Den in Folterkammern der Gestapo und Konzentrationslägern ermordeten Antifaschisten zum Gedächtnis! re die der Unsterbliche Opfer Unsterbliche Opfer, ihr habt gelitten. Ihr, die ihr mit uns um die Freiheit gestritten, Ihr kämpftet und starbet ums kommende Recht. Wir trauern um Euch; wir, der Zukunft Geschlecht. Ihr habt nicht erlebt der Freiheit Welle; Der Tod war euch gnädig in dunkler Zelle. Wir sind die Künder, wie ihr einst gelebt; Wir zeugen, wie ihr nach Freiheit gestrebt! Inhalt Fünf Jahre und drei Monate hinter Kerkermauern des Dritten Reiches In fünf Jahren durch 21,, Stationen" des Dritten Reiches. Am Marterpfahl der SS- Kaserne zu Lippstadt Solidarität hinter Kerkermauern Eine Bank ohne Lehne und ein leerer Marmeladeneimer. Der enge Gefängnishof hallt wieder vom Gesang der Freiheitslieder In der Hölle von Kemna Hoffentlich lese ich bald ihre Todesanzeige. Seite Laẞt doch das Schwein versaufen! Frauen kreuzen unseren Weg Sterne fallen vom Himmel Von der kleinen Freundin Maria Schutzhäftling 409 Esterwegen, so lang ich leb, denk ich an deinen Lagerweg Wie alt bist du, mein Sohn? Lebendig eingegraben Ein Toter geht über den ,, Bock" Bruder, wo bist du?... 5 6 7 8 9 9 10 11 12 12 13 14 15 15 Fünf Ja 16 17 17 19 19 20 21 Der F die sieg Volk hat des Hitle faschister 22 erfolgrei 22 Kriegsve Eine Mutter stand weinend am Tor Der Sprung ins Jaucheloch. Sturmführer der SS Noack Der rote Jan, der eiserne Gustav und Schweinebacke ,, Dich machen wir heute fertig!". Im verschlossenen Viehwagen von Esterwegen nach Sachsenhausen 23 Nach Verbüßung der Strafe ins Konzentrationslager abgeschoben.. 25 Erst angeschossen und dann Erika . - - Mit dem Schemel in der Zelle erschlagen. 26 26 27 28 Leberwürste in der Dachrinne Wenn ich lache, lacht aus mir der Teufel 29 29 Das gestohlene Geburtstagspaket 30 31 ,, Susi" hat sich erhängt Ein letzter Gruß an Angelika 32 Der blitzende Tannenbaum und sieben große Marterpfähle. Im Draht hängengeblieben. 33 34 Eintausendneunhunderteinundzwanzig Tage und Nächte. 35. Meine Biographie. 36 Den ,, Huren" schreiben Der Kämpfer in der G diesen z menden stehen le Zehn durch di Konzent Idee, wu erschosse Hitlerreg Die U aber tro denn noc überwun gen sitze nung und 4 Seite es 5 6 .7 8 9 er 9 . 10 . 11 12 12 13 . 14 . 15 . 15 . 16. . 17 . 17 19 19 20 21 en 23 25 26 26 22222222222223323333 27 28 29 29 30 31 34 35 36 Fünf Jahre und drei Monate hinter Kerkermauern des Dritten Reiches Der Faschismus in Deutschland ist geschlagen worden durch die siegreichen Armeen der Vereinten Nationen. Das deutsche Volk hat nicht die Kraft und den Mut gefunden, sich vom Joch des Hitlerregimes zu befreien. Die kleine Anzahl tapferer Antifaschisten war nicht in der Lage, die breiten Volksmassen zum erfolgreichen Kampf zu mobilisieren gegen die nazistischen Kriegsverbrechen. Der heroische Kampf der kleinen Schar antifaschistischer Kämpfer in der zwölfjährigen Hitlerherrschaft steht einzig da in der Geschichte von Freiheitskämpfen. Die Zahl der Opfer in diesen zwölfjährigen Kämpfen ist riesengroß, und erst die kommenden Generationen werden diese Opfer in würdiger Weise verstehen lernen. Zehntausende aufrechter und mutiger Freiheitskämpfer gingen durch die Folterkammern der Gestapo und durch die Höllen der Konzentrationsläger des Dritten Reiches. Tausende fielen für ihre Idee, wurden grausam zu Tode gequält, erwürgt, erschlagen und erschossen von den braunen und schwarzen Mörderbanden des Hitlerregimes. Die Ueberlebenden kehrten zurück, ihrer Gesundheit beraubt, aber trotzdem festen Willens, den alten Kampf weiterzuführen; denn noch ist der Hitlerfaschismus in Deutschland nicht endgültig überwunden. In der Wirtschaft und den öffentlichen Verwaltungen sitzen verborgene und offene Feinde demokratischer Gesinnung und wühlen heimlich und versteckt weiter. Der Kampf gegen 5 diese Elemente muß energischer und schärfer geführt werden als bisher. Die Antifaschisten müssen wachsam sein: denn noch sind ihre ermordeten Kameraden nicht gerächt. Auch ich zähle zu den Ueberlebenden der Konzentrationslagerhöllen des Hitlerfaschismus. Die Verbreitung meiner Erlebnisse aus Folterkammern der Gestapo und Konzentrationslägern des Dritten Reiches war bisher nur im geringen Maße möglich. Nachdem der Demokratie neue Wege geebnet sind, muß die ganze Wahrheit über die scheußlichen Verbrechen der Nazibanditen in die breiten Schichten des Volkes getragen werden, damit das deutsche Volk das wahre Wesen des Faschismus erkennt und auch hassen lernt. In diesem Sinne schreibe ich meine Erlebnisse nieder und übergebe sie der Oeffentlichkeit mit dem Wunsche, daß sie weit und breit gelesen werden. Den ehemaligen Anhängern der NSDAP zum Nachdenken und den Antifaschisten zum glühenden und nie erlahmenden Kampfeswillen gegen Finsternis und Reaktion, für Freiheit und Demokratie des werktätigen deutschen Volkes! Leverkusen, im August 1945. In fünf Jahren durch 21 Stationen" des Dritten Reiches Am 29. Juni 1933 wurde ich in Neheim- Hüsten in Westfalen verhaftet, und nun begann für mich eine Zeit grausamer und viehischer Behandlung und Einkerkerung. Dreimal in dieser Zeit stand ich vor dem Tode, aber immer in letzter Minute wandte sich das Schicksal zu meinen Gunsten. Dreimal hatte ich bereits abgeschlossen mit dem Leben und empfand das Sterben als ein himmlisches Geschenk, von den grausamen Foltern erlöst zu werden. meterdick hier aus Barmen gefängnis In den fünf Jahren lernte ich Dutzende von SS- und SAKasernen kennen, desgleichen Folterkammern der Gestapo, Polizeigefängnisse, Strafanstalten und Konzentrationsläger. Die Behandlung gegenüber wehrlosen Gefangenen war überall die gleiche. Himmler und Göring hatten ihre Spießgesellen eingehend instruiert, um die Nazigegner körperlich und geistig zu zerbrechen. In den fünf Jahren lernte ich auch Menschen kennen, die alle Drangsalierungen heroisch ertragen haben. Frauen und Männer und auch Jugendliche, die nie zweifelten, klagten oder stöhnten, die ihren Mördern und Henkersknechten kühn in die Augen sahen und bereit waren, für ihre Idee zu sterben. in Düsseld das übel herbergte Vom Polizeigefängnis Neheim- Hüsten kam ich in die SSKaserne Lippstadt, von da aus nach dem dortigen Polizeigefängnis. Das Untersuchungsgefängnis Arnsberg mit seinen 6 Aber gefängnis Duisburg, Untersuch mal verw achtzehn Ansch und Müns Das Konz station" Nach entlassen sein Gesi Lande. D vollständ schmutzig faschistisc Naziterro Die w einen seh Kreisen i Απ Nach früher ih dann ihr in Lippst fügig zu Am 30 in Lippst vom Leib an einen nicht me Drei auf die Drei Einer de Krimina den als ch sind slagerebnisse ern des uß die Naziwerden, hismus er und ie weit NSDAP und nie on, für s! Reiches estfalen er und ser Zeit wandte bereits als ein meterdicken Mauern war das nächste Ziel meiner ,, Reise". Von hier aus ging es weiter nach dem Polizeigefängnis WuppertalBarmen und dann zum Polizeipräsidium Düsseldorf. Polizeigefängnis Wuppertal- Barmen und das berüchtigte Jägerschlößchen in Düsseldorf blieben mir nicht erspart. Die Hölle von Kemna, das übel bekannte Konzentrationslager Westdeutschlands, beherbergte mich ein halbes Jahr. Aber noch war meine ,, Reise" nicht beendet. Untersuchungsgefängnis Wuppertal- Bendahl, die Gefängnisse in Düsseldorf, Duisburg, Essen und Remscheid lernte ich kennen. In dem großen Untersuchungsgefängnis in Hamm in Westfalen mußte ich zweimal verweilen. Die Strafanstalt Lüttringhausen gewährte mir achtzehn Monate ,, Verpflegung" und Unterkunft. Anschließend ging es dann in die Polizeigefängnisse Hamm und Münster, zum Konzentrationslager Esterwegen ins Moorland. Das Konzentrationslager Sachsenhausen bei Berlin war die ,, Endstation" meiner fünfjährigen ,, Reise" durch das Dritte Reich. Nach fünf Jahren und drei Monaten Kerkerhaft wurde ich entlassen und kehrte in die ,, Freiheit" zurück. Deutschland hatte sein Gesicht vollständig verändert. Haß und Lüge regierten im Lande. Der größte Teil des deutschen Volkes war der Naziseuche vollständig verfallen. Spitzel und Denunzianten trieben ihr schmutziges Handwerk und hatten Hochkonjunktur. Die antifaschistische Freiheitsbewegung war gelähmt infolge des starken Naziterrors. Die wenigen in Freiheit befindlichen Antifaschisten hatten einen sehr schweren Stand und konnten nur in ganz kleinen Kreisen ihre nazifeindliche Tätigkeit ausüben. löst zu nd SAGestapo, ger. Die rall die gehend prechen. die alle Männer töhnten, en sahen die SSPolizeiseinen Am Marterpfahl der SS- Kaserne zu Lippstadt Nach geschichtlichen Ueberlieferungen sollen die Indianer früher ihre Gefangenen an Marterpfähle gebunden haben, wo sie dann ihre Opfer grausam quälten bis zum Tode. Die SS- Männer in Lippstadt wandten ähnliche Methoden an, um ihre Opfer gefügig zu machen. Am 30. Juni 1933, gegen 17 Uhr, wurde ich in die SS- Kaserne in Lippstadt eingeliefert. Drei SS- Männer rissen mir die Kleider vom Leibe, bis auf die Hosen. Dann banden sie mich mit Stricken an einen Pfahl in solcher Höhe, daß meine Füße den Erdboden nicht mehr berührten. Mit Gummiknüppeln schlugen dann die Drei auf mich ein. Unermüdlich nach Kommando bearbeiteten die Drei meinen Rücken und meinen Bauch mit Gummiknüppeln. Einer der drei Folterknechte war der Sohn eines Lippstädter Kriminalbeamten. 7 Stundenlang währten diese wahnsinnigen Quälereien, um ein Geständnis zu erpressen. Mehrmals verlor ich das Bewußtsein, aber immer wieder schlugen die drei Folterknechte mich wach. Wahnsinnige Schmerzen verursachten die Schläge auf den Magen. Meinen Wunsch, mich zu erschießen, beantworteten die Folterknechte mit den zynischen Worten: ,, Erst wirst du Schwein noch einige Tage gequält, und dann wirst du erschossen!" Nach stundenlangen Quälereien wurde ich bewußtlos in eine Kneipe geschleppt. Trotz gewaltsamer Alkoholeinflöẞung konnten sie meinen zerschundenen Körper nicht mehr ins Gleichgewicht bringen. Ich wurde in ein Auto geworfen und in das Lippstädter Polizeigefängnis gebracht. Hier nahmen die Mißhandlungen ihren Fortgang, an denen sich auch ein Polizeibeamter beteiligte. Anschließend wurde ich in eine Zwangsjacke gesteckt und die Riemen so fest angezogen, daß schon nach wenigen Minuten das Blut in den Adern erstarrte. Stundenlang lag ich steif wie ein Brett auf der harten Holzpritsche. Jeder Tropfen Wasser wurde mir verweigert. Erst am andern Morgen befreiten mich menschlich denkende Polizeibeamte aus der grausamen Lage. Gegen die drei Folterknechte stellte ich Strafantrag im April 1934 bei der Staatsanwaltschaft in Arnsberg. Auf Grund einer Hitleramnestie wurde im Herbst 1934 das eingeleitete Untersuchungsverfahren gegen die SS- Leute eingestellt. Eine Bank Das wa in Wuppert mußte. Die Konsumger hier unten denn es ga Von de unter. Kau auf dem ha an Armen furchtbare Der Ma pestartiger schon vorh SA- Posten dem verg einen Flu und Ford Drohunger Erst a lassen und Solidarität hinter Kerkermauern Wir schrieben den 30. Juli 1933, ich verbringe meinen ersten Geburtstag hinter Kerkermauern des Dritten Reiches. Ich befinde mich seit einigen Tagen im Polizeigefängnis in WuppertalBarmen. Da ich einige Tage vorher auf Transport gewesen war, hatte ich seit einigen Tagen kein warmes Essen mehr gehabt. Ich freute mich schon riesig auf ein warmes