DIE AUTOREN DER KLEINEN VVN BUCHEREI SIND WV6 28 Willy VORWORT ,, Wenn Sie nach Deutschland zurückkommen, so grüßẞen Sie den deutschen Arbeiter. Wir haben nichts gegen ihn, aber alles gegen den Faschismus. Ihn, den Faschismus, merden mir immer und mit allen Mitteln bekämpfen. Dabei wissen roir, daß Faschismus nicht nur in Deutschland zu bekämpfen ist." Das waren die Worte, die mir ein Franzose, ein Offizier der Partisanen, mit auf den Weg gab. Bei meiner Flucht durch Frankreich und Belgien habe ich viel Hilfsbereitschaft gefunden. Menschen, die mich im Leben nie gesehen haben und die ich wahrscheinlich auch nie wieder sehen werde, ließen mir jede Unterstützung zuteil merden, wenn sie nur hörten, ich sei den Klauen des KZs entkommen. Uns alle verband ein Wille. Der Gestapo, den Hitlerschergen, durfte ich nicht wieder in die Hände fallen. Es hat Stunden gegeben, in denen ich mutlos murde, in denen ich kein Weiterkommen sah. Dann gab es immer wieder einige, die mich hochrissen. ,, Es muß gehen!" Und es ging. All denen, die geholfen haben, meine Flucht erfolgreich zu gestalten, rufe ich hiermit zu: ,, Habt Dank, ihr Kameraden aus dem fremden Land!" Willy Kreuzberg - Kortemark!- Zwanzig Kilometer vor Ostende! Nach einer vier Wochen dauernden Fahrt in Viehwaggons soll es hier wieder ein Standlager für uns geben. Nachdem wir auf unserer Fluchtfahrt vor der Invasion durch Frankreich und Belgien durch die SS- Mannschaften Unsägliches leiden mußten, werden wir hier wieder zum Arbeitseinsatz kommen. Ob wir nach unseren Verlusten, verursacht durch die Massaker der SS, hier erneut Opfer bringen müssen? Und wer von uns wird betroffen? Wir werden ausgeladen. Die ersten Arbeitskommandos zum Entleeren der Waggons sind zusammengestellt. Die Mannschaften hetzen und treiben. Die Dunkelheit bricht herein. Wir arbeiten beim Schein der Stallampen, aber entladen muß sein. Soweit wir hier auf dem Bahnhof die Bevölkerung sehen, spüren wir, daß uns Sympathie entgegenschlägt. Wir könnten eigentlich schon abrücken. Die Unübersichtlichkeit des Bahnhofsgeländes und die eingetretene Dunkelheit würden eine Flucht begünstigen. Doch scheuen wir zurück, weil uns die Verhältnisse in Belgien noch zu unbekannt sind. Wo steht Wehrmacht, SS, Feldgendarmerie? Wie verhält sich die belgische Polizei? Alles Fragen, die für eine Flucht wichtig sind. In spätester Abendstunde rücken wir als die letzten des Ladekommandos in das neue Lager ein. Hier ist alles noch in hellem Aufruhr. Keiner weiß, wo er hingehört, jeder hat Hunger. Es mangelt an Stroh, es mangelt an Betten. Kochgelegenheit ist noch keine vorhanden. Unsere Verwundeten sind notdürftig in einem leeren Raum untergebracht. Spät kommen wir zur Ruhe. Jeder hat sich irgendwo im Gebäude einen Platz gesucht. Nur liegen und schlafen! Schlafen, ohne das Geratter der Waggonräder!- Am nächsten Morgen beginnt die Arbeitseinteilung. Kleine Trupps werden zusammengestellt. Es gilt Küche einrichten, Kessel aufstellen, Stroh holen, Betten herbeischaffen. Bei jeder Arbeit versuche ich unterzuschlüpfen. - Nützt nichts!- Für mich und einige andere hat Rottenführer Paulsen eine Spezialaufgabe. Unser Lager ist ein altes Schulgebäude, dessen Umfassungsmauer an mehreren Stellen schadhaft ist. Außerdem scheint die Mauer allein nicht genügend Sicherheit zu bieten. 7 ande Also Stacheldraht ziehen! ,, Wo ist Kreuzberg?" Laut schallt Paulsens Stimme über den Platz. Drücken kann ich mich nicht, darum Brust raus und hin zu ihm. ,, Ha, Bürschchen; hast wohl gedacht, ich hätte dich vergessen? Ich wüßte nichts mehr von deiner Meinung über die SS? Wir werden dir schon noch zeigen, wie man Gesindel deiner Art in Erinnerung behält. Jetzt liegen in der Ecke dort erst mal einige Knäuel Stacheldraht. Die werden schön auseinander gemacht, und dann wird die Mauer damit bespannt. Der Stacheldrahtzaun muẞ so aussehen, daß euch von vornherein jeder Fluchtgedanke genommen ist." - Ich gehe an den angewiesenen Arbeitsplatz. Ein wirres Durcheinander liegt dort. Und genau so wirr sind momentan meine Gedanken.- Für mich gibt es nur eins. Da die Aufmerksamkeit für meine Person nicht nachläßt, muß ich meine Peiniger zufriedenstellen und für kurze Zeit ein pflichteifriger Schutzhäftling sein. Es muß mir gelingen, das Mißtrauen gegen mich einzulullen. Mit gutgespieltem Eifer zerre ich den Draht auseinander. Nach kurzer Zeit haben die ohnedies schon schlechten Handschuhe keine Innenflächen mehr. Wenn die wenigen Kameraden, die mit mir gemeinsam arbeiten, zur Erlangung von Tabakware versuchen, mit den Vorübergehenden Gespräche anzuknüpfen, so streifen meine Augen unauffällig die Gegend ab. Ich rechne mit der Eventualität, immer nur im Lager beschäftigt zu werden. Auch für diesen Fall muß ich Fluchtmöglichkeiten erwägen. Am nächsten Morgen geht das Gerücht um, das Lager würde geteilt. Die eine Hälfte ginge in die Nähe von Ypern. Wenn dieses Gerücht zur Wahrheit wird, habe ich nur aufzupassen, wo meine Peiniger bleiben. Die Stacheldrahteinfriedung geht ihrer Vollendung entgegen. Die Hände tragen unzählige rote Stichpunkte von den Drahtspitzen. Meine russischen Freunde aus der Wäscherei melden sich wieder mit ihrem Wortführer Fedor. , Willy, wann gehen wir?" - - Wie wollt ihr gehen? Hier aus dem Lager?- Kennt ihr das Land kennt ihr die Leute? Fedor, du bist ein Komsomolz. Wenn du flüchtest, mußt du auch später in der Sowjetunion ankommen. Dasselbe gilt auch für die 8 SO VO land Auc Wir legt tet, zusa Jede mun Der app Stub ruf! Es s weg In Sta kei for Na eini mit gar Glu De lan ren Nu sche abg „ A Jed ko bes res Yp von Ich lass All me über m Brust dich verung über man Geliegen in aht. Die wird die muß so gedanke n wirres wirr sind nur eins. nachläßit, ür kurze muß mir einander. chlechten wenigen ur Erlanergehene Augen ventualiAuch für en. as Lager ähe von habe ich lung entnkte von der Wäer Fedor. - Kennt bist ein später in für die anderen. Ich bin ein Kommunist und muß meine Flucht so vorbereiten, daß ich zum rechten Zeitpunkt in Deutschland bin." Auch einige deutsche Kameraden treten an mich heran. Wir versuchen in Übereinstimmung zu kommen. Festgelegt wird: Werden mehrere kleine Kommandos eingerichtet, müssen diejenigen, die gemeinsam flüchten wollen, zusammen eine Arbeitsstelle haben. - Jeder hat Augen und Ohren offenzuhalten und die Stimmung der Bevölkerung zu erkunden. Der nächste Tag bringt mehrere Aufregungen. Morgenappell! Zwei Mann fehlen! Wer? - Stubenweises Antreten! Durchzählen! Namentlicher Aufruf! Es sind zwei Ukrainer aus der Waschküche. Wie sind sie weggekommen? In den ersten Minuten ist dies nicht festzustellen. Der Stacheldraht ist nicht beschädigt, keine Tür ist erbrochen, kein Posten hat es gemerkt. Und doch sind die beiden fort! Wie haben sie das gemacht? Nach genauer Prüfung stellt man fest, daß auf dem Dach einige Schindeln gelöst sind. Also über den Boden und mit Strick an der Hauswand runter, durch einen Obstgarten und fort. Glück auf den Weg, Kameraden! Der Vorarbeiter Pönsgen von der Waschküche zieht ein langes Gesicht. Auf seine Jungens hat er immer geschworen. ,, Da geht keiner", das war sein ständiger Ausspruch. Nun sind zwei von ihnen die Ersten. Eine Suchaktion scheint man als aussichtslos anzusehen. Sie wird bald abgebrochen. ,, Alles antreten!" Jeder sucht seinen Platz und harrt der Dinge, die da kommen sollen. Lagerführer Braun erscheint selbst und bespricht sich mit den SS- Chargierten. Die Hälfte unseres Lagers kommt zum Arbeitseinsatz in die Nähe von Ypern. Wer von den Häftlingen wird ausgesucht? Wer von der SS geht mit? Ich halte an meinem alten Grundsatz fest: ,, Rankommen lassen, nicht vordrängen!" All die engeren Kameraden bleiben mit mir in Korte9 mark. Von der SS gehen Obersturmführer Klein, Bauleiter Klingenberg und einige Posten. Massa Wagg sen si über nehm gehen Dann werden wir zu Arbeitskommandos zusammengestellt. Abschuẞbasen für„, Fliegende Bomben" müssen gebaut werden. Vier Baustellen sind geplant. Zwei in kleinen Wäldchen, eine auf einem Bauernhof und die vierte in einem Obstgarten. Jedes Kommando ist etwa 50 Mann stark. Bei der Arbeit übernimmt Wehrmacht die Bewachung. Ein SSChargierter macht den Bauführer. Bei meiner Arbeitsstelle wird es Scharführer Phillips sein. Die Fluchtchancen steigen. Da jede Arbeitskraft kostbar ist, bleibe ich nicht, wie befürchtet, im Lager. Daß die Bevölkerung in Ordnung ist, beweisen uns bei Blitzgesprächen die möglichsten und unmöglichsten Angebote zur Flucht. Am nächsten Morgen rollen die Lastwagen an, die uns zu unseren Arbeitsplätzen bringen sollen. Schon die erste Fahrt zeigt uns die Sympathie der belgischen Einwohner. An den Straßen, die wir passieren, stehen die Menschen und werfen uns Päckchen mit Lebensmitteln und Tabakwaren auf den Wagen. Der Arbeitsplatz ist erreicht. Die Wagen fahren in einen Garten unter Baumdeckung. Flugzeuge sind in der Luft. Die ersten Posten steigen von den Fahrzeugen und beziehen rund um ein zirka hundert Meter entfernt liegendes Wäldchen ihren Stand. Dann folgen wir ,, Gestreiften". Um alles Auffallende zu vermeiden, darf alle zwei Meter einer gehen. Den Schluß bilden die restlichen Posten. Ein kleines Wäldchen, einige hundert Meter im Quadrat. Die Posten sind nicht zu sehen, aber wir wissen, daß sie da sind. Sie stehen an der Waldgrenze. Das Sprechen mit uns ist ihnen verboten. Durchschnittlich sind es ältere Landser. Wir werden schon mit ihnen zurechtkommen. Phillips, der SS- Bauleiter, teilt die Arbeit ein. Toni, unser alter bewährter Kamerad aus Westdeutschland, macht bei uns den Vorarbeiter. Derselbe Toni, der bei dem 10 - Laufb werde werde nung. nein, Tägli Mal n Befeh Deck Die k ZU W was Plan Lufta kurz ginne Soll vor d ten I Als T werk zuspi ten. A habe Und mit Tür eine Bei such ZI O Niko nicht er w erkla Me in, Baummengegebaut Wäldchen, em Obst. Bei der Ein SSArbeitskostbar die Bezgespräbote zur ie uns zu die erste wohner. Menschen Tabakin einen der Luft. und beat liegenGestreifalle zwei restlichen Quadrat. , daß sie chen mit es ältere mmen. Toni, und, macht bei dem - Massaker der SS bei Tours alles daransetzte, um seine Waggonkameraden zu retten. Die Ukrainer und Russen sind heilfroh darüber. Hat er sich doch ihnen gegenüber immer als Mensch gezeigt. Mir selbst ist es ange-. nehm, weil„, Tünn" meine Pläne kennt und mit mir gehen will. Laufbahnen müssen gerodet, ausgehoben und planiert werden. Nur die Bäume, die tatsächlich im Wege stehen, werden geschlagen, alle anderen dienen vorerst zur Tarnung. Und getarnt muß werden! Nicht der Arbeit wegen, nein, wir wollen leben! Täglich kreisen die Tommys über unserer Arbeitsstelle. Mal näher, dann wieder entfernter. Jedesmal kommt der Befehl: ,, Alles aufhören mit Arbeiten!" Jeder geht in Deckung oder steht regungslos still. Die kleinste Bewegung scheint von den Fliegern bemerkt zu werden, irgendwie haben sie wohl Wind bekommen, was hier gebaut wird. Entweder kennt man den genauen Plan der Arbeitsplätze noch nicht, oder die englische Luftaufklärung verfolgt den Fortschritt der Arbeit, um kurz vor der Vollendung ihr Vernichtungswerk zu beginnen. Soll sie, nur wir wollen leben! Bei St. Omér kamen kurz vor der Fertigstellung der V 1- Bahnen durch konzentrierten Luftangriff die meisten Schutzhäftlinge ums Leben. Als Tischler muß ich dafür sorgen, daß sämtliches Handwerkszeug in Ordnung ist. Es gilt Pfähle schneiden und zuspitzen, Schalungen bauen und Absteifungen herrichten. Auf der Baustelle ist natürlich kein Schleifstein. Wir haben ja nur das Notwendigste zum Arbeiten. Und das ist meine Gelegenheit. Kurze Vorbesprechung mit dem Vorarbeiter Toni. ,, Tünn, das Werkzeug ist stumpf. Ich muß sehen, ob einer der Bauern in der Nähe einen Schleifstein besitzt. Bei der Gelegenheit peile ich die Lage. Werde auch versuchen, hier und da etwas zur Verbesserung unserer Kost zu organisieren." ,, Gut, Willy, ich gebe dir Iwan und Nikolai mit. Vergiß dabei auch die mazedonische Frage nicht. Nun gehen wir zuni Bauleiter Phillips. Ich denke, er wird einverstanden sein." Nach kurzer Rücksprache erklärt er sich bereit. ,, Merk dir aber eines, Bursche. Machst du Dummheiten, 11 dann knallt es. Der Posten erhält von mir diesbezügliche Anweisungen." Stumpfes Werkzeug unter dem Arm, den Posten zur Seite, Iwan zur Hilfe, so gehe ich meinen ersten Gang. Der Bauer mit dem Schleifstein wird gefunden. Er spricht flämisch. Dazu meine wenigen Kenntnisse der rheinischen Mundart und die Verständigung geht zur Not. Das Werkzeug wird scharf gemacht. Ich nehme einen Eimer Trinkwasser mit und etwas Obst. Auch Tabak gibt es für die Kameraden. Zum Arbeitsplatz zurückgekehrt, erstatte ich Bericht bei Toni und Philipps. Nachdem es sich bei den Jungens herumgesprochen hat, daß der Bauer und die Bevölkerung für uns etwas übrig haben, gilt es als abgemacht, daß ich die Verbindung mit den Belgiern aufnehme. ,, Feierabend! Werkzeug zusammenlegen! Kreuzberg, du bist mir verantwortlich, daß sämtliches Gerät gut getarnt ist." Die Baustelle wird mit Ästen abgedeckt, und einzeln geht es wieder zu den wartenden Autos. Abends im Lager wird weitergearbeitet. Die Küche muẞ? hergerichtet werden, die Schlafräume sind noch immer ein wüster Haufen. Bei der ersten Gelegenheit finden wir uns zusammen, die wir gemeinsame Pläne haben. ,, Toni, sieh zu, daß du zu meinem Kommando kommen kannst, ich komme jeden Tag raus zu den Bauern. Bei mir findet sich bestimmt die Möglichkeit abzurücken." Tag für Tag die Fahrt zum Arbeitsplatz und zum Lager. Die Bevölkerung wartet auf unser Vorbeikommen. Die SS wendet Repressalien an. Uns werden die zugeworfenen Pakete abgenommen. Die Zivilfahrer dürfen nicht mehr anhalten und für uns etwas annehmen. Die Belgier, die uns beschenken und dabei geschnappt werden, schleppt man in das Lager und läßt sie stundenlang in Kniebeuge stehen. Aber es nützt alles nichts. Die Sympathien für die Häftlinge wachsen und wir haben weiterhin zu rauchen. Die SS beabsichtigt einen Kompromiß. Auch sie will in den Genuß des Tabaks kommen. Augenblicklich haben wir mehr als sie. Wir können von der Bevölkerung Pakete erhalten, aber 12 nur du Lagerl Und, wir da die Zu Durch - Die Trotz ist die Die V Sand, an W Bespre schen „ Wir Wasse wir d heran ,, Herr Beton serfal Baule Bei d einem mehr egal. So fa Wass den, der S doch lerne Da d nur wird Auße müd Mein Brot freue Schw die H bezügliche Posten zur sten Gang. unden. 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Besprechung zwischen Bauleiter Philipps, den technischen Leuten aus Berlin und unserem Vorarbeiter Tünn. ,, Wir können nicht warten, bis endlich mal ein LKW mit Wasser kommt. Wenn es auch langsam geht, so müssen wir doch versuchen, mit unseren Hilfsmitteln Wasser heranzuholen. Vorarbeiter, ruf mal den Kreuzberg." ,, Herr Bauleiter?" ,, Du wirst ab heute das Wasser zum Betonieren ranfahren. Eine Karre haben wir, das Wasserfaẞ muß einer der Bauern liefern."„ Jawohl, Herr Bauleiter. Nur muß ich den Kreis etwas größer ziehen. Bei der augenblicklichen Trockenheit kann ich nicht an einem Tage nur zu einem Anlieger gehen. Ich muß schon mehrere Bauern aufsuchen." ,, Wie du es machst, ist mir egal. Wasser muß ran!" So fahre ich jetzt Tag für Tag mit der Karre und dem Wasserfaß hin und her. Mit mir zwei russische Kameraden, ein Landser als Posten. Sehr miẞtrauisch ist er. JeUnd ich bin der Schritt wird argwöhnisch beobachtet. doch so neugierig. Jeden Hof will ich genau kennenlernen. Überall suche ich die Fluchtmöglichkeiten. Da der Posten sieht, daß ich nicht verschwinde, sondern nur Interesse für Stallungen und Tabakanlagen zeige, wird er auch ruhiger. Außerdem brennt die Sonne zu sehr und macht ihn müde. Meine Fahrten lohnen sich. Ich erhalte Kartoffeln, Obst, Brot und Tabak. Die Jungens auf dem Kommando freuen sich. Schwer ist das Wasserkarren. Die Arme sind wie Blei, die Beine möchten den Dienst versagen. Trotz alledem 13 mache ich diese Fahrten mit Begeisterung. Jede Tour bringt mich dem Ziel näher, jedes Gespräch mit den Bauern fördert meine Absichten. Längst sind mir die besten Wege bekannt, Kleidung und Proviant angeboten worden. Warum ich noch nicht fort bin? Die Kumpels, die mit mir gehen wollen, hängen noch an ihren Arbeitsplätzen. Ein Loslösen und Überwechseln war noch nicht möglich. Und doch muß ich mich entschließen, abzurücken. Im Lager wird eifrig die Frontlage besprochen. Die Engländer und Amerikaner dringen in Frankreich immer weiter vor. Täglich werden neue Truppen gelandet. Auch über unseren neuen Einsatz wird geflüstert. Man spricht von Nordhausen und Holland. Ganz gleich wohin wir fahren werden. Viele Kameraden denken wie ich, nie wieder eine Waggonfahrt!