3 Errichtung von Konzentrationslagern 1933. Als am 30. Januar 1933 Hitler in die Reichskanzlei einzog, da glaubte ein großer Teil des deutschen Volkes, daß nun eine glückliche und glorreiche Zeit für Deutschland angebrochen sei. Dieser Tag, den das Nazi- Regime in den folgenden Jahren als den Geburtstag des Dritten Reiches mit allem Pomp zu feiern wußte, wird in die Geschichte der Menschheit als ihr schwärzester Tag, als ihr ,, Dies ater" eingehen. Von der im Anfang äußerlich demokratisch gekleideten Koalition Hitler- Papen- HugenbergSeldte blieb schon nach wenigen Wochen nur noch die Tyrannengestalt Hitlers übrig, der in den folgenden zwölf Jahren über einen großen Teil des Abendlandes eine Schreckensherrschaft errichtete, wie sie beispiellos ist in der Geschichte aller zivilisierten Völker. Über Deutschland brach eine geistige Eiszeit herein, und alle Geschöpfe, die sich zur menschlichen Freiheit und wahren Kultur bekannten, mußten erstarren unter dem Todeshauche der neuen Welt. Wenn Hitler und seine Trabanten in ihren Reden dem Volke immer wieder erklärten, daß die nationalsozialistische Revolution ohne Blutvergießen sich vollzogen hätte, so weiß heute die Welt, daß zu keiner Zeit und in keinem Lande so viele Menschen umgebracht worden sind, wie in Deutschland während der zwölf Jahre Nazi- Herrschaft. Man war allerdings zu schlau, um irgendwelche für die Umwelt sichtbare Pogrome bei den Nazigegnern zu veranstalten. Nein, das hatte Nazi- Deutschland nicht nötig, denn gleich nach der Machtübernahme wurden Konzentrationslager errichtet, in die der betreffende Gegner meist für immer verschwand. Im Jahre 1933 hatte wohl jede deutsche Provinz ein oder mehrere provisorisch eingerichtete Konzentrationslager, an deren Stelle dann bald die großen Konzentrationslager Dachau, Sach 4 senhausen, Buhenwald, Belsen, Auschwitz, Ravensbrük u. a. traten. Das K.-Z. Dachau war dem deutschen Volke nicht unbekannt, während im Auslande das Konzentrationslager Buchenwald bei Weimar am berüchtigtsten war. Auf dem Boden, auf dem früher ein Goethe, ein Schiller, ein Herder unsterbliche Kulturwerte für die Menschheit ge- schaffen haben, hatte im Jahre 1937 Nazi-Deutschland ein Kon- zentrationslager errichtet, über das ich im folgenden als ehe- maliger Insasse von Buchenwald erzählen will. Um allen Nazi- anhängern jeden Wind aus den Segeln zu nehmen, will ich nur das wiedergeben, was ich in den elf Monaten Haft in Buchenwald selbst mit eigenen Augen gesehen und am eigenen Leibe erlebt habe. Erlebnisse dritter Personen sind hier nicht enthalten, obwohl sie zur Vervollständigung des Gesamtbildes notwendig wären. Diese Schrift soll Licht hineintragen helfen in die von den Nazis verdunkelte deutsche Welt! Verhaftung und Transport nach Buchenwald. Ich hatte mich in den Jahren 1931—33 antinationalsozi- alistisch als junger Zeitungsreporter betätigt und mir als Ver- teidiger des Weimarer Staates in meiner ehemaligen schlesischen Heimat die Feindschaft der Nazis zugezogen. Als sie zur Macht gelangten, war ich erst 22 Jahre alt, und man nahm wahr- scheinlich von einer sofortigen Verhaftung Abstand, weil man elaubte, mich für die Sache Hitlers noch gewinnen zu können. Erst fünf Jahre später, im Juni 1938, ließ man mich als ein „unbelehrbares und asoziales’ Element“ verhaften. Ich habe es erst später erfahren, daß die Gestapo jahrelang meine Post überwacht hatte und ich unter der ständigen Kontrolle dieser Herrschaften war. Einen Tag vor meiner Festnahme trat ein mir bekannter Nazibonze in einem Restaurant an mich heran und fragte mich, warum ich zu den von der Partei veranstalteten Kundgebungen nicht hingehe. Ich ließ ihn stehen und verließ das L schell: dieser gens Wohn Grun. sie k es, m Jünge ältest ind schri den Schul den witz, r dem de das tigtsten Schiller, eit gen KonIs eheNaziwill ich Haft in eigenen er nicht mtbildes wald. Oonalsozi als Verlesischen ur Macht n wahr weil man können. als ein ich habe ine Post le dieser trat ein ch heran stalteten verlieb helfen 1 5 das Lokal. Am nächsten Morgen, als meine Hände mit Handschellen geschmückt waren, war ich mir über die Bedeutung dieser kurzen Unterredung am Vortage im Klaren. Des morgens um 5 Uhr begehrten zwei Polizeibeamte Einlaß in meine Wohnung und erklärten mich für verhaftet. Als ich nach dem Grunde und dem Haftbefehl fragte, erwiderten sie mir, daß sie keinen schriftlichen Haftbefehl hätten. Ihr Auftrag aber sei es, mich festzunehmen. Meine Mutter weinte, und meine fünf jüngeren Geschwister nahmen schmerzlichen Abschied von ihrem ältesten Bruder, als mir die Hände gefesselt wurden und ich in den regnerischen Morgen hinaustrat. Erhobenen Hauptes schritt ich durch meinen Heimatort und nahm Abschied von den Wegen und Feldern meiner Heimat. Ich war mir keiner Schuld bewußt, und doch ahnte ich, daß es wahrscheinlich in den Tod gehe. Ich dachte an Christus auf seinem bitteren Wege nach Golgatha und bat ihn um seinen Beistand. Nach einem einstündigen Fußmarsch kam ich mit den begleitenden Polizisten in dem Städtchen Landsberg, O.-S., an. Hier wurde ich in eine Einzelzelle des Amtsgerichtsgefängnisses eingesperrt. Im Laufe des Vormittags erreichte ich nach wiederholten Bitten, daß ich mit dem Amtsrichter, den ich persönlich gut kannte, sprechen durfte. Er erklärte mir, daß das Gericht mit mir nichts zu tun habe und ich mich in Schutzhaft befände. Noch im Laufe dieses Tages würde ich weitertransportiert werden. Und in der Tat war es so, denn am Nachmittag fuhr ein großes Lastauto vor, und ich sah nun, daß mehr als ein Dutzend Männer jeglichen Alters, die gleich mir ins Gefängnis gebracht worden waren, das Auto besteigen mußten. Unter uns Verhafteten befanden sich mehrere jüdische Kaufleute aus der Umgebung. Ein starkes Gendarmerie- und Polizeiaufgebot, bis an die Zähne bewaffnet, sperrte Gefängnis und Auto ab. Eine große Menschenmenge war gaffend Zeuge des nun beginnenden Dramas. Mit Auto und Eisenbahn langten wir noch am gleichen Tage in Oppeln an, wo wir in das große Landesgerichtsgefängnis gebracht wurden. An dieser neuen Stätte sah ich, daß wir stündlich Zuwachs is allen Teilen der Provinz 6 bekamen, und bald waren etliche Hundert im Gefängnis ver- sammelt. Brieftasche, Wertsachen und Geld nahm ein Ge- fangenenaufseher ab, und am nächsten Tage vormittags wurden wir gezwungen, ein Schreiben zu unterzeichnen. Keiner hatte eine Ahnung von seinem Inhalt, und es wurde uns gleich er- klärt, daß jeder, der sich zu unterschreiben weigere, auf der Stelle erschossen werden würde. Nach dem Unterschreiben er- klärte uns ein Gestapo-Beamter, daß wir nun eine„KdF.