110. Meinen toten Kameraden! Vorwort Tatsachenberichte über das Leben und Treiben im Konzentrationslager Mauthausen in Österreich, einem der berüchtigsten Lager, die Deutschland hatte, enthalten diese Blätter. Ohne von Haß und Verbitterung getragen zu sein, im Glauben an das Gute und Edle, mögen diese Zeilen, wahrheitsgetreu wiedergegeben, in die Welt hinausgehen, von Mensch zu Mensch. Ein Wunsch begleite dieses Buch: Möge es dazu beitragen, die Menschheit wieder auf den richtigen Weg zu bringen! Hochstadt, Post Weßling ( Oberbayern) Edmund Richard Stantke Die Verhaftung Berlin, Alexanderplatz... wie oft und gern bummelte ich hier. Mein Auge erfreute sich an dem wogenden Menschenmeer, an den Auslagen eleganter Geschäfte, erfreute sich an gut angezogenen Frauen, ihrem sorglosen Lächeln, an dem Lichterglanz des Abends, der dem Alexanderplatz eine besondere Note verlieh. - Das war vor 1933. Es war einmal! Heute ist er ein Schutthaufen! Und jenes sorglose Lächeln suche ich vergebens- es liegt unter den Trümmern begraben. Wie ein Nachtfalter, den das künstliche Licht anzieht, im Glauben es sei die wärmespendende Sonne, so blendete die Menschen ein scheinbarer Aufschwung, an dem sie sich Leib und Seele verbrannten. Und es wird einer langen Zeit bedürfen, bis wir Menschen uns zu jener Höhe emporschwingen, zu der wir von Anfang an berufen sind. Wir schreiben März 1935. Wieder führt mein Weg über den Alexanderplatz, allerdings gezwungenermaßen. Mein Auge kann nur wenig von dem Leben und Treiben erhaschen; denn ich sitze in einer sogenannten ,, grünen Minna", hinter einer kleinen vergitterten Fensterscheibe. Irgendjemand im Wagen ruft: ,, Wir sind da! Hier ist der Alex." Ich hatte schon viel Unangenehmes über das Berliner Polizeigefängnis gehört, aber was ich hier sah und erlebte, übertraf das Gehörte bei weitem! Wenig Luft, noch weniger Licht, viel Wanzen, die einen buchstäblich nicht zur Ruhe kommen ließen, von der Überfüllung ganz zu schweigen. Im Stehen zu schlafen, war keine Seltenheit. Alle Nationen waren hier vertreten, wegen politischer wie krimineller Vergehen, auch ,, Stammgäste". Lange Wochen mußten Menschen hier zubringen, bis es der Gestapo oder der Kripo nach ungezählten Vernehmungen gefiel, sie in ein Zuchthaus oder in ein Konzentrationslager zu überweisen. Die Verpflegung war verhältnismäßig gut, besonders die Transportverpflegung, auch Pakete durfte man empfangen, aber was besagte das alles! Der von Dreck strotzende Käfig und die Ungewißheit fraßen an Leib und Seele. Verschieden waren die Insassen, von der Intelligenz bis zum Untermenschentum; es wurde begaunert und gestohlen unter den Insassen, was das Zeug hielt. Schachergeschäfte waren an der Tagesordnung. Daß für eine Zigarette fünf Mark verlangt wurden, war keine Seltenheit. Wachmannschaft und Häftlinge arbeiteten Hand in Hand. Der Schwarze Markt ist nicht eine Erfindung von heute. ,, Wegen was bist Du hier?" fragte mich einer, der neben mir sitzend die Nacht verbrachte. ,, Weil ich ein Fanatiker der Wahrheit bin!" ,, Kann man wegen so etwas auch herein kommen?" fragte dieser weiter. ,, Wie Du 7 - unweit siehst, ja! Bekanntlich können die meisten Menschen die Wahrheit nicht vertragen, Nazis schon gar nicht! Mitglied der ,, Liga für Menschenrechte", obendrein noch einige saftige Zeitungsartikel, und der Verbrecher war fertig." ,, Da sehe ich schwarz für Dich", meinte mein Nachbar ,,, Sachsenhausen wirst Du nicht umgehen können"." Wo kommst Du jetzt her?" fragte unentwegt der Wissensdurstige. ,, Ich habe Pech gehabt der Schweizer Grenze wurde ich verhaftet und per Schub hierher gebracht, wo mir der Prozeß gemacht werden soll; wie er enden wird, wissen die GötGute Nacht!" ter." ,, Na, dann wünsche ich Dir Hals- und Beinbruch! Nach diesen Worten segelte mein Nachbar in das Reich der Träume, mich meinem Schicksal überlassend. - Nach etlichen aufreibenden Wochen hatte ich eine gerichtliche Verhandlung. Ich hatte in verschiedenen Zeitungsartikeln die Meinung vertreten, daß die Idee des Nationalsozialismus unweigerlich einen Krieg heraufbeschwören werde, der nicht nur Deutschland, sondern die ganze Welt in Mitleidenschaft ziehen müsse. ,, Also, Angeklagter, kennen Sie diese Artikel?"( es wurden mir einige Zeitungsausschnitte vorgelegt). ,, Jawohl, Herr Vorsitzender!" ,, Geben Sie zu, Verfasser derselben zu sein?" ,, Ja, ich bekenne mich dazu." ,, So, und was trieb Sie, jene Artikel zu schreiben? Sind Sie in einer Partei?" ,, Ich bin in keiner Partei, ich habe auch von keiner irgendeinen Auftrag erhalten, lediglich meine innere Überzeugung und mein Glaube an die Wahrheit und Gerechtigkeit leiteten mich." ,, War Ihnen nicht bekannt, daß der Inhalt, sowie die Art und Weise, in der Sie schrieben, strafbar sei? Waren Sie sich dessen nicht bewußt, daß Sie mit dem Gesetz in Konflikt geraten könnten?" ,, Herr Vorsitzender! Ich war und bin in dem Glauben, wer sich für die Wahrheit und die Gerechtigkeit einsetzt, handelt nach göttlichem wie menschlichem Gesetz." ,, So, so! Und was bewegte Sie, in die ,, Liga für Menschenrechte" einzutreten?" ,, Derselbe Grund, Herr Vorsitzender!" Es war eine ziemlich lange Verhandlung, und es würde ermüdend auf meine Leser wirken, wollte ich die ganze Verhandlung hier niederschreiben; solche Verhandlungen sind ja zur Genüge bekannt. Zu erwähnen wären noch einige Worte des Staatsanwalts. Hatte der Richter Verständnis für meinen Fall, ich möchte sagen, etwas wohlwollend Väterliches an sich, so war der Anklagevertreter der unerbittliche Paragraphenmensch! Ich werde nie vergessen, wie er fast bei jedem Satz meine in der Hand haltenden Akten auf den Tisch knallte und sich zu den Worten hinreißen lieẞ: ,, Der Angeklagte ist ein ausgesprochener Kommunist und ein zweiter van der Lubbe!" Diese unsinnige Bemerkung des Staatsanwalts hätte mich beinahe aus meiner so unvergleichlichen Ruhe gebracht, und ich mußte mir Gewalt antun, sie zu bewahren. Er beantragte am Schlusse seiner Rede zwei Jahre Zuchthaus. ,, Nun, Angeklagter, Sie haben gehört, was der Herr Staatsanwalt zu Ihrer Sache bemerkte, was haben Sie zu erwidern?" Ich faßte mich kurz, indem ich sagte: ,, Herr Vorsitzender, zur Sache selbst finde ich es nicht nötig, 8 mich zu v etwas zu e und ein z erlauben, nicht studi der komm dort war, Das G weisung de verständlic Es ver Tages im ,, Hölle am holungsstä in Österre hausen wa Jedo Wahn" Konzentra den Ausla behaftet. überlebt ich komm die Hölle einer vo genomme Imme und stets übten Gra Mein schen Ma obwohl e seit meine rechtigke Kampf de Weg nich die noch werden, u ' nicht :chte‘“, ar fer- ıchsen- her?“ unweit jracht, e Göt- acht!“ , mich e Ver- vertre- herauf- Welt in - einige hen. Sie 5o, und Jch bin halten, eit und Inhalt, ren Sie n könn- sich für em wie iga für r!“ nd auf ‚reiben; wären nis für sich; so j werde ‚enden p;„Der yan der ahe aus Gewalt ei Jahre walt m kurs mich zu verteidigen, nur auf die Worte des Herrn Staatsanwalt habe ich etwas zu erwidern. Wenn Herr Staatsanwalt sagte, ich sei ein Kommunist und ein zweiter van der Lubbe, dann darf ich mir wohl die Bemerkung erlauben, daß Herr Staatsanwalt meine Akten nur oberflächlich oder gar nicht studiert hat! Denn aus meinen Akten ist ersichtlich, daß ich weder in der kommunistischen noch sonst in irgend einer Partei, sondern ich immer dort war, wo es das Vaterland galt.‘' Das Gericht zog sich zur Beratung zurück und kam mit einer Über- weisung des Falles an die Gestapo heraus. Die Gestapo nahm sich selbst- verständlich meiner„liebevoll“ an. Es vergingen wiederum einige Wochen der Ungewißheit, bis ich eines Tages im KZ landete. Esterwegen, meine erste Landestelle, wurde wohl die „Hölle am Waldesrand‘ genannt, ebenso war auch Neu-Sustrum keine Er- holungsstätte, aber gegen Gusen und ganz besonders gegen Mauthausen in Österreich, waren die beiden ersten Sanatorien!— Gusen und Maut- hausen waren ausgesprochene Vernichtungslager. „Jedoch der schrecklichste der Schrecken, das ist der Mensch in seinem Wahn“— diese Worte Schillers haben sich auf das furchtbarste in den Konzentrationslagern bestätigt. Ohne Ausnahme! Bei Deutschen wie bei den Ausländern. Sie alle waren mehr oder weniger mit dem Tier im Innern behaftet. Mauthausen war für mich die Welt im kleinen. Wer Mauthausen überlebt hat(es spielt keine Rolle, ob er Politischer oder Krimineller war— ich komme im weiteren Verlauf des Buches noch darauf zurück), der hat die Hölle auf Erden genossen! Und ich kann mir nicht denken, daß nicht einer von den Überlebenden aus dieser Hölle eine Lehre mit ins Leben genommen hat. Immer und stets wird er das dort Erlebte vor Augen haben! Immer und stets wird und muß er sich dafür einsetzen, daß die Welt die dort ver- übten Grausamkeiten nicht noch einmal erlebt! Mein Glaube an das Gute und Edle im Menschen ist trotz aller tieri- schen Machenschaften in den langen Lagerjahren nicht erschüttert worden, obwohl er hie und da ins Wanken geriet, ja sogar manche Enttäuschung seit meiner Befreiung hinnehmen mußte— ich glaube an den Sieg der Ge- rechtigkeit! Mein ganzes Sinnen und Trachten kennt nur dieses eine Ziel; Kampf der Ungerechtigkeit und Unwahrheit!— Gewiß, so eben wird der Weg nicht sein, es werden viele Brücken gebaut werden müssen, Brücken, die noch kein Baumeister der Erde gebaut hat, aber sie müssen gebaut werden, um zu jenem Ziel zu gelangen!— I. Teil I. Abseits der großen Heerstraße Wien- Linz, ungefähr fünf Kilometer nordwestlich von dem alten, ruhigen Städtchen Mauthausen, liegt jenes berüchtigte KZ , Mordhausen" genannt, von meterdicken Steinmauern und elektrisch geladenem Stacheldraht umgeben, wie eine Festung aus uralten Zeiten. Die Hölle auf Erden! - von uns دو - Mauthausen, wenn ich deinen Namen höre, höre ich heute noch den Schrei der tausend und abertausend Unglücklichen, die in deinen Mauern Unfaẞbares und Menschenunwürdiges erlitten haben. Vor meinen Augen sehe ich den Kommandant Ziereis, jene Bestie in Menschengestalt, für den wir Häftlinge weniger als Dreck waren. Tausende hat er aus Wollust ermordet und hinmorden lassen. Leider hat er kurz vor der Einnahme von Mauthausen einen zu schnellen Tod gefunden. Als ehemaliger Zimmermannsgeselle hat er es auf Grund seiner unnachahmlichen Brutalität und Freundschaft zu Himmler sehr bald bis zum SSStandartenführer gebracht. Nebenbei bemerkt, besaß er auch mehrere Autos, zwei Reitpferde, eine Messerschmitt, einen Fieseler Storch, ja sogar eine Hühnerfarm mit mehreren tausend Hühnern, von einer Villa mit allem Komfort ganz zu schweigen. In seiner Eigenschaft als Lagerkommandant waren ihm außer dem Mutterlager Mauthausen noch die Nebenlager Gusen I und II, Vöcklabruck, Wiener- Neustadt u. a. unterstellt. Hier war er Kaiser in seinem eigenen Reich, und wer ihm nicht paßte, den ließ er verschwinden, meistens auf eine grausame Art. Seine rechte Hand, erster Schutzhaftlagerführer Bachmaier, stand ihm in nichts nach. Dieser war Besitzer der beiden Bluthunde ,, Prinz" und ,, Lord", durch die er eine große Anzahl Häftlinge buchstäblich zerfleischen ließ. Er war einer der brutalsten Menschen, die ich je gesehen habe. Wir nannten ihn den ,, Schrecken von Mauthausen"! Es will mir heute noch nicht in den Kopf, wie Menschen, deutsche Menschen, die doch auch eine Mutter, ja selbst Frauen und Kinder hatten, solche Bestien sein konnten. Schon auf dem Weg vom Bahnhof Mauthausen nach dem Lager bekamen wir eine erste Kostprobe dessen, was uns dort erwartete. Freilich, durch die Stadt ging alles schön in Ruhe, aber man wurde das Gefühl nicht los, daß es eine gemachte Ruhe war. Und richtig, wir waren kaum einen Kilometer von der Heerstraße entfernt in den berüchtigten Hohlweg nach dem Lager abgebogen, da ging es auch schon rund. ,, Ihr Sauhunde, wollt Ihr laufen! Auf, nieder!" Immer rein in den größten Dreck, und immer drauf mit dem Gewehrkolben. Ein Marterweg! Nie werde ich ihn vergessen. Viele Tausende sind diesen Weg schon gegangen, nur wenige haben ihn wiedergesehen! - - Bei unserer Ankunft im Lager erhielt ich zur Begrüßung von dem damaligen zweiten Schutzhaftlagerführer Ernsberger soviel Kinnhaken, daß mir die Zähne nach allen Richtungen standen. Mein Leidensgefährte, 10 Dr. Pelzer, im Laufen Herzklopfer Nachde Aufnahme! die Aufnah aus. Alle u einen Sack dem roten netten Emp mußten all verteilt. An Ru hierher vie nicht. Es ga Ein Kapite werdet ihr Herr". Un Meinung bauen, ein nicht ein konnte v kaum ein unangene Dann fünf Uhr den Ohre den Träum und nochm weigerlich Ochsenzie dies- di nicht verl ungefähr über leger jedem Sch Ungunsten weiter vor damit Glü Bock" ge Winter, f konnte m lometer rt jenes rdicken je eine te noch - deinen ie Bestie on. Tau- r hat er efunden. unnach- zum SS- mehrere ja sogar nit allem mandant ger GU- ıterstellt. abte, den ‚fleischen abe. Wir Dr. Pelzer, mußte dasselbe durchstehen und obendrein noch seine Kunst im Laufen zeigen. Ich glaube, Pelzer ist in seinem Leben nie mit so viel Herzklopfen gelaufen wie damals. Nachdem die SS sich ihr Mütchen an uns gekühlt hatte, gingen wir zur Aufnahme! Das war ein Spießrutenlaufen! Jeder, ob SS oder Häftling,— die Aufnahme fand in der Lagerschreibstube statt— ließ seine Wut an uns aus. Alle unsere persönlichen Sachen wurden uns abgenommen und in einen Sack gesteckt. Dann erhielten wir die gestreifte Häftlingskleidung mit dem roten Winkel, da wir Politische waren. Nach diesem so außerordentlich netten Empfang wurden wir, ohne zu baden— ein Glück für uns, später mußten alle Zugänge baden, und da ging es hoch her— auf die Blöcke verteilt. An Ruhe nach dieser ermüdenden Fahrt— wir waren von Berlin bis hierher vierzehn Tage unterwegs— war nicht zu denken, an Essen auch nicht. Esgab einfach nichts. Jetzt schikanierte uns erstmals der Blockälteste. Ein Kapitel für sich, diese Blockältesten, doch davon später!—„Also jetzt werdet ihr mal Bettenbauen lernen, ihr Hornochsen“, sprach der„hohe Herr“. Ungefähr eine Stunde lang haben wir probiert, aber nach seiner Meinung klappte es immer noch nicht. Und so ging es in einem fort: bauen, einreißen und wieder bauen. ‚‚Wehe euch, baut ihr mir morgen früh nicht ein anständiges Bett“, war der Gutenachtgruß des Blockältesten. Ich konnte vor lauter Nachdenken über den Bettenbau trotz der Müdigkeit kaum einschlafen. Kleine Lagerschikanen— aber sie gehörten mit zu den unangenehmsten.: Il. Dann begann der Alltag im Lager. Je nach Jahreszeit, um vier oder fünf Uhr morgens war Wecken. Heute noch klingt mir die Lagerglocke in den Ohren. Sie war der Schrecken sämtlicher Lagerinsassen, rief uns aus den Träumen in die grausame Wirklichkeit zurück. Das Erste: Bettenbau und nochmals Bettenbau! Wehe dem, der mit dem Bett auffiel! Er ging un- weigerlich über den„Bock“ und erhielt seine„fünfundzwanzig“ mit dem Ochsenziemer, die von den kräftigsten der SS verteilt wurden. Wir nannten dies— die ganz festen haben trotz allen Elends auch hier ihren Humor nicht verloren—„Auszahlung“. Der„Bock“ bestand aus Holz. Er war ungefähr einen Meter hoch und ebenso lang. Der Häftling mußte sich dar- über legen, seine Hände wie auch die Füße kamen in Schlaufen und bei jedem Schlage mußte er mitzählen. Es kam vor, daß mancher sich zu seinen verzählte, wiederum andere waren darunter, die mit dem Zählen weiter voraus waren als die SS mit den Schlägen, aber nur wenige hatten damit Glück. Mir ist, Gott sei Dank, nie das Pech widerfahren, über den „Bock“ gehen zu müssen.