchten, wurden gar zu bald von den wachsamen Häftlingen entdeckt und der ameri- kanischen Militärpolizei übergeben. Unaufhörlich fluteten die Scharen der Flüchtlinge mit ihren Wagen oder als Fußgänger über die Brücke beim Püsserkrug und konnten sich nun gleichfalls die erste Ruhe gönnen. Was von der flüchtenden Wehrmacht nicht schon an Waffen aller Art, Panzerfäuste usw. weggeworfen wurde, mußte bei den 3esatzungstruppen abgeliefert und auf einen Haufen geworfen werden, Es war eine große Völkerwanderung, eine Invasion, welche Schwerin noch nicht erlebt halte. Wüst lag alles durcheinander. Herrenlose Pferde weideten am Straßengraben und auf den grasbewachsenen Plätzen. Heeresgut in rauhen Mengen lürmte sich auf. Ein Chaos war an Stelle der Ordnung getreten. So sahen die Straßen Adolf Hitlers aus. Es wollten die Offiziere der Wehrmacht nichts mehr davon hören, wenn ihnen die Häft- linge zuriefen:„Seht sie Euch an, die Straßen Adolf Hitlers, hier habt Ihr die Kehrseite des Hitlerregimes, hier sind seine Straßen, auf denen sein trauriger Ruhm‘erlosch!“ Nichts wollten die Herren mehr von ihrem einstigen Führer wissen, nur weiter bis sie ein Kriegsgefangenenlager der Amerikaner aufnahm. Tagelang noch ergoß sich der Strom der Flücht- linge, untermischt von Wehrmachtsangehörigen über die De- markationslinie. Sie alle hatten jetzt die Straßen Adolf Hitlers bis zur Neige genossen. Etwa 42000 Häftlinge, Männer, Frauen und Kinder halten vierzehn Tage zuvor Sachsenhausen verlassen. Kaum 28 000 hatten die amerikanische Demarkationslinie bei Schwerin er- reicht. Das Minus von 14000 ergaben die auf dem Todesmarsch durch Mord, Hunger, Kälte und Entkräftung ums Leben Ge- kommenen. Nur einem kleinen Teil war es während des Mar- sches gelungen, zu entkommen, sich zu verbergen oder sich 228 u en l N N r T S e 1. 5- u S n u n S r 1 n C. e r , S 0 h h bei den nachrückenden sowjetrussischen Truppenverbänden zu melden und dort vorläufig Schutz und Verpflegung zu finden. So entgingen sie den Fängen der mordenden SS- Begleitmannschaften. - Der Stadt Schwerin fiel die Aufgabe zu, diese ungeheuren Flüchtlingsmassen unterzubringen und zu verpflegen, was auch in den nächsten Tagen gelang. Da alle Häftlinge ohne Legitimationspapiere waren diese hatte die Lager- SS vernichtet-, wurden von der Schweriner Stadtverwaltung vorläufige Personalausweise ausgefertigt, damit jeder zunächst imstande war, sich Lebensmittelkarten zu beschaffen. Zudem wurden jedem Häftling RM 100,- ausgezahlt, um für die nächsten Tage die Kosten des Aufenthalts bestreiten zu können. Schon nach wenigen Tagen fiel es auf, daß die freigekommenen Berufsverbrecher es verstanden hatten, sich zunächst einmal als ,, Politische" registrieren zu lassen; auch SS- Mannschaften in der Kleidung ermordeter Häftlinge konnten mit Ausweisen als ,, Politische" aufwarten. Nicht nur mit einem Ausweis begnügten sie sich, nein sie besaßen zwei und mehrere Ausweise auf verschiedene Namen lautend, die an den Schaltern ohne Bedenken ausgeliefert wurden. So brandschatzte das BVer- Häftlings- und SS- Verbrechergesindel gemeinsam die Einwohnerschaft Schwerins und die freigewordenen politischen Häftlinge in der skrupellosesten Weise. Bei meinen täglichen Rapporten, die ich der im Schweriner Justizpalast untergebrachten amerikanischen Militärpolizei erstattete, brachte ich auch die skandalöse Symbiose dieser beiden Verbrechergruppen zur Sprache. Es wurde sofort ein Streifendienst der Militärpolizei und ehem. politischer Häftlinge organisiert, um vor allem die sich versteckt haltenden SS- Leute aufzuspüren und zu verhaften. Da das Verbrechergesindel von der einen in die andere Kaserne, die als Quartier diente, unter verschiedenen Namen wechselte, ergaben sich ungeheure Schwierigkeiten, deren wir jedoch bald Herr wurden. Schon unseres Rufes wegen hatten wir ehem. politischen Häftlinge ein Interesse daran, uns von den gleichfalls aus dem Konzentrationslager freigekommenen Berufsverbrechern zu distanzieren. Die Zellen im Schweriner Gefängnis füllten sich, wie vordem die Baracken im KZ. Die Zahl der verhafteten SS- Mannschaften war über Erwarten groß. Nun konnten sie am eigenen Leibe erfahren, was es hieß, auf engstem Raum zusammengepfercht zu sein und es mit Wassersuppen vorlieb nehmen zu müssen. Die mit ihnen zusammengewürfelten BVer- Kumpane konnten hier weiter fifty- fifty in Wassersuppe und Brot machen, wie sie es im KZ mit Diamanten, Juwelen und Devisen im Austausch gegen Spirituosen und Zigaretten so ausgezeichnet verstanden hatten, sich gegenseitig zu überfahren". Wenige Tage nach der Besetzung West- Mecklenburgs durch die amerikanischen Truppen wurde die Einwohnerschaft aufgefordert, an einer Begräbnisfeierlichkeit teilzunehmen. In einem Lager bei Hagenow wurden die Leichen von etwa 200 verhungerten Häftlingen aufgefunden, die nun nach Schwerin gebracht und dort beigesetzt wurden. Die Bevölkerung hatte 229 hatte an den offenen Gräbern vorbei zu defilieren, nachdem der amerikanische Geistliche in englischer und deutscher Sprache zu diesem Fall der verhungerten Häftlinge gesprochen hatte. Die Trauerfeier war sehr erhebend und nachdenklich verließen die Teilnehmer die Stätte des Massengrabes. Noch am Tage des Eintreffens in Schwerin wurde die Möglichkeit des Weiterkommens nach Flensburg von meinen Landsleuten erörtert. Eine telegraphische oder briefliche Verbindung bestand nicht mehr, die Post hatte ihre Tätigkeit eingestellt. Eisenbahn und Verkehrsomnibusse waren ebenfalls lahmgelegt und so blieb uns nur die Möglichkeit, entweder einige herrenlose Militärpferde aufzugreifen und einen sprechenden Wagen zu requirieren, um per Fuhre nach Hause. zu gelangen. Diesen Gedanken hingen wir jedoch nicht länger nach, als es uns gelang, Fahrräder mit Hilfe der Military Police zu beschaffen. Gut verproviantiert ging die Fahrt an einem sonnigen Morgen in Richtung Gadebusch vor sich, vorbei an den inzwischen errichteten Lägern für deutsche Kriegsgefangene. Bis Rhena klappte alles programmäßig. Am Ortseingang wurde unsere Tour durch eine amerikanische Militär- Patrouille gestoppt. Nach kurzem Verhandeln mit dem Ortskommandanten, dem wir uns als political prisoners of the concentration camp legitimierten, erhielten wir Passierscheine, damit uns weiterhin keine Hindernisse in den Weg gelegt wurden. Unser Kamerad Willy Meyer aus Eckernförde erhielt zudem noch in Rhena seine Frau zurück, die er seit neun Jahren nicht mehr gesehen hatte. Beide hatten diese Jahre in Konzentrationslägern zubringen müssen. Ihr inzwischen militärpflichtig gewordener Sohn mußte für das Hitler- Regime seine Haut zu Markte tragen. Ihre Wohnung war längst von den Nazis ausgeräubert worden. Bis Schlutup war nichts von Zerstörungen zu bemerken. Erst als wir uns auf der Autobahn nach Eutin befanden und unsere Blicke sich auf Lübeck richteten, sahen wir, was dort die Bomben angerichtet hatten. Außer einem zerstörten Bauernhaus im Dorfe Techau, wo wir in einem sauberen Kuhstall übernachteten und von dem Besitzer gut verpflegt wurden, waren auf dem Wege nach Eutin und Plön keinerlei Bombeneinwirkungen zu bemerken. Weiter gings über Preetz nach Elmschenhagen, einem Vorort von Kiel. Trümmer über Trümmer. Das Radfahren durch die Stadt Kiel besser ausgedrückt durch das Trümmergebirge, welches einstmals Kiel geheißen wurde, erwies sich als unmöglich. Mit unseren Rädern balancierten wir über die Trümmer jenem Punkt zu, wo die Straße nach Eckernförde verlaufen mußte. Wir fanden sie, und weiter gings zur Levensauer Hochbrücke, die von britischer Militärpolizei gesperrt war. Riesige Menschenschlangen säumten den Weg bis zur Brücke hinauf. Dank unseres Passierscheins kamen wir ungehindert über die Brücke. Kaum 80 km trennten uns von der Heimat an der Grenze. In Eckernförde, wo wir den ersten KZ- Kameraden seiner Familie zuführen konnten, wurde noch einmal übernachtet. Meinen dort wohnenden Verwandten, die mich bereits abgebucht 230 Land Fried des Schl Baga tiver kam zu. Häu grüß vor kon vor Sch int da be Mi Ze vie ha ge Du es he an Fab Ie- Jie die ner ‚tet, cht hatten, erschien ich als ein von den Toten Auferstandener. Die Landschaft auf der Tour nach Schleswig atmete gleichfalls Frieden, wie die hinter uns liegende Strecke seit dem Passieren des Kieler Kanals— nichts war zerstört. Nach dem Passieren Schleswigs kamen uns deutsche Soldaten entgegen, die ihre Bagage auf kleinen Karren, Kinderwagen und sonstigen primi- tiven Beförderungsmitteln mit sich führten. Von Dänemark kamen sie und strebten nun ihrer im Süden belegenen Heimat zu. Kurz nach Mittag war's, als uns die Türme und ersten Häuser Flensburgs nach vielen Jahren der Trennung wieder grüßten. Die Stadt hatte wenig gelitten. Es war der Sonnabend vor Pfingsten, als ich bei meiner Frau unerwartet eiutraf; sie konnte mich an derselben Tür begrüßen, wo die Gestapo mich vor sechs Jahren verhaftete und ins KZ brachte. Radner, am 51.3.47% Mein lieber Freund Lienau! Eben von einem kurzen Aufenthalt aus der Schweiz heimgekehrt fand ich Deinen so übe raus lieben und interessenten Bref hier vor. Ich möchte Dir von ganzem Herzen dafür meinen Dank gagen. Besonders interessierte mich die beigelegte Durchschrift Deiner Zeugenaussage an die britische Militärregierung und ich hoffe, dass mir noch in absehbarer Zeit eirmel die Gelegenheit gegeben wird, mich mit Dir über vieles Interessante, was euch meine Person begririk, zu untar- harten. Ich hofre Du hast von allen was Dir erinnerlich wer genaue Aufzeichnungen ganacht. ieh bin ja nur glücklich, dass Du lebend und gesund aus dieser Wölle herausgekonmen bist und es Dir und Deiner verehrten Gemahlin gut geht. Darf ich Dich bitten, wenn Du[mil Btiee schreibst, herzliche Grüsse zu übemittelnm und dass ich mich noch gerne an seine interessanten Reisebeschreibwigsvortrage erinnere. Mit den allerherzlichsien Grüssen verbleibe ich Leir eufrichtig getreuer Faksemile eines Briefes Ernst Fürst Hohnbergs, Tischkamerad des Verfassers 231 ,, Patria", letzter Sitz der Dönitz- Regierung in Flensburg- Mürwik( Brücke vor dem Mützelburg- Lager) Die„ Patria" wurde von der Sowjet- Regierung übernommen PATRA 232 1. N 24. Kapitel Zeiten des Zusammenbruchs eines Dolfskörpers werden bestimmt durch das vorherrschende Wirken der schlechtesten Elemente. Hitler ,,, Mein Kampf", 9. Kapitel Flensburg, Ende des„ Tausendjährigen Reiches" Der deutsche Rundfunk erließ in den Abendstunden des 1. Mai 1945 nachfolgende Proklamation an des deutsche Volk: ,, Aus dem Führerhauptquartier wird gemeldet, daß unser Führer Adolf Hitler heute Nachmittag in seinem Befehlsstand in der Reichskanzlei, bis zum letzten Atenizuge gegen den Bolschewismus kämpfend, für Deutschland gefallen ist. Am 30. April hat der Führer den Großadmiral Dönitz zu seinem Nachfolger ernannt. Der Großadmiral und Nachfolger des Führers hat an das deutsche Volk folgende Proklamation erlassen usw." In dieser Proklamation wurde zum letzten Mal zum Widerstand aufgefordert, immer noch im Vertrauen auf den schon zum Märchen gewordenen Endsieg. Dönitz war also nunmehr der Führer, und weil er von Berlin aus die Regierungsgeschäfte, soweit von diesen überhaupt noch die Rede sein konnte, nicht führen konnte ,,, regierte" er auf der Flucht von seinem Auto aus, bis er in Flensburg sozusagen wieder festen Boden unter den Füßen hatte. Das Regieren war also zum ambulanten Gewerbe geworden. Außer