NANDA HERBERMANN DER GESEGNETE ABGRUND Schutzhäftling Nr. 6582 im Frauenkonzentrationslager Ravensbrück 11.229.611 GLOCK UND LUTZ VERLAG NURNBERG . BAMBERG PASSAU • „Das I Alle Rechte, auch der nur auszugsweisen Wiedergabe, vorbehalten. Die Personennamen in der Handlung sind zum größten Teil verändert. Published under authority of 6870 District Information Services Control Command license number US—E—113 Druck: Rothenburger Verlagsdruckerei, Rothenburg o. Tbr., Hofbronnengasse 13 Einband: Großbuchbinderei Himmelseher, Ansbach(Mfr.) Einbandentwurf: Karl Salzbauer, Wurz bei Neustadt a. Waldnaab „Das ist der Sieg, der die Welt überwindet, unser Glaube!" (1 Joh. 3,4) INHALTSVERZEICHNIS Lag Unter der Verfolgung der Gestapo. SS und Gestapo in Holland... ,, Sie sind verhaftet!" Das erste Verhör Das Polizeigefängnis ,, Ihr habt die Gewalt!" Im Gerichtsgefängnis Mitgefangene Sonntage im Gefängnis 6 Läu 12 Trä 14 Be 18 Kle 20 Pos 24 Abs 29 Im 32 Kan 35 Bes Grauen und Ungerechtigkeit 38 Un Luftangriffe auf Münster! 41 Jü Weiter in ungewisse Zukunft hinein 45 Kra ,, Schlagen Sie doch die Priester nicht!" 51 He Auf Transport. 55 Kle Berlin- Alexanderplatz 59 Es Hinein in das Konzentrationslager 63 Ho Erschütternde Eindrücke.. 67 W Die ersten vier Wochen im Konzentrationslager. 69 Di Als Stubenälteste bei den Dirnen 79 De Nie mehr allein!.. Blockälteste über vierhundert Dirnen 83 91 Fre Acht Tage Dunkel- Arrest Entfesselte Unterwelt. - . 97 Na Wir Häftlinge sind doch auch Menschen . 106 No Unsere Kranken . 115 Αν Kleider- und Wäschesorgen . 120 Sc 106 . Lagerstrafen Läuseplage Träumereien „Besuch“ Heinrich Himmlers Kleine Vorstellungen Postzensur Abschied von Block II Im Büro der Oberaufseherin Kameradinnen Besuch des Bruders. Untergänge voller Würde Jüdinnen. Krankentransporte Heydrich ermordet!. Kleine, schwarze Zigeunerin Es war zum Wahnsinnigwerden Hoffnung auf Erlösung Wie es zu dem Telegramm Himmlers kam?. Die letzten Wochen Der 19. März 1943 Freiheit! Freiheit! Nach Hause Noch einmal Gestapo Ausklang. Schlußwort 123 127 129 133 135 138 144 145 149 154 156 161 163 165 167 169 he 175 176 183 192 193 196 198 200 S S mann F De Auge Meinen Mitgefangenen gewidmet! meta mit d Ja diese Anfa gen Vi ker Gesc Lebe von spon Lä man Wes nen gesa offen Parte gen gen Deut über samt widn nige ein, Unter Verfolgung der Gestapo ,, Sind Sie die Sekretärin von Pater Friedrich Muckermann?" ,, Führen Sie mich in die Redaktionsräume des, Gral'". Der kleine, untersetzte Mann mit den böseflackernden Augen, der so zu mir sprach, zog mit der Linken eine metallene Marke aus der Tasche und hielt sie kurz hin mit den Worten: ,, Geheime Staatspolizei". Ja, ich war die Sekretärin von Pater Muckermann, und diese Begegnung mit der Gestapo im Jahre 1934 war der Anfang einer Kette von Verfolgungen und Nachstellungen durch ihre Agenten. Viele Jahre hindurch hatte ich schon bei Pater Mukkermann S.J. die Stelle der Sekretärin inne. Ich war Geschäftsführerin seiner Monatsschrift für Dichtung und Leben ,, Der Gral" und später auch Schriftleiterin der von ihm herausgegebenen verschiedenen Zeitungskorrespondenzen. Längst vor der Machtübernahme hatte Pater Muckermann schon in Wort und Schrift überall auf das wahre Wesen des Nationalsozialismus hingewiesen und vor seinen Gefahren und den daraus für Deutschland und das gesamte deutsche Volk notwendig entstehenden Folgen offen gewarnt. Das hatte ihm den glühenden Haß der Parteigänger zugezogen. Als er dann im Jahre 1934 wegen der dauernden scharfen Angriffe und offenen Drohungen der nationalsozialistischen Zeitungen über Nacht Deutschland verließ und auf Betreiben seiner Freunde über die holländische Grenze ging, wurde mir die gesamte Leitung des Redaktionsbetriebes übertragen. Ich widmete mich dieser Aufgabe unter Mithilfe einiger weniger Getreuer und war rastlos, oft bis in die Nacht hinein, tätig. Ein Teil der Angestellten verließ uns aus 9 Angst vor der Verfolgung, wir Restlichen aber hielten mit aller Energie und mit zusammengebissenen Zähnen bis zum Jahre 1938 aus. Da erschien die Gestapo im Redaktionsgebäude, untersagte die weitere Arbeit, beschlagnahmte alles Redaktionseigentum und setzte uns auf die Straße, natürlich ohne jede Begründung, wie das im Dritten Reich an der Tagesordnung war. Die gesamte Einrichtung der Gralredaktion, sieben Räume, ebenso der Korrespondenzverlag mit allen Möbeln und hochwertigen Büromaschinen, wurden auf Nimmerwiedersehen auf Lastwagen zum Hof hinausgefahren. - Die große wertvolle Bibliothek Pater Muckermanns warf man aus der ersten Etage zum Fenster hinaus auf die Lastwagen diese herrliche, in vielen Jahren durch intensivste Arbeit zusammengebrachte Spezialbibliothek. Ich selber war von da an( 1938) erwerbslos und arbeitslos. Drei Jahre hindurch habe ich mich recht und schlecht und oft genug hungernd als freie Schriftstellerin durchschlagen müssen, bis ich am 4. Februar 1941 verhaftet wurde. Warum wurde ich drei Jahre nach der Aufhebung der Gralredaktion und sieben Jahre nach dem Fortgang Pater Muckermanns aus Deutschland von der Gestapo verhaftet? Als Pater Muckermann im Jahre 1934 wider seinen Willen, aber auf dringendstes Anraten wohlwollender Menschen, Deutschland verließ und sich außer Landes in Sicherheit brachte, hatte er in der Eile weiter nichts mitgenommen als die allernotwendigsten Toilettegegenstände und das, was er am Leibe trug. Ein Glück, daß er sich noch rechtzeitig den Anfeindungen und Nachstellungen entzog, denn es folgte kurz nach seiner Abreise die grauenhafte Mordnacht des ewig schwarzen 30. Juni 1934, in der so viele Unschuldige von der SS erschossen wurden. Gleichwohl hoffte er, der so gern Optimist war, immer noch, daß sich der Sturm, der gegen ihn entbrannt war, bald legen, daß der Nationalsozialismus sich niemals lange in Deutschland halten würde und daß er dann in die Heimat zurückkehren könne. Aber es kam anders. 10 10 Jahre h andere Von einem H tane, S zu bring Ausland und fuh terleitur besprec mehrma an eine Marin für er d ich, in zitienku zuerst lager S zwei Ja wie so wurde. Für Mucker seine freute Gottes Weise durch hatte. Aus Zusam Jahre mit sic nach H Wie m unten durchs Kleidu den Zo Jahre hindurch wurde er von einem Lande Europas ins andere gehetzt. Von Holland, seinem ersten Asyl aus, bat er mich in einem Brief, ihm das Notwendigste, seine Kleider, Sou- tane, Soutanelle, Wäsche, Brevier, Handbibliothek usw. zu bringen. So machte ich mich denn auf, ließ mir einen Auslandspaß ausstellen, den ich ohne weiteres erhielt, und fuhr nach Holland. Es war zudem wegen der Wei- terleitung des Betriebes so viel zu überlegen und zu besprechen, daß ich nicht nur dieses eine Mal, sondern mehrmals hinfahren mußte. Auch der gute, damals schon an einem unheilbaren Leiden erkrankte Pater Albert Maring S.J. fuhr öfters zu diesen Beratungen mit, wo- für er dann auch am 3. Februar 1941, einen Tag eher als ich, in Lübeck, wohin er von Münster aus zu einem Exer- zitienkurs gefahren war, verhaftet worden ist. Er wurde zuerst nach Münster und später in die Konzentrations- lager Sachsenhausen und Dachau überführt, wo er nach zwei Jahren tiefsten Elends und furchtbarsten Grauens, wie so viele andere, gestorben ist und eingeäschert wurde. Für uns war es eine Selbstverständlichkeit, dem Pater Muckermann seine notwendige Kleidung und die ihm für seine Arbeit unentbehrlichen Bücher zu bringen. Ich freute mich aufrichtig, dem nimmermüden, für das Reich Gottes auf Erden sich aufzehrenden Priester auf diese Weise in etwa vergelten zu dürfen, was er jahrelang hin- durch in treuer, grenzenloser Fürsorge für uns getan hatte. Aus kindlichen Gefühlen der Dankbarkeit und aus dem Zusammengehörigkeitsgefühl heraus, wie es eine lange Jahre hindurch gemeinsam geleistete Arbeit von selbst mit sich bringt, habe ich diese oft nicht leichten Reisen nach Holland, allein oder in Begleitung, unternommen. Wie manches Mal bin ich an der Grenze von oben bis unten durchsucht worden! Mein ganzes Gepäck wurde durchstöbert, die Bücher Seite für Seite durchblättert, die Kleidung Pater Muckermanns, die ich im Koffer hatte, von den Zollbeamten genauestens durchmustert. Was moch- 11 ten sie sich wohl denken beim Anblick des schwarzen Priesterzeugs im Damenkoffer? Natürlich wurde ich darnach gefragt und fand auch jedesmal eine passende Ausrede. Zuweilen auch zog eine eigens dafür angestellte Frau mich bis aufs Hemd aus, um festzustellen, ob ich Devisen oder sonstiges verbotenes Geld oder verbotene Schriften bei mir hätte. Einmal, in Gronau, mußte ich lange Stunden auf den nächsten Anschluß warten, weil während der endlosen Durchsuchung, der ich mich unterziehen mußte, mein Zug über alle Berge war. Das waren schon aufregende Stunden. Nie aber habe ich etwas Verbotenes über die Grenze gebracht, etwa Devisen oder irgendwelche Schriften; selbst Pater Muckermann sagte mir, er würde keine ruhige Stunde mehr haben, falls ich Verbotenes über die Grenze zu bringen versuchte. Ich brauchte also in keiner Weise ein schlechtes Gewissen zu haben, ebensowenig wie Pater Maring. Wenn wir wirklich irgend ein Grenzvergehen hätten wagen wollen, was wäre uns wohl an der Grenze geschehen, wo die SS neben den Zöllnern stand, die Pässe prüfte und das Gepäck und die Kleidung durchsuchte! Diese meine Reisen nach Holland zu Pater Muckermann sind mein ganzes Vergehen gewesen. Weil ich ihm seine Kleider, seine Wäsche, seine Handbibliothek im Jahre 1934-1935 über die Grenze gebracht habe, wurde ich am 4. Februar 1941 in Münster von der Gestapo verhaftet. Jahre schon 1 Nun Jahre einen d von de und fü manche hatte. H für dies Holland nun vö auch r Muck komme gebene in Olde Freund stors F bereit zu zeic Hause um ihn Klauen er als SS und Gestapo in Holland. Im Jahre 1934 floh Pater Muckermann nach Holland. Im Mai 1940 wurde Holland von den deutschen Truppen besetzt. Das Erste, was dort geschah, war natürlich die Durchsuchung des ganzen Landes nach Emigranten. SS und Gestapo durchstöberten jeden Winkel. Viele sind ihnen in die unbarmherzigen Hände gefallen, haben 12 fünf Ja rungsre wurde nimme Poels vor de Sicherh Bevo bevor Schrec sche S im Ko blieb i suchun Grenze Jahre in Konzentrationslagern zugebracht oder leben schon lange nicht mehr. Nun hatte ich bei meinem Aufenthalt in Holland im Jahre 1934 einige Male bei Pater Muckermann einen deutschen Schriftleiter angetroffen, der, weil er von der Gestapo verfolgt wurde, Deutschland mit Frau und fünf Kindern verlassen und seine Zuflucht, wie manche andere, bei Pater Muckermann gesucht hatte. Pater Muckermann hat sich bis aufs Äußerste für diese Familie eingesetzt. Bei führenden Geistlichen Hollands bat er um Unterstützung für die hartbedrängte, nun völlig arme Familie, und die guten Holländer gaben auch reichlich. Der Redakteur selbst war für Pater Muckermann bei seiner Arbeit in Holland eine will- kommene Hilfe, besonders bei der von ihm herausge- gebenen Zeitschrift„Der deutsche Weg‘, die in Oldenzaal erschien. Einen verständnisvollen, gütigen Freund fanden wir in Oldenzaal in der Person des Pa- stors Franz Stokman, der sich zu der mutigen Tat bereit erklärte, verantwortlich für den„Deutschen Weg“ zu zeichnen. Oft waren wir zu Gast in seinem gastfreien Hause und viele tiefe Sorgen habe ich mir seit Mai 1940 um ihn gemacht, bis ich jetzt endlich erfuhr, daß er den Klauen der SS und Gestapo dadurch entgangen ist, daß er als Pfarrer seit 1940 als Hafenarbeiter in Utrecht fünf Jahre hindurch unter falschem Namen ein entbeh- rungsreiches Dasein geführt hat. Mit Wort und Tat wurde der„Deutsche Weg‘ auch unterstützt von dem nimmermüden„sozialen Apostel Hollands“, Msgr. Dr. Poels in Heerlen, dem es ebenfalls gelungen ist, sich vor dem Einmarsch der deutschen Truppen in Holland in Sicherheit zu bringen. Bevor deutsche Truppen in Holland einzogen, und bevor SS und Gestapo in diesem friedlichen Land ihr Schreckensregiment aufrichteten, ist der verfolgte deut- sche Schriftleiter, wie ich nachher von seiner Tochter im Konzentrationslager erfuhr, geflohen. Seine Familie blieb in tausend Ängsten zurück. Es erfolgten Haus- suchungen und die Verhaftungen der Mutter und der 13 beiden ältesten Kinder. In Berlin hielt man im Gefängnis diese Kinder voneinander getrennt in Haft, die Mutter wurde nach vielen Verhören zu ihren kleineren Kindern nach Hause entlassen. Die beiden ältesten aber blieben Opfer und Geiseln der Gestapo, die sie immer wieder aufs neue in quälende, stundenlange Verhöre hineinzog, natürlich stets getrennt voneinander. Dem Mädchen wurde gesagt, es solle dies und jenes nur bekennen, der Bruder habe es längst eingestanden, obwohl das tatsächlich nicht der Fall war. Viele deutsche Emigranten sind damals in Holland verhaftet worden, auch viele tapfere, mutige Holländer, die dem Nationalsozialismus keinen Weihrauch streuten. Sie alle waren Verhören über Verhören ausgesetzt. Man fragte sie aus nach Pater Mukkermann, nach Menschen, die ihn besucht hatten, mit denen er in Verbindung stand. Die Namen von Pater Maring und mir wurden immer wieder von den Gestapoagenten genannt. Ob tatsächlich einer der verhafteten Emigranten unsere Namen genannt hat, wie die Gestapo bei unserer Verhaftung uns gegenüber behauptete, bleibt dahin gestellt. Und wenn es geschehen ist, dann aus Schwäche, Angst und Not, nicht aber aus mangelnder Haltung oder Boshaftigkeit. Es muß auch wohl von irgend jemand ausgesagt worden sein, daß noch andere Besucher mit mir bei Pater Muckermann gewesen waren, deren Namen aber der Gestapo nicht bekannt waren; und so forderte sie denn nachher von mir immer erneut die Namen der Priester und Männer, die mit mir in Holland gewesen seien. Aber sie sind nie über meine Lippen gekommen. So blieben sie Gott Dank von der Hölle des K.Z. verschont. stopheru sterten. wegen i lich. Es die aus Wenn i noch de sind Leu Genüge ich durc habt. M Arbeit g finden, zu Ende ner sch Als ic mir noc germilc läutete im Hau ich, die Ich erfa sollte. " 1 Fräu Ja, Geh ,, Führ wollen, ledigen ,, Sie sind verhaftet!" Am 4. Februar 1941 ging ich morgens gegen einhalb neun Uhr zur hl. Messe in den Dom. Als ich durch das Paradies eintrat, sah ich unter der Riesenfigur des Chri14 Ich f zielles, nügte i Wir Mir mir aus einen S Ich s ihnen Kaum stopherus drei Männer stehen, die mich auffallend mu- sterten. Sie waren offenbar nicht des Gottesdienstes wegen im Dom. Ihr ganzes Gehabe war zu absonder- lich. Es war auch nicht etwa das von Andersgläubigen, die aus Kunstinteresse eine Kirche besichtigen wollen. Wenn ich mich nicht irre, hatte einer von ihnen sogar noch den Hut auf dem Kopfe. Ich dachte gleich: Das sind Leute von der Gestapo; mir waren diese Typen zur Genüge bekannt. Im Laufe der vergangenen Jahre hatte ich durch die Redaktionsarbeit oft mit ihnen zu tun ge- habt. Manches Mal haben sie uns erschreckt und unsere Arbeit gestört und erschwert, ohne je etwas von dem zu finden, was sie bei uns suchten. Ich hörte die hl. Messe zu Ende und hatte, als ich die Kirche verließ, diese Män- ner schon ganz wieder vergessen. Als ich hernach in meine Wohnung ging— ich hatte mir noch im Lädchen gegenüber die mir zustehende Ma- germilch geholt und die Haustür gerade zugeschlagen,— läutete die Glocke. Ich stand mit dem Milchtopf im Arm im Hausflur und öffnete die Tür. Wie entsetzt aber war ich, diese drei Männer aus dem Dom vor mir zu sehen. Ich erfaßte sofort alles, was nun über mich kommen sollte. „Fräulein Herbermann?“ „Ja, bitte, was wünschen Sie?" „Geheime Staatspolizei!'‘ Einer zeigte seinen Ausweis. „Führen Sie uns in Ihre Wohnung! Was wir von Ihnen wollen, das läßt sich nicht zwischen Tür und Angel er- ledigen. Ich führte die drei Schreckgestalten unten in ein offi- zielles, wenig benutztes Zimmer. Aber der Raum ge- nügte ihnen nicht. „Wir wollen in Ihr Wohn- und Arbeitszimmer!“ Mir ging es durch Mark und Bein. Alles Blut schwand mir aus dem Kopf, das Herz schien still zu stehen. Kaum einen Schritt vermochte ich noch zu gehen. Ich stellte meinen Milchtopf ab und mußte also mit ihnen nach oben in mein schönes, großes Arbeitszimmer. Kaum hatte ich die Tür geöffnet, da stürzte auch schon 18 ihnen d } ] 1 könnte, einer von den Dreien an den Schreibtisch, zog die nichts g Schreibtischlade heraus, setzte sich, die Schublade auf den Knien, in einen tiefen Schaukelsessel, und so, gemüt- wollten. lich schaukelnd, las er alles, was an Schriftstücken die Lade enthielt. Der zweite durchkramte die seitlichen Schreibtischfächer, der dritte machte sich über das angrenzende Schlafzimmer her und stellte dort alles auf den Kopf. Ich fragte, was denn das Ganze zu bedeuten habe und was sie denn eigentlich bei mir suchten. ,, Das werden Sie ja noch sehen!" war die kurze Antwort. Mein Telefon schellte. Ich ging, um den Hörer abzunehmen. Da trat der Älteste von ihnen brüsk auf mich zu und machte mir klar: Schlie Toiletteg zimmer sagte de auch die die Ans Keiner nung tur und dam Von D trale de ,, Sie haben nicht mehr zu telefonieren! Sie sind ver- Entführu haftet!" Er zog den Stöpsel des Telefons aus dem Kontakt, so daß es nicht mehr schellen konnte. Es dauerte eine Weile, bis ich mich wiederfand. Furchtbar die grauenhafte Erkenntnis: Nun bist du kein freier Mensch mehr! Von jetzt ab befindest du dich in den Klauen der unheimlichen Gestapo. - - wurde Bis zum Mittag also Stunden hindurch meine Wohnung durchstöbert, Manuskripte, Belege, Briefe und Bücher flogen wild durcheinander und lagen in allen Ecken, Kleider- und Wäscheschränke wurden ausgeräumt, selbst die Küche und der angrenzende Abstellraum blieben nicht verschont. Auf dem Küchentisch lag eine Tüte mit fünf ungestempelten Eiern, die ich am Tage vorher geschenkt bekommen hatte. Die Gestapo drang in mich, von wem ich diese ungestempelten Eier hätte. Ich entgegnete, daß sie das von mir nie erfahren würden. Ebenso war es mit einigen Päckchen Seifenpulver, die ich mir redlich erspart hatte. Auch hier wollten sie wissen, wieso ich an diesen kleinen Vorrat kam. Es war alles so lächerlich und sah offensichtlich nach Schikane aus. Ich sagte 16 man ein warf all nuskript das Aut meiner besaß un worben Bilder m verheira letzten mich dar jedes Zi stapo ve unterfüh ich, mic Geschwi ich in di band, ve stattet w ihnen ke guten Al und unte 1 Herbe btisch, zog die nichts gefunden hätten, was mich irgendwie belasten Schublade auf könnte, sie wohl auf diese Weise absolut etwas finden ihnen denn auch, daß, wo sie unter meinen Papieren und so, gemüt- wollten.. hriftstücken die die seitlichen h über das andort alles auf euten habe und die kurze Anten Hörer abzurüsk auf mich m Kontakt, so erfand. Furcht - Schließlich wurde ich aufgefordert, mir Nachtzeug und Toilettegegenstände einzupacken. Es standen im Schlafzimmer meine roten Pantoffeln. Mit einem Blick auf diese sagte der Hauptmatador grinsend: ,, Nehmen Sie doch auch diese mit für Ihre zarten Füßchen!" Ich überging die Anspielung. Keinen Schritt konnte ich mehr allein in meiner Wohnung tun. Ich war nun ein Opfer der Gestapo geworden und damit fertig zu werden, war nicht leicht. Von meiner Wohnung aus wurde dann bei der Zentrale der Gestapo angerufen, damit ein Auto für meine Sie sind ver- Entführung gesandt werde. Ohne mich zu fragen, nahm man einen großen Koffer aus meinem Schlafzimmer und warf alles hinein, was mein Schreibtisch an Briefen, Manuskripten, Belegen usw. beherbergte. Dann hörte ich das Auto unten hupen. Ich drehte mich noch einmal in meiner Wohnung um, die ich erst seit einigen Jahren besaß und von der jedes Stück in mühsamer Arbeit erworben war. Dann schaute ich noch ein letztes Mal die Bilder meiner Lieben an, das Porträt meiner in Amerika verheirateten Zwillingsschwester, streichelte mit dem letzten Blick die Rücken der vielen Bücherreihen, um mich dann wie eine Nachtwandlerin von den Dreien, die du kein freier dich in den ch- wurde Belege, Briefe lagen in allen urden ausgeende Abstellinf ungestemhenkt bekomwon wem ich nete, daß sie war es mit r redlich erwieso ich an so lächerlich . Ich sagte jedes Zimmer meiner Wohnung mit dem Siegel der Gestapo versehen hatten und die Schlüssel einsteckten, hinunterführen zu lassen. Unten im Flur angekommen, bat ich, mich von meinen Mitbewohnern, den drei treuen Geschwistern Schlemann, mit denen mich, solange ich in diesem Hause wohnte, eine schöne Zuneigung verband, verabschieden zu dürfen, was mir widerwillig gestattet wurde, natürlich unter Bewachung, so daß ich ihnen kein einziges Wort mehr sagen konnte. Die drei guten Alten hatten bereits gemerkt, was los war. Stumm und unter Tränen drückten sie mir die Hände. Wir soll2 Herbermann, Der gesegnete Abgrund 17 ten uns erst wiedersehen nach meiner Entlassung aus dem Konzentrationslager... Das Auto stand vor der Tür, die drei Agenten mit meinem großen Koffer ebenfalls. Die erste Station meines Kreuzweges hatte ich hinter mir. habe ic ihnen k möglich einfach trag ge nichts möglich der in H gar nic Das erste Verhör In rasender Fahrt ging es zur Zentrale der Gestapo in der Gutenbergstraße. Gleich der erste Eindruck, den ich von diesem Hause erhielt, wirkte niederschmetternd auf mich. Es wimmelte in dem grauen, unheimlichen Kasten von Beamten und Angestellten, von herausfordernden Frauen, die alle ihre Augen auf mich richteten, während ich mir beim Betreten dieses Hauses wie gestorben vorkam. - Ich wurde in einen Büroraum geführt, stand da mit toten Augen. Einer der Männer, der wohl bemerkt hatte, daß ich dem Umsinken nahe war, forderte mich auf, mich zu setzen. Die drei, die mich verhaftet hatten, waren bei mir im Zimmer, dann kamen noch zwei und nach einiger Zeit wieder zwei neue Agenten hinzu. Wie lange das alles gedauert hat, weiß ich nicht mehr, denn jeder Zeitbegriff geht einem in solchen Stunden verloren. Die Zwei, die zuletzt eintraten, waren höchst elegant gekleidete, gut gewachsene Männer, verbindlich und katzenfreundlich, darum auch um so gefährlicher. Es waren ganz außerordentlich gewiegte Abgesandte der Berliner Geheimen Staatspolizei vom Reichssicherheitsamt: das war die vorgesetzte Stelle aller Gestapo- Zentralen im Reich. Am Vortage hatten diese beiden in Lübeck den Pater Maring verhaftet, den sie am gleichen Tage nach Münster überführten. Das Verhör begann. So ein Verhör ist eine regelrechte Tierquälerei. Man stelle sich vor: Eine schwache Frau gegenüber sieben Agenten der Gestapo. Ganz bewußt 18 gegen reits in hatte, d fahrten Holland Tatsach stoße. Tause ein: W gekomm tet als bei mir in Holla Worübe waren Sie Dr. Sie mit Haben schriebe Namen, schwieg drohen: Wir hal fragen u nicht sa euren G Und zw gen Gei Nach Herren, 2" gaus t meimeines apo in en ich nd auf Kasten ernden Ehrend en vorda mit emerkt e mich hatten, ei und Wie , denn erloren. elegant ch und er. Es dte der erheitspo- Zenden in m gleielrechte ne Frau bewußt habe ich mir gleich am ersten Tage gesagt: Du zeigst ihnen keine Schwäche, nennst keinen Namen, antwortest möglichst wenig und verweigerst im gegebenen Falle einfach die Aussage. Es wurde mir ein einleitender Vortrag gehalten, daß alles Schweigen und Sträuben mir nichts nütze, daß ich, je eher ich alles gestände und möglichst viele Menschen verriete, desto eher auch wieder in Freiheit gesetzt würde. Ich sagte ihnen, ich hätte gar nichts einzugestehen und sei mir keines Vergehens gegen irgendein Staatsgesetz bewußt. Da man mir bereits in der Wohnung meinen Auslandspaß abgenommen hatte, der natürlich verschiedene Stempel der Hollandfahrten aufwies, gab ich sofort zu, daß ich mehrmals in Holland war und machte darauf aufmerksam, daß diese Tatsache ja durchaus nicht gegen ein Staatsgesetz verstoße. - Tausend Fragen von allen Seiten stürmten auf mich ein: ,, Wie ist Pater Muckermann über die Grenze gekommen? Sie waren dabei?" Alles wurde mehr behauptet als gefragt. Aber mit solchen Methoden kamen sie bei mir nicht weiter. ,, Wo hat Pater Muckermann in Holland gewohnt? Wer ist mit Ihnen dort gewesen? Worüber haben Sie sich unterhalten? Welche Pfaffen waren mit Ihnen außer Pater Maring dort? Kennen Sie Dr. Po els und Pastor Stok man? Wie oft waren Sie mit Pater Muckermann bei diesen Herren? Haben Sie Artikel für den ,, Deutschen Weg" geschrieben?" Ja, ich hatte es getan, aber ohne meinen Namen, und die Gestapo ist nie dahinter gekommen. Ich schwieg auf alle Fragen, und sie begannen nun, zu drohen: ,, Wir werden Sie schon zum Reden zwingen... Wir haben Mittel dazu in der Hand...". Ich ließ sie fragen und drohen, immer bei mir denkend: Das, was ich nicht sagen will und was Andere belasten könnte in euren Gestapo- Augen, werdet ihr nie von mir erfahren. Und zwischendurch betete ich um Starkmut zum Heiligen Geist. - " Nach einigen Stunden verzogen sich die Berliner Herren, aber das Verhör ging mit fünf Agenten wei2* 19 ter. Längst war die am Mittag hellstrahlende Wintersonne untergegangen. Ich sah auf meine Uhr. Es war schon nach acht, und ich wußte noch nicht, wo ich die Nacht über bleiben würde. - Schließlich sagte der Leiter der Abteilung für den politischen Katholizismus" so stand es angeschlagen in großen Lettern vor seiner Tür, daß er mich zum Polizeigefängnis bringen wolle und daß das Verhör am andern Tage weiterginge. Wiederum wurde ich in ein Auto gesteckt und, von meinen drei treuen Paladinen begleitet, ging es zum Polizeigefängnis. Ich war totmüde, und es war mir recht so. ten oft die Erin Ohren w Durch über de Zellentü hinter v Begleite Da ka vollen ich nun Dunkel, war, v schluchz Im Polizeigefängnis Das Polizeigefängnis in Münster lag unter der Erde. Es war ein unheimlicher, schmutziger Kerker, es stank furchtbar in ihm nach ungepflegten Körpern, schmutziger Wäsche und den Ausdünstungen des Schlafes. Wir betraten den Raum, in dem die Wachtmeister der Schutzpolizei saßen. Wieder richteten sich aller Augen auf mich. Nachdem die Gestapoleute mit ihnen geflüstert und sich mit ,, Heil Hitler bis morgen" verabschiedet hatten, wurde ich in anständiger Form aufgefordert, meinen Schmuck, Ringe und Uhr, abzugeben, ebenfalls meiner Toilettentasche meine Geldbörse, sowie meine Handtasche Schere und Nagelfeile. Nachdem durchsucht war, wurde ich, begleitet von den mitleidigen Blicken der Schutzpolizei, dem Gefängniswachtmeister übergeben. Vor lauter Erschöpfung hatte ich mich an eine Wand gelehnt und konnte kaum noch einen Schritt tun. aus ,, Kommen Sie", sagte der ältere Aufseher freundlich zu mir, indem er nach einem Riesenschlüsselbunde griff- o, dieser Schlüsselbund mit all den Schlüsseln der einzelnen Zellen, wie hat er mich in den folgenden Mona20 nieder, weinte, Der V heute s ein, dal mehr zu essen k Wachtm einen ekelte I in einer dickes Mitte d mitgebr weigert müsse bald wi ein Ge Worte. Auf fragte e Polen v sche in mit sän Vinter- s war ich die ir den hlagen h zum ör am in ein adinen ten oft erschreckt und gequält, und nie, nie werde ich die Erinnerung an sein unheimliches Geklirr aus meinen Ohren verlieren!„Kommen Sie mit mir!” Durch das beklemmende Kerkerzwielicht folgte ich ihm über den langen Korridor. Ich sah die vielen schweren Zellentüren....© Gott, welches Herzeleid mochte da- hinter verborgen sein! Vor einer der Türen machte mein Begleiter Halt und forderte mich auf, dort einzutreten. Da kamen mir zum ersten Mal an diesem verhängnis- vollen Tage die Tränen, dicke, erlösende Tränen, die ich nun nicht mehr unterdrücken konnte. Ich sah in dem Dunkel, das von einer matten Lampe spärlich erleuchtet war, vor lauter Tränen gar nichts, stand da und schluchzte nur. Schließlich sank ich auf einen Schemel nieder, die Hände auf den Tisch, den Kopf darauf und weinte, weinte.... Der Wachtmeister kam und fragte mich:„Haben Sie heute schon etwas gegessen?" Nein, erst jetzt fiel mir ein, daß ich seit dem Abend vorher überhaupt nichts mehr zu mir genommen hatte. Doch ich hätte auch nichts essen können, aber um Wasser bat ich dringend. Der Wachtmeister brachte mir in einer alten Emailletasse, die einen richtigen Dreckrand hatte, kaltes Wasser. Ich ekelte mich zwar sehr, überwand mich aber und trank in einem Zuge den Becher leer. Wie wohl das tat! Ein dickes Stück Brot mit einem Marmeladenklecks in der Mitte darauf hatte mir der besorgte Wachtmeister auch mitgebracht. Ich aber lehnte es dankend ab. Doch er weigerte sich, es mit zurückzunehmen und meinte, ich müsse doch bei Kräften bleiben, ich käme auch bestimmt bald wieder heraus, eine Frau wie ich gehöre ja nicht in ein Gefängnis. Wie dankbar war ich ihm für diese Worte. Dann verließ er mich kopfschüttelnd. Auf einmal, ich wähnte mich ganz allein in der Zelle, fragte eine rauhe Frauenstimme:„Hast Du auch mit'nem Polen verkehrt?” Ich schrak zusammen. Auf einer Prit- sche in der Ecke lag eine total verdreckte Frauensperson mit sämtlichen Kleidern angetan. Scheu und neugierig 21 starrte ich sie an und wich mit dem Schemel unwillkürlich noch mehr in die andere Ecke der Zelle ,, Nein" sagte ich, da ich doch etwas antworten mußte ,,, ich habe mit keinem Polen verkehrt. Fragen Sie mich bitte nichts und schlafen Sie weiter." ,, Aber gib mir das Stück Brot, Du ißt es ja doch nicht!" Nein, ich aß es nicht und reichte es ihr gern. Nun war sie zufrieden, verschlang gierig das dicke Stück Brot und schnarchte die ganze Nacht hindurch. Wie war es möglich, daß man in einem Gefängnis schlafen konnte!? - Auch ich habe es später gelernt, und an das ,, Du" der Mitgefangenen habe ich mich auch langsam gewöhnen müssen. - Der Wachtmeister kam wieder herein, war erfreut, daß ich das Brot ,, gegessen" hatte, wie er meinte und ich ließ ihn gern in dem Glauben. Dann forderte er mich auf, mir von den drei noch leeren Pritschen eine auszusuchen, auf der ich schlafen wollte. Es waren je zwei Pritschen übereinander. Nun öffnete ich zum ersten Male in dieser Zelle kritisch die Augen, sah, daß auf allen Pritschen das Bettzeug nicht mehr weiß, sondern grau war, ja, die Bettlaken stanken vor Schmutz, sodaẞ mir beim Aufschlagen der oberen Decke fast schlecht wurde. Da sollte ich schlafen? So nicht! Ich bat um frische Bettwäsche. Ein verlegenes Lächeln war die Antwort des guten Mannes. Ach, er habe ja überhaupt keine Bettwäsche hier im Gefängnis, die würde nur einige Male im Jahr gewechselt. Ich erklärte ihm, daß ich dann lieber die Nacht auf dem Schemel hocken bleiben möchte. ,, Sie sind anderes gewöhnt" meinte er mitleidig und ging, etwas vor sich herbrummend, hinaus. Ja, wenn auch vom Leben nicht verwöhnt, an Sauberkeit jedoch war ich gewöhnt, da hatte er recht. Noch brannte für eine Viertelstunde das schwache Licht. Ich sah mir nun die Zelle genau an. Wie schmal war sie! Wie ein Sarg, dachte ich... Lebendig begraben! Das ganze Mobiliar bestand aus den vier Pritschen, zwei Schemeln, einem ganz kleinen Tisch und unter dem vergitterten, blinden Fenster eine kleine Bank. In einer 22 Ecke sta durft, oh gefüllt u Leise, zu störe in mir st Licht vo schaurig ich in Toten. I gegange mene, ir Mensche Pater M lag? Ja, Meine dings au überstric eines G Musik k schendu die Räu amüsier dieser N Immer gekauer Nacht, guten M an das O Mu ser Nac Seele ha dieser in einer droben. Würde drohte Auch Ikür- Nein“ habe nichts icht!“ ı war Brot ar es intel? '" der öhnen Ecke stand ein brauner Kübel zur Verrichtung der Not- durft, ohne jeden Deckel, und dieser Kübel war mit Kot gefüllt und wurde nur jeden Morgen entleert. Leise, um meine so appetitliche Zellenkameradin nicht zu stören, ging ich auf und ab, auf und ab. Das Grauen in mir stieg bis zur qualvollsten Angst. Jetzt wurde das Licht vom Flur aus ausgeschaltet, und mich umfing das schaurige Kerkerdüster nun ganz. Es war mir, als säße ich in einem Leichenhaus in einer Gesellschaft von Toten. Ich überlegte, wer alles hier schon ein- und aus- gegangen war, Menschenkinder, verstoßene, verkom- mene, irregeführte, schuldige und unschuldige, armselige Menschen, Männer, Frauen und Jugend. Ob der kranke Pater Maring wohl auch in einer dieser vielen Zellen lag? Ja, aber das wußte ich damals noch nicht. Meinem Zellenfenster gegenüber, durch das ich aller- dings auch am Tage nichts hätte sehen können, da es überstrichen war, lag das Gebäude des Löwen-Clubs, eines Gesellschaftsclubs der Münsteraner, und frohe Musik klang zu mir in meine Verlassenheit herüber. Zwi- schendurch hörte ich die Herren kegeln.— Ich kannte die Räume, zum Teil auch die Menschen, die sich dort amüsierten— und schwer war es mir, ihr Lärmen in dieser Nacht zu ertragen. Immer noch saß ich auf dem Schemel, zusammen- gekauert, mit schmerzendem Rücken, die ganze lange Nacht, die kein Ende nehmen wollte, dachte an all die guten Menschen, die ich liebte und die mich lieb hatten, an das Leid, das sie nun um mich trugen.... © Mutter! Mutter! Wie manches Mal habe ich in die- ser Nacht deinen Namen halblaut gesprochen, und die Seele hat ihn geschrien vor Qual in diesem Grauen, in dieser Verlassenheit. Doch ich wollte aufrecht bleiben in einem starken und felsenfesten Glauben an Ihn da droben. Ich wollte versuchen, das„Unvermeidliche mit Würde zu tragen‘, wenn auch das Herz fast zu brechen Srohte... Auch diese Nacht ging zu Ende. 23 ,, Ihr habt die Gewalt!" ,, Siehst du, das ist der Sinn der Zeiten, in denen der Hammer eines furchtbaren Schicksals alle unsere Freuden und all unser Glück zerstört, soweit es überhaupt zerstörbar ist. Gott läßt das zu, damit das Unzerstörbare sich offenbare, der Punkt, in dem er selber den Menschen berührt, der Schöpfergrund, aus dem die Aeonen emporgestiegen sind, das göttliche Geheimnis des Kreuzes. Man muß es ganz fest auf seine Schultern nehmen. Man muß mit letzter sich im Tode verströmender Liebeskraft ,, Ja" dazu sagen. Und sogleich wird alle Klage zum Alleluja, zum Triumphlied der Leidensbraut, die in jeder Weltstunde weiß, daß ihr Erlöser lebt..." ( Friedrich Muckermann S. J.) Reinhold Schneider läßt in seiner Erzählung, Die dunkle Nacht des hl. Johannes vom Kreuz" den hl. Johannes bei seiner Verhaftung zu einem der Gefürchteten sprechen: ,, Ihr habt die Gewalt, und es fiele der Gewalt nicht schwer, eine Anklage zu ersinnen und dann nach Gutdünken zu verfahren. Aber was wäre damit gewonnen? Habt acht, Ihr seid in großer Gefahr, weil Ihr die Gewalt habt!" Ja, sie hatten die Gewalt nun auch ganz über mich, und bitter ist es, sich auf einmal einer solchen Gewalt ausgeliefert zu wissen. Aber wehe denen, die diese Gewalt so willkürlich ausübten; sie waren wirklich in groBer Gefahr... Es war Morgen geworden, ein neuer Morgen ohne Sonne, voll von Ungewißheit und Dunkel. Ich hatte mich in dieser Nacht Dem ganz anbefohlen, in dessen Händen jedes einzelne Menschengeschick liegt und wollte es nun willig Ihm überlassen, was Er weiter mit mir vorhatte. Nachdem zunächst in einem gemeinsamen Waschraum die Männerhäftlinge sich erfrischt hatten, was ich aus dem Rufen und Geklapper, den vielen Schritten und dem Lärm im Korridor entnahm, wurden auch wir zwei Frauen zum Waschen und zum Frisieren gerufen. Mein schon berüchtigtes Dreckschweinchen zog natürlich das Kleid nicht aus, ging oberflächlich mit den Händen durch das Gesicht und war schon fertig, als ich erst begann; denn es war mir dringendes Bedürfnis, mich zu erfrischen mit 24 klarem, kal zig Stunde Darnach dert, die Z sie widerw Waschraun und Gedich vier Wänd für mich w als Ausdru eingekritze wiederhole ,, Gott ,, Wir das Freih Das Wo neben ein liebten Na Oder M ich werde Diese H kenntnisse nahm, spr Schuld un losen, der vielleicht Gegen hör, wiede den schma Gefängnis zei, die m aushändig reguläre Auftreten höhnisch geschlafer sich sovie klarem, kaltem Wasser nach diesen letzten vierundzwan- zig Stunden.— Darnach wurde die Frau vom Wachtmeister aufgefor- dert, die Zelle zu putzen, den Kübel zu entleeren, was sie widerwillig und sehr langsam tat. Ich studierte im Waschraum alle die vielen, vielen Sätzchen und Sprüche und Gedichte, Paragraphen und Zeichen, die dort an den vier Wänden gekritzelt standen, was äußerst lehrreich für mich war. Einige dieser Aussprüche, von Häftlingen als Ausdruck ihres Empfindens und ihrer Gesinnung dort eingekritzelt, will ich hier, da sie zu denken geben, wiederholen: „Gott verläßt die Seinen nicht...." „Wir wissen, daß nach dieser Not uns leuchtet hell das Morgenrot...“ „Freiheit die ich meine, die mein Herz erfüllt...” Das Wort„Rache‘ war groß an die Wand gemalt, da- neben ein Herzchen, unbeholfen und eckig, mit dem ge- liebten Namen darin und dem todbringenden Pfeil.—— Oder„Meine Eltern starben beide im Zuchthaus. Auch ich werde dort verrecken. Ich kann nicht anders...“ Diese Hunderte von Aufzeichnungen und Selbstbe- kenntnissen, die ich in dieser Morgenstunde in mich auf- nahm, sprachen für sich, die meisten sprachen von Schuld und Sühne, von Liebe und Haß, von hoffnungs- losen, der Schuld verfallenen Menschenkindern, an denen vielleicht die Liebe vollends versagt hatte. Gegen neun Uhr wurde ich geholt zu weiterem Ver- hör, wiederum von zwei Beamten der Gestapo. Durch den schmalen Gang, durch die unheimlich dicke, eiserne Gefängnistür ging es hindurch zum Büro der Schutzpoli- zei, die mir Schmuck, Geldbörse, Scherchen usw. wieder aushändigte. Ich empfand stark die Antipathie, die diese reguläre Polizei gegen die Gestapo und ihr ekelhaftes Auftreten hatte, und als gar einer der Gestapoleute mich höhnisch fragte, wie ich denn in meinem„neuen Heim“ geschlafen habe, da merkte ich, wie einer der Polizisten sich soviel Niedertracht gegenüber am liebsten tätlich 25 Er geäußert hätte. Ich überhörte diese ironische Frage, bat aber doch, da ja jetzt die Gelegenheit dazu gegeben war, mich ins Gerichtsgefängnis zu überführen, weil das Polizeigefängnis mir zu schmutzig sei. Man entgegnete mir, für mich sei bereits Einzelhaft angeordnet und ich käme im Laufe dieses Tages sowieso dorthin. Der Wachtmeister machte eine mißbilligende Bewegung zu mir herüber, klopfte mir dann unbemerkt auf die Schulter und flüsterte: ,, Sie wären besser bei uns geblieben! Hier haben Sie immerhin noch manche Annehmlichkeit!" hatte recht, aber ich weiß nicht, ob ich mich ein halbes Jahr hindurch mit solchem Dreck abgefunden hätte... Als ich nach Wochen erfuhr, daß im Polizeigefängnis jeder Häftling soviel Pakete empfangen dürfe, wie er wollte, ich aber im Gerichtsgefängnis kein einziges ausgehändigt bekam trotz Versuche meiner Angehörigen und Freunde, und ich so gern manches gehabt hätte, da ich wirklich Hunger litt, da dachte ich an das wohlmeinende Wort des guten Alten im Polizeigefängnis, der von den politischen Häftlingen, die länger seiner Obhut anempfohlen waren, geachtet und geliebt wurde, weil er besonders menschlich und verständig zu ihnen war. Ich erfuhr auch, daß er früher aus politischen Gründen längere Zeit unschuldig gesessen" haben sollte. Daher wohl auch das besondere Verstehen und Wohlwollen für mich. Aber alles Nachgrübeln, wie es besser gewesen wäre, ob umzukommen im Dreck, oder Eẞpakete zu empfangen, war ja umsonst, da ich doch in Einzelhaft mußte und das Polizeigefängnis über keine Einzelzellen verfügte. Draußen stand wieder ein prunkvoller Wagen, in den man mich einsteigen hieß. Schnell sauste das Auto die Straßen meiner geliebten Vaterstadt entlang. Von der Lambertikirche her, meiner Taufkirche, der Kirche meiner Kindheit und Jugend, klangen die Totenglocken. Ich fror von der durchwachten und schlaflosen Nacht, faltete die Hände und sandte in das Heiligtum hinein meinen Morgengruß, mich mit Dem ganz vereint wissend, der für uns das Kreuz getragen hat. Einer meiner Be26 - gleiter woll nichts, saß der Gestapo gen war un gebäude ar rig, ja haße an einem G Treppe hin lächter sand Wieder w mich am T dort bereits kamen daz diesem Tad mein Schw Meine Brie tischen lieg schen Kath ten und bd freundlich Das Verhör Herr De lich würde mich verha Nacht zu d mich sei, zu Nein, dies er prompt zwingen w Dieses z um die Pe mit den üb holen ich benhagel w der unersc mens Aug propst Pro solut wollt zwischen gleiter wollte ein Gespräch anfangen; ich antwortete nichts, saß mit geschlossenen Augen, bis der Wagen vor der Gestapozentrale hielt. Als ich aus dem Auto gestie- gen war und die vielen Augen der in diesem Riesen- gebäude arbeitenden Menschen mich wiederum neugie- tig, ja haßerfüllt ansahen und musterten, hielt ich mich an einem Geländer fest, bis ich aufgefordert wurde, die Treppe hinaufzusteigen. Spottrufe und höhnisches Ge- lächter sandte man hinter mir her. Wieder wurde ich in das Zimmer geführt, in dem man mich am Tage vorher verhört hatte, zwei Leute saßen dort bereits an den Tischen, meine beiden Begleiter kamen dazu, das waren zusammen vier, denen ich an diesem Tage Rede und Antwort stehen mußte. Doch mein Schweigen war größer als meine Beredsamkeit. Meine Briefe und Manuskripte sah ich auf den Schreib- tischen liegen. Der Leiter der„Abteilung für den politi- schen Katholizismus” kehrte sich mir zu mit seinen kal- ten und bösen Augen. Sein Mund konnte so ekelhaft freundlich sein, daß ich ihm von Anfang an mißtraute. Das Verhör begann von neuem.— Herr Dehm, der Leiter des Verhöres, meinte, allmäh- lich würde es mir ja wohl aufgegangen sein, warum man mich verhaftet habe und ich sei gewiß in dieser letzten Nacht zu der Überzeugung gekommen, daß es besser für mich sei, zu reden als zu schweigen. Ich antwortete ihm: „Nein, diese Überzeugung habe ich keineswegs”, worauf er prompt erwiderte, sie würden mich schon dazu zu zwingen wissen. Dieses zweite, ausgedehnte Verhör ging hauptsächlich um die Person des Paterss Muckermann, den man mit den übelsten Schmähworten bedachte, die zu wieder- holen ich nicht imstande bin. Einen regelrechten Bom- benhagel von Flüchen und Schimpfworten mußten auch der unerschrockene Bischof von Münster, Cle- mens August Graf von Galen, und der edle Dom- propst Professor Dr. Donders sich bieten lassen. Ab- solut wollte die Gestapo mich zum„Verbindungsmann“ zwischen dem Münsterischen Bischof, bei dem ich„aus- 27 und einginge", was gar nicht der Fall war, sondern reine Mutmaßung dieser üblen Herren, und Pater Muckermann stempeln. Welch eine Feigheit, den Bischof nicht selber in dieser Sache zu verhören, der bestimmt allzu gern zu einem solchen Verhör erschienen wäre! Aber dazu fehlte ihnen die Courage. Eine schwache Frau zu quälen, machte ihnen sichtlich Vergnügen. Und dann die Behauptung, Prof. Dr. Donders sei der Geheimsekretär der von ihnen so verhaßten ,, Katholischen Aktion", aus deren stiller und segensreicher Arbeit sie gar nicht klug zu werden schienen und weiß Gott was dahinter suchten! Auch da wieder sollte ich die geheime ,, Vermittlerin" zwischen Prof. Donders und P. Muckermann sein. Ach, sie hielten mich für so wichtig. ich hatte doch nur die Arbeit getan, von der jeder, der mich kannte, wußte. So erklärte ich ihnen denn auch, daß ich diese ehrenvollen Ämter nicht bekleidet hätte, was sie mir allerdings nicht glaubten. - und Ungeheuer war ihre Wut über die einzigartigen, zeitgemäßen, überbesuchten apostolischen 11- Uhr- Predigten des Dompredigers Prof. Dr. Donders im Dom. Irgendetwas Besonderes in seinen letzten Predigten wurde beanstandet; ich weiß heute nicht mehr, um was es genau ging. Aber jedenfalls war von dem Prediger der Ausspruch eines berühmten Mannes als Zitat in einer der Predigten angewandt worden. Ein Lächeln konnte ich nicht vermeiden, als ausgerechnet der auf seine Stellung so eingebildete Leiter der Abteilung für den politischen Katholizismus" mich fragte, was denn überhaupt ein Zitat sei. Bezeichnend für die Bildung dieser Leute, denen jeder geistig Schaffende, jeder Priester und Laie auf Gedeih oder Verderb ausgeliefert war und über die ohne Gericht zu Gericht zu sitzen sie befugt waren. Ich jedenfalls habe ihnen klar zu verstehen gegeben, daß sie keinem dieser Herren das Wasser zu reichen wert seien. Natürlich mußte ich mir wegen meines Einstehens für diese Priester manche gemeinste Äußerung gefallen lassen. 28 Ein außergewöhnlich gutes Selbstportrait entwarfen die Herren, ind kerman Andeutung geben, son Anspielung sätzlich ke vormacher diese gefa tut eine F noch viel Auch be diese obe worfen, ic sozialismu Bischöfe u ich sagte erledigen Ja, tauser hatten ab den. Ihre zu Verhö erneuten chen brin verseuch Nach d Einblick spät am wo man Währe lung des sternd v Wand u nun über Augen, Herren, indem sie jegliche Beziehung zwischen P. Muk- kermann und mir in den Schmutz zogen. Auf solche Andeutungen und Fragen habe ich nie eine Antwort ge- geben, sondern ihnen gleich beim ersten Mal, als derlei Anspielungen fielen, erklärt, daß ich für so etwas grund- sätzlich keine Antwort hätte.„Sie können uns ja nicht vormachen, daß Sie aus reinem Idealismus zu Ihrer Sache diese gefahrvollen Reisen auf sich nahmen. So etwas tut eine Frau nicht!"©, meine Herren, eine Frau kann noch viel mehr tun!——— Auch bei späteren Verhören ging es oft wieder um diese obenerwähnten Dinge. Zudem wurde mir vorge- worfen, ich hätte in Holland Artikel gegen den National- sozialismus geschrieben und Hirtenbriefe der deutschen Bischöfe und ihre Predigten ins Ausland gebracht. Aber ich sagte ihnen, daß man das viel besser mit der Post erledigen könne, die ja damals noch regelmäßig lief... Ja, tausend Anschuldigungen ersannen sie gegen mich, hatten aber keinen einzigen Beweis dafür in den Hän- den. Ihre ohnmächtige Wut steigerte sich von Verhör zu Verhör. Ich blieb ruhig und gefaßt trotz der immer erneuten Drohungen, sie würden mich schon zum Spre- chen bringen; schließlich meinten sie, ich sei genau SO „verseucht und verlogen wie alle Pfaffen''.— Nach diesem zweiten Verhör, bei dem ich einen tiefen Einblick in die Nazipsychologie tun konnte, wurde ich spät am Abend noch in das Gerichtsgefängnis überführt, wo man mich der Hauptwachtmeisterin übergab. Im Gerichtsgefängnis Während die Hauptwachtmeisterin der Frauenabtei- lung des Gerichtsgefängnisses noch mit der Gestapo flü- sternd verhandelte, lehnte ich mich ein wenig an die Wand und betrachtete mir die Frau, die im Gefängnis nun über mich wachen sollte. Sie hatte gute, leuchtende Augen, was ich sofort dankbar feststellte. Nachdem die 29 - Gestapo gegangen war, mußte ich ihr über die halbdunkle Treppe folgen. Es ist etwas Eigenartiges um diese kalte Halbfinsternis in einem jeden Gefängnis. Sie ist wirklich nur dazu da, das einsame Grauen, in dem der Häftling lebt, noch zu vermehren. Aber daß hier wenigstens ein gutes Herz waltete, sah ich an den blühenden Blumen im Korridor der ersten Etage dieses sauberen Gefängnisses und das erfüllte mich mit etwas Trost. Es war nun ganz einsam und liebeleer um mich geworden. Ich litt unaussprechlich. Und als die Hauptwachtmeisterin R... mich, nachdem auch sie mir Schmuck, Uhr, Handtasche, alle spitzen Gegenstände, Mantel und Hut abgenommen hatte, in meine neue einsame Zelle Nr. 71 führte, da stand all das Grauen und Leid so unüberbrückbar vor mir, daß ich hätte verzweifeln können. Ich flehte um Kraft und Beharrlichkeit, um ein Zeichen von oben, ein ganz kleines Zeichen, daß doch wenigstens mein Gott bei mir sei. Ich dachte an Christi Oelbergstunden, an seinen erschütterndsten aller Ausrufe: ,, Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?" Zermürbt, ungetröstet, unbeschreiblich traurig ging ich an diesem Abend in meiner Zelle auf und ab, immer wieder auf und ab..... Die Tränen, die ich den ganzen Tag unterdrückt hatte, strömten wieder reichlich. Es hatte schon letzter Kräfteaufwand dazu gehört. Aber auch die Schwäche kann zu gegebener Zeit zur ungeheuren Kraft werden. Es sind solche Minuten einschneidende Wendepunkte für den Menschen. Ich stand nun an solchem Punkt. An diesem Abend, in dieser Zelle, ging es mir ganz deutlich auf. Ich wurde ruhiger. vermeidlic einem hal -ach, so seite ein achtzig Ze wenn ich Nun erst begann ich, mich in meiner Zelle umzuschauen, wo ich fünf Monate allein mit dem Herrgott und dem Schutzengel viel leiden, aber auch viel lernen und erkennen sollte.... Da war ein schmales, aber sauberes, blau- weiß- überzogenes Gefängnisbett, ein mit Stroh gefüllter Kopfkeil, ein kleiner Wandschrank mit einer blankgeputzten Zinkschüssel, ein Wasserglas, ein blaues Handtuch, dann ein Hocker ohne Lehne und ein ganz kleiner Tisch. Auch hier stand in der Ecke der un30 anderes al wenn ich häufig tat sehen, sab gang des merkte ich aufgefalle ling beob Schritte la Nachde hatte, kro Trostlosig all das W geben! W aufbegehr nungslosig mauern.. Funkchen umfing m ten. O, mögen a schreien dere Gefa suchtsanf Ja, lang heute die den grau auf, stellt ter hoch und die Schutzes gewachse ment wu SEELEN vermeidliche Kübel, aber sauber geputzt, zwar nur mit einem halben Deckel darauf. Die Wände waren grau — ach, so hoffnungslos grau— und oben an der Front- seite ein vergittertes Fenster in der Größe von etwa achtzig Zentimetern im Quadrat. Es war zu hoch, selbst, wenn ich mich auf den Schemel stellte, sah ich nichts anderes als das Dach des großen Gerichtsgebäudes. Aber wenn ich mich an den Gittern hinaufzog, was ich später häufig tat, konnte ich auf den kleinen Gefängnishof sehen, sah jenseits der hohen Mauern den hinteren Ein- gang des Gerichtsgebäudes. In der dicken Zellentür be- merkte ich den Spion, der mir schon im Polizeigefängnis aufgefallen war, durch den man vom Flur aus den Häft- ling beobachten konnte. Diese Zelle war etwa vier Schritte lang und sehr schmal. Nachdem ich mir meine Behausung genau angesehen hatte, kroch ich wieder in mich hinein, und die große Trostlosigkeit meiner Lage quälte mich aufs neue. Ach, all das Weh, das man empfindet, läßt sich nicht wieder- geben! Wie heiß und brennend kann ein Menschenherz aufbegehren. Und dann die Ohnmacht und große Hoff- nungslosigkeit, das wortlose Starren auf die Kerker- mauern.... Lebendig begraben! Zuweilen war kein Fünkchen von Hoffnung mehr in mir. Tiefstes Dunkel umfing mich in den langen, oft völlig schlaflosen Näch- ten. O, wie hätte ich mit geballten Fäusten hämmern mögen an diese Tür, sie aufsprengen, wie hätte ich schreien können, ungezügelt und wild, wie zuweilen an- dere Gefangene aus den Nachbarzellen, die wahre Tob- suchtsanfälle bekamen. Ja, lang, endlos lang waren die Nächte. Ich sehe noch heute die Fenstergitter langsam im Mondenschein über den grauen Boden dahinkriechen. Dann stand ich oft auf, stellte mich auf den Schemel oder zog mich am Git- ter hoch und betrachtete den unendlichen Sternenhimmel und die stille, geliebte Vaterstadt, die unter seinem Schutze schlief, sah die Türme der mir so fest ans Herz gewachsenen Kirchen, wo ich das allerheiligste Sakra- ment wußte, die große Liebe aller Christen. Ich hatte ja 31 so viel Zeit und Muße, mich in diesen Monaten den Dingen ganz hinzugeben, die uns dem Himmel näherbringen. So lange Zeit ganz allein mit Gott, mußte das mich ihm nicht näherbringen, mich besser machen? So werden wir Menschenkinder zu Boden geschlagen, verlassen, vernichtet. Hilflos lag ich in meinem reißenden Schmerz, unfähig, das Unglaubliche zu glauben, das Unfaẞbare fassen zu können. Ach, was wissen wir über den Sinn dieser uns so unbegreiflichen Dinge? Ich hörte auf zu fragen, wo mir keine Antwort werden konnte. O mein Gott, schluchzte meine Seele auf! Du hast auch dem Schmerz und der Qual Gewalt gegeben in unseren Herzen. Und nur Du allein kannst mir helfen, damit fertig zu werden. Ich kann nicht begreifen, warum Du so viel grenzenloses Leid, soviel sinnlosen und wahnsinnigen Schmerz geschaffen hast? Hilf mir, daß ich damit fertig werde! Ja, es schien mir oft, als sei die Grenze des Erträglichen erreicht. Meine allerletzte Kraft raffte ich zusammen. Es blieb dann nur noch ein äußeres und inneres Schweigen eben die letzte Einsamkeit. Aber ich wollte und mußte Hoffende bleiben, durfte keine Verzweifelte werden. Für meine Lage gab es nur das Eine, sie mit Haltung zu meistern.... - Mitgefangene die andern den benach anzusehen, Schweigend fängnishof. Am dritten Tage meines Aufenthaltes im Gerichtsgefängnis kam die Oberwachtmeisterin S... morgens gegen 9 Uhr zu mir in die Zelle und forderte mich auf, unter ihrer Bewachung mit den andern Gefangenen auf den Gefängnishof zu gehen. Ich folgte willig und bekam für diesen fünfzehn Minuten währenden Spaziergang", der sich in Zukunft bei einigermaßen erträglichem Wetter täglich wiederholte, meinen Mantel ausgehändigt; denn es war ja im Februar noch bitter kalt. Draußen lag tiefer Schnee. In der Zelle fror mich Tag und Nacht und doch durfte ich meinen warmen Mantel nicht anziehen... Als ich auf den Korridor trat, sah ich zum ersten Mal 32 32 ten, ging a oder vor m sterin zu fr gestoßene klärte sie Gestapo ge obachten, unddreißig eine runde tierter We immer her schen den Frauen ein auf und a musterten Als ich z ihm im Ge mich hin waren me nen Tasch mehr wuß ich denn nachher b des Gefän sich fortw unaufhörli schwerer sehr verh Frau Bal Hörensage Verhaftun von der Münster Kind hatt 3 Herber bringen, lich ihm chlagen, reißen- ven, das wir über "h hörte > Grenze raffte eres und t, Aber ine Ver- 'as Eine, # Serichts- morgens ich auf, nen auf j bekam ergang m Wet- händigt; ‚ßen lag „cht und ‚jebeD. sten Mal len Din.- die andern Häftlinge, wie sie immer zu mehreren aus den benachbarten Zellen traten; ich vermochte sie nicht anzusehen, zu sehr bewegte mich all dieses Neue. Schweigend vollzog sich das Hinuntergehen in den Ge- fängnishof. Ich wurde von den anderen getrennt gehal- ten, ging als Letzte, keine andere neben oder hinter mir oder vor mir. Als ich nach Wochen die Oberwachtmei- sterin zu fragen wagte, warum ich wie eine doppelt Aus- gestoßene auch noch im Gefängnis behandelt werde, klärte sie mich dahin auf, daß dieses auf Anordnung der Gestapo geschehe.... Als Letzte konnte ich gut be- obachten, wie sämtliche Häftlinge— es waren etwa fünf- unddreißig— der Mitte des Hofes zustrebten, wo sich eine runde Rasenfläche befand, um die herum ein zemen- tierter Weg führte. Diesen runden Weg, immer herum, immer herum mit einem gewissen Abstand jeweils zwi- schen den Einzelnen, so wanderten die schweigenden Frauen eine Viertelstunde lang.