ÜBERSICHT I. Teil: Warum ließ Gott diese Lager zu? Mit dieser Frage wollen wir von Gott her die Übersicht über das Ganze und die ,, Erkenntnis aus den letzten Ursachen" gewinnen. Die Darstellung stützt sich in der Hauptsache auf vier Augenzeugen, die durch ihr Wesen, nicht minder als durch ihre Worte, Zeugnis für die Wahrheit ablegten. Das Überraschendste bei dieser Schau der Dinge sind die Groẞtaten Gottes, in deren Licht die Untaten der Menschen klar als Werke Satans erscheinen. Damit ist Satan entlarvt als der ,, Todfeind der menschlichen Natur" und als der eigentliche Beweger der„ Bewegung". II. Teil: Die Gewissensschuld des deutschen Volkes. 1. Die Begriffe: persönliches Gewissen, Volksgewissen und Weltgewissen werden dargelegt. 2. Die Dissonanz zwischen Volksgewissen und Weltgewissen wird begreiflich gemacht und die Lösung wenigstens vorbereitet. 3. Schuld und Sühne des deutschen Volkes werden behandelt vor dem Tribunal des deutschen Volksgewissens, des Weltgewissens und des Allerhöchsten. ZIEL Die Schrift ist aus zwei Predigten entstanden, die der Verfasser aus dem großen Erlebnis heraus in der Liebfrauenkirche zu Ravensburg gehalten hat. Sie wird am besten in einer stillen Muẞestunde innerlich nach Art einer Predigt gehört und überdacht oder auch in Gruppenabenden gut vorgelesen. Sie behandelt eine Gewissensfrage und kann daher letzten Endes nur den Zweck haben, daß wir den Willen Gottes ,, suchen und finden" ( Ignatius, Exerzitienbüchlein). Hier handelt es sich um die christliche Lösung der Schuldfrage. Die christliche Lösung verlangt zuerst und vor allem Selbsterkenntnis, Erkenntnis und Bekenntnis der eigenen Schuld, und dann ehrliches Verständnis für die Lage des Gegners, also Buße und Feindesliebe. Gewiß harte Forderungen, kein angenehmer Weg, aber der einzig mögliche zu dem erhabenen Ziel, das uns gesteckt ist, nämlich, daß ,, alle eins" seien; so, wie der Herr in der Nacht vor Seinem Leiden gebetet hat: ,, Laß sie alle eins sein, wie Du, Vater, in Mir und Ich in Dir. Laß sie eins sein in Uns, damit die Welt glaube, daß Du Mich gesandt hast ( Jo 17, 21.22). Liebe Christen! " I. ,, Wende uns zu Dir, o Herr! Denn wolltest Du uns ganz verwerfen, so gingest Du in Deinem Zorn gegen uns zu weit." ( Gebet des Propheten Jeremias, Klagelieder 5, 21, 22). Die Tage des Zusammenbruchs oder, sagen wir, Umbruchs werfen uns von einer seelischen Erschütterung in die andere, so daß wir Mühe haben, noch ruhig und klar zu denken und uns zur christlichen Haltung durchzuringen. Der lawinenartige und vollständige Zusammenbruch der deutschen Wehrmacht, das schnelle verdemütigende Ende des so stolzen ,, dritten Reiches" mußte die deutsche Seele in ihren Tiefen aufwühlen und förmlich zwingen, nach dem tieferen Sinn dieses merkwürdigen Geschehens zu suchen. Ich zeigte in der letzten Predigt, wie die Menschen seit dem Aufkommen des Humanismus im 13. Jahrhundert Gott immer mehr aus dem Mittelpunkt des Lebens verdrängten und sich an Seine Stelle setzten. Mit Nietzsche war diese Entwicklung, dieser furchtbare Irrweg, am Endpunkt. ,, Der alte Gott ist tot; es lebe der Übermensch!" So schrie dieser Philosoph in den deutschen Raum hinein und in die ganze Welt hinaus. Weiter konnte man nicht gehen, als Gott morden und sich an Seine Stelle setzen. Die Frage war nur, wie weit die neue ,, Frohbotschaft" dieses Philosophen bei den Menschen Anhänger finde. - - Da kam das ,, dritte Reich". Solange das deutsche Volk noch frei war und frei oder doch einigermaßen frei wählen konnte, versprach es in der feierlichsten Form, daß es auf dem Boden ,, des positiven Christentums" aufbauen werde*). Je mehr es seine Macht befestigt hatte, desto mehr machte es Nietzsche, der sich selbst als ,, Antichrist" - *) Vor dem Ermächtigungsgesetz, durch das der Reichstag seine Macht verlor, sagte Hitler als Reichskanzler am 23. März 1933: ,, Die nationale Regierung sieht in den beiden christlichen Bekenntnissen die wichtigsten Faktoren zur Erhaltung des Volkstums." ,, Die Reichsregierung legt den größten Wert darauf, freundschaftliche Beziehungen zum Heiligen Stuhl weiter zu unterhalten und auszugestalten."- ,, Die Rechte der Kirche werden nicht geschmälert und ihre Stellung zum Staat wird nicht geändert." Ähnlich in der Hamburger Rede vom 17. August 1934, vor der letzten Reichspräsidentenwahl, durch welche auch die Kontrolle durch einen Reichspräsidenten wegfiel; und endlich in der Koblenzer Rede vom 26. August 1934 vor der Abstimmung über das Saargebiet. 5 bezeichnet, zu seinem Philosophen, ja, seinem Propheten, den es eifrig in allen Tonarten und auf allen nur möglichen Wegen, vor allem der Jugend, verkündete. So wurde es mehr und mehr ein Werkzeug des „Antichrists“. Nun hat Gott geantwortet,— in seiner Sprache— der Allgewaltige: Er zerschlug das Werkzeug des„Antichrists“ zu Nichts und gab dem Volk wenigstens im Religiösen wieder die Freiheit. So rief er mit Donnerstimme, nicht weniger furchtbar als auf dem Berge Sinai, in den deutschen Raum hinein und in die ganze Welt hinaus: „Ach lebe!— Tot ist der Tebermensch!“ Gebt das„Evangelium“ dieses„Antichrists“, dieses abtrünnigen, wahn- witzigen Menschen, auf und hört demütig das Evangelium Meines Sohnes!— Seid nicht„Übermenschen“, sondern Menschen,— Christen,— Meine Geschöpfe und Meine Kinder! Während uns diese Antwort Gottes, des Allmächtigen, dessen Name so oft zu Propagandazwecken mißbraucht wurde, noch in den Ohren gellt, hören wir nun von Verbrechen, die zum Himmel schreien, wie einst das Blut des unschuldigen Abel,— von den unmenschlichen Freveltaten in den Konzentrationslagern. Und,— was uns nicht zur Ruhe kommen läßt,— man macht diese unerhörten Schandtaten, diese teuflischen Quälereien, diese Millionen unschuldig und grausam Getö- teter, zu einer Gewissensfrage für das ganze deutsche Volk. Liebe Christen, ich sage Millionen unschuldig Getöteter. Für Auschwitz allein, das allerdings schlimmste, modernst eingerichtete Vernichtungs- lager, in das die Nichtarier aus ganz Europa, Juden und Zigeuner, zusammengeschleppt, in dem fabrikmäßig im Großbetrieb aus Men- schen— man wagt es kaum zu sagen— Fette, Seifen und Kunstdünger „gewonnen“ wurden, für dieses Lager allein gibt man 4 Millionen Tote an, die doppelte Zahl der im Weltkrieg 1914—1918 gefallenen Deutschen. Solche Riesenzahlen sind natürlich nur Schätzungen. Die genauen Verzeichnisse der Häftlinge nach Abstammung, Name, Vorname, Ge- burtstag, Todestag und-ursache sind vielfach verbrannt worden und viele Tote wurden gar nicht in Listen erfaßt. Fine ungefähre Zahl kann errechnet werden aus den hohen Nummern der Häftlinge und 6 PP ge Kı ins töt nic mi nie W ei Ni eifrig der g des dem dem Welt wahneines en,- Name Ohren , wie lichen t zur diese Getőhwitz rungsuner, Meninger Tote chen. auen Geund Zahl und der Zahl der Konzentrationslager, aus den Funden der z. T. mit Baggern ausgehobenen Riesengräbern, aus dem Leistungsvermögen der Krematorien und schließlich aus der Zahl der verhafteten und spurlos verschwundenen Menschen. So wird die Gesamtzahl der getöteten Juden auf 5 Millionen geschätzt, Männer, Frauen und Kinder bis herab zu den Säuglingen, die man erbarmungslos tötete oder in abgeschlossenen Viehwagen fortführte und ihrem Schicksal überließ, Eine genaue Zahl haben wir also nicht. Für die Bewertung des Systems kommt es auf eine Million mehr oder weniger nicht mehr an. Eine Million wohlüberlegter, kaltblütiger Morde fällt nicht mehr ins Gewicht! So schwer ist die Schuld! - Wird die Welt eine solche Schuld vergessen können? - Dürfen wir Christen sie vergessen, diese Millionen unschuldig Getöteter von diesen allein reden wir; es gab auch Schuldige-, diese nicht mehr zu überbietende Mißachtung der Menschenwürde? Oder müssen wir nicht sühnen und alles aufbieten, daß sich ähnliche Dinge nicht wiederholen können? Wessen Schuld?- So lautet die Frage. Eine Gewissensfrage und damit zuerst und vor allem eine religiöse Frage. Bevor ich die Gewissensfrage behandle, will ich den ganzen Fragenkomplex eindeutig aus der politischen Sphäre heraus in die religiöse Sphäre hinaufnehmen. Ich frage: Warum ließ Gott all das zu? Was wollte Er? Was will Er jetzt von uns? Welchen Sinn haben diese unerhörten Dinge im Weltplan Gottes? Ihr denkt: Diese ,, Höllen auf Erden" sollen gar noch einen Sinn, einen religösen, gottgewollten Sinn, haben? Gewiß. Hat nicht auch die Hölle im Jenseits, die ewige Hölle, einen Sinn, einen gottgewollten Sinn? Hat doch Gott selbst sie geschaffen! Aus den„ Höllen auf Erden" kommt man wieder heraus. In dieser Hinsicht gleichen sie mehr dem Fegfeuer. Aber hat nicht auch das Fegfeuer einen gottgewollten Sinn? Hat doch Gott selbst es geschaffen! Die ,, Höllen auf Erden" hat Gott nicht geschaffen, insoweit es sich um Missetaten der Menschen, Sünden, handelt, und auch nicht gewollt, aber doch zugelassen. Oder hat Gott aufgehört, der Herr auf dieser Erde zu sein? - - Er hat sie also zugelassen! Warum? Was sagt der Katechismus? Warum läßt Gott das Böse zu?- ,, Gott läßt das Böse zu, weil Er dem 99 7 Menschen den freien Willen gegeben hat und auch das Böse zum Guten zu lenken weiß." Weil Er das Böse zum Guten zu lenken weiß! Diese Katechismuswahrheit ist noch nie in der Weltgeschichte so überzeugend und überwältigend bewiesen worden wie durch die Konzentrationslager in unsern Tagen. Davon könnt ihr euch alle selbst überzeugen, jetzt, nachdem der Ring des Schweigens um die Konzentrationslager gesprengt ist und die Häftlinge in so großer Zahl heimkommen oder Deutschland durchziehen. Ihr seid gar nicht auf die Propaganda angewiesen. Es genügt vollständig, was ihr mit eigenen Augen sehen und von absolut zuverlässigen Augenzeugen hören könnt. Ihr braucht euch nur die richtigen Augenzeugen auszusuchen, nämlich diejenigen, die ihr Herz dem Wirken der Gnade öffneten, die Gott in sich wirken ließen. Und das sind erstaunlich viele. Die andern können natürlich das Wirken Gottes nicht beweisen, weil sie sich ja Ihm widersetzten, sondern höchstens den freien Willen des Menschen oder das Wirken des Bösen Feindes. - Ich will euch zunächst drei Beispiele erzählen, nicht als Beweis, sondern lediglich als eine Anleitung, wie ihr es machen könnt, um selbst, selbständig, unabhängig von jeder Propaganda, zu einem richtigen und sicheren Urteil zu kommen. Ich habe zum erstenmal mit einem zuverlässigen Augenzeugen gesprochen kurz vor dem Zusammenbruch. Früher hatte ich wohl einen jungen Jesuiten, also einen Mitbruder aus meinem eigenen Orden, getroffen; aber ich konnte kein Wort aus ihm herausbringen. Er ging einfach nicht auf das Thema ein. Ich konnte das nicht begreifen. Jetzt endlich traf ich einen, der frei redete, einen deutschen Ordenspriester, der nach zweieinhalb Jahren Haft aus Dachau entlassen worden war. Ich wunderte mich, wie ruhig und abgeklärt der Mann nach so langen Leiden war. Er schilderte mir die verschiedenen ,, Strafen", die es gab. Am meisten erstaunt war ich über die Größe des Lagers- er sagte, Dachau selbst habe 25 000, und dazu gehörten noch Lager mit zusammen 20 000 Mann- und über die Zahl der Todesopfer. Von den 2000 polnischen Priestern waren 1300 Hungers gestorben. Alle Älteren! Nur die Jüngeren, Männer in der Vollkraft des Lebens, haben Dachau überstanden. Bei den deutschen Priestern war es anfangs ähnlich, später konnte ihnen der Hl. Vater Erleichterungen verschaffen; man durfte ihnen Lebensmittel schicken, und sie hatten sogar täglich eine hl. Messe. - Ich Ki die die Le net Sch de La sti sa gla a W a e g S Z Z A - Z 8 ten —ermnermerer N Ich fragte ihn:„Ist das, was Sie erzählen, auch aufgezeichnet für die Kirchengeshichte?