-Reise“ machen würden. Es waren nur noch wenige unter uns, die die ganze Geschichte für ungefährlich ansahen und auf Rückkehr nach Hause hofften. In den Mittagsstunden marschierte eine Polizeiabteilung in den Hof, wo sonst immer die Hinrichtungen der zum Tode Verurteilten durch den Scharfrichter stattfanden. Ich hörte durch das Zellenfenster militärische Kommandorufe und daß die Gewehre geladen wurden. Bald darauf mußten wir in den Hof hinaustreten und wurden gruppenweise auf die Straße geführt, wo etwa zwanzig Polizeiwagen standen. Wagen um Wagen wurde nun beladen, jeder einzelne stark bewacht 3 und gesichert von bewaffneten Polizisten. In rascher Fahrt ging es nach dem Bahnhof. In den Straßen, durch die wir fuhren, standen die Menschen zu Tausenden und schauten scheu und neugierig unserem Abtransport zu. Das Bahnhofsgelände war durch eine Hundertschaft der Polizei abgesperrt, und wir Ge- fangene mußten an einer Mauer des Bahnhofsgebäudes Auf- stellung nehmen, wo wir nochmals gezählt wurden. Wir mußten mit dem Gesicht zur Wand schauen und durften uns nicht umdrehen, Es dauerte nicht lange, da lief auf dem ersten Bahnsteig ein langer Sonderzug ein. Bis auf das letzte Drittel des Zuges waren die Wagen leer. Später erfuhr ich, daß dieser Zug von Gleiwitz kam und Gefangene aus dem oberschlesischen Industriegebiet im letzten Drittel des Sonderzuges führte. Die Mitte des Zuges nahm uns nun auf, und als wir nachts in. Breslau ankamen, wurden dort die restlichen leeren Wagen mit der gleichen unglücklichen Sklavenware beladen. In den Ab- teilen nahmen neben uns Polizisten Platz, die alle Ausgänge sicherten. Trotz der drückenden Sommerhitze war es verboten, 7 A nano rt> 07 7 die Fenster zu öffnen. Der Abort durfte nur in Begleitung eines Polizisten aufgesucht werden. Wennn der Zug irgendwo hielt, um Kohlen oder Wasser aufzunehmen, patrouillierten sofort Polizisten am Zuge entlang. Außer der Dienstpistole hatte jeder noch einen Karabiner oder eine Maschinenpistole. Auch eine ganze Staffel von Polizeihunden war zur Bewachung da. Der Sonderzug hielt meist nur auf Rangierbahnhöfen und fuhr durch die Städte mit erhöhter Geschwindigkeit. Zu essen, zu trinken oder zu rauchen gab es natürlich nichts, und ich konnte es den Polizisten auch nicht entlocken, wohin die Reise ginge. Schließlich plapperte ein Polizist aus, daß Weimar das Endziel sei. Dieses Wissen half mir aber nun nicht viel, denn keiner von den Gefangenen im Abteil hatte eine Ahnung von der Existenz eines Konzentrationslagers bei Weimar. Vom K.-Z. Dachau bei München hatten wir wohl alle schon gehört, und ich war über dieses sehr gut informiert. Kurz vor Beendigung der Fahrt gab es plötzlich Brot, Kaffee und ein Stück sehr salziger Wurst. Da der Zug nun aber in die Bahnhofshalle von Weimar rollte, kam der Kaffee nicht mehr zur Verteilung, und so nahmen wir nur das Brot und die salzige Wurst mit. Durch das Abteilfenster sah ich, daß auf den Bahnsteigen und im ganzen Bahnhofsgelände es von Soldaten wimmelte, die Pistolen, Gewehre, Maschinenpistolen und lange Peitschen bei sich hatten. Ihre khakibraune Uniform hatte ich noch nirgends vorher ge- sehen. Es war dies die Vorkriegsuniform der Totenkopf-SS, die später mit der feldgrauen vertauscht wurde. In meiner Betrach- tung über diese seltsame Uniform kam ich nicht weit, denn wir mußten schnell aus unseren Wagen und auf dem Bahnsteig Aufstellung nehmen. Nun sah ich zum erstenmal in meinem Leben in die Teufelsfratzen der SS-Bluthunde. Wohl der Mutigste mochte bei ihrem Anblick bis ins Innerste seines Herzens er- schauern, und mit bleichen Lippen hörten wir das heisere Schreien und Schimpfen dieser Bestien uns an. Es regnete nun die ersten Kolbenschläge, und die langen, mit Leder überzogenen Stahlpeitschen sausten unbarmherzig über Rücken, Kopf oder Gesicht. Fürwahr, das war ein herzlicher Empfang in der Goethe- 8 stadt, in der ich vor Jahren als junger Gymnasiast so gerne geweilt hatte. Wir wurden in die Bahnunterführung gebracht, wo wir in fünf Gliedern mit dem Gesicht zur Wand Aufstellung nehmen mußten. In dieser Bahnunterführung sah uns nicht mehr die breite Öffentlichkeit wie oben auf den Bahnsteigen zu, und die Kolbenschläge und Peitschenhiebe wurden nun reich- licher ausgeteilt. Fußtritte und Bajonettstiche gab es als Zu- gabe, und viele von uns bluteten aus klaffenden Kopfwunden oder hatten die Zähne eingeschlagen. Wie wilde Raubtiere raste die SS um uns herum. Vor der Bahnunterführung waren Lastkraftwagen aufge- fahren, die aber nicht offen, sondern alle mit Planen verdeckt waren. Diese mußten rasch bestiegen werden, und wer nicht schnell genug auf den Wagen klettern konnte, und das waren meist die älteren Männner, erwischte wiederum Kolbenschläge oder Peitschenhiebe. Als der Wagen anfuhr, mußten wir alle unsere Kopfbedeckung vor das Gesicht halten und nach unten zu Boden schauen. An dem Motorengeräusch merkte ich, daß es bergauf ging, und nach einer knappen Viertelstunde hielten die. Wagen. Wir stiegen aus und waren nun im K.-Z. Buchenwald. Marterstätte Buchenwald. Gleich einer Herde verängstigter Tiere, die von rohen Trei- bern zur Schlachtbank geführt wird, wurden wir auf der Lager- straße, an den Verwaltungsgebäuden der SS, zusammengetrieben. Es mußte jeder Gang im Laufschritt zurückgelegt werden, und ein Kamerad, der nicht schnell genug laufen konnte, wurde er- schossen. Wir hatten also schon ein Todesopfer, bevor wir im eigentlichen Lager angekommen waren. Immer neue Last- autos brachten Verhaftete an, und später habe ich erfahren, daß an diesem und dem folgenden Tage Sonderzüge aus allen Teilen Deutschlands etwa 2600 Mann nach Buchenwald gebracht hatten. Wir standen in Reih und Glied auf der betonierten Lagerstraße vor dem eigentlichen Eingang zum K.-Z., und ich sah, wie 9 kleine und große Abteilungen von Häftlingen, die schon vor uns nach Buchenwald gekommen waren, an uns vormeimarschier- ten. Sie trugen zebragestreifte Zuchthauskleider, hatten die Köpfe geschoren, und jeder Häftling trug eine Nummer, die in schwarzen arabischen Zahlen auf weißem Untergrund auf diese Zebrakleidung genäht war. Die Nummern waren bei jedem Gefangenen auf dem rechten Oberschenkel und der linken Brust- seite in der Herzgegend angebracht. Neben der Nummer waren noch rote, schwarze, lila oder grüne Dreieckswinkel angebracht, über deren Bedeutung ich noch nichts wußte. Ich stand dicht vor dem Eingangstor und sah, daß über diesem eine Inschrift angebracht war. Diese lautete: „Recht oder Unrecht, mein Vaterland!“ Es war dies eine wörtliche Übersetzung des englischen Sprich- wortes:„Right or wrong, my country!“ Nur satanische Bosheit konnte dieses anders gemeinte Wort an einer so grauenhaften Stätte anbringen.„Laßt alle Hoffnung fahren!“ wäre wohl die richtige Inschrift gewesen, denn fürwahr ein Dante hätte in seiner„Göttlichen Komödie‘ anstelle der Hölle ein Konzen- trationslager gesetzt, da dieses in seiner grauenvollen Wirk- lichkeit alle dichterische Phantasie übertrifft, hätte es zu seiner Zeit schon ein Buchenwald gegeben. Am späten Nachmittag marschierten wir durch dieses Tor ins Lager hinein, und der erste Anblick ließ uns das Blut in den Adern erstarren. Auf einem großen Platz stand drohend ein Galgen. Dahinter waren mehrere Dutzend grüngestrichener Holzbaracken aufgebaut, und ich sah, daß das ganze Lager von einer gut gebauten, etwa 4 Meter hohen Stacheldrahtmauer um- geben war. Etwa alle 50 Meter stand ein Holzturm mit Ge- wehr- oder Maschinengewehrposten, die mit Scheinwerfern aus- gestattet waren. An der Stacheldrahtmauer waren zahlreiche Bogenlampen angebracht, die nachts alles taghell erleuchteten. Vor dem Stacheldraht war Stolperdraht angebracht, und vor diesem lag ein Streifen weißgelben Sandes. Der Draht war immer mit 5000 Volt elektrischen Stromes geladen, mit dem aber sehr selten jemand in Berührung kam. Neulinge, die nicht wuß- 10 ten, daß ein Entkommen unmöglich war, und nachts sich dem Stacheldraht näherten, wurden bereits ohne Anruf vor dem Sandstreifen erschossen. Die hölzernen Postentürme wurden später durch solche massiver Bauart ersetzt. Ein beträchtlicher Teil von uns Neuangekommenen wurde nun seitwärts zu einem Neubau geführt, wo wir uns hinsetzen durften. Gegen Abend