- Die Dreizehn wird immer ein schwarzer Tag in meinem Leben bleiben, denn am 13. März 1936 wurde ich in Berlin wegen angeblicher geheimer Tätigkeit für die sozialdemokratische Partei von der Gestapo verhaftet und wie die Nazis es so schön nannten ins ,, Umschulungslager Oranienburg" eingeliefert. Welcher ,, zackige" Ton im Deutschland der Volksgemeinschaft angeschlagen wurde, wurde mir recht handgreiflich während der Vernehmung durch den Lagerkommandanten klargemacht. Er fragte mich, warum ich da sei. Ich antwortete wahrheitsgemäß: Ich weiß es nicht. Schon brannten mir die Schläge seiner Faust im Gesicht. Er fragte abermals und erhielt die gleiche Antwort. Stockhiebe waren die Quittung, sodaẞ ich blutüberströmt zusammenbrach. Ich wurde, wie es heißt, ,, mürbe gemacht". Wie aus weiter Ferne hörte ich die Worte: ,, Legt das Schwein über den Bock!" Noch wußte ich blutiger Anfänger einer KZ.- Laufbahn nicht die Bedeutung seiner. Worte, aber wenige Augenblicke später spürte ich sie. Ein Gestell wurde hereingebracht, man befahl mir, Rock und Bluse auszuziehen und schnallte mich an Händen und Füßen an diesen Bock. Eine Lederpeitsche klatschte, ich krümmte mich vor Schmerzen. 60 Hiebe zog man mir über den Rücken und 7 nur unter Aufbietung meiner ganzen Kraft konnte ich mich nach Genuß dieser ausgiebigen Ration des ,, NaziKZ- Brotes" auf den Füßen halten. Sie waren nur ein kleiner Teil der Prügel, die ich in den kommenden Jahren bezog. Abermals die gleiche Frage: Warum bist du hier? Meine Antwort konnte nicht anders ausfallen. Darauf trat er mich mit den Füßen in den Unterleib, ich brach zusammen und wurde in den Waschraum geschleift. Eisig kalt rann das Wasser über meinen gequälten Körper- wie wohl das tat. Ich weiß nicht mehr, wie lange ich in jenem Raum lag, dann trugen mich Kameraden in einen anderen Raum. Man schor mir die Haare und steckte mich in die Lageruniform, einen Zebraanzug, dessen einziges Unterscheidungsmerkmal von den anderen eine Nummer war. Nun war ich kein Mensch mehr. Nur eine Nummer im gewaltigen Getriebe der Nazi- KZ. Ich kam in die SK., die Strafkompanie, deren Aufgabe es war, uns langsam aber sicher ,, fertigzumachen". Wir hatten in unseren Rock Sand zu schaufeln und im Dauerlauf von einem Berg zum anderen zu bringen. Eine sinnlose Arbeit, stumpfsinnig und zum Wahnsinnigwerden, die von morgens bis abends mit einer halbstündigen Mittagspause dauerte. Dann kam der Zählappell, drei, vier, manchmal auch sechs Stunden lang. Von nun an täglich dasselbe: Schläge vor, während und nach der Arbeit, ja, man scheute sich nicht einmal, nachts bei uns einzudringen und uns aus dem Schlaf zu prügeln, der uns Kräfte geben sollte für den kommenden Tag. Andere hatten ihren Spaß daran, uns halbbekleidet mit unseren Strohsäcken vor die Baracken zu treiben. ,, In zehn Minuten liegt alles in der Baracke, draußen will ich morgen keinen Strohhalm mehr finden!" schrie die Wache uns zu. Es war ihr eine Lust, uns zu quälen. Und so verging ein Tag wie der andere, Wochen, Monate. Zwei Jahre war ich in dieser Hölle. Sie erschienen mir wie ein böser Traum. Aber ein Schlag über den Kopf rief mich in die rauhe Wirklichkeit zurück. Nicht denken, nur laufen von 8 morge hielter schwe So br Das H beiten die S racke mußt eigen hier Mitle schen man uns i ihr v Wir ich n find tung mit Kop mach ich w Bes To zum Kn ich me Wu fiel beit wa h - n n -? 42.0 at - مة g n n e en 2. pe ir n 1. - 1, n r- n- ns re en i- en zu. in ar ser Hie on e Viele meiner Kameraden morgens bis in die Nacht. hielten die Arbeit, die schon seit langem im Schleppen schwerer Steine bestand, nicht aus. Ich sah sie nie wieder. So brach das Jahr 1939, mein Unglücksjahr, an. Ich wurde ein Muselmann. Das heißt, ich wurde so schwach, daß ich nicht mehr arbeiten konnte. Alles, was arbeitsunfähig war, wurde in die Stehkompanie gesteckt. Wir hatten uns in einer Baracke aufzuhalten, in der wir den ganzen Tag stehen mußten. Tausend Menschen standen in einem Raum, der tausende warteten eigentlich nur für 150 Platz hatte hier auf den erlösenden Tod. 2000 Hände flehten um Mitleid, doch vergebens, erbarmungslos sausten die Peitschen auf die ausgemergelten Körper. Stattdessen hatte man nur höhnisches Gelächter und gemeine Worte für uns übrig. ,, Wenn ihr schon nicht arbeiten wollt, müßt ihr verrecken. Drei Tage bekommt ihr nichts zu fressen!" Wir wußten, was diese Ankündigung zu bedeuten hatte, ich mußte hier raus, nur nicht auf diese Weise den Tod finden. Noch war ich kräftig genug, eine stramme Haltung einzunehmen. Ich meldete mich dem SS- Blockführer mit der Bitte, arbeiten zu dürfen. Er schaute mich von Kopf bis Fuß an, dann mußte ich zwanzig Kniebeugen machen. Meine ganze Kraft nahm ich zusammen, denn ich wußte, an diesen Kniebeugen hing mein Leben. - Bestand ich sie nicht, kam ich erbarmungslos in die Todesbaracke zurück. 1, 2, 3, 4, 5, mein Herz klopfte zum Zerspringen 6, 7, 8, 9, 10- ich spürte meine Knie weich werden, Schweiß brach aus den Poren, aber ich bis die Zähne zusammen. Immer langsamer wurden meine Bewegungen, ich zitterte am ganzen Leibe, mir wurde schwarz vor Augen. Als ich die Zwanzig hauchte, fiel ich zusammen. Eine Stunde später wurden die Arbeitsfähigen vom Arzt gemustert ich war dabei. Wie war ich froh, diese todgeweihte Stätte verlassen zu dür9 fen. Wußte ich doch, was das Schicksal der Arbeitsunfähigen sein mußte. Morgen würden sie ihre letzte.. Fahrt zum Vergasungsraum machen:-in vier Minuten war dann alles vorbei. Wenn ich schon damals gewußt hätte, daß eine neue Leidenszeit anbrechen würde wer weiß, ob ich jene 20 rettenden Kniebeugen überstanden hätte. Januar 1940, eisige Kälte, antreten auf dem Appellplatz. Entkleiden. Der Arzt musterte uns. Fast nackt standen wir von morgens 7 bis mittags 12 Uhr in der bitteren Kälte. 1200 Menschen. Schlimmer als wie Tiere behandelte man uns. Es hieß, wir kämen auf Transport. Als wir mittags den Platz verlassen durften, blieben hunderte von Kameraden liegen. Erfroren, völlig entkräftet lagen sie im Schnee. Mit der Hoffnung, in ein besseres Lager zu kommen, marschierten wir am kommenden Morgen aus dem Lagertor einem ungewissen Schicksal entgegen. Schwerbewaffnete SS brachte uns zum Bahnhof. 