Schirmherrschaft: Land Thüringen Landesamt für Arbeit und Sozialfürsorge Opfer des Faschismus Udo Dietmar Häftling... X... in der Hölle auf Erden!" 1946 Thüringer Volksverlag G. m. b. H. Weimar Heike Duill Marianne Gross Breidensteiner Weg 74 60489 Frankfurt Tel. 069/7893368 Ladenpreis 2 RM zuzüglich 1 RM als Spende für die Opfer des Faschismus Genehmigt von der Sowjet- Militär- Administration, Weimar Alle Rechte, auch die der Verfilmung und Radioübertragung, sowie der Übersetzung in fremde Sprachen vom Verfasser vorbehalten Für die sowjetische Zone erscheint das Buch im Thüringer Volksverlag, G.m. b. H., Weimar Druck: Druckerei 1 hür. Volksverlag, G.m. b. H., Erfurt 022 G- 76007 Giessen 77008445 Den Opfern des Faschismus Dachau! Buchenwald! Mauthausen! - - Lublin! hausen! - - Bergen- Belsen! Natzweiler! Namen, die heute jeder kennt. - - Auschwitz! Neuengamme! Flossenbürg! - Namen, an denen Blut, unschuldiges Blut, klebt. - - - SachsenRavensbrück! Namen voller Mord, brutalen feigen Mordes an ungezählten Menschen, die nicht nationalsozialistisch waren. Namen, welche die schwerste Anklage, die je gegen ein Volk erhoben worden ist, verkörpern. Es sind die Namen der berüchtigsten Konzentrationslager, ohne die kleinen und größeren Nebenlager, wo Angehörige fast aller Nationen als dem Tode Geweihte hineinmarschierten, und viele, ungezählte viele, durch die Krematorien gingen und sich in Rauch und Asche auflösten. Es gibt keine Worte, es gibt keine Begriffe, die das unsägliche Leid aller dieser Menschen auszudrücken vermögen. Es gibt auch keine Worte und keine Begriffe, in denen man die Anklage gegen den Nationalsozialismus formulieren könnte. Der es mitgemacht hat, der, an dem nichts vorübergegangen ist, diese Grausamkeiten, diese Morde, der die Bestialitäten, von denen man nicht glauben könnte, daß sie jemals von Menschen hätten begangen werden können, selbst erlebt und gesehen hat, der kann nicht anders, als immer wieder mit lauter Stimme die Anklage in die Welt hinausschreien! Wenn ich heute diese Zeilen schreibe, will ich damit nicht die unzähligen Radioberichte wiederholen, die der Welt die erste Kunde von diesen Grausamkeiten vermittelten. Ich will als einer der überlebenden Zeugen in Wahrheit schildern, was sich in den Konzentrationslagern unter meinen Augen und an mir selbst vollzog. Dieses Buch soll mithelfen, die Menschheit, vor allem unser deutsches Volk, das wahre Gesicht des Nationalsozialismus erkennen zu lassen; ihnen die Augen zu öffnen, vor allem den Menschen, die gegenüber den Presse- und Radioberichten noch leise Zweifel hegen und sie eventuell mehr oder weniger als Propaganda ansehen und immer wieder fragen: ,, Sagen Sie, Sie sind doch selbst im Konzentrationslager gewesen. War denn das wirklich so furchtbar?" Besonders die ewig Gestrigen soll es wachrütteln, die vom Zeitgeschehen wenig berührt sind, die noch glauben, es wäre alles gut geworden, wenn Deutschland, das heißt der Nationalsozialismus, den Krieg gewonnen hätte. Dieses Buch wird all denen die Wahrheit sagen, welche die Irrlehren des 9 verbrecherischen Nationalsozialismus noch als unverdauten Kloẞ im Magen liegen haben. Es wird den mystischen Lügenschleier, der so vielen Menschen die Wahrheit verdeckt hat, zerreißen und dahinter die grauenhafte Fratze der nationalsozialistischen Wirklichkeit erkennen lassen. Die Wahrheit schmerzt, aber sie heilt alle, die sich von ihr heilen lassen wollen, denn dies Buch ist für jene geschrieben, die Menschen guten Willens sind. Dies Buch ist fernerhin geschrieben im Gedenken an meine 51 000 gemordeten Kameraden von Buchenwald, an die vielen Tausend und aber Tausend anderen gemordeten Kameraden von Dachau und Natzweiler, mit denen ich, Schulter an Schulter, Jahr für Jahr, den Weg des Grauens, der schier endlos schien, gegangen bin, die aber den Tag der Freiheit nicht erleben durften. Dieses Buch ist endlich geschrieben zur bleibenden Erinnerung an meine Kameraden aller Nationalitäten, die in kameradschaftlicher Verbundenheit und internationaler Solidarität, fest in unerschütterlichem Glauben an den Sieg der Gerechtigkeit und den Tag der Freiheit, im Kampf um Sein oder Nichtsein bis zur Erlösung aushalten durften. Denn es war nicht immer unser Verdienst, sondern oft Gnade des Schicksals, daß nicht der eine oder andere schon vorher den Weg allen Fleisches gegangen wäre, ehe der Tag der Erlösung kam. Euch, meine lieben Kameraden in der ganzen Welt, grüße ich. Mögen die Jahre erbitterten Ringens in internationaler Geschlossenheit um das nackte Leben uns als unauslöschliches Mahnmal für immer eingeprägt sein. Bleibt Kämpfer für die Gerechtigkeit als lebendige Zeugen der Grausamkeiten jener sadistischen Barbarei, der ihr im Konzentrationslager preisgegeben wart! Bleibt weiterhin Zeugen und Bekenner des reinen demokratischen Gedankens, der uns in diesen furchtbaren Jahren der Not beherrschte und einte in geschlossener Abwehr gegen nationalsozialistisches Verbrechertum! Wenn ich mich in diesem Buch nur auf die wesentlichen Erlebnisse meines Konzentrationslagerlebens beschränke und nicht auf alle Einzelheiten eingehen kann, die bedeutend mehr Raum in Anspruch nehmen und durch ihre stetige Wiederholung den Leser nur ermüden würden, so weiß ich, daß man mich auch ohnedies voll und ganz verstehen und in der Lage sein wird, das Gesamtbild klar in sich aufzunehmen. Die geschilderten Grausamkeiten sind oft so unfaẞbar, daß es kultivierten Menschen schwer fällt, an ihre Wirklichkeit zu glauben; dennoch bleiben sie Tatsachen. Der Reinerlös dieses Buches, das in allen Besatzungszonen innerhalb Deutschlands erscheint, wird den Opfern des Faschismus zufließen und für die um Wahrheit und Gerechtigkeit willen Verfolgten, in Konzentrationslagern durch Hitlerbarbarei existenzunfähig gewordenen Kameraden als zusätzliche Unterstützung Verwendung finden. Ich danke an dieser Stelle vor allem unseren alliierten Befreiern auf das herzlichste. Ich danke hier im Namen aller meiner Kameraden dem unbekannten alliierten Soldaten, der als überzeugter Kämpfer in selbstloser 10 Weis pest Lebe Ich hilfr bei werd Ich nale der Ich des Man So g io) Weise für Freiheit und Gerechtigkeit mit der Waffe in der Hand der Nazi- pest zu Leibe ging, die Ketten furchtbarster Sklaverei zerbrach und uns dem Leben wiedergab. Ich danke allen alliierten militärischen Dienststellen für die freundliche hilfreiche Unterstüßung, die sie mir zur Ueberwindung der Schwier:gkeiten bei der Sammlung noch fehlenden authentischen Beweismaterials zuteil werden ließen. Ich danke den Kameraden des nach der Befreiung gegründeten internatio- nalen Lagerkomitees von Buchenwald für die freundliche Unterstügung bei der Auffindung noch lebender Zeugen.\ Ich danke allen Mitarbeitern und öffentlichen Stellen, welche die Herausgabe des Buches gefördert haben und danke vor allem den Uebersegern des Manuskripts in die Sprachen der Vereinten Nationen. So möge das Buch in die Welı hinausgehen als Zeugnis der Wahrheit. Der Verfasser. Was der Mensch säet, das wird er ernten, denn jede Tat trägt den Keim der Vergeltung in sich.- Es ist Sonntag, Sonntagmorgen, ein strahlender Sommertag. Mein Weg führt mich durch ein kleines Dorf mitten im Thüringer Land. Wenige Kirchgänger begegnen mir, sie bewegen sich müden Schrittes zur Kirche. In ihren Gesichtszügen liegt geichmütige Stimmung. Kinder spielen auf der Dorfstraße. Die Sonne lacht und spiegelt ihr Gesicht in den blankgeputzten Scheiben freundlich daliegender Bauernhäuser, in deren Gärten die Rosen blühen. Ich wandere weiter aus dem Dorfe hinaus in die fruchtbare Flur, an Kirschbäumen vorbei, deren köstliche Früchte aus dem dunklen Grün der Blätter hervorleuchten. Rundherum, soweit mein Auge blickt, fruchtbares Land. Der Wind spielt mit den Halmen wachsender Frucht, die Lerchen hoch oben trillern. Weiße Wolken segeln am blauen Himmel. In der Ferne verschwimmt die ansteigende Linie des Thüringer Waldes. Ein herrliches Bild der Natur! Sonntagsstille liegt über dem weiten Raum, alles um mich ein Feiertag. Die Schöpfung atmet Frieden, und die Menschen in den Dörfern ringsum fangen zaghaft an zu glauben, daß nun auch für sie der Frieden gekommen ist. Langsamen Schrittes wandere ich weiter auf eine kleine Anhöhe. Ein Mann in mittleren Jahren kommt mir entgegen. Sein Gesicht ist gebräunt, sein Körper zeigt Spuren der Arbeit. Das ganze Äußere verrät den Bauern, einen von denen, die nie müde sein wollen. Als wir uns begegneten, grüßte er scheu mit einem„, Guten Morgen!" Vor kurzem noch war sein Gruß wohl: ,, Heil Hitler!" - - Ist es wirklich erst einige Wochen her, daß der Krieg über diese Gegend zog, daß die nationalsozialistische deutsche Wehrmacht zurückflutete und nur hier und da den Amerikanern ernsteren Widerstand leistete? - ? Ist es wirklich erst einige Wochen her, seitdem ich frei bin Freiheit, kostbarstes Gut des Menschen! Wer kann diesen Schatz ganz ermessen? Einzig und allein, der sie völlig verloren hatte. Frei sein, welch ein Glück, welche Wonne' Die Brust droht zu zerspringen in diesem unendlich beseligenden Gefühl. Aufjubeln möchte man am liebsten und mit froher Stimme in den Himmel rufen: Ich bin frei! So wandere ich, innerlich tief und freudig bewegt, der ganze Mensch völlig im Einklang mit diesem friedvollen Sonntagmorgen. Meine Gedanken eilen voraus und beschäftigen sich mit dem wiedergeschenkten Leben.- - Leben und Freiheit, Freiheit und Leben. Zwei Begriffe, für die es sich zu leben und zu sterben lohnt. Leben, das wahre Leben Freiheit, die wahre 13 Freiheit. Die äußere Freiheit allein tut es nicht, wenn der Mensch nicht innerlich frei ist, frei sein kann.— So erinnere ich mich, irgend in einem Brief meiner Mutter die Worte gelesen zu haben:„...den die Wahrheit frei macht, der ist ganz frei!“— Mutter, meine Mutter, lebst du noch?— Ich weiß es nicht.— Vater, der du mir wirklich Vater warst, lebst du noch? Lebst du noch mein Sohn, dem ich selbst Vater sein durfte? Als du vier Jahre alt warst, sah ich dich das lette Mal, und heute——— so Gott will, bist du zwölf Jahre. Eine lange, bange Zeit von damals bis heute. Bist du noch da, mein Junge?— Diese Ungewißheit nagt am Herzen, frißt an mir. Bis heute habe ich noch nicht den Mut aufbringen können, mir Gewißheit zu verschaffen. Erst muß mein seelisches Gleichgewicht nach den grausamen Erlebnissen der letten Jahre wieder errungen sein. Doch werde ich es bald erfahren. Bald, glaube ich, werde ich stark genug sein, das Kommende, Freude oder Schmerz, er- tragen zu können. Jetzt aber hinweg mit diesen Gedanken. Ich will mich nicht beirren und er- schüttern lassen, denn das Schicksal prüft uns alle und gibt uns nicht mehr Lasten, als wir tragen können. So wandere ich in Gedanken versunken langsam weiter.— Soweit mein Auge reicht, das schöne Land. Eine halbe Wendung, und mein Blick richtet sich geradeaus. Vor mir, in einigen Kilometern Entfernung, auf bewaldeter Anhöhe liegt ein kahler Flecken Erde, von dem, unbewaflnetem Auge kaum noch erkenntlich, mehrere nackte Bauten sich abheben. Fort sind die weichen Regungen meiner Seele, der Blick wird hart, die Gesichtszüge streng; um mich versinkt die Natur mit all ihren Schönheiten. Mit einem Male friert mich an diesem Sommermorgen. Auf jenem Berge oben liest„Buchenwald“, das berüchtigte Konzentrationslager Buchenwald. Buchenwald, Stätte des Grauens. Buchenwald, Stätte des Mordes, des bru- talen Mordes an über 51 000 Menschen der verschiedensten Nationen. Feiger Mord, begangen an Menschen, nur weil sie nicht nationalsozialistisch waren, nur weil sie Russen, Polen, Juden, Tschechen, Jugoslawen, Franzosen, Grie- chen, Belgier, Holländer, Norweger, Dänen und so weiter waren und Deutsche, die sich nicht dem Joch des Nationalsozialismus beugen wollten. Menschen, die das Leben so lieb hatten wie jeder andere, die aber den Mut aufbrachten. dem Nationalsozialismus gegenüber mehr oder weniger un- zweideutie Farbe zu bekennen. Sie waren nicht so feige wie Millionen andere, die sich dieser Barbarei willenlos auslieferten. Darum wurden sie dort oben erschossen, gehenkt, buchstäblich totgeschlagen, durch Injektionen vergiftet und dem Hungertode preisgegeben. In Buchenwald verhungerten Tausende und aber Tausende, auch Deutsche, denen das Geschenk eines Stück trok- kenen Brotes die größte Glückseligkeit bedeutet und manchen zulett viel- leicht noch das Leben gerettet hätte. Und unten in den umliegenden Dörfern sah man gut genährte Menschen eigenen Blutes, die von alldem nichts ge- wußt haben wollen. Ich sehe vor meinem geistigen Auge einen unheimlich 14 deu! selb So run, Möt Hin Ich lebe Sch In. geh eint fall mei Fre kla in nicht einem hrheit er, der Sohn, hdich Eine e? noch t muß legten glaube rz, ernd er t mehr dmein ernung, Inetem rt, die heiten. Berge nslager es bruFeiger waren, , Grieen und wollten. en Mut ger unandere, rt oben ergiftet ausende ktrokgt viel. Dörfern chts geeimlich grinsenden Totenkopf über Buchenwald; sehe aus seinen bleckenden Zähnen das Blut meiner Kameraden fließen; aus seinen Augenhöhlen die Tränen rinnen, die Tränen unzähliger Mütter, Frauen und Kinder der gemordeten Opfer. Dieser Totenschädel trägt auf der Stirn das Hakenkreuz und heißt... Nationalsozialismus! Buchenwald, eine der vielen Stätten nationalsozialistischen Verbrechertums, in denen die größten Schandtaten an der menschlichen Kultur im Namen des deutschen Volkes begangen worden sind. Mit ihnen hat unser Volk sich selbst aus der Familie aller Kulturstaaten ausgeschlossen. So stehen vor mir Dachau, Natweiler, Buchenwald, als bleibende Erinnerungen grauenhaften Erlebens, ewige Anklage gegen nationalsozialistisches Mördertum und seine Helfershelfer. Das hier vergossene Blut schreit zum Himmel! Ich höre meine toten Kameraden noch: ,, Wenn Dir die Gnade des Ueberlebens zuteil werden sollte, vergiß nicht, der Welt die Wahrheit über unser Schicksal zu erzählen!" Ich habe es nicht vergessen. - In der Stadt, an Häuserruinen, Zeichen des eben beendeten Krieges, vorbeigehend, suche ich mein dürftiges Heim auf. Der Himmel hat sich überzogen, eine drückende Gewitterschwüle liegt über allem. Die ersten Regentropfen fallen. Düstere Bilder aus der eben abgeschlossenen Vergangenheit rollen an meinem geistigen Auge vorüber: Der endlose Zug der Gemordeten, mancher Freund, mancher gute Kamerad dabei. Ich sehe ihre gebrochenen Blicke anklagend zum Himmel schreien; grauenhafte Szenen, wie sie recht- und hilflos in den Klauen ihrer Mörder verendeten... In Wehmut gedenke ich eurer, die ihr mir nahegestanden seid! Aus der sonnigen Feiertagsstimmung ist eine Totensonntagsstille geworden. Ich habe euch nicht vergessen, meine toten Kameraden. Ich werde reden vor aller Welt, wie ihr gelitten habt, wie qualvoll ihr hingemordet worden seid und werde nicht müde werden, zu erzählen, bis auch dem letzten noch Geblendeten das Licht der Erkenntnis aufgeht. Euer Tod war nicht umsonst. - Ihr wurdet Opfer eines verbrecherischen Wahnsinns. Euer Leid und euer Kampf war der Blutzoll einer neuen Welt, damit die Lebenden frei werden und, die nach uns kommen, in Freiheit leben können. So ging dieser Tag zu Ende. ,, Köln am Rhein, du schönes Städtchen, Köln am Rhein, du schöne Stadt..." So kam mir das Lied aus meiner Kindheit in wehmutsvolle Erinnerung, als ich in den frühen Morgenstunden eines regnerischen Spätsemmertages inmitten einer Kolonne Gefangener, begleitet von einem Polizeikordon, durch 15 die Straßen Kölns zum Bahnhof marschierte. Es war Krieg, und die Stadt hatte schon die ersten Spuren zu verzeichnen. Wir kamen als Uebergangsgefangene aus dem Polizeigefängnis und sollten in ein Konzentrationslager gebracht werden, was, allerdings nur wir wenigen Deutschen wußten. Die anderen, Angehörige der verschiedensten Nationen, ahnten noch nichts. Der traurige Zug marschierte durch die noch halbdunklen Straßen. Die wenigen Leute, die uns in dieser frühen Morgenstunde begegneten, Arbeiter und Arbeiterinnen, sahen scheu herüber, und mancher wich uns in großem Bogen aus. Dieses Bild eines Gefangenentransportes war nichts Außergewöhnliches. Jenen, die sich beruflich auf den Eisenbahnen und Bahnhöfen. aufhielten, war es ein alltäglicher Anblick. Am Bahnhof angekommen, wurden wir geschlossen durch die Sperre auf einen Bahnsteig geführt. In Reih und Glied aufgestellt, von einer Postenkette umgeben, warteten wir. Wohin würde uns der Zug führen, auf den wir hier warteten? Ein leichter Sprühregen setzte ein, und wir standen da, körperlich schwach, hungrig und fröstelnd, denn es war bereits Spätsommer. Unser Frühstück bestand auch heute, wie an so vielen Tagen vorher, aus einer winzigen Brotration und schwarzer, lauwarmer Brühe, die man Kaffee nannte. Wir trugen eigene Zivilkleidung. Bei manchen war sie schon derart schlecht, daß sie kaum noch die Bezeichnung Kleidung verdiente. Unaufhörlich rieselte der Regen. Schon spürten wir die Nässe auf unserer Haut, doch keiner getraute sich, die dabeistehenden Polizisten zu bitten, unter das Dach der Bahnsteighalle treten zu dürfen. Dazu waren alle, einer wie der andere, durch die mehr oder weniger lange Zeit der Inhaftierung unter der nationalsozialistischen Knute schon zu sehr eingeschüchtert. Ein älterer Polizist wagte es endlich, sei es nun aus noch anhaftender Menschlichkeit oder auch darum, weil er selbst keinen wasserdichten Regenmantel trug, den leitenden Polizeibeamten auf den trockenen Platz in der Bahnsteighalle aufmerksam zu machen. Er wurde jedoch mit einem kalten Anschnauzer abgewiesen. So standen wir mit hochgezogenen Schultern. Tropfen um Tropfen trommelte von meiner Hutkrempe auf den kleinen Pappkarton neben mir, der mein kostbarstes Gut, ein Stückchen trockenes Brot, außerdem eine Zahnbürste, ein Stück Kriegsseife und ein Handtuch mein gesamtes Reisegepäck barg. Ich schloß die Augen und träumte stehend von daheim. Das Bild meiner Eltern steht vor mir, wie sie sich vor einigen Wochen von mir im Polizeigefängnis verabschiedeten. Durch Zufall konnte ich sie nach drei Jahren wiedersehen. Ich lese noch den Schmerz und das Weh in ihren Augen bei diesem stummen, herzzerbrechenden Abschied, denn sie wußten, daß es von dort, wo man mich hinbringen würde, so gut wie kein Zurück gäbe. Ich küsse noch einmal im Geiste meine abgehärmte Mutter und drücke die schwielige Hand meines Vaters. Schnell eine rasche Kehrtwendung, damit mich der Schmerz nicht übermannt... Ich denke an mein Kind. Wo mag es sein? Ich denke an die Frau, die Mutter meines Kindes, die ich einst mit 16 - allen irgend zwung Zufall gelobe und F lieben Güte, heute Ich er der K Der H wohl angeb muste gekle In ih Knab hörte In d mach beam erwa hinei die z Wir Man Raun Zeit hatte konn Jett unbe - chen nach Mit daß nähe dünn Deu Unv was alle in d krat 2 Stadt an gg« lager . Die . Die beiter oßem üßer- höfen. e auf osten- hwach, hstück - trugen aß sie te der straute nsteig- ch die soziali- ste e3 Jarum, olizei- am zu on. 50 nmelte - mein meiner Polizei- Jahren ‚en bei en von he, Ich ke die ng, da- Vo mag nst zit allen Fasern meines Herzens lieb hatte. Ich denke an meinen Bruder, der irgendwo in die Maschinerie des Militarismus gepreßt, einen ihm aufge- zwungenen Dienst ausübt. Ich denke an meinen Freund und danke dem Zufall, daß wir uns vor einigen Wochen noch einmal sehen und aufs neue geloben durften, jett und in aller Zukunft für die Wahrheit, Gerechtigkeit und Freiheit zu kämpfen und nicht müde zu werden. Ich denke an alle meine lieben Freunde und Bekannten und bin wieder dankbar für ihre Liebe und Güte, die sie mir erwiesen haben. Ich denke an mein Schicksal, das mich bis heute diesen Weg gehen ließ und frage mich wie so oft, warum?—— Ich erwachte aus meinen Träumen, hob den Kopf, betrachtete die Gesichter der Kameraden. Aus ihren Zügen sprach gleiches oder ähnliches Empfinden. Der Regen hatte aufgehört. Der Bahnsteig füllte sich mit Reisenden, die wohl auch auf den Zug warteten, an dem unsere Gefangenentransportwagen angehängt sein würden. Mit neugierig verstohlenen Blicken wurden wir ge- mustert. Rechts von mir in einiger Entfernung ging eine jüngere Frau, gut gekleidet, mit einem etwa sechsjährigen Buben an der Hand, auf und ab. in ihrem Gesicht hatte schon das Leid Spuren hinterlassen. Als ich den Knaben betrachtete, dachte ich: So könnte dein Bub auch schon sein. Da hörte ich den Kleinen fragen:„‚Mutti, sind das alles Verbrecher?“— In diesem Augenblick brauste der Zug in die Halle. Wir mußten kehrt- machen und noch ein Stück weiter nach hinten marschieren, wo einige Polizei- beamte aus dem vergitterten Gefangenentransportwagen ausstiegen und uns erwarteten. Im Gänsemarsch ging es, weil jeder gezählt wurde, in den Wagen hinein, in dem sich links und rechts eine Reihe vergitterter Zellen befanden, die zum Teil schon mit Gefangenen von früheren Stationen gefüllt waren. Wir wurden in die kleinen Zellen, die regulär für zwei beziehungsweise vier Mann gedacht waren, mit fünf und zehn Mann hineingepreßt. In diesem Raum von 1X%1,50 Quadratmeter mit zehn Mann eine unbestimmte längere Zeit verbringen zu müssen, war an und für sich schon eine Qual, aber uns hatte außerdem der Hunger bereits so geschwächt, daß wir kaum noch stehen konnten! Je&t setzte sich der Zug in Bewegung, und eingepfercht rollten wir einem unbekannten Ziel entgegen. Durch die kleinen schmalen vergitterten Fenster- chen konnten wir nach etwa einer halben Stunde feststellen, daß die Fahrt nach Westen ging.— Mit meinen Mitgefangenen, von deren Schicksal ich nichts anderes wußte, als daß sie mit mir in diesem kleinen Raum gefangen waren, wurde ich nun näher bekannt. Es waren drei Franzosen, vier Russen, zwei Polen. Durch die dünnen Zellenwände hörte ich, daß sich links und rechts von uns auch Deutsche befanden.! Unvermitielt sagte der Russe neben mir zu seinem Landsmann:„Gib mir was zu rauchen!“ Der andere hatte nichts.— Ja, rauchen! Das wollten wir alle gern. Allgemein verstand man, um was es sich handelte. Man kramte in den Taschen herum, um vielleicht doch noch einen Tabakskrümel heraus- kraten zu können. Auch ich suchte, denn ein Zivilarbeiter hatte mir kurz 2\ 17 vorher ein paar Zigaretten heimlich zugeworfen. Sie waren schon stark zer- knüllt. Ich formte sie wieder etwas zurecht, und dann rauchten wir in zwei Partien zu je fünf Mann eine Zigarette. Für einige Minuten waren unser Hunger, unsere Schwäche, unser ganzes Elend vergessen. Angeregt durch den Tabakgenuß, wurde der eine oder andere mitteilsamer. Es kam langsam eine Unterhaltung in Fluß, wobei ein geradebrechtes Deutsch der Gedankenvermittler wurde, und ich als Deutscher und Landes- kundiger den Hauptteil der Unterhaltung tragen mußte, Die russischen Kameraden überstürmten mich: „Was ist los?“ „Wohin jegt fahren?“ „Was ist?“ „Was soll bedeuten?“ „Wohin wir fahren, wir Rußki?“ Die Franzosen fragten ebenso, auch die Polen. Was sollte ich ihnen ant- worten? „Ich weiß es nicht!“ Man fragte mich wieder: „Wohin Du fahren?“ „Ins Konzentrationslager“, sagte ich. Diese Antwort drückte sie alle nieder, und ich hörte aus ihren Unter- haltungen heraus, daß sie befürchteten, auch ins Konzentrationslager ge- bracht zu werden. Sie konnten sich allerdings nicht erklären, warum, denn sie wußten keinen Grund. Jedenfalls wollten sie mehr wissen und stellten weitere Fragen. Als ich ihnen sagte, daß ich Deutscher sei, daß ich aber‘anders dächte und fühlte wie die Nationalsozialisten, mich dieser Weltanschauung aus Über- zeugung nicht beugen könne und darum aus sogenannten„Reichssicherheits- gründen“ ins Konzentrationslager gebracht werden solle; als ich ihnen all dies mühsam gestümpert in ihrer Muttersprache verständlich machte, wurden sie zutraulicher und sahen in mir den Leidensgenossen, den Kameraden. Mit den paar deutschen Brocken, die sie beherrschten, erzählten sie von ihrem Schicksal, wobei sie zum Ausdruck brachten, daß sie mir das nicht ge- sagt hätten, wenn ich nur so ein Deutscher, ein Nemtschi, wäre, denn dazu wäre ihr Haß gegen alles, was deutsch heißt, zu groß. Ich versuchte, ihnen ein objektives Bild über die Begriffe deutsch und nationalsozialistisch zu geben, versucht® ihren Haß zu mildern und erklärte, daß es viele Deutsche gäbe, die ebenso dächten wie ıch und darum keine Nationalsozialisten wären. Als ich ihnen schließlich erklärte, daß ich schon drei Jahre Uebergangslager mit viel hartem und schwerem Erleben hinter mir hätte, da wurden sie still und nachdenklich.— Ach, ich glaubte schon viel erlebt zu haben an Qual und Leid, aber alles bisherige sollte doch nur ein Vorspiel sein von dem, was mir noch bevor- stand.—? 18 ihr: der Als Fre Sd zerzwei unser amer. echtes ndesantUntergedenn ellten und Überheitsn all arden von t gedazu und lärte, keine schon mir alles evorDas Schicksal der vier Russen war fast dasselbe. Drei waren aus Kiew, einer aus Odessa. Sie zählten zu den nach Deutschland Verschleppten, die hier in ihren Spezialberufen als Schlosser, Techniker, Elektriker und so weiter in der Rüstungsindustrie Waffen schmieden mußten gegen ihre eigene Heimat. Als Charaktermenschen, die ihr Vaterland liebten, entzogen sie sich diesem Frondienst und suchten ihr Heil in der Flucht nach Rußland. Sie wurden von der Gestapo aufgegriffen, wochen- und monatelang festgehalten und befanden sich nun, wie ich, in der Zelle des Transportwagens, auf der Fahrt einem unbekannten Ziel entgegen. - Aehnlich war es mit den Polen und Franzosen. Aus dem Gehörten konnte ich auf Grund meiner Erfahrungen nur den Schluß ziehen, daß auch auf sie alle das Konzentrationslager wartete. Ich sagte es ihnen. - Michael Bogulow hieß der eine Russe. Er mochte etwas über zwanzig Jahre alt sein. Breitschultrig, hochgewachsen, blonder Typ mit blauen Augen. Er stammte aus der Nähe von Odessa, war verheiratet, hatte ein Kind und war in einem Industriebetrieb seiner Heimatgegend als Mechaniker beschäftigt gewesen. Frau und Kind mußte er sehr geliebt haben, denn er zeigte mir immer wieder deren Photographien, die er wohlverwahrt in seiner Brieftasche bei sich trug. Stets von neuem nahm er die Bilder heraus und lächelte glücklich beim Betrachten der geliebten Gesichter, wobei er mir aus seinem Leben erzählte. Ob die beiden noch lebten, wußte er nicht, glaubte es aber, denn wiederholt sagte er: ,, Ich nicht Konzentrationslager. Ich, wir alle kaputt in Konzentrationslager. Nazi machen alles kaputt. SS alles Banditen. Ich nicht Konzentrationslager, ich weglaufen. Ich noch viel arbeiten für Frau und Kind. Frau und Kind nicht sollen weinen, wenn ich in Konzentrationslager kaputt. Wenn wir raus aus Zug, dann ich weglaufen!" Ich versuchte, ihm das auszureden, ihm die Zwecklosigkeit eines Fluchtversuches klarzumachen. Ich sagte ihm, daß bei der starken polizeilichen Bewachung jeder Fluchtversuch Selbstmord bedeuten, und er nie Frau und Kind wiedersehen würde, wenn er sein Vorhaben ausführte. Weiter bemühte ich mich, ihn zu überzeugen, daß der Glaube an den Sieg der gerechten Sache ihn so stark machen müsse, daß er auch das Konzentrationslager überdauern, und zu guter Letzt doch ein Wiedersehen mit Frau und Kind in der Heimat erleben könne. Meine gut gemeinten Versuche haben nichts genügt. Sein Heimweh, sein Drang nach Freiheit waren größer, denn tags darauf bei einer Umrangierung der Gefangenentransportwagen knallten mehrere Schüsse, und Michael Bogulow, der Mechaniker aus Odessa, lag, von mehreren Kugeln getroffen, tot zwischen den Eisenbahnschienen, in der verkrampften Hand ein Büschel graugrünen Grases. Wie es überhaupt zu diesem Fluchtversuch gekommen ist, kann ich mir bis heute nicht erklären. 2* 19 Eine halbe Stunde vor seinem Tode hatte er sich durch Klingelzeichen bei dem wachhabenden Transportleiter gemeldet, und dann ist er nicht wiedergekehrt. Michael Bogulow, ich habe dich verstanden, habe mit dir gefühlt. Diese Schüsse, die dich töteten, habe auch ich empfunden. Mein Schatten lag neben dir, neben deiner Leiche. Weiter rollte der Zug mit Zickzackkurs nach Westen. Gegen Abend erreichten wir Luxemburg. Wir stiegen aus und wurden auf dem Bahnsteig von einem Polizeikordon in Empfang genommen. Man brachte uns ins Gefängnis, wo wir schliefen. Am nächsten Morgen ging die Fahrt weiter. Unser Transport war durch neue Gefangene verstärkt worden. Ehe ich weiterschreibe, möchte ich von den Luxemburgern noch folgendes sagen: Als wir vom Bahnhof Luxemburg mit einem Gefangenentransportauto ins Gefängnis gebracht wurden, standen sehr viele Menschen um den Wagen und nahmen jeden einzelnen von uns in Augenschein. Den Luxemburgern habe ich damals das als Neugierde ausgelegt, heute aber glaube ich, ihnen Unrecht getan zu haben, denn was mir in meiner späteren Zeit in den Konzentrationslagern an Luxemburger Häftlingen begegnete, überstieg prozentual alles, was dort von anderen Nationen vertreten war. Wie oft sagten wir unter uns in einem Anflug von Galgenhumor: ,, Die Luxemburger haben für die Konzentrationslager die meisten Häftlinge gestellt, denn jeder zweite Luxemburger befindet sich im KL." Tatsächlich war es aber auch so, daß das kleine Luxemburg in dieser Hinsicht an der Spitze stand. Ich habe daher die Luxemburger ihrer Freiheitsliebe und ihres Bekennermutes wegen stets besonders geachtet und gedenke auch hier an dieser Stelle ihrer oft bewiesenen guten Kameradschaft. Der Zug rollt über Met, durch Lothringen und das schöne Elsaß, wo überall noch Gefangene aufgenommen wurden. Wiederholt gab es längeren Aufenthalt, so daß wir erst nach zirka siebzehn Tagen unser Ziel für manchen das Endziel seines Lebens erreichten. - - 00 20 bei ederDiese eben Natzweiler auf achte ahrt gen: ins und habe recht zentual inter die xemeine xemders üten erall fentchen ,, O Straßburg, o Straßburg, du wunderschöne Stadt..." klang es als Pausenzeichen vom Nazisender des eroberten Straßburg, über dessen Zinnen schon seit vielen Monaten die Hakenkreuzfahne wehte. Auch im Elsaẞ regierte der Nationalsozialismus mit aller Brutalität. Aber der Elsässer blieb aufrecht, wahr und klar und ließ sich vom Nazijoch nicht unterkriegen. Mit Ausnahme jener käuflichen Kreaturen, die überall zu finden sind, war der Elsässer ein ganzer Kerl, der das Herz auf dem rechten Fleck hatte und jederzeit den Verfolgten seine Hilfsbereitschaft bewies. Besonders uns Häftlingen in den sogenannten Außenkommandos tat er heimlich oder offen Gutes, selbst auf die Gefahr hin, dafür eingesperrt zu werden. Der Elsässer wußte, was in den Konzentrationslagern los war, schon ehe die Nazis zu ihm kamen. Aus dem Straßburger Hauptbahnhof stampft unser Zug mit den angehängten Gefangenenwagen nach Westen in Richtung Molsheim. Von hier aus geht die Fahrt weiter bergauf durch die wunderbare elsässische Landschaft, die sich, könnte man sagen, mit jedem Kilometerstein zu größerer Pracht entfaltet. Station für Station läßt der langsam fahrende Zug mit seiner keuchenden Lokomotive hinter sich. Was das Auge durch die schmalen, vergitterten Fensterchen zu erhaschen vermochte, ließ die einmalige Schönheit der Vogesenlandschaft, dieses wahren Garten Gottes, mehr ahnen als erfassen. Die Bäume bogen sich unter der Last der reifen Früchte: Zwetschen, Aprikosen, Aepfel, Birnen, Pflaumen. Das Auge sah sich satt, der Magen aber war schlapp von monate-, bei manchen schon jahrelangem Hunger, so daß wir es gar nicht wagten, diese Früchte überhaupt zu begehren. Nach einem Stück Brot sehnten wir uns, nach einem Stückchen trockenen Brot... Niemand von uns konnte seine Gedanken auf die Umwelt konzentrieren, alle standen unter dem Druck banger Erwartung des Kommenden, denn das Ziel muẞte nahe sein. Bald würde uns das berüchtigte Konzentrationslager Natzweiler aufnehmen, das in eingeweihten Kreisen die Bezeichnung„ Vernichtungslager" trug. Schließlich hielt der Zug auf einer kleinen Station mit Namen Rotau inmitten des herrlichen Breuschtales. ,, Alles fertigmachen!", hieß es. Rechts und links im Gefangenentransportwagen wurden die kleinen vergitterten Zellen geöffnet. Eine Zellenbesatzung nach der anderen mußte sich zu kleinen Zügen formieren, auf den Gang hinaustreten, um draußen einzeln in Empfang genommen zu werden. Ich befand mich mit meinen Kameraden in einer der letzten Zellen und konnte so meine Leidensgenossen betrachten, die Mann für Mann wie Delinquenten 23 an meinem Fensterchen vorbeimarschierten. Da hörte ich einen meiner Kameraden mit bitterer Ironie sagen: ,, Jungens, laßt den Kopf nicht hängen, wenns auch in diese Hölle geht. Sprecht wie die Gladiatoren des alten Roms: ,, Heil Dir, Cäsar, die dem Tode Geweihten grüßen dich!" Endlich öffnete sich auch unsere Zellentür, und wir marschierten aus dem Wagen hinaus. Der klare Herbsthimmel blendete mich, wie im Traum schritt ich hinter meinem Vordermann her. Auf beiden Seiten bildeten SS- Männer Spalier. Der Totenkopf an ihren Mützen und Rockaufschlägen grinste mich höhnisch an. Die düsteren unheilverkündenden Gesichter und mein bis dahin gesammeltes Wissen über die Konzentrationslager ließen mich in diesem Augenblick mit meinem Leben abschließen. Ich hatte das Empfinden, wie es wohl ein zum Tode Verurteilter haben muß, dessen Kopf bereits auf dem Schafott liegt; aber das Beil saust noch nicht herunter, weil vielleicht ein Fehler im Mechanismus das Fallen verhindert. So füllten sich mehrere Gefangenentransportautos. Auch der Wagen, in dem ich saß, war brechend voll, gut verschlossen und jeder Ausblick unmöglich. Der Motor sprang an, der Wagen ruckte, und man fuhr los. Soviel ich eben auf dem kurzen Wege zum Transportwagen mit schnellem Seitenblick erhaschen konnte, hatten die wenigen Zivilisten auf dem kleinen Bahnhof den Vorgang mit verbissenen Mienen verfolgt, und ich sah, was in Deutschland nur noch selten vorkam, Wehmut und Mitleid in den Augen der Menschen. Das Brummen des Motors brachte mich wieder zur Selbstbesinnung. An seinem schweren Arbeiten merkte ich, daß er starke Steigungen zu überwinden hatte, die gar nicht aufhören wollten.- das v dieses Das blieb größt Klima bedin Das war taktil einge Der H geleg ande Terr zur schlu Hoch seite Post und Mili men gelö hatte Füh woh Wie Stei Wenn man die Breusch aufwärts wandert, kann sich das Auge nicht satt-, sehen an der Schönheit der dichtbewaldeten Vogesenhöhen, die dieses herrliche Tal umgeben. Die Berge erreichen im allgemeinen eine Höhe von einigen hundert Metern. Nahe bei Rotau erhebt sich ein Berg von zirka neunhundert Meter Höhe, dessen Kuppe von kahlen, häßlich aussehenden Flecken bedeckt ist. S- in geographischer Name ist mir entfallen, doch im Volksmund heißt er heute der ,, Teufelsberg", seitdem die ,, Freiheit bringenden und Menschheit beglückenden" Naziverbrecher dieses schöne Land und sein Volk unter ihre Knute nahmen. Sofort nach der Eroberung des Elsaß hatten Häftlinge, die man aus Deutschland herüberbrachte, ein Konzentrationslager bauen müssen, das den Namen ,, Natzweiler" erhielt, gleichnamig dem stillen, friedlichen Dörfchen Natweiler, 24 wür berg Hie schw zahl im Inm eini wur Wa Too Wo Wa das Kame. geht, ı Tode S dem schritt (änner : mich meltes s* x mit 1 zum liegt; er im 1 dem glich. 1ellem leinen vas in n der r. An über- satt-, herr- e von Höhe, Srin te der icken- Knute utsch- lamen voller, das verträumt in einem der oberen Täler einige hundert Meter unterhalb dieses Lagers liegt. ‘Das Massiv und seine nähere Umgebung nennt man„die Wetterecke‘“. Sie blieb seit alters her ihres ungesunden Klimas wegen unbewohnt, denn den größten Teil des Jahres über liegt der Bergkegel in Wolken gehüllt. Dieses Klima ist selbst für robusteste Menschen unter den besten Ernährungs- bedingungen auf die Dauer schlecht zu ertragen. Das Lager wurde nun keineswegs zufällig hier erbaut; die Wahl des Ortes war vielmehr ein wesentlicher Faktor der verbrecherischen Vernichtungs- taktik. Man wußte, daß hier auch der gesündeste Mensch auf die Dauer eingehen mußte.— ‘Der Berg ist verhältnismäßig steil, das Lager war daher terrassenförmig an- gelegt. Aus dem Fenster der einen Baracke sah man über die Dächer der anderen hinweg in tiefe Schluchten. Der sogenannte Appellplat bestand aus Terrassen. Die Lagerstraße führte in langem Bogen zum Krematorium und zur Arrestbaracke. Beide Bauten bildeten, von oben gesehen, den Ab- schluß des ganzen trapezförmigen Komplexes, der rundherum von einem mit Hochspannung geladenen Stracheldrahtzaun umgeben war, an dessen Außen- seite sich alle hundertfünfzig Meter ein maschinengewehrbestückter sogenannter Postenturm erhob. Auf diesen Türmen stand die SS„Ewige Wache“, Tag und Nacht, Sommer und Winter, allerdings mit dem besten Essen, das der Militarismus aufbringen konnte, mit hervorragender Bekleidung und menschenwürdiger Unterkunft. Alle zwei Stunden wurden die Posten ab- gelöst. Wenn sie einige Monate auf dem Teufelsberg ihren Dienst getan hatten, wurden sie durch andere ersett. Die verantwortlichen SS-Verbrecher- Führer selbst, die sich ab und zu nur wenige Stunden im Lager aufhielten, wohnten in Villen benachbarter Talgemeinden.— Wie bereits gesagt, handelte es sich um ein sehr bergiges Lagergelände. Die Steigung betrug im Durchschnitt 1: 5. Schon ein gesunder, kräftiger Mensch. würde abends todmüde auf sein Bett sinken, wenn er es tagsüber bergauf- bergab im Spazierschritt überquert hätte. Hier mußten aber vor Hunger erschöpfte Häftlinge, ob krank oder gesund, schwer beladene Schubkarren bergauf und bergab schieben, bis die Mehr- zahl infolge Herzschwäche und ihrer Folgeerscheinungen kaputt ging und im Krematorium landete. Inmitten des Lagerbereiches waren der berüchtigte Steinbruch und noch einige andere Arbeitsstellen, wo Menschen systematisch zu Tode gepeinigt wurden. Wahrhaftig, ein„Berg des Grauens“, ein„Galgenberg“, ein„Berg des Todes“,——— dieser Teufelsberg! h Woche für Woche wurden neue Transporte heraufgebracht. Während meiner Zeit in Natweiler haben 23 817 Menschen als Zugänge das Lagertor passiert, während drei— ganze drei Mann— in der gleichen 25 Zeit in Freiheit gesettt wurden, nicht aus Humanität, sondern um der Propa- ganda willen, damit die Welt erfahre, daß auch Häftlinge aus den Konzen- trationslagern entlassen würden. Die Entlassenen waren bei Androhung der Todesstrafe zum Schweigen verpflichtet. Wir fuhren den Teufelsberg hinauf.... Immer stärker brummte der Motor, mühsam kurvte der Wagen nach oben. Auf scharfen Serpentinen wurden wir hin- und hergeschleudert. Mit einem Mal hielt das Auto. Der SS-Fahrer und seine Begleiter wechselten mit je- mandem einige kurze Worte, und wir konnten heraushören, daß es sich hier um einen Kontrollposten handelte, der nach Befragen der SS-Begleiter und Besichtigung des Fahrzeuges den Wagen passieren ließ, In der Tat fuhren wir durch die große Postenkette, die in weitem Umkreis das Larer um- schloß und isolierte. Später, als Häftling, sah ich oft die großen weißen Ta- fein, auf die ein Totenkopf gemalt und auf denen zu lesen war:„Achtung! Lagerbereich! Betreten bei Lebensgefahr verboten! Es wird ohne Anruf scharf geschossen! Photographieren verboten!“ Diese Stelle hatten wir nun passiert. Der Wagen rollte weiter, um bald end- gültig. zu halten. Wir hörten scharfe Kommandos, das Schnappen von Gewehrschlössern, noch einige Kommandos, dann Tritte im groben knirschen- den ‚Sand.\ Eine Stimme wurde laut, die sich offenbar an den SS-Transportführer wandte: „Wieviel Vögel hast Du mitgebracht?“— „Siebenundzwanzig!“— „lür auf!“ Unsere Tür wurde aufgerissen mit dem Ruf: „Hoffentlich seid ihr bald draußen, ihr Sauhunde!“ Der erste an der Tür sprang heraus, der zweite folgte, der dritte, immer schneller die nächsten. Mein Vordermann, ein altersschwacher Franzose, der rechts eine Beinprothese trug und deshalb nicht so schnell vorwärts konnte, wurde durch eine SS-Faust von draußen her am Kragen seines Jacketts gefaßt und mit den Worten: „Hoffentlich kommst Du bald, Du Vogel!“ mit aller Wucht aus dem Wagen gerissen, so daß der alte Mahn mit dem Gesicht auf den Boden schlug und bewußtlos liegenblieb. Ich selbst stürzte aus dem Wagen heraus, um mich in Reih und Glied aufzu- stellen, wo schon die anderen waren. Vorher wollte ich aber doch noch den alten Mann aufrichten und ihm helfen. Ein Tritt ins Gesäß mit den Worten: 26 PropaKonzenung der ch oben. it einem mit jesich hier iter und fuhren ger umBen Tachtung! f scharf ald enden von hirschenrtführer immer ranzose, orwärts seines Wagen ug und aufzuoch den Worten: ,, Stell Dich dahin, Du Vogel!", wobei der SS- Mann auf die bereits angetretene Reihe hinwies, belehrte mich eines anderen. Ich wagte nicht, mich umzublicken, stand still und war wie erstarrt. Was habe ich verbrochen, daß man mich, daß man uns so behandelt, fragte ich mich. Da sah ich, wie einer der SS- Leute dem am Boden Liegenden einen Tritt versetzte und ihn anschrie: 92 , Willst Du aufstehen, Du Hund!" Das Blut sickerte dem Unglücklichen aus Mund und Nase, eine blutige Schramme überzog seine linke Gesichtshälfte. Links, einige Meter von mir entfernt, stand mit den Händen in den Taschen seines Regenmantels ein SS- Unterführer. Er hatte diesen brutalen Vorgang zunächst mit ruhiger Miene verfolgt. Jetzt tat er seinen schmallippigen Mund auf und schrie mit einer Stimme, die ich nie vergessen werde, im oberbayrischen Dialekt: ,, Stehst Du bald auf, Du stinkende Kreatur! Ich werde Dir Beine machen, Du Mistvieh! Du gehst ja doch bald ins Krematorium!" Dieser SS- Unterführer war der ehemalige Schutzhaftlagerführer SS- Hauptscharführer Seuß, den wir aber erst noch richtig kennenlernen sollten. Ein anderer SS- Unterführer forderte schließlich zwei Kameraden von uns auf, den Alten mitzunehmen. - Die beiden großen mit Stacheldraht umspannten Lagertore öffneten sich, das Kommando ,, Ohne Tritt, marsch!" ertönte, und wir marschierten ins Lager hinein, um nach wenigen Metern auf der Lagerstraße wieder zu halten. Ich stand in der vordersten Reihe und konnte mit raschen Blicken meine neue Umgebung in Augenschein nehmen. Vor mir stand eine Baracke, der sogenannte Block. Die dahinterliegenden Baracken konnte ich nicht sehen, da das Gelände sehr steil abfiel. Rechts von mir verlief die Lagerstraße im Bogen um eine zweite Reihe von Baracken, deren erste drei zu sehen waren. Längs des Stacheldrahtes standen alle zehn Meter kleine schwarze Tafeln mit dem weißen Totenkopf. Diese sollten den Häftling ,, humanerweise" darauf aufmerksam machen, daß das Betreten des Raumes zwischen Draht und Tafel seinen sofortigen Tod bedeutete, denn auf den, der diesen schmalen Streifen, die sogenannte ,, neutrale Zone" betrat, wurde scharf geschossen. In nächster Nähe arbeiteten einige Häftlinge. Ein Grauen erfaßte mich, als ich diese Menschen sah. Das waren ja fast lebende Leichen mit kahlgeschorenen Köpfen, tiefliegenden Augen und hohlwangig, die Haltung gebeugt, maskenhaft ihre ganze Physionomie, müde der Schritt und keuchend die Brust, wie sie die Lasten auf Karren vor sich herschoben. Diese Karren waren teils mit Kies, teils mit quadratisch geformten Rasenstücken, auch Soden genannt, beladen. Sie besserten Wege und Böschungen aus. Einige mauerten an einer Treppe, die ein Teil des terrassenförmigen Appellplates war. Ihre Bewegungen waren müde, und sie glichen einem ausgeleierten Mechanismus. Einzelne, die an uns vorbeifuhren, hoben kaum den Kopf, sie streiften uns nur mit dem vielsagenden Blick: Wartet nur ein paar 27 Tage, ihr seid auch bald soweit wie wir.— Teilnahmslos war ihr Gesichts- ausdruck, der seelische Erstarrung, Stumpfheit, bei manchen schon den seelischen Tod verriet. Ihre Kleidung bestand zum Teil aus zebra-gemusterten Stoffen, verblichen von Wind und Wetter, ausgewaschen, geflickt, auch schon zerrissen. Andere wieder trugen in Ermangelung dessen Zivilkleidung, auf deren Rücken ein dickes gelbes Kreuz in Oelfarbe gemalt war und ein breiter gelber Oelfarbenstreifen längs der Hosennaht verlief. Alle aber hatten auf der linken Brustseite und am rechten Hosenbein einen farbigen Winkel in Dreieckform mit der Häftlingsnummer darunter. Verschiedene besaßen Kopf- bedeckungen, andere nicht.— Ich erinnerte mich, vor vielen Jahren, vor der Zeit Hitlers, einen Film über Dantes Inferno gesehen zu haben, wobei mir die Szenen in der Hölle noch klar vor Augen standen. An dieses Bild wurde ich in dem Augen- blick erinnert, als ich diese Menschen ihre Lasten schleppen sah——— Durch den langgezogenen Ruf„La—ger—äl—te—ster! Schrei—ber! so—fort ans Tor!“ wurde ich aus meinen Betrachtungen aufgestört. Links öffnete sich das Tor, und der Schughaftlagerführer betrat mit einer Akte unter dem Arm das Lager. Im gleichen Augenblick eilten auch schon im Laufschritt zwei Häftlinge die Treppen herauf. Ihre Kleidung war etwas besser, auch waren sie nicht so schreckhaft abgemagert. Sie trugen langes Haar, wie wir es noch hatten und zeigten im allgemeinen eine einigermaßen geistige und körper- liche Frische. Der eine hatte eine Armbinde mit der Aufschrift„Lager- ältester“, der andere eine solche, die den„Schreiber“ erkennen ließ. Sie eilten dem Schuthaftlagerführer und seiner Begleitung entgegen, rissen die Mütze vom Kopf, nahmen stramme Haltung ein und hörten auf die ihnen erteilten Befehle. Man näherte sich uns, die Namen wurden verlesen. Wer aufgerufen wurde, mußte rechts heraustreten und sich wieder in Reih und Glied aufstellen. Als letter wurde der Name eines Polen verlesen, er stand als einziger zur Linken, was wir zunächst nicht auffällig fanden. Der Schug- haftlagerführer ging ruhig gemessenen Schrittes die Front ab, betrachtete jeden von uns mit stechendem Blick und fragte den einen oder anderen, warum er hier wäre, das heißt, mit welcher Begründung ihn die Gestapo ins Lager gebracht habe. Als er vor mir stand. sah er mich an. Der eiskaite Blick war der eines Mörders. Die Liste mußte wohl gestimmt haben, denn die SS-Führer verließen das Lager. Der Lagerälteste kommandierte:„Rechts um!