GESCHRIEBEN FÜR JENE, DIE DIE KONZENTRATIONSLAGER ERLEBTEN Märtyrer Wer sah sie denn in ihrem großen Leid? Wer fühlte ihre ungesagten Bitten? Sie waren hinter Gittern abgeschnitten. Sie waren weit. Die Gegenwart war tot. Es stieg die Zeit. Sie aber hatten nie genug gelitten. In ihren langgedehnten, hohlen Schritten ging Ewigkeit. Und Tage schienen sich in Nacht zu kleiden. Des Wahnsinns Dunkel lag um jedes Haupt, das sich ergab. Nichts war zu unterscheiden. Und alles schwieg. Sie blieben ungeglaubt und standen in den aufgetürmten Leiden der ganzen Welt und waren wie entlaubt. 7 Er Märtyrer Es nicht zu wissen: wie sie endlich starben. Es nur zu ahnen: jeder nahm sein Los und hielt mit hohlen Händen, stark und groß ’ es in des Abends aufgelöste Farben. In ihren Abend, der mit Orgelfugen in die Gewölbe ihrer Seelen brach, in denen niemand mehr Gebete sprach, weil sie der Stimmen Irres nicht ertrugen. Es nicht zu wissen: wie ihr Untergehen auf ihnen lastete. In ihrer Nacht erstanden sie, wie Engel in der Schlacht erglühn und wie Gebirge auferstehen, Märtyrer Selbst die Räume sind wie offne Wunden und bewahren ihren Blutgeruch, Alle Menschlichkeit ist dort verschwunden; nur die aufgeteilten, trüben Stunden überhängen sie wie graues Tuch. Manchmal fällt ein später Sonnensplitter in die Finsternis und wie verirrt zittert er auf einer Hand am Gitter, die verzerrt ist wie ein Herbstgewitter, das nur wartet bis es Abend wird. Jede Nacht empfängt in ihren Gründen eine Seele, die sich nicht mehr hält, und sie stehen, Sünder ohne Sünden, vor dem kleinen, fremden Tod, als stünden sie vor einer Welt. 9 Märtyrer Wir müssen sein, sonst wären nicht die Guten, sonst wäre nirgends Unterschied. Wir müssen für euch sein und stumm verbluten, und unsre Schreie sind euch nur ein Lied. Wir singen nicht, wir haben keine Lieder, weil man uns jedes Wort bewacht. Wir singen nicht, wir gehen auf und nieder und unsre Schritte hallen durch die Nacht. Wir wachen nur und warten auf das Ende und ordnen uns in unser Sein. Wir wachen nur und ritzen in die Wände Gebetetes hinein. 10 10 Auferstehung Nun lösten sie mit feurigen Gebärden sich aus dem Tod und standen wie befreit vor ihrer aufgebrochnen Ewigkeit, ganz angefüllt von ihrem Seelewerden. In ihren Blicken türmten die Gewalten sich göttlich auf. Es ragte aus dem Strom der Auferstehenden ein Strahlendom, den sie erbauten für ihr Händefalten. Sie stiegen auf wie Lichter, als gebäre der Himmel tausend Sonnen in der Nacht, und standen an den Grenzen ihrer Macht hochaufgerichtet, maßlos wie Altäre. Die Überlebenden von Theresienstadt Wir haben sie zerbrochen, ich und du. Auch du. Warum willst du es nicht mehr wissen? Wir alle haben schuld, daß sie zerrissen, zermartert wurden, denn wir sahen zu. Und schwiegen. Ich und du. Vergiß das nie! Wir wandten uns von ihnen, kalt und träge, und ließen sie die letzten, dunklen Wege alleine gehn. Und dann verblaßten sie. Sie starben uns. Doch nun verneinen wir die schwere Schuld, die uns, nur uns gehörte, da wir sie sehn, die nicht der Tod zerstörte, sie, die ihn zwangen wie ein großes Tier. Ihr Sein jedoch, das unerträgliche Grauen verschüttet haben und zerkleinert, lebt nur mehr leblos noch und wie versteinert und bloß ihr Blick sagt das Unsägliche. 