25 Mann pferchte man in ein Abteil. Wir mußten die Hände falten und zur Deckenbeleuchtung hinaufschauen. Zwei SS- Wachen hatten, Befehl, darauf zu achten, daß sich niemand bewegte. Der Zug setzte sich in Bewegung, die Fenster wurden verhängt, und dann fuhren wir stundenlang immer in der gleichen Haltung. Wehe, wer sich rührte. Unbarmherzig schlug die Wache zwei meiner Kameraden mit dem Gewehrkolben nieder, weil sie baten, austreten zu dürfen. Später lautete die Meldung an den Transportführer, einen Obersturmführer: ,, Zwei Mann wegen Fluchtversuch erschossen." ,, Danke!" Damit war der Fall erledigt, denn wer kümmert sich um die zwei weiteren namenlosen Opfer des Nazi- Regimes? - Selbstmord war es, zu fliehen. - Und weiter ging die Fahrt, endlos verrannen die Stunden. Meine Augen schmerzten, mein Kopf war schwer, die Füße eingeschlafen. Ich versuchte, sie unter den Körper IO T des mand nach müss halte Zug ich von fehlt zuko sie a vers die dies Ora Zwe kam es Eig wur fro bek dals der bief Ein wa uns Sta gle ma we W Fü stü ein VO tz. en en. of Jie des Toten zu schieben, der zu meinen Füßen lag. Nie- mand, der es nicht selbst einmal mitgemacht hat, kann, nachfühlen, was es heißt, 21 Stunden lang stillsitzen zu müssen, keine Bewegung zu machen, den Kopf, hoch halten und ins Licht blicken zu müssen. Endlich hielt der Zug, alles raus. Langsam erhob ich mich, kaum konnte ich mich auf den Beinen halten, so geblendet war ich von der Sonne und dem Schnee. Abzählen. Vier Mann fehlten. Sie waren zu schwach, aus-den Abteilen heraus- zukommen. Man suchte sie. Vor unseren Augen wurden sie auf der Stelle niedergeknallt, weil sie sich„im Zuge versteckt gehalten hätten“. Sie, die Bestien der SS, waren die Herren über Leben und Tod. Was für Opfer hat diese Fahrt gekostet! ı400 Häftlinge verließen lebend Oranienburg. 251 Häftlinge starben unterwegs. Zwei wurden erschlagen und vier erschossen. Wir be- kamen zu trinken, trauten unseren Augen kaum, denn es war— Kakao! Ein gieriger Schluck, er war sauer. Eigentlich war er für die Bewacher bestimmt gewesen, wurde von ihnen aber nicht getrunken. Doch wir waren froh, nach 25 Stunden überhaupt etwas Trinkbares zu bekommen. Wir dachten in dem Augenblick nicht daran, dafs Durchfall die Folge sein würde. Langsam setzte sich der traurige Zug in Bewegung.. Mauthausen bei Linz bieß die Station, auf der man uns ausgeladen hatte. Ein hübsches Städtchen. Sämtliche Einwohner der Stadt _ waren auf den Beinen, aber man nahm kaum Notiz von: uns. Mehrere solcher Züge des Elends mußten diese Stadt schon vor uns passiert haben. Johlende Kinder be- gleiteten uns und bewarfen uns mit Steinen. Mein Neben- mann fiel getroffen zu Boden. Wir rissen ihn empor, denn wehe dem, der nachblieb. Wie ein toller Hund wurde er am Wege niedergeknüppelt. Obwohl ich mich kaum auf den Füßen halten konnte, mußte ich noch meinen Kameraden stützen. Oft hörte man Schüsse fallen— schon wieder einer. Zwei Stunden dauerte der Marsch für eine Strecke von nur sechs Kilometer. Wir passierten einen Stein- ıI - bruch, zu beiden Seiten hohe Felswände. Es war ein Gespenstermarsch der Marsch dieser Elendsgestalten durch den Mondenschein, als wir die 96 Steinstufen der berüchtigten ,, Himmelsleiter" hinaufstiegen. Und welch trauriger Anblick bot sich uns hier: Bis zu den Knöcheln standen wir im Schlamm. Großer Gott, sollen wir hier leben? Wenn ja, dann ist es die Endstation für mich. Wir werden weitergetrieben, dann stehen wir vor dem Lagerführer. ,, Auf nieder hinlegen", das ist seine Begrüßung für uns. Längst schon lag ich am Boden, unfähig, wieder aufzustehen. Über mir hörte ich eine Stimme: - - ,, Hier ist nur Platz für den, der arbeitet!" - - Alles, was morsch ist, muß hier verrecken. Nur Gesunde was unsere Bewacher noch unter gesund verstehen haben das Recht, hier zu leben. Ich sehe, wie man Leichen fortträgt. Bald bin ich auch dabei, denn ich kann mich nicht wieder erheben. Meine Hände und Füße sind steif vor Kälte. Ich spüre nicht mehr die Fußtritte, die irgend jemand austeilt, mein Gesicht ist bald blutüberkrustet. Mit verglasten Augen, mehr tot als lebendig, sehe ich die Vorgänge, die sich um mich abspielen. Doch ich weiß nicht, was das zu bedeuten hat, ich kann nicht mehr denken, es ist mir auch egal. Zum ersten Mal spüre ich, wie schön es sein müßte, sterben zu dürfen einschlafen und nicht mehr aufwachen. Ich spüre, wie ich aufgehoben werde, wie man mir die Kleider auszieht, dann dreht sich alles vor meinen Augen. Später erzählen mir Kameraden, daß ich zwei Tage lang unter den Toten gelegen habe. - In irgend einem Waschraum. Also zählte ich schon zu den Toten. Ein Bekannter, mit dem ich 1939 in Oranienburg gewesen war, hatte mich erkannt und aus meiner entsetzlichen Lage befreit, mich lebend unter den Toten hervorgezogen. Nach der Lagerordnung hätte ich sterben müssen, da meine Todesmeldung schon geschrieben war. Nur dem Umstand, daß mein Freund Lagerältester war, hatte ich es zu verdanken, daß ich nicht auf irgend eine Art wese hätte Jetzt vorh konn Stein Pull Stun wäh um Abe zige mer höhe gelt Ma Häf an, Kil Bew bish gew Hä lan Ki trie das bev Un ers kei ein 12 Ich. ier ir t- je- ig, - net ten ben. al. ar, ine Art umgebracht wurde, denn ich wäre nicht zu retten ge- wesen, wenn die Meldung schon das Lager verlassen hätte, Der Amtsschimmel wieherte eben auch in den KZ. Jetzt hatte ich Angst vor dem Tod, den ich zwei Taga vorher noch herbeigesehnt hatte. Ich kam ins Revier, konnte mich einige Tage erholen und trat dann im Steinbruch zur Arbeit an. Bei bitterer Kälte, ohne Mantel, Pullower oder Handschuhe, mußten wir täglich zwölf Stunden lang Steine tragen, begleitet von Schlägen zur,° während und nach: der Arbeit. Oft fragte ich mich, war- um gerade ich diese Strafe erleiden mußte. Ich hatte nichts getan, weder gestohlen noch gemordet. Aber niemand ‚gab mir darauf eine Antwort. Mein ein- ;/ i EN ziger Trost war nur der, daß mit mir noch 6000 Ka- meraden diese Qualen erdulden mußten, und daß eine höhere Gerechtigkeit eines Tages die Stunde der Ver- geltung bringen würde. Der Tod ging bei uns um. Im Mai, also wenige Monate später, wurden nur noch 2100 Häftlinge gezählt. Aber laufend kamen neue'Transporte an, um die Lücken aufzufüllen. Wir bauten jetzt einen Kilometer abseits vom Lager hübsche Häuser für die Bewachungsmannschaften. Dann kamen Spanier ins Lager, bisher waren es nur Deutsche, Österreicher und Tschechen- gewesen. Blutjunge Menschen, Kinder, die man aus den Händen ihrer bittenden Mütter gerissen hatte. Stunden- lang hörten wir die Rufe der Mütter: Gebt mir mein Kind wieder! Aber mit Peitschenhieben wurden sie ver- trieben. „Gott im Himmel, bestrafe die Mörder meiner Kinder!