| DAS WAR BUCHENWALD! N Ein Tatsachenbericht a j‘/ Herausgegeben von der Kommunistischen Partei Deutschlands Stadt und Kreis Leipzig VERLAG FÜR WISSENSCHAFT UND LITERATUR LEIPZIG Diese Broschüre ist eine Kollektivarbeit einer Anzahl Buchenwald- Häftlinge aus Leipzig. Zusammengestellt und bearbeitet von Rudi Jahn Leipzig Buchenwald- Häftling Nr. 5495 22.499.734 Univ.- Bibl. Giessen 3. Auflage. 151.- 200. Tausend Du Was Kenn der H der I He 12 Ja Gefa Heu reich So er ande gens türm stron A die ,, deu Gedruckt bei Oswald Schmidt GmbH. Leipzig. M 118/399 hine f j | | i $ nee RE Turm 1 mit Lagereingang vom Kommandanturbereich aus gesehen Ein Vorwort für dich Du wirst dieses Buch lesen, weil du es lesen mußt! Buchenwald! Was war es dir?— Nichts weiter als ein Name, sofern du überhaupt Kenntnis von ihm hattest. Uns aber, uns Überlebenden, die wir aus der Hölle zurückgekehrt sind, ist dieser Name ein Symbol des Grauens, der Inbegriff aller menschlichen Grausamkeit und Schande. Heute, nach 12 Jahren unvorstellbarem faschistischen Terror, nach 12 Jahren martervollen Schweigens, sind wir Buchenwalder politischen Gefangenen zurückgekehrt in unsere Heimat und brechen diesen Bann. Heute, nachdem das Hitlerdeutschland durch die Schläge der sieg- reichen Roten Armee und der amerikanischen und englischen Soldaten so erbärmlich zusammenbrach, daß buchstäblich kein Stein auf dem anderen mehr liegengeblieben ist, heute zerbricht die Mauer des Schwei- gens, die SS und Gestapo um die Stätten ihrer Bestialitäten aufge- türmt hatten, und durch die klaffenden Lücken wälzt sich, einem Lava- strom vergleichbar, die Flut offenbar gewordener Verbrechen. Vielleicht klingen dir noch die Worte eines Goebbels in den Ohren, die tönenden ‚Phrasen von-„„germanischer Gefolgschaftstreue‘‘, von „deutscher Ehre‘ und„‚deutschem Edelmut‘‘. Aber in diese Phrasen hinein dringt bereits das Stöhnen der Gefolterten und Geschändeten. 3 Gespenster geistern jetzt durch die Trümmer dessen, was einst Deutschland war. Die Gespenster der Verhungerten und Ermordeten. Die Gespenster der zu Millionen Vergasten. Im Schrei der gequälten Menschen erstickt faschistische Lüge und Verrat. Diese Schreie gellen heute im Ohr der Welt und dringen auch zu dir! Hörst du sie? Ja! Denn Buchenwald, Dachau, Belsen, Auschwitz sind heute keine Namen mehr, die man von Ohr zu Ohr flüsternd weitergibt, sie sind zu wuchtigen Faustschlägen geworden, die auf das Haupt der Schuldigen niederprellen. Auf das Haupt der Schuldigen! Etwa gar auf das deine?... Du hast von all dem nichts gewußt? Du konntest nichts dagegen tun? Ach, lieber Freund, erinnere dich nur! Hast du nicht einst dem Nachbar ins Ohr geflüstert: ,, Still, nur still! Nichts reden, nichts tun, sonst kommen wir ins K. Z.! Wir wollen dich daran erinnern. Bringe du nun den Mut auf, diesen Teil deiner Schuld zu erkennen. Die Völker der Welt klagen dich heute der Feigheit an. Mit Recht! Deine Feigheit hat Hitlers Heerhaufen den Weg gebahnt in alle Länder Europas. Seine Bombengeschwader und Stukas, seine Panzer und Artillerie haben Länder und Völker zerbombt und zerstampft. ,, Wollt ihr den totalen Krieg?"... Das deutsche Volk hat sein ,, Ja" dazu gejubelt. Nämlich du und du und du! Und du, der du vielleicht nicht mitgejubelt hast, du hast dich aus feiger Angst vor den Konsequenzen gedrückt, aus kleinlicher Rücksichtnahme auf deine persönliche Sicherheit kapituliert. Wir haben nicht kapituliert und hatten nicht weniger zu verlieren als du! Wir haben alles hingegeben: unsere Frauen und Kinder! Unser Heim und unsere Existenz! Freiheit und Gesundheit! Tausende unserer Besten gaben ihr Leben! Was gabest du?... Verzeih, du hattest ja von all dem nichts gewußt, du konntest ja nichts dagegen tun!... 4 e s einst deten. quälten -ingen keine sie sind Schule?... Hagegen st dem hts tun, , diesen in alle Panzer mpft. in ,, Ja" dich aus er Rückzu verKinder! Causende Wer hat die Stirn, das heute noch zu wiederholen? Keine Macht der Welt kann das deutsche Volk von dieser seiner Schuld freisprechen. Nämlich: in der geschichtlichen Prüfung und Entscheidung versagt zu haben. Niemand kann es von der Schande und Blutschuld des Faschismus reinwaschen. Das müssen wir selber tun! Wir müssen der Welt beweisen, daß wir in jeder Beziehung mit dem Faschismus und Militarismus und seiner Ideologie gebrochen haben. Wir müssen der Welt beweisen, daß wir politisch wieder reif geworden und sehr wohl imstande sind, unsere Geschicke selbst zu lenken. Wir müssen der Welt beweisen, daß das neue antifaschistische und demokratische Deutschland, welches wir bauen wollen, bereit ist, die Schäden des Hitlerterrors wiedergutzumachen. Wir haben eine Schuld abzutragen! Eine Blutschuld ist es! Wir müssen durch unsere Bereitschaft und unseren ehrlichen Willen, zusammen mit allen friedliebenden, demokratischen Ländern Europas, an einem neuen, besseren Deutschland zu bauen, beweisen, daß wir würdig sind, wieder in den Bund der Völker um uns aufgenommen zu werden. Diesem hohen Ziele diene das Buch. Wir haben es mit unserem Herzblut geschrieben und drücken es dir hiermit in die Hand. Der Geist unserer toten Kameraden, Leser, steht hinter dir! Das Buch soll brennen in deiner Hand! Brennen in deiner Scham, mitschuldig geworden zu sein oder brennen in deiner Empörung, daß mitten in deinem Vaterland eine Rotte politisch und moralisch Verkommener Morde und Verbrechen begangen hat, die ihresgleichen in der Geschichte der Völker suchen. Frage nicht zweifelnd: ,, Ist das auch alles wahr?" Laß dir von uns sagen, daß die Wahrheit über die Konzentrationslager nur ein schwacher Widerschein der Wirklichkeit ist. Die Wirklichkeit war noch viel schlimmer. Lege vielmehr das Buch aus der Hand und schwöre dir und deinem Volke, von nun an mitzukämpfen in den Reihen von uns Antifaschisten, damit die Schmach des Faschismus von der Erde getilgt werde und nimmer, nimmer wiederkehre. Bruno Apitz, Leipzig, Buchenwald- Häftling Nr. 2417 antest ja 5 Buchenwald! Das Schandmal der Nazis in Thüringen, im ,, Grünen Herzen Deutschlands" Etwa acht Kilometer nordwestlich von Weimar erhebt sich der Ettersberg. An seinem Südhang steht der von Weimarer Bürgern gestiftete Bismarckturm, am Nordrand der Höhe liegt Schloß Ettersburg, das in der Geschichte des klassischen Weimar eine Rolle als Jagd- und Ausflugsschloß des Weimarer Großherzogs und seiner Gäste spielte. Der Gipfel selbst war schon damals dicht bewaldet. In dem vorwiegend aus Buchen bestehenden Laubwald erhob sich eine mächtige, uralte Eiche, die als Goethe- Eiche bezeichnet wurde. Die Legende will wissen, daß Goethe selbst öfter dort geweilt und mehrere seiner Briefe und Gedichte an Charlotte von Stein geschrieben habe. In Goethes Gesprächen mit Eckermann gibt es eine Stelle, in der eine Ausfahrt auf den Ettersberg geschildert und die Fernsicht nach Norden, Westen und Süden gerühmt wird. Der Berg und Wald lag abseits von den großen Wanderwegen. Es gab dort kein Ausflugslokal, nicht einmal Weißensee Grüningen Günstedt H Leubingen. Kölleda Straußfurt Lossa Sömmerda ப Billroda Rastenberg Gr Neuhausen KI Olbersleben Bucha Bibra Steinbach Vogelsberg Braunsrode Eckartsberga Wernings hausen Kranichborn Buttstäd Brembach Gr.Hassleben Willerstedt Baa Suiza Gr. Rudeset KI Vippach Neumark Buttelstedt Ettersburg Wickerstedto Pfiffelbach Leuten the Sachsenhausen Etters Nöda Ballstedt Schwerborn KL Gr.Molsen Ottstedt Hopfgarten sdort Tröbsdorf Gelmeroda ERFURT Jsseroda Gutendorf Tiefert WEIMAR Buchfart Jim Roßla Wormsted Apolda Sulzbach Lehesten Rappendorf Lehnstedt Mellingen Döbritschen JENA Gera Rhoda 7 Häftli am Bismarckturm, und nur im Herbst pflegten die Weimarer, Erfurter und die Einwohner der kleinen rings verstreuten Dörfer in den Wald hinaufzugehen und Pilze zu suchen. Den Gipfel dieses abgelegenen, unbebauten und unbewohnten Berges hatte die SS- Führung zu einem der größten Konzentrationslager Nazideutschlands ausersehen. Sie fügte damit der Geschichte Weimars ein neues Blatt hinzu, das unauslöschlich den Tiefstand und die Barbarei Deutschlands ebenso festhalten wird, wie mit dem Namen Weimar die Blütezeit und Klassik der deutschen Dichtung und die von Hitler zerfetzte Verfassung der deutschen Republik verbunden sind. Der Aufbau des Lagers Im Sommer 1937 wurden die ersten Häftlinge auf den Ettersberg gebracht. Sie kamen mit der Bewachungsmannschaft in Lastwagen, wurden mitten im Walde abgeladen, mußten Bäume fällen und aus den mitgebrachten Bauteilen die erste Holzbaracke aufschlagen. Spät nachts unter ständigem Brüllen und Schlagen der SS- Posten wurde die Baracke fertig, die eine Hälfte für die Häftlinge, die andere für die SS. In täglich 14- bis 16stündiger schwerster körperlicher Arbeit, unter ständiger Lebensgefahr durch knüppelschwingende, tretende und schieBende SS- Leute entstand aus einem frei gewachsenen Wald in kaum zwei Jahren das Lager selbst und die dazugehörigen SS- Unterkünfte, Verwaltungsgebäude und Villen für die höheren SS- Führer. Trotz der Eile und der endlosen Arbeitszeit wurden dabei keinerlei technische Hilfsmittel verwendet. Mit der Picke wurden die Steine gebrochen und auf den Schultern in immer wiederholten Märschen, oft im Laufschritt, an die Stelle getragen, an der sie gebraucht wurden. Das ganze Packlager für das Lager mit seinem riesigen Appellplatz, für die Straßen in und um das Lager und zwischen den Kasernen ist so mit Schweiß und Schwielen, mit wundgelaufenen Füßen und zerquetschten Fingern, einzeln herangeschleppt worden. Monatelang mußte jeder Häftling nach Arbeitsschluß einen Felsbrocken mit ins Lager tragen. Einen ganzen Sommer lang mußte sonntags zur Freizeit das ganze Lager Steine schleppen, vom Steinbruch zum Lager, vom Steinbruch zu den Wachttürmen, vom Steinbruch zu den SS- Kasernen. Wehe, wenn ein Stein den Aufsicht führenden SS- Leuten zu klein erschien! Dann setzte es Prügel oder ,, Sport", d. h. Exerzieren bis zum Umfallen für den 8 schach nieren verwe mit T Holzk von z wurde ten u Dräht Nack wenn förml Andr sucht Tägli ihre s zum Trage als un denen und, i Zugm von u durch hinein bei de gibt e durch fande entsc Rege Wer beim Schu muß wett sten wir S furter Wald Berges Nazirs ein rbarei ar die rfetzte sberg vagen, us den Spät wurde Für die unter schien zwei erwalle und mittel uf den itt, an Packtraßen chweiß ngern, äftling en ganSteine WachtStein tzte es Fir den Häftling oder für die ganze Kolonne, bei der er arbeitete. Zum Ausschachten des Untergrundes für die zahllosen Gebäude und zum Planieren des Geländes zwischen den Gebäuden wurden keine Bagger verwendet. Das Erdreich wurde herausgetragen und zum großen Teil mit Tragen abtransportiert. Die Tragen waren viereckige, oben offene Holzkästen, an denen zwei Tragstangen so befestigt waren, daß sie von zwei Häftlingen transportiert werden konnten. Für Strafkolonnen wurden Kästen in besonders großem Format hergestellt. Wir versuchten uns die schwere Last dadurch zu erleichtern, daß wir Stricke oder Drähte an den Stangen befestigten, die wir über die Schultern und den Nacken legen konnten, um die Last mit dem ganzen Körper zu tragen, wenn die Hände die Stangen nicht mehr halten konnten und die Arme förmlich aus den Gelenken zu reißen drohten. Aber das wurde unter Androhung strenger Strafen verboten und konnte nur heimlich versucht werden, indem wir die Stricke durch die Rockärmel führten. Täglich konnte man so lange Kolonnen mit Tragen im Lagerbereich ihre shwere und traurige Arbeit verrichten sehen. SS- Leute bis hinauf zum Lagerführer sorgten dafür, daß bei längeren Transportwegen die Tragen unterwegs nicht zu oft abgesetzt und die Pausen nicht länger als unbedingt nötig ausgedehnt wurden. Nur an den Baustellen, an denen größere Erdmassen bewegt werden mußten, wurden Kipploren und, in seltenen Ausnahmefällen und immer nur für wenige Wochen, Zugmaschinen für die Loren verwendet. Die Regel war, daß die Loren von uns Häftlingen selbst geschoben werden mußten, Berge hinauf, durch Dreck und Schlamm, der mehr als einmal oben in die Schuhe hineinlief, bei glühender Hitze im Sommer und eisiger Kälte im Winter, bei der die Hände an den kalten Eisenteilen anklebten. In Buchenwald gibt es keinen Sandboden, sondern einen mit vielen großen Steinen durchsetzten Muschelkalk. Die Versteinerungen, die wir öfter darin fanden, wurden achtlos beiseite geworfen, konnten sie uns doch nicht entschädigen für den zähen Schlamm, in den sich der Boden bei jedem Regen verwandelte. Dieser Schlamm klebte an den Händen und am Werkzeug, er verbreitete sich von da über die Hosenbeine und Jacken, beim Steinetragen über die Schultern und Mützen, und drang über die Schuhe an die Hosenbeine, die Socken und Unterhosen. Die Sachen mußten dann nach der Arbeit ausgebürstet werden, falls sie bei Regenwetter überhaupt getrocknet werden konnten. Und wenn wir am nächsten Morgen nach dem Ausmarsch an der Arbeitsstelle ankamen, waren wir schon wieder bis an die Kniee bespritzt und verdreckt. 9 Auch die Stämme der vielen gefällten Bäume wurden nicht abgefahren, sondern mußten auf der Schulter weggeschleppt werden. Da gab es Kolonnen von 20-40 Mann, die einen riesigen Eichen- oder Buchenstamm mühsam forttrugen. Die Brocken aus dem Steinbruch wurden bis zum Jahre 1944 in Loren den steilen Abhang hinaufgeschoben. An jeder Lore war ein starkes Seil mit Querstangen befestigt. Zwanzig bis dreißig Mann zogen an diesen Stangen mit Aufbietung aller Kräfte im Gleichschritt die Lore aus dem Steinbruch in die Höhe. Ein besonderes Beispiel sadistischer Lust der SS waren die Fuhrkolonnen. Es gab im Lagerbereich weder Lastautos noch Pferdefuhrwerke, mit Ausnahme der Lieferwagen Weimarer Firmen. Aber es gab hölzerne Kastenwagen, wie sie gewöhnlich für zwei Pferde auf dem Lande Verwendung finden, die von Häftlingen gezogen wurden. Jeder Häftling hatte ein Zugband über einer Schulter quer über die Brust, das mit einer Kette an der gemeinsamen Zugkette in der Mitte der Kolonne befestigt war. Einige schoben und andere griffen bei Steigungen in die Speichen der großen Räder. Einer führte die Deichsel und lenkte den Wagen. Mit diesen Wagen mußten Erde und Steine, Ziegel und Zement, Balken und Stämme, Bauteile und Küchenabfälle, kurz alles das transportiert werden, was von den Trägerkolonnen nicht geschleppt werden konnte. Es gab im Lager vier solche Fuhrkolonnen. Zu dieser schweren Arbeit wurden von der SS nur solche Häftlinge verwendet, die von ihr als besonders minderwertig angesehen wurden, nämlich Juden und russische Kriegsgefangene. Sie wurden streng beaufsichtigt und häufig bestraft, wenn nach der willkürlichen Ansicht eines SS- Angehörigen die Wagen nicht voll beladen waren, wenn sie zu langsam gezogen wurden, oder wenn die Fuhrkolonne nicht exakt genug grüßte und was dergleichen Dinge mehr waren. Ein Grund zur Bestrafung fand sich immer, und eine Verwahrung dagegen gab es nicht. Dann setzte es Kostentzug, Strafarbeit bis in die späten Abendstunden oder sonntags nachmittags und mehr als einmal Prügelstrafe für die ganze Mannschaft. Beim Aufbau des Lagers sorgte die SS in erster Linie für ihre eigene Bequemlichkeit. Der Ausbau des Häftlingslagers wurde hintan gehalten oder nur nach Schluß der offiziellen Arbeitszeit zugelassen. Dagegen mußten die SS- Unterkünfte und Wirtschaftsgebäude, die Kasernen und die zahlreichen ,, Führerhäuser", d. h. Villen für die SSOffiziere, die Heizwerke, die Straßen und Fernheizanlagen, der Lager10 zaun lagen u und be mit Ein Die angriff tärisch Plan z einem bereic nungs befug Sonen Da elekt Drah türm beide räum ganz einer abgen. Da - oder bruch inaufen ben mit bruch Fuhrefuhrzaun mit seinen 23 Wachttürmen, Werkstätten, später Fabrikanlagen und eine Eisenbahnlinie nach Weimar in ständigem Hetztempo, und besonders vor dem Kriege, als es noch keine Verdunklung gab, mit Einlegung von vielen Nachtschichten errichtet werden. es gab Lande - Häftlas mit olonne in die te den ement, transwerden weren Hie von en und häufig örigen ezogen nd was nd sich tzte es onntags Manne eigene an geen. die KaDadie SSLagerFührerhäuser Die fertige Anlage, wie sie in größter Vollständigkeit vor dem Luftangriff der alliierten Luftstreitkräfte auf die Fabrikanlagen und militärischen Anlagen im August 1944 bestand, ist aus dem beigegebenen Plan zu ersehen. Sie bestand aus dem eigentlichen Häftlingslager und einem ausgedehnten dazugehörigen SS- Lagerbereich. Der ganze Lagerbereich war für die Zivilbevölkerung abgesperrt. Auf großen Warnungstafeln wurde dort das Photographieren, wie überhaupt der unbefugte Aufenthalt verboten und bekanntgegeben, daß auf Zivilpersonen ohne Anruf scharf geschossen würde. Das etwa ein Quadratkilometer große Häftlingslager war von einem elektrisch geladenen und nachts durch kleine Lampen erleuchteten Drahtzaun umgeben, an dem in regelmäßigen Abständen 23 Wachttürme verteilt waren. Diese Wachttürme waren dreistöckig. In den beiden unteren Geschossen befanden sich die Aufenthalts- und Schlafräume für die Posten. Das oberste Stockwerk war nach drei Seiten ganz offen und Tag und Nacht von einem SS- Posten besetzt, der mit einer Maschinenpistole bewaffnet war und außerdem ein Maschinen11 gewehr zur Verfügung hatte, das ständig schußbereit ins Lager gerichtet war. Es ist nicht nur einmal vorgekommen, daß Posten aus Langeweile oder Übermut an ihren Waffen herumgespielt haben oder sonst ohne weitere Gründe Schüsse in das Lager abgaben. 1944 ist auf diese Weise ein russischer Kriegsgefangener erschossen worden, der krank in einer Baracke im Bett lag. Die Kugel durchschlug die dünne Holzwand und tötete den ahnungslosen Gefangenen. Die obere Plattform der Türme war durch ein Dach geschützt, auf dem sich ein drehbarer Scheinwerfer befand, mit dem Zaun und Lager abgeleuchtet werden konnten. „ Jede ständ der t zweit waffn die M wohin genug rückt jeden eine reihe ihres und war wen Schr etwa der es P hera an d War Häu der Men kon gen Wachtturm am Zaun ( Die Aufnahmen wurden fast alle nach dem Einmarsch der Amerikaner gemacht) Der Wachtturm Nr. 1 war größer als die übrigen und befand sich unmittelbar über dem Lagertor. Dieses Torgebäude, das nach dem gleichen Plan aller deutschen Konzentrationslager gebaut worden war, verdient wohl eine besondere Schilderung, da mit seinen Einrichtungen und in seinen Räumen das Schicksal vieler Häftlinge entschieden wurde. Unter dem Wachtturm befand sich eine große Toreinfahrt, die mit einem eisernen Gitter abgeschlossen werden konnte. Auf der Außenseite des Tores stand der Spruch: ,, Recht oder Unrecht- mein Vaterland." In dem Gitter waren von innen die Worte zu lesen: 12 an d abe sper alle 193 eine Ma Her So die gen nd sich ch dem en war, htungen schieden ahrt, die Auf der - mein u lesen: er geen aus oder st auf der m, dünne Plattdrehuchtet ,, Jedem das Seine." Im Torweg war ein Schalter eingebaut, an dem ständig ein Blockführer Dienst machte und jeden Häftling aufschrieb, der tagsüber das Tor passierte. Zu seiner Unterstützung stand ein zweiter Blockführer im Torweg selbst, der meist mit einem Stock bewaffnet die Häftlinge anhielt und zum Fenster verwies. Jeder mußte die Mütze ziehen und in strammer Haltung melden, woher er kam und wohin er wollte, besonders für Ausländer eine schwierige Aufgabe. Oft genug setzte es dabei Prügel und Schimpfworte. Morgens und abends rückten durch dasselbe Tor die großen Arbeitskolonnen aus und ein, jeden Tag mehrere tausend Häftlinge. Dann standen rechts und links eine Anzahl Blockführer, die die Reihen zählten. Es wurde in Fünferreihen durchmarschiert. Die Arbeitskommandos mußten auf Befehl ihres Kapos die Mützen abnehmen und dieser selbst mußte voraneilen und die Stärke des Kommandos melden. Dieser einfache Durchmarsch war für viele Häftlinge täglich ein neues Schreckensmoment. Wehe, wenn du ein Kommando überhörtest, wenn du nicht den richtigen Schritt hattest, wenn an deiner Kleidung oder an deinem Haarschnitt etwas auffiel, wehe wenn der Blockführer schlechte Laune hatte oder der Lagerführer betrunken war, was nicht selten vorkam. Dann setzte es Prügel, Fußtritte und Peitschenhiebe, dann wurden einzelne Opfer herausgeholt, geohrfeigt oder über den Bock gelegt und anschließend an die Wand oder im Torweg zwischen das geöffnete Gitter und die Wand gestellt. Dort mußten sie dann den ganzen langen Tag stehen. Häufig aber auch noch während des Appells und bis zum Einbruch der Nacht. Wie oft haben wir beim Aus- oder Einrücken solche arme Menschen stehen sehen, die sich kaum noch auf den Beinen halten konnten, mit hängendem Kopf und merkwürdig schlaff herunterhängenden Armen. Manchmal waren sie mit einer Kette oder Handschelle an das Torgitter oder an ein Fenster angeschlossen und hingen dann abends nur noch an diesem einen hochgereckten Arm, mit einer gespensterhaft bleichen ins Leere greifenden Hand. Unvergessen wird allen der Anblick eines älteren bärtigen Juden sein, der im November 1938 mit beiden ausgestreckten Armen wie ein Gekreuzigter dort an einem Fenstergitter angekettet worden war. Er war ein kräftiger Mann Anfang 50 und trug noch seinen dunkelbraunen Zivilanzug. Das Hemd war am Kragen aufgerissen, die Krawatte seitlich verschoben. So war er nachts angekettet worden, so hing er einen ganzen Tag und die ganze folgende Nacht und wurde erst am folgenden Vormittag abgenommen, als er bereits verschieden war. 13 Lagertor mit Blick nach dem Kommandanturbereich In d spreche wurden Freien spreche Werkst tönen die wir JEDEM DAS SEINE ans To auf die Entlas ten, w bestell seur fü nach d die Gu sten B heimli Lager bekom Satzte nichts vogel, in den mit an immer Vom Lager aus rechts schloß sich an die Toreinfahrt der niedrige Bunker an, ein Bau mit etwa 20 schmalen Arrestzellen, in dem die SS fern von jeder Kontrolle ihre sadistischen Verhöre und Folterundurchführen konnte, von denen an anderer Stelle berichtet werden soll. Viele von den Kameraden, die in den Bunker kamen, sind lebendig nicht wieder herausgekommen. gen Auf der anderen Seite der Durchfahrt lagen Büro- und Aufenthaltsräume der SS. Hier befand sich insbesondere der Raum des Rapportführers und des Lagerführers, die die gesamte Verwaltung des Lagers unter sich hatten, ferner die Räume des Arbeitseinsatzführers und Arbeitsdienstführers, die die Arbeitseinteilung und-verteilung beaufsichtigten. Von ihnen hing das Schicksal aller Häftlinge insofern ab, als letzten Endes sie bestimmten, in welchem Kommando jeder zu arbeiten hatte und ob und wohin jemand auf Transport geschickt werden sollte. 14 uns in gegen durch Gewa Dir auf d noch erst z für an 1939 dort große inner edrige em die terunwerden lebenthaltsapportLagers ers und beaufern ab, eder zu eschickt In diesen Räumen befand sich auch die Zentrale der Großlautsprecheranlage, durch die Befehle an das gesamte Lager ausgegeben wurden. Das Mikrofon konnte im Raum des Rapportführers oder im Freien aufgestellt werden. Über dem Tor waren zwei Riesenlautsprecher für den Appellplatz angebracht und in jeder Baracke und Werkstatt Zimmerlautsprecher, die Tag und Nacht ihre Stimme ertönen ließen. Wir werden sie nicht vergessen, diese Befehlsstimmen, die wir nur zu schnell unterscheiden lernten, die uns zum Appell und ans Tor riefen, und die wir so oft verwünscht und verflucht haben, auf die wir klopfenden Herzens horchten, wenn einzelne wenige zur Entlassung aufgerufen wurden und mit angespanntem Atem lauschten, wenn andere zur Bestrafung oder gar zur letzten Aburteilung bestellt wurden. Dazwischen kamen die täglichen Rufe nach dem Friseur für den Kommandanten, nach dem Kalfaktor für den Lagerführer, nach dem LA 1 und der Schreibstube, nach Blockältesten und Kapos, die Gutes oder Schlimmes bedeuten konnten und oft Anlaß zu schwersten Befürchtungen oder wildesten Parolen bildeten, die wir uns nur heimlich gegenseitig zuzuflüstern wagten. Da wurde immer von einer Lagerordnung geredet, die kein einziger Häftling jemals zu Gesicht bekommen hat und von Bestrafungen, die alle nur zu genau kannten. Satzteile wie: ,, Arsch voll- wird exemplarisch bestraft- morgen nichts zu fressen- aber im Laufschritt-". Schimpfworte wie: ,, Mistvogel, Sauhund, Arschlöcher"; einzelne Sätze wie: ,, Der Stubendienst in den Wald, den Vogel suchen!"; wenn ein Häftling beim Appell nicht mit angetreten war, oder später, als die Luftangriffe auf Deutschland immer mehr zunahmen: ,, Feuerwehr und Sanitrupp ans Tor!" werden uns immer wieder im Ohre nachklingen. Welchen Jubel lösten dagegen die Worte unseres Lager ältesten am 11. April 1945 aus, als er durchrief: ,, Kameraden, das Lager ist befreit, die SS ist verjagt, die Gewalt befindet sich in unseren Händen!" Direkt vor dem Tor im Lager erstreckt sich ein riesiger Appellplatz auf dem bequem 20000 Mann antreten konnten. Er war ursprünglich noch einmal so groß geplant gewesen, aber bei Ausbruch des Krieges erst zur Hälfte fertiggestellt. Die andere Hälfte wurde dann später für andere Zwecke verwendet. Dort befand sich im Herbst und Winter 1939 das berüchtigte Polenlager, worüber später berichtet wird, und dort wurde 1940 das Krematorium mit der Leichenhalle und 1942 große hölzerne Werkstattbaracken erbaut, in denen- wohlgemerkt innerhalb des eigentlichen Wohnlagers- Kriegs- und Rüstungserzeug15 nisse hergestellt wurden. Am entgegengesetzten Ende des Appellplatzes waren gleichfalls drei große Holzbaracken für Werkstätten errichtet worden und dazu die sogenannte Häftlingskantine. Ein reiner Renommierbau, der im Gegensatz zu den anderen Bauten mit großen Unterbrechungen äußerst langsam von einem kleinen Kommando errichtet und erst fertiggestellt wurde, als Deutschland bereits so heruntergewirtschaftet war, daß es dort nichts mehr zu kaufen gab und zu kaufen geben konnte. Auf jedem Briefbogen und auf jeder Karte, die wir schreiben durften, stand zu lesen: ,, Im Lager kann alles gekauft werden", aber das ,, alles" bestand zuletzt nur noch aus einer großen Tafel, die von den dort beschäftigten Häftlingen in dem Verkaufsraum aufgestellt war und auf der in 8 Sprachen zu lesen stand ,, ausverkauft". Unterhalb des Appellplatzes befanden sich, wie der Lagerplan zeigt, die eigentlichen Wohnbaracken, die in leicht gekrümmter Linie in Reihen zu je fünf nebeneinander lagen. Die ersten sechs Reihen bestanden aus Holzbaracken, dann folgten drei Reihen zweistöckiger Steinbauten, in denen je doppelt so viel Häftlinge untergebracht waren. Diese Baracken oder Blocks, wie sie genannt wurden, waren mit den Nummern von 1-50 versehen. Nicht alle dienten Wohnzwecken, sondern nur 43, 13 davon waren massive Steinblocks. In diesen 43 Baracken waren gegen Ende des Krieges etwa 25000 Mann zusammengepfercht. Nach Osten zu schlossen sich an jede Reihe der Wohnblocks je ein Werkstatt- oder Wirtschaftsgebäude an. Unter anderem das Lebensmittelmagazin, die Küche mit einem großen Kartoffelkeller, die Wäscherei und das Kammergebäude mit einer Desinfektionsanlage. Zu beiden Seiten erstreckten sich den Zaun entlang bis zum unteren Ende des Lagers die großen Flächen der Gärtnerei. Die Gewächshäuser und das Hauptgebäude der Gärtnerei lagen auf der östlichen Seite des Lagers. Es wird später noch berichtet werden, welch ein fürchterliches Kommando die Gärtnerei darstellte und wie sie zuletzt zu einer Strafabteilung wurde, die fast noch mehr gefürchtet war als der berüchtigte Steinbruch. Hier herrschte der Knüppel uneingeschränkt, hier führte die SS selbst bis zuletzt eine strenge Aufsicht und überbot sich an Demütigungen und Quälereien ihren machtlosen Sklaven gegenüber. Gleichfalls im Osten des Lagers lag unterhalb der Gärtnerei eine große Kläranlage, deren Bau allerdings erst 1943 in Angriff genommen 16 wurde, Werksta richtung An der Höhe d bestand die sich Wohnb die Kra Bürorä Es ist der Ha Bucher unbedi war. D vergrö den La die Ge mit. ,, 0 geschri Ausbau rissen die Hä den Be von ihr cher V druck. wurde Mit Schwe und b richte Säue Meng wurde betru führt. Häft lingsl Appellten erreiner großen ndo erso herab und Karte, lles ge s einer em Vern stand an zeigt, Linie in bestanr SteinI waren. mit den wecken, diesen 0 Mann Leihe der 1. Unter großen mit einer en Zaun chen der lagen auf werden, und wie gefürchKnüppel enge Aufen macht. nerei eine enommen wurde, als Buchenwald mit seinen 30000,, Einwohnern", mit seinen Werkstätten und Fabrikanlagen nicht mehr ohne eine solche Einrichtung existieren konnte, ohne die ganze Umgebung zu gefährden. An der anderen Seite des Lagers befand sich, etwa in der gleichen Höhe des Lagers, der Krankenbau und der Schweinestall. Lange Zeit bestand das Revier nur aus zwei Holzbaracken von normaler Größe, die sich nur durch die Aufteilung der Räume im Inneren von den Wohnbaracken unterschieden. In diesen Baracken waren nicht nur die Krankenräume, sondern auch die Diensträume der SS- Ärzte, die Büroräume, die Operationszimmer, die Apotheke usw. untergebracht. Es ist klar, daß die Einrichtungen bei der ständig zunehmenden Zahl der Häftlinge von Anfang an gänzlich unzureichend waren. Solange Buchenwald bestanden hat, mußten buchstäblich täglich Kranke, die unbedingt ins Bett gehörten, weggeschickt werden, weil kein Bett frei war. Die Revierbauten wurden zwar im Laufe der Jahre vermehrt und vergrößert, aber nur im ständigen zähen Kampf mit der widerstrebenden Lagerführung. Ganze Baracken wurden schwarz gebaut, d. h. ohne die Genehmigung durch die entscheidenden Dienststellen in Berlin mit. ,, organisiertem" Material. Handwerker wurden tagelang krank geschrieben, damit sie heimlich die notwendigen Reparaturen und Ausbauten vornehmen konnten. Manches mußte sogar wieder abgerissen werden, wenn es die Lagerführung für Luxus und für zu gut für die Häftlinge hielt. Das alles hinderte die SS jedoch nicht, jeden fremden Besucher durch das Revier zu führen und seine Einrichtungen als von ihnen selbst vorsorglich geplant und aufgebaut hinzustellen. Mancher von ihnen ließ sich täuschen und verließ das Lager mit dem Eindruck, daß für die Gefangenen, die als Schwerverbrecher geschildert wurden, vorzüglich gesorgt sei. Mit ungleich größerem Interesse verfolgte die SS den Aufbau des Schweinestalles, kamen doch die Tiere vor allem auf den Tisch der SS und besonders ihrer Führer. Ein großes festes Steingebäude war errichtet worden und die Stallungen für Ferkel, Jungschweine, Eber und Säue wurden nach den modernsten Vorbildern erbaut. Durch die Menge der Abfälle aus der Küche, die oft noch künstlich vermehrt wurden, war es möglich, den Bestand immer weiter zu vergrößern. Er betrug zuletzt 800 Stück. Über jedes Tier wurde sorgfältig Buch geführt, denn hier durfte es keine unbekannten Toten geben, wie bei den Häftlingen, und hier durften keine Seuchen ausbrechen, wie im Häftlingslager. 