Einleitung Inhaltsverzeichnis erz sat Arb aut Seite 3 Seite 4 die der W Meine Verhaftung jug üb da Einlieferung ins Lager Seite 4 ve de Harte Tage Seite 6 m an br Methoden des Mittelalters ... Seite 9 Tag der Entlassung W Seite 12 de SC m S B Π Univ- Bibl. Glessen 27007.775 m W T E E 72 Einleitung Von frühester Jugend wurde ich politisch für die links gerichtete Auswirkung erzogen. Ich wurde vom Vater angehalten, in den sportlichen politischen Organisationen aktiv teilzunehmen. Der Weltkrieg nahm den Vater. Die Mutter ging der Arbeit im Arsenal nach, so daß ich den ganzen Tag bis zur Rückkehr der Mutter auf mich selbst angewiesen war. So lernte ich die unglaublichen Leiden kennen, die ein Krieg für ein Volk bedeuten. Nur wenige Stunden waren mir vergönnt, mit der Mutter zusammen zu sein. Das Elend wurde von Tag zu Tag immer schlimmer. Wir mußten tagelang auf Brot verzichten und lernten die Zeit der Rüben kennen. Nach Erlernung meines Berufes kam ich in die Sozialdemokratische Arbeiterjugend und betätigte mich dann aktiv am politischen Leben. 1923 erlebte ich die über das deutsche Volk hereinbrechende Geldkatastrophe. Ich trat selbständig in das Leben. Die Arbeitslosigkeit drückte auf das Volk, so daß ich mich immer aktiver an den politischen Geschehnissen beteiligte. Die Folge war, daß ich 1928 von der SPD zur KPD übertrat. Auch hier war ich aktiver Mitarbeiter und betätigte mich mit dem Vertrieb verschiedener politischer Zeitschriften. Bei einer Auseinandersetzung 1931 beim Verkauf von Zeitschriften bekam ich wegen Landesfriedensbruch 5 Monate Gefängnis. Es wurde ein Deutschlandwettbewerb ausgeschrieben. Den besten Bewerbern wurde eine Freireise zum 1. Mai 1932 nach der UDSSR zugesichert. Ich hatte von den 20 Preisträgern auf dem Gebiet, daß mir zugeteilt war, am besten abgeschnitten so daß ich im Mai 1932 die UDSSR besuchte. Von dort zurückgekehrt, habe ich mich weiterhin bis 1933 mit allen mir zur Verfügung stehenden Kräften für die Sache geopfert. Im Zuge der allgemeinen Verhaftungswelle wurde ich am 2. März 1933 in Breslau interniert. Nach dem Verlassen des Gefängnisses in Breslau kehrte ich an meinem Heimatort Meißen zurück. Ich hatte mich nach der Machtergreifung Hitlers. entschlossen, zum Wohle meiner Familie, von allen politischen Tätigkeiten zurückzuziehen. Niemals habe ich wieder Vertrauen fassen können für eine gute Weiterentwicklung, da auch einer dem anderen nicht mehr traute und Denunziationen an der Tagesordnung waren. Erzählungen über Zustände in den Konzentrationslagern gingen herum. Man hörte dieses oder jenes von den aus den Konzentrationslagern Entlassenen. Ich schenkte diesen Dingen teils keinen Glauben. Ich ging meiner Beschäftigung nach und versuchte durch Arbeit das Wohl meiner Familie zufrieden zu stellen. 3 1. Kapitel: Meine Verhaftung Mit meiner Frau hatte ich mich an einem Sonntagabend zu einem Radfahrvergnügen in einen Nachbarort meiner Heimat begeben. Wir kehrten gegen 3 Uhr morgens zurück. Kaum hatten wir uns zur Ruhe begeben, wurde durch Klingelzeichen im Haus alles in ‚Aufregung gesetzt. Drei Polizeibeamte verlangten den Einlaß in meine Wohnung. Ich kannte die Beamten und ließ sie eintreten. Dieselben erklärten’ mir, daß sie bei mir eine Haussuchung durchführen müßten.. Ich mußte notgedrungen diesem Verlangen stattgeben, außerdem war es mir nichts Neues mehr. Ich bat nur um Aufklärung über die Motive zu dieser neuen Hayussuchung. Der Beamte konnte mir hierüber keine Auskunft geben, sondern erklärte mir, nur seinen Pflichten nach- gehen zu müssen. Die Haussuchung verlief ergebnislos, trotzdem wurde ich aufgefordert mit zum Polizeirevier zu gehen. Ich zog meine Sonntagskleider wieder an und begab mich in Begleitung der drei Beamten zum Polizeirevier. Dort angekommen, fand ich schon zwei mir bekannte Kameraden vor. Der diensthabende Revierbeamte erklärte mir auf meine Fragen, daß wir bis 7 Uhr auf das Eintreffen des Polizeidezernenten warten müßten. Um 7 Uhr wurden wir dem Dezernenten vorgeführt und erhielten jeder einen Schutzhaftbefehl in die Hand gedrückt der folgenden Inhalt hatte: Schutzhaftbefehl: Wegen dringenden Verdachts staatsfeindlicher Betätigung sofort dem Schutzhaftlager Sachsenburg zuzuführen.