der ,, Regierung Dönitz" war auch Himmler mit seinem Stab auf dem Wege oder, besser gesagt, auf der Flucht nach Flensburg, weil von dort aus noch die Möglichkeit zum Beim Wettlauf Überschreiten der dänischen Grenze bestand. nach Flensburg traf Himmler als erster am 2. Mai 1945 mit seinem Stab hier ein. Ein Teil seiner Leute wurde im Museum untergebracht, welches durch die Einquartierung sehr demoliert wurde. Himmler selbst wohnte einige Tage lang im 233 Zimmer 59 des Polizeipräsidiums. Während des Tages hielt er sich zumeist in der Feuerwehrschule in Harrisleefeld im Norden Flensburgs auf, wo ein Teil seines mitgeführten Fuhrparks stand, darunter ein Lastauto, auf dem ein Kuhstall aufgebaut war. Darin wurde zum persönlichen Bedarf Himmlers eine Milchkuh mitgeführt. Es war In Harrislee fanden noch wüste SS- Gelage statt. noch alles reichlich vorhanden an den erlesensten Lebens- und Genußmitteln: Schinken in Dosen, Wurst, Schokolade, Zigarren und Zigaretten, kurz alles, was das Volk schon seit Jahren nicht mehr bekommen hatte. Himmlers Flucht nach Flensburg war recht abenteuerlich, weil er sich der Verhaftung durch die im Eilmarsch vorrückenden englischen Truppen entziehen wollte. In Hohenlychen und Lübeck hatte er noch kurz zuvor mit dem Grafen Folke Bernadotte, dem Präsidenten des schwedischen Roten Kreuzes, verhandeln wollen, um für sich persönlich Vorteile zu erreichen, als ihm endlich einleuchtete, daß der Krieg verloren war. Es gab nichts mehr zu verhandeln. Hals über Kopf mußte der einst so allgewaltige ,, Reichs- Heinrich" seinen Wagenpark nördlich Lübeck im Stich lassen, wo ich auf dem Wege vom Dorf Techau nach Timmerdorfer Strand die verlassenen Autos stehen oder umgekippt liegen sah. Von den Bauern unterwegs erfuhr ich, daß die britische Militärregierung Himmler suchte und daher neben den Verhören der Einwohner auch Durchsuchungen der Gehöfte vornahm. Zwischen Eutin und Plön war die Spur verloren gegangen; es erwies sich, daß Himmler beim Eintreffen der Besatzungs- Vortruppen schon nach dem Norden Schleswig- Holsteins entkommen war. Der Kommandant Lüth, ein Brillantenträger, war willens, Flensburg zu verteidigen und die Stadt der Vernichtung auszusetzen. Bis zum Ablauf des Ultimatums der britischen Truppen, die noch südlich des Kieler Kanals vorrückten, waren es nur noch Stunden, Stunden höchster Besorgnis für die Flensburger Bevölkerung, die jeden Augenblick ein Bombardement erwarten konnte, das für sie und die Stadt das Ende bedeutete. In diesen schicksalsvollen Stunden war es ein einfacher Matrose, der durch sein unerschrockenes Eingreifen die enter schoẞ kurzerhand den scheidende Wendung herbeiführte Kommandanten Lüth nieder und rettete durch seine Tat das Leben tausender Bewohner und die Stadt selbst vor völliger Vernichtung. Die Erklärung Flensburgs zur offenen Stadt wurde von Marineangehörigen telefonisch nach Neumünster durchgegeben, das inzwischen kampflos von den britischen Vortrupps besetzt war. - hatte die Kieler Zur gleichen Zeit es war der 3. Mai Polizei die Initiative ergriffen und ein Übergabekommando mit weißer Fahne und Dolmetscher in Richtung Neumünster ausgesandt; bei Bordesholm traf es bereits auf eine Vorausabteifung, die Kenntnis nahm, daß Kiel keinen Widerstand leiste. Am 4. Mai, 16 Uhr, traf eine britische Militärabordnung im 234 Panz lose und bis belas von präs und ließe er r und rade ein der sich offiz Ben anko SS- L gewa diese des im De rief. lich dies Mit die in dur sam eine Geb zeig Stra Situ dem eine ver eine in I qua sich d- rf ns, en, ch 3e- en Panzerspähwagen vor dem Kieler Rathaus ein, wo die kampl- lose Übergabe der Stadt erfolgte. Die Flensburger Gestapo hatte das Polizeipräsidium geräumt und war mit einigen Wagen voll Akten die Friesische Straße bis zur Boreasmühle hinausgefahren, wo vor allem die sie belastenden Akten der ‚‚Politischen“ verbrannt wurden. In den von der Flensburger Gestapo verlassenen Räumen des Polizei- präsidiums machte sich die ‚getürmte“ Berliner Gestapo breit und plünderte alles gründlich aus. Nicht eine Schreibmaschine ließen sie bei ihrem Abzug zurück. Nicht nur die Gestapo hatte Himmler mitgebracht, nein, er rettete auch noch das Reichskriegsgericht nach Flensburg und quartierte es in die Volksschule(Jugendherberge, Apen- rader Straße) ein. Auf dem Hofe der Reichspost repräsentierte ein Nachriehtenwagen den„Reichsender Flensburg“, obwohl der Flensburger Sender auf Jürgensby noch in Gebrauch war. Diesen Nachrichtenwagen hatte Himmler vorsorglich für sich reserviert, weil er mit Recht vermuten durfte, daß der offizielle Reichssender Flensburg auf Jürgensby von Dönitz in Benutzung genommen würde. Auf eine Kraftprobe konnte es der„Reichs-Heinrich“ nicht ankommen lassen, weil er keinen einzigen Gestapomann noch SS-Leute zur Verfügung hatte; Dönitz konnte den einst so gewaltigen Reichsführer-SS kurzerhand verhaften lassen. Mit dieser Möglichkeit rechnend, mied Himmler auch die Nähe des Kommandogebäudes in Mürwik. Am 5. Mai 1945 ordnete Himmler eine Dienstbesprechung im Polizeipräsidium an, in welcher er ein„U nantastbares Deutschland von Flensburg bis zur Eider“ aus- rief. Zuvor hatte er sich— auf seine eigene Sicherheit bedacht — einen Flensburger Gastwirt engagiert, der ihm alle mög- lichen Schlupfwinkel zeigen mußte. Offensichtlich hatte er zu diesem unanlastbaren Deutschland selbst kein Vertrauen mehr. Mit seinem Mut war es auch nicht weit her; denn als am 3. Mai die Sirenen heulten, flüchtete er in einen Luftschutzkeller eines in der Nähe der Reichsbank gelegenen Wohnhauses, wo er durch sein ratloses Getue, Jammern und Flehen den dort ver- sammelten Bewohnern des Hauses den Beweis lieferte, welch eine erbärmliche Fisur dieser einst so mächtige und gelürchtete Gebieter über Millionen Menschenleben war. Während der ersten Tage seines Flensburger Aufenthalts zeigte sich. Himmler noch mit voller Kriegsbemalung in den Straßen der Stadt und im„Bahnhofs-Hotel”. Als ihm die Situation zu ungemütlich wurde, verzoz er sich wieder nach dem Grenzort Harrislee, wo er-in der Feuerwehrschule zunächst eine äußerliche Veränderung vornahm— der„Reichs-Heinrich“ verpaßte sich eine Feuerwehr-Uniform, die er dann später gegen einen Zivilanzug auswechselte. Als Zivilist hielt sich Himmler dann wieder einige Tage in Flensburg auf, wo er im„Schwarzen Walfisch“ sein Stand- quartier aufschlug. Im„Schwarzen Walfisch“ zu Askalon konnte sich ein Gast noch erlauben, drei Tage zu kneipen, bis er steif 235 ) o( wie'n ler n 1619 gemü Gren er zu von über So haben wir dir solches zu deiner Nachricht und ferneren Gele: bung hiedurch allergnädigst fund thun wollen. Gegeben auf unse rer Residenz zu Copenhagen, den 16 Aprilis 1731. CHRISTIAN R. An bie Commandanten zu Renbeburg, Glückstadt und Friderichsort, jeben befonders. dara geru I Eide einsa Wen Glüc Wall besti geset Holz Hitle Welt Num. XVI. Desgleichen Befehl, in Ansehung der von dem LandDrosten zu Pinneberg, nach der Hitler Schange zu sen denden Holz Diebe, vom 9 Aug. 1700. Triderich der Vierte 2c. 2c. Edler, lieber Getreuer. Frideri Es ist hiemit Unser allergnädigster Wille und Befehl, daß, wann insfünftige einige Holtz Diebe aus den Pinnebergischen mit Unsers dasigen Land- Drosten von Ehrenfchilds Atteft, solchen ihres Verbrechens wegen, dir zugesandt werden möchten, du sel bige auf der Hitler- Schanze annehmen, in Eisen schliessen, und bis weiter auf einige Zeit an der Karre arbeiten lassest. nach_uc. Geben in unserer Stadt und Veste Glückstadt, den 9 Auguft. 1700. FRIDERICH R An ben Major Haliborton, ald Comman. dauten auf der Hitler- Schange. Hitler- Schanze Faksemile einer Verordnung von 1700 65347 Wor trau Befes ,, Dan Schle von Tank Wie dem Ru lich nung vore der war, wo h sich Kop Scha Lern und gepr sind ausg muß wurd ausz gebu leben diese Fran 236 9. توتو id= 1: et. aß, mit Jen felind Sore Den wie'n Besenstiel am Marmortische lag. Das konnte sich Himmler nicht mehr leisten, denn die Zeit drängte, von diesem ungemütlichen Fleck fortzukommen. Ein Entkommen über die Grenze nach Dänemark war ausgeschlossen, und deshalb nahm er zunächst bei einem Bauern in dem Dorf Ausacker Wohnung, von wo er dann wie ein gehetztes Reh seinen Weg südwärts über den Kanal nahm. In der Nähe von Bremen hat er bald darauf Selbstmord durch Gift verübt. Das unter Ausschluß der Öffentlichkeit von Himmler ausgerufene ,, Unantastbare Deutschland von Flensburg bis zur Eider" hatte offenbar auch Hitler schon vorgeschwebt, als er einsah, daß der nördliche Teil Deutschlands abgeschnürt wurde. Wenn ihm bekannt gewesen wäre, daß in der Nähe der Stadt Glückstadt vor einigen hundert Jahren noch ein befestigter Wall unter dem Namen ,, Hitler- Schanze" existierte, dann wäre bestimmt dieses altertümliche Bollwerk in Verteidigungszustand gesetzt worden. Die ,, Hitler- Schanze" diente damals nur den Holzdieben und Karrengefangenen als ,, Straflager". Nachdem Hitler sich als größter und einmaliger aller Verbrecher der Welt offenbart hatte, hätte sein Name dieser alten Schanze neuen traurigen Ruhm verleihen können. Doch auch nördlich der Eider gab es noch einen alten Befestigungswall, das von der dänischen Königin Thyra erbaute ,, Dannewerk", zwischen der alten Wikingerstadt Haithabu bei Schleswig und der Treeneniederung bei Hollingstedt, welches von dem ,, Kriegsführungsgenie" Hitler als letztes Bollwerk den Tanks der anstürmenden Truppen der Alliierten trotzen sollte. Wie sich der mit dem Knüppel bewaffnete Volkssturm unter dem Kriegshelden Hitler ausnehmen müßte, hat Bo Böjesen im ,, Rummelpott" redigiert von C. J. Bech recht anschaulich und humorvoll wiedergegeben. Auch ich möchte diese Zeichnung: Den sidste Skanse( Die letzte Schanze) den Lesern nicht vorenthalten, schon um zu zeigen, daß auch den Dänen trotz der Naziterrorherrschaft der Humor nicht verloren gegangen war. - Während der letzten Phase der Naziherrschaft in Dänemark, wo bereits das Ende auf Tage hinaus zu berechnen war, glaubte Ein Buchhändler in sich die Gestapo noch besonders stark. Kopenhagen hatte es ihr dadurch angetan, daß er in seinem Schaufenster englische Bücher ausstellte und mit einem Plakat: Lernt beizeiten Englisch! Reklame machte. Flugs inhibierte die Gestapo das Vorhaben des Buchhändlers und verlangte, daß statt der englischen, deutsche Bücher angepriesen werden, denn- so betonten die Gestapoleute: Noch sind wir da! Am nächsten Morgen waren deutsche Bücher ausgestellt mit dem Plakat: Lernt Deutsch, ehe es zu spät ist! Da auch dieses Plakat als eine Provokation angesehen wurde, mußte der Buchhändler erneut das Fenster ausräumen, doch wurde ihm gestattet, zwei gute Gemälde und ein gutes Buch auszustellen, damit das Schaufenster nicht so öde in der Umgebung wirkte. Am nächsten Morgen prangten im Fenster die lebensgroßen Bilder Hitlers und Mussolinis nebeneinander. Vor diesen Bildern angelehnt, fand sich das weltbekannte Werk des Franzosen Victor Hugo: ,, Die Elenden"( Les Misérables). Den 237 DEN SIDSTE SKANSE VOLKSSTO Buch Zeit verlie I gebie Kana vorri den vorw beize ,, Gäs der bar Etap stand S und AW" EX kom Däne Klein besol Zeit. er ei schw Gips wurd ihn geno Aus giere Do Him passi Fried unab kunf welc Gebä der 1945 So Bojesen fet efter Bo Böjesen:„ Den sidste Skanse"( Die letzte Schanze) frei nach dem Bild: Königin Thyra auf dem Dannewerk, dem alten dänischen Verteidigungswall bei Schleswig- Haithabu, von