“ Er sagte:„Es ist alles genau niedergelegt. Aber die Welt wird es nicht glauben.“— Er erzählte mir auch von Laien, die seit vielen Jahren in Dachau lebten und dort ein heiligmäßiges J,eben führten. Insbesondere nannte er den früheren Reichstagsabgeord- neten Josef Joos und den früheren Bürgermeister von Wien, Richard Schmitz, der jeden Morgen um 5 Uhr mit seinem Schott zur hl. Messe der Priester zu kommen wußte. Und der Pater fügte hinzu:„Diese Laien haben sicher noch eine Mission in der Welt.“ Ich dachte mir im stillen:„Die werden doch alle vorher umgebracht.“ Sind sie umgebracht worden!— Sie sind gereffet worden! In erstaunlich großer Zahl! Seht ihr da nicht den Finger Gottes?— Wer hat sie gerettet? Was sagen sie selbst?— Alle, soweit sie überhaupt wirklich an einen Gott glauben, sagen übereinstimmend: „GOTT hat uns gerettet!” Doch wohl nicht umsonst! Er hat also mit ihnen etwas vor. Er hat für sie eine Mission in der Welt. Welche? Ich habe noch zwei dieser Todgeweihten kennengelernt. Sie kamen aus dem„Vernichtungslager“ Mauthausen. Wer von euch hat von Mauthausen etwas gehört? Bisher kannten wir eben in der Hauptsache Dachau, so im allgemeinen, unbestimmt, als einen Ort des Grauens. Mauthausen bei Linz kannten wir nicht einmal dem Namen nach. Oder wer von euc hat diesen Namen je gehört? Jetzt erfahren wir auf einmal: Mauthausen ist größer und schlimmer als Dachau. Französische Jesuiten, die beide Lager aus Er- fahrung kannten, schrieben in einem Rundbrief an ihre Mitbrüder: „Wir sind aus der Hölle von Mauthausen gerettet worden, im Vergleich zu dem Dachau bloß ein einfaches Fegfeuer ist.“— Die Belegzahl von Mauthausen wechselte stark im Verlauf der Kriegsjahre, auch tat die Lagerleitung alles, um die Welt über diesen Ort der Schrecken im unklaren zu lassen, so daß es sehr schwer ist, einigermaßen zuverlässige Zahlen zu ermitteln. Als Belegzahl darf man, jedenfalls mit den Außen- lagern, für die Kriegszeit 70 000 angeben. Außenlager waren es schließ- lich 38, zum größten Teil kleinere K.L.M./SS-Arbeitslager. Das größte Außenlager war Ebensee mit einer Belegzahl von 18000. Hier wurde zeitweise jede Woche ein Grab für tausend Leichen ausgehoben und gefüllt. In den letzten drei Wochen, als viele Häftlinge aus dem Reich 9 dorthin evakuiert wurden, starben in Ebensee allein etwa 600 täglich an Hunger. Die Zahl der Toten für Mauthausen und Gusen zusammen beträgt nach den Lagerlisten seit 1959 210000. Nicht inbegriffen sind hier die weiter entfernten Außenlager und auch nicht viele Tausende, die nicht in die Listen aufgenommen wurden. Ein erheblicher Prozent- satz wurde nämlich vom aufnehmenden Arzt für„erholungsbedürftig“ bestimmt, das heißt, für den Tod. Männer aus dieser„Hölle“ sind plötzlich in unserer Stadt aufge- taucht,— auch Frauen und Jugendliche, fast noch Kinder. Ihr habt sie ja selbst gesehen, diese merkwürdigen Menschen in den gestreiften Klei- dern, dünn und fahl, wie welkende Blätter im Herbst,— Gesicht und Bewegungen so ohne Leidenschaft und Leben, mehr sterbenden Pflanzen gleichend als Menschen aus Fleisch und Blut!— Doch das waren noch „die Besten“, wie mir ein junger Mitbruder sagte, der„die Schlim- meren“ zu betreuen hatte,— im Schulhaus von St. Christina, 41 Män- ner. Einige von euch haben auch diese gesehen: Totengerippe, die noch einen schwachen Lebensfunken in sich hatten. Die deutschen Frauen, die im Schulhaus geputzt haben, sagten nur in einem fort:„Furchtbar! Furchtbar!“— Aber wie dankbar waren diese Menschen für jeden Bissen Brot, den man ihnen reichte, für den kleinsten Liebesdienst, den man ihnen erwies. Am Montag hat der französische Feldgeistliche mit ihnen die hl. Messe gefeiert. Es war ergreifend.„Sie waren wie im Himmel. Und viele von ihnen haben kommuniziert.“— Das weiß ich alles von meinem Mitbruder. Nun, was ich selbst erlebt habe: Von diesen Todgeweihten kam einer zu mir beichten, noch am Sams- tag, direkt aus der„Hölle von Mauthausen“! Von der Beicht sage ich natürlich nichts, aber so viel darf ich schon sagen: Ich war dermaßen erschüttert, allein durch die Tatsache, daß ein Mann nach so vielen Leiden durch die Deutschen zu einem deutschen Priester beichten kam,— daß ich alle Mühe hatte, meines Amtes als Priester Gottes zu walten. Und er? Er fand das selbstverständlich. Er ging zu einem deutschen Priester beichten, genau so, wie unsere deutschen Kinder zu mir beichten kom- men. Da war kein Unterschied!— Am andern Morgen ging er zur hl. Kommunion. Ihr habt es vielleicht nicht einmal gemerkt, daß es ein Fremder war: ein großer, hagerer Mann, mit einem grünen Mantel über den Sträflingskleidern. Er kam zu uns Deutschen an einen Tisch,— zum Tisch des Herrn!— so selbstverständlich, wie wenn er immer zu uns gehört hätte, zur gleichen Familie, zum gleichen Tisch! Nachher bat er in 10 einer nicht Tag| Reise hier Na hatte diese Ar ein! chen Krie lebte 4 N zum schal zeug darı und H such zu f St alle mil ich ‚m5” en den dal Ind stef zut ei iber zum und 1 iD einem Bauernhof um etwas Brot und Butter oder Eier. Milch konnte er nicht vertragen, weil er im Lager magenkrank geworden war. Amandern Tag kam er wieder, und die Frau wollte ihm etwas Äpfel mit auf die Reise geben. Er sagte:„Ja. Aber höchstens einen oder zwei. Ich sehe hier Kinder. Ich will ihnen die Äpfel nicht wegnehmen.“ Nachdem der Mann 14 Monate maßlos durch die Deutschen gehungert hatte, will er den deutschen Kindern keine Äpfel wegnehmen. So ist dieser Mann aus der„Hölle von Mauthausen“ gekommen! Am Montag habe ich ihn noch außer der Beicht gesprochen. Es war ein Mann von 56 Jahren, hochgebildet, beherrschte verschiedene Spra- chen. Von Geburt Pole hatte er außer den beiden Weltkriegen den Krieg der Polen gegen die Russen als Oberleutnant mitgemacht. Zuletzt lebte er mit seiner Familie in Frankreich. In Grenoble wurde er vor 14 Monaten ergriffen. Seither war er in Mauthausen. Zweimal war er zum Tode verurteilt, aus keinem andern Grund, als weil er für wirt- schaftliche Zwecke nichts mehr wert schien. Er sagte mit tiefster Über- zeugung:„Es ist ein wahres Wunder Gottes, daß ich noch lebe.“ Und darum wollte er eben jetzt ganz für Gott leben. Das war ihm ernst und selbstverständlich. Haß gegen die Deutschen?— Keine Spur! Nicht einmal eine Ver- suchung dazu. Es wäre direkt unanständig gewesen, überhaupt darnach zu fragen. Seht, so kam dieser Mann aus der„Hölle von Mauthausen!“ Wenn alle Menschen so wären, wäre die Welt bald sehr schön! Seht ihr nun, dak Gott das Böse zum Guten zu lenken weißj, voraus- gesetzt, daf der Mensch will,— sich Seiner Gnade öffnet. Denn Gott zwingt niemand zum Guten. Er läßt jedem die freie Wahl. Und nun der zweite Todgeweihte aus Mauthausen: Ein Holländer, 28 Jahre alt, klein, aber gut gebaut, breitschultrig. Man sah ihm den „Sträfling“ noch an, nicht bloß an den gestreiften Kleidern,— die dichten, schwarzen Haare waren genau gleich kurz, das Gesicht ganz dunkelgelb gebrannt; er hatte in Mauthausen in einem heißen Stein- bruch Steine getragen, von morgens früh um 7 Uhr bis abends 7 Uhr; Essen: morgens um 9 Uhr% Liter Gemüsesuppe, abends 100 Gramm Brot. So in Mauthausen, solange man sich keine„Strafen“ zuzog, und das war schnell geschehen.— Früher war er Musiker gewesen, spielte Geige, Gitarre, Cello usw., auch fürs holländische Radio. Vor 4? Jahren war er mit seinen Eltern und einem Bruder ergriffen worden, aus politischen Gründen. Die Eltern sind dann in einem Lager gestorben, 11 der Vater mit 70, die Mutter mit 69 Jahren. Vom Bruder wußte er nichts mehr. Er selbst war zuerst in 2 holländischen, dann in 4 ver- schiedenen deutschen Lagern gewesen, bis er nach Mauthausen kam Ich fragte ihn:„Wie konnten Sie das so lange aushalten?“ Er ant- wortete:„Der Mensch ist stärker als das Pferd.“ Er war eben im besten Mannesalter und sehr gesund gewesen. Gewesen! Jetzt war er es nicht mehr. Beim Schlagen hatten sie ihm die Lunge und vielleicht auch andere Organe beschädigt. Er war hier bei einem deutschen Arzt gewesen, der ihm eine lange Liste von Arzneien verschrieb. Die hatte er bereits alle in der Tasche. Da er schwer atmete, rückte ich ihm einen Sessel hin. Er sagte stockend: „Ich gebe nichts darauf, daß ich gelitten habe.— Ich bin froh, daß ich gelitten habe.— Jetzt weiß ich, was GOTT für mich gelitten hat— am Kreuz.“ „Ich habe Vater und Mutter verloren.— Madhıt nichts. Gott wollte ihre Marter nicht länger ansehen, Jetzt sind sie oben.“ Dabei verklärten sich seine Züge und er schaute zum Himmel hinauf. „Ich bin krank, meine Lunge ist kaput.— Sie haben mich geschlagen. Macht nichts. Gott liebt mich. Er war immer bei mir. Er wird immer bei mir sein.“ Da fragte ich ihn, ob er verheiratet sei, weil ich dachte: nun kommt der arme Mann krank heim. Er sagte: „Ja. Ich habe eine Frau— und zwei Kinder.— Das Jüngste habe ich noch gar nicht gesehen. Das Jüngste habe ich noch gar nicht gesehen.“ Das sagte er zweimal.„Jetzt hoffe ich, daß ih meine Frau und meine Kinder wiederfinde.“ „Jetzt wünsche ich nur, daß man die, welche uns gestraft haben, nicht wieder strafe. Das muß man GOTT überlassen.“ „Das muß man GOTT überlassen“, sagte er noch einmal und schaute mich fragend an, als wollte er sagen:„Das ist doch auch ihre Ansicht?” Selbstverständlih muß die irdische Gerechtigkeit auch ihres Amtes walten. Aber das letzte Wort hat Gott.. Ich sagte nichts. Ich fragte nur:„Darf ich das nicht gleich nieder- schreiben.“ Denn so etwas Grandioses habe ich noch nie in meinem Leben gehört. Und er fügte noch bei: „Und ich wünsche, daß alle meine Kameraden und Kameradinnen so wünschen wie ich.“ 12 te er -verkam antn im ar er leicht Arzt hatte ihm aß ich at. wollte ärten agen. mmer commt be ich ehen." meine nicht haute sicht?" Amtes iedereinem innen Nach einiger Zeit sagte er: ,, Ich habe GOTT gesehen. Ich habe GOTT gesehen. Ich habe GOTT oft gesehen,- in der Nacht. Das war kein Traum. Das war kein Traum, Ich habe GOTT gesehen." Ich fragte ihn leise: ,, Wie haben Sie Gott gesehen?" Er breitete langsam die Arme aus wie der Heiland am Kreuz und sagte ergriffen: 99 ,, Wie Er blutet und leidet."