kam dann ein dicker SS- Sturmbannführer zu uns, der uns erklärte, daß wir uns nun in einem Konzentrationslager befänden und daß dies zehnmal schlimmer sei, als Zuchthaus und Gefängnis zusammengenommen. Er verlas dann ein Dutzend Lagerbefehle und sagte uns, daß er der Lagerführer, Sturmbannführer Koch, sei. Er trug den Blutorden. Häftlinge, die schon längere Zeit im Lager waren und sich mit uns unterhielten, erzählten uns, daß Koch ein äußerst brutaler Sadist sei. Ich erfuhr auch, daß dieser Oberhenker Schmied von Beruf war und aus der Münchner Gegend stammte. Als es dunkel geworden war, wurden wir in den Keller des Neubaues getrieben, der naß und kalt war. Wir hockten auf dem Boden, und viele schliefen vor Erschöpfung ein. Der Durst plagte uns sehr, denn wir hatten schon zwei Tage nichts getrunken, und die salzige Wurst, die wir vor dem Ausladen in der Eisenbahn bekamen, erhöhte das Durstgefühl noch mehr. Gegen Mitternacht kamen mehrere SS- Männer in den Keller. Mit schweren Knüppeln und Stahlpeitschen schlugen sie wahllos auf die Köpfe der sitzenden und liegenden Häftlinge ein. Es entsand ein Tumult, und darauf hatten diese Bluthunde nur gewartet. Sofort eröffneten sie aus Pistolen das Feuer, und alles mußte sich ganz flach zu Boden werfen. Ich weiß nicht, wieviel dabei getötet worden sind, denn es wagte sich von uns kaum einer zu rühren. Zwei Häftlingen gelang es, durch ein Kellerfenster ins Freie zu kommen. Sie liefen auf den Stacheldraht zu, wo sie die tödlichen Kugeln vor dem besagten Sandstreifen trafen. Das war die Begrüßung im ,, K.- L.- Bu.", wie das Konzentrationslager Buchenwald kurz genannt wurde. Einzelne oder in kleinen Trupps angekommene Häftlinge wurden im K.- L.- Bu meist mit 25 Stockschlägen begrüßt, ein Verfahren, das b stelle werde einem N eine nahm Splitt Haar war Raum läufig besch Schre lings ware nete kam erfal gese Supp Zug zwe aber han Sog SO bes nid ein Ess un du WU N eir dem I dem wurden wurde setzen nführer Lonzensei, als s dann Lagertorden. ich mit brutaler Led von ller des ten auf r Durst hts geaden in mehr. Keller. e wahlge ein. nde nur er, und 6 nicht, ich von 5, durch auf den Desagten L.-Bu." wurde. wurden erfahren, 11das bei unserer großen Zahl schlecht durchzuführen war. Anstelle der Stockschläge, über die ich noch ausführlich berichten werde, bekamen wir diese summarische Begrüßung, damit es einem jeden von uns klar wurde, wohin wir geraten waren. Noch in der gleichen Nacht wurden wir aus dem Keller vor eine Baracke geführt, wo man uns unsere Zivilkleidung abnahm und alles, was wir an persönlichem Eigentum besaßen. Splitternackt gingen wir in einen andern Raum, wo uns alle Haare am Körper abgeschnitten wurden. Das Haarabschneiden war zum Teil schon im Keller geschehen. In einem andern Raum bekam jeder eine Häftlingshose, Rock, Schuhe, aber vorläufig kein Hemd. Die Mütze war ein runder Deckel aus dem beschriebenen Zebrastoff. Dann wurden die Namen in einer Schreibstube karteimäßig erfaßt, und ein jeder bekam eine Häftlingsnummer. Bis wir alle Abteilungen durchlaufen hatten, waren die Nacht und der nächste Vormittag vergangen. Es regnete, und wir froren in den K.- Z.- Kleidern erbärmlich. Dazu kam der Hunger, und der furchtbare Ernst von Buchenwald erfaßte langsam auch die, welche alles für halb so schlimm angesehen hatten. Erst am dritten Tage bekamen wir eine warme Suppe und ein Stück Brot. Da man im Lager für den starken Zugang keine Baracken zur Verfügung hatte, schliefen wir etwa zwei Wochen in einem Neubau, der noch kein Dach hatte. Das abendliche Hinlegen war jedesmal begleitet von schwersten Miẞhandlungen, und namentlich die älteren Männer von 60 und sogar über 70 Jahren, die infolge körperlicher Schwäche nicht so gewandt waren wie ihre jüngeren Leidensgenossen, wurden besonders schwer geschlagen. Es waren in der ersten Zeit auch nicht genügend Eßgeschirre und Trinkgefäße vorhanden, so daß ein großer Teil in der kurzen Mittagspause überhaupt kein Essen bekam. Arier und Juden lagen einstweilen zusammen, und erst nach zwei bis drei Wochen wurde eine Trennnung durchgeführt. Wir kamen alle in Baracken, die Blocks genannnt wurden. Ich erwähnte bereits, daß jeder Häftling neben seiner Nummer einen farbigen Winkel trug, der seinen Träger als zu einer besonderen Klasse von Häftlingen gehörig kennzeichnete. 12 Rot bedeutete politisch und besagte, daß der Häftling wegen Politik ins K.-Z. gesteckt wurde. Lila trugen die„Bibelforscher”, grün die„Berufsverbrecher“, schwarz die sogenannten„Reichs- arbeitsscheuen“, und einen gelben Davidsstern trugen die Juden, in dem dann der entsprechende rote, schwarze oder grüne Win- kel war. Die Politischen spielten im Lager eine besondere Rolle. Nicht alle waren Politiker, die diesen Winkel trugen. Es gab auch Menschen darunter, die beim Nazi-Regime etwas geworden waren und dann fallen gelassen wurden. Eine gefährliche Klasse waren die Grünbewinkelten oder kurz die„Grünen“ genannt. Es waren dies Berufsverbrecher mit meist langjährigen Zucht- hausstrafen, und die die SS zu ihren Handlangern machte. Die Grünen waren genau solche Bluthunde wie die SS-Henker und vollkommen willfährige Werkzeuge in den Händen der Lager- leitung. Sie bekamen leitende Posten und peinigten die anderen Häftlinge bis aufs Blut. Wir waren im Lager nun über sechs- tausend Mann. Es waren viele Posten als Vorarbeiter, Block- älteste, Schreiber und in der Küche zu besetzen. Jeder Vor- arbeiter hatte mehrere Hilfsvorarbeiter, jeder Blockälteste einige Gehilfen, so daß einige hundert von diesen Verbrechern mit Hilfe der SS in führende Stellungen kamen. Die Vorarbeiter wurden „Capos“ genannt und waren meist ganz besonders brutale Menschen, welche den ganzen Tag unbarmherzig den Knüppel schwangen und ohne Gewissensbisse Mord um Mord unter den Augen der SS begingen. Etwa drei Viertel aller Posten nahmen die Grünen ein, und nur den Rest konnten die Roten, Lilas und die Schwarzen unter sich teilen. Die Grünen wurden im Lager genau so gehaßt wie die SS. Es konnte ja auch nur ein Verbrecherstaat wie das Dritte Reich unschuldige Menschen wegen ihrer politischen oder religiösen Gesinnung von Berufs- verbrechern peinigen lassen. Die dritte Kategorie waren die Bibelforscher mit dem Lilawinkel. Diese wurden von der SS am meisten gehaßt, am schärfsten verfolgt, und ganz selten brachte es einer von ihnen zum Vorarbeiter oder Blockältesten. Der Lagerführer ließ seine Wut oft genug an diesen Unglück- lichen aus. Sie aber hielten treu zusammen wie keine andere 13 Klasse und waren bei den anderen Häftlingen wegen ihrer Stand- haftigkeit sehr beliebt. Da sie Hitler als den Antichrist und das„Böse Tier‘ aus der Geheimen Offenbarung Johannis be- zeichneten, wurden sie aufs Grausamste verfolgt und mißhan- delt. Der Lagerführer, Sturmbannführer Koch, ersann oft genug zusätzliche Schikanen und Foltermethoden gegen sie. Nicht viel anders erging es den vielen katholischen Geistlichen und den protestantischen Pastoren von der Bekenntniskirche. Mit den religiös Verfolgten sptang man schärfer um als mit Kommu- nisten und Demokraten. Eine recht traurige Rolle hatten auch die Schwarzen im Lager zu spielen. Sie trugen einen schwarzen Winkel und wurden von der Lagerführung„Reichsarbeitsscheue” genannt. Diese Be- zeichnung traf für den betreffenden Häftling sehr selten zu, denn in Wirklichkeit waren es Politische. Ihr Verbrechen be- stand darin, daß sie gegen den Hitlerstaat irgendwo geschimpft oder eine ihnen zugewiesene Arbeit abgelehnt hatten oder mit irgendeinem Nazibonzen in Konflikt‘ geraten waren. Ganz selten kam es vor, daß sich ein wirklich Arbeitsscheuer unter ihnen befand. Von den Grünen wurden sie besonders schwer miß- handelt, und Hunderte wurden mit dem Knüppel wie räudige Hunde bei der Arbeit oder am Abend im Block erschlagen. Die Roten dünkten sich als etwas Besseres, und erst im Laufe von einigen Wochen erkannten sie, daß die Bezeichnung„Reichs- arbeitsscheue‘‘ nur ein aufgelegter Nazischwindel war. Neben der Schutzhaft hatte man noch eine sogenannte Vorbeugungs- haft erfunden. In Berlin verhängte das Reichskriminalamt gegen unbequeme Personen eine Vorbeugungshaft, und diese Menschen wanderten dann ins K.