Mittagessen. Meine Freude war aber umsonst gewesen. Hitler hatte am selben Tage verfügt: ,, Alle politischen Gefangenen erhalten drei Tage kein Mittagessen, weil in Berlin- Tempelhof ein Unbekannter die Hitlereiche umgelegt hatte." Um 9 Uhr wurde ich zum Verhör nach der Gestapo gebracht und kehrte erst nach einigen Stunden wieder zurück. Als ich wieder meine Zelle betrat, traute ich meinen Augen nicht. Ich sah einen weißgedeckten Tisch mit Blumen und einigen kleinen Geschenken darauf, und dann kamen die Leidensgenossen und gratulierten mir zum Geburtstag. Bewegt drückte ich meinen Genossen die Hände. Dieser 30. Juli 1933 wird mir ein unvergeßlicher Tag in meinem Leben bleiben. Ein heller Tag in dunkler Zeit! 8 Der en Im U Hochbetri scher Gef stiegen tä Siebzig, a bei dieser anwälte, teten im gegner hi Zuchthaus hoch übe verhängte Das U der Justi Alle Gefa scher Ga fängnis b , um ein vußtsein, te mich auf den Ceten die Schwein sin eine konnten hgewicht oppstädter en ihren gte. Ane Riemen Blut in Brett auf mir verenschlich im April and einer e UnterEine Bank ohne Lehne und ein leerer Marmeladeneimer Das war das ganze Inventar meiner Zelle in der SA- Kaserne in Wuppertal- Barmen, wo ich im Juli 1933 einige Tage verbringen mußte. Die Zelle befand sich im tiefen Keller der ehemaligen Konsumgenossenschaft. Trotz der heißen Sommerzeit herrschte hier unten im Keller eisige Kälte. Nachts fror ich jämmerlich; denn es gab weder Decken noch Stroh zum Wärmen. Von der harten Bank ohne Lehne fiel ich immer wieder herunter. Kaum war ich eingeschlafen, so erwachte ich wieder liegend auf dem harten Betonfußboden. Die noch nicht verheilten Wunden an Armen und Oberkörper verursachten durch das harte Lager furchtbare Schmerzen. Der Marmeladeneimer in der Ecke der Zelle verbreitete einen pestartigen Gestank. Wer weiß, wie viele meiner Leidensgenossen schon vorher den Eimer benutzt hatten? Den draußen stehenden SA- Posten störte der Gestank nicht. Vor der Zellentür und vor dem vergitterten Kellerfenster stand je ein Doppelposten, um einen Fluchtversuch zu verhindern. Meine dauernden Proteste und Forderungen beantworteten die SA- Posten mit wüsten Drohungen und Schimpfereien. Erst am dritten Tage konnte ich dieses ekelhafte Verlies verlassen und kam in ein anderes Gefängnis. n ersten befinde ppertalsen war, gehabt. atte am ten drei ekannter gebracht Als ich icht. Ich kleinen sen und meinen Tag in Der enge Gefängnishof hallt wieder vom Gesang der Freiheitslieder Im Untersuchungsgefängnis in Hamm herrschte jeden Tag Hochbetrieb. Täglich kamen und gingen große Transporte politischer Gefangener. In den Jahren 1933, 1934, 1935, 1936 und 1937 stiegen täglich große Massenprozesse gegen die Freiheitskämpfer. Siebzig, achtzig, neunzig, hundert und mehr Angeklagte waren bei diesen Prozessen keine Seltenheit. Die faschistischen Staatsanwälte, Richter und auch die beigeordneten Rechtsanwälte arbeiteten im Schweiße ihres Angesichts, um die angeklagten Nazigegner hinter Schloß und Riegel zu bringen. Aber trotz der hohen Zuchthausurteile standen die verurteilten Freiheitskämpfer turmhoch über den nazistischen Justizbeamten und ließen trotz der verhängten hohen Kerkerstrafen den Mut nicht sinken. Das Untersuchungsgefängnis in Hamm ist ein moderner Bau der Justizverwaltung und ist mit allen Raffinessen ausgebaut. Alle Gefangenenzellen liegen nach dem Innenhof. Ein unterirdischer Gang führt vom Gefängnis zum Gerichtsgebäude. Im Gefängnis befinden sich auch Hohlwände zwischen einzelnen Zellen, 9 um die Gespräche der Gefangenen zu belauschen. Der Innenhof des Gefängnisses ist rechtwinkelig gebaut, und die ihn umgebenden Gebäude sind sehr hoch. Der Widerhall und das Echo ist daher in diesem Hof sehr stark. Schon in aller Frühe des Tages ertönten in diesem Hof die gegenseitigen Morgengrüße der Gefangenen. Von Zellenfenster zu Zellenfenster fand der Austausch der neuesten politischen Ereignisse statt, und dann der Gesang der Freiheitslieder. Irgendwo in einer Zelle begann es, und brausend setzte der Gesang sich fort von Zelle zu Zelle. Dumpf und schwer erklangen jeden Tag die Weisen vom Kampf und sieghaften Ausharren bis zum Tage der Befreiung. Gegen diese singenden Demonstrationen der politischen Gefangenen waren die Wachtmeister und die reaktionäre Justizverwaltung machtlos. Alle Drohungen der Justizverwaltung konnten an diesen Demonstrationen der verurteilten Freiheitskämpfer nichts ändern. Der hier modern gebaute Gefängnisbau der Justizverwaltung war der ungewollte Helfer der politischen Gefangenen. Die Wachtmeister, und insbesondere die eingesetzten Hilfswachtmeister aus der SS und der SA gaben sich alle Mühe, singende Demonstranten auf frischer Tat zu ertappen, aber alles war vergebliche Bemühung. Immer wieder durchbrach der brausende Massengesang die Stille des Gefängnisses: Brüder, in eins reicht die Hände, Brüder, das Sterben verlacht, ewig der Sklaverei ein Ende, heilig die letzte Schlacht! darauf die Nahrung un stopfen un Schmierseife sie zwanger Tonne zu es Die Gequäl litten fürcht Der Nazi diese Grausa um diese Sc Die SAunsicher du wohnende H geholt, auf nen schußb beute verte Erst als und schloß nicht entlas Ho So laute kommanda Folterknech In der Hölle von Kemna Romantisch gelegen zwischen Bergen plätschern die Wellen der Wupper in der Nähe von Bayenberg. Hier lag das berüchtigtste Konzentrationslager Westdeutschlands: Wuppertal- Kemna. Ehemals war das eine Garnspinnerei gewesen, jetzt hausen darin die braunen SA- Leute und foltern wehrlose Gefangene. Jedes menschliche Recht war den Gefangenen genommen. Sie durften keine Besuche empfangen und auch keine Briefe schreiben und entgegennehmen. Die ankommenden Pakete wurden geraubt und geplündert. Eingehende Geldsendungen wurden unterschlagen. Nacht für Nacht wurden einzelne Gefangene aus den Betten geholt und unmenschlich geschlagen, dann mit den Kleidern in die Wupper geworfen. Mit den nassen Kleidern am Leibe wurden 10 verfrachtet Aber der danten gin anzeige no Als die lieferten, b dem Herrn sein Opfe zähneknir Lippstadt stift und bald wied lauf" schr Diesen nie gesch gegen die der Staats Innenhof umgebenEcho ist Hof die enfenster olitischen r. Irgendsang sich eden Tag cum Tage olitischen e Justizrwaltung Freiheitsngnisbau olitischen gesetzten le Mühe, aber alles. der braudarauf die wehrlosen Menschen in Kellerlöcher gesteckt, ohne Nahrung und Wasser. Die Scharführer Bläser und Schmitz stopfen unter Schlägen den Gefangenen Staufferfett und Schmierseife in den Mund, um Geständnisse zu erpressen, oder sie zwangen die Wehrlosen, drei bis vier Salzheringe aus der Tonne zu essen und pferchten sie dann in enge kleine Schränke. Die Gequälten bekamen dann tagelang nichts zu trinken und litten fürchterliche Durstqualen. Der Nazi- Polizeipräsident Veller von Wuppertal kannte alle diese Grausamkeiten seiner Leibgarde, aber er unternahm nichts, um diese Scheußlichkeiten zu beseitigen. Die SA- Besatzung des Lagers machte die ganze Umgegend unsicher durch ihre planmäßigen Raubüberfälle auf die dort wohnende Bevölkerung. Gefangene wurden nachts aus den Betten geholt, auf Autos verladen und mußten dann unter vorgehaltenen schußbereiten Pistolen Diebstähle ausführen. Diese Diebsbeute verteilten die braunen Diebe unter sich. Erst als die Dinge zu toll wurden, griff die Obrigkeit ein und schloß das Lager. Die politischen Gefangenen wurden aber nicht entlassen, sondern nach den Moorlägern überführt. ellen der ichtigtste na. Ehedarin die nommen. e Briefe Pakete endungen n Betten eidern in wurden Hoffentlich lese ich bald ihre Todesanzeige So lauteten die Abschiedsworte des stellvertretenden Lagerkommandanten, als mich zum zweiten Male die Lippstädter Folterknechte in der Kemna abholten. Ich wurde wieder ins Auto verfrachtet und zum Wuppertaler Polizeipräsidium gefahren. Aber der ,, fromme Wunsch" des stellvertretenden Lagerkommandanten ging nicht in Erfüllung. Bis heute konnte er meine Todesanzeige noch nicht lesen. Als die schwarzen Folterknechte mich im Polizeipräsidium einlieferten, bekamen sie Krach mit dem dortigen Leiter der Gestapo, dem Herrn Petrotti. Der Herr Petrotti forderte mich als sein Opfer, und er siegte bei dieser Auseinandersetzung. Die zähneknirrschenden SS- Leute mußten ohne mich wieder nach Lippstadt abdampfen. Vor ihrer Abfahrt drückten sie mir Bleistift und Schreibpapier in die Hände mit dem Vermerk, sie kämen bald wieder, und in der Zwischenzeit sollte ich meinen ,, Lebenslauf" schreiben. Diesen gewünschten ,, Lebenslauf" habe ich selbstverständlich nie geschrieben. Später benutzte ich dieses Schreibmaterial, um gegen die schwarzen Folterknechte den Strafantrag zu stellen bei der Staatsanwaltschaft in Arnsberg. 11 Laßt doch das Schwein versaufen! Brennendheiß steht die Augustsonne am Himmel. Nur mit den Hosen bekleidet, bis zu den Knieen in Schlamm und Dreck, stehen die Gefangenen des Sonderkommandos des Konzentrationslagers Wuppertal- Kemna und schaufeln ohne Unterlaß. In einer Remscheider Kläranlage sollen sich versteckte Waffen der Kommunisten befinden, und nun mußte die ganze Kläranlage leer geschaufelt werden, um die versteckten kommunistischen Waffen ans Tageslicht zu bringen. Die ganze Kläranlage ist von einem großen Aufgebot Remscheider Polizeibeamten und schwerbewaffneter SA- Leuten abgesperrt. Während die Gefangenen vor Durst und Anstrengungen bei der glühenden Hitze bald umfallen, pfeifen über ihren Köpfen die Kugeln der antreibenden und schimpfenden SA- Leute hinweg. Die Absperrmannschaften der SA vertreiben sich die Zeit mit wilden und planlosen Schießereien. Eine der Kugeln fliegt in die Reihen in der Nähe spielender Kinder. Ein kleines zehnjähriges Mädchen sinkt tödlich getroffen nieder. Es wurde das Opfer der schießwütigen braunen Soldateska. Nach stundenlangem sinnlosem Schaufeln wurde die Arbeit eingestellt, von kommunistischen Waffen war nichts gefunden worden. Die todmüden Gefangenen wurden nun vollständig splitternackt unter Kolbenstößen der SA in die nächste große Wassersenke getrieben. Durch den plötzlichen Temperaturwechsel und der totalen Erschöpfung flimmert es mir vor den Augen, meine Arme greifen ins Leere, und ich versinke im Wasser. Noch einmal denke ich an die Freiheitsbewegung, an meine Lieben daheim und empfinde den zu erwartenden Tod als ein himmlisches Geschenk der Erlösung von allen Quälereien der braunen Mordbanditen, dann schwinden mir die Sinne.- Der Genosse Otto Böhner aus Wuppertal hatte den Vorgang bemerkt, kurz entschlossen war er untergetaucht und schleppte meinen leblosen Körper ans Ufer, trotz der brüllenden SA- Leute, die da riefen: ,, Laßt doch das Schwein versaufen!" Genosse Otto Böhner hat mir das Leben gerettet, mehrere Monate später hauchte er sein tapferes Leben aus in einer der Moorlagerhöllen der SS. Frauen kreuzen unseren Weg Wir befanden uns auf der Bahnstrecke Hamm- Hagen im stickigen Transportwagen der Reichsbahn im Mai des Jahres 1934. Von dem herrlichen Maientag da draußen verspüren wir nichts in den engen kleinen Zellen des Transportwagens. Alle Zellen sind vollgepfroft mit politischen Gefangenen. 