Gebe Otto Müller ist am 6. Oktober 1902 als Sohn des Arbeiters Alb. Müller in Göppingen geboren. Er besuchte dort die Volksschule und erlernte das Mechanikerhandwerk. Mit 16 Jahren ging er zur Soz. Arbeiterjugend. 1933 gehörte er der ,, Freien Arbeiter- Union" Deutschlands an, als deren Mitglied er 1935 wegen illegaler Tätigkeit verhaftet wurde. 13 Monate wurde er in Untersuchungsund Schutzhaft gehalten. 0 kl Drob Gelb Wei Lenz Auf Der Sehr Heu Spra Zuve 27007252 Es li Müd Gan Viel Trab Ich s Zwis Auf Ja, An Herausgegeben unter Zulassung US- W- 1001 der Nachrichtenkontrol der Militärregierung. Alle Rechte vorbehalten. Copyright 1947 by Ku turaufbau- Verlag, Stuttgart, H. Zipperlen. Auflage: 3000. IX. 194 Druck: Eugen Heinz, Stuttgart- Zuffenhausen. Umschlag: H. Palmer, Stuttgart- Botnang. Wie Des Als Klin Ich 2 Gebet INHALT SÜBERSICHT Arbeiters besuchte Mechanizur Soz. reien Areren Mitverhaftet suchungsO klag nicht FRÜHLING Droben die Wolken. Gelbe Blumen Weiche, linde Maienlüfte. Lenzesfrohen Amselschlag Auf grünem Plan. Der Hof SOMMER Sehnsucht hält mein Herz umschlungen Heut ist der Himmel grau verhangen. Sprach zur dunkelroten Rose Zuversicht . HERBST WINTER richtenkontrol ght 1947 by Ku : 3000, IX. 194 usen. ng. Es liegt der Schnee auf Busch und Strauch MORGEN Müd schleicht die Nacht aus meiner Zelle Ganz ohne Sternenschimmer war die Nacht MITTAG Viel Hoffnung liegt begraben Trab, trab, trab . Ich sitz am Tisch und säume Zwischen Wand und Gitterstab Auf der Fensterblende Rand Ja, das heiß ich Grüße senden An die Mutter.. ABEND Wieder ist ein Tag vergangen Des Abendrotes Widerschein Als Bote kam in meine kalte Zelle Klinge, Abendglocke, klinge Ich grüße dich, du Dämmerschein Οι 567790 10 11 13 13 14 16 .. 17 18 . . 18 88 25 2222222 20 21 24 26 27 28 29 .30 22333 30 3 NACHT Im Dämmerdunkel liegt die Zelle Vom Turm die Glockenschläge 32 34 Laß . IM LEBENSKAMPF Gib Dazu sind die Jugendträume 35 Auf Wenn in den Dämmerschein 35 O hebt doch endlich eure Stirnen 36 Sich 38 Dem Mitkämpfer. 39 Diese Stätten zu verlassen Nich 41 Reaktion Der 42 Brücke sind wir Es trübt ein banger Alpdruck unsere Nächte 43 Ein 45 Wir... In d 47 Vertriebener Bauer 48 Flüchtlingsfrau. Ich IM HAUSLICHEN KREISE Als Um in der Kindheit Tagen zu verweilen 49 49 Daß Du bist Samen $ 50 Mutterschaft Werdende Mutter Die . 51 Mein Knabe . 51 . 52 Kinderaugen Blumen zum Weihnachtsfest . 53 Im heimlichen Kreis. . 53 In deine schlichten dunkelbraunen Haare Bienlein, Bienlein. . 54 . 55 . 56 Echtes Opfer. Schon neigen auf den sonnbeglänzten Weiten. 56 Anhang GEDICHTE VON EUGEN MULLER 59 O klag nic Wenn dir Vielleicht Staatsverbrecher 60 Dem Politischen 60 Märzabend in Heilbronn Armes Weib Rächer. Du Bruder überm Rhein Sozialismus 2233282 62 62 64 64 Eh' sie's geglaubt Kraft, die Kraft, die Vom Allta Die nur n Zum Wach 8 LER A; a) [7 ® a Gebet. Laß mich nach Einklang streben, Gib meinem Herzen Ruh, Auf daß mein ganzes Leben Sich kehrt dem Lichte zu. Nicht will ich mich versagen Der Erde Leid und Streit; Ein Leuchten möcht ich tragen In diese düstre Zeit. Ich möcht aus innrem Brennen Als Licht am Wege stehn, Daß die das Licht erkennen Die sonst im Irren gehn. FRÜHLING. I © klag nicht, wenn ein Schmerz dich traf, Wenn dir das Schicksal Wunden schlägt. Vielleicht erweckt es aus dem Schlaf Kraft, die sonst nie dir Früchte trägt. Kraft, die in deinem Tiefsten ruht Vom Alltagsleben unbewegt Die nur nach heißer Schmerzensflut Zum Wachsen und zum Blüh’n sich regt. Erst wenn der Pflug die Scholie brach Und Sturm und Frost darüber ging. Und Frühlingsregen hintennach Die Erde lind und lau umfing, Erst dann keimt auf die junge Saat Und wächst und blüht das Ährenfeld. Neigt körnerschwer das Haupt zur Mahd Und stillt den Hunger dieser Welt. II. Droben die Wolken Wandern und ziehn. Keiner ach Keiner Fragt sie wohin. Ziehen im Windesweh’n Hin über Tal und Höh’n. Keiner ach Keiner Fragt sie wohin. All meine Wünsche Ziehen mich fort. Muß doch verweilen, Bleiben am Ort. Lacht auch der Sonnenschein Lockend zu mir herein Muß doch verweilen, Bleiben am Ort. Gitter ı Hemm« Wund: Die Set Stunde Frühlir Wund Die Sc Gitter und Mauern Hemmen den Flug. Wund meine Sehnsucht Die Schwingen sich schlug. Stunde und Tag verglüht! Frühling und Sommer flieht. Wund meine Sehnsucht Die Schwingen sich schlug. III. Gelbe Blumen, Sternen gleich Blühen im Gefängnisgarten. Lockend, so als wollten sie Auf der Bienen Kommen warten. Arme Blumen ganz umsonst Euer Sehnen, euer Träumen. Hohe Mauern, Häusermeer Seh ich euern Garten säumen, Keine Biene wohl verirrt Sich hierher vom Wiesenhügel. Nur ein Mücklein euch umschwirrt, Staubbedeckt die Silberflügel. IV. Weiche, linde Maienlüfte Wehen sanft zu mir herein. Und ich rieche Blumendüfte Und ich lieg im Sonnenschein, Lieg auf weiter grüner Aue, Schaue in das Himmelszelt. In das weite, in das blaue. Glockenton umschlingt die Welt. An des zarten Grases Spitzen Hängt noch frisch der Morgentau Und im Sonnenstrahlen blitzen Diamanten. Rot und blau Blühen Blumen in der Runde. Durch der Bienen hellen Sang, Dringt aus frohem Kindermunde Zu mir her vertrauter Klang. Was verdunkelt mir die Sonne? Keine Wolke trübt den Schein! Du bist's! Zu des Lenzes Wonne Fehlst noch du zum Glücklichsein. Lächelnd schaust du zu mir nieder. Nickest zärtlich deinen Gruß. Auf gesenkte Augenlider Drückest du der Liebe Kuẞ. Doch es ist ja nur ein Wähnen, Ist ja nur ein schöner Traum. Grases Tau sind meine Tränen, Sehnsucht ist der Blütentraum. Wespe singt die Bienenlieder, Hat sich in die Zell' verirrt, Und Wäc Len Hör Son sich Bier Unte Spri Drin Wäs Hat Trä Dock Scho An Wei Gelb Mor Kan Ams Frü Bien Schr 8 Und im Gange auf und nieder Wächter mit dem Schlüssel klirrt. V. Lenzesfrohen Amselschlag Hör ich aus dem Hag erklingen. Sonnengolden wiegt der Tag sich auf himmelblauen Schwingen. Bienlein summt mir um das Ohr. Unter sonnenwarmen Hecken Sprießt das junge Gras hervor. Drin die Veilchen sich verstecken. Wässerlein eilt froh ins Tal Hat des Winters Not vergessen, Träumt von Blumen ohne Zahl. Doch ist es nicht zu vermessen, Schon beim ersten warmen Schein An des Winters End zu glauben, Weil vom Busch am Wiesenrain Gelb die Haselwürstchen stauben? Morgen schon, ach morgen schon Kann der Winter wiederkommen. Amsel dämpfe deinen Ton Frühes Singen kann nicht frommen. Bienlein flieg zum Stock zurück, Schnee weht um den Wiesenhügel. 