-Z. Die Wirklichkeit sah aber so aus, daß die betreffenden Unglücklihen noch nie mit dem Gesetz in irgendeiner Form in Konflikt geraten waren. Eine solche Haft und ihre Begründung konnte nur das Dritte Reich erfinden. Neben zahlreichen Ariern trugen namentlich sehr viele Juden diesen schwarzen Winkel. Die Juden hatten es aber von allen Häftlingen am schwersten. Zusätzlih zu K.-Z.-Nummer und Winkel trugen sie in gelber Farbe den Davidsstern, und die 14 Lagerleitung war fürsorglich darauf bedacht, möglichst viele von ihnen umzubringen. Sie erhielten eine noch geringere Essen- ration als wir und mußten die schwersten und dreckigsten Arbeiten verrichten. Es verging kaum ein Tag, an dem nicht einige Juden erschlagen oder erschossen wurden. Das waren die fünf großen Häftlingsgruppen, und die K.-Z.- Lagerleitung war sorgfältig darauf bedacht, eine Gruppe gegen die andere auszuspielen und künstlichen Haß unter den Gruppen zu erzeugen. In diesem Zusammenhange möchte ich noch eine Splittergruppe erwähnen, die ein hoffnungsloses Dasein führte. Es war dies die Klasse der„Blöden“. Viele Häftlinge waren durch die unmenschliche Bebandlung verrückt geworden und be- kamen eine weiße Armbinde, auf der in Antiquabuchstaben das Wort„Blöd“ zu lesen war. Die SS und die Vorarbeiter, die grünen„Capos“, prügelten die Blöden bei jeder nur erdenklichen Gelegenheit so lange, bis sie ins Krematorium nach Weimar ge- schafft wurden. Nachdem genügend Baracken für die Häftlinge gebaut wor- den waren, wurden alle Gefangenen in Blocks zusammengefaßt. In der Regel zählte ein Block etwa 300 Mann. Jeder Block hatte einen Blockältesten, einen Blockschreiber und dazu noch zwei bis drei Gehilfen. Der Blockälteste war für die Sauberkeit des Wohnblocks verantwortlich. Im Schlafsaal, wo dreistöckige Bet- ten standen, mußten die Betten so genau gebaut werden, wie von keinem aktiven Soldaten in der Friedenszeit. Die alten Häftlinge von 60 Jahren und noch mehr konnten das meist nicht und wurden deshalb vom Blockältesten geprügelt und nicht selten erschlagen. Ihre Leichen wurden kurzerhand in die großen Abortgruben des Lagers geworfen, nach einigen Tagen wieder herausgezogen und ans Tor geschafft mit dem Bemerken, daß ein Unfall vorliege. Dies geschah im Einvernehmen mit dem SS-Blockscharführer, und kein Hahn krähte nach dem Erschla- genen. Es kam aber auch vor, daß die Lagerleitung mit den Blockältesten unzufrieden war. Dann mußten alle Blockältesten über den Bock gehen, d. h. sie bekamen 25 Schläge mit der Stahlpeitsche. e von Essen15 igsten nicht K.- Z.gegen uppen eine führte. waren and been das er, die klichen mar get worgefaßt. khatte h zwei eit des ze Beten, wie e alten smeist d nicht großen wieder en, daß it dem Erschlamit den Fältesten mit der Himmelfahrtskommando Steinbruch. Wenige Tage nach meiner Ankunft in Buchenwald wurde ich einem Arbeitskommando zugeteilt, welches ,, Arbeitskommando Steinbruch" genannt wurde. Ich hatte das Pech, dem schlimmsten Kommando zugeteilt zu werden, und ich verlebte dort wahrhaft grauenhafte Tage. Es erscheint mir heute als ein großes Wunder, daß ich mit meiner schwachen Körperkonstitution die unsagbar schwere Arbeit etwa sieben Wochen lang ausgehalten habe. Fast jeden Tag wurden dort von dem unmenschlichen grünen Capo einige Häftlinge mit dem Knüppel erschlagen oder von der SS erschossen. Früh um 3 Uhr wurde im Lager geweckt und nach etwa einer halben Stunde von Häftlingen der Kaffee in der großen Lagerküche geholt. Die Küche war ein moderner Bau und konnte mit einem Schlage über 20 000 Liter Essen kochen. Statt des Kaffees gab es aber meist eine sogenannte Erbsensuppe, die einen höllischen Durst im Laufe des Tages erzeugte. Es war dies keine reine Erbsensuppe, sondern irgendein undefinierbarer Ersatzstoff. Um 4 Uhr wurde auf dem großen Appellplatz angetreten, und es begann der Morgenappell. Jeder Block war in Linie zu zehn Gliedern angetreten, und der Blockälteste und dann der Blockscharführer überzeugten sich von der Vollzähligkeit des Blockes. Wenn nun ein Häftling im Sterben lag, so brachten ihn seine Kameraden auf den Platz, wo er auf die Erde gelegt wurde und sich kein Mensch mehr um ihn kümmerte. Der Mann mit der K.- Z.- Nummer mußte da sein, tot oder lebendig, und ob er nun starb oder nicht, das war seine eigene Angelegenheit. Wimmerte oder stöhnte er aber zu laut, so bekam er ein paar kräftige Fußtritte verabreicht, und das wirkte oft wie Medizin. Ein Fußtritt gegen den Leib oder die Schläfen machte ihn nämlich oft für immer stumm. Der Blockscharführer überbrachte dann die Meldung dem Lagerführer oder seinem Stellvertreter. Dieser ließ die Zahlen addieren, und es stellte sich dann schnell 16 heraus, ob alle Häftlinge angetreten waren. Oft genug kam es nun vor, daß ein oder mehrere Gefangene fehlten. Neuangekommene, die von Buchenwald noch wenig Ahnung hatten, glaubten, sich im Lager mit Erfolg verstecken zu können. Im Lager wurde nämlich sehr viel gebaut, und es waren da Berge von Baumaterialien angefahren. In den Ziegeln oder im Bauholz verkrochen sich dann manche, während andere sich in den Ästen hoher Buchenbäume verbargen. Diese Leute wurden unverzüglich gesucht. Eine besondere Abteilung der SS mit Polizeihunden, meist verstärkt durch einige Blockälteste, begann nun zu suchen. Das ganze Gelände wurde genauestens durchforscht und die Bäume mit Scheinwerfern angestrahlt. Schon nach wenigen Minuten wurde der Gesuchte aus seinem Versteck herausgeholt, gleich an Ort und Stelle verprügelt und dann an den Beinen zum Lagerführerhaus, oder wie es hieß ,,, ans Tor" geschleift. Selten, daß er dann noch Leben in sich hatte, was aber vollkommen nebensächlich war. Das war der Morgenappell, dem ein meist noch schlimmerer am Abend folgte. verric Baust trager Wirkl war Arbei trolle zogen kette. durch 30 M übersi War nun der Morgenappell vorbei, so erscholl es im Lautsprecher: ,, Arbeitskommandos antreten!" Die Häftlinge eilten von ihren Blöcken zu ihren Arbeitskommandos. Etliche Kommandos arbeiteten im Lager und andere außerhalb des Lagers, wo in erster Linie für die Totenkopf- SS gebaut wurde. Andere Häftlinge arbeiteten auf Außenkommandos, die bis zu 50 Kilometer vom Lager entfernt waren. Die Arbeit innerhalb des Lagers war verhältnismäßig am leichtesten. Wenn der Capo, also der Vorarbeiter, kein allzu großer Schinder war, so war die Arbeit im Lager immer noch erträglich. Man konnte zwischen den vielen Wohnblöcken und dem aufgestapelten Baumaterial etwas ausruhen, und die Kontrolle war auch nicht so scharf wie bei den Außenkommandos. Etwa ein Dutzend Scharführer der SS liefen im Lager als Kontrolle herum und verprügelten jeden, der