— Ich mußte an der Seite auf und ab gehen, allein für mich, und alle Häftlinge musterten die Neue natürlich gründlichst. Als ich zum ersten Mal diesen„Spaziergang, wie man ihm im Gefängnis nennt, miterlebte, starrte ich nur vor mich hin und mochte die Augen nicht erheben. Auch waren meine wenigen bei der Verhaftung mitgenomme- nen Taschentücher schon so klatschnaß, daß ich nicht mehr wußte, womit noch die Tränen trocknen. So sah ich denn auch beim ersten Male nicht gleich, was ich nachher bemerkte, daß nämlich auf der anderen Seite des Gefängnishofes auch ein einzelner Häftling ging, der sich fortwährend die Augen mit dem Tuche wischte und unaufhörlich weinte. Vielleicht ist ihr Schicksal noch schwerer als das meine? Eine schlanke, junge Frau, aber sehr verhärmt. Es durchfuhr mich: Könnte das nicht ' Frau Ballhorn sein? Ihr Schicksal kannte ich vom Hörensagen. Sie war, wie ich einige Tage vor meiner Verhaftung erfuhr, in Holland mit ihrem kleinen Kind von der Gestapo aus dem Hause geholt und dann nach Münster ins Gerichtsgefängnis gebracht worden. Das Kind hatte man der Mutter der jungen Frau in Münster 3 Herbermann, Der gesegnete Abgrund 33 übergeben. Meine Vermutung war richtig: Es war Frau Ballhorn, und wie sie mir nachher erzählte, wußte sie auch gleich, wer ich war. Von diesem Tage an war eine stumme Freundschaft zwischen uns geschlossen. Wir sind uns durch die tägliche, wortlose Begegnung, durch das Wissen voneinander und das Verstehen und Mittragen füreinander gegenseitig Kraft und Trost geworden. Auch sie war in Einzelhaft, auch sie Häftling der Gestapo, während alle anderen in diesem Frauengefängnis Untersuchungsgefangene und Strafhäftlinge waren. Frau Ballhorn weinte noch mehr als ich. Wenn auch meine Augen in den ersten Wochen rot und wund waren, so waren sie es bei ihr Monate hindurch, und zuletzt litt sie unter einem Gesichtsausschlag, der infolge des ununterbrochenen Weinens entstanden war. Die Ärmste hatte ihren Mann, der als Emigrant in Holland in der katholischen AntiNazipresse unentwegt gearbeitet hatte, im Konzentrationslager, litt unter entsetzlichem Heimweh nach ihrem kleinen Kind und war tief gebeugt. - gere... Bienenhaus mich an. H Du mußt Im allge Völkchen menschlich ger, die v Schiffbruch meisten G Die Untersuchungshäftlinge und Sträflinge waren ein an sich interessantes Völkchen, besonders für jemanden, der noch nie mit derartigen Menschen in Verbindung gekommen ist. Ich hatte in meiner Zelle schon in den ersten Tagen von den Nachbarzellen aus Lärmen, Gelächter und Geschrei, Schimpfworte und lautes Singen gehört, obwohl das alles streng verboten war, und vermochte mir bereits in etwa vorzustellen, weẞ Geistes Kinder meine Nachbarinnen zum Teil waren. Als ich anfing, sie nach und nach zu mustern und einzuschätzen und überlegte, was diese und jene wohl verbrochen haben könnten, da war ich oft tief erschreckt von ihren unheimlichen, gebrandmarkten Gesichtern, von den toten. Augen, die so unergründlich zu starren verstanden. Wer jemals in solche Gesichter sah, kann sie nicht wieder vergessen, ausgemergelt und blaß mit unheimlich fieberhaft glänzenden Augen. Dirnen, Diebinnen, Mörderinnen, sie gingen und kamen teilnahmslos, stumpf, gleichgültig, apathisch, blieben kurze Zeit, auch wohl län34 Aber, aber lager... Unsagba Monate hi nichts arbe gab sie mi Angst, der wachtmeis zum Schäl ich durfte so gern ge hatten sich Gestapo z Diese Unta dig oder u gen Mona heimlich e bis er min waren ihm geben wor fängnisbib Lippert, G Beglückun diese Büch Jeder S Woche w 3 var Frau e, wußte ndschaft die tägvoneineinander e war in rend alle gsgefann weinte in den n sie es er einem rochenen en Mann, en Antionzentrach ihrem waren ein emanden, erbindung n in den men, Gees Singen und verB Geistes Is ich anuschätzen erbrochen von ihren den toten den. Wer at wieder ch fieberMörderinof, gleichwohl längere.... An manchen Tagen ging es zu wie in einem Bienenhaus. Einige von ihnen lächelten, andere starrten mich an. Eine kleine, schwarze Dirne rief mir einmal zu: ,, Du mußt nicht soviel weinen, davon wird man häßlich!" Im allgemeinen kann man sagen, daß dieses armselige Völkchen größtenteils aus wertlosen Individuen der menschlichen Gesellschaft, mit Ausnahme einiger Weniger, die vielleicht zum ersten Male in ihrem Leben Schiffbruch gelitten hatten, zusammengesetzt war. Die meisten Gesichter verrieten Laster und Verderbtheit. Aber, aber, wie war das erst nachher im Konzentrationslager....! Unsagbar gelitten habe ich unter der Untätigkeit lange Monate hindurch. Ich durfte überhaupt nichts lesen, nichts arbeiten. Ich bettelte um Bücher, aber niemand gab sie mir in den ersten Monaten. Ich hatte wirklich Angst, den Verstand verlieren zu können. Die Hauptwachtmeisterin bat ich, mir doch wenigstens Kartoffeln zum Schälen zu bringen. Aber es durfte nicht sein, und ich durfte die beiden guten Wachtmeisterinnen, die mir so gern geholfen hätten, nicht weiter damit quälen. Sie hatten sich nach den erbarmungslosen Vorschriften der Gestapo zu richten und ich müßte mich darin fügen. Diese Untätigkeit ist Gift für jeden Gefangenen, ob schuldig oder unschuldig. Glücklich war ich, als nach einigen Monaten der Zuchthauspfarrer Brinkmann mir heimlich ein paar Bücher gab, die ich immer wieder las, bis er mir beim nächsten Besuch neue mitbrachte. Es waren ihm von treuen Freunden Bücher für mich gegeben worden, die ich nach gründlicher Lektüre der Gefängnisbibliothek überließ. Ich las u. a. Stifter, Guardini, Lippert, Geschichtswerke und Biographien. Welch eine Beglückung, welch ein Trost und welch ein Segen waren diese Bücher für mich! - Sonntage im Gefängnis Jeder Sonntag war für mich ein Lichtblick. Die ganze Woche wartete ich voller Sehnsucht auf den nächsten. 3* 35 Da durfte ich mitgehen in die Kaplle und die hl. Messe hören, durfte kommunizieren und vereint sein mit Dem, der doch unsere ganze Liebe ist und uns alle trägt, vor allem in den bittersten und verlassensten Stunden. Die kleinen, aber treffenden Predigten des Zuchthauspfarrers Brinkmann gaben mir Starkmut und Kraft. Wie trostvoll war es, daß in diese meine Leidenszeit hinein gerade die Fastenzeit fiel und daß ich aus inbrünstigem Herzen mitsingen konnte: ,, O Haupt voll Blut und WunGerade in den, voll Schmerz bedeckt mit Hohn.... dieser Zeit ist mir der leidende Erlöser unendlich nahe gekommen. Viele Stunden hindurch am Tag und in der Nacht habe ich sein Leiden betrachtet, und ich wußte, warum Er gelitten hatte und auch, warum ich leiden mußte. So nahm ich von der kleinen Kapelle Trost und Zuversicht mit hinein in die grauen, unheimlichen Wochentage und selbst noch in den Stunden, wo das Gespenst der dunklen Schwermut mich ganz in seine Krallen nehmen wollte und wo ich der Verzweiflung oft nahe war, gab diese Sonntagsstunde mir Trost und Kraft zum Durchhalten. Auch meine Mitgefangenen besuchten fast ohne Ausnahme den sonntäglichen Gottesdienst. Das war für sie eine willkommene Abwechslung in dem trostlosen Einerlei des grauen Alltags. Leider benahmen sie sich oft störend und interessierten sich mehr für die Männerhäftlinge, die auch zahlreich in der Gefängniskapelle anwesend waren, als für die hl. Handlung, die dort auf dem Altare vollzogen wurde, sodaß die Wachtmeisterinnen sie zu Ordnung und anständigem Benehmen auffordern mußten. Nach dem Gottesdienst ging die diensthabende Wachtmeisterin von Zelle zu Zelle und fragte, da der Sonntag der Schreibtag für Untersuchungsgefangene war, wer von den Häftlingen Papier und Tinte haben wolle. Meinen Angehörigen zuliebe hatte ich die Gestapo, die ich sonst um nichts bat, gefragt, ob ich den Meinen schreiben dürfe, was mir gewährt wurde, natürlich mit dem Hinweis, daß jede geschriebene Zeile durch die Hände der Gestapo gehen müsse und jeder Brief offen dort abzu36 liefern se Mutter in acht Mon über sich derschme an meine lem Papi den Aufd früher au den Geda sonderes stern und das Ganz regelmäß gar nich mit ihrer Erst, nac zentratio schreiber doch end gewißhei sie denn Häufig sten Bru zu dank hat treu tet. Er essierte kurz, da zu schre mußte ic ten wir wie ich gere äußerst schrifter rigen a lassen, ich mei . Messe it Dem, . hinein nstigem d Wun- rade in -h nahe 1 in der wußte, ı leiden liefern sei. So durfte ich denn schreiben an unsere alte Mutter in Soest, die von meiner Verhaftung erst nach acht Monaten erfuhr, da niemand meiner Geschwister es über sich brachte, ihr, die schwer leidend war, diese nie- derschmetternde Nachricht zu übermitteln. Die Briefe an meine Mutter durfte ich ausnahmsweise auf neutra- lem Papier schreiben— alles andere Briefpapier hatte den Aufdruck des Gerichtsgefängnisses. Ich schrieb wie früher auch, als ob nichts wäre, nur damit sie nicht auf den Gedanken kommen sollte, daß mir irgendetwas Be- sonderes zugestoßen sei. Lange ist es meinen Geschwi- stern und mir gelungen, die Gute zu täuschen, bis ihr das Ganze doch sehr rätselhaft erschien. Zudem war sie regelmäßig an meine Besuche gewöhnt und nun kam ich gar nicht mehr? Was konnte das bedeuten? Was war mit ihrer Tochter? Wie mag sie sich zergrübelt haben? Erst, nachdem ich bereits ein Vierteljahr schon im Kon- zentrationslager war, wo ich ihr überhaupt nicht mehr schreiben konnte, bat sie meinen ältesten Bruder, ihr doch endlich zu sagen, was mit mir los sei, in dieser Un- gewißheit könne sie nicht mehr länger leben. Da erfuhr sie denn die für eine Mutter so erschütternde Tatsache. Häufig schrieb ich vom Gefängnis aus an meinen älte- sten Bruder, der in Münster wohnte und dem ich viel zu danken habe. Viele Wege ist er für mich gegangen, hat treu allen Geschwistern und Freunden Bericht erstat- tet. Er seinerseits teilte mir alles mit, was mich inter- essierte von der Familie, den Geschwistern, Bekannten, kurz, das was er mir mitteilen konnte und durfte. Alles zu schreiben, war infolge der Zensur unmöglich. Vieles mußte ich zwischen den Zeilen lesen, über Anderes mußB- ten wir schweigen. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich in einem Brief an ihn schrieb, daß ich sehr hun- gere— ich dachte nämlich, vielleicht findet er, der äußerst korrekt in allem war und sich streng an die Vor- schriften hielt, doch Mittel und Wege, wie die Angehö- rigen anderer Häftlinge auch, mir etwas zukommen zu lassen, vor allem etwas Butter oder Marmelade, damit ich mein trockenes Brot bestreichen könne— aber ich 37 erhielt diesen Brief mit der rotunterstrichenen Bemerkung von der Gestapo zurück: ,, Noch einmal derartige Beanstandungen und Sie erhalten Schreibverbot!" Also hieß es weiter hungern. Auch an meinen ältesten, jetzt 88jährigen und getreuesten Freund, Professor Felix Hase, von dem ich fast alle acht Tage ein Brieflein erhielt, und der es sogar wagte, bis in die ,, Höhle des Löwen" vorzustoßen und den Gestapoagenten vorzuhalten, daß sie mich unschuldig festhielten, schrieb ich des öfteren. Ergreifend waren die teilnehmenden Worte dieses redlichen Mannes an mich. Er war der einzige meiner Freunde, der es wagte, mir als Häftling der Gestapo in das Gefängnis hinein zu schreiben. schrieben. kennen, u benslauf z der wurde Oft hab dichte, di Dramen, gelernt h leise; ich ten mich schen, die darbt hat Lebenstra ten unglü Eines T zwei Mä verurteilt Grauen und Ungerechtigkeit Die Wochen nach Ostern gestalteten sich für mich durch lange, quälende Verhöre bei der Gestapo zu einer wahren Leidenszeit. Hatte ich heilige Ruhe in meinem Gott gefunden und für eine Zeitlang auch einige Stunden Schlaf in der Nacht, so fingen nun wieder die schlaflosen Nächte an. Ich stand auf und betete oft lange, auf dem Boden liegend. Der Gedanke der Sühne erfüllte mich ganz. Dann wieder ging ich die vier Schritte auf und ab, immer wieder auf und ab. Es schlugen die mir so liebvertrauten Kirchenuhren.... Ihr Glocken der Heimat, wie könnt ihr in die wunde Seele hineinläuten, wie versteht ihr zu mahnen und zu rufen, aber auch zu quälen. Ich unterschied bei Tage und bei Nacht die Glocken des Domes, von Liebfrauen, von St. Lamberti, Aegidii und Ludgeri. Doch ich durfte nicht weich werden, mußte mich tapfer bezwingen. Man darf sich in solcher Lage von Gefühlen nicht unterkriegen lassen. Große, weiße Bogen Papier wurden mir mit einem Bleistift eine lange Zeit hindurch täglich in die Zellé hineingegeben im Auftrage der Gestapo. Ich sollte bekennen und verraten! Aber das Papier blieb unbe- richtung fesselt au schiedent nicht gel von mein hochgezo sah, wie unheimlic und dann wußte, d Frauenge Spazierg weinten durch die Oft bes Grüner den ich erlebt ha Wegen i auch er, Die O beim Ve 38 88 ch wel- sich in schrieben. Ich hatte diesen Herrschaften nichts zu be- kennen, und Verrat war nicht meine Sache. Meinen Le- benslauf zu schreiben, konnte ich nicht verweigern, und der wurde denn auch schließlich fertig..... Oft habe ich, um mich abzulenken, halblaut alle Ge- dichte, die ich auswendig kannte, rezitiert, Stücke aus Dramen, die ich in der Schulzeit und später auswendig gelernt hatte, auch alle mir lieben Lieder summte ich leise; ich wollte nicht verblöden. Dann wieder erinner- ten mich die Kritzeleien an den Zellenwänden an Men- schen, die vor mir hier in dieser Zelle gelitten und ge- darbt hatten. Es waren da mit dem Fingernagel ganze Lebenstragödien eingekritzelt, erschütternde Lebensbeich- ten unglücklicher Menschenkinder.... Eines Tages erfuhr ich durch die Wachtmeisterin, daß zwei Männerhäftlinge unseres Gefängnisses zum Tode verurteilt waren und an einem Sonntag Mittag zur Hin- richtung abtransportiert werden sollten. Sie lagen ge- fesselt auf ihren Pritschen, der eine von ihnen hatte ver- schiedentlich Selbstmordversuche unternommen, die ihm nicht gelungen waren. Diese zwei Männer sah ich nun von meinem Fenster aus, an dessen Gittern ich mich hochgezogen hatte, um hinunter schauen zu können; ich sah, wie sie gefesselt, Schritt für Schritt— es war ein unheimlicher Anblick— über den Gefängnishof gingen und dann in einen Polizeiwagen verfrachtet wurden. Ich wußte, daß die Braut des einen Häftlings in unserem Frauengefängnis war, hatte ich sie doch oft bei unseren „Spaziergängen‘” gesehen, weiß wie Wachs mit rotge- weinten Augen. Was mochte ihr an diesem Sonntag durch die Seele gehen? Oft beschäftigten sich meine Gedanken auch mit Dr Grüner, einem jungen, begabten Priester aus Vreden, den ich dort bei meinen guten Freunden T. des öftern erlebt hatte und der über mir in einer Zelle schmachtete. Wegen irgendeines Ausspruches in einer Predigt war auch er, wie so viele andere Priester, verhaftet worden. Die Oberwachtmeisterin hatte mir an einem Sonntag beim Verlassen der Kapelle die Zelle oben gezeigt, in 39 der Dr. Grüner untergebracht war. In einem unbeobachteten Augenblick wagte ich es, durch den Spion seiner Zellentür zu schauen. Da saß dieser junge Priester und hämmerte auf einem sogenannten Dreifuẞ Lederstücke weich. Ob das seine tägliche Arbeit war? Aber auch Bücher sah ich auf seinem Tisch liegen, und es tröstete mich, zu wissen, daß er arbeiten und lesen konnte. Oft auch weilten meine Gedanken im Polizeigefängnis, wo ich den kranken Pater Maring wußte. Auch der in Münster hochgeschätzte Religionslehrer, Präses Friedrichs, der einige Wochen nach mir verhaftet wurde, befand sich in diesem Gefängnis. Sie alle sah ich vor mir, gefaßt, still, opferbereit. So auch wollte ich sein. Ich opferte meine Leiden für sie auf und betete für sie, ja, um so mehr, je schwerer mir alles wurde. Wie Heilige, die den ,, Drachen als Brücke über den Abgrund" benutzten, so schritten sie über Gemeinheit, Niedertracht und teuflische Bosheit gelassen und tiefvertrauend einem andern Leben zu. Ja, tiefste Ergebung konnte man im Gefängnis lernen... Den immer wiederholten Drohungen der Gestapo gegenüber blieb ich ganz ruhig. Damit konnten sie mich nicht schrecken. Gewiß graute mir, wenn ich daran dachte, was für Mittel anzuwenden die Gestapo nicht scheute, um Menschen zum Sprechen zu bringen und Geständnisse zu erpressen.... Wie warteten sie noch immer darauf, daß ich den einen oder anderen Priester verriet oder auch meine früheren Mitarbeiter. Aber ich schwieg oder nahm sie in Schutz, wozu ich allerdings oft zu einer Notlüge greifen mußte. Sie schienen auch einzusehen, daß alles Mühen und Drängen, die Einzelhaft, die Untätigkeit und selbst die entsetzliche und aufreibende Marter der ständigen, qualvollen Verhöre mich niemals von meinem Grundsatz abbringen würden; hatten sie es doch gleich am ersten Tage eindeutig genug von mir gesagt bekommen. O, mancher dieser Agenten sah aus wie der Leibhaftige! Ich hatte regelrechte Angst vor ihnen. Der ,, Leiter" selbst knirschte manchmal vor Wut mit den Zähnen: ,, Und ich zwinge Sie doch noch...!" Und nur noch 40 wütende Sie nich Sie nich gewesen für den, Kleiner sich wo uns der Anfan einer Fl zuforder wort er dem M haben e selber b geweiht hören schlimm seelisch Bei d einem die Mu hält.. der M kräftige zagen und tat Treue Es k blieb e chen wurde kräftig Uhr h em unbe. en Spion: nge Prie-° uß Leder- ar? Aber und es nd lesen ı Polizei- Gestapo ‚ sie mich ch daran ‚po nicht wütender wurde er durch meine Antwort:„Tun Sie, was Sie nicht lassen können. Mehr als mich töten, können Sie nicht!“ Für mich wäre der Tod ja nur eine Erlösung gewesen aus grenzenloser Pein. Ist der Tod nicht milde für den, der ihn recht versteht? Oder er titulierte mich: „Kleiner Teufel!”“, worauf ich dann erwiderte:„Es wird sich wohl in Zukunft noch einmal herausstellen, wer von uns der Teufel ist....” Anfangs begegneten mir einige dieser„Herren mit einer Flegelhaftigkeit, daß ich sie zur Anständigkeit auf- zufordern wagte:„Bevor Sie mit mir reden und eine Ant- wort erhalten wollen, nehmen Sie, bitte, Ihre Zigarre aus dem Mund und die Hände aus den Hosentaschen. Sie haben es immerhin noch mit einer Dame zu tun, wie Sie selber betonen, die ja„nur in Schutzhaft! gehalten wird!" —___ Ja, Schutzhaft!— Was stellt sich ein Nichtein- geweihter eigentlich darunter vor?— In vierzig Ver- hören zerquält, aufgerieben in halbjähriger Einzelhaft, schlimmer konnte man auch einen Schwerverbrecher seelisch nicht mißhandeln und martern! Bei den Verhören war es mir manchmal zumute wie einem Soldaten, der in der Feuerstellung liegt und dem die Munition ausgeht, der aber die Stellung doch weiter- hält... Doch meine Munition durfte nicht ausgehen, der Mut mußte noch mehr wachsen, immer neu sich kräftigen im felsenfesten Glauben, der Wille durfte nicht zagen und wanken. Gottes Gnade mußte mich halten und tat es wunderbar. Immer neu habe ich Gottes große Treue erfahren dürfen.... Luftangriffe auf Münster! Es kam der Mai voller Blüten und Wärme. Aber kalt blieb es immer noch in unserm grauen Hause. Das Stück- chen Himmel, das ich durch mein Zellenfenster sah, wurde mit jedem Tag blauer, die Sonne goldener und kräftiger. Ich lernte in diesen Wochen, da ich ja meine Uhr hatte abgeben müssen, nach dem Stand der Sonne 41 genau die Zeit auszurechnen. Kein Blümlein konnte ich sehen. Sie waren für mich nicht mehr da. Überhaupt, daß ich die Natur mit ihrem Grün, ihren Blumen, den Wald und die Wiesen so ganz entbehren mußte in diesen Jahren, darunter habe ich stark gelitten. Ach, so grau war unser Leben und so schmerzhaft dazu, daß Blumen mir gleichsam wie die Ausplauderer eines Geheimnisses der Natur erschienen. Sie verraten doch, daß irgendwo noch Leben, Hoffen, Licht und Liebe in der Welt zu finden sein müssen, selbst noch für das Sehnen und Wünschen eines Schutzhäftlings der Geheimen Staatspolizei. Doppelt dankbar empfand ich es, als eines Tages die Hauptwachtmeisterin mit einem herrlichen Rosenstrauß in meiner Zelle erschien, damit ich ihn für einige Augenblicke genieße... Wie haben meine Augen sich an den Farben und Formen geweidet, wie habe ich den Duft eingesogen! Gern hätte sie mir eine davon gelassen, aber es durfte auch das nicht sein. Im Laufe des Monats Juni wurde ich noch einige Male zu den letzten Verhören geholt. Erlöst atmete ich aus tiefstem Herzen auf, als man mir endlich verkündete, daß dieses nun das allerletzte Verhör sei, und es erfüllte mich mit unsäglicher Genugtuung, als der Leiter der ,, Abteilung für den politischen Katholizismus" wutschnaubend meinte, nun seien sie durch alle diese Verhöre nicht klüger geworden als am ersten Tag; er nannte mich ,, jesuitisch verseucht!" und versprach mir, dafür zu sorgen, daß ich dort hin käme, wohin ich gehöre. Ich Einfältige aber nahm diese Drohung nicht ernst und ahnte nicht, daß dieser Mann mich doch noch für das Konzentrationslager ,, empfehlen" würde.... Ja, er konnte in seinem Riesenehrgeiz, bei der Gestapo zu den höchsten , Würden" hinaufzuklettern, durch mich nichts werden, wenn er auch alle Künste und Kniffe, die diesen Herren zur Verfügung standen, treulich angewandt hatte. So hatte ich ihn in seinen Hoffnungen wohl allzu sehr getäuscht, deshalb diese maßlose Wut auf mich! aber bildete mir damals noch ein, daß bald meine Ent" 42 - Ich lassungss das nach meine E rechtferti werden! Aber e langt. Ic ten Wock richtsgefa Diese Sel es ist nic macht! nähte nu Knopf na Tag, Wo ich in di starkem Finger d Tage we den Ver den sich Mondt zutragen blick, ha manchma mich. Dann nächtlich Wie ich Grauen, ren Zelle und zwa Jammer den Ohr zog mic Eisengitt brennen und im meinte lassungsstunde schlagen werde, enthielt das Protokoll, das nach Berlin gesandt werden sollte, doch nichts, was meine Einlieferung in ein Konzentrationslager hätte rechtfertigen können. Doch wie sollte ich enttäuscht werden!— Aber eine Erleichterung hatte ich inzwischen doch er- langt. Ich durfte wenigstens etwas arbeiten in den letz- ten Wochen meines Aufenthaltes im Münsterischen Ge- richtsgefängnis, ohne daß die Gestapo davon erfuhr. Diese Seligkeit, eine Beschäftigung zu haben! Mein Gott, es ist nicht zu beschreiben, wie Untätigkeit unglücklich macht! Wie sie mich bald zum Wahnsinn trieb! Ich nähte nun für die Firma Mondt an Militärhosen einen Knopf nach dem andern an, Stunde für Stunde, Tag für Tag, Woche für Woche. Tausende von Knöpfen habe ich in diesen Wochen angenäht! Da diese Knöpfe mit starkem Zwirn angenäht wurden, der die Haut meiner Finger durchschnitt, sodaß sie bluteten, mußte ich einige Tage wegen dieser unscheinbaren, aber stark schmerzen- den Verletzung aussetzen, bis eben an Stelle der Wun- den sich langsam Schwielen gebildet hatten. Fräulein Mondt durfte ausnahmsweise, um mir die Arbeit auf- zutragen, zu mir in die Zelle. Auch das war ein Licht- blick, hatte sie doch stets ein verstehendes Wort und manchmal auch eine kleine, nahrhafte Überraschung für mich, Dann kam der Monat Juli 1941 mit den furchtbaren nächtlichen Luftangriffen auf unser schönes Münster. Wie ich in diesen Nächten gezittert habe vor Angst und Grauen, das weiß Gott allein. Wir mußten alle in unse- ren Zellen hinter den dicken, verriegelten Türen bleiben und zwar oben im zweiten Stock. Noch habe ich den Jammer und das Angstgeschrei der armen Häftlinge in den Ohren. Ringsherum schlugen die Bomben ein. Ich zog mich zwischendurch mal wieder hoch an meinen Eisengittern und sah die Stadt taghell, an allen Ecken brennend, sah und hörte ganze Häuserreihen einstürzen und immer der Gedanke: Gleich trifft es dich. Kaum meinte man, nun ist's vorüber, da kam eine neue Welle, 43 und es begann das Grauen von vorn. Zwei volle Stunden währten diese unheimlichen Angriffe. Ich saß geduckt und zusammengekauert wie ein scheuer Vogel auf meinem Schemel unter dem Fenster, die Haare klebten mir am Kopf, der ganze Körper war naß vor Angst und Entsetzen. Bei späteren Angriffen sind Häftlinge in diesem Gefängnis wie auch im Zuchthaus ums Leben gekommen, z. T. bei lebendigem Leibe verbrannt. Unverantwortlich war es, die Gefangenen nicht in sichere Keller zu bringen! Nachdem sich diese Angriffe in drei Nächten wiederholt hatten, wurde von der Staatsanwaltschaft beschlossen, daß die Untersuchungsgefangenen bis auf weiteres auf freien Fuß gesetzt werden sollten, schwerere Fälle und Strafgefangene sollten in andere Städte befördert werden. Das geschah sofort. Nur ein paar außergewöhnliche Fälle blieben in Münster. Zu denen gehörte auch ich. Ich war nun buchstäblich ganz am Ende meiner Kräfte und bat die Hauptwachtmeisterin, doch bei der Gestapo anzufragen, was denn mit mir geschehen solle und ob ich nicht wenigstens nachts in den Keller dürfe?... Es folgten noch zwei furchtbare Nächte. Der Oberstaatsanwalt selber kam zu mir in die Zelle nach dem vierten Angriff und fragte, wie es mir in den Nächten ergangen sei. Er empfand menschlich mit mir, hätte gern Abänderung geschaffen, aber es stünde leider nicht in seiner Macht, wie er mir beteuerte. Auch er war empört über die Unmenschlichkeit, der ich schwache Frau ausgesetzt war. Bei solchen Angriffen läßt man keinen Menschen in einer fest verriegelten Zelle allein. Dieser Staatsanwalt muß wohl bei der Gestapo sehr dringend für meinen Abtransport eingetreten sein. plötzlich erschien an einem Abend die Hauptwachtmeisterin bei mir. ,, Herbermann, Sie werden gleich von der Gestapo geholt werden. Wohin Sie kommen, wissen wir nicht." Ich befand mich in einer Verfassung, in der mir alles gleich war. Meine Hoffnung auf Entlassung war dahin. Also weiter nur zu! Weiter gelitten, weiter alle Kräfte zusammengerissen, bis es eben wirklich nicht 44 mehr gin ertragen. losigkeit: der Gesta ches Seh mich selb Wei Mit ge Ja, wenn des Grau dieses g wanderte bei den warum r in den le entlasser Im Bü Gestapo offenen irgendet fragen, die so v tiefverw Agenten rend un markt g dieser Häftling das noc leben!" Nun f haus du ja scho meinem Worte: mehr ging. Aber Unheimliches kann ja der Mensch er- ertragen. Und für mich galt es trotz aller Hoffnungs- losigkeit: einmal muß ich herauskommen aus den Klauen der Gestapo, einmal will ich wieder zu Hause sein. Sol- ches Sehnen, verbunden mit einem festen Willen, machte mich selbst in diesen Stunden wieder stark.— Weiterin ungewisse Zukunfthinein Mit gemischten Gefühlen verließ ich meine stille Zelle. Ja, wenn Wände reden könnten! Ich verließ das Haus des Grauens, nahm noch einmal das seltsam Bedrückende dieses großen Gefängnisses in mich auf; meine Augen ‚wanderten die Kerkermauern empor, ich bedankte mich bei den Wachtmeisterinnen, die nicht begreifen konnten, warum man mich so quälte..Oft hatten sie mir, gerade in den letzten Tagen, gesagt:„Jetzt werden Sie bestimmt entlassen!“ Ach, entlassen! Freiheit! Goldene Freiheit! Im Büro des Gefängnisses wurde ich drei Beamten der Gestapo übergeben und mußte in einen hocheleganten, offenen Wagen steigen, ohne daß man mir überhaupt irgendetwas über das Wohin der Reise sagte. Darnach zu fragen, war ich zu stolz. So fuhr ich denn wieder durch die so vertrauten Straßen der für damalige Begriffe schon tiefverwundeten Vaterstadt. Neben mir saß einer der Agenten, und als ich von einer bekannten Dame wäh- rend unserer Fahrt im offenen Wagen auf dem Prinzipal- markt gegrüßt wurde und still den Gruß erwiderte, fuhr dieser mich an:„Sie haben nicht zu grüßen, Sie sind Häftling! Begreifen Sie das immer noch nicht? Geschieht das noch einmal, dann können sie das blaue Wunder er- leben! Ich antwortete nichts. Nun fuhr der Wagen zwischen Rathaus und Stadtwein- haus durch ein schmales Gäßchen und hielt vor dem mir ja schon gut bekannten Polizeigefängnis. Ich blieb mit meinem Nebenmann im Wagen sitzen, hörte nur die Worte:„Jetzt wollen wir die Pfaffen noch dazu laden!" 45 Es war mir also klar, daß die dort gefangengehaltenen Geistlichen mit mir fortkamen. Wohin aber nur? Wohin? In größeres Grauen, in tiefere Not und Verlassenheit? Und schon erschien auf der in das Gefängnis hinunterführenden Steintreppe Pater Maring, bei dessen Anblick ich erschrak. Verdreckt, abgezehrt, das gutmütige Kindergesicht ganz lang geworden, stand er vor mir. Was hatten diese fünf Monate aus ihm gemacht! Hinter ihm, ich traute meinen Augen nicht, der Pater Augustin Benninghaus S. J., groß und ernst, aber eisern. Also auch er... Ich wußte es nicht. Auch er starb im Konzentrationslager zu Dachau, ein Priester nach dem Herzen Gottes, der Jahre hindurch nur Exerzitien gehalten und nie sich um Politik gekümmert hatte. Er soll, wie ich später erfuhr, bei einem Exerzitienkurs für Einberufene irgendetwas gesagt haben, was ein bestellter Spitzel verriet, eine Lappalie. Und da stand noch ein dritter Priester, der Studienrat Bocks. Letzteren forderte man auf, sich hinten in den Wagen zu mir zu setzen: Die Jesuiten nicht zu Fräulein Herbermann! Jedes Sprechen miteinander ist verboten!" Das war die Anweisung, die wir erhielten. Die zwei Jesuiten saßen nun vor mir, ich zwischen dem Studienrat Bocks und einem Agenten, die zwei weiteren Gestapoleute vorn im Wagen. Ein tiefer Trost war es mir, diese Priester bei mir zu haben und nicht in dieser Nacht mit den Himmlerschen Banditen allein sein zu müssen.... Präses Friedrichs war bereits in das Konzentrationslager überführt worden. - als auch gespräch Und eine Noch ein Einverneh Unsere Fahrt ging wieder zur Zentrale der Gestapo. Wo nur würde man nun mit uns bleiben? Ich stellte mir schon mit Schrecken vor, daß wir im Keller des Gestapohauses untergebracht wurden. Vor dem Haus angelangt, forderte man uns auf, auszusteigen. Es ging durch die langen Flure des Hauses wieder die hintere Treppe hinauf. Trotzdem wir je eine Bewachung vor uns und hinter uns hatten, wagte es Pater Maring, mir zuzuflüstern: ,, Bleiben Sie tapfer! Ich bete für Sie!" Ich konnte nur antworten: ,, Sie können sich ganz auf mich verlassen!", 46 tiges Mit seits hin gar nicht schon wa dem ich s müssen. Die dre zu bleibe ihnen, un zimmer, Stuhl anb Sicherhe schen an nicht sch Münster bereien, erledigt. Jetzt w man das scheid g Zur Sich ner ausz Konzentr den viele infolge d früh, kör ganz zu Noch Abtransp mit uns g send und mer bliek noch nie Angst de altenen ? Worlassenmis hindessen was guter vor emacht! r Pater st, aber Auch er Priester r Exert hatte. ienkurs ein bend noch etzteren mir zu ermann! war die saßen ks und vorn im ster bei HimmPräses onslager Gestapo. ellte mir Gestapogelangt, urch die pope hind hinter flüstern: ante nur Classen!", als auch schon der eine der Männer dieses kleine Zwiegespräch vernommen hatte und uns mit Ohrfeigen drohte. Und eine klatschte er dem Pater ins müde Gesicht.... Noch ein tiefer, trauriger, langer Blick, der ein stilles Einvernehmen, ein Verstehen und Wissen und gegenseitiges Mittragen ausdrückte. Ein fragender Blick meinerseits hin zum Pater Benninghaus, wußte ich doch gar nicht, warum man auch ihn eingesperrt hatte, und schon waren wir vor der Tür des Zimmers angelangt, in dem ich so viele Verhöre über mich hatte ergehen lassen müssen. Die drei Priester wurden aufgefordert, im Flur stehen zu bleiben. Einer der Agenten blieb als Bewachung bei ihnen, und ich mußte mit hinein in das Verhandlungszimmer, wo man mir in der Ecke hinter der Tür einen Stuhl anbot. Höhnisch wurde mir verkündet, daß ich zur ,, Sicherheit meines Lebens" ach, was war diesen Menschen an meinem Leben gelegen und war dieses Leben nicht schwerer als Sterben?- noch in dieser Nacht aus Münster weggeschafft würde. Darauf wurden die Schreibereien, die jeder Gefangenentransport mit sich bringt, erledigt. Jetzt wurden auch die Priester hereingerufen, denen man das Gleiche verkündete. Sie nahmen diesen Bescheid genau so stumm und bereit entgegen wie ich. ,, Zur Sicherheit Ihres Lebens"... das wagten diese Männer auszusprechen, die Tausende von Priestern in den Konzentrationslagern Deutschlands ermordet hatten, von den vielen geistig- seelischen Morden an Priestern, die infolge der qualvollen Verfolgung in Deutschland allzu früh, körperlich und seelisch gebrochen, dahinsiechten, ganz zu schweigen! Noch zwei volle Stunden warteten wir auf unseren Abtransport, immer noch nicht wissend, wohin es denn mit uns ginge. Aller Augen richteten sich höhnisch, grinsend und neugierig auf mich, die ich allein in dem Zimmer blieb, und sie musterten mich, als hätten sie mich noch nie gesehen. War ich denn durch die Qual und Angst der letzten Tage und Nächte verändert und ver47 wandelt? War ich nicht schon am Tage meiner Verhaftung und Einlieferung in das Gefängnis einen Tod gestorben, den man näher zu beschreiben nicht imstande ist? Um Mitternacht endlich brachen wir auf. Unten auf dem Hof standen zwei kleinere Wagen, die uns weiter befördern sollten. Pater Benninghaus und ich wurden nun in einen Wagen beordert, die zwei andern Priester mußten in das zweite Auto hinein. In den ersten Wagen stiegen zwei wilde Gesellen zu uns und in den andern sogar drei. Schweigend, todmüde und voller Weh in der Seele saß ich hinten im Wagen. Nun hieß es auch noch Abschied nehmen von der Stadt, die meinem Herzen von allen Städten der Welt die teuerste war. Pater einem unbeobachteten Benninghaus machte in Augenblick das Kreuz des Segens über mich. Ich überließ mich willig dem, was nun kam, achtete auch nicht mehr auf die Wege, die wir fuhren. - In Bochum angekommen, begrüßte uns scharfes Flakschießen. Es war Vollalarm, und die Feindbomber sangen über uns ihr schweres, grausiges Lied. Der Wagen hielt vor dem Gefängnis. Zwei Beamte, aus jedem Wagen einer, stiegen aus, gingen hinein, kamen nach einer Weile zurück und flüsterten, aber so, daß ich es doch - Sie überhören konnte, den anderen zu: ,, Kein Platz!" legten lange und stiegen dann wieder ein. Weiter gings. Aber anscheinend hatten sie sich verfahren, hielten öfters an und fragten vorübergehende, einzelne Passanten nach dem Herner Polizeigefängnis. Hoffentlich war dort für uns eine Bleibe! Ich war so müde. Gern wäre ich eingeschlafen und nie wieder aufgewacht. Das Maß war voll. Nur die Gnade Gottes konnte mir noch helfen, mich noch halten, mir selber versagten die letzten Kräfte. Aber den drei Priestern, die alle schon über 60 Jahre alt waren, ging es ebenso. Mir ging ihr Leid und ihre Qual sehr nahe. Nur schlafen, schlafen wollten wir. Endlich war das Polizeigefängnis in dunkler Nacht gefunden. Wir stiegen aus. Es war weit nach Mitternacht. In der Ferne hörte man Bombeneinschläge und schweres 48 Flakschieße mund. Na glocke gek tende Stim Es wurde großen, lan Gepäck du und gemein tes! Still b Nachdem seinem Die unsere Beh sich von u Gute! Sie sausten sie reits, daß Konzentrat zeimeister gen. Es g Stufen hod drei Geistl letzten Bli da standen die Augen, Dieser Abs mit mir hi Stufe! All men sein, hinauf. Ich meister m wurde, da und sich e rige, graue und Feuch entgegen. Ja, ich zum erste Bombenha hallenden 4 Herber Verhafgestorde ist? ten auf weiter ch wurrn Prieersten in den der Weh es auch em Her7. Pater achteten ch überch nicht scharfes dbomber r Wagen m Wagen ch einer es doch Sie überer gings. hielten e Passanoffentlich de. Gern cht. Das mir noch die letzThon über ihr Leid n wollten ler Nacht macht. In schweres Flakschießen. Es war wohl ein Angriff auf Dortmund. Nachdem die Gestapo mehrmals an der Nachtglocke geklingelt hatte, meldete sich endlich eine wütende Stimme, die wohl im Schlaf gestört zu sein schien. Es wurde geöffnet. Wir vier Häftlinge mußten in dem großen, langen Flur mit einer Bewachung warten. Das Gepäck durften wir nicht absetzen. Wie niederträchtig und gemein waren diese Agenten zu den Priestern Gottes! Still betete ich ein Stoßgebet nach dem andern. Nachdem die Gestapo dem robusten Polizeimeister in seinem Dienstzimmer wohl genaueste Anweisungen über unsere Behandlung, d. i. Mißhandlung, gegeben hatte und sich von uns verabschiedete mit der Bemerkung: ,, Alles Gute! Sie werden bestimmt bald entlassen werden!", sausten sie mit ihren Autos davon. Aber sie wußten bereits, daß sowohl die beiden Patres als auch ich in ein Konzentrationslager gebracht werden sollten! Der Polizeimeister forderte uns in roher Weise auf, ihm zu folgen. Es ging zunächst eine Steintreppe hinauf, viele Stufen hoch. Im zweiten Stock angelangt, mußten die drei Geistlichen stehen bleiben. Ich warf noch einen letzten Blick auf diese gequälten Priestergestalten, die da standen wie ihr gebundener Meister... und schließe die Augen, die vor Brennen nicht mehr schauen können. Dieser Abschied war unsagbar schwer. Weiter ging es mit mir hinauf, immer weiter, immer weiter, Stufe um Stufe! Allmählich mußten wir unter dem Dach angekommen sein, und wirklich führte keine Stufe mehr höher hinauf. Ich stand vor einer großen Tür, die vom Polizeimeister mit viel Krach entriegelt und aufgeschlossen wurde, daß das ganze Haus davon hätte wach werden und sich erschrecken können. Dann öffnete er eine niedrige, graue Tür, und ich betrat eine einsame Zelle! Kälte und Feuchtigkeit schlugen mir trotz der Schwüle draußen entgegen. Es war ganz finster in der Zelle. Ja, ich habe es noch gut in der Erinnerung, wie ich zum ersten Mal diese Zelle betrat, mitten in der von Bombenhagel und Flakschießerei dröhnenden und widerhallenden Nacht, und in einer so heißen Sommernacht, 4 Herbermann, Der gesegnete Abgrund 49 da trauerte man noch stärker um den Verlust der Freiheit als an trüben Wintertagen und in trostlosen Winternächten. ,, Ihre Zelle", erklärte mir der Polizeimeister, brummte noch etwas vor sich hin, knipste das Licht an, warf die Tür hinter sich zu, und schaltete das Licht meiner Zelle sofort vom Korridor her wieder aus. Ich stand im stockdunklen Raum und fand mich in meiner Zelle nicht zurecht. ,, Wenn Alarm ist, haben Sie sich sofort anzukleiden und aufzustehen!" schrie er mir noch im letzten Augenblick zu. Da stand ich nun, die Augen voller Tränen. Wie sollte ich mich in diesem unbekannten Raum zurecht finden? In dem Augenblick, wo das Licht brannte, hatte ich nichts von der Zelle gesehen, vor Angst nicht, daß ich in jeder Sekunde ein paar Ohrfeigen von diesem schimpfenden Polizeimeister zu erwarten hatte, der mir furchtbar brutal erschien, so anders wie die Wachtmeisterinnen im Gerichtsgefängnis zu Münster. Ich stand im Dunkel, hörte seine rauhe Stimme mit den Priestern unter mir schimpfen, hörte Zellentüren aufschließen und mit Krach zuschlagen, hörte auch, wie jemand geschlagen wurde. Es konnte nur einer der Priester sein.... schend, o blieb ruh wickelte ekelhaft. ,, Lieber Gott, es ist jetzt genug!" Ja, ich habe es in dieser grausigen Nacht laut gerufen. Ich war am Ende. Nun mußte Gott es schaffen ohne mich, da mußte der Vater sein Kind, dessen Kraft und Wille versagten, allein führen. Inzwischen war Entwarnung gegeben. - Einige Alarm er Vielleicht einen Kel still im H bange Min scharfen H einzuschla Gott, mac und ich s Ich suchte in dem Dunkel nach der Pritsche, schritt behutsam, alle Wände entlang tastend, von einer Ecke in die andere... Eine Pritsche konnte ich nicht finden. Da fiel mir schließlich ein, daß es Pritschen gab, die man hochschlagen und an der Wand befestigen konnte. Meine Hände suchten und fanden endlich ein eisernes Gestell. Ich tiftelte die Kette los. Mit einem Riesenkrach sauste das schwere Gestell zu Boden und auch noch auf meinen rechten Fuß, der noch tagelang hinterher sehr schmerzte. Um Gotteswillen, wenn nur der Polizeimeister nicht herauf kam! Ich hatte entsetzliche Angst in der Dunkelheit und wagte einige Minuten nicht zu atmen, immer lau50 50 Schla Am and neues H merlich. den Seite noch heu Schwerve Vorstellun und gelit Außer de Tisch. In spülung, haltes in waschen ich ander Wäsche d Und im die Gefär näherten lichen, gr die Freih der Freien Winter , brummte , warf die einer Zelle im stock e nicht zutanzuklei im letzten voller Trä nten Raum ht brannte ngst nicht, won diesem ce, der mir Wachtmei ch stand im Priester ließen und nd geschla sein.... e es in die Ende. Nun der Vater gten, allein en. schritt be mer Ecke in icht finden ab, die man ante. Meine mes Gestell rach sauste auf meinen schmerzte r nicht her Dunkelheit immer lau schend, ob er die Treppe hinaufkäme... Aber alles blieb ruhig. Ich fand eine Decke auf der Pritsche, wickelte mich frierend und zitternd in sie ein. Sie roch ekelhaft. - Einige Minuten erst lag ich ausgestreckt, als wieder Alarm ertönte. Also wieder aufgestanden, angezogen. Vielleicht kommen wir Gefangenen hier wenigstens in einen Keller? Aber nein, es kam niemand. Alles blieb still im Haus, obwohl man die Feindmaschinen lange, bange Minuten hindurch brummen hörte. Ich saß auf der scharfen Eisenkante der Pritsche und hatte Mühe, nicht einzuschlafen. Wieder faltete ich die Hände: ,, Guter Gott, mach mich stark!" Endlich gab es Entwarnung, und ich schlief bald darauf fest ein. ,, Schlagen Sie doch die Priester nicht!" Am andern Morgen hatte ich Zeit und Muẞe, mir mein ,, neues Heim" anzuschauen. Die Ausstattung war kümmerlich. Da stand zunächst die Pritsche, an deren beiden Seiten je zwei dicke Ketten hingen. Ich glaube noch heute, daß es eine Pritsche war, auf der man Schwerverbrecher oder zu Tode Verurteilte fesselte. Die Vorstellungen von Menschen, die vor mir darauf gelegen und gelitten hatten, verfolgten mich Nacht für Nacht. Außer der Pritsche standen da noch ein Schemel und ein Tisch. In einer Ecke befand sich ein Klossett mit Wasserspülung, in dem ich in der Zeit meines Gefängnisaufenthaltes in Herne wiederholt meine Wäsche und Strümpfe waschen mußte, davor auf den Knien liegend. Was sollte ich anderes tun? Hier kümmerte sich keiner um die Wäsche der Gefangenen, wie das in Münster geschah. Und immer wieder trotz aller Hoffnungslosigkeit, wenn die Gefängnisglocke ertönte, Schritte sich meiner Zelle näherten und ich das unheimliche Rasseln des unvergeẞlichen, großen Schlüsselbundes hörte, hoffte ich, daß mir die Freiheit winke und ich zur Entlassung geholt würde. 51 Wie kann man gegen alle Hoffnung doch noch hoffen! Und wenn die Zellentür aufgeschlossen wurde, dachte ich: Wie schön muß es sein, wenn du selber einmal wieder eine Tür aufschließen darfst, ein Fenster aufmachen kannst, wie es dir gefällt. Dann wieder hörte ich lauten Lärm von stampfenden Füßen und schreienden Stimmen, die von den anderen Korridoren zu mir herüberdrangen. Viele Ausländer waren in diesem Gefängnis. Warum man sie einsperrte, ich habe es nicht erfahren können. Als ich mich nachher frei auf dem Korridor bewegen durfte, habe ich manchmal durch den Spion in die Männerzellen hineingeschaut. Da lagen sie alle, zwanzig und dreißig Männer, meist Italiener, nebeneinander auf ihren Pritschen oder auf der Erde, wenn die Pritschen nicht reichten, schwatzend, gestikulierend oder still vor sich hinbrütend. Es war ein niederdrückender Anblick. Manchmal begegneten mir diese Männer auch auf dem langen Flur, den ich vierzehn Tage hindurch gefegt und gescheuert habe. Ihre Blicke musterten mich teils voller Mitleid, teils neugierig, aber auch hungrig und gierig. Einige von ihnen waren schmutzig und regelrecht verkommen. Bei der großen Julihitze trugen verschiedene von Hemd bis an die Hüften heruntergestreift. Aus den Zellen erklangen italienische Lieder voller Wehmut und Sehnsucht. Ich stellte mir dazu das weite Meer vor und eine Gondel: O sole mio...". Und aus den Frauenzellen klang es wie eine Antwort: ,, Schlafe, mein Geliebter, tu die Augen zu; alles, was ich hab' auf Erden, das bist du...". Viel tiefe Sehnsucht schlummerte in diesen gefangenen Menschenkindern. Auf dieser Etage hoch oben unter dem Dach war selten eine Wache, und die meisten der Häftlinge benahmen sich dementsprechend. ihnen das nach Büc die Zelle beiseite 1 und mit Sorge ha gleichen Namen M Die ersten Tage in diesem fremden Gefängnis waren für mich besonders bedrückend. Ich hielt es nicht mehr aus, wenigstens meinte ich das. Aber man stellt ja immer von neuem fest, daß der Mensch Unsagbares zu ertragen imstande ist. Nacht für Nacht Alarm, nie eine richtige Nachtruhe und völlige Untätigkeit am Tage. Ich fragte 52 kranke P Das ließ Nach u zeiwacht sonst nic Geheime er habe Gefängni lustig, w Zorn auf meinen das nich stand mi habe. Ic und ob direkt w mir spra nicht me mehr sc -Dann und Arb von sein den Ste berg, M seiner H schöne erzählte Blindhei schaftlic gend, ih mehr zu lich und hhoffen! e, dachte mal wieufmachen mpfenden anderen nder waerrte, ich chher frei manchmal chaut. Da meist Itaauf der watzend s war ein meten mir ich vierabe. Ihre s neugie on ihnen Bei der hnen das s den Zelmut und er vor und en Frauenein GeliebErden, das arte in dieEtage hoch e, und die prechend. nis waren nicht mehr t ja immer u ertragen me richtige Ich fragte nach Büchern und bekam Fünfzehnpfennigs- Romane in die Zelle hineingereicht, Schundzeug, das ich wütend. beiseite legte. Oft hörte ich, wie Häftlinge geschlagen und mit gemeinen Worten beschimpft wurden. Große Sorge hatte ich um die drei Priester, die nun mit mir im gleichen Hause schmachteten. Ich hörte zuweilen den Namen Maring, und ich weiß bestimmt, daß der arme, kranke Pater in Herne mehrmals geschlagen worden ist. Das ließ mir keine Ruhe mehr, und ich weinte viel. - Nach ungefähr acht Tagen erschien auf einmal der Polizeiwachtmeister in meiner Zelle und fragte ruhig, wie es sonst nicht seine Art war, warum ich eigentlich von der Geheimen Staatspolizei verhaftet worden sei. Er meinte, er habe eine solche Person wie mich noch nie in seinem Gefängnis gehabt. Ich erzählte ihm kurz und sehr unlustig, was er wissen wollte, hatte ich doch einen großen Zorn auf ihn, da er die Gefangenen schlug. Er hörte sich meinen Bericht kopfschüttelnd an und sagte, er könne das nicht begreifen. Zuletzt wurde er ganz sanft und gestand mir, daß er mich öfters durch den Spion beobachtet habe. Ich solle nicht so viel weinen, meinte er gutmütig und ob er mir irgendeinen Gefallen tun könne. Es war direkt wunderlich, wie dieser Mann auf einmal gütig mit mir sprach. ,, Ja" habe ich ihm geantwortet ,,, ich werde nicht mehr so viel weinen, wenn Sie die Priester nicht mehr schlagen, die genau so unschuldig sind wie ich!" - " 1 Dann erzählte ich ihm von Pater Marings Leben und Arbeit, von seinen Forschungen, seinen Patenten, von seinem ergreifenden und interessanten Buch über den Sternenhimmel: Der Weltendom"( Regensberg, Münster), von seiner großen Liebe zu Kindern, von seiner Hobelbank, an der er stillvergnügt so manche schöne Holzarbeiten für Kinder zu Weihnachten schuf, erzählte von seiner schweren Krankheit und teilweisen Blindheit, die er sich in einem Laboratorium bei wissenschaftlichen Versuchen zugezogen hatte und bat dringend, ihn und die anderen Priester und Gefangenen nicht mehr zu schlagen. Der Polizeimeister wurde nachdenklich und still, und es sei zu seiner Ehre gesagt, daß er 53 von diesem Tage an keinen Häftling mehr schlug, wenigstens habe ich es in den folgenden Wochen nicht mehr gehört. Er kam nun häufiger zu mir in die Zelle, gab mir Brot, brachte auch mal ein Stück Kuchen von seiner Frau mit, ließ die Zellentür am Tage offen, damit ich mich ein wenig im Korridor bewegen konnte. Ich bat um Bücher, aber er hatte keine außer den billigen Romanen; ich bat um irgendeine Beschäftigung, doch er meinte, er könne mir nicht zumuten, daß ich das Gefängnis putze. Und ich tat es doch so gern. So putzte ich täglich den langen Flur und die an das Gefängnis angrenzenden Büroräume der Herner Kriminalpolizei. Für mich wurde das Leben etwas erträglicher. Einmal beim Fensterputzen hörte ich unten auf dem kleinen Gefängnishof Menschen miteinander sprechen. Ich lehnte mich hinaus und sah Pater Maring und Pater Benninghaus im Gespräch mit einem Laien. Also die Priester durften sich etwas ergehen. Wie mich das freute! Ich hustete, damit die Herren da unten mich bemerkten, wußte ich doch, daß es auch ihnen Freude sein würde, mich zu sehen. Doch sie hörten mein Husten nicht. Da sang ich halblaut das Lenaulied: ,, Drei Zigeuner sah ich einmal liegen an einer Weide...". Es war das Lied, das Pater Muckermann und Pater Maring so sehr liebten und das ich ihnen manches liebe Mal im Laufe unserer gemeinsamen Arbeitsjahre zur Laute vorgesungen hatte. Sofort reagierte der gute Pater Maring, ebenso Pater Benninghaus. Sie winkten und nickten zu mir herauf, immer und immer wieder. Wir haben uns in unserm Elend aus Freude über dieses kurze Wiedersehen förmlich angestrahlt. Das war meine letzte Begegnung auf dieser Erde mit den beiden Jesuiten, die einige Tage darauf nach Oranienburg- Sachsenhausen kamen, dann nach Monaten weitertransportiert wurden nach Dachau, wo beide gestorben sind, oder wie wir es im Konzentrationslager treffender ausdrückten ,,, gestorben worden sind...". 54 Beim Putzen half mir eine fidele, zwanzigjährige Jüdin aus Dortm mit einem sollte. Sie hing an m lichen Her mit mir; d paket ins Aber als d so glücklic zu dürfen, zentrations kommen. wurde ku Ravens oder Aus sprach sie Es kam mir für d Juli. Der im Brett" Eine lange mir. Ich auf der S Sprache. Nun sch alles gefa solle mei Morgen Frauenko stenbe nen, blieb und mußt nicht um Grauenha Konzentra g, wenigicht mehr mir Brot, Frau mit, mich ein m Bücher, m; ich bat er könne Und ich en langen üroräume das Leben auf dem sprechen. ing und em Laien. Wie mich nten mich en Freude in Husten rei ZigeuEs war ater Mathes liebe jahre zur gute Pater e winkten er wieder. ber dieses war meine Jesuiten, -Sacheitertransgestorben treffender rige Jüdin aus Dortmund, die kleine rundliche Käthe W., die sich mit einem deutschen Soldaten irgendwie abgegeben haben sollte. Sie sang und schmetterte den ganzen Tag und hing an mir mit allen Fasern ihres jungen, leidenschaftlichen Herzens. Rührend teilte sie alles, was sie hatte, mit mir; denn ihre Mutter brachte ihr manches gute Eẞpaket ins Gefängnis. Hier durfte man Pakete empfangen. Aber als die ersten Pakete von meinen Angehörigen, die so glücklich waren, mir endlich etwas zukommen lassen zu dürfen, in Herne eintrafen, war ich bereits im Konzentrationslager und habe sie niemals ausgehändigt bekommen. Diese kleine, überschäumende, gutmütige Jüdin wurde kurz nach mir auch in das Konzentrationslager Ravensbrück eingeliefert und später nach Lublin oder Auschwitz überwiesen. Im Konzentrationslager sprach sie immer nur von ihrer Mutter. Auf Transport Es kam der Abend, an dem ich erfahren sollte, was mir für die nächste Zukunft bevorstand. Es war Ende Juli. Der Polizeimeister, bei dem ich nun ,, einen Stein im Brett" hatte, trat ziemlich verstört zu mir in die Zelle. Eine lange Weile stand er schweigend und verlegen vor mir. Ich merkte ihm an, daß er etwas nicht Alltägliches auf der Seele hatte. Aber er mußte ja heraus mit der Sprache. Es half alles nichts. Ich sagte ihm denn auch: ,, Nun schenken Sie mir reinen Wein ein! Ich bin auf alles gefaßt!" Und langsam kam es aus ihm heraus, ich solle meine Habseligkeiten packen, da ich am andern Morgen früh auf Transport käme mit dem Endziel: Frauenkonzentrationslager Ravensbrück bei Fürstenberg/ Mecklenburg. Ich konnte nichts entgegnen, blieb stumm und starr wie bei meiner Verhaftung und mußte mich bis zum Äußersten zusammenreißen, um Das nicht umzusinken. Mir blieb also nichts erspart. Grauenhafteste, was Menschenhirn ersinnen konnte, das Konzentrationslager, stand mir nun bevor. In Gottes 55 Namen denn. Es mußte wohl sein. Wer wußte denn, wem meine Leiden zugute kommen würden? Immer wieder habe ich mich in den allerschwersten Stunden diesem tröstenden Gedanken hingegeben. Es hat im Leben alles seinen Sinn, wenn wir auch diesen Sinn nicht ergründen können. Es ist doch wahr, wenn wir uns durch Leiden richtig leiten lassen, wird es uns stets zum Segen. Wir wachsen in schweren Notzeiten und müssen uns dem Unvermeidlichen in Demut beugen. Solches Leid ist stärker als wir. Mir kam in solchen Stunden der Prüfung oft das Verslein in den Sinn, das unser guter, seliger Vater gern zitierte: ,, Gottes Wille geschehe, tut's auch noch so wehe, wenn ich's auch nicht verstehe...". So fand ich mich denn ab mit meinem Los und packte meine Habseligkeiten. Neben mir stand der nun so sanfte, mitleidige Polizeimeister, der diese Tatsache gar nicht zu fassen vermochte. Ja, dieser Mann, den sein Handwerk nach außen hin rauh und hart gemacht hatte, dessen Hand so leicht ausrutschte, fluchte über das, was man mir antat und wünschte die gesamte Gestapo zum Teufel! In dieser Nacht schlief ich nicht. Am andern Morgen schon um 6 Uhr wurde ich geholt. Vor dem Gefängnis wartete das für Häftlingstransporte bestimmte Polizeiauto, die ,, grüne Minna", wie sie in ,, Fachkreisen" genannt wird. Ich kletterte hinein. Die Einzelzelle, in die man mich steckte, war so klein, daß ich, obwohl überschlank, mich kaum darin umdrehen konnte. Der Wagen hielt vor dem Bochumer Bahnhof. Durch gaffendes Menschenspalier hindurch ging's mit dem Polizeiwachtmeister in Uniform durch die Sperre, hinauf auf den Bahnsteig, wo wir auf unsern Zug lange warten mußten. Dort stand schon eine Frau mit einem Schutzmann. Die Polizisten sprachen miteinander. Die Frau, die dort stand und wohl auch ,, auf Transport" sollte, machte einen abgerissenen, verkommenen Eindruck, wie überhaupt fast alle Häftlinge, die sich auf dieser Fahrt zu uns gesellten. - Endlich lief der Zug ein. Ich war erstaunt, zu sehen, daß es Gefangenenwaggons gab, wovon ich bis zu diesem Tage nichts gewußt hatte. Es mußte eingestiegen 56 werden. rechts die zum weiblich bild! D Fenster sen Fen abgehär verwelk keimfar einer Z Häftling bis sieb überein es mich warum tionslag Reden der gar Dirnen Der Zu Häftlin hinauss haupt Endli wir aus über h schlech selter in Reih ten, de endlich dressie den, ge starrter Lieben Hunde das de Vor werden. Längs durch den Wagen lief ein schmaler Gang, rechts und links von ihm befanden sich kleine Zellen, die zum Teil schon überfüllt waren von männlichen und weiblichen Häftlingen. Was war das für ein Schauer- bild! Die Abteil- oder Zellentüren hatten alle ein kleines Fensterchen, natürlich vergittert, und man sah hinter die- sen Fenstern nur Augen, tiefe, forschende, dunkle Augen, ' abgehärmte, in langer Gefängnis- oder Zuchthaushaft verwelkte, fahle Gesichter mit der richtigen Kartoffel- keimfarbe verurteilter Strafgefangener. Ich wurde in einer Zelle untergebracht, in der normalerweise für vier Häftlinge Platz war, aber es befanden sich schon sechs bis sieben Frauen mit ihrem Gepäck darin. Man lag fast übereinander. Mir war das alles neu, darum auch ergriff es mich tief. Jede wollte nun wissen, woher ich kam, warum ich in Haft sei und ob auch ich ins Konzentra- tionslager überführt würde.... Ach, und mir fiel das Reden und Antworten so schwer. Bald merkte ich aus der ganzen Art und dem Gehabe, daß ich mich nur unter Dirnen befand. Ich war recht einsam zwischen ihnen. Der Zug fuhr sehr langsam, hielt oft und lange. Neue Häftlinge kamen hinzu. Aber wir konnten nicht einmal hinausschauen und feststellen, wo wir uns denn über- haupt befanden. Endlich am Abend kamen wir in Hannoveran, wo wir ausgeladen wurden. Nach meiner Schätzung waren es über hundert Gefangene männlichen und weiblichen Ge- schlechtes. Darunter ein junger, an den Händen gefes- selter Priester. Wir mußten wohl eine halbe Stunde, in Reihen zu Vieren aufgestellt, auf dem Bahnsteig war- ten, der Neugier einer glotzenden Menge ausgesetzt, bis endlich ein Riesenaufgebot von Polizeiwachtmeistern mit dressierten Polizeihunden kam und wir abgeführt wur- den, gefolgt von tausend Augen, die alle auf unser Elend starrten. Ich dankte dem Himmel, daß keiner meiner Lieben mir auf diesem Kreuzweg begegnete. Und diese Hunde, diese Hunde! Ich konnte es nicht fassen. Mußte das denn auch noch sein?