9 Kurz ist sonst dein Lebensglück, Du erfrierst dir Leib und Flügel. Wer vermag den Sehnsuchtsdrang Dürr mit Worten zu bekämpfen. Solchen hellen Hoffnungsklang Kann kein Kälteschauer dämpfen. Bringt uns auch der neue Tag Wintersorgen und Beschwerden, Einmal endet jede Plag, Einmal muß es Frühling werden. Schutzhaftlager Welzheim. VI. Auf grünem Plan blüh’n weiße Sterne, Ein Falter flattert in der Luft, Blau locken Berge aus der Ferne, Die Erde atmet herben Duft. Die Straße schlingt sich durch die Auen, Drauf wandert meine Sehnsucht hin, Entschwindet fern im Himmelblauen In schlanker Tannen ew’gem Grün. Ich muß den Blick zur Erde senken. Die Straße lockt mich gar zu sehr. Darf meinen Fuß nicht selber lenken Und Ketten klirren hinter her. Wie mur Was hin Wie schr O wär ich doch nicht festgebunden; Wie munter klänge da mein Schritt. Was hinter mir, wie schnell entschwunden, Wie schnell vergessen, was ich litt. Schutzhaftlager Welzheim im. 1, SOMMER I. Der Hof, der ist so breit wie lang, Der Weg darin ein Kreis. Drauf gehen wir Gefangenen Ob's kalt ist oder heiß. Das ist unser Erholungsgang Wohl eine halbe Stunde lang Immer herum im Kreis. Da gehen manchmal wir im Takt, Manchmal den Schritt verwirrt Und wen nach Freiheit Sehnsucht packt, Des Blick zum Himmel irrt. Die Mauern drohen hoch und bang Wohl eine halbe Stunde lang Immer herum im Kreis. Manch einer hält den Blick gesenkt Starrt müde vor sich hin, Ob ihn wohl harte Reue kränkt? 11 12 Weilt fern sein Herz, sein Sinn? Er geht doch den Erholungsgang. Wohl eine halbe Stunde lang Immer herum im Kreis. Aus manchem Aug blickt trotz'ger Mut Und Wünschen rot und heiß. Was ist für solche Flammenglut Und Zuri So s Woh Imm Immer herum im Kreis. Wohl eine halbe Stunde lang Der lahme Gang im Kreis. Das ist doch kein Erholungsgang Sehr Heiß Ams Imm Selbst Flüstern darfst du nicht. Das Sprechen, das ist nicht erlaubt, Ach Herb Schweigen ist uns're Pflicht. Doch Pfeifen!? Ja wer das wohl glaubt? Auf Gra Wohl eine halbe Stunde lang Stumm gehn wir den Erholungsgang Möc Und Immer herum im Kreis. Einn Doch blühen sie so blaẞ. Es blühen Rosen in dem Kreis, An Ihre Werden die Augen naẞ. Dem, der von rötern Lippen weiß, Trin Wohl eine halbe Stunde lang Still geht er den Erholungsgang Heu Immer herum im Kreis. Und Ist auch der Hofgang aus, Und tönt das Glockenzeichen, dann Er Der bt? Und schweigend gehet Mann für Mann Zurück in’s graue Haus. So still nach dem Erholungsgang Wohl eine halbe Stunde lang Immer herum im Kreis. II Sehnsucht hält mein Herz umschlungen Heißes brünstiges Verlangen. Amsellieder sind verklungen. Immer noch bin ich gefangen. Ach, der Sommer will entfliehen, Herbstlich sich die Wolken ballen. Auf das hoffnungsvolle Blühen Graue Nebel niederwallen. Möcht, bevor die Blätter fallen Und des Winters Flocken fliegen, Einmal nur im Grase liegen, An der Erde Brust mich schmiegen, Ihren Duft in vollen Zügen Trinken. O wie dürstet mich! TEL. Heut ist der Himmel grau verhangen Und kühl der Wind vorüberweht. Er kommt vom Stoppelfeld gegangen. Der Sommer still zur Neige geht. 13 Bald ist der schimmernde entschwunden Schon herbstlich schmückt sich die Natur Und hat mir keinen Kranz gewunden Aus Blumen, reicherblühter Flur. Und doch läßt mich sein Scheiden trauern, Wenn er auch meiner nicht gedacht, Weil Kerkergitter Schloß und Mauern Um meine Freiheit mich gebracht. Denn jede Stunde, ungenossen, Die Sonne, Schönheit uns gewährt Ist wie der Wein, den wir vergossen Eh wir ihn in den Mund geleert. IV. Sprach zur dunkelroten Rose Zärtlich kühn der Morgenwind: Ruhest in der Blätter Schoße Wie ein wohlbehütet Kind. Möchte dich so gerne küssen, Bin in heißer Lieb entbrannt Doch die Blätter zahnumrissen Hüten deiner Lippen Rand. Willst du nicht mit mir entfliehen? Trüge dich so gerne fort! Wo die Silberwolken ziehen Weiß ich einen stillen Ort. zunden Natur nden trauern, ht, ern 4 sen Einen stillen Ort zum Lieben Voller süßer Heimlichkeit Ungestört von Neugiertrieben, Recht allein zu sein zu zweit. Doch da lächelte die Rose Und zum Morgenwind sie sprach: Wenn ich gern auch mit dir kose, Nimmer folge ich dir nach. Würd’ ich heut mit dir entfliehen, Ließe Blatt und Zweig zurück, Müßt ich heute noch verblühen Und wo wär dann unser Glück. Laß mich nur am Strauche stehen Bis mein Leben ist erfüllt. Kannst ja täglich mich umwehen Und dich freun an meinem Bild. Muß ich mich zum Sterben neigen, Dann erfüll’ ich deine Bitt’. Geb dir Blatt um Blatt zu eigen, Nimm dir’s als Erinnerung mit. 15 HERBST. Es ko Sie w Zuversicht. Da ich's zu ändern nicht vermag, So will ich's still und mutig tragen. Geduld! Es endet jeder Tag Auch ohne Jammern, ohne Klagen. Ich trinke diesen bittren Trank, Bis auf den Grund leer ich den Becher. Sag ich dafür auch keinen Dank, So bleib ich doch ein froher Zecher. An d Die Gedu Nich Die Die Ist kahl und öd die Zellenwand, Noch pocht und pulst in mir die Kraft, Sie wird mir täglich neu geboren. Die aus dem Sterben Leben schafft Und keine Stunde ist verloren. Es lie Auf Ich f Aus Es glänzt in meiner Seele Land Das Fenster blind und streng vergittert. Auf Weiß Ein Bild, das nach Erfüllung zittert. Und Das Den Frühling in der Knospenhülle. Es kränkt mich nicht, dieweil ich seh Braus, Herbststurm braus! Wirf jach und jäh Vom Baum die bunte Blätterfülle. Schw Auf Scha Mit einer weißen Leichendecke. Fallt, Flocken, fallt und deckt die Flur Und Bald Sie ist nicht tot, sie scheint es nur, So daß ich nicht darob erschrecke. Du 16 er. Es kommt der Tag, da Sonnenkraft Sie wird zu neuem Leben wecken. An dem ich aus der Kerkerhaft Die Arme werd zum Himmel recken. Geduld! Es bleibt das schwere Tor Nicht ewiglich für mich verschlossen. Die Stunde kommt, ich steh davor, Die Freiheit grüßt mich lichtumflossen! Leonberg ft, ert. und jäh ur WINTER. Es liegt der Schnee auf Busch und Strauch Auf Ackerland und Rasen - Ich fühle kalten Winterhauch Aus Ost und Norden blasen. Auf frost'ger Straße klirrt mein Tritt. Weiß weht es mir vom Munde Und eisberändert fließt im Schritt Das Wässerlein im Grunde. Schwarzamsel sitzt am Wegesrand Auf kahlen Rosenzweigen, Schaut müde auf das weite Land Und in das Winterschweigen. Bald blühst du Rosenstrauch am Weg, Du Amsel singest Lieder. 