I Im westlichen Allgäu führt eine Zweigstraße abseits vom Verkehr durch das Wiesen- und Bergland und verbindet die Einödhöfe und entlegenen Dörfer. Auf dieser Straße gab es selten etwas Besonderes zu sehen; sie hatte ihre regelmäßigen Gäste. Vollends während des vergangenen Krieges lag die Straße still. Bis an einem frühen Märzmorgen im Jahre 1945 etwas geschah, das die Menschen ringsum tief erschreckte. Es machte sie, noch ehe dem System die letzte Gewalt entglitten war, zu Zeugen eines Grauens, an dessen Möglichkeit sie vorher hatten kaum glauben wollen. Die Bauern tranken eben ihren Morgenkaffee; an einzelnen Häusern waren die Fenster noch dunkel. Da tappten, eingehüllt in eine Staubwolke, die das Dorf hindurch nicht wich, einander stützend, stumm, in zerlumpten Kleidern, Menschengestalten vorüber. Hunde umkreisten sie. SS- Leute hielten die Spitze und bildeten den Schluß; sie gingen mit schußbereiten Waffen. Die Bauern lösten sich aus ihrer Erstarrung; ihre Frauen eilten in die Küche, schnitten Brot ab, griffen Kaffekannen und Tassen. Sie beachteten die Drohung der Henkersknechte nicht und reichten den armen Menschen eine Stärkung. Die Erschöpften tranken hastig. Sie rissen den Frauen das Brot aus der Hand und wurden, kaum daß sie genommen hatten, erbarmungslos weitergetrieben. Die Wachhunde umstreiften S den Zug. Knapp außerhalb des Dorfes brach einer der Unglücklichen zusammen. Pistolenschüsse waren zu hören, dann lagen die Häuser wieder still. Am andern Tag beerdigten die Dorfleute den fremden Mann auf ihrem Kirchhof. Niemand wußte von ihm Namen oder Heimat. Die SS hatte ihm jedes Papier geraubt und ihm schändlich das Gesicht zerschossen. Seit jenen Tagen stehen entlang dieser Straße die Kreuze. Wer den Elendszug mit eigenen Augen gesehen hatte, dem war der Vorhang von dem Trugbild des Dritten Reiches gerissen. In den Dörfern neben der kleinen Straße fand sich seither niemand, der noch die verruchte Herrschaft verteidigt hätte. Es genügte jetzt, den Zweifler die Straße entlang zu schicken und ihm die Kreuze zu weisen; er mußte verstummen. So ist jene Straße Sinnbild des Weges, den wir alle gehen müssen. Wir kommen an diesen Kreuzen nicht vorbei. Wir müssen uns ohne Vorbehalt der furchtbaren Wirklichkeit öffnen und in Gedanken den Leidensweg der unzähligen Deutschen und Angehörigen fremder Völker abschreiten. Nur so können wir die innere Überlegenheit über jene Gewalt erringen, die uns mehr als ein Jahrzehnt beherrscht hat; nur so gewinnen wir die Kraft, jede Willkür von innen her zu überwinden. Wir Menschen vergessen leicht. Kaum sind einige Monate zerronnen, so hat sich unser Sinn wieder den Neuigkeiten, jenen Trabanten der Oberflächlichkeit, zugewandt. Auch gewaltige und furchtbare Begebenheiten versinken schnell im Alltäglichen. Jene Gabe des Vergessens ist ein Geschenk dort, wo der Schrecken sonst unseren Mut nieder6 drück wir a schre Seger Al berau drang Scha der tratio zen zu ra gega eines die Daz mon gang ken Win in se pers ten Zwö Spa und Mer meh inne der n. mer der hören, Tag beKirchmat. Die lich das Kreuze. te, dem Reiches Be fand errschaft Straße isen; er wir alle Kreuorbehalt nken den ehörigen ie innere mehr als wir die nige Mon Neuiggewandt. versinken ns ist ein aut