nach ihrer Ansicht zu wenig arbeitete, mit der Peitsche oder mit Stöcken. Diese Kontrolle war den Häftlingen aber gut bekannnt, und wer aufpaßte, der wurde auch nicht erwischt. Zum großen Teil wurde im Lager eine zweck- und sinnlose Arbeit ein H wurde So verlie nomm Aufsi wenn Wenn ward linge Masd dem halb Lager Spieß Wege Kolb wurd bekan brach Picke und ausru vom 17 verrichtet. So schleppten viele Häftlinge Bausteine von einer Baustelle zur andern, wobei die Steine bei dem Hin- und Her- tragen meist entzweigeworfen wurden, ohne daß die Steine in Wirklichkeit irgendwo gebraucht worden wären. Ganz anders war es auf den Außenarbeitskommandostellen, wo schwerste Arbeit geleistet wurde und jeder Häftling unter schärfster Kon- _ trolle stand. Ehe diese Arbeitsgruppen aus dem Lager rückten, zogen mehrere Kompanien SS um die Arbeitsstätte eine Posten- kette. Diese Postenkette war so dicht, daß es unmöglich war, durch diese hindurchzukommen. In der Regel stand ein Posten 30 Meter vom anderen entfernt. War das Gelände aber un- übersichtlich, so war die Postenkette dichter. Näherte sich ihr ein Häftling auf eine Entfernung von weniger als 6 Meter, so wurde er ohne Anruf erschossen. Sobald ein Außenarbeitskommando durch’s Tpr das Lager verließ, so wurde es von einigen SS-Männern in Empfang ge- nommen, die das Kommando zur Arbeitsstelle brachten und zur Aufsicht den ganzen Tag dablieben. Dies war die Aufsicht, wenn innerhalb der Postenkette beim Lager gearbeitet wurde. Wenn die Arbeitsstätte aber außerhalb der Postenkette lag, so war die SS-Bewachung außerordentlich stärk. Auf hundert Häft- linge kamen dann 40—60 SS-Männner, die mit Gewehren und Maschinenwaffen ausgerüstet waren. Mein Arbeitskommando, dem ich die ersten sieben Wochen angehörte, befand sich inner- halb der Postenkette. Der Tag begann damit, daß wir vom Lager zur Arbeitsstelle, zum besagten Steinbruch, regelrecht Spießruten laufen mußten. Auf dem knapp 1 Kilometer langen Wege bekamen die meisten von uns von der SS-Begleitung Kolbenschläge, Fußtritte oder Bajonettstiche. Kurz nach 6 Uhr wurde die Arbeit aufgenommen, und gleich am ersten Tage bekam ich einen Gewehrkolbenschlag, unter dem ich zusammen- brah. Das Kommando war etwa 120 Häftlinge stark. Mit Picken brachen wir das schwere Gestein des thüringischen Bodens, und sobald ein Häftling mit der Arbeit nachließ oder sich etwas ausruhen wollte, bekam er Schläge vom SS-Aufsichtsposten oder vom Vorarbeiter. In den Mittagsstunden war dannn die Hitze 18 dann h richtet. so, daß und Ha Um und all nun ein gegnete Vorarb bedecku del an dem Ei fürchte mandos oft gen Es wur und sc im Sommer so unerträglich, daß wir alle wie im Fieberwahn an Wasser dachten. Gaumen und Zunge waren vollkommen ausgedörrt, und viele leckten den an der Unterseite nassen Stein ab, sobald er losgebrochen war. Alle Arbeiten wurden mit Menschenkraft ausgeführt, denn der Mensch war ja billiger als die Maschine. Er kostete absolut nichts. Schwere Arbeit, Hitze und Schläge setzten uns so stark zu, daß gerade aus diesem Kommando viele freiwillig in den Tod gingen. Die betreffenden Häftlinge gingen dann auf die Postenkette zu, wo sie von den lachenden Posten erschossen wurden. In der ersten Zeit bekam jeder SS- Mann, der einen Häftling erschoß, drei Tage Abendausgang nach der Stadt Weimar. Und was war schon das Leben eines Gefangenen wert? Nicht einen Pfifferling! Der stellvertretende Lagerführer, Untersturmführer Hartmann, nannte uns nur Galgenvögel. Um 12 Uhr gab es eine halbstündige Mittagspause, in der es einen Viertelliter Kaffee oder Tee gab. Alsdann wurde die Arbeit bis 4 Uhr nachmittags fortgesetzt. Nach dieser fast zehnstündigen Tagesarbeit waren wir alle so erschöpft, daß wir uns nur noch mit aller Willensanstrengung auf den Beinen halten konnten. Während dieser Arbeit im Steinbruch kamen oft große Judenkolonnen, die die losgebrochenen Steine zu anderen Arbeits- oder Baustellen tragen mußten. Die Steine hatten ein Gewicht von mehr als einem Zentner, und die ausgemergelten Leichengestalten brachen oft unter der Last dieser schweren Steine zusammen. Dann gab es wieder Kolbenschläge, Fußtritte und Bajonettstiche. Besonders schlimm waren die Tage, an denen die Postenkette aus tiroler oder steirischkärntner SS bestand. Diese vertierten Burschen von 17 oder 18 Jahren überboten sich gegenseitig in rasendem Zorn und Wutausbrüchen. Diese SS- Männer waren eine besondere Blütenlese des Verbrechertums und bestrebt, die reichsdeutsche SS an Brutalität noch weit zu übertreffen. Der Steinbruch war eine Knochenmühle, und die SS hatte sich dort sehr gut gesichert, indem sie vor dem Steinbruch noch zusätzlich Maschinengewehre aufstellte. Es hätte genügt, daß ein einzelner der gequälten Häftlinge sich gegen einen SS- Posten aufgelehnt hätte, und sich m und v Posten sich V Starke kammt schwie Verbo 50 RM ling fu geschla für ein war. I der G Es dau gefund Appel und v brache 19 dann hätten die Maschinengewehre ihre grausige Arbeit ver- richtet. Wir waren aber alle zu wohldiszipliniert und taten alles so, daß den anderen Ka:neraden kein Schaden aus unserem Tun und Handeln erwachsen konnte. Um 4 Uhr nachmittags wurde in das Lager zurückmarschiert, und alle Arbeitskommandos innerhalb der Postenkette rückten nun ein. Unterwegs geschah es oft, daß wir SS-Offizieren be- gegneten. Bei einer solchen Begegnung kommandierte dann der Vorarbeiter: Mützen ab! Die Häftlinge rissen ihre Kopf- bedeckungen herunter und marschierten mit geschorenem Schä- del an dem betreffenden Offizier vorbei. Im Lager begann nach ' dem Einrücken der Nachmittagsappell. den alle Häftlinge sehr fürchteten. Es dauerte nämlich ziemlich lange, bis alle Kom- mandos eingerückt waren, und dann stellte sich bei der Zählung oft genug heraus, daß ein oder auch mehrere Häftlinge fehlten. Es wurde darauf die fehlende K.-Z.-Nummer bekanntgegeben, und sofort begann die Suche. Bei den Gesuchten handelte es sich meist um Neulinge, die erst kurze Zeit im Lager waren und vom Konzentrationslager wenig Ahnung hatten. Da die Postenkette noch stand, also nicht eingezogen war, mußte der sich Verbergende sich innerhalb der Postenkette aufhalten. Starke SS-Suchkommandos, oft verstärkt durch Vorarbeiter, kämmten nun das ganze Gelände ab. War die Suche besonders schwierig, so wurden auch Häftlinge eingesetzt, und wer den Verborgenen zuerst entdeckte, bekam einen Geldpreis von 50 RM. Außerdem wurde versprochen, daß der betreffende Häft- ling für eine möglichst baldige Entlassung aus dem Lager vor- geschlagen würde. Dies war aber nur ein Köder, da in der Regel für eine Entlassung allein das Sicherheitsamt in Berlin zuständig war. Der Geldpreis allerdings wurde sofort ausgezahlt, sobald der Gesuchte, tot oder lebendig, herbeigeschafft worden war. Es dauerte oft ein bis zwei Stunden, bis man den Betreffenden ‚gefunden hatte. Die anderen Häftlinge mußten solange auf dem Appellplatz stehen bleiben. Im Sommer brannte dort die Sonne, und viele von den ausgemergelten und hungrigen Elendsgestalten brachen auf dem Platz ohnmächtig zusammen. Ich selbst bin im 20 Juli 1938 siebenmal zusammengebrochen, und ich hatte damals nur noch wenig Hoffnung, das Lager einmal lebend verlassen zu können. War alles in Ordnung, d. h. es fehlte kein Häftling, so erscholl es im Lautsprecher: Postenkette einziehen! Die Posten „gaben diesen Befehl nun weiter, sammelten und rückten in ihre Unterkünfte ein. Nun gelang