17 Geh ich dann über Wies und Steg Mein Denk Ganz ohne Fesseln wieder? Ich starrte Schutzhaftlager Welzheim Und hilfes Noch schwa Sich drohe MORGEN. I. Und griffe Müd schleicht die Nacht aus meiner Zelle. Ich lieg auf meinem Lager wach Und starre in die fahle Helle. Erwachend piept die Schwalbe unterm Dach. Im nahen Garten hör' ich singen Die Amsel, die ihr Morgenlied So frisch und herzlich läßt erklingen, Daß es mich auf zum Gitterfenster zieht. Da häng ich an den Gitterstäben. Den harten Zeugen meiner Pein. Hinaus! Hinaus! Freiheit ist Leben! Hier keimt der Tod im Eingeschlossensein! II. Ganz ohne Sternenschimmer war die Nacht Und auch des Mondes zarter Silberschein Ward von der Wolken dunklem Tuch verhüllt. Ich lag auf meinem Lager. Aufgewacht Aus schwerem Traum. Noch war von seiner Pein 18 Sich dräng Sie sagten Und freute Sie zerrten Und aufge Wenn ich Und wider Sie gaben Kein Droh Die Bilder Entzog ke So lag ich Im Tod nu Was ist d Wohl fehl Wenn zau Aufblicker Das leuch Das höher Das Ziel, Gerechtigh ht. sein! acht ein le. Velzheim Dach. verhüllt. iner Pein Mein Denken und mein Fühlen ganz erfüllt. Ich starrte an die dunklen Zellenwände. Und hilfesuchend fanden sich die Hände. Noch schwangen die Gestalten aus dem Traum Sich drohend durch das Zellendunkel hin Und griffen fühllos wühlend mir ans Herz. Sich drängend füllten sie den engen Raum. Sie sagten, daß ich schlecht und häßlich bin Und freuten grinsend sich an meinem Schmerz Sie zerrten Bild auf Bild vor meine Seele Und aufgeschrieben fand ich jede Fehle. Wenn ich auch flehend meine Hände hob Und widerklagend mich verteid'gen wollt, Sie gaben grimmig Wort auf Wort zurück Kein Drohen half mir, daß der Spuck zerstob. Die Bilder, die sie vor mir aufgerollt Entzog kein Augenschließen meinem Blick. So lag ich da von wilder Qual zerfressen. Im Tod nur sah ich Ruhe und Vergessen. Was ist das Leben ohne das Gefühl, Wohl fehlend, doch im Grunde gut zu sein. Wenn zaudernd auch, doch strebend stets voran Aufblickend nach dem hochgesteckten Ziel, Das leuchtend lockt mit seiner Strahlen Schein, Das höher führt, wenn auch auf schwerer Bahn. Das Ziel, daß auf der schönen Mutter Erde Gerechtigkeit für alle Menschen werde. 19 Die Zukunft ist ein dunkles Tor Noch dringt für uns kein lichter Schein Kein glückhaft Strahlen draus hervor. Nur zage Hoffnung hüllt mich ein, Minuten fliehen, Stunden gehn. Sich drängend folget Nacht dem Tag. Wann kommt der Tag, da ich dich sehn In meinen Armen halten mag? Leonberg MITTAG, Ik Viel Hoffnung liegt begraben In diesem stillen Haus. Des Unglücks schwarze Raben, Die fliegen ein und aus, Die hocken in den Zellen Und dunkeln selbst das Licht, Das ob der Sonnen Hellen Durchs Gitterfenster bricht. In allen Ecken lauern Gedanken voller Pein. Trotz Gitter, Schloß und Mauern Dringen die Sorgen ein, Sie tanzen ihren Reigen Und Dur Tanı Doc Auf So. Hei Wer Am So{ Doc r er Schein hervor. ein, m Tag. dich sehn Leonberg Und spotten deiner Qual. Durch langer Nächte Schweigen Tanzen sie ohne Zahl. Doch wie aus dunklen Nächten Aufsteigt der Sonne Licht So aus den Unglücksschächten Heiß neues Wollen bricht. Wenn fröhlicher Gedanken Am Gitter noch zerschellt, So grüßen Hoffnungsranken Doch neu die schöne Welt. n II. Trab, trab, trab. Immer auf und ab. Sechs Schritt ist die Zelle lang. Wie ist's wohl der Mutter bang! Sechs Schritt geht's zurück. Tot ist alles Glück. Trab, trab, trab. Immer auf und ab. Vater hatte mich so gern, War sein einz'ger Trost, sein Stern. Ob er mich noch liebt? Ob er mir vergibt? 21 22 Trab, trab, trab. Immer auf und ab. Warum ist die Lieb so warm? Warum wird man wirr und arm Wenn das Mädchen flieht? Ihre Lieb verglüht? Trab, trab, trab. Immer auf und ab. Warum fließt das Blut so heiß, Daß man's nicht zu zügeln weiß? Ach, es floẞ so rot. Warum ist sie tot? Ich PAPA De Un De D PESA M Za D Trab, trab, trab. Grabet mir ein Grab. Senket mich recht tief hinein. Ob im Grab wird Ruhe sein? Ruh im kühlen Grab? Trab, trab, trab. D D H E 22 22 III. Ich sitz am Tisch und säume Ein offen Buch vor mir. Als Mönchlein ich mich träume. Das Buch als mein Brevier. F M H U U U A D G Ich hab entsagt-in Reue Der Erde Lust und Leid Und trage nun in Treue Der Himmelsucher Kleid. Der Zelle kahle Mauern Entziehen mich der Welt, So daß mich ohne Trauer Andacht umschlungen hält. Mit Fasten und Kasteien Zerquäl ich meinen Leib, Damit daß mir zum Freuen Der Himmel nur verbleib. Doch will mir’s nicht gelingen. Hör ich von draußen her Ein Mädchenlachen klingen, Fällt mir die Andacht schwer. Muß in Gedanken streicheln Hüften und Brüste rund. Und meine Lippen schmeicheln Um einen roten Mund. Und hör ich Schlüssel klirren An meiner Zell entlang, Denk ich, der Kellermeister Geht einen schweren Gang. Dann lechzt es mich zu trinken, Doch nicht nach Himmelsgut. 23 Den Himmel ließ ich winken Säß ich beim Rebenblut. Drum ist es wohl nicht schade, Daß ich kein Mönchlein bin, Wenn statt nach Himmelsgnade Nach Solchem steht mein Sinn! IV. Zwischen Wand und Gitterstab Ohne Ruh mit ernstem Streben Zieht die Spinne auf und ab, Hin und her ihr Netz zu weben. Fäden zieht sie ohne Zahl, : Daß sie sinnvoll sie verbinde, Und im Morgensonnenstrahl Zittert zart das Netz im Winde. Und ein Mücklein unbedacht, Voller Lust und unbefangen, Weil so warm die Sonne lacht, Ist ihr schon in’s Garn gegangen. Ängstlich zappelt es und zieht, Um die Fäden zu zerreißen. Ach so viel hat ihm das Lied Seines Lebens noch verheißen. Mit Glei ni Spir Lau Um Uns Auf Saß Wie ein Gleichnis ist es mir Mit der Spinne und dem Netze. Gleich dem Mücklein zappeln wir In den Maschen der Gesetze. Spinne ist der Staatsanwalt. Lauernd läßt er Zeit verrinnen, Um im Namen der Gewalt Uns recht lange einzuspinnen. V. Auf der Fensterblende Rand Saß ein Spatz das Köpfchen drehend, In die Zell’ ihm unbekannt Voller Neugier niederspähend. Kleiner Schelm komm nur herein. Gerne lad ich dich zum Mahle. Hab’ noch trocken Brot im Schrein Und noch Wasser in der Schale. Komm nur, komm! ich will mit dir Auch das Mittagessen teilen, Wenn du in der Zelle hier Immer willst bei mir verweilen. Täglich füll ich dir den Bauch. Brauchst kein Futter mehr zu suchen Mühsam unter Busch und Strauch Und im Pferdeapfelkuchen. 