“ Meine Frau trat dann, weil sie über mein langes Wegbleiben in Sorge war, mit dem jüngsten Kind in das Polizeirevier, wo ich ihr die Mitteilung machen mußte, daß ich verhaftet sei. Ich durfte mich ver- abschieden, und wir wurden unter Polizeischutz von fünf Beamten zu dritt mit dem Polizeiwagen in Richtung Sachsenburg bei Chemnitz gefahren. Unterwegs hielt der Wagen und uns wurde erklärt, daß wir an der rechten Seite des Wagens austreten könnten. Da uns diese Dinge bekannt waren, erklärten wir, bis Sachsenburg im Wagen bleiben zu wollen. In Sachsenburg angekommen, standen bereits Dutzende von Polizeiwagen vor dem Lager. Wir wurden bis vor das Tor geführt. 2. Kapitel: Einlieferung in das Lager Nachdem ich in das Lager hineintrat, rief mir ein Posten der SS zu:„Aha, der feine Herr aus Meißen.“ Mit den Händen im Genick, liefen wir auf eine Gruppe von Männern zu, die in Reih und Glied mit 4 dem Gesicht zur Wand standen. Es durfte keiner wagen, die Hände nach unten zu nehmen. Mehrere SS- Posten standen mit aufgepflanztem Bajonett hinter uns und brachten uns die ersten Verhaltungsmaßregeln des Lagers bei. 11/2 Stunden standen wir dort und wurden dann über den Hof in Richtung eines Stallgebäudes in Gruppen geführt. Dort wurden jedem im knien die Haare kurz geschnitten. Nach dieser Prozedur mußte sich jeder schnellstens wieder zur Gruppe zurückbegeben. Hände wieder in's Genick, ging es zum Fotografieren. Immer neu hinzukommende Gruppen füllten das Lager. Nachdem jeder eine Nummer ungehängt bekam und fotografiert war, wurden wir in Gruppen zum Sportplatz geführt. Dort wurden wir von dem Sturmbannführer Rödel( letzter Kommandant des Konzentrationslagers Buchenwald) in Empfang genommen. In seiner Nähe stand der diensthabende Beamte, der mich nach dem Lager gebracht hatte. Der Sturmbannführer Rödel rief mich aus der Gruppe mit den Worten heraus: ,, Sie, mit dem grauen Mantel, kommen Sie her." In seinem bayrischen Dialekt sagte er: ,, Sie waren doch im Ausland, wo waren Sie denn?" Ich erklärte ihm, daß ich als Preisträger in der UDSSR war. Darauf stellte er an mich die Frage: ,, Wie war es denn dort!" Ich gab ihm zur Antwort: ,, Dort, wo ich hingeführt worden bin, hat es mir gefallen." ,, Seien Sie froh, daß Sie das gesagt haben," erwiderte er mir. Machen Sie, das Sie wegkommen. Durch das Erlebte der letzten Stunden war ich derart innerlich erschüttert, daß ich nicht den Mut fand, die Frage nach der Bedeutung der Schutzhaft zu stellen. Austreten gab es nicht, dieses mußte an Ort und Stelle verrichtet werden. Es war schon weit über Mittag und ich hatte das Pech, zu denen zu gehören, welchen noch immer keine Unterkunft zugewiesen war. Die Arme wurden zu Eisen, die Schultern schmerzten, es war einem fast kaum noch möglich, die Arme weiter im Genick zu halten. Man krampfte die Finger zusammen, versuchte mit Aufbietung aller Kräfte durch Einkrampfen der Finger am Kragen die Arme oben zu behalten. Jeder Finger wurde abwechselnd dazu benutzt. Sprechen war verboten. Wer seine Arme nicht mehr oben behalten konnte oder nur durch eine Kleinigkeit irgendwie auffiel, mußte aus der Reihe treten, 100 Kniebeuge machen oder sich auf- und niederlegen bis er nicht mehr konnte. Es wurde abends 7/2 Uhr ehe wir nach oben in einem großen Saal kamen, in welchem sich schon zirka 1000 Häftlinge befanden. Die Arme und der Oberkörper waren wie abgestorben, man war vollkommen erschöpft und mußte nun erst versuchen, wieder zu sich selbst zu kommen. Der eine oder andere Kamerad versuchte einen aufzurütteln. Durch die wilden Gerüchte, die dort umgingen, wurde man in das neue Leben hineingerissen. 5 Сл In der Mitte des Saales befand sich eine Wachstube, welche mit einem hochgelegenen Podium versehen war und einen Überblick über den ganzen Saal bot. Es fehlte nicht an den modernsten Waffen. An der Tür stand wiederum ein SS- Posten. Ich fragte einen Kameraden, wo ich austreten könne. Selbiger brachte mir schnell die Verhaltungsmaßregeln für das Passieren des Postens bei. So gut es ging, versuchte ich beim Türposten meine Meldung zu machen, und bat darum austreten zu dürfen. Ich machte nicht, wie vorgeschrieben, die Kehrtwendung. Sofort wurde ich zurückgerufen und der Posten schnitt mir mit seinem Seitengewehr sämtliche Knöpfe meines Mantels ab mit der Bemerkung, diese innerhalb von 10 Minuten wieder anzunähen und ihm eine entsprechende Meldung zu machen. Am Abend bekamen wir unser Essen, welches den damaligen Verhältnissen entsprechend gut war. Nun konnte man sich mit dem Einen oder Anderen unterhalten und dabei wurde festgestellt, daß alle Schutzhaftbefehle den gleichen Inhalt hatten. An diesem Tage sind ungefähr 700 neue Häftlinge eingeliefert worden. Für diese Massen waren die Unterkunftsmöglichkeiten noch nicht eingerichtet. Die erste Nacht wurde auf einem Strohsack verbracht. Die Erlebnisse dieser Tage haben sich in mein Gedächtnis eingegraben und werden mich mein ganzes Leben begleiten. 