Einführung und Einfühlung. - ,, Lustrum Luxaturae" Ein Zeitraum, eine Periode der Verrenkung, haben wir diese Blätter betitelt. Alfred Rosenberg hat sich in den vergangenen Jahren dieser Periode in einer Schrift ,, An die Dunkelmänner unserer Zeit" gewandt. Er meinte damit die deutschen Bischöfe, die Priester, die Forscher und Gelehrten auf christlicher, besonders auf katholischer Seite. In Wahrheit ist sein ,, Mythos des zwanzigsten Jahrhunderts" und die eben angeführte Schrift eine Verrenkung und Verdrehung der Geschichte, der christlichen Religion, des menschlichen Denkens und der wissenschaftlichen Arbeit, wie sie nur in den schlimmsten Zeiten der Welt- und Kirchengeschichte zu verzeichnen ist. Männer, die dem Volke das Licht der Wahrheit und des Glaubens vorantragen, wurden mundtot und unmöglich gemacht, während die wirklichen Dunkelmänner die Allmacht des Staates und der Partei ausnützten, um eine geistige Falschmünzerwerkstätte ersten Ranges zu eröffnen und jahrelang zu betreiben. Diese Blätter enthalten einen kleinen Abschnitt aus dieser Zeit. Sie schildern nicht das Gesamtgeschehen dieser Zeit und auch nicht das Schlimmste, sie zeigen in bewußter Schlichtheit, wie diese geistige und seelische Verrenkung eines Teiles unseres Volkes sich im Leben und Wirken eines Priesters und Seelsorgers ausgewirkt hat. Sie zeigen aber auch, zu welcher Seelenstärke und Treue unser katholisches Volk fähig ist. Sie sollen Mahnung und Lehre zugleich sein, damit unser Volk vor ähnlichen Irrwegen in der Zukunft bewahrt bleibe. Eines bezwecken diese Blätter nicht: Sie sind nicht aus. Rachebedürfnis geschrieben, sie wollen also keine Vergeltung üben. Zur Sühne sind wir alle aufgerufen und wollen sie umso lieber leisten, als jene, die sie für begangenes Unrecht leisten sollten, nicht erkennen oder nicht leisten wollen. Wir tun das Beste und Größte, wenn wir verhindern, daß die vergangenen Jahre sich zum Schaden des Volkes und der Kirche wiederholen oder gar zu schnell dem Gedächtnis der Menschen entschwinden. Neusatzeck, im Juni 1945. Onkel Klemens. Sie eini V Onk gebe bis unse Ors mu opf das hör wie ter for im un Ge wi Er im bla be eir ve 19 eriode der red RosenPeriode in ' gewandt. ester, die auf kathovanzigsten eine Verhristlichen senschaftZeiten der Männer, Glaubens gemacht, macht des e Falschjahrelang Abschnitt geschehen zeigen in sche Vereben und hat. Sie eue unser nd Lehre wegen in se Blätter Leben, sie d wir alle jene, die erkennen Größte, sich zum er gar zu 1. mens. 1. Die ersten Briefe nach dem Sturm. Lieber Onkel Klemens! N., den 24. 9. 33. Wir kommen gerade von der Marienhöhe und haben für Sie gebetet. Nun sind wir eben beisammen und wollen Dir einige Zeilen schreiben. Wir beweinen sehr, daß unser lieber Onkel Klemens uns so schnell verlassen hat. Aber deshalb geben wir unsere Hoffnung nicht auf, und warten jeden Tag, bis unser Onkel zurückkehrt. Jeden Morgen und Abend wird unser Gebet für Dich nicht fehlen. Morgen gehen wir nach Dort werden wir die hl. KomOrsingen in die hl. Messe. munion und die hl. Messe von ganzem Herzen für Dich aufopfern. Der liebe Herrgott im Himmel wird unser Gebet, das wir von ganzem Herzen zu ihm hinaufflehen, sicher erhören. Schenkt uns der Herrgott das Glück nicht, Dich wieder in unserer Mitte zu finden, so wollen wir doch weiteres Gottvertrauen pflegen. Seit Du, lieber Onkel Klemens, fort bist, dünken uns die Tage länger als die Woche, und Kommt denn immer wieder kommt uns der Gedanke: unser lieber Onkel Klemens noch nicht? Uns verläßt dieser Gedanke nicht. Gott soll darüber richten! In tiefer Trauer grüßen Dich herzlich Deine lieben Bobbele H. Hügle, L. Schroff, E. Schroff, A. Hügle, A. Felder, H. Grundler, K. Zinsmaier, G. Hornberger. Ich Welches war der Anlaß für dieses Kinderbrieflein? will es ganz kurz sagen. Der Pfarrer von N., der in der Erzdiözese Freiburg unter dem Decknamen ,, Onkel Klemens" im ,, St. Konradsblatt" und in den Konstanzer Sonntagsblättern ,, Wege zum Frieden" seine Aufsätze und Zeitbetrachtungen veröffentlichte, war von der Kreisleitung und einigen störrischen Schäflein seiner Herde von seiner Pfarrei vertrieben worden. Das war geschehen am 22. September 1933, am Feste des hl. Märtyrers Landolin. Das Kinderbrief5 lein wurde schon zwei Tage darauf geschrieben, am Feste der allerseligsten Jungfrau von der Erlösung der Gefangenen. Wie das alles gekommen war und wie es sich weiter entwickelte, werden wir noch hören. Zunächst soll ein Brief angeführt werden, der von einer kleinen Schülerin verfaßt ist. wieder b nen Lebe Auf e N., den 25. Sept. 1933. Dieser lein, das hatte. N Lieber Onkel Klemens! Es tut uns sehr leid, daß Sie so unerwartet schnell von uns scheiden mußten. Sind Sie Hochwürden auch immer gesund und munter? Ich wünsche es von Herzen, daß dies der Fall ist. Im Gebete werde ich auch Sie nicht vergessen, und besonders die Himmelskönigin um ihren Schutz bitten. Wenn es möglich ist, so kommen Sie doch wieder als Seelsorger nach N. Erst jetzt merkt man den Verlust. Es würde uns Freude machen, Sie wieder als Seelsorger hier wirken zu sehen, denn ohne Geistlichen brav und katholisch zu bleiben, das geht nicht. Besonders die Jugend trifft der Schlag schwer, da Sie, Herr Pfarrer, als Religionslehrer immer ein gutes Herz für die Kinder hatten. Wir danken Ihnen dafür herzlich, und werden Sie nicht vergessen. Hoffentlich sind Sie auch im stillen Kloster zu Gengenbach glücklich und vergessen bald den Trennungsschmerz. Denken Sie doch nichts Böses von den N. Pfarrkindern, denn es gibt auch in N. noch Leute, die für ihren Seelsorger ein gutes Herz haben. Vielleicht kommen wieder solche Tage, an denen wir mit unserem Onkel Klemens frohes Wiedersehen feiern und plaudern können. Das ist jetzt unser Herzenswunsch. Möge uns doch der Himmelsvater diesen Wunsch erfüllen! Es fällt schwer, an der Pfarrkirche vorüberzugehen, und am Werktag in einer Nachbarpfarrei die hl. Messe anzuhören. Hoffentlich können wir bald täglich wieder einer hl. Messe in N. beiwohnen. Jetzt in der Ferienzeit geht es schon, aber die Kirche, in der der göttliche Heiland wohnt, steht jetzt die Woche hindurch fast ganz verlassen da. Wir fühlen den Verlust und hoffentlich kommt bald der Tag, an dem unser opferfreudiger Pfarrer wieder in N. einzieht, und jedes von uns mit gutem Gewissen ihm die Hand reichen kann. soll alles wieder gut sein. Es soll so werden wie in den ersten Tagen, da Sie hier waren. Wir wollen die Vergangenheit vergessen und nach frohen Tagen ausschauen, an denen wir 6 Dann der Erw Kinder Seelsorg Mitbrüd dekan u gleichen Mein das ma leiden!" wieder Ihrer t Auf Ver eigentl darf weiter n zählen bei de tesmut gleitet uns ei neuen komm Kinder 1) D m Feste ngenen. er entn Brief in verwieder beisammen sind. Viel Glück und Segen für die fernen Lebenspfade. Auf ein frohes Wiedersehen hoffend grüßt Sie herzlich M. Felder. 1933. hell von mer gedies der en, und . Wenn elsorger rde uns ken zu bleiben, Schlag mer ein n dafür ch sind nd vernichts Dieser Brief stammt von einem kleinen altklugen Mägdlein, das schon als Achtjährige bei mir Stenographie gelernt hatte. Man hört aus dem Brief die Reden und Gespräche der Erwachsenen herausklingen. Es ist bezeichnend, daß die Kinder als erste zur Feder griffen, um ihrem vertriebenen Seelsorger ihre Treue zu bekunden. Den Kindern folgten die Mitbrüder aus dem geistlichen Stande. Der 82jährige Ehrendekan und Geistl. Rat Baumann von Bodmann schrieb am gleichen Tage: Mein lieber hochw. Herr und Freund! Meine herzliche Teilnahme an dem schweren Unrecht, das man Ihnen zugefügt hat. Doch ,, selig, die Verfolgung leiden!" ,, Fiat voluntas Tua!" 1) Hoffentlich werden Sie bald wieder in Ihre Rechte eingesetzt. Im Gebete gedenke ich Ihrer täglich. Auf frohes Wiedersehen und freundliche Grüße Ihr aufrichtig ergebener F. Baumann. in N. haben. wir mit n und Möge en! Es and am uhören. - Messe on, aber nt jetzt len den unser des von Dann ersten genheit en wir 2. Die Veranlassung zum Sturm. Veranlassung zum Sturm gegen den Pfarrer von N. war eigentlich eine geringfügige, ja lächerliche Sache, aber man darf nicht übersehen, daß die Hauptursachen viel tiefer und weiter zurücklagen. Ich will die nächste Veranlassung erzählen. Mein Mitbruder in Orsingen hatte mich eingeladen, bei der Weihe eines neuen Altares zur schmerzhaften Gottesmutter die Weihepredigt zu halten. Nach der Feier begleitete er mich ein Stück Weges. Mitten im Wald begegnete uns eine Schar kleiner Mädchen aus meiner Pfarrei mit der neuen BDM- Führerin, die vor nicht langer Zeit meine Erstkommunikantin gewesen war. Zum erstenmal gingen meine Kinder an uns vorüber, ohne zu grüßen. Ich schämte mich 1) Dein Wille geschehe! 7 Die vor meinem Nachbar, der im letzten Weltkrieg Auszeichnungen erhalten hat. Kurz entschlossen ging ich auf meine Kinder zu und fragte sie, ob sie nicht grüßen wollten. BDM- Führerin machte ein dummes Gesicht und die Kinder gerieten in Verwirrung. Einige sagten ,, Gelobt sei Jesus Christus", andere erhoben zaghaft den Arm und sagten etwas verschämt ,, Heil Hitler!" Ich sagte ihnen dann, wir Geistlichen hätten das Recht, auf der Straße dieselbe Grußform zu verlangen, wie sie im Religionsunterricht angeordnet sei, nämlich christlicher Gruß und deutscher Gruß. Dann ließen wir die Kinder ihres Weges ziehen. ins Land Veranlas Schuld b schlossen Oberwac gerungsf der Gew sah, ma behande ,, Provoz glaube, ab, fast standen freude letzten schmerz Die nicht e Als sich ni zu fah Bald hörte ich, daß diese Kindergeschichte von den ,, Obersten der Partei" als willkommene Gelegenheit begrüßt werde, um dem gefährlichen„ ,, Onkel Klemens" das Genick zu brechen. Schon am ersten Mai hatte ein von auswärts bestellter Redner, der mich vorher wahrscheinlich noch nie gesehen hatte, bei der nationalen Feier in der Turnhalle schweres Geschütz gegen mich auffahren lassen, ohne damit etwas zu erreichen. Wohl um das Attentat etwas zu verschleiern, kam die BDM- Führerin am folgenden Abend zu mir ins Pfarrhaus und entschuldigte sich wegen der Unhöflichkeit der Kinder. Gleichzeitig hatte sie aber schon die Klageschrift an den Landrat gegen mich unterzeichnet. ich von einem Krankenbesuch zurückkam, sagten mir meine Schwestern, der Kreisleiter sei dagewesen und habe nach mir gefragt. Kurz vorher oder nachher rief mich der Dekan von Stockach am Telephon an und gab mir den etwas geheimnisvollen Rat, in den nächsten Tagen daheim zu bleiben, es liege etwas in der Luft. Ich verstand die Mahnung so, daß ich nicht verreisen sollte und sagte gerne zu. In der Pfarrei selber aber machte ich meine Krankenbesuche und hielt den Morgengottesdienst, was wie sich später herausstellte mein größtes Vergehen war. Am Freitag morgen, den 22. September 1933, ging ich von der Kirche heim in Begleitung eines Theologen, des späteren Missionsarztes Dr. Straubinger. Schon von ferne sahen wir beim Rathaus ein Personenauto und verdächtige Gestalten. Im Pfarrhaus angekommen, ging ich ans Telephon und rief den Landrat an. Ich erhielt die Weisung, ich solle ruhig daheim bleiben, der Landrat werde jemand zu meinem Schutze schicken. Kaum eine halbe Stunde später erschienen der Kreisleiter Amann, ein Oberwachtmeister und der kommissarische Bürgermeister B. bei mir und erklärten, ich möchte freiwillig mitfahren - teren T sen. I Haupte len?" zum L begrüß denn s zog ein Protes deutsc Das w zuerst lerin K Ich üb Das 1 Herrn mir, al Kreisle 8 szeichmeine m. Die Kinder Jesus etwas tlichen u vernämen wir , Oberwerde, ck zu ts bech nie ins Landratsamt. Ich erklärte den Herren, ich hätte keine Veranlassung, ihnen zu folgen, denn ich sei mir keiner Schuld bewußt und zudem sei ich durch das kaum abgeschlossene Konkordat vor Willkür geschützt. Erst als der Oberwachtmeister mir freundlich zu verstehen gab, im Weigerungsfall müßte er zur Verhaftung schreiten, erklärte ich, der Gewalt zu weichen. Als ich das Auto vor dem Pfarrhaus sah, machte ich eine scherzende Bemerkung, daß ich so nobel behandelt würde, worauf der Kreisleiter giftig antwortete: ,, Provozieren Sie nicht!" Darauf gab ich kurz zurück: ,, Ich glaube, die Provokation liegt auf Ihrer Seite." So fuhren wir ab, fast unbemerkt von der Bevölkerung. Einige Eingeweihte standen an der Straße und konnten eine gewisse Schadenfreude nicht unterdrücken, einige Gutgesinnte erfaßten im letzten Augenblick die Situation und schickten mir einen schmerzlichen Gruß aus den Fenstern herüber. nhalle damit vernd zu nhöfn die . Als meine nach Dekan s geeiben, g so, der = und rausorgen, n Bes Dr. s ein sant an. der Caum mann, ister hren 3. Das Verhör. Die Erlebnisse in Stockach an diesem Freitag entbehrten nicht einer gewissen Komik. Meine ,, Schutzengel" getrauten sich nicht, mit mir durch die Hauptstraße der Narrenstadt zu fahren, sie bogen vielmehr ab und hielten an der hinteren Tür des Landratsamtes. Aber die Türe war geschlossen. Ich sagte etwas boshaft: ,, Warum sollen wir nicht zum Haupteingang hineingehen, wir haben doch nichts gestohlen?" Und schon ging ich allein voraus und kam auch zuerst zum Landrat, der mich mit einer unbehaglichen Miene begrüßte. Ich durfte aber Platz nehmen und das war schön, denn sitzend kann man viel besser sprechen. Der Landrat zog ein Papier hervor und sagte: ,, Es ist aus Ihrer Pfarrei ein Protestschreiben gekommen, weil Sie den BDM- Mädchen den deutschen Gruß verboten hätten, Sie können es selbst lesen." Das war wirklich nett. Ich nahm das Schreiben und schaute zuerst nach der Unterschrift. Diese war von meiner Schülerin Klara G. Der Inhalt war indes von andern aufgesetzt. Ich überflog das Schreiben und bemerkte dem Landrat kurz: ,, Das läßt sich ganz leicht feststellen. Lassen Sie, bitte, den Herrn Pfarrer von Orsingen als Zeugen rufen, der war bei mir, als ich den Kindern begegnete." Der Landrat schaute den Kreisleiter fragend an und der Kreisleiter fühlte, wie ihm 9 " ein Trumpf aus der Hand genommen wurde. Mit verhaltenem Grimm meinte er: ,, Nun ja, die Sache mit dem Gruß kann ja anders gewesen sein, aber wir besitzen genug Material gegen Sie, denn Sie haben unsere Bewegung auf das schärfste bekämpft." Ich erklärte ihm, daß das mein gutes Recht gewesen sei, daß ich nicht als Parteimann gekämpft hätte, sondern daß ich als katholischer Priester nur den Auftrag der deutschen Bischöfe ausgeführt und die Irr- lehren des Nationalsozialismus bekämpft hätte. Da platzte er wütend heraus: ,, Sie sind viel weiter gegangen als die Bischöfe." Ich entgegnete: Wenn Sie im Sinne des Führers handeln wollen, dürfen Sie mich deswegen überhaupt nicht zur Rechenschaft ziehen, denn der Führer hat gesagt, es soll ein dicker Strich unter die Vergangenheit gezogen werden, damit die Außenstehenden mit Liebe gewonnen werden." Darauf war er nicht gefaßt und so kam eine neue schwere Anklage: ,, Sie haben die über Sie verhängte Hausschutzhaft nicht gehalten, haben sogar heute morgen Gottesdienst gehalten." Er sah wohl mein Erstaunen, als ich fragte: ,, Hausschutzhaft? Ich in Hausschutzhaft? Seit wann und durch wen?" Der Landrat suchte zu vermitteln und gab zu verstehen, er habe den Dekan beauftragt, mir die Verhängung der Hausschutzhaft mitzuteilen. Ah, jetzt verstand ich das geheimnisvolle Telephongespräch mit der Mahnung, daheim zu bleiben. Das hatte ich in meiner Unschuld falsch verstanden, bin aber bis heute froh darüber. Da mit diesem Vergehen auch nicht viel anzufangen war, warf der Kreisleiter siegesbewußt ein„ Überhaupt sind Sie schuld an den vielen Kommunisten in N.!" Darauf hatte ich ja nur gewartet. Fast schadenfroh entgegnete ich: ,, Herr Kreisleiter, kurz vor meinem Aufzug in N. war eine Wahl, bei der 100 Kommunisten heraussprangen. Habe ich das verschuldet, bevor ich dort war?" Und nun machte ich ihm eine vergnügliche Rechnung vor: ,, Bei dieser Wahl im März hat das Zentrum seine Stimmenzahl voll bewahrt, die liberalen Parteien dagegen und vor allem die Kommunisten haben ihre Stimmen bis zu 50% und darüber verloren und aus diesen Stimmen ist Ihre nationalsozialistische Partei in N. geworden." Verzweifelt erhob er sich und sagte:„ Herr Landrat, machen Sie, was Sie wollen." Und schon war er verschwunden. Als sehr fre mir. E wunder haft sin für Sie die An abzulad Ministe pfarrha hen m Schreib dem H forder schen Der K aufsta Tisch komm gen fo bin ic Kreis nichts Rufe die zw Sie m mögli auf d fragte junge hier draul ins Z Ihnen nur Die einig Geist hätte Seuf 10 erhalGruß Maf das gutes ämpft - den Irrhätte. angen me des überr hat it geewoneine ängte orgen n, als -Seit mitteln mir die t vert der r Unrüber. war, nd Sie te ich ,, Herr Wahl, ch das ch ihm März Liberahaben us dieN. geLandrver4. Erneuter Sturm. - Als der Kreisleiter sich entfernt hatte, wurde der Landrat sehr freundlich und meinte: ,, Sie waren vor einer Woche bei mir. Erinnern Sie sich noch, daß ich zu Ihnen sagte: ,, Ich wundere mich, Herr Pfarrer, daß Sie noch nicht in Schutzhaft sind?" Und er fügte hinzu: ,, Diese Suppe ist schon lange für Sie gekocht." Er rief dann den Herrn Dekan herbei, um die Angelegenheit so weit wie möglich auf dessen Schultern abzuladen. Ich diktierte ihm noch ein Protokoll für das Ministerium, dann spazierte ich seelenruhig ins Dekanatspfarrhaus. Da der Herr Dekan bis 12 Uhr in die Schule gehen mußte, besorgte ich ihm bis zu seiner Rückkehr einige Schreibarbeiten. Kurz vor 12 Uhr wurde es unruhig vor dem Haus, ich hörte einigemal meinen Namen mit der Aufforderung, herunterzukommen. Vorsichtig schaute ich zwischen den Vorhängen durch. Meine Ahnung war bestätigt. Der Kreisleiter hatte diese Pause benutzt, um einen Volksaufstand ins Werk zu setzen. Ich setzte mich wieder an den Tisch und schrieb weiter. Da klopft es. Zur Tür herein kommen zwei blutjunge Bürschlein in Parteiuniform und fra,, Das gen forsch: ,, Ist der Pfarrer von N. hier im Haus?" bin ich", gab ich zur Antwort.- ,, Sie sollen sofort auf die Kreisleitung kommen."- ,, Ich habe auf der Kreisleitung nichts zu tun." Die Bürschlein zogen ab. Man hört wieder Rufe und Schimpfnamen. Es klopft wieder. Wieder sind es die zwei Bönzlein.„ Der Herr Landrat hat eben telephoniert, Sie möchten ins Landratsamt kommen." Das war immerhin möglich. Ich ging zögernd in den ersten Stock hinab, aber auf der Treppe begegnete mir mein Oberwachtmeister und fragte, wohin ich gehen wolle. Als er die Anmaßung der jungen Kerlchen erfuhr, hauchte er sie scharf an: ,, Ihr habt Und schon waren sie hier überhaupt nichts verloren." draußen. Mir sagte er nun freundlich: ,, Gehen Sie hinauf ins Zimmer und gehen Sie nicht ans Fenster, damit man Ihnen nicht Provokation vorwerfen kann." Ich hörte dann nur ein lebhaftes Hin und Her und dann wurde es still. Die Meute hatte sich verzogen. Der Landrat hatte noch einige Gendarmen beigezogen und erklärte, er werde keinen Geistlichen ins Gefängnis stecken, der sich nichts zuschulden hätte kommen lassen. Später erfuhr ich, daß einige den Seufzer ausgestoßen hätten ,, Es ist schade, wenn er - - - ge11 - meint war ich nur 10 Minuten wenigstens im Gefängnis gewesen wäre." Wie ist es aber zu diesem ,, Volkssturm" gekommen? Der Kreisleiter hatte nach Wahlwies, Orsingen und in meine Pfarrei gerufen, die SA solle sofort mit Auto kommen, natürlich ohne Angabe des wahren Zweckes. In meiner Pfarrei ging einer der elendesten Windbeutel herum mit der Einladung ,, Sie sollen nach Stockach kommen, es gäbe ein Gaudi." Die Orsinger kehrten wieder um, als sie hörten, worum es sich handelte, die Wahlwieser blieben, denn sie hatten einen Zorn auf mich, weil ich in ihrer Gemeinde eine Marianische Kongregation und einen Jungmännerbund hatte gründen helfen.¹) Nach dem kläglichen Ausgang der Demonstration konnte man im Stockacher Blättchen lesen: ,, Vor dem Pfarrhaus in N. habe sich eine große Volksmenge eingefunden, um zu demonstrieren, weil der böse Onkel Klemens den deutschen Gruß verboten habe." Daß die Volksmenge im Stockacher Blättle in N. und nicht in Stockach demonstrierte, kam davon, weil der Artikel schon geschrieben war, bevor die Bombe platzte. So machte denn dieser grundirrige Bericht die Runde durch die ganze Presse. Überall wußte man von diesem Volksauflauf, nur in meiner Pfarrei wußte man nichts davon. Es begann bei vielen zu dämmern, wie es mit der Wahrheitsliebe und mit dem Gerechtigkeitssinn der neuen Volksbeglücker stehe. 5. Athanasiusschicksal. Nach dem Abzug der mutigen Demonstranten kam der Landrat ins Dekanat herein und hielt mir eine väterliche Mahnrede des Inhaltes, wenigstens für den Augenblick nicht in meine Pfarrei zurückzukehren. Er sagte ungefähr: ,, Ich kenne Ihre Jungmänner, daß sie geschlossen hinter Ihnen stehen. Gehen Sie heim, so gibt es Zusammenstöße, einige von Ihren Jungmännern kommen dann auf den Heuberg ins Konzentrationslager, Sie aber werden für alles verantwortlich gemacht." Der Dekan, der es gut mit mir meinte, pflichtete bei und meinte: ,, Du kannst doch für die Zeit der Herbstferien ins Mutterhaus Gengenbach, wo Du früher als Spiritual gewirkt hast." Ich entschloß mich zu diesem 1) Bei der Gründungspredigt kam es zu einem dramatischen Auftritt in der Kirche. Ein Dutzend Nationalsozialisten suchten die Predigt durch verabredete Hustenchöre zu stören. Als dies nicht gelang, verließen sie ostentativ die Kirche. 12 Opfer, ab keine Fer ins Haus liebenswü Anna, die greifen, d hatte ich den Schn den Ober tat. Auc fuhr dan Als ich a dort scho mir erst ruhig, w Exerzitie was ich Schweste alten Sp auf, gab den Sch blatt, di dem Un ,, Onkel Wer sich den Sin Bischof ren meh Trier. tes mac meinem mir ste lachte. bin es." gelesen, sonst n meinem wahren lebte ic ingnis Der meine mmen, meiner it der De ein örten, on sie eine hatte mon,, Vor ingemens ge im monwar, rrige vußte wußte , wie Essinn der liche nicht ,, Ich Chnen inige g ins vortHichder r als esem Kirche. anchore Opfer, aber ich ahnte deutlich, daß die Wut meiner Gegner keine Ferien kennen werde. Trotz der schweren Unruhe, die ins Haus gekommen war durch mich, wurde ich als Gast in liebenswürdiger Weise zu Tisch geladen. Meine Schwester Anna, die mir den Reisekoffer brachte, konnte es nicht begreifen, daß ich noch essen könne. Auf 3 Uhr nachmittags hatte ich ein Auto bestellt, das mich nach Sigmaringen auf den Schnellzug bringen sollte. Zu meiner Sicherheit lud ich den Oberwachtmeister ein, mitzufahren, was er auch gerne tat. Auch meine Schwester fuhr mit bis Sigmaringen und fuhr dann schweren Herzens zur verwaisten Herde zurück. Als ich abends um 9 Uhr in Gengenbach ausstieg, war ich dort schon angemeldet. Die mitleidige Gastschwester gab mir erst einen stärkenden Trunk. Ich schlief jene Nacht so ruhig, wie selten in meinem Leben. Man hatte mir im Exerzitienhaus ein schönes Zimmer hergerichtet mit allem, Die was ich brauchte. Selbst das Telephon fehlte nicht. Schwestern begrüßten mich mit großer Herzlichkeit als ihren alten Spiritual. Ich nahm wieder meine einstige Tätigkeit auf, gab sogar Religionsunterricht und Lebenskunde bei den Schülerinnen auf dem Abtsberg. Auch mein Sonntagsblatt, die ,, Wege zum Frieden" redigierte ich weiter, nur mit dem Unterschied, daß ich meine Aufsätze nicht mehr mit ,, Onkel Klemens" unterschrieb, sondern mit ,, Athanasius". Wer sich in der Kirchengeschichte auskannte, wußte sofort den Sinn dieses Wortes. Athanasius war im 4. Jahrhundert Bischof von Alexandrien und mußte in den arianischen Wirren mehrmals in die Verbannung gehen. Er kam bis nach Trier. Am ersten Morgen meines Gengenbacher Aufenthaltes machte ich einen Spaziergang. Eine Frau, die früher in meinem Haus gewohnt hatte, begegnete mir. Sie blieb vor mir stehen, wie wenn sie einen Geist sehen würde. lachte. ,, Ja, sind Sie es wirklich?" fragte sie.„, Gewiß, ich bin es." ,, Denken Sie, eben hat mein Mann in der Zeitung gelesen, Sie seien in Schutzhaft." Und sie erzählte, was sonst noch in der Zeitung stand über den Volksauflauf vor meinem Pfarrhaus. Als ich ihr kurz Aufschluß gab über den wahren Sachverhalt, war sie empört. Ähnliche Szenen erlebte ich nun täglich mehrmals. Ich 13 6. Trost in der Verbannung. Ein großer Trost war mir die väterliche und entschiedene Stellung und Haltung unseres Erzbischofs Dr. Konrad Gröber. Schon in den ersten Tagen meines Exils erhielt ich einen Brief von ihm, der überaus sympathisch und warmherzig gehalten war. Er hat folgenden Wortlaut: verh nom schei keit dann der Der Erzbischof von Freiburg. Freiburg i. Br., den 1. Oktober 1933. Hochwürdiger, lieber alter Schüler! ter lich die nich nati Dich Best I blei Die nehmer mitteil Es In Zu meinem schmerzlichen Bedauern habe ich in den Tagen, in denen ich an einer Grippe laborierte, von Deinem Schicksal gehört. Wir haben sofort in Karlsruhe die nötigen Schritte unternommen und Deinen Bericht zum Steuer der Wahrheit eingesandt. Wie lange es geht, bis wir von Karlsruhe Nachricht erhalten, weiß ich freilich nicht. Wir werden auch überlegen, ob es für Dich ratsam ist, aus eigenem Antrieb Deine Pfarrei wieder aufzusuchen. Was ich heute aus dem Bericht Deines Hochwürdigen Herrn Dekans entnommen habe, ermutigt mich zu einem derartigen Ratschlag nicht. wäre aber verkehrt, das als Schwäche zu deuten. allen Fällen haben wir vielmehr das Wohl der Hochwürdigen Herren selbst und ihrer Pfarrgemeinde im Auge. Dazu kommt, daß im Ernstfall selbst unsere besten Gemeinden versagt haben. Die Regierung selbst hat schon des öfteren erklärt, daß sie den Herren die Rückkehr in ihre Pfarrgemeinden nicht verwehren könne, fügte aber immer hinzu, daß sie jegliche Verantwortung für das, was sich evtl. aus einer Rückkehr ergebe, ablehnen müsse. In jedem Fall wollen wir sehen, wie die Verhältnisse in N. sich entwickeln. Manche geistliche Herren muten uns zu, über solche Gemeinden das Interdikt zu verhängen. Auffällig ist, daß kein einziger Bischof Deutschlands, auch der von Speyer nicht, zu diesem Mittel gegriffen hat. Tatsächlich straft man damit nur die eifrigen Katholiken. Und bei allem, was man unternimmt, wird man sich zuerst fragen müssen, ob man in der Lage ist, es auch durchführen zu können. Eine Straf14 he ha fü als od me Pr wa de jed Me au ihr hiedene d Gröelt ich warm1933. in den e, von Karlsen Bee lange , weiß Es verhängung, die in absehbarer Zeit wieder zurückgenommen werden muß, erfüllt ihren Zweck nicht. scheinen überhaupt manche Herren in ihrer Kurzsichtigkeit die heutige Lage falsch zu beurteilen, um daraus dann auch wieder falsche Urteile über das Verhalten der Kirchenbehörde zu fällen. Die Herren werden später einmal einsehen, daß ihre Methode nicht zweckdienlich gewesen wäre. Wie sehr ich unter diesen Dingen, die meinen Klerus treffen, täglich leide, brauche ich Dir nicht zu versichern. Trage Deine Verbannung aus übernatürlichen Gründen. Gott weiß, warum er sie über Dich verhängt. Sicher nur zu Deinem Besten und zum Besten der Kirche. Indem ich Dich herzlich grüße und segne, bleibe ich Dein treu ergebener Conrad Erzbischof. veres für Pfarrei Bericht habe, cht. Es en. In chwürDie Antwort, die ich unserm Erzbischof auf seinen teilnehmenden Brief geschrieben, will ich ebenfalls dem Leser mitteilen. Auge. en Geschon xehr in te aber ür das, lehnen ie VerHerren dikt zu Bischof Mittel ur die unterman in e StrafMutterhaus Gengenbach, den 2. Okt. 33. Hochwürdigster, lieber Herr Erzbischof! Exzellenz! Mit herzlichster Freude und innigstem Dank habe ich heute Ihre Zeilen erhalten. Mein Geschick ist hart, ich habe für die Kirche gekämpft und den letzten Pfennig für meine Pfarrei geopfert, so daß ich heute nichts habe als Schulden, aber ich war noch keine Stunde unglücklich oder unzufrieden. Noch selten war auf dem Grunde meiner Seele ein so tiefer Friede wie in diesen Tagen der Prüfung. Ich arbeite hier, wie wenn nichts geschehen wäre. Von N. erhalte ich fortwährend Kundgebungen der Treue und Anhänglichkeit. Ein Kind schreibt, wie jeden Morgen 40-60 Personen nach Orsingen in die hl. Messe gehen, wie am Sonntag den ganzen Tag die Leute auf der Marienhöhe vor dem Bild der Gottesmutter für ihren Seelsorger beten. Sechs Jungmänner waren be15 Es reits hier, um nach mir zu sehen. Der Stiftungsrat wollte eine Unterschriftensammlung veranlassen, um Ihnen die wahre Stimmung der Pfarrei mitteilen zu können. wurde verboten. Der Präfekt des Jungmännerbundes, ein prächtiger und begabter Jungmann, wurde ins Gefängnis gesteckt. Kein Mensch weiß, warum. Wenn ich mich ehrlich frage, welches die tiefsten Gründe dieses Sturmes sind, kann ich sie nur im aufblühenden Leben der Pfarrgemeinde finden. In den 7½ Jahren meines dortigen Wirkens ist die Kommunionziffer um das achtfache gestiegen, Jugend- und Jungmännerbund, Mütterverein und Kongregation, Marienritterorden und Jungschar arbeiteten frisch und freudig. Im Pfarrhaus hatten wir ein schönes Jugendheim, das ich selbst fast ganz bezahlte. Im vergangenen Herbst gingen wir an den Bau des Gemeindesaales und Kindergartens. Damals erhielten Sie von einer kleinen Gruppe ein Protestschreiben, in welchem der Satz stand: ,, Wir werden dem Bau der Kinderschule den stärksten Widerstand entgegensetzen." Jeglicher Widerstand ging von dieser kleinen Gruppe aus, die trotz ihrer nationalen Gesinnung mit den Kommunisten ein Herz und eine Seele war. Ich habe oft Zugeständnisse gemacht und habe erst vor kurzem mit dem Turnverein ein Arbeitsprogramm aufgestellt. Die Vorstände des Turnvereins wurden dafür bei der Kreisleitung verklagt. Das Mädchen, das die Unterlagen gegen meine Person wegen der angeblichen Grußverweigerung geliefert hat, ist die Tochter eines Wirtes, der vor 6 Jahren dem Kommunistenführer Bock sein Lokal zur Verfügung gestellt hat, damit er eine Rede über Konnersreuth halte. 16 Noch heute ist die große Mehrzahl der Pfarrgemeinde treu hinter mir. So lange diese Mehrheit nicht auf mich verzichtet, würde ich es für Feigheit halten, auf meine Pfarrei zu verzichten. Ich glaube eine solche Entschiedenheit auch der Kirchenbehörde und meinen Mitbrüdern schuldig zu sein. Wie ich gestern vom Herrn Pfarrer von Bohlingen erfahren habe, wächst der Appetit in der Seegegend, einer Reihe von Geistlichen dasselbe Schicksal zu bereiten. Was der Klerus nicht begreifen kann, ist die völlig unwahre Berichterstattung in den Zeitungen und die angebliche Ohnmacht der Regierung, endgü Pfarre dem S zogen. gen, erschi ten, w wilde derse landa sehen vogel Tätig An zeugu ten K die s insbe unse Im H Ordi leich Regi könn Alle Kult ziehe freu I über viel Die für Situ ich Mein Sege 2 Lustrum rat wollte Ihnen die nen. Es erbundes, e ins Gee tiefsten im aufIn den mmunionnd JungMarienfreudig. eim, das m Herbst KinderGruppe md: ,, Wir n Widerging von ationalen und eine acht und Arbeitsrnvereins Das Mädwegen der die Tochmunistenat, damit gemeinde auf mich auf meine Entschienen Mitm Herrn Her Appechen dasnicht beCattung in er Regierung, diesen wilden und künstlichen Demonstrationen ein endgültiges Ende zu bereiten. Nur in meiner eigenen Pfarrei weiß man die Wahrheit. Die Demonstration vor dem Stockacher Pfarrhaus war an den Haaren herbeigezogen. Zwei junge Leute, die in mein Zimmer eindrangen, kannten mich nicht einmal. Als die Gendarmerie erschien, verschwanden die Demonstranbestellten ten, wie sie gekommen waren. Würde die Regierung diese wilden Aktionen entschieden verbieten und die Anstifter derselben in Schutzhaft nehmen, dann wäre es landauf, landab ruhig. Nimmt sie aber auch weiterhin eine zusehende Stellung ein, dann werden wir Geistliche vogelfrei und sind vollkommen gelähmt in Tätigkeit. unserer Andererseits stimme ich Ew. Exzellenz zu in der Überzeugung, daß mit dem Interdikt auch tatsächlich die guten Katholiken getroffen würden. Ich habe auch immer die schwierige Stellung der Kirchenbehörde anerkannt, insbesondere sind wir Geistliche fest überzeugt, daß unser Oberhirte alles tut, um seine Priester zu schützen. Im Klerus wurde schon davon gesprochen, ob das Erzb. Ordinariat nicht über den Weg der Reichsregierung, vielleicht durch Vermittlung des Vatikans, unsere Badische Regierung zu einer klaren Stellungnahme veranlassen könnte. Ich weiß ja nicht, ob solche Wege möglich sind. Alle aber sind der Meinung, daß ein kurzer und harter Kulturkampf einem langen und schleichenden vorzuziehen sei, zumal der letztere im Gewande der Kirchenfreundlichkeit erscheine. Ich befolge Ihren Rat und fasse meine Verbannung übernatürlich auf. Ich pastoriere mit Gebet und Opfer viel erfolgreicher als durch das unmittelbare Apostolat. Die Nachbargeistlichen verteilen sich gerne in der Arbeit für meine Herde. Gott kann mit einem Schlag die Situation ändern. Im unbedingten Gottvertrauen warte ich die Zukunft ab. Ich werde auch täglich in Ihrer Meinung beten und opfern. Mit herzl. Dank für den Segen und mit dem Versprechen unwandelbarer Treue bin ich Ew. Excellenz gehorsamster 2 Lustrum luxaturae. Kl. St., Pfarrer. 17. Ein Nachbarspfarrer ließ mir schon am 26. Sept. ein Trostbrieflein zukommen, in welchem es u. a. heißt: ,, Ich nehme innig Anteil an Deinem herben Geschick. Wenn ich auch weiß, daß Dir der gute Humor über vieles hinweghilft, so wirst Du unter diesem beelendenden Vorgang doch leiden müssen. Mich hat es so erschüttert, daß ich in jener Nacht nicht schlafen konnte. Wenn Du so sang- und klanglos wegmüßtest, ohne daß eine Person von N. dagegen protestierte so abhängig sind ja doch nicht alle verdient N. mindestens ein Vierteljahr keinen Pfarrer mehr. Wenn Freiburg nicht diese mildeste Art von Interdikt in N. in Anwendung bringt, dann werden noch viele das gleiche Los mit Dir teilen müssen. - Wahrlich, Du hättest in N. etwas anderes verdient! Oremus pro invicem.¹) bischo erlaub gutges bereit an un Staats Sache In Mein schrift ha des Kreis fall, den Abschnitt tungsrates S. Reger." In der Ei Pfarrer S wollender Ein tapferer Mann war in meiner Pfarrei der invalide Kirchenrechner. Schon am 27. September schrieb er mir die herzlichen Worte: ,, Tiefergriffen durch die Umstände, unter denen Sie, hochw. Herr Pfarrer gezwungen wurden, den Ihnen so lieb gewordenen Wirkungskreis unter uns Katholiken zu verlassen, fühle ich mich vor Gott und meinem Gewissen verpflichtet, Ihnen meine herzliche Teilnahme auszusprechen und den Lenker aller Geschicke zu bitten, daß er alles zum Guten lenke. Im Vertrauen auf die göttliche Vorsehung werden Sie die Kraft finden, die Heimsuchung zu ertragen. Mit heiliger Entrüstung haben die Katholiken von N. die Kunde von Ihrer Vertreibung aufgenommen und so mancher, der bisher gleichgültig beiseite stand, ist aufgerüttelt worden. Wir werden nichts unversucht lassen, um Ihnen, hochw. Herr Pfarrer, die Rückkehr zu uns zu ermöglichen. Wir wissen ganz gut, mit welcher Liebe Sie an N. und Ihren Pfarrkindern hängen, und wir hoffen, daß Sie auch zurückzukehren gewillt sind. Der Kath. Stiftungsrat hat sich bereits in einem Schreiben an den hochwürdigsten Herrn Erz1) Wir wollen füreinander beten, 18 giösen Le verstande lige kath Einrichtu ken habe munion, der Mari war, die endlich d Mehr ab segensrei weisen. rer verst Liebe u nur bis hinein." Jugendsc Marienri fuhr dan führten ergriffen Kunde s Seelsorge Sept. ein Geschick. ber vieles endenden rschüttert, -- Wenn daß eine. Engig sind n Viertelurg nicht nwendung s mit Dir verdient! Reger." invalide er mir die Henen Sie, Ihnen so oliken zu m Gewisme auszuen, daß er göttliche msuchung ie Kathong aufgeig beiseite nts unverdie Rückgut, mit dern hänehren gebereits in errn Erzbischof gewandt, das ich Ihnen in Abschrift beizulegen erlaube. Eine größere Kundgebung von seiten aller gutgesinnten Pfarrkinder an den Herrn Erzbischof ist bereits in Vorbereitung und geht in den nächsten Tagen an unseren Oberhirten ab mit der Bitte, sich bei der Staatsregierung dafür einzusetzen, daß diese unliebsame Sache beigelegt wird. In treuer Ergebenheit grüßt Sie Martin, Kirchenrechner." Mein Antwortschreiben, von dem ich leider keine Abschrift habe, wurde an der Post in N. von den Verbündeten des Kreisleiters abgefangen und führte zu einem Zwischenfall, den ich später berichten werde. Es soll unter diesem Abschnitt das oben angeführte Schreiben des Kath. Stiftungsrates vom 26. September im Auszug mitgeteilt werden. In der Einleitung bemerkt der Stiftungsrat:„ Hochw. Herr Pfarrer St. hat in seiner liebenswürdigen, jedermann wohlwollenden, treuherzigen Art, mit seinem biederen tiefreligiösen Lebenswandel und edlen Charaktereigenschaften es verstanden, die Herzen aller Edeldenkenden für unsere heilige katholische Religion zu entflammen." Dann werden die Einrichtungen aufgezählt, welche die Pfarrei ihm zu verdanken habe die Einführung der Frühmesse, der Ständekommunion, die Verschönerung der Pfarrkirche, die Errichtung der Marienhöhe, die zu einem Wallfahrtsplätzchen geworden war, die Errichtung eines großen, 12 m hohen Höhenkreuzes, endlich der Bau der Kinderschule und des Gemeindesaales. Mehr aber noch lag dem Stiftungsrat am Herzen, auf die segensreiche Tätigkeit ihres Pfarrers bei der Jugend hinzuweisen. ,, In ganz besonderer Weise hat es unser Herr Pfarrer verstanden, die Jugend um sich zu scharen. Mit großer Liebe und Verehrung hängen sie an ihm, und zwar nicht nur bis zur Schulentlassung, sondern bis in das reifere Alter hinein." Es wird dann hingewiesen auf die Gründung der Jugendschar, des Jugend- und Jungmännerbundes, des Marienritterordens, der Marianischen Kongregation usw. Er fuhr dann fort: ,, Ew. Exzellenz werden nach all dem Angeführten mitfühlen, von welchem Kummer Groß und Klein ergriffen wurde, als am letzten Freitag, den 22. d. M. die Kunde sich in der Pfarrei verbreitete, daß unser geliebter Seelsorger in Schutzhaft genommen worden sei." Zum Schluß 19 wird der Erzbischof ersucht, für die Rückkehr des vertriebenen Pfarrers sich einzusetzen. - - Mitten zwischen diesen trostvollen Äußerungen dankbarer Pfarrkinder wir werden in einem eigenen Abschnitt besonders schöne Proben mitteilen steht wie eine schmerzliche Dissonanz eine Benachrichtigung des Erzb. Ordinariats in Freiburg, die so lautet: ,, Wir erteilen Ew. Hochwürden vorerst den nachgesuchten Urlaub von drei Wochen. Sie wollen uns jeweils über Ihren Aufenthalt Mitteilung machen. Vor einer Rückkehr in Ihre Pfarrei wollen Sie besondere Weisung von uns einholen. Wir bemerken ausdrücklich, daß das Kultusministerium von uns Ihre Versetzung verlangt hat, weil Sie in Ihrer Vergangenheit durch Ihre schriftstellerische Tätigkeit dem Nationalsozialismus gegenüber zu sehr belastet seien." Das Schreiben ist datiert vom 26. Sept. 1933, also 4 Tage nach dem berühmten Volksauflauf. Man sieht, es war alles vorbereitet bis ins Kultusministerium hinein. Gesundhei chem ,, sch könne als ihren Pfar wissenscha oder dem an so man Wölfe war Hirten ver seinen Ge mich in d ihrer Seel tember ha Gestern w Sonntag n bach zurü mir die N sorger ge Wenigster 7. Die verwaiste Herde. Wenn eine Pfarrei plötzlich ihres Seelsorgers beraubt wird, erkennen die Leute besser als durch jede Predigt, was der Priester für sie, für ihr Leben und Sorgen, für ihre Kinder und ihre Kranken war. Ich hatte zwar immer dankbare Pfarrkinder, aber man hielt das Arbeiten und Opfern des Seelsorgers doch für etwas Selbstverständliches und dachte vielleicht mehr an das Schöne, was ein geistlicher Herr habe: er bekomme nie schmutzige Hände, dürfe immer im Sonntagsrock ausgehen und habe eigentlich schon Feierabend, wenn er seine heilige Messe gelesen habe. Wie oft haben meine Pfarrkinder, wenn sie mich durch ihre Felder gehen sahen, mir freundlich zugerufen: ,, So, Herr Pfarrer, gehen Sie spazieren!" Während meiner schweren Erkrankung im Jahre 1928 begleitete mich meine verstorbene Schwester Anna auf einem kleinen Spaziergang. Am Bahnhof waren einige Arbeiter mit dem Abladen eines Güterwagens beschäftigt. Da hörten wir recht deutlich einen sagen: Pfarrer haben es doch gut, die können unter dem halben Tag spazieren gehen und wir müssen schuften." So stieg ich denn einmal auf die Kanzel und erklärte meinen aufmerksamen Zuhörern den Unterschied zwischen körperlicher und geistiger Arbeit mit ihren verschiedenen Auswirkungen auf 20 ,, Ja, die Die Ki weinten Brüder Köpfe h des gött seinem so vielen Hölle ist in einem mäßigen Pater wo Hoch Sie gebe sie mit versteht gewiß le Schweste glaube, verstehe guten Fr Ich me Und wer einen G les vertrie- ı dankbarer schnitt be- e schmerz- Ordinariats [ochwürden n. Sie wol- \g machen. besondere icklich, daß g verlangt schriftstel- ber zu sehr Sept. 1933, Man sieht, hinein. ss beraubt redigt, was r ihre Kin- r dankbare ypfern des nd dachte ferr habe: im Sonn- eierabend, oft haben ‚der gehen Ter, gehen ‚nkung im Schwester nof waren 15 beschäf- Ja, die om halben ‚0 stieg ich aufmerk- ‚Jjichef und ungen auf "M Gesundheit und Nervenkraft, erklärte ihnen, daß hinter man- chem„scheinbaren Spaziergang“ mehr Anstrengung stecken könne als hinter mancher„lauten Arbeit“.