- Nie wieder den Blutrausch der SS und das Niedermetzeln der Kumpels erleben! - ,, Kreuzberg, heute gehe ich mal mit zum Wasserholen." Prüfend sieht mich Bauleiter Philipps bei seiner Eröffnung an. Ich kann mir aus seinem plötzlichen Wunsch keinen Vers machen. Will er mich kontrollieren? Will er hören, was die Bauern mit mir sprechen? Traut er mir nicht mehr? In unserem zweiten Lager sind Kameraden stiften gegangen. Bei uns ist eine Verschärfung eingetreten. Wir fahren. Ich bin heute besonders vorsichtig. Kein Spazierengehen auf den Höfen. Kein Gespräch mit den Bauern. Und doch kommt einer zu mir, während Philipps danebensteht. ,, Was ihr arbeiten? Warum verstecken, wenn Flieger kommen?" Die Antwort übernimmt der Bauleiter. ,, Wir bauen Kirchen und wir bauen im Walde, weil die Tommys die Gotteshäuser mit ihren Bomben vernichten." Der Bauer schaut mich an, schaut den SS- Mann an. Bedächtig nickt er mit dem Kopf und geht. Im Fortgehen trifft Philipps noch ein Blick.- Ein Blick des grenzenlosesten Hasses. - Zwei Fahrten macht der Bauleiter mit mir, dann kapituliert er. Die Wege sind ihm zu weit, die Sonne zu heiß. Im Walde kann er sitzen, die Bäume geben Schatten. 14 Der Rech Die gut v auf Die schen Leibe Der Scho weiß Luft Taba bere War Bein von ders Als wen bru Abs Kei sich Ich Kr Wir Ich los. mul AL All so ,, Ad Wil kön Gut Zwe in d K ede Tour mit den | mir die angeboten ;, die mit tsplätzen. t möglich. n. Im La- Angländer er weiter Auch über yricht von ameraden rt! Fr Nie ermetzeln serholen.“ 1er Eröff- 1 Wunsch ren? Will Traut Er tiften 88 n Flieger A weil die y ve m ‚pe Der Wehrmachtsposten tritt als Begleiter wieder in seine Rechte. Die Bauern warten auf mich.„Wo andere Soldat? Wir gut wissen, was ihr bauen. Anglaise auch wissen. Vogel auf Brust gut, Vogel auf Arm sehr schlecht.“ Die Menschen kennen sehr genau den Unterschied zwi- schen der Wehrmacht und der SS. Haben ihn am eigenen Leibe gespürt. Der dreizehnte August! Schon morgens beim Aufstehen bin ich so unruhig. Ich weiß nicht, was es ist, aber irgend etwas liegt in der Luft. Meine Habseligkeiten sind seit Tagen geordnet. Tabak, Seife, Zahnbürste und Briefe zum Mitnehmen bereitgelegt. Ich nehme heute alles mit zur Arbeit. Warum gerade heute, weiß ich selbst nicht. Beim Ausrücken aus dem Lager verabschiede ich mich von den Kameraden.— Ist mein Abschied diesmal an- ders? Prüfend schauen mich die Kumpels an. „Also, Willy, für dich ist es besser, wenn du gehst. Und wenn es heute sein soll, dann— Hals- und Genick- bruch.— Sieh zu, daß du durchkommst.“ Das ist unser Abschied. Ein fester Händedruck unter Kameraden. Keine Sentimalitäten.— Dabei bin ich noch gar nicht sicher, ob es heute wird. Habe noch keinen festen Plan. Ich bin eben nur unruhig, als sollte sich etwas ereignen. „Kreuzberg, heute muß Wasser rangeschafft werden. Wir müssen die Bahn betonieren.“ Ich nehme die Karre.„Iwan, Nikolai kommt, wir fahren los.“ Unerklärlich, warum ich erst noch zum Vorarbeiter muß. „Tünn, fahr mit. Schau dir mal meine Kundschaft an. Alles prima Leute.“„Was hast du heute vor, du bist so komisch, Willy? Planst du— willst du?“— „Ach, Toni, ich weiß nichts, aber, komm mal mit.“„Also Willy, fahr los, hau ab. Wenn ich jetzt mit dir gehe, könnte Philipps etwas wittern. Und dann,— na ja, alles Gute, Willy!“ Zwei Touren habe ich schon gemacht. Immer mein Zeug in den Taschen, immer die blaue Kulihose bei mir. „Kreuzberg, fahr los! Das Wasser reicht nicht!“ man? SIE& DEE Es ist kurz vor der Mittagszeit. Ich schwitze vor An- strengung und innerer Spannung.„Machen wir vor dem Essen noch eine Tour, Posten?“„Sicher, in einer Stunde sind wir zurück.“ Er wirft sein Gewehr über, wir gehen los. „Ihr werdet wohl in den nächsten Tagen eine SS-Kom- panie zur Bewachung herkriegen. Wir werden wieder an der Front eingesetzt.“ So ganz beiläufig kam diese Bemerkung. Auf mich wirkt sie. Ruckartig fliegt mein Kopf hoch. Ich möchte fragen, Näheres wissen. Ich Presse die Lippen zusammen. Nicht zu viel fragen, nicht auf- fallen. Einige hundert Meter liegt der Arbeitsplatz hinter uns, du begegnen wir einem LKW, beladen mit zwei großen Wasserbehältern. Der Wagen stoppt, der Fahrer beugt sich heraus. „Ihr könnt umkehren und eure Knochen schonen! Jetzt fahren wir euch das Wasser zu!“ Siedendheiß wird es mir. Das ist die Entscheidung. Äußerlich kalt, wende ich mich an den Posten.„Wie Sie wollen, Gefreiter, wir können umkehren. Wir können aber auch diese letzte Tour machen und lassen uns dabei Zeit. Unser Wasser wird ja nicht mehr gebraucht.“ Unschlüssig starrt er vor sich hin.— Wie wird er sich entscheiden?— Ich möchte ihn nicht drängen zu fahren und doch warte ich auf diesen Entschluß. Ich habe mich entschieden. Kehrt er nicht um, machen wir diese letzte Tour, dann sehe ich den Arbeitsplatz, das Lager, nie wieder.— „Also, fahren wir.“ Ein tiefes Aufatmen meinerseits. Halb ist es geschafft. Blitzartig jagen sich die Gedanken.— Frontverlauf, SS- Kompanien, neue Bahnfahrt, letztes Wasserholen.— Kann kommen, was da will. Dies ist meine letzte Fron- arbeit. Ich bin entschlossen zu handeln. Es gilt zu prüfen, welche Hofstelle die günstigste für einen Start in die Freiheit ist. War vorher Spannung und Fieber in mir, so hat jetzt nur die kühle Überlegung Raum. Alles Für und Wider wird genau geprüft. Einige Meter Abstand sind zwischen uns und dem Posten. „Willy, du partie?“ Fragend blicken mich Iwan und Ni- kolai an. Obwohl kein Nachdenken mehr nötig ist, zö- 16 gere ic wenn straft, „Will la} wir b nem| mitm erst fi Wir R mit? den H Die} Sich ten P lesen Han eh) „Oli ihr vor Anvor dem r Stunde wir gehen SS- Komn wieder am diese egt mein ch presse micht aufnter uns, ei großen rer beugt en! Jetzt cheidung. ,, Wie Sie können uns dabei ht." rd er sich zu fahren , machen eitsplatz, geschafft. lauf, SSen. zte Frontigste für Spannung Derlegung ft. m Posten. und Nig ist, zögere ich mit der Antwort. Was geschieht mit den beiden, wenn sie ohne mich zurückkommen? Werden sie bestraft, wie straft man sie? Können sie mich halten? ,, Willy?" " Ja, Jungens, ich gehe heute. Jetzt gleich gehe ich, wenn wir bei dem Bauer am Dorfeingang sind. Er hat von seinem Hof die sicherste Fluchtmöglichkeit. Und ihr sollt mit mir kommen, ich bringe euch sicher durch. Wenn wir erst fort sind, kann später jeder gehen wie er will, oder wir schlagen uns gemeinsam durch. Nun, macht ihr mit? Sagt ja." Keine Antwort. Stumm erreichen wir den Hof. - Die Mittagssonne glüht vom Himmel. Schläfrig setzt sich der Posten vor die Haustür auf die Bank. Den letzten Brief von Zuhause zieht er hervor und beginnt zu lesen. Gefahr vermutet er nicht. Immer sind wir ja unter seinen Augen. Am Stall, der quer zum Wohnhaus steht, befindet sich die Pumpe. Zwischen Stall und Haus ist ein Durchgang zum Obstgarten. Meine Hose liegt schon dort. Vom Garten über ein Stoppelfeld sind vierhundert Meter freies Schußfeld, dann wird mich eine Hecke aufnehmen und ich werde frei sein. Frei-? - Wird es gelingen oder erwischt mich eine Kugel? Werde ich Deutschland wiedersehen oder wird mich französische Erde decken? - ,, Jwan, Nikolai, geht ihr mit? Sagt ja, ich bringe euch durch." ,, Nein, du gehen, wir bleiben." ,, Jungens, überlegt euch, was auf euch wartet, wenn ihr ohne mich zurückkommt. Ihr bekommt Schläge. Man wird euch nichts zu Essen geben." ,, Egal, du mußt und sollst fort. Willy, geh'! Und viel Glück. Recht viel Glück!" Sie haben Tränen in den Augen. Sind beides Kinder von 17 und 18 Jahren. Haben nicht den Mut, in das Ungewisse zu gehen. Meine Überredungskunst versagt. Der Bauer tritt aus der Tür, ein großes Päckchen in der Hand. Es ist Tabak in Zeitungspapier eingewickelt. Ich nehme es ab und gebe es den beiden Kameraden. " , Gleich Toni geben, Posten nicht sehen lassen. Ich laufen, ihr keinen Tabak kriegen." 17 Zum Bauern gewendet, blicke ich ihn scharf an. Es ist nur ein Flüstern, kaum ein Lippenbewegen. ,, Je partie." Er versteht es. Er wartet ja längst darauf. Den Posten verwickelt er in ein angeregtes Gespräch, mich nicht aus den Augen lassend. In meinem Blick liegt ein letzter Gruß für ihn, ein Dank für seine Hilfe. An der Pumpe einige Worte hin und her. Kein verräterischer Händedruck, nur Worte. ,, Grüßt die Kameraden. Geht mit."„ Geh' du, Glück." nicht mand Über der n Durch nach ist un die n übern - Ich m len la ich Li Jahre flücht ich A Unau Ruhig, neugierig schlendere ich einige Schritte hierhin, dorthin. Posten und Bauer sprechen. Ich bin am Durchgang, habe die Hose unter dem Arm. Ich bin auf dem Stoppelfeld. Vierhundert Meter weiter winkt die schützende Hecke. Die Nerven sind gespannt zum Zerreißen. Das Herz jagt. Zwinge ich es ungesehen? Wird der Posten mich vorzeitig vermissen? Kann man mich vom Kommando aus schen? Wie wird es den beiden Jungens ergehen? Gedankensplitter, die kaum gedacht schon wieder vergangen sind. Vierhundert Meter, eine Lappalie. Eine endlose Strecke aber, wenn man um die Freiheit, um das Leben läuft. - - - Die Hecke ist erreicht. Es wäre herrlich, jetzt liegen zu können. Nur einige Minuten. Die Lungen schreien nach Ruhe. Die Sonne brennt unbarmherzig. Eine unsichtbare Peitsche winkt drohend weiter, weiter! Die Peitsche heißt: Totschlagen oder Erhängen bei Wiederergreifung.- - In Sekundenschnelle ist die Hose übergestreift. Die KZHose bleibt erstmal darunter. Ich werde sie wohl noch brauchen. - Unwillkürlich kommt die Rückschau. Du bist der sechste Häftling, der von hier türmt. Keiner wurde zurückgebracht. Sind sie alle durchgekommen? Sind sie irgendwo am Friedhofsrand als„ unbekannt" verscharrt? Hinter mir ist alles ruhig. Ist meine Abwesenheit noch nicht entdeckt? Weiß der Posten nicht, in welcher Richtung er mich suchen soll? Ich kalkuliere, daß er mich nicht allein suchen kann. Die beiden anderen dürfen ja 18 Straf schwa wird Ich w nuter Grab Ist d eine Körp denk ausg muß und Vors schau Nan Häu lade selt esser sollte ser a Vor Hand mir ten? an. Es ist en Posten nicht aus ein letzter er Pumpe er Hände' du, e hierhin, m Arm. Meter weiHerz jagt. ich vorzeimando aus gehen?- on wieder appalie. e Freiheit, liegen zu reien nach nsichtbare ingen bei t. Die KZwohl noch bist der er wurde Sind sie nt" verheit noch cher Richer mich dürfen ja nicht ohne Aufsicht bleiben. Also, muß er erst zum Kommando zurück und das ist für mich ein Vorsprung. Über Stoppeln hinweg habe ich einen Feldweg erreicht, der nach Gits führt. Mein Ziel liegt seit langem fest. Durch Flandern muß ich durch, um über die Grenze nach Nordfrankreich zu gelangen. In Belgien zu bleiben ist unmöglich. Es wimmelt in dieser Ecke von Rexisten, die nur zu gerne den Zubringerdienst für die Gestapo übernehmen würden. Ich muß der Front entgegengehen, mich von ihr überrollen lassen, dann erst werde ich frei sein. Vielleicht kann ich Lille erreichen. Dort sind von unserem Transport im Jahre 1943 53 Kameraden aus dem fahrenden Zuge geflüchtet. Dort will ich unterschlüpfen. Vielleicht finde ich Anschluß an die französische Widerstandsbewegung. Unaufhörlich, fast automatisch, nehmen meine Beine die Straße. Menschenleer ist es um mich. Weit hinter mir ein schwarzer Punkt, der langsam näherkommt und größer wird. Ein Radfahrer. Der erste Verfolger? Ich will lieber vorsichtig sein. Auch kann ich einige Minuten Ruhe gebrauchen. Ein Sprung rechts über den Graben und im Kornfeld untergetaucht. - Ist das eine Wohltat, dieses Langausstrecken. Ist das eine Erquickung, die Zigarette.- Die Wäsche klebt am Körper und dampft. Langsam werde ich ruhiger und denke ans Weiterziehen. Wenn ich auch am Abend ausgepumpt bin und liegen bleibe, in den ersten Stunden muß ich eine möglichst weite Entfernung zwischen mich und das Lager bringen. Also, auf gehts! Keine Müdigkeit vorschützen. Langsam den Kopf hoch und scharf Umschau gehalten. Nanu, was ist das? Hundert Meter entfernt steht ein Häuschen. Nein, kein Häuschen, eine Villa ist es. Einladend winken die Fenster. Aus dem Schornstein kräuselt sich der Rauch. Dort jetzt zu Tisch sitzen und essen, was man vielleicht jahrelang entbehrt hat.- Man sollte es wirklich riskieren und wegen eines Glases Wasser anfragen. Vor dem Hause steht ein Mann ganz in Weiß. Mit der Hand die Augen beschattend, schaut er angestrengt zu mir herüber. Wie lange mag er mich wohl schon beobachten? Langsam erhebe ich mich. Er kommt zu mir her. 19 Kurzes mißtrauisches Mustern gegenseitig. Dann kommen seine Fragen. Er spricht ein verständliches Deutsch. Wo kommen Sie her? Warum liegen Sie hier im Getreide? Wohin wollen Sie? 29 - ,, Ich komme von Kortemark. Habe mich hier ausgeruht und gehe jetzt weiter. Es ist warm, kann ich bei Ihnen ein Glas Wasser haben?" Irgend etwas hindert mich, ihm die volle Wahrheit zu sagen. richti Wirts Stric traue lüpfe ein schri J traue Aus - In Kortemark ist Kommen die H - ,, Jaa Wasser können Sie haben. doch ein Lager mit gefangenen Engländern. Sie von da? Sind sie?-" ,, Ja, ich bin! Aber kein englisches Lager, sondern ein Konzentrationslager für politische Gefangene Deutschland ist dort. Gefangene aller Nationen. Viele deutsche Antifaschisten dabei." Nein, dort gestreifte Anzüge, Engländer!" aus Er beharrt auf seinem Standpunkt. Etwas stimmt hier nicht. Jeder Belgier in der Umgegend weiß, wer im Lager festgehalten wird. Nur er nicht? Was bezweckt er mit seiner Lüge? - ,, Legen Sie sich wieder hin, ich hole Wasser." ,, Bon, ich warte." Langsam schlendert er zum Haus zurück. Ich sehe ihn noch durch die Tür gehen, dann strecke ich mich aus. Die Gedanken gehen rückwärts. Ob schon alles alarmiert ist-? Die Suchaktion schon eingeleitet-? Durch das Abrollen des Geschehens ist mir das Zeitgefühl fast entschwunden. Die Sonne steht noch hoch, ein Uhr war es, als ich mich selbständig machte. Ich müßte eigentlich weiter, aber das Wasser, ich lechze danach. Ob der Mann wohl bald kommt? Ist er überhaupt ehrlich? Vorsichtig luge ich durch die Ähren und was ich sehe, macht mich stutzig. Der Mann in Weiß steht vor dem Haus und späht intensiv in die Richtung aus der ich kam. Vom Wasserbringen keine Spur. Eines wird mir klar. Fort von hier, so schnell es geht! Bestimmt hat er telephoniert und wartet jetzt auf die Häscher. Wie der Hase aus dem Lager, so bin ich aus dem Kornfeld. Er winkt und ruft hinter mir. Mich hält nichts mehr, ich verschwinde. Die ersten Häuser von Gits. Zwei Straßen kreuzen sich. Zweifelnd bleibe ich stehen und überlege, welche die sen? könn Hast vor. spür Mu Ich, Fra Abg tief Kur wer gesc tuch den alle tung Mit Leil fris Ra ser der gut hin aus ich wic auf im ko 20 20 ann koms Deutsch. ier im Geausgeruht bei Ihnen ahrheit zu temark ist Kommen ondern ein gene aus onen. Viele timmt hier wer im Labezweckt er " Bon, ich zurück. Ich ke ich mich schon alles eitet-? das Zeitnoch hoch, machte. Ich lechze daüberhaupt und was Weiß steht chtung aus Eines wird stimmt hat er. dem Kornhält nichts euzen sich. welche die richtige ist. Zur Rechten steht ein kleines, freundliches Wirtshaus. Hinter den Scheiben sitzt eine Frau beim Strickstrumpf und beobachtet mich. Ich könnte fast Vertrauen zu ihr haben, so mütterlich sieht sie aus. Ich lüpfe die eine Ecke meiner Hosenklappe. Darunter wird ein Teil der„ Gestreiften" sichtbar. Sie sieht es und erschrickt. Eifrig winkt sie mir hereinzukommen. - Ja, Mutter, zu dir komme ich. Zu dir habe ich Vertrauen. Aus der leeren Gaststube zieht sie mich nach hinten in die Küche. ,, Kommen Sie von dort? Sind Sie ausgerissen? Hat Sie jemand gesehen? Wie sehen Sie aus! So können Sie nicht weiter." Hastig überstürzt sprudeln ihre flämischen Worte hervor. Kaum verstehe ich den Sinn. Nur Hilfsbereitschaft spüre ich und fühle mich vorerst geborgen. ,, Mutter, Durst, Waschen, Hemd ganz naf Schweiß. Ich, deutscher Antifaschist, weggelaufen. Wo Richtung Frankreich, Grenze?" - Abgehackt spreche ich. zwischen den einzelnen Worten tief Luft holend. Die erwachsene Tochter kommt hinzu. Kurze Beratung zwischen den beiden Frauen, dann werde ich kurzerhand über den Hof in das Waschhaus geschoben. Eine Holzwanne steht bereit. Wasser, Handtuch, Seife, alles ist da. Leise streicht mir die Frau über den Arm, dann schließt sie die Tür hinter sich, mich allein lassend. Sicher nimmt sie jetzt ihren Beobachtungsplatz am Fenster wieder ein. Mit fliegenden Händen reiße ich mir die Kleider vom Leibe. Viel Zeit möchte ich nicht verlieren. Nur etwas Erfrischung, dann weiter. ser. - Raus aus dem verschwitzten Hemd und rein in das WasJunge, ist das eine Wohltat. Wohlig dehnt sich der Körper. Was frage ich danach, ob es gesundheitlich gut ist, das kalte Bad nach der harten Anstrengung, die hinter mir liegt. Im Augenblick tut es gut und das ist ausschlaggebend. Raus aus dem Wasser und ratlos stehe ich vor meinem übelriechenden Hemd. Ich werde es einwickeln und später waschen. Jetzt genügt der Pullover auf der bloßen Haut. Auch er ist schweißfeucht, aber immer noch besser als das Hemd. Die ,, Gestreifte" kommt wieder unter die blaue Kulihose. Vielleicht wird 21 sie mal mein Verräter. Vorerst kann sie aber noch manchen guten Dienst leisten. Sie wird oft, wenn die sprachliche Verständigung nicht klappt, der Mittler zwischen der Bevölkerung und mir sein müssen. Nachdem die Haare durchgekämmt sind, sehe ich wohl wieder menschlicher aus. Jedenfalls ist nicht mehr auf den ersten Blick ersichtlich, daß ich ein Gejagter bin. Als ich die Küche betrete, näht die Tochter gerade noch einen Knopf an ein Oberhemd. Prüfend betrachtet mich die Mutter. ,, Hm, so geht es wieder. Dieses Hemd ziehen Sie an. Mein Mann kann es entbehren und Ihnen tut es not. Setzen Sie sich erst mal und essen Sie." Während des Kauens schildere ich in kurzen Zügen, was hinter mir liegt, dabei immer wieder die Blicke zum Fenster hinausschweifen lassend. Gestärkt und erfrischt erhebe ich mich. ,, So, Mutter, ich ziehe weiter. Will heute noch so weit kommen, wie es irgend geht. Den Weg zur Grenze haben Sie mir gut beschrieben. Ich werde ihn kaum verfehlen. Mutter, ich werde nie vergessen, daß Sie mir die erste Hilfe gaben. Leben Sie wohl und vielen Dank-" - Sie drückt mir fest die Hand. Scheu schlägt sie ein Kreuz vor meiner Stirn. ,, Gehen Sie und kommen Sie gut nach Ihrer Heimat.