25 Doch der Spatz mit Flügelschlag Ließ ein zornig ,, Tschilp" erschallen, Daß er recht mir Antwort sag Auch noch hinten etwas fallen. Wohl versteh ich, was er meint, Was er sagen wollt, begreif ich. Such dir einen andern Freund! Auf ein solches Leben pfeif ich! VI. Ja, das heiß ich Grüße senden Und Erinnerungen wecken. Eine Wurst halt ich in Händen Gut geraucht und Peitschenstecken. Und in dieser Schachtel Gründen Und Wei Hier Mac Alle Ein Sei dar Doc Lab Mei We 26 Ist soviel mein Aug erspähet Noch manch anderes zu finden, Die Butter, Keks und Schokolade Das mein Gaumen nicht verschmähet. Un Do Tro Und dazu noch Marmelade Trauben, Feigen, Äpfel, Nüsse.. We Das spartanische Genügen Schafft mir keine Ärgernisse. So De De Dem ich mich verschreiben wollte Liegt schon in den letzten Zügen. Gerne werd ich ihm abholde. Ich Vo ! g llen, ken. Und mein Mund, der schmal geworden, Weil es fehlet an Humoren Hier in diesem Büßerorden, Macht Besuch bei beiden Ohren. Allen die zu diesen Grüßen Einen kleinen Teil gespendet Sei von dem, der sie genießen darf, von Herzen Dank gesendet. Doch was fällt mir ein beim Essen? Laß es dir zum Schluß noch sagen! Meine Lieb wird unermessen, Wenn sie jetzt geht durch den Magen! Leonberg en Ilte gen. mähet. An die Mutter. Die Jahre färbten grau dein Haar Und legten dein Gesicht in Falten Doch hat dein Herz sich immerdar Trotz Not und Sorgen jung erhalten. Wenn heißes Wünschen auch verging So ist dir eines doch geblieben, Der gute treue Muttersinn Der stets umsorget seine Lieben. Ich fühle selbst in Kerkerpein. Von dieser Liebe mich erquicket. 27 Sie ist wie heller Sonnenschein Der tröstend aus dem Dunkel blicket. Wenn ich zum neuen Lebensjahr Dir wünsche Glück und langes Leben Fühl ich, daß mit dem Wünschepaar Mir selbst das Beste ich gegeben. Cannstatt ABEND. 1 Wieder ist ein Tag vergangen, Sank hinab ins Zeitenmeer. Nun ist’s dunkel um mich her Und vom Turm die Glocken klangen Mitternächtig, dumpf und schwer. Brennendheiß die müden Augen, Brennendheiß doch tränenleer. Und die Augenlider schwer Wollen nicht zum Schlafen taugen. Stöhnend wälz ich mich umher. Kann ja keiner Seele klagen Meinen Kummer hart und schwer. Quält er mich auch noch so sehr Muß ihn still doch in mir tragen. Ruhe find ich keine mehr. II I Pe| I>-WI I ne re blicket. hr Leben mepaar en. Cannstatt Aus dem Zellendunkel starren Augen drohend zu mir her. Senken mir des Vorwurfs Speer In die Brust. Die muß verharren Schmerzen leiden ohne Wehr. Brächte mir doch eine Stimme Der Verzeihung Wundermär, Neigt ein Blick sich zu mir her Liebevoll und frei vom Grimme Doch das hoff ich nimmermehr. langen er. n, gen. wer. r en. II. Des Abendrotes Widerschein Blüht auf den weißen Zellenwänden Als wollt in mein Gefangensein Der Tag mir Abschiedsgrüße senden. Du kannst auch ohne Abschied gehn. Ich werde nicht darüber klagen. Ich wollt, du flögst im Sturmeswehn Hinweg mit andern hundert Tagen. Was hab ich denn von deiner Pracht, Von Sonnenschein und Blumenprangen? Ich lieg in meiner Zelle Nacht Und Bitterkeit hält mich umfangen. 29 29 Ein kleines Fleckchen Sonnenschein, Das auf dem Zellenboden zittert, Das einzig dringt zu mir herein Durchs Fenster eisenstabvergittert. II. Als Bote kam in meine kalte Zelle Ein Brief von dir, von deiner lieben Hand, Führt mich in meines Gartens Blütenland Und über meines Heimes schmale Schwelle. Fühl mich umflutet von der Liebe Welle, Die ihren Weg zu meinem Herzen fand, Das Dunkel drinnen siegend überwand. So glücklich sitz’ ich nun in ihrer Helle. Der Kinder Lachen klingt in meinen Ohren Und Kinderhände schlingen sich zum Tanz, Der aus der Unschuld reinen Lust geboren. Still liegt die Welt im Abendsonnenglanz Und meine Augen schauen traumverloren Der nahen Berge duftigblauen Kranz. IV. Klinge, Abendglocke klinge! Breite deines Klanges Schwinge Mahnend über Wald und Flur. Fri Fri Rli Ali Lat Le le 1, ben Hand, Blütenland Schwelle. e Welle, n fand, wand. Helle. en Ohren zum Tanz, geboren. nenglanz verloren Franz. Laß auf deinen Tönen schweben, Frieden! Frieden sei gegeben Frieden jeder Kreatur. Fliehe Tag mit deinen Sorgen, Fliehe in ein bess'res Morgen. Laß die Hoffnung mir zurück. Goldglanz liegt auf Fensterscheiben, Er verblaẞt, er kann nicht bleiben. Sorgen fliehen und das Glück. Wer vermag es denn zu sagen Ob in den vergangnen Tagen, Ob im Morgen liegt das Glück. Sehnsucht, die bewegt die Flügel Lenkt nach fernumblauten Hügel In die Zukunft unsern Blick. Was wir Glück und Unglück nennen, Wer vermag denn zu erkennen, Ob es Glück und Unglück ist? Sieh, die Grenzen sind entschwunden, Wenn du, ach in seltnen Stunden, Mit dir selbst im Frieden bist. Klinge, Abendglocke klinge! Breite deines Klanges Schwinge Segnend über Wald und Flur. Laß auf deinen Tönen schweben Frieden! Frieden sei gegeben, Frieden jeder Kreatur! Leonberg 31 V. Ich grüße dich, du Dämmerschein. Dich schweigend dunkle Nacht. Dein Scheiden, Tag, macht keine Pein, Du hast mir nichts gebracht. Schließ Schlummer meine Augen zu Komm zu mir still und leis Und gönne dem Enttäuschten Ruh. Vielleicht!? Vielleicht!? Wer weiß? Ich harre auf den Stundenschlag Und auf den Hahnenschrei. Ich hoffe auf den neuen Tag Und wünsche ihn herbei. Die kreuz Die Nacht Wir sitzen Erzählen Von uns'r Vom Glüc Vom Leid Von Zuku Dazwische Ein Lied Ein Wind So klingt's Es wird d In seiner Stunden Kreis Vielleicht birgt er in seinem Schoẞ So tief w Die Wendung für mein bitt'res Los. Vielleicht!? Vielleicht!? Wer weiß? Es kreuze Leonberg Hier Fäde 32 NACHT. I. Im Dämmerdunkel liegt die Zelle. Das Nachbarhaus wirft fahle Helle Durch's Gitterfenster an die Wand. Die Schatten von den Gitterstäben, Es fliegt d Das schne Was geste Vergebens Ein Mens Millionen Das Schiff Es webt s Ein Band Aus Licht lle. Telle and. ben, 18.9 g oß Los. in. Pein, n zu uh. B? B? Leonberg Die kreuzen sich, als wollte weben Die Nacht ein Licht- und Schattenband. Wir sitzen, schicksalhaft verbunden, Erzählen von vergang'nen Stunden, Von uns'rem Streben uns'rem Ziel. Vom Glück, das uns das Leben schenkte, Vom Leid, das un're Herzen kränkte, Von Zukunftshoffnung, Ernst und Spiel. Dazwischen klingt gedämpft und leise Ein Lied getrag'ne alte Weise, Ein Windhauch der in Saiten spielt. So klingt's in uns'ren Herzen wieder Es wird der schöne Sinn der Lieder So tief wohl nimmermehr gefühlt. Es kreuzen sich im Schicksalsweben Hier Fäden gleich die Menschenleben. Es fliegt das Schifflein her und hin, Das schnell und unlösbar verbindet, Was gestern fremd noch, morgen schwindet, Vergebens fragst du nach dem Sinn. Ein Menschenleben mag versinken Millionenfach im Tod ertrinken, Das Schifflein wandert ohne Ruh. Es webt seit altersgrauen Zeiten Ein Band und webt's in Zukunftsweiten Aus Licht und Schatten immerzu. 