3. Kapitel: Harte Tage Am nächsten Morgen um 5 Uhr wurden wir geweckt. Ein Gerenne nach dem Waschraum setzte ein. Jeder mußte sich vorschriftmäßig zum Waschen abmelden. Im Vorraum standen eine Reihe Kameraden, die ihre Strafübungen durchführen mußten. Alle waren wir der Willkür des Postens ausgesetzt. 6.20 Uhr mußten wir auf dem Hof antreten. Dort wurden wir in Kompanien aufgeteilt. Jede Kompanie hatte einen Gefangenen- Feldwebel und einen Scharführer der SS als Vorgesetzten. Es begann die Einteilung zu den verschiedenen Arbeitskommandos. Diejenigen, die das 30. Lebensjahr noch nicht vollendet hatten, wurden einem Sportkommando zugeteilt, wozu auch ich gehörte. Die einzelnen Arbeitskommandos wurden durch SSPosten zu ihren Arbeitsplätzen geführt, wohingegen wir unter einem besonderen SS- Kommando nach dem Sportplatz marschieren mußten. Sofort begann es mit Laufschritt und Auf- und Niederlegen. Wir wurden solange gedrillt, bis ein Teil von uns vor Erschöpfung liegen blieb. Diejenigen, die noch stark genug waren, wurden gezwungen, die Erschöpften mit sich zu zerren, bis das Sportfeld an dieser Stelle aussah wie ein aufgepflügter Acker. 6 bi de Na ei ho La im er zu Ge zu W di k ZU SC U m d m d G b F la M S L S d i e · ב r n t h b. r n 1, e Nachdem drillte man uns noch mit den gemeinsten Sportarten, bis auch wir vor Erschöpfung nicht mehr konnten. Die Stunden wurden zur Ewigkeit. Um 11.30 Uhr rückten wir zum Mittagessen ein. Nach Betreten des Speisesaales versuchte jeder so schnell wie möglich einen Tischplatz zu bekommen um sich von den Strapazen zu erholen. Das Essen zu sich zu nehmen, waren die Wenigsten in der Lage. Nach dem Essen trat wieder das ganze Lager kompanieweise im Hof an. Der Standartenführer Schmidt hielt eine Ansprache und erklärte uns, daß wir im Lager wären um eine Umschulung durchzumachen. Was seine Worte nicht verrieten, sagte uns sein zynischer Gesichtsausdruck. Am Nachmittag hatte sich jeder seinem Kommando zu stellen und die Wiederholung des Vormittags begann. Die Posten waren durch ein neues Kommando ersetzt. Durch strengen Exerzierdienst und Lieder einüben wurde der Nachmittag verbracht. Ich hatte Gelegenheit in die Nähe eines besonderen Arbeitskommandos zu kommen, welches damit beschäftigt war, Steinschotter zu schlagen. Dieses Kommando setzte sich ausschließlich aus jüdischen Häftlingen zusammen. Über dieses Kommando wurde in der Unterkunft schon viel erzählt. Beim geringsten Auffallen konnte man mit diesem Kommando strafweise Bekanntschaft machen. Kurz vor dem Einrücken in die Unterkunft wurden wir durch den Kommandoführer nochmals so gedrillt, daß die Hälfte des Kommandos liegen blieb. An diesem Abend wurde ich beim Melden zum Austreten vom diensthabenden Posten beauftragt, 100mal den Geburtsort und das Geburtsdatum Hitlers aufzuschreiben. Dieser Posten, der als ganz besonders brutal bekannt war, ließ nach Herzenslust seine sadistische Veranlagung an uns Häftlingen aus. So ließ er u. a. die Einzelnen so lange mit vorgestreckten Armen in die Hockstellung gehen, bis sie umfielen, oder ließ die Hände in's Genick legen, mit der Nase gegen die Wand stellen, wobei er mit seinem Seitengewehr immer an der Nase vorbeifuhr. Nachdem sich alles auf Befehl zu Bett begeben hatte( in dem Schlafsaal waren 800 Häftlinge untergebracht), begann bei düsterem Licht der Kontrollgang des diensthabenden Posten. Dieser Posten ließ sich von dem Einen oder Anderen die Füße zeigen, schickte sie dann durch den Schlafsaal zum Waschen der Füße. Pantoffel oder etwas zum Überziehen für die Füße gab es nicht. Der Häftling mußte also die 50 Meter bis zum Waschraum auf dem Zementboden des Schlafsaales hin- und zurückgehen. Selbstverständlich wurden die Füße immer wieder schmutzig, und so wurde der Häftling immer hin- und hergejagt. Auf diese Art vertrieb sich der Posten seine