- Mein Junge ist in deutscher Gefangenschaft-!" links. Auto Verda Sind täglich ,, versc graber Zeit. S Brrl, Grabe als fü scharr daß s - - Sp Wurd Wage Nach langs liegt Na, V Nun Eklig der S einem ter G -H in H Gits liegt hinter mir. Die Hauptstraße vermeidend, benutze ich Feldwege, die im spitzen Winkel die Staatsstraße nach Ypern erreichen müssen. Wenig fragen, wenig Auskunft verlangen, das muß mein Prinzip sein. Der Orientierungssinn soll mich führen. Was kommt es darauf an, ob ich die Grenze einige Kilometer mehr nach rechts oder links erreiche. Ich habe nur die Nähe von Ypern zu meiden. Also, frei weg, die Nase nach dem Süden. Es wird schon schief gehen. Gegen vier Uhr nachmittags sehe ich in einiger Entfernung von mir eine Reihe mächtiger Bäume auftauchen. Es dürfte die Staatsstraße sein. Bald bin ich bis auf hundert Meter heran. Ein Blick nach rechts und nach 22 22 - nicht ist da die Strol ein heut Ich kön den kom mac wac Knu sein zurü | | links. Alles klar, die Luft rein? Von links kommt ein Auto die Straße daher. Verdammt! Es ist dem ersten Bauleiter sein Karren. Sind die auf der Suche nach mir oder macht er seine tägliche Inspektionsfahrt nach Ypern? Jetzt heißt es „verschwinden“! Ein Schritt zur Seite und der Weg- graben nimmt mich auf. Zum Platzaussuchen ist keine Zeit. So lang ich bin, lasse ich mich fallen. Brri, pfui Teufel, das ist kalt! Natürlich ist Wasser im Graben. Immerhin besser, einige Minuten naß zu liegen, als für immer mit einem kleinen Loch im Körper einge- scharrt zu werden. Der Bauleiter ist dafür berüchtigt, daß seine Pistole locker sitzt. — Spannungsvolle Sekunden.— Wurde ich gesehen? Werden sie anhalten oder fährt der Wagen weiter. Nach endlos erscheinenden Minuten schiebe ich den Kopf langsam über den Grabenrand. Nichts—! Die Straße liegt leer und verlassen. Na, Willy, alter Junge. Hast mal wieder Glück gehabt. Nun aber los. Die Straße gekreuzt und querfeldein. Eklig klebt das Zeug am Leibe. Einerlei, nur erst von der Straße weg. Dann wird Nachtquartier gesucht. Auf einem Gehöft nachzufragen, ist nicht sicher genug.„Mut- ter Grün“ soll meine Wirtin sein. — Hallo! Das paßt gut. Vor mir steht ein Haferschlag in Hocken. Schnell ist eine verlängert, daß die Beine nicht rausgucken, einige Garben als Unterlage und fertig ist das Nachtlager. Etwas eng, aber warm. So trocknet die Kleidung wenigstens am Leibe. Bevor ich in das Stroh hineinkrieche, wird noch eine Pfeife geraucht. So, ein Rundblick. Alles scheint in Ordnung zu sein. Für heute ist Ruhe. Ein Tagewerk ist vollbracht. Ich bin sehr müde. Es ist schön, so im Stroh liegen zu können, doch der Schlaf stellt sich nicht ein. Jetzt, in den ersten wirklich freien Stunden nach zehn Jahren kommt mir so recht zum Bewußtsein, was ich alles machen kann. Wer will mich hindern? Keine SS be- wacht, kein Stacheldraht hemmt, kein Strick, keine Knute drohen. Gewiß, morgen kann ich schon geschnappt sein. Gebe ich dann an, wer ich bin, so schafft man mich zurück. Verheimliche ich Namen und Herkunft, werde ich 23 zum Saboteur oder Partisan oder was weiß ich, gestempelt. Ich kann ich kann auch nicht. Etwas Courage, eine Portion Frechheit und die nötige Vorsicht. Es müßte mit dem Teufel zugehen, könnte ich mir meine Freiheit nicht bewahren. - Was will ich denn? Alle, die wir eingesperrt waren, sind sich klar geworden, daß über kurz oder lang der militärische Zusammenbruch für das Hitlerdeutschland kommen muß. Wir haben die Kriegsaufwände verfolgt, die großen Zeitungssiege, die ungeheuren Kraftanstrengungen, die Widersprüche im Hitlerreich und nicht zuletzt den Aufruf Goebbels zum totalen Krieg. Wenn ein Regime so weit gekommen ist, Kinder, Frauen und Greise in den Kriegsdienst zu pressen, so muß dies das Ende sein. Wo ist die Großmäuligkeit geblieben? ,, Keine vierundzwanzig Stunden werden die Engländer auf dem Festland bleiben."- Die Alliierten haben nicht nur seit Wochen Fuß gefaßt, sie sind auch schon weit in Frankreich drinnen. Die Hitlerarmeen verkürzen im Osten ihre Fronten nicht nur aus strategischen Gründen, es ist ein zügelloses Zurückfluten der Truppen. Wie oft waren wir im Lager mutlos. Wie oft haben wir über das Für und Wider debattiert. Kam dann unser Paul Perrone und brachte die letzten Meldungen des ,, Soldatensenders West", dann wußten wir, es kann für uns für unsere Befreiung nicht schlecht aussehen. - unser Nun bin ich auf dem Wege. Den Amerikanern will ich entgegen. Mit ihnen zusammen nach Deutschland. Nur nicht zu spät kommen. Gilt es doch für uns Antifaschisten nach der militärischen Niederlage in Deutschland ,, klar Schiff" zu machen. Wie viele der Kriegsverantwortlichen werden versuchen unterzutauchen. Sie werden sich an ihre ,, unschuldige" Brust schlagen und im Ton der Überzeugung ausrufen: ,, Ich? Aber ich bitte Sie, ich hatte nie etwas mit der NSDAP zu tun." Sie werden sich als harmlose Biedermänner tarnen und ihre Posten und Ämter zu halten versuchen. Unsere Aufgabe muß es sein, einen strengen Maßstab anzulegen. Fort mit den Elementen, die, so oder so, beigetragen haben, Deutschland zu verelenden! Nie w land e allein Konze Weise Fraue Rüstu Nun a für m Energ mich Ein F durch ihre e tige Z ich ja Hof f verzic auf d Feld. hinde Name dem dort wir u schon Hilfs muß press Ich e einen aber Angs beha einer Ich Nun nung nicht geht zur( Ja, 224 ich, geage, eine müßte mit Freiheit aren, sind er militänd komfolgt, die strengunt zuletzt n ein ReGreise in Ende sein. eine vierauf dem t nur seit n FrankOsten ihre es ist ein waren wir Für und unser des ,, Solfür uns will ich and. Nur antifaschiutschland versuchen chuldige" ausrufen: mit der und arnen Unsere zulegen. agen haNie wieder darf die Möglichkeit bestehen, daß Deutschland einen Krieg vom Zaune brechen kann. Das sind wir allein schon unseren Kameraden schuldig, die in den Konzentrationslagern oft in gemeinster, sadistischer Weise hingemordet wurden. Das sind wir unseren Frauen und Müttern schuldig, die für die Profitgier der Rüstungskönige ihr Liebstes hergeben mußten.- Nun aber genug des Denkens und Sinnierens. Wenn ich für morgen frisch sein will, habe ich den Schlaf nötig. Energisch drehe ich mich auf die Seite. Aufstöbern wird mich hier wohl niemand und meine Nachtruhe stören. Ein Frösteln läßt mich wach werden. Die Nachtkühle ist durch die Kleidung gedrungen. Eben schickt die Sonne ihre ersten Strahlen über den Horizont. Das ist die richtige Zeit, einige Kilometer zurückzulegen. Hunger hätte ich ja, will aber erst etwas tippeln. Werde schon einen Hof finden, der etwas abseits liegt. Aufs Waschen muß verzichtet werden. Die Vögel zwitschern, der Tau liegt auf den Gräsern. Ab und zu springt ein Hase über das Feld. Herrjee! Ist das schön! So frei und ungehindert ausschreiten zu können. Was frage ich nach den Namen der Ortschaften und Städte, wenn sie nur auf dem Wege nach Süden liegen. Dort ist die Grenze, und dort muß ich hin. Hallo! Dort steht ein Gehöft. Versuchen wir unser Glück und klopfen wir an. Ein Stück Brot wird schon übrig sein. - - - Hilfsbereit, gastfreundlich ist man in diesem Lande. Man muß nur die Leute finden, die unter den deutschen Repressalien gelitten haben und auf die Befreiung warten. Ich erhalte ein erstklassiges Weißbrot mit Butter und einen Topf Milch. Es ist nicht meine Absicht zu bleiben, aber so beiläufig erwähne ich, daß ich arbeiten würde. Ängstlich wird der Bauer. ,, Nein, ich kann Sie nicht hierWenn behalten. Die Gestapoagenten!- Die Rexisten! einer merkt, hier ist ein Fremder! Nein, das geht nicht. Ich gebe Ihnen noch fünf Franc, aber gehen Sie." Nun, ich kann den guten Mann beruhigen. Die Entfernung bis zum Lager in Kortemark ist auch mir noch nicht weit genug. Ein kurzer Dank, ein Ade, und weiter geht es. Der kleine Ort Rousselaere muß auf dem Wege zur Grenze liegen. Ja, Glück muß der Mensch haben. Längst ist mir aufge25 fallen, daß alle Männer und Burschen ihre Mützen tragen. Gestalten ohne Kopfbedeckung wie ich, sind äußerst selten. Dazu laufe ich bei dieser Hitze wohl ohne Jacke, aber mit einem wintermäßigen Wollpullover herum. Eine Frau sorgt für Abhilfe. Hemd, Pullover, Taschenutensilien zum Päckchen verschnürt, Mütze auf den Kopf gestülpt, Jacke übergezogen. Jetzt sehe ich einigermaßen zunftmäßig wie ein Einheimischer aus. Daß bei den Schuhen die Zehen herauslugen und die Größe nicht stimmt, fällt nach fünf Kriegsjahren auch in Frankreich nicht auf. Die gütige Spenderin der Jacke begleitet mich außerdem nach Menin. Hier angelangt, suchen wir ein Lokal auf. Arbeiter stehen an der Theke. Die Frau spricht kurz mit dem Wirt und einigen Gästen. Ein kurzes Mustern meiner Person, dann werde ich gerufen. Keine Neugier, kein unsachliches Fragen. Die Erklärungen, die die Frau anscheinend gegeben hat, genügen. ,, Sie wollen rein nach Frankreich? Wissen Sie, daß am nächsten Dorf- Moskroen schon die Grenze liegt?" Dennerwetter! So nahe habe ich sie nicht geglaubt. Jetzt kommt einer der kritischen Punkte auf meinem Wege. Sorgsam stelle ich meine Fragen. ,, Wie ist die Grenzbevölkerung und die Grenzwache? Wo ist der bestmögliche Übergang?" Die Ansichten darüber scheinen nicht gleich zu sein. Rede und Gegenrede. Kurzes Hin und Her, dann beginnt der Wirt. ,, Bis zum Kanal müssen Sie gehen. Auf der Brücke steht ein belgischer Posten, aber wenn Sie schlankweg passieren, hält Sie keiner an. Dahinter liegt Moskroen. Vielleicht gehen Sie als Ährenleser übers Stoppelfeld. Es läßt sich da keine feste Methode für den Übertritt sagen." - Hm, also wieder mal ein Vabanquespiel. Versuchen wir, wie es geht. Nun ist es mittlerweile dunkel geworden. Den Kanal habe ich längst erreicht, aber die Brücke kann ich beim besten Willen nicht finden. Ich würde sie auch jetzt zu vorgeschrittener Stunde nicht betreten. Müde stolpere ich am Ufer auf und ab. Durch waten durchschwimren. Mo rosiger men? Brrr, ich bin wasserscheu. Wollen lieber wieder einige Garben zusammenstellen und im Freien kampie26 schlimm gefund zugehe Boden Nun he die Gre Da, lin Zwei Z gehen so gut würder ten bu Zollbea diese S Frank Also se schnup Entfer Hm, es mit de mit ge Hof. V trete, Eben zirka reiche Die L schein nügen mich um. I Die C Asq, steine brand gewir rufig tzen trad äußerst ne Jacke, - herum. Taschenden Kopf ermaßen bei den Sße nicht rankreich eitet mich wir ein Die Frau Ein kurgerufen. Erklärunügen. , daß am e liegt?" geglaubt. of meinem ie ist die der bestscheinen urzes Hin al müssen er Posten, keiner an. Is Ahrenfeste MeVersuchen en Kanal ich beim jetzt zu olpere ich chschwimer wieder kampieren. Morgen früh beim Sonnenschein sieht alles wieder rosiger aus. So, die Brücke wäre passiert. War gar nicht so schlimm. Gestern abend habe ich sie gesucht und nicht gefunden. Dabei brauchte ich nur hundert Meter weiterzugehen, und ich hätte jetzt sicher schon französischen Boden unter den Füßen. Nun heißt es die Augen offenhalten. Jeden Moment muẞ die Grenze mit ihrer Markierung in Sicht kommen. Da, linker Hand, steht ein Schilderhaus mit Schlagbaum. Zwei Zöllner aalen sich in der Frühsonne. Dort durchzugehen möchte ich nicht riskieren. Wer weiß, ob die beiden so gut gefrühstückt haben, daß sie mich vorbeilassen würden. Zur Rechten sehe ich Leute Kartoffeln im Garten buddeln. Auf der Straße davor pendelt ein weiterer Zollbeamter hin und her. Mir scheint, wenn ich über diese Straße hinweg bin, habe ich auch von Belgien nach Frankreich hinübergewechselt. Also setzen wir uns erstmal an den Grabenrand und beschnuppern wir die ganze Angelegenheit aus sicherer Entfernung. Hm, es müßte eigentlich klappen. Ein kleines Gespräch mit den Kartoffelbuddlern zur Information und dann mit geschulterter Hacke durch den Hintereingang in den Hof. Wenn ich dann durch die Haustür die Straße betrete, wer will sagen, daß ich nicht dahin gehöre. Eben pendelt der Grenzer seinen Weg zurück. Es sind zirka dreihundert Meter, ehe er umdreht. Die Zeit könnte reichen. Die Leute im Garten sind leicht erstaunt, als ich erscheine und eine dortliegende Hacke aufnehme. Es genügen von mir einige aufklärende Worte, und sie lassen mich gehen. Am Straßenende dreht eben der Grenzposten um. Ich kreuze die Straße und bin in Frankreich! - Die Grenze liegt seit einer halben Stunde hinter mir. Asq, ein kleines Industriestädtchen, erreiche ich. Schornsteine ragen in den Himmel, Häuserruinen recken ihre brandgeschwärzten Mauern empor. Hier haben Bomben gewirkt. Zwei Jungarbeiter stehen beisammen, müde, rußige Gesichter, ölverschmierte Kittel. 27 Wenn ich nur wüßte, wie die Jungen anzusprechen sind? In Flandern klappte die Verständigung einigermaßen auf Platt und Flämisch. Ich muß es mit einigen mir zu Gebote stehenden französischen Brocken versuchen. ,, Pardon Messieurs, je voudrais travailler. Je partie konzentration. Je antifaschist allemand." Mißtrauen liegt in ihren Blicken, Abwehr in ihren Mienen. Erst als ich eine Ecke meiner„, Gestreiften" sehen lasse, lockert sich ihre Haltung. Von den hervorsprudelnden Worten verstehe ich gar nichts. ,, Parlez lentement, sil vous plaite." ,, La basse Restaurant, Cèst notre Camerad qui parle allemand." Aha, drüben in der Wirtschaft scheint ein Franzose zu sein, der deutsch spricht. Während der eine mit mir hinüber geht, läuft der andere eilenden Schrittes die Straße entlang. Düpiert schaue ich ihm nach. Was bedeutet das nun wieder? ,, Camerad partie?" ,, Oui, oui! Il vient retourne." Mein Begleiter wird in der Wirtschaft mit einer gewissen Achtung empfangen. Auf seine Bestellung hin setzt mir der Wirt Bier und ein Mittagessen auf den Tisch. Heißhungrig beginne ich zu essen. In der Zwischenzeit erscheint der erste Franzose mit einem älteren Kollegen. Es entspinnt sich eine lebhafte Debatte, begleitet von heftigen Armbewegungen. Verstohlen werde ich dabei immer wieder beobachtet. Sollen sie beschließen, was sie wollen! Ich bin erst mal satt. Behaglich schiebe ich den Teller zurück und harre der Dinge, die da kommen werden. 