12 Auf dem C Gefangene als sind auf dem zu verbüßen. so plötzliches Genossinnen. haben wir sch Ihr so plötzlic artig auf uns Daß nun Transportwag an. Die Fraue die zweifing Zigaretten fi führer haben viel größer. fast, daß wir In meiner Die Genossin ihn, er möge portführer b für unsere m In Hagen kommt nach Wuppertal, u Gruß, ein W nossinnen en Erster Ma Maientages. hausen kann wenn ich ver heute die Ke schaft. Im Ge vergangener Mit fiebe Morgenspazi Jahre meine wie lange m Endlich Spaziergang marsch kla r mit den ck, stehen ionslagers ner Remder Komlage leer n Waffen bot Remeuten abengungen en Köpfen e hinweg. Zeit mit egt in die njähriges as Opfer ie Arbeit gefunden ollständig ste große urwechsel m Augen, Sser. an meine d als ein reien der den Vorucht und rüllenden rsaufen!" e Monate CoorlagerTagen im ares 1934. wir nichts le Zellen Auf dem Gang des Transportwagens hantieren drei weibliche Gefangene als Kalfaktoren. Sie kommen ebenfalls aus Hamm und sind auf dem Wege nach einzelnen Strafanstalten, um ihre Strafen zu verbüßen. Die Genossin L. aus Düsseldorf ist auch dabei. Ein so plötzliches Zusammentreffen mit Frauen und noch dazu Genossinnen, erfüllt uns alle mit besonderer Freude. Wie lange haben wir schon keine Frauen mehr gesehen und sprechen gehört. Ihr so plötzliches und unerwartetes Erscheinen wirkt ganz eigenartig auf uns politische Gefangene. Daß nun diese Frauen auch noch den Kalfakterdienst im Transportwagen versehen, sehen wir als ein besonderes Glück an. Die Frauen reichen uns dürstenden Gefangenen Wasser durch die zweifingerbreit geöffneten Türen. Auch geschmuggelte Zigaretten finden den Weg zu uns. Die polizeilichen Transportführer haben wohl ein wachsames Auge, aber Frauenlist ist doch viel größer. Die Frauen scherzen mit uns, und wir vergessen fast, daß wir uns in Gefangenschaft befinden. In meiner Zelle befinden sich noch zwei Genossen aus Aachen. Die Genossinnen sprechen mit dem Transportführer und bitten ihn, er möge sie zu uns in die Zelle lassen. Aber der Herr Transportführer bleibt eisern und läßt sich nicht erweichen. Er hat für unsere menschlichen Bedürfnisse kein Verständnis. In Hagen trennen sich wieder unsere Wege. Eine Genossin kommt nach Ziegenhein, zwei fahren in der Richtung nach Wuppertal, und wir müssen nach Essen weiterfahren. Ein letzter Gruß, ein Wiedersehenswunsch in der Freiheit, und die Genossinnen entschwinden unseren Blicken. Sterne fallen vom Himmel Erster Mai 1935; azurblau ist das Himmelszelt des herrlichen Maientages. Von meiner Kerkerzelle in der Strafanstalt Lüttringhausen kann ich jedoch nur das strahlende Himmelsblau sehen, wenn ich verbotene Ausschau halte. Doppelt schwer empfinde ich heute die Kerkerhaft, denn heute ist ja der Feiertag der Arbeiterschaft. Im Geiste sehe ich noch die marschierenden Arbeitermassen vergangener Maitage. Mit fieberhafter Ungeduld erwarte ich heute den üblichen Morgenspaziergang, heute am ersten Mai 1935. Die ersten zwei Jahre meiner Kerkerhaft habe ich nun bald um, aber wer weiß, wie lange meine Haftzeit noch dauern mag? Endlich ertönt das Kommando: ,, Abteilung 3 fertigmachen zum Spaziergang!" Bald öffnen sich auch die Zellentüren. Im Gänsemarsch klappern die Gefangenen die steilen Eisentreppen hin13 unter und marschieren in den Hof. Tief holen sie Atem, ein schöner Maientag war angebrochen. Vorsichtig blinzeln die Augen in die lachende Frühlingssonne. Stumm grüßen sich die einzelnen Genossen, sie verstehen sich auch ohne zu sprechen. Wir machen im Gleichschritt unsere Runden. Da, plötzlich ein weißes Gewimmel von oben-- unzählige kleine weiße fünfzackige Sternchen fallen aus der Luft. Teilweise ist der Hof weißbedeckt, unsere Augen leuchteten auf, unsere Freunde im vierten Stockwerk hatten eine gute Arbeit geleistet. Auch hinter Kerkermauern des Dritten Reiches schlief der Gedanke des Freiheitskampfes nicht. Aber schon schrillten die Alarmglocken der Strafanstaltsverwaltung. Der Morgenspaziergang wird abgebrochen, die diensteifrigen Wachtmeister hatten die Demonstration der politischen Gefangenen bemerkt und trieben uns mit großer Eile wieder in die Zellen. Für uns politische Gefangene war dieser Tag ein Tag der Freude und des Stolzes. Von der kleinen Freundin Maria Zwischen Weihnachten und Neujahr des Jahres 1935 sitze ich einsam in meiner Zelle der Strafanstalt Lüttringhausen. Meine Zellenkumpels sind beide in der Anstaltskirche zum Gottesdienst. In der ganzen Abteilung herrscht Totenstille. Meine Gedanken wandern zurück in die Vergangenheit, bleiben hängen an den Tagen heißer Kämpfe, die wir als Freiheitskämpfer geführt haben gegen die Hitleranhänger: Ich denke auch an Freunde und Freundinnen der Jugendbewegung, mit denen ich fröhliche Tage und Stunden verlebt habe. Haß, Lüge un Menschen, die kehr mit Sehr Da höre ich die näherkommenden Schritte eines Wachtmeisters. Vor meiner Zellentür bleibt er stehen. Schon öffnet sich die Zellentür, innerlich verwünsche ich die unerwünschte Störung. Wachtmeister Krause tritt herein, wirbelt seinen Schnauzbart und flüstert mir dann zu: ,, Ich habe etwas für Sie!" Erstaunt sehe ich ihn an und denke, was mag er wohl für dich haben. Umständlich kramt Krause in seinen Rocktaschen und zieht eine Postkarte heraus, welche er mir überreicht, und dann ververschwindet der Wachtmeister wieder aus meiner Zelle. Hatte der schobene Sch überschritten Ich nahm dann die Postkarte zur Hand und las mit frohen Augen folgende kurze Zeilen: ,, Herzliche Grüße zum Jahreswechsel sendet Deine kleine Freundin Maria!" Solche unerwarteten Kartengrüße haben uns politische Gefangene über dunkle Tage hinweggeholfen. Sie gaben uns die Gewißheit, daß wir hinter Kerkermauern des Dritten Reiches nicht vergessen wurden. Trotz 14 war er nur no tier der Kon Schutzhaft k die Schutzhä meiner behar Nach der alles genomm Haare wurde sie bekamen und sonstige gestreiften H befestigt. Bei mein hatte ich di erloschen. S Dritten Reic Grausamkeit Hinter mit Stacheldraht Jahre und T jede Nacht k wir auf mit am leben bi Sinne des W SS- Banditen Die Götti als einer der wieder verla Esterwegen Kerzeng zentrations dieser Holz gebaut, von \tem, ein lie Augen einzelnen itzlich ein. ße fünf- der Hof sunde im ıch hinter anke des fanstalts- lie dienst- olitischen yieder in s ein Tag Menschen, die sich mit uns verbunden fühlten und unsere Rück- ‚alles genommen, was an ein menschliches Leben erinnert. Die ' gestreiften Hose und dem Rock wurde die Eingangsnummer _ Sinne des Wortes nur Tote auf Urlaub. Von den Launen der wieder verlassen. gebaut, vom Schweiß und Blut politischer Gefangener durch- Haß, Lüge und Verleumdungen unserer Feinde gab es draußen kehr mit Sehnsucht erwarteten. D Schutzhäftling 409 Hatte der von der Gestapo ins Konzentrationslager abge- schobene Schutzhäftling die’Schwelle des Konzentrationslagers überschritten, so hatte er aufgehört ein Mensch zu sein. Fortan war er nur noch ein Wesen ohne Namen, ein numeriertes Arbeits- tier der Konzentrationslagerbürokratie. Obwohl die verhängte Schutzhaft keine Strafhaft im Sinne des Gesetzes war, wurden die Schutzhäftlinge der Konzentrationsläger grausamer und ge- meiner behandelt als die Galeerensträflinge des Altertums. Nach der Einlieferung ins Konzentrationslager wurde ihnen Haare wurden ihnen kurzgeschoren, Zivilkleider ausgezogen, und sie bekamen die gestreiften Häftlingskleider an. Schmuck, Geld und sonstige Wertsachen wurden restlos abgenommen» An der befestigt. Bei meiner Einlieferung im Konzentrationslager Esterwegen hatte ich die Nummer 409 erhalten. Mein Name war damit erloschen. Schutzhäftling 409 war somit mein Signalement im Dritten Reich. Als Schutzhäftling 409 lernte ich alle tierischen Grausamkeiten sadistischer SS-Leute am eigenen Leibe kennen. Hinter mit elektrischem Strom geladenen vier Meter hohem Stacheldraht und einer ebenso hohen Steinmauer verbrachte ich Jahre und Tage und sah viel Elend und Grauen. J eder Tag und jede Nacht konnte uns den Tod bringen. Jeden Morgen standen wir auf mit dem Bewußtsein, wer weiß, ob du heute abend noch am leben bist. Wir politischen Gefangenen waren im wahrsten SS-Banditen hing unser Leben wie an einem Seidenfädchen. Die Göttin Fortuna war mir gut gesonnen, und so konnte ich als einer der Wenigen lebend die Höllen der Konzentrationsläger Esterwegen, so lang ich leb, denk ich an deinen Lagerweg Kerzengerade führt der gepflasterte Holzweg durch das Kon- zentrationslager Esterwegen. Allen politischen Gefangenen bleibt dieser Holzweg unvergeßlich. Im Jahre 1935 wurde dieser Weg 15 tränkt. In der sogenannten freien Zeit wurden hier die Gefangenen auf- und abgejagt. Strafexerzieren nach Feierabend bei Lampenbeleuchtung bis die Gefangenen buchstäblich vor Erschöpfung zusammenbrachen. Das alles geschah auf diesem Lagerweg in Esterwegen.. Bei brennendem Sonnenbrand, mit Ketten krumm geschlossen hauchte mancher tapfere Freiheitskämpfer sein Leben auf dem Lagerweg aus. Oder mit Ketten unter den Armen an Pfähle gehängt, bei naẞkaltem Regenwetter, zerstörten die sadistischen SSBanditen Leben und Gesundheit tausender ehrlicher Menschen. Lagerkommandant Koch hatte diese neuen Methoden bei seinem Antritt eingeführt. Stundenlang dauerten diese grausamen Torturen, um die politischen Gefangenen körperlich und geistig zu zerbrechen. Der Lagerweg in Esterwegen wurde der Golgathaweg der politischen Gefangenen. Das vergossene Blut der ermordeten politischen Gefangenen färbte das Holzpflaster des Lagerweges im Konzentrationslager Esterwegen. Der blutgetränkte Lagerweg ist heiliger Boden geworden für alle antifaschistischen Freiheitskämpfer in Deutschland. Die St heiße Ta Strafkom danten K Sonnenau dritten T schweren sand baut Alle f stößt die Vor mir Schon zw fahren. Nachd schwankt Händen, es mir no Brülle Bewußtlo aber der J der SS- M nadel un Wie alt bist Du, mein Sohn? Der erst zwanzigjährige Oberscharführer Hackmann hatte uns schon stundenlang den Lagerweg auf- und abgejagt. Wir waren gehüpft, gelaufen, gerollt und hatten auf dem Bauch kriechen müssen vor- und rückwärts. Trotz des kalten Februartages waren wir durchnäẞt vom Schweiß der Anstrengungen. Aber der zynische zwanzigjährige Hackmann kannte keine menschlichen Gefühle. Immer weiter trieb er seine unmenschlichen Grausamkeiten gegen uns wehrlose Gefangene. Ein alter 75jähriger Mann kann nicht mehr mit, mitten auf der Lagerstraße war er zusammengebrochen. Wie einem jagenden Hund hing seine Zunge aus dem Halse. Vor Erschöpfung konnte er nicht mehr sprechen. Bittend erhoben sich seine Arme, in stummer Gebärde, nicht geschlagen zu werden. Oberscharführer Hackmann stößt mit seinen schweren Stiefeln dem Wehrlosen gegen die Fußknöchel und fragt dann höhnisch: ,, Wie alt bist Du mein Sohn?" Aber der 75jährige antwortet nicht mehr. Besinnungslos liegt er am Boden, Schaum steht vor seinem Munde, und röchelnd geht der Atem. Noch einmal zuckt er wie im Schmerz zusammen und dann ist er tot. Wieder hatte ein Kämpferleben ausgelitten. Oberscharführer Hackmann schreit brüllend nach einer Schubkarre und befiehlt: ,, In die Karre mit dem Kadaver!" und das C Unter sich. Nun den Jude und nun Loch wir dann das Stund eingegrab Feieraber Mit solch sundheit zerstört. Mittag Alarmsir trationsla bewaffne auf den Mit Hund 2 Schutzhäft 16 Gefanend bei vor ErLagerchlossen auf dem ähle gechen SSenschen. i seinem ausamen d geistig weg der