— Nach dem Bettenbau ging es, ob Sommer oder Winter, fast nackend in den Waschraum. War man nicht schnell genug, konnte man mit dem Gummiknüppel Bekanntschaft machen. Ich habe nie 11 zuvor soviel Menschen mit dem Knüppel herumlaufen sehen als hier, eine reine Seuche war das. Jeder wollte natürlich zum Waschen der erste sein, um den Unannehmlichkeiten aus dem Wege zu gehen. Die Anständigen waren, wie üblich, so auch da immer die Dummen. - Das Frühstück, ein halber Liter Kaffee manchmal auch eine Wassersuppe war schnell eingenommen. Brot hatte, außer dem Blockpersonal, fast keiner mehr. Das kleine Stückchen wurde meist schon am vorhergehenden Abend bei der Ausgabe verzehrt. - Ein Pfiff: ,, Arbeitskommando antreten!" Wir ,, Neulinge" liefen wie die Wilden, die ,, Alten" hatten es nicht so eilig, sofern nicht ein SS- Mann mit dem Knüppel im Anzug war. - Das schlimmste und größte Kommando war der Steinbruch. Er lag ein Stück unterhalb des Lagers, und man mußẞte mehrere hundert Stufen bewältigen, um zu ihm zu gelangen. Im Winter war er wegen Glatteis manche Hundertschaften von Häftlingen waren schneller drunten als sie dachten im Sommer dagegen der Hitze halber eine sehr beschwerliche Angelegenheit. Mit einem 50- kg- Stein auf der Schulter, auf und ab, Tag um Tag, war der Steinbruch ein Vorgeschmack der Hölle. War die SS- Begleitwarf sie den vom Häftmannschaft boshaft und das war sie meistens ling so mühsam heraufgeschleppten Stein, bei der obersten Stufe angekommen, wieder hinunter. den - - - - - Wenn Steine reden könnten, müßten sie erzählen von den sadistischen und bestialischen Morden, die im Steinbruch vollführt wurden, müßten erzählen von den Tausenden unschuldiger Menschen hauptsächlich Judie man gewaltsam den 30 m hohen Felsen hinabstürzte, von dem herzzerreißenden Abschiednehmen von dieser Welt, als sie später, da kein anderer Ausweg mehr vorhanden, in ganzen Gruppen freiwillig hinuntersprangen, nicht ohne vorher von einem Rabbiner gesegnet zu werden. Man muß selbst dabei gewesen sein, um dieses große Sterben fassen zu können. Da lagen sie nun unterhalb des Felsens herum, mit zerspaltenen Schädeln, ein unbeschreibliches gebrochenen Beinen, noch hin und wieder zuckend Elend! Wo sind sie hin, ihre Mörder? Feige sind sie geflüchtet, feige haben sie durch Gift oder sonstwie ihrem Leben schnell ein Ende gemacht. Hauptscharführer der SS Spatzenecker war Kommandoführer des Steinbruchs und somit Herr über Leben und Tod der Häftlinge dort. Wenn er sagte: ,, Den Häftling Nr. Soundso will ich heute Abend als Leiche sehen", dann wurde das auch von seinen Henkersknechten, den Capos Lutz, Reiter, Saremba, Matucha u. v. a. prompt ausgeführt. - - vom Die Lagerstraße, wir nannten sie ,, Blutstraße", war stummer Zeuge von Tausenden und Abertausenden Toten, die Tag für Tag, vom frühen Morgen bis zum späten Abend, Woche um Woche, Jahr um Jahr, ihr Rücken trug. Ununterbrochen trug man die Toten auf selbstgezimmerten Tragen Spötter nannten diese Tragen den ,, bayrischen Hilfszug" Steinbruch zum Krematorium. Später reichten die Tragen nicht mehr aus, um die Getöteten, Verhungerten oder Erfrorenen zu befördern. Bagagewagen, die man irgendwo organisiert hatte, wurden dazu herangezogen. Ein 12 - 4 Schauern ü wagen darauf die - Der Al hatte man A Menschenm gedrängt, Zusammens zu sein, sin her hat man Gelegenhei mando von einen Tisch noch die B hatte sich und gern älteste, de von ihnen Wehe den hübsch, in selbst zur Wenn zustellen, so reichlic ebenso da auffiel, de ,, Blockste Manch ein zuändern, gemacht. daß sich nächstbest stochen w da für Un Häftlinge! sieren kon purzelted schlecht d Häftling, wurde vo gehängt o getaucht, er, eine T erste Anstän- Wasser- ersonal, vorher- wie.die ann mit : Jag ein ufen be- ıtteis— ‚ als sie werliche Tag um Begleit- m Häft- ngekom- istischen mühten hlich Ju- yon dem ‚da kein inunter- en. Man können. ‚chädeln; eibliches 7e haben cht. hrer des pt. Wenn $ Leiche pos Lutz, ‚p Zeuge m frühen Jahr, ihr immerte" *- yom pehr au ‚ Bagas“ gen. D" Schauern überkam mich, wenn ich diese mit Leichen voll beladenen Bagage- wagen die Lagerstraße hinunterfahren sah,— kreuz und quer lagen sie darauf— ohne jede Spur von Pietät. II. Der Alltag im Block war nervenzerreibend. Wo man ging und stand hatte man Ärger und Verdruß, was aber auch kein Wunder war, denn die Menschenmassen waren auf den paar Quadratkilometern derart zusammen- gedrängt, daß ein Ausweichen kaum möglich war und es zu ungewollten Zusammenstößen kam. Wohl war ich die Ruhe selber und doch, um ehrlich zu sein, sind die Nerven auch manches Mal mit mir durchgegangen. Hinter- her hat man sich entschuldigt und die Hände gedrückt, um bei der nächsten Gelegenheit in denselben Fehler zu verfallen. Kam man als spätes Kom- mando von der Arbeit, konnte man das Pech haben, weder einen Sitz- noch einen Tischplatz zu finden. Hatte man ganz großes Pech, dann war auch noch die Brotration aus dem Spind verschwunden, oder das Blockpersonal hatte sich geirrt oder vergessen, sie hineinzulegen. Leider hat es sich zu oft und gern geirrt! Überhaupt, das Blockpersonal! Zu ihm gehörte: der Block- älteste, der Blockschreiber, zwei Stubenälteste und der Blockfriseur. Jeder von ihnen hatte einen„Schwung“, so hießen die Putzer dieser Herren. Wehe dem, der es mit dem ‚Schwung‘ des Blockältesten verdarb! Jung, hübsch, immer schneidig gekleidet— im übrigen müssen sich meine Leser selbst zurechtfinden. Wenn die Lebensmittelrationen auf den Block kamen, ist leicht vor- zustellen, wohin ein großer Teil erst mal wanderte. Der Blockälteste wurde so reichlich bedient, daß er bis zur nächsten Verteilung leicht auskam, ebenso das andere Personal. Wohlweislich verteilte alles, damit es nicht auffiel, der„Schwung“. Wir übrigen Blockinsassen waren dann übel daran. „Blocksteuern‘“ nannten einige Humorvolle diesen gewaltsamen Abzug. Manch einem meiner Leser wird die Frage auftauchen:„Ging das nicht ab- zuändern, war da kein Beschwerderecht?‘“ Gewiß! Es wurde sogar bekannt- gemacht. Aber— geändert wurde nichts— oder doch! Insofern nämlich, daß sich der Betreffende nie mehr beschwerte. Entweder war er bei der nächstbesten Gelegenheit als Rauch durch den Kamin gegangen oder be- stochen worden. Ja, ja, Lagerleben! Eine Welt für sich. Unglaublich, was da für Untermenschenideen ausgeklügelt wurden, von Häftlingen gegen Häftlinge!— Goebbels hätte noch davon lernen können!— Wer gut organi- sieren konnte, war obenan, aber das hatte auch alles seine Zeit, einmal purzelte doch jeder. Der andere, der anständige, mußte sich recht und schlecht durchkämpfen oder nach und nach verhungern. Aber wehe dem Häftling, der vor Hunger aus dem Spind eines anderen Brot stahl! Er wurde von dem Blockpersonal eigenhändig an dem erstbesten Nagel auf- gehängt oder in eine Tonne voll Wasser mit dem Kopf nach unten hinein- getaucht, bis er ertrank, zum Tode befördert von jenem Blockpersonal, das 13 täglich die Rationen der übrigen Blockinsassen nahm. Die Blockältesten waren zum größten Teil brutal bis auf die Knochen, dumm( manche konnten kaum schreiben), falsch und feige, wenn sie keinen Hinterhalt hatten. Auf ihr Konto kommt der Tod unzähliger Häftlinge. - - Der Lagerschreiber Leizinger, ein Wiener, war einer der gemeinsten Häftlinge, die das Lager ,, Mordhausen" aufzuweisen hatte. Er ist eigentlich = außer dem Kommandanten- der Hauptschuldige an dem großen Morden im Lager. Leizinger stellte täglich die Arbeitskommandos zusammen. Wer ihm oder dem Lagerführer nicht paßte, verschwand auf eine oft grausame Weise. Wehe dem, der es mit Leizinger verdarb! Er besaß eine furchtbare Macht und hat sie weidlich ausgenützt, im schlechtesten Sinne! Von uns hat er den schönen Titel ,, Kaiser von Mauthausen" bekommen. Der Dummkopf war sogar noch stolz darauf! Genug von ihm.- Der ,, Kaiser von durch den Mauthausen" ist auch alle Schuld rächt sich auf Erden Schornstein gegangen, lange vor unserer Befreiung durch die Amerikaner. Überhaupt habe ich bei vielen Wienern und Münchnern vergeblich das ,, goldene Herz" gesucht, dessen sie sich so rühmten. Ich fand, daß sie den Norddeutschen in nichts nachstanden. Ebenso bestand auch kein Unterschied zwischen politischen, kriminellen oder asozialen Häftlingen. Geschlagen, geraubt und gemordet wurde hüben wie drüben, und daher finde ich es nicht angebracht, daß man die politischen Häftlinge gar so besonders hervorhebt. Viele von ihnen waren im Lager alles andere als anständig. Hier in der kleinen Welt war es wie in der großen. Lumpen und Mörder waren unter den kriminellen, Lumpen und Mörder waren aber leider auch unter den politischen Häftlingen. Anderseits waren anständige Kerls, Kameraden, unter den politischen wie unter den kriminellen Häftlingen. Hut ab vor ihnen! - - - - gekonnte ich - diese noch bei Winkel bed Zigeuner. I digsten Ke ihre Überz sie davon a Die be Gelitten haben alle Häftlinge im Lager und die kriminellen Häftlinge sie kamen darnach ins Konzentrahatten meistens ihre Strafe verbüßt, tionslager zu ihrem ,, eigenen Schutz", wie man das so schön nannte führt wurden sie als ,, Berufsverbrecher". Der politische Häftling wollte mit ihnen nichts gemein haben. Abgesehen davon, daß jene Einstellung eine Dummheit war viele Politische haben das später erkannt doch im Laufe der Jahre feststellen, daß mancher, der den roten Winkel trug, den grünen hätte tragen müssen. Diesen Winkel gab es in verschiedenen Farben im Lager. Die den roten trugen, waren- wie schon erwähnt- politische Häftlinge, ganz gleich, ob sie von der KPD., SPD. oder NSDAP. kamen, ferner sämtliche Ausländer, mit Ausnahme der Spanier, hatten einen blauen mit einem weißen S darin. Die ,, Berufsverbrecher" ( BV.) trugen einen grünen Winkel. Das Wort ,, Berufsverbrecher" klingt gefährlicher als sie selbst waren. Etwas anderes war es schon bei den Sicherheitsverwahrten( SV.). Ihr Delikt war schon schwerer Art. Mancher von ihnen hatte einen Mord begangen. Sie kamen aber erst ins Lager, als der Krieg bereits dem Ende zuneigte und sämtliche Strafanstalten geräumt wurden. Ich glaube auch, daß keiner von den SV. die Freiheit wieder gesehen hat, denn sie besaßen kein gutes Ansehen im Lager, weder bei uns 14 ich heute war. Sie m nur den Spa sie unter s so nahm e Klagelaut nen Haupt einem Läch sen, wie we Leckerbiss im Organi schlichter chen. Einn als ich sa Eine Mut sind heute nie verge Da i vergessen fast sagen sen sorgte Gesinnung der SS du späteren I Karl R. m gerechtigk Die Haupt gehalten Grund. W brechen k Gegenteil, einfach du ja so billig aufgefüllt. In tie in steter Wohle all Kame sor Podl Filtesten konnhatten. meinsten gentlich en Morammen. ft graufurchtne! Von men. Der iser von rch den rikaner. lich das 5 sie den UnterGeschlafinde ich wesonders mständig. Mörder der auch Is, Kame. Hut ab Häftlinge Oonzentrate- gewollte mit ung eine onnte ich n Winkel verschieerwähntNSDAP. - diese rbrecher" er" klingt bei den Mancher Lager, als n geräumt wieder geer bei uns noch bei der SS, die schwer unter ihnen wütete. Mit dem schwarzen Winkel bedacht waren die Asozialen, also die Arbeitsscheuen, Zuhälter und Zigeuner. Die Bibelforscher hatten einen violetten. Sie waren mit die anständigsten Kerle im Lager. Nie haben sie sich an Dingen beteiligt, die gegen ihre Überzeugung waren. Sie wären lieber in den Tod gegangen, als daß sie davon abließen. In Freud und Leid hielten sie zusammen wie die Kletten. Die besten Kameraden im Lager aber waren die Spanier. Oft denke ich heute noch an jene Stunden zurück, da ich ihr ,, Amigo"( Freund) war. Sie meisterten die traurigste Situation mit einem gewissen Stolz, der nur den Spaniern eigen ist. Die letzte Zigarette, das letzte Stück Brot teilten sie unter sich. Hatte einer das Pech, über den ,, Bock" gehen zu müssen, so nahm er sein Taschentuch in den Mund, damit ja kein unverhoffter Klagelaut hervordrang. War die Prozedur beendigt, trug er stolz erhobenen Hauptes die Schmerzen. Ja sogar mit einem Lächeln auf den Lippen, einem Lächeln, das da sagen mochte: ,, Lieber sterben, als dich merken lassen, wie weh du mir getan." Oft, wenn ich in ihrem Kreise weilte, ein Leckerbissen wurde mir bei dieser Gelegenheit immer verabreicht, denn im Organisieren waren sie groß erzählten sie mir in einfacher und schlichter Weise von ihrem Land, ihrer Familie, ihren Sitten und Gebräuchen. Einmal lag ich krank. Doch ein Gefühl der Geborgenheit war in mir, als ich sah, wie sie sich bemühten, mich wieder auf die Höhe zu bringen. Eine Mutter konnte nicht besser an mir handeln. Menschen dieser Art sind heute leider so selten, und darum werde ich meine spanischen Freunde nie vergessen! - -, - Da ich gerade von guten Kameraden hier spreche, darf ich einen nicht vergessen: unseren damaligen Lagerältesten, Karl R. aus Wien. Ich möchte fast sagen, er war ein geborener Lagerältester. Humorvoll, ruhig und gelassen sorgte er für uns wie ein Vater für seine Kinder. Mit seiner vornehmen Gesinnung setzte er sich nicht nur bei den Häftlingen, sondern sogar bei der SS durch und hat so viel Unheil von uns abgewendet, was man von späteren Lagerältesten nicht sagen konnte. Die schwierigsten Fälle verstand Karl R. meisterhaft zu ,, bügeln", wie man das bei uns nannte. Aller Ungerechtigkeit war er feind, und uns zu schikanieren lag ihm gänzlich fern. Die Hauptsache war, daß der Bettenbau klappte und die Blöcke in Ordnung gehalten wurden. Sein Steckenpferd, die Sauberkeit, hatte schon seinen Grund. Wäre er da nicht so dahinter gewesen, hätte manche Seuche ausbrechen können, denn die Lagerleitung kümmerte sich wenig darum. Im Gegenteil, war irgend eine Krankheit ausgebrochen, wurden die Kranken einfach durch eine Einspritzung in das Jenseits befördert. Menschen waren ja so billig! Man nahm neue Verhaftungen vor, und das Lager war wieder aufgefüllt. In tiefer Dankbarkeit sind diese Zeilen Karl R. gewidmet. Er wird mir in steter Erinnerung bleiben, als Kamerad, der sein Bestes hergab zum Wohle aller Lagerinsassen. Kamerad im wahren Sinne des Wortes ist auch der Tscheche, Professor Podlaher, gewesen. Er betreute das Häftlingsrevier und unzählige 15 Häftlinge, die schon vom Tode gezeichnet waren, verdanken diesem tapferen, wahrhaft großen Menschenarzt ihr Leben. Professor Podlaher war unser Gott im Lager. Man muß sich vor Augen halten, daß bei vierzigtausend Häftlingen täglich etliche hundert Kranke den Arzt in Anspruch nahmen. Auch waren Medikamente und Verbandstoffe gänzlich unzureichend, aber Professor Podlaher verlor trotzdem nicht den Mut, er war dieser trostlosen Lage gewachsen. Wenn ich mit diesen Zeilen seiner gedenke, erinnere ich mich jener Tage, da er inmitten seiner Schützlinge stand und seine letzten Zigaretten, ja sogar sein Brot mit ihnen teilte. Er hat mit seiner Aufopferung manchen Deutschen beschämt. Professor Podlaher wird uns allen unvergessen bleiben! - IV. So vergingen Tag um Tag, Woche um Woche, Jahr um Jahr. Mordend, eintönig und abstumpfend. Seelenlos! Zog man vor einem Toten die erste Zeit die Mütze ein SS- Mann dürfte dies schon gar nicht gesehen haben so fiel dies nach kurzem weg, denn der Toten waren täglich hunderte. Abgehärtet, wie wir durch die Jahre geworden, konnte uns fast nichts mehr erschüttern. Nur Haß, Verbitterung und Verachtung blitzten aus unseren Augen. Ich hatte das große Glück, trotz meiner langjährigen Lagerzeit ohne äußere körperliche Merkmale- bis auf die eingeschlagenen Zähne durchzukommen. Aber einige meiner Kameraden haben schon Schweres überstanden, die nachfolgenden Zeilen sollen davon berichten: - die Häftli man den gefährlich hatte, zu Herbert M., der schon mehrere Semester im Steinbruch hinter sich hatte, kam eines Tages auf die Idee: ,, Lieber tot frieren als tot arbeiten!" Wie schon erwähnt, arbeiteten im Steinbruch durchschnittlich zwölfhundert Häftlinge. Jeder Capo hatte eine Hundertschaft, für die er verantwortlich war. So ein Capo war ein kleiner Herrgott in seinem Bereich und hatte alle Vergünstigungen. Arbeiten brauchte er nicht, Hauptsache war, daß er seine Leute antrieb. Er hatte soviel Vollmachten, daß er sogar über Leben und Tod des Häftlings, der in seinem Kommando tätig war, verfügen konnte. Und manche von ihnen haben davon reichlichen Gebrauch gemacht. Tagelang hatte mein Kamerad M. Umschau gehalten, wie er sich am besten von der Arbeit drücken konnte. Als altem Lagerinsassen stand ihm nach seiner Auffassung dies Recht zu, denn jahrelang hatte er geschuftet. Um die Stellung eines Capos oder Blockältesten bewarb er sich nicht, dazu war er auch noch nicht schlecht genug. So entdeckte er denn eines Tages eine Stelle, wo er sich, wenn die anderen arbeiteten, ausruhen konnte. Es war dies ein umfangreiches Kanalrohr, das er sich mit Stroh auspolsterte. Das ging so ungefähr ein Vierteljahr gut, bis mein M. das Pech hatte, das Einrücken zu verschlafen. Großer Aufruhr im Steinbruch. Wer könnte das bei einer sein? Wenn auch die Capos ihre Hundertschaften abzählten - mußte er ja fehlen so wußte man immer noch nicht, wer das war, denn 16 treffende gen, wie a men würd Organisie warum, be sonst so w noch einn Aber mag darü man ehrli gefügt, es dann bric es aufgib kam der er den ih Der wich Wirklich ganz and De Komman in diese jetzt wer hatte ich sehr selt sagte jet war, fuhr bekomme Glauben, senen un intelligen Und ich Schornst heute ab Kost bek So ging meldete fähig sei erst rech Sein gan schnell Unmöglic Wochen 2 Mth. tapfeer war vierzignspruch inzureier war ner geitzlinge ilte. Er or Podr. Morm Toten ar nicht ren tägkonnte rachtung mer langdie einmeraden en davon nter sich beiten!" wölfhunantwortand hatte ", daß er er Leben verfügen auch gee er sich sen stand geschufch nicht, enn eines en konnte. Spolsterte. hatte, das önnte das bei einer war, denn die Häftlinge wechselten fast täglich. Alles wurde fieberhaft abgesucht, bis man den Fehlenden entdeckte. Dieses Verkriechen war immer eine sehr gefährliche Sache und führte meistens, wenn einer nicht besonderes Glück hatte, zum Tode. Die SS und die Capos sorgten schon dafür, daß der Betreffende nicht mehr lebendig davon kam, um dem Kommandanten zu zeigen, wie aufmerksam sie seien. Auch M. glaubte nicht, daß er davonkommen würde, obwohl er eine bekannte ,, Lagergröße" war, besonders im Organisieren. Als ich M. abends am Turm stehen sah und erfahren hatte, warum, bedauerte ich ihn sehr und dachte: ,, Armer Kerl, du warst doch sonst so wachsam und nun dieses Pech!" Auch ich bezweifelte sehr, daß er noch einmal durchkommen würde. Aber das Leben geht doch manches Mal sonderbare Wege. Und man mag darüber grübeln, wie man will, es bleibt ein Rätsel. Gerade dann, wenn man ehrlich und gewissenhaft gehandelt und Stein auf Stein fest zusammengefügt, es für unmöglich hält, daß es je zusammenbrechen könnte, gerade dann bricht es. Und da, wo man von vornherein die Unmöglichkeit sieht, es aufgibt, erlebt man das Gegenteil. So auch im Falle M. Durch Zufall kam der Kommandant Ziereis in das Lager. M. am Turm sehend, fragte er den ihn begleitenden Lagerführer Bachmaier: ,, Was hat der verbrochen?" Der wichtigtuende Bachmaier beschrieb M's Fall noch schlimmer, als er in Wirklichkeit war. Aber diesmal hatte er sich verrechnet, denn es kam alles ganz anders. - ,, Den ,, Bock" her, und alle Capos vom Steinbruch zu mir", sprach der Kommandant. Mir schien, als ob er gute Laune habe, aber wer kannte sich in diesem unberechenbaren Menschen aus? Ich dachte noch: ,, Armer M., jetzt werden wohl alle Capos ihre Wut an dir auslassen", doch auch darin hatte ich mich getäuscht. Ziereis hatte wirklich einen guten Tag, was selten, sehr selten der Fall war. ,, So, alle Capos bekommen ,, Fünfundzwanzig", sagte jetzt der Kommandant, indem er lächelte. Als die Prozedur vorüber war, fuhr er, zu den Capos gewendet, fort: ,, Wißt Ihr auch, warum Ihr sie bekommen habt? Ich will es Euch sagen. Weil Ihr zu dumm seid. Ich war im Glauben, meine Capos seien intelligent! Ihr Hornochsen! Ihr vollgefressenen und versoffenen Banditen! Dieser da", er zeigte auf M. ,,, ist zehnmal intelligenter als Ihr! Monatelang hat er Euch an der Nase herumgeführt. Und ich sage Euch, wehe dem, der ihm etwas antut, er geht durch den Schornstein. Abtreten!". Jetzt kam M. an die Reihe: ,, Und Du gehst von heute ab ins Revier", sagte er zu ihm ,,, ich werde anordnen, daß Du SSKost bekommst. Wenn Du dich erholt hast, meldest Du Dich bei mir." So ging