99 gedient ten Sie Er hat , Wir würden Sie schon hier behalten", wendet sich der eine Arbeiter in ziemlich einwandfreiem Deutsch an mich. ,, Aber es kann nicht angehen. Vor einigen Tagen ist der Vater meines Kameraden dort von der Gestapo erschossen worden. Er soll Sabotage an Transportzügen verübt haben. Bei uns flog eine Bahnbrücke in die Luft." Etwas wie Stolz klingt in seinen Worten. ,, Nun müssen wir vieles über uns ergehen lassen, Haussuchungen, wahllose Verhaftungen, Erpressungen usw. Dies alles manchmal in einer Woche mehreremal. Gewiß sind wir jedesmal orientiert, wenn die kommen. Wir können Sie hier verstecken, auch ernähren möchten wir Sie von dem Wenigen, das man uns ließ. Ist Ihnen damit 28 Aber w nach W ich suc „ Nein! ,, Dich n mehr ein Ha Fest le dem m ,, Wir wir ke zurech für Sie auf To könne keiner Ein A liegt O Deu wiede winne Auf m Brüss erst i Tour die W beleb beits Bunk hind Vert Ob heru wen der Par über öfter Weg hen sind? germaßen mir zu » Restau- 1d.“ anzose ZU it mir hin- lie Straße deutet das r gewissen ‚n, Haus zn USW. Gewik Wu 2 un wir en damit gedient? Freie Bewegung hätten Sie nicht, arbeiten könn- ten Sie auch nicht.“ Er hat nur zu recht. Untätigkeit wäre nicht meine Sache. Aber wenn er sagt Sabotage, erschossen, das klingt mir nach Widerstand, nach Partisanen. Es ist doch das, was ich suche. Zaghaft tippe ich darauf an. „Nein! Wir allein machen.“ Hart klingt seine Stimme. „Dich niemand kennen. Engländer werden kommen, nicht mehr weit, bald hier. Und dann—?“ Eine Leidenschaft, ein Haß spricht aus seinen Zügen, wie ich es selten sah. Pest legt er den Arm um die Schulter seines Kameraden, dem man den Vater erschossen hat. „Wir kennen nicht nur unsere deutschen Unterdrücker, wir kennen auch unsere Kollaboratisten. Wir werden ab- zurechnen wissen. Nun gehen Sie. Längeres Bleiben ist für Sie und für uns gefährlich. Nehmen Sie die Richtung auf Tourcoing, dann ist es nicht mehr weit bis Lille. Sie können die Leute nach dem Weg fragen, es verrät Sie keiner.“ Ein Auge-in-Auge-schauen, ein fester Händedruck. Bald liegt Asq hinter mir. © Deutschland, was hast du gesündigt. Ob es uns jemals wieder gelingen wird, das Vertrauen der Welt zu ge- winnen? Auf meinem späteren Weg über St. Ama nd, Valenciennes, Brüssel, Lüttich‘habe ich die Greuel der deutschen SS erst in vollem Umfange kennengelernt. Tourcoing ist eine Stadt, die heute ihr Gepräge durch die Wehrmacht erhält. Uniformen aller Waffengattungen beleben die Straßen. Dazwischen sieht man OT und Ar- beitsdienst. An jeder größeren Kreuzung werden emsig Bunker jeden Formats gebaut. Überall sind Stacheldraht- hindernisse aufgestellt. Es scheint, Tourcoing wird auf Verteidigung eingerichtet. Ob ich will oder nicht, um nicht planlos in der Stadt herumzulaufen, muß ich schon den Weg erfragen. An wen wende ich mich? Dort, die ältere Hausfrau oder hier der Arbeiter? Werde ich verstanden? „Pardon Madame. Direction Lille?“ Sie ist nicht erstaunt über mein Kauderwelsch. Vielleicht hört sie diese Frage öfter und nicht nur von deutschen Soldaten. Sie zeigt den Weg, gibt Erklärungen, und nach einem kurzen Auf- 29 blicken greift sie in die Tasche und reicht mir einige Franc zur Trambahnfahrt nach Lille. Sehe ich so müde aus? Da stehe ich nun an der Haltestelle und warte auf die Bahn. Die erste fährt vorbei. Ich habe nicht den Mut einzusteigen. Zwischen all den Uniformen sind nur vereinzelte zivile Fahrgäste. Wenn ich nun mit dem Schaffner radebreche, müßte ich unweigerlich auffallen. Auch die zweite und dritte lasse ich durch. Nee, lieber frech und frei an allen Kommandanturen vorbeigelaufen als hier eingestiegen. Eine herrliche Baumallee nimmt mich auf. Schnurgerade führt sie bis nach Lille. Ab und zu fährt eine Trambahn an mir vorüber. Es ist doch besser und sicherer, wenn ich laufe. Leise klimpern meine Francstücke in der Tasche. ,, Seid nur ruhig, auch ihr werdet noch gebraucht." Sakra, ein schönes Stück Weg ist es doch, ehe man ans Ziel kommt. Mit der Zeit klebt die Zunge am Gaumen. Ob ich in dem dort abseits liegenden Hof einmal vorspreche? Nach meiner Schätzung ist es 17 Uhr. Ein Versuch schadet nichts. Werde ich abgewiesen, laufe ich weiter. Auch hier ist es wie überall. Nachdem die Leute wissen, wer ich bin, schwindet ihr Mißtrauen. Ich möchte etwas trinken und mich waschen. Ausgezeichnet werde ich bewirtet. Am späten Abend kommt der Bauer vom Felde heim. Er ist der Meinung, ich könne nicht nach Lille gehen. ,, Der Druck und die Kontrolle durch die deutschen Organe sind dermaßen stark, daß Sie sich dort nicht halten können. Lassen Sie die Stadt rechts liegen und gehen Sie mehr ins Land, vielleicht in Richtung Valenciennes. Sie sind dann näher dem Frontdurchbruch und näher der deutschen Grenze." Schade, da habe ich gedacht in Lille Anschluß und für einige Tage Ruhe zu finden. Wieder nichts. Der gute Mann meint mich trösten zu müssen. Er sieht die Enttäuschung in meinem Gesicht. Schon fi selig hat ,, Bleiben Sie zur Nacht in meiner Futterküche hinter dem Stall und ziehen Sie morgen früh weiter. In das Haus kann ich Sie nicht nehmen, hier klopfen fortwährend Soldaten an." um sich Diese N doch, al Was wo weiß ic war nic nach Br die Leid gons ka sondern Mai 194 der Lag und Au blick ni nung w vergehe Da mu Tagesda schmett Milchei mein F lịch lác erschein später allerlei ich mic nach C noch ni ierten die Ri Der Straße Jucker oder b Ich wa tierche Da vo gesuch Die B Magen 30 30 mir einige e auf die den Mut nur verm Schafflen. Auch danturen murgerade Trambahn wenn ich er Tasche. ht." man ans Gaumen. nmal vorEin Verlaufe ich te wissen, hte etwas de ich beelde heim. zehen. schen Orcht halten gehen Sie ennes. Sie näher der und für Der gute die Entinter dem das Haus twährend Schon für die Übernachtung bin ich ihm dankbar. Mühselig hatte er einige deutsche Brocken zusammengesucht, um sich verständlich zu machen. Diese Nacht schlafe ich unter Dach. Angenehmer ist es doch, als unmittelbar den Himmel über sich zu haben. Was wohl in Deutschland meine Mutter macht? Seit Mai weiß ich von ihr gar nichts mehr. Die letzte Nachricht war nicht erfreulich. Als Kranke wurde sie mit anderen nach Breslau evakuiert. Drei Tage und Nächte mußten die Leidenden, teilweise mit hohem Fieber, in den Waggons kampieren. Dann wurden sie nicht etwa ausgeladen, sondern nach Berlin zurücktransportiert. Also schon im Mai 1944 waren die deutschen Behörden nicht mehr in der Lage, eine organisierte Unterbringung von Krankén und Ausgebombten durchzuführen. Ich wüßte im Augenblick nicht, wo ich die Mutter suchen sollte. Doch die Hoffnung will ich nicht fahren lassen, daß nur einige Monate vergehen können, bis ich mit ihr wieder zusammen bin. Da muß mich doch der Schlaf übermannt haben. Das Tagesdämmern dringt durch die Fenster. Die Hähne schmettern ihr Kikeriki, auf dem Hofe klappern die Milcheimer. Nun aber hoch vom Heulager. Ich werde mir mein Frühstück verdienen und melken helfen. Freundlich lächelnd begrüßt mich die Frau, als ich in dem Stall erscheine. Den Bauer selbst treffe ich erst eine Stunde später beim Frühstück. Nachdem ich gesättigt bin und allerlei gute Ratschläge entgegengenommen habe, schlage ich mich seitwärts in die Büsche. Eine kleine Schwenkung nach Osten ist notwendig. Ganz nach Osten kann ich noch nicht wandern, die Gefahr, die vordringenden Alliierten zu verfehlen, ist dann zu groß. Ich werde erstmal die Richtung Bouvines- St. Amand halten. Der Vormittag geht dahin. Munter ziehe ich meine Straße. Selten ist ein Mensch zu treffen. Ein eigenartiges Jucken quält mich. Brennt die schweißfeuchte Kleidung oder habe ich-? Ich wage es nicht zu denken. Ob sich mal wieder Haustierchen im Hemd Quartier gesucht haben? Da vorn steht ein guter, dichter Wald. Der wird aufgesucht, und dort wird Rast gemacht. Die Bäume spenden einen angenehmen Schatten. Der Magen knurrt zum Erbarmen. Ein Hof ist nirgends zu 31 sehen, da muß ich mich für heute mit Brombeeren begnügen. Diese sind allerdings reichlich vorhanden. Erstmal einige, um den Magen zu betrügen, dann wird die Mütze vollgepflückt als Nachtmahl. Ich schätze, es wird 16 Uhr sein. Viehkoppeln gibt es rundum. Vielleicht finde ich eine Bretterbude mit Stroh als Unterkunft. Langsam schlendere ich die Waldwege entlang, krieche durch einige Koppeldrähte und stehe vor einer tadellosen Viehunterkunft. Na also! Sogar Stroh ist schon drinnen. Behaglich sitze ich noch einige Zeit im Grase und lasse mir die letzten Sonnenstrahlen auf den Buckel fallen. Wehmütig betrachte ich Schuhe und Strümfe. Lange genug haben sie mir gedient. Jetzt will sich jeder Faden, jedes Lederteilchen selbständig machen. Das Hemd wird in jeder Naht untersucht, und wie könnte es anders sein, ich finde Mitbewohner. Sicher haben wir im Lager mehr von diesen lieben Viechern gehabt. Im Zuchthaus Luckau gab es, ebenso wie auf dem ,, Alex" in Berlin, Wanzen. In Duisburg unterhielten wir uns mit Flöhen niedlichen springenden Ungeheuern die einen von der Arbeit müden Kumpel zum Rasen bringen konnten. Jetzt sind es mal zur Abwechslung Läuse. Solange es nur juckt, geht es noch. Hat man sie aber erst mal wirklich gesehen, graut man sich, ins Hemd zu steigen. Drüben auf der Weide steht eine Pumpe mit einem großen Steintrog. Der wird voll Wasser gepumpt, und dann nichts wie ,, hinein". Das alte Hemd, mit dem ich geflüchtet bin, wird als Handtuch benutzt und trocknet später auf dem Leibe. Nun rein in das Stroh und geschlafen. Morgen ist ein neuer Tag. - - Langsam muß ich daran denken, an einem Ort Fuß zu fassen und auf die Alliierten zu warten. Es ist eigentlich ein Zwiespalt in mir. Wenn mir die augenblicklichen Verhältnisse in Deutschland nicht so unbekannt wären, würde ich versuchen, mich durchzuschlagen. Andererseits ist die Bevölkerung hier sehr optimistisch. Sie erwartet in wenigen Wochen die Befreiung durch die Engländer und Amerikaner. sprech ,, Bon jour, Monsieur! Vous safez travail pour moi? Je no manger. Je viel Hunger." seine I Ein kleiner ärmlicher Hof ist es, auf dem ich vor32 ,, La ba maéso parle teur?" centra Der g Bier u Vous Nun, ich do wird äußer wie e O je! vorsp und Milch Mir s fangr nahm Zahl I zu endlic gekon Ach, wonn Also die L grun Büro finde Der einer blick stelle Schw So, Ihne ich n ich beeren be- nden. Erst- n wird die ze, es wird leicht finde t. Langsam urch einige Viehunter- „ Behaglich ir die letz- Wehmütig ‚nug haben des Leder- .d in jeder n. ich finde hr von die- kau gab 65, ‚n. In Duis- chen sprin- beit müden ind es mal ‚kt. geht es ehen, graut der Weide , Der wir 7" Des spreche. Genau so ärmlich und abgearbeitet sehen auch seine Leute aus. „La bas, un kilometre— direction d’Orchies— la grande maeson. On ai travail pour vous. Patron— hollandrai— parle allemand. Ete-vous soldat allemand?— Deser- teur?“—„No, je ne ce pas soldat, je Prisonier de kon- centration allemand. Je partie.“—„Ah! Tres bien!“ Der gute Mann springt ins Haus, reicht mir einen Krug Bier und schüttet mir die Hand voll Tabak. „Vous laufen petit rue, a droit direct maeson.“ Nun, da hätte ich es ja nicht mehr weit. Vielleicht habe ich dort mehr Glück. Der Magen knurrt jämmerlich. Es wird nun überhaupt Zeit, daß ich meinen inneren und äußeren Menschen auffrische. Die Bartstoppeln kratzen wie ein Reibeisen. O je! Das ist ein bannig großes Gehöft. Hier soll ich vorsprechen? Eine ganze Weile sitze ich am Feldrain und überlege. Mehrere große Wagen, vollgeladen mit Milchkannen, passieren die Hofeinfahrt. Mir scheint, es ist kein Bauerngehöft, sondern eine um- fangreiche Meierei, die vor mir liegt. Wenn meine An- nahme zutrifft, hat der Patron bestimmt eine größere Zahl Leute beschäftigt, und ich werde mit meinem Wunsch — zu bleiben— abrutschen. Irgendwo muß ich aber nun endlich bleiben können. Bin schon weiter nach Osten ab- gekommen, als ich ursprünglich beabsichtigt hatte. Ach, ich riskiere die Anfrage. Frisch gewagt ist halb ge- wonnen! Also doch eine Meierei. Links auf dem Hof befindet sich die Laderampe, rechts liegen die Stallungen. Im Hinter- grund ein stattliches Gutshaus. Sicher sind dort auch die Büroräume untergebracht. Ich hoffe, da den Chef zu finden. „Der Chef, nein, der ist nicht im Hause. Er kommt in einer halben Stunde ungefähr vom Felde.“ Neugierig blickt mich der junge Mann an, dem ich meine Frage stelle.„Sind Sie ein Holländer? Kennen Sie meinen Schwager?“ „So, Sie sind ein Verwandter des Patrons, da könnte ich Ihnen auch meinen Wunsch vortragen. Holländer bin ich nicht. Ich bin—, ich habe—“. Gewaltsam überwinde ich meine Hemmungen. ,, Arbeit suche ich. Verstecken will ich mich hier für kurze Zeit. Einen tüchtigen Hunger habe ich. Kennen Sie diese Uniform?" Wieder einmal zeige ich eine Ecke meiner ,, Gestreiften". ,, Hm, gehen Sie erst mal hinüber in die Scheune. Es braucht Sie nicht jeder zu sehen. Wenn der Chef kommt, schicke ich ihn hin. Sie können dann mit ihm sprechen." ,, Meinen Sie, ich könnte hier arbeiten? Ich verstehe die Viehwirtschaft, habe in Deutschland lange Jahre auf dem Lande gearbeitet." ,, Ich möchte nichts sagen. Die Entscheidung darüber hat mein Schwager. Ich bin nur ein Angestellter hier. Gehen Sie vorerst. Sie sollen dann gleich etwas zu essen bekommen. Sehen Sie, da kommt der Chef schon. Der Große mit der Dogge ist es." Ich warte, bis er allein steht und spreche ihn dann an. ,, Ja, junger Mann, ich könnte Sie schon gebrauchen. Allein auf meinem Hof sind 54 Menschen beschäftigt. Jeder hat seine guten und schlechten Seiten. Wer garantiert uns, daß kein Verräter unter ihnen ist? Wir haben oft Besuch von der Gestapo. Gehen Sie erst mal in die Scheune, dort kommt mein Schwager mit einem Krug Bier und Brot. Nachher sprechen wir weiter." - Das Scheunentor schiebe ich halb zu und mache mich ans Essen. Die Augen schweifen über die vielen Strohballen. Soviel ist mir klar geworden, bleiben kann ich auch hier nicht. Einen halben Ruhetag möchte ich aber doch einschieben. Ich habe nicht nur nichts zu versäumen, sondern gewinne Zeit dabei. Warum soll ich den Patron erst um Übernachtung fragen und ihn in Gewissenskonflikte bringen? Wer viel fragt, erhält viel Antworten. Soll er am Abend denken, ich sei ohne Abschied weitergezogen. Dort oben in der Ecke stelle ich die Strohballen zu einer Höhle zusammen, drei Ballen als Decke aufgelegt und einen vor das Einstiegloch. Die Gedanken, noch nicht zu Ende gedacht, sind sie schon in die Tat umgesetzt. Bequem ist es hier und warm ,, Hallo! He, Fremder!" - zum Schläfrigwerden. auf den Bemerk wegschi will ich Ich muß tatsächlich geschlafen haben. Im geöffneten Scheunentor steht der Patron und ruft. Draußen liegt der Hof im Halbdämmerschein. Soll es wirklich schon 34 Da der schiebt Vor. Sol Wo wer bekannt drücken Alles F Fünfzig Es ist ei von jeh dorthin das We Die An Aufpass aus. We geben i spanner Die Pfe der Ein schon w Na ja, bringen Es tut braucht wohl ve Und di im Ver Leises einen B Chef in mich n meine Scheun ich noch sagen S hier ge zum A meldet für kurze Sie diese streiften". meune. Es f kommt, sprechen." stehe die e auf dem rüber hat er. Gehen essen bechon. Der ann an en. Allein Jeder hat tiert uns, oft Besuch e Scheune, Bier und e mich ans robballen. auch hier doch einmen, sonPatron erst skonflikte en. Soll er ergezogen. en zu einer gelegt und and sie schon gwerden. geöffneten aufen liegt klich schon - auf den Abend zugehen? Habe ich Stunden geschlafen? Bemerkbar mache ich mich nicht, denn sicher will er mich wegschicken. Morgen früh nehme ich Abschied. Heute will ich mich ausruhen. ,, Richtiggehend" ausruhen. Da der Patron keine Antwort auf sein Rufen erhält, schiebt er die Torflügel zusammen und hängt ein Schloß vor. Soll er, nun bin ich bis morgen früh ungestört. Wo werde ich mich hinwenden? Wenn mir nur die Front bekannt wäre. Wie leistet der Deutsche Widerstand, wo drücken die Alliierten zuerst vor, wann sind sie hier? Alles Fragen, die mein weiteres Handeln beeinflussen. Fünfzig bis sechzig Kilometer entfernt liegt Valenciennes. Es ist eine ausgesprochene Industriestadt. Eine Stadt, die von jeher eine klassenbewußte Arbeiterschaft hat. Bis dorthin will ich zielklar wandern, dann überlasse ich das Weitere dem Zufall. Die Anspannung von Geist und Körper, dieses ewige Aufpassen, immer auf dem Sprung sein, wirkt sich doch aus. Wenn für einige Stunden eine gewisse Sicherheit gegeben ist, reagiert der Körper, und alle Glieder entspannen sich. Die Pfeife ist ausgebrannt, die Asche sorgsam verwahrt, der Eingangsballen kommt wieder vor die Höhle, und schon wird weitergeschlafen. Na ja, da liegt der Tag wieder vor mir. Was wird er bringen? Es tut mir leid, daß ich hier nicht bleiben kann. Hunger brauchte ich nicht zu befürchten. Ich kann den Holländer wohl verstehen. Es hängt eben jeder an seinem Leben. Und die Gestapo mit ihren Agenten ist erbarmungslos im Verfolgen und Martern. Leises Stimmengemurmel ertönt im Hofe. Ich riskiere einen Blick durch das Scheunentor. Aha, da steht der Chef im Gespräch mit einem Arbeiter. Wie mache ich mich nun für ihn bemerkbar? Vorsichtig schiebe ich meine Hand durch den Türspalt, und als sein Blick zur Scheune schweift, winke ich leicht. Prima! Er sieht, daß ich noch da bin. Wenige Zeit später öffnet sich das Tor. ,, Ja, sagen Sie mal, Sie sind noch da? Gestern abend habe ich hier gestanden und in einem fort gerufen. Sie sollten zum Abendbrot ins Haus kommen. Da Sie sich nicht gemeldet haben, dachte ich, daß Sie weitergezogen seien." 