— Jetzt sahen sie ihren Pfarrer nicht mehr mit dem Brevier oder sonst einem wissenschaftlichen Buch über die Feldwege der Marienhöhe oder dem Herpelekreuz zupilgern. Jetzt erinnerten sie sich an so manches, was er ihnen gesagt und„prophezeit“ hatte. Wölfe waren in die friedliche Herde eingebrochen, hatten den Hirten vertrieben und rächten sich nun nach Herzenslust an seinen Getreuen. Da machten sie sich auf und besuchten mich in der Verbannung oder sie schrieben mir, was auf ihrer Seele lastete. Ein sehr feines Briefchen vom 26. Sep- tember hat folgenden Text:„Hochwürdiger Herr Pfarrer! Gestern war ich im Pfarrhaus in Nenzingen. Doch schon am Sonntag nachmittag, nachdem die jungen Leute von Gengen- bach zurückgekehrt, hat die„Göttin“(Patin) von Willi Maier mir die Nachricht überbracht, daß unser vielgeliebter Seel- sorger gesund sei.„Gott sei Dank“, sagten wir, erleichtert. Wenigstens soviel. Die Kinder kamen am Freitag aus der Schule mit rotge- weinten Augen, wir mußten nur mit ihnen weinen. Die Brüder waren erst wortlos vor Schrecken und ließen die Köpfe hängen. Wer sollte da nicht an die Gefangennahme des göttlichen Heilandes denken? Gewiß, er läßt Sie aus seinem Kelche trinken. Wie ist es auch nur möglich, von so vielen verehrt und geliebt! Der Haß von wenigen und die Hölle ist los, aber es sagte mir einmal ein alter Benediktiner in einem ähnlichen Fall: So etwas passiert nur einem heilig- mäßigen Mann!(Hier wird sich die Schreiberin samt dem Pater wohl etwas geirrt haben.) Hochwürdiger Herr Pfarrer, ich glaube, es wird viel für Sie gebetet. Die Leute sind gedrückt und traurig; so bald sie mit einem reden wollen, fangen sie an zu weinen. Man versteht das, wenn man an sein eigenes Weh denkt. Doch gewiß leiden die lieben Fräulein Anna und Maria(meine Schwestern) noch am meisten. Sie dauern mich so sehr. Ich glaube, die Leute gehen zu ihnen, um Trost zu holen und verstehen nicht ihr Herzeleid. Man muß beten für die lieben guten Fräulein.®: Ich meine, in N. ist die Sonne ganz und gar untergegangen. Und wenn ich vom Fenster die Kirche sehe und dem Heiland einen Gruß sende, dann muß ich weinen. Er weiß, warum. 21 Der Karl meint ruhig ,, Unser guter Herr Pfarrer wird wieder kommen, seine Getreuen warten auf ihn, und er wird mehr Anhänger finden als vorher." Wird aber das ein Freudentag sein! Dann wird die Sonne wieder scheinen, die Vögel werden singen, die Glocken läuten, die Böller schießen, die Kinder und die Alten werden jubeln und dem lieben Gott recht danken. In Gengenbach bei den lieben, besorgten Schwestern können Sie sich erholen. Auch unsere Krankenschwestern beten viel für Sie und wir alle. Gewiß beten auch Sie für uns und schicken uns Ihren Segen. Mit herzlichen Grüßen von uns allen, auf frohes Wiedersehen! Ew. Hochwürden dankbar ergebenste R. Häring. Noch besondere Grüße von Emili, Annemarie und den Buben." Die Verfasserin dieses herzlichen Briefes war früher im Ausland, besonders in England. Sie zeichnet sich in gleicher Weise aus durch echtes Christentum wie durch edle menschliche Bildung. Sie wohnt heute bei ihrem verheirateten Bruder auf einem einsamen Hof, eine gute halbe Stunde vom Pfarrdorf entfernt. Da sie sehr leidend ist und nur mühsam gehen kann, war sie immer sehr dankbar, wenn ich gelegentlich im Dürrnast erschien, nach ihr und ihren Neffen und Nichten schaute und sie ermahnte, der gelehrten und tugendhaften Tante recht zu folgen. Eine Kongreganistin vom echten Schrot und Korn schrieb am 29. Sept. 1933 ihrem Präses, sie habe am Morgen jenes Freitages eine innere Vorahnung gehabt, deshalb sei sie nicht zur Arbeit, sondern zu Fuß zum Zahnarzt nach Stockach getrottelt, habe aber unterwegs fest gebetet. Von dort sei sie mittags heimgekommen und habe das Vorgefallene erfahren. Sie fährt dann wörtlich fort: ,, Wie ich dann erfuhr, Sie seien nach Stockach geholt worden wegen des Grußes am Sonntag, da lachte ich nur, hielt ich doch die Sache nicht für schlimm.( Sie wissen ja, daß das Lachen bei mir zum Leben gehört. Wenn ich mal nimmer lachen kann, stehts ganz schlimm.) Wie aber dann das völlig Unfaẞbare zur grausamen Wirklichkeit wurde, da verstummte das Lachen bei mir und bei allen Gutgesinnten. Kann es eigentlich gar nicht schildern, wie es allen zu Mute war. Jede Fröhlichkeit und 22 Sorglosigk lastete auf er dürfe se täuschen, gebetet wo sichert sei Liebe zu und viel Monatsko ganz für geflossen, lich nicht und eine Richard, Ihnen sow Sie so gli Ansicht, d jubelndes beth gesu große Fre den") ka über den ganz wo Kreuzsch von uns v alles, wa wollen w Herrn se Mit d nen ohne Dankbar Einen Sturm g Briefche ber 1933 Verb 1) ,, Die schen Bode pfarrer in redigierte i wird wieer wird ein Freuel werden ie Kinder Gott recht stern könchwestern ch Sie für Grüßen Häring. und den früher im n gleicher e menscheten Bruunde vom hur mühn ich geen Neffen rten und n schrieb gen jenes sie nicht ckach geOrt sei sie erfahren. fuhr, Sie rußes am nicht für um Leben ehts ganz rausamen i mir und icht schilkeit und Sorglosigkeit war gewichen. Ein ganz unheimlicher Druck lastete auf uns allen. Jedenfalls glaubte der Teufel schon, er dürfe seinen herrlichen Triumph feiern. Aber er wird sich täuschen, denn noch selten ist soviel und so aus tiefster Seele gebetet worden, wie gerade in diesen Tagen. Sie dürfen versichert sein, daß alle N. Pfarrkinder, die noch ein wenig Liebe zu unserem Heiland im Herzen haben, Ihnen gut sind und viel für Sie beten. Wir Marienkinder haben unsere Monatskommunion und die hl. Messe am letzten Sonntag ganz für Sie aufgeopfert. Fast unaufhörlich sind die Tränen geflossen, auch auf der Männerseite, und die sind ja bekanntlich nicht so für Tränen eingestellt. Eine wahre Erleichterung und eine große Freude war die Versicherung von Willi und Richard, daß Sie wenigstens gut aufgehoben sind und es Ihnen soweit gut gehe. Und ich freue mich mit Ihnen, daß Sie so glücklich und zufrieden sind, denn ich bin auch der Ansicht, daß wir mitten im schwersten Leid dem Herrn ein jubelndes Te Deum singen dürfen, wie es einst die hl. Elisabeth gesungen hat in kalter, stürmischer Winternacht. große Freude war es auch für mich, als die ,, Wege zum Frieden") kamen, auch wenn Sie nicht mehr hier sind. Sie haben über den Festtag von Hegne so schön geschrieben, es tat mir ganz wohl.( Einkleidung und Profeẞ bei den Ingenbohlern Kreuzschwestern)... Sollte der Heiland auch jetzt das Opfer von uns verlangen, daß wir auf unsern geliebten Präses und auf alles, was uns lieb und teuer ist, verzichten müssen, dann wollen wir beten der Herr hat es genommen. Der Name des Herrn sei gebenedeit. Eine Mit den herzlichsten Grüßen von allen Kongreganistinnen ohne Ausnahme. Ganz besonders grüßt Sie in herzlicher H. Sch." Dankbarkeit. Einen interessanten Einblick in das Denken jener, die den Sturm gegen den Pfarrer von N. entfesselt hatten, bietet ein Briefchen des Pfarrers W. R. von Orsingen vom 29. September 1933. Es lautet: ,, Mein lieber Freund! Herzlichen Sonntagsgruß zuvor in Deine klösterliche Verbannung. Dein Brieflein, das ich heute erhielt, hat 1) ,, Die Wege zum Frieden war ein Sonntagsblatt, das als Beilage der ,, DeutGründer ist der frühere Münsterschen Bodensee- Zeitung" in Konstanz erschien. pfarrer in Konstanz Dr. Konrad Gröber, unser derz. Erzbischof. Von 1927-1935 redigierte ich das ,, Sonntagsblatt". 23 - mich recht erfreut, vielen Dank dafür. Sei ohne Sorge, ich hüte treu und mit aller Liebe Deine verwaiste Herde. Herzlich nehme ich Anteil an Deinem Schicksal, es ist eine Prüfung für Dich und die ganze Gemeinde. Ich bin froh für Dich, daß Du alles in Ruhe erträgst und des seelische Gleichgewicht nicht verlierst. Haben wir Mut und Gottvertrauen! Deus providebit! 1) Du wirst über das, was in der Gemeinde inzwischen vorgegangen ist, unterrichtet sein. Der letzte Sonntagsgottesdienst hat besser gewirkt wie ein Missionstag. Zwar bin ich wie ich erfahre auch bereits an ,, maßgebender Stelle" verkrampelt worden. Aber ein alter Krieger läßt sich so leicht nicht aus der Ruhe bringen. Am nächsten Sonntag 48 Uhr halte ich in N. Singmesse und lade anschließend zum ,, feierlichen" Gottesdienst in Orsingen ein. Sie haben einen„, feierlichen" Gottesdienst verlangt,( die Unruhestifter!) sie sollen ihn bei mir haben. Nur will ich sehen, ob sie auch kommen. Am nächsten Mittwoch ist drüben hl. Messe, anschlieBend hole ich dann in St. Martin das Allerheiligste zurück. Im übrigen tue ich, was in meiner Macht steht, um die Gemüter drüben zu beruhigen. Du selbst bist jeden Tag in mein Memento eingeschlossen. So hoffen wir denn auf ein baldiges, frohes Wiedersehen. Semper TUUS²) mit mir möchte i Je meh sage ten, imm daß Es S tägli und opfe sone Flei unse woll rech nis Es Lie mit Op bek W. R." ( Es Der Pfarrer von Orsingen machte seinem Namen alle Ehre, er heißt nämlich Ritter. Nach der Meinung der ,, Stürmer" hätte das Ordinariat keinen schlimmeren mit der Betreuung der verwaisten Pfarrei betrauen können. Er machte aus seinem Herzen keine Räuberhöhle und sagte ihnen bittere Wahrheiten, die sie ingrimmig einstecken mußten. Am gleichen 29. Sept. 1933 brachte mir die Post ein Briefchen aus einer kinderreichen Familie in N., die denselben Namen trägt wie ich. Im Frühjahr jenes ereignisreichen Jahres machte ich die Rompilgerfahrt mit unserm Erzbischof. Am Tage vor meiner Abreise kam in dieser Familie ein kleines Bübchen zur Welt. Eine Stunde vor der Wegfahrt taufte ich den kleinen Klemens, der nun Vor- und Zuname 24 1) Gott wird Sorge tragen. 2) Stets der Deinige. Eltern Bemerk gibts T wie sie sagen uns seh Die aufs Pa von sec 1) Die kleine Aus 2) Di Ine Sorge, ste Herde. sal, es ist Ich bin angen ist, lienst hat in ich— ler Stelle“ Bt sich so en Sonn- lade an- Orsingen zottes- sollen ihn kommen. anschlie- ligste zu- cht steht, elbst bist So hoffen n. MR“ men alle er Stür- der Be- 'r machte hnen bit- ten. sin Brief- denselben jsreichen pzbischof. nilie ein wegfaht! Zuname mit mir gemeinsam hat. Das Briefchen aus dieser Familie möchte ich ebenfalls unverkürzt mitteilen: „Lieber Onkel Klemens! Je weiter Sie persönlich von uns entfernt sind, desto mehr weilen wir im Geiste bei Ihnen. Es läßt sich nicht sagen, wie wehe es uns getan hat, als wir erfahren muß- ten, wie es Ihnen ergangen ist. So bange es uns auch immer noch ist, so geben wir uns doch der Hoffnung hin, daß Sie uns nicht im Stiche lassen, und wieder kommen. Es soll uns deshalb auch nicht zuviel sein, womöglich täglich drüben in Orsingen die, hl. Messe zu besuchen, und dieselbe für Sie, lieber Onkel Klemens, aufzu- opfern. Es ist jeden Tag ein Trüppchen von 40 Per- sonen, heute waren es sogar gegen 60. Auf den üblichen Fleißzettel!) wollen wir gern verzichten, wenn wir nur unsern lieben Onkel Klemens wieder bekommen. Wir wollen aber auch für jene beten, die Ihnen solches Un- recht zugefügt haben, damit auch sie zur Selbsterkennt- nis kommen, denn diese wissen gewiß nicht, was sie tun. Es sind aber auch manche schon zur Einsicht gekommen. Lieber Onkel Klemens, beten Sie aber auch für uns, da- mit wir unserem Versprechen treu bleiben und keine Opfer scheuen, um unseren lieben Onkel Klemens zu bekommen. Mit freundlichen Grüßen auf frohes Wiedersehen...“ (Es folgen die Unterschriften und Grüße der Kinder, der Eltern und der Tante.) Die witzige Tante macht noch die Bemerkung:„Noch einen extra Gruß vom Trudele, sonst gibts Tränen. Sie’) hattens schon im Kindergarten gelernt, wie sie unseren Herrn Pfarrer wieder empfangen. Und dann sagen'sie erst noch:. Wir grüßen Sie herzlich und freuen uns sehr.“ 8. Treue und Bekennermut. Die Jungmänner, die ihre Empfindungen nicht so leicht aufs Papier bringen, schickten eines Tages eine Abordnungs von sechs Mann nach Gengenbach, um nach ihrem Präses zu 1) Die Kinder erhielten für freiwilligen Besuch der hl. Messe in den Ferien eine kleine Auszeichnung 2) Die Kleinen im Kindergarten 25 schauen. Über diese Treue und diesen Bekennermut war ich hocherfreut, denn nach allem, was vorausgegangen war, gehörte viel Mut dazu, den nun einmal ,, Mächtigen" die Stirne zu bieten und sich auf die Seite des verfolgten Pfarrers zu stellen. Sie erzählten mir mit jugendlichem Schwung ihre Erlebnisse. Mit viel Vergnügen berichteten sie von einer Frau, die dem Kreisleiter und seinem Stab auf dem Rathaus die dicksten Liebenswürdigkeiten an den Kopf warf, als man sie rufen ließ, um sie im Ort zum Schweigen zu bringen. Man drohte ihr mit Gefängnis, aber da kamen sie an die Rechte. Kurz und bündig erklärte sie: ,, Steckt mich nur ein, dann könnt ihr meine 6 Kinder unterhalten." Dazu hatten die Herren aber keinen Appetit und so machte man es wie der Hohe Rat im Evangelium: Man drohte ihr und ließ sie wieder laufen. Und die Wirkung war, daß im ganzen Umkreis die Geschichte erzählt und belacht wurde. Meine Jungmänner sollten ihre Treue zum Präses auch büßen müssen, doch zuvor will ich ein kleines Erlebnis aus den Besuchstagen in Gengenbach erzählen. Zum Mutterhaus in Gengenbach gehört der schöne Abtsberg. Dort hat das Mutterhaus auch eine vorbildliche Hühnerfarm. Eines Tages pilgerte ich mit meinen jungen Gästen auf den Abtsberg, zeigte ihnen alles, unter anderm auch die Hühnerfarm. Die Legenester der Hühner sind so eingerichtet, daß eine Kontrolle über die Legetätigkeit der Hühner möglich ist. Bei der Besichtigung machte ich die scherzhafte Bemerkung: Den Hühnern, die nicht legen, wird der Kopf abgehauen. Hier macht man es, wie der neue Staat es denen macht, die sich seiner Gewalt nicht fügen. Die Jungmänner lachten, aber niemand von uns hatte beachtet, daß die mir befreundete kleine Annelies etwas von den Worten aufgeschnappt hatte. Am folgenden Tag saß die Kleine an ihrer Schulaufgabe. Sie sollte aus einzelnen Worten ganze Sätze bilden. Ihre Tante und eine auf Besuch weilende Lehrerin halfen dabei. Auf einmal sagt die Kleine: ,, Aus dem Wort ,, Staat" habe ich schon einen Satz gebildet." ,, Ja, und wie heißt der?", fragt die Tante. Ich habe geschrieben: ,, Dem heutigen Staat gehört der Kopf abgehauen."" Ums Himmelwillen", rufen die beiden Fräulein voll Entsetzen ,,, wie kommst du zu einem solchen Satz?" Mit der Harmlosigkeit eines Kindes entgegnet die kleine Annelies: ,, Das hat der Onkel Klemens gestern auf dem Abtsberg gesagt, ich habe ja zugehört." Die Fräulein hatten nun die liebe Not, der Kleinen zu beweisen, 26 daß sie wäre m gekomm die Gen wohl de des ver des Rec Was b gute W Annelie nur erd zur nat überziel Klemen dizineri Von nis ab, Datum ge eir un ho Ih jer Da nic Ka wi wi ha He He HHouw r re un W gr 1) In 'mut war Igen war, gen“ die ten Pfar- Schwung sie von auf dem ‚opf warf, veigen zu kamen sie, teckt mich on.“ Dazu ıchte man > ihr und ) im gan- de. Meine ßen müs- den Be- haus in das Mut- Tages pil- org, zeigte Die Lege- Kontrolle > der Be- Den Hüh- fier macht ich seiner . niemand ‚te kleine atte. Am gabe. Sie hre Tante bei. Auf ; habe ich 2", fragt Staat 8° rufen die zu einem 5 entges“ mens 86° ört. Die heweised: daß sie es nicht richtig gehört habe. Man stelle sich vor, sie wäre mit diesem schönen Satz auf ihrer Tafel in die Schule gekommen und hätte dem Lehrer dieselbe Offenbarung über die Genesis(Entstehung) dieses Satzes gegeben. Das wäre wohl der beste Beweis für die absolute Staatsgefährlichkeit des verfemten Onkels Klemens gewesen. Mit einem Schein des Rechtes hätten die Verschworenen alle sagen können: „Was brauchen wir da noch Zeugen 2?“ Eine gute, ja sehr gute Wirkung hatte der kleine Zwischenfall. Die begabte Annelies ist nachdenklich geworden und hat sich trotz aller nur erdenklichen Anstrengungen auf der andern Seite nie zur nationalsozialistischen Weltanschauung und Praxis hin- überziehen lassen. Sie blieb ihrer Tante und dem Onkel Klemens treu und ist heute eine begeisterte katholische Me- dizinerin. Von Bekennertreue legt auch das folgende Brieflein Zeug- nis ab, das von einer kinderreichen Mutter stammt und kein Datum trägt: „Lb., hochw. Herr Pfarrer! Ach, es ist doch traurig, was sich in den letzten 10 Ta- gen alles zugetragen hat. Oft ist es mir, als ob alles nur ein Traum wäre. Es ist, als ob alle guten Geister aus unserer Gemeinde verschwunden wären, seitdem Sie, hochw. Herr Pfarrer, fortgegangen sind. Wie mag es Ihnen wohl zu Mute gewesen sein? Ich denke viel an jenen schönen Ölberg, den wir kürzlich besucht haben.!) Das sind doch auch Ölbergstunden. Jedoch wir wollen nicht verzagen und mutig weiterkämpfen, denn auf den Karfreitag kommt auch der Ostertag. Kommen Sie doch bald wieder zu uns, damit Sie uns wieder zum göttlichen Herzen Jesu führen können, denn wir sind arme, verirrte Schafe, die keinen Hirten mehr haben. Heute ist Erntedankfest. So tot und öde! Und der Herz-Jesu-Freitag ist auch so nahe. Armer, verlassener Heiland im Tabernakel! Wir wollen alle unsere schwe- ren Sorgen hineinlegen in das heilige Gottesherz. Auch unsere himmlische Mutter wollen wir bestürmen.— Wenn Sie wieder zu uns kommen, so werden wir mit srößerer Liebe und größerem Vertrauen zu Ihnen auf- 1) In Bethenbrunn bei Heiligenberg. Es war eine Pilgerfahrt des Müttervereins. 27. schauen. War das ein Jammer mit den Kindern! Doch sie beten fleißig, daß es Ihnen gut gehen möge. Auch wir Große schließen sich uns ihnen an, daß alles doch wieder gut werde. Auch Grüße von meinem Mann. Sie ( die Männer) bieten alles auf im Stillen. Herzliches Vergeltsgott für alles, was Sie, hochw. Herr Pfarrer, mir und meinen lieben Angehörigen getan, und freundliche Grüße Ihre stets dankbar ergebene A. R." Am chen vo böse W und ve ger, als fallen w fühlt si ist es z besser beten u Die Kinder dieser Mutter schrieben am 1. Oktober 1933 zusammen mit einigen Nachbarskindern, daß sie immer noch sehr betrübt seien, daß sie aber alles dem Heiland aufopfern wollen. Sie fahren fort: ,, Es ist ja so schön für ihn zu leiden. Die kleine Hedwig möchte doch am Weißen Sonntag zur ersten hl. Kommunion gehen. Jetzt jammert sie immer, daß Herr Pfarrer nicht da ist. Kommen Sie recht bald wieder zu uns. Nachher wollen wir wieder singen und uns freuen. Wir grüßen Sie herzlich und hoffen auf baldiges Wiedersehen. Ihre Kinder M R., H. R., M. K. usw." Es ist schade, daß ich nicht sämtliche Briefe im vollständigen Text anführen kann, aber es würde eine naturgemäße Wiederholung mancher Gedanken bedeuten. Alle Briefe sind in einer seelischen Hochspannung und inneren Ergriffenheit geschrieben, deshalb haben sie durchweg eine Form, wie man sie von einfachen Landleuten sonst nicht erwarten kann. Eine Vertreterin des Kirchenchores bemerkt in ihrem gediegenen Brieflein: ,, Ich glaube, daß es Ihnen besser geht als uns. Alles kommt einem hie und da vor wie ein Traum. Wie es hier geht, werden Ihnen die Besucher wohl alles erzählen. Abends pilgern wir zur Lourdesgrotte¹), die wir ja Ihnen, lieber Herr Präses zu verdanken haben. An diesem Plätzchen könnte man die ganze Nacht verweilen. Wir denken immer, der gute Herr Präses hat uns so nahe zur Gottesmutter geführt und sie wird ihn auch wieder zu uns führen... Viele vom Kirchenchor waren Kirche. Wir können hier nun einmal nicht singen. Prüfung Der He Die gedacht Liebe, seinen erschie betungs mir au sich au noch e bereut guter an nic Ein Schreib 6. Okto ste se K hi se ar in Espasingen in der un wa Ich schließe mit dem Sodalengruß M. B." Pr 1) Auf der sogenannten Marienhöhe. Ein von der Jungmännerwelt verwirklichter Gedanke. ter hi 28 m! Doch ge. Auch alles doch ann. Sie >, hochw. gen getan, ‚ebene AR“ ober 1933 nmer noch aufopfern ın zu lei- ı Sonntag sie im- recht bald | und uns - baldiges - ‚urgemäße riefe sind sriffenheit ‚ wie man en kann. rem 8- r geht als n Traum. alles er- je wir ja \n diesem Wir den- zur Got- y zu UNS ) in der M. B" verwirklich“ Am folgenden Tag, am 2. Oktober 1933 ging ein Brief- chen vom Mesnerhaus ab. Darin heißt es:„Wir haben eine böse Woche hinter uns. Überall begegnet man traurigen und verweinten Gesichtern. Mutlos sind wir wie die Jün- ger, als sie nach Emmaus gingen. Wenn nur das Ende aus- fallen würde wie damals, dann wäre alles wieder gut. Man fühlt sich zurückversetzt in die Zeit der Pharisäer. An Ihnen ist es zur Wirklichkeit geworden:„Der Jünger solls nicht besser haben als der Meister.“ Wir können nichts machen als beten und nochmals beten und geduldig ausharren, bis die Prüfungszeit vorüber ist. Wer weiß, für was es gut ist! Der Herrgott wird es schon recht machen. Es grüßt Sie herzlich das ganze Mesnerhaus.“ Die Stürmer des 22. September 1933 haben wohl nicht gedacht, daß ihre Aktion solche Wirkungen auslöste, daß die Liebe, Treue und Anhänglichkeit des katholischen Volkes zu seinen Priestern durch ihren Vorstoß in einem hellen Lichte erschien. Eine Kongreganistin, die ich später in ein An- betungskloster nach Steyl in Holland bringen durfte, teilte mir auch eine von diesen unerwünschten Wirkungen mit, die sich auf ihre Schwester bezog:„Dem Herrn Präses darf ich noch etwas verraten. Meine Schwester L. hat unter Tränen bereut, daß sie sich einem Bunde anschloß, von wo aus unser guter Präses so verfolgt wird. Seit jenem Tag hat sie auch an nichts derartigem teilgenommen.“ Ein Treuebekenntnis schlicht und einfach bildet das Schreiben des Magistrates der Jungfrauenkongregation vom 6. Oktober 1933. Es soll ganz angeführt sein: „Lieber, hochw. Herr Präses! Heute darf ich im Auftrage meiner lieben Mitschwe- stern eine gar liebe Pflicht erfüllen: unserm guten Prä- ses zu schreiben. Verlassen und verwaist ist unsere Kongregation. Der Herr Präses fehlt überall. Niemand hilft uns raten, niemanden können wir fragen. Jetzt sehen wir klar, was Sie in unserer Kongregation ge- arbeitet#® wie Sie viele Abende für uns geopfert, wie Sie uns alles Neue sofort gelehrt haben. Wie manchen Abend waren wir gemütlich beisammen, denn wenn der Herr Präses dabei war, dann war es immer schön. Wir hat- ten uns auch nicht immer so dankbar gezeigt, denn wir hielten alles für. selbstverständlich. Und jetzt ist alles 29 vorbei. Lieber Herr Präses, wir alle fühlen und leiden mit Ihnen. Ach, wie gerne würden wir Ihnen helfen! Beten tun wir fest für Sie. Das ist noch das einzige, was wir für Sie tun können und tun dürfen. Schon viel ist für Sie gebetet worden, besonders in der Lourdesgrotte. Heute abend beten wir Kongreganistinnen eine Sühneandacht zum heiligsten Herzen Jesu. Denn gerade durch Ihre Vorträge ,, Christus und Du" wissen wir, daß alle Schmach und Verleumdung, die man Ihnen zufügte, auch das göttliche Herz Jesu mitgelitten hat. Wir wollen aber noch nicht aufhören, für Sie zu beten. Unsere liebe himmlische Mutter wollen wir bitten, daß Sie recht bald wieder zu uns kommen dürfen. Wir alle aber bitten Sie recht herzlich: Herr Präses, kommen Sie doch bald, recht bald wieder zu uns! O wie schön wird es dann wieder! Bis dahin halten wir fest zusammen und stehen treu zu unserem lieben, guten Präses. Maria mit dem Kinde lieb Unserem Präses deinen besonderen Segen gib! In Dankbarkeit grüßt Sie die ganze Kongregation E. Kn., M. St., M. B., M. S., M. B., H. B., H. Sch." Dieser Brief der Kongregation hat noch ein Anhängsel, das mir eine feine Episode in Erinnerung ruft. Ein Fräulein aus Gegenbach war eben in N. und schickte ebenfalls Grüße. Dieses Fräulein war in Konstanz in einem sog.„ ,, besseren Haus" angestellt, bei welchem der badische Gauleiter und Reichsstatthalter Robert Wagner viel verkehrte. Nach einem besonders guten Mittagessen' kam er in guter Laune in die Küche und fragte dieses Fräulein, ob sie einen Wunsch hätte, er werde ihn gerne erfüllen. Das erinnert schon ein bißchen an jenen Herodes, der der Tänzerin Salome die Erfüllung jedes Wunsches versprochen hatte. Jene mußte erst mit der Mutter beraten, was sie sich wünschen sollte, unser Fräulein aber besann sich keinen Augenblick und gab dem Herrn Statthalter prompt die Antwort: Wenn Sie mir einen Wunsch erfüllen wollen, dann sorgen Sie dafür, daß der Pfarrer von N. wieder in seine Pfarrei zurückkehren kann." Nun ging es dem großmütigen Gauleiter genau wie dem Herodes er war ratlos. ,, Werde sehen, was ich da machen kann", so ungefähr antwortete er. 30 وو Die o dazu ang Leser au nehmung Tempo a kristalisi Schauen gezeichn gebildete nen jung Stockach 1933 nac اوو E Freu eige Gru sam mic wir Wo geb eng gibt ich. Wer hall ber der in stel me alln vor Frü Sto 1) DM 2) Ein Montafon. ins Sanato nd leiden nhelfen! zige, was viel ist desgrotte. e Sühnede durch daß alle gte, auch ollen aber ere liebe echt bald bitten Sie och bald, ann wied stehen gen gib! ion H. Sch." nhängsel, Fräulein Is Grüße. , besseren iter und ch einem me in die sch hätte, n bißchen Erfüllung t mit der Fräulein m Herrn mir einen daß der en kann." wie dem a machen 9. Der Entscheidung entgegen. Die oben angeführte Äußerung des Gauleiters war nicht dazu angetan, kühne Hoffnungen zu hegen. Es wird dem Leser aufgefallen sein, daß alle Verlautbarungen und Unternehmungen vom Freundes- und Feindeskreis in raschem Tempo aufeinander folgten. Aus der Fülle des Hin und Her kristalisierte sich bald eine Situation heraus, die dem klar Schauenden genug sagte. Von dieser Erkenntnis ist ein ausgezeichneter Brief getragen, der aus der Feder eines jungen gebildeten Mannes stammt, der in vorbildlicher Weise meinen jungen Marienritterorden leitete. Er hatte sich nach Stockach verheiratet. Von dort schrieb er am 6. Oktober 1933 nach Gengenbach: ,, Sehr verehrter, hochw. Herr Pfarrer! - - Endlich meldet sich wohl bald als letzter Ihrer Freunde der Burggraf Ihres DMRO¹), dessen Pflicht es eigentlich gewesen wäre, Ihnen als erster einen lieben Gruß in die Ferne zu schicken. All das Traurige, das zwischen unserem letzten Beisammensein und diesem Brief liegt, wirkte sowohl auf mich wie auf meine lb. Frau so niederdrückend, daß wir es heute noch fast nicht begreifen können. Es wird wohl nur ganz wenige außerhalb Ihres Familienkreises geben, die das Glück hatten, mit dem Onkel Klemens so eng befreundet zu sein wie sein Raphael II.2) Und es gibt deshalb auch wenige, die Sie so genau kennen wie ich. Und gerade deshalb ist es für mich so unfaẞbar. Wenn ich bis heute nicht schrieb, dann geschah es deshalb, weil ich immer noch hoffte, irgend etwas Freudiges berichten zu können. Aber die neuerlichen Ergüsse in der Presse haben diese Hoffnung begraben. Es tut mir in der Seele weh, wenn ich Ihnen in aller Ehrlichkeit gestehen muß, daß ich an eine baldige Rückkehr nicht mehr glauben kann. Die Saat, die z. B. durch eine fast allmächtige Presse ausgestreut wird, würde bei ihrem vorzeitigen Wiederkommen sicher die schlimmsten Früchte hervorbringen, noch schlimmer, als dies in Stockach in Erscheinung trat. 1) DMRO- Deutscher Marienritterorden. 2) Eine Anspielung auf unsere gemeinsame Ferienfahrt nach„ Maria Rast" in Montafon. Der Raphael I war ein Lehrer, der mich in meiner Krankheit nach Luzern ins Sanatorium St. Anna begleitet hatte. 31 Trotz dieser Erkenntnis habe ich jedoch noch nie daran gezweifelt, daß N. seinen Seelsorger wieder bekommt. Es ist einfach völlig unmöglich, daß derartige Zustände von langer Dauer sind. Früher oder später muß doch einmal klar entschieden werden, ob der Kurs mit oder ohne oder gar gegen die katholische Kirche gesteuert wird. Der heutige Zustand ist ja für jeden wirklich kirchentreuen Katholiken eine dauernde Gewissensqual, deren Beseitigung auf irgendeine Art kommen muß. Bis dahin heißt es halt die Zähne aufeinanderbeißen. Über die Ereignisse in N. werden Sie wohl genau unterrichtet sein. Unser Burgmarschall wird immer noch ,, beschützt".) Wir waren am Sonntag auf der Marienhöhe. Es wurde sicher noch nie soviel gebetet dort oben bei unserer lb. Frau vom Siege²), wie in diesen Tagen der Bedrängnis. Und keiner der vielen Pilger wird wohl ins Tal hinabsteigen, ohne nicht auch ein heißes Bittgebet für den lieben, so schmählich behandelten Onkel Klemens, zur Königin des Himmels emporgesendet zu haben. Auch wir beide bemühen uns, durch unser tägliches Gebet ein klein wenig von unserer großen Dankesschuld abzutragen. Der liebe Gott allein weiß es, wieviel wir Ihnen zu verdanken haben. Wir freuen uns jeden Tag über unsern Hochzeitstag, der uns zeitlebens eine Erinnerung sein wird an die schöne Zeit Ihres seelsorgerlichen Wirkens in N. Die helle Freude, die damals den ganzen Tag aus Ihren Augen leuchtete, hat sich in unseren Herzen festgesetzt. Wir haben mit Ihrer Hilfe unser großes Glück auf Gott gebaut. Er wird auch in dem großen Anliegen der Pfarrgemeinde N. alles so zum Guten lenken, daß das Auge des Seelsorgers bald wieder voll Freude leuchten wird. Gottes Wege sind oft wunderbar. Wir werden tun, was in unseren Kräften steht, alles andere überlassen wir getrost dem, den sie ja auch ans Kreuz geschlagen haben. 32 Es würde uns riesig freuen, wenn wir gelegentlich einen kleinen Gruß aus Gengenbach kriegen könnten. Wir hoffen bestimmt, daß sich bald einmal die Gelegenheit bietet, all das mündlich vom Herzen herunter zu sagen, was in diesen Zeilen keinen Platz finden kann. 1) Er wurde mit dem Jugendführer eingesteckt. 2) Unter diesem Titel wird Maria im DMRO besonders verehrt. Seien Liebe Trost für il Siege jede führt In und Wied Mari Auf S gungen, zu verhe gerechtig Jungmän kamen, notpeinli wir mit Mein M und zur dem St Orgel n wurde und mu über ihr war so Jungmä ren, kan mir irg brüteter einem Angst, 1) No die interes des Jungyo dem Haup Tag zurüc angesproch Heimweg hatten sie Für das V allem wiss Beuron an 11-14jähr 3 Lustru ch nie daieder bederartige Her später der Kurs Kirche geden wirkGewissenskommen feinanderohl genau d immer auf der betet dort Hiesen Talger wird in heißes elten Onorgesendet unser tägm DankesB es, wiereuen uns zeitlebens Thres seelie damals at sich in rer Hilfe d auch in es so zum ald wieder oft wunften steht, sie ja auch elegentlich könnten. Gelegenrunter zu den kann. Seien Sie versichert, daß in Stockach zwei Herzen in Liebe und Treue zu Ihnen schlagen. Möge es Ihnen ein Trost sein, daß so viele Hände sich zum Gebete falten für ihren geliebten Seelsorger. Unsere liebe Frau vom Siege wird uns Marienritter nicht verlassen. Sie, die jede Bitte erhört, wird den Weg zeigen, der zum Siege führt. In diesem Geiste senden Ihnen herzliche, liebe Grüße und verbleiben in der frohen Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehen Ihr dankbares Ehepaar. Maria siegt!" Julius und Paula. Auf Seiten der Gutgesinnten machte man alle Anstrengungen, um der Gerechtigkeit und der Vernunft zum Siege zu verhelfen, auf der Parteiseite tat man alles, um die Ungerechtigkeit und die Unvernunft zu verewigen. Als die Jungmänner, die mich in Gengenbach besucht hatten, heimkamen, wurden sie auf das Rathaus zitiert und einem hochnotpeinlichen Verhör unterzogen. Man wollte wissen, was wir miteinander gesprochen hätten und dergleichen mehr. Mein Mesner wurde nachts um 12 Uhr aus dem Bett geholt und zur Verantwortung gezogen, weil er am Sonntag nach dem Sturm nicht mit allen Glocken geläutet habe, weil die Orgel nicht gespielt wurde usw.¹) Ja, meine ältere Schwester wurde in diese hochwichtige Angelegenheit hineingezogen und mußte sich in der ,, Bodensee- Rundschau" eine Belehrung über ihren Pflichtenkreis gefallen lassen. Die heimliche Angst war so groß, daß sie die wunderbarsten Blüten trieb. Einige Jungmänner, die an einem Herbstsonntag nach Beuron fuhren, kamen sofort in den schwersten Verdacht, daß sie mit mir irgendwo Verschwörungen gegen den neuen Staat ausbrüteten. Sie wurden ebenfalls einer Untersuchung und einem Verhör unterzogen. Ein drolliges Beispiel dieser Angst, das zwar in eine spätere Periode der Kampfentwick1) Noch im Jahre 1940 erhielt er am Chemin des Dames im Briefe seiner Mutter die interessante Mitteilung: Uber Pfingsten sollten Klemens und Martin in ein Lager des Jungvolkes gehen. Ich erlaubte es ihnen nicht. Die Gründe kennst Du ja. Nach dem Hauptgottesdienst machten sie eine Fahrt nach Beuron und kamen am nächsten Tag zurück, Sie waren zu dritt. In Beuron wurden sie von einem geistlichen Herrn Auf dem angesprochen, der sie zu einem Rundgang durch das Kloster mitnahm. Heimweg wurden sie an der Straße nach Stockach von Spähern erwartet. Kaum hatten sie daheim die Fahrräder abgestellt, als sie schon aufs Rathaus geholt wurden. Für das Verhör war sogar ein Herr von der Kreisleitung erschienen. Er wollte vor allem wissen, wer der geistl. Herr gewesen sei, der sie vor der Klosterkirche in Beuron angesprochen habe. So hatte man im Kriegsjahr 1940 noch Lust und Zeit 11-14jährigen Jungen Spitzel bis nach Beuron nachzuschicken. 3 Lustrum luxaturae. 33 33 So lung gehört, möge ich hier des Zusammenhanges wegen erzählen. Wir hatten einem Jungmann den Auftrag gegeben, im Zigarrengeschäft Steinhart in Stockach ein Kistchen Zigarren zu besorgen. Wir sind seit vielen Jahren mit der alten und jungen Familie Steinhart befreundet. Als der Jungmann das Kistchen dort abholte, war ein anderer Herr im Geschäft, der überzeugt war, daß die Stunde für ihn gekommen sei, um im neuen Staat Karriere zu machen. meldete er denn auf dem Rathaus, daß ein fanatischer Anhänger des Onkels Klemens für diesen ein ganz verdächtiges Paket in Empfang genommen hat. Huh, war am Ende eine Höllenmaschine drin! Sofort wurde das Paket beschlagnahmt, der Empfänger mußte auf dem Rathaus antreten und dann wurde es im Beisein des Bürgermeisters und anderer Zeugen vorsichtig geöffnet. Als aber nichts anderes zum Vorschein kam, als Zigarren und ein freundliches Briefchen ohne staatsgefährlichen Inhalt, gab es lange Gesichter. Minderheit die Kreisle sollten und solche brut meiner Ha dem sie un die übrige meint: ,, D fen." Sie walttätigk vielleicht würden, b etwas ber wegen der mäus- Bibl modern au Bibliothek eine must kam ein H thek in 14 ausgeschie dafür ein uns ein g Die Gedaß es fo Mein Jugendführer¹), der an Fähigkeiten und Charakter alle unsere Gegner um 100% übertraf, der schon in jungen Jahren glänzende Reden vor der ganzen Gemeinde und auswärts gehalten hatte, mußte zuallererst die Wut der Gegner verspüren. Er wurde ohne jede Begründung verhaftet und einige Wochen ins Gefängnis gesteckt, wo er dann mit anderen politischen Gegnern einträchtig Skat spielte. fängniskosten habe ich ihm selbstredend bezahlt. Der sog. Marschall, ein ganz harmloser Jungmann, wurde auch eingesteckt. Er hatte erzählt, was ihm im Stockacher Pfarrhaus über die Sturmszenen berichtet worden war. ein etwas grobkörniger Zimmermann hatte bei einem Glas Bier sich zu dem grausigen Wort verstiegen, die Kugel für Hitler sei schon gegossen. Klug war diese Bemerkung Sein Vater, wahrhaftig nicht, aber ehrlich gemeint war sie. Dafür durfte er einige Monate in ein Konzentrationslager wandern. Ein oder zwei Jahre später hätte diese Bemerkung ihm den Kopf gekostet. Mit den Gegnern im Orte wären meine Männer und Jungmänner schnell fertig geworden, denn sie waren eine 1) Ein Jungmann berichtet: An jenem Abend, an welchem unser Jugendführer W. M. verhaftet wurde, stand ich mit einem Mann in später Stunde vor unserem Hause. Zwei mächtig ins Kraut geschossene braune Lauscher und Schleicher- sonst Leute ohne jede Bedeutung- kontrollierten die Straße, um sich Verdienste und womöglich Pöstchen zu erwerben. Kaum hatten sie uns sprechen hören, als sie auf uns zukamen, um festzustellen, wer wir seien. Beim Elternhaus unseres Jugendführers machten sie Halt. Sie stellten sich an die Fenster und horchten gespannt, was die Eltern und Geschwister des Verhafteten wohl sprechen würden. Sie scheuten sich nicht, ihre Horch posten auch vor den Schlafzimmern der Eheleute aufzustellen. 