“, und wir Zugänge schritten die Lagerstraße bergab zu einem Block, um lagerfertig gemacht zu werden. Dort angekommen, mußten wir uns völlig entkleiden. Unsere Habseligkeiten wurden uns abgenommen, in einen Sack gesteckt und dieser mit Namen und Nummer versehen. Wertsachen, Uhren, Schmuck und Geld wurden gesondert gehalten und einer genauen Kontrolle unterzogen. Selbst den Mund mußten wir öffnen, damit nicht einer auf diese Weise etwas mit sich nahm. Dann ging es durch den sogenannten Friseurraum. Der Kopf wurde kahlgeschoren, alle behaarten Teile des Körpers rasiert. Im„Baderaum‘ rauschte einem eine Dusche Wasser über den Kopf. Behaart gewesene Stellen wurden mit einem Des zu\ Sch ein ein für frül und wen schi Häf wei sich hef un! hei „li deı Er lo Ei Gesichtson den usterten h schon ng, auf breiter ten auf inkel in n Kopfen Film er Hölle AugenSo- fort ete sich er dem ritt zwei waren es noch körper„ Lagerieß. Sie ssen die e ihnen en. Wer eih und er stand Schutzrachtete anderen, Gestapo eiskalte n, denn .Rechts Block, igkeiten nen und esondert mußten nn ging ren, alle em eine it einem Desinfektionsmittel eingerieben, eine Selbsthilfe der Häftlinge, um Seuchen zu verhüten. Schließlich wurden wir in einem anderen Raum eingekleidet. Jeder erhielt ein Hemd, die oben schon einmal beschriebene gelb bemalte Zivilkleidung, ein Paar Holzschuhe, ein Paar Fußlappen, ein Stück Papierkordel als Ersatz für Schuhriemen und als Kopfbedeckung ein Stück Lumpen, das vielleicht früher einmal eine Mütze oder Teil eines Hutes gewesen war. Taschentuch und Halstuch existierten nicht mehr. Unterhosen sollten wir später bekommen, wenn der Winter einsetzte. Das Zivilzeug war eine Kombination der verschiedensten Anzugarten und war zuvor schon längere Zeit von anderen Häftlingen getragen, desinfiziert und gewaschen worden, wodurch es teilweise morsch und brüchig war. Ich bekam ein Jackett, in dessen Innenseite sich noch das Firmenetikett eines bekannten Brüsseler Schneiderateliers befand. Das erregte meine Neugierde um die Herkunft dieser Kleider. Ein in der Kleiderkammer beschäftigter Häftling sagte mir auf meine Frage achselzuckend: ,, Das sind Sachen von denen, die hier im Lager schon ,, durch den Kamin" gegangen sind!" ,, Sind diese Leute gestorben?" fragte ich. Mit sarkastischer Ruhe antwortete er: ,, Ja, sie sind gestorben worden!" - Als er mein Entsetzen bemerkte, sagte er gelassen: ,, Auch Du wirst Dich daran gewöhnen müssen. 66 ,, Du", fragte er mich ,,, hör mal, was hat denn der dort drüben gemacht?" und zeigte dabei auf den Polen, der beim Namenverlesen als letzter links heraustreten mußte. ,, Ich weiß es nicht, frag ihn selbst. Er ist Pole, versteht aber ganz gut deutsch." Er fragte ihn, und wir erfuhren, daß dieser Mann bei einem Bauern in Lothringen beschäftigt gewesen war und wegen Verstoßes gegen die Verdunkelungsvorschriften ins KZ wandern mußte. Der Pole war völlig verstört, denn er wurde als einziger von den kommandierten Häftlingen des öfteren befragt; das machte ihn stutzig. Die Einkleidungsprozedur hatte ungefähr eine halbe Stunde gedauert, und wir kamen dann in den sogenannten Quarantäneblock, dessen Blockältester unsere Personalien aufnahm, uns die Nummern und Winkelzeichen aushändigte, die wir sofort annähen mußten. Der besagte Pole aber saß abseits. Er wurde nicht aufgenommen. Einige Minuten darauf erschienen zwei SS- Posten und nahmen ihn mit. Wir alle waren so beschäftigt mit dem Annähen unserer Abzeichen und den vielen neuen Eindrücken, daß sicher nur wenige diesen kleinen Vorfall bemerkten. Eine halbe Stunde später kam der Stellvertreter des Blockältesten und sagte zu seinem Kameraden: ,, Der ist schon weg!" Ich stand in der Nähe und hörte es. - 29 ,, Was ist mit dem Polen?", fragte ich. ,, Da ist nichts mehr, den haben sie eben aufgehängt!" "" , Wer hat das getan?" 1 ,, Die SS!" Ich sah im Geiste noch die verstörten Blicke des jungen Menschen, und das Grauen über diesen Meuchelmord kam mich an. - - Wir waren noch mit dem Zurechtstückeln unserer Kleidung beschäftigt, als ein Häftling unsere Stube betrat. Er trug eine Armbinde mit der Aufschrift: ,, Lagercapo." Er war Deutscher und sprach unverkennbar die kölnische Mundart. Er stellte sich vor und hielt eine kurze Ansprache, die mir noch so gut in Erinnerung ist, daß ich glaube, sie fast wörtlich wiedergeben zu können: - - ,, Also Jungens, könnt Ihr alle deutsch verstehen?" Fast alle bejahten es. ,, Denen, die es nicht verstehen, werden meine Worte in ihre Sprache verdolmetscht werden. Also Jungens, Ihr seid hier im Konzentrationslager, in der Gewalt der SS. Wir Häftlinge haben eine Selbstverwaltung, das heißt, wir verwalten uns in allen Dingen selbst, soweit uns das Material von der SS zur Verfügung gestellt wird, nach dem Willen der SS und der uns aufgezwungenen Disziplin. Wir müssen diese Disziplin um unseres nackten Lebens willen üben. Ich warne vor undiszipliniertem Verhalten, denn es bedeutet für Euch den Tod! Ich rede zu Euch im Namen der SS und mache auf folgendes aufmerksam: Alle Gewalt geht von der SS aus. Die Verhaltungsvorschriften im Lager sind von der SS diktiert, ihnen ist unbedingt Folge zu leisten. Ich rate jedem, sie im Interesse seines eigenen Lebens ohne Widerrede zu erfüllen. SS- Angehörige, denen Ihr im Lager oder draußen bei der Arbeit begegnet, sollt Ihr ehrerbietig mit abgezogener Mütze und Händen an der Hosennaht grüßen. Es ist Euch bei strengster Strafe verboten, einen SS- Angehörigen anzusprechen. Ihr dürft nur reden, wenn Ihr angesprochen werdet. Hier im Lager untersteht Ihr Euren Vorgesetzten. Euer nächster Vorgesetzter im Block ist der Blockälteste. Euer nächster Vorgesetzter bei der Arbeit ist der Capo. Ihren Befehlen ist widerspruchslos Folge zu leisten. Ueber beiden steht der Lagerälteste. Glaubt einer von Euch, von seinem nächsten Vorgesetzten irgendwie ungerecht behandelt zu sein, so hat er das Beschwerderecht beim Lagerältesten. Alle höheren Lagerfunktionäre aus unseren Reihen sind von der SS eingesetzt. Wir bilden uns aber darauf nichts ein und wollen über Euch nicht herrschen, um Henkersknechte der SS zu sein, sondern wir sind Kameraden Wir haben unter uns ein ungeschriebenes Gesetz: Wir verlangen einer vom anderen strengste Disziplin und beste Kameradschaft. Wer diese Kameradschaft nach oben verrät( er meinte damit die SS), der stirbt. Wir alle sind Häftlinge und haben ein Los, ein Schicksal. Arbeiten muß jeder ohne Ausnahme. Auf der Arbeitsstelle dürft Ihr nichts anderes als ein Taschentuch bei Euch haben, sofern Ihr eines besitzt. Die Verhaltungsmaßregeln während der Arbeit und auf der Arbeitsstelle wird Euch der Capo des Kommandos, dem Ihr zugeteilt werdet, geben. Die Lebensmittelzuteilung im Lager ander kann, ein St und g stirbt. das B sehe a in ein Recht Besch habt, dingu bekon im U fertig mir. in sei von d und Hälft Heute Paket nen. und nichts gibt. gesu geher Mona schre Hung Ihr könn diese halte trati druck ande Pake Wer nehm von jetzt, Vort 90 30 d das t, als hrift; tische noch N zu nes, & ver- T, in heißt, ı der - ‚kten In es sam; r sind edem, gnet, nnaht n an- Lager st der Ihren ‚agel- ndwie ‚agel- n der Euch (ame einer diese Wir jeder n Ta egeln Kom- g im Lager erfolgt nach gerechten Grundsägen. Einer bekommt so viel wie der andere. Wenn der Hunger groß wird, und sich jemand nicht beherrschen kann, wenn er in dem Spind, das er mit seinem Kameraden teilt, vielleicht ein Stückchen Brot entdeckt, das sich dieser für den Abend aufgehoben hat, und glaubt, da mal hinlangen zu können, so möchte ich dem sagen, daß er stirbt. Nicht die SS hängt ihn auf; wir machen es. Wer seinem Kameraden das Brot stiehlt, stiehlt ihm sein Leben. Dafür muß er sterben... Ich sehe an Euren Mienen, daß Euch diese Strafe hart anmutet, aber glaubt mir, in einigen Wochen werdet Ihr diese harte Strafe für Brotdiebstahl ganz zu Recht empfinden.— Weiter spreche ich zu Euch als Kamerad zu Kameraden: Beschwert Euch niemals über irgend etwas bei der SS. Was Ihr zu sagen habt, wenn Euch im Rahmen dieser Disziplin, unter deren grausame Be- dingungen wir alle gestellt sind, Unrecht geschehen sollte, das sagt uns. Ihr bekommt Recht, wo es Recht erheischt. Ihr bekommt kein Recht, wenn Ihr im Unrecht seid. Wenn Ihr etwas auf dem Herzen habt und damit nicht fertig werdet, wendet Euch an Eure vorgesetten Kameraden oder kommt zu mir. Ich bin für jeden zu sprechen zu jeder Zeit und werde jedem auch in seinen tiefsten Gewissensfragen helfend zur Seite stehen. Ich bin einer von den alten Konzentrationären, kenne Oranienburg und Sachsenhausen, und wir aus Sachsenhausen haben dieses Lager bauen müssen. Über die Hälfte lebt nicht mehr.— Heute ist es schon weit besser geworden im KZ. Ihr dürft Euch je&t sogar Pakete schicken lassen, sofern Ihr Angehörige habt, die welche schicken kön- nen. Schreiben dürft Ihr jeden Monat einen Brief von fünfzehn Zeilen und eine Karte.’Eure Post geht durch die SS-Zensur. In den Briefen darf nichts enthalten sein, was über das Lagerleben auch nur einen leisen Anhalt gibt. Ihr dürft zum Beisfiel schreiben, daß es Euch„gut geht“ und Ihr „gesund“ seid. Nur an eine Adresse, die eingetragen wird, darf die Post gehen, und nur von der gleichen Adresse dürft Ihr, auch nur zweimal im Monat, Post empfangen. Ferner dürft Ihr keine sogenannten„Bettelbriefe“ schreiben, man solle Euch Pakete, dieses oder jenes schicken, weil Ihr Hunger habt.— Wenn es auch wahr ist— dieser Brief geht nicht durch. Ihr dürft zum Beispiel nur schreiben:„Liebe Frau oder liebe Eltern! Ihr könnt mir Pakete mit Nahrungsmitteln und Rauchwaren schicken.“ Alle diese Pakete gehen durch die Zensur und dürfen nichts Geschriebenes ent- halten, auch keine Spirituosen oder Medikamente. Besuche im Konzen- trationslager gibt es nicht. Alle näheren Einzelheiten findet Ihr im Vor- druck auf den Briefköpfen und habt Euch danach strengstens zu richten, andernfalls Ihr monate- oder jahrelang nicht schreiben, weder Post noch Pakete empfangen dürft und obendrein noch körperliche Strafen erhaltet. Wer sich krank fühlt, hat das Recht, das Krankenrevier in Anspruch zu nehmen. Dort sind einige Häftlingsärzte und Krankenpfleger— Kameraden von uns— tätig; das Ganze leitet ein SS-Arzt. Ich sage Euch aber schon jetst, es melde sich nur der krank, der wirklich krank ist. Zu seinem eigenen Vorteil. Er nimmt sonst den vielen ernstlich kranken Kameraden die kleine 3l Chance der Behandlung. Weiter möchte ich Euch raten, wenig Wasser zu trinken, wenn Euch auch dürstet. Viel trinken bedeutet hier oben Euren sicheren Tod. Im übrigen: Vergeßt, was Ihr einmal im Zivilleben wart. Bilde sich keiner etwas auf die Vergangenheit ein, die ist abgeschlossen und begraben. Innere Anständigkeit und Charakterfestigkeit verbürgen das enge kameradschaftliche Zusammengehörigkeitsgefühl und den Begriff„, Kamerad"... Denkt daran, das Letztere habe ich als Kamerad zu Euch gesprochen und nicht als der von der SS kommandierte Häftling." - - Die letzten Worte des Lagercapos waren vorsichtig gewählt und im Grunde dennoch zu frei gesprochen, denn man konnte nicht im voraus wissen, ob sich unter uns Zugängen nicht Subjekte befanden, die wie es in den verschiedensten Lagern schon häufig der Fall war solch anständigen Menschen, der offen war, an die SS verrieten, um damit ihr eigenes erbärmliches Leben erkaufen zu können, oder irgendwelche viel geringeren Vorteile zu haben. Daher bewunderte ich den Mut dieses Menschen. Ein offenes Wort zu sagen, war damals eine große Gefahr, eine Tatsache, die ich erst später voll und ganz verstehen lernte. - Vom Blockältesten und dem ihm unterstellten Stubenältesten wurden uns Tischplätze, Schlafpritschen und Schrankfächer zugeteilt. Wir wurden mit der Lagerordnung vertraut gemacht, und der Lagerälteste sorgte dafür, daß wir noch eine warme Suppe und eine Brotration mit etwas Margarine erhielten. Es war unser erstes Essen seit vierzehn Stunden. Kurze Zeit danach lagen wir auf unseren Pritschen. Meine Kameraden waren schon lange vor Erschöpfung eingeschlafen. Ich selbst lag übermüdet auf einer der unteren Pritschen in der Nähe eines Fensters, fand aber keinen Schlaf. Meine Glieder schmerzten, die Augen brannten, und die Gedanken arbeiteten fieberhaft. Das ganze Geschehen dieses Tages rollte noch einmal wie ein Film vor meinem geistigen Auge ab.- Totenstille im Lager. Nur die Atemzüge der Schläfer ließen mich merken, daß ich nicht allein war. Ein unbestimmbares Angstgefühl vor etwas Unheimlichem, Unbekanntem, überfiel mich, das ich übrigens während der ganzen Zeit meines Konzentrationslagerdaseins nicht mehr loswerden konnte. Nicht mir allein ging es so, vielmehr war, wie ich später immer wieder zu hören bekam, ein jeder mehr oder weniger davon befallen. SS durf So i vor Züg verli mor welc hof des Arm die schn nur sein gera Stri stre tive Ges trag Dies im alle Der hall Pos Sie ner me Ge sel ha mi we tig bli es in die ver Draußen war es mondhell, mehr als das. Diese unnatürliche Helle muß schon zehn Uhr abends gewesen sein konnte ich mir erst gar nicht erklären. Als ich aber einen Blick seitwärts durch die Fensterscheiben waif. sah ich, daß das Lager von Scheinwerfern taghell beleuchtet war. Auf dem Lagerplatz regte sich kein Lebewesen, denn wer nach einer festgesetzten Zeit den Block verließ, das heißt, den Lagerplatz betrat, wurde ohne Anruf erschossen. Kein Fenster durfte geöffnet werden. Niemand durfte sich sehen lassen mit Ausnahme weniger Kommandierter, die, wenn sie von der 32 we er ein Ke asser zu n Euren EN wart, ssen und das enge „Kame- Sprochen Grunde ssen, ob den Ver- en Men- irmliches rteile zu es Wort st später den uns den mit für, daß ie erhiel- - danach fen. Ich he eines @ Augen eschehen geistigen merken, was Un- end der konnte. ieder zu e— 8 ‚ar nicht en wall. ar. Auf ges sekten Anruf fte sich von der SS gerufen wurden, nur mit einer roten Lampe den nächtlichen Plat betreten durften. So in Gedanken mit allem beschäftigt, sah ich den jungen Polen noch einmal vor mir, der vorhin aufgehängt worden war, sah noch einmal seine verstörten Züge, den entsegten Blick seiner Augen, als er uns— von der 5S geholt— verließ, um nicht wiederzukehren. Man hatte mir gesagt, daß seine Leiche morgen früh zusammen mit anderen ins Krematorium gebracht werden solle, welches sich damals noch außerhalb des Lagers bei dem sogenannten Strut- hof befand. Das war ein ehemaliger Gutshof einige hundert Meter unterhalb des Lagers, wo die meisten SS-Unterführer ihre Quartiere hatten. Armes Opfer, unglücklicher Kamerad! Ob er. auch noch eine Mutter hatte, die sich um ihn sorgte und bangte, eine Braut oder Frau, die seiner in schmerzlicher Liebe und Sehnsucht gedachte? Ich wußte es nicht. Ich wußte nur, daß dieser Mensch das Leben so lieb hatte wie ich, daß er sich nach seiner Heimat sehnte, und. daß er den Nationalsozialismus, der ihm alles geraubt hatte, was ihm lieb war, haßte wie das Gift. Der Tod durch den Strick, den dieser Verdunkelungssünder erleiden mußte, war selbst unter strengster Berücksichtigung kriegsbedingter Notwendigkeiten bei rein objek- tiver Beurteilung ein Verbrechen, Mord an einem wehrlosen Menschen. Geschehen im Konzentrationslager Natweiler durch die Waffen-SS im Auf- trage der Gestapo.— Dieser Mord war der erste bittere Geschmack, den ich von der Waffen-SS im Konzentrationslager bekam. Damals ahnte ich nicht, was ich selbst noch alles erleben sollte, und es war gut so.——— Der Schlaf floh mich noch immer, die Gedanken arbeiteten. Von weit her hallten Zurufe ‚von Männerstimmen, irgend jemand lachte. Es waren SS- Posten, die um das nächtliche Konzentrationslager herum Wache standen. Sie, mit ihrem Totenkopf an Mütße und Rockaufschlägen, lachten, und drin- nen im Lager hockte das Grauen ‚wie ein Gespenst auf allen. Ich, der ich von meinen Eltern christlich erzogen worden bin, dem Nächstenliebe ein ehernes Gebot, dem Freiheit: und das Recht auf Freiheit eine Verkörperung seiner selbst waren, ich, der in seinem bisherigen kurzen Leben schon manche harte Schule durchlaufen, Höhen und Tiefen kennengelernt hatte, konnte mit all diesen Fragen, die in dieser Nacht an mich herantraten, nicht’ fertig werden. Der Verstand vermochte das alles im. Augenblick nicht zu'bewäl- tigen——.| ‚ Durch den schmalen Fensterstreifen sah ich über mir den Sternenhimmel blinken, erkannte einige Sternbilder und dachte: Diese Kraft, die die Sterne in ihren ewigen Bahnen lenkt, die uns unsere Lebensgesege vorschreibt, diese Macht, die sichtbar die höchsten Gedanken in Reinheit und Klarheit verkörpert, kann nicht zulassen, daß Recht— Unrecht, und Unrecht— Recht werden soll. Ich'rechtete mit, mir selbst, stellte Vergleiche an, suchte zu ergründen, was mir unklar erschien im menschlichen Dasein, rang um eine Erlösung aus der seelischen Spannung des heutigen Tages,———. Keine befriedigende Antwort,— denn ich hatte die Reife nicht. 8 Er 33 ... Und doch wird das Gute und die Gerechtigkeit siegen, war das Ende meiner Gedanken. Dann schlief ich endlich ei ge de Durch das helle Läuten einer Glocke und den Ruf ,, Aufstehen!" wurde ich aus meinem unruhigen Schlaf gerissen. Es war noch dunkel, aber es hieß, es wäre schon Morgen. Für den August recht früh, denn von Morgengrauen sah man noch keine Spur. Ich erkundigte mich beim Blockältesten, wie spät es sei, denn er war der einzige all der Hunderte von Blockinsassen, der eine Uhr tragen durfte. ,, Ein halb vier Uhr!"-- Mit dem Waschen und der Stubenreinigung verging eine halbe Stunde. Danach wurde eine Gruppe Kameraden abkommandiert, das Frühstück aus der Küche zu holen. Es bestand aus einem halben Liter Ersatzkaffee. - Man erzählte, daß es ab und zu auch Suppe gäbe, das heißt, ein halbes Liter Brühe aus Suppenwürfeln. Tatsächlich wurde uns später zwei- bis dreimal wöchentlich diese ,, kräftige Kost" anstatt Kaffee verabreicht. - - Als wir unser ,, Frühstück" getrunken hatten, mußten wir draußen vor dem Block in Reih und Glied antreten und wurden vom Blockpersonal daraufhin gemustert, ob Winkel und Nummern vorschriftsmäßig angebracht waren. Dann wurde uns mitgeteilt, daß gleich die ärztliche Kommission erscheinen würde, und wir uns ,, bereitzumachen" hätten. So saßen wir nun der Schlafraum durfte nur nachts betreten werden zusammengepreẞt im sogenannten Tagesraum, Waschraum und auf dem Abort. Alle Räume waren überfüllt, da sich die eigentliche Blockstärke bereits verdreifacht hatte. Es erschien dann auch die Ärztekommission, bestehend aus zwei Häftlingsärzten und mehreren Pflegern. Wir wurden in die Krankenrevierkartei aufgenommen, bekamen eine Sprite gegen Typhus und wurden drei Stunden später dem leitenden SS- Arzt vorgeführt, auf den wir die ganze Zeit über im Freien inzwischen hatte es zu regnen angefangen durchnäßten Kleidern warten mußten. Er ließ in einer Serienbesichtigung die Häftlinge einzeln an sich vorbeimarschieren, womit das Theater zu Ende war. Ja, es war wirklich nur Theater: Auf der einen Seite baute man einen medizinischen Apparat auf, es gab sogar eine Pintgenstation und einen Zahnarzt, bei dem man sich nötigenfalls die Zähne plom'ieren lassen konnte um der Welt Zivilisation vorzutäuschen, auf der anderen Seite aber starben in diesem verhältnismäßig kleinen Lager täglich zwanzig und mehr Menschen an Unterernährung und ihren Folgeerscheinungen, nicht gerechnet die, die totgeschlagen, vergiftet, erschossen oder aufgehängt wurden. - - - - mit Mittlerweile war es schon Nachmittag geworden, und wir wurden in unseren Quarantäneblock zurückgeführt. Dort bekamen wir ein Liter Suppe, bestehend aus Kohlrübenblättern, Wasser, etwas Salz und einigen Stückchen 34 " A le A m ٢,٩ W ka 86 in u B m W h M L b b Z h S S " as Ende urde ich es hieß, Morgenältesten, insassen, Stunde. ück aus halbes wei- bis Ben vor daraufwaren. scheinen - der im soge e waren äftlingsierkartei en drei e ganze mit gung die zu Ende ute man ion und n lassen en Seite zig und n, nicht fgehängt unseren ppe, be türkchen ungeschälte Kartoffeln. Von Fett war in diesem Essen nichts zu sehen, geschweige denn von Fleisch. Später hatte ich jedoch hin und wieder das Glück, einige Fleischfasern in der Suppe vorzufinden, welche wohl weniger der Nahrung, als der Bestätigung des Küchenzettels dienen sollten, auf dem , Weißkohl mit Rindfleisch" zu lesen stand. 99 Aber das alles war damals ja noch gut. Ich sollte später anderes kennenlernen.- - Am gleichen Nachmittag wurde mir noch eine Überraschung zuteil. Ich hörte meinen Namen rufen und lief zu dem Blockältesten, der mir einen von den ,, alten" Häftlingen vorstellte. Wir musterten uns eine Weile, bis in seine Züge die Freude des Erkennens kam. Ich wußte immer noch nicht, wohin ich ihn tun sollte, wenn mir auch sein Gesicht irgendwie bekannt vorkam. Er sah das Suchen und Nachdenken in meinen Blicken und lächelte schließlich mit einem Anflug von Schmerz und Resignation: ,, Mensch, alter Junge, kennst Du mich nicht mehr?" - Beim Klang seiner Stimme erkannte ich ihn. Er war ein alter Freund aus meiner Heimat, den die Nazis im Jahre 1933 seiner politischen Einstellung wegen ins Zuchthaus sperrten, und der seitdem als verschollen galt. Ich hätte ihn nie wiedererkannt, denn der, der vor mir stand, war nicht der Mensch von einst, sondern nur sein Schatten, sein Wrack. Eine Welt von Leid und Schmerz sprach aus diesen Zügen. Sein Haupt früher volle blonde Haare war nur noch dürftig mit einigen grauen Haarsträhnen bedeckt. Er, dessen sportlicher, gesundheitsstrotzender Körper früher manchmal meinen Neid erregt hatte, stand vor mir wie ein alter Mann von sechzig Jahren, der sein Leben lang Lastern gefrönt hat. Er, der Mensch, der hohe Ideale besaß, für sie gekämpft und gelitten hatte, zu dem ich aufschaute seiner reinen und klaren Gedanken wegen, mußte, weil er unbestechlich blieb, in Gefangenschaft leben und schon unaussprechliches Leid hinter sich haben! Die Begegnung erschütterte mich derart, daß ich zunächst nichts sagen konnte. Ich mußte mich erst fassen. Er half mir dabei, indem er sagte: ,, Junge, ich glaube schon, daß Du mich schlecht wiedererkennst, aber ich bin es. Das haben sie aus mir gemacht, aber glaube mir, ich bin der Alte geblieben. Meinen Körper haben sie ruinieren können, der ist soweit dahin, aber das hier nicht!", er schlug dabei an seine Brust. Er war Kommunist und, bevor die Nazis in Deutschland regierten, politischer Funktionär. Das letzte Mal sahen wir uns in einem Straflager im Emsländer Moor. Er war mir, dem Jüngeren und Unerfahreneren, ein geistiger Führer durch die Ideenwelt der Menschheit. Sein immerwährender Glaube an das Gute, sein Haß gegen alles Unreine und Schlechte, sein Lebenswandel, in dem sich sein Gedankengut in kristallener Form verkörperte, hatten mir Achtung vor diesem Menschen und dem, was ihn formte, abgerungen. Er war für mich der natürliche Mensch, der alle menschlichen Schwächen mit menschlicher 3* 35 Stärke bekämpfte, die ihm zum Siege verhalf und anderen den Weg wies. Wenn es Fackelträger des Lebens gibt, dann ist er einer von den wenigen, sagte ich mir schon damals. So lebte er in meiner Erinnerung, und so standen wir uns nach langen Jahren wieder gegenüber. In seinen Augen leuchtete unverkennbar sein ganzes Wesen. Aus den kurzen Worten, die er mit mir wechselte, sprach sein unbeirrbarer Glaube an die Menschheit, der trotz all dem furchtbaren Leid, das Menschen ihm angetan, nicht verloren gegangen war. Wir drückten uns die Hände und schauten uns geraden Blickes in die Augen. Einer versuchte in dem anderen zu lesen. Wir verstanden uns. Er stand vor mir als der Größere. - Wir tauschten unsere Erinnerungen aus. Wir sprachen von daheim. Ich konnte ihm manches erzählen, denn ich hatte das Glück, zwischendurch schon wieder in Freiheit gewesen zu sein. Es war eine halbe Stunde glücklichen Vergessens. Wir erörterten die politische Stimmung im deutschen Volk, sprachen über dieses und jenes, was uns bewegte. Ich schilderte ihm unseren ,, Empfang" am gestrigen Tage, sprach von meinen seelischen Kämpfen. Er sagte nur: ,, Junge, Du bist ethisch reifer geworden, aber politisch noch unreif. Erlebst Du eines Tages die Freiheit, dann muß Deine politische Reife vollkommener sein, oder Du wirst zugrunde gehen. Aber so wie ich Dich kenne, glaube ici, daß Du es doch überstehen wirst!" Dann erzählte ich ihm noch den gestrigen Vorfall mit dem alten Franzosen. Er lächelte resigniert und sagte: ,, Kinder, Euer Empfang war freundlich und liebreich. Wieviele von Euch hat man denn dabei totgeschlagen?" ,, Niemand!"- ,, Na ja, was willst Du denn noch mehr? Ne, alter Junge, ich will Dir mal was sagen: Was seit kurzer Zeit im Konzentrationslager geschieht, ist einfach human. Wir Alten stehen und schlackern mit den Ohren, daß man jetzt mit einmal Konzentrationäre so behandelt, aber glaube ja nicht, der Nationalsozialismus tut das aus Humanität. Denke daran, daß sich auf der anderen Seite des Kriegsschauplatzes viele deutsche Kriegsgefangene, SS und Wehrmacht, befinden, und daß die Alliierten dem Hitler in bezug auf die Behandlung in seinen Konzentrationslagern den Daumen aufs Auge gedrückt haben Die Nazis fürchten Repressalien. Außerdem setzt man noch jeden von uns in die Rüstung ein, braucht also unser bißchen Kraft, um für diesen Wahnsinn noch Mordwaffen zu schmieden. Ja, ich sage Dir, wir leben in einer Zeit, wo man verflucht starke Nerven haben muß, um nicht irre zu werden an der Menschheit und an sich, und wenn einem nicht alle Ideale vor die Hunde gehen sollen. Glaube mir, ich könnte oft heulen, ich könnte 36 ver gew Ab Du tra Du als Ich ich lich H" dur Ich Da kan kü wies. enigen, langen kurzen an die mgetan, Augen. endurch glückn über pfang" Erlebst mmener ube idi, nzosen. n Euch Dir mal ist cinß man ht, der auf der SS and auf die gedrückt den von diesen leben cht irre Ideale könnte verzweifeln, ich könnte aufbegehren und diese Mörder mit dem Maschinengewehr, wenn ich eines besäße, niederrasseln. Aber noch sind wir machtlos. Du sagtest gerade von Eurem Empfang gestern, daß Dich das so furchtbar traf. Ich verstehe das, Deine Menschlichkeit, in jeder Hinsicht, aber damit Du einmal nüchtern wirst, will ich Dir erzählen, wie ich vor einigen Jahren als Zugang in Sachsenhausen eingeführt wurde. Ich spreche nicht gern davon. Es hat sich inzwischen etwas geändert, aber ich will es Dir dennoch sagen, damit Du klar siehst, wo Du Dich hier wirklich befindest!" - Indem ich diese Zeilen schreibe, liegt vor mir eine ältere Ausgabe der ,, Hessischen Post" Nr. 4 vom 19. 5. 45, wenige Tage nach der Befreiung durch die Alliierten. Ich lese hier einen Artikel: ..Alliierte Kommissionen untersuchen: Neue Greueltaten aufgedeckt, dreizehn Arten leichtere Folterung/ sadistische Torturen" Da stand unter anderem wortwörtlich, was mir mein Kamerad erzählte. Ich kann deshalb ohne weiteres den Text des Blattes wiedergeben, denn er ist kürzer und nicht so schmerzerfüllt wie die Schilderung meines Freundes: ,, Im Nachstehenden folgt eine Liste der gebräuchlichsten Torturmethoden, die auf Grund von Fotographien, einhelligen und unwidersprochenen Massenaussagen der Opfer und medizinischen Untersuchungen als von den Untersuchungsausschüssen über jeden Zweifel erhaben angesehen werden! Erstens: In den meisten Konzentrationslagern erhielt der Neuankömmling seine Einführungshiebe" auf dem ,, Bock", das ist ein Gestell, welches das Gesäß erhöht lagert. Links und rechts stand je ein SS- Mann mit der schwerea Peitsche, die gewöhnlich mit Draht eingeflochten war. Entweder mußte der Häftling selbst laut mitzählen, während er die Schläge erhielt( sofern er nicht schon beim sechsten Schlag vor Schmerz bewußtlos war. D. Verf.), oder die beiden SS- Männer zählten selbst. War etwa die Hälfte der Schläge ausgeteilt, so ergab sich gewöhnlich ein Streit üb r die richtige Zahl, und es wurde von vorn begonnen Sofort nach der Prozedu mußte der blutende Häftling( wenn er ohnmächtig war, wurde er mit mehreren Eimern kalten Wassers begossen, um ihn wieder zur Besinnung zu bringen, d. Verf.) stundenlang tiefe Kniebeuge üben( auch wenn ihm das Fleisch am Gesäß in Fetzen herunterhing, d. Verf.). Zweitens: Die auf dem Rücken gefesselten Arme wurden in eine herabhängende Kette eingehakt, und der Häftling blieb in dieser Position einen halben Meter yom Boden entfernt hängen. Gewöhnlich wurden bei dieser Tortur die Armgelenke ausgedreht.( Die Kette wurde an der ,, Acht" befestigt, angezogen; die Arme des nach hinten Gefesselten schnellten hoch. Der Körper wurde dann in die Höhe gezogen und hing nun an den ausgekugelten Gelenken an der Wand, einen halben Meter über dem Boden. Die Acht" ist eine massive, flache Stahlfessel. geformt wie die Zahl acht, hat in der Mitte ein eingelassenes Schloß und an den Seiten einschiebbare, mit einer Zahnreihe versehene Bügel. Sie kann so angedrückt werden, daß der Blutkreislauf dadurch gestört wird. Eine Selbstentfesselung ist hierbei nicht möglich. D. Verf.) 37 Drittens: Der Häftling gab den ,, Sachsengruß",( wurde zuerst im Konzentrationslager Sachsenburg angewandt. D Verf.) indem er drei Tage und drei Nächte mit im Nacken verschränkten Händen in der Kniebeuge verharren mußte.( Und wenn der Mensch vor Schwäche einmal schlapp machte, tat ihn ein SS- Mann mit der Wucht seines Kommiẞstiefels ins Gesäß, daß ihn das Steiẞbein schmerzte, der Schmerz das Gehirn durchzuckte, und er mit zitternden Knien weitersitzen mußte. Wurde er ohnmächtig vor Schwäche, dann gab es eiskaltes Wasser, das ihn wieder zur Besinnung brachte. D. Verf.) Viertens: Die in Kreuzstellung an den Boden gefesselte Person wurde durch ganze Tage und Nächte einem rhythmisch fallenden Wassertropfen ausgesetzt, der immer an der gleichen Stelle aufschlug.( Das hatte des öfteren zur Folge, daß der Kamerad dabei wahnsinnig wurde, eine sogenannte Spritze bekam, weil man ja Wahnsinnige im Lager nicht gebrauchen konnte. Durch diese Spritze starb er an ,, Herzschwäche" und ging dann durch den Kamin ( Krematorium) d. Verf.) - Fünftens: Der an den Füßen aufgehängte Häftling wurde aus einer Höhe von 30 cm mehrfach auf den Kopf fallen gelassen, bis dieser unförmig angeschwollen war. Gewöhnlich wurden dabei auch die Kreuzwirbel zerschlagen. Sechstens:( Etwas außergewöhnlich Spezialisiertes bei der SS. D. Verf.) Der Gefolterte wurde bei kältestem Winterwetter nackt angebunden und wiederholt mit kaltem Wasser überschüttet. - Siebtens: Drei Tage absoluten Fastens, gewöhnlich in einem Häuschen verbracht, das nicht einmal als Schildwachhaus genügt hätte, und in dem der Häftling nur gebückt stehen konnte. Gewöhnlich kam es dabei zu einer Paralysierung der Beine. Achtens: Besonders gern an Bibelforschern( die teilweise zu meinen besten Kameraden zählten, d. Verf.) und religiösen Kriegsdienst verweigerern wurde der ,, Fingerschnitt" geübt. Diese Folter bestand aus einer systematischen Abschälung von Haut und Fleisch von den Fingern beider Hände.( Ihr werdet Zeugen dieser Tortur in Deutschland noch lebend antreffen. D. Verf.) Neuntens: Lange Nadeln wurden seitlich durch beide Gesäßbacken getrieben.( Auch Zeugen dieser Tortur leben noch. D. Verf.) Zehntens: Mehrere Liter kochend heißen Wassers wurden in den Darm eingefüllt. In zahlreichen Fällen, besonders in Julius Streichers Nürnberg, ersetzte die Fahrradpumpe( Luft) das kochende Wasser. Elftens: Häftlinge wurden durch ein Deckenloch in einen türen- und fensterlosen Raum geworfen. Sodann wurde Wasser eingelassen, das dem Gemarterten bis an den Mund reichte. Gewöhnlich blieben sie mehrere Stunden in dieser Lage.( Um ihnen irgendwie noch ein ,, Geständnis", das die Gestapo durch ihre grausamen Methoden nicht hatte erpressen können, zu ent reißen. D. Verf) Zwölftens: Blutig gepeitschten Menschen wurden mit einem Stahllineal die Fußsohlen zerfleischt, dann wurden sie nackt in einen kleinen Raum gestoßen, dessen Boden und Wände zehn Zentimeter dick mit Schmierseife belegt waren. ( Der Leser kann sich vielleicht vorstellen, was Schmierseife in offenen Wunden für Schmerzen verursacht. D. Verf.) Dreizehntens: Der nackte Häftling mußte knien, worauf ihm scharfkantige Steine in die Kniekehlen gelegt wurden; sodann mußte er sich auf die Hacken setzen und stundenlang in dieser Lage unbeweglich verharren. Dieses ist der Auszug des mit eigenen Kommentaren versehenen Artikels der ,, Hessischen Post". hatte hatte wirke von die n Was war ein a mir s Selbs Wort Grau konn war Verb der freier Er w in ei trogo stützt Sein einer Dam Ma glaul Solit werd ,, Ich klar Men Freu keit Gan Nam Ich Er w keit, dank Du Ich höre im Geiste noch meinen Kameraden fast dieselben Worte sprechen. Nur kamen sie leidvoller und verbitterter von seinen Lippen, denn er 38 Das auch t Im KonTage und beuge verpp machte, ß, daß ihn and er mit äche, dann O Verf.)- son wurde ropfen ausöfteren zur Spritze be-. Durch den Kamin einer Höhe rmig angeerschlagen. D. Verf.) unden und Häuschen in dem der mer Paralymen besten ern wurde schen Abhr werdet f.) en getrieden Darm Nürnberg, und fen. dem Geere Stuns die Ge, zu ent llineal die gestoßen, gt waren. Wunden arfkantige e Hacken Artikels hatte es miterlebt, er, der Mensch, dessen ganzes Verbrechen darin bestanden hatte, für den Fortschritt der Menschheit als Kommunist zu leben und zu wirken. Ich staunte, daß er überhaupt noch da war, erzählte er mir doch von Kameraden, die das alles mitgemacht, aber nicht überstanden hatten, die nicht mehr sind. Was bedeutete dagegen mein erster Eindruck vom Konzentrationslager? Was war dagegen meine noch human- gefühlsmäßige Einstellung? Hätte mir das ein anderer erzählt, ich hätte es als unglaubwürdig abgelehnt. Aber vor mir stand ein Mann, der meine ganze Hochachtung besaß, dem die Wahrheit Selbstverständlichkeit war. Ein Mensch, der nüchtern und sachlich seine Worte an mich richtete, der nicht zurückgeschreckt war vor dem größten Grauen und der furchtbarsten Behandlung, die einem Lebenden zuteil werden konnte. Ein Mensch, der für die Wahrheit lebte und dafür zu sterben bereit war und schließlich später leider doch ein Opfer des nationalsozialistischen Verbrechertums wurde. Er war kein Geistesakrobat. Er war ein Arbeiter, der nichts auf der Welt forderte als seine schlichte Lebensberechtigung in freier Willensäußerung. Er wurde seiner kompromißlosen Haltung wegen von der SS gehaßt, später in ein anderes Lager verschickt und ist dort an allgemeiner Körperschwäche, trotzdem seine Kameraden und Gesinnungsgenossen ihn in allem unterstützten, gestorben. - Sein Geist aber lebt in uns und denen, die guten Willens sind, fort. Er war einer der unbekannten Helden des deutschen Proletariats. Damals sagte ich ihm: - ,, Mag kommen, was will; ich glaube an den Sieg der Gerechtigkeit. Ich glaube an eine höhere Vorsehung. Ich glaube an den Sieg der Wahrheit. Solite ich das, was noch kommen mag, gleich wie es aussieht, überleben, dann werde ich nicht schweigen, sondern reden und immer wieder reden." ,, Ich glaube", sagte er ,,, daß Du, nachdem Du von mancherlei Irrwegen zum klaren Gedanken gekommen bist, das Zeug dazu hast, die Idee des reinen Menschentums verkörpern zu helfen. Aber tue, mir einen Gefallen, einen Freundschaftsdienst: Erwähne nie meinen Namen. Der Name, die Persönlichkeit macht es nicht. Ich bin nur einer von den vielen Genossen, die für das Ganze kämpfen und auch dafür sterben können. Versprich mir, meinen Namen nicht zu nennen." Ich versprach es ihm. Er war nur einer von den unzähligen namenlosen Kämpfern für Gerechtigkeit, Wahrheit und Freiheit. Dieser Kamerad war mir ein guter Lehrer. Ich danke es ihm mit vielen anderen übers Grab hinaus: ,, Du hast nicht umsonst gelebt!" sprechen. denn er Das alles war nur ein kurzes Selbstbesinnen auf die Wirklichkeit. So hoch auch die Ideale, so klar und rein der Gedanke war, für den es zu leben und 39 zu sterben galt, hier waren wir unter nationalsozialistischer Gewalt, brutalem Mordterror und vollkommen rechtlos. Wir wußten nicht, wie weit das Eude noch war und wann die Freiheit, die neue Zeit, anbrechen würde. Uns alle trug nur der Glaube, daß Wahrheit und Gerechtigkeit siegen werden und siegen müssen, so oder so, daß Lüge und Betrug an den Menschen nicht triumphieren werden. Ein neber sacht seine samm Drei Der Abend kam, die Nacht brach herein, und der nächste Morgen gab uns der rauhen Wirklichkeit zurück. Mit vierzig Kameraden wurde ich kommandiert, Kies zu fahren. Wir standen noch unter Quarantäne und wurden darum gesondert gehalten. Als Zugänge bildeten wir ein Kommando für uns, weil wir auf Befehl der SS besonders scharf behandelt werden mußten. Zu dem Zählappell fand sich die ganze Belegschaft des Lagers wieder zusammen. Außer den Todkranken, die auf Strohsäcken lagen und nicht mehr antreten konnten, mußten wir in Reih und Glied gestaffelt dastehen, daß die SS uns zählen konnte. Der Rapport stimmte, und wir durften abtreten zum Arbeitsappell, das heißt, kolonnenweise zu den eingeteilten Arbeitskommandos antreten. - - unterWir, als Zugänge, wurden einem Capo er war Luxemburger stellt, der uns mit unseren Pflichten vertraut machte und uns die Disziplin in kurzen nüchternen Worten einschärfte. Von sich aus tat er es nicht, er war dazu bestellt. Machte er es nicht, wurde er hart bestraft und ein anderer an seine Stelle gesetzt. Wenn ein niedriges Subjekt, das sich von der SS kaufen lieẞ, an seinen Posten gekommen wäre, hätten wir es weitaus schlimmer gehabt. Aber dieser Capo war, soweit er es sein durfte, Kamerad und Mensch, auch wenn er uns die ihm hart auferlegten Pflichten beizubringen hatte. Wir mußten gehorchen. Das sahen wir ein. Von morgens sechs bis mittags zwölf mußten wir Schubkarren mit Kies bergauf und bergab schieben. Dann war Mittagsappell Wieder hieß es: Antreten!, wieder wurden wir gezählt. Das Ganze stand in Reih und Glied, Block für Block auf dem terrassenförmigen Appellplats. Die Sonne brannte heiß. Nach einer guten halben Stunde endlich durften wir wegtreten. Wir marschierten geschlossen in unseren Block, bekamen jeder ein Liter Mittagskost, spülten unsere Eẞnäpfe, setzten sie an Ort und Stelle, reinigten den Raum und traten dann erneut an, diesmal zum Arbeitsappell. In geschlossener Formation bewegten wir uns, vor Schwäche schwankend, den Schubkarren zu, die wir nicht mehr loswurden bis zum Abendappell, der um sechs Uhr stattfand. 40 10 ein die K nächs Leich Rhei So g genos daß Oft mehr würd an, u Die mein Bara den So s in un war Inzw Leth gleit Fun So Lag im zug Ich aus zu zers zirk alt, bruweit das rde. Uns igkeit Lüge und gab uns rstanden Zugänge besonders ieder zuicht mehr , daß die eten zum skommanuntersziplin in er war danderer an SS kaufen schlimmer Mensch, matte. Wir Kies berg3 es: Annd Glied, e brannte 1. ein Liter reinigten wankend, ppell, der Ein Kamerad, Friseur aus dem Rheinland, arbeitete schon den dritten Tag neben mir. Die ungewohnt harte Arbeit in dem steilen Lagergelände verursachte bei ihm eine akute Herzschwäche( wie von der SS berechnet), so daß seine Beine unförmig dick anschwollen, und er nachmittags bewußtlos zusammenbrach. Er wurde ins Krankenrevier getragen. Drei Tage später trug man viele Särge hinaus. In diese Särge, die sonst nur einen Menschen bergen konnten, waren zwei bis drei Leichen gepackt, weil die Körper infolge Unterernährung nur noch Skeletts waren. Sie wurden am nächsten Tage von Häftlingen ins Krematorium befördert. Unter diesen Leichen befand sich auch die meines Kameraden, des Friseurs aus dem Rheinland So ging das Leben vierzehn Tage weiter, und mancher meiner Leidensgenossen wurde ins Krematorium gebracht. Ich selbst war derart geschwächt, daß ich mich fragte, wann es wohl auch mit mir soweit wäre? Oft mußte ich die, Karre absetzen und tief Luft holen, weil das Herz nicht mehr wollte. Doch das ,, Auf!" des Capos, das er als Mensch nie gesagt haben würde, aber als kommandierter Häftling sagen mußte, peitschte mich wieder an, und ich schob meine Last weiter. - Die Knie zitterten mir schon seit einigen Stunden. Ich war fast am Ende meiner Kräfte, aber es langte noch gerade bis zum Abend. Als ich in meiner Baracke lag, nicht wissend, ob mir der nächste Tag noch Leben oder schon den Tod bringen würde, schlief ich bewußtlos ein. So schleppte ich mich von einem Tag zum anderen. Noch lebte ich. Die Lücken in unseren Reihen mehrten sich, aber ob der eine oder andere Kamerad tot war oder noch lebte, ich wußte es nicht, es war alles gleichgültig. Inzwischen kamen neue Zugänge. Sie interessierten uns nur noch wenig, denn Lethargie und Apathie waren bei den meisten von uns bereits ständige Begleiter. Nur ab und zu flammte noch in irgendeinem Gespräch ein kleiner Funke von Hoffnung auf, die uns immer wieder aufleben ließ -- So verging Tag um Tag, bis die Quarantäne aufgehoben war, und wir dem Lager übergeben wurden. Wir fanden hier dasselbe vor, nur daß wir uns jetzt im gesamten Lagerbereich bewegen konnten und einem Arbeitskommando zugeteilt wurden, bei dem wir ständig bleiben sollten. - Ich wurde dem Arbeitskommando für Steinarbeiten zugeteilt. Hier wurden aus Urfelsen Steine gesprengt, um ein Grundmassiv für einen Kartoffelkeller zu schaffen. Die Steine waren die größeren wurden mit einem Hammer zerschlagen weiterzubewegen und in Loren zu laden, um dann an einem zirka fünfzig Meter entfernten Bergabhang ausgekippt zu werden. - 41 Dieses Kommando bestand zum größten Teil aus sogenannten NN- Häftlingen französischer Nationalität. Es waren Franzosen aller Berufe, die sich dem Nazijoch nicht gebeugt, sondern als Menschen ihrer Heimat politisch gegen den Nationalsozialismus in Wort und Tat gewehrt hatten, nach Völkerrecht nicht bestraft werden konnten und darum hier als unbekannte Häftlinge der Vernichtung preisgegeben wurden. Sie hatten zum Unterschied von uns anderen Häftlingen nicht die Erlaubnis, Briefe zu schreiben oder empfangen zu dürfen, geschweige denn Pakete zu erhalten. Hier fristeten sie ein kurzes Dasein bis zu ihrer Vernichtung. Abgeschnitten von all ihren Lieben, die ihren Aufenthalt nicht kannten. Sie hatten nicht einmal das Recht, falls der eine oder andere von ihnen krank oder arbeitsunfähig wurde, sich ins Krankenrevier zu legen. Man behandelte sie dort nicht. Im Lager selbst waren sie völlig isoliert. Ihre Baracke innerhalb des Lagers war noch extra von einem Stacheldrahtzaun umgeben. Dadurch waren sie getrennt von allen übrigen Häftlingen und durften nicht mal einen Gedankenaustausch mit uns pflegen. Eine besondere Behandlung für hartnäckige Freiheitskämpfer, nur weil sie ihre Heimat, ihre Freiheit liebten, der Arbeiter X aus Paris, der Bankier X aus Lyon, der Handwerker X aus Marseille, Fresse uns, se Man k Art ka Dank von de denn Capo, und du Auch als er Trans er gep geltun hatte. der Philologe X aus Reims, der Geistliche X aus Lille, und so weiter, sie standen abgemagert, geschwächt und seelisch gemartert unter der Fron der SS und schleppten Steine. Sie brachen Steine. Sie zerschlugen Steine. Sie bewegten Steine vorwärts. Der andere bewegte sie weiter, und der nächste warf sie in die Loren hinein. Und hinter ihnen stand die SS. Das Kommando leitete ein SS- Unterscharführer mit Namen Erdmannstraut, der es für seine Pflicht hielt, auf uns, die wir vor lauter Körperschwäche und Krankheit nicht mehr arbeiten konnten, mit dem Hackenstiel einzuschlagen, ganz gleich, wo er hintraf. Er schlug solange, bis sich der Unglückliche unter Aufbietung seiner letzten Kraft und mit dem letzten Willen des Selbsterhaltungstriebes etwas schneller vorwärts bewegte oder leblos zusammenbrach. Ob dabei Blut floß oder Hirn aus Schädeldecken quoll, war belanglos. Dieser SS- Führer tat das, was er wollte und sollte. - Als ich dieses Gräßliche zum erstenmal sah, stand mir der Verstand still. Ich war ratlos und sprachlos, konnte nicht fassen, daß es so etwas gab. Ich selbst war zu der Zeit körperlich noch in der Lage, etwas mehr zu leisten als diese Gemarterten. Darum schwang ich noch fieberhaft die Spithacke und schlug unverdrossen auf die vor mir liegenden Steine ein, um nicht auch einen derartigen Todeshieb mit dem Hackenstiel zu erhalten. Über uns stand ein Capo, von der SS ernannt und gekauft. Um des bißchen 42 Die S von N Steine ihrem Die K Der H Der D Und Der ist ni Wass mit e den( Hund krista rinnt will. Der H Die A Nebe rader Er b Ich h Du lingen t, sonmus in werden chtung lingen weige nitten nicht arbeitst nicht. Lagers sie ge ankene FreiFressens willen, das er mehr erhielt als wir, schlug dieser Unmensch auf uns, seine Kameraden, ein, weil die SS das befahl. Und er gehorchte. Man kann kaum glauben, daß es Menschen gab, die sich auf diese gemeine Art kaufen ließen, trotzdem sie mit uns dasselbe Los teilten. Aber Gott sei Dank waren diese Kreaturen nur selten. Wir rechneten mit ihnen, wenn sie von der SS fallengelassen wurden, in unserem oder einem anderen Lager ab, denn wir Konzentrationäre wußten wohl zu unterscheiden zwischen einem Capo, der das, was er tat, tun mußte und dem, was er nicht tun brauchte und durfte. Auch diesen Menschen, von dem ich gerade sprach, ließ die SS eines Tages, als er ihr nicht mehr nützlich war, fallen. Der Schuft ging mit dem nächsten Transport nach Buchenwald. Schon längst lebt er nicht mehr. Kameraden, die er gepeinigt hatte, und die den Transport mitmachten, übten natürliche Vergeltung. Dieser Capo starb, weil er mehrere Kameraden in den Tod gejagt hatte. - martert nächste nstraut, che und chlagen, unter Selbstammenlanglos. and still. leisten ighacke cht auch bißchen Die Sonne brennt. Ein glutheißer Himmel wölbt sich über dem Bergkegel von Natzweiler. Wir schwingen Pickel und Hammer mit letzter Kraft auf die Steine. Die SS geht durch unsere Reihen, beobachtet jeden, ob er sich nach ihrem Gutdünken bewegt. Die Kraft will nicht mehr. - - Der Hunger friẞt im Gedärm. Der Durst beizt die Kehle trocken. Und trinken dürfen wir nicht, weil es die SS nicht will. Der Verstand will nicht mehr arbeiten. Die Hitze hat ihn ausgedörrt. Man ist nicht mehr Mensch. Man träumt von trockenem Brot, man träumt von Wasser, man hat Halluzinationen Man sieht einen weißbekittelten Kellner mit einer Flasche labenden Inhalts auf sich zukommen, sieht einen springenden Quell, einen sprudelnden Brunnen. Man lechzt nach Wasser. Hundert Meter vor uns rauscht ein Wasserhahn. Das kostbare Naẞ sprudelt kristallklar und ladet ein zur Erquickung, ladet ein zum Leben und verrinnt im glühenden Sand. Wir dürfen nicht trinken, weil es die SS nicht will. -- - Der Körper fiebert, Schweiß gibt er nicht mehr her; er ist zu ausgetrocknet. Die Angst sitzt uns im Nacken, denn die SS schreitet durch unsere Reihen. Neben mir ein Krach. Die Wucht eines Hackenstiels trifft einen meiner Kameraden auf den Schädel. Er bricht zusammen. Ich höre, ohne aufzublicken, da ich fieberhaft geängstigt weiterarbeite: ,, Du Hund, Du willst nicht mehr arbeiten! Ich werde es Dir schon zeigen!" 43 Neben mir liegt der Kamerad aus Frankreich, durch den Schlag ohnmächtig zusammengebrochen, aus Mund und Nase blutend, zwischen den Steinen. Das Blut tropft auf den sonnendurchglühten Kies. Der Atem geht schwach. Da er keinen Laut mehr von sich geben kann, wird die Wut des SS-Führers etwas geschwächt. Er stößt ihn nur noch„gelinde‘‘ mit der Stiefelspite in die Weichteile und sagt: „Du kannst wohl nicht mehr, Du Kreatur— was?