Lorens Frölich ware Mini ler. geber Rest zu Z und in de Sorge am 5 in ei 238 LKASTO 1 Bild: gungsBuchhändler fand die Gestapo nicht; er fand sich erst einige Zeit später wieder ein, als die Nazis Hals über Kopf Dänemark verließen. In das ohnehin schon stark mit Flüchtlingen aus den Ostgebieten Deutschlands überfüllte Gebiet nördlich des Kieler Kanals strömten unaufhörlich die Menschenmassen, welche die vorrückenden russischen Truppenverbände fürchteten. Unter den schon vor Monaten nach hier Geflüchteten befanden sich vorwiegend prominente Nazis mit ihren Angehörigen. Sie hatten beizeiten ihre Koffer gepackt und kamen in Autos hier an; ,, Gäste des Führers" nannten sie sich und benahmen sich bei der Bevölkerung überhebend und anmaßend. Ihnen war offenbar noch nicht zum Bewußtsein gekommen, daß hier die letzte Etappe erreicht war, und das Ende des ,, Hitler- Reiches" bevorstand. So beherbergte Flensburg auch Alfred Rosenberg mit Frau und Tochter. Sorgen bereitete ihm im Augenblick nicht der ,, Mythos des 20. Jahrhunderts", sondern die Frage des Fortkommens aus dem immer enger werdenden Netz. Fliehen nach Dänemark! Jawohl doch hier zeigte sich die Tücke der Kleinigkeiten sein einziges Paar brauner Schuhe mußte neu besohlt werden, aber der Schuster ließ sich mit dem Besohlen Zeit. Die Zeit war für Rosenberg sehr kostbar, und so mußte er einen andern Weg suchen, um von der Bildfläche zu verschwinden. Hitlers Leibarzt Dr. Brandt versah ihn mit einem Gipsverband vorgetäuschter Beinbruch, und Rosenberg wurde ins Lazarett eingeliefert. Nach einigen Tagen hatte man ihn dort allerdings schon ausfindig gemacht. Er wurde festgenommen mitsamt dem beteiligten Arzt und dem Pflegepersonal. Aus war's mit dem Traum einer Flucht ins Ausland. Zum ,, Regieren" war er ohnehin nicht gekommen. Dönitz hatte in der Nacht vom 30. April zum 1. Mai noch mit Himmler in Lübeck auf der Flucht gesprochen. Den Kieler Kanal passierte Dönitz bald darauf in Holtenau, wo er mit Admiral von Friedeburg noch eine Unterredung hatte, deren Gegenstand die unabwendbare Kapitulation Deutschlands war. Nach der Ankunft in Flensburg nahm Dönitz am 2. Mai auf der ,, Patria", welche an der Landungsbrücke vor dem Marine- KommandanturGebäude festgemacht hatte, Wohnung. Der Stab war in einem der nahegelegenen Läger untergebracht. - " Die Beratungen des ,, Kabinetts Dönitz" begannen am 3. Mai 1945, vormittags 10 Uhr, im Kommando- Gebäude. Teilnehmer waren außer Dönitz noch Außenminister Schwerin von Krosigk, Minister Seldte. und last not least- als Geduldeter: Himmler. Sie beschäftigte die Frage: Wird es noch einen Kampf geben?" Die nun zu fällenden Entscheidungen dürften dem Rest- Kabinett schwer zu schaffen gemacht haben, denn von Zeit zu Zeit vertraten sich die Herren vor dem Gebäude die Beine und holten Atem in freier Seeluft. Die Marionetten- Regierung in der neu etablierten ,, Wilhelmstraße" bekam zu den bisherigen Sorgen noch weitere. Die Parlamentäre der Alliierten trafen am 5. Mai in Mürwik ein und isolierten die ,, Regierung Dönitz" in einer Enclave, die sie nicht verlassen durfte. 239 Bemerkenswert ist noch, daß einige Stunden vor dem Eintreffen der alliierten Parlamentäre Dönitz über den Reichssender Flensburg bekannt gab, daß Deutschland nicht kapitulieren werde. Bis zum Letzten sollte gekämpft werden Worte und Prahlereien, wie das deutsche Volk sie von Hitler und Goebbels jahrelang täglich gehört hatte. Womit gekämpft werden sollte, gaben die Herrschaften allerdings nicht an. Was sich in Mürwik zwischen Kommando- Gebäude und der ,, Patria" abspielte, war weiter nichts als eine Operette. Bewaffnete Marinesoldaten bewachten die Brücke des Schiffes. Stäbe hatten sich gebildet, und Dutzende von Generalen, Admiralen und sonstige mit Orden und Abzeichen ausstaffierte hohe Herren liefen durcheinander, richteten sich Vor- und Sprechzimmer ein, leisteten sich Ordonanzen, Fahrbereitschaften, gaben Befehle, kommandierten und begrüßten sich in den Gängen und Kajüträumen mit steifem Zeremoniell. Soldaten, die keine Ehrenbezeigungen erweisen wollten, erhielten Arrest, allerdings nur stundenweise. Noch in der Nacht vom 5. zum 6. Mai 1945 rückten die Vorhuten der britischen Streitkräfte in Flensburg ein und besetzten die Hauptpost. Ein stärkerer britischer Truppenverband folgte am 6. Mai um die Mittagszeit, von Schleswig kommend, und bezog auf dem Flugplatz am Schäferhaus Quartier. Am Dienstag, dem 8. Mai, gab der neue Außenminister SchwerinKrosigk im Flensburger Rundfunk die bedingungslose Kapitulation aller deutschen Streitkräfte zu Lande, zu Wasser und in der Luft bekannt. Generaloberst Jodl und Generaladmiral Friedeburg hatten am Montag, dem 7. Mai, morgens 2,41 Uhr in Reims in Eisenhowers Hauptquartier durch ihre Unterschrift bekundet, daß sich das deutsche Volk und die deutsche Wehrmacht auf Gnade und Ungnade den Siegermächten in die Hand gegeben habe. Die Ratifizierung der bedingungslosen Kapitulation fand am 8. Mai in Berlin statt, wo Feldmarschall Keitel vor den Bevollmächtigten der Alliierten Shukow und Tedder die Kapitulationsurkunde unterzeichnete. Am 8. Mai, eine Minute nach Mitternacht, erhielten die Armeen den Befehl, das Feuer einzustellen. Damit endete der zweite Weltkrieg in Europa. In Flensburg- Mürwik regierte Dönitz weiter auf der ,, Patria", als wenn ihn die Kapitulation nichts anging. Befehlsausgabe, Wacheinteilung und was sonst noch zum militärischen Dienst gehörte, wurde weiter gehandhabt. Das Possen- und Operettenspiel nahm seinen Fortgang, dank der neu hinzugekommenen bzw. geflüchteten militärischen Mitspieler. Abseits dieser Posse vollzog sich am Ausgang der Flensburger Außenförde, in der Geltinger Bucht, der Schluẞakt einer Tragödie, die im dänischen Svendborg zu einem Zeitpunkt begonnen hatte, als bereits feststand, daß nichts mehr zu retten und die Kapitulation unabwendbar sei. Was sich ereignete, bewies, daß Dönitz keinerlei Befehlsgewalt über Heer, Marine und Luftwaffe besaß. Jeder Befehlshaber einer noch so kleinen Truppen- bzw. Schiffseinheit handelte nach eigenem Ermessen und Entschlüssen und war bereit, den Krieg auf eigene Faust weiterzuführen. 240 gab war der woll und Ers des ang der pen kap auc nic bur stel gefa füh San We rec felt des seh seir zu an als nis zun Sch ein Gel me ver un SOZ bet bis Sc 19 mi kri der mi wu Am sic 16 I Nachdem der Tod Adolf Hitlers bekannt geworden war, gab es ein Tohuwabohu in Heer und Flotte. Für die Soldaten war der Krieg zu Ende; sie wollten nach Hause und vor allem der Kriegsgefangenschaft entgehen. Anders die Offiziere; sie wollten weiterkämpfen, zunächst um ihre Position zu retten, und scheuten sie nicht davor zurück, die sog. Disziplin mit Erschießungen aufrecht zu erhalten. Noch in den ersten Tagen des Mai wurden im dänischen Sonderburg vierzehn Marine- angehörige standrechtlich erschossen— der Aufrechterhaltung der Disziplin wegen, Die bereits in Eilmärschen vorrückenden britischen Trup- penverbände Montgomerys bewirkten, daß am 5. Mai eine Teil- kapitulation der deutschen Streitkräfte erfolgte. Danach hatten auch die Schiffe ihre gegenwärtigen Häfen und Ankerplätze nicht mehr zu verlassen. Der Kapitänleutnant Sander in Sonder- burg war gegenteiliger Meinung; er wollte weiterkämpfen und stellte noch ein Bataillon zusammen, mit welchem er das bereits gefallene Berlin retten und gegen Rußland den Krieg weiter führen wollte. Um die Kriegsstimmung erneut anzutachen, arrangierte Sander am 5. Mai einen Kameradschaftsabend, auf dem er von Weitermachen oder Gefangenschaft und vor allem von der Auf- rechterhaltung der Disziplin redete. Seine Ausführungen gip- felten in den Worten: Der Wiederaufbau kann nur im Geiste des Nationalsozialismus erfolgen! Daß die Kriegsstimmung vollends geschwunden war, wurde sehr bald offensichtlich. Der Matrose Wehrmann und drei seiner Kameraden wollten nicht weiter mitmachen; nach Hause zu kommen, war ihr sehnlichster Wunsch, denn ihr Bedarf an Krieg und Gefangenschaft hinter Stacheldraht war mehr als reichlich gedeckt. Sie kamen nicht weit, eine Gruppe dä- nischer Widerstandskämpfer griff sie auf und brachte alle vier zum Bataillon Sander zurück, wo sie zunächst an Bord des Schnellbootes„Buea“ in eine Zelle eingesperrt wurden. Noch in der Nacht zum 6. Mai verließ die Schnellboot- einheit einschließlich der„Buea“ Sonderburg und ging in der Geltinger Bucht vor Anker, obwohl laut Anordnung Montgo- mervs das Verlassen der Liege- und Ankerplätze, wie das Selbst- versenken von Schiffen untersagt war. Sander— ein Fanatiker und Streber und im Innern seines Herzens verbissener National- sozialist— ließen diese Anordnungen, welche die Waffenruhe betrafen, kalt.{ Der 6. Mai verlief ruhig. Alles wartet auf das Kommando bis zum 7. Mai, als in der Frühe gemunkelt wurde, daß die Schnellboote gegen Rußland eingesetzt werden sollen. Gegen 19 Uhr wurde auf der„Buea“ bekannt, daß die Kapitulation mit allen Feindmächten abgeschlossen sei und um 24 Uhr die kriegerischen Handlungen beendet waren. Am 8. Mai sollte in der Geltinger Bucht die Übergabe vor sich gehen. In den Vor- mittagsstunden legten die Schiffe nebeneinander; anschließend wurde die Flagge niedergeholt und das Deutschlandlied gesungen. Am 9. Mai abends kam noch ein Kurlandboot zurück, welches sich gleichfalls in die Reihe der Schnellboote eingliederte. 16 Lienau, Zwölf Jahre Nacht 241 Mit dem Weitermachen, wie Sander es vor hatte, war es aus, doch wollte er noch zeigen, daß er Befehlshaber sei über die Mannschaften. Die im Arrest sitzenden Matrosen sollten exemplarisch bestraft werden, weil sie sich der Disziplin nicht gefügt hatten ja, schlimmer noch: sie waren nach seiner Ansicht fahnenflüchtig geworden, allerdings zu einem Zeitpunkt, als schon an Stelle des Krieges das Chaos getreten war. Das Ungeheuerliche geschah. Sander, der Kriegsgefangene der Alliierten, berief am Morgen des 9. Mai, nachdem am Tage zuvor der Krieg durch die Kapitulation sein Ende fand, ein Kriegsgericht zusammen, welches wegen der ,, Fahnenflucht" der vier Matrosen ein Urteil fällen sollte. An Bord der ,, Buea" trat das Kriegsgericht zusammen mit Kapitänleutnant Sander als Ankläger, dem Marinerichter Holzwig, dem Oberstabsarzt Busch, Fregattenkapitän Schultz, dem Kapitän v. Dresky und dem Mannschaftsvertreter Faustmann als Beisitzer. Die Tags zuvor heruntergeholte Kriegsflaggte deckte den Richtertisch, vor dem sich die vier Matrosen wegen ,, Fahnenflucht" verantworten sollten. Für sie einen Verteidiger zu bestellen, hatte der Richter Holzwig nicht für nötig erachtet. Die Verhandlung selbst sollte nichts weiter sein als eine Formsache. Sie dauerte daher auch kaum zwanzig Minuten bis zur Urteilsfällung. Drei Matrosen wurden zum Tode verurteilt, der vierte, Schwalenberg, erhielt drei Jahre Zuchthaus. Die Urteile mußten noch bestätigt werden. Dönitz in Flensburg war weit entfernt von der Geltinger Bucht; also legte Sander dem Kommodore Rudolf Petersen, ein Pastorsohn von der Insel Alsen, das Urteil zur Bestätigung vor. Petersen wollte seine Unterschrift nicht hergeben; endlich, nachdem Sander stundenlang auf Petersen eingeredet hatte, unterschrieb dieser die drei Todesurteile, die am 10. Mai 1945 zwei Tage nach Kriegsschluß- auf dem Heck des Schnellbootes ,, Buea" vollstreckt wurden! Die gesamte Mannschaft mußte antreten und diesem grausamen Akt der Erschießung ihrer Kameraden