— - ,, Ich hatte nicht die Macht, zu Ihm zu sprechen. Ich hatte nicht die Macht." Das sagte er wiederholt. So sprach dieser ,, Sträfling" nach der Hölle von Mauthausen. Ich habe lange über diese beiden Männer nachgedacht. Solche Menschen habe ich noch nie gesehen. Am meisten fiel mir auf, wie selbstverständlich sie den Willen Gottes taten. In allem! Einen Protest des Eigenwillens schien es da überhaupt nicht zu geben. Im ganzen Denken, Fühlen und Tun schien der Wille Gottes ganz ungehemmt und selbstverständlich zu herrschen. Und auch das war ihnen ganz selbstverständlich. Sie bildeten sich nicht im mindesten etwas darauf ein. Kurz, sie waren wahrhaft demütig. So echt demütige Menschen hatte ich noch nie gesehen. Sie waren wirklich Menschen, wie sie der hl. Ignatius in seinen Exerzitien bilden will. Hier galt wirklich das Wort des hl. Paulus: ,, Ich lebe. Doch nicht ich lebe, sondern Christus lebt in mir." ,, Wesentliche Christen!" Wie haben diese Menschen so hohe und echte Tugend erlangt? Zweifellos durch die Konzentrationslager. - Wie war das möglich? Da mußte ich an die berühmte Betrachtung des hl. Ignatius über die„ Zwei Fahnen" denken. Hier will der hl. Ignatius den Exerzitanten die„ ,, Unterscheidung der Geister" lehren und anleiten, Luzifer schneller zu erkennen, auch wenn er sich in einen ,, Engel des Lichtes" kleidet. Er zeichnet in dieser Betrachtung mit unübertroffener Meisterschaft den Charakter und den Weg des bösen und des guten Geistes. Im ersten Punkt charakterisiert er Luzifer: ,, Ich sehe den Anführer aller Feinde... gleichsam auf einem hohen Stuhle von Feuer und Rauch sitzen in schreckenerregender und furchtbarer Gestalt." Also die Signatur Satans: Er ist hoch droben, aber sein Thron ist nicht echt, nur ., Feuer und Rauch", äußerer Schein! Seine Gestalt ist ,, schreckenerregend und furchtbar", er herrscht durch die Angst vor ihm. 13 Den Geist Christi dagegen kennzeichnet er mit den Worten: ,, Man betrachte, wie Christus unser Herr an einem einfachen Platze Stellung nimmt, schön und liebenswürdig." Also die Signatur Christi: Einfachheit, Schlichtheit und Liebenswürdigkeit. - 1 Im zweiten Punkt senden beide Anführer ihre Soldaten aus. Luzifer ,, ruft unzählige böse Geister zusammen und sprengt sie aus, über die ganze Welt hin, ohne irgend ein Land, einen Stand oder irgend einen Menschen im einzelnen zu übergehen". Christus dagegen ,,, der Herr der ganzen Welt, wählt sich so viele Personen aus, Apostel, Jünger usw. und entsendet sie über die ganze Welt hin, auf daß sie den Samen seiner heiligen Lehre unter den Menschen aller Stände und in allen Lebenslagen ausstreuen."- Beide wollen alle Menschen auf der ganzen Welt erfassen, aber der eine geht brutal- der andere menschlich vor. Im dritten Punkt endlich geben beide Anführer die Taktik an, die ihre Sendboten befolgen sollen. Luzifer sagt, sie sollen Netze und Ketten auswerfen und die Menschen zuerst versuchen durch die Begierde nach Reichtümern, auf daß sie desto leichter zur eitlen Ehre der Welt und dann zu einem unbändigen Hochmut gelangen. Demnach ergeben sich als erste Stufe die Reichtümer, als zweite die Ehre, als dritte der Hochmut, und - von diesen drei Stufen aus verführt Luzifer zu allen übrigen Lastern. Die Taktik Christi dagegen: Er empfiehlt Seinen Sendboten ,,, sie möchten allen zu helfen suchen, indem sie dieselben zur größten geistlichen Armut bewegen, und, wenn die göttliche Majestät sich darin gefiele und sie dazu auswählen wollte, nicht minder auch zur wirklichen Armut; zweitens zum Verlangen nach Schmähungen und Verachtung, weil aus diesen beiden Dingen, der Armut und Verachtung, die Demut hervorgeht. Es gibt demnach drei Stufen: erstens die Armut gegen den Reichtum, zweitens Schmach und Verachtung gegen die weltliche Ehre, drittens die Demut gegen den Hochmut, und - von diesen drei Stufen aus sollen die Gesandten Christi die Menschen zu allen übrigen Tugenden anleiten." Nun war das Rätsel gelöst. Wo in aller Welt haben Menschen je mehr ,, wirkliche Armut" ,,, Schmähungen und Verachtung" erfahren als in diesen Konzentrationslagern? Ist es da noch verwunderlich, daß sie zu so tiefer und echter Demut und von da zu ,, allen Tugenden" gelangten? Also genau nach Ignatius! Vor fast vierhundert Jahren hat er die Betrachtung niedergeschrieben. Aber noch nie seither hat sie eine 14 - so ger durch vor m Ihr ließ. H und i denke Als und V Abe sah i Deuts samk schuld gefüh gehal Wi gen, e baren genau Ub Signa zeich Wer und Reid allen Vo lich So n Die D SOW Ver Man ung achzifer die inen Herr usw. iner pensWelt , die und erde Welt eben e der sfern. ,, sie geistdarin ichen tung, emut gegen tliche schen en je en als aß sie langat er eine so geradezu überwältigende Bestätigung gefunden wie in diesen Tagen durch die Konzentrationslager. Und ich sah diese Bestätigung leibhaftig vor mir! Ihr versteht vielleicht, daß dieses Erlebnis mir nun keine Ruhe mehr ließ. Es bohrte sich mit scharfer Spitze hinab bis auf den Seelengrund, und ich konnte die ganze Woche hindurch kaum mehr etwas anderes denken, auch viele Stunden in der Nacht: Also hat der hl. Ignatius doch recht: Der Weg Gottes geht über Armut und Verdemütigungen zur Demut und von da zu allen übrigen Tugenden. Aber auch die Schuldfrage und die Zeitereignisse der letzten Jahre sah ich in einem neuen Licht. Wir fragen uns als Menschen und als Deutsche: Wie konnten Menschen, deutsche Menschen, derartige Grausamkeiten in so großer Zahl verüben? Und wenn wir auf die Hauptschuldigen schauen, die Männer, die dieses System ersonnen und ausgeführt oder doch nicht verhindert haben, obwohl sie die Macht dazu gehabt hätten, ich frage: - Wie konnten Menschen, deutsche Menschen, in so hohen Staatsstellungen, eine solche Unsumme aller nur denkbaren oder kaum mehr denkbaren Laster auf ihr Gewissen nehmen? Ging es nicht auch bei ihnen genau nach Ignatius? Überzeugt euch selbst. Hat je eine geistige Bewegung so sehr die Signatur Satans auf der Stirne getragen wie ,, die Bewegung"? Wie zeichnet ihn Ignatius? ,, Auf einem hohen Thron aus Feuer und Rauch!" Wer denkt da nicht an ihre ganze Propaganda? Seine Mittel: ,, Netze und Ketten!" Ihre Hinterlist und Gewalt! Sein Weg:„ Begierde nach Reichtümern", eitle Ehre der Welt" ,,, unbändiger Stolz", von da ,, zu allen übrigen Lastern". Von da ,, zu allen übrigen Lastern", das sehen wir allerdings unheimlich bewahrheitet in den Lastern der Konzentrationslager! Hier nun hat sich der Engel des Lichtes" entlarvt als das, was er ist, als der Todfeind der menschlichen Natur", 17 so nennt ihn Ignatius in der Überschrift der Betrachtung. Aber auch als der eigentliche Beweger der Bewegung". Die Entlarvung Satans, das ist das Wesentlichste an diesen Greueltaten. Diese Entlarvung Satans hebt die Schuld der Menschen nicht auf, sowenig, wie die Klarstellung des göttlichen Wirkens im Menschen sein Verdienst aufhebt. Es steht dem Menschen ja frei, ob er dem bösen 15 oder dem guten Geist Raum geben will. Der Teufel zwingt keinen zum Bösen und Gott zwingt keinen zum Guten. - Wenden wir uns wieder den ,, Auserwählten" zu, die mitten in den Schreck nissen der Konzentrationslager dem Einfluß des„ guten Geistes" willig folgten. Ich sehe wieder meinen kleinen Holländer mit seinen schwarzen Haaren und dem sonnenverbrannten Gesicht. Ich habe schon oft in meinem Leben Exerzitien gemacht, zweimal sogar die dreißigtägigen; ich habe aber noch nie einen Exerzitienmeister gefunden, der so eindringlich zu mir gesprochen und mich so voll überzeugt hätte von der Richtigkeit der Exerzitienwahrheiten, wie dieser kleine, schwarzhaarige„ Sträfling" aus Mauthausen. Da war aber auch noch keiner zu diesem Amt so gut vorgeschult wie er. Was hatten denn die andern alle durchgemacht im Vergleich zu ihm? - Und ihr findet immer noch nicht heraus, welchen Sinn diese Lager von Gott her für diese Welt hatten? Er hat sich da Exerzitienmeister, Prediger, Missionäre herangeschult wie noch nie in der Kirchengeschichte: Priester und Laien, Männer und auch Frauen, ja selbst noch Kinder. Nachdem sie dann mit ihrer Ausbildung fertig waren, schickte Er sie hinaus, zu uns nach Deutschland, über ganz Europa hin, hinaus in die ganze Welt, bis an die Grenzen der Erde, daß sie den Menschen des zwanzigsten Jahrhunderts in einer neuen Sprache predigen, in einer Sprache, die sie verstehen. - Und was werden sie predigen? Das kann ich euch genau sagen, nachdem ich drei von ihnen gehört habe, einen Deutschen, einen Polen, der zuletzt in Frankreich war, und einen Holländer. Sie werden alle inhaltlich genau das gleiche predigen, gleichgültig, welcher Nation sie angehörten. Sie werden predigen: 16 ,, Es gibt einen TEUFEL! 99 Glaubt es nur, ihr Aufgeklärten des zwanzigsten Jahrhunderts! Es gibt einen Teufel. Glaubt es uns! Denn wir haben ihn mit eigenen Augen am Werk gesehen, am eigenen Leib verspürt und tragen heute noch die Spuren seiner Mißhandlungen am eigenen Körper. Ihr könnt sie sehen. Ja, glaubt es nur! Diese Spuren an unserem Leib sind Spuren teuflischer Miẞhandlungen. Solche Taten, wie wir sie gesehen haben, tut kein Mensch aus sich selbst. Der Teufel hat sie ersonnen und durch Menschen ausgeführt, die sich ihm zum WerkDas laute Da pred Th den gequ ohne einen 1. den stes" einen habe die nden, zeugt leine, noch n die Lager schult I und ihrer utschGrenrts in ehört , und digen, derts! an mit rspürt en am puren sehen ersonWerkzeug hingaben. Und sie mußten sich betrinken und so alle menschlichen Widerstände betäuben, um das zu können. Glaubt, es gibt einen Teufel, und seht, was er aus dem Menschen macht, wenn er seinem Einfluß nachgibt: teuflische Menschen, Scheusale, vor denen die ganze Menschheit erschaudert! Glaubt, es gibt einen Teufel, und seid vor ihm auf der Hut! Er ist listig und grausam. - ,, Seid nüchtern und wachsam, denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe, suchend, wen er verschlinge!" Seid auf der Hut! Denn er kommt auch getarnt, verkleidet in einen„, Engel des Lichts". Das ist der erste Teil ihrer Predigt. Der zweite, nicht minder wichtige, lautet: ,, Es gibt einen GOTT! - Glaubt es nur, ihr Ungläubigen des zwanzigsten Jahrhunderts! Es gibt einen Gott. Glaubt es uns! Denn wir haben Ihn selbst erlebt! Mitten in den Lasterstätten Satans war er mitten in unserm Herzen und hat uns stark gemacht, alles willig zu tragen. Er hat uns stark gemacht, mitten in allen Schrecken an Seine Liebe zu glauben und Seine Liebe zu fühlen und Ihn zu lieben über alles. Glaubt es uns; denn wir haben es erfahren: Alle Güter dieser Welt sind entbehrlich, nur GOTT ist unentbehrlich. Alle Güter dieser Welt sind nichts, GOTT ist Alles. Gebt ihm Raum in eurem Herzen! Dann ist alles gut, immer und überall. Denn ,,, die von Gottes Geist getrieben werden, sind KINDER GOTTES". Das ist der zweite Teil ihrer Predigt. Fertig! Die neuen Prediger predigen kurz. Seht Ihr nun, daß diese Lager von Gott her doch einen Sinn hatten, da sie euch solche Prediger gebildet haben! Ihr denkt:„ Ja, gewiß, bei diesen ,, Auserwählten", die gerettet worden sind! Aber die Tausende und aber Tausende, die da schuldlos gequält und grausam getötet wurden und jämmerlich gestorben sind, ohne daß die Welt überhaupt etwas von ihnen weiß!" 17 - Soll vielleicht ihr Leiden und ihr Opfertod deswegen keinen Sinn haben, weil die Welt nichts von ihnen weiß?? Nein, da müssen wir ganz umlernen! GOTT weiß um ihre Leiden. Seinem Vaterauge ist nichts verborgen geblieben. Er hat ihre Gebete, ihr Stöhnen und Seufzen, ihr Schreien zum Himmel, gehört, wie