niederdrücken und unser Herz erstarren ließe; wie aber, wenn wir aus Angst und Bequemlichkeit uns dem heilsamen Erschrecken verschlossen hätten? Dann müßten wir auch den Segen preisgeben, der in einem solchen Schrecknis ruht. Als durch das besiegte und allen menschlichen Trostes beraubte deutsche Land die Kunde von den Gewalttaten drang, die seine Schergen verrichtet hatten, durchlief ein Schaudern alle deutschen Menschen. Eine Weile waren sie der Mahnung, die aus den Höllenpforten der Konzentrationslager zu ihnen drang, offen und hielten ihre Herzen der Wandlung bereit. Ist diese Bereitschaft nicht viel zu rasch in den Sorgen und neuen Schrecknissen verloren gegangen? Wir haben als Einzelmenschen wie als Glieder eines Volkes die Aufgabe, die Gewalt zu überwinden und die Willkür aus unserem Daseinsbereich zu verbannen. Dazu aber müssen wir der Gewalt unerschrocken ins Dämonenantlitz schauen und mutig mit unserer eigenen Vergangenheit abrechnen. Es ist leicht, fremde Willkür zu erkennen und feindliche Gewalt zu verdammen; doch überwindet nur derjenige in Wahrheit, der mit dem Erkennen in seinem eigenen Bezirk beginnt. Das erfordert schon im wie viel mehr noch im weipersönlichen Umkreis Mut ten Gebiet des öffentlichen Lebens! Die vergangenen zwölf Jahre sind, geschichtlich gesehen, nur eine flüchtige Spanne gewesen, so sehr ihre Sprengkraft auch Europa und die Welt zu erschüttern vermochte; im Leben eines wie viel Menschen aber bedeuten zwölf Jahre viel mehr in solchen Zeiten! Es hat kaum einen Menschen innerhalb der Machtgrenzen des Dritten Reiches gegeben, der sich dem Einfluß dieser dämonischen Suggestion völlig - - 7 verschließen konnte. Man hätte ein Einsiedler sein müssen, hätte man jeder Beeinflussung sich entziehen wollen. Und selbst dann, wären nicht immer noch tausend Kanäle gewesen, durch welche ihn das Gift erreicht hätte? Für die Betrachtung von der politischen Seite aus genügte es wohl, zu prüfen, ob jemand aktiv Anteil genommen hat, oder ob er nur mitgetrieben wurde. Denn eine politische Säuberung ist keine Gewissensprobe. Jedoch, wir müssen das Gift nicht nur äußerlich und in seinen Symptomen beseitigen; dann könnte es eines Tages wieder neue Wirksamkeit gewinnen. Wir müssen es aus unserem Innern gerade dort ausscheiden, wo es im Geheimen weiterfressen könnte. Tausenderlei Wege gab es, durch welche jener Staat den Bürger erfaßte. Von der plumpen Propagandarede des Kreisleiters bis zur schillernden Phrase des neuen Propheten im Stil eines Hauer reichte das Netz der Verführung. Richtiges wurde mit Fälschungen vermengt, so daß schließlich niemand mehr der Wahrheit oder der Lüge gewiß war. Das System hatte unzählige Vorwände, und bis zum letzten Augenblick wußten seine Vertreter Entschuldigungen für ihr Versagen zu finden. Jetzt haben sie sich enthüllt. Unsere Aufgabe ist, daß wir uns der wahren Lage aufschließen und rückblickend unsere eigenen Taten und Gedanken ordnen. Einzig deshalb müssen wir auch heute noch von den Willkürtaten des vergangenen Regimes reden und können es nicht umgehen, einen unbefangenen Blick hinter die Stacheldrahtbezirke der Konzentrationslager zu werfen. Eine der ersten Verordnungen der nationalsozialistischen Reichsregierung im Februar 1933 bestand