zusehen. Kapitänleutnant Merkel, der die Exekution leitete und die zusätzlichen Fangschüsse abgab, rühmte sich noch am Tage nach dieser blutigen Tat mit den Worten: Diese Schweine sind nichts mehr wert, als umgelegt zu werden! Nach der Erschießung war das Verhandlungsprotokoll verschwunden und über die Exekution wurde überhaupt kein Protokoll angefertigt. Dies ,, Kriegsgericht nach der Kapitulation" hatte sich den Kommentar zum Militärstrafgesetzbuch zu eigen gemacht, in dem es hieß: Es ist die Pflicht des Richters, seine Vorschriften im Geiste der nationalsozialistischen Rechtserneuerung auszulegen. Die Marinejustiz insbesondere war der nationalsozialistischen Ideologie besonders zugetan. Es ist nicht bekannt geworden, ob Dönitz von dieser Bluttat in der Geltinger Bucht Mitteilung erhielt und wenn schon, dann wäre es fraglich gewesen, wie er darauf reagierte. Er ließ alles seinen Weg gehen, wie es wollte. Jeder befahl, wenn auch nicht all und jeder den gegebenen Befehl ausführte. Ein Nachrichtenoberst, der sich vom OKW- Stabsquartier Jüterbog über Plön, wo sich Ribbentrop mit seinem Kraftfahrer 242 die t abges gekeh wurd straß richte trag: unter schen Nur um I hock schn den Eiser Shuk kom zuch ein halb verb die und zurü Huh geko nur Dan vers zu s bald nehr ersc Tou Gen dur wer der Offi den Bef ,, Pa Uni länd am wor nich Mill 16* | die tägliche halbe Dose Fleischkonserve teilte nach Flensburg abgesetzt hatte(während noch Tausende von Soldaten in um- gekehrter Richtung zum„Kampf um Berlin“ in Marsch gesetzt wurden), hatte es fertig gebracht, mit einigen auf der Land- straße aufgelesenen Funkern und Fernsprechern eine ‚Nach- richtenabteilung— Reich“ aus dem Boden zu stampfen. Auf- trag: Nachrichtenverbindung mit den deutschen Stäben, die unter Shukow, Montgomery und Eisenhower die Auflösung deut- scher Truppenverbände leiteten. In Twedterholz und an der Förde fuhren Funkwagen auf. Nur mürrisch nahmen die Funker noch einmal die Kopfhörer um— aber sie taten es, denn sie wollten lieber in ihren Wagen. hocken und morsen, als in die Lager gehen, aus denen so schnell kein Weg wieder hinausführte. Fernsprechbautrupps wur- den ausgesandt, Funktrupps aufgestellt, die nach Krefeld zu Eisenhower, nach Lüneburg zu Montgomery, nach Berlin zu Shukow abrücken sollten. Ein Major, ehemals Nachrichten- kommandant im„‚Führerhauptquartier“, sprach von Mannes- zucht, Haarmähnen, Einsperren. ‚Freikorps Deutschland“, sagt ein Oberleutnant und streckt das Kinn vor, um aber doch eine halbe Stunde später seine Pistole in die Förde zu werfen. Funk- verbindungen kommen tatsächlich zustande. Ein General aus dem Westen beschwerte sich, daß ihm die Alliierten eine untergeordnete Funktion bei der Rückführung und Entwaffnung von Verbänden zugewiesen hatten. Jodl ließ zurücksenden:„Beruhigen Sie sich, auch Sie sind nur ein Huhn, das noch ein Ei legen will, um dann in. der Suppe gekocht zu werden,“ Bei der ‚Dönitzoperette“ auf der ‚Patria“ hatte Himmler nur im ersten Akt, und zwar in der ersten Szene, mitgewirkt. Dann war es ihm ratsam erschienen, hinter den Kulissen zu verschwinden und sich um die Sicherheit seiner eigenen Person zu sorgen, wie schon bemerkt wurde. An seine Stelle trat dann bald ein anderer Mitspieler, damit das Stück seinen Fortgang nehmen konnte. Als die Parlamentäre am 5. Mai in Mürwik erschienen, war Himmler schon ausgeschieden und auf Solo- Tournee gegangen. Weniger aktiv in der Besetzung war der General-Quartiermeister Toppe, der bei der späteren Vernehmung durch die Offiziere der Alliierten nur über Bestände und Lager- werte der deutschen Wehrmacht Auskunft zu geben hatte. Die Regierungsbesatzung auf der„Patria“ hatte sich nach der Kapitulation um einige Mitglieder erhöht; es waren höhere Oftiziere der Alliierten, die als Beobachter kommandiert wur- den, im übrigen jedoch Dönitz mit seiner„Regierung“ ungestört Beiehle erteilen'iießen. Es fiel auch mir nicht schwer, zur „Patria“ Zutritt zu erhalten, dank meines Neffen, der in der Uniform eines Oberfähnrichs Dolmetscherdienste bei den Eng- ländern leistete. So nebenbei wurde mir erzählt, daß noc am 17. Mai ein Kapitänleutnant auf Dönitz Befehl erschossen worden sei. Ob dieses auf Wahrheit beruhte, interessierte mich nicht, angesichts der Tatsache, daß die Nazis Massenmorde an Millionen Unschuldiger ausgeführt hatten. 16* 243 Eines war an Bord der ,, Patria" bezeichnend: der Korpsgeist lebte weiter bei den gewesenen Offizieren des damaligen OKW. Dönitz und seine Mannen konnten es den sie vernehmenden englischen Offizieren nicht verzeihen, daß als Dolmetscher ein Oberfähnrich fungierte, und dieser dem Admiral gegenüber weder Haltung einnahm noch den einstigen Rang als höchster Offizier respektierte. Sämtliche Rangunterschiede waren durch den Dolmetscher- Offizier beseitigt. Hier hatte selbst der Admiral dem Oberfähnrich als Dolmetscher die geforderte Auskunft zu geben und mußte sich notfalls noch von diesem Zurechtweisungen gefallen lassen. Recht interessant gestaltete sich die Vernehmung des ehemaligen Ministers Seldte, der auf Fragen Antwort zu geben hatte, die seine politische Einfluß- Sphäre betrafen. Mit allen Mitteln versuchte er sich als völlig unbedeutenden Mann unter der Fuchtel Dr. Leys hinzustellen, was bei seinem biederen und harmlosen Auftreten fast glaubhaft erschien. - Überhaupt stellte sich bei allen Verhören( seien es nun ,, große" oder kleine" Leute gewesen) heraus, daß niemand irgendwelchen Einfluß hatte eine Tendenz, die uns auch später aus den Kriegsverbrecherprozessen sattsam bekannt wurde. Schweren Kummer bereitete den Offizieren um Dönitz die Aufhebung der Rangunterschiede und das Fortfallen der Grußpflicht für die ,, Untergeordneten" und die Mannschaften. Es fanden sich unter den Stabs- und Verbindungs- Offizieren immer noch einige widerliche ,, Schleimer" darunter, als kleines Beispiel ein Kapitänleutnant Walkerling, der wohl einer der typischen kleinen Figuren jener Tage war. Mit einer devotischen Unterwürfigkeit grüßte er jeden kleinen alliierten Wachposten oder Messediener mit ,, good morning", während er die ,, Ehrenbezeigung"( damals noch vorgeschriebene Grußpflicht gegenüber den deutschen Offizieren) seiner Landsleute überhaupt nicht beachtete ihnen gegenüber sogar noch den ,, wilden Mann" markierte. Größere Truppen verbände der Alliierten waren am 13. Mai in Flensburg eingerückt und belebten das Straßenbild. Die Regierungs- Enclave in Mürwik wurde nicht besetzt. Die Regierungsmitglieder um Dönitz konnten sich ebenso frei bewegen, wie etwa Löwen, Paviane, Gemsen usw. in den Freigehegen bei Hagenbeck. Der 18. Mai brachte eine kleine Programmänderung. russische Militärdelegation traf in Flensburg ein und begab sich an Bord der ,, Patria", wo immerhin ein ganz gutes Einvernehmen festzustellen war. Alliierte und deutsche Offfiziere bewegten sich zwanglos untereinander, als hätte eine Kapitulation überhaupt nicht stattgefunden. Auch ich konnte unangefochten in alle Räume an Bord gelangen; niemand fragte nach meinem Begehr oder meinen Befugnissen. Überall erhielt ich die gewünschten Auskünfte bedenkenlos, so daß ich annehmen mußte, als ein übergeordneter Informator in Zivil gehalten zu werden. Inzwischen näherte sich die Dönitzoperette dem dritten Akt, der jedoch in der Schlußszene erheblich von dem abwich, was man sonst in Operetten zu erwarten pflegt. 244 an roter im wik. im erwa rette und tisch lich viell Die Unt pist und als und deu iert Poli For russ Spi nier nich fehl ding kon ging Ver Ein des get sitz sol ric La Ta VO wu geb vor Off den )l- al n IE {te je- on 1e- te, In er nd sei Der Kalender verzeichnete den 23. Mai 1945. Eine Panzerbrigade besetzte ein Dutzend Straßenkreuzungen an der Flensburger Förde, ein paar hundert Militärposten mit rotem Mützenüberzug springen von ihren Fahrzeugen, bilden im Laufschritt eine Kette und umstellen. die Marineschule Mür- wik. Britische Panzerkanonenen richten sich auf Kasernen und im Gelände verstreute Unterkünfte Ein paar Dutzend Generäle erwachen aus ihrem letzten behaglichen Schlummer. Die Ope- rette, die Posse, ist aus. Mitten in den Betriebsdienst, Fahrzeugpflege, Befehlsausgabe und Wachablösung platzen am 23. Mai gegen Mittag die bri- tischen Panzer- und Polizeikolonnen. Der Traum, den fröh- lichen Betrieb nach bewährter Kasernenmanier auf Wochen, vielleicht auf Monate weiterführen zu können, ist ausgeträumt. Die Generale müssen sich mit dem gleichen Tempo aus ihren Unterkünften hinausbemühen, wie die Soldaten. Maschinen- pistolen ermuntern die Funker, aus ihren Wagen zu klettern, und die Panzerleute der Division ‚Großdeutschland“, die sich als Ordnungstrupp stark gemacht hatten, wurden bescheiden und sammeln sich still. Offiziere protestieren. Die Hoheit des deutschen Oberkommandos über die Enklave sei von den Alli- ierten garantiert.„Shut up and go on!“ sagten die Tommy- Polizisten mit den roten Mützen, ohne eine Miene zu verziehen. Es war die SHAEF(Supreme Headquarter Allied Expedition Forces), eine Kommission von amerikanischen, britischen und russischen Offizieren, welche so unvermittelt in das geruhsame Spiel der Marionettenregierung hineinfunkte. Alles war konsler- niert. Was war nun geschehen und was wird werden. Es kam nicht mehr zu einer Kabinettsitzung, Führerbesprechung, Be- fehlserteilung und dergleichen mehr. Jetzt hieß es— aller- dings in sehr verbindlicher Weise— Vorladungen nachzu- kommen. Der„Regierungschef“ Dönitz wird an Bord gebeten. Er eing und war sich darüber klar, daß diese Einladung seiner Verhaftung gleich kam. Admiral von Friedeburg folgte der Einladuno nicht. Er hatte es vorgezogen, in einem Waschraum des Kommando-Gebäudes seinem Leben selbst ein Ziel zu setzen. Ein gleiches Ende nahm der ebenfalls nach Flensburg getürmte Reichsjustizminister Dr. Thierak. An den„Kabinetts- Sitzungen“ hatte er nicht teilgenommen, sondern es vorgezogen, solo zu gehen. Auf„Schloß Rotenstein“, dem Flensburger Ge- richtsgebäude, hatte er nebst Tochter im Amtszimmer des Landgerichtspräsidenten Stiemke Quartier bezogen. Vierzehn Tage währte hier noch für ihn die Galgenfrist, bis auch er von der Military Police in ein anderes Privatquartier gebracht wurde. Dr. Thierak, wissend, was die HitlerJustiz zu Wege gebracht hatte, mochte schon ahnen, was ihm selbst nun be- vorstand, weshalb er sich dem irdischen Richter entzog. Die Öffentlichkeit hat kaum etwas von seinem Selbstmord erfahren. Von den nach Flensburg geflüchteten Naziführern hat keiner den Mut aufgebracht, die Konsequenz zu ziehen und sich eine 245 Kugel zu geben. Auch haben sie darauf verzichtet, die tod- bringende Zyankali-Ampulle zu zerkauen, obwohl sie einen kompletten Giftschrank, der in einer Apotheke sichergestellt wurde, mit nach Flensburg gebracht hatten. Rekapitulieren wir in Stichworten: Der Morgen des 25. Mai graut. Auf einer Wiese werden dis Kolonnen gesammelt, Offiziere von den Mannschaften ge- trennt. Man‘sieht Dönitz an das Auto gehen, das ihn zum nächsten Flugplatz bringt: Schleswig-Holstein-Aktion„Münzel- burg-Lager“. Sämtliche Wehrmachtsangehörige, 2000 an der Zahl, werden als der klägliche Rest der ehemaligen Hitler-Armee in Marsch gesetzt, durch Flensburg geführt und in die In- ternierungsläger der Landschaft Eiderstedt gebracht, die zu- nächst als Auffanglager dienten. Bewachung: Zwei Straßen- panzer. Dönitz wartet Nürnberg entgegen Die letzte