12 Flucht Weiter. Weiter. Drüben schreit ein Kind. Laß es liegen, es ist halb zerrissen. Häuser schwanken müde wie Kulissen durch den Wind. Irgendjemand legt mir seine Hand in die meine, zieht mich fort und zittert. Sein Gesicht ist wie Papier zerknittert, unbekannt. Ob du auch so um dein Leben bangst? Alles andre ist schon fortgegeben. Ach, ich habe nichts mehr, kaum ein Leben, nur noch Angst. 13 Flüchtlinge So saßen sie und bargen ihre Häupter in ihren Händen wie in einem Schoß und wurden noch entfernter, noch betäubter, als wüchsen sie sich aus sich selber los, um mehr zu sein, nur Seele, gut und groß. Und manche starrten vor sich hin und kamen mit ihrem müden Blick bis an den Rand des Möglichen und hatten keine Namen und keinen Willen mehr, nur eine Hand, die nach der Stirne tastete und fand, als nähme sie den Wahnsinn. Manche griffen mit stummen Gesten tief in ihr Gesicht und fanden es so seltsam ausgeschliffen wie ein Gefäß, und ihrer Hand Gewicht zerbrach es leicht, wie man ein Glas zerbricht. 14 Treck Nächtliches Feld. Wo sind wir? Weiß nicht. Laß mich in Ruh. Ich kann nicht schlafen.— Du? Nein. Sieh den Himmel: rinnt hier Wahn nicht dem Lichte zu? Kreischende Räder. Plauen wackeln dahin. Grün grellt Mondlicht darauf und fallt über das Grauen. Frauen weinen. Ein Wachhund bellt. Halte den Kopf hoch! Bange ist uns ja allen doch. Zukunft— ein schwarzes Loch— gähnt uns an, Sag, wie lange, glaubst du, fahren wir noch? Untergang Alle tragen sie das gleiche Sein, und sie tragen mit bewußten Sinnen sich in ihren Untergang hinein, wie in einen Fluß. Sie werden klein, aber größer wird die Seele. Innen. Innen reifen sie und werden weit, leben ohne Zukunft, ohne Hoffen, formen Trümmer der Vergangenheit sich zu Träumen, zählen ihre Zeit, stehen vor dem Nichts, bereit und offen. Offen sterben sie, sehr langsam, schwer, so, als wollten sie den Tod genießen, und empfangen ihn vertraut, als wär er schon längst in ihnen, wie ein Meer, das sich überschlägt, sie zu verschließen. 16 Städte Da standen Städte. Doch jetzt liegen Steine. Auf den Ruinen sitzt die Nacht. Daneben hockt der Tod und lacht: So habe ich es gut gemacht! Da waren Menschen. Doch jetzt leben keine. Durch hohle Fenster greift mit langen Händen der Mond wie ein Gespenst aus Chrom, zuckt durch die Rippen dort am Dom, springt wie ein Tänzer in den Strom und zittert schattenhaft an allen Wänden. Verkohlte Bäume starren steif, entblättert im Schutt. Das letzte Leben lischt. Nur eine schwarze Krähe zischt durchs Grau. Vergangenes verwischt. Da standen Städte. Doch sie sind zerschmettert. 17 Sterne Es gibt noch Sterne über den Ruinen und Mondlicht, das durch Fensterhöhlen flieht, die Stürme singen noch in den Kaminen ihr altes Lied. Sprich nicht mehr von den Toten. Unter Bergen von Schutt sind sie begraben. Grau und groß steht über ihren Stein- und Balkensärgen ein: Namenlos. Es gibt noch Träume über jenen Dächern, die eingestürzt sind in das Labyrinth der Stadt, wo sie nun klirren, hart und blechern durch Nacht und Wind. Sieh in den Himmel, nicht auf die Fassaden der Häuser, die noch blieben, schmal, allein. Es gibt noch Sterne über den Kaskaden aus totem Stein. 