35 ,, Essen sollte ich mit Ihnen? O ich Kamel! Gehört habe ich Sie gut, Patron, nahm aber an, Sie wollten mich weiterschicken. Können Sie verstehen, daß ich mal ruhig und sicher unter einem Dach schlafen wollte? Nicht immer fluchtbereit wie ein Hase in seinem Lager. Darum habe ich mich nicht gemeldet." ,, Schade, ich hätte mich gerne mit Ihnen ein wenig unterhalten." Nachträgliches Bedauern zeigt sich auf seinem Gesicht. ,, Jetzt am Tage habe ich sehr wenig Zeit. Sie sehen, dauernd liefern die umliegenden Bauern ihre Milch. Die Feldarbeit muß eingeteilt werden, überall muß ich dabei sein. Im übrigen kommt heute noch ein Kommando der Wehrmacht, um Produkte abzuholen. Ich kann nicht verantworten, daß Sie dann noch hier sind. Gleich schicke ich Ihnen das Mädchen mit dem Frühstück, später komme ich noch einmal." Er geht zum Hof und gibt seinen Leuten Arbeitsanweisung. In einer Tasche verpackt bringt ein junges Mädel mein Essen. ,, Bon jour, Monsieur. J'ai manger pour vous. Bon appetit." ,, Merci beaucoup, merci." Eifrig packt sie die Tasche leer. Ich staune nur, was da alles zum Vorschein kommt. Weißbrot, Butter, Speck, eine Flasche Bier und ein Zweiliterkrug, gefüllt bis an den Rand mit köstlicher, gekühlter Milch. Die Augen gehen mir über. Lang, lang ist es her, daß ich so gut gegessen habe. Neben mir sitzt die Kleine und sieht beim Essen zu. Bestimmt hat der Holländer über mich gesprochen. Ab und zu sprudelt sie ihre französischen Worte heraus, von denen ich nur einige verstehe. Schade, Mädchen, daß ich nicht bleiben darf. Ich würde im Umgang mit dir bald eure Sprache erlernen. ,, Exsusez moi, Mademoiselle, avez vous une gazette pour pour-?" - Herrje! Wie sage ich ihr bloß, daß ich das Brot für später einpacken will? Handbewegungen müssen helfen, und bald hat sie mich verstanden. Hellauf lacht sie. - - ,, O non, vous mangerez tous." Tous? Was heißt das nun wieder? Verständnislos gucke ich sie an. Immer noch lachend nimmt sie das Brot und schiebt es mir in den Mund. „ Das N geht z Wohlw schaut ziehen geben. Sie di in abs hunde brauch und Si Hier s nug. U Das M junger daran Mädd Orchi gelass entlan ich zu ich sch tes G mand sehen Imme zung. sam gen. glaub so ein wegg Zeit ist di - - de in de Nee, All d dann Wäld 36 ört habe ten mich mal ruhig e? Nicht r. Darum mig unterf seinem Sie sehen, Milch. Die ich dabei mando der nicht verch schicke er komme eitsanweiges Mädel m appetit." ur, was da ter, Speck, illt bis an Die Augen so gut gesieht beim mich genzösischen erstehe. Ich würde en. azette pour ot für spähelfen, und e. Was heißt an. Immer es mir in ,, Das Mädel hat schon recht, essen Sie nur alles auf. Sie geht zur Küche und macht etwas für den Weg fertig." Wohlwollend lächelnd steht der Chef unter der Tür und schaut uns zu. ,, Ja, wie wir schon gesprochen haben. Sie ziehen weiter, und da möchte ich Ihnen einen guten Rat geben. Halten Sie sich nicht zu weit nach Osten, wenn Sie die Amerikaner nicht verfehlen wollen. Sie werden in absehbarer Zeit wohl hier sein. Ich gebe Ihnen dreihundert Franc mit auf den Weg. Sie werden das Geld brauchen können. Ja, und wenn die Deutschen fort sind und Sie sind nicht zu weit von hier, kommen Sie zurück. Hier sind Sie jederzeit willkommen. Arbeit gibt es genug. Und nun, Glück auf den Weg!" Das Mädel schiebt mir ein Päckchen unter den Arm. Ihre jungen roten Lippen blühen mir entgegen. Wer könnte daran vorbeigehen? Einen Abschiedskuẞ und dann, ade, Mädchen! Orchies liegt hinter mir, St. Amand habe ich zur Seite gelassen. Mein Ziel ist Valenciennes. An Waldrändern entlang, auf Feldwegen verfolge ich meinen Weg. Wenn ich zurückdenke an die letzten Tage, ist es mir, als sei ich schon lange unterwegs. Bis jetzt habe ich unverschämtes Glück gehabt. Man wollte mich verhaften, an Kommandanturen bin ich vorbeigelaufen, SS habe ich gesehen, vor Feldgendarmerie konnte ich mich verstecken. Immer ist es gut gegangen. Überall fand ich Unterstützung. Überall Hilfsbereitschaft. Jetzt könnte ich langsam daran denken, die gestreiften Hosen ad acta zu legen. Sie werden mir mit jedem Tag lästiger und ich glaube nicht, daß ich sie noch brauchen werde. Nur darf so ein auffällig gestreiftes Kleidungsstück nicht einfach weggeworfen werden. Da ich in dieser Gegend meine Zeit abwarten will, wäre schnell eine Linie gezogen. Hier ist die Hose gefunden, dort ist an dem Tage ein Fremder der Sprache nach ein Ausländer durchgekommen, in dem Ort hält sich einer auf, der ortsfremd ist Nee, so geht das nicht. Man hätte mich bald am Kragen. All die Mühsalen, die ich jetzt hinter mir habe, würden dann vergebens gewesen sein. Vielleicht ist dieses Wäldchen mit seinem dichten Unterholz der geeignete - - - 37 Holz Platz, die Hose loszuwerden. Oder einer der vielen verlassenen umherstehenden Bunker. Zerschossen sind sie fast alle und wahrscheinlich stöbert keiner mehr in ihnen herum. Gut In einem Waldstück finde ich drei dieser Betonklötze. Böse mitgenommen sind sie. Mahnende Zeugen einer menschenmordenden Epoche. Einer von ihnen muß in letzter Zeit Quartiersucher beherbergt haben. Vier Lagerstätten finde ich vor. Schönes frischaufgeschüttetes Stroh. Sinnend stehe ich davor. Wer hat wohl hier geschlafen? Kriegsmüde Soldaten, Flüchtlinge wie ich einer bin? Egal, wer es war. Ich wünsche den Jungens den gleichen Erfolg, wie ich ihn selbst haben will. durchkommen und rechtzeitig in Deutschland sein. Jedenfalls wird hier die Lagerhose abgelegt. Ich schätze die Entfernung bis Valenciennes noch auf zwanzig Kilometer. Über mir ziehen zwei Flugzeuge ihre Kreise. Die Markierung ist nicht zu erkennen. Sind es Deutsche, die ihre Maschinen ausprobieren? Sind es Tommies, die für ihre Bombenlast ein Ziel suchen? Da! In jähem Sturzflug schießen sie in die Tiefe. Fast möchte man meinen, sie fallen grad auf die Stelle, wo man selbst steht. Automatisch liege ich in Deckung. Ich bin mir klar, daß ein einzelner Mensch nicht das Objekt ihres Angriffes ist, aber ich habe die Wirkung der Sprengstücke kennengelernt. Ich habe den Angriff auf Alderny erlebt, wo auch wir im Lager unser Teil abbekamen. Wir hatten in Duisburg durch Splitter drei Tote, und alle lagen sie hinter Stacheldraht in ihren Betten. - - Wumm, bumm bumm!- Hochauf spritzen die Dreckfontänen. Holz und Eisen wirbeln durch die Luft. Die abgeworfenen Eier haben den Punkt erwischt, der getroffen werden sollte. Hoch schrauben sich die Maschinen und verschwinden am Horizont. - - So Und ich stehe und blicke hinterher. Es sind blöde Gedanken, die sich mir aufdrängen, aber ich spinne den Faden weiter. Notlandung, Reparatur, Ansprechen, Einsteigen, und ich wäre in Sicherheit gewesen. blicke ich nur hinterher und schlage mich weiter mit der unbekannten Zukunft herum. Unterdes bin ich an der Trümmerstelle angelangt. Ein wirres Durcheinander von 58 die So sehbar schub Hasno schen an de hinter später Der K rauch Der Munt lein i Einm Langs Das i es w Tours Na si ältest ein F wie H Men Tour hier Ruck Anre „ Ja, allei siehs Mit vora Na bein Lag gega Tote wie mac lern zent elen versind sie mehr in tonklötze. gen einer muß in Vier Laschüttetes 1 hier gee ich einer ngens den 1.- Gut I sein. Jenoch auf ihre zeuge nen. Sind ? Sind es chen? Tiefe. Fast Stelle, wo kung. Ich las Objekt kung der ngriff auf r Teil ablitter drei in ihren die Drecke Luft. wischt, der die Maind blöde pinne den nsprechen, sen. So er mit der ch an der ander von Holz und Eisen ragt gen Himmel. Bizarre Formen haben die Schienenstränge angenommen. Hier werden in absehbarer Zeit kein Truppentransport und kein Nachschub passieren. Hasnon! Ein kleines Durchgangsdörfchen halbwegs zwischen St. Amand und Valenciennes. Es liegt unmittelbar an der Landstraße. Auch hier hat der Krieg seine Spuren hinterlassen. Die große Kanalbrücke ist gesprengt und später durch eine Holzbrücke notdürftig ersetzt worden.. Der Kirchturm ist nur eine Ruine. Hier und da ragen rauchgeschwärzte Mauerreste einstiger Häuser empor. Der Kanal. Breit und ruhig fließt sein Wasser dahin. Munter tummeln sich alt und jung, Männlein und Weiblein in den Wellen. Auch mich zieht es zur Badestelle. Einmal so richtig den Landstraßenstaub abspülen. Langsam schlendere ich den Uferweg entlang. Da!- Aber nein, Das ist doch!- Die Figur, das Gesicht! - - es wäre unmöglich. Schon allein die Entfernung von Tours bis hierher. Und doch möchte ich behaupten. Na sicher. Da kommt er daher, unser früherer Lagerältester Otto Brunke. Tadellos in Schale, an der Hand ein Fahrrad, ihm zur Seite eine junge Frau. Otto, Otto, wie hast du das bloß gemacht? ,, Mensch, Otto! Was machst du hier? Seit wann liegt Tours in Nordfrankreich? In Tours bist du getürmt, und hier tauchst du auf? Ruckartig fliegt sein Kopf bei meiner überraschenden Anrede herum. Erstaunen malt sich auf seinem Gesicht. Bist du ,, Ja, zum Donnerwetter, Willy, du hier? - - - allein? Wo kommst du her? Mensch, wie du aussiehst. Moment mal.-" Mit einigen erklärenden Worten läßt er seine Begleiterin vorangehen. Ich weide mich an seiner Ueberraschung. ,, Na ja, Otto, gleich dir sind auch andere getürmt. Du beim Angriff aus dem Waggon, ich in Belgien aus dem Lager. Du bist heil weggekommen, andere sind kaputtgegangen. Hinter Tours bei einer Massenflucht dreißig Tote und Verwundete in einer Nacht. Aber sag mir nur, wie kommst du bis hierher, und dann in dieser Aufmachung?" ,, Willy, ich habe hier ein Mädel kennengelernt. Ich habe ihr nicht gesagt, daß ich aus dem Konzentrationslager geflüchtet bin. Sie weiß, ich bin deut39 scher Fliegeroffizier. Deserteur. Falsche Papiere habe ich, und demnächst wollen wir heiraten. Sie besitzt ein Restaurant." Sprachlos schaue ich ihn eine Weile an. Soviel Frechheit will mir nicht in den Kopf. ,, Otto, mach, was du willst. Meiner Meinung nach bist du verrückt. Willst du als desertierter Offizier bestehen, wenn die Alliierten kommen? Bildest du dir ein, deine Papiere sind so echt, daß sie jeder Nachprüfung standhalten? Ich werde, wenn es soweit ist, frei und offen bekennen, daß ich aus dem Konzentrationslager geflüchtet bin. Ich kann aber auch ebenso frei erklären, warum ich eingesperrt war." دو Willy, ich habe jetzt nicht viel Zeit. Bleibe hier am Kanal, ich komme am Abend zurück. Wir unterhalten uns dann, und ich nehme dich mit zu einem Nachtquartier." ,, Kann ich mich darauf verlassen?" ,, Wenn ich sage, ich komme, dann halte ich auch mein Wort. Also bis nachher!" - Hurtig tritt er die Pedale, um seine Braut einzuholen. Otto, Otto. Auf welchem Wege bist du. Ich bin gar nicht überzeugt, daß er zum Kanal kommt. Aber man läßt doch einen Kumpel nicht im Stich. Auf alle Fälle werde ich warten. Das Warten reißt an den Nerven. Da liege ich nun am Ufer und versuche in jeder ankommenden Person Otto zu erkennen. Bei Kleinem wird es dämmrig, und ich werde immer enttäuschter. Maßlos enttäuscht. Ist es möglich, daß zwei Menschen jahrelang unter den gleichen Verhältnissen leben, jeder für sich, ergreifen sie die Flucht, treffen sich nach Monaten im fremden Land wieder, und nun ist der eine so ein Lump? Kameradschaft! Die Franzosen und Belgier, die nur das wuẞten, was ich ihnen erzählte, haben mir in jeder Situation geholfen.- Und er-? Er trug im Lager den grünen Winkel, und damit tröste ich mich etwas. menget Da das Problem der Übernachtung durch das vergebliche Warten doch wieder akut ist, muß ich mich so langsam auf die Socken machen. Weit werde ich nicht gehen. Morgen früh wird hier gebadet und gewaschen. Hier, der kleine Wald, wäre das richtige zum Schlafen. In rauhen Mengen liegt Waldheu umher. Dieses zusam40 Deckbe Der ers ich mich Wäsche mich n nung, d kommt jeden S Nun lie trockne zeugt, zentrat habe ic Bahnk Dumpf übersp sich me führt geseher nun ve ich alle erst als Unterd gehend den St Pardo Kilome No So bon! zieht hervor Also e sten. E keine Einer, Muske Weite Lächel der in Vous La bas habe ich, zt ein Rean. Soviel ch bist du bestehen, ein, deine standhaloffen begeflüchtet warum ich hier am mterhalten achtquarmich sage, Also bis zuholen. nicht gar man läßt alle werde nun am rson Otto , und ich t. Ist es n gleichen sie die Land wieKameraddas wuhder Situaen grünen vergebliche langsam hen. MorSchlafen. es zusammengetragen, ergibt eine gute Unterlage und auch ein Deckbett. Gegen die Mückenplage hilft Rauchen. Der erste Hahnenschrei dringt von Hasnon herüber, als ich mich von der Lagerstatt erhebe. Jetzt wird am Kanal Wäsche gemacht. Solange die Hemden trocknen, kann ich mich nochmal langlegen. Dabei habe ich die leise Hoffnung, daß der Otto im Laufe des Vormittags doch noch kommt. In so einer Lage klammert man sich eben an jeden Strohhalm. Nun liege ich hier und warte. Warte, daß die Wäsche trocknet, warte, ob vielleicht Dabei bin ich fest überzeugt, daß der ehemalige Leidensgefährte aus dem Konzentrationslager nicht erscheint. Barbarischen Hunger habe ich. Der Magen knurrt in allen Tonarten. Auf dem Bahnkörper nähert sich ein Mann mit einem Knaben. Dumpf hallen die Schritte auf der Brücke, die den Kanal überspannt. Er kommt die Stufen herab und nähert sich meinem Liegeplatz. Einen ansehnlichen Knotenstock führt er bei sich. Was sind seine Absichten, hat er mich gesehen, will er überhaupt etwas von mir? Soll ich mich nun verdrücken, oder abwarten? In meiner Lage sehe ich alles immer mit Mißtrauen. Jeder erscheint mir zuerst als Feind. Unterdes sind die beiden heran. Wohl werde ich eingehend gemustert, aber nicht belästigt. Nun packe ich den Stier bei den Hörnern. - ,, Pardon Monsieur, Direction Valenciennes? Combien Kilometre?" ,, Etes vous Deserteur, allemand Soldat?" ,, No Soldat, Prisonier de Conzentration. Je partie." ,, Ah bon! Vous Deserteur, Très bien!" Mit diesen Worten zieht er aus seiner Rocktasche eine weiße Armbinde hervor. Also ein französischer Streckenwärter in deutschen Diensten. Einer, der aufpaẞt, daß die französischen Patrioten keine Attentate auf deutsche Transporte unternehmen. Einer, der seinem eigenen Volk in den Rücken fällt. Alle Das Muskeln spannen sich. Ich setze zum Sprung an. Weite muß ich suchen, aber erst kommt er dran. Lächelnd sieht er mich an, steckt ruhig seine Binde wieder in die Tasche. - - ,, Vous camarad, bon camarad! Je Franzos camarad La bas cette maeson. Vous arret à moi." 41 Sein Arm weist quer über den Kanal. Soviel verstehe ich, daß in einigen hundert Metern Entfernung ein kleines Häuschen auf dem Felde steht. Ich soll dort warten, bis er seinen Dienstgang beendet hat. Lange und forschend schaue ich ihm in die Augen. Fest hält er meinem Blick stand. Es ist eigentlich kein Falsch an ihm. Soll ich vertrauen? - Langsam gehe ich in der gewiesenen Richtung. Von einem Häuschen ist nichts zu sehen. Sollte ich doch vom Wege abgekommen sein? Nun bin ich schon gleich am Wäldchen, in dem ich in der letzten Nacht kampierte. Atemlos kommt der Junge hinter mir hergelaufen. Aufgeregt gestikuliert er mit den Armen und ich weiß nicht, was er will. Kurz entschlossen packt er meine Hand und zerrt mich seitwärts über den Acker. Oh je! Das Lachen steigt mir in die Kehle. Das ist das ,, petite maison?" Eine winzige Hütte aus Schilf. Zwei schräge Wände, vorn und hinten mit Schilfbündeln zugedeckt, fertig ist die Notunterkunft. Und doch, als Versteck gar nicht übel. Kaum, daß sich die Behausung vom Boden und der übrigen Umgebung abhebt. Nun kann ich verstehen, daß ich in hundert Metern Entfernung vorbeigelaufen bin. - Noch stehe ich zweifelnd davor. Der Junge ist längst wieder verschwunden. Ich werde mich erstmal reinsetzen und der Dinge harren, die da kommen werden. Auf drei Seiten von innen das Schilf etwas auseinandergebogen, und ich habe nach allen Richtungen einen guten Überblick. Nach dem Stand der Sonne müßte es auf Mittag zugehen. Nichts hat sich in all den Stunden ereignet. Die ganze Zeit schon bin ich am Planen. Soweit ich