Bastion des OKW als Enklave Flensburg-Mürwik, inmitten des Alli- ierten Besatzungsgebiets, ist gefallen. Millionen Soldaten von der Ost- und Westfront zurück- gewichen, haben Schleswig-Holstein überflutet. Die deutschen Verbände werden„eingefroren“, wie der Engländer es nennt. Sie dürfen ihre Standorte nicht verlassen. Sie zu internieren, ist zunächst transporttechnisch nicht möglich. Am 8. Mai ist die bedingungslose Kapitulation in Kraft getreten; am 15. Mai noch halten als Heeressoldaten verkleidete. Waffen-SS-Einheiten in den Orten längst der dänischen Grenze Kompanie-Appelle ab, legen sich Armbinden mit der Aufschrift ‚Post“ an und machen sich an Leitungen und Masten zu schaffen. Dann durch- dringen Jeeps und Panzer das dünne Straßennetz und machen dem Spiel ein Ende. Nur in Mürwik träumte man noch weiter bis zum 23. Mai 1945. Dieser Tag brachte das Ende der großen Laufbahn des kleinen Mannes mit dem Micky-Maus-Gesicht, der 1939 als schlichter Kapitän in den Krieg gezogen war und den sein Ehrgeiz trieb, bis zum Nachfolger des„Führers“ aufzusteigen, der den letzten Akt des ‚Tausendjährigen Reiches“ beendete, in der von Hitler zur Hauptstadt erhobenen Stadt Flensburg, symbolisiert durch einen Schiffsfriedhof größten Ausmaßes. Hunderte Wracks torpedierter und gesunkener Schiffe, darunter mehr als fünfzig U-Boote mit ihren Besatzungen lagen auf dem Grunde der Innen- und Außenförde, gleichsam auch hier den Untergang der Seemacht zeichnend, der Dönitz gedient, sie kom- mandiert und sie mit des Dritten Reiches Herrlichkeit ver- sinken sah. Sic transit gloria mundi! n Yun ernten wir die$rüchte der po- titifchen Orientierung die auf unfere Weltanfhauung fußt. Göbbels. Nachlese Bei meiner Rückkehr konnte ich zu meiner Freude feststellen, daß Flensburg unter den Einwirkungen des Bombenkrieges wenig gelitten hatte. Auch Hier war ich ‚wieder einmal davon- gekommen“, als ich sah, daß meine Mobilien, meine Bibliothek usw,, welche während der Zeit meiner Inhaftierung von meiner Frau auf Lager gegeben wurden, fast vollzählig wieder bei- sammen waren; die Gestapo war nicht auf den Gedanken ge- kommen, dort eine Haussuchung abzuhalten. Dennoch kam ich nicht ganz unversehrt davon. Gleich nach meiner Verhaftung durchsuchte die Gestapo meine Bibliothek. Sie fand nicht die gesuchten, weil gut verborgenen, politischen Bücher und Schriften, welche zum Teil schon die Haussuchun- gen während des Sozialistengesetzes überstanden. Daher hielt sie sich schadlos an den reichen Beständen meiner schön- geistigen Literatur und den auch von ihr als wertvoll und selten erkannten Werken auf allen Gebieten deutschen und fremdsprachigen Schrifttums. Also ließen die Gestapo-Maro- deure mitgehen u. a. Goethes Werke(Ausgabe. letzter Hand), Shakespeare(offenbar, weil er Engländer war) usw., zusammen etwa sechzig der wertvollsten Bände. Selbst zwei der seltensten Inkunabeln, die bestimmt keine anti-nazistische Tendenz auf- wiesen, wurden mir entwendet. Sehr schmerzlich war der Ver- Just meiner Briefmarken-Sammlung, die ausschließlich seltene, alte Marken aufwies. Daß mein Radioapparat, Bargeld und ungezählte andere Dinge gleichsam mitsingen, sei nur so am Rande erwähnt. Mein Wiedererscheinen in Flensburg wurde mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Durch meine Frau erfuhr ich, wie wenige Freunde und Bekannte sich während der Zeit meiner Abwesenheit um sie bemühten und ihr zur Seite standen. Das Gross ging ihr im weiten Bogen aus dem Wege und mied sie wie eine Aussätzige. Erst als ich wieder zurück kam, tauchten jene Gestalten erneut auf, die mir in heuchlerischer Weise versicherten, nie Nazi gewesen zu sein. Auch die sog.„Vver- hinderten“ Pes fehlten nicht in dem Reigen der Gruppe, die vorgaben: Wir konnten nicht anders! Allem die Krone setzen 247 jene auf, die aus meiner Haft- und Internierungszeit Kapital schlugen und sich noch darauf zu berufen wagten, die Gesetze der Nazis hätten ihnen das Recht gegeben, mich um meine Rechte zu bringen. Solche Köpfe gibt es heute noch bemoost und kahl. Angesichts aller Beteuerungen ,,, niemals in der Partei, SS oder SA" gewesen zu sein, konnte ich es mir nicht versagen, meiner Überzeugung Ausdruck zu verleihen, wie ich es schon früher durch Satire und Glosse in der Flensburger Presse machte. Nachstehendes Spottgedicht durften sich auch die alten Kämpfer und solche, die es nicht gewesen sein wollten, zur Freude meiner Bekannten, zu Gemüte ziehen. Elegie eines alten Kämpfers Von Krischan Kiekut Herrlich waren doch die Zeiten Als ich alter Kämpfer war, Wo sich fügten die Gescheidten Uns'rer frechen braunen Schar. Als die Bonzen noch in Blüte, Dem Pg mit stolzer Brust Menschen, die nur zweiter Güte, Jederzeit sich fügen mußt'. Als sich göttergleich der Hitler Stellte neben Wotan auf Und als neuer Glaubensmittler ,, Deutsche Christen" bracht' zu Hauf'. Als noch täglich durch den Äther Goebbels tobt' im Gossenton: Wartet nur Ihr Volksverräter mul zu Hol zuta nac Die das wie und unte jäh des die Fuß ,, Au nac 248 P Vom KZ und Jude Kohn". Als noch mit dem Klempnerladen Göring seine Brust geschmückt, Dr. Ley'sche Sauf- Tiraden Hinlänglich das Volk beglückt, Goebbels täglich uns versprochen, Daß der Endsieg stünd' bevor, Und die alten Volkssturmknochen Stellt' als neue Waffen vor. Als man eisern sparen mußte, Zahlte Wochenraten ein, Denn für Voll- und Selbstbewußte Sollte doch ein Auto sein. Nichts von allem ist geblieben, Hin SS und hin SA, Alle Gelder abgeschrieben, Nicht ein Hakenkreuz ist da. Nirgend hängen Hitlerbilder, Die Pegesin schweigt sich aus, Selbst die Nazi- Straßenschilder Sind entfernt von Pfahl und Haus. Niemand streckt die Hand zum Himmel, Jeder wünscht’ heut’ ‚Guten Tag“, Aus ist’s mit dem Nazifimmel, Nur das Chaos folget nach. Einsam blick’ ich rum im Kreise, Nichts von BDM-— HJ. Was ich hörte sonst ganz leise— Zeigt sich nur als bitt’rer Spott. Und frag’ heut’ ich die Pegesen, Warst Du nicht in der Partei? Keiner ist darin gewesen— Nicht ein Einz’ger war dabei. Die wichtigste Aufgabe, welche ich als dringlichste lösen mußte, war, nach jenen verbrecherischen Elementen Umschau zu halten, die sich aus den Reihen der SS nach Schleswig- Holstein„gerettet“ hatten in der Hoffnung, hier vorerst unter- zutauchen und dann bei passender Gelegenheit über die Grenze nach Dänemark zu entkommen. Sie hatten falsch gerechnet. Die Grenze war verriegelt, im Westen, wie im Osten hinderte das Meer ein Fortkommen der Nazigrößen. Sie saßen hier fest wie in einer Fischreuse. Als die Zeit dieses Abwartens den Nazis zu langweilig wurde und ihnen deuchte, daß man sich wieder„rühren“ konnte, unternahmen sie ganz vorsichtig den Wiederaufbau ihrer so jäh zerschlagenen Organisation. Bereits in der zweiten Hälfte des Juni 1945 hatten sie hektographierte Flugblätter hergestellt, die den Bewohnern in den frühen Morgenstunden unter die Fußmatten gelegt wurden, damit beim Reinigen des Flurs diese „Aufrufe“ aufgelesen werden konnten. Dieses Pamphlet hatte nachstehenden Wortlaut: Durchlesen und weitergeben! Dremitschrer! Die Kräfte eines Volkes sind noch nie besiegt worden dadurch, daß nach einem ehrenhaften Kampfe dieses Volkes vor stärkeren Mächten kapitulieren mußte. Der Sieg haben unsere Feinde erst in dem Augenblick wirk- lich errungen, wenn sich unser Volk als scelische und geistige Größe, d. h. haltungsmäßig feige unterwirft. Ich meine damit, daß wir erst dann untergegangen sind, wenn der denkende Teil des deutschen Volkes die Ideen der Gegner annimmt, weil es sinnlos ist, sich gegen die ma- terielle Übermacht unserer Feinde aufzulehnen. Die Tat- sache, daß unser Volk z. Zt. ohne jeden politischen Rück- halt leben muß, wird vom Gegner weidlich ausgenutzt, um unsere geistige Kraft zu. brechen und damit den Sieg zu vollenden. Der gesamte Agitationsapparat der Militär- regierungen dient somit lediglich der Fortführung des Krieges mit anderen Mitteln. Kein Nachrichtenblatt, keine Botschaften, keine Anordnungen werden uns übermittelt, um uns nur über eine Sachlage zu unterrichten, sondern 249 um uns in unserer Haltung zu beeinflussen, um uns vergessen zu machen, daß wir Deutsche sind. Ein willkommenes Kampfmittel in dieser Geistesschlacht ist die FührerSache, daẞ ein Teil unserer politischen schaft nicht nur jeden ehrlichen Nationalsozialisten, sondern auch den Führer verraten hat durch unehrenhaftes Verhalten vor und nach dem eigentlichen Kampfe! Wir dürfen uns jedoch nicht beirren lassen durch fremde Ideen, weder durch kommunistische noch durch kapitalistische. Wir müssen uns immer nur eines vor Augen halten, wenn wir vor den Toten dieses Krieges bestehen wollen. Landsleute aus allen Gauen, vergeßt nie, daß Ihr die Pflicht habt, Deutsche zu bleiben! ( Rückseite des Flugblattes:) Eine Mahnung an Alle! Heil Hitler! Jede Handlung gegen die alliierten Streitkräfte bedeutet Unglück und Elend für eigene Volksgenossen. Jetzt gibt es als Waffe für uns nur unseren Stolz und unsere deutsche Haltung! Entsprechende Anweisung ist von zuständiger Stelle an alle in Betracht kommenden Organisationen ergangen. Auch Einzelkämpfer haben sich an diese Anordnung zu halten, andernfalls Bestrafung bzw. Verfolgung nicht nur durch die alliierte Militärbehörde erfolgen würde. Ein weiterer Bericht folgt morgen. Der angekündigte weitere Bericht konnte nicht folgen, weil die als Urheber schnellstens ermittelten Heißsporne zunächst festgenommen, und ihnen ein entsprechendes Privatissimum verlesen wurde. Den übrigen, nicht ermittelten Gesinnungsgenossen der neuen Geistesschlacht- Gruppe" ist dann der Mut vergangen, sich auf dem Gebiet der ,, Neuorientierung" weiter zu betätigen. Es handelte sich durchweg um ,, Halbwüchsige", die noch etwas vom ,, Wehrwolf"-Geist genossen hatten. Es verstand sich, daß ich mich, wie derzeit in Schwerin den Amerikanern, hier der britischen Besatzungsmacht zur Verfügung stellte, um dem Naziverbrechertum den Garaus zu machen. Der Erfolg war ein sehr erfreulicher. Hier ist so manche SS- Größe ins Garn gegangen, die sich ganz sicher fühlte. Da der weitaus größte Teil der in meine Heimat geflüchteten SS- Leute und Naziführer außer den Sparkassenbüchern keine Legitimationspapiere besaßen, war es zunächst schwierig, gesuchte Verbrecher ausfindig zu machen. Einige Erfahrung hatte ich schon in Schwerin gesammelt, wo SS- und kriminelle Verbrecher sich ganz geschickt zu tarnen verstanden. Am schnellsten gelang das Wiederergreifen der als ,, politisch" getarnten Berufsverbrecher aus den Konzentrationslagern und Strafanstalten. Bei der Wiederaufnahme ihres altgewohnten Metiers gerieten sie der Polizei sehr bald wieder in die Hände. Bei dem Aufspüren der SS- Verbrecher aus den KZS halfen die ehemaligen KZler erfolgreich mit. 250 Vork Aus Dor Poli eine Gas der Mill das erha verl gegr Kai dem wu sag WO hiel lian Bev Mil zum hin ehe sch kap Tät ent mei ich zus ins Bes eine Nar Nü mal Pol Kop zus was Wie PIN" war gek fest er die er Bean) RR o Von der Ergreifung Alfred Rosenbergs war schon in einem Vorkapitel die Rede. Daß der ehemalige Kommandant des KZ Auschwitz, Höss— getarnt als harmloser Bauernknecht— im Dorte Gottrupel bei Flensburg aufgespürt und von der Militär- Polizei festgenommen werden konnte, war im Grunde genommen einem Zufall zuzuschreiben. Nicht weniger als vier Millionen Gasmorde gab dieser SS-Verbrecher nach und nach zu. Bei der ersten Vernehmung