Er das Seufzen und Schreien Seines Sohnes am Ölberg gehört hat. Und darum waren ihre Leiden und ihr Tod nicht nutzlos, auch nicht nutzlos für diese Welt, auch wenn die Welt gar nichts von ihnen weiß. Bei GOTT gelten ihre Leiden als Sühnepreis für diese sündige Welt. Oder war etwa das strenge Leben, das Beten und Büßen der Trappisten und Kartäuser und all der strengen Orden der hl. Kirche Christi sinnlos und nutzlos für diese Welt? Wo aber gab es je in der Geschichte der Kirche einen Orden, der so streng war wie diese Lager,- so abgeschieden von dieser Welt, so vollkommen in der Übung der Armut, der Keuschheit und des Gehorsams, so heroisch in seinen Buẞübungen,- so fertig mit dieser. Welt und bereit für den Tod und das ewige Leben! In Dachau bildeten die Jesuiten ein kanonisch errichtetes Kloster von 70 Mann, in aller Form errichtet durch ein Dekret des Generals, mit ihren Obern, ihren geistlichen Übungen, ihren Gelübden usw. Doch das ist alles nicht wesentlich. Vor Gott waren alle Insassen dieser Lager in ihrer Art ,, Mönche“ und„, Nonnen" und trugen ihr„ Ordenskleid" in dem Maße, wie sie seiner Gnade in ihrem Herzen Raum gaben. So finden wir also selbst mit unserm armseligen Menschenverstand doch Gründe, gewichtige Gründe, weshalb Gott diese Greueltaten zulief?. Fassen wir das Wesentliche an ihnen noch einmal scharf ins Auge: Sie sind eine Selbstentlarvung Satans und damit zugleich eine Entlarvung seines Werkzeugs, des Nationalsozialismus. Diese Selbstentlarvung war zweifellos vom Standpunkt des Bösen Feindes eine ungeheuerliche Dummheit und nicht gewollt. Gewollt war das Böse, zu dem es ihn als den ,, Todfeind unserer menschlichen Natur" drängte; und die Selbstentlarvung glaubte er verhindern zu können durch einen absolut dichten Ring des Schweigens, den er um seine Werke zog. Dieser Ring war so eng geschlossen, daß ein Deutscher schon ins Ausland reisen mußte, um etwas Konkretes über die Lager zu erfahren und dort etwa die ,, Moorsoldaten" zu lesen. Daheim gab es derartige Bücher nicht, und von Mund zu Mund erfuhr man sehr wenig. Aus den schlimmsten Lagern kam niemand heraus, und die Missetäter selbst wurden von Zeit zu Zeit wieder„ ,, umgelegt", damit sie nichts aussagen 18 konnt ware deutu Gefül So vi den schla sagen Go Er tr und die N So maße Seite Un einm Men ersch lich und kam sen wir die bei W der viel W aus Häf wei kat Scha E lich Unt ent Sinn wir e ist Seufreien eiden auch eiden Traphristi , der elt, - s Gedieser loster erals, Doch Lager id" in stand culieẞ Auge: e EntBösen It war Natur" önnen Werke on ins Fahren artige Aus selbst sagen konnten. Die wenigen aber, die aus den milderen Lagern herauskamen, waren derart eingeschüchtert, daß sie nur ganz allgemeine, dunkle Andeutungen machten, gerade genug, um im ganzen Volk ein allgemeines Gefühl des Grauens vor diesen geheimnisvollen Stätten zu erzeugen. So viel war ja vom Standpunkt Luzifers notwendig, um sein Werkzeug, den Nationalsozialismus, sicher in der Macht zu erhalten. Also ganz schlau ausgedacht, aber am Ende doch wieder dumm. ,, Dummer Teufel!" sagen wir. Gott begnügte sich aber nicht damit, diese Torheit Satans zuzulassen. Er trat selbst in Aktion durch außerordentliche Erweise Seiner Gnade und Seiner Kraft,- in Seinen Auserwählten", Seinen Kindern.., Wo die Not am größten, da ist Gott am nächsten". So sehen wir auf der einen Seite Greueltaten der Menschen, in Ausmaßen, daß uns das Blut in den Adern stockt, und auf der andern Seite Großtaten Gottes, in Ausmaßen, daß wir zu Tränen gerührt sind. - Um keine zu optischen Vorstellungen zu wecken, betone ich noch einmal: Man muß sich die richtigen Augenzeugen aussuchen, nämlich Menschen, die Gott in sich wirken ließen. Ich kenne aus der bereits erschienenen Literatur und aus persönlicher Begegnung selbstverständlich auch Beispiele fürs Gegenteil, Menschen, die mit glühendem Haẞ und einem grimmigen Verlangen nach Vergeltung aus diesen Lagern kamen, was menschlich leicht begreiflich ist. Aber wir Katholiken müssen auch das Gute, das ,, im Verborgenen blüht", suchen und sehen; und wir katholischen Prediger müssen es der Welt verkünden. Nur so wird die Welt ein wahres Bild von den Konzentrationslagern bekommen, bei dem Licht und Schatten einigermaßen richtig verteilt sind. Wie hoch der Prozentsatz der durch die Leiden Geläuterten oder gar der Bekehrten ist, das ist eine zweite Frage, die heute noch nicht und vielleicht überhaupt erst am Jüngsten Tag gelöst werden kann. Was wir hier in Ravensburg sahen, waren über hundert Häftlinge aus Mauthausen, Franzosen, Belgier und Holländer, also durchweg Häftlinge aus einem Vernichtungslager, die aus politischen, beziehungsweise nationalen Gründen ins Lager kamen und von Haus aus fast alle katholisch waren. Bei ihnen überwog das Licht dermaßen, daß wir vom Schatten gar nichts spürten. Es wäre selbstverständlich ein Trugschluß, wollte man einen ähnlichen Prozentsatz für die Allgemeinheit annehmen. Erstens ist es ein Unterschied, ob man in einem ,, Vernichtungslager" lebt, wo man ständig entweder vor dem Nichts oder dem ewigen Leben steht, oder in einem 19 ,, milden Lager", zu denen Dachau bei den Häftlingen von Mauthausen gezählt wurde, wo man doch immer noch auf die Freiheit und dieses irdische Leben hofft. Zweitens ist es entscheidend, wie viel Religion einer in die Lager mitbrachte und wie viel Hilfe er durch das Beispiel und die Worte der Mitgefangenen fand. Bezüglich Dachau habe ich noch einen polnischen Mitbruder befragt, einen kleinen Mann in der Vollkraft des Lebens, der mir gleich bei der ersten Begegnung mit der Offenheit und Liebe eines wirklichen Bruders gegenübertrat. Er war aus Warschau. Als Wissenschaftler vom Fach hatte er eine genaue Liste über die polnischen Priester und Ordensleute, nach Orden und Diözesen, die nach einer namentlichen Liste, mit Geburtsort und Todestag, zusammengestellt war. Darnach waren in Dachau 1323 Weltpriester und 320 Ordensleute( Priester und Brüder), zusammen 1643. Gestorben sind 738 Weltpriester und 108 Ordensleute. zusammen 846; es lebten also am 29. April 1945 noch 585 Weltpriester und 212 Ordensleute. Die Weltpriester waren aus 25 verschiedenen Diözesen und die Ordensleute aus 32 Orden. Am zahlreichsten waren die Jesuiten, nämlich 69, von denen 25 gestorben sind, darunter 10 Priester; es lebten noch 44, darunter 10 Priester. Da er eine geringere Zahl der Toten angab als mein deutscher Gewährsmann, wandte ich ein, vielleicht habe die Namensliste nicht alle Toten erfaßt. Er sagte:„, 846 ist die genaue Zahl, nicht mehr", und er blieb dabei. Damit bewies er nicht nur seinen unbestechlichen Gerechtigkeitssinn, der jeder Übertreibung abhold war, sondern auch, wie leicht man bei Schätzungen von Todesopfern selbst bei der größten Vorsicht zu hoch greift. Wir haben das ja selbst bei Fliegerangriffen immer wieder beobachtet. in Fr flamm Die L Letzte Zwe genug Versu daß s lange Dieser überaus vorsichtige Wissenschaftler fand meine Darstellung nicht zu optimistisch und sagte über seinen Erfahrungskreis, also hauptsächlich Polen, aus: Fast alle sind gläubig geblieben; viele sind Gott näher gekommen und haben wieder beten gelernt. Im letzten Jahr, als vor und nach der Arbeit Gottesdienst für die Polen gestattet war, haben viele täglich kommuniziert. Den Gottesdienst am Sonntag mußte man dreimal halten. Er war in einer Baracke, die etwa 600 Personen faßte. Außer diesem Aufblühen des religiösen Lebens, vielleicht zum Teil infolge davon, kamen auch vollständige Bekehrungen vor, wenn auch nicht gerade viele. Am 3. Mai, dem Nationalfeiertag der Polen, war Gottesdienst auf dem Appellplatz, und alle Nationen strömten mit ihren Fahnen herbei. Das erzählte er mit großer Freude.„ Haẞ unter den Nationen gab es nicht." Im Juni war dann eine schöne Befreiungsfeier 20 - 99 sie! Ja, und s aufzu polnis für a vom „ Vi steht tyrers derm Sorge von dem keit gen komm storb nung Es h ( 8 stat Chrys die be Diözes um 3 die O ist in neuen bei de Liste 190 f die Z den b usen eses gion spiel ragt, der ders Fach ensmit nin der), eute. ester enen aren PrieGealle d er rechwie Vormer lung uptGott , als aben man afte. Teil auch war hren den feier in Freimann bei München, mit Liedern und Tänzen und einer Feuerflamme. Am Schluß warf eine kleine Gruppe SS- Puppen in die Flamme. Die Lagerzeitung bemerkte dazu, es wäre schöner gewesen, wenn dieses Letzte nicht gewesen wäre. Zweifellos gab es auch Versager, sogar unter den Geistlichen. Es wird genug davon geschrieben und gesprochen. Wir haben nicht die geringste Versuchung, Steine auf sie zu werfen. Wer von uns hat die Gewißheit, daß sein Charakter und seine Nerven bei einer so schweren und so langen Prüfung nicht versagt hätten? Der werfe den ersten Stein auf sie! Der Hunger ist ein gar grausamer Tyrann. - Ja, schauen wir auf die Versager, um uns in der Demut zu erhalten, und schauen wir auf die Beispiele christlichen Heldentums, um uns aufzurichten. Auch dafür haben wir herrliche Zeugnisse. Hören wir den polnischen Feldbischof Josef Gawlina, am 5. Juni vom Papst zum Bischof für alle Polen in Deutschland ernannt, der in seinem ersten Amtsblatt vom 1. August 1945 seine Geistlichen aus Dachau also anredet: 99 Viele von euch haben ihre Treue mit dem Tode besiegelt. Vor uns steht die Gestalt des verstorbenen Bischofs Michael Kozal, des Märtyrers von Dachau, qui loci foeditate multisque ærumnis afflictus obdermivit in Domino( der durch die Häßlichkeit des Ortes und viele Sorgen niedergedrückt im Herrn entschlief). Heute schon beten viele von euch zu ihm wie zu einem Heiligen, und wir werden in Bälde dem Hl. Vater eine Beschreibung seiner Tugenden, seiner Hochherzigkeit und seiner Leiden zusenden, um bei frischer Erinnerung der Zeugen seines christlichen Heldentums das erste Fundament für seinen kommenden Seligsprechungsprozeß zu legen. Zusammen mit dem verstorbenen Bischof teilten 1646*) polnische Priester das Los der Verbannung und des Todes in Dachau. Am Leben sind von euch 797 geblieben. Es hat dem Teufel gefallen,„ euch zu sieben, wie man den Weizen - *) Der polnische Text hat die Zahl 1846. Doch das dürfte ein Druckfehler ( 8 statt 6) oder sonst ein Mißverständnis sein. Die religiöse Wochenzeitschrift ,, Polska Chrystusowa"( Christliches Polen), die in München herauskommt und darum über die besten Informationen verfügt, hat in Nr. 18 vom 2. 9. eine genaue Liste nach Diözesen und Orden, aus der sich die Gesamtzahl 1646 ergibt. Diese Zahl ist um 3 höher als die bereits erwähnte Zahl von P. Szopinski. Bei der Totenliste für die Ordensleute sind 3 hinzugekommen. Bei der Listenführung für den Weltklerus ist insofern ein Unterschied: Bei P. Szopinski ist Gnesen und darunter in einer neuen Zeile Posen angeführt; bei den Überlebenden steht für Gnesen 63, für Posen 127; bei den Toten ist bei Gnesen eine Lücke, bei Posen die Zahl 223. Bei der neuen Liste stehen Gnesen- Posen in einer Linie, mit der Zahl 223 für die Toten und 190 für die Überlebenden. Im übrigen stimmen die Listen überein. Demnach gilt die Zahl 223 offenbar für Gnesen- Posen zusammen und die Gesamtzahl ist nach den bisherigen polnischen Informationen 1646. 