mordeten erweges agerweg reiheitsn hatte agt. Wir Bauch Februargungen. te keine menschauf der agenden g konnte arme, in arführer Fehrlosen bist Du seinem t er wie Her hatte n schreit arre mit Lebendig eingegraben Die Strafkompanie im Konzentrationslager Esterwegen hatte heiße Tage hinter sich. Alle Zugänge müssen erst durch die Strafkompanie, so lautete der neueste Befehl des Lagerkommandanten Koch. Die Strafkompanie arbeitet im Laufschritt von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Bei Wasser und Brot, jeden dritten Tag gibt es nur eine warme Wassersuppe. Mit der schweren Schubkarre im Laufschritt durch den 20 cm tiefen Moorsand baute die Strafkompanie für die SS einen Exerzierplatz. Alle fünfzig Meter ein Posten der SS, brüllt, schlägt und stößt die vorbeikeuchenden Gefangenen je nach Lust und Laune. Vor mir fährt ein Jude aus Köln seinen schweren Schubkarren. Schon zweimal hat ihm der SS- Posten befohlen, schneller zu fahren. Nachdem wir wieder einige Runden hinter uns hatten, schwankt der Jude vor mir, und die Karre entgleitet seinen Händen, kraftlos bricht er zusammen. Im letzten Moment gelang es mir noch, an dem Gestürzten vorbeizufahren. Brüllend springt ein junger SS- Mann hinzu und zerrt an dem Bewußtlosen herum. Dann hagelt es Fußtritte und Kolbenstöße, aber der Jude kommt immer noch nicht wieder zu sich. Da wendet der SS- Mann ein anderes Mittel an. Er nimmt eine Sicherheitsnadel und sticht damit den Bewußtlosen in den Oberschenkel und das Gesäß. Unter Schmerzensschreien kommt der Bewußtlose wieder zu sich. Nun kommen noch einige SS- Leute hinzu, und sie nehmen den Juden beiseite. Sie drücken ihm einen Spaten in die Hände, und nun muß das Opfer ein mannstiefes Loch graben. In- dieses Loch wird der Jude hineingestoßen, und die SS- Banditen graben dann das Loch selbst wieder zu. Stundenlang muß nun der wehrlose Gefangene, bis zum Munde eingegraben, bei der größten Sonnenhitze aushalten. Erst wenn Feierabend naht, dürfen ihn seine Kameraden wieder ausgraben. Mit solchen scheußlichen barbarischen Methoden wurde die Gesundheit der politischen Gefangenen in bestimmter Absicht zerstört. Ein Toter geht über den„ Bock" Mittags beim Zählappell fehlt ein Mann, schon heulen die Alarmsirenen von allen Maschinengewehrtürmen des Konzentrationslagers. Von allen Ecken und Enden stürzen die schwerbewaffneten SS- Leute heran. Die Außenposten und die Posten auf den einzelnen Maschinengewehrtürmen werden verdoppelt. Mit Hunden und Autos und auf Fahrrädern sitzenden SS- Leuten 2 Schutzhäftling 409 17 beginnt jetzt eine wilde Hetzjagd nach dem einen fehlenden Schutzhäftling. Zehntausende Schutzhäftlinge stehen indessen mit den Fingern an der Hosennaht in strammer Haltung und mit hungerndem Magen auf dem großen Appellplatz. Solange der Fehlende nicht da ist, dürfen die Gefangenen nicht zum Mittagessen einrücken. Zehntausende Schutzhäftlinge stehen in der sengenden Mittagshitze und denken, wie lange es wohl heute wieder dauern mag? Hier und da bricht einer vor Erschöpfung zusammen. Auf dem großen Platz herrscht Totenstille, nur in der Ferne vernimmt man Hundegebell und das Motorengeräusch fahrender Autos. Zeitweise wird die Totenstille unterbrochen durch das Gebrüll eines SS- Mannes, wenn einer der Gefangenen zusammenbricht. An dem Tore des Häftlingslagers steht eine Hundertschaft der SS mit entsicherten Gewehren, schußbereit auf die wehrlosen Gefangenen gerichtet. Nun stehen wir schon über zwei Stunden, von dem fehlenden Kameraden ist noch keine Spur gefunden worden. Der Lagerkommandant und seine Stabsoffiziere schäumen schon vor Wut. Da meldet der SS- Posten vom MG- Turm diensteifrig: ,, Herr Kommandant, sie bringen ihn!" Von weitem sehen wir, wie zwei SS- Leute unseren Kameraden heranschleppen. Der Kommandant schreit hysterisch: ,, Bock her, den Bock her!" Die SS- Leute kommen langsam näher. Sie haben den Gefangenen unter die Arme gepackt und schleifen ihn mit sich. Fünf gesunde, kräftige SS- Leute, mit Ochsenziemer bewaffnet, stehen schon bereit, um die Strafe auf der Stelle zu vollziehen. Als die Häscher mit ihrem Opfer in allernächster Nähe sind, meldet der eine: ,, Herr Kommandant, der Mann ist tot, wir haben ihn im Keller erhängt aufgefunden." Diese Rede dringt nicht weiter bis an sein Ohr, und er befiehlt: ,, Ueber den Bock mit dem Kerl, tot oder lebendig!" und der tote Kamerad wird über den Bock geschnallt und erhält 25 Stockhiebe über Gesäß und Rücken. - - - Nach dieser scheußlichen Handlung können die Gefangenen zum Mittagessen abrücken. Gedrückt und niedergeschlagen torkeln die politischen Gefangenen in ihre Baracken. Der Appetit zum Essen ist vergangen. Haßerfüllt denken sie an die Tage der Abrechnung mit den Scheusalen des Hitlerfaschismus. Jeder Tag im Konzentrationslager bringt neue Schmach und Schande. Je länger die Hitlerschaft dauert, um so grausamer, brutaler und gemeiner werden die Unterdrückungsmethoden gegenüber den wehrlosen politischen Gefangenen. Wiede Eine Stu Bruder z verschwu angetrete wegen un SS- Leute Die S Alle Kel werden e Bruder d aktion be ,, Bruder, Lager. Der I zweites S deckten T Leute flu häftling s schwinde Als w ist nicht Häscherb aborte w der SS- L werden Abortgru und nun hände m stinkigen Unter seite ges und regi eigenes V häftlinge stellen. guten Ka Unse Zeit der Briefe n 18 2* enden ern an Magen da ist, Zehngshitze ? Hier großen Hundee wird annes, pre des cherten richtet. lenden Lagerr Wut. ,, Herr ie zwei andant S- Leute ter die räftige eit, um mer mit ,, Herr erhängt in Ohr, endig!" schnallt ngenen chlagen Appetit age der der Tag nde. Je ler und per den Bruder, wo bist Du? Wieder einmal fehlte ein Schutzhäftling beim Morgenappell. Eine Stunde vor dem Appell war der Fehlende noch mit seinem Bruder zusammengewesen, und jetzt ist er vom Erdboden wie verschwunden. Stundenlang stehen wir schon in Reih und Glied angetreten auf der Lagerstraße des Konzentrationslagers Esterwegen und erwarten mit großer Ungeduld das Suchergebnis der SS- Leute. Die SS- Leute durchsuchen alle Ecken und Enden des Lagers. Alle Keller, Schuppen, Werkstätten, Lagerräume und Aborte werden eingehend durchsucht, um den Vermißten zu finden. Der Bruder des fehlenden Kameraden muß sich mit an der Suchaktion beteiligen. Sein sich immer wiederholender quälender Ruf: ,, Bruder, wo bist du?" verhallt unbeantwortet in dem großen Lager. Der Lagerführer schäumt schon vor Ungeduld, weil sein zweites Sonntagmorgenfrühstück unberührt auf dem weißgedeckten Tisch im Kasino kalt werden muß. Die einzelnen SSLeute fluchen um die Wette, daß der ,, Hammel" von Schutzhäftling sich auch noch gerade einen Sonntagvormittag zum Verschwinden aussuchen mußte. Als wenn der Erdboden ihn verschluckt hätte, der Fehlende ist nicht aufzufinden. Noch einmal jagt der Lagerführer seine Häscherbanden los, um den Vermißten zu finden. Die Häftlingsaborte werden noch einmal gründlich durchsucht. Da findet einer der SS- Leute Blutspuren in einem der Häftlingsaborte. Schnell werden lange Stangen herbeigeschafft. Die fünf Meter tiefe Abortgrube wird mit den langen Stangen durchwühlt und nun erscheint an der Oberfläche eine dunkle Masse, Häftlingshände müssen zufassen, und der Langgesuchte wird aus der stinkigen Grube herausgezogen. Unter lästerlichen Flüchen der SS- Leute wird der Tote beiseite geschafft. Die SS zieht ab zu ihrem zweiten Morgenfrühstück und registriert in ihrem Lagerbuch: ,, Schutzhäftling 917 durch eigenes Verschulden in einer Abortgrube ertrunken." Die Schutzhäftlinge marschieren mit trüben Gedanken zu ihren Arbeitsstellen. Wieder hatten sie durch ein grausiges Geschick einen guten Kameraden verloren. Eine Mutter stand weinend am Tor Unser junger Kamerad Heinz Mohr läßt schon seit einiger Zeit den Kopf hängen und ist für nichts mehr zu gebrauchen. Briefe nach Hause schreibt er auch nicht mehr. Wir kennen seine 2* 19 Sorgen und seinen Kummer und können ihm doch nicht helfen. Seine junge Verlobte ist vor einigen Wochen verstorben. Urlaub gibt es im Konzentrationslager grundsätzlich nicht, auch nicht bei Todesfällen. Die Mutter des jungen Kameraden wohnt in der Eifel und wartet schon vergeblich seit Wochen auf Post von ihrem Sohn. Beunruhigt und tief bekümmert macht sie sich auf die Reise nach Esterwegen, um ihren Sohn zu sehen. Bei der Ankunft läßt sie sich beim Kommandanten mit der Bitte melden, ihren Sohn besuchen zu dürfen. Aber sie darf das Tor des Lagers nicht durchschreiten. Drei Tage steht die alte Frau vergeblich am Tor des Konzentrationslagers Esterwegen. Sie sendet dringende Telegramme nach Berlin an die Reichsleitung der Gestapo, um eine besondere Besuchserlaubnis zu erhalten. Aber alles vergebliche Bemühungen. Sie stößt überall auf harte Herzen und seelenlose Menschen. Drei Tage und drei Nächte steht die alte Frau weinend am Tor des Konzentrationslagers Esterwegen, ohne ihren Sohn überhaupt sehen zu können. Mit blutendem Herzen verläßt sie wieder die öden Gefilde des Moores und kehrt in die Heimat zurück, ohne ihren Sohn gesehen zu haben. Der Sprung ins Jaucheloch Im Konzentrationslager Esterwegen gab es eine Zeitlang ein besonderes Strafkommando, das sogenannte Jauchekommando. Politische Gefangene, die aus besonderen Gründen der Lagerverwaltung ein Dorn im Auge waren, wurden für eine bestimmte Zeit zu diesem Kommando abkommandiert. Ich hatte das Pech, zweimal in diesem ekelhaften Kommando arbeiten zu müssen. Das Jauchekommando hatte die Aufgabe, die im Lager befindlichen Jauchegruben zu entleeren. Immer zehn bis fünzehn Gefangene mußten diese Arbeiten durchführen. Der Jauchewagen wurde an die Grube herangefahren. Zwei Mann mußten dann mittels einer großen Schöpfkelle die Jauche in den Wagen füllen. Die übrigen Gefangenen konnten sich aber in der Zwischenzeit nicht ausruhen, sondern mußten ,, Sport" machen. D. h. der zweite Posten jagte die Gefangenen hin und her, daß sie müder und abgehetzter wurden als beim Jaucheschöpfen. War der Wagen voll, dann wurden die fünfzehn Leute vor den Wagen gespannt wie Zugochsen, und in sausendem Galopp ging es zum Tor hinaus bis zur großen Jauchegrube vor dem Lager. Hier wurde das Jauchefaß entleert, und während der Entleerungszeit mußten die Gefangenen sich wieder ,, sportlich" betätigen. Keine freie Minute wurde den Wehrlosen gegönnt. 20 Und jede Sprung in unglückli er mit Ge Die J mit dem Höhepunk noch das hatten vi störte die mehr ode schen Ter Sturm führer im Lagerführ geschlagen Schutzhäf endlich k Qualen ei Menschen Aberd lange. 