—— Vor dem Bahnhof standen mehrere Lastwagen, in die 57 wir hineinkletterten. Man mußte hoch steigen und fiel vor Schwäche zurück. Aber unter dem Geschimpfe der Polizei und angesichts der dressierten Hunde ging es doch vor lauter Angst. Bald waren wir vor dem großen Gefängnis angelangt, wo alle aussteigen mußten. Wir Frauen wurden einer älteren Wachtmeisterin übergeben, die Männer mehreren Wachtmeistern. Ich schaute noch einmal hinüber zu dem jungen Priester und konnte meinen Blick nur schwer von seinen gefesselten Händen lösen. Nun wurden wir alle entlaust an Körper, Kopf und Kleidung. Gott Dank habe ich nie eine Laus gehabt. Dann gab es ein Stück Brot, und ich mußte mit vier Dirnen in eine Zelle zu ebener Erde, die überhaupt keine Pritsche hatte. Zu fünf Frauen lagen wir auf zwei Strohsäcken. Wenn ich mich auch noch so zusammennahm, es ist mir sehr schwer und schmerzlich gewesen, zum ersten Mal so eng zusammengekauert mit vier Dirnen schlafen zu müssen. Ich lag ganz am Rande vor lauter Ekel; ihre Gespräche waren unsauber und handelten nur sexuellen Erlebnissen. Aber wie lange habe ich nachher im Konzentrationslager mit ihnen zusammen noch enger als hier gehaust und wie tief habe ich manche von diesen Ärmsten der Armen in mein Herz geschlossen! von Nach einer dünnen Suppe am nächsten Morgen hieß es wieder aufbrechen. Wie Soldaten standen wir aufgestellt im Gefängnishof, wartend auf den Lastwagen, der uns. wieder zum Bahnhof bringen sollte. Wieder dieser Menschenauflauf, mir so verhaßt, wieder diese Blicke, wieder die gefesselten Männer, unter ihnen der junge Geistliche. Ach, so waren auch Pater Maring und Pater Benninghaus und Präses Friedrichs gefesselt ins Konzentrationslager gebracht worden!( Studienrat Bocks wurde von Herne aus ganz plötzlich entlassen.) Wieder wurden wir verladen, wie man Vieh verfrachtet, wieder Stunde um Stunde Fahrt in einem Bummelzug in den dichtgefüllten, kleinen Zellen des Gefangenenwaggons. Und es will etwas heißen, so zusammenge58 pfercht zu den erste wir alle v gab es e Brot und unvergeß das, was Ein Rie uns in B genenwag Teil der mußten, v gekehrt. wurden w nisses, A ten, Schu weiteren Viele T unheimlic Stock wu reren and war und ersten A drang m Augen an Erschütte an Menso Menschen tun. Flü über die und da bogen ha krochen Glück ha pfercht zu sein bei über dreißig Grad Hitze! Als wir in den ersten Morgenstunden in Berlin ankamen, waren wir alle völlig ermattet vor Hunger und Durst. Und doch gab es erst nach fünf Stunden ein Stücklein trockenes Brot und etwas Kaffee zum Trinken. Dieser mir ewig unvergeßliche Transport war der richtige Auftakt für das, was nun kam.... Berlin-Alexanderplatz Ein Riesenaufgebot von Polizei und Hunden empfing uns in Berlin am Bahnhof. Kleine und große Gefan- genenwagen standen zu unserem Abtransport bereit. Ein Teil der Häftlinge, Menschen, die immer Lärm machen mußten, war zügellos. Die andern waren still und in sich gekehrt. Mir ging so viel durch die Seele. Ausgeladen wurden wir im Hof des weltbekannten großen Gefäng- nisses„Am Alexanderplatz‘, wo Hunderte von Verurteil- ten, Schutzhäftlingen und Untersuchungsgefangenen ihres weiteren Schicksals harrten. Viele Treppen ging es hinauf in diesem riesengroßen, unheimlichen Hause. Hoch oben im dritten oder vierten Stock wurden uns Zellen angewiesen. Ich trat mit meh- reren anderen in eine große Zelle. Da es noch nicht hell war und Licht nicht gemacht wurde, sah ich in den ersten Augenblicken nichts. Ein undefinierbarer Geruch drang mir entgegen. Allmählich gewöhnten sich die Augen an das Dunkel, und ich fing an, zu unterscheiden. Erschüttert war ich, als ich hier in dieser Zelle Mensch an Mensch auf dem Boden liegend gewahrte. Ich trat auf Menschen, so sehr ich mich auch bemühte, es nicht zu tun. Flüche schallten uns entgegen. Man war wütend über die nächtliche Störung. Kein Plätzchen war frei, und da die, mit mir eingelieferten Dirnen stärkere EII- bogen hatten als ich, waren sie schneller untergebracht, krochen zu irgendeiner ihrer Standesgenossinnen, die das Glück hatten, auf einer Pritsche schlafen zu können, wäh- sd rend ich noch immer ratlos stand und nicht wußte, wohin ich mich setzen sollte. Schließlich bemerkte ich an dem Klosett in der linken Ecke am Fenster ein freies Plätzchen. Dorthin also legte ich mich. Das Klosett war voller Schmutz und Kot, die Wasserspülung funktionierte nicht. Es war mir zum Erbrechen schlecht, aber wohin sollte ich mich sonst legen? Nur schlafen, schlafen! Mit meinem Mantel als Decke, ohne jede Unterlage lag ich da, den Kopf auf die Arme, die Lippen und die Zunge trocken vor Durst.... Doch was war das? Mir juckte auf einmal der ganze Körper, und ich fand in den paar Stunden, die diese Nacht noch hatte, keine Sekunde Ruhe. Als es etwas heller geworden war, untersuchte ich meinen Körper und war entsetzt von soviel Wanzenstichen. Ja, es ist nicht übertrieben, ich habe in diesen vier Tagen und Nächten in Berlin Hunderte von Wanzen gesehen und getötet. Nie zuvor hatte ich in meinem Leben mit diesen lästigen und quälenden Tieren Bekanntschaft gemacht, auch in keinem Gefängnis. Ausgerechnet in der Reichshauptstadt des ,, glorreichen Führers", im größten Gefängnis Deutschlands, war alles verdreckt, verwanzt und verlaust. Ich war so traurig, so unglücklich! Wie ich unter dieser Plage gelitten habe, kann ich nicht beschreiben. In dieser Zelle, die etwa sechzehn Pritschen aufwies, lagen über hundert Frauen und Mädchen auf dem verwanzten Boden. Es war nicht einmal eine Sitzgelegenheit für uns da. Ich glaube, es stand da eine einzige Bank für über hundert Häftlinge. chen zusa Dirnen. ständig, stehlich. fesselt un Menschhe Am Tag hatte ich Zeit genug, mir meine neue Umgebung anzuschauen. Von der fast siebzigjährigen, ehrbaren Handwerkerfrau aus Sachsen, die irgendeine harmlose, abfällige Bemerkung über Hitler gemacht hatte und deshalb schon ein ganzes Jahr in Zuchthaushaft war, bis hinunter zur sechzehnjährigen Dirne, war jedes Alter, fast jeder Stand vertreten. Zwei stille Nonnen, den Rosenkranz betend, saßen in einer Ecke, junge und alte Jüdinnen, gehetzt und verfolgt, saßen oder lagen in Klüb60 male eine diese Aus los und g Tages w Zelle, kau wurde m überfüllt. beren Zel das Dritt nen Prop trägen üb Hatten d wenn sel nis völlig mer kon mals gew unser all die Brille sich nich hat. Wa als übert ben auf Niemand schlimm, Dirnen a Nonnen, schlosser konnte k Zumutun kam, sch von dies es in Be Brot, am te, wohin ı an dem jes Plätz- wär vol- Ktionierte 5 Deutsch- st, Ich chen zusammen. Und auf den Pritschen räkelten sich die Dirnen. Verschiedene unter ihnen benahmen sich an- ständig, die meisten aber waren für uns andere unaus- stehlich. Behaftet mit körperlichen Krankheiten, die ent- fesselt und großgezogen wurden in der Unterwelt der Menschheit, verkommen an Leib und Seele, alle Merk- male einer furchtbaren sittlichen Seuche an sich, trugen diese Ausgestoßenen teils mit Qual, teils aber auch herz- los und gleichgültig ihr trauriges Los. Zu jeder Zeit des Tages wurden Häftlinge aus dieser Zelle geholt. Die Zelle, kaum von einigen Insassen etwas leerer geworden, wurde mit neuen sofort wieder überbelegt. Sie blieb überfüllt. Wie sehnte ich mich zurück nach meiner sau- beren Zelle in Münster! Da regte sich in seinen Büchern das Dritte Reich, der Nationalsozialismus mit allen sei- nen Propagandarednern in Schriften, Büchern und Vor- trägen über die Zustände in russischen Gefängnissen auf! Hatten die überhaupt Grund und Recht sich aufzuregen, wenn selbst in der Reichshauptstadt das größte Gefäng- nis völlig verdreckt, verlaust und verwanzt war?! Schlim- mer konnte es in einem russischen Gefängnis auch nie- mals gewesen sein. Peinlich war die Toilettenfrage. Vor unser aller Augen verrichtete jede ihre Notdurft, und die Brille war Tag und Nacht beschmiert. Man kann es sich nicht vorstellen, wenn man es nicht selbst erlebt hat. Was ich hier berichte, erscheint den Lesern gewiß als übertrieben— aber es ist Tatsache. Die Dirnen trie- ben auf ihren Pritschen die tollsten Dinge miteinander. Niemand konnte helfen. In einer Nacht war das so schlimm, daß es zu einer groben Schlägerei unter den Dirnen aus gegenseitiger Eifersucht kam. Die beiden Nonnen, einige andere beherzte Häftlinge und ich ent- schlossen uns, auf die Nachtschelle zu drücken; denn das konnte kein anständiger Mensch mehr mitmachen, diese Zumutung ging denn doch zu weit. Die Wachtmeisterin kam, schlug die Dirnen auseinander und führte einige von diesen tobenden Ungeheuern hinaus. Zu essen gab es in Berlin bitter wenig. Morgens ein Stück trockenes Brot, am Mittag eine dünne Suppe ohne Kartoffeln und 61 am Abend entweder ein Stück Brot oder wieder ein undefinierbares Wassersüppchen. Mir ging beim Anblick meiner Mitgefangenen das alte russische Gefangenenlied, von dem Dostojewski berichtet, daß es oft in der sibirischen Gefangenschaft von den Häftlingen gesungen wurde, durch den Sinn: ,, Nur Kohl mit Wasser gibt man mir, und dennoch ess' ich's voll Begier...". Die Wanzenplage wurde mit jeder neuen Nacht unerträglicher. Sobald es dunkelte, waren die Biester da und plagten uns arme Geschöpfe. Ich muß wohl besonders dafür empfänglich sein, denn eine andere Gefangene und ich waren ohne Übertreibung von der Fußsohle bis zum Haarscheitel, ja, bis in die Fingerspitzen hinein zerstochen, während die andern bedeutend weniger Stiche aufzuweisen hatten. Eine Tragik ist es, daß noch Wochen hinterher diese Stellen bei jedem Dunkelwerden neu anfangen zu jucken. Ich saß kratzend auf dem Fußboden, Stunde um Stunde, jede Nacht. Andere saßen bei Tage und lausten sich gegenseitig mit Staubkämmen. Etliche unter ihnen waren ganz verlaust. Davon aber blieb ich in meiner langen Haftzeit verschont. Wenn ein Außenstehender für einige Minuten einen Blick in diese erbärmliche Zelle hätte werfen können, mußte er annehmen, in einem Irrenhaus zu sein, nur mit dem Unterschied, daß Irrenhäuser sauber sind; denn sie werden ja meist von Barmherzigen Schwestern geleitet. Trotz allem aber bemühte ich mich, mir meine Gelassenheit zu bewahren, aber die brennende Sehnsucht nach dem Leben, nach meinen Lieben, wurde ich auch hier nicht los. Mich knüpfte ein starkes Band an das Leben, und dieses Band ist nur sehr schwer zu lösen. Doch mich hielt und trug die Gewißheit, daß in dem, was ich da erlebte und erlitt, für mich keine Schande liege und daß so viele Unschuldige ungerechterweise das Gleiche tragen mußten. Und ich wußte, auch sie ließen sich selbst vom Grausamsten und Abstoßendsten nicht unterkriegen und hielten das Vertrauen immer hoch! 62 62 Wie h Scho Ja, a mich ve herrn Stunder haupt i res kat ren Zei zuweise sich gi niedrig ler nich Auch gingen, dahin mit bre Nächte Gestan lingen habe i Deutsch wieder Hine Am meister gerufen trations in Me war au ein gir er ein unAnblick genenlied, oft in der gesungen cht unerer da und besonders gene und e bis zum in zerstotiche aufWochen n neu anFußboden, bei Tage . Etliche blieb ich in Außendiese erer annehem Unterwerden ja meine GeSehnsucht ich auch d an das zu lösen. dem, was ande liege weise das sie ließen sten nicht mer hoch! Wie hieß es doch in dem feinsinnigen Gedicht von Schoenaich- Carolath: ,, Wir wollen die Hände erfassen des Schiffsherrn von Nazareth, der, wenn die Sterne erblassen, lichtwandelnd durch Meere geht...".. Ja, auch mir waren alle Sterne erblaẞßt, aber ich hielt mich vertrauensvoll weiter fest an der Hand des ,, Schiffsherrn von Nazareth". Und das allein kann in solchen Stunden die Seele mit Trost und Frieden erfüllen. Überhaupt ist der tiefe Wert und der große Reichtum unseres katholischen Glaubens mir in dieser so bitterschweren Zeit als das Kostbarste erschienen, was die Welt aufzuweisen hat. Was zwischen Gott und meiner Seele vor sich ging, das konnte mir der brutalste SS- Mann und der niedrigste Gestapoagent und selbst Herr Heinrich Himmler nicht nehmen. Auch diese vier Tage und vier Nächte in Berlin vergingen, wenn auch die Stunden langsam, allzu langsam dahin krochen. Traurig und todwund in der Seele und mit brennendem Heimweh im Herzen lag ich in diesen Nächten kratzend auf dem Boden, dazu der furchtbare Gestank des offenen Klosetts, das von über hundert Häftlingen Tag und Nacht benutzt wurde. Soviel Schmutz habe ich nie wieder gesehen. Wie war das möglich in Deutschland? Ich fragte es mich immer und immer wieder. Hinein in das Konzentrationslager.... Am Abend des 1. August 1941 wurden von der Wachtmeisterin die Namen der Häftlinge unserer Zelle aufgerufen, die am nächsten Morgen in das Frauenkonzentrationslager Ravensbrück bei Fürstenberg in Mecklenburg überführt werden sollten. Darunter war auch der meine. Einer Hölle entrann man, und hinein ging es in eine noch schlimmere. Früh um drei Uhr 63 morgens mußten wir fertigstehen zur Abfahrt, in Reihen zu Vieren dem Alphabet nach aufgestellt. Immer wieder wurden unsere Namen zum Zwecke der Kontrolle aufgerufen. Jeder Aufgerufene mußte sich melden. waren ca. einhundertundzwanzig Häftlinge, die Älteste über siebzig Jahre alt; unter ihnen Berufsverbrecher, Dirnen, Klosterfrauen, Jüdinnen, Frauen aller Stände und jeden Alters. Um fünf Uhr endlich ging es los. Wir stiegen wiederum in die Gefangenenautos. Um uns herum wimmelte es von Polizei und Hunden. Vom Bahnhof aus sandte ich mit wehem Herzen meinen beiden Berliner Geschwistern, die keine Ahnung von meinem dortigen Aufenthalt hatten, im Geiste einen letzten Gruß. Dann ging es unter dem Hallo unbeherrschter Häftlinge und dem Geschimpfe der Polizei und dem Gebelle der Hunde wieder hinein in die Gefangenenwaggons. Ich sah, daß viele der Zellen von Männerhäftlingen, die in das Konzentrationslager Oranienburg- Sachsenhausen gebracht wurden, überfüllt waren. Nach einigen Stunden Fahrt waren wir an der neuen Kreuzwegstation, Bahnhof Fürstenberg, angekommen. Unsagbares Bangen erfüllte meine Seele. Da stand die SS, da standen die Aufseherinnen mit den dressierten Hunden, die uns in Zukunft so oft quälen sollten. Ein Grauen überfiel Körper und Seele. In die bereitstehenden Lastwagen wurden wir buchstäblich hineingeworfen. Manche von uns, die alten Leutchen und die schwachen, konnten nicht so schnell hinein. ,, Altes Stück Sch..... mach, daß Du rauf kommst, sonst kriegst Du eine gelatscht....!" Dieser Art war unsere erste Begrüßung. An allen Gliedern zitternd, kroch ich auf den Wagen, und schon ergriff einer der SS- Leute eine Latte und preßte sie gegen meine Kniekehlen, sodaß ich in die Knie ging. Keine von den Häftlingen sprach ein Wort. Bei soviel Grauen verloren selbst die Ausgekochtesten und Verkommensten ihre Sprache. O Mutter, Mutter, wie dankbar war ich Gott, daß du nicht sahest, was deinem Kind angetan wurde! 64 Fernab dem herrlich gelegenen Luftkurort FürstenT berg, Lastwage tionslage mauern, nem Stad köpfe, di noch gut betrat, in tiefe Sch ich mir nen. Es Einfahrts Uniform. Vor de Viererrei werden, neben u späten N hitze etv lich fig lassen, w Personal trationsl als die mann feige, un Nase lie alles, wa und abg Mit mir lauter N zuknöpf hatte ic raubt, d da, spli Stunden mit das stumm. dem die 5 Herb n Reihen wieder dortigen ıB. Dann inge und er Hunde sah, daß das Kon- hausen jer neuen berg, von dem wir natürlich nichts sahen, da unsere Lastwagen überdeckt waren, lag das Frauenkonzentra- tionslager ganz versteckt und verborgen hinter Riesen- mauern, die umspannt waren mit elektrisch gelade- nem Stacheldraht,— das bewiesen die schwarzen Toten- köpfe, die davor angebracht waren. Ich erinnere mich noch gut, wie ich das erste Mal das Konzentrationslager betrat, in dem ich nun für lange Zeit leben und viele tiefe Schmerzen ertragen und erleiden sollte, von denen ich mir nie vorher eine Vorstellung hätte machen kön- nen. Es war morgens gegen neun Uhr. Vor dem riesigen Einfahrtstor wimmelte es von SS und Aufseherinnen in Uniform. Vor dem Büro der Oberaufseherin mußten wir uns in Viererreihen aufstellen, Gepäck durfte nicht abgestellt werden, strengste Bewachung mit Hunden vor, hinter und neben uns. So standen wir Stunde um Stunde bis zum späten Nachmittag, ohne in dieser brüllenden August- hitze etwas zu trinken zu bekommen. Gegen Abend end- lich üng man an, immer vier Häftlinge in das Büro zu lassen, wo in einem großen Raume eine Aufseherin die Personalien und den Grund der Einlieferung ins Konzen- trationslager notierte. Als ich zur Antwort gab, daß ich als die langjährige Sekretärin des Paters Mucker- mann verhaftet worden sei, erhielt ich die erste Ohr- feige, und die war so wuchtig, daß das Blut mir aus der Nase lief. Dann ging es in einen kleinen Raum, wo man alles, was man bei sich hatte oder am Leibe trug, ablegen und abgeben mußte unter dem Gespött der Bewachung. Mit mir kam ein altes Mütterchen an die Reihe, die vor lauter Nervosität nicht imstande war, ihre Kleider auf- zuknöpfen. Ich wollte ihr behilflich sein, aber schon hatte ich wieder eine Ohrfeige weg. Der Kleider be- raubt, die in eine Ecke geworfen wurden, standen wir da, splitternackt. SS ging zwischen uns auf und ab. Stundenlang standen wir so in unserer Nacktheit. Es war mit das Schwerste. Manche weinten laut. Ich blieb stumm. Dann gings wieder in einen anderen Raum, in dem die Neuangekommenen von zwei Bibelforscherinnen, 5 Herbermann, Der gesegnete Abgrund 65 Wir neu an Aufsehe bracht. ersten ebenfalls Häftlingen, der Reihe nach gelaust wurden. Wo man nur eine Laus oder eine Nisse fand, wurden dem armen Geschöpf die Haare völlig abrasiert. Und wie viele hatten sich in langer Kerkerhaft in unsauberen Gefängnissen Läuse aufgefangen! Mein Kopf war sauber. Von den an diesem Tage eingelieferten Gefangenen wurden mindestens fünfzig Frauen ratzekahl geschoren. Einige heulten auf wie wilde Tiere, andere nahmen es gelassen hin wie Opferlämmer. Nach der Entlausung ging es in einen Baderaum mit vielen Duschen. Die Ersten mußten warten, bis die Letzten entkleidet und entlaust waren. Dann ging es unter die heiße, wohltuende Brause. Mein Körper war von den Berliner Wanzen so zerstochen, daß ich mir gleich am ersten Tage von SS und Aufseherinnen viel Spott bieten lassen mußte; denn die roten Flecken wollten und wollten nicht schwinden. Doch das Gespött traf mich nicht. Nach diesem Brausebad bekam jede ein blaues Handtuch und wurde dann ,, eingekleidet" als richtiger Sträfling. Wäsche und Kleider waren zum größten Teil verheerend. Jede bekam ein Hemd, das mehr grau als weiß war, ein Beinkleid und, so lange der Vorrat reichte, einen Unterrock. Diese grauen Unterröcke waren so lang, daß sie zehn, ja manchmal zwanzig Zentimeter unter dem Kleid hervorsahen. Und wir hatten kein Garn, keine Nadel, um die Röcke kürzer machen zu können. Später erst lernten wir, uns solche Dinge zu ,, organisieren". Als Letztes bekam jede noch eine Schürze. Die meine hatte mindestens zwölf Flicken in den verschiedensten Farben. Aber was machte das uns noch aus? Nun waren wir alle gleich, ob Nonnen, Juden, Dirnen, Verbrecher ,,, Staatsfeinde", ob alt oder jung. Grausig waren diese geschorenen Frauenköpfe anzusehen. Ich habe mich in der langen Zeit nicht an diese geschorenen Frauen gewöhnen können, obwohl ich mich an vieles gewöhnen mußte. Sie sahen aus wie Gnomen. War dies die Hölle? möglich Lagers Zu b einstöc nen aß schiede sche H Polen, ziale( Ukrain ein Rie Wirtsch auf de weißer Ihm ge des Gr im Inn ich na müssen Wir gebrac Auch Tages Tische sechze man s schrie 99 Und wie iDeren Ge- ar Sauber, »m Brause urde dann und Klei- >de bekan 1 Bein- Erschütternde Eindrücke „Wenn das Wort Liebe weinen könnte, es hätte sich längst zu Tode geweint; wenn das Wort Liebe bluten könnte, es hätte sich längst verblutet; wenn das Wort Liebe sterben könnte, es wäre schon längst gestorben... (Prof. Dr. A. Donders) Wir„Zugänge“, wie man im Konzentrationslager die neu angekommenen Häftlinge nennt, wurden nun von Aufseherinnen zu dem sogenannten„Zugangsblock"” ge- bracht. Jetzt konnte ich einigermaßen, soweit das am ersten Tag bei soviel Erschütterungen von innen her möglich war, die Beschaffenheit und den Aufbau des Lagers betrachten. Zu beiden Seiten der breiten Lagerstraße zogen sich einstöckige lange Blockhäuser hin, worin die Gefange- nen aßen und schliefen. Die Häftlinge waren in ver- schiedene Gruppen eingeteilt; es gab Blocks für politi- sche Häftlinge aller Nationen, für Bibelforscher, für Polen, für Verbrecher, für Juden, für Zigeuner, für Aso- ziale(darunter die Dirnen), später auch für Russen, Ukrainer usw. Im Vordergrund des großen Hofes stand ein Riesenblockhaus, die Küche; dann noch verschiedene Wirtschaftsgebäude mit Kellern, Brotkammern usw. Vorn auf dem großen Hof links ein einziger, freundlicher, weißer Bau, das Kasino für die SS und die Aufseherinnen. Ihm gegenüber auf der andern Seite des Hofes das Haus des Grauens, dem man schon von außen ansah, was es im Innern darstellte: der Arrest- oder Zellenbau, mit dem ich nachher auch bittere Bekanntschaft habe machen müssen. Wir Zugänge wurden zunächst in den Zugangsblock gebracht, wo wir total erledigt auf die Schemel fielen. Auch hier Überfülle, zu wenig Raum allüberall. In den Tagesräumen, in denen gegessen wurde, saßen an den Tischen, die etwa für zehn Personen bestimmt waren, sechzehn bis achtzehn Häftlinge. Um die Schemel schlug man sich, genau so um die Pritschen. Hier wurde ge- schrien, gelärmt, gelacht, geschimpft, gespottet, gesun- Pr 67 -... Der Block hatte geweint gen, gedöst und zweihundertundsiebzig Pritschen, immer drei übereinander. Da ich mich zurückhielt, um dem Lärm ein wenig zu entgehen, bekam ich nur noch eine Pritsche im dritten Stock, wo ich mit der Nase fast an die Decke stieß. Zwischendurch gab es etwas zu essen. Ich konnte an diesem ersten Abend nichts anrühren, aber gierige Augen warteten schon auf meine Portion, die ich ihnen gern überließ. Ich saß an einem Tische mit mindestens zehn Dirnen und einigen anderen Gefangenen zusammen, denen fast sämtlich die Haare geschoren waren. Sie benahmen sich wie die Schweine. Mein Gott, in was für eine unheimliche Gesellschaft war ich geraten! Als ich am Abend auf meiner Pritsche lag, was für Gespräche habe ich da gehört, was für Ausdrücke! Die tollsten Erlebnisse aus Bordellen wurden laut erzählt und zum Besten gegeben, unflätige Lieder gesungen, und ich lag einsam dazwischen, gottverlassen, mich die ganze Nacht hindurch kratzend mit fieberheißem Kopf. So ging es wochenlang, bis endlich das Jucken nachließ. Tausend Gedanken gingen mir durch das gemarterte Hirn. Sollte das so weiter gehen? Konnte man hier überhaupt noch leben? Sollte ich nie mehr allein sein? Nie mehr gesammelt und ungestört mich mit meinem Gott beschäftigen können? Nie mehr, wenn der erlösende Schlaf nicht kommen wollte, mich Stunden hindurch mit meinen Lieben in der Ferne unterhalten können, wie ich das im Gefängnis so oft getan hatte? Qualvoll die Gewißheit, nun nie mehr für sich und mit seinen Gedanken und seinem Heimweh allein sein zu dürfen! Tagsüber mußte ich schwerste Außenarbeit leisten, zusammen mit den anderen Häftlingen unter strenger Bewachung von SS, Aufseherinnen und Hunden...! Auch am Tage also nie mehr allein! Es war schon eine sonderbare Gesellschaft, in die ich hineingeraten war und mit der ich auf Tod und Verderb nun so lange Zeit hindurch verbunden bleiben mußte. Und sie war nicht nur sonderbar, sondern auch gefährlich, voller Neid, Mißgunst, Lüge und Gemeinheit. Ge68 88 wiß, es vorbild scheide ich in leiderfi fanden uns im war ve der H Hölle, duen w zu find altes der Ta mich z im Au selbst len, m nicht nicht. Brot o aber b zwar n Mahlze Stück verkau Tiere gestell den. 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Gemeinste Ausdrücke wie ,, gehirnlose Kuh", ,, altes Stück Sch..." und noch gemeinere waren an der Tagesordnung. Ich war ihnen von Anfang an, da ich mich zurückhielt und eben anders war als sie, ein Dorn im Auge, und oft in den ersten Wochen machten sich selbst diese Häftlinge eine Freude daraus, mich zu quälen, mich aufzuziehen, mich zu verspotten. Ich konnte nicht mitmachen, hielt mich zurück und das paßte ihnen nicht. Meine Tischnachbarinnen, denen ich mein Stück Brot oder meine Pellkartoffeln oft gab, standen mir dann aber bei und verteidigten mich auf ihre Art. Das geschah zwar nur aus dem Grunde, um bei der nächsten kargen Mahlzeit wieder etwas von mir zu erben. Ja, für ein Stück Brot, für ein paar Kartoffeln hätten sie ihre Seelen verkauft.... Arme Menschen, sie waren schon wie die Tiere geworden und wurden nun noch tief unter das Tier gestellt, wie die folgenden Ausführungen beweisen werden. Die ersten vier Wochen im Konzentrationslager ,, Schwer ist die Arbeit, schwer sind die Ketten, Jahre um Jahre in der Sonne heißen Brand." In den ersten Tagen gab es für die ,, Zugänge" allerlei Formalitäten zu erledigen. Zunächst mußten die Häftlinge in den ,, Erkennungsdienst", wo von jedem Neueingelieferten Photos( enface und profil) hergestellt wur69 den, die man der Akte beilegte, damit bei etwaiger Flucht, die nicht selten vorkam, die Betreffende schneller wieder gefaßt werden konnte. Stunde um Stunde mußte man stehend warten, bis man endlich vorgelassen wurde. Alles ging unter strenger Bewachung vor sich. - scharfen war in de dazu hatt in diesem dere Beg Strafen d suchunge Am andern Tag ging es auf die Politische Abteilung, wo alle möglichen und unmöglichen Fragen an den schon ganz zerquälten Neuling gestellt wurden. Hier erhielten. wir unsere Gefangenennummern. Ich bekam die Nummer 6582. Am nächsten Tag wurden wir alle geschlossen in die Schneiderei geführt, wo man die auf einem weißen Stückchen Stoff schwarz aufgedruckte Nummer mitsamt dem Winkel in Empfang nahm. Wehe, wenn die Nummer oder der Winkel sich bei der Arbeit vom Kleid gelöst hatten! Das brachte sogar Arrest und sonstige schwere Strafen. Winkel gab es hier in allen Farben. Der politische Häftling bekam einen roten Winkel, die Bibelforscherinnen einen lila, die Dirnen und Asozialen einen schwarzen, die Berufsverbrecherinnen einen grünen, die Zuchthäusler trugen auf dem grünen Winkel dick schwarz gedruckt noch ein Z, Jüdinnen bekamen einen gelben Winkel, Häftlinge, die wegen Rassenschande in das Konzentrationslager eingeliefert wurden, einen gelben mit einem umgekehrten schwarzen darüber usw. Winkel und Nummer mußten am linken Oberärmel festgenäht werden. Auf meinem Arm prangte nun der rote Winkel und die Nummer 6582. Mit der Nennung dieser Nummer hatten wir uns auch zu melden bei Kommandant und Oberaufseherin, bei den Aufseherinnen und SS- Männern. Die Meldung lautete so: Schutzhäftling Herbermann, Nr. 6582. Vor jedem Wachhabenden hatten wir strammzustehen. Wie gemein und grauenhaft waren oft die Begegnungen mit dem Wachpersonal! Sie erbitterten durch ihre unbegründete, willkürliche und sinnlos brutale Behandlung die armen Häftlinge nur um so mehr, und der Haẞ steigerte sich bei Vielen ins Grenzenlose. Die Fäuste waren geballt von heißem Zorn. So wie in jedem Gefängnis, so waren auch im Konzentrationslager Messer und jegliche 70 ständen d nichts be und hatte andern T Doch ich von den Jeden Lagersire sirenen den Prits Waschra ein Wasc zehn bis Jede wo schon am Ich war sellschaft Haare ha usw. dur man sich in der Lu Seite hin war - jedem ne die Kant waren! S sen, mul herausbe und prüf säcke ge tert! Di Mich ha etwaiger schneller de mußte en wurde. bteilung, en schon erhielten die Numgeschlos uf einem Nummer he, wenn er Arbeit rrest und - in allen poten Winnen und cherinnen m grünen innen beegen Rasefert wurschwarzen am linken m prangte Mit der zu melden Aufseheo: Schutznzustehen. gegnungen ihre unehandlung Haß steiste waren ängnis, so ad jegliche - - scharfen Gegenstände strengstens verboten. Und doch war in den Blocks alles da, es wurde eben ,, organisiert"; dazu hatten die oftmals Vorbestraften und das waren in diesem Konzentrationslager viele, viele eine besondere Begabung. Ich hätte es nie tun mögen, denn die Strafen dafür waren bei den häufig stattfindenden Durchsuchungen und Taschenkontrollen nach derartigen Gegenständen doch zu schwer. Viele aber ließen sich durch nichts beirren. Wurden ihnen die Messer weggenommen und hatten sie eine empfindliche Strafe hinter sich, am andern Tag schafften sie schon wieder neue herbei. Doch ich will nichts vorwegnehmen, sondern zunächst von den ersten Tagen und Wochen im Lager berichten. Jeden Morgen um halb fünf Uhr ging die unheimliche Lagersirene, im Ton ähnlich wie unsere Entwarnungssirenen nach Fliegeralarmen. Man sprang schnell von den Pritschen hoch, und alles strömte lärmend in den Waschraum. Für zweihundertundsiebzig Häftlinge war ein Waschraum in jedem Block vorhanden mit etwa fünfzehn bis zwanzig Waschbecken. Da staute sich nun alles. Jede wollte als Erste dran. Zank und Hader begannen schon am frühen Morgen. Das war doppelt bedrückend. Ich war jeden Morgen neu tiefunglücklich in dieser Gesellschaft. Dann frisierten sich die, die überhaupt noch Haare hatten, schnell glatt nach hinten. Scheitel, Locken usw. durften nicht getragen werden. Darauf kleidete man sich schleunigst an, das ,, Bett" wurde gemacht. Fast in der Luft hängend ich konnte mich nur nach einer Seite hin stützen, da meine Pritsche direkt am Fenster - quälte ich mich im dritten Stock ab. Das war an jedem neuen Morgen eine neue Plage! Wehe uns, wenn die Kanten des Stroh- oder Holzwollesacks nicht gerade waren! Schnurgerade, wie mit einem Zollstock abgemessen, mußten sie sein. Diese Kunst habe ich nie ganz herausbekommen. Täglich kam die Kontrolle, musterte und prüfte die Pritschen mitsamt den Kanten der Strohsäcke genau. Wie habe ich vor dieser Kontrolle gezittert! Die andern konnten es meist viel besser als ich. Mich hat das Pritschenmachen in der ersten Zeit fast um war - - 71 den Verstand gebracht. Nicht, daß ich Angst hatte vor dem Kostentzug, das nahm ich schon auf mich, aber das stundenlange Strafestehen in Regen und Wind und Wetter nach der ermüdenden und aufreibenden, schweren Tagesarbeit, war doch eine große Quälerei. Und die nackten Füße taten so schon weh genug. Schließlich fand sich eine gute Seele, die mir half. Sie bekam dann dafür mein Stück Brot. Ja, ich habe in den ersten Wochen fast täglich mein Stück Brot dieserhalb abgegeben. Herauskommen durfte das nicht, auch darauf stand Strafe. Und da die Häftlinge untereinander sehr miẞgünstig waren, konnte ich das Stück Brot der Betreffenden nur ganz verschwiegen zustecken. Ich war zu scheu und wurde ausgenutzt von allen Seiten. Abwechselnd mußten zehn bis zwölf Häftlinge am Morgen den schwarzen Kaffee in schweren Kübeln holen, den dann die Blockälteste mit ihren beiden Stubenältesten austeilte. Block- und Stubenälteste waren bevorzugte Häftlinge und trugen um den linken Arm eine grüne Binde. Aber ihre Aufgabe und Verantwortung waren gefährlich und schwer. Als Blockälteste über Hunderte von Häftlingen zu wachen, für alles vor der SS verantwortlich zu sein, was überhaupt im Block vor sich ging, alles, aber auch alles wissen zu müssen das war keine Kleinigkeit, und manche hat unschuldig bittere Strafen, oft genug Dunkelarrest, auf sich nehmen müssen. Die Gefangenen mußten den Stubenältesten, vor allem aber der Blockältesten gehorchen. Die Blockälteste hatte zwar allerhand Rechte, aber noch mehr schwerste Pflichten. Es war schon besser, in einem Konzentrationslager in der Masse unterzutauchen, als ein verantwortliches Amt zu bekleiden; das habe ich selber später als Blockälteste erfahren müssen. Nachdem der Kaffee hastig heruntergeschluckt und der Rest des am Vortage empfangenen Stück Brotes, wenn überhaupt noch ein Rest vorhanden war, verzehrt war, ertönte die Sirene abermals, und hinaus ging es zum ersten Zählappell. Vor jedem der ca. fünfundzwanzig Blocks bei meiner Entlassung waren etwa zehn neue 72 - dazu gek reihen hi der Ober men und seherin s neu antr irgendein der Appe alles erzi dieser od allen auf barste M selten w geteilt. I Hochsom 1. April barfuß. bei der meisten waren di ich sie i und nach alten un flossen s ja nie a das Hein in der S gendlich neuaufge gen Geis all sonst Die er mir klar sammen Vieles, glaubte ich im Zuständ schilder matte vor aber das und Wetschweren Und die chließlich am dann Wochen en. Her d Strafe. iBgünstig nden nur cheu und am Mor olen, den enältesten evorzugte ne grüne waren ge derte von erantwort ring, alles eine Klei rafen, oft vor allem este hatte ste Pflich tionslager wortliches als Blockxt und der tes, wenn zehrt war g es zum andzwanzig zehn neue - dazu gekommen standen die Häftlinge in Zehnerreihen hintereinander. Der Appell wurde meistens von der Oberaufseherin oder einer Stellvertreterin abgenommen und dauerte fast eine Stunde. Und wenn die Aufseherin sich verzählt hatte, mußte alles abtreten, dann neu antreten und immer wieder neu, bis endlich auf irgendeine Weise die Zahl geklärt war. Oft kam, wenn der Appell nicht stimmte, der Kommandant hinzu und alles erzitterte. Wenn es ihn gerade gelüstete, mußte sich dieser oder jener Häftling nackt vor ihm und vor uns allen auf der Lagerstraße entkleiden. Er war das furchtbarste Menschenuntier, das ich je erlebt habe. Nicht selten wurden beim Appell Fußtritte und Ohrfeigen ausgeteilt. In aller Herrgottsfrühe standen wir selbst im Hochsommer frierend- stramm mit nackten Füßen. Vom 1. April bis zum 1. Oktober liefen sämtliche Häftlinge barfuß. Das war eine Katastrophe, vor allem mühselig bei der schweren Straßenarbeit draußen. Die Füße der meisten Gefangenen bluteten, hatten offene Wunden und waren dick angeschwollen. Solche Fußkrankheiten, wie ich sie im Konzentrationslager sah, habe ich nie vorher und nachher gesehen. Unsagbar leid taten mir die ganz alten und kranken Häftlinge. Wie viele stille Tränen flossen schon morgens beim ersten Zählappell. Man war ja nie ausgeschlafen, immer nervös, immer gehetzt, und das Heimweh, das Grauen und die Ungewißheit brannten in der Seele. Bei diesem Frühappell habe ich allmorgendlich den Himmel um Starkmut und Kraft für den neuaufgehenden Tag angefleht. Diese Gaben des Heiligen Geistes brauchte man in dieser Hölle mehr als überall sonst auf der Welt. Die ersten vier Wochen im Konzentrationslager stehen mir klarer im Gedächtnis als alle folgenden Monate zusammen genommen. So niederschmetternd waren sie. Vieles, was in einem Konzentrationslager vor sich ging, glaubte ich vom Hörensagen her zu wissen. Auch hatte ich im Jahre 1934 in Holland ein Buch gelesen, das die Zustände und Vorgänge in einem Konzentrationslager schilderte. Doch die Vorstellungen, die ich mir daraus 73 - - schweren leidslose A herde, ihre stole in de ren Arbeit einfach nic ersten Zei man auf bleibt das Mein Kör haft zu ge kaum noch immer die ten. Aber auf die Au genau gefährlich machte und machen konnte, waren nur schwache Schatten gegenüber dem, was sich vor meinen Augen im Lager vollzog und wohinter wir Häftlinge erst nach und nach gekommen sind. Ich konnte und konnte nicht fertig werden mit dem Gedanken, mit der Tatsache, daß so etwas Grauenvolles an Menschen von Menschen ausgeführt wurde und dazu von deutschen Menschen. Mir war es, als hätte ich mich den Ausländerinnen gegenüber immer entschuldigen und ihnen sagen müssen: das, was hier vorgeht, ist nicht deutsch, davon wissen die meisten deutschen Menschen nichts! Diese Konzentrationslager sind ganz und gar eine Ausgeburt der verbrecherischen Machthaber des Dritten Reiches und gewiß nicht des deutschen Volkes. Nach dem ersten Zählappell fand der Arbeitsappell statt, die Arbeitsformierung, und darauf wurde wie in Sibirien von den Häftlingen schwerste Zwangsarbeit gefordert. Die eine Kolonne ging mit geschultertem Spaten graben, die andere mußte Straßen bauen, wieder andere Steine schleppen, Kohlen fahren, Erde graben, anstreichen, mauern und planieren. Eine Riesenarbeitskolonne zog täglich in die großen Baracken der SiemensWerke, in denen Rüstungsarbeiten getan werden mußten. Diese Baracken lagen 10 bis 12 Minuten vom Konzentrationslager entfernt, und dort arbeiteten die Häftlinge bis zur Erschöpfung. Das Letzte an Kraft wurde aus den geschwächten Körpern herausgeholt. Wir, die wir diese schwere Arbeit leisteten, beneideten die, die in den Werkstätten des Lagers, Näherei, Schneiderei, Weberei, Schusterei usw. schaffen konnten, obwohl auch hier schwerste Anforderungen an den Einzelnen gestellt wurden. Allerdings, um diesen Betrieben zugewiesen zu werden, mußte man auf de mbetreffenden Gebiet etwas leisten können; dafür war ich allzu unerfahren. Als ,, Zugang" überhaupt in solch einen Betrieb zu kommen, war unmöglich. So ging's also an die schwere, harte, ungewohnte Außenarbeit. Ich habe in den ersten Wochen den ganzen Tag über Kartoffel auf meinem Rücken schleppen und Steine verladen müssen. Abstellen durften wir die 74 schon wie forderten, unserm Le dann eine Ohrfeigen Opfer, wa den guter zu erduld konnte ic unmensch tum, von Die nackt der schau an, die te und die Wenn sie auch du Woche Steine fa ligen, aus möglich. war, kipp mußte ic me Schatim Lager und nach rtig werso etwas usgeführt war es, er immer was hier meisten ionslager er ver Dritten es. eitsappell - genau Zwangseschulteruen, wiee graben, enarbeitsSiemensmußten. onzentra tlinge bis sden gewir diese in den Weberei uch hier tellt wur iesen zu iet etwas Als„ Zumen, war te, ungechen den schleppen wir die schweren Säcke nicht, um ein wenig auszuruhen. Mitleidslose Aufseherinnen trieben uns an wie eine Viehherde, ihren dressierten Hund an der Leine und die Pistole in der Pistolentasche. Die Folge dieser überschweren Arbeit war, daß viele Gefangene hinstürzten und einfach nicht mehr weiter konnten. Auch ich bin in der ersten Zeit täglich mehrmals zusammengesunken. Wenn man auf eine Fuhre immer mehr und mehr auflädt, bleibt das Pferd schließlich stehen und zieht nicht mehr. Mein Körper war von der sechsmonatlichen Kerkerhaft zu geschwächt und an die Luft draußen war ich kaum noch gewöhnt. Vor lauter Elendigkeit kamen mir immer die Tränen. Ich konnte sie nicht zurückhalten. Aber diese Tränen wirkten wie ein rotes Tuch auf die Aufseherinnen. Mit Fußtritten und Ohrfeigen, die gefährlichen Hunde auf mich hetzend, halfen sie mir schon wieder hoch. Es gab Aufseherinnen, die uns aufforderten, doch an dem elektrisch geladenen Stacheldraht unserm Leben ein Ende zu machen; sie betonten dabei, dann einen ,, Fresser" weniger zu haben. Fußtritte und Ohrfeigen, auch das Hetzen der Hunde auf uns arme Opfer, war etwas ganz Alltägliches. Nein, wenn ich auch den guten Willen besaß, mich allem anzupassen, Vieles zu erdulden und mein Schicksal zu meistern, hiermit konnte ich mich nicht abfinden. Das war so undeutsch, unmenschlich und unwürdig, das war Untermenschentum, von Bestien erdachte Quälerei, furchtbarste Folter. Die nackten Füße bluteten und schmerzten. Immer wieder schaute ich voller Wehmut die ganz alten Häftlinge an, die teils über sechzig, ja über siebzig Jahre alt waren und die das Gleiche ertragen mußten, und sagte mir: Wenn sie es ertragen müssen und können, dann mußt auch du aushalten. Wochen hindurch mußte ich dann auf Schiebkarren Steine fahren. Die Balance zu halten bei diesen wackligen, ausgeleierten und überladenen Karren war fast unmöglich. Da ich besonders unbeholfen für die Arbeit war, kippte mir die ganze Bescherung zuweilen um. Dann mußte ich mir von der Bewachung Schläge und Fußtritte 75 schütteru in den S Keine sa wie im Säue, ver die letzte wisses U und ganze Kanonaden von Schimpfworten bieten lassen. Ach, das arme ,,, alte Schwein" tat sich selber leid! Ja, Angst, Entsetzen, Prügel und bissige Hunde waren unsere treuesten Begleiter bei der Arbeit. Einmal packte solch eine dressierte Bestie auch bei mir zu. Und was für Bestien hatten diese Bestien von Menschen aus gutmütigen Tieren gemacht! Ich schrie auf vor Angst. Aber, Gott Dank waren nur die Schürze, das Kleid und das Beinkleid zerrissen. Nie im Leben habe ich Angst gehabt vor Tieren, hier aber war sie berechtigt, und alle Häftlinge zitterten vor diesen Doggen und Schäferhunden, deren unheimliches Geheule und Gebelle uns jeden frühen Morgen während der Zählappelle die grausigste Lagermusik bot. Aber daß der Mensch ein noch viel schlimmeres Raubtier sein kann, habe ich hier erfahren. Ich habe getan, was ich konnte. Stunden über Stunden haben wir in heißester Sonne geschuftet, ohne etwas trinken zu dürfen. Wir konnten diesen Durst oft nicht mehr ertragen. Wie dankbar wären wir gewesen, hätte uns eine gute Seele ein Schlückchen Wasser gereicht. Aber niemand durfte es. Ich erinnere mich noch an einen heißen Septembertag. Wir wankten vor Mattigkeit, die Zunge wurde schwer wie Blei und die Lippen trockneten gänzlich aus. Manche weinten. Ich stieß eine alte Zigeunerin an, der ich ansah, daß sie es nicht mehr länger aushielt, und sagte ihr: ,, Weine nicht! Noch zwei Stunden!" Sie antwortete: ,, Du weinst ja auch. Glaub nur nicht, daß ich meinetwegen heule; meine Kinder...!" Ein paar kurze Minuten noch, und sie lag bewußtlos neben mir. Die diensttuende Aufseherin stieß sie mit den Stiefeln an: ,, Altes Stück Sch.. los, an die Arbeit!" Aber die arme gehirnlose Kuh" hörte nichts mehr. Ich atmete tief durch und hätte mich gern neben diese alte, gutherzige Zigeunerin gelegt, um nicht mehr aufzuwachen. Eine halbe Stunde später erbrach sich die Zigeunerin, ohne aufzuhören, sich immer im Kreise drehend. Mir wurde davon ganz schwindlig, und ein paar Minuten später war ich dran und dann noch vier bis fünf andere. Ich wurde von solchen Erkend wei Am Mi Reih und fohlengann der von neue solcher Mensch hier, da zu ihnen die Luft bei Tage Gefanger Wir al Tiere, na da nicht Kopf na Nachbar Pellkarto und sie berkünst mit aller ihrer Ge der lang Nach Vorbeim Glied un auszutre gestatte mehr w viele w an Dur 76 en lassen. leid! Ja en unsere kte solch was für gutmütist. Aber, und das Angst geund alle häferhunns jeden rausigste noch viel erfahren. Der Stunet, ohne Durst oft gewesen, asser ge ere mich wankten Blei und weinten. , daß sie ,, Weine Du weinst en heule; moch, und AufseheSch.... Ose Kuh" ätte mich elegt, um päter erch immer hwindlig, und dann chen Er schütterungen gepackt, daß ich in die Knie sank und mit in den Steinhaufen gekrallten Fingern weiter spuckte. Keine sagte mehr ein Wort. Nur hörten wir immer so wie im Halbschlaf die Stimme der Aufseherin: ,, Alte Säue, verkommene Schweine!" Ich hockte am Boden, bis die letzte Galle kam. Dann fühlte ich nur noch ein gewisses Übelsein und arbeitete wie die andern schwankend weiter. - - Am Mittag ging es für eine Stunde in den Block. In Reih und Glied mußten wir oft wurde das Singen befohlen von der Arbeit ,, heim" marschieren, und es begann der Krach, das Zanken und Geschimpfe im Block von neuem. Was ist das für ein Kreuz, zwangsweise in solcher Gesellschaft leben zu müssen! Wo Masse Mensch und Untermensch zusammengepfercht ist wie hier, da ist es nicht zum Aushalten für einen, der nicht zu ihnen gehört, der einfach nicht mitmachen kann. Und die Luft in diesen Blocks war zum Durchschneiden, schon bei Tage, von der Nacht gar nicht zu reden, da sich viele Gefangene unbeherrscht in jeder Weise gehen ließen. Wir aẞen unser spärliches Mahl, viele gierig wie die Tiere, nach rechts und links schielend, ob sie hier und da nicht noch etwas ergattern konnten. Wenn ich den Kopf nach rechts drehte, konnte es vorkommen, daß ein Nachbar von der linken Seite aus schon von den paar Pellkartoffeln die Hälfte von meinem Teller entwendet und sie hatte verschwinden lassen. Schnell wie die Zauberkünstler! Ja, diese meine lieben Nachbarinnen waren mit allen Wassern gewaschen. Ohnmächtig war ich in ihrer Gesellschaft. Allerdings habe ich mich im Laufe der langen Zeit doch in ihrer Mitte zu behaupten gelernt. Nach dem Essen wieder neuer Arbeitsappell, großer Vorbeimarsch auf der Lagerstraße zu fünft in Reih' und Glied und bis zum Abend schwere Arbeit. Bei der Arbeit auszutreten für ein paar Minuten, wurde höchst selten gestattet. Das war eine Pein. Die Gefangenen, die nicht mehr warten konnten, ließen alles unter sich gehen. Und viele waren krank, litten, infolge des schlechten Essens, an Durchfall und infolge der oft tagelang durchnäßten 77 Kleider an Unterleibsleiden aller Art. In mir kochte es vor Wut! Welche Krankheiten konnten daraus für's ganze Leben entstehen! Ich habe in den ersten Wochen so gelitten, daß ich die Sprache gänzlich verlor. Es ist dem Menschen eine Grenze des Erträglichen gesetzt von Natur aus, und diese Grenze war bei mir erreicht. Der Arbeitsappell nach dem Essen dauerte eine halbe Stunde. Es war zum Erbarmen. Bei aller Energie, allem Zusammenreißen und Zähneaufeinanderbeißen schwanden doch die letzten Kräfte, und ich erinnere mich noch gut daran, wie ich in den ersten Wochen an zwei aufeinanderfolgenden Abenden, was mir in meinem Leben nie vorgekommen war, ohnmächtig zusammengesunken bin. Man trug uns bei diesen Ohnmachten nicht etwa in die Baracke zurück, sondern warf uns draußen vor den Block auf die Erde, ohne daß sich jemand um uns kümmerte. Ein Häftling durfte das schon gar nicht. Einige Häftlinge bekamen Krämpfe, Tobsuchtsanfälle, Schwindel, rissen sich ganze Büschel von Haaren aus und lagen da, schreiend und stöhnend, ohne jede Hilfe. Es war einfach nicht zum Anhören und Ansehen für die, die noch Menschen waren in dieser Hölle. Der Gefangene weiß schon von sich aus, daß er ein Ausgestoßener der menschlichen Gesellschaft ist, aber wer wollte ihn dazu zwingen, zu vergessen, daß er auch ein Mensch ist und selbst in der niedrigsten Lage ein Anrecht darauf hat, menschlich behandelt zu werden? Unter aller Menschenwürde war diese Behandlung, besser Miẞhandlung. Und welche Wunder hätten ein bißchen Güte und Liebe bei den Ärmsten aller Armen wirken können! " In den Aufzeichnungen aus einem Totenhause", in denen Dostojewski von seiner Verbannung in Sibirien berichtet, schreibt er treffend: ,, Da der Häftling tatsächlich ein Mensch ist, so muß man auch in menschenwürdiger Weise mit ihm umgehen. O Gott, kann doch eine wahrhaft menschliche Behandlung sogar jemanden, bei dem das Ebenbild Gottes längst getrübt 78 und verd Mit dies menschlic tung. Ich mandeure zentration Aufseheri er beoba guter Vo Ein paar sich wie Dostojew nung in zentration gelesen H Konzentr mer war findungsr nach Dos Völlig Lager zu Schluchze appell ko auf der Wenn ihn ersten W Als S Von verlegt kochte es raus für's , daß ich schen eine und diese nach dem Erbarmen. Zähneauf Cräfte, und den ersten nden, was hnmächtig esen Ohndern warf e daß sich das schon mpfe, Tob ischel von mend, ohne nsehen für e. daß er ein t ist, aber aß er auch Lage ein u werden? dlung, bes en ein bißArmen wir nem To seiner Ver effend:„ Da 8 man auch n. O Gott Blung sogar gst getrübt und verdunkelt ist, wieder zu einem Menschen machen! Mit diesen Unglücklichen muß man gerade am allermenschlichsten verfahren. Das ist ihre Freude, ihre Rettung. Ich habe( in Sibirien) solche edeldenkenden Kommandeure kennengelernt."( Ich nicht im deutschen Konzentrationslager, wohl einige anständige SS- Leute und Aufseherinnen.) Und Dostojewski berichtet weiter, daß er beobachtet hat, welche Wirkung solche Behandlung guter Vorgesetzter auf diese Erniedrigten gehabt hat: ,, Ein paar freundliche Worte und die Sträflinge fühlten sich wie neugeboren...". Hier sei bemerkt, daß ich Dostojewskis Berichte über seine langjährige Verbannung in Sibirien nach meiner Entlassung aus dem Konzentrationslager noch einmal mit verdoppeltem Interesse gelesen habe, und ich muß zugeben, daß das deutsche Konzentrationslager in vieler Hinsicht bedeutend schlimmer war und seine Kommandeure und Schergen viel erfindungsreicher an Qualen, Folter und Gemeinheit, als es nach Dostojewski jemals in Sibirien der Fall war. Völlig ermattet kehrten wir abends von der Arbeit ins Lager zurück, oft unser kärgliches Stück Brot unter Schluchzen verzehrend. Nach dem abendlichen Zählappell konnten die Häftlinge sich noch eine halbe Stunde auf der Lagerstraße ergehen und miteinander plaudern, wenn ihnen darnach zumute war. Ich aber zog es in den ersten Wochen vor, auf meine Pritsche zu klettern.... Als Stuben älteste bei den Dirnen... ,, Nicht leicht ist's, wilder Pflanzen warten, ' s gibt ihrer so verschied'ner Art, treibt jede ihre eigene Blüte, die eine rauh, die andre zart. Euch schloß des Lebens bittre Not, schon allzu früh den heißen Mund, ihr mußtet lang die Haft ertragen und riebet euch am Schicksal wund Von Heimweh, Grauen und Entbehrung, von schwerer Arbeit früh bis spät, von langen, dunklen Leidensnächten, bis euch der Tod hinweggemäht. - " Von dem ersterwähnten Zugangsblock aus wurde ich verlegt in den Block V, der politische Häftlinge aller 79 - Block V die ein nach sch warten einen H einige ei viele Jah gestump wurden, Anordnu Nationen beherbergte. Es war eine erträglichere, gesittetere Umgebung als die im Zugangsblock. Auch dieser Block war voll belegt, aber jeder Häftling hatte doch seinen Platz, seinen eigenen Schemel, seine eigene Pritsche. Es waren Frauen und Mädchen aus allen Ständen, Schichten und Parteien. Parteizusammengehörigkeit machte sich auch hier bemerkbar, und bald schon hatte ich heraus, wer von rechts, wer von links kam, wer hierhin und dorthin gehörte. Obwohl strengstens verboten, konnten es einige nicht unterlassen, ihre Einstellung irgendwie nach außen hin zu bekunden. Es war nur allzu gut verständlich. Ihre Ideale hatten sie mitgenommen in diese Hölle, sie litten dafür und menschlich war es durchaus zu verstehen, daß sie ihre Anschauungen hier vertraten. Ich habe nachher gern dabei zugehört; denn es waren kluge Menschen unter ihnen. Überhaupt war manche gebildete Frau hier im Block V vertreten: Fürsorgerinnen, Nonnen, Lehrerinnen, Offizierfrauen, österreichische Sozialdemokratinnen, Adlige, eine alte Generaloberin von über siebzig Jahren, Schriftstellerinnen, einige geistreiche, sehr lebendige Französinnen, Vertreterinnen der verschiedensten Parteien, Bürgerfrauen alles, alles war hier zu finden. Auch Wahrsagerinnen und selbst kleine Bauernmägde, die mit einem Polen oder sonstigen Angehörigen der Feindstaaten Umgang gehabt hatten. Letztere hatten meist schon eine Gefängnis- oder Zuchthausstrafe hinter sich und kamen nun noch auf ungewisse Zeit in ein Konzentrationslager. Diesen meist einfältigen und gutmütigen Mädchen wurden bei der Einlieferung ins Lager die Haare auf Anordnung der Gestapo geschoren, manchmal mit einigen Wochen oder Monaten Abstand mehrmals hintereinander, zudem gab es noch 10 bis 25 Stockhiebe, die auch öfters bis zu viermal wiederholt wurden. Auf diese niederträchtigste und gemeinste von Himmler angeordnete Mißhandlung und vom Lagerkommandanten und seinen Helfershelfern und leider auch Helferinnen ausgeführten Schläge komme ich noch zurück. Eines Abends nach dem Zählappell mußte der gesamte Abend denen n unseres fragte m befehlen Block I denn de im ganz doch ni ein, daß entgegn nicht!" Ich b packte noch in Block I ber wär für uns war Bef ins Unv Wori In jede alteste, teilt wa benälte mit der benälte horche Blockä 6 Her 80 80 ere, gesit uch dieser matte doch gene Pritllen Stänehörigkeit chon hatte wer hierverboten, Einstellung S war nur mitgeno chlich war chauungen zugehört; Uberhaupt vertreten: zierfrauen eine alte iftstellerin nzösinnen m, Bürgeruch Wahr mit einem taaten Um schon eine und kamen ationslager dchen wur auf Anord mit einigen intereinan e, die auch f diese nie ngeordnete und seinen usgeführten ler gesamte Block V antreten bei der Oberaufseherin Langefeld, die ein besonderes Vergnügen darin fand, die Häftlinge nach schwerster Tagesarbeit stundenlang vor ihrem Büro warten zu lassen. Nie aber habe ich gesehen, daß sie einen Häftling schlug. Sie konnte zuweilen sogar für einige ein verstehendes Herz aufbringen. Aber durch so viele Jahre Tätigkeit im Konzentrationslager war sie abgestumpft und kalt. Bei allen Stockhieben, die ausgeteilt wurden, stand sie dabei. Ich glaube, es war dies eine Anordnung von oben. Als sie an dem betreffenden Abend endlich erschien, ließ sie kritisch ihre Augen, denen nichts entging, über die fast dreihundert Häftlinge unseres Blockes gleiten und suchte mich heraus. Sie fragte mich nach Beruf, Alter usw. und sagte dann in befehlendem Ton: ,, Sie gehen als Stubenälteste auf den Block II." Ich bekam einen unheimlichen Schrecken; denn der Block II war der Dirnenblock, der berüchtigteste im ganzen Lager. Darum wagte ich, sie zu bitten, mich doch nicht auf diesen Block zu schicken; ich wendete ein, daß ich den Dirnen nicht gewachsen sei. Sie aber entgegnete: ,, Sie gehen dort hin, ob Sie wollen oder nicht!" - Ich bekam eine grüne Binde um den linken Arm, packte meine Habseligkeiten zusammen und wanderte noch in der gleichen Stunde befehlsgemäß auf den Block II, tiefunglücklich über diese neue Aufgabe. Lieber wäre ich bei meiner Außenarbeit geblieben. Doch für uns Ausgestoßene gab es kein ,, lieber", sondern hier war Befehl Befehl und damit basta. Es hieß wieder, sich ins Unvermeidliche fügen.... Worin bestand nun meine Aufgabe als Stubenälteste? In jedem Block war, wie schon erwähnt, eine Blockälteste, und da der Block in zwei Hälften A und B geteilt war, hatte jeder Teil eine Stubenälteste. Die Stubenälteste lebte in direkter und ständiger Verbindung mit den Häftlingen, die ihr unterstellt waren. Den Stubenältesten stand die Blockälteste vor, der wir zu gehorchen hatten. Ich hatte das große Glück, eine liebe Blockälteste im Block II anzutreffen, Sascha Dziuba, 6 Herbermann, Der gesegnete Abgrund 81 eine Volksdeutsche, die Sekretärin an einem polnischen Konsulat gewesen war, ein prachtvolles, gerades und anständiges Menschenkind, die mir wirklich Kameradin geworden ist. Leider waren wir nur einige Monate zusammen. Sie wurde ein Jahr vor mir entlassen. Ich wurde ihre Nachfolgerin als Blockälteste. Für kurze Zeit trugen wir zwei unser schweres Schicksal gemeinsam. Wir Block- und Stubenältesten hatten der Blockleiterin, das war bei uns die Aufseherin Gode, über alles, was im Block vor sich ging, Rechenschaft abzulegen. Die Aufseherin Gode war eine der anständigsten und menschlichsten Aufseherinnen im ganzen Lager, eine rühmliche Ausnahme, um der Wahrheit willen und zu ihrer Verteidigung sei es erwähnt. Sie wurde von den Häftlingen aufrichtig geliebt und verehrt, und sie hatte ein Herz, was man von den meisten anderen Aufseherinnen nicht behaupten konnte. Als sie mich im Laufe eines Gespräches fragte, warum ich überhaupt verhaftet worden sei und ich ihr kurz meinen Fall schilderte, gestand sie mir, daß sie niemals Aufseherin in einem Konzentrationslager geworden wäre, wenn sie vorher gewußt hätte, was hier vor sich ginge. Sie schlug niemals die Häftlinge, suchte sie vielmehr in allem zu verstehen und ihnen zu helfen. Wehe, wenn Kommandant und Leitung des Lagers von ihrer Güte uns Häftlingen gegenüber etwas erfahren hätten, sie wäre schwerstens bestraft worden! Wie empörte sie sich über die Stockhiebe, die gerade an Häftlinge unseres Blocks allwöchentlich fast ausgeteilt wurden! sonal be jeden F und Tür abgewas saal her schen au Als Stubenälteste hatte ich dafür zu sorgen, daß Tagesund Schlafraum gründlichst sauber gehalten wurden. Für diese Arbeit standen der Stubenältesten ein paar Gefangene zur Verfügung, die ,, Innendienst" hatten, also für kurze Zeit von der Außenarbeit befreit wurden. Es waren dies nur halbe Kräfte, mit oft hohem Fieber, die nicht selten so elend waren, daß sie sich kaum auf den Beinen halten konnten. Man mußte selber tüchtig mit anfassen, damit alles so war, daß es vor dem gestrengen Auge des Kommandanten, der Oberaufseherin und dem Wachper82 Bett muß schen la ohne jed möglich ließen s wurde a konnte sie mit I wurde, w raum hi Block ni gab es machte, mit viel den war Schlafsa wischt, sche nal nisse ve andern s jeder ve Die A alteste i sicht tat ganz sel komman für kurz Das G rig und polnischen es und anmeradin ge ate zusamIch wurde Zeit trugen sam. Wir eiterin, das es, was im - Die Aufnd mensch rühmliche rer Vertei Häftlingen e ein Herz, innen nicht eines Ge Etet worden gestand sie zentrations hätte, was Häftlinge, d ihnen zu Lagers von fahren hät Wie empörte m Häftlinge wurden!