8 17 Gegenüber des Krankenbaus war im Sommer 1941 eine große hölzerne Halle aufgestellt worden, die vorher außerhalb des Lagers als Turnhalle für die SS gestanden hatte. Im Herbst 1941 wurde sie zum erstenmal für Kinovorstellungen benutzt und seitdem galt sie als Kinohalle schlechthin, wenn sie auch oft für ganz andere Zwecke benutzt wurde und die Vorstellungen viele Monate hindurch ausfielen. Einzelne Häftlinge hatten das Geld für einen Schmalfilmapparat gespendet, vielen Stätt Zweck nacht oft z abges lange Inneres einer Baracke im kleinen Lager und nach langem Zögern hatte sich die Lagerführung endlich bereitgefunden, das Material zum Einbau der notwendigen Einrichtungen zu bewilligen. Handwerker hatten es übernommen, sie in ihrer Freizeit einzubauen, und die Häftlinge der Photoabteilung übernahmen neben ihrer sonstigen Arbeit die Vorführung der Filme und die Organisation der Veranstaltungen. Die SS fand sich bereit, in gewissen Abständen Filme leihweise zu besorgen und verstand es, sich auf diese Weise eine recht gute Einnahmequelle zu verschaffen. Die alten und meist schon ganz abgespielten Filme, die wir zu sehen bekamen, kosteten etwa 30 bis 35 RM Leihgebühr. Dafür mußten wir anfangs 50 Rpf, später 20 Rpf Eintritt zahlen, was bei einer Gesamtbesucherzahl von wenigstens 10000 eine ansehnliche Summe ergab, die als Reingewinn der SS ungeteilt zugute kam. Trotz der Freude, die 18 mar voll und Ra Z ers zur La Do me ka Le tal 2. je höl- ers als je zum - jenutzt inzelne endet, ı bereit- htungen ‚er Fre ‚nahmen | Organi- vielen von uns die Filme machten, bedeutete die Kinohalle selbst keine Stätte ungeteilter Heiterkeit. Oft wurde die Halle auch für andere° Zwecke benutzt. Hier wurden Massenzugänge untergebracht oder nachts vor dem Abtransport die großen Transporte gesammelt, die oft zu schwerer Arbeit oder gar zur Vernichtung in andere Lager abgeschoben wurden. Noch ehe die ersten Filme liefen und noch lange Zeit nach der„Eröffnung“ wurden auf Anordnung des Kom- Teil des kleinen Lagers von einer Krankenbaracke aus gesehen mandanten Koch in der Kinohalle die grausamsten Lagerstrafen vollstreeckt Der Bock hatte dort jahrelang seinen ständigen Platz, und das Stöhnen und Schreien der Gefolterten erfüllte oft den Raum. Zwischen der Kinohalle und der untersten Reihe der Steinblocks erstreckte sich quer durch das ganze Lager vom Revier im Westen bis zur Gärtnerei und der Kläranlage im Osten das sogenannte„Kleine Lager‘, für die Masse der Häftlinge wohl die furchtbarste Einrichtung. Dort sind buchstäblich tausende Menschen inmitten einer eng zusam- mengepferchten Masse von Mitgefangenen, einsam, unbeachtet und kaum gepflegt, gestorben, und dort sind unter den fürchterlichsten Lebensbedingungen Zehntausende zu einer Stufe stumpfen und bru- talen Tierseins herabgedrückt und erniedrigt worden, deren Nachwir- 2° 19 kungen den Weg zu echter Güte und Menschlichkeit wohl noch längere Zeit versperren wird. 99 Auf dem freien Gelände, das uns einmal als Fußballplatz diente, wurden im Frühsommer 1942 die ersten Vorbereitungen zum Bau von Baracken getroffen. Bald trafen die Bauteile ein und uns allen überlief bei ihrem Anblick ein Grauen, konnten wir uns doch nur zu gut vorstellen, was es bedeuten würde, in diesen Baracken hausen zu müssen. Es waren nicht normale Wohnbaracken, sondern große Ställe, ohne abgeteilte Räume im Inneren und mit je nur einem Tor an jeder Schmalseite an Stelle von Türen. Diese tatsächlich als Pferdeställe geplanten Holzbauten hatten keine Fenster und erhielten ihr Licht nur von kleinen, mit Drahtglas versehenen Luken. In der Mitte dieser Ställe wurde ein schmaler, durchgehender Gang freigelassen, rechts und links davon an Stelle der Stände für das Vieh in drei bis vier Stockwerken übereinander große Boxen eingebaut, große rechteckige Kästen aus rohem Holz, mit starken Pfählen an den vier Ecken. In jeden solchen Kasten wurden dann ohne Strohsäcke, mit höchstens zwei, oft nur mit einer Decke 8-12 Mann zum Schlafen und zum Wohnen" hineingestopft. Hygienische Einrichtungen waren in diesen Blöcken nicht vorgesehen. Es gab darin keine Wasserleitung und nur einfache Öfen verbreiteten im Winter in ihrer unmittelbaren Umgebung etwas Wärme. Zum Waschen und Austreten mußte man die Baracke verlassen. Primitive Waschgelegenheiten und noch primitivere Latrinen waren im Freien und in einem viel zu kleinen groben Steinbau in der Mitte des kleinen Lagers angebracht. Handtücher waren ein unbekannter Luxus. Es läßt sich denken, daß trotz strengster Maßregeln und sorgfältiger Reinigung der Baracken keine wirkliche Sauberkeit zu erreichen war. Ungeziefer wurde eingeschleppt und war einfach nicht mehr auszurotten. Niemand hatte eine Stelle, wo er seine Privatsachen unterbringen konnte. Diebstähle waren infolgedessen an der Tagesordnung, und die meisten legten ihren aus Abfällen selbst zusammengeflickten Brotbeutel mit etwas Wäsche, einem Stück Bindfaden, einigen Blatt Papier oder ähnlichen unentbehrlichen Dingen, mit einigen sorgfältig gehüteten Krümchen Tabak und evtl. einem aufgesparten Rest an Brot nachts unter ihren Kopf und schleppten ihn tagsüber mit auf den Appellplatz und zur Arbeit, wobei sie Gefahr liefen, deswegen ,, aufzufallen" und bestraft zu werden. Eigene Eẞschüsseln gab es nicht. Hatte einer seine Wasser suppe hinuntergeschlungen, gedrängt von dem Nächsten, der auf die Schüssel wartete, ganz 20 20 SCHWEINE STALL 0 e, wo n die imitiroben ücher Creng wirkt und SCHWEINESTALL tälle jeder tälle, echts ieser t nur n. In ckige vier stens iesen zum Umnur GARTNEREI gere ***** о 0000 00000 0000000 0 0 GARTNEREI SDB 62 KINO V 1 56 57 58 KLEINES LAGER 59][ 60 51 52 53 5+ 1551 ****** VAB V 97 24 3 WAA PESIN ° 0 0 O 8 1377 38 769 147 30 31 32 33 WASHE FEKTION 34 25 26 27 28 29 KETER WARTOFFEL 19 20 21 22 23 4 15 16 SA WERKE DEUTSCHE AUSRÜSTUNGS DAW 8 9 10 18 0 0 ° 2 3 4 12 5 OPTIK D OPTIK OPTIK SCHL REI ELEKTRIKER KREM 0 PFERDESTALL NACH DEM STEINBRUCH TOR HIER BEFANDEN SICH DIE 55- KASERNEN HOLZBARACKEN STEINBLOCKS 21 22 0 ZELLENBAU HAUPTEIN 0 KOMMANDANTUR GARAGE 0 ° 0 0 O о O • KONZENTRATIONSLAGER BUCHENWALD SKIZZE E. RICHTER BAHNHOF BUCHENWALD UND RÜSTUNGSBETRIEB GUSTLOFF WERKI HAUPT WACHE POST so wurde die Schüssel ungespült sofort weiter benutzt, denn es gab kein Wasser und keine Gelegenheit, die Schüsseln zu reinigen. Schnell aber mußte es gehen, um mit der geringen Zahl von Schüsseln alle Insassen der Baracken in der kurzen, dafür zur Verfügung stehenden Zeit abspeisen zu können. Glücklich derjenige, der wenigstens einen unterg drahtz teilt. I planie bei Re große in den versch ohne d oder d In d sentra hin w abgeso Diebst diszip Befrei mand gebra dem schick Körpe wenn sich z Fälle noch No Häftl unter Somm wurd Meist körperlich in noch schlechterem Zustand kamen die Massentransporte ins kleine Lager Löffel und einen Trinkbecher besaß. Es ist klar, daß diese Zustände die Gefahr von Ansteckungen und Seuchen ungeheuer vergrößerte, und daß die vielen, vielen Todesfälle infolge von Magen- und Darmleiden mit darauf zurückzuführen waren, daß das an sich schon unzureichende Essen unter solchen unhygienischen und unbekömmlichen Verhältnissen verzehrt werden mußte. Im kleinen Lager gab es zwölf solche Baracken. In jeder waren zeitweise bis zu 1500 Häftlinge- also mehr als ein ganzes Regiment- 22 22 zu 60 ander schlaf Lager bearb von M stens linge ustände ößerte, Darmh schon ekömmr waren giment- gab hnell le Inenden einen untergebracht. Das kleine Lager war von einem doppelten Stacheldrahtzaun umgeben und in sich wieder in mehrere Abschnitte aufgeteilt. Die Fläche zwischen den Baracken wurde erst ganz allmählich planiert und mit Packlager versehen; Kanalisation gab es keine, und bei Regenwetter verwandelte sich das kleine Lager noch mehr als das große schnell in eine Schlammfläche. Es läßt sich nur andeuten, wie es in den Baracken aussah, wenn nach Schluß der Arbeitszeit 1500 müde, verschmutzte und durchnäßte, hungrige Menschen in sie zurückkehrten, ohne die Möglichkeit, sich zu säubern und ihre Sachen zu trocknen oder dieselben zu wechseln. In das kleine Lager kamen alle Neuzugänge, insbesondere die Massentransporte, auch solche aus anderen Lagern zur Quarantäne. Dorthin wurden in den letzten fürchterlichen Monaten diejenigen Elemente abgeschoben, die das große Lager durch ständige Unsauberkeit, durch Diebstahl und andere grobe Verstöße gegen die notwendige Lagerdisziplin gefährdeten. Dorthin wurden in den letzten Tagen vor der Befreiung alle die getrieben, die von westlich gelegenen Außenkommandos bei Annäherung der Amerikaner in das Stammlager zurückgebracht wurden und oft vom Marsch und Transport geschwächt und dem fürchterlichen Erleben unterwegs verstört waren. Dorthinein schickten die SS- Ärzte aber auch alle Invaliden und Arbeitsunfähigen. Körperlich entkräftet, waren sie dort dem sicheren Untergang geweiht, wenn sie nicht selbst die Energie und den Lebensmut aufbrachten, sich zusammenzuraffen. Für besonders hartnäckige und lang dauernde Fälle hatten die SS- ,, Ärzte" im Invaliden- und Krankenblock Nr. 62 noch die Giftspritze bereit. Noch schlechter als die Insassen des kleinen Lagers hatten es die Häftlinge im Zeltlager, das zum kleinen Lager gehörte. Bei den ununterbrochenen Massenzugängen reichten die Stallbaracken schon im Sommer 1944 nicht mehr aus. Neues Gelände innerhalb des Lagers wurde umzäunt und zwei große Zelte aufgeschlagen, wo zeitweise bis zu 6000 Mann untergebracht wurden. Sie mußten einer neben dem anderen, mit nur einer Decke versehen, auf dem blanken Boden schlafen. Dabei war Material im Lager vorhanden. Damals war der Lagerälteste bei der zum Lager gehörigen DAW, einer riesigen Holzbearbeitungsfirma, vorstellig geworden, die Holz und Bretter im Werte von Millionen im Freien lagern hatte. Er hatte darum gebeten, wenigstens soviel Bretter leihweise zur Verfügung zu stellen, daß die Häftlinge nicht auf der nackten Erde zu liegen brauchten. Die Bitte wurde 23 abgelehnt, aber wenige Tage später brannte bei einem Luftangriff auf die zum Lager gehörenden Werkstätten und Fabriken in wenigen Stunden der gesamte dort lagernde Holzvorrat nieder. wurden morgens Wie viele Häftlinge im kleinen Lager gestorben sind und wie viele umgebracht wurden, läßt sich nicht feststellen. Ein Drittel bis zur Hälfte aller als verstorben registrierten Häftlinge, also bis 15000, dürfte nicht zu hoch gegriffen sein. Die Leichen der Verstorbenen zwischen den noch Lebenden herausgezogen, vor den Blöcken aufeinandergelegt und nach Registrierung der Namen ohne umständliche Totenschau zum Krematorium abtransportiert. Die ihm etwa noch gehörenden brauchbaren Gegenstände und Kleidungsstücke hatten schon vorher ihren Besitzer gewechselt. Wir waren alle abgestumpft. Keinem fiel es ein, vor einem Toten die Mütze zu ziehen. Es waren Menschen aus fast allen Ländern der Welt und aus allen Erdteilen, die diese Leiden im kleinen Lager und im Zeltlager ertragen mußten. Juden, Deutsche, Ausländer, Menschen aus Wladiwostok und aus Texas, Norweger und Italiener, die Angehörigen der westlichen Völker, von Holland, Belgien, Frankreich, Spanien und Portugal und daneben die aller Balkanstaaten bis nach Griechenland; Asiaten aus Usbekistan und der Mongolei, Neger aus Afrika, Insulaner aus Holländisch- Indien und Südamerikaner, Inder, Chinesen, Australier und mehrere Kanadier. Alle sind sie durch diese Hölle hindurchgegangen, sie sind dadurch härter geworden und alle werden die Erinnerung daran und die Schuld Deutschlands hinaustragen und über die ganze Erdkugel verbreiten. eine g den L Vo Carac Wohn Die Tem Buchenwald bestand nicht nur aus dem Häftlingslager. Wie ein Blick auf den Plan zeigt, bedeckten die Anlagen für die SS und die Rüstungswerkstätten wenigstens doppelt soviel Fläche. Hier mögen einige kurze Erklärungen genügen, um den Plan zu erläutern. Im Osten befand sich unmittelbar neben den Wohnblocks, noch innerhalb des Drahtzaunes, aber vom eigentlichen Lager durch einen elektrisch geladenen Zaun getrennt, das Gelände der Deutschen Ausrüstungswerke, kurz DAW genannt. Dort befanden sich ein riesiges Holzlager, große Werkstatthallen, ausgestattet mit modernen Maschinen für Holzbearbeitung, eine Schlosserwerkstatt, eine Elektrowerkstatt und 24 mul Ital Car was Jah der Sch hat geb Hu griff auf wenigen vie viele bis zur 15000, orbenen vor den en ohne Die ihm gsstücke lle abgeehen. Es len Erdertragen diwostok restlichen ugal und iaten aus aner aus Australier ndurchgee Erinneüber die eine große Zimmerei und Malerwerkstatt. Bis zur Zerstörung durch den Luftangriff arbeiteten dort rund 2000 Häftlinge. Vom Lagertor aus erstreckte sich bis zur Straßenkreuzung der Carachoweg, an dem die wichtigsten Verwaltungsgebäude und die Wohnbaracken des SS- Kommandanturstabes lagen. Diese Straße trug ihren Namen mit Recht nach dem wahnsinnigen Wie ein S und die er mögen utern. Im innerhalb elektrisch srüstungsHolzlager, chinen für kstatt und Blick vom Postenweg nach Norden Tempo, in dem sie und die dort liegenden Gebäude erbaut werden mußten. Caracho stammt aus den faschistischen Konzentrationslagern Italiens und heißt auf deutsch etwa Tempo, Eile, Bewegung. ,, Im Caracho" schrien die SS- Leute, und nur zu schnell lernte jeder Zugang, was darunter zu verstehen war. Diese Anlagen wurden schon im ersten Jahr des Bestehens von Buchenwald angelegt, und jedem Häftling, der damals dabei war, werden die Schläge, das Blut, der Schweiß, die Schmerzen, die Müdigkeit und die Erschöpfung, die der Bau gekostet hat, unvergessen bleiben. Als nächstes wurden die Hundertschaften gebaut, zweistöckige Kasernenbauten, in denen vor dem Krieg je eine Hundertschaft des Totenkopfverbandes ,, Thüringen" untergebracht 25 55 war. Das dazugehörige Wirtschaftsgebäude enthielt einen großen Speise- und Versammlungssaal und die SS- Küchen und Kantinenräume. Auch mit dem Bau der Truppengarage und der Reparaturwerkstätten wurde schon lange vor dem Kriege begonnen. Auch sie sind bei dem Angriff vollständig zerstört worden. Das SS- Revier und die großen mehrstöckigen Kasernenbauten mit zwei großen Fernheizwerken sind dagegen erst während des Krieges erbaut worden. Der Pferdestall, in welchem später die hinterlistige und feige Genickschußanlage eingebaut wurde, über die noch ausführlich berichtet werden wird, war schon vor dem Krieg fertig. Die dicht daneben liegende große Reithalle muẞte mitten in dem eisigkalten ersten Kriegswinter fertiggestellt werden, da die Frau Kommandant dort ihre Reitstunden fortzusetzen wünschte. Bei dieser Arbeit hat manch einer Hände und Füße erfroren. Beim Einsturz eines Gerüstes, das wegen der strengen Kälte nicht fest genug erbaut werden konnte, sind mehrere Häftlinge tödlich verunglückt. Mit dem Bau der Führerhäuser, die am südwestlichen Rand des Lagers liegen, wurde natürlich schon in der ersten Zeit des Bestehens von Buchenwald begonnen, und es ist ebenso natürlich, daß sie bis zum Schluß immer noch vermehrt und verbessert wurden. In dem Abschnitt über die Korruption der SS wird einiges darüber nachzulesen sein, wie an diesen Bauten, ihrer Ausstattung und Einrichtung Staatsgelder vergeudet und verschoben wurden, und was darüber hinaus dort alles schwarz gebaut und eingerichtet werden mußte, von dem die höheren Dienststellen offiziell nichts wissen durften. Besonderes Interesse verdient wohl der benachbarte Falkenhof. Dort wurde an einem dicht bewaldeten Berghang für reine Privatzwecke der höchsten SS- Führer ein Gehege für Raubvögel und Falken errichtet, das an sinnloser Verschwendung wohl seinesgleichen sucht. Die hohen Tiergehege wurden in der Art von Blockhäusern aus dicken Kieferstämmen zusammengesetzt, als sollten dort Stiere und Raubtiere gefangengehalten werden. Für den Falkner als Verwalter des Ganzen wurde ein besonderes Einfamilienhaus innerhalb der Umzäunung erbaut. Schließlich wurden tatsächlich Falken beschafft und dressiert, mit denen die Frau Kommandant mit höheren Offizieren und auswärtigen SS- Führern, wie z. B. mit Eicke, dem Inspekteur der deutschen Konzentrationslager, auf bestens gepflegten Reitpferden zur Falkenjagd ausritt, zum Fang von Raubvögeln, die auf dem Ettersberg noch vereinzelt vorkamen. Diese Jagdausflüge boten ein 26 so aufreiz hinnahm Mitten Kriege i Feudalis Ähnlichk Jagdhaus Namens wurde. A Blockhau Fliesen a mit hand weihe un sollte die gnügend Krieg fe Dafür m einzieher strengst Personer Häftling Dort wu mit sein Gamelin Namen Für garage und mit den übe nen Ga waren. samen wurden und hi worden Zum Werke Luftan zerstör I n Spei- räume, stätten ei dem großen en sind stall, in > einge- rd, war je Reit- -fertig- en fort- ‚de und trengen äftlinge üdwest- r ersten ebenso nd ver- S5 wird Ausstat- wurden, erichtet | nichts of, Dort tzwecke Iken et n sucht. s dicken j Raub- Iter des Umzäu- afft und ffizieren ‚pekteur ipferden uf dem oten ein so aufreizendes Bild, daß sich sogar die SS-Posten, die so vieles gläubig hinnahmen, darüber empörten. Mitten in den Vorbereitungen des fürchterlichsten aller bisherigen Kriege imitierten diese elenden Verbrecher einen mittelalterlichen Feudalismus, mit dem sie höchstens als Raubritter eine sehr entfernte Ähnlichkeit aufweisen konnten. Das Tollste an Bauten aber war das Jagdhaus Hermann Görings, das ausdrücklich unter Nennung dieses Namens neben dem Tiergehege innerhalb des Falkenhorstes erbaut wurde. Aus dicken, vielhundertjährigen Eichenstämmen wurde ein Blockhaus errichtet, das in seinem Inneren einen getäfelten, innen mit Fliesen ausgestatteten Raum im altdeutschen Stil enthielt. Ein Kamin mit handgeschmiedetem Gitter, ebensolche Beleuchtungskörper, Ge- weihe und andere Jagdtrophäen gehörten zur Ausstattung. Alles dies sollte die Atmosphäre schaffen für Jagdfrühstücke und ähnliche Ver- gnügen des Reichsjägermeisters. Der Raum wurde erst kurz vor dem Krieg fertig, und wahrscheinlich ist Göring niemals darin gewesen. Dafür mußten später andere unfreiwillige Gäste in den Fichtenhain einziehen. Dort, isoliert vom übrigen Lagerbereich, wurden unter strengster Geheimhaltung auch gegenüber der SS ganz prominente Personen gefangen gehalten. Nur in ganz seltenen Fällen kamen einzelne Häftlinge als Handwerker mit diesen Insassen in entfernte Berührung. - Dort wurde z. B. zeitweise Leon Blum festgehalten und Breitscheid mit seiner Gattin. Dort haben sich Oberst Galland, Daladier und Gamelin befunden und wahrscheinlich noch einige andere, deren Namen nicht festgestellt werden konnten. Für prominente Staatsgefangene war in der Nähe der pen garage eine frühere Wohnbaracke der SS in Einzelräume aufgeteilt und mit einer hohen, lückenlosen Mauer umgeben worden. Hier wur- den über hundert rumänische Inllektetuelle festgehalten, die zur Eiser- nen Garde gehörten und vor Antonescu nach Deutschland emigriert waren. Hier befand sich zeitweise die Familie Gördeler nach der grau- samen Hinrichtung des früheren Oberbürgermeisters von Leipzig, hier wurden vorübergehend bekannte französische Politiker untergebracht, und hier war auch die Prinzessin Mafalda von Italien festgehalten worden. Zum Ende dieses Abschnittes noch einige Worte über die Gustloff- Werke, diese riesige, moderne Rüstungsfabrik, die das Hauptziel des Luftangriffes am 24. August 1944 gewesen ist und dabei vollständig zerstört worden ist. Mit ihrem Bau, wie mit dem Bau der Eisenbahn 27 nach Weimar, wurde im Sommer 1942 begonnen. Zwei Jahre später waren 13 riesige Fabrikhallen in Betrieb, in denen etwa 5000-6000 Häftlinge beschäftigt waren, die in zwei Schichten Tag und Nacht arbeiten mußten. Hergestellt wurden in der Hauptsache Lafetten für Feldgeschütze, automatische Gewehre, Revolver und Einzelteile für die V- Waffen, deren Bau in der Hauptsache von der SS mit Zwangsarbeitern in Buchenwald und seinen Außenlagern betrieben wurde. Wie dort gearbeitet und wie dort sabotiert wurde, ist an anderer Stelle nachzulesen. Das war Buchenwald, das war die Anlage dieses riesigen Konzentrationslagers, wie es die oberste SS- Führung mitten in Deutschland hatte aufbauen lassen. Wer die Sklaven waren, die dort meist jahrelang gefangen gehalten, ausgenutzt und vernichtet wurden, zeigt das nächste Kapitel. Dr. Gerhard Harig, Leipzig, Buchenwald- Häftling Nr. 173 Wer waren die Häftlinge in Buchenwald? Von den SS- Verbrechern wurde jahrelang behauptet, in den Konzentrationslagern befänden sich lediglich kriminelle und asoziale Elemente, von denen das deutsche Volk befreit werden müsse. In Wirklichkeit waren, vor allem in den ersten Jahren ihres Bestehens, Antifaschisten und Hitlergegner, Mitglieder und Funktionäre der verbotenen kommunistischen und sozialdemokratischen Partei, der Gewerkschaften und Sportverbände sowie der Kulturorganisationen der Arbeiterschaft dort eingesperrt, um sie mundtot zu machen und schließlich auszurotten. Ihr Verbrechen bestand darin, daß sie ihre Stimme gegen Hitler und den Faschismus erhoben, die Organisationen der Arbeiterschaft trotz Verbot weiterführten und dem verblendeten deutschen Volke sagten, daß Hitler den Krieg bringe. Nachstehend einige Zahlen aus der Entwicklung des Lagers Buchenwald: Im Juli 1937 kam auf dem Ettersberg bei Weimar, der damals noch vollständig unberührt und unbebautes Waldgelände war, das erste Vorkommando von sogenannten Berufsverbrechern zum Aufbau eines neuen großen Konzentrationslagers an. Die SS hatte damals noch keinen Namen für das künftige Lager und nannte es KZ. Ettersberg. 28 Der erste Stärke v sogenann 27. Juli a darunter Schriftve die Lage 1937 tra am 6. A linge au ' linge au Einzelz Gefange lassen W Die G Der l gehörte re später 000-6000 nd Nacht fetten für Sinzelteile r 55 mit betrieben t an ande- ı Konzen- utschland eist jahre- ‚ zeigt das ling Nr. 178 den Kon- oziale Ele- ‚In Wirk- ‚ens, Anti- ‚r verbote 1 Gewerk- en der Ar- d schließ- Man Hitler A ft eiterscha hen Volke ps Buchen“ „mals noch erste J das A fbau eines mals En Ertersber8‘ Der erste Appell wurde am 19. Juli 1937 durchgeführt und wies eine Stärke von 149 Häftlingen auf. Am nächsten Tage kamen weitere 70 sogenannte Vorbeugungshäftlinge vom KZ. Sachsenburg hier an, am 27. Juli aus dem gleichen Lager die ersten 9] politischen Häftlinge, darunter auch 7 Bibelforscher. Am 29. Juli 1937 tauchte im amtlichen Teilbild der Leichenberge, die zuletzt aus Koksmangel nicht verbrannt werden konnten Schriftverkehr erstmalig der Name KZ. Buchenwald auf. Damals war die Lagerstärke auf insgesamt 327 Mann angewachsen. Am 30. Juli 1937 trafen dazu 600 politische Häftlinge vom KZ. Liehtenburg ein, am 6. August 1937 kam noch ein weiterer Transport politischer Häft- linge aus dem gleichen Lager an. Weitere Transporte politischer Häft- "linge aus Sachsenburg und Lichtenburg folgten, dazu noch sogenannte Einzelzugänge aus Zuchthäusern und Gefängnissen, die als politische Gefangene ihre Strafe verbüßt hatten, aber nicht in die Freiheit ent- lassen wurden. Die Gesamtzahl der Zugänge im Jahre 1937 betrug 2912 Mann. Der letzte Appell durch die SS fand am 3. April 1945 statt. Damals gehörten zum Lager 80011 Häftlinge. Am 11. April 1945 wurde das 29 Konzentrationslager durch die siegreichen alliierten Truppen mit aktiver Unterstützung der dort eingesperrten Häftlinge befreit. Die Entwicklung des Konzentrationslagers Buchenwald zeigt Tabelle I, in der die Gesamtzahl der Zugänge und der Verstorbenen für jedes Jahr angegeben ist. stärke war sie solcher vorhan platz u Appell richtu Tabelle I richtet Jahr 1937 1938 1939 • 1940 1941 • Zugänge Verstorbene über d 2912 48 Rappo . 20122 771 der ein 9553 1235 Zettel 2525 1772 • Eine 5890 1522 1942 14111 2898 • 1943 1944 1945( 3 Monate) 42177 3516 97866 8644 Herkun • 43 823 13056 Gieße Insgesamt: 238980 33462 Mainz Kasse Die Entwicklung des Lagers soll nun im einzelnen genauer verfolgt werden. - Aus der Tabelle geht hervor, daß in 734 Jahren insgesamt 238980 Menschen in das Konzentrationslager Buchenwald eingeliefert wurden. Von diesen sind 33462: 14% verstorben. Hinzu kommt noch die Liste der Erschlagenen, Gehängten und auf andere Art und Weise Liquidierten, die an anderer Stelle aufgeführt wird, so daß die Zahl von 51572 Toten das eigentliche Bild ergibt. Nach dem 1. Januar 1938 stieg die Lagerstärke langsam weiter, bis sie am 1. Mai 1938 die Zahl 3000 erreichte. Dann setzte die Aktion ,, Arbeitsscheu Reich" ein. Die ersten ,, Asozialen" kamen am 5. Mai 1938. Größere Transporte von zusammen 1000,, asozialen" Juden trafen am 4. Mai und 15. Juni 1938 ein. Damit stieg die Lagerstärke sprunghaft und erreichte am 7. August 1938 ihren ersten Höchstbestand von 7958 Mann. Im November 1938 wurde im Dritten Reich die berüchtigte große Judenaktion durchgeführt, die Hitler mit dem Hinweis auf das Attentat an v. Rath, dem Beamten der deutschen Botschaft in Paris, zu begründen versuchte. In kürzester Zeit verdoppelte sich die Lager30 Bresla Dresd Magde Chem Leipzi Oppel Bielef Meini Dessa Darm Glei durch Öster wurd Dach Kries am 2 übers 1. mit akzeigt Tabenen für Verstorbene 48 771 1235 1772 stärke. Während sie am 9. November 1938 noch 9842 betragen hatte, war sie bis zum 13. November 1938 auf 19676 angewachsen. Für einen solchen Zuwachs waren jedoch gar keine Unterbringungsmöglichkeiten vorhanden. Die neu Angekommenen wurden zunächst auf dem Appellplatz und in dem halbfertigen Schafstall untergebracht, bis neben dem Appellplatz ganz primitive Holzbaracken ohne jede hygienische Einrichtung- die später berühmt gewordenen Blöcke la bis 5a errichtet wurden. Die SS hatte in den ersten Tagen keine Übersicht über die Personalien der Zugänge. So konnte es vorkommen, daß der Rapportführer durch den Lautsprecher verkündigte: ,, Wenn sich wieder einer von den Juden aufhängt, so steckt er gefälligst vorher einen Zettel mit seinem Namen in die Tasche, damit man weiß, wer's ist." Eine Übersicht darüber, wo diese Juden herkamen, gibt Tabelle II. 1522 2898 3516 8644 13056 33462 Ler verfolgt mt 238980 ert wurden. at noch die und Weise aß die Zahl weiter, bis die Aktion am 5. Mai len" Juden Lagerstärke en Höchstantigte große f das Attenin Paris, zu die LagerHerkunftsort Gießen Mainz Kassel Breslau. Dresden. Magdeburg Chemnitz Leipzig Oppeln Bielefeld • • Meiningen. Dessau Darmstadt • • Tabelle II Anzahl Herkunftsort Anzahl 138 97 Frankfurt a. M. Friedberg .2621 99 . . 693 Erfurt 197 .2471 Halle a. Saale 124 151 Hannover. 316 375 Nordhausen 89 . 171 Aachen. 135 270 Würzburg 103 703 . 406 Eisenach- Gotha Offenbach. 112 82 • 91 Worms 87 • 85 Verschiedene kleinere Orte $ 169 in Thüringen. 689 Gleich nach Kriegsbeginn stieg die Lagerstärke aufs neue, besonders durch die ,, Aktionshäftlinge", wehrunwürdige Reichsdeutsche und Österreicher. Auch die tschechischen Geißeln aus dem Protektorat wurden als Ausländer im September 1939 zum Teil aus dem KZ. Dachau, in einer Gesamtstärke von 756 Mann hier eingeliefert. Zu Kriegsbeginn wurde ferner das KZ. Dachau vollständig geräumt und am 26. September 1939 2200 Häftlinge aus Dachau nach Buchenwald überstellt. 31 Am 5. Oktober 1939 folgten ihnen die Angehörigen der polnischen Minderheiten in Deutschland mit 181 Mann. Nach Beendigung des Polenfeldzuges erlebte Buchenwald grauenhaftes und tragisches Nachspiel in der Aktion gegen Polen, besonders gegen die sogenannten polnischen Heckenschützen. Am 15. Oktober 1939 kamen 1000, am 16. Oktober 1939 1098 Polen an, die unter den primitivsten und barbarischsten Verhältnissen in Zelten auf dem halbfertigen Appellplatz untergebracht wurden. Bald zeigten sich die ersten Auswirkungen des Westfeldzuges für das Lager Buchenwald. Schon am 2. Juli 1940 wurden 216 Holländer, meist höhere Beamte und Offiziere, als Geißeln in das KZ. Buchenwald eingeliefert, am 8. und 9. Oktober 1940 weitere 111, die letzten am 23. August 1941. Nach einer Streikbewegung in Amsterdam führte die deutsche Sicherheitspolizei Anfang 1941 eine Razzia im Amsterdamer Judenviertel durch und verschleppte am 28. Februar 389 holländische Juden nach Buchenwald. Sie wurden sofort zu schwerster körperlicher Arbeit eingesetzt, so daß ein Teil umkam. Der Rest wurde zusammen mit 350 anderen Häftlingen am 22. Mai 1941 nach dem KZ. Mauthausen abgeschoben und dort vernichtet. Am 22. Juni 1941 hatte Hitler die Sowjetunion überfallen. Als erste direkte Auswirkung für das Lager ergab sich die Einlieferung von 2000 sowjetischen Kriegsgefangenen am 18. Oktober 1941. Die SS konnte nicht verhindern, daß sie von den Lagerinsassen begeistert empfangen und zusätzlich mit Brot, Lebensmitteln, Rauchwaren u. dgl. versehen wurden. Es folgte eine Bestrafung des ganzen Lagers und einzelner ,. die besonders aufgefallen waren. Mit Eintreffen der Kriegsgefangenen war am 18. Oktober 1941 die Lagerstärke auf 10342 Mann gestiegen. Bald darauf begann Sauckel, Gauleiter von Thüringen und Hitlers Generalbevollmächtigter für den Arbeitseinsatz, damit, in großem Umfang die Bevölkerung der besetzten Ostgebiete zur Zwangsarbeit nach Deutschland zu verschleppen. Teils freiwillig, in naivem Glauben an die Versprechungen der Nazis, teils gezwungen, kamen sie in großen Massentransporten zum Arbeitseinsatz nach Deutschland. Schon zu Beginn muß den deutschen Behörden klar geworden sein, daß sich viele undisziplinierte und politisch unerwünschte Elemente unter ihnen befanden, die für Ruhe und Ordnung gefährlich zu werden drohten. Man ging scharf gegen sie vor und, statt sie wegen etwaiger Verfeh32 lungen vo sich nur g schriften h tionslager Vom 1. tatarische zu wur Natione wir me im Lag Flaute des Re durchge ließen. Auch zu besc führung einsatz. 3 ischen lungen vor ein ordentliches Gericht zu stellen, sperrte man alle, die sich nur geringste Verstöße gegen die ihnen auferlegten sirengen Vor- Fauen- schriften hatten zuschulden kommen lassen, in Straf- und Konzentra- onders tionslager. ktober Vom 1. Juni ab kamen laufend ukrainische, russische, polnische, er den tatarische Zivilarbeiter und ehemalige Kriegsgefangene ins Lager. Da- ı halb- für das länder, uchen- letzten che Si- viertel ‚n nach eit ein« nit 350 sen ab- ‚Is erste on 2000 konnte pfangen r ‚ersehen Eines der 700 zuletzt in Buchenwald befindlichen Kinder nzelnel; y1 die zu wurden mit den normalen Sammeltransporten Angehörige aller 941 ars Nationen und jeden Alters auf den Eittersberg verschleppt. Bald hatten wir mehr als 25 verschiedene Nationen im Lager. Ende 1944 wurden | Hitlers em Um- ‚eit nach im Lager Angehörige von 36 verschiedenen Staaten gefangengehalten. Flaute der Zustrom etwas ab, so’/erschienen bald neue Verordnungen des Reichsführers SS, auf Grund deren neue Razzien und Aktionen uben 9 durchgeführt wurden, die\den Zustrom ruckartig wieder anschwellen groben ließen. ;chon A Auch innerhalb Deutschlands verstand es die SS, Arbeitssklaven dad sich zu beschaffen. Dezember 1942 erschien eine Verfügung über die Über- ter ihnen führung von J ustizgefangenen in Konzentrationslager zum Arbeits- drobteh- y einsatz. Kommissionen bereisten die Zuchthäuser, und bald wurden j Vorfeb”* 3 33 aus den Zuchthäusern von Sachsen, Thüringen, Hessen, Westfalen, dem Rheinland, sowie der Provinz Brandenburg, meist ausgesprochene Schwerverbrecher( Mörder, Totschläger und Sittlichkeitsverbrecher) mit hohen, sogar lebenslänglichen Zuchthausstrafen, in das KZ. Buchenwald geschickt. Viele von ihnen wurden als Versuchstiere in den Fleckfieberbaracken verwendet; andere starben, weil sie- jahrelang an den Aufenthalt in geschlossenen Räumen gewöhnt- den plötzlichen Übergang zu einem Leben in freier Luft nicht überstehen konnten. Waren einzelne Konzentrationslager überfüllt oder wurden an bestimmten Stellen Arbeitskräfte gebraucht( Eau von Flugplätzen, Verteidigungsanlagen, Kasernen, Schlössern, Villen oder Heimen für einzelne höhere SS- Leute und ihre Stäbe), so wurden die Privatsklaven der SS rücksichtslos von einem Lager ins andere geschleppt. Nach der entscheidenden Niederlage bei Stalingrad mußten die Deutschen die Sowjetunion wieder räumen. Auf dem Rückzug wurden überall die noch vorhandenen Menschenreserven ausgekämmt. Männer und Frauen, Kinder und Greise wurden nach Deutschland verschleppt. Ein großer Teil von ihnen wurde gar nicht erst als Zivilarbeiter eingesetzt, sondern direkt in deutsche Konzentrationslager eingeliefert. Im Herbst 1943 trafen folgende Transporte aus den noch besetzten Teilen der Sowjetunion in Buchenwald ein: fuhr n zösisch Entwi von d wider. und se zeichn weiter dem W menge Datum 21. Ma 27. Ju 4. Se 18. Se 30. O 16. De 19. Ja 24. Ja 29. Ja 8. Ma Tabelle III Anzahl 14. M Herkunftsort Datum 26. August 1943 29. August 1943 19. September 1943 5. Oktober 1943. 10. Oktober 1943. 31. Oktober 1943. 1. November 1943 28. November 1943 24. März 1944. 14. M Dnjepropetrowsk 998 22. M Dnjepropetrowsk 781 19. J Dnjepropetrowsk 1362 3. J 604 Nikolajew 6. A 529 Kirowograd 10. A 233 Kiew 20. A Kirowograd 318 21. A 192 Nikolajew 5. F 377 . Nikolajew Insgesamt 5394 Zu der gleichen Zeit hatten sich auch die Verhältnisse in Frankreich zu ungunsten des ,, Dritten Reiches" entwickelt. Nach den Niederlagen im Osten stieg der Bedarf an Arbeitskräften in Deutschland. Sauckel 34 aufh 3 Be Zoser ande 27. Juni 1943 4. September 1943.. 18. September 1943.. 30. Oktober 1943... 16. Dezember 1943 19. Januar 1944 Westfalen, sprochene erbrecher) KZ. Buere in den jahrelang plötzlichen onnten. den an betzen, Veren für einvatsklaven t. mußten die ug wurden nt. Männer erschleppt. eiter eingeeliefert. Im zten Teilen fuhr nach Paris und verhandelte mit Laval über die Auslieferung französischer Zwangsarbeiter. Im KZ. Buchenwald spiegelte sich diese Entwicklung in der Einlieferung französischer Gefangener aus den von den Deutschen in Compiègne errichteten Konzentrationslagern wider. Der Deutsche Sicherheitsdienst zeigte seine poetische Begabung und seine höhnische Einstellung diesen Opfern gegenüber in der Bezeichnung dieser Aktion als ,, Aktion Meerschaum", der 1944 eine weitere Aktion ,, Frühlingswind" folgte. Die im KZ. Buchenwald aus dem Westen eingetroffenen Großtransporte sind in Tabelle IV zusammengestellt. Datum 21. Mai 1943. Tabelle IV Herkunft Compiègne über KZ. Mauthausen Compiègne Anzahl 50 962 896 Compiègne 926 Compiègne 911 Compiègne 921 Compiègne 1940 Compiègne 24. Januar 1944 1991 Compiègne 29. Januar 1944 1530 Compiègne 8. Mai 1944. 967 Brüssel 14. Mai 1944. Anzahl 2052 14. Mai 1944 1667 998 22. Mai 1944 Compiègne Compiègne über KZ. Auschwitz 891 Brüssel 781 233 318 1362 604 529 3. Juli 1944 6. August 1944 10. August 1944 20. August 1944 19. Juni 1944 574 Brüssel 435 Compiègne 1080 . . Compiègne • . 827 Compiègne 1650 Compiègne 21. August 1944 1246 Compiègne 192 5. Februar 1945 285 Zuchthaus Groß- Strelitz 377 Insgesamt 21851 5394 nt and. Sauckel Frankreich Niederlagen Bei diesen Transporten handelt es sich in der Hauptsache um Franzosen bzw. Belgier; doch sind bei allen Transporten auch Angehörige anderer Nationen, die sich vor übergehend oder dauernd in Frankreich aufhielten, in Buchenwald eingeliefert worden. 3* 35 Der Zustrom von Massentransporten aus der Sowjetunion hatte nach Rückeroberung des größten Teiles der Ukraine durch die Rote Armee aufgehört. Es kamen zwar fortgesetzt sehr viele„normale Zu- gänge“, d. h. Gefangene, die aus den deutschen Polizeigefängnissen auf Anweisung Himmlers zum Arbeitseinsatz in die Konzentrations- lager überführt wurden, doch konnten diese Zugänge den Bedarf nicht decken. Die SS mußte neue Quellen erschließen. i Vom Frühsommer des Jahres 1944 ab waren es ungarische Juden, die in unübersehbaren Massen in die deutsche Sklaverei verschleppt wurden. Im August folgte ihnen die aus Warschau evakuierte polnische Zivilbevölkerung. Tabelle V Datum Anzahl Häftlingsart Herkunft 94. Mai 1944... 2.2.1000 Unsar. Juden Auschwitz 9. uni 1944 5 20231000 Ungar. Juden Budapest 18. Juni 1944.22 22.2.3000 Ungar. Juden Auschwitz 16. Juln 1944 72°,...2.,..,.2500 Ungar. Juden Auschwitz 5. August 1944.... 1459 Poln. Juden i 13. August 1944.... 2561 Eväk. Polen Warschau 15. August 1944...- 1999 Evak. Polen Warschau über Auschwitz 9. November 1944.. 615 Ungar. Juden Graz 18. Januar 1945...... 2840 Poln. Juden 20. Januar 1945.... 1446 Poln. Juden Auch andere Ereignisse zeigten ihre Auswirkungen in neuen Zu- gängen für das KZ. Buchenwald. Unruhen an der Osloer Universität brachten am 15. Januar 1944 349 norwegische Studentennach Buchen- wald. Im November 1944 wurde„Zwischenhaft II“ eingeführt. Wehr- machtsangehörige, meist wegen Fahnenflucht und unerlaubter Ent- fernung von der Truppe von Militärgerichten zu hohen Zuchthausstra- fen verurteilt, erhielten ‚„‚Zwischenhaft‘, d. h. sie wurden in die Kon- zentrationslager geschickt, um nach den Plänen Himmlers nach Kriegs- ende den Rest ihrer Strafe wieder im Zuchthaus abzubüßen. Auf be- sondere Anordnung der höchsten Stellen in Berlin mußten sie alle in das KZ. Mittelbau, d. h. nach ‚„‚Dora“ geschickt werden. Dort wur- 36 st tz itz itz au hatte e Rote ale Zugnissen rationsrf nicht Juden, chleppt olnische au über witz euen Zuiversität Buchent. Wehroter Enthausstradie Konch KriegsAuf ben sie alle Dort wurden sie wahrscheinlich bei der gefährlichen Geheimfertigung beschäftigt. Da sie als langjährige Gefangene weder geschont werden sollten, noch eine Entlassung zu erwarten war, brauchte man bezüglich der Geheimhaltung keine Schwierigkeiten zu befürchten. Eine letzte an Wahnsinn grenzende Erhöhung der Zugänge und eine grauenhafte, kaum auszudenkende Steigerung von Qualen und Opfern brachte die durch den Vormarsch der Roten Armee bedingte Evakuierung der großen Konzentrationslager im Osten. Am 13. Januar 1945 hatte die Offensive an der Weichsel begonnen. Bald war die Rote Armee schon in bedrohlicher Nähe des Konzentrationslagers Auschwitz, in dem sich etwa 80 000 Häftlinge befunden haben müssen. Auschwitz wurde evakuiert. Kurze Zeit später mußte auch das Konzentrationslager Groß- Rosen in der Nähe von Breslau geräumt werden. Am 22. Januar 1945 traf der erste große Transport evakuierter Juden aus dem KZ. Auschwitz in offenen Eisenbahnwagen hier ein, denen bald weitere folgten. An diesen Tagen herrschte eine eisige Kälte. Die Menschen waren bei völlig ungenügender Ernährung und Bekleidung tagelang unterwegs gewesen. Ihre Kameraden in den überfüllten Eisenbahnwagen waren an Entkräftung und Erschöpfung gestorben und, um selbst nicht zugrunde zu gehen, waren sie gezwungen, die Leichen aus dem fahrenden Zug hinauszuwerfen. Oft schleppten sie sich mit ihren letzten Kräften vom Bahnhof ins Lager. Häftlinge mit zweirädrigen Karren oder Handwagen, auf denen sonst Baumaterial u. ä. verladen wurde, Feuerwehr und Lagerschutz mußten zum Bahnhof gehen, um die Zusammengebrochenen und die Leichen aufzuladen und ins Lager zu fahren. Die Lagerstraße war übersät von verlorenen Decken, Mützen, Mänteln, Eßgeschirren und von zusammengebrochenen Menschen, die sich nicht hatten weiterschleppen können. Eine genaue Zählung der Zugänge war nicht mehr möglich. Eine Kontrolle darüber, wieviele am Abgangsort weggeschickt und wieviele unterwegs verstorben, geflohen oder einfach zurückgeblieben waren, war unmöglich. Ebensowenig wußten die Verwaltungen der aufgelösten Lager, welche Häftlinge nach Buchenwald abtransportiert worden waren. Das Reichssicherheitshauptamt richtete ein Fernschreiben an alle Konzentrationslager, die Zugänge aus Auschwitz oder GroßRosen bekommen hatten, mit der Aufforderung, Listen der angekommenen Häftlinge, möglichst mit Angabe der alten Häftlingsnummer, an die Verwaltung des Konzentrationslagers Auschwitz zu senden, die inzwischen nach dem KZ. Mittelbau verlegt worden war. Nicht nur 37 Monat Zugänge die Konzentrationslager Auschwitz und Groß- Rosen, sondern auch andere Lager und Gefängnisse im Osten wie im Westen mußten Hals über Kopf geräumt werden und viele davon kamen nach Buchenwald. Lagerstärke am Ende d. Monats Tabelle VI Verstorbene, November 1944. 10305 612 59261 Dezember 1944. 12555 1113 63 048 Januar 1945. 24197 2002 80297 Februar 1945 13066 5523 86232 März 1945. 6560 5531 80436 Das V war die Verwalt Ressorts nur der tische u Die I führer, den Ko Die 1 Anweis Einreih Die weitere Entwicklung in den letzten elf Tagen des Bestehens des Konzentrationslagers Buchenwald steht unter dem Einfluß der sich immer mehr nähernden siegreichen alliierten Armee. Die letzten im Westen liegenden Außenkommandos kamen in das Stammlager zurück. Am 6. April befanden sich im Stammlager rund 47 700 Häftlinge. Der Rest, 31598, meist in östlich von Buchenwald liegenden Außenkommandos beschäftigt, ist nicht mehr in das Lager zurückgekehrt. Über ihr weiteres Schicksal ist zur Zeit nichts bekannt. Am 6. April fing die SS an, das Lager zu evakuieren. Es gelang ihr, noch 28285 Häftlinge nach anderen Lagern zu verschicken. Die Transporte im einzelnen gibt Tabelle VII. führen. ( politis Die führt, stration Für die einsatz sten zw die alle Dad Tabelle VII Anzahl Häftlingsart Bestimmungsort der Ha führen Datum 6. April 1945 3105 Juden KZ. Floßenbürg den sp . 