konnte er sich nur auf etwa zweieinhalb Millionen entsinnen. Unter dem Namen Lang hatte er durch das Arbeitsamt beim Bauern P. Hansen in Gottrupel Arbeit erhalten. Nicht einen Augenblick hatte Höss die Arbeitsstelle verlassen, immer aus Furcht, anderweitig Bekannten zu be- gegnen. Auch der ehemalige Kommandant des KZ Sachsenhausen, Kaindl, trieb sich in der Uniform eines Forstaufsehers unter dem Namen Tiemann in der Gegend herum, bis er gefaßt wurde; er mußte mir zugeben, dab er Kaindl sei, als ich ikm sagte, daß ich sehr häufig als Dolmetscher zu ihm gerufen worden sei und ihn daher bestimmt wieder erkenne. In dem Kurort Wassersleben, unmittelbar an der Grenze, hielt sich der englische Goebbels-Rundfunk-Propagandist Wil- liam Joy, bekannt unter dem Namen Haw-Haw, verborgen. Bevor er nach Dänemark hinüberwechselte, konnte die Militär-Polizei ihn fassen und nach England expedieren, wo er zum Tode verurteilt wurde. Im Tower ist er durch den Strang hingerichtet worden. Schon in mehreren Vorkapiteln hatte ich mich mit dem ehemaligen Reichsbevollmächtigten in Dänemark, Dr. Best, be- schäftigt. Bevor ich dieses Kapitel abschließe, möchte ich re- kapitulierend und ergänzend noch einiges über die Person und Tätigkeit dieses Mannes sagen, was der Öffentlichkeit nicht vor- enthalten werden soll. Wie ich bereits ausführte, stammte meine Bekanntschaft mit Dr. Best aus dem Jahre 1939, wo ich im Deutschen Konsulat in Reykjavik(Island) mit ihm zusammentraf. Dann trennten sich unsere Wege. Ich wanderte ins Konzentrationslager und hörte auch nichts weiter von Dr. Best, bis ich im Juni 1948 durch die dänische Presse auf einen Prozeß in Apenrade aufmerksam wurde, in welchem der Name Dr. Best mein Interesse erregte. Bald darauf begann in Kopenhagen der sogenannte Kleine Nürnberg-Prozeß gegen vier deutsche Kriegsverbrecher: den ehe- maligen Reichsbevollmächtigten in Dänemark, Dr. Best, den Polizeigeneral Pancke, den früheren Sicherheitspolizeichef in Kopenhagen, Dr. Bovensiepen und General von Hanneken. Dem zuständigen Polizeimeister in Apenrade gab ich zu Protokoll, was mir über die Tätigkeit des Dr. Best in Island bekannt war. Wie allen verantwortlichen Nazigrößen ging es auch Dr. Best: Mein Name ist Hase, ich weiß von nichts!“ In Erinnerung war ihm nur, daß er zuerst im Jahre 1943 nach Dänemark gekommen sei, um dem dänischen Volk Gutes zu tun. Durch meine bereits vorher protokollierte Aussage stand fest, daß Dr. Best irrte. Seine Reise nach Island 1939 hatte_ er mit der„Dronning Alexandrine“ von Kopenhagen angetreten. 251 Aus der Schiffspassagierliste der Reederei konnten ihm sogar seine Begleiter aus Berlin namentlich genannt werden. Diese kleinen Enthüllungen dürften Dr. Best nicht gerade angenehm gewesen sein. Von Dr. Best hatte ich bereits berichtet, daß er der Vater des Schutzhaftbefehls und der Schutzhaft für Politische überhaupt war. Doch nicht nur dies ist von ihm bekannt. Er leistete die ganze Vorarbeit für die Errichtung und Einrichtung der Konzentrationslager, ohne daß die Öffentlichkeit etwas davon erfuhr. Hitler und Himmler samt ihren sadistischen Trabanten wurden von Dr. Best suggeriert. Nahezu unbekannt ist die Tatsache, daß Dr. Best bereits 1931 die ,, Boxheimer Dokumente" verfaßte, jene Terror- und Torturfibel, welche den auf den Ordensburgen ,, ausgebildeten" SS- Henkern und Schinderknechten als Unterrichtsliteratur und Leitfaden für Menschenschändung, Tortur und bestialische Tötung diente! In anschaulicher Weise wurde die Anwendung des Terrors sowohl gegen die Bevölkerung des eigenen Landes wie Angehörige anderer Nationen im Kriegsfalle geschildert. Vor diesem Dokument der Bestialität hätten selbst die Verfasser der ,, Peinlichen Halsgerichts- Ordnung Kaiser Karl V." die Segel streichen müssen, wenn sie die ,, Boxheimer Dokumente" des Dr. Best kennen gelernt hätten. Ausgerechnet den Vater dieser TerrorAkte betraute Hitler mit der Position des Reichsbevollmächtigten für das ,, in Schutzhaft" genommene Nachbarland Dänemark. Wie dort nach den Methoden der ,, Boxheimer Dokumente" die Bevölkerung terrorisiert und gemordet wurde, enthüllte der obenerwähnte Kriegsverbrecher- Prozeß in Kopenhagen, welcher sich einige Monate lang hinzog und mit der Verurteilung von Dr. Best und seines Komplizen in Massenmord Dr. Bovensiepen zum Tode abschloß. Pancke erhielt zwanzig, von Hanneken acht Jahre Gefängnis. Die Berufungsverhandlung ist z. Zt. noch nicht beendet. Noch einiges sei über Dr. Best abschließend nachzutragen. Als Reichsbevollmächtigter hatte er selbstverständlich in Kopenhagen eine komfortable Dienstwohnung. Zur Entspannung brauchte er eine ruhige Stätte der Erholung, weshalb man nach einem Landsitz Ausschau hielt. Diese fand sich in nächster Nähe der Grenze, am idyllischen Nordufer der Flensburger Förde: die von Wald umgebene Villa ,, Olinda" Süderhaff( Sönderhav). Nicht uninteressant ist, zu erfahren, wie die Vorgeschichte des ,, Erwerbs" dieser Villa ,, Olinda" war. Der Vorbesitzer sah sich genötigt, diesen Besitz zu veräußern, um für seine geschäftlichen Unternehmungen Gelder flüssig zu machen. Ein von ihm mit dem Verkauf beauftragter Makler fand sehr bald einen zahlungsfähigen Interessenten. Als dies die Naziclique um Dr. Best erfuhr, schaltete sich die sogenannte Höfebank ( Dr. Vogelsang) ein, und stellte sich als Vermittler bzw. Beauftragte der Nazi- Regierung vor, welche kurzerhand verfügte, daß die Villa ,, Olinda" zu dem vom Käufer festgesetzten Preis an die Naziclique zu verkaufen sei. Basta! Schlagartig, wie die 252 Nazi kauf Gem die den wesh abna diese der blick über hatte Auge der gut es G Flüc erhi unge lebt Volk lopp heu Dän sort rich 5 Ja Gefa die und bitte hatt Urte wur wur rich dara fünf ein Rud sche Glei leck man ehen Inita Die Mer unte m 701 r e r r g n e الد n en g, rs e- m n- en st r- h- e- e" er er on en en ch en. enng ch ter er 5nte ah geEin ald que nk ufJaß an die Nazis sich stets auszudrücken beliebten, wurde ,, Olinda" ,, gekauft" und neu hergerichtet, damit sie eines Dr. Best nebst Gemahlin würdig ward. 60 000 Dänenkronen kostete der Umbau, die auch noch von der dänischen(!) Staatskasse bezahlt werden mußten. Dr. Best wollte nur das Beste für Dänemark, weshalb er der Staatskasse auch die Bürde von 60 000 Kronen abnahm. Der Tierarzt Dr. Möller war u. a. sehr aktiv bei dieser Verkaufsangelegenheit. Von dem Aussichtsturm, welcher mit erworben wurde, hatte der Satrap von Dänemark, Dr. Best, einen wunderbaren Ausblick über die Förde hinweg nach Flensburg und das gegenüberliegende Ufer von Mürwik, Solitüde und Glücksburg. Er hatte sozusagen das ,, Dritte Reich" seines Führers immer unter Augen. Wenn nicht von Zeit zu Zeit kleine Sabotageakte in der Gegend passierten, ließ sich auf dem Besitz ,, Olinda" ganz gut leben. Sei es nun der eigenen Sicherheit wegen oder war es Großzügigkeit- Dr. Best nebst Gemahlin entschlossen sich, Flüchtlinge aufzunehmen und zwar eine große Familie. Diese erhielt nun nicht etwa die Hälfte der Villa. Nein, in einem ungenutzten Winkel fanden die Flüchtlinge Unterkunft. lebte Dr. Best in Dänemark, stets um das Wohl des dänischen Volkes besorgt. Und wenn die tausend Jahre nicht so galloppierend zu Ende gegangen wären, dann säße Dr. Best noch heute als unumschränkter Gebieter und ,, Schutzpatron" von Dänemark in diesem Tuskulum. So Hier wäre hinsichtlich des Urteils gegen Dr. Best und Konsorten noch nachzutragen, daß im Juli 1949 das Höchste Gericht in Kopenhagen die Urteile wie folgt abänderte: Dr. Best 5 Jahre, Dr. Bovensiepen lebenslänglich, Pancke zwanzig Jahre Gefängnis; Freispruch für v. Hanneken. Wegen des Urteils gegen die Verurteilten wurde sofort Revision angemeldet; Publikum und Presse in Dänemark hatten gegen dieses milde Urteil erbitterte Stimmen des Protestes geäußert. Gegen die Schuldigen am Verbrechen in der Geltinger Bucht hatte das Schwurgericht in Hamburg 1948 ein sehr mildes Urteil gefällt, welches vom Kölner Obergericht aufgehoben. wurde. Nach einer erneuten sechswöchentlichen Verhandlung wurde am 8. 8, 1949 nachstehendes Urteil verkündet: Marinerichter und jetziger Kunstmaler Holzwig er dachte nicht daran, ein Gnadengesuch für die Verurteilten einzureichen- fünf Jahre Gefängnis; Offiziersbeisitzer Oberstabsarzt Dr. Busch ein Jahr Gefängnis; der ehem. Kommodore, jetzt arbeitsloser Rudolf Petersen zwei Jahre Gefängnis; er opferte drei Menschen ,,, damit die letzte Schlacht gewonnen werden konnte". Gleichfalls je zwei Jahre Gefängnis erhielten der als ,, Speichellecker" vom Gericht gekennzeichnete Mannschaftsbeisitzer Faustmann und als ,, übelste Erscheinung aller Angeklagten" der ehemalige Bataillonsführer und jetziger Ingenieur Sander- als zudiktiert. Initator des Verbrechens in der Geltinger Bucht - Die Angeklagten v. Dresky und Schultz wurden freigesprochen. Merkel, der die Exekution derzeit durchführte, stand nicht unter Anklage. 253 Das war die Sühne für ein Verbrechen, welches an der Schwelle des Friedens von einer Wehrmachtsjustiz begangen wurde, die eine nationalsozialistische Gewaltherrschaft blindlings bejahte und alle, im Laufe des Krieges durchgeführten Strafverschärfungen auf Kosten des Rechts der Angeklagten gehen ließ. Zu den unmenschlichsten Mitteln hatte man gegriffen und drei Menschenleben verantwortungslos geopfert; die drei Matrosen wurden zu einem Objekt der Abschlachtung herabgewürdigt. Sie waren Opfer eines Kadavergehorsams, der von Untergebenen" gefordert wurde, als die Kapitulation die Begriffe: Vorgesetzte und Untergebene ausgelöscht hatte. Wer die zwölf Jahre des Nazi- Terrors in den Konzentrationslagern und weiteren Marterstätten überlebte, wird sich nur schwer mit den Urteilen, wie das im Petersen- Prozeß gefällte Urteil abfinden können. Wenn die Urteile der heutigen deutschen Gerichte gegenüber den Verbrechern der Nazizeit außergewöhnlich milde ausfallen, zumindest milder, als derzeit die von Nazirichtern gefällten Schreckensurteile gegen die Widerstandskämpfer von damals, so mag man als Erklärung dafür hinnehmen, daß die Schärfe der Urteile nichts mehr mit Gerechtigkeit zu tun hatte; es waren Willkürakte, diktiert vom Geiste des Macchiavelli Hitlers: Dr. Best. Auch ich habe mich damit abfinden müssen, daß der Denunziant( Seite 24) Ficke sen, mit einer Gefängnisstrafe von vier Monaten davon kam. - bekannt als der Der Gauleiter Koch aus Königsberg Nationalsozialist Ostpreußens war Mitte April 1945 mit dem Eisbrecher ,, Pregel" nach Flensburg abgedampft, wo er sich alsbald von seinen Landsleuten absonderte. Jahrelang wurde er gesucht. Wie so mancher Verbrecher durch Neugierde oder Unvorsichtigkeit zu Fall kam, so auch Erich Koch. Bei einem Treffen der Ostpreußen in Schleswig- Holstein mußte er unbedingt dabei sein. Um sich unkenntlich zu machen, trug er eine Sonnenbrille - bei Regenwetter. Das machte die Ostpreußen stutzig und ebenfalls neugierig. Als ihm die Brille abgenommen wurde, um zu sehen, wer sich dahinter verborgen hielt, kam Koch zum Vorschein. Unter dem Namen eines Majors Berger hatte er bis Mai 1949 die Position gehalten, als ihn die Polizei im Dorfe Hartenholm bei Kaltenkirchen in Holstein verhaftete. Sein flehendlichster Wunsch war: Bitte mich nicht an die Russen auszuliefern! Dennoch werden die Russen zuletzt mit ihm zu reden haben. Die zwölf Jahre des Naziregimes haben uns außer den Millionen von Toten, Waisen, Witwen und Heimatvertriebenen