darin, sogenannte 8 Schut befahl der K die z gleich Übert Mitte desser Als im en Terr über fessel gebu pläne das zur auf Dur Deu los h meh hatt gere unse wor Es Obr scha Pro nüssen, 1. Und äle ge- aus ge- enom- ın eine ch, wit ı Sym- er neue em In- weitel- welche Propa- se des etz der rmengt, der der wände, 'ertretef t haben er wah- eigenen sen wir angenen nen UN er Kon’ istischen “ enannte ‚Schutzhaftlager‘ einzurichten. Und zwölf Jahre später befahl einer der letzten Erlasse dieses Staates, alle Insassen der Konzentrationslager zu beseitigen. Alle Geschehnisse, die zwischen diesen beiden Verordnungen liegen, sind gleichsam in einen Kreis beschlossen. Wir können ohne Übertreibung sagen, daß die Konzentrationslager in die Mitte des Dritten Reiches gehören, ja, daß sie geradezu als dessen Sinnbilder gelten müssen. Als die ersten Schutzhaftlager entstanden, war man sich im engsten Parteikreis zweifellos klar über die Ziele dieser Terrorinstitutionen; das deutsche Volk jedoch in seiner überwiegenden Mehrheit war ahnungslos oder blieb ge- fesselt in den Taumel, oder verstrickt in stumpfe Er- gebung. Der staatsfromme ‚Bürger erklärte solche Terror- pläne für das Hirngespinst kranker Phantasten. Ihm fehlte das Organ, zu spüren, daß einem Hitler auf seinem Weg zur Macht jedes Mittel recht sei. Die Tatsache, daß alles auf einem Verordnungsblatt zu lesen stand, genügte, dem Durchschnittsbürger jeden Argwohn zu nehmen. Wir Deutschen waren es ja gewohnt, Befehle des Staates kritik- los hinzunehmen. Die kurze Frist der Demokratie, die viel mehr Jahre der Not und der Verwirrung in sich geschlossen “hatte, als Zeiten wirklicher Erziehung, hatte nicht aus- gereicht, die Erkenntnis zu befestigen, daß wir selbst unsere Gesetze schaffen und deshalb auch selbst verant- wortlich sind für alles, was in unserem Staate geschieht. Es regierte noch in uns das Gefühl der gottverordneten Obrigkeit, deren Handlungen unantastbar sind— Erb- schaft der letzten Jahrhunderte unserer Geschichte. Die Propaganda des nationalsozialistischen Staates ergriff alle 9 - Mittel, diese Gefühle zu bestärken. Sie nützte unser Verlangen nach Ordnung und äußerer Sicherheit geschickt aus, um ihre eigenen Pläne vorwärts zu treiben. Es rächte sich jetzt und im Endergebnis nicht nur an uns Deutschen-, daß man im Jahr 1918 zwar einen deutschen demokratischen Staat hatte entstehen lassen, dabei aber diesem neuen Staatswesen durch einen unklugen Vertrag und vielerlei, nur der Erbitterung, nicht der Überlegung entspringende Repressalien seinen Weg so sehr erschwert hatte. Dadurch erst fand die übernationalistische Agitation Nahrung und Mittel, den Staat zu zersetzen. Daraus vor allem ist Hitlers , Machtergreifung zu erklären. Und erst von hier aus wird verständlich, weshalb sich im Frühjahr 1933 in Deutschland kaum eine warnende Stimme wider die Konzentrationslager erheben konnte. Die raffinierte Nachrichtenlenkung verhinderte, daß der Mann der Straße von den grauenvollen Einrichtungen etwas Gewisses erfuhr. Wer wußte noch, was in Deutschland vor sich ging? Flüstergeschichten ersetzten klare Berichte; die gelenkte Presse hatte es leicht, sie als Gerede und, Feindpropaganda' unwirksam zu machen. Eine Staatsgläubigkeit ohnegleichen, dem