- daß Tages wurden. Für paar Gefan en, also für Es waren , die nicht den Beinen it anfassen, n Auge des Wachper sonal bestehen konnte. Tische und Schemel wurden jeden Freitag mit Sand schneeweiß gescheuert, Fenster und Türen geputzt und die Spinde von innen und außen abgewaschen. Ebenso mußte größte Sauberkeit im Schlafsaal herrschen mit seinen einhundertfünfunddreißig Pritschen auf der mir anvertrauten B- Seite des Blocks. Jedes Bett mußte ich kontrollieren, wenn Kranke auf den Pritschen lagen, sie umsorgen, soweit das in einem Block ohne jede Beihilfe von Medikamenten und Verbandzeug möglich war. Ich tat dies besonders gern, und die Dirnen ließen sich's bereitwillig gefallen. Auf den Toiletten wurde auf äußerste Reinlichkeit geachtet. Aber da konnte man jede Stunde wischen; immer wieder waren sie mit Dreck und Kot besudelt, sodaß es einem fast übel wurde, wenn man sie betrat. Auch im Tages- und Schlafraum hielt die Sauberkeit bei den Elementen in diesem Block nicht allzu lange an. Es war oft widerwärtig, gab es doch Häftlinge, denen es besondere Freude machte, gleich am Mittag, wenn der Schlafsaal gerade mit viel Mühe ohne jedes Hilfsputzmittel sauber geworden war, ihn zu verunreinigen, ja manche benutzten den Schlafsaal als Toilette. Mehrmals habe ich Häftlinge erwischt, die ihr Eßgeschirr in der Nacht mit auf die Pritsche nahmen und darin ihre großen und kleinen Bedürfnisse verrichteten. Daß ich da energisch schon der andern sauberen Häftlinge wegen auftreten mußte, wird jeder verstehen. - Die Aufseherin Gode wußte, daß Block- und Stubenälteste ihres Blockes mehr als ihre Pflicht in dieser Hinsicht taten und überließ uns unsere Aufgabe darum auch ganz selbständig. Sie selbst mußte tagsüber mit Außenkommandos heraus und war nur am Abend und Morgen für kurze Zeit anwesend, ganz selten für länger. Nie mehr allein! Das Gemeinschaftsleben im Block II war äußerst schwierig und wurde durch die starke Überbelegung im Laufe 83 wegen mit dir g Brot ein Pellkarto und doc beim Ste der Zeit immer unerträglicher. Für viele Häftlinge war keine Pritsche mehr da. Sie lagen zu mehreren auf ihrem Lager; ein großer Teil mußte auf dem Boden schlafen. Es waren meist alte und junge Dirnen, von siebzehn bis zu siebzig Jahren. Man kann es sich nicht vorstellen, was es heißt, diese zum Teil völlig verderbten Menschen in Schach zu halten und zu betreuen. Den Kaffee am Morgen, das Essen am Mittag und am Abend mußte ich ihnen austeilen. Meine Arme sind oft lahm davon geworden. Dazu kam der Unfriede, der Haß, die Eifersucht und die Miẞgunst, die gegenseitigen Verleumdungen und Beschimpfungen übelster Art. Leider ging es bei diesen teils minderwertigen Naturen oft bis zum Verrat. Hatte die eine vor Hunger nur zwei rohe Kartoffeln gestohlen, ging eine andere hin und verklatschte ihren Mithäftling. Dann gab es eine Meldung und nachfolgend Strafrapport, wo dann bei der Strafverkündung die bittersten Strafen, oft Stockhiebe und Arrest, dafür verhängt wurden. Und reuevolle waren diese Menschen, sanfte und unsanfte kaum darunter zu finden herausfordernde und moralisch verkommene, mußten hier untereinander und miteinander leben, an einem Tisch essen, oft zu Zweien auf einem Schemel hocken, auf Pritschen nebeneinander schlafen. Es kam wiederholt zu pöbelhaften Schlägereien, die wir Block- und Stubenältesten schlichten mußten. Das war nicht leicht. Sie kratzten und bissen um sich, diese armen, liebeleeren, maßlosen, unbeherrschten Menschenkinder. - - das ganz uns Gold hin noch ihr so fand ich Einige w lig gewo hattest, es büße im Lage nicht e andere sein, ein Und wie sie das Stehlen verstanden! Fast täglich passierte es, daß mehreren Häftlingen das trockene Stückchen Brot aus dem Spind gestohlen wurde. Vor allem geschah das, während die Andern schliefen. Zuweilen habe ich eine dabei erwischt, mitten in der Nacht. Die eine von ihnen hatte ich mehrmals schon verdächtigt, aber immer fehlten mir die Beweise. Ich sprach ihr zu, es nur einzugestehen, doch weinend versicherte sie mir, daß sie noch niemals gestohlen habe. Ach, und ich wußte es doch, Bertha, daß du bereits sechs Wochen Arrest und fünfundzwanzig Stockhiebe hinter dir hattest 84 ohne G Und Leben a sauer g nen! G Ten und zwanzig mit alle so krac helfend Bordell mal vo funfund darauf? auf: M nicht Erkläru Kamer immer Armste ftlinge war auf ihrem en schlafen iebzehn bis vorstellen, Menschen Kaffee am mußte ich davon ge e Eifersucht dungen und bei diesen errat. Hatte m gestohlen Mithäftling Strafrapport sten Strafen urden. Und evolle waren e und mora er und mit Zweien auf ebeneinander en Schläge lichten muß d bissen un beherrschte Fast täglich as trockene wurde. Vo chliefen. Zu in der Nacht a verdächtigt prach ihr zu merte sie mit Ach, und ich echs Wochen er dir hattes wegen Kameradschaftsdiebstahl. Wie gut habe ich es mit dir gemeint, dir so manches Mal von meinem Stück Brot ein Stück mitgegeben, dir des öfteren von meinen Pellkartoffeln am Mittag einige heimlich zugesteckt und doch, du konntest wohl nicht anders! Als ich dich beim Stehlen erwischte, da liefst du mir weg und warfst das ganze Stück Brot, die armselige Tagesration, die für uns Goldwert hatte, in die Toilette. Und als ich daraufhin noch in der Nacht deinen Strohsack untersuchte, wo ihr so gern eure gestohlenen Raritäten verbarget, da fand ich darin acht bis zehn Stücke gestohlenen Brotes.. Einige waren schon vor Alter und Feuchtigkeit schimmlig geworden. Und die Ärmsten, denen du sie gestohlen hattest, hungerten bei schwerster Arbeit. Bitter hast du es büßen müssen! Du wußtest, Kameradschaftsdiebstahl im Lager durfte selbst von Block- und Stubenältesten nicht entschuldigt werden. Keine hatte mehr als die andere und alle hungerten. Was mag aus dir geworden sein, ein Mensch ohne Halt, ohne Willen, ohne Glauben, ohne Gott! Und wo bist du heute wohl, Gisela, die du mir das Leben als Stubenälteste und nachher als Blockälteste so sauer gemacht hast, daß ich oft hätte verzweifeln können! Gisela war eine Dirne von mindestens fünfzig Jahren und hatte, wie sie mir stolz erklärte, ihr fünfundzwanzigjähriges Dirnenjubiläum schon gefeiert. Sie war mit allen Wassern gewaschen, log und betrog, daß es nur so krachte. Auch du, Gisela, hast die Hand, die sich dir helfend entgegenstreckte, ausgeschlagen. Du warst in Bordellen groß geworden. Weißt du noch, wie du einmal vor mir standest und mir erklärtest: ,, Ich bin schon fünfundzwanzig Jahre eine Prostituierte und bin stolz darauf?" Und im gleichen Atemzug fordertest du mich auf: ,, Mach mir das mal nach!" Nein, ich konnte es dir nicht nachmachen. Mein Herz tat mir weh bei deiner Erklärung, und unsägliches Mitleid für dich und deine Kameradinnen erfüllte meine Seele. Und doch sind wir immer wieder miteinander ausgekommen. Warest du, Ärmste, nicht auch schon zehn Jahre im Konzentrations85 lager? Wie konntest du in dieser Umgebung besser werden, zur Einkehr kommen? Nein, ein Konzentrationslager im Dritten Reich unter der Knute und der Bestialität Himmlers und seiner Kumpanen, konnte Menschen eures Schlages nicht besser, sondern nur noch schlechter machen! Und Auguste, du kleine Hexe von fast siebzig Jahren, wie hast du gemeutert, wie warst du ewig der Zankapfel im Block, obwohl wir Block- und Stubenältesten mit dir, da du schon so alt und grau warest, viel Nachsicht übten! Wenn für jeden Häftling vier bis fünf Pellkartoffeln ausgegeben werden konnten, weil eben nicht mehr da waren, dann meutertest du und behauptetest, für dich seien die kleinsten und faulsten ausgesucht. Und wenn ich dir das Eßgeschirr der andern holte, um dir den Beweis zu erbringen, daß keiner mehr hatte als du, dann tobtest du weiter und wurdest maßlos in deiner Wut. Ach, ich weiß es gut, ihr alle, wir alle haben gehungert. Man durfte euch deshalb auch nicht ganz für voll nehmen; denn ein hungernder Mensch kann, wenn er keine Selbstbeherrschung übt, in seiner Gier werden wie ein Tier. Doch bei euch das Gleichgewicht zu halten, war überschwer, ja fast unmöglich. wieder a gegeben, Ob sie n dient? Auch in eine tionslage Aber Anni, die schöne, blonde Dirne aus Hamburg, die konnte sich zusammenreißen; sie war euch ein Beispiel dafür, daß man anständig sein konnte, wenn man sich selbst beherrschte. Was ist aus Anni geworden, die einige Monate vor mir entlassen wurde? Oft habe ich mich mit ihr unterhalten, viel von ihrem Leben und Treiben hat sie mir berichtet. Sie hatte den festen Vorsatz, ein anderer Mensch zu werden, tat still ihre schwere Arbeit, war ruhig und zankte sich nie. Ja, sie war eine der Wenigen, die man gern um sich sah. Ich hatte ihr die Adresse meiner Angehörigen in Soest gegeben für den Fall, daß sie entlassen werden sollte, und trug ihr auf, sich dorthin zu wenden, wo man sie bestimmt irgendwo unterbringen konnte und ihr helfen würde, ein neues Leben anzufangen. Sie hat auch, wie ich nach meiner Entlassung von den Meinen, erfuhr, geschrieben, konnte. test du beiden H mein He über dic du wares Und m mich kla losigkeit wenn di fielen of stand d Augen, dir oft und imm gest, wa Wie gie kartoffel Oft stre Hand a wollte d kranker eine Ka nachher Ecke de Vom K ihr wie ken, B habe e wußtet Strafe merksa 98 86 besser wer ationslager Bestialität chen eures schlechter iebzig Jahg der Zankbenältesten viel Nach s fünf Pelleben nicht uptetest, für sucht. Und um dir den Is du, dann einer Wut gehungert r voll neh n er keine en wie ein halten, war s Hamburg ch ein Bei wenn man worden, die ft habe ich n und Treien Vorsatz re schwere e war eine h hatte ihr gegeben für and trug ihr e bestimmt fen würde, ie ich nach geschrieben wieder aus Hamburg. Aber ihre Adresse war nicht angegeben, sodaß ein weiterer Briefwechsel unmöglich war. Ob sie nun wohl als anständiger Mensch ihr Geld verdient? - Auch dich, Else, kann ich nicht vergessen. Du hättest in eine Irrenanstalt gehört und nicht in ein Konzentrationslager, in dem man allerdings leicht irre werden konnte. Wenn über uns ein Flugzeug brauste, dann hörtest du plötzlich auf, wurdest ganz erregt, winktest mit beiden Händen und schriest wie toll: ,, Da sitzt er drin, mein Heinrich, mein Heinrich!" Alle machten sich lustig über dich, vor allem die SS und die Aufseherinnen, und du warest doch nur zu bedauern. Und meine arme Anneliese, die du dich oft an mich klammertest in deiner Armseligkeit und Schutzlosigkeit, so wie ein Kind an dem Rockzipfel der Mutter, wenn dir irgend jemand etwas tun wollte. Und sie fielen oft über dich her, deine Mitgefangenen! Der Tod stand dir schon in den hungrigen, gierigen, großen Augen, als ich dich kennenlernte. Dein Körper, den ich dir oft abgeschrubbt habe, weil du so unsauber warest und immer nasse und mit Kot beschmutzte Wäsche trugest, war mager wie ein Skelett, der Leib dick und hart. Wie gierig stürztest du dich auf die Schalen der Pellkartoffeln und aẞest sie mit beiden Händen wie ein Tier. Oft strecktest du lächelnd und bittend deine magere Hand aus: ,, Gib mir Deine Schalen doch!" Nein, ich wollte dir die Schalen nicht geben, du wurdest ja noch kränker davon. Ich legte dir lieber von meiner Ration eine Kartoffel hinein. Aber du holtest dir die Schalen nachher doch aus dem Holzfaß, das für Abfälle in einer Ecke des Blockes stand. Wie manches Mal habe ich dich vom Komposthaufen geholt, dich und viele andere, die ihr wie die Tiere ausschachertet, was da an Kohlstrünken, Blättern, Schalen und stinkigen Resten lag. Ich habe euch gut zugesprochen, es nicht mehr zu tun. Ihr wußtet doch, wenn ihr erwischt wurdet, welche harte Strafe euch dafür bevorstand! Und ich machte euch aufmerksam, was für schwere und unangenehme Krankhei87 ten dadurch entstehen konnten und schon so oft entstanden waren. Wie mancher Häftling starb an Typhus! Immer versprachet ihr Besserung und waret doch am gleichen Tage, wenn nicht gerade eine Wache dort stand, wieder dort. Im Arrestbau, nach fünfundzwanzig Stockhieben, bist du gestorben, du unglückselige Person! Und an dich denke ich, Thea, die du durch und durch krank warest, die du nachts im Block herumspuktest und die Schlafenden erschrecktest. Du wußtest nicht mehr, was du tatest. In einer Nacht, als ich schlafend auf der Pritsche lag, hast du mich mit beiden Fäusten geschlagen, daß ich erschreckt auffuhr. Du standest da, mit Decken umgehängt, wie ein graues Gespenst. Ich wollte dich festhalten, du fingest an zu toben, sprangst zum Fenster hinaus, ich mit einigen Häftlingen hinter dir her, bis wir dich endlich einholten. Es war eine eisige Winternacht, und der Vollmond mit seinen unzähligen, guten Sternen stand blank am Himmel. Ich rief dich beim Namen, immer und immer wieder. Du hörtest nicht darauf, warfst dich auf die Erde, warst völlig irre und riefest wiederholt laut: ,, Ich bin auch gekreuzigt wie Jesus Christus!" Ja, du Arme, du warst auch gekreuzigt. Wir wollten dich mit aller Gewalt wieder mitnehmen in den Block, wußten wir doch, daß die Nachtwache kommen würde, um dich dann abzuführen in das Haus des Grauens und des Todes. Aber du stießest und schlugest mit Händen und Füßen um dich, ließest dich von uns dreien nicht heben und tragen. Da kam die Nachtwache, kam die SS mit den Hunden, und ich mußte dich begleiten in den Zellenbau, wo man dir eine Zwangsjacke vor meinen Augen anlegte. Auch du bist aus dem Totenhaus nicht mehr lebend herausgekommen. - - Von dir muß ich noch erzählen, kleine, schöne Frieda! Manche Nacht habe ich an deiner Pritsche gesessen, während du dich in deinen schweren Anfällen krümmtest. Ich freue mich noch heute darüber, daß du immer zu mir sagtest: ,, Du bist meine Mutter! Ich habe ja sonst keine Mutter gehabt!" Ja, Frieda, dein ganzes Lebensschicksal hast du mir erzählt. Du warst durch tragische 88 Lebensu batest fertig w War es ein Vat es noch mal ein Anlagen dich für Mauth häftling habe ic nen gut gewiese mals au Du kam Zur B bericht linge, v Männer andere wurden Oberau willig schen, dung wurder wieder Zeit ka gewäh ren KZ entsetz andern KZ's brauch Pritsc bei ev gezah übten Lebensumstände allzu früh in einem Bordell gelandet und batest mich, dir zu helfen, daß du im späteren Leben fertig würdest. Ich tat, was ich konnte. Du wußtest es. War es nicht schön, als wir in tiefer Nacht zusammen ein Vaterunser gebetet haben? Und du flehtest:„Bete es noch einmal!‘ Gerade du hättest in der Freiheit ein- mal ein anderes Leben beginnen können, du hattest gute Anlagen dazu. Aber du hast mich doch enttäuscht und dich für das Bordell des Männerkonzentrationslagers in Mauthausen gemeldet, von wo man zehn Frauen- häftlinge anfordertee Meine ganze Überredungskunst habe ich bei dir angewandt, dich auf deine versproche- nen guten Vorsätze, auf deinen leidenden Zustand hin- gewiesen. Ja, ich habe dir vorausgesagt, daß du das nie- mals aushalten würdest— und ich habe Recht behalten. Du kamest aus Mauthausen nie mehr zurück. Zur Erläuterung dessen, was ich hier erzähle, muß ich berichten, daß etwa alle drei Monate acht bis zehn Häft- linge, vorwiegend aus meinem Block, für das Bordell des Männerkonzentrationslagers in Mauthausen, auch für andere Männerläger, angefordert wurden. Die Dirnen wurden vom Kommandanten, dem Inspektor und der Oberaufseherin ausgesucht und konnten sich auch frei- willig dafür melden. Eine furchtbare Tatsache, Men- schen, die man ihres Lasters wegen und wegen„Gefähr- dung der menschlichen Gesellschaft” eingesperrt hatte, wurden nun vom Staate, der sie dieserhalb in Haft hielt, wieder zum Laster aufgefordert. Nach der festgesetzten Zeit kamen die Häftlinge zurück und neue wurden aus- gewählt. Was ich von diesen von Mauthausen und ande- ren KZ's zurückkehrenden Häftlingen erfahren habe, war entsetzlich. Darüber näher zu berichten, überlasse ich andern, Die Dirnen, die nach Mauthausen oder in andere KZ's geschickt wurden, bekamen etwas besseres Essen, brauchten sonst keine Arbeit zu leisten, hatten keine Pritschen, sondern Betten und bekamen zudem Geld, das bei evtl. Entlassung ihnen von der Lagerverwaltung aus- gezahlt wurde. Alle diese äußeren, materiellen Vorzüge übten große Anziehungskraft auf sie aus.— Von den 89 fünf Mark, die jeder Männerhäftling in diesem Bordell bezahlen mußte, erhielt die Dirne fünfzig Pfennig, die restlichen vier Mark und fünfzig Pfennig steckte der Staat ein. Noch eine meiner Schutzbefohlenen möchte ich erwähnen, Hermine, ein junges, frisches, gesundes Mädchen, irgendwoher aus dem Rheinland, die wegen ihres Jähzornes und wegen ihres oft bis zum Äußersten gehenden Trotzes schwer zu bändigen war und mir viel Kopfschmerzen bereitet hat. An einem Nachmittag ist sie von der Außenarbeit aus mit fünf andern Häftlingen geflüchtet. Daß eine Gefangene Reißaus nahm, kam häufiger vor; ich konnte es keiner verdenken. Aber die meisten wurden doch sehr schnell von der SS und der Gestapo wieder eingefangen, und das war dann ein Schrecken ohne Ende mit Arrest und Stockhieben und Strafblock. Dieser Strafblock war ein Extrablock für solche Häftlinge, die sich Besonderes hatten zuschulden kommen lassen. Oft genug bestand dieses ,, Besondere" aus geringfügigen Kleinigkeiten. Aber dieser Strafblock war ein Konzentrationslager im Konzentrationslager, ständiger Kostentzug, schwerste Arbeit, ein Übermaß an täglichen Miẞhandlungen. Also Hermine war mit fünf anderen Häftlingen geflüchtet. Sie hatten die Winkel und Häftlingsnummern von ihren Kleidern entfernt, Strickjacken irgendwo gestohlen, und so wagten diese freiheitshungrigen Menschen die Flucht. Während die fünf Begleiterinnen bald wieder eingefangen waren, konnte sogar die geriebenste SS und Gestapo Hermine nicht auffinden. Ich weiß nicht mehr genau, wie lange sie fort war; ich glaube, es war fast ein Jahr vergangen, da hieß es auf einmal im Lager: ,, Die Hermine ist wieder da! Sie steht vorne bei den neuen Zugängen". Da ich gerade im Büro der Oberaufseherin etwas zu erledigen hatte und selbst neugierig war, ob dieses ,, Lagergerücht", deren es viele gab, stimmte, ging ich sofort, um mich von der Richtigkeit zu überzeugen. Wahrhaftig, da stand sie, elegant und frisch, nach Art der Dirnen herausfordernd und lächelnd, und flüsterte mir, als ich an ihr vorbeiging, zu: Nanda, erübrigt lin mit in die H polizei Rückfäl in ein K hafteste irre, hat ten und Arrestze eigenen gelohnt Block Die je Dirnen die gr gen Mo Dirnen gegeben zunehm die zu alles zu gen un unterein mir ein trotz a nun ein Als blieb i zurück Sascha später 90 ‚Nanda, das hat sich gelohnt!" Ein Kommentar dazu erübrigt sich.— Wie ich nachher erfuhr, soll sie in Ber- lin mit einem Mann zusammen gehaust haben, von dort in die Heimat gefahren sein, wo sie von der Kriminal- polizei entdeckt wurde. Und nun kam sie wieder als „Rückfällige‘‘, so hießen diejenigen, die zum zweiten Mal in ein Konzentrationslager eingeliefert wurden. Grauen- hafteste Strafen standen ihr bevor. Wenn ich mich nicht irre, hat sie viermal fünfundzwanzig Stockhiebe erhal- ten und überstanden, ebenso eine lange Wochen dauernde Artestzeit und Strafblock. So zähe war sie. Nach ihrem eigenen Ausspruch aber hatte sich das Jahr Freiheit „gelohnt“. Eiockalteste über vierhundert Dirnen... „Wir sind wie Kinder nicht, die arglos spielen, uns schloß die kalte Zeit den heißen Mund... Wir reiben uns an unsrer Liebe wund und sind verworfen, ehe wir gefielen.... Die jeweilige Blockälteste im Block II wurde von den Dirnen allgemein„Puffmutter‘‘ genannt. Und so hatte ich die„große Ehre‘, von der Leitung des Lagers nach eini- gen Monaten Wirken als Stubenälteste zur Mutter der Dirnen befördert zu werden. Ich weiß nicht, was ich gegeben hätte, wenn ich diesen Posten nicht hätte an- zunehmen brauchen. Ich war nicht die robuste Person, die zu so einem Posten unbedingt gehörte. Ich nahm alles zu schwer, zu gewissenhaft, litt unter den Drohun- gen und Gemeinheiten und Verrätereien der Häftlinge untereinander. Wie oft hat man mir geraten, ich solle mir ein dickeres Fell anschaffen, aber es glückte mir trotz aller Mühe nicht. Was soll man tun, wenn man ıaun einmal so beschaffen ist? Als Sascha, unsere bisherige Blockälteste, fort war, blieb ich wieder, geistig und seelisch ganz einsam, allein zurück unter fast vierhundert Dirnen und Asozialen. Da Sascha nicht mehr da war, mit der ich doch zuweilen in später Abendstunde ein wenig geistigen Austausch hatte 91 treiben können, sehnte ich mich doppelt darnach, einmal wieder ein gutes Buch lesen zu können. Dieses völlige Entbehrenmüssen jeglicher Lektüre ist nicht leicht für jemanden, der seit langen Jahren fast nur mit Büchern umgegangen war. Die Häftlinge des Blockes II empfanden das nicht. Aber für einen geistig interessierten Häftling kam diese Qual noch zu der seelischen und körperlichen hinzu. Der Durchschnittshäftling freilich ahnte davon nichts. Was es heißt, in solcher Hölle auf jeglichen geistigen Umgang, auf alle geistigen Bedürfnisse verzichten zu müssen, das kann nur der ganz nachempfinden, der Gleiches erlebte. Es war Winter geworden, der bitterkalte Winter des Jahres 1941/42. Unsere Baracke war von außen und innen vereist. Wäre nicht alles so überaus grausig gewesen, man hätte dieses völlig verschneite und vereiste Blockhaus, umgeben von meterhohem Schnee, bezaubernd finden können. Ach ja, wenn... Auf meine Seele legte sich in diesem Winter eine tiefe Traurigkeit und Trostlosigkeit. Ich durfte nicht denken. Die grimmige Kälte tat das Ihrige dazu. Hungern und frieren war unsere Parole. Weinen konnte ich schon lange nicht mehr. Einmal hören auch die Tränen auf. Armes, leidvolles Leben! Meine Dirnen waren nicht zu bändigen. Ich war heiser vom Schreien. Es war eine Qual, in aller Herrgottsfrühe, in größter Dunkelheit und außerdem noch zweimal am Tag, drei- bis vierhundert Häftlinge dieser Art zum Appell in Reih und Glied aufzustellen. Ich lebte vom äußersten Kräfteaufwand, von einer Energie, die mir immer wieder sagte: Du mußt aushalten! Ich wollte doch einst wieder nach Hause, in die Heimat nur nicht im Lager ,, verrecken"! Gewehrt habe ich mich gegen jede Krankheit, und es bleibt mir noch bis heute unfaẞbar, was selbst ein schwacher Mensch an Unheimlichen zu ertragen imstande ist. Mich hielt ein starker, unbändiger Glaube. Oft ging mir das Pauluswort durch den Sinn: ,, Ich vermag alles in Dem, Der mich stärkt!" Wie sichtbar Gottes Gnade mit mir war, mich immer wieder 92 hielt, da wußte, dieses H tes Lieb hörigen tief mit So le arbeitet Große doch fa geringe zial" w lager e waren schwer löscht laut si die sic Sodoma fünfzig hatten und Zu Sorge. macht, ihre ei beichte hätte i gestan So erzo und S ihr, da Wenn über i sie mi es hin daß Krank es no Arme einmal völlige Cht für hielt, dafür kann ich dem Himmel nie genug danken. Ich wußte, daß man daheim für mich betete und opferte und dieses Bewußtsein trug mich. Ich war und blieb in Got- tes Liebe und der Treue und dem Gebet meiner Ange- hörigen und Freunde geborgen, wußte ich sie doch alle tief mit mir verbunden in meinem großen Leid. So lebte ich weiter mit meinen Dirnen, wachte und arbeitete für sie, war ihnen gut, soviel ich es vermochte. Große Verschiedenheiten gab es unter ihnen, die sie doch fast sämtlich dem gleichen Laster anhingen. Eine geringe Zahl der Häftlinge dieses Blockes war als„aso- zial” wegen Arbeitsverweigerung in das Konzentrations- lager eingeliefert. In Art, Veranlagung und Benehmen waren sie alle wieder verschieden. Da ist eine, die schwer an ihrem Schicksal trägt, die nach und nach ver- löscht wie ein Kerzenlicht. Und die andern, die immer laut sind, die alles von der leichten Seite nehmen, die sich irgendwie sogar heimisch fühlen in diesem Sodoma und Gomorrha. Sie waren oft dreißig, vierzig, fünfzig, ja bis zu hundertmal und noch mehr vorbestraft, hatten ihr ganzes Leben in Gefängnissen, Arbeitslägern und Zuchthäusern zugebracht und die Jugend in der Für- sorge. Hart und unerbittlich hatte ihr Schicksal sie ge- macht, dazu sehr egoistisch. Sie drehten sich nur um ihre eigne Achse. Hörte ich mir aber oft ihre Lebens- beichten an, die viele von ihnen mir anvertrauten, dann hätte ich diesen armen, verworfenen Menschen gern ZU- gestanden: Ihr könnt ja nicht anders sein! Wäre ich so erzogen worden, in solcher Umgebung ohne den Segen und Schutz eines guten Elternhauses aufgewachsen wie ihr, dann wäre vielleicht auch ich so geworden.... Wenn sie ihren„Moralischen” bekamen, der Schmerz über ihr verpfuschtes Leben sie schüttelte, dann fielen sie mir wohl um den Hals und küßten mich ab. Ich nahm es hin und unterdrückte meinen Ekel; denn ich wußte ja, daß Viele mit den scheußlichsten und ansteckendsten Krankheiten behaftet gewesen waren und daß Manche es noch waren. Als eine von ihnen sterbend in meinen Armen lag, gestand sie mir:„Wäre nur ein Mensch vor- 93 - her so gut zu mir gewesen, wie Du, dann wäre auch ich eine andere geworden. Daß Du mich verstandest, das werde ich Dir nie vergessen! Jetzt ist es zu spät!" Ich faltete mit ihr die Hände zum Gebet, sprach ihr von Gott und seiner großen Liebe und Barmherzigkeit. Als sie nach einigen Tagen starb, war ich fest überzeugt, daß sie einen milden Richter dort oben gefunden hatte. Gern wäre sie bereit gewesen, einem Priester ihr Herz auszuschütten. Aber es durfte kein Priester jemals zu uns ins Lager. Ohne jede geistliche Hilfe mußten sie alle buchstäblich verrecken, oft mit Nachhilfe der berüchtigten ,, Todesspritzen", wie wir sie nannten. - Folge ge grausam Nachsich rubringe meine A und äuf Extrahöl als einm Wenn jemals ein Priester dieses Frauenkonzentrationslager hätte betreten und sein Amt hätte ausüben dürfen, nur für einen einzigen Tag, Tausende aus allen Baracken wären ihm zugeeilt und hätten ihre niedergebeugten Seelen in einem ehrlichen Bekenntnis aufgerichtet und erlöst. So mußte es der große und barmherzige Gott auf seine Weise tun, und ich bin überzeugt, daß Er es tat. Viele aber erzählten mir, daß sie ihren Glauben ganz verloren hätten. Ach, wieviel trotziger Unglaube lebte in ihnen! Manche meiner Pflegebefohlenen ging in dieser Umgebung sittlich ganz zugrunde. Sie trieben untereinander, da es für sie nur noch Sexualität gab, die tollsten Dinge. Mit Güte und Langmut war ihnen nicht mehr zu helfen. Sie waren total verkommen, auch körperlich ungepflegt und schmutzig. Das verursachte eine Luft und einen Gestank, der besonders des nachts unerträglich war. Dazu das Geschimpfe und Geschnatter, die ekelhaft unanständigen Witze, die laut zum Besten gegeben wurden, das darauffolgende, schamlose Gelächter... Mich schreckte das alles tief ab. Ich verbot ihnen, im Schlafsaal, wo jedes Sprechen untersagt war, derartig ausfällig zu werden. Aber sobald die gefürchtete Nachtwache vorüber war, begann das wieder von neuem. Einige hörten auf mich, die Mehrzahl aber nicht, im Gegenteil, sie nutzten es sogar noch gründlichst aus, daß ich kaum eine Meldung machte, die wegen Ungehorsam der Blockältesten gegenüber harte Strafen zur 94 darum zu unsere B Schwe wegen stimmt a Mensche Einige denen i sie ganz deshalb an Seite Das Kirche der men einer Un nicht Pe Güte, V und Ges diese M So trieb mord. N den elel Mauern buchstä die Sch angehör dierte, müßte nicht le sönlich naturen Folge gehabt hätte. Ja, sie waren oft undankbar und grausam zu mir, meine Dirnen, mit denen ich so viel Nachsicht übte, für die ich doch alles Verstehen auf- hr von zubringen versuchte. Dann wünschte ich mich zurück in it, Ak meine Außenarbeit, um endlich wieder ein wenig innere- gt, dal und äußere Ruhe zu finden, zu der ich in dieser= des Blockes II nicht kommen konnte. Mehr r Her 2 als einmal war ich in Versuchung, die Oberaufseherin darum zu bitten, wovor mich aber die Aufseherin Gode, 1 unsere Blockleiterin, jedes Mal zurückhielt.—® Schwer zu behandeln waren sie, aber sie waren des- j wegen nicht alle schlecht. Viel schlechtere liefen be- stimmt außerhalb des Konzentrationslagers noch als freie Menschen herum. Einige von ihnen waren zwar richtige Ungeheuer, vor denen ich stets Angst behalten habe. Moralisch waren sie ganz zugrunde gerichtet, dabei schlau und listig und deshalb gefährlich. Und wir schliefen miteinander, Seite an Seite. Ach, es war über alle Maßen schwer. Das muß eine Aufgabe des neuen Staates und auch der Kirche in Zukunft sein, diesen ausgestoßenen Kindern der menschlichen Gesellschaft Gelegenheit zu geben, in einer Umgebung sich läutern und bessern zu können, wo 4 nicht Peitsche und Gummiknüppel herrschen, sondern Be Güte, Verstehen und Langmut. Unter der Knute von SS und Gestapo, unter der dauernden Mißhandlung konnten diese Menschen naturgemäß nur noch schlechter werden. So trieb ihre Verzweiflung sie nicht selten zum Selbst- mord. Manche von ihnen hingen am Morgen verkohlt an den elektrisch geladenen Stacheldrähten, die die hohen Mauern umspannten. Ja, sie sind diesem Selbstmord buchstäblich in die Arme getrieben worden. Wer sich die Schicksale dieser Ärmsten verstehend und liebend ängehört hat, mit ihnen zusammen hauste und sie stu- dierte, der weiß, wo es da fehlt.... Auch die Seelsorge müßte hier aktiver noch als je zugreifen. Aber es wird - nicht leicht sein, selbst unter Priestern die richtigen Per- - sönlichkeiten dafür zu finden. Augustinus--und Paulus- naturen, Priester mit der Langmut und Geduld eines Hei- 95 landes, wären dazu berufen. Auch Frauen, nur nicht der Typ von alten Jungfern und Betschwestern, sondern lebensnahe, leiderprobte und kampfbewährte Frauen müßten es sein, mit einem großen, starken Herzen: ,, Hart wie der Diamant, zart wie eine Mutter...", wie Lacordaire so treffend sagt. In diesem Buch möchte ich appellieren an Staat und Kirche, daß hier doch bald etwas Durchgreifendes geschehe! - - mehr aufz Menschen len und w Ach, di recht, sie ihre Herze fühlen es, abscheuer lich mißh immer bre gut, daß ihren Sch den. Dar zen hatter wie die w Abgrund Es gibt Häftlinge, Verurteilte, die nach einer gerichtlich festgesetzten und abgebüßten Strafe oft waren diese Gefangenen, wie ich schon vorher erwähnte, bis für die zu dreißig, fünfzig Mal und mehr vorbestraft Allgemeinheit gefährlich bleiben. Solche Individuen können nicht ohne weiteres in die Freiheit der menschlichen Gesellschaft zurückgeführt werden. Aber es geht gegen jedes Recht und gegen jede Menschlichkeit, daß man, wie das im nationalsozialistischen Staate allzu oft der Fall war, Häftlinge, die ihre Gefängnis- oder Zuchthausstrafe abgesessen hatten, anschließend ohne weiteres in ein Konzentrationslager überführte, das hundertmal schlimmer war als jedes Gefängnis und Zuchthaus, wie alle bezeugen, die beides kennen lernten. Wir alle hatten Heimweh nach unserm Gefängnis, nach unserm Zuchthaus, wo man bei anständiger Führung wenigstens noch als Mensch behandelt wurde und nicht einfach der Willkür und Bestialität gemeinster und perversester Kreaturen ausgesetzt war. In einer sogenannten ,, Schutzhaft" muß der Häftling zunächst einmal menschlich behandelt werden und nicht mit Fußtritten, Ohrfeigen, Peitsche und Gummiknüppel. Wehe dem, der einen solchen Häftling, der von seinem Schicksal selbst schon genug geschlagen war, unschuldig und willkürlich quälte, wie das Stunde für Stunde im Konzentrationslager geschehen ist! Da bricht die ganze Wut erst auf, gerade bei denen, die es mit ihrer Besserung ernst gemeint hatten und, weiß der Himmel, sich heldenmütig zusammenrissen und gegen den ,, Stachel im eignen Fleisch" starkmütig kämpften. Durch Miẞhandlung ist da auf einmal alles wieder zu Ende, und das letzte Fünkchen von gutem Willen erlischt, um nie Schon hatte ich stets ein daß der schenhirn mmer so gestoßens sen Bau auf Erde tigellose In dies geteilt v nal, Män 7 Herbe 96 96 mehr aufzuflackern. Solche zerquälten und mißhandelten Menschen lassen dann alle moralischen Hemmungen fal- len und werden schlimmer als je zuvor. - Ach, die einmal gezeichnet sind, ob zu Recht oder Un- - recht, sie müssen den Makel tragen ihr Leben hindurch, ihre Herzen sind allzu tief erschreckt, und die Menschen fühlen es, sie spüren es, daß wir sie scheuen, ja sie ver- - abscheuen. Und wenn sie nun gar so furchtbar willkür- lich mißhandelt werden? Das verzeihen sie nie, und immer breiter und tiefer klafft die Kluft. Sie wußten es gut, daß die, die sie schlugen und peitschten, Freude an ihren Schmerzen hatten. Das konnten sie nicht verwin- den. Darum blieben sie voller Mißtrauen. Die Schmer- zen hatten alle ihre Sinne äußerst geschärft. Sie wurden wie die wilden Tiere, die ohne Besinnung dem tiefsten Abgrund zustürzten. Acht Tage Dunkel-Arrest— Entfesselte Unterwelt „O meine Zeit, so namlos zerrissen, so ohne Stern, so daseinsarm im Wissen wie du will keine, keine mir erscheinen. ß Noch hob ihr Haupt so hoch niemals die Sphinx, du aber siehst am Wege rechts und links i furchtbar vor Qual des Wahnsinns Abgrund weinen”. (Hermann Klemm) Schon viele aus der großen Zahl der mir Anvertrauten hätte ich in den Arrestbau begleiten müssen. Das war stets ein Opfergang; denn wir Häftlinge wußten es alle, daß der Zellenbau das Schaurigste war, was ein Men- schenhirn überhaupt ausbrüten konnte. Wie habe ich _ immer so gern auch noch an den verworfensten und aus- gestoßensten Menschen geglaubt! Aber seitdem ich die- sen Bau kennengelernt habe, weiß ich, daß es kein Tier ‚auf Erden gibt, das abscheulicher, gemeiner, grausamer, zügelloser sein kann als die Bestie Mensch. In diesem Zellenbau wurden auch die Stockhiebe aus- - geteilt vom Kommandanten persönlich, vom Wachperso- nal, Männern und Frauen. Aber die Mehrzahl der Auf- ’ Herbermann, Der gesegnete Abgrund 97 98 98 seherinnen und auch der SS gab sich für solche Gemeinheiten doch nicht her. Dieser Kommandant jedoch, damals SS- Obersturmbannführer Kögel, war das Gemeinste, was man sich überhaupt an Menschenuntier vorzustellen vermag. Ihm ebenbürtig war die Aufseherin, nachher Oberaufseherin Mandel, ein satanisches Weib, die sich natürlich mit dem Kommandanten besonders gut verstand. Auch die schöne, junge Aufseherin Erich, die nachher als Oberaufseherin in das Judenlager nach Lublin versetzt wurde, gehörte in diese Kategorie, sowie die Aufseherinnen Hasse und Binz und noch einige andere, deren Namen mir entfallen sind. Es war bezeichnend, daß nur die Aufseherinnen schnell befördert wurden, die am brutalsten waren. - Eines Morgens früh, wir hatten gerade den Block blitzblank sauber, und ich saß, um für die Blockleiterin meine täglichen Eintragungen über die Häftlinge zu machen, erschien die feiste, lüsterne und brutale Gestalt des Kommandanten Kögel in unserer Baracke. Wir wenigen Häftlinge, die wir uns zu dieser Zeit in der Baracke befanden, erzitterten; denn sein Erscheinen brachte niemals etwas Gutes. Ich mußte als Blockälteste zu ihm hintreten, stand stramm und machte Meldung: ,, Blockälteste HerberSeine mann meldet Block II, belegt mit 397 Häftlingen." Augen schauten mich an, als ob er mich verschlingen wollte. Er trat an den Ofen, sah, daß ein kleines Feuer darin brannte und sagte nur: ,, Sie kommen mit!" Ich folgte ihm. Wieder war einer der Augenblicke gekommen, wo alles Blut in mir wie erstarrt war und ich so blaẞ wurde wie dieses weiße Papier. Der Lagerkommandant stellte mich vor das Büro der damaligen Oberaufseherin Mandel und ging, mich noch einmal von oben bis unten musternd, hinein. Seine Peitsche hin und her schwingend, befahl er einer vorübergehenden Aufseherin: ,, In Arrest mit ihr!" Ich wagte zu fragen, warum ich denn in Arrest komme? ,, Halten Sie ihr Maul, Sie altes Schwein!" war seine Antwort. Er knallte mit der Peitsche und ging fort. Nach langem, bangen Warten wurde ich in das Büro der Oberaufseherin Mandel zitiert, die an Gemeinheit und Niedertracht dem Kommandanten ganz gleich war. ,, Sie haben in Ihrem Block geheizt!" Ich antwortete ihr, daß meine Blockleiterin, Aufseherin Gode, es mir ausdrücklich erlaubt habe, da ich mit eiskalten, steifen Fingern die täglich verlangten schriftlichen Arbeiten nicht ausführen könne und daß ich nach Vorschrift der Lagerverordnungen ja außer der Blockleiterin niemanden anders zu fragen hätte in diesem Falle. Zudem habe mir die ,, Hofkolonne", die aus acht bis zehn Häftlingen bestand und die die Lagerstraße sauber zu halten hatte, Pappen und einige Holzreste gebracht, damit wir darbenden, frierenden und vom Frühappell völlig durchnäẞten Häftlinge uns, für eine halbe Stunde nur, aufwärmen konnten. Das alles wagte ich vorzubringen. Sie aber ließ nichts gelten und verkündete mir: ,, Der Kommandant hat befohlen, Sie sofort in Arrest abzuführen!" Diese Worte wurden von zwei knallenden Ohrfeigen begleitet. Es begann nun die bitterste Zeit meines Lebens. Unbeschreiblich war das Leid geworden, das zu tragen man mir unschuldig im eigenen Vaterlande antat und aufbürdete, sodaß ich oft nur noch denken konnte: Das ist mein Vaterland nicht mehr! Mein Lebenskorn wurde wahrhaftig zermahlen in dieser Lebensmühle. Eine Aufseherin mußte mich in das Haus des Grauens, in das Todeshaus abführen. Von der Aufseherin Binz wurde ich unter Fußtritten in Empfang genommen. Zwei wütende Hunde, darunter eine Dogge, sprangen mir entgegen. Ein Angstschauer nach dem anderen überlief mich. Ich wurde in eine dunkle Zelle geführt und die Zellentür sofort wieder zugeworfen. Da stand ich nun in einem stockdunklen Raum, kein Lichtstrahl konnte hineindringen. Ich konnte nichts mehr fassen, war vollständig fertig. Irgendetwas zu denken, war mir unmöglich. Ich war in dieser Stunde mehr als gestorben. Es war der Geburtstag unserer lieben, guten Mutter 1942. Nie werde ich diesen Tag vergessen, an dem ich Gott schon in der Morgenfrühe alles Leid des Tages für die ferne Mutter aufgeopfert hatte. Wie gut, Mutter, daß 100 du mich terherz Gott! B Und im Willen ich zu t Aber nu diesem mußte nehmen den da diesem Glauber In vö am Bod meine H kannst Meine wöhnte war als tastend bald in ich ges schulde zum sp Mitgefa nicht fa keit an Ich h neben Dunkel ihren schluge nachtu zweifel Kirche recht Hunde damit heit und I. wortete es mir steifen Arbeiten rift der emanden abe mir gen ben hatte, darbenrchnäßwärmen aber ließ dant hat e Worte et. ens. Ungen man aufbür ist mein wahrhaf Grauens in Binz en. Zwei mir ent überlief und die ich nun konnte war vollen. unmög Mutter dem ich Tages für utter, daß du mich in diesem Elend nicht gesehen hast! Dein Mutterherz wäre daran zerbrochen. Wie hart prüfte mich Gott! Es war, als sei Er für mich gar nicht mehr da. Und immer wieder habe ich mich trotz allem in Seinen Willen gefügt, überzeugt davon, daß bei Ihm alles, was ich zu tragen hatte, doch einen großen Sinn haben mußte. Aber nun mich noch abzufinden für ungewisse Zeit mit diesem Dunkelarrest, es schien mir unmöglich. Und doch mußte ich meine Lage als etwas Unabänderliches hinnehmen und sie zu meistern suchen. Wer Gott nahe ist, den darf kein Schicksal zerbrechen. Mir leuchteten in diesem unheimlichen Dunkel doch noch die Sterne des Glaubens. In völliger Dunkelheit ertastete ich einen Schemel, der am Boden angeschraubt war. Ich setzte mich, faltete meine Hände in der Finsternis und flehte inbrünstig: ,, Du kannst das Dunkel erleuchten, Du ganz allein...". Meine Augen, die sich allmählich an die Dunkelheit gewöhnten, konnten feststellen, daß diese Zelle viel kleiner war als die im Münsterischen Gefängnis. Ich schritt tastend auf und ab, auf und ab, stundenlang, mich bald in diese, bald in jene Ecke lehnend. Wie gern wäre ich gestorben! Das Maß war voll. Nichts hatte ich verschuldet, mich redlich abgeplagt vom frühen Morgen bis zum späten Abend, oft bis in die Nacht hinein, für meine Mitgefangenen. Ja, ich war aufgezehrt und konnte es nicht fassen, daß man mir jetzt noch diese Ungerechtigkeit antat. Ich hörte das Stöhnen und Wimmern der Ärmsten, die neben mir, über mir und unter mir Zelle an Zelle im Dunkel des Einzelarrestes schmachteten. Einige hatten ihren Verstand verloren. Kein Wunder! Sie tobten und schlugen wild gegen die Zellentüren, sangen in der Umnachtung tolle Lieder; andere wieder sangen mit verzweifelter, tierischer Stimme, ganz entstellt, alte bekannte Kirchenlieder, bis eine der Aufseherinnen kam, sie zurecht stauchte, sie furchtbar schlug, ja manchmal die Hunde zu diesen armen Opfern mit in die Zellen sperrten, damit diese dressierten Bestien sich auf ihre Opfer stür101 Mein He zen konnten. Es befanden sich unter uns Häftlinge, denen die Hunde ganze Stücke Fleisch ausgebissen hatten; die eine hatte das halbe Ohr verloren, die andere ein Stück von der Nase, eine dritte Stücke von der Hand usw. Andere wieder fand man im Zellenbau völlig verblutet, zu Eis erstarrt; denn in diesem Haus des Todes war es zu jeder Zeit bitter kalt. Da saß ich mit meinen nackten Füßen in der Finsternis, frierend bis in die tiefste Seele hinein. Ich habe nicht mehr geglaubt, jemals lebend hier herauszukommen. Was Menschen hier litten, geht über jedes menschliche Vorstellungsvermögen hinaus, und nur Gott allein weiß, was in diesem Bau von uns Häftlingen körperlich und seelisch ertragen und erduldet wurde. Und immer die bange, quälende Frage: Werde auch ich wie viele andere auf den Bock geschnallt werden und Stockhiebe erhalten? Wird man auch mir die Nieren zerschlagen, daß ich nachher an Nierenbluten sterbe? Die erste Nacht in diesem furchtbarsten aller Verließe begann. Ich lag auf Holz. Alles tat mir weh; ich stand wieder auf und setzte mich auf den Boden. Unheimlich klangen durch die Stille der Nacht die Schreie des Entsetzens der gemarterten Häftlinge. Oft hörte ich den verzweifelten Ruf: ,, Hunger, Hunger!" Hier stießen Menschen Laute aus, daß man meinte, man säße in einem Zwinger mit wilden und todwunden Tieren. Die Stunden krochen dahin. Und doch freute ich mich auf die Nacht, weil dann wenigstens nicht eine der teuflischen Aufsehe. rinnen in der Zelle erschien und Ohrfeigen und Fuẞtritte willkürlich austeilte. In diesen Tagen und Nächten war Gott mir so nahe wie nie zuvor. In meiner Seele brannte ja ein Licht, das niemand auszulöschen vermochte. Am zweiten Tag meines Dunkelarrestes hörte ich vormittags Männerstimmen, unter ihnen die unheimliche und schreckenerregende des Kommandanten. Da wußte ich, es werden heute wieder Stockhiebe ausgeteilt. Und richtig, sechs bis acht Häftlinge wurden schallend mit Namen und Nummern aufgerufen! Ich spitzte angstvoll die Ohren und hörte, daß man sie aus ihren Zellen holte. 102 Ich vern Gummik nicht zu um mic Kelch g hiebe st ten, ein ortarzt armen die Sto manchm weiter, zuschla Einig ertr mannha von sic eine m halten fünfund gerufen stumm. Genugt mern u Gefalle oft sell wenn los: Ei Viele gespru das tu waren knüpp Stellen um die linder orgar die so Mein Herz stand still. Würde man mich nun auch holen? Ich vernahm das Stöhnen, Schreien, das Aufschlagen des Gummiknüppels und hielt mir die Ohren zu. Es war nicht zum Aushalten. Dazu die unheimliche Finsternis um mich her. Aber ich wurde nicht aufgerufen. Der Kelch ging an mir vorüber. Bei der Austeilung der Stock- hiebe stand, wie mir die geschlagenen Häftlinge erzähl- ten, einer der ekelhaftesten aller Ärzte, der SS-Stand- ortarzt ‚, dabei,— er schlug auch selber— den Puls des armen Opfers zuweilen fühlend. Teilten Aufseherinnen die Stockhiebe aus, dann nahm dieser SS-Arzt ihnen manchmal die Peitsche aus der Hand und schlug selber weiter, um ihnen zu zeigen, daß sie viel gründlicher noch zuschlagen mußten. Einige Gefangene— ich hatte solche in der Baracke II — ertrugen diese Züchtigungen und Mißhandlungen mannhaft, ja oft schweigend, ohne einen Laut der Klage von sich zu geben. Ich erinnere mich noch daran, wie eine meiner Dirnen, die fünfundzwanzig Stockhiebe er- halten hatte, mir erzählte, der Kommandant habe beim fünfundzwanzigsten Schlag erregt und wütend aus- gerufen:„Schrei doch, du Schwein!” Aber sie blieb stumm. Es schien diesem Ekel besondere Freude und Genugtuung zu bereiten, den geschlagenen Häftling wim- mern und schreien zu hören. Aber viele taten ihm diesen Gefallen nicht. Bestialisch war es, wenn der Gefangene oft selber laut die Schläge mitzählen mußte. Wehe aber, wenn er sich verzählte. Dann ging es wieder von vorn los: Eins, zwei, drei.... fünfundzwanzig. Viele dieser blutunterlaufenen, wundgeschlagenen, auf- gesprungenen Körper habe ich gesehen. Wie weh mußte das tun! Wie mußte das brennen! Dick aufgequollen waren diese Stellen, wo man die Striemen des Gummi- knüppels noch deutlich sah. Ich habe manches Mal diese Stellen gekühlt und mit Salbe oder Creme eingerieben, um die unerträglichen Schmerzen der Ärmsten ein wenig lindern zu helfen. Creme oder Salbe erbettelte oder „organisierte ich mir gegen Brot von neuen Zugängen, die solche Raritäten noch mit ins Lager brachten. Sonst 103 gab es derlei Mittel nicht. Wie nur konnten sich deutsche Männer und Frauen dafür hergeben, Gefangene, oftmals unschuldige Gefangene, derart zu prügeln, sie auf einen Bock zu schnallen, um dann fünfundzwanzig Stockhiebe auf den armen Körper niedersausen zu lassen? Wie überhaupt konnte man Menschen so tief erniedrigen? Und wie tief erst erniedrigten sich jene, die die Prügel austeilten! Wie die Tiger waren sie gierig nach Blut. Nein, das waren keine Menschen mehr! Und die armen geschlagenen, geschundenen, zerquälten Frauen und Mädchen konnten nachts vor Schmerzen nicht auf ihren harten Pritschen liegen. Furchtbar war es, wenn, wie es häufig geschah, die Prügel viermal hintereinander, in Abstand von jeweils acht Tagen, wiederholt wurden. Alles war von den letzten Schlägen noch wund und blutig und schon sausten neue Hiebe darauf nieder. Unermeßliche Schmerzen haben diese Frauen körperlich ertragen. Und seelisch? So Eine Staatsführung, die solches anordnet und ausführen läßt, muß restlos ausgerottet werden. Wie konnte etwas überhaupt im zivilisierten Deutschland geschehen? Das war ja Satan, der hier am Werke war. Wie habe ich mich vor den Ausländerinnen geschämt, daß deutsche Menschen sich für derartige Grausamkeiten hergaben! Bemerkt man noch, daß Prügelstrafen auf kleinste Lagerdiebstähle und leichteste Vergehen standen, wenn z. B. ein Häftling aus nicht mehr zu bändigendem Hunger einige rohe Kartoffeln oder ein Stück trockenes Brot stahl, oder auch vor Elendigkeit nicht arbeiten konnte, was einfach als Arbeitsverweigerung ausgelegt wurde, dann hat man überhaupt keine Worte mehr. Noch mancherlei andere Strafen wurden in diesem Arrestbau verabfolgt. Entsetzlich muß es auch gewesen sein, wenn man einen Gefangenen unter einen tropfenden Wasserkrahn setzte, wo Tropfen für Tropfen auf das arme Gehirn niedersickerte, Stunde für Stunde, bis er ohnmächtig und bewußtlos zusammenbrach und nun für 104 immer fach die endlich Mitgefa Oder fast zu übergof den Eis wärmen ähnlich trockne gab es und ein sem Ha sten, je Mir we Tagen Acht lebte in bei etw herauso bei. Al das Lic den Au vorbeik ten. M Freude gehobe andere Wäsch macher Am lich ei sagen Totenb Als seherin hellen haben and Frauen ge Gefan schnallen men Kör onnte man st ernied die Tiger eine Men zerquälten Schmerzen htbar war ermal hin , wieder gen noch be darauf se Frauen d ausfüh ie konnte hland ge erke war geschämt samkeiten rafen auf hen stan bändigen ein Stück keit nicht weigerung ne Worte in diesem gewesen tropfen en auf das de, bis er d nun für immer den Verstand verloren hatte. Dann wurde einfach die ,, Todesspritze" gegeben und die arme Seele kam endlich zur Ruhe. Diese Tatsache berichteten mir meine Mitgefangenen. Oder wenn man im kältesten Winter die sowieso schon fast zu Tode gefrorenen Menschen mit eiskaltem Wasser übergoß und sie dann in den durchnäßten Kleidern in den Eiszellen ließ, ohne daß sie sich trocknen und erwärmen konnten. Die Kleider standen steif am Körper, ähnlich wie wenn man im Winter draußen nasse Wäsche trocknen will, die doch niemals trocken wird. Zu essen gab es im Arrestbau täglich ein Stück trockenes Brot und eine Tasse schwarzen Kaffee. Ich glaube, daß in diesem Haus den meisten Gefangenen, selbst den Hungrigsten, jedes Hungergefühl vor Qual und Leid erstarrte. Mir wenigstens ging es so. Ich habe in den ersten drei Tagen mein Stück Brot nicht angerührt. Acht Tage und Nächte lebte ich in diesem Totenhaus, lebte in dieser dunklen Zelle ohne Licht und Sonne, nur bei etwas Kaffee und Brot, und ich bin wirklich lebend herausgekommen, auch an den Stockhieben kam ich vorbei. Als ich endlich wieder auf die Lagerstraße trat und das Licht der Sonne erblickte, da tanzte mir alles vor den Augen, und ich wankte und taumelte so sehr, daß vorbeikommende Häftlinge mich stützen und halten mußten. Meine Dirnen umarmten mich und waren toll vor Freude. Die eine hatte mir einige Pellkartoffeln aufgehoben, die andere ein Stücklein Brot, wieder eine andere ein sauberes Beinkleid und ein Hemd in der Wäschekammer ,, organisiert", um mir eine Freude zu machen. Da habe ich sie alle sehr lieb gehabt. Am Abend erschienen von den politischen Blocks heimlich einige Kameradinnen, um mir ein gutes Wort zu sagen und sich mit mir zu freuen, die ich lebend dem Totenhaus entronnen war. Als am andern Morgen unsere Blockleiterin, die Aufseherin Gode, kam und mich erblickte, standen ihr die hellen Tränen in den Augen. Auch mir. ,, Daß Sie das haben aushalten müssen, Herbermann', sagte sie. ,, Mir 105 hat kein Essen mehr geschmeckt in diesen acht Tagen. Zweimal war ich beim Kommandanten und bei der Oberaufseherin, um Sie herauszubekommen, da Sie doch nichts verschuldet haben!" Wie dankbar war ich dieser Aufseherin für soviel tröstende Güte! Ich aber war erfahrener, reifer geworden. Diese acht Tage Dunkelarrest gehörten zur Vervollständigung meines Konzentrationslager- Aufenthaltes dazu, um das richtige Urteil fällen zu können über diese Einrichtung der Hölle. Ich habe mich unter Gottes Willen demütig gebeugt und immer neu ein kindliches ,, Ja, Vater" gesprochen. mit zur den sich unmögli ständige diese be legen z auch m mich so Aber ne ling zu zu Gott zenlose Wir Häftlinge sind doch auch Menschen lassenh Diese waren ber titu ganz v nur sic Weiter lebte ich unter meinen Dirnen, aber das Leben schien mir jetzt wie neu geschenkt. So trostlos und bitter war es in der dunklen Gefangenschaft der letzten Woche gewesen, daß mir der Aufenthalt im Block II wie eine Erlösung erschien. Und sie rissen sich in dieser ersten Zeit zusammen, meine armen, unglückseligen Schwestern, um mich nicht zu kränken, nicht zu ärgern. Nur mit Rührung konnte ich beobachten, wie Einzelne sich bemühten. Ja, auch sie hatten ein Herz im Leibe, wenn es auch meist verschüttet war. Doch gar zu bald war bei der Mehrzahl dieses leichtlebigen Völkchens jeder Vorsatz wie mit dem Winde fortgeweht. Sie wuẞten gut, daß, wenn sie sich gegenseitig vertrugen, sie mir damit die größte Freude bereiteten. Sie wußten auch allzu gut, daß ich sie niemals schlug, wie es manche Blockälteste im KZ leider getan hat. Zwar lief auch mir zuweilen die Galle über vor Zorn und Ärger, aber meine Hand habe ich kein einziges Mal zum Schlagen erhoben. Bald schon begannen Zwietracht, Zank, Neid, Mißgunst, Verleumdung und Verrat untereinander wieder von neuem. Alle diese Untugenden gehörten bei ihnen 106 des gar die kle zeter u geheue die noo ausgek zu tun ich ebe ihren U zugieße tiger konnte Mich ihnen bereits suchte Leute den k ling g und h nehme Tagen. er Obere doch h dieser ese acht ng mei as richung der h ütig geer" ge s Leben nd bitter Woche II wie dieser kseligen ärgern Einzelne m Leibe, zu bald Fölkchens Sie wuß gen, sie ten auch manche auch mir er meine erhoben. id, Mißwieder vei ihnen mit zur Tagesordnung. Besonders zwei Elemente befanden sich in meinem Block, gegen die anzukommen mir unmöglich war. Schon meine Vorgängerin, die hochanständige, tapfere Sascha Dziuba, hatte sich bemüht, diese beiden Häftlinge evtl. in einen anderen Block verlegen zu lassen. Ich tat das Gleiche. Aber es wurde auch mir abgeschlagen. Man sagte mir, ich sollte um mich schlagen und sehen, daß ich damit fertig würde. Aber nein, mein Grundsatz war und blieb, keinen Häftling zu schlagen. Ich flehte jeden Morgen von neuem zu Gott, daß ich mich in meinem oft berechtigten, grenzenlosen Zorn nur nicht vergessen möge und mir die Gelassenheit bewahre. Diese zwei so schwierigen Häftlinge in meinem Block waren von Beruf ,, Puffmütter" gewesen, wie sie sich selber titulierten; beide schon über fünfzig Jahre alt, beide ganz verkommen und moralisch verseucht. Sie suchten nur sich selbst, ihren Vorteil, gaben laut zum Gaudium des ganzen Blocks die übelsten Bordellerlebnisse bis in die kleinsten Kleinigkeiten hinein zum Besten. Das Gezeter und der Beifall der übrigen Häftlinge war dann ungeheuerlich. Und es waren doch manche unter ihnen, die noch nicht grundverderbt waren, für die diese beiden ausgekochten Frauen Gift bedeuteten. Doch was war da zu tun? Ich verbot ihnen diese Gespräche, aber hatte ich eben den Rücken gekehrt, begannen sie von neuem, ihren Unflat über die anderen Häftlinge der Baracke auszugießen. In dieser Hinsicht war der Block II ein richtiger Lasterpfuhl und wir Block- und Stubenältesten konnten nicht dagegen aufkommen. Mich behandelten sie als eine Fremde, die nicht zu ihnen gehörte. Diese beiden Quertreiber waren 1943 bereits schon zehn Jahre im Konzentrationslager. Ich suchte auch sie zu verstehen. Und ich wußte gut, daß Leute ihres Schlages in solcher Hölle nicht besser werden konnten. Ihr Grundsatz war: Als Häftling und Sträfling gehöre ich nicht mehr zur menschlichen Gesellschaft und habe somit das Recht, mich dementsprechend zu benehmen. Und sie taten es gründlichst. Sie waren ein 107 ausgeprägtes Beispiel dafür, wohin der Mensch geraten und zu was er herabsinken kann, wenn es für ihn keine Hemmungen und Grundsätze mehr gibt. Wenn ich es gar nicht mehr im Block aushalten konnte und die Arbeit getan war, flüchtete ich am Abend auf die große Lagerstraße, schöpfte dort erst mal richtig Luft. Das tat wohl nach dem Gestank in der Baracke, und ich wanderte müde auf und ab, die untergehende Sonne be- trachtend, die hier so besonders schön und mannigfaltig sein konnte. Und erst die Sonnenaufgänge!l Im Osten färbt sich der Himmel mit den unglaublichsten Farben. So etwas habe ich nie wieder gesehen. Ja,„die Himmel rühmen des Ewigen Ehre...". Oft sann ich diesem Liede nach, und ich sagte mir: Der große, allmächtige Gott wird schon weiter helfen. Die Häftlinge— wir durften uns am Abend auf der Lagerstraße kurze Zeit ergehen— gingen umher mit gerunzelten Stirnen, in sich versunken, zerquält und todtraurig. Hoffnungslos beugten sie sich dem harten Joch, das grausamste Gewalt über sie verhängt hatte, Die äußere Haltung schon verriet ihre ganze Armselig- keit. Andere waren stolz, wandelten erhobenen Haup- tes einher, ihr Schicksal mit Trotz tragend; andere lachten und scherzten. Das waren meist meine Dirnen und die Berufsverbrecher. Man hörte das Geschnatter der Zigeuner, die gutherzig waren wie die Kinder. Das jüngste Zigeunerkind war höchstens zwölf Jahre alt. Ich hatte es ganz besonders in mein Herz geschlossen. So- bald es mich erblickte, lief es auf mich zu, schaute mich mit seinen funkelnden Zigeuneraugen, die abgrundtief waren, vertrauend und kindlich an, faßte mich bei der Hand und lief nicht mehr fort von mir, bis ich es zurück- senden mußte in den Zigeunerblock. Wenn die Nachtwache, die von Block zu Block ging, vorüber war, dann sangen wir in der Baracke auch wohl gemeinsam, obwohl es verboten war, einige Volkslieder oder unsere Gefangenenlieder, die so traurig und weh- mütig waren: 108 Bei vie ler rus: „A all ab Ur so au ab Dieses von m tat we mütige fiel, Mit ns so Ich Aller dann geraten hn keine mkonnte auf die tig Luft. und ich onne benigfaltig m Osten Farben. Himmel em Liede ge Gott end auf umher uält und harten gt hatte. Armselig. n Haup andere e Dirnen schnatter der. Das alt. Ich sen. Soute mich grundtief bei der s zurückock ging uch wohl lkslieder and weboder ,, Schwer ist die Arbeit und schwer sind die Ketten, Jahre um Jahre in der Sonne heißen Brand..." ,, Wir wissen, daß nach dieser Not uns leuchtet hell das Morgenrot...". Bei vielen strömten die Tränen. Diese Lieder waren voller russischer Schwermut. Oft sangen sie auch: ,, Alle Tage ist kein Sonntag, alle Tage gibt's keinen Wein; aber du sollst alle Tage recht lieb zu mir sein. Und wenn ich einst tot bin, sollst du denken an mich, auch am Abend, eh' du einschläfst, aber weinen darfst du nicht...". Dieses Lied wurde viel bei uns gesungen, von einzelnen, von mehreren, manchmal summten es alle mit; das Herz tat weh dabei, und oft kam es vor, daß Tränen die wehmütige Weise erstickten und der Kopf schwer vornüber fiel. Mit besonderer Inbrunst konnten meine Dirnen singen: ,, Still wie die Nacht, tief wie das Meer, soll deine Liebe sein...". Ich stimmte gern unsere schönen alten Volkslieder an: ,, Am Brunnen vor dem Tore oder: da steht ein Lindenbaum, ich träumt' in seinem Schatten so manchen süßen Traum..." ,, Im schönsten Wiesengrunde ist meiner Heimat Haus, da zog ich manche Stunde ins Tal hinaus... Dich, mein stilles Tal, grüß ich tausendmal...". Ja, tausend mal tausendmal haben wir es gegrüßt, unser fernes Heimatland, auch in dem neueren Lied: ,, Heimat, deine Sterne... " Aller Schmerz, alle Sehnsucht und alles Heimweh brannte dann heiẞ in unserer gequälten Brust, und ich dachte an 109 das Lied, das Dostojewski in dem schon genannten Buche zitiert: „Ich seh’ es nimmer-, nimmermehr, mein trautes Heimatland; bin ohne Schuld zur Qual hierher auf Lebenszeit verbannt. Es ruft der Uhu auf dem Dach, das schallt durch Feld und Hain. Mein Sinn ist trüb, mein Herz ist schwach, Dort werd’ ich nie mehr sein." Zur Weihnachtszeit kam eine richtige Leidenschaft des Singens über die Häftlinge. Aus irgendeiner Ecke her- aus begann am Abend eine Stimme, und schon fielen viele andere mit ein: „Leise rieselt der Schnee, still und starr ruht der See, weihnachtlich glänzet der Wald, freue dich, s’ Christkind kommt bald. Bald ist heilige Nacht, Chor der Engel erwacht; hört nur, wie lieblich es schallt, freue dich, s’ Christkind kommt bald. In den Herzen wird's warm, still schweigt Kummer und Harm, Sorge des Lebens verhallt, freue dich, s’ Christkind kommt bald....