langweiligen Wachstunden und nahm uns Häftlingen die wohlverdiente Ruhe. Als 7 Nachts dann etwas Ruhe eingetreten war, vernahmen wir plötzlich ein Rauschen. Schnell sprach es sich herum, daß einer der Häftlinge, ein Bibelforscher der Jehovasekte, sich die Pulsader aufgeschnitten hätte. Jüdische Ärzte, die als Krankenrevierleiter eingesetzt waren, wurden gerufen und erhielten durch Einsetzen von Klammern das Leben dieses Häftlings. Nach 14 Tagen jedoch gelang es diesem Häftling durch einen Sprung aus dem Fenster des 4. Stockwerkes seinem Leben ein Ende zu bereiten und so die ewige Ruhe zu finden. Durch meine Tätigkeit auf dem Sportplatz hatte ich oft Gelegenheit, das Kommando der Steinklopfer zu beobachten. Ganz besonders fiel mir bei diesem Kommando der 21/2 Zentner schwere, aus Dresden stammende frühere Chefredakteur der Volkszeitung, Sachs, auf. Tagtäglich wurden an demselben, auf Grund seiner Erscheinung, die unglaublichsten sadistischen Gemeinheiten begangen. Jeden Tag bekam er einen neuen Manchesteranzug an und abends hing er ihm in Fetzen vom Leibe. Er war nicht in der Lage, den schweren Hammer, mit dem er umgehen sollte, zu schwingen, dazu fehlte ihm ja jede praktische Übung. Es wurden drei besondere Häftlinge für ihn bestimmt, die unter dem Befehl des dabeistehenden Posten, Sachs zwangen, den Hammer über die Schulter zu nehmen und sodann nach unten zu schlagen, wobei er zusammenbrach. Mit Gewalt wurde er wieder auf die Füße gestellt und mit Wasser aus der Zschopau begossen. Dieses Verfahren wurde immer wiederholt, da man Sachs für einen Simulanten hielt. Am Abend beim Appell brachte ihn ein Häftling in einem Schubkarren angefahren, er lag vollkommen erschöpft in dem Karren. Der Kopf hing auf dem Rad und so wurde er vor die Kompanie gestellt. Der Sturmbannführer Rödel hielt an uns eine Ansprache und wollte uns durch dieses Schulungsbeispiel zu Antisemiten machen, was durch solche Methoden niemals möglich war. Mit zusammengeballten Fäusten und verächtlichen Blicken wurde diese Ansprache angehört. Es durfte sich ja niemand bewegen, denn wir standen in Reih und Glied mit zusammengeschlagenen Hacken stramm. Hinter uns eine Kompanie SS, die bei der geringsten Bewegung mit ihren Repressalien geantwortet hätten. Die ganze Lagergemeinschaft der Häftlinge rückte mit dem Gesang eines Liedes in die Unterkunft. Dieses Lied enthielt den für uns Häftlinge so bedeutungsvollen Satz: ,, Und wenn uns der eigene Bruder verlacht, uns geht die Sonne nicht unter." Den tieferen Sinn und die Auswirkung dieses Liedes begreifend, wurde dasselbe sofort von der Lagerleitung verboten. Der Jude Sachs wurde von vier Häftlingen in den Waschraum getragen und dort mit Scheuerbürsten gereinigt. Nachdem er wieder zu sich gekommen war, wurde er in die Dunkelzelle gesperrt. Am nächsten Morgen begann für ihn das furchtbare Martyrium von 8 ne wie 14 He lic Le un in ew Ab hö P Ad se in ur de ha B: he VO m he st W st S m de V Z S D J u 2 a + » neuem. Schon als er um 5 Uhr’ an dem Posten vorbei wollte, mußte er wieder 100 Kniebeuge machen. So ging es Tag für Tag bis er nach 14 Tagen(es war an einem Sonntag) in der Dunkelkammer einem Herzschlag erlegen war. ‘ Da der Jude Sachs im politischen Leben eine bekannte Persön- lichkeit war, kam eine Kontrollkommission zur Untersuchung der "Leiche. Kaum zu glauben war es für uns, daß die drei Häftlinge, die unter Zwang an Sachs die Greuel verüben mußten, bei dem Prozeß in Leipzig(z. T. vielleicht auch zu Recht) verurteilt wurden. Es kam für uns der bekannte 9. November. Dieser Tag wird uns ewig im Gedächtnis bleiben. Harte Stunden hatten wir den Tag. Am Abend mußten wir uns in einer Turnhalle die Feier von München an- hören. Beim Einrücken in die Unterkunft wurde der Häftling Puchin aus der Gegend von Zwickau von dem Sturmführer und Adjutanten des Lagerführers Schmidt herausgerissen und von dem- selben angeschrien:„Du Schwein lachst und uns stehen die Tränen in den Augen.“ Bereits dreimal war Puchin zu Stockschlägen ver- urteilt. Uns war klar, daß er nun zum vierten Mal diese Qualen auf dem eigens dafür angefertigten Marterinstrument durchzumachen hatte. i y 4. Kapitel: Methoden des Mittelalters> Es war Sonnabend. Ich war an diesem Tage dem Kommando zum Bau einer Waldstraße zugeteilt.