Gefühl des Ertrinkenden ähnlich, der die Rettungsinsel nahe glaubt, verbunden mit der Empfindung vollkommener Ohnmacht, das alles trug dazu bei, das deutsche Volk verstummen zu lassen. Es ist aber ein Beweis für die Kraft der Wahrheit, daß sich trotz alledem in Deutschland selbst Männer fanden, welche der Gewalt mutig widersprachen, und daß in den Bereichen der Wissenschaft, Dichtung und Religion sich tapfere Deutsche der Lüge entgegenstellten. Um dieses heiml man land d hat. E Männ mißbr Im gleich lager, sich d die Z dem Wirk unwi Wide Kries nung Elem unve Krie D trati Mitt Gru drü wal mes ist für SOZI ΙΟ er Verckt aus, chte sich chen-, mokratim neuen vielerlei, ringende Dadurch ung und Hitlers aus wird DeutschKonzenrichtenvon den hr. Wer Flüsterte Presse nda' unegleichen, Rettungsung volldeutsche heit, daß fanden, aß in den gion sich Um dieses , heimliche Deutschland' muß man wissen, gerade, wenn man von den Konzentrationslagern redet. Das Deutschland des Geistes und der Kunst lebt, soviel es auch gelitten hat. Es ist jetzt in tiefe Not gestürzt und sühnt, was jene Männer frevelten, die den deutschen Namen so schändlich mißbraucht haben. Immer dichter knüpfte sich das Netz der Gewalt. Zugleich wuchs mit jedem Jahre die Zahl der Konzentrationslager, mehrte sich die Menge der Insassen und steigerte sich die Grausamkeit der Methoden. Immer dichter wurde die Zone des Schweigens. Hitler fühlte sich stark genug, dem Volk die letzten Rechte zu entreißen. Er hatte die Wirkungsbahnen des Staatsgefüges so geführt, daß keine unwillkommene Nachricht das Volk erreichen und kein Widerspruch mehr das System gefährden konnte. Bei Kriegsbeginn, vollends enthemmt, warf die Partei die Tarnung ab. Nun wurde zugegeben, daß man, unerwünschte Elemente ausmerze', und in Verordnungen und Erlassen unverhohlen der schärfste Terror eingesetzt. Es hatte des Krieges bedurft, um die Dämonen ganz zu entfesseln. Das Deutsche Reich selbst glich einem riesigen Konzentrationslager. Wenn auch die Maßstäbe anders waren, die Mittel verhüllter und die Bewegungsfreiheit größer: im Grundsätzlichen sehen wir hier wie dort die gleiche Bedrückung. Deshalb ist es wohl möglich, den Weg der Gewalt an den Geschehnissen der Konzentrationslager abzumessen. Vieles, was innerhalb ihrer Mauern sich zutrug, bezeichnend - gewiß in der äußersten Steigerung für das Wesen dieses Regimes der Willkür. Die nationalsozialistische Gewaltherrschaft erscheint uns als das äußerste ist - - I I Maß der Unterdrückung. Wir haben den verhängnisvollen Weg unseres Volkes miterlebt und das Fortschreiten des Unheils miterlitten, an uns ist es jetzt, in ehrlicher Prüfung den neuen Weg zu suchen. Für die Rückblicke auf die Konzentrationslager, die wir in unsere Betrachtung einfügen wollen, beziehen wir uns auf den Bericht eines ausländischen Wissenschaftlers, Herrn van N., der drei Jahre, von 1942 bis 1945, im Konzentrationslager zu Dachau verbracht hat und verwandtschaftliche Beziehungen nach Deutschland hin besaß, ohne jedoch mit den Verhältnissen im Dritten Reich vertraut gewesen zu sein. Er brachte ausreichende Sprachkenntnisse mit, empfing aber die Eindrücke dieser Zeit unmittelbarer, als es einem Deutschen, der in den Jahren der NSErziehung das Staunen