“ das waren die Worte einer jener bedauernswerten Mütter, bevor sie, von der SS niedergeschossen, zu Boden sank. Und immer neue Opfer— Polen und Juden. Ich hörte erst jetzt zum ersten Mal, daß Krieg war. Wir bekamen keine Zeitung, hörten keinen Rundfunk, waren durch einen elektrisch geladenen Zaun und eine weite„Todes- 23 zone" von der Außenwelt abgeschlossen. Ich hatte keine Ahnung, was sich dort bisher abgespielt hatte. Plötzlich wurde ich eines Abends zur Vernehmung zum Lagerführer bestellt. Noch wußte ich nicht, warum, aber als ich sein Zimmer betrat, sah ich auf seinem Schreibtisch die halbe Kohlrübe liegen, die mir vor zwei Tagen von meinem Kommandoführer abgenommen worden war. Ich hatte sie auf dem Marsch zur Arbeit gefunden. Nun ahnte ich die Folgen. Der Lagerführer fragte, ob ich die Rübe gestohlen hätte. Ich antwortete wahrheitsgetreu: Ich habe sie gefunden. Wie ein Tiger stürzte er sich auf mich, um mich zu schlagen. Drei Tage später war Strafvollzug. 25 Stockhiebe auf Gesäß und Rücken. Es war eine furchtbare Strafe für die Rübe. Aber der Hunger war größer als die Angst vor Strafe gewesen, denn wir erhielten morgens ein Viertel Liter Kaffee, bis zum Abend nichts wieder und erst nach Ende der zwölfund auch vierzehnstündigen Arbeitszeit 3/4 Liter dünne Suppe, die kalt war. Bei dieser Kost mußten wir schwer arbeiten, ja, später wurden wir in unterirdischen Stollen für die Rüstung eingespannt. Jede Rübe, jede Kartoffel, die ich organisieren konnte, war ein Stück Gold wert. Ich wußte, wie schwer es bestraft wurde, aber ich hatte Hunger. Und wieder fand ich einige Zeit später einige Kartoffeln, die ich mit ins Lager einschmuggeln wollte. Aber ich hatte Pech, beim Einrücken der Arbeitskommandos wurden wir untersucht, dabei fand man meine sechs Kartoffeln. Ich mußte sie sofort roh essen; Kameraden, die Zwiebeln gefunden hatten, mußten sie ebenfalls roh hinunterschlingen. Dafür bekam ich eine Stunde Pfahl. Ich wurde mit den Händen auf dem Rücken mit einem Strick gefesselt, mußte mich auf einen Tisch stellen und wurde an einem Balken der Baracke mit den gefesselten Händen an einem Haken aufgehängt! Dann wurde der Tisch unter meinen Füßen fortgezogen ich hing frei 14 - in de Stund aber wurd so et setzli der I Pole App Näc von Nac Tag unte Tote heute dert einer Jam half gut zu such Blo Wir seine Prü Zusa Stü laut Un zeig an war kon ein sag wü ler en, bis If- ne ver len; fe), tte ige (te, ine ne- en- yem und ‚ten der frei in der Luft. Furchtbar waren die Schmerzen— eine Stunde, die zur Ewigkeit wird. Ich schrie und jammerte, aber je mehr ich mich bewegte, destto unerträglicher wurde der Schmerz. Ich hatte nie gedacht, daß ein Mensch so etwas ertragen könnte. Als ich endlich aus meiner ent- setzlichen Lage befreit wurde, war ich lange Zeit nicht in der Lage, meine Arme zu bewegen. Polen kamen zu uns. Am Morgen standen 2000 auf Jem Appellplatz, es war im Januar 1941. Drei Tage und Nächte standen Männer und Kinder in der Kälte, viele von ihnen nur mit Hemden oder Schlafanzug bekleidet. Nachdem man ihre Namen aufgerufen hatte— was drei Tage beanspruchte— wurden sie in ihren Baracken untergebracht. Wir mußten die auf dem Platz liegenden Toten fortschaffen. Es waren genau— ich weiß es wie heute— 380 Menschen, die erfroren waren. Fünfhun- dert andere hatten Erfrierungen erlitten, sie wurden in einem besonderen Block untergebracht. Furchtbar war das Jammern der hilflosen Opfer, aber kein Arzt kam und half. Ich fand einen Jungen, einen ı6jährigen Polen, der gut deutsch sprach. Er weinte und bat mich, seinen Vater zu holen, der mit ihm ins Lager gekommen sei. Wir: suchten ihn unter den 380 Toten. Dabei wurde ich vom Blockführer überrascht. Furchtbar waren die Schläge, die wir erhielten. Der junge Pole stürzte sich auf die Leiche seines Vaters, schrie und jammerte. Er erhielt solange Prügel, bis er an der Leiche seines Vaters ebenfalls tot zusammenbrach. Dann wurde ich mit Prügeln wie ein. Stück Vieh durch das Lager getrieben. Mein Urteil lautete: h| . 50 Stockhiebe und Stehzelle. Und das nur, weil ich einem Sohn den toten Vater ge- zeigt hatte. Wir waren insgesamt zehn Häftlinge, die an diesem Tage bestraft werden sollten. Unter ihnen waren auch vier polnische Offiziere. Als der Lager- kommandant, der bei jedem Strafvollzug zugegen war, einem von ihnen befahl, sich über den Bock zu legen, sagte dieser in deutscher Sprache: Es ist in Polen un- würdig, einen Menschen zu schlagen. Ich führe den Be- r 15 fehl nicht aus. Der Kommandant schlug ihn mit der Peitsche ins Gesicht. Als der Offizier nunmehr die Hände hob und auf den Kommandanten zutrat, knallten Schüsse. Alle vier Polen wälzten sich vor meinen Augen in ihrem Blut. Fünf Minuten später bekam ich meine Stockhiebe, als sei nichts weiter vorgefallen. Ich will die Schmerzen nicht:beschreiben, denn was ich dann erleben mußte, war viel schlimmer. Ich wurde in einen Raum gebracht, der etwa einen Meter im Quadrat groß war. Dann wurde ich an Händen und Füßen gefesselt. Eine in Höhe der Brust und der Füße in die Wand eingelassene Stange verhin- derte, daß man sich bewegen konnte. Der Raum war völlig dunkel. Sechszehn Tage mußte ich hier zubringen, 16 Tage lang stehen, so daß ich nach Verbüßen der Strafe zusammen- brach. Es war mir unmöglich, aufzustehen und Hände und Füße zu bewegen. Ich wurde in eine andere Zelle ge- bracht und blieb sechs"Tage dort, bis ich genügend Kraft hatte, ins Lager zu gehen. Denn das Gebäude, in dem sich die— wie man sie nur nennen kann— Folter- kammern befanden, war vom Lager durch eine hohe Mauer getrennt... Trotzdem hörten wir des Nachts Schreie und Hilferufe und das bestialische Gelächter der SS. Gebrochen an Leib und Seele irrte ich als Musel- mann durchs Lager. Kameraden halfen mir bei der Ar- beit, unterstützten mich, so gut es ging. Langsam er- holte ich, mich, bis ich einige Wochen darauf abermals beim Rauchen während der Arbeit erwischt wurde. Schon wieder eine Lagerstrafe. Ich zitterte bei dem Gedanken daran. Es war August 1942. Das Urteil lautete: Drei Tage Sonnenbad.