21 siebt". Ihr seid mit dem Herrn Jesus ins Gefängnis und in den Tod gegangen. Aus eurem Beispiel( ihr dürft der Geschichte getrost ins Auge schauen) werden spätere Priestergeschlechter noch lange Begeisterung schöpfen. Gingen doch ganze Bände eurer frommen Gebete zum Himmel. Der Hunger nach dem Brot des Lebens hat euch, die ihr mit besonderer Rücksichtslosigkeit verfolgt wurdet, zu Entdeckern neuer Wege des eucharistischen Heilandes zu den Menschen gemacht. Auf altchristliche Art ruhte der Heiland auf der Hand eines jeden von euch während der gemeinsamen Meßfeier. Die heiligen Gestalten vertrautet ihr den Laien an, damit diese sie als neuzeitliche Tarzisiusse den Gefangenen und Sterbenden brachten. In den Steinbrüchen und auf der Plantage habt ihr die heiligen Geheimnisse gefeiert. Auf dem Felde über dem Unkraut knieend beginget ihr Fronleichnam. Schwere Lasten tragend habt ihr Jesus durchgeschmuggelt und im geheimen hieltet ihr eure Nachtwachen vor dem ,, Verborgenen Gott"( im Sakrament). ,, Caritas Christi urgebat vos"( die Liebe Christi drängte euch). Als im Lager der Flecktyphus ausbrach, meldeten sich polnische Priester als Freiwillige, um mehreren tausend Menschen, die dem Tod geweiht waren, zu dienen, ohne Rücksicht auf die eigene Gesundheit und das eigene Leben. Jeder von ihnen hat sich angesteckt und hat eine Krisis auf Leben und Tod durchgemacht. Es ist auch nicht ohne Lebensopfer abgegangen. ,, Eine größere Liebe hat niemand, als wer sein Leben hingibt für seine Freunde." Eure Belohnung war die Freude, mit welcher der Sterbende das Lebensbrot empfing, und euer Entgelt wird Jesus sein, hochgelobt in Ewigkeit. Als endlich am 29. April zum erstenmal, seitdem das Lager in Dachau besteht, vom Wachtturm laut das Vaterunser ertönte, konntet auch ihr anstimmen: ,, Du hast meine Fesseln zerbrochen, Dir will ich das Opfer des Lobes darbringen." Alleluja. Die Macht Satans, der sich als Herr der Welt aufgespielt hat, ist überwunden." So der polnische Bischof. - Für die Lösung der Schuldfrage ergibt sich von dieser religösen Warte aus gesehen ganz von selbst schon folgendes: Erstens, der eigentliche Urheber der Untaten ist Satan, der Widersacher Gottes. Zweitens, seine Werkzeuge sind vor allem die Führer des Nationalsozialismus, die das System der Konzentrationslager verschuldet und damit vor Gott eine nicht mehr vorstellbare Schuld auf sich geladen haben; dann die einzelnen Verbrecher, die dem Bösen Feind so viel Raum in ihrem Herzen gaben, um solche Missetaten auszuführen. 22 Vo fanat sollte Chri ..Wi " ,, nur müß Pred Him käm Entl Fü los e ,, nid gege böse Al uns So s Arti tion nen chris ( nac noch zah mit der per man sam pag eini Jäh aus Teu ( läh Sys und Tod ins egeibete e ihr kern acht. von ver- den der elde asten t ihr CariLager Freiaren, gene sauf Tabngibt r der sein, itdem unser zerDie überWarte Viderionalt und laden viel Von einer solchen Lösung der Schuldfrage wollen natürlich gewisse fanatische Anhänger des Nationalsozialismus nichts wissen. Nach ihnen sollte man von den Konzentrationslagern ganz schweigen. Und manche Christen pflichten ihnen bei, getäuscht durch den frommen Spruch: ,, Wir wollen jetzt nur noch von Christus hören". Gewiß, viele wollen ,, nur von Christus hören", aber nicht nach Seinen Worten tun! Sonst müßten sie in sich gehen und Buße tun. Begann doch Jesus Seine Predigt mit der Botschaft:„ Tuet Buße( ändert euren Sinn)! Denn das Himmelreich naht"( Mt 4, 17). Vor allem wollen sie nicht mit Christus kämpfen gegen Seinen Widersacher, Satan. Sonst wären sie mit seiner Entlarvung ganz einverstanden. Für das deutsche Volk aber bedeutet die Entlarvung Satans zweifellos einen ,, mildernden Umstand". Mußte doch dieses Volk offensichtlich ,, nicht bloß gegen Fleisch und Blut kämpfen, sondern gegen die Mächte, gegen die Gewalten, gegen diese finstern Weltbeherrscher, gegen die bösen Geister in den Lüften"( Eph 6, 12). All das sehen wir als gläubige Christen ohne Mühe. Und wir befinden uns in voller Übereinstimmung mit der weltlichen Geschichtsforschung. So sagt z. B. der 82jährige Historiker Dr. Friedrich Meinecke in einem Artikel der ,, Ruhrzeitung", der auch in den Ravensburger„ Informations" Nr. 13 abgedruckt ist: ,, Wir, die wir in dem blendend begonnenen Werke Hitlers von vornherein etwas Satanisches, dem Geiste christlich- abendländischer Kultur Feindliches spürten, mußten fortan ( nach dem Reichstagsbrand) schweigen."- ,, Weder der Terror allein, noch die Propaganda allein hätten es schaffen können. Aber eng verzahnt miteinander betörten sie die Massen, Herrlichste Schaufenster mit trefflichen, preiswerten Artikeln lockten den Käufer, der nichts von der dunklen, verbrecherischen Tiefe des Ladens ahnte. So entstand ein pervertierter, in der Wurzel vergifteter„ Idealismus" unter uns, dem manche sonst brave Seele anheimfiel."- Nur ,, jene infernalisch- wirksame Verschmelzung von lähmendem Terror und verführerischer Propaganda, jener pervertierte Idealismus" machen es nach Meinecke einigermaßen verständlich, daß die Partei ,, Deutschland in fast sechsjähriger ungeheurer Kraftanspannung bis zum Weißbluten für sich ausbeuten" konnte. Das gleiche in der Sprache des hl. Ignatius: Der Teufel hat als ,, Engel des Lichts"( pervertierter Idealismus) ,, Ketten" ( lähmender Terror) und ,, Netze"( verführerische Propaganda) zu einem System verbunden. Jawohl, es war der Satan! Und seine Entlarvung ist uns eine religiöse und nationale Pflicht. 23 II. Nachdem wir nun unser Möglichstes getan haben, um die Lager selbst als Ganzes richtig und„aus ihren letzten Ursachen“ zu erkennen, wol- len wir die Frage beantworten, die wir uns anfangs gestellt haben: Die Gewissensschuld unseres Volkes Ich will mich so kurz wie möglich fassen, denn ich fürchte: nachdem ihr die neuen Prediger gehört habt, werde ich euch bald verleiden.— Zum Glück haben sie uns schon in die rechte Seelenhaltung gebracht, um eine so wichtige und schwierige Frage wenigstens ehrlich zu beant- worten; ich meine eine unbegrenzte Ehrfurcht vor Gott und Seinem machtvollen Walten in der Geschichte der Menschen,— und ebenso eine heilsame Vorsicht vor Satan und seinen Listen. Denn es ist nicht wahrscheinlich, daß er nach der Vernichtung der Konzentrationslager diese Erde nun aufgegeben habe. Ih Das Gewissen Diesen Begriff müssen wir zuerst klären.— Wir unterscheiden: per- sönliches Gewissen,— Volksgewissen,— Weltgewissen. 1. Das persönliche Gewissen kennt ihr alle aus persönlicher Erfahrung von Kindheit an. Es ist eine „Stimme Gottes in uns“, die uns zum Guten antreibt und vom Bösen abhält. Nicht als ob vom Himmel her eine Stimme ertönte; in uns erklingt sie. Was ist sie genau?— Ganz nüchtern gesagt, unsere moralische Anlage. Sie wird mit Recht„Stimme Gottes“ genannt, weil Gott sie uns eingeschaffen hat und weil sie uns anhält, vor Gottes Angesicht unser freies Tun und Lassen zu beurteilen. Sie heißt daher auch der„Richter Gottes in unserer Brust“, von Gott bestellt, daß er richte über Gut und Bös,— das Gute lobe, das Böse tadle,— zum Guten antreibe, vom Bösen zurückhalte. 24 All rühm lichk« Da wolle Er Dars Da alles spiel Urte; leich Go lich“ Irrer 2 : elbst wolndem n. racht, eantinem Denso - der pereine Bösen uns ische t sie esicht Gott Böse - - Alle Völker aller Zeiten und aller Zonen kennen diesen Richter. Sie rühmen lichkeit! und fürchten! seine Unparteilichkeit, seine UnbestechDa muß man ehrlich sein. Ihn betrügen wollen hieße, Gott betrügen wollen und sich selbst betrügen. Er will kein Übertreiben und kein Beschönigen oder eine einseitige Darstellung der Tatsachen; er will einfach die lautere, volle Wahrheit. Dann legt er mit absoluter Sachlichkeit alles ,, Dafür" auf die eine, alles ,, Dagegen" auf die andere Waagschale und schaut, wie die Waage spielt. Darnach allein,„ ohne jedes Ansehen der Person", fällt er das Urteil: erlaubt- unerlaubt, schuldig- unschuldig, schwere Schuld leichte Schuld. - Gott verlangt aber nicht, daß der Mensch alles weiß: ,, Irren ist menschlich". Darum kann dieser Richter, obwohl er an Gottes Statt richtet, irren, schuldlos irren, weil er eben nach menschlichem Wissen richtet. 2. Das Volksgewissen. Dieser Begriff ist schwerer und vor allem„, verbürgerlicht". Wir müssen ihn zu Gott zurückführen. Ziehen wir zunächst so weit wie möglich die Parallele zum persönlichen Gewissen: Auch das Volksgewissen ist eine„, Stimme Gottes", die nicht etwa so allgemein über das Volk hin ertönt; nein, sie erklingt ,, in uns". Es ist ebenso ein absolut unparteiischer und unbestechlicher Richter, bei dem nur die Ehrlichkeit gilt. Es kann wohl irren, aber es kann nicht unehrlich sein; denn dann wäre es nicht mehr Richter an Gottes Statt, nicht mehr Gewissen. Der Unterschied liegt darin, daß jetzt nicht eine Einzelperson urteilt und beurteilt wird, sondern ein Volk, als eine begriffliche Einheit genommen, als moralische Person. Das Volk urteilt vor Gott über das sittliche Verhalten des Volkes, mit dem Zweck natürlich, im ganzen Volk das Gute zu fördern und das Böse zu hemmen. Infolgedessen haben wir jetzt nicht mehr einen Einzelrichter, sondern eine Vielheit von Richtern, ein Richterkollegium, ein Tribunal. Das Volksgewissen ist das höchste geistige Tribunal eines Volkes. Es tagt aber nicht an einem Ort, in einem Gerichtssaal, nein, es schickt seine Vertreter hinaus ins Land, in die Städte und in die Dörfer, in die Kirchen und in die Schulen, in die Familien und auf die Straßen, kurz, überallhin, wo das Volk zum Guten aufgemuntert und vom Bösen abgehalten werden kann. 25 Au Wer ist zum Richteramt berufen? Um diese Frage einwandfrei zu lösen, fassen wir ganz nüchtern das Wesen des Volksgewissens ins Auge: Es ist die Verbindung der moralischen Anlage mit der Liebe zum Volke. ,, Das Gute will sich ausdehnen", sagt der hl. Thomas. Darum will der moralisch gute Mensch nicht bloß selbst gut sein; er will auch, daß seine Mitmenschen, vor allem die Menschen gleichen Volkes, gut sind. Im Volksgewissen dehnt sich also die moralische Anlage des einzelnen auf das ganze Volk aus, und mit ihr vereint sich als neue, sehr starke Kraft die Liebe zum Volk. Demgemäß ist ganz allgemein von Gott her zum Richteramt jeder Mann und jede Frau dieses Volkes berufen, soweit die moralische Anlage gut und geschult und die Liebe zum Volk und jedem einzelnen Volksgenossen echt ist. Sie alle sind berufen, jeweils im Umkreis ihres geistigen Einflusses, das Verhalten der Mitmenschen in aufrichtiger Liebe zu beurteilen, das Gute zu fördern, das Böse zu hemmen und so, jedes an seinem Platze, die gesamte Volksmoral zu heben. Darüber hinaus gibt es aber noch eine besondere Berufung für alle Personen, die im Aufbau des Volkskörpers, in Kirche oder Staat, eine besondere Stellung einnehmen. Sie haben eine höhere Berufung und auch eine strengere Verpflichtung, für die gesamte Volksmoral Sorge zu tragen, je nach den Möglichkeiten und dem Charakter ihres Amtes. Alle diese sind also berufen, im Namen des Volksgewissens zu richten, unterstehen aber ihrerseits wieder selbst diesem höchsten Tribunal. Und je höher sie stehen als Richter, desto strenger werden sie gerichtet. Glücklich das Volk, in dem das Volksgewissen nach den von Gott gegebenen Gesetzen, in Klugheit, Lauterkeit und Kraft, seines Amtes waltet! Dieses Volk steigt als Ganzes empor zu den sittlichen Höhen; jeder einzelne wird getragen und gehoben durch die gute Sitte. Wehe dem Volk, bei dem das Volksgewissen versagt! Es sinkt ab und geht unter. 