eine Welt von Trümmern hinterlassen. Tausend Jahre wollten die Nazis regieren. Im Galopp von zwölf Jahren rollten die tausend Jahre eines Adolf Hitlers ab. Wenn Chronos nach tausend Jahren seine Annalen aufschlägt, dann wird die Menschheit feststellen müssen, daß die Spuren von Hitlers Erdentagen noch nicht ausgelöscht sind. Für alle Zeiten wird der Name Hitler als der größte Verbrecher aller Zeiten und Völker in die Geschichte eingehen. Mögen alle Völker daraus die Er254 ken hin Ku un spr der Hö zul die ba sal Ph ka ler ein VO mu me ho zu T- IC- kenntnis und Lehre ziehen, alles daran zu setzen, um zu ver- hindern, daß ein neuer Diktator ersteht, der Menschheit und Kultur vollends ausrottet. Niemals dürfen wieder Konzentrationslager als Marterstätten und Exekutionsplätze von Nationen errichtet werden, die An- spruch auf die Bezeichnung Kulturvölker erheben. Mit Schau- dern müssen sich jene Gemarterten abwenden, die in den Höllen des Tyrannen Hitler die besten Jahre ihres Lebens zu- zubringen genötigt waren. Wenn ich heute im Kreise vertrauter Freunde häufig die Frage gestellt bekomme, wie es möglich war, diese furcht- bare Zeit zu überstehen, dann muß ich sagen, daß das Schick- sal dem Menschen oftmals Wege zeigt, die er sich in seiner Phantasie niemals träumen ließ. Wer in das Konzentrationslager kam, konnte sehr bald aus der dort herrschenden Atmosphäre lernen— wenn ihm Zeit dazu gelassen wurde. Nichts war einfacher, als die Nazis zu bluffen. Schwierig war es, sich vor den Spitzeln und Verrätern zu schützen. Augen und Ohren mußte man ständig spielen lassen, um sich im gegebenen Mo- ment den Verhältnissen anzupassen. ‚Immer hieß es: Kopf hoch! um das Schicksal mit einem unbeugsamen Lebenswillen zu meistern. HERMANN LODEMANN mINISTERPRASIDENT DES LANDES SCHLESWIO-HOLSTEIN(24b) KIEL Ar pgzember 1948 Presse he In 1grn BR Heinrich Lienau, Flensburg, Am Pfgrdewasser 4, befand sich als politischer Häftling in dem Konzentrationslager Sachsenhausen bei Oranienburg, als ich dort zu Anfang des Jahres 1945 einge- liefert wurde.. Er hat meine Haft bis zb dem Zeitpunkt, wo wir durch die Russen befreit wurden, geteilt. Lıenau war ein vortrefflicher Kamerad, der durch seine hilf- reiche Art menchen Schicksalsgerlossen vor dem Untergang bewahrt Ein schauspielerisches Talent war mir von jeher eigen: Mutterwitz, Entschlossenheit und das unerschütterliche Selbstvertrauen; die feste Zuversicht auf ein baldiges Ende der Tyrannenherrschaft haben mich die furchtbaren Jahre des KZDaseins überwinden helfen und nicht zu vergessen: die Kameradschaft der politischen Freunde und Leidensgefährten stärkte das Vertrauen und die Hoffnung auf das unbedingte Finis, wie Stauffacher es in ,, Wilhelm Tell" zuversichtlich kündet: Eine Grenze hat Tyrannenmacht! Vier Jahre sind verstrichen, seit die Kanonen schweigen. Die Menschen neigen sehr leicht zum Vergessen alles dessen, was sie an furchtbaren Ereignissen über sich ergehen lassen mußten. Sie drängen danach, sich von dem Gestern schnell zu distanzieren, weil sich heute alles viel leichter und zuversichtlicher betrachten läßt. Dennoch bin ich argwöhnisch, weil sich in der Zeit der Umformung Konturen neuer Tyrannen abzeichnen. Ludwig Börne schrieb schon 1830 in seinem Tagebuch: Tyrannen sind in unseren Tagen die gefährlichsten Freiheitsprediger. Soll er heute wieder Recht bekommen? Wir haben des Leides genug erfahren. Setzen wir alles daran, soweit es in unseren Kräften steht, das abzuwenden und fernzuhalten, was die zwölf Jahre des Hitler- Regimes an Schrecken brachten. Die wir in den Konzentrationslägern den Kelch der Bitternisse bis zur Neige leeren mußten, wünschen selbst unseren ärgsten Feinden nicht das Entsetzliche unseres Erlebens in der Hölle der Nazityrannen. Wohl sieht sich das Erlebte und Erlittene gemilderter an, wenn man es rückblickend überschaut, so daß ich Fritz Reuter zustimmen kann, wenn er über seine ,, Festungstid" urteilt: Söb'n Johr, datt is' ne lange Tid, Wenn man se sick vun vörn besüht; Söb'n Johr, datt is' ne korte Spann, Sühst Du se Di vun achtern an. aus Ang übe wol und Nah zu Zivi taus bish erfa die 256 ran Ver disn stets gew sch Alle zeig Sch Fol Leh und trat ges Ges gelü der gefo glei Wa ihre 17 L 1: t- - 2- a- en te mch m. ell ch y- S- ERDAYS 끄, en t- n. es en an en en es as nd in ,, Die Welt ist vollkommen überall, wo der Mensch nicht hinkommt mit seiner Qual". Schiller. ,, Braut von Messina". Epilog Das Buch ist abgeschlossen. Es gibt mein Erleben wieder aus einer Epoche, in der Menschenrechte zertreten wurden von Angehörigen einer Horde Bestien, die nur mit Menschenhaut überzogen waren. Diese Menschen mit Tieren vergleichen zu wollen, käme einem Trugschluß gleich. Ein Raubtier quält und mordet nicht aus Lust am Morden; instinktiv geht es auf Nahrungssuche und schlägt sein Opfer, um den eigenen Hunger zu stillen, Der Mensch ist gut von Grund auf. Mit dem Aufkommen der Zivilisation kam die Entartung, die sich im Verlaufe von Jahrtausenden zu einem Grad steigerte, die in unserem Zeitalter bisher unbekannte Triumphe feierte. Wir haben mit Entsetzen erfahren müssen, wie vor allem die Kriege mit ihrer Barbarei die Menschen verrohten. Neben den Kriegen waren die Tyrannen die Lehrmeister der Dämonie, die unter ihrem letzten Vertreter Hitler einen bisher nicht gekannten Gipfel des Sadismus erklomm. Kriege besonders solche von langer Dauer haben stets die Menschen in einen Zustand der Barbarei zurückgeworfen. Der letzte, von Hitler vorbereitete und heraufbeschworene Krieg, von ihm selbst als den Krieg Aller gegen Alle geführte totale Krieg, hat ein Maß an Grausamkeiten gezeigt, die für uns bisher unvorstellbare Begriffe waren. Das Schulen der Menschen zum Morden und zu erbarmungslosen Folterungen auf eigens dafür eingerichtete Ordensburgen als Lehranstalten, die praktische Anwendung der erlernten Mordund Torturarten an den unschuldigen Insassen der Konzentrationsläger müssen nachdem der Faschismus zu Boden geschlagen wurde alle Völker aufrütteln und sie zu einer Geschlossenheit formen, die dem Tyrannen mit ihren Kriegsgelüsten jegliche Gefolgschaft versagt. - Millionen Todesopfer haben die Konzentrationsläger und der Krieg aus den Reihen der Angreifer und Angegriffenen gefordert; weitere Millionen wurden zu hilflosen Krüppeln, und gleichfalls in die Millionen geht die Zahl der Witwen und Waisen, sowie der Heimatvertriebenen und durch Zerstörung ihres Besitzes Verarmten. Sieger und Besiegte haben gleich 17 Lienau, Zwölf Jahre Nacht 257 schwere Opfer bringen müssen. Wohl endete vor vier Jahren der zweite Weltkrieg, doch kann von einem Frieden nicht die Rede sein, wenn trotz aller Bemühungen der UNO, an vielen Stätten des Erdballs noch die Waffen sprechen und neue Kriege angefacht werden. Keine idealere Sache kann es geben, als alle Kräfte zusammenzufassen, die auf ihr Panier die Sicherung eines_dauernden Weltfriedens verkünden und erstreben. Der Inder Ghandi, wie der Schwede Graf Folke Bernadotte haben für das hohe Ziel ihr Leben eingesetzt und geopfert. Mögen die Namen dieser beiden ehrlichen Verfechter des Friedens allen Völkern als Fanal voranleuchten. Als nach dem ersten Weltkrieg die Kriegsteilnehmer vieler Länder sich zusammenschlossen zu Organisationen, welche als alleiniges Ziel die Verhinderung zukünftiger Kriege forderten, da konnte man die Hoffnung schöpfen, daß dieser Weg zum Frieden ein gangbarer sei. Der zweite Weltkrieg zerstörte diese Illusion vollends. Die Soldaten der sich bekämpfenden Heere konnten keine Bindungen haben, weil sie sich nicht kannten; ohne sich zu kennen, mußten sie das blutige Werk des gegenseitigen Vernichtens ausführen. Einen neuen Weg zur Völkerverständigung möchte ich daher zeigen, den Weg über die Friedensbereitschaft der ehemaligen politischen Insassen der Konzentrationsläger. Hier wurden die Angehörigen aller Nationen durch die Hitler- SS und Gestapo zusammengetrieben, um vernichtet zu werden. Auf Tod und Verderben wurden die Opfer des Hitler- Regimes zwangsweise miteinander zu einer Schutzgemeinschaft zusammengeschweißt, die um ihr Leben kämpfte gegen einen einzigen Feind die völkermordende SS. Diese, dem Tode geweihten Konzentrationäre, welche sich als verläßliche Kameraden schätzen lernten, sie sollen berufen sein, jene in den Konzentrationslägern geknüpften Fäden der Kameradschaft zu einem unzerreißbaren Band internationaler Verständigung, mit dem Endziel des Völkerfriedens zu flechten. Als internationale Widerstandskämpfer kannten sie im Konzentrationslager keinen Standesunterschied, keine Nation, kein Glaubensbekenntnis und keine Rasse; sie kämpften für Leben und Freiheit aller, die Menschenantlitz trugen, gegen ihre Peiniger und Unterdrücker, welche nur ein Menschenantlitz zeigten, aber keine Menschen waren. Wohl sind Millionen unserer Besten in den Konzentrationslägern hingemordet worden, aber es ist doch einigen tausenden Konzentrationären gelungen, die Freiheit wieder zu erlangen, dank der Befreiungsaktion der Alliierten, die gleichzeitig noch vielen Tausenden das Leben rettete. Freiheit und Leben zu erhalten für uns alle, für unsere Kinder und für die kommenden Generationen zu sichern, sei uns heilige Verpflichtung. Diese Verpflichtung muß feste Formen annehmen durch die Aufrichtung einer Organisation, die Freiheit und Frieden gewährleistet. Ein furchtbares Erbe hat die jetzt lebende Generation übernehmen müssen; auch die kommenden Geschlechter werden noch zu kämpfen haben, die Spuren der Verwüstungen zu be258 seiti satio eine rich arbe zent Frie kein Kon bek Kon Aug inte trat wer zus die in ein wie VOI ha fas die sar un Lä die wi bin ra be Zi W sto all di kr an de Fr A di ei U 17 1 r S 1 e r 0 d e t, e, e S - n n i- 1, S- n 1, h си 1- se f- r- rme r- en seitigen. Der Einsatz für die Errichtung einer Friedensorganisation darf nicht gelähmt werden durch das Damoklesschwert eines dräuenden neuen Krieges. Daß das Wirken für die Aufrichtung und Festigung einer solchen Generation keine Sisyphusarbeit werde, muß Aufgabe der ehemaligen politischen Konzentrationäre sein. Mag der Weg zur Erreichung des hohen Ziels: dauernder Friede allen Völkern, schwierig erscheinen, so darf es doch keinen abschrecken, ihn zu betreten. Wer die Schrecken des Konzentrationslagers erlebte, muß auch den ehrlichen Willen bekennen, jenen Regierungen den Kampf anzusagen, die noch Konzentrationsläger einrichten oder unterhalten. Nicht einen Augenblick zweifle ich daran, daß die von mir vorgeschlagene internationale Organisation der ehemaligen politischen Konzentrationäre zur Sicherung des Weltfriedens zu einem Machtfaktor werden kann, wenn ein ernster Wille vorhanden ist, sich durchzusetzen und zu behaupten. Im Konzentrationslager Sachsenhausen- Oranienburg waren die Angehörigen von 42 Nationen zusammengetrieben, die sich in 36 Sprachen verständigen mußten. Es gelang, sie alle auf einen Nenner zu bringen, in welchem dokumentiert ward: Nie wieder Konzentrationsläger, nie wieder Krieg, wir haben genug von beiden. Freiheit wollen wir und Frieden! Die in den Konzentrationslägern geschlossene Freundschaft hat auch heute noch Bestand. Mit unzähligen Kameraden aus fast allen Ländern bindet mich heute noch die Korrespondenz, die mir stets aufs neue beweist, wie unverbrüchlich der Zusammenhalt ist, der einst unter den bittersten Verhältnissen und Zuständen im Konzentrationslager