} Ich mußte ein Loch graben, so tief, daß ich‘ bis an den, Hals in der Grube stehen konnte. Dann wurde ich ein- gegraben. Drei Tage lang mußte ich in der glühender, Sonne stehen— das waren Schmerzen! Ich darf heute noch nicht daran denken. Furchtbar waren schon die 16 INN NE EISEn KERNE I | i | I ji I ’ f der Finde üsse. rem iebe, rzen war der ich rust hinang meninde geend in terohe chts hter selArernals hon nken den einder eute die Qualen, die ich am ersten Tage auszuhalten hatte. Erbarmungslos brannte die Sonne auf meinen geschorenen Kopf, der Durst quälte mich und ich schrie nach Wasser. In meiner Phantasie sah ich köstliches frisches Naẞ. Aber niemand hörte mich. Dann brach die Nacht herein. Zum ersten Mal in meinem Leben spürte ich ihre Wohltat und Kühle. Zitternd dachte ich an den kommenden Tag. Ich bat meinen Herrgott, dieser Qual doch ein Ende zu machen. Aber es wurde noch grausiger als am ersten Tag: meine Augen schwollen, die Lippen sprangen auf, das Atmen fiel mir schwer. Ich glaubte ersticken zu müssen. Alles tanzte vor, meinen Augen. In meinen Ohren hörte ich das Rauschen von Wasser. Glaubt mir, es gibt nichts Schrecklicheres als Durst. Alles, was ich in den Jahren vorher hatte erleiden müssen, war schon furchtbar, aber dies war die Krone meiner Leiden. Mit dem Gedanken an meine Angehörigen verlor ich das Bewußtsein. Erst ein Regen machte mich wieder wach, ich war glücklich. Ich dankte meinem Schöpfer für seine Güte. Endlich schlief ich ein und erwachte erst wieder von einem Fußtritt gegen meinen Kopf. Noch heute ist die Narbe über meinem rechten Auge zu sehen, sie wird mich, so lange ich lebe, daran erinnern, daß ich drei Tage lebendig begraben war. Ich mußte ins Revier, da ich einen schweren Sonnenbrand hatte. Erbarmungslos liefen die Tage, Wochen und Monate weiter. Bis Weihnachten hielt ich aus, dann wurde ich krank. Ich meldete mich zum Arzt. Das Thermometer zelgte 39,6 Grad. Trotzdem sagte er: Es ist kein Fieber, um sich in die Falle zu legen, der Kerl ist zu faul zum Arbeiten. Zwei Tage später lautete das Urteil: Wegen Drückens bei der Arbeit und unerlaubter Arztmeldung 25 Stockhiebe. Ich bekam sie am ersten Weihnachtstag, anschließend drei Tage Dunkelarrest. So verbrachte ich Weihnachten 1943. Ich war allein in der dunklen Zelle, dachte an Mutter, Schwester und Bruder, die jetzt unter dem Weihnachtsbaum saßen, und all das Schreckliche, was ich bisher erleben mußte, 2 Zarniko, Neun Jahre lebendig begraben 17 kam mir zum Bewußtsein. Ich weinte bitterlich. Wie konnte es nur Menschen geben, die einem Angehörigen desselben Volkes die Hölle auf Erden bereiteten! Ich bat meinen Schöpfer, mich den Tag der Vergeltung noch er- leben zu lassen. Jeder einzelne sollte von mir erfahren, was ich in den neun Jahren Nazi-KZ. hatte erliben müssen. Aber wann werde ich einmal die Freiheit wieder- sehen? Auch dieses Jahr vergeht, der Tod hält weiter grausige Ernte, Täglich sehe ich viele junge Menschen, die erschossen, erhängt oder vergast werden. Warum eigentlich dieses Morden? Ich fragte einen jungen Polen, warum er erschossen wer- den sollte. Er antwortete: Ich weiß es nicht. Am näch- sten Morgen fiel auch er. Die SS hatte viel Arbeit. Täg- lich standen 60 bis 70 Menschen, an der berüchtigten Sandmauer, um das Kommando„Gebt Feuer!“ zu er- warten. Die Kamine des Krematoriums rauchten, Autos mit Leichen verließen das Lager.,Der süßliche Leichen- geruch brennt in den Augen, legt sich auf die Lungen, aber wir haben uns daran gewöhnt. Überall Tote. In dem elektrisch geladenen Zaun hängen täglich Leichen, Ka- meraden, die den Tod diesem Leben voller Leiden vor- ziehen. Da liegen Vater und Sohn, noch im Tode um- schlungen. Es sieht aus, als wolle der Vater sein Kind noch im Tode vor den Mörderhänden schützen. Lange stehe ich und schaue auf die beiden, die alles hinter sich haben. Nein, so will ich mit meinen jungen Jahren noch nicht sterben. Ich darf nicht daran denken und träumen. Todmüde, zerschlagen, lege ich mich auf meinen voll Ungeziefer wimmelnden Verschlag und warte auf den kommenden Tag. Aber auch die nächste Zeit bringt Tod und Vernichtung. Schon wieder kommt Weihnachten her- an. Als besondere Überraschung für den Weihnachtstag hat der Lagerkommandant zwei junge Menschen auf- hängen lassen— wegen„Fluchtversuche“‘, hieß es. Unter dem Weihnachtsbaum— man stelle sich diese Ausgeburt einer teuflischen Phantasie vor— wurde ein Galgen auf- gerichtet, an dem die-beiden nunmehr hängen. Dann Zi en—— BE er en obw ind ige ich och jen. voll den Tod her- stag auf- ntet burt zuf- Jan l müssen wir das Lied:„Stille Nacht, heilige Nacht“ sin- gen! Das Herz bricht mir im Leibe bei diesem Anblick, obwohl ich schön viel Leid gesehen habe. Gibt es denn keinen Gott mehr, dafs er solches geschehen läßt? Gibt es keine Hilfe, die uns aus den Händen dieser Bestien erlösen kann? Aber niemand erhört mich. Langsam fällt der Schnee in dichten Flocken, verdeckt mit seinem weißen"Tuch die Toodesstätte. Sterne funkeln über uns, Sterne in der Weihnachtsnacht. Von weither höre ich die Glocken läuten, die Glocken, die Liebe und Frieden auf Erden verkünden sollen.