hatte verlernen müssen, möglich gewesen wäre. Ein geringes Vergehen, das in seinem Lande höchstens eine kleine Geldstrafe gekostet hätte, genügte, ihn der deutschen Polizei zu überliefern. Er hatte vergessen, seinen Grenzschein verlängern zu lassen. Deshalb war er festgenommen und ins Gefängnis geworfen worden. Nun saẞ er zum erstenmal in einer Kerkerzelle! In den Anfangstagen war er noch wohlgemut und erwartete, in kurzer Frist freizukommen. Wurde er denn nicht außerordentlich höflich behandelt? War der Kommissar beim Verhör nicht von einer geradezu erstaunlichen Liebenswürdigkeit? Dem Gefangenen fehlte damals noch der Maßstab für den Hohn dieser Teufelshöflichkeit. Er begriff nicht, daß man einem Wehrlosen gegenüber sich gelegentlich das Pläsier glatter Gesten leisten kann. In c Kerken Ausch Scherg sie dur entsch stehen Diese der er sich se Unter Datu Parte Amte zirke Intell gleist Adel Mens fühl und sich der Dol D syst folg der los und 12 nisvollen eiten des her Prür, die wir wir uns rs, Herrn Konzenerwandtsaß, ohne vertraut Kenntnisse ittelbarer, der NSmöglich höchstens ihn der sen, seinen ur er festNun saß Anfangsin kurzer rordentlich erhör nicht keit? Dem den Hohn man einem sier glatter In der Tat war die satanische Liebenswürdigkeit der Kerkermeister von Hitlers Gnaden nicht selten. Vom Lager Auschwitz z. B. erzählte ein Überlebender, daß der SSScherge sich bei den Opfern der Gaskammern kurz, ehe sie durch ihn dem Tod überliefert wurden, höflichst dafür entschuldigte, daß ,, sie nun leider eine Weile barfuß stehen müßten und sich vielleicht erkälten könnten...." Diese Ironie steht im Gegensatz zu den Saalschlachtsitten der ersten Nationalsozialisten. Sie weist darauf hin, daß sich seit dem Jahr der, Machtergreifung die Methoden der Unterdrückung wesentlich verfeinert hatten. Bis zu jenem Datum war die Anzahl der Intellektuellen, die sich der Partei Hitlers verschrieben hatten, unbedeutend. Erst, als Ämter winkten, als die Staatsgewalt dem Verschwörerzirkel Glanz und Ansehen verlieh, strömten Vertreter der Intelligenz ein. Die SS sammelten in ihren Reihen Entgleiste aller Lager, ehemalige Geistliche, Angehörige des Adels, Juristen, Ärzte und ehrgeizige Wissenschaftler. Menschen der geistigen Schicht, die bisher sich abseits gefühlt hatten, fanden die Möglichkeit, Einfluß zu üben und Macht zu genießen. Unter ihrer Mitwirkung wandelte sich der Lärm der Saalschlacht in den gedämpften Klang der Diskussionen, die brutale Faust in den geschwinden Dolch. Diese Verfeinerung des Terrors erlebt jedes Gewaltsystem, dem ein Ausbau verstattet ist. Den Revolutionären folgen stets die Theoretiker, den Fausthelden die Taktiker der Macht. Erst dann wird das Netz der Gewalt lückenlos geknüpft, und gewinnt die Willkür in Vorschriften und Gesetzbüchern den Schein des Rechtes. So widersinnig 13 - es auf den ersten Blick erscheinen mag, es stimmt doch: die Vergewaltigung durch den Totschläger ist harmlos im Vergleich zu der Tyrannei des Mathematikers der Gewalt. Bei dem ersteren herrscht immer noch die klare Ich- DuBeziehung, wenn auch in der verneinenden Form der Faustgewalt; alles ist noch irgendwie ehrlich und einfach. Anders aber, wenn die Willkür zu einer Wissenschaft geworden ist. Dann wird aus