3. Das Weltgewissen. Hier wird nun die ganze Menschheit als moralische Person, als geistige Einheit genommen: die große Völkerfamilie, wie sie über diese Welt wandelt vor den Augen ihres himmlischen Vaters. Das Weltgewissen ist das höchste geistige Tribunal der Welt. Die Wenschheit richtet hier vor Gott und an Gottes Statt über die Menschheit. 26 seine damit Mens Da dern und Da unbe schen hl. P das H von a trage We Hi Ungl G ist u nen W die' W frag Wel Be über die deut D unse Den sten W sen, das oraausnsch vor ehnt aus, Volk. eder Anelnen ihres tiger d so, - alle eine - und Sorge mtes. Auch hier tagt das Tribunal nicht an einem Ort, sondern es schickt seine Richter hinaus in die ganze Welt, überallhin, wo Menschen sind, damit sie überall das Gute fördern, das Böse hemmen, und so die ganze Menschheit höher führen. Das Weltgewissen befaßt sich natürlich nicht mit Kleinigkeiten, sondern mit Personen, Ereignissen, geistigen Strömungen, die das Wohl und Wehe der ganzen Menschheit berühren. Das Richteramt verlangt hier Personen von höchstem sittlichem Wert, unbestechlichen Gerechtigkeitssinn, klares Urteil, Kenntnis der Menschen und der Völker, und vor allem ein weltweites Herz, wie ein hl. Paulus es hatte. ,, Cor Pauli cor mundi!"„ Das Herz des Paulus das Herz der Welt!" Ein Herz, das die ganze Menschheit, unabhängig von allen persönlichen oder nationalen Interessen, umfängt und hinauftragen will zu ihrem Schöpfer und Vater. - - Welch eine gigantische Aufgabe! Und welche Verantwortung! Hier fallen die nationalen Schranken. Jetzt geht es um Glück und Unglück der Welt! Glücklich die Welt, wenn dieses höchste Gericht gut zusammengesetzt ist und kraftvoll seines Amtes waltet! Es ist für alle und jeden einzelnen eine innere Kraft nach oben, die durch nichts ersetzt werden kann. Wehe der Welt, wenn dieses höchste Gericht versagt! Sie stürzt in die Tiefe. hten, . Und t. Gott Amtes öhen; kt ab s geidiese er die 2. Dissonanz der Gottesstimmen" " Wer wollte bezweifeln, daß die Konzentrationslager als Gewissensfrage vor das Tribunal des deutschen Volksgewissens und auch des Weltgewissens gehören? Beides sind ,, Stimmen Gottes in uns", und doch stimmen sie nicht überein. Wir hören eine sehr schmerzliche Dissonanz; eine Dissonanz, die eine schwere, ja eine tödliche Gefahr bedeutet, nicht bloß für das deutsche Volk, sondern für einen wirklichen Frieden der Welt. um hier nur von Daraus ergibt sich für uns Deutsche die Pflicht, unsern Pflichten zu reden, alles nur Mögliche zu tun und alles nur Denkbare zu versuchen, um diese Dissonanz zu beheben oder wenigstens zu mildern. Keiner denke, sein kleiner Dienst sei da zu gering. Wie ist eine solche Dissonanz überhaupt möglich? Weil das Gewissen, als eine Gottesstimme in uns und aus uns heraus, irren kann, und 27 zwar ohne Schuld. So sehr ist der Mensch dem Irrtum ausgesetzt. Es kann irren; es kann aber nicht unaufrichtig sein. Und wenn es einen Irrtum fürchten muß, muß es aufrichtig nach der Wahrheit forschen. Worin besteht die Dissonanz? Menschen, aus denen das Weltgewissen spricht, also gewissenhafte Menschen, die aufrichtig die Wahrheit und ein gerechtes Urteil suchen, stehen meistens unverrückbar auf dem Standpunkt: - ,, Das deutsche Volk hat diese Frevel gewußt, das eigene Volk mußte sie doch wissen!- und es hat sie geduldet! Wie kann ein Volk mit Moral derartige Frevel in seiner Mitte dulden? Es hätte sich wie ein Mann erheben müssen, um sie auszutilgen aus dieser Erde und ihre Urheber wegzufegen von dieser Welt. Aber es hat nichts getan, im Gegenteil, es hat für die Urheber dieser Verbrechen gekämpft, auch nachdem der Krieg bereits sinnlos geworden war. Und so hat es namenloses Elend über die Menschheit gebracht. Das ganze Volk ist schuldig." Das deutsche Volksgewissen dagegen gibt selbstverständlich eine gewisse Schuld zu, aber es gibt nicht zu, daß es diese Verbrechen genügend gewußt und freiwillig geduldet, also sich formell mitschuldig gemacht habe. Es gibt ferner nicht zu, daß das deutsche Volk für Verbrecher gekämpft habe. Das haben nur die fanatischen Anhänger getan. Die überwiegende Mehrzahl der Soldaten hat entweder aus absolutem Zwang gehandelt oder fürs Vaterland gekämpft. So weit kennt das Volk seine eigenen Väter, Brüder und Söhne. Da es nur eine Wahrheit gibt, muß es doch schließlich eine Möglichkeit geben, diese Dissonanz zu beseitigen. Um die nötige Geduld zu bewahren, müssen wir wenigstens verstehen, daß uns die demokratischen Völker kaum verstehen können, weil sie sich eine vollendete Diktatur nicht vorstellen können. Dafür fehlen ihnen einfach die Begriffe, die nach der Philosophie und auch nach unserm eigenen schmerzlichen Erlebnis aus der Erfahrung gewonnen werden. Die Verschiedenheit in der Auffassung der Konzentrationslager, die in dieser Diktatur eine entscheidende Rolle gespielt haben, erklärt sich ziemlich mühelos daraus, daß das deutsche Volk und die übrigen Völker von einem ganz verschiedenen Standpunkt aus an diese geheimnisvollen Stätten herangekommen sind. Wundern wir uns nicht, wenn andere Völker sich täuschen, nachdem wir selbst uns jahrelang getäuscht haben. 28 Od seier sie d Part ders Zwa lage sie erzw Wei eine zwis D In Mac „ Da vorz Kre Zwa der M Geb We schi daß deu gek wu sche die Ras Erk Kri bit stis fre di mu de t. Es einen en. hafte chen, Volk Volk ■ wie ihre , im auch menldig." me geigend macht recher . Die wang seine öglichS verönnen, Dafür auch ewoner, die rt sich brigen heimwenn ng geOder haben wir nicht bisher alle gemeint, die Konzentrationslager seien nur ein Mittel der Partei gegen das Volk, die Partei wolle durch sie das Volk in Zwang halten? Bis wir jetzt erfahren haben, daß auch Parteimitglieder, sogar hochstehende, in den Lagern waren und besonders streng behandelt wurden. Also war die Partei auch unter einem Zwang, und zwar unter einem noch stärkeren. Und die Konzentrationslager waren letzten Endes Sache der eigentlichen Machthaber, mit denen sie sich zuerst und vor allem den blinden Gehorsam" bei der Partei erzwangen und mittels der Partei den Druck auf das Volk ausübten. Weil der Druck von der Partei auf uns kam, hielten wir es einfach für eine Parteisache und übersahen, daß ein Unterschied zu machen ist zwischen den eigentlichen Machthabern und der Partei. Der Aufbau des Machtsystems ist also so: In der Mitte haben wir einen ganz kleinen Kreis, die eigentlichen Machthaber. Ihre Zahl können wir vielleicht nach Nietzsche bestimmen: ,, Das Volk ist der Umschweif der Natur, um 5 oder 6 Übermenschen hervorzubringen". Um diesen kleinen Kreis legt sich der schon viel größere Kreis der Partei mit ihrem ,, blinden Gehorsam" und dem stärksten Zwang, soweit selbständige Persönlichkeiten in Frage kommen. Endlich der dritte Kreis, das ganze deutsche Volk. Mit dem Krieg kam ein vierter Kreis hinzu, die Völker der besetzten Gebiete. Über sie kam die Gewalt mittels des deutschen Volkes, seiner Wehrmacht. Unter ihrem Schutze wirkten die Beamten der Partei und schickten, was sich nicht fügte, in die Lager. Ist es nun verwunderlich, daß diese Völker der gleichen Täuschung unterlagen wie vorher das deutsche Volk? Die Gewalt war mittels des deutschen Volkes über sie gekommen, und sie sahen nur ihre Leute, die in die Lager abgeschleppt wurden. Infolgedessen betrachteten sie naturgemäß die Lager als deutsche Sache zur Unterdrückung der eroberten Gebiete. Dazu kam noch die Verfolgung der Juden aus rein rassischen Gründen und die ganze Rassentheorie von Rosenberg. War nun nicht die selbstverständliche Erklärung gegeben für die Leistungen der deutschen Soldaten auf allen Kriegsschauplätzen und für ihren verbissenen, sinnlosen Kampf bis zum bitteren Ende? Offenbar war ,, das ganze Volk von der nationalsozialistischen Rassentheorie besessen" und wollte, als die ,, Edelrasse", die fremden Völker ausrotten oder mit brutaler Gewalt unter ihr unwürdiges Joch beugen.- Ja ,,, diese ganze Rasse ist schlecht und verdammungswürdig!" Diese Konstruktion war vom Standpunkt der außerdeutschen Welt ganz einleuchtend und selbstverständlich. Daß sie trotz29 erreich dem ganz an den Tatsachen vorbei geht, wissen wir. Was haben wir schon und die Mehrheit unseres Volkes mit der Rassentheorie von Rosenberg zu tun? Damit wäre die Disharmonie erklärt, aber noch nicht gelöst. Vielleicht könnte aber die außerdeutsche Welt einmal vom Gedanken ausgehen, das nationalsozialistische Gewaltsystem sei mit aller Konsequenz aufgebaut und durchgeführt gewesen. Das ist doch wohl kaum zweifelhaft. Gut, dann kann sie sich aus der eigenen Erfahrung einen Begriff machen vom Zwangszustand des deutschen Volkes; sie braucht nur den eigenen Zwangszustand etwa zu verdoppeln. Denn wenn das deutsche Volk das Werkzeug war, mit dem die andern Völker unter der Gewalt gehalten werden sollten, dann mußte man dieses Volk, das Werkzeug, noch sicherer in der Gewalt haben. Nachdem nun der Aufbau des Gewaltsystems klar vor uns liegt, ergeben sich für die Schuldfrage unmittelbar folgende Schlüsse: 1. Das System der Konzentrationslager konnte nur mit Gewalt wieder aus der Welt geschafft werden, nachdem es einmal aufgebaut war. Denn es ist nicht daran zu denken, daß die Gewalthaber irgendwie mit andern Mitteln hätten bewogen werden können, auf das Herzstück ihres Machtsystems zu verzichten. nach d die Hi Hirten 2. Das deutsche Volk besaß nach dem Aufbau des Systems diese Gewalt nicht mehr. Was hätte es tun können, um die Machthaber zur Abdankung oder wenigstens zur Nachgiebigkeit zu zwingen? An einen bewaffneten Aufstand war nicht zu denken, weil sich die Waffen im Besitz derer befanden, die bereits im ,, blinden Gehorsam" gedrillt waren. Ein gemeinsamer Streik aber oder überhaupt irgendeine wirkungsvolle Aktion des Volkes hätte eine volksumspannende Organisation neben der Partei vorausgesetzt. Auch daran war nicht mehr zu denken; denn die Konzentrationslager mit dem dazugehörigen Überwachungssystem waren ja gerade dafür da, um jeden derartigen Versuch im Keime zu ersticken, was auch immer gelang, so im Krieg noch bei den Universitätsstudenten und zuletzt bei den Generälen. der B zweife Es l des M Die einzige Organisation, die noch stand, war die der Kirchen, insbesondere die der katholischen Kirche, weshalb sie auch ,, als der ärgste Feind des Nationalsozialismus"( Rosenberg, Reichskulturtagung 1938) gehaẞt wurde. Hätten nun die katholischen Bischöfe oder beide Kirchen zusammen etwa durch einen einmütigen öffentlichen Protest etwas ausgerichtet? Nach menschlichem Ermessen hätten sie weiter nichts - Dar bevor ilm W Also höchst Wel stellun das se Lager auch darau Volk Bis ungefa heimk Und wünsc in de einfa den F Wa Da 20 H gestel in ihr aus z über ,, D entge mehr 30 wir von nken onseKaum einen aucht das er der , das liegt, ieder Denn ndern Machte Ger Abeinen en im waren. svolle neben denn ystem me zu sitätsn, insärgste 1938) irchen as ausnichts - erreicht, als daß der Kampf gegen die Kirchen verschärft worden wäre, nach der bewährten Methode: Wir wollen die Herde schlagen und so die Hirten zum Schweigen bringen. Man sagt wohl, es habe den Hirten an Bekennermut gefehlt; man bedenkt aber zu wenig: Wenn der Bekennermut andern zum Unheil wird, ist er jedenfalls eine zweifelhafte Tugend. Es liegt also auf der Hand, daß das deutsche Volk nach dem Aufbau des Machtsystems nicht mehr die Möglichkeit hatte, es abzuschaffen. Daraus folgt: Wenn es eine Mitschuld hat, so liegt sie in der Zeit, bevor dieses System ausgebaut war, also in einer Zeit, wo es nichts von ilim wußte und auch nichts wissen konnte. Also hat es keine formelle Mitschuld an diesen Verbrechen, sondern höchstens eine materielle, das heißt, eine tatsächliche, aber nicht gewollte. Welche Möglichkeit hat nun die Welt, die Richtigkeit dieser Darstellung zu prüfen?