„Ehre sei Gott in der Höhe, Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen“— wie blutiger Hohn klingt es in unsere Ohren. Eiskalt läuft es mir über den Rücken, wenn ich auf den Weihnachts- baum schaue, unter dem die beiden Menschen hängen. Langsam verlasse ich den Platz, ich kann es nicht mehr ertragen. Ich merke nicht viel von Weihnachten, denn wir ‚ müssen für die Rüstung arbeiten. Wir vom Nazi-Regime Gequälten sollen Waffen schmieden, damit Hitler siege und die Wohltaten seiner Herrschaft auf weitere Teile der Welt ausdehnen kann! Wieder bricht ein neues Jahr an. Was wird es uns bringen? Ich brauche jetzt nicht mehr in der bitteren Kälte zu arbeiten, denn seit einigen Tagen bin ich in der Schlosserei. Mir geht es besser, ich bin im Trockenen. Aber nicht lange, denn eines Tages findet man in der Werkstatt Kartoffeln, die ich mir in der Küche organisieren konnte. Das bedeutet wieder Strafe. Wieder warte ich auf den Vollzug. 25 Stockhiebe und Strajkompanie. für einige Kartoffeln und einen halben Laib Brot. Ich stehe wieder im Steinbruch. Noch mehr Schläge” als sonst, noch härtere Arbeit, noch weniger Essen und jede Arbeit nur im Dauerlauf— das sind die Vorzüge der Strafkompanie. Meine Hände sitzen voller Frost. Viele Kameraden brechen vor Schwäche zusammen. Kameraden, Y 2* 19 mit denen ich morgens zur Arbeit marschiere— selbst- verständlich mit zackigem Gesang!— kehren lebend nicht wieder zurück. Auf einem Schlitten werden sie zurück- gefahren— tot. Völlig entkräftet steigen die übrigen nach getaner Arbeit die 96 Stufen der Himmaelsleiter, die eigentlich Höllenleiter heißen müßte, hinauf. Ich kann mich an einen Tag erinnern. Mit 1500 Häftlingen rücken wir morgens aus, 280 erfrieren, 200 weitere sind nicht in der Lage zu laufen. Wer einmal Gelegenheit gehabt hätte, sich die Originalaufnahmen nach unserer Befreiung. zu betrachten, wird verstehen, ‚warum es so sein mußte. Junge Männer sehen aus wie alte Männer, wie Skelette laufen wir herum. Bei dem kargen Essen und der Behandlung, dazu der r2- bis 14-stündigen har- ten Arbeitszeit ist es kein Wunder. Aber was bedeutet das? Es sind noch genug Menschen da und immer noch kommen neue, die aus allen Ländern hier zusammen- getrieben werden. Es ist schrecklich, an den kommenden Tag zu denken. Mein Stück Brot in beiden Händen haltend falle ich todmüde auf mein Lager-— ich bin in einer anderen Welt, bis der Gong am nächsten Morgen in die'rauhe, schreckliche Wirklichkeit ruft. Ein neuer Tag, der neues Leid bringt. Steine, nichts als Steine von morgens bis abends. Immer neue Gesichter. Aber nicht lange und auch sie sind nicht mehr. Dann liegen auch sie am Boden, erfroren, erschlagen. Hunderte, tausende fallen der SS und dem Steinbruch zum Opfer. Schon dreimal wurde das Lager aufgefüllt. Aber immer wieder wurde es leer. Es ist unersättlich. Nun sind wir mit 20000 Menschen hier, jämmerliche Gestalten sind es, die auf dem Appellplatz stehen. Einen Tag lang, denn es ist jemand geflohen, und wir müssen warten, bis man ihn tot oder lebendig ins Lager zurückbringt. Zweiter Tag— wir stehen noch immer. Wir stehen auch noch am dritten Tag auf dem Appell- platz, denn der Flüchtling ist immer noch nicht zurück- gekehrt. Bei Wind und Wetter stehen wir, Tag und Nacht. Dazwischen schlägt man erbarmungslos mit 20 eine Reil gele man eine gebe mal Sieh lich sinn müs Osticht ickgen ter, Ich gen ind heit erer S SO ner, ssen harutet och enden den in gen euer von icht uch ende tlich. liche ehen. wir Lager imer. opellrückund mit Knüppeln, Peitschen und Stöcken auf uns. Schreie dort fällt wieder jemand zu Boden. Grauenhaft hallt das Echo, das Schreien von den Felswänden zurück. Drei Tage hatte das Morden gedauert, viele tausende Menschen mußten ihr Leben lassen, weil einer unserer Kameraden versucht hatte, dieser Hölle zu entkommen. Doch gern wollen wir diese Qualen erdulden, wenn es ihm nur gelungen ist, nie wieder zurückzukehren. Aber schon am Abend des dritten Tages trägt man ihn ins Lager zurück, auf einer Bahre. Tot, von Bluthunden zerfleischt, - eine unkenntliche Fleischmasse. Er wurde durch unsere Reihen getragen, man hatte ihm ein Schild auf die Brust gelegt mit der Aufschrift: Ich bin wieder da! Niemand entkommt aus den Klauen der SS. Es gibt nur einen Weg: Der Sprung in den Draht. Nein, so leicht gebe ich den Kampf nicht auf, ich will leben, denn einmal muß auch diese grauenhafte Zeit ein Ende haben. Sieben Jahre bin ich nun hier, sieben Jahre lang täglich neuen Foltern ausgesetzt, die teuflische Gehirne ersinnen. Damit der SS die Zeit nicht langweilig wird, müssen wir ihr zum Gegenstand einiger„, reizender" Spiele dienen. Sie treibt ihre Kurzweil mit uns in folgender Art: Die Wachen reißen uns die Mützen vom Kopf, werfen sie weit fort und warten, daß wir sie holen. Kameraden, die diese Methode noch nicht kennen, laufen ahnungslos los, um ihre Mütze wieder zu holen. Mit angelegtem Gewehr steht die Wache hinter ihrem Opfer, eine Salve der Unglückliche sinkt zu Boden! Andere müssen stundenlang den ,, Lagergruß" ausführen: Sie müssen, beide Hände hinter den Kopf gelegt, stundenlang stehen. Als ich selbst eines Abends nach Feierabend da saß, die Hände im Schoß und gefaltet, fragte der Lagerführer: Was machst du Schwein? Ich sprang auf und meldete: Häftling 45 950 meldet sich zur Stelle. ,, Du hast gebetet," behauptete der Lagerführer. ,, Wollen es gleich mal feststellen." Ich hatte beide Hände mit gespreizten Fingern nebeneinander zu legen, er legte mir - 21 - zwei Holzstücke zwischen die Finger und preßte sie zusammen, daß die Finger knackten so lange, bis ich zugab, gebetet zu haben! Diese Strafe wurde ,, Tibetanische Gebetsmühle" genannt. Grausige Spiele trieb man mit Juden. Sie wurden auf die Bäume gejagt, waren sie oben, wurden sie von den Wachen wie lästige Vögel heruntergeschossen. Ich erinnere mich noch an eine andere Folter, die man ersann, als einige Pfarrer ins Lager kamen. Aus Stacheldraht mußte eine Art Krone gebastelt werden, dann wurden die Juden den Geistlichen gegenübergestellt und folgendes Frage- und Antwortspiel begann: Die SS- Wache fragte: Wie ist Jesus gestorben? Die Juden hatten zu antworten: Am Kreuz. Was hat Jesus auf seinem Haupte getragen? Eine Dornenkrone. - - Dann mußten sie den Pfarrern die aus Stacheldraht