“ Um mich herum arbeiten die Kameraden wie im Fieber. Sie schlagen mit ihren Arbeitsgeräten einfach drauflos, ihr Gehirn ist ausgedörrt, ihre Seele tot, nur der Selbsterhaltungstrieb läßt sie in Furcht erzittern und arbeiten, sinn- und planlos. Die Angst hält sie in Bewegung. Es muß bald Feierabend sein, Zeit des Abendappells.— Der da fast leblos neben mir liegt, soll hineingeschafft werden. Plößlich sagt ein Franzose: „Der Andre ist schon tot.‘— Die Zeit kriecht langsam weiter. Täglich passieren solche oder ähnliche Fälle. Täglich schleppen wir Tote, Halbtote und Zusammengebrochene mit ins Lager. Das Fühlen, das Empfinden haben’ wir uns inzwischen abgewöhnt, nur eine maßlose Verbitterung hat sich eingefressen. Ich erinnerte mich der Worte des Kameraden, der auf dem kleinen Bahnhof Rotau beim Verlassen des Transportwagens sagte: Heil dir, Cäsar, die dem Tode Geweihten grüßen dich!— O bittere Ironie! Was ist Leben?— Was ist mein Leben?— Nichts, gar nichts!— Was kannst du tun, um noch dem Dasein erhalten zu bleiben? Nichts, was du verantworten kannst! Du kannst, wenn du dich verkaufst und den Henkersknecht der SS spielen willst, vielleicht eine etwas bessere Zeit verleben, dich sattessen.... Versuchung. die manch einen schwach fand. Auch bier schied sich der Mensch vom Tier, und das Tier von Menschen. Wochenlang, monatelang ohne jegliche authentische Nachricht über den wirk- lichen Verlanf des Krieges! Der wahre Zeitlauf wurde uns fremd. Das Hirn reichte fast nicht mehr aus, irgendwelche Gedanken zu fassen. Wir waren dem Verderben ausgeliefert. Es trennte sich in uns das Gute vom Schlechten, das 44 Men und Sov war Wir ziel Hie sag mal ld nid kla An Er „N vl ler „ N mächtig en. Führers in die Menschliche vom Unmenschlichen. Der den Glauben in sich hatte, war stark und blieb, der andere wurde schwach und fiel. So verging Tag um Tag. Wir rechneten schon nicht mehr mit Tagen. Für uns war die Zeit begrifflos geworden. Wir freuten uns abends, daß wir noch lebten. - en mit e Seele beiten, e Fälle. mit ins mnt, nur Worte sen des grüßen spielen Mensch en wirk. as Hirn ren dem ten, das An einem Herbstmorgen, kurz nach Arbeitsbeginn, kam der SS- Führer des Kommandos, pflanzte sich vor mir auf und sprach mich an: ,, Sie sind Deutscher?' ,, Jawohl, Heir Unterscharführer!" ,, Wie lange sind Sie in Natzweiler?" ,, Einige Monate!" ,, Ich habe Sie beobachtet. Sie arbeiten ziemlich gut." ,, Ich kann nicht mehr, Herr Unterscharführer, meine Kraft ist zu Ende." ,, Danach habe ich Sie nicht gefragt Sie machen ab morgen hier den Capo, beziehungsweise den Hilfscapo Verstanden?" Hier gab es keine Widerrede, das war mir klar. Ich wußte nicht, was ich sagen sollte. In mir rasten die Gedanken: Darfst du das ablehnen? Macht man dich dann nicht kaputt? Darfst du noch irgendwie widersprechen? Ich überlegte fieberhaft Der Selbsterhaltungstrieb arbeitete in mir Jetzt nur nicht einem Widerspruch zum Opfer fallen Nicht mit dem Gewissen ins Unklare kommen. Ich überlegte blitzschnell, doch wußte ich im Augenblick keine Antwort. Er wartete lauernd Jawohl" kam es zögernd von meinen Lippen. ,, Morgen früh übernehmen Sie diesen Arbeitsabschnitt!" ..Jawohl!" ,, Und Leistung will ich von Ihnen sehen, sonst wehe Dir, Du Vogel, dann lernst Du mich von einer anderen Seite kennen!" ., Jawohl!" Es war bald Feierabend. Der neue Gedanke beschäftigte mich stark. Ab morgen bist du hier Hilfscapo oder Vorarbeiter unter den Kameraden. Kannst du das jemals verantworten? Kannst du tun, was du gerne möchtest? Nein! Mein Gott, was machst du bioẞ? Du sollst den Knecht spielen für die SS! Du sollst den Kameraden das Beste rauben, was sie noch besitzen, ihr bißchen Kraft? 45 Eine harte Probe, eine schwere Frage, die an mich unter dem brutalen Druck der SS-Befehle herantrat. Doch, ich hatte mich entschieden und sagte mir: Du tust nur das, was du mit dir und deinem Gewissen vor Gott und den Men- schen verantworten kannst. Mögen sie dann mit dir machen, was sie wollen! Im Lager teilte ich den verantwortlichen Kameraden meinen Entschluß mit. Sie hießen ihn gut. Der nächste Morgen kam, unser Kommando trat an wie sonst, nur daß heute wieder einige Mann ausfielen. Es fehlten drei Franzosen und ein Deutscher. Sie waren über Nacht gestorben. Wir marschierten aus dem Tor hinaus zur Arbeitsstelle Dort angekommen, teilte der erste Capo die Arbeit ein. Ich mußte einen Arbeitsabschnitt über- nehmen, An diesem Morgen war es kalt. Ein regnerischer Herbsthimmel spannte sich über uns. Der Wind pfiff aus allen Wetterecken Der gewöhnliche Sterbliche würde in seinem Mantel gefroren haben, wir aber mußten die Jacketts ab legen, das heißt, wir mußten auf Befehl der SS in Hemd und Hose arbeiten. Meinem Abschnitt unterstanden zirka sechzig Franzosen. Sie sollte ich zur Arbeit anhalten. Sie arbeiteten, ohne daß ich sie die erste Stunde irgendwie ermahnen mußte. Ich stand mitten unter ihnen Marionettenhaft waren meine Bewegungen, monoton meine Sprache, als ich sie auflorderte:„Los Jungens, haut ran!“ Ich selbst durfte keinen Pickel und keinen Hammer schwingen, sondern mußte kommandieren, weil es die SS wollte, und es bereits ein- gefleischte Lagerdisziplin war. Der SS-Unterscharführer stand oben am Felsen- rand und beobachtete mich scharf. Ich spürte diesen Blick im Nacken.— Der Capo des Ganzen strich mit einem Knüppel bewaffnet als gehorsamer SS- Knecht mitten unter uns herum. Um mich auf meine Kameraden zu heten, sagte dieser Bandit zu mir: „Wenn Du die Leute nicht arbeiten lassen kannst, dann lasse ich Dich arbeiten, aber nicht so, wie Du bisher arbeiten mußtest, sondern ganz anders!“ Ich hätte diesen Menschen am!iebsten niedergeschlagen Er war auch unter den anderen im Lager verhaßt, aber wir konnten ihm damals nichts anhaben, denn noch stand er unter dem Schuß der SS. Der französischen Sprache war ich nicht mächtig und konnte mich daher mit meinen französischen Kameraden nicht unterhalten, Ich glaubte aber in ihren Blicken zu lesen, daß sie mich ohne Worte verstanden Schon das Zureden zur Arbeit bereitete mir äußerste Qual, wußte ich doch, wie schwach sie waren. Ich war ja selbst soweit. Welche Macht der Welt konnte von mir verlangen, daß ich einen Menschen den Befehlen dieser Unholde gemäß mißhandeln und zur Arbeit zwingen sollte, wenn er nicht mehr konnte? Den Menschen in mir würde ich trote Tod und Teufel nicht verleugnen. Mag die SS dann mit mir tun, was sie will. 46 gut übr laut nah jed ein! Mei Arl en Druck mir: Du en Menwollen! luß mit. aß heute estorben. kommen, itt übernnte sich Sterbliche ketts ab arbeiten. e ich zur rgendwie en meine Jungens, chwingen, reits einm Felsen1.amer SS Fir: ich Dich anders!" uch unter anhaben, Haber mit in ihren Zureden sie waren. erlangen, deln und en in mir mit mir So stand ich da und schaute meinen Kameraden zu, die unter meinem Zwischenbefehl Arbeiten verrichten sollten. Ich ermittelte einen Franzosen, der gut deutsch sprach und bediente mich seiner als Dolmetscher. Er teilte den übrigen meine Einstellung und Gesinnung mit. Ich sagte ihm, daß ich viel und laut schreien würde, daß dies aber Komödie vor der SS sei, und legte ihnen nahe, sich auszuruhen, wenn wir unbeobachtet wären. Ich verlangte von ihnen jedoch Disziplin, damit wir nicht auffielen und dann alle vor die Hunde gingen. Meine Kameraden verstanden mich. Eines Morgens rückten wir bei strömendem Regen aus. Schon ehe wir die Arbeitsstelle erreicht hatten, waren wir vollkommen durchnäßt. Auf dem kahlen Bergkegel war eine grausige Kälte. Der Wind brauste. Wir zitterten an allen Knochen. Unsere nassen Lumpen klebten an den ausgezehrten Körpern Trotzdem mußte das Arbeitsgerät aufgenommen und mit der Arbeit begonnen werden. Es regnete weiter in Strömen, ein Regenschauer löste den anderen ab. So ein Wetter hatte ich im Konzentrationslager noch nicht mitgemacht. Ich glaubte daher, daß wir uns doch wenigstens eine Zeitlang unterstellen, das heißt, unter die Loren verkriechen dürften Meine Kameraden taten es bereits von sich aus, und ich ließ sie gewähren. Das Wasser lief uns buchstäblich aus den Schuhen heraus. Unter den Loren waren wir, wenn auch frierend und zitternd, wenigstens vor der ärgsten Nässe geschützt. Da traf mich ein Stein. Ich schaute mich um, woher dieser Wurf kam und sah den SS- Führer, in seinen Gummimantel gehüllt, oben auf der Felsenkante stehen. Er schrie mich an, sofort zu ihm heraufzukommen und fragte mich, ob ich wahnsinnig geworden wäre, wobei er mir ein paar Ohrfeigen gab. Was mir einfiele, hier die Arbeit stillstehen zu lassen. Wenn ich nicht wüßte. was sich als Capo gehörte, würde er mit mir andere Seiten aufziehen. Ich würde ihn wohl noch nicht kennen. ,, Hoffentlich sind die Vögel bald wieder bei der Arbeit", schrie er ,,, sonst sollst Du mal sehen. Du Kreatur, was ich mit Dir mache!" Was in diesem Augenblick in mir vorging, kann ich nicht in Worten ausdrücken. Ich gehorchte der Gewalt, gab den Befehl zum Arbeiten, und meine Kameraden gehorchten mir. Im strömenden Regen wurde ununterbrochen weitergeschuftet. Es dauerte eine Ewigkeit, bis es Mittag wurde. - Meine Annahme, daß man uns nachmittags wenigstens im Lager lassen würde, damit wir unsere durchnäẞten Kleider trocknen könnten, war irrig. Wir 47 mußten im Regen weiterschaffen bis zum Abend und am nächsten Morgen mit denselben nassen Klamotten wieder an die Arbeit. Viele von uns geschwächten Menschen erkrankten an Lungen- oder Rippenfellentzündung und starben. - - Hierbei denke ich an einen französischen Kameraden, einen blutjungen Menschen von achtzehn Jahren er hieß Raoul und war aus Paris der hoch oben auf steil abfallender Böschung unentwegt seinen Pickel schwang und vor Hunger, den er nicht mehr beherrschen konnte, allerhand Grünes aẞ. Er konnte mit diesen Brutalitäten einfach nicht fertig werden. Zuerst ging er seelisch zugrunde; dann machte der Körper nicht mehr mit. Trots meines Zuredens und meiner Aufmunterung, die ich ihm selbst aus meiner Schwäche heraus gab, und aller Versuche, immer wieder Hoffnung in ihm zu wecken, ging es nicht mehr. Einige Wochen später starb er an galoppierender Schwindsucht. Allein von den französischen Kameraden hat durch diese Behandlung, der wir ohnmächtig ausgesetzt waren, über die Hälfte das Leben lassen müssen. Weil sie Franzosen waren. Der dem für an schi um Ebe Rei leb Das Hie lan täg vie Ein anderes Kommando, das einige hundert Schritte von uns entfernt arbeitete und dem SS- Unterscharführer Fuchs unterstellt war, hatte Ähnliches erdulden müssen. Dieser SS- Henker war im Lager als derjenige bekannt, der den zum Tode des Erschießens Verurteilten den Gnadenschuß gab, worauf er stolz war. Er hatte einigen französischen Häftlingen, die nicht mehr fähig waren, das zu tun, was er von ihnen verlangte, und die schließlich mit dem letzten Rest von Mut an das Gesetz der Menschlichkeit appellierten und mit flehenden Worten gegen diese Tyrannei aufbegehrten, an der Arbeitsstelle die Kugel durch den Kopf gejagt. Seiner nächsthöheren Instanz stellte er den Vorgang dann als Meuterei dar, um sein Handeln begründen zu können. Täglich stieg die Zahl der Opfer, die in ihrer Verzweiflung nicht mehr wußten, was sie taten und ihr Heil in der Flucht suchten, indem sie die Postenkette überschritten und dann von den Posten durch Kopfschuß abgeknallt wurden. Viele aber wurden über die Postenkette gejagt und erschossen. Das alles sah und erlebte ich im Konzentrationslager Natzweiler. - Nur wenige vor mir in diesem Lager gewesenen Kameraden, die die Straße vom Struthof zum Steinbruch gebaut haben, können der Welt mehr sagen. Diese Straße könnte anstatt mit Steinen mit Totenschädeln gepflastert sein. Dort wurden beim Straßenbau Ungezählte von der SS buchstäblich in Massen totgeschlagen. 48 Hu We jen Kr Ne zu Me Sch Hu sch sch De Ha se Ge Au W gu U W We un N st m M VO Morgen Rippentjungen der schwang Grünes Zuerst it. Tro meiner ihm zu ierender der wir Der Steinbruch von Natweiler, der als Arbeitsstelle gesondert lag, und in dem die große Masse der Inhaftierten beschäftigt war, spricht eine Sprache für sich. Hier hatte man Methoden, die Menschen hinzumorden, ohne Hand an sie zu legen. Sie mußten mit schwersten Steinen beladene Schubkarren schieben und wurden solange hin- und hergejagt, bis sie vor Herzschwäche umkamen. Ebenfalls geschehen in den Jahren 1941-1943 des ,, Tausendjährigen Reiches". Zeugen, die das in den kleinsten Einzelheiten schildern können, leben noch. Das Lager Natsweiler hatte außerdem noch einen besonders berüchtigten Ruf. Hier wurden Elsässer, Lothringer und gute Franzosen, die man ihrer Vaterlands- und Freiheitsliebe wegen heraufschaffte, meuchlerisch ermordet. Fast täglich rollte ein Auto der Gestapo diesen Todesberg hinauf, mit einem bis vier Opfern besetzt, die sofort ,, liquidiert" wurden. . entfernt hnliches nnt, der orauf er ren, das ten Rest ehenden e Kugel Vorgang ht mehr sie die chuß abund ere Straße mr sagen. tert sein. Massen Hunger !!!--Wenn ich hier vom Hunger spreche, so denke ich nicht an den Hunger, den jemand nach vierundzwanzigstündigem Fasten verspürt, oder der in knappen Kriegszeiten ständiger Begleiter von Millionen Menschen ist. Nein, wovon ich hier reden will, ist der dauernde Hungerzustand, der erst zur Kraftlosigkeit und dann bis zum körperlichen Verfall des hungernden Menschen führt. Ein Hunger, der wohl bei den meisten die im tiefsten Innern schlummernden tierischen Triebe weckte und zur Auslösung brachte. Ein Hunger, dessen Befriedigung, ganz gleich, auf welche Art und Weise dies geschah, nicht mehr vom natürlichen Selbsterhaltungstrieb, sondern bei vielen schon vom Wahnsinn diktiert war. Der unwiderstehlichen Gier nach Sättigung folgend, aßen, nein fraßen die Häftlinge alles nur erdenklich Eßbare, dessen sie habhaft werden konnten, selbst stinkende Abfälle aus Müllbehältern und Müllgruben. Nur einmal das Gefühl der Sättigung haben, ganz gleich, ob man daran starb oder nicht! Auch ich habe so gehungert, daß ich mich oft nur mit Aufbietung letter Willenskraft und unbeugsamen Lebenswillens gegen dieses tierische Sättigungsverlangen stemmen konnte... Unweit des Kommandos, bei dem ich Hilfscapo war, stand ein langgestreckter Wohnblock der SS. Hier wurden täglich ganze Serien Thermoskessel mit hochwertiger Verpflegung hineingetragen, deren lockender Duft uns beim Einund Ausrücken zur Arbeit, insbesondere mittags beim Einmarschieren, in die Nase stieg, während auf uns ein Essen wartete, das man tatsächlich nur mit stinkendem Fraß bezeichnen konnte. Dazu waren die Portionen noch so mager, daß man für ein Liter mehr gern und oft sein Leben riskier: hätte. Wiederholt trat damals die Versuchung an mich heran! Würde ich der Bestie von Kommandoführer nur ein einziges gutes Wort geschenkt haben, hätte ich 49 jeden Mittag ein Liter dieser kräftigen SS- Kost gehabt. Doch der Preis war zu hoch. Ich hätte mich selbst, mein eigenes Ich, dafür opfern müssen. Der Hunger nagt und frißt und hat schon den charakterfestesten Menschen zu Fall gebracht. Manch einer liebäugelte mit einem Kompromiß und glaubte, die Chance des Sattessens annehmen zu können, ohne sich dabei an die SS zu verkaufen. Aber das war eine irrige Meinung. Er war schwach. Mehr oder weniger wurde er dadurch doch der SS hörig. Wenn die Versuchung auch an mich in dieser Form herantrat, und mich menschliche Schwäche infolge des tierischen Hungers überfiel, so stand mir doch immer wieder mein flammender Haß gegen diese Mörder stärkend zur Seite. Aber der Hunger blieb. - Er wuchs bei mir und meinen Kameraden ins Grenzenlose. Da beobachtete ich eines Tages, wie mehrere SS- Angehörige im Waschraum ihres Blocks die Schüsseln spülten, aus denen sie zuvor den Rest ihres Essens in einen Abfalleimer geschüttet hatten, der täglich in den Schweinestall der SS- Unterkunft Struthof getragen wurde. Mit gierigen Augen beobachtete ich diesen Vorgang. Mir dieses Abfallessen für meine Kameraden und mich heimlich anzueignen, war mir von dem Augenblick an die wichtigste Aufgabe, und ich schwelgte schon im voraus in dem beseligenden Gefühl des Sattessens. Da ich des öfteren von SS- Führern zu Handreichungen in jenen Wohnblock kommandicrt war, fiel es mir nicht schwer, ihn ab und zu auch ohne besonderen Befehl auf eigene Faust zu betreten. Ich riskierte dabei zwar jedesmal fünfundzwanzig Stockhiebe, doch war mir das die Sache wert, denn ein Liter dieses Abfallessens wog das Zehnfache unseres kraftlosen Fraßes auf. So schlich ich mich eines Tages in einem unbewachten Augenblick in den bezeichneten Raum, schnappte mir den Abfalleimer und ging geraden Schrittes wieder aus dem Block heraus, als ob ich dazu kommandiert wäre, aber mit einem Herzklopfen, das die Furcht vor den etwaigen ,, Fünfundzwanzig" verursachte. Schnell bewegte ich mich mit der kostbaren Last meinem Kommando zu, wo meine französischen Kameraden, die von meinem Vorhaben wußten, aufmerksam arbeiteten und die Lage spannten, denn mir blieben für das Unternehmen nur ganz wenige Minuten, da der Kommandoführer jeden Mittag um dieselbe Zeit kurz abwesend war. Der Eimer mußte gut versteckt werden, denn erst am Nachmittag, wenn der SS- Führer am Ende der Arbeitsstelle dem anderen Teil des Kommandos seine Aufmerksamkeit widmete, war Gelegenheit geboten, seinen Inhalt zu verspeisen. Bis dahin stand also das Gefäß gut mit Felsstücken getarnt, von Hunderten hungriger Augenpaare mißtrauisch bewacht, damit sich ja nicht der eine oder andere an ihm vergriffe. Um nicht aufzufallen, mußte ich alle nur erdenklichen Vorsichtsmaßnahmen treffen, denn eine Entdeckung konnte die schwersten Folgen haben, da man mich obendrein auch noch des Diebstahls bezichtigen und es uns alle fühlen lassen würde. 50 Wie nu mit zirk einhund auf den Hier ko dolmets konnte, ihn una Kamera Handvo len wü Ich nab mern u Frage unauffä Abstän Gleich Es war Ich na Hand Augen zurück. Die in bis der und ei schielte Wie gl mich d „ Merci Erschü Auf d Leben feinste Am nä So gi das zw blick, gerade Der S plöglic dicken Mit sc ,, Was Der K is war hen zu te, die SS zu r oder uch an ge des mender chraum Essens all der achtere d mich fgabe, S Sattanblock ne be i zwar e wert, ftlosen in den eraden wäre, infunddo zu, en, aufUnterMittag werden, itsstelle te, war and also Augenan ihm porsichtsFolgen en und Wie nun jeden zu seinem Recht kommen lassen? Da steht ein Eimer Essen mit zirka zwölf Liter Inhalt, gutes festes Abfallessen, und da stehen zirka einhundertzwanzig Mann. Jeder von ihnen würde sich, wenn er könnte, auf den vollen Eimer stürzen und an seinem Inhalt buchstäblich totfressen. Hier konnte nur eiserne Disziplin helfen. Lange Reden zu halten oder verdolmetschen zu lassen, war nicht möglich, ohne aufzufallen. Was ich tun konnte, war folgendes: Ich rief meinen Dolmetscher herbei und unterrichtete ihn unauffällig über den Vorgang, wobei ich schnell ausrechnete, wieviele Kameraden heute gefüttert werden konnten, wenn sich jeder eine gehäufte Handvoll aus dem Eimer klaubte. Daß diese Handvoll ziemlich groß ausfallen würde, war selbstverständlich. Ich nahm dann meine Kommandoliste, bestimmte die ersten fünfzehn Nummern und nannte meinem Dolmetscher dieselben mit der Weisung, die in Frage kommenden Kameraden davon in Kenntnis zu setzen, heimlich und unauffällig das nachzuahmen. was ich ihnen vormachen würde, immer in Abständen von wenigen Minuten. - Gleich mußte der Kommandoführer drüben sein bei den anderen. Es war soweit. Ich nahm scheinhalber eine Schippe, ging zu dem Eimer, langte mit der Hand hinein, drehte mich dabei um, den Kommandoführer nicht aus den Augen lassend, und verschlang mit Heißhunger den Abfall Dann ging ich zurück, deutete auf meinen Dolmetscher, der den Vorgang genau nachahmte. Die inzwischen unterrichteten Kameraden folgten einer nach dem anderen, bis der Eimer leer war Während dieser Zeit stand ich inmitten der Gruppe und eiferte die, die heute nicht dran waren und sehnsüchtig nach der Ecke schielten, wo der Eimer stand. zur Bewegung an Wie glücklich und dankbar sie waren, die heute an die Reihe kamen, ließen mich die Freude. die aus ihren Augen leuchtete und die Worte der einzelnen: ,, Merci, mon ami, ça va, ça va!" erkennen. Erschütternd das alles. Auf der einen Seite bedeutete eine Handvoll Abfallessen das Glück und Leben, auf der anderen verdarben in den Schränken der satten SS die feinsten Lebensmittel und gutes Kommiẞbrot. Am nächsten Tage wurde die ganze Geschichte wiederholt. So ging es des öfteren. Alle waren bereits drangewesen, etliche schon das zweite Mal. Da wurden wir eines Mittags überrascht in dem Augenblick, als einer der Häftlinge, ein älterer Franzose, der magerste von allen, gerade an der Reihe war. Der SS- Bandit mußte irgendwie schon etwas bemerkt haben, denn er stand plötzlich auf der Bildfläche. Den essenden Kameraden sehen, einen faustdicken Stein ergreifen und ihm diesen gegen die Brust schleudern, war eins. Mit schriller Stimme schrie er ihn an: "" , Was frißt Du Sau da? Komm mal her, Du Luder!" Der Kamerad, vor Schreck und Schmerz bleich geworden, Finger und Lippen 51 noch verklebt von dem eben genossenen Abfall, wankte zitternd auf die Bestie zu. Ein schwerer Hieb mit dem Knotenstock traf seinen Hals. Die blutunterlaufene Stelle zeigte, wo er gesessen hatte. Der Kamerad brach zusammen. ,, Stehst Du auf, Du Satansknochen!" Und wieder sausten mehrere Hiebe auf den Unglücklichen nieder. Der versuchte immer wieder, sich aufzurichten doch neue Schläge trommelten auf ihn, bis der Bestie endlich der Atem ausging und sie, sich verpustend, nur noch wiederholt schreien konnte: ,, Stehst Du auf!" Der gemarterte Mensch erhob sich mit dem letzten Rest seiner Kraft und stand an allen Knochen schlotternd vor ihm. Da brüllte er ihn auf Neue an: " , Wo hast Du das her, wer hat Dir das zu fressen gegeben? Woher hast Du das Fressen?" Der Franzose, der deutschen Sprache nicht mächtig, verstand ihn nicht und wandte seinen Kopf hilfeheischend nach dem Dolmetscher, der die Worte übersetzte. Darauf wies er mit der Hand nach der Stelle hin, wo der Eimer stand. Der SS- Führer krallte seine Faust in den Rock des Kameraden, zog ihn zu der Stelle hin und schrie ihn an, woher er das hätte. ,, Dolmetscher", brüllte er ,,, frag den Hund, woher der Fraẞ kommt." Der Dolmetscher übersetzte. Der andere antwortete: ,, Ich habe es hier gefunden, das hat hier gestanden!" ,, Du willst mich auch noch belügen! Willst Du mir nicht die Wahrheit sagen, Du Drecksack?" Mit diesen Worten ergriff er den noch halbgefüllten Eimer, stülpte seinen Inhalt über den Kopf des Unglücklichen und schlug dann damit solange auf den Schädel seines Opfers ein, bis der Franzose blutüberströmt zusammenbrach. Wenige Tage später war er tot. Diesem Vorgang haben außer mir einhundertzwanzig französische Kameraden beigewohnt. Nun war für einige Tage unsere Ernährungsquelle, aus der wir unseren großen Hunger stillten, verschlossen. Aber der Hunger wog die Furcht, totgeprügelt zu werden, auf, denn bei nüchterner Betrachtung sagte sich jeder, daß es entschieden besser wäre, schnell zu sterben als sich zu Tode hungern zu müssen Und so kam diese Ernährungsversorgung in späterer Zeit öfter wieder in Gang: auch dann noch, als ich selbst eines Tages beim ,, Organisieren" des besagten Eimers von dem bestialischen Kommando führer überrascht wurde und an Ort und Stelle seinen Knotenstock ausgiebig 52 zu s Tag, Was Die hafte neue Der unse Der Tode Der nur zuse Gibt Mer eine Wie Bra man Es Sch kon Tod Ich hör scho Vor in lich die sch Um unt che Un Dr Eir auf die blutunterzu spüren bekam. Außerdem wurde ich zur Strafe von ihm den ganzen Tag, schwere Steine tragend, hin- und hergejagt. Was war dies alles aber gegen das furchtbare Hungergefühl! Der ver melten auf tend, nur Kraft und oher hast nicht und orte übermer stand. og ihn zu meit sagen, ote seinen it solange trömt zuCameraden T unseren ie Furcht, sagte sich zu Tode m späterer ages beim ommandoausgiebig Die Zeit schleicht träge dahin. Tag für Tag Mord, Totschlag und grauenhaftes Elend. Jeden Abend schleppen wir, von der Arbeit kommend, immer neue Opfer bestialischer Mißhandlung ins Lager zurück. - Der Winter kommt mit seiner grausigen Kälte und reißt große Lücken in unsere Reihen. - Der Frühling naht, und sein warmer Hauch berührt noch einmal manche im Todesröcheln sich verschließende Häftlingsbrust. Der Sommer ist da, und er sieht das gleiche grausame Bild wie im Vorjahr, nur daß die wenigen Überlebenden noch elender, noch schrecklicher anzusehen sind. Gibt es gar kein Ende? Menschen, unschuldige Menschen, als Versuchskaninchen" zu benutzen, war, eine allgemein angewandte Methode in den Konzentrationslagern. Wie überall, so auch in Natweiler, huldigte man diesem verbrecherischen Brauch. Man suchte sich hierfür willkürlich die Opfer aus. Sehr gern nahm man Zigeuner und Juden. Es war kurz vor Weihnachten. Im Lager oben lag schon seit Wochen Schnee Der Bergkegel war wie so oft in dichte Wolken gehüllt, und wir konnten keine zehn Meter weit sehen. Ein Wetter, das vielen von uns den Tod brachte. Ich war an diesem Tage gerade in der Nähe des Lagertores beschäftigt und hörte das Brummen der bergauffahrenden Transportautos. Bald sah man schon die Umrisse der Wagen aus dem Nebel hervortauchen. Sie fuhren vor das Tor, es wurde geöffnet, und sie rollten ins Lager hinein, um unten in der Nähe des Krematoriums zu halten. Das war etwas ganz Außergewöhnliches, denn üblicherweise hielten die Wagen stets vor dem Lagertor, worauf die Neuankömmlinge ausstiegen, sich aufstellten und ins Lager hineinmarschierten. Der Vorfall erregte daher meine Neugierde. Um Näheres in Erfahrung zu bringen, meldete ich mich bei meinem Capo unter dem Vorwand ab, Geschirr aus dem Schuppen holen zu wollen, welcher sich damals noch in der Nähe des Krematoriums befand. Unten angekommen, bot sich mir ein Bild des Jammers! Drei Autos voller Häftlinge in Zebrakleidung, Zigeuner. Einige lagen oder saßen auf dem Boden, hohlwangig, fiebernd und vor 53 Schwäche nicht mehr in der Lage, sich zu erheben, die anderen waren vor Hunger so schlapp, daß sie kaum noch kriechen konnten. Zwischen ihnen lagen einige Tote, die auf der Fahrt vom Bahnhof bis zum Lager hinauf gestorben waren. Das Bild im zweiten Wagen war das gleiche. Das dritte Auto war halb gefüllt mit Toten, die aufeinandergeschichtet dalagen. Ein Beweis dafür, daß sie schon am Bahnhof tot ins Auto gepackt wurden. Die andere Hälfte des Wagens war mit dem Rest der kranken und schwachen Zigeuner gefüllt. Man brachte die Toten ins Krematorium und alle übrigen in den Krankenblock, das sogenannte Revier. Ich wunderte mich, daß man sie humanerweise dorthin brachte, doch schon am nächsten Tage fand sich eine Erklärung dafür. Diese Zigeuner kamen aus dem berüchtigten Lager Auschwitz, damit hier an ihnen bakteriologische Versuche gemacht würden. Sie wurden mit Typhus- Bazillen infiziert. Aber nicht alle, denn ein Teil von ihnen war schon in der Nacht an Entkräftung gestorben. Man hatte nämlich den Unglücklichen, die auf der langen Fahrt von Auschwitz nach Natzweiler trotz des Winterwetters in einem ungeheizten Güterwagen untergebracht waren, für nur vier Tage Verpflegung mitgegeben, obwohl sie vierzehn Tage unterwegs waren. Kein Wunder, daß ein großer Teil von ihnen verhungerte und erfror. Das waren die Leichen, die man schon bei der Ankunft aus dem Waggon holte. Unvorstellbar traurig machte mich beim Anblick dieser Opfer die Feststellung, daß zehn- bis vierzehnjährige Kinder unter ihnen waren. Die Überlebenden wurden also kurzerhand mit Typhus- Bazillen geimpft, woran die meisten starben. Nur wenige mit außergewöhnlich starker Natur überlebten dieses unmenschliche Geschehen, doch hat die in ihrem Körper künstlich erzeugte Krankheit Spuren hinterlassen, die sich immer wieder bemerkbar machen werden. In Buchenwald fand ich das gleiche vor, nur daß diese Versuchsstation viel größer ausgebaut war, vor allem die Fleckfieberstation. In Dachau dagegen wurden hauptsächlich Malaria- Experimente gemacht. ich h und z genom Und w Von d nur e Beim wurde wiede Damit Wir s Daß halter der a Aber Außer beim Lager Wir Die S suche Wir s Mein ,, Gut als w kälte ,, Ja" Wora Der werd Wa " an", ' stand Du a Eine ,, milde" Strafe im Konzentrationslager waren die sogenannten Stockoder Peitschenhiebe. Hierfür verwandte man, wie schon einmal beschrieben, Peitschen und lange Stöcke, die einen Durchmesser von zwei bis drei Zentimetern hatten. Die Prozedur ging so vor sich, daß man den Häftling über den bereits erwähnten sogenannten ,, Bock" spannte. Hände und Füße wurden an den Bockbeinen gefesselt. Er bekam eine seidendünne Hose an, und zwei Mann schlugen dann mit aller Wucht auf ihr Opfer ein. In Fällen, in denen die SS einen besonders ,, hartnäckigen" Kameraden vor 54 Plöt wir Der Der Wo " Der zöge deut Wir hört Wir ren vor mihnen hinauf Halagen. wurden. wachen Crankenchon am mit hier ein Teil an hatte it nach untersie viern ihnen bei der Feststelgeimpft, er Natur Körper wieder tion viel dagegen n Stockchrieben, ei Zentiing über Be wurHose an, ein. In den vor sich hatte, fand die Auspeitschung öffentlich auf dem Appellplatz statt, und zwar wurde diese Tortur stets auf der höchsten Stelle des Lagers vor genommen, damit es auch jeder von uns gut sehen sollte Und wir haben es gut gesehen, zu gut! Von den vielen Fällen, bei denen auch ich Zuschauer sein mußte, will ich nur einen schildern. Beim Zählappell fehlte abends ein Mann. Da der Appell erst abgenommen wurde, wenn alles stimmte, mußten wir darum stehen bleiben und wurden wiederholt durchgezählt, aber es stimmte nach wie vor nicht. Damit verging eine Stunde. Wir standen immer noch. Daß viele von uns schlapp machten, da sie sich nicht mehr auf den Beinen halten konnten, versteht sich von selbst. Und alles wegen eines Kameraden, der angeblich fehlen sollte. Aber dem Kameraden grollte niemand. Außerhalb des Stacheldrahtes konnte er nicht sein, denn der Zählrapport beim Einrücken durchs Lagertor hatte gestimmt. Mithin mußte er sich im Lager befinden. Wir standen noch immer! Die SS gab dem Lagerpersonal Befehl, alle Blocks eingehend zu durchsuchen. Das dauerte wiederum zwei Stunden, war aber ohne Erfolg. Wir standen immer noch!! Mein Nebenmann flüsterte mir zu: ,, Gut, daß wir schönes Wetter haben, und daß es nicht regnet wie kürzlich, als wir wegen des Fluchtversuchs des Franzosen fünf Stunden bei Hundekälte im Regen stehen mußten." ,, Ja" - - sagte ich Worauf er erwiderte: ,, Du hast Recht!" ,, Der arme Kerl tut mir leid, wenn sie ihn kriegen. Ob sie ihn hängen werden?" , Was weiß ich", sagte ich resigniert ,,, aber schau Dir den Teufel da oben an", wobei ich auf den Rapport führer wies, der auf der höchsten Terrasse stand und mit verbissener Wut unruhig hin- und herging ,,, dann weißt Du alles!" Plötzlich hörten wir vom unteren Ende des Lagers her laute Rufe, woraus wir schließen konnten, daß sie den Gesuchten gefunden hatten. Der Unglückliche wurde zum Rapportführer auf die oberste Terrasse geführt. Der empfing ihn mit den Worten: 99 , Wo hast Du Hund, Du Kreatur. Dich solange versteckt?" Der Kamerad, ein zartes junges Kerlchen aus einem Ort bei Leningrad, zögerte ängstlich mit der Antwort und sagte schließlich in gebrochenem deutsch, daß er Angst gehabt und sich darum versteckt hätte. Wir, die wir oben in den vordersten Reihen des ersten Blocks standen, hörten seine Worte. Wir verstanden ihn nur zu gut. 55 Der kleine Russe mit seiner schwächlichen Natur, seelisch zerrüttet von den Grausamkeiten, die er gleich uns bis zum heutigen Tage miterleben und ansehen mußte, war offenbar von einer Angstpsychose, die an Verfolgungswahn grenzte, befallen worden, die ihn in sein Versteck trieb. Aus dem Lager konnte er ja nicht fliehen. Das war völlig unmöglich, nicht eine Katze konnte heraus, geschweige denn ein Mensch. Da erschien auch schon der stellvertretende SS- Lagerführer auf der Bildfläche, der, von Auschwitz kommend, erst zwei Tage hier Dienst tat. Er wollte sich uns wohl von der humanen Seite zeigen, denn er befahl diesmal ,, nur" das Auspeitschen. Man holte den Bock, und die Prozedur des öffentlichen Auspeitschens, ausgeführt von zwei kräftigen, wohlgenährten SS- Männern, begann - Bei den ersten Stockhieben war der Junge noch so tapfer, daß er keinen Laut von sich gab, um den Sadisten nicht die Freude an seinen Schmerzensschreien zu gönnen. Aber bei den nächsten fünfzehn Hieben, da gurgelte und röchelte er unter den Qualen und wurde ohnmächtig. Das merkten seine Peiniger bald. Man begoß ihn mit einem Kessel kalten Wassers, und die Tortur ging weiter, bis sich der Lagerführer ausreichend Genugtuung für seinen etwas längeren ungewollten Aufenthalt im Lager verschafft hatte und schließlich Einhalt gebot. Der über den Bock Geschnallte wurde seiner Fesseln entledigt und sollte sich erheben. Er konnte es nicht, denn er war bewußtlos. Seine Folterknechte legten das als Boshaftigkeit aus und zerrten ihn mit roher Gewalt vom Bock, so daß der Junge mit dem Kopf zuerst die von der Terrasse herabführende Steintreppe hinunterrutschte und wie ein lebloses Bündel unten ankam. Vier aus der ersten Reihe wurden kommandiert und mußten ,, das Opfer" ins Revier bringen. Dort wurde er von unserem Häftlingsarzt gesäubert und verbunden. Täglich wiederholten sich diese Dinge. Kurz wur kiste Wie man nich Als Füh Die stan Rüc abg Es Auf füh best Ein um wel Dan die W " Der Ich we Sie We and Ne Ei - Eine weitere grauenhafte Methode der SS, uns mit ihrer Schreckensherrschaft in Bann zu halten, war das öffentliche Hängen auf dem Appellplatz. Inmitten des Lagers, auf der zweiten Terrasse, war in Abständen von drei Metern je ein vierkantiges Loch 15 X 15 cm zirka ein Meter tief ausbetoniert Diese Löcher, zu gewöhnlichen Zeiten mit einem kleinen Holzdeckelchen versehen, damit sie sich nicht mit Dreck füllten, waren für drei Galgen bestimmt, die dort kurz vor jeder Hinrichtung eingelassen wurden, um danach wieder entfernt zu werden. Von Fall zu Fall wurden hier Kameraden, die aus irgendeinem oft nichtigen Anlaß gegen die Disziplin der SS verstoßen hatten, beim Appell vor versammelter Mannschaft aufgehängt. 56 SC ha Da au De lin be W M Sie no von den ben und Verfol Aus dem cht eine er Bildtat. Er hl diesns, aus- keinen merzensgurgelte 1 kalten reichend Lager d sollte FolterGewalt Terrasse Bündel mußten n. Kurz bevor wir, von der Arbeit kommend, ins Lager einmarschierten, wurden diese Galgen errichtet. Unter jedem stand eine sogenannte Klappkiste, und neben dieser ein schwarzer Sarg. Wie oft sahen wir beim Einrücken diese Vorbereitungen schon getroffen, und mancher von uns sagte sich voller Furcht und Grauen: Heute bist du noch nicht dran, aber vielleicht schon das nächste Mal. Als wir dann zu Tausenden appellmäßig angetreten waren, stand die SSFührung bereits auf der oberen Terrasse. Die Delinquenten wurden von der SS aus dem Arrest heraufgeführt und standen mit entblößtem Oberkörper, die Hände mit der„ ,, Acht" auf dem Rücken gefesselt, durch oft wochenlangen Arrest fast bis zu Skeletten abgemagert, jeder vor seinem angewiesenen Galgen. Es wurde kein Todesurteil verlesen, keinem ein Wort gegönnt. Auf dem Galgenplatz hatte sich mit finsterer Miene der Schutzhaftlagerführer postiert; er winkte kurz mit dem Daumen, und die Todgeweihten bestiegen dann die bekannte Kiste. Einer der Häftlinge wurde von der SS dazu bestimmt, ihnen die Schlinge um den Hals zu legen und am Galgen zu befestigen. Hätte er sich geweigert, wäre sein sofortiger Tod die Folge gewesen. Dann trat der schon erwähnte SS- Lagerführer Seuß mit dem Fuß gegen die Klappvorrichtung der Kiste, wobei er rief: ,, Weg, Du Mistvogel!" Der Deckel, auf dem der Kamerad stand, knallte zu Boden und - der Nationalsozialismus fraß sein Leben! - Ich habe bei all den vielen Vorkommnissen dieser Art keinen schwach werden sehen. Sie gingen in den Tod wie Helden. Weißt du, o Mensch, der du diese Zeilen liest, was in jedem von uns anderen vorging?- Nein, du weißt es nicht! 57 52 errschaft Hen von tief en Holzfür drei wurden, oft nichAppell Eines Abends rückten wir, vom Arbeitsplatz kommend, ins Lager ein. Erschöpft schleppten wir uns durch das Tor. Kurz dahinter mußte das Ganze halten. Das war etwas Außergewöhnliches, denn sonst marschierten wir direkt bis auf den Appellplatz. Der SS- Arbeitsführer schritt die Front ab und suchte sich fünfzehn Häftlinge der verschiedensten Körperkonstitutionen heraus. Diese mußten links beiseite treten. Wir anderen durften weitermarschieren. Mit diesen fünfzehn geschah folgendes: Sie mußten vor dem Tor antreten und marschierten, nachdem ihre Nummern notiert waren, dann geschlossen zum Struthof hinunter. Dort angekommen, mußten sie sich entkleiden und wurden, einzeln oder in kleine Gruppen aufgeteilt, in Gaszellen eingesperrt. Im Beisein einer Kommission, bestehend aus SS- Ärzten und Chemikern, wurden an diesen Menschen Giftgasversuche ausgeführt. Als nach einigen Stunden die Zellen wieder geöffnet wurden, lebten von den fünfzehn nur noch zwei, die man ins Lagerrevier heraufschaffte, wo sie uns mit schwacher Stimme den Vorgang gerade noch schildern konnten und kurz darauf starben. Das oben Beschriebene war damals mein erstes Erlebnis der Art. Bisher hatte ich geglaubt, genug des Grauenhaften erlebt zu haben, aber schon stand man wieder entsetzt einer neuen Untat gegenüber. Diese grauenhaften Giftgasversuche wiederholten sich in der Folgezeit laufend. Geschehen im Konzentrationslager Natzweiler unter dem Kommandanten, SS- Führer Kramer, der elenden Hauptfigur im Belsen- Prozeß. Kann reifte dem Das Hin Der, weil Die und veru entf zoge Dies Men Erso scho gebr An einem schönen Tage im Sommer 1944 brauchten sechsunddreißig Polen nicht mit zur Arbeit auszurücken. Sie mußten im Lager bleiben. Sie ahnten nicht, warum. Keiner von ihnen wußte, daß er zu den ,, Sechsunddreißig" gehörte, und welches Schicksal seiner harrte, denn diese Kameraden waren auf die einzelnen Blocks verteilt und bekamen lediglich Bescheid, daß sie im Lager zu bleiben hätten. Das war an sich nichts Außergewöhnliches, denn es blieben häufiger Häftlinge auf Anordnung zurück, um irgendwie vernommen oder in bezug auf Personalien, Familie und so weiter geprüft zu werden. Darum hatte sich wohl auch niemand von ihnen etwas Besonderes dabei gedacht. Sie wurden einzeln in den Arrestblock geführt, wo man ihnen die Hände auf dem Rücken fesselte. Anschließend wurden sie zu je sechs Mann ins Krematorium gebracht und aufgehängt. Die Prozedur dauerte eine gute Stunde. Als wir zum Mittagsappell ins Lager hineinmarschierten, schon verbrannt! war daß feue Mir die Es und wir war sche nac We Es kle zau Bei - waren sie ges Ra Un Diese polnischen Kameraden wurden von der SS aus Repressaliengründen aufgehängt, weil sich ihre Angehörigen in Polen gegen den dortigen brutalen SS- Mordterror gewehrt hatten, und dabei sechs SS- Männer ums Leben gekommen waren. Die Täter und ihre Angehörigen wurden daraufhin alle hingerichtet, und diese Kameraden, die mit der Sache überhaupt nichts zu tun hatten, wurden einzig und allein darum hingemordet, weil sie zu den betreffenden Familien gehörten. 58 stel ger in dam Es We I oder In IN einer Q diesen von den d sie una ten und t. Bisher er schon zeit lau- Komman- Zeh. ig Polen 'rte, und die ein- Lager zu ser Häft- ezug auf atte sich e Hände ann ins ‚aren sie aründen ner UMS ‚ darauf- berhaupt der, weil Kannst du, Leser dieses Buches, dir vorstellen, was in jedem von uns reifte, die wir dem gleichen Schicksal ausgeliefert waren’ und ohnmächtig dem allen zusehen mußten? Das Konzentrationslager Natweiler war zugleich, wie schon erwähnt, eine Hinrichtungsstätte für die Opfer der Gestapo. Der, über den die Gestapo das Todesurteil gefällt hatte, wurde nach Nag- weiler hinaufgeschaflt und hier oben liquidiert. Die Opfer, die gehenkt werden sollten, wurden ins Krematorium gebracht und dort das Todesurteil vollstreckt. Bei denen, die zum Toderdes Erschießens verurteilt waren, wurde das Urteil in der einige hundert Meter vom Lager entfernten, aber noch im Lagerbereich selbst befindlichen Kiesgrube voll- zogen. Diese Kiesgrube hat eine grauenhafte Geschichte. Hier sind ungezählte Menschen einzeln oder in Massen von der SS erschossen worden. Wie das Erschießen vor sich ging, hat niemand außer der SS gesehen, aber die Er- schossenen wurden von uns Häftlingen zum Verbrennen ins Krematorium ‚gebracht. Wir konnten daher die Schußwunden eingehend betrachten. Sie waren so verschieden, daß wir daraus klar und deutlich feststellen konnten, daß die Schützen aus dem Hinterhalt, auf das herannahende Opfer lauernd, feuerten. Mir ist da noch ein Tag in Erinnerung, an dem auch ich kommandiert war, die Leichen der Eıschossenen ins Krematorium hinunterzuschaften. Es war am Heiligen Abend. Der Schnee lag schon wochenlang im Lager, und seit einigen Tagen hatten wir Neuschnee. An diesem Tage brauchten wir ausnahmsweise nur bis vier Uhr zu arbeiten. Nicht weil Heiligabend war, und man uns etwas zugute tun wollte, nein, wir waren ja keine Men- schen, sondern darum, damit die SS-Urlauber noch rechtzeitig ihren Weih- nachtsurlaub antreten und mit ihren Angehörigen ihr„Julfest“— unser Weihnachten— feiern konnten. Es dämmerte schon. Die Vogesenlandschaft war prächtig in ihrem Winter- kleid. Tannen- und Fichtenwälder boten einen herrlichen Anblick und zauberten eine richtige Weihnachtsstimmung hervor. Bei den meisten von uns war jedoch jegliches Empfinden erloschen. Ab- gestumpft waren die Herzen von der furchtbaren Not der’ Gegenwart, keinen Raum hatten sie mehr für weichere Regungen. Und doch hatte der eine oder andere am Nachmittag von seiner Arbeits- stelle, sofern diese am Waldrand lag, ein kleines Tannenreis, heimlich ab- gerissen, unter seinem Rock versteckt ins Lager hineingeschmuggelt und in seinem Block irgendwo verstohlen angebracht, um seinen Kameraden damit eine kleine Freude zu machen. Es mußten wohl draußen in der Welt noch Menschen leben, die heute Weihnachten feierten. 59 Ich stand vor dem Block und säuberte meine schmutzigen Holzschuhe mit Schnee. Dabei dachte ich an zuhaus, an früher verlebte Weihnachtstage. Aber nur ganz kurz. Ich mußte diese Gedanken schnell fallen lassen, um nicht schwermütig zu werden. Da kam eiligen Schrittes jemand auf mich zu und rief mich an. Es war der Capo vom Krematorium. Er forderte mich auf, mitzukommen. Ich gehorchte und ging mit. Wir stiegen die Terrassentreppen zum Tor hinauf Unterwegs griff er noch einen zufällig des Weges kommenden Kameraden auf, der auch helfen sollte. Was wir zu tun haben würden an diesem Heiligen Abend, wo doch unsere Arbeit schon beendet war, konnten wir uns nicht erklären. Oben auf der Lagerstraße angekommen, sahen wir unweit des Tores schon eine Gruppe Häftlinge stehen, der wir uns anschließen mußten. Der Capo zählte uns noch einmal durch und sagte: ,, Gut so, sechzehn Mann!" Er unterteilte uns in vier Gruppen zu je vier Mann und erklärte: ,, Also, hört zu. Jede Gruppe trägt einen Sarg. Aber geht vorsichtig, es ist glatt, und die Särge sind schwer. In jedem liegen zwei Mann. und die da drinliegen, sind keine ,, Muselmänner", sondern Leute von draußen.( Muselmann war der bekannte Lagerausdruck für den bis zum Skelett abgemagerten Häftling.) Die leeren Särge sind bereits oben, und die SS muß gleich, aus der Kiesgrube kommend, mit den Leichen da sein, denn sie haben vorhin ein Auto voll Menschen aus Straßburg heraufgebracht. Ich glaube aber, daß noch nicht alle tot sind. Also, seid ruhig und bleibt hier stehen. Ich gehe mal eben zum Tor, um zu hören, was los ist. Wenn ich Euch rufe, dann kommt sofort!" Inzwischen war es dunkel geworden. Leise rieselte der Schnee. Kristallkörnchen funkelten im Licht der Lagerscheinwerfer. Schweigend verharrten wir in düsterer Stimmung. Einer unserer Kameraden, ein Zugang, der erst seit einigen Wochen im Lager war, noch jung an Jahren, fing an zu zittern und klappte lautlos zusammen. Zwei von uns brachten ihn schnell ins Revier und holten einen Ersatzmann aus einem der nächsten Blocks. Jetzt waren wir wieder vollzählig. Hinter dem Lagertor lag alles in tiefstem Dunkel. An dem halblauten Stimmengewirr, dem Klirren von Handschellen merkten wir, daß die SSMörder dort herumhantierten. Einige Minuten später. Eine Anzahl Schüsse peitschten durch die Stille des Heiligen Abends Dann war es ruhig. - Die Stimme des Krematorium- Capos rief uns ans Tor, wo wir auch schon vier Särge vorfanden, die wir auf die Schultern luden. Meine Gruppe bestand außer mir aus noch einem Kameraden gleicher Größe und zwei kleineren. Da die Last bergab getragen werden mußte, gingen wir beiden größeren voran und die kleineren Träger hinter uns her. So bewegte sich dieser Leichenzug durch den Schnee stampfend nach unten ins Kre dagegen zu mild spitz he Da füh Im Lic Mensch Vor ein Ich hab war me Im Le mordet geschic Handv Der K den Re Unterw zu mir ,, Hast meinen Eine h Wir su Was si gedach dürfen Der kl Mit H jede K Es wa legte n Die L besond Lautsp Kinde Ganz V C F C Diese Sie wa in ihr 60 he mit Chtstage. sen, um Commen. er noch helfen vo doch es schon er Capo , es ist die da ( Muselmagerten aus der thin ein er, daß che mal kommt Kristallchen im tlos zun einen Ilzählig. blauten die SSI hon vier r Größe gen wir hunten ins Krematorium. Ich hatte die Last auf der rechten Schulter, den Arm leicht dagegen gedrückt, um die Schmerzen, die mir das Tragen verursachte, etwas zu mildern, denn ich war bereits so abgemagert, daß meine Schulterknochen spitz herausragten Da fühlte ich etwas Nasses auf meiner rechten Hand Im Licht des nächsten Scheinwerfers sah ich, daß es Blut war, Blut von dem Menschen, dessen Leiche ich jetzt trug. Vor einigen Minuten lebte er noch. Ich habe ihn nicht gekannt, aber ein tiefes Weh erfaßte mich, denn auch er war mein Kamerad. Im Leichenkeller des Krematoriums wurden die Särge abgesetzt, die Gemordeten entkleidet und dem dort bereits vorhandenen Leichenstapel beigeschichtet. Sie lagen übereinander wie Eisenbahnschwellen, wurden mit einer Handvoll Chlorkalk bestreut und harrten nun der Verbrennung. Der Krematorium- Capo bemerkte, daß wir noch einmal hinauf müßten, um den Rest zu holen. Unterwegs sagte einer meiner Kameraden, ein kleiner blasser Lothringer, zu mir: ,, Hast Du gesehen, das waren noch stramme Kerls! Ach, ich möchte mich vor meinem Tode auch gern noch einmal suttessen!" Eine halbe Stunde später war unsere Arbeit beendet. Wir suchten unsere Blocks auf, jeder mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt. Was sich der eine oder andere meiner Schicksalsgenossen bei diesem Erlebnis gedacht hat, weiß ich nicht. Ich selbst habe darüber nicht mehr nachdenken dürfen! Der kleine Funke meiner Heilig- Abend- Stimmung war ausgelöscht! Mit Heißhunger verzehrte ich dann mein kärgliches Stückchen Brot, wobei ich jede Krume, die herunterzufallen drohte, sorgsam hütete. Es war mittlerweile Schlafenszeit. Ich begab mich deshalb in den Schlafraum, legte mich auf meine Pritsche, um im Schlaf Vergessen zu finden. Die Lagerwache der SS wollte uns unser Elend am heutigen Abend noch besonders fühlen lassen, denn sie schaltete den Radioapparat ein, dessen Lautsprecheranschlüsse übers ganze Lager auf jeden Block verteilt waren. Kinder sangen alte Weihnachtslieder. - Ganz deutlich klingen mir noch die Worte in den Ohren: Welt ging verloren, Christ ist geboren, Freue, freue dich, O Christenheit... Diese Iügner, diese Betrüger! Sie wagten es noch, das Wort Christus, den Namen dieses Reinen, Edlen, in ihr bluttriefendes Maul zu nehmen. 