33 In tiefem Dunkel liegt die Zelle. Der Schlaf tritt über ihre Schwelle, Und schließt die müden Augen zu. Daß, wenn uns tief die Nacht bedrücke Uns wenigstens ein Traum beglücke Und süße, kraftgeschwellte Ruh. Schutzhaftlager Welzheim In | Vom Turm die Glockenschläge Verhallen in der Nacht. Sie zählen mir die Stunden, Die sinnend ich zerwacht. Und zwischen ihrem Schlagen Zieht durch den engen Raum Manch Bild aus Kindertagen Und mancher Zukunftstraum. Wie ist doch für Gedanken Die Welt so groß, so weit. Der Tod nur setzt die Schranken Fern in die Ewigkeit. Doch daß bei allem Sinnen Ich nie vergessen mag, Wie schnell die Stunden rinnen, Ertönt der Glockenschlag. ‚ Welzheim N, IM LEBENSKAMPF * Dazu sind die Jugendträume, Daß sie heißes Wünschen wecken, Daß das Leben überschäume Und sich alle Kräfte recken. Daß du ohne Maß und Zagen Stürzest dich in das Gewühle, Daß dein Wollen und dein Wagen Greife nach dem höchsten Ziele. x Wenn in den Dämmerschein, das Dunkel Der Nacht des Lebens Ruh gelegt Und wenn beim goldnen Sternengefunkel Einschliefe was das Herz bewegt, Dann sehnt ich mich nach Nacht und Ruh. Dann würd’ ich mich nach Ruhe sehnen, Wenn nicht millionenfaches Stöhnen, Das Stöhnen von zertret’nen Herzen, Zertreten von des Lebens Hufen; Wenn nicht millionenfaches Rufen Weh durch die Nacht zum Ohr mir dränge. In meiner Kammer engem Raum saß ich, das Haupt zur Ruh gelegt Hin auf des Tisches hartem Saum. 35 Das Herz von tiefem Schmerz bewegt Von eines langen Tages Mühen. Die Augen müd, und schlaff die Hand Und träge durchs Gehirn mir ziehn Bilder der Arbeit, laufend Band, Maschinen schrillen in den Ohren. O Tag brich an, laß mich die Hände rühren Laß emsig mich den schweren Hammer führen, Daß trotzig auf dem Amboß er erklingt. Laß mich des Aufruhrs Loderflamme schüren, Daß hell der Funken in die Herzen springt. Laẞ schmieden mich das Schwert der Zeit, Der Zeit, die nach Erlösung ringt. Das saust Das braus Ihr liegt Aus eurer Und eurer Ihr magre Ihr wohn Kein Son Und müß Nur für d Warum la Wenn ihr Die Freih Dann stu In der zu Schon klingen aus dem Dunkel Kampffanale, Schon glühen Firnen rot im ersten Strahle Der Sonne, die im Osten aufwärts steigt. Schon seh ich Menschen aus dem Dunkel steigend Der Freiheit zu, die sich herunterneigend In's Tal des Elends, mild ihr Antlitz zeigt. 1922 In der m Frisch au Wenn ihr Drum hel Und zeigt Und wie Im Stürm * O hebt doch endlich eure Stirnen Und zeigt ein trotzig Angesicht. Der Föhnwind braust über die Firnen, Im Sturm des Winters Macht er bricht. Es stürzen von den Bergen nieder Die Bäche wild, vom Eis befreit. So mögt Daß es i Und über Der Mens In Erkenntr 36 36 ], icht. ühren er führen, t. schüren, bringt. Zeit, ffanale, trahle eigt. el steigend end zeigt. 1922 Das saust und singt, wie Freiheitslieder, Das braust und klingt wie Kampf und Streit. Ihr liegt in hartem Joch gefangen. Aus euren Augen blickt die Not. Und eurer Kinder blasse Wangen Ihr magrer Leib, er ruft nach Brot. Ihr wohnt in dumpfen Elendshöhlen. Kein Sonnenschein dringt da hinein Und müßt euch rackern, müßt euch quälen, Nur für die Müh' lebendig sein. Warum laßt ihr euch länger quälen! Wenn ihr auf eig'ne Kraft gestellt Die Freiheit wollt zum Ziele wählen, Dann stürzt ihr kämpfend diese Welt. In der zum Sklaven ihr gestempelt, In der man höhnisch euch verlacht. Frisch auf! Die Welt wird umgekrempelt, Wenn ihr aus eurem Schlaf erwacht. Drum hebt doch endlich eure Stirnen Und zeigt ein trotzig Angesicht. Und wie der Föhnwind über Firnen Im Stürmen Schnee und Eis zerbricht, So mögt ihr euer Joch zerbrechen, Daß es in Staub und Asche fällt Und über Schutt und Trümmerbächen Der Menschheitsfrühling Einzug hält. In ,, Erkenntnis und Befreiung" Wien, veröffentlicht 1925. 37 Dem Mitkämpfer. Nun hat die Flamme ausgebrannt In der dein Leib zur Asche fiel. Die edle Stirn, die schwiel’ge Hand, Die sind jetzt leicht wie Windesspiel. Es tat ein Herz den letzten Schlag, Das mutig stets sein Schicksal trug, Wenn auch das Leben Tag für Tag Ihm durch Entbehrung Wunden schlug. Du kamst aus tiefer Not hervor Und sahst der Andern Not und Pein, Liehst willig ihren Klagen Ohr Und wolltest jedem Helfer sein. Du sahst die Wunden ohne Zahl Und Glück, das um Entfaltung ringt Und suchtest fiebernd nach dem Gral, Der Allen die Erlösung bringt. Dein Glauben war so groß und stark, Wenn er auch keinem Gott geweiht, Und deines Lebens Sinn und Mark, War Ringen um Gerechtigkeit. So strebtest und so irrtest du Bis dieses Leben dich verlor. So gingst du ein zu deiner Ruh Gleich Parsifal ein reiner Thor. : Nun hat die edle Flamme ausgebrannt In der dein Leib zur Asche fiel. Die Bs: Dei Das Un Die Die Die r hr hl nt el. and, sspiel. lag, trug, - Tag schlug. Pein, ringt m Gral, stark, reiht, Tark, brannt 1. Die edle Stirn, die schwiel'ge Hand, Die sind jetzt leicht wie Windesspiel. Es wurde zum Erinnerungsbild Dein tiefgeprägtes Angesicht, Das durch die Tage fröhlich mild Und dringend, mahnend zu mir spricht. * Diese Stätten zu verlassen, Diese lärmbewegten Gassen Sehnsuchtsvoll mein Herz begehrt. Dieses Werken, Hasten, Laufen, Sich um Geld und Ehren raufen Sinn und Seele mir beschwert. Doch ich weiß, man muß sich streiten. So viel Ungerechtigkeiten Nimmt kein edles Herze hin. Diese Not in Elendsgassen, Dieses Zeit- und Geldverprassen Höhnet des Gerechten Sinn. Ewig scheint der Wunsch zu herrschen Rar die Kunst sich zu beherrschen, Wie soll Frieden da gedeihn? Ungehemmte wilde Triebe Fordern Hassen. Selbst die Liebe Bläst nicht immer auf Schalmein. 1939 39 40 Und der Wille gut zu leben Fordert Werken, fordert Streben Ruhe ist hier kein Gewinn. Wunsch und Wille zu besitzen W W De Rufet laut die Zeit zu nützen Opfert Ruh und Frieden hin. Herz, mein Herz du müßtest sterben, Wolltest Fried und Ruh du erben Und auch das ist ungewiß. Leben heißt sich mühen, kämpfen, Weises Maẞ kann mahnend dämpfen Dann wird harte Arbeit süß. Laß das Herrschen, meid das Hassen Und das nach dem Schwerte Fassen, Denn sonst frißt es selber dich. Streben sollst du stets nach Frieden Glücklich wenn er dir beschieden Mit dir selber, meine ich. Mit dir selber, dann mit andern, Denn es ist kein frohes Wandern Liegst du mit dir selbst im Streit. Soll man Lieb und Weisheit fühlen Müssen Aug' und Stirn' umspülen, Strahlen innre Fröhlichkeit. 1946 W De Un Di Si U V D U In U Si D D U K Η ב ben, , pfen sen en, en 1946 Reaktion. Wach auf des Volkes ärmster Sohn, Wach auf und lausche auf den Ton Der stürzt dich ins Verderben. Wie laut, wie laut erklingt es schon Der alte Ton der Reaktion Und ihrer jungen Erben. Die Herrn Studenten früher schon Sie übten sich in diesem Ton Und dann gab's reichlich Scherben. Von Auserlesenen der Nation. Der alte Ton der Reaktion Und ihrer jungen Erben. Im Mäntelchen der Religion Und drehn dabei den Strick dir schon.