‘Dort wurde schon gemunkelt, daß heute wieder einige auf dem Bock mußten. Ich hatte wohl schon da- von gehört, konnte mir aber von den Greueln keine Vorstellung machen. Das Herz schlug einem vor Erregung in dem Gedanken was heute mittag vor sieh gehen sollte. Beim Einrücken in das Lager stellte ich fest, daß auf den Dächern Maschinengewehre aufgestellt waren und in einem Viereck zwei Kompanien SS’ebenfalls in Auf- stellung standen. Also hatten meine Kameraden doch recht. Wir mußten mit unseren Schuhen in ein Bassin springen und die Schuhe mit einer Bürste reinigen. Neben dem Bassin standen Kübel mit Fett zum Einfetten der Schuhe. Wir mußten uns für einen beson- deren Appell reinigen. Die Gefangenen-Kompanien wurden zu einem Viereck aufgestellt, eine Seite blieb frei. Nachdem der diensthabende SS-Offizier, Sturmführer Wigelt, uns zur Meldung für den Standartenführer aufgestellt hatte, erschien der Sturmbannführer Rödel in der Mitte. Er las uns den Befehl zum Durchpeitschen der beiden verurteilten Häftlinge vor. Der Erste, der Jude Goldmann/aus Dresden(sein Vater war Besitzer eines Kauf- hauses am Altmarkt) wurde mit 25 Stockschlägen bestraft, weil er beim Abholen des Essenkübels aus der Küche seine Nase mit der Hand, 9 ! | | | statt mit dem Taschentuch, geputzt haben sollte, wie der Posten behauptete. Der zweite Häftling war der Kamerad Puchin. Zwei Häftlinge holten aus einem Schuppen einen Bock. Dieser wurde in die Mitte der offenen Reihe gestellt. Auf vier Füßen war eine Mulde an- gebracht, die von einem Tischler fachmännisch zum Auflegen des Oberkörpers gefertigt war. Der Stab des Lagers mit dem Lagerarzt stellte sich in die unmittelbare Nähe dieses Marterblockes. Zwei SS-.# Posten brachten beide Häftlinge in die Nähe des Bockes. Der Jude Goldmann blaß vor innerer Erregung, Puchin mit finsterem Gesicht. Frisch stand er neben Goldmann. Der Offizier vom Dienst ließ die Kompanie stramm stehen und die Augen der Häftlinge mußten nach der Schlagstelle ausgerichtet werden. Die Kompanien der SS wurden so verteilt, daß jeder von uns von hinten genauestens beobachtet wer- den konnte. Für den Juden Goldmann waren 15 Gesäß- und 10 Nieren- schläge befohlen. Er mußte sich auf die Mulde legen. Die Hände wurden vorn an den Gelenken angeschnallt und die Beine hinten an den Knöcheln. Die ausführenden SS-Posten wurden zu dieser Hand- lung durch irgendein Auffallen strafweise kommandiert. Jeder der SS-Männer hatte einen frisch geschnittenen Haselnuß-Stock. Abwech- selnd begannen die ersten Schläge. Aufschreiend antwortete Gold- mann. Es war befohlen, jeden Schlag mitzuzählen, aber Goldmann schrie und schrie und zählte nicht. Doch beim 13. Schlag fing er plötz- lich an zu zählen bis zum 25. Schlag. Er wußte was ihm bevorstand, wenn er nicht zählte. Er wäre dann vom dabeistehenden Arzt unter- sucht worden, ob er noch bei Besinnung sei. Wäre das festgestellt worden, war befohlen so länge zu schlagen, bis beim Häftling Bewußt- losigkeit eintrat, welche ebenfalls vom Arzt festgestellt wurde. Nach dem 25. Schlag wurde Goldmann durch Handzeichenbefehl des Stand- dartenführers abgeschnallt und’ stand fest auf seinen Füßen. Nun kam Puchin:an die Reihe. Dieser zählte, was mir kaum faß- lich war, vom ersten Schlag an bis zum 27. Schlag. Daraufhin wurde er durch den Befehl des Standartenführers abgeschnallt. Als er stramm vor dem Standartenführer stand, fragte dieser ihm, Puchin, das wievielte Mal haben Sie heute Schläge bekommen? Er antwortete laut und deutlich, das vierte Mal, Herr Standartenführer! Nachdem die beiden nun in der Revierstube untersucht waren, wurden beide noch in die Dunkelkammer gesperrt und zwar Goldmann 14 Tage und Puchin acht Tage. Nachts mußten sie in Ketten an der Wand stehen. 27 Während der Prügelstrafe fielen innerhalb der Kompanien Dut- zende von Kameraden um und mußten weggetragen werden, was allerdings nicht durch Häftlinge geschehen durfte, dazu waren junge SS-Posten bestimmt. Sie wurden auf einen Rasen gelegt und viele von ihnen mußten nachher noch in die Krankenrevierstube gebracht wer- den. 10 Ro ws le se N: nf u ee u N t 1 e 1, e n e d 1. e n Die ganzen Grausamkeiten wurden an den Häftlingen begangen bzw. uns vorgeführt, damit wir niemals in unserem Leben wieder, wenn wir entlassen wurden, gegen das bestehende Regime Hitlers kämpfen würden. So wie wir hier eingeschüchtert wurden, genau so hat man es verstanden, das