61 Mir tat es weh, diese kleinen, unschuldigen Menschlein für den Zweck der raffiniert verlogenen Nazi- Propaganda singen zu hören. - O diese Teufel, die sich anmaßten, Gott zu sein! hinaus, augensc der Zei mehr de bis sech gehenkt Meine 2 auf das Es kam die Zeit nach dem 6. Juni 1944, kurz nach Beginn der Invasion. Einige Wochen danach hörten wir bereits das Artilleriefeuer aus Richtung St. Dié. Damals war ich durch eine Denunziation seitens der SS angezeigt und vom Kommandanten Kramer ohne Verhör zum Tode durch den Strang verurteilt worden Ich wurde photographiert und in die Arrestbaracke, Abteilung für Todeskandidaten, eingesperrt. Denunziationen von seiten der SS waren eine oft angewandte Methode, um Häftlinge auf diese Weise zu beseitigen, die infolge ihrer Funktion Gelegenheit hatten, zu tief in die Karten der SS zu schauen und dadurch von ihren erbärmlichen Schurkereien ungewollt Mitwisser zu werden. Man stellte ihnen raffinierte Fallen, und der kleinste Fehltritt eines Funktionärs wurde zur todbringenden Anzeige ausgebaut, die, dem Lagerkommandanten vorgelegt, fast ausnahmslos den Tod bedeutete. Da gab es genug Delikte, wie unter anderem Aufwiegelung, Anzettelung zu Sabotage und Meuterei. Auf jedes einzelne solcher Vergehen stand schon die Todesstrafe. Viele Kameraden sind auf diese Weise ums Leben gekommen. So wollte man, daß es auch mir so ergehen sollte, als ich auf einem Außenkommando den dort führenden SS- Banditen hinter ihre Schliche gekommen war, und sie dies merkten. Auf Grund neuer Bestimmungen konnte der Lagerkommandant das Urteil nicht eher vollstrecken lassen, bevor die Zustimmung der Gestapo- Zentrale Berlin vorlag Das war nur eine Formsache, denn ein vom Lagerkommandanten beantragtes Todesurteil fand in Berlin ohne weiteres seine Bekräftigung, und in der Regel vergingen bis zu seinem Vollzug nur drei Tage. Dreiundfünfzig Tage habe ich jeden Morgen auf den Tod des Erhängens gewartet. Daß ich noch lebe, verdanke ich erstens dem Umstande, daß an den betreffenden Tagen des Monats Mai 1944 Berlin, vor allem die GestapoGebäude, durch amerikanische Bomber heimgesucht wurden, wobei auch mein Todesurteil verloren ging; zweitens der opferbereiten Tat eines Kameraden, der als Häftling bei der politischen Abteilung beschäftigt war und die als Unterlagen im Lager verbliebenen Duplikate unter Gefährdung seines eigenen Lebens verschwinden ließ; und nicht zuletzt darum, weil sich meine übrigen Kameraden bemühten, mich durch geschickte Verschiebung in ein anderes Kommando vor den Augen der maßgebenden SS- Führer verborgen zu halten. Infolge der näherrückenden alliierten Front aus dem Westen über St. Dié 62 die uns Ich sehe Ich hör fünfzig Minuter Ich hör stehend Schling festigte So star gestreck öfters s führers Aus fo ein SSZeit, u komme noch zu Wenn betrat. ,, Sind Weg Und n 55 Eine h übliche sie mi durfte Dieser Die Ka Ich Artilie uns op eck der nvasion. Richtung nd vom erurteilt ung für ode, um Gelegen on ihren stellte s wurde ten vorkte, wie rei. Auf e Kame Außenkommen as Urteil -Zentrale komman Bekräftige. rhängens daß an Gestapouch mein Kamewar und ng seines ch meine g in ein erborgen St. Dié hinaus, mußte das Lager geräumt werden, und meine Angelegenheit ist augenscheinlich dadurch von den leitenden SS- Führern vergessen worden. In der Zeit, wo ich im Arrest saß und täglich auf meinen Tod wartete, sind mehr denn einhundert achtzig meiner Leidensgefährten im Alter von sechzehn bis sechzig Jahren wegen kleiner Vergehen gegen den brutalen SS- Terror gehenkt worden. Meine Zelle befand sich neben dem Eingang des Arrestblocks. Wenn ich mich auf das Bettgestell meiner Pritsche stellte, konnte ich meine Leidensgefährten, die unschuldigen Opfer des Meuchelmordes, an mir vorbeimarschieren sehen. Ich sehe noch heute den müden Schritt jener Menschen. Ich höre noch heute den Kies unter ihren Sohlen knirschen, als sie sich zum fünfzig Meter entfernten Krematorium schleppten, um dort in den nächsten Minuten aufgehängt zu werden. Ich höre noch heute in meinen Ohren das Umfallen der in Scharnieren stehenden Bank, auf die diese Opfer steigen mußten, damit ihnen die Schlingen um den Hals gelegt werden konnten, die an den in der Decke befestigten Haken eingehängt wurden. So standen nun jeweils auf dieser Bank sechs bis acht Opfer mit ausgestrecktem Hals, um den sich eine eingehakte Schlinge legte und warteten, öfters sogar eine halbe Stunde lang, auf den Befehl des SS- Schutzhaftlagerführers oder seines Stellvertreters, der ihren Tod bedeutete. Aus formalen Gründen war es erforderlich, daß bei der Urteilsvollstreckung ein SS- Führer anwesend sein mußte. Und diese Herren ließen sich gewöhnlich Zeit, um von ihrem Kemmandanturgebäude bis zum Krematorium herbeizukommen, so daß den Delinquenten die bangen Minuten des Todesgrauens noch zur Ewigkeit gemacht wurden. Wenn dieser SS- Führer, oft in Begleitung des SS- Arztes, das Krematorium betrat, öffnete er nur die Tür, fragte: ,, Sind alle Vögel dran?", und mit dem Ruf: ,, Weg damit!", stieß der SS- Unterführer die Bank aus den Scharnieren. Und nun hingen diese Menschen da, als ob ihr Leben gar nicht existiert hätte. Eine halbe Stunde darauf waren sie schon verbrannt. Ihre Asche wurde nach üblichem Brauch auf eine Karre geladen und zur Müllkippe gebracht, wo sie mit Schutt und Abfällen vermengt des Tages der Auferstehung harren durften. Dieser Tag ist angebrochen. Die Kameraden sind auferstanden und klagen an!! Ich denke an die letzten Tage, die letzten Nächte von Natzweiler, als das Artilleriefeuer der alliierten Front näher und näher rückte, als einige von uns optimistisch glaubten, der Tag der Freiheit wäre schon da. 63 63 Ich höre noch heute das Brummen der Gefangenenwagen den Berg herauf, die ununterbrochen Menschen nach Natzweiler brachten, männlichen wie weiblichen Geschlechts. Menschen, die für die Freiheit lebten, für sie wirkten und jetzt dem Tod durch den Nationalsozialismus ausgeliefert waren. Ihnen wurde erst gar nicht mehr die Uniform ausgehändigt, sie wurden nicht durch den sonst üblichen langwierigen Prozeß in die Reihe der Konzentrationäre eingegliedert. Sie wurden einfach in ihrer Zivilkleidung hingerichtet. Ich sehe noch heute im Geiste die glühende Esse des Krematoriums Natzweiler, wo man diese Opfer Tag und Nacht verbrannte. Noch heute steckt mir der penetrante Geruch verbrannten Fleisches, der Tag und Nacht das Lager überzog, in der Nase. Ich sehe noch heute die Gruppen zu je acht vom Arrestblock ins Krematorium wandern, wo sie aufgehängt wurden. Ich sehe heute noch den Blick eines sechzehnjährigen elsässischen Mädchens verzweifelt nach Hilfe suchen, als sie mit ihren Kameraden und Kameradinnen zum Krematorium ging. Ich sehe heute noch die entsetzten Augen meiner russischen Leidensgenossen, die mit mir versteckt oben an unserem Block standen und dieses Bild aufnehmen mußten. Wir, denen der Tod im Nacken saß, die wir diesen Anblick gewohnt waren, die wir den Tod hunderte Male an uns vorbeigehen sahen, waren außer uns, daß man Mädchen, die fast noch Kinder waren, so hinmordete. Welcher Mensch, der nur ein klein wenig des Herzens Regung in sich spürt, kann dieses verstehen? Wer kann, ohne vom Grauen gepackt zu werden, dieser Szenen gedenken? Wir, die dem Tode Geweihten, mußten in ohnmächtiger Wut dieser Barbarei zusehen. Und diese Mörder gaben vor, eine Kultur verteidigen zu wollen!. die U ligste gesse griff Selbs Die Sc nähern Den El errichte den ko jetzt ab Herzen Die Front rückt näher. Über dem Teufelsberg brausen Tiefflieger der alliierten Mächte. Die noch überlebenden Häftlinge sind nach Dachau verfrachtet worden. Das Lager ist aufgelöst. Man hat es gesprengt, um die Spuren der Bestialitäten zu vernichten. Das Gebiet ist befreit. Der Elsässer ist wieder frei! - Der Berg steht wieder einsam da. voll. Schatten reiht sich an Schatten Es sind die unschuldigen Opfernationalsozialistischen Mördertums, die beschwörend ihre Hände gen Himmel strecken, die anklagen, was an ihnen geschehen, die an - Um seinen Gipfel rauscht es geheimnis64 5 herauf, en wie wirkten Ihnen t durch ationäre ms Natesteckt cht das Kremaädchens Kamedie Überlebenden appellieren, die Wahrung der heiligsten und primitivsten Menschenrechte nie zu vergessen, die die Menschen warnen vor den falschen Begriffen irdischen Herrschertums und gott ähnlicher Selbstherrlichkeit. - - und Die Schatten schweben über dem Berg. Sie flehen um Sühne nähern sich allen Menschen, die guten Willens sind. Den Elsässern wird es ein Vermächtnis sein, auf diesem Berg ein Kreuz zu errichten, das riesengroß über der Landschaft steht und der lebenden und den kommenden Generationen Anklage und Mahnmal sein soll, damit von jetzt ab und für alle Zeiten die Achtung vor dem Menschenrecht in den Herzen aller Lebenden der Gegenwart und Zukunft gewährleistet wird. enossen, Bild aufwaren, Ber uns, h spürt, ken? Barbarei len!. 1. eheimnisischen immel die an 5 65 59 Dachau - ,, In München steht ein Hofbräuhaus, eins, zwei, gsuffa!" So sang, pfiff, trillerte und gröhlte man in Nazi- Deutschland an süffigen Abenden und bei anderen festlichen Gelegenheiten, an denen es in den Jahren nach der sogenannten Machtübernahme nicht fehlte. Dem Münchener in seinem Lokalpatriotismus war dieses Liedchen eine besondere Freude. In geräumigen, schön mit Grün und leuchtenden Hakenkreuzfahnen geschmückten Festsälen trank man Bier und aẞ Weißwürstel mit Kraut. Stimmung überall! Der Bierkonsum hatte noch nie eine derartig hohe Ziffer erreicht wie in den Jahren Hitler- Deutschlands. Warum sollte es anders sein? - --Ein Volk befand sich in Ekstase. Man hatte einen Führer mit einer„ Argumentation" für seine Herrlichkeit, auf den man stolz war. Und von sich selbst eingenommen, glaubte man dieser Argumentation ohne weiteres, daß die ,, nordische heroische Rasse" der Welt ein neues Glück, eine neue Kultur Aber man bringen müßte. Man jubelte und wußte nicht, wie arm man war. glaubte, von einem Führer geleitet zu werden, dessen Autorität in jeder Hinsicht unantastbar schien, und war bereit, ihm darum zu gehorchen als dem ,, auserwählten Führer der Nation". Eine Veranstaltung jagte die andere, die Folge der Feste riß nicht ab. Aufreizende Marschmusik ertönte zu allen Zeiten, bei jeder Gelegenheit. Das ,, Tausendjährige Reich" war an- 1 gebrochen. Der größte Betrug aller Zeiten startete, aber noch merkten es die Betrogenen größtenteils nicht. - Die diesen Schwindel längst vorher erkannt, davor gewarnt und dagegen gekämpft hatten, wurden aus der sogenannten Volksgemeinschaft ausgestoßen, sofort beseitigt, in Zuchthäuser gesteckt oder der Vernichtung in den Konzentrationslagern preisgegeben. Unweit von München, zirka achtzehn Kilometer nördlich, liegt das berüchtigte Konzentrationslager Dachau. Dachau! Ein kleiner Ort ein Fleckchen Erde, das mit Blut, Blut gemordeter unschuldiger Menschen gedüngt, der. Welt seinen berüchtigten, unauslöschlichen Namen eingeprägt hat. - Dachau! Ein Name, ein Begriff, bei dem die Wahrheit suchenden und an Gerechtigkeit glaubenden Menschen ein Schauder überläuft. - Dachau!- Ein Name, der dem rechtlichen, menschenrechtlich denkenden Menschen das Blut in den Adern erstarren ließ. Dachau, das alles Elend geknechteter Menschheit verkörperte. 69 Welcher alte Dachauer Häftling würde die Qualen, die er erleiden mußte, den Sadismus, den man an ihm ausließ, jemals vergessen können? Nicht ein einziger! Tag für Tag hieß es um vier Uhr früh aufstehen. Innerhalb von zehn Minuten mußte man angezogen und gewaschen sein, das„ Frühstück", schwarzen Kaffee oder, wenn es einmal gut ging, ein halbes Liter Suppenbrühe, getrunken und außerdem noch das Bett mit allen Schikanen vorschriftsmäßig gebaut haben. Und wehe, wenn es nicht gut war! In weiteren zehn Minuten mußten Spind, Tische, Bänke und die ganze Stube blitzsauber geputzt und in Ordnung sein. Dann wurde man auf die Block- oder Lagerstraße hinausgejagt, wo man in dürftiger Kleidung bei jedem Wetter, ganz gleich ob Regen, Schnee oder Frost, ohne jeglichen Schutz eine halbe bis eine Stunde auf den Appell zu warten hatte. Das nannte die SS unsere ,, Freizeit". Danach ging es dann zur Arbeitsstelle, und die Menschenschinderei begann aufs neue, wobei es Schläge, Fußtritte und tausenderlei andere Qualen auszustehen galt. Wenn dann die einstündige Mittagspause gekommen war, wo man in seinem Block das Hunger süppchen verzehren wollte, das schon fertig im Eẞnapf auf dem Tisch stand, kam es häufig vor, daß einem zur Strafe selbst diese karge Mahlzeit entzogen wurde, weil am Morgen der SS- Blockführer bei einer Spindrevision an der Tasse oder dem Eßgeschirr einen harmlosen Kaffee-! spritzer entdeckt hatte. Man mußte dann zuerst das Spind, in welches vorher einige Eimer Wasser gegossen wurden, säubern und sich dabei sehr beeilen, wenn man überhaupt in einer Stunde fertig werden wollte. Andernfalls gabs. eine neue Strafe. Gierig schielte man dann immer zu dem gefüllten EBnapf, der einfach unerreichbar war, weil immer noch irgend etwas geputzt oder geordnet werden mußte. - - in de Geiste Halt einer kette kurze Zigar Weld die back Kom Weld könn Füße stehe ging ven dene gesch Stral Dach Ube in land heit - länd Schon pfiff es zum Antreten. Das armselige, für den gequälten und ausgehungerten Häftling aber doch unentbehrliche Essen mußte stehenbleiben und kam als Abfall in die Schweinezüchterei der SS. In der Regel ließen es die SS- Sadisten hierbei aber nicht bewenden. Am nächsten Tag mußte der ,, Verbrecher" beim Straf- Rapport dafür noch ein bis zwei Stunden mit nach hinten gefesselten Armen am Pfahl hängen, wobei sich die Gelenke auskugelten, was grauenhafte Schmerzen zur Folge hatte. Diese Tortur wurde überdies ausgerechnet in der Mittagspause vorgenommen, so daß der Gefolterte erneut um seine Mahlzeit kam. Der so viehisch gemarterte Mensch, der vor Schmerzen nicht einmal mehr seine Mütze in der Hand halten konnte, wurde dann sofort an die Arbeit gejagt. Eine Erleichterung gewährte man ihm nicht. Wie die anderen mußte er mit Pickel und Schaufel schuften. Daß jede Bewegung ihn schmerzte und er darum langsam arbeitete, versteht sich von selbst. Den SS- Banditen paẞte das natürlich nicht, und sie machten sich dann oft ein Vergnügen daraus, den so mißhandelten Menschen in eine rotierende Betonmaschine zu werfen, was 70 Mas Volk länd Ver dies Im mal für verd Bond nüg gelo Gut heit mußte, zehn hstück", Suppenen vore ganze auf die ung bei eglichen nannte begann Qualen seinem napf auf se karge ei einer in den meisten Fällen einen qualvollen Tod zur Folge hatte. Die wenigen Geistes gegenwärtigen, die in der sich drehenden Betonmaschine einen festen Halt gefunden und so die Tortur überstanden hatten, wurden manchmal von einer Art Verfolgungswahn befallen und taumelten dann stur in die Postenkette der SS. Darauf hatten diese Teufel nur gewartet. Sie knallten ihr Opfer kurzerhand ab, und wurden dafür von ihrem Zugführer mit Schnaps und Zigaretten beglückt. Welcher alte Dachauer Konzentrationär denkt dabei nicht an die Bluthunde, die Hauptscharführer Spatzenecker, Seitz, Tumann, Dammbach und ihre Schergen. Wer denkt dabei nicht an den ehemaligen SSKommandanten Lorritz, diesen Menschenfresser! Welcher alte Dachauer würde jemals die berüchtigte Kiesgrube vergessen können, in der man zu jeder Jahreszeit, vor allem in der kalten, mit bloßen Füßen, nur mit einem dünnen Drillichanzug bekleidet, im eisigen Wasser stehen und bis zur Bewußtlosigkeit schaffen mußte, wobei die meisten eingingen; wenn sie nicht vorher schon totgeschlagen wurden, ganz abgesehen ven denen, die man lebendig begrub. Würde man sich die Leichen derer, denen allein diese Kiesgrube Schicksal geworden ist, zu vieren übereinandergeschichtet vorstellen, so ergäbe das eine Höhe, die man von jeder Münchener Straße aus mühelos erkennen hönnte. - Dachau, Hölle auf Erden, wer wird dich je vergessen? KaffeeS vorher beeilen, lls gabs. ten EBgeputzt and auseiben- en. Am ein bis , wobei ge hatte. mommen, al mehr Arbeit mußte rzle und en paßte aus, den fen, was Uber das Konzentrationslager Dachau wurde die Weltöffentlichkeit schon in der ersten Zeit seines Bestehens von verschiedenen Seiten des Auslandes durch Rundfunk, Presse und Film gut informiert. Da an der Wahrheit der Nachrichten nicht zu zweifeln war, fühlten sich die maßgebenden ausländischen Stellen vor dem Weltgewissen moralisch verpflichtet, die breitestén Massen davon in Kenntnis zu setzen. In Nazi- Deutschland aber würde dem Volk von seiner Regierung vorgelogen, es handele sich hierbei um ausländische Greuel- und Hegpropaganda. Die Tatsachenberichte konnten im Vergleich zur Wirklichkeit als noch recht harmlos bezeichnet werden, denn diese sah, wie wir ja nun alle wissen, viel furchtbarer aus. Im ,, Tausendjährigen Reich" wurde gelogen, raffiniert gelogen, und nochmals gelogen. Wenn schon damals ein Goebbels sagte, daß lügen an und für sich keine Kunst wäre, sondern daß ,, interessant lügen" diese Bezeichnung verdiene, so waren die damaligen Führer Deutschlands nicht nur Künstler, sondern Genies auf diesem Gebiete. Diese genialen" Verbrecher haben genügend Proben ihres Könnens im Schwindeln abgelegt. Sie haben so gemein gelogen, mit Scheinbeweisen ihre Lügen argumentiert, daß nicht nur der Gutgläubige, sondern auch mancher Skeptiker ihre Unwahrheiten als Wahrheit hinnahm. Als dann Hitler die anderen Nationen Europas vergewaltigte, 71 deren bisherige Regierungen absette und ihre Mitglieder, die sich seinem Joch nicht beugten, zur sogenannten„Erziehung“ in seine Konzentrations- lager sperrte, mußte er skeptisch gewordenen Kreisen jener Länder, die sich ihm und seiner Idee hündisch unterworfen hatten, beweisen, wie human seine Konzentrationslager in ‚Wirklichkeit wären im Gegensag zu der antinazi- stischen sogenannten Greuel- und Hetpropaganda des Auslandes. Es ist eine altbekannte Tatsache, daß man eine Lüge, wenn sie als glaub- haft gelten soll, durch andere Lügen stüsen muß Die Lüge wird aber ze fährlich, wenn sie mit sogenannten„Beweisen“ augerscheinlicher Wahr- heit erhärtet wird. Und eine solch raffinierte Lüge war das Dachau der Jahre 1942/44. Dachau, das in der Welt einen berüchtigten Namen hat, sollte der Welt be- weisen, daß alle Berichte der ausländischen Sender Greuelmärchen und Heg- propaganda wären. Die Auslandspresse, das heißt, die Pressevertreter der Deutschland befreundeten und von Hitler unterjochten Länder, konnten und sollten sich davon in Dachau selbst überzeugen. Dies einerseits. Andererseits wurde eine Anordnung für alle Konzentrationslager erlassen, die eine all- gemeine Milderung in der brutalen Behandlung von Häftlingen vorschrieb, da von seiten der alliierten Mächte Repressalien an deutschen Kriegs- gefangenen und Zivilinternierten ernstlich zu befürchten waren. So bekam die ganze Sache einen freundlicheren„Anstrich“, und das Konzen- trationslager Dachau wurde eigens dafür als„Propagandalager“ ausersehen. Seine Herrichtung für diesen Zweck geschah folgendermaßen: Alle abgearbeiteten, kranken, schwachen und dem Tode nahen Häftlinge wurden in andere Lager abgeschoben und dafür noch einigermaßen gut aus- sehende Zugänge dabehalten. Öffentliches Schlagen wurde unter Verbot gestellt. Öffentliches Hängen und Auspeitschen fanden so gut wie nicht mehr statt. Die Spuren früherer Grausamkeiten wurden sorgfältig verwischt, und die Folterwerkzeuge vor den Augen Unberufener gut versteckt gehalten. Zur Durchtührung von Torturen bestimmte Fälle schickte man bis auf wenige Ausnahmen, die man heimlich behandelte, laufend in andere Lager. Die Lagerinsassen wurden sogar, welch ein Hohn! mit einem Freudenhaus beglückt, wo sich der Häftling je nach Bedarf unter Aufsicht der SS mit einer Prostituierten(ebenfalls Häftling) einlassen durfte. Die Welt soilte sehen, daß man sogar für die„sexuellen Nöte eines Häftlings“(!) Ver- ständnis aufbrachte. Das Essen wurde für eine gewisse Zeit etwas besser. Die Blocks wurden mit einigem Grün umgeben. Bei der Arbeit ging es nicht mehr so hart zu wie vordem. Das stundenlange Stehen auf dem Appellplat hatte fast so gut wie aufgehört. Die aus Häftlingen bestehende Lagerkapelle mußte beim Einmarsch von der Arbeit ins Lager und beim Abmarsch vom Appell- platz lustige Märsche intonieren. Die dafür bestimmten Musiker bekamen auf Anordnung etwas mehr zu essen, damit ihre Lungen die Kraft auf- bringen konnten, aus den Blasinstrumenten Töne hervorzuzaubern. Gegenüber dem Appellplat stand ein langgestreckter Bau, in dem sich [| y 4 Auf bek: gibt Nüc neu trat Es Zivi ten beit aus mit wis Zu: ma tat lie ch seinem entrations, die sich man seine antinazials glaubaber ge er Wahrachau der Welt beund Hetytreter der nnten und dererseits eine allForschrieb, Kriegsas Konzenusersehen. Häftlinge n gut auster Verbot nicht mehr wischt, und malten. Zur uf wenige ger. reudenhaus er SS mit Welt soilte (!) Verks wurden so hart zu te fast so elle mußte om Appellr bekamen Kraft aufdem sich Effektenkammer, Küche, Baderaum und Häftlingskleiderkammer befanden. Auf seinem Dach wurden die schon verblichenen Buchstaben aus dem altbekannten nationalsozialistischen Konzentrationslagerspruch übermalt: ,, Es gibt einen Weg zur Freiheit. Seine Meilensteine heißen: Gehorsam, Fleiß, Nüchternheit, Sauberkeit und Ordnungssinn." Die Nazis wollten damit aufs neue mit ihrer angeblichen ,, Erziehungstheorie" das Dasein der Konzentrationslager begründen. Es war und blieb weiterhin bei Androhung härtester Strafe verboten, mit Zivilisten, die als Meister oder Vorarbeiter in den dem Lager angegliederten Rüstungsbetrieben( hier waren sonst nur Häftlinge beschäftigt) arbeiteten, zu sprechen, sofern es über die Notwendigkeiten der Arbeit hinausging Desgleichen war es von der SS auch den Zivilisten untersagt, sich mit jemandem von uns zu unterhalten. Wurde einer von ihnen dabei erwischt, steckte man ihn unbarmherzig zu uns ins Konzentrationslager. Hätte es jemand von uns gewagt, dem einen oder anderen Zivilisten die wahren Zustände im Lager zu verraten, und er wäre dabei aufgefallen, so hätte man ihn noch am gleichen Tage gehenkt. Als man nun in dieser Weise alles schön in Szene gesetzt hatte, erschien tatsächlich auch eines Tages ein großer Stab in- und ausländischer Pressevertreter und Pressephotographen. Alles, was im Lager anwesend war, mußte in die Blocks verschwinden. Der hohe Besuch, von der SS geführt, wurde über alle Einzelheiten, die man ihm zeigte, unterrichtet. Sofern überhaupt ein Häftling selbst einmal von diesen Herren gefragt werden durfte, hat es sich immer um eine von dem SS- Blockführer gekaufte Kreatur gehandelt, die die von ihm gewünschte und vorher bestellte Auskunft gab. Die von der Arbeit ins Lager marschierenden Kolonnen wurden von den Presseleuten photographiert. Einzelne Typen besonders aufgenommen. Es erfolgten noch einige Photoaufnahmen allgemeinen Stils, und dann verließ der große Pressestab in steter Begleitung der SS das Lager, um drauBen allen unter dem Nazijoch lebenden Menschen Europas in Wort und Bild zu berichten, wie' ,, human" es im Konzentrationslager zuging. Der Leser wird sich vielleicht noch einer Ausgabe des damaligen Illustrierten Beobachter", Jahrgang 1942, erinnern können, in dem Großaufnahmen von Dachau ganze Seiten einnahmen. Diese Bilder und die dazu gehörenden Kommentare sollten dem Leser die Zweckmäßigkeit des Konzentrationslagers und die menschliche Behandlung seiner Insassen veranschaulichen. Aber die Wirklichkeit sah ganz anders aus! Sie spielte sich in Dachau im Gegensatz zu den anderen Lagern hinter den Kulissen ab. Natzweiler gehörte auch zu ,, hinter den Kulissen" von Dachau, denn es wurden Dachauer Kameraden zwecks Liquidierung dorthin transportiert. Weitere Torturlager für Dachau waren unter anderem die Konzentrationslager Flossenbürg und Mauthausen. Zu der Zeit, als ich in Dachau eingeliefert wurde, herrschte schon große Hungersnot, die täglich viele Kameraden hinraffte. Das eigentliche Leben war dasselbe wie in den anderen Lagern. Schematischer Ablauf, nur mit 73 dem Unterschied, daß hier alles weitaus größer ausgebaut und die Tätigkeit. der Häftlinge eine vielseitigere war, denn Dachau war mit seinen vielen Aemtern. Werkstätten und Lagern Zentralstelle der Waffen- SS. Dazu kamen noch die Rüstungsbetriebe der verschiedenen Firmen. vor allem die damaligen Messerschmitt- Flugzeugwerke. Alles dieses lag außerhalb des Stacheldrahtes, aber dennoch im Lagerbereich, hermetisch abgeschlossen von der Außenwelt. - Hier mußten wir nun schaffen, schaffen und nochmals schaffen. Hier wurden wir körperlich geschwächten, rechtlosen und gepeinigten Menschen gezwungen, für das zu schuften, was wir in tiefster Seele verachteten: Die Nazikultur das Mördertum! Die Brutalität der SS saß uns dabei im Nacken. Der Widerwille, diese fluchwürdige Arbeit zu verrichten, lähmte in uns unwillkürlich jegliche Schaffenskraft und jegliches Interesse. Was dabei an Leistung erreicht wurde, entsprach im Grunde genommen oft nicht dem dritten Teil dessen, was eigentlich hätte bewältigt werden können. Überall in den weit verzweigten Zentrallagern der Waffen- SS arbeiteten Kameraden. Wo man auch hinsah, in den Waffenwerkstätten, Waffenlagern, Munitionsdepots. Zeugämtern, Magazinen und so weiter, war allein das zebragestreifte Kleid der Häftlinge zu sehen, darunter die aufsichtsführende SS. Hier arbeitete ein großer Teil der Lagerinsassen überhaupt. Da in diesem Distrikt die SS nur Häftlinge brauchen konnte, die wenigstens et w as Interesse für ihre Tätigkeit aufbrachten, war hier die Behandlung ein wenig anständiger als sonst. Mißhandlungen zum Beispiel kamen hier seltener vor. Dafür wurde aber tüchtig gesiebt, das heißt, Häftlinge, deren Kraftreserven erschöpft, die also nicht mehr in der Lage waren, die Mindestforderungen zu erfüllen, wurden in andere Lager verschoben An Stelle der Abtransportierten traten Neuzugänge, bis auch denen das gleiche Los zufiel. Das Lager. das normalerweise 14 000 Menschen aufnehmen konnte, war bereits doppelt belegt, und diese Zahl sollte später noch zu einem Vielfachen ansteigen Dachau verfügte über eine Unmenge größerer und kleinerer Außenkommandos, die auf die einzelnen Orte Bayerns in der Rüstungsindustrie, vor allem bei den Bayrischen Motoren- Werken( BMW) und Messerschmitt- Flugzeugwerken, verteilt waren. Was dort an Menschenmaterial verbraucht wurde, ist kaum zu beschreiben Wer an Ort und Stelle starb, besser gesagt, kaputt ging, wurde entweder sofort eingeäschert oder, falls dort kein Krematorium vorhanden war, in dem betreffenden Ort längs der Friedhofsmauer oder auf dem., Schinderanger" eingescharrt. Andere, bei denen der Tod noch auf sich warten ließ, wurden nach Dachau zurücktransportiert, um dort zu sterben, wenn nicht ein Wunder sie dem Leben erhielt. In Dachau selbst fand von Zeit zu Zeit, zuletzt in immer kürzer werdenden Abständen, durch den SS- Lagerarzt eine sogenannte Musterung statt. Wer hierbei nicht mehr fest auf den Beinen stand, zählte zu den ,, Muselmännern" und wurde dem Transport nach Mauthausen oder Auschwitz zugeteilt, der 74 jedesm hausen waren Vier Dacha Die H meine vier a Der g wurde daß i Abend wie o das d warte Auger aller Nur 6 „ Du" noch Ich ra „ Ja“ " Wei „ Ja“ Mo Brot ,, Ein „ Ja, wolle Gib ungli " Ja" Ich h Ja" Am gegn Fatigkeit vielen kamen damaliStachel on der jedesmal Tausende umfaßte. Dort starben sie sehr schnell, denn Mauthausen und Auschwitz besaßen mehr und größere Verbrennungsöfen und waren vor allem keine Propagandalager! er wur hen ge m: Die bei im mte in s dabei cht dem Überall eraden. nitionszebrande SS. diesem Interenig anmer vor. eserven erungen anspor te, war m Vielmd kleiistungs V) und enschend Stelle rt oder, t längs Andere, zurückLeben denden tt. Wer innern" eilt, der Vier Wochen waren nun schon verstrichen, da ich ins Konzentrationslager Dachau einmarschierte. Seit zwei Tagen befand ich mich außer Quarantäne. Die Häftlingsschreibstube hatte mir einen Block zugewiesen, der vorläufig meine Unterkunft bleiben sollte. Das kleine Ein- Mann- Spind teilte ich mit vier anderen, die einfache Strohpritsche mit einem holländischen Kameraden. Der große Hunger war auch hier unser hartnäckiger Begleiter. Tags zuvor wurde ich einem Kommando zugeteilt, mußte schwer arbeiten und war froh, daß ich dafür einige Gramm Brot mehr erhielt als die Wochen vorher. Abends legten wir uns auf unsere muffig stinkenden Strohsäcke, die so gut wie ohne Inhalt waren, denn Stroh gab es schon lange keins mehr, und das darin befindliche wurde im Laufe der Zeit zu Mehl zerrieben. So erwarteten wir den Schlaf, hungrig, hohlwangig, mit tiefliegenden, fiebrigen Augen. Immer und immer wieder konzentrierten sich die Gedanken trotz Brot! aller Ablenkungsversuche auf Brot. Nur ein Stückchen Brot! - ,, Du", sagte mein Kamerad, der Holländer, neben mir ,, Du!", flüsterte er noch einmal leiser. Ich räusperte mich, um zu zeigen, daß ich noch nicht schlief. 99° . Ich freue mich schon auf morgen!" ,, Ja", sagte ich. ,, Weißt Du morgen bekomme ich ein Stück Brot." ,, Ja", sagte ich. ,, Morgen bringt mir der eine Meister bei uns im Betrieb ein halbes Brot mit!" ,, Ein halbes?", fragte ich flüsternd. ,, Ja, ein ganzes, Halbes'; ich habe ihm dafür schon vorher ein Paar neue wollene Socken. die ich diesen Sommer im Paket bekam, gegeben." ,, Gib Obacht", sagte ich ,,, daß Du nicht auffällst! Du machst sonst den Mann unglücklich und Dich noch unglücklicher!" ,, Ja", flüsterte er ,,, ich passe schon auf. Ach, ich freue mich ja so auf morgen. Ich bringe Dir etwas mit." ,, Ja", sagte ich. Am nächsten Tage, kurz nach dem Einmarsch der Arbeitskommandos, begegnete er mir am Blockeingang. Er war merklich niedergeschlagen. 75 ,, Du", sagte er ,,, das schöne Brot ist weg. Beim Tor hat die SS visitiert, es weggenommen, und ich habe noch einen Schlag vor den Kopf bekommen. Sie wollten wissen, woher ich es habe. Ich sagte, ich hätte es gefunden. Daraufhin bekam ich noch zwei Ohrfeigen." wenig liches Mann meine bekan Wir k Kame auf d Einer Unred den N er ni lehnte Abends nach dem Appell hatten wir noch gut zwei Stunden Zeit bis zum Schlafengehen. Die Brotration für den kommenden Tag wurde immer schon abends empfangen und fast ausnahmslos sofort gierig verschlungen. War das Wetter trocken, ging man noch ein wenig auf die Lagerstraße oder zu anderen Blocks, wo man hier und dort einen Bekannten hatte, mit dem sich gut sprechen ließ. Auch an diesem schönen Abend ging ich aus meinem Block die Lagerstraße entlang, an der hohe, schlank geschnittene Pappeln standen. Es war bereits Herbst. Der Wind spielte mit den welkenden Blättern. Mit meinen Gedanken beschäftigt, nur hier und da unterbrochen vom unfreiwilligen Anhören einiger Gesprächsfetzen der an mir vorbeispazierenden Kameradengruppen, ging ich einher. In der Regel hatte auch ich Begleitung bei mir, heute aber wollte ich mal allein sein. Auf der Lagerstraße und den abzweigenden Blockstraßen herrschte reges Leben. Überall hörte man Gruppen und Grüppchen von Häftlingen dieses oder jenes Thema besprechen. Auch einzelne Spaziergänger waren zu sehen, jeder ganz in seine Gedanken versunken. In den Zügen des einen oder anderen spiegelte sich deutlich die Reaktion des vorherrschenden politischen Themas, eine Feststellung, die mir sehr interUm mich herum ein Wirbel aller Sprachen des Kontinents. Es kam mir so vor, als wenn aus einem Radioapparat die Stimmen aller europäischen Sender auf einer Wellenlänge ertönten. essant war. - Aus dieser kosmopolitischen Umgebung löste sich plötzlich jemand und kam auf mich zu. Das Gesicht schien mir irgendwie bekannt, doch war ich nicht sonderlich überrascht, denn während meiner langen Lagerzeit war ich nun schon mit so vielen, vielen Kameraden zusammen gewesen, die mit mir mehr oder weniger gut bekannt wurden. Aber, der auf mich zuschritt, streckte mir zum Gruß beide Hände entgegen mit den Worten: 99 , Wie kommst Du hierher?" Jetzt erkannte ich ihn und erwiderte freudig seinen Gruß. Die Überraschung war auf beiden Seiten gleich groß. Nach einem kurzen Frage- und Antwortspiel nahm er mich mit in seinen Block, wo er mir eine Freude bereitete. Er hatte vor einigen Tagen von seinen Lieben daheim ein Paketchen Lebensmittel erhalten, wovon leider die Hälfte infolge des langen Transportes es war sechs Wochen unterwegs verdorben war. Aber von dem wenigen, das er noch besaß, teilte er mit mir. Es waren zwei steinharte Brötchen, ein 76 - übten angel Bibel Ich h austa habe manc leben würd mal Hier aus von cher selbs nich muß Not Kält umk Ein 194 legt lage Ern Wir mer tiert, es Kommen. efunden. bis zum er schon n. War oder zu mit dem erstraße bereits men GeAnhören gruppen, ute aber eigenden Grüppeinzelne ken. In tion des r interes KonStimmen nd und wenig Lebkuchen, eine Handvoll Nüsse und etwas Traubenzucker. Ein fürstliches Geschenk! In diesem Augenblick kam ich mir vor wie der reichste Mann der Welt. Und mein Glück, meine Freude spiegelte sich in den Augen meines Kameraden wider. Für ihn war es tatsächlich ein Opfer, denn er bekam auch nicht mehr als ich, war also genau so ausgehungert. Wir kannten uns von einem anderen Lager her und waren dort schon gute Kameraden. Er war Bibelforscher, einer von denen, die ihre Anschauung, auf die Wahrheiten der Bibel gestützt, in Worten und Taten verkörpern. Einer von denen, die um ihrer Anschauung willen ihr Leben lassen. Alles Unrecht, das zuerst in seinem eigenen Lande, dann in ganz Europa durch den Nationalsozialismus millionenfach an den Menschen verübt wurde, hatte er nicht stillschweigend mit ansehen können Sein Gerechtigkeitsempfinden lehnte sich dagegen auf. Er brandmarkte die Sünde und die, die sie verübten, mit Worten klarster Vernunft. Da ihm deshalb strafrechtlich nichts angetan werden konnte, steckte man ihn ins Konzentrationslager, weil er Bibelforscher war Denn auch Bibelforscher sein war verboten. Ich habe mit jenem Menschen an diesem Abend einen längeren Gedankenaustausch gepflegt und daraus manches Wertvolle gelernt. Auch später habe ich noch andere Kameraden seiner Art kennengelernt und mit ihnen manche kostbare, mit tiefschürfenden Gesprächen ausgefüllte Stunde verleben dürfen. Einige unter ihnen wurden mir wirkliche Freunde, und ich würde mich freuen, wenigstens den einen oder anderen im Leben noch einmal wiederzusehen. Hierbei muß ich besonders an einen von ihnen, den Kameraden René S. aus Straßburg denken, der in rührender Hilfsbereitschaft und durchdrungen von dem Gebot der Nächstenliebe seinen Leidensgenossen, ganz gleich welcher Gesinnung, die Liebesgaben, die ihm seine gute Frau laufend sandte, selbstlos verteilte. Auch dieser gute Kerl durfte sein liebes Straßburg nicht wiedersehen. In Buchenwald, wohin er später transportiert wurde, mußte er wegen Überfüllung des Lagers zusammen mit uns anderen im Notzelt kampieren, wo auf zwei Mann nur eine Decke kam. Die bittere Kälte und der Mangel an warmer Kleidung ließen ihn und viele andere umkommen. war ich war ich mit mir uschritt, aschung Antwortereitete. Lebensortes wenigen, Then, ein Eines Tages, kurz nach dem mißglückten Attentat auf Hitler vom 20. Juli 1944 und der darauffolgenden sogenannten„, August- Aktion", die noch den letzten Rest irgendwie marxistisch- verdächtiger Personen ins Konzentrationslager sperrte, traf uns die erschütternde Nachricht vom Meuchelmord an Ernst Thälmann. Wir waren gerade in eine Unterhaltung vertieft, als einer unserer Kameraden mit einem Zeitungsblatt zu uns trat, worin in einer Nebenspalte, 77 beiläufig erwähnt, zu lesen war, daß der Kommunistenführer Ernst Thälmann, der in einem Buchenwalder Außenkommando beschäftigt gewesen war, bei einem Luftbombardement den Tod gefunden hat. Nachdem der Kamerad dieses vorgelesen, herrschte einige Minuten tiefes Schweigen. Schließlich sprach einer: ,, Da stimmt was nicht!" Denn daß Ernst Thälmann jetzt, wo wir dies lasen, nicht mehr unter den Lebenden weilte, war uns klar. Daß aber dieser Zeitungsartikel auch eine große Lüge verbarg, war uns fast gewiß. Denn die Nazis hatten bisher die ganzen Jahre hindurch diesen großen Idealisten und Arbeiterführer Deutschlands, der den Kommunismus bis zur völligen Hingabe vertrat, streng isoliert gehalten und ihn nie mit Gesinnungsgenossen oder sympathisierenden Menschen jemals zusammenkommen lassen. Und jetzt mit einmal sollte er in Buchenwald inmitten anderer Häftlinge gewesen und beim Bombardement umgekommen sein? Heute weiß es die ganze Welt, daß Ernst Thälmann ermordet worden ist. Er war der Mensch, dessen ganze Lebensaufgabe der Befreiung seiner deutschen Brüder und Schwestern vom Joch des Kapitalismus und Imperialismus galt, der, selbst an der Spitze der antifaschistischen Front, unentwegt gegen den sich durch Lug und Trug ausbreitenden Nazismus kämpfte. Ohne jegliches Rechtsurteil hatte man ihn fast zwölf Jahre eingekerkert und mit raffiniertesten psychologischen Torturmethoden unter Ausnutzung aller nur denkbaren menschlichen Schwächen versucht, ihn bei einer schwachen Stelle zu erfassen und dadurch zu Fall zu bringen. Das wäre der größte Triumph der Nazis geworden. Es gelang ihnen nicht. Die Folgen wären nicht auszudenken gewesen, wenn auf diese Weise in Deutschland die Lüge zur eklatanten Wahrheit gemacht worden wäre. - - Aber die Nazis sind so dumm wie brutal gewesen. Man kann einen Menschen totschlagen, aber nicht die Wahrheit. Und Ernst Thälmann stand auf dem Boden der Wahrheit, kämpfte und starb dafür. Dieser Mensch stand wie eine Säule als ein Träger des Lebens selbst. Darum war es auch kein Fanatismus, sondern nüchterne Erkenntnis der Wahrheit, die ihn treu befunden hat bis zum Tode. Hierbei denke ich noch an den Tag, als ich ihn damals das erste und letzte Mal sah, wie er auf dem großen Antifaschisten- Tag in Essen vor einer riesigen Menschenmenge sprach. Wie er leidenschaftslos ohne Phrasen die Wahrheit in kurzen, gemeißelten Worten mit offenen Händen anbot und sie in die Massen streute. Ich selbst war seinerzeit noch ganz das Produkt meiner Umgebung, verblendet, unzugänglich für derart große Gedanken, die von mir zwangsläufig eine radikale innere Umstellung gefordert hätten, und nicht autgeschlossen genug, um ihn voll verstehen zu können. Aber manches Wort seiner Rede blieb in mir haften als Keimzelle für meine späteren reifen Erkenntnisse und Wegweiser meines Suchens nach Wahrheit. 78 Für der s Die Thäl gehe Heu Am zig los SS, und Es Ung nah lege freu fert kur Bau Ein ma ma An An Re we Fr SO Del Wi sta br die au ge we bl W de st Thäl gewesen en tiefes Für alle Antifaschisten im Lager war die Kunde von seiner Ermordung eine der schmerzlichsten Nachrichten, die wir bis dahin vernommen. Die kommende Literatur wird über das Leben und den Lebenskampf Ernst Thälmanns viel zu sagen haben. Jeder wird Gelegenheit finden, sich eingehend mit diesem starken und geraden Charakter zu beschäftigen. nter den uch eine n bisher erführer t, streng thisierenmal sollte m Bom rden ist. mer deutrialismus gt gegen zekerkert usnutzung er schwawäre der Die FolDeutschMennn stand . Darum Vahrheit, and lette einer rieasen die und sie Produkt edanken, t hätten, en. Aber eine spä Wahrheit. Heute hatte ich einen glücklichen Tag. Am Morgen wurde ich einem Spezialkommando zugeteilt, welches aus fünfzig Häftlingen bestand. Wir mußten einen Lastkraftwagen besteigen, fuhren los und landeten in Schleisheim bei München, um das Waffen- Arsenal der SS, das sich in dem großen Schloß gleichen Namens befand, auszuräumen und zu verladen. Es war herrliches Wetter. Die vier SS- Posten, die uns bewachten, waren Ungarn und ausnahmsweise durchweg anständige Kerls. Einer von ihnen nahm einen Kameraden mit und organisierte für uns in einer nahe gelegenen großen Plantage einen Sack Äpfel. Diese ungewöhnliche Menschenfreundlichkeit und die vier Äpfel, die ich pro Kopf verteilen konnte, rechtfertigten meine glückliche Stimmung. Zum Überfluß beschaffte ein anderer kurz vor der Heimfahrt ins Lager bei einem Dorfbäcker einige schöne Bauernbrote, so daß ein jeder von uns ein Stück erhielt. Ein immerwährend geschlagener Hund ist rührend dankbar, wenn er einmal von einem Menschen gestreichelt wird. So ging es auch uns, als jemand, der den Totenkopf trug, uns einen kleinen Beweis von Güte darbrachte. An dieser Stelle muß ich erwähnen, daß sich in der letzten Zeit nicht alle Angehörigen der SS bestialisch benahmen. Unrecht bleibt Unrecht, aber Recht muß Recht bleiben! So auch hier. Die SS bestand neuerdings zum wenigsten aus Freiwilligen. Sie war eine Zusammenwürfelung aus deutschen Freiwilligen, Gezogenen und von der Wehrmacht überstellten Wehrpflichtigen sowie gepreßten Angehörigen der verschiedensten Nationen Europas. Der Geist, der sie beherrschen sollte, war allerdings der gleiche geblieben wie ehedem. Auch die Schulungshefte der SS, die in regelmäßigen Abständen erschienen, trugen denselben Charakter, wenn nicht einen noch brutaleren Die SS- Angehörigen waren aber im ganzen gesehen nicht mehr dieselben wie früher. Es gab etliche darunter, denen es schwer fiel, uns ausgebungerte, schwache Menschen überhaupt noch zur Arbeit anzutreiben, geschweige denn zu schlagen. Aber leider waren es nur wenige. Doch diesen wenigen gegenüber will ich bei der Beschreibung meines Erlebens gerecht bleiben. Warum waren diese wenigen humaner? Die einen, weil sie durch den drohenden Zusammenbruch, den sie deutlich genug kommen sahen, das baldige 79 Ende unschwer errechnen konnten, wo dann Gleiches mit Gleichem vergolten würde, umsomehr, wenn ihr Gewissen schon mit vorher verübtén Schandtaten belastet war. Die anderen, weil die sich überschlagenden Ereignisse als Erscheinungen des rapiden Verfalls ihr Gedankengut zersetzten und ihnen den letzten Rest von Überzeugung raubten, die ein gegenteiliges Handeln noch irgendwie hätte rechtfertigen können. Im letzten Falle hat es sich fast ausschließlich um einige von der Wehrmacht Überstellte und für die SS Gezogene gehandelt. Der Beweis ist mir jedenfalls erbracht worden, daß sich unter dem Totenkopf hier und da doch noch ein Mensch verborgen hielt, der dem nazistischen Wahnsinn nicht alles opferte. Das bedeutete für mich eine neue Bekräftigung meines Glaubens an den Sieg des Guten, und darum war ich heute auch so froh. In dieser Stimmung marschierte ich zum Abendappell mit den anderen ins Lager ein. Die goldene Herbstsonne versank gerade im Westen und sah mir heute viel blanker aus als vordem. Als ich aber nach dem Appell in meinen Block kam, war meine Freude wie weggeblasen, denn drei meiner besten Kameraden waren nicht mehr da. Sie, die zu der Gruppe der nicht mehr einsatzfähigen Häftlinge gehörten, befanden sich seit heute mittag im Transportblock und sollten nach Mauthausen verfrachtet werden. Das bedeutete für sie den sicheren Tod.- Der Transportblock unterlag nach der Lagerordnung den Quarantänebestimmungen, war gesperrt und durfte außer vom Personal von niemandem der Transportler verlassen und auch von den anderen Lagerinsassen nicht betreten werden. Der Pförtner war aber einer meiner Bekannten und ließ mich darum ein. Der Transportblock hatte die gleiche Größe wie alle anderen Blocks, die regulär sechshundert Mann faßten. Er war jedoch mit sechzehnhundert und mehr belegt, so daß die Menschen in den Räumen wie Trauben aneinander klebten. Zur Schlafenszeit mußten auf fünf schmalen Pritschen dreizehn bis sechzehn Personen kampieren. Wegen Raummangels verbrachte darum ein großer Teil die Nacht auf dem zugigen Barackenboden im ungeheizten Raum. Die sanitären Anlagen reichten bei weitem nicht aus, um der Hygiene einigermaßen gerecht zu werden. Die Verpflegung war eine weitaus schlechtere als im übrigen Lager, da der Transport als ,, unbeschäftigt" bereits vom Lagerbestand abgeschrieben war und auf Abruf wartete. Dadurch kam jegliche ,, Arbeitszulage" in Wegfall. Ärztliche Behandlung war so gut wie gar nicht vorhanden, und nur in ganz schlimmen Fällen, falls überhaupt noch Platz im Krankenrevier war, wurde jemand aus dem Transportblock herausgenommen. Da es sich bei allen derartigen Transporten, wie schon erwähnt, fast ausschließlich um ,, Muselmänner" handelte, war keine Seltenheit, daß allein während der Wartezeit, sie dauerte drei bis dreißig Tage, eine Reihe von Kameraden starben, noch ehe sie Dachau verlassen hatten. 