M., statt ins Krematorium, ins Revier zur Erholung. Nach Wochen meldete er sich beim Kommandanten, daß er wieder gesund und arbeitsfähig sei. Dieser machte ihn daraufhin zum Blockältesten. Jetzt war M. erst recht in Nöten. Alles andere, nur nicht Blockältester wollte er sein. Sein ganzes Sinnen und Trachten ging nun darauf aus, diesen Posten so schnell wie möglich wieder los zu werden. So einfach war das ja nicht. Unmöglich konnte er sich jetzt mit dem Kommandanten überwerfen. Etliche Wochen mußte er schon in den sauren Apfel beißen, um schließlich doch 2 Mth. - 17 eine Lösung zu finden, durch die er seinen Posten loswerden konnte. Er trank sich einfach einen Rausch an und benahm sich so, daß jeder SS- Mann darauf hereinfallen mußte. Sein Blockführer fiel auch tatsächlich darauf herein. ,, Du Lump, kaum ein paar Wochen Blockältester und schon saufen! Na, eine Meldung ist Dir sicher, die Strafkompanie auch." M. stand stramm, soweit es sein Zustand erlaubte. Sein Trick schlug ein, und eines Tages trug er wieder treu und brav Steine. Er ist einer von denen, die im Lager nicht unterzukriegen waren, obwohl er sogar schon mehrere Male im Krematorium zum Verbrennen lag. Trotz seiner Wildheit möchte ich ihn nicht missen. Unsere Wege haben sich später, da er in ein anderes Lager kam, getrennt, um sich nach Jahren, bei der Befreiung, wieder zu treffen. Doch davon später. V. - Tischler immer K um mit H Lagerstrafen für Bagatellen waren an der Tagesordnung. Den ,, Bock" habe ich schon beschrieben. Eine der rohesten Lagerstrafen war der ,, Baum". Die Frage: wie mag der Mensch beschaffen gewesen sein, der auf jene teuflische Idee kam, beschäftigt mich heute noch. Hatte ein Insasse aus Hunger etwas organisiert oder versuchte auf irgend eine Weise zu fliehen, dann kam er an den ,, Baum", sei es um Näheres zu ergründen, sei es um Mitwisser oder Helfer in Erfahrung zu bringen. Mit Wollust gab sich die SS, meist waren es Unterführer, dem Schauspiel dieser Quälereien hin. Gummiknüppel, Stiefelabsätze und die Bluthunde dienten als Werkzeug. Die Hände des Häftlings wurden auf dem Rücken zusammengebunden, und der Körper an einem Querbalken des Zimmers hochgezogen. Das war die größte Folterstätte, die je mein Auge sah. Durch das Hochziehen des Körpers sind dem Bedauernswerten erst mal die Arme ausgekugelt worden. Um größere Schmerzen zu erzielen, wurde der Gehangene noch hin und her geschleudert. Sagte er darnach noch nichts aus, so wurde er mit den Beinen nach oben aufgehangen und die Bluthunde ,, Prinz" und ,, Lord" nahmen ihre Tätigkeit auf. Was da geschah, ist eigentlich in Worten nicht zu schildern. Wenige haben solch eine Prozedur überstanden, viele sind vor solch einer Kulturschande freiwillig in den Tod gegangen. Der Tod lauerte überhaupt an allen Ecken und Enden. Hatte einer aus Müdigkeit den Appell verschlafen, war sein Tod besiegelt. Das ganze Lager wurde vom Blockpersonal abgesucht, wir übrigen mußten auf dem Appellplatz stehen, bis man ihn fand. War der Betreffende noch am Leben vielfach wurde er beim Finden schon erschlagen dann kam er am Turm an die Kette, und jeder beliebige SS- Mann konnte mit ihm machen was er wollte. Überstand er dies, so rückte er am andern Morgen, immer noch am Turm stehend, mit dem Steinbruchkommando aus, um als Leiche zurückzukehren. - - - sie beme nun auf raden zu - mit al Lebensmi kisten, nu fall vonst Vergessen werde ich nicht den Fall einer gut ausgedachten Flucht. Zwei Freunde, sie lagen in meinem Block, hatten eine Idee gefunden, um aus dem Lager zu entkommen. Leider sind mir ihre Namen entfallen. Einer war 18 viel Glü alle, den und wenn es dem A Fahrt vor wurde er mußte er solche F ,, Alles b nicht, un Ganz Ei flüchtlin wir hatt gab viel zermürb kommt. herein k und der Lager. D brachte ihn als M den Flüc herausles sehen, in anders a Die ersonnen erdacht. jetzt spie konnte ic der Kape Ich bin selnd wu Alle Vö Lagerstra von uns nte, Er Mann darauf- on SAU- . stand d eines en, die e Male ich ihn ; Lager treffen. ae Rs Tischler, der andere Autoschlosser. Sie hatten beobachtet, daß am Abend immer Kisten mit Lebensmitteln vor dem Lebensmittelmagazin standen, um mit Fahrzeugen nach Nebenlagern transportiert zu werden. Auch hatten sie bemerkt, daß diese Kisten nie kontrolliert wurden. Der Tischler kam nun auf den Gedanken, eine bequeme Kiste zu bauen, um seinem Kame- raden zur Flucht zu verhelfen. Gesagt, getan! Der Autoschlosser wurde — mit allem Nötigen wohl versehen— in die Kiste gepackt und zu den Lebensmitteln gestellt. Diese Kiste war so gebaut wie jene Lebensmittel- ' kisten, nur war sie von innen zu öffnen. Das Aufladen ging ohne Zwischen- fall vonstatten. Bei der Abfahrt wünschten wir in Gedanken dem Ausreißer viel Glück mit der Hoffnung, daß er nicht wieder zurückkehre. Denn fast alle, denen eine Flucht aus dem Lager geglückt war, hatten das Pech— und wenn es erst nach Jahren war— wieder erwischt zu werden. Leider ist es dem Autoschlosser auch so ergangen. Es war ihm geglückt, während der Fahrt vom Auto zu springen und sich bis Rosenheim durchzuschlagen. Dort wurde er einige Wochen später erneut verhaftet. Ins Lager zurückgebracht, mußte er die Schikanen durehmachen, die sich die Lagerleitung jeweils für solche Fälle ausdachte. Eines Abends, der Appell war beendet, hieß es: „Alles bleibt stehen.“ Wir kannten dies„Alles bleibt stehen“, wußten aber nicht, um was es sich diesmal handelte. Parolen liefen von Mund zu Mund. Ganz Eingeweihte wollten aus bestimmter Quelle wissen, daß der„Kisten- flüchtling‘“ wieder da sei. Aber da auf Lagerparolen wenig Verlaß war— wir hatten im Laufe der Jahre Erfahrungen darin gesammelt, denn die SS gab viele Parolen heraus, die Unfrieden unter uns stiften sollten und sehr zermürbend auf unser Gemüt wirkten— wollten wir abwarten, was da kommt. Die Eingeweihten sollten leider recht behalten. Das Tor ging auf, herein kam der ganze Stab— er fehlte bei diesen Angelegenheiten nie— und der Flüchtling mit der Kiste. Ein schweres Atmen ging durch das Lager. Der Arme, der die Kiste fabriziert hatte— er stand neben mir— brachte nur die Worte heraus:„Also doch!“ Er wußte, wenn der Kamerad ihn als Mithelfer angab, war sein Leben nicht mehr von langer Dauer. Was den Flüchtigen betraf, so konnte man aus seinem Gesicht das Todesahnen herauslesen. Viele solche Todesgezeichnete haben wir an uns vorüberziehen sehen, immer das gleiche: hart sind wir geworden, aber im Innern sah es anders aus, ich möchte sagen: die Herzen weinten. Die Lagerleitung hatte sich für jenen, der eine gar so seltene Fluchtidee ersonnen, um nicht zurückzustehen, auch einen besonderen Empfang erdacht.„Die Kapelle‘ her“, rief der Kommandant, ‚also Kapellmeister, jetzt spielst du das Lied: Kehr zurück, ich warte auf dich“— seit der Zeit konnte ich dieses Lied nicht wieder hören. Der geflohene Häftling stand vor der Kapelle mit einem Schild um den Hals, auf dem die Worte standen: „Ich bin vom Urlaub zurück“. Und nun begann das Schauspiel. Abwech- selnd wurden die Lieder gespielt: ‚„Kehr zurück, ich warte auf dich“ und „Alle Vögel sind schon da“. Der Flüchtling mußte, die Kapelle voran, die Lagerstraße, an der wir aufgestellt waren, auf und ab marschieren. Etliche von uns riefen ihm zu:„Du Trottel, warum hast du dich lebendig kriegen 19 - lassen", oder: ,, Nimm dir einen Strick und hänge dich auf, dann brauchst du nicht die Qualen durchzumachen!" Es sind diese Worte keinem übel zu nehmen, denn fast jeder ärgerte sich, da doch alles verloren war, der SS ein solches Schauspiel zu gönnen. Wiederum konnte man den nicht verurteilen, der mit allen Fasern am Leben hing. Denn jeder dieser Armen, oder besser gesagt jeder von uns, glaubte an das Leben. Nachdem der Marsch an uns vorbei erledigt war, ging's auf den ,, Bock". Fünfundsiebzig oder hundert Stockhiebe, genau kann ich mich nicht mehr besinnen, waren die erste Lagerstrafe für die Flucht. Grausam genug, aber grausamere folgten. Verraten hatte er bis jetzt seinen Kameraden nicht. Er blieb ,, eisern", wie wir das nannten, trotz der unmenschlichen Behandlung. ,, So, du willst nicht deine Mithelfer verraten", sprach der Kommandant des Lagers, Ziereis ,,, na, wir haben noch andere Mittel, dich dazu zu zwingen!" Und die teuflichsten Grausamkeiten wurden erdacht. Der Unglückliche wurde in die Kiste gesperrt, lange Nägel von allen Seiten mit der Spitze nach unten hineingeschlagen und über die Lagerstraße gerollt. Drei Tage und Nächte stand die Kiste vor der Wache. Ununterbrochen mußte er singen. War er ein paar Sekunden ruhig, kam ein SS- Mann aus der Wache und goß eiskaltes Wasser in die Kiste. Nach diesen drei Tagen opferte sich sein Kamerad mit den Worten: ,, Lieber sterben, als das weiter mit ansehen müssen!" So kamen sie zu zweit hinein, und die Prozedur dauerte nochmals drei Tage. Wir glaubten, normal können sie nicht mehr sein, aber sie hatten eine eiserne Natur. Dann kamen sie in den Bunker. Was dort geschah, wissen nur die vier Wände. - der Aufs geht dara Promin Kantine leben. M Zweiundvierzig Tage Bunker brachten sie hinter sich. Eines Abends hieß es nach dem Appell wieder: ,, Alles stehen bleiben, keiner auf den Block". Wir wußten Bescheid, was jetzt kam. Der Galgen wurde gebracht und unsere beiden Kameraden hinterher, nur mit der Hose bekleidet. Der Kommandant hielt eine verworrene Ansprache, wie, Befehl von Himmler: ,, Der Häftling ist wegen Flucht und Verstoß gegen die Lagerordnung mit dem Tode durch Erhängen zu bestrafen. Es ist Befehl, jeder Lagerinsasse hat bei der Vollstreckung des Urteils dabei zu sein und es ist bekannt zu machen, Ein unsindaß es jedem, der es wagen sollte zu fliehen, ebenso ergeht." niger Befehl, eine unsinnige Ansprache! Was haben jene Tausende und Abertausende verbrochen, die man erschlagen, die verhungert und erfroren sind? Was haben jene verbrochen, die vergast, gespritzt und durch die Bluthunde zerfleischt wurden? Auch auf Befehl von Himmler? Nun, kurz gesagt: der Kistenmacher mußte seinen Kameraden aufhängen. Dreimal riẞ der Strick. Beim vierten Male war der Tischler mit seinen Nerven so herunter, daß er den Strick nicht so um den Hals legte, um einen schnellen Tod herbeizuführen. Der Ärmste am Galgen ist regelrecht erdrosselt worden. Die Lagerleitung ergötzte sich, Zigaretten rauchend, an dieser Kulturschande... Kamen Himmler und Kaltenbrunner ins Lager, dann war große Aufregung. Die Halbverhungerten und Kranken wurden wie die Schafe zusammengetrieben und in einen Block gesperrt. Ein Schild kam an die Tür mit 20 sie anget Seht alle Spinde au Pfund- Br Macht di bruch." ausgezeic dem Mie zustellen ging's im Luft. ,, W sofort zu der ernst war näm hätten w die SS- M zehrt überrum - Da i ein klein zutrug, einflecht eines ge ist. 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Macht mal eure Spinde auf", so Himmler. In den Spinden lag für jeden Mann ein DreiPfund- Brot, und zu dreien ein Pfund Wurst. ,, Und was gibt es zu Mittag? Macht die Kessel auf. Erbsen mit Speck! Na ja, schwere Arbeit im Steinbruch." Man reichte Himmler einen Teller mit Erbsensuppe. ,, Schmeckt ausgezeichnet!" Man brauchte kein guter Beobachter zu sein, um aus dem Mienenspiel zwischen Himmler und dem Lagerkommandanten festzustellen, wie sie sich verstanden. Himmler war kaum aus dem Lager, da ging's im Block zwei rund. Die Gummiknüppel sausten nur so durch die Luft. ,, Was", schrie die SS- Mannschaft ,,, wollt ihr das Brot und die Wurst sofort zurücktragen. Die Kessel mit den Erbsen sind auch noch hier!" Trotz der ernsten Lage haben wir doch noch lachen müssen. Der ganze Proviant war nämlich zum Schein hereingestellt. Alles von der SS- Küche. Gern hätten wir das Brot, die Wurst und die Erbsen mit Speck gegessen! Wäre die SS- Mannschaft nicht gleich gekommen, hätten wir wirklich alles verzehrt die Folgen hätten uns nicht abgehalten. Aber so haben sie uns überrumpelt, sie kannten uns zu genau. - Da ich gerade unseren großen ,, Freund" Himmler erwähnte, darf ich ein kleines Erlebnis meines Leidensgenossen Herbert M., das sich in Dachau zutrug, wo M. fünf Jahre, bevor er nach Mauthausen kam, zubrachte, hier einflechten. Es wird für meine Leser nicht uninteressant sein, zumal es eines gewissen Humors nicht entbehrt und zudem auch typisch für ein KZ. ist. Herbert M. hat dieses Erlebnis des öfteren zum Besten gegeben, und wir haben uns dabei köstlich amüsiert. Er war in Dachau an der Ruhr erkrankt und kam wegen zu großer Gewichtsabnahme ins Revier. Dachau war, wie er erzählte, gegen Mauthausen ein Sanatorium, und gerne wäre er im Winter barfuß dorthin zurückgegangen, wenn man es ihm erlaubt hätte. Nachdem er sich im Revier soweit wieder erholt hatte, aber zu schwerer Arbeit noch nicht fähig war, bekam er bis zu seiner vollständigen Genesung eine leichte Beschäftigung. Diese bestand, darin, mit anderen Leidensgenossen in der Tomatenplantage, welche der SS gehörte, zwischen den Stauden das Unkraut zu entfernen. Eines Tages erschien Himmler in Dachau. Unter anderem besichtigte er auch die Tomatenpflanzung. ,, Eine sehr gut angelegte Plantage", sagte er zu seinem Begleiter, dem Lagerkommandanten. ,, Gewiß, Herr Reichsführer", erwiderte dieser ,,, das ist eine Einrichtung für die Häftlinge." Allgemeines Lächeln unter den Unkrautzupfern, die am Boden kauerten. M. meinte, er habe diese Gelegenheit gleich ausgenutzt. Der Kommandoführer hatte angeordnet, daß sich ja keiner von den Häftlingen zeige, wenn der Reichsführer vorbeigehe. Aber Himmler mußte doch beobachtet haben, - 21 - دو - daß sich zwischen den Stauden am Boden Leute bewegten, denn er fragte den Kommandanten, was die Häftlinge darin täten. Abgebrüht, wie der Kommandant war, log er Himmler frech ins Gesicht, indem er sagte: ,, Herr Reichsführer, das sind revierkranke Häftlinge, denen ich erlaubt habe, Tomaten zu essen, damit sie wieder hochkommen." Zur Plantage gewandt, rief er: ,, Häftlinge, Häftlinge!" Keiner erhob sich, getreu der Warnung des Kommandoführers. Zum drittenmal rief der Kommandant: ,, Häftlinge!" Vorsichtig kam nun einer nach dem anderen zwischen den Stauden zum Vorschein. Weiter fragte der Kommandant: ,, Häftlinge, habt ihr schon Tomaten gegessen?" ,, Nein!" war die Antwort. ,, Wollt ihr Tomaten essen!" schrie der Kommandant. Das ließen wir uns nicht zweimal sagen, erzählte M., wir haben uns sattgegessen und die Hosenbeine und die Taschen vollgepfropft; gab es doch im Lager für ein Pfund Tomaten ein Drittel Brot!- Als die Arbeit beendet war, gingen wir, im Glauben, daß alles in Ordnung sei ich muß schon M. weiter erzählen lassen breitbeinig und mit abstehenden Taschen in das Lager. Am Tor stand ,, Iwan der Schreckliche", unser Rapportführer. Er musterte uns von oben bis unten, dann rief er mich und sechs oder sieben andere zu sich heran. ,, Was habt ihr da in den Taschen?" schrie er., Tomaten, Herr Rapportführer." ,, Wie, unsere Tomaten wollt ihr fressen?" fauchte er ,,, raus damit!" Und ehe wir noch weiter zu Worte kommen konnten, hat er uns dermaßen mit Tomaten bombardiert, daß wir kaum mehr zur Besinnung kamen ich sah aus wie ein Tomatenkönig- aber damit war der Fall keineswegs erledigt. Jetzt mußten wir uns an den Lautsprecher stellen, die Arme im Nacken gekreuzt. Wir nannten das den ,, Sachsengruß". Stundenlang mußte man dort für kleine, unwichtige Vergehen stehen, ob Sommer oder Winter, ob Regen oder Schnee. Der Lautsprecher, in Eiffelturmform gebaut, war ziemlich hoch, sodaß wir immer nach oben schauen mußten. Als wir vielleicht so eine halbe Stunde gestanden hatten inzwischen war noch zum Überdruß ein Gewitter aufgezogen und es goß in Strömen kamen Himmler und der Kommandant, in Regenmäntel gehüllt, aus dem Revier auf uns zu. ,, Was machen denn die da?" fragte Himmler, indem er das Lachen kaum verbeiBen konnte. ,, Ja, Herr Reichsführer, da bin ich machtlos, denen ist nicht zu helfen. Das sind die unverbesserlichen Radiohörer! Ob es regnet oder schneit, sie wollen absolut Radio hören. Passen Sie auf! Häftlinge, Häftlinge! Wollt ihr machen, daß ihr da wegkommt. Na, sehen Sie, Herr Reichsführer, sie gehen nicht!" Lachend gingen beide davon. Wir dachten, du kannst uns gern haben, denn etwas weiter von uns entfernt, stand, mit dem Ochsenziemer bewaffnet, wieder ,, Iwan der Schreckliche", um uns herzlich in Empfang zu nehmen. Da Herbert M. so nett erzählt, lassen wir uns noch ein anderes Erlebnis aus Dachau von ihm berichten: - - - - ,, Eines Nachts, wir waren im besten Schlaf, wurde das ganze Lager geweckt. Was ist los? war die allgemeine Frage im Block. Der Blockälteste wußte es auch nicht. Plötzlich hieß es, alles auf dem Appeliplatz antreten, aber ohne jede Bekleidung, auch das Hemd muß ausgezogen werden. Wir dachten: schon wieder Entlausung? was uns dann doch wieder unmöglich 22 schien, da blockweis sollten. W der gesam ,, Gräfin Geliebte d Haubitze. schön!" D Lied ,, Eine hinein das der Pfeffer wir konnte Und s treues Ab In der ein sogar drei anderen w Schnaps länder rei Freiarbeite Flasche W toffelschal ren, auf g auch mit s nicht, ging Eines ein Bordel skeptisch Bordell be gehalten. 