7. April 1945 1500 verschiedene Leitmeritz deutu 7. April 1945 4800 meist Juden KZ. Floßenbürg Vo 9. April 1945 4800 verschiedene Dachau krimi 9. April 1945 4800 verschiedene Dachau kieru 10. April 1945 9280 verschiedene unbekannt einen lanzie Insgesamt 28285 Als das KZ. Buchenwald am 11. April 1945 von der alliierten Armee befreit wurde, befanden sich demnach etwas über 21000 Häftlinge auf dem Ettersberg. Rudi Jahn, Leipzig, Buchenwald- Häftling Nr. 5485 Dr. Gerhard Harig, Leipzig, Buchenwald- Häftling Nr. 173 der S ließen Sy bissen politi ging 38 n auch on Hals nwald. irke am Monats 261 048 297 232 136 jens des ler sich zten im zurück. Ige. Der jenkom- rt, Über ang ihr, e Trans- ungsort Benbürg itz Benbürg nt e n Arme Tafılinge Pt x. 5485 ‚Nr. 54 D"2 u Die Verwaltung des Lagers Das Wirtschaftsverwaltungs-Hauptamt in der Reichsführung 55 war die zentrale Instanz für sämtliche Lager. Jedem Lager stand ein Verwaltungsführer vor, der mit seinen Sachbearbeitern die einzelnen Ressorts zu leiten hatte. Übergeordnet war dem Verwaltungsführer nur der Kommandant, dem mit dem Schutzhaftlagerführer die poli- tische und militärische Verwaltung des Lagers oblag. Die Lagerführer wirkten durch die Rapportführer über die Block- führer, die mit den Kommandoführern der Verwaltungskommandos den Kommandanturstab ausmachten, bis in die unteren Einheiten. Die Politische Abteilung, die wiederum von der Gestapo direkte Anweisung erhielt, hatte die Registrierung der Häftlinge und ihre Einreihung in Kategorien(Politische, Arbeitsscheue usw.) durchzu- führen. Jeder Häftling wurde photographiert und mit Personalien (politische Vergangenheit und Strafen) in besonderer Kartei geführt. Die Verwaltung des Lagers wurde praktisch vom Lagerältesten ge- führt, dem als untere Körperschaft die Blockältesten für die Admini- stration und die Arbeitsstatistik für den Arbeitseinsatz unterstanden. Für diese kamen die besonderen Anweisungen allerdings vom Arbeits- einsatz- bzw. Arbeitsdienstführer. Außerdem standen dem Lagerälte- sten zwei Kontrolleure und der Lagerschutz zur Seite, vermittels derer die allgemeine Disziplin und Ordnung aufrechterhalten wurde. Dadurch, daß im eigentlichen Häftlingslager eine Selbstverwaltung der Häftlinge bestand, ergab sich naturnotwendig ein Kampf um die führenden Positionen im Lager, der für die weitere Entwicklung und den späteren antifaschistischen unterirdischen Kampf von großer Be- deutung war. Von der faschistischen Lagerführung der SS wurden immer wieder kriminelle Elemente, die sogenannten„Grünen“, sie trugen als Mar- kierung einen grünen Winkel, im Gegensatz zu den politischen, die einen roten Winkel als Markierung trugen, in die Lagerführung hinein- lanziert. Diese ‚„„Grünen‘‘ waren willenlose und korrupte Werkzeuge der SS, die sich zu allen Schandtaten gegen die Häftlinge gebrauchen ließen. Systematisch wurden in monate- und jahrelangen zähen und ver- bissenen Kämpfen diese kriminellen Verbrecher von den deutschen politischen Häftlingen aus ihren führenden Positionen verdrängt. Das ging nicht immer so glatt und ruhig ab. Die„„Grünen“, die die Werk- 39 zeuge bei der SS- Lagerführung waren, versuchten sich mit allen Mitteln der Gewalt, der Verleumdung und Denunziation an der Macht zu halten. Viele gute Kameraden mußten ihren aktiven Kampf gegen diese Feinde der Häftlinge mit ihrem Leben bezahlen. Wegen ihrer politischen Tätigkeit von den ,, Grünen" denunziert, endeten sie am Galgen, im Steinbruch, im Arrestbunker oder auf Transport geschickt, in irgendeinem Liquidierungslager. Aber allen Schwierigkeiten zum Trotz gelang es doch, die wichtigsten Stellen im Lager mit politischen, antifaschistischen Häftlingen zu besetzen. Viel Diplomatie und Geschick und auch manche Konzessionen waren notwendig, um zuletzt doch einen Zustand der Selbstverwaltung des Häftlingslagers zu schaffen. Diese Bemühungen haben bei der weiteren Entwicklung wesentlich dazu beigetragen, 21000 Häftlinge den Mörderklauen der SS zu entreißen und die Befreiung des Lagers Buchenwald mit zu erleben. Als ,, Zugang" ins Lager Buchenwald Es war am 4. November 1937, als wir in Buchenwald ankamen. Ich fühlte mich den anderen gegenüber ein wenig überlegen, denn ich hatte im Jahre 1933 bereits zwei Konzentrationslager( Colditz und Sachsenburg) kennengelernt. Was konnte mir Buchenwald schon Neues bringen. Jedoch das Gefühl der Überlegenheit verlor sich sehr bald, denn die unverwischbaren Eindrücke schon des ersten Tages zeigten, daß das Lager Buchenwald des Jahres 1937 keinen Vergleich mit dem Lager Colditz aus dem Jahre 1933 zuließ. Der Faschismus hatte Fortschritte gemacht.- Auf dem Bahnhof Weimar wurden wir von einer Eskorte SS in Empfang genommen. Feindselig schaute uns die Bevölkerung an. In einem geschlossenen Polizeiauto fuhren wir die zehn Kilometer bis zum Lager hinauf. Ein junger politischer Gefangener aus dem Lager, der in Weimar zu einer Vernehmung bei der Polizei gewesen war, fuhr mit uns zurück. Wir überschütteten ihn mit vielen Fragen, die eben der Neuling stellt. Er belächelte still unsere Neugier und gab kurze Antworten. Wie das Essen sei und die Behandlung? Gut, antwortete er ironisch, sehr gut. Entlassungen? O ja, Entlassungen finden auch statt. Alle drei Monate mal einer. Wir schauten betreten drein. Der junge Gefangene lächelte wissend. Am frühen Nachmittag kamen wir auf dem Ettersberg an. Wir wurden vor der grünen Ba40 racke alles triebe zur gefalt den. weh, tigter Mand cher die v Aufn gefül Lage Es riese tiv w einig schw statt wöhn gewil für u Ange aufg auf nigk Wes Bog erke Bau des als ich win hin Ein kon gro nn racke der politischen Abteilung ausgeladen und von nun an ging alles im Laufschritt. Im Laufschritt wurden wir in die Baracke ge- trieben und mußten uns auf dem langen Korridor, mit dem Gesicht zur Wand, aufstellen. Mit erhobenen Armen, die Hände im Nacken gefaltet. Der berüchtigte„„Sachsengruß‘“. So standen wir viele Stun- den. Die Arme wurden lahm und starben langsam ab. Die Beine taten weh, der Hunger knurrte niederträchtig im Magen. Die hier beschäf- tigten SS-Leute und Gestapobeamten liefen und brüllten hin und her. Mancher Tritt von einem unhekannten Stiefel saß uns im Gesäß, man- cher Faustschlag im Genick. Langsam lernten wir die Luft kennen, die wir für viele Jahre atmen sollten. Bis zum Abend dauerten die Aufnahmeformalitäten, die unter körperlichen Mißhandlungen durch- geführt wurden, bis wir endlich ins Lager gebracht wurden. Ins Lager... Es war stockdunkel. Ein feiner, alles durchdringender Sprühregen rieselte herab. Wir sahen einen armseligen Drahtzaun, Türme, primi- tiv wie die Hochsitze eines Jägers und das nur, soweit das trübe Licht einiger Bogenlampen eine Sicht überhaupt zuließ. Sonst lag eine schwarze, undurchdringliche Finsternis vor uns, die es erst dann ge- stattete, Einzelheiten zu erkennen, wenn das Auge sich an sie ge- wöhnt hatte. Aber die Aufregung des eben Durchgestandenen, die Un- gewißheit des Kommenden, hatte uns so gebannt, daß wir wenig Sinn für unsere Umgebung hatten. Wir liefen. Wir liefen einen langen Weg. Angetrieben von SS-Leuten. Bis an die Knöchel sanken wir in den aufgeweichten Boden ein. Und dennoch reagierten die erregten Sinne auf Einzelheiten besonders scharf. Einzelheiten, Nichtigkeiten, Klei- nigkeiten. Ich vergesse diese ersten Eindrücke niemals. Kein lebendes Wesen war im Umkreis zu sehen. Das trübrote Licht spärlich verteilter Bogenlampen ließ im Bereich seines Lichtkegels da und dort eine Bude erkennen, die zerfallen und verlassen schien. Überall hochragende Bäume. An den Baumstämmen glaubte ich etwas Schwarzes, Hängen- des zu-sehen. Ich konnte es nicht erkennen, denn wir hüpften mehr als wir liefen, von Schlammloch zu Schlammloch. Dann aber hörte ich etwas. Das kam von den Bäumen. Es stöhnte dumpf, oder es wimmerte ganz leise. Plötzlich wußte ich: das waren Menschen! Die hingen dort an den Bäumen. Ganz für sich allein in der trostlosen Einsamkeit dieser Einöde. Ich kenne noch das Gefühl, das mich über- kommen hatte: mir war, als wäre bei unserem Eintritt ins Lager ein großes Tor zugeschlagen, und als wären wir jetzt aus der uns bekann- 41 ten und vertrauten Welt in eine Landschaft hineingegangen, die mit Welt und Menschheit nichts mehr zu tun hat. Als wäre die Einöde im tückischen Sprühregen mit ihren ragenden, schwarzen Bäumen und den stöhnenden, wimmernden Wesen an ihnen der Vorhof zu einem Reich des Todes und der Auflösung. Eine Hoffnungslosigkeit, wie ich sie nie wieder erlebt habe, bemächtigte sich meiner. B. Apitz, Leipzig, Buchenwald- Häftling Nr. 2417 uns in k dem, der um zwis Gewehrk mußten Planken. watet. R Tagsüber schwerste Arbeit in Schlamm und Dreck, und nachts ließ man uns nicht schlafen Meine Kameraden wollen von mir einen Beitrag haben, welcher Ereignisse schildert, die das öde Einerlei des Alltages im Lager unterbrachen. Ich berichte aber von Ereignissen, die in den Jahren 1937 und 1938 unsere Nächte, das heißt unseren Schlaf unterbrochen hatten. Man muß sich hineindenken in so einen Arbeitstag, und ich muß, lieber Leser, deine Phantasie ein wenig strapazieren. Wie sah in den genannten Jahren, also in der Zeit des Aufbaues, das Lager aus? Es war eine trostlose Schlammwüste dort oben auf dem Ettersberg. Der durch die abgerodeten Bäume freigelegte Waldboden hatte sich im ewigen Regen des Sommers und des Winters in einen Morast aus zähem, gelben Lehm verwandelt. Durch diesen Lehm, in dem man bis über die Knöchel einsank, sind wir gewatet Tag und Nacht. Er klebte uns an wie der Leim den Fliegen. Wir trugen ihn an den Schuhen, an den Kleidern, an den Händen, im Gesicht. Wir schleppten ihn in die Baracken hinein, wir schleppten ihn auf die Bänke, auf denen wir saßen, auf die Tische, an denen wir aẞen. Wir schleppten ihn bis in die Betten hinein. Sieben Monate hatten wir kein Wasser. Wir konnten uns nicht waschen. Mit einem Brotmesser oder mit einem Stück Holz haben wir uns den Lehm von den Kleidern, von den Händen abgekratzt. Wir haben vor Dreck gestunken. Irgendein alter, aufgelesener Fetzen oder ein Stück Zeitungspapier waren unser Handtuch, unser Taschentuch. Fast alle waren wir von eiternden Wunden, von Ekzemen und Geschwüren an Händen und Füßen befallen. Der verdreckte Verband hing in Fetzen um die geschundenen Glieder. Mit zerschundenen und vereiterten Händen haben wir gegessen und gearbeitet. Gearbeitet! Oh, diese Arbeit! Wir haben geschachtet, daß 42 tiert. 20 sich die vier. Mi links, zw dafür be bekam s zerrissen aber ma man hat am Bau Rücken der Ung schnitte liegen, wieder hängen auf, ihr So w müde uns tr Stund Das K glitsch getork saßen des Bl hinunt Körpe wie da bliebe Nacht Ble die mit nöde im men und u einem wie ich Nr. 2417 k, und cher Erer unterren 1937 hen hatich muß, h in den aus? Es erg. Der e sich im rast aus lem man acht. Er en Schuhleppten uf denen n ihn bis sser. Wir mit einem den Hänalter, aufer HandWunden, allen. Der eder. Mit und gehtet, daß 22 uns in klirrender Kälte der Schweiß in Strömen gelaufen ist. Wehe dem, der es wagte, einmal seinen schmerzenden Rücken aufzurichten, um zwischen zwei Atemzügen zu verschnaufen, schon saß ihm der Gewehrkolben oder der Stiefel eines SS- Postens im Kreuz. Oder wir mußten Zentnerlasten schleppen. Wie Tiere sind wir, beladen mit Planken, Brettern und Steinen, durch den knöcheltiefen Schlamm gewatet. Riesige Stämme hundertjähriger Buchen haben wir transportiert. 20 bis 30 Mann an einem Stamm. Wie Tausendfüßler bewegten sich die Kolonnen durch Schlamm und Schmodder. Links, zwei, drei, vier. Mit gebeugtem Rücken, unter der wuchtenden Last ächzend, links, zwei, drei, vier. Wer bei der Arbeit auffiel, wurde am Abend dafür bestraft. Wenn er Glück" hatte, ging er über den ,, Bock" und bekam seine 25 Stockhiebe auf das nackte Gesäß. Die Peitschenschläge zerrissen zwar das Fleisch, daß man weder sitzen noch liegen konnte, aber man hatte es hinter sich. Was machten die Wunden schon aus, man hatte derer ohnehin schon genug. Meist aber hingen die Opfer am Baum. Das war das Schlimmste. Die Hände wurden auf den Rücken gefesselt, die Arme nach hinten hochgezogen, und so wurde der Unglückliche an den Baum gehängt. Stundenlang. Wenn er abgeschnitten wurde, fiel er wie ein Sack zu Boden und blieb regungslos liegen, bis ihn die Fußtritte oder Knüppelschläge des Blockführers wieder auf die Beine brachten. Dann taumelte er mit abgestorbenen, hängenden Armen nach seiner Baracke. Viele standen nicht wieder auf, ihnen waren die Lungen zerrissen. So war unser Arbeitstag. So schleppten wir uns bis zur Trunkenheit müde und erschöpft ins Lager, unsere Toten und Verwundeten mit uns tragend. Dumpf und stumpf standen wir dann zwei und drei Stunden, in Nebel und Regen, bis endlich der Zählappell zu Ende war. Das Kommando; ,, Abrücken" war Erlösung. Dann sind wir durch den glitschenden, schmatzenden Schlamm in unsere Blocks gewatet und getorkelt. Vor Kälte, Nässe und Hunger zitternd. Mann an Mann saßen wir an unseren Tischen. Die Klamotten dampften in der Wärme des Blocks ihre Nässe aus. Gierig schlang ein jeder seinen Schlag Suppe hinunter, um etwas Heißes in den durchnäßten und durchfrorenen Körper zu bekommen. Wer von den alten Buchenwaldern weiß noch, wie das war: oben begann man langsam aufzutauen, aber die Füße blieben eisigkalt vor Nässe. Darum ging man schnell zu Bett; denn die Nacht war kurz... Bleiern war der Schlaf, aus dem man fast nicht mehr erwachen 43 mochte. Auf einmal zerriß die Trillerpfeife des Blockältesten die Stille des Schlafsaales: ,, Aufstehen! Fertigmachen zum Appell!" Der Block rumorte auf. Schlafverstört kroch man aus den Betten. Im trüben Licht der Nachtbeleuchtung tappte man nach seinen Klamotten. Hinein in die nassen und steifen Lumpen. Der bettwarme Körper begann wieder zu zittern. Nur mit Mühe konnte man die nassen Schuhe anziehen. Dann marschierten wir in nebelverhangener Nacht durch Schlamm und Schlick zum Appellplatz. Grell peitschten die Scheinwerfer des Tores ihr unbarmherziges Licht in die Augen. Sie schrien uns ins Gesicht, diese verfluchten Scheinwerfer. Müde und in der Nachtkälte zitternd, drängten wir uns auf dem Appellplatz zusammen, Block um Block. Und wenn das gesamte Lager aufmarschiert war, kam der Befehl: ,, Abrücken". Stumpfsinnig ging es zurück. Man torkelte wieder in seine Baracken. Wie schwer war es, in der Übermüdung, die nassen Sachen vom Leibe zu bekommen. Während des Auskleidens schlief man bereits, und schlafend kroch man zurück in das kaltgewordene Bett. Wie lange hatte man geschlafen? Eine Stunde oder zehn? Man wußte es nicht, wenn man aufschreckte, weil wieder die Trillerpfeife schrillte: ,, Aufstehen! Tempo, Tempo! Appell!" Da fluchte man oder manche lachten auch in verzweiflungsvoller Resignation. Also noch einmal hinaus. Jetzt regnete es sogar. Ja, es regnete und rauschte. Und das Wasser verwandelte das Lager in einen braunen See. Wieder kroch man in die kalten Klamotten. Wieder quälte man sich in die nassen und steifen Schuhe hinein. Durch reißende Wasserbäche watete man, und kam naß bis auf die Haut auf dem Appellplatz an. Es war verboten sich gegen den Regen durch eine Decke oder einen papiernen Zementsack zu schützen. Was hätte es uns auch genutzt? Die Decken brauchten wir ja zum Schlafen. Zum Schlafen? Es mußte wohl bald Morgen sein? Vielleicht lohnte es sich gar nicht mehr, wieder zu Bett zu gehen. Wer weiß, wie lange man stehen mußte. Aber das Kommando zum Abrücken kam bald. Zum Auswringen naẞ waren die Sachen. Naß das Hemd, naß die zerrissenen Strümpfe. Schlafen, nur schlafen! Das Bett war noch ein wenig warm, und die Poren der nassen und durchkälteten Haut sogen die Wärme gierig auf. So schlief man wieder ein. Schlief, schlief, bis man plötzlich aufschreckte: war es im Traum geschehen, daß die Pfeife geschrillt hatte? Man sah um sich. Da und dort fuhren sie auf und lauschten, aber die Pfeife grellte zum zweiten Male durch den Schlafsaal: ,, Raus aus den Betten!" Noch ein44 mal App in die na und Reg Es rausc einem G Noch ein Licht de Regen. N dann de in dieser Nacht. I Eine Morgen. uns auf führer s der Ruf in einen ob er le Er mal Appell! Verflucht, verflucht! Welch eine Nacht! Zum drittenmal in die nassen Kleider. Zum drittenmal hinaus in die Nacht in Nebel und Regen und Kälte... Hatte es wenigstens mit regnen aufgehört? Es rauschte nicht mehr. Nein! Ein Sprühregen empfing uns wie aus einem Gebläse getrieben und durchschauerte die stumpfen Glieder. Noch einmal zum Appellplatz hinauf. Noch einmal in das schreiende Licht der Scheinwerfer hinein. Noch einmal stehen im Schlamm und Regen. Noch einmal zurück in die Blocks und in die Betten. Und wenn dann der Rest des Schlafes hinweggepfiffen wurde, zum viertenmal in dieser Nacht, dann war es Morgen. Ein Morgen noch mitten in der Nacht. Doch die Nacht war nun vorbei. Eine Nacht ohne Schlaf. Der Tag begann. Hinein in den grauenden Morgen. Müd und zerschlagen. Fröstelnd und hungrig drängten wir uns auf dem Appellplatz zusammen. Wir wurden gezählt. Die Block- führer schimpften und fluchten. Die waren munter. Und wenn dann der Ruf ertönte:„‚Arbeitskommandos antreten!“ dann ging es wieder in einen grauen, hoffnungslosen Tag hinein, und keiner von uns wußte, ob er lebend an diesem Tag zurückkehren würde. Bruno Apitz, Leipzig, Buchenwald-Häftling Nr. 2417 Morgen Es ist noch halbe Nacht und in den stillen Gassen des Lagers steht ein Nebelmeer. Dann tönen Schritte und im harten schrillen Pfeifen erwacht das graue Häftlingsheer. Zu einem Tagwerk monotoner Schwere weckt uns die Pfeife Morgen um Morgen neu. Und Abend für Abend 45 46 9t sind von unserem Heere, Kameraden, Freunde hinübergegangen ins Leere, Kameraden von allem Leben und Leiden frei. Was weißt du heute schon, ob dieser Morgen einer von vielen oder der letzte ist? Wird dir das Leben noch ein paar Tage borgen, lohnt es wohl noch, um die Klamotten zu sorgen, oder meinst du, daß dich der Tod vergiẞt? Wie wenig schon kann uns da wirklich bewegen. Was ist der Wert der Dinge, was ein Problem? Uns wundert nichts mehr. Und wenn einer in dem Regen einen schimmernden leichtgeflügelten Falter finge, wöge er eben so schwer, wie ein Klumpen Lehm. Die Sonne scheint nicht mehr, daß uns die Blumen leuchten. Der Regen fällt nicht mehr, daß uns das Korn gedeiht. Die Sonne trocknet uns heute vielleicht die feuchten Kleider am Leib. Und zum Zeitvertreib bringt uns vielleicht der Abend das Ende der Arbeitszeit. Abend und Morgen das sind fast leere Begriffe, alles ist nur ein grauer Brei der Zeit. Wenn nach dem Morgen- Appell einer mal ,, Abend" pfiffe oder die Knochenhand uns am Mittag griffe, das wäre uns alles eins; wir sind immer bereit. Und weil wir so alle Tage bereit sind zum Tode, ist uns das Leben nahe wie nie zuvor. Auf seiner tyrannischen Waage entscheidet das rote lebendige Blut, und hebt die Gewichte empor. Wir fragen nicht mehr nach irgendeinem Kalender. Wir fühlen in Tag und Traum nur dunkle Nacht. Und wissen ein Morgen ist aller Nächte Beender. Und halten für diesen Morgen die Nächte Wacht. Hasso Grabner, Leipzig, Buchenwald- Häftling Nr. 5334 47 Der Flüchtling ganze Frühmorgens 10 Uhr kam der Befehl zum Einrücken. Was ist los? Warum rücken wir vorzeitig ein? Ist einer getürmt? Ja, es ist einer getürmt! Auf dem Appellplatz sammelten sich die Arbeitskolonnen und traten blockweise an. Jetzt hieß es: ,, Stehen". Stehen, bis der Flüchtling eingefangen worden war. Das konnte lange dauern. 5 Stunden, 10 Stunden, anschließend vielleicht die Nacht. Das Lager war niemals gut auf einen Flüchtling zu sprechen. Die meisten von ihnen wurden wieder eingefangen. Wegen einer solchen sinnlosen ,, Selbsthilfe" mußten Tausende leiden, starben hinterher noch viele an den Strapazen des Stehens. Die SS war mit Hunden und Knüppeln unterwegs, den Flüchtling zu suchen. Wir standen. Es wurde Mittag. Der Hunger kam. Wir vertraten uns die Füße. Zum Glück regnete es nicht. Träg krochen die Viertelstunden dahin. Die Zeiger an der Turmuhr des Tores schienen stillzustehen. Ewig währte es, bis eine Stunde vergangen. Wir wurden müd und matt. Immer noch war es Mittag. Wenn es nur erst Nachmittag wäre. Vielleicht finden sie ihn bald? Vielleicht lassen sie uns am Abend abrücken, und wir brauchen in der Nacht nicht zu stehen?... Einer lehnt sich an den anderen. Man stützt sich gegenseitig. Mancher setzt sich heimlich zwischen seinen stehenden Kameraden nieder. Der Blockälteste ,, sieht" es nicht. Aber der Warnruf: ,, Achtzehn!" scheucht alles wieder hoch. Ein Scharführer geht durch die Blocks und kontrolliert. Sie stehen ausgerichtet auf Vordermann und Seitenrichtung. Tadellos. Wir grinsen innerlich vor Schadenfreude, daß er ,, unverrichteter Dinge" wieder abzittern muß nach der Blockführerstube. Wir sind wieder allein und stehen. Wie spät ist es? Kaum 5 Minuten ist es her, daß man auf die Uhr gesehen hat, es scheinen Stunden zu sein. Dort macht einer schlapp. Er taumelt nach vorn und wird aufgefangen. Mit eingebogenen Knien hängt er zwischen den haltenden Armen der Kameraden. Man versucht, ihn aufzurichten. Doch die Beine versagen, sie knicken immer wieder ein. So legt man ihn denn neben den stehenden Block. Schiebt ihm noch eine zusammengeknüllte Jacke als Kopfkissen unter. Einer hat ihm das Hemd geöffnet und ihm Luft verschafft. Seine Nase wird spitz und wachsbleich das Gesicht. Er atmet stoßweise. ,, Der geht kaputt", meinen die Erfahreneren. Wir stehen. Wieder hat sich eine Stunde träge davongeschleppt. Wir stehen... Jetzt sind es schon mehrere, die schlapp gemacht haben. Auch die Kräftigsten spüren es 48 in sich zwisch Wenn der in wieder ihm pr Der K schwa bietet horche er mit sagen, muß h er ein im Le in die Fern ihn! I sich. schau werde ist, da Die vergif einige Kara lärmt rennt torke Flüch und S Gekn gegen führe kostü sich An d seine Gieri 4 ist los? st einer nen und Flüchttunden, en. Die solchen interher den und Es wurde Glück e Zeiger e es, bis och war n sie ihn rauchen en. Man n seinen ht. Aber Schargerichtet innerlich abzittern stehen. Uhr ge lapp. Er en Knien Man veren immer . Schiebt er. Einer Nase wird Der geht sich eine es schon spüren es 4 in sich, die Glieder sterben ab, der Rücken schmerzt, als säßen Messer zwischen den Rippen. Die Schultern tun weh, die Arme hängen schlapp. Wenn man nur ein paar Schritte gehen könnte, um das tote Blut wieder in Bewegung zu bringen.... ,, Achtzehn!" Der Scharführer kommt wieder. Er bleibt vor einem der Zusammengebrochenen stehen, drückt ihm prüfend die Stiefelspitze in die Seite und befiehlt ihm, aufzustehen. Der Kranke bemüht sich, dem Befehl nachzukommen. Aber er ist zu schwach und sinkt immer wieder zurück. Doch der Scharführer gebietet den Zunächst stehenden, den Kranken aufzunehmen. Sie gehorchen und nehmen ihn rechts und links zwischen sich. Jetzt ,, steht" er mit. Aber es ist nur ein Hängen und Schaukeln. Die Beine versagen, der Kopf fällt nach vorn. Immer wieder sackt er zusammen und muß hochgerissen werden. Wenn sie ihn auf die Beine stellen, knickt er ein wie ein leerer Schlauch. Es ist, als hätte er keine Knochen mehr im Leibe. Und wir stehen... Endlich, nach 8 Stunden, kommt Leben in die müden Knochen. Es pfeift! Es pfeift wie toll an allen Ecken. Fern und nah, überall ertönt das Pfeifen. Sie haben ihn! Sie haben ihn! Die Nacht ist gerettet. Die Knochen straffen, die Hälse recken sich. Sie haben ihn! Ein erlöstes Raunen geht durch die Blocks. Alles schaut nach der Richtung, aus welcher sie ihn vermutlich bringen werden. Tot oder lebendig, das ist ja so gleichgültig, die Hauptsache ist, daß sie ihn haben... Die ersten Scharführer kommen an mit ihren Schweißhunden. Man vergißt, auf die Uhr zu schauen, denn jetzt vergeht die Zeit. Noch einige Scharführer kommen, die zerrenden Hunde an der Leine, den Karabiner vorn quer vor der Brust. Und dort, am Ende des Zaunes, lärmt es auf. Sie bringen ihn! Ein johlender Haufen von Scharführern rennt am Zaun entlang zum Tor, knüppelschwingend! Ihnen voran, torkelnd und taumelnd, etwas, das einem Menschen ähnlich sieht. Der Flüchtling, von Hunden umrast und angesprungen. Er fällt, Hunde und Scharführer reißen ihn wieder hoch mit Gebell und Geschrei und Geknüppel. Er torkelt weiter, vornübergebeugt, die, Arme schützend gegen die anspringenden Hunde und prellenden Knüppel der Scharführer erhoben. Seine zerfetzte Kleidung flattert wie ein Harlekin-. kostüm in Streifen und Bändern um den blutenden Körper. So wälzt sich die Kavalkade den Zaun entlang, durch das Tor, ins Lager herein. An der Mauer des Bunkers bleibt der Flüchtling mit dem letzten Rest seiner Kraft kleben, sinkt dann aber wie ein Sack in sich zusammen. Gierig verbeißt sich das Rudel der Schweißhunde in seinem Körper. 49 Vielleicht ist der Flüchtling schon tot? Wohl ihm! Wir empfinden keinen Haß mehr gegen ihn, wenn wir auch einen ganzen Tag seinetwegen gestanden haben. So sehr wir ihn, den Ausreißer, gehaßt, so sehr empfinden wir jetzt mit ihm, als einem Freund und Bruder. Was da oben jetzt geschieht, geht alle an. Dort oben wird wieder einer ,, fertiggemacht". Dumpf und stumpf stehen wir und müssen zuschauen, wie sie ihn dort oben zu Ende bringen. In wehrlosem Grimm starren wir zum Tor. Keiner denkt mehr an die durchgemachten Strapazen, keiner fühlt mehr seinen schmerzenden Rücken. Die Gefühle der Tausende schmelzen zu einem einzigen zusammen... Hundertmal schon erlebt. Hundertmal schon in ohnmachtiger Wut nach oben gestarrt, dort, wo sie jetzt ihr Spiel treiben mit einem, der gleich ist mit uns. Mancher schiebt jetzt langsam die Hände in die Taschen, um seine Fäuste zu verstecken. Die erschlafften Gesichter werden finster und hart. Hinter tausend Stirnen schwelt ein Gedanke und funkelt in tausend stummen Augen. Die Scharführer umtanzen mit ihren Hunden das Menschenbündel... Der Lagerführer kommt, mit ihm der Rapportführer und der übrige Stab. Die Scharführer beenden ihr Spiel und leinen die Hunde an, während die prüfenden Stiefelspitzen der hohen SS- Offiziere in dem Haufen aus Blut und Kleiderfetzen herumstochern. Ein Wink des Lagerführers und 2 Häftlinge schleppen den ,, Bock" herbei. Schon steht ,, Sommer", der Scharführer vom Bunker bereit, peitschewippend. Im Vorgenuß des kommenden Spieles. Zwei Scharführer zerren das Menschenbündel hoch und werfen den völlig zerdroschenen und zerbissenen Flüchtling über den Bock. Sommers Peitsche saust. 25, 28, 30 furchtbare Hiebe zerfleischen das Gesäß des Unglücklichen. Er rührt sich nicht, er bäumt sich nicht auf im furchtbaren Schmerz. Er liegt, als wäre er schon tot. Vielleicht ist er tot?... Nein, er lebt. Wie grauenhaft: er lebt! Sie reißen ihn vom Bock herunter. Er fällt wie ein Sack zur Erde und kriecht auf allen Vieren- geschändet und der letzten Menschenwürde beraubt- zur Wand des Bunkers zurück. Hier bleibt er liegen wie ein verendendes Tier. Ein Scharführer zerrt ihn am Kragen hoch und lehnt ihn kunstvoll an die Mauer. Ei scheint an ihr kleben zu bleiben, denn er steht, schaukelnd zwar, mit eingeknickten Knien, aber er steht. Und vor ihm steht eine Embalage!... Ein Lattenrost, der übriggeblieben ist, von irgendeiner Maschinenlieferung. Da kommt dem Rapportführer Strippel ein glänzender Gedanke. Er bespricht diesen mit dem Lagerführer Rödl, dieser nickt und Strippel geht zum Mikrofon: ,, Das Zaunkommando ans Tor!" Wir wissen nicht, 50 was sie da Zaunkomm ein Mensch draht aus u In diesen sperren sie men, dort schnelles E er stirbt. D ,, Abrücken Wir wen wir zu den gerführer b verzetteln s Langsam ein.... Eins ein armer funkeln die steht er so treten, liegt W eh di zu hi U un un U W U u u pfinden seinetSo sehr Was da ,, fertigen, wie ren wir , keiner ausende merlebt. t, wo sie schiebt stecken. tausend Augen. ündel... er übrige nde an, in dem Wink des i. Schon schewiper zerren nen und aust. 25, chen. Er merz. Er ebt. Wie fällt wie und der ick. Hier t ihn am nt an ihr knickten Lattenrung. Da e. Er beStrippel sen nicht, was sie da oben vorhaben, aber es muß Ungeheuerliches sein. Das Zaunkommando schlägt den Lattenrost, der gerade so hoch ist, daß ein Mensch mit eingezogenem Kopf darin stehen kann, mit Stacheldraht aus und treibt lange Nägel durch das Holz nach innen. In diesen Käfig, in diese so hurtig improvisierte ,, Eiserne Jungfrau" sperren sie den Flüchtling ein.... Wäre er doch in den Bunker gekommen, dort könnte er sich wenigstens erhängen, und alles hätte sein schnelles Ende. Hier aber kann er sich nicht einmal anlehnen, wenn er stirbt. Denn er stirbt.... Strippel geht wieder zum Mikrofon: ,, Abrücken!" Wir wenden uns und recken die steifen Knochen. Langsam ziehen wir zu den Blocks, unsere Kranken mit uns schleppend. Der Herr Lagerführer begibt sich mit seinem Stab zum Kasino, die Scharführer verzetteln sich, der Appellplatz wird leer, das Schauspiel ist zu Ende... Langsam wird es dunkel, der Abend kommt, die Nacht bricht herein.... Einsam steht ein Lattenrost auf dem Appellplatz. Einsam steht ein armer Häftling. Verlassen von Welt und Mensch und über ihm funkeln die ewigen Sterne. Er ist ganz allein. Noch einen ganzen Tag steht er so und noch eine Nacht. Als wir dann zum Morgenappell antreten, liegt er tot in seiner Mausefalle.... Bruno Apitz, Leipzig, Buchenwald- Häftling Nr. 2417 Wie das Buchenwald- Lied entstand Wenn der Tag erwacht, eh' die Sonne lacht, die Kolonnen ziehn zu des Tages Müh'n hinein in den grauenden Morgen. Und der Wald ist schwarz, und der Himmel rot, und wir tragen im Brotsack ein Stückchen Brot und im Herzen, im Herzen die Sorgen. Und die Nacht ist heiß und das Mädel fern, und der Wind singt leis und ich hab sie so gern, wenn treu sie, ja treu sie nur bliebe! Und die Steine sind hart, aber fest unser Tritt, und wir tragen die Picken und Spaten mit und im Herzen, im Herzen die Liebe. 51 Und die Nacht ist kurz und der Tag so lang. Doch ein Lied erklingt, das die Heimat sang: Wir lassen den Mut uns nicht rauben! Halte Schritt, Kamerad, und verlier nicht den Mut, denn wir tragen den Willen zum Leben im Blut und im Herzen, im Herzen den Glauben. fuhr die waren. Text u eingeübt Ende De Buchenw Male( 70 Wütend O Buchenwald, ich kann dich nicht vergessen, weil du mein Schicksal bist. fehl, daß bis das I Wer dich verließ, der kann es erst ermessen, zert auf wie wundervoll die Freiheit ist! nicht gin O Buchenwald, wir jammern nicht und klagen. wieder w Und was auch unser Schicksal sei, etwa 4 S wir wollen trotzdem ,, Ja" zum Leben sagen, zum Ab denn einmal kommt der Tag, dann sind wir frei! Wir wollen ,, Ja" zum Leben sagen, denn einmal kommt der Tag, dann sind wir frei! und ins gerichte SS- Füh Lied sin oder be Dieses Buchenwald- Lied erklingt heute in aller Welt, so wie es mit den anderen Liedern aus Konzentrationslagern gegangen ist. Aber wenige wissen, wie es entstanden ist, und noch wenigere gibt es, die das , Einstudieren" dieses Liedes im Lager mitgemacht haben. Darüber sei hier berichtet: 25 Ende 1938 erklärte der damalige Lagerführer Rödl: ,, Alle andern Lager haben ein Lied, wir müssen auch ein Buchenwald- Lied bekommen. Wer eins macht, bekommt 10 RM". Es wurden nun viele Entwürfe von ,, Dichtern" oder ,, Komponisten" gemacht, aber die taugten alle nichts oder fanden bei der SS- Führung keinen Beifall. Nur das obenstehende Lied, das dann ja auch zur offiziellen ,, BuchenwaldHymne" erklärt wurde, setzte sich durch, weil der damalige Kapo der Poststelle, ein Bayer und von Beruf Konferencier, über die nötigen Verbindungen bei der SS verfügte. Der genannte Kapo bezeichnete sich als Verfasser von Wort und Melodie des Liedes. In Wahrheit ist das Lied von zwei österreichischen Juden gemacht: Der Text von Löhner- Beda, dem Librettisten Lehars, die Musik von Leopoldi, einem Wiener Kabarettsänger. Löhner- Beda ist leider in einem Nebenlager von Auschwitz gestorben. Leopoldi konnte noch rechtzeitig nach den Vereinigten Staaten von Amerika auswandern. Selbstverständlich er52 52 Er mul Endlich froren, Der Buche Sonne Frühl auch flexio heute kend. Ein keiten ! ! Lut, so wie es mit ist. Aber webt es, die das . Darüber sei ..Alle andern -Lied bekomun viele Enter die taugten ifall. Nur das Buchenwaldlige Kapo der er die nötigen po bezeichnete Wahrheit ist Der Text von eopoldi, einem em Nebenlager zeitig nach den erständlich erfuhr die Lagerleitung nicht, wer die wirklichen Verfasser des Liedes waren. Text und Melodie des Liedes mußten auf dem Block in der Freizeit eingeübt werden, bis es eines Tages, nach dem Abendappell- es war Ende Dezember 1938, bitterkalt und alles tief verschneit- hieß: ,, Das Buchenwald- Lied singen." Selbstverständlich konnte das beim ersten Male( 7000 Menschen standen auf dem Appellplatz) nicht klappen. Wütend ließ Rödl, der stinkbesoffen war, aufhören und gab den Befehl, daß jeder Block auf dem Appellplatz solange für sich üben müsse, bis das Lied klappe. Man kann sich denken, welch infernalisches Konzert auf dem Platz losging. Als Rödl merkte, daß es auf diese Weise nicht ging, ließ er Strophe für Strophe gemeinsam singen und immer wieder wiederholen. Erst nachdem das ganze Lager auf diese Weise etwa 4 Stunden in bitterster Kälte gestanden hatte, gab er den Befehl zum Abmarsch. Aber während sonst jeder Block einfach kehrt machte und ins Lager zurückging, war es diesmal anders. In Zehnerreihen ausgerichtet, mußte jeder Block am Tor bei Rödl und anderen besoffenen SS- Führern stramm vorbeimarschieren und dabei das BuchenwaldLied singen. Wehe dem Block, der nicht genau ausgerichtet ankam, oder bei dem das Singen noch nicht ganz nach Rödls Wunsch klappte! Er mußte unbarmherzig zurück und nochmals vorbeimarschieren. Endlich, gegen 10 Uhr abends, kamen wir, ausgehungert und steifgefroren, auf unseren Block. Stefan Heymann, Weimar( Thüringen) Der 13. Mai 1938- ein schwarzer Tag im Lager! Der 13. Mai 1938 gilt als schwarzer Tag in der Geschichte des Lagers Buchenwald. Wir befanden uns an diesem Tage auf Block 30. Die Sonne schien, und der Wald leuchtete in den ersten jungen Farben des Frühlings. Es war ein herrlicher Tag. Die Schönheit der Natur regte auch uns Gefangene an. Doch ergingen wir uns nicht in lyrischen Reflexionen, sondern wir hingen praktischeren Erwägungen nach. ,, Wenn heute", meinte ein Kamerad, versonnen in das Grün des Waldes blikkend ,,, wenn heute keiner abhaut, soll es mich wundern." Eine leidenschaftliche Auseinandersetzung über die Fluchtmöglichkeiten war die Folge dieses lautgewordenen Gedankens. Die einen be53 gemunjahten, die anderen verneinten sie. Während wir uns noch erhitzten über die Unmöglichkeiten einer Flucht, wurde es im Lager lebendig. Gefangene rannten über den Appellplatz, Gruppen bildeten sich, Neugierige liefen herzu, und mit Windeseile verbreitete sich das Gerücht im Lager, daß Zweie getürmt seien. Aber noch Tolleres wurde kelt: Die zwei hätten einen SS- Mann erschlagen. Dieses Gerücht lähmte uns und floß bleischwer in die Glieder. Was würde mit uns geschehen, wenn es sich bewahrheitete? Mußte sonst das ganze Lager stehen, wenn einer getürmt war, so ließ sich das Kommende nicht ausdenken. Koch, dem Lagerkommandanten, war alles zuzutrauen. Dem kam es nicht darauf an, für einen SS- Mann das halbe Lager umzulegen. Für einen SS- Mann?... Andere wußten bereits zu berichten, daß nicht nur einer, sondern zwei Posten erschlagen worden seien. Jawohl, im Kommando Kläranlage sei es geschehen. Der eine Posten sei sogar von einem Häftling erschossen worden. Keiner glaubte es, alle glaubten es. Keiner wußte etwas, alle wußten etwas. Überall wurde erregt geflüstert, überall stand man zusammen und lauschte gespannt den Berichten, und das Gerücht sprang von einem zum anderen, von Block zu Block und zuckte kreuz und quer durchs ganze