- Sie lächelnd um dich werben. Das ist der alte Heuchlerton Der Ton der Pfaffenreaktion Und ihrer jungen Erben. Kühn sprechen sie vom alten Recht Der eine Herr, der and're Knecht. Das wollen sie vererben. Das ist der kalte Herrenton Der alte Ton der Reaktion Und ihrer jungen Erben. Kaum haben sie sich ausgekriegt Zum Zweitenmal verkehrt gesiegt, י t. en 1, 41 Woll’n sie im Blut sich färben. Das ist der sture Kommißton Der alte Ton der Reaktion Und ihrer jungen Erben. Es ist ein herzlos kalter Ton Der alte Ton der Reaktion Und ihrer jungen Erben. Wach auf! Wach auf du treuster Sohn, Sonst wird’s dein Totenglockenton Zum Frohnen und zum Sterben. Ermanne dich des Volkes*Sohn, h Erlernt hast du das Handwerk schon, Erlernt das Fellegerben. Das reimt sich auf den frechen Ton, Den alten Ton der Reaktion Und ihrer jungen Erben. Brücke sind wir! Brücke sind wir aus dem Gestern zum Morgen, Stehen im Heut’ zwischen Trümmern und Not. Ragend gewölbt über Kummer und Sorgen. Klüfte bezwingend nach Gottes Gebot. Führen vom Ufer, das Zwietracht durchdrungen Hin zum Eiland von Eintracht beseelt. 42 Den Studenten von Erlangen, 30.7. 46. Weil Sie Hin zu Die der Unter ı Wie sie Brücke Einer ı Weil u Hoftnu hn,_ on, I, 30,1.46. orgen, a Not. gen. Ziel für die Menschen, die sehnsuchtbezwungen, Weil sie im Wirrsal der Zeit sich zerquält. Hin zu des Tempels verdämmernden Räumen, Die dem vereinenden Gotte geweiht, Unter mit Fruchtgold beladenen Bäumen Wie sie der ewige Friede uns beut. Brücke sind wir zu den seeligen Auen Einer vom Hunger erlösten Welt Weil unsres Glaubens versöhnendes Schauen Hoffnung und Willen lebendig erhält. * Es trübt ein banger Alpdruck unsre Nächte Und saugt uns unsre Herzen hoffnungsleer, Ein Fluch ist es dem werkenden Geschlechte Den Hammer und die Kelle macht es schwer. Das spottet aus dem Summen der Motoren Und lächelt höhnend aus dem blanken Stahl Im Sägenkreischen dringt’s zu unseren Ohren Und füllt mit Unmut unsern Arbeitssaal. Wir kennen all die dienenden Maschinen Und Rad und Hebel wird durch unsere Hand Lebendig und bereit dem Werk zu dienen, Das Menschengeist erdachte und erfand. Der Hebel fällt, schon laufen die Motoren Wir stehen vor der Essen Loderflammen, Hart saust der Hammer auf den roten Stahl. Wir schweißen Brücken überm Strom zusammen Und ziehen Sperren durch des Stromes Tal. Wir bauen Häuser in die Wiesenhügel, Daß unsre Kinder gehn im Sonnenschein Und in Und formend greift der Stahl in harten Grund, Was gestern noch Gedanken ungeboren Fällt Stück für Stück aus der Maschine Mund. Wird u Stürzt Und u So geh Wenn Selbst Zum b Das is Und s Das is Den H Das sp Und la Im Sä Erfüll Und unser Wirken gibt dem Menschen Flügel, Läßt ihm der Erde Fernen nahe sein. Das ist der Wunsch, wenn wir die Haue heben Und unser Traum, wenn wir die Räder drehn Daß frei der Mensch im Frieden möge leben Und ohne Sorgen soll im Dasein stehn. Daß all das Schöne, was die Erde bietet Daß all das Hohe, was der Geist ersinnt Daß das Vergang'ne, das die Zeit behütet Durch aller Augen, aller Herzen rinnt. Doch immer reißt den schöpfenden Gedanken Und fleiß'ger Hände nimmermüde Tat Ein Ungeist aus den selbstgesetzten Schranken Und Gier nach Geld und Herrschsucht übt Verrat. Was vorbestimmt, des Menschen Glück zu dienen Um Licht zu tragen, in das fernste Land, Das wird dann zu vernichtenden Maschinen Und lodernd steigt des Krieges Feuerbrand. 44 Wir la Und s Zu To Von a Die S Schri Wir s Kein Mund. ammen al. ügel, heben ehn yen £ 13 i \ I i [A H k TER cur E F % Und in des Feuers unbeherrschten Flammen Wird unser Leben, unser Gut verzehrt, Stürzt blutbesudelt unser Werk zusammen Und unser Wirken ist in’s Nichts verkehrt. So geht es uns mit allen unsren Werken, Wenn auch ihr Ursprung noch so gut und wert Selbst Sens und Pflug wird in der Hand des Zum blutbefleckten Henkersschwert.[Schergen Das ist der bange Alpdruck unsrer Nächte Und saugt uns unsre Herzen hoffnungleer, Das ist der Fluch auf unserem Geschlechte Den Hammer und die Kelle macht er schwer. Das spottet aus dem Summen der Motoren Und lächelt höhnend aus dem blanken Stahl Im Sägenkreischen dringt’s zu unsern Ohren Erfüllt mit Unmut unsern Arbeitssaal. 1947. Wir. Wir lagen 12 Jahre in Zwang und Pein Und schufen Kanonen, Granaten. Zu Tode gehetzt unser Menschlichsein, Von allen und allem verraten. Die Schatten des Kerkers auf unserem Gesicht Schrie qualvoll die Seele nach Freiheit und Licht. Wir standen im Grauen der mordenden Schlacht, Kein Pfifferling galt unser Leben. 45 Wir haben gar manchen zu Grabe gebracht, Das letzte Geleit ihm gegeben. Und mancher verkam in die Erde verkrallt, Zerfetzt und zerschossen im Feld und im Wald. Wir sahen gesammeltes Menschenglück In Rauch und in Flammen vergehen. Die Mauern zerbarsten vor unserem Blick, Ein ragendes Kreuz nur blieb stehen. Ein feuerversengter, geschundener Hund Schlich winselnd und klagend um’s Trümmerrund. Wir liefen auf Straßen in drängender Flut Von Furcht und von Schrecken getrieben In Bündeln das letzte gerettete Gut, Das letzte das uns geblieben. Ein Kindlein verlassen am Wege stand Wer hat seinen Vater, die Mutter gekannt. Doch endlich der grausige Wahn zerstob, Vom Urteil des Schicksals getroffen. Und bleibt auch noch immer ein Wenn und ein Ob Wir wagen doch wieder zu hoffen, Daß endlich von Zwietracht und Krieg belehrt Die Menschheit zur Einheit, zum Lichte sich kehrt. Und wie nach dem eisigen Winter der Saft In Busch und in Baum drängt zum Leben, So wollen wir neu und mit frischer Kraft Das Banner der Menschheit erheben. 46 Daß es| ht, IIt, Wald. ‚dein ud Fe ejehrt u kehrt Und schützend wollen wir bei ihm stehen, Daß es nimmer und nimmer soll untergehen. 1947. * Vertriebener Bauer. Aufstehen Bauer! Es krähte der Hahn. Die Bäuerin stellt dir die Stiefel zurecht. Im Hofe spannet die Rosse an Und richtet den Pflug und die Egge der Knecht. Es locket die Amsel im knospenden Hag. Aufstehen Bauer! es naht der Tag. Aufstehen Bauer! Es dampfet das Feld, Bereit unterm blitzenden Eisen zu stehn. Wo blieb denn mit ihrem Hunger die Welt, Vergäße der Bauer das Pflügen und Säen. Der Star auf dem Dache geschwätzig schreit. Aufstehen Bauer! s’ist höchste Zeit. Und er reißt sich heraus aus dem bleiernen Schlaf Und recket die kräftigen Arme empor. Der Ruf, der so lockend im Traume ihn traf, Vergebens erhofft ihn das wachende Ohr. Bleib liegen Bauer! Gemach, gemach! Piept grämlich ein Spatz auf dem steilen Dach. Bleib liegen Bauer! Du bist ja verbannt. Das Schicksal ins Häusergewinkel dich trieb. Dein Herze aber verlangend schreit: Wo ist mein Pflug und mein Acker bereit? 1947. Flüchtlingsfrau. Ich sah dich mit zerrissnem Schuh Und frierend durch die Straßen gehn. Du knöpftest so die Jacke zu Als sollte niemand in dich sehn. Durchs Menschentreiben ging dein Blick So, wie ein Herze suchend geht, Das losgelöst von Heim und Glück Und wie dein Haar vom Wind verweht. Das blasse Kind an deiner Hand Es folgte still und müd dir nach, Weil fern vom Vater-Mutterland So früh sein Kindertraum zerbrach. 