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Indem sie an uns vorbeiritt, sagte sie: ,, Ah, so ist's schön, so ist's schön!" Dann verlangte sie: ,, Männerkehlen will ich hören, und zwar das Lied ,, Eine Nacht in Monte Carlo!" Also sangen wir in die Stille der Nacht hinein das gewünschte Lied. Zu gleicher Zeit wünschten wir sie dahin, wo der Pfeffer wächst. Nach einer halben Stunde war der Spuk vorüber, und wir konnten wieder auf unsere Blöcke." - - - Und so war in den Konzentrationslagern überall fast das gleiche. Ein treues Abbild des teuflischen Nationalsozialismus! Einfach unvorstellbar! In der einen Ecke des Lagers spielte eine Tanzkapelle, Mauthausen besaß sogar drei! Musikinstrumente konnten wir uns schicken lassen-, in der anderen wurde geschlagen und gemordet. Der eine aẞ Spiegeleier und trank Schnaps so etwas war im Lager möglich, denn Geld war durch die Ausländer reichlich vorhanden und für hohe Summen konnte man von den Freiarbeitern genügend Alkohol bekommen; bis zu tausend Mark für eine Flasche Wein war nichts seltenes der andere konnte nicht genug Kartoffelschalen auftreiben, um seinen Hunger zu stillen. Wer eben organisieren, auf gut deutsch stehlen konnte, war obenan er spielte allerdings auch mit seinem Leben. Aber was blieb uns anderes übrig? Taten wir es nicht, gingen wir auch zu Grunde! - - - Eines Tages ging die Parole durch das Lager: Für uns Häftlinge wird ein Bordell eingerichtet. Großes Staunen! Wir standen dieser Parole etwas skeptisch gegenüber, denn wir sagten uns mit Recht: Wenn wir schon ein Bordell bekommen, werden wir voraussichtlich noch lange Zeit hier festgehalten. Aber trotz allem, ein vernünftiges Wort konnte man in dieser Zeit fast mit keinem mehr reden. Wetten wurden abgeschlossen. Die einen wetteten, daß ,, hohe Nazi" in den Umbau kämen, die anderen wiederum glaubten an die Frauenparole. Und so unglaublich diese Parole auch schien, sie wurde doch Tatsache! Eines Abends, die Arbeitskommandos kehrten eben in das Lager zurück, schaute alles neugierig nach dem Bordell, denn es hatte sich mit Windeseile herumgesprochen, daß die Frauen da wären. Ich betrachtete meine Kameraden etwas genauer und stellte fest, daß ihre Augen direkt leuchteten. Ich muß schon zugeben, daß auch ich etwas aufgeregter war als sonst. Frauen im Lager!... Man nahm unwillkürlich wieder mehr Haltung an und beobachtete sich gegenseitig und fand auf einmal an sich selbst Fehler, die man sonst gar nicht sah! Allerdings, so schnell konnte ich mich in das Neue nicht hineinfinden, ja ich muß gestehen, einesteils war ich sogar ein Gegner dieser Einrichtung, denn die Lagerverhältnisse waren doch zu traurig. Doch sonderbar, der Mensch in solch einer Situation, in der wir uns befanden, kennt sich selbst nicht mehr! Es lockte und rief da ein Etwas, das man längst begraben wähnte und das in - 23. lich. Arb - die Lebensdiesem Augenblicke doch mächtiger war als alles andere freude, die Lebenslust! Wir vergaßen alle Sorgen, alles Leid und Elend und sahen nur die Frauen. Nach dem Appell mußten wir stehen bleiben. Der Kommandant kam und hielt folgende Ansprache: ,, Häftlinge! Auf mein Hinwirken habe ich erreicht, daß ihr eine Abwechslung in euer Lagerleben bekommt. Es sind Damen für euch gekommen er sagte tatsächlich Damen und ich hoffe, daß ihr euch ihnen gegenüber anständig benehmt. Jeder, der anderer Meinung ist, wird davon ausgeschlossen. Hineingehen dürfen nur Deutsche. In erster Linie Blockälteste, Capos und die fleißigsten Arbeiter. Preis: eine Mark. Abtreten!" - - Gleich am ersten Abend brachte man den ,, Schönen" ein Ständchen. Die beste Tanzkapelle wurde herangeholt, um die verlockendsten Weisen wie: ,, Schenk mir dein Lächeln, Maria"... ,, Da drunten in der Lobau". ,, Alle Tage ist kein Sonntag" usw. zu spielen. Es schwelgten die Herzen in Seligkeit. Meines auch. Für unser trostloses Dasein war dieser Abend etwas Erhebendes. - - Im Laufe der Zeit merkte ich, daß mit meinen Kameraden eine regelrechte Verwandlung vor sich ging. Seidenhemden, gebügelte Hosen und Ringe waren die äußeren Merkmale, manchmal aber auch ein Schwips. Doch was rede ich soviel über meine Kameraden, ich muß schon gestehen, mich interessierten die Frauen auch. Weniger um mit ihnen in Berührung zu treten sondern vielmehr um davon hielt mich ein gewisser Stolz ab zu sehen, wie sich die ,, Liebe" zwischen den Frauen und Häftlingen weiter entwickeln würde. Kavaliermäßig haben sich fast alle benommen, der eine mehr, der andere weniger. Die Frauen wurden mit Geschenken überhäuft. Kleider, Wäsche, Schmuck und Spirituosen wurden von den Herren Kavalieren reichlich hineingeschmuggelt, ja sogar mancher Braten. Man ließ es sich etwas kosten! Freilich, manchem kostete es, weil er im Organisieren keine Grenze mehr kannte, das Leben. Eifersuchtsszenen waren an der Tagesordnung. Sie gaben denen in der Freiheit nichts nach, schon allein deshalb, weil der Männer zu viele waren. Wenn auch die erste Zeit nur die Deutschen das Vorrecht hatten, so waren es doch etliche Tausend auf nur zehn Frauen. Da die Evastöchter keine Engel waren, haben sie ihre Minderheit reichlich ausgenützt. Sie bevorzugten den, der am meisten organisierte. Und es war köstlich zu sehen, wie die Häftlinge, die am besten über die Frauen schimpften, selbstverständlich als noch kein Bordell im Lager vorhanden war, sich jetzt die Füße um die Frauen wund liefen. Meine freundlichen Leserinnen werden darüber lächeln und sagen: ,, Oh, diese dummen Männer, so sind sie!" Lassen wir sie!. Aber eines darf ich ehrlich bekennen: ich würde nicht den ersten Stein auf sie werfen! Das Lager war eben eine ganz andere Welt. Keiner wußte, ob er den anderen Tag noch erleben würde. Das ist hier so leicht hingeschrieben, doch mit welchen inneren Kämpfen dies verbunden war, um das zu begreifen dazu muẞ man selbst im Lager gewesen sein. - - Nach mehreren Tagen erfuhren wir, daß die Frauen aus dem Lager Ravensbrück kamen. Ihr Leben dort war dem unserigen nicht unähn24 Ihre Bloc gestande nach Ma gaben, da sie darna Mit ander oder du g Stammgäs so manch Mädels be das Bord oder die Mädels da fenden Ka von Mord ragende wieder n Der mußte ic abends o gänge, m kung aus SS- Mann boxte un Fenster den elek ein Ding Quaranta Abend k war, ist In solch diese Be Anblick spurlos um sie a Wuchere Verbrec Wir dient wu Zu kauf rote Rü LebensElend bleiben. uf mein erleben ich Daenehmt. ngehen Bigsten ndchen. Weisen bau"... Herzen Abend e regelSen und lich. Arbeit, Verpflegung und Strafen waren fast dieselben wie bei uns. Ihre Blockführerinnen sollen an Grausamkeiten unserer SS in nichts nachgestanden haben. Auch erzählen die Mädchen, sie hätten sich freiwillig nach Mauthausen gemeldet, da ihnen die Blockführerinnen zu verstehen gaben, daß, wenn sie sich ein halbes Jahr lang in Mauthausen gut führten, sie darnach die Freiheit erlangten. Eine nationalsozialistische Teufelei! Mit anderen Worten: Entweder du verreckst hier im Lager Ravensbrück oder du gibst dich ein halbes Jahr lang in Mauthausen den Männern hin. Stammgäste des Bordells waren die Blockältesten und die Capos. Und für so manch einen von ihnen war das Freudenhaus ein Leidenhaus. Waren die Mädels beschwipst oder gar berauscht, was keine Seltenheit war, dann wurde das Bordell von der SS auf den Kopf gestellt. Woher der Wein, der Braten oder die Brillanten seien, wollten sie wissen. In ihrem Rausch haben sich die Mädels dann gewöhnlich verplappert, und das Ende für den oder die betreffenden Kavaliere war der Bunker. Vielfach auch der Tod! Das Wahrzeichen von Mordhausen, die zehn Meter hohe, aus dem Kamin des Krematoriums ragende Flamme, die tagaus, tagein, Jahr um Jahr nie ausging, hatte wieder neue Nahrung. Schwips. estehen, rührung nehr um n weiter der eine berhäuft. en Kavaließ es nisieren an der n allein Zeit nur send auf sie ihre en orgaten über m Lager 1. Meine Oh, diese ich ehras Lager ren Tag welchen azu muß m Lager t unähnVI. Der Block IV, in dem ich war, lag der Quarantäne gegenüber. So mußte ich oft Zeuge sein der bestialischen Machenschaften, die sich dort abends oder in der Nacht abspielten. In die Quarantäne kamen die Zugänge, meistens waren es Juden. Der Jude löste auf die SS dieselbe Wirkung aus wie das rote Tuch auf den Stier. Oft sah ich, wie irgend ein SS- Mann in berauschtem Zustand die Juden mit brutaler Gewalt niederboxte und sie mit Stiefeln in die Luftröhre trat, um sie nachher aus dem Fenster zu werfen. War der eine oder andere noch nicht tot, wurde er in den elektrisch geladenen Draht gejagt. In den Block zurückzukehren, war ein Ding der Unmöglichkeit. Bei allen Schandtaten war der Blockälteste der Quarantäne mit beteiligt. Leider ist mir sein Name unbekannt. Abend für Abend konnte ich von meinem Bett aus dies beobachten; wie mir zumute war, ist unmöglich zu schildern. Aber eines darf ich meinen Lesern sagen: In solchen Momenten habe ich mir gewünscht, ein Übermensch zu sein, um diese Bestien restlos zu vernichten. Man wird auch verstehen, daß dieser Anblick und diese Eindrücke an Menschen, die innerlich sauber sind, nicht spurlos vorüber gingen, daß sich da vieles in ihre Seele eingegraben hat, um sie an der Menschheit fast verzweifeln zu lassen. Man hat die Juden Wucherer, Verbrecher und Parasiten geheißen, wer aber die wirklichen Verbrecher waren, das habe ich hier zur Genüge gesehen. Wir hatten eine eigene Kantine im Lager, die von uns Häftlingen bedient wurde. Eingekauft wurde vom Capo der Kantine bei der SS- Kantine. Zu kaufen gab es: Rauchwaren, Schreibartikel, eingemachtes Gemüse, wie rote Rüben, Bohnensalat u. v. a. Damit das Gemüse an den Mann kam, 25 Überhaupt Jedenfalls mußte bei Einkauf von Zigaretten so und so viel Gemüse abgenommen werden. Oder jeder Block bekam eine Tonne rote Rüben, die in Portionen geteilt, in die Spinde gestellt wurden und auf Kosten derer gingen, die Geld besaßen. Natürlich waren die Preise das Mehrfache von dem, was sie im Handel sonst kosteten. Die Juden mußten Bleistifte kaufen. Zum Gebrauch derselben kamen sie gar nicht, weil sie, wie schon erwähnt, nicht lange lebten. Der Bleistift kostete sie fünf Mark. Für ein kleines Fläschchen Benzin, das draußen vielleicht zwanzig Pfennige kostete, wurden auch fünf Mark verlangt. Rüben mußten sie in Unmengen abnehmen. Wie gesagt: SS und gemeine Häftlinge wuschen sich die Hände in jüdischem Geld! Auf Kleider, ganz gleich, ob weibliche oder männliche, war die SS besonders scharf. Da ich längere Zeit in der Wäscherei tätig war, will ich meine Erfahrungen daselbst wahrheitsgetreu hier niederschreiben. - Eines Tages kamen Jüdinnen, die erschossen werden sollten. Der Schutzhaftlagerführer Bachmaier bestimmte, nachdem man diese Jüdinnen tatsächlich erschossen hatte, daß die Sachen Stück für Stück gezählt würden er machte sich sogar die Mühe, bei dieser Zählung dabei zu sein um, wie er sagte, sie den Angehörigen der Erschossenen zurückzusenden. In Wirklichkeit waren die Worte Bachmaiers ein großer Schwindel. Die Angehörigen der Erschossenen haben die Kleider niemals zurückbekommen. In der Wäscherei wurden die Kleider, vor allen Dingen Turnanzüge, von mir jedem Häftling, der eine Maschine bediente, auf das genaueste vorgezählt, damit er nicht in die Versuchung käme, etwas davon zu organisieren, denn das wäre sein Tod gewesen. Als die Sachen gewaschen und gebügelt waren, ging das Organisieren der SS schon los: die Kommandoführer der Wäscherei, zwei Hauptscharführer der SS, Eckard und Ströhlein, waren die ersten, welche für ihre Frauen Turnanzüge und sonstige Kleider unterschlugen. Die übrigen Sachen fanden auch ihren Mann. Ihre eigene Wäsche, oder besser gesagt, die Wäsche, die sie sich im Laufe der Jahre zusammengestohlen hatten, war unter aller Würde. Zerrissen, von oben bis unten beschmutzt, in ekelerregendem Zustand wurde sie in Bündeln bei mir abgegeben. Ihre Frauen genierten sich nicht, ungereinigte Unwohlbinden mit hineinzulegen. Ja, sie besaßen die Gemeinheit, wenn einige Wäschestücke nicht ganz sauber gewaschen waren man konnte sie vor lauter eingefressenem Dreck trotz aller Anstrengung wirklich nicht mehr sauber bekommen sich obendrein zu beschweren, sodaß die Häftlinge der Wäscherei noch Prügel bezogen. - - Öfters kamen große Mengen von Pelzen aus Auschwitz- auch einem sehr anrüchigem KZ. Es waren dies Pelze von Juden, sogar Kinderpelze waren dabei. Wenn ich so ein Pelzchen in die Hand nahm, kamen mir die Tränen und der Gedanke: Wie mag es dem unglücklichen Kindchen ergangen sein, das das Pech hatte, im nationalsozialistischen Deutschland als Jude geboren zu sein! Diese Pelze sollten zertrennt und für die Soldaten der Ostfront verarbeitet werden. Die Ostfrontsoldaten haben sie nie gesehen, sondern die SS und ihre Frauen bereicherten sich an den Fellen. 26 26 Gusen I u Wäscherei Millionen lassen mu Wenn nach irgend von der SS hausen mit net. Sämtli gebadet un der Wäsch es regnete so eine Au Die Juden mal genaue die als Au geraubt. In bekommen ten sie ge nahm man ja doch ni meistens a In Gru Um dorthin Nichtsahne cher mit K Wasser wu unter der er es durc furchtbarst in die Qua den vorher Juden bis zum der Mens gesehen. 2 ihn tragen menbrach Beine geb einen schm Lagerstra versagten; der SS, en kurz, Tiro mmen tionen n, die was sie kamen leistift außen Rüben tlinge ch, ob e Zeit rheits. Der Jüdinck geählung schosers ein leider r allen diente, etwas Sachen on los: er SS, Turnanden me, die aller m Zun sich en die waren engung weren, einem erpelze mir die erganand als oldaten nie geFellen. Überhaupt, wie reich die SS hier war, konnte man gar nicht abschätzen, Jedenfalls waren es Millionenwerte, die Mauthausen und die Nebenlager Gusen I und II darstellten. Kosteten doch die modernen Einrichtungen der Wäscherei und der Häftlingsküche allein im Lager Mauthausen mehrere Millionen Mark. Alles auf Kosten der Hunderttausende, die hier ihr Leben lassen mußten. Vor allen Dingen auf Kosten der Juden. Wenn ein Transport mit Juden kam, brauchte man nicht erst lange nach irgendwelchen Merkmalen zu sehen. Ihre Gesichter und Köpfe waren von der SS auf dem Wege vom Bahnhof Mauthausen bis zum Lager Mordhausen mit dem Gewehrkolben und Ochsenziemer genügend gekennzeichnet. Sämtliche Zugänge, wenigstens große Transporte, wurden später alle gebadet und ihrer Kopfhaare entblößt. Zu diesem Zweck mußten sie hinter der Wäscherei aufmarschieren, um vollständig entkleidet zu werden. Ob es regnete oder schneite, oder die Sonne brannte, spielte keine Rolle! Und so eine Aufnahme hinter der Wäscherei konnte sich stundenlang hinziehen. Die Juden wurden besonders ,, herzlich" empfangen. Hier wurden sie erst mal genauer gemustert- Stockhiebe gab's reichlich und von Häftlingen, die als Aufsichtspersonal fungierten, sowie von der SS regelrecht ausgeraubt. Im Sommer, bei Gluthitze Wasser haben sie unterwegs nicht bekommen hatten sie natürlich großen Durst. Für ein Glas Wasser zahlten sie gewöhnlich hundert Mark. Die Uhren und sonstigen Wertsachen nahm man ihnen für ein paar Zigaretten ab mit der Bemerkung: ,, Ihr lebt ja doch nicht mehr lange!" Was in den Effektenbeutel hineinkam, wurde meistens auch noch geplündert. - - In Gruppen zu je zweihundert ging es nach der Aufnahme in das Bad. Um dorthin zu gelangen, mußte man eine ziemlich steile Treppe passieren. Nichtsahnend erhielten sie kurz vor den Stufen einen Fußtritt, sodaẞ mancher mit Knochenbrüchen oder sonstigen Verletzungen unten landete. Das Wasser wurde so heiß wie möglich aufgedreht und wehe dem, der nicht unter der Brause blieb! War er vom Wasser noch nicht rot, dann wurde er es durch Schläge. Diese Quälereien im Baderaum gehörten mit zu den furchtbarsten, die ich in Mauthausen erlebt habe. Nach dem Baden ging's in die Quarantäne, und dort wütete die SS so unter ihnen, wie ich es in den vorhergehenden Seiten schilderte. Juden kamen immer in die Strafkompanie. Sie mußten Steine tragen bis zum Verrecken, einen anderen Ausdruck kann ich nicht finden. Was der Mensch auszuhalten vermag, das habe ich bei diesen Steinträgern gesehen. Zwei kräftige Capos mußten den zentnerschweren Stein dem, der ihn tragen sollte, auf die Schulter heben, und wenn der Betreffende zusammenbrach, wurde er mit kaltem Wasser und Ochsenziemer wieder auf die Beine gebracht, um von neuem beladen zu werden. Ich sehe heute noch einen schmächtigen Juden, mit einem Ungetüm von Stein beladen, auf der Lagerstraße daher schwanken. Er war kurz vor dem Ziel, doch die Beine versagten; den Stein abwerfend sackte er zusammen. Ein Unterscharführer der SS, er hatte den schönen Namen ,, Schimpfhöfel" wir nannten ihn kurz ,, Tiroler", weil er aus dieser Gegend war nahm sich jetzt den Juden - 27 - - vor. Da dieser weder auf die Schläge ins Gesicht noch auf die Fußsohlen reagierte, glaubte ich, er würde jetzt von ihm ablassen. Doch ich täuschte mich. Plötzlich entdeckte der ,, Tiroler", daß der Jude auf der linken sie kam vom Steinetragen und was Schulter eine tiefe Wunde hatte tat er? Mit seiner genagelten Stiefelsohle rührte er in der Wunde herum, daß der Jude, der wieder langsam zum Bewußtsein gekommen war, sich vor Schmerzen wie ein Regenwurm krümmte. Dann brachte man ihn mit ein paar Eimern kalten Wassers wieder auf die Beine, um mit den nächsten Steineträgern in den Steinbruch hinabzugehen und abends beim Einrücken als Leiche wiederzukehren. Ziereis von Buche keiten nac kammer, andere Fo nicht zu ve Die Ga Ähnlichkei mer einger und ein p VII. Als der Krieg die Welt heimsuchte, wurde es in unserem Lager besonders schlimm. Hatten wir Deutschen eine Niederlage, ließ die SS uns dies in grausamster Weise spüren. Nicht nur an Schlägen, sondern auch an Toten. ,, Ihr Verbrecher, ihr Hunde, wegen euch müssen wir hier bleiben und können nicht hinaus, um das Vaterland zu verteidigen, euch müßte man alle vernichten!" Das waren so einige ihrer Ausbrüche. Dabei haben diese Bestien, wenn es soweit war, gezogen zu werden, sich nach allen Regeln der Kunst gedrückt, wo sie nur konnten. Bei der Musterung hat der eine diese, der andere jene Krankheit vorgetäuscht. Und kam wirklich mal einer dran, dann sah man ihn alle vier oder sechs Wochen im Lager immer auf Urlaub. Wie das vorging, blieb für uns ein Rätsel. War die Verpflegung bis dahin unzureichend, ist sie im Kriege besonders schlecht gewesen. Tagaus, tagein, ohne Abwechslung dieselbe Kost. Steckrüben mit Wasser, Kartoffelschalen, oder wenn's hoch kam, Zuckerrübenschnitzel mit Wasser, ununterbrochen. Daß sich diese einseitige Kost nicht nur auf unser Gemüt, sondern auch auf unsere körperlichen Organe gesundheitlich auswirkte, wird jeder begreifen. Versagen des Augenlichtes, lockere Zähne, das waren so die äußeren Merkmale, von den inneren ganz zu schweigen. Vernichten, alle auf einmal vernichten, wollten sie uns nicht, dazu waren sie zu schlau. Es hätte ja dann für sie kein Lager mehr gegeben, und sie hätten an die Front gemußt. Darum hat der Kommandant seine SS- Männer soviel wie möglich geschont. Ja, er brachte es sogar fertig, Häftlinge statt seiner Leute einziehen zu lassen, allerdings nur in beschränktem Maße. Wohl hatte sich die Wehrmacht um uns bemüht. Doch der Kommandant, im Glauben, es würde dies öfter geschehen, ließ einfach, um vorzubeugen, Typhus oder eine sonstige Krankheit markieren. Der gemeinste Verbrecher konnte nicht so abgefeimt sein wie dieser Lagerkommandant Ziereis. Wenn es nach ihm gegangen wäre, hätte der Nationalsozialismus ewig bestehen können, zumindestens solange er lebte. Dieser Mann kannte nichts anderes als Menschen vernichten. Am Anfang meines Buches habe ich ihn schon zum Teil geschildert, aber ich betrachte es als meine Pflicht, sein Tun und Treiben als Lagerkommandant etwas ausführlicher zu beschreiben. 