Lager. Angstvoll schauten wir zum Tor, als könnten wir aus dem Verhalten der Blockführer Schlüsse auf die Wahrheit des Gerüchtes schließen. Aber da oben verhielt sich alles ruhig und normal. Das gab Veranlassung, die ganze Geschichte wieder zu dementieren: Es ist alles Parole, hieß es, niemand ist getürmt, keiner ist erschlagen worden. Nur zu willig gab man sich solchen beruhigenden Äußerungen hin. Ging ein Blockführer durchs Lager, liefen die erregten Gruppen auseinander und verschwanden in ihre Blocks. Oder man zog, wenn man nicht verschwinden konnte, still die Mütze, wie es Pflicht war und schaute dem SSMann verstohlen nach: was hatte der vor? Wo ging der hin? Was wollte der um diese Zeit im Lager? Die Luft war wie mit Elektrizität geladen, und es lastete auf allen ein so starker Druck, daß einem das Atmen schwer wurde. Wenn man nur Genaues wüßte, aber keiner konnte sagen, was war. Es gab nur Geflüster und Getuschel, Vermutungen und Gerüchte. Eines stand fest: geschehen war etwas! So ging der Vormittag hin. Gegen Mittag ereigneten sich Dinge, die eine furchtbare Bestätigung der Gerüchte waren. Das Kommando Kläranlage rückte vorzeitig ein. Das war der Beweis von der Wahrheit der Berichte. Wir sahen von unserem Block aus die ersten Häftlinge des Kommandos ankommen. Zu Fünfen, Sechsen rannten sie, von wüten54 den S entlan brüllte schien menge bener Nach auf, u den P Bauc Furch der Z komm auf d gegen faltet verh ware weit Fors mali Auf Die Sie blut daß Köp nich auch eing gatz auf kaff S län N Ap Stu mit h erhitzten t lebendig, ‚sich, Neu- as Gerücht :de gemun- s Gerücht mit uns ge- anze Lager nicht aus- auen. Dem ‚ger UMZU- berichten, den seien, ine Posten glaubte es, »rall wurde e gespannt deren, von ger. Angst- halten der eßen. Aber -anlassung, arole, hieß r zu willig ein Block- or und ver- verschwin- e dem 55-‘ Was wollte ät geladen, Jas Atmen ner konnte mutungen 0 ging der ine fur cht- Kläranlage jt der Be filing® der ‚oD wüteD* den SS-Leuten mit Kolbenschlägen vorwärtsgetrieben, am Lagerzaun entlang. Immer neue Gruppen wurden hochgejagt. Die SS schlug und brüllte. Vıule Häftlinge taumelten und torkelten wie betrunken. Viele schienen verwundet. Dann kamen größere Trupps, ängstlich zusam- mengeballt, eskortiert von wütender SS. Wie Rudel zusammengetrie- bener Tiere rannten die Trupps am Zaun entlang. Zuletzt noch einige Nachzügler, die nicht mehr laufen konnten. Sie hinkten den Berg her- auf, und wenn sie zusammenbrachen, wurden sie von wutschäumen- den Posten mit Fußtritten hochgejagt. Überallhin traten sie: in den Bauch, an die Geschlechtsteile, ins Gesicht, wohin sie gerade trafen. Furchtbar war es anzusehen, wir konnten. die Schreie hören, obwohl der Zaun von uns über 200 Meter entfernt war. So rückte das Arbeits- kommando„Kläranlage“ ein und sammelte sich vor dem Arrestbunker auf dem Appellplatz. Hier stand das Kommando viele Stunden bis gegen Abend mit erhobenen Armen, die Hände hinter dem Kopf ge- faltet: der ‚„‚Sachsengruß“. Unterdes erfuhren wir den wahren Sach- verhalt. Es bestätigte sich die Wahrheit der Gerüchte. Zwei Häftlinge waren geflohen und ein SS-Posten von ihnen erschlagen worden. Rall- weit hieß der SS-Mann(er war einer der ärgsten„Schläger‘‘ gewesen), Forster und Bargatzki die beiden Geflohenen. Forster war ein ehe- maliger Fremdenlegionär und Bargatzki ein BVer(Berufsverbrecher). Auf dem Appellplatz lagen einige Leichen. Unschuldige Opfer der 9: Die Toten hatten mit der Flucht jener beiden nichts zu tun gehabt. Sie waren unter die Gewehrkolben der SS geraten und'wahllos zu blutigen Bündeln zusammengeschlagen worden. Ich vergesse nicht, daß einige Blockführer vor diesem Fleischhaufen standen und die Köpfe schüttelten, als wollten sie sagen: sowas haben selbst wir noch nicht gesehen. Und das will was heißen. Unter den Toten befand sich auch ein Kamerad aus Leipzig, der erst vor wenigen Tagen im Lager eingetroffen war. Seine Name war Kurt Höritzsch. Forster und‘Bar- gatzki hatten Kallweit mit einem Spaten niedergeschlagen, als sie sich auf dem Wege zur Baubude befanden, aus welcher sie den Frühstücks- kaffee für das Kommando holen sollten. Sie hatten dem Erschlagenen die Waffen abgenommen und waren längst über alle Berge, als die Flucht entdeckt wurde. Nun standen die 200 Mann des Kommandos Kläranlage auf dem Appellplatz und harrten ihrem Schicksal entgegen. Es waren schwere Stunden für das ganze Lager. Denn was der eine erlebte, litt der andere mit, Standartenführer Koch, der Lagerkommandant, kam, und wir 59 verfolgten mit sorgenvollem Herzen die Vorgänge dort oben am Tor.. Es hieß, er wolle jeden zehnten Mann des Kommandos erschießen lassen. Die bleierne Last, die auf uns allen lag, vergrößerte sich durch die Ungewißheit. Wir waren gewohnt, bei der Flucht eines Häftlings solange auf dem Appellplatz zu stehen, bis der Flüchtling gefunden worden war. Wir hatten schon einmal 19 Stunden gestanden. Aber in diesem Fall war es etwas anderes. Hier gab es einen toten SS- Mann. Mit Stehen allein war es nicht abgetan, das fürchteten wir. Was also würde kommen?... Das Kommando Kläranlage stand die ganze Nacht. Es erhielt keine offizielle Strafe. Kallweit wurde begraben und die beiden Flüchtlinge gesucht. Aber von dem Tag an waren die Unglücklichen, die in der Kläranlage arbeiteten, Todeskandidaten. Die SS nahm blutige Rache. für den einen aus ihren Reihen. Täglich schleppten die Häftlinge der Kläranlage ihre Toten ins Lager, die erschossen, erschlagen und zu Tode getrampelt worden waren. Oder die auch ohne Miẞhandlungen, sondern einfach an den unmenschlichen Arbeitsleistungen, die jetzt gefordert wurden, zugrunde gingen. Kläranlage! Das Wort schmeckte nach dem Rauch, der aus dem Kamin des Krematoriums stieg.... Zuerst wurde Bargatzki wieder eingefangen und am Abend vor Pfingsten auf dem Appellplatz öffentlich gehenkt. Forster hatte sich bis zur Tschechei durchgeschlagen, war dort als politischer Flüchtling interniert, nach Besetzung der Tschechoslowakei durch die Deutschen aber ausgeliefert worden. Er kam zurück nach Buchenwald. Kurz vor dem Weihnachtsfest 1938 legte auch er seinen Kopf in die Schlinge. Er wurde gehängt, als das Lager zum Abendappell angetreten war. Ich sehe noch, wie er im Scheine der elektrischen Strahler leichtfüßig, fast freudig die Treppe zum Galgen hinaufschritt. Er baumelte noch in der letzten Schwingung des entflohenen Lebens, als durch den Lautsprecher das gewohnte Kommando ertönte: ,, Arbeitskommandos antreten." Bruno Apitz, Leipzig, Buchenwald- Häftling Nr. 2417 Der h schütter wandelt Dam waren, Lagerle gültig g loren. wir ,, st wir am hieß es Verhu Bild de 56 Und zentral Auch b noch n griff a e am Tor. chießen h durch äftlings efunden Aber in S- Mann. Vas also elt keine chtlinge in der e Rache inge der und zu Hlungen, Hie jetzt meckte eg... end vor atte sich üchtling eutschen Kurz vor Schlinge. ten war. htfüßig, Ite noch en Lautndos ang Nr. 2417 Galgen für sechs Delinquenten Das ,, kleine Lager" Der bekannte Schlager: ,, Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern..." wurde von uns alten Lagerhasen in die Version abgewandelt: ,, Das kann doch einen Häftling nicht erschüttern". Damit sollte zum Ausdruck gebracht werden, wie abgehärtet wir waren, welche dicke Haut wir bekommen hatten. Den Gefahren des Lagerlebens, dem Tod und den Brutalitäten der SS standen wir gleichgültig gegenüber. Wir hatten fast vor all diesen Dingen den Respekt verloren. Es gab nichts, was uns noch hätte erschüttern können. Mußten wir ,, stehen", gingen wir über den Bock, in den Bunker, oder hingen wir am Baum, beeinträchtigte uns das kaum mehr. ,, Pech gehabt", hieß es im äußersten Falle. Leichen, Kranke, Krüppel, Abgezehrte, Verhungernde, was waren sie uns noch? Sie gehörten zum alltäglichen Bild des Lagers. Und doch gab es noch etwas, das auch uns alte, abgebrühte Konzentrationäre erschüttern konnte. Das war das ,, Kleine Lager". Auch heute, da wir der Hölle entronnen sind, nennen wir diesen Namen noch mit einer gewissen Scheu. Dieses ,, Kleine Lager" war der Inbegriff alles menschlichen Elends. 49 57 Einer der Eingänge zu den Wohnblocks des kleinen Lagers „Der Menschheit ganzer Jammer faßt mich an!“ stöhnt Faust, als er vor Gretchens Kerker steht. Hätte Goethe Worte finden können, wenn er vor dem Kerker der Tausende da oben auf dem Eittersberg gestanden?— Keine Sprache der Erde findet auch nur annähernde Begriffe, um die furchtbarsten aller Zustände zu schildern, die im „Kleinen Lager‘ herrschten. Und ich soll darüber schreiben?... Das„‚Kleine Lager‘ war eine Gesamtheit von Blocks innerhalb des Lagers Buchenwald. Es bestand aus alten Pferdeställen, die von einem doppelten Stacheldrahtzaun umgeben waren. Hier wurden die Massen der täglich einlaufenden Zugänge zusammengetrieben. Hier hausten sie, die aus anderen Lagern nach Buchenwald gebracht worden waren, Franzosen, Holländer, Polen, Rumänen, Russen, Griechen, Belgier, Ungarn, Deutsche, Juden aller Nationen, Zigeuner, hochgebildete Menschen, Geistesschwache, Kranke, Krüppel, Verbrecher, Greise, Kinder, alles durcheinander. Ein einzelner Block war im Durchschnitt mit über 1000 Mann belegt. Die Blocks entbehrten jeglicher Einrichtung, die den Aufenthalt von Menschen, noch dazu in so großer Anzahl, berechtigt erscheinen ließen. Es gab z.B. keine Fenster, denn'es waren, wie gesagt, alte Pferdeställe, 58 die n besaß Wen des P bar. dieB] der I. war d fange sie, w oder: die nur eine schmale, kaum 25 cm ,, breite" Glasritze als ,, Fenster', besaßen. An den Längswänden befanden sich die ,, Betten". Betten! Wenn ich das Wort schon höre. Es waren dreifach bis unter das Dach des Pferdestalles aufgestaffelte Holzverschläge, Obsthürden vergleichbar. In diesen ,, Betten" lebten die Gefangenen. Lebten! Ja! Denn die Blocks waren so eng und derart überfüllt, daß sich das tägliche Leben der Insassen buchstäblich im Bett abspielte. Ein Aufenthalt im Block war durch die Enge des Raumes nicht möglich. So lagen denn die Gefangenen in ihren Verschlägen und verbrachten den Tag. Hier aẞen sie, wenn sie am Tisch keinen Platz fanden, hier schliefen sie. Spinde oder Schränke zur Aufnahme der Habseligkeiten gab es keine, und der aust, als können, ttersberg mähernde , die im ... halb des on einem e Massen hausten en waren. Belgier, gebildete Greise, chschnitt thalt von en ließen. rdeställe, In einem der Pferdeställe 59 59 Gefangene mußte seine wenigen ,, Brocken", die er besaß, im Bett unterbringen, selbst seine Eßschüssel. Ein infernalischer Gestank herrschte im Raum, der selbst uns, die wir daran gewöhnt waren, den Atem stocken ließ. Es wimmelte von Ungeziefer, von Flöhen und Läusen. Wenn ich sage, daß die Flöhe massenweise auf dem Fußboden herumhüpften, so bitte ich das wörtlich zu nehmen, selbst wenn du dir, lieber Leser, keine Vorstellung davon machen kannst. Aber wärest du mit mir in einen solchen Block gegangen und hättest auf den Fußboden geschaut, dann hättest du sie fröhlich hüpfen sehen können. Verdreckt, verlaust und ungewaschen, unrasiert, stinkend vor Kot, von eiternden Wunden geplagt, so lebten die Menschen im ,, Kleinen Lager". Phlegmone und Wassersucht waren die häufigsten Krankheiten. Phlegmone, das heißt: eiternde Wunden, so groß wie eine Hand, mit Löchern, in die man bequem eine Faust stecken konnte. Wassersucht, das heißt: geschwollene Füße, so dick wie Oberschenkel. Die Insassen des ,, Kleinen Lagers" unterschieden sich wesentlich von den anderen, die das Glück hatten, in relativ besseren Wohnverhältnissen zu leben. Als Kleidung dienten jenen nur Lumpen, die sie Tag und Nacht auf dem Leib hatten, denn auch des Nachts entledigten sie sich ihrer Kleidung nicht. Es gab für sie ja keine Decken, und die Nächte waren kalt. So wurden Menschen, die im zivilen Leben vielleicht eine Tonnenachtbare Stellung innegehabt hatten, binnen kurzem zu adlern" ,,, Muselmännern" und ,, Kretinern", die sich aus Kehrichthaufen und Abfalltonnen das noch ,, Brauchbare" herausklaubten, die Kartoffelschalen und verfaulte Steckrüben aßen. Die den Futterwagen des Schweinestalles überfielen und sich eine Mütze voll Schweinefutter klauten, um es an Ort und Stelle gierig zu verschlingen. Völlig abgestumpft, in tierischer Gleichgültigkeit, ließen sie sich treten und prügeln. Einem ,, Tonnenadler" konnte man in die Fresse hauen oder in den Arsch treten, ohne daß er mit einer Regung darauf reagiert hätte. Höchstens, daß er einmal weinte wie ein Kind. Wurde er angebrüllt: ,, Hau ab, du verfluchter Speckjäger!" dann trottete er stumpfsinnig fort. Bekam er noch einen kräftigen Tritt in den Hintern mit auf den Weg, drehte er sich nicht um, lief auch nicht schneller, sondern torkelte nur- vom Fuẞtritt aus seinem Gleichgewicht gebracht- einige Schritte, um dann wieder in seinen stupiden Trott zu verfallen. Am Zaun des ,, Kleinen Lagers" standen sie den ganzen Tag über, eingefangenen Tieren ähnlich, und stierten geistlos auf die Vorübergehenden. Bettelten um eine Kippe. Sie empfingen keine Briefe und durften keine 60 " schre nicht uns f ken, Fleck Sie hinte mor gesa hina rich Wag Teil D Inst blof Wei „ Kr Bett stank m, den 1 Läuboden nn du wärest Fußen. Kot, leinen KrankHand, Wasserel. Die on den tnissen ag und sie sich Nächte schreiben. Verschollene für ihre Angehörigen waren sie, und wir wußten nicht, woher sie kamen, wer sie waren. Sie sprachen eine Sprache, die uns fremd war, und hinter ihrer gefurchten Stirn dachten sie Gedanken, die wir nicht kannten. Sie waren die Seuchenträger des Lagers. Fleckfieber, Bauchtyphus und Ruhr wüteten mörderisch unter ihnen. Sie verreckten wo sie standen und lagen. Am Tage in einem Winkel hinter ihrem Block, des Nachts in ihren Bretter verschlägen. Frühmorgens wurden die Toten aus den Blocks... getragen( hätte ich bald gesagt). Aber ein Toter des ,, Kleinen Lagers" wurde nicht zum Block hinausgetragen, sondern hinausgeworfen, so wie eine Schaufel Kehricht hinausgeworfen wird. Dann wurden die Leichen auf einen großen Wagen eingesammelt und zum Krematorium gefahren. Den größten Teil der 51000 Toten lieferte das ,, Kleine Lager"... Der ewige Hunger, die absolute Besitzlosigkeit, legten die niedrigsten Instinkte, die in einem Menschen wohnen können, in ihnen nackt und bloẞ. In den Blocks bestahlen sie sich gegenseitig in unvorstellbarer Weise. Täglich kam es zu Zusammenstoßen unter ihnen. Wenn die ,, Kretiner" des ,, Kleinen Lagers" anderen gegenüber sich passiv und ht eine Connen-hrichtten, die rwagen efutter g abgeand prüoder in t hätte. ebrüllt: pfsinnig auf den torkelte Schritm Zaun angenen Bettelen keine Das Bild zeigt die Trostlosigkeit des kleinen Lagers 61 apathisch verhielten, unter sich wurden sie zu Bestien. Plötzlich entsteht ein Tumult im Block. Was ist wieder los? Da haben sich Zweie ineinander verbissen, wie hungrige Hunde. Der eine umklammert mit schmutzigen Händen ein Stück Brot, das ihm der andere entreißen will. Sie zerren und schreien, packen sich und schlagen aufeinander ein. Das Brot fällt zu Boden und wird im Dreck zertreten und zertrampelt. Das ers La gers" am ganze während die Knar sitz ergri nach dem etwas Ra freie Men hatte sie Daseins ken und Größe de Sie bli Kann als die S Befreiun Soldaten betraten Wenn tion nich Die größte Sterblichkeit hatte das kleine Lager Täglich lagen vor den Baracken Leichenhaufen Andere fischen es sich zwischen den trampelnden Beinen auf und stopfen sich die Brocken hastig in den Mund und wollen mit dem Rest verschwinden. Aber es sind schon wieder Neue da, die Beute wittern, und so jagen sie sich gegenseitig den Raub wieder ab. Tumult und Menschenknäuel! Und ehe der Blockälteste kommt, um die Irrsinnigen auseinander zu treiben, liegt schon einer am Boden, die zerfetzten Lumpen glitschen im Blut, das aus seinem Bauche quillt. Ein Küchenmesser liegt neben ihm. Wer hat gestochen? Der Täter ist im Trubel verschwunden! Vielleicht ist es jener, der dort in der Ecke steht und zertretenes Brot gierig und hastig verschlingt, mit wachsamen Augen um sich schauend. Ein Pole, ein Russe, ein Franzose, ein Deutscher?... Ein Menschentier!... Um ein Brot oder auch nur um einen alten Fetzen verdreckten Stoff haben sie sich gegenseitig totgeschlagen. 62 39 SS- Verb schwanz zwischen Krönung Leute, Dachau Als da Waldwi pische A Die Ins Die Ge Häftlin den dur in der stopst vern, und Mennigen etzten LichenTrubel at und Augen er?... Fetzen ent. Zweie -t mit eißen er ein. mpelt. Das erschütterndste Bild aber boten die Insassen des ,, Kleinen Lagers" am Tage unserer Befreiung, dem 11. April 1945! Während das ganze Lager aufjubelte im Rausch der wiedergewonnenen Freiheit, während die Kolonnen der antifaschistischen Kämpfer marschierten, die Knarre in der Hand, die SS gefangen nahmen und vom Lager Besitz ergriffen, standen die Insassen des ,, Kleinen Lagers" noch lange nach dem Einmarsch der Amerikaner am Drahtzaun und bettelten um etwas Rauchbares. Keine Auflockerung ihrer Züge zeigte an, daß sie freie Menschen geworden waren. Keine Freude und keine Erregung hatte sie erschüttert, so tief waren sie in den Pfuhl ihres erbärmlichen Daseins gesunken. Durch den faschistischen Terror, durch die Schrekken und Qualen ihrer Gefangenschaft völlig entmenscht, hatten sie die Größe des Geschehens überhaupt nicht begriffen. Sie blieben das, zu dem sie das ,, Kleine Lager" gemacht hatte. Kann eine Anklage gegen die nazistischen Mörder grauenhafter sein, als die seelische Unfähigkeit tausender Menschen, die Tatsache ihrer Befreiung zu erkennen? Ich habe Tränen in den Augen amerikanischer Soldaten gesehen, als sie zum erstenmal die Hölle des ,, Kleinen Lagers" betraten... Bruno Apitz, Leipzig, Buchenwald- Häftling Nr. 2417 Korruption der SS in Buchenwald Wenn man über die SS spricht, kann man auch das Kapitel Korruption nicht unerwähnt lassen. Beides bildet eine unteilbare Einheit. Wo SS- Verbände zu wirtschaften begannen, zogen sie einen Rattenschwanz von Korruptionsfällen nach sich. Die Öffentlichkeit hat inzwischen erfahren, daß in Auschwitz und Lublin dieses Treiben seine Krönung erfuhr. Die nötige ,, Lagererfahrung" erwarben sich diese SSLeute, die nach den besetzten Gebieten kamen, in Buchenwald, Dachau und Sachsenhausen. Als das Lager Buchenwald im Sommer 1937 inmitten einer dichten Waldwildnis auf dem Ettersberg bei Weimar entstand, war es das typische Aufbaulager, mit einer Belegschaft von etwa 2000 Häftlingen. Die Insassen waren Deutsche und noch dazu fast alles arme Teufel. Die Geldmittel waren sehr beschränkt, die die Angehörigen dieser Häftlinge schicken konnten. Geld war das einzige, was geschickt werden durfte, und jeder war auf die paar Pfennige angewiesen, um sich in der Häftlingskantine zusätzlich einige Nahrungsmittel oder Rauch63 waren kaufen zu können. Entlohnung durch die SS erhielt bekanntlich keiner. Zunächst war die Kantine die einzige Möglichkeit, sich an den Häftlingen zu bereichern. Der gesamte Bedarf des Häftlingslagers wurde teils von der ,, SS- Gemeinschaft Dachau" gedeckt, teils über die Buchenwalder Führerküche. Beide Einrichtungen stritten sich jahrelang um den Profit an den Häftlingsgroschen und das Verkaufsprivileg. Die SS- Kantinengemeinschaft Dachau, deren Chef der berüchtigte Eicke war, raffte die Profite als Zentrale für die Bonzen der NSDAP und der SS, während Einkäufe über die Führerküche Buchenwald es den Buchenwalder SS- Führern möglich machte, von 1937 bis 1943( vier Kriegsjahre inbegriffen) herrlich und in Freuden umsonst, auf Kosten der Häftlinge bei gemeinen Wucherpreisen zu leben. Ich wünschte, jeder meiner Leser hätte Gelegenheit gehabt, einen Speisezettel des Führerheims einmal zu sehen, als bereits im Reich alles aufs schärfste rationiert war. Es fehlte nichts! Von den besten Weinen, Likören und Sekt, bis zu den seltensten Delikatessen, Konserven, Fleisch, Wurst, Schokolade und Keks war alles da oder wurde SS- mäßig beschafft. Jeder Führer wußte, wo das Geld herkam, aber keiner hat sich geschämt, dort kostenlos zu fressen und zu saufen. Das Wohlleben steigerte sich mit der Vergrößerung des Lagers. Waren es zuerst nur verhältnismäßig wenig Häftlinge im Lager, so änderte sich die Situation 1938 durch die große Judenaktion. Mit den Juden kamen Ströme von Geld und Wertsachen. Und nicht die blühendste Phantasie kann sich ausmalen, was sich täglich für Kriminalfälle abspielten. Zweifellos war es eine primitive Form der Enteignung, den jüdischen Besitzer einer goldenen Uhr oder goldener Zähne einfach totzuschlagen, um das Gewünschte zu bekommen. Geschäftstüchtiger war es schon, im Rahmen der Gesamtheit die Juden zu schröpfen und total auszuplündern. Die SS setzte für die an die Juden zu verkaufenden Waren Sonderpreise fest, und damit war für sie das Problem gelöst. Am 9. November 1938 startete die Rathaktion, die ihr vielleicht noch durch den Sturm auf Judenläden und das Anbrennen von Synagogen in Erinnerung habt. Buchenwald brachte diese Aktion 10000 Zugänge, die offiziell nicht ins allgemeine Häftlingslager übernommen wurden, die nicht eingekleidet wurden und somit ihr gesamtes Eigentum behielten. Diese Juden wurden in fünf besonderen Baracken untergebracht. Zu schildern, was sich dort abspielte, ist nicht meine Aufgabe. Es sei nur soviel bemerkt, daß Hunderte wahnsinnig wurden, 64 massenv ertranke gezwung Photos d sie durch Die J hereinge gann. D Lagerko einer gr begann, diesem das Ges warme unterzu blieb de Aber sie Noch der Fah Sie ging Kraftwa besitzer lingen T U ,, fixe" nach de Juden keine, d der die Hackma Wagen, brot we Diese S schwoll wie ma wollte e Zugang Jonny mation wenn ih B kanntlich den Häfters wurde er die Bujahrelang ivileg. Die gte Eicke DAP und ald es den 1943( vier uf Kosten abt, einen im Reich len besten sen, Konder wurde kam, aber aufen. Das Waren es nderte sich den kamen Phantasie pielten. jüdischen totzuschlager war es und total kaufenden em gelöst. vielleicht von Synation 10000 bernommen mtes Eigenaracken unmeine Aufig wurden, B massenweise den Tod im elektrischen Draht suchten, in der Latrine ertranken oder spurlos verschwanden. Die Politische Abteilung war gezwungen, die unbekannten Toten besonders zu numerieren und die Photos dieser Leichen an alle möglichen Gestapostellen zu schicken, um sie durch Nachfrage haltende Angehörige identifizieren zu lassen. Die Juden der Rathaktion waren noch nicht gar ganz zum Lagertor hereingeprügelt worden, als bereits das Schröpfen im großen Stil begann. Der Chef der Effektenkammer und Vertraute des damaligen Lagerkommandanten Koch, SS- Hscharf. Gotth. Michael, erschien mit einer großen Aktentasche, einigen Listen und einem Tischchen und begann ,,, für wohltätige Zwecke" zu sammeln. Tagesdurchschnitt bei diesem einträglichen Geschäft waren etwa 50000 RM. Mehrere Tage das Geschäft fortgesetzt, brachte den Herren dann die Sorge, wie der warme Regen auf den Bankkonten ihrer Schwiegerväter oder Frauen unterzubringen wäre. Wie Koch und Michael mit dem Geld verfuhren, blieb den übrigen SS- Leuten unbekannt, sie konnten es nur ahnen. Aber sie hielten sich natürlich auf ihre Art schadlos. Noch keine drei Tage waren vergangen, als Michael und der Leiter der Fahrbereitschaft, SS- Oberscharf. Meyer, ein neues Ding drehten. Sie gingen zum Mikrofon: ,, Baracken 1-5 a herhören! Alle Besitzer von Kraftwagen, Baujahr 1938 sofort zum Tor!" Die glücklichen Wagenbesitzer traten in zwei Gliedern an und gaben dazu beauftragten Häftlingen Type, Wagennummer, Standort usw. an. Die SS waren alles ,, fixe" Jungens. Es dauerte auch gar nicht lange, bis ein Klassewagen nach dem anderen seinen Besitzer wechselte. Die Entlassung dieser Juden wurde davon abhängig gemacht. Schwierigkeiten entstanden keine, da selbst ein Notar mit dem Davidstern sofort bei der Hand war, der die Kaufverträge entwarf. Michael, Meyer, SS- Ostuf. Hermann Hackmann waren die ersten Käufer. Kaufpreise verblüffend niedrig! Wagen, die bis zu 10000 RM gekostet hatten, gingen für ein Butterbrot weg. Hackmann, genannt Jonny, war zu dieser Zeit Lagerführer. Diese Stellung machte ihn zu einem kleinen Krösus. Seine Brieftasche schwoll in überraschend kurzer Zeit an. Ein Beispiel mag verdeutlichen, wie man mit Häftlingseigentum umging. In der Rapportführerstube wollte ein Transportführer von der Polizei Geld und Wertsachen für Zugänge aus dieser Judenaktion übergeben. Er verlangte Quittung. Jonny lehnte ab, mit den Worten: ,, Kommt gar nicht in Frage. Reklamationen gibt es bei uns nicht. Da wird der Mistvogel gerufen, und wenn ihm etwas nicht paẞt, bekommt er den Arsch voll". Die Gestapo 65 Frankfurt, die besonders zahlreiche Zugänge gebracht hatte, lieferte die Asservate der Zugänge mit Lastwagen an, auf denen in Säcken verpackt für jeden Mann eine Tüte mit Brieftasche, Uhr, Geldbörse usw. sich befand. Große Summen und sonstige Sachen von besonderem Wert hatte die Gestapo bereits in Frankfurt a. M. den Tüten entnommen. Geldbeträge von 6-8000 RM wurden als fehlend gemeldet. Da die Tüten nur ungenügend beschriftet waren, die angegebenen Personalien mangelhaft waren, kam es oft vor, daß der rechtmäßige Besitzer nicht ermittelt werden konnte oder bereits wieder entlassen war, bevor die Aushändigung erfolgen konnte. SS- Hschf. Michael war somit in der Lage, seinem Herrn und Meister Koch anständige Summen zu übergeben und aus den Fundgegenständen, in diesem Fall goldenen Uhren, ihm einen goldenen Revolver, genau für seine Hand passend, anfertigen zu lassen. Für die Damen fanden sich ein paar passende Brillantringe, für Frau Michael ein besonders schöner Schlangenring, natürlich neben verschiedenen anderen netten Sachen. Michael war Geschäftsmann, der sofort die Lage erfaßte und die Notlage dieser Juden zu einem großen Geschäft ausnutzte. Er setzte sich mit dem Modehaus Hermann in Halle a. d. S. in Verbindung. Ganze Wagenladungen von Wolldecken, Pullovern, Pantoffeln, Schnürschuhen, Handschuhen, Wollschals rollten an. Die Zugänge waren meist in Halbschuhen gekommen, versanken im Buchenwalder Schlamm bis an die Knöchel und brauchten also die Schuhe wie das liebe Brot. Die Preise betrugen ungefähr das Vierfache des normalen Wertes. Die Umsätze waren kolossal und der Gewinn ging in die Hunderttausende. Der Verkauf wurde völlig in die Hand von Häftlingen gelegt, wie alle schmutzige Arbeit gern den Sklaven übertragen wurde. Man konnte in dieser Beziehung sehr großzügig sein. Bei der Entlassung mußten die gekauften Sachen zurückgelassen werden. Es war doch nett, daß besonders die Deckenbestände dadurch anwuchsen. Jetzt kam ein neuer Dreh! Im Lager wurde durch die Gerätekammer der Deckenbestand aller Blocks neu aufgenommen. Alle überzähligen Decken wurden eingezogen. Hscharf. Beier, Chef der Gerätekammer, rieb sich die Hände. Man ließ etwas Zeit verstreichen, und als nach der Besetzung Hollands Michael ein neues Geschäftchen ausbaldowert hatte, kam Beier zum Zug. Michael verschob im großen Stil im Kuriergepäck Devisen nach Holland und kaufte dafür bei seinen Kameraden, die gerade ein neues Konzentrationslager Ammersfoort aufmachten, Ware. Die überzähligen Decken von Beier nahm er mit, weil man sie gut für Amersfoort ge66 brauche waren, Komma Kinder gaß nie. liefern. das SSmußte. haus. D des Rei gisch" d schiebu Im J Name Von sic kreuz) wurde seine ei Liefera dienst Kranke ner" im gen Tag den Ar einzeln gen ode schon i Motz erhielt Häftlin Gesche nomme größen Herrn von zw das ma Teppic der B dort h 5. lieferte Säcken eldbörse besondeiten entemeldet. men PerBige BeSsen war, ar somit mmen zu goldenen send, anBrillantnatürlich eschäftsJuden zu Modehaus ngen von schuhen, uhen geKnöchel betrugen ze waren Verkauf chmutzige dieser Begekauften onders die Oreh!. tand aller Hen eingeie Hände. Hollands Beier zum visen nach ein neues erzähligen rsfoort ge- brauchen konnte. Die neuen Decken, die für das neue Lager gekauft waren, wanderten mit Lebensmitteln, seidener Damenwäsche für die Kommandeuse, Herrenstoffen und anderen guten Sachen, bis zum Kinderwagen nach Buchenwald.- Ein aufmerksamer Unterführer vergaẞ nie, für seinen Kommandanten einen anständigen Brocken abzuliefern. Michael war darin Meister. Er trieb es aber so toll, daß selbst das SS- Gericht sich mit anderen Skandalfällen dann mit ihm befassen mußte. Trotz seiner Tüchtigkeit wanderte er auf zehn Jahre ins Zuchthaus. Das geschah zu einer Zeit, als die Korruption in allen Lagern des Reiches bis nach Berlin stank und man die Absicht hatte ,, energisch" durchzugreifen. Anlaß hatten ungeheure Gold- und Brillantenschiebungen der SS im Konzentrationslager Lublin gegeben. Im Jahre 1940-41 erschien in Buchenwald ein neuer Arzt. Sein Name war Waldemar Hoven, SS- Ostuf., immer freundlich und nett. Von sich selbst sagte er, als er den Gefrierfleischorden( Kriegsverdienstkreuz) erhielt: ,, Bist kein Held, bist ein Mann, der gefällt". Hoven wurde befördert zum SS- Hstuf. und wurde Lagerarzt. Damit begann seine eigentliche Laufbahn. Er hatte viele Eisen im Feuer. Einer seiner Lieferanten war ein Häftling mit Namen Motz. Dieser war Stubendienst in der Strafkompagnie, und ihm oblag die Vorführung von Kranken und Schwachen der Strafkompagnie, genannt ,, Muselmänner" im Revier. Die Vorführung überhaupt, die Gewährung von einigen Tagen Schonung, gute Behandlung im Revier, leichte Arbeit durch den Arzt oder Aufnahme im Revier war davon abhängig, was jeder einzelne an Motz in seidenen Hemden, Füllfederhaltern, goldenen Rinoder Goldzähnen zahlte.( Pakete mit Wäsche konnte sich damals schon jeder von zu Hause schicken lassen.) gen Motz führte von diesen Sachen den Löwenanteil an Hoven ab. Dafür erhielt Motz einen Freibrief für alle Schandtaten, die er sich gegen Häftlinge der Strafkompagnie herausnehmen konnte. Wer Motz keine Geschenke oder Bezahlung anbieten konnte, wurde im Revier aufgenommen und von Hoven abgespritzt. Motz wurde zuletzt ein bißchen größenwahnsinnig, hatte kein Gefühl mehr für das richtige Maß seinem Herrn gegenüber, verfiel in Ungnade, und eines Tages war es innerhalb von zwei Stunden um ihn geschehen. Er wurde abgespritzt. Motz war, das möchte ich betonen, nur einer von vielen Lieferanten. Gute Möbel, Teppiche, Radioapparate usw. bezog Hoven über Ostuf. Völker von der Baubrigade III aus Köln, einem unserer Außenkommandos. Die dort beschäftigten Häftlinge leisteten in den zerbombten Städten Auf5. 67 räumungsarbeiten. Sie erhielten dabei den konkreten Auftrag, aus zerstörten Häusern für die SS- Führer Spirituosen und die oben angeführten Gegenstände beiseite zu schaffen. Ein besonderer Fahrdienst brachte die gestohlenen Sachen nach Buchenwald. Hoven nannte sich von Anfang an Doktor und unterschrieb auch so. Diesen Titel führte er zu Unrecht, deshalb beauftragte er einen Häftling aus der Pathologie, Dr. Wegerer aus Wien, ihm eine erstklassige Doktorarbeit zu schreiben, für die er seine Entlassung in die Wege leiten wollte. Wegerer löste seine Aufgabe aufs beste, denn für Hoven kam dabei eine I heraus, und man verzichtete auf die mündliche Prüfung. Das Dritte Reich hat sicher noch manchen derartigen Experten aufzuweisen. Hoven stolperte jedenfalls weiter die Treppe hinauf und wurde Stellvertreter des leitenden Arztes in Berlin. Wie vielseitig der gute Doktor war, bewiesen folgende Einrichtungen, die ganz privat für ihn auf dem Reviergelände errichtet wurden: 1 Schneiderwerkstatt, 1 Gewächshaus, 1 Kaninchenzucht, nur für ihn arbeiteten 1 Juwelier, 1 Möbeltischler, 1 Uhrmacher und der holländische Kunstmaler Pieck. Milch, Butter und Eier standen aus der Krankenkost für ihn und andere Führer immer und reichlich zur Verfügung. Aus der Menge der Fälle möchte ich zum Schluß noch den Steinbruch erwähnen. Der Läufer dieses Kommandos war eine Zeit lang Jupp Högener. Morgens holte er von der Poststelle Pakete für sein Kommando ab. Die Wäschepakete wurden von ihm geöffnet und die besten Stücke entnommen. Die Kommandoführer SS- Oscharf. Höver, Blume, Jänisch und SS- Uscharf. Heinrich, von denen jeder einmal das Kommando Steinbruch hatte, erhielten den größten Teil der Beute. Die erleichterten Paketbesitzer erhielten für den Verlust leichtere Arbeit versprochen. Sie durften die Latrinen ausräumen. Man sagte ihnen, daß sie sich bei der Arbeit Zeit nehmen könnten. Aber die Fäkalien müßten über die Postenkette geschafft werden. Die Posten seien im Bilde. Den Posten an dieser Stelle sagte man: ,, Passen Sie auf, da hat wieder einer die Absicht zu türmen." Das unglückliche Opfer begann seine Arbeit und wurde ,, auf der Flucht" erschossen. Die Angehörigen wurden dementsprechend benachrichtigt. Ich möchte noch einmal betonen, daß die vorstehenden Zeilen nur ein paar Episoden sind, die dem Leser noch längst kein lückenloses Bild von dem Treiben der SS vermitteln können. Heinz Miẞlitz, Leipzig, Buchenwald- Häftling Nr. 256 D Als hatte, wurde nicht schütz im La ein Te darin markt aus Ba draht Zweck Wasch nen so Grube kannt Zeit d Stroh Wozu dern darüb An durch wir, w einige chung führe Sadis pferch SS- O naten In angel völlig Eiger ten s 88 68 aus zerngeführst brachieb auch er einen ine erstng in die denn für e münderartigen Treppe in. htungen, Hen: nur für der holaus der zur VerSteinHögener. ando ab. n Stücke ume, JäKommane erleichbeit vernen, daß n müßten Bilde. Den eder einer ne Arbeit a wurden en Zeilen in lückenling Nr. 256 2000 Polen in 3 Monaten ermordet! Das ,, kleine Polenlager" in Buchenwald im Winter 1939/40 - Als im Jahre 1939 der faschistische Überfall auf Polen begonnen hatte, dauerte es nicht lange, und die ersten polnischen Gefangenen wurden ins Lager getrieben. Diese Polen wurden in ihrer Gesamtheit nicht wie reguläre Kriegsgefangene, sondern als sogenannte ,, Heckenschützen" behandelt. Schon einige Tage vor ihrer Ankunft begannen im Lager Buchenwald die Vorbereitungen für den Empfang. Es wurde ein Teil des Appellplatzes doppelt mit Stacheldraht eingezäunt und darin fünf große Militärzelte- ähnlich den Bierzelten auf einem Jahrmarkt aufgebaut. In einer Ecke dieses ,, Lagers im Lager" wurde aus Balken und Stacheldraht eine Art Käfig, aus Pfosten und Stacheldraht ungefähr 3 × 6 Meter groß, ohne ein Dach errichtet, zu welchem Zwecke war uns noch unbekannt. Ferner wurde ein großer verrosteter Waschhauskessel in die Erde gegraben; wozu dieser Miniaturteich dienen sollte, war ebenfalls unklar. Endlich wurden mehrere 3 Meter tiefe Gruben 2x4 Meter ausgehoben und rings mit Balken versehen. Das kannten wir, das waren die bekannten Buchenwalder Latrinen aus der Zeit des Lageraufbaues. In die Zelte kam eine hauchdünne Schicht Stroh, das waren die Lagerstellen. Was sollen diese Vorbereitungen, wozu ein Lager im Lager, fragten wir uns? Daß es nichts Gutes, sondern wieder eine der vielen Teufeleien der Lagerführung bedeutete, darüber waren wir uns allerdings klar. An einem Morgen, Anfang Oktober 1939, ging es wie ein Lauffeuer durchs Lager: ,, Zugänge werden ins Lager getrieben." Schon sahen wir, wie ein langer Zug polnischer Kriegsgefangener, unter ihnen auch einige Zivilisten, mit Schlägen und Kolbenstößen von der SS- Bewachung und den SS- Blockführern in das Lager getrieben wurde. Lagerführer Hüttig und Hauptscharführer Blank ließen besonders ihrem Sadismus freien Lauf. Es wurden 3124 Polen in das ,, kleine Lager" gepfercht. Nach Bemerkungen von SS- Obersturmbannführer Rödl und SS- Obersturmführer Hackmann sollte ihre Vernichtung in 3 Monaten beendet sein. In dem neu errichteten ,, kleinen Polenlager", wie es von nun an hieẞ, angekommen, mußten sich die Zugänge beim kalten Oktobersturm völlig nackt ausziehen. Alle Kleidungsstücke und das persönliche Eigentum wurden ihnen von den SS- Leuten abgenommen. Dann mußten sie zum ,, baden" in den in die Erde eingegrabenen Kessel springen, 69 der mit einer Desinfektionsbrühe gefüllt war, die nie erneuert wurde. Tausende mußten in dieser Brühe ,, baden" und wurden zum Gaudium der SS- Leute auch noch mit einem groben Reißẞigbesen abgeschrubbt. Die Zivilpolen unter ihnen wurden als sogenannte ,, Heckenschützen" behandelt und kamen in den oben geschilderten Käfig. Schon beim Hineintreiben wurden 2 Polen von dem SS- Hauptscharführer Blank mit der Pistole erschossen. 