ganze deutsche Volk zu einem willenlosen Werkzeug der Regierung zu machen, so daß es alles widerstandslos auf sich nahm. Eine Entlassung aus dem Lager war sehr schwierig und auch nicht im Interesse der Lagerleitung, da dieselbe für jeden Häftling ein Tagesgeld von RM 2, einkassierte, welches bei der Masse der Häftlinge ein fabelhaftes Geschäft war. Das weitere brachte eine Lagerkantine ein, die einen sehr großen Umsatz hatte; denn jede Mutter, Frau oder erwachsene Kinder unterstützten doch ihre Söhne, Männer und Väter so gut sie konnten, um ihnen etwas Erleichterung zu verschaffen. So lebten die Leiter des Lagers auf unsere Kosten einen herrlichen Tag, besaßen/ wunderbare Reitpferde, die von den Häftlingen betreut wurden und die schönsten Wagen. Was mir ganz besonders im Lager auffiel, war die Haltung der Bibelforscher. Diese ertrugen ihr Leid mit großer Verbissenheit und fanatischem Vertrauen zu ihrer Sache. In dem Lager befanden sich u. a. Rechtsanwälte, Ärzte und Kaufleute, auch ein Handwerksmeister der Fleischerinnung mit seinen Gesellen aus Schwarzenberg b. Chemnitz. Erziehungslager war das niemals, wohl Abschreckungslager, und daß wir für die Idee des Nationalsozialismus gewonnen werden konnten, war vollkommen. Abgeschlossen von der Welt, hoffte man Tag für Tag auf seine Entlassung. Ich vergesse nie den 1. Weihnachtsfeiertag 1936. Als ich aus der ersten Tür trat, um zum Appell nach unten zu gehen, stürzte sich im gleichen Moment vor meinen Augen der frühere sozialdemokratische Bürgermeister von Löbau in Sa. aus dem Fenster des vierten Stockwerkes. Schüsse krachten, der Posten schoß auf den sich aus dem Fenster Stürzenden. Im gleichen Moment gingen die Alarmsirenen. So begann der erste Feiertag mit dieser Überraschung. Am Nachmittag, der für einen Spaziergang und Unterhaltung vorgesehen war, wurden alle Kompanien durch einen rothaarigen SS- Posten auf dem Sportplatz geschliffen, so daß jeder froh war, als er an seinem Tischplatz in der Unterkunft saß. Nach dem Fest wurde uns eines Morgens bekannt, daß sich ein SS- Posten an der Zschopau am Wehr erschossen hätte. Dieser SSMann hatte mit noch einem Kameraden den Befehl erhalten, zwei Häftlinge, die zu einer Spezialbehandlung in das Chemnitzer Krankenhaus eingeliefert werden mußten, zu bewachen. Beide SS- Männer hatten es aber vorgezogen, am Abend einen Bummel durch die Stadt 11 zu machen und mußten nach ihrer Rückkehr feststellen, daß sich beide Häftlinge durch die Flucht zu retten versucht hatten. Der eine erschoß sich sofort in seinem Zimmer und der andere wie erwähnt. Die beiden SS-Männer wurden in der Turnhalle aufgebahrt und der Tag der Beerdigung brachte für uns die härtesten Schikanen, die mit den gemeinsten Mitteln durchgeführt wurden— Nach Tagen ging im Lager das Gerücht um. daß die beiden geflo- henen‘Häftlinge beim Grenzübertritt in die. Tschechoslowakei er- schossen worden seien. 5. Kapitel: Der Tag der Entlassung Jeder Häftling versuchte mit der Außenwelt Verbindung zu be- kommen. Irgendwelche Vermittlungen, die zu einer Befreiung führen konnten, wurden unmöglich gemacht. Rechtsanwälten war es ver- boten, für den Einen oder Anderen einzutreten. Es war ihnen nicht möglich, gegen die Gestapo anzugehen. Auch die Gerichte waren nicht in der Lage, gegen die Herren der SS und ihrer höheren Führung juristische Rechtsvermittlungen durchzuführen. So blieb einem nur die. Hoffnung auf Hilfe von außen, durch die Familienmitglieder, zu warten. Die Methoden der Lagerleitung waren aber so, daß auch diese Hilfe zerstört wurde. Auf Anfragen von Angehörigen gab es überhaupt keine Antwort. Ich selbst versuchte durch eine Voranmeldung den Lagerkom- mandanten zu sprechen und wurde eines Tages auch zu diesem bestellt.. Als ich in die Geschäftsräume des Sturmbannführers Rödel trat, beschäftigte sich dieser mit Akten. Ich hatte meine Meldung durchgeführt, doch Rödel übersah mich. Minuten vergingen, dann erst sah er mich an und fragte, was willst Du? Ich trug ihm mein Begehren vor und fragte nach dem Grund meiner Verhaftung und welche Verdachtsmomente gegen mich vorlägen. In welcher Partei warst Du, war die Antwort. Ich sagte ihm die frühere Parteizugehö- rigkeit, woraufhin er mich anschrie:„Schau, daß Du rauskommst, nun weißt Du wohl, warum Du hier bist.