18 Armenviertel Diese engen Straßen voller Bangen wagen niemals aus der Stadt zu gehn, und sie enden plötzlich ungesehn hinter Mauern, die mit Moos behangen duldend altern, bröckeln, nichts verlangen. Schwarz verbogene Laternen drehn ihre Lichter blaß durch das Geschehn dieser Straßen, die man oft gegangen in den Träumen heißer Nächte, ach, die man nicht ertrug mit ihren keuschen| | Sehnsüchten nach Licht. Erschreckt und schwach öffnen sich die Türen den Geräuschen, und ein Schatten fällt von jedem Dach in die Fenster, die so sehr enttäuschen. a l j j \ 8 ® & 1 Stadtränder So sind die Ränder aller großen Städte: Dort leben Kinder, die nie Kinder sind, die kränkelnd wachsen, alt und wie Skelette aus ihrer Kindheit gehn, die früh zerrinnt. Dort ist der Ein- und Ausgang aller Seelen, nicht Siegestore mehr, nur noch Fabrik und Krematorien, Wasser von Kanälen, Armut und Elend mit verstumpftem Blick. Und Feuchtes von gesammelten Oktobern, das an den Mauern haftet wie Gewicht. Nur kleine Fenster überm Dach erobern sich manchmal noch ein wenig Sonnenlicht. 20 Höfe Hinterhöfe an der Bahn mit den engen müden Zügen. Tiefes steht in den Gefügen‘ ihres Äußeren, als trügen sie ihr Wissen wie im Wahn. N) Ihre Augen sind verbraucht durch das lange Aufwärtsschauen. Schwelende Gerüche stauen sich in diesen Mauern— Grauen, das ins Dunkel niedertaucht. Dort sind keine Himmel mehr. Nur die Leierkästen klagen von verwöhnten Frühlingstagen. Und sie stehen abgetragen, hohl und wie von ungefähr. Kranke Man sieht sie manchmal in den Korridoren. der großen Krankenhäuser hin und her wie Träumer gehen, mühevoll und schwer, als wären sie im Inneren erfroren. Sie sind so tief in sich, wie ungeboren, daß sie der Fremden Blicke gar nicht mehr auf sich empfinden. Nur der Wiederkehr des hohlen Tones, den ihr Schritt verloren, kalt an die Wand wirft, sind sie hingegeben und horchen, wie er in die Stille rinnt. Sie sind wie blind, sie lauschen auf ihr Leben und sind in lauter Wunder eingelassen. Denn wer in sich ist, kann es niemals fassen, daß andre außer sich und offen sind. 22 Der Tod Jetzt komme ich, obwohl du weinst, und schließe deinen Ring. Ob du mich immer noch verneinst? Erinnerst du dich, daß ich einst an dir vorüberging? Da warst du jung und hast gelacht und nahmst mein Sein nicht ernst. Du glaubtest nicht an meine Macht. Doch ich bin da und bin die Nacht, in die du dich entfernst. Du wehrst dich noch. Was hilft dein Schrein? Du wehrst dich meisterlich. Dies ist ein Kampf, ein Kampf zu zwein. Wer, glaubst du, wird der Sieger sein du oder ich?! 23 9 Die Schlaflosen Müde aus den Fensterrahmen lehnen sie wie Puppen, ohne Sinn und Sein, und sie fühlen nicht mehr durch ihr Sehnen das Zerrinnen ihrer heißen Tränen, denn die Stille sinkt in sie hinein. Drüben gehn die letzten Lichter aus, leicht zerflattert in den lauen Winden. Und sie wollen in den Sternen finden, was sie suchen und die Welt ergründen, und ihr Herz ist dunkler als das Haus. Auf der Straße geht ein später Gast, und sie lauschen diesen hohlen Klängen seiner Schritte, die durchs Dunkel drängen, und sie greifen sich ans Herz, als sprängen sie in Stücke wie durch eine Last. 24 Die Sehnenden Und sie gehen schweigend durch die Tage, so, als gingen sie in sich hinein, und ihr Lächeln, dieses halbe, vage, ist wie eine rätselhafte Frage und getraut sich nicht zu sein. Sie empfinden nicht mehr das Entweichen aller Dinge um sie her, die weit sich entfernen und aus den Bereichen ihrer Sinne fliehen, zu verbleichen still in der Vergessenheit. Ihre Sehnsucht und Gedanken treiben wirr wie Blätter durch den Wind und gehn unter in dem Nichts, wo sie verbleiben. Und sie möchten lange Briefe schreiben, doch sie wissen nicht an wen. 25 Gotik Als sie auf ihre