80 es We die un am Di VO fül no Ma WO tra WI üb als un Be M in K V un un In W F hi er te A 86 re R M D g f la n S I e C W 6 ergolten andtaten isse als d ihnen Handeln es sich die SS Totennazistieue Bewar ich eren ins and sah ude wie ehr da. ten, beMaut- Der timmunTransbetreten eß mich die rend mehr er klebzehn bis rum ein eheizten der Hyweitaus igt" beDadurch war so lls überansportten, wie war es drei bis hau verWenn dann endlich die Verladung in die ungeheizten Güterzüge begann, waren die meisten begreiflicherweise derart geschwächt, daß wiederum ein Teil die ununterbrochene Fahrt bei unzureichender Verpflegung nicht überstand und am Endziel der Reise tot aus den Waggons geholt wurde. Die anderen bereits mehr oder weniger geschwächten, kranken und kurz vor dem Tode stehenden Menschen erwartete drüben in einem anderen überfüllten Lager wiederum eine Quarantäne unter den gleichen, wenn nicht noch schlechteren Bedingungen als vorher hier in Dachau. Mauthausen zum Beispiel war eben ein ausgesprochenes Vernichtungslager, wo man mit den Insassen nicht so ,, zart" umging wie in anderen Konzentrationslagern. In dieser vier- bis sechswöchigen neuen Quarantänezeit starb wiederum ein Teil des Transportes, aber auch diejenigen, die diese Zeit überstanden, waren nicht mehr weit von ihrem Tode. Jedenfalls konnte es als Wunder bezeichnet werden, wenn einer die großen Strapazen überlebte und sich noch einmal erholte. Besonders schlimm waren die Transporte nach Auschwitz, dem berüchtigten Massenmordlager, in welchem Menschen auf einmal zu je tausend und mehr in dem sogenannten ,, Baderaum" durch Gas vergiftet und automatisch ins Krematorium befördert wurden. Von Auschwitz weiß die Welt heute, daß dort Millionen Juden durch Gas umgebracht wurden. Ihre Leichen wurden in den vier Riesen- Krematorien und auf Scheiterhaufen verbrannt. Sie starben, nur weil sie Juden waren. In Auschwitz gingen über eine Million Zigeuner ebenfalls diesen Weg, nur weil sie Zigeuner waren. Fast der gleichen Anzahl Polen geschah dasselbe. Nicht eingerechnet sind hier die unzähligen Angehörigen anderer Nationen, die auch auf diese Weise ermordet wurden, nicht gerechnet, die bei lebendigem Leibe teils verbrannt, teils eingescharrt wurden, oder jene, die in Auschwitz beziehungsweise dessen Außenkommandos bei lebendigem Leibe in Stücke gerissen worden sind. Im selben Auschwitz fabrizierte die SS, Welt halte den Atem an, aus Körperresten der von ihr gemordeten Menschen technische Fette, die in der NaziRüstungsindustrie Verwendung fanden. Mit den Transporten, die aus Dachau und anderswo hier landeten, wurde nicht viel Federlesens gemacht. Die bei der Ankunft tot waren, wurden registiert und verbrannt. Wer nicht mehr voll im Besitz seiner Kräfte war, was für die meisten zutraf, befand sich schon in einer der nächsten Wochen unter den Toten. Wie es in Mauthausen und Auschwitz aussah, das wußten wir ,, Alten" schon länger. Wir verschwiegen es den jüngeren Transportlern, um ihr Leid nicht noch zu vergrößern und ihnen den letzten seelischen Halt nicht zu nehmen. So stehe ich nun vor meinen Kameraden, um mich von ihnen zu verabschieden. Ich bin gekommen, um ihnen noch einmal die Hände zu drücken, ihnen noch einmal in die Augen zu sehen, Glauben und Hoffnung stärkend, zuzusprechen, damit sie auch das Schlimmste, was noch kommen könnte, überwinden mögen. - 81 Wie ich so vor ihnen stand, kam mir ein Abend in Erinnerung, an dem ich mit dıesen Kameraden, damals noch auf einem Außenkomu.ando, in einem anderen Lager zusamnıen war. Seinerzeit ging es etwas besser. Der Körper hatte noch einige Kraftreserven, der Gesundheitszustand war längst nicht so ramponiert wie heute. Damals mochten wir noch hin und wieder singen. Wenn wir unter uns waren, stieg schon mal eines unserer Lieder, aus denen uns stets neue Kraft zuströmte, In einem von ihnen hieß es: Wir sind Kameraden und tragen das gestreifte Kleid, Wir sind Kameraden, allzeit zur Tat bereit, In Sonne und in Regen, in Schnee und Sturmgebraus, Da stehen wir verwegen und halten mutig dus. Und die Worte des legten Verses: ... dann werden wir marschieren, Es kommt die neue Zeit! Dann findet die Heimat uns wieder bereit!— Ich erinnerte sie an den Abend, an jenes Lied, in dem wir unserer Über- zeugung, unserer Hoffnung Ausdruck gaben. Die Verwegenheit war längst dahin. Unsere Körper waren durch Hunger und schwere Arbeit längst entkräftet. Wir waren abgestumpft. Aber unser Glaube war derselbe geblieben, den hatte man uns nicht nehmen können, denn er basierte auf der unerschütterlichen Gewißheit, daß der Tag der Freiheit nahe war und kommen würde, mit oder ohne uns. Wir haben uns geschworen, diesen Glauben an den Sieg der Gerechtigkeit und Wahrheit weiterzutragen und neue Träger hierfür zu finden, die ihn weitergeben, wenn wir selbst das Ziel nicht erreichen sollten. Wir verab- schiedeten uns mit einem festen Händedruck, der beredter war denn tau- send Worte. Tag um Tag schleicht dahin. Der Herbst ist bald zu Ende, der Winter nimmt seinen Anfang. Regen mit Schnee vermengt rieselt hernieder. Aufgeweicht der Boden, auf- geweicht die Kleidung des Häftlings, der fiebernd und zähneklappernd mit eingezogenem Kopf im Marschtritt in seiner Kolonne vom Arbeitsplatz dem Lager zu marschiert. Bis auf die Haut durchnäßt, mit leerem Magen, steht er auf dem Appellplap. Der Regen peitscht. Der eisige Wind, von den bayrischen Bergen und der Alpenwelt kommend, pfeift dureh die dünnen, nassen Lumpen. Mit schlot- ternden Knien steht er und wartet auf den Befehl„Abmarschieren!‘. Bis dann nach endlos lang erscheinender Zeit das erlösende Wort erschallt. Dar- aufhin set sich Block für Block, Zug um Zug in Bewegung, um an dem 82 Sc ha M mich einem Förper nicht ngen. Henen Überunger unser Snnen, g der igkeit ie ihn verahtaunimmt , aufOpernd itsplat Magen, SS- Schutzhaftlager führer oder dessen Stellvertreter vorbeizumarschieren. Schmetternde Marschmusik der Lagerkapelle läßt die müden Knochen Schritt halten, und unter den Klängen des unserer Verfassung hohnsprechenden Marsches Schön sind die Heckenrosen, Schön ist das Küssen und das Kosen, Jugend und Schönheit vergehn, Drum nütz die Zeit, Denn die Welt ist so schön! schwankt eine kraft- und freudlose Masse Mensch ihrer erbärmlichen Unterkunft zu. Nachdem ich wie an jedem Abend meine Brotration für den kommenden Tag verspeist hatte, legte ich mich nieder, um zu schlafen, Vergessen zu finden und zugleich Kraft zu tanken für den nächsten Tag. Das bißchen Schlaf und das Stückchen Brot waren das Wertvollste in unserem armen Dasein. Da wurde etwas später mein Name gerufen. Ein Paket war da. Welch große Freude! Es war eine von drei Sendungen, die in unseren Block gekommen waren. Drei Pakete und über 1200 Menschen! Bei der Revision des Inhalts, der sich aus Brot, etwas Wurst und Fett, einer Dose Ölsardinen und ein wenig Tabak zusammensetzte, standen einige Kameraden als Zuschauer dabei. Mit gierigen Augen starrten sie diese Kleinigkeiten an. Ich nahm meinen ,, Schatz" mit vor Freude zitternden Händen entgegen, klemmte ihn unter den Arm, drückte mich durch die umstehenden Reihen hindurch wieder zu meiner Pritsche, wo ich meinen Bettkameraden schon vorfand. Hundert Augenpaare hatten mir nachgeschaut. Ich kam mir vor wie ein Dieb. Noch einmal öffnete ich das Paket, betrachtete liebevoll die Sachen, die sich meine Angehörigen von ihren wenigen Marken abgespart hatten und machte es wieder zu. Am liebsten hätte ich den ganzen Inhalt auf einmal verschlungen, so groß war der Hunger. Ich teilte es dann aber in mehrere Teile auf, um meine Kameraden an dieser Freude teilhaben zu lassen. Das war eine Selbstverständlichkeit, denn alles, was der eine oder andere von uns außer der üblichen Verpflegung irgendwie erhielt, wurde unter uns, ohne daß hierüber je eine Vereinbarung getroffen worden wäre, kameradschaftlich geteilt. Geteilter Schmerz ist halber Schmerz, geteilte Freude ist doppelte Freude. Wir kannten kein ,, bitte" und kein ,, danke", das waren für uns Begriffe einer vergangenen Welt. md der schlot" Bis t. Darn dem An einem arbeitsfreien Sonntag spazierten wir zu dreien, über dieses und jenes plaudernd, die Lagerstraße auf und ab. Wir konnten uns diesen Luxus 83 an Kraftaufwand, den schließlich jede Unterhaltung benötigt, heute leisten, ohne befürchten zu müssen, uns wie sonst vor Schwäche und Hunger nicht konzentrieren zu können. Heute fiel das fort, denn Fritz, mein Kamerad zur Rechten, hatte gestern aus der SS- Küche mehrere große Brote ,, organisieren" können, so daß wir uns abends nach langer Zeit einmal mit Brot so richtig vollessen konnten. So befanden wir uns heute in etwas gehobener Stimmung. Jeder hatte noch ein Stückchen Brot in seinem Spind, reiches und glückliches Gefühl. - -- nac ihre ster Eur Gru In Die ein Gro Un SS, Die Bu Das kon lau Me lieg der Und dazu noch der schöne Wintertag. Die Sonne wärmte wie im Vorfrühling. Unser heutiges Gespräch trug hoffnungsfrohen Charakter, denn die eben heimlich abgehörten Nachrichten aus Moskau und London, die uns ein wahres Bild der Lage vermittelten, stärkten uns zu weiterem Aushalten. Auf der Lagerstraße war es wie immer an schönen Tagen lebendig. An uns ging jemand flotten Schrittes vorbei, indem er auf französisch grüßte: ,, Bon jour, mon ami!" Es war ein schlanker, hagerer Mensch mit leiddurchfurchten Zügen, der schnell in eine der Blockstraßen einbog. Fritz fragte mich: 99 - , Wer war das eigentlich, er kommt mir so bekannt vor?" ,, Der Prinz von Bourbon!" - ,, Richtig", sagte er ,,, jetzt weiß ich, wo ich ihn lassen soll. Er hat ja mit mir zusammen eine Zeitlang gearbeitet. Er kann sich hier aber auch nur schlecht zurechtfinden. Übrigens, ist Dir bekannt, daß der Erzbischof von Reims auch hier sein soll?" - Ich verneinte diese Frage. ,, Ja, man hat ihn hierher gebracht, aber mit noch einigen anderen Prominenten Europas abgesondert in Arrestzellen gesteckt. Gestapo in Frankreich, verstehst Du?" ,, Ja", sagte Camille, mein Kamerad zur Linken, er war Elsässer, seiner politischen Einstellung wegen ins Lager gekommen ,,, die Nazis stecken alles ein, was ihren imperialistischen Plänen hinderlich ist und ihre Gewaltakte nicht mitmacht. Es wäre ein Segen für Europa, wenn jeder politische Konzentrationär, der das Glück haben sollte, die Freiheit wiederzuerlangen, dann von sich aus sagen könnte: Ich habe im Konzentrationslager nicht nur viel gelernt, nein, ich habe in manchen Dingen völlig umlernen müssen!" ,, Glaubst Du", sagte Fritz ,,, daß das alle von sich sagen können? Glaubst Du, daß bei jedem der Idealismus so stark gereift und der geistige Egoismus soweit überwunden ist, daß er im wiedergeordneten Leben, in der Freiheit, nicht doch Wurzeln schlagen und Blüten treiben könnte?" ,, Nein, bei allen setze ich das nicht voraus", entgegnete Camille ,,, jedoch bei denen, die die tiefsten Tiefen im Konzentrationslager erlebt und das Ganze mit wachen Augen und hellen Ohren in sich aufgenommen haben! Glaubt mir, bald wird der Tag kommen, wo die Geläuterten und Starken Säulen sein müssen, Träger eines neuen, reinen Gedankengutes, an denen sich die belogenen und betrogenen Massen wieder aufrichten können, um ein Leben in Wahrheit zu leben. Es ist ein Jammer, wenn man über die Gegenwart 84 uns Sch lich do üb sid die sie So Ei Kr off ma ga als be Di ba VO da ab die So sch Zw de M isten, nicht d zur eren" ichtig Stim- ein hling. eben ahres endig. rüßte: durchja mit nur bischof Promikreich, er po alles altakte -Konangen, ht nur Claubst oismus reiheit, ch bei Ganze Glaubt Säulen ich die Leben enwart nachdenkt. Es ist aber auch eine Freude, zu wissen, daß die große Lüge und ihre dunkle Macht, die die Menschen und Völker gefangen hält, im Absterben begriffen ist, ja schon in den letzten Zügen liegt, und ein neues Europa, eine wahre Völkergemeinschaft, auf solidarischer demokratischer Grundlage entstehen wird."- In dem Augenblick wurde unsere Unterhaltung jäh unterbrochen. Die Sirenen heulten auf! Großalarm! Und schon krachten die ersten Salven der schweren Flakbatterie der WaffenSS, die in Dachau ausgebildet wurde. Es war ein Luftangriff auf München. Die ankommenden Wellen überflogen unser Lager. Bunker kannten wir nicht. Ohne Deckung saßen wir in den dürftigen Blocks. Das einzige, was man als Schutzmaßnahme für ins Lager flüchtende Arbeitskommandos vorgesehen hatte, war ein langer, den Stacheldrahtzaun entlang laufender offener Splittergraben. sie - - Meine beiden Kameraden begaben sich im Laufschritt zu ihrem in der Nähe liegenden Block. Ich erreichte den meinen, der weit hinten lag, nicht mehr, denn es regnete bereits Splitter. Die Flak feuerte aus allen Rohren. Über uns brummten die schweren amerikanischen Bomber, im Sonnenschein blitzend. Schnell sprang ich in einen Abschnitt des Splittergrabens. Er war schon ziemlich überfüllt, und um ein Haar wäre ich auf einem Kameraden gelandet, der dort unten kauernd saß. Ich legte mir ein Rasenstück als Splitterdeckung über den Kopf. Das schwere Flakfeuer nahm noch zu und konzentrierte sich auf einen Punkt. Das war Taktik, befehlsmäßige Taktik der Waffen- SS, die Bombergeschwader, die unser Lager überflogen, so anzugreifen, daß falls getroffen mit ihrer ganzen Bombenlast ins Lager stürzen sollten, oder zumindest ihr Notabwurf das Lager treffen mußte. Einer meiner Kameraden, ein ehemaliger Berufssoldat, später technische Kraft im Reichsluftfahrtministerium, der seiner geraden Gesinnung und offenen Meinung wegen unser Schicksal teilte, hat uns das wiederholt durch mathematische und geometrische Berechnungen klarzumachen versucht. Es gab nämlich damals verschiedene Neulinge unter uns, die noch nichts anderes als ein paar Wochen Dachau erlebt hatten und an diese Taktik nicht glauben wollten. Später jedoch mußten sie sich eines anderen belehren lassen. Die alliierten Flieger, die Befehl hatten, Konzentrationslager nicht zu bombardieren, kannten deren Lage genau, denn bei einem Großbombardement von München und einem Tiefangriff auf Dachau längere Zeit vorher, wurde das eigentliche Lager wenige Minuten vor dem Angriff durch Leuchtbomben abgesteckt. Alliierte Bomber brauchten wir also nicht zu fürchten, lediglich die verbrecherische Taktik der SS- Flak. So auch heute, denn kaum war ich im Graben, hörte ich schon das Heulen schwerer Bomben, die kurz vor dem Lager ins freie Feld einschlugen. Kein Zweifel, daß es sich um einen Notabwurf handelte. Nachdem die erste Welle dem Schußbereich der Flak entwichen war, verstummte die Abwehr für wenige Minuten. 85 Jetzt konnte ich den neben mir kauernden Kameraden betrachten, dem ich vorhin beinahe auf den Kopf gesprungen wäre. Er hatte während des schwe- ren Flakfeuers und des Bombeneinschlages gezittert und dabei Gebete ge- murmelt. Ich konnte seine Furcht verstehen, denn ich hatte selbst schon sieben schwere Großangriffe erlebt und war dabei einmal durch einen un- mittelbar neben mir erfolgten Einschlag verschüttet worden, so daß ich einen Nervenschock davontrug. Dem Aussehen und dem Alter nach hätte dieser Kamerad mein Vater sein können. Ich versuchte ihn zu beruhigen, ihm die Nichtigkeit unseres Lebens klarzu- machen, sagte ihm, daß wir als nüchtern denkende Menschen ruhig und ge- lassen dem Tode ins Auge blicken müßten und uns darum doch nach über- standener Gefahr wieder an der Reinheit des Lebens freuen könnten. Wenn die Furcht tatsächlich zum großen Teil auch Nervensache sei, so müsse der klare und harte Wille doch bestimmend sein, falls man überhaupt noch soviel Willenskraft besige. Bei diesen Worten wurde er ruhiger und schaute mich mit großen Augen fragend an. Aber schon sette das Flakfeuer mit aller Heftigkeit wieder ein, denn aber- mals näherte sich ein großer Bomberpulk unserem Lager. Aus allen Batterien krachte es von neuem. An den kleinen Sprengwölkchen sahen wir, daß das konzentrische Flakfeuer inmitten der Bomber lag. Das dauerte so einige Sekunden, dann ein Fauchen und Wirbeln mit einem Donnergetöse, als wenn die ganze Hölle los wäre. Diesmal schlug eine ungeheure Bombenlast ziemlich dicht hinter dem Lager ein, so daß der Luftdruck die nächste Um- gebung zum Schaukeln brachte. Das Flakfeuer verstummte fast völlig; nur hin und wieder bellte noch vereinzelt ein Geschüt, bis schließlich gänzliche Stille eintrat. Während dieser kurzen, gefahrvollen Zeitspanne hielt der Alte mein Handgelenk krampfhaft fest, aber er war ruhiger. An seinem Winkel und seiner Nummer sah ich, daß er politischer deutscher Häftling und schon mehrere Jahre in Dachau war. Mich interessierte sein Beruf, und schon um ihn abzulenken, fragte ich danach. Er war protestantischer Geistlicher, verheiratet und hatte drei Söhne. Einer von ihnen war ebenfalls Pfarrer, die anderen hatten die Offizierslaufbahn er- wählt. Alle drei befanden sich an verschiedenen Fronten im Felde. »„———— Und Du, Vater”, sagte ich zu ihm,„bist hier im Konzentra- tionslager. Traurig, komisch!‘ „O nein, nicht komisch‘, sagte*r,„traurig schon eher, das lasse ich gelten. eakrie für meine Familie. Aber wenn schon wahr, dann auch ganz wahr. Ein Heuchler wollte ich nicht werden, meine Gesinnung für ein Stück Brot verkaufen. Meine ganze Schuld, wenn ich auch meinen Beruf darum auf- geben mußte, war, daß ich nicht heucheln konnte. Man hat mich eingesperrt, weil ich meine Predigten christlich frei gestaltete und vor der Gemeinde in der Kirche nicht für Hitler beten wollte.“— Das Entwarnungssignal ertönte, und wir verließen den Graben: Ich sagte ihm, daß mich sein Schicksal interessierte. Wenn er sich mit mir darüber aussprechen wollte, wäre mir eine Verabredung sehr angenehm. 86 uns uns, zum Spät Met der hätt Hafı mich schwe te geschon en uneinen dieser larzu nd ge über Wenn se der soviel e mich abertterien aß das einige se, als Denlast e Umg; nur nzliche er Alte utscher te sein - Einer ahn erzentra gelten. wahr. Brot m auf. esperrt, inde in mit mir genehm. Er meinte, daß er das sehr gern tun würde, da meine Worte vorhin im Splittergraben sein Interesse für mich geweckt hätten. So vereinbarten wir, uns nachmittags an der gleichen Stelle wiederzusehen. Wir verabschiedeten uns, und jeder ging in seinen Block, denn inzwischen war auch die Zeit zum Essenfassen gekommen Er lag im Pastorenblock 26 Später hörte ich, daß es sechsunddreißig Bomben waren, die wenige hundert Meter hinter dem Stacheldraht einschlugen und dabei verschiedene Gebäude der Waffen- SS vernichteten. Wären diese Bomben ins Lager gefallen, sie hätten die Preẞstoffbaracken nur so hinweggefegt und vielen Tausenden von Häftlingen den Tod gebracht. Nachmittage ging ich zu dem vereinbarten Treffpunkt, wo mich mein neuer Kamerad bereits erwartete. Das Wetter war schön, aber kalt, so daß wir es vorzogen, unser interessantes Vormittagsgespräch im Gehen fortzusetzen. Es bedarf wohl keiner besonderen Betonung, daß wir uns ausschließlich über Fragen des Glaubens und der Kirche unterhielten, und zwar mit dem tiefen Ernst, der diesem bedeutsamen Thema zukommt. Es war eine offene Aussprache zwischen zwei um Wahrheit ringenden Menschen Jedenfalls war uns dieser Tag, der beiden unendlich viel gab, ein beglückendes Erlebnis, und ich war herzlich dankbar dafür. Wie oft hatte ich mich schon mit all diesen Fragen beschäftigt, insbesondere mit dei, ob die Kirchen beider Konfessionen tatsächlich alle ihnen zur Verfügung stehende Macht und ihren Einfluß aufgeboten hätten, diesen entsetzlichen Krieg zu verhindern und der Menschheit die furchtbaren Leiden, die nun über sie hereingebrochen sind, zu ersparen, und wie weit die Christenheit sich von ihrem wahren Gott abgewandt und so das gegenwärtige Menschheitsdrama mitverschuldet hätte. Wie hätte es, von diesem Gesichtswinkel aus gesehen, sonst möglich sein können, die große Kluft zwischen Nationalsozialismus und Christentum so leicht mit einer neuen Glaubenslehre zu überbrücken, wie es die Deutschen Christen mit ihren Thesen und Gebräuchen taten, die den wahren Gott und Christus verleugneten, ja bekämpften. Es kann nicht die Aufgabe dieses Buches sein, zu all diesen schwierigen Fragen Stellung zu nehmen Vielleicht komme ich hierauf später zurück. Es drängt mich jedoch, den Lesern kurz das Schicksal und den Lebensweg meines mir liebgewordenen Gesprächspartners zu vermitteln, der wie nur wenige gläubige und ihrem Gott und Christus treu gebliebenen Pfarrer den Sieg über sich selbst davongetragen hat. 3 So sehr interessierte mich das Schicksal dieses geraden Menschen, daß ich mir nach unserer Unterhaltung Notizen machte, die ich bis vor kurzem noch besaß. Darum ist es mir möglich, den Inhalt unseres Gesprächs fast wörtlich wiederzugeben. Lassen wir ihn erzählen: 87 “ „Sieh“, begann er,„ich gehörte zu den Kleinen, die den Mut aufbrachten, ‘cht mitzumachen. Es war mir einfach nicht möglich, die Wahrheit zu ver- leugnen, wenn ich vor mir selbst und meiner Gemeinde sauber und ehrlich dastehen wollte. Und gerade dieser gegenüber wuchs mein Verantwortungs- gefühl von Tag zu Tag. Unvorstellbar ist der seelische Kampf in dieser Zeit gewesen. Manche Nacht lag ich wach, mich um der Wahrheit und Klarheit willen mit den ersten und lettten Dingen zu beschäftigen. Die Versuchung blieb nicht aus, denn ich wußte, was mir blühte, wenn ich mich unzweideutig zu dem bekannte, was mir heiligste Erkenntnis geworden war. Ich war mir klar darüber, daß die Folgen Verlust meiner Existenz, meiner Wohnung und wahrscheinlich Gefängnis oder Konzentrationslager sein würden. Immer wieder kam die Versuchung, zu verleugnen, insbesondere dann, wenn ich an meine kranke Frau dachte. Aber die Macht der Wahrheit siegte, denn vor meinem geistigen Auge stand in leuchtenden Lettern das Wort Christi: Wer mich bekennet vor den Menschen, den werde auch ich be- kennen vor Gott, meinem himmlischen Vater! Es ist eine Tatsache, daß mich erst das schwere Ringen jener Jahre zum wahren Geistlichen gemacht hat. Meine Predigten waren von einer beson- deren Kraft und Reife. Sie waren ganz anders wie ehedem. Wie oft hatte ich früher die Worte Christi als Kanzelspruch vor die Gemeinde getragen, die da lauten: Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte ver- gehen nicht! ohne dabei die erschütternde Wahrheit überhaupt zu begreifen, die Christus mit diesen Worten in die Welt der Realitäten stellt. Meine Ge- meinde horchte auf, aber auch meine Feinde waren auf dem Plan. Bald sollte ich sie zu spüren bekommen. Erst kamen Warnungen, später Mahnungen meiner vorgesetten Kirchenbehörde, und schließlich erschien die Gestapo, die mich jedoch nach einigen Wochen wieder frei ließ. Noch heute schäme ich mich. wenn ich an die kurze Zeit dieser Haft denke, denn damals wurde ich wieder schwach, machte Kompromisse und verleugnete dadurch den wahren Christus. Ich sah nacktes Elend und furchtbare Not heran- nahen, grämte mich um mein armes Weib, das durch mich aus gesicherter Lebensbahn geschleudert werden sollte. Man ließ mich daraufhin frei! Der Weg von der Gestapo nach Hause war damals der schwerste meines Lebens, aber er wurde auch der schönste zugleich, denn in plößlicher innerer Klarheit verstand ich die Worte Christi, die er im Wissen um unsere er- bärmliche Schwäche dem von sich eingenommenen Petrus zurief, als er den Opfergang antrat: Petrus, ehe der Hahn zweimal kräht, wirst du mich drei- mal verleugnen! Tiefe Scham erfaßte mich. Zugleich aber war in diesem Augenblick mein endgültiger Entschluß gefaßt. Als ich nach Hause kam, fand ich meine Frau vergrämt vor. Ich mußte alle Kräfte zusammennehmen, um nicht erneut schwach zu werden.„Wir müssen stark sein“, sagte ich zu ihr,„und unerschütterlich im Glauben unseren Weg 83 gel zwi Zu mi ein zwi Oh ich Ich es De die ha M die au Be chten, u verhrlich tungsr Zeit arheit nn ich orden istenz, er sein ondere hrheit n das ich be e zum besonhatte ragen, te verreifen, me Gespäter en die heute damals adurch herancherter meines innerer ere erer den ch dreigefaßt. Ste alle müssen en Weg gehen!" Wir sprachen uns aus und wurden klar darüber, daß mich ein zweites Mal nichts mehr vor dem Konzentrationslager abschrecken würde. Zu allem Überfluß rief noch meine vorgesetzte Behörde an, beglückwünschte mich zu meiner Freilassung und gab ihrer Freude Ausdruck, daß ich endlich eingesehen hätte, wie meine Einstellung ja an und für sich gut, aber doch zwecklos wäre. Ohne eine Antwort darauf zu geben, so sehr ekelte mich das Gerede an, legte ich den Hörer auf die Gabel. Ich hatte mich im Laufe der Zeit daran gewöhnt, am Ende der Woche meine Predigt für den Sonntag in skizzierten Punkten festzulegen. Diesmal tat ich es nicht, denn ich wußte, was ich predigen würde. Der ereignisreiche Tag kam; die Kirche war gedrängt voll Menschen, denn die Gemeinde wußte, daß ich mehrere Wochen von der Gestapo in Haft gehalten war. Tatsächlich ist das Gotteshaus nie so voll gewesen wie an diesem Morgen. Mein Küster trat ein, um mir den Talar umzulegen. Die Lieder, die ich für den Gottesdienst bestimmt hatte, waren von mir ganz besonders ausgewählt Die Orgel brauste, und die Gemeinde sang das alte Lied des Bekenners Paul Gerhardt: - Befiehl du deine Wege Und was dein Herze kränkt Der allertreusten Pflege Des', der den Himmel lenkt. Der Wolken, Luft und Winden Gibt Wege, Lauf und Bahn, Der wird auch Wege finden, Da dein Fuß gehen kann. Nachdem ich die Liturgie verlesen, sang die Gemeinde den Choral: Stern, auf den ich schaue - Beim Klang der letzten Strophe betrat ich die Kanzel. - Wenn ich bis jetzt noch Anfechtungen hatte, so war bei den letzten Worten des Liedes:..... nichts hab ich zu bringen, alles, Herr, bist du! der Sieg errungen. - Als ich mit dem Spruch: Herr lehre uns die Wahrheit, dein Wort ist die Wahrheit! vor der Cemeinde stand, ging mein Blick noch einmal über die dicht gedrängten Reihen der Besucher. In einer der letzten Bänke saß der Gestapo- Beamte, der meine Vernehmung geleitet hatte. Er ließ mich kalt. ,, Wer mich bekennet, vor dem Menschen, den werde ich bekennen vor Gott, meinem himmlischen Vater!" Diese Worte hatte ich für meine Predigt gewählt. Sie bedeuteten den Wendepunkt meines Lebens. - Meiner Predigt legte ich keine eigenen Motive zugrunde, sondern sprach nur mit den Worten Christi, wo er den Gesamtinhalt des wahren Christentums in ein Gebot zusammenfaßt, das so einfach und leicht verständlich ist: ,, Du sollst Gott, deinen Herrn, von ganzem Herzen lieben!" Das heißt, du sollst 89 das Gute, Wahre, Gerechte, Edle. Schöne, Reine und Erhabene mit ungeteiltem Herzen lieben, es verkörpern und deinen Mitmenschen wie dich selbst achten. So wie du dann das Schlechte in dit bekämpfst, es hinausbeförderst, um der Tugend Raum zu schaffen, so sollst und wirst du dann auch deinen Mitmenschen gegenüber eingestellt sein und ihnen in Wort und Tat helfend zur Seite stehen. denn dadurch wirst du das Kostbarste, was das Leben überhaupt hat, gefunden haben, den Frieden mit dir, Gott und der Welt. Ich appellierte dabei an den Bekennermut zu Christus, zur Wahrheit, Gerechtigkeit, Aufrichtigkeit und Nächstenliebe allen Menschen gegenüber und geißelte mit scharfen Worten die falschen Propheten. Der Inhalt trug unverkennbar rein christlichen Charakter.- Ich verließ die Kanzel, um mich in die Sakristei zu begeben und danach durch Gebet und Segen den Gottesdienst abzuschließen. Inzwischen sang die Gemeinde: So nimm denn meine Hände und führe mich... Als ich die Sakristei betrat, saẞen dort zwei Beamte der Gestapo, die mich für verhaftet erklärten, wobei sie erwähnten, daß sie den religiösen Kommunismus genau so vernichten würden, wie dei reale Kommunismus von ihnen vernichtet worden wäre. - Sechs Wochen später war ich hier in Dachau, und jetzt sind es sechs Jahre her, daß ich im Lager bin. In diesen sechs Jahren habe ich viel Schweres und Furchtbares erlebt, und wenn Du mich heute morgen, als die Bomben fielen, zittern sahst, wirst Du jetzt sicher Verständnis dafür haben." Als er geendet hatte, gingen wir beide noch längere Zeit nebeneinander her. Erst allmählich legte sich die Erregung, die meinen Freund beim Erzählen seiner Lebens- und Leidensgeschichte befallen hatte. Wir sprachen noch über mancherlei. Insbesondere interessierte mich zu erfahren, ob er, falls er noch einmal die Freiheit erlangen sollte, sein Amt als Geistlicher wieder aufnehmen würde. ,, Nein", sagte er, nicht im Dritten Reich, denn es geht zugrunde, auch danach nicht mehr. Mein einziger Wunsch ist, nach dem Zusammenbruch Lehrer sein zu dürfen, Lehrer ethischer, christlicher Grundsätze, frei von jedem mystischen Nimbus. Und ich glaube fest daran, daß ich es noch einmal sein werde. ,, Und jetzt bist Du dran, mein Lieber, mir einiges aus Deinem Leben zu er zählen. Wenn Du auch auch noch jung bist und mein Sohn sein könntest, so hat Dich doch das Schicksal sicher schon hart angefaßt." Ich bin dem Wunsche meines Kameraden gern nachgekommen und habe ihm aus meinem Leben erzählt. An dieser Stelle möchte ich mich jedoch kurz fassen und nur auf das Wesentliche beschränken, um so mehr, als in dem vorliegenden Buch ohnehin ein größerer Abschnitt meines Daseins eingehend geschildert ist. Meine Eltern, die dem Arbeiterstand angehören, ließen mir eine gute Erziehung zuteil werden. Viel habe ich ihnen zu danken. Sie lehrten mich nicht nur die Tugenden, sondern lebten sie mir auch vor. Mein Interesse an 90 der reg Ar bes fre aut Ich WO SO me Gr Fa ste glü ver sch Eir ZU На mi po Fa Zu W Al Fü wa als Sch au Ma lic ein pr no die S02 mi WI ak Re Un hir P mit unie dich hinausdann Ort und vas das nd der eit, Ge enüber It trug durch Hie Geie mich Kommuihnen s Jahre chweres Bomben inander eim Erprachen ob er, istlicher uch daenbruch Frei von einmal n zu er ntest, so abe ihm ch kutz in dem angehend gute Eren mich resse an den Wissenschaften und allem Geistigen war schon von früherer Jugend an rege: Mein Vater wollte mir durch seine Ersparnisse und seiner Hände Arbeit gern ein Studium ermöglichen. Ich lehnte es aber ab, da mich die bestehende Gesellschaftsordnung und vorherrschende Lebensanschauung befremdeten. In den späteren Jahren vervollkommnete ich mein Wisser auf autodidaktischem Wege. Ich suchte schon in jungen Jahren im wirklichen Leben eine Rolle zu spielen, wobei ich nicht gerade sehr erfolgreich war. Es war mein Wunsch, schon so früh wie möglich aus eigener Kraft etwas zu leisten, und ich glaubte, daß meine bereits vorhandenen Energien als Grundlage für eine spätere im Großen aufbauende Tätigkeit schon ausreichten. Leider war das nicht der Fall. Ich hatte mich überschätzt, kam, ohne daß ich es wollte, mit den bestehenden Gesetzen in Konflikt und wurde bestraft, wobei eine Reihe unglückseliger Umstände eine verhängnisvolle Rolle spielten. Man wird es verstehen, daß hierdurch mein ganzes Persönlichkeits- und Weltgefühl erschüttert wurde, um so mehr, als während dieser Zeit auch meine politische Einstellung gegen den Nationalsozialismus reifte, die sich immer eindeutiger zu einer entschiedenen Ablehnung entwickelte. Da ich aus meiner inneren Haltung keinen Hehl machte, und man außerdem wegen meiner Vorstrafe mich im Auge hatte, war unschwer vorauszusagen, daß ich bald auch in politischer Hinsicht straffällig werden würde. Und das sollte tatsächlich der Fall sein. Zu dieser Zeit begann in mir der Kampf mit der Lüge, das Ringen um Wahrheit. - Als ich eines Tages im Jahre 1934 ausgerechnet in Gegenwart von SSFührern, die gleich mir anläßlich einer Todesfeier bei Bekannten zu Gast waren, Aussprüche von Karl Marx und Friedrich Engels zitierte, wurde ich als ,, verkappter Kommunist" an Ort und Stelle festgenommen, blutig geschlagen und der Gestapo übergeben, die noch mit weit ,, besseren" Methoden auf mich wartete. Man hat mir später die Freiheit wiedergegeben. Doch trotz ernsthafter, ehrlicher Versuche war es mir von diesem Zeitpunkt ab nicht mehr möglich, ein neues Leben auf gesunder materieller Grundlage aufzubauen. Denn die primitivsten Rechte, die man jedem Staatsbürger selbst im Dritten Reich noch zubilligte, blieben mir versagt. Kampf und nochmals Kampf! hieß also die Parole, um nicht unterzugehen. Auch die Anfeindungen der nationalsozialistischen Behörden wurden immer stärker, so daß ich Gefahr lief, mich ganz aufgeben zu müssen. Einige Äußerungen genügten dann, mich wiederholt zu bestrafen und schließlich im Zuge der großen ,, Säuberungsaktion", die man während des Krieges angeblich wegen ,, Stabilisierung der Reichssicherheit" durchführte, ins Konzentrationslager zu bringen. Und heute, da ich Dir gegenüberstehe, habe ich bereits einige Jahre Lager hinter mir. Was ich bisher erlebt habe, brauche ich Dir bestimmt nicht zu erklären. Wenn ich dennoch an das Gute, Schöne, Wahre und Wahrhaftige, an 91 16 Gerechtigkeit, Menschenrecht und Menschenpflicht glaube, dann ist das ein Ergebnis eines unendlich schweren Kampfes. Es sind keine billigen Worte, wenn ich sage: Durch Leid geläutert, vom Schicksal gehämmert, durch Kampf gestählt: Das sind Meilensteine auf dem Wege höherer Erkenntnis. Gut und Schlecht sind für mich keine felativen Begriffe. Tue das Gute um des Guten willen; hasse das Böse und zertritt es, weil es böse ist! Wir, die.dem Tode hunderte Male gegenüberstanden, die dem brutalen Mord wehrlos zusehen mußten, die das nackte Leben nur noch um des Lebens willen lebten, die wir in uns nur noch den Kern erblickten, den reinen Menschen allein, werteten nur diesen. Hier gab es kein Schöntun, kein Versteckspiel. Hier konnte niemand mehr eine Maske tragen. Hier schied'sich das Gute vom Schlechten. Der. das erlebt, erkannt und über- standen hat, ist, glaube ich, reif für ein Dasein, welches sich auf klarsten Grundsäten aufbaut und menschenrechtlich die Bezeichnung Leben ver- dient. In dieser Erkenntnis ist es etwas Großes, dem Leben dienen zu dürfen! Als ich meine Lebensgeschichte beendet, nahm der Kamerad meine Hände, drückte sie kräftig und sagte: Mein Freund, ich danke Dir. Es wäre gut, wenn alle so dächten. Ich glaube fest daran, daß die Zeit nicht mehr fern ist, wo dieses Denken die Menschheit beherrschen wird.“ „Ja,“ erwiderte ich,„was man als recht und wahr erkannt hat und was dem Fortschritt, der Gerechtigkeit, dem Frieden und der Wohlfahrt dient, muß verkündet und verwirklicht werden, und jeder muß seinen Teil dazu bei- tragen!“—— j Wir verabredeten uns für den nächsten Tag, aber leider wurde nichts daraus, denn dieser Tag brachte eine Veränderung, die uns zeitlich und räumlich trennte, Alliierte Truppen hatten sowohl im Westen als auch im Osten die alte deutsche Reichsgrenze überschritten. Bei Aachen, Eupen-Malmedy, im Saar- gebiet, in Ostpreußen und in Oberschlesien kämpfte man schon auf deut- schem Boden.— Viele Nebenlager, die sogenannten Außenkommandos, die dem Frontbereich am nächsten lagen, wurden aufgelöst und deren Insassen nach Dachau ver- frachtet. In immer kürzeren Abständen rollen unendlich lange Güterzüge, vollgepfropft mit ausgehungerten, kranken und toten Häftlingen. über die Bahnstation Dachau kommend, in den La-erbereich. Die Zahl der Leichen, die man bei der Ankunft aus den Waggons herausholte, mehrte sich von Zug lär Hi so sel br: et Da Da jer Da wa ho ke de we Has ein Worte, um des rutalen om des reinen höntun, m. Hier überlarsten en verdürfen! Hände, glaube mschheit was dem t, muß azu beidaraus, äumlich zu Zug. Die Zahl der Kranken hatte eine unglaubliche Höhe erreicht. Schon längst konnten die Krankenblocks niemand mehr aufnehmen. Die ärztliche Hilfe reichte bei weitem nicht aus. Medikamente und Verbandszeug waren so gut wie gar nicht mehr vorhanden. Die bisher schon kleinen Rationen wurden noch geschmälert. Im Krematorium wuchsen die Leichenhaufen zusehends. Tag und Nacht wurde dort verbrannt. Der brenzlige Gestank verbrannten Menschenfleisches war im Lager vorherrschend. Die Lungen sträubten sich beim Einatmen der verpesteten Luft. - Das war der Anfang vom grauenhaften, katastrophalen Ende des Martyriums Dachau. Aber bis dahin sollten noch vier bis fünf Monate vergehen, die ich jedoch nicht mehr hier, sondern unter noch ungeahnten, furchtbareren Verhältnissen in Buchenwald und einem seiner Nebenlager verbringen mußte. Dachau, das, wie schon erwähnt, bei meiner Einlieferung bereits überbelegt war, hatte durch den Zustrom aus den aufgelösten Nebenlagern eine derartig hohe Belegungsziffer und damit ein Maß an Elend erreicht, dem man in keiner Weise mehr gewachsen war. Dazu kam noch, daß durch die Verlegung der SS- Hauptämter ein großer Teil Dachauer Häftlinge nicht beschäftigt werden konnte. Hier machte die SS- Führung durch ihre Methoden Luft. Fast täglich, öfters sogar mehrmals am Tage, fand eine sogenannte Auskämmung statt, wobei die noch voll Arbeitseinsatzfähigen zur Verwendung in der Rüstungsindustrie in die Konzentrationslager im Inneren des Reiches transportiert wurden. Die große Zahl der nicht mehr Einsatzfähigen kam in die Vernichtungslager Mauthausen und Flossenbürg. - Ich selbst wurde einem Transport arbeitseinsatzfähiger Häftlinge von etwa siebentausend Mann zugeteilt, welcher was wir erst unterwegs erfuhren für Buchenwald, zum Einsatz in Rüstungsbetrieben Buchenwalder Außenkommandos, bestimmt war. - Sieben Wochen Aufenthalt in den berüchtigten Transportblocks mußte ich über mich ergehen lassen, bis endlich unsere Abfahrt nach Buchenwald vonstatten ging. Eine qualvolle Zeit.- die alte Im Saaruf deuttbereich hau verGüterzüge, über die Leichen, von Zug Daß ich nicht in Dachau blieb, hatte eine besondere Bewandtnis. Wenige Wochen zuvor war auf Befehl des Kommandanten im Lager bekanntgegeben worden, daß sich alle deutschen Häftlinge, damals nur noch ungefähr drei vom Hundert der gesamten Lagerstärke, bis zum fünfundvierzigsten Lebensjahr freiwillig an die Front melden könnten. Diese Zumutung war einfach unerhört. Doch aus der Formulierung der Bekanntgabe und auf Grund der sich immer mehr zuspitzenden Lage mußte man annehmen, sich bei Nichtmeldung irgendwelchen Repressalien auszusetzen, die schließlich auch den Tod bedeuten konnten. Also meldeten sich Häftlinge ,, freiwillig". Wenige Tage später verließen sie feldmarschmäßig ausgerüstet das Lager. Die Beweggründe dieser Kameraden waren grundverschieden. Ganz sicher 93 hat mancher von ihnen geglaubt, als Bewaffneter den Sturz des Dritten Reiches und die Vernichtung seiner Mörderclique beschleunigter herbeiführen zu können. Wer aber die raffinierte Organisation dieser Clique durchschaute und über das sich außerhalb des Stacheldrahtes abspielende Leben der letzten Zeit im klaren' war, konnte auch anders darüber denken. Ich zählte jedenfalls zu denen, die sich nicht meldeten, ganz gleich, welche Repressalien es auch nach sich ziehen würde. Als ich dann eines Tages meinem Kommandoführer auf dessen Befragen in unzweideutiger Weise meine Stellungnahme zu verstehen gab, wurde ich sofort meiner Funktion enthoben und kurze Zeit darauf trotz der Bemühungen meiner Kameraden, mich in Dachau zu behalten, für den Transport abgestellt. So standen wir, den ewigen Hunger als treuen Begleiter, eingepfercht im Güterwagen und rollten einem neuen Ziel entgegen, das wieder für viele das Endziel ihres Lebens war. Nur diesmal hieß es Buchenwald! 94 Dritten führen chaute letzten welche Tages Weise nktion eraden, im cht ele das Buchenwald Wenn der Tag erwacht, eh die Sonne lacht, Die Kolonnen ziehn zu des Tages Mühn Hinein in den grauenden Morgen. Und der Wald ist schwarz und der Himmel rot, Und wir tragen im Brotsack ein Stückchen Brot Und im Herzen, im Herzen die Sorgen. - Und die Nacht ist heiß und das Mädel fern, Und der Wind singt leis, und ich hab sie so gern, Wenn treu, ja, wenn treu sie nur bliebe. Und die Steine sind hart, aber fest unser Schritt, Und wir tragen die Pickel und Spaten mit, Und im Herzen, im Herzen die Liebe. - Und die Nacht ist kurz und der Tag so lang, Und ein Lied erklingt, das die Heimat sang. Wir lassen den Mut uns nicht rauben! Halte Schritt, Kamerad, und verlier nicht den Mut, Denn wir tragen den Willen zum Leben im Blut, Und im Herzen, im Herzen den Glauben. Refrain: O Buchenwald, ich kann dich nicht vergessen, Weil du mein Schicksal bist. Wer dich verließ, der kann es erst ermessen, Wie wundervoll die Freiheit ist. Doch Buchenwald, wir jammern nicht und klagen, Und was auch unser Schicksal sei, Wir wollen trotzdem Ja zum Leben sagen, Denn einmal kommt der Tag, dann sind wir frei!! O Buchenwald, du Golgatha in Thüringen!!! - Würde man die Schädel deiner gemordeten Opfer zu einer Pyramide auftürmen, so erstünde als sichtbares Zeichen für ganz Thüringen und darüber hinaus ein riesiges Mahnmal, anklagend all die Grausamkeiten, die dort im Namen des deutschen Volkes von Nazi- Verbrechern begangen worden sind. Sein Anblick würde keinen deutschen Menschen mehr froh werden lassen. Buchenwald, das berüchtigte Konzentrationslager mitten im Herzen des fruchtbaren, schönen Thüringens, des ehemaligen sogenannten Truŋgaus Thüringen, wo fast jeder erwachsene Einwohner Parteigenosse war. O ihr Thüringer, die ihr noch nicht ganz wach geworden, die ihr noch nicht zu eures Herzens Einfalt zurückgekehrt seid, die ihr trotz allem von den schlimmsten Übeln des Krieges verschont bliebt und euch jetzt vielleicht mit Problemen beschäftigt, mit denen ihr zur Zeit noch nicht ganz fertig werden könnt, ihr Thüringer, die ihr religiös vergiftet worden seid, die ihr zu den aktivsten ,, Deutschen Christen" zähltet, ihr, deren Seelen krank geworden sind an dem träufelnden Gift einer großen Lüge, werdet wach! Macht euch frei von dem Einfluß einer wahnsinnigen völkischen Ideologie, findet zurück zum Ursprung der Dinge, zur Wahrheit, und ihr werdet wieder menschlich, völlig menschlich empfinden und handeln können, denn in keinem anderen Gau Deutschlands ist so mit den zartesten Empfinden der Menschen mittels satanischer Verlogenheit Schindluder getrieben worden wie hier. - Schaut nach Buchenwald, hört und lest, was meine Kameraden, die Buchenwald von Anfang bis zum schrecklichen Ende erlebt haben, berichten. Seht euch die Spuren, die man heute noch in Buchenwald vorfindet, gut an, prägt. sie euch und euren Kindern ein, und ihr werdet den großen Irrtum und die satanische Lüge erkennen, deren Opfer ihr einst geworden seid! Was ich von Buchenwald erzählen kann, ist nicht viel, dafür aber schrecklich genug. - Ein unendlich langer Güterzug, vollgepfropft mit hungrigen, schwachen und kranken Häftlingen, unter denen sich schon viele Tote befanden, rollte durch die eisige Nacht. Während der Fahrt überflogen uns verschiedentlich amerikanische Bomberverbände, doch hat uns das Schicksal stets so durch die betroffenen Städte geleitet, daß wir vor einer zufälligen Vernichtung bewahrt 7* 99 blieben, ein Glück, welches viele andere Transportzüge, die manch hohen Blutzoll entrichten mußten, nicht hatten. - Wir lagen in unserer dürftigen Kleidung, hungrig und vor Kälte zitternd, eng aneinander geschmiegt auf dem Boden des Güterwagens, wo sich da und dort verloren eine Handvoll Stroh befand. In unserem Waggon hatten wir schon vier Tote, denen wir die Oberkleider auszogen, um uns damit zuzudecken. Die Leichen schichteten wir in einer Ecke auf, um Platz zu gewinnen, denn nicht alle konnten liegen; ein Teil mußte immer stehend solange warten, bis der andere eine Zeitlang geruht hatte. Hunger und Kälte ließen uns keinen tiefen Schlaf finden, ein leiser Schlummer der Erschöpfung wurde immer wieder beim Anhalten des Zuges durch das Knirschen der Bremsen unterbrochen. Bei der Waggontür saßen beim spärlichen Lampenlicht drei schwer bewaffnete SS- Männer, die jede unserer Bewegungen beobachteten, und denen sich keiner nähern durfte. Einem etwaigen Ueberfall vorbeugend, blieb deshalb auch die Mitte des Wagens frei. Unsere Notdurft verrichteten wir in einem mitgeführten Blecheimer, der von Zeit zu Zeit beim Halten des Zuges auf freier Strecke von einem von uns geleert wurde. Eine solche Gelegenheit glaubten zwei russische Kameraden, die sich in einem anderen Waggon befanden, zur Flucht benutzen zu können. Sie kamen nicht weit. Von mehreren Kugeln der SS durchbohrt, brachen sie tot zusammen. Man warf ihre Leichen in den Waggon zurück, damit am Ziel die Transportziffer stimmte. In dieser Nacht erhöhte sich die Zahl unserer Toten auf fünf. Ein polnischer Kamerad, der unmittelbar vor mir lag, seufzte noch einmal schwer. Es war das letzte Lebenszeichen, das ich von ihm vernahm. Sein Tod fiel uns eigentlich erst auf, als wir aufstehen mußten, um den anderen Platz zu machen. Es gab nur einmal Verpflegung, und zwar kalte Kost, die brüderlich verteilt wurde. Meine Kameraden beauftragten mich damit. Es war immer ein Kunststück, mit den primitivsten Behelfsmitteln gleich große Portionen herzurichten, denn es gab unter uns auch noch vereinzelt Menschen, bei denen ein Krümel Brot über jede Kameradschaft ging, wenn sie vermuteten, daß einer vielleicht etwas mehr haben könnte. Aber von diesen Kleinigkeitskrämern gab es Gott sei Dank nur wenige. Als ich im Begriff war, dem SS- Posten führer den fünften Toten zu melden, stieß mich mein Nebenmann an und bat mich flüsternd, die Meldung doch erst später zu erstatten, damit uns morgen früh noch seine Brotration sicher wäre. Er bat mich, ihm diese Ration zu geben, da er doch so schwach und elend sei. Ich erwiderte darauf nichts, unterließ aber auch die Meldung, denn ich wollte am nächsten Morgen bei Tageslicht erst einmal feststellen, ob er auch tatsächlich der Schwächste wäre. Den Toten rollte ich, ohne daß es die anderen merkten, etwas beiseite und bedeutete dem jungen, schwachen Kameraden, der die Ration des Verstorbenen begehrte, sich bei ihm hinzulegen, um dadurch ein vorzeitiges Entdecken zu vermeiden, was er auch in Anbetracht der ewaigen Erfüllung seines Wunsches gern tat. 100 Der nach läng eine wurs lang fasse Lan eine tione Dar blie Post der den fass schü ist mel weis Vor ja sie nac tats Der Ha Tag von eine fole auf Sei gan zu mit end Bev zu All zu ein gew Tra hohen zitternd, da und tten wir amit zuzu ge stehend ger und der Eras Knirpärlichen wegungen Uebersere NotZeit zu geleert die sich mnen. Sie en sie tot ransportpolnischer . Es war ms eigent achen. h verteilt mer ein Portionen bei denen eten, daß einigkeitsmelden, Jung doch ion sicher wach und ung, denn tellen, ob ne daß es schwachen hm hinzuer auch in Der Zug rollte weiter, hin und wieder anhaltend, bis er endlich zwei Stunden nach Morgengrauen auf freier Strecke vor der Einfahrt eines Bahnhofes für längere Zeit stehen blieb Hier erhielten wir unsere Tagesration, die aus einem Stück Brot, wenigen Gramm Margarine und einem Scheibchen Blutwurst bestand. Es war die letzte Verpflegung, und wir wußten nicht, wie lange wir noch unterwegs blieben, und nach wieviel Tagen wir die nächste fassen durften. Der junge Pole hütete die neben ihm liegende Leiche seines Landsmannes wie einen kostbaren Schatz, denn sie garantierte ihm eventuell eine doppelte Ration. Ich machte eilig und dennoch gewissenhaft die Por tionen zurecht, wobei mir die Wartenden mit gierigen Blicken zusahen. Daraufhin verteilte ich das kostbare Gut wahllos an die einzelnen. Am Schluß blieb eine Portion übrig, und zwar die des nicht gemeldeten Toten. Der Posten führer sah dies, schaute mich fragend an, worauf ich dann auf den in der Ecke Liegenden, der das Bild eines Schlafenden darstellte, hinwies mit den Worten: ,, Sag mal, willst Du denn nicht aufstehen und Deine Portion fassen?" Der junge kranke Pole fühlte sich jetzt seiner Rolle gewachsen und schüttelte zum Schein den angeblich Schlafenden, um ihn zu wecken.