es aber tatsächlich einigen mit allen Wassern gewaschenen Häftlingen, durch die Postenkette hin- durchzukommen. Dann hatten die Lagerinsassen und auch die SS-Posten nichts zu lachen. Der Lagerführer und auch der Kom- mandant der Totenkopf-SS-Standarte Buchenwald, Standarten- führer Strauß, rasten vor Wut. Die Postenkette durfte drei Tage lang nicht eingezogen werden, und die Häftlinge mußten ohne. Essen und Trinken ebenso lange auf dem Appellplatz stehen. Als im Mai 1938 ein SS-Posten von zwei Häftlingen erschlagen wurde, da gab es fürchterliche Tage in Buchenwald. Damals sollte jeder zehnte Mann im Lager erschossen werden, und erst auf Befehl einer höheren Stelle wurde dieser Befehl nicht ausgeführt. Trotzdem wurden im Laufe der nächsten Tage von der rachsüchtigen SS einige Dutzend ‚Gefangene, die mit der Bluttat nichts zu tun hatten, umgebracht. Wenige Monate später, im Dezember, gelang es zwei Häftlingen, sich außerhalb des Lagers, aber innerhalb der Postenkette, einzumauern und dann nach den drei Sperrtagen, als die Postenkette eingezogen war, zu entkommen. Wir mußten damals rast die ganze Nacht in einer Kälte von 28 Grad in unserer dünnen Kleidung stehen, und zwölf Häftlinge waren erfroren. Während des Nachmittagsappells bekamen viele Häftlinge ihren„Lohn“ ausgezahlt, d. h. sie gingen über den„Bock“. Sie waren bei irgendeinem Anlaß aufgefallen und bekamen dafür 25 Stock- oder Peitschenschläge. Nur ein Mensch, der diese grausame Mißhandlung selbst gesehen hat, kann es sich vor- stellen, was es heißt, 25 solcher Schläge zu empfangen. Dieser Strafe ging in der Regel meist eine Vorstrafe voraus. Der Misse- täter mußte erst einen ganzen Tag am Tor stehen. Man„annte dies den„Sachsengruß“, und der Häftling mußte den ganzen Tag, die Hände im Nacken, stehen. Dieser„Sachsengruß‘‘ wurde schr o Gefang ähnlich gezoge bildete aller X Wurder jeden entwed e$ wur sehr oft für schlechten Bettenbau verhängt. Mußte nun ein Gefangener über den Bock gehen, so wurde er auf ein bockähnliches Holzgestell dermaßen festgeschnallt, daß die straffgezogenen Beine mit dem Oberkörper einen rechten Wiukel bildeten. Zwei starke, baumlange SS- Männer schlugen dann mit aller Kraft auf den straffgezogenen Hosenboden. Die Schläge wurden langsam mit aller Wucht ausgeführt, und man hörte jeden einzelnen Schlag am anderen Ende des Lagers. Es wurde entweder mit der lederüberzogenen Stahlpeitsche geschlagen, oder es wurden starke Stöcke benutzt, die vorher in einem Wasserbottich weich und schmiegsam gewässert worden waren. Schon bei den ersten Schlägen schrie der betreffende Häftling fürchterlich auf, und bei den weiteren Schlägen gab das arme Opfer Schreie von sich, die durch das ganze Lager gellten. An manchen Tagen gingen zwanzig und mehr Häftlinge über den Bock, und bei diesem sadistischen Schauspiel schauten viele SS- Offiziere, lachend und Zigaretten rauchend, zu. Es wurde auf der rechten Seite des Lagerführerhauses oder, kurz gesagt, des Tores geschlagen, während auf der linken Seite eine aus Häftlingen gebildete Lagerkapelle Schlagermusik spielen mußte. Es war dies alles eine schauderhafte Symphonie, ewig unvergeßlich demjenigen, der sie einmal hören mußte. Auch ich hatte das Unglück, mit dem Bock Bekanntschaft zu machen, und viele. Wochen lang trug mein Körper die Merkmale dieser Tortur. Nach Beendigung des Appells rückten wir in unsere Blöcke ein, empfingen das Mittagessen und anschließend die Portionen. Jeder Häftling trug stets einen Eẞnapf aus Blech bei sich, der etwa ein Liter Essen faßte. Wir waren so ausgehungert, daß die Pellkartoffeln meist mit der Schale gegessen wurden. Die Portion bestand aus etwa einem Pfund sehr schlechten Brotes, 10 Gramm Margarine, einem Eßlöffel voll Syrup oder auch 30 Gramm Wurst ,,, Sonderanfertigung K.-L.-Bu.". Später, als der Krieg ausgebrochen war, wurden die Rationen immer kleiner, die Arbeit aber schwerer, und Tausende brachen vor Entkräftung zusammen. Die Tuberkulose suchte sich ihre Opfer, und Ungezählte raffte der Hungertod weg. 22 Nach der Tagesarbeit begann um 6 Uhr die sogenannte Nachtarbeit, die im Lager verrichtet wurde und bis zum Einbruch der Dunkelheit dauerte. Es wurden Bäume gefällt und die schweren Buchenstämme fortgetragen. Vor dieser Arbeit hatten wir nicht wenig Angst, weil sie sehr schwer war und es dabei nicht wenig Schläge gab. Die wenigen Stunden Nachtruhe konnten nicht die geraubten Kräfte ersetzen, und der größte Teil der Eingelieferten starb bereits in den ersten acht bis zwölf Wochen K.- Z.- Haft. Man konnte den meisten schon im voraus sagen, daß sie in wenigen Tagen die Fahrt zum Krematorium antreten würden. pergew kugelt wenige das So Wie t Wald, ansehe Opfer Nerve rasend Mutte tiges werder terstät Handw Eine irdische Hölle. mehr Bucher Deuts Wohl die grausamste Strafe, die Buchenwald kannte, war das ,, Baumhängen". War das Über- den- Bock- gehen schon eine Angelegenheit sadistischer Grausamkeit, so war das Baumhängen eine Folter, die auch den Mutigsten aschfahl werden ließ. Was da die Gefolterten in ihren unbeschreiblichen Qualen zum Himmel schrien, das fand seine Antwort und Sühne in den Bombennächten, da der ewige Richter für diese Schande das verblendete Volk zur Verantwortung zog. Ein Satan hätte wohl nicht grausamer sein können, wie diese SS- Henker von Buchenwald. Fast jeden Morgen, gegen 9 Uhr, begann das Baumhängen als Strafe für schlechte Arbeit oder dafür, daß ein Häftling irgendeine gewünschte Aussage der SS nicht machen wollte. In einen Baumstamm waren zwei starke Nägel hineingetrieben. Der Häftling wurde nun an den Handgelenken mit dünnen Stricken gefesselt und an den zwei Nägeln aufgehängt. Er hing so, daß die Arme nach hinten gezogen waren und er mit den Beinen den Erdboden nicht erreichte. Die kürzeste Dauer des Hängens betrug eine halbe Stunde und war gestaffelt bis zu zwei vollen Stunden. In den letzten Jahren ließ man die Häftlinge die doppelte Zeit und noch länger hängen. Das Körganze wande Be vorger bearbe durch morge schrie Bestie erfahr Währ Weim in de tesdie samm Glaub sich a Herze enannte um EinSillt und Arbeit und es achtruhe größte is zwölf voraus matorium nte, war hon eine s Baumwerden Qualen Sühne in Schande in Satan S- Henker gann das , daß ein t machen el hineinnken mit fgehängt. n und er kürzeste gestaffelt 3 man die Das Kör23 pergewicht des Unglücklichen zerrte die Sehnen auseinander und kugelte ihm nicht selten das Schultergelenk aus. Schon nach wenigen Minuten begannen die Hängenden zu schreien, und das Schreien ging dann über in ein Jammern und Wehklagen. Wie tödlich verwundete Tiere schreien, so hallte es durch den Wald, und es war schauderhaft, sich dieses entsetzliche Bild ansehen zu müssen. Die SS schlug dann auf die wehrlosen Opfer noch mit der Peitsche ein, wenn ihr das Schreien auf die Nerven ging. Diese unglücklichen Menschen haben in ihren rasenden Schmerzen oft Gott, Himmel und Erde, Vater und Mutter verflucht. Die menschliche Sprache versagt, um ein richtiges Bild dieses Grauens zu zeichnen. Kommende Geschlechter werden es für unglaublich halten, daß Deutschland solche Marterstätten besaß, an denen grausame Despoten ihr blutiges Handwerk verrichteten. An manchen Tagen hingen dreißig und mehr Menschen an den Bäumen, und diese Bäume, dieser Buchenwald, sie werden ewig anklagen! Sie werden NaziDeutschland anklagen, das sich anschickte, ganz Europa, ja die ganze Welt in ein einziges, großes