dem Menschen eine Nummer, ein völlig berechenbarer Faktor. Ausgelöscht ist die Freiheit des Menschlichen, die vornehmlich darin sich erfüllt, daß dem Menschen in der Beziehung zu seinem Nächsten das Ja und das Nein bleibt; vernichtet ist jede Möglichkeit der Gegenwehr denn sie ist widersinnig geworden. Der rohen Gewalt können wir unsere Faust entgegensetzen; gegen die organisierte Willkür sind wir wehrlos, wenn wir nicht die Kraft besitzen, sie von innen heraus zu bezwingen. Der Weg dieser Überwindung der Gewalt beginnt mit ganz alltäglichen Schritten. Wir müssen überall dort, wo die persönliche Beziehung zwischen Mensch und Mensch gefährdet ist, wo weder ein echtes, Ich' gespürt, noch das , Du' anerkannt wird, uns bemühen, diese Bindungen neu zu knüpfen. Denn dies ist die dämonische Versuchung unseres technischen Zeitalters: Der Mensch in seinen Werten und Gefährdungen ist lästig; es kann ihn nicht errechnen und in seine gigantischen Experimente einschalten und sucht deshalb den Menschen zu einem Faktor, zu einem völlig übersichtlichen Funktionsglied umzuwandeln. Die Grundlage aller menschlichen Beziehungen ist Vertrauen auf der einen, Achtung und Ehrfurcht auf der andern Seite. In der Welt der organisierten Masse, die nur arbeite Vertra läßt s des Fl genau ( noch Gegen chen halter hältn traue ihm d Wir finde den H Atom losen Ges letzt Fa sens ihm kein sein Liste stens W den 14 doch: los im Gewalt. ch- Dum der infach. aft gemmer, e Freierfüllt, Fächsten lichkeit n. Der setzen; wenn zu bebeginnt ll dort, Mensch och das en neu suchung n Wererrechten und n. einem st Verder andie nur arbeitende Wesen und keine Menschen kennt, werden Vertrauen und Achtung hinderlich. Die Arbeitsleistung läßt sich ja durch Kontrolluhren überwachen, mit Hilfe des Fließbandes im gewünschten Tempo halten und durch genaue Berechnungen richtig bezahlen. Was bedarf es da noch des Vertrauens und der Achtung? So besteht unsere Gegenwehr allein darin, in möglichst vielen Lebensbereichen die Türen direkter menschlicher Beziehung offen zu halten und jede Tätigkeit in den Bogen eines Ich- Du- Verhältnisses zu spannen. Wir müssen den Menschen das Vertrauen in seinen eigenen Wert zurückgewinnen lassen und ihm damit den Weg frei machen zu seinem Nebenmanne. Wir werden dann jene Ehrfurcht vor dem anderen empfinden, die alle menschliche Verknüpfung ordnet und in den Bereich des Göttlichen führt. Denn der Mensch ist kein Atom, das nach irgendwelchen Naturgesetzen mit zahllosen anderen Atomen zusammengefügt ist, sondern ein Geschöpf Gottes, welches seine Ordnung auf ihn, als letzte Autorität, bezieht. II Fast ein Vierteljahr hielt man den ausländischen Wissenschaftler im Gefängnis. Er wußte nicht, was man mit ihm vorhatte, konnte niemand benachrichtigen und hatte keine Aussicht, in einem ordentlichen Gerichtsverfahren sein Recht zu finden. War er denn schon gelöscht aus der Liste der Lebendigen? Weshalb gab man ihm nicht wenigstens sein Recht, sein Urteil? Wir übersehen zu leicht den langen und steilen Pfad, den die Menschheit ansteigen mußte, bis wenigstens die IS - einfachsten Rechte der Person anerkannt waren. Das Recht auf ordentliches Urteil, der Anspruch, kein Bürger dürfe ohne Gerichtsbeschluß in Haft gehalten werden, das