“. In den Nächten vor den Festtagen, in den Stunden von zwei bis drei Uhr, wo keine Wache weit und breit zu sehen und zu hören war, sangen wir nach vorher- gehender Verabredung unser Te Deum. „Großer Gott wir loben Dich, Herr, wir preisen Deine Stärke, vor Dir neigt die Erde sich und bewundert Deine Werke. Wie Du warst vor aller Zeit, so bleibst Du in Ewigkeit....' Ja, auch dieses Bekenntnis zum dreieinigen Gott haben wir in diesem unsern erbarmungslosen Leben in dunkelster Nacht zu singen gewagt. Nicht nur die erste, sondern auch die zweite und dritte Strophe, die ich ihnen beibringen mußte. Es waren herrliche Stimmen unter uns, und so wurde dieses De Teum im Konzentrationslager in erniedrigendster Lage dennoch zu einem erschütternden Glaubensbekenntnis an den Schöpfer aller Kreatur. Mancher Dirigent wäre mit unserer Leistung zufrieden gewesen. Hier wurde mit einer Inbrunst gesungen, die das Leben nicht kennt. Wir Ausgestoßenen, ob klein und schwach, ob groß oder stark, sangen ohne Zittern in diesem Grauen, starkmütig, ja manche jubelnd wie die Vöglein am Osterfrühlingsmorgen. Gott im Himmel mag seine Freude daran gehabt haben. Es war etwas so Kraftvolles, Tiefgläubiges, ja Festes und Ruhiges in diesem Gesang, und nie zuvor hätte ich geglaubt, daß geschundene, gemarterte und seelisch so tief zerquälte Menschen einer solchen heroischen Leistung fähig gewesen wären. Und es kam das traute Weihnachtsfest, zum zweiten Mal erlebte ich es im Konzentrationslager, getrennt von allen meinen Lieben. Für eine Jede von uns war dieser Tag drückend schwer und über die Maßen traurig; denn irgendwo auf der weiten Welt hatte selbst die verworfenste und erbärmlichste Dirne noch ein Menschenherz, zu dem sie sich hingezogen fühlte. Rührend war es, wie die Häftlinge sich gegenseitig durch kleine, streng verbotene Geschenke, zu erfreuen suchten, da sie selbst doch nichts hatten. Aber man wurde in dieser Not ja erfinderisch, und war es nur ein Liedlein, ein Gedichtchen wie manche mußte ich zu diesem Zweck verfassen!-, oder war es ein Stück Brot, das man mit ersparten, zerquetschten Pellkartoffeln und mit ,, organisierter" Marmelade oder Margarine garniert hatte. Mit Tannengrün wurde das Ganze noch verschönt und erhielt die Festtagswürde, ausgedrückt durch ein selbst gezeichnetes, dem Tage entsprechendes religiöses Bildchen. Die Polinnen und unsere Zigeunerinnen waren für derartige kleine künstlerische Arbeiten ganz beson112 ders be chen K um es 2 sie nier war. W Sausta deren V Entzü Stielen stehend Pferdch das alle kleine und zw dieser lassung schmuc staunt Weil haben. Weihn Hohn. gegang gen V Tanner wirklic gezaub Worder lichter falls Nähst reste, Als daß i Denn chen zu de eifert altest 8 He tt haben dunkelste, sonch ihnen nter uns, slager in itternden Kreatur. zufrieden gen, die klein und n in diedie Vög. mel mag so Kraftdiesem geschunMenschen n wären. zweiten ennt von ar dieser rig; denn verwor chenherz egenseitig erfreuen Aber man s nur ein te ich zu tück Brot offeln und e garniert verschönt durch ein religiöses en waren nz beson ders begabt. Manche auch sparten ihr armseliges Stückchen Kriegsseife auf, das es sehr unregelmäßig noch gab, um es zum Festtag zu verschenken. Ich allerdings hätte sie niemals hergegeben, da Seife hier so unentbehrlich war. Wochenlang hatte man oft keine. Doch in diesem ,, Saustall" mußte man auf persönliche Sauberkeit besonderen Wert legen, sonst verkam man ganz. Entzückende Tierchen wurden auch geschnitzt aus den Stielen der Zahnbürsten in allen möglichen Farben, stehende, sitzende Hunde, spielende Kätzchen, hüpfende Pferdchen und schwere Elefanten. Mit Steinchen wurde das alles gefeilt und bis ins Feinste ausgearbeitet. Auch kleine Kruzifixe aus Zahnbürsten sind hergestellt worden und zwar künstlerisch vollendet. Ich habe verschiedene dieser kleinen geschnitzten Gegenstände bei meiner Entlassung aus dem Konzentrationslager mit herausgeschmuggelt, und sie sind selbst von Künstlern nur bestaunt worden. - - Weihnachtsbäume durften wir nicht in der Baracke haben. Ein Riesenbaum, völlig ungeschmückt, stand zur Weihnachtszeit am Anfang der Lagerstraße wie zum Hohn. Ich bin stets mit gesenkten Augen daran vorübergegangen. Und doch standen in den Blocks, trotz strengen Verbotes, am Heiligen Abend große Sträuße von Tannengrün, wie aus dem Boden gewachsen. Man wußte wirklich nicht, woher sie kamen, wer sie in die Baracken gezaubert hatte und wo sie so lange versteckt gehalten worden waren. Und Lichter waren daran, richtige Wachslichter! Woher kamen die denn nur? Ja, das war ebenfalls ,, organisierte" Ware, aus Spinnerei, Weberei und Nähstube mitgebracht, heimlich entwendet, kleine Wachsreste, die geschickt zu Kerzen gedreht waren. Als Blockälteste hatte ich meinen Dirnen gesagt, daß ich keinerlei Geschenke wünsche und annähme. Denn erstens war es verboten: zweitens war nach solchen Festtagen der Verrat untereinander stets groß, der zu den schwersten Strafen führte; drittens aber wetteiferten die Gefangenen miteinander, wie sie der Blockältesten Geschenke machen könnten, um es nur etwas 8 Herbermann, Der gesegnete Abgrund 113 besser bei ihr heraus zu haben. Das alles hatte ich in andern Blocks schmerzlich beobachtet und wollte deshalb dem allem aus dem Wege gehen. Zudem konnte ich es nicht verantworten, daß die Gefangenen sich meinetwegen strafbar machten. Einige aber konnten es nicht lassen. Es waren wohl diejenigen, deren Herzen mir am meisten zugetan waren. Das wußten sie alle: Aus Berechnung nahm ich keine Geschenke an. Niemand konnte bei mir der Geschenke wegen mehr Nachsicht erwarten. Sie waren und blieben mir alle gleich. Sie wußten es auch, daß jede, die sich anständig aufführte, von mir anständig behandelt wurde. Doch die ganz Getreuen, Unentwegten kamen heimlich zu mir geschlichen, drückten mir verstohlen etwas in die Hand oder legten es auf meine Pritsche: ,, Bitte, bitte, nimm es doch an!" Wie konnte und durfte ich da Nein sagen? Liebe kennt kein Verbot. So auch hier. Ich bekam von der einen ein schönes, aus Pappe gearbeitetes, mit bunten Schnüren geschmücktes Appellbuch, das mir zu den täglichen Appellen dringend fehlte. Auch hier war das Material dazu heimlich ,, organisiert". Wehe, wehe, wenn Kommandant und SS- Bewachung davon erfuhren! Die Polinnen, die ganz unter sich in ihren Baracken waren, hielten am Weihnachtstag ihren Gottesdienst singend in lateinischer Sprache ab. Selbstgezimmerte Krippen waren aufgebaut. Und wenn am Mittag oder am Abend für eine Stunde keine SS- Wache zugegen war, da wurde diese ergreifende, religiöse Feier mit Würde begangen. Einige Gefangene mußten Wache halten hinter der Barackentür. Wenn die SS- Wache gesichtet wurde, dann war in zwei Minuten alles restlos weggeschafft, und selbst der geriebenste SS- Mann und die gerissenste SS- Aufseherin konnten keine Spur von dem mehr entdecken, was da eben vor sich gegangen war. Einmal habe ich auf persönliche Einladung der Polen- Blockältesten an solcher erhebenden und ergreifenden Feier teilnehmen dürfen. Es war mir, als sei ich in einer Kirche, und voller Inbrunst und Andacht habe ich gemeinsam mit diesen edlen Polinnen gesungen und gebetet. Das mußte 114 Gott gerad In über und Block zweil vierh Prits den ren, auch derte unse nigst fen dritt sie w Dazu Stub Bode büsc kräm Holz kind Sch elen Ums Han sch D mit zähl und tion .8 e ich in te desnnte ich Gott erbarmen! Er wurde verherrlicht gerade im Konzentrationslager. auch und meinetes nicht mir am Aus Bekonnte rwarten. ßten es mir anmen, UnBrückten es auf !" Wie nnt kein nen ein chnüren Then Apial dazu mandant Baracken enst sinte Kripoder am war, da ürde been hinter t wurde, afft, und rissenste ehr entEinmal lockälteeier teilKirche, nsam mit as mußte Unsere Kranken - In dem bisher Ausgeführten habe ich schon manches über unsere Kranken berichtet. Ganz besondere Sorge und Pflege und auch Zeit nahmen die Anfälligen meines Blockes in Anspruch. Da der Block überbelegt war zweihundertundsiebzig Pritschen und zeitweilig über vierhundert Häftlinge lagen viele zu dreien auf zwei Pritschen, andere aber mußten auf dem schmutzigen Boden schlafen. An Strohsäcken suchte ich zu organisieren, was nur aufzutreiben war. Man riß sich darum; denn auch die andern Baracken waren überbelegt, und Hunderte von Zugängen kamen allmonatlich hinzu. Auch unsere Kranken im Block schliefen auf dem Boden, wenigstens die meisten; denn bei den fortwährenden Krämpfen und Anfällen war es gefährlich, im zweiten oder dritten Stock zu schlafen, vor allem auch sehr schwierig, sie von den oberen Pritschen herunter zu transportieren. Dazu gehörten ungeheure Kräfte, über die wir Block- und Stubenältesten nicht verfügten. So lagen sie denn am Boden, um sich schlagend, tobend, sich ganze Haarbüschel ausreißend, ohnmächtig, wieder andere mit Herzkrämpfen, bewußtlos oder mit Nervenkrämpfen, daß der Holzboden unter ihnen erbebte. Arme, arme Menschenkinder! In die liebevolle Fürsorge guter, barmherziger Schwestern hätten sie gehört, und nun mußten sie hier elendig verkommen. Fast Nacht für Nacht habe ich kalte Umschläge gemacht; dazu nahmen wir unsere blauen Handtücher; denn wir hatten ja keinerlei Material, geschweige denn Medikamente. Da denke ich mit Wehmut an das alte Hutzelweiblein mit seinem Blatternarbengesicht, das nach seinen Erzählungen sein karges Leben gefristet hatte mit Betteln und Hausieren. Sie hausierte auch hier im Konzentrationslager weiter. Es war wohl ihre große Leidenschaft. 8. 115 Die Taschen in Kleidern und Schürzen hatte sie stets voller Bindfäden, Steinchen, Kartoffelschalen, Nägel, Lederresten, Lumpen usw., kurz alles, was auf der Lagerstraße oder in den Ecken der Baracke herumlag, wanderte in ihre Taschen. Fast täglich leerte ich ihr dieselben; denn wenn das bei der Arbeit die SS- Bewachung fand, wurde sie geprügelt und durcheinandergerüttelt und an den Haaren gezerrt. Solche Quälerei und Tortur wollte ich ihr ersparen, der armen, siebzigjährigen Vagabundin. Diese Alte nun brachte ich in einer dunklen Winternacht, in der der Sturm um die Baracken fegte und es draußen schneite und regnete, auf meinen Armen ins Revier, da ich mir nicht mehr zu helfen wußte. Sie war sterbenskrank, redete und tobte im Fieber. Die anderen Häftlinge schimpften und murrten, daß sie nicht schlafen könnten. So suchte ich Hilfe im Krankenrevier. Aber wir zwei wurden von dem Arzt, der uns im Flur begegnete, mit Füßen getreten, als ,, Sauschweine" tituliert, nur darum, weil ich Hilfe verlangte für eine Todgeweihte, die doch der Hilfe so sehr bedurfte. Dieser ,, Arzt" riẞ mir das zusammengekauerte Stücklein Mensch von den Armen, warf es auf den Boden, zerrte an ihren Haaren und zog sie durch den Korridor, bis er sie endlich mit seinen Stiefeln zur Tür hinausbeförderte, und auch ich bin wie ein Ball, mit dem man Fußball spielt, hinausgeflogen. Wir beide lagen von oben bis unten dreckig und naẞ in einer Pfütze. Ich sprang schnell wieder hoch, beschwichtigte das armselige Mütterchen, das nun ganz besinnungslos war und meine gutgemeinten Worte nicht mehr verstand. Dann nahm ich das Häuflein von vielleicht noch achtzig Pfund, das ich bei meinen neunzig Pfund Gewicht gerade noch zu tragen vermochte, auf meine Arme und trug es zurück in die Baracke, wo ich außer Atem ankam. Lange noch saẞ ich in dieser Nacht auf dem Boden neben der Alten. Sie sprach verwirrt und erschrocken. Ich redete auf sie immer neu ein, aber sie verstand mich nicht mehr. Still betete ich für die Sterbende und bat Gott, er möge sie doch endlich erlösen. Hatte sie sich auch auf dieser 116 Erde i Menso halb d für ih stimm auf E langa und u Ben C gange Denn nen u Tro seher warer bin ic Hilfe ten. lich t man mußt Ein stund linge wie ande ausg bis Fußk lichs Elen nen So aufg erha Obe Sch arm sie stets Nägel, auf der erumlag, ihr diewachung gerüttelt d Tortur en Vagadunklen en fegte n Armen ßte. Sie ber. Die sie nicht enrevier. im Flur ne" titueine Tode. Dieser Mensch an ihren sie enderte, und all spielt bis unten nell wie chen, das gemeinten das Häuf ich bei zu tragen ck in die noch sab Her Alten. edete auf icht mehr , er möge auf dieser Erde in ihrem Wege geirrt, so wußte ich doch, daß der Mensch auch in jahrelangem Irrtum niemals ganz außerhalb der Gnade Gottes steht. Ich bat um Barmherzigkeit für ihre arme, zerschundene Seele, und ich weiß bestimmt, daß sie es im Tode besser bekam, als sie es je auf Erden gehabt hatte. Am anderen Morgen lag sie langausgestreckt auf ihrem Strohsack, mit unsäglichen und unvorstellbaren Leidenszügen auf dem kleinen, weiBen Gesichtchen. Nun war sie endlich nach Hause gegangen, sie, die auf Erden nie ein Heim gehabt hatte. Denn einmal müssen doch alle die armen Irregegangenen und Verstoßenen auch nach Hause kommen. - nicht alle Trotz der Gefahr, im Krankenrevier von Ärzten, Aufseherinnen und den braunen Schwestern waren gemein Fußtritte und Ohrfeigen zu erhalten, bin ich oft spät am Abend noch ins Revier gelaufen, um Hilfe und Arzneien für besonders schwere Fälle zu erbitten. Manchmal gelang es mir. Dann war ich sehr glücklich trotz aller Beschimpfungen und Mißhandlungen, die man sich als nächtlicher Ruhestörer dort bieten lassen mußte. Aber daran waren wir ja gewöhnt. Einmal in der Woche war für jeden Block Revierstunde. Ich mußte als Blockälteste mit den kranken Häftlingen meiner Baracke im Revier erscheinen, natürlich wie immer in Reih und Glied. Einigen wurde geholfen, anderen nicht. Viele Hilfsbedürftige wurden brutal hinausgeschmissen. Infolge des Barfußlaufens vom 1. April bis zum 1. Oktober gab es entsetzliche und ekelhafte Fußkrankheiten. Viele waren am ganzen Körper mit häßlichstem Ausschlag bedeckt. Nie vorher hatte ich soviel Elend gesehen. Blutvergiftungen, an denen die Gefangenen meistens starben, waren nicht selten. Schwerkranke wurden je nach Willkür in das Revier aufgenommen. Manch eine hat dort ihre ,, Todesspritze" erhalten. Noch sehe ich die lange, häßliche, braune Oberschwester, wie sie diese Spritzen unter ihrer Schürze verborgen hielt! Und wie sträubten sich die armen Opfer! Sie wußten, worum es ging. Ach, man 117 hätte ihnen helfen und sie retten können durch gewissenhafte Behandlung und entsprechende Medikamente. Ein wahrer Segen war es für Viele, daß Häftlinge hier im Revier als Krankenschwestern tätig waren. Es spricht für die deutsche Krankenschwester, überhaupt für die deutsche Frau, daß sich nur Einzelne freiwillig als Pflegepersonal hierher gemeldet haben; denn das freiwillig mitzumachen, was hier geschah, das konnte selbst ein Mensch mit einer Natur wie eine Eisenmaschine nicht ertragen. Da also nicht genügend Kräfte zu bekommen waren, mußten die Häftlinge auch hier einspringen. Sie taten es gern, wußten sie doch, daß sie dort mancher leidenden und sterbenden Leidensgenossin die letzten Liebesdienste schweigend und heimlich erweisen konnten. Viel Gutes und Edles ist an dieser Stelle von Häftlingen an Häftlingen geschehen. Manche der armen Opfer habe ich tot in den Kisten liegen sehen, nackt, völlig nackt. Einer jungen polnischen Frau konnte ich im Vorübergehen noch die starrenden, traurigen Augen unbemerkt zudrücken. Die meisten Toten verschwanden, ohne daß ein Häftling sie sah, mit Ausnahme der im Revier tätigen Gefangenen. Oft sahen wir das schwarze Totenauto kommen, das die Leichen aus dem Revier holte und sie ins Krematorium beförderte: Herr, gib ihnen nach soviel Qual den ewigen Frieden. Was für gemeine Ärzte hier über Leben und Tod Tausender von Gefangenen zu entscheiden hatten und wie sie diese Armen quälten und sich an ihren Qualen weideten, läßt sich nicht beschreiben. Das waren wirkliche Menschenschinder, die unendlich viel Unschuldige, Deutsche sowohl wie Ausländer, auf ihrem Gewissen haben. Unwillkürlich mußte ich oft an die edlen Ärzte denken, die mir aus der Freiheit her bekannt und befreundet waren. Ich dachte an den stets hilfsbereiten, gütigen Arzt Dr. Vonnegut in Münster, auf dessen Station in der Raphaelsklinik in Münster, umsorgt und umhegt von nimmermüden barmherzigen Schwestern, ich so manches Mal gelegen hatte, an den edlen Chefarzt dieser Klinik, Pro118 fessor kinder wurde gen, a Sch es hie Hohen den P worde gesun Hautt stands Vers gema genen sie st Name alles habe Sie h Narbe BlaB verfa rief e vor gebo Schw getöt im F eine kann ihrer sies entla habe Scha ange Ver mir ze I gewis- IF nente, nge hier 5 Spricht für die S Pflege- reiwillig Ibst ein nicht er- kommen gen. Sie mancher letzten n konn- on Häft- n Kisten gen pol- die star- Die mei- ı sie sah nen. Oft ‚ die Lei- rium be- , ewigen Tod Tau: und wie slen wer wirkliche ge, Deut: n haben: , denken, efreundel igen Ar! zn in dei von pin" ıche$ Mi inik, PI% fessor Dr. Ramstedt. Und hier? Todwunde Menschen- kinder mit verblutender Seele, mit total krankem Körper, wurden mißhandelt, anstatt behandelt, wurden geschla- gen, anstatt getröstet. Schreckenstage waren es für das gesamte Lager, wenn es hieß: Heute kommt wieder eine Ärzte-Kommision von Hohen-Lychen.— Dort war ein großes Sanatorium. Nach den Personalakten waren etliche Häftlinge herausgesucht worden, vor allem Polinnen, um an ihren oft schönen und gesunden Körpern medizinische Versuche anzustellen, Hauttransplantationen und Experimente über die Wider- standsfähigkeit der Knochen. Diese Opfer wurden als „Versuchskaninchen“ für ihr ganzes Leben zu Krüppeln gemacht. Es schrie zum Himmel, und die armen Gefan- genen schrien in ihrer Todesnot auf wie verfolgte Tiere, sie sträubten sich, ja, sie flohen bei Aufrufung ihrer Namen durch die Barackenfenster— und doch, es nutzte alles nichts. Manche von diesen Frauen und Mädchen habe ich nach solchen gewaltsamen Operationen gesehen. Sie hatten dreißig bis vierzig Zentimeter lange, tiefe Narben an Oberschenkel, Waden und Schienbeinen. Blaß und abgemagert waren sie, ja meistens dem Tod verfallen. Und sie wußten das. Mord, Mord, Mord! rief es in mir, und mein Herz krampfte sich zusammen vor Empörung und Weh bei diesem Anblick. Neu- geborene Kindlein junger Mütter, die während ihrer Schwangerschaft in Haft gesetzt worden waren, wurden getötet oder vorher schon abgetrieben. Ich selber habe im Revier so ein kleines Wesen schreien gehört, das eine Viertelstunde darauf ermordet worden ist. Ich kannte deutsche und ausländische Häftlinge, die mir nach ihrer Einlieferung ins Konzentrationslager gestanden, daß sie schwanger waren, die hofiten, daß man sie zurzeit entlassen werde. Aber sie wurden nicht entlassen, sie haben auch kein Kind geboren. Schande, nichts als Schande schütteten diese Mörder aus über das einst so angesehene, nun unglückselige, sich in der Macht von Verbrechern befindende deutsche Vaterland! O, es graute mir! Und ich wußte, es kommt der Tag, wo unschuldige, 119 deutsche Menschen diese Schand- und Greueltaten bitter für die Hauptschuldigen büßen mußten. die li Warm Das Wäsc undan Kleider und Wäschesorgen Mit der Leibwäsche war es eine Katastrophe. Wie ich schon anfangs erwähnte, besaß nicht einmal eine jede einen Unterrock, weil eben keine vorrätig waren. Hemden und sonstige Unterwäsche trugen wir oft wochenlang, ohne einmal wechseln zu können. Je mehr Häftlinge eingeliefert wurden, desto schwieriger gestaltete sich die Wäschefrage. Ein Stück Wäsche zu waschen, war strengstens verboten, und doch geschah es heimlich von denen, die nicht ganz im Dreck verkommen wollten. Das ging zwar nur im Sommer; denn da trocknete die Wäsche über Nacht. Im Winter aber war das ausgeschlossen. Wehe uns, wenn ein Wäschestück, das man zum Trocknen irgendwo in einem verborgenen Eckchen aufgehängt hatte, gefunden wurde! Unsere gestreiften Sträflingskleider mußten wir Monate um Monate, ohne daß sie einmal gereinigt wurden, tragen. Sie waren oft beschmutzt vom Dreck und Schlamm der Außenarbeit, rochen nach Schweiß und ungepflegten Körpern. Im Sommer waren unsere Kleider einfarbig blau, dünn und meist verschossen. Oft genug haben wir in aller Herrgottsfrühe morgens beim Zählappell in dieser ungenügenden Bekleidung mit den Zähnen geklappert. Im Sommer, von April bis zum Oktober, gab es keinerlei Fußbekleidung, keine Strümpfe, keine Schuhe. Wie die Häftlinge darunter litten und wieviel Krankheiten dadurch entstanden, habe ich bereits früher erwähnt. Die Strümpfe, die wir im Winter bekamen, hatten oft keine festzustellenden Farben mehr. Aber wir waren ja froh, überhaupt Warmes an den Füßen zu haben. Zuweilen war auch ein gutes, anständiges Paar darunter. Meine Dirnen stritten und schlugen sich um das beste Paar. Es gab aber auch vernünftige und zufriedene darunter, die 120 ich es mittel wie s fen di hin, j ging und i aber bei d rufen komm Oft Nach sche ten, gen war diese fig K straf finde stand fang Be Ahnl Stru und schr zu z kein das Far war en bitter Wie ich eine jede en. Hemwochenehr Häftgestaltete waschen, heimlich wollten. knete die as ausge das man Eckchen estreiften ate, ohne waren oft Benarbeit, pern. Im dünn und ller Herr genügen es keineruhe. Wie heiten da ähnt. Die oft keine mja froh, Zuweilen er. Meine Paar. Es unter, die die liebe Eitelkeit bereits überwunden hatten und das Warme dem Schönen vorzogen. Das Verteilen der so selten verausgabten frischen Wäsche war für mich als Blockälteste eine schwere und undankbare Aufgabe. Nachdem ich die Wäsche, so gut ich es vermochte, in drei Größen eingeteilt hatte, groß, mittelgroß, klein, teilte ich sie der Reihe nach so aus, wie sie eben lag. Aber meine unbändigen Dirnen warfen die Stücke, die ihnen nicht behagten, einfach wieder hin, ja einige schleuderten sie mir an den Kopf. Dann ging das Geschimpfe los. Eine steckte die andere an, und ich wollte so gern allen gerecht werden, konnte es aber mit dem besten Willen nicht. Manchmal habe ich bei der Austeilung der Wäsche eine Aufseherin zu Hilfe rufen müssen, um überhaupt gegen diese Wildheit anzukommen. Oft kam es vor, daß saubere Wäsche, die wir über Nacht zu einem Bündel geschnürt am Fußende der Pritsche zur Kontrolle der SS- Bewachung liegen haben muẞten, gestohlen wurde. Dafür lag dann am anderen Morgen schmutzige, vollkommen dreckige Wäsche da. Was war da zu tun, als mit großem Widerwillen und Ekel diese Wäsche einer Anderen anzuziehen, war doch häufig Kleider- und Wäschekontrolle mit nachfolgender Bestrafung, wenn kein Hemd, kein Beinkleid am Körper zu finden war. Ja, oft haben mir die Haare zu Berge gestanden über soviel Gemeinheit und Niedertracht der Gefangenen untereinander. Bei der Austeilung der Strümpfe im Winter ging es ähnlich so. Für vierhundert Menschen Wäsche und Strümpfe und Schürzen aus der Wäschekammer zu holen und dann nachher genau in der gleichen Anzahl die schmutzige Wäsche in der Waschküche, je in Bündeln zu zwanzig oder dreißig Stück, wieder abzuliefern, war keine Kleinigkeit. Viel Ärger hat es mich gekostet. Aber das Austeilen von Strümpfen in den verschiedensten Farben, schwarz, grau, braun, baumwollene und wollene, war ganz besonders aufregend. Ich versuchte, einzelnen 121 Wünschen nachzukommen. Aber allen konnte ich nicht geben, wie sie es verlangten, da eben nicht mehr da war, und so gab es immer Schlägereien und Schimpfereien, ja Wutanfälle und lange Gesichter und Vorwürfe für die Blockälteste. Gern gebe ich zu, daß mancher Häftling übel daran war. Einige Strümpfe waren so kurz, daß sie nicht einmal bis an die Knie reichten. Und Strumpfband gab es überhaupt nicht. Da mußten gestohlene Bindfäden aushelfen. Manche hatten einen langen und einen kurzen Strumpf, wieder andere einen wollenen und einen baumwollenen. Obwohl ich selber ungern wollene Strümpfe trage, da sie leicht einen Juckreiz verursachen, nahm ich den andern zuliebe schon ein wollenes Paar, um dadurch wieder ein Herz zufrieden zu stellen. Die Schuhfrage war noch katastrophaler als die Strumpfangelegenheit. Schuhe, Lederschuhe gab es nur in Ausnahmefällen. Wir trugen den Winter über Holzpantinen, hinten offen, vorn über der Frist irgendeinen Kriegsersatzstoff drauf. Immer wieder riẞ der schlechte Stoff ein, und man latschte einher, so gut es ging. In dieser schlechten Fußbekleidung zu laufen, war eine Qual, vor allem bei den vorgeschriebenen Märschen, wo wir in Reih und Glied singend einhermarschieren mußten. Dieses Bild der Tragik! Mir und auch vielen andern sind bei diesen Märschen oft die Pantinen, die viel zu groß und zu weit waren, ausgefallen, und dann hieß es gleich wieder: ,, Altes Stück Sch..., paß doch auf! Zurück! Und noch einmal vorbeimarschiert!" Oder es gab Fußtritte und Ohrfeigen. Die Füße waren von diesem nichtpassenden Schuhzeug oft durchgelaufen, die Frist wund und mit Blasen bedeckt. Und dann die Kopftücher! Auf der Lagerstraße und bei der Arbeit durfte kein Häftling ohne Kopftuch erscheinen, auch nicht im Sommer. Nie konnte die Kopfhaut auslüften, immer trug man dieses störende Tuch, auch bei harter Arbeit draußen. Bei vielen Gefangenen war, dadurch hervorgerufen, ein allzu früher, starker Haarausfall zu bemerken. Wir sahen in diesen Kopftüchern aus wie die Vogelscheuchen, eine der anderen 122 gleich, berer H Ein es gut mal. E nach e gabe, der Ha ten au oder s vertra nicht Die fältig, gen 1 wurde ordne an. S stram Wenn meine ihre liche dann Der e We gefun Koste etwas Wie tuger ster denk In ich nicht da war, ereien, ja e für die Häftling , daß sie ampfband ne Bindgen und wollenen gern woliz verurwollenes u stellen. als die b es nur ber Holzendeinen schlechte ging. In war eine schen, wo ren mußen andern e viel zu hieß es auf! Zuer es gab n diesem die Frist traße und Oftuch er die Kopfde Tuch, efangenen I, starker sen KopfI anderen gleich, nur mit dem Unterschied, daß die Eine sich sauberer hielt als die Andere. Ein frisches Taschentuch gab es höchst selten, wenn es gut ging, vielleicht alle sechs bis acht Wochen einmal. Es waren einfache, graue Leinentücher, die schon nach einigen Tagen Gebrauch, ja oft schon bei der Ausgabe, aussahen wie dreckige Putzlappen. Die Mehrzahl der Häftlinge benahm sich dementsprechend. Sie spuckten aus und schneuzten sich da, wo sie gerade standen oder saßen. Wenn während des Essens eine meiner Anvertrauten ihr Taschentuch hervorzog, konnte ich oft nicht weiter essen. Schweigen wir lieber darüber. Lagerstrafen Die Einzelstrafen und Lagerstrafen waren äußerst vielfältig, und oft mußte der Unschuldige mit dem Schuldigen leiden. Wenn irgendein Lagerdiebstahl begangen wurde und der betreffende Häftling sich nicht meldete, ordnete der Kommandant Kostentzug oder Strafestehen an. Stunde um Stunde, bis zum Umsinken mußten wir strammstehen, Stunden des Tages, Stunden der Nacht. Wenn ich während dieses Strafestehens den Blick über meine armen, müden Leidensgenossinnen gleiten ließ, ihre abgespannten Gesichter betrachtete, ihre entsetzliche Armseligkeit, dieses Massenelend von Tausenden, dann erschien mir das alles gar nicht als Wirklichkeit. Der einzelne Gefangene war doch ohne jede Schuld. Wenn zum Beispiel in der Kläranlage ein Handtuch gefunden wurde oder sonst irgendein Wäscheteil, gab es Kostentzug für alle, d. h. kein Mittagessen. Und das will etwas heißen bei schwerster und anstrengendster Arbeit. Wie die Stimmung an solchen Tagen war, wie die Untugenden gerade der Häftlinge meines Blocks in krassester Weise zum Vorschein kamen, kann sich jeder denken. In den Arrest- oder Zellenbau, in das sogenannte 123 Totenhaus, wanderten allwöchentlich viele Opfer, teils für drei Tage, für acht Tage und mehr, ja es gab Arreststrafen von sechs bis acht Wochen und darüber hinaus. Manche kamen nie mehr zum Vorschein. Die furchtbarste aller Strafen war, wie schon im Vorhergehenden erwähnt, die Prügelstrafe, das Auspeitschen von armen Gefangenen. Ich denke noch oft an Irma, einen Häftling aus dem Block II, ein eigentümliches, furchtloses, gutherziges, aber auch gefährliches Mädchen. Sie erzählte mir ganz gefaßt, daß sie von Kindheit an unter der Knute gestanden habe. Die Mutter war eine Dirne gewesen, der Vater ein Zuhälter. Schon mit vierzehn Jahren war sie von diesen ,, Eltern" auf die Straße getrieben worden, um Geld zu verdienen. Wehe ihr, wenn sie ohne Geld nach Hause kam! Und das kam anfangs häufig vor bei der damals noch kleinen unerfahrenen Irma. Dann sausten die Stockhiebe auf den noch in der Entwicklung begriffenen Kinderkörper nieder. Sie sagte mir, daß Körper und Rücken eigentlich niemals ohne Spuren von Peitschenstriemen gewesen seien. Immer weiter wurde sie geschlagen, bis ,, ich mich nachher in den Bordellen von lüsternen und perversen Männern auspeitschen ließ... Jeder schlug mich, dem es Freude machte, und nun werde ich hier im Konzentrationslager schon zum viertenmal ausgepeitscht und habe mich daran gewöhnt...". Irma gehörte zu denen, die bei Austeilung der Prügelstrafe niemals einen Laut des Schmerzes ausstießen, auch hernach kaum darüber sprachen. Sie litt auch nicht mehr besonders darunter. Es gehörte das zu ihrem armen Leben. Sie äußerte selber, daß sie die Stockhiebe, die sie in ihrem noch jungen Leben schon erhalten hätte, nicht mehr zählen könne. Dieser arme Menschenwurm gehörte zu denen, die oft Anfälle bekamen. Ich nahm sie unter meine besondere Hut, gab mir alle Mühe, ihr zu beweisen, daß es doch noch etwas Güte auch für sie auf dieser Welt gebe. Noch heute befällt mich tiefe Traurigkeit, wenn ich an diese arme, sicher zu Tode geprügelte Irma denke, die wohl nicht mehr unter den Lebenden weilen wird. Sie 124 schwan Lungen Wenn steigt m ballen s Block danten lager v beit w Köge wußte, zwecke zwinge Ausfüh Außers Stockh Ich sel Mütter Ehre g testen wurder trieber nach Austei schnal aber b gehalt Glau Zellen zu be gekrü ten, a Fraue an me deren Aber seine Hein chen pfer, teils ab Arrest er hinaus mim Vor speitschen an Irma, tümliches Mädchen indheit an war eine mit vier die Straße Wehe ihr s kam an munerfah e auf den örper nie eigentlich gewesen ,, ich mich perversen mich, dem m Konzen itscht und gehörte zu mals einen kaum dar ders darun Sie äußerte hrem noch ehr zählen zu denen meine be sen, daß es Welt gebe enn ich an denke, die wird. Sie schwand sichtlich dahin, man sah ihr schon damals die Lungenschwindsucht an. zum Wenn ich an einen Tag im Lager zurückdenke, dann steigt mir noch jetzt der heiße Zorn hoch und die Fäuste ballen sich vor Empörung. Es war im Sommer. Der gesamte Block der Bibelforscher sollte für den Kommandanten und für die SS- Siedlung, die dem Konzentrationslager vorgelagert war, Luftschutzkeller bauen. Diese Arbeit wurde von dem niederträchtigen Kommandanten Kögel gerade den Bibelforschern übertragen, weil er wußte, daß in ihren Statuten jegliche Arbeit für Kriegszwecke strengstens untersagt ist. Er wollte sie dazu zwingen. Aber allesamt verweigerten sie standhaft die Ausführung dieses Befehls. Der Kommandant, Äußersten gereizt, ordnete für jeden Bibelforscher zehn Stockhiebe an. Alle mußten antreten zum Strafempfang. Ich sehe noch diese Prozession der meist alten, lieben Mütterchen. Sie waren als Gesamtheit, das sei ihnen zur Ehre gesagt, die angesehensten, friedlichsten, hilfsbereitesten und geduldigsten Häftlinge im ganzen Lager. Nun wurden sie wie eine Horde Vieh zur Schlachtbank getrieben, in diesem Fall zum Bock, auf den sie der Reihe nach geschnallt wurden. Jeder Gefangene wurde zur Austeilung der Strafe mit Lederriemen am Bock angeschnallt, und dann ging es los, der Reihe nach.... Sie aber beteten, still und ergeben. Heroisch haben sie sich gehalten, standhaft diese zehn Stockhiebe für ihren ,, Glauben" entgegengenommen. Als sie hernach aus dem Zellenbau wieder hinaustraten, versuchten sie, Haltung zu bewahren, so gut es ging. Viele von ihnen schlichen, gekrümmt und gebeugt vor Schmerz, mit ihren geschändeten, alten Körpern dahin. Es waren unter ihnen manche Frauen von sechzig Jahren und darüber. Ich dachte an meine Mutter. Und sie waren doch fast alle Mütter, deren Söhne zum großen Teil an den Fronten kämpften. Aber was fragte der bestialische Kommandant mitsamt seinen gemeinen SS- Henkern darnach? Was fragte Herr Heinrich Himmler darnach? Manche der alten Mütterchen haben diese Schläge nicht überstanden. 125 - Mit einigen aus ihnen unterhielt ich mich etliche Tage später. Ich fragte sie, ob sie noch große Schmerzen hätten? Sie lächelten still, aber in ihren Augen funkelte doch das Feuer der Empörung über die Schande, die ihnen und ihren ,, Schwestern" so nennen sich die Bibelforscherinnen untereinander angetan worden war. Ich persönlich habe die Bibelforscher, mit deren Anschauung im Übrigen ich mich bestimmt nicht einverstanden erklären konnte, sehr geachtet. Sie verstanden wahrhaft zu lieben und zu leiden. In der Baracke der Bibelforscher gab es nie Zank und Hader, da gab es keinen Diebstahl und keinen Verrat, wie in so manchen anderen Blocks, vor allem im Block II. Immer waren sie gut und bescheiden, zu jedermann freundlich. - Hier muß ich noch erwähnen, daß an diesem Tage, da der Kommandant mit seinen Helfershelfern und-helferinnen sich die Arme bereits lahm geschlagen und die Genugtuung über diese unbegrenzte Macht von Leib und Leben seiner Opfer überreich gekostet hatten, der Kommandant mit dem Inspektor diesem Scheusal! in dem Block VI der Berufsverbrecher erschien und die dort untergebrachten Gefangenen fragte, wer aus ihnen sich freiwillig zum weiteren Schlagen der Bibelforscherinnen melde. Er versprach ihnen für ein paar Wochen besseres Essen und den Vorteil, für einige Zeit nicht arbeiten zu müssen. Zwei junge, kräftige, weibliche Mitgefangene haben sich wahrhaftig zu dieser Schandtat freiwillig bereiterklärt. Nie hätte ich das, selbst nicht bei den verkommensten Häftlingen, für möglich gehalten. Aber auch diese Tatsache beweist, unter was für Subjekten wir leben mußten. Das ganze Lager war schon über die Anordnung des Kommandanten voller Empörung. Als nun aber noch diese beiden erbärmlichen Kreaturen sich zum Schlagen meldeten, da rasten sämtliche Häftlinge vor ehrlicher Entrüstung und schworen den beiden Berufsverbrechern Rache. Sie konnten sich nach Austeilung der Stockhiebe auf der Lagerstraße und im eigenen Block nicht mehr 126 sehen Dirne prüge aufseh für ei beson Genü Schlä Stock Strafb unser diese Tro Stube unser Wora und d viel berei auf d aus wohl Aber in Be Block Dies weiß schin zeitv die die lege M lich auch che Tage erzen hät funkelte ande, die sich die worden mit deren ht einver erstanden Zank und en Verrat m Block II. edermann Tage, da -helferin die Genug und Leben mmandant dem Block ort unter sich frei scherinnen n besseres rbeiten zu tgefangene iwillig be i den ver Aber auch jekten wir dnung des aber noch Schlagen ehrlicher erbrechem Stockhiebe nicht mehr sehen lassen, wurden angespuckt und geschlagen, ja die Dirnen und Berufsverbrecher fielen über sie her und verprügelten sie so gründlich, daß sie Zuflucht zur Oberaufseherin nahmen. Das Endresultat war, daß die Zwei für einige Zeit in den Zellenbau wandern mußten, wo sie besonders gut behandelt wurden und Licht und Essen zur Genüge bekamen. Meine Dirnen aber, die sich an der Schlägerei beteiligt hatten, erhielten Dunkelarrest und Stockhiebe und mußten dann noch auf ein Jahr in den Strafblock wandern. Nie wieder habe ich die Häftlinge unserer Baracke in so tiefer Erregung gesehen wie an diesem verhängnisvollen Tage. Läuse plage Trotz aller Anstrengungen von mir und den beiden Stubenältesten kam es doch allzu häufig noch vor, daß unser Block verlaust war, genau wie mancher andere. Woran lag das? Die Wäschefrage war eine erbärmliche, und die Sauberkeit einer großen Zahl von Häftlingen ließ viel zu wünschen übrig. Es gab sogar einige, wie früher bereits erwähnt, die ihr Eßgeschirr nachts mitnahmen auf die Pritsche, um ihre kleinen und großen Bedürfnisse aus lauter Bequemlichkeit dahinein zu verrichten. Obwohl ich das energisch verbot und oft noch spät am Abend, wenn alle schlafend auf ihren Pritschen lagen, in Bezug auf diese Undinge Kontrolle auf Anordnung der Blockleiterin unternahm, geschah das immer wieder. Diese Leutchen waren allzu wendig und gerissen. Ich weiß nicht, wohin sie bei der scharfen Kontrolle das Geschirr überhaupt verstecken konnten. Dazu hatten wir zeitweilig in unserer Baracke vier bis sechs Bettnässer, die Säcke wurden niemals trocken, und das verursachte die schlechteste Luft und gab dem Ungeziefer nur Gelegenheit, sich zu vermehren. Man kann sich denken, daß Häftlinge, die aus Bequemlichkeit ihre Notdurft auf der Pritsche verrichteten, sich auch an ihrem Körper und ihrer Kleidung nicht sauber 127 hielten. Die schmutzigsten unter ihnen habe ich an manchen Abenden von oben bis unten mit einer Bürste abgeschrubbt. Wenn keine Seife da war, mußte es eben mit Sand geschehen. Da es in den Baracken kein warmes Wasser gab, mußte man die Waschungen mit kaltem vornehmen. Das mußten sich diese Schweinchen nun mal gefallen lassen. Es lag ja an ihnen, Sauberkeit zu halten, und Wasser war immer zur Genüge da. Mich kostete es Überwindung genug, diese stinkenden, oft mit Aussatz bedeckten Körper von Häftlingen, die dazu noch bedeutend älter waren als ich, waschen zu müssen. Sie waren doch keine Kinder mehr. Und doch mußte ich es auf mich nehmen, denn alles fiel auf mich zurück. Und ich tat es mit allerdings verhaltenem Zorn; denn meine Kräfte und Nerven versagten schließlich auch einmal. zur Ra hatten kahl g Am empfan An einem Sonntag Vormittag wurde mir befohlen, den über vierhundert Häftlingen meiner Baracke den Kopf zu lausen und eine Jede nach Filzläusen zu untersuchen. Wenn ich auch Sonntag für Sonntag kaum eine stille Stunde für mich Zeit gehabt habe, so war doch diese Arbeit am heiligen Sonntag, an dem ich so gern am Abend für mich eine Stunde allein oder doch mit Gleichgesinnten aus anderen Blocks zusammen war, mir sehr gegen den Strich. Und ausgerechnet ich mußte es tun, die einen so ausgeprägten Widerwillen und Ekel vor Ungeziefer und Unsauberkeit hatte! Aber es mußte auf Befehl getan werden, und ich hatte am Abend der Oberaufseherin über meinen Erfolg Bericht zu erstatten. oft sch nicht gen zu gebroc den g 1942 i Kämm Wie k wäsch Vom Morgen bis spät in den Abend hinein, stand ich hinter dem Schemel, den Staubkamm in der Hand, einen Kopf nach dem andern, einen Körper nach dem andern vornehmend und suchend nach diesen ekelhaften Tieren. Es mußte alles genauestens verbucht werden, damit sich kein Häftling dieser Läusekontrolle entziehen konnte. Bei manchen wimmelte es nur so. Meine Stubenältesten halfen mir treulich dabei, war auch die eine von ihnen reichlich bequem, andern allzu gern alle besondere und unangenehme Arbeit überlassend. Wo ich Filzläuse fand, mußte ich den betreffenden Häftling zur Behandlung und 128 hatten das U Haftze Wie ihren und t ganz che A Pflich hinein Un der A und H In mir a ich hätte tion sie b hera He han man rste abge seben mit in warmes altem vor nun mal zu halten, kostete es it Aussatz Och bedeu Sie waren ich es auf Und ich enn meine einmal. fohlen, den den Kopf ntersuchen eine stille doch diese zur Rasur ins Revier schicken; diejenigen, die Kopfläuse hatten, wurden von eigens dafür angestellten Häftlingen kahl geschoren. Ich konnte keine davor bewahren. Am Abend war großes Gejammer und Geschimpfe. Ich empfand tiefstes Mitleid für die auf diese Weise ihrer oft schönen Haare beraubten Frauen. Viele besaßen ja nicht einmal mehr einen Kamm, um sich das Haar pflegen zu können. Meinen Kamm hatte ich längst durchgebrochen und die eine Hälfte verschenkt. Kämme wurden gern gestohlen, und kaufen konnte man im Jahre 1942 im Lager schon keine mehr. Manche besaßen ein Kämmchen mit buchstäblich noch drei bis vier Zacken. Wie konnten sie sich also, ohne jemals richtige Kopfwäsche machen zu können, den Kopf sauber halten? Und hatten sie ihn sauber, dann übertrugen andere ihnen neu das Ungeziefer. Ich persönlich habe während meiner Haftzeit nie eine Laus gehabt. O gern am mit Gleich I, mir sehr mußte es and Ekel vor mußte auf dder Ober tatten. m, stand ich Hand, einen dem ander ften Tieren , damit sich konnte. Bei ältesten hal von ihnen sondere und Izläuse fand andlung und Träumereien Wie gern saß ich am Abend, wenn alle schon auf ihren Pritschen lagen, noch am Fenster unserer Baracke und träumte von der seligen, freien Vergangenheit, mich ganz der Erinnerung an meine Lieben überlassend. Solche Abendstunden waren allerdings sehr selten; denn die Pflichten des Tages hielten mich oft bis in die Nächte hinein nur allzu fest. Unbeschreiblich schön war in kalten Winternächten der Anblick des Sternenhimmels, der soviel Sehnsucht und Heimweh in mir weckte. In großen, hellen Bildern stand die Vergangenheit vor mir auf. Einzelheiten kamen mir ins Gedächtnis, an die ich mich in einem normalen Leben nie mehr erinnert hätte. Aber die ganze Schwere und Tragik meiner Situation lag drückend auf mir. Und die Zukunft? Was wird sie bringen? Wie kommt man überhaupt aus dieser Hölle heraus? Und ob man je herauskommt? Dieses Nicht9 Herbermann, Der gesegnete Abgrund 129 wissen ist furchtbare Qual. Jeder Zuchthäusler weiß: Nach zwei, vier, sechs, zehn Jahren werde ich entlassen und bin dann wieder freier Mensch. Ich wußte es nicht. Erst nach meiner Entlassung verkündete mir die Münsterische Geheime Staatspolizei, daß mein Haftbefehl gelautet hätte: ,, Bis ein Jahr nach Beendigung des Krieges." Heimweh..., es ist schlimmer als die schwerste Krankheit, schmerzlicher als alle sonstige Entbehrung und Not. Wird man je die Heimat wiedersehen, die Mutter, die sieben Brüder, die guten Schwestern, die treuen Freunde? Da nur selten Post kam und diese bei der Verteilung oft schon Wochen im Lager lag, ohne daß sie uns ausgehändigt wurde, war ich in dauernder Sorge um alle meine Angehörigen. Fünf Brüder bei der Wehrmacht, die Lieben daheim in steter Bombengefahr. Wie habe ich mich zergrübelt! Und doch: Je aussichtsloser die Lage, umso größer die Hoffnung. Es war die Hoffnung der Hoffnungslosen. Zwischen diesen Träumereien und Grübeleien hörte ich die Gefangenen im Schlaf aufstöhnen, oft aus tiefster Brust; man hörte die Unruhigen unter ihnen auf ihren knarrenden Pritschen sich drehen und wenden, andere wieder hörte man husten, häßlich und hart husten. Die Redelustigen und Mitteilsamen flüsterten in tiefer Nacht noch miteinander. Sie konnten wohl auch die Ruhe nicht finden, den Schlaf, der so wohltat. Manch eine erzählte der andern von ihrem Leben und Treiben in der Welt, von den Lieben daheim und die, die es nie und nimmer lassen konnten, flüsterten sich gemeinste Witze gegenseitig zu. Nur allzu oft drang ein unterdrücktes, gemeines Lachen an mein Ohr. Und da schreit in einer Ecke ein armer, geschlagener Häftling auf vor Schmerz. Die wunden Stellen brennen, und das Liegen ist eine Qual. Eine andere röchelt und ringt um Atem. Es ist ein schwerer Herzanfall. Ich mache einen kalten Umschlag nach dem andern. Beruhigende Medikamente sind überhaupt nicht da. Ich bleibe, bis der Anfall vorüber ist und lege mich traurig, sehr traurig auf mein hartes Lager für fünf bis sechs Stunden, die oft genug noch durch irge bro der, den ich Z kalt todr ob irge die die Frie kein hab erst Hu bitt A den une Da die hie dig her der me mü ist ga wi WU är We ma da las De 130 +8 sler weiß: entlassen e es nicht die Mün befehl ge Krieges." ste Krank g und Not Mutter, die Freunde? teilung oft ausgehän alle meine t, die Lie e ich mich Lage, umso der Hoffeien hörte aus tiefster auf ihren en, andere usten. Die efer Nacht Ruhe nicht ne erzählte der Welt nd nimmer itze gegen tes, gemei einer Ecke hmerz. Die eine Qual Es ist ein mn Umschlag e sind über vorüber ist martes Lager noch durch irgendeinen Zwischenfall oder durch die SS- Wache unterbrochen wurden. Und am Morgen hieß es für mich wieder, als Erste heraus! Wirkliche Ruhe und Abgeschiedenheit, die doch so wohltuend gewesen wäre, kannte ich überhaupt nicht mehr. Zorn hat mich jedesmal gepackt, wenn spät in kalten Winternächten die Wache erschien, um die todmüden Häftlinge auf den Pritschen zu untersuchen, ob sie in der Kälte unter ihren dünnen Decken vielleicht irgendein Wäscheteil anbehalten hatten. Dann wurden die Häftlinge von den Pritschen gezerrt und verprügelt, die Unterkleidung wurde ihnen vom Körper gerissen. Frierend lag man die Nacht hindurch und fand vor Kälte keinen Schlaf. Doch in unserer trostlosen Verzweiflung haben wir es alle darauf ankommen lassen und nach der ersten Nachtwache die Unterkleidung wieder angezogen. Hungern und dazu noch frieren zu müssen, ist unsagbar bitter. Auch in mancher hellen Sommernacht saß ich nachdenklich am Fenster und träumte hinauf in den weiten, unendlichen Sternenhimmel... Heimat, deine Sterne... Dann wurde es still in mir, ganz still. Tröstlich strahlten die vielen tausend Lichter. Und die getreuen Sterne hielten mir auf ihre Weise ihre Sternenpredigt. Sie predigten mir von Gottes Größe, seiner Güte und Barmherzigkeit. Sie predigten aber auch ernst und tief von der erbärmlichen Kleinheit der Menschenkinder. Ich meinte oft, unter diesem schweigenden Sternenhimmel müsse aller Menschwahn elend in Scherben gehen. Was ist der Mensch angesichts dieser Welten? Da wird man ganz demütig und ganz stumm. Aber in dieser Kleinheit wird man in der Seele groß in dem beruhigenden Bewußtsein, daß vor dem großen Gott auch noch der ärmste, verworfenste und ausgestoßenste Mensch mehr wert ist als alle Sternenwelten.... Und so schmiegte man sich vertrauensvoll in Gottes Vaterarme und wußte, daß man selbst im Konzentrationslager nicht ganz verlassen war. In der Seele wurde es wieder licht und hell. Denn unser bestes Licht kommt doch für eine todwunde 9. 