1947. Dein Haus und dein Hof und Dein Wald und Dein Dem Fremden in deiner Heimat verblieb.[Land und Dein b.[ Land IM HÄUSLICHEN KREISE. * h ב eit? gehn. 1947. Blick weht. 1947. Um in der Kindheit Tagen zu verweilen Ging ich erinnernd Jahr um Jahr zurück. Voll Liebe leuchtet mir der Mutter Blick, Die selbst verblutend Wunden konnte heilen. Sie mühte sich die Wolken zu zerteilen, Die schwarz umdrohten ihrer Kinder Glück, Gab gern ihr Leben Stück für Stück, Um allzufrüh ins Schattenreich zu eilen. Noch schöpft ich in den Jahren, die vergangen Aus ihrem Liebesopfer Kraft und Mut. Nun ist der Himmel wieder schwarz verhangen. Doch ward mit dir mir neues hohes Gut. Ich fühlte, als mein Arm dich hielt umfangen, In dir der Mutter heiße Opferglut. * Du bist Samen, du muẞt fallen, Fallen tief zur kühlen Erde, Grimmer Schmerz muß dich durchwallen Zweifel wild dein Herz umkrallen, Daß der Keim lebendig werde. Du bist Samen, du muẞt trinken, Trinken hell mit allen Sinnen. 49 Sonnengold und Sternenblinken Werden, Wachsen und Versinken, Alles mußt du ganz gewinnen. Du bist Samen, du mußt sterben, Opfernd heiß im Du vergehen. All’ dein Sinnen und Erwerben, Alles was sich soll vererben Kann im Du nur auferstehen! Mutterschaft. Behutsam gehst du jetzt auf deinen Wegen Und feierlich wie eine Priesterin, Mit hochgemutem, opferfreud’gem Sinn Dem Tag, an dem du Leben schenkst, entgegen. Schon will es sich in deinem Leibe regen, Und deine Hände gleiten drüber hin Im Schmerz es fühlend und ihm vor Beginn Sein Dasein segnend mit der Liebe Segen. So lebend zwischen Freuden und Beschwerden Fühlst du das neue Leben in dir werden. Voll stiller Andacht bin ich dein gedenkend. Und wo wär Andacht besser wohl begründet, Als vor dem Weib, das sich in Liebe schenkend Dem Leben eine neue Flamme zündet? 50 Werdende Mutter. Ich möchte dich bei deinen Händen fassen Und meinen Blick in deinen Blick versenken. Der Erde höchstes Glück möcht ich dir schenken Für deine Lieb, die nimmer kann verblassen. Ich möcht mich dir zu Füßen niederlassen, Möcht alle Schicksalsschläge von dir lenken. Und meine Sehnsucht, all mein Deingedenken Ist wie ein schützend deinen Leib Umfassen. Du trägst so still die opfervolle Schale Gehobnen Herzens in den blassen Händen Und fühlst des Lebens Ströme in dir rauschen. Ob dir das Leben deine Müh auch zahle, Ob sich auch alles wird zum Guten wenden? Das fragst du nicht! Du gibst! Du willst nicht tauschen. Mein Knabe. Bei deinem Eintritt in die Welt War ich dir fern, ich kenn dich nicht Und weil’s dem Schicksal so gefällt Sah ich noch nie dein Angesicht. Hielt dich noch nie in meinem Arm Und wiegte dich in Schlummer ein, Das schafft mir Stunden voller Harm Voll bitt’rer ungelöster Pein. Ich denke in den Nächten dein In denen mich der Schlummer flieht Und nur des Mondes milder Schein Geruhsam durch die Zelle zieht. Dann schließ ich meine Augen zu, Und suche wie im Traum dein Bild. Doch was ich sehe, bist nicht du Weil Furcht und Hoffnung mit mir spricht. Die, die in Schmerzen dich gebar, Seh ich vor deinem Bettchen stehn Und Mutteraugen lieb und klar Dir fragend ins Gesichtchen sehn. Noch ziert kein Lächeln deinen Mund, Kein Leuchten deinen Kinderblick. Es ist, als ging er müd und wund Und fragend in sich selbst zurück. Hat man dir Würmlein arm und bloß Noch ehe du das Licht erblickt, Schon in der Mutter warmem Schoß, Die Lebensflügel jäh geknickt? Ruhest du noch in tiefem Schlaf Und wirst du, wenn du aufgewacht Den Kummer löschen der uns traf Das Fragen stillen über Nacht? * Kinderaugen, heller Schein. Kindermund, welch süßes Lallen. j spricht. ind, d ploß hoß, ht Kinderherz, welch Glücklichsein. Kinderschmerz, welch tiefes Fallen. Blumen zum Weihnachtsfest. Es hat die harte Not in diesen Tagen Kein Buch, kein Bild in unsre Hand gegeben, Zum Dank Dir für Dein opferreiches Leben, Trotz allem Suchen, Laufen und Erfragen. So wollen wir den Frühling zu Dir tragen Und bitten, daß er freudig Dich erheben, Dir Sonnenstrahlen in Dein Herze weben, Von unserem Lieben, Wünschen möge sagen. Nicht an ein Ding hat sich die Lieb gebunden Aus vollem Herzen strömt sie Dir entgegen, Um mit an Deinem Lebensglück zu bauen. Trübt Eigenwille auch noch manche Stunden, Laß gerne zum Verzeihen Dich bewegen. Und schenke uns Dein Lieben und Vertrauen. Im heimlichen Kreis. Es ging die Nacht auf ihre Sternenreise. Kalt lag der Mondschein auf dem Schneegeflimmer. Wir saßen in dem warmdurchwogten Zimmer In trauter Lampe engbegrenztem Kreise. Und dann erklang, erst heimlich, zart und leise, Stieg dann empor, umsprüht von Glanz und Schimmer Versank im Sein, verklang im Schmerzgewimmer. Von Leid und Glück die wehe, süße Weise. Und mit dem Lied des Lebens eng verschlungen Erstrahlten klar die göttlichen Gedanken Sie wurden tief ins offne Herz gesungen. Es schwang der Raum. Es fielen alle Schranken. Verweht die Zeit. Von Gottes Sein durchdrungen Wir hüllenlos im Ewigen versanken. x In deine schlichten, dunkelbraunen Haare Da mischen sich die ersten Silberfäden Gleich Spinnenweben, die im Wind verwehten Als Zeichen langer, durchgekämpfter Jahre. So wie ich im Erinnern sie bewahre, Weiß ich, daß sie dir manchen Kummer säten Und viele deiner kleinen Freuden mähten, Wie ich auch wünschte, daß ich’s dir erspare. Doch wenn ich jetzt in deine Augen blicke, Die immer noch in mildem Glanze strahlen, Es trübt kein Hadern sie mit dem Geschicke. Du trägst doch nur ein einziges Verlangen, Dein Gutes sieben-siebenfach zu zahlen Und deine Lieben sorgend zu umfangen. 