124 Mann wurden in diesen kleinen Käfig gesperrt, ohne Dach, ohne Decke und fast ohne etwas zu essen. Wenn ihre Kameraden im ,, kleinen Polenlager" schon nur die Hälfte der Lagerverpflegung bekamen, so warf man den im Käfig befindlichen Polen pro Tag 3-4 Brote hinein, um die sie sich aus reinem Selbsterhaltungstrieb wie Hunde in einem Zwinger balgten, bis kein Bissen mehr übrig war. Die im Käfig Eingesperrten gingen in genau 4 Wochen elend zugrunde. Nur ein einziger unter ihnen konnte in einem unbewachten. Augenblick durch die Sicherungen in das große Lager laufen und dort in der grauen Masse der Häftlinge untertauchen und sich verbergen, wobei er in jeder Weise von den Kameraden unterstützt und gefördert wurde. Er hat dann all die schweren 5 Jahre bis zum Eintreffen der Amerikaner überstanden, und wurde am 11. April, am Tage der Befreiung des Lagers, mit befreit. Er wird bestimmt Zeit seines Lebens diese furchtbaren 4 Wochen im Käfig des ,, kleinen Polenlagers" nicht vergessen und sicher noch viele Jahre als lebender Zeuge der Nazi,, Kultur" in seiner Polenheimat Haß und Abscheu gegen das mörderische System des Hitlerfaschismus wachhalten. Die tägliche Brotration für die übrigen im ,, kleinen Polenlager" eingesperrten Polen betrug pro Tag 170 Gramm Brot und 3/4 Liter Wassersuppe. Der physische Verfall der Polen ging unter diesen Umständen sehr schnell vor sich. Der Hunger war so groß, daß die Polen ihre toten Kameraden mit zur Essenausgabe schleppten um einen Topf Suppe mehr zu erwischen. Jeder, der nicht sterbend auf der kalten Erde lag, mußte sein Essen persönlich abholen. So faßten die Polen Kranke und Tote unter die Arme. Um jeden Löffel Şuppe wurde mit allen Mitteln gekämpft. Der Hunger zwang die Polen, nachts das isolierte Lager zu verlassen, um sich im Lebensmittelmagazin des Häftlingslagers Lebensmittel durch Diebstahl zu verschaffen. Die Belegschaft des gesamten Lagers wurde daraufhin vom Lagerkommandanten mit Hunger- Sonntagen, die Polen fast restlos mit 25 Stockhieben bestraft. 7 Polen starben dabei auf dem Prügelbock, 70 Die Winter sich, d dagewe tung v Brette aber v Krank platzes Berge Mann Leich zig mi eigene gestel Holzk torien Auto rasen die s Ansc Al fahr lich sahe ten, trag wurd und weit 11 len i maß Mör Erst daß einig gest trau wurde. audium -hrubbt. hützen" on beim - Blank en Käfig m. Wenn ilfte der ndlichen Selbstm Bissen lend zuwachten. und dort rbergen, efördert effen der der Bes Lebens rs" nicht er Nazis mördeger" einWassermständen hre toten pf Suppe Erde lag, anke und n Mitteln Lager zu s Lebensgesamten ger- Sonnolen starDie sanitären Verhältnisse im ,, kleinen Polenlager" und der strenge Winter des Jahres 1939 sowie die völlige Aushungerung brachten es mit sich, daß der Hungertyphus und eine Ruhrepidemie von bisher nicht dagewesenen Ausmaßen ausbrach. Hilfe von seiten der SS- Lagerleitung war natürlich nicht zu erwarten, obwohl man eine primitive Bretterbude erbaute, die als Krankenrevier dienen sollte; sie wurde aber von SS- Hauptscharführ. Blank dazu benutzt, den dort liegenden Kranken die Todesspritze zu verabreichen. In der Mitte des Appellplatzes im Polenlager lagen zu dieser Zeit im Schlamm und Schnee Berge von Leichen. Jeden Tag starben oder wurden getötet 40-50 Mann, einmal waren es sogar 65 Mann an einem Tage. Der Anfall an Leichen war so stark, daß die Krematorien in Weimar, Jena und Leipzig mit der Arbeit nicht nachkamen, so daß an der Fertigstellung eines eigenen Krematoriums in Buchenwald gearbeitet wurde. Ehe es fertiggestellt war, wurden Tag für Tag Autos vollgepackt mit primitiven Holzkisten, in denen die Gemordeten nach den umliegenden Krematorien transportiert wurden. Bei einem dieser Transporte verlor ein Auto mitten in der Stadt Weimar zwei dieser ,, Särge", was bei der rasenden Fahrt nicht bemerkt wurde. Die Kisten schlugen entzwei und die splitternackten, zum Skelett abgemagerten Leichname lagen zum Anschauungsunterricht für die Weimarer Bevölkerung auf der Straße. Als die Ruhr dann in das übrige Lager übergriff, brachte man ein fahrbares Krematorium ins Lager und verbrannte die Toten öffentlich vor den Augen der Lagerinsassen. Diese fahrbaren Krematorien sahen aus wie große Teerkocher. Ihre Bedienungsmannschaften erzählten, daß die Herstellerfirma schon vor Beginn des Krieges einen Auftrag für 150 solcher Maschinen ausgeführt habe. Mit Schürstangen wurden die Leichen in den Ofen gestoßen. Die Zeiten des Mittelalters und der Inquisition wurden durch diese bestialische Handlungsweise weit in den Schatten gestellt. Wochenlang drangen die Lager ältesten auf Unterbringung der Polen ins große Lager, um die Kranken im Revier und die noch einigermaßen Gesunden in den Wohnblocks unterzubringen. Aber die SSMörder der Lagerführung hatten es nur auf die Vernichtung abgesehen. Erst dann, als die Lagerältesten ihnen begreiflich machen konnten, daß die Ruhrepidemie ja vor dem Stacheldraht nicht Halt macht und einige SS- Leute selbst die Ruhr bekamen, wurde dem Lagerältesten gestattet, das Polenlager zu räumen. Ungefähr 300 Polen waren die traurigen Überreste des Polenlagers. Bei ihrer Übernahme in das all71 gemeine Lager stellten wir fest, daß mehr als ein Drittel von ihnen Kinder unter 15 Jahren waren. Die deutschen politischen Häftlinge räumten sofort einen ihrer Unterkünfte und rückten in den Blocks zusammen. So wurden durch die Mithilfe der deutschen Antifaschisten die noch lebenden Polen vor dem sicheren Verderben gerettet. Erich Haase, Leipzig, Buchenwald- Häftling Nr. 2945 Rudi Henning, Leipzig, Buchenwald- Häftling Nr. 1324 Jede Minute eine Leiche! Industrialisierter Meuchelmord an sowjetrussischen Kriegsgefangenen War schon die Behandlung sowjetrussischer Kriegsgefangener in Deutschland allen Bestimmungen der Genfer Abmachungen hohnsprechend, so schlug die Einsperrung großer Massen russischer Kriegsgefangener in Konzentrationslager diesen Bestimmungen direkt ins Gesicht. Der Gipfelpunkt war aber der tausendfache wohlvorbereitete und kaltblütige Mord an den sowjetrussischen kriegsgefangenen Offizieren in Buchenwald. - Im Oktober 1941 wurde mit der systematischen Ausrottung russischer Kriegsgefangener begonnen. War die Ausführung dieser an wehrlosen Kriegsgefangenen begangenen Morde in ihren Anfängen von tierischer Lust am Töten diktiert man erschlug, erhängte und zertrampelte sie so steigerte sich mit der ständig wachsenden Zahl der zum ,, Liquidieren" bestimmten Kriegsgefangenen auch die Mordtechnik. Sie steigerte sich bis zur ausgeklügelten, raffiniert eingerichteten Mordfabrik. Der beigegebene Plan zeigt den Grundriß dieser Mordfabrik, der Genickschußanlage, die heute bereits zur Schande des deutschen Volkes einen traurigen Weltruhm erlangt hat. Etwas abgelegen vom eigentlichen Lager erstreckte sich, von Buchen und Tannen umgeben, ein 200 Meter langes Parterregebäude, von außen deutlich als Pferdestall erkennbar. Kein Vorübergehender konnte ahnen, daß sich hinter diesen Mauern Spielarten des grausigsten Sadismus, den sich je die menschliche Phantasie ausmalen konnte, austobten. Die russischen Kriegsgefangenen, die als Neuzugänge nach Buchenwald gekommen waren und denen man erklärt hatte, sie würden in ein anderes Lager überführt- als Tarnung befand sich tatsächlich in Buchenwald ein kleines Lager für russische Kriegsgefangene- 72 ng russian wehrvon tieHeutschen rdfabrik, en Morddtechnik. I der zum zertramfangene- a tatsächsie würinge nach en konnte, s grausig gehender aude, von n Buchen Tisch mit ärztlichen Jnstrumenten Ofen Offizieren orbereitete irekt ins er Kriegsen hohngener in Die eingebaute GenickschussAnlage S Flügeltüre Ruhe- SpeiseZimmer Zimmer der 44 d.Mörder Lautsprecher Tisch für Wertsachen u.Erkennungsmarken Umkleide Radio raum zimmer der 44 - Sogenanntes Apatzimmer T Hinrichtungsraum mit Eisenrost und Blendlampen GenickschussSchießstand 609 Holzwände Raum für Stroh Leichenweg 603 803 leer Auskleideraum für die Todeskandidaten. 603 Der letzte Weg des Gefangenen Raum für Stroh Schubauto eme DoppelholzTaren Fenster Lau'sprecher Treppe nach oben Schalldichte Türe 44- Posten N Leichenauto mit Zink behälter Raum für Schützenkammer mit 2 44- Mördern leeres Zimmer Toilette Leichenstapel Sigemehl 66ully Blutabflussrinne 44- Mann mit Abfallgrube Wasserschlauch Messvorrichtung mit Schlitz und Blechklappe Kugelfang mit Vorhang 73 23 Genickschußanlage im Pferdestall Raum für Pferdefutter gez. Carolus ahnten sicher nicht, wenn sie das schaurige Gebäude vom Westen her betraten, daß sie es von der Ostseite nur als Leiche verlassen konnten. Hatten sie das Auto verlassen und den Eingang passiert, so befanden sie sich in dem Auskleideraum. Hier mußten sie sich nackt ausziehen und alle Wertsachen, Papiere und Erkennungsmarke abliefern. Dann diese G Siebent wald! S gekillt. Wiev tionen? allen le Ohren g Parole Etwa sein, so nach B scheine immer eines s habe w eigentl beobac einer v Die Mordstätte wurden sie einzeln bei lauter Radiomusik- um irgendwelche verdächtigen Geräusche zu übertönen in das sogenannte Arztzimmer geführt. Dort nahmen als Ärzte getarnte SS- Offiziere eine formelle Untersuchung vor. Als gesund erklärt, wurden die Opfer sodann zur angeblichen Messung der Körpergröße unter eine an der Wand angebrachte Meẞvorrichtung gestellt. Auf ein Klopfzeichen öffnete dann ein im gegenüberliegenden Zimmer befindlicher SS- Schütze eine Klappe und schoß durch einen in der Meẞskala befindlichen etwa 2 Zentimeter breiten Schlitz in das Genick des Gefangenen. Die Leiche wurde sofort weggeschafft. Der Raum mittels eines Wasserschlauches vom Blut gesäubert. Auf diese Weise wurden von 1941 bis Ende 1944 7200 sowjetrussische Kriegsgefangene in Buchenwald von den Nazis feige gemeuchelt. 74 7200 russische Kriegsgefangene mußten ihren letzten Weg durch rupte Dies Arztes Im Tätigk appell seine C und ba Ansich Leute, tale B und fü saßen. Nac hatte, ten her onnten, fanden isziehen 1. Dann verdäch- mer 56° jelle Un- ) zur aD nd ange” dann ein appe und jor breiten vi wegge” ut gesdt” 0 sowjet" feige 6° m durch ”o diese Genickschußanlage im Pferdestall des Lagers Buchenwald gehen. Siebentausendzweihundert russische Kriegsgefangene allein in Buchen- wald! Siebentausendzweihundert Menschen wurden fabrikmäßig ab- gekillt. Und wieviel waren es in allen Lagern Deutschlands und Europas? Wieviel waren es, fragt mit Recht die empörte Menschheit aller Na- tionen? Wieviel? Diese Frage darf nie mehr verstummen und muß allen lebenden Nazis und auch allen Deutschen millionenfach in die Ohren gellen. Wir aber werden nie die bestialische vom Stolz geblähte Parole der Nazihenker vergessen:„Jede Minute eine Leiche!“ Ludwig Rusch, Leipzig, Buchenwald-Häftling Nr. 5581 Massenmörder Dr. Eisele Etwa im Frühjahr 1941, es kann auch schon etwas früher gewesen sein, so genau kann ich mich heute nicht mehr erinnern, bekamen wir nach Buchenwald einen neuen Lagerarzt. Einer von 3 Ärzten. Das Er- scheinen eines neuen Lagerarztes wurde in den Reihen der Häftlinge immer eifrig diskutiert. Hing ja von der Berufsauffassung und Moral eines solchen Lagerarztes das Leben 1000er von Häftlingen ab. Ich habe während der 7 Jahre, die ich in Buchenwald war, im Revier eigentlich nur einen Arzt kennengelernt, der, soweit ich seine Tätigkeit beobachten konnte, sich wie ein Arzt benahm. Man stelle sich vor, einer von 40-50 Ärzten in 7 Jahren. Die anderen alles unbegabte, kor- rupte und verbrecherische Subjekte. Dieser neue Lagerarzt, SS-Ostuf. Eisele, war der Prototyp des SS- Arztes, also dieser letzteren, der Durchschnittskategorie angehörend. Im Frühsommer des Jahres 1941 begann Eisele seine verheerende Tätigkeit. Während das ganze Lager auf dem Appellplatz zum Zähl- appell stand, der morgens und abends stattfand, suchte Eisele sich seine Opfer in den Krankensälen. Begonnen hat er mit Tuberkulosen, und bald erstreckte sich diese Auswahl auf alle Kranken, für die seiner Ansicht nach Behandlung und Ernährung zu schade waren. Das heißt Leute, die durch die Arbeitszeit, mangelhafte Ernährung und die bru- tale Behandlung der SS-Wachmannschaften krank geworden waren und für die SS-Bonzen keinen Wert als Ausbeutungsobjekte mehr be- saßen. Nachdem Eisele in den verschiedenen Sälen seine Auswahl getroffen hatte, wurde ein Saal geräumt(es war ein Saal der unmittelbar neben 75 meinem Arbeitsraum lag, nur durch eine dünne Bretterwand getrennt) und die Kranken, wie es in der Lagersprache hieß ,,, verlegt". Nachdem der Krankensaal mit diesen bedauernswerten Menschen belegt war, kam Eisele mit Injektionsspritzen bewaffnet, und jeder Kranke mußte aus dem Saal in einen vor diesem gelegenen kleinen Raum geführt, Auf d Technik sie auch so gut a storben der Gru dann ha Bestehe Um Blutspuren zu vermeiden, wurden diese mit Zink ausgeschlagenen Behälter auf die LKW.s geschoben und zum Leichentransport benutzt aller Na Block ger war Block 4 grauer, doppelt ,, Ach tenden Diese Ustuf. Fatzke werden, der normalerweise als Aufenthaltsraum für den diensthabenden Pfleger dieses Saales bestimmt war. Dort saß Eisele, stellte einige belanglose Fragen: ,, Wie geht es Ihnen?", und dann etwa sagte er ihnen: ,, Wir wollen, daß Sie wieder gesund werden und deshalb wollen wir heute mit einer Reihe von Traubenzuckerinjektionen beginnen, die Sie bald wieder auf die Beine bringen werden" u. ä. m. Der Kranke mußte sich nackend ausziehen und bekam seine Spritze. Am Anfang tötete man mit Evipan, das langsam injiziert, einen Narkosezustand herbeigeführt hätte, doch Eisele spritzte nicht langsam, sondern schnell, und so führten diese Injektionen fast immer zum Tode. Es kam gelegentlich vor, daß eines dieser Opfer nach 2 Stunden noch nicht tot war, nun so gab es eben eine zweite Spritze. Später dann, als Evipan knapp wurde, da man es viel in den Lazaretten brauchte, nahm man Phenol, das nach vielen Experimenten als das billigste und am besten wirksamste Mittel vor anderen den Vorzug erhielt. 76 76 als die war die Eige rische gemein ge dem Was dort?, wort ge Bloc Fleckt lief do suchs trag d getrennt) Nachdem elegt war, ke mußte m geführt Auf diese Weise lernten die SS- Verbrecher, die sich Ärzte nannten, die Technik des Injizierens, und auf ähnliche verbrecherische Art operierten sie auch Blinddarm, Leistenbrüche u. a. Hätten Häftlingspfleger nicht so gut achtgegeben, dann wären die Zahlen der nach Operationen Gestor benen noch viel höher gewesen. Bei diesen Eiseletypen galt eben der Grundsatz, wird der Patient gesund, hat er Glück gehabt, stirbt er, dann hat er Pech gehabt. Auf diese Weise wurden in den Jahren des Bestehens von Buchenwald tausende von unschuldigen Menschen aller Nationen ermordet. Arno Liske, Leipzig, Buchenwald- Häftling Nr. 568 ensthabenellte einige a sagte er alb wollen ginnen, die er Kranke Im Anfang ustand herchnell, und elegentlich nun so war, pp wurde, henol, das wirksamste - Block 46 Häftlinge als Versuchskaninchen zu medizinischen Zwecken! Block 46 war allen Buchenwalder Häftlingen, die einige Zeit im Lager waren, bekannt. Was darin vorging, wußten aber nur sehr wenige. Block 46 war einer der in Buchenwald üblichen Wohnblocks. Ein grauer, einstöckiger Steinbau. Ein Schild war unten an der Tür des doppelten Stacheldrahtzaunes angebracht, mit der Aufschrift: ,, Achtung! Infektionsgefahr! Eintritt nur mit Genehmigung des leitenden Arztes." Unterschrift: SS- Stubaf. Dr. Ding. Dieser Herr Dr. Ding, bei meiner Ankunft in Buchenwald 1938 SSUstuf. und Lagerarzt, war ein brutaler, unfähiger und affektierter Fatzke, dem der Sitz einer sehr eleganten Uniform wichtiger erschien als die ganze medizinische Wissenschaft. Ja, sauber und wohlriechend war dieser Dr. Ding immer. Eigentlich zu sauber und wohlriechend für das dreckige und mörderische Geschäft, das er ausübte. Aber das hatten alle diese Schurken gemeinsam, daß sie nach Parfüm dufteten, elegant gekleidet und trotzdem gemeine, dreckige Mörder waren. Was war denn nun eigentlich in diesem Block 46 los, was machte man dort?, werden viele voll Ungeduld fragen. Nun, ich will ihnen darauf Antwort geben. Block 46 war nach seiner amtlichen Bezeichnung eine sogenannte Flecktyphus- Versuchsstation des SS- Hygiene- Institutes. Die ,, Arbeit" lief dort immer in mehreren Versuchsreihen. Es waren 5 solcher Versuchsreihen, in jede dieser Reihen gehörten 8-10 Häftlinge. Auf Antrag des Dr. Ding wurden jene Häftlinge vom Reichskriminalamt in 77 Berlin aus dem Häftlingsbestand des Lagers, dieser sogenannten Versuchsstation zum Experimentieren zur Verfügung gestellt. Die Häftlinge bekamen am Abend, wenn sie von ihrer Arbeitsstelle kamen, mit den nichtssagenden Worten Bescheid: ,, Du mußt dich morgen früh nach dem Appell beim Häftlings- Krankenbau melden". Von dort wurden diese Unglücklichen in den Block 46 gebracht. Jetzt begann nun nicht etwa gleich dieses Experiment. O nein, welche Ironie des Schicksals, jetzt wurden sie erst einmal gefüttert mit Vollmilch, Weiß- und Schwarzbrot, guter Butter, Margarine, Diät-, Hauskost usw. Damit wurden diese entkräfteten Häftlinge erst einmal auf einen normalen Körper- und Ernährungszustand gebracht, d. h. für diese Versuche brauchbar gemacht. Weil man medizinische Versuche ja nicht an schwachen und unterernährten Menschen vollziehen kann. Tiere, an denen man vor dem Hitlerregime diese Versuche vornahm, mußten ja auch gesund und gut genährt sein. Ich bitte mich richtig zu verstehen, man ernährte diese Häftlinge vor den Versuchen nicht etwa besser, weil ihr körperlicher Zustand ein so schlechter war, sondern weil sie für diese Versuche in einem so schlechten Zustand nicht zu gebrauchen waren. Wenn diese bedauernswerten Menschen nach einigen Wochen wieder wie normale Menschen aussahen, begannen die Versuchsreihen, und das ging ungefähr folgendermaßen vor sich: 4 der vorhandenen 5 Versuchsreihen, also 40-50 Menschen, wurden infiziert, d. h. ähnlich wie beim Impfen mit einem Messer, das vorher in hochvirulente Flecktyphusbakterien getaucht wurde, übertrug man die Krankheit. Diese 40-50 Mann hatten vorher schon die verschiedensten europäischen Fleckfieberseras injiziert bekommen. Am Verlauf der Krankheit stellte man die Wirkung des einzelnen Serums fest. Benutzt wurden ein dänisches Präparat, ein französisches, ein bekanntes deutsches, aus Läusedärmen hergestelltes und noch ein deutsches in Buchenwald aus den Lungen injizierter Kaninchen erzeugtes Präparat. Um einen Vergleich zu haben, wurde die 1. Versuchsreihe, also 10 Häftlinge, manchmal auch mehr Mann, infiziert und bekam keinen Serumschutz. Die Menschen dieser 1. Reihe starben alle, die mit dem dänischen Serum versehenen zu 70-80%, mit dem französischen zu 30-40%, mit dem bekannten aus Läusedärmen hergestellten zu 40-50%, und mit dem in Buchenwald erzeugten Präparat lag die Sterbeziffer zwischen der des dänischen und des deutschen Präparates. Die Überlebenden der Versuchsreihen, durch 8-10 tägiges Fieber bis 40,5° völlig heruntergekommen, werden nun wieder gut ernährt, um 78 ihnen derjeni Herstel noch v mal m setzte i schenke So eve Diese geführt einige werten Im gerufe teten, schwin letzte schüss bis zu der er Dies waffe Volk 20. Jal Der Anspr in die dem Poler von d ten Ver- ie Häft- nen, mit sen früh ort Wur- ann nun ; Schick- eiß- und , Damit len Kör- rauchbar hen und man vor ı gesund man eI- weil ihr für diese n waren. n wieder 1en, und ‚wurden as vorher ‚man die edensten Jauf der Benutzt tes deut- sin Bu- ’räparal. ‚j0Häft- p Serum“ jänischen 409, at und mit zwischen Fieber bis ‚abrt, hi ihnen nach einigen Wochen noch 1 Liter Blut abzunehmen. Das Blut derjenigen Menschen, die Fleckfieber überstanden hatten, wurde dann zur Herstellung von Sera oder anderen Dingen nach Berlin gesandt. Ich habe noch vergessen zu erwähnen, daß das Infizieren der Opfer auch manch- mal mit Läusen vorgenommen wurde. Man fesselte die Menschen und setzte ihnen dann kleine Körbchen mit Läusen an Unterarm und Ober- schenkel an. Gefesselt wurde, damit keiner die Körbchen abreißen und so eventuell das kostbare Leben des SS-Arztes gefährden konnte. Diese Versuche mit Flecktyphus wurden mehrere Jahre lang durch- geführt. Versuche mit Bauchtyphus hat man meines Wissens nur einige gemacht, die, wie ich weiß, fast alle mit dem Tod der Bedauerns- werten endeten.; Versuche mit vergifteter Munition Im Februar/März 1945 wurden 10-12 Häftlinge zum Tor des Lagers gerufen. Diese 10-12 Menschen die jetzt bangen Herzens am Tor war- teten, brachte man nach dem Befehl:„‚Alles vom Appellplatz ver- schwinden!‘ in das dort gelegene Krematorium(Keller). Dort ver- letzte man sie durch Pistolen- oder Gewehrschüsse(aber nur Streif- schüsse) und brachte sie nach Block 46, wo die Zeit von der Verletzung bis zum Tode genau schriftlich festgelegt wurde. Soviel ich weiß, starb der erste nach 12-13 Minuten und der letzte nach 3 oder 5 Stunden. Diese vergiftete Munition sollte wahrscheinlich die Vergeltungs- waffe 3 sein, mit der das verbrecherische Hitlerregime dem deutschen Volk noch den Sieg versprach. Das passierte in Buchenwald im 20. Jahrhundert, und es gab viele solche und noch schlimmere Lager. Arno Liske, Leipzig, Buchenwald-Häftling Nr. 568 Krematorium Buchenwald, Leichenverbrennungen am laufenden Band Der Ausbruch des Krieges stellte an die Vernichtungslager erhöhte Ansprüche. So wurden seit Ausbruch des Krieges an 10000 Ausländer. in die Konzentrationslager getrieben. Wie aus anderen Berichten aus dem Konzentrationslager Buchenwald ersichtlich ist, wurden aus dem Polenlager im Winter 1939-1940 allein täglich 40 bis 70 Kameraden von der Ruhrepidemie, vom Hungertyphus oder darüber hinaus durch 79 Π vollstä linge w Häufe war. A wurde Knoch Lastwo zu Dü Sch defekt dieser im Kr waren lich 18 sen u schild Das Krematorium Erschlagen und grauenhafte Morde umgebracht, so daß die Leichen in solchen Massen aus Buchenwald in die umliegenden Städte zur Verbrennung gebracht wurden, daß sie in den umliegenden Krematorien Weimar, Jena, Leipzig gar nicht alle verbrannt werden konnten. Das war für die SS- Reichsführung der Anlaß zum Bau eines eigenen Krematoriums. Das Bauvorhaben stand unter Leitung des SS- Hauptscharführers Becker, Bauführer der SS- Bauleitung. Die Verbrennungsöfen lieferte die Firma Topf und Söhne, Erfurt. Im rasenden Tempo wurde im Frühjahr 1940 der erste Ofen fertiggestellt. Mit zwei Einführungstüren für die Leichen wurde dem normalen Verbrennungsvorgang nicht Genüge getan. Normalerweise braucht man zur Verbrennung einer Leiche etwa 1 Stunde, so daß bei dauernder Benutzung täglich nur 48 Tote verbrannt werden konnten. Um den Verbrennungsprozeß zu beschleunigen, wurde über dem Ofen eine Ölleitung angebracht und anstatt je eine Leiche in die Einführungstür, zwei bis drei Leichen mit einmal hineingeschoben, so daß man täglich über die doppelte Zahl der normalen Verbrennungsziffer verbrennen konnte. Dabei blieben größere Knochenreste übrig, die des Nachts von SS- Leuten in die Abwässerungskanäle geworfen wurden. Den Lagerinsassen wurde dieses erst offenbar, als die Abflüsse der Kläranlagen 80 Als union genen komm Werk eichen in zur Vermatorien ten. Das u eines Leitung tung. Die t. Im raggestellt. alen Verucht man lauernder Um den n eine Ölrungstür, an täglich erbrennen achts von en Lageräranlagen vollständig verstopft waren. Den Angehörigen der gemordeten Häftlinge wurde dann gegen Bezahlung von RM 30.- eine Urne mit einem Häufchen Asche zugeschickt, die bestimmt nicht die ihrer Angehörigen war. Angehörigen von Ausländern, Polen, Russen, Franzosen usw., wurden Anträge auf Übersendung von Urnen nicht stattgegeben. Die Knochenreste wurden in großen Papiersäcken gesammelt, heimlich auf Lastwagen verladen, wanderten sie in eine Knochenmühle und wurden dort zu Düngemitteln verarbeitet. Schon im Frühjahr 1941 war der Verbrennungsofen vollkommen defekt, so daß man dazu überging, einen zweiten Ofen zu bauen. Als dieser fertig war, kam an Stelle des alten ein neuer Ofen, so daß jetzt im Krematorium zwei Öfen mit je drei Einführungstüren vorhanden waren. In jede derselben drei Leichen hineingeschoben, konnten stündlich 18 Tote verbrannt werden. Ich selbst habe diese Öfen bauen müssen und habe bei dieser dreivierteljährigen Beschäftigung nicht zu schildernde, grauenhafte Dinge mit durchmachen müssen. Als die faschistischen Aggressoren ihren Krieg gegen die Sowjetunion begannen, dauerte es nicht lange, und die ersten Kriegsgefangenen kamen nach Buchenwald. Nicht einer ist ins Lager hineingekommen. Im Werkstättengelände der DAW., Deutsche AusrüstungsWerke, auf dem Zimmereiplatz wurden die russischen KriegsgefanDie Verbrennungsöfen 6 81 genen zu Hunderten von SS- Banditen mit der Maschinenpistole erschossen. Das dafür gestreute Sägemehl lag schon nach einigen Tagen einen halben Meter hoch und war vollkommen mit Blut durchtränkt. Die in den Werkstätten beschäftigten Häftlinge mußten alle im Laufschritt das Gelände verlassen, so daß die Faschisten ihre Mordtaten ohne Zeugen begehen konnten, und trotz alledem glaubten sie sich nicht sicher. So errichteten sie im Pferdestall der SS- Buchenwald eine raffinierte Menschenvernichtungsanstalt. Die Kriegsgefangenen wurden zum Pferdestall transportiert, mußten sich entkleiden und wurden in ein anderes Zimmer geführt. An den Wänden der Außenmauer waren Schlitze angebracht, durch welche die SS in die Räume schieBen konnte. Vor jedem Schlitz im Raum selbst war ein Meßgerät zur Feststellung der Körpergröße, das gleichzeitig der Anschlag war für die Maschinenpistole des betreffenden SS- Mörders. Die russischen Kriegsgefangenen gingen, nichts ahnend, freiwillig unter diese Meßlatte, in dem Glauben, es gehöre zu ihrer ärztlichen Untersuchung. Damit die anderen Gefangenen in den Warteräumen nichts von der Erschießung ihrer Kameraden hörten, spielten die extra dafür angebrachten Lautsprecher in höchster Tonstärke Musik. So wurden Tausende von russischen Kriegsgefangenen hinterrücks durch Genickschuß umgebracht. Nach jeder Erschießung wurde mit Schlauchleitung der Raum abgespritzt, dann wurden die Toten von dafür bestimmten polnischen Häftlingen und deutschen ,, Grünen"( Berufsverbrecher) auf Lastautos verladen und zum Krematorium gefahren. Täglich sahen die Häftlinge, die morgens aus dem Lager marschierten, die Blutspuren dieser Autos bis zum Krematorium. Auch da halfen die SSBanditen der Lagerführung für Abhilfe. Es wurden eigens zu diesem Zwecke Kästen hergestellt, die mit Zinkblech ausgeschlagen und in die die noch blutenden Leichen hineingeworfen und auf die Autos geschoben wurden, um so wieder einmal die Spuren ihrer verruchten Morde zu verdecken. Die Lastwagen kamen im Krematorium an. Nachdem die Eingangstür zum Krematorium geschlossen war, wurde eine Abdeckung geöffnet und die Toten auf einer Rutsche in einen Keller gestoßen. Zu Bergen türmten sich die Leichen im Leichenkeller. Oft waren so viele Leichen vorhanden, daß der Keller des Krematoriums dieselben nicht fassen konnte, so daß die übrigen im Verbrennungsraum in eine Ecke geschichtet wurden. Es ist vorgekommen, daß sich aus dem Haufen der Toten noch nicht ganz getötete Kriegsgefangene herauswühlten. Durch Revolverschüsse vom SS- Banditen Rudi 82 Köbler Holzke der DA Pferde dolcht extra im Kre oft wa wir in wir Mi hörten ten all Leiche Oft wa lose in Im In der balker stole er- n Tagen htränkt, m Lauf- ordtaten sie sich vald eine en WUL- | wurden enmauer ne schie- serät zur war für ıssischen se Med- suchung. von der für ange den Tau- ichschuß tung der nten pol- cher) auf ch sahen Jie Blut- 1 die 55- u diesem n und in Autos ge" ‚rruchten ium au ı, wurde in einen jenkeller- Kremato“ Verbre@ ‚me; dad Öfen des Krematoriums mit Knochenresten Köhler wurden sie dann erledigt. Auch bediente man sich einer Holzkeule, mit der man die noch Röchelnden erschlug. Köhler ließ in der DAW.-Schlosserei extra ein Messer herstellen, wo dann später im Pferdestall die noch lebenden und stöhnenden Kriegsgefangenen er- doleht wurden. Von dem Leichenkeller zum Verbrennungsraum führte extra ein Fahrstuhl. Wenn Verbrennungen stattfanden, mußten die im Krematorium beschäftigten Handwerker dasselbe verlassen. Aber oft waren die Seile des Aufzuges im Keller nicht in Ordnung, so daß wir in den Keller mußten, um Reparaturen auszuführen. Oft hatten wir Mühe, uns durch die Leichenhaufen hindurchzubahnen. Sehr oft hörten wir das Stöhnen sterbender Kriegsgefangener. Manchmal muß- ten alle Häftlinge das Krematorium verlassen, und die SS verbrannte Leichen, deren Namen uns bis zum heutigen Tag unbekannt blieben. Oft waren Frauen und teilweise auch Kinder unter ihnen, die als Namen: lose in Buchenwald verendeten. Im Hof des Krematoriums befand sich noch eine Hinrichtungsstelle. In der Ecke hatte man einen Galgen aufgebaut, daneben war ein Quer- balken mit zwölf Haken. Fast täglich wurden hier Hinrichtungen o 83 durch Erhängen durchgeführt. Nachdem die Betreffenden am Galgen erhängt waren, wurden sie dann noch eine Zeit an die Haken des Querbalkens aufgehangen. So fanden vor allem viele Ausländer durch Erhängen den Tod. Es genügte schon, daß ein Pole in Weimar mit einem deutschen Mädchen angetroffen wurde, um ihn vom Leben in den Tod zu befördern. Auch hier wurden oft Frauen und Männer aus allen Schichten der Bevölkerung erhängt und sofort verbrannt, so daß viele Namenlose das Opfer des Mordsystems wurden. Als in der Jahreswende 1944/45 durch das siegreiche Vordringen der Roten Armee im Osten viele Konzentrationslager evakuiert wurden, steigerte sich die Zahl der Toten ins Unermeßliche. Es kam vor, daß aus Transporten vom Konzentrationslager Auschwitz von 2000 ankommenden Häftlingen 500 als Tote aus den Waggons herausgeholt wurden, während von den noch Lebenden mindestens die Hälfte entweder am Fleckfieber oder Hungertyphus erkrankt waren und denen der Tod schon aus den Augen schaute. Zu Bergen türmten sich die Leichen. In Buchenwald gab es keinen Koks mehr für die Verbrennungsöfen. Die Leichen wurden in die alten Steinbrüche am Bismarckturm eingebuddelt. Schicht für Schicht nackte Tote, geschundene Menschenleiber, schichtweise überstreut mit Chlorkalk. Das war das wirkliche faschistische ,, Katyn" im Konzentrationslager Buchenwald. Erich Haase, Leipzig, Buchenwald- Häftling ,, Feiera eine Le zum Sc Arme u meister zwei M Leichen - 1945 Der ,, Anfall" von Leichen war in der letzten Zeit des Lagers besonders stark. Vor allem brachten die vielen Transporte aus jenen Lagern, die wegen akuter Kriegsgefahr geräumt werden mußten, viele, viele Leichen mit. Den Hauptanteil hatte das Lager Auschwitz. Es verging kein Tag, an dem nicht Transporte aus diesem Lager in Buchenwald ankamen, und jeder dieser Transporte brachte seine 300 bis 500 Toten. Es ist eine ,, grausige" Angelegenheit, von Leichen zu erzählen, doch gehört es mit dazu, um das Bild des Lagers zu vervollständigen. Ein eingetroffener Transport brachte immer viel Arbeit für uns. Die Leichen lagen auf dem Bahnhof Buchenwald und mußten auf einem Lastauto nach dem Krematorium ins Lager gebracht werden. Wir haben manchmal bis in die Nacht hinein Leichen aufgeladen und abgeladen. Das muẞte schnell gehen, denn die SS und auch wir wollten 84 Seiten schnell fen. D den A die S werde gezerr Beine Die K Sie fi auf d sitzer pedie ten( am Galgen Haken des dei durch eimar mit Leben in Männer aus nt, so daß ,, Feierabend" machen. Da ging es nur mit ,, Ho- ruck". Je zwei Mann eine Leiche. Einer an den Füßen, einer an den Armen. Angepackt, zum Schwung ausgeholt und: ,,... Ho- ruck..." flog sie aufs Auto, Arme und Beine von sich streckend. Sie waren ja alle so leicht. Die meisten wogen kaum noch einen Zentner. Oben wurden sie wieder von zwei Mann in Empfang genommen und geschichtet: VordermannHer JahresArmee im te sich die ransporten den Häft, während am FleckTod schon Leichen. In gsöfen. Die eingebudchenleiber, Firkliche fa1. ling gers besonmen Lagern, viele, viele Es verging Buchenwald 300 bis 500 zu erzählen, llständigen. ür uns. Die nauf einem len. Wir han und abgewir wollten Leichen Seitenrichtung. Das Abladen auf dem Hof des Krematoriums ging schneller vor sich. Zwei Mann genügten, um die Leichen herabzuwerfen. Die übrigen zerrten sie, wie sie sie gerade zu packen kriegten, an den Armen oder an den Beinen zum großen Haufen. Daneben stand die SS und trieb zur Eile an: ,, Tempo, Tempo! Wir müssen fertig werden!" Und die Leichen flogen. Wahllos aus dem Haufen hervorgezerrt flogen sie vom Wagen herunter. Mit dem Kopf zuerst, mit den Beinen zuerst. Dumpf prellten die Körper auf dem Steinboden auf. Die Knochen knackten. In den groteskesten Stellungen landeten sie. Sie fielen mit dem Gesicht hart aufschlagend- auf den Bauch oder auf den Rücken, daß der Schädel knackte. Manche blieben regelrecht sitzen und sahen Betrunkenen ähnlich, die man aus der Kneipe expediert hatte. Manche überkugelten sich und blieben mit ausgegrätschten Gliedern auf dem Kopfe stehen. ,, Tempo, Tempo, wir müssen fer- 95 85 tig werden!" Ruck- zuck, Nächste! Ruck- zuck, Nächste! Mancher schlug im Schwung des Falles seinem toten Kameraden noch die schlenkernde Hand ins Gesicht, daß es klatschte. Ruckzuck, der Nächste! Mancher fiel auf seinen Vordermann und kugelte sich mit ihm vom Haufen herab, der sich vor dem Auto auftürmte, und blieb, in einer letzten Umarmung mit ihm vereint, liegen. Manche vollführten innigste seligen Aber au Zwisc einer Za leitung dert ihr zu Lebz sie vom sei gar die sich Röchel Nenn sie ja tu O nein. der Ha verlore gang m noch di einmal Wir ha Das Krematorium bewältigte es nicht mehr. So wurden sie kreuz und quer auf Lastwagen geladen und am Bismarckturm in Massengräbern verscharrt die komischsten Verrenkungen, die zum Lachen reizten. Ja, manche Tote lachten selbst mit. Mit aufgerissenen Augen und lach verzerrtem Mund flogen sie vom Auto herunter. Ein letztes Vergnügen, ehe sie zu Asche zerfielen. Ruckzuck, der Nächste. Bis spät in die Nacht fuhr das Auto hin und her. Bis spät in die Nacht flogen die Leichen. Und die Haufen wuchsen immer höher... Zwei Tage lang währte gewöhnlich das Entkleiden der Toten, denn ein Häftling geht nackt über den Rost des Krematoriums. Häftlingskleider sind Spinnstoffe und lassen sich in realen Zahlen ausdrücken. Eine Leiche dagegen hat nur eine Nummer mit Registraturwert. Viele hatten nicht einmal mehr diese. Und niemand wußte, wer der Tote war. Ein Pole, ein Russe, ein Franzose, ein Deutscher? Irgendwo trauerte eine Frau, eine Mutter um den Verschollenen oder hoffte, am 86 ten bei Liegt e Spin pel, bis zuck, gesper lich, n gepup Sin Win komm Ru We wir d der M letzte Sin Mancher noch die er Nächmit ihm blieb, in lführten auf quer harrt manche rzerrtem ehe sie cht fuhr men. Und en, denn Häftlingsdrücken. ert. Viele der Tote rgendwo offte, am innigsten vielleicht gerade in dem Augenblick, wo wir ihm die arm-. seligen Lumpen vom erstarrten Körper zogen, auf seine Rückkehr. Aber auch viele der Toten hatten noch etwas zu vergeben: Zwischen den Haufen nackter Leichen stieg ein Häftling herum mit einer Zange in der Hand und brach ihnen im Auftrage der SS- Lagerleitung die Goldzähne aus. So gaben die Toten nackt und ausgeplündert ihren letzten, materiellen Wert, nachdem sie den menschlichen zu Lebzeiten schon längst verloren hatten. Manche Leichen, wenn wir sie vom Haufen zerrten, röchelten noch, und der Neuling glaubte, es sei gar noch Leben in ihnen. Aber es waren nur die Verwesungsgase, die sich durch die Luftröhre einen Weg gesucht hatten mit einem Röcheln. Mit einem allerletzten Röcheln... Nennt ihr uns roh, weil wir diese Dinge tun konnten? Wir mußten sie ja tun. Es war doch unsere ,, Arbeit". Wir sind nicht roh geworden. O nein. Nur ein klein wenig kühler im Herzen und ein wenig dicker in der Haut. Man hat den Respekt vor dem Tod und vor dem Sterben verloren. Was man kennt, fürchtet man nicht mehr. Im täglichen Umgang mit Leichen werden diese zu Objekten, zu Dingen. Sie haben nur noch die äußere Form des Menschen, sind uns aber keine mehr. Nicht einmal... tote Menschen sind sie uns noch. Sondern nur noch... Leichen. Wir haben oft sinnend vor ihnen gestanden, wenn wir uns verschnauften bei der ,, Arbeit" und haben nach dem ,, Sinn" des Daseins gefragt. Liegt er im Leben oder im Tod? Denn auch der Tod ist ,, Dasein". Spintisierereien, die schnell weggewischt wurden: ,, Pack zu, Kumpel, bis zum Mittag müssen wir noch 20 Tote nackend machen, Ruckzuck, der Nächste." Sinn des Daseins?