- Nach der Öffnung der Konzentrationslager ist das sehr einfach: sie braucht nur festzustellen, wieviel Deutsche in den Lagern waren, von wann ab, und wie sie behandelt wurden. Und wenn auch mit den Jahren die Zahl verhältnismäßig geringer wurde, so folgt daraus noch nicht, daß der Druck geringer wurde, vielmehr wurde das Volk vorsichtiger, nach dem Grundsatz: ,, Durch Schaden wird man klug." Bis diese Statistik aber veröffentlicht ist, kann sie sich wenigstens ein ungefähres Bild machen durch die Augenzeugen, die aus den Lagern heimkommen, durch die ausländischen Häftlinge. Und wenn das Tribunal des Weltgewissens wirklich berufene Zeugen wünscht, wer wäre da geeigneter als jene Männer und Frauen, die sich in den Lagern ganz dem Geiste Gottes geöffnet haben, deren Auge ,, einfach" ist und nicht getrübt durch menschliche Rachsucht oder gar den Einfluß des Bösen Geistes. Was werden sie aussagen? Darüber könnt ihr euch selbst ein Urteil bilden. Es waren ja ungefähr 20 Holländer bei Familien hier in der Stadt, und es hat sich herausgestellt, daß mein Gast keineswegs ein weißer Rabe war; alle 20 waren in ihrer Grundhaltung gleich: gleich bescheiden und gütig, mehr darauf aus zu bescheren, als beschert zu werden, und alle urteilen ganz gleich über das deutsche Volk. Sie sagten, ungefragt: ,, Das sind teuflische Sachen. Das darf man das deutsche Volk nicht entgelten lassen, es kann nichts dafür. Wir Menschen sollten einander mehr lieben. Die Teufel sind ja jetzt weg." 31 - Wie waren sie zu dieser Auffassung gekommen? Im Lager selbst trafen sie sehr viele Deutsche an, mit denen sie bald in bester Kameradschaft lebten; es war auch ein deutscher Priester dort, der ihnen ,, unglaublichen Trost" spendete; er hielt mitten in der Nacht heimlichen Gottesdienst, hörte sie, ohne daß es jemand merken konnte, Beicht, wies sie immer wieder hin auf das Leiden Christi. ,, Er hat das ganze Lager aufgerichtet", sagten sie ,,, er wurde auch am meisten von den Wachen geplagt". Einer von ihnen war bei der Feuerwehr des Lagers und berichtete, wenn sie hinauskamen in die Dörfer, um zu löschen, hätten ihnen die Bauern Butter, Eier und alles Mögliche zugeschoben und in den Wagen verstaut. So merkten sie bald, daß das Volk außerhalb des Lagers gut sei. Auf der Reise hierher war man überall gut zu ihnen, und die Bevölkerung in Ravensburg hat sie ja aufgenommen wie eine Mutter ihr krankes Kind. Das Zeugnis dieser Männer brauchen wir nicht zu fürchten. - Wenn sie doch laut und für die ganze Welt vernehmbar Zeugnis ablegen wollten vor dem Tribunal des Weltgewissens! Oder besser, sind sie nicht zum Richteramt berufen, diese Männer und Frauen mit ihren ganz reinen und gotterleuchteten Augen und ihrem weltweiten Herzen? Ja, möchten sie doch hinaufsteigen auf die Tribüne dieses hohen Gerichts und als Sprecher des Weltgewissens über alle Sender der Welt verkünden: ,, Wir Menschen sollten einander mehr lieben." ,, Die Welt braucht heute nicht Haß, sondern Liebe." 3. Schuld und Sühne Wir reden nicht von unserer persönlichen Schuld, sondern von der Schuld unseres Volkes. Es kann also keiner sagen: ,, Was gehen mich diese Greueltaten an?"- Sie gehen das ganze Volk, uns alle an, und sie schmerzen am meisten gerade die Besten des Volkes. Sie fühlen sich wie mit Ruten, um nicht zu sagen, mit Skorpionen geschlagen, obwohl sie der Schuld nach den Verbrechen am fernsten sind. Und das ist gut so. Denn wer soll schließlich für die Schuld des Volkes Sühne leisten, wenn nicht seine Besten? Sie fragen sich: Wie konnte es so weit kommen, daß sich derartige Lasterstätten in unserm lieben Vaterland breit machten? Wie konnte es so weit kommen, daß der deutsche Name in der ganzen Welt mit diesem Morast beschmutzt und entehrt wird? 32 Wir Zwe Schul Ich 1. A schon wenn brech 2. N willig erleid Ers die e ein P Es zelne Volk heur men, Ma Sozia stens wiss Vo Hoff Da und ware len der lieb bela weis Zwa B best Got I selbst meraden ,, unmlichen ht, wies e Lager Wachen ers und hätten und in alb des ihnen, wie eine men wir gnis abMänner gen und auf die ewissens von der en mich an, und len sich obwohl s ist gut leisten, derartige e konnte Welt mit Wir wollen diese Frage unter uns behandeln vor dem Tribunal des Volksgewissens. Zweifellos wäre es nie so weit gekommen, wenn nicht die eigentlich Schuldigen die absoluten Herrn der Staatsgewalt geworden wären. Ich sehe nun eine doppelte, und zwar moralische Schuld des Volkes: 1. Als es frei war, übertrug es die absolute Gewalt an Männer, die schon damals eines so weitgehenden Vertrauens nicht würdig waren, wenn man auch nicht ahnen konnte, daß sie später derartige Verbrechen auf sich laden werden. 2. Nach dem Verlust der Freiheit hat es den Machthabern zu bereitwillig Beifall gespendet und ihnen dadurch den Weg in diese Unmoral erleichtert. Erstens, die Uebertragung der absoluten Staatsgewalt an Männer, die eines solchen Vertrauens nicht würdig waren. Das war nicht bloß ein politischer, das war ein moralischer Fehler. Es ist hier nicht notwendig, die Schuld und Entschuldigung des einzelnen Wählers oder Abgeordneten genau abzuwägen, da wir ja die Volksschuld behandeln. So viel ist aber offensichtlich: Ein so ungeheurer, nicht mehr gutmachender Fehler wäre nie zustande gekommen, wenn die Mehrheit des Volkes nach dem Gewissen gewählt hätte. Man sage also nicht, es hätten nur 43 Prozent frei den Nationalsozialismus gewählt, auch die übrigen 57 Prozent haben sich wenigstens mitschuldig gemacht, soweit sie nicht aufrichtig nach dem Gewissen gewählt haben. Vor Gott ist jeder schuldig, der vor lauter irdischen Sorgen und Hoffnungen nicht zuerst sein Gewissen befragt hat. Dabei ist ein wesentlicher Unterschied zwischen den Wahlen vor und nach der„, Machtergreifung". Die Wahlen vor der Machtergreifung waren frei und entschieden über die Macht in Deutschland. Die Wahlen nach der Machtergreifung waren nicht mehr wirklich frei und der Prozentsatz der Ja- Stimmen konnte für Propagandazwecke beliebig hoch angegeben werden. Sie waren aber insofern nicht ganz belanglos, als sie den Machthabern die Volksstimmung, beziehungsweise den Volkscharakter offenbarten. Sie zeigten ihnen, was man mit Zwang erreichen kann. - Das heißt, nach Was heißt das nun, nach dem Gewissen wählen? bestem Wissen und Gewissen jene Männer aussuchen, die das Gesetz Gottes zur obersten Norm ihres Handelns machen, soweit das Gesetz 33 Gottes in die Politik hineinspielt, im übrigen aber für ihre politische Aufgabe am geeignetsten erscheinen. Das erste ist eine Forderung der allgemeinen Sittlichkeit, der auch die Politik und die Politik vor allem wegen ihrer großen Bedeutung unterworfen sein muß; das zweite for- dert die Liebe zum Volk, wie sie Gott uns auferlegt; das Volk ist nicht dafür da, um mit ihm Experimente zu machen. Man entschuldigt die Fehlwahl: Die Not war so groß und die Ver- sprechungen waren so verlockend! Gewiß, diese beiden Faktoren, nämlich die tatsächliche Not und die geschickte und mächtige Propaganda, mindern die Schuld des Volkes, aber es bleibt eine Schuld; denn so groß war die Not nicht, daß man nicht mehr hätte denken und nach seinem Gewissen handeln können. Und so verführerisch war die Propaganda nicht, daß man dieses Blend- werk nicht hätte durchschauen können, wenn das Auge„einfach“ (Mt 6,22), ehrlich auf Gott gerichtet, gewesen wäre. Aber daran hat ja die Mehrheit des Volkes gar nicht gedacht. Was hat schon eine Wahl mit Gott und Gewissen zu tun?— Inzwischen haben wir darüber eine gründliche Belehrung bekommen. Ja, das war der Grundfehler: die Mehrheit des Volkes meinte, man könne Politik machen ohne Gewissen und ohne Gott. Am wenigsten zu entschuldigen sind wir Katholiken. Haben uns doch die Bischöfe genügend ins Gewissen geredet. Und nicht bloß die Bischöfe, auch die Laien, Männer, die kraft ihrer sittlichen Vorzüge und ihres überragen- den Wissens ein wirkliches Recht hatten, im Namen des Volksgewis- sens zu sprechen. Man konnte bei einer Wahl von so weittragenden Folgen nicht ohne moralische Schuld gegen alle diese Stimmen ein taubes Ohr haben, um ungestört den Sirenengesängen von Männern zu lauschen, die allerdings„Uebermenschen“ waren in Versprechungen. Die falsche Wahl ist die Hauptschuld des Volkes. Diese Schuld be- tont auch der Volks- und Bekennerbischof von Rottenburg, Dr. Joh. B. Sproll. In seinem ersten Hirtenbrief nach der Heimkehr, herausgegeben am Feste des Hl. Johannes des Täufers, zählt er das Unglück auf, das die„führenden Männer“ über das deutsche Volk gebracht haben, und sagt: „Die Macht dazu hat ihnen das deutsche Volk durch den Stimm- zettel in die Hand gespielt und sie haben sie gebraucht und miß- braucht.“ Dann schildert er ihren Kampf gegen das Christentum:„Man hat den Kampf gegen Christus und das Christentum gewagt, hat das feier- 54 eTaT iz> vos TERRUTTERS Po] lan Un die Ma den dur Nor das Wir litische ung der -r allem cite forst nicht lie Verund die Volkes, aß man können. s Blendeinfach" ht. Was wischen te, man enigsten Bischöfe auch die erragensgewisagenden men ein Männern chungen. uld beJoh. B. gegeben auf, das pen, und Stimmand mißMan hat as feierliche Konkordat mit dem Heiligen Vater gebrochen und die Partei hat in diesem Geiste gewirkt. Wenn es nicht zum äußersten, zur Ausrottung des Christentums in Deutschland und zur Vernichtung der katholischen Kirche gekommen ist, so verdanken wir dies zuerst der Gnade Gottes, der in seinem hl. Zorn dreingefahren ist und rasch und gründlich mit der Macht seiner Widersacher aufgeräumt hat. Wenn viele Deutsche von diesem letzten Ziel des Nationalsozialismus nichts gewußt haben oder nichts gewußt haben wollen, so ist daran zum größten Teil seine Propaganda, zu einem nicht geringen Teil aber auch unser christliches Volk selber schuld, das manchmal mehr dieser Propaganda zum Opfer fiel, statt auf die Stimme seines Bischofs zu hören." Bischof Sproll sagt das in echter Liebe zum Volke. Denn das deutsche Volk muß seine wirkliche Schuld erkennen und vor Gott bekennen; das ist die erste Voraussetzung für seine Besserung und damit auch für eine bessere Zukunft. Darum muß man ihm seine Schuld klar sagen. Und wenn jemand, dann hatte er ein Recht zu diesem Liebesdienst. Er hat auch nach der Machtergreifung und nach einem glänzenden außenpolitischen Erfolg, der Einverleibung Österreichs, den Machthabern die Ja- Stimme versagt und zwar öffentlich, indem er nicht zur Wahl ging. Dafür hat er wilde Schmähungen, gewaltsame Vertreibung und siebenjährige Verbannung erduldet. Er hat wirklich bei der Wahl zuerst sein Gewissen befragt, eingedenk der Worte Christi:..Suchet zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit! Und alles übrige wird euch dreingegeben werden"( Mt 6,33). Hätten wenigstens alle Katholiken nach dem Gewissen gewählt, so wäre uns und dem ganzen Volk viel Leid erspart geblieben. Haben nun wir Katholiken wenigstens die Lehre begriffen, daß man Politik nicht ohne Gewissen und ohne Gott machen kann?