34 gabe und gelegt, so lein Gier ihre Aufg lich war wünscht. nimmt un daß sie m öffentlich ter werd will ich nen Geg Pfarrblat von Augs schien in Verlag F gemacht: nicht auf Pfarrblat wegen ergegeben, stchen Zimit der Als der erer Herr ir ihn gechen. So scher Anrdächtiges Ende eine beschlagreten und d anderer eres zum Briefchen ter. Charakter in jungen und auser Gegner aftet und mit anDie GeDer sog. auch einPfarrhaus in Vater, mem Glas Kugel für emerkung Für durfte lern. Ein ihm den nner und aren eine Jugendführer vor unserem eicher- sonst ste und wo8 sie auf uns ugendführers annt, was die scheuten sich zustellen. Minderheit und waren sehr feige, aber hinter ihnen stand die Kreisleitung, das Ministerium und die Gauleitung. Was sollten und wollten die guten Leute unternehmen gegen solche brutale Gewalt? Es liegt noch ein treffliches Brieflein meiner Hauptbibliothekarin vor mir vom 6. Okt. 1933. Nachdem sie ungefähr dieselben Gedanken der Anteilnahme wie die übrigen ausgesprochen, schaut sie in die Zukunft und meint ,, Der Herrgott werde die Beteiligten bestimmt strafen." Sie hat nicht falsch gesehen. Im Hinblick auf die Gewalttätigkeit der Gegner wirft sie die Frage auf: ,, Wäre es vielleicht besser, wenn Sie noch eine Zeitlang dort bleiben würden, bis die haẞerfüllten und verhärteten Gemüter sich etwas beruhigt haben?" Sie stellt dann noch einige Fragen wegen der Bibliothek und der Bücherausgabe. Die Borromäus- Bibliothek in N. war durch die Zentrale in Bonn ganz modern ausgebaut worden. Da ich selbst Bezirkspräses der Bibliotheken war, legte ich Wert darauf, in meiner Pfarrei eine mustergültige Bibliothek zu haben. Auf meine Bitten kam ein Fräulein Gier aus Bonn und erneuerte die Bibliothek in 14tägiger Arbeit. Etwa 70 veraltete Bände wurden ausgeschieden und ebensoviele oder noch mehr neue wurden dafür eingestellt. Der Verlag Feyel in Überlingen beschaffte uns ein gedrucktes Bücherverzeichnis, das so angelegt war, Für die Ausdaß es fortwährend ergänzt werden konnte. gabe und Kontrolle war das modernste Kartotheksystem angelegt, so daß ein Buch kaum verloren gehen konnte. Fräulein Gier hatte zwei Mädchen angelernt, die in der Zukunft ihre Aufgabe tadellos und mit Geschick erledigten. Natürlich war diese Bibliothek unsern Gegnern aufs höchste unerwünscht. Man örte immer wieder die Frage: woher Kein Wunder, nimmt unser Pfarrer nur das viele Geld? daß sie mir im Frühjahr 1933 in der ,, Bodensee- Rundschau" öffentlich Unterschlagung des Klingelbeutels vorwarfen. Später werde ich auf diese Sache zurückkommen. Zunächst will ich noch auf eine andere Waffe hinweisen, die von meinen Gegnern gefürchtet und gehaßt wurde, das war das Pfarrblatt ,, St. Ulrichsstimme", so genannt, weil der hl. Ulrich von Augsburg der Patron der Pfarrkirche in N ist. schien in zwangloser Folge auf bestem Papier, gedruckt vom Verlag Feyel in Überlingen. Ich hatte mir zum Grundsatz gemacht: Alles was getadelt und gerügt werden muß, kommt nicht auf die Kanzel, sondern wird ruhig und sachlich im Pfarrblatt behandelt. Hier kann man die Worte nicht verSie er35 berg aus ei Sie meiner dieselbe au kindern in auch nicht notwendig meinen Ein wirkten un Germanien dieser Wei über, den Bewegung tungen er seien und drehen, wohl aber überlegen. Ich gebe gern zu, daß mancher Satz in der Ulrichsstimme zur scharfen Waffe wurde, namentlich wenn das Grenzgebiet zwischen Religion und Politik gestreift wurde oder wenn ich eine Fehde mit einem Verein auszufechten hatte. Eine gewisse Berühmtheit haben die sog. politischen Katechismusfragen erlangt, die im Frühjahr 1932 erschienen. Da war die Frage aufgeworfen, warum wir Katholiken den Protestanten Hindenburg zum Reichspräsidenten gewählt hätten und nicht den Katholiken Hitler. Die Antwort lautete: ,, Weil Hindenburg ein gläubiger Protestant ist und uns Katholiken in den 7 Jahren seiner Präsidentschaft nie ein Unrecht zugefügt hat. Hitler dagegen und seine Anhänger haben die kath. Glaubenslehre verfälscht und predigen Haß gegen ihre Mitmenschen." Es wurde dann weiter ausgeführt, es sei eine schwere Sünde,( natürlich nur dann, wenn die Erkenntnis der Sündhaftigkeit, besonders der Folgen, vorhanden sei. Bei einfachen Leuten fehlt diese Erkenntnis oft) solche Männer zu wählen, weil sie der Kirche heimlich in den Rücken fallen und ihr ungeheuren Schaden zufügen. Endlich war die Frage aufgeworfen, ob es in Deutschland nicht doch besser werden könnte, wenn die Nationalsozialisten regieren würden. Diese Frage wurde verneint mit der Bemerkung: Eine kirchenfeindliche Regierung kann uns nicht glücklich machen, weil ihr der Segen Gottes fehlt. Man vergleiche nun einmal diese Gedanken mit dem Ende des dritten Reiches am 8. Mai 1945. Aber damals entfesselte diese ,, Katechismusstunde" einen maẞlosen Sturm gegen mich. Das Hauptblatt ,, Der Führer"( in Karlsruhe) rief den Generalvikar des Erzbischofs gegen mich auf und beim Sturm im Herbst 1933 wurde die ,, Katechismusstunde" als ausschlaggebend bezeichnet, um den Kampf erbarmungslos zum Abschluß zu bringen. Es gab auch auf Freundesseite Stimmen, die mein freimütiges Warnen als unklug bezeichneten, weil man glaubte, man könne den Tiger noch in ein Lamm verwandeln. Später aber schrieb ein Jungmann ,, Die N.. ger sehen immer mehr ein, daß dem Onkel Klemens seine Ideen richtig waren." Das Sätzlein ist in der Form etwas unbeholfen, aber es verrät sehr gut die Gesinnungswandlung bei manchen Unsicheren. Trotzdem tobte der Sturm weiter und warf seine Brandungen weit hinaus über die Grenzen der Heimat und des Vaterlandes. Ein deutsch- amerikanischer Pfarrer, der auf der Rückreise nach Amerika war, schrieb mir von Heidel36 Ich we daß ich ob nur als an leicht kon segensreic lich zum Daß d auch aus ersten w der Vorsi vom selb sich näch bei dem vikar. F Der und gab Ordinari ein Rüc feige, u machen. der offer Ordinari bene Pr aß mancher de, namentPolitik genem Verein haben die m Frühjahr warum wir ReichspräsiHitler. Die Protestant Präsidentagegen und = verfälscht wurde dann atürlich nur sonders der fehlt diese eil sie der ungeheuren orfen, ob es e, wenn die rage wurde liche Regie- der Segen e Gedanken 1945. Aber inen maßFührer"( in gegen mich atechismusKampf erauch auf berg aus einen Brief, in welchem es u. a. heißt: ,, Ich möchte Sie meiner aufrichtigen Teilnahme versichern. Sie werden dieselbe aufrichtige Teilnahme bei Ihren ehemaligen Pfarrkindern in Amerika finden. Nicht um Ihnen zu schmeicheln, auch nicht in dem Sinne, daß mein Wort der Anerkennung notwendig wäre, darf ich vielleicht aber doch sagen, daß nach meinen Eindrücken Sie am segensreichsten und wirksamsten wirkten unter allen hochverdienten und eifrigen Pfarrern Germaniens. Noch vor zwei Wochen äußerte ich mich in dieser Weise in Hessen einem amerikanischen Priester gegenüber, den ich unerwartet traf, der als Führer der liturgischen Bewegung in Amerika sich bei mir nach meinen Beobachtungen erkundigte. Er fragte noch eigens, wer denn Sie seien und wo N. in Deutschland gelegen sei. Ich verbleibe ergebenst Rev. H. Seiferle." Ich werde meinen Mitbrüdern nicht erst sagen müssen, daß ich obigen Superlativ über mein seelsorgerliches Wirken nur als amerikanische Höflichkeitsfloskel aufgefaßt habe. Vielleicht komme ich später einmal auf die Ursache meines segensreichen Wirkens in N. zurück, diese Ursache liegt nämlich zum wenigsten bei mir. Daß die Dinge einer Entscheidung zutrieben, ersah ich auch aus zwei Erlassen des Erzb. Ordinariats in Freiburg. Im ersten wurde dem Pfarrer vor Orsingen bis auf weiteres der Vorsitz im Stiftungsrat N. übertragen. Im zweiten Erlaẞ , Wir ersuchen Sie, vom selben Tag( 7. Okt. 33) hieß es: sich nächsten Mittwoch vormittag 10 Uhr zu einer Aussprache bei dem Unterzeichneten einfinden zu wollen." Der Generalvikar. R. دو Warnen als ne den Tischrieb ein n, daß dem Sätzlein ist ehr gut die seine Branat und des r, der auf von Heidel10. Die Würfel fallen. Der Herr Generalvikar empfing mich sehr freundlich und gab mir auch einen Einblick in die Bemühungen des Ordinariats. Indes war er der Meinung, es sei wohl kaum ein Rückzug beim Gegner zu erwarten, man sei dort zu feige, um ein offenes Unrecht einzugestehen und gut zu machen. Ich solle mir überlegen, ob ich mich nicht um eine der offenstehenden Pfarreien bewerben wolle. Man stehe im Ordinariat auf dem Standpunkt, daß verfolgte und vertriebene Priester eine Vorzugsstellung bei der Verleihung von 37 Pfarreien einnehmen müßten. Ich war über diese feine Behandlung erfreut, konnte mich aber noch nicht für eine neue Pfarrei entschließen, ich wäre mir wie ein untreuer Ehepartner vorgekommen. Vom Herrn Generalvikar ging ich zu unserem Herrn Erzbischof, der mich erwartete und mich als seinen einstigen Schüler und Zögling überaus gemütvoll und leutselig behandelte. Er sagte mir, mein bester Freund von N. sei bei ihm gewesen. Den konnte ich leicht erraten, es war der inzwischen verstorbene Bürgermeister Anton Martin, ein Mann mit allen wirtschaftlichen und christlichen Tugenden, den ich überaus hochschätzte. Der Erzbischof sagte dem Bürgermeister, er habe sich selbst telefonisch mit dem Ministerium in Verbindung gesetzt und habe energisch verlangt, daß mir die Rückkehr in die Pfarrei nicht verlegt werde. Die Antwort des Ministeriums war unentschieden und ausweichend. Man merkte überall, daß der einzelne Minister eine Null war, wenn er nicht radikal eingestellt war. Der Bürgermeister machte dann den Vorschlag, ich möchte vorübergehend einen Posten einnehmen, der mich nicht binde, so daß ich Pfarrer von N. bleiben und dann in der geeigneten Stunde wieder zurückkehren könne. Der Herr Erzbischof war damit einverstanden. Er meinte auch mir gegenüber, es habe keine Eile, ich könnte etwas Erholung noch gut brauchen. Aber ich solle es mir gut überlegen, er sei der Auffassung, daß eine Rückkehr in die Pfarrei wohl erreicht werden könnte, aber sicher nur um den Preis fortgesetzter Schikanen. So kehrte ich wieder nach Gengenbach zurück und wartete ab. Wie die Entscheidung auf der gegnerischen Seite fieberhaft angestrebt wurde, zeigen einige amtliche Dokumente. Das erste stammt vom Landrat und zeigt, daß auch er umgefallen war und den Parteigrößen das Opfer der selbständigen Meinung und Handlungsweise gebracht hatte. Schreiben des Landrates ist gerichtet an den Herrn Minister des Kultus, des Unterrichts und der Justiz in Karlsruhe und lautet: Das ,, Unter Bezugnahme auf unsere Berichte vom 22. und 23. Sept. 1933 Nr. 1900 und 1901 lege ich hiermit ein Schreiben des Pfarrers Klemens Stehle an den Kirchenrechner Martin in N. vom 28. September 1933 zur Kenntnisnahme vor. Durch derartige Schreiben und Besprechungen mit Angehörigen seiner bisherigen Pfarrei, die ihn in Gengenbach 38 besuchen, hältnisse NSDAP in neute Au angegeben nur noch leiter bin rers Steh ihn führe möchte j nicht übe der Atmo dung des Wir s ,, Hitler" er seinen mir heut brachte rühmlich Männern ber" bee Am nariat d ,, In diesen T in einer Richtigs begegne Die Kin hin geg Religion An einande Nie der Her Schule) Schule Es is gen mi Grußes feine Beeine neue euer Eheing ich zu mich als Litvoll und reund von rraten, es mton Marhristlichen Erzbischof Onisch mit energisch nt verlegt tschieden einzelne eingestellt chlag, ich der mich dann in Der Herr auch mir Erholung rlegen, er rrei wohl reis fortngenbach e fieberkumente. er umselbstäntte. Das rn MiniKarls22. und Schreinrechner misnahme mit Anngenbach besuchen, verhindert Stehle, daß eine Beruhigung der Verin hältnisse N. eintrete. Seitens der Mitglieder der NSDAP in N. wird dieses Verhalten Stehles natürlich als erneute Auflehnung gegen die NSDAP wie gegen den Staat angegeben die Erregung unter denselben wird dadurch nur noch gesteigert. In Übereinstimmung mit dem Kreisleiter bin ich der Auffassung, daß eine Rückkehr des Pfarrers Stehle nach N. nur noch zu weiteren Aktionen gegen ihn führen müßte, deren Verlauf nicht abzusehen wäre. Ich möchte jedenfalls die Verantwortung für seine Sicherheit nicht übernehmen. Im Interesse einer baldigen Befriedigung der Atmosphäre in N. wäre eine rasche, endgültige Entscheidung des Ordinariats in Freiburg sehr wünschenswert." gez. Dr. Wittler. Wir sehen, aus dem aufrechten Wittler ist ein richtiger ,, Hitler" geworden, der in 14 Tagen ,, umgelernt" hatte, damit Der Mann tut er seinen Posten als Landrat halten konnte. mir heute noch leid, daß er nicht mehr Charakterstärke aufbrachte einem Kreisleiter gegenüber, der sehr bald ganz unrühmlich verschwinden mußte, und einigen jungen groben Männern gegenüber, die man in N. mit dem Ehrentitel ,, Kälber" beehrte. Am 12. Oktober habe ich von Gengenbach aus dem Ordinariat die nachstehende Erklärung geschickt: ,, In einer Privatdepesche des„ Alemannen", die mir in diesen Tagen vorgelegt wurde, ist über die Vorgänge in N. in einer Art und Weise berichtet, die mich zu folgenden Richtigstellungen zwingt Es ist nicht wahr, daß ich den mir begegnenden Kindern den deutschen Gruß verboten habe. Die Kinder haben überhaupt erst auf unsere Aufforderung hin gegrüßt. Wir verlangten nur dieselbe Grußart wie im Religionsunterricht, also Deutscher Gruß mit Kath. Gruß. An diese Begegnung hat sich keine unmittelbare Auseinandersetzung geknüpft. Die Kinder gingen sofort weiter. Nie und nirgends habe ich gesagt, es sei nicht recht, wenn der Herr Erzbischof etwas derartiges( Deutscher Gruß in der Schule) anordne. Im Gegenteil, ich habe den Kindern in der Schule sofort die Erzb. Anordnung mitgeteilt. Es ist nicht richtig, daß sich eine erregte Volksmenge gegen mich auflehnte wegen der Brüskierung des Deutschen Grußes. Noch am Freitag morgen, als ich ins Bezirksamt 39 ( Landratsamt) nach Stockach gerufen wurde, wußten in N. nur einige Eingeweihte von der Sache. Während meines Aufenthaltes in Stockach ging ein SA- Mann herum, um zu einem ,, Gaudi" in Stockach einzuladen. Von meiner Pfarrei waren nur ganz wenige Leute bei der Demonstration in Stockach. Auch die Stockacher Bevölkerung hielt sich fern. Auch in der Wiedergabe einer Stelle aus der„ Katechismusstunde" ist ein wesentlicher Ausdruck weggelassen worden, so daß der Sinn irrig wird. Jene Katechismusstunde richtete sich in gleicher Weise gegen religiöse Anschauungen mehrerer Parteien." Das Erzb. Ordinariat hatte es nicht so eilig wie die Gegenseite und wie die Verängstigten. Erst unter dem 28. Oktober erhielt ich folgende Antwort von Freiburg: " , Vom Kultusministerium wird uns unterm 18. d. M. Abschrift Ihres Briefes an den Kirchenrechner Martin vom 28. September d. J. mit dem in Anlage beiliegenden Schreiben des Landrats in Stockach vom 9. Oktober an das Ministerium mitgeteilt. Gleichzeitig teilt uns das Ministerium ein Telegramm, datiert Stockach, 8. Oktober, folgenden Inhaltes mit: ,, die in N. tagende amtswalterversammlung des kreises stockach erhebt nachdrücklichen einspruch gegen die wiedereinsetzung des pfarrers stehle in N.== amann+" Vom Herrn Minister werden wir im gleichen Schreiben ersucht, Ihnen im Interesse der Beruhigung der Bevölkerung in N. nahezulegen, daß Sie sich im Verkehr mit Ihren bisherigen Pfarrkindern der größten Zurückhaltung befleißigen sollen. Wir können diese Forderung aus seelsorgerlichem Interesse nur unterstützen und möchten Sie ersuchen, die Korrespondenzen mit Mitgliedern Ihrer Pfarrgemeinde auf das unbedingt Notwendige einzuschränken und darin nicht nur das Herz, sondern auch den Verstand mitsprechen zu lassen. Es muß heute immer mit der Bekanntgabe solcher Briefe gerechnet werden. Wir werden in den nächsten Tagen in der Lage sein, Sie Ihrem Wunsche gemäß auf eine andere, Ihren Kräften entsprechende Seelsorgerstelle anzuweisen. Der Generalvikar." Ich habe die Sprache der Kirchenbehörde gut verstanden, ich wußte auch ganz gut, wie ich den scheinbaren Tadel zu 40 interpretie Ordinariat 1933, just folgt: „ Zu de statte ich 1. Meine der P Gruppe fühlt s mächti 2. Wie die hinterl der he Brief, ,, Ihre Pfarre Glocke mit Sc nicht e denn alle, d 3. Wenn deren durch büßen 4. Für ei den le Borro Jugen gleich Kinde 5. Ich ha tius i keine Aeuß 6. Durch heit gente bester 1) Im O ten in N, d meines N, um zu T Pfarrei ration in Sich fern, ‚KRatechis- ssen Wor- nusstunde hauungen > die Ge- n 28. Ok- . M. Ab- tin vom n Schrei- jas Mini- ımm, da- ‚die in N. ch erhebt zung des schreiben ölkerung ren bis- fleißigen ‚erlichem hen, die inde auf rin nicht echen zu e solcher sein, Sie ften eni- ikar.“ ‚standen; Tadel zu interpretieren hatte, aber aus dem gleichen Grund, den das Ordinariat hatte, so zu schreiben, antwortete ich am 31. Okt. 1933, just nach Vollendung meines 44. Geburtstages, wie folgt: „Zu den heutigen Mitteilungen des Erzb. Ordinariats ge- statte ich mir zu bemerken: 1. Meine Fernhaltung von der Pfarrei ist nie der Wunsch der Pfarrgemeinde gewesen, sondern einer kleinen Gruppe, die von der Kreisleitung gestützt wird. Deshalb fühlt sich auch der Herr Landrat in Stockach so ohn- mächtig. 2. Wie die Stimmung in der Pfarrei ist, kann aus der dort!) hinterlegten Korrespondenz ersehen werden. Einen Brief, der heute eingegangen ist, lege ich bei. In einem zweiten Brief, der ebenfalls heute eingetroffen ist, heißt es: „Ihre tapferen N....er sagen immer, wenn der Herr Pfarrer wieder zu uns kommt, werden wir mit allen Glocken läuten.“„Ist es recht, diese treuen Katholiken mit Schweigen zu bestrafen? Darf der Seelsorger ihnen nicht ein Wort des Trostes schreiben? Und warum haben denn gewisse Leute so Angst vor mir? Es wissen doch alle, daß ich nicht rachsüchtig bin. 3. Wenn ich gegen meinen Willen gewaltsam auf einen an- deren Posten geschoben werde, kann ich möglicherweise durch die Krönung des Unrechts Verstand und Herz ein- büßen. 4. Für einen Umzug fehlen mir die Mittel vollständig, da ich den letzten Pfennig in die Pfarrei hineingesteckt habe. Die Borromäus-Bibliothek in N. schuldet mir 200 Mark, das Jugendheim 500 Mark, die Kongregation 200 Mark. Des- gleichen habe ich mehrere hundert Mark in den neuen Kindergarten hineingesteckt. Ich habe heute nur Schulden 5. Ich habe dieser Tage mein Anliegen dem päpstlichen Nun- tius in Berlin mitgeteilt. Es dürfte wohl angebracht sein, keine Entscheidung zu fällen, bevor von dieser Seite eine Aeußerung vorliegt. 6. Durch meinen evtl. Wegzug von N. wird in der Mehr- heit der Bevölkerung keine Beruhigung eintreten, im Ge- genteil wird dieser Bevölkerungsteil, der sich aus den besten und treuesten Katholiken zusammensetzt, den Aus- # 1) Im Ordinariat. 41 gang der Sache als eine Preisgabe ihrer heiligsten Rechte empfinden." Der Punkt 5 in dieser Antwort dürfte den Leser interessieren, er wird nach der Antwort aus Berlin fragen. Ich habe nie eine Antwort vom Päpstlichen Nuntius erhalten, weil er ohne Zweifel mein Schreiben auch nie erhalten hat. Zum mindesten wäre der Eingang meines Schreibens und meiner Rombroschüre vom Jahre 1933 bestätigt worden. Was man damals nicht auf Umwegen weiterleitete, war in Gefahr, abgefangen zu werden. Wahrscheinlich ist mein Schreiben schon in Gengenbach festgehalten worden. ich Vielleicht könnte jemand den Eindruck gewonnen haben, als ob ich sehr stark an meinem Posten gehangen wäre und ihn um keinen Preis aufgeben wollte. Das wäre ein Irrtum. Ich hatte mir die Pfarrei N. nicht ausgesucht, wurde seinerzeit als Verweser hingeschickt und habe mir lange überlegt, ob ich mich um dieselbe bewerben solle. Ich habe es schließlich auf Drängen der guten Katholiken, besonders des edlen Bürgermeisters Martin getan. Es waren aber viele Dinge, die mich hätten abhalten können, so z. B. das 250 Jahre alte Pfarrhaus, das mitten im Ort an einem der unruhigsten Punkte lag u. a. m. Ich habe nur bis zum letzten gekämpft, um mir nie den Vorwurf zuzuziehen, ich hätte diese Gelegenheit benützt, um einen irdischen Vorteil zu erzielen. Wenn ich trotzdem ein schönes Plätzchen erhielt, dann verdanke ich das einer besonderen Fügung Gottes und dem Wohlwollen unseres Oberhirten. Doch bevor ich berichte, wie es zur endgültigen Entscheidung und Scheidung kam, möchte ich nochmals auf eine Briefserie zu sprechen kommen, die das Bisherige noch intensiver beleuchtet. Ich gab ihr deshalb auch eine entsprechende Überschrift. 11. Ein würdevoller Ausklang: der 23. November 1933. aus, und in der Ta trägt die laubnis, In dieser Kaplanei 30. Nove die geord damals f Der 23. November ist mein Namenstag. Die Kirche bittet in der Festmesse um die Leidenskraft, eine Bitte, die mir in jenen Tagen am nächsten lag. Eine Flut von Glückwunschbriefen kam auf diesen Tag in meine Klause in Gengenbach. Alle Gratulanten sprachen darin den Wunsch und die Hoffnung auf eine baldige Heimkehr zur rechtmäßigen Herde 42 oder für ich mich Audienz sollte. I war auch rarisch t des Ober gerne, da hat eine bischof: dann ken kürzung perior, d Einfachh und auf abzuwar er ist in aufgezog In m sieht ma sparen Briefe su vater, de rei beur heutiger tres ein wunderb denn sie heißt es Aber tr die Gew licher. nen. W handeln, en Rechte r interesagen. Ich erhalten, alten hat. bens und den. Was n Gefahr, Schreiben en haben, wäre und - ein IrrLicht, ich mabe mir solle. Ich iken, beEs waren , so z. B. an einem r bis zum ehen, ich en Vorteil s PlätzLeren Füten. Doch dung und fserie zu beleuchperschrift. che bittet lie mir in kwunschngenbach. die Hoffen Herde aus, und ich hatte bereits meine Anweisung nach Neusatzeck in der Tasche. Sie ist datiert vom 17. November 1933 und trägt die Bezeichnung ,, Absenzbewilligung“. Das ist die Erlaubnis, von der Pfarrei auf unbestimmte Zeit weg zu sein. In dieser Absenzbewilligung wurde ich als provisorischer Kaplaneiverweser und stellvertretender Superior auf den 30. November nach Neusatzeck angewiesen. Es wurden mir die geordneten Bezüge eines Pfarrers zugewiesen. Da die damals freien Pfarreien entweder zu groß für mich waren oder für meinen Gesundheitszustand ungünstig lagen, bewarb ich mich um keine derselben. Bei der zweiten bischöflichen Audienz kam nun die Rede auf Neusatzeck, das frei werden sollte. Ich kannte das Kloster mit seinem Exerzitienhaus, war auch mit dem Superior befreundet, zumal er auch literarisch tätig war. Es brauchte nur einen Wink von seiten des Oberhirten und ich erklärte Nach Neusatzeck gehe ich gerne, das ist wohl am besten meinen Kräften angepaẞt und hat eine gesunde Lage. Scherzend meinte der Herr Erzbischof ,, Bist ja schon einmal Schwesternseelsorger gewesen, dann kennst Dich ja aus." Ich fuhr sofort auf die Eck( Abkürzung für Neusatzeck) und besprach alles mit dem Superior, der auf einen größeren Arbeitsposten wollte. Der Einfachheit halber entschloß er sich, mit mir zu tauschen und auf meiner Pfarrei den Sprung auf einen größeren Platz abzuwarten. Das ist ihm schon nach Jahresfrist geglückt; Haslach er ist in die Hansjakobpfarrei im Kinzigtal aufgezogen und wirkt dort segensreich. - In meiner Pfarrei wußte man von all dem nichts, das sieht man den vielen Namenstagsbriefen an. Um Raum zu sparen und Wiederholungen zu vermeiden, muß ich diese Briefe summarisch behandeln. Da ist zunächst ein Familienvater, der mitteilt: ,, Soviel ich die heutige Lage in der Pfarrei beurteilen kann, glaube ich annehmen zu dürfen, daß die heutigen Verhältnisse mehr gewirkt haben, als wenn 5 Patres eine Mission abgehalten hätten. Gottes Wege sind wunderbar..... Wir wollen beten Herr, verzeih' ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun." In einem andern Brief heißt es: , Was wir alles durchkosten, weiß Gott allein. Aber trotz allem Leid bin ich innerlich doch glücklich, und die Gewißheit, daß es Ihnen gut geht, macht mich noch glücklicher. Rührend waren Ihre lieben Zeilen an unsere Kleinen. Wenn wir alle einmal so übernatürlich denken und handeln, sind wir gewiß auf dem Wege zum wahren Glück." 22 43 Der Dirigent des Männergesangvereins und Kirchenchores fand besonders schöne Worte. Es sollen einige Stellen angeführt sein: ,, Ich weiß ja, daß Sie gerne für Ihre Pfarrkinder leiden und Opfer bringen, weil Sie uns N... er gerne haben. Es ist die edle Art Ihres ganzen Wesens. Wenn die vielen Vaterunser, die für Sie, Herr Pfarrer, von Groß und Klein gebetet worden sind, Erhörung finden, dann wird es Ihnen in aller Zeit gut ergehen. Weitaus die Mehrzahl Ihrer Pfarrkinder hofft von ganzem Herzen auf Ihr Kommen. Was Sie uns sind, wissen wir erst so recht, seitdem wir Sie nicht mehr in unserer Mitte haben. Ihre unermüdliche Pflichttreue im Dienste seelsorgerlicher Arbeit werden wir nie vergessen. Sie haben ganze Familien, die am Rande des Abgrundes standen, vom Unglauben bedroht waren, durch Ihr frommes Leben und gutes Beispiel zurückgeführt und gerettet. In vielen Häusern hörte man wieder beten, wo vorher das Beten jahrelang verstummt war. Lieber Herr Pfarrer, Ihre Sendung und Aufgabe hier in N. ist noch lange nicht erfüllt. Darum hoffen wir auch auf ein frohes Wiedersehen. L. Sch." Ein reizendes Brieflein schickten die Ministranten mit ihrem jungen Mesner und Jungscharführer. Sie gedachten besonders des schönen Ministrantenausfluges auf den Heiligenberg und schildern, welche Verdienste sie sich um mich erwerben wollen. Daran knüpften sie köstlich ein Schriftwort ,, Es heißt ja, das Gebet der Gerechten dringt durch die Wolken, und so wollen wir Ministranten auch unser Möglichstes tun. Es grüßen Ihre treuen Ministranten Konrad Kn., Franz M., Anton M., Alfons Kn., Erwin A., Josef S., Eugen L., Heinrich R., Eugen H., Anton Kn." Das Wort von der Ministrantentreue stimmt, aber das von der Gerechtigkeit im Sinne von Frömmigkeit klingt im Munde der Ministranten etwas fragwürdig. Am Schluß des Briefleins steht die Bemerkung:„ Wenn Nero( mein Hund) sprechen könnte, würde er auch Grüße schicken, denn er sucht seinen Herrn." N. meine das bei I mir jedo Es tri Pfarrer der Kirc mit Müh der von kung ges Gelegent einer F Pfarrers Besitz d schaft w tung zu Nun führung der Bod gesagt u sammen oder Ve ser Ver das Glei nahmere Mein das Kon das Tra Zweideu Der früh ge kreises ber 193 mal un mit Mä lisch si christli dieser Er dieses Herrn St. Ma Im Namenstagsbrief meines ältesten Bruders sind zwei Äußerungen, die es verdienen, festgehalten zu werden. schreibt: ,, Ich wußte bestimmt, daß Du nicht kleinlich denkst und handelst, hatte aber Bedenken für Deine Gesundheit. Es ist ein guter Zug von Dir, wenn Du Deinen Pfarrkindern die Treue bis zum Äußersten hältst, aber gestorben ist in 44 Ve 2) Die Seite 62. chenchores tellen anPfarrkiner gerne Wenn die Groß und wird es zahl Ihrer Kommen. m wir Sie rmüdliche erden wir m Rande ren, durch Führt und beten, wo ber Herr och lange s WiederL. Sch." nten mit gedachten den Heium mich n Schriftngt durch uch unser ten Kon, Josef S., r das von klingt im Schluß des ein Hund) denn er sind zwei erden. Er ich denkst esundheit. arrkindern ben ist in N. meines Wissens noch kein Pfarrer. Vielleicht wollen sie das bei Dir auch verhüten. Etwas vulkanisches Blut scheint mir jedoch dort vorhanden zu sein." Es trifft zu, daß in den letzten hundert Jahren in N. kein An Pfarrer gestorben ist, sie sind alle vorher abgezogen. der Kirchenmauer stand ein verwitterter Grabstein, den ich mit Mühe entzifferte. Er berichtet von einem Pfarrer Moll, der von 1815-1835 Pfarrer in N. war und an Gehirnverkalkung gestorben ist. Deshalb ist er wohl auch dort geblieben. Gelegentlich eines Pastorationsbesuches entdeckte ich in einer Familie ein kleines, sehr wertvolles Porträt dieses Pfarrers und erstand es für mich. Es soll aber später in den Besitz der Pfarrei kommen. Während der braunen Herrschaft wäre es nicht zweckmäßig gewesen, eine solche Stiftung zu machen. Nun zur zweiten Äußerung meines Bruders: ,, Die Durchführung des Konkordates wirst Du gelesen haben in Nr. 252 der Bodenseezeitung. Darin ist den Geistlichen Schutz zugesagt und unzulässiges Vorgehen gegen sie, namentlich Zusammenrottungen zur Erzwingung der Inschutzhaftnahme oder Versetzung mit aller Schärfe untersagt usw. Nach dieser Verfügung des badischen Innenministeriums dürfte Dir das Gleiche in N. nicht mehr passieren. Außer N. habe Ausnahmerechte." Mein Bruder hatte keine Ahnung, daß mein Hinweis auf das Konkordat mit Hohn beantwortet wurde. Das war eben das Traurigste, daß das neue Regime mit Hinterhältigkeit, Zweideutigkeit, Lüge und Heuchelei operierte. Der Leiter meiner Marienritter hat diese Atmosphäre sehr früh gespürt. Von einer Tagung der Marienritter des Seekreises im Exerzitienhaus in Hegne schrieb er am 21. November 1933,, Es war für mich eine große Wohltat, wieder einmal unter Männern zu sein und ohne vorsichtigen Seitenblick mit Männern zu reden, die vom Scheitel bis zur Sohle katholisch sind, die so katholisch sind, wie man es heute im überchristlichen Dritten Reich fast nicht mehr sein darf." Nach dieser treffenden Bemerkung fährt er fort:„ Im Verlaufe dieses Things¹) wurde beschlossen, an den hochwürdigsten Herrn Erzbischof und an den hochw. Herrn Burgkaplan von St. Martin am Kreuzberg2) Grüße zu senden. Das erstere 1) Versammlung des Deutschen Marienritterordens. 2) Die Ortsgruppe des Deutschen Marienritterordens hatte diesen Titel. Siehe Seite 62. 45 habe ich am Sonntag abend noch besorgt. Daß ich das zweite unterließ und heute mit diesem Briefe verbinde, werden Sie mir sicher nicht übel nehmen. Die ganze Versammlung von etwa 40 Marienrittern läßt Sie also herzlichst grüßen, nimmt an Ihrem Schicksal innigen Anteil und hofft zuversichtlich, daß unser allseitiges Gebet um eine glückliche Lösung bald Erhörung finden möge. Dieses Thing der Marienritter ist das beste Seitenstück zur Amtswaltertagung in N.¹). Um dieselbe Zeit flog ein Gratulationsbriefchen vom Spiritual des Hegner Provinzhauses auf meinen Tisch. Nach Darbietung seines Glückwunsches weist er auf meinen Namenspatron hin: ,, Die übrigen Wünsche sind alle eingeschlossen in dem einen, Du mögest Deinem großen Patron in jeder Hinsicht zur Ehre gereichen. Und Du weißt ja, daß er in die Verbannung gehen mußte. Ich habe in der vergangenen Woche an Propagandaleiter Burk in R'zell wegen Dir geschrieben. Antwort ist allerdings noch keine da. Vielleicht will man erst das große Amnestiegesetz abwarten, von dem in diesen Tagen öfters die Rede war. Denn jetzt wäre die Zeit, die ganze Vergangenheit endgültig abzuschließen. Bis dahin trägst Du Dein Kreuz hoffentlich recht tapfer. Neulich traf ich den armen Kast²), früher in Ettlingen. Er ist völlig gebrochen. Von der früheren Kraftgestalt nichts mehr übrig. Wenn er nur nicht ganz hintersinnig wird! Doch Du hast hoffentlich Deinen gesunden Humor noch. Und schließlich werden sich die gebrachten Opfer doch in irgend einer Form lohnen. Ich habe Deine Sache ganz besonders der lieben Gottesmutter von Schönstatt empfohlen und hege zu ihr das große Vertrauen, daß sie eines Tages eine glückliche Lösung der Frage gewähren wird." Dein Konrad. Von Schönstatt wußte ich damals noch herzlich wenig und gerade die Vertreibung von N. sollte mir zum Wegweiser nach Schönstatt werden, wo ich eine seelische Bereicherung von ungeahnten Maßen erfahren sollte. Dort lernte ich einen Priester kennen, der mit klarem Blick einer viel größeren Prüfung entgegenging und der aus der Fülle einer caris1) Siehe Seite 40. 2) Früher Stadtpfarrer von Ettlingen. Er hat sich durch seine soziale Tätigkeit sehr verdient gemacht und dadurch den Neid und Haß der Partei sich zugezogen. matisch b Kraft sper stapo- Gefa Dachau ve 12. Ein Wenn der Geda ,, Wie ist e beten? H wünschte Gegner w Mann" ka etwas kle Stehle wi Verlautba auf ihre für eine diesen St sagt, vom ich, daß schlimmer hat. Ein seinem Na Sein Brie Soebe durchgega habe: Je Schuld an freigibst, ihnen Jes besonder Freiburg wollen. daß dem deutet w N. zurück anderes, größten I 1) P. Ken Anred 3) Zusam 46 as zweite erden Sie lung von en, nimmt rsichtlich, sung bald eitenstück vom Spich. Nach einen Nageschlosmin jeder daß er in gangenen Dir geVielleicht von dem wäre die Ben. Bis Eer. Neum. Er ist chts mehr Doch Du dschließend einer ders der hege zu glückliche onrad. wenig und Wegweiser eicherung ich einen größeren er carisle Tätigkeit zugezogen. دو matisch begnadeten Seele zahllosen Priestern Licht und Kraft spendete, bis er hinter den Toren des Koblenzer Gestapo- Gefängnisses und dann hinter dem Stacheldraht von Dachau verschwand.1) 12. Eine theologische Frage und ihre Antwort. Wenn man diese Zeilen aufmerksam liest, dann wird sich der Gedanke oder die Frage mit aller Kraft aufdrängen: , Wie ist es denn nun mit den vielen himmelstürmenden Gebeten? Haben denn die Vielen umsonst gebetet? Die gewünschte Erhörung scheint doch ausgeblieben zu sein. Die Gegner waren eine Zeitlang unsicher, ja der„ Gaudi- SAMann" kam eines Tages in einen Laden in N. und meinte etwas kleinlaut: ,, Es wird am besten sein, wenn Pfarrer Stehle wieder kommt!" Auch in den Zeitungen kam eine Verlautbarung von oben, ausgewiesene Geistliche könnten auf ihre Pfarreien zurückkehren, wenn sie Gewähr bieten für eine loyale Haltung dem Staate gegenüber. Hätte ich diesen Strohhalm ergriffen, dann wäre ich, wie das Volk sagt, vom Regen in die Traufe gekommen. Heute weiß ich, daß das Gebet der Vielen mich von einem weitaus schlimmeren Schicksal, vor Dachau und Hungertod bewahrt hat. Ein Mitbruder, der mir besonders nahestand, hat in seinem Namenstagsbrief diesen Gedanken schon angedeutet. Sein Brieflein ist charakteristisch: ,, Carissime Confrater!" ²) " ,, Soeben habe ich die Geschichte der Biblischen Geschichte durchgegangen, die ich morgen den Kleinen zu erklären habe Jesus wird dem Volke vorgeführt. ,, Jch finde keine Schuld an ihm". ,, Kreuzige, kreuzige ihn!" Wenn Du ihn freigibst, bist du kein Freund des Kaisers!" ,, Und er gab ihnen Jesus zur Kreuzigung"...... Sie bedürfen jetzt ganz besonderer Gnaden. Wie ich vermute, wird Ihnen von Freiburg nahegelegt, nicht mehr nach N. zurückkehren zu wollen. Gestern erfuhr ich beim ,, Dies" ³) in Liggeringen, daß dem Herrn Confrater in Orsingen von Stockach aus bedeutet wurde, es sei undenkbar, daß man Sie wieder nach N. zurückkehren lassen werde. Ich selber erwartete nichts anderes, nachdem ich Ihre ganze Angelegenheit mit dem größten Interesse verfolgt habe. Von allen Mitbrüdern, die 1) P. Kentenich, der einer der Überlebenden von Dachau. Vergl. Seite 103. 2) Anrede in Priesterbriefen Liebster Mitbruder. - 3) Zusammenkunft der Priester eines kleineren Seelsorgbezirkes. 47 unter den neuen Verhältnissen zu leiden haben, sind Sie der am schwersten Betroffene. Ich selber habe darunter innerlich sehr gelitten. Nun aber sehe ich ein, daß es so Gottes heiliger Wille ist und daß alles zu Ihrer Heiligung dienen soll. Ihre Läuterung und immer größere Vollendung ist all das wert. Mit Christus vereint werden Sie im neuen Wirkungskreis immer reicher werden an der ganz reinen Liebe. Darum betet für Sie Ihr dankbarer mit Ihnen leidender Fr. W." Die theologische Frage nach dem Sinn des Gebetes in solchen Situationen wurde tiefsinnig von meinem Heimatpfarrer aufgefaßt, wenn er bemerkt:„ Ich muß meine tiefe Ehrfurcht gegen die geheimnisvollen Absichten und Fügungen Gottes aussprechen. Anders kann ich die Ereignisse nicht erklären. Das aber muß dankbar und vertrauensvoll machen." Platz. Nu den, habe Wert. Da sphäre. H Brief mei 1933. Dar daß eine ben sich meister B werden", lachen m Ich kann meinem innig befreundeten Heimatpfarrer heute noch die Versicherung geben, daß damals das Gebet der vielen Mitbrüder, der Kinder, der Männer und Frauen, der Jungmänner und Jungfrauen meiner Pfarrei, der vielen Freunde allüberall mir eine Ruhe und Sicherheit gegeben hat, die meine Gegner immer wieder verblüfft hat. Der bereits verewigte Pfarrer Martin von Stahringen schrieb: ,, Die Tatsache, daß Sie nur deshalb verfolgt werden, weil Sie die Grundsätze der Kirche in Ihren Schriften verteidigten, wird Ihnen den besten Trost geben." Mein einstiger Mitarbeiter in Tiengen am Oberrhein, Pfarrer Kraus in Langenrain erinnerte an die Sturmzeit in Tiengen, als wir beide nach dem verlorenen Krieg 1918 es wagten, in die Gründungsversammlung des Soldaten-, Arbeiter- und Volksrates zu gehen und durch unser überraschendes Eingreifen die Wahl eines Volksrates zustande brachten, der völlig ungefährlich war, weil wir durch unsern Vorschlag einen überzeugten und redegewaltigen Katholiken an die Spitze brachten, bevor die Versammlungsteilnehmer die List gemerkt hatten. Die Geschichte wurde im Städtchen viel besprochen und belacht. Pfarrer Kraus meinte dann nicht mit Unrecht: ,, Es gibt noch viele andere Posten in der weiten Erzdiözese Freiburg, wo Du wirken kannst. Also laẞ Dir das Opfer nicht zu sehr auf die Nerven gehen, sondern sei guten Mutes. Hilarem datorem diligit Deus!"( Einen freudigen Geber liebt Gott). Dieses Wort hat hier einen schönen 48 Nie und die ganze Menschlei Christi, d len ihn u Der junge kann ihn Lager ve aber die in dieser ausüben das Welt nicht von schrecklic „ Der Pap betet. D gekehrt. gekämpft haben de und habe und ohne uns den haben u Diese sich in bruch de alle auf die Folg genomm inneren Nichtbete stunde d 4 Lustrum sind Sie der inter inneres so Gottes gung dienen dung ist all neuen Wireinen Liebe. en leidender Fr. W." Detes in solimatpfarrer tiefe EhrFügungen nisse nicht oll machen." Farrer heute Det der vierauen, der der vielen eit gegeben at. Der behrieb: ,, Die weil Sie die ligten, wird Oberrhein, turmzeit in eg 1918 es Jaten-, Arnser übers zustande urch unsern Katholiken steilnehmer Städtchen einte dann sten in der Also laß en, sondern Einen freuen schönen Platz. Nur Opfer, die aus freudigem Herzen gebracht werden, haben eine übernatürliche Seele und übernatürlichen Wert. Das Gebet aber schafft diese freudige Opferatmosphäre. Ein glänzendes Beispiel der Opfergesinnung ist der Brief meines Jugendführers Willi( Vorname) vom 21. Nov. 1933. Darin stehen die markanten Sätze: ,, Die da glaubten, daß eine Gefängniskur meine Gesinnung ändern würde, haben sich gründlich getäuscht. Wenn unser neuer Bürgermeister B. die Forderung aufstellte, ich sollte ,, ja anders werden", so ist das wohl ein Wunsch, über den ich im stillen lachen muß. Die Christusjugend ihren Präses verlassen? Nie und nimmer! Lieber den Tod! Überhaupt kommt mir die ganze Geschichte von Tag zu Tag lächerlicher vor. Kleine der doch Menschlein rennen gegen den Priester Gottes, Christi, des allgewaltigen Königs Stellvertreter ist, und wollen ihn unschädlich machen. Welch bodenlose Dummheit:" Der junge Mann hat recht. Man kann den Priester verjagen, kann ihn mundtot machen, man kann ihn in einem K.- Z.Lager verhungern lassen oder sonst um die Ecke bringen, aber die ganze Welt kann nicht verhindern, daß der Priester in dieser und in der anderen Welt die Macht seines Gebetes ausüben und damit entscheidend in die Weltgeschichte und das Weltgeschehen eingreifen kann. Auch ein Willi, aber nicht von dieser Art, nämlich Willi Börger, spricht in seinem schrecklichen Hetzbüchlein vom deutschen Wesen höhnisch: ,, Der Papst von Rom hat schon immer für den Frieden gebetet. Der Friede ist bis heute noch nicht in der Welt eingekehrt. Die Kirche hat 2000 Jahre lang gegen den Teufel gekämpft, und er ist immer noch nicht kaputt. Wir aber haben den Teufel in Gestalt des Bolschewismus bekämpft und haben ihn aus unserem Lande ausgetrieben ohne Papst und ohne Kirche. Wir haben nicht gebetet, der Herr möge uns den Frieden schenken, sondern wir haben gehandelt und haben uns stark gemacht noch innen und nach außen." Diese Stärke, von der Börger so pathetisch spricht, hat sich in einem sonderbaren Licht gezeigt beim ZusammenDie Beter sind bruch des nationalsozialistischen Gebäudes. alle auf ihrem Posten geblieben und haben mit starker Seele die Folgen eines katastrophal verlorenen Krieges auf sich genommen, sie sind die Baumeister der Zukunft, weil sie den inneren Frieden, den Frieden Christi in sich tragen. Die Nichtbeter im Sinne eines Willi Börger haben in der Notstunde des Volkes dasselbe schmählich im Stich gelassen, sind 4 Lustrum luxaturae. 