54 und leise, nd Schimmer gewimmer. eise. schlungen en en. Schranken. chdrungen are rwehten Jahre. r säten hten, spare. blicke, ahlen, chicke. Bienlein, Bienlein oft und gern Ward dein nimmermüdes Walten Von den Alten nah und fern Mir als Beispiel vorgehalten. Darum schien es richtig mir, Auch des Fleißes Grund zu wissen, Denn solch hohen Lobes Zier Möcht ich für mich selbst nicht missen. Legte mich auf grünen Plan. Aufmerksam gar viele Stunden Sah ich mir dein Schaffen an Und hab auch den Grund gefunden. Blumenlippen reichen dir Seelig lächelnd Duft und Habe. Dankend summend scheint es mir Schlürfest du die Himmelsgabe. - Und nun glaub ich gleicherweis Könnte man mein Walten loben, Würd man ernsthaft meinen Fleiß In dem selben Fall erproben. Könnte ohne Scheu, wie du Ich von roten Mädchenlippen In des Sommertages Ruh Ach so süßen Nektar nippen. ' n ngen, en. 55 55 Echtes Opfer. Den Lohn für viele mühevolle Stunden Und was du dir vom Munde abgespart, Das hast du für dein Alter aufbewahrt, Daß nie die Not hätt' in dein Heim gefunden. Als du vernahmst, was alles uns entschwunden, Zermahlen von des Krieges rauher Fahrt, Da zeigte recht sich deines Herzens Art Du fühltest tief die Schmerzen unsrer Wunden. Das echte Mitleid führte deine Hand Sie nahm von dem, was deiner Not sollt wehren Gab's freudig hin ins schwergeprüfte Land. Und wenn wir nun von deinem Gute zehren Nimm hin den Dank den unser Herz empfand Und daß wir alle liebend dich verehren. * Schon neigen auf den sonnbeglänzten Weiten Sich hoffnungsschwer des Kornes gold'ne Ähren. Das Leben will in Fülle sich gewähren, Den Müttern gleich mit vollen Händen schreiten. Doch hinter ihm die blanken Sensen gleiten. Es muß der Tod sich auch vom Leben nähren. Im Gold der Halme hängen Abschiedszähren. Durch alles Singen schwingt der Ton vom Scheiden. 56 Nun ha Im ew' Das sin Erfüllte Wenn's Die mo Nun hat das Leben höchsten Lauf vollendet, Im ew’gen Kreislauf wechselt das Geschehn, Das sinkend in der kühlen Erde endet. Erfülltes Leben muß im Tod vergehen, Wenn’s seine Kraft für neue Saat verschwendet, Die morgen wird in hohen Halmen stehen. * ANHANG GEDICHTE VON EUGEN MÜLLER Eugen Müller(Bruder von Otto Müller) wurde am 6. März 1896 in Göppingen geboren. Er besuchte die Volksschule und ergriff den Be- ruf des Schriftsetzers. Frühzeitig schloß er sich der Sozialistischen Arbeiterbewegung an und ge- hörte 1914 bei Kriegsausbruch zum linken Flü- gel der Sozialdemokratie. Er verweigerte den Kriegsdienst und wurde zu 1% Jahren Festung verurteilt, die er im Zellengefängnis Heilbronn abbüßte. Aus dem Gefängnis entlassen, wurde er wieder eingezogen, verweigerte abermals den Dienst mit der Waffe und kam im Juli 1918 als Sanitäter ins Feld. Eine Woche später starb er einen unbekannten Tod im Wytchaete-Bogen (Flandern). 58 Staatsverbrecher. Wie bin ich in die Welt gestürmt, die mir Entfaltung bringen sollte; wie mancher Plan lag aufgetürmt, den mutig ich vollbringen wollte. Ich suchte Arbeit, Liebesspiel und dann und wann den vollen Becher. Sei still mein Herz, das Urteil fiel: Seit gestern bin ich Staatsverbrecher. Die Zukunft ist ein Kartenhaus, die Pläne sind die Kartenblätter. Die Hoffnung schmückt die Zimmer aus, man rechnet nicht mit Sturm und Wetter. Da braust herein ein tolles Spiel, zusammen stürzen die Gemächer. Sei still mein Herz, das Urteil fiel: Seit gestern bin ich Staatsverbrecher. Ade du Maid und Sonnenschein, ade, du Wald, du vielgeliebter. Mich schließen dichte Mauern ein, nachdem der Sturm mein Haus zersplittert. Der Kerker ist mein Reiseziel, die andern ziehn zu Kampf und Becher. Sei still mein Herz, das Urteil fiel: Seit gestern bin ich Staatsverbrecher. Sei still mein Herz! Du töricht Herz, was holst du aus zu wilden Schlägen? Hier ist kein Ort für Freud und Schmerz und für ein erdenmenschlich Regen. Und doch, die Hoffnung treibt ihr Spiel, im Kerker selbst noch mit dem Schächer.’ Sei still mein Herz, das Urteil fiel: Seit gestern bin ich Staatsverbrecher. Dem Politischen. Wenn dich die rohe Staatsgewalt ergreift und durch die Straßen schleift und in den Straßen Jung und Alt, dir Haß und Spott entgegengeift, und wenn dich Weib und Kinder seh’n gefesselt zum Gerichtshof gehn; senk nicht den Blick! Sei stolz auf deine Missetat, sei stolz auf deinen Dornengang,' sei stolz auf die gestreute Saat, die lustig in den Schollen sprang und keimt und reift zu ihrer Zeit, die schöne Frucht der Menschlichkeit. Senk nicht den Blick! Märzabend in Heilbronn. Durch’s Zellenfenster geht mein Blick hinaus auf eine blaue Stadt, merz piel, r. cher. hleift It, seh'n die sich auf gold'nem Hintergrund mit Türmen und Kaminen malt. Aus Schloten ringelt leichter Qualm sich sacht hinein in's Dämmergrau. Die ersten Lichter flammen auf und grüßen her mit mattem Schein. So friedlich ist das ganze Bild, daß plötzlich mir das Trauern kommt, weil ich an Krieg und Morden denk, an Kampf und Blut und Schmerz und Tod. keit. n. Blick, Armes Weib. Armes Weib, was willst du weinen, weil dein Sohn im Feld gefallen? Du mußt trauern über einen, ich muß trauern über allen. Doch von meinen Wimpern sollen keine Tränen niederwallen, aber aus dem wunden Herzen Rachelieder sollen schallen. Rachelieder um die Toten, die im Grab die Hände ballen den Despoten. Denn Despoten tragen Schuld an allen, allen. - 61 Has Rächer. Liegen irgendwo im Kerker unter Leiden, unter harten, Märtyrer um euretwillen, die auf ihre Rettung warten. Blühen irgendwo am Pflaster Rosen, dunkler als im Garten, irgendwo, da ruhen Tote, die auf ihre Rächer warten. Prahlen irgendwo im Lande, Prahler mit der Schwerter Scharten; irgendwo, da richten Richter, der Hat die Not sie Der brin Die läu Der in die auf ihre Richter warten. Do Au und Irgendwo, da wackeln Throne. Einer fiel und andere knarrten. Ja die andern! - Zage Rächer, ach wie lang wollt ihr noch warten? ist Un hat Wi Wi 62 32 Du Bruder über'm Rhein! Du Bruder über'm Rheine dort, es schlägt mein Herz in deinem fort und was ich dir zu leide tu', füg ich mir selber Leides zu. Du es un füg Hast du schon einen Schmerz gefühlt, der nicht auch meine Brust durchwühlt? Hat dir das Glück schon Freud beschert, die nicht auch mir wär eingekehrt? Not, Elend, Sorge immerzu, sie rauben dir und mir die Ruh. Der harte Kampf um’s täglich Brot, bringt mir und dir den frühen Tod. Die Jagd nach Arbeit durch die Stadt, läuft dir und mir die Füße matt. Der Zorn des Herrn weist dir und mir in den Fabriken oft die Tür. ten, Doch endlich Arbeit, Lohn und Sein. Auch uns’re Freude ist gemein und uns’rer Sehnsucht Zukunftstraum, ist einer Wurzel starker Baum. Und uns’re Liebe, unser Haß hat gleiches Ziel und gleichen Paß. Wir haben alle einen Freund. - Wir haben alle einen Feind. Du: Bruder über’m Rheine dort, es schlägt mein Herz in deinem fort und was ich dir zu leide tu’, füg ich mir selber Leides zu. Sozialismus. Nur vorwärts, lernen, kämpfen, streben du kennst kein ander Losungswort. Aus deinen Zielen fließt dir Leben, der Sozialismus ist dein Hort. Wohl haucht des Lebens Wirklichkeit, wie rauhe Grabesluft dich an, doch was du tatest für die Zeit, du hast es nicht umsonst getan. ’ Eh’ sie’s geglaubt. Millionen Hände schaffen den Segen und müssen sich quälen. Und wenige Leute als herrliche Beute ihn dann stehlen. Millionen Hände werden sich legen den Schurken auf’s Haupt und sie erdrücken, im Staube ersticken, eh’ sie’s geglaubt.