- Wir sind nun 10 Jahre eingesperrt und sie haben uns noch nicht untergekriegt, weder körperlich, noch geistig. Ruckzuck, der Nächste. Was hat der. Kerl sich eingepuppt: Zwei Jacken und vier Hemden und ist doch erfroren. Sinn des Daseins?- Wir leben noch, Kamerad, und wenn wir wieder einmal hinauskommen... Ruckzuck, der Nächste. Wenn wir einmal wieder hinauskommen, Kamerad, dann werden wir dafür sorgen, daß kein verruchtes System politischer Verbrecher der Menschheit Hekatomben von Toten abfordert, sie noch um ihr letztes beraubt, um Goldzähne, und ihr stilles Recht als... Leichen. Sinn des Daseins?- Ruckzuck, Kamerad, der Nächste... Bruno Apitz, Leipzig, Buchenwald- Häftling Nr. 2417 87 Der Luftangriff auf Buchenwald 364 Tote als Opfer der SS Am 24. August 1944, mittags, wurden die zum Konzentrationslager Buchenwald gehörenden Rüstungsanlagen bombardiert und dabei vollständig vernichtet. In das eigentliche Häftlingslager ist keine einzige Sprengbombe gefallen, und nur durch einzelne vom Winde verwehte kleine Brandbomben sind die Häftlingsschneiderei,-schuhmacherei, -wäscherei und die Desinfektion ausgebrannt, ohne daß dabei Häftlinge zu Schaden gekommen wären. Die SS hatte keinerlei Luftschutzmaßnahmen für die Häftlinge getroffen, ja sie hatte bis zum Angriff nicht einmal erlaubt, daß sie während eines Alarms ins Lager einrückten. Die Häftlinge mußten in den Betrieben selbst oder in ihrer unmittelbaren Nähe bleiben. Bombensichere Unterstände oder auch nur Splittergräben für Häftlinge waren nicht gebaut worden. Zur Zeit des Angriffs war im ganzen Lagerbereich das Wasser abgestellt. Häftlinge, die sich vor den Spreng- und Brandbomben ins Freie retten wollten, wurden von der Postenkette der SS erbarmungslos niedergeknallt. So konnte es nicht ausbleiben, daß bei dem Angriff auch die Häftlinge 364 Todesopfer zu beklagen hatten. Wie viele davon von der SS niedergeschossen wurden, ist nicht mehr festzustellen. Tatsache ist, daß bei dieser Gelegenheit eines der führenden Mitglieder der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, Rudi Breitscheid, ums Leben gekommen ist. Als er, um sich vor den Brand- und Sprengbomben zu retten, über die Mauer der Baracke stieg, in der er gefangen gehalten wurde, schossen ihn die SS- Posten ab. Ernst Thälmann kein Opfer dieses Luftangriffes von der SS ermordet. 1 er wurde feige Wenige Tage nach dem Luftangriff erschien in der gesamten deutschen Presse eine Notiz, in welcher mitgeteilt wurde, daß bei einem am 27. August 1944 erfolgten Luftangriff auf das Konzentrationslager Buchenwald der Führer der Kommunistischen Partei, Ernst Thälmann, ums Leben gekommen sei. Das ist eine infame Lüge! Erstens einmal wurde am 27. August das Lager Buchenwald überhaupt nicht angegriffen, und zweitens hat sich Ernst Thälmann nicht im Lager Buchenwald befunden. Er wurde feige und hinterhältig von den SS- Banditen ermordet, und man benutzte lediglich den am 24. August stattgefundenen Luft88 angriff wortun Weil sekretä kenen die fas hinter 2 bruchs Unte nicht d haben empfun Kamp dem U diesseit wir dir Leiden leidend ten, d Opfern und M in den mit de tige G dir die Stand lich ge Tod, U Und in sind, schich mich ander Ich ganze ionslager abei vollLe einzige verwehte nacherei, Dei Häftftschutzangriff auf Buchenwald dazu, um sich auf diese Art von der Verantwortung für diesen feigen Mord zu drücken. Weil man sich vor einem Prozeß gegen Thälmann, dem Generalsekretär der Kommunistischen Partei Deutschlands, dem unerschrokkenen Kämpfer gegen Faschismus und Krieg, fürchtete, hielten ihn die faschistischen Mörder zwölf Jahre lang ohne jedes Gerichtsurteil hinter Zuchthausmauern, um ihn in der letzten Phase ihres Zusammenbruchs brutal zu ermorden. Angriff einrückhrer unauch nur Zeit des äftlinge, wollten, nallt. So Häftlinge der SS ache ist, Sozials Leben mben zu gehalten rde feige en deutei einem onslager st Thälld übernn nicht mordet, en LuftIn memoriam Pfarrer Schneider Unter all den Tapferen, die bis in den Tod getreu waren, bist du nicht der Letzte, Pfarrer Schneider. In Ehrfurcht und Bewunderung haben wir, deine Kameraden, die heroische Sittlichkeit deines Herzens empfunden. Wenn wir auch unter einem anderen Gesetz antraten zum Kampf gegen die faschistische Bestie, wenn wir auch die Erlösung von dem Übel nicht im Christentum sahen, sondern im Kampf um eine diesseitige bessere Welt, so warst du uns doch wahrhaft ein Bruder und wir dir in brüderlicher Liebe zugetan. Deine Leiden waren unser aller Leiden, dein Tod unser aller tiefer Schmerz. Deine Liebe zur ganzen leidenden Menschheit, deine Liebe zu den Erniedrigten und Beleidigten, deine Liebe zu all den namenlosen Helden und unschuldigen Opfern dieses wahnsinnigen Systems ließ dich selbst zu einem Helden und Märtyrer werden, würdig jener großen legendären Gestalten, die in den Toren Roms zur höheren Ehre cäsarischen Wahns ihren Glauben mit dem Tode besiegelten. Dein unbeirrbarer Glaube an eine endgültige Gerechtigkeit verbot dir kategorisch jede Kompromißlösung, die dir die feigen faschistischen Henker, bezwungen von der gläubigen Standhaftigkeit deiner Seele, oft genug anboten. Wir haben es alle täglich gefühlt, daß es für dich keinen anderen Weg gibt als den in den Tod, und unsere Herzen sind in Stolz und Trauer mit dir gegangen. Und in Stolz und Trauer gedenken wir, die wir dem Sterben entronnen sind, heute deiner. So darf ich auch heute als Kommunist deine Geschichte all denen erzählen, die Ohren haben zu hören, und ich weiß mich eins mit dir, wenn ich sage: Dein Tod legt unsere Hände ineinander. Ich weiß heute die Daten nicht mehr, denn das Erleben in seiner ganzen düsteren Wucht ist nicht in wesenlose Zahlen zu zwängen. Ich 89 weiß nicht mehr, wann Pfarrer Schneider nach Buchenwald kam, und auch nicht, wann ihn sein Gewissen zum ersten Male zwang, seine Stimme in der Hölle selbst zu erheben. Er stammte, soviel ich weiß, aus Simmern im Hunsrück und war am Anfang eben eine Nummer in unserem grauen Heer. Wenn das Leben als unbekannter Häftling auch hart, trostlos und gefährlich war, so gab doch die Gemeinschaft mit den vielen Kameraden Schutz, Hilfe und Trost. Für uns alle war diese Gemeinschaft eigentlich das Leben und unsere unverbrüchliche Kameradschaft die einzige Garantie, das Grauen zu überstehen. Wie anders aber war es, wenn einer hervorgezerrt wurde aus dem Schutz der Masse, wenn er sich nicht mehr ducken konnte hinter den Rücken seines Vordermanns. Dann stand er nicht für eine kurze Weile, dann stand er jede Sekunde seines von nun an aufs höchste bedrohten Lebens der Totenkopffratze Auge in Auge gegenüber. In tödlicher Einsamkeit trat jeder zur letzten Bewährung an. Ein Schiffbrüchiger, der auf einem Balken irgendwo fernab aller Schiffslinien auf dem weiten Meere treibt, kann nicht so einsam sein wie der Häftling in der Arrestzelle von Buchenwald. Wo wäre da ein hilfreicher Balken gewesen? Dort hatte der Mensch nur zwei Lösungen, entweder in dumpfer Ergebung und Lethargie das Ende zu erwarten oder sein Herz in beide Hände zu nehmen und hohen Hauptes den dunklen schmerzensreichen Weg zu gehen. Pfarrer Schneider ging diesen Weg. Oftmals waren wir Sonntags früh zum Appell angetreten. Damals, 1938-39, zwischen zehn- und zwanzigtausend Menschen in Blocks auf dem riesigen Appellplatz aufmarschiert, das Gesicht dem Eingangsund Arrestgebäude zugewandt. Die Blockführer hatten gezählt und dem Rapportführer gemeldet. Einer der Lagerführer erschien, das Mikrophon knackte, ein brutales Krächzen zerriẞ den Morgen: Mützen- ab. Ein schlagartiges Rauschen erfüllte den weiten Platz. Totenstille. Da ertönte aus einer Arrestzelle eine Stimme, klar und fest, eine Stimme, in der die, Liebe der Menschheit und das Gewissen der Welt mitschwang. Pfarrer Schneider sprach zu seinen Kameraden. Wir wissen heute nicht mehr die Bibelworte, die er uns als Sonntagsmorgengruß zurief, wir haben sie wohl auch damals nicht verstanden, aber wir wußten, daß hier ein Mensch spricht, der leidet wie wir, der die tödliche Gefahr verachtet, wie wir, der unser Bruder ist. Nur wenige Worte waren es, die Pfarrer Schneider sagen konnte. In viehischer Wut stürzte der Arrestscharführer Sommer, einer der allergemeinsten Sa90 disten die her stummt Mann z Als Schneid Seine S wie ein leicht a gang du schwäc halb wa Schneid kleine Zukunf werden feindlic Sie kön Wißt Verlock die täg gen der gang se Pfar Geschi stolzes für dies Wir br unbeug sende a Mut w nicht ep Pfar nen m wird d ganzen erbärn fähig, erfüllt Cam, und ng, seine weiß, aus er in uning auch haft mit var diese iche KaWie anhutz der cken seile, dann edrohten cher Einiger, der m weiten r Arrestgewesen? pfer Erin beide sreichen Damals, locks auf Cingangs, ählt und das MiMützen- tenstille. est, eine der Welt Wir wissmorgenaber wir die tödr wenige cher Wut asten Sadisten dieser ganzen Verbrecherbande, in Pfarrer Schneiders Zelle und die herrliche Stimme aus der unbesiegbaren Welt des Geistigen verstummte unter dem Klatschen der Nilpferdpeitsche, die jenen tapferen Mann zusammenschlug. Als Pfarrer, als Diener der evangelischen Kirche, stand Pfarrer Schneider in gewissem Maße unter dem Schutz der Weltöffentlichkeit. Seine Standhaftigkeit mußte dem Lagerkommandanten SS- Staf. Koch wie ein ewiger Alpdruck erscheinen. Er konnte diese Affäre nicht so leicht abtun, wie das bei den zahllosen Namenlosen möglich war: Abgang durch Tod und Todesursache: Allgemeine Herz- und Kreislaufschwäche. So leicht ging das mit einem Pfarrer Schneider nicht. Deshalb wäre dieser Massenmörder Koch sehr gern bereit gewesen, Pfarrer Schneider zu entlassen. Er hat es ihm oft genug angeboten. Nur eine kleine Formalität: Unterschreiben Sie diesen Revers, daß Sie sich in Zukunft dem nationalsozialistischem Staat gegenüber loyal verhalten werden, daß Sie nichts über das Lager erzählen, daß Sie jede staatsfeindliche Äußerung oder Handlung sofort der Gestapo melden, und Sie können noch heute nach Hause fahren. gang Wißt ihr, was das heißt? Könnt ihr die erschütternde Größe dieser Verlockung erfassen? Nach Hause? Raus aus der Hölle, überwunden die tägliche Todesgefahr, überwunden die ewige Angst, daß jeder Morgen der letzte Morgen, jeder Sonnenuntergang der letzte Sonnenuntersein kann. Leben- Frau Kinder! Nur eine kleine Unterschrift! Pfarrer Schneider widerstand der Verlockung. Liliencron hat uns die Geschichte Pidder Lüngs erzählt, der dem Amtmann von Tondern sein stolzes Wort: ,, Lewer duad üs Slaaw" entgegenwarf und sein Leben für diese Idee hingab. Deutsche Männer und Frauen, deutsche Jugend. Wir brauchen nicht hunderte von Jahren zurückzugehen, um Beispiele unbeugsamer Entschlossenheit zu finden. Pfarrer Schneider und tausende anderer toter Helden des antifaschistischen Kampfes zeugen, daß Mut und Treue, Freiheit und Gerechtigkeit auch unserer Generation nicht ganz abgehen. Pfarrer Schneider unterschrieb nicht. Seine Antwort war: ,, Sie können mich entlassen, aber ich sage Ihnen, der erste Bordstein Weimars wird die Kanzel, von der aus ich Ihre unsagbaren Verbrechen dem ganzen Volke predigen werde." In teuflischer Wut ging Koch. Diesen erbärmlichen Gesellen rührte die erhabene Mannhaftigkeit nicht. Unfähig, auch nur einen Hauch jener menschlichen Größe zu verspüren, erfüllte ihn nur ein tierhafter Haẞ. Zerbrechen diesen Stolz, beugen das 91 Unbeugsame oder seinen Träger vernichten. Ein Wink an seine Henkersknechte und die Folter begann von neuem. Erst Kostentzug, dann 3-5 Tage stehen, 25 Stockschläge, Hängen, an die Dampfheizung binden usw. Das liest sich heute so leicht hin, aber es kann keiner ermessen, welche unendlichen Qualen damit verbunden waren. Stehen tut an sich nicht weh, aber in den Arrestzellen von Buchenwald war das Stehen denn doch eine andere Sache. An einer kahlen Wand waren in etwa 1,70 Meter Höhe zwei Handschellen in einem Abstand von etwa 1,50 Meter angebracht. Diese Handschellen schlossen sich über den Handgelenken der ausgebreiteten Arme und so standen diese Delinquenten 3-5 Tage an die Mauer geschlossen. Einmal am Tag wurden sie für fünf, höchstens 10 Minuten abgeschlossen, um zu essen und ihre Notdurft verrichten zu können. Kaum einer von vielen, die mir darüber erzählten, konnte in diesen wenigen Minuten ihre 150 Gramm trocknes Brot essen. Die Zeit reichte noch nicht einmal aus, um die gemarterten Gelenke zu reiben und etwas Blut in die fast abgestorbenen Hände zu bringen. Gnadenlos stand der SS- Henker dabei und schloß nach Ablauf der Frist den Mann wieder an und neue 24 Stunden Folter begannen. Und das konnte 120 Stunden dauern und war eine leichte Arrest verschärfung im KZ. Buchenwald. 25 Stock- oder Peitschenhiebe! Hiebe, die ausgeruhte, glänzend genährte, erbarmungslose Gesellen führten. Bestien, die sich rühmen, daß sie mit geschlossenen Augen jedesmal dieselbe Stelle treffen. Hiebe von solcher Wucht und Härte, daß schon der zweite oder dritte die Haut platzen läßt und jeder weitere sich tiefer und tiefer in das Fleisch eingräbt. Nach 25 solchen Schlägen ist das Gesäß in den meisten Fällen völlig zerschlagen. Die Schmerzen fast unerträglich. Bis zum Irrsinn steigern sich die Qualen, wenn die Exekution am nächsten Tag wiederholt wird. Zweimal 25 Hiebe war beinahe der sichere Tod, und es gibt keinen Häftling, der sie dreimal in kurzen Zeit abständen überstanden hätte. Hängen! die Hände auf den Rücken mit einem scharfen Drahtseil gebunden und dann in die Höhe gezogen, Arrest verschärfung in Buchenwald. Oder aber das Drahtseil um ein Fußgelenk und dann mit dem Kopf nach unten 6-8 Stunden an die Zellendecke gehängt, nur eine kleine Arrest verschärfung. Oder aber an die kochendheiße Dampfheizung ganz eng angebunden. An dieser Dampfheizung sind die Menschen buchstäblich in eigenem Saft gekocht worden, der Tod, und welch ein unvorstellbarer grauenvoller Tod war unausbleiblich, wenn die Tortur mehrere Tage fortge92 führt Schnei ablässi Pfarre worden stärker durch der wa Da ders G ließ de damit liegt. Gatter ben da Leben ungeh So der. U walds wie du mich besin der k tyrer Jahre chen achte menh Wide zu ih und Güte Stöc ihre men ein s daß als ne Heng, dann ung binmessen, tut an war das waren in von etwa über den se Delinurden sie und ihre mir darGramm m die getorbenen d schloß en Folter e leichte eitschenlose Gelossenen ucht und and jeder 5 solchen gen. Die Qualen, eimal 25 ling, der Drahtseil ng in Budann mit ingt, nur ebunden. eigenem grauene fortge. führt wurde. Und das ist mehrere Male der Fall gewesen. Pfarrer Schneider hat diese ganze schmerzensreiche Straße gehen müssen. Unablässig befahl SS- Standartenführer Koch seinen Henkersknechten, Pfarrer Schneider zu ,, bewegen", den nun schon zur Prestigefrage ge wordenen Revers zu unterschreiben. Aber die sittliche Idee erwies sich stärker, Pfarrer Schneider unterschrieb nicht. Da ermordete man ihn durch Strophantin- Einspritzungen, und der Kämpfer ging als einer, der wahrhaft in der Gnade war, durch die dunkle Pforte des Todes. Da geschah etwas bis dahin noch nie Dagewesenes. Pfarrer Schneiders Gattin durfte ihren Lebenskameraden noch einmal sehen. Koch ließ den Toten feierlich aufbahren und ihn ganz mit Blumen bedecken, damit niemand entdecken sollte, daß hier ein zerbrochener Körper liegt. Als Frau Schneider in der Kapelle war, kam der Mörder ihres Gatten und versicherte sie eines tiefempfundenen Mitleides. ,, Wir haben das Äußerste an ärztlicher Kunst aufgeboten, um dieses kostbare Leben zu retten", sagte er, und nicht einmal rot werden ließ ihn diese ungeheuerliche Lüge. So gingest du deinen Weg zum bitteren Ende, lieber Pfarrer Schneider. Und so stehst du würdig neben den anderen großen Toten Buchenwalds. Neben unserem Reichstagsabgeordneten Walter Stöcker, der wie du ein Mensch in des Wortes vollendeter Bedeutung war. Ich habe mich oft mit Walter Stöcker über Pfarrer Schneider unterhalten und besinne mich recht gut der Worte warmherziger Anerkennung, die er, der kommunistische Reichstagsabgeordnete, für den christlichen Märtyrer fand. Auch Walter Stöcker ließ sein Leben in diesem Lager. Jahrelang waren er und Theo Neubauer die führenden Köpfe in Buchenwald. Über ihrem Leben stand eine ewige Todesdrohung, aber sie achteten ihrer nicht und waren jede Stunde am Werk, um den Zusammenhalt der antifaschistischen Kräfte im Lager zu schaffen und ihren Widerstand zu organisieren. Immer und immer kamen die Genossen zu ihnen, Rat und Hilfe in den oft so schwierigen Situationen zu holen, und sie haben aus der Kraft ihrer revolutionären Erkenntnis und der Güte ihres Herzens immer Rat und Hilfe gewußt. Es war Walter Stöcker und Theo Neubauer so selbstverständlich, daß unsere Sorgen ihre Sorgen seien, und wir haben das so selbstverständlich hingenommen. Niemandem ist eingefallen, daß diese beiden Menschen ja selbst ein solch übermenschliches Maß eigener Sorgen zu tragen hatten und daß keiner ihnen in dieser Not helfend zur Seite stehen konnte. Erst als Walter Stöcker 1939 im Lager starb und Theo Neubauer verlegt 93 wurde, kam uns zum Bewußtsein, welch ein unüberwindlicher Geist von diesen beiden Männern ausging. Das Lager stand wie ein verwaistes Kind, dem der geliebte Vater gestorben war. Aber die Kraft der Idee gebar immer wieder neue Helden, die mit Leib und Leben die Lücke schlossen, die die Dahingesunkenen in unsere Reihen rissen. Einer von ihnen, ja einer der Allerbesten, der es hundertmal verdient, mit Pfarrer Schneider und Walter Stöcker in einem Atem genannt zu werden, war der kommunistische Landtagsabgeordnete Walter Krämer, der Vorarbeiter des Krankenbaues. Tag für Tag befand sich dieser tapfere Kämpfer in der Gesellschaft des Todes, im Kampf um das Leben seiner Kameraden. Mit ungeheurer Energie erarbeitete sich Walter Krämer, der einfache Hafenarbeiter, das Wissen und Können, um mit Amputationen und schwierigen operativen Eingriffen helfen zu können, wo die medizinische Charlatanerie der SS- Ärzte versagte. Unzählbar war die Schar der Genossen, die Walter Krämer, der Gefahren nicht achtend, den Mördern entrissen hat. Er schuf im Krankenbau die Zufluchtsstätte für Hunderte von der Vernichtung bedrohte Antifaschisten. In unbeirrbarer Zähigkeit kämpfte er um höhere Heilmittelzuteilungen, furchtlos organisierte er das Fehlende aus dem SS- Revier. Walter Krämer verdankt das ganze Lager die mehrfachen Typhus- und Ruhrschutzimpfungen. Bei diesem rücksichtslosen Einsatz für die Häftlinge war es klar, daß Walter Krämer immer und immer wieder mit den Lagerärzten zusammenstieß. Er war sich keine Sekunde im Unklaren, daß er so mit tötlicher Sicherheit seiner Vernichtung entgegenging. Aber auch er zögerte nicht, diesen Weg zu gehen. Wie Pfarrer Schneider führte er das für richtig Erkannte bis zum bitteren Ende durch. Im Oktober 1941 wurden Walter Krämer und sein Mitarbeiter, Karl Peix, nach dem Außenkommando Goslar abtransportiert und dort durch Genickschüsse ermordet. Und so waret ihr, Pfarrer Schneider, Walter Stöcker, Theo Neubauer, Walter Krämer, Karl Peix einige unter Tausenden, aber dieses tausendfältige Sterben setzte eurer heroischen Brüderschaft die Krone aufs Haupt. Ihr waret alle getreu bis in den Tod, und so wird die Krone des Lebens euer sein, auch zur letzten Vollendung, uns Überlebenden und dem ganzen deutschen Volke zur erschütternden Mahnung: Seid einig, einig, einig. Hasso Grabner, Leipzig, Buchenwald- Häftling Nr. 5334 di bl R B E e P H T f 94 96 er Geist verwaidie mit n in un, der es öcker in andtagsues. ellschaft geheurer arbeiter, gen opeatanerie ssen, die entrissen erte von ähigkeit sierte er as ganze laz, daß zten zuso mit auch er ührte er Cer, Karl nd dort hneider, x einige te eurer le getreu auch zur eutschen Nr. 5334 Wir werden sie nie vergessen! Von den 51000 Antifaschisten aller Nationen, die im Lager Buchenwald von 1937-1945 als Opfer des blutigen faschistischen Naziterrors fielen, beklagt Leipzig 67 tapfere antifaschistische Söhne seiner Stadt. Es fielen im Kampfe für ein besseres Deutschland: Kurt Höritzsch +1938 von der SS während der Arbeit erschlagen Hans Albert Förste † 1938 von der SS erschossen Rudi Opitz † 1939 von der SS im Arrestbau erschlagen Walter Brendel † 1942 von der SS zum Freitod getrieben Bruno Pichel † 1943 von der SS auf der Flucht erschossen Erich Köhnen † 1943 von der SS zum Freitod getrieben Friedrich Loose Paul Neck Paul Jahn . • † 1944 dem Luftangriff aufs Lager zum Opfer gefallen Otto Runki † 1945 im Arbeitskommando ,, Dora", einem Außenlager von Buchenwald, von der SS ermordet Paul Geißler † 1945 beim Befreiungskampfums Lager gefallen Herbert Müller † 1945 vier Wochen vor der Befreiung des Lagers zur SS gepreßt und dort vernichtet. Und weitere 55 andere antifaschistische Kameraden, die an Unterernährung, Typhus, Ruhr oder Lungentuberkulose infolge der jahrelangen Haft als Opfer des Faschismus starben. Ihr Opfer ist uns Mahnung und Verpflichtung im Kampfe gegen Faschismus, Militarismus und Reaktion, für eine bessere Zukunft unseres Volkes, für ein freies, wahrhaft demokratisches Deutschland, 95 Die antifaschistische Widerstandsbewegung im Konzentrationslager Buchenwald Das Konzentrationslager Buchenwald war jedoch nicht nur eine Stätte grausamster Folterungen und organisierter bestialischer Massenmorde. Hier wurden nicht nur zu Zehntausenden die Hitlergegner aus allen Schichten des deutschen Volkes, die Mitglieder der antifaschistischen Untergrundbewegung Frankreichs, Belgiens und Hollands, die tapferen Freiheitskämpfer für ein faschistenfreies Italien und Jugoslawien, die Anhänger der polnischen Widerstandsbewegung und Tausende von sowjetischen Offizieren von den SS- Mördern, den Beauftragten Hitlers, Himmlers und Görings hingemordet, zu Tode gequält, erhängt und von Seuchen hingerafft. Hier, wo die tapfersten, bewußtesten und konsequentesten Antifaschisten aus Deutschland und ganz Europa auf engstem Raum konzentriert waren, entwickelte sich im Laufe der Jahre das Konzentrationslager Buchenwald zu einem der Kristallisationspunkte des antifaschistischen Widerstandes, zu einer Zentrale des Kampfes für ein faschistenfreies Europa und ein neues demokratisches antifaschistisches Deutschland, die weit über den Drahtzaun des Lagers hinaus in Deutschland und Europa wirksam wurde. Die deutschen Kommunisten als Organisatoren der antifaschistischen Buchenwalder Untergrundbewegung Die Mehrheit der deutschen politischen Häftlinge waren Mitglieder und Funktionäre der verbotenen und verfolgten KPD. Sie waren aus den industriellen Zentren und den Brennpunkten des politischen Lebens Deutschlands in größeren Gruppen im Lager vertreten. Aus den Industriestädten Sachsens, aus den Kohlenrevieren und Eisenhütten von Ruhr und Rhein, aus den Werften und Hafengebieten Hamburgs und Bremens, aus den Arbeitervierteln Berlins sammelten sich die antifaschistischen Kämpfer, die sich zum Teil schon aus ihrem Kampf gegen Hitler aus den Jahren vor 1933 kannten, die ihre antifaschistische Zuverlässigkeit während der Untersuchungshaft und in den langen Zuchthausjahren unter Beweis gestellt hatten, zu unterirdischen antifaschistischen Zirkeln. In kleinen Gruppen von 4-5 Mann fanden sie sich nach der schweren körperlichen Arbeit des Tages zusammen, 96 opferten d tischen Er plätzen zu Kampf geg sassen des schen OK die die mi erhofften. Aus dies nate unter allen Teile Parteien o Arbeit, un fahr der E Antifaschi kante, Bay zentralen Alle ne Gruppe, a Zuverlässi Freiheit m Sie gaben schen Kar Hitlers Zu Beg Lagers lay schlagarti Elemente Führer u kratischer Alles Anti teten, dal Hitlers er und seine Europas 7 nur eine her Maslergegner der antiund Holes Italien bewegung dern, den zu Tode faschisten triert waer Buchenen Wideres Europa die weit opa wirk n der wegung Mitglieder waren aus ischen Le1. Aus den senhütten Hamburgs sich die em Kampf tifaschistin den lanerirdischen ann fanden usammen, 7 opferten die wenigen Freistunden an den Sonntagen, um die politischen Ereignisse zu besprechen, die Ereignisse auf den Kriegsschauplätzen zu beobachten, um daraus Lehren und Erfahrungen für den Kampf gegen Hitler zu sammeln. Sie richteten sich selbst und die Insassen des Lagers immer wieder auf, als die Siegesmeldungen des deutschen OKW. wie Keulenschläge auf alle Antifaschisten niedersausten, die die militärische und politische Niederlage Hitlers wünschten und erhofften. Aus diesen kleinen politischen Zirkeln entstanden im Laufe vieler Monate unter ständiger Hinzuziehung neuer antifaschistischer Kräfte aus allen Teilen der deutschen Häftlinge, ganz gleich aus welchen politischen Parteien oder sozialen Schichten sie kamen, in harter und aufreibender Arbeit, unter ständiger Lebensgefahr, umwittert von Verrat und der Gefahr der Entdeckung durch die Gestapo und SS festgefügte Gruppen der Antifaschisten von Sachsen, Berlin, Rhein- und Ruhrgebiet, der Wasserkante, Bayern und Schwaben und allen Gauen Deutschlands unter einer zentralen politischen Leitung. Alle neuen Ankömmlinge im Lager wurden von der zuständigen Gruppe, aus deren Heimat sie kamen, gründlich auf ihre politische Zuverlässigkeit geprüft. Ihre Berichte, die sie von draußen aus der Freiheit mitbrachten, wurden gründlich besprochen und ausgewertet. Sie gaben einen Überblick über den jeweiligen Stand des antifaschistischen Kampfes in allen Teilen Deutschlands. Hitlers erste Kriegsgefangene aus dem deutschen Volk Zu Beginn des Krieges im Jahre 1939 schwoll die Besatzung des Lagers lawinenartig an. Schon am ersten Mobilmachungstag setzten schlagartig in ganz Deutschland Massenverhaftungen sog. unsicherer Elemente ein. Es waren dies antifaschistische Arbeiterfunktionäre, Führer und bekannte Persönlichkeiten ehemaliger bürgerlich- demokratischer Parteien, ehemalige Reichstags- und Landtagsabgeordnete. Alles Antifaschisten, Hitlergegner, von denen die Naziführer befürchteten, daß sie ihre Stimme gegen die Kriegs- und Eroberungspolitik Hitlers erheben könnten, von denen man befürchtete, daß sie Hitler und seinen blutigen Henkern bei der Unterjochung und Versklavung Europas und des deutschen Volkes hindernd in den Arm fallen könn97 ten. Die Hitler, Himmler und Goebbels sahen in ihnen die Agitatoren und Organisatoren, die Führer einer zukünftigen unterirdischen deutschen Widerstandsbewegung gegen den Hitlerfaschismus und Krieg. Deshalb machte man sie mundtot, trennte sie durch elektrisch geladene Drahtzäune vom deutschen Volke und versuchte, sie zu vernichten. Aber diese Pläne Hitlers scheiterten wenigstens zum Teil an dem unbeugsamen Willen tapferer Kämpfer gegen Hitler, die trotz Konzentrationslager und Terror eine breite Kampffront aller Hitlergegner auch im Konzentrationslager zu schmieden versuchten. Gerade durch diese sog. Aktionshäftlinge, die bei Beginn des Krieges verhaftet wurden, erfuhr die antifaschistische unterirdische Arbeit im Lager eine neue Steigerung. Buchenwalds Antifaschisten suchten und fanden Verbindung mit den Antifaschisten der Welt Um die Isolierung hinter dem elektrisch geladenen Zaun zu durchbrechen, fanden sich mutige Kameraden, die in den Elektrowerkstätten des Lagers aus gestohlenen Teilen und behelfsmäßig hergestellten Spulen und Schaltern Radioempfangsgeräte bauten und damit die Stimme der vereinten antifaschistischen Nationen der Welt hörten. Aus den deutschen Sendungen des Moskauer Rundfunks, aus den Informationen des Senders Luxemburg und London, aus den Kriegsgefangenensendungen aus England, Amerika und Rußland und von dem Sender des ,, Nationalkomitees Freies Deutschland" schöpften wir unsere täglichen Informationen und hörten die Anweisungen zum antifaschistischen Kampfe. Die Reden Roosevelts, Churchills und Stalins gaben uns wertvolle Beiträge zur richtigen Einschätzung der jeweiligen Situation. Unter ständiger Lebensgefahr wurden diese Sendungen gehört und an die unterirdischen antifaschistischen Gruppen weitergegeben. Antifaschistische Freiheitskämpfer aller Nationen Europas kamen als Gefangene Hitlers nach Buchenwald Ein völlig neues Moment des antifaschistischen Kampfes, der sich bisher nur im Rahmen der deutschen Insassen des Lagers bewegt hatte, trat mit dem Erscheinen der Ausländer im Lager auf die Tagesordnung. Mit der faschistischen Aggression in Österreich und dem räu98 berisc Tsche Freihe zwisch chern Grupp ander Nun k Polen fanger men H Partis Dies schen Kräft hatter Klipp Schwi samen gefund stands mit de waren samen zentra faschi metsch sische Leitur gescha slawe unteri ihre V fußen baute Die L fruch inner stand 7 Agitatoren schen deutund Krieg. ktrisch gesie zu verum Teil an die trotz ller Hitleren. Gerade rieges verArbeit im nden elt zu durchrowerkstätergestellten damit die elt hörten. aus den InHen Kriegsd und von höpften wir n zum antiund Stalins der jeweise Sendunruppen weiEuropas wald es, der sich gers bewegt of die Tagesad dem räuberischen Einmarsch der deutschen Heere in das Sudetenland und die Tschechoslowakei kamen die ersten tschechischen und österreichischen Freiheitskämpfer gegen den Hitlerismus ins Lager. Die Verbindung zwischen den deutschen Kameraden und den Tschechen und Österreichern war über die dort ebenfalls stark vertretenen kommunistischen Gruppen schnell hergestellt. Bald gesellten sich zu ihnen die Vertreter anderer antifaschistischer Gruppen und Parteien aus diesen Ländern. Nun kamen in schneller Folge mit der Weiterentwicklung des Krieges Polen, später Franzosen, Belgier, Niederländer und Spanier als Gefangene des deutschen Faschismus ins Lager. Im weiteren Verlauf kamen Russen und später auch jugoslawische Freiheitskämpfer aus den Partisanenarmeen des Marschalls Tito nach Buchenwald. Diese Internationalisierung des Lagers, das jetzt fast 40000 Menschen innerhalb seines Drahtzaunes barg, stellte die antifaschistischen Kräfte, die bisher die antifaschistische Arbeit organisiert und geleitet hatten, vor fast nicht zu überwindende Schwierigkeiten. Über alle Klippen hinweg, wie die verschiedenen nationalen Mentalitäten, die Schwierigkeiten der vielen Sprachen, mußte ein Weg zum gemeinsamen antifaschistischen Kampf auf einer internationalen Plattform gefunden werden. Die verschiedensten Freiheitskämpfer und Widerstandsgruppen aus allen Ländern Europas führten den gleichen Kampf mit dem gleichen Ziel: Sturz und Vernichtung der Hitlerdiktatur; wir waren ihre, sie unsere Verbündeten im Kampf gegen denselben grausamen Feind. Und der Weg wurde gefunden. Die schon vorhandene zentrale Leitung der unterirdischen Bewegung der deutschen Antifaschisten suchte sofort aus den Reihen ihrer Anhänger geeignete Dolmetscher und nahm die Verbindung mit den Kameraden der französischen Widerstandsbewegung auf, die ebenfalls schon eine zentrale Leitung für den französischen Sektor geschaffen hatten. Das gleiche geschah mit den Belgiern, Niederländern, Italienern, Spaniern, Jugoslawen, Russen und Polen. Nach dem Muster der schon vorhandenen unterirdischen Organisation der deutschen Kameraden, gestützt auf ihre Vertrauensleute in den Wohnbaracken und Arbeitskommandos, fußend auf den Lehren des bisherigen illegalen Kampfes im Lager, bauten die ausländischen Kameraden ihre Untergrundbewegung auf. Die Lehren und Erfahrungen beim Aufbau der Partisanengruppen befruchteten ihrerseits den Kampf der deutschen Antifaschisten sowohl innerhalb, als auch außerhalb des Lagers. Die Leitungen der Widerstandsbewegungen aller Nationen fanden sich unter der Führung der 7 99 deutschen Antifaschisten, die im unterirdischen Kampf im Lager schon jahrelange Erfahrungen gesammelt hatten und die besten Verbindungen besaßen, zu einem internationalen, antifaschistischen Aktiv zusammen. In dieser internationalen Leitung wurden in kollektiver Zusammenarbeit alle aktuellen politischen und militärischen Probleme erörtert, eine jeweilige politische Plattform gebildet und die gemeinsame Marschrichtung des Kampfes gegen den Faschismus aufgestellt. Zu allen Fragen des Lagers, des Kampfes gegen die Lagerführung wurde Stellung genommen und Beschluß gefaßt. Erste und vornehmste Aufgabe des antifaschistischen Kampfes im Lager war es, alle Insassen des Lagers, gleich welcher Nationalität, Religion oder Partei, gleich welcher sozialen Herkunft zu einer breiten und festen Kampffront gegen den gemeinsamen Feind zusammenzuschweißen. Auss Ein Faschi Teile triebe len- u dische indust liefern hafte Es w Rüstu ging e Der Kampf um die Führung im Lager Dieser Kampf gegen den Faschismus setzte voraus, daß die Antifaschisten alle Kommandohöhen des Lagers, soweit sie durch Häftlinge des Lagers besetzt waren, in ihre Hände bekamen. Das kostete einen hartnäckigen, verbissenen und stillen, aber auch verlustreichen Kampf gegen alle kriminellen Elemente des Lagers, die von der SSFührung an alle diese Stellen gesetzt worden waren. Die deutschen politischen Häftlinge ruhten nicht eher, bis alle wichtigen Funktionen im Lager in den Händen bewährter Antifaschisten waren. Mit politischen Denunziationen, Bespit zelung unserer politischen Arbeit versuchten sich die kriminellen Elemente an ihre Positionen zu klammern. Durch solche Denunziationen wurden viele gute deutsche Antifaschisten SS- Mördern ausgeliefert. Die Antifaschisten ihrerseits verurteilten solche Verräter und Denunzianten zum Tode und richteten sie. Schließlich endete dieser jahrelange Kampf mit einem vollen Sieg der deutschen politischen Häftlinge, die alle Kommandohöhen des Lagers in ihren Händen hielten. Das war ein sehr wesentlicher Teil des antifaschistischen Kampfes, deren Auswirkungen sich in der ganzen politischen Tätigkeit im Lager und später auch bei der Vorbereitung und Durchführung der militärischen Befreiungsaktion günstig auswirkte. 