28 und vorge daß sich h Morden drei Reiher weiß getä Zentralheiz Fußboden Gaskamme und da wi Sturm zimmer un lich im Eva jede der F zu versch zum Bade Ein Behält Röhre ges schiedene welch ein dem Sterl gehabt, di kaum in getäuschte langsam die Haar rangen n ihrer Mü war alles an einem zu. der Wimp Hatte Baderaum geöffnet. danebenli mit dem worden w Sohlen uschte linken d was merum, r, sich hn mit chsten -ücken besonns dies ich an bleiben müßte Dabei ch nach sterung n wirkthen im besone Kost. 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Das Brausebad selbst war so raffiniert eingerichtet und vorgetäuscht, daß dem Eintretenden nie der Gedanke gekommen wäre, daß sich hier eine der grausamsten Errungenschaften in bezug auf das Morden befand. Ungefähr fünfzig Personen konnte das Bad fassen. In drei Reihen waren die Brausen angebracht, die Wände bis zu halber Höhe weiß getäfelt. Rundherum an den Wänden befanden sich vorgetäuschte Zentralheizungsrohre, die mit kleinen Löchern versehen waren. Auch der Fußboden war mit Fließen belegt. Ich muß vorweg erwähnen, daß in dieser Gaskammer hauptsächlich Frauen mit ihren Kindern umgebracht wurden und da wiederum fast nur ausländische. - - - - - - verSturmbannführer Dr. Krebsbach saß rauchend in dem erwähnten Vorselbstverständzimmer und ließ einzeln die Frauen an sich herantreten lich im Evakostüm-; er untersuchte sie nur oberflächlich. Darnach bekam jede der Frauen ein Handtuch mit einem Stück Seife, um in dem Baderaum zu verschwinden. War die Zahl fünfzig erreicht, wurden die beiden Türen verschlossen. zum Baderaum die äußere war eine schwere Eisentüre Ein Behälter mit Gasinhalt in Form einer Granate wurde von außen in eine Röhre geschoben, ein paar Drehungen und der Tod der Frauen schiedene von ihnen hatten noch Kinder im Arm war besiegelt. Aber welch ein Tod! Es ist mir geglückt, einmal durch einen sogenannten Spion dem Sterbenmüssen zuzusehen ich habe niemals mehr das Verlangen gehabt, dies noch einmal zu tun. Was sich dort abgespielt hat, kann man kaum in Worte fassen. Das Gas strömte aus den bereits erwähnten vorgetäuschten Heizungsröhren und, da es ein Versuchsgas war, wirkte es langsam und quälend auf seine Opfer. Die Frauen rissen sich gegenseitig die Haare aus, Schaum stand ihnen vor den blauanlaufenden Lippen, sie rangen nach Luft, und die Kinder krallten ihre Händchen an die Brüste ihrer Mütter. Eine halbe Stunde dauerte dieses grauenhafte Sterben, dann war alles vorüber. Dr. Krebsbach stand, ohne daß er mich sehen konnte, an einem Spion und schaute, ohne mit es waren mehrere vorhanden der Wimper zu zucken, mit der Zigarre im Mund, seinem grausigen Werk zu. Hatte das Gas seine Opfer getötet, wurden die beiden Ventilatoren im Baderaum von außen in Betrieb gesetzt und nach und nach die Türen geöffnet. Die Häftlinge des Krematoriums schafften die Leichen in den danebenliegenden Ofen, und die Verbrennung begann. Der Baderaum wurde mit dem Wasserschlauch abgespritzt, damit es aussah, als wenn gebadet worden wäre. Nach kurzer Zeit kamen die nächsten Opfer an die Reihe. - - 29 - - Die Genickschußzelle war eine ebenso raffinierte Einrichtung. Es war ein Raum von zwei Meter Höhe und einem halben Meter Breite. Die Mitte war mit Löchern - in ungefähr im Durchmesser eines Revolverlaufes zentimeterlangem Abstand durchbrochen. Links und rechts der Löcher waren die Zentimetermaße angebracht. Hinter dieser Wand waren dieselben Maße vorhanden, zur Orientierung des SS- Mannes, der den Schuß anzubringen hatte. Kam dann der zu Messende besser gesagt, der zu Erschießende in Begleitung eines SS- Mannes in den Raum, so wurde er, genau wie beim Messen, rückwärts an die Zelle gestellt. Der SS- Mann sagte die Größe an und kurz darauf knallte auch schon der Schuß von hinten. Der Wasserschlauch entfernte irgendwelche Blutspritzer, und das Morden konnte aufs Neue beginnen. - - - - Der ,, Fetzenwagen" ich bin ihm zweimal entronnen hatte diesen Namen von uns deshalb erhalten, weil die Kleider seiner Opfer nur noch als Fetzen zurückkamen. Diesen Kampf mit dem Tode habe ich nicht gesehen, aber die Fetzen der Kleider sagten alles. Eines Tages kam eine ,, hohe Kommission", lauter Ärzte, wie es hieß, aus Berlin. Sämtliche Lagerinsassen mußten antreten und einzeln an dieser Kommission im Schritt und Laufschritt vorbeigehen. Große Vorsicht bei uns alten Lagerhasen! Wir standen solchen Kommissionen immer miẞtrauisch gegenüber. Die Worte: ,, Da stimmt doch wieder etwas nicht", hörte ich vielfach aus den Reihen der Angetretenen fallen, und wer die Möglichkeit hatte, was diesmal sehr schwer war, machte sich aus dem Staube. Ich sah, daß man ziemlich kräftige Burschen heraussuchte und ihre Nummer notierte. ,, Vielleicht zum Militär", waren meine Gedanken, wiederum aber sagte mir mein Inneres: hau ab, wenn es geht, und ich haute ab mit dem Bemerken zum Blockältesten: ,, ich muß austreten". Das war mein Glück, sonst säße ich heute nicht hier und schriebe diese Aufzeichnungen, denn ich war als Sportler bekannt. Als die notierten Häftlinge wieder in den Block kamen, nahm das Fragen unsererseits kein Ende, und als es gar hieß, sie kämen zur Wehrmacht, war ich nahe dran, mich über mein Abhauen zu ärgern, wohlverstanden, ganz überzeugt davon war ich nicht. Nach ungefähr drei Tagen wurde der erste Transport von den Ausgesuchten zusammengestellt. Mit der ,, Grünen Minna" jenem Auto, das wir später in ,, Fetzenwagen" umtauften- kamen sie nach Ibs, in die ehemalige Irrenanstalt. An ihnen wurde ein neues Gift ausprobiert, das für den Krieg benötigt wurde, ich glaube zur Heilung von Verwundeten ganz klug sind wir nie daraus geworden jedenfalls wirkte das Gift tödlich. KZ.- Häftlinge waren als Versuchskaninchen gerade gut genug dazu. Dies alles haben wir erst später, nachdem schon mehr als drei Transporte dorthin abgegangen waren, durch Kameraden, denen es gelang, Briefe an uns durchzuschmuggeln, nicht zuletzt auch durch die an die Wäscherei zurückgesandten Kleider, die, wie schon gesagt, aus lauter Fetzen bestanden, erfahren. - - - 19 Eine eigene Erfindung von Ziereis und seinem Mithelfer Dr. Krebsbach war auch der Gaswagen. Dieses Auto hatte Ähnlichkeit mit dem Fetzenwagen, nur mit dem Unterschied, daß es sorgfältig abgedichtet war, damit 30 ja kein Ga Kranke H geschlepp ihn mit d rund um matorium von den A Schlachtvie es gehen. J abstumpfer Das w Nerven ge Leben zu e habe gekä sagen, den zusammen, gesichter g den Geist werde ich was da ma Gewiß Leute im stehenden kleine Wel große Kon Das Elend zu reden, die Mensch Und w ständen in dann teile großer Irr ihnen wäre ins Lager Grund, je und gedu die heute die im inn und furch ihnen sollt sen überal Menschhei geschehen denn dann S war Mitte - in Löcher selben anzuu Erle er, Mann n hinMordiesen noch nicht m eine Lageritt und ! Wir Worte: Reihen al sehr kräfnt zum neres: ckälteheute portler m das Wehrerstanwurde ,, Grüften- de ein be zur Hen kaninchdem Kamezuletzt schon bsbach ja kein Gas entweichen konnte. Die Einrichtung war die der Gaskammer. Kranke Häftlinge, die kaum noch laufen konnten, wurden in den Wagen geschleppt; nachdem die Türen verschlossen waren, versah Krebsbach ihn mit der üblichen Gastrommel. Eigenhändig fuhr Ziereis den Wagen rund um das Lager, um nach ungefähr einer halben Stunde vor dem Krematorium zu halten. Das grausige Werk war vollendet. Die Leichen wurden von den Arbeitern des Krematoriums aus dem Auto gezerrt, als wenn sie Schlachtvieh vor sich hätten. Zu verdenken war es nicht, schnell mußte es gehen. Jahr aus, Jahr ein nur mit Leichen umgehen, soll wohl ziemlich abstumpfen. - دو - Das war Mordhausen" mit seinen Freuden und Leiden! Eiserne Nerven gehörten dazu, dies alles zu überwinden. Eiserner Wille, sich am Leben zu erhalten, koste es, was es wolle. Und ich habe durchgehalten! Ich habe gekämpft mit allem, mit mir selber. Oft wollten meine Nerven versagen, denn der Kampf war schwer, sehr schwer aber dann riẞ ich mich zusammen, gedachte der unzähligen Toten, denen ich so oft in ihre Leidensgesichter geschaut und gelobte ihnen: Euren Leib haben sie getötet, doch den Geist der Wahrheit, der Gerechtigkeit konnten sie nicht töten, und so werde ich bis an mein Lebensende für ihn unermüdlich eintreten, komme was da mag, um ihm zum Siege zu verhelfen. - Gewiß, es gibt Menschen, die verbittert sind und sagen: ,, Na ja, die Leute im Konzentrationslager haben Unerträgliches erlitten, wir Außenstehenden aber auch und leiden noch!"- Alles zugegeben. Aber wie diese kleine Welt, die KZ., von den Bestien gereinigt wurde, so muß auch das große Konzentrationslager, die ganze Welt, von ihnen gereinigt werden! Das Elend muß ein Ende nehmen. ,, Der Mensch", um mit Walter von Molo zu reden ,,, hat die Pflicht, an die Mitmenschheit zu glauben, weil sonst die Menschheit aus der Welt verschwinden müßte!" - - - - Und wenn heute gesagt wird, das ganze deutsche Volk ist an den Zuständen in den Konzentrationslagern schuld, es mußte davon gewußt haben, dann teile ich als jahrelanger Häftling diese Meinung nicht. Es ist ein großer Irrtum! Und selbst wenn was konnte es tun? Die meisten von ihnen wären dann denselben Weg gegangen, den so viele von uns gingen ins Lager und durch den Schornstein des Krematoriums. Ich habe keinen Grund, jene in Schutz zu nehmen, die den Nationalsozialismus gefördert und geduldet haben sie mögen ausgerottet werden aber für jene, die heute mit gramdurchfurchten Gesichtern durch die Straßen gehen, die im innersten Kern nichts gemein haben mit den Missetaten, Verbrechen und furchtbaren Verirrungen gewisser Kranker für jene spreche ich- ihnen sollte unsere Aufmerksamkeit gelten! Brutalität und Verbrechen müssen überall ausgemerzt werden, aber dies darf nicht, um der Zukunft der Menschheit willen, durch neuen, in Leidenschaft verallgemeinernden Haẞ geschehen, wie ihn ehedem krank gewordene Gehirne und Herzen übten, denn dann hätte die Menschheit kein Recht mehr zu existieren. - Fetzen, damit 31 II. Teil dazu bei. Kilometer ehrlich m obwohl ic I. Wie aus dem ersten Teil meines Buches hervorgeht, waren wir Konzentrationslagerhäftlinge nur eine Nummer, und als solche mußten wir uns vieles bieten lassen, ganz gleich ob es uns angenehm war oder nicht. Und mir war es unangenehm genug, von Mauthausen, so paradox das klingen mag, gezwungenermaßen Abschied nehmen zu müssen, um in ein anderes Lager transportiert zu werden, noch dazu in eines, das an Sauberkeit sehr zu wünschen übrig ließ. - - Gusen I, ein Nebenlager von Mauthausen, war durch Krankheiten aller Art und Ungeziefer von oben bis unten verseucht. Und ein Schrecken überfiel jeden, der nach Gusen mußte, so auch mich. Aber was blieb einem Obwohl ich in übrig? Man war ja, wie gesagt, nur eine Nummer! Gusen fast ein ganzes Jahr bis zu meiner Befreiung zubrachte, konnte ich mich dort nicht einleben. Es war daselbst ein Völkergemisch, das wohl dem des Turmbaues zu Babel in keiner Weise nachstand. Hatte schon die Lagerleitung für Sauberkeit bei den Häftlingen nicht viel übrig, so taten jene, wenn sie nicht getrieben wurden, überhaupt nichts für ihre Reinlichkeit, sodaß eine Läuseplage entstand, die unbeschreiblich war. Die Folge davon war Typhus. Gewiß, ich gebe zu, die Wäsche, die Kleidung sowie die Medikamente waren mangelhaft, aber es hätte vieles vermieden werden können, wenn die Häftlinge selbst mehr auf Reinlichkeit bedacht gewesen wären. Es war zum Lachen und sah komisch aus, wenn irgendeiner von den Balkanstämmen, mitten im Sommer barfuß, aber mit einem Pelz bekleidet und der Pelzmütze auf dem Kopf daherschritt. Sie wurden von uns ,, Kretiner" oder ,, Muselmann" genannt. - Der Schutzhaftlagerführer Seidler, der dem Kommandanten von seine Brutalität kannte keine Mauthausen unterstellt war, ein Chemnitzer Grenzen war alles andere, nur kein gemütlicher Sachse. Er schämte sich nicht, Todgeweihte noch eigenhändig mit Stockhieben zu züchtigen. - Meine einzige Freude waren wieder die guten alten Kameraden, die Spanier! Ich habe sie auch hier, wie in Mauthausen, in mein Herz geschlosMusik, Theater und Sport wurden auch hier gepflegt. Interessant waren die Fußballspiele. Sogar Länderspiele wurden ausgetragen, einerseits zwischen Polen und Spaniern, anderseits zwischen Deutschen und Spaniern. sen. - Die Arbeit war vielseitiger als in Mauthausen. Da waren die Steyr- und die Messerschmittwerke, bei denen Häftlinge arbeiteten. Der Steinbruch war auch vorhanden, aber die abscheulichste Arbeit war hier der Stollenbau. Außer dem Steinbruch wurde bei den übrigen Tag und Nacht gearbeitet, sodaß das Lager immer in Unruhe war. Die Stollen, die in die Berge getrieben wurden, um Steyr und Messerschmitt unterzubringen, da man eine Bombardierung Gusens befürchtete, haben vielen Häftlingen durch Einstürze das Leben gekostet. Hunger und Krankheiten trugen auch das ihre 32 Das war a Selbstvers hatte ich abkomman war wenig natürlich dem ,, Boc große Glu schont zu wohl etwa Im üb hausen. 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Selbstverständlich kostete mich diese Drückerei eine ,, Kleinigkeit". Später hatte ich sogar das Glück, als einziger Deutscher in die Häftlingsküche abkommandiert zu werden. Die Arbeit war schwer, aber die Essensfrage war wenigstens gelöst. Hin und wieder konnte man auch etwas organisieren, natürlich mit größter Vorsicht, denn ich hatte bestimmt keine Lust, mit dem ,, Bock" Bekanntschaft zu machen. Nebenbei bemerkt, besaß ich das große Glück, von sämtlichen Lagerstrafen vom Anfang bis zum Ende verschont zu bleiben. Ich schreibe dies nicht meiner Schlauheit zu, es muß wohl etwas anderes mitgewirkt haben. - - - - Im übrigen waren die Freuden und Leiden dieselben wie in Mauthausen. Nur einige Fälle will ich herausgreifen, um zu zeigen, wie verroht hier manch einer war. Eines Abends saß ich bei einem mir als guten Kameraden bekannten Blockältesten sie waren nicht alle schlecht zu Gast. Kommt da ein deutscher Häftling freudestrahlend, als wenn er das große Los gewonnen hätte, hereingeschneit, um uns mit folgenden Worten zu überraschen: ,, Du, Blockältester, jetzt habe ich den Russen von Deinem Block, den wir schon längere Zeit als Brotdieb in Verdacht haben, endlich beim Brotklauen erwischt." ,, Und wo ist er?" fragte der Blockälteste, er war ein Feind von Radikalkuren. ,, Wo wird er sein?" gab der Gefragte zurück, ,, in die Wassertonne habe ich ihn versenkt aber so etwas Zähes habe ich noch nicht erlebt! Fünfzehn Minuten habe ich ihn hineingetaucht, und als ich ihn herauszog, hat der Kerl immer noch gelebt! Nachdem ich ihn abermals zehn Minuten hineingehalten habe, da war er endlich erledigt." Als ich diese Bestie fragte, was für ein Gefühl in ihm zurückgeblieben sei, antwortete er mir: ,, Was heißt Gefühl, ich denke mir gar nichts dabei." Das traurigste war, man konnte gegen solche Rohlinge im Lager nichts unternehmen, wollte man nicht Gefahr laufen, selbst zu Grunde zu gehen, da die Lagerleitung solche Rohheiten billigte. Die Feuerwehrleute in Gusen, die aus deutschen und holländischen Häftlingen bestanden, waren im Schlagen wie im Ermorden ihrer eigenen Leidensgenossen tonangebend. Ja, es kamen Fälle vor, wo Häftlinge aus nichtigem Grund erschlagen wurden, um ihrer Goldzähne habhaft zu werden.- Das sind Tatsachen, die Zeugen jederzeit bestätigen können, und ich kann fast ärgerlich werden, wenn man immer und immer wieder mit der Frage an mich herantritt, nachdem man in Zeitungen oder durch das Radio dies oder jenes über die Greueltaten in den Konzentrationslagern erfahren hat: ,, Ist das wirklich alles wahr?" Zu einigen mußte ich sogar grob werden, indem ich ihnen sagte: ,, Ich wünschte Ihnen, daß Sie die letzten Wochen im Konzentrationslager miterlebt hätten, sie brauchten dann nicht mehr zu fragen. Vielleicht wären Sie auch noch als Rauch gen Himmel geflogen!" 