„ Der ist ja tot!" sagte er dann. Ich überzeugte mich scheinhalber davon und meldete den Sachverhalt dem Postenführer. Auf die übrig gebliebene Portion weisend, sagte er: ,, Da sie nun einmal übrig ist, fressen Sie sie auf!" Dem Vorgang waren alle meine Kameraden aufmerksam gefolgt, denn jeder hätte ja gern in den Besitz dieser Portion gelangen wollen. Ich sagte ihnen. daß sie der Schwächste unter uns bekommen solle. Nachdem ich sie alle der Reihe nach gemustert hatte, war doch der junge Pole der Glückliche, denn er war tatsächlich der Schwächste. Sein dankbarer Blick verriet mir große Freude. Der Zug rollte weiter. Hagel und Schnee wirbelten durch den schmalen Türspalt, der während des Tages unserer Beobachtung wegen offen blieb. Ab und zu wurde die Fahrt von Aufenthalten, auch längeren, unterbrochen, da die Verkehrsstörungen einen immer größeren Umfang annahmen. Der Abend brach herein, die Nacht folgte. Am nächsten Nachmittag war endlich das Ziel erreicht. Der Zug hielt auf dem Bahnhof von Weimar, um nach Buchenwald umrangiert zu werden. Seit der letzten Verpflegung waren nun schon zweiunddreißig Stunden vergangen. Es war daher klar, daß uns die Frage, ob es wohl heute noch etwas zu essen gäbe, am meisten beschäftigte. Manch einer äußerte, daß er schon mit einem Becher warmen Kaffees zufrieden wäre. Nach einigen Stunden endlich war der Zug auf das Buchenwald- Geleis umrangiert. Er setzte sich in Bewegung, um nach einer guten halben Stunde unweit des Lagertores halt zu machen. Alles mußte aussteigen und sich in Fünfer- Gruppen ausrichten, um gezählt zu werden. Während dieser Zeit sprangen etliche SS- Postenführer in die einzelnen Waggons und zählten die Toten. Stockdunkel war es mittlerweile geworden. Als die Zahl stimmte, setzte sich das Ganze, das wie ein endloser Trauerzug anmutete, in Bewegung. In Gruppen zu je hundert eingeteilt, 101 ging es im Scheinwerferlicht durch das Tor, über welchem die Worte standen: ,, Recht oder Unrecht, mein Vaterland!" In dem Eisengitter des Tores waren die hohnsprechenden Worte geformt: ,, Jedem das Seine!" - So marschierten wir in Buchenwald ein. Aus einer Hölle kommend, marschierten wir in die andere! Qua gele Dab hatt Bek bere and Besc dam Fre gere in I Leid kom Hur Dies Das Lager Buchenwald war noch stärker überbelegt als es Dachau bei unserem Weggang war. Die Folgeerscheinungen daher noch grauenhafter. Die Kame raden, die als Funktionäre für die Selbstverwaltung des Lagers verantwortlich waren, mußten alle Kraft aufbieten, um mit den unzureichenden Mitteln dieser katastrophalen Lage entgegenzusteuern. Sie blicben bemüht, im Bereich des menschenmöglichen alles zu tun, um das flackernde Lebenslicht des einen wie des anderen in der großen Masse am Brennen zu halten. Oft riskierten sie hierbei Übergriffe und damit Bestrafung durch die SS. Als Lagerfunktionäre, Angehörige fast aller Nationen, waren sie sich jedenfalls der großen Verantwortung voll bewußt und haben sich ihrer in der schweren und immer schwerer werdenden Zeit bis zum Ende der Katastrophe würdig erwiesen. Ungezählte Häftlinge verdanken ihrer Organisation und ihrem Kameradschaftsgeist das Leben. Im Lager herrschten schon Seuchen. In kurzen Abständen wurden wir in den Quarantäneblocks sechsmal gegen Typhus geimpft. Der Hungertod schlich durch die Reihen und legte seine knochige Hand würgend um den mageren Hals seiner Opfer. Auf Pritschen, wo durchschnittlich drei bis vier Mann Plat hatten, lagen wir eingeklemmt zu acht, zehn und mehr Menschen, deren Sinne nur auf etwas Eßbares konzentriert waren, die von einer kärglichen Mahlzeit auf die andere warteten und sich den Kopf über ihr weiteres Schicksal zerbrachen. Sechs Wochen lagen wir schon in diesem als Unterschlupf dienenden Pferdestall und harrten der Zuweisung zu einem Außenkommando. Sieben Wochen Quarantäne in Dachau und dazu sechs Wochen das gleiche in Buchenwald, macht zusammen ein Vierteljahr Umherkauern auf einigen Quadratdezimetern stinkender Pritsche bei dürftigster Bekleidung und der bisher schlechtesten Verpflegung in einem ungeheizten, muffigen Raum, wo der Niederschlag menschlichen Atems von den Wänden tropfte. Der Tod hielt reiche Ernte, und jeder Morgen fand einen neuen, immer größer werdenden Leichenhaufen vor unserer Tür liegen. Bereits in den ersten Tagen meiner Ankunft in Buchenwald erhielt ich im 102 Gef Um wäh dar Die aus sch abe nöt H Dae Ein hat nic abe Ko me ma In kor Bu Gel me anden: mt: unserem KameantwortMitteln im Be licht des ten. Oft SS. Als denfalls schweren würdig d ihrem wir in ze Hand o durchzu acht, zentriert und sich gen wir der ZuDachau men ein Pritsche in einem tems von gen fand ür liegen. It ich im Quarantäneblock von alten Kameraden, die ich schon vor Jahren kennengelernt, und die von meinem Kommen unterrichtet waren, des öfteren Besuch. Dabei erfuhr ich auch den Tod so mancher Schicksalsgofährten. Andererseits hatte ich auf Empfehlung meiner Dachauer Kameraden in Buchenwald neue Bekannte gewonnen. Diese, wie auch die alten Freunde, haben in edler Hilfsbereitschaft meine größte Not zu lindern vermocht, indem mir der eine oder andere einen Teil von dem wenigen, was er infolge einer zufälligen günstigen Beschäftigung so nebenbei organisieren konnte, zukommen ließ. Man hatte damit mir und den näheren Bekannten meiner neuen Umgebung eine große Freude bereitet, ja, uns in dieser Zeit buchstäblich vor dem Hungertode gerettet. Auch wollte man mich durch Vermittlung irgendeiner Beschäftigung in Buchenwald behalten, damit ich nicht in einem, jedem alten, durch viel Leid gegangenen Konzentrationär, unliebsam bekannt gewordenen Außenkommando meiner schon vorgeschrittenen Körperschwäche wegen vor die Hunde ginge. Diese kameradschaftliche Fürsorge lehnte ich jedoch, einem unbestimmten Gefühl folgend, ab. Ich ließ mich daher einem Außenkommando zuteilen. Um dem Leser den Begriff„, Außenkommando" zu erklären, möchte ich erwähnen, daß diese Außenkommandos selbst Konzentrationslager im kleinen darstellten, die sich innerhalb eines Werkes oder unmittelbar dabei befanden. Die geforderten Leistungen gingen dabei stets von der Unternehmer- Initiative aus und waren so hochgeschraubt, daß sie kaum von einem zivilen Durchschnittsarbeiter bei normaler Verpflegung erreicht werden konnten, von uns aber bei unzureichender und dabei noch schlechter Beköstigung mit dem nötigen brutalen Druck seitens der SS geschafft werden mußten, bis der Häftling, ausgepumpt und seiner letzten Kraft beraubt, dem Tode verfiel. Dazu kam noch der Mangel an ausreichenden hygienischen und sanitären Einrichtungen, was Unsauberkeit, Ungeziefer und Krankheiten zur Folge. hatte. Frische Wäsche war Luxus, von der erbärmlichen Unterkunft schon gar nicht zu reden. An eine Stunde Freizeit täglich, die man doch wenigstens abends im großen Lager hatte, war nicht zu denken. Waren die größeren Konzentrationslager schon Höllen, so stellten die Außenkommandos in den meisten Fällen die reinsten Teufelsküchen dar, in denen das Menschenmaterial nur so vernichtet wurde. In der Folge wird der Leser ausführlich hören, wie es auf so einem Außenkommando zuging. Buchenwald besaß von diesen Außenkommandos im gesamten Thüringer Gebiet, in Sachsen, Anhalt, im Ruhrgebiet, ja bis an den Rhein, eine Unmenge dieser Höllen, wo in den Kriegsjahren unzählige Häftlinge dem 103 Moloch Rüstung in den Rachen geworfen wurden. Wenn sie völlig ausgepumpt waren, kamen sie nach Buchenwald zurück, um hier zu sterben. Jedem Zug dieser Transportler, die sich langsam, humpelnd und kriechend ins Lager hineinbewegten, folgte eine oder mehrere Karren mit Menschen, die am Ausgangspunkt des Transports noch lebend verladen, unterwegs aber gestorben waren. Für die Zurückgekehrten wurden Ersatztransporte aus dem vielen noch, vorhandenen ,, einsatzfähig- gemusterten" Menschenmaterial des ., Kleinen Lagers" zusammengestellt, ihrem Bestimmungsort zugeführt und eingesetzt, bis auch sie soweit waren wie die Zurückgekehrten. Auch ich wurde noch einmal gemustert und eines Tages einem Transport, bestehend aus rund fünfhundert Häftlingen, zugeteilt, der am nächsten Morgen verfrachtet wurde. Fast alle Außenkommandos, vor allem die wichtigsten der Rüstungsindustrie, hatten sogenannte Decknamen, und nur wenige eingeweihte Funktionäre kannten ihre wirkliche Bezeichnung und ihren Sitz. Unser Kommando war völlig neu zusammengestellt und sollte erst aufgebaut werden. Der Bestimmungsort war nicht einmal dem dafür neu eingesetzten Lagerältesten bekannt. So ging es diesmal wieder einem unbekannten Ziel entgegen. unter in de Sie w Auße ein Wen ein k müss wie allem Stück Warr räder nicht Der ältes Dies - Nach vierundzwanzigstündiger Bahnfahrt solange brauchte der Zug bei den stockenden Verkehrsverhältnissen befanden wir uns auf einer kleinen Station in der Rhön, unweit von Eisenach. - Unser Ziel sollte ein zwölf Kilometer entferntes Dörfchen sein, wohin wir uns, durch den Schnee stampfend, begaben. Schon von weitem sahen wir vereinzelt Fördertürme von Schachtanlagen, bis wir dann schließlich eine gute Stunde später auf einem Zechenplatz halt machten. Nachdem der Transport noch einmal durchgezählt war, bewegte sich das Ganze zum Schacht hin, um hier in kleinen Gruppen mit dem Förderkorb in die Tiefe gebracht zu werden. Unten angekommen, betraten wir einen hell erleuchteten, tunnelartigen Raum, der sich weiter verzweigend in verschiedene Strecken aufteilte und als ,, Sohle I" bezeichnet wurde. Von einer Postenkette umgeben, warteten wir hier, bis das ganze Kommando vollzählig beisammen war, um dann weit ins Innere des Bergwerks zu marschieren. Wir befanden uns in einem der vielen Salz- und Kalibergwerke Mitteldeutschlands. Die Luft war derart salzhaltig, daß wir schon nach wenigen Minuten den Salzgeschmack auf der Zunge spürten, welchen wir auch während der ganzen Zeit unseres Aufenthaltes hier unten nicht mehr los wurden. Wir marschierten immer noch tiefer in den Berg, um dann endlich nach einer halben Stunde in einer weiträumigen Halle, die in den Salzfelsen gesprengt war, halt zu machen. Ihr glitzerndes Weiß mutete uns an wie ein riesiges Leichentuch, was es auch tatsächlich für viele von uns werden sollte. Der gesamte 104 unse Benu Hall läufi oben unte wen Stro erhi man führ heut mor Das Tod So enge lum Sch Der ich wir ig aus sterben. iechend enschen, gs aber aus dem rial des hrt und ansport, en Morndustrie, ktionäre do war Bestimbekannt. Zug bei kleinen ohin wir ahen wir lich eine sich das rderkorb wir einen in veron einer vollzählig eren. e Mitteluten den er ganzen Wir marer halben engt war, Leichengesamte unterirdische Betrieb war mit elektrischer Beleuchtung versehen. Die Halle, in der wir uns jetzt befanden, sollte unsere neue Unterkunft sein. Sie war zirka hundert Meter lang, zwanzig Meter breit und drei Meter hoch. Außer dem Eingang, vor dem die Postenkette Stellung bezog, bildete sie ein massives Ganzes. Wir harrten nun der Dinge, die da kommen sollten. Wenn das unsere Unterkunft sein sollte, in der sich weiter nichts befand als ein kleiner Stoß alter Bretter, so würden wir doch sicher noch heute arbeiten müssen, um die für eine gewöhnliche Häftlingsunterkunft benötigten Sachen, wie Schlafpritschen. Tische und Bänke herbeizuschaffen und einzurichten. Vor allem glaubten wir auch, daß man uns zunächst erst eine Suppe oder ein Stück trockenes Brot zu essen gäbe, da wir doch schon fast zwei Tage nichts Warmes mehr in den Leib bekommen hatten. Von der Bahnfahrt wie gerädert, setzte oder legte sich ein jeder, wo er gerade stand, hin, wenn er nicht vor Schwäche in der nächsten halben Stunde umfallen wollte. Der neue SS- Kommandoführer betrat den Raum und schrie nach dem Lagerältesten, mit welchem er abseits stehend eine kürzere Unterredung hatte. Dieser teilte uns dann mit, daß draußen vor der Halle zur Verrichtung unserer Notdurft einige Kübel ständen, und sich ein jeder vor und nach der Benutzung beim Wachposten an- und abzumelden hätte. Weiter, daß diese Halle unsere Unterkunft sei, in der wir wohnen und schlafen sollten, vorläufig aber erst einmal für vier Wochen Bestünde die Möglichkeit, inzwischen oben ,, über Tage" eine Baracke zu bauen, dann sollten wir da besser untergebracht werden Betten oder Pritschen wären nicht vorhanden, ebensowenig Bänke und Tische, aber es würde in den nächsten Tagen ein Waggon Stroh kommen, das uns als Schlafgelegenheit dienen sollte, und bereits heute erhielte schon jeder eine Decke. Morgen vormittag würden die Arbeitskommandos eingeteilt und an ihre Arbeitsplätze geführt werden. Der Kommandoführer ließe sagen, daß er sich ,, besonders für uns eingesetzt" hätte, damit wir heute noch eine Tasse warmen Kaffee bekämen. Das erste Essen gäbe es morgen mittag. Das fing schon gut an. Aber man war ja so viel Not, Elend, Mißhandlung, Tod und Mord gewöhnt, daß wir uns darüber nicht mehr aufregten. --- So zog einer nach dem anderen seinen Leibriemen, sofern er einen hatte, enger die meisten von uns besaßen statt dessen ein Stück Papierkordel legte sich auf den Salzboden, um mit angezogenen Beinen, nur das Stück lumpige Kopfbedeckung unter dem Haupt, in unruhigem Schlummer, Hunger, Schwäche und alles Elend vergessend, neue Kräfte zu finden. Der nächste Morgen brachte uns außer der neuen Arbeitseinteilung, wobei ich als Capo ein Kommando zugeteilt erhielt, nichts Neues. Was für Arbeiten wir verrichten sollten, wußten wir noch nicht. 105 Ich ließ mein Kommando antreten und fertigte die Kommandoliste an, wobei ich meine neuen Kameraden näher kennenlernte. Dann hieß ich sie weg- treten und sich niederlegen. Ich selbst mußte das gleiche tun, da meine Knie vor Schwäche zitterten. Zwei Stunden später begab sich unser Essenträger- kommando unter SS-Begleitung zum Schacht, um dort das Essen, das„über Tage“ in einer Küche der sogenannten Organisation Todt(OT) zubereitet wurde, in Empfang zu nehmen, wobei ihm gleichzeitig eine Anzahl Eßnäpfe und Löffel ausgehändigt wurden. Das Essen war auf ein Liter‘ pro Kopf genau bemessen, so daß es für den Austeiler ein Kunststück war, am Schluß auch noch seine Portion übrig zu behalten. Dieses Liter Suppe, die ja unsere Hauptmahlzeit bildete, war so dünn, daß sie nur mit einer primitiven Vor- suppe einer ärmlichen bürgerlichen Küche verglichen werden konnte. Selbst die Suppe in Buchenwald war— wie man zu sagen pflegt— Gold dagegen. Aber zur Zeit war sie noch gut. Schon recht bald sollten wir erfahren, daß es noch schlechtere Suppen gibt. Nach dem Essenfassen bis zum Antreten zur Arbeit hatten wir noch eine gute halbe Stunde Zeit, die mit einer Besprechung der einzelnen leitenden Kameraden, an der auch ich teilnahm, ausgefüllt wurde. Hier legten. wir Richtlinien für das neue Kommando in bezug auf die Arbeitsweise, Ernäh- rung und Unterkunft fest, und zwar unter Berücksichtigung der von uns erpreßten, wie auch der eigenen Disziplin. Die Art der Arbeit war nc.h immer unbekannt. Wir wußten nur soviel, daß sie von einigen der Organi- sation Todt angehörigen Führern in bezug auf Leistung und technische Ab- wicklung beaufsichtigt würde. Um die festgesetzte Zeit ließ ich mein Kommando antreten, dessen Stärke ich beim Verlassen der Unterkunft dem SS-Rapportführer meldete. Unter Führung eines OT-Mannes marschierten wir dem neuen Arbeitsplat zu. Wir gingen eine gerade, betonierte Straße entlang, an der sich Halle neben Halle reihte, die genau so beschaffen waren wie jene, die uns als Lager diente, nur mit dem Unterschied, daß diese hier weit geräumiger, der Boden betoniert und vereinzelt mit Maschinen bestückt war, wie man sie sonst nur in der Metallindustrie vorfindet. Das ganze Bild verriet, daß hier ein unterirdisches Werk im Aufbau begriffen war, in welchem, wie wir später erfuhren, die Geheimwaffen V 1 und V2 hergestellt werden sollten. Die wenigen uns unterwegs begegnenden Bergarbeiter und Montageleute schauten uns teils neugierig, teils mitleidig an, denn ihnen wurde in einer Gefoleschaftsversammlung kurz vor unserer Ankunft unter Androhung der üblichen Strafe aufs strengste verboten, mit uns in irgendeiner Weise zu verkehren, da wir die schlimmsten Verbrecher wären, die es überhaupt gäbe. Die Postenkette nahm Aufstellung. Nachdem meine Kameraden angetreten und abgezählt waren, und ich dem Postenführer Stärkemeldung erstattet hatte, ließ ich mir von dem OT-Baustellenleiter, der mit einer Pistole be- waffnet war, den Arbeitsvorgang erklären. wobei ie weg me Knie mträgersüber bereitet Snapfe Kopf Schluß unsere en VorSelbst Hagegen ren, daß och eine eitenden gten wir Ernäh von uns war nch Organi sche AbStärke e. Unter Den Halle er diente, betoniert r in der begriffen und V 2 tageleute e in einer hung der Weise zu aupt gäbe. angetreten erstattet Pistole be Es handelte sich um Materialbewegungen. Das vorhandene, vorher losgesprengte Salz mußte in Loren verladen, fortgefahren und an einer entlegenen Stelle ausgekippt werden, bis die Halle die gleiche Form hatte wie alle übrigen. Der OT- Mann, der sich in seiner Stellung für die Leistungen verantwortlich fühlte, erklärte mir, daß bisher hier russische Zwangsarbeiter geschafft und ein tägliches ,, Soll" erreicht hätten, das auch wir unbedingt erreichen müßten, da es den Mindestsatz an Leistung darstelle, der unter allen Umständen beizubehalten sei. Ich wäre zwar der Capo und hätte, das wäre ihm bekannt, außer der SS- Führung das alleinige Befehlsrecht über meine Leute, er mache mich jedoch darauf aufmerksam, daß er mich der SS anzeigen könne und dies auch täte, wenn diese Mindestleistung nicht erbracht würde. Im übrigen seien dies die Vorbereitungen für einen der wichtigsten Rüstungsbetriebe, die unmittelbar unter dem Befehl des Oberkommandos der Wehrmacht stünden. Auch das fing schon gut an. Bei den letzten Worten erschien der Kommandoführer auf der Bildfläche. Er schaltete sich ein und fügte hinzu: ,, Jawohl, Capo, damit Sie klar sehen. So ist es und nicht anders. Ich verlange von Ihnen und Ihren Leuten, daß Sie die äußersten Anstrengungen machen, damit die von dem OT- Meister geforderte Leistungsziffer erreicht wird Anderntalls mache ich Sie dafür veranwortlich, bezichtige Sie der Sabotage Was darauf steht. das wissen Sie doch!" er vollführte dabei mit dem Finger die Geste des Erhängens-..Ferner sind sämtliche Posten schon aufs schärfste instruiert worden. mir jeden Fall undisziplinierten Verhaltens sofort zu melden. Im übrigen, sind Sie schon lange im KZ?" ..Schon einige Jahre", antwortete ich. ..Auch früher schon Capo gewesen?" ,, Das ist mein fünftes Kommando." - ,, Nun ja, da wissen Sie ja Bescheid. Dann brauche ich Ihnen nichts mehr zu sagen Also, noch einmal, an Ihnen liegt es, ob die Leute arbeiten, und wehe Ihnen, wenn sie das Pensum nicht erreichen Sollte sich einer von Ihren Männern weigern, das heißt. Ihren Befehlen irgendwie einmal nicht nachkommen, wenden Sie sich sofort an den Postenführer Wir machen mit dem Vogel dann kurze Fünf." Zu den Leuten gewandt, sprach er weiter: ,, Also. ich verlange von Euch die größte Leistung. Ich werde mich dann auch dafür einsetzen. daß es Euch besser geht Ihr bekommt in den nächsten Tagen Stroh. damit Ihr nicht auf dem blanken Salz zu schlafen braucht" Mein Kommando, das im Glied angetreten stand, setzte sich aus Angehörigen der verschiedensten Nationen zusammen. Sie konnten daher mehr oder weniger die Unterredung und die an sie gerichteten Worte nicht verstehen. Ich lieẞ deshalb die einzelnen Dolmetscher das Gesprochene wiederholen. Dann teilte ich das Kommando in mehrere kleine Gruppen einsatzmäßig auf und wies ihnen ihre Arbeit zu Einige Dolmetscher, die vor allem auch selbst geschickte Arbeiter waren, setzte ich über die einzelnen Kolonnen als Vorarbeiter, damit alles erst einmal in Gang käme. 107 In etwas lässiger Haltung ließ ich vorhin den Wortschwall über mich er- gehen, gab keine Antwort,/sondern nickte nur hier und da mit dem Kopf zur Bestätigung, daß ich die Worte verstanden hätte, denn die Zeiten, wo ich den Tod, der mein nächster Verwandter geworden war, fürchtete, waren längst vorbei. Wenn dieser vertierte SS-Führer etwa geglaubt hatte, daß sein Gerede noch irgendwelchen Eindruck auf mich ausübte, so war er borniert. Wenn er sich einbildete, daß ich mich vielleicht— selbst vor Furcht zitternd wie ein Neuling— daraufhin auf meine Kameraden gestürzt hätte, um ‚sie befehlsgemäß an die Arbeit zu jagen, auch dann war er im Irrtum. Allein der Druck der Disziplin, und insbesondere unser gemeinsames Wohl, waren die Triebfeder des sich unter meinem Befehl organisierenden Arbeitseinsates. Wäre diesem Menschen nur ein klein wenig psychologisches Empfinden eigen gewesen, als er zu uns sprach, so würde er uns allen vom Gesicht abgelesen haben, daß seine Worte und seine Todesdrohung keinen mehr erschütterten. Vor ihm stand eine saft- und kraftlose Masse Mensch, die man nach drei Tagen zum ersten Male mit einem Liter warmer Wassersuppe abgespeist hatte, von der man andererseits aber enorm große Leistungen verlangte, um dem Nationalsozialismus noch“zum Siege zu verhelfen. Dazu noch zu einer Zeit, wo amerikanische Artillerie schon Duisburg und Wiesbaden beschoß, und Ostpreußen und ein großer Teil Oberschlesiens bereits von den Russen besett war. Ich schwieg daher und gab, bis aufs Aeußerste verbittert, meine Befehle. Meine Kameraden gehorchten mir, und die Arbeit nahm, so gut es eben ging, ihren Anlauf. Nachdem sich der SS-Führer entfernt hatte, um einen anderen Arbeits- abschnitt zu inspizieren, befand ich mich mit dem OT-Meister einen Augen- blick allein. Ich versuchte, mit ihm ein Gespräch anzuknüpfen, um festzu- stellen, wes Geistes Kind er sei. Ich streckte— wie man zu sagen pflegt— meine Fühler vorsichtig aus und wußte auch bald hundertprozentig, wen ıch vor mir hatte. Er war als OT-Meister schon in Rußland tätig gewesen und hatte die unter der Fron des Nationalsozialismus dort schaffenden Russen seine Knute oft genug fühlen lassen. Er war einer jener Idioten, die auch jet noch an den Sieg des Nationalsozialismus glaubten. Ich mußte daher eine vorsichtige Taktik anwenden, wenn ich hier zwischen der verlangten Leistung und der Kraftlgsigkeit meiner Kameraden einen Ausweg finden wollte. Von vornherein war mir klar, daß ich mit jenem Menschen in dieser Hinsicht noch schwere Differenzen haben würde, was sich späterhin in vielen Fällen auch erwies. Nach drei Stunden fing es schon an. Der erste Zug Loren, vollbeladen mit Salz, war schon gekippt und rollte zur Arbeitsstelle zurück, um neu gefüllt zu werden. Ich ging, nach dem Rechten zu sehen. Erteilte da und dort praktische Ratschläge, um einen Arbeits- vorgang organischer zu gestalten und so meinen Kameraden die mühsame Arbeit erleichtern zu helfen, munterte hin und wieder.den einen oder anderen auf, wenn er tiefsinnig vor sich hinstarrte, oder schlichtete auch einen kleinen Streit, der sich aus einem Wortwechsel zwischen Kameraden verschiedener noc „Au Im Bies Mit ch erKopf wo ich waren B sein rniert. itternd m sie in der en die msatzes. eigen zelesen terten. drei espeist te, um einer eschoß, Russen meine gut es ArbeitsAugenfestzuegt- wen ich en und Russen e auch er eine Leistung te. Von Hinsicht Fällen llte zur Rechten Arbeitsühsame anderen kleinen iedener Nationalität und Sprache infolge eines Mißverständnisses ergeben hatte. In der Hauptsache war es mir darum zu tun, das Arbeitsgebiet räumlich, zeitlich und materiell zu erfassen, um das tatsächliche Leistungsvermögen beurteilen zu können. Das Resultat war die Feststellung, daß wir in unserer körperlichen Verfassung schon heute nicht in der Lage waren, auch nur die Hälfte von dem, was vor uns die zivilen Zwangsarbeiter geleistet hatten, zu schaffen. Ich war von der Richtigkeit meiner Feststellung fest überzeugt, denn ich besaß eine auf mehr denn zwölf KZ- Baustellen gesammelte langjährige Erfahrung. Die ganze Arbeitsstelle war in eine Art Wolke feinen Salzes eingehüllt, welches die Schleimhäute angriff, sich in Augen, Nase und Lungen fraẞ. Die eigentliche Arbeitszeit hier unter Tage war auf acht Stunden festgesetzt mit einer halbstündigen Pause, von der aber nur Gebrauch gemacht werden durfte, wenn die geforderten Leistungen innerhalb der vorgeschriebenen Arbeitszeit erreicht waren. Als ich an einer arbeitenden Gruppe vorbeikam, entdeckte ich einen einzelnen Kameraden, einen kleinen schmächtigen Ungarn, der sich an seiner Schippe festhielt und nicht mehr konnte. Er stand klapprig, schnell und kurz atmend vor mir und sagte, daß er krank sei. Sein jagender Puls, sein fieberheißer Körper, sein ganzes Aussehen bestätigten den rapiden Verfall. Es war der erste Arbeitstag, ein neues Kommando, eine neue Kommandoführung, und ich wußte nicht, wie diese über derartige Fälle bestimmte. In den mir bisher unterstellten Kommandos war die Ansicht der einzelnen SSFührer geteilt, meist aber so brutal, daß solch ein Kranker gar keine Berücksichtigung fand und wie ein Gesunder behandelt wurde, das heißt, er mußte einfach weiterarbeiten, bis er umfiel. Ich hakte jedenfalls ohne Bedenken meinen Kameraden unter, rief einen der Vorarbeiter herbei und beauftragte ihn, den Kranken ins Lager zu bringen, jedoch solange zu warten, bis ich dem Postenführer Meldung erstattet hatte. Unterwegs hörte ich jemanden ,, Capo!" rufen. Ich wandte mich um und sah aus einem der ersten Stollen den OT- Meister keuchend und schimpfend mit den Worten auf mich zukommen: ,, Capo, diese Sträflinge, diese Biester und Hunde, arbeiten ja überhaupt nicht. Sie sind stinkfaul und tun gar nichts Zwei Züge sind erst geschafft, fünf haben in der gleichen Zeit früher die Zivilrussen geleistet. Auf der Kippe stehen die Lorenfahrer und ruhen sich aus. Und dann sind die Hunde noch so frech! Als ich sie zur Arbeit antrieb, sagte einer ganz einfach:, Wir können nicht mehr'!" Ich ließ ihn erst ausreden, ehe ich antwortete: ,, Augenblicklich habe ich Wichtigeres zu tun, werde aber gleich nachsehen. Im übrigen sind wir keine Sträflinge, sondern Häftlinge, auch keine Hunde, Biester und so weiter, sondern vielleicht wertvollere Menschen als Sie!" Mit diesen Worten wandte ich mich um, ließ ihn stehen und ging weiter. Er war zunächst sprachlos, faßte sich dann aber, um sich in einer Flut von 109 Drohungen zu ergehen, die ich nicht alle verstand. Ich rief ihm zu, daß er sich beruhigen möge, ich wäre gleich wieder da. Ich begab mich zur Arbeitsstelle zurück. Von weither vernahm ich schon Lärm. Dort angekommen, hörte ich erregtes Schimpfen des OT- Meisters, der sich in einem Zustand von Raserei zu befinden schien. Er bedrohte meine Kameraden mit Erschießen; alle Umstehenden waren Zeugen der Szene. Als ich kam, schrie er mich an: ,, Sind Sie eigentlich Capo, oder was sind Sie hier? Diese Viecher gehorchen ja einfach nicht!" Ich ging nicht gleich auf seine Rede ein, sondern gebot meinen Leuten, weiterzuarbeiten, was sie auch sofort taten. Dann stellte ich diesem Menschen die Frage: ,, Sind Sie eigentlich Baustellenleiter, das heißt eine Person, die diesen Betrieb in bezug auf Leistung technisch zu überwachen hat, oder Schinderknecht, oder beides?" Er stutzte, was mich bewog, weiterzureden, doch war ich dabei recht vorsichtig. ,, Sie schweigen, darum will ich Ihnen erst Ihre Frage beantworten. Jawohl, ich bin Capo, von der Häftlingslagerleitung mit der Funktion betraut und von der SS bestätigt. Ich bin dafür verantwortlich, die mir übertragenen Arbeiten mit meinen Leuten gewissenhaft auszuführen und zu leisten, was in unseren Kräften steht. Das setzt voraus, daß ich selbst eine Ahnung von derartigen Dingen habe, worauf Sie sich verlassen können, und mit Menschen umzugehen weiß, die nebenbei noch meine Leidensgefährten sind. Niemand, weder meine Kameraden noch ich, würden uns je einem Befehl widersetzen, weil das Meuterei und Sabotage gleichkäme und unser ohnehin nur schwach flackerndes Lebenslicht noch eher auslöschen würde. Zur Erzielung einer guten Leistung benötigt man natürlich auch gutes Menschenmaterial. Schauen Sie sich nun diese Gestalten genauer an, blicken Sie auf mich hier entledigte ich mich der Oberkleidung, zeigte ihm meinen nackten Körper, vor dessen Magerkeit ich selbst einen Ekel empfand, und Sie werden feststellen müssen, daß Sie nur einen Haufen lebender Leichen vor sich haben. Das sind alles Menschen, die zum Teil lange Jahre im Konzentrationslager sitzen oder schon monate- und jahrelang in Polizeihaft oder Gefängnissen schmachteten, ehe sie hier landeten. Dazu die wochenlange Quarantäne, die wir hinter uns haben, und der Empfang, den man uns hier bereitet hat! Glauben Sie mir, daß wir so ausgehungert und geschwächt sind, daß wir bestimmt nicht mehr können. - - Sehen Sie, wenn Sie jetzt Ihre Stulle wobei ich auf seine Rocktasche hinwies, in der sich ein kräftiges Butterbrot befand in die eine oder andere der arbeitenden Gruppen hineinwerfen, dann würden Sie trotz der unter uns gepflegten und gewürdigten Kameradschaft Mord und Totschlag erleben, wenn ich nicht dabeistünde. Soweit hat sich der vom Hunger gepeitschte tierische Selbsterhaltungstrieb schon ausgewirkt. Und hier verlangen Sie noch Leistungen von Menschen, die tatsächlich am Ende ihrer Kraft und dem meh Im i verk darü Ihne Ohn die daß stell mitt gebe weiß halt den Wie an. unte offiz die ich mit gese hind vers Ich der auc ant und hatt zu Ein Ich Die gab jetzt Ich ver kla übe Ver Das Die Situ 110 daß er Lärm. er sich Kamehorchen Leuten, diesen chindersichtig. Jawohl, cut und ragenen was in ng von enschen iemand, ersetzen, schwach g einer Schauen mier entper, vor en festhaben. onslager gnissen äne, die tet hat! daß wir che hinandere nter uns erleben, peitschte gen Sie raft und dem Hungertode nahe sind, selbst wenn sie sich körperlich überhaupt nicht mehr zu betätigen brauchten! Im übrigen glaube ich annehmen zu müssen, daß Sie sich über uns ein ganz verkehrtes Bild machen in bezug auf Verbrecher und Staatsverbrecher, aber darüber mit Ihnen zu sprechen, ist mir offiziell verboten, desgleichen auch Ihnen, was Sie ja wohl wissen dürften. Ohne Ihr Pflichtbewußtsein schmälern zu wollen, sage ich Ihnen, daß für die Leistungen meines Kommandos ich verantwortlich gemacht werde, und daß ich mir dessen auch bewußt bin. Die Beaufsichtigung auf der Arbeitsstelle unterliegt nach den Vorschriften der SS im Konzentrationslager unmittelbar mir und meinen Vorarbeitern. Wir werden diszipliniert alles hergeben, was noch in unseren schwachen Kräften steht. Sie sind soviel ich weiß von der SS nicht beauftragt, meine Kameraden zur Arbeit anzuhalten, geschweige denn zu nötigen, sondern haben sich in allen Fällen an den Capo, also an mich, zu halten. - Wie ich vorhin von weitem hörte, drohten Sie einem meiner Leute Schläge an. Ich warne Sie. Halten Sie Ihre Finger sauber, denn das könnte Sie unter Umständen viel kosten Auch das Schlagen ist bereits seit einiger Zeit offiziell verboten. Sollten bei der Arbeit einmal Schwierigkeiten entstehen, die von mir übersehen, jedoch von Ihnen wahrgenommen werden, so bitte ich Sie, sich zur Behebung derselben an mich zu wenden. Sollten Sie aber mit unserer Leistung mal nicht zufrieden sein und meinen, dies Ihrer vorgesetzten Behörde melden zu müssen, so kann und will ich Sie daran nicht hindern. Ich glaube annehmen zu dürfen, daß Sie mich in jeder Hinsicht verstanden haben!" Ich wußte, was ich sprach und wie ich zu handeln hatte, denn ich war mir der Verantwortung als Mensch und Leidensgefährte meiner Kameraden, wie auch der brutalen Disziplin der SS gegenüber, voll bewußt. Mit diesem Verantwortungsgefühl ging ich gewollt bis ans Äußerste meines Einflußbereiches und damit an die riskante Linie, die Tod und Leben trennte. Zuviel Leid hatte ich bis dahin durchgemacht, um mich vor irgendwelchen Repressalien zu fürchten. Jedenfalls hatten meine Worte auf den OT- Menschen soviel Eindruck gemacht, daß er zumindest bis Schichtende schweigsam blieb. Ich wandte mich um und schritt davon. Die Zeit der halbstündigen Pause war inzwischen herangekommen, und ich gab mit meiner Pfeife das Signal zum Ausruhen, ohne mich um den bis jetzt erzielten Leistungsgrad zu kümmern. Ich ordnete an, daß das Kommando die Pause geschlossen auf einem Platz verbringen sollte, da ich zu meinen Jungen noch sprechen wollte. Es war mir klar, daß die hiesigen Zustände sich allmählich noch mehr zuspitzen und über kurz oder lang zu einer Meuterei führen würden, was für uns alle die Vernichtung bedeutet hätte. Das wäre nicht der erste Fall gewesen. Die Erfahrung hatte mich gelehrt, beim Auftauchen einer schwierigen Situation sofort zu handeln, um sie dadurch zu beherrschen. Ich stellte mich 111 vor meine Kameraden und hielt in àmitscher Sprache mit verhaltenen Worten eine kurze Rede, die dann in alle notwendigen Fremdsprachen übersetzt wurde. Mit nüchternen Sätzen umriß ich erst einmal unsere erbärmliche Lage, worauf ich ,, von der Basis reiner Vernunft ausgehend, an das Solidaritätsempfinden jedes einzelnen appellierte. Indem ich auf die allgemeine Lage, den in Kürze zu erwartenden Zusammenbruch und die damit verbundene Erlösung aus unserer mörderischen Sklaverei hinwies, die wir unter den obwaltenden Umständen allerdings nur durch Befolgung strengster Disziplin. erlangen würden, forderte ich jeden einzelnen auf, sich in aller Interesse unserer Führung widerspruchslos anzuvertrauen. An Hand erläuternder Beispiele versuchte ich, selbst auch den Unverständigsten von dieser unbedingten Notwendigkeit zu überzeugen, was mir, glaube ich, auch restlos gelang, denn ich merkte, daß sich jeder während der restlichen Zeit der Schicht Mühe gab, nicht aufzufallen, damit unser Kommando nicht schon gleich vom ersten Tage an bei der SS in Verruf käme. Der gute Wille, der meine Kameraden beseelte, erhielt bei manchem aber einen schweren Knacks, als wir, hundemüde und noch ausgehungerter vom Arbeiten in der salzhaltigen Luft, dem Lager zuwankten und dort, anstatt eine kräftige Suppe zu erhalten, mit einem Becher lauwarmer Kaffeebrühe beglückt wurden. Wenige Minuten später sah man die Menschen zusammengekauert auf dem Salz liegen und wie leblose Bündel dreckiger Lumpen, von Hungerträumen geplagt, einem neuen Elend entgegenschlafen. Und über ihnen ein glitzerndes Leichentuch. Salz!!- über stehe Wir Über wart Von im gess dera Stel auf sind Kör Ein die schi we und in blu gar Fo He Syr her ein da Als an diesem Abend die SS das Leger verlassen hatte, hielten wir in kleinem Kreise noch eine längere Besprechung, wo wir im Hinblick auf die Tages- 1 ereignisse Maßnahmen besprachen, die das Wohl und Wehe des Lagers, sowie die Gestaltung unseres Daseins betrafen. Das Selbstverwaltungsrecht, das uns die SS nach teuflischen Berechnungen zubilligte, war derart begrenzt, daß wir, praktisch gesehen, den Dingen so gut wie machtlos gegenüberstanden. Aber wo ein Wille, da ist auch ein Weg, zumal wenn dieser Wille nur von sozialem Geiste getragen ist. Es galt also zunächst, durch taktisches Vorgehen mit diplomatischen Kniffen und Winken lavierend, von der SS- Kommandoführung Zugeständnisse zu erhalten, die sich in erster Linie auf die akuten Fragen der Verpflegung, Unterkunft und Arbeitsleistung bezogen. Um primitivste Selbstverständlichkeiten mußte gekämpft werden. Hierbei gedenke ich meines Kameraden, des alten politischen Konzentrationärs Oskar B. aus Hannover, der mit geistig elastischer Schwungkraft und starker Hand mehr als eine gefahrvolle Krise 112 a c hu Na nic die Ab Br Es me gin sch vie hä orten wurde. Lage, ritätsLage, me Eren obsziplin Ceresse r Beiingten denn Mühe ersten aber er vom anstatt ebrühe f dem äumen leinem Tages , sowie Has uns zt, daß tanden. ur von Kniffen isse zu Hegung, ändlichlen, des geistig e Krise überwand. Mancher von uns hat seinem mit Klugheit gepaartem, über allem stehenden Kameradschaftssinn das Leben zu verdanken. Wir sollten noch schwerere Probleme zu lösen haben. Übermüdet, abgespannt und hungrig legten auch wir uns dann in der Erwartung des kommenden Morgens nieder. Von Hungerträumen geplagt. wachte ich am nächsten Morgen auf. Ich hatte im Traume Brot, viel Brot, gesehen und davon gegessen, immer wieder gegessen und wurde nicht satt, soviel ich auch aẞ. Das Traumbild hatte eine derartige Wirkung auf meine Speicheldrüsen hervorgerufen, daß mein an Stelle eines Kopfkissens zusammengerollter Rock einen großen nassen Fleck aufwies. Aber das war mir nichts Neues; bei ausgehungerten Menschen sind das häufige Begleiterscheinungen. Körperlich fühlte ich mich so elend wie nie zuvor, denn das ununterbrochene Einatmen der stark salzhaltigen Luft beengte die Brust und legte sich auf die Atmungsorgane. Die Folgen blieben nicht aus. Alle wurden von einem schmerzhaften starken Husten befallen, insbesondere aber litten Magen, Luftwege und Lunge. Katarrhe waren an der Tagesordnung, auch traten Lungenund Magenblutungen immer häufiger auf. Andere Organe wurden gleichfalls in Mitleidenschaft gezogen, so die Nieren, die bei vielen nur noch einen blutig- roten Urin absonderten. Mehr und mehr überfiel die Auszehrung den ganzen Körper und forderte Opfer über Opfer. Noch jetzt habe ich an den Folgen der furchtbaren Zeit zu leiden. Heute morgen war mir das alles noch ungewiß. Ich spürte nur die ersten Symptome und stemmte mich dagegen, um nicht von vornherein davon beherrscht zu werden. Darum zog ich mein Hemd vom Körper, um mich erst einmal zu waschen, jedoch ohne zu bedenken, daß überhaupt kein Wasser da war. Nach sechs Wochen endlich hatten wir soviel erreicht, daß täglich achtzig Liter Wasser, besser gesagt eine rostbraune Brühe, für fünfhundert Mann zur Verfügung standen. Handtücher kannte man nur dem Namen nach. Ein Taschentuch zu besitzen, war schon Luxus, denn viele hatten nicht mal Fußlappen. Mithin zog ich mein Hemd wieder an und rieb mir die Augen aus, womit meine Morgentoilette beendet war. Aber etwas gab es heute morgen: Brot. Es gab wirklich Brot und dazu noch zwanzig Gramm Margarine. Wie ich so meine Tagesration in Händen hielt, wußte ich nicht, was eigentlich damit beginnen. Der Hunger war so groß, daß ich das Vielfache davon hätte verschlingen können, andererseits war die Portion wiederum so klein, daß gerade vielleicht mein Junge als ich das Kerlchen das letzte Mal sah hätte auskommen können, ohne verhungern zu müssen. damit 8 113 Um in der kommenden Nacht nicht erneut von quälenden Hungerträumen geplagt zu werden, beschloß ich, jetzt nur die Hälfte zu essen und mir den Rest für den Abend aufzuheben, wo es ja nur Kaffee gab. Es war erst viereinhalb Uhr morgens und der Tag noch lang. Nach dem ,, Frühstück" und anschließendem Zählappell legten wir uns, um Kräfte zu sparen, bis zum Mittag nieder, denn ich hatte die zweite Schicht, die erst um vierzehn Uhr begann. Beim Essenfassen staunten wir über die Suppe, sie war heute bedeutend dünner als gestern; doch sie sollte noch dünner werden. So wahr ich diese Zeilen schreibe, so wahr habe ich mich damals oft nach dem Spülwasser in meinem elterlichen Hause gesehnt, das die Mutter nach dem Geschirrabwaschen weggoẞ. Seit Monaten blieben bei uns allen auch die Pakete von daheim sowie jegliche sonstigen Ernährungsbeihilfen aus. Wenn ich schon in dem bereits früher beschriebenen Hungerstadium glaubte, etwas mitgemacht zu haben, so übertraf das hier Erlebte alle bisherigen Vorstellungen.- Eine halbe Stunde vor Schichtwechsel war es Zeit zum Ausmarschieren. Ich raffte mich auf und ließ mein Kommando antreten, wobei mich der vorwurfsvolle Blick manches Kameraden traf, als wollte er sagen: Wie kannst du von mir noch Arbeit verlangen, wo ich doch so schwach und elend bin! Bestimmt war er sich in diesem Augenblick nicht bewußt, daß es mir ebenso erging wie ihm selbst. - Auf der Arbeitsstelle angekommen, wurden wir zum Unterschied von gestern von zwei Führern der OT empfangen. Der eine war unser gestriger ,, Freund", der andere, ihm übergeordnet, führte die Oberaufsicht. In wichtigtuerischer Haltung stand er da, die glänzende Uniform am dicken, satten Körper, den runden Bauch von einem breiten Lederkoppel umspannt, auf dessen blankem Schloß mit eingraviertem Hakenkreuz die Worte ,, Gott mit uns!" zu lesen waren. Mit vor der Brust verschränkten Armen, den Kopf nach hinten streckend, wobei sich die feisten Genickfalten über den Uniformkragen stülpten, empfing er mich schon von weitem mit den Worten: ,, Hören Sie mal, Capo, die Leistungen Ihres Kommandos sowie die Ihres Kameraden und seiner Leute von der Frühschicht sind unter aller Sau. Es muß bedeutend besser werden, sonst sehe ich schwarz für alle, vor allem für Sie!" Am liebsten hätte ich den feisten Parasiten mit der Aufbietung letzter Kraft am Kragen nehmen und ihn den Kameraden überantworten mögen, so reizte mich sein dreckiges, herausforderndes Wesen, aber die Disziplin durfte in dieser heiklen Lage unter keinen Umständen verloren gehen. Ich mußte mich mit aller Kraft beherrschen. Der Blick, den ich ihm zuwarf, genügte, ihn zunächst zum Schweigen zu bringen, und im übrigen war ich sicher, daß ihm der andere Schinder den gestrigen Vorfall und meine Stellungnahme bereits verraten hatte. 114 Ich 1 Arbe Als vor a rade derk auch wobe für dara Auß imm viel Form stan Gen Leid So den es sich star Die Wa der miß gäb rüc zufa Die mar mer jetz Ein die Wi gin ob ten wie Sumen mir den st vierns, um Schicht, eutend it nach er nach uch die Wenn , etwas n Voren. Ich rwurfsnst du Ich ließ ihn daher links liegen, teilte meine Leute ein und befahl, mit der Arbeit zu beginnen. Als ich nach dem Rechten gesehen, grobe Mängel an den Arbeitsgeräten und vor allem am Transportmaterial entdeckt hatte, die die Arbeit meiner Kameraden außerordentlich erschwerten, begab ich mich in die Nähe dieses Schinderknechtes, um durch eine Wiederholung meiner gestrigen Erläuterungen auch an sein, wenn noch vorhandenes, menschliches Empfinden zu appellieren, wobei ich ihm zu verstehen gab, daß es seine erste Aufgabe wäre, zumindest für einigermaßen gute Arbeits- und Transportgeräte zu sorgen. Er ging darauf nicht ein. Außer einigen Zwischenbemerkungen, die durch meine Gegenargumente immer mehr an Kraft verloren und endlich ganz unterblieben, hatte er nicht viel zu erwidern. Er war zum Schweigen gebracht. In dieser oder ähnlicher Form handelten alle meine Kameraden, die auf verantwortlichem Posten standen. Genau wie der vorherige, ging auch dieser Tag zu Ende, ohne Essen. Neues Leid häufte er zu dem alten. Die Zukunft sah trostlos aus. ! ebenso gestern reund", erischer er, den lankem u lesen eckend, empfing e Ihres Sau. Es lem für r Kraft o reizte urfte in igen zu der den So tropfte die Zeit dahin. Es reihte sich schon Woche an Woche, und wir wurden stetig kraftloser. Längst zehrten wir von eigener Substanz. Bei vielen ging es derart schnell, daß die berüchtigten Krankentransporte nach Buchenwald sich in immer kürzer werdenden Abständen wiederholten. Die schon vorher starben, wurden im Krematorium der nächstgelegenen Stadt eingeäschert. Die Spannung wuchs zusehends. Waren bisher Apathie und Lethargie unsere ständigen Begleiter, so trieb jetzt der Hungerwahnsinn derartige Blüten, daß Feindseligkeiten und gegenseitiges miẞtrauisches Belauern. aus kleinsten Anlässen heraus geboren, gang und gäbe wurden. Eine Katastrophe drohte auszubrechen nach Vorbild des berüchtigten Kommandos S 3, worüber andere Kameraden, die es erlebt und zufällig überlebt haben, in ihren Büchern eingehend berichten werden. Die Menschen konnten mit dem besten Willen nicht mehr schaffen. Wenn man von uns als Mindestleistung das Doppelte verlangte, so war dies einfach menschenunmöglich. Der sichere Tod stand uns vor Augen, so oder so, aber jetzt drohte zum ersten Mal eine Selbstmordepedemie auszubrechen. Eines Tages, während der Schicht, mußte ich mich nach einem Rundgang durch die Arbeitsstelle, vor Schwäche schwitzend und zitternd, in einem versteckten Winkel für einige Minuten setzen, um auszuruhen. Jetzt, wo es dem Ende zuging, war mein körperlicher Verfall derart, daß ich selbst nicht mehr wußte, ob ichs noch packen würde. Die extremsten Gefühle und Empfindungen stritten in mir. Ich stand fast an der Grenze der Selbstaufgabe und fühlte mich, wie alle, völlig verlassen. 8* 115 Da nahte sich müden Schrittes einer meiner Vorarbeiter - er war Tscheche und sagte mir: ,, Da drüben, der kleine Pole, hat schon wieder Blut gebrochen und ist völlig zusammengeklappt. Aber, ich sage ja, das kommt vom Salzfressen!" Ich stugte, glaubte nicht verstanden zu haben und bat, das Gesagte noch einmal zu wiederholen, denn was ich hier hörte, war mir völlig neu. Er berichtete mir, er habe den polnischen Kameraden wiederholt beobachtet, wie er Salz ab und habe ihn des öfteren auf die Gefährlichkeit seines Tuns hingewiesen. Ich schalt den Vorarbeiter, daß mir dieser Vorfall nicht eher gemeldet worden war und hieß ihn, den jungen Menschen sofort zu mir zu bringen. Wenn mich vor einigen Minuten der Gedanke der Selbstaufgabe übermannt hatte, so war das eine Krise, der man mehr oder weniger in diesem unmenschlichen, erbärmlichen Zustand unterworfen war. Aber der Glaube im Herzen weckt und stählt erneut den Lebenswillen, und er half mir auch in dieser Stunde über den gähnenden Abgrund hinweg. Ich konnte daher meinen jungen polnischen Kameraden nur zu gut verstehen, als er vor mir stand. Er war ein schmächtiger, völlig ausgepumpter und verhungerter neunzehnjähriger Mensch ein leibhaftiges Modell der bekannten Künstlerin Käthe Kollwit ein Opfer nationalsozialistischer Barbarei, das Produkt erlittener Grausamkeiten, körperlicher und seelischer Quälereien und des alles zerfressenden Hungers. Ich faßte meinen Schicksalsgefährten bei den Schultern, versuchte in seinen starren Augen noch irgendein Zeichen seelischen Lebens zu finden, aber alles schien wie tot. „ Warum tust Du das? Warum iẞt Du dieses Kalisalz? Du weißt doch, daß Du daran stirbst! Du bist noch so jung und willst schon sterben?" ,, Ist egal, ich sowieso tot, wir alle tot; dann lieber schnell tot, zuviel Hunger, zuviel Schwäche!" Ich erklärte ihm, daß das nicht egal wäre, denn wenn wir alle so dächten wie er, würde keiner von uns die Freiheit mehr erleben. Vier Jahre hätte er im Konzentrationslager ausgehalten, Mord, Tod und Teufel Trots geboten und den Glauben und die Hoffnung bisher nicht verloren. Jetzt, wo es bald zu Ende wäre, möge er doch nicht schlapp machen, sondern die Zähne zusammenbeißen und noch ausharren. Ich versuchte, ihm von meinem Glauben abzugeben, denn etwas anderes besaß ich selbst nicht, doch sah ich schnell, daß meine Worte nicht genügten, die Erstarrung seiner Seele zu lösen. Ich sprach daraufhin von seiner Familie. Er wußte nicht, ob noch jemand von ihnen lebte, denn seit Jahr und Tag war kein Lebenszeichen zu ihm gekommen. Ich machte ihm Hoffnung, daß er den einen oder anderen seiner Lieben bestimmt noch einmal wiedersehen, daß er selbst wieder ans Tageslicht kommen und die Sonne schauen dürfe. Vielleicht blühe ihm schon morgen dás Glück, denn wir sollten eventuell am nächsten Tage nach langen 116 Woche Luft z Er wa daß e in sein mit B werder und q Mord Friede Aber Währe terte a Seele Ich ha wäre. könne mächt könne Schän Er be Als s und „ Ich Du g Ich e nur meist Er ve Viele aber durch Auch Man Wille Ein Sich Ich lich achtet, ‚ Tuns t eher air zu ätte er reboten ’s bald ıne zu ‚nderes Wochen wieder mal für eine Stunde nach oben befördert werden, um frische Luft zu schnappen. Er war Bauernsohn und stammte aus der Gegend von Sielte. Ich sagte ihm, daß er die wogenden Kornlelder, die saftigen Wiesen und schönen Rinder in seiner Heimat wiedersehen würde. Er würde auch wieder kräftiges Brot mit Butter zu essen bekommen, Milch trinken dürfen und dabei ganz gesund werden.