aus Gesprächsfetzen klug wurde, hat Hasnon weder Wehrmacht noch O. T. oder Arbeitsdienst. Diese Hütte liegt außerdem einige hundert Meter vom Ort entfernt auf freiem Felde. Ist nun der Besitzer dieser Streckenwärter im deutschen Dienst ehrlich, dann wäre hier der ideale Fleck, wo ich die Alliierten erwarten könnte. Wenn die erst hier sind, dann bin ich frei. Endgültig frei! Nicht mehr gehetzt und gejagt! - - Mir scheint, über den Bahndamm hinweg, aus der Richtung des Dorfes kommt mein Franzose. Was wird er mir 42 zu sagen ins Unge Da steh ganze G verschen plettes N gar ein sieht de Mordsh ihm anb Hätte ic lernt. W jeder in in der V Dabei ich, daf Zeit ge So verl Morival Essen f trauen Angene Heu ha Für ein sieht es sein. Ti mel. He sam la schätze Uhr. G höre ic He, M Wer ka dem G mich v den ich Es ist Frau, Raum ander fühle geborg erstehe ich, ein kleines arten, bis er forschend einem Blick oll ich vertung. Von doch vom gleich am mpierte. aufen. Aufweiß nicht, Hand und hle. 1 Das aus Schilf. SchilfbünUnd doch, die Behauung abhebt. Metern Ente ist längst al reinsetzen en. useinandereinen guten ag zugehen. Die ganze Gesprächsmacht noch t außerdem reiem Felde. cer im deutideale Fleck, die erst hier ht mehr geus der Richwird er mir - - zu sagen haben? Kann ich bleiben, oder muß ich weiter ins Ungewisse? Und ich bliebe doch so gerne. Da steht er am Eingang der Hütte und strahlt über das ganze Gesicht. Strahlt, als hätte er eine ganze Welt zu verschenken. Dann packt er aus. Da erscheint ein komplettes Mittagessen mit Bier, Kartoffeln, Suppe, Brot. Sogar ein kleines Stück Fleisch ist nicht vergessen. Dabei sieht der gute Kerl selbst sehr ärmlich aus. Mit einem Mordshunger falle ich über das Essen her. Geld, das ich ihm anbiete, wird stolz abgelehnt. Hätte ich doch früher nur die französische Sprache erlernt. Wir sitzen uns beide gegenüber, kauderwelschen jeder in seiner Art, nicken mit den Köpfen, als gäbe es in der Verständigung überhaupt keine Schwierigkeiten. Dabei versteht einer den andern nicht. Soviel begreife ich, daß er mich nicht fortschickt. Und damit habe ich Zeit gewonnen. - - So verliege ich nun den langen Nachmittag. Monsieur Morival so nannte sich mein Gönner ist nach dem Essen fortgegangen. Ich komme in Versuchung, ihm Vertrauen entgegenzubringen. Angenehm warm ist es in dem kleinen Quartier. Aus Heu habe ich eine feine Lagerstelle zusammengescharrt. Für einige Zeit könnte ich es hier aushalten. Außerdem sieht es aus, als möchte die Schönwetterperiode beendet sein. Tief hängen graue, schwere Regenwolken am Himmel. Heute wird mich wohl niemand mehr stören. Langsam lagert sich die Dämmerung über das Land. Ich schätze die Zeit zwischen zwanzig und einundzwanzig Uhr. Grad will ich mein Nachtlager zurechtmachen, da höre ich draußen eine Stimme. ,, He, Monsieur!" Wer kann das sein? Wer weiß von meinem Hiersein außer dem Gönner Morival? Ein Griff zur Rechten überzeugt mich von dem Vorhandensein des handfesten Knüppels, den ich für alle Fälle zurechtgelegt habe. Es ist tasächlich Morival. Er kommt in Begleitung seiner Frau, und bringt mir ein Abendbrot. Raum ist in der kleinsten Hütte. Wir sitzen eng beieinander unter dem Schilf und suchen Verständigung. Ich fühle mich nach Tagen zum erstenmal wieder sicher und geborgen. Mein ganzes Mißtrauen ist wie weggeblasen. 43 Wie im Fluge vergeht die Zeit. Spät ist es, als sich die beiden verabschieden und ich mich langmache. - - Klick, klick, klick.- Aus tiefstem Schlaf schrecke ich auf. Da, wieder klick. Wassertropfen stören meine Ruhe. Draußen rauscht eintönig der Regen nieder. Ich stelle fest, daß Schilf nicht absolut wasserdicht ist. Das Heu unter mir ist noch trocken, dafür bin ich selbst dem Segen von oben ausgesetzt. Liegenbleiben ist nicht gut möglich. Also erwarte ich den Morgen zusammengehockt auf einem Hackeklotz. Alle paar Minuten rücke ich mit der Sitzgelegenheit weiter. Überall bahnt sich der Regen seinen Weg durch das Dach. Morgen werden wir Dachdecker spielen müssen, soll es mir nicht öfter so ergehen. Langsam beginnt es zu tagen. Fröstelnd krieche ich aus der Hütte. Einige gymnastische Übungen bringen das Blut wieder in Wallung. Mir scheint, die Sonne drängt sich heute noch durch die Wolken. Sonntag ist es. Vor acht Tagen habe ich den entscheidenden Sprung gewagt. Was fange ich nun mit diesem Sonntag an? Halt, ich habs! Mein Quartier wirt hat drei kleine Kinderchen. Ob ich nun hier liege und die Zeit verdöse, oder in den Wald gehe und Brombeeren pflücke. Als ich zur Mittagszeit zurückkomme, warten Monsieur Morival und Frau schon mit dem Essen. ,, Pour petits enfants." Mit diesen Worten reiche ich ihr die Früchte hin. Alles Abwehren hilft ihr nichts, sie muß die Beeren nehmen. Ich bekomme ein zünftiges Sonntagsessen. Am Nachmittag gehen wir gemeinsam an die Arbeit; mähen den Hafer und stellen ihn in Hokken. Unter viel Gestikulieren und Lachen vergeht der Tag. ,, Monsieur Morival, voila petit Quartier pa bon. Nuit beaucoup Wasser."-?? Herrje, nun wissen die beiden wieder nicht, was Wasser ist. Endlich geht ihm ein Licht auf, daß ich in der Nacht eine nasse Kur durchgemacht habe. Bereitwillig verspricht er, morgen neu zu decken. ,, Demain, demain matin. Camerad, vous voulez partie avec moi dans moi maeson." ,, Was, ich soll mit euch ins Dorf gehen? Bei euch im Hause soll ich essen?" Zweifel regen sich. Ist das eine Falle? Treuherzig sieht er mich an. 44 - Nein! I einem( ,, Bon, S Und da Jahre sitzen Gegens sich zw am Und d richtig Monsi Ich stü haben, lich et Osten Enttäu frage i Angla Tröste Aprés Aprés das Ne Endlic Appar Alles Stimm ich zu Moriv Sprac gen h ,, Les Liebe Wuns wenn Nach Notu ist sc Regen dem ersch es Ta s sich die Chrecke ich ren meine ieder. Ich mt ist. Das selbst dem nicht gut engehockt ke ich mit der Regen wir Dacho ergehen. he ich aus ringen das ne drängt st es. Vor ng gewagt. Halt, ich erchen. Ob den Wald Monsieur he ich ihr nichts, sie zünftiges gemeinsam an in Hokergeht der bon. Nuit die beiden nein Licht chgemacht zu decken. oulez parIl mit euch en?" Zweig sieht er Nein! In euch ist kein Falsch, ihr meint es ehrlich mit einem Gejagten. ,, Bon, Soir, Après, je Meason, merci." Und dann sitze ich bei Morivals zu Hause. Mehr als vier Jahre sind vergangen, daß ich im Kreise einer Familie sitzen konnte. Jedes Bild an der Wand freut mich, jeden Gegenstand streichele ich mit den Augen. Scheu drücken sich zwei Mädchen an die Mutter, während die Kleinste am Finger lutschend schon an meinem Knie lehnt. Und dort, versteckt in der Ecke, ja, sehen meine Augen richtig? - ,, Monsieur! George, Camerad! Vous avez Radio?" - - Ich stürze hin, und drehe an den Knöpfen. Jetzt Glück Endhaben, jetzt den Soldatensender West hören. lich etwas über den Front verlauf im Westen und im Nichts! Osten erfahren. Nur Französisch höre ich. Enttäuscht drehe ich mich um. Auf den Kasten zeigend, frage ich niedergeschlagen: No parle Allemand? No parle Anglaise?" - Tröstend legt mir George seine Hand auf die Schulter. ,, Aprés." Aprés heißt: später. Da hätte ich Aussicht, noch heute das Neueste zu hören. - Endlich ist es so weit. Leise ertönt die Stimme aus dem Apparat: Hier spricht der Soldatensender West." Alles um mich herum ist vergessen. Ich höre nur noch die Stimme aus dem Aether, und mit dem, was sie sagt, bin ich zufrieden. Morivals Frau, die täglich diesen Sender in französischer Sprache hört, behauptet, der Ami wäre in vierzehn Tagen hier. ,, Les american ils- sont ici dans kartorce jours." Liebe, gute Jenny, ich glaube eher, bei dir ist der Wunsch der Vater des Gedankens. Mir ist es auch lieber, wenn die Alliierten schon morgen hier sind. Nachts ein Uhr mache ich mich auf den Weg, zurück zur Notunterkunft. Das Lagerheu, am Tage grad getrocknet, ist schon wieder naẞ. Gleichmäßig, eintönig strömt der Regen herunter. Doch diesmal spüre ich es kaum. Seitdem ich den Sender gehört habe, kann mich nichts mehr erschüttern. Außerdem ist die halbe Nacht um, und wenn es Tag ist, wird die Hütte wetterfest gemacht. 45 Hinter d So gehen die Tage dahin. Von einem Fortgehen ist keine Rede mehr. Ich fühle mich geborgen, und stündlich schließen sich die Kinder enger an mich. Auf den Feldstücken Morivals ist genügend Arbeit. Er selbst ist häufig krank, hat es an der Lunge-. Und seine Frau Jenny ist jung. Fünfundzwanzig Jahre alt, fünfzehn Jahre jünger als er. Und sie ist gesund. Und auch ich bin gesund und jung. Wir haben beide noch kein Wort gesprochen, welches über den Rahmen einer Kameradschaft hinausginge. Beide spüren wir, daß wir uns in eine Gefahr begeben. - - Ich soll umsiedeln. Soll aus meinem kleinen Quartier hinüber ins Haus. Etwas in mir sträubt sich dagegen. Kaum werde ich dort so unbeobachtet hausen, wie hier auf dem Felde. Andererseits tue ich George einen Gefallen. Vieles kann ich ihm im Hause helfen und abnehmen. Er ist krank und unbequem ist es, täglich das Essen zur Hütte zu tragen. " , Willy Soir vous Meason." ,, Oui, ich komme." - Nur zu gern folge ich der Einladung, allein schon wegen des Radioapparates. Einen Vorteil hat es, als Fremder unter Fremden leben zu müssen. Ob ich will oder nicht. Ich muß in die französische Sprache eindringen. Ich muß versuchen, mir Vokabeln, Worte und Sätze zu merken, um mich verständigen zu können. Gleichzeitig lernen Morivals und besonders die Kinder von mir Deutsch. Manche Mißverständnisse tauchen auf. Viele Male klingt herzhaftes Lachen durch den Raum. So, als ich zum ersten Male das Wort„, Cabinet" höre. Immer habe ich gedacht, ein Cabinet sei eine Stube, eine Schlafkammer. Hier muß ich lernen, daß es der Abort ist. Nachdem wir uns verstanden haben, will das Gelächter kein Ende nehmen. In einem bewundere ich meine Gastgeber. Sie schlagen sich eben so durch das Leben. Ärmlich genug geht es bei ihnen zu. Zum Hausstand gehören außer den Eltern drei Kinder und eine alte Mutter. Das Häuschen bedarf einer gründlichen Instandsetzung. Überall sieht man angebaute Ecken. Hier ein Ställchen, dort ein kleiner Schuppen. Ein richtiges Mosaik. Und trotz der offensichtlichen Not wird peinlich darauf geachtet, daß ich mich bei ihnen wohl fühle. 46 Eine kle mehr, da Wieder machen schlagen „ Willy, Nun ist Nicht nu endgülti den. Nach la Georges Bahnwa was gei Tauben die Hüt ,, Bon G ich ihr Das mu einem r Heute Mit Kö Feld. M Immer sprunge „ O Wil nèst pa Maboul spreche wiesene komme stieren Augen zige, z ist er. Der Fa unterh Hé, b arbeite für bl Warnu st keine tündlich :n Feld- ist häu- u Jenny n Jahre ı bin ge- Nort ge- adschaft in eine Quartier dagegen. wie hier inen Ge- und ab- zlich das nA wegen Fremder ler nicht. Ich muß merken, a jernen yon mir f, Viele So, als Immer s Schlaf- bori ist. seJächtef ] 1. schlagen ht 5 bei jern dre! jrf einer WEEETFETZERBETINTT \ Hinter dem Haus steht im Garten noch ein Taubenschlag. Eine kleine Leiter führt nach oben. Tauben gibt es nicht mehr, dafür steht dort ein Bett aufgeschlagen. Wieder ist es Mitternacht, als ich mich auf den Weg machen will! George und Jenny gucken sich an und rat- schlagen. „Willy, vous couchez ici. Nix gehen petit Quartier.”— Nun ist die Frage gefallen, die längst zu erwarten war. Nicht nur, daß ich versteckt gehalten werde, jetzt soll ich endgültig in die Hausgemeinschaft aufgenommen wer- den. Nach langen Erklärungen schält sich folgendes heraus. Georges macht mit einem Kollegen in Wechselschicht den Bahnwachdienst. Dieser andere Wächter, ein älterer, et- was geistig beschränkter Mann, schläft in dem Bett im Taubenschlag. Ich soll nun ins Haus, und in den Nächten die Hütte aufsuchen, in denen der Alte Tagdienst hat. „Bon Georges, je couche ici.“ Jenny wendet sich ab, daß ich ihr Gesicht nicht sehen kann. Das muß ich schon sagen, angenehmer schläft es sich in einem richtigen Bett. Heute wollen wir nun Morivals Kartoffeln ausmachen. Mit Körben und Hacken bewaffnet, ziehen wir aufs Feld. Munter tummeln sich die Kinder mit ihrem Spitz. Immer wieder kommt eines mit einer Frage zu mir ge- sprungen. Georges richtet sich auf und reckt den Rücken. „O Willy, la bas maboule! Nix sprechen! Cette homme nest pasbien.“ Maboule, homme?— Unbekannt, kenne ich, nicht. Nix sprechen, das habe ich begriffen. Ich schaue in der ge- wiesenen Richtung und sehe einen Arbeiter auf uns zu- kommen. Vielleicht ist es ein Nachbar.— Für mich exi- stieren nur meine Hacke und die Kartoffeln. Aus den Augenwinkeln beobachte ich den Unbekannten. Schmut- zige, zerrissene Kleidung, Bartstoppeln im Gesicht, das ist er.— Ob ich vor einigen Tagen auch noch so aussah? Der Familie Morival muß er aber bekannt sein, denn sie unterhalten sich miteinander, als sähen sie sich täglich. „He, bon Jour Monsieur!“ Jetzt meint er mich.— Ich arbeite.— Meinethalben mag er mich für taub oder gar für blöd halten. Eine Antwort bekommt er nicht. Die Warnung„nix sprechen“ klingt mir noch in den Ohren. 47 Georges wird schon wissen, warum er es gesagt hat. ,, Bon Jour, Monsieur!" Mit seiner Stockspitze stößt mich der Fremde an. Ich fahre hoch. ,, Hé?" Die Hand am Ohr haltend, markiere ich den Tauben. Er kann reden, fragen, schreien.„ Hé?" Ich höre nichts. Achselzuckend wendet er sich ab und verläßt das Feld. Georges hat ihm gesagt, ich sei ein Verwandter aus Rossult, für einige Tage hier, und oben nicht ganz richtig. Gerade kein Lob für mich, aber vielleicht der rechte Ausweg bei lästigen Fragestellern. ,, Georges, wer dieser Mann?"„, Camarad Maboule. Camarad travail, vous dormirez dans votre lit." Herrje, das ist der andere, mit dem ich das Bett teile. Nun bin ich umgezogen. Es kommt vor, daß zu später Nachtstunde oder zeitig am Morgen einer der Familie zum Taubenschlag gelaufen kommt. دو , Willy, allez! Maboule ici!" Dann geht es holterdipolter raus aus dem Bett, rein in die Hosen, die Leiter hinab und ins Haus. Wohl weiß der Mann, daß ich ein Verwandter bin, daß ich in seinem Bett schlafe, ist ihm aber unbekannt. Im Hause zu übernachten, ist mir zu gefährlich. Tagsüber bin ich jetzt allerdings ständig in der Wohnung. Der Radioapparat übt eine magische Anziehungskraft auf mich aus. Seitdem die Meldung kam - Paris befreit-, habe ich keine Ruhe mehr. Am liebsten nähme ich die Straße unter die Füße. Morivals raten ab. Hier soll ich warten, bis die Alliierten kommen. Was ist nun das Richtige? Zwischen dem Gefühl des Geborgenseins und dem Verlangen weiterzuziehen, werde ich selbst hin- und hergeworfen. dieses T kommen Leute g Vorerst habe ich mich hinten im Schuppen mit etwas Werkzeug eingerichtet und bastle für die Kinder Spielzeug. Wehe, wenn ich mich mit einem von ihnen zuviel abgebe. Die Kleinen spüren es sofort und sind schnell eifersüchtig. Und Jenny? Sehr oft steht sie neben mir. und schaut meiner Arbeit zu. Kommt sie nur der Arbeit wegen? Ich fürchte, und möchte doch dem Kameraden Georges gegenüber ehrlich bleiben. Ich bin ihm doch zu Dank verpflichtet. - - die Begr In diese schend. ternehm hören si Bis jetzt ist zwischen uns dreien die Politik nie erörtert worden. Seitdem ich ein Wörterbuch besitze und dadurch die Verständigung besser ist, streifen wir ab und zu auch 48 sen bew beiten immer um sein sie sich geber e von ihn gehen, mache, Glaube lebt und Obgleic men, w als einn ende un Hier, u technisc Früher als best etwas dingt d dringen schen. lons u Grenze unerhö all Au gebiet freiung hin ve sische kleinen mir, da deutsch hat. ,, Bon mich der am Ohr den, fraend wenaus Rosz richtig. er rechte oule. Cateile. zu später r Familie olterdipoliter hinab ein Verihm aber zu gefährlig in der rische Andung kam Am liebivals raten men. Was des Geborwerde ich mit etwas ander Spielnen zuviel nd schnell neben mir. der Arbeit Kameraden m doch zu ie erörtert and dadurch and zu auch dieses Thema. Schwer ist es, hierbei auf einen Nenner zu kommen. Gefühlsmäßig ist das Denken dieser einfachen Leute gut ausgerichtet. Nur in einem verwischen sich die Begriffe. In diesem Landstrich ist der katholische Glaube vorherrschend. Ob Großbauer oder kleiner Landarbeiter, ob Unternehmer, Handwerker oder Betriebsarbeiter, alle gehören sie zur selben Konfession. Morivals sind sich dessen bewußt, daß sie, um leben zu können, für Lohn arbeiten müssen. Sie wissen auch, daß der Arbeitgeber immer versuchen wird, ihre Arbeitskraft auszubeuten, um seinen Profit zu vergrößern. Nur zu einem können sie sich nicht durchringen. Sie meinen, wenn der Arbeitgeber ein Katholik ist, dann ist er gut. Auch wenn sie von ihm ausgenützt werden. Es will ihnen nicht eingehen, daß ich keinen Unterschied der Konfessionen mache, sondern nur den der Klassen. Egal, welcher Glaube vorhanden ist, wer von der Arbeitskraft anderer lebt und profitiert, gehört zu den Ausbeutern. Obgleich wir in diesen Fragen zu keiner Einigung kommen, wird unser gutes Verhältnis nicht getrübt. Mehr als einmal betonen beide Morivals, daß ich nach Kriegsende unbedingt nach Frankreich zurückkommen soll. Hier, unter diesen Verhältnissen weiß ich so recht die technische Errungenschaft des Radios einzuschätzen. Früher wurde sie nie so richtig gewertet, sondern eben als bestehende Tatsache hingenommen. Hier bin ich, um etwas von den Kriegsschauplätzen zu erfahren, unbedingt darauf angewiesen. Täglich verfolge ich das Vordringen der Alliierten und das Zurückgehen der Deutschen. Im Westen sind die Anglo- Amerikaner bei Chalons und Laon. Sie stehen kurz vor der belgischen Grenze. Im Osten überstürzen sich die Ereignisse im unerhörten Tempo. Ungarn, Bulgarien, Slowakei überall Aufstände. In Rumänien haben die Russen das Ölgebiet besetzt. Unter diesen Umständen wird meine Befreiungsstunde bald endgültig geschlagen haben. Bis dahin vertiefe ich mich immer intensiver in die französische Sprache. Ab und zu riskiere ich auch abends einen kleinen Spaziergang. Bei der Gelegenheit passiert es mir, daß mich einer für einen Engländer hält, der aus deutscher Kriegsgefangenschaft geflüchtet ist. Meine Ver- 49 neinung nimmt er mit einem verschmitzten Lächeln entgegen. Nacht ist es. Tiefe schwarze Nacht. Unruhig wälze ich mich im Taubenschlag auf meinem Lager. Irgend etwas tut sich. Auf der Straße, die in etwa hundert Meter Ent- fernung vorbeiführt, entwickelt sich ein Verkehr, der für die Nachtstunden unerklärlich ist. Unsere Haustür öffnet sich, und dann rüttelt einer an meiner Leiter. „He, Willy! Camerad!