100 nicht botag Die nicht Diese und s gische Auftr diens die a wurd fasch samm ben a sierte traue tigke lang stadt arbe sche Di Lei er schon binduntiv zuammenrörtert, einsame ellt. Zu g wurde ste Aufssen des welcher den ge ie Antih Häftkostete treichen der SSeutschen ktionen Mit poliDeit veru klamThe Antieits verichteten len Sieg des LaTeil des ganzen ereitung stig ausSabotage der faschistischen Kriegsausrüstung. Ausstrahlung des antifaschistischen Kampfes über das Lager hinaus Ein nicht unwesentlicher Teil unseres Kampfes gegen Krieg und Faschismus war die Sabotage der Rüstungsindustrie, zu der große Teile der Häftlinge eingesetzt waren. In allen Werkstätten und Betrieben und in und um das Lager saßen unsere antifaschistischen Zellen- und Vertrauensleute, hielten enge Verbindungen zu allen ausländischen Kameraden und organisierten die Sabotage der Rüstungsindustrie, zeigten Wege und Möglichkeiten, fehlerhafte Produkte zu liefern, möglichst viel Material zu vergeuden, Maschinen durch fehlerhafte Pflege und unsachgemäßes Behandeln unbrauchbar zu machen. Es wurde alles versucht, was in unseren Kräften stand, um Hitlers Rüstungspotential zu schmälern und den Krieg zu verkürzen. Leider ging es auch hier nicht ohne Opfer ab. Öfter wurde ein Kamerad, der nicht vorsichtig genug gewesen war oder Unglück hatte, wegen Sabotage der Rüstungsindustrie gehängt. Die unterirdische antifaschistische Tätigkeit erstreckte sich jedoch nicht nur auf das Lager Buchenwald und seine nächste Umgebung. Diese Tätigkeit und Organisation strahlte aus über Teile Deutschlands und sogar in das europäische Ausland. So ging eine Gruppe norwegischer Studenten, die längere Zeit im Lager war, mit dem konkreten Auftrag nach Norwegen zurück, Verbindung mit dem Nachrichtendienst der vereinten Nationen aufzunehmen. Die Arbeitskommandos, die aus dem Lager Buchenwald in alle Teile Deutschlands gingen, wurden in ihrer Zusammensetzung von den Gesichtspunkten der antifaschistischen Massenarbeit von den Buchenwalder Antifaschisten zusammengestellt. Sie leisteten in den verschiedensten Rüstungsbetrieben antifaschistische Arbeit unter den dortigen Arbeitern und organisierten die Sabotage der Rüstungsarbeit. Sie hielten durch ihre Vertrauensleute ständig Verbindung zum Lager, berichteten über ihre Tätigkeit, holten sich politische Informationen und Anweisungen. So gelang es den Kameraden in den Arbeitskommandos in der Industriestadt Wuppertal mit den dortigen Antifaschisten und einem Ostarbeiterlager Verbindung aufzunehmen und einen örtlichen, unterirdischen, antifaschistischen Kampfausschuß zu bilden. Die Kameraden im Arbeitskommando des Flugzeugwerkes Erla in Leipzig hielten enge Verbindung zu dem unterirdisch bestehenden 101 1 und arbeitenden ,, Nationalkomitee Freies Deutschland" in Leipzig. Sie sprachen mit ihnen über unsere Einschätzung der Lage und die Aufgabestellung und brachten uns die in Leipzig illegal erscheinenden Flugblätter ins Lager. Die Initiatoren und Organisatoren des unterirdischen antifaschistischen Kampfes in Leipzig waren zum Teil Kameraden, die 1939 und 1940 dem Buchenwalder antifaschistischen Aktiv angehört hatten, dann entlassen worden waren und gemäß den Lehren und Erfahrungen von Buchenwald die unterirdische Tätigkeit in Leipzig fortsetzten und erweiterten. Rudi Jahn, Leipzig, Buchenwald- Häftling Nr. 5495 nommen, seitigen. Als dar immer ti geduld u liefen Tra Osten des vor den in der Roter besetzten kanischer wo die A Die letzten Tage vor der Befreiung Buchenwalds Die Zeiten in Buchenwald sind immer schwer gewesen, aber die letzten Tage haben den Antifaschisten mehr Nervenkraft gekostet als all die Jahre zuvor. Während seiner langen Haft hatte jeder die ganze Verworfenheit der SS kennengelernt und mußte jetzt, in Anbetracht der Verschlechterung der Lage auf den Kriegsschauplätzen, den von Goebbels angekündigten großen Krach erwarten, mit dem jener die Tür der Geschichte zuschlagen wollte, wenn die Nationalsozialisten abzutreten gezwungen wären. Die letzten Monate hatten offensichtlich gezeigt, daß der Nazistaat im Zusammenbrechen war. Überall sah man Erscheinungen der Zersetzung, und die breiten Volkskreise begannen zu erkennen, daß das ,, Dritte Reich" ausgelebt habe. Auch im Lager war die Stimmung so, daß man jeden Tag ,, mit etwas rechnete". Was dieses ,, etwas" sein könnte, darüber waren sich die Häftlinge im allgemeinen nicht im klaren, und die verantwortlichen Funktionäre hatten alle Hände voll zu tun, um aufzuzeigen, daß man keineswegs das Recht habe, leichtsinnig zu werden, daß vielmehr mit allen möglichen Schurkereien zu rechnen wäre. Sie hatten aus ihren eigenen Erfahrungen richtigerweise die Lehre gezogen, daß man selber etwas tun müsse. Der Abwehrapparat war fest organisiert und die kleinsten Ereignisse wurden immer wieder auf ihre Bedeutung für das Lager untersucht. Die widersprechendsten Anordnungen wurden von der Lagerführung gegeben. Zuckerbrot und Peitsche wechselten ab: Bereits einige Monate vor dem nahenden Zusammenbruch wurde der Versuch unter102 lager Bud In dem rung der ten März das Thu furt- We Baracker wurde nu versuche gemäß fi diten aus lingen ei wäre. W nen Auso kuierung Hälfte d wald err geworde Jugendschuß er deten, e den die in verse hungert wald an Das Antifas Leipzig. und die nenden = untereil Kamen Akäß den ätigkeit Nr. 5495 ds Hie letztals all e ganze etracht en von ner die ten abichtlich ah man gannen Lager " Was im alltionäre eswegs n mögen Erwas tun en Eruntergerfüheinige unternommen, die politische, antifaschistische Führung im Lager zu beseitigen. Als dann im März 1945 die allierten Armeen von Osten und Westen immer tiefer in das Reichsgebiet eindrangen, steigerte sich die Ungeduld und Erwartung unter den Buchenwalder Häftlingen. Täglich liefen Transporte von Gefangenen aus den Konzentrationslagern vom Osten des Reiches in Buchenwald ein. Diese Lager wurden evakuiert vor den immer mehr nach Westen dringenden siegreichen Heeresgruppen der Roten Armee, die dann ein Konzentrationslager nach dem anderen besetzten. Dazu kamen mit dem Vordringen der englischen und amerikanischen Armeen laufend Transporte aus dem Westen des Reiches, wo die Außen- Arbeitskommandos aufgelöst und nach dem Stammlager Buchenwald zurückgeführt wurden. In dem nunmehr überfüllten Lager wurde die Frage der Evakuierung der Buchenwalder Häftlinge immer aktueller, zumal in den letzten Märztagen aus dem Raume von Kassel amerikanische Truppen in das Thüringer Land eingebrochen waren und sich in Richtung Erfurt- Weimar und damit auch auf unser Lager zu bewegten. In allen Baracken, auf allen Lagerstraßen, unter den Gefangenen aller Nationen wurde nur noch eine Frage diskutiert: ,, Was wird aus uns? Werden sie versuchen, uns zu evakuieren oder zu liquidieren?" Wobei erfahrungsgemäß für uns Buchenwalder Antifaschisten, die wir ja die SS- Banditen aus jahrelanger Praxis kannten, die Evakuierung von 40 000 Häftlingen einer Liquidierung des größten Teils davon gleich gekommen wäre. Wir hatten ja inzwischen von den nach Buchenwald gekommenen Auschwitzer und Lubliner Kameraden auch erfahren, was die Evakuierung eines großen Konzentrationslagers bedeutet. Weniger als die Hälfte der von dort Evakuierten hatte tatsächlich das Lager Buchenwald erreicht. Die anderen wurden, auf langen Fußmärschen schwach geworden, einfach von den begleitenden SS- Mannschaften, HitlerJugend- und Volkssturmmannschaften am Straßenrand durch Genickschuß erledigt. In den Straßengräben lagen die Leichen der so ermordeten, evakuierten Häftlinge und säumten zu Hunderten und Tausenden die Marschstraßen der Evakuierten. Andere waren zu Hunderten in verschlossenen Viehwagen in wochenlanger Fahrt verdurstet, verhungert oder erstickt und kamen nur noch als Leichen in Buchenwald an. Das waren auch unsere Perspektiven. Wir zogen als Buchenwalder Antifaschisten die einzige mögliche Schlußfolgerung: 103 Wir lassen uns nicht evakuieren Das war allerdings leichter gesagt als getan. Der Kommandant, SSOberführer Pister, der die Stimmung im Lager ahnte, versuchte, uns Sand in die Augen zu streuen und unsere Wachsamkeit zu täuschen. Er rief eines Tages alle reichsdeutschen Häftlinge zu einer Versammlung zusammen. Dort versicherte er uns bei seinem ,, Ehrenwort als Offizier", daß das Lager nicht evakuiert werde und niemanden von uns etwas geschehen würde. Im Gegenteil, er würde bis zum Schluß bleiben und das Lager den Amerikanern unversehrt übergeben. Nur ganz wenige unverbesserliche Optimisten fielen auf diesen Dreh herein. Der übergroße Teil von uns aber hörte diesen Versicherungen mit einem ungläubigen Lächeln zu, wir kannten ja die SS- Führung und ihre Versprechungen. Wenige Tage nach dieser Versammlung wurde plötzlich der Befehl, das ganze Lager zu evakuieren, bekannt. Jetzt wurde es ernst. Jetzt galt es, unseren Beschluß, uns nicht evakuieren zu lassen, in die Tat umzusetzen. Noch konnten wir es nicht auf einen offenen Aufstand und eine Meuterei ankommen lassen. Noch standen rund ums Lager 3000 bis an die Zähne bewaffnete SS- Leute. Noch waren die amerikanischen Truppen nicht nahe genug am Lager, sie standen mit ihren Spitzen immer noch rund 100 km vom Lager entfernt in der Gegend zwischen Erfurt und Gotha. In diesen kritischen Tagen wurde nun auch noch die Bewachungsmannschaft von 3000 auf 5000 gesteigert. Auf allen Wachtürmen rund ums Lager standen wieder schwere Maschinengewehre. In dreifach gestaffelter Postenkette standen die SS- Bewachungsmannschaften mit Maschinenpistolen, Karabinern, Handgranaten, Panzerfäusten und teilweise sogar mit Flammenwerfern um das Lager und auf den bewaldeten Hängen des Ettersberges. Ja, sogar der Volkssturm der umliegenden Dörfer war zur Verstärkung mobilisiert. So war die Lage, als am 4. April die ersten Evakuierungen begannen. Was sollten wir tun? Fürs erste beschlossen wir zu sabotieren, passive Resistenz zu üben, die Evakuierung nach Möglichkeit zu verschleppen. Wir hatten dazu die Möglichkeit, da ja alle Organe, auf die sich die SS- Lagerführung bei der Evakuierung stützen mußte, wie z. B. die Lagerältesten, die 104 Schre in ja Antif war v ein Ge Am forde Jet das I Le Wert jeder solch trati die war, Lage linge flößt Al spre besc men Kam den, rack ein. war rack groß ten Knü dert des gela die sich me mdant, SSuchte, uns täuschen. Versammort als Ofen von uns chluß bleiNur ganz erein. Der mit einem Hihre VerHer Befehl, icht evakunicht auf sen. Noch SS- Leute. am Lager, Lager entkritischen n 3000 auf anden wieostenkette tolen, Kamit Flamdes Ettersar zur Verbegannen. zu üben, atten dazu ihrung bei esten, die Schreibstube, die Blockältesten, der Lagerschutz und die Feuerwehr, in jahrelanger, unermüdlicher Kleinarbeit von uns mit zuverlässigen Antifaschisten besetzt worden waren. Verschleppung der Evakuierung war vorläufig die einzige Möglichkeit. Jeder Tag Verzögerung war für uns ein Gewinn. Es galt, jetzt tapfer zu sein und nicht die Nerven zu verlieren. Am Morgen des 4. April begannen die Evakuierungen mit der Aufforderung, die aus den Lautsprechern in allen Baracken ertönte: ,, Alle Juden auf dem Appellplatz antreten!"" Jetzt galt es zu handeln. Wie ein Lauffeuer ging unsere Parole durch das Lager: ,, Die Juden treten nicht an, alles bleibt in den Baracken." Leer und verlassen lag der Appellplatz, leer blieben die Lagerstraßen. Wertvolle Stunden verstrichen, wertvolle Stunden für uns, denn mit jeder Stunde konnten die Amerikaner dem Lager näher kommen. Eine solche Nichtbefolgung eines Befehls war in der Geschichte des Konzentrationslagers ein Novum, war offene Meuterei. Die SS- Lagerführung, die jetzt wohl merkte, daß hier eine organisierende Kraft vorhanden war, ließ es noch nicht auf eine Kraftprobe ankommen. Die 40000 im Lager zusammengeballten und zum Widerstand entschlossenen Häftlinge, die offensichtlich unter einer entschlossenen Führung standen, flößten ihnen, ob sie wollten oder nicht, doch Respekt ein. Als dann im Laufe des Vormittags die Aufforderung aus den Lautsprechern erklang: ,, Alles auf dem Appellplatz zum Appell antreten", beschlossen wir, da wir es noch nicht auf Biegen und Brechen ankommen lassen konnten, unter Verzögerung gemeinsam mit den übrigen Kameraden zum Appell anzutreten. Als dann, wiederum nach Stunden, die 40000 Insassen des Lagers wohlgeordnet in Blocks, jede Baracke für sich, angetreten waren, rückte die bewaffnete SS ins Lager ein. Die SS- Leute begannen, die Juden einzeln herauszusuchen, das war insofern leicht, als die jüdischen Kameraden in besonderen Baracken lagen und deshalb auch gesondert aufmarschiert waren. Ein großer Teil Juden verdrückte sich mit unserer Hilfe in die aufgestellten Kolonnen der anderen Häftlinge. Als es dann schließlich der SS mit Knüppelhieben, Fußtritten und viel Gebrüll gelungen war, einige Hunderte Juden auf einer Stelle zusammenzutreiben und mit einer Kette des Häftlingslagerschutzes und der Häftlingsfeuerwehr zu umstellen, gelang es den jüdischen Kameraden immer wieder, diese Postenkette, die offensichtlich mit den Juden sympathisierte, zu durchbrechen und sich in die übrigen Haufen zu verdrücken. Wieder wurden sie zusammengetrieben, wieder brachen sie durch, und so ging es den ganzen Tag. 105 beschüt Am Abend war es dann mit Mühe und Not der SS gelungen, einen Bruchteil der im Lager befindlichen Juden auf dem neben dem Lager gelegenen Gelände der DAW. zum Abmarsch zu sammeln. Am nächsten Tage wiederholte sich das Schauspiel nochmals. Zwei Tiefangriffe amerikanischer Flieger wurden von uns als wertvolle Unterstützung unserer Bestrebung begrüßt. Während der Luftangriffe muẞten wir in die Baracken. Dadurch wurde die Evakuierung wieder um einige Stunden verschleppt. Am Abend des 5. April war schließlich die Judenaktion abgeschlossen. Nach zwei Tagen hatte die Lagerführung einen Teil der Juden zum Abtransport gesammelt. Ein Vorgang, der sonst normalerweise in zwei Stunden erledigt gewesen wäre, dauerte durch unsere Taktik der Verschleppung und Sabotage zwei volle Tage. Immerhin ein guter Erfolg unserer hinhaltenden Handlungsweise. Jetzt holte die Lagerführung zu einem zweiten Schlage aus. Wir aber blieben die Antwort nicht schuldig. 46 Todeskandidaten den Mörderklauen der SS entrissen! Am 6. April frühmorgens vor dem Appell erhielten 46 gute, antifaschistische Kameraden der verschiedensten Nationen die schriftliche Aufforderung, am Lagertor anzutreten. Allen war es sofort klar: diese Kameraden, in denen die SS- Lagerführung die führenden geistigen und organisatorischen Kräfte des Widerstandes sah, sollten liquidiert werden. Da wir durch unsere Verbindung zur Schreibstube schon am Vorabend von diesem geplanten Mord Kenntnis erhielten, benachrichtigten wir die betreffenden Kameraden sofort und verbargen sie noch in derselben Nacht in den verschiedensten Stellen des Lagers. Sie wurden im Schweinestall, in dem Häftlingskrankenrevier eingemauert, unter den Fußböden der Baracken verborgen. Sie verbargen sich tief in Kanalschächten oder wurden in Kisten eingenagelt und auf Magazine gestellt. Als dann am Morgen des 6. April die schriftliche Aufforderung erging, war keiner dieser Kameraden aufzufinden. Keiner meldete sich am Tor. Der Schlag der Lagerführung war ins Leere gegangen, und zwar in zweifacher Hinsicht. Erstens einmal waren ihnen ihre Opfer entgangen, sie wurden in den nächsten Tagen sorgfältig behütet und 106 der Ere Suchakt und den Aber rung ein den 46 terirdis so hatte tischen Aktivs nicht, w gebliebe weis, da und sell Sonn und La schwad die SS beginne es werd mandos viele bi dieser k liegen u matori Im L der bes und es südöstl spitzen Die SS erzählt linie a restlos Tage. der K Million teilten , einen m Lager s. Zwei Unterfe mußder um eschlos- Juden weise in tik der Erfolg us. Wir e, antiriftliche r: diese eistigen quidiert m Vorrichtig. noch in wurden t, unter tief in agazine ung erete sich en, und e Opfer tet und beschützt, mit Nahrungsmitteln versorgt und ständig über den Gang der Ereignisse im Lager unterrichtet. Allen offenen und versteckten Suchaktionen zum Trotz, keiner dieser 46 Kameraden wurde gefunden und den SS- Mördern an den Strang geliefert. Aber auch in anderer Hinsicht war diese Aktion der SS- Lagerführung ein Miẞerfolg. Wenn die Führung des Lagers geglaubt hatte, in den 46 Kameraden den geistigen und organisatorischen Kopf der unterirdisch arbeitenden antifaschistischen Aktivisten gefaßt zu haben, so hatte sie sich schwer geirrt. Keiner unserer wirklich führenden politischen und militärischen Köpfe des internationalen, antifaschistischen Aktivs befand sich unter den 46 Todeskandidaten. Einfach deshalb nicht, weil sie der SS- Lagerführung trotz aller Spitzeleien unbekannt geblieben waren. Mit Stolz stellten wir dies fest, war es doch ein Beweis, daß unsere unterirdische Arbeit wirklich konspirativ gewesen war und selbst den härtesten Prüfungen standgehalten hatte. Sonnabend, 7. April 1945. Eine Stunde nach Ausrücken der Küchenund Lagerkommandos heulte die Sirene, und wieder brummten Geschwader der Amerikaner über das Lager. Das konnte jedoch diesmal die SS nicht hindern, kurze Zeit später doch mit der Evakuierung zu beginnen. Der Kommandant hatte noch immer die Stirn, zu erklären, es werde nicht evakuiert, er habe nur den Auftrag, einige Arbeitskommandos auf Transport zu schicken. Zuerst wurden etwa 3000 Juden, viele bis auf die Knochen abgemagert, nach Weimar gejagt. Schon auf dieser kurzen Strecke blieben über 40 Mann erschöpft auf der Straße liegen und waren am Abend bereits mit Kopfschüssen im Hof des Krematoriums. Im Laufe des Sonnabends waren die Artillerieduelle im Westen wieder besser zu hören; gegen Abend kreuzten drei Jabos über das Lager, und es wurde bekannt, daß amerikanische Panzerspitzen bereits Kahla südöstlich von Weimar, erreicht hatten. Andere amerikanische Panzerspitzen wurden bereits 35 Kilometer nordöstlich von Erfurt gemeldet. Die SS war an jenem Sonnabend in bester Stimmung. Man hatte ihr erzählt, daß zwischen Halle und Hof eine neue, starke Verteidigungslinie aufgebaut werde; dort wolle man die Amerikaner auffangen und restlos vernichten. Das war die moralische Spritze für die nächsten Tage. Die SS- Bonzen wußten aber noch ein besseres Mittel zur Hebung der Kampfstimmung ihrer Mördergarden. Sie beschlagnahmten zwei Millionen Zigaretten, die für die Häftlinge bestimmt waren, und verteilten sie unter die SS- Leute. In diesen ihren letzten Nächten auf dem 107 Ettersberg feierten die faschistischen Massenmörder im Hause des ersten Lagerführers Schobert noch Orgien. Unterdessen faßte die antifaschistische Leitung den Beschluß, einen der 46 Kameraden aus dem Lager zu schmuggeln, um eine Verbindung mit den Amerikanern herzustellen. Es gelang. In einer Kiste wurde er nach Weimar gebracht. Leider war es ihm nicht möglich, sich so weit durchzuschlagen, um mit den Amerikanern den Kontakt herzustellen. Am Sonntag, den 8. April, gab es bereits um 9 Uhr morgens Fliegeralarm. Hatten die Häftlinge nach dem Augustbombardement noch Angst vor Angriffen, so schaute an jenem Sonntag jeder zum Himmel und hoffte inbrünstig, daß die Rettung durch die amerikanischen Flieger kommen möge. Ungeachtet des Alarms wurden die Blockältesten um 11 Uhr ans Tor gerufen. Der erste Lagerführer erschien persönlich und erklärte kurz: ,, Meine Herren, wir müssen gehen; bis 12 Uhr muß das Lager leer sein..." Kaum war der erste Schock überwunden, kam die Parole heraus: die Amerikaner stehen nur noch 12 Kilometer vor Weimar. Und nun erfaßte ein fester Entschluß die verbliebenen 39 000 Häftlinge. In allen Sprachen Europas fand er seinen Ausdruck: ,, Wir gehen nicht!" Der Rapportführer brüllte durch das Mikrophon: ,, Lagerältester, aufmarschieren lassen!" Niemand bewegte sich. In den Blocks und auf den Lagerstraßen waren Tausende in Alarmbereitschaft. Gespannt harrten sie der Dinge, die nun kommen sollten... Der Wagen des Kommandanten kam in das Lager. Zwischen den ersten Baracken stieg Pister mit seinem Stab aus. Er begab sich in den nächstgelegenen Franzosenblock und fragte den Blockältesten, warum er die Leute nicht auf den Appellplatz führe. Der Blockälteste, ein lange Jahre inhaftierter Kommunist, erwiderte, die Häftlinge hätten Angst vor der Evakuierung, da sämtliche Straßen und Ebenen durch Tiefflieger und Bomber gefährdet seien. Außerdem hätten die Leute den ganzen Tag noch nichts zu essen bekommen. Pister antwortete, daß er die Essenausgabe veranlassen werde. Gleichzeitig versuchte er, eigenhändig die Evakuierung vorzunehmen. Er faßte zwei französische Häftlinge, zog sie aus dem Block und hieß sie auf der Straße stehenzubleiben. Dann holte er zwei andere aus dem Block. Inzwischen waren die ersten zwei wieder verschwunden. Daraufhin gab der Kommandant seine Evakuierungsversuche auf. Um 12 Uhr sollte das ganze Lager leer sein. Aber inzwischen war es schon 12 Uhr 30 geworden und noch kein einziger Häftling war unterwegs. Durch den Lautsprecher wurde aufgefordert, freiwillig mit dem Bahntransport wegzufahren. Wiederum meldete 108 sich nien gebe noc Evakuier auf die I der Nazi Um 14 von den tor, stell Appellpl etwa 30 peln bew einem W platz w sperren In einer kuiert. I die ande dem DA mierte u schickte Am M Aufklär wurde A waren k Ettersb schon n ominöse ste zur ihm erk dern, al ausgelös werden der Zwi Häftling men, da litik der gesetzt langten 15.30 U se des erluß, einen erbindung wurde er ch so weit rzustellen. ns Fliegerment noch m Himmel schen Flieckältesten persönlich Uhr muß nden, kam meter vor bliebenen Ausdruck: ikrophon: ich. In den reitschaft. Der Wagen Baracken gelegenen Leute nicht inhaftierer Evakuund BomTag noch enausgabe lie Evakuzog sie aus un holte er wei wieder kuierungsAber inin einziger fgefordert, n meldete er sich niemand. Die Spannung stieg. Der Kommandant erklärte nun, gebe noch zur Essenausgabe Zeit, und wenn dann die Blocks nicht zur Evakuierung aufmarschieren würden, werde er mit anderen Mitteln auf die Durchführung des Befehls dringen. Die sogenannten ,, Mittel" der Nazis waren bekannt. Aber auch die Drohung damit half nichts. Um 14 Uhr bewegten sich lange, schwerbewaffnete Kolonnen der SS von den Kasernen zum Lager. Sie marschierten durch das Eingangstor, stellten sogleich zwei Maschinengewehre auf und sperrten den Appellplatz ab. Eine andere Gruppe von SS- Leuten, die Blockführer, etwa 30 Mann stark, drangen mit entsicherter Pistole und mit Knüppeln bewaffnet, in die Blocks ein, schlugen die Häftlinge hinaus, mit einem Wort, sie wüteten wie in ihren besten Tagen. Auf dem Appellplatz wurden die Herausgejagten sofort durch besondere Kontrollsperren der SS getrieben und außerhalb des Häftlingslagers formiert. In einer einzigen Stunde wurden auf diese Weise 9600 Häftlinge evakuiert. Die Hälfte davon ging sofort nach dem Weimarer Bahnhof ab, die anderen erwarteten ihren Abtransport unter freiem Himmel auf dem DAW.- Gelände. Dort wüteten die ,, Schwarzen"( schwarz uniformierte ukrainische SS- Leute). Um 15 Uhr rückte die ins Lager geschickte SS wieder ab. Am Montagmorgen um 8 Uhr erschienen bereits zwei amerikanische Aufklärer über dem Lager. Die Sirene blieb stumm. 90 Minuten später wurde Alarm gegeben und die wenigen ausgerückten Arbeitskommandos waren kaum zurück, da detonierte es schon in ziemlicher Nähe des Ettersberges. Vielleicht waren die amerikanischen Vorhuten doch schon näher als wir wußten und glaubten? Mittlerweile rückte die ominöse elfte Tagesstunde heran. Um diese Zeit wurde der Lagerälteste zur Lagerführung gerufen, um die Befehle zu empfangen. Es wurde ihm erklärt, daß, um Plünderungen und Ausschreitungen zu verhindern, alle unsicheren und gefährlichen Elemente aus dem Block herausgelöst und zum Abtransport auf dem DAW.- Gelände bereitgehalten werden sollen. Das illegale, internationale Komitee des Lagers hatte in der Zwischenzeit zur neuen Lage Stellung genommen. Die führenden Häftlinge der verschiedenen Nationen waren zur Überzeugung gekommen, daß, wenngleich unsere Chancen immer geringer wurden, die Politik der Sabotage und des Widerstandes gegen eine Evakuierung fortgesetzt werden müsse. So dauerte es wiederum Stunden, bis die verlangten Häftlinge in die Klauen der SS- Verbrecher gelangten. Um 15.30 Uhr wurde ein zweiter Flieger alarm gegeben, obwohl vorher keine 109 Entwarnung ertönt war. Für 16 Uhr wurden die Blockführer durch den Lautsprecher ans Tor gerufen. Unter Führung der bereits seit Jahren rühmlichst bekannten SS- Unterscharführer Schramm und Bliech knüppelte die faschistische Gangsterbande weitere 4800 Häftlinge verschiedener Nationen aus dem Lager. Montag, der 9. April, war der Tag des längsten Fliegeralarms. Zweimal heulte die Sirene, erst nach neun Stunden Luftalarm wurde entwarnt. Wieder war ein Tag für Tausende gewonnen. 30 Stunden vor her sollte bereits das ganze Lager geräumt sein, und immer noch waren 30000 Häftlinge im Lager. Die Amerikaner hatten bereits Saalfeld genommen. ,, Hoffentlich ist der Kessel bald zu, dann fällt die Evakuierung weg..." so dachte man im Lager. Wir waren uns darüber klar, daß die Faschisten nicht mit Musik abziehen würden. Ein neues Verbrechen zum Abschluß wurde erwartet. Schon seit Tagen waren unsere illegal bewaffneten internationalen Widerstandsgruppen in Alarmbereitschaft. An Schlafen dachte niemand. Während des Abtransportes erschienen sechs Jabos und beschossen im Sturzflug Ziele unmittelbar östlich des Lagers hinter dem Ettersberg. Die Evakuierungsmaßnahmen der Buchenwalder SS waren also schon zur Kenntnis der alliierten Streitkräfte gekommen, und man hoffte, daß nun das Lager unter verschärfter Kontrolle der amerikanischen Luftwaffe gehalten würde. Am Dienstag, dem 10. April, erschienen bereits 7 Uhr morgens die ersten Aufklärer am wolkenlosen Himmel. Es mußte also von oben wieder leichter zu kämpfen sein, und unsere Hoffnung wuchs. Sehnsüchtig schauten Tausende nach oben, denn von dort erwarteten sie die erste Hilfe. Alle Möglichkeiten wurden erwogen und die entsprechenden Vorbereitungen getroffen. Nur wenige Waffen waren vorhanden; was noch gebraucht wurde, erwartete man aus der Luft. An jenem Dienstagmorgen fiel ein aus einem Flugzeug abgeworfener Sack in das Lager. Er enthielt leider nur einen Benzinkanister. SS stürzte ins Lager, denn sie vermutete Waffenabwurf. Da sie nichts fand, gab es lange Gesichter. Um 9 Uhr wurden der 1. Lager älteste und der Blockälteste von Block 1 zum Rapportführer gerufen. ,, Das Lager wird heute restlos evakuiert. Um 11 Uhr gehen die russischen Kriegsgefangenen in einem Sondertransport ab, dann folgen alle übrigen Häftlinge zu 4000 Mann in Abständen von je zwei Stunden..." Damit wäre also unsere Schlacht verloren gewesen, aber wir gaben die Hoffnung nicht 110 auf. ten s must schla besti ten, des T W stark Rich ren, panz den von, in we „ Ver imm Man ziem port als B daß Mit mögl und linge drei wald nach roda An Nach denn sche Bom Mas nise San 19 le den it Jahren 1 Bliech linge ver- ms. Zwei- urde ent- ınden vor ch waren alfeld ge- Evakuie- iber klar, eues Ver- en unsere 1 Alarım- transpor- unmittel- ıngsmaß- ntnis der las Lager gehalten rgens die von oben s. Sehn- ‚teten. sie entspre - % worfener istel; 55 ie nichts este VOR restlos genen in linge zu yäre also ıng zieht auf. Die Kriegsgefangenen der Roten Armee, etwa 800 Mann, formier- ten sich und marschierten mit einer Verzögerung von zwei Stunden in mustergültiger Ordnung ab. Sie sollten unterwegs die erste Bresche schlagen. Alles war abmarschbereit. Mit jedem Transport sollten nur bestimmte illegale Widerstandsgruppen mitgehen, die die Aufgabe hat- ten, unterwegs die Bewachung zu erledigen und dadurch die Befreiung des Transportes durchzuführen. Während die sowjetrussischen Kriegsgefangenen unter auffallend starker Bedeckung abgeführt wurden, war von Westen her, aus der Richtung Erfurt, Gefechtslärm— Artillerie- oder Tankduelle- zu hö- ren, und zwar so nahe und deutlich wie noch nie. Die Durchbruch“ panzer der 3. amerikanischen Armee setzten zum letzten, entscheiden- den Stoß in Richtung Weimar an. Die Häftlinge waren überzeugt da- von, daß die 5S-Banditen unter Aufwand aller möglichen Brutalität in wenigen Stunden das Lager räumen würden. Deshalb hieß es weiter: „Verzögern!““ Auch wenn die Knüppel nur so um die Köpfe sausten, immer nur langsam! Stunden können retten! Das war die Parole. Manche Häftlinge, durch die Aufregung der vergangenen neun Tage ziemlich mitgenommen, entschlossen sich, nicht bis zum letzten Trans- port zu warten. Sie rechneten damit, daß mit dem letzten Transport als Begleitung der gesamte Kommandanturstab mitgehen würde, und daß es unter dessen Aufsicht schwieriger sein würde, zu entkommen, Mit den beiden letzten Transporten, die unter Anwendung aller nur möglichen Verzögerungsmethoden im Laufe des Dienstagnachmittags und abends dennoch weggingen, verlor das Lager weiter 9280 Häft- linge. Während des Abtransportes der letzten 4480 Mann erschienen drei Spitfires über dem Lager und kreisten um den Bahnhof Buchen- wald, dann flogen sie die Straße Buchenwald-Weimar entlang. Kurz nach dieser Episode wurde ein Transport von 487 Häftlingen aus Bill- roda eingeliefert. Am Dienstagabend waren noch 21000 Häftlinge im Lager. Diese Nacht zum Mittwoch ließ alle Häftlinge in ihren Kleidern schlafen, denn jeder rechnete damit, daß es in der Nacht entweder zu der ent- scheidenden Auseinandersetzung, zu einem Massenmassaker, zu einer Bombardierung durch deutsche Flieger oder bestenfalls zu einem Massenabtransport kommen würde. Das Artilleriefeuer der 3. amerika- nischen Armee rückte immer näher. Man hörte, Erfurt sei gefallen. Den Sanitätern und Ärzten im Häftlingskrankenhaus wurde noch nach 19 Uhr die Frage vorgelegt, ob sie mit den Blocks abmarschieren oder 111 bei den Kranken im Revier bleiben wollen. Alles müsse weg, nur die Kranken blieben bis auf weitere Anordnung im Lager. Keiner wollte seine Kranken im Stich lassen, obwohl man wußte, daß die SS in anderen Lagern nur Leichen zurückgelassen hatte. Schweigen und Finsternis lagen über dem KZ. Buchenwald, als gegen 21 Uhr plötzlich auf dem Postenweg zwischen dem Lagereingang und dem Turm zwei in Richtung Kasernen größere Marschbewegungen hörbar wurden. ,, Sie kommen!" dachte man im ersten Augenblick. Doch sie kamen nicht. Dagegen war die 3. amerikanische Armee schon so nahe, daß sie zu jeder Minute die SS- Anlagen Buchenwald mit Artilleriefeuer belegen konnte. Das ganze SS- Verbrecherkorps war mit Vorbereitungen zur Flucht beschäftigt. Der Kommandant, die Lagerführung und das ganze übrige Gesindel hatten ihre Wagen marschbereit und mit Beute vollgepackt, bereitgestellt. In dieser Situation kamen noch 425 Häftlinge aus dem Außenkommando Niederorschel nach mehrtägigem Fußmarsch hier an. Gleichzeitig nahmen die Massenmörder vom KZ. Buchenwald im Hof des Krematoriums noch die letzten Exekutionen vor. Man sah, daß einige Zivilisten dorthin geführt wurden. In der Nacht starben im Waschraum des Arrestes weitere 24 Häftlinge eines grausamen Todes. In derselben Nacht vollbrachten die Faschisten noch eine ihrer Schandtaten. Sie schlossen sich auf der Effektenkammer ein, stahlen hier Geld, Uhren und andere Wertsachen von etwa 2000 Häftlingen und verpackten das Diebesgut in großen Kisten. Auch ein großer Koffer mit Juwelen, der bisher noch nicht abgeliefert worden war und von einem Judentransport stammte, wurde gut verschnürt in der Nacht von einem LKW. abgeholt. In derselben Nacht verschwand auch ein großer Teil der Angehörigen des Kommandanturstabes. Bei der Ausgabe der restlichen Effekten an die Häftlinge stellte man später fest, daß sie vielen Häftlingen die Personalpapiere gestohlen hatten, damit sie unter fremden Namen flüchten und sich verstecken konnten. Im übrigen verbrachten wohl alle Häftlinge die letzte Nacht in höchster Unruhe. Sie wußten, daß sich alle Kräfte so zusammenballten, daß der nächste Tag die Entscheidungen bringen mußte. Morgen sind wir tot oder frei! Die Evakuierung schien nicht mehr möglich, waren doch schon am Vortage auf dem Weimarer Bahnhof die Lokomotiven der Transportzüge zerschossen worden. Und nur zu gern legten die Häftlinge das so aus, daß die Evakuierung von den Amerikanern verhindert werden sollte. 112 Der le herrscha mehr Ja tig ware nach all schwieg mit Bes führer H wartung Waldesa mit Hilf Lagers e mer näh mer aus Artilleri ten in e die Pan heran. U fahl der Häftling bekannt dem Ko besser mir Ihr als bis d aus pass Wer auf ihre habe de angeruf Lager z wurden machte Gasbon Wahrhe bei der Man 8 ur die wollte in an- Id, als Ingang ungen nblick. schon it Ar- ar mit Lager- ‚arsch- uation orschel e Mas- ch die, in ge es wei- t voll- lossen andere besgut »r noch ‚mmte, olt. In sen des an die Perso’ üchten ‚cht 0 enball- Vorgen ‚öglich, ‚ Loko- gern u Amer! Der Tag der Befreiung Der letzte Tag des Konzentrationslagers Buchenwald unter Nazi- herrschaft kam. Der Tag, auf den manche Häftlinge seit zehn oder mehr Jahren gewartet hatten- und nun kam er doch so plötzlich. Zei- tig waren die Häftlinge aus den ärmlichen Bettstelleni und die Ruhe nach all diesen aufregenden Tagen tat beinahe weh. Der Lautsprecher schwieg. Fast immer hatte man in den letzten Tagen bei Durchsagen mit Besorgnis auf ihn gehört. Erst um 9.30 Uhr rief der Rapport- führer Hofschulte den Friseur ans Tor. Wieder trat Ruhe ein. Die Er- wartung stieg. Hunderte von Häftlingen belagerten vormittags den Waldesausgang am unteren Teil des Lagers und suchten das Gelände mit Hilfe von Ferngläsern ab, die aus den optischen Werkstätten des Lagers entwendet waren. Schon war MG.-Feuer zu hören. Es kam im- mer näher. Einige wollten vom dritten Stockwerk der Effektenkam- mer aus in nordöstlicher Richtung bereits Panzer gesehen haben. Das Artilleriefeuer wurde immer deutlicher. Dumpfe Detonationen erfolg- tenin einer Entfernung von etwa 5 km. Es gab keinen Zweifel mehr, die Panzerspitzen der 3. amerikanischen Armee schoben sich näher heran. Um 10.15 Uhr heulte die Sirene. Eine Viertelstunde später be- fahl der Lagerkommandant einen reichsdeutschen antifaschistischen Häftling und den Lagerältesten zu sich. Er erklärte ihnen:„‚Es ist mir bekannt, daß verschiedene Auslandsender zugeben mußten, daß seit dem Kommandowechsel im KZ. Buchenwald die Führung des Lagers besser geworden sei. Ich übergebe Ihnen hiermit das Lager. Geben Sie mir Ihr Ehrenwort, daß sie diese Tatsache nicht eher bekanntgeben, als bis die Amerikaner da sind, um eine Panik zu verhüten. Von mir aus passiert Ihnen nichts...“ Wer mochte diese Erklärung glauben? Die Posten standen noch auf ihren Türmen. Betrug bis zur letzten Minute. Man hörte, Pister habe den Kommandanten des in der Nähe liegenden Flugplatzes Nohra angerufen und diesen aufgefordert, einem Befehl Himmlers gemäß, das Lager zu liquidieren. Als keine Bomber zur Verfügung standen,— diese wurden sichtlich ebenso notwendig an der nahen Front gebraucht- machte er den Vorschlag, Tiefflieger zu schicken und das Lager mit Gasbomben angreifen zu lassen. Das Gerücht kann nicht auf seine Wahrheit untersucht werden; richtig ist allerdings, daß zu dieser Zeit bei der Truppe Gasmasken ausgegeben wurden. Man kann nicht wissen, was von den Faschisten noch im einzelnen 113 geplant war. Die Erlebnisse der Evakuierten waren zum Teil so schrecklich, daß man annehmen muß, daß auch in dieser Stunde die Faschisten ihre Einschätzung des menschlichen Lebens nicht geändert haben und daß es doch das beste ist, sich auf die eigenen Waffen zu stützen. Die amerikanischen Panzerspitzen und die Jabos über dem Lager, die vorhandenen Waffen zum Gebrauch bereit, so wäre jede aggressive Handlung der Faschisten scharf zurückgewiesen worden. Gleichzeitig mit dem Erscheinen neuer Jagdbomber um 11.45 Uhr ertönte die bisher nur probeweise benutzte Feindalarmsirene. SS- Leute rannten herum und suchten von ihrem Raubgut zu retten, was sie nur konnten. Der Kommandant Pister war schon vorher mit seinem Mörder stab abgefahren und um 12.10 Uhr hörten die Häftlinge zum letztenmal die verhaßte Stimme des Rapportführers Hofschulte: ,, Sämtliche SSLeute aus dem Lager!" In Hochspannung verrannen die letzten Minuten. Langsam kreisten in geringer Höhe Aufklärer. MG.- Salven knatterten unaufhörlich. Dazwischen hörte man die Abschüsse aus Panzerkanonen. Der Kampflärm wurde immer deutlicher. Auf Dächern und auf jedem erhöhten Platz standen Häftlinge und sahen ins Tal hinab. Scherenfernrohre tauchten auf und man suchte festzustellen, ob die Kampfhandlungen in Hottelstedt, einem etwa 1 km vom Lager entfernten Dorf, klar ausgemacht werden konnten. Die Mühle brannte. Das war die Ostseite. Also schossen die Deutschen dorthin und demzufolge mußten die Amerikaner im Dorf sein. Um 14 Uhr marschierte eine Kompagnie SS- Reserve in Richtung Front, bog dann aber ab, um sich in Richtung Osten ,, abzusetzen". Panzerfäuste waren auf den Türmen verteilt. Um das Lager herum wurde noch immer gewühlt, um Löcher für die Panzerspitzen zu schaffen. Da krachte es im Wald. Hinter dem Wald gingen große, schwarze Rauchpilze hoch. MG.