49 geflohen vor der Verantwortung, geflohen von den Trümmern weg, die sie verschuldet hatten, sind geflohen aus diesem Leben in feigem Selbstmord. Es seien noch zwei Stellen aus der blasphemischen Schrift„ Vom deutschen Wesen" zitiert. Er erzählt von einem nordischen Helden Ekke, wie er sich im Kampf benahm: ,, Ich kann mir diesen Ekke nicht vorstellen, wie er betend und flehend, in die Knie gebrochen vor Jammer, einen Gott über den Wolken um Gnade und Hilfe anfleht.... Er hat nicht gefleht, der Kelch möchte an ihm vorübergehen. Er griff von selbst nach ihm, denn er weiß: Alles Notwendige ist gut!") Und dann die andere, ebenbürtige Stelle ,, Wir bitten nicht: Herr, laß diesen Kelch an uns vorübergehen wir bitten nur: Herrgott, wenn du uns nicht helfen willst, hilf auch den andern nicht, dann werden wir schon mit ihnen fertig!" Es mag sich jeder Deutsche seine eigenen Gedanken machen über diese Ergüsse, er wird sich schämen vor der ganzen Welt, daß das begabte deutsche Volk in die Gewalt solcher Ungeheuer geriet. - Aber wie oft habe ich meinen Pfarrkindern von der Kanzel gesagt: ,, Wer sein Vertrauen auf einen Menschen setzt und von ihm alles Heil erwartet und dabei Gott vergißt, der wird jenes Schicksal erleben, das die Propheten des Alten Bundes so gewaltig schildern." So habe ich vom religiösen und theologischen Standpunkt aus keinen Augenblick an den Endsieg des Nationalsozialismus geglaubt, war aber vom ersten Augenblick meines persönlichen Kampfes überzeugt, daß Gott all diese Gebete erhören und mir und all den anvertrauten Seelen die Heimsuchung zum Segen werden lasse. 13. Der dritte Sturm. Der erste Sturm war der Sturm des Hasses, der zweite war ein Gebetssturm und der dritte war der Glückwunschsturm zum 23. November und dann zu meinem neuen Posten. Einiges habe ich schon in den vorigen Abschnitten erwähnt. Ich möchte mich dabei nur solange aufhalten, als es zur Beleuchtung der politischen und religiösen Lage damals dienlich ist. Am besten geschieht das in einer Art Zusammenfassung. Vor mir liegt ein Brief mit der Nr. 76. Einen groBen Teil jener Briefe konnte ich leider nicht aufbewahren, 1) Eines von den nationalsozialistischen Dogmen, das eine Fülle von Unrecht in seinem Schoße trägt. 50 teils wegen Inhaltes". nariat, bis Es sind üb lichkeit. S auch aus d ins Auslan einem Brie Frage zum ,, Bin seit 1 mich gleich wird viel rer solle d geschehen. läßt durc schicken u Sonntagsbl Gröber ver barkeit no zum Fried zu dürfen Aus dem Kolleg des Schreiben teren Lebe und Durla telland be den Seelen Gute Men Einsiedeln freien Sch den tüchti Wochen zu auf, daß i aus Groni angehauch meine, Ni ort Groni war, obw Bem Inter habe, ja, vatorianer gergruppe en Trümaus diezwei Steln Wesen" Ekke, wie sen Ekke Knie geum Gnade ch möchte hm, denn ie andere, esen Kelch wenn du dann werDeutsche , er wird e deutsche er wie oft agt: ,, Wer ihm alles es SchickO gewaltig ologischen g des NaAugenblick all diese Seelen die Jer zweite ckwunschen Posten. erwähnt. es zur Bemals dienusammenCinen groDewahren, von Unrecht " teils wegen Platzmangel, teils wegen ihres ,, staatsgefährlichen Inhaltes". An die hundert hinterlegte ich im Erzb. Ordinariat, bis man sie auf der anderen Seite vergessen hatte. Es sind überaus wertvolle Zeugnisse der Liebe und Anhänglichkeit. Sie kamen nicht allein aus meiner Pfarrei, sondern auch aus der näheren und entfernteren Umgebung. Selbst ins Ausland drang die Kunde von den Ereignissen in N. In einem Brief aus Suigen in der Schweiz kommt dies in der Frage zum Ausdruck, ob ich nicht dahin kommen möchte: , Bin seit letzten Samstag in dem schönen Sulgen. Es fragten mich gleich alle, was auch Onkel Klemens mache. Auch hier wird viel für Sie gebetet. Es sagen alle zu mir, Herr Pfarrer solle doch nach Sulgen kommen, hier werde ihm nichts geschehen." Eine Kranke aus dem benachbarten Eigeltingen läßt durch Geschwisterhand Grüße und Glückwünsche schicken und erinnert an das von mir redigierte Konstanzer Sonntagsblatt, das seine Gründung unserem Erzbischof Dr. Gröber verdankt. Am Schlusse heißt es: ,, Ich muß aus Dankbarkeit noch bemerken, wie sehr wir immer nach den ,, Wege zum Frieden" suchen, um mit Ihnen in Verbindung stehen zu dürfen; sogar die früheren Nummern holen wir hervor." Aus dem Salvatorkolleg Lochau bei Bregenz und aus dem Kolleg des gleichen Namens in Wurzach kamen herzliche Schreiben von Pfarrkindern, denen ich den Weg zum späteren Lebensberuf zeigen durfte. In Briefen aus Iffezheim und Durlach wird meine Neuansiedlung im badischen Mittelland begrüßt, weil ich auf diese Weise wieder näher bei den Seelen sei, denen ich als junger Priester Wegweiser war. Gute Menschen aus St. Gallen, Rorschach, Uznach, MariaEinsiedeln und Luzern luden mich ein, meine Schmerzen im freien Schweizerland zu vergessen. In Luzern war ich bei den tüchtigen St. Anna- Schwestern im Jahre 1928 mehrere Wochen zur Erholung. Ich führte mich damals so manierlich auf, daß ich jederzeit wieder kommen konnte. Eine ,, Nichte" aus Gronig schickte mir ein sorgfältig verfaßtes, dichterisch angehauchtes Glückwunschbriefchen. Leider kenne ich diese meine ,, Nichte Elisabeth" so wenig mehr wie den Absendeort Gronig, obwohl der Bruder der Absenderin ein Klemens war, obwohl sie so lebhaft erzählt, wie ihr Vater mit groBem Interesse die Rombroschüre des Onkels Klemens gelesen habe, ja, daß er in Rom auch den P. Norbert aus dem Salvatorianermutterhaus kennen gelernt habe, der meine Pilgergruppe im Mai 1933 so gut führte und betreute. 51 werde ich den Probe in saubere nicht meh Das wäre für alle L Der Glückwunschbrief Nr. 65 trägt 32 Unterschriften von Kongreganistinnen, die alle erklären: ,, Nichts ist uns zuviel, wenn es gilt, unserem guten treuen Präses eine Freude zu machen." Der Brief Nr. 72 beginnt ,, Im Namen des Müttervereins" und enthält die Beteuerung:„ Wir brauchen Sie so notwendig. Überall fehlen Sie." Er trägt die sieben Unterschriften der Vorstandsfrauen. Die Oberprima des St. Konradihauses in Konstanz gratulierte durch meinen ersten Lateinschüler A. Böhe, der ihr angehörte. Mitunterschrieben hatten 10 Kreuzritter der verschiedenen Klassen, es grüßten und gratulierten„ ebenso alle übrigen, im Augenblick nicht anwesenden Kreuzritter." 1) Über meine Beziehungen zu den Konstanzer Kreuzrittern wird später noch ein Wort zu sagen sein. Im Auftrag der Männerwelt gratulierte mir ein Gemeinderat und fügte als Geschenk das mannhafte Wort bei ,, Seien Sie versichert, daß Sie wieder ganze Männer hinter sich haben." Eine Nachbarsfamilie hat mit allen Unterschriften der Familienglieder ihre Glückwünsche dargebracht und erinnert an einen früheren poetischen Glückwunsch, der in dem frommen Wunsch gipfelte:„ Nicht wahr, Herr Präses, wir bleiben noch 100 Jahr in Lieb und Treu beisammen." Ein Vertreter der Jungmänner liebt die Kürze und braucht doch viel Papier. Nachdem er den Seufzer ausgestoßen: ,, Sie haben wegen uns armen Sündern schon viel mitmachen müssen", hat er in großen Lettern eine ganze Seite beschrieben mit dem ehrlichen Ausruf: ,, Herr Pfarrer, Sie müssen wieder kommen!" Nicht gerade so stürmisch ist ein anderer Jugendbrief, in welchem ein Predigtwort des Stockacher Vikars angeführt ist: ,, Gott sei es, der die Geschicke der Menschen lenkt." Am besten beschließen wir diesen Abschnitt über den dritten Sturm mit den Kindern. Die Seehasenkinder sind viel anschmiegender und zugänglicher als unsere Bergkinder im Schwarzwald Wie herrlich klingt es, wenn kleine Knirpse schreiben: ,, Lieber Onkel Klemens! Ich würde Dir lieber die Hand zu Deinem Namenstag reichen. Komm doch wieder zu uns Kindern nach N.!" Oder wenn ein anderes meint: ,, Ich wünsche, daß Sie bald wieder zu uns zurückkehren. Will ja gern auf mein Christkind verzichten, bin zufrieden mit einem kleinen Weihnachtsbaum, wenn nur Sie wieder kommen. Als Namenstagsgeschenk 1) Eine Studentenvereinigung auf religiöser Grundlage. Der Nationalsozialismus hat alle diese Vereinigungen vernichtet, hat sogar die farbenfrohen Mützen der Studenten verboten. und bezog schen Gen gend, nur Str. ware beiden au Liebe für Widerstan gingen, m rend die a Und sieh in die Sc schickte s Beschäfti besser als haben di dert. Ja, fang stä dem deu In de Pfarrkin kann m welche Gruppe Mosaiks Volkes. gemacht schaulic das Erle ungesch mütern feste set den nac 52 hriften von uns zuviel, Freude zu Les Mütterchen Sie so ben Unteres St. Konersten Laerschrieben es grüßten blick nicht hungen zu n Wort zu te mir ein mafte Wort änner hinen Unterlargebracht wunsch, der Herr Präeisammen." nd braucht Coßen: ,, Sie achen müsbeschrieben üssen wiein anderer Stockacher schicke der diesen AbDie Seeglicher als klingt es, Klemens! enstag reiN.!" Oder bald wieder stkind verachtsbaum, gsgeschenk onalsozialismus n Mützen der werde ich Ihnen den Rosenkranz aufopfern." Zu diesen beiden Proben noch eine dritte. Da schreiben zwei miteinander in sauberer Sütterlinschrift:„, Seit Sie fort sind, ist es hier nicht mehr schön. Wir hoffen, daß Sie bis Nikolaus da sind. Das wäre dann der schönste Nikolaus und die größte Freude für alle Leute." Diese Familie zog bald darauf weg von N. und bezog wieder ihr väterliches Haus in einer hohenzollerischen Gemeinde. Dort waren alle Kinder in der Hitler- Jugend, nur die zwei neuangekommenen Mädchen der Familie Str. waren nicht dabei. Der Lehrer, der bald merkte, daß die beiden ausgezeichnete Schülerinnen waren, warb mit aller Liebe für den Eintritt in den BDM. Allein die zwei leisteten Widerstand. Er erklärte ihnen, wenn sie nicht in den BDM gingen, müßten sie am Samstag in die Schule kommen, während die anderen Kinder zum Kräutersammeln frei bekamen. Und siehe, die zwei kamen am Samstag morgen pünktlich in die Schule. Der Gestrafte war natürlich der Lehrer. Er schickte sie nun in seinen Garten und gab ihnen eine kleine Beschäftigung. Da sagten die anderen Kinder: ,, Die habens besser als wir, weil sie nicht im BDM sind." Mit viel Humor haben die Kinder diese Affaire in einem Brief mir geschildert. Ja, wenn alle nach dem Beispiel dieser Kinder von Anfang stärkeren Widerstand geleistet hätten! Dann wären dem deutschen Volke bitterste Stunden erspart geblieben. 14. Der Abschiedsbrief. In den vorausgehenden Abschnitten mußte ich meine Pfarrkinder ausgiebig zu Worte kommen lassen, denn nur so kann man sich ein wahres Bild von der Lage machen, in welche die guten Leute durch die Rachsucht einer kleinen Gruppe hineingetrieben wurden. Dieses Bild ist ein kleines Mosaiksteinchen aus dem großen Trauergemälde unseres Volkes. Viele Priester und Laien haben Schlimmeres durchgemacht als ich, aber sie haben vielleicht nicht dieses anschauliche Material, um ihre Situation zu beleuchten, oder das Erlebte ist so bitter und grausig, daß man es am besten ungeschrieben läßt, um schwachen Nerven und weichen Gemütern nicht zu schaden. Am Tage nach meinem Namensfeste setzte ich mich hin und schrieb meinen Pfarrkindern den nachstehenden Abschiedsbrief: 53 ,, Mutterhaus Gengenbach, den 24. Nov. 33. Vater Dinge Grüß Gott! Zu meinem Namenstage wurde ich von einer förmlichen Flut von Glückwünschen überschüttet. Die meisten kamen von N. Diese sollen zuerst beantwortet sein. Es haben überaus herzliche Wünsche ausgesprochen der Stiftungsrat, der Mütterverein, die Jungfrauenkongregation, der Jungmännerbund mit DMRO. Diesen haben sich angeschlossen eine große Anzahl von Eltern und Kindern. Was in diesen Briefen steht, offenbart SO recht die tiefste Verbundenheit, die nicht aus natürlichem Denken und Glauben stammt. Die Wirkung dieser Briefe ist die: Ich fühle mich unendlich glücklich, katholischer Priester zu sein und danke Gott, daß er durch meine schwachen Kräfte so viel Gutes unter Euch und in Euch gewirkt hat Wenn ich nun trotzdem vorerst nicht zu Euch zurückkehre, dürft Ihr ja nicht glauben, der neue ehrenvolle Posten habe mich veranlaßt, meiner Pfarrgemeinde den Rücken zu kehren. Ich habe alles vor Gott und meinem Gewissen überlegt und habe mit unserem Erzbischof persönlich gesprochen. Er hatte für seinen alten Schüler nur das Beste im Auge, und in seinem Rate erkannte ich den Willen Gottes. Eine fast wunderbare Fügung ist es, daß mein Freund, der Hochwürdige Herr Superior Vetter von Neusatzeck zu Euch kommt. Ihm dürft Ihr das größte Vertrauen entgegenbringen. Er kann mich doppelt ersetzen. Eltern und Kinder, Jungmänner und Jungfrauen werden das bald feststellen können. Wir wollen einander nichts anderes schuldig bleiben als die Liebe. Wir bleiben unzertrennlich miteinander verbunden. Da ich Pfarrer von Nenzingen bleibe, werde ich an allen Sonn- und Feiertagen, an allen Aposteltagen und an einigen Marienfesten das heilige Meßopfer für Euch darbringen, wie ich es bis zur Stunde immer getan habe. Und so wie ich bis zu diesem Augenblick mein Herz und meine Seele frei hielt von Groll und Verbitterung, so werde ich in Zukunft allen meinen Pfarrkindern die Gnade des Erlösungsopfers zukommen lasWir werden auch mit derselben Treue, mit der wir zu unserer heiligen Kirche stehen, zu unserem geliebten 54 sen. fühle Ich desha bin. geopf sein Ei ben mutt Kind Domi nächs Sege Ic schüt und Es er die Grü müssen. Geltungs ten. Di religiöse tungsdr meiner Betätig trieb u sunden Kontra dann e der Se Eine a Predigt ganz pe pfarrer für Kir Nov. 33, ıer förm- Die mei- ortet sein, ochen der enkongre- sen haben ltern und enbart so us natür- kung die- glücklich, t, daß er nter Euch 'h zurück- shrenvolle einde den d meinem ischof per- n Schüler kannte ich ung ist©5, jor Vetter Ihr das mich dop- nner und en, ig bleiben iteinander ibe, werde ‚osteltagen jopfer für immer Be ‚ugenbli | und Ver jen Br men 85 it der wir geliebte" Vaterland stehen und werden unbeeinfiußt durch lokale Dinge uns als Glieder einer großen Volksgemeinschaft fühlen. Ich habe nie meinen persönlichen Vorteil gesucht, deshalb scheide ich ärmer von Euch als ich gekommen bin. Von dem, was ich der Pfarrgemeinde gegeben und geopfert habe, fordere ich nichts zurück, weil Gott und sein Herzensfriede mein überreicher Lohn ist. Ein Bitte habe ich noch: Haltet das Grab meiner lie- ben Mutter in Ehren. Es ist das Grab einer Priester- mutter, die durch ihr Ewigkeitsgebet Euch und Euren Kindern Gottes Gnaden erflehen wird. Vom stillen Daminikanerkloster in Neusatzeck, wo der Heiland mein nächster Nachbar ist, sende ich Euch täglich Gruß und Segen. Ich schließe mit dem Wunsche: Der liebe Gott be- schütze und segne meine geliebte Pfarrgemeinde N. jetzt und immerdar Kl, St, Pfr“ 15. Tiefere und tiefste Ursachen. Es entgeht wohl keinem aufmerksamen Beobachter, daß die Gründe für den Sturm im September 1933 tiefer liegen müssen. In jeder Gemeinde sind Streber, die einen starken Geltungsdrang haben und irgend ein Krönlein tragen möch- ten. Dieser Geltungsdrang ist umso größer, je geringer der religiöse Eifer ist, denn im religiösen Eifer wird der Gel- tungsdrang in geordnete Bahnen gelenkt. Das habe ich bei meiner Jugend so schön gesehen. Man muß der Jugend ein Betätigungsfeld geben, damit der Geltungstrieb, der Arbeits- trieb und der Erfindertrieb auf seine Rechnung und zur ge- sunden Entwicklung kommt. Gerät der Geltungstrieb in Kontrast und Widerspruch zu den Grundsätzen der Seelsorge, dann entsteht Kampfatmosphäre oder Sumpfluft, je nachdem der Seelsorger seine Grundsätze vertritt oder preisgibt. Eine andere Schwierigkeit liegt in der Tatsache, daß die Predigt über Sünde und Laster in einer Landgemeinde oft ganz persönlich verstanden wird. Und was kann ein Land- pfarrer erleben, wenn er von seinen Bauern Geld verlangt für Kirche, Paramente, Pfarrhaus, für caritative und soziale rE 99 Zwecke. Hier gleich ein kleines hübsches Beispiel. Ich hielt einmal Caritassammlung und verkündete sie von der Kanzel mit dem Bemerken, die Hälfte des Sammlungsergebnisses dürfe für örtliche Arme zurückbehalten werden. Prompt lieẞ mir ein Mann sagen, ich solle nur alles fortschicken, in N. gebe es keine armen Leute. Umgekehrt kam einer zu mir und beschwerte sich über meinen Vorgänger, der alles Geld nach Freiburg geschickt habe, was natürlich ganz falsch war. Aber von der Stunde an verkündete ich nie mehr, welche Kollekten an die Erzb. Kollektur abgegeben worden sind. Nicht bloß der Geiz ist ein Laster, das in der Seelsorge hindert, sondern vor allem der Neid. Als ich begabten Knaben Lateinunterricht gab, kam bald ein Echo zu meinen Ohren, das mich anekelte. Man gönnte Familien, die nur 2 oder 3 Kühe im Stall hatten, absolut keinen Studenten. Als die Kirchengemeinde- Vertretung gewählt werden sollte, hatte ich auf die Vorschlagsliste einige Männer aus kinderreichen Familien gesetzt. Sie wurden gewählt, aber später hörte ich wiederholt aus dem Munde der sog.„, Großen":„ Die haben gut Kirchensteuer genehmigen, die zahlen selber keinen Pfennig." Ich will mal mit dem Schmerzenskind ,, Ortskirchensteuer" beginnen. Die meisten Gegner sind mir zunächst hier erstanden. Ich habe diese Steuer nämlich neu eingeführt. Über 80 000 Mark Fondsgelder waren der Inflation zum Opfer gefallen. Die Kirche hatte im Chor große Risse und sonstige Schäden, die Paramente waren brüchig, armselig und am Zugrundegehen. In der wertvollen Martinskapelle mit Kunstwerken von Feuchtmeyer und anderen Barockkünstlern waren die Fenster eingeworfen, so daß Wind und Regen ihr Zerstörungswerk vollbringen konnten. Eine Kinderschule für die zahlreichen Kinder war nicht vorhanden, das Pfarrhaus war, wie bereits erwähnt, 250 Jahre alt, ein ehemaliges Bauernhaus, mitten im Ort an der Autostraße, außen und innen grenzenlos verwahrlost. Vor meinem Aufzug 1926 hatte die Gemeinde das Dach decken lassen. Die Dreckhaufen lagen noch friedlich im Garten vor dem Haus. Der eiserne Gartenzaun war halb zusammengerissen, so daß des Nachbars Vieh sich schwer daran verletzte. Meinen Vorgänger trifft die Schuld an diesen Verhältnissen nicht. Während des Weltkrieges konnte er nichts unternehmen. Ein früherer Pfarrer wollte 1906 ein Pfarrhaus bauen. Die Pläne waren fertig, das Geld war da. Da machte die kleine Klique der 56 ewig Krit einer Fas und ließ i warm gew derte ihne fen, daß a fen werde lungen br germeister neue Bau Sammler, ihrer See Freiwillig die Verm opfern. führen S seinen ge rat und b die Kirch Leute St wünscht eine Prot Formfehl Fälschun ersten S sehr stür mig gene Zwei gro bänke in Steuer z schritt e nichts B mel, für geboten gepfänd zahlten. Freunde Der rer Jose gibt es Fall und Pfarrei sorgshel Ich hielt - Kanzel ebnisses mpt ließ , in N. zu mir les Geld sch war. welche en sind. rge hinKnaben Ohren, oder 3 Als die e, hatte rreichen örte ich e haben keinen nsteuer" hier errt. Über pfer gesonstige am ZuKunstünstlern egen ihr chule für farrhaus emaliges Ben und ug 1926 us. DreckDer daß des VorgänWährend Früherer e waren que der ewig Kritisierenden den Pfarrhausbauplan zum Gegenstand einer Fastnachtsposse. Der Pfarrer packte seinen Bündel und ließ ihnen das alte Pfarrhaus zurück. Sobald ich etwas warm geworden war, rief ich die Männer zusammen, schilderte ihnen die Verhältnisse und forderte sie auf, mitzuhelfen, daß aus freiwilligen Beiträgen ein neuer Fond geschaffen werde. Die Sache klappte. Die ersten drei Monatssammlungen brachten über 600 Mark. Dazu legte der edle Bürgermeister Martin aus seiner Tasche 500 Mark, so daß der neue Baufond bereits 1100 Mark betrug. Da kamen die Sammler, die ich allerdings noch nicht bis auf den Grund ihrer Seele kannte, und erklärten mir, dieses System der Freiwilligkeit tauge nicht, denn augenscheinlich würden sich die Vermöglichen drücken und ließen die kleinen Leute opfern. Sie schlossen mit der Aufforderung: ,, Herr Pfarrer, führen Sie die Ortskirchensteuer ein, dann trifft es jeden seinen gerechten Anteil." Lange berieten wir im Stiftungsrat und beschlossen endlich, dem Wunsche stattzugeben und die Kirchensteuer einzuführen. Aber jetzt liefen dieselben Leute Sturm dagegen, die ihre Einführung so sehr gewünscht hatten. Während meines Krankheitsurlaubes wurde eine Protestliste zustande gebracht, die ich wegen vieler Formfehler( es waren lose Blätter ohne Datum usw.) und In den Fälschung von Unterschriften als ungültig erklärte. ersten Sitzungen der Kirchengemeindevertretung ging es sehr stürmisch her, aber die Steuer wurde beinahe einstimmig genehmigt. Im ersten Jahr gingen über 3000 Mark ein. Zwei große Bauern auf der Bergeshöhe, welche die Kirchenbänke in der Pfarrei wenig drückten, weigerten sich, die Steuer zu entrichten. Der Stiftungsrat mahnte wiederholt und schritt endlich zur Pfändung. Der Gerichtsvollzieher fand nichts Besseres auf den großen Höfen als einen alten Schimmel, für den auf dem Rathausplatz in N. eine ganze Mark geboten wurde. Als aber das zweite Mal ein schönes Rind gepfändet wurde, besannen sie sich eines Besseren und bezahlten. Sie wurden natürlich dadurch nicht des Pfarrers دو Freunde. Der heiligmäßige Stifter des Neusatzecker Klosters, Pfarrer Josef Bäder, sagte einmal:, Wenn Holz gefällt wird, gibt es Späne." Das war bei mir auch so im geschilderten Fall und erst recht im folgenden. Ein Gradmesser in einer Pfarrei ist die Presse. Ein gute Presse ist der beste Seelsorgshelfer, eine schlechte aber ein wahrer Totengräber. In 57 meiner Pfarrei war eine katholische Zeitung, die vorzüglich redigiert war, stark vertreten. Es war die aufstrebende ,, Deutsche Bodenseezeitung". Daneben war am stärksten verbreitet das Sonntagsblatt der Erzdiözese Freiburg, das ,, St. Konradsblatt" mit seiner vornehmen, künstlerischen Aufmachung und seinem wertvollen Inhalt. An Bezieherzahl des Konradsblattes standen wir mit an erster Stelle unter den Landgemeinden. Eine ständige Gefahr für die gute Presse war jedoch die Wankelmütigkeit mancher Leute und die mir so unsympathischen Versicherungsblätter. Diese waren ein Fangnetz, in welches die naiven Menschen so leicht hineingerieten und so schwer wieder heraus. Einmal ließ ich den Agenten eines solchen Versicherungsblattes zu mir rufen und zeigte ihm einen Aufsatz in seinem Blatte, der die Auffassung von der christlichen Ehe vollständig zu untergraben und zu zerstören geeignet war. Und wie reagierte mein Pfarrkind? Er berichtete an den Verlag, und dieser drohte mir mit Anzeige wegen Schädigung seines Geschäftes. Ich ließ mich aber nicht verblüffen und schrieb dem Verlag, er möge mich ruhig anzeigen, da mir auch ein Gesetzesparagraph zur Seite stehe, nämlich der von der Wahrung berechtigter Interessen. Langsam gingen die Versicherungsblätter wieder zurück. Dafür fehlte es nicht an Versuchen, kirchen- und christentumsfeindliche Presse- Erzeugnisse in die Familien zu schmuggeln. Davor warnte ich auf der Kanzel, im Konradsblatt, in den Wegen zum Frieden" und in meinem Pfarrblatt, der ,, St. Ulrichsstimme". Jeder Erfolg auf meiner Seite erregte Verstimmung und Ärger auf der unterlegenen Seite. " kindliches bei denen Jungmänne konnte man gebildete I Viele Hemmungen in der Seelsorgsarbeit und tiefen Verdruẞ bereiteten mir die Übergriffe einzelner Vereinsvorstände. Es gab Zusammenstöße mit dem Musikverein, weil die Musikanten bei feierlichen Gottesdiensten während des Amtes ins Wirtshaus saßen und nur bei der Prozession fromm waren. Es gab Serien von Schwierigkeiten mit dem Turnverein, weil diesem Verein der Sport ein Mittel zu Zwecken war, die ich nie billigen konnte. Es wurde eine Turnhalle gebaut, die eine Festhalle für alle nur möglichen Anlässe sein sollte. Die Kinder sollten schon in den politischen Geist dieser Richtung eingeweiht werden. Sie wurden am Sonntag morgen von der Kommunionbank weg mitgenommen zu Sonntagsausflügen, die mit Alkohol begossen wurden. Sie hörten Reden und sahen Dinge, die für ein 58 Marianische teilt, unterz wort darau des Geistes zur Freude litt. Aus A für die ne wiesen. Es rer bei der Umsomehr Bier einge Mädchen w Theaterpro losging un viele an di sagte mir in der Tu Eine gr dieser Ver mentalität Kuhhaut. serung zu her vorleg mißfiel: I Jugend vo ten wir ei virgo",„ D dementspr Jetzt frag jenes Stü einen Zon Theaterpr völlige U alle Mög Richtung Lange lassen. I riefen sic vorzüglich ufstrebende rksten verg, das ,, St. chen Aufezieherzahl telle unter - die gute Cher Leute tter. Diese enschen so s. Einmal sblattes zu Blatte, der g zu untere reagierte und dieser s Geschäfhrieb dem ch ein Geder Wahdie Vericht an Versse- Erzeugnte ich auf n Frieden" ne". Jeder Ärger auf tiefen VerVereinsvorverein, weil Fährend des Prozession en mit dem Mittel zu wurde eine möglichen den politiSie wurden weg mitge1 begossen die für ein kindliches Gemüt Gift bedeuteten. Es gab schwere Kämpfe, bei denen ich von der Kirchenbehörde und von meinen Jungmännern tatkräftig unterstützt wurde. Niederlagen konnte man auf jener Seite sehr schwer ertragen, da auch gebildete Leute mitwirkten. Just am Gründungstag der Marianischen Kongregation wurde ein grobes Flugblatt verteilt, unterzeichnet vom Turnrat. Der Stiftungsrat gab Antwort darauf, und der Pfarrer zerlegte mit dem Seziermesser des Geistes die plumpen Anwürfe, so daß die Gegenseite zur Freude der Gemeinde wieder eine schwere Schlappe erlitt. Aus Ärger darüber wurde ein schönes Kruzifix, das ich für die neue Turnhalle gestiftet hatte, unhöflich zurückgewiesen. Es wurde dann grimmig konstatiert, daß der Pfarrer bei der Einweihung der Turnhalle nicht beflaggt hatte. Umsomehr wurde die Turnhalle mit einigen Hektolitern Bier eingeweiht. Auch das berüchtigte Schauturnen von Mädchen war nicht vergessen. Als nach Jahren bei einer Theaterprobe in der Turnhalle ein altes verrostetes Gewehr losging und einen Jungmann tödlich traf, erinnerten sich viele an diese Vorgänge vor und bei der Einweihung. Einer sagte mir Bei diesem Unglück wurde das erste Vaterunser in der Turnhalle gebetet. Eine große Sorge bereiteten mir die Theateraufführungen dieser Vereine. Was da an Schund und Kitsch und Sentimentalität auf der Bühne erschien, hat nicht Platz auf einer Kuhhaut. Ich ging zwei Wege, um eine Änderung und Besserung zu erreichen: Ich ließ mir das betreffende Stück vorher vorlegen und nahm keine Einladung an, wenn es mir miẞfiel. Der zweite Weg bestand darin, daß ich mit meiner Jugend vorbildliche Spiele zur Aufführung brachte. So hatten wir einen großen Erfolg mit dem Adventsspiel ,, Maria virgo" ,,, Die Jungfrau Maria". Der Unterschied fiel auf und dementsprechend fiel auch die Kritik in der Gemeinde aus. Jetzt fragte man verstohlen bei mir an, ob man dieses oder jenes Stück aufführen könne. Heimlich aber hatte man doch einen Zorn, weil die Jugend viel lieber in die pfarrlichen Theaterproben ging. Der Nationalsozialismus hat durch das völlige Unterbinden dieser Volksspiele dem Landvolk fast alle Möglichkeiten einer geistigen Weiterbildung in der Richtung des Brauchtums genommen. ? Lange zögerte ich, die deutsche Jugendkraft erstehen zu lassen. Da kamen meine Jungmänner mir zuvor und beriefen sich auf die Verlautbarungen des deutschen Episko59 pates. Ich versprach nun meine Unterstützung, bat aber gleichzeitig, mit dem Turnverein Frieden zu halten. Als jedoch jenes grobe Flugblatt gegen mich erschien, erklärte ein großer Teil meiner DJK den Austritt aus dem Turnverein. Neue Verstimmung. Ein Stein des Anstoßes war der Volksverein, der durch seine schönen Programme immer mehr Anziehungskraft hatte. Mein zweiter Hauptlehrer, A. Zinsmaier¹), ein gewandter Redner und fähiger Lehrer mit soliden christlichen Grundsätzen, hielt in demselben gediegene Vorträge, es wurde das Volkslied und der Volkshumor gepflegt. So suchte man auf der Gegenseite den ersten Hauptlehrer als Gegengewicht zu gewinnen, und zu seinem Nachteil ließ derselbe sich verleiten, die Führung einer bedenklichen Opposition zu übernehmen und die Leitung des Kirchenchores abzugeben. Es war schade um diesen Mann, den ich sonst schätze. Ich suchte Zusammenstöße mit ihm zu vermeiden, aber auf die Dauer ging das nicht. Er bewarb sich endlich um eine Stelle an der Bergstraße. Ich bekam eine Anfrage von dort über seine Persönlichkeit. Schon aus dem Grunde einer friedlichen Scheidung gab ich die Antwort so günstig, als mein Gewissen erlaubte, aber man las dort offenbar zwischen den Zeilen und verzichtete auf ihn. Dann kam er in die Großstadt, wo er in der Masse der kleinen Geister verschwand. Noch einmal tauchte er und seine Frau auf, als nach meinem Weggang der neue nationalsozialistische Bürgermeister eingesetzt wurde. Es soll hoch hergegangen sein. Bald darauf erkrankte die Frau schwer und wurde von meinem Vetter auf den Tod vorbereitet. Später fiel auch sein einziger Sohn im Krieg, den ich als Schüler recht gern hatte. Ich sprach ihm beidemale mein Beileid aus, erhielt aber nie eine Antwort. Ein Zeichen, wie tief der heimliche Gegensatz war. Fassen wir diese tieferen und tiefsten Ursachen der Konflikte mit einer kleinen Oppositionsgruppe in der Pfarrei zusammen, dann lautet das Wort: Religöser Liberalismus. Ein Geschichtsforscher der jüngeren Vergangenheit sagt richtig ,, Drei Dinge sind es vor allem, an denen der Liberalismus nie vorübergehen kann, ohne daran zu rütteln: das starre Dogma, wie er es nennt, die Herrschaft der Tradition und die Fessel der Autorität." Meine Oppostions1) Auch er mußte nach der Machtübernahme weichen und einen kleinen Posten übernehmen. 60 gruppe ha auszuschal sucht. Au kleinen Re handeln w 16. K An me wissen Kr den Kind Meine Vi sisches Be ner Pfarr empfingen tor. Der Lehrer, w Schweiger Die Ju mächtiges Herr der das Sägev bargemein Herbst 19 gruppe b laubten N M. Aus lieferung sich erho Höhenkre ungeschi nach der ein neue Gegner richteten diese ,, B meinen wird die schon lä hoch am das den Anziehun bat aber n. Als jerklärte ein Curnverein. gruppe hat besonders bewußt die Autorität des Pfarrers auszuschalten und die ihrige an seine Stelle zu setzen gesucht. Aus diesem gleichen Geiste entsprangen die vielen kleinen Reibungen, die ich unter dem folgenden Titel behandeln will. der durch hungskraft , ein gechristlichen orträge, es . So suchte als Gegen-B derselbe Opposition res abzuich sonst vermeiden, ch endlich me Anfrage em Grunde so günstig, enbar zwikam er in Geister verau auf, als ische Bürangen sein. wurde von fiel auch recht gern aus, erhielt heimliche n der Koner Pfarrei beralismus. nheit sagt der Libeu rütteln: Et der TraOppostionskleinen Posten 16. Kleine Ursachen - große Wirkungen. An mehr als einem Posten habe ich es erlebt, daß in gewissen Kreisen große Verstimmung herrschte, sobald ich mit den Kindern den kirchlichen Gesang intensiver pflegte. Meine Vikarszeit in Überlingen a. See bot dafür ein klassisches Beispiel, das ich hier nicht berichten will. In meiner Pfarrei hatten wir einmal Bischofsbesuch. Die Kinder empfingen den Bischof mit einem feinen Choral- Veni- Creator. Der Bischof fragte bei der Vorstellung die Herren Lehrer, wer den feinen Choral eingeübt habe. Betretenes Schweigen. Verstimmung bei einem Teil auf lange Sicht. Die Jungmänner errichteten auf dem sog. Herpele ein ,, Christus, mächtiges Höhenkreuz und schrieben darauf: Herr der neuen Zeit!" Das Holz für das Kreuz hatte nicht das Sägewerk aus unserer Gemeinde, sondern aus der Nachbargemeinde geliefert. Darob großer Zorn. Wir fingen im Herbst 1932 den Bau der Kinderschule an. Die Oppositionsgruppe bekämpfte den Bau mit allen erlaubten und unerlaubten Mitteln. Führend darin war der Sägewerksbesitzer M. Aus diesem Grunde bekam er natürlich die Holzlieferung für den Neubau nicht. Während der verhaẞte Bau sich erhob, fiel in der Nacht zum 13. November 1932 das Höhenkreuz, von ruchloser Hand gefällt. Die säumige und ungeschickte Haltung der Gendarmerie bei der Fahndung nach den Tätern verschlimmerte die Situation. Es wurde ein neues errichtet, das man nicht mehr fällen konnte. Die Gegner pflanzten nun 10 Meter davon eine Hitlerlinde, errichteten eine Ruhebank davor und schrieben darauf, daß diese ,, Bang" schonend behandelt werden müsse. Ich sagte meinen Jungmännern: ,, Laßt alles stehen, neben dem Kreuz wird die Hitlerlinde nicht gedeihen." Sie ist tatsächlich schon längst abgestorben. Dieselben Jungmänner bauten hoch am Waldesrand ein einzigschönes Andachtsplätzchen, das den Namen ,, Marienhöhe" erhielt. Es wurde zu einem Anziehungspunkt vieler Beter aus der ganzen Umgebung. 61 - Die Wir errichteten eiserne Wegweiser mit der Aufschrift: ,, Zur Marienhöhe" oder„, Zum Kreuzberg", wie wir das Herpele umbenannt hatten. Nach einer dunklen Nacht waren die Wegweiser demoliert. Die Gendarmerie wurde in Kenntnis gesetzt und machte Erhebungen, unter anderm beim späteren Hitler- Bürgermeister. Das wurde nie vergessen, obwohl die Schuld nicht bei den Geschädigten lag. Die Mädchen hatten einen unschicklichen Badeplatz. Ich lieẞ ihnen auf eigene Kosten eine Badehütte herstellen. paar Bretter und die Errichtung der Hütte kosteten mich 120 Mark. Die katholisch denkenden Männer schämten sich und erstatteten mir die Summe. Ein liberaler Gemeinderat aber wetterte: ,, Das geht doch den Pfarrer nichts an, das ist Sache der Gemeinde." Ich ließ ihm sagen, er habe in etwa Recht, es wäre Pflicht der Gemeinde gewesen, dem Übelstand abzuhelfen. Nun überließ ich die Hütte schenkungsweise dem Gemeinderat. Einmal Staubsauger nicht durch tätigt hatte ,, Herr Pfarr gelbeutel w auch verbo ihm gekost Kaufsumme Antwort: haben Sie sönliche Fr so dumm s Ihr Opfer Vorteil hab Klingelbeut für das Go einzukaufer ter bekehrt Im letzt eine grote schwarze F konnte win schlissen, h eine neue Wunderbare Blüten eines richtigen Größenwahns kamen an der Fastnacht zum Vorschein. Einmal baute man Wagen wie in einer Stadt und hielt bei 24 Grad Kälte einen Umzug. Ein andermal wurde der Konstanzer Hemdglonkerzug nachgeahmt. Weil sich zu wenig Teilnehmer dafür fanden, holte man Frauen dazu. Sie bekamen von mir einen kräftigen und verdienten Nasenstüber, schämten sich und machten nicht mehr mit. Auf der andernn Seite brütende Erregung. An einer dritten Fastnacht hatten die Narren keinen geeigneten Platz für den Narrenbaum. Da ließ der gutmütige oder berechnende Rosenwirt den Narrenbaum direkt bei seinem Haus aufpflanzen, bedachte aber nicht, daß hier vor hundert Jahren ein Friedhof war. Er mußte es bitter büßen. Sein Konkurrent kam in sein Lokal, es gab Streit. Der mächtige Rosenwirt verprügelte den andern so, daß er sich ins Bett legen mußte. Ich wurde um Vermittlung angerufen mit dem Versprechen, es würde etwas für die Kirche abfallen, wenn meine Mission glücke. Ich tat mein Möglichstes und der Verprügelte war zur Versöhnung und zu einem ehrenvollen Vergleich bereit. hatte seine Frau, von irgendeiner Seite beeinflußt, alles über den Haufen geworfen und Anzeige erstattet. Die Geschichte kam dem Rosenwirt teuer zu stehen, aber seinem Konkurrenten noch teurer, denn viele mieden jetzt die Gaststätte des Unversöhnlichen. Solche Feindschaften sind immer ein großes Hindernis für eine erfolgreiche Seelsorge. 62 Am andern Tag kam. Im neue Fahn schnitt 2 M doch meine bei: ,, Wen braucht er erschien in der in der Witwen, w protzen ha wird der a Artikelsch beutels? sollten die stellte ich der Predig ihre kirch der Anscha hrift:„Zur as Herpele waren die in Kennt- erm beim vergessen, lag.— Die Ich ließ ellen. Die steten mich Jämten sich ‚emeinderat an, das ist be in etwa dem Übel- chenkungs- hns kamen nan Wagen einen Um- jglonkerzug für fanden, einen kräf- und mach- ütende Er- Varren kei- ‚ß der gut- aum direkt t, daß hier e es bitter gab Streit. so, daß er ‚ittlung an“ 3: für de h tat mein nung und ‚ndern Tag ußt, alles Die G% 4 Einmal fiel ich in Ungnade, weil ich auswärts einen Staubsauger für die Kirche gekauft hatte und den Kauf ‚nicht durch die Vermittlung unseres Dorf-Stromwartes ge- tätigt hatte. Er erklärte mir den Krieg mit den Worten: „Herr Pfarrer, ich werde keinen Pfennig mehr in den Klin- gelbeutel werfen, und meiner Frau habe ich das Opfern auch verboten.“ Ich fragte, was denn der Staubsauger bei ihm gekostet hätte. Er nannte mir eine Summe, die die Kaufsumme um 50 Mark überstieg,. Da gab ich ihm zur Antwort:„Ihrer Frau das Klingelbeutelopfer zu verbieten haben Sie kein Recht, das ist ein grober Eingriff in die per- sönliche Freiheit Ihrer Frau. Übrigens wird Ihre Frau nicht so dumm sein und Ihnen da folgen. Sie selber können ruhig Ihr Opfer einstellen, ich werde immer noch einen großen Vorteil haben, weil Sie in 10 Jahren keine 50 Mark in den Klingelbeutel werfen. Als Pfarrer habe ich aber die Pflicht, für das Gotteshaus nicht gerade beim teuersten Kaufmann einzukaufen.“ Er grollte, aber ich glaube, er hat sich spä- ter bekehrt. Im letzten Jahre meiner Tätigkeit in N. erlebte ich noch eine groteske Geschichte. In meiner Kirche stand eine schwarze Fahne, die bei Beerdigungen benützt wurde. Sie konnte wirklich zur Trauer stimmen, denn sie war zer- schlissen, hatte alle Form und alle Farbe verloren. Ich ließ eine neue anfertigen, die etwas über 200 Mark zu stehen kam. Im Pfarrblatt bat ich dann um ein Almosen für die neue Fahne. Ich schrieb:„Wenn jede Familie im Durch- schnitt 2 Mark spendet, ist die Fahne bezahlt.“ Weil ich je- doch meine Nörgler zu gut kannte, fügte ich die Bemerkung bei:„Wenn jemand lieber die alte Fahne benützen will, so braucht er natürlich nichts zu stiften für die neue.“ Daraufhin erschien in der Bodensee-Rundschau ein wütender Artikel, der in der Weisheit gipfelte:„Da könnt ihr sehen, ihr armen Witwen, wie der Pfarrer über euch denkt. Für die Geld- Protzen hat er eine neue Totenfahne gekauft, den Armen wird der alte Fetzen vorangetragen.“ Und pathetisch rief der Artikelschreiber:„Wo bleibt das viele Geld des Klingel- beutels? Wir verlangen Rechenschaft!