“ Unterdrückt klingt Georges Stimme, als möchte er von keinen Unberufenen gehört werden. „Was ist, Georges?“ Soldat allemand retour. Beaucoup de Soldat. Direction Belgique.“ So sehr er die Stimme auch dämpft, es ist zu merken, wie der Jubel darüber in ihm ist.„Morgen am£ricains ici.“ Und ich, bei mir ist es mit der Nachtruhe vorbei. Schnell bin ich angezogen, und die Leiter hinunter. Im dunklen Garten stehe ich dicht an der Straße und beobachte den Rückzug der Deutschen. Da ziehen sie dahin, die Panzer, die Trainwagen, die Geschütze jeden Kalibers. Da schleichen viele Landser zu Fuß hinterher. Nicht jeder fand Platz auf den Fahrzeu- gen. Müde ist ihr Schritt und schwerfällig ihre Haltung. Stunde um Stunde, die Nacht geht vorüber, ehe die Straße leer wird. Und in den Morgenstunden beginnt ein anderes Treiben auf den Wegen. Geschäftig eilen Männer und Burschen hin und her. Pakete und Päckchen werden sorgfältig unter den Jacken verborgen. Was ist nun los? Sind die Deutschen endgültig fort, und die Amerikaner im Anmarsch? Kommen noch Nachzüg- ler, und, wo ist die SS? Nervös gehe ich in meine Werkstatt und versuche zu ba- steln. Die Gedanken sind durchaus nicht bei der Arbeit. Als ich aufblicke, steht Jenny neben mir. „Willy, dans notre chambre les patriotes vous cherchet.— Vous— iei—! Erregt zeigt sie in die Ecke, wo Stroh gestapelt ist. Ent- geistert schaue ich sie an. Die Deutschen sind fort, vor der Gestapo habe ich nichts mehr zu fürchten, und da 50 ich twas Ent- r für ffnet rges hört ‚coup imme rüber hnell nklen den ,, die ser ZU ‚rzeu- tung: e die eiben ‚schen fältıg E und hzüg” zu ba rbeit- soll ich mich’ verstecken? Soll ins Stroh kriechen, weil französische Patrioten im Hause sind und mich suchen? „Non, Jenny! Ich mich freuen, je partie pour Patrioten. Mit diesen Worten will ich an ihr vorbei ins Haus. Zu spät. Weit wird die Tür aufgerissen. Mit Handgrana- ten und Maschinenpistolen bewaffnet erscheinen drei Franzosen. Drohend rücken sie mir auf den Leib und fordern mich auf, die Hände hochzunehmen. Bereitwil- lig komme ich ihrem Wunsch nach. Lächelnd, nein lachend stehe ich vor ihnen. Was kann mir passieren? Ich bin frei. Nun kann kommen was da will, schrecken kann mich nichts mehr. Ich bin doch bei den Franzosen und nicht bei der Gestapo. Mein Lacheln macht Eindruck. Die Waffen senken sich, ich darf die Hände herunter- nehmen und werde zum Mitgehen aufgefordert. Schluchzend bleibt Jenny zurück. Scheu drücken sich die Kinder in eine Ecke. Georges ist nicht zu sehen. Auf der Straße stehen Nachbarn und rufen mir Schmähworte nach. Was macht mir das schon aus. Stolz und aufrecht trage ich den Kopf. „Sind Sie ein Deutscher?“ Ein karabinerbewaffneter Franzose gesellt sich zu uns und fragt mich aus. „Ja, ich bin Deutscher. Seit fünf Wochen hält mich Mo- rival versteckt, und ich bin ihm dankbar dafür.“ „Wenn Sie aus einem Koenzentrationslager geflüchtet sind, ist alles in Ordnung. Morival hat den Fehler ge- macht, daß er Sie uns nicht gemeldet hat. Unterdes sind wir beim Bürgermeisteramt angekommen. Ein eifriges Kommen und Gehen herrscht hier. Wie ein aufgeregter Bienenschwarm wimmeln die Menschen durcheinander. Ich werde ins hinterste Zimmer geführt, und ein Patriot mit einem vorsintflutlichen Gewehr be- zieht an der Tür Posten. Ab und zu gibt er den Eingang frei und läßt Neuverhaftete passieren. Kriegsverdiener, Kollaboratisten, Leute, denen man nachsagt, mit Deut- schen zusammengearbeitet zu haben. Auch die ersten beiden Frauen mit frischabschnittenen Haaren werden eingeliefert; Verhältnisse zu deutschen Offizieren. Für mich besteht das Verbot, mich mit diesen allen zu unter- halten. i Ein schwaches Dröhnen ist von der Straße zu hören. Der Offizier der Patrioten steht in der Haustür, die Ma- b}1 schinenpistole schußfertig im Arm. Die Straße, eben noch belebt, ist menschenleer und ausgestorben. Zwei Panzer nähern sich.- Deutsche sind es, die letzten Nachzügler, die den Rückzug decken. Unser Offizier ist verwegen genug, im Eingang stehenzubleiben. Sinnloses Beginnen, aber er kann sich nicht beherrschen. Die Maschinenpistole hoch und auf den offenen Panzerturm Feuer gegeben. Die Antwort bleibt nicht aus. Mit Maschinengewehrfeuer wird das Bürgermeisteramt zugedeckt. Im Nu sind wir alle aus dem Amt heraus. Durch den Hinterausgang über den Hof, wie die Katzen die Friedhofsmauer genommen, den Friedhof selbst überquert und auf der anderen Seite wieder über die Mauer. So sind wir vorerst in Sicherheit. Pech hat der Chef der Partisanen. Mit verrenktem Fuß bleibt er jenseits der zweiten Mauer im Efeu liegen. Schnell ist er hinter ein Haus außer Sicht gebracht, und nun harren wir der Dinge, die da kommen werden. Auch ich habe jetzt einige Handgranaten neben mir. Lange brauchen wir nicht zu warten. Nach kurzer Zeit schieben sich über den Mauerrand stahlhelmbewehrte Köpfe. Nicht unser warmer Empfang ist es, der sie zurücktreibt. Seit dem frühen Morgen schon steht auf der Kirchturmplattform ein Franzose und hält Ausschau nach den ersten Amerikanern. Jetzt, wo wir Hilfe nötig haben, erschallt der ersehnte Ruf. ,, Les américains! Les américains!" Nicht nur wir haben den Ruf verstanden. Im Handumdrehen ist die Mauerkrone leer, und gleich darauf brummen die deutschen Panzer ab. ,, American, American!" Wild wird auf dem Kirchturm eine rote Fahne geschwungen. Aus allen Winkeln strömen die Menschen herbei. Männer, Frauen, Kinder, Blumen in den Händen, eilen sie die Straße hinunter, den Befreiern entgegen. Um mich kümmert sich niemand mehr. Mit meinem Wächter gemeinsam gehe ich durch die Mairie auf die vordere Terrasse. Und dann kommen sie, die stählernen Kolosse. Langsam bahnen sie sich ihren Weg durch die Menschen. Blumen52 sträu Willk ten. I weich Hinte Infan Platz lich bei d Ist es es di mich auch lange Hand Ja, hand tung Brau das I SS- L führ sie I die sich, In u bei. Prov ande Freu Mate habe such sollt Ihr zwis nen, des für So kan nich m- rm trö- lu- den em die gen” sträuße, Kuchen, Obst, Bier, alles wurde zum ersten Willkommen zusammengetragen. Die Panzer müssen hal- ten. Die Bevölkerung sperrt den Weg und wankt und weicht nicht. Jeder will einen Händedruck anbringen. Im Hintergrund nähern sich die Lastkraftwagen mit der Infanterie. Französische Zivilisten haben auf den Wagen Platz genommen. Patrioten, die jetzt so schnell wie mög- lich an ihren Heimatort gelangen wollen, aus dem sie bei dem deutschen Einfall geflüchtet waren. Ist es die Reaktion der durchgemachten Strapazen, sind es die Nerven? Ich gehe still in eine Ecke und schäme mich nicht einmal der Tränen.— Die ersten Amerikaner, auch meine Befreier. Ein Augenblick, auf den ich lange, lange gewartet habe.— Behutsam legt der Wächter die Hand auf meine Schulter.„Nun Sie frei, nun alles gut.“ Ja, nun ist alles gut. Es kann sich nur noch um Tage handeln, und ich werde mit dem Ami zusammen in Rich- tung Deutschland rollen. Brausender Jubel tönt von der Straße. Zwei Panzer, die das Dorf passiert hatten, kehren zurück, zwei gefangene SS-Leute von der deutschen Nachzüglerdeckung mit sich führend. Mit hinter dem Kopf gekreuzten Händen sitzen sie neben einem Einstiegloch. Wohl schreit und johlt die französische Bevölkerung, aber keine Hand rührt sich, kein Stein wird zum Wurf aufgenommen. In ununterbrochener Folge ziehen die Truppen jetzt vor- bei. Panzer, Lastkraftwagen, Jeeps, technische Truppen, Proviantwagen, Benzintransporter. Eine Gattung löst die andere ab. Endlos ist der Zug. Immer wieder ertönen die Freudenschreie der Franzosen. Material führen die Amerikaner mit sich, eine Ausrüstung haben sie! Deutsche Soldaten, welche heute noch ver- suchen Fronten zu verteidigen, die nicht vorhanden sind, sollten das Bild sehen, das jetzt an mir vorüberzieht. Ihr müßtet euch durch Augenschein von dem Unterschied zwischen eurer und dieser Ausrüstung überzeugen kön- nen, um zu der Einsicht zu kommen, daß das Verlangen des„Führers“ und seiner Clique— ihr sollt kämpfen— für euch Selbstmord bedeutet. So frei ich mich im Bürgermeisteramt auch bewegen kann, was nun eigentlich mit mir werden soll, weiß ich nicht. Am späten Nachmittag kommt Jenny mit den bei- 53 EITHER” 2 RR den Kleinsten die Straße entlang. In der Annahme, daß ich eventuell abtransportiert werde, bitte ich den neben mir stehenden Wächter, die drei begrüßen zu dürfen. Dann trete ich zu ihnen. ,, Nun, Jenny?" Weinend erzählt sie mir, daß Georges seit Stunden nicht zu Hause ist. Der Offizier, der hier die Leitung übernommen hat, humpelt eben vorbei. Jenny überfällt ihn mit einem aufgeregten Wortschwall. Ich verstehe gar nichts, was sie ihm sagt. Nur Brocken bleiben bei mir haften. - - ,, Allemand Georges Willy Patriot Konzentration" Eilends kommt der Wächter, der leidlich deutsch spricht, die Stufen herab. Als Dolmetscher übersetzt er mir die Bedingungen und Wünsche des Chefs. ,, Wir können heute nicht prüfen, ob Ihre Angaben auf Wahrheit beruhen. Sie haben aber am Vormittag gezeigt, daß Sie keinen Verrat üben. Geben Sie Ihr Ehrenwort, daß Sie sich nicht aus Morivals Haus entfernen, so können Sie jetzt mit der Frau mitgehen." ,, Sagen Sie bitte dem Offizier, ich danke ihm für sein Vertrauen und werde morgen früh wieder hier sein." ,, Das ist gut, kommen Sie wieder her. Noch eins, die ganze Familie Morival wird als Geisel erschossen, wenn Sie flüchten." ,, Ich denke nicht daran, mich heimlich zu entfernen." Ein fester Händedruck, und, die beiden Kinder zur Seite, gehe ich mit Jenny. Wie anders schauen mich jetzt die Menschen an. Ich spüre, ich bin einer der ihren geworden. Nach längerem Suchen finden wir endlich auch Georges. Die in der ersten Erregung aufflammende Unbehrrschtheit der Franzosen kennend, hatte er sich erst mal versteckt, bis ich klären konnte, daß ich kein deutscher Soldat, sondern ein Konzentrationär bin. - Drei Tage geht es nun. Morgens zur Bürgermeisterei, abends zurück zum Hause. Ein Franzose geht mit mir ein Glas Bier trinken, der andere läßt mich erneut verhaften. Eine einheitliche Führung gibt es doch nicht. Noch nicht. Auf die Dauer ist dieser Zustand nicht erträglich. Mit meinem täglichen Wächter, der übrigens ein Verwandter Morivals ist, einige ich mich, nicht mehr aus dem Haus zu gehen. Dafür schreibe ich dem Offizier, er möchte mich einer höheren kompetenten Dienststelle vor54 führen metsch lichen, 1115 tere G Kapit Deutsc Sie da nach Ren, W komm Im Hi sagen: Am na dem F Absch Die N fahre ter m dauer In Va abteil Gesp det si an m ,, Nach Sie a jetzt könn „ Ich dient amer schne wohl men, „ Nu sich So g in m Die Zivil sein. aß en en. es Hie ny Ich eienich erauf igt, ort, önsein die enn zu eite, die len. ges. htverSolrei, mir wererein aus , er Worführen. Am nächsten Tag erscheint er mit einem Dolmetscher in den Abendstunden zu einem halb dienstlichen, halb privaten Besuch. دو -- - Und welches ist nun Ihr Wunsch für das weitere Geschehen? Wie denken Sie sich Ihr Schicksal?" ,, Kapitän, ich möchte zu den Amerikanern. Ich muß nach Deutschland, so schnell es irgend geht. Da ich weiß, daß Sie darüber nicht entscheiden können, bitte ich Sie, mich nach Valenciennes zu bringen. Dort mag man beschlieRen, was mit mir werden soll." ,, Nun gut, morgen komme ich mit einem Auto und hole Sie ab. Gute Nacht." Im Hinausgehen läßt er mir durch den Dolmetscher noch sagen: ,, Glauben Sie, in mir haben Sie einen Freund." Am nächsten Morgen erscheint pünktlich der Wagen mit dem Kapitän und einem Begleiter. Schwer fällt uns der Abschied, denn keiner weiß, ob ich wieder zurückkehre. Die Nachbarschaft, die keine Ahnung hat, warum wir fahren, vermutet, daß ich verhaftet bin und lästert hinter mir her. Mich läßt es kalt. Nur die Familie Morival dauert mich, sie werden jetzt keinen leichten Stand haben. In Valenciennes angekommen, suchen wir die Spezialabteilung für Ausländer auf. Den Inhalt des geführten Gespräches verstehe ich nicht, aber nach kurzer Zeit wendet sich der Chef der Abteilung in einwandfreiem Deutsch an mich. ,, Nach dem, was mir der Kapitän sagt, betrachten wir Sie als einen Freund Frankreichs. Er fährt mit Ihnen jetzt zur Kaserne, dort erhalten Sie einen Ausweis und können sich dann bewegen, wie Sie wollen." ,.Ich danke Ihnen, aber mir ist damit nicht genügend gedient, daß ich mich frei bewegen kann. Ich möchte einer amerikanischen Abteilung überwiesen werden, um recht schnell nach Deutschland zu gelangen. Sie können sich wohl vorstellen, daß wir, die wir aus den Lagern kommen, dort gebraucht werden." ,, Nun, fahren Sie erst mal zur Kaserne. Das weitere wird sich finden." So ganz geheuer ist mir die Sache nicht, aber was soll ich in meiner Situation machen? Die Kaserne bietet ein buntes Bild. In Scharen strömen Zivilisten durch das Tor. Alle wollen sie eingekleidet sein. Jeder will helfen, die letzten deutschen Truppen 55 vom französischen Boden zu verjagen. Da der zuständige Offizier nicht anwesend ist, werde ich einem Sergeanten übergeben. Dann verabschiedet sich mein Begleiter. ,, Ich komme morgen früh vorbei, vielleicht kann ich Sie dann wieder mitnehmen!" Hat nun der Sergeant falsch verstanden, hat der Hasnoner Kapitän schlecht berichtet, die Ereignisse entwickeln sich anders als ich es mir vorgestellt habe. ,, Allez!" Mit diesen Worten werde ich einer Zelle zugeführt. Was nützt mir mein Protest, es versteht keiner Deutsch, und ehe ich meine französischen Brocken anbringen kann, hat sich die Tür hinter mir geschlossen. - Nun bin ich wieder drinnen. Das alte vertraute Milieu, welches ich jahrelang ausgekostet habe. Sieben Schritte hin, sieben Schritte her. Es besteht kein Unterschied zu den deutschen Zuchthauszellen. Fenster sind nicht vorbanden. An den Wänden haben sich viele Vorgänger verewigt. Ab und zu öffnet sich die Tür, und ein blutjunger Zivilist mit einer Riesenpistole überzeugt sich, ob ich mich nicht etwa in Nichts aufgelöst habe. Am Nachmittag erscheint endlich der Sergeant und führt mich vor. Und jetzt geht es schneller als erwartet. Nach kurzem Vortrag schon halte ich ein Papier in den Händen, welches mich in Zukunft schützen soll. Lesen kann ich es nicht, aber der große Stempel imponiert auch mir. ,, FFI!" Viele politische Parteien bestehen augenblicklich in Frankreich. Hier in Nordfrankreich ist ,, FFI"( genannt Fifi) dominierend, und der Stempel gibt mir Sicherheit. ,, Sergeant!" Nach einigen Minuten ist ein Dolmetscher zur Stelle. ,, Möchten Sie bitte den Sergeanten fragen, was nun geschehen soll? Morgen werde ich erst nach Hasnon zurückgeholt. Augenblicklich habe ich Hunger. Wo kann ich für diese Nacht schlafen, wo kann ich etwas essen?" ,, Ah bon!" Lächelnd nimmt mich der Sergeant beim Arm und zieht mich mit sich. In einem großen Eẞsaal das gleiche Bild wie am Kasernentor. Überall drängen sich Männer, zum Teil eingekleidet, zum Teil noch in ihren eigenen Anzügen. An der Essenausgabe erklärt mein Begleiter einem Mädel, daß ich jederzeit etwas zu Essen bekommen kann. Deutsche Kriegsgefangene, welche die 56 Teller staun Der S pfeife rend gibt. „ Kam ist au in Ha abgez stellt, gen g an w Ein u hat. einfa wolle kom franz ihres Bett vier Telle keine gesch sieht einen Auf ner hera 0!" über kurz Auf Ich s sind mich der Jede Nu ged eine Be- die Teller füllen und die Küche reinigen, mustern mich er- staunt, als ich deutsch spreche. Der Sergeant zieht in der Mitte des Saales seine Triller- pfeife hervor. Lautlos horcht alles auf seine Worte, wäh- rend der Dolmetscher mir eine gedrängte Übersetzung gibt. „Kameraden, ich habe hier einen deutschen Freund. Er ist aus einem Konzentrationslager geflüchtet und hat sich in Hasnon versteckt gehalten bis die deutschen Soldaten abgezogen sind. Die FFI hat ihm ein Dokument ausge- stellt, welches ihn als Freund Frankreichs ausweist. Mor- gen geht er zurück nach Hasnon. Wo kann er schlafen, an welchem Tisch kann er essen?