schmalen Hände schauten, erwachten sie und nannten ihre Zeit mit einem neuen Namen. Und sie bauten. Und was sie bauten, wurde Ewigkeit. Und alles stieg, den Himmel hinzuhalten. Die Enge barst. Die Seele wurde groß und ragte säulengleich aus den Basalten. Und alle Maße wurden grenzenlos. Da schien die Menschheit wie zu Staub zertreten und kniete aufgelöst vor ihrem Herrn. An die Gewölbe brandete ihr Beten. Sie sahen auf, verworren, klein und fern: Dort standen Engel, Fürsten und Propheten, und jeder Pfeiler stützte einen Stern. 26 n Barock Mit einem Male fand man alles fremd, steif und erstarrt und flächig ausgeschliffen: Da wucherte es aus den Seitenschiffen hin zum Altar, der puttenüberschwemmt stand, strahlend in die Ewigkeit gestemmt, in seinen Himmel, den die Wolken griffen. Licht war und Heiterkeit. Die Schwalben pfiffen unter den Kuppeln, hell und ungehemmt. Von jeder Wölbung fiel es in grotesken Gebärden nun herab und wuchs empor und wuchtete in wilden Arabesken. Aus allen Säulen brach das Licht hervor und überflutete die bunten Fresken, auf denen es sich lächelnd, leicht verlor. 27 Synagoge (Nach einer Plastik am Straßburger Dom) Und einer kam und nahm'ihr die Gesetze N und nahm ihr durch sein ungeheures Licht ihre Empfindsamkeit und ihr Gesicht, so daß sie nicht den-Reichtum seiner Schätze begriff. Sie fühlte nur, bei diesem Zuge verspielte sie und warf sich in die Not Teaser und hörte sein vernichtendes Gebot wie eine dröhnend aufgewühlte Fuge. Da brach ihr Stab, leicht wie ein Blumenstengel, und die Gesetzestafeln, halb verkannt, entglitten ihrer schwergewordnen Hand, i, und sie empfand auf einmal einen Engel. 28 , Die Tänzerin ( Nach einer Plastik von Georg Kolbe) Wie Schwingen ruht das wohlgeformte Schlanke der Arme auf der Luft. Sie strebt und schwebt, und durch die Maße ihres Körpers bebt ein einziger vollendeter Gedanke. Entbunden dieser Erde, hingegeben des Tanzes sanfter Leichtigkeit, umfließt sie der Bewegung Wiegendes und schließt sie in geheimen Glanz. Und sie wird Leben. Sie neigt mit einem leisen Seitwärtswenden des Kopfes Last, als legte sie ihn bloß auf ihre Schultern, wie in einen Schoß, und senkt die Lider vor dem eignen Blenden, als dämmerte sie sich von allem los, um sich der großen Geste zu verschwenden. 29. Nachmittag Das späte Licht zerfällt wie zarte Blüten und löst sich langsam aus dem vollen Strauß, als bräche es aus einer Form heraus, aus einer schwachen, halb verglühten, grau wie das Haus. Die Weidenarme hängen schwer im Wasser. Der Mädchen müder, monotoner Sang klingt sehnsuchtsvoll wie Amselruf und bang, und ihre Schatten werden blasser und werden lang. Die trüben Farben, die durchs Fenster dringen, sind wie die Räume, ungenau und weit, durch deren ahnungsvolle Ängstlichkeit die Stimmen alter Uhren schwingen: Wir sind die Zeit! $ 30. An meine Laute Schenke mir nur einmal noch den Klang deiner Stimme, die in mich gedrungen. Dein Gesang hat mir das Herz bezwungen. Doch die Saiten meiner Laute sind gesprungen, weil mein Herz zersprang. Laß mich doch nicht ganz verlassen sein. Singe von den aufgelösten, matten Abendfarben und den langen Schatten, singe von den Zeiten, wo wir Freunde hatten, denn ich bin allein. Sing das Lied noch einmal und vergiẞ. Keiner soll von unsern Träumen wissen. Ach, ich weine nachts in meine Kissen, denn die Saiten meiner Laute sind gerissen, weil mein Herz zerriẞ. 