131 und leidende Seele nicht von dieser Erde, sondern nur aus den ewigen Himmelshöhen des großen Gottes. Ja, der Sternenhimmel war meines traurigen Lebens liebste Zufluchtsstätte. - Trotz allem Schmerz um die verlorene Freiheit, trotz der Erkenntnis der Tragik, lebendig begraben zu sein, nicht mehr in der freien Gotteswelt als freier Mensch leben und atmen zu dürfen, wurde man in solcher Nacht, die tiefe Gedanken weckte, wieder ruhig und gelassen. Immer noch hatte ich zwar mit vielen Schwierigkeiten und Qualen in der Seele zu kämpfen, um mich immer wieder neu hineinzufinden in mein hartes Los. Ich konnte mich nicht, wie manche Häftlinge des Blockes II, gewöhnen, und doch mußte ich mein Schicksal tragen, das Unabänderliche mit Haltung tragen, ich mußte es, Gott zu Liebe, den Menschen zuliebe. Ganz bewußt sagte ich mir, daß es besser sei, daß ich dieses durchmache als Pater Muckermann; denn wäre er in die Klauen der Gestapo und SS geraten, er wäre ihnen nie wieder entronnen. Wie sagte mir doch einer dieser Gestapo- Banditen bei einem Verhör in Münster: ,, Wir werden dem Muckermann die Gedärme aus dem Leib reißen, wenn wir ihn in unsere Hände bekommen!" Er aber konnte in der Ferne wirken zum Wohle eines besseren, gesitteteren, ehrenhafteren Deutschlands, das wir dann wieder Heimat und Vaterland nennen durften. Den Willen zum Ertragen hatte ich gewiß, aber die Kräfte versagten doch zuweilen. Die stete Unruhe um mich herum, die ewige Qual in der Seele, die ganz zerrütteten Nerven und meine schwache körperliche Konstitution taten das ihrige dazu. Immer dieses Zusammenreißen, das Ausgeben der letzten Kräfte, das Befehlenmüssen den Andern gegenüber, das entsetzliche Schreien beim dreimaligen täglichen Zählappell, wo die etwa vierhundert Häftlinge einfach nicht parieren wollten, das erforderte alles den letzten Energieaufwand. Dazu meine Umgebung im Block II! Menschen ohne jede Haltung, ohne jede Kultur, ungeordnet, unbeherrscht, düster, mürrisch, zänkisch, widerspensig, unfolgsam, haßerfüllt. Sie hatte Vera gebu war So sam De in d gen, oft tes an G lenb Hof nich bere und zu mei dies gee V Gra ein übe in der sta ve da ne 132 dern nur ttes. Ja, ms liebste eit, trotz zu sein, - Mensch er Nacht, gelassen. erigkeiten ch immer ch konnte I, gewöh , das UnGott zu sagte ich mache als lauen der eder enttapo- Banrden dem en, wenn konnte in , gesitte nn wieder aber die nruhe um ganz zerThe KonstiusammenBefehlene Schreien etwa vieren, das erazu meine e Haltung ister, mür erfüllt. Sie hatten selbst für den, der es gut mit ihnen meinte, nur Verachtung. Nichts ist schrecklicher, als in solcher Umgebung leben zu müssen, die einem völlig fremd war. Ich war nicht eine von ihnen, und sie ließen es mich fühlen. So verfiel ich notwendig in eine gefährliche Vereinsamung unter ihnen. Der Ruhigen und Friedlichen waren nicht allzu viele in dieser Baracke. Sie waren wohl still und verschwiegen, aber auch mißtrauisch, stumpf, zu hart geprüft und oft getötet vom Leben. Schweigend trugen sie ihr letztes Fünklein Hoffnung in der Seele. Ganz trostlos waren die völlig Verzweifelten, die, die an nichts mehr glaubten, nichts mehr erhofften. Ihr Seelenbefund muß ein erschütternder gewesen sein. Ohne Hoffnung kann der Mensch nicht leben und erst recht nicht in solcher Lage, und es wurden diese Ärmsten, die bereits an Gott, Menschen, Glauben, Heimat, Vaterland und an sich selbst gänzlich irre geworden waren, sogar zu Irrsinnigen oder Selbstmördern. Und hätte ich nicht meinen starken, unbändigen Glauben gehabt, diese wertvollste aller Gnadengaben, auch ich wäre so geendet. Wohl dem Häftling, der aus all diesem Wahnsinn und Grauen die Folgerung gezogen hatte, es müsse doch noch eine Welt des Glaubens geben, wenn das Leben hier überhaupt noch einen Sinn behalten sollte! Wohl dem, in dessen Seele jene Sterne noch leuchteten, die über dem Glück und über den Träumen seiner Kindheit gestanden hatten. Wo diese Sterne noch leuchteten, da verzweifelte und grübelte das zerquälte Herz nicht mehr, da glaubte es. " I Besuch" Heinrich Himmlers - Wie das klingt: Besuch? Ja, auch im Konzentrationslager gab's das und was für einen Besuch! Der Reichsführer SS und Chef der Deutschen Polizei in höchsteigener Person. Dieser Mann, für den wir alle nur tiefste 133 Leibeig Verachtung empfanden ,,, besuchte" die von ihm geleiteten und seinen Anweisungen völlig unterstellten Konzentrationslager mit seinem Stabe und Gefolge. Einige Tage vorher wurde der Besuch im Lager bekannt gegeben. Dann gab es ein Rennen hin und her, es mußte geputzt werden bis zur Erschlaffung. Alle Baracken, die Büros, die Küche, der Arrestbau, sämtliche Betriebe wurden auf den Kopf gestellt als käme ein König. Und es kam doch der Teufel in Person. Wie mich dieser Aufwand mitten in dem furchtbarsten aller Kriege für diesen einen Menschen anekelte, der uns die vom Schöpfer und von der Natur verliehenen Gaben der Menschenwürde und Freiheit radikal genommen hatte und uns unter das Tier herabwürdigte! Die Mehrzahl der Häftlinge dachte wie ich, jedoch waren einige glückliche Optimisten unter ihnen, die meinten, Himmler würde sie vielleicht bei seinem Besuche großzügig entlassen. Wir hatten im Lager erfahren, daß Himmler in den Jahren vor dem Kriege mehrmals mit großmütiger Geste o Theater!- bei seinen Besuchen einige Häftlinge willkürlich entlassen hatte. Und manche meiner armen Dirnen glaubten, auch ihnen blühe dieses Glück. Sie putzten sich sogar nach ihrer Art heraus, um ,, ihm" zu gefallen. - Ich erinnere mich noch genau, daß zum ersten Mal während meines Aufenthaltes im Konzentrationslager Himmlers Besuch, der stets mit einer Besichtigung des Lagers verbunden war, für einen Vormittag angesagt war. Es war ein scheußlicher Regentag, wie wir sie oft erlebten, und Riesenpfützen bildeten sich auf der am Tage vorher sorgfältig und mühselig gereinigten Lagerstraße. Im strömenden Regen standen wir Häftlinge, durchnäẞt bis auf die Haut, Stunde um Stunde auf der Lagerstraße aufgestellt und warteten auf den Allgewaltigen. Doch es kam kein Himmler. Wir standen über Mittag weiter, standen wie die Soldaten in Reih' und Glied, ja standen uns buchstäblich die Beine in den Leib. Was interessierte uns überhaupt dieser Mann? Aber darauf kam es ja nicht an. Er interessierte sich für uns, seine 134 ein un Tausen nach End fangen zentra das ga sich, Empfa ter, In erledi Himm Ich h gründ und A seine übrig Zehn Niem enttä oder den ten. Der nes ein ein wa ba eir m geleite Konzen Lager be und her, Alle Ba sämtliche käme ein Wie mich ler Kriege s die vom der Men hatte und mrzahl der ge glück Himmler zügig ent Himmler in roßmütiger nige Häft he meiner ses Glück um, ihm" ersten Mal ationslager tigung des gangesagt wir sie oft uf der am gten Lager Häftlinge de auf der Allgewal anden über Reih' und In den Leib Aber dar r uns, seine Leibeigenen. Und es muß für seinen Geltungsdrang wohl ein unbeschreibliches Gefühl gewesen sein, über diese Tausende und Abertausende von Frauen herrschen und nach Gutdünken verfügen zu können. Endlich aber hieß es: Er ist da! Seltsam ist es, daß Gefangene stets alles wissen. Er hatte bestimmt das Konzentrationslager noch nicht betreten, und schon wußte das ganze Lager: Gleich kommt er! Die Hälse reckten sich, und doch dauerte es noch Stunden, bis endlich die Empfangsformalitäten bei Kommandant, politischem Leiter, Inspektor, Oberaufseherin und der angetretenen SS erledigt waren und wir Gefangenen ,, die Ehre hatten", Himmler von Angesicht zu Angesicht schauen zu dürfen. Ich habe mir dieses Gesicht trotz aller Abneigung doch gründlichst angeschaut. Seine Augen über die Tausende und Abertausende gleiten lassend, schritt er, gefolgt von seinem Stab und umgeben von Kommandant und der übrigen Leitung des Lagers, die langen Reihen der in Zehnerreihen angetretenen Häftlinge ab. Das war alles. Niemand wurde entlassen. Wieder waren die Hoffenden enttäuscht. Er besichtigte hinterher auch wohl den einen oder anderen Block, und es gab tatsächlich Idioten unter den Häftlingen, die sich dieserhalb geschmeichelt fühlten. Ich persönlich atmete auf, als alles vorüber war. Besuch" Himmlers wiederholte sich während meines Konzentrationslageraufenthaltes dreimal. Der 11 Kleine Vorstellungen - Alles, was den Häftling irgendwie ablenken oder gar ein wenig amüsieren und für kurze Zeit dem Bewußtsein, ein Ausgestoßener zu sein, wohltätig entführen konnte, war natürlich verboten, und wie immer, bei Strafe verboten. Und doch gab es trotz SS- Bewachung zuweilen einige ablenkende, entspannende Stunden. Hauptsächlich wurden die Stunden dazu benutzt, in denen die SS und die Aufseherinnen ihre Feste feierten und wenig 135 Bewachung im Lager war. Das war allerdings nicht sehr oft der Fall. Es gab unter den Häftlingen des Blockes II manche künstlerisch Begabte. Einige neigten zum Theaterspielen, andere zu Musik, Tanz und Bewegung. Ich drückte natürlich beide Augen gern zu, wenn ich merkte: da ist wieder etwas im Gange. Sie sollten sich nur amüsieren. Dann waren sie hinterher für einige Tage erträglicher, ausgeglichener und frohgemuter. Man stelle sich unser Leben vor: das Ausgestoßensein, die Unfreiheit, stets unter der Knute leben zu müssen, die erdrückende Ungewißheit, die auf jeder Einzelnen lastete. Ach, wie viele und wie traurige Jahre sollten sie hier noch aushalten? Trostlos war für jede Einzelne die Lage, so ohne Abwechslung, so grau in grau wie dunkelste Regentage. Und nun eine Stunde ein wenig Fröhlichkeit und Ablenkung! Meine Dirnen hatten die Fähigkeit, sich in solchen Stunden von ihrem Gefangenendasein ganz zu lösen und diese Stunden auch voll zu genießen. Mir war das unmöglich. Aber gern nahm ich nach außen hin an ihrer Freude teil und beteiligte mich auch an den verschiedenen Vorstellungen, indem ich ihnen Balladen oder Gedichte vortrug oder Szenen aus klassischen Dramen. Am liebsten hatten sie, wenn ich ihnen das ,, Gretchen" aus dem Faust" vorspielte. Immer wieder mußte ich das tun. Auch Hitler in seinen Bewegungen und Gesten zu imitieren, fiel mir nicht schwer. Das gab dann jedesmal einen Applaus, den ich verbieten mußte, hatte ich doch Sorge, die Wachmannschaft könne den Lärm hören und dann... Nicht auszudenken! Wir wären allesamt in Arrest geflogen. " 1 Die Jüngsten meines Blockes waren groß in Tanzvorführungen. Sie tanzten zu einzelnen, zu mehreren, mit ungeahnter Grazie; miteinander mimten sie Liebesszenen, die sich auf jeder Tanzbühne, was Bewegung und Ausdruck anbelangt, bestimmt hätten sehen lassen können. Die Kostümierung dabei war geradezu grotesk. Ja, Häftlinge bringen vieles fertig, wovon ein freier Mensch nichts ahnt. Reich waren sie an Erfindungen, und wenn sie il und quick Au befa Stim hoch SS liche Neig Insp sen, wen genu spra A Hos mit sie M alt, sie die nom und glü len sich Tol I im hö Bl SC ha tu Ha 136 nicht sehr I manche terspielen, kte natüra ist wie amüsieren. träglicher, toßensein, u müssen, Einzelnen sollten sie nzelne die wie dunenig Fröh die Fähig efangenen woll zu ge nahm ich ligte mich indem ich zenen aus wenn ich vorspielte. er in seimir nicht s, den ich WachmannNicht ausgen. Tanzvor reren, mit besszenen, und Ausen können. - Ja, Häfter Mensch und wenn sie ihre guten Stunden hatten, waren sie wie die Kinder, und ihre allgemeine Heiterkeit war wohltuend und erquickend. Auch Jodler wurden gesungen. Eine tolle Münchnerin befand sich in unserem Block, die über eine unglaubliche Stimme verfügte und einen Jodler nach dem andern, hoch auf einem Schemel stehend, zum Besten gab. SS und Aufseherinnen wurden imitiert und ins Lächerliche gezogen, und da auch ich von jeher eine besondere Neigung für derartiges besitze, ahmte ich gern unsern Inspektor nach, der mich infolge seines tierischen, kuriosen, affenähnlichen Aussehens einfach dazu zwang. Ja, wenn ich an diesem Mann vorüberging, schnitt ich oft genug heimlich eine Grimasse, die seinem Aussehen entsprach. Andere Gefangene verkleideten sich als Männer. Als Hose mußte das Beinkleid herhalten. Sie brachten es mit wenigen Mitteln und viel Geschick fertig, daß man sie nicht wiedererkannte. Manchmal war der ganze Block in Bewegung, jung und alt, auch Nörgler und ewige Griesgrame, tanzten mit; sie tanzten, tanzten, bis sie sich gegenseitig taumelnd in die Arme fielen. Als Begleitmusik wurde ein Kamm genommen, Seidenpapier darüber gelegt, und so der Takt und die verschiedenen Melodien darauf geblasen. Und glücklich darüber, einmal wieder eine Stunde der Ablenkung und des Frohsinns gehabt zu haben, legten sie sich erquickt, aber noch erregt von allem Toben und Tollen, auf ihre armseligen Lagerstätten. Der Leser denke nun nur nicht, daß solche Stunden im Konzentrationslager häufig vorkamen. Nein, sie waren höchst selten und stets ein großes Wagnis. Der ganze Block konnte, wenn es verraten wurde, in den Arrestbau fliegen, vor allem die Block- und Stubenältesten, die schweigend dem Treiben zugeschaut oder gar mitgemacht hatten. In den Augen des Kommandanten und der Leitung des Lagers war jede Stunde Frohsinn unter den Häftlingen ein Verbrechen. 137 Wenn nach solchen Stunden alles zur Ruhe gegangen war, schlich ich noch einmal durch die beiden Schlafräume A und B meines Blockes, betrachtete die abgehärmten, enttäuschten, blassen Gesichter und war SO froh, daß diese Ausgestoßenen der menschlichen Gesellschaft einmal wieder etwas Freude erlebt hatten. An einem solchen Abend hörte ich, als ich bereits auf meiner Pritsche lag, bitteres Schluchzen. Es kam aus dem dritten Stock. Ich kletterte hinauf und fragte die schluchzende Toni, was sie denn so bedrücke. Toni war ein Mädchen von neunzehn Jahren. ,, O, Nanda, Nanda!" klagte sie traurig. Ich kannte ihr Leid, die unerquicklichen Verhältnisse ihrer Familie und streichelte den fieberheißen Kopf und tröstete sie, so gut es ging. Sie war zufrieden, daß jemand ihr gut war und schlief bald. unter noch leisem Weinen ein. Am andern Morgen kam sie heimlich mit einem kleinen Spiegel zu mir geschlichen, den sie mir schenken wollte; sie wußte, daß mir der meine am Tage vorher mitsamt allen Toilettensachen aus dem Spind gestohlen war. Ein Spiegel war im Konzentrationslager eine große Seltenheit und natürlich von uns Frauen begehrt, weil fast unentbehrlich. Aber ich nahm ihn nicht an, wußte ich doch, wie schwer es ihr wurde, ihn zu missen. Und ich sagte ihr, sie sei ja noch jünger und schöner als ich und brauche ihn darum notwendiger. Ich könne meine schlichte Frisur schon ohne Spiegel fertig bekommen und hätte gar nicht das Verlangen, mich so oft im Spiegel zu sehen. Sie nahm meine Absage richtig auf und war sichtlich froh, den kleinen Spiegel behalten zu dürfen. Postzensur Mit welcher Spannung und Ungeduld erwarteten wir alle den Samstag. Das war der einzige Tag in der Woche, an dem die eingelaufene Post für die Gefangenen zur Verteilung kam. Die Blockälteste holte die für die einzelnen Blocks ausgelegten Briefe aus dem Appell138 raum aufse mal Briefe ein B Freud ten ja zehn groß Al ter i und kann wein schw erhie Mün alte mich reiße ich zers kra ges Kin in Did gla Ve Bu P££ ¥ ¥ ¥ ¥ ¥ ¥ I T G S C F G da žesta ser lang Hei Bru beri erha ten son egangen ı Schlaf- ie abge- war so ı Gesell- reits auf kam aus agte die Toni war Nandal" 1erquick- den fie- Sie wal lief bald gen kam - geschli- daß mir ensachen war im natürlich h. Aber chwer e5 sie sei ja ın darum ur schon nicht das Sie nahm froh, den raum der Aufseherinnen, der neben dem Büro der Ober- aufseherin lag. Es ist nur zu verständlich, daß ich jedes- mal schnell das für den Block II bestimmte Päckchen Briefe durchsah, ob etwas für mich dabei sei. Und war ein Brief an mich dabei, dann schlug das Herz wild vor Freude; war aber nichts da, wie so oft,— denn wir durf- ten ja alle vier Wochen nur einen kurzen Brief von fünf- zehn Zeilen empfangen— dann war die Enttäuschung groß. Als ich den ersten Brief unserer lieben, kranken Mut- ter im Konzentrationslager erhielt, der so voller Sorge und Güte war, eben so, wie nur eine Mutter schreiben kann, da habe ich vor tiefem Weh lange bitterlich ge- weint. Nun wußte die Gute alles und trug wohl noch schwerer an meinem Schicksal als ich selber.— Einmal erhielt ich von lieben Freunden eine Kunstkarte mit dem Münsterischen Dom darauf. Im Hintergrund das liebe, alte Münster, die Heimat. Von dieser Karte habe ich mich, obwohl wir verpflichtet waren, die Post zu zer- reißen, bis zu meiner Entlassung nicht mehr getrennt. Ja, ich gestehe es ohne Scham, ich habe jede Nacht mit die- ser Karte geschlafen und sie an jedem Abend lange, lange betrachtet.„Sei gegrüßt in weiter Ferne, teure Heimat, sei gegrüßt!”" Regelmäßig schrieb mein ältester Bruder, mir alles Neue aus unserer großen Familie berichtend. Leider habe ich manche seiner Briefe nicht erhalten. Monate hindurch war ich in dieser wildbeweg- ten Zeit, wo man sich um alles, was man lieb hatte, be- sonders sorgte, ohne jede Zeile. Oft waren die Briefe zerschnitten, ganze Stellen mit einem Messer ausge- kratzt, andere Sätze mit dickem Rot- oder Blaustift durch- gestrichen. Meine Mutter, die in all ihren Briefen uns Kinder immer neu dem Schutze Gottes anbefiehlt, hatte in ihrem ersten Brief den Satz geschrieben:„Gott behüte Dich, mein Kind!" Dieser schlichte Wunsch einer tief- gläubigen Mutter für ihr armes, gequältes Kind in der Verbannung, war von der Postzensurstelle mit einem Rot- stift dick durchgestrichen, und daneben stand in großen Buchstaben das Wort:„Quatsch! Daß man es wagen 139 konnte, die tiefsten Gefühle einer Mutter, die zwölf Kinder erzogen hatte, von denen fünf Söhne an den verschiedensten Fronten standen, so tief herabzuwürdigen! Aber ähnliche Bemerkungen befanden sich in fast allen Briefen, wo der Name Gottes nur erwähnt war. Die Gefangenen bekamen oft nur den Umschlag ausgehändigt, der ganz leer war. Den Brief hatte man einfach herausgenommen. O, es war' schändlich, und es wurde viel geweint an den Samstagen nach der Austeilung der so heißersehnten Post! Andere erhielten vielleicht zwei ganze Zeilen, alles übrige war weggeschnitten. Mir ist das auch geschehen. Ach, erst die Freude, einen Brief zu haben, und dann diese Enttäuschung. Es war schon zum Heulen! Und viel Trauriges enthielten oft diese Briefe. Mancher Häftling lag weinend über den Tisch gebeugt: der einen war die Mutter gestorben, der andern der Mann oder Bruder gefallen, ein Kind daheim war sterbenskrank, ein Bruder vermißt oder verwundet. Vielfältig waren diese Hiobsbotschaften. Da wir manche Zigeunerinnen im Block II hatten, die fast alle nicht lesen und schreiben konnten, kamen sie zu mir: ,, Bitte, lies mir den Brief vor!" So mußte ich die Überbringerin sein von Freud und Leid, meistens war es Leid, und mit allen mußte ich es tragen, die Weinenden trösten. Sie alle wünschten, daß ich teilnahm an dem, was sie bedrückte, und ich tat es gern und selbstverständlich, stärkte es doch den Gemeinschaftsgeist untereinander. Wie ich den Analphabeten die eingelaufene Post entziffern und vorlesen mußte, so kam auch eine ganze Reihe zu mir und bat, daß ich ihnen die alle vier Wochen fälligen Briefe von fünfzehn Zeilen an ihre Angehörigen schreiben möchte. Sie setzten dann nur ihre drei Kreuzlein oder ihren Namen darunter. An solchen Schreibtagen habe ich manchmal sechzig bis achtzig Briefe bis in die Nächte hinein geschrieben und wurde auf diese Weise eingeweiht in schaurigste Familienverhältnisse. Die Häftlinge des Blockes II waren zum Teil auch verheiratet. Die Männer waren oft Soldaten, die, weil sich ihre F den 1 stelle nun d an Re bahne klein Brief druck mußt zu de Ihrer ben wohl gege derli gesc von chen mon W beite letzt scho Oby deu zens wirk die eine SSihre und saß lag lich bel Oh fo 140 wölf Kinden verwürdigen! fast allen hlag ausman ein, und es er Austeielten vielgeschnit e Freude, chung. Es efe. Manpeugt: der der Mann sterbensVielfältig Zigeune lesen und lies mir sein von mit allen Sie alle Dedrückte, stärkte es Post entine ganze r Wochen gehörigen rei KreuzSchreibBriefe bis auf diese ältnisse. auch verweil sich ihre Frauen im Konzentrationslager befanden, sich scheiden ließen, wie es ihnen von den vorgesetzten Dienststellen befohlen oder nahegelegt wurde. Da mußte ich nun die vermittelnden Briefe aufsetzen, Scheidungsklagen an Rechtsanwälte beantworten, Versöhnungsversuche anbahnen usw. Ja, ich bin dort im Block II ein richtiger kleiner Rechtsanwalt geworden, und meine ,, juristischen Briefe" schienen sogar bei der Leitung des Lagers Eindruck zu machen, der ja jeder Brief vorgelegt werden mußte. Die für solche Fälle angestellte Aufseherin sagte zu den Häftlingen meines Blockes einfach: ,, Gehen Sie zu Ihrer Blockältesten, die weiß, wie solche Briefe geschrieben werden müssen!" Diese Aufseherin Schröers, wohl früher Fürsorgerin o. ä., war den Häftlingen gegenüber hilfsbereit und gut, wenn auch etwas absonderlich und altjüngferlich. Nie hat sie einen Häftling geschlagen. Sie trug um ihr Haupt einen blonden Kranz von Flechten und sah aus wie ein altes, deutsches Gretchen, nur daß die gräßliche SS- Uniform nicht damit harmonierte.... - Wenn man an einem Schreibtag zu allen anderen Arbeiten noch fast hundert Briefe schreiben muß, dann als letzten den eigenen an die Lieben daheim, da kommt es schon vor, daß die Schrift nicht mehr ganz sorgfältig ist. Obwohl ich mir auch dann noch die größte Mühe gab, deutlich zu schreiben, beanstandete die SS auf der Postzensurstelle meine ,, unleserliche" Schrift. Und sie war wirklich nicht unleserlich, aber eben, wie es bei allen, die viel schreiben, der Fall ist, ausgeschrieben. Doch mit einer solchen Schrift konnten die oft ganz ungebildeten SS- Männer nicht fertig werden. Sie verwechselten in ihren Sätzen ,, mir" und ,, mich", hatten von Grammatik und Orthographie überhaupt keine Ahnung. Trotzdem saßen sie auf der Postzensurstelle des Konzentrationslagers und machten sich gern wichtig, indem sie möglichst viele Briefe nicht weiterbeförderten. Der Häftling bekam seinen Brief einfach zurück und oft genug eine Ohrfeige, einen Fußtritt oder eine Meldung mit nachAuch ich wurde eines folgendem Strafrapport dazu. 141 Tages auf die Postzensurstelle zitiert, bekam meinen Brief mit der Bemerkung ausgehändigt, daß der Brief nicht befördert würde. Und wenn ich das nächste Mal nicht ordentlicher schriebe, bekäm ich totales Schreibverbot. Ich wagte zu erwidern: ,, Aber der Brief ist doch gut zu lesen!" Dieser Einwand war jedoch zuviel. Schon hatte ich zwei Ohrfeigen weg und schlich wie ein geprügelter Hund davon. Meine armen Angehörigen taten mir leid. Ich wußte, daß sie warteten, haben sie doch, wie ich nach meiner Entlassung erfuhr, einmal drei bis vier Monate, obwohl ich jeden Monat schrieb, überhaupt keine Zeile von mir bekommen und rechneten mich schon zu den Eingeäscherten. In den letzten vier Monaten meines dortigen Aufenthaltes durften wir Pakete empfangen. Unsere Freude darüber war unbeschreiblich. Mein erstes Paket mit Butter, Marmelade, Kuchen usw. traf bald ein. Und wie hat dieser Kuchen geschmeckt! Schon am ersten Abend war nichts mehr von ihm übrig. Die Hälfte wurde verteilt. Es gab so Viele unter uns, die nie ein Paket bekamen, und so teilten wir Glücklicheren gern aus. Das war überhaupt selbstverständlich bei den meisten. Nun brauchte ich nach zwei Jahren auf einmal kein trockenes Brot mehr zu essen, konnte es bestreichen mit Butter, mit Marmelade! Wie eine Königin kam ich mir vor. Es liefen sehr, sehr viele Pakete für die Häftlinge ein. Manche erhielten in einer Woche zwei bis drei, besonders die Polinnen. Leider wurden diese Pakete über Nacht oft gestohlen. Wo auch sollten wir den Inhalt aufbewahren? Wir hatten ja nichts Abschließbares. Die meisten nahmen des nachts ihre Pakete mit auf die Pritsche und stellten sie an das Fußende. Am andern Morgen aber waren sie von der Pritsche verschwunden. Die Angehörigen hatten es sich oft vom Munde abgespart, darum war es doppelt bitter. Aber auch diese Tatsache läßt erkennen, was für Menschen in diesem Konzentrationslager untergebracht waren und auch, wie sehr die Gefangenen hungerten. Natürlich wurde jedes Paket von der Postzensurstelle 142 geprüf Brot, V irgend werder wurde ersehn men u den be Ich hafte Mutter Ganz von d aus M Reinh kom Hand Büche Priest Adres Büche zensu meine der wollt telte auf die i sie e mich ande bring Her dam Wei und Wie sie imm meinen Brief ef nicht be Mal nicht mreibverbot och gut zu Schon hatte geprügelter en mir leid ch, wie ich is vier Mo maupt keine h schon zu gen Aufent Freude dar mit Butter wie hat die Abend war de verteilt et bekamen as war über un brauchte ckenes Brot Butter, mit wor. äftlinge ein drei, beson Pakete über - den Inhalt eßbares. Die mit auf die Am andem verschwun n Munde ab I auch diese m in diesem and auch, wie stzensurstelle geprüft und der Inhalt genauestens durchsucht. Kuchen, Brot, Würste wurden durchgeschnitten, oft mehrmals, ob irgend etwas darin verborgen war. Was nicht geschickt werden durfte, wie Rauchwaren, Alkohol oder Kaffee, wurde nicht ausgehändigt. Schmerzlich war es, diese so ersehnten Dinge von der SS weggenommen zu bekommen und zu wissen, daß sie sich damit vergnügte Stunden bereitete. Als Ich habe in den letzten vier Monaten manches nahrhafte Paket mit willkommenem Inhalt erhalten von der Mutter, den Geschwistern und von treuen Freunden. Ganz besondere Freude bereiteten mir auch zwei Bücher von dem verehrten Professor Dr. Adolf Donders aus Münster. Es waren das ,, Der Kreuzweg" von Reinhold Schneider und ein Buch über das ,, Katakombenchristentum". Ein Buch wieder in der Hand haben zu dürfen, es war nicht zu fassen! Die Bücher befanden sich in einem Paket, das der treue Priester mir sandte. Absender hatte er die Adresse meiner Angehörigen draufgeschrieben. Aber Bücher durften nicht ausgehändigt werden. Auf der Postzensurstelle aber waren zwei SS- Männer, die mich durch meine Tätigkeit im Büro der Oberaufseherin während der letzten Monate näher kennengelernt hatten. Sie wollten mir zunächst die Bücher nicht geben. Ich bettelte darum, dann aber sah ich die Unentschlossenheit auf ihren Gesichtern, auch die Angst vor der Strafe, die ihnen blühen konnte, wenn es bekannt wurde, daß sie einem Häftling Bücher ausgeliefert hätten. Ich wandte mich traurig zum Gehen, wollte die Leute, die ja nicht anders handeln konnten, nicht zu sehr in Verlegenheit bringen. Doch da rief der Eine hinter mir her: ,, Hier, Herbermann, nehmen Sie den Mist! Aber lassen Sie sich damit nicht erwischen!" Glückselig wie ein Kind am Weihnachtsmorgen eilte ich mit meinen beiden Büchern und mit dem, was das Paket sonst noch enthielt, davon. Wieviel Segen haben diese Bücher gestiftet! Ich habe sie bei meinem Fortgang dort gelassen, waren sie doch immer auf der Wanderschaft, von einem Häftling zum 143 ten - andern, von einer Baracke zur andern. Die alte Generaloberin, die Nonnen, die Lehrerinnen, die Gleichgesinnwie haben sie sich gefreut! Wir aber mußten gut acht geben, daß die Bücher im Strohsack nicht gefunden wurden! Ich konnte den ,, Kreuzweg" stellenweise schon auswendig und hoffte zuversichtlich, die Werke später wieder zu erhalten. Und richtig, der ,, Kreuzweg" Reinhold Schneiders wurde mir bereits einige Tage nach meiner Entlassung von Freunden ins Haus geschickt. getrag bringe Neue In ihnen Freud hängl Gutes erblic meine Arme behal könne Abschied von Block II - An einem Nachmittag im Spätherbst wurde ich in das Büro der Oberaufseherin gerufen. Das geschah öfters wegen dieses oder jenes Häftlings aus meiner Baracke. Aber dieses Mal handelte es sich um mich selbst. Sie sagte mir kurz und bündig, daß ich in Zukunft bei ihr im Büro zu arbeiten hätte. Das war gewiß für mich eine ansehnliche ,, Beförderung", aber meine Dirnen! Es fiel mir unsagbar schwer, mich von ihnen zu trennen, und doch mußte es sein. Mit diesem neuen Auftrag war natürlich auch meine Verlegung in den Block I, den sogenannten Eliteblock, verbunden, in welchem sich nur politische Häftlinge befanden. Das geschah am gleichen Tage. Am andern Morgen hatte ich meine Arbeit bei der Oberaufseherin anzutreten. Ehrlich gestanden, ich hatte Angst vor dieser neuen, meine Seele so tiefbelastenden Arbeit. Für den Block II war eine neue Blockälteste bestimmt worden. Meine Dirnen fielen mir am Abend um den Hals: ,, Unsere Mutter geht weg!" Ja, es waren sehr geteilte Empfindungen, die in mir lebten, und auch ich konnte beim Abschied von meinen Dirnen, denen ich so nahe gekommen war, an denen ich in aufrichtiger, fürsorglicher Liebe hing, die Tränen nicht unterdrücken. Man war sich so gewohnt. ,, Gott behüte euch" war mein stilles Gebet für sie, die mir ihr Vertrauen geschenkt, mit denen ich alles Leid 144 seid. gesün Nu Mitge Uber und ältest neber schaf Jude tratio folge aber sie i M Auf scho Obe setz war den and 10 te General eichgesinn mußten gut mt gefunden weise schon erke später euzweg einige Tage Haus ge e ich in das höfters we racke. Aber 1. Sie sagte ihr im Büro eine ansehn Es fiel mir n, und doch war natürlich sogenannten r politische Tage. Am der Oberauf ieser neuen den Block I den. Meine Unsere Mut mpfindungen im Abschied ommen war ebe hing, die so gewohnt für sie, die ch alles Leid getragen hatte, die ich Gott und Himmel wieder näherbringen durfte und die sich nur sehr schwer an eine ,, Neue" gewöhnen konnten. In den folgenden Monaten bin ich oftmals noch zu ihnen hingegangen, was ich zwar nicht durfte, aber die Freude auf beiden Seiten lohnte das Wagnis. Diese Anhänglichkeit der Ärmsten der Armen war doch etwas Gutes und Schönes. Wenn sie mich auf der Lagerstraße erblickten, winkten und riefen sie schon von weitem. Ja, meine Dirnen! So lange ich lebe, werde ich für euch Armen und Ausgestoßenen ein weites und offenes Herz behalten; denn ich habe tief in eure Seelen hineinschauen können und weiß, daß nicht ihr allein die Schuldigen seid. Der Staat, die Menschen haben oft schwer an euch gesündigt! Nun wohnte ich im Block I. Dort wurde ich von den Mitgefangenen freundlich und liebevoll aufgenommen. Überhaupt war es wohltuend, daß hier gesittetere Art und mehr Bildung herrschte. Ich erhielt von der Blockältesten eine Pritsche im zweiten Stock angewiesen, neben Claire, mit der ich in Zukunft gute Kameradschaft hielt. Sie war eine Schlesierin und mit einem Juden verlobt gewesen. Dafür kam sie in das Konzentrationslager. Diese Claire war mit ihren Nerven infolge der langen Haft völlig am Ende, überaus sensibel, aber herzensgut. In den letzten Monaten arbeitete auch sie im Büro der Oberaufseherin. Im Büro der Oberaufseherin Mit wirklich schwerem Herzen begann ich meine neue Aufgabe. Und die war recht vielfältig. Schade nur, daß schon einige Tage nach meiner Berufung in das Büro die Oberaufseherin Zimmer von diesem Lager weg versetzt wurde. Sie hatte zwar ein sehr loses Handgelenk, war aber lange nicht so bösartig wie viele andere. Von den Gefangenen wurde sie als Kuriosum und Original angesehen, hatte ein frisches, rotwangiges Gesicht, einen 10 Herbermann, Der gesegnete Abgrund 145 sehr runden Körper und war gut fünfzig Jahre alt. Ich merkte gleich in den ersten Tagen, daß in der Leitung des Lagers starke Spannungen herrschten. Der Kommandant Kögel, diese grauenerregende Bestie, wurde versetzt, ein neuer Kommandant, SS- Hauptsturmführer Suhren, nicht ganz so brutal wie sein Vorgänger, dafür eingesetzt. Auch die berüchtigte Furie, die Oberaufseherin Mandel, und die eben erwähnte Oberaufseherin Zimmer wurden in andere Konzentrationslager berufen. In unser Lager zurück kam die Oberaufseherin Langefeld, die bereits vorher als Oberaufseherin in Ravensbrück gewesen war. Ich wurde von ihr übernommen. Auch unter den Aufseherinnen gab es plötzlich allerlei Versetzungen. Die ,, Bewährtesten", das waren meist die brutalsten von ihnen, wurden mit dem Kommandanten Kögel und der Oberaufseherin Mandel und Erich in das Judenlager nach Lublin und nach Auschwitz kommandiert.... Die armen, armen Menschen, die ihnen da ausgeliefert waren! In unser Lager hinein kamen viele neue Gesichter. - -- zu mir gefaller oft zeh einige zu kom Ohne Häftlin leisten samtlic haupt. An einem einzigen Tag trafen etwa dreißig neue Aufseherinnen im Lager ein. Sie waren einfach vom Arbeitsamt dahin überwiesen worden, ob sie wollten oder nicht. Die Oberaufseherin war über ihr Aussehen und ihr Auftreten und Benehmen entsetzt. ,, Herbermann", meinte sie ,,, Sie sehen in Ihrer Häftlingskleidung sauberer und gefälliger aus als diese da." Ja, es war wirklich nicht viel los mit diesen neuen Aufseherinnen. Unordentlich, mit zerzausten Haaren, als kämen sie gerade aus dem Bett, essend und lärmend, ohne jede Disziplin, stellten sie sich ihrer neuen ,, Chefin" vor. Es waren junge Mädchen unter ihnen von siebzehn- achtzehn Jahren, die bislang Hausangestellte, Fabrikarbeiterinnen usw. gewesen waren und die nun todunglücklich waren, in einem Konzentrationslager arme Häftlinge unmenschlich behandeln zu müssen. Einige von diesen einfachen Mädchen haben sich später bei mir ausgesprochen und bittere Tränen geweint; denn ich kam infolge meiner derzeitigen Arbeit viel mit ihnen zusammen, und manche faßten Vertrauen 146 der K keit, v manch geballt dant wenn fen au gestoh ausget eine e sie un Stange Tages ein be linge den, Doc diese ren, Offizie Heute mitsa Straf viel terris nicht Ande rgen re alt. Ich Her Leitung Der Komstie, wurde sturmführer gänger, da e Oberauf beraufsehe nslager be eraufseherin fseherin in He von ihr men gab es testen", das en mit dem erin Man ublin und men, armen -In unser g neue Auf om Arbeits oder nicht und ihr Auf nn", meinte auberer und irklich nicht Unordentlich de aus dem plin, stellten junge Mäd ren, die bis sw. gewesen einem Kon ch behandeln dchen haben ttere Tränen eitigen Arbei en Vertrauen zu mir, wußten sie doch, was ich dort leisten und mir gefallen lassen mußte von morgens fünf Uhr bis abends oft zehn Uhr und manchmal bis in die Nächte hinein und einige Male sogar, ohne die Nacht überhaupt ins Bett zu kommen. - Ohne Übertreibung kann man sagen, daß die fähigsten Häftlinge die Hauptarbeit in der Verwaltung des Lagers leisten mußten, waren sie doch meist intelligenter als sämtliche Angestellten und Beamten des Lagers überhaupt. Oft ist uns, die wir vorn im Büro arbeiteten, der Kopf vor Überarbeitung, Elendigkeit und Müdigkeit, vor Hunger und Schwäche vornüber gesunken, und manches Mal habe ich das verfluchte Papier in meinen geballten Fäusten gehalten, auf das der Lagerkommandant oder seine Stellvertreter für kleinste Vergehen, wenn sie überhaupt Vergehen waren, furchtbarste Strafen ausgeschrieben hatte. Wenn z. B. für zwei oder drei gestohlene Kartoffel zehn bis fünfundzwanzig Stockhiebe ausgeteilt wurden, oder Kostentzug von drei Tagen für eine einzige gestohlene Steckrübe und wie gut haben sie uns roh geschmeckt! oder Arreststrafe für eine Stange Borrè oder stundenlanges Strafestehen nach der Tagesarbeit, oder gar Dunkelarrest ich wußte ja aus Erfahrung, was das hieß!, wie stieg dann immer neu ein berechtigter Zorn in mir hoch! Ich kannte die Häftlinge zum großen Teil, denen diese Strafen bevorstanden, und hätte es ihnen so gern erspart. - - - Doch meine Maschine mußte klappern, klappern und diese Urteile tippen, sie auf den Kartothekkarten notieren, diese Strafen, die dann am Tage darauf bei der offiziellen ,, Strafverkündung" bekannt gemacht wurden. Heute kann ich es ja gestehen, einige Meldeformulare mitsamt der von dem Kommandanten ausgeschriebenen Strafverfügung habe ich, da sich alles in mir gegen so viel Ungerechtigkeit und Gemeinheit sträubte, einfach Zerrissen und verschwinden lassen. Zu oft durfte ich es nicht machen, da es leicht hätte auffallen können. Andere Strafurteile habe ich versteckt, sie dann unter irgendwelche Akten gelegt, wo sie vielleicht bis zur Be1.0* 147 freiung dieses Konzentrationslagers geschlummert haben. Auf jeden Fall, ich habe es gewagt und wirklich Herzklopfen und schlaflose Nächte deswegen gehabt. Nie habe ich im Lager mit einem einzigen Menschen darüber gesprochen. Wäre ich verraten worden, man hätte mich zu Tode geprügelt! Wie viele, viele Häftlinge wurden allwöchentlich zur Schlachtbank, zum Block getrieben! Arme unglückliche Opferlämmer! Und ich mußte sie zur Strafvollstreckung in den Zellenbau, in das Haus des Grauens und des Todes, begleiten. Weinend ging ich neben ihnen her. Für den ganzen Tag war ich dann fertig. Diese Aufgabe hat mich seelisch so stark belastet und gequält, daß ich nachts nicht mehr zur Ruhe kommen konnte, zumal die Oberaufseherin unberechenbare Launen gerade mir gegenüber an den Tag legte. Sie fühlte wohl meinen stillen, aber umso heißeren Widerstand und meine große Verachtung für sie und ihresgleichen. Ich konnte nicht ,, schmusen" und wollte es nicht, hier nicht. Nein, das war unter meiner Würde! Da ließ ich mich lieber von ihr wie ein Sklave behandeln.... Ich glaube, daß sie mich gern los sein wollte; denn eines Tages überwies sie mich dem Lagerinspektor, dem die sogenannte Arbeitseinteilung für das gesamte Lager unterstellt war. Es war das der kuriose, widerliche Mann, der mich stets zu Grimassen zwang. Mit dem mußte ich nun zusammen arbeiten. Auch das noch! Für ihn waren die Häftlinge nur ,, Dreckschweine" ,,, Saustücke"," gehirnlose Kühe" und ,, alte Stücke Sch...". Nun mußte ich ihm gegenüber doch ein bißchen Haltung bewahren. Also zwang ich mich auch dazu. Von nun an schwirrten mir nur Zahlen, Zahlen bei Tag und Nacht durch den Kopf. Bis zur Ermattung saß ich an der Maschine, rechnend und nachzählend; denn bei achtzehn- bis neunzehntausend Häftlingen täglich aufführen müssen, wo jede Einzelne arbeitet, bis am Ende die genaue Zahl der Insassen des Lagers, die sich täglich durch neue Zugänge, Abgänge, Überweisungen in das Revier, in den Arrestbau, durch Flucht und Tod 148 andert geblas um ga sten k ich au und e mein was d ich b mehr sie au Dieses eine g Stock führe war behag das e gewe liebst Wild dene Herz ein H den D dor hör uns Me Her дос geb sta ein mert haben rklich Her gehabt. Ni hen darüber hätte mid hentlich zu unglücklich ollstreckun ens und des ihnen her ese Aufgabe uält, daß id onnte, zuma gerade mi wohl meine meine große konnte nich Nein, das wa eber von ih daß sie mid wies sie mid Arbeitseinte Es war da ts zu Grima men arbeite Häftlinge nu e Kühe" un m gegenübe so zwang i Zahlen bei Ta attung saß ic end; denn be n täglich au bis am End die sich ta rweisungen rucht und To änderte, das ist keine Kleinigkeit. Der furchtbar aufgeblasene, so hohle Pinsel von Inspektor kümmerte sich um gar nichts und hätte selbst diese Arbeit gar nicht leisten können. Er gab nur eben seine Unterschrift. Saẞ ich auch noch weiter neben der Oberaufseherin im Büro und erfuhr und erlebte ich täglich noch viel zu viel für mein zerquältes Gemült und von all dem Grausamen, was da an armen, hilflosen Geschöpfen vollzogen wurde, ich brauchte doch wenigstens diese Strafurteile nicht mehr persönlich auf der Maschine nachzuschreiben und sie auf den entsprechenden Kartothekkarten notieren. Dieses nicht mehr tun zu müssen, war für mich schon eine große Erleichterung. Und nicht mehr die armen, für Stockhiebe bestimmten Häftlinge in den Arrestbau abführen müssen, was so qualvoll für mich war. O ja, das war wie eine Erlösung! Und doch, diese jetzige Arbeit behagte mir so gar nicht. Opferreich und aufreibend war das eine Jahr als Blockälteste auf dem Block II gewiß gewesen. Aber ich muß ehrlich gestehen, ich wäre am liebsten wieder zu den Dirnen gegangen trotz all ihrer Wildheit, ihrer Zügellosigkeit und Gemeinheit, unter denen ich doch manches Mal ein verschüttetes, gutes Herz gefunden habe. Doch wie sollte hier in dieser Hölle ein Herz nicht verhärten, versteinern, unter Bestien, die den Namen Mensch nicht verdienen? Kamerad innen Das war wohl das Wohltuendste im Block I, daß ich dort einige Häftlinge fand, die von Haus aus zu mir gehörten. Da war die gute Mirzel. Dieses junge, so ganz unschuldig als Geisel für den Vater hier festgehaltene Menschenkind war ein Engel an Sanftmut und Güte des Herzens, daß es mich oft wunderte, wie sie, so jung noch, in dieser grausamen Umgebung ihrem Wesen treu geblieben war. Trotz körperlicher Schwäche war sie ein starker Charakter mit unendlich viel Gottvertrauen und einer tiefinnigen Gläubigkeit. Sie betete viel. Leider ist. 149 sie sehr krank geworden, hat lange Wochen im Revier gelegen, worin sie sich bei meiner Entlassung noch be- fand, und ich weiß bis heute nicht, was aus ihr gewor- den ist. Am Morgen meiner Entlassung— sie hatte da- von im Revier auch erfahren, denn so etwas Außer- gewöhnliches ging natürlich wie ein Lauffeuer durch das Lager— stand sie noch winkend, unsagbar traurig am Fenster. Ich hätte sie auf meine Arme nehmen und zu ihrer guten Mutter nach Holland zurücktragen mögen, Und Alfredine, wie mag es dir gehen? Sie war irgendwo im Saargebiet Sekretärin des Borromäusvereins gewesen, verbrachte drei Jahre im Konzentrationslager, wurde dann entlassen, aber nicht nach Hause. Sie mußte als Zivilangestellte im Büro des Lagers weiter arbeiten. Alfredine war so sanft wie Mirzel, hatte wunder- bare, schwarze Augen, die hell aufloderten vor Ent- rüstung, wenn sich in ihrer Umgebung etwas Ungerech- tes und Gewalttätiges abspielte. Sie hielt sich sehr zurück, war in ihren wenigen, freien Minuten nur mit Mirzel, Käthe und mir zusammen, und oft und innig haben wir, wenn unsere Zeit es am Sonntag er- laubte, ganz einsam irgendwo in einer Ecke versteckt, heimlich und ungesehen, bei Kälte und Schnee, unsere Sonntagsmesse auswendig gebetet. Käthe, Nettchen nannten wir dich, auch du gehör- test zu unserem Bunde, obwohl du als Küchenhäftling auf dem Küchenblock III beheimatet warst. Als Fürsor- gerin inKrefeld tätig gewesen, wurde sie wegen einer abfälligen Bemerkung über das Dritte Reich ihres Postens enthoben und in Haft gesetzt. Lange Jahre weilte auch sie im Konzentrationslager. Sie war eine der Getreue- sten, ein edler Mensch mit reiner Seele, blieb sich immer gleich, war immer freundlich, immer gut, ganz verankert in Gott. Noch am zweitletzten Abend vor meiner Ent- lassung war ich kurz mit ihr zusammen, und wir spra- chen von daheim. Nach ihrer Entlassung erhielt ich von ihr aus Frankfurt einen Brief. Auch sie hat durch Bombenangriffe all ihr Hab und Gut verloren und ist 150 stech sieb: und Wie von meil daß sch Abe Frör Her: nen vor eine mim Revie mg noch be ihr gewor sie hatte da was Außer er durch das traurig an men und gen mögen n? Sie wa mäusvereins rationslager e. Sie mußte ter arbeiten atte wunder en vor Ent s Ungerech t sich sehr ten nur mit and oft und Sonntag er xe versteckt nee, unsere ch du gehör chenhäftling Als Fürsor wegen einer ihres Postens weilte auch der Getreue b sich immer nz veranker meiner Ent nd wir spra hielt ich von ie hat durch oren und ist dann nach Jülich übergesiedelt. Wo mag sie heute stecken? Und du, liebe, tapfere Generaloberin von über siebzig Jahren, die du stets so fest meine Hand drücktest und sie gar nicht los lassen wolltest, wenn du mich sahest. Wie oft hat mich dein Aussehen erschüttert. Du wurdest von Tag zu Tag weniger, littest unsäglich. Oft habe ich meine Leiden still für dich aufgeopfert, weil ich einsah, daß die Bürde, die du tragen mußtest, für deine alten, schon ganz eingefallenen Schultern, einfach zuviel wurde. Aber du warst ganz ergeben, und in deiner kindlichen Frömmigkeit hast du es dennoch gemeistert. Eine große Herzensgüte und Abgeklärtheit stand leuchtend in deinen stillen Augen. Und Maria, du liebes, treues Menschenherz! Kurz vor meiner Entlassung saẞest du unschuldig im Haus des Todes. Es wurde dir zur Last gelegt, du hättest von einem Küchenhäftling ein Stückchen Margarine angenommen. Wieviel Heimweh hast du nach deinem Mann und deinen Kindern gehabt, die in Thorn wohnten. Immer sprachst Du von ihnen... Du warst eine echte Kameradin, stets darauf bedacht, andern das Los zu erleichtern, ihnen hilfreich beizustehen. Ob du wieder in der Heimat weilst? Es befanden sich im Block I auch manche Häftlinge, die von einem ungeheuren Geltungsdrang besessen waren, die sich gern hervortun wollten, damit ihre geschändete und erniedrigte Persönlichkeit doch irgendwie zu ihrem Recht komme. Sie waren unzufrieden mit sich selbst, mit jeder Art Arbeit, litten unter der krankhaften Vorstellung, daß jeder andere Häftling ihnen Böses wollte. Aber man muß sie verstehen. Wie lange schon waren sie verbannt, einige schon über zehn Jahre, und mußten ihrer Anschauung, ihrer Ideale wegen soviel unverdientes Leid, soviel grauenhafte Gemeinheit ertragen. Und manche von ihnen hatte früher im öffentlichen Leben eine Rolle gespielt, und nun waren sie lebendig begraben. 151 Unsere Block- und Stubenältesten waren gut. Besonders die Stubenälteste Resi war von einer rührenden Güte und strengen Gerechtigkeit allen gegenüber. Bei ihr gab es kein Parteiwesen, wie sich das wohl im Block I leider bemerkbar machte und worunter manche Häftlinge sehr litten. Das störte auch das tägliche Zusammenleben. Zwar ist es gut zu verstehen, daß Gleiches sich zu Gleichem fand. Verrat untereinander gab es im Block I nicht, und es hätte dort viel zu verraten gegeben. Manche aus dem Block verstanden meisterhaft, sich Eßwaren zu organisieren, an die wir andern niemals herankamen. Wir wußten davon und hatten doch alle den gleichen Hunger und Appetit auf etwas Besseres, auf belegte Brote usw. Aus der SS- Küche ist für diese Häftlinge viel herausgeschafft worden. Aber wir wollen es ihnen nicht anrechnen, waren sie doch meist viel länger im Konzentrationslager als wir, die zwei bis drei Jahre dort verbrachten. Ich gestehe, daß auch ich infolge vieler schlafloser Nächte und der seelisch entsetzlich aufreibenden Arbeit im Büro der Oberaufseherin mit meinen Nerven oft ganz am Ende war und daß ich trotz allen Zusammenreißens manchmal gereizt und miẞgestimmt war. Zwar machte ich mir dann dieserhalb Vorwürfe, nahm mir ernstlich vor, mich nie mehr gehen zu lassen, aber es ging doch zuweilen daneben. Immer neu flehte ich um Starkmut und Kraft. Ich hatte so viele Sorgen um meine Lieben. Und doch konnte ich sie alle täglich nur immer wieder neu dem Schutze Gottes anempfehlen. Was hatte unser seliger Vater mir doch kurz vor seinem Tode geschrieben: ,, Was willst du sorgen? In Gott geborgen sei Herz und Sinn... Aus seinen Händen, Ja, ic und er man W res Kre Buffass Christu Kreuz half un trugen, es schy versan diese A das vie materi perlich gen, großer ein Le wenn weiß mehr Ich Konze der L in de mel große war ich i fahre nen. Lebe Jahr hoffe das Got 152 was sie auch spenden, nimm, liebe Tochter, alles hin...' wen ut. Besonrührenden müber. Bei im Block I e Häftlinge mmenleben. ch zu Glei ock I nicht . Manche Eßwaren erankamen. en gleichen elegte Brote e viel her en nicht anim Konzen e dort ver schlafloser den Arbeit en oft ganz menreißens war machte ir ernstlich ging doch m Starkmut eine Lieben. mer wieder hatte unser Tode ge Ja, ich wollte alles hinnehmen, weiter geduldig, tapfer Und mit Gottes Gnade vermochte und ergeben sein. man wirklich alles. Hier trugen ja alle ihr schweres Kreuz; der große Unterschied zwischen den Grundauffassungen war nur der, daß die einen das Kreuz mit Christus trugen, die andern aber ohne ihn. Und die das Kreuz mit Christus trugen, hatten es leichter; denn es half uns Gott selber dabei. Jene aber, die es ohne ihn trugen, und das war die Mehrzahl der Häftlinge, hatten es schwerer, als es für den Menschen erträglich ist. Sie versanken in Bitterkeit und völlige Verzweiflung. Ja, diese Ärmsten erlitten in den Tiefen ihrer Seelen etwas, das viel schlimmer noch ist, als alle wirtschaftliche und materielle Not, schlimmer noch als alle grauenhafte, körperliche Miẞhandlung. Schließlich läßt sich alles ertragen, das habe ich tief erfahren wenn man es einer großen Liebe wegen tut; aber es ist das Leben, vor allem ein Leben im Konzentrationslager, nicht zu meistern, wenn man nicht um den Sinn solchen grausigen Leidens weiß und wenn kein starker Glauben und keine Liebe mehr im Herzen brennt. - Ich darf schon sagen, daß mir hinter Gitterstäben und Konzentrationslagermauern die große Grenzenlosigkeit der Liebe Gottes stündlich begegnet ist. Es war so wie in der Wüste, da Gott seinen Kindern das Brot vom Himmel regnen ließ. Mußten wir auch schmerzlichst auf die große Gnade der lebendigen Eucharistie verzichten, so war doch geistigerweise Gott spürbar bei uns. Und weil ich in dieser Hölle die ganze Fülle der Güte Gottes erfahren durfte, kann ich diese vergitterten Jahre nur segnen. Ich weiß tief, daß diese dunkelste Strecke meines Lebens nicht ohne tiefen Sinn gewesen ist. Aus diesen Jahren des qualvollsten Leidens wird immer für mich und hoffentlich auch für viele Andere eine Stromkraft für das Kommende fließen. Wer solche Jahre in der Gnade Gottes hat meistern dürfen, der wird auch mit allem andern fertig werden, weiß er doch, wohin er sich zu wenden hat. 153 Besuch des Bruders Persönlicher Besuch im Lager war etwas ganz Außer- gewöhnliches und Seltenes. Dazu gehörte die Genehmi- gung des Reichssicherheitshauptamtes in Berlin, und die wurde nur schwer erteilt. Ich hatte nie mit einem per- sönlichen Besuch gerechnet. Und doch durfte ich diese erschütternde Überraschung und Freude erleben. Im Oktober 1942 wurde ich von einer mit Pistole be- wappneten Aufseherin von der Arbeit weggeholt und zur Politischen Leitung des Lagers geführt. Was hatte das zu bedeuten? Was konnte schon Gutes hier erwartet werden? An Besuch dachte ich nicht, viel eher daran, daß ein Telegramm— Telegramme wurden nicht ausge- händigt, sondern in der Politischen Abteilung den Häft- lingen vorgelesen— mir die Nachricht vom Tod der schon lange erkrankten Mutter oder den Tod eines ge- fallenen Bruders verkündete; denn von unserem Jüng- sten, der bei der Reichsmarine diente, waren wir schon lange Monate ohne jede Nachricht. Darum bangten wir in ständiger Sorge um sein Leben. Mit solchen Ver- mutungen beschäftigten sich meine Gedanken auf dem Wege zur Politischen Abteilung, die sich außerhalb der Mauern des Lagers befand. Die Aufseherin durfte mir nicht sagen, worum es sich handelte. Vielleicht wußte sie es auch gar nicht und ich wagte nicht zu fragen. Mit starkem Herzklopfen war ich endlich vor dem betreffen- den Zimmer angelangt. Von SS wurde ich vor der Tür in Empfang genommen. Ich war erschüttert, als ich auf einmal meinem Bruder Heinz gegenüber stand. Dieses Wiedersehen bleibt mir unvergeßlich. Auch mein Bruder war von der vorhergehenden Span- nung und Erwartung, dann von der Sträflingskleidung, in der er mich da vor sich sah, aufs Tiefste bewegt. Ich sehe noch heute, wie sein Kinn und alle Gesichtsmuskeln zuckten. Doch er beherrschte sich und erzählte mir, was man bei solchem Wiedersehen unter SS-Bewachung sich berichten konnte. Ich selber sprach nichts. Nur einige Fragen, die mir auf der Seele brannten, brachte ich zit- 154 ganz Außer ie Genehmi lin, und die t einem per fte ich diese eben. t Pistole be holt und zu as hatte das ier erwarte eher daran nicht ausge mg den Häft om Tod der od eines ge serem Jüng en wir schon bangten wi solchen Ver ken auf dem ußerhalb der n durfte mi leicht wußte fragen. Mi em betreffen vor der Tü t, als ich auf stand. Dieses henden Span skleidung, in egt. Ich sehe sichtsmuskel hlte mir, was wachung sich Nur einige machte ich zit ternd über meine Lippen. Nach der Mutter fragte ich, nach den Brüdern, den Schwestern.... Zwanzig Minuten durften wir uns sehen und sprechen. Er zeigte mir noch einige Photos der Familie, auch seines einzigen Kindes Monika, das ich so sehr liebte.... Dann sprach er mir Mut zu, machte mir Hoffnung auf baldige Entlassung: ,, Wenn Du zu Weihnachten nicht frei bist, dann bestimmt zu Ostern! Wir lassen nichts unversucht..." Noch heute höre ich diese verheißungsvollen Worte, an die ich mich wie ein Ertrinkender klammerte. Ich bekam neue Hoffnung in meiner so aussichtslos scheinenden Lage. Er erzählte mir auch, daß er bereits im Mai des gleichen Jahres bis vor das Tor des Konzentrationslagers gekommen sei, daß aber der Kommandant eine Begegnung mit mir abgelehnt habe. Und doch hatte er es nun fertig gebracht von der Ostfront kommend und für einige Tage auf Dienstreisen sich befindend, verbunden mit einigen Urlaubstagen bis zu mir dieses Mal vorzudringen. Wie tief dankbar war ich diesem Bruder, der mir nach seinem Besuch vom Osten her schrieb: ,, Das Schönste in meinen Urlaubstagen war, daß ich Dich habe sehen und sprechen können!" - - Die zwanzig Minuten waren vorüber. Es hieß Abschied nehmen. Schwer und schmerzlich war das, war dies doch seit meiner Verhaftung die erste Begegnung mit einem meiner Lieben. Mein Bruder hatte bewegten Herzens den Raum verlassen, und als dann die Aufseherin kam, um mich zurückzubegleiten und ich mit ihr das Haus verließ, da stand er winkend am naheliegenden See, bis ich seinen Augen entschwunden war. Ich durfte mich mit Erlaubnis der Aufseherin noch einmal umschauen, aber keine Hand zum letzten Gruß erheben. So konnte ich nur mit weinendem, sehnenden Herzen ein letztes Lebewohl sprechen. Auf Wiedersehn in der Heimat, in der Freiheit! Ach, ich mußte tapfer sein, mein Los tragen, mich selber tragen, mein Herz in beide Hände nehmen. Es war schon ein tapferes Leben, das hier verlangt wurde. In den folgenden Tagen fragten mich verschiedene Auf155 seherinnen, die meinen Bruder gesehen und natürlich gleich in Erfahrung gebracht hatten, wer dieser Besuch war, nach ihm, der auf Frauen stets große Anziehungs- kraft ausgeübt hatte. Das ganze Lager nahm teil an so einem Besuch, die Einen in ehrlicher Mitfreude, die Anderen voller Miß- gunst. Und als ich in meiner Freude ihnen sagte, daß für mich doch wohl Aussicht auf Entlassung bestünde, lachten sie mich aus. Wie weh das tat! Ach, und mein Himmel stürzte wieder ein. Aber dennoch standen immer wieder die hoffnungsstarken Worte des Bruders vor mir, und ich hoffte, hoffte, hoffte doch noch! Untergänge voller Würde... In den ersten Tagen nach dem Besuch des Bruders war ich zu meiner Arbeit, die angespannteste Aufmerksamkeit erforderte, einfach nicht zu gebrauchen. Ich verabscheute sie mehr als je. Auf eine grüne Wiese hätte ich mich legen mögen und träumen, träumen.... Warum auch sollte ich mich hier abquälen, meine Gesundheit ruinie- ren? Etwa darum, damit diese Hölleneinrichtung schön glatt und vorschriftsmäßig weiterlaufe? Hätten diese Leute in mein Inneres schauen und meine Gedanken er- raten können, ich wäre augenblicklich standrechtlich er- schossen worden. Aber auch im Konzentrationslager waren die Gedanken frei! ‚Wer kann sie erraten——?" Dieses Lied der Freiheit war auch eines unserer meist- gesungenen Gefangenenlieder. Uns war ja nur noch die Gedankenfreiheit geblieben. Ich mußte mich zusammenreißen, weiter arbeiten, doch es wollte und wollte nicht recht klappen damit. Halina half mir in diesen Tagen besonders treu. Wir vertraten uns häufig gegenseitig, halfen einander, ohne daß das auffie. Halina war eine gute Kameradin. Weißt du noch, Halina, wie uns einmal ein mitleidiger SS-Mann ein paar Zigaretten gegeben hat? Und wie wir, obwohl 156 d natürlich eser Besuch Anziehungs Besuch, die voller Miß sagte, daß g bestünde, n, und mein nden immer ers vor mir, Bruders war merksamkeit erabscheute te ich mich Warum auch dheit ruinie htung schön Hätten diese Gedanken er rechtlich er trationslager aten--?" serer meist nur noch die beiten, doch it. Halina Wir vertraten ne daß das a. Weißt du ger SS- Mann wir, obwohl fünfundzwanzig Stockhiebe auf einer Zigarette standen, sie ganz verstohlen und versteckt draußen am späten Abend rauchten, uns dann die Zähne gründlich bürsteten, damit niemand es merke? Ob du wieder in der Heimat bei deinem Jungen bist? Ich habe nach meiner Entlassung deinem Sohn