3 Mth. - - 33 - II. - Ein anderer Fall, kurz bevor die Amerikaner kamen: Zwei Polen, ein Pfarrer und ein Maler hatten sich auf einer Landkarte vermerkt, wie die Front des Russen und des Amerikaners verlief. Zum Unglück erwischte sie bei einer Besichtigung ein Oberscharführer der SS. Er nahm ihnen die Landkarte ab und meldete sie dem Schutzhaftlagerführer. Nach der Vernehmung stellte man beide an den Turm. Wenn bei uns jemand an den Turm kam, so war das meistens eine unsichere Angelegenheit. Kurz und gut, beide Polen konnten sich nach dem Abendabläuten doch wieder auf den Block begeben. Trauen taten wir der Sache nicht. Am anderen Tag kam auch das Unglück. Beide mußten wieder an den Turm. Wieder wurden sie war im sie verhört. Man wollte wissen, wer ihnen die Karte gegeben Lager verboten und wer sie so genau über den Verlauf der Front orientiert hätte. Anständig, wie sie waren, haben sie keinen verraten. Später haben wir erfahren, daß verschiedene Werkmeister, also Zivilisten der Messerschmittwerke, ihnen die Auskunft und die Karte gegeben hatten. Als nun die beiden Polen keinen verrieten, kamen sie stundenlang an den berüchtigten ,, Baum". Trotz aller Qualen blieben sie fest. Am Turm bis zum Abend stehend, warteten wir der Dinge, die da kommen sollten. Und sie kamen. Ein Raunen ging durch das Lager, vor allem interessierten sich die Polen dafür. Wird man die beiden in den Draht jagen, und wer wird sich dazu hergeben? Es wurde neun, es wurde zehn Uhr.Nun mußte alles in die Blöcke. Fast eingeschlafen, weckte mich ein furchtbarer Krach im Block. In der Meinung, es sei wieder ein Brotdieb erwischt worden waren nämlich nachts wegen der Fliegergefahr nicht erleuchtet mich schon auf die andere Seite legen; aber ich hörte ein Schreien, ein richtiges Todesschreien und werde die Worte, solange ich lebe, nicht vergessen. An der Stimme erkannte ich den polnischen Geistlichen er war in unserem Block zuständig-, als er die Worte herausschrie: ,, Ich will doch leben! Ich bin doch noch jung! Was habe ich denn verbrochen, daß ich sterben soll?" Es stellte sich heraus, daß der Geistliche dem Blockältesten, als er ihn in den Draht werfen wollte, in seiner Todesangst auf und davon gelaufen war, jener ihn bis in unseren Block verfolgte, um seine Tat durchzuführen. Er wirkte erst mal beruhigend auf ihn ein, indem er sagte: ,, Komm mit nach vorne, sei nicht feige, in ein paar Sekunden ist alles vorüber." Da der Geistliche nach diesen so schweren Worten zu einer Antwort nicht fähig war, wurde der Blockälteste namens Franz Lisbert, der übrigens ein großer Lump war, brutal und schlug ihn, soweit es die Dunkelheit erlaubte, nieder. Endlich entschloß sich der Pole nach vielem Hin und Her mitzugehen, mit der Bitte, sich noch von einigen Kameraden verabschieden zu dürfen. Es war ein Abschied für immer. - - - die Blöcke wollte ich - Dies alles schreibt sich hier so einfach hin, aber welche Wirkung es auf mich und verschiedene meiner Kameraden hatte, welch seelischer Schmerz die Gemüter in Beschlag nahm, das zu beschreiben, fehlen die Worte. Was wissen Menschen, die so etwas nie gesehen oder erlebt haben, 34 von jenen meine Le gelesen h Schandta sich und schen im schaurige Die le aufregend sinn beses uns Häftl Tages lie treten. W würden. W Häftlinge gemustert geteilt - Lager aus tiger Kerl uns eine H Lager fes uns so ve unzählige dert hatte Nach Montur u Der Absc anstaltet. den Abrü Stunden h ten Male. wünschte, von uns, Frage auf oder unse Kaun Aber die daß man unschlüss rückten, hinaus, sta in der Mi licher Lag Vorzug ha Teil wied doch jede von jenem Kampf, der bei uns täglich gekämpft werden mußte? Wenn meine Leser das Buch, das ich mit blutendem Herzen niederschreibe, gelesen haben werden, dann ist mein Wunsch der: Sorgt dafür, daß diese Schandtat nicht noch einmal in Erscheinung tritt. Sorgt dafür, ein jeder für sich und einer für den anderen, daß wir wieder Menschen werden. Men- schen im wahren Sinne des Wortes! Wohin wir gekommen sind, beweist das schaurige Ende des Krieges. Die letzten Monate im Konzentrationslager waren meines Erachtens die aufregendsten. Sie waren der Höhepunkt. Die SS war von solchem Wahn- sinn besessen, zu glauben, sie könne sich durch unsere Mithilfe, indem sie uns Häftlinge in ihre Reihen eingiiederte, aus dem Chaos retten. Eines Tages ließ der Kommandant sämtliche Deutsche auf dem Appellplatz an- treten. Wir waren im Glauben, daß wir nach und nach in Freiheit gesetzt würden. Wie groß war daher unser Erstaunen, als es hieß:„Alle gesunden Häftlinge vom achtzehnten bis zum fünfundfünfzigsten Lebensjahr werden gemustert und zum Militär eingezogen.‘ Wir wurden nun in Gruppen ein- geteilt— ich war zu meinem Glück bei der dritten, der letzten— um im Lager ausgebildet zu werden. Der Ausbilder, in seinem Fach sonst ein tüch- tiger Kerl— er kam aus Dresden— war ein Oberscharführer der SS. Für uns eine heikle Angelegenheit. Sollten wir, nachdem man uns jahrelang im Lager festgehalten und alles Elend. hatte durchkosten lassen, nun die uns so verhaßte Uniform anziehen müssen? Jene Uniform, deren Träger unzählige von uns auf die grausamste Weise vom Leben zum Tode beför- dert hatten. Zu unserem größten Leidwesen war es wirklich der Fall. Nach sechswöchentlicher Ausbildung bekamen jene Häftlinge die SS- Montur und fort ging es. Und zwar, wie es hieß, an die russische Front. Der Abschied wurde von uns Nichtausgebildeten auf das herzlichste ver- anstaltet. Die Lagerkapelle wurde auf dem Appellplatz versammelt, um den Abrückenden jene Weisen, die ihnen im Lager über so manche traurige Stunden hinweggeholfen haben, noch einmal zu spielen, vielleicht zum letz- ten Male. Daß der Kommandant sie Kameraden nannte und ihnen Glück wünschte, war ein Hohn. Mit gemischten Gefühlen gingen die Kameraden von uns, alles vergessend, was hinter ihnen lag und doch mit der bangen Frage auf den Lippen: ‚Was geschieht jetzt mit uns? Ist es unser Glück oder unser Tod?“— In uns Zurückgebliebenen tauchte dieselbe Frage auf. Kaum war die erste Gruppe fort, da kam die zweite zur Ausbildung. Aber die übliche Ausbildungszeit von sechs Wochen ging vorüber, ohne daß man sie an die Front schickte. Wir vermuteten, daß die Lagerleitung unschlüssig war, da auf der einen Seite die Amerikaner bis Passau heran- rückten, auf der anderen die Russen vor St. Pölten, also schon über Wien hinaus, standen, so daß unser Lager von beiden Fronten gleichweit entfernt in der Mitte stand. Wer wird uns zuerst erreichen? war die Frage sämt- licher Lagerinsassen. Erwähnen muß ich, daß der Amerikaner bei uns den Vorzug hatte. Als nun ihre Front immer näher kam— der Russe ging zum Teil wieder bis Wien zurück— begann ein allgemeines Aufatmen. Wußte doch jeder, daß die Stunde der Freiheit bald schlagen mußte, zumal die 35 - russischen wie die amerikanischen Flieger unser Lager im Tiefflug emsig besuchten und uns zuwinkten. Da dies, wie gesagt, zu oft geschah, gab die Lagerleitung den Befehl heraus, uns bei Fliegeralarm in die Stollen zu schicken. Aber beileibe nicht zu unserem Schutz Humanität kannte man im Konzentrationslager nicht sondern aus Angst. Man glaubte, durch die vielen Fliegerbesuche könnte bei uns doch mal eine Revolte ausbrechen. Also war es nur eine Sicherheitsmaßnahme. Diese Vorschrift, in die zehn Minuten vom Lager entfernten Stollen gehen zu müssen, war für uns eine Höllenqual. Vielen kostete sie das Leben. Man denke sich, bei einer Eingangsbreite von ungefähr vier Metern mußten fünfundzwanzigtausend Menschen innerhalb kurzer Zeit in den Stollen verschwunden sein. Fußkranke, überhaupt Kranke, hatten ein schweres Los. Wir wurden schlimmer als Schafe mit Gummiknüppel und Gewehrkolben, über Einsturzstellen und Feldbahngeleise hinweg, hineingetrieben. Wer fiel, mußte zusehen, wie er wieder auf die Beine kam, wollte er nicht zertreten werden. Vielfach entstand ein furchtbares Durcheinander, weil die Nachdrängenden nicht Obacht gaben, auch nicht geben konnten, da die Stollen nur mäßiges Licht hatten. III. Die größte Schufterei, welche Himmler noch mit uns vorhatte, war die, daß sämtliche Häftlinge des Lagers, die ja bei Fliegeralarm ohnehin die Stollen aufsuchen mußten, dort vor dem Eintreffen der Amerikaner in die Luft gesprengt werden sollten. Wir hatten diesen Geheimbefehl zu Ohren bekommen, auf welche Art und Weise ist unbekannt geblieben. Aber Tatsache war es jedenfalls, denn eines Tages wurden mehrere Fässer mit Pulver vor den Stollen abgeladen. Nur durch das energische Eingreifen des leitenden Ingenieurs, der wohl irgendwie darüber orientiert war, ist dieses große Unheil verhütet worden, nicht zuletzt auch durch unsere Weigerung, in die Stollen zu gehen. Eines Tages hieß es, amerikanische Panzer seien in Linz eingedrungen. Große Freude bei uns. Schon packte die SS ihre Koffer und vernichtete unsere Papiere, sämtliche Karteikarten usw. Parolen gingen von nun an durch das Lager, daß man nicht mehr fähig war, zu erkennen, welche echt und welche nicht echt waren. Als nun gar noch die SS- Wachen aus dem Lager herausgezogen wurden, um durch Wiener Polizei abgelöst zu werden, war es mit uns ganz und gar aus. Tatsächlich war auch die ganze SS kurzerhand abgerückt, wie es hieß, mit allem, was nicht nietund nagelfest war. das amerik wöchentlic Wiener P vorerst zu Am 3. Mai 1945 gab man uns bekannt, daß der Kommandeur der Wiener Polizei mit den Amerikanern verhandelt und erreicht habe, daß das Lager von Kampfhandlungen verschont bleibe. Es wurde rund um das Lager eine 5- km- Zone vereinbart und für neutrales Gebiet erklärt. Der Lagerälteste ließ durch sämtliche Blocks bekannt geben, alles möge sich ruhig verhalten, wenn Sprengungen bei Nacht stattfinden sollten. Auch würde 36 Fehler de Der 5. ben. Um fü ein Brause misch ging Blöcken z mandierte Appell gin sei. Unser andere jag nicht, als Köpfe rec mal in me zu müssen alles verg schauten, auslöst, gi ker. Die deckte, da den Poste der Küch wie ein a bei gen O zuhalten Tor noch nur die B Diese beschreib Die Trän schen sein vor zwöl Menschh Das Nationen Daß ist erklär in die Ha sehen, wi steckten allen un hundertz Ei‘ # h, gab llen zu te man ‚ durch rechen. Stollen ie das& ır vier er Zeit- ‚ttenein pel und „ wollte nander, ‚onnten, u 1 & eo TEE AN SO ET ij das amerikanische Rote Kreuz das Lager übernehmen und uns nach sechs- wöchentlicher Quarantäne in Freiheit setzen. Aber es kam alles anders. Die Wiener Polizei war auch plötzlich verschwunden, und wir waren, ohne es vorerst zu wissen, vollständig uns selbst überlassen. Das war ein großer Fehler der Polizei und hat sich später furchtbar gerächt. Der 5. Mai 1945 wird wohl der denkwürdigste Tag meines Lebens blei- ben. Um fünf Uhr nachmittag, der Zählappell war noch nicht beendet, ging ein Brausen durch das Lager, wie wir es noch nie vernommen. Etwas stür- misch ging es ja immer zu, wenn die Massen nach dem Antreten ihren Blöcken zuströmten, aber so ausgelassen waren sie noch nie. Da wir Kom- mandierten auf unseren Arbeitsplätzen abgezählt wurden und nie zum Appell gingen, waren wir neugierig zu erfahren, was nun wieder geschehen sei. Unsere Nerven waren zum Zerreißen gespannt, weil eine Neuigkeit die andere jagte. Ich lief an das Fenster in der Küche und traute meinen Augen nicht, als ich sah, wie Hunderte von Häftlingen im Draht hingen und die Köpfe reckten, um nach außen besser sehen zu können. Das war das erste- mal in meinen Lagerjahren, daß Häftlinge im Draht hingen, ohne sterben zu müssen. Zu einem meiner Kameraden,— wir hatten das Kochen und alles vergessen und warteten, indem wir durch die Fenster der Küche schauten, was da kommen sollte— sagte ich:„‚Wenn einer den Schalthebel auslöst, gibt es das größte Unglück.“ Doch der Trubel wurde immer stär- ker. Die Dächer der Baracken waren mit Häftlingen besät. Da ich ent- deckte, daß die Maschinengewehre, die sonst auf den Türmen standen, samt den Posten eingezogen waren, konnte mich nichts mehr halten. Raus aus der Küche und rauf auf ein Barackendach war eins. Und da sah ich denn, wie ein amerikanischer Panzer nach dem anderen an unserem Lager vor- bei gen Osten fuhr. Hie und da wurden sie wohl noch beschossen, aber auf- zuhalten waren sie nicht mehr. Als gar ein Panzer entdeckt hatte, daß unser Tor. noch geschlossen war, fuhr er vor und raste durch beide Holztore, daß nur die Balken so flogen, ins Lager hinein. Diesen Augenblick mit Worten zu schildern ist unmöglich. Es war un- “ beschreiblich! Ein einziger Schrei der Entfesselung ging durch das Lager! Die Tränen kamen uns. Endlich frei! Endlich wieder Mensch unter Men- schen sein zu dürfen! Mir kam der Gedanke: Warum ist der Amerikaner nicht vor zwölf Jahren gekommen? Es wäre nicht nur uns, sondern der ganzen Menschheit viel Elend erspart geblieben! Das ganze Lager war ein einziges Flaggenmeer— Fahnen aller Nationen waren vertreten! Daß die aufgespeicherte Wut der Ausländer jetzt zum Ausbruch kam, ist erklärlich, und wehe dem deutschen Häftling, der dieser rasenden Menge in die Hände fiel! Er wurde bestialisch erschlagen. Jammervoll war es zu sehen, wie jene Häftlinge der zweiten Gruppe, die bereits in der SS-Uniform steckten und nicht mehr aus dem Lager konnten, von den Ausländern mit allen unmöglichen Instrumenten ermordet wurden. Von den ganzen ein- hundertzwanzig Mann kamen nur drei mit dem Leben davon. Und auch die 37 nur deshalb, weil sie klug genug waren, bei Kameraden Unterschlupf zu suchen um sich der Uniform auf das schnellste zu entledigen. Da lagen sie nun, zu Dutzenden erschlagen, auf dem Appellplatz. Immer wieder kamen andere, in der Todesangst auf den Ausgang zulaufend, um die Freiheit zu erreichen und liefen dabei in letzter Sekunde in den Tod. Die wütende Menge ließ keinen hinaus. Für mich Zuschauenden war es bitter, sehr bitter! Helfen war unmöglich. Und das war das Bitterste. Gewiß, ich gebe zu, daß unter den zur SS ausgebildeten Häftlingen Lumpen waren dies ist sogar noch ein milder Ausdruck aber ich will nicht allzusehr mit ihnen ins Gericht gehen, sie haben ihre Fehler schwer, sehr schwer gebüẞt; doch war denn der, der jenen Lumpen erschlug, besser? Hätte er an seiner Stelle als„, Capo" oder„, Blockältester" anders gehandelt? Ich habe darin zuviel Erfahrung. - - Als sich der Sturm des Lagers gelegt hatte und die noch vorhandenen Insassen denn viele von ihnen hatten schon das Weite gesucht ruhiger wurden, versuchten wir Küchenleute der Notlage Herr zu werden, um zum Abschluß den noch hier verbliebenen Häftlingen ein anständiges Essen zu bereiten. Denn der Hunger war groß! Und es wäre von uns unverantwortlich gewesen, die Kameraden einfach ihrem Schicksal zu überlassen. Unter Anleitung des Küchencapos, eines Polen, eines korrekten, anständigen Kerls, schafften wir es auch. Obwohl wir den ganzen Tag in fast unerträglicher Hitze schwer gearbeitet hatten, arbeiteten wir auch die folgende Nacht durch und konnten morgens um fünf Uhr auskellen. Jeder Häftling bekam so viel zu essen, wie er wollte, und es blieb sogar noch reichlich Essen übrig. Das war, solange das Lager bestand, noch nie der Fall gewesen. Und noch nie war das Essen so gut gekocht. Es war aber auch kein Wunder! Wohl hatte die SS, als sie in die Berge flüchtete, Unmengen von Lebensmitteln mitgehen heißen, aber fünfundzwanzig mittlere Schweine mußte sie schweren Herzens wegen Transportschwierigkeiten zurücklassen. Sie kamen uns zugute. Gern hätte ich auch ein Stück Schweinefleisch gegessen, aber ich kam gar nicht dazu, erstens vor lauter Arbeit, zweitens wegen zu großer Aufregung. Nicht zuletzt trug auch der Gedanke dazu bei: so schnell wie möglich aus dieser Hölle heraus! Konnte es doch passieren, daß die Amerikaner zurückgeschlagen wurden und die SS das Lager wieder einnahm. Dann wehe uns! Hungrig und müde, und doch mit einer unbeschreiblichen inneren Freudigkeit, in Häftlingskleidern, wie ich sie im Lager trug, einen Brotbeutel über der Schulter, in dem weiter nichts steckte als ein wenig Wäsche, und mit etwas Geld versehen, schloß ich mich einigen polnischen Kameraden an, um das Lager zu verlassen. Das war auch nicht ungefährlich, denn immer noch war das Suchen nach sie kannten Deutschen nicht abgeflaut. Aber die polnischen Kameraden - mich schon längere Zeit versicherten mir immer wieder: ,, Wenn du mit uns gehst, passiert dir nichts. Du hast dich hier als guter Kamerad benommen, unsere Pflicht ist es nun, dich zu beschützen." Und das haben sie auch in ausreichendem Maße getan. Mit nicht sch obwohl e Vergange Blockältes war es fü ohne Unt Freiheit, Glieder vor Linz, waren ei Seele! We geschaffer denken, a Das Lebe füllt. Zuc kerung h esse war - sie wa nicht ab. So la war infol hatte ich wir hörte schlugen wir nichts Villa ein, gend org wir ihnen nen nicht Ende nel die hier Mauthau haben w und auc irgendein Obw wurde es es noch freie Me unserer Stacheld 38 38 pf zu mmer d, um 1 Tod. war es ewiß, varen usehr chwer itte er t? Ich denen higer n zum Sen zu twortUnter ndigen erträglgende äftling chlich r Fall rauch mengen weine lassen. fleisch weitens e dazu h pasS das doch rn, wie weiter schloß lassen. n nach annten enn du merad haben IV. Mit welchen Gefühlen ich durch das Tor ging, kann ich mit Worten nicht schildern. Eines darf ich wohl sagen: Ich sah den Himmel offen, obwohl es regnete! Auf dem Wege nach Linz lagen, als Ausklang des Vergangenen, hie und da noch Leichen. Vielleicht waren es Capos oder Blockälteste, ich weiß es nicht. Des vielen Laufens nicht mehr gewohnt, war es für mich nicht so einfach, die fünfundzwanzig Kilometer nach Linz ohne Unterbrechung zurückzulegen. Aber das berauschende Gefühl der Freiheit, das Wieder- Mensch- sein, und all das Neue ließen die müden Glieder nicht erschlaffen. Als wir gar die Hermann- Göring- Werke, kurz vor Linz, durchschritten, war alle Müdigkeit dahin. Diese Göring- Werke waren ein gigantischer Bau, und doch wiederum so roh, ganz ohne Seele! Wenn man es sich überlegt: so grandiose Werke, von Menschenhand geschaffen, um Menschen zu vernichten! Ich mußte an die Worte Görings denken, als er einmal fragte: ,, Was wollt ihr lieber, Kanonen oder Butter?" Das Lebensmittelmagazin der Werke war jetzt noch mit Lebensmitteln überfüllt. Zucker, Mehl, Reis usw. wurden zentnerweise von der Linzer Bevölkerung herausgeschleppt. Auch wir KZ.