Vorrecht auf freie Äußerung der Meinung wie jung sind diese Errungenschaften! Noch das Mittelalter und die Zeit des Absolutismus wußten in ihrer Staatspraxis wenig vom Schutz des Bürgers gegenüber der Obrigkeit; selbst Napoleon konnte, ohne in seinem Ruhm ernstlich gefährdet zu sein, sich des Herzogs von Enghien bemächtigen. - - Auf der anderen Seite aber dürfen wir nicht übersehen, daß in keinem Augenblick unserer europäischen Geschichte die mit dem Sieg des Christentums beginnt die Tyrannei der Mächtigen sich unwidersprochen hat austoben dürfen. Schon im Jahr 1215 mußte der englische König Johann, ohne Land' die, Magna Charta', die Keimzelle aller Verfassungen unserer Zeit, anerkennen und wurde so gezwungen, die Grundrechte des freien Mannes zu bestätigen. Und wenn auch die Welt des Absolutismus, der Staat des, Sonnenkönigs' und seiner unzähligen kleinen Nachahmer, den Untertan rücksichtslos vergewaltigte und in den Kerker stieß, den Bauern ausplünderte und den Bürger erbarmungslos preẞte, so ist doch zugleich in ihr jene Dichtung und Wissenschaft gewachsen, die endlich die Herrschenden zwang, dem Staatsbürger immer weitere Freiheiten einzuräumen. Im Jahr 1776 nahm der amerikanische Kongreß die Satzungen der, Menschenrechte' als Grundprinzipien jeglichen Staatsrechtes an, und 1791 fügte der neue Staat der Französischen Revolution diese Grundrechte in seine Verfassung ein. Seitdem konnte kein Mächtiger sich gestatten, 16 diese R Herrsc unterd in una Tiefe, nung z primit Horde lichkei Freihe schen mener freite aus d muß, allen seines zugle Of spült gescha herrs Instin er in Ersat bieter es ge Hord beda der B Binder Das Recht ger dürfe das Vorjung sind d die Zeit wenig vom elbst Nagefährdet gen. übersehen, schen Gebeginnt n hat ausenglische arta', die merkennen des freien t des Abseiner uncksichtslos Luern ausSte, so ist schaft geem Staatsingreß die cipien jegStaat der seine Vergestatten, diese Rechte öffentlich zu verleugnen; er mochte in seiner Herrschaftspraxis die Freiheiten des Bürgers noch so sehr unterdrücken. Mühsam wurden jene Rechte errungen und in unablässigem Kampf gesichert gegen die Gewalten der Tiefe, die immer wieder ausbrechen und die gefügte Ordnung zertrümmern wollten. Je weiter sich der Mensch vom primitivsten Zusammenschluß menschlicher Wesen, der Horde, entfernte, desto stärker wurde er seiner Persönlichkeit bewußt und lernte, sich zu behaupten und seine Freiheiten zu erkämpfen. Im Christentum, das den Menschen als Person anerkannte und ihn, den Unvollkommenen und in die Dämonie der Natur Verstrickten, befreite und Gott, dem Vater, anvertraute, wurde der Mensch aus den Fesseln des Kreatürlichen gelöst. Von jetzt an muß, wer, Gott' sagt, auch den Menschen bejahen, in allen seinen Rechten und Freiheiten. Wer den Menschen seines Anspruches auf Persönlichkeit beraubt, der verwirft zugleich die Wahrheit des christlichen Glaubens. Oft genug hat neue Barbarei das errungene Land überspült und in Jahren zunichte gemacht, was Generationen geschaffen hatten. Immer aber, wenn eine solche Willkürherrschaft ihre Mauern errichtet, ruft sie die verschütteten Instinkte auf den Plan und nimmt dem Menschen ab, was er in Jahrhunderten an Freiheitsrechten errungen hat, zum Ersatz die dumpfe Geborgenheit im Gehorchendürfen anbietend. Wer sich jetzt widersetzt, der wird ausgeworfen, es geschieht ihm, wie dem widerspenstigen Mitglied der Horde, das aus der Reihe der Lebendigen getilgt wird. Da bedarf es keiner Erklärung oder Rechtfertigung mehr: der Befehl genügt! Binder, Dämonen. 