angefertigte Krone auf das Haupt drücken. Aber noch nicht genug des grausamen Spiels. Womit ist Jesus geschlagen worden? Mit einer Geißel. Die Juden erhielten Befehl, auf die halbnackt vor ihnen stehenden Geistlichen einzuschlagen. Sie weigerten sich. Mit der Pistole in der Hand standen die Wachen vor ihnen, um die Ausführung des Befehls zu erzwingen. Sie mußten dabei sagen: Jesus war auch ein Jude und Jesus mußte sterben. Es fehlen die Worte, um das Verhalten der SS- Wachen zu schildern. Beim Aus- und Einmarsch hatten die Juden ein Lied zu singen, dessen Schlußvers mit den Worten ausklang: ,, Denn wir sind das Unglück der Welt!" - heute Ja, so wird mancher fragen, wie konnten Menschen nur diese Leiden überstehen? Mit 1400 Häftlingen war ich vor einigen Jahren in das Lager gekommen waren wir noch mit 21 da. Apathisch taten wir unsere Arbeit, wie Löwen stürzten wir uns auf die dünne Suppe, denn wenn schon die Bevölkerung nicht viel bekam was sollten dann erst wir, der ,, Abschaum der Menschheit", zugeteilt erhalten? Wir versuchten, Kartoffelschalen, Rüben zu ergattern, ja, sogar Gras wurde gege stan Rat geg müs Kan Aud ang sch Ka ach lach Es Jene eide nich jähr Pan ten. Arr trin Es Arn Ich dem ich bet er Ich wa Ta bü Ki abg 22 [E ZU- h zu- nische gegessen. Wir wußten, welche grausamen Strafen darauf standen, aber Hunger tut weh. Wir scheuten uns nicht, Ratten zu fangen, zu braten und zu essen. Nie hätte ich geglaubt, daß ich so etwas in meinem Leben würde essen müssen— aber die Ratte schmeckte mir wie ein junges Kaninchen. "Ich sah, wie ein Kamerad Menschenfleisch aß. Auch mir wurde einige Tage später ein Stück Fleisch angeboten. Ich kostete— es hatte einen süßlichen Ge- schmack. Nun erinnerte ich mich daran, daß ich einen Kameraden beim Verzehren von Menschenfleisch beob- achtet hatte. Ich ekelte mich und rannte davon. Man lachte mich aus. Es wäre zuviel, wollte ich alles erzählen, was ich in jenen Jahren persönlich erlebt habe, bezeugen und be- eiden kann. Aber. meine Leidenszeit war immer noch nicht um. Ein Transport Kinder kam an, 4- bis ı0- jährige Jungen. Ich hörte, wie sie bettelten:„Panje, Panje, Wodda.‘“ Es waren Polen, die um Wasser bettel- ten. Ich nahm einen etwa vierjährigen Jungen auf den Arm und wollte mit ihm in eine Baracke zum Wasser- trinken.„Stehenbleiben“— schrie jemand hinter mir. Es war der Blockführer. Er riß mir das Kind aus dem Arm und warf es mit voller Wucht auf die Lagerstraße. Ich wurde von ihm geschlagen und getreten und dann dem Lagerführer vorgeführt. Der Blockführer meldete, ich hätte versucht, einen Polenjungen zu verstecken. Jch beteuerte meine Unschuld. Doch ich kam nicht zu Worte. 100 Stockhiebe und 42 Tage Arrest erhielt ich für die Erfüllung einer menschlichen Pflicht. Ich will nicht beschreiben, wie furchtbar diese 100 Hiebe ‘waren und die Leiden und Qualen während der 42 Tage Dunkelarrest. Auch diese Zeit verging. Nach Ver- büßung der Strafe erzählten mir Kameraden, daß die Kinder damals noch am gleichen Tage ins Krematorium abgeschoben worden seien. Mit Judenkindern machte man 23 nicht viel Umstände, die warf man auch lebend ins Feuer. Wer weiß, vielleicht war es so besser für sie, als langsam zu Tode gequält zu werden. Und noch mehr Kinder kamen, die dieselbe Arbeit zu leisten hatten wie wir. Und draußen ging der Krieg weiter, wir hörten. nichts von seinem Verlauf. Da, eines Tages sahen wir Flugzeuge über uns, wußten aber nicht, welcher Nation sie angehörten. Friedenstauben, sagten die einen, die anderen: Dort oben fliegen unsere Retter. Würden die, die dort oben fliegen, uns wirklich erlösen? Ich konnte es nicht glauben. Abwehrgeschütze wurden in der Nähe des, Lagers aufgebaut. Bald flatterten die ersten Flugblätter auf das Lager nieder. Todesstrafe stand darauf, ein Flugblatt aufzuheben oder zu lesen. Trotzdem konnte ich es nicht über mich bringen, ein Blatt unangetastet zu lassen. Ich las, die erste Nachricht seit langer Zeit. So also sah die Welt dort draußen aus! Dann vernichtete ich das Blatt und kehrte zu meiner Arbeit zurück. Doch kurze Zeit später wurde ich dem Lagerkommandanten vorgeführt. Ich sei beim Lesen eines Flugblattes geschen worden. Wie es damit sei? Großer Gott, jetzt kam das Ende, denn ich wußte, welche Strafe darauf stand. Frech lag ich um mein Leben. Ich hätte eine alte Zeitung aufgehoben. Wo sie sei? Ich hätte sie tortgeworfen. Kaum hatte ich die Worte gesagt, sauste die Peitsche auf mich nieder. Hängt das Schwein auf, schrie der Kommandant. Laßt ihn so lange hängen, bis er sagt, wo das Flugblatt ist. Zwei Blockführer schleiften mıch in die nächste Baracke, fesselten mich und hingen mich an der Decke auf. Nachdem ich eine Stunde dort gchangen hatte, betrat der Lagerkommandant den Raum. Das Verhör begann. Ich mußte weiter lügen, denn sagte ich jetzt die Wahrheit, wurde ich unbarmherzig an die Wand gestellt. Man versuchte alle möglichen Mittel, um mich zum Reden zu bringen. Ich schwieg. Man schlug ins rsie, mehr n wie örten n wir Nation , die lösen? den in n die strafe lesen. , ein Chricht m aus! meiner hdem eines Großer Strafe hätte tte sie sauste en, bis leiften hingen de dort Raum. n sagte an die tel, um schlug . mich, doch ich schwieg. Immer wieder fragte man mich, wo das Flugblatt sei. Und immer wieder sagte ich, es sei keins gewesen. Die Folter geht weiter, was ich hier ertrage, ist schlimmer als der Tod. Meine Schmerzen werden unerträglich, ich schreie und jammere und brülle meinen Peinigern ins Gesicht: Ihr Mörder, schießt mich tot, laßt mich sterben, ich halte es nicht länger aus! Aber je mehr ich schreie, desto mehr lachen meine Henker über meine Qualen. Der Schweiß rinnt von der Stirn, mir ist, als reiße man mir das Herz aus dem Leibe. Gellend schreie ich um Hilfe. Vater im Himmel, hilf mir, ich kann es nicht mehr ertragen. ,, Laßt mich runter, ich sage alles." Vor Schmerzen ohnmächtig spüre ich nicht mehr, daß man mir die Stricke löst. Ich falle zu Boden, versuche mich zu erheben, kann es aber nicht. Dann breche ich zusammen und weiß nichts mehr. 514 Stunden, so erzählten Kameraden