“ Ein ungeheurer Sturm setzt ein, als der Sergeant geendet hat. Ich werde buchstäblich überfallen und kann mich einfach nicht retten vor den vielen Beweisen des Wohl- wollens. Bei jedem soll ich sitzen, zu jedem auf die Stube kommen zum Schlafen.— Nie werde ich vergessen, daß französische Arbeiter einen deutschen Flüchtling als ihresgleichen angesehen haben und mit ihm Brot und Bett teilten.— Endlich sitze ich wohlbehalten zwischen vier jungen Kameraden. Jeder will mir sein Fleisch vom Teller zuschieben. Sorgfältig achten sie darauf, daß mich keiner zu einem anderen Tisch holt. Die Verständigung geschieht auch hier durch einen Dolmetscher. Lächelnd sieht der Sergeant, daß ich gut untergebracht bin. Mit einem heiteren„Ca ra“ verabschiedet er sich. Auf dem Wege zu den Schlafräumen entdeckt einer mei- ner neuen Freunde, daß die Zehen aus meinen Schuhen herausgucken. „O!“ Er zeigt auf eine größere Garage und zieht mich hin- über. Ein wachestehender Kolonialsoldat gibt uns nach kurzen Worten den Weg frei, und wir betreten das Innere. Auf meine Schuhe zeigend, meint mein Begleiter:„Parlez. Ich schaue mir die Gesichter rundum an. Etliche SS-Leute sind darunter. In wenigen Worten schildere ich, was mich zu ihnen führt und frage, ob einer unter ihnen ist, der seine Schuhe mit mir tauscht. Keiner meldet sich. Jeder versucht, sich hinter dem anderen zu verstecken. „Nu, alenez, Soldat— komm!“ Mein Freund wird un- geduldig, und auch mir dauert es zu lange. Ich greife mir einen der SS-Leute. # WU SQ‘ ,, Wenn ihr nicht von allein wollt, muß ich mir selbst welche suchen. Ich denke, diese werden passen, und gut sind sie auch. Ihr SS- Männer habt ja immer das Beste getragen. Bis jetzt sind die Stiefel für Hitlers Sieg marschiert. Nun sollen sie einen in die Heimat tragen, der lange genug von dem Nationalsozialismus verfolgt wurde." Lange liegen wir in unseren Betten wach und unterhalten uns. Alles wollen die Jungen wissen. Die halbe Nacht ist herum, als wir endlich zum Schlafen kommen. Am nächsten Morgen gibt es einen schnellen, aber herzlichen Abschied von meinen neugewonnenen Freunden, und dann entführt mich der Kapitän im Auto nach Hasnon. Unterwegs halten wir bei einer Menschenansammlung. Inmitten des dichten Kreises steht ein älterer Mann und spricht. Hilflos bewegt er die Arme, blicklos starren seine Augen. Er ist blind. Im Weiterfahren berichtet mir der Offizier:„ Diesem Mann hat die Gestapo mit einer brennenden Zigarette die Augen ausgebrannt. Er sollte Angaben über Partisanengruppen machen." Ernst, unbewegt ist sein Gesicht. Nur die Augen sprühen. - - ein neu der Mas ,, Hallo, Die we schlag, zukom weise i ,, Oui, I ciennes Na ja, anschei er mit Auswei werde werden Mir sch gegang sind d sehen ,, Nicht trauisc Wenn Sie nach Deutschland zurückkommen, grüßen Sie den deutschen Arbeiter. Wir haben nichts gegen ihn, aber immer werden wir den Faschismus bekämpfen, solange er in einem Teil der Erde versucht, eine Gewaltherrschaft aufzurichten. Immer und ewig!"- Fest reiche ich ihm die Hand. ,, Ich auch, Kapitän. Und mit mir die übrige Arbeiterschaft Deutschlands. Nie wieder soll der Faschismus, ganz gleich wie er sich tarnt, in der Lage sein, einen Krieg zu entfachen. Das soll ein Schwur sein." Besser, angenehmer lebe ich jetzt. Der Kapitän hat in der notwendigen Form in Hasnon bekanntwerden lassen, wer ich bin. Sogar die Lebensmittelkarten erhalte ich über das Bürgermeisteramt. Um für eventuell vorkommende Fälle etwas Geld in Händen zu haben, helfe ich bei den Erntearbeiten. So wandere ich seit drei Tagen hinüber nach Rossult zum Dreschen. Und hier trifft mich 58 ner La frei he begebe ,, Also Oberle und bi bringe Deuts Ein b mit I den A lassen Durch gleite dienst ten v Nach wend den, lbst gut este marder olgt teralbe men. erzden, HasmmMann rren esem rette artisicht. Sie aber ange herre ich eitersmus, einen n der assen, e ich komTe ich Tagen mich ein neues Miẞgeschick. Am frühen Morgen stehe ich auf der Maschine und lege ein. ,, Hallo, Camerade, allez!" Die weiße Binde am Arm, die Maschinenpistole im Anschlag, steht unten ein Franzose und winkt mir herunterzukommen. Lächelnd, meiner Sache unbedingt sicher, weise ich mein Papier vor. ,, Oui, Dokument gut, caelete nix gut. Wir partie Valenciennes." Na ja, Humor muß der Mensch haben. Wieder einer, der anscheinend nicht zu der FFI- Richtung gehört. Nun will er mit mir zur Kommandantur fahren und einen neuen Ausweis besorgen. Ich habe diese Kalamitäten satt und werde darauf dringen, zu den Amerikanern geführt zu werden. Mir scheint, die Befehlsgewalt ist in andere Hände übergegangen. Die mir bekannten Offiziere in der Kaserne sind durch andere ersetzt worden. Und diese anderen sehen meine Angelegenheit auch mit anderen Augen an. ,, Nicht, daß wir gegen Sie in irgendeiner Form mißtrauisch sind, aber bei der gegenwärtigen Haltung meiner Landsleute ist es für Sie gefährlich, im Augenblick frei herumzulaufen. In Ihrem Interesse ist es besser, Sie begeben sich in unsere Obhut." ,, Also eine bessere Umschreibung für Internierung. Herr Oberleutnant, ich bin immerhin ein politischer Flüchtling und bitte Sie, mich zu einer amerikanischen Abteilung zu bringen. Es ist mein Wunsch, so schnell es geht nach Deutschland zu kommen." Ein bedauerndes Achselzucken ist seine Antwort. ,, Was mit Ihnen wird, darüber entscheiden wir Franzosen. Zu den Amerikanern kommen Sie nicht." Damit bin ich entlassen. Mein Dokument behält er. Durch die ganze Stadt müssen wir gehen, ehe mein Begleiter mich am Bestimmungsort abliefern kann. Als der diensttuende Korporal mich dann den anderen Inhaftierten vorstellt, erfahre ich doch eine kleine Genugtuung. Nach einer längeren Ansprache an die Versammelten wendet er sich an mich. ,, Sie haben sicher nicht verstanden, was ich gesagt habe. Sehen Sie sich die Menschen 59 an, hier ein Italiener, der vor dem Kriege einen Hand- wagen besaß. Heute ist er, durch Lieferungen an die deutsche Wehrmacht, Millionär. Kollaboratisten sind ein- gesperrt. Auch Franzosen, die bei der SS und Feld- gendarmerie Dienst taten. Bei der augenblicklichen Ver- wirrung dachten sie, wir würden sie nicht finden. Wir haben sie gefunden. Wir haben auch sogenannte„Volks- deutsche‘ hier. Menschen, die zu jedem Dienst für die Okkupanten bereit waren. Dort in der Ecke stehen einige Frauen mit hübschen Kopftüchern. Französinnen, denen wir die Haare abgeschnitten haben, weil sie sich mit deutschen Soldaten einließen!“ Immer länger, immer erstaunter wird mein Gesicht. ‚Ja, sind Sie denn wirklich der Meinung, daß ich hierher gehöre? Es sind doch alles Leute, die mit ihrer Finstel- lung auch kontra zu mir stehen. Wenn ich mit denen gleichgestellt werde, so bedeutet das für mich tatsächlich eine Internierung. Vielleicht sogar auf unbestimmte Zeit.“ „Nein, Sie sind hier zu Ihrer eigenen Sicherheit. Sie haben alle Freiheiten. Einen Appell gibt es für Sie eben- so wenig wie Arbeitszwang. Sie können sich in dem Ge- bäude und auf dem Gelände frei bewegen. Nachts wird auch Ihre Zelle nicht verschlossen sein.“ „Aha, doch Zelle.“ Mit einem bedauernden Achselzucken erklärt er mir, daß andere Räume nicht vorhanden sind. Während unserer Unterhaltung beobachte ich die Gesich- ter der Anwesenden und bemerke, daß ihre Blicke mir gegenüber immer feindseliger werden. Mögen sie, wenn es not tut, werde ich mich meiner Haut zu wehren wissen. Seit vier Tagen versitze ich nun hier die Zeit. Es ist ein angenehmes Nichtstuerleben. Und doch bin ich absolut nicht befriedigt. Was nützt es mir, daß ich in der Sonne sitzen kann, während die anderen arbeiten müssen. Die Ungewißheit, was mit mir wird, zehrt an mir. Dazu kommt, daß Morivals nicht wissen, wo ich geblieben bin. Ob sie überhaupt eine Nachricht erhielten? Und in wel- cher vermutlich entstellten Form wurde sie überbracht? Hoppla! Vielleicht habe ich jetzt Glück. Eben sehe ich den Chef der Spezialabteilung über den Hof kommen. War er damals in der Lage, mir sofort ein Dokument ausstellen zu lassen, warum soll er nicht veranlassen können, daß ich hier wieder rauskomme. 60 Als er näher kommt, stutzt er.„Was machen Sie denn hier? Wie kommen Sie in diese Gesellschaft?“ „Ja, die Frage habe ich mir selbst auch schon gestellt. Es heißt, ich sei zu meiner eigenen Sicherheit hier. Ich bin allerdings etwas skeptisch ob dieser Erklärung.“ Zweifelnd wiegt er den Kopf.„Warum skeptisch, ganz sc unrecht haben meine Landsleute nicht. Es steht Ihnen nicht an der Stirn geschrieben, wer Sie sind. Wollen Sie hier bleiben oder zurück nach Hasnon?“ „Ich möchte mit der ersten besten amerikanischen Ab- teilung zurück nach Deutschland. Können Sie denn nicht verstehen, daß es mich zur Heimat zieht? Nicht nur, weil ich sie so lange nicht gesehen habe, nein, weil ich an- nehme, daß gerade jetzt nach der Niederlage jeder Anti- faschist dort gebraucht wird. Außerdem— haben Sie eine Mutter? Meine Mutter wartet auf mich seit zehn Jahren. Seit einem Jahr weiß ich nichts mehr von ihr. Ausgebombt, krank, evakuiert. Das war die letzte Nach- richt.—“ „Gut, warten Sie zwei, drei Tage. Ich lasse von mir hören.“ Sich umdrehend, winkt er dem Korporal.„Ich wünsche, daß dieser Mann gut behandelt wird.“ Zwei Tage habe ich noch zu warten, dann kommt die Erlösung. Im Büro erwartet mich ein Distriktpolizist von St. Amand. Nachdem alle Formalitäten der Entlassung erledigt sind, verlassen wir per Bahn Valenciennes. Auch in St. Amand vergeht die Zeit mit Papiereausschreiben und allem drum und dran. Für heute ist es zu spät, um nach Thermal, wo die amerikanische Abteilung für „Civil-Affairs“ stationiert ist, hinauszufahren. So ver- bringe ich die Nacht in der Wachstube. Zum Schlafen komme ich nicht. Mit den Polizisten werden Erlebnisse ausgetauscht. Und die Beamten können etwas von der Zeit der deutschen Besetzung erzählen. Am Tage machten sie Polizeidienst,-um in der Nacht ihrer Pflicht als Patri- oten nachzukommen. Langsam dämmert der Morgen durch das Fenster. Frö- stelnd,in eine Decke eingehüllt, sitze ich im Lehnstuhl und nicke doch noch ein. Gegen neun Uhr machen wir uns auf den Weg zum Stadtbüro der Abteilung„Civil-Affairs“. Ganz so leicht und frei, wie ich nach außen scheine, ist 61 mir doch nicht ums Herz. Zuviel hängt für mich von diesem Gang ab. Wird meine Aufnahme bei den Amis dieselbe sein, wie ich sie bisher bei den Franzosen hatte? Und wenn nicht, was dann? Gewiß kann ich zurück nach Hasnon, aber gedient ist mir nicht damit. Einem amerikanischen Leutnant werde ich vorgestellt, der glücklicherweise deutsch und französisch so gut wie englisch spricht. Nach kurzem Vortrag verabschiedet sich der Polizist, mich zurücklassend. ,, Der Beamte hat mir in kurzen Zügen mitgeteilt, wer Sie sind, und welchen Wunsch Sie haben." Eindringlich mustert mich der Leutnant. ,, Was sind Sie von Beruf?" Ich schildere, was hinter mir liegt, und warum ich recht schnell zur Heimat zurück will. ,, Na schön, ich habe nichts zu sagen. Aber zur Mittagszeit fahren wir hinaus nach Thermal. Es wird dort ein Lager aufgebaut für die zu erwartenden Fremdarbeiter aus Deutschland. Wir fangen sie in Durchgangslagern auf und befördern sie in ihre Heimat weiter. Dort in Thermal stelle ich Sie unserem Kapitän vor. Ich glaube sicher, daß Sie mitgenommen werden. Ihren Händen nach zu urteilen, können Sie auch arbeiten. Jetzt wollen wir erst frühstücken." Während wir am Tisch sitzen, erscheinen noch einige Soldaten und französische Mädels, die zum Detachement gehören. Ich verstehe einigermaßen die englische Sprache, aber an die amerikanische Aussprache muß ich mich doch erst gewöhnen. Das begreife ich allerdings aus den Zurufen, daß ich tüchtig zugreifen soll. Und ich lasse mich nicht nötigen. Ist es ja das erste Mal, daß ich auf ,, amerikanische Art" frühstücke. Eine Stunde später besteigen wir die bereitstehenden Wagen zur Fahrt nach Thermal. Unterwegs ist noch einiges zu erledigen und auch ich frage mich zu einer entfernteren Straße durch, um bei dem Photographen Paẞbilder abzuholen, die ich in der Frühe anfertigen ließ. Als ich das Atelier verlasse, droht eine neue Verhaftung. Wie schon so oft, hatte ich mich auch hier verdächtig gemacht, weil ich eben die Sprache nicht beherrschte. Ein Glück ist es für mich, daß der amerikanische Leutnant vorbeigeht. Schnell ist die Lage geklärt, und endgültig gehen wir auf Fahrt nach Thermal. 62 49 ieiee? ach llt, vie ich Sie u- Ich cht gsein ter ern in be den len zen, Mägersche bezuja ühden inientPaßieß. ing. geEin mant ltig Thermal! Ein riesiger Park öffnet sich vor uns. Ein pompöses Hotel steht zwischen seinen uralten Bäumen. Von dem ehemaligen Besitzer verlassen, ist dieser einstige Erholungsort der Reichen jetzt beschlagnahmt und soll als Zwischenstation für die aus Deutschland zurückflutenden Fremdarbeiter dienen. Hier können die ausgemergelten Körper für kurze Zeit neue Kräfte sammeln. Hier entscheidet sich auch mein Schicksal. Der Kapitän, als Chef der Abteilung, ist einverstanden, daß ich bei dem Detachement bleibe. ,, Sie können sich hier nützlich machen. Ich gebe Ihnen ein Zimmer. Sie bekommen Ihr Essen und auch täglich genügend zu rauchen. Geld geben wir Ihnen nicht, weil wir dazu nicht befugt sind. Unser Weg geht immer hinter der dritten Armee her, so daß Sie in absehbarer Zeit in Deutschland sind. Wir bauen die Lager alle erst auf. Sie sind somit unser erster Schützling, der erste Refuge." Nur zu gerne sage ich zu alledem ja. Was frage ich nach Geld. Jetzt weiß ich mich in Sicherheit und auf dem Wege zur Heimat. Nach einigen Tagen, als wir langsam rüsten, um Frankreich zu verlassen, wird mir auch die Bitte gewährt, in Hasnon Abschied zu nehmen. Der Leutnant ,, van der Mühl", ein gebürtiger Schweizer, begleitet mich. Strahlende Gesichter, jauchzende Freude empfangen uns, als wir bei Morivals das Haus betreten. Trauer und leise Wehmut breitet sich über die Züge, als ich vom Abschied spreche. Hier erfahre ich auch, was der Leutnant der Patrioten alles versucht hat, um meinen Aufenthalt in Valenciennes zu erfahren. Einen Tag nach meiner Verhaftung fuhr er schon zur Stadt, um mich wieder herauszuholen. Erst wußte niemand, wo ich geblieben war. Als er mich endlich in der Kommandantur aufgestöbert hatte, mußte er hören, daß ich unterwegs nach St. Amand sei. Jenny, die älteste Tochter, holt ihn jetzt zu unserer AbDer schiedsstunde. Und dann sitzen wir zusammen. Deutsche, der hier Sicherheit und Schutz gefunden hatte, die Franzosen, die mir Freunde geworden sind, und der Amerikaner, der mich jetzt unter seine Fittiche nimmt. Viele Gedanken tauschen wir aus. Ein Ahnen geht durch den Raum. Ein Ahnen von kommenden Frieden und Völ63 kerversöhnung. Jeder wird seinen Weg gehen, und doch werden wir alle dasselbe Ziel haben. Ausrottung des Faschismus. Einige Andenken werden zum Abschied gegeben. Von mir erwartet man unbedingt, daß ich etwas von mir hören lasse, wenn nicht sogar meine Rückkehr nach Frankreich. Herzliche Worte der Freundschaft, feste Händedrücke, und wir verlassen Hasnon. und doch eben. Von von mir sehr nach adedrücke, KÄMPFER GEGEN DEN FASCHISMUS, KÄMPFER FÜR DEN FRIEDEN!