“ Diese Rechenschaft sollten die Herrschaften erhalten. Am folgenden Sonntag stellte ich die neue Fahne in den Chore der Kirche. Nach der Predigt sagte ich ungefähr:„Nun wird die neue Fahne ihre kirchliche Weihe erhalten. Einige haben sich wegen der Anschaffung dieser Fahne aufgeregt und haben mich in 63 een ee ne ne der Zeitung maßlos angegriffen, weil ich euch um einen Unkostenbeitrag angegangen habe. Ich habe in den Pfarrakten gesehen, daß in der Vergangenheit alle Kirchenfahnen auf diese Weise angeschafft wurden. Der Klingelbeutel kann für solche Anschaffungen nicht in Frage kommen, weil er kaum für die laufenden Kultausgaben reicht." Und dann rechnete ich meinen Zuhörern vor, wieviel ich jedes Jahr aus Wohltätigkeitsgaben und aus Eigenem zum Klingelbeutel zusteuerte, um die Ausgaben zu decken. Ich sagte unter anderm ,, Es war meine Absicht, über die Ausgaben und persönlichen Opfer des Pfarrers zu schweigen, wie es die stillen Wohltäter zu tun pflegen, aber wenn man mir Unterschlagung des Klingelbeutels in der öffentlichen Zeitung vorwirft, dann muß ich auch darüber reden. Ich verlange nicht, daß man mir besonders danke für das, was ich für Kirche und Pfarrei geopfert habe, aber ich verlange und muß verlangen, daß man sich um Gerechtigkeit und Wahrhaftigkeit bemüht." Diese Erklärung verfehlte ihre Wirkung nicht. Die Fahne war schneller bezahlt als sonst und die Nörgler verzichteten auf die Klingelbeutel- Revision, die übrigens jedes Jahr dem Stiftungsrat und der Pfarrei vorgelegt wurde. - in eine He Pfarrer ver In einem Winter mit tiefem Schnee starb ein alter Mann, der weit draußen wohnte. Ich war sehr leidend und bat den Sohn, mit der Leiche zur Einsegnung und zum Abholen in den Ort hereinzukommen. Nach etwa zwei Jahren machte mir der Mann bei einem Familienbesuch die schwersten Vorwürfe, weil ich bei seinem Vater nicht zum Hause zur Einsegnung gekommen sei. Das war der Zorn eines Melancholikers, der erst zum Vorschein kommt, wenn er beim Sanguiniker und Choleriker längst verraucht ist. Selbst des Neides Dauerkran diese ersta In manchen Gegenden ist der Alkohol ein schlimmer Feind der Seelsorge. an sonnige gebung. W gescheitere lung des sich in ein haus vorbe ich im Pf gleisungen sinnung di wurden bi Nähe mein In meiner Pfarrei waren sechs Wirtschaften und in jedem Haus war der starke Most in Fülle vorhanden. Die Auswirkungen waren zum Teil recht schlimm, es gab Selbstmorde im Rausch und Geistesstörungen. In einer kinderreichen Familie krankte der Vater an beiden Übeln, das eine vielleicht durch das andere hervorgerufen oder begünstigt. Oft kamen die Kinder ins Pfarrhaus gelaufen und holten mich, um Mutter und Kinder zu schützen. Ich machte die zuständigen Behörden aufmerksam und er kam für ein Jahr 64 erzählten, Pfarrhaus Kontrolle sich aufha Recht male, wei nicht gest rechtmäßi laubte, da wartete u In den Hilfe mein den Einga = Gruß Gegenseit Vorausgel aber dari mir denn ließ mir nur schlie schlossen. solle sich Zweck de die junge kung des 5 Lustrum num einen den Pfarrrchenfahnen beutel kann en, weil er Und dann jedes Jahr Klingelbeusagte unter en und peres die stilmir UnterLen Zeitung ch verlange was ich für erlange und und Wahre ihre Wirs sonst und Revision, die Pfarrei voralter Mann, und bat den Abholen in ren machte schwersten Hause zur eines Meenn er beim schlimmer ten und in manden. Die s gab Selbstner kindereln, das eine begünstigt. und holten machte die für ein Jahr in eine Heilanstalt. Zurückgekehrt arbeitete er still, aber im Pfarrer vermutete er seinen Todfeind. Selbst Caritas und Krankenfürsorge kann Gegenstand des Neides und der Feindschaft werden. Wir hatten einige Dauerkranke, die immer ans Zimmer gefesselt waren. Für diese erstand ich einen Fahrstuhl, mit dem diese Kranken an sonnigen Tagen hinausgeführt wurden in die schöne Umgebung. Wieder war es die Oppositionsgruppe, die keinen gescheiteren Fastnachtsgedanken bekam als die Verhohniegelung des Krankenstuhles. Ein himmellanger Mann setzte sich in einen alten Kinderwagen und ließ sich am Pfarrhaus vorbei durch den Ort schieben. Auf diesen Unfug gab ich im Pfarrblatt eine kräftige Antwort, die solchen Entgleisungen für immer ein Ende machte, nicht aber die Gesinnung dieser Leute änderte. Auch von den Kranken selbst wurden bisweilen kuriose Dinge berichtet. So war in der Nähe meiner Wohnung ein Dauerpatient, von dem die Leute erzählten, er habe den Feldstecher im Bett und gucke das Pfarrhaus nach seinen Besuchern ab, ja er würde genau Kontrolle darüber führen, wie lange die Leute im Pfarrhaus sich aufhalten. Recht ernstliche Auseinandersetzungen gab es einigemale, weil ich lustige Hochzeiten in der geschlossenen Zeit nicht gestattete, weil ich die auswärtigen Trauungen von rechtmäßigen Gründen abhängig machte, weil ich nicht erlaubte, daß man mit der Taufe eines Kindes wochenlang wartete und dergleichen mehr. In den einstigen Ställen des Pfarrhauses hatte ich mit Hilfe meiner Jungmänner ein Jugendheim eingerichtet. Über den Eingang hatten wir geschrieben: ,, Salus intrantibus!" == Gruß den Eintretenden! Daß dieses Jugendheim auf der Gegenseite sehr ungern gesehen wurde, braucht nach dem Vorausgehenden nicht eigens betont zu werden, daß man aber darin ein Institut für Heiratsvermittlung erblickte, war mir denn doch eine Überraschung. Einer von den Hellsten lieẞ mir nämlich sagen:„ Der Pfarrer soll das Jugendheim nur schließen, denn darin werden nur Bekanntschaften geschlossen." Ich ließ ihm prompt die Antwort zukommen, er solle sich nicht aufregen, das sei ja von vornherein ein Zweck des Jugendheims gewesen, es sei doch besser, wenn die jungen Leute sich hier als im Wirtshaus unter Einwirkung des Alkohols kennen lernen. 5 Lustrum luxaturae. 65 Nach meinem Wegzug leisteten sich dunkle Gesellen noch verschiedene Liebenswürdigkeiten. So erzählte mir ein zuverlässiger Jungmann, wie sie eines morgens mit Ingrimm die Entdeckung machten, daß die Inschrift über dem Jugendheim ,,, Salus intrantibus", während der Nacht überstrichen worden war. Die Übeltäter, zwei Führer der HJ, wurden am nächsten Tag schnell entdeckt, da sie nach vollbrachter Tat vergessen hatten, den Farbtopf abzuwischen. So fand man vom Jugendheim bis zur Wohnung des Betreffenden überall auf dem Boden Farbtröpfchen. Derselbe Jungmann erzählte mir eine kleine köstliche Episode, die es verdient, der Nachwelt erhalten zu bleiben. Die Nationalsozialisten fühlten sich auch berufen, alles, was auf seiten der andern geschah, peinlich zu überwachen und gegebenenfalls Sittenrichter zu spielen. So wurden die Kongregationsversammlungen und die Besuche auf der Marienhöhe von einem Beauftragten der Mächtigen heimlich kontrolliert. Es kam vor, daß beim Öffnen der Pfarrhaustüre plötzlich eine männliche Gestalt im Schatten der Nacht verschwand. Sarkastisch meinte der Berichterstatter, dieser Aufpasser habe sich als Nachtwächter und Sittenrichter besonders gut geeignet, weil er vermutete, die jungen Leute gingen dieselben moralischen Wege, die er gegangen war. Einmal ging unser Jungmann in Begleitung seiner auf Besuch weilenden Schwester auf die Marienhöhe. Es war das Licht in Und dieses ten, es war wollte man Schattenseit am Abend vor ihrer Abreise. Während sie vor dem Gnadenbilde beteten, vernahmen sie im nahen Wald ein verdächtiges Rascheln. Als sie sich zum Abstieg anschickten, trat plötzlich hinter den Obstbäumen die Gestalt des bekannten Nachtwächters hervor. Aber auf seinem Gesichte spiegelte sich eine offenkundige Enttäuschung, denn jetzt erst mußte er feststellen, daß es Geschwister waren und nicht das gesuchte Liebespärchen aus den Reihen der verwünschten Pfarrjugend. zum großen Nationalsozi diese ehrg Menschen a die Hände nicht die g In Das ist eine kleine Blütenlese aus den kleinen Alltäglichkeiten des Landpfarrers. Ich verstehe es, wenn so mancher Mitbruder solche Reibungsflächen zu vermeiden suchte. diesen Gemeinden wird der Pfarrer sicher nicht vertrieben, er wird vielleicht als tolerant gefeiert, aber es werden auch manche böse Geister nie vertrieben. Um der Wahrheit willen habe ich auch die Schattenseiten geschildert, um den Fanatismus auf der einen Seite zu erklären, um aber auch 66 Schon e Gegnern ei Nachlässigk März 1933 mentes fäll wenig Bed angekündig aber leider den. Es f Bürgermeis nen Freund Ich bejahte schlag müß rates, dami dann ein f ten. Am raschungen d. h. mand gründung: men in alle sammengef Die braune den, auf di dort sogar spielt habe Wahllokal Vertrauens nem Weser Le Gesellen lte mir ein mit Ingrimm em JugendLiberstrichen HJ, wurden vollbrachter . So fand Betreffenden e köstliche zu bleiben. , alles, was das Licht in der Pfarrei wirkungsvoller leuchten zu lassen. Und dieses Licht war zehnmal stärker als die trüben Schatten, es war so groß, daß man ganze Bände füllen müßte, Diese wollte man es vollständig und würdig darstellen. Schattenseiten wären nie wirksam geworden, ja sie wären zum großen Teil mit der Zeit verschwunden, wenn nicht der Nationalsozialismus mit seinen verderblichen Grundsätzen diese ehrgeizigen, strebsüchtigen, wühlenden, primitiven Menschen auf den Schild gehoben und ihnen eine Macht in die Hände gelegt hätte, für deren gerechte Ausübung sie nicht die geringste Befähigung hatten. wachen und n die Koner Marienimlich konarrhaustüre Nacht vertter, dieser mrichter bengen Leute angen war. mer auf Bee. Es war em Gnadenin verdächckten, trat bekannten te spiegelte erst mußte cht das geerwünschten Alltäglichso mancher suchte. In vertrieben, werden auch ahrheit wilt, um den aber auch 17. Auch ein brauner Sieg. Schon einige Monate vor meiner Vertreibung war den Gegnern ein Sieg zuteil geworden, der durch eine gewisse Nachlässigkeit der Gutgesinnten möglich gewesen war. Im März 1933 war die Neuwahl unseres Kirchensteuerparlamentes fällig geworden. Solchen Wahlen wird gewöhnlich wenig Bedeutung beigemessen, weil sie ohne Leidenschaft angekündigt und vollzogen werden. Diesmal ging es anders, aber leider war die Leidenschaft nur auf einer Seite zu finden. Es fiel mir sehr auf, daß der neue kommissarische Bürgermeister B. zu mir kam mit der Frage, ob er mit seinen Freunden einen eigenen Wahlvorschlag aufstellen dürfe. Ich bejahte die Frage, fügte jedoch hinzu, der Wahlvorschlag müßte dieselbe Größe haben wie jener des Stiftungsrates, damit sie nicht schon äußerlich sich verrieten. Es war dann ein fleißiges Hin und Hergehen im Ort zu beobachten. Am Wahltag erlebten wir dann noch mehrere Überraschungen. Unsere Wähler kamen nach alter Sitte säumig, d. h. manche kamen nicht mit der unausgesprochenen Begründung: Es geht auch ohne mich. Die andern indes kamen in allen Farben und Schattierungen: sie hatten sich zusammengefunden alle, die sonst feindliche Brüder Die braunen Kandidaten hatten es doch als Ehre empfunden, auf die Liste gesetzt worden zu sein und es mag da und dort sogar schon die Angst vor den neuen Mächtigen mitgespielt haben. Sie hatten sogar einen Vertrauensmann in das Wahllokal geschickt, was bislang nie dagewesen war. Dieser Vertrauensmann hatte einen Namen, der gar nicht zu seinem Wesen paẞte, er hieß Held. Er benahm sich gar nicht waren. 67 wählt seien. wendigkeit pönte Ortsk daß das ne sollen sie üb gemuckt hab Plan verwin Das klei Schriften d kurze, über Bäder, der satz zog. der Eck geg Agnes und das Kur- u weit in die mein neues heldisch bei uns, denn er war eben doch seiner Sache nicht sicher. Schon nach der ersten Wahlstunde machte ich ihn aufmerksam, daß der braune Wahlvorschlag offenbar den Vorschriften nicht entspreche. Ich konnte bei jedem abgegebenen Kuvert sofort sagen, ob es den Wahlvorschlag des Stiftungsrates enthalte oder nicht, es war also keine geheime Wahl mehr. Nach der zweiten Stunde wußte ich genau den Wahlausgang. Durch die Säumigkeit unserer Wähler hatte der Gegenvorschlag zwei oder drei Stimmen mehr. Die braune Liste war gewählt. Meister Held war trotz des Sieges sehr still und horchte, wie wir uns zum Wahlausgang stellten. Ich gab ihm kurz und ruhig die Erklärung ab: ,, Die Wahl ist ungültig, weil sie nicht geheim war." Es waren noch einige Gründe vorhanden, an die ich mich nicht mehr erinnere. Er war sehr betroffen und muß die Nachricht seinen Freunden auch in dieser Stimmung hinterbracht haben, denn es war nichts zu hören von einer Siegesfreude. Lediglich in der braunen Zeitung kam ein Artikel, daß mit dieser Wahl die Ortskirchensteuer gefallen sei und daß das nicht mehr als recht sei, denn N. hätte einen guten Klingelbeutel. Der Stiftungsrat hielt sofort eine Sitzung ab. Ich machte den Vorschlag, der Kirchenbehörde eine Ungültigkeitserklärung dieser Wahl mit den Gründen mitzuteilen und bis zur Antwort nichts zu unternehmen. Wir beschlossen weiter, auf jeden Fall im Jahre 1933 keine Ortskirchensteuer zu erheben und das neue Parlament nicht einzuberufen, solange wir über dessen Gesinnung nicht sicher wären. Unsere Erklärung nach Freiburg ging ab und kam nie dort an. Wieder einmal wurden die Schreiben des Stiftungsrates an das Erzb. Ordinariat und den Kath. Oberstiftungsrat von der Gegenseite abgefangen und unterschlagen. Als ich in Freiburg persönlich anfragte, sagte man mir, es sei nichts angekommen. Dieser braune Sieg hatte nun ein tragikkomisches Ende. Ich war bereits in Neusatzeck und mein Vorgänger hier amtete in meiner Pfarrei. Um die Arbeitslosigkeit zu beheben, wurde angeordnet, daß überall dort, wo die Mittel vorhanden seien, Bauten ausgeführt werden sollen. Der Stiftungsrat in N. fragte bei mir an, ob man wohl die braune Kirchengemeindevertretung könne, um sie für den Bau eines neuen Pfarrhauses zu gewinnen. Ich gab die Antwort, der Stiftungsrat solle sie einberufen. Sagen sie ja, dann ist es recht, sagen sie nein, dann wird ihnen eröffnet, daß sie überhaupt ungültig ge68 - einberufen Pfarrer Bä Sang und mein Vorg dem Hausn Kurhauses Vergangen macht, das 1921. Im also am g ließ. In j an Alban klären mu der mit M Unwissenh seines Leb diesem Ta Kindern o nen schlec Die Priori Hier herrs Ehrfurcht periors. = Sache nicht chte ich ihn offenbar den jedem abgevorschlag des o keine gewußte ich gewählt seien. Unter Berufung auf den Führer und die Notwendigkeit der Arbeitsbeschaffung genehmigten sie die verpönte Ortskirchensteuer und alle anderen Forderungen, so Später daß das neue Pfarrhaus endlich erstehen konnte. sollen sie über die von ihnen selber genehmigte Steuer aufgemuckt haben. So mußten sie gegen ihren Willen meinen Plan verwirklichen. nserer Wähimmen mehr. war trotz des Wahlausgang ung ab: ,, Die swaren noch t mehr erinhricht seinen racht haben, reude. Ledigaß mit dieser aß das nicht Klingelbeutel. Ich machte Ungültigkeitseilen und bis chlossen weichensteuer zu ufen, solange Unsere Ernie dort an. ungsrates an Cungsrat von Als ich in es sei nichts ein tragikck und mein die Arbeitsüberall dort, führt werden an, ob man g einberufen auses zu gesolle sie eingen sie nein, ungültig ge18. Neusatzeck. Das kleine Neusatzeck ist bekannt geworden durch die Schriften des Superiors A. Vetter, besonders durch die kurze, überaus ansprechende Biographie des Pfarrers Jos. Bäder, der 1846 auch als Verbannter von Freiburg nach Neusatz zog. Er hat das spätere Dominikanerinnenkloster auf der Eck gegründet, er ist der Erbauer der Klosterkirche St. Hier erstand Agnes und der Begründer des Benefiziums. das Kur- und Exerzitienhaus, das den Namen„, Neusatzeck" Das sollte weit in die deutschen Lande hinausgetragen hat. wie mein neues Wirkungsfeld werden. Ich zog hier ein, Pfarrer Bäder vor hundert Jahren in seine Pfarrei, ohne Sang und Klang, ohne Gedicht und ohne Blumengewind. Da mein Vorgänger noch da war und meine Schwestern mit dem Hausrat noch in N. weilten, bezog ich im Seitenflügel des Kurhauses ein Zimmer. Meine Erinnerungen streiften in die Vergangenheit, schon zweimal hatte ich hier Exerzitien gemacht, das erstemal im September 1919 und dann wieder 1921. Im ersten Kurs kam ich am 22. September hier an, also am gleichen Tag, an dem ich 1933 meine Pfarrei verließ. In jenen Exerzitientagen habe ich mich auch lebhaft an Alban Stolz erinnert, der den Kindern in Neusatzeck erklären mußte, was ein Pferd und was ein Schmetterling ist, der mit Mut und wenig Aussicht auf Erfolg gegen religiöse Unwissenheit und Schnaps gekämpft hat. Im Nachtgebet seines Lebens hat er sehr anschaulich seine Erlebnisse in diesem Tal geschildert. Superior Vetter stellte mich den Kindern oder die Kinder mir vor. Die Kinder machten keinen schlechten Eindruck und schauten mich freundlich an. Die Priorin stellte mich den Schwestern im Konvent vor. Hier herrschte feierliche Stille; ich weiß nicht, war es die Ehrfurcht oder die Ungewißheit über den Tausch des Superiors. Bevor meine Leute und meine Möbel hier waren, 69 Begrüßung sehen, wie zu verpas nächste Ma wieder kä besetztes Ben und H sie unter wie Kurg unter dem Schlafeng wurde ich ersucht, den einfallenden Männer- Exerzitienkurs zu halten, da kein Meister dafür zu bekommen sei. Aber wie vorbereiten, da meine ganze Bibliothek noch in den Kisten war? Da kam mir ein rettender Gedanke. Ich hatte die ,, Wege zum Frieden" aus verschiedenen Jahren bei mir. Hier fand ich vieles und brauchbares Material. Dieser erste Männerkurs wurde denn auch ein schönes Erlebnis. Es waren Akademiker darunter und einige Männer, die ich schon auf meinem ersten Posten in Renchen im Jahre 1914 schätzen gelernt hatte. Das war bereits eine frohe Entschädigung für die Septemberopfer. Das Christkind brachte dem Kloster eine neue Priorin und im Januar 1934 leitete ich die Exerzitienkurse der Schwestern im Mutterhaus. Zum erstenmal feierte ich mit Konvent und Laiengemeinde das Patrozinium der Klosterkirche, das Fest der hl. Agnes, die ich auf meiner Romfahrt besonders verehrt hatte. Im Frühjahr stieg allmählich die Zahl der Gäste und damit begann ein neuer, schöner Pastorationszweig für mich. Die zahlreich anwesenden Priester- Gäste leisteten mir eine wertvolle Mitarbeit. In diesen Sommer fällt mein erster Besuch in meiner Pfarrei und der erste Besuch einer größeren Anzahl Pfarrkinder bei mir in Neusatzeck. Unter den hiesigen Gästen war der mir seit 1922 befreundete Consul Werner Esser aus Elberfeld.1) Er hatte Mutter und Schwester mit seinem Auto hierher gebracht. Als die Zeit meines Urlaubes gekommen war, nahm er mich auf sein Auto und führte mich hinauf an die heimatlichen Gestade des Bodensee's. Eines Abends kamen wir nach N. Wir fuhren zuerst auf den Friedhof, um das Grab meiner Mutter zu besuchen. Es war schön geschmückt. Irgendwo trieb sich auf dem Friedhof der kleine Josef W. herum. Ich schickte ihn sofort ins Pfarrhaus zum Herrn Pfarrverweser Beugel mit dem Auftrage, sich unter die Haustür zu stellen. Dann fuhren wir langsam durch den Ort und hielten vor dem Pfarrhaus. Nachbarsleute hatten die Begrüßung gesehen und eilten herbei. Bald war das Auto von einer„, zahlreichen Volksmenge" umringt, aber nicht um zu demonstrieren, sondern ihren Pfarrer herzlich zu begrüßen. Der Einladung zu bleiben, wollte ich nicht stattgeben, da ich wußte, wie groß die Befürchtung auf der anderen Seite war. Der Bürgermeister hatte die Bei der A wo es wi nerung an den in Ne der erster einstigen der treue dentlein. 1) Ist leider einem Fliegerangriff zu Solingen im Allerseelenmonat 1944 zum Opfer gefallen. Der letzte Eintrag in seinem Tagebuch lautete:„ Recordare, Jesu pie!"( Denk an mich, o gütiger Jesu 1) Seine Mutter war die Tochter eines südamerikanischen Staatspräsidenten. 70 Hausange tigen Ha Gehen, e Wünsche. immer B mutter e hatte au schreiben leicht ges ein geha tes: ,, Sie densonnt len lasse kasse zu längeren zurück: tag habe Es schei meinde stiftet, Stelle d Jahr ein Organist aus. Es erzitienkurs sei. Aber och in den e. Ich hatte en bei mir. Dieser erste lebnis. Es r, die ich Jahre 1914 frohe Entind brachte 1934 leitete rhaus. Zum meinde das Agnes, die Im Frühmit begann Le zahlreich wertvolle Besuch in ren Anzahl iesigen Gäerner Esser mit seinem rlaubes geführte mich ee's. Eines t auf den n. Es war riedhof der ins PfarrAuftrage, wir langaus. NachIten herbei. menge" umihren Pfarben, wollte Befürchtung r hatte die onat 1944 zum Recordare, Jesu chter eines südBegrüßung der Leute vom Rathaus aus gesehen, hatte gesehen, wie die Leute sprangen, um diesen Augenblick nicht zu verpassen, und meinte grimmig, man könne es ja das nächste Mal durch die Ortspolizei ausschellen lassen, wenn ich wieder käme. Noch mehr aber war er entsetzt, als ein vollbesetztes Lastauto nach Neusatzeck abfuhr, beladen mit groBen und kleinen Leuten. An einem Samstag abend stiegen sie unter Freudentränen hier ab und wurden im Kurhaus wie Kurgäste untergebracht. Die Kinderschar stieg mit mir unter dem Absingen froher Lieder auf die Höhen. Vor dem vor dem Kloster. Schlafengehen war noch ein Ständchen Bei der Abfahrt begleitete ich das Auto bis Maria- Linden, wo es wieder einen nassen Abschied gab. Aber die Erinnerung an diese herrliche Fahrt und die weihevollen Stunden in Neusatzeck ist bis heute lebendig geblieben. Im Lauf der ersten sechs Jahre bis zum Kriegsausbruch haben meine einstigen Pfarrkinder mich recht oft besucht, an der Spitze der treue Bürgermeister Martin, dann vor allem die Studentlein. Einige der Jungmädchen erhielten hier in unserer Hausangestelltenschule ihre Ausbildung für ihren künftigen Hausfrauenberuf. Es war ein ständiges Kommen und Gehen, ein ununterbrochener Austausch der Gedanken und Wünsche. An Allerseelen und Weihnachten erhielten wir immer Bericht, daß die Jungmänner am Grab der Pfarrmutter eine Feierstunde gehalten hätten. In der ersten Zeit hatte auch der neue Bürgermeister das Bedürfnis, mir zu schreiben. Er hatte nämlich etwas entdeckt, was man vielleicht gegen den Pfarrer famos ausspielen konnte. Es kam ein geharnischtes und siegesbewußtes Schreiben des Inhaltes: ,, Sie haben sich für den Gang auf den Friedhof am Heldensonntag von der Gemeinde 13( oder 14) Mark ausbezahlen lassen. Diese Summe ist umgehend an die Gemeindekasse zurückzuzahlen." Ich traute meinen Augen nicht. Bei längerem Überlegen fand ich die Lösung. Ich schrieb nun zurück ,, Für den Gang auf den Friedhof am Heldensonntag habe ich nie einen Pfennig von der Gemeinde erhalten. Es scheint aber eine Verwechslung vorzuliegen. Die Gemeinde hat seinerzeit einen Jahrtag für die Gefallenen gestiftet, der dann der Inflation zum Opfer gefallen ist. Stelle dieses Jahrtages bestellte der Gemeinderat jedes Jahr ein Seelenamt und legte die Gebühren für Priester, Organist, Sänger, Mesner, Ministranten, Kirchenfond etc. aus. Es liegt also keine Bereicherung meinerseits auf KoAn 71 sten der Gemeinde vor." Von da an erhielt ich keinen Liebesbrief mehr vom Bürgermeister. Einmal noch soll er einen schweren Stoßseufzer getan haben, als bei einer Wahl soviele Neinstimmen heraussprangen, während sonst überall nur 2% gezählt wurden. ,, Diese vielen Neinstimmen gehen auf den Pfarrer Stehle zurück." Später wurde anders gezählt und die Neinstimmen verschwanden. 19. Neue Möglichkeiten. Bauwerk einer sch Fleischman Künstler und Exer vertrieben aufgestock sein erstes schaft ein gen für di finden, da menden N Bald erkannte ich die Wahrheit dieses Wortes. Hier boten sich neue und bedeutend größere Möglichkeiten, seelsorgerlich zu wirken. Mit einer gewissen Freude dachte ich bei mir ,, Ihr braunen Kirchenstürmer habt mich aus meiner Pfarrei vertrieben und habt geglaubt, ihr hättet mich kalt gestellt. Ihr habt euch schwer verrechnet, meine Pfarrei ist durch euch ungleich größer und schöner geworden, und ich werde wirken, soviel mir Gott nur Kraft, Zeit und Seelen gibt. Für die strebsame N.... er Jugend gab mir der Herrgott die noch idealere Klosterjugend." Welche Freude, als mir unter der Klosterjugend gleich zwei einstige Schülerinnen aus meiner Kaplanszeit in der Diaspora begegneten! Hier konnte ich alles wieder verwerten, was ich in der und für die Jugendseelsorge gelernt hatte. Welche Freude, als ich unsere Bergschule betrat und als Lehrer einen jungen freundlichen Mann aus meiner Pfarrei N. antraf. Wir waren von Anfang bis zu Ende gute Freunde und machten schöne Spaziergänge miteinander. Nach einigen Jahren traf ihn dasselbe Schicksal, er mußte gehen, weil er nicht nur mit mir, sondern auch mit dem schwarzen Bürgermeister Schaufler verkehrte. Seine Auseinandersetzungen mit dem Kreisschulrat in Baden- Baden waren sehr dramatisch und bedeuteten für den Lehrer einen moralischen Sieg. Er ging, aber mit Rücksicht auf seine Tüchtigkeit ließ man ihn auch bei der Versetzung die Stiege hinauffallen. Einen merkwürdigen Mann traf ich hier an der Seite des Lehrers. Er war auch Lehrer gewesen an einer Mittelschule, sogar deren Rektor, er war kath. Priester, im Nebenberuf Musiker, Baumzüchter, Arzt, Exerzitienmeister u. a. m. Trotz seiner Kenntnisse war er gefürchtet, weil er ein Choleriker aus dem FF war, und weil er im Geruch eines einstigen Separatisten stand. Das erste 72 die Zahl einen kon den Jahre neuen Sc Veronikah großes S Freiburg Jesu- Klos stationen weiler un Deggenha Stockach sphäre re wurde m den neu telkarten phonisch machten Krankens Organiste ein gerä zogen, da der Kin Schweste Haus. I Protest, lungswei erklärt nen, wo bei Besp Wortbru inen Lie- 1 soll er iner Wahl nst über- mmen ge- de anders Hier bo- ten, seel- dachte ich aus mei- ättet mich eine Pfar- geworden, raft, Zeit ugend gab ‘< Welche zwei ein- r Diaspora erten, Was te, Welche ‚ls Lehrer rei N. an- , Freunde Nach eini- jte gehen, m schwal- ‚seinander- jen waren einen MO“ auf seine ; die Stieg® r pier aD gewesen= kath. prie- Exel- ETWETTERET ET FRUER Bauwerk unter meinem Superiorat war die Errichtung einer schmucken Grabkapelle für den ersten Superior Fleischmann. Die Ausschmückung besorgte der Tiroler Künstler Valentin in Offenburg. Hierauf wurde das Kur- und Exerzitienhaus unter der Leitung des aus Gaggenau vertriebenen Bürgermeisters und Architekten Schneider aufgestockt und etwas modernisiert. Das Mutterhaus bekam sein erstes Kleid und fügte sich dadurch besser in die Land- schaft ein. Diese Ausgaben bedeuteten keine geringen Sor- gen für die kleine Genossenschaft, aber man hatte das Emp- finden, daß sie notwendig seien im Hinblick auf die kom- menden Notzeiten. Die Regierung machte Erhebungen über die Zahl der Schwestern und ihre Ausbildung, was nur für einen kommenden Krieg verstanden werden konnte. In den Jahren vor dem Krieg konnten wir auch eine Reihe von neuen Schwesternstationen übernehmen, so in Bühl das Veronikaheim, in Schwarzenholz bei Saarlautern ein neues großes Schwesternhaus mit verschiedenen Aufgaben, in Freiburg das Seminar für die Seelsorgshilfe und das Herz- Jesu-Kloster mit seiner Niederlassung in Stegen, die Land- stationen in Thalheim, Leibertingen, Veringendotf, Gösch- weiler und in meiner Heimat Urnau; dazu kamen noch Deggenhausen und Birnau. Leibertingen liegt im Kreis Stockach und hat von der dortigen braunen Atmo- sphäre reichlich zu spüren bekommen. Die Nähschwester wurde mit Hilfe des Ministeriums in Karlsruhe vertrieben, den neu angekommenen Schwestern wurden die Lebensmit- telkarten verweigert, bis ich dem Landrat brieflich und tele- phonisch gründlich die Meinung sagte. In Göschweiler machten wir mit vielen Opfern einen Kindergarten und eine Krankenstation auf. Eine Schwester übernahm auch den Organistendienst. Nach einigen Jahren baute die Gemeinde ein geräumiges Haus. Kaum waren die Schwestern einge- zogen, da begann das Ränkespiel, das mit der Übernahme der*Kinderschule durch eine braune Maid endete. Die Schwestern zogen aus und begnügten sich mit einem alten Haus. Dem Bürgermeister schickte ich einen flammenden Protest, in welchem ich ihm darlegte, daß diese Hand- lungsweise ein Wortbruch sei, nachdem Hilgenfeld feierlich erklärt habe, die NSV werde nur dort Kindergärten eröff- nen, wo der Caritasverband keine unterhalte. Wie ich dann bei Besprechungen im Caritasverband erfuhr, wurde dieser Wortbruch überall im großen Stil durchgeführt. Eine un- 73 u Der serer letzten Neugründungen ist die Krankenstation am Begräbnisort Hansjakobs in Hofstetten( Kinzigtal). Eine der schönsten Stationen ist Urnau, wo der seeleneifrige Pfarrer Schmieder Schwestern unterbrachte, die die Kranken im weiten Umkreis( drei Pfarreien in Baden und Württemberg) betreuen. In dieser Pfarrei hat der Nationalsozialismus keine Wurzeln fassen können. In meinem Urlaub war im Saale der Wirtschaft eine Gemeindeversammlung. junge feine Bürgermeister Alfons R. eröffnete die Versammlung, der Lehrer sang mit den Schulkindern, unsere Schwester D. als Leiterin mit dem Kirchenchor, dessen Mitglied auch der Bürgermeister ist, der Ortspfarrer und ich hielten Ansprachen. Ich sagte, hier hätte ich das gefunden, was uns in Wort und Schrift gepredigt, aber nicht verwirklicht würde, die wahre Volksgemeinschaft. ,, Dem Henker entronnen.) ungemein ter von d wegung" den, von freit wur deutschen ter der bischof F viele and len Neus Rettung Unver seres Ob waren Ta ( Vgl. Nr. 27 wesender bischof dadurch Um die äußere Tätigkeit der Schwestern zu beseelen, hat der Gründer von Neusatzeck den Schwestern als wichtigste Aufgabe die ewige Anbetung gegeben. Es war mir eine besondere Freude, daß ich der ewigen Anbetung die höchste Krönung und Form geben durfte durch die feierliche Aussetzung des heiligsten Sakramentes bei Tag und Nacht. Diese stille Anbetung in der feierlichen Form der Aussetzung hat auf die Besucher stets einen tiefen Eindruck gemacht und viele ließen sich in das Verzeichnis der Mitglieder eintragen. Viel Segen ist von der Anbetungskapelle und Klosterkirche ausgegangen, in welcher rund 40 000 Exerzitanten seit dem Jahre 1892 die rechte Weichenstellung ihres Lebens vollzogen haben. Den ersten Exerzitienkurs im Jahre 1892 hielt der Klosterpfarrer und spätere Erzbischof von Freiburg Dr. Thomas Nörber. Ein älterer Mann, der öfters hierher kam, hat den Ausspruch getan: ,, Dieses Kirchlein ist warm gebetet." In den Jahren 1933 bis zum Kriegsausbruch wurden hier etwa 100 Exerzitienkurse, gehalten, ungefähr die Hälfte davon durfte ich selbst übernehmen. Reiche Anregungen habe ich erhalten bei den verschiedenen Tagungen, die hier abgehalten wurden. Regelmäßig hielt Pater Kronseder S. J seine Bibelkurse in Neusatzeck, der katholische Frauenbund und seine Jugend hielt festliche Tage hier, der Apostolische Bund mit P. Kentenich, P. Friedrich und anderen gestaltete seine Diözesantagung 74 ben. Sc familiäre nicht im wurde a Universi ten nach sehr sch ren, die weilten, St. Mate Weih machten Halbtags wo er z kannte hat auch die Prie Weiheta zum Ka eine Stu folgende Beme sich vor die mit Beamte, On am BeEine der ge Pfarrer ranken im rttemberg) Sozialismus ab war im Jung. Der die Verern, unsere essen Miter und ich gefunden, t verwirkgl. Nr. 27 beseelen, als wichs war mir betung die e feierliche und Nacht. der AusEindruck s der Mitungskapelle und 40 000 henstellung erzitienkurs Sätere Erzerer Mann, :„ Dieses 33 bis zum nkurse, geelbst überen verschieRegelmäßig Neusatzeck, hielt festKentenich, zesantagung ungemein fruchtbar und segensreich. P. Kentenich ist später von der Gestapo als der„ gefährlichste Gegner der Bewegung" eingesteckt und dann nach Dachau gebracht worden, von wo er jetzt nach einem heroischen Martyrium befreit wurde. Unvergeßlich ist mir auch die Tagung der deutschen und österreichischen Diözesan- Jugendpräsides unter der Leitung des Bischofs Dr. Stohr von Mainz. Weihbischof Fuchs von Trier, Monsignore Wolker, P. Esch und viele andere führende Persönlichkeiten waren in dem stillen Neusatzeck und berieten mit großem Ernst, was für die Rettung der katholischen Jugend getan werden kann. Unvergeßlich ist mir der vierzehntägige Aufenthalt unseres Oberhirten Dr. Conrad Gröber im August 1936. Es waren Tage der Freude für alle Gäste, besonders für die anwesenden Priester. Von Neusatzeck aus hat unser Erzbischof die Kapuziner nach Maria- Linden gerufen und hat dadurch der 500 Jahre alten Wallfahrt neuen Antrieb gegeben. Schön waren diese Tage, weil unser Erzbischof den familiären Geist, der bei unseren Gästen gepflegt wurde, nicht im geringsten beeinträchtigte, sondern erhöhte. Das wurde auch nicht anders, als sein Generalvikar und ein Universitätsprofessor hinzukamen. So oft ich in den Monaten nachher den Erzbischof traf, sagte er:„ Es war schön, sehr schön in Neusatzeck". So urteilten die anderen Herren, die aus den verschiedensten Diözesen Deutschlands hier weilten, besonders der von Humor sprühende Pfarrherr von St. Maternus, Köln. Er Weihbischof Fuchs von Trier weilte 14 Tage bei uns. Wir machten weite Spaziergänge in die Umgebung und auch eine Halbtagsrundfahrt, die wir im Schloß Favorite beendigten, wo er zu seiner Überraschung in den Wirtsleuten gute Bekannte entdeckte. Später war ich sein Gast in Trier. hat auch einem Neusatzecker Bürgerssohn im Dom zu Trier die Priesterweihe gespendet. Als ich ihm am Nachmittag des Weihetages den Neugeweihten vorstellte, lud er uns sofort zum Kaffee ein. Der Neupriester war hochbeglückt, daß er eine Stunde mit seinem Konsekrator verleben durfte.( Siehe folgenden Abschnitt.) Bemerkenswert, aber nicht überraschend war es, daß sich vor allem jene Erholungsbedürftigen hierher flüchteten, die mit dem braunen Regiment nichts zu tun haben wollten. Beamte, die am Fronleichnamstag nicht von Spitzeln photo75 graphiert werden wollten, gingen nach Neusatzeck und halfen tüchtig mit, daß wir hier eine eigene Prozession halten konnten. Es kamen auch Andersgläubige und fühlten sich sehr wohl bei den Gästen. Ein Oberstaatsanwalt erfreute sich bei den katholischen und andersgläubigen Gästen groBer Beliebtheit. Später hat er mir aus dem Felde geschrieben, er sei ein simpler Leutnant geworden, aber er sei froh, daß er von seinem Berufe weg sei, nachdem der Führer der Justiz jeden gesunden und festen Boden durch einen Willkürakt entzogen hatte. Seine Frau war eine gute Kennerin russischer Verhältnisse. Von ihr erhielt ich beim Abschied ein interessantes Buch, das die Tochter Rasputins über ihren mysteriösen Vater zu seiner Rechtfertigung geschrieben hatte. Was ich hier erzählt habe, ist nur ein kleiner Ausschnitt aus meiner Seelsorgstätigkeit in Neusatzeck, aber das genügt, um zu zeigen, daß diese Tätigkeit sehr dazu angetan war, den Blick zu weiten und die Freuden reicher Abwechslung zu bieten. Immer mehr mußte ich erkennen, daß das Gebet meiner N....... er Pfarrkinder mich auch hier begleite und meine Tätigkeit befruchte. 20. Zwei Primizen. Zu Beginn des Jahres 1939 sprach man allgemein vom kommenden Krieg. Die Eingeweihten wiesen hin auf die Autobahnen, auf die KDF- Schiffe, auf die großen Bauten, auf die Ansammlung ungeheurer Mengen von Rohstoffen, fieberhaften Bau von Flugzeugen usw. Es gab indeß noch eine andere Erkenntnisquelle der kommenden Dinge: Der den Hochmut und Größenwahn der ,, Mächtigen" hatte Turmbau von Babel in Schatten gestellt. Luziferischer Stolz hat immer zum Krieg und Untergang geführt. Trotz der gewaltigen Kriegsrüstungen war es dem Einsichtigen und Gläubigen klar, daß das Ringen zwischen Michael und Luzifer nur mit der völligen Niederlage Luzifers endigen könne. Das war der Grund, warum man auf Seite der Kirche so ruhig und zuversichtlich blieb, das war der Grund, warum die Bischöfe für den priesterlichen Nachwuchs besorgt waren. Fast überall wurde die Priesterweihe vor der üblichen Zeit gespendet. So erhielt auch unser Neusatzecker Kan76 didat Fra diert hat war für denn bei 1939 wir sein. An satzer P Neusatze lichen R besonder Die Ein Elternha Triumpf lein mit signore machte zücken. kelte si hauses die Hau unseres sehen tum un unser H Sanitäts sehe sc Mängel er nich degradi wie oft ser erk P. Fra auch ei höfcher Birken sterges rissene Kur burg 1 ten wa wurde Primiz und hal- on halten alten sich ; erfreute sten gro- geschrie- sei froh, ührer der ı Willkür- Kennerin Abschied iber ihren schrieben Ausschnitt r das ge- u angetan Abwechs- 1, daß das , hier be- mein vom n auf die n Bauten, Rohstoffen, ndeß noch inge: Der hatte den scher Stolz Trotz der tigen und und Luzl- gen könne: Kirche 5? nd, warum esorgt War 7 üblichen er Ka _— didat Franz Faller, der bei den Weißen Vätern in Trier stu- diert hatte, ein volles Jahr früher die Priesterweihe. Das war für die Familie eine besondere Gnade des Himmels, denn beide Eltern starben bald nach seiner Weihe. Ostern 1939 wird allen Teilnehmern an seiner Primiz unvergeßlich sein. Am Ostertag selbst primizierte P. Franz in der Neu- satzer Pfarrkirche, am Ostermontag in der Klosterkirche zu Neusatzeck. Die Primiz in Neusatz bot den üblichen fest- lichen Rahmen, die Primiz in Neusatzeck hatte einen ganz besonders warmen, familiären und heimatlichen Charakter. Die Einwohnerschaft hatte von Neusatz unten bis zum Elternhaus auf der Eck nicht weniger als 10 festliche Triumpfbogen errichtet. Ich besitze heute noch ein Büch- lein mit 36 der schönsten Aufnahmen dieses Festes. Mon- signore Dr. Schuldis von Freiburg, der als Gast hier weilte, machte Farbenaufnahmen, die heute noch jedes Auge ent- zücken. Vom strahlenden Frühlingshimmel überdacht, wik- kelte sich am Nachmittag im Hofe des Kur- und Exerzitien- hauses ein reizendes Festprogramm ab, bei dem die Kinder die Hauptrolle spielten. Man muß das strahlende Gesicht unseres Neupriesters und seiner überglücklichen Mutter ge- sehen haben, um zu begreifen, was katholisches Priester- tum unserem Volke bedeutet. Bei Kriegsausbruch wurde unser Pater bald eingezogen und schließlich schrieb er als Sanitätsunteroffizier in Rußland in sein Tagebuch:„Ich sehe schwarz. Es geht nicht voran, überall entdecke ich Mängel,“ Das schrieb er im Januar 1943. Als Prieser konnte er nicht Offizier werden, weil man den Priester öffentlich degradieren und als minderwertig hinstellen wollte, aber wie oft haben die Soldaten die wahre Kriegslage viel bes- ser erkannt als ihre Vorgesetzten! Am 93. März 1943 fiel P. Franz unmittelbar vor seinem Weihetag. Wir erhielten auch ein Bild von seinem Grab. Auf unserem Heldenfried- höfchen, direkt neben dem Schwesternfriedhof, erinnert ein Birkenkreuz mit seinem Bild an diese so sympathische Prie- stergestalt Zehn Geschwister betrauern den allzufrüh ent- rissenen Bruder. Kurz vor Weihnachten erteilte der Erzbischof von Frei- burg 17 Diakonen die Priesterweihe. Unter den Neugeweih- ten war auch mein einstiges Pfarrkind von N. Die Primiz wurde auf den Weihnachtstag festgesetzt. Die Frage der Primizpredigt bekam eine politische Färbung, weil es kein 77 er re nehmer, selber das Programm die Tatsac Vertreibun langten, al nem der Primiz, no meiner M jenem ent sagte, er es bei den gekannt o hören. K tigkeit ka zendes W Ber Verle Er einen Tex Die Geheimnis war, daß der Neupriester seinen einstigen Lehrer und Seelsorger dafür ausersehen hatte. Schon im Frühsommer jenes Jahres erhielt der Diakon A. Böhe vom Pfarrer Z.