“ Uns blieb also nur noch die Hoffnung, daß von höherer Seite Anweisung zu unserer Ent- lassung gegeben wurde. Besuche der Familienangehörigen waren verboten. Selbst bei Todesfällen gab es keinen Urlaub, nicht einmal zur Beerdigung der nächsten Familienangehörigen. Alle diese Maßnahmen sollten einem ein für allemal den Mut nehmen, wegen der Entlassung noch einmal vorzusprechen. Die Entlassungen standen in keinem Verhältnis zu der Zahl der neu Hinzukommenden. Täglich kamen neue Häftlinge an, die ihre politische Strafe im Gefängnis verbüßt hatten. Beim Verlassen des l tral Mel die ihre wie daı we ler ihr seh um all H г e S Gefängnisses waren sie im Glauben, nun in Freiheit zu sein, da wurden sie von der Gestapo neu gefangen genommen und dem Konzentrationslager Sachsenburg zugeführt. Alle wurden durch die gleichen Methoden abgeschreckt und das Leben der einzelnen Häftlinge durch die Posten derart erschwert, daß die meisten die Hoffnung aufgaben, ihre Angehörigen, bevor nicht das System zusammengebrochen war, wiederzusehen. Eines Tages kam ein Blutsordensträger zu uns ins Lager, der anscheinend auch nicht mit der politischen Entwicklung einverstanden war. Dieser erlaubte sich am ersten Sonntag, an dem er im Lager war, gegen einen SS- Mann zu protestieren mit den Worten: ,, Wenn ich wieder frei bin, werde ich mich über diese Schweinereien persönlich beim Führer beschweren." Sofort wurde er abgeführt und wir haben ihn von dieser Stunde an nicht wieder zu sehen bekommen. Keiner hat erfahren. was aus ihm geworden ist. Es besteht allerdings die Möglichkeit, daß er nur auf Tage die Bekanntschaft des Konzentrationslagers gemacht hat. Es kam öfter vor, daß auch alte Kämpfer in unserer Mitte saßen. Der eine oger andere hatte aber das Glück, nach Tagen das Lager wieder zu verlassen. Vertrauen konnte man keinem Menschen, denn man mußte immer damit rechnen, daß auch Beauftragte sich in unsere Mitte setzten, welche in den Diensten der Gestapo standen. Das Lager wurde nun auch durch Hinzuführung vieler krimineller und asozialer Elemente neu bevölkert. Diese waren auch im Lager zu den gemeinsten und niederträchtigsten Handlungen fähig Durch ihre Spitzeldienste glaubten sie, ihre Lage verbessern zu können und schreckten daher auch nicht vor falschen Anschuldigungen zurück, um dem einen oder anderen das Leben noch mehr zu erschweren. Gerüchte wurden verbreitet, daß das Lager aufgelöst werden und alle Häftlinge, die nicht entlassen werden, in das große, wohl jedem bekannte Lager Buchenwald überführt werden sollten. Dieses Gerücht wurde aber dadurch unglaubhaft, daß die wundervolle, bekannte Uniform bei uns eingeführt wurde, die berühmten, gestreiften KZ- Kleider mit den dazugehörigen ,, Krätzchen". Nach dieser Uniformierung verlor fast jeder die Hoffnung auf Freiheit. Man gewöhnte sich daran, daß dieses Leben wahrscheinlich ein Dauerzustand werden würde. Von der höheren Führung wurde alles getan, um uns das Leben immer schwerer zu gestalten. Die Prügelstrafe wurde jetzt alle zwei Tage durchgeführt, so daß einem dieses traurige Ereignis schon fast zur Gewohnheit wurde. Die Greuel gegen die jüdischen Häftlinge wurden auch immer schlimmer. Die neu hinzukommenden SS- Posten waren zu den scheuẞlichsten Gemeinheiten fähig. Sie selbst wurden, wenn sie Dienst 13 hatten, sehr hart rangenommen und sie glaubten dann, ihr Erlerntes uns auslassen zu müssen. Sie hatten sich natürlich das Ziel gesetzt,\ so schnell wie möglich bei der SS vorwärts zu kommen und schreck- ten daher auch nicht vor den größten Gemeinheiten zurück, die Häft- linge als Mittel zu ihrem Zweck zu benutzen. Sie waren der Annahme, je brutaler sie zu den Häftlingen seien, um so größer die Chance der Beförderung. Wir alle wußten, daß der Standartenführer Schmidt eigener Vor- teile wegen, alles versuchte, keinen Häftling zu entlassen. Dieser Mann war der Ansicht, daß alle in seiner Gewalt befindlichen Häft- linge nicht mehr das Recht hätten, wieder zu ihren Angehörigen zu- rückzukehren. Er selbst aber führte ein Schlemmerleben. Ein Häft- ling, welcher beauftragt war, ihm als Bursche zu dienen, brachte uns täglich Nachrichten darüber, daß der Standartenführer Schmidt nicht davor zurückschreckte, die Frauen der Häftlinge, die um die Befreiung ihres Mannes baten, zu seinem sexuellen Vorteil zu miß- brauchen. Es wurde uns bekannt, daß der Leiter-der Gestapo, Schlegel, der