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Sie dam überieder rück, g ein ando. agermmte Pech, n. findzehn wagen dann üllen. enzeit weite rund e vor alopp dem Enttlich" gönnt. Sturmführer der SS Noack Sturmführer der SS Noack war stellvertretender Lagerführer im Konzentrationslager Esterwegen geworden. Der neue Lagerführer hatte angeordnet: ,, Kein Gefangener darf mehr geschlagen werden, und die Prügelstrafe wird abgeschafft!" Alle Schutzhäftlinge atmeten auf. Alle waren froher Hoffnung, nun endlich kommt eine bessere Zeit. Endlich, nach Jahren grausamer Qualen ein Lichtblick, eine Hoffnung, es gibt in der SS doch noch Menschen, die menschlich fühlen und menschlich handeln können. Aber diese Tage der Hoffnung und Freude währten nicht sehr lange. Die sadistisch veranlagten und die nicht menschlich fühlenden SS- Leute im Konzentrationslager Esterwegen machten eine Beschwerde an die Reichsleitung der Konzentrationslager nach Berlin und forderten die Absetzung des stellvertretenden Lagerführers Noack von seinem Posten, und der SS- Obergruppenführer Eicke, der Rabenvater der Konzentrationsläger Deutschlands, griff ein. Er griff mit grausamer Hand ein und zerstörte die Wunschträume der Gefangenen. Sturmführer Noack, der menschlich Denkende in der schwarzen SS- Uniform, wurde vor versammelter Mannschaft degradiert. Sturmführer Noack mußte wieder einfacher SSMann werden, weil seine menschlich denkenden Gefühle im Konzentrationslager nicht angebracht waren. Nach dieser Degradierung eines anständigen Menschen wehte in Esterwegen wieder der alte Wind. Der Geist sadistischer Grausamkeiten hatte erneut die Oberhand gewonnen, und die wehrlosen politischen Gefangenen waren um eine Hoffnung ärmer geworden. 21 Der rote Jan, der eiserne Gustav und Schweinebacke Unter diesen Spitznamen übten drei der gemeinsten und brutalsten SS- Leute ihr blutiges Handwerk im Konzentrationslager Esterwegen aus. Sie waren die ,, Bluthunde" des Faschismus im wahrsten Sinne des Wortes. Auf ihren Befehl mußten die wehrlosen Gefangenen stundenlang ,, Sport" machen, sie peinigten sie bis aufs Blut, knallten sie dann wie die Hunde ab. Der rote Jan, der eiserne Gustav und Schweinebacke hatten meistens Dienst bei Außenkommandos als Bereitschaftsführer, und draußen in Moor und Heide, wo stundenweit keine Menschenseele wohnte, war der geeignete Ort, wehrlose Gefangene zu quälen und zu ermorden. Wenn hier die Gefangenen bei der Arbeit bis an die Kniee im eiskalten Wasser standen, setzten die drei Mordgesellen mit ihren wahnsinnigen Quälereien ein. Der rote Jan, der eiserne Gustav und Schweinebacke haben hunderte von tapferen Freiheitskämpfern zu Tode befördert, oder durch ihre wahnsinnigen Quälereien die Gesundheit fürs ganze Leben zerstört. Die richtigen Namen dieser drei vertierten SS- Leute habe ich leider nie erfahren können. Aber der gerechten Sühne für ihre feigen Mordtaten werden sie trotzdem nicht entgehen können. ,, Dich machen wir heute fertig!" Der morgendliche Zählappell im Konzentrationslager Esterwegen ist beendet. Wie ein Bienenschwarm sausen die Gefangenen durcheinander, um sich zu den einzelnen Arbeitskommandos aufzustellen. Im Konzentrationslager Esterwegen muß alles im Laufschritt erfolgen. Nachdem die Arbeitskommandos sich aufgestellt haben, gehen die Bereitschaftsführer durch die Reihen der einzelnen Kommandos und spähen nach ihren Opfern aus, denn jeden Tag muß mindestens einer ,, fertiggemacht werden", d. h. auf deutsch: ,, Jeden Tag muß einer erschossen werden." Wie Bestien nach Beute jagen, so streichen die SS- Banditen durch die Reihen der Gefangenen. Haben sie ihr Opfer gefunden, so muß der Gefangene vortreten. Ausgefragt und ausgepreßt wie eine Zitrone nach früherer Tätigkeit, Wohnort und Familienverhältnissen, wird dann zum Schluß dem Opfer zynisch mitgeteilt: ,, Dich machen wir heute fertig!" Das ist das nackte und brutalste ,, Todesurteil" gegenüber einem wehrlosen Gefangenen, und im Laufe des Tages wird dieses ,, Todesurteil" auch vollstreckt. sinnlos ge Sport" g ist, um so Nachdem das Opfer des Tages festgestellt worden ist, rücken die einzelnen Kommandos zu den draußen liegenden Arbeitsstellen ab. Schon auf dem Hinmarsch werden die Gefangenen 22 der Arbei Nach A Postenkett neter SSmüssen in Arbeit au Arbeit unt bei dem na Hält d gekommen den Todes ständigen Schweißbe hat der Ge Der tot Mörder, en kette befin Postenkett SchußSS- Bandit Das A draußen 1 gerichts d auf der ,, F kette ja ü nierten so Esterwege sadistische Im Schons die tollste alle politi es wieder kommen. breitet. E erfüllt jed der Tag, Grauens Aber ke und onssmus die igten atten hrer, ChenLe zu i der n die maben oder ganze De ich - ihre n. EsterGefanmanSalles s sich Reihen n aus, rden", " nditen unden, Bt wie milienmittet und genen, streckt. rücken rbeitsngenen sinnlos gequält. Nach Pfeifensignal wird auf der Landstraße ,, Sport" gemacht. Je weiter der Anmarschweg zur Arbeitsstelle ist, um so müder und zerschlagener kommen die Gefangenen auf der Arbeitsstelle an. Nach Ankunft auf der Arbeitsstelle wird dieselbe von einer Postenkette umstellt. Alle fünfzig Meter steht ein schwerbewaffneter SS- Mann, und nun beginnt die Hetzjagd. Alle Arbeiten müssen im Laufschritt durchgeführt werden, es darf bei der Arbeit auch nicht gesprochen werden. Keine Sekunde darf die Arbeit unterbrochen werden. Wer austreten muß, hat sich erst bei dem nächsten Posten zu melden. Hält der Bereitschaftsführer den richtigen Augenblick für gekommen, dann ruft er sein Opfer heraus und nun beginnen für den Todeskandidaten Stunden grausamer Qualen. Bis zur vollständigen Erschöpfung wird der Gefangene hin- und hergejagt. Schweißbedeckt und zitternd vor körperlicher Ueberanstrengung hat der Gequälte nur noch einen Wunsch: Sterben zu können. Der total Erschöpfte reagiert nicht mehr auf die Befehle seiner Mörder, er weiß auch nicht mehr, wo sich die Linie der Postenkette befindet. Hat er nur um einen halben Meter diese Linie der Postenkette überschritten, so fällt auch schon der verhängnisvolle Schuß und wieder ist ein Kämpferleben ausgelöscht. Die SS- Banditen haben wieder einen ,, fertiggemacht". - Das Arbeitskommando kann einrücken der Tote bleibt draußen liegen, bis die Mordkommission des nächsten Amtsgerichts dagewesen ist und festgestellt hat, daß der Gefangene auf der ,, Flucht erschossen" worden ist, denn er hatte die Postenkette ja überschritten. Die faschistischen Justizbehörden sanktionierten so die Morde der SS. So wurden im Konzentrationslager Esterwegen täglich politische Gefangene ermordet, um die sadistische Mordgier der SS- Banditen zu befriedigen. Im verschlossenen Viehwagen von Esterwegen nach Sachsenhausen Schon seit Wochen werden im Konzentrationslager Esterwegen die tollsten Gerüchte verbreitet. Das Lager soll aufgelöst werden, alle politischen Gefangenen sollen entlassen werden. Dann heißt es wieder: Alle politischen Gefangenen sollen nach Dachau kommen. Solche und ähnliche Parolen werden im Lager verbreitet. Esterwegen verlassen, die Hölle im Sumpf und Moor, erfüllt jeden Gefangenen mit großer Freude. Und endlich kommt der Tag, wo es Gewißheit wird, die Stätte des Elends und des Grauens verlassen zu können. Aber die politischen Gefangenen werden nicht entlassen zu 23 ihren Lieben daheim, sondern sie müssen nach Sachsenhausen, um dort ein neues Lager aufzubauen. Sachsenhausen liegt bei Oranienburg in der Mark Brandenburg. Eines Tages müssen wir unsere Habseligkeiten zusammenpacken und uns abmarschbereit halten. Unsere ganze Briefpost der letzten Monate müssen wir vor den Augen der SS- Leute vernichten. Zu Fuß geht es dann bis zur nächsten Station des ,, Moorbahn- Expreß". In geduckter Stellung sitzen wir in den kleinen Wagen dicht zusammengedrängt, wer es wagt, sich zu erheben, wird erschossen. In Papenburg werden wir umgeladen in geschlossene Viehwagen der Reichsbahn. In jeden Waggon kommen fünfzig Gefangene, und dann wird der Waggon von außen verschlossen. Bei Anbruch der Dämmerung verläßt der Zug mit der lebenden Fracht die Station, in der Richtung über Bremen nach Berlin. Dicht gedrängt hocken die Gefangenen in den einzelnen Waggons und fahren einer Zukunft entgegen, die grau und düster vor ihnen liegt. Was wird uns Sachsenhausen bringen? Das ist die Frage, die alle Häftlinge bewegt. In den Waggons macht sich nach kurzer Zeit schon eine dumpfe, stickige Luft bemerkbar. Unsere Notdurft müssen wir in einem alten Eimer verrichten. Wenn der Eimer voll ist, kippen wir den Inhalt zum Fenster hinaus. Diese Elendsfahrt dauert zirka fünfzehn Stunden, meistens fährt der Zug die Güterstrecken der Reichsbahn. Größere Bahnhöfe werden vermieden, damit die lebendige Menschenfracht im Dritten Reich nicht auffällt. Nur in Stendal hält der Zug auf dem Personenbahnhof, da die Maschine Wasser fassen muß. Es war um Mitternacht, und nur ganz wenige Menschen waren auf dem Bahnsteig, wo der Zug hielt. Vergeblich versuche ich durch die Fensterluke des Waggons die Umrisse des Bahnhofsgebäudes_ zu erkennen. Der Bahnhof Stendal weckt alte Erinnerungen aus meiner Jugendzeit. Nur wenige Minuten vom Bahnhof habe ich einen alten Vater wohnen. Aber das sind Dinge, an die ein politischer Gefangener nicht denken darf. Alle menschlichen Gefühle und Regungen müssen unterdrückt werden; denn im Dritten Reich ist der Schutzhäftling nur ein numerierter Arbeitssklave. Je näher wir unserem Bestimmungsort kommen, um so mehr verlangsamt sich die Fahrt. Es ist inzwischen heller Tag geworden, und der Zug kriecht wie eine Schnecke um Groß- Berlin herum. Gegen zehn Uhr vormittags steht der Zug auf dem Bahnhof Sachsenhausen zum Ausladen bereit. Tausende von SS- Leuten aus Berlin- Brandenburg sind aufmarschiert, um uns Staatsfeinde des Dritten Reiches in Empfang zu nehmen. Vom Bahnhof erfolgt der Marsch zu Fuß ins Lager Sachsenhausen. Die tausende SSLeute mit aufgepflanzten Bajonetten bilden eine dichte Gasse, durch die wir hindurch müssen, vom Bahnhof bis zum Eingangstor des Lagers. 24 Wir ziehen neuer Leidens Einmarschiere In den Verbre lichen Ueberr Wir denke fluchten und unsere zweite zum Nachden singen, um d Und wir singe Nach Ver Im Verlau ein Beamter Die Gerichts statt. unter dieser Zeit i ständigen Jus bei dem Pro Die reaktion Antrag mit d Im April des Beamten verwaltung schrift hatte ,, Der Bek wir in Lever jährigen Zu ist er ins Kon Das Einla in Sachsenha und Wochen führung ins Tätigkeit in die SS- Band die ich gar der Lagerfi Quälereien sen, bei Essen schEssen ann kter meniehGeSsen. 1. den Inen Wir ziehen ein in das Konzentrationslager Sachsenhausen. Ein neuer Leidensabschnitt begann in unserem Leben. Die meisten Einmarschierenden haben Sachsenhausen nie mehr verlassen. In den Verbrennungsöfen vernichteten die SS- Banditen die sterblichen Ueberreste unserer ermordeten Kameraden. Wir denken zurück an die Hölle von Esterwegen, die wir verfluchten und sind uns im klaren darüber, daß Sachsenhausen unsere zweite Hölle werden wird. Aber wir haben nicht viel Zeit zum Nachdenken, denn wir müssen singen, singen und nochmals singen, um die Bevölkerung von Sachsenhausen zu täuschen. Und wir singen mit verbissener Wut: Aus Esterwegen gingen wir leicht, es liegt verlassen im Moore, doch bald war Sachsenhausen erreicht, es schlossen sich wieder die Tore." Lister t die sich bar. nten. nster stens ahnt im auf 3. Es auf Hurch udes aus e ich olitifühle ritten clave. mehr rden, erum. nhof euten einde rfolgt e SSGasse, angs-. Nach Verbüßung der Strafe ins Konzentrationslager abgeschoben Im Verlauf eines gerichtlichen Prozesses gegen mich wurde ein Beamter der Leverkusener Gestapo als Zeuge vernommen. Die Gerichtsverhandlung fand im Februar 1938 in Düsseldorf statt. unter Ausschluß der Oeffentlichkeit. Ich befand mich zu dieser Zeit im Konzentrationslager Sachsenhausen. Bei der zuständigen Justizstelle in Düsseldorf hatte ich den Antrag gestellt, bei dem Prozeß als Beklagter persönlich erscheinen zu können. Die reaktionären Justizbeamten hatten meinen berechtigten Antrag mit den fadenscheinigsten Gründen abgelehnt. Im April 1938 gelangte die Abschrift der eidlichen Aussage des Beamten der Leverkusener Gestapo an die Leitung der Lagerverwaltung des Konzentrationslagers Sachsenhausen. Diese Abschrift hatte folgenden Wortlaut: ,, Der Beklagte war einer der aktivsten roten Funktionäre, die wir in Leverkusen gehabt haben. Nach Verbüßung seiner zweijährigen Zuchthausstrafe wegen Vorbereitung zum Hochverrat ist er ins Konzentrationslager abgeschoben worden." Das Einlaufen dieses Schriftstückes bei der Lagerverwaltung in Sachsenhausen hatte für mich böse und unangenehme Tage und Wochen zur Folge. Immer wieder wurde ich von der Lagerführung ins Kreuzverhör genommen wegen meiner früheren Tätigkeit in Leverkusen. Durch brutale Mißhandlungen versuchten die SS- Banditen mich zu Eingeständnissen zu zwingen für Taten, die ich gar nicht begangen hatte. Nur dem plötzlichen Wechsel in der Lagerführung hatte ich es zu verdanken, daß mir weitere Quälereien erspart blieben. 