geschrieben und ihm von dir berichtet. Ob er je diese Zeilen bekam? Auch du gehörst zu jenen, die ich gern noch einmal auf dieser Erde wiedersehen möchte! - Und du kleine, dicke, gutherzige, aber zornige und selbstbewußte Wanda, auch an dich denke ich! Manches Mal in den letzten Monaten hast du mir mit organisierter Margarine ein Stück Brot bestrichen und dann mir noch organisierten Zucker darauf gestreut! Du hattest eine Schwester im gleichen Lager, die in der SS- Kantine arbeitete, und da fielen ab und zu Restlein ab. Ich werde es dir nicht vergessen, daß du als Polin mit uns Deutschen gute Kameradschaft hieltest. Aber wir haben es ja auch mit euch getan, nicht wahr? Weißt du noch, Wanda, als du einmal in großer Sorge um einen Mithäftling den ,, Lauscher an der Wand" der Oberaufseherin spieltest und wie ich dich bei ihr verraten sollte? Nein, Verrat gab es bei uns nicht! Da litt lieber die Eine für die Andere, obwohl auch zuweilen kleine Miẞstimmungen und Reibereien bei uns auftraten. Aber das ist wohl unvermeidlich an jedem Orte, wo Zehntausende von den verschiedenartigsten Menschen nicht nach freier Wahl, sondern zwangsweise auf einem einzigen Quadratkilometer zusammengepfercht werden. Zu unserer Arbeitsgemeinschaft gehörte auch Marianne, das Mädchen aus Wien, eine der beiden ,, Lagerläuferinnen"; so hießen die Häftlinge, die im Lager für die Oberaufseherin die Bestellungen und Anordnungen zu vermitteln hatten. Sie mußten ferner die Gefangenen aus den einzelnen Baracken holen zu Strafrapport, Strafverkündungen, zu den politischen Büros, zum Erkennungsdienst usw. In den letzten Monaten meines dortigen Aufenthaltes durften sie sogar die Entlassungen je157 weils zusammenholen. Doch meistens waren es in der Woche höchstens ein bis zwei Häftlinge. Und was will das bedeuten bei einer Häftlingszahl von ungefähr zwan- zigtausend, wo wöchentlich oft achtzig bis hundert neue hinzu kamen!? Ihr Lagerläuferinnen hattet auch den erschütternden Auftrag, die armen, sich widersetzenden„Versuchs- kaninchen" für die SS-Arzte aus den einzelnen Ba- racken zu holen. Noch sehe ich die Listen vor mir, auf denen die Namen und Häftlingsnummern aufgezeichnet waren. Wir, die wir vorn in den Büros arbeiteten, saßen und standen in unbeobachteten Augenblicken darüber gebeugt, die Gesichter voller Entsetzen und Empörung. Und dann gar die Listen der zum Tode Verur- teilten, die Listen derer, die erschossen wurden. Es waren meist Polinnen, die schon Jahre hindurch im Kon- zentrationslager gequält, mißhandelt und ausgenutzt wa- ren, und erst nach diesen Jahren der Qual erfolgte von Himmler und seinen Schergen das Todesurteil. Sind nicht alle diese erbarmungswürdigen Frauen wie alte Helden mit unerhörter Haltung dem Tod, der ja doch nur noch Erlösung für sie bedeutete, entgegen gegangen? Ich habe immer bei ihrem Anblick an die Märtyrer unserer heiligen Kirche denken müssen, und sie waren wirklich Märtyrer ihrer Heimat, ihres Volkes, ihres Glaubens. Diese Frauen, bleich, ausgemergelt und abgehärmt, welch tiefen Frieden, welch schöne Ergebung trugen sie auf ihren leidvollen Gesichtern. Es war der Friede einer bes- seren Welt. Einmal konnte ich einer von den zum Tode Verurteil- ten den letzten Liebesdienst erweisen, was mich noch heute glücklich macht. Es handelte sich um eine Polin, eine Mutter, die mit ihrer Tochter schon lange Jahre im Konzentrationslager schmachtete. Warum war diese edle Frau zum Tode verurteilt? Ihr Mann war polnischer Offizier gewesen; sie wußte nicht, wo er war, ob er über- haupt noch lebte. Das war bei vielen so. Nichts wußten sie von ihren Männern, die für die polnische Heimat ge- kämpft hatten. Ebenso wenig wußten sie von ihren Kin- 158 F stapo . warel gefun "nun} res, > schie Se Ei um itte) sche . Blocl tgl Aufs es in der d was will efähr zwan ndert neue chütternden ersuchs zelnen Ba or mir, auf fgezeichnet eten, saßen en darüber Empörung. Verur. wurden. Es ch im Kongenutzt wa rfolgte von urteil. Sind wie alte ja doch nur angen? Ich rer unserer en wirklich Glaubens. armt, welch en sie auf e einer bese Verurteilmich noch eine Polin, Je Jahre im r diese edle polnischer ob er überchts wußten Heimat geihren Kindern, ihren Angehörigen, die von der SS und der Gestapo auf Nimmerwiedersehen grausam entführt worden waren. Im Hause der Mutter hatte Haussuchung stattgefunden, und es waren Waffen gefunden worden. Und nun kam nach Jahren der Verbannung der Befehl Himmlers, diese Mutter mit noch anderen Häftlingen zu erschießen. Es waren neun, die an diesem Abend von der SS erschossen wurden. Eine junge Polin kam am Mittag des gleichen Tages zu mir, mich anflehend: ,, Nanda, du mußt helfen, bitte, bitte! Mutter und Tochter müssen sich noch einmal sehen!" Die beiden waren natürlich in verschiedenen Blocks untergebracht, um dadurch die Haft umso unerträglicher zu gestalten. Da im gleichen Augenblick eine Aufseherin erschien, flüsterte ich der Polin rasch zu: ,, Geh schnell weg! Ich werde es mir überlegen, wie ich helfen kann und komme dann zu Dir!" Ich erwog, wann und wo ich nun Mutter und Tochter zusammenbringen konnte, damit es nicht bemerkt wurde und kam zu dem Entschluß, daß es am besten am äußersten Ende des Lagers geschehe. Auf jeden Fall mußte und wollte ich das Wagnis auf mich nehmen. Da ich die rote Armbinde trug, die mich berechtigte, allein durch das Lager zu gehen, war das möglich. Aber wehe mir, wenn es herauskommen würde! Fünfundzwanzig Stockhiebe, sechs Wochen Dunkelarrest und ein Jahr Strafblock hätten mir geblüht. Doch angesichts des bevorstehenden Todes dieser armen Mutter und dem Herzeleid des noch ärmeren Kindes sah ich es als meine menschliche Pflicht an. Sobald ich die dringenden Arbeiten an meiner Maschine erledigt hatte, machte ich mich auf den Weg. Zunächst ging ich in die Baracke, in der sich die Mutter befand, brachte sie, die so gefaßt, so starkmütig und gelassen war, zu dem Plätzchen, das ich zu diesem letzten Abschied gewählt hatte. Hier umarmte, küßte und segnete sie mich, immer die Worte wiederholend: ,, Wie soll ich es Dir danken?" Ich blieb stumm, konnte vor seelischer Erschütterung nicht sprechen. Nur stockend brachte ich die Worte heraus: ,, Denke im Himmel an mich!" 159 Dann lief ich schnell, um das Töchterlein zu holen. Dieses wußte schon Bescheid- ich hatte ihr Nachricht zukommen lassen können. Sie stand und wartete. ,, Schnell, schnell, komm mit zur Mutter!" Das arme Kind zitterte am ganzen Körper: ,, O Nanda, meine Mamuschka, meine Mamma...!" Ich konnte nicht trösten, weinte mit ihr. Bei der Mutter angekommen, sanken sich diese zwei guten Menschen schluchzend in die Arme und herzten sich mit einer Inbrunst, die das Leben sonst nicht kennt. Dann segnete diese Heldenmutter ihr Kind immer und immer wieder, machte ihr das Zeichen des Kreuzes auf Stirn, Mund und Brust: ,, Bleib gut! Der Vater im Himmel behüte Dich!" Und diese Mutter, die in zwei Stunden in der Ewigkeit war, tröstete ihre Tochter mit aller Ruhe und Gelassenheit. So können nur Heilige sein, dachte ich. Was mag dieser Mutter durch die Seele gegangen sein, mußte sie doch ihr weinendes Kind in der grausamen Welt, in der Hölle des Konzentrationslagers, allein zurücklassen. Und am Schluß sagte sie so innig: ,, Wenn Du den Vater je wiedersehen solltest, mein Kind, und die Geschwister sie nannte drei Namen dann sage ihnen, daß ich immer bei ihnen bin und bleibe." Leider mußte ich mahnen, da die Zeit drängte. Auch würde es im Büro auffallen, wenn ich länger fortgeblieben wäre. Noch einmal Umarmung und Segen. Ach, es ging über Menschenkraft! Ich konnte es nicht mehr mitansehen, dieses herzzerreißende Weh. Und wieder dachte ich: ,, Ja, das Himmelreich leidet Gewalt. Und nur die Gewalt brauchen, reißen es an sich." Gott im Himmel, wie hart prüfst du deine Geschöpfe! Ich nahm das laut aufweinende Kind, das die Mutter mir als Letztes noch anbefahl, und brachte es schnell zurück in den Block. Arme, kleine Sascha, in dieser Stunde starb auch dein junges Herz. - - Nun holte ich die Mutter, die mich segnete und mich bat, sie zu segnen, und brachte sie in ihren Block, zum allerletzten Mal. Dort standen viele ihrer polnischen Mitgefangenen und schlossen sie in die Arme. Noch 160 zwe geh N in Tief ken ver Wo das kin wa ihr mir Sas leb die las Leb Vie VO Di an Re la de un Si G ein zu holen ihr Nachricht und wartete as arme Kind Mamuschka östen, weinte sanken sich in die Arme s Leben sonst tter ihr Kind Zeichen des eib gut! De e Mutter, di ete ihre Toch können nur Mutter durch hr weinendes des Konzen Schluß sagte dersehen soll e nannte drei bei ihnen bin rängte. Auch ger fortgeblie egen. Ach, es icht mehr mit wieder dachte Und nur die it im Himmel mahm das laut Letztes noch in den Block arb auch dein mete und mich en Block, zum er polnische Arme. Noch zwei kleine Stunden und diese tapfere Frau wurde abgeholt zum Tode. Nie mehr werde ich sie vergessen können. Noch heute in der Erinnerung an diese Leidensstunde bin ich aufs Tiefste bewegt und muß mit dem Schreiben im Gedenken an sie aussetzen. Wie hat sie mir nachgeblickt: ,, Ich vergesse Dir's nicht dort oben!" Das waren ihre letzten Worte an mich. Und sie hat ihr Versprechen gehalten, das weiß ich. Die kleine Sascha hing in Zukunft mit kindlicher Liebe an mir. Wenn es mir eben möglich war, schlich ich täglich für einige Minuten am Abend zu ihr hin. Sie war durch diese letzten mit der Mutter und mir gemeinsam verlebten Minuten auch meine kleine Sascha geworden, ein Stück von mir. Ob sie heute noch lebt? Und wenn, wo mag sie sein? Ob sie den Vater, die Geschwister wiedergefunden hat? Oder ob sie verlassen und heimatlos sich weiter durch dieses harte Leben quälen muß, sie, die schon in jungen Jahren allzu viel erleiden mußte. Stefan George spricht in einem seiner Bücher einmal von, vielen Untergängen ohne Würde...". Dieses Wort muß ich in diesen Monaten immer wieder anwenden auf die verbrecherischen Männer des Dritten Reiches... Aber die Untergänge im Konzentrationslager waren oft voller Würde, so würdig, wie keiner von denen, die diese Untergänge eingeleitet und verschuldet und befohlen hatten, jemals untergehen konnte, wenn sie sich des Wortes ,, Würde" auch bei den unpassendsten Gelegenheiten bedienten. Jüdinnen. Als ich im August 1941 in das Konzentrationslager eingeliefert wurde, befanden sich noch sehr viele junge und alte Jüdinnen darin; es waren ganze Baracken nur mit Jüdinnen belegt. Was diese Geschöpfe an Gemeinheit, Quälerei, Perversität und Niedertracht über sich ergehen 11 Herbermann, Der gesegnete Abgrund 161 lassen mußten, ist nicht in Worte zu fassen. Der Haß, der in der ekelhaftesten aller jemals in Deutschland erschienenen Zeitungen ,, Der Stürmer" von dem feisten Nürnberger Gauleiter Julius Streicher in die Herzen der Leser gesäet wurde, war hier bei SS und Aufseherinnen, vor allem bei der Leitung des Lagers, auf fruchtbaren Boden gefallen und trieb hier im Konzentrationslager seine erschütternden Früchte. Nicht nur, daß die hilflosen Geschöpfe mit Ohrfeigen und Fußtritten, die wir ja alle über uns ergehen lassen mußten, begangen wurden, oder daß man Hunde auf sie hetzte, nein, ob alt oder jung, sie mußten die allerschwersten Arbeiten verrichten. Nie werde ich das Bild los werden, das sich uns hier wochenlang bot: Alte, ja steinalte Jüdinnen vor eine große Walze gespannt, die von mindestens zwei Pferden hätte gezogen werden müssen, keuchend und prustend, mit nackten, wunden Füßen, mit blutenden Händen, verhärmt und zerfurcht vom Leid die müden Gesichter. Und diese Frauen waren zum größten Teil nicht an körperliche Arbeiten gewöhnt. Es waren steinreiche Jüdinnen darunter, Halbjüdinnen, überhaupt alles, was in den verhängnisvollen Jahren wegen nicht- arischer Abstammung" in die Gefängnisse und Konzentrationslager getrieben wurde. Einige aus ihnen waren Konvertiten. Gern denke ich zurück an eine Frau Professor R., die trotz ihres hohen Alters noch schön war und wunderbare dunkle, leuchtende Augen hatte. Mit ihr habe ich mich einige Male über geistige Dinge unterhalten können. Sie war Österreicherin und ihr Gatte in Kulturkreisen nicht unbekannt. Auch sie lebte in völliger Ungewißẞheit um Mann und Kinder schon Jahre hindurch. Nie klagte sie, war nie mißmutig, sondern trug mit vorbildlicher seelischer Größe ihr grausames Geschick. Im Laufe des Jahres 1942 kam von Himmler der Befehl, daß das Lager von Jüdinnen ,, gesäubert" werden müsse. Es begannen die großen Judentransporte. In den Augen dieser Menschen stand die Qual der Ungewißheit, die Angst vor dem Kommenden. Ja, was ist aus ihnen 162 geworder wagen, u armen, z die so g Leben zu war. Ha Schöpfer Erden? Lublin roße Ju Von ihne Ich bi kentr einsetzte man die schauen aufschlu doch ni Gefange mandan stalt tra Versuc Tu spri Das Transp Blocks len da die kö darum den k kartofi rea! was fi Mord n. Der Haß tschland er on dem fei her in die bei SS und Lagers, auf Konzentra e mit Ohr uns ergehen man Hunde geworden? Erbärmlich wurden sie verladen in Viehwagen, unter dem Geschimpfe und Gebrüll der SS, diese armen, zu Tode gehetzten und gemarterten Menschen, die so gern sterben wollten, um nur nicht mehr dieses Leben zu ertragen, das doch unter aller Menschenwürde war. Hatten nicht auch sie von der Natur und vom Schöpfer aus das Recht zu einem erträglichen Leben auf Erden? Meines Wissens sind sie damals alle nach Lublin und Auschwitz verfrachtet worden, wo sich große Judenlager befanden. Ich glaube kaum, daß eine von ihnen noch lebt. sie mußten Nie werde ier wochen eine große wei Pferden nd prustend Händen, ver esichter. Und ut an körper che Jüdinnen s in den ver her Abstam tionslager ge Konvertite essor R., die d wunderbare abe ich mich alten können. Kulturkreisen Ungewißheit h. Nie klagte vorbildlicher immler der ubert" werden sporte. In den Ungewißheit ist aus ihnen Krankentransporte... Ich bin nie ganz klug geworden aus diesen Kran- kentransporten, die im Jahre 1942 auf einmal einsetzten. Man konnte im Konzentrationslager, wenn man die Augen richtig aufhielt, oft hinter die Kulissen schauen, aber alles zu ergründen war mir trotz meiner aufschlußreichen Arbeit im Büro der Oberaufseherin doch nicht möglich. Fest steht aber, daß Hunderte von Gefangenen, durch SS- Standortärzte und durch den Kommandanten ausgewählt, vom Lager weg in irgendeine Anstalt transportiert wurden, wo man sie wohl erst noch als Versuchskaninchen mißbrauchte, um sie dann zu Tode zu spritzen oder in Gaskammern zu ermorden. Das war stets eine Aufregung, wenn wieder ein solcher Transport zusammengestellt wurde, kunterbunt aus allen Blocks. Auch viele meiner Dirnen aus dem Block II fielen darunter. Meistens handelte es sich um Häftlinge, die körperlich krank und siech oder schwach waren und darum nicht zum vollen Arbeitseinsatz gebraucht werden konnten. Was sollte man sie auch noch mit Pellkartoffeln und Steckrüben oder stinkendem Kohl ernähren! Nur weg mit ihnen! Es ist nicht zu beschreiben, was für Menschen diesen Transporten zum Opfer fielen. Mord, Mord auch hier, Massenmord auf alle mögliche 11* 163 Warum gegeneina die Mensc Armes Hi lassen ang schen an Weise! Ich bin überzeugt, daß der größte Teil dieser so ums Leben Gebrachten noch zwanzig Jahre und mehr hätte leben und auch etwas hätte schaffen können, hatten sie doch bis zum grauenhaften Tage ihres Abtransportes in der Mehrzahl schwerste Arbeit geleistet! Es handelte sich nicht nur um T.B.- Kranke, um von Syphilis verseuchte Dirnen. Nein, es waren auch gesunde Menschen darunter, solche, die infolge des unerträglichen Daseins, das sie hier zu leben gezwungen waren, vielleicht einmal im Monat einen Herz- oder Nervenanfall bekamen, hervorgerufen durch alle Qual und Entbehrung und Aufregung, die uns täglich von Kommandant und SS- Bewachung auferlegt wurden.... Es waren Häftlinge unter diesen Todgeweihten, die Jahre hindurch Seite an Seite mit uns gelebt und gearbeitet hatten, die nie einen Anfall bekamen, deren Körper aber schwach und nicht allzu widerstandsfähig war. warum? A unheimlic tes Allwis Heyd lers, w mordet w tat die G in Brand Das Geschrei in aller Herrgottsfrühe am Morgen beim Verladen dieser Todgeweihten, diese Todesangst, wenn es nachts um zwei- drei Uhr auf einmal hieß, die und die müssen antreten zum Abtransport, die vorher nichts ahnten, jetzt aber mit grausamer Gewißheit plötzlich erfuhren, was ihnen bevorstand, hallt mir noch heute in den Ohren. So ähnlich müssen im Jahre 1944 die armen Menschen an der Möhnetal- Sperre geschrien haben, als nach der Bombardierung der Talsperre die Wassermassen mit sechzig Kilometer Geschwindigkeit über ihre Städte und Dörfer wegbrausten und die unheimlich schnellen Wogen, denen sie zu entfliehen versuchten, sie verschlangen. Und wie sie verladen wurden! Genau wie die Jüdinnen auf Lastviehwagen, wie man ihnen als letztes Lebewohl nur Schimpfworte wie ,, ihr elenden Schweine" oder„, verseuchte Brut" nachrief! Das war die Begleitmusik zu ihrer Fahrt in den einsamen Tod. Man kann die Welt nur nach dem verstehen, was man erlebt. Nach all dem, was meine Augen in diesen Jahren haben schauernd mitansehen müssen, begreife ich auch die Zigarette und den Cognac des zum Tode Verurteilten. 164 - während wohner f wurden trationsla älteste w der Zeit, unserer gange a Lärm. W kamen s kreische rinnen" Vorn ko noch ho digen, d auch die mal Zug wagten, war net Neuen l dieser so und mehr Snnen, hat es Abtrans leistet! E von Syphi h gesunde Sunerträg gen waren, er Nerven al und Ent Komman . Es waren re hindurch hatten, die er schwach Lorgen bein angst, wenn die und die nichts ahn zlich erfuh eute in den die armen haben, als Wassermas t über ihre unheimlich suchten, sie den! Genau an ihnen als ihr elender f! Das war samen Tod en, was man diesen Jah begreife ich m Tode Ver Warum sind die Menschen so grausam und rachsüchtig gegeneinander? Worin liegt das traurige Geheimnis, daß die Menschen so unmenschlich gegeneinander sind?- Armes Hirn, es kann diese quälenden Fragen nicht ruhen lassen angesichts all des Grausigen, was hier von Menschen an Menschen geschah! Warum und warum und warum? Ach, es gibt keinen andern Schlüssel zu diesem unheimlichen Rätsel als den, der in den Tiefen von Gottes Allwissenheit verborgen ruht. Heydrich ermordet! Heydrich, der Stellvertreter Heinrich Himm- lers, war in einem Dorf in der Tschechoslowakei ermordet worden. Der Täter wurde nicht bekannt. Was tat die Geheime Staatspolizei und SS? Das Dorf wurde in Brand geschossen und dem Erdboden gleich gemacht, während man alle männlichen und weiblichen Dorfbewohner festnahm und in Haft setzte. Eines Tages nun wurden sämtliche Frauen dieses Ortes in das Konzentrationslager Ravensbrück eingeliefert. Die Dorfälteste war fast achtzig Jahre alt. Es war dies noch zu der Zeit, da ich Blockälteste von Block II war. Wir in unserer Baracke hatten schon erfahren, daß neue Zugänge angekommen seien. Wir hörten einen wilden Lärm. Was mochte da wohl los sein? Andere Zugänge kamen still und schweigend. Was bedeutete dieses Gekreische nur? Da kam auch schon eine der ,, Lagerläuferinnen" mit dem Auftrag zu mir: ,, Du sollst sofort nach vorn kommen; ich muß die andern Blockältesten auch noch holen. Ihr sollt helfen, die neuen Zugänge zu bändigen, die sich den Befehlen der SS widersetzen! Bring' auch die Stuben ältesten mit!"- Also gab es doch einmal Zugänge, die sich nicht abschrecken ließen, die es wagten, sich der Gewalt der SS nicht zu beugen! Ich war neugierig auf die in meinen Augen überaus mutigen ,, Neuen". - 165 Als wir Blockältesten mitsamt unseren Stubenältesten vor dem Büro der Oberaufseherin ankamen, lagen auf ihren Bündeln an der Erde schimpfend und schluchzend viele Frauen. Sie schlugen um sich, wenn die SS- Wache sich ihnen näherte, ließen sich gar nichts sagen, folgten nicht der Aufforderung, ins Büro zu gehen, um dort in die langen, langen Listen der sich im Konzentrationslager befindlichen Häftlinge eingetragen zu werden. Wir Häftlinge stellten uns ruhig zu ihnen und führten sie dann einzeln und tröstend ins Büro. Bei allem Aufwand von Verstehen und Güte war es nicht leicht, sie zu beschwichtigen. Hatten sie nicht ein Recht, sich gegen diese willkürliche Festnahme zu wehren? Einigermaßen gelang es uns, sie zu beschwichtigen, ein kleiner Teil aber tobte weiter. Nun mußten sie sich ganz entkleiden, kamen dann in die Entlausungskabine und darauf ins Bad. Ich erinnere mich noch gut daran, wie sie sich weigerten, Kleider und Wäsche abzulegen, wie sie sich schämten, entblößt dazustehen vor uns und vor allem vor dem Wachpersonal und vor dem hinzugekommenen ekelerregenden SS- Arzt. Ich empfand diese Scham tief mit und suchte sie damit zu trösten, daß wir alle das Gleiche erlebt hätten. Es gehörte viel dazu, diese weinenden Frauen zu beruhigen. Fast alle trugen unter ihren Kleidern ein Halskettchen mit einer Madonna. Fest umklammerten sie bei der Entkleidung diese Medaillons und wollten sie nicht hergeben. Brutal hat man sie ihnen dann vom Halse gerissen. Und das Weinen und Schluchzen hob immer wieder von neuem an, besonders als mancher von ihnen auch noch der Kopf geschoren wurde. Der Kommandant polterte mit seiner brutalen Stimme dazwischen, drohte mit Arrest und mit anderen Strafen. ten, da g Lager. D los, kon tragen h Als wir in den folgenden Tagen erfuhren, was diese Neueingelieferten bereits mitgemacht und erlebt hatten, wie sie alle rücksichtslos aus ihren Häusern geholt und verladen worden waren, von einem Gefängnis ins andere wandernd, weg von Mann und Kindern, nicht wissend, wo diese sich befanden und ob sie überhaupt noch leb166 uns für d stehe in Kl Oft si Kopf ge Gewalth kannten und Ent lenen. S Auch chisch jeden A erleben die unh hinweg sche, he licher licher neuen, Wer v geführt heute Nacht Ja, s neuen samen len, u uns fe benältesten lagen auf chluchzend e SS- Wache gen, folgten um dort in rationslager Wir Häft en sie dann fwand von sie zu be sich gegen nigermaßen kleiner Teil men dann in Ich erinnere ten, Kleider en, entblößt Wachperso lerregenden und suchte e erlebt hät Frauen zu Kleidern ein mmerten sie wollten sie dann vom luchzen hob mancher von e. Der Kom dazwischen , was diese rlebt hatten geholt und is ins andere cht wissend upt noch leb ten, da ging eine Welle der Empörung durch das ganze Lager. Doch wir waren ja alle gleich hilflos und machtlos, konnten uns nur gegenseitig trösten und einander tragen helfen und den großen Gott weiter bitten, daß er uns für dieses Schicksal stark genug mache und uns beistehe in seiner Allmacht. Kleine, schwarze Zigeunerin... ,, Und habt ihr überall begraben den freien Sinn, das eigene Sein wenn alle keinen Traum mehr haben, dann zitternd bricht die Flut herein Hermann Stehr. Oft sind mir diese Verse Hermann Stehrs durch den Kopf gegangen. Nein, sie hatten keinen Traum mehr, die Gewalthaber und Mächtigen des Dritten Reiches. Sie kannten nur Mord, Grauen, Macht, Gier, Unterdrückung und Entrechtung für die ihrer Gewalt zum Opfer Gefallenen. Sie waren keine Menschen mehr. - Auch ich fürchtete, wie so Viele, physisch und psychisch ganz zu zerbrechen. Ich war so weit, daß ich mir jeden Abend wünschte, den neuen Morgen nicht mehr erleben zu müssen. Doch Morgen auf Morgen schrillte die unheimliche Lagersirene weiter über unsere Baracken hinweg. Und immer neu hieß es: Herunter von der Pritsche, herunter von dem so armselig mit Stroh oder kärglicher Holzwolle gefüllten Säcken; ein tiefer nachdenklicher Atemzug, und es mußte wieder gehen für einen neuen, langen, grausamen Tag. Was wird er bringen? Wer von uns wird heute in das Haus des Grauens abgeführt werden? Wer wird Stockhiebe erhalten? Wer heute die ,, Todesspritze" erhalten? Wer die nächste Nacht nicht mehr unter uns liegen? Ja, so wanderten angstvoll meine Gedanken an jedem neuen Morgen. Sie begleiteten den wunderbaren, geruhsamen Aufgang der Sonne, die auch unser Dunkel erhellen, uns durchwärmen und doch nicht gewaltsam von uns ferngehalten werden sollte. 167 Es war im Lager eine Kranke, bildschöne, kleine Zigeunerin. Manchmal, wenn ich im Revier einen verbotenen Krankenbesuch wagte, stand ich gern für ein paar Sekunden auch an ihrem schweren Krankenlager und sah mit Wehmut in dieses junge, leidvolle, schöne und ebenmäßige Gesichtchen. Wie eine kleine, schwarze Madonna mit unergründlichen Augen, die von überaus langen Wimpern beschattet wurden, lag sie da. Immer war sie zufrieden, immer lächelte sie mich an. In einem Riesensaal lag sie, mit vielen anderen Kranken zusammen, Bett an Bett, Reihe an Reihe. Die Luft war miserabel. Darin konnte kein Kranker genesen. Eines Tages war auch meine kleine Zigeunerin tot. Wahrscheinlich hatte auch sie die ,, Todesspritze" bekommen. Wir nahmen es alle an, die wir dieses Kind besonders lieb hatten. Bestimmt erfahren konnte ich es dieses Mal nicht. Im Revier II arbeitete außer einigen jungen Häftlingen noch eine ältere Polin als Krankenpflegerin. Diese hat sich in rührender Weise für ihre Mitgefangenen aufgeopfert, ihnen unzählige kleine Liebesdienste erwiesen, vor allem in der so einsamen, qualvollen Sterbestunde. Sie hatte man weiß nicht wie eine ganze kleine Madonna in ihrem Besitz, die sie hoch in Ehren hielt. Und sie erzählte mir strahlend, wie bei dem Anblick dieser Madonna die armen, sterbenden Geschöpfe ruhiger würden und still mit ihr beteten. - Ich wußte nun aus Erfahrung, daß die Toten möglichst schnell in Särge oder Kisten gesteckt wurden, und ich wollte doch gern meine kleine Zigeunerin noch einmal sehen. Behutsam schlich ich um das Revier herum. Nur sich nicht erwischen lassen! Unter meiner Schürze versteckt hielt ich ein Vergißmeinnichtkränzlein, das ich als letzten Gruß dem toten Kinde bringen wollte. Diese Blumen hatten Häftlinge mit Erlaubnis einer freundlichen Aufseherin von der Außenarbeit für das Dienstzimmer der Blockleiterin mitgebracht. Schnell band ich das Kränzchen, wie ich es früher als Kind mit den Geschwistern auf der Wiese oft getan hatte. Meine Tränen band ich mit in 168 diesen Kr muß dies sie auch lein sollt alte Häf ahnte w ich an di lich vor mir zu, i dor die Freundin im Tode O müde du habe tes, sch machte und ras betrat n das Rev Schloß Stunde Es Es is mußte ich mic Tag, M Sonnen nur zu großen sank. froren, hingen Augen Körpe ren k wartet eine Zigeu n verbote für ein ankenlager lle, schöne e, schwarze on überaus da. Immer . In einem en zusam war mise unerin tot ze" bekom s Kind be nte ich es Ber einigen s Kranken se für ihre kleine Lie amen, qual icht wie- lie sie hoch nd, wie bei benden Ge eten. n möglichst en, und ich och einmal merum. Nur chürze ver in, das ich wollte. Diese reundlichen ienstzimmer das Kränz wistern auf d ich mit in diesen Kranz. Ich dachte mir, auf dem schwarzen Köpfchen muß dieses Kränzlein besonders gut aussehen. Und wenn sie auch im Konzentrationslager starb, ein Blumenkränzlein sollte sie haben. Mein Vorhaben glückte mir. Die alte Häftlingspflegerin, mit der ich mich gut verstand, ahnte wohl mein Anliegen. Sie wußte auch, wie sehr ich an diesem Kinde gehangen hatte. Als sie mich heimlich vor dem Revier auf und ab gehen sah, winkte sie mir zu, ich huschte schnell hinein und sah auf dem Korridor die noch offene Kiste. Da lag meine kleine, schwarze Freundin, nackt, ganz nackt, ohne jedes Kissen. Selbst im Tode hatte sie nichts, wohin sie ihr junges, aber schon so müdes Haupt legen durfte! Doch das Kränzlein sollst du haben, du mein heimatloses, verlassenes, eingesperrtes, schwarzes Vögelein. Und es paẞte gut. Verstohlen machte ich das Kreuzzeichen, betete ein Ave Maria und raste erschüttert davon. Der so brutale Revierarzt betrat mit zwei Aufseherinnen im gleichen Augenblick das Revier. Doch die alte Pflegerin, ganz auf der Hut, schloß schnell die Totenkiste, die noch in der gleichen Stunde abgeholt und ins Krematorium befördert wurde. Es war zum Wahnsinnig werden... Es ist gut, daß man die Sehnsucht hat. Auch ich mußte in diesen schweren Jahren etwas haben, wonach ich mich sehnen konnte. Es war so grauenvoll, Tag um Tag, Monat um Monat, in Regen, Kälte und Schnee, in Sonnenbrand, bei Hunger und Durst, zu warten, immer nur zu warten auf die Erlösung. Man lag wie auf einem großen Kissen, in das man langsam mehr und mehr versank. Die Kälte war so stark, daß uns die Nasen fast zufroren, daß selbst die Tränen, die in den Augenwimpern hingen, gefroren, wenn man nicht fortwährend die Augenlider auf- und zumachte. Die Füße und der ganze Körper waren so erstarrt, daß man sich nicht mehr rühren konnte. Ringsum die Leidensgenossinnen, die auch warteten und zum Himmel starrten. Viele, sehr Viele, 169 gaben es auf und warteten nicht mehr. Doch wie sollt ihr es verstehen, die ihr nicht dabei waret! So etwas läßt sich nicht beschreiben. Manchmal wünschte ich, es käme jemand, der mir mit einem Brett auf den Kopf schlüge und zwar gleich so stark, daß das Denken, dieses qualvolle Denken, aufgehört hätte. Aber dieses wohltuende Werk vollbrachte niemand an mir. Geistig- seelisch mußte ich diese Marter weiter tragen. Es war wirklich zum Wahnsinnigwerden. Und meine Mitgefangenen! Wie sie dahinkrochen mit ihren oft schwankenden, ausgezehrten und mißhandelten Körpern! Wie manches Mal stand eine der mir Anvertrauten im Block II vor mir: ,, Nanda, ich kann es nicht mehr aushalten; ich mache ein Ende!" Aus meinem eigenen, wunden Herzen heraus suchte ich ihnen dann doch wieder etwas Mut zu machen, sie zu halten, sie vor dem Selbstmord zu bewahren. Aber schwer ist dieses Aufrichten mir oft geworden. Und wenn es mir nicht glückte, sie von ihrem Vorhaben abzubringen, dann habe ich die wenigen Stunden des Schlafes geopfert, habe gebetet, gewacht und gelauscht, ob nicht doch Eine der Ärmsten heimlich durch die Barackenfenster entfloh, um an dem elektrisch geladenen Stacheldraht ihrem Leben ein schnelles Ende zu machen, wie es so manches Mal geschehen war. - - bereits ei und glaub Hier bli Gottvertra konnte. A Einmal bin ich spät um Mitternacht hinter der Erna hergerast und erwischte sie noch gerade man kann sagen einige Meter vor dem Tode. Sie schlug um sich, tobte und schrie mich an: ,, Laß mich in Ruhe! Auch Du kannst mich nicht retten! Ich will nicht mehr leben!" Da habe ich ganz ruhig, voller Verstehen und Erbarmen, mit ihr gesprochen, habe mit ihr geweint, und ich war so glücklich, als sie sich nach innerem, schwerem Kampf doch entschloß, an meinem Arm mit mir in die Baracke zurückzukehren. Von dieser Nacht an hatten wir beiden ein Geheimnis miteinander, von dem sonst niemand wußte. Auf Selbstmordversuche stand schwerster und wochenlanger Dunkelarrest. Diese Erna war über vierzig Jahre alt und über fünfzehn Jahre 170 gar verlo loren, und Hoffnung, len.... Es war einer Au ging es teten Pol dem, wa los? O Wie Vie schehen! Oben gelangt, Haltung Frauen bermann mir wo überhau der dur SS und lager g freundli nicht in sachlich mals ei auch d ist dar char mit de ch wie sollt ! So etwas chte ich, es fden Kopi nken, dieses ieses wohlGeistig- seeEs war wirk krochen mit mißhandelten mir Anverann es nicht meinem eige dann doch sie vor dem dieses Auficht glückte, mabe ich die gebetet, geHer Armsten um an dem Leben ein hes Mal geder Erna - man kann Sie schlug ch in Ruhe! nicht mehr rstehen und geweint, und rem, schwe amit mir in acht an hat I, von dem suche stand Diese Erna fzehn Jahre bereits eingesperrt. Sie war recht schwer zu bändigen und glaubte an nichts mehr. Hier blieb ein starker Glaube, verbunden mit tiefstem Gottvertrauen, das Einzigste, was uns halten und tragen konnte. Aber wer diesen Glauben nicht besaß oder hier gar verloren hatte, der hatte alles, aber auch alles verloren, und er blieb in den Krallen der Verzweiflung, ohne Hoffnung, stumpf, gleichgültig, dem Wahnsinn verfallen.... Hoffnung auf Erlösung Es war am 1. Februar 1943. Wieder wurde ich von einer Aufseherin von der Arbeit weggerufen, und wieder ging es mit Zittern und Zagen hinaus zu der so gefürchteten Politischen Abteilung. Ich hatte keine Ahnung von dem, was mir bevorstand. Was war nur heute wieder los? O Gott, steh mir bei! Diese Angst ist schauerlich. Wie Vieles und was für Furchtbares konnte mir geschehen! Oben beim Politischen Leiter, Herrn Borchard, angelangt, meldete ich mich vorschriftsmäßig in strammer Haltung wie ein preußischer Soldat( furchtbar, wenn Frauen Soldaten spielen müssen!): ,, Schutzhäftling Herbermann, Nr. 6582." Doch der Politische Leiter nickte mir wohlwollend zu. Da wich meine Angst. Das sei überhaupt zur Rechtfertigung dieses Politischen Leiters, der durch weiß Gott was für unselige Umstände in die SS und dann als Politischer Leiter in das Konzentrationslager gekommen war, gesagt, daß er immer gut und freundlich zu den Gefangenen war und daß er durchaus nicht in diese Gesellschaft hineingehörte. Er war stets sachlich, gebrauchte nie ein gemeines Wort, schlug niemals einen Häftling, sondern half, wenn er konnte. Ja, auch das gab es sogar in der Leitung des Lagers, aber es ist darum nicht zu verwundern, daß dieser Herr Borchard mit dem Kommandanten und dem Inspektor und mit der sonstigen Leitung sich schlecht verstand und daß 171 man ihm Steine in den Weg legte, wo immer es nur ging. Ich wünschte nur, daß dieser Mann vor einem schweren Schicksal bewahrt bleibe. Sämtliche Gefangene verhandelten in persönlichen Angelegenheiten gern mit ihm. Herr Borchard eröffnete mir nun, daß ein Telegramm des Reichsführers gekommen sei mit der Anfrage, was ich ,, bei eventueller Entlassung zu tun gedenke und wie ich mich in Zukunft dem Jesuitenpater Muckermann gegenüber verhalten würde." Herr Borchard bemerkte noch, daß das etwas ganz Außergewöhnliches sei und daß nur höchst selten eine Anfrage betreffend eines Häftlings von Himmler käme. Er meinte, ich könne bestimmt in den nächsten Wochen mit meiner Entlassung rechnen. Ich war überglücklich und konnte mich vor Freude und seliger Erregung kaum noch sammeln. Sollte dieses Leben, diese Hölle wirklich für mich bald ein Ende nehmen? Sollte ich wirklich meine Lieben und die Heimat wiedersehen dürfen?! Ich konnte es nicht fassen. Nun erhielt ich Bleistift und Papier, mußte mich an den Schreibtisch im Zimmer des Herrn Borchard setzen und eine Erklärung abgeben, die noch am gleichen Tage telegraphisch nach Berlin gesandt werden sollte. Es kam auch der juristische Beirat hinzu, SS- Mann Jacobi, auch ein korrekter Mann, der die Gefangenen nicht als Freiwild oder als irgendein Stück Vieh betrachtete. Die beiden Herren sprachen mit mir meinen Fall noch einmal durch, rieten mir, dieses und jenes zu erklären. Ich begann, meine Erklärung abzufassen. Daß ich natürlich erklärte, daß ich jede Arbeit anzunehmen bereit sei, brauche ich wohl nicht zu erwähnen. Ach, ich hätte ja draußen Steine klopfen und Kohlen fahren mögen für die Freiheit; denn für sie war mir kein Preis zu hoch. ot geword aber ander Und beide ich bestimm Entlassung Als ich mit meiner Erklärung fertig war, zeigte ich sie Herrn Borchard und Herrn Jacobi, die damit einverstanden waren. Das Ganze wurde dann in die Schreibmaschine diktiert und ich unterzeichnete dieses so entscheidende Schriftstück mit meinem Namen. Jetzt war ich vor lauter Aufregung und Freude über und über 172 dürfen, das Aufseherin Aufseherin Aufseherin war sehr besaß daz deres zu w in der A was sich Zu mir w menschlich Oft teilte Wissens mit der C ten einan ordentlich ander hat oft zur Q andere v braucht, Worten u Diese A Sie hatte Arbeiten mehrmals und gefr neugierig geschehe gegen so Ihre Art ich bei Weiter Häftling ten. Ab es nur ging m schweren ene verhan mit ihm. B ein Tele der Anfrage gedenke und Mucker Borchard öhnliches sei reffend eines ich könne Entlassung He mich vo meln. Sollte ch bald ein eben und die nicht fassen mich an der ard setzen eichen Tage n sollte. Es n Jacobi en nicht als achtete. Die all noch ein erklären. Ich ich natürlich bereit sei ich hätte ja mögen für s zu hoch. , zeigte ich i, die damit dann in die hnete dieses Namen. Jetzt per und über rot geworden. Herr Borchard meinte: ,, Nun sehen Sie aber anders aus als vorhin, wie Sie hier erschienen." Und beide gaben mir noch einmal die Versicherung, daß ich bestimmt in den nächsten vierzehn Tagen mit meiner Entlassung rechnen könne. Solche Zuversicht haben zu dürfen, das war eine Seligkeit ohnegleichen. Es kam die Aufseherin, bei der ich zu jener Zeit arbeiten mußte, die Aufseherin Laurenzen, um mich abzuführen. Diese Aufseherin, mit der ich im Großen und Ganzen auskam, war sehr jung, daher auch noch recht unausgeglichen, besaß dazu einen übermächtigen Ehrgeiz, etwas Besonderes zu werden und wurde leider allzu früh mitführend in der Arbeitseinteilung des gesamten Lagerbetriebes, was sich charakterlich bei ihr nur nachteilig auswirkte. Zu mir war sie, obwohl oft launisch, im Grunde doch menschlich und überließ mir die Arbeit auch selbständig. Oft teilte sie Fußtritte aus, hat aber Stockhiebe meines Wissens niemals verabfolgt. Dauernd lag sie in Fehde mit der Oberaufseherin Langefeld. Die beiden haẞten einander sehr. Das erschwerte mir die Arbeit außerordentlich, und dieser Haß der Aufseherinnen untereinander hat mir mein Leben im Büro der Oberaufseherin oft zur Qual gemacht, wollte doch die eine, daß ich die andere verriet. Ja, selbst dazu wurden Häftlinge miẞbraucht, und leider ließen sich manche dazu mit schönen Worten und Geschmuse leicht erkaufen.. Diese Aufseherin Laurenzen holte mich nun ab. Sie hatte wegen der dringenden von mir zu erledigenden Arbeiten schon lange auf mich gewartet und bereits mehrmals im Büro des Herrn Borchard angeklingelt und gefragt, wo ich denn so lange bliebe? Nun war sie neugierig geworden, und ich erzählte ihr strahlend, was geschehen sei. Sie freute sich nicht mit mir, wandte dagegen sofort ein: ,, Ich lasse Sie nicht weg! Wer soll denn Ihre Arbeit tun?" Sie wollte einen Antrag stellen, daß ich bei meiner Entlassung als Zivilangestellte im Lager weiter für sie arbeite, was manchmal mit entlassenen Häftlingen geschah, da gescheite Kräfte ja überall fehlten. Aber nie hätte ich mich darauf eingelassen. - Ich 173 eunzehntau Einzige war, Was geht e kunft fest des neu au de der Fre mürbende Zusammen Verkehr mit ad korrek was Unv ehen könn d Tritt, u Freiheit vor habe im Lager ehrlich geschuftet und wesentliche Arbeiten verrichtet, aber mich neu einfangen lassen, das kam für mich nicht in Betracht. ,, Frau Aufseherin", erklärte ich ,,, da wird sich schon ein Häftling wiederfinden, der es genau so gut, vielleicht noch besser macht als ich!" Die Mithäftlinge interessierten sich natürlich auch sehr für das, was auf der Politischen Abteilung vor sich ge gangen war. Die Guten und Selbstlosen freuten sich ehr lich mit und warteten von Tag zu Tag mit mir auf die Stunde der Freiheit. Aber Viele gönnten mir doch meine Hoffnung und die große und berechtigte Aussicht auf Freiheit nicht. ,, Warum sollst Du eher herauskommen als wir? Bilde Dir das nur nicht ein! Wir sind zum Teil viel länger schon hier als Du. Meinst Du denn, Du seiest eine Ausnahme?" Ach, das tat weh und hat mich tief beein druckt. Aber sie alle waren ja so unglücklich und so verzweifelt, daß sie nur noch an sich dachten und es eine Mitfreude für sie nicht mehr gab. Unglücklich waren sie im Leben Tode. Meine zeitweilig auch noch nach diesem Ereig nis tiefste Niedergeschlagenheit und Hoffnungslosigkeit schwand bei ihren Einwendungen natürlich nicht. In den ersten vierzehn Tagen hielt ich trotz allem meine Zuver sicht hoch. Ach, es würde vielleicht doch ein neues Leben für mich beginnen, eine Auferstehung von den Toten mich dennoch erwarten. Mich ergriff eine solch quälende Ungeduld, daß ich heute nicht mehr gern an diese Wochen des Wartens zurückdenke, wo ich einfach keine Energie mehr aufbringen konnte. Meine Kräfte waren aufgebraucht. Jetzt, wo das Tor sich öffnen sollte für mich, merkte ich erst richtig, wie ich in diesen Jah ren schwerster Haft nur vom äußersten Energieaufwand gelebt hatte. - unglücklich im Wie es z Meine Br wähnte, nic Mein ich gema Ich schlief keine Nacht, träumte mit offenen Augen von der Freiheit, von meinen Lieben; ich stellte mir mein vergangenes Leben, meine Zukunft vor und machte Pläne. Stand nun wirklich die Erlösung vor mir? Einsam war ich in diesen Wochen vor meiner Entlassung, ein samer als je zuvor, da ich unter den jetzt achtzehn- bis 174 ruder Cl Rechts ch geeig Aber Minster Rechts Brüde Einga Le Mühe Haftzeit en s meine Nun hat Dem Besu en etwas Virde, se Ostern. liche Arbei en, das kan in", erklärt: erfinden, de cht als ich! ch auch sehr vor sich ge ten sich ehr mir auf die doch meine Aussicht auf skommen als zum Teil viel u seiest eine h tief beeirlich und so hten und es neunzehntausend zählenden Häftlingen des Lagers die Einzige war, die ahnte, daß ihr doch die Freiheit winke. Was geht einem da durch die Seele! Ich faßte meine Zukunft fest ins Auge, baute Pläne, baute in Gedanken alles neu auf, ja ich baute Luftschlösser, wie das wohl alle der Freiheit Beraubten in solcher wartenden und zermürbenden Lage tun würden. glücklich in iesem Ereig ungslosigket nicht. In de meine Zuver ch ein neues ang von de ff eine solci mehr gern a o ich einfaci Meine Kräfte öffnen sollte diesen Jah ergieaufwand fenen Auge ellte mir mei und macht mir? Einsan tlassung, ein achtzehn- bis Zusammenreißen mußte ich mich in der Arbeit, im Verkehr mit den Mitgefangenen und der SS- Bewachung. Und korrekt mußte ich sein, ganz korrekt. Nur nicht etwas Unvorsichtiges tun, was eine Strafe nach sich ziehen könnte. Ich beobachtete mich genau auf Schritt und Tritt, um nur nicht der lockenden und winkenden Freiheit von mir aus einen Riegel vorzuschieben. Wie es zu dem Telegramm Himmlers kam? Meine Brüder und Freunde hatten, wie ich schon erwähnte, nichts unversucht gelassen, mich frei zu bekommen. Mein ältester Bruder hat viele schwere Gänge für mich gemacht, Eingaben nach Berlin gesandt, und mein Bruder Clemens fuhr nach Berlin, setzte sich dort mit Rechtsanwälten in Verbindung, die seiner Meinung nach geeignet waren, für mich etwas erreichen zu können. Aber man hatte mir ja schon bei den Verhören in Münster gesagt: ,, Bleiben Sie uns mit den verdammten Rechtsanwälten vom Halse!" Gemeinsam machten fünf Brüder, die das Kleid der deutschen Wehrmacht trugen, Eingaben, wie auch unsere liebe, alte Mutter. Aber alle Mühe war vergebens, nichts half. Während meiner Haftzeit erfuhr ich natürlich von diesen Bemühungen seitens meiner Brüder und Freunde gar nichts. Nun hatte aber mein Bruder Heinz, der mir bei seinem Besuch im Konzentrationslager bereits erklärte, daß er etwas erreichen würde, versichert, daß ich befreit würde, sei es nicht zu Weihnachten, dann bestimmt zu Ostern. Er hatte in Berlin irgendjemanden kennen175 - - gelernt, der bei dem allgewaltigen Himmler großen Einfluß ausübte. Auch er machte viele Wege, war unermüdlich, setzte alle seine Fähigkeiten und seine ganze Gewandtheit ein, und es gelang ihm, bis zum Adjutanten Himmlers vorzustoßen, der ihm versprach, sich meine das war die vorAkte vom Reichssicherheitshauptamt gesetzte Stelle aller Gestapozentralen geben lassen zu wollen. Himmler selbst soll sich meine Akte nach Aussagen des Adjutanten meinem Bruder gegenüber auch angesehen haben. Jedenfalls war sein Telegramm ein Beweis dafür. Allen meinen Brüdern bleibe ich für diese Treue und diesen Einsatz für mich ewig dankbar. Durch die vielen Eingaben, die meiner Akte doch beilagen, haben sie alle dazu beigetragen, mir den Weg in die Freiheit jedenfalls vorbereitet. die mit kam zu entlasse wurde hof Fi da wir heraus Orte la artiger So unb ich im Natur sen Zu Deshal Wenn schlug In der Die letzten Wochen schon nachde ein pa sie ü Daß ich nun Tag und Nacht in dauernder Spannung und Erwartung lebte, ist zu begreifen. Nahmen mir meine Mitgefangenen fast alle Hoffnung, vor allem, nachdem die ersten vierzehn Tage, in denen es sich doch hätte entscheiden sollen, verstrichen waren, so machte mir der Politische Leiter, wenn er zuweilen vorn im Büro bei uns erschien, doch stets wieder Hoffnung. Wenn die Umstände und die Anwesenden es erlaubten, dann nickte er mir zuversichtlich zu: ,, Herbermann, es wird bestimmt werden! Bleiben Sie geduldig!" Ach ja, geduldig.. Geduld ist wohl die schwerste und reifste aller Tugenden, und wie leicht fällt ein zerquältes Herz, das zu oft enttäuscht wurde, wieder in Ungeduld! Ich w Gall ich be Diese letzten Wochen meines Häftlingslebens stehen noch ebenso klar vor mir wie die ersten, besonders die dunklen und qualvollen Nächte des Wartenmüssens auf die Entscheidung. Wann fielen die Würfel für mich? Da der Samstag der eigentliche Entlassungstag war, wartete ich von Woche zu Woche auf den Sonnabend. Manche im Büro fieberten mit mir. Die Aufseherin Gallinat, gensa ten T waren gefall sie si eine Für m mein aber, Nach litt ic Arbei schm men, Schre 12 H 176 großen Ein war unermüd me ganze Ge Adjutanten sich meine war die vor ben lassen zu e Akte nach genüber auch elegramm ei ich für diese nkbar. Durch och beilagen Weg in die der Spannung men mir meine lem, nachdem ch doch hätte machte mir der Büro bei uns Wenn die Um dann nickte er wird bestimmt geduldig.. e aller Tugen erz, das zu of slebens steher besonders die enmüssens au für mich? D g war, wartete bend. Manche m Gallinat die mit der Oberaufseherin Langefeld nebenan saß, kam zuweilen zu mir an den Tisch und sagte: ,, Wenn Sie entlassen werden, bringe ich Sie zur Bahn...". Es wurde nämlich jeder entlassene Häftling bis zum Bahnhof Fürstenberg von einer Wachperson begleitet, da wir ja den Weg nicht kannten und das Lager weit heraus aus dem landschaftlich so malerisch gelegenen Orte lag. Diese Aufseherin Gallin at war ein eigenartiger Mensch, wie man so sagt, etwas verschroben und so unberechenbar wie keine zweite Aufseherin, mit der ich im Lager zu tun gehabt habe. Bei ihr war wohl die Natur nie zu ihrem Recht gekommen und Ideale, die diesen Zustand hätten ausgleichen können, hatte sie nicht. Deshalb dies verhärmte, eingefallene, verbitterte Gesicht. Wenn sie anfing zu toben, zu schreien, zu schlagen, überschlug sich ihre Stimme und sie wirkte wie eine Furie. In der einen Minute war sie freundlich, in der nächsten schon gemein, so gemein und niederträchtig, daß einmal, nachdem sie furchtbar auf Häftlinge losgeschlagen hatte, ein paar Gefangene nicht mehr an sich halten konnten, sie überfielen und ihr ,, deutsche Dirne" nachriefen. Ich weiß nicht, ob dieses Wort bei der Aufseherin Gallin at angewandt werden konnte; denn so viel ich beobachten konnte, lebte sie zurückgezogen im Gegensatz zu vielen andern Aufseherinnen, die zum größten Teil sittlich und moralisch sehr heruntergekommen waren. Da man die Häftlinge, die die Aufseherin angefallen und beschimpft hatten, nicht feststellen konnte, sie sich auch nicht freiwillig meldeten, gab es wieder eine Gesamtlagerstrafe: Strafestehen und Kostentzug. Für mich war der Kostentzug nicht das Schlimmste, denn mein Magen nahm fast nichts mehr auf. Das Strafestehen aber, Stunden über Stunden, fiel mir entsetzlich schwer. Nachdem ich die schwerste Außenarbeit geleistet hatte, litt ich ständig unter starken Rückenschmerzen. Dieser Arbeit war ich nicht gewachsen gewesen. Die Rückenschmerzen hatten in den letzten Monaten so zugenommen, daß ich mich oft nach längerem Sitzen von meinem Schreibstuhl nicht mehr erheben konnte und umherkroch 12 Herbermann, Der gesegnete Abgrund 177 wie eine alte Frau. An diesem Leiden trage ich heute noch. Nach Ansicht der Ärzte ist es eine Rückenwirbelerkrankung. " 1 Zwei guter Häftlinge, mit denen ich in den letzten Monaten Tag für Tag zusammenkam, möchte ich noch gedenken. Es waren Bibelforscherinnen, beides Mütterchen in weißem Haar von nahezu siebzig Jahren. Sie hatten ihren Mann und ihre Kinder verlassen und waren für ihren Glauben" in das Konzentrationslager gewandert und lebten hier über ein Jahrzehnt lang ein erbärmliches, doch heldenhaftes Leben. Stets waren sie sanftmütig und freundlich. Die Arbeit dieser beiden bestand darin, die Büros der Oberaufseherin, den Appellraum der Aufseherinnen, die Korridore, Toiletten der Büros usw. sauber zu halten. Schon aus Interesse redete ich mit ihnen häufig über ihren ,, Glauben". Es mußte doch etwas daran sein, daß sie, die jeden Tag ein Formular mit ihrer Austrittserklärung aus der Sekte der Bibelforscher nur hätten zu unterzeichnen brauchen, um dieser Hölle zu entgehen, so stark an ihrer Auffassung festhielten. Diese vorgedruckten Scheine lagen zu Hunderten im Büro der Oberaufseherin und wurden und wurden nicht weniger. Kaum je hat eine der Bibelforscherinnen ein solches Formular unterschrieben. Ich persönlich erinnere mich nur an zwei Fälle, an zwei junge Holländerinnen, die ihre Austrittserklärung unterzeichnet haben. Soviel ich auch gegen ihre Ansicht und ihren Glauben einzuwenden hatte, sie blieben fest in ihrer Anschauung, von der sie nichts preisgaben, für die sie freiwillig Übermenschliches noch im hohen Alter ausstanden. Irgendwie waren sie primitiv, und ihre Anschauungen hielten durchaus nicht Schritt mit dem Leben in der ruhelosen Welt da draußen. Doch bibelfest waren sie, ließen aber meine Einwendungen gegen diese und jene Stelle ihrer Bibel überhaupt nicht gelten, dazu hartnäckig, so daß man sich mit ihnen nicht sachlich auseinandersetzen konnte. Aber heiter blieb ihr Gemüt, und so wohlgemut wie 178 diese Ein G konnte keinen Verrat chen, ein fris Augen strahle nerle!" kränkl Kraft Haltun ganz a verbor Gott, same Doch Abend anseh rigen Noo der U seheri letzter men, wand unbeh deuts unang Ehrge mich den N ihn" ses s ren, Auft brack sträu 12 e ich heute ckenwirbel letzten Moch noch geen, beides ebzig Jahren. erlassen und trationslager hnt lang ein ts waren sie er beiden beden AppellToiletten der häufig über ran sein, daß Austrittserklä ten zu unter entgehen, so e vorgedruck der Oberauf ger. Kaum je hes Formular h nur an zwei hre Austritts auch gegen den hatte, sie er sie nichts chliches noch ren sie primi s nicht Schritt raußen. Doch Einwendunger berhaupt nicht mit ihnen nicht wohlgemut wie diese Bibelforscher waren wenige Häftlinge im Lager. Ein Gottvertrauen beseelte sie, das Berge versetzen konnte. Bei ihnen in der Baracke gab es keinen Streit, keinen Neid, keine Miẞgunst, auch nicht den unwürdigen Verrat der Häftlinge untereinander. Das eine der Mütterchen, aus Schwaben stammend, war so leutselig, hatte ein frisches, gütiges Greisenantlitz und lichte, lebendige Augen, die trotz allem Grauen noch lieb und heiter strahlen konnten. Wenn sie mich sah, rief sie ,, Nannerle!" Ihre Kameradin war im Gegensatz zu ihr recht kränklich und verfallen; die lange Haft hatte ihr alle Kraft genommen. Aber auch sie hatte diese wunderbare Haltung, obwohl man merkte, daß ein tiefer Gram sie ganz aufzehrte. Einmal fand ich sie weinend in einem verborgenen Eckchen sitzend, vor sich hinbetend: O Gott, hilf mir! Hilf meinen Kindern!" Mir tat dieses einsame Mütterchen so leid. Man konnte nicht helfen. Doch gab ich ihr, die stets unter großem Hunger litt, am Abend aus einem gerade eingegangenen Päckchen ein ansehnliches Stück Kuchen. Da klärten sich ihre traurigen Züge für einen Augenblick ein wenig auf. - Noch etwas muß ich hier erwähnen, was den Ohren der Uneingeweihten unglaublich klingen mag. Eine Aufseherin, ich will ihren Namen nicht nennen, hatte in den letzten Wochen meines Lageraufenthaltes herausbekommen, daß ich zuweilen Gedichte verfaßte und etwas gewandt mit der Feder umzugehen verstand. Sie war total unbeholfen darin, beherrschte nicht einmal richtig die deutsche Grammatik. Es mag ihr als verheirateter Frau unangenehm genug gewesen sein- oder war hier jedes Ehrgefühl erstorben?