ein guter Freund des Standartenführers Schmidt war, seines Postens enthoben worden war. Ein neuer Leiter wurde eingesetzt. Bald sprach es sich herum, daß zwischen diesem und dem Standartenführer Schmidt Differenzen aufgetreten seien. Täglich wurden durchschnittlich 30 Häftlinge zu dem Komman- danten bestellt. Er vernahm die Häftlinge, sah ihre Akten durch und schrie sie an, um sie davor’ zurückzuschrecken, etwas zu ihrer Be- freiung zu unternehmen. Mit Spannung wurde jeden Tag der Mittagsappell erwartet, dä in“ den letzten Tagen täglich Entlassungen durchgeführt wurden. Man beabsichtigte jetzt ernstlich, das Lager aufzulösen und einen Teil der Häftlinge zu entlassen und den anderen Teil nach Buchenwald zu bringen. Es war an einem Montag Mittag als ich den Befehl erhielt, am Nachmittag, als die anderen Kameraden zum Appell mußten, vor den Geschäftsräumen der Lagerleitung zu erscheinen. Mit großer Spannung und Unruhe konnte ich kaum den Moment erwarten, der über das weitere Schicksal entscheiden sollte. Als es nun so weit war, gab mir Sturmbannführer Rödel bekannt, daß ich heute entlassen würde. Er schärfte mir ein, daß ich nach meiner Entlassung nichts über das Er- lebte berichten dürfe, da ich andernfalls sofort wieder Bekanntschaft mit dem Lager machen würde. Ich mußte einen Revers unterzeichnen, durch den ich eidesstattlich erklären mußte, mit keinem Menschen jemals über die Lagerzeit zu sprechen, und mich täglich einmal bei Mi bei ihrem Dienst, im Lager an uns Häftlingen in verstärktem Maße an der sun ges san In beg Mc r S 1 T H n r u m n g S r Er - ft 1, n ei der Polizeibehörde zu melden. Alsdann bekam ich meinen Entlassungsschein in die Hand gedrückt. Nun ging es zur Umkleidung und gegen 16 Uhr verließ ich das Lager. Es war für mich eine bedeutsame Stunde. Als ich in der Nähe die Kameraden mit dem Posten bei der Arbeit sah, konnte ich es kaum fassen, nun in Freiheit zu sein. In der Nähe des Lagers befand sich ein Gasthaus, in welches ich mich begab. Zu meiner großen Überraschung wurde ich dort von meiner Frau in Empfang genommen. Seit zwei Tagen hatte sie hier Wohnung bezogen, da ihr vom Gestapoleiter Kaufmann mitgeteilt worden war, daß ich entlassen wäre. Meine Frau hatte nichts unversucht gelassen, um mit den vorgesetzten Leitern des Lagers in Verbindung zu kommen. Es war ihr gelungen, den Sturmbannführer Rödel beim Aussteigen aus dem Wagen vor dem Tor des Lagers zu sprechen. Sie machte ihn darauf aufmerksam, daß ihr durch den Gestapoleiter Kaufmann mitgeteilt worden sei, daß ich frei wäre und erklärte ihm, daß sie, wenn ich nicht heute noch aus dem Lager käme, sofort nach Berlin fahren und dort Meldung machen würde. Daraufhin bedeutete der Sturmbannführer Rödel meiner Frau mit den Worten: ,, Warten Sie noch ein paar Stunden, wenn Ihr Mann ein anständiger Kerl ist, werden wir es mit der Entlassung versuchen." Nun ging es so schnell wie möglich der Heimat zu. Im Zug kam ich mir noch wie ein Verfolgter vor. Auch im Heim angelangt, konnte ich noch immer nicht an meine Freiheit glauben, zumal am nächsten Morgen die erste Meldung bei der Polizei zu machen war. Nach meiner Entlassung habe ich festgestellt, daß die vorgeladenen Häftlinge von der Leitung der Gestapo täglich für Entlassungen vorgesehen waren, jedoch der Standartenführer Schmidt handelte nach seinem eigenen Ermessen und behielt die Häftlinge. Nach einiger Zeit ist dann das Lager Sachsenburg aufgelöst und seiner alten Bestimmung wieder übergeben worden. Der Sturmbannführer Rödel hat bis zum Zusammenbruch im Konzentrationslager Buchenwald eine bedeutende Rolle gespielt. Viele Zehntausende von Häftlingen werden diesen Namen im Gedächtnis haben, ebenso die Namen Plaul, König und Kampe, welche ebenfalls noch im Lager Buchenwald tätig waren. Ich hatte mir nach meiner Entlassung ernstlich vorgenommen, nur noch meiner Familie zu leben. Leider blieben aber auch nachher die Verfolgungen nicht aus und das Leben wurde einem auf Schritt und Tritt erschwert. Jede geschäftliche Tätigkeit wurde einem untersagt, ebenso die Führung eines Fahrzeuges verweigert. Außerdem hatte ich mich täglich zu den verschiedensten Zeiten bei der Polizei zu melden. Es wird nun der eine oder andere mit Recht die Frage stellen, was geschah nachher! Darüber werde ich später durch eine neu erscheinende Broschüre berichten. 15