25 Erst angeschossen und dann--Kopf an Kopf, unbeweglich stehen Tausende von Schutzhäftlingen des Konzentrationslagers Esterwegen auf der Lagerstraße angetreten. Ihr gegenüber stehen schußbereit einige Hundertschaften der SS. Von den einzelnen Maschinengewehrtürmen richten die schußbereiten Maschinengewehre ihre drohenden Mündungen auf die wehrlosen politischen Gefangenen. Vormittags 10 Uhr, eine außergewöhnliche Zeit, aber der Sonderappell findet statt, um einen Strafvollzug an einem Schutzhäftling durchzuführen. Ein sogenannter Ehrenschutzhäftling, ein ehemaliger österreichischer SS- Mann soll verprügelt werden. Er hatte trotz Verbot über eine Degradierung eines SS- Mannes im Lager gesprochen. Wolken verdunkeln das Sonnenlicht des Junitages, als der mit Ketten klirrende Gefangene zum bereitstehenden„ Bock" geführt wird. Als zwei der Prügelknechte ihn über den ,, Bock" zwingen wollen, reißt sich der Gefangene los und flüchtet ins Häftlingslager. Nun beginnt eine wilde verwegene Jagd auf den flüchtigen ehemaligen SS- Mann. Dutzende SS- Leute jagen mit gezogenen Pistolen hinter dem Flüchtigen her. Schuß auf Schuẞ fällt, ohne daß die Verfolger zum Ziele kommen. Die wildgewordenen SS- Leute erschießen sich um Haaresbreite bald selber. Endlich haben die schwarzen Häscher den Verfolgten zur Strecke gebracht. 20 Minuten dauerte diese scheußliche Menschenjagd, der blutig zusammengebrochene Häftling wurde notwendig verbunden. Dann wurde der verwundete Gefangene über den ,, Bock" geschnallt und bekam 25 Stockhiebe über Gesäß und Rücken mit einem Ochsenziemer. Erika Erika war ein fünfzehnjähriges Mädchen, und ihr Porträt hing trotz Verbots in der Häftlingsbaracke 16 des Konzentrationslagers Sachsenhausen. Alle Barackenbewohner waren in Erika verliebt. Alle ihre ankommenden Briefe wurden gemeinsam gelesen, gelobt und immer wieder mit großer Ungeduld erwartet. Erika war die Tochter unseres Barackenältesten, und sie war ein echtes Hamburger Arbeitermädel. Mit Eltern und Geschwistern von der Gestapo wegen Staatsfeindlichkeit eingekerkert, hatte sie ihre erste Feuertaufe erhalten. Uns politischen Gefangenen war sie das leuchtende Vorbild und Ideal jugendlichen Feuers und Kampfesmutes. Ihre anfeuernden Briefe schufen bei uns Freude und Frohsinn und erzeugten neuen Mut, alle Drangsalierungen siegreich zu überstehen. 26 Erikas Bri uns politische Unvergeßlich des Konzentra Mit Ein ehema Frühjahr 1938 Das ordentlic Gestapo hatt abgeschoben. der Strafzell Strafzelle ga Die Fenster spielten sich Folterungen Eine dies Wäschepak das besonde so geschah einen Tisch Tisch mußte nach oben. dem Wehrl Kette zusan fensters un Stundenlan sinnige Sch Ketten zusa In eine Regierungs bekannt: e hatten das Heimat zu Da der gewesen w untersucht. infolge ein Untersuchu Versicheru gedrungen suchung e zelle von erschlagen SchutzErikas Briefen hatten wir viel zu verdanken, und sie halfen uns politische Gefangene oft über schwere Stunden hinweg. Unvergeßlich werden sie allen Schutzhäftlingen der Baracke 16 des Konzentrationslagers Sachsenhausen bleiben. Lagereinige gewehrdrohenn. ber der Schutzäftling, werden. Mannes als der ,, Bock" ,, Bock" htet ins auf den gen mit uf Schuß dgeworber. ten zur enschentwendig ber den säß und rät hing nslagers verliebt. , gelobt sie war and Get eingeVorbild enfeuernrzeugten n. Mit dem Schemel in der Zelle erschlagen Ein ehemaliger Regierungsrat aus Mecklenburg wurde im Frühjahr 1938 im Konzentrationslager Sachsenhausen eingeliefert. Das ordentliche Gericht hatte ihn freisprechen müssen, aber die Gestapo hatte ihn als Arbeitssklaven ins Konzentrationslager abgeschoben. Nach einigen Tagen war der Regierungsrat schon in der Strafzelle, angeblich wegen Faulheit bei der Arbeit. In dieser Strafzelle gab es außer einer Betonpritsche keinen Gegenstand. Hier in diesen Strafzellen Die Fenster waren verdunkelt. spielten sich die scheußlichen Szenen gemeinster und brutalster Folterungen ab. Eine dieser wahnsinnigen Quälereien wurde das sogenannte ,, Wäschepaket" genannt. Hatte einer der wachhabenden SS- Leute das besondere Bedürfnis, einen Gefangenen besonders zu quälen, so geschah das nach folgenden Methoden: Der Gefangene muẞte einen Tisch unter das Fenster der Zelle stellen, und auf diesen Tisch mußte sich der Gefangene dann legen, mit dem Rücken nach oben. Die SS- Banditen nahmen dann eine Kette und zogen dem Wehrlosen die Arme und Beine auf dem Rücken mit der Kette zusammen. Sie hängten die Kette an das Gitter des Zellenfensters und zogen den Tisch unter dem Aufgehängten fort. Stundenlang ließen sie dann ihr Opfer in der Luft hängen. Wahnsinnige Schmerzen hatte dann dieses in der Luft hängende, mit Ketten zusammengezogene Menschenbündel. In eine dieser Strafzellen war nun auch der ehemalige Regierungsrat gekommen. Schon nach drei Tagen wurde uns bekannt: er habe sich in der Zelle erhängt. Seine Angehörigen hatten das Leichenauto geschickt, um ihren geliebten Toten in der Heimat zu bestatten. Da der Tote aber in einer Schweizer Lebensversicherung gewesen war, wurde er von einem Vertrauensarzt nachträglich untersucht. Diese Untersuchung hatte ergeben, daß der Tote infolge eines Schädelbruches verstorben war. Da auf Grund dieser Untersuchung die Schweizer Versicherung die Auszahlung der Versicherungsprämie verweigerte, mußte die Lagerführung notgedrungen eine Untersuchung einleiten. Die eingeleitete Untersuchung ergab, daß der ehemalige Regierungsrat in der Haftzelle von einem Oberscharführer der SS mit einem Schemel erschlagen worden war. 27 Der vertierte SS- Oberscharführer wurde zum Schein verhaftet und verschwand aus dem Lager, aus unseren Augen, um in einem anderen Lager seiner Mordgier weiter zu frönen. Das waren so die üblichen Methoden der Lagerführung, um sich nach außen einen guten Namen zu machen. Aber der mit dem Schemel Erschlagene wachte dadurch nicht mehr auf und konnte seinen Lieben nicht mehr zurückgegeben werden. Wen Sturmbannf mandant vom Baranowsky w häßliche Zwerg den ich in mei Bei seinem Wenn ich lac Methoden bei Gefangener ka . Leberwürste in der Dachrinne Von allen Maschinengewehrtürmen des Konzentrationslagers heulen die Alarmsirenen. Alle Arbeitskommandos rücken im Laufschritt zum Appellplatz an. Was ist nun wieder los? Sind Gefangene geflüchtet? Ist wieder einer der Schutzhäftlinge erschossen worden? Nichts von alledem. Ganze Hundertschaften der SS, bis an die Zähne bewaffnet, ziehen in das Häftlingslager ein. Die Gefangenen stehen in strammer Haltung mit Fingern an der Hosennaht und warten mit eisigem Schweigen. Nun stürzen sich ganze Kolonnen von SS- Leuten in die einzelnen Häftlingsbaracken und beginnen ein fieberhaftes Suchen. Die Strohsäcke der Betten fliegen in den Baracken wild durcheinander. Nach zweistündigem Suchen teilt uns endlich die Lagerführung mit, was eigentlich los ist. In der Kantine ist eingebrochen worden, und die Einbrecher sollen Gefangene gewesen sein. Die Schuldigen werden aufgefordert sich zu melden. Aber kein Gefangener tritt, vor, keiner hat etwas zu verraten. Die von trocken Brot und Wassersuppen lebenden Gefangenen triumphieren innerlich über den geglückten Einbruch des Unbekannten. Da sich trotz wiederholten Aufforderns kein Gefangener meldet, geht das Suchen nach der Diebesbeute weiter. An der Baracke 3 plötzlich ein großes, wüstes Geschrei der suchenden SS- Leute, Mit einer Leiter hatte ein Suchkommando die Baracke erstiegen und ein Diebesnest gefunden. In der Dachrinne lagen versteckt zwei große Leberwürste. Unter großem Geschrei zogen die Finder mit ihren Leberwürsten zum Kommandanten, um ihre geniale Entdeckung zu melden. Die Mehrzahl der Gefangenen konnte nun in ihre Baracken abrücken mit Ausnahme der Insassen der Baracke 3. Bis Mitternacht wurden sie gejagt und gehetzt, die Lagerstraße auf und nieder. Aber schweigsam und verschlossen blieben die Münder der Strafexerzierenden. Die Leberwurstdiebe blieben unentdeckt für alle Zeiten. geführten Gra kosteten zehn sundheit. Tausende v jeden Grund i daß sie drei J Diese provoka genen mit den drei Jahre sin des kleinen, h Hockend, schwarzen T الدرو Opfern aus. W heraus, ließ s ziemer verpri Revier gebrac Hilfe zu spät Bei diesem Einbeinige mu ließ er Stöcke Schikanen ve genen das Le zentrationslag dieses pervers Das Lied angetretenen treten zu kön Zeit. Er verk dann ließ er tyrannisieren Am westli 28 erhaftet um in en. Das ich nach Schemel > seinen nslagers cken im ‚? Sind äftlinge schaften ngslager Fingern die ein- Suchen. | durch- o Lager- t einge gewesen der kein Die von trium- zannten. meldet, hrei de! mmandO ‚y Dach grobe omman“ Wenn ich lache, lacht aus mir der Teufel Sturmbannführer der SS Baranowsky war Lagerkom- mandant vom Konzentrationslager Sachsenhausen"geworden. Baranowsky war der Teufel in Menschengestalt. Dieser kleine häßliche Zwerg ist der gemeinste und brutalste Mensch gewesen, den ich in meiner fünfjährigen Kerkerhaft kennengelernt habe. Bei Seinem Antritt als Lagerkommandant erklärte er zynisch: „Wenn ich lache, lacht aus mir der Teufel!“ Seine teuflischen Methoden bei der Auspeitschung und Folterung wehrloser Gefangener kannten keine Grenzen. Die auf seine Befehle durch- geführten Grausamkeiten gegen die politischen Gefangenen kosteten zehntausenden Freiheitskämpfern Leben und Ge- sundheit. Tausende von Häftlingen gingen bei seinem Amtsantritt ohne jeden Grund in die Strafkompanie. Er verkündete diesen Opfern, daß sie drei Jahre in der Strafkompanie zu verbleiben hätten. Diese provokatorische Ankündigung beantworteten die Gefan- genen mit dem Massengesang:„Drei Jahr muß ich noch warten, drei Jahre sind bald herum.