- Leute beteiligten uns. Mein Interesse war nicht groß. Nur ein paar Senfgurken, die mir Kameraden gaben sie waren in Zehn- Kilo- Gläsern massenhaft vorhanden schlug ich nicht ab. - So landete ich mit meinen polnischen Kameraden in Linz. Diese Stadt war infolge der Fliegerangriffe ziemlich in Mitleidenschaft gezogen. Oft hatte ich vom Lager aus beobachtet, wie sie mit Bomben belegt wurde! Als wir hörten, daß es in Linz ein sogenanntes Auffanglager für KZ. gebe, schlugen wir uns seitwärts in die Büsche, denn von einem Lager wollten wir nichts mehr wissen. Wir quartierten uns in einer etwas bombardierten Villa ein, um zu übernachten. Lebensmittel hatten meine Kameraden genügend organisiert. Gekocht wurde uns von liebenswürdigen Linzern. Als wir ihnen die Verhältnisse im Lager schilderten, kamen sie aus dem Erstaunen nicht heraus und bei besonders weichmütigen wollten die Tränen kein Ende nehmen. Auf meine Frage, ob sie nicht von unseren Außenarbeitern, die hier in Linz Aufräumungen verrichteten, etwas über die Zustände in Mauthausen oder Gusen erfahren hätten, konnten sie nur erwidern: ,, Wohl haben wir gesehen, wie Häftlinge von der SS bei der Arbeit angetrieben und auch geschlagen wurden, aber unmöglich war es, mit den Gefangenen irgendeine Unterhaltung anzuknüpfen." Obwohl wir von dem ungewohnten langen Marsch sehr müde waren, wurde es sehr spät, als wir uns zur Ruhe begaben. Überhaupt, wir konnten es noch nicht fassen, daß wir wieder Menschen unter Menschen waren, freie Menschen! Kein SS- Mann mit dem Gewehr oder Ochsenziemer in unserer Nähe, kein Capo, kein Blockältester, kein elektrisch geladener Stacheldraht... 39 IN. Teil Die Nacht war schnell vorüber, der Morgen graute. Nach alter Lager- gewohnheit war ich sehr früh auf den Beinen; meine Kameraden schliefen noch den Schlaf des Gerechten— ich störte sie nicht. Ein herrlicher Maimorgen, vor mir blühende Gärten und Wiesen, die gigantischen Berggipfel, hie und da Amselgesang, Erwachen der Natur, ein Märchen, ein Traum? Nein, W irklichkeit, wahre Wirklich- keit! Ein neuer Mensch in mir!„Guten Morgen“, begrüßte mich da einer meiner Kameraden. Ihn ließ es auch nicht mehr schlafen, er gesellte sich zu mir, und zu zweit genossen wir nun den Morgen, all das Neue. Nach und nach waren auch die übrigen Kameraden erwacht. Man wusch sich, um darnach das Frühstück zu bereiten, das erste Frühstück in der Freiheit! Und was für eines! Bohnenkaffee, Brot mit Butter und Honig— ein neues Leben! Ä Es kam der Abschied, er war schwer. Hatten wir doch Freud und Leid miteinander getragen, waren Kameraden. Es ist doch etwas Schönes um Kameraden, und sei es nur für eine Stunde! Wo wird uns der Wind hin- verschlagen, werden wir uns noch einmal wiedersehen? Wir reichten uns zum letzten Male die Hände, und ich ging meinem Ziel, das noch in weiter Ferne lag, entgegen. Über Wels, Salzburg usw. wollte ich, da in meiner Heimat Unruhe herrschte, nach dem ruhigen, einsamen Schwarzwald, den ich über alles liebte.' An der Straße nach Wels lag beiderseits ungeheures Kriegsmaterial, doch das interessierte mich nicht. Ich war allein, trotz des vielen Verkehrs. Gedanken kreisen in mir: Wie konnten Menschen, Menschen des zwanzig- sten Jahrhunderts, sich so in das Elend, in den Sumpf, ja in den Abgrund stürzen! Kultur! Ich sehe keine. Die Menschen haben sich da etwas ein- gebildet und vorgemacht. Es fielen mir jene Worte ein, die ich vor langer Zeit irgendwo einmal gelesen habe; mit gutem Gedächtnis ausgerüstet, bin in der Lage, sie fast wörtlich wiederzugeben:„All die ungestillten Wünsche und der Lebensdrang unzähliger Geister unserer Vorfahren sind in unserer Seele lebendig. Ihr Blut kocht in uns und läßt uns nicht zur Ruhe kommen. Wir versuchen immer von neuem, den Marmorblock des Lebens bergan zu wälzen, zum Gipfel des Genusses, doch stets entrollte der tückische Mar- mor! Bitterkeit blieb zurück.“— Die ungestillten Wünsche unserer Vor- fahren sind in unserer Seele lebendig— wann werden wir endlich einmal zur Vernunft, zur Ruhe kommen? Wann werden wir das sein, wofür wir bestimmt sind— wahrhaftige Menschen? Doch trotz allem glaube ich felsen- fest daran, daß die Stunde kommt, wo Herz und Verstand siegen werden. Augenblicklich erscheint mir das Leben wohl nur deshalb feindlich, weil es mehr von mir verlangt als früher, wo alles so selbstverständlich und bequem seinen Gang zu nehmen schien. Nur der oberflächliche, kleinbürger- 40 lich mitte Flachen u sten die K kann nien uns hereit nen könn “ bleiben w stumpfsint geben kan eine neue müssen w gehen. In sen wir ur winden ui Stärker sc} Bejahung zusehen, ı aber wir i ihr ein Sc Wir nicht sichten, y In so} nicht lang weil Kara frächtige Mir; sie mal bra Seschlag auf, Se; dein Stol T glei Chen fü Noch im Das a Seele sein kan Seligen L ageriefen esen, der lichh da sellte Neue. wusch der igLeid es um hinn uns weiter meiner wald, terial, kehrs. anziggrund s einLanger et, bin insche nserer mmen. gan zu MarVoreinmal Für wir elsenerden. ndlich, ch und ürgerlich mittelmäßige Mensch wird von einem Leben befriedigt, das ganz im Flachen und Bequemen, im Geregelten und Sicheren verläuft, wo am wenigsten die Kraft der Persönlichkeit und des Willens einzusetzen ist! Natürlich kann niemand von uns verlangen, daß wir angesichts des Elends, das über uns hereingebrochen ist, glücklich sind, als hätte uns nichts Besseres begegnen können. Aber wir wollen das, was uns auferlegt ist, bejahen, sonst bleiben wir in Bitterkeit und Mißmut stecken, in einer fruchtlosen und stumpfsinnigen Klage um das Verlorene, das uns doch niemand wiedergeben kann! Solange wir uns gegen unser Schicksal, das nun unabänderlich eine neue Lebensweise von uns verlangt, auflehnen, solange wir uns wehren, müssen wir verzweifeln und im Haß gegen unser eigenes Dasein zugrunde gehen. In dieser Verneinung dessen, was uns als Aufgabe gestellt ist, beweisen wir uns als schwach, schwächer als unser Schicksal, das wir doch überwinden und meistern, das wir bändigen wollen, wie einen Gegner, der in der stärker scheinen möchte als wir. In der Verneinung zerbrechen wir Bejahung aber, mit der wir unser Schicksal auf uns nehmen und nun zusehen, was sich daraus machen läßt, scheinen wir uns zwar zu beugen, aber wir überlisten dabei gleichsam die Tücke des Schicksals und schlagen ihr ein Schnippchen. So leicht soll es uns nicht unterkriegen! Und so wollen wir nicht mehr soviel an das denken, was wir verloren haben, sondern sichten, was uns an Kraft noch geblieben ist. - In solchen Gedanken verweilend, ist mir der Weg von Linz nach Wels nicht langweilig geworden. Abwechslungsreich war er allein schon deshalb, weil Karawanen fremdländischer Völker, wie Ungarn, Rumänen, Bulgaren und andere die Straße daherzogen, sie fuhren und gingen wohl in ihre Heimat zurück. Da ich, wie schon erwähnt, Häftlingskleidung trug, wurde ich mit vielen Fragen bestürmt. Neugierde und Mitleid lösten sich gegenseitig ab. Es war für mich fast unerträglich, immer und immer wieder dasselbe auftischen zu müssen. Hatte ich mir doch vorgenommen: wenn ich wieder unter Menschen bin, mich nicht durch Mitleid erniedrigen zu lassen, nicht beleidigen zu lassen durch wohlwollende Barmherzigkeit, und wenn sie noch so freundlich und verlockend erscheint. Ich wollte mich von diesen niederträchtigen Seelen fernhalten, die mich bedauern und bejammern. Ich sagte mir: sie können dich nur demütigen, aber nie aufrichten, wenn du das einmal brauchen solltest. Denn sie stempeln dich ja als minderwertig und geschlagen ab und spielen sich dadurch dir gegenüber als die Überlegenen auf. Sei dir dann immer deiner Kraft und Würde bewußt! Sonst wird dir dein Stolz und deine Freiheit genommen. Ich wollte vielmehr derjenige sein, der gleichsam mit jenen Mitleid haben könnte, die ein so kleinmütiges Leben führen, daß schon ein leiser Windhauch sie umblasen kann, wo ich noch im Sturm zu stehen gewohnt bin. Das ist jetzt meine Aufgabe und tatsächlich ein Gewinn meiner schweren Seelenverwundung, daß ich im Leben, das mich nun erwartet, Beispiel sein kann. Das sei mein Glück, die Zweifelnden mitzureißen, die Trübseligen und Schwachen zu beschämen! Schamrot sollen sie werden, wenn 41 sie auf mich blicken, weil sie mein helles Lachen hören, wo sie selbst wehleidig und stumpfsinnig Trübsal blasen. Schamrot sollen sie werden, wenn ich ihnen in Geradheit, Würde und Leistung vorlebe, wo sie selbst sich am liebsten in einem Sanatorium zur Ruhe setzen möchten, sobald sie nur ein wenig Rheumatismus verspüren. Wo jene den Kopf hängen lassen und schier verzweifeln, weil es ihnen nicht möglich ist, eine Krawatte zu erwerben, dann sollen sie auf mich schauen und ganz still werden. So sollten alle jene wirken, die Jahre durch das KZ. gingen, wie eine Erzieherschaft, wie ein Orden, nur durch ihr Beispiel, nur durch ihre männliche und frohgemute Haltung. - Das klingt so einfach, aber hier sollte für uns die Brücke sein, die uns zum Leben zurückführt und uns mit alledem versöhnt, was uns an Fremdem und Feindlichem erwartet. Es ist eine Aufgabe, die uns, wenn wir sie erst ergriffen haben, begeistern wird. Leicht ist sie nicht, vielleicht wird mancher daran scheitern aber leichte Aufgaben wollen wir ja auch nicht. Wir wollen ja nicht das Milde, Sanfte und Bequeme des Lebens, auch wenn es uns manch törichter Außenstehender geradezu aufdrängen möchte. Oder wer wollte sich irgendwo in einen Winkel setzen und sich pflegen lassen, sein Leben im Grunde vergeuden, ohne es bis zur Neige auszuschöpfen und handelnd einzusetzen? Nun könnte ich es mir ja leicht machen und sagen, daß wir ehemalige Häftlinge eines KZ. ja gewohnt sind, einen Feind anzugreifen und die Angst vor solchen gefährlichen Entscheidungen zu überwinden. Aber es hilft hier ja kein Draufgängertum, sondern nur die Besinnung, denn das Drohende, Feindliche, das die Rückkehr in das fremdgewordene und neue Leben so erschwert, ist ja nur in uns selbst zu überwinden. Ich habe ja solche Augenblicke qualvoller Zweifel und bitterster Mutlosigkeit durchgemacht, weil mir doch das genommen ist, was den Impuls meines Schaffens und Lebens auszumachen schien, und ähnlich ist es doch vielen tausenden Kameraden ergangen, und doch sind wir Überlebenden Herr unseres Geschickes geworden. Die Stunde wird kommen, da wir entdecken, daß das, was wir verloren haben, nicht das Wichtigste ist. Denn wir leben ja, wir haben Herz und Verstand behalten, und wir können noch viel leisten, wenn auch auf eine andere Weise als wir es uns vorgenommen haben. Und wenn wir auch nicht glücklich über unsere Beschwernis sein können, so wollen wir doch stolz darauf sein! II. - - war, soda du her?" wollte er willst du dem Sch du nicht SS. Wenn nicht, abe den hast, Da er mi gen wir tauschten machung Betrachtu mal, Her dung her Zivilkleid Lumpen. züglicher ab", beru glaubt di wer glaub hast wohl sachen ge ein, und Nun Jahre zug weißt ja, lich. Etwa bei uns sagen, da haben wi mußten d haben wi sen, da Amerika ich dir Lagerlel Leben!" was er in Wir was rede wie lang uns vor, - ich Von Wels, wo ich bei einer lieben, verständigen Familie übernachtet oder besser gesagt wollte ich hatte, marschierte ich über Lambach über Lambach in Richtung Salzburg marschieren. Ich kam aber nur bis Lambach, das fünfzehn Kilometer von Wels entfernt liegt. Doch wen treffe ich kurz vor Lambach? Meinen alten Leidensgenossen Herbert M. erwähnte ihn schon in den vorhergehenden Blättern. Beinahe wären wir aneinander vorbeigelaufen, da die Straße von KZ.- Häftlingen wie besät 42 zu müsse oft habe war, sodaß man sich nur oberflächlich betrachtete. ‚Mensch, wo kommst du her?“ fragte mich M.„Von Mauthausen“, war meine Antwort. Nun wollte er wissen, wie es bei der Befreiung zugegangen sei.„Und nun, wo willst du jetzt hin?‘ fuhr er fort.„In Richtung Salzburg und weiter nach dem Schwarzwald.“— ‚Nach Salzburg? Mein lieber Junge, da kommst du nicht durch. Nicht weit von hier sind noch schwere Kämpfe mit der SS. Wenn dir dein Leben lieb ist, kehre um. Abhalten kann ich dich ja nicht, aber es wäre doch schade, nachdem du die Jahre im KZ. überstan- den hast, wenn du jetzt womöglich noch eine Kugel einfangen solltest.‘ Da er mich von der Aussichtslosigkeit meines Vorhabens überzeugte, gin- gen wir gemeinsam in Richtung Wels, wobei wir unsere Erlebnisse‘ aus- tauschten. In der Freude des Wiedersehens hatte ich auf die äußere Auf- machung meines alten Kameraden gar nicht geachtet, aber bei näherer Betrachtung stellte ich fest, daß er eine komplette SS-Uniform trug.„Sag mal, Herbert, ist das nicht etwas leichtsinnig von dir, mit dieser SS-Klei- dung herumzulaufen?“ ‚Ich konnte nichts anderes mehr auftreiben, unsere Zivilkleidung war geplündert, und meine Häftlingssachen waren regelrechte Lumpen. Was blieb mir da weiter übrig? Außerdem ist dies doch ein vor- züglicher Stoff, den man heute kaum noch bekommt.“„Das streite ich nicht ab“, beruhigte ich ihn, ‚die SS hatte nur vorzügliche Stoffe— aber wer glaubt dir, daß du ein KZ.-Häftling bist?“ Er lachte, indem er sagte: ‚Und wer glaubt mir, wenn ich Häftlingskleidung anhabe, daß ich einer bin? Du hast wohl gar keine Ahnung, wieviel SS-Männer sich in unsere Häftlings- sachen geworfen haben, um nicht erkannt zyuı werden.“ Das leuchtete mir ein, und ich mußte ihm recht geben. Nun bat ich Herbert M., mir vom Lager Ebensee, wo er fast eineinhalb Jahre zugebracht hatte, etwas zu erzählen. ‚Was ist da viel zu sagen, du weißt ja, als Nebenlager von Mauthausen war Ebensee genau so unerträg- lich. Etwas interessanter war es insofern, als wir die neue Waffe, die V 1, bei uns bauten. Sabotage wurde dabei genügend getrieben, ich möchte sagen, daß fast zwei Drittel der abgelieferten V 1 Versager waren. Somit haben wir vielen Engländern das Leben erhalten, aber unsere Kameraden mußten dafür über die Klinge springen. Kurz bevor die Amerikaner kamen, haben wir zwei Massengräber für je dreitausend Häftlinge ausgraben müs- sen, da das Krematorium mit dem Verbrennen nicht mehr mitkam und die Amerikaner die Berge von Leichen nicht sehen sollten. Einzelheiten brauche ich dir ja nicht zu schildern, denn du weißt ja selbsi, wie grausam das Lagerleben war. Jetzt haben wir das ja alles hinter uns und vor uns das Leben!“ Ich sah es ihm an, daß er nicht gern daran erinnert sein wollte, was er in den zehn Jahren Konzentrationslager erlitten hatte. Wir beschlossen nun, gemeinsam in die Heimat zu wandern— aber was rede ich da von Heimat— M. ist von Hannover und hatte, weiß Gott wie lange schon, keine Nachricht mehr von seinen Lieben. Also nahmen wir uns vor, solange zusammen zu bleiben, bis einer von uns glaubte, abbiegen zu müssen.„Zehn Jahre habe ich auf diesen Tag gewartet“, sagte M.„Wie oft habe ich mir in diesen Jahren gewünscht, es möge ein Maitag sein, wenn 43 Freund N - ich herauskomme. Mein Wunsch ist in Erfüllung gegangen und was für ein Maitag! Einen schöneren konnten wir bestimmt nicht finden, und die Zeit, die wir zusammen verbringen, wollen wir auch genießen! Wir wollen gemütlich wandern, und wo es uns gefällt, da bleiben wir sitzen. Wann wir unser Ziel erreichen, spielt keine Rolle; wenn wir noch ein Jahr darauf hätNach vielem ten warten müssen, müßten wir auch zufrieden sein." Überlegen entschlossen wir uns, bei Braunau am Inn die Grenze nach Deutschland zu überschreiten. Bis dorthin war allerdings noch ein weiter Weg, aber wir hatten ja Zeit, und der Mai war einfach herrlich. Ebenso der Apfelmost, der uns überall reichlich kredenzt wurde. Dorf um Dorf, Städtchen um Städtchen ließen wir hinter uns, lieben Menschen begegneten wir, die uns auf das beste bewirteten, aber auch unsaubere Charaktere mußten wir in Kauf nehmen. Vor allen Dingen betrifft dies die weibliche Jugend. Ich will nicht weiter darauf eingehen, nur eines möchte ich sagen, daß manches Bordellmädchen aus unserem Lager was Ausdrücke betrifft hätte davon lernen können. Hitlerismus! Wenige können für sich in Anspruch nehmen, seelisch rein geblieben zu sein, aber diese wenigen sind der Grundstein einer besseren Menschheit, das ist mein fester, unumstößlicher Glaube! - - Nach vielem Hin und Her landeten wir, M. und ich, in Braunau am Inn. Dort, wo die Wiege dessen stand, der die ganze Welt in Aufruhr versetzte. Wäre er anders geartet gewesen, hätte er den festen Glauben an das Gute und Edle gehabt, er wäre ein Segen für die Menschheit geworden. Aber da er diese Fähigkeiten nicht besaß, kam das, was kommen mußte, eben das Chaos. Braunau, so schön es ist, war uns doch durch diese Feststellung verleidet, und der Anblick der Innbrücke, die nur noch ein Trümmerhaufen war, über den der Inn unaufhaltsam hinwegbrauste, trug noch mehr dazu bei. Guter Rat war jetzt teuer, wie da hinüberkommen. Das Städtchen, das sonst zehn bis zwölftausend Einwohner zählte, hatte jetzt das Mehrfache zu beherbergen. Unser Wunsch war: so schnell wie möglich fort von hier. Sonderbarerweise hatten die Amerikaner es gar nicht so eilig, die Massen zu befördern, die hier schon tagelang harrten, um hinübergesetzt zu werden. Als wir uns nun den Amerikanern als KZ.- Häftlinge zu erkennen gaben, waren sie sofort bereit, uns auf die andere Seite nach Simbach in Bayern überzusetzen. Es gab darob viel Gemurmel und Geschrei bei den zurückbleibenden Flüchtlingen. Warum gerade die? Ich beruhigte sie folgendermaßen: ,, Hätten Sie das große Glück" gehabt, jahrelang im Konzentrationslager zu schmachten, hätten Sie jetzt nicht das Pech, noch ein paar Tage hier bleiben zu müssen." Einer Bombe gleich schlugen diese Worte bei ihnen ein. So fuhren uns denn die Amerikaner auf Umwegen über ein noch gut erhaltenes Wehr nach Simbach. Dort am Rathaus angekommen, trat ein amerikanischer Offizier auf uns zu und erkundigte sich, aus welchem Lager wir kämen. Es stellte sich heraus, daß er Eindrücke von diesen sammelte. Soweit hatte er schon alle Lager durch bis auf Ebensee, von dem mein 44 ihn, ausz Nach ein bach sei ten. Sie Ehe ich heben kon kaner mei cher Hins einanders So auch wir uns, setzten w war, daß Auch wandern ten, als unbeacht Zeilen ni stelle led dem erst wurde, w tiefer in kommen, Mün Magnet. die zu fe gemacht sondern sucht. 