2 17 Endlich kam der Befehl an den Häftling:„, Packen! Bahntransport!" Der Gefangene wurde in einem geschlossenen Wagen gefahren. Er wunderte sich über den Aufwand, der mit seiner geringen Person getrieben wurde. Er wurde in ein vergittertes Abteil geschoben und wartete lange, bis der Zug anfuhr. Er erlebte einen schier endlosen Fahrttag, schlief kurze Zeit und horchte in die Nacht hinaus. Am Morgen schob man andere Gefangene in seinen Wagen. Die sanken erschöpft auf den Boden und hielten sich lange Zeit stumm. Endlich erhielt er die Auskunft: Wir fahren nach Dachau!" Vor drei Monaten hätte er auf diese Nachricht hin alle Beherrschung verloren und wäre zwischen Wut und Verzweiflung hin und her gezerrt worden; nun war er so müd und zerschlagen, daß er den Bescheid unbewegt aufnahm und bald wieder in sein Dämmern verfiel. Er hatte in den letzten Wochen deutlich genug erfahren, daß jede Auflehnung ihn nur noch müder machte. Nun hielt er Ergebung in das Unvermeidliche für die einzige Hilfe. Später allerdings erfuhr er, daß er gerade nach dem Willen der Unterdrücker stumpf, dem Tiere gleich, werden sollte. So setzte er sich später mit aller Kraft gegen das Dahindämmern und müde Verzichten zur Wehr. دو Nach der Nachtfahrt kamen sie in Dachau an. Vor dem Lagertor versuchten sie zu enträtseln, was ihrer hinter den Drahtzäunen und Sperrzonen wartete. Über dem Tor war eine Inschrift angebracht: ,, Arbeit macht frei!" Die Gefangenen, die schon seit dem frühen Morgen vor dem Tor standen, meinten, es seien noch niemals groteskere Sätze über einem Höllentor geschrieben gewesen. Sie verspürten den Hohn dieser Worte und begannen ohnmächtigen Haẞ 18 zu fül welch kennt für di Sid und i werti kenin sicht, eine Wah von lister zent Orte Erz wer Wo bar beg kon ren bar Hi The jene dig gese erst bes ,, Packen! mgeschlosden Aufwurde. Er d wartete er endlosen Nacht hine in seinen nd hielten Auskunft: n hätte er loren und her gezerrt daß er den sein Dämn deutlich och müder eidliche für ß er gerade dem Tiere aller Kraft zur Wehr. . Vor dem hinter den m Tor war " Die Geor dem Tor skere Sätze verspürten htigen Haß zu fühlen. Sie begriffen nur die teuflische Verspottung, welche in diesen Worten lag. Es war von ihnen die Erkenntnis nicht zu verlangen, daß es noch andere Motive für diese Inschrift gab. Sicherlich hatte der Drang der Unterdrücker, zu höhnen und im Spott die eigenen geheimen Ängste und Minderwertigkeitsgefühle los zu werden, in erster Linie die Balkeninschrift hervorgerufen; doch sprach neben der Absicht, etwaige Besichtigungskommissionen zu betrügen, eine nur im Raum des Nationalsozialismus verständliche Wahnvorstellung mit. In den Augen einer großen Gruppe von Nationalsozialisten, die sich mit Vorliebe die, Idealisten der Bewegung' nannten, sollten nämlich diese Konzentrationslager tatsächlich nicht nur Strafanstalten und Orte der Qual sein; sie sollten vielmehr Institutionen der , Erziehung, Stätten der