( mein Nachfolger in N.) einen Brief, worin er ihm mitteilte, ein Mann aus N., der mit Pfarrer Stehle auf freundschaftlichem Fuß gestanden sei, habe dringend gebeten, Pfarrer Stehle möchte doch die Primizpredigt nicht übernehmen, es könnte die schlimmsten Folgen haben. Der Diakon legte mir dieses Schreiben vor, ohne Stellung dazu zu nehmen. Ich antwortete, daß ich natürlich ohne weiteres zurücktrete, wenn solche Störungen zu befürchten seien, aber ich würde dann nicht nur von der Predigt zurücktreten, sondern auch von der Teilnahme an der Primiz. Als ich dann anläßlich unseres silbernen Priesterjubiläums ins Priesterseminar kam, erklärte mir der Diakon, er habe sich die Sache nochmals überlegt es käme nur ein Priester für die Predigt in Frage, und das sei der Onkel Klemens. nehme alle Folgen auf sich. So sagte ich endgültig zu. Alle Befürchtungen waren grundlos, denn der Krieg war bereits ausgebrochen, und die Herren von der Partei hatten andere Sorgen. Es war eine denkwürdige Weihnacht. Bäume trugen Festschmuck, sie waren über und über mit Schneekristallen bedeckt. Der Neupriester und ich stiegen miteinander aus vor dem Kirchenportal. Ein Leuchten ging über die Gesichter, als wir die Kirche betraten. kirchlichen Begrüßungsfeier begann ein herzliches Grüẞgottsagen von allen Seiten. Mit Spannung wurde die Predigt erwartet. Ich kam auf die mir so vertraute Kanzel, blieb ruhig stehen und schaute meiner Pfarrgemeinde fest und gütig ins Auge. Dann begann ich zu erzählen, wie die Bewohner von Bethlehem einst den Propheten Samuel fragten, ob sein Kommen friedlich sei; wie er versicherte, er sei gekommen, um zu opfern. Daran knüpfte ich das Thema der katholische Priester kommt als Friedensbringer und Opferpriester. Ich warf dann auch die Frage auf, warum der katholische Priester trotz seiner Friedenssendung und Friedensabsicht oft gehaẞt werde. Ich zeigte, daß das nicht in seinem Berufe, auch nicht in seiner persönlichen Lebensführung, nicht einmal in seinen menschlichen Schwächen begründet sei, sondern einzig im Haß der Hölle gegen Christus, dessen Vertreter und Werkzeug der katholische Priester sei. Ich sprach ruhig ohne Pathos, und das verfehlte den Eindruck nicht. Eine Überraschung erlebten alle Teil78 Nach der fand. Da seiner Tex Timmerm Ben mit 1 abends G Wort zu gene darz findungen sen, daß i das Grab seiner Ar sohnes mi stehens w der Onke freue sich bieten kö langjährig gers ver Oktober traf ihn i fest.) Vo Feier, ab ich festst erschrak von mein gen Lehrer im FrühBöhe vom worin er Stehle auf gend gebedigt nicht aben. Der llung dazu ne weiteres mten seien, gt zurückPrimiz. Als iläums ins habe sich riester für emens. Er ig zu. Alle var bereits hatten anmacht. Die über mit ich stiegen chten ging Nach der Grüßgottdie Predigt nzel, blieb e fest und ie die Beel fragten, er sei geThema: der and Opferwarum der I und Frieas nicht in en LebensSchwächen gegen Chriische Pries verfehlte alle Teilnehmer, als am Schluß des Primizamtes der Neupriester selber das Wort ergriff und mit jugendlichem Feuer sein Programm entwarf. Eine Überraschung anderer Art war die Tatsache, daß von den Parteigrößen, die nach meiner Vertreibung noch offiziell einen feierlichen Gottesdiesnt verlangten, alle durch Abwesenheit glänzten. Ich bin auch keinem der Herren auf der Straße begegnet, weder bei der Primiz, noch bei anderen Gelegenheiten, wenn ich das Grab meiner Mutter besuchte. Es wird ihnen ergangen sein wie jenem entgleisten Schulkameraden, der zu meiner Schwester sagte, er könne meinen Blick nicht ertragen. Anders war es bei den Kindern. Die hatten mich noch zum großen Teil gekannt oder von ihren Eltern und Geschwistern erzählen hören. Kein Wunder, daß der Photograph ausgiebig in Tätigkeit kam. Im Kindergarten boten die Kleinen ein reizendes Weihnachtsspiel, doch war die Schwester in groBer Verlegenheit, da sie zwischen den einzelnen Szenen einen Texterklärer brauchte und für diese Rolle niemand fand. Da sprang der Onkel Klemens ein und verlegte in seiner Texterklärung das ganze Weihnachtsgeheimnis nach Timmermann'scher Art nach N., was die Kleinen und GroBen mit lauter Freude aufnahmen. Endlich hatte ich eines abends Gelegenheit, bei einer Feier des Kirchenchores das Wort zu ergreifen und meine Auffassung über das Vergangene darzulegen. Vor allem betonte ich, daß ich nie Empfindungen der Rache in meiner Seele hätte aufkommen lassen, daß ich in meine einstige Pfarrei nur zurückkomme, um das Grab meiner Mutter zu besuchen und den Seelsorger in seiner Arbeit zu unterstützen. Die Primiz eines Bürgersohnes müßte zu einer Brücke der Versöhnung und des Verstehens werden. Pfarr Z. war hocherfreut und erklärte, der Onkel Klemens sei ihm stets ein willkommener Gast, er freue sich, daß er ihm ein Plätzchen im neuen Pfarrhaus anbieten könne, da die Pfarrgemeinde die Verwirklichung des langjährigen Pfarrhausplanes der Initiative seines Vorgängers verdanke.( Mit Pfarrer Zinsmaier machte ich im Oktober 1943 in Konstanz Exerzitien. Auf der Heimfahrt traf ihn in Hegne ein Herzschlag. Es war am Rosenkranzfest.) Von der Partei war niemand anwesend bei dieser Feier, aber man erfuhr, was gesprochen wurde und soviel ich feststellen konnte, war man froh darüber. Jedenfalls erschrak man in der Folgezeit nicht mehr so, wenn man von meiner Anwesenheit hörte. Auch dieser Neupriester 79 schulrat zog in den Krieg. Er kam über Fronleichnam einmal zu mir in Urlaub und amtete mit inniger Freude am Festtag. Zuletzt stand er in Rumänien. Anfangs August 1945 ist A. Böhe zurückgekommen. So wie er ganzer Priester war, so war er auch ganzer Soldat. 21. Der alte Feind. Ich beim Mi Büchlein bat dann vateigent meine A überlegt lassung schlagnah den. De Man hat Verbot Die ersten Jahre in Neusatzeck hatte ich Ruhe, meine Tätigkeit fiel nicht auf, da unser Kloster abseits aller Weltstraßen liegt. Ich sollte aber erfahren, daß auch im katholischen Schwarzwald die Treue zum Priester nicht allen Zeitversuchungen standgehalten. Mein Vergehen war diesmal von eigener Art. Von jeher hatte ich gerne Religionsunterricht erteilt, und da ich das zehnte Kind aus einfacher Familie bin, habe ich vom Elternhaus die Liebe zum Kinde mitgenommen. So wollte ich auch meinen Bergkindern eine große Freude machen, als ein schönes, neues Religionsbüchlein erschien. Es war dieses Büchlein eine praktische Verbindung von Biblischer Geschichte und Katechismus. kaufte das Büchlein, schrieb eine schöne Widmung, den Namen des Kindes und meinen Namen dazu. Die Freude der Kinder war groß, doch sollte unser aller Freude nicht lange dauern. Wie von ungefähr war der Schulleiter von Neusatz, der zugleich Ortsgruppenleiter war, in der hiesigen Schule erschienen und erkundigte sich nach den Religionsbüchern. Diese Frage mußte auffallen, weil er ja nicht katholisch war. Die Kinder zeigten ihm die alten Bücher. ,, Habt ihr sonst kein Buch im Religionsunterricht?" platzte der gutmütige und naive Bruno heraus: ,, Doch, wir haben vom Herrn Superior noch ein schönes, neues Büchlein bekommen!" Sofort wurde das gefährliche Buch eingesammelt und beschlagnahmt. Etwa eine Woche später kam eine Anfrage vom Kreisschulamt, wie ich dazu käme, die Gesetze des Staates zu übertreten und ohne Genehmigung des Ministeriums ein neues Buch einzuführen. In meiner Antwort bemerkte ich wörtlich: ,, Ich war sehr überrascht, daß das Büchlein beanstandet wurde, zumal es genau denselben Inhalt hat wie das bisherige Religionsbüchlein, lediglich in der sprachlichen Formulierung und Bilddarstellung einen Fortschritt und eine Erleichterung darstellt.... Der Herr Kreis80 Da Warum i Das Kre zurück, mung ko ausgegan greifern Seite, d was unte nie an e Der obigen. meines hatte un empfohle die juge Anschlu Halte I und fü men in fallen. zu erke Vorgan klaren Eltern machte für er Wochen stapo meine A 6 Lustrum einmal zu am Festtag. ust 1945 ist Priester war, Ruhe, meine s aller Weltch im kathont allen Zeitwar diesmal ligionsunterus einfacher e zum Kinde kindern eine eligionsbüchaktische VerChismus. Ich idmung, den Die Freude Freude nicht chulleiter von der hiesigen en Religionser ja nicht alten Bücher. rricht?" Da : ,, Doch, wir eues Büchlein ch eingesamSiter kam eine e, die Gesetze ung des Minieiner Antwort scht, daß das denselben Inediglich in der g einen Fortr Herr Kreisschulrat würde sich den Dank der Eltern sichern, wenn er beim Ministerium die Erlaubnis erwirken würde, dieses Büchlein im Religionsunterricht benützen zu können." Ich bat dann, mir im Verneinungsfall das Büchlein als mein Privateigentum zurückzugeben. Es dauerte ziemlich lange, bis meine Antwort in Baden- Baden und Karlsruhe genügend überlegt worden war. Dann kam die Mitteilung, eine Zulassung dieses Büchleins sei nicht möglich, aber die beschlagnahmten Exemplare würden mir zurückerstattet werden. Der Schuß hatte seine Wirkung und sein Ziel verfehlt. Man hatte an bestimmter Stelle doch mindestens mit einem Verbot der Erteilung des Religionsunterrichtes gerechnet. Warum ich so glimpflich wegkam, weiß ich eigentlich nicht. Das Kreisschulamt schickte mir sogar das eine Exemplar zurück, das ihm vorgelegt worden war. Aus meiner Widmung konnte ich nun feststellen, von welcher Seite der Stoẞ ausgegangen war. Ich hätte mich später an meinen Angreifern rächen können, denn ich erfuhr von zuverlässiger Seite, daß sie regelmäßig den Auslandssender abhörten, was unter schweren Strafen verboten war. Doch dachte ich nie an eine solche schmutzige Revanche. Der zweite Angriff stand noch einige Grade unter dem obigen. Es handelte sich um eine anonyme Anzeige wegen meines Schulentlassenen- Unterrichtes. Die Kirchenbehörde hatte uns für diesen Unterricht ein gediegenes Büchlein empfohlen, das ich zugrundelegte. Zwei Kapitel behandelten die jugendliche Reinheit und ihre Gefahren. Ich warnte im Anschluß an den Text und an das Büchlein von Dr. Paul: ,, Halte Deine Jugend rein" auch vor dem geheimen Laster, und fügte hinzu, es sei einmal eine Mutter zu mir gekommen in der Angst, ihr Junge sei dem geheimen Laster verfallen. Aber aus dem, was diese Mutter berichtet habe, sei zu erkennen gewesen, daß es sich um einen natürlichen Vorgang gehandelt habe, über den der Junge wohl im unklaren gewesen sei. Hier sei die Belehrung durch die Eltern am Platze. Ein Junge, der in meiner Abteilung saẞ, machte zu seinem Hintermann hämische Bemerkungen, wofür er einen scharfen Tadel von mir bekam. Es vergingen Wochen, da meldete mir eine Mutter, ein Beamter der Gestapo mache bei den Schulentlassenen Erhebungen über meine Äußerungen im Entlassungsunterricht. Es vergingen. 6 Lustrum luxaturae. 81 wieder Wochen, da klopfte der Beamte auch an meine Tür. Zuerst mußte ich nach bekannter Methode meine Lebensgeschichte zu Protokoll geben, dann wurde über den Anwar Der Beamte nicht von der zeigefall gesprochen. gewöhnlichen Art der Gestapo- Beamten, er war höflich und rücksichtsvoll, hatte auch keinen Sekretär mitgebracht, sondern schrieb alles mit eigener Hand. Er ließ auch gleich durchblicken, daß der Fall für die Gestapo hoffnungslos sei, da die Entlassungsschüler bis auf den Denunzianten nichts von der Äußerung wüßten, die ich zum Nachteil der Jugendseele und zum Schaden des Staates getan haben sollte. Er meinte nur, so ein alter knorriger Landpfarrer hätte das schon gesagt haben können, was mir zur Last geEr meinte legt werde. Ich widersprach dem entschieden. und überr Und diese nannte S schulische bei vorhan Verfügung drei Woch ligionsunte geschriebe die nachst wöchentlic tierten Er dann, es sei ein Nachteil für mich und das Kloster, daß wir der NSV nicht beigetreten seien. Schließlich empfahl er sich mit dem Bemerken: ,, Sie dürfen den Fall als erledigt betrachten." Ich fragte ihn noch, ob die Gestapo auch daran gedacht habe, daß man mit solchen Untersuchungen dem Geistlichen die Ehre antaste, ferner, ob man solche bodenlose Denunzianten nicht zur Rechenschaft ziehen könne. Er bedauerte, in dieser Hinsicht nichts unternehmen zu können. Als ich den Fall unserm Weihbischof Dr. Burger erzählte, sagte er:„ Trauen Sie der Gestapo nicht, wenn sie am freundlichsten sind, sind sie gewöhnlich am gefährlichsten." Daß in meinem Fall aber tatsächlich nichts kommen werde, erfuhr ich bald darauf durch meinen Freund, Professor B. in Sasbach. Der Gestapo in BadenBaden waren diese an den Haaren herbeigezogenen Fälle, Geistlichen gegenüber, selber widerwärtig, und in diesem Sinne hatten sie auch ihren Vorgesetzten berichtet. Die heimlichen Anzeiger sind mir freilich nicht unbekannt geblieben. denn ich jammerns muß, wer so gesinnt Wie kann ches erkü Ein drittes Vergehen gegen den Staat hatte ich mir auf mein Gewissen geladen, als ich im fünften Kriegsjahr auf Bitten der Mütter mit unseren Erstkläẞlern lesen und schreiben übte, damit wir sie rechtzeitig auf die erste hl. Kommunion vorbereiten könnten. In unserer kleinen Klostergaststube wurden die Kinder wöchentlich 1-2 Mal in die Geheimnisse des Schreibens und Lesens eingeführt. Es ging rasch voran, und die Kinder kamen gerne, ja die Zahl wuchs ständig. Zu meinem Namenstag kamen die Kleinen 82 rächte sic Nichte als einberief. digte älte er werde geschah. und als i fuchsteufe chem er klagte, ic seiner Eig deutlich, Geleise zu auch die nug für stern kön feindselig tiefe Abn wollte so unterricht dem Weg gegenüber berief, da übrige Un als einen meine Tür. ine Lebenser den Ant von der höflich und bracht, sonauch gleich hoffnungslos enunzianten Nachteil der etan haben Landpfarrer zur Last geEr meinte ter, daß wir Ofahl er sich erledigt beauch daran mungen dem olche bodenkönne. Er men zu könDr. Burger nicht, wenn am gefährhlich nichts rch meinen in Badengenen Fälle, in diesem richtet. Die bekannt geich mir auf iegsjahr auf lesen und die erste hl. kleinen Klo-2 Mal in die hrt. Es ging ja die Zahl die Kleinen und überreichten mir als Dank ihrer Mütter einen Kuchen. Und dieser Kuchen rief den Feind auf den Plan. Der genannte Schulleiter und Ortsgruppenleiter schrieb mir, die schulische Betreuung der Erstkläẞler sei sofort einzustellen, bei vorhandenem Bedürfnis ständen hierfür Lehrkräfte zur Verfügung. Als treuer Staatsbürger gehorchte ich, wartete drei Wochen und öffnete dann meine Schule wieder als Religionsunterricht. Natürlich wurde jetzt nur noch Religiöses geschrieben und gelesen. Dem gestrengen Herrn gab ich die nachstehende Antwort:„ Die Unterlassung der zwei wöchentlichen Hilfsstunden der hiesigen und der umquartierten Erstkläẞler macht mir wahrhaft keine Schmerzen, denn ich habe Arbeit genug, aber im Hinblick auf den bejammernswerten Eindruck, den Ihre Verfügung machen muß, werde ich höheren Ortes anfragen, ob man dort auch so gesinnt ist." Das brachte den Gewaltigen in Harnisch. Wie kann sich ein Geistlicher im 12. Jahre des dritten Reiches erkühnen, einem Hoheitsträger so zu antworten! Er rächte sich zunächst dadurch, daß er meine schwächliche Nichte als erste und einzige von Neusatzeck zum Schanzen einberief. Als ich ihn ersuchte, auf meine schwer geschädigte ältere Schwester Rücksicht zu nehmen, antwortete er, er werde mein Gesuch weiterleiten, was aber bestimmt nie geschah. Sie wurde ein zweites und drittes Mal einberufen, und als ich ihn wieder an mein Gesuch erinnerte, wurde er fuchsteufelswild und schrieb mir einen groben Brief, in welchem er sich meine„ Schreibereien" verbat und mich anklagte, ich hätte eine gehässige Gesinnung gegen ihn in seiner Eigenschaft als Ortsgruppenleiter gezeigt. Man sieht deutlich, wie er die ganze Angelegenheit auf ein politisches Geleise zu schieben suchte, um mir beizukommen. Deshalb auch die grimmige Bemerkung, er hätte Beschäftigung genug für mich, wenn ich meinen Betätigungstrieb nicht meistern könne. Welches war denn die tiefste Ursache seiner feindseligen Stellung? Der Mann trug in seiner Seele eine tiefe Abneigung gegen Kirche und Christentum in sich. wollte sogar den hiesigen Kindern den Besuch des Religionsunterrichtes wehren und zwang sie, umzukehren als sie auf dem Weg zum Unterricht waren. Als ich mich den Kindern gegenüber auf eine schriftliche Erklärung des Schulleiters berief, daß der Religionsunterricht nicht ausfalle, wenn der übrige Unterricht ausfalle, stellte er mich vor den Kindern als einen Lügner hin. Die sonstigen Schikanen, die er und Er 83 seine Frau sich gegen die nicht mit ihm sympathisierenden Leute erlaubten, will ich in diesem Zusammenhang nicht berühren. Bedauerlich aber war es, daß solche Feinde der Kirche in einigen Familien Gastfreundschaft genossen, ja sogar zur Erstkommunionfeier eingeladen wurden, d. h. nur zum weltlichen Schmaus, der dann sehr lange gedauert haben soll. Bevor jedoch die französischen Granaten in Neusatz in das schöne Gotteshaus einschlugen, war der heldenhafte Ortsgruppenleiter mit seiner Frau verschwunden. Wie stand diese Flucht doch im Gegensatz zu seiner fulminanten Rede, die er wenige Monate zuvor im hiesigen Schullokal hielt, in welcher er zum unbedingten Durchhalten im VerFast möchte man seine trauen auf den Führer mahnte! Frau als ,, teutsche" Heldin preisen, denn sie kam eines Tages zurück und erklärte dem Bürgermeister, sie müsse die Kartenstelle wieder übernehmen,( wie sich die Leute erzählten) im Auftrage irgendeiner Kommandantur. Der Bürgermeister nahm sie mit nach Bühl zur französischen Kommandantur. Dort wurde sie nach ihrem Manne gefragt. Sie erklärte, sie wisse nicht, wo er sei, er sei zum Volkssturm und habe als Freiwilliger weitergekämpft. Nur schade, daß er das nicht früher tat, er hätte Deutschland sicher gerettet. Für solches Heldentum hatte Kapitän Saigne jedoch kein Verständnis und ließ die tapfere Heimkehrerin einstweilen in Gewahrsam bringen. Die Ehebetten der beiden aber standen lange im gleichen Schullokal in Neusatzeck, in welchem er den ersten Vorstoß gegen mich gemacht und das unschuldige Religionsbuch unseren armen Bergkindern wegMan denkt unwillkürlich an das Wort genommen hatte. von den Mühlen Gottes.¹) 22. In sein von den gungen u gen dieses Das Kreisschulamt in Baden- Baden habe ich informiert über die sonderbare Stellungnahme des Schulleiters. Wie ich im Landratsamt Bühl erfuhr, ist die Angelegenheit über Karlsruhe an das Landratsamt geleitet, von dort aber nicht die maßgebenden Beamten weitergegeben worden, weil anders dachten. Wahrscheinlich war die Entscheidung für mich negativ. 1) Vor seiner Flucht versenkte der Ortsgruppenleiter seine politische Kartothek in einem Sack in der Güllengrube. Bürgermeister Schaufler ließ sie herausfischen, abwaschen und an der Sonne trocknen. Auch ich stehe in dieser Kartothek als versteckter Feind der Partei mit allen anderen Sünden gegen den Nationalsozialismus. 84 stellt er der im Z besten ra Herrn de gesteckt, finden w schaft. I einer wi sinn, des dieses Ir Kur- un verwande Anstalter ten, aus machte r das Lan sen, da Erst kar an der ein Dutz und war Arzt, wa wolle, hier. D die Hälf fahren überall gelium wurde. durften und spr waren gemach in die H Inhaltes fort au thisierenden hang nicht Feinde der ossen, ja so, d. h. nur edauert haten in Neuder heldenwunden. Wie fulminanten Schullokal ten im Verman seine m eines Tae müsse die Leute erzählDer Bürgeren Kommangefragt. Sie m Volkssturm r schade, daß cher gerettet. jedoch kein n einstweilen beiden aber zeck, in welacht und das kindern wegan das Wort ich informiert eiters. Wie ich egenheit über ort aber nicht den Beamten tscheidung für politische Kartothek ß sie herausfischen, er Kartothek als verNationalsozialismus. 22.„ Segnungen" des Dritten Reiches. In seinem Buch ,, Mein Kampf" schreibt Hitler einmal von den Zielen und Versuchen früherer politischer Bewegungen und schließt dann zornig: ,, Nun hatte man die Folgen dieses Irrtums zu tragen." Im Schlußwort seines Buches stellt er wie ein Dogma die Behauptung auf:„ Ein Staat, der im Zeitalter der Rassenvergiftung sich der Pflege seiner besten rassischen Elemente widmet, muß eines Tages zum Herrn der Erde werden." Hier hatte sich Hitler ein Ziel gesteckt, das man fälschlicherweise im Alten Testament finden wollte und den Juden zur Last legte: die Weltherrschaft. Das Anstreben der Weltherrschaft auf dem Wege einer widerchristlichen Rassenpflege war wirklich ein Irrsinn, dessen Folgen wir jetzt zu tragen haben. Die Folgen dieses Irrtums bekamen wir sehr früh zu spüren. Unser Kur- und Exerzitienhaus wurde in ein Umsiedlungslager verwandelt, wie ungezählte andere klösterliche Häuser und Anstalten. Da es die Umsiedler offenbar nicht so eilig hatten, aus allen Richtungen der Welt heimzukehren ins Reich, machte man ein Vorspiel. Im Oktober 1939 wurde uns durch das Landratsamt eröffnet, die Gäste seien sofort zu entlassen, da das Haus als Seuchenlazarett eingerichtet werde. Erst kam der amtierende Arzt, dann ein zweiter Arzt, der an der Westgrenze flüchten mußte, hierauf erschienen über Alles war da ein Dutzend Pflegerinnen vom Roten Kreuz. und wartete auf die Patienten. Ich fragte den amtierenden Arzt, was er denn mit den vielen Pflegerinnen anfangen wolle, wir hätten doch ausgebildete Krankenschwestern hier. Das leuchtete ihm ein, und er schickte noch am Abend die Hälfte wieder heim. Bald kam das Sanitätsauto angefahren und brachte einen Patienten nach dem anderen, überall hatte man sie zusammengelesen, fast wie im Evangelium vom Hochzeitsmahle, nur damit das Haus voll wurde. Das Haus wurde streng abgesperrt, die Angehörigen durften ihre kranken Familienglieder nur von ferne sehen und sprechen. Einige TB- Kranke, die in der Nähe daheim waren und ohne Erlaubnis bei den ihrigen einen Besuch So lief die Maschine bis gemacht hatten, wurden bestraft. in die Karwoche 1940. Plötzlich kam ein Telephonanruf des Inhaltes: ,, Das Seuchenlazarett ist wegen Unrentabilität sofort aufgehoben, die Kranken sind unverzüglich zu entlas85 sen." Am Karfreitag war großer Abreisetag. Was gehen konnte, benützte das Postauto, das jetzt für Gesunde und Kranke gleich zugänglich war; für die Bettlägerigen fuhr das Sanitätsauto x mal hin und her. Das war das glorreiche Ende des Seuchenlazarettes. Wir hatten das Vergnügen, das Haus wochenlang einer strengen Desinfektion zu unterwerfen, Zimmer und Gänge neu tapezieren und streichen zu lassen, um für den Sommer wieder Gäste aufnehmen zu können. abschluß tungsgege großen Te geschehen unendliche zwar gera könnten j Vorher jedoch zogen die alten Leute aus den Ortschaften am Rhein drüben bei uns ein und blieben bei uns, bis die Lage am Rhein geklärt war. Es waren über 50 gute Leutchen, die zusammen über 4000 Jahre alt waren. Einige starben hier, die anderen fuhren unter Begleitung einiger Schwestern wieder in ihre Heimat zurück. Noch einmal erfreuten sich Erholungsbedürftige einige Wochen im Sommer 1940 der Ruhe und der würzigen Luft auf unserer Friedensinsel oder Seelenrast, wie Pfarrer Bäder seine Gründung hier nannte. Mit dem Herbst aber zog ein scharfer politischer Wind hier herauf. Kurz vor Allerheiligen erschienen mehrere sehr selbstbewußte Herren mit einem Schriftstück der Volksdeutschen Mittelstelle, wonach das Kloster Neusatzeck mit allem Drum und Dran für Umsiedlungszwecke beschlagnahmt war und sofort zur Verfügung zu stellen war. Ich stellte die Frage: ,, Wohin sollen wir mit unseren Schwestern, da wir nur dieses Haus haben? Was soll mit unserer schwierigen Landwirtschaft geschehen?" Die Herren schauten einander an und sprachen vom Verpachten der Landwirtschaft und vom Heimgehen der Schwestern. Unsere Priorin erlaubte sich die Bemerkung:„ Wir werden doch als Deutsche hoffentlich das Recht haben, auf unserm mühsam erworbenen Besitz zu wohnen, sicher haben wir dasselbe Recht, in Deutschland zu leben wie diese Leute, die Sie uns bringen wollen." Eine solche Sprache waren sie nicht gewohnt. Sie erklärten, sie wollten nach Karlsruhe telephonieren, daß die Beschlagnahmung erleichtert würde und wir das Mutterhaus behalten könnten. Bei den weiteren Verhandlungen schien sogar etwas Vernunft zur Geltung zu kommen. Es wurde ausgemacht, daß 100 Leute in den ersten und zweiten Stock des Hauses kämen. Der dritte Stock sollte frei bleiben für Gäste. Sofort wurde ein Glas86 wurde nu ten Flüge Umsiedler wieder, w auch mein sierte wie fortgeschl zug sterb bekomme in einem Hochsom 5 Jahren Ecke zwi Zimmern Im Wint werden Zentralh konnte u weil sie dene Zw stand da leer da, der Lag nicht frie Privatleb ja nur a mehr zu Rumäner grüßen sichter v hohlen i Leute ni Herren SS- Größ trag. A Mann m Was gehen esunde und erigen fuhr - das glorVergnügen, zu unterstreichen zu nehmen zu Ortschaften uns, bis die gute LeutEinige starng einiger och einmal n im Somauf unserer Bäder seine g ein scharAllerheiligen mit einem wonach das Für Umsied- Verfügung llen wir mit aben? Was mehen?" Die Verpachten Schwestern. Wir werden auf unserm haben wir diese Leute, e waren sie Karlsruhe htert würde ei den weinft zur Gel100 Leute in . Der dritte de ein Glasabschluß für den dritten Stock bestellt, und die Einrichtungsgegenstände der unteren Stockwerke wurden zum großen Teil in den dritten Stock geschafft. Kaum war das geschehen, wurde auch der dritte Stock beschlagnahmt. Mit unendlicher Mühe mußte alles herausgeschafft werden und zwar gerade über das Fest Allerheiligen, denn die Umsiedler könnten jeden Tag kommen. Aus Gründen der Einfachheit wurde nun vieles in mein Pfarrhaus geschafft, das den dritten Flügel des Kurhauses bildet. Es gingen Tage vorüber, Umsiedler kamen keine, dagegen erschienen die Herren wieder, während meiner Abwesenheit und beschlagnahmten auch mein Pfarrhaus. Das war am 11. November. Es pressierte wieder ungeheuer, und zum dritten Mal mußte alles fortgeschleppt werden. Meine Nichte blieb nach diesem Umzug sterbenskrank liegen. Da keine passende Wohnung zu bekommen war, zog ich in die Ökonomie des Klosters, wo in einem Flügel gegen Norden einige Gästezimmer für den Hochsommer eingebaut sind. Da kampieren wir nun seit 5 Jahren in 4 Zimmerchen. Die Küche ist aus einer kleinen Ecke zwischen Hausgang und Toilette gebildet. Unter den Zimmern ist eine Wagenremise, über uns logieren die Ratten. Im Winter herrschte unheimliche Kälte, der nicht gesteuert Eine werden konnte, solange kein Kamin im Hause war. Zentralheizung war auch irgendwo im Hause, aber sie konnte uns nur stundenweise mit etwas Wärme versorgen, weil sie nach verschiedenen Richtungen und für verschiedene Zwecke reichen mußte. Und nun höre man: Drüben stand das Kurhaus und das Pfarrhaus den ganzen Winter leer da, aber das Haus war geheizt, damit die Herren von der Lagerführung, die natürlich sofort eingezogen waren, nicht frieren mußten. Ich will nicht in die Geheimnisse des Privatlebens dieser Herren hineinleuchten, man braucht sich ja nur an das Sprichwort vom Müßigang zu erinnern, um mehr zu wissen. Mitte März endlich zogen die DeutschRumänen feierlich ein. Die ersten Tage ließen sie sich begrüßen und feiern. Dann begann der zweite Teil: Ihre Gesichter wurden zusehends länger, und sie sprachen unverhohlen ihre Enttäuschung aus. Religiös entsprachen diese Leute nicht unseren Erwartungen, wohl aber waren sie den Herren von der Lagerführung zu fromm. Einmal kam eine SS- Größe ins Lager und hielt den Umsiedlern einen VorEin junger trag. Anschließend durften sie Fragen stellen. Mann mit Gymnasialbildung stellte die verfängliche Frage, 87 kinder au Erzbischof wie sich der Nationalsozialismus zum Christentum stelle. Die Antwort des Herrn war bezeichnend: ,, Diese Frage werde erst nach dem Kriegsende diskutiert werden." Als die Beschwerden immer häufiger und das Rumoren immer lauter wurde, fing man an, das Lager zu räumen und die Leute in Linz und anderswo zu verteilen. Jetzt hieß es, die neuen Umsiedler seien so gefährlich, daß bewaffnete Begleitung dabei sei. Und wer waren diese gefürchteten Menschen? Slowenen waren es aus der Gegend von Laibach und Steinbrück und Renn a. S. Sie waren nahezu ein Jahr hier. Nie habe ich brävere, fleißigere und religiösere Menschen kennen gelernt als diese von Haus und Hof vertriebenen Katholiken. Ohne Angabe des Grundes mußten sie in wenigen Stunden reisefertig sein und durften nur das Allernotwendigste mitnehmen. Sie haben in ihrer Verbannung und in ihrer Trennung von ihren geschätzten Priestern sehr gelitten, aber sie haben ihr Los heroisch getragen, viel heroischer als ihre Peiniger es jetzt tragen. Sie hatten viele und liebe Kinder bei sich. Sofort suchte ich mir einen älteren Mann, der deutsch sprechen konnte und erlernte mit seiner Hilfe eine die wichtigsten slowenischen Ausdrücke. schwere Sache, weil der gute Mann ja nie Grammatik gelernt hatte. Am ersten Sonntag war die Kirche gedrängt voll. Vor der Predigt begrüßte ich die Slowenen bereits in ihrer Muttersprache mit den Worten: Sértschno posdraúljam Slovénski katolitscháni in wam schélim Boschji blagoslaú. Ich begrüße herzlich die slowenischen Katholiken und wünsche Euch Gottes Segen. Bei diesen Worten traten ihnen die Tränen aus den Augen. Der Lagerführer fragte mich anderntags halb entsetzt, halb erstaunt, ob ich denn slowenisch verstehe. Die Kindergärtnerinnen kamen, um einige Brocken bei mir zu erhaschen. Ich hörte dann wochenlang nur zwei Worte grell durch den Kindergarten hallen tícho!= still! und chítro! = flink! Bald bekam ich Bücher und Zeitschriften in slowenischer Sprache, oft auf merkwürdigen Wegen über München und Stuttgart, namentlich der seeleneifrige Stadtpfarrer Sprenger mir wertvolle Quellen eröffnete. Es setzte ein fröhliches Lernen und Lehren ein. Im Frühjahr 1942 hatte ich 22 Slowenen88 - Das war wo An Freibu ner g schöne fanger Priest werde den R Sakra die he von E Dann gehal Gesch meine Eurer Im So nach Neu krament drei Dutz zu ihnen es die Sp hochbega Freund Glauben übersetzt menden trostvolle hatte ge keiten e Neusatz stelle. Die age werde ls die Bemer lauter e Leute in die neuen Begleitung Menschen? und Steinr hier. Nie schen kenmen Kathon wenigen lernotwenng und in sehr gelitheroischer e und liebe eren Mann, einer Hilfe war eine mmatik gee gedrängt bereits in O posdraúlschji blagoKatholiken porten traten hrer fragte b ich denn xamen, um dann wogarten halbekam ich he, oft auf uttgart, wo renger mir ches Lernen Slowenenkinder auf die erste hl. Kommunion vorbereitet. Unser Erzbischof schickte den Kindern folgenden Brief: Freiburg, den 7. April 1942. Liebe Kinder! An Eurem Freudentag will auch der Erzbischof von Freiburg teilnehmen, weil Ihr jezt zu den Schäflein seiner großen Weide gehört. Ich freue mich, daß Ihr im schönen Neusatzeck Eure Erste heilige Kommunion empfangen dürft, in jener Kirche, in der ein heiligmäßiger Priester und Gründer des Klosters begraben liegt. Ich werde mich noch mehr freuen, wenn ich höre, daß Ihr den Religionsunterricht fleißig besucht und die heiligen Sakramente fleißig empfangt und am Sonntag vor allem die heilige Messe besucht. Vielleicht kann ich manchem von Euch bald das Sakrament der hl. Firmung spenden. Dann werde ich erfahren, ob Ihr Eure guten Vorsätze gehalten habt. Ich grüße nun Eure lieben Eltern und Geschwister. Betet an Eurem Festtag auch für mich und meine Hirtensorgen. Dafür gebe ich Euch allen und Euren Eltern meinen bischöflichen Segen! Conrad Erzbischof. Im Sommer löste der Erzbischof sein Wort ein und kam nach Neusatzeck, um den Slowenenkindern eigens das Sakrament der heiligen Firmung zu spenden. Es waren etwa drei Dutzend Kinder, die strahlten vor Glück, als der Bischof zu ihnen sprach. Er sprach deutsch, aber sie verstanden, daß es die Sprache der Liebe war. Er erzählte ihnen von einem hochbegabten und frommen slowenischen Priester, der sein Freund gewesen war, mahnte sie zur Treue gegen ihren Glauben und ihre Kirche. Die Ansprache des Erzbischofs übersetzten wir in das Slowenische und teilten sie am komDas waren menden Sonntag im Slowenengottesdienst mit. trostvolle Stunden für die guten Leute. Die Lagerführung hatte gegen die Firmung am Lager selbst keine Schwierigkeiten erhoben, aber schon die Teilnahme der Kinder in Neusatz wäre sehr fraglich gewesen. Eine Härte war es, daß 89 man den Eltern der Firmlinge, soweit sie zur Arbeit gehen mußten, die Teilnahme an der Gnadenstunde ihrer Kinder nicht gestattete. So sahen manche den Bischof gar nicht, weil er abends in Bühl sein mußte. Die S empfinder mit ausge einander, glaubensr wohl sie Einmal gelang es mir, einen älteren slowenischen Priester aus dem Lager Kork hierher zu bringen. Wie Kinder ihren Vater, so begrüßten die Slowenen diesen Priester. Bis spät in die Nacht kamen sie zur heiligen Beicht. Ein zweites Mal kam dieser Priester nicht, er verschwand in einem anderen Lager. Für ihn sprang in sehr dankenswerter Weise der frühere Prior der Cisterzienserabtei Mehrerau ein, der nach seiner Vertreibung im Kloster Lichtental weilte.1) Er war jahrelang Seelsorger der Slowenen und beherrschte die Sprache vollständig. Er nahm mich in seine Schule, so daß ich bald die Leute regelmäßig beichthören konnte. Ja, ich hielt ihnen jeden Sonntag eine kleine Ansprache, taufte ihre Kinder, versah ihre Kranken, und als sie von hier wieder wandern mußten, und in verschiedene Lager verteilt wurden, besuchte ich sie dort und spendete ihnen die heiligen Sakramente. So war ich des öfteren in Zell a. H. und in Nonnenweier. Es war immer ein Festtag, wenn ich erschien. In Nonnenweier hatten sie überhaupt keine Möglichkeit, ihre religiösen Pflichten zu erfüllen.- Da pilgerten sie nach Ottenheim herüber. Wenn ich aber kam, hörte ich sie in der Sakristei der evangelischen Kirche Beicht und feierte in der evangelischen Kirche mit ihnen das hl. Opfer mit Kommunionempfang. In Ottenheim fand der Pfarrer auf dem Marienaltar ein slowenisches Brieflein, das ich ihm übersetzte. Es war ein Gebet zu Maria, der Königin der Slowenen und aller Völker. Darin stand das Wort„ Es soll die Kirche siegen, nicht die Waffen!" Schluß des sauber und schön geschriebenen Gebetes stand die Bitte ,, Dieser Brief wird auf den Marienaltar in Ottenheim gelegt mit der Bitte an Maria um Erlösung und Heimkehr in die slowenische Heimat. Wer wird diesen Brief bekommen? Gott möge ihn davor bewahren, daß er ihn zerreiße, er möge in geistliche Hände kommen. Niemals solle gefragt werden, wer ihn geschrieben habe." Aus dem ganzen Schriftstück spricht ein tiefes Weh und ein inniger Glaube. Diese Bitten sind jetzt auch alle in Erfüllung gegangen. 1) G. Laurentius Göppel. Am Eine gro zu Kirche gefügt: nicht ein Nonnenw kommen alle Seel suche sag wenen b Er habe die Kirch das nich einmal n schaft ge war. Den bald in das Hau unerwün Leiter d der Frag in Neuß aber wir in Frage Haus au Verhand zwei Sc ,, Berlin Lagerfü Hilfe. Nachric gen Um Franzisk ein und Freude der scho 90 rbeit gehen. rer Kinder gar nicht, schen PrieWie Kinder Priester. Bis Ein zweid in einem nkenswerter i Mehrerau Lichtental men und bech in seine beichthören kleine Anen, und als verschiedene nd spendete s öfteren in ein Festtag, überhaupt rfüllen. Da haber kam, chen Kirche mit ihnen enheim fand es Brieflein, Maria, der stand das affen!" Am betes stand ar in Ottenund Heimen Brief beer ihn zeriemals solle aus dem ganein inniger rfüllung geDie Slowenen hatten ein vorbildliches Gemeinschaftsempfinden. Sie bildeten einen vierstimmigen Kirchenchor mit ausgezeichneten Stimmen, sie lebten sehr friedlich miteinander, waren fleißig und genügsam. Sie waren auch glaubensmutig, denn sie kamen in ihren Gottesdienst, obwohl sie wußten, daß die Lagerführung das nicht gerne sah. Eine große Anzahl von Briefen sind Zeuge dieser Treue zu Kirche und Priestertum. Eine Bemerkung sei noch angefügt Während ich hier das Lager nicht betreten durfte, nicht einmal im Krankheitsfall, machte der Lagerführer in Nonnenweier eine rühmliche Ausnahme. Er ließ mir vollkommen freie Hand, ich durfte alle Räume betreten und alle Seelsorgsfunktionen ausüben. Bei einem meiner Besuche sagte er mir, der Einsatzführer habe erklärt, die Slowenen bräuchten zum Beichten die Erlaubnis von Berlin. Er habe ihm geantwortet: ,, Die Leute haben das Recht, in die Kirche zu gehen, und wenn sie dort beichten, geht mich das nichts an." Ich habe oft bedauert, daß dieser Mann einmal mit den Quälern des Slowenenvolkes zur Rechenschaft gezogen werden sollte, da er doch gut und gerecht war. Den Slowenen folgten deutsch- russische Umsiedler, die bald in Lothringen und im Reich angesiedelt wurden, so daß das Haus beinahe leer stand. Es war uns deshalb gar nicht unerwünscht, als der Oberpräsident der Rheinprovinz den Leiter des Jugendamtes in Düsseldorf zu uns schickte mit der Frage, ob er das Haus nicht für das Kinderheim St. Anna in Neuß haben könnte. Ich ging mit dem Herrn ins Lager, aber wir wurden nicht sanft empfangen: ,, Das kommt nicht in Frage", wetterte der Lagerführer, ,, ich darf Ihnen das Haus auch nicht zeigen." Der Herr reiste wieder ab, und die Bald erschienen Verhandlungen mit Berlin gingen weiter. zwei Schwestern vom Armen Kinde Jesu, die meldeten: ,, Berlin habe das Haus für das Kinderheim freigegeben." Der Lagerführer polterte nochmals und rief den Einsatzführer zu Hilfe. Dieser fuhr selber nach Berlin, brachte aber die Nachricht, das Haus sei wirklich freigegeben, und die wenigen Umsiedler müßten ins Lager Erlenbad( Mutterhaus der Franziskanerinnen) gebracht werden. Das Kinderheim zog ein und brachte auf einmal wieder Sonne, Sauberkeit und Freude ins Haus. Ein Lagerverwalter jedoch blieb in einem der schönen Zimmer sitzen. Kein Mensch wußte, was der 91 ReMann hier zu tun hätte. Schließlich fühlte er sich selbst unendlich überflüssig und zog ab. Im Hause waren nun über 200 Kinder, Säuglinge, Kleinkinder und Schulkinder, und zwar Knaben und Mädchen. Die Betreuung und Erziehung der Kinder kann nur als vorbildlich bezeichnet werden. ligionsunterricht zu geben war eine geistige Erholung. Nie hatten wir eine Klage, aber täglich neue, frohe Überraschungen. Ein Festtag im Kinderheim war immer ein Friedensfest, man vergaß Krieg und Not. Das Haus war bis in den letzten Winkel gründlich gereinigt, und die Kinder traten in strahlender Sauberkeit an zum Gottesdienst oder zum Spaziergang. Über 100 Kinder führte ich oft halbe und ganze Tage durch unsere herrliche Natur, und nie gab es eine Verstimmung oder Unordnung. In Straßburg wurden wir überall mit großer Zuvorkommenheit aufgenommen. Die Kinder haben mit ihren schönen Liedern und ihrem freundlichen, bescheidenen Wesen alles bezaubert. Aber sie hatten einen großen, unverzeihlichen Fehler: sie sagten nie ,, Heil Hitler!" Sie wurden zu einer Gefahr des Bezirkes, und so wurde ihnen gekündigt. Es müßte Platz gemacht werden für die Umsiedler aus dem Osten. Da sich trotz eifrigen Suchens kein Heim fand, wurde kurzerhand gedroht:, Wenn das Kinderheim binnen kurzer Frist nicht geräumt hat, wird die NSV die Kinder wegnehmen und in Pflegestellen bringen." Das wollten die guten Schwestern verhüten. Mitten im kalten Februar zogen die Jungen in einer Nacht morgens um 3 Uhr mit ihrem Gepäck nach Ottersweier auf den Frühzug. Ich hatte ihnen bald nach Mitternacht die heilige Messe gefeiert, bei der sie sangen und kommunizierten. Diese nächtliche Prozession durch Glatteis und Schnee blieb nicht verborgen, die Bevölkerung empörte sich und schimpfte weidlich über die Veranlasser solcher Kinderquälereien. In der nächsten Nacht war die hl. Messe für die Mädchen morgens um 3 Uhr. Darauf wurden sie mit einem Postauto, welches die besorgte NSV nun doch geschickt hatte, an die Bahn gefahren. Zuletzt wurden die Säuglinge abtransportiert. Es war wirklich eine Flucht nach Ägypten, veranlaßt von einem modernen Herodes. Die Kinder kamen nach sehr beschwerlicher Fahrt nach Gemmenich im Kreis Eupen, und schon am 12. September 1944 waren sie unter amerikanischer Befehlsgewalt. Wir erhielten noch Nachricht vom Tag des Einzuges der amerikanischen Truppen, daß alles gut stehe um das Heim. Und 92 " hier in N lang leer Wie diese einem be von St. A und ihre bis zur S Wir Auto an aus dem meisten und aus kamen a wenen S ger ein und erz hatten waren deutsch deutsch den ge aber in schen ner ge werde, und fr diese wurde nomm diesse Kirche men, nen. dienst oder n Die K reiche Schwie ja das sich selbst n nun über inder, und Erziehung erden. Reolung. Nie rohe Überimmer ein hier in Neusatzeck stand das Haus wieder einmal wochenlang leer, bis die letzten Umsiedler kamen: 250 Elsässer. Wie diese zu uns kamen, wie sie bei uns lebten, das soll in einem besonderen Abschnitt erzählt werden. von St. Anna in Neuß mit ihren vorbildlichen und ihrem tüchtigen Dechant Liedmann haben Neusatzeck bis zur Stunde in bester Erinnerung behalten. Die Kinder Schwestern Haus war nd die KinGottesdienst ch oft halbe and nie gab Bburg wuraufgenomiedern und bezaubert. Fehler: sie Gefahr des müßte Platz en. Da sich kurzerhand Frist nicht men und in Schwestern Jungen in Gepäck nach bald nach sie sangen ssion durch Bevölkerung