mir später, habe ich dort gehangen. Ein halbes Jahr lang war ich nicht in der Lage, meine Arme zu bewegen, ein Stück zu halten. Ich konnte keinen Löffel zum Mund führen. Kameraden haben mich ein halbes Jahr wie ein hilfloses Kind, wie einen armlosen Krüppel gefüttert. Noch heute bin ich nicht in der Lage, einen Gegenstand fest in die Hand zu nehmen. Ich spüre noch die unheimlichen Schmerzen, als ich glauben mußte, man risse mir die Arme aus dem Leib. Wer kann sich überhaupt eine Vorstellung davon machen, wie es ist, wenn man an den Händen über fünf Stunden an der Decke hängen muß? Nur der, der es am eigenen Leibe spüren mußte. Und viele tausend meiner Kameraden haben die gleiche Folter ertragen müssen. Lange Zeit später erhielt ich von einer weiblichen Leidensgenossin ein Stück Brot. Dabei wurden wir von einem SS- Mann beobachtet, festgenommen und zum Kommandanten gebracht. Zum ersten Mal war ich mit einer Frau beim Strafvollzug. Obwohl ich wußte, daß man sich nicht schämte, auch weiblichen Lagerinsassen die Prügelstrafe zuzudiktieren, versuchte ich, sie zu trösten. 25 Eineinhalb Stunden Pfahl lautete das Urteil. Meine Arme zitterten schon bei dem Gedanken daran. Mit zitternden Knien stieg ich auf den Tisch, dann schwebte ich in der Luft, wieder spürte ich die Schmerzen meiner letzten Folter. Ein markerschütternder Schrei— es war meine Kameradin, die mir gegenüber aufgehängt wurde, sodaß wir uns ansehen mußten. Hätte ich vorher geahnt, welche Schmerzen sie auszuhalten hatte— ich hätte von Herzen gern auf das Brot verzichtet. Etwa eine Viertelstunde flehte, schrie, jammerte sie, doch der Blockfühfer, der uns bewachte, hielt ihr die brennende Zigarette unter die Nase. Vor Schmerzen halb wahn- sinnig stieß sie ihm mit den Füßen mit Aufbietung der letzten Kraft in den Leib. Ich hörte, wie er vor Wut mit den Zähnen knirschte, dann nahm er die Peitsche und schlug sie meiner Kameradin erbarmungslos über den entblößten Oberkörper. Ich mußte meine Augen schlie- ßen, denn ich konnte den Anblick nicht ertragen. Furcht- bar war der Anblick, entsetzlich waren die Schreie. Der Oberkörper wies von den Schlägen blutige Streifen auf, das Gesicht war geschwollen und entstellt. Ich vergaß meine eigenen Schmerzen. Einige Minuten später saß der Blockführer beim Rauchen seiner Zigarette, als sei nichts vorgefallen. So abgebrüht"waren unsere Henkers- knechte. Ein leises Stöhnen ertönt von seinem Opfer, vor Schmerzen ist sie bewußtlös geworden. Alles nimmt ein Ende, auch diese eineinhalb Stunden\ gehen herum. Wie Säcke jallen wir um, als der Blockführer die Fesseln löst. Von zwei Kamerad- innen wird das bedauernswerte Geschöpf fortgetragen, bewußtlos. Dann verließ auch ich die grauenvolle Stätte, die soviel unschuldige Opfer gesehen hatte. Nach einigen Monaten sah ich meine Kameradin wieder. Ich kannte sie kaum wieder. Ihr Gesicht war von Narben entstellt. Stumm grüßten wir uns, beide gingen wir unserem un- wissen Schicksal weiter entgegen. Wohin würde der Weg 26 Arme ernden in der Letzten ehängt vorher - ich Etwa ch der nende wahnng der Wut e und er den schlieFurchte. Der en auf, vergaß cer saß als sei enkersOpfer, nimmt um. ameradetragen, Stätte, einigen kannte Entstellt. rem uner Weg - uns führen? Schicksal nimm deinen Lauf. Dann, eines Morgens sind die SS- Wachen in Aufregung. Doppelte Posten ziehen auf, die Türme werden mit zwei Maschinenpistolen und Maschinengewehren besetzt, spanische Reiter wurden aufgestellt. Wir ahnen nicht, was draußen vor sich geht. Alles in den Baracken bleiben so lautet der Befehl, es wird scharf geschossen. Schon peitschen die ersten Schüsse durchs Lager, rattern die MG. Einige Kameraden, die versuchten, festzustellen, was vor sich geht, müssen ihre Neugier mit dem Leben bezahlen. Plötzlich bringt irgend jemand die Nachricht, daß Adolf Hitler tot sei. Woher sie kommt, weiß niemand. Das bedeutet Befreiung, Erlösung von dieser Hölle. Hitler, der Massenmörder, tot! geht es von Mund zu Mund. Strahlende Gesichter, unbändige Freude. Er, der Hunderttausende unschuldig zu Tode quälen ließ. Auf den Knieen dankten wir Gott für den Tod Hitlers. Aber nicht lange dauert die Freude. Schon nach einigen Stunden verkündet der Lautsprecher, welchen man nur für diese Mitteilung im Lager aufgestellt hat, daß Hitler noch lebt. Wie eine Bombe schlägt diese Trauernachricht ein, überall niedergeschlagene Gesichter, einer schaut den anderen an. Auf deutsch, spanisch, russisch, polnisch kurz, in fast allen Sprachen hört man nur das eine Wort: Schade. Es war der 20. Juli 1944! - Täglich fliegen Flugzeuge über das Lager. Jetzt kannten wir unsere zukünftigen Befreier. Stundenlang überflogen sie das Lager, die einzige Zeit, in der wir von unserer Bewachung in Ruhe gelassen wurden, die versuchte, sich in Sicherheit zu bringen. Bunker neben Bunker wurde für die Bewachung und deren Familien gebaut. Dann kamen die Tiefflieger. Rings um das Lager flogen sie, als wollten sie sagen: Fürchtet euch nicht, wir wissen, wer ihr seid. Wir hörten die Detonationen der Bomben, die um das Lager fielen, aber keine fiel hinein. Nun wußten wir, 27 daß wir vor denen dort oben keine Angst zu haben brauchten. Sie kämpfen für unsere Freiheit. Nun haben wir Hoffnung, denn sie geben uns Mut. Wenn auch keine Nachrichten von der Außenwelt zu uns dringen, so merken wir doch an dem aufgeregten Verhalten der SSWachen, daß das Ende nicht mehr weit sein kann. Noch wußten und ahnten wir nicht den Plan, uns auf teuflische Art zu vernichten. Irgend jemand erzählte, das Lager würde in die Luft gesprengt, ein anderer, wir sollten vorher vergast werden. Alle möglichen Parolen gingen um. Wir waren auf alles gefaßt, denn jeder von uns wußte, daß die SS vor nichts zurückschreckt. Doch nichts geschah. In der bangen Erwartung, jeden Tag etwas Schreckliches zu erleben, brach das Jahr 1945 an, das neunte Weihnachtsfest für mich. Ich versuchte zurückzuschauen, doch die Geschehnisse der Gegenwart ließen mir keine Zeit. Aufpassen, hören, denn jeder Tag kann die Vernichtung bringen. Februar - - März der Tod rast durch das Lager. Typhus, Hunger, Ruhr- das Krematorium raucht, Kranke, Arbeitsunfähige verlassen das Lager, Autos mit Leichen, mit noch nicht ganz toten Häftlingen. SS- Männer schleppen Koffer. Aufregung überall. Appell. Der Wind heult um die Baracken, Regen peitscht an die Wände Tag und Nacht. Bis zu den Knien stapfen wir im Schlamm. Berge von Leichen häufen sich auf der Lagerstraße, in den Aborten und Waschräumen. Die Bergungstrupps können die Arbeit nicht mehr schaffen. Man macht es sich bequemer. In der Nähe des Lagers werden riesige Gruben ausgehoben, sie füllen sich mehr und mehr mit toten Kameraden. 