Konzentrationslager zu verwandeln. Besondere Folterungen wurden in den Folterzellen am Tor vorgenommen, wo ein bestialischer Unterscharführer die Opfer bearbeitete. Man sah nichts und hörte nur die Wahnsinnsschreie durch das kleine Gitterfenster. An einem herbstlichen Sonntagmorgen wurde dort ein Geistlicher gefoltert, der immer wieder schrie: ,, Ich bekenne Jesus Christus!" Unter den Schlägen jener Bestie verstummte dieser Märtyrer, und ich konnte nicht mehr erfahren, ob dieser Gottesmann die Folterung überlebt hatte. Während dieser Schmerzensschreie hörte man die Glocken von Weimar läuten, und so manchem Häftling standen die Tränen in den Augen. Im Lager gab es selbstverständlich keinen Gottesdienst, und die SS verfolgte alles, was in irgendeinem Zusammenhange mit dem Christentum stand. Wer aber seinen Glauben an Gott noch nicht ganz verloren hatte, der klammerte sich an Gott mit allen Fasern seines zerrissenen und gequälten Herzens. Vogelfrei war der Häftling geworden, und nicht ein 24 mal ein irdisches Grab gönnten ihm die SS- Schergen. Nein, nichts sollte mehr von ihm übrig bleiben, denn Gräber schaffen Märtyrer. Nichts sollte der Nachwelt erhalten bleiben, was Zeugnis hätte geben können vom Leiden und Sterben eines K.- Z.- Häftlings. Verbrannt muße er werden, denn an der Asche kann man keine Kolbenschläge mehr erkennen, kann man keine gebrochenen Glieder mehr sehen, wie an einem den Angehörigen ausgelieferten Leichnam. Es bedrückte mich gar sehr alle Tage in Buchenwald, daß nicht einmal ein bescheidenes Grab nach all dem Martyrium mehr vorhanden sein sollte, wohin meine leidgebeugten Eltern hätten pilgern können, wenn ich nicht mehr sein sollte. Und ich flehte inbrünstig zu Gott, mir zu helfen und mich nicht verderben zu lassen unter meinen Feinden. ,, Schaff Recht mir, Gott, und führe meine Sache gegen ein unheiliges Volk; von frevelhaften, falschen Menschen rette mich! Gott, laß mich nicht zugrunde gehen mit den Sündern, mein Leben nicht verlieren mit den Menschen voll von Blutschuld!' betete ich alle Tage. So verging Tag um Tag in Buchenwald. Neue Häftlinge kamen, und nicht wenige starben, wurden erschlagen, gehängt oder erschossen. Ihre Leichname wurden im Krematorium verbrannt, und die Angehörigen bekamen ein vorgedrucktes Schreiben, daß sie die Aschenurne zugesandt erhalten würden, wenn sie die Unkosten erstatten. aus Deu fremden mögens der Staa Geldes ling ko zwei K man ni Den Bi boten, guter S Pakete Im Herbst 1938, im November, erhielt das Lager plötzlich starken Zuwachs. Im ganzen Reiche brannten die Synagogen, und mehr als 20 000 Juden wurden nach Buchenwald geschafft. Es waren sonnige Spätherbsttage über dem Thüringerland, als Sonderzüge und Autobusse ihre unglückliche Fracht nach dem Lager brachten. Die SS feierte Orgien des Blutrausches. Viele Juden wurden gleich nach der Ankunft wie räudige Hunde erschlagen. An einem Abend wurde eine größere Anzahl von ihnen auf der Latrine mit Maschinengewehren zusammengemäht. Die Zahl der Häftlinge war auf über 30 000 gestiegen, und die Küche mußte ihre dünne Suppe zweimal am Tage kochen. Ein Teil der Juden wurde später entlassen, als ihre Ausreise A Als Problem Arbeits SO war Januar haßten für die erfinder und di kleidun den Ha und da dung a pfiff, k hindurc diese F Gefang nabkal saben Sachen sturm nicht Nein, chaffen , was eines - Asche keine hörigen e Tage b nach meine h nicht mir zu n Feingegen en rette ündern, n Blutäftlinge gehängt um vers Schrein, wenn plötzlich nagogen, geschafft. and, als ach dem es. Viele unde erzahl von ngemäht gen, und kochen. Ausreise 25 aus Deutschland durch die Botschaften und Gesandtschaften der fremden Mächte genehmigt war. Nur einen Bruchteil ihres Vermögens konnten sie mitnehmen; alles andere beschlagnahmte der Staat. Reich wurde auch das Lager, denn ungezählte Summen Geldes waren den Häftlingen abgenommen worden. Der Häftling konnte im Monat zweimal schreiben und zwei Briefe oder zwei Karten empfangen. Es waren zensierte Briefe, durch die man nicht mehr mitteilen konnte, als daß es einem gut gehe. Den Bibelforschern war das Schreiben in Buchenwald ganz verboten, und nur ganz selten, wenn etwa der Lagerführer in guter Stimmung war, konnten auch diese Verfolgten schreiben. Pakete konnte in Buchenwald niemand empfangen. Winter und Weihnacht in Buchenwald. Als der Winter gekommen war, da standen wir vor neuen Problemen. Der Tag war nun kurz, und damit wurde auch die Arbeitszeit kürzer. Hatte uns im Sommer die Hitze zugesetzt, so war es jetzt die Kälte, die ihre Opfer forderte. Erst im Januar erhielt ein Teil der Lagerinsassen Mäntel aus dem verhaßten Zebrastoff. Das alles war aber kein ausreichender Schutz für die bis zum Skelett abgemagerten Körper. Aber Not macht eifinderisch! So sammelten wir Zementsäcke an den Baustellen, und diese Papiersäcke erwiesen sich als eine vortreffliche Bekleidung. In den Boden des Papiersackes wurde ein Loch für den Hals und an den Seiten Löcher für die Arme geschnitten und dann die ganze Papierherrlichkeit unter der Häftlingskleidung angezogen. Der eisige Wind, der oben in Buchenwald pfiff, konnte durch das vierfache Papier des Zementsackes nicht hindurch, und wenn es auch von der Lagerleitung verboten war, diese Papiersäcke anzuziehen, so trug doch der größte Teil der Gefangenen diese Papierhüllen. Schlimmer als der Frost war die naẞkalte Witterung, da wir keine Kleider zum Wechseln besaßen und auch keine Gelegenheit vorhanden war, die nassen Sachen zu trocknen. An einigen Tagen, als ein schwerer Schneesturm tobte, durften wir im Lager bleiben. Dies geschah aber nicht aus Rücksicht gegen uns, sondern gegen die SS- Posten. Kurz vor Weihnachten trat im Lager das Gerücht auf, daß ein großer Teil der Häftlinge entlassen werden würde. Wir sollten es bald erleben, was man uns in Wirklichkeit für eine Weihnachtsüberraschung zugedacht hatte. Anfang der Weihnachtswoche zimmerten Häftlinge am Tor einen Galgen zusammen, und bald wußte das ganze Lager, für wen dieser Galgen aufgebaut war. Wie ich schon erwähnte, war im Mai ein Posten von zwei Häftlingen erschlagen worden. Während der eine in Thüringen schon nach wenigen Tagen ge- faßt wurde, war es dem anderen gelungen, über die Grenze nach der Tschechoslowakei zu entkommen. Nachdem der erste Häftling am Galgen sein Leben ausgehaucht hatte, ließ man ihn lange Zeit stehen, um auch den anderen flüchtigen Missetäter darauf zu richten. Erst als die Lagerleitung erfahren hatte, daß dieser sich im Auslande befände, wurde der Galgen wieder ab- gebaut. Der Geflüchtete fühlte sich in der Tschechoslowakei sicher und hielt im Rundfunk Reden gegen die Nazibarbarei. Mit seiner Freiheit währte es jedoch nicht lange, denn nach der Angliederung des Sudetenlandes wurde er auf deutschen Druck hin von den Hacha-Behörden festgenommen und den Nazis ausgeliefert. Man brachte den Unglücklichen nach Weimar, wo ihn nach einer kurzen Sitzung ein Sondergericht wegen Mordes, Hoch- und Landesverrats zum Tode verurteilte. Der Todeskandidat wurde noch am gleichen Tage, es war der 21. De- zember 1938, in den Mittagsstunden nach Buchenwald geschafft, von wo er vor einem halben Jahre ausgerissen war. Bis zur Hinrichtung wurde er in einer Folterzelle untergebracht. Die Hin- richtung fand erst gegen 8 Uhr abends statt. Bis dahin wurde der Todeskandidat durch die Schergen und den Lagerführer miß- handelt. Der Letztere hätte es nämlich gerne