“ Was wiederum eine ungeheure Wut des kleinen, häßlichen Scheusals hervorrief. Hockend, wie ein giftiger Affe, durchritt er auf seiner schwarzen„Rosinante“ das Häftlingslager und spähte nach Opfern aus. Wahllos griff er bei Neuangekommenen seine Opfer heraus, ließ sie über den Bock schnallen und mit dem Ochsen- ziemer verprügeln. Kranke durften erst bei 38 Grad Fieber ins Revier gebracht werden. Unzählige starben so, da die ärztliche . Hilfe zu spät kam. Bei diesem Scheusal war alles arbeitsfähig. Einarmige und Einbeinige mußten schwere Steine schleppen. Den Gehbehinderten ließ er Stöcke und Krücken fortnehmen. Mit großen und kleinen Schikanen verbitterte er Zehntausenden von politischen Gefan- genen das Leben. Fünfundzwanzigtausend Gefangene im Kon- zentrationslager Sachsenhausen waren den Lastern und Launen dieses perversen, häßlichen Zwerges preisgegeben. Den„Huren“ schreiben Das Lied war verklungen, die Tausende zum Abendappell angetretenen Schutzhäftlinge warteten mit Ungeduld darauf, ab- treten zu können. Aber der Herr Rapportführer Terreließ sich Zeit. Er verkündete einen neuen Befehl nach dem anderen, und dann ließ er noch Lieder singen, um die Hungernden dadurch zu tyrannisieren. Am westlichen Firmament waren die letzten Sonnenstrahlen 29 schon längst versunken, und immer wieder mußten die Schutzhäftlinge neue Lieder anstimmen. Singen auf Kommando, Singen auf Befehl eines Menschen, der uns den ganzen Tag bei der Arbeit drangsaliert hatte. Singen mit hungerndem Magen und ausgedörrten Kehlen, das kostete Nerven und abermals Nerven. Eiserne Willensanstrengung war notwendig, um sich hier nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. Rapportführer Terre war heute abend maẞvoll unzufrieden mit seinen nicht singenwollenden Arbeitssklaven des Konzentrationslagers Esterwegen. Unser Dirigent, Genosse Willi Stein, schwang seinen Taktstock in verbissener Wut, um den Wünschen des uns quälenden Rapportführers gerecht zu werden. Aber alles war heute vergebliches Bemühen. Genosse Willi Stein raufte voll Ungeduld seinen großen Vollbart, aber in die vor Müdigkeit umfallenden Häftlinge war kein Zug mehr zu bringen. Der vor uns stehende Rapportführer stößt Drohungen über Drohungen aus. Finster brütet er nach Rache. Und bevor er sein allabendliches Kommando ertönen läßt: ,, In die Baracke, ihr Schweine," teilt er seinen neuesten Tagesbefehl mit. Dieser Tagesbefehl hatte folgenden Wortlaut: ,, Ihr Schweine und Lumpen konntet bisher alle Woche einen Brief empfangen und einen Brief schreiben. Ab morgen könnt ihr nur noch alle zwei Wochen einen Brief schreiben und einen Brief empfangen. Teilt das im nächsten Brief nach Hause mit, damit eure Huren Bescheid wissen." Das gestohlene Geburtstagspaket Pakete empfa dasselbe ist b Paket. Meine H lade und Rau In verhalte war von meine tag bestimmt. zurück. Währe sichts, fressen paket. Wieder einmal beging ich einen Geburtstag hinter Kerkermauern des Dritten Reiches, oder besser gesagt, hinter dem Stacheldrahtverhau eines Konzentrationslagers. Vergeblich hatte ich bei der Postverteilung auf den Ruf nach der Nummer 409 gehört. Mißmutig kehrte ich im Laufschritt zu meiner Baracke zurück. Ich hatte bestimmt auf Post von meiner lieben Schwester gerechnet, und irgendwelche Unpünktlichkeiten kannte ich von ihr nicht. Susi hatte schamlosen ,, I liches Wesen, Name schon b war ein schan fähig. Ihre U Vier Wochen später, ich schleppe gerade einen großen, dicken Balken durch den heißen Sand, wird plötzlich nach der Nummer 409 gerufen. Schutzhäftling 409 soll zum Tor kommen. Ich setze meine müden Beine in Bewegung und melde mich bei der Torwache. Der SS- Posten läßt mich durch mit den Worten: ,, Das Schwein 409 kann das Tor passieren!" der SS- Leute Waren die angetreten, d die Straße a jenem Schutz Schutzhäftlin wehren. Vie Gesäß und Ri gewesen. In der Schreibstube melde ich mich vorschriftsmäßig bei dem diensthabenden Oberscharführer Ernsberger. Höhnisch lächelnd empfängt mich dieser und sagt: ,, Sie wissen ja, daß Sie keine 30 Am Ende Gefangene v konnten sie H großes Ges Stehenden m geflüchtet. S Wald, um di Eine ganz pistolen und nun begann Affenweib. I bis Susi wie zog dann die Und eine Gefangenen weniger. Lag weibes um d ie Schutz- do, Singen der Arbeit nd ausge- on, Eiserne 1t aus der nzufrieden s Konzen- Yılli Stein, Wünschen Aber alles ein raufte Müdigkeit ngen über yor er sein racke, Ihr ‚ser Tages 'oche einen gen könnt und einen Hause mit, Pakete empfangen dürfen. Für Sie ist hier ein Paket eingegangen, dasselbe ist beschlagnahmt.“ Auf dem Tisch liegt ein geöffnetes Paket. Meine hunrigen Augen sehen: Kuchen, Apfelsinen, Schoko- lade und Rauchwaren. Dann muß ich wieder abtreten. In verhaltener Wut presse ich die Zähne zusammen. Das Paket war von meiner Schwester gewesen und war für meinen Geburts- tag bestimmt. Im Laufschritt kehre ich zu meiner Arbeitsstelle zurück. Während ich wieder schufte im Schweiße meines Ange- sichts, fressen die SS-Banditen mein gestohlenes Geburtstags- paket. \„Susi“ hat sich erhängt Susi hatte sich erhängt, und kein Schutzhäftling weinte dieser schamlosen„Lagerdirne‘“‘ eine Träne nach. Susi war kein mensch- liches Wesen, sondern sie gehörte zur Affenfamilie, und wie ihr Name schon besagt, gehörte sie zum weiblichen Geschlecht. Susi war ein schamloses Weib, und es war auch zu allen Schandtaten fähig. Ihre Untaten waren genau so gemein wie die Untaten der SS-Leute. Waren die Schutzhäftlinge zum Appell auf der Lagerstraße angetreten, dann stolzierte Lagerführer Sc hmidt mit der Susi die Straße auf und ab. Die aufgehetzte Susi biß diesem und jenem Schutzhäftling in Arme und Beine. Wehe, wenn einer der Schutzhäftlinge gewagt hätte, sich gegen diese Angriffe zu wehren. Vier Wochen Strafkompanie und 25 Stockhiebe über Gesäß und Rücken wären die Folgen dieser berechtigten Notwehr gewesen.' Am Ende des Lagers hatte Susi ihren Käfig. Kamen dort Gefangene vorbei und verweilten dort einen Augenblick, So konnten sie hier unangenehme Dinge erleben. Hatte Susi gerade großes„Geschäft“ gemacht, so bewarf sie den an dem Käfig Stehenden mit ihrem Kot. Einmal hatte sich Susi in den Wald geflüchtet. Sofort mußte ein Kommando Schutzhäftlinge in'den Wald, um die flüchtige Äffin wieder einzufangen. Eine ganze Hundertschaft der SS, bewaffnet mit Maschinen- pistolen und Maschinengewehren, hatte den Wald umstellt, und nun begann eine wilde, verwegene Jagd nach dem flüchtigen Affenweib. Die Bäume rauf und runter mußten die Gefangenen, bis Susi wieder eingefangen war. Unter wahrem Indianergeheul zog dann die SS-Hundertschaft mit der Susi wieder ins Lager ein. Und eines nachts hatte sich Susi aufgehängt. Die politischen Gefangenen waren froh darüber, sie hatten nun einen Quälgeist weniger. Lagerführer Schmidt war durch den Tod des Affen- weibes um den Genuß einer sadistischen Freude ärmer geworden. 31 Ein letzter Gruß an Angelika Keuchend und schwer geht der Atem unseres todkranken Kameraden Heinz Peters. Schon stundenlang sitze ich an seinem dürftigen Lager und versuche, ihm über die schweren Stunden hinwegzuhelfen. Erst vor einigen Tagen ist er im Lager eingeliefert worden. Es ist ihm wie so vielen unserer Leidensgenossen gegangen. Erst drei Jahre Strafe verbüßt und dann ins Konzentrationslager abgeschoben, wie der Fachausdruck der Gestapo lautet. Kurz vor seiner Verhaftung im März 1933 hatte er geheiratet. Neun Monate später hatte ihm seine Frau ein kleines Mädchen zur Welt gebracht. Kamerad Heinz hatte das Kind noch nicht gesehen, aber mit allen Fasern seines Herzens hing er an der blonden kleinen Angelika, denn seine Frau hatte ihm geschrieben: ,, Deine kleine Maus ist genau so blond und rank wie deine große Angelika!" Der durch die lange Haftzeit geschwächte Körper unseres Heinz Peters war den harten Anstrengungen in der Strafkompanie nicht gewachsen. Schon zwei Tage nach seiner Einlieferung wurde er auf der Schubkarre von der Arbeitsstelle ins Lager gefahren. Da er noch keine 37 Grad Fieber hatte, durfte er nicht ins Revier gebracht werden. Am Tage lag er nun einsam und ohne Pflege in der Baracke. Ich hatte mich heimlich von der Arbeitsstelle entfernt, um nach dem kranken Kameraden zu sehen. In fieberhafter Ungeduld tasten seine Hände über die Bettdecke. Ich versuche, ihm eine Erfrischung zu reichen, aber entkräftet sinkt der Kranke wieder auf sein Lager zurück. Suchend tasten seine Hände nach dem Brustbeutel, ich helfe ihm dabei, öffne den Brustbeutel und ziehe einen vom Schweiß durchtränkten Zettel heraus. Mit einem Blick auf den Zettel flüstert der Kranke mir zu: ,, Gruß an meine Frau!" Trotz eigener innerer Unruhe versuche ich den schwerkranken Kameraden zu trösten und abzulenken von seinen schweren Gedanken, aber es will mir nicht recht gelingen. Nach kurzer Pause wird der Kranke wieder unruhiger. Sein unruhiger Blick gleitet immer wieder zu dem schmutzigen Zettel, der auf dem Schemel liegt. Dann noch einmal ein kurzes Aufbäumen des kranken Körpers, und dann hat der Kamerad Peters aufgehört zu leben. Schon seit zwei Stunden sitze ich in der einsamen Baracke und halte stille Totenwacht bei dem verstorbenen Kameraden. Unschlüssig halten meine Hände den schmutzigen Zettel, das letzte Vermächtnis des teuren Toten. Allmählich beginnen sich meine Gedanken wieder zu regen. Ich entfalte den Zettel, und meine Augen lesen die kleinen Verse, den letzten Gruß des verstorbenen Freundes und Kampfgefährten an seine in der Ferne weilende Frau: 32 Als wa De Di Wi wi Do da Da da Li In Da SO Der blitzer Ein scha Konzentrat über, aber auf ihren schlafen, d das schmer Schlafender Es ist V ein Trupp Appellplatz große Anza angebracht baum in fe Lichterbau diese Pfäh die zwei Ze $ ragten. Die Gef Der Lager verkündet. zwei von Hände gef Banditen Flüchtlinge Und so Weißenbor Juden in fangenen 3 Schutzhäftlin dkranken an seinem Stunden Lager einsgenossen Konzentraapo lautet. geheiratet. Mädchen noch nicht er an der schrieben: eine große er unseres kompanie ung wurde gefahren. ins Revier ne Pflege t, um nach Ungeduld ihm eine ke wieder nach dem und ziehe nem Blick ine Frau!" erkranken schweren ach kurzer niger Blick r auf dem Tumen des fgehört zu n Baracke Cameraden. das letzte sich meine und meine erstorbenen e weilende An meine blonde Angelika! Als ich Dich sah im Frühling das erstemal, warst Du ein Mädchen von kaum achtzehn Jahr. Deine blauen Augen und Dein blondes Haar, Dich suchte ich schon lange, Angelika. Wir fanden uns und wurden ein glücklich Paar, wir beide, Du und ich, wir beide, Angelika. Doch zu schnell war zu Ende das schöne Jahr, da gaben zum Abschied wir beide uns die Hände. Das nächste Jahr war lang und nahm kein Ende, da schriebst Du mir einen Brief zur Jahreswende. Lieber Mann, wann kommst Du endlich nach Haus? In der Wiege schreit nach Dir die kleine Maus! Da liegt mit blauen Augen und blondem Haar so lieb und fein unsere liebe, kleine Angelika! Der blitzende Tannenbaum und sieben große Marterpfähle Ein scharfer und schneidender Nordostwind fegt durch das Konzentrationslager Sachsenhausen. Mitternacht ist längst vorüber, aber tausende politische Gefangene wälzen sich unruhig auf ihren Lagerstätten hin und her. Sie können nicht ruhig schlafen, denn durch das Heulen des Windes hört man deutlich das schmerzliche Stöhnen menschlicher Stimmen. Die unruhig Schlafenden wissen, woher dieses Stöhnen rührt. Es ist Weihnachtszeit 1937, und am Weihnachtsvortag mußte ein Trupp Gefangener vor den Häftlingsbaracken auf dem großen Appellplatz einen großen Tannenbaum aufstellen. Selbst eine große Anzahl elektrischer Lampen wurden an dem Tannenbaum angebracht, und bei Anbruch der Dunkelheit strahlte der Tannenbaum in feenhafter Beleuchtung. Gegenüber diesem strahlenden Lichterbaum standen sieben fünf Meter hohe dicke Pfähle. Durch diese Pfähle