- Schüsse gellen auf, Tiefflieger schießen zur Erde. Das müssen flüchtende Panzer sein! Wie vom Fieber geschüttelt liegen die bewaffneten Stoßtrupps des Lagers hinter Hügeln, zum Sturm auf den Zaun bereit. Noch immer kein Befehl zum Eingreifen. Im oberen Kommandanturbereich ist es noch ruhiger. Jemand ruft die Posten von den Türmen. Zwei SSRussen drücken sich aus der Feuerlinie. Ein russischer Häftling ruft ihnen zu, die Waffen wegzuwerfen. Sie tur. es. Der Sturm bricht los. An fünf, sechs Stellen wird der Zaun zerrissen. Schüsse fallen in nächster Nähe. Über den Appellplatz rast eine Gruppe von Bewaffneten. 114 Lager sten F Komm in Ri überw tierter fäuste die Zä Um rast. A gestür neue eingel Mikro tional auf, F Bleibt belte dabei ersten Ausku fend junger stücke Leute Buche suchte und ei Das Panzer ameril reits d Lager nend ü dem si 8. chreckFaschithaben stützen. ger, die gressive chzeitig die bisrannten Lagerältester Eiden an ihrer Spitze. Es passieren auch schon die ersten Panzer die Straße nach Hottelstedt- SS- Revier. Sie dringen in das Kommandanturbereich ein und durchfahren es, ohne sich aufzuhalten, in Richtung Weimar. Am Tor wurde die schwerbewaffnete Wache überwältigt. Kameraden vom Lagerschutz erstürmten den Turm, montierten das schwere MG. ab. Die ersten Handgranaten und Panzerfäuste wurden erbeutet. Auch an der hinteren Seite des Lagers wurden die Zäune durchbrochen und die Wachtürme gestürmt. onnten. stab abmal die che SSn Minuen knaten. Der dem errenfernpfhanden Dorf, war die mußten Richtung setzen". r herum zu schafchwarze Ben zur upps des h immer ich ist es Zwei SSling ruft richt los. in nächaffneten. Buchenwald in den Händen der Antifaschisten Um 15.15 Uhr flattert die weiße Fahne auf dem Turm 1. Das Lager rast. Alles will Waffen und drängt nach außen. Die Kasernen werden gestürmt. Überall werden Waffen erbeutet, ins Lager gebracht und neue Gruppen mit ihnen ausgerüstet. Die ersten Gefangenen werden eingebracht. Der Lager älteste schickt seinen ersten Aufruf durch das Mikrophon: ,, Kameraden! Die Faschisten sind geflohen. Ein internationales Lagerkomitee hat die Macht übernommen. Wir fordern euch auf, Ruhe und Ordnung zu bewahren. Das Lager wird gesichert. Bleibt, soweit ihr nicht eingeteilt seid, in den Blocks!" Das Lager jubelte und blieb nicht in den Blocks. Jeder wollte eine Waffe und wollte dabei sein. Ein seit 1933 in Haft befindlicher Kommunist begrüßte die ersten, den Durchbruchspanzern folgenden Spähwagen und gab ihnen Auskunft. Ununterbrochen rollten die Panzer über die Straße. Laufend wurden SS- Leute, Soldaten und in Uniform gesteckte Hitlerjungen eingebracht. Das Schlachtfeld war mit abgerissenen Achselstücken und den sonst so beliebten Sternen bedeckt. Zwei tote SSLeute lagen an der Straße... Einer der gefährlichsten SS- Männer, die Buchenwald kennengelernt hat,- SS- Unterscharführer Heinrich- suchte in gestreifter Häftlingskleidung das Weite. Er wurde erkannt und eine Salve aus der Mpi setzte seiner schwarzen Seele ein Ende. Das internationale Komitee hatte sofort nach Auftauchen der ersten Panzer seine Arbeit aufgenommen, und als gegen Abend die ersten amerikanischen Offiziere den Kommandanturbereich betraten, war bereits durch die militärische Leitung eine Sicherheitskette um das ganze Lager gezogen... Die amerikanischen Offiziere sprachen sich anerkennend über das tatkräftige Handeln der Häftlinge aus und sagten, nachdem sie über die Lage informiert waren, alle mögliche Hilfe zu. 115 Die Schlacht um das Konzentrationslager Buchenwald war geschlagen und gewonnen. Zwei Kameraden mußten am Tag der Befreiung sterben. Im ersten Getümmel des Sturmes traf sie die Kugel. 21 000 Häftlinge des KZ. Buchenwald sind frei! Hunderte von Häftlingen, seit der nationalsozialistischen Machtübernahme in Gefangenschaft, unter dem schrecklichsten Terror, den die Geschichte bisher kennengelernt hat, Tausende, die mehr als fünf Jahre in dieser Hölle Buchenwald geschmachtet haben, sind frei! Frei! Sie dürfen nicht mehr geschlagen werden! Man darf sie nicht mehr treten und auspeitschen, man darf sie nicht mehr erschießen. 21 000 Häftlinge sind wieder Menschen geworden! Sie dürfen wieder an die Heimat denken, an ihre Rückkehr in die Heimat glauben, glauben auch an das Wiedersehen mit Menschen, die ihnen in all den Jahren genommen waren. Und wenn der Vater nicht mehr das Kind findet und einem erwachsenen Menschen die Hand drückt, wenn der Mann, der die junge Frau verlassen hat, nun eine von Gram verhärmte Frau wieder findet, es war nicht umsonst. Die Knechtschaft ist zu Ende. Die faschistische Bestie liegt im Verrecken. Rudi Jahn, Leipzig, Buchenwald- Häftling Nr. 5495 unter Verwendung des Materials des internat. Lagerkomitees Lager tionen neuen tigtes Das befreite Lager Buchenwald Nachdem das internationale Lagerkomitee, bestehend aus einer Anzahl bewährter antifaschistischer Kräfte aller Nationen, die Macht im nunmehr befreiten Konzentrationslager Buchenwald übernommen hatte, begann der letzte Abschnitt der Geschichte des Lagers. Die Antifaschisten aller Nationen, die bisher unter Lebensgefahr ihre unterirdische politische Arbeit leisten mußten, konnten nun offen auftreten. Überall wurden Büros der antifaschistischen Landsmannschaften eröffnet, politische Versammlungen der verschiedenen Nationen durchgeführt und die Vorbereitungen für die Heimreise getroffen. Es galt vor allen Dingen die Antifaschisten aus den einzelnen Teilen und Städten Deutschlands, aus den verschiedensten europäischen Ländern für den späteren Kampf zur restlosen Ausrottung der Reste des Faschismus in der Heimat zu organisieren und politisch auszurichten. Überall sah man Plakate, Transparente und handgemalte und geschriebene Wandzeitungen in allen Sprachen Europas. Über dem 116 verhei Als Lager und al ten Za vergan Wind gekost mal S zuglei appell schich Mit die Ja schier reschla- freiung n Häft- fangen- bisher r Hölle je nicht ‚hießen. ‚ wieder n, glau- en Jah- d findet r Mann, ite Frau nde. Die „Nr. 5495 komitees iner An“ [acht im nommen nsgefabt un ofen demand nen Na- e getrol- nen Te näischen ler Reste h auszu” „alte UM [ber dem ai ; Aufmarsch der Buchenwalder Antifaschisten Lager auf allen Baracken wehten die Fahnen der europäischen Na- tionen, und die roten Freiheitsfahnen kündeten den Anbruch einer neuen Epoche der Freiheit für unser armes, vom Faschismus vergewal- tigtes und mißhandeltes Europa. Der Wind einer jungen Freiheit wehte veıheißungsvoll durchs Lager. Der erste Freiheitsappell Als erste Maßnahme wurde sofort mit der bisherigen Praxis der SS- Lagerführung gebrochen, die gesamten Insassen des Lagers morgens und abends zu bestimmter Stunde auf dem Appellplatz zum sogenann- ten Zählappell zu befehlen. Tausenden von Häftlingen hatte in den vergangenen Jahren das oft drei- bis vierstündige nutzlose Stehen im Wind und Regen, in sengender Hitze, in Frost und Schnee das Leben gekostet oder die Gesundheit zerrüttet. Damit war jetzt ein- für alle- mal Schluß. Am 12. April fand der erste Freiheitsappell und damit zugleich auch der letzte Appell im Lager statt. Dieser erste Freiheits- appell war ein sichtbarer Ausdruck eines neuen Abschnittes der Ge- schichte des Lagers. Mit wuchtigen Schritten und erhobenen Köpfen, ganz anders als all die Jahre hindurch, die Lieder der Heimat auf den Lippen, so mar- schierten die einzelnen Nationen auf. Die Lagerkapelle spielte Lieder, Fur an die man bisher nur denken durfte. Der bisherige erste Lagerälteste, unser Genosse Eiden, der die Verantwortung der letzten Tage so tapfer getragen hatte, verlas einen Aufruf des internationalen Lagerkomitees und gab die Gefühle des Dankes des gesamten Lagers gegenüber seinen Befreiern Ausdruck. Als Vertreter des Abschnittskommandeurs der amerikanischen Armee antwortete ein amerikanischer Leutnant: ,, Ich begrüße euch und beglückwünsche euch zu eurer Befreiung. Ihr habt durch eure Leistung. unseren Kampf unterstützt und bildet einen starken Stützpunkt unserer gemeinsamen Sache. Ich hoffe, daß ihr bald nach Hause zurückkehren könnt...! 5100 Kämp Hun bendge mächti hielt, d wir fre Dies Wir dern, Welt Stelle ganisat friedli Gedenkfeier für die 51000 Ermordeten von Buchenwald Am 19. April 1945 fand die Trauerkundgebung für die 51000 Toten von Buchenwald statt. Ein großes Ehrenmal war auf dem Appellplatz errichtet. Die Blocks und Baracken waren mit Fahnen und Transparenten geschmückt. Die Fahnen fast aller Nationen wehten im Winde und zeigten, daß die Völker auch friedlich nebeneinander leben können. Unter den Klängen ihrer Nationallieder marschierten die Nationen auf: Russen, Polen, Tschechen, Jugoslawen, Österreicher, Ungarn, Rumänen, Bulgaren, Griechen, Amerikaner, Engländer, Deutsche, Franzosen, Italiener, Spanier, Belgier, Holländer und Luxemburger. Unter den Klängen der Internationale marschierten die gemischten Blocks auf. 21000 marschierten zum Gedächtnis von 51000 toten Kameraden. Die Fahnen wurden vor dem Ehrenmal aufgestellt und neigten sich zum Gruß. Der Vorsitzende des internationalen Komitees, unser Genosse Walter Bartel, eröffnete die Kundgebung. Mit entblößtem Haupt gedachten wir der Toten. Dann verlasen Mitglieder des internationalen Komitees jeder in seiner Sprache den Aufruf: Kameraden! Wir Buchenwalder Antifaschisten sind heute angetreten zu Ehren der in Buchenwald und seinen Außenkommandos von den Nazibestien und ihren Helfershelfern ermordeten 51000 Gefangenen. 51000 erschossen, gehängt, zertrampelt, erschlagen, erstickt, ersäuft, verhungert, vergiftet. 118 Ehr Wir meinsa eigene unser Wir Kamp fahner sere sa Welt Graue älteste, so taperkomigenüber hen Aruch und Leistung nkt unzurück0 Toten ellplatz ranspaWinde können. ationen Ungarn, eutsche, burger. mischten eraden. ten sich ser Geblößtem es interEhren ibestien ckt, er51000 Väter, Brüder, Söhne starben einen qualvollen Tod, weil sie Kämpfer gegen das faschistische Mordregime waren. Hunderttausende Mütter, Frauen und Kinder klagen an. Wir Lebendgebliebenen, wir Zeugen der nazistischen Bestialität sahen in ohnmächtiger Wut unsere Kameraden fallen. Wenn uns eines am Leben hielt, dann war es der Gedanke: Denn einmal kommt der Tag, da sind wir frei! Dieser Tag ist heute! Wir danken den verbündeten Armeen, den Amerikanern, Engländern, Sowjets und allen Freiheitsarmeen, die uns und der gesamten Welt den Frieden, das Leben erkämpften. Wir gedenken an dieser Stelle des großen Freundes der Antifaschisten aller Länder, eines Organisators und Initiators des Kampfes um eine neue demokratische friedliche Welt F. D. ROOSEVELT Ehre seinem Andenken! Wir Buchenwalder Häftlinge aller Nationen Europas kämpften gemeinsam gegen die SS, gegen die nazistischen Verbrecher, für unsere eigene Befreiung. Uns beseelte eine Idee. Unsere Sache ist gerecht- unser muß der Sieg sein. Wir führten in vielen Fragen den gleichen harten opferreichen Kampf. Und dieser Kampf ist noch nicht zu Ende. Noch wehen Hitlerfahnen, noch leben die Mörder unserer Kameraden, noch laufen unsere sadistischen Peiniger frei herum! Wir schwören deshalb vor aller Welt auf diesem Appellplatz, an dieser Stätte des faschistischen Grauens: ir stellen den Kampf erst ein, wenn auch der letzte Schuldige vor den Richtern der Völker steht. Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel. Das sind wir unseren Ermordeten und ihren Angehörigen schuldig. Zum Zeichen eurer Bereitschaft für diesen Kampf erhebt die Hand zum Schwur und sprecht mir nach: Wir schwören! 119 21000 Mänıfer und Knaben streckten die Hand zum Himmel und sprachen: Wir schwören! N Der Kommandant des Lagers, der amerikanische Major Smuhl, trat ans Mikrophon und würdigte die Opfer des Hitlerterrors, ehrte sie als Kämpfer gegen den Faschismus und sprach seine Bewunderung dar- über aus, daß die Insassen des Lagers Buchenwald in geschlossener in- ternationaler Solidarität den Kampf gegen ihre Peiniger und Unter- drücker im Lager geführt haben. Er dankte für die Sympathie der Buchenwalder Antifaschisten für den großen verstorbenen amerika- nischen Präsidenten F. D. Roosevelt. Er versprach im Namen der amerikanischen Militärbehörden, den Tag der endgültigen Freiheit für alle Insassen des Lagers möglichst zu beschleunigen. Alliierte Feldgeistliche, Bildberichterstatter und Soldaten der alli- ierten Armeen wohnten der Totenfeier bei. Der 1, Mai 1945 in Buchenwald! Der 1. Mai, früher in Deutschland ein Feiertag aller Werktätigen, ein Kampftag mit dem Ziele eine neue Weltordnung zu errichten, wurde unter den Nazis nur ein Auftrieb von Herdenvieh, tönerne Macht zu demonstrieren. In Buchenwald erlebte der Kampfmai seine Auf- erstehung. Ein Gang durchs Lager am Vorabend des 1. Mai bot dem längst ent- wöhnten Auge ein erhebendes Bild. Allerorts auf den Baracken, auf dem Appellplatz und in den Lagerstraßen strahlte Festbeleuchtung. Besonders die russischen Kameraden hatten alle Mittel aufgeboten, ihren Baracken einen festlichen Anstrich zu geben. Parolen in Leucht- schrift erhellten die Nacht, angeleuchtete Fahnen waren im Dunkel der Nacht weithin sichtbar und angestrahlte Bilder Stalins, Roosevelts, und Churchills fingen den Blick. Eine riesige Tribüne wuchs schon am Nachmittag unter fleißigen Arbeiterhänden. Ein hoher Turm überragte weit den Appellplatz. Das Ganze wurde trefflich abgerundet durch lebendiges Grün. Aus den umliegenden Wäldern hatten Tausende von Häftlingen Bäumchen und Zweige zusammengetragen und alle Baracken und die Lagergassen 120 liebev. einen| Beir sich, g gehöri I und , trat sie als darer inIntere der erika, den st zu liebevoll geschmückt. So erweckte das ehedem so öde Buchenwald einen beinahe freundlichen Eindruck. Beinahe kindlich war die Freude am nächsten Tage, dem 1. Mai, als sich, gleich dem Tage des Freiheit sappells, die Zehntausende der Angehörigen aller Völker Europas, bisher unter das Nazijoch gebeugt, in NKFO alliREIHEIT BROT ANTIFASCHISTEN tigen, chten, Macht Auft entn, auf tung. Doten, euchtunkel evelts, ligen . Das den n und assen Der von Deutschen belegte Block 40 altgewohnter, jedoch diesmal freiwilliger Disziplin auf dem Appellplatz vereinigten. Die bekanntesten europäischen Nationalhymnen erklangen, gespielt von der Kapelle der ehemaligen Häftlinge. Entblößten Hauptes lauschte die Masse den Klängen. Farbenfroh, eindrucksvoll und unvergeßlich war das Bild der über den Häuptern der Häftlingsmasse wogenden Fahnen vieler europäischen Völker. Bei dem erheblichen Übergewicht an politischen Gefangenen überwog naturgemäß bei den Fahnen das Rot der Freiheit. Nach den begeistert aufgenommenen Ansprachen der verschiedenen Vertreter der Nationen hielt der russische Verbindungsoffizier beim amerikanischen Kommandanten eine begeisternde Ansprache an seine Landsleute. Die amerikanischen Offiziere wohnten der Feier bei und nahmen mit dem russischen Offizier den Vorbeimarsch der wohlgeglie121 Hitler muss Prof. Ja bew Marcel tells sche Alle d faschistis ganisiert nur mögl tionen in kannt wi Rolle in sterben damit Deutschland- bt Büro des deutschen Komitees Berlin- Brandenburg derten Formationen aller Lagerinsassen ab. Sie grüßten durch Salutieren die vorübergetragenen Fahnen und Symbole der Freiheit. Der Nachmittag dieses denkwürdigen 1. Mai wurde durch künstlerische Darbietungen und geselliges Beisammensein ausgefüllt. Das Lager hallte wider von Musik und Gesang. Nach dem 1. Mai verbreitete sich Abschiedsstimmung. Franzosen und Belgier rüsteten als erste zur Reise in die Heimat. Ihnen folgten in Abständen die anderen Nationen. So fuhren die Buchenwalder Häftlinge zurück zu ihren Familien, zu neuer friedlicher Arbeit, um die Wunden, die Faschismus und Krieg geschlagen hatte, zu heilen, aber auch um den Kampf gegen alle noch vorhandenen Überreste des Faschismus unerbittlich und gnadenlos zu führen. Das Urteil der ausländischen Kameraden über die deutschen Antifaschisten von Buchenwald In einer Gesamtsitzung des internationalen Komitees verabschiedete sich das französische Komitee vom Lager Buchenwald. Anwesend waren von der französischen Leitung: Oberst Manhès, militärischer Leiter der französischen Widerstandsbewegung unter deutscher Besetzung Frankreichs, 122 faschister besonder sicht unt Kampf i geführt w union. Die dr kommun der sozia malige Volkspar nierten a Wir ne aller eur unser La Kampf g setzt hab uns, den ker Euro Buchenw besonder stens zu rigsten V Seid g die Jahre nunmehr SalustleLaCosen gten Häftdie aber FaeuthiendsProf. Jatte faux, führendes Mitglied der französischen Widerstandsbewegung und Marcel Paul, Stadtrat von Paris, Präsident des Gewerkschaftskartells von Paris und Mitglied des Zentralkomitees der kommunistischen Partei Frankreichs. Alle drei versicherten, daß die in Buchenwald geschmiedete antifaschistische Kampfeinheit in Frankreich fortgesetzt wird. Der organisierte Widerstand in Buchenwald gegen den Terror der SS war nur möglich durch die engste internationale Zusammenarbeit aller Nationen im Lager, wobei den deutschen Antifaschisten dankend zuerkannt wird, daß sie in der Organisierung des Kampfes die führende Rolle innehatten. Sie unterstrichen, daß die französischen Antifaschisten neben der Fortführung ihres Kampfes in Frankreich den besonders schweren Kampf der deutschen Antifaschisten in jeder Hinsicht unterstützen werden. Alle drei betonten, daß der antifaschistische Kampf in Europa und in den anderen Ländern mit Erfolg nur fortgeführt werden kann in engster Kampfverbundenheit mit der Sowjetunion. Die drei belgischen Kameraden: Das Zentralkomiteemitglied der kommunistischen Partei Belgiens und Kammerdeputierter Clineur, der sozialdemokratische Kammerdeputierte Hayaux und der ehemalige Minister Simonard, Mitglied der katholischen belgischen Volkspartei richteten abschiednehmend von Buchenwald an die Internierten aller Nationen folgende Abschiedsadresse: Wir nehmen die brüderlichen Grüße der antifaschistischen Kämpfer aller europäischen Nationen des Konzentrationslagers Buchenwald in unser Land mit. Wir werden die internationale Einheit, die wir im Kampf gegen die SS im Lager seit Jahren in die Wirklichkeit umgesetzt haben, in unser Land zurückgekehrt, pflegen. Wir verpflichten uns, den Kampf gegen Faschismus und Reaktion, wie alle übrigen Völker Europas, in unserem Lande fortzusetzen. Wir können das Lager Buchenwald nicht verlassen, ohne den Kameraden aller Länder, insbesondere den tapferen deutschen antifaschistischen Kämpfern wärmstens zu danken für die wertvolle Unterstützung, die sie unter schwierigsten Verhältnissen der Gemeinschaft der Belgier angedeihen ließen. Seid gegrüßt, ihr wertvollen antifaschistischen deutschen Kämpfer; die Jahre des Leidens in Zuchthäusern und Konzentrationslagern sind nunmehr beendet. 123 In der Lagerzeitung der tschechoslowakischen Kameraden des KZ. Buchenwald vom 19. April 1945 erschien ein Leitartikel mit der Überschrift ,, Unser Verhältnis zu den deutschen Kameraden", dem wir folgendes entnehmen: 99 , Vergessen wir nicht, daß die Mehrheit der deutschen Kameraden, die sich im Lager auf führenden Stellen befanden, jahrelang wegen ihrer antifaschistischen Gesinnung und ihres Kampfes gegen die Nazis im Lager sitzen. Wie konnte es geschehen, daß schon vor dem Eintreffen der amerikanischen Armee Waffen im Lager waren, sodaß das Tor von Häftlingen besetzt war, bevor die ersten amerikanischen Panzer ankamen? Wie war es möglich, daß gleich nach der Befreiung des Lagers die einzelnen nationalen Komitees in Funktion treten konnten? Wie geschah es, daß die Amerikaner in Buchenwald 21000 lebende Häftlinge und nicht ein leeres Lager vorfanden? Solche schwerwiegende Fragen könnten wir zu Dutzenden stellen. Die Voraussetzung für alle diese Tatsachen waren die Bedingungen, die von den deutschen politischen Häftlingen in Zusammenarbeit mit den übrigen Nationen geschaffen worden sind. Wir wissen noch sehr gut, wie die grünen Lager ältesten und die von der SS eingesetzten Blockältesten gegen uns wüteten, erinnern wir uns noch an die Zeit Plauls und die berüchtigte Sonderkompanie, in der alle prominenten deutschen Häftlinge strafweise zusammengefaßt waren. Und es waren wiederum in erster Reihe die deutschen politischen Häftlinge, die diese Schrecken rücksichtslos liquidierten, und so die konspirative Arbeit der einzelnen Nationen ermöglichten. Niemand, der damals im Lager war, wird die einzigartige Solidarität vergessen, mit der die ersten, von langen Märschen und unmenschlicher Behandlung geschwächten sowjetischen Kriegsgefangenen im Lager empfangen wurde. Die deutschen Kameraden, die deutschen Blockältesten waren es, die dafür mit 25 Stockhieben bestraft und zur Arbeit in den Steinbruch geschickt wurden. Es ist notwendig, die deutschen Kameraden unter diesen Gesichtspunkten zu betrachten. Entscheidend für uns ist, daß wir Tschechen in fast sechsjähriger Zusammenarbeit als gleichgestellte Partner behandelt wurden und daß es so möglich war, das schwere Leben unserer Landsleute zu erleichtern. Wir wollen deshalb, daß unser Verhältnis zu den deutschen Kameraden bis zum Ende ein gutes bleibt." In den paar taus sollten si überzeug reiche Ill lager fan Thüringe tigten, w Lager wi lesen. Th ausgehän Besuc dessen, w 1. Erin 2. Erin 3. Erin 4. Erin 5. E.in 6. Erin 124 es KZ, Übervir folraden, wegen Nazis intrefas Tor Panzer es Lannten? ebende erwieungen, eit mit h sehr setzten ie Zeit nenten waren ie diese Arbeit Lager en, von en sowutschen ür mit schickt esichtschechen ner beunserer rhältnis Niemals vergessen! Ein historisches Dokument In den ersten Tagen nach der Befreiung Buchenwalds mußten ein paar tausend Weimarer Nationalsozialisten das Lager besuchen. Sie sollten sich mit eigenen Augen von dem ,, hohen kulturellen Niveau" überzeugen, daß das Naziregime geschaffen hatte und das seine lehrreiche Illustration besonders in den Mordfabriken der Konzentrationslager fand. Diese Frauen und Männer, die den Totenhügel- wie er im Thüringer Volksmund genannt wurde nur ein Stunden besichtigten, werden das, was sie dort sahen, niemals vergessen. Als sie das Lager wieder verließen, war das helle Grauen in ihren Gesichtern zu lesen. Ihnen, wie allen späteren Besuchern, wurde ein ,, Andenken" ausgehändigt. Sie erhielten ein - MERKBLATT paar Besucher Buchenwalds! Wenn Du heimkommst, erinnere Dich dessen, was Du in Buchenwald sahst: 1. Erinnere Dich an den Bock, wo Menschen mit Knüppeln mißhandelt wurden. 2. Erinnere Dich an die Öfen des Krematoriums, wo Zehntausende verbrannt wurden! 3. Erinnere Dich an den Vorhof des Krematoriums, wo Haufen von Leichen ausgemergelter Häftlinge aufgestapelt waren! 4. Erinnerc Dich an den Keller des Krematoriums, wo zahllose antifaschistische Kämpfer, u. a. 34 englische und kanadische Piloten, erhängt wurden. 5. E.innere Dich an den Block 46, wo Menschen als Versuchstiere mit Fleckfieberbakterien infiziert wurden. 6. Erinnere Dich an den Steinbruch, wo Tausende von Menschen schwerste Steine im Laufschritt schleppen mußten und dabei erschlagen, zertreten und erschossen wurden. 125 7. Erinnere Dich an das ,, Kleine Lager", in dessen einzelnen, erbärmlichen Behausungen bis zu 2000 Menschen darunter Kinder im Alter von 3 bis 15 Jahren eingepfercht waren. - - 8. Erinnere Dich an den Pferdestall, wo 7000 russische Kriegsgefangene durch Genickschuß gemordet wurden. 9. Erinnere Dich an das Revier, wo durch selbständige aufopferungsvolle Arbeit der Häftlinge eine Oase in der Wüste geschaffen wurde, wo wenigstens ein Teil der Kranken Aufnahme und Genesung fanden. 10. Erinnere Dich, daß deutsche Antifaschisten die ersten Opfer nazistischer Konzentrationslager waren, daß sie in internationaler Zusammenarbeit mit den Antifaschisten aller Länder aktiv an der Befreiung beteiligt waren und damit den Grundstein für ein demokratisches Deutschland setzten. Auch der Leser möge das Vorstehende niemals vergessen. Dieses Merkblatt hat überdies eine besondere Bedeutung. Es ist ein Beweis der festen, unerschütterlichen internationalen Zusammenarbeit aller revolutionären Antifaschisten, die Hitler aus ganz Europa nach Buchenwald verbannt hatte. Das internationale Lagerkomitee, das während der SS- Herrschaft erst illegal und nach der Befreiung offen die Interessen aller politischen Häftlinge vertrat, arbeitete mit der amerikanischen Kommandantur des Lagers eng zusammen. Dieses selbst geschaffene Lagerorgan führte in vorbildlicher Arbeit das gesamte Lager. Es gab auch die Initiative zum Besuch der grauenvollen Stätten des Lagers durch die Weimarer Nazis. Eine politische Maßnahme, die absolut notwendig war. Der amerikanische Kommandant, dem das obige Merkblatt vorgelegt wurde, war mit seinem Druck und der Verteilung einverstanden. Er hielt es jedoch für notwendig, das versammelte Lagerkomitee besonders zu befragen, ob es auch mit Punkt 10 einverstanden sei, der 126 die füh des Lag keinen гора, d seine d Diese nur ein der ein schieds darübe Zusam walds fast in druck. Dies sere an gewese gers u Kräfte Hitler selben. deutsc ganz E heit. Von Bucher all dor schreck Heu Verbre es nich freien, Konze schuld Es ist die die Deutsc Grupp wird, die führende Rolle der deutschen Antifaschisten im Befreiungskampf des Lagers besonders herausstellt. Das wurde einmütig bejaht. Es gab keinen Delegierten der im Lager vertretenen Nationen aus ganz Eu- ropa, der nicht rückhaltlos zustimmte und damit Zeugnis ablegte für seine deutschen antifaschistischen Kameraden. Diese Stellungnahme ist ein historisches Dokument. Daß es nicht nur ein Lippenbekenntnis war, beweist die Tatsacke, daß die Führer der einzelnen Nationen, als sie das Lager verließen, begeisterte Ab- schiedsgrüße.besonders an die deutschen Antifaschisten richteten, und darüber hinaus, nach der Rückkehr in ihre Länder dort den Geist der Zusammenarbeit mit den deutschen Antifaschisten im Lager Buchen- walds feierten. In Zeitungen, in Aufrufen und Broschüren kam das fast in der gesamten Presse und im Radio Europas zum Aus- druck. Diese Tatsache erfüllt uns mit Stolz. Es ist ein Beweis dafür, daß un- sere antifaschistische Arbeit im Lager trotz aller Opfer nicht umsonst gewesen ist. Es war die Voraussetzung der kühnen Befreiung des La- gers und wurde danach zum Zeugnis dafür, daß es in Deutschland Kräfte gab, die, ohne das eigene Leben zu schonen, seit Beginn der Hitlerdiktatur den rücksichtslosen Kampf führten zum Sturze der- selben. Das Hitlerregime zu vernichten, lag nicht nur im Interesse des deutschen Volkes und der deutschen Nation, sondern befreite auch ganz Europa und die Welt von einer furchtbaren Geißel der Mensch- heit.; Von diesem Geiste war die internationale Zusammenarbeit im Lager Buchenwald getragen. Sicher, war das auch in anderen KZ. und über- all dort der Fall, wo Hitler die Antifaschisten aller Länder unter den schrecklichsten Bedingungen gefangenhielt. Heute, wo die ganze Welt ob der durch Hitlers Armeen begangenen Verbrechen mit tiefer Verachtung auf das deutsche Volk schaut, weil es nicht die Kraft fand, sich selbständig von diesem Regime zu be- freien, ist es besonders wertvoll, an diese Widerstandsbewegung in den Konzentrationslagern zu erinnern. Jawohl, das deutsche Volk ist mit- schuldig an dem, was in den letzten 12 Jahren in Deutschland geschah. Es ist mitschuldig an der Durchführung des grauenvollsten aller Kriege, die die Welt jemals gesehen hat. Aber es ist genau so wahr, daß es in Deutschland eine Widerstandsbewegung gab, die vor allem durch die Gruppen der Antifaschisten in den Konzentrationslagern repräsentiert wird. Buchenwald ist dafür ein hervorragendes Beispiel. 127 Wir sind überzeugt, daß die Antifaschisten aller Länder mit Stolz auf die Gruppen dieser deutschen Antifaschisten blicken werden. Diese ausländischen Kameraden werden deshalb nicht nur Zeugnis für uns ablegen, sondern darüber hinaus auch die Vorkämpfer dafür sein, daß das deutsche Volk eine gerechte Behandlung erfährt. In diesem Sinne muß das deutsche Volk seine antifaschistischen Vorkämpfer in den Höllen der nazistischen Gefangenenlager heute als die Avantgarde eines neuen demokratischen Deutschlands ansehen. In ihrem Geiste muß der Neuaufbau der deutschen Nation vor sich gehen. Jede Frau und jeder Mann, die nicht nazistisch denken, müssen sich ihrem Wollen anschließen. Aus dem Bekenntnis der Mitschuld erwächst der Wille zur Wiedergutmachung, zum Neuaufbau und zur Bereitschaft, in den Bund der friedliebenden Völker wieder aufgenommen zu werden. Die ersten Schritte dazu gingen die Antifaschisten Buchenwalds durch ihre internationale Zusammenarbeit. Harry Kuhn, Leipzig, Buchenwald- Häftling Nr. 5572 Buchenwald! Mahnung und Verpflichtung zum antifaschistischen Kampf! war vie dern ka Welt w viel üb Aber die Wa lager d das de folgeru mit Re Konze deutsc des de uns ke den M verbre stanzi leeren das de wir al heit, schen Die rend in un Vertr De aus d - ben - Lieber Leser, liebe Leserin! Du hast dieses Buch teils mit Grauen, teils in hellem Zorn gelesen, vielleicht ist dir auch hier und da die Schamröte ins Gesicht gestiegen. Du hast aber auch die aufrechte und kämpferische Haltung der Buchenwalder Antifaschisten bewundert, die vor dem faschistischen Terror nicht kapitulierten. Vielleicht sind dir auch hier und da Zweifel gekommen, du hast dich gefragt, sind das auch wirklich alles Tatsachen? So etwas ist doch gar nicht möglich wir können das verstehen. Wir haben uns in den langen Jahren der Buchenwaldhaft oft darüber unterhalten und waren immer der Auffassung, wenn wir einmal lebend aus der Hölle des Konzentrationslagers Buchenwald herauskommen, um die Dinge zu erzählen, da wird. uns keiner glauben. Dir, lieber Leser, der du zweifelst, laß dir sagen, das, was wir dir hier in diesem Büchlein unterbreiten, ist nur ein kleiner Teil dessen, was über Buchenwald zu sagen wäre. Viele grauenhafte Episoden des Lagerlebens, viele Details der raffinierten Art und Weise, Häftlinge zu quälen, sie seelisch und körperlich zu zermürben, konnten wir hier nicht berichten, weil dies den vorgesehenen Rahmen dieser Broschüre gesprengt hätte. Die Wirklichkeit des Lagerlebens 128 in di breck die a des endg sche Sold ansp L Sie Stolz werden. nis für ir sein, en Vorute als hen. In gehen. en sich uld ernd zur genomten BuNr. 5572 pf! Grauen, da die hte und undert, cht sind sind das öglichren der der Aufrationsda wird r sagen, ein kleigrauenArt und mürben, Rahmen erlebens war viel grauenhafter und schmachvoller als man sie überhaupt schildern kann, es sei denn, man sei ein besonders begnadeter Dichter. Die Welt wird in Romanen, Filmen, Gedichten und Zeitungsartikeln noch viel über Buchenwald hören. Aber damit ist es nicht getan, daß das deutsche Volk und die Welt die Wahrheit über Buchenwald und die vielen anderen Konzentrationslager des ,, Dritten Reiches" erfährt, es ist notwendig, daß insbesondere das deutsche Volk aus dieser Wahrheit einige entscheidende Schlußfolgerungen und Lehren zieht. Die Welt klagt uns als deutsches Volk mit Recht an, mitschuldig zu sein an dem grauenhaften System der Konzentrationslager und den Verbrechen, die dort im Namen des deutschen Volkes an den Antifaschisten aller Völker Europas und auch des deutschen Volkes begangen wurden. Von dieser Mitschuld kann uns keiner freisprechen. Das deutsche Volk stand in seiner überwiegenden Mehrheit bis zuletzt, bis zum bitteren Ende an der Seite der Naziverbrecher, ohne sich, für die ganze Welt sichtbar, von ihnen zu distanzieren. Wir müssen das jetzt nachholen. Aber dazu genügen keine leeren Lippenbekenntnisse, die Welt ist mit Recht mißtrauisch gegen das deutsche Volk. Wir müssen der Welt durch Taten beweisen, daß wir abrücken von der faschistischen und militaristischen Vergangenheit, dieser schwärzesten und schmachvollsten Epoche in der deutschen Geschichte. Die ehrliche Anerkennung unserer Mitschuld und darauf resultierend die vorbehaltlose Bereitschaft wieder gutzumachen, soweit das in unseren Kräften steht, ist der erste und notwendige Schritt, uns das Vertrauen der Völker der Welt wieder zurückzugewinnen. Der zweite Schritt aber ist, den Völkern der Welt zu zeigen, daß wir aus diesen schmachvollen zwölf Jahren der Hitlerdiktatur gelernt haben und wieder fähig sind, die Geschicke des deutschen Volkes selbst in die Hand zu nehmen. Voraussetzung dafür ist jedoch, restlos zu brechen mit allen faschistischen und militaristischen Gedankengängen, die als Frucht der zwölfjährigen faschistischen Diktatur in den Köpfen des deutschen Volkes, insbesondere seiner Jugend spuken. Reißen wir endgültig und für immer alle Theorien vom ,, arischen Herrenmenschen", vom ,, Volk ohne Raum", von ,, dem Deutschen als dem besten Soldaten und dem befähigsten Arbeiter", vom ,, deutschen Führungsanspruch", radikal und mit allen Wurzeln aus. Lernen wir von den antifaschistischen Kämpfern aus Buchenwald. Sie haben vor dem Faschismus trotz Terror und Konzentrationslager 129 nicht kapituliert. Wir sollen und werden auch jetzt vor den Schwierigkeiten und dem grauenhaften Erbe, das uns Hitler und die Verantwortlichen für diesen Krieg hinterlassen haben, nicht kapitulieren. Zeigen wir der Welt, daß wir gläubig und tatkräftig ans Werk gehen, ein neues, besseres Deutschland zu bauen. Lege dieses Buch nicht aus der Hand, ohne dir zu geloben, deinen Teil dazu beizutragen. Hilf mit an der Stelle, wo du stehst, die letzten Reste des Faschismus und Militarismus, ganz gleich wie sie sich äußern, zu liquidieren. Hilf aber auch mit dem ganzen Einsatz deiner Person am Neuaufbau unseres vom Faschismus mißhandelten und geschändeten Vaterlands. Lege Hand an, ganz gleich, wo du stehst, am wirtschaftlichen und kulturellen Neuaufbau. Hilf mit, sei es mit Schaufel oder Kelle, am Schraubstock, in der Landwirtschaft oder im Büro. Folge den Losungen der Kommunistischen Partei, die in zwölf Jahren faschistischer Diktatur die Hauptlast des Kampfes gegen den Faschismus trug, die auch in Konzentrationslagern, Zuchthäusern und Gefängnissen an führender Stelle im Kampf gegen Faschismus und Imperialismus stand. Wir stehen als Kommunisten auch jetzt wieder in der ersten Reihe im antifaschistischen Kampf und beim Neuaufbau. Wir sind bereit, das deutsche Volk aus der Katastrophe und dem faschistischen Zusammenbruch in eine bessere Zukunft zu führen. Wir rufen alle, die ehrlichen Willens sind mitzuhelfen. Der Ruf ergeht auch an dich! Laß diesen Ruf nicht ungehört verhallen. Hilf mit für unser Volk den Weg in eine bessere Zukunft zu ebnen. Reihe dich ein, werde ein Mitkämpfer und ein Mitarbeiter für ein antifaschistisches, freies, wahrhaft demokratisches Deutschland. Rudi Jahn, Leipzig, Buchenwald- Häftling Nr. 5495 130 INHALT Ein Vorwort für dich Buchenwald! Das Schandmal der Nazis in Thüringen, im ,, Grünen Herzen Deutschlands" Der Aufbau des Lagers Wer waren die Häftlinge in Buchenwald?. 3 28 Die Verwaltung des Lagers. 39 Als ,, Zugang" ins Lager Buchenwald 40 78884 Tagsüber schwerste Arbeit in Schlamm und Dreck und nachts ließ man uns nicht schlafen.. 42 Morgen. 45 Der Flüchtling 48 Wie das Buchenwald- Lied entstand 51 Der 13. Mai 1938- ein schwarzer Tag im Lager. 53 Das ,, kleine Lager" 57 Korruption der SS in Buchenwald 63 2000 Polen in 3 Monaten ermordet! 69 Jede Minute eine Leiche! 72 Massenmörder Dr. Eisele. 75 Block 46Häftlinge als Versuchskaninchen zu medizinischen Zwecken. 77 72 Krematorium Buchenwald, Leichenverbrennungen am laufenden Band. 79 Leichen 1945. - 84 . Der Luftangriff auf Buchenwald 88 • In memoriam Pfarrer Schneider 89 Wir werden sie nie vergessen! 95 Die antifaschistische Widerstandsbewegung im Konzentrationslager Buchenwald 96 Die letzten Tage vor der Befreiung Buchenwalds 102 Der Tag der Befreiung $ 113 Buchenwald in den Händen der Antifaschisten 115 Das befreite Lager Buchenwald . 116 Niemals vergessen! . 125 Buchenwald!. $ 128