gesehen, wenn der Delinguent bei der Hinrichtung irgendetwas gesagt oder ge- schrien hätte. Er hoffte, daß dann unter den angetretenen Lager- insassen ein Tumult entstehen würde, der ihm das formale Recht gegeben hätte, mit Maschinengewehren in die Häftlingsmassen hineinzuschießen. Aber er hatte sich getäuscht, denn diese Ab- auf, daß de. Wir für eine am Tor Lager, für nte, war worden. Tagen gee Grenze der erste 5 man ihn Missetäter matte, daß wieder aboslowakei zibarbarei. denn nach deutschen und den Weimar, cht wegen eilte. Der er 21. Degeschafft, r. Bis zur . Die Hinhin wurde Führer mißwenn der oder ge nen Lagermale Recht ingsmassen diese Ab27 sicht war dem Todeskandidaten bekannt, und wortlos bestieg er den Galgen. Gegen 7 Uhr abends mußten alle Häftlinge blockweise auf dem Appellplatz antreten. Es herrschte eisige Stille. Das ganze Lager war in grelles Scheinwerferlicht getaucht, als wenn eine Filmszene gedreht werden sollte. Die Zahl der Maschinengewehre auf den Postentürmen war verdoppelt und verdreifacht worden. In dem kalten Lichte blinkten die Patronen in den Maschinengewehrgurten. Ein Bataillon Totenkopf- SS marschierte in voller Kriegsbemalung mit aufgepflanztem Seitengewehr auf dem Platz vor dem Galgen auf. Der Lagerkommandant, der Lagerführer und viele SS- Offiziere nahmen Aufstellung. Bei ihnen befand sich der Oberstaatsanwalt des Sondergerichts. Er hielt ein Papier in der linken Hand und trug Amtstracht. Alles starrte nun nach dem Eingangstor, durch das eine Gruppe SS, in ihrer Mitte der Verurteilte, kam und sofort beim Galgen Aufstellung nahm. Der Oberstaatsanwalt verlas nochmals das Todesurteil und die telegraphische Mitteilung, daß das Gnadengesuch abgelehnt worden sei. Die letzten Worte der Ablehnung lauteten: Berlin, den 21. Dezember 1938. Der Führer und Reichskanzler gez. Adolf Hitler. Wir standen starr wie die Salzsäulen, als der Staatsanwalt nun zum Lagerkommandanten sagte: ,, Herr Lagerkommandant! Ich übergebe Ihnen den Delinquenten zur Hinrichtung!" Der Verurteilte bestieg nun ein Podest aus Holz unterhalb des Galgens. und zwei grüne Häftlinge, also Zuchthäusler und Helfer der SS, legten die Schlinge an. Der Lagerführer, Sturmbannführer Koch, schrie nun mit fast heiserer Stimme: ,, Stoßt ihn hinab!" Die zwei Henkersknechte taten, wie ihnen befohlen, und das Opfer baumelte am Galgen in dem papiernen Totengewand. Es sollte dann noch drei Tage lang hängen, aber die Wut der SS- Henker hatte sich etwas gelegt, und am nächsten Morgen wurde der Gehenkte mit anderen Häftlingsleichen nach dem Krematorium geschafft. Am 24. Dezember bekamen wir einen Stollen, den wahrscheinlich das Internationale Rote Kreuz gestiftet hatte. Als der 28 Abend kam, starrten wir den Stollen an und weinten. Ich habe damals keinen Häftling gesehen, der nicht mit Tränen in irgend- einer Ecke gehockt wäre. Auch die Grünen, unter denen sich hartgesottene Verbrecher befanden, weinten. Neben all diesem Leid gab es im Lager aber auch Stunden, in denen wir unser bitteres Los zu vergessen suchten. Unter den Häftlingen befanden sich gute Sänger, die früher in großen The- atern gesungen hatten. An guten Musikern fehlte es ebenso wenig, und Musikinstrumente konnte man sich von zu Hause schicken lassen. So half uns die Musik, manches bittere Leid zu vergessen. Bei Appellen wurde oft das Volkslied„Steht ein Dörflein mitten im Walde‘ gesungen. Später entstand ein eigenes Buchenwaldlied. Es war das Ergebnis eines Preisaus- schreibens der Lagerleitung. Sie mußte den ersten Preis einem jüdischen Häftling zuerkennnen. Das Buchenwaldlied wurde früh und spät gesungen und hatte einen ergreifenden Text und eine ebensolche Melodie. Hier die erste Strophe: Wenn der Tag erwacht, eh’ die Sonne lacht, Die Kolonnen zieh’n zu des Tages Müh’n, Hinein in den grauenden Morgen! Und der Wald ist schwarz und der Himmel rot, Und wir tragen im Rucksack ein Stückchen Brot Und im Herzen, im Herzen die Sorgen! © Buchenwald, ich kann dich nicht vergessen, Weil du mein Schicksal bist! Wer dich verließ, der kann es erst ermessen, Wie wundervoll die Freiheit ist! © Buchenwald, wir jammern nicht und klagen, Und was auch unsere Zukunft seil Wir wollen trozdem Ja zum Leben sagen, Denn einmal kommt der Tag, dann sind wir frei! ı habe ıgend- N sich unden, ter den 2 The- ebenso Hause Leid ZU oht ein nd ein reisaus“ ; einem de früh nd eine Der Freiheit entgegen. Der bittere Winter war in Buchenwald vergangen, und der Frühling belebte uns alle mit neuem Mut und mit neuer Hoff- nung. Wer die vergangenen Monate überlebt hatte, der konnte auch kommenden Stürmen trotzen. Ich kam zu einem kleinen Außenarbeitskommando in der Nähe der Stadt, und in den letzten Apriltagen wurde eine größere Anzahl Gefangener ent- lassen, unter denen auch ich mich befand. Wir wußten es alle im Lager, daß der Krieg vor der Türe stand und daß nur ein solcher die Nazi-Tyrannei beseitigen konnte. Ich bekam meine Zivilkleider und meinen Entlassungsschein. Die Entlassung war nur eine vorläufige oder probeweise. Mit kahlgeschorenem Haupte und einem glühenden Haß im Herzen gegen die Hitlerdespoten trat ich die Heimreise an. Ich wußte, daß ich nicht in die wirk- liche Freiheit ging, sondern nur von einem K.-Z. Buchenwald in das K.-Z. Deutschland. Meine Gesundheit war zerstört, nicht aber mein Wille. Nein, im Gegenteil! Ich war fest entschlossen, alles zu tun, was in meinen Kräften stand, um dieses Reich zu unterhöhlen, stürzen zu helfen und damit die Ketten, die das deutsche Volk sich selber geschmiedet hatte, zu zerbrechen. Ich hatte Buchenwald verlassen, aber Zehntausende waren noch zurückgeblieben. Im Kriege löste dann eine Verhaftungswelle die andere ab. Mehr als 55 000 Menschen sind in Buchenwald umgebracht worden. Grausamere Strafen als vorher wurden ein- geführt. Was nicht verhungerte, erschlagen oder erschossen wurde, das kam durch grausige Experimente der SS-Arzte um. 30 30 Hitler hatte die Greuel befohlen. Ein nicht geringer Teil des deutschen Volkes glaubt nun, nachdem die Untaten der SS in den K.- Z.- Lagern nicht mehr abzuleugnen sind, daß Hitler, der gute Führer", unmöglich von den geschilderten Grausamkeiten etwas gewußt haben könne. Diese Menschen meinen, daß der ,, Führer" nur Gutes getan habe und unmöglich ein Sadist und Despot sein konnte. Ich kann darauf nur erwidern, daß Adolf Hitler es nur zu gut bekannt war, wie es in Buchenwald zuging. Mehrmals im Jahre wohnte Hitler in seinem pompösen Hotel ,, Elephant" in Weimar, und alle Menschen, die es wagten, ihn auf die Grausamkeiten in den K.- Z.- Lagern aufmerksam zu machen, zogen sich seine Ungnade zu, die in der Regel einem Todesurteil gleichzusetzen war. Heinrich Himmler kam mehrmals nach Buchenwald, und es waren die höchsten Stellen der Nazi- Regierung, welche die Grausamkeiten befohlen hatten. Nur Menschen, die an der Hitleritis unheilbar erkrankt sind, wollen das alles nicht wahr haben. Buchenwald und alle anderen Konzentrations- und Vernichtungslager werden diese Menschen anklagen, mitschuldig zu sein an dem größten Verbrechen aller Zeiten! O Buchenwald! Du Wald der Qualen und der Tränen! Menschen aller Nationen, aller Rassen und Religionen hast du leiden und sterben gesehen. Dein Name wird dafür bürgen, daß eine irregeleitete Nation sich abkehren wird vom Geiste der Unduldsamkeit und der Herrschsucht und zurückfindet zum Geiste der wahren Menschenliebe und der Freiheit! 100 * Nachdruck verboten