waren von oben bis unten lange Nägel geschlagen, die zwei Zentimeter lang auf der anderen Seite der Pfähle hervorragten. Die Gefangenen wußten, was diese Pfähle zu bedeuten hatten. Der Lagerführer Weißenborn hatte es ja vorher laut genug verkündet. Im Oktober waren sieben Gefangene geflüchtet und zwei von den Flüchtlingen waren ihren Häschern wieder in die Hände gefallen, das war kurz vor Weihnachten gewesen. Die SSBanditen wollten sich rächen für die Verzweiflungstat der sieben Flüchtlinge. Und so kam der Weihnachtsabend 1937 heran. Lagerführer Weißenborn hatte schon am Vormittag ohne jeden Grund alle Juden in die Strafzellen sperren lassen. Nach Einschluß der Gefangenen wurden die beiden wieder eingefangenen Flüchtlinge 3 Schutzhäftling 409 33 aus ihren Zellen geholt und an die Marterpfähle geführt. Während die Weihnachtslieder der Nazis durch das Dritte Reich klangen, wurden im Konzentrationslager Sachsenhausen die beiden Flüchtlinge an die Marterpfähle gehängt, mit den Köpfen nach unten und den Füßen nach oben. Durch den starken Wind bewegten sich die hängenden Körper der beiden Flüchtlinge hin und her und schlugen gegen die Spitzen der hervortretenden Nägel. Nacht für Nacht während der Weihnachtstage wurden diese unmenschlichen grausamen Folterungen durchgeführt. Zeitweise, wenn das Heulen des Windes nachließ, hörten wir die wahnsinnigen Schmerzensschreie unserer gefolterten Kameraden. Die Weihnachtstage 1937 werden allen politischen Gefangenen des Konzentrationslagers Sachsenhausen in lebenslänglicher Erinnerung bleiben. Im Draht hängengeblieben Unaufhörlich prasselt der Regen vom Himmel des naẞkalten Oktobertages. Dreimal waren wir schon bis auf die Haut durchnäßt gewesen, und dreimal hatte der kalte Oktoberwind unsere nassen Kleider am eigenen Leibe wieder getrocknet. Aber an vorzeitiges Einrücken war gar nicht zu denken. Die politischen Gefangenen mußten bei jedem Wetter und bei jeder Temperatur draußen im Freien arbeiten, und wenn sie dabei auch zugrunde gingen. 36 000 Bäume mußten gefällt und ausgerodet werden, damit das große Konzentrationslager Sachsenhausen erstehen konnte. Der grausame Tyrann und Lagerführer Weißenborn kannte keine menschlichen Gefühle. Unerbittlich war sein Handeln, und wenn die Gefangenen bei der Arbeit verreckten wie die Tiere; eingerückt wurde erst bei Sonnenuntergang. Eintausend Als der kalte Oktoberwind zum dritten Male unsere nassen Lumpen getrocknet hatte, gellten plötzlich die Alarmsirenen, und nun mußten wir einrücken. Im Laufschritt eilten die einzelnen Arbeitskommandos zum Tor und nahmen dann Aufstellung auf dem großen Appellplatz. Dunkle Wetterwolken am Oktoberhimmel fegten über die Köpfe der zehntausend Häftlinge, nichts Gutes verkündend. Eine stil liege ich au mehr schlaf Nächte befi Reiches und Seit den hausen die halb wissen verbreitet. Säbeln und schicksalssc Unser K ebenfalls w Vergangenh Und dann wurde uns das tragische Geschick eines unserer Kameraden bekannt. Schon seit drei Jahren befand er sich in Gefangenschaft, und in einer verzweifelten Stimmung war er in den mit elektrischem Strom geladenen Stacheldraht gelaufen und war hängengeblieben. Der verzweifelte Kamerad war auf der Stelle sofort durch den elektrischen Strom getötet worden. Drei Tage mußte der verkohlte Leichnam in dem Draht hängenbleiben, als abschreckendes Beispiel für die anderen Gefangenen. 34 34 Fritz von e ganz begeis meinem T werde. Ich müssen wi kommt un wachsam se boten Um 4.30 schreiben d flutet das Gefangene senhausen von Zehnta nun erfolg ertönt auch Ich bew Stelle. Sec gerufen, ic uns der La wir unsere Nach drei S lagers Sach zurücklasse und düster Während klangen, Flüchtch unten Körper egen die während ausamen s Windes e unserer en allen enhausen aßkalten at durchd. unsere Aber an politischen mperatur zugrunde en, damit a konnte. ante keine and wenn ere; eine nassen enen, und einzelnen llung auf Oktoberge, nichts s unserer er sich in war er in aufen und auf der den. Drei hängenfangenen. Eintausendneunhunderteinundzwanzig Tage und Nächte Eine stille und klare Oktobernacht ist angebrochen, sinnend liege ich auf meinem Lager und kann seit Stunden schon nicht mehr schlafen. Eintausendneunhunderteinundzwanzig Tage und Nächte befinde ich mich schon hinter Kerkermauern des Dritten Reiches und immer noch nimmt das Eingesperrtsein kein Ende. Seit dem 13. Mai ist über das Konzentrationslager Sachsenhausen die Entlassungssperre verhängt worden. Warum und weshalb wissen wir nicht. Die tollsten Gerüchte werden im Lager verbreitet. In Deutschland rasseln die Hitlerfaschisten mit den Säbeln und treffen die letzten Vorbereitungen für die so große, schicksalsschwere Katastrophe des deutschen Volkes. Unser Kamerad Fritz aus Halle, der neben mir schläft, ist ebenfalls wach geworden. Flüsternd unterhalten wir uns über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Als ich meinen Freund Fritz von einem Traum erzähle, den ich kürzlich hatte, wird er ganz begeistert. Fritz hatte eine begabte Phantasie, und er legt meinem Traum dahingehend aus, daß ich in Kürze entlassen werde. Ich mache mich lustig über seinen Aberglauben, aber bald müssen wir unsere Gespräche wieder beenden. Die Lagerwache kommt unserer Baracke immer näher, und wir müssen sehr wachsam sein, auch nachts ist jedes Gespräch untereinander verboten. Um 4.30 Uhr ertönt die Lagerglocke zum Aufstehen. Wir schreiben den 3. Oktober 1938. Ueber die Baumgipfel des Lagers flutet das Morgenrot eines neuen Tages. Fünfundzwanzigtausend Gefangene sind zum Morgenappell im Konzentrationslager Sachsenhausen angetreten. Der Lagerkommandant hat die Meldung von Zehntausenden von Arbeitssklaven entgegengenommen, und nun erfolgt der Aufruf von Nummern einzelner Häftlinge. Da ertönt auch der Ruf nach der Nummer 409. Ich bewege mich im Laufschritt nach vorn und melde mich zur Stelle. Sechs meiner Leidensgenossen waren schon vor mir aufgerufen, ich war der siebente in ihrem Bunde. Und dann teilt uns der Lagerführer mit, daß wir entlassen seien. Zuerst trauten wir unseren eigenen Ohren nicht. Und doch war es Wahrheit. Nach drei Stunden durchschritten wir das Tor des Konzentrationslagers Sachsenhausen. Zehntausende von Kameraden mußten wir zurücklassen, und wir gingen einer Zukunft entgegen, die grau und düster vor uns lag. 3* 35 Dann ka Meine Biographie Am Tage, als der ,, Vater" des Sozialistengesetzes, Otto von Bismarck, die Augen schloß, erblickte ich in Stendal das Licht der Welt. Im vierten Stockwerk unter dem Dache eines Mietshauses in der Frommhagenstraße empfing ich durch einen evangelischen Pastor die Nottaufe und erhielt die Vornamen: Erich Werner Arnold. Ich war das zehnte Kind meiner Mutter, und nach mir schenkte sie noch vier Kindern das Leben. In einem alten Wäschekorb meiner Großeltern liegend, verbrachte ich die ersten Tage und Wochen meines Erdendaseins. Wenn ich auch nicht der Benjamin in der Familie war, so blieb ich doch das Sorgenkind meiner Mutter bis zu ihrem Tode. Mit noch dreizehn Geschwistern lernte ich in der ersten Jugendzeit bittere Not und Sorgen kennen. Das Einkommen meines Vaters, eines kleinen Eisenbahnbeamten, reichte bei weitem nicht aus, um vierzehn hungrige Kindermäuler zu sättigen. Meine Mutter mußte mitverdienen. Neben der Versorgung von vierzehn Kindern, ohne Stellung eines Pflichtjahrmädchens, schleppte meine Mutter Kohlen ab von Pferdefuhrwerken in die Kellerräume besserer Herrschaften. Mit dreizehn Jahren kam ich gegen meinen Willen in die Lehre zu einem Schneidermeister. Ein Jahr später brannte ich durch und marschierte zu Fuß die Elbe abwärts nach Hamburg, von da aus wollte ich weiter nach Amerika. In dem kleinen Ort Werben an der Elbe schnappte mich aber wieder die Polizei und brachte mich ins Elternhaus zurück. Nun mußte ich wieder ohne Lust und Liebe auf dem harten Schneidertisch hocken. Der Ausbruch des Weltkrieges 1914 erlöste mich von dem verhaßten Schneidertisch, und die Wogen der großen politischen Ereignisse warfen mich nach der Reichshauptstadt Berlin. Als Laufbursche, Hausdiener, Kellner und Fabrikarbeiter lernte ich in Berlin das ganze Elend der Großstadtjugend am eigenen Leibe kennen. Hungernd und ekelnd verließ ich 1917 Berlin und gelangte nach mancher Irrfahrt nach dem Westen des Reiches. In Essen, Köln und Leverkusen aß ich trocken Brot wie alle Jungarbeiter der damaligen Kriegszeit. In den bestehenden Arbeiter- Jugendorganisationen fand ich reichliche Betätigung und die Befriedigung meiner geistigen Bedürfnisse. Den bestehenden unsozialen Verhältnissen sagte ich den Kampf an. Beinahe zwei weitere Jahrzehnten widmete ich mich diesem heiligen Kampfe für Arbeit, Brot und Freiheit. Von meinen Gegnern erntete ich dafür Haß und Verfolgung, aber die Gleichgesinnten bezeugten mir Liebe und Achtung. Es war ein mühevoller und opferreicher Weg. Auf diesem Wege fand ich nur wenig Behagen und Sonnenschein, aber desto mehr Dornen und Disteln. 36 Reaktion i Freiheit un fünf Jahre Golgathaw mir nichts bis zur letz Nach m Fabrikarbe Pappenfab gefühl bra Mein innig schen Arbe argwöhnisc Der vo einige, Jah Dritten Re staatspolize wurde ich krieg zerst In diese wenn die ersten Au Wenn ich i war, nahm aus der V Schlechtes, war. Unermi Antifaschis vom Nazis )tto von ‚icht der tshauses 'elischen Werner nach mir Wäsche- en Tage icht. der rgenkind, r ersten kommen chte bei iuler ZU - ichtjahr- Pferde- jie Lehre ch durch s von da "Werben | brachte hne Lust usbruch hneider- u H | | 0) Dann kam das schicksalsschwere Jahr 1933. Die Finsternis und Reaktion überschatteten die letzten kümmerlichen Reste der Freiheit und der Demokratie. Für meine politische Idee ging ich fünf Jahre hinter Kerkermauern des Dritten Reiches. Mein Golgathaweg hatte begonnen. In diesen fünf langen Jahren ist mir nichts erspart geblieben, ich mußte den Kelch des Leidens bis zur letzten Neige leeren. Nach meiner Freilassung fand ich wieder Beschäftigung als Fabrikarbeiter. Erst in einer Eisengießerei und dann in einer Pappenfabrik am Niederrhein. Mein soziales Gerechtigkeits- gefühl brachte mich immer wieder sehr oft in dunkle Gefahren. Mein inniges Verbundensein mit den dort beschäftigten ausländi- schen Arbeitern wurde von den nazistischen Vertrauensleuten mit argwöhnischen Augen verfolgt. Der von den Hitlerfaschisten begonnene Krieg tobte schon einige, Jahre. Haß und Unverstand regierten rücksichtslos im Dritten Reich. Jedes freiheitliche Denken und Handeln wurde staatspolizeilich verfolgt und unterdrückt. Im September 1944 wurde ich noch einmal verhaftet und eingesperrt. Der Bomben- krieg zerstörte deutsche Städte, Dörfer und Industrieanlagen. In diesen Tagen und Jahren des Schreckens und des Grauens, wenn die heulenden Bomben zur Erde krachten, entstanden die ersten Aufzeichnungen aus meiner fünfjährigen Kerkerhaft. Wenn ich in Bunkern und Kellerlöchern zur Untätigkeit verbannt war, nahm ich Papier und Bleistift zur Hand und schrieb auf, was aus der Vergangenheit in mir haften geblieben war. Gutes und Schlechtes, bunt durcheinander wie das Schicksal mir beschieden war. Unermüdlicher und rücksichtsloser Kampf aller ehrlichen Antifaschisten ist notwendig, um das deutsche Volk endgültig vom Nazismus und Militarismus zu befreien! ArnoldSchulz.