Veranlasser cht war die Darauf wurgte NSV nun Zuletzt wurwirklich eine lernen Heror Fahrt nach 2. September gewalt. Wir s der ameriHeim. Und 23. Die verbannten Elsässer. Wir erstaunten nicht wenig, als eines Tages Auto um Die Leute kamen Auto anrollte und ganze Familien ablud. aus dem Schwabenland, stammten aber aus dem Elsaß, die meisten aus der Gegend von Thann, von der schweizer Grenze und aus der Gegend zwischen Straßburg und Schirmeck. Sie kamen also in das zweite und dritte Lager. Wie die Slowenen stellten sie mit Genugtuung fest, daß mitten im Lager eine Kirche steht. In Gruppen umstanden sie mich und erzählten mir ihre Schicksale. Ihre Männer und Söhne hatten bei Kriegsausbruch im französischen Heer gekämpft, waren dann in die Heimat zurückgekehrt, weil man ihnen deutscherseits zugesichert habe, eine Verpflichtung für das deutsche Heer käme nicht in Frage. Mit der zunehmenden gespannten deutschen Kriegslage wurden die Elsässer aber immer mehr aufgefordert, sich freiwillig beim deutschen Heer zu melden. Sobald nun ihre Söhne und Männer gemerkt hätten, aus der Freiwilligkeit Zwang werde, hätten sie heimlich ihr Heil über der schweizerischen und französischen Grenze gesucht. Die Angehörigen sollten diese Flucht bitter büßen müssen. In wenigen Stunden wurden diese Familien durch SS- Formationen in Haft genommen, ihr Hab und Gut enteignet und sie selbst in Lager diesseits des Rheines gebracht. Sie sagten, wenn sie nicht Kirchen und Priester gefunden hätten, die sich ihrer annahmen, hätten sie ihr schweres Los wohl kaum ertragen können. Wir gaben ihnen am Sonntag einen eigenen Gottesdienst zu einer Zeit, da der Lagerführer meist nicht da war oder nichts einwenden konnte, nämlich abends um 26 Uhr. Die Kinder erhielten Religionsunterricht und allen wurde reiche Gelegenheit für den Sakramentenempfang gewährt. Schwieriger war die Sorge um die Kranken. Wir durften ja das Lager nicht betreten. In einem Fall schleppten die daß 93 der Konra seinem Ge und Balk sofort ein Statue ist Das Kind Lieder da Angehörigen den Patienten in die nahe gelegene Sakristei, wo er dann versehen wurde; in anderen Fällen gelang es, den Kranken durch die Pflegerinnen in das Krankenrevier ( mein Pfarrhaus) schaffen zu lassen. Dorthin konnten wir von der Kirche aus durch einen überdeckten Gang ungesehen kommen. Auf Umwegen erhielten die Leute von ihren Angehörigen und Verwandten im Elsaß Lebensmittelkarten und Pakete, so daß sie etwas zusetzen konnten. Sie erhielten auch Nachricht über den Verbleib und das Schicksal ihrer geflüchteten Söhne und Männer. Ein junger Mann, der im Beruf Beamter gewesen war, kam vom Bruchsaler Zuchthaus hierher. Er stellte sich bei mir vor und erzählte mir in ergreifender Art, wie er verurteilt wurde, weil er den Aufenthalt seines Bruder nicht verraten hatte; wie er im Laufe eines Jahres durch ein Dutzend Gefängnisse gewandert war, bis er nach Bruchsal kam. Er sah sehr bleich und angegriffen aus. Er fand hier unter der Bevölkerung Helfer und Wohltäter. Die Bevölkerung war gegen die Elsässer gut und entgegenkommend, weil man viele von ihnen täglich beim Gottesdienst sah. Oft schauten sie sehnsüchtig über den Rhein hinüber, besonderrs wenn das Straßburger Münster mit seiner dunklen Silhouette am Horizont hervortrat. Ich tröstete sie dann mit ihrer baldigen Heimkehr. Eine Familie hatte mehrere geistliche Söhne. Einer derselben, der in Mühlhausen Kaplan war, konnte die Eltern besuchen. Gerne hätte ich seinen Wunsch erfüllt und die Eltern privat untergebracht, aber mit dem Lagerführer konnte man über diesen Punkt überhaupt nicht reden. Er hatte am Anfang alle Zugänge zur Kirche bis auf den weitesten und unbequemsten versperren lassen. Erst im Winter gelang es mir, wieder einen näheren Zugang frei zu bekommen. Diese Herren von der Lagerführung hatten alle dieselbe Krankheit sie konnten kein religiöses Zeichen sehen, sie konnten die Orgel und den Gesang nicht hören. Beim Kurhaus ist seit der Gründung von Neusatzeck das sog. Wolkenkreuz mit einer Ölbergsgruppe und ganz nahe beim Haus ein Brunnen mit einer künstlerischen Statue des hl. Bruders Konrad. Dieser Brunnen wurde vollständig zugemacht und vor das Wolkenkreuz stellte man eine hohe Bretterwand. Die Deutsch- Rumänen schimpften zwar über diese Maßnahme, aber sie rührten keine Hand zu ihrer Beseitigung. Die Slowenen sägten die Pfosten an, sodaß die Bretterwand wieder beseitigt werden mußte. Der hl. Bru94 Reiches i damit sie ja unter ten, hinte die eben schwer be Führer je er davon ganz mac in Alarm und Dach trauen ge ten kein bestärkt, Flieger der Fein Anstreng bergisch für schw das Lag HJ oder darüber der Erl tags um zer vo Elsässe des rül Es wur sten leb älteren ruhig w Familie elsässisc sonders und den letzten e Sakristei, gelang es, ankenrevier onnten wir ang ungee von ihren mittelkarten Sie erhiels Schicksal nger Mann, Bruchsaler nd erzählte de, weil er hatte; wie Gefängnisse sah sehr der Bevölwar gegen man viele schauten sie swenn das mouette am ihrer bale geistliche Caplan war, men Wunsch er mit dem haupt nicht rche bis auf sen. Erst im gang frei zu rung hatten Sses Zeichen nicht hören. usatzeck das ganz nahe Statue des lständig zueine hohe zwar über zu ihrer Besodaß die Der hl. Bruder Konrad konnte erst beim Einzug der Neußer Kinder aus seinem Gefängnis befreit werden. Als die letzten Bretter' und Balken fielen, stimmten die Schwestern und Kinder sofort ein begeistertes Lied zu seiner Ehre an. Die schöne Statue ist ein Werk des Künstlers P. Valentin in Offenburg. Das Kinderheim und die Elsässer beteten und sangen ihre Lieder davor. Ich habe diese Kulturdenkmäler des Dritten Reiches in Schwarz- und Farbenfotografie aufgenommen, damit sie später nicht weggeleugnet werden können. Es gab ja unter uns wirklich naive Menschen, die im Ernst glaubten, hinter jeder Maßnahme müsse auch eine Untat stehen, die eben gesühnt werden müßte. Ja, es gab ehrliche aber schwer bekehrbare Idealisten, die überzeugt waren, daß der Führer jeder Ungerechtigkeit sofort steuern würde, wenn er davon wüßte. Diesen Menschen gegenüber war man oft ganz machtlos, weil eine deutliche Bemerkung die Gestapo in Alarm setzte. Und das Ende war gewöhnlich Gefängnis und Dachau. Die Elsässer müssen zu uns ein großes Vertrauen gehabt haben, denn sie erzählten uns alles und hatten kein Geheimnis. Wir wurden umgekehrt im Vertrauen bestärkt, daß der Aufenthalt dieser Leute die feindlichen Flieger von uns fernhalte. Als die Lage sich zuspitzte und der Feind immer näher rückte, machte die Lagerführung alle Anstrengungen, um die Insassen nochmals ins Württembergische wegzuschleppen, aber es blieb beim Wunsche. Dafür schwirrten immer wieder unheimliche Gerüchte herum, das Lager werde im letzten Augenblick von Mitgliedern der HJ oder des Werwolfs in die Luft gesprengt. Ich lachte darüber und beruhigte die Leute. Endlich kam die Stunde der Erlösung. Am 15. April, am Guthirtensonntag, vormittags um 29 Uhr erschienen die ersten französischen PanDie französisch sprechenden vor meiner Wohnung. Elsässer riefen ,, Vive la France!" Es gab auch einige Szenen des rührendsten Wiederfindens zwischen Eltern und Kind. Es wurde ihnen die sofortige Heimkehr zugesagt. Die meisten lebten nun in einem begreiflichen Freudenrausch, die älteren und besonnenen Männer jedoch arbeiteten mit uns ruhig weiter. Durch eine verirrte Granate wurden in einer Familie vier Kinder getötet. Mit viel Verständnis halfen mir elsässische Männer einen kleinen Ehrenfriedhof anlegen. Besonders war es ein Zimmermann, der nie müßig sein konnte und den Schwestern half, wo er nur ein Bedürfnis sah. Am letzten Sonntag hielt ich ihnen die Abschiedspredigt. zer Ich 95 talles Venta L erinnerte sie an ihr Kommen, an die Heimat, die sie hier bei uns als Glaubensbrüder und Angehörige desselben alemannischen Volksstammes gefunden hätten, erinnerte sie an die schönen Stunden des Gottesdienstes, an die vielen Gelegenheiten, die sich ihnen dargeboten hätten, um im Läuterungsleid Gott näher zu kommen. Zum Schluß empfahl ich ihnen Dankbarkeit und Treue ihrem Gott gegenüber. In vielen Augen glänzten wieder Tränen. In zwei größeren Transporten fuhren sie der Heimat zu. Jetzt erst, d. h. nach der Flucht der Lagerleitung konnten wir das Haus besichtigen und waren entsetzt über das, was man den Leuten zugemutet in primitiver Lebensweise. Enge zusammengepfercht auf Strohsäcken mußten sie eine unaufhörliche und immer stärker werdende Wanzenplage über sich ergehen lassen. Die Wände sind zum Teil bis oben bespritzt. Einige Männer und Frauen zeigten mir ein Fräulein mit dem Bemerken: ,, Die hat den Rekord erreicht im Wanzentöten, sie hat in einer Nacht 190 umgebracht." Auf einer Bettstelle stand in französischer Sprache: ,, Die Wanzen haben unsere Großmutter umgebracht." Das war die Kultur des Dritten Reiches. wir das Sechs Ki ihrem B die 11jä Herman Tochter Nachbar Hausgan Hause d und sei letzunge einen S Qualen ten Leu sterben der auf noch ni ner Hä notdürf kramen suchte wurde bereits Herma andere 24. Blutige Sühne. Der 15. April 1945, der Guthirtensonntag wird in Neusatzeck nicht vergessen werden. Die deutsche Artillerie mußte in Kenntnis gesetzt sein, daß die französischen Panzer die Vorberge der Hornisgrinde erreicht hatten. Sie begann das ganze Gebiet zu bestreichen. Der Hauptgottesdienst war nur von den Schwestern und wenigen Nachbarsleuten besucht. Allerdings sausten die Granaten hoch über uns hinweg, waren sie doch für die Anmarschkolonnen des Feindes in der Ebene bestimmt. Um 11 Uhr kam ein Mädchen atemlos zu mir gelaufen, ich möchte doch schnell kommen, vor ihrem Haus sei eine Granate eingeschlagen und habe seine Geschwister getroffen. Ich nahm das heilige Öl und ging eilig auf die Höhe, während die Granaten fortwährend über uns hinwegpfiffen. Glücklicherweise konnte ich eine Ärztin und eine Krankenschwester gleich mitnehmen. 96 Als weilig unterw ler ge Gesch der 1 dalen Agnes zweite dern chen, Janua war. H die M ihre K 7 Lustr die sie hier esselben alenerte sie an e vielen Geum im Läuluß empfahl gegenüber. In vei größeren st, d. h. nach Haus besichn Leuten zumengepfercht e und immer gehen lassen. nige Männer Bemerken: , sie hat in telle stand in unsere Großdes Dritten wird in Neuhe Artillerie ischen Panzer Sie begann ptgottesdienst achbarsleuten über uns hinIn des Feindes ein Mädchen nell kommen, en und habe eilige Öl und fortwährend nnte ich eine nehmen. Als wir das Haus betraten, bot sich uns ein furchtbarer Anblick: Sechs Kinder lagen in drei aneinanderstoßenden Zimmern in ihrem Blute der 14jährige Bruno, die 12jährige Annemarie, die 11jährige Magdalena, der 9jährige Franz, der 6jährige Hermann und das 4jährige Agneschen. Nur die älteste Tochter Katharina, die im Augenblick des Unglückes im Nachbarhaus weilte, blieb unverletzt. Annemarie hatte den vor dem Hausgang gekehrt, während ihre Geschwister Hause die„ Könige aus dem Morgenland" spielten. Bruno und sein Brüderlein Hermann hatten schwere Gehirnverletzungen, Annemarie hatte neben schweren Fleischwunden einen Splitter in den Leib erhalten, der ihr so furchtbare Qualen verursachte, daß sie den Vater und die herbeigeeilten Leute bat, ein gutes Vaterunser zu beten, daß sie bald sterben könne. Erst weilte ich einige Minuten bei Bruno, der auf dem Boden lag, ich konnte ihm die hl. Ölung aber noch nicht geben, da keine Stelle seines Gesichtes und seiner Hände blutfrei war. Nachdem die Ärztin Annemarie notdürftig verbunden hatte, spendete ich ihr das heilige Sakrament, das sie bei vollem Bewußtsein empfing. Dann versuchte ich es beim bewußtlosen Bruno. Nach einer Stunde wurde ich nochmals geholt. Bei meinem Eintreten fand ich bereits zwei Tote: Annemarie war um 12 Uhr gestorben und Hermann bald darauf. Der tapfere Vater half trotzdem die anderen Kinder verbinden, während die Granaten zeitweilig unheimlich über uns hinwegsausten. Kaum sah man unterwegs einen Menschen, die Leute hatten sich in die Keller geflüchtet. Das Haus Merz war von den Splittern des Geschosses förmlich durchlöchert. Abends starb auch Bruno, der lebensfrohe und gutmütige Junge. Franz und Magdalena kamen mit leichteren Verletzungen davon, die kleine Agnes wurde noch zweimal operiert und starb nach der zweiten Operation am 7. Mai 1945. Wir bereiteten den Kindern neben den verstorbenen Schwestern ein eigenes Plätzchen, das auch einmal die Mutter aufnehmen soll, die im Januar 1944 ihren sieben Kindern im Tod vorausgegangen war. Beim Tode dieser Kinder hieß es unwillkürlich überall: die Mutter hat ihre Kinder geholt, denn man wußte, daß sie ihre Kinder mit einer unvergleichlichen Liebe und Sorgfalt 7 Lustrum luxaturae. 97 Le zu erziehen bestrebt war. Ich bezeichnete diese vorzüglichen Kinder als Sühneopfer, die größeres Unglück von uns und unserer Heimat abgehalten haben. Zu diesen vier Kindern kam ebenfalls im Maimonat ein fünftes Opfer. Ein kleiner Erstkommunikant Herbert vom Zinken Schönbrunn fand eine Handgranate, die explodierte und den Kleinen am Kopf verletzte. Bei meinem Besuche sagte er treuherzig: ,, Ich wollte nur das Ringlein wegmachen." Wenige Tage später starb er und wurde im Grabe seiner Mutter beigesetzt. Dieses kleine Schönbrunn hat einen wesentlichen Teil der Sühne übernehmen müssen. Während des Krieges haben zwei Familien ihr Wohnhaus durch einen plötzlichen Brand verloren. ben von e ihre Gültig tag. Der in der Sch am Ried. Kugel in d im Schatte grünem Re barten Leu Die Genehmigung zum Wiederaufbau erhielten sie nicht. Es wurde ihnen in allem Ernst nahegelegt, ins Elsaß zu ziehen. Sie stellten aber die Frage, wem das Haus im Elsaß gehöre oder gehört habe, in das sie nun einziehen sollten. Eine befriedigende Antwort erhielten sie nicht und weigerten sich deshalb, dorthin auszuwandern. Die eine Familie zog in ein altes, morsches Haus, die andere errichtete neben den Ruinen des alten Hauses eine Bretterhütte. Nach jenem blutigen Sonntag kam die Frau Sch von Schönbrunn weinend zu mir und sagte:„ ,, Sie haben unsere Hütte zusammengeschossen und das Vieh kaput gemacht." Ich fragte, wer das gemacht habe. Sie schilderte mir nun die Vorgänge. Ein Rest des Volkssturms war im angrenzenden Höhenwald. Als die feindlichen Panzer heranfuhren, hatte die Familie ihre Hütte verlassen, weil sie schon durch das deutsche Artilleriefeuer gefährdet und auch getroffen wurde. die französischen Panzer die Volkssturmmänner entdeckten, eröffneten sie ebenfalls ein scharfes Feuer. Die Kugeln hin und her trafen hundertfach die Hütte der kinderreichen Familie. Der schwerste Verlust war das getötete Vieh. Ich schaute mir den Kampfplatz einige Tage später an sagte der Familie: ,, Sie haben bei allem Unglück noch eine besondere Gnade Gottes gehabt, sonst wäre keines mehr von Ihnen am Leben." Auf dem Rückweg stieß ich hundert Meter entfernt beim Waldeingang auf einen toten Volkssturmmann. Neben ihm lag eine Bescheinigung unterschrie98 tag nicht liegt, begr sischer Of Sonntag in Im ganzer herum, di sichtslosen für die A in letzter Blutige Das ganz worden, die Zustä fuhr. Es konnte d einer au dann mu Schlimm Als Priester hat in und vom Le nen Au diese La in die H Beschwer In Dach daß sie im beste 1) Karl e vorzügvon uns vier Kinopfer. Ein chönbrunn leinen am reuherzig: nige Tage ter beigelichen Teil eges haben men Brand erhielten gelegt, ins das Haus einziehen nicht und Le eine Faerrichtete mütte. Nach Schönbrunn Hütte zuIch fragte, Vorgänge. Höhenwald. lie Familie s deutsche urde. Als entdeckten, Kugeln hin nderreichen Vieh. Ich er an und k noch eine eines mehr ich hundert ten Volksunterschrieben von einem Hauptmann der Konstanzer Garnison, die ihre Gültigkeit am 15. April 1945 verlor an seinem Todestag. Der Mann war 46 Jahre alt, war geboren in Rorschach in der Schweiz, war verheiratet und wohnhaft in Überlingen am Ried.1) Am Guthirtensonntag morgen hatte ihn eine Kugel in die Brust getroffen. Nun lag er schon fünf Tage im Schatten der Tannen. Mitleidige Hände hatten ihn mit grünem Reis zugedeckt. Ich besprach mich mit den benachbarten Leuten und sagte ihnen:„ Wenn der Tote bis Sonntag nicht geholt wird, werden wir ihn an der Stelle, wo er liegt, begraben." Gleich darauf erfuhr ich, daß ein französischer Offizier dagewesen und die Beerdigung für den Sonntag in Neusatz verordnet habe. Ich war froh darüber. Im ganzen Hornisgrindegebiet lagen zerstreut die Toten herum, die in unrichtiger Kenntnis der Lage einem aussichtslosen Kampf ihre letzten Kräfte weihten. Wie schwer für die Angehörigen zu erfahren, daß der Vater oder Sohn in letzter Stunde noch gefallen! Blutige Sühne liegt in dem Wort Konzentrationslager. Das ganze deutsche Volk ist erschrocken und schamrot geworden, als es nach der Niederlage die volle Wahrheit über die Zustände in diesen von der SS beherrschten Lagern erfuhr. Es war wohl immer etwas durchgesickert, aber man konnte die Richtigkeit nicht nachprüfen, und wurde einmal einer aus Dachau oder einem ähnlichen Lager entlassen, dann mußte er schweigen wie ein Grab, sonst erlebte er noch Schlimmeres. Gestern erst habe ich einen befreundeten Er Priester gesprochen, der als Häftling in Dachau war. hat in ruhiger und sachlicher Weise ein anschauliches Bild vom Leben in diesem Lager entworfen. Ich gebe einen kleinen Auszug davon. Millionen von Menschen sind durch diese Lager hindurchgegangen. Es waren Leute, die einmal in die Hände der Gestapo geraten, nicht mehr herauskamen. Dachau. Beschwerlich war schon die Beförderung nach In Dachau selbst wurde den Häftlingen klar gemacht. Menschen zu sein, daß sie daß sie aufgehört haben, im besten Falle Nummern seien. Jeder wurde mit ,, Du" 1) Karl Nuber ist sein Name. Seine Frau wurde von uns benachrichtigt. 99 zuoder noch häufiger mit ,, du Saukopf"," du Saupfaff" anggesprochen, umgekehrt mußte jeder, auch der jüngste SSBefehle wurden Mann vorschriftsmäßig gegrüßt werden. erteilt, die nicht nur unsinnig waren, sondern jeder MenschDer Häftling lichkeit Hohn sprachen. Ein kleines Beispiel: mußte einen dreckigen Lappen vom Boden aufheben und im Munde kauen. Tut er es nicht sofort, dann bekommt er Tritte. Tut er es, dann wird er als Schwein verhöhnt. Damit keiner in Versuchung komme, zu entfliehen, werden ihm zuerst die Haare geschoren, dann wurde er in zebragestreifte Häftlingsuniform gesteckt. Rings um den Barackenblock) ist eine mehrfache Einfriedigung, die mit Türmen unterbrochen ist. Der Stacheldraht war mit elektrischem Strom geladen. Außerdem knallten die SS- Männer auf den Wachtürmen den Flüchtling mit Maschinengewehren sammen. War einer außerhalb beschäftigt, dann schien ein Fluchtversuch eher Aussicht auf Erfolg zu bieten. Nicht selten wurde der Flüchtling jedoch sehr rasch eingeholt. Dann wurde er mit einem großen Plakat durch das Lager geführt, auf welchem zu lesen war: ,, Hurra, ich bin wieder da!" Dann erhielt er 25 Streiche²) auf den bloßen Leib mit einer Art Ochsensehne, wobei er selber zählen mußte. Baracken war das Leben sehr eng, drei Strohsackbetten waren übereinander. Es gab auch Revierstationen, indes gefürchtet waren, denn das Krankmelden galt oft als Arbeitsflucht und wurde bestraft. Man ließ den Mann einen ganzen Tag ohne Essen in der Sonnenhitze stehen. Eine Ausnahme gab es insofern, weil die Aufsicht über Kranke wieder in den Händen von Häftlingen war. lang es diesen zu schmieren, dann ging es gut. Unser Berichterstatter hatte z. B. für 45 Zigaretten ein Stück Brot erstanden. Hochamt Kapelle mo die hl. Me 4 Uhr auf machen. Se der hl. Me Appell, da Nacht steb Das Essen gestalten schlecht g gertelepho zubrüllen Stunde un Das E mußte be einem B Pflug, a mußten kamen s nicht die In den ten Hem die die nass GeDie Geistlichen hatten eine Kapelle, in welcher jeden Morgen ein Priester die hl. Messe feierte und den andern die hl. Kommunion reichte. Am Sonntag konnten sie ein 1) Nicht der Block, sondern das ganze Lager war von einem tiefen Graben, dann von einem Stacheldraht umgeben, der elektrisch geladen war, dann kam die Mauer. Die Mauer war oben ebenfalls mit Stacheldraht versehen. Alle 300 Meter war ein Turm. Hier befanden sich die SS- Mannschaften mit Maschinengewehren. 2) In der ersten Zeit gab es 50 Streiche, in der letzten Zeit wurde mit einem Stock geschlagen. 100 stand d mit ei durfte. das Be Strafe oder R Es ka rohe H Der H kauten Sonner 1) Da Schikanen 2) Die Eine verri Die pfaff" angjüngste SSle wurden der MenschDer Häftling eben und im bekommt er öhnt. Damit werden ihm in zebragem Barackenmit Türmen elektrischem ner auf den wehren zuschien ein . Nicht selgeholt. Dann ager geführt, wieder da!" eib mit einer 3te. In den ohsackbetten ationen, die den galt oft ẞ den Mann hitze stehen. ufsicht über In war. GeUnser BeStück Brot elcher jeden I den andern nten sie ein em tiefen Graben, war, dann kam die n. Alle 300 Meter aschinengewehren. wurde mit einem Um um Hochamt mit Predigt halten. Wie die Einrichtung einer Kapelle möglich wurde, entzieht sich meiner Kenntnis. die hl. Messe halten zu können, mußten sie morgens 4 Uhr aufstehen und sich in einer Viertelstunde parat machen. Sehr ungemütlich waren die Appelle morgens nach der hl. Messe und besonders abends. Fehlte ein Mann beim Appell, dann mußten sie stundenlang, ja mitunter die ganze Nacht stehen bleiben. Eine Schinderei war das Essenholen. Das Essen selbst war derart, daß die Menschen zu Elendsgestalten zusammenschmorten. War einer der Maßgebenden schlecht gelaunt, dann gab es statt des Essens das sog. Lagertelephonieren. Es mußte einer dem andern einen Befehl zubrüllen und dieser Nachrichtendienst wurde dann eine Stunde und darüber geübt.1) So die Methode. Das Ermüdende bei der Arbeit war mußte beim Jäten oder bei andern Feldarbeiten stets mit einem Bein knieend geschafft werden. Pflug, alles mußte umgespatet werden. Es gab keinen Die Fuhrwerke Oft mußten von den Häftlingen gezogen werden u. a. m. kamen sie ganz durchnäßt in ihre Stuben zurück, konnten nicht die Kleider wechseln, sondern mußten im regenfeuchten Hemd auf dem Strohsack liegen und am andern Morgen Eine schlimme Schikane bedie nassen Kleider anziehen. stand darin, daß man nur zu bestimmten Stunden und nur benutzen mit einer Karte die primitiven Lokalitäten durfte.2) War die weiße Flagge³) nicht gehißt, dann war ' das Betreten und Benützen ohne Strafe nicht möglich. Die Strafe bestand darin, daß einer den ganzen Tag in der Hitze oder Kälte knieen mußte, ohne die mindeste Erleichterung. Es kam vor, daß einer dabei erwischt wurde, wie er eine rohe Kartoffel verzehrte. Die Folge war eine Tracht Prügel. Der Hunger war bisweilen so groß, daß Häftlinge Gras kauten. Unser Priester erzählte uns, daß die Körner der Sonnenblumen und der Maiskolben besondere Leckerbissen 1) Das Lagertelephonieren war eine allgemeine Einrichtung, die aber auch zu Schikanen benützt werden konnte. 2) Die Zeit für die Benützung der Lokalitäten war von 8-12 und 2-4 Uhr, Eine verrückte Anordnung, die sich bei Ruhr katastrophal auswirken mußte. 3) Die weiße Flagge war ein schmutziger Fetzen. 101 gewesen seien. Erschöpfung durfte es nicht geben, das galt als Verstellung. Auch dafür gab es nur harte und grausame Strafen. Man trat den Leuten, die am Boden lagen, auf die Hände, bis das Blut herausspritzte. Man überschüttete sie mit Wasser, ließ sie trocken werden und wiederholte die Prozedur. Wenn einer umfiel, so konnte man damit rechnen, daß er an diesem Tage sterben werde, so sehr riẞ man sich zusammen, um den Quälereien zu entgehen. Die sogen. kleinen Strafen verlängerten die Lagerhaft um Monate, die großen Strafen um Jahre. Eine kleine Strafe war Sonntagsarbeit bei Nahrungsentziehung. Gewöhnlich dauerte diese Strafe 6 Sonntage. Zu den großen Strafen zählte die bereits angeführte Auspeitschung, die bisweilen vor allen vorgenommen wurde. War einer blutig geschlagen, dann wurde er mit Jod eingepinselt. Die gefürchtetste Strafe war das Hängen. Der Betroffene wurde so in die Höhe gezogen, daß die Füße nicht ganz den Boden berührten. Kamen die Füße durch die Körperschwere auf den Boden, dann wurde wieder gezogen. Wurde der Gequälte nach einer Stunde wieder freigelassen, dann konnte er mit seinen Armen nichts mehr anfangen, sie waren gelähmt. Dazu kam Dunkelarrest, bei welchem die ersten drei Tage nichts zu essen verabreicht wurde. Kraut und Steckrüben waren hernach die Kost. Es gab außerdem Strafen und Entehrungen, die wir aus Gründen des Anstandes nicht anführen können, Ausgeburten einer satanischschmutzigen Phantasie. Mancher hat 48 Tage Dunkelarrest durchgemacht. Man kann sich vorstellen, was dieses Leben und diese Behandlung für feinfühlige, geistig hochstehende Menschen bedeutete. Unser Berichterstatter war zusammen mit dem ehemaligen Reichstagsabgeordneten Jost, mit Pfarrer Niemöller¹) dem erfolgreichen U- Bootskommandanten des ersten Weltkrieges, mit einem polnischen Bischof, einem tschechischen Oberst²), einem Bürgermeister von Wien, mit dem Jesuitenpater Le Büchleins 1) Pfarrer Niemöller war in einem Ehrenbunker, wo nicht gearbeitet werden brauchte, ten und Priester Mit eine gesorgt, gespende 2) Ein anderer Häftling spricht von einem Tschechischen General. Es ist wohl dieselbe Persönlichkeit. 102 spendung verfolgu miteinan Felde dr tenich u geben k zuhalten wesen gefange lichen S Los de immer sind se hoched Von 1 846 si der K Ku kapla diese von gegeb entst nach port Beda sagte deuts sen. " 1) Es war Gestapo er mit schieden en, das galt und grau- oden lagen, Man über- n und wie- konnte man ı werde, so ien zu ent- die Lager- Eine kleine hung. Ge- den großen ng, die bis- iner blutig ii. Diel,ge- je wurde so den Boden schwere auf de der Ge- jann konnte » waren 86- ‚ ersten drei und Steck- jem Strafen satanisch- yunkelarrest n und diese je Menschen mit dem ehe“ - Niemöller') arsten Welt“ ‚schechish®? m Jesuiten“ 5 zerdeß ‚arbeilet werd al, Bat ui pater Lenz, dem Verfasser des glänzenden astronomischen Büchleins„Die Himmel rühmen“, endlich mit dem bekann- ten und beliebten P. Kentenich von Schönstatt. Für die Priester in Dachau war das religiöse Leben das Wichtigste. Mit einem erstaunlichen Erfindungsgeist haben sie dafür gesorgt, daß der Gottesdienst gehalten und die Sakramente gespendet werden konnten. Die Form der Sakramenten- spendung erinnert lebhaft an die Zeit der ersten Christen- verfolgung. Sie bildeten kleine religiöse Gruppen, beteten miteinander bei der Arbeit, ja sie hörten einander auf dem Felde draußen Beicht. Es gelang ihnen Sogar, daß P. Ken- tenich und andere abends gemeinsame Betrachtungspunkte geben konnten. Sie unterstützten sich gegenseitig, um durch- zuhalten oder heroisch zu sterben. Ergreifend muß es ge- wesen sein, wenn sie abends miteinander ihren Mit- gefangenen und ihren Lieben in der Heimat den priester- lichen Segen spendeten. Es soll noch erwähnt sein, daß das Los der Priester durch Zuwendungen des Heiligen Vaters immer wieder in etwa gemildert werden konnte. Trotzdem sind sehr viele den Quälereien erlegen, unter ihnen auch der hochedle Monsignore Dr. Feurstein von Donaueschingen.!) Von 1643 polnischen Priestern sind 797 übrig geblieben. 846 sind mithin in Dachau gestorben. Die blutige Sühne der Konzentrationslager wird gewiß ihren Segen bringen. Kurz darauf erhielt ich Besuch von einem früheren Mit- kaplan, der vier Jahre in Dachau zubringen mußte. Er las diese Zeilen durch, bestätigte sie und gab mir eine Reihe von Einzelergänzungen, die ich anführen will, wie er sie gegeben, wenn auch dadurch da und dort eine Wiederholung entstehen mag. Auf meine Frage, warum der Transport nach Dachau so lange dauerte, sagte er mir:„Dieser Trans- port geschah in Gefängniswagen und diese wurden nach Bedarf an die Züge angehängt. In Dachau angekommen, sagte der Lagerführer ihm und seinen Kameraden:„Das deutsche Volk hat euch aus seiner Gemeinschaft ausgeschlos- sen.“ Dann begann die übliche Schimpferei, wie sie in den 1) Monsignore Dr. Feurstein war am 22. Juni 1942 nach Dachau gekommen. Es war die Zeit der schlimmsten Hungermonate. Anfangs 1942 wurde er von der Gestapo verhaftet und wenige Wochen nach seiner Einlieferung in Dachau starb er mıt dem Wunsche, dem Volke durch seinen Tod die christliche Glaubensent- schiedenheit wiederzugeben. 103 vorangehenden Zeilen erwähnt wurde. Am wenigsten werden sie diese Strafe empfunden haben: daß sie den Hitlergruß nicht bieten und keine Hitlerlieder singen durften. Besonders schlimm waren die Jahre 1939 und 1940. Die Häftlinge aus dieser Zeit erzählten schauerliche Dinge. Alles, was angeordnet wurde, war widersinnig. Wie soll man es z. B. begründen, daß den Häftlingen nicht bloß die Kopfhaare, sondern die Haare am ganzen Körper wegrasiert wurden? Den Russen und Italienern wurde die sogenannte ,, Hitlerallee" geschnitten, d. h. die Haare auf dem Kopf wurden von vorn nach hinten in der Mitte einige Millimeter kürzer geschoren als rechts und links. Als die weißblauen Zebrakleider knapp wurden, bekamen viele Häftlinge die Zivilkleider„ gestorbener" Häftlinge, besonders der Juden. Auf den Rücken wurde mit roter Farbe KL gemalt, auch an die Hose bekamen sie den ,, Generalstabsstreifen". Manche Häftlinge verkauften solche Zivilkleider an die Bevölkerung, um damit Lebensmittel einzutauschen. Deshalb ließ die Lagerführung in den Rücken des Rockes Löcher machen, die dann mit einem andersfarbigen Tuch verdeckt wurden. Dasselbe wurde bei der Hose gemacht. So entstand ein Schandkleid. Auf dem Kleid und zwar auf der linken Brustseite trug jeder die Nummer. Unter der Nummer war ein Winkel von Farbstoff. Die politischen Häftlinge hatten einen roten Winkel, die Berufsverbrecher einen grünen, die asozialen einen schwarzen, die Bibelforscher einen violetten, die Juden hatten einen gelb weißen mit dem Judenstern versehenen Winkel. Der Priesterblock war mit einem Stacheldraht umgeben, damit sie ganz isoliert waren. Bis zuletzt wurden alle, Priester und Laien, verbrannt. Als die Kohlen knapp wurden, bestattete man die Toten in Massengräbern. Die Asche wurde in einen größeren Behälter geworfen. Wenn Angehörige die Asche wünschten, schöpfte man aus diesem Behälter die erforderliche Quantität in die kleine Urne. Eine Ausnahme gab es, wenn man die Capos( Leiter von Abteilungen, die aus Häftlingen genommen waren) schmieren konnte. Der badische Pfarrer Fränznick, der nicht bei einem Massensterben das Leben lassen m brannt. Wir s Flüchtlin haftung versuch Qual de waren fi waren in an Man noch vie mußte, bunden, dieser F Kranke hat mit Dieser Unters kam. führer Die der k ganze Kesse Essen die P Zu Pries In geste Son tage ling Stun das Straf samm am S 104 wenigsten den Hit- ı durften. 1940. Die ie Dinge. Wie soll ; bloß die per weg- je die so- auf dem tte einige Als die ıen viele besonders Farbe KL eralstabs- ivilkleider utauschen. jes Rockes igen Tuch gemacht. | zwar auf Unter der politischen verbrecher - Bibelfor- yelbweißen jesterblock nz isoliert ‚aien, vel- je man die n größeren wünschten, che Qua“ wenn man jingen 86° lassen mußte, wurde nach seinem Tode auch einzeln ver- h s brannt. Wir sprachen schon einmal von der Behandlung der Flüchtlinge. Welche Bosheit liegt darin, daß bei der Ver- haftung und Zurückführung eines Häftlings, der einen Flucht- versuch unternommen hatte, die Lagermusik spielte, um die Qual des Gefolterten recht groß zu machen. Die Stuben waren für 60—80 Mann eingerichtet. In den letzten Wochen waren in einer einzigen Stube 375 Priester. Man lag Mann an Mann auf den Strohsäcken. Bei den Russen war das noch viel schlimmer. Wenn einer in der Nacht austreten mußte, war dies mit argen Störungen und Plagereien ver- bunden, weil er über mehrere hinwegsteigen mußte. Auch dieser Priester berichtet, wie die Pfleger in den Revieren den Kranken vielfach das Essen wegnahmen. Ein Oberpfleger hat mit seinen Spritzen viele Kranke ins Jenseits befördert. Dieser Oberpfleger machte in Krankheitsfällen auch die erste Untersuchung und davon hing es ab, ob einer ins Revier kam. Wenn er nicht wollte, bekam der Kranke vom Lager- führer höchstens einen Tritt. Die Geistlichen waren bis März 1942 im allgemeinen von der körperlichen Arbeit befreit. Sie mußten aber für das ganze Lager das Essen beiholen. Das Tragen der schweren Kessel war auch eine mühsame Arbeit. Später konnte das Essen gefahren werden. Vom Frühjahr 1942 an wurden die Priester ohne Unterschied zu jeder Arbeit herangezogen. Zu den bereits angeführten Strafen bemerkte dieser Priester: Im Winter wurden Häftlinge bisweilen unter eine Tusche gestellt und dann hinausgestellt in die Kälte. Wer zur Sonntagsarbeit verurteilt wurde, mußte auch auf das Mit- tagessen verzichten. Eine andre kleine Strafe: Der Häft- ling mußte sich durch den Schmutz wälzen und eine halbe Stunde später wieder sauber antreten. Nicht selten war das Strafexerzieren am Sonntag morgen. Die schwere Strafe des Aufhängens wurde an den auf dem Rücken zu- sammengebundenen Händen vollzogen. Die Opfer brachen am Schluß dieser Tortur ohnmächtig zusammen. Während 105 der Prozedur wurden manche mit Nadeln gestochen oder mit brennenden Zigarren traktiert. Im Arrest bekam man zwei Tage Wasser und Brot, dann ein Tag das Essen wie die andern, dann wieder zwei Tage Wasser und Brot usw. Es gab auch Fälle, wo man die Eingesperrten völlig verhungern ließ. Eine schwere Strafe war auch der Stehbunker. Das war ein kleiner Verschlag, in welchem man tagelang stehen mußte. Er erzählte dann einige Strafen, die ihm selbst zustießen. Einmal hatte er beim Mittagessen eine Kartoffel in die Tasche gesteckt, um an dem langen Nachmittag besser durchzuhalten. Unglückseligerweise war nach dem Essen Taschenrevision und zwar so, daß er seine Kartoffel nicht mehr wegwerfen konnte. Für dieses Vergehen erhielt er Ohrfeigen und 10 Tage Entziehung des Brotes. Einmal gingen sie an einem Wegkreuz vorbei und nahmen vor dem Kreuz ihre Kopfbedeckung ab. Unter gotteslästerlichen Schmähungen schlug ihm der Capo mit einer Rute über den Kopf, daß man die Striemen lange sehen konnte. Wieder einmal mußten sie Körbe tragen. Der Befehl lautete Immer zwei Häftlinge tragen drei Körbe. Am Schluß blieb ein Korb übrig. So nahm er diesen einen Korb und trug ihn weg. Als der Capo dies sah, warf er ihn auf den Boden und trat auf ihm herum, weil er gegen seinen Befehl gehandelt habe. Es gab in Dachau noch eine eigene Strafkompanie. Wer da hineinkam, wurde noch schlechter behandelt und bekam noch weniger zu essen, durfte keine Briefe empfangen und nur alle Vierteljahre einmal schreiben. Diese Sträflinge mußten schwer arbeiten in der Sandgrube und zwar sonntags wie werktags. Bis 1941 kam jeder Geistliche zuerst eine Zeitlang in die Strafkompanie. Von den prominenten Persönlichkeiten, die in Dachau waren, nannte er unter anderen auch den Caritas- Bibliothekar Auer in Freiburg, einen Domkapitular aus München, den Adjutanten des ermordeten Erzherzogs Ferdinand von Österreich, den Sekretär bei der Botschaft in Prag, den Bruder der Kaiserin Zita, Prinz von Bourbon- Parma, einen Prinzen aus dem Hause Hohenzollern, verschiedene Äbte, darunter der Erzabt von Emmaus, der auch dort starb. Er wurde verhaftet bei der Ermordung Heiderichs. Weiter 106 nannte neten U beitet Freibur ich sch weil er christlic men u lung st Pflege er selb zwisch zu sein Die Invali sogena war. aber steckt werde porte über Typh fund blieb I Dac laut Vat ver rei ein pri dur kon eine hatt tesd auch chen oder ekam man Essen wie Brot usw. völlig vertehbunker. ntagelang , die ihm essen eine gen Nache war nach seine Kar= Vergehen Hes Brotes. nd nahmen otteslästereiner Rute en konnte. Befehl lauAm Schluß Korb und hn auf den inen Befehl gene Straflechter berfte keine mal schreider Sandkam jeder nie. in Dachau itas- Biblios München, dinand von Prag, den arma, einen dene Abte, starb. Er ns. Weiter nannte er den Benediktinerabt von Metten, den Abgeordneten Ulitza, der soviel für das Deutschtum im Osten gearbeitet hatte. Von den etwa 22 Priestern der Erzdiözese Freiburg starben 5 in Dachau. Den Jesuitenpater Lenz habe ich schon genannt. Er kam noch in die Strafkompanie, weil er im Lager ein kleines Werk geschrieben hatte über christliche Lebensführung. Das Werk wurde ihm abgenomTrotz dieser Behandmen und wahrscheinlich vernichtet. lung stellte sich P. Lenz freiwillig zur Verfügung für die Pflege der an Fleckfieber erkrankten Häftlinge. Bald bekam er selber die gefährliche Krankheit und schwebte lange zwischen Leben und Tod. Kaum genesen ging er wieder zu seinen Kranken. Diese menschenunwürdige Behandlung machte viele zu Invaliden. Von Zeit zu Zeit kamen diese Leute auf den sogenannten Invalidentransport, der allgemein gefürchtet war. Sie wurden dem Scheine nach abtransportiert, kamen aber wieder zurück und wurden in die Gaskammer gesteckt, wo sie starben, um dann haufenweise verbrannt zu werden. Auch Priester waren unter diesen Invalidentransporten. Im Januar, Februar und März 1945 sind in Dachau über zehntausend gestorben an Hunger, Fleck fieber und Typhus. Die Amerikaner haben 48 Wagen mit Leichen gefunden, die von auswärts kamen und in Dachau stehen blieben. Ich fragte meinen einstigen Mitkaplan, wie sie denn in Die Antwort Dachau zu einer Kapelle gekommen seien. lautete: Das geschah. durch die Vermittlung des Heiligen Vaters im Jahre 1941. Damals wurden alle Priester in den verschiedenen KZ- Lagern nach Dachau verbracht, etwa 120 reichsdeutsche und 2500 polnische. Die Kapelle bestand aus einer Stube und einem Schlafsaal. Anfangs war sie äußerst primitiv und arm, aber die Kunstsinnigkeit und der Erfindungsgeist der Häftlinge, verbunden mit dem Entgegenkommen des kath. Pfarramtes Dachau schuf mit der Zeit Die Priester eine Ausstattung, die durchaus würdig war. hatten auch einen mehrstimmigen Chor für feierlichen Gottesdienst gebildet. Es waren bedeutende Musiker da und auch ein Harmonium vom Pfarrer in Dachau. Ein badischer 107 Priesterhäftling stiftete einen Kelch. Anfangs durfte nur einer zelebrieren. Gegen Ende 1943 wurde abgewechselt. Die Lagerführung merkte das gar nicht. In der letzten Zeit wurde am Sonntag von morgens bis abends zelebriert. In der zweiten Hälfte 1944 war auch ein französischer Bischof als Häftling in Dachau. Er begegnete dort einem deut- schen Diakon, der in Freiburg studiert hatte und nun durch eine Lungenkrankheit dem Tode entgegenging. Nach den nötigen Vorbereitungen weihte der französische Bischof den deutschen Diakon Ende 1944 zum Priester und am Stefans- tag wurde im Priesterblock eine feierliche Primiz gefeiert. Wahrscheinlich waren die Priesterweihe und die Primiz der Lagerführung entgangen. Der Neugeweihte starb vor dem Kriegsende. Den findigen Köpfen waren die Tyrannen von Dachau doch nicht gewachsen. So konnten Fastenpredigt, Maipredigten und Exerzitienvorträge gehalten werden, den an der hl. Messe verhinderten wurde die hl. Kommunion heimlich auf die Arbeitsstätte gebracht. Dagegen konnte nicht verhindert werden, daß namentlich im Anfang der Gottesdienst gestört wurde durch das Kommando: Alles antreten! Aber die Geistlichen erreichten es, daß sie eine halbe Stunde früher aufstehen durften und um diesen Preis konnte auch diese Störung beseitigt werden. Zum Schluß sei auch noch das Ende des Lagerinspektors Weiß angeführt. Dieser Mann war einer der wenigen, der die Leute in den Lagern menschlich behandeln wollte. So hatte er bei verschiedenen Inspektionen Grausamkeiten ab- gestellt und verboten. Den letzten Befehl Himmlers, die Häftlinge zu verschleppen, zögerte er hinaus, um die Häft- linge beim schnellen Vorrücken der Amerikaner zu retten. Der Lagerführer Rupert erfuhr dies, kehrte nach dem ersten Marschtag um und erschoß Weiß in seiner Wohnung in Dachau. So ist es jedem ergangen, der einen Protest wagte. 