31 ‘4 N i # N \ September Über Nacht sind die Bäume am Hang gelb geworden. Die Wege, blattüberworfen, sind lang und sprühn, als wenn Gold darauf läge. Der schwergewordene Fluß geht bang durch den Fels, ströhnend, träge. Alles liegt traumreich und stumm, und der Wald, als ob er nicht lebte, ist mit den Nebeln vereint. Die Furchtsamen schauen sich um, wo die Sonne entschwebte, denn der Himmel weint. Die Wolken ziehn dumpf und taub, als fühlten sie ihr Gewicht. Und das Schloß im wehenden Laub ist wie ein Blick voller Staub aus einem verwelkten Gesicht, 32 Herbstzeitlose Nun trägt die Landschaft schon des Herbstes Farben. Wie tut mir der erneute Abschied weh. Auch deine zarten Herbstzeitlosen starben, die du mir schenktest. Und der Weg am See, den wir gemeinsam durch den Abend gingen, ist nebelüberhangen; ohne Halt dehnt er sich hin, unwirklich, wie auf Schwingen. Und ich bin plötzlich wie verbraucht und alt. Denn alles endete, was wir uns gaben, und welkte blaß wie Blüten durch den Wind. Ich aber will nun nie mehr Blumen haben, seit deine Blumen mir gestorben sind. An den See Wie sank die Sonne in dein Angesicht, daß du sie hieltest wie in einer Hülle aus grünem Glas, die Feuerfülle Licht? | i An deinem Ufer, wo der alte Kahn N‘ im Schilfe knarrt und sich die Esche rötet, wiegt einer sich im Baum und flötet: Pan. Im hohen Blau gebiert sich ein Gestirn. es stürzt in deinen Spiegel und wird blasser und flirrt, wie Falter überm Wasser schwirrn. Und süße Töne, fern und unbestimmt, in dir der Tag und um dich tausend Sonnen und Sehnsucht, die in dir zerronnen schwimmt. Späte Stunde Wie schwer heut die Stille ist. Ich kann meinen Herzschlag hören, ich fühle ihn mit den Händen. Stumm rieselt von blauen Wänden “ die Nacht in gespreizte Föhren, durch die sich der Vollmond frißt. Nicht schließen das Fenster! Nein! Vielleicht, daß mich einer riefe..... Kein Laut. Nur das hohle Ticken des Blutes.— Ich muß ersticken, wenn niemand mich aus der Tiefe der Nacht nimmt. Ich bin allein. Hört keiner mein banges Flehn? Nimmt keiner von mir die harte, erstarrte Angst und mein Sehnen? Nur Stille schwingt. Und die Strähnen des Monds sprühen gelb. Ich warte. Ich warte. Weiß nicht, auf wen. 35 Allein Wir sind ja alle namenlos allein, denn keiner kennt des andern Tiefe. ‘ Man ruft oft einen Freund, als riefe man ohne Stimme und schreibt Briefe,{ die niemand liest, Man wächst in sich hinein. Man geht am Abend durch den engen Kreis der Freunde, die man längst verlassen. Im Traum erscheinen ihre blassen Gesichter ausgehöhlt, wie Gassen, die man oft sah, von denen man nichts weiß. Wer weiß denn um des andern Seelensein? Wer zählt des. Nächsten stumme Tränen? Wer sieht ihn nachts am Fenster lehnen, fast wie betäubt in seinem Sehnen? Wir sind ja alle namenlos allein. An dich Du nahmst mich ganz aus meinem Ich in deines. Da brenne ich nun inniglich als eines deiner vielen Lichte in dir; in deinem Angesichte ein kleines. Bin ich auch wie ein Lächeln dein, die Stunde schlägt doch auf meine Wunden ein, will mich dir nehmen. Und ich singe dir meine Angst. Du weißt, ich ginge zugrunde. Vielleicht bin ich dir nur ein Traum. Ich weine bei dem Gedanken, nur am Saum zu. knien von deinem Heiligtume und nur zu sein wie eine Blume — die deine. Dagmar Nick wurde am 30. Mai 1926 in Breslau geboren. Sie besuchte in Breslau und Berlin die Schule und lebt seit 1945 in Lenggries/Oberbayern.