1. Mai- seit einigen Tagen bleiben die Toten liegen. Ein gräßlicher Gestank liegt über dem Lager. Plötzlich große Aufregung. Jemand hat die Worte eines Bewachers gehört: Kein Häftling darf lebend in die Hände des Feindes fallen! Neun Jahre habe ich gelitten, gekämpft, täglich mein Leben aufs Spiel gesetzt. Jetzt, wo der Tag der Freiheit nicht mehr fern sein kann, soll ich sterben? Nein. Ich überlege und bereite alles zur Flucht 28 vor ein In Ba Tu die Un wa all T W L au las m Je M de fi P aben aben keine merSSNoch ische Lager vorum. wußte, s gereckeunte auen, keine Lager. aucht, s mit Män- Der die ir im agerungsMan werden mehr leiben r dem Worte in die litten, Jetzt, n, soll Flucht vor. Ich weiß, gelingt es mir nicht zu fliehen, steht mir ein schrecklicher Tod bevor. 2. Mai- eine unheimliche Ruhe herrscht im Lager. In den Lagerstraßen kein Mensch. Alles hockt in den Baracken. Mit gesenktem Kopf steht der Posten auf dem Turm, krampfhaft sein MG. haltend. Ob er ahnt, daß die Stunde der Vergeltung unerbittlich näher kommt? Und in den Baracken 20 000 Menschen, die auf den Tod warten. Eine neue Nachricht geht um. Heute Nacht soll alles in die Stollen, in denen wir noch bis vor wenigen Tagen für die Rüstung gearbeitet haben. Kilometerweit wurden sie in den Fels gebohrt. Vor Tagen sah ich Löcher in die Wände gebohrt für Dynamit! Mir fällt auf, daß heute Morgen zwei Bohrarbeiter das Lager verlassen haben. Ich frage nach ihrem Verbleib. Sie zucken mit den Achseln und sagen: Auf der Flucht erschossen. Jetzt wird mir alles klar: - Man will uns im Berg begraben! - Man wird uns in die Stollen treiben ein Knall und der Fels wird uns verschütten. Also heute Nacht! Ich finde keinen Weg, das Lager zu verlassen und gebe den Plan zur Flucht auf. Auf dem Gang in den Stollen muß sie mir gelingen so oder so. Ich muß dem Teufel noch im letzten Augenblick von der Schaufel springen. Meine ganze Hoffnung setze ich auf die kommende Nacht. Ich bitte meinen Schöpfer um Beistand. Langsam reift die Entscheidung heran, Stunde um Stunde vergeht. Niemand denkt an Schlaf. Gespannt warten wir, die Ruhe ist unheimlich. Nur das leise Stöhnen der Kranken hört man. Bleich scheint der Mond, wirft seinen Schein auf uns gequälte Menschenkinder, auf die trostlose Stätte. Langsam bricht der Morgen an. Nichts geschieht. Alles ist ruhig, niemand traut sich, die Baracke zu verlassen. Plötzlich hören wir Rufe. Jemand schreit sie, die unfaẞbare Nachricht: Die SS ist nicht mehr da! 29 Wir drängen nach draußen, sehen auf den Wachturm, auf dem gestern abend noch der SS-Posten stand. Jetzt steht dort ein Soldat in gelber Uniform. Es sei die Feuer- wehr, erzählt man. In der Ferne fallen Schüsse. Schreie ertönen. Jemand ruft: Panzer! Wirklich, ich sehe meh- rere Panzer langsam den Berg hinaufklettern. Dazwischen ein weißes Auto. Es steuert auf unser Lager zu, ein Soldat steigt aus, besteigt den Turm. Und dann bricht der Bann: Tausende Menschen jubeln, schreien, fallen sich um den Hals. Dann erklingt vom Turm die*Stimme jenes Soldaten. Mit angehaltenem Atem und spannenden Gesichtern schauen wir ihn an. Mit lauter Stimme sagt er: Kameraden, wir sind gekommen, euch zu befreien. Haltet Ruhe und Ordnung, in einer Stunde seid ihr frei. Dann besteigt er sein Auto und fährt davon. Inzwischen werfen vorbeifahrende Truppen Schokolade, Rauch- und Eßwaren ins Lager, Kostbarkeiten, die wir seit Jahren nur mehr dem Namen nach kennen. Und nach einer Stunde öffnet sich das T'or. Mehrere Autos fahren heran, darunter das weiße. Zivilisten, Männer und Frauen, stei- gen aus. Es sind, wie wir später erfahren, hohe Nazi- persönlichkeiten aus Linz. Stumm fahren sie an uns vor- bei und besichtigen das Lager. Kreideweiß sind ihre Ge- sichter, schuldbewußt ihre Mienen. Ich höre die Stimme eines Soldaten, anscheinend eines hohen amerikanischen Offiziers:„Meine Damen und Herren! Lange Jahre bin ich Soldat, habe viel gesehen. Doch was meine Augen hier sehen mußten, hatte ich nie erwartet.“ Dann öffnet er uns das Tor mit den Worten: Ihr seid frei! Es war der General Eisenhower. der diese Worte zu uns sprach. Tausende stürzten sich auf das Tor, als hätten sie Angst, daß es noch wieder geschlossen werden könnte. Auch ich war unter ihnen, ich, der ich die Stunde der Freiheit neun Jahre lang herbeigesehnt hatte. Aber ich kam nicht weit. Die Auf- 30 Curm, Jetzt euerhreie mehchen ein richt allen imme enden imme 2. frei. Schen - und ahren einer meran, regung überwältigte mich, ich brach zusammen. Auf allen Vieren kroch ich weiter, Stück für Stück. Dann verließ mich das Bewußtsein. Als ich wieder erwachte, lag ich im Krankenhaus von Linz. 12 Wochen mußte ich aufgepäppelt werden wie ein Kind, und auch dann noch lautete der Befund: Unterernährt, Gewicht 42 Kilo! Ich sah aus wie ein alter Mann. Viele Kameraden starben noch in derselben Nacht, obgleich alle årztliche Kunst aufgeboten wurde, sie am Leben zu erhalten. Nun bin ich frei, frei, nachdem ich neun Jahre in den Nazi- KZ. lebendig begraben war. Mein fernerer Kampf soll, das habe ich mir gelobt, einem Deutschland gelten, das nicht wie der Nazi- Staat die primitivsten Menschenrechte mit Füßen tritt. Daß jeder Deutsche von den Errungenschaften des Nazi- Verbrecherstaates geheilt wird und weiß, wofür er in Zukunft zu kämpfen hat, dazu soll mein Bericht beitragen. Dann hat er seinen Zweck erfüllt! - Wilhelm Zarniko Cuxhaven, Catharinenstraße 30 steiNazivorGemme schen e bin n hier et er n sich wieder ihnen, lang Auf