- Noch lange nicht alle. Oder treibt das Schlagwort: ,, Rein religiös" nicht nach wie vor sein Unwesen? Man will ,, rein religiöse" Priester ,,, rein religiöse" Predigten usw. Und die Politik?- ,, Die soll ihre Wege gehen." Das heißt, man sperrt den Herrgott in den Raum der Kirche und vielleicht noch der Familie, das öffentliche Leben überläßt man der Gottlosigkeit und damit dem Teufel. Wahrhaftig, ein so schönes Mäntelchen hat der Teufel noch nie gefunden, um sich in einen„, Engel des Lichts" zu kleiden, wie das Schlagwort:„ ,, rein religiös". Schaut nur, wie gut es ihm steht und wie ungestört er dabei arbeiten kann! Und dabei glauben die Men35 schen, die es ihm umgehängt haben, noch, sie hätten Gott einen Dienst erwiesen. Das war also der erste Fehler: Die Mehrheit des Volkes wählte nicht aufrichtig nach dem Gewissen. Zweitens, nach der Wahl hat es den Machthabern wegen ihrer äußeren Erfolge, die allerdings außerordentlich und nicht Schuld des deutschen Volkes waren, überschwenglichen Beifall gespendet, obwohl die Unmoral ihres Weges immer offensichtlicher wurde. Um vom Kampf gegen das Christentum zu schweigen, den sie entgegen ihren feierlichsten Versprechungen führten, haben sie nicht öffentlich durch Radio dem Volke ihre neue Norm der Sittlichkeit verkündet: - - ,, Gut ist, was dem Volke nützt". - Sie maßen Gut und Bös am sogenannten„ Volksnutzen" anstatt am heiligen Willen Gottes. Da wären die Konzentrationslager allerdings gerechtfertigt, wenn sie wirtschaftlichen Nutzen bringen, das taten sie! und auch der Zwang zum ,, blinden Gehorsam" wäre gerechtfertigt, wenn man damit das Volk zu Macht und Ruhm führen kann. Auch das ist geschehen! Vorübergehend! Der Sturz in den Abgrund war dafür um so entsetzlicher. Auf die Dauer ist eben nur das dem Volk von Nutzen, was wirklich gut, das heißt nach dem Willen Gottes ist. Dadurch, daß das Volk, wenigstens, soweit es öffentlich in Erscheinung trat, über alle diese moralischen Bedenken hinwegsah, hat es ihnen den Abfall von der Moral des Christentums und das Absinken in die Moral der Konzentrationslager erleichtert und zugleich den Stolz in ihnen genährt. Dadurch sind sie jedenfalls schneller die Stufenleiter hinabgestiegen, die Ignatius als den Weg Luzifers angibt, nämlich: - ,, Reichtümer" ,, eitle Ehre der Welt" ,, Unbändiger Stolz". ,, Und von hier aus", heißt es weiter, verführt Luzifer zu allen übrigen Lastern." Das ist also die Schuld des Volkes. Mein polnischer Mitbruder fand die Darstellung eher ,, zu streng gegen das deutsche Volk"; er selbst und seine Landsleute hatten in Dachau und auch auf Reisen in Süddeutschland erfahren, wie sich unbekannte Menschen aus dem Volk teilnahmsvoll nach ihnen erkundigten und ihnen unter eigener Lebensgefahr Lebensmittel zuschoben. Er sah also, wie das eigentliche Volk die Schuld, die auf dem Volksgewissen lastete, nach Kräften abzutragen suchte, und urteilte daher milder. Doch wir wollen in dieser Zeit der 36 Gew Schu U₁ Id mit sich dan die W den I Stra schil die uns D We erv ers Str ve Wa de di M de ta de de N SC einen nicht Beren tschen e Ungegen chsten o dem att am rdings taten erechtkann. grund n Volk tes ist. einung en den Moral ihnen hinabbrigen er fand selbst n SüdIk teilebense Volk tragen eit der Gewissenserforschung und der Buße absolut ehrlich sein und unsere Schuld in keiner Weise verkleinern. Und nun die Strafe? Ich brauche sie nicht zu nennen, sie liegt ja noch auf unserer Seele mit ihrer ungeheuren Last und droht uns förmlich zu erdrücken. Was sich da alles angehäuft hat an Leid und Schmerz, schon vor dem Krieg, dann all die Opfer eines totalen Krieges, die Leiden unserer Soldaten, die vielen Toten und zuletzt der völlige Zusammenbruch des Reiches. Wenn wir da Schuld und Strafe vergleichen, haben wir da nicht klar den Fall einer tragischen Schuld! In der Tragödie begeht der Held einen Fehler, auf den dann eine Strafe folgt, die wegen ihrer furchtbaren Ausmaße die Menschen erschüttert. Wo hat je ein großer Dichter der Menschheit eine Tragödie gedichtet, die sich messen könnte mit der Tragödie des deutschen Volkes in unsern Tagen! Diese so furchtbare, lebensechte Tragödie ist über die Bretter der Weltenbühne gegangen. Alle Völker waren Zuschauer. Ist da nicht zu erwarten und zu hoffen, daß alle über das Schicksal dieses Volkes erschüttert und erschrocken sind? Wenn auf die Schuld eine solche Strafe folgt, wer ist da noch vor Strafe sicher? Vor dem Tribunal des Weltgewissens Das deutsche Volk hat keinen Sprecher mehr, um seine Sache zu vertreten. So tief hat es Gott gedemütigt. Es kann nur noch lauschen, was andere sagen. Plötzlich vernimmt es eine vertraute Stimme. Pius XI I. spricht vor den Schranken dieses hohen Gerichts. Erschreckt nur nicht, liebe Christen, er spricht vor den Schranken dieses Gerichtes; denn diesem höchsten Gericht auf Erden sind alle Menschen unterworfen, auch der Papst. Und es urteilt,„ ohne Ansehen der Person". Freiwillig und ohne Säumen hat sich Pius XII. am eigenen Namenstag, am 2. Juni, gestellt. Als erste ,, auswärtige Macht" hat er offen und demütig seine eigene„ Schuldfrage" und die der ihm unterstellten deutsche Kirche behandelt. Er hat sich gerechtfertigt, warum er das Konkordat geschlossen hat; er hat keinen schwierigen Punkt mit Stillschweigen übergangen. So hat er zunächst vor den Schranken des 37 Gerichts der Welt das leuchtende Beispiel einer aufrichtigen Moral gegeben. Und damit war er dann auch berufen, als Richter zu sprechen, als der erste Sprecher des Weltgewissens. Was sprach er für ein Urteil? Er urteilte vernichtend über den Nationalsozialismus, ja, er nannte ihn ein ,, satanisches Gespenst". Und das deutsche Volk? Hat er es verurteilt? Nein. - Er sagte wohl, es leide für seine Schuld. Aber verurteilen konnte er es nicht. Dafür kannte er es zu gut. Hatte er doch als Nuntius seine besten Mannesjahre ,, inmitten des deutschen Volkes verlebt". ,, So hatten Wir Gelegenheit, die hervorragenden Eigenschaften dieses Volkes kennen zu lernen. Und Wir standen in persönlichen Beziehungen mit seinen besten Vertretern. Deshalb hegen Wir auch die Zuversicht, daß es sich wieder zu neuer Würde und neuem Leben wird erheben können, nachdem es das satanische Gespenst des Nationalsozialismus von sich geworfen und nachdem die Schuldigen, wie Wir schon bei anderer Gelegenheit ausgeführt haben, ihre begangenen Verbrechen gesühnt haben." So hat der Papst gesprochen. Er hält die goldene Mitte zwischen zwei Extremen. Das eine Extrem will ,, gütiger" sein als der Papst und alles verzeihen und vergessen, ohne Sühne. Gewiß verzeiht der echte Christ alles, aber er kann den allgemein gültigen Grundsatz nicht außer acht lassen:„ Die Gerechtigkeit ist die Grundlage der Reiche". Ohne eine gerechte Sühne würde das Übel unter der Decke weiterwuchern und eines Tages wieder herrschen. Das andere Extrem will nicht bloß den Nationalsozialismus, sondern das ganze deutsche Volk verdammen. - Wird nun die Welt dem Richterspruch des Papstes beipflichten? Wenigstens die Katholiken der Welt, denen er der ,, gemeinsame Vater" und oberste Richter ist? Oder soll es Satan glücken, seine Entlarvung und die seines Werkzeugs zu vereiteln und obendrein seine Saat, die Drachensaat des Hasses und der Zwietracht, zu säen, indem er die formelle Schuld von seinem Werkzeug auf das Opfer seiner Lüge und Hinterlist abwälzt, vom Nationalsozialismus auf das deutsche Volk? - Kein schuldloses Opfer, aber doch das Opfer, das zu allem Unglück hinzu sich noch schuldig findet, wenn auch nicht formell, so doch materiell, das heißt, tatsächlich, ursächlich an Verbrechen, die es nie gewollt hat und aus innerster Seele verabscheut. - Ma Rich eige Ha men A Men ال دو eine und G Vol E Sich kon schl Un sta Wa Er zer Da Er Ge WO 38 Moral en, als nannte nnte er 5 seine So hatVolkes en mit ht, daß n könus von nderer esühnt en zwei d alles Christ er acht ne eine rn und loß den en. Lichten? Vater" Werkes Hasald von bwälzt, Unglück so doch ees nie Vor dem Tribunal des Allerhöchsten Mag die Welt urteilen, wie sie will, auf keinen Fall kann sie den Richterspruch Gottes, des Herrn, umstoßen. Das könnte nur neue eigene Schuld durch neue Sünden. - Hat denn Gott geurteilt? Er hat geurteilt. Oder war der Zusammenbruch nicht ein Gottesgericht? Er war ein Gottesgericht. - Als dieser furchtbare Weltkrieg begann, hatten wohl alle religiösen Menschen das Gefühl: Jetzt erhebt sich Gott zum Gericht. ,, Jetzt erhebt sich Gott zum Gericht", mit diesen Worten habe ich in einem Exerzitienkurs für Priester den Beginn des Krieges mitgeteilt, und alle nickten unwillkürlich. Gott hat sich zum Gericht erhoben und geurteilt über das deutsche Volk. Er hat Sein Urteil über das deutsche Volk gesprochen, aber Er hat Sich noch nicht gesetzt. Zittre, Welt! Dein Richter hat sich nicht gesetzt. Versöhne Ihn durch Deine Busse! ,, Wenn ihr nicht Buße tut, werdet ihr alle in gleicher Weise umkommen", spricht der Herr( Lk 13, 3), und ,, die letzten Dinge werden schlimmer sein als die ersten"( Mt 12, 45). - Und du, deutsches Volk! Hast du den Urteilsspruch des Herrn verstanden? Merke, der Herr spricht durch die Tat! Was hat Er getan? Er hat die Partei, den Apparat Satans, zerschlagen, zerstört, zu Staub zermalmt, vernichtet. Das deutsche Volk? Hat Er es vernichtet? Er hat es gestraft, gewiß. Aber gerettet! Gerettet aus der Hand derer, die es mit sich in den Abgrund ziehen wollten. 39 Er hat Satan gefesselt in den Tagen des Zusammenbruchs, daß er Sein Volk nicht ver- nichten konnte. Deutsches Volk! Gehe in dich und erkenne deine Mission!— Deutsche Frau! Erkenne deine Würde und wecke nicht von neuem Gottes Zorn! Wenn der Herr uns retten will, dann werden wir gerettet werden! Der Herr hat uns gestraft, aber gerettet, also heimgesucht. Lassen wir uns von Ihm heimfinden. Beten wir zu Ihm mit dem Propheten Jeremias: „Wende uns zu Dir, o Herr! Denn wolltest Du uns ganz verwerfen, so gingest Du in Deinem Zorn gegen uns zu weit. Du gingest in Deinem Zorn gegen uns zu weit.“ Wende uns zu Dir! Amen.