-, sich an mich zu wenden und mich aufzufordern, ihre Liebesbriefe an einen der führenden Männer des Lagers aufzusetzen ,,, Liebesgedichte an ihn zu verfassen und mich auf diese Weise ganz in dieses so unerquickliche und unwürdige Verhältnis einzuführen. Bald aber schon kam sie mit allen großen und kleinen Aufträgen, die diese unhaltbare Liebesgeschichte mit sich brachte, Hilfe fordernd zu mir. Obwohl sich alles in mir sträubte, derartige Briefe und Gedichte zu schreiben, 122 12* 179 mußte ich schließlich doch nachgeben, um nicht neuen Gewalttaten und ihrer Willkür ausgesetzt zu sein. Hier habe ich in einen moralischen Tiefstand hineinschauen können, der bei den Dirnen im Block II auch nicht abgrundtiefer und verworfener hätte sein können. Ekel erfaßte und schüttelte mich oft, wenn ich dieses oder jenes vernahm. Ich als Häftling sollte Liebesbriefsteller spielen für einen der übelsten Scheusale des Konzentrationslagers überhaupt, für einen Mann, der sich den Häftlingen gegenüber nur gemeinster Schimpfworte bediente, daß selbst die ausgekochtesten und an rohe Worte gewohnten Dirnen vor ihm zurückschreckten! Und schämte sich diese Aufseherin denn gar nicht vor mir als Gefangene, die ich nun so tief in den Dreck ihres wahrhaft schmutzigen Lebens hineinzuschauen gezwungen wurde? Nein, ich war nicht kleinlich, hätte es sich um eine große und reine, unglückliche Liebe gehandelt. Aber hier war alles, aber auch alles auf widerlichste Sexualität begründet. Doch ich mußte gute Miene zum bösen Spiel machen und schrieb also diese Briefe als Sklavenhäftling. Jedoch erotische und anzügliche Dinge habe ich beim Entwurf dieser Briefe nie berührt. Ich erklärte dieser schamlosen Aufseherin, was ihr in diesen Briefen fehle, solle sie selber hinzufügen, mein Gewissen ließ die Beantwortung einiger Punkte in den Briefen des Mannes nicht zu. Natürlich hatte ich diese Einwendungen zu büẞen durch gemeine Behandlung und Schikane bei der Arbeit. Aber ich nahm das zu so vielem Andern noch dazu. Mir blieb kein anderer Weg. Geduldig zu ertragen, was Gottes Ratschluß mir auferlegte, hatte ich in meiner bitteren Leidensschule gewiß gelernt, aber mein Gewissen mit Gemeinheit und Scheußlichkeit zu belasten, dazu würde ich mich niemals hergeben, auch nach zehnjähriger Haft noch nicht. Vielleicht hat diese Aufseherin am guten Schluß diese meine grundsätzliche Haltung doch begriffen. Ach, wann endlich durfte ich heraus aus dieser Lasterhölle, aus solcher Umgebung, in eine reinere, frischere Luft, in die Freiheit der weiten Gotteswelt. Schon ganze vier W Himm ersten für mi Leben Da b sten B seltsam stimmt habe i ausges sung gekrat b lang e war ja bezügl Du k hold. nötigs wir a klopfte Hoffnu Eine aus d nicht len er auf b reiber dersel Alles schön der H Müns An Ter B Nase im A halte ser C 180 nicht neuen sein. and hineinock II auch ein können. ich dieses Liebesbriefale des Konn, der sich chimpfworte nd an rohe reckten! ar nicht vor Dreck ihres en gezwunmätte es sich e gehandelt. widerlichste Miene zum se Briefe als gliche Dinge ührt. Ich erhr in diesen ein Gewissen Briefen des Einwendunand Schikane elem Andern duldig zu er te, hatte ich gelernt, aber ußlichkeit zu ergeben, auch cht hat diese rundsätzliche dieser Laster ere, frischere Schon ganze vier Wochen bangen Wartens seit dem Telegramm Himmlers waren vergangen. Wir hatten bereits den ersten März, und noch immer nicht war die Entscheidung für mich gefallen.... Mit jedem Tag wurde mir das Leben unerträglicher. Da bekam ich an einem Sonnabend von meinem ältesten Bruder einen Brief, datiert vom 6. März, der so seltsam war wie nie einer zuvor, aus dem eine ganz bestimmte Zuversicht sprach. Die Stellen des Briefes( ich habe ihn als Dokument bei meiner Entlassung mit herausgeschmuggelt), die sich auf meine etwaige Entlassung bezogen, waren mit einem spitzen Gegenstand ausgekratzt. Aber unter Mithilfe von drei Häftlingen gelang es mir, diese Stellen doch noch zu entziffern. Ich war ja bei Gestapo und SS in eine gute Schule diesbezüglich gegangen. Folgende Sätze waren ausgekratzt: ,, Du kannst Dich mit uns freuen. Das Schicksal war uns hold... Wenn Du irgendwelche Kleidung zur Reise benötigst, teile es uns mit und welche... Endlich haben Wild wir aus Berlin gute Nachricht erhalten..." klopfte mein Herz. Freiheit, Freiheit, wie mich diese Hoffnung wieder neu erfüllte! Einen ebenso mit Zuversicht erfüllten Brief erhielt ich aus dem Osten von meinem Berliner Bruder. Die hier nicht ausgekratzten, sondern schlecht wegradierten Stellen erfüllten mich mit einer neuen berechtigten Hoffnung auf baldige Entlassung. O du selige, quälende, aufreibende Hoffnung auf Freiheit! Die kranke Mutter wiedersehen, die teuren Geschwister, die guten Freunde. Alles malte ich mir aus. Ich sollte neu die weite, schöne Erde genießen, Blumen in Fülle haben, die Fluren der Heimat wiedersehen und mein über alles geliebtes Münster! An einem Morgen war mir zwischen den Brettern unserer Baracke ein Blümchen aufgefallen, das seine kecke Nase zwischen den Latten hervorstreckte, als sollte es im Auftrag des ganzen Blumenreiches einmal Ausschau halten, ob die SS immer noch ihre Grausamkeiten in dieser Gegend ausübte und ob immer noch die armen Häft181 linge das Lager überfüllten, oder ob der Augenblick schon gekommen sei, wo die Liebe der Natur auch hier ihren Einzug halten dürfe. Wann war es doch gewesen, als ich das letzte, wachsende Blümlein erlebte und es so lange mit Wehmut betrachtet hatte? Es war von dem vergitterten Fenster des Gefängnisses in Münster aus: ein unscheinbares, kümmerliches Blümlein in der Mauerspalte des Gefängnisses. Mit welcher Aufmerksamkeit hatte ich es betrachtet! Und es beneidet! Es war doch frei, wie jegliches Geschöpf Gottes sein soll, und es durfte und konnte blühen, wenn auch am verborgensten Platze. Und nun sollte ich mich wirklich bald wieder richtig an Blumen erfreuen können! - Und wie wunderbar mußte es sein, eine Tür mit einer Klinke wieder selber aufmachen zu dürfen, wieder in einem weichen Sessel und an einem freundlich gedeckten Tisch zu sitzen. Konnte ich mich überhaupt noch mit Messer und Gabel benehmen? Hatte ich das in diesen Jahren nicht ganz verlernt? Mit einem unappetitlichen Holzlöffel verzehrten wir unser oft noch unappetitlicheres und stinkendes Mittagsmahl. Bei dem Gestank, der diesen Eẞkübeln, sobald man sie öffnete, entstieg, habe ich oft daran denken müssen, wie ich als Kind in den Ferien bei den Großeltern war und zugesehen hatte, wie man den Schweinen ihr Fressen bereitete. Wie manches Mal haben wir das Essen in die Küche zurückgeschickt, damit nicht alle krank würden und dann halt weiter gehungert.... Doch wie geschickt andere Häftlinge mit dem Stiel des Holzlöffels ihre Pellkartoffeln zu schälen verstanden! Ich selbst habe es hierin nie zu einer Fingerfertigkeit gebracht. Mir blieben die Pellen stets am Holzlöffel kleben, und ich mußte sie immer neu entfernen, um mit dem stumpfen Löffel überhaupt weiter pellen zu können. Nun sollte alle diese Entsagung, dieses Entbehren und Behelfen auf einmal aufhören? Ich sollte wieder kultiviert und gepflegt leben dürfen? In einem weißbezogenen Bett schlafen? Richtig warm in meinem Bett werden und nicht mehr Tag und Nacht frieren müssen? 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Nie mehr die Angst haben, in Dunkelarrest geworfen zu werden, nie mehr Appellstehen müssen, Strafestehen. Nie mehr Barfußlaufen müssen! Nie mehr, nie mehr so unschuldig geschlagen und gequält werden und immer unter guten, liebevollen Menschen leben dürfen! Ein Heim wieder haben, eine Heimat! O Gott, wie mußte das schön sein! - Und eine Kirche könnte ich dann endlich wieder besuchen, die so lange entbehrte heilige Messe hören ja sogar ein Hochamt im herrlichen Dom von Münster mit Orgelbegleitung und Chorgesängen und vor allem teilhaft werden der Gnadenkraft der Sakramente, die man uns hier im tiefsten Leid so ganz vorenthalten hatte, selbst im Sterben! Und wieder die Liebe fühlen zu dürfen, umhegt zu werden von liebenden, sorgenden Menschen, die zu einem gehörten, gefragt zu werden, ob man einen Wunsch habe, wenn man sich elend und krank fühlte. Wie herrlich mußte das alles sein! Ach, es war mir nicht möglich, mir dieses Glück ganz auszumalen, und doch stand es Tag für Tag und Nacht für Nacht, Stunde um Stunde vor mir, bis endlich, endlich der ersehnte Morgen der Freiheit hereinbrach. Der 19. März 1943 Am Abend des 18. März ich hatte noch lange im Büro zu tun gehabt- kam der Politische Leiter, Herr Borchard, zu mir an den Schreibtisch und fragte mich: ,, Herbermann, wo wohnt Ihr Bruder in Berlin?" Ich beantwortete ihm diese Frage, fand sie aber sehr eigentümlich. Hatte das vielleicht mit meiner Entlassung etwas zu tun? Ich wagte nicht, eine Frage zu stellen, denn es waren verschiedene Aufseherinnen in dem Raum, 183 und man hätte mir diese Frage übel auslegen können. Zu fragen kam einem Häftling nicht zu. Der hatte nur zu antworten, wenn er etwas gefragt wurde, und zu parieren. Weiter ging sein Recht nicht. Als Herr Borchard dann, mich anlächelnd, zur Tür hinausging, kam es mir vor, als hätte er mir gern noch mehr gesagt. Ich schlich unbemerkt hinter ihm her, und die bereits eingetretene Dunkelheit kam meinem Vorhaben sehr gelegen. Da stand Herr Borchard und fragte: ,, Na, was ist denn?" Jetzt hatte ich den Mut und sprach die mich quälende Frage aus: ,, Ist Nachricht da? Werde ich entlassen und wann?" ,, Ja, Sie werden entlassen!" war die beseligende Antwort. ,, O, sagen Sie mir doch, wann das ist, Herr Borchard?" Ich habe ihn so innig angefleht. ,, Aber ich darf es Ihnen doch nicht sagen, bald, bald...!" Die Stellung eines Gefangenen verbot es mir, noch weiter in Herrn Borchard einzudringen. Ich wußte ja gut, daß er es mir nicht sagen durfte, daß er mir schon zuviel gesagt hatte. Und diese Menschlichkeit rechne ich ihm noch heute hoch an. Mein Herz klopfte wild, und ich konnte den Rest meiner Arbeit nur noch mit Aufwand aller Energie erledigen. Nach Hause, nach Hause. Es raste alles in meinem armen Kopf. Ich ging in den Block, wo schon fast alle Häftlinge in tiefem Schlummer lagen. Aber Cläre, meine Pritschennachbarin, wurde wieder wach. Ich berichtete ihr, was Herr Borchard mir gesagt hatte. Sie meinte: ,, Ach, was heißt das alles? Es ist doch nichts Bestimmtes! Du wirst wohl noch Wochen oder Monate warten müssen!" Schließlich kamen wir beide zu dem Schluß, daß es morgen nicht sein würde, vielleicht aber am Samstag, höchstwahrscheinlich aber erst am 20. April, Hitlers Geburtstag, zu dem man gern bereits einige Zeit vorher schon fällige Entlassungen zurückhielt, damit es wie eine gute, großzügige Geste aussehe. Aber alles war ja nur Theater! Wir wünschten uns schließlich eine gute Nacht, und Cläre, übermüdet von ihrer aufreibenden Arbeit, war längst in einen tiefen Schlaf gesunken, da wälzte ich 184 mich n und ko letzte a zeit wä Als Büros um übe die Ob Galli ganz Aufseh gleich die Au mann, war e Frau Mein H als sie sie wi nichts entla Im H stand einer den Ta Erst a Raum laut w Träne Und verbu immer gehen alle b schwe Abe dunge die m dem n können. hatte nur e, und zu d, zur Tür gern noch m her, und inem Vormard und n Mut und Chricht da? erden enten Sie mir abe ihn so doch nicht , noch weiwußte ja mir schon eit rechne opfte wild, noch mit ause, nach f. Ich ging in tiefem schennach, was Herr Ach, was 5! Du wirst müssen!" Haß es mor tag, höchst rs Geburtsorher schon e eine gute anur Thea Nacht, und Arbeit, war wälzte ich mich noch immer herum, von einer Seite auf die andere, und konnte keine Ruhe finden. Ach, wenn es doch die letzte all der qualvollen 777 Nächte meiner langen Haftzeit wäre! Als ich am andern Morgen um fünf Uhr wieder im Büro saß, mich mit aller Gewalt zusammenreißend, um überhaupt etwas fertig zu bringen, da fühlte ich, wie die Oberaufseherin Langefeld und die Aufseherin Gallinat, als sie gegen sechs Uhr erschienen, mich ganz besonders musterten. Auch einige der anderen Aufseherinnen taten das Gleiche. Ich ahnte: Gleich, gleich sagen sie es dir! Und richtig! Um sieben Uhr trat die Aufseherin zu mir an die Schreibmaschine: ,, Herbermann, was haben Sie denn nun wieder verbrochen?" Ich war erstaunt, erschlagen im Augenblick. ,, Verbrochen, Frau Aufseherin, ich habe doch nichts verbrochen!" Mein Himmel stürzte mir in diesem Augenblick ein. Und als sie mich so aufgeregt und enttäuscht sah, da sprach sie wirklich die erlösenden Worte: ,, Nein, Sie haben nichts verbrochen! Legen Sie ihre Arbeit hin! Sie sind entlassen!" Im Büro hob nun ein Lärmen und Toben an. Ich aber stand genau so wie in der Stunde meiner Verhaftung, zu einer Bildsäule erstarrt, und konnte mit dieser beseligenden Tatsache im Augenblick einfach nicht fertig werden. Erst als meine Mithäftlinge, die mit mir im gleichen Raum arbeiteten, mich umringten, mich umarmten und laut weinten, da kamen auch mir die ersten erlösenden Tränen. Und es begann ein erschütterndes Abschiednehmen, verbunden mit gegenseitigen innigen Wünschen. Und immer wieder hörte ich: ,, Könnte ich doch auch mit Dir gehen!" Mir brach das Herz vor Kummer. Sie mußten alle bleiben, ich allein durfte gehen. Auch das ist überschwer. Aber allzu viel Zeit zum Ausströmen dieser Empfindungen ließ man uns nicht. Schon kam eine Aufseherin, die mir drohend erklärte: ,, Sie wissen genau, daß Sie von dem Augenblick an, in dem Sie von Ihrer Entlassung er185 fahren haben, mit keinem Häftling mehr sprechen dürfen. Sonst könnte es Ihnen noch blühen, daß Sie hier bleiben müssen." Und zu den andern Häftlingen gewandt, befahl sie: ,, Marsch! An die Arbeit." Gleichzeitig mit mir entlassen wurde an diesem Morgen ein zwanzigjähriges, einfaches Mädchen mit leuchtend roten Haaren, ein liebes schüchternes Ding. Wie sie mir erzählte, hatte sie bereits wegen Umgang mit einem Polen ein Jahr Gefängnis hinter sich und war dann auf ungefähr ein Jahr in das Konzentrationslager gekommen. Auch sie hatte Stockhiebe erhalten, und das Haar war ihr mehrmals geschoren worden. Ihre Kraushaare waren jetzt etwa fünf Centimeter wieder lang. Sie sah aus wie ein Struwwelpeter. Nachher erzählte sie mir auch, daß sie auf dem Lande gearbeitet und sich mit dem dort beschäftigt gewesenen Polen gut verstanden habe, daß aber niemals etwas zwischen ihnen vorgefallen sei. Armes, geprügeltes, geschändetes Menschenkind! Wir beiden Glücklichen standen nun beieinander vor dem Büro der Oberaufseherin, wie das bei Entlassungen so üblich war, und warteten auf die Aufseherin, die auch bald kam, um uns in die sogenannte ,, Effektenabteilung" zu begleiten, in der wir unsere eigene Kleidung wieder in Empfang nehmen konnten. Als wir über die Lagerstraße gingen, war bereits der allmorgendlich nach dem Zählappell stattfindende Arbeitsappell vorüber, und die vielen Kolonnen zogen zu ihrer schweren Arbeit. durfte, lange Z ihre N ihre ti Wenn jemand entlassen wurde, so wußte davon nach fünf Minuten das ganze Lager. Als meine Dirnen uns auf der Lagerstraße begegneten, da gab es trotz allen Verbotes ein Hallo, ein Rufen, Winken und Wünschen, daß die uns begleitende Aufseherin meinte: ,, Die sind ja heute alle verrückt geworden!" Nein, sie waren nicht verrückt geworden, aber sie waren anhänglich, diese ausgestoßenen und bedauernswerten Kinder der menschlichen Gesellschaft, denen wohl nie mehr eine Sonne aufging in ihrem Leben. Dieser stumme Abschied von ihnen, zu denen ich kein liebes Wort mehr sprechen 186 Schreib alle m lagers liche B hätten, schrieb meine fahren. Glüc diesen tration gen, m ins Re Das W einer der M wußtse dieses gabe Herz u unterz sen w an de ten, d auftre solche Körpe leben! innere verfüg traf, erkra schrie lager das D hen dürfen. ier bleiben wandt, be esem Mor mit leuch ng. Wie sie mit einem r dann auf gekommen. aar war ihr waren jetzt aus wie ein ch, daß sie ort beschäf aß aber nieArmes, ge inander vor Entlassungen in, die auch enabteilung" ung wieder - die Lagerh nach dem er, und die rbeit. davon nach Dirnen uns trotz allen Wünschen, Die sind ja waren nicht glich, diese der mensch eine Sonne bschied von hr sprechen durfte, war mir sehr schmerzlich. Sie waren doch für lange Zeit meiner Obhut anvertraut gewesen; ich kannte ihre Not, ihre seelische Armut, ihre Verlassenheit und ihre tiefe Verzweiflung.. ,, Nanda, nimm uns mit! Schreibe uns doch bald!" Ach, wie gern hätte ich sie alle mitgenommen, sie der Hölle des Konzentrationslagers entführt und sie in eine anständige, gute, menschliche Behandlung gegeben, wo sie Gelegenheit gehabt Gehätten, ihr verpfuschtes Leben neu aufzubauen. schrieben habe ich ihnen auch einige Male, aber ob meine Zeilen sie je erreicht haben, werde ich nie erfahren. Glück und Schmerz und tiefe Trauer quälten mich in diesen letzten Stunden meines Aufenthaltes im Konzentrationslager. Bevor wir nun in die Effektenabteilung gingen, mußten wir mit der Aufseherin zu einer Untersuchung ins Revier, die von einem der SS- Ärzte ausgeführt wurde. Das war keine angenehme Sache, war man doch noch oft einer letzten Gemeinheit dieser Schädlinge und Mörder der Menschheit ausgesetzt. Doch angesichts des Bewußtseins der bevorstehenden Freiheit nahmen wir auch dieses noch in Kauf. Nach der Untersuchung, die Aufgabe eines Spezialfrauenarztes" gewesen wäre, denn Herz und Lunge wurden nicht berücksichtigt, mußten wir unterzeichnen, daß wir gesund aus dem Lager entlassen worden seien" und in Zukunft ,, keinerlei Ansprüche an den Staat" stellen würden wegen etwaiger Krankheiten, die als Auswirkung solcher Jahre nur allzu oft auftreten. Aber welcher Häftling unterzeichnete das in solcher Stunde nicht? Nur heraus, ob nachher auch der Körper krank und siech wurde nach solchem Hundeleben! Was kümmerte uns das in dieser Stunde! Ich erinnere mich hier an einige Fälle, wo eine Entlassungsverfügung vom Reichssicherheitshauptamt Berlin eintraf, der betreffende Häftling aber schon länger schwer erkrankt, ja todgezeichnet war. Aber auch er unterschrieb selig, daß er ,, gesund" aus dem Konzentrationslager entlassen sei. Wie gewissenlos handelte auch hier das Dritte Reich! 187 In der Effektenabteilung bekam ich einen Teil der von mir bei meiner Einlieferung mitgebrachten Kleidungsstücke zurück. Auch meine Uhr und sonstigen Schmuckgegenstände wurden mir ausgehändigt. Ich begann, meine eigene Wäsche anzulegen. Was war das doch für eine Freude, sich wieder in sauberer Wäsche und eigenen Kleidern bewegen zu dürfen! Richtige Schuhe, Lederschuhe, an den vom Barfußlaufen und schlechten Holzpantinen wunden Füßen tragen zu können. Und kein gestreiftes Häftlingskleid mehr! Was für Gefühle eine solche Stunde hervorruft, ist nicht zu beschreiben, das kann man nur erleben! - Als ich mit dem Ankleiden fertig war und auch die restlichen Sachen in meinen Koffer gepackt hatte, sagte ich der Aufseherin, daß mir noch mein Pelzmantel und meine hohen Lederstiefel fehlten. Im gleichen Augenblick wurde sie frech, zeigte mir eine Kartothekkarte mit meinem Namen darauf, auf der meine mitgebrachten Kleidungsstücke einzeln verzeichnet waren. Pelzmantel und Stiefel waren nicht mitaufgeführt. Die Aufseherin wurde abscheulich mir gegenüber und behauptete, ich hätte nie einen Pelzmantel und Stiefel getragen und besäẞe nun die Frechheit, durch meine Behauptung mich zu bereichern zu versuchen. Aber in dem herrlichen Bewußtsein, wieder ein freier Mensch zu sein und sich verteidigen zu können, entgegnete ich ihr ruhig: ,, Wenn Sie mir nicht in kürzester Zeit Pelzmantel und Stiefel bringen, werde ich mich an den Kommandanten wenden. Ohne dieses mein Eigentum verlasse ich das Lager nicht. Und daß ich es heute noch verlasse, und zwar mit Pelzmantel und Stiefel, darauf können Sie Gift nehmen!" Denn sie hatte sogar damit gedroht, daß ich mich wegen meiner ,, unverfrorenen Behauptung" auf noch ein Jahr Konzentrationslager gefaßt machen könne. Doch das Eine wußte ich und das stählte mich in diesen Minuten: Wen Himmler entläßt, den wagt kein Kommandant und keine Aufseherin weiter im Konzentrationslager festzuhalten. Als ich so mit aller Entschiedenheit auf meinem Standpunkt beharrte, schwand die Sicherheit der Auf188 seherin Der zw gezoge ein Ju Sie wa Stunde uns ko Nac mit ei das Ih suchte aus A noch schwie ein. J mann Kleide Selbst Dan WO W Auf e entlas richtu chen pflich kann irgen Nazih Würd über würd portie erhal sener KZ Z Im wir u W Fräu eil der von Kleidungs m Schmuck ch begann, das doch Wäsche und ge Schuhe schlechten nnen. Und Für Gefühle beschreiben d auch die Thatte, sagte mantel und men Augen ekkarte mit tgebrachten Pelzmantel Aufseherin auptete, ich gen und be ung mich zu rrlichen Be nd sich ver ,, Wenn Sie Stiefel brin en wenden. Lager nicht ar mit Pelz it nehmen!" mich wegen ch ein Jahr Doch das en Minuten: Kommandant nslager fest eit auf mei meit der Auf seherin merklich, und sie verschwand allmählich auch. Der zweite zu entlassende Häftling stand schon fertig angezogen in seinem schönen hessischen Trachtenkleid wie ein Jungfräulein aus dem Märchenlande da und wartete. Sie war fassungslos über das, was hier in den letzten Stunden meines Lageraufenthaltes vor sich ging. Aber uns konnte ja in dieser Hölle nichts mehr erschüttern. Nach einer Viertelstunde etwa kam die Aufseherin mit einem Pelzmantel und den Stiefeln zurück. ,, Sind das Ihre Klamotten?" ,, Ja, das sind meine Sachen!" Nun suchte sie, die sehr unsicher geworden war, vielleicht aus Angst, ich könne das, was sie sich da erlaubt hatte, noch melden, freundlicher zu mir zu sein. Doch ich schwieg und ging auf diese falsche Freundlichkeit nicht ein. Jetzt war ich nicht mehr der Schutzhäftling Herbermann Nr. 6582, sondern ich trug wieder meine eigenen Kleider, und es kam mir auch das so lange unterdrückte Selbstbewußtsein wieder. Dann ging es noch einmal auf die Politische Abteilung, wo wir verschiedene Formulare unterzeichnen mußten. Auf einem dieser Formulare war vorgedruckt, daß der entlassene Häftling niemals über Lagerleben, Lagereinrichtung, Lagerstrafen und sonstige Vorkommnisse sprechen dürfe. Wir wurden zu strengstem Schweigen verpflichtet. Schon das beweist alles. Jeder Zuchthäusler kann erzählen, was er erlebt hat; und kein Entlassener irgendeiner Strafanstalt in Deutschland hatte vor der Naziherrschaft jemals solches unterschreiben müssen. Würde es herauskommen, daß ein entlassener Häftling über Vorgänge im KZ etwas ausgeplaudert hätte, er würde sofort von der Gestapo in das Lager zurücktransportiert werden und hätte fünfzig bis hundert Stockhiebe erhalten. Dieses furchtbare Wissen hielt jeden entlassenen Häftling von Berichten über seine Erlebnisse im KZ zurück. Im Büro des Herrn Borchard angelangt, sprachen wir unter vier Augen noch einige Minuten miteinander. ,, Wie freue ich mich, daß Sie hier herauskommen, Fräulein Herbermann! Sie gehörten nicht hierher. Gern 189 ging ich mit Ihnen; denn auch ich bin hier nicht an meinem Platze. Wenn Sie wieder in Münster sind, dann denken Sie manchmal an den armen Borchard, der in diesem Grauen weiterleben muß." Dieses Bekenntnis eines redlichen Mannes, das ich wörtlich wiederzugeben mich bemühe, hat mich tief beeindruckt und noch oft nach meiner Entlassung beschäftigt. Er reichte mir beide Hände. Diesen Herrn Borchard werde ich nie vergessen. Dann führte er mich noch zu meiner früheren Blockleiterin, Aufseherin Gode, die ihm gesagt hatte, daß sie sich gern von mir verabschieden möchte. Voller Herzlichkeit schaute sie, die ebenso unglücklich wie Herr Borchard in ihrer Stellung war, mich an: ,, Herbermann, Sie haben es verdient!" Und die Tränen liefen ihr über das mütterliche, liebe Gesicht. In schwersten Stunden hatte sie zu mir gestanden. Damals, als ich in das Haus des Todes abgeführt wurde, hatte sie sich für mich beim Kommandanten Kögel, der Bestie in Person, einzusetzen gewagt, wozu schon viel Mut gehörte. Diese Aufseherin war gut, wie keine zweite, mit der ich in meiner langen Haftzeit zusammen gekommen bin. ,, Wenn einmal eine andere Zeit ist", meinte sie ,,, dann müssen Sie mich in Bremen besuchen." Sie gehörte nicht in ein Konzentrationslager. Seelisch litt sie wegen der Grausamkeiten und Ungerechtigkeiten, die man hier an hilflosen Frauen ausführte, entsetzlich. Von diesen zwei edlen Menschen, in deren Herzen ich schauen durfte und derer ich stets in Dankbarkeit gedenken werde, war nun Abschied genommen und die Formalitäten allesamt erledigt. Bis zur Abfahrt unseres Zuges hatten wir noch zwei Stunden Zeit. Von einer Aufseherin wurden wir in den berüchtigten Zellenbau gebracht, wo wir in einem allerdings hellen Raum unsere letzten zwei Stunden verbrachten. Und noch einmal stand die schwerste Zeit meines Lebens, die Dunkelarrestzeit, lebendig an diesem Orte in mir auf. O, diese acht Tage und acht Nächte grenzenloser Qual, unsäglichen Grauens und letzter Verlassenheit. 190 Doch wir ja und da diesen Stöhne konnte die wi geschl toben, letzter heit. noch H hören Um Mensc kleine kannte mich, Und a sie bi sagen viellei war g nicht zahler Geld nichts unsere werde gab, d End immer lassun ihr V hätte getan Da br lich icht an mei sind, dann hard, de es, das ich mich tief be ing beschä Herrn Bor hrte er mich Aufseherin ch gern von keit schaute rchard i Sie haben es das mütter hatte sie zu s des Todes im Komman zusetzen ge e Aufseheri meiner lange einmal eine Sie mich in n Konzentra Grausamkeiten flosen Frauen en Herzen ich arkeit geden und die For fahrt unseres t. Von einer ten Zellenbau Raum unsere noch einmal die Dunkel auf. O, diese Qual, unsa Doch weg mit solchen Gedanken. In kurzer Zeit waren wir ja erlöst. Ich wollte mich freuen in dieser Stunde und dankbar sein für soviel sichtbare Gnade, die ich in diesen Jahren an mir erfahren hatte. Da drang das Stöhnen der Ärmsten wieder neu an mein Ohr und ich konnte mich nicht recht freuen. Ich stellte sie mir vor, die wie die Tiere erbärmlich, frierend, angsterfüllt, wund geschlagen in ihren Zellen lagen. Die Irren hörte ich toben, singen herzzerreißend singen. Ja, das war mein letzter Eindruck, den ich zitternd mitnahm in die Freiheit. Arme, arme Menschenkinder! Das alles brennt mir noch heute in der Seele und wird auch nicht mehr aufhören zu brennen. - Um mich abzulenken und mich einmal wieder als Mensch zu sehen, nahm ich aus meiner Tasche einen kleinen Handspiegel und betrachtete mich lange; ich kannte mich kaum selber wieder. Meine Kameradin bat mich, auch einmal in den Spiegel schauen zu dürfen. Und als sie ihren geschorenen Kopf musterte, da begann sie bitterlich zu weinen. ,, Was wird meine Mutter sagen?" ,, Die wird Dich genau so liebhaben wie vorher, vielleicht noch viel mehr!" antwortete ich ihr, und sie war getröstet. Ganz scheu gestand sie mir dann, daß sie nicht Reisegeld genug habe, um die Fahrt überhaupt bezahlen zu können. Mir war im Laufe der Jahre manches Geld geschickt worden, mit dem wir aber im Lager nichts anfangen konnten, obwohl es auf dem Kopf aller unserer Briefbogen hieß: ,, Im Lager kann alles gekauft werden", sodaß ich von Herzen gern diesem Kind mitgab, damit sie nur schnellstens zur Mutter zurückkomme. Endlich kam dann die Aufseherin Gallinat, die ja immer gesagt hatte, sie wolle mich im Falle meiner Entlassung zum Bahnhof begleiten. Und sie hielt wirklich ihr Versprechen, auf das ich wenig Wert legte. So gern hätte ich den Schritt in die Freiheit allein, ganz allein getan. Denn den Weg in die Freiheit findet ein jeder. Da brauchte und wünschte man keine Begleitung, namentlich keine solche. 191 Ich empfand ihre Gegenwart als störend und belastend in dieser Stunde, am Vormittag des 19. März| 943, am Feste des hl. Josef, zu dem ich all die schwere Zeit hindurch täglich inbrünstig gebetet hatte. Freiheit! Freiheit! Nachdem ich zum letzten Mal die Torwache des Lagers passiert und den unheimlichen, mehr als haus- hohen Mauern für immer den Rücken gekehrt hatte, tat ich den tiefsten Atemzug meines ganzen Lebens, schaute mich noch einmal, ein einziges Mal noch, um. Meine Augen glitten die Mauern entlang, auf und nieder, und lange, sehr lange konnte ich mich von diesem Anblick, der noch einmal alles Erlebte in mir wachrief, nicht lösen. Großer Gott, ich lobe Dich! So wie der erste Zwang der letzte Atemzug einer freien Seele ist, so ist der erste Atemzug einer neu geschenkten Freiheit wie eine Auferstehung von den Toten, der Beginn einer„vita nuova“, eines neuen Lebens. Und in diesem Augenblick erfuhr ich in dem beglückenden Zustand meiner Freiheit ganz neu und ganz anders die Bedeutung des Wortes Leben. Eingesperrt sein! Welche Empfindungen hatte das in mir wachgerufen! Diese schreckliche, Geist und Körper lähmende Empfindung war es, die mich bei meinem raschen Temperament oft zu Wutanfällen, ja zur Ver- zweiflung hätte treiben können. Doch ich wußte ja, daß Zorn und Verzweiflung nichts halfen. Da hieß es, die Vernunft anrufen, die so viele in dieser Lage ganz vel- loren hatten, und sich ins Unvermeidliche zu fügen. Und ich hatte selbst in der Gefangenschaft einen Reichtum, meinen Glauben und mein Gottvertrauen, und habe ihn mir mit Gottes Gnade durch die verzweifeltesten Stun- den hindurch bewahrt. Ich wußte um den Sinn des Lei- dens. So nur konnte ich still und ergeben werden, wenn auch bis in die Träume hinein sich oft die Qual meiner Lage hineingeschlichen hat. Wochen schlief ich im KZ 192 | | \ \ Sch quä wer We so| Fre und zuf 1} | kaı lin uns rot 200 sch ı aus Kir | Mi and belastend ärz 1943, die schwere te. orwache des ehr als hausehrt hatte, tat bens, schaute , um. Meine d nieder, und esem Anblick achrief, nicht wie der erste ele ist, so ist Freiheit wie nn einer ,, vita em Augenblick meiner Freiheit g des Wortes hatte das in st und Körper bei meinem , ja zur Ver wußte ja, daß a hieß es, die Lage ganz ver zu fügen. Und nen Reichtum und habe ihn feltesten Stun Sinn des Lei werden, wenn e Qual meiner lief ich im KZ überhaupt nicht. Und fand ich schließlich doch den Schlaf, dann suchten die Träume mich auf, um mich zu quälen, zu stacheln, um mich aus dem Gleichgewicht zu werfen. Am frühen Morgen lag dann unergründliche Wehmut und Trauer um die verlorene Freiheit über dem so schwer geprüften Herzen. Aber nun hatte ich diese Freiheit wieder, dieses köstliche Geschenk des Himmels, und verstand es doch gar nicht recht, mich in sie hineinzufinden. Nach Hause.. Nach ungefähr einer Stunde waren wir am Bahnhof Fürstenberg angekommen und lösten unsere Fahrkarten. Ich telegraphierte meiner Schwägerin nach Berlin. Alles gaffte uns an, denn die Aufseherin war ja bei uns, der man ansah, woher sie kam. Auch meine kleine, rothaarige, geschorene Begleiterin, die ohne Hut war, zog die Blicke an sich. Und die Fürstenberger wußten schon: da konnte es sich nur um entlassene Häftlinge aus dem Konzentrationslager handeln. Endlich kam der Zug. Hinein in die Polsterklasse! Kinder, mit welchen Gefühlen! Leben! Leben! Das rote Mädchen saẞ glückselig neben mir. Ich hatte sie für die Fahrt bis Berlin dazu eingeladen. Aber uns ging der D- Zug viel zu langsam, viel zu langsam. Für solche Fälle müßte im zwanzigsten Jahrhundert eigentlich ein Flugzeug bereitstehen, dachte ich mir. Und die Sonne schien an diesem Tage wohltuend und warm, der Himmel war tief blau, kein Lüftchen regte sich. Vom Abteilfenster aus sah ich schon die ersten Frühlingsboten. Daß es so etwas auch noch gab auf dieser Welt! In dem weiten, blauen Raum über uns erblickte ich einen Vogel, dann noch einen, und betrachtete lange ihren Flug. Jetzt flatterten sie über den See, dann wieder über einen kleinen Wald. Ja, ihr Vöglein, ihr habt das Herrlichste, was es im Leben gibt, die Freiheit! Wieviel arme, der Freiheit grausam beraubte Men13 Herbermann, Der gesegnete Abgrund 193 schen in Gefängnissen, Zuchthäusern und Konzentra- tionslagern beneiden euch. Ich empfand aufs neue den B Kummer über alle meine Mitgefangenen, die ich an die- P sem Morgen in der Hölle hatte zurücklassen müssen.! n Auf einer kleinen Station stieg eine junge Frau mit| d einem Kind zu uns ins Abteil. Wie lange hatte ich kein Eis: Kind mehr gesehen?! Immer und immer wieder mußte"|, ich es anschauen und die Tränen gewaltsam zurückhal- h ten. Lange hatte ich mit keinem Kind mehr gespielt oder h, gesprochen, kein kleines Wesen mehr auf meinem Arm H h. gehabt wie in früheren Jahren so oft in den vielen Fami-" lien meiner Geschwister. Aber nun sollte ich das ja auch k wieder haben. Endlich waren wir in Berlin, wo mein Bruder Heinz, den ich im Osten vermutete, mich auf dem fe Bahnsteig in Empfang nahm. Er befand sich auf einer. Dienstreise in Berlin und hatte von meiner Entlassung: und meinem Eintreffen in Berlin durch mein Tele- a gramm erfahren, das ich an seine Frau vom Fürstenber- E ger Postamt aus gesandt hatte. Brüderlich und tiefbewegt F begrüßte er mich. Wir brachten dann noch meine kleine Begleiterin, die d in Berlin umsteigen mußte und sich in dem Getummel 5 nicht allein zurechtfinden konnte, auf den betreffenden q N Bahnsteig, und es freute mich, einem Mithäftling den letzten Liebesdienst erweisen zu können. N Zwei harmonische Tage verbrachte ich nun in Ber LTD bei meinen Lieben, die mich mit viel Sorge und Güte umhegten. Sowohl mein Bruder als auch meine Schwä-! gerin und meine älteste in Berlin lebende Schwester|: überschütteten mich mit Liebe, die ich fast nicht ertra-} a | | gen konnte; denn ich war sie ja gar nicht mehr gewohnt. Ich mußte sie erst wieder ertragen lernen, war ich doch allzu weit von der Liebe entfernt gewesen. Ich liebte sie alle mehr als je, die so viel um mich gelitten hatten. Der Mutter in Soest und dem ältesten Bruder in Münster hatte ich von Berlin aus telegraphisch| Mitteilung von meiner Entlassung zukommen lassen und| 194 Konzentrafs neue den ich an diemüssen. ge Frau mit atte ich kein ieder mußte mzurückhalgespielt oder meinem Arm vielen Famidas ja auch mein Bruder ich auf dem ch auf einer er Entlassung mein TeleFürstenbernd tiefbewegt gleiterin, die em Getummel betreffenden chäftling den n in Berlin ge und Güte meine Schwäde Schwester t nicht ertramehr gewohnt. war ich doch Ich liebte sie ten hatten. en Bruder in telegraphisch en lassen und ihnen die Zeit meiner Ankunft in Münster mitgeteilt. Wie erstaunt war ich, als ich abends spät in Hamm eintraf, meine Lieben mit Blumen beladen am Bahnhof zu sehen: Die kranke Mutter, den ältesten Bruder, die kleine Schwester, die Schwägerin, deren Eltern und Bruder und meine beiden ältesten Neffen! Solches Wiedersehen läßt sich nicht beschreiben. Wir waren überglücklich. Nun hatten wir uns alle doch endlich wieder, woran wir manchmal nicht mehr hatten glauben können. Wohl hatten sie mit meiner Asche gerechnet, die die Angehörigen eines im Konzentrationslager verstorbenen Häftlings sich für eine Gebühr von fünf Mark senden lassen konnten. Bei den Eltern meiner Schwägerin Annelies war ein festlicher Tisch gedeckt, genau so, wie ich ihn mir in manchen Stunden vorgestellt hatte, mich dabei fragend, ob ich das jemals noch erleben werde. Und doch schien alles mir wie ein Traum. Ich konnte die Wirklichkeit noch nicht begreifen und glühte vor Erregung und Freude. In der gleichen Nacht ging es dann mit der Mutter, dem ältesten Bruder und den Neffen weiter nach Münster. Nun brauchte ich die geliebte Heimat nicht mehr aus weiter, schmerzlicher Ferne zu grüßen, ich durfte sie wiedersehen und erleben. Am Bahnhof stand die Frau meines Bruders. Meine ganze große Familie, soweit sie erreichbar war, nahm Anteil an meiner Heimkehr. Auf diesem nächtlichen Weg zur Wohnung meines Bruders fragte ich ihn, warum wir denn nicht in meine eigene Wohnung gingen? Meinen Angehörigen tat diese Frage sichtlich weh. Nachdem sie eine zeitlang schwiegen, eröffnete mir der Bruder, daß meine Wohnung bereits im Sommer 1941 beschlagnahmt worden sei und daß fremde Menschen nun darin hausten. Und ich hatte mir dieses eigene Heim so ganz persönlich eingerichtet, selbst Stück für Stück in harter Arbeit erworben. Es traf mich diese Nachricht, mit der ich so gar nicht gerechnet hatte, bitter, sogar sehr bitter. Aber in dem beseligenden 13* 195 Bewußtsein der Freiheit nahm ich diese Enttäuschung tapfer hin. Meine Angehörigen hatten mir in ihrer Wohnung ein großes Zimmer fürsorglich und nett eingerichtet, für das ich sehr dankbar war. Als wir uns früh am Morgen zur Ruhe legten, fühlte ich mich unendlich reich, und ich wußte, daß ich nun wirklich ganz heimgekehrt war. u e n D h S Noch einmal Gestapo Bei meiner Entlassung hatte man mir auf der Politischen Abteilung des Konzentrationslagers erklärt, daß ich mich nach meiner Ankunft in Münster sofort bei der Geheimen Staatspolizei zu melden habe. Am 22. März 1943 machte ich also befehlsgemäß den letzten, schweren Gang zur Gutenbergstraße, in das Haus, in dem ich so vielen schrecklichen Verhören ausgesetzt gewesen war und so viele Stunden der Qual durchlebt hatte. Unten beim Portier mußte ich meinen Namen eintragen und angeben, wen ich zu sprechen wünsche und in welcher Angelegenheit. Dann wurde die genaue Minute meiner Ankunft notiert und nachher die genaue Minute meines Gehens. Wie vorsichtig doch diese Herren und Handlanger Himmlers schon damals waren, wie unsicher sie sich fühlen mußten, wenn schon solche Anordnungen getroffen wurden! Ich stieg die vielen Stufen hinauf und klopfte an das mir so gut bekannte Zimmer. Als ich eintrat, rief mir der Herr Dehm wahrhaftig entgegen: ,, Da ist ja unsere Nanda wieder!" Ich war über diese Frechheit reichlich erstaunt und antwortete eisig: ,, Ich bin für Sie nicht ,, Nanda", sondern nach wie vor Fräulein Herbermann!" Da meinte er noch, warum ich denn so kühl sei, ich sei doch jetzt wieder frei. ,, O", sagte ich ,,, erinnern Sie sich nicht, Herr Dehm, wie gerade Sie mir beim letzten Verhör erklärten, Sie seien durch alle diese Verhöre, auf die Sie so viel kostbare Zeit verwandt hätten, nicht klüger geworden als am ersten Tag? Und daß ich Ihnen darauf entgegnet habe, daß Sie durch mich, 196 V I t I H mttäuschung ihrer WohEt eingerichans früh am ndlich reich, heimgekehrt fder Politierklärt, daß I sofort bei be. Am 22. den letzten, as Haus, in mausgesetzt al durchlebt amen eintrasche und in naue Minute naue Minute Herren und wie unsicher Anordnungen Stufen hinauf mer. Als ich tig entgegen: r über diese e eisig:„ Ich wie vor Fräurum ich denn ,, O", sagte ie gerade Sie en durch alle Zeit verwandt en Tag? Und e durch mich, und wenn Sie mich hundert Jahre lang verhörten und einsperrten, niemals klüger werden könnten, daß ich niemals Verräter spielen würde...?! Wenn Sie nicht mehr wissen sollten, was Sie mir darauf geantwortet haben, ich jedenfalls habe es nicht vergessen..: ,, Sie kommen dort hin, wohin Sie gehören. Dafür werde ich sorgen!" Und Sie haben gut dafür gesorgt'... - Hin und her ging die Rede an diesem Morgen. Sie wagten sogar, Fragen wegen der Einrichtungen und Vorgänge im Konzentrationslager an mich zu stellen, was mir wohl wieder eine Falle sein sollte. Ich aber schwieg. Wenn irgend jemand in Deutschland über Konzentrationslager genau im Bilde war, dann waren es die Herren der Gestapo und SS und eben die Menschen, die in Konzentrationslagern gelitten und gedarbt hatten. Die große Menge der andern wußte und hörte kaum Näheres darüber. Es kamen noch verschiedene Beamte und Angestellte hinzu, wahrscheinlich aus purer Neugierde, um einmal einen entlassenen Häftling zu sehen. Und an diesem Tage war es auch, an dem sie mir erklärten, daß mein Haftbefehl gelautet hätte ,, bis ein Jahr nach Beendigung des Krieges". - Ganz zuletzt, als ich schon zum Gehen bereit war, kam noch ein SS- Hauptsturmführer, der mich freundschaftlichst begrüßte, den ich aber nie vorher gesehen hatte. Er meinte, mir auf die Schultern klopfend ich zuckte unter dieser Berührung zusammen-: ,, Eine Frau wie Sie können wir hier gut gebrauchen. Was meinen Sie dazu? Sie kennen doch den Bischof und die ganzen Pfaffen hier!" Aha, daher die Freundlichkeit! Ich sollte auch noch Spitzel für sie spielen! Er legte mir nahe, aus der Kirche auszutreten, den ,, ganzen konfessionellen Kram" hinter mir zu lassen, dann sei ich eine ,, gemachte Frau". Ich konnte es nicht begreifen, daß sie es überhaupt wagten, mir, von der sie zur Genüge wußten, daß ich meiner Fahne niemals untreu würde, solches Angebot zu machen. Im gleichen Augenblick verabschiedete ich mich mit den Worten: ,, Ich bin katholisch ins Lager gegangen 197 und bin noch katholischer herausgekommen." Hier konnte ich nicht mehr atmen. ged Ausklang Es war nach diesem Vormittag besonders wohltuend, daß ich am Nachmittag des gleichen Tages das Wiedersehen mit meinem väterlichen Priesterfreunde Prof. Dr. Donders erleben durfte. So viele edle Freunde waren, als ich heimkehrte, nicht mehr unter den Lebenden.... Ich konnte nur noch an ihren Gräbern weilen, die inzwischen durch Bombenangriffe zerschmettert sind. Aber den bewährtesten aller von ihnen, der sich in Sorge aufgezehrt und mein Schicksal aus der Ferne tief mit mir getragen hatte, ihm durfte ich doch auf dieser Erde wiederbegegnen, wofür ich Gottes Güte noch heute preise. Es war mir dieses Wiedersehen eines der tiefsten Freuden. Am Sonntag, dem 4. April, hielt der edle Priester ein Dankhochamt für meine wiedererlangte Freiheit im jetzt so arg zerstörten Dom von Münster. Am 9. August 1944 hat Gott seinen unermüdlichen, sich in Sorge und Leid ganz aufgezehrten Diener heimgeholt in den ewigen Frieden. Wenn wir lange Zeit hindurch von allem, was zu uns gehört, von Verwandten und Freunden, von Hab und Gut, von lieben Gewohnheiten, Neigungen und täglich gewohnten Pflichten und Beschäftigungen getrennt gewesen sind, namentlich wenn brutale Gewalt uns von ihnen ferngehalten hat, wie wächst dann mit jeder Stunde das Verlangen, das so lange und bitter Entbehrte wieder zu uns zu ziehen, von ihm Besitz zu ergreifen kosten wir diese ersten Herzschläge der Freiheit aus! Du bist frei, frei, hast wieder, was zu dir gehört! Jubelnd empfindet es das Herz. - einn wied über war war sich übe noc wel Got lich auch den sich den ein im Idea hatt stär war um I nig ein den an mu hin grö wie win Glu aud len Wenn dann aber dieser überwältigende Augenblick der Freiheit und des neugewordenen Besitzes gekommen ist, wenn wir den ersten Sonnenstrahl des wiedergeschenkten Glückes warm empfinden und Hände und Herz unsol Da Sch wie 198 en." Hier wohltuend, as Wiedere Prof. Dr. nde waren, enden.... en, die insind. Aber Sorge aufef mit mir Erde wieeute preise. fsten Freule Priester Freiheit im 9. August Sorge und den ewigen was zu uns Hab und und täglich etrennt gealt uns von jeder Stunde ehrte wieder ifen wie eit aus! Du rt! Jubelnd genblick der kommen ist, Mergeschenkand Herz un- - geduldig nach ihnen ausstrecken, wie plötzlich ist da auf einmal alle Begeisterung, alles übermächtige Empfinden wieder verschwunden. Wie kommt das? War die Freude überschwänglich? Waren wir undankbar? War die Erwartung übertrieben? Bei uns im Konzentrationslager war es so, daß das phantastische Träumen, in dem man sich der Sehnsucht nach der Freiheit hingab, wirklich übertrieben war. Wohl alle jahrelang Eingesperrten, dazu noch gemarterten Gefangenen, übertreiben natürlicherweise den wahren Begriff der wirklichen Freiheit. Weiß Gott, sie ist gewiß das kostbarste Geschenk des natürlichen Lebens doch aus Wirklichkeiten, wenn man auch selber nicht mehr in ihnen lebt, sondern an Händen und Füßen, an Geist und Seele gefesselt ist, soll man sich kein Phantasiegebilde schaffen. In unserm grübelnden Elend war uns die schlichteste Dienstmagd oder die einfachste Fabrikarbeiterin wie eine Königin erschienen, im Vergleich zu unserer Lage galten sie uns fast als das Ideal der Freiheit. Sie trugen keine Sträflingskleidung, hatten keine geschorenen Köpfe, befanden sich nicht in ständiger Begleitung von SS, Aufseherinnen und Hunden, waren nicht stündlich von diesem Grauen, dieser Qual umgeben, konnten sich frei bewegen, frei atmen. In der ersten Zeit der wiedererlangten Freiheit peinigte mich mein eigenes Wesen sehr. Aber wer kann ein Herz ergründen, das nach langem Leiden, nach ein dem Tode gleichen Dasein, sich erst wieder an die Liebe, an die Freude, an die Welt voller Schönheit gewöhnen muß! Ich konnte meine Freude nicht mehr nach außen hin ausdrücken, hatte es einfach verlernt. So wie der größte Schmerz meist stumm ist und still durchlitten wird, so wird auch die größte Freude und das größte Glück nach tiefstem Leid ähnlich getragen. Spricht nicht auch der Urheber allen Glücks und aller Freude im Stillen zu unserer Seele? Und wir verstehen ihn doch in solchen Augenblicken. So erheben sich Freude und Dankbarkeit in diesen Stunden am besten zu ihrem Schöpfer in stillem Dank. Und für wieviel Treue, für wieviel Gnade mußte ich Gott danken! Nein, er verläßt 199 die Seinen nicht.... Ich habe es an mir erfahren dürfen, daß die ,, Not niemals größer ist als der Helfer", wie es so trefflich in der zweiten Strophe des von mir oft in diesen Jahren still gesummten Liedes heißt: ,, Harre, meine Seele, harre des Herrn, alles ihm befehle, hilft er doch so gern. Sei unverzagt, bald der Morgen tagt, und ein neuer Frühling folgt dem Winter nach. In allen Stürmen, in aller Not Wird er dich beschirmen der treue Gott. - Harre, meine Seele, harre des Herrn, alles ihm befehle, hilft er doch so gern. Wenn alles bricht, Gott verläßt uns nicht, größer als der Helfer, ist die Ewige Treue, Retter in Not, Not ja nicht. rett' auch unsre Seele, du treuer Gott...". m d h d A g T 1 Π S U U Schlußwort ,, Tränen, wie du sie weintest, hat nie ein Volk geweint; in solchen Todesjammer ward nie ein Volk versteint Ernst von Wildenbruch. Als Begründung meiner Verhaftung steht auf dem roten Schutzhaftbefehl, der sich in meinen Händen befindet, Folgendes: ,, Sie gefährdet nach dem Ergebnis der staatspolizeilichen Feststellungen durch ihr Verhalten den Bestand und die Sicherheit des Volkes und Staates, indem sie durch ihre staatsfeindliche Betätigung und Zusammenarbeit mit einem der entschiedensten und schärfsten Gegner des Nationalsozialistischen Staates die Interessen des Reiches auf das Schwerste schädigt. gez. Heydrich." Dieses Dokument gehört schon als Beweis der ungeheuren Verantwortungslosigkeit, mit der die Gestapo arbeitet, mit in dieses Buch hinein. Ich habe im Anfang 200 Fahren dürHelfer", wie mir oft in e nach. Ott. icht. intest, Ceint...". Wildenbruch. f dem roten en befindet, taatspolizeiden Bestand indem sie Zusammenärfsten Gegteressen des eydrich." s der ungedie Gestapo e im Anfang meiner Ausführungen erklärt, warum ich verhaftet worden bin und was allein zu meiner Verhaftung geführt hat. Diese Begründung der Gestapo, die durchaus nicht den Tatsachen entspricht, ist eine gänzlich erfundene Anklage gegen mich, die ich einem Menschen und Emigranten auch über die Grenzen Deutschlands hinaus die Treue hielt. Treue und Schweigen war meine ganze Schuld. Warum nun veröffentliche ich dieses Buch, das wirklich mit Herzblut geschrieben ist? Ich beabsichtige damit, das Leben, das einem Schutzhäftling der Geheimen Staatspolizei und SS im Dritten Reich in Gefängnissen und Konzentrationslagern zugemutet wurde, so objektiv und wahrheitsgetreu darzustellen, daß der Leser sich ein klares Bild dieses Höllenlebens machen kann. Aber noch ein Zweites und Hauptsächlichstes bezwecke ich mit der Herausgabe dieser Aufzeichnungen: Es wird jetzt von vielen Seiten das ganze deutsche Volk für die furchtbaren und schändlichen Geschehen in den Konzentrationslagern verantwortlich gemacht. Das ist nicht recht. Ich will hier nicht zu Gericht sitzen und urteilen; aber gut wäre es, wenn ein Jeder, der dieses Buch gelesen hat, einmal in sich ginge und sein Gewissen ernstlich erforschte. Wer kein Blut an den Händen hat, möge mit uns, die wir dieses Grauen am eigenen Leibe und in eigener Seele erlebten und erlitten, die noch vorhandenen Kräfte dazu gebrauchen, daß unser Deutschland wieder in Ehren auflebe, in dem wir dann endlich wieder geborgen und zu Hause sein können, daß es uns wieder ein Vaterland werde, die wir in den letzten zwölf Jahren so heimatlos und stets verfolgt und bespitzelt im eigenen Vaterland umhergewandert sind. Und wir wollen gutzumachen versuchen, was in Deutschland an Deutschen und an Hunderttausenden von unschuldigen Ausländern an Grausigem, Gemeinem, an Mord und himmelschreiender Ungerechtigkeit geschehen ist. Wir, die Überlebenden, haben. diese heilige Pflicht, auch die Pflicht der Sühne vor Gott und Welt. Das eine bleibt wahr, und die Welt wird es 201 nach unserer Sühnezeit auch einsehen lernen: Man darf und kann die Deutschen als Volk nicht einfach gleich- : setzen mit diesen Naziverbrechern. Schließen möchte ich dieses Buch mit dem Auszug eines Artikels von Ernst Wiechert, der am 2. Okto- ber 1945 im„Hannover'schen Kurier‘ erschienen ist: „Da stehen wir nun vor dem verlassenen Haus und sehen die ewigen Sterne über den Trümmern der Erde funkeln oder hören den Regen herabrauschen auf die Gräber der Toten und auf das Grab eines Zeitalters. So allein, wie niemals ein Volk allein war auf dieser Erde und gebrandmarkt, wie niemals ein Volk gebrandmarkt war. Erinnert euch des Vogels im Märchen, der alle tau- send Jahre kommt, um ein Körnchen aus dem Demant- berge zu brechen. Erinnert euch daran, was vor euch steht und daß es in der ganzen Weltgeschichte niemals eine größere Aufgabe gegeben hat als die eurige, das Blut eines Volkes zu erneuern und die Schande von dem Gesicht eines ganzen Volkes abzuwischen. Glaubt nicht an die jahrtausendalte Lüge, daß Schande mit Blut ab- gewaschen wurde, sondern an die junge Wahrheit, daß Schande nur mit Ehre abgewaschen werden kann, mit Buße, mit Verwandlung, mit dem Wort des verlorenen Sohne:„Vater, ich habe gesündigt, ich will hinfort nicht mehr sündigen.” Klagt nicht, daß wir barfuß gehen werden, daß wir hungern werden, daß der Richter über uns sitzen wird bei Tage und bei Nacht. Blickt dem Schicksal in die Augen, wie die Märtyrer der Lager es getan haben. Ist es nicht ein schönes Los, das uns zugefallen ist, und können wir nicht fröhlichen Herzens sein, wenn wir uns auf den Weg machen? Und hier an dieser Stelle laßt mich euch noch eines bitten, das Letzte und viel- leicht das Schwerste. In der Zeit, die kommen wird, werden vielleicht einige sein unter denen, die zwölf Jahre lang gesündigt haben, nicht unter den Henkern und Mördern, aber unter denen, die„Hosianna‘ gerufen 202 randmarkt alle tau- ı Demant- vor euch daß wir itzen wird ‚ser Stelle und viel- men wird, die zwölf , Henke a gerufen haben, deren blinde Augen sich auftun werden; und und wenn ihr glaubt, daß ihre Herzen neu geworden sind, stoßt sie nicht zurück. Wir haben alle gefehlt, und es kommt uns nicht zu, zu richten.“ Wenn wir dann alle so geläutert und einsichtig gewor- den sind, wird auch Gott uns wieder die Zeit bescheren, in der wir Deutsche würdig und anerkannt vor die Län- der der Welt treten können mit unserm alten, schönen Lied, das kaum jemals in den letzten zwölf Jahren in Deutschland erklungen ist: „O Deutschland, hoch in Ehren, Du heil’ges Land der Treu!.... Anmerkung Die Namen der Häftlinge, mit Ausnahme derer, über die ich nur Positives zu berichten hatte, sind sämtlich geändert worden. Die Namen der Kommandanten, der übrigen Leitung des Konzentrationslagers und der Auf- seherinnen, soweit sie erwähnt sind, wurden beibehalten. Zu den Bildern Die beiden Skizzen wurden von einer jungen Polin Marischa, auf deren Hausnamen ich mich leider nicht mehr entsinnen kann, im Lager gezeichnet und mir von ihr geschenkt. Sie sprechen für sich. 203 GLOCK UND LUTZ NURNBERG BAMBERG PASSAU Verlagsprogramm 205 GLOCKUND LUTZ VERTEBS NURNBERG- BAMBERG» PASSESE Die älteren Verlagswerke sind vergriffen»- Die Einzel- titel nachstehenden Produktionsprogrammes 1946/47 er- scheinen in gewissen Abständen nacheinander. Die Besinnung Zweimonatsschrift Herausgegeben von Karl Borromäus Glock- Schriftleitung: Dr. Wal- ther Weidner und Dr. Johanna Schomerus-Wagner+ Mitarbeiter: Gertrud Bäumer, Theodor Steinbüchel, Werner Leibbrand, Anton Mayer-Pfannholz, Richard Egenter, Wilhelm Hausenstein, Karl August Meissinger, Hans Pfeil, Heinz Fleckenstein, Matthias Laros u.a. m. Erscheinen ab April 1946. Nanda Herbermann Der gesegnete Abgrund Ein erschütternder KZ.-Bericht aus den Jahren 1941—44.» Die Pri- vatsekretärin und engste Mitarbeiterin von P. Friedrich Muckermann S.J. schildert in diesem Werk den Leidens- und Läuterungsweg, den sie für P. Muckermann im KZ. angetreten hat. Rosetraud Dellermann Bärbel erlebt das alte Nürnberg Ein Jugendbuch mit Textbildern und farbigen Einschalttafeln Bärbel wird nächtlich von ihrem Traumengel besucht und durchwandert mit ihm den Reichtum der Geschichte, des Volkslebens und der Episo- den— vor allem aus der katholischen Tradition der alten Reichsstadt. Spruchblätter und Graphik REINHARD JOHANNES SORGE Herr, wie du willst... OTTO MILLER Denn wir o Gott... SANKT HEINRICHS-Patrons-Spruchblatt für die männ- liche Jugend SANKT KUNIGUND-Patrons-Spruchblatt für die weib- liche Jugend ERSTKOMMUNION-Andenken(von Akademieprofessor Richard Schwarzkopf) 206 LAG SSAU inzel7 erI. T. Walrbeiter: Anton August u. a. m. Die Priermann eg, den rg - Bärbel dert mit Episohsstadt. I st... männweibofessor GLOCK UND LUTZ VERLAG NURNBERG BAMBERG PASSAU • Görres- Bibliothek • Begründet und herausgegeben von Karl Borromäus Glock Schriftleitung: Dr. Walther Weidner 1 JOSEPH GORRES Denkschrift in Vorbereitung auf seinen 100. Todestag im Jahre 1948 2 Martin Deutinger VON GOTT UND DER SCHOPFUNG 3 Richard Egenter WARUM TUN WIR DAS GUTE? 4 Werner Leibbrand HOMINES BONAE VOLUNTATIS • • ( Pythagoreer Empedokles Plato Die Wegbereiter zu Christus 5 Gerhard Kroll Aristotoles) DER VERBORGENE GOTT Grundfragen des religiösen Daseins 6/10 Paul Wilpert SCHULE DER WEISHEIT Geschichte der Philosophie und des Philosophierens 11 Erich Przy wara S. J. KLEINE ANTHROPOLOGIE 207 GLOCK UND LUTZ VERLAG • NURNBERG BAMBERG PASSAU GL NU 12 Martin Grabmann THOMAS VON AQUIN Leben und Lehre in den Grundgedanken dargestellt 13 Theodor Steinbüchel GRUNDFRAGEN ZEITGENÖSSISCHER THEOLOGIE 14/15 Rudolf Zinecker DIE EUROPÄISCHE KRISIS DER LETZTEN HUNDERT JAHRE und die Grundlagen ihrer Ueberwindung 16 Anton Mayer- Pfannholz GROSSE HEILIGE DES DEUTSCHEN MITTELALTERS 17/19 Günther Reubel DER WERDEGANG DES CHRISTLICHEN ABENDLANDES Begegnung von Christentum und Antike 20 BLUTZEUGEN DER KIRCHE IM XX. JAHRHUNDERT Lebensbilder und Vorbilder 21 Alfons Fleischmann DER JUNGE CHRIST Reden und Ansprachen 208 14 LAG SSAU GLOCK UND LUTZ VERLAG NURNBERG BAMBERG PASSAU • M N stellt OGIE LTERS NDERT 22 Rudolf Graber VOLLENDUNG DER WELT IN DER ENDZEIT 23 CANON DER POESIE Stimmen der Jahrhunderte über das Wesen der Poesie 24 KAISER HEINRICH II. Denkschrift anläßlich der 800jährigen Wiederkehr seiner Heiligsprechung 25. Michael Schmaus DAS KREUZ DAS GESETZ DER GESCHICHTE 26 Arthur Kreiner STILLE LEUCHTE Das Leben des Dichters und Kanzlers Knorr von Rosenroth 27 Karl Pfändtner WESEN UND WÜRDE DES WORTES 28 Heinz Brenner GEBETEGEDICHTE 29 Walther Weidner DIENENDE GESTALT Anthologie neuer deutscher Lyrik. Band I 30/31 Gebrüder Grimm AUSGEWÄHLTE MÄRCHEN Herausgegeben von Walther Weidner 14 Herbermann, Der gesegnete Abgrund 209 DEURR N.BIER GG GLO.CK:UND LUTZ VERS DASS BAMBERG>» BASS A 32/33 Adalbert Stifter ERZÄHLUNGEN/ AUSWAHL Besorgt von Walther Weidner 34 Heinz Brenner ELEMENT UND GEFÜGE Gedichte 3a Annette v. Droste-Hülshoff GEDICHTE Herausgegeben von Johanna Schomerus 36 Clemens Brentano GEDICHTE Herausgegeben von Walther Weidner 37 Joh. Woltg., v’ Goerke SPRÜCHE/ AUS GOETHES LEBENSWEISHEIT Herausgegeben von Walther Weidner 38 ET A Hoffmann ERZÄHLUNGEN Herausgegeben von Johanna Schomerus 39 Heinz Fleckenstein CHRISTLICHE DEUTUNG UND ORDNUNG DER BEZIEHUNGEN ZWISCHEN DEN GESCHLECHTERN 40 P. Theophil. Lamm. S. B. AUFBAU DES LEBENS AUS DER SAKRAMENTALEN ORDNUNG LAG ASSAU HEIT DER HTERN GLOCK UND LUTZ VERLAG NURNBERG I BAMBERG PASSAU 14* Reden und Vorträge der Passauer Hochschule Herausgegeben von Rektor Dr. Anton Mayer- Pfannholz 1 Anton Mayer- Pfannholz DIE TRAGIK DES GOTISCHEN ZEITALTERS 2 Paul Wilpert WISSENSCHAFT UND WAHRHEIT 3 Josef Freundorfer DAS REICH GOTTES UND SEINE MENSCHLICHE VERWIRKLICHUNG 4 Franz Eser NATUR- UND GEISTESWISSENSCHAFT 5 Alois Winklhofer HOLDERLIN UND CHRISTUS Weitere Hefte in Vorbereitung 6 Dr. Oswald DAS KLASSISCHE JAHRHUNDERT DER ABENDLÄNDISCHEN KIRCHENGESCHICHTE * Görres- Lesebogen Lesebogen im Umfang von vier Seiten für Briefeinlage, Schriftenstand und kleine Zuwendungen 1 PASCAL Gebet an Gott um den heilsamen Gebrauch der Krankheiten 211