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Am anderen Morgen trafen wir uns, unbewußt dieselbe Richtung einschlagend, wieder. Froh darüber, setzten wir den Marsch gemeinsam fort. Das erste, was uns in Bayern auffiel, war, daß nirgends eine Fahne wehte, Österreich glich einem Flaggenmeer! Auch machte es mich traurig, tief traurig, wenn ich, meine Straße wandernd, deutsche Soldaten, die kein anderes Verbrechen begangen hatten, als daß sie ihre Pflicht getan hatten, ruhelos, viele sogar heimatlos, unbeachtet dahinziehen sah. Mit Hochhalten des Militarismus haben diese Zeilen nichts zu tun, und ich möchte mir das sehr verbeten haben! Ich stelle lediglich Tatsachen fest. Der Satz: ,, Nie wieder Krieg!", der nach dem ersten Weltkrieg von vielen nur so oberflächlich dahingesprochen wurde, war und ist mein innerster Wunsch, und ich hoffe, daß er sich heute tiefer in die Herzen der Menschheit einprägt. Es muß und wird eine Zeit kommen, die den Krieg nicht mehr kennt. Inn. etzte. Gute Aber eben tstelmermehr Städtt das öglich eilig, überlinge Seite I und ? Ich ehabt, nicht gleich ch gut at ein Lager melte. mein III. München! Wir wollten es nicht sehen, und doch zog es uns an wie ein Magnet. Zu unserem größten Leid! Was haben eine Handvoll Wahnsinnige, die zu feige waren, sich zu ergeben, aus dieser schönen kunstvollen Stadt gemacht, in der ich so oft und gern geweilt? Nicht nur einen Trümmer-, sondern einen Schutthaufen! Eine Unverantwortlichkeit, die ihresgleichen sucht. Ich glaube auch nicht, daß es nötig war, Städte von dieser Art so zu zertrümmern. Aber es ist nun einmal geschehen. Hoffentlich ist es eine Warnung für die Zukunft. Als wir die Zerstörung gesehen, trieb es uns eilig aus der Stadt, denn der Anblick war zu grausam. Unser Ziel war nun Starnberg, wo wir uns über Pfingsten ausruhen wollten. Doch wieder kam es anders, als wir uns vorgenommen hatten. In Forstenried konnte ich M. nicht mehr dazu bewegen, weiter zu gehen. Er setzte sich mit mir auf eine Bank und sagte: ,, Ich kann nicht mehr. München ist mir in die Knochen gefahren." Verstehen konnte ich ihn wohl, doch war es nicht meine Absicht, in Forstenried, so nahe bei München, zu bleiben, zumal noch der ganze Nachmittag vor uns lag. Aber alles Zureden half nichts. Nun wandte ich nach einiger Überlegung einen kleinen Trick an. Ich wußte, daß er nie gerne in ein Pfarrhaus ging, geschah es doch einmal, versuchte er, so 45 überzeugt schnell als möglich wieder fort zu kommen, nicht ohne über Pfarrer und Kirche zu schimpfen. Darum bat ich ihn, da das Pfarrhaus uns gegenüber lag, mit mir hineinzugehen und um eine Tasse Kaffee zu bitten. Nach langem Bitten hatte ich ihn tatsächlich so weit. Zu klingeln und dem Pfarrer unseren Wunsch vorzutragen, überließ er mir. Wir wurden sehr liebevoll aufgenommen und bewirtet. M. trank seinen Kaffee hastig und rutschte unruhig auf seinem Sessel hin und her; am liebsten hätte er, ich sah es ihm an, mit dem Pfarrer über Kirche und Christus gestritten. Für ihn stand nämlich fest: Papst und Kirche seien mit an diesem Elend schuld. Aber ich ließ es nicht soweit kommen, mir genügte zu wissen, daß er jetzt wieder laufen würde. Und so war es auch. Wir waren noch nicht auf der Straße, da ging es auch schon los: ,, Diese Burschen hier tun, als wenn sie Gott gepachtet hätten und bemitleiden einen, als wären sie Christus selber, und doch waren sie zu feige, ihre Kollegen im KZ. in irgendeiner Weise zu unterstützen. Im Gegenteil, elendiglich haben sie sie verrecken lassen, ohne je ein Wort darüber zu verlieren." Leider hatte er darin nicht so ganz unrecht. Immer noch schimpfend, hatte er ganz vergessen, daß er gar nicht mehr weiterlaufen wollte. Plötzlich hielt er im Laufen wie im Schimpfen inne, als wir eine Straße überquerten, an deren Ecke ein Wegweiser mit der Aufschrift: ,, Nach W." stand. Ich sagte: ,, Herbert, hier geht es nach Starnberg." ,, Ja, ja, ich weiß, aber du wirst dich erinnern, ich habe dir doch mal erzählt, daß ich in W. Bekannte habe, auch von der Anni, die ich vor zehn Jahren dort kennen lernte. Vielleicht lebt der eine oder andere noch, und ich meine, wir könnten über Pfingsten da am besten unterkommen." Erinnern konnte ich mich schon, aber der Umweg sagte mir nicht zu. Doch M. ließ jetzt nicht mehr locker. Also gingen wir nach G., das 10 km vor W. liegt. Die ruhige, staubfreie, von herrlichem Wald umsäumte Straße war ein Genuß, sodaß ich den Umweg nicht mehr bereute. Amüsant für mich war zu sehen, wie M., der in Forstenried doch kaum mehr laufen konnte, nun ein Tempo anschlug, das ihm alle Ehre machte. Als ich ihn flachste von wegen der Anni und so, erwiderte er: ,, Nein, nein, aber wir müssen G. noch vor neun Uhr erreichen." ,, Schon recht", sagte ich ,,, am liebsten würdest du heute noch nach W. gehen." ,, Alter Gauner, du merkst aber auch alles!" war seine Antwort. Ich ärgerte ihn noch ein bißchen, indem ich darauf hinwies, daß Anni schon verheiratet sein könnte. ,, Du hast recht", waren seine Worte, die mir etwas wehmutsvoll klangen ,,, zehn Jahre sind eine lange Zeit." Im Gasthof zur Post in G. nahmen wir Quartier und wurden auf das beste bewirtet. Amerikanische Offiziere trugen auch dazu bei, uns den dort verlebten Abend zu verschönern. Am anderen Morgen weckte mich M., worüber ich sehr erstaunt war, denn sonst mußte immer ich ihn wecken. ,, Komm, steh auf, nachher wird es so heiß." ,, Ich glaube, dir ist jetzt schon heiẞ", gab ich ihm lachend zurück. Mir die Keks und die Konserven in den Brotbeutel steckend machten wir tragen tat er prinzipiell nichts uns auf den Weg nach W. Mir hatte er den Ort so schmackhaft geschildert, daß ich, ohne ihn gesehen zu haben, schon begeistert war, wenn auch nicht - - zuflechten bei jedem wohl des abzulenke der meine Freude, m den zehn J Herbe herrliches hat es min war unse chen rech gehend hi Haus, dess ten: ,, Du, abwesend wußte An Sie!" hera einiges er Herbert? das offens lich hochg ren. Beide mit frager er ihn do kennst du aber der Flugplatz ,, Frei noveraner wurden hi die ganze Fragen be geht es de Leben no mitsprac Wehmut selbst, w seinen G Sein Mensche Herbert konnte i andere M ist, oder 46 46 und ber anrrer voll chte ihm and ich eder aße, Gott und e zu ohne ganz nicht pfen mit nach doch vor och, men." Doch vor raße t für aufen ihn wir ,, am . Ich schon etwas f das den mich cken. schon en in n wir Idert, nicht - überzeugt. Aber es lag mir ferne, in seine rosige Stimmung Dornen hineinzuflechten. Vergnüglich war es für mich, zu beobachten, daß Herbert M. bei jedem Wegweiser, der nach Starnberg deutete, recht gesprächig wurde, wohl deshalb, um mich von meinem Vorhaben, nach Starnberg zu gehen, abzulenken. Nach ungefähr zwei Stunden langten wir in W. an, jenem Ort, der meinen Kameraden M. wie einen Magneten anzog. Wie machte es ihm Freude, mir dies und jenes zu schildern, nach seiner Meinung hat sich in den zehn Jahren er weilte als Zwanzigjähriger hier nicht viel geändert. Herbert M. hatte mir über W. nicht zuviel gesagt, es ist wirklich ein herrliches Fleckchen. Ein kleiner, von Wald und Villen umrahmter See hat es mir besonders angetan, noch dazu ein wunderbarer Maisonntag, also war unsere fröhliche Stimmung berechtigt. Ein Gäßchen links, ein Gäẞchen rechts, gelangten wir auf die Hauptstraße. Auf ihr ein Stück entlang gehend hielt mein Kamerad plötzlich inne, zeigte mit dem Finger auf ein Haus, dessen Fenster offen standen, und wandte sich an mich mit den Worten: ,, Du, da wohnt er!" ,, Was für ein er?" fragte ich. Da er sich so geistesabwesend an das Haus heranpirschte, war ich in dem Glauben, jene bewußte Anni wohne darin, und platzte mit der Bemerkung: ,, Ich denke eine Sie!" heraus. ,, Ich meine doch jetzt den Schachtmeister, von dem ich dir einiges erzählt habe", erwiderte er. ,, Dann man tau! Aber weißt du was, Herbert? Gib dich nicht gleich zu erkennen." Langsam schlich er nun auf das offenstehende Fenster zu, ich hinterdrein. Im Zimmer stand ein ziemlich hochgewachsener Mann, meiner Schätzung nach in den sechziger Jahren. Beide schauten sich, ohne ein Wort zu reden, minutenlang an. Jener mit fragender Miene, dieser mit gespannter Aufmerksamkeit und, nachdem er ihn doch nicht erkannte, fragte mein Kamerad: ,, Ja, Schachtmeister, kennst du mich nicht mehr?" ,, Mein Gott! Dein Gesicht ist mir wohl bekannt, aber der Name?" ,, Wir haben vor zehn Jahren zusammen hier auf dem Flugplatz gearbeitet", bemerkte mein Kamerad. noveraner ,, Freilich, freilich", erwiderte der andere ,,, du bist doch der Han,, Herbert M.", gab dieser sich jetzt zu erkennen. Wir wurden hineingebeten, und dann ging das Erzählen los. Nach und nach war die ganze Familie erschienen, und wir beide wurden von allen Seiten mit Fragen bestürmt. In Herbert M. ging aber noch etwas anderes vor. ,, Wie geht es der Anni? Ist sie verheiratet?"- Ich glaube, Herbert M. hat in seinem Leben noch nie eine Frage gestellt, bei der das Herz so hundertprozentig mitsprach wie in diesem Falle. Ich sah seine gespannten Gesichtszüge, Wehmut und doch wiederum Hoffnung waren darin zu lesen. Ich bangte selbst, wie wohl die Antwort ausfallen würde und wünschte, daß sie zu seinen Gunsten sei. - Seine Anni war noch nicht verheiratet! Ich habe seit langem keinen Menschen gesehen, der ein so glückliches, leuchtendes Gesicht hatte wie Herbert M. in diesem Moment, als er erfuhr, daß Anni noch frei sei. Nun konnte ihn nichts mehr halten, auf und davon war er. Ich freue mich immer, andere Menschen glücklich zu sehen, selbst wenn mir das Glück nicht hold ist, oder vielleicht gerade deshalb. Bin ich doch fast mein ganzes Leben 47 einsam gewesen, denn wenn mir einmal das Glück begegnete, so verweilte es nicht allzulange bei mir. - 1 - eines darf mir und - so darf ich Ja, ich bi Nach kurzer Zeit kamen mein Kamerad und seine Braut sie jetzt wohl nennen freudestrahlend hereingeschneit, wie Gestalten aus heute sind beide längst fernem Märchenland. Anni R. hat mir später verheiratet mal ihr Herz ausgeschüttet und sagte mir unter anderem, sie hätte die Jahre hindurch immer auf etwas gewartet, wußte aber selbst nicht auf was, es wäre etwas in ihr gewesen, das sie nie fassen konnte. Ihr die Tränen vom Gesicht zu trocknen, war nicht gut möglich, ich hätte mich zehn Jahre hatte ich keine Frau dabei vielleicht etwas dumm angestellt weinen gesehen. So nahm ich denn meinen Humor zu Hilfe, indem ich sagte: ,, Jetzt hast du endlich ,, Ihn" gefaßt!" Und schon schien die Sonne wieder aus ihren Augen. - - So haben wir uns langsam in W. eingelebt und machten per Rad des öfteren Hamsterfahrten in die Umgebung. Wir waren beide so eingestellt, von München möglichst unabhängig zu sein, denn die Stadt hat genügend KZ.- Häftlinge zu betreuen. Anderseits reichten aber die Lebensmittelkarten nicht hin, um uns von den durchgemachten Jahren des Hungerns zu erholen. In Dankbarkeit muß ich sagen, daß die Bauern uns mit großem Verständnis entgegenkamen. Bei solch einer Hamsterfahrt mein Kamerad war krank, sodaß ich gezwungen war, allein zu gehen landete ich hier, in diesem Dörfchen und bei der Familie, wo ich jetzt noch wohne und dieses Buch niederschreibe. Mein Anklopfen hier war nicht so uninteressant, und so will ich meinen freundlichen Lesern auch darüber berichten. Als ich den Hof betrat, war er wie ausgestorben, nichts rührte sich. Auf mein Klopfen an Tür und Fenster reagierte niemand. Ich umwanderte das ganze Haus, aber auch da fand ich keine Menschenseele. ,, Schade, hier sind eine Menge Hühner, hättest vielleicht ein paar Eier bekommen könDas Leben ist doch ein Rätsel! Was hielt mich nen", sagte ich mir. eigentlich auf diesem Hof? Meist ging ich, wenn die Tür verschlossen war, gleich wieder davon, und hier konnte ich nicht fortkommen. Nach ungefähr zehn Minuten ging ich langsam, wie im Traum verloren, dem Ausgang zu. Auf halbem Wege öffnete sich hinter mir plötzlich die Stalltüre und aus derselben trat, wie ich später erfuhr, der jüngste Sohn des Hauses. Es ist meine Art, jedem die Hand zum Gruß hinzuhalten, so auch hier. Ich bat, ob ich vielleicht ein Ei haben könne. Kaum, daß ich meine Bitte ausgesprochen, Meine Leser werden trat aus derselben Türe eine Tochter des Hauses. schon gemerkt haben, daß ich über meine Person sehr wenig in dem Buch erwähne, doch kann ich nicht umhin, mich in diesem Kapitel ein klein wenig einzuschalten. Jene Tochter hat eine furchtbare Ähnlichkeit mit, ich will ehrlich sein, einer früheren Liebe, eine Ähnlichkeit, die mich erschreckte und regelrecht aus dem Konzept brachte. Ist es Schicksal, Zufall, wie soll ich es nennen? Das Leben ist schön, aber grausam. Es ist nicht taktvoll. Schon packt es uns rauh und unerbittlich beim Schopf und führt uns vor Augen, daß das, was wir glaubten überwunden zu haben, ein Trug war. Ich brauche meinen Lesern nicht zu sagen, wie mir zumute war. Nur 48 - so stolz w anführen, Lebensver Arbeit wir die ganze und aus d nannte ich 4 Mth. eines darf ich noch erwähnen: Ich komme hier nicht weg! Ich hadere mit mir und der Welt, ich bekämpfe meine Energielosigkeit, es nützt nichts. Ja, ich bin schon soweit, zu behaupten, ich habe meine Energie, auf die ich so stolz war, im Lager verbraucht. Als Entschuldigung könnte ich vielleicht anführen, daß ich mich damit tröste, dies alles könne für meinen weiteren, Lebensverlauf wichtig sein und anregend auf meine schriftstellerische Arbeit wirken. In Gedanken verloren merkte ich nicht, daß inzwischen fast die ganze Familie um mich versammelt war. Die Mutter stand neben mir und aus dem oberen Stockwerk schauten noch zwei Töchter herunter; so nannte ich den Hof ‚Das Dreimäderlhaus‘! und so heißt er bei mir heute noch. 4 Mth. 4 Nachwort Nachdem der Leser mir durch das Inferno von Mauthausen gefolgt ist und aus meiner wahrheitsgetreuen Schilderung die erschreckende Fülle des Grauens, das uns Häftlinge tagtäglich umgab, in sich aufgenommen hat, und nachdem er sodann mit meinem persönlichen Schicksal nach dem Tage der Befreiung bekannt gemacht ist, fühle ich das Bedürfnis, alle diese Erlebnisse mit einem schlichten Bekenntnisse zu dem ewigen Gotte zu schließen, der, unerforschbar in seinen Ratschlüssen, alle unsere Wege bestimmt. Ich bin kein Fanatiker des Glaubens, aber eines ist fest in mir verankert: der Glaube an Christus, der uns alles Schwere ertragen läßt und der mit seinem Leben und Sterben allen Menschen ein Vorbild, ein Wegweiser zum Edlen und Guten wurde. Diese Hinwendung zum Guten, für das Christus gestritten hat, muß zum Allgemeingut der Menschheit werden. Nur auf diesem Wege wird die Welt vollkommener und besser werden. Leider sind viele, die sich Christen nennen, so gleichgültig und blind gegen die Religion der Liebe geworden, daß es ihnen nicht mehr bewußt wird, was es denn bedeutet, mit aufrichtiger Gesinnung und offenem Herzen sich der Macht des Heilandes zu verbinden. Es ist eine unumstößliche Tatsache, und die jetzige Zeit beweist es, was vor vielen Jahren der Bischof von Ketteler sagte: ,, Seitdem das Völkerrecht sich von den Grundsätzen des Christentums abgewendet hat, sind wir auf dem offenen Wege des Völkerfaustrechts. Wir haben auf diesem Wege furchtbare Fortschritte gemacht und endlose Kriege denn die Selbstsucht führt zu endlosen Verwirrungen, da sie nie gesättigt wird stehen uns in Europa und in der Welt bevor, wenn wir auf diesem Wege fortschreiten. Auch hier ist deshalb die Welt in ihrer Entwicklung auf Christus hingewiesen, und es kann nur die Frage sein, ob wir vor endlosem Unglück zu ihm zurückkehren werden, oder ob die äußerste Not großer Völkerkämpfe uns wieder zu ihm zurückführen wird. Kein anderes Fundament kann für das Völkerrecht gelegt werden als welches gelegt ist, Jesus Christus." - - - Wohl mag der christliche Leitsatz: ,, Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" vielen als ein Wagnis erscheinen, das im zwischenstaatlichen Leben der Nat keine G daß Go Wort di Immer Segen fo ganze in tung später F mag. Sol satz zur die unsic menden die den f des eine päischen sem Sin außen hi 50 t ist des und ‚ der leb- ßen, Tan- | der eiser das ‚den. den. egen ird, sich ıche, Ket- des Iker- acht run“ Welt p die zur rden; rück“ legt dich der Nationen und vom Gesichtspunkte der Selbstbehauptung der Völker keine Geltung beanspruchen darf. Gleichwohl bin ich fest davon überzeugt, daß Gott kein Volk verlassen wird, das aus Ehrfurcht vor dem göttlichen Wort die niederen Mittel einer rücksichtslosen Lebensbehauptung preisgibt. Immer wird der Anwendung christlicher Grundsätze ein unerschöpflicher Segen folgen, sei es zunächst auch nur durch ihre Rückwirkung auf das ganze innere Volksleben. Aber auch nach außen hin wird eine solche Hal- tung— schon durch die zwingende Macht des Beispiels— früher oder später Frucht tragen, auch wenn eine schwere Zeit der Prüfung vorangehen mag. Solche Prüfung ist untrennbar vom Kreuze Christi und seinem Gegen- satz zur stumpfen Welt— sie ist nötig, um die Kräfte des Glaubens an die unsichtbare göttliche Welt zu härten. Die dringendste Aufgabe der kom- menden Zeit ist: alle diejenigen zu einem Block zusammen zu schweißen, die den festen Glauben in sich tragen, daß nur durch die Lehre des Heilan- des eine Gesundung der Menschheit möglich ist. Das Schicksal der euro- päischen Gesittung wird davon abhängen, ob es gelingt, die Völker in die- sem Sinne zur Einkehr und Umkehr zu leiten und im Innern und nach außen hin dem Einssein in Gott ein lebendiges Denkmal zu errichten. 51 IN VORBEREITUNG: DR. KARL ALT Todeskandidaten Erlebnisse eines Seelsorgers mit zahlreichen Männern und Frauen, die im Hitlerreich zum Tode verurteilt und zumeist in dem Gefängnis Stadelheim hingerichtet wurden. Etwa 120 Seiten Preis noch unbestimmt K. A. GROSS 3. Band der Dachauer Triologie des Verfassers Sterne in der Nacht Lieder und Reime eines Ausgestoßenen ( des Dachauer Häftlings Nr. 16 921) In Not und Gefahr geschrieben, unter Lebensgefahr über den Drahtzaun geworfen, scheint es die natürlichgeistliche Bestimmung dieser Lieder und Reime zu sein, den Blick des Lesers auf Sterne zu richten, die auch in dunkelster Nacht leuchten, und deren Widerschein sie sind. Wem in dieser Zeit das Weinen näher steht als das Lachen, greife nach dieser Sammlung, die beweist, daß das gläubige Herz selbst unter Tränen auch lachen kann. Etwa 250 Seiten Preis etwa RM 6.