25. Der böse Geist. Der böse Geist, der das deutsche Volk in die Wüste seines heutigen Unglückes hineingetrieben hat, ist Hitlers 108 Buch ‚ ich in lesen, Ekel. von ei dieses Evang wiedeı ich no und d Wider größte kenne sind ı sem| nach das] mit vom 5.200 gebl Ans tiefi Lex Wic ein, He Bu tite nur wechselt. zten Zeit riert. In " Bischof m deut- un durch lach den schof den Stefans- gefeiert. rimiz der vor dem ınen von :npredigt, ‚den, den mmunion n konnie fang der o; Alles ; sie eine ‚sen Preis inspektorS igen, der ollte. SO ‚eiten ab- nlers, die die Häft- zu retten. jem ersten hnung IM ‚agte. je wüste st Hitlers Buch„Mein Kampf“ gewesen. Merkwürdigerweise konnte ich in diesem Buch nie wie in andern Büchern stundenlang lesen, es überkamm mich immer etwas wie Unwille und Ekel. Schon während meiner Tätigkeit in N. erhielt ich von einer katholischen Frau in Konstanz die Aufforderung, dieses Buch zu lesen, das diesem Schwarmgeist wie ein Evangelium vorkam. Immer wieder versuchte ich es, immer wieder legte ich es verstimmt aus der Hand. Später hatte ich noch einen anderen Grund, es nicht zu lesen. Der Inhalt und die Sprache mußte einen denkenden Menschen zum Widerspruch reizen. Wehe aber dem, der es wagte, dem größten Genie des 20. Jahrhunderts zu widersprechen. Ich kenne geistliche Mitbrüder, die ins Zuchthaus gewandert sind und ins Konzentrationslager, weil sie Auszüge aus die- sem Buch machten und sie andern zum Lesen gaben. Erst nach dem Zusammenbruch des Tyrannensystems nahm ich das Buch zur Hand und verglich seine großspurigen Kapitel mit dem Resultat des 8. Mai 1945. Es war die Ausgabe vom Jahre 1939, von’ der behauptet wurde, daß sie das 5.200.000. Exemplar enthalte. Es ist mir immer unerklärlich geblieben, warum soviel deutsche Männer und Frauen beim Anschauen des Titelbildes und beim Lesen des Buches nicht tiefinnerlich erschrocken sind. Dieses Buch ist zunächst ein Lexikon der Schimpfwörter, dann ein Buch der endlosen Widersprüche, es ist das Buch eines echten Demagogen, der eine krankhafte fixe Idee von einer höchsten Rasse eines Herrenvolkes in sich trug.(438) Einige Beispiele aus dem Buch als Beleg. Es finden sich Ausdrücke darin wie „tränenreiche pazifistische Klageweiber“,„beamteter Schafs- kopf“,„Bettuch der schmachvollsten Prostitution“,„politische Knirpse“,„Revolutionswanzen‘“,„simpelhafter höherer Be- amter“,„parlamentarische Strauchdiebe“,„habsburgischer Staatskadaver“,„deutsche Schafskopfspieler“,„parlamen- tarische Strohköpfe“,„kanaillöse Führerkreaturen des Jah- res 1918“, von der weißen Farbe sagt er höhnisch, sie passe für keusche Jungfrauenvereinigungen. Dann spricht er’ wieder von Mißgeburten zwischen Mensch und Affe."Das ist nur eine kleine Blütenlese. Und mit einer solchen Sprache will er das deutsche Volk zu den höchsten Idealen erziehen, will eine Bewegung schaffen, die die Absicht hat, 109 a En St eine Welt einzureißen und eine neue an ihre Stelle zu bauen.( 651) Mit einer solchen Sprache glaubt er, daß sich zu seinem Kampfe nur die besten Kämpfer finden werden. ( 441) Wenn nicht religiöse Gründe und feines Anstandsempfinden zur Ablehnung dieses Buches geführt hätten, dann hätte eine andere Tatsache dazu führen müssen, nämlich die grenzenlose Verdummung des Volkes. Ich habe wenigstens 25 Stellen dieser Art festgestellt, es sind aber deren mehr. Er spricht von der geringen Denkfähigkeit der breiten Masse, von ihrer Trägheit, von der Majorität als Vertreterin der Dummheit und Feigheit, von der alles eher als geistreichen Wählerschaft, von der Abneigung der Masse gegen jedes überragende Genie, den deutschen Reichstag nennt er eine parlamentarische Schwätzervereinigung, das Volk in seiner überwiegenden Mehrheit nennt er feminin ( weibisch) veranlagt, die Feldbriefe der Frauen an ihre Männer und Söhne bezeichnet er als Gift, das gedankenlose Weiber zu Hause zusammenfabrizierten. Ja, er versteigt sich zu der Behauptung:„ Die sinnlosen Briefe mancher Frau kosteten in der Folgezeit hunderttausenden von Männern das Leben." Wenn die dummen Briefe der Frauen schuld waren am Tode hunderttausender von Männern im ersten Weltkrieg, wer nimmt die Schuld und Verantwortung für den Tod von Millionen von Männern, Frauen und Kindern im zweiten Weltkrieg auf sich? Dieser Krieg ist doch von der intelligentesten Führung geleitet worden! Seine Einschätzung des Volkes offenbart auch folgender Satz: breite Masse eines Volkes fällt bei der primitiven Einfalt ihres Gemütes einer großen Lüge leichter zum Opfer als einer kleinen." Man könnte fast versucht sein, Hitler beizupflichten, denn das deutsche Volk ist der großen Lüge seines Buches, seiner Weltanschauung und seiner Freunde zum Opfer gefallen, aber nur am Anfang, später hätte es sich aus diesem Lügengewebe befreit, wenn nicht ein unheimlicher Terror( hier ist dieses Wort am Platz) ihm diese Befreiung unmöglich gemacht hätte. Manchmal überträgt er sein Urteil auf die ganze Menschheit und ereifert sich über die granitene Dummheit unserer Menschheit, ja einige Zeilen später( 414) stellt er eine verbrecherische Dummheit fest. Ist es nicht ein starkes Stück, wenn es Seite 596 heißt: 110 „ Die ,, Million sinn nac In der H nung ha Vergeßl ten bau zu mim schen V heit abe letzte S ihn etw ist seit aber an schlech hat, da solchen wie er Führer wie di flüge seine Dumm steher köpfe überh nen gesch Alter war ster ten die erei Sch Gesi ,, hei wasc und E und Stelle zu daß sich n werden. Anstandst hätten, sen, nämIch habe sind aber migkeit der jorität als alles eher der Masse Reichstag gung, das feminin an ihre Hankenlose steigt sich cher Frau Männern en schuld im ersten Ortung für d Kindern doch von Seine Einatz: ,, Die en Einfalt Opfer als Hitler beiLüge seiFreunde er hätte es t ein unihm diese überträgt reifert sich , ja einige Dummheit 596 heißt: ,, Millionen deutscher Dummköpfe plapperten dann diesen Unsinn nach, ohne auch nur eine blasse Ahnung zu haben..." In der Besprechung der Südtirolerfrage will er eine Abrechnung halten mit jenem allerverlogensten Pack, das auf die unserer breitesten SchichVergeßlichkeit und Dummheit ten bauend, sich hier anmaßt, eine nationale Empörung zu mimen... Er nennt die Charakterlosigkeit des deutschen Volkes seit sechs Jahren eine„, tieftraurige, die Feigheit aber manches Mal himmelschreiend."( S. 713) Dieser letzte Satz bekäme wohl seinen richtigen Inhalt, wenn man ihn etwa so formte: ,, Die Charakterlosigkeit unserer Führer ihre Feigheit ist seit 12 Jahren eine tieftraurige gewesen, aber am Ende himmelschreiend." Wenn ein Mann eine solche schlechte Meinung von einem Volk und seiner Intelligenz hat, dann wundert man sich nur, wie er um die Gunst eines solchen Volkes mit allen raffinierten Mitteln werben kann, wie er ausrufen kann: ,, Ich bin namenlos glücklich, der Führer des deutschen Volkes zu sein!" Man wundert sich, wie dieses ,, saudumme Volk" auf die höchsten Gedankenflüge seines genialsten Führers einging und ihm bis zu 98% im deutschen Volk Millionen seine Stimme gab. Wenn Dummköpfe herumliefen, dann kann ich weiter nicht verstehen, daß der Führer eines Volkes sich von diesen DummIch würde mir das köpfen mit ,, Heil Hitler" grüßen läßt. überhaupt verbitten, daß jeder fragwürdige Mensch meinen Namen mit dem Gruß verbindet. In der ganzen Weltgeschichte wird sich kaum ein Seitenstück finden, nur im Alten Testament findet sich einmal ein„, Heil David". war ein Kriegsoberst, der in einer Stunde hoher Begeisterung seine Soldaten dem David übergab mit den Worten ,, Dein sind sie, David, Heil, Heil Dir, und Heil denen, die Dir helfen."( In Chronik 12, 18.) Am Ende seines Buches ereifert er sich nochmals über die Trottelhaftigkeit, die Schwäche und Feigheit oder die durch und durch verlumpte Gesinnung der bürgerlichen Welt. Und diese Welt darf den ,, heiligen" Namen des erlauchten Führers in ihren ungewaschenen Mund nehmen! Ein böser Geist weht aus seinen Rassebetrachtungen und aus der Behandlung der Judenfrage, der er viele Seiten und endlose giftgeschwollene Bemerkungen widmet. Wo ich 111 Es وو nur immer bei wirklichen Denkern und Forschern die Rassenlehre nachgelesen habe, fand ich das Eingeständnis, daß die Rassenfrage viele ungelöste Probleme in sich schließt. Man vergleiche nur, was Erzbischof Dr. Gröber in seinem Handbuch der religiösen Gegenwartsfragen unter den verschiedenen Stichworten veröffentlicht hat. Hitler selbst löst das Rasseproblem viel einfacher. Er setzt das Sätzlein hin: , Was nicht gute Rasse ist auf dieser Welt, ist Spreu." Soll er nun Antwort geben, was gute Rasse ist, dann geht diese Antwort nur vom Materiellen und Stofflichen aus und muß. dann zu Ergebnissen kommen, die der christlichen Auffassung vollkommen widersprechen Es ist nur logisch, daß er die Missionierung der ,, niederen Rassen" für Unfug und undeutsches Beginnen hält. Seine Anhänger schwören natürlich auf den sogenannten Schädelindex. Das ist das Verhältnis von Länge und Breite. Man setzt die stets größere Länge 100 und ermittelt danach die prozentuale Breite. Ein Schädel, der 180 mm lang und 150 mm breit ist, besitzt nach der 83.33. Formel 180: 100= 150 x die Indexziffer 150.100 180 = Schädel, deren Index unter 75 liegen, die ein Viertel länger als breit sind, nennt man Langköpfe, zwischen 75 und 80 Mittelköpfe und über 80 Rund- oder Kurzköpfe. Als ich einmal beim Konsul Esser auf Besuch in Elberfeld weilte, machten wir uns ein besonderes Vergnügen daraus, die Es war Besucher auf ihren Schädelindex zu untersuchen. kein einziger Langkopf unter uns. Der Langschädel aber soll das Kennzeichen des Arier sein. Nun hat der deutsche Naturforscher Virchof gemeint:„ Der langschädelige Arier hat nie und nirgendwo als Rasse existiert." Ein anderer hat festgestellt, daẞ Leibnitz, Kant, Schopenhauer, Luther, Goethe, Schiller, Beethoven und Bismarck kurzschädelig Das war ein Trost für uns Kurzschädel. Von einem Arzt hörte ich, man könne durch ständige Seitenlagerung eines Kindes einen Kurzschädel heranbilden. Wie dem auch sei, Hitler hatte sich hier mit der ganzen Kraft seines Eigenwillens in eine fixe Idee verrannt, von der er das Heil der Welt erwartete. Im gleichen Atemzug hat er die Juden als die minderwertigste Rasse zu brandmarken gesucht, während sein Freund Willi Börger in seinem Buch waren. 112 vom deu stellen, das Rass wörtlich erbracht mentale darstelle ment an kann si erkenne heidnis hat. E berg ha als Ari wertige bei de ,, Man len, ob ist." lers F half ter s Strei kunf Ansc Ents dig Blic und die ein sch nic erst des Und verk noch des bisch 8 Lu rn die Rasändnis, daß ch schließt. - in seinem r den verselbst löst ätzlein hin: Spreu." Soll geht diese us und muß hen AuffasLogisch, daß Unfug und ören natürs Verhältnis re Länge Ein Schätzt nach der 00 == 83.33. iertel länger 75 und 80 Als ich einrfeld weilte, daraus, die en. Es war schädel aber der deutsche adelige Arier anderer hat uer, Luther, kurzschädelig Von einem eitenlagerung Wie dem auch Kraft seines der er das ug hat er die admarken geseinem Buch vom deutschen Wesen den Juden die Ehre antut, festzustellen, daß sie das einzige Volk auf der ganzen Welt seien, das Rassengesetze hatte und noch habe. Ja Börger schreibt wörtlich: ,, Die Juden haben als einziges Volk den Nachweis erbracht, daß streng durchgeführte Rassengesetze die fundaeiner Nation mentale Voraussetzung für die Erhaltung darstellen." Er führt dann die Stellen aus dem Alten Testament an, die diese Rassengesetze bezeugen sollen. Der Leser kann sie im Buche Esdras 9, 12 nachlesen, er wird dann erkennen, daß jener große Volksführer die Ehen mit den heidnischen Umwohnern aus religiösen Gründen verboten hat. Ein anderer Freund Hitlers, der unverfrorene Rosenberg hat den köstlichen Versuch gemacht, Christus den Herrn, als Arier nachzuweisen, um ihn so vom Fluch der minderDr. Konrad Algermissen sagt wertigen Rasse zu retten. bei der Besprechung der Rosenberg'schen Bücher treffend: ,, Man faßt sich unwillkürlich an den Kopf, um festzustellen, ob man wacht oder träumt oder überhaupt noch normal ist." Und das war Hitlers größter Schulmeister. Von Hitlers Freunden und Mitarbeitern gilt das Schriftwort: ,, Einer half dem andern zum Verderben." 2. Chronik 20, 23. Unter seinen Mitarbeitern erwähnt Hitler besonders Julius Streicher, von dem er sagt, er sei von der Mission und ZuSein kunft seiner Bewegung heilig überzeugt gewesen. Anschluß an die NSDAP nennt er einen„, grundanständigen Entschluß". Wenn man aber wissen will, wie grundanständig dieser Streicher war, brauchte man nur einmal einen Dieses Blatt war in Wort Blick tun in seinen ,, Stürmer". - und Bild eine geistige Kloake übelster Art. Daẞ Hitler für diesen Schmutz kein Auge hatte, daß er dieses Erzeugnis eines kranken Gehirns und einer kranken Seele der deutschen Jugend darbieten ließ, wird ihm der mildeste Richter nicht verzeihen können. Er schreibt einmal vom Ende des ersten Weltkrieges, in jenen Jahren hätte sich das Extrem des Schlechten in der wundervollsten Art konserviert.( 582) Und dieses Extrem des Schlechten war in Julius Streicher verkörpert. Die Katholiken des badischen Landes haben es noch nicht vergessen, in welch zynischer Art dieser Freund des Führers einen Kampf gegen unseren hochverehrten Erzbischof Dr. Gröber inszeniert hat. Er hat allerdings vor der 8 Lustrum luxaturae. 113 hat Lauterkeit dieses Charakters ein beschämendes Fiasko erlebt und erlitten. Die Judenhetze in Hitlers Buch und in Streichers Teufelsblatt und die unselige Propaganda- Taktik des schlimmsten Beraters unter Hitlers Freunden, des Dr. Goebbels, haben schließlich zu jenem Synagogenbrand geführt, der dem deutschen Volk im Ausland die letzten Sympathien geraubt hat. Der Synagogensturm war aber genau so künstlich gemacht wie die Stürme gegen die Geistlichen und sonstige mißliebige Persönlichkeiten. Das Volk nichts davon gewußt. Unsere Priorin war an jenem Tag zufällig in Bühl, als der Ruf erscholl:„ Die Synagoge brennt!" Sie hat uns berichtet, wie die Leute von Bühl entsetzt dabeistanden und keine Worte fanden über diese Greueltat. So groß war der Abscheu, daß das Schweigen sich bald in helle Entrüstung verwandelte und der Gauleiter Wagner sich veranlaßt sah, öffentlich die Drohung auszusprechen, dasselbe Schicksal werde auch den anderen Feinden des Staates bereitet, wenn sie nicht still seien. Das Alte Testament erzählt in den Königsbüchern von Saul und seinem bösen Geist, der ihn verfolgte und um sein Reich brachte. Nicht anders ist es Hitler ergangen. In jenen Königsbüchern wird einem übermütigen König gesagt: ,, Weil du die Edomiter geschlagen hast, bist du übermütig geworden. Freue dich deines Ruhmes und bleib zu Hause. Warum willst du das Unglück herausfordern und zu Fall kommen?" 4 Könige 14, 10. Dieses Schriftwort paẞt vorzüglich für diesen vom Wahnsinn infizierten Mann. - tisch" is Reden. die seine Vernicht Buch, w danken ein opfe Todessta ( 609). C 20. Juli auf ein fertigun aussich Stunde allem fert w Gehors Wahny De seiner z. B. Es se ster) hafte die i Zeit rage die genau Ord So spricht zab Die Jug Hitler hat mehr als einmal menschliche und religiöse Anwandlungen gehabt, aber der böse Geist hat sie wie bei König Saul sehr bald wieder erstickt. er einmal von einem künftigen deutschen Volk, in welchem die Bürger miteinander verbunden und zusammengeschmiedet seien durch eine gemeinsame Liebe und einen gemeinsamen Stolz( 475). Auf der gleichen Seite jedoch gibt er den Grund an, warum diese Liebe in seinem Staat und in seiner Partei keinen Platz haben kann, behauptet er doch, die größten Umwälzungen auf dieser Erde wären nicht möglich gewesen, wenn ihre Triebkraft nicht fanatische, ja hysterische Leidenschaften gewesen wäre. Das Wort ,, fana114 Kir vers letzt seine erinn Stille Wah sko er- ch und da-Tak- des Dr. and ge- n Sym- T genau istlichen olk hat em Tag ynagoge on Bühl er diese hweigen auleiter ; auSZU- n Fein- Jas Alte und sei- n Reich n jenen gesagt: hermütig ı Hause. zu Fall aßt vol- religiöse _ genall 0 spricht welchem gschmie- gemein- gibt er t und in er doch, cht möß“ ische, ja rt„fand“ tisch“ ist ein Lieblingswort in seinem Buch und’in seinen Reden. Fanatisch war sein Vernichtungswille gegen alle, die seine Meinung nicht teilten. Wie oft spricht er von der Vernichtung der Gegner. Typisch ist die Stelle in seinem Buch, wo er den Tyrannenmord behandelt und seine Ge- danken schließt:„In solch einem Fall mag aus einem Volk ein opferwilliger Mann plötzlich hervorspringen, um den Todesstahl in die Brust des verhaßten Einzigen zu stoßen“ (609). Ob nicht dieser Satz vom verhaßten Einzigen zum 20. Juli 1944 inspiriert hat? In diesem Zusammenhang sei auf eine andere Stelle hingewiesen, die eine famose Recht- fertigung aller deutschen Soldaten ist, die rechtzeitig den aussichtslosen Kampf aufgaben. Die Stelle lautet:„In einer Stunde, da ein Volkskörper sichtlich zusammenbricht und allem Anscheine nach der schwersten Bedrückung ausgelie- fert wird, dank des Handelns einiger Lumpen, bedeuten Gehorsam und Pflichterfüllung diesen gegenüber... reinen Wahnwitz“(593). Der Kirche gegenüber hat Hitler in seinem Buch und in seinem Leben eine Zwitterstellung eingenommen. Er hat z. B. anerkennende Worte über die Kirche und ihre Priester. Es sei nur eines angeführt:„Auf einen unwürdigen(Prie- ster) treffen doch auch wieder tausend und mehr ehren- hafte, ihrer Mission auf das treueste ergebene Seelsorger, die in unserer heutigen ebenso verlogenen als verkommenen Zeit wie kleine Inseln aus einem allgemeinen Sumpf heraus- ragen.“ Da muß man wieder die Frage stellen:„Wozu dann die berüchtigten Sittlichkeitsprozesse gegen Geistliche und Ordensleute, wozu die vielen Priester in Dachau, wozu die zahllosen Schikanen und Schulverbote gegen die übrigen?“ Diejenigen, welche die Doktrin seines Buches den Pg und der Jugend vortrugen und erklärten, haben alle Stellen, die der Kirche und den Priestern günstig hätten sein können, total verschwiegen und haben aus den anderen Irrtümern die letzten Folgerungen gezogen. So mußte der böse Geist in seinem Buch zu einer höllischen Unduldsamkeit führen. Ich erinnere an das Parteiprogramm. Hitler hat ‚wohl im Stillen zugegeben, daß dieses Programm keine unfehlbaren Wahrheiten enthält, aber er hielt es für das Ziel der Macht- 115 ergreifung für richtig, das Parteiprogramm auf die gleiche Stufe mit den christlichen Dogmen zu stellen. Er läßt nicht daran rütteln. Er hat aber vergessen, daß die Dogmen des Christentums Offenbarungswahrheiten sind, während seine Die ,, Dogmen" das Produkt politischer Leidenschaft sind. Wahrheiten des Christentums tragen die Gewähr des Sieges in sich, weil der Mensch nach Wahrheit dürstet, die sog. Wahrheiten des Nationalsozialismus brauchen zum Sieg Gewalt, rohe Gewalt. Hitler war überzeugt, das Recht zu besitzen für die Anwendung selbst brutalster Waffen( 597). Was man vom Dogmenzwang der katholischen Kirche gefaselt hat, ist ein wahres Kinderspiel gegen folgende Aussprüche Hitlers: ,, Der Nationalsozialismus muß grundsätzlich das Recht in Anspruch nehmen, der gesamten deutschen Nation... seine Prinzipien aufzuzwingen."„ Die nationalsozialistische Lehre soll dereinst die Herrin der deutschen Nation werden"( 648). ,, Die Zukunft der Bewegung wird bedingt durch den Fanatismus, ja die Unduldsamkeit, mit der ihre Anhänger sie als die allein richtige vertreten." Auch für diese Gedanken beruft er sich auf das Christentum und wagt die tolle Behauptung ,, Der einzelne mag heute schmerzlich feststellen, daß in die viel freiere antike Welt mit dem Erscheinen des Christentums der erste geistige Terror gekommen ist, er wird die Tatsache aber nicht bestreiten können, daß die Welt seitdem von diesem Zwange bedrängt und beherrscht wird, und daß man Zwang nur wieder durch Zwang bricht und Terror nur mit Terror." Man überlege sich einmal diese Sätze, dann wird man mit Dr. Algermissen sagen: ,, Soviele Behauptungen, soviele Irrtümer." Die Kirche kennt nur eine daß sie die Intoleranz der Wahrheit, die darin besteht, Menschen im Gewissen zur Wahrheit verpflichtet, wenn sie dieselbe erkannt haben, nie aber übt die Kirche eine Intoleranz durch Anwendung äußerer Gewalt gegen Menschen, die in einem unverschuldeten Irrtum sich befinden. In keinem christlichen Lehrbuch wird man Sätze lesen, wie: ,, Die Mitglieder der Bewegung haben den Haß der Feinde unseres Volkes zu ersehnen" oder ,, Was haben unsere Regierungen getan, um in dieses Volk wieder den Geist... 116 männlic ( 386 und deutsche wie jen für uns Hitl falsch und d mentes Unter pheter einem eines punk Mens den Han Ged und sein De der ne ve D d go d K W ود ge du de se egleiche Fäßt nicht men des nd seine nd. Die des Siedie sog. Sieg Gemt zu befen( 597). irche gende AusRecht in ... seine che Lehre en"( 648). en Fanager sie als anken betolle BeFeststellen, meinen des n ist, er , daß die beherrscht ang bricht mal diese : ,, Soviele at nur eine aß sie die wenn sie e eine Ingen Menbefinden. lesen, wie: der Feinde unsere Ren Geist... männlichen Trotzes und zornigen Hasses hineinzupflanzen?" ( 386 und 714). Nach Hitlers Meinung haben sie seit 1918 das deutsche Volk zu Tode regiert( 714). Da geht es einem fast wie jenem Witzbold: ,, Früher ging es uns gut, heute besser, für uns aber wäre es besser, wenn es uns wieder gut ginge." 26. Menetekel. Hitler hat das Alte Testament gehaßt, weil er es grundfalsch verstanden hat, wahrscheinlich auch nie gelesen hat, und doch enthält das Offenbarungsbuch des Alten Testa.. mentes eine Weisheit, die auch einen Hitler vor Torheit und Das Buch des ProUntergang hätte bewahren können. pheten Daniel berichtet im 5. Kapitel seines Buches von einem König, der sich verleiten ließ, die religiösen Gefühle eines unterjochten Volkes grob zu verletzen. Auf dem Höhepunkt seines Übermutes stehend, erschienen ,, Finger einer Menschenhand und schrieben dem Leuchter gegenüber auf den Kalk der Wand des Königspalastes. Als der König die Seine Hand, die schrieb, sah, da entfärbte sich sein Antlitz. Seine Hüftgelenke lösten sich Gedanken ängstigten ihn. und seine Knie schlotterten." Etwas später heißt es: ,, Auch seine Großen waren bestürzt." Als der Prophet Daniel zur Deutung der rätselhaften Schrift gerufen wurde, hielt er dem König zuerst eine eindringliche Strafrede. Er erinnerte ihn an die Weltmacht seines Vaters, an seinen gottvergessenen Stolz und die Strafe, die demselben folgte. Dann sagte er dem König: ,, Auch du hast dein Herz nicht gedemütigt, obgleich du dies alles wußtest; sondern gegen den Herrn des Himmels hast du dich erhoben... Was dort geschrieben steht, lautet: ,, Mene, Thekel, Phares." Dies ist ,, Gezählt" hat Gott dein die Deutung der Worte: Mene: Thekel: ,, Gewogen" Königtum und ihm ein Ende gemacht. wurdest du auf der Waage und zu leicht befunden. Phares: ,, Geteilt" wird dein Reich und den Medern und Persern gegeben. Die Prophezeiung erfüllte sich in derselben Nacht durch die Eroberung der Hauptstadt und die Ermordung des Königs. Ich brauche die Anwendung auf Hitler und seine Großen nicht machen, die Ähnlichkeit ist so groß, daß 117 jedes Schulkind sie verstehen kann. Nur eines kann man nicht verstehen, daß Hitler und seine Großen von keiner Seite eine Belehrung und Warnung annahmen. Ich höre Hitler noch wie einen Wilden am Radio schreien:„Man ver- schone uns mit Hirtenbriefen und Enzykliken!“ Ich verstehe, daß die Siegerstaaten nun dem deutschen Volk eine Mit- schuld aufbürden, weil es die Warnrufe der Welt nicht ge- hört und befolgt habe, weil es diesem pathologischen Regie- rungssystem kein Ende bereitet habe. Ich denke lebhaft an jenen gebildeten deutschen Ingenieur, der mir in der Eisenbahn— als wir ganz allein in einem Abteil waren— erzählte von seinen Eindrücken im Ausland und dann schloß mit den Worten:„Das ist unser Unglück, daß von unseren führenden Männern kein einziger die anderen Staaten und Völker in ihren Eigenarten kennt und würdigt.“ Aber es ist wahrhaftig nicht so, wie man vielfach in der Welt drau- Ben glaubte, als ob wir uns nicht gewehrt hätten gegen un- sere Bedrücker. Wenn die Toten reden könnten, wenn sie der Welt sagen könnten, was sie wegen der Liebe zur Wahr- heit erdulden mußten, dann würde man sich in Ehrfurcht vor ihnen beugen. Ich erinnere an Dr. Gerlich, der in sei- nem„Geraden Weg“(eine Wochenzeitschrift) einen Helden- kampf kämpfte, den er mit einem furchtbaren Tod bezahlen mußte. Ich erinnere an den gelehrten Monsignore Dr. Feur- stein in Donaueschingen, der auf die Kanzel stieg und die Re- gierungsmänner an den Widerspruch erinnerte, der zwischen ihren Versprechungen und der bitteren Wirklichkeit be- stehe. Er wanderte trotz seines Alters, trotz seines leiden- den Zustandes, trotz seiner großen Verdienste auf allen Wissensgebieten ins Gefängnis und nach Dachau, von wo nach kurzer Zeit sein Tod gemeldet wurde. Ich erinnere an P. Kentenich, der einen überaus klugen und zielklaren Kampf eingeleitet hatte durch die Apostolische Bewegung von Schönstatt. Die Gestapo soll sich einmal geäußert haben, diese Bewegung von Schönstatt sei die größte Ge- fahr für den Nationalsozialismus. Sie war ständig auf dem Sprung, um einen Rechtsboden gegen den stillen Exerzitien- meister zu finden. Als das nicht glückte, steckte man P. Kentenich zuerst einige Monate ins Gefängnis in Koblenz, 118 Be NE SEEN dann b dort ist wie wi Max M Hinrich sollte. und de in Reg zu Teti Laien gen d Große chen| zentre liche schwi Zeit. Schw Stanı nn man ı keiner ch höre [an ver- /erstehe, ne Mit- icht ge- \ Regie- lebhaft in der jaren— n schloß unseren ten und Aber es It drau- gen un- yenn sie r Wahr- hrfurcht in sei- Helden- jezahlen r, Feur- | die Re- wischen eit be- Jeiden- f allen von WO nere al elklaren ‚wegung seäußert pte Ge- uf dem orzitien” man p. Koblenz, dann brachte man ihn nach Dachau. Aber nicht einmal dort ist es gelungen, den Mund dieses Apostels zu schließen, wie wir es schon angedeutet haben. Ich erinnere an Dr. Max Metzger, den Gründer des Weißen Kreuzes, für den die Hinrichtung durch Köpfen noch eine Auszeichnung sein sollte. So könnte man in der endlosen Liste der Märtyrer und der Gemordeten fortfahren bis zum P. Sebastian Maier in Regensburg, der für den Versuch, die Stadt Regensburg zu retten, öffentlich gehängt wurde. Bischöfe und Priester, Laien aller Stände und Richtungen haben sich gewehrt ge- gen diese geistige Vergewaltigung, aber Hitler und seine Großen und Kleinen gingen ohne Wimperzucken über Lei- chen hinweg, sie machten ganz Deutschland zu einem Kon- zentrationslager. Der Prophet Amos schildert einmal ähn- liche Verhältnisse in seiner Zeit und bemerkt:„Darum schweigt der Weise in dieser Zeit; denn es ist eine böse Zeit.“ Was Wunder, wenn auch die Besten nach außen ge- schwiegen haben, zumal die Denunziation hoch im Kurse stand! Ist Hitler nicht der große»Deserteur geworden? Hat er nicht über 20 Jahre von jedem Deutschen die größten Opfer gefordert? Und als die Stunde des größten Opfers für un- ser Volk kam, ist er desertiert. Wenn ich nun Hitlers Leben und Hitlers Buch am Schluß meiner Berichte ins Licht der Betrachtung gestellt habe, so geschah das auf keinen Fall in der Absicht, über eine ge- stürzte Größe herzufallen.- Ich habe Ekel empfunden, als ich im Jahre 1918 einen ehemaligen Hurrapatrioten öffent- lich den Kaiser Wilhelm beschimpfen hörte. Im Buch der Weisheit steht das gewaltige Wort:„Die ganze Welt zieht mit ihm(Gott) zum Kampfe gegen die Toren.“ Es war eine große Torheit, in einem Manne von solch unsicherer Her- kunft und mit so bedenklichen Anlagen und Eigenschaften einen Erlöser zu sehen. Es war ein Verrat am Gottes- glauben, am Christentum und der Kirche. Es war, wie wenn. 119 der Herrgott gesagt hätte:„Ihr habt mich abgesetzt und habt euer Vertrauen auf Hitler gesetzt, nun sollt ihr sein Geschick teilen.“ Der Missionar Gedat sagt in seinem Buche„Ein Christ erlebt die Probleme der Welt“, jedes Volk habe von Gott eine Mission erhalten. Wenn es in der Ausübung die- ser Mission einen Irrweg einschlage, müsse es den Irrweg zu Ende gehen. Möge nun der Irrweg unseres Volkes zu. Ende sein, möge unser leidgeprüftes Volk bald mit dem Propheten Nahum ausrufen dürfen:„Seht auf den Bergen die Füße des Freudeboten, der Heil verkündet.“ 27. Dem Henker entronnen. Vier Monate nach dem traurigen Kriegsende unternahm ich meine erste Reise über Freiburg, Donaueschingen nach dem Bodensee und Hohenzollern, um nach unseren abge- schnittenen Schwesternstationen zu sehen. Ich hatte einen Ausweis für das ganze badische Oberland mit Hohenzollern für den Monat August bekommen. Die Ruinenstadt um das Freiburger Münster war mir symbolisch: Die Kirche steht noch, aber das dritte Reich liegt in Trümmern. In Donau- eschingen ruhte mein Auge wehmütig auf jener Stätte, die beim Fliegerangriff am 2. Januar 1945 das Grab meiner braven Nichte Martha Stehle geworden ist. An einem Samstag mittag kam ich in meine Heimat Urnau, die am 3. August 1944 um Haaresbreite vernichtet worden wäre. In unmittelbarer Nähe des Dörfleins fielen damals 70 schwere Bomben. In fast noch größere Gefahr war das Dörflein aber im April 1945 gekommen. Es bekam eine Einquartierung, von welcher die SS nichts erfahren durfte. Das ging so zu: Nach dem 20. Juli wurden eine Menge Offiziere verhaftet, weil man sie irgendwie in Zusammen- hang mit dem Staufenberg’schen Attentat brachte. Einige waren schon zum Tode verurteilt, kamen aber dann auf die Festung Küstrin, um da ihr weiteres Schicksal abzuwarten. . Im April 1945 war der Kommandant der Festung mit 21 120 Häftlin Deutsd die SS reißer stätte Boden: hier G einsan wohne belieb sich, i Im 1 Neus: heim! sicht: den. Eine über Wo Nie wo der fra jui & si u nd habt Geschick he ,, Ein abe von ung dieIrrweg olkes zu mit dem Bergen ternahm gen nach en abgete einen enzollern cum das che steht Donauätte, die meiner einem die am en wäre. mals 70 war das am eine n durfte. e Menge sammenEinige auf die zuwarten. mit 21 suchte im Zickzack durch Häftlingen ausgerissen und Deutschland den Klauen ihrer Henker zu entgehen. Obwohl die SS allen Spürsinn aufwandte, entdeckten sie die Ausreißer doch nicht. Schließlich fanden sie eine Zufluchtsstätte im Pallotinerkloster Hersberg bei Immenstaad Bodensee. Wenn ich recht unterrichtet wurde, bestand aber Den Patres dort war das hier Gefahr, entdeckt zu werden. einsame und abgelegene Urnau mit seinen zuverlässigen Bewohnern, seinem idealen Pfarrherrn und seinem allgemein So entschloß man beliebten Bürgermeister wohl bekannt. am sich, in aller Stille und Heimlichkeit dorthin überzusiedeln. Im Musikzimmer der barmherzigen Schwestern( es sind Neusatzecker Dominikanerinnen in Urnau) fand eine geheime Sitzung der Offiziere statt, in welcher wohl alle Vorsichtsmaßregeln gegenüber der suchenden SS getroffen wurden. Wie notwendig diese Vorsicht war, zeigte sich bald. Eines Tages ging ein SS- Mann an meinem Elternhaus vorüber und sah durch das Fenster einen Mann in Zivil in der Wohnstube sitzen. Ganz unauffällig fragte er meine älteste Nichte, wer dieser Mann sei. Er bekam prompt zur Antwort: ,, Das ist mein Onkel." Der Offizier ist nämlich sofort bei Etwas erstaunt der Aufnahme zum Onkel ernannt worden. fragte der Späher weiter: ,, Sie haben aber noch einen jungen Onkel." Da lachte meine Nichte herzlich und entgegnete: ,, Ja wissen Sie, mein Onkel ist älter, als er aussieht, und ich sehe jünger aus, als ich bin." Diese lachend und harmlos hingeworfenen Worte überzeugten den Frager, daß er sich doch geirrt habe, er ging weiter und kam nicht mehr. Dafür rückte zum Glück der deutschen Offiziere und der Urnauer das französische Besatzungsheer ein und besetzte alle Ortschaften ringsum, nur Urnau erhielt keine Besatzung, nachdem festgestellt wurde, daß die Gemeinde unter großer Gefahr die von Hitler verfolgten Offiziere aufgenommen hatte. Auch der redliche Bürgermeister A. Risch blieb in seinem Amte mit der Verpflichtung, dafür zu sorgen, daß die Offiziere nicht ohne Erlaubnis den Ort ver121 ließen. Über den Geist dieser Gemeinde bekam die fran- zösische Besatzung ein klares Bild, als die Männer des Or- tes auf das Rathaus bestellt wurden, um festzustellen, wie- viele unter ihnen der Partei nicht angehörten. Es waren beinahe alle. Die sich der Partei angeschlossen hatten, wa- ren harmlose Bürger, die keine Ahnung von den Absichten des Nationalsozialismus hatten und heute froh sind, daß sie von ihren„Würden“ befreit sind. Es wird den Leser nun am meisten interessieren, um welche deutsche Offiziere es sich in Urnau handelte. Ich will sie so anführen, wie sie auf meiner Liste stehen, ohne jeden Kommentar zunächst: 1. Schaal Ferdinand, General der Panzertruppen, 2. v. Esebeck Hans Karl, General der Panzertruppen, 3. Groppe Theodor, Generalleutnant, 4. Dr. Speidel Hans, Generalleutnant, 5. van Roell, Generalleutnant, Oberbefehlshaber der Kgl. Nied. Armee,« 6. Rieger Leopold, Generalmajor, 7. von Freymann Walter, Oberstleutnant, 8. Fellgiebel Hans, Oberstleutnant, 9. v. Kluge Günter, Oberstleutnant, 10. Wolter Franz, Oberstleutnant, 11. Bachmann Friedrich, Major d. R., 12. Hoepner Joachim-Eberhard, Major, 13. v. Hassell Johann-Dietrich, Major, 14. Sokem Dr. med., Stabsarzt d. Res., 15. Rendedal Konrad, Offizier d. Res., 16. Paulus Ernst, Hauptmann, 17. Wirmer Ernst, Leutnant, 122 18. 19, 2, 2a. Ju die frandes Orlen, wies waren ten, waAbsichten , daß sie ren, um elte. Ich en, ohne open, der Kgl. 18. Leussing Fritz, Major d. Res., Kommandant der Festung Küstrin, 19. Reichert Hubert, Oberleutnant d. Res., 20. Schönemann Herbert, Steuermann, 21. Ballay militär. Attaché der Tschechoslowakei. Die Herren aus Norwegen, Holland und der Tschechoslowakei waren bereits entlassen. Die zwei Norweger waren bei meinem verstorbenen Bruder einquartiert und fühlten sich wohl in den einfachen Verhältnissen. Der junge Paulus und Wirmer hatten ihr Heim bei den Krankenschwestern gefunden. Paulus war eben abgereist, um seine Frau zu suchen. Kaum war er weg, als ein Brief eintraf mit der Mitteilung, daß seine Mutter im Revier in Dachau gefunden worden und nun in einem Krankenhaus in München sei. Mit Leutnant Wirmer, der in seinem Zivilberuf Jurist ist, habe ich mich öfters unterhalten. Sein klares Urteil war mir Beweis genug, daß er ein Feind der ,, Hitlerei" sein mußte. Sehr temperamentvoll kam das zum Ausdruck bei General Groppe, der ein praktizierender Katholik ist und als ,, schwarzer General" von vornherein als politisch unzuverlässig gelten mußte. Er war längere Zeit in Frankfurt a. M. im Zuchthaus. Seine Gemahlin, die ihn in Urnau besuchte, machte einen schlichten und liebenswürdigen Eindruck. Es war alles echt und gerade bei diesen Menschen, die so viele Ideale und eine packende patriotische Gesinnung jahrelang an den Tag legten und SO furchtbar enttäuscht wurden. In der trefflichen Familie Markus Eichenhofer war der Kommandant der Festung Küstrin einquartiert, dieser tapfere Offizier, der seine Kameraden unter großer eigener Gefahr vor den Henkern rettete. Zufällig war ich auch dort Schlafgast, weil mein Elternhaus gleichfalls belegt war. Nach Feierabend saßen wir beisammen, plauderten oder„ vergnügten" uns mit dem Spiel ,, Mensch, ärgere dich nicht". Dabei kam es vor, daß das 123 jüngste Töchterlein der Familie mit unschuldigster Miene den gefeierten Festungskommandanten aus dem Spielfeld hinauswarf. Er konnte dann mit strenger Miene sagen: ,, Frau Eichenhofer, ich habe mich in Ihrem Töchterchen getäuscht!" Der Oberstleutnant v. Freymann, der bei meinem Bruder untergebracht war, benützte seine Musezeit, um sich als Porträtmaler weiterzubilden. An schönen Tagen gingen die Herren auch in die großen Wälder ringsum und holten ihr ,, Fleisch", will heißen Pilze. Der stets zu launigen Bemerkungen aufgelegte Bürgermeister leistete sich einen Scherz, der überall Schmunzeln auslöste. So oft er den Namen des Majors Bachmann zu schreiben hatte, schrieb er versehentlich ,, Bauchmann" und strich dann das u sorgfältig durch. Des öfteren kamen auch werte Besuche, um nach den Verfolgten zu schauen, so der Prinz Bertold von Salem, der Herzog von Braunschweig( ein Neffe des englischen Königs u. a. m. Auch Frau Rommel war einmal in Urnau und erzählte, mit welchem Zynismus ihr Mann durch die berühmte Giftampulle weggeschafft wurde, wie man ihm noch ein Staatsbegräbnis versprach, wenn er sich freiwillig vergifte, wie dann der Beauftragte des Führers die Frechheit hatte, der Frau des Gemordeten das Beileid des Führers auszusprechen. Am Vorabend meiner Abreise erhielt ich den Besuch des Generals Groppe und seiner Gemahlin und ich muß sagen, ich gewann diese edlen Menschen lieb. Trotz ihres nicht beneidenswerten Geschickes dachten sie nicht an sich selbst, sondern nur an den noch selbstloseren Pfarrer und Geistlichen Rat Schmieder von Urnau, für dessein Haushalt sie doch eine schwere Belastung zu vermeinten. Ich beruhigte sie mit dem Hinweis, daß Pfarrer Schmieder ohne solche Belastungen gar nicht zufrieden sei, ja daß er sich selbst solche und ähnliche Belastungen schaffen würde, wenn sie nicht da wären. Das habe ich ja erlebt bei der Gründung der Schwesternstation, die einzig sein Werk war. sen 124 I unm gen mi de SC ze la U f n T Miene Spielfeld e sagen: Die kurze Zeit meines Heimataufenthaltes machte es mir “ unmöglich, mit allen Offizieren zu sprechen, aber die weni- gen Minuten der Unterredung mit diesem und jenem zeigten i chen ge- zwei Welten berührten: die Welt N mir, daß sich in Urnau der führenden Männer(im guten Sinn) und die Welt des Beide werden lange davon dieses für Deutsch- | meinem ‚ um sich schlichten unverbildeten Volkes. zehren und wenn einmal die Geschichte ‚seen Be-. land so unseligen Krieges geschrieben wird, wird das Kleine nt r Urnau, wie hier am Schluß, eine ehrenvolle Erwähnung i finden, weil es redlich mitgeholfen hat, daß tapfere und ver- Bi F nünftige deutsche Offiziere dem Henker entronnen sind. schrieb er ı sorgfäl- n gingen nd holten h4 um nach von Sa-, anglischen in Umau% durch die man ihm freiwillig jie Frech- des Füh- se erhielt F Gemahlin} ‚chen lieb. chten Sie h Ibstloseren j ı, für des“ g zu sein daß Pfar- | zufrieden glastungen| ‚gbe ich ja die einzig 125 ® 2