geschmiedet wurde. Über Ländergrenzen, Zonen, Meere und Gebirge hinweg müssen sich die ehemaligen politischen Konzentrationäre die Hände reichen, wie sie es taten in der Zeit ihrer tiefsten Erniedrigung. Dessen bin ich sicher, daß meinem Rufe tausende ehemalige KZ- Kameraden aus allen Ländern zustimmen werden und aufatmend bekennen, an diesem Werk der Völkerverständigung mit dem Ziele: Friede der Menschheit für alle Zeiten, mitzuwirken. Seit einem Menschenalter wohne ich in einem Grenzgebiet, wo die Meinungen und Interessen zweier Nationen aufeinanderstoßen. Sie achten einander und tauschen ihre Kultur auf allen Gebieten miteinander aus. Niemand denkt daran, daß dieses Nebeneinanderwohnen und-wirken feindliche oder gar kriegerische Verwicklungen geben könnte. So soll und muß es an allen Grenzen sein Grenzen sollen nicht trennen, sondern binden und den Angehörigen aller Nationen Eigenleben, Freiheit und Frieden gewährleisten. Meinen Aufruf schließe ich mit dem Wunsche und der Aufforderung an alle ehemaligen politischen Konzentrationäre, die jahrelang gemeinsam gelitten, für Leben und Freiheit alles einsetzten: Verankert diese Solidarität der Kameraden zu einer Union der Freundschaft, der Freiheit und des Friedens! e- 17* Heinrich Lienau 259 Mä Has lich stär abe nen Abe Par nati wäh steh bei litis Heinrich Lienau Als ich nach dem ersten Weltkrieg heimkehrte, hörte ich bei meinem Freunde Hermann Boßdorf zum erstenmal den Namen Heinrich Lienau. Boßdorf berichtete mir, daß 1917 von diesem niederdeutschen Dichter im Schiller- Theater Hamburg- Altona das Drama ,, Heidlüchen" zur erfolgreichen Uraufführung gelangt wäre. In der Buchausgabe des Verlages Richard Hermes lernte ich dann das Stück kennen. Im Winter 1918-19 brachte dies Theater Lienau's Werk ,, De Herr vun Hoffsee". Das Programmheft enthielt eine Einführung aus der Feder von Hermann Boßdorf. Dies Bühnenwerk behandelte das noch aus der Feudalzeit stammende Recht der ersten Nacht für den Gutsherrn. Deshalb führte das Stück auch den Untertitel ,, Jus primae noctis". Diese Dichtung hörte ich mir auf der Bühne an und hörte hinterher von Bekannten, daß Lienau's Erstling Uem de Hauw" noch immer auf eine Uraufführung warte. " Bald darauf lernte ich auch den Dichter persönlich kennen. Professor Marx Möller, damals Dramaturg am Altonaer Stadttheater, Heinrich Lienau und ich traten in den Vorstand der 1914 gegründeten ,, Niederdeutschen Vereinigung" ein, die durch die Herausgabe des alljährlich erscheinenden ,, Niedersachsenbuches" und durch die Zweimonatsschrift ,, Der Schimmelreiter" viele Freunde gewann. Der Dichter wohnte damals mit Frau und Tochter in Hamburg im Luisenweg. Mir fiel gleich beim ersten Besuch Lienau's interessante Bücherei auf, die viele Seltenheiten barg. Er ist nämlich von jeher ein Bücherliebhaber und Sammler gewesen. Heinrich Lienau ist kein geborener Hamburger. Am 24. August 1883 wurde er in Neumünster( Holstein) als Sohn eines Schlossers geboren, besuchte die 1. Bürgerschule und kam dann als Schriftsetzer nach Kiel in die Lehre. Aber wegen eines beginnenden Lungenleidens mußte er später diesen Beruf aufgeben, siedelte 1901 nach Hamburg über und wurde jetzt Kaufmann. Als solcher war er bis 1919 in der Hamburger Konsumgesellschaft von 1856 tätig. Durch seinen Vater, der 1930 starb, kam er schon sehr früh mit der damals sich machtvoll entwickelnden Sozialdemokratischen Partei in Berührung. In der Verbotszeit( SozialistenGesetz 1878-1890) war der alte Lienau Vorsitzender der illegalen Exekutive der Partei für den Bezirk Schleswig- Holstein. Dadurch lernte er in seinem Elternhaus eine Reihe führender 260 er er Rei von geg für bal fess Stu beh in Grü hal fäll stel poli kun mit man Det Ern dern lich ken Her und Rick The schi run Syl in kau ging beil S Männer persönlich kennen: August Bebel, Wilhelm Liebknecht, Hasenklever, von Vollmar, von Elm u. a. Die häufigen polizeilichen Haussuchungen empfand bereits der kleine Junge als ständige Bedrohung. Den stärksten Eindruck auf ihn machte aber die Verhaftung des Vaters am Heiligen Abend. Vom brennenden Tannenbaum weg schleppte man ihn ins Gefängnis. Aber Vater Lienau erlebte auch wieder den Aufstieg seiner Partei. Bereits 1889 durfte er als Delegierter am 1. Internationalen Sozialisten kongreß in Paris teilnehmen. Neumünster wählte ihn später zum ehrenamtlichen Stadtverordneten- Vorsteher neben seinem Amt als Rendant. Heinrich Lienau trat früh der Sozialdemokratischen Partei bei und schrieb für das Hamburger Echo" eine Reihe politischer und feuilletonistischer Beiträge; mehrere Jahre war er auch Mitglied der Pressekommission des Parteiblattes. Da er auch als Redner begabt war, wurde er schon 1903 zu den Reichstagswahlen als solcher viel eingesetzt. Manche Lücken in seiner Schulbildung erkennend, war er von jeher eifrig bemüht um seine Weiterbildung. An der neugegründeten Universität Hamburg ließ er sich als Gasthörer für Germanistik und Volkswirtschaftslehre eintragen. So kam bald in persönliche Beziehungen mit dem verstorbenen Professor Conrad Borchling. Später setzte der Dichter seine Studien in Münster und Kiel fort. Da er das Dänische fließend beherrscht, fiel es ihm auch nicht schwer, an der Universität in Kopenhagen nordische Literatur und aus geschäftlichen Gründen Biologie zu hören. In die Reihe seines häufigen Aufenthalts in Dänemark, seiner Besuche in Schweden und Norwegen fällt auch die Bekanntschaft mit vielen skandinavischen Schriftstellern, Wissenschaftlern und führenden Persönlichkeiten des politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Lebens. Während der Hamburger Jahre blieb aber immer die Dichtkunst seine heimliche Liebe. Er kam in diesen Jahren auch mit den Männern in persönliche Verbindung, die der Kaufmannsstadt zeitweilig den Ruf einer Musenstadt einbrachten: Detlef von Liliencron, Richard Dehmel, Gustav Falke und Otto Ernst. Da Heinrich Lienau nicht nur Plattdeutsch liebte, sondern auch allerlei Arbeiten in dieser alten Sprache veröffentlichte, lernte er auch eine Reihe niederdeutscher Dichter näher kennen: Fritz Stavenhagen, Johann Hinrich Fehrs, Gorch Fock, Hermann Boßdorf, Georg Semper, I. C. Stülcken( Peter Werth) und den Begründer der Niederdeutschen Bühne in Hamburg Richard Ohnsorg. In den Jahren 1920-1922 schrieb er für das Ernst DruckerTheater( heute St. Pauli- Theater) zwei Lokalpossen: ,, Der Oberschieber" und ,, Gottlieb Pommerenke", die zahlreiche Aufführungen erlebten. Dann verließ Heinrich Lienau Hamburg und siedelte nach Sylt über, das er nach kurzer Zeit wieder verließ, um sich in Flensburg niederzulassen. Hier eröffnete er zunächst eine kaufmännische Firma, aus der später die Biovis- Werke hervorgingen. In den nächsten Jahren widmete er seine ganze Arbeitskraft diesem aufblühenden Unternehmen. Seine einzige 261 Tochter verheiratete sich mit einem Flensburger, der schon nach USA übergesiedelt war. Als das Reich der tausend Jahre begann, fing aber Lienaus Leidenszeit an. Aus seiner Abneigung gegen Hitler machte er keinen Hehl. Bald kam eine Denunziation aus„Geschäfts- kreisen“, und kurze Zeit später verurteilte ihn das Hanseatische Sondergericht in Lübeck wegen Vergehen gegen das Heimtücke- gesetz zu zwei Jahren Gefängnis. Er konnte sich nur freuen, daß damals der berüchtigte Volksgerichtshof noch nicht exi- stierte; der hätte ihn wahrscheinlich zum Tode verurteilt. Seine Frau Minna hielt tapfer die Position in Flensburg. Nach Ver- büssung der Strafe war Heinrich Lienau als Meeresalgen-Expert 1938 nach Island gefahren. Bei seiner Rückkehr geriet er erneut in die Fänge der Gestapo, die ihn in das Konzentrationslager Sachsenhausen-Oranienburg brachte. Zwischendurch nahm sich die Kieler Gestapo seiner an auf Anordnung des Volksgerichts- hofes. Während der Kieler Haft schrieb Heinrich Lienau den Roman ‚Die Dammholter Truhe“. Seiner Frau gelang es, die Handschrift aus dem Gefängnis herauszuschmuggeln. So blieb der Roman erhalten. Zwei weitere Manuskripte:„Die Gilde- braut“ und einen Hamburger Roman beschlagnahmte die Kieler Gestapo und vernichtete diese. Wegen seiner guten Kenntnisse der nordischen Sprachen wurde Heinrich Lienau bald im KZ Dolmetscher; aber das hat ihn keineswegs vor Leiden bewahrt. An einem Wintertag glitt er beim Appell aus und verlor, durch einen brutalen Fuß- tritt ins Gesicht, 17 Zähne. Fußftritte in den Leib waren die Ursache eines schweren Bruchleidens, das erst 1948 durch eine Operation in Sonderburg behoben werden konnte. Während der Zeit seiner KZ Haft lernte Lienau eine große Anzahl führender Männer aus fast allen Ländern, besonders aus Skandinavien, kennen. Wiederholt ist er zu politischen und kulturellen Ver- anstaltungen eingeladen worden. Nachdem er sich körperlich erholt hatte, begann er sofort wieder mit der literarischen Produktion. Nach dem Erlebnis- buch„Zwölf Jahre Nacht“ schrieb er die plattdeutsche Komödie „Körung“. Weitere Werke werden wir noch von ihm erwarten dürfen. 5 Alorecht Janssen 262 r r t n n Nazionalsozialistische Konzentrationslager Hauptlager: Sachsenhausen und 80 Nebenlager Buchenwald und 60 Nebenlager Dachau und 60 Nebenlager Mauthausen und 45 Nebenlager Neuengamme, Bergen- Belsen, Ravensbrück, Stutthof, Lublin, Gr. Rosen, Krakau, Auschwitz, Theresienstadt, Flossenburg, Natzweiler, Woltersdorf, Wiesengrund, Weitere Lager in: Schleswig- Holstein 81 61 61 46 zusammen 13 8 Pommern 4 Mecklenburg 6 Provinz Brandenburg und Sachsen 20 Oldenburg, Bremen 4 Provinz Hannover 20 7 Westfalen Ruhrgebiet Rheinland Hessen Baden Württemberg Bayern Thüringen Braunschweig Sachsen Österreich Sudetengau Schlesien Polen 3 11 8 8 4 17 5 4 8 10 8 10 35 5 Ostpreußen Zusammen 467 Außerdem waren noch KZ- Lager in Riga( Lettland), Vught und Amersfoort in Holland. Lageplan der KZ- Lager Seite 43 Inhaltsangabe Kap. Seite 7 Vorwort Einleitung 11 1 Widerstandsbewegung im Grenzgebiet 13 2 Hitlers Flucht nach Flensburg während der Röhm- Affäre 17 3 Offener Brief an den Reichspräsidenten 4 v. Hindenburg Vierjahresplan- Rummel 5 Görings Fiasko auf Island 21 26 30 6 Hitlers Piratenschiffe 7 Dem Kriege entgegen 8 Hitlers Inferno 9 Kieler Wochen 10 Empfang der Zugänge 11 33 37 41 44 49 Einweisungsgründe( Heydrichs Höllenpässe) 12,, Turm A. Auf Posten nichts Neues!" 13 Gemeinwesen KZ Sachsenhausen 58 75 83 14 Potemkin redivivus 97 15 Braune Inquisitoren 108 16 17 Der Todesengel geht durch's. Lager Hakenkreuz- Pharaonen 121 136 18 Widerstand und Sabotage im Lager 149 19 ,, Herrenrasse" ohne Maske 161 20 Plaudereien zwischen den Baracken 177 21 22 Totentanz Chaos 193 203 23 Hungermarsch auf den Straßen Adolf Hitlers 24 Flensburg Ende des ,, Tausendjährigen - 220 Reiches" Nachlese Epilog Anhang 233 247 257 260 Geheime Staatspolizei Geheimee Staatspolizeiamt B. nr. II D Haft- Nr. P 3417 Dor- und Juname: Geburtstag und-Ort. Beruf: familienſtand: Staatsangehörigkeit: Religion: Berlin 50 11, den Dring- Albrecht- Straße 8 20. Sept. 1939 Schutzhaftbefehl Raffe( bei nichtariern anzugeben): Wohnort und Wohnung: wird in Schuhhaft genommen. Bane Petersen 20.4.92 Sörupholz Bäckermei eter verh R.D. av. 1161 Gründe: fein Er- Gie ib - 11gefährdet nach dem Ergebnis der staatspolizeilichen feststellungen durch Derhalten den Bestand und die Sicherheit des Dolhes und Staates, indem durch hetzerische and defaitistische Reden Unreu he in die Bevölkerung trägt. ges. Bey 10h. glaubigt: Kanzleingestellto.