— Er würde wieder Menschen treffen, die ihn nicht mehr schlagen und quälen, sondern liebhaben würden, und er würde sie wiederlieben Haß, Mord und alle unsere Not würden aufhören, der Nazismus würde vernichtet, Frieden über die Menschheit kommen und alles noch einmal gut werden Aber nur ausharren und tapfer bleiben! Während ich so sprach. brach er in Tränen aus. Heftiges Schluchzen erschüt- terte seinen Körner. Aber das war gut so, denn nun löste sich die verkrampfte Seele und neuer Lebenswille brach durch. Ich hätte damals wer weiß was dafür gegeben, wenn mir Gleiches geschehen wäre, wenn auch ich mein ganzes Elend so in die Welt hätte hinausweinen können. Aber mir blieb das versagt, und eine furchtbare Verbitterung be mächtigte sich, meiner, so daß ich kaum glaubte, je wieder froh werden zu können. Ein Nammender Zorn gegen all das satanische Unrecht und die Schändung der primitivsten Menschenrechte loderte in mir. Er befreite meine Seele von manchen Schlacken. Als sich die Erregung meines Kameraden gelegt hatte, nahm er meine Hände und sagte: „Ich danke Dir, Du gut gesprochen. Ich nicht wieder tun. Ich glauben, was Du gesagt hast.“ Ich erklärte ihm, daß niemand gut wäre, daß sich vielmehr alle Menscher. nur bemühen müßten, stets besser zu werden, um das Leben, wirklich zu meistern. Das solle er beherzigen.— Er versprach es.——— Viele Wochen hat dieser kleine, tapfere Kerl daraufhin noch durchgehalten, aber der körperliche Verfall war schon so weit vorgeschritten, daß auch die durch den Glauben gespeiste Willenskraft das Ende nicht verhindern konnte Auch über ihn legte sich schließlich A gligernde Leichentuch. | Manch anderem aber hat neu geweckter Glaube und der wieder erstarkte Wille über diesen Abgrund hinweggeholfen, Ein anderer Weg, dem furchtbaren KZ-Schicksal zu entrinnen, war der des „Sich freiwillig Meldens‘“. Ich schrieb bereits darüber, lich neueste Informationen. doch erreichten uns in jüngster Zeit diesbezüg- 117 Für die Krankentransporte nach Buchenwald brachte die begleitende SS immer wieder neuen Ersatz mit, welcher dem schier unerschöpflich erscheinen den Menschenreservoir dieses Lagers entnommen war. Die Zugänge brach ten jedesmal Neuigkeiten verschiedener Art aus dem Hauptlager, so auch die Tatsache, daß der letzte Kommandant von Buchenwald im Frühjahr 1945 erneut einen Aufruf an sämtliche deutschen Häftlinge des KZ Buchenwald erlassen hatte, sich freiwillig für die Waffen- SS zu melden. 99 Der Aufforderung folgten fast ausschließlich Häftlinge, die von den Nazis unter der Bezeichnung Berufsverbrecher" und ,, Asoziale" geführt wurden, einschließlich solcher, die man wegen sittlicher Verfehlungen nach erfolgter Strafverbüßung ins Konzentrationslager gesteckt hatte. Zu diesem Kapitel wäre sehr viel zu sagen, so viel, daß ich mit dem Gedanken umgehe, später in einem anderen Buch die Begriffe Recht und Unrecht in Nazi- Deutschland näher zu beleuchten. Im folgenden begnüge ich mich damit, eine kurze Skizzierung zu geben, die in anschaulicher Weise diese Frage berührt. Die Rechtsprechung in Nazi- Deutschland war ein dehnbarer Begriff. Sie sollte angeblich auf dem Rechtsempfinden des Volkes basieren. Man schuf ein neues Recht, das man das ,, deutsche" nannte. Das Zivil- und Strafrecht beruhte dementsprechend auf einer Basis, die mit Menschenrecht im Grunde genommen überhaupt nichts mehr zu tun hatte. Der Strafvollzug, der sich in Deutschland nach dem ersten Weltkriege einer fortschrittlichen Entwicklung anpaẞte, auf den Grundsägen der Humanität fußte, also der Erziehungstheorie unterworfen war, wurde von den Nazis auf Grund ihrer an den Haaren herbeigezogenen wahnsinnigen Weltanschauung kurzerhand umgestoßen und dafür ein Strafvollzug der Vergeltung in Kraft gesetzt. Mit laxen Worten glaubte damals ein Hitler die Weisheit des großen Denkers Karl Marx in berechnender Weise kopieren zu müssen, indem er in seinen berauschenden und volksverdummenden Reden oft die Worte zitierte, daß der Mensch das Produkt seiner Erziehung sei, ohne sich aber jemals den wahren Sinn der Worte Marx', daß der Mensch das Produkt seiner Umgebung ist, zu eigen zu machen oder machen zu wollen, denn schon in diesen Worten liegt der unüberbrückbare Gegensatz zwischen Kommunismus und Nationalsozialismus. Auf der einen Seite das Menschliche, auf der anderen das künst lich gezüchtete Völkische. Bildlich gesprochen, könnte man folgendes sagen: Ein vom Ehrgeiz getriebener, hirnverbrannter Gärtner sägt vom Baum der Menschheit den Ast, der den Namen ,, Deutschland" trägt, kurzerhand ab. um ihn in ein mit künstlichen Düngemitteln durchsetztes Erdreich zu stecken. wo er aus der ihm noch innewohnenden Kraft und der des künstlichen Triebstoffes berauschende Blüten treibt, um danach abzusterben. Eine dieser Scheinblüten war auch das ehemalige deutsche Recht. Was unter diesem Recht gesündigt wurde, wissen wir zur Genüge. 118 Mensc setzen Opfer Triebf mit al erfolg behör Als V und zeichn kleine Ich h ethisc Begri bis zu sie v sprac Bei d unter asozia ihnen ihres schon oder deln, Aber taten gleic als geno sie. hatte Im H oft, Afte sagte ohne zähli deln Dies um Ich gang land de SS heinen brach o auch 1945 BuchenNazis wurden, -folgter em GeUnrecht mich e diese ff. Sie schuf die mit hatte e einer manität azis auf hauung Kraft Denkers seinen daß der wahren bung Worten ationals künst um der and ab, stecken. Triebas unter Menschen, die irgendwie, einmal oder wiederholt mit den bestehenden Go setzen in Konflikt geraten waren, ganz gleich, ob sie dabei mehr oder weniger Opfer ihrer Verhältnisse geworden, oder ob individuelle Eigenschaften die Triebfeder ihres gesetzwidrigen Handelns gewesen waren, wurden zunächst mit aller Härte der zur Verfügung stehenden Gesetze bestraft, um dann nach erfolgter Strafverbüßung gemäß dem Gutdünken der zuständigen Polizeibehörden im Konzentrationslager der Vernichtung preisgegeben zu werden. Als Volksschädlinge wurden sie dann in die Kategorie der Berufsverbrecher und Asozialen eingeteilt und mit grünen und schwarzen Winkeln gekennzeichnet. Und das zu einer Zeit, da man in Nazi- Deutschland Vergehen, selbst kleine Überschreitungen, zu Verbrechen stempelte und mit dem Tode ahndete. Ich habe in einzelnen Fällen Menschen darunter kennengelernt, die, von ethischer Erkenntnis durchdrungen, sehr wohl den Unterschied zwischen den Begriffen Mensch und Verbrecher kannten, die sogar das Solidaritätsgefühl bis zur Selbstaufgabe verkörperten, deren Wesen und Charakter den über sie verhängten Begriffen auch in bezug auf die Vererbungstheorie Hohn sprachen. - Bei den anderen aber war das ethische Gefühl so schwach entwickelt, daß sie unter diesen Verhältnissen nie dazu kommen konnten, ihr kriminell oder asozial durchsetztes Gedankengut zu säubern. Im Gegenteil, bei manchen von ihnen steigerte sich der Egoismus ins Maßlose, so daß sie sich der Erhaltung wie ihres schmutzigen Lebens wegen der SS verkauften, indem sie sich schon früher erwähntals Funktionäre, Lagerälteste, Capos, Blockälteste oder Vorarbeiter mißbrauchen ließen, um ihre Leidensgefährten zu miẞhandeln, ja selbst Kameradenmord zu verüben, wie es die SS wünschte. Aber es waren nicht immer Grüne oder Schwarze, die sich zu solchen Schandtaten hergaben, sondern auch rotbewinkelte politische Häftlinge, die aus gleichen Motiven heraus so handelten. Bei ihnen war es um so verwerflicher, als sie vorgaben, eine politische Überzeugung zu besitzen und im Grunde genommen krassestem Egoismus frönten. Aber das Menetekel kam auch über sie. Wir rechneten mit ihnen gründlich ab. Auch sie ernteten, was sie gesät hatten. - Im Hinblick auf die Rechtsbegriffe machte man in Nazi- Deutschland, wie so oft, auch in diesen Dingen den Fehler, aus dem Abschaum aller, selbst der Afterwissenschaften, eine Synthese zu brauen, die ihrer Weltanschauung zusagte. So ausgerüstet, nahm man die zu lösenden Aufgaben spontan in Angriff ohne Rücksicht, daß durch diese gewissenlose verbrecherische Methode unzählige Menschen unglücklich gemacht wurden. Man glaubte eben, so handeln zu müssen mit der Entschuldigung, daß der Zweck die Mittel heilige. Diese Rechtsauffassung vertrat man dann auch in allem, was hinderlich war, um das gesteckte größenwahnsinnige Ziel zu erreichen. Ich erinnere hier noch einmal den Leser an die Worte, die über dem Eingangstor von Buchenwald zu lesen sind: Recht oder Unrecht, mein Vaterland! - 119 Wie unglücklich waren jene zu ,, Verbrechern" gestempelten Menschen in ihrem Unverstandensein, wie schmachvoll empfand der eine oder andere sein Dasein, als man ihn zum ,, Untermenschen" stempelte! War es da einerseits Wunder zu nehmen, daß sich viele in ihrer bedrängten, furchtbaren Lage freiwillig meldeten, als man ihnen auf diese Weise die Wiedererlangung ihrer persönlichen Ehre und die damit verbundene Auslöschung ihrer mehr oder weniger ruchbaren Vergangenheit anbot? Sie waren politisch unreif, um ihr Denken und Handeln in dieser Hinsicht dialektisch bestimmen zu können. Auf der anderen Seite spekulierte man seitens der SS auf den Selbsterhal tungstrieb des Menschen und trieb ihn also in eine Situation, in die sich der einzelne niemals freiwillig begeben hätte. Es sei dabei abgesehen von früheren Vorfällen, wo man einfach eine Anzahl solcher Häftlinge bestimmte, bei der SS mitzumachen oder zu sterben! Als nun die SS- Führung merkte, daß dem erneuten Aufruf kein poli. tischer Häftling nachkam, glaubte sich der letzte Kommandant von Buchenwald, Pister, berufen zu fühlen, diese von der Notwendigkeit ihres persönlichen Einsatzes für den nationalsozialistischen Wahnsinn überzeugen zu müssen, wobei er in erster Linie auf die weniger politisch gereiften Kameraden spekulierte. Wenn aber dieser verbrecherische Dummkopf geglaubt hatte, sie durch seinen Appell an ihren Charakter, ihr Beharrungsvermögen, ihre edle Gesinnung und ihr Solidaritätsempfinden mit dem deutschen Volk in heuchlerischer Weise für die Pläne eines Himmler gewinnen zu können, bewies er damit seine politische Idiotie. Wenn wirklich einer von diesen zum SS- Dienst ,, geworbenen" Kameraden in geistiger Verblendung geglaubt hatte, auf dem sogenannten., Felde der Ehre" als anständiger Soldat seine Ehre wiederherstellen zu können, so hatte er sich doppelt geirrt. Diese betrogenen Menschen wurden vielmehr in die berüchtigte SS- Sonderformation Dirlewanger eingereiht, die unter brutalster Führung alter aktiver SS- Leute Greueltaten, wie blutige Terrormaßnahmen in dem von len Nazis geraubten Ausland, radikalste Unterdrückung von Partisanenaufständen und Massenerschießungen desertierter und aufständisch gewordener Wehrmachtsangehöriger befehlsmäßig auszuführen hatte Man sieht auch hier wieder, was für leibhaftige Teufel diese Machthaber von einst waren, wie sie auf allen Registern menschlichen Empfindens zu spielen verstanden, oft so gut, daß sich mancher von ihren Sirenenklängen irritieren ließ und damit seinen Untergang selbst besiegelte. Tages bewah Vorfä Das a sich b haltig befah Teil wenig alter ihnen das b Meut So al der B Diese im S schen jeder So h die halte drun Es v dran den feue West schei wir Das Da, an i läuf Die Not wuchs und mit ihr die Furcht vor dem ungewissen Ende. Die Kraftlosigkeit steigerte sich von Tag zu Tag, und die anfangs erzielte 120 Wer das Soh then in re sein Fangten, ise die e Ause waren ektisch sterhal ich der en von timmte, poli. nt von it ihres gen zu Kame seinen sinnung erischer damit aden in Ehre matte er Sonder aktiver Nazis en und machtsber von spielen ritieren erzielte Tagesleistung wurde schon lange nicht mehr erreicht. Nur unsere Disziplin bewahrte uns vo dem Schlimmsten. Mit Ausnahme von einzelnen belanglosen Vorfällen herrschte eine tadellose Ordnung. Das alles genügte aber der Direktion dieses Unternehmens nicht. Sie wandte sich beschwerdeführend nach Buchenwald und beklagte sich offenbar s nach haltig bei der SS- Führung, daß man dort einen sofortigen Kommandowechsel befahl; das heißt, das uns bewachende SS- Kommando, welches zum größten Teil aus Rumänen und Ungarn bestand, die zu persönlichen Miẞhandlungen weniger geneigt waren, wurde abgelöst und durch ein neues, bestehend aus alter aktiver deutscher SS, ersetzt. Vor ihrer Abreise aus Buchenwald wurde ihnen eingeschärft, daß sie dort, wohin sie kämen, ein Kommando anträfen, das bisher nichts geleistet, und bei dem sich verschiedentlich Anzeichen von Meuterei ergeben hätten. So abgerichtet und instruiert, erschienen sie dann eines Tages bei uns auf der Bildfläche, um sich mit satanischer Wut auf uns zu stürzen. Diese prallte aber an der Disziplin unserer Kolonnen ab, um schließlich ganz im Sande zu verlaufen, denn auch diese SS- Leute erkannten, daß die Menschen, die hier arbeiteten, nur mehr lebende Leichen waren und dennoch für jeden sichtbar das Äußerste ihrer Kraft hergaben. So hat also auch das sogenannte SS- Rollkommando die Leistungen nicht in die Höhe treiben können und mußte mit seinem Vernichtungswillen zurück halten, weil es eine in sich geschlossene und von eiserner Disziplin durch drungene Masse vorfand. Es vergingen wiederum einige Wochen. Gerüchte, die auf Umwegen zu uns drangen und von der immer schneller sich nahenden Front berichteten, wurden häufiger. Wir erfuhren, daß über Tage schon seit einiger Zeit Artilleriefeuer aus Richtung Fulda deutlich zu hören war. Die Macht, die sich uns vom Westen her nähert, bringt uns die Freiheit. Das wissen wir, aber so unwahrscheinlich ist es, daß keiner sich darauf freuen kann, denn noch befinden wir uns im Rachen des Löwen, und wir kennen den Nazismus! Das Spiel steht 10: 1 gegen uns. Da, eines Morgens, als die einzelnen Kolonnen zu gewohnter Zeit und Stunde an ihre Arbeitsstellen marschieren wollten, kam der Befehl, daß alles vorläufig im Lager zu bleiben hätte. Wenig später wußten wir, daß einige hundert russische Kriegsgefangene in das Bergwerk hinunterbefördert und auf der entgegengesetzten Seite unserer Sohle, also dort, wo sich unsere Arbeitsplätze befanden, untergebracht worden 121 waren. Es war Weisung ergangen, die Russen van uns strengstens getrennt zu halten. Sie wurden von der Wehrmacht bewacht. Unsere bisherige Arbeit wurde eingestellt und alle Kolonnen zu einem Arbeitskommando zusammengezogen, das mir unterstellt wurde. Wir bekamen eine neue Beschäftigung, die sofort meinen Verdacht weckte. Wir sollten die rechts von unserer Unterkunft, die selbst außerhalb des gesamten Lagerbereiches lag, befindlichen unfertigen leeren Hallen an ihrem Ende, sowie sämtliche in das weitere Bergrevier mündenden Verbindungswege, durch eine zwei bis drei Meter dicke Salzsteinmauer ab hließen, und zwar so schnell wie möglich. Das war der ganze Inhalt des Befehls ohne jegliche Angabe technischer Einzelheiten, die sonst für einen wirklich produktiven Zweck erforderlich gewesen wären. Das schon allein machte mich stutzig. Unter Berücksichtigung aller obwaltenden Umstände war nur die logische Schlußfolgerung zu ziehen, daß wir uns hier unser eigenes Massengrab bauen sollten. In meiner Annahme wurde ich bestärkt, als ich erfuhr, daß die auf der anderen Seite befindlichen russischen Kriegsgefangenen nach Fertigstellung unserer Arbeit ebenfalls hier untergebracht werden sollten. Dies alles teilte ich im engsten Kameradenkreis zur Beratung mit. Hier war man darüber zunächst geteilter Meinung, aber, wie es der Zufall will, waren wir, ein Kamerad und ich, noch am gleichen Tage ungewollt Zeugen eines Gespräches zwischen dem SS- Kommandoführer und einem seiner Unterführer von der Gestapo, wobei wir aufschnappen konnten, daß das für uns bestimmte Giftgas bereits herangeschafft wäre. Jetzt galt es zu handeln, soweit es noch in unseren Kräften stand. Aber was tun? - Vom gesamten Kommando waren es, viel gerechnet, vielleicht noch zwanzig Mann, die einigermaßen fest auf ihren Beinen standen, alles andere war dem Tode näher als dem Leben. Dazu kam, daß wir keine Waffen in Händen hatten. Uns aber bewachten achtzig bis an die Zähne bewaffnete SS- Leute. Das einzige, was wir in dieser Situation tun konnten, war, durch kluge Berechnung im gegebenen Moment ins dunkle Innere des Bergwerks zu entweichen, um dann dort der weiterèn, allerdings sehr ungewissen Dinge zu harren. Um dieses aber überhaupt erst bewerkstelligen zu können, benötigten. wir immerhin einige Waffen und Gasmasken für diejenigen, die der fliehenden Masse dann den Rücken decken mußten. Ich gab also an meine mir unterstellten Funktionäre den geheimen Befehl, die Schlußwand der Zentralhalle zur Hälfte nur einen Stein stark lose ge schichtet zu bauen, damit im Falle der Gefahr ein einziger Mann dieses Gefüge leicht zum Einsturz bringen konnte, und somit der Ausweg frei bliebe Das war schon eine sehr schwierige und gefährliche Aufgabe, denn wir standen ununterbrochen unter Aufsicht der SS, die genau instruiert war, was wir zu bauen hatten. Doch das Vorhaben gelang. So vergingen einige Tage. Die Hauptarbeiten waren bereits beendet. Das Artilleriefeuer, sagte man uns, wäre oben schon so deutlich zu hören, daß es 122 sich Allie Die I der S Unte holen SS- P suche Fühl mens betre früh Aber Scho selig bere Wir Arbe Seite wer unse wür Wel nich Geg bis Jede sett Heu Wer schü über dur Die vor die muf ennt zu em Arekamen des ge ihrem dungsen, und s ohne ch proLe mich mur die Lassender antellung er war waren eines rführer stimmte zwanzig ere war Händen eute. uge Be zu entinge zu mötigten fliehenBefehl, ose ge dieses bliebe nu wir sich nur noch um höchstens achtundvierzig Stunden handeln könne, bis die Allierten da wären. Die Lage war sehr kritisch. denn jeden Augenblick konnte das Unheil seitens der SS über uns hereinbrechen. Unter dem Vorwand, auf der anderen Seite der Sohle noch Arbeitsgeräte holen zu müssen, begab ich mich mit mehreren Kameraden in Begleitung von SS- Posten dorthin. In der Zeit, wo sich die anderen mit dem Zusammen. suchen des Arbeitsgerätes beschäftigten, nahm ich, von der SS unbemerkt, Fühlung mit einem Landser, der mir schon einige Tage vorher durch seine menschenfreundliche Art aufgefallen war, und brachte ihm mein Anliegen, betreffend Waffen und Gasmasken, vor. Er versprach mir, alles bis morgen früh zu besorgen. Aber der nächste Morgen brachte etwas ganz anderes. Schon um fünf Uhr früh bekamen wir Befehl, alle unsere bescheidenen Habseligkeiten zusammenzupacken. Das Kommando hätte in zwei Stunden marschbereit zu sein, um über Tage befördert zu werden. Wir trauten dem Frieden noch nicht, aber da heute morgen keine zivilen Arbeiter eingefahren waren, und auch die Kriegsgefangenen auf der anderen Seite sich bereits dem Schacht zu bewegten, um vor uns hinaufbefördert zu werden, kam so langsam die Hoffnung auf, daß dieses Bergwerk doch nicht unser Massengrab werden sollte, und uns das Tageslicht wieder bescheinen würde. Welchem glücklichen Umstand wir es zu verdanken hatten, daß der Vernichtungsbefehl der SS- Führung im letzten Augenblick ausblieb, und durch Gegenorder die sofortige Räumung des Bergwerks veranlaßt wurde, ist mir bis heute nicht bekannt. Jedenfalls erreichten wir das Tageslicht, um nach Buchenwald in Marsch gesetzt zu werden. Heute begann der vorletzte Akt der großen Tragödie. Wenige Kilometer westlich Eisenach tobte der Kampf. Das Brüllen der Geschütze durchzitterte die Luft, Bomber und Tiefflieger der Alliierten kreisten über dem Gelände. Aus weiter Ferne hörte man MG- Geknatter, zwischendurch die Einschläge schwerer Sprengkörper. Die Kampfzeichen der näher rückenden Front kündeten Unheil denen, die vor der Verantwortung begangener Verbrechen zitterten, aber Freiheit allen, die um der Wahrheit und Gerechtigkeit willen grausames Leid erdulden mußten. war, was et. Das daß es 123 Auf dem fast völlig leeren Zechenplat; stand schon eine Gruppe von Häft- lingen. Von monatelanger Untertagearbeit waren ihre hohlwangigen Gesichter wächsernbleich geworden. Aus den tiefliegenden Augen flackerte noch immer die Angst vor dem Ungewissen, stierte der ewige Hunger. Doch konnte man heute in ihren Zügen einen neuen Ausdruck finden, ein Gemisch seelischer Gefühle, schwankend zwischen neuer Hoffnung und altgewxhnter Resignation Sie waren soeben aus dem dunklen Schacht heraufbefördert worden, um, in Reih und Glied angetreten, auf den nächsten Schub aus der Grube zu warten. Alle paar Minuten verließ ein neuer Trupp den Förderkorb und schloß sich ihnen an. Bald war auch der letzte Mann oben. Alles mußte schnell gehen, denn die alliierten Truppen konnten stündlich durchbrechen und hier sein. Der Lagerälteste kam auf mich zugestürmt und bat mjch, das ganze Kom- mando noch einmal schnell durchzuzählen, denn die SS verlangte Stärke- meldung. Es stimmte bisı auf drei.— Die SS empört:„Wer sind die Drei?“; Die Feststellung der Personalien wurde in fieberhafter Eile getroffen. Irgend jemand aus der Reihe bemerkte, daß er die Fehlenden noch vor einer Stunde im Schacht gesehen’ hätte. Wir waren uns klar darüber, daß die Drei bei dem Durcheinander unten flüchtig geworden waren und einen anderen Ausweg aus dem Stollen zu finden hofften. Man schwieg. Der SS-Führer war für einen Augenblick unschlüssig. Da aber die Zeit drängte, entschied er sich ziemlich schnell und sagte, seinen Unterführern zugewandt: „Laßt sie unten. Wenn sie glauben, so entwischen zu können, dann haben sie Pech gehabt, denn sänıtliche Schächte werden gleich mit Dynamit ge sprengt, und dann verrecken sie da unten doch wie die Ratten!“ Damit war dieser Fall erledigt.——— Wir sahen noch einige Zechenarbeiter in aller Hast die Vorbereitungen zur Sprengung treffen. Ueber uns kurvte ein Tiefflieger, der eine in einem Wald abschnitt gesichtete Volkssturmabteilung mit seinen MG-Garben beharkte. Der SS-Führer ließ dann sämtliche Funktionäre des Kommandos beiseite treten und gab ihnen in aller Schärfe zu verstehen, auf dem Marsch die größte Disziplin zu bewahren, da bei der geringsten Kleinigkeit scharf ge schossen würde. Weiter gab dieser Feigling bekannt, daß bei einem even tuellen Tiefangriff auf seinen Befehl alles Deckung im Straßengraben oder nächstgelegenen Walddickicht zu nehmen hätte. Aus Humanität unseretwegen hatte er das bestimmt nicht angeordnet, ihm war es nur um sein und seiner Spießgesellen erbärmliches Leben zu tun. Nachdem die Posten mit Gewehr im Anschlag in kurzen Abständen längs des ganzen Zuges verteilt waren, begann der Marsch nach Buche wald in Rich tung über Bad Salzungen. 124 wa zu, We n Häf. esichter immer nte han ischer gnation ‚um, in . Irgend ' Stunde 7 unten ollen zu die Zeit rführern n haben amit ge ngen zur m Wald harkte. retwegen seine! Verpflegung hatte man uns nur für zwei Tage mitgegeben. Sie befand sich auf einem Bauernwagen, der ung folgte. Für zwei Tage Verpflegung?— Ich sah schwarz. Mir graute vor dem Kommenden. Wir, meine Kameraden und ich, bildeten den Schluß ‚des Zuges, damit etwa auftretende Schwierigkeiten leichter bewältigt werden könnten. Insbesondere dachten wir dabei an die, die schlapp machen würden. Vor uns, neben uns und hinter uns SS, die heute doppelt stark bewaffnet war.— Wir marschierten nun schon zwei Stunden. Mich wunderte, daß bislang alles klappte und niemand zurückblieb, denn kein vernünftiger Mensch hätte uns ausgehungerten und elenden Menschen die Strapazen eines solchen Marsches zugetraut. Aber. die sich nähernde Front, die uns die Freiheit verhieß, dazu die monate- lang entbehrte frische Luft und das Tageslicht, weckten auch bei dem Schwächsten Kräfte, die erstaunlich waren. Langsam, aber stetig ging es weiter. N Mein:Blick hing traumverloren an dem schönen Landschaftsbild, das ich in den eben hinter uns liegenden bitter ernsten Monaten nicht mehr wiederzu- sehen glaubte.— Es war Frühling, Frühling in Deutschland. Die junge Saat prangte in ihrem frischen Grün, vereinzelte Blüten grüßten bereits die Sonne. Tannen und Fichten der Wälder trugen schon ihre neuen lichtgrünen Spiten. Die ersten Lerchen wiegten sich trillernd in den Lüften, da und dort hörte man die Drossel schlagen; ihr liebliches Flöten weckte Erinnerungen aus sorgloser Kindheit. Ein Kuckuck rief von fern. Längs der Straße standen Obstbäume in knospender Frische, hier und da hatten Kirschbäume bereits ihren herrlichen Blütenschmuck angelegt.— Ein liebliches Bild der Natur!— Und morgen war Ostern.——— Der wieder stärker werdende Donner der Artillerie, das Klappern der schlechten Holzschuhe an den müden Füßen meiner Kameraden, der Anblick des Elendszuges, in dem sich manche nur noch untergehakt weiterbewegen konnten, brachten mich in die Wirklichkeit zurück. Die Straße führte durch eine Waldschneise. Während der ganzen Zeit kreisten alliierte Flugzeuge über uns. Plößlich rasten zwei Tiefflieger in gerader Linie auf uns zu. Der hysterische Schrei des SS-Führers, daß alles in Dec"ng zu gehen hätte, erfaßte panikartig die ganze Masse. Alles stürzte in den links von uns liegenden Wald, wobei uns die in Schuß liegende SS mit Gewehr im Anschlag nicht aus den Augen ließ, und schon prasselten die Geschoß- garben über uns hinweg. Das Gesicht in den Waldboden gedrückt, verharrten wir in liegender Stel- lung, bis sich endlich nach öfterer Wiederholung des grausamen Spiels die Ruhe wieder einstellte.; Zunächst glaubten wir, daß uns die Flieger für verkappten Volkssturm ge halten hätten, zumal wir fluchtartig die Straße verlassen hatten und in Deckung geeilt waren. Aber da wir keine Toten hatten, nicht einmal einen Verletzten, und auch an den Bäumen rundherum keine Kugeleinschläge zu 125 entdecken waren, stand fest, daß die Todesgarben nicht uns, sondern tatsächlich einem in dem benachbarten Waldstück versteckten Trupp Volkssturm gegolten hatten, bei dem es auch einige Tote gab. Daraus schlossen wir, daß uns die Flieger trotz unserer nur durch Farbstreifen kenntlich gemachten Zivilkleidung als Häftlinge erkannt hatten, was sich später auch als richtig erwies. Entgegen dem SS- Befehl gaben wir daher flüsternd die Parole durch, bei allen kommenden Tiefangriffen weiterzumarschieren oder stehenzubleiben, jedenfalls aber nicht mehr in Deckung zu laufen. Das erwies sich taktisch als richtig, denn wir wurden auch in späteren Tagen nicht angegriffen, im Gegenteil, das Angriffsziel, an welchem wir zufällig vorbeimarschierten, wurde vor dem Beschuß mehrmals überflogen, um uns erst vorbeizulassen. - Das war die oft bewiesene faire Kampfweise der alliierten Piloten im Gegensatz zu den vom Mordgeist beseelten ,, Nazifliegern", die bei ihren Raub- und Eroberungszügen im Ausland in unzähligen Fällen in die zurückflutende wehrlose Zivilbevölkerung hineinfeuerten und ihre Bomben fallen ließen, gleichviel ob es sich um Gesunde, Kranke oder Gefangene handelte. Nachdem wir uns wieder formiert hatten, ging es weiter. Hier und da begegnete uns ein Trupp Volkssturm, zum Teil Kinder noch im Alter von sechzehn, siebzehn Jahren. Manche darunter waren so schmächtig, daß sie wie zwölfjährige Knaben anmuteten. Sie wurden von einem älteren aktiven Unteroffizier angeführt, trugen Panzerfäuste und sollten wohl an irgendeiner Stelle zur ,, Verteidigung" eingesetzt werden. Als sie an unserem langen Zug vorbeimarschierten, schauten sie uns teils hilflos, teils mitleidsvoll an; nur wenige gab es darunter, die uns verächtlich musterten. Der Unteroffizier mußte diese widerstreitenden Empfindungen unter seinen Leuten wohl wahrgenommen haben, denn er befahl mit schriller Stimme: Singen!, worauf die jungen Burschen mit schüchternen Stimmen ein Lied begannen, in dem von blutbedeckter Fahne und einem blanken Degen die Rede war. Mir taten die Jungen leid, und ein heiliger Zorn erfaßte mich bei dem Ge danken, daß die Bestie, dieser Bluthund Hitler, seinem Wahn auch noch diese halben Kinder gewissenlos dahinopferte. Neun Uhr abends. Immer noch marschierten wir. Einer von uns machte den SS- Führer darauf aufmerksam, daß wir noch nichts im Leibe hätten und ruhen müßten, da sonst die meisten schlapp machen und nicht mehr die Kraft aufbringen würden, am nächsten Tag weiterzumarschieren. Eine Stunde noch, und wir wären in der Nähe von Salzungen, dort würde übernachtet, war die Antwort. Wir passierten jetzt einen kleinen Ort, vollgepfropft mit deutschem Militär. In den Haus- und Hoftüren standen Soldaten, die unseren Zug mit gemischten Gefühlen und Empfindungen betrachteten. Etliche brachten den Mut auf, uns einen freundlichen Blick, ein aufmunterndes Wort zu gönnen. Unser Weg führte dann an der Werra entlang, unter deren Brücken bereits Sprengladungen angebracht waren. Durch andere Abwehrmaßnahmen mußten 126 wir vi krepie Als w zunger entgeg SS an sofort nach H Ohne etwas Gegen stall, wackli ruhen komm Mehr Mit e befind Verlet Eile d In di der S konnt alles Erstic verzü Artill Weite Schme ander der S Im Os In di Reihe Ein ä Lands ihn, t legten bis au trotz a Mit d derhol ihn d seinem ern tatssturm wir, daß machten richtig durch, bleiben, Tagen zufällig um uns Gegenb- und Autende ließen, noch im mächtig, älteren wohl an inserem eidsvoll - Unteren wohl worauf in dem Hem Ge ch diese ch nichts machen weiterzut würde Militär. mit geten den gönnen. bereits mußten wir viele Umwege machen, um unser Tagesziel zu erreichen. Zwischendurch krepierten auf wichtige Verkehrspunkte abgeworfene Bomben. Als wir endlich nach Ueberschreiten eines Bergkammes kurz vor Bad Salzungen angekommen waren, schlug uns heller Feuerschein aus dieser Stadt entgegen. Meldefahrer der Wehrmacht, die uns begegneten, wurden von der SS angehalten und um die Lage der Front befragt, was veranlaßte, mit uns sofort in Richtung Eisenach abzuschwenken, wobei man nicht wußte, ob es nach Buchenwald überhaupt noch einen freien Weg gab. Ohne Pause gings weiter. Die ganze Nacht mußten wir marschieren, ohne etwas gegessen oder getrunken, geschweige denn geruht zu haben. Gegen Morgen machten wir auf freiem Feld bei einem provisorischen Schafstall, in dem sich feuchtes und stinkendes Stroh befand, halt. In dieses kleine, wacklige Gebäude wurden wir nun alle hineingepfercht, um eine Stunde ausruhen zu dürfen. Ein großer Teil mußte sich, um überhaupt unter Dach zu kommen, auf den über dem Stall gelegenen Heuboden begeben, der die große Mehrbelastung jedoch nicht aushielt. - - Mit einem gewaltigen Krach stürzte der ganze Oberboden mit allen dort befindlichen Kameraden auf die unten liegenden herab, wobei es schwere Verletzungen gab. Wenn nicht von den unverletzt Gebliebenen in fieberhafter Eile die Trümmer weggeschafft worden wären, hätte es noch Tote gegeben. In diesem Tohuwabohu mußten wohl zwei Kameraden unbemerkt von der SS die Flucht ergriffen haben, denn beim Antreten fehlten sie. Sie konnten aber auch noch unter den Trümmern liegen, weshalb wir vorschlugen, alles noch einmal durchzusuchen, um sie in solchem Falle vor dem Tod des Erstickens zu retten. Dies wurde von der SS brüsk abgelehnt, und der unverzügliche Weitermarsch befohlen, denn das über Nacht stärker gewordene Artilleriefeuer prophezeite nichts Gutes für diese Henkersknechte. - Weiter ging es. Die durch den Unfall Verwundeten, die hinkten und vor Schmerzen stöhnten, nahmen wir in die Mitte. Erneut mußten wir einen anderen Kurs einschlagen, denn unterwegs angetroffene Meldefahrer gaben der SS immer wieder Nachrichten vom jeweiligen Stand der Front. Im Osten zog bereits der neue Tag herauf, und wir marschierten immer noch. In diesem Morgengrauen holte sich die SS das erste Opfer aus unseren Reihen. Ein älterer jugoslawischer Häftling, der nicht mehr konnte, und den seine Landsleute bis jetzt getragen hatten, lag hilflos auf der Straße. Wir nahmen ihn, trotzdem wir selbst kaum noch auf den Beinen stehen konnten, auf, legten seine Arme um unseren Hals und schleppten ihn eine Zeitlang mit, bis auch wir nicht mehr konnten und ihn niederlegen mußten. Er selbst hatte trotz allen aufmunternden Worten keine Kraft mehr, sich weiterzubewegen. Mit dem Blick eines todwunden Tieres bat er einen SS- Führer, der ihn wiederholt mit der Stiefelspitze in die Rippen stieß und ihm befahl aufzustehen, ihn doch hier liegenzulassen, er könne nicht mehr. Dieser wechselte mit seinem Spießgesellen im Flüsterton einige Worte, die wir nicht verstehen 127 konnten und sagte darauf: ,, Es ist gut, lassen wir ihn liegen!", und zu dem Jugoslawen gewandt: ,, Bleiben Sie hier liegen, ruhen Sie sich aus, und wenn es dann wieder besser wird, kommen Sie nach!" Damit wurde der Kamerad seinem Schicksal überlassen. Nach einer knappen halben Stunde meinte der SS- Führer, er müsse doch einmal nachsehen, was der Jugoslawe mache, ob er nachkäme. Er setzte sich auf sein Fahrrad und fuhr die Straße zurück. Bald darauf kam er wieder: ,, Ich habe das Biest nicht gefunden. Er muß sich irgendwo versteckt haben!" Die Sache kam uns sehr verdächtig vor. Noch hatten wir keine Gewißheit, doch sollte sie uns bald werden. - Der zweite Fall ereignete sich, als wir uns dem Kamm des Thüringer Waldes näherten. Mit vier und fünf Mann schleppten wir einen völlig zusammengebrochenen russischen Kameraden noch kilometerweit über den steilen Bergkamm bis zu der Stelle, wo wir für eine halbe Stunde rasten sollten. Dort angekommen, lagerten wir ihn auf weiches Moos und labten ihn mit Wasser aus einem nahen Wildbach. Etwas anderes besaßen wir nicht, denn die erste Verpflegung sollte voraussichtlich erst mittags in Ruhla ausgegeben werden. Wir waren alle so erschöpft, daß sich ein jeder, wo er gerade stand, auf den Waldboden legte und einschlief, abgesehen von denen, die vor Überanstrengung keine Ruhe fanden und zusammengekauert mit stierem Blick vor sich hinstarrten. Ich setzte mich auf einen umgestürzten Buchenstamm und nickte ein, ohne aber Ruhe finden zu können, denn ein kühler Wind hatte sich aufgemacht, der meinen fieberheißen, schwachen Körper immer wieder erschauern ließ. Der Ruf: ,, Antreten!" riẞ uns empor. Nachdem alles angetreten und durchgezählt war, setzte sich das Ganze außer dem Erschöpften, der liegenbleiben sollte, bergauf in Bewegung. Da ich mich wie immer am Schluß des Zuges befand, konnte ich feststellen, daß zwei SS- Leute bei dem Russen zurückblieben; sie unterhielten sich. Ich beobachtete den weiteren Vorgang unauffällig und sah, daß die Banditen den Zurückgebliebenen an den Rand einer Tannenschonung schleppten und uns dann abwartend nachschauten. Als sich der größte Teil von uns bereits außerhalb des Blickfeldes befand, zog einer dieser SS- Mordbuben die Pistole, setzte sie unserem Kameraden an die Schläfe und drückte ab. - Zwei Schüsse durchpeitschten den grauen Morgen. Ihr Echo hallte in den Wäldern ringsumher wider Zwei Schüsse! - Unbeschreiblicher Zorn und Schmerz erfaßten mich. Von Grauen und Entsetzen erfüllt, ergriff mich eine grenzenlose Empörung über diese ruchlose Tat. Man ließ einen unschuldig ins Konzentrationslager gesperrten mitleidlos gequälten - und erbarmungslos ausgepumpten Menschen Jahre hindurch in dieser Hölle schuften und treibt ihn, der mit irren Blicken und verzerrten Zügen vor lauter Schwäche dahintorkelt, dann noch 128 zur Fl wie ei Himm das S sauser tiefste uns g überw zum komm hinter das ü Das eben schöp mit. nicht Müh Hohe halb ins T wäre umfl An e die z ten H erinn Händ Bild zu dem besser se doch 3te sich wieder: maben!" wißheit, Waldes ochenen mm bis Commen, seinem flegung auf den anstrenvor sich d nickte sich aufeder erze außer ich mich aß zwei obachtete Zurückns dann s bereits Pistole, e in den und Entlose Tat. zur Flucht vor seinen Befreiern, die so nahe sind, und schießt ihn schließlich wie einen tollen Hund am Wege ab, nur weil er nicht mehr weiterkann! Himmel, kannst du dieses grauenhafte Verbrechen mit ansehen? - - Geschieht hier kein Wunder-? Erscheint hier kein Rächer, der das Schwert der Vergeltung auf die Häupter dieser Nazi- Bluthunde niedersausen läßt und ihr verbrecherisches Hirn zerschmettert, sie allesamt in den tiefsten Abgrund stürzt--?- - - - Ach, wären wir doch kräftig und nicht so elend, so krank, wie ihr uns gemacht habt ihr Mörder!!! Wir würden euch überwältigen und der Reihe nach an den nächsten Baum hängen, den Raben zum Fraẞ. Geduld kommt! - - Geduld - Die Stunde kommt! die Stunde wo ihr Rechenschaft ablegen müßt!!- die Stunde kommt! sie ist schon da! Hört, hört den Donner der Geschütze - Hört gut! Sie verkünden hinter euch!- - Hört gut! das über euch kommende Gericht! Das Grauen schlich durch unsere Reihen. Von Mund zu Mund wurde das eben Geschehene weiter berichtet. Die Todesfurcht peitschte manchem Erschöpften die letzte Kraftreserve aus den Knochen und riß ihn noch ein Stück mit. Anderen wieder nahm der Schreck den letzten Rest von Kraft und schon wieder lagen zwei Kameraden am Wegrand, nicht mehr konnten, schon wieder knallten mehrere Schüsse, schon wieder waren zwei Menschen gemordet. - - - die Mühselig schleppten wir uns längs dem Kamm des Thüringer Waldes weiter. Hohe Tannen und Fichten überschatteten uns. Dann führte der Weg durch halbwüchsige Tannen, oftmals unterbrochen durch eine Lichtung, die Ausblick ins Tal bot, der für einen Touristen und Spaziergänger Augenweide gewesen wäre. Diese wunderbaren Bilder interessierten uns nicht. Unser Auge war umflort, unsere Seele von Grauen und Schmerz verdunkelt. - - An einer Stelle passierten wir einen einzelnen Baum mit angelehnter Bank, die zum Ausruhen einlud. Die verblichene Schrift der an dem Baum befestigten Holztafel erzählte etwas von Goethe. Das Ganze weckte in mir Jugenderinnerungen. Vor meinem geistigen Auge stand ein Bild, das ich damals in Händen hielt, und das mit dieser Landschaft identisch schien. Unter diesem Bild standen Goethes Worte: Über allen Gipfeln ist Ruh, In allen Wipfeln spürest du Kaum einen Hauch. Die Vöglein schweigen im Walde. Warte nur, balde Ruhst du auch. ten Menmit irren ann noch 129 Goethe, der große Dichter, der deutsche Humanist, der die ganze Ethik in dem markanten Satz zusammenfaßt: ,, Edel sei der Mensch, hilfreich und gut!" Hatte dieser Denker jemals etwas mit dem, was die Naziverbrecher als Deutschtum vortäuschten, zu tun gehabt? Nein, diese millionenfachen Mörder, diese Bluthunde hatten von Goethe nicht einen Hauch! Zu erschüttert war ich von dem vorhin Erlebten, als daß ich diesen Gedanken hätte weiter verfolgen können. Die grauenhafte Wirklichkeit erfaßte mich wieder und ließ mich in ihre knöcherne Fratze, in ihre hohlen Augen blicken, denn mit uns schritt die SS. Lager küche sofort Währ Russe Neug man Der Weg führte bergab an einem Walddickicht vorbei. Ich trottete dahin wie von einem bösen Traum verfolgt. Mit einem Mal Geschrei! Krachende Schjisse! Wieder Geschrei! Wieder Schüsse! Dann ein schrilles Kommando: ,, Alles hinlegen!" Im Nu lag alles. Was ,, Das Jung So s Konz gege Peits meh bis v Skel Mit Alle Alle Die linge ,, Wer den Kopf hebt, wird erschossen!" Wir blieben liegen, den Kopf im Dreck. Wieder lautes Rufen, wieder Krachen von Schüssen. - Einzelne, die sich etwas kräftiger fühlten, müssen die Flucht ergriffen haben, so dachten wir. Möge doch den Kameraden der Sprung in die Freiheit gelingen!, das war unser aller Wunsch. - hier gräb Stüc lage Die Vereinzelt fielen noch Schüsse. -- Nach einer guten Weile kehrte die SS- Meute, die unsere fliehenden Kameraden verfolgt hatte, zurück. Sie hatte zwei Mann erschossen und verschiedene andere verletzt.Bild Abe blie Schi Wir mußten wieder aufstehen und uns zu je fünf Mann unterhaken als Vorsichtsmaßnahme gegen etwaige neue Fluchtversuche. Der Marsch ging weiter. Kurz darauf lag wieder ein Erschöpfter am Boden.- Wieder peitschte ein Schuß. Wieder ein weiterer Mord auf dem Schuldkonto der SS. Geg und Und Imm Zur Sto riefe Einige Stunden später standen wir auf dem Rathausplatz von Ruhla, einer kleinen Stadt am Fuße des Thüringer Waldes. Hier sollte es kurze Rast und die erste Verpflegung geben. Außer dem mitgeführten Proviant hatte unser 130 Und " Wa Das bare 9. thik in gut!" her als Mörder, danken e mich blicken, haben, heit ge Kame hiedene als Vorweiter. la, einer Rast und te unser Lagerältester noch einen Sack Nudeln organisieren können. In der Waschküche einer Gastwirtschaft bereiteten wir das Essen zu, teilten es aus, um sofort nach dem Verzehr weiterzumarschieren. Während der Pause fand noch ein Zählappell statt. Er ergab, daß sieben Russen und ein Deutscher heute morgen die Flucht ergriffen hatten. Neugierige Einwohner waren zusammengelaufen und schauten uns an, wie man wilde Tiere in einem Zoologischen Garten betrachtet. 99 , Was sind das für Menschen?", fragte ein kleines Mädchen. ,, Das sind Verbrecher aus Buchenwald!", war die Antwort eines größeren Jungen. So sprachen Kinder deutscher Frauen, von denen viele selbst in FrauenKonzentrationslagern, wie Ravensbrück, der gleichen Vernichtung preisgegeben waren. Herzlose SS- Führerinnen und SS- Maiden schwangen die Peitsche, wenn sie Steine karrend und schleppend sich vor Schwäche nicht mehr halten konnten. Im Steinbruch und Straßenbau wurden sie aufgerieben, bis von ihrer einstigen fraulichen Schönheit nichts mehr blieb als ein lebendes Skelett. - Mit einem wieder abgeänderten Kurs ging der Marsch weiter. Alle tausend Meter blieb ein Unglücklicher liegen. Alle tausend Meter geschah ein neuer Mord. Die Straßen, die wir jetzt schritten, zeugten davon, daß vor uns schon Häftlinge anderer Außenkommandos durchgekommen waren. Die SS hatte auch hier mit gleichen Methoden gearbeitet. Überall Blutspuren. In den Straßengräben die Leichen erschossener Kameraden, oft fünf, sechs nebeneinander. Stücke zerrissenen Schuhwerks, zerfetzter Kleidung, blutbesudelte Decken lagen überall verstreut umher. - Die hereinbrechende kühle Nacht legte ihre Schatten auf all diese grausigen Bilder. Sie wirkte wohltuend auf unsere Gemüter. - Aber auch in dieser Nacht riß der SS- Mord Lücken in unsere Reihen. Wieder blieb mancher Kamerad völlig erschöpft am Straßenrand liegen. Dumpfe Schüsse hinter uns bestätigten ihren Tod neue Morde! - Gegen Morgen machten wir irgendwo in einer Scheune für kurze Zeit Quartier und verzehrten den Rest der Verpflegung. Und weiter ging es. Der neue Tag brachte uns in die Nähe von Arnstadt. Immer noch marschierten wir. Zurückflutende deutsche Wehrmacht verstopfte die Straßen. Überall gab es Stockungen. Eine Kolonne Troẞwagen zog an uns vorbei. Die Pferdelenker riefen uns aufmunternd zu: ,, Ihr kommt doch nicht mehr nach Buchenwald, die sind schon eingekesselt!" Und zur SS gewandt, schimpften sie: 99 , Was Ihr Hunde eingebrockt habt, müssen wir jetzt ausfressen!" Das Kriegsgeschehen verdichtete sich von Tag zu Tag. Nach wie vor das furchtbare Bild des Todes auf den Straßen. 90 131 Auch um uns dasselbe Grauen. Heute allein zählten wir schon das achte Opfer! Und die noch Lebenden? hatten nichts mehr zu essen! Unsere Verpflegung war zu Ende. Die SS war noch reichlich versorgt. - In der folgenden Nacht gönnte man uns endlich drei Stunden Ruhe. Unseretwegen sicher nicht, die SS selbst hatte sie nötig. Wir waren also nur Nutznießer. - Es war eine schwere und sorgenvolle Nacht. Seit vierundzwanzig Stunden hatten wir nichts mehr im Magen, und keinerlei Aussicht auf irgend etwas Eẞbares. Die Schwäche nahm zu. Sie verdoppelte sich und mithin auch die Zahl der neuen Opfer. ein kl sicker Das H hatte Herrg Wir traten einzeln an den SS- Führer heran und beschworen ihn, doch irgend etwas zu unternehmen, damit wir was in den Magen bekämen. Er antwortete, daß er nichts hätte und auch nichts besorgen könne. Außerdem fehlten ihm die Order dafür. Endlo Fast Würd Schließlich billigte er nun aber, nachdem wir an ein in ihm vielleicht doch noch lebendes menschliches Gefühl appelliert hatten, zu, im nächsten Dorf unter Bewachung etwas Eßbares kaufen zu lassen. Ehe wir das Dorf erreichten, hatte es noch verschiedene Male hinter uns geknallt und mehrere Kameraden ihr schwaches Leben ausgehaucht. beko Solch vorbe um wend lasse mit Arbe Fleis Im Ort angekommen, stellte uns ein Bauer, dessen Gehöft etwas abseits lag, seine Wiese als Rastplatz zur Verfügung. Außerdem schenkte er uns einige Körbe Rüben, die heißhungrig verschlungen wurden. Der sofort unter Bewachung in die Wege geleitete Lebensmittelkauf fiel sehr bescheiden aus. Nur einige Zentner Rüben und wenige Kartoffeln waren das Ergebnis. Die Rüben wurden roh gegessen, die Kartoffeln inzwischen gekocht; jedem trug es nur eine einzige ein, doch man war ja froh, wenigstens etwas im Magen zu haben. Mit unserer Ruhe war es wieder nichts. Der Ruf: ,, Amerikanische Panzer!" setzte das ganze Dorf in Alarmzustand. Auch wir mußten in aller Hast antreten. Dabei hieß der SS- Kommandoführer die schlimmsten Fußkranken und am meisten Erschöpften heraustreten und sich abseits der Straße hinsetzen. ,, Ihr werdet gleich gefahren", sagte er ,,, es kommt ein Wagen und holt Euch ab!" Unter den Zurückgebliebenen befand sich ein Bekannter, ein Ingenieur aus Weimar, der trotz seiner soeben überstandenen Krankheit bis jetzt alles Elend überwunden hatte, schließlich aber doch nicht mehr konnte. Kaum waren wir zweihundert Meter marschiert, da krachten mehrere Salven, und die Zurückgebliebenen kippten seitwärts über. Die gebrochenen Augen weit aufgerissen, den Himmel anstarrend, lagen sie da, die Elendsgesalten 132 die befar mand Als schild Ende Seele zur schen Alles schla die v währ Kost Als Pellk So g imme Buch Man ganze Grau achte Unsere nseretNuttunden etwas uch die irgend Außer nt doch n Dorf ter uns its lag, einige ter Been aus. rgebnis. jedem was im Zustand. und am n. nd holt eur aus sElend Salven, Augen gesalten ein kleines schwarzes Loch an ihrer Schläfe, woraus das Blut dünn verklebt sickerte. Das Herz krampfte sich mir zusammen, denn den Kameraden aus Weimar hatte ich erst vor wenigen Tagen noch als ganzen Kerl kennengelernt. Herrgott!! Wie ist das möglich... Endlos schien die Straße, endlos der Weg des Grauens. Fast bei jeder Kilometerlänge lagen ein oder mehrere erschossene Häftlinge. Würden wir bis heute abend oder spätestens morgen früh nichts zu essen bekommen, würde sich die Zahl der Opfer vervielfachen. Solche Überlegungen stellte ich gerade an, als wir an einem Pferdekadaver vorbeitorkelten. Wir baten einen der SS- Führer, das Pferd aufteilen zu dürfen, um das Fleisch im nächsten Quartier zu einer kräftigen Mahlzeit zu verwenden. Für die Arbeiten möchte er einige Mann unter Bewachung zurücklassen, die dann später nachkommen sollten. Er willigte schließlich ein, und mit den primitivsten Taschenmessern gingen acht bis zehn Mann an die Arbeit, wobei sich ein jeder in rücksichtslosem Heißhunger ein Stück rohes Fleisch abschnitt, in den Mund steckte und darauf herumkaute. Im Nu waren die besten Teile des Pferdekadavers zerlegt, und eine gute Stunde später befanden sich die Kameraden mit dem Fleisch beladen wieder beim Kommando ein. - Als wir gegen Abend bis dahin mußten noch einige Häftlinge in der geschilderten Art und Weise ins Gras beißen ein Dorf erreichten, an dessen Ende wir halt machten, fand sich in der Person eines Bauern eine mitleidige Seele. Er stellte uns seine große mit Stroh gefüllte Scheune als Schlafstätte zur Verfügung, bot uns eine Kochgelegenheit für unser Fleisch an und schenkte uns außerdem noch einige Zentner Kartoffeln. Alles war so erschöpft, daß man fünf Minuten später nur noch bewußtlos schlafende Menschen liegen sah, ausgenommen einen Kameraden, der für die vielen Hunderte von Leidensgenossen seine kostbare Ruhe opferte und während der ganzen Nacht unter Ablösung der SS- Bewachung die stärkende Kost bereitete, die manchem das Leben rettete. Als wir am nächsten Morgen erwachten, wurden wir mit einer Mütze voll Pellkartoffeln und einem halben Becher Gulasch überrascht. So gestärkt, konnten wir wieder eine Zeitlang aushalten. Auf Umwegen, immer der näher rückenden Front ausweichend, ging es weiter in Richtung Buchenwald. Manch einer fiel noch als Opfer und mehrte die Zahl der Toten, die den ganzen Weg bis Buchenwald in regelmäßigen Abständen als Zeugen des Grauens markierten. 133 Zwei Tage später befanden wir uns ausgehungert und vollkommen erschöpft, um hundert Mann und mehr reduziert, auf der Straße von Weimar nach Buchenwald. Wir waren nur ein Teil jener Häftlingsmasse, die sich von den Außenkommandos aus allen Gegenden Thüringens zu gleicher Zeit konzentrisch nach Buchenwald bewegte. Hin und wieder begegneten uns SS- Fahrzeuge, vollgepackt mit allem möglichen, ein Beweis bevorstehender Flucht. Das streckenweise neben unserem Wege herlaufende Anschlußgleis Weimar- Buchenwald war rostig, ein Zeichen dafür, daß es schon mehrere Tage nicht befahren war. Nirgendwo sahen wir Häftlinge. Die bangen, oftmals wiederholten Fragen: Ist Buchenwald schon evakuiert oder nicht? Leben unsere Kameraden noch, oder hat man sie schon liquidiert? Was geschieht mit uns? Stehen nicht irgendwo in der Nähe des Lagers im Walde versteckt Maschinengewehre mit SS- Mördern besetzt, die uns aus dem Hinterhalt restlos niedermachen werden? beschäftigten uns in einem fort. In dieses geflüsterte Gespräch vertieft, hatten wir gar nicht bemerkt, daß noch einer von uns liegen blieb. Im selben Augenblick krachte, auch schon ein Schuß, und der Kamerad, der es fertiggebracht hatte, sich bis hierhin zu schleppen, wurde kurz vor dem Ziel, wo er sicher noch Hilfe erhofft hatte, abgeknallt. Er war aber erst der Vorletzte. Den Letzten ereilte das Schicksal noch dreihundert Meter vor dem Schlagbaum, der die Straße zwischen dem Lagerbereich und der übrigen Umwelt trennte.- Beim Einmarsch in den Lagerbereich war auf den ersten Blick zu erkennen, daß alle hier befindlichen Arbeitsbetriebe still gelegt waren. Nicht ein Häftling war zu sehen, was uns geradezu unheimlich anmutete. Vor dem Lagertor, angekommen, hörten wir aus dem Lautsprecher an die Lagerinsassen gerichtete SS- Befehle. Im Lager selbst herrschte noch Leben, was uns sehr beruhigte. Offenbar war wohl über unser aller Schicksal noch nicht das letzte Wort gesprochen, der Vernichtungsbefehl noch nicht ausgegeben worden. Die Tore öffneten sich, wir marschierten ins Lager ein. Unsere Kameraden taten alles, was nur in ihren Kräften stand, um unsere Not zu lindern Diese waren, Jießen, ganzen müssen hätten sollen. Winkel Aber d in Buc Die K ersten sie sic Die S teten Wir w Währe Leute teile unser setzen Wie bezüg fährli Aber Diese Appe Unter Was Der B geben Das erste, was mir in Buchenwald ein alter Freund erzählte, war, daß wenige Tage vorher über vierzig Kameraden, ausnahmslos hervorragende Lagerfunktionäre und alte antifaschistische Kämpfer, ans Tor kommandiert wurden und diesen Befehl nicht ausführten. 134 Der le Die Z Tause konnt Lager Am B die To breche Graus chöpft, r nach Außenentrisch mögnserem Zeichen chinenniederkt, daß hon ein rhin zu hatte, chicksal en dem kennen, Häft an die Leben, al noch ht ausmeraden E rn wenige Lagerwurden Diese wenigen Kameraden, die ihrer politischen Gesinnung treu geblieben waren, die ihren Intellekt nur im Dienste des menschlichen Fortschritts wirken Jießen, weshalb man sie im Konzentrationslager eingekerkert hatte, die die ganzen Jahre hindurch furchtbare Qualen über sich hatten ergehen lassen müssen und sich bis zuletzt durch die große Not tapfer durchgekämpft hatten, hätten nach dem Willen der Nazis den Tag der Freiheit nicht mehr erleben sollen. Man befahl sie einzeln ans Tor, um sie dann in einem versteckten Winkel, außerhalb des Stacheldrahtes, ermorden zu können. Aber der Geschützdonner, mit dem sich unsere Befreier ankündigten, war auch in Buchenwald schon vernehmbar. Die Kameraden ließen es deshalb darauf ankommen und verweigerten zum ersten Male einem SS- Befehl den Gehorsam. Vor den SS- Mördern verbargen sie sich in geheimen Schlupfwinkeln im Lagerbereich. Die Spannung war dadurch aufs höchste gestiegen. Jeden Augenblick erwarteten wir Maßnahmen der SS. Wir waren auf alles vorbereitet. Während meines Aufenthaltes in Dachau hatte auch ich wiederholt mit einigen Leuten meines Kommandos unter ständiger Lebensgefahr Waffen und Waffenteile ins Lager hineingeschmuggelt, damit der letzte Tag der SS nicht auch unser letzter sein sollte, und wir solchem Massenmord Widerstand entgegensetzen könnten. Wie es in Buchenwald damit aussah, wußte ich nicht, doch wurde eine diesbezügliche Frage von meinem Freund bejaht. So konnte ich auch dieser gefährlichen Situation entschlossener und ruhiger ins Auge sehen. Aber die SS rührte sich nicht, trotzdem sie uns vielfach überlegen war. Diese Tage waren voller Spannung. Appelle fanden nicht mehr statt. Gearbeitet wurde nicht mehr. In der SSUnterkunft rüstete man für die Flucht. Was würde man mit uns machen? Der Befehl zu unserer Vernichtung war, wie wir später erfuhren, bereits gegeben. Wir ahnten es, wenn wir es auch noch nicht positiv wußten. Der letzte Akt der Tragödie spielte sich ab. Die Zustände in Buchenwald hatten das Höchstmaß des Grauenhaften erreicht. Tausende von Leichen, die wegen Kohlenmangel nicht mehr verbrannt werden konnten, lagen teils unbestattet, teils oberflächlich verscharrt, im äußeren Lagerbereich. Am Bismarck- Denkmal wurden in aller Eile riesige Massengräber ausgehoben, die Toten hineingeworfen und mit Erde zugedeckt, um so die Spuren des verbrecherischen und brutalen Mordes zu verwischen. Die anderen Spuren ihrer Grausamkeiten hatten die Henker sorgfältig beseitigt. 135 Im Lager selbst lagen Berge von Leichen. Das Krematorium und der Hof waren überfüllt, so daß man in verschiedenen Teilen des Lagers Sammel- stellen einrichtete. Leichen verhungerter Kameraden.——— Sie waren nur noch mit Haut überspannte, stinkende Skelette. Täglich kamen haufenweise dazu. Fast die Hälfte aller Blocks waren mit vor Hunger kranken und ster- benden Menschen angefüllt. Auf den Blockstraßen des Lagers brach mancher, der sich noch fortzubewegen versuchte, tot zusammen. Die Fahrer der Leichen- karren kamen nicht mehr zur Ruhe. Sie waren kaum in der Lage, den Trans- port der vor den Blocks liegenden Leichen zu den einzelnen Sammelstellen zu bewältigen.— Von ferne das Dröhnen der Geschüte, das jeden Tag deutlicher zu hören war. Alliierte Tiefflieger umkreisten den Buchenwaldkomplex und beschossen ein- zelne Truppenteile, die sich noch unmittelbar in unserer Nähe befanden. Das Lager selbst war noch umstellt von SS, die die Mündungen ihrer Ge- wehre und Maschinengewehre aus ihren Türmen und Deckungsgräben auf uns gerichtet hielten. Die Spannung wuchs. Die Masse der Lagerinsassen berührte das alles jedoch fast nicht mehr. Jeder einzelne hatte mit dem Hunger und seinen fürchterlichen Begleiterscheinungen zu kämpfen, so daß er den Ereignissen fast apathisch gegenüberstand. In Buchenwald einmarschierende Außenkommandos, die glaubten, alle furcht- baren Strapazen nun überwunden zu haben und hier sterben oder vielleicht doch leben zu können, wurden aufs neue formiert, um in Richtung Flossen- bürg oder Dachau in Marsch gesegt zu werden. Einige hundert Meter hinter dem Lager machten schon die fußkranken, alten und körperbehinderten Häft- linge schlapp. Man brachte sie nicht ins Lager zurück, sondern schoß sie ein- fach nieder.— Den übrigen ging es so, wie ich schon an anderer Stelle berichtete. In einem Falle kamen von einem Transport von viertausend Mann, die nach Dachau sollten, ‚sage und schreibe hicht ganz dreihundert völlig aufgeriebene Men- schen an.— Am Sonntag, dem 8. April, erließ der SS-Kommandant Pister den Befehl, das Lager zu evakuieren. Außer den kommandierten Häftlingen, die später folgen sollten, hätte innerhalb einer Stunde alles marschmäßig auf dem Appellplat anzutreten. Ich gehörte zu denen, die den Transportabschluß bilden sollten. Wir kannten das„‚Evakuieren‘‘ nun schon zur Genüge! Um in den sicheren Tod„evakuiert“ zu werden, sollten die Insassen vor ihren Blocks appellmäßig antreten, zum Appellplat marschieren, um dort in Trans- porte von je viertausend Mann eingeteilt zu werden. Was konnten wir tun, um dem neuen geplanten Massenmord zu entgehen? Konnten wir uns diesem Befehl, der alle betraf, einfach widerseten? Nein, das wäre Meuterei gewesen und hätte unsere sofortige Vernichtung zur 136 Fol strt stäl stal un Hie Die wul ge ti. er Hof ammel. en nur nweise dsterancher, eichenTransstellen en war. en einer Geen auf . Jeder mungen furchtelleicht lossenhinter Häft sie eineinem Dachau e Menehl, das folgen Dellplat or ihren Transen? ung zur Folge gehabt, und zwar um so sicherer, als die SS- Bewachung durch den Zustrom der die Außenkommandos begleitenden Truppen um das Vielfache verstärkt war. Die Übermacht war so groß, daß in diesem Falle jeder Widerstand Selbstmord bedeutet hätte. Dazu befanden sich noch die SS- Block führer. und andere SS- Funktionäre im Lager. Hier konnte also nur Klugheit helfen. Die in den langen Jahren zwangsmäßig ausgeübte direkte Befehlsübermittlung wurde von uns fallengelassen. Allen Lagerinsassen wurde die ergangene Anordnung nur in erzählender Form bekanntgegeben, jedem einzelnen also selbst die Entscheidung überlassen, ob er ihr nachkommen wolle oder nicht. Zeit und nochmals Zeit gewinnen, war die Parole, denn unsere Befreier waren inzwischen schon sehr nahegekommen. Die Stunde war vorbei, der Zeitpunkt des Antretens da, aber kein Mensch stand auf dem Appellplatz. Da betrat der SS- Kommandant selbst in Begleitung seines Stabes das Lager und berief die Lage ältesten zu sich, um von ihnen Rechenschaft über das Verhalten der Lagerinsassen zu fordern. Diese wichen in geschickter Form aus, worauf sämtliche Blockältesten herbeigerufen wurden. Auch diese verstanden es, sich aus der Affäre zu ziehen. Dann ordnete der Kommandant an, daß um zwei Uhr nachmittags alles endgültig anzutreten habe, da er sonst zweihundert bis an die Zähne bewaffnete SS ins Lager schicke, die seinem Befehl Nachdruck verleihen würden. Um zwei Uhr aber war der Appellplatz so leer wie vordem. Kurz vorher war ich in den Franzosenblock Nr. 14 gegangen, wo ein deutscher Kamerad Blockältester war. Ich saß an einem der Tische und unterhielt mich mit einem deutschsprechenden Franzosen, als die Tür aufgerissen wurde und der Kommandant Pister höchstpersönlich in Begleitung seines Adjutanten hereintrat und in schreiendem Ton den Blockältesten verlangte. Dieser war gerade nicht da. Als er mich erblickte, brüllte er mich an, den Leuten sofortiges Antreten zu befehlen. Obgleich ich mit dem Block garnichts zu tun hatte, mußte ich gehorchen. Dem Kommandanten den Rücken zuwendend, rief ich den französischen Kameraden zu: ,, Rassemblement, camerades, dépêchez- vous un peu!"( Antreten, Kameraden, aber ein bißchen schnell!), wobei ich mit den Augen zwinkerte. Die meisten verstanden mich sofort und traten auf die Blockstraße hinaus, wo sie schnell verschwanden, um sich irgendwo zu verstecken. Aber das Heraustreten ging diesem SS- Banditen nicht schnell genug. Er faßte einige der Nächststehenden bei den Ärmeln und stieß sie zur Tür hinaus mit den Worten: ,, Seid doch froh, daß Ihr aus dem Lager heraus und in geschützte Verhältnisse kommt. Wir wollen doch nur das Beste!" Er streifte mich dabei mit einem Blick. Die Antwort, die ich diesem Mörder mit den Augen gab, muß er wohl verstanden haben. Vielleicht kam es ihm 137 auch zu dumm vor, die Leute selbst einzeln herauszujagen. Jedenfalls verließ er den Raum und trat auf die Blockstraße, die aber völlig leer war. Ich war ihm gefolgt. Wutschnaubend wandte er sich an mich mit der Frage, wo denn die Leute wären, worauf ich ihm erwiderte, daß ich es auch nicht wüßte und im übrigen ja für diesen Block nicht zuständig sei. Ich hielte mich nur zufällig hier auf.. In diesem Augenblick kehrte auch mein Kamerad, der Blockälteste, zurück, den er sofort das gleiche fragte. Dieser antwortete in geschickter Weise, daß er nicht verantwortlich gemacht werden könne, wenn die Leute nervös ge- worden seien. Sie hätten seinen, des Kommandanten Worten, die er vor acht Tagen an die versammelten Häftlinge richtete, geglaubt. Hier sei ihnen ver- sprochen worden, das ganze Lager, so wie es sei, im Falle des weiteren Vor- dringens der Amerikaner ihne Schaden an der Person eines jeden Häftlings zu übergeben. Wenn die Leute, da sie nun dennoch evakuiert werden sollten, mißtrauisch geworden seien und den gegebenen Befehlen nicht mehr gehorch- ten, so sei das nicht seine Schuld. 4 Mit seinen eigenen Worten geschlagen, entfernte sich dieser Strolch mit seinem Stabe, ging durch das Lagertor dem Kommandanturgebäude zu, um andere Gewaltmaßnahmen anzuordnen, die auch nicht lange auf sich warten ließen. Dieser Mörder hatte genau acht Tage vorher dem gesamten Lager das er- wähnte Versprechen gegeben, jedoch von vornherein niemals die Absicht gehabt, es zu halten. Er wollte hierdufch lediglich die vierzig und mehr Kameraden, die am nächsten Tage aufgerufen werden sollten, um ermordet zu werden, in Sicherheit wiegen. Wenige Minuten später stürzten zweihundert stark bewaffnete SS, jeder dazu noch mit einem dicken Knüppel in der Hand, ins Lager und trieben, was sie nur an Häftlingen habhaft werden konnten, auf den Appellplag. Dort wurden dann„Evakuierungs-Transporte‘- zusammengestellt, die einige Zeit darauf aus dem Tor marschierten, um das gleiche Schicksal zu erleiden wie die vorher Evakuierten. Die anderen mußten noch formiert im Lager stehen bleiben und auf Abruf warten. Sie blieben aber nicht stehen, da die Furcht, ermordet zu werden, sie immer wieder in irgendwelche Verstecke trieb. Die in diesen entscheidenden Tagen von den Lagerfunktiunären unter stän- diger Bedrohung des eigenen Lebens gezeigte sabotierende Haltung den SS-Befehlen gegenüber, um Zeit und immer wieder Zeit zu gewinnen, hat vielen- Tausenden von Leidensgefährten das Leben gerettet, So kam der 11. April.— In der vergangenen Nacht hatte, kaum einer von uns ein Auge zugetan, denn das Artilleriefeuer war so stark, daß die Baracken davon erzitterten. Als der Morgen graute, fühlte jeder, daß der entscheidende Tag gekommen war. 138 Die Jedı tun Die der dies Im Gut Kar Alle Ein öpri ließ age, micht mich ück, daß ge acht verVor lings lten, orchmit um arten s ersicht rehr ordet dazu s sie Dort Zeit wie ב tehen urcht, eb. ständen , hat getan, erten. mmen Zu essen gab es schon den zweiten Tag nichts mehr. Die SS hatte allen Proviant aus dem Lager herausgeholt. Es war ein Tag banger Erwartung des Kommenden. Die wenigen Eingeweihten lagen verteilt oder geschlossen in Bereitschaft und harrten der Entwicklung der Dinge. Heute mußte die Entscheidung fallen. Was würde uns der Tag bringen? Die langersehnte Freiheit und das Leben oder den Tod?? Wir waren jedenfalls bereit, unser Leben so teuer wie möglich zu verkaufen. Es wurde neun, zehn, es wurde elf Uhr. Der Geschützdonner rollte näher. Noch war die SS im Lager, noch zeigte sich nichts Auffälliges, woraus wir hätten schließen können, daß unsere Vernichtung beginnen sollte. Eine dumpfe, drückende Stimmung lag über dem Ganzen wie Gewitterschwüle. Die Lautsprecher in den Blocks, die sonst die SS- Befehle vermittelten, hatten den ganzen Vormittag geschwiegen. Es war einhalbzwölf Uhr. Ich saẞ in meinem Block. Gerade vorher hatte mich ein Kamerad nach kurzem Besuch verlassen, wobei wir uns noch einmal die Hände drückten, der eine in des anderen Augen las und jeder wußte, was er bald zu tun haben würde. Noch einmal überprüfte ich in Gedanken die Situation. Jede Minute konnten die Würfel fallen. Ja, sie würden fallen, so oder so, ein jeder fühlte es. Würde man uns noch vergasen? Würde man uns mit Brandbomben belegen und uns niederknallen? Was wird geschehen? Aber komme, was da mag, die Rechnung würde teuer werden. - In meinen Gedanken wurde ich durch das Aufheulen eines anhaltenden, dumpfen Sirenentones unterbrochen. Daraufhin ein Knacken im Lautsprecher, dann die öftere Wiederholung eines Befehls: ,, Alle SS- Angehörigen aus dem Lager!" Das Heulen der Sirene, die das Herannahen amerikanischer Panzer ankündigte, und dieser SS- Befehl zündeten. - Die Stunde der Abrechnung war gekommen! - Jeder wußte, was er für die Erhaltung des Lebens aller Lagerinsassen zu tun hatte. Alles war bis ins kleinste organisiert. Die Luft war erfüllt vom Brummen der schweren Panzermotoren, vom Bersten der Granaten, vom Knattern der MG's, vom Lärm des Kampfes, der sich in diesem Augenblick um Buchenwald herum abspielte. Im Lager selbst ein Raunen, ein Flüstern von Befehlen. Gut getarnte Verstecke wurden aufgerissen und Waffen, Maschinengewehre, Karabiner, Pistolen, Handgranaten, Panzerfäuste gingen von Hand zu Hand. Alles blitzschnell. Ein Schleichen auf den Lagerstraßen. Von Block zu Block in Deckung springend vor den pfeifenden Kugeln der SS, die noch die Wachtürme besetzt 139 und das Lager umschlossen hielt, arbeiteten sich einzelne Trupps an unsere Peiniger heran. Einige Kameraden, mit isolierten Drahtscheren bewaffnet, hatten die Aufgabe, den mit mehreren tausend Volt geladenen Stacheldraht- zaun zu durchschneiden. Maschinengewehre hackten, Handgranaten zerplagten, Geschoßgarben prassel- ten immer wieder, und in nächster Nähe das Brummen der Sherman-Panzer, die an Buchenwald vorbeifuhren. Der Turmgürtel, der das untere Lager umschloß, war bereits freigelegt. Die SS, die nicht mehr flüchten konnte und sich uns ergab, wurde gefangen- genommen. Einzelne andere, deren Geschoßgarben uns den Tod bringen sollten, wurden im Kampf niedergemacht. Der erste Trupp von achtundfünfzig gefangener SS stand da mit erhobenen Händen und wurde entwaffnet. Kalkweiß, mit schlotternden Knien erwarteten sie das gleiche Schicksal, das sie Millionen von uns in grausamster Weise bereitet hatten. Jegt würde, so glaubten sie, die Vergeltung über sie herein- brechen und sie alle in Grund und Boden stampfen. Aber keiner von uns legte Hand an sie...... Sie wurden abgeführt, um einem gerechten Urteil ausgeliefert zu werden. Das SS-Lager selbst und die Umgebung von Buchenwald wurden syste- matisch durchgekämmt und viele Gefangene eingebracht. Die Türme, die mit MG’s bestückt waren, auf denen noch vor wenigen Minuten die SS als „Ewige Wache“ stand, wurden von unseren Leuten besetzt. Auf dem Haupt- turm wehte die weiße Fahne. Am Eingangstor des Konzentrationslagers Buchenwald zog eine Abteilung ehemaliger Häftlinge als Wache auf. Der ung jahrelang umschließende Stacheldraht war an mehreren Stellen durch- schnitten. Wirwarenfrei!——— Einige Stunden danach rollte der erste amerikanische Panzer ins Lager Buchenwald. Der Offizier war überrascht, uns völlig befreit zu finden und erstaunte noch mehr, als er vernahm, daß wir uns beim Herannahen der alliierten Truppen selbst befreit hatten. Er verkündete dann im Namen der alliierten Mächte unsere Freiheit und dankte für die hier angetroflene Disziplin. Freiheit!!! Gibt es eigentlich in der ganzen Welt etwas Schöneres, etwas Herrlicheres, etwas Erhabeneres als die Freiheit? Da standen sie, die noch stark auf den Beinen waren und im Lager herum laufen konnten, umhalsten sich, drückten sich immer wieder die Hände und versicherten sich wiederholt, daß sie frei wären.——— Frei, erlöst— endlich erlöst— von all dem Furchtbaren, Grausamen, das sie erleben mußten. Viele weinten vor Freude wie Kinder. Ich selbst konnte nicht so froh werden. Auf mir lastete der seelische Druck noch zu stark. Ich empfand die erste Stunde der Freiheit als etwas Unaus- sprechliches, Großes, das nicht“allein über uns, sondern über alle gequälte 140 gebr grif eine Der sofo und den würc Das Frei man sond wor! Wa: war näc mal zus! Als We, Auf Nan sere net, ahtselzer, egt. gengen enen eten eise einden. ystedie als uptgers Der archager und der der fene eres, Menschen Europas gekommen war. Ich fühlte, daß die neue Zeit angebrochen war, daß etwas Großes, Reines, Ungeahntes von uns Besitz ergriffen hatte. Dieses mächtige Gefühl war so stark, daß ich zurückgezogen eine kurze Zeit allein verbringen mußte.... Der amerikanische Offizier traf im Einvernehmen mit unserer Lagerleitung sofort Maßnahmen betreffs unverzüglicher Herbeischaffung von Verpflegung und teilte uns mit, daß wir uns vorerst selbst überlassen blieben, bis die in den nächsten Tagen folgenden Besatzungstruppen für alles weitere sorgen würden. Das gesamte Lager stand unter dem Freudenrausch der wiedergewonnenen Freiheit. Die endliche Erfüllung des oft schwer geprüften Glaubens und der manchmal vagen Hoffnung stärkte nicht nur die noch einigermaßen Gesunden, sondern auch die durch den jahrelangen Hunger krank und schwach Gewordenen und gab uns allen neue Kraft. Was in der Umgebung von Buchenwald nur an Nahrungsmitteln aufzutreiben war, wurde nach oben geschafft. Die Brotration wurde am nächsten Tage zunächst verdreifacht, das Essen kräftig und reichlich zubereitet. Trotz der Ermahnungen, bei dem Verzehr der Mahlzeiten auf den ausgehungerten Körperzustand Rücksicht zu nehmen, starben viele Leidensgefährten nach dem ersten Sattessen, das sie jahrelang entbehren mußten. Als endlich die ersten amerikanischen Soldaten unser Lager betraten, spiegelte sich unsere große Freude auf ihren Gesichtern wider. Sie waren verlegen wie Kinder, ob all der Dankbarkeit und Freude, die aus uns sprach. - - Um so größer war ihr Entsetzen, als sie weiter ins Lager geführt wurden. Das furchtbare Elend, der Anblick der bis zu Skeletten abgemagerten Menschen, der ungeheuren Leichenberge, ließ ihren Blick vor den grauenhaften Spuren der nationalsozialistischen Barbarei erstarren. Als man ihnen dann die Torturen schilderte, die Foltereinrichtungen zeigte, soweit diese noch vorhanden waren, steigerte sich ihr Entsetzen über die Bestialitäten bis zur Sprachlosigkeit. Täglich starben noch unzählige Kameraden an den Folgen der erlittenen Grausamkeiten und Qualen. Aber sie waren die ersten, die wieder als Menschen beerdigt wurden. Sie wurden beigesetzt und ihre Gräber mit Namen versehen, damit ihre Angehörigen sie gegebenenfalls später in die Heimat überführen könnten. Die Krankenpflege lag von nun an ganz in den Händen des amerikanischen Militärs. Die Sanitätssoldaten pflegten und betreuten die Schwerkranken mit rührender Liebe. Es wurde alles versucht, die große Not, das unsagbare Elend so schnell wie möglich zu lindern und zu beseitigen. rum und t- - eben Druck mausuälte Wenige Tage später. Auf dem Appellplatz war ein großer Obelisk errichtet, auf dessen Sockel der Name ,, Buchenwald" und darunter die Zahl ,, 51 000" zu lesen war. Die Zahl 141 war von einem grünen, mit roter Schleife geschmückten Kranz umrahmt. Schweigend formierten sich die einzelnen Blocks und marschierten auf den Appellplatz. Schweigend stand hier Zug neben Zug. In der Nähe des Obelisken hatte unsere Lagerkapelle Aufstellung genommen, die heute das erste Mal freiwillig spielen würde. Trauermusik ertönte zur Eröffnung der Gedenkstunde. Bei ihren Klängen entblößten sich die Häupter vor den 51 000 Toten von Buchenwald. Alles verharrte in tiefstem Schweigen. Das Mikrophon übertrug die Feier durch Lautsprecher in alle Blocks, wo die Kranken, Gebrechlichen und Schwachen lagen, um auch sie daran teilnehmen zu lassen. Mancher Kamerad, der Jahr für Jahr neben uns schritt, war nicht mehr. Kein Stäubchen Asche war von ihm zu finden. - - In stummer Trauer gedachten wir unserer Leidensgefährten, die den Tag der Freiheit nicht mehr erleben durften. Eine kurze, innige Gedenkrede wurde in den Sprachen aller anwesenden Nationalitäten gehalten. Still marschierten wir zu unseren Blocks. Still ging dieser Tag zu Ende. - - - - - Vergeßt nie die Opfer von Buchenwald!- Kon fün mur exa eng früh scha hatt Zeit Im Gef sich Na wes mit stä sel er abe im sch br WU Fr Hier an dieser Stelle will ich meinem Freunde Hermann ein Blatt der Erinnerung widmen und den Leser mit dem Leben, Kampf und Leiden eines aufrechten Menschen vertraut machen, der als gerader, reiner Charakter den Nazismus bekämpfte und schließlich auch eines seiner unzähligen Opfer wurde. In meinem letzten Kommando befand sich unter anderem auch ein älterer deutscher politischer Häftling, der mir gleich am ersten Tage seiner Schwäche wegen auffiel. Ich sah, daß er, wie so mancher andere, der Arbeit nicht mehr gewachsen war, daß ihn schon die kleinste Bewegung anstrengte. Ich ging zu ihm, um mich nach seinem Befinden zu erkundigen, wobei ich feststellte, daß er überhaupt nicht mehr arbeitsfähig war. Er war auf ,, Empfehlung" der Gestapo bei der SS besonders verhaßt und mußte arbeiten, ganz gleich, ob er konnte oder nicht. Ich versuchte daher, für ihn eine leichtere Beschäftigung zu finden, was nicht so einfach war, da es nur zwei leichtere Arbeiten gab, die aber bereits von OT- Arbeitern besetzt und nur für diese bestimmt waren. Trotzdem gelang es mir, eine Arbeit für ihn zu ,, erfinden", bei der er sich nicht zu quälen brauchte. Im Laufe der Zeit wurde ich mit ihm näher bekannt. Er hieß mit Vornamen Hermann. Sein Familienname, der an und für sich in dieser Hölle des 142 Al St F ge sta CH du Z SC in b St la Di lin pas ΚΟΙ We ers Irg war t. den Obeerste ngen , wo teil7.Tag krede t der Leiden rakter ligen Filterer wäche mehr wei ich r auf Deiten, leichleichur für hn zu namen le des Konzentrationslagerlebens unwichtig war, ist mir entfallen. Er war über fünfzig Jahre alt, von Beruf technischer Kaufmann und stammte aus Dortmund. In jungen Jahren hatte er dás Technikum besucht und sein Ingenieurexamen abgelegt. Sein Beruf brachte ihn mit den werktätigen Schichten in engste Berührung. Die soziale Not der arbeitenden Massen appellierte schon früh an sein Gerechtigkeitsempfinden, was ihn bewog, in die Freie Gewerkschaft einzutreten, um so für den sozialen Fortschritt mitzukämpfen. Er hatte den Weltkrieg 1914/18 mitgemacht und war dreimal verwundet. Die Zeit nach dem Kriege sah ihn in der antifaschistischen Front. Im Jahre 1933 steckten ihn die Nazis auf Grund politischer Äußerungen ins Gefängnis. Seine Frau, mit der er fast zwanzig Jahre verheiratet war, lieẞ sich auf Betreiben der ,, Braunen Nazi- Schwestern" von ihm scheiden. Nach der Entlassung aus dem Gefängnis lernte er in der Familie eines westfälischen Bergmanns die Tochter des Hauses kennen und verlobte sich mit ihr. Seine politische Einstellung gegen den Nationalsozialismus war noch stärker geworden, und die immer zunehmenden Ungerechtigkeiten brachten seine Kämpfernatur in Aufruhr. Er brandmarkte den Nazismus, wo und wie er nur konnte. Die Gestapo war auf dem Wege, ihn zu verhaften. Er wurde aber rechtzeitig durch Gesinnungsgenossen gewarnt, so daß es ihm gelang, im letzten Augenblick nach Frankreich zu emigrieren. Von Frankreich aus schlich er sich oft über die Grenze nach Deutschland zurück, um durch Verbreiten illegaler Schriften den Nazismus weiter zu bekämpfen. Die Gestapo wurde aber auf ihn besonders aufmerksam, und er mußte sich weiter in Frankreich versteckt halten. Als der Nazismus 1940 in Frankreich einfiel, hatte auch für ihn die letzte Stunde der Freiheit geschlagen. Da er sich seiner Verhaftung durch die Flucht entziehen wollte, wurde er von mehreren Kugeln der Gestapo daran gehindert. Ein Geschoß blieb in der Schädeldecke stecken. In diesem Zustand wurde er in ein Gefängnislazarett gebracht. Ein bekannter französischer Chirurg nahm sich seiner an und führte die gefährliche Operation glücklich durch. Er blieb dem Leben erhalten. Zwei Jahre wurde er durch verschiedene Gefängnisse in Frankreich geschleppt, bis man ihn endlich, abgemagert und entkräftet, nach Deutschland ins Konzentrationslager, das berüchtigte Vernichtungslager Flossenbürg, brachte. Hier wurde er sofort in die damals noch bestehende ,, SK", das heißt Strafkompanie, gesteckt, die täglich grausame Torturen über sich ergehen lassen mußte. Diese Strafkompanie rekrutierte sich aus sogenannten ,, hartnäckigen" Häftlingen, die sich erlaubten, dem brutalen SS- Terror gegenüber irgendein passives Verhalten an den Tag zu legen. Wer damals aus solcher Strafkompanie noch lebend herauskam, der hatte, wie man sagt, Glück gehabt. Wer nicht eine einigermaßen starke Natur besaß, der starb schon in den ersten Tagen, abgesehen von denen, die totgeschlagen wurden. Irgendwie ist es den Kameraden, die als Funktionäre im Lager eingesetzt waren, doch gelungen, meinen Freund aus der SK herauszuholen und ihn 143 für ein Transportkommando, das nach Dachau abgehen sollte, abzustellen, um ihn dadurch aus dem Bereich der Flossenbürger SS zu schaffen. In Dachau fanden sich Kameraden, die ihm von ihrem wenigen noch etwas zukommen ließen, um ihn wieder zu Kräften zu bringen. Die SS wurde aber auch hier bald auf ihn aufmerksam, so daß die Dachauer Kameraden ihn einem Transport nach Buchenwald zugesellten, wo er sich, durch das erlittene Leid schon apathisch geworden, in unser Außenkommando schleusen ließ. So befand er sich unter uns und teilte nun unser Schicksal. Eines Tages konnte er nicht mehr. Trotzdem wir schon unser möglichstes getan hatten, ihn soweit wie möglich zu schonen, brach er doch zusammen und lag nun elend auf einer Strohpritsche im sogenannten Krankenrevier unserer Halle. Das Revier bestand nur dem Namen nach, denn es war lediglich ein umgrenzter Teil der Halle, wo sich unsere Schwerkranken von uns anderen getrennt aufhielten. Allgemeine Körper- und Herzschwäche waren die Ursache seines Zusammenbruchs. Wir pflegten ihn so gut wir konnten, aber Arzenei- und Nahrungsmittel reichten nicht aus. Ich besuchte ihn öfters, so auch eines Abends, als er mir sein Herz ausschüttete, wobei die ganze Tragik seines Lebens zum Ausdruck kam. Ich tröstete ihn und sprach ihm zu, weil ich Hoffnung und neue Kräfte in ihm zu wecken versuchte. Ich teilte ihm die neuesten Informationen aus Buchenwald mit, die dort durch heimliches Abhören ausländischer Sender gesammelt wurden, um seinen Glauben neu zu beleben. Durch aufopfernde Betreuung und Pflege unseres Arztes, eines russischen Häftlings, wurde er auch bald wieder einigermaßen auf die Beine gebracht, und das gerade in dem Augenblick, als der Transport unseres Kommandos nach Buchenwald losging. Er war der einzige, den wir auf dem Gepäckwagen, der die KommandoHabseligkeiten barg, verstauen konnten, sonst hätte ihn das gleiche Schicksal, wie viele andere, unterwegs ereilt, worüber ich in einem früheren Kapitel ausgiebig berichtete. Wir brachten ihn auch noch lebendig nach Buchenwald, wo er sofort Aufnahme im Krankenbau fand und von treuen Kameraden gepflegt wurde.. Aber zwei Tage nach der Befreiung starb er an einem Herzanfall, da der Körper die gute Kost, die ihm tags zuvor gereich: worden war, nicht mehr verarbeiten konnte. Als er seinerzeit unten im Bergwerk schon elend darniederlag, gab er mir den Auftrag, falls ich die Freiheit erleben sollte, Grüße an seine Braut, als den einzigen Menschen in der Freiheit, den er liebte, zu bestellen. Ihr, die ihn in der schweren Zeit seines Lebens kennen und lieben gelernt hatte, die mit ihm, als er sich im Elend befunden, das Leid geteilt, ihn in stetigem Briefwechsel liebevoll zu stärken und trösten versucht hatte; die sich von ihrer knappen Ration vom Munde absparte, um ihm im KZ hin und wieder durch ein kleines Lebensmittelpäckchen Freude und Hilfe zu bereiten, galt sein letzter Gedanke und sein letzter Gruß. Die Adresse schrieb ich mir 144 sorgfä die G Sache wohn Er wa Herm Seine eine zentra dem Verso Trau wille wurd - Sollt zähl Verl Faso letzte Die nur lass Bek ling delt von Den in i den nom die sons ware Weit die Tägl Buch oder 10 Istes men vier eiten - mir ı, als die ‚ die igem ; voD jeder galt |, mir ur ET 2 sorgfältig auf und versprach ihm, falls das Schicksal es gut mit mir meinte, die Grüße auszurichten. Die Anschrift ging mir leider mit vielen anderen Sachen verloren. Ich weiß nur, daß seine Braut in Dortmund-Hohensyburg wohnen soll. Er war einer der vielen edlen Charaktere, die die Freiheit nicht mehr erlebten. Hermann, wir haben dich nicht vergessen! Seine Braut ist eine von den Frauen, die Freud und Leid gemeinsam trugen, eine von den unzähligen, die auf die Heimkehr ihrer Lieben aus dem Kon- zentrationslager vergeblich warten, weil ihre Angehörigen dem SS-Mordterror, dem Nazismus, zum Opfer fielen. Versöhnt euch mit dem harten Schicksal und gedenkt in Ehrfurcht und stolzer Trauer derer, die ihr lieb hattet, die um der Wahrheit und Gerechtigkeit willen im Kampf für Freiheit und Menschenrecht Opfer nazistischer Mordgier wurden.——— Sollten Sie, die liebe Braut meines Freundes Hermann, noch zu den Lebenden zählen und diese Zeilen lesen, so bitte ich Sie, sich sofort an mich durch den Verlag dieses Buches oder an die nächste„Betreuungsstelle für die Opfer des Faschismus‘ zwecks Vermittlung wenden zu wollen, damit ich Ihnen die legten Grüße unseres Kameraden persönlich ausrichten darf. Die Zahl der bei der Befreiung im Lager befindlichen Insassen belief sich nur noch auf rund 21 000. Die kommenden Wuchen bis zur endgültigen Ent- lassung waren ausgefüllt mit Erholung und insbesondere der Beschaffung von Bekleidung, denn die meisten besaßen nicht mehr als ihre dürftigen Häft- lingsinzüge. Die eigenen Zivilstücke waren, soweit es sich um Insassen han- delte, die vor Jahren in Buchenwald eingeliefert wurden, zum größten Teil von der SS gestohlen oder für irgendwelche andere Zwecke verwendet worden. Den meisten aus anderen Lagern nach Buchenwald Transportierten war das in ihrem früheren Lager verbliebene Privatsigentum nicht nachgesandt wor- den.. Das den ehemaligen Häftlingen bei ihrer Einlieferung ins KZ abge- nommene eigene Geld, das sich insgesamt auf Millionen Mark bezifferte, hatte die SS gestohlen und war damit flüchtig geworden. Schmuck, Uhren und sonstige Wertsachen waren so gut wie nicht mehr vorhanden. Auch diese waren von den SS-Banditen geraubt worden. Weiter wurden alle Personalien sowie die Inhaftierungsgründe festgestellt, die eine alliierte Kontrollkommission überprüfte. Täglich kamen Angehörige ehemaliger Häftlinge von weit und breit nach Buchenwald, um sich nach dem Schicksal des Mannes, des Sohnes, Bruders oder Vaters zu erkundigen. Unendlich schmerzlich anzusehen war es, wenn 10 145 sie erfahren mußten, daß der Gesuchte, den sie am Leben zu finden glaubten, zu der großen Masse der von der SS Gemordeten zählte, Ergreifend waren die Szenen, wenn sich liebe Angehörige nach jahrelanger Trennung wieder gegenüberstanden, sich umhalsten, küßten und Trären der Wiedersehensfreude über ihre Wangen liefen.— Alliierte Truppen wechselten tagtäglich als Besucher, um sich von den Grau- samkeiten des Konzentrationslagers Buchenwald zu überzeugen. Regierungs- abordnungen der Großmächte, Delegierte von Ausschüssen sowie Verbindungs; offiziere jener Länder nahmen Kenntnis von den grauenhaften Auswirkungen der nationalsozialistischen Barbarei in Buchenwald. Journalisten, Presse-Photo- graphen und Rundfunk-Reporter der alliierten Länder besichtigten eingehend das Lager, und mancher ehemalige Häftling schilderte ihnen in sachlichen-und nüchternen Worten Erlebtes aus seiner Leidenszeit. So vergingen die ersten Wochen. Und morgen war der 1. Mai. Der große Feiertag der werktätigen Massen der ganzen Welt stand vor der Tür. Vorbereitungen waren getroffen. Die einzelnen Blocks wurden mit viel Grün und Transparenten in leuchtendem Rot festlich geschmückt, auf denen die Parolen des draußen auf uns wartenden Kampfes zu lesen waren. Jede Nation hatte sich Mühe gegeben, ihre Unterkunft, auf deren Dach ihre National- flagge wehte, von innen und außen so würdig wie möglich zu gestalten. Die Russen hatten darin die Spitze geritten. Ihre Blocks waren fast alle mit Lichttransparenten, die Porträts von Lenin und Stalin darstellten, prächtig geschmückt. Der weite Appellplag, auf dem eine riesige provisorische Redner- tribüne aufgebaut stand, war mit den Fahnen aller Nationen umsäumt, außer der deutschen, denn das eben geborene neue Deutschland besaß noch kein neues Symbol. Im Hintergrund der Tribüne bildete ein großes hochgestelltes Rechteck, das wie eine breite Säule anmutete, den Abschluß. Auf ihm leuchteten, von oben nach unten ineinanderlaufend, die Flaggen der drei großen Verbündeten mit Transparenten von Roosevelt, Stalin und Churchill. So war alles festlich gerichtet für den morgigen Tag. Fine herbe Kühle herrschte am Morgen. In der Nacht hatte es sogar erwas gefroren, stellte ich beim Erwachen fest, Heute war also der 1. Mai. Ich mußte daran denken, wie die Nazis den Werktätigen diesen Feiertag gestohlen hatten und ihn aus rein psychologischen Gründen zum National- feiertag stempelten. Dies geschah, um den arbeitenden Menschen zu blenden, um ihren Egoismus, der sich hinter all ihren Machenschaften barg, zu tarnen. 146 beg Ein tun; Pare der geht aubten, langer en der Grauerungsdungs kungen Photogehend men und sen der el Grün nen die Nation National2. alle mit prächtig Rednert, außer och kein eck, das on oben eten mit ar STWAS Feiertag Nationalblenden, u tarnen. Wie oft hatte ich diesen Nazi- Maifeiern am Lautsprecher interessiert beigewohnt und immer wieder über die Lüge, die aus den vielen Reden dieser Scharlatane sprach, den Kopf schütteln müssen, während so viele aus der breiten Masse ihre Worte als Wahrheit hinnahmen. Wo blieb hier noch der Kampf für eine gerechte Sache?- Aus nächster Nähe ertönte Musik. Es war die Lagerkapelle, die, Freiheitslieder spielend, durch das Lager marschierte. Um acht Uhr begann der große Aufmarsch. Die einzelnen Nationalitäten formierten sich vor ihren Unterkünften und marschierten, an der Spitze ihres Zuges die Fahne in ihren Landesfarben, dem Appellplatz zu. Wir Deutschen fanden uns an den Punkten im Lager zusammen, wo sich unsere Bezirksstellen, wie Brandenburg, Bayern, Ruhrgebiet, Rheinland, Saargebiet, Thüringen, Sachsen und so weiter befanden, um von dort aus aufzumarschieren. Wir trugen unseren Zügen weit ausgespannte rote Transparente voran mit den Parolen des zukünftigen Kampfes, die alle den gleichen Sinn hatten, und der lautete: Was die Nazi- Verbrecher vernichtet haben, das werden wir aufbauen!" 92 Große Transparente, auf denen in leuchtenden Buchstaben die Worte ,, Gerechtigkeit, Frieden, Freiheit und Brot" standen, waren hier und dort an den Rändern des Festplatzes angebracht. Wie bei der Gedenkfeier stand auch heute die Lagerkapelle in der Nähe der großen Tribüne. Bei den Klängen von Freiheitsliedern der einzelnen Nationen marschierten die Tausende auf dem Appellplatz auf. Alle Gesichter spiegelten den Ernst und die Würde des heutigen Tages wider. Dieser Appellplatz, auf dem wir die ganzen Jahre hindurch Tag für Tag unter der Knute der SS antreten und manche Nacht hindurch stehen mußten, wenn es einem der sadistischen SS- Banditen so gefiel, ganz gleich, ob dabei mehr oder weniger Kameraden zusammenbráchen, sah uns heute als befreite Menschen sich für eine Freiheitskundgebung formieren. Dieser Appellplatz, könnte er reden, würde allein ein Buch füllen über das unermeßliche Leid, das hier im Laufe der vielen Jahre über Hunderttausende von Menschen herein. gebrochen war. Würde er jedes einzelnen Schmerz erzählen können, es gäbe ein Meer von Tränen, eine Welt voll Weh. Und hier standen wir nun heute am Morgen des 1 Mai, dem Tage der Frei heit, als Angehörige aus mehr denn achtzehn Nationen, ergriffen von der Bedeutung dieses Tages, der uns entschlossen fand, ihn als Zeichen internationaler Solidarität vor aller Welt zu bekennen und würdig und schlicht zu begehen als Auftakt einer neuen Zeit. Ein langer Zug wieder genesender jugendlicher Juden näherte sich aus Rich tung der ehemaligen SS- Kasernen, die jetzt als Kranken- Interkunft dienten. Es waren darunter Kinder von zehn bis vierzehn Jahren. Auf dein Transparent, das sie trugen, waren die Gaskammern von Auschwitz, über denen der Tod die Sense schwang, abgebildet, worunter die Worte standen.., Vergeßt die Gaskammern, die Millionen Toten von Auschwitz nicht!" 10* 147 Ein jeder von uns erlebte wohl in dieser Stunde in der Erinnerung noch einmal das Furchtbare und Grausame der Vergangenheit. Als dann die Lagerkapelle das weltbekannte Freiheitslied der unterdrückten Massen intonierte: ,, Brüder, zur Sonne, zur Freiheit...!" sah ich bei manchem alten, durch Not und Tod gegangenen und von unsäglichem Leid hart gewordenen Konzentrationär Tränen in den Augen. Tränen der Freude. Tränen der Dankbarkeit dem Schicksal gegenüber, das ihn diesen Tag erleben lieẞ. Ohne Aufforderung, wie auf Kommando, entblößten sich die Häupter, und inbrünstig wie ein Schwur löste sich in den Sprachen aller Nationen das Lied von den Lippen und brauste zum Himmel empor: Brüder, zur Sonne, zur Freiheit, Brüder, zum Lichte empor, Hell aus dem dunklen Vergangenen Leuchtet die Zukunft hervor. Seht, wie der Zug von Millionen Endlos aus Nächtigem quillt, Bis Eurer Sehnsucht Verlangen Himmel und Nacht überschwillt. Brüder, in eins nun die Hände, Brüder, das Sterben verlacht, Ewig der Sklaverei ein Ende, Heilig die allerletzte Schlacht. Was sich in diesem heiligen Augenblick hier in Buchenwald vollzog, kann nur der empfinden, der diese würdigen Minuten miterlebt hat. Hier standen Vertreter aller Nationen Europas. Menschen, die durch Nacht und Grauen gegangen, der Knechtschaft, der furchtbarsten Sklaverei und dem Vernichtungstod entronnen waren, erlebten nun den Tag der Freiheit. Daß sie Not und Tod bis zur letzten Minute trotzen konnten, verdankten sie der großen Solidarität, die uns alle wie ein stählernes Band umschloß und einte. Dieser Tag war ein klares, reines Symbol der Völkergemeinschaft. Jeder von uns fühlte aufgeschlossenen Herzens den Anbruch einer Verständigung und den Beginn eines wirklichen Weltfriedens. Die antifaschistischen Kameraden aus allen Ländern, die dereinst in ihrer Heimat die Politik ihres Landes leiten oder zumindest beeinflussen, werden diesen feierlichen Akt in Buchenwald niemals vergessen. Wir Antifaschisten sind uns gewiß, daß dieses Band der Solidarität mit Blut und Tränen für alle Zeiten so fest geschweißt wurde, daß es keiner verbrecherischen faschistischen, imperialistischen und reaktionären Clique in der Welt jemals wieder gelingen wird, den Mord unter die Völker zu tragen. Das haben wir 21 000 befreite Häftlinge an diesem 1. Mai geschworen. 148 Vo ling hie leu Ein mu Un der Die Leb Ku en gr Ve Ka sch da gr es sch We bra red die wü Hie trat und die ch einLagernierte: durch Konerleben r, und ms Lied Von demselben Geist waren auch die Reden getragen, die ehemalige Häftlinge aller Nationen in der Sprache ihres Landes von der Tribüne aus hielten, wo die Symbole der drei großen Alliierten über dem Ganzen leuchteten. Eine Pantomime veranschauli hte noch einmal den blutigen Weg des Nazismus im Leben der Völker und unserem vergangenen Leidensdasein. Unter den Klängen der Freiheitslieder marschierten wir an den Offizieren der alliierten Mächte vorbei unseren Ausgangspunkten zu. Dieser Tag hatte mir die schönste und eindrucksvollste Maifeier meines Lebens geschenkt. - g, kann standen Grauen m VerDaß sie sie der d einte. der von ng und Kurze Zeit dauerte es noch, bis alle Formalitäten erfüllt waren, und die endgültige Abreise in die Heimat vor sich gehen konnte. Täglich zogen schon große Transporte ab. Herzlich waren die Abschiedsreden, die der jeweilige Vertrauensmann hielt. Immer und immer wieder wurde dabei den deutschen Kameraden Dankbarkeit für ihr mustergültiges solidarisches und kameradschaftliches Verhalten bezeugt. Stets kam die Anerkennung zum Ausdruck, daß es die deutschen Kameraden waren, die sich in aufopfernder Weise und großer Selbstlosigkeit oft schützend vor die Gesamtheit st llten, wo und wie es nur im.ner in dieser Hölle menschenmöglich war. Das zu hören, war ein schönes Gefühl, im Gegensatz zu der Stimmung der Menschen draußen in der Welt, wo der Haß gegen alles Nazi- Deutsche in den Seelen der Völker brannte. Diese gegenseitige glückliche Verbundenheit, die in den Abschiedsreden zum Ausdruck kam, war uns jedenfalls der Beweis, daß in Zukunft die Verständigung von Volk zu Volk von dem gleichen Geiste beseelt sein würde, der uns erfüllte. Hiervon durchdrungen, verließen alle Antifaschisten das ehemalige Konzentrationslager Buchenwald und kehrten in die Heimat zurück, wo ihrer große und schwere Aufgaben harren. die dem Frieden, der Freiheit und Wohlfahrt dienend, bewältigt werden müssen und auch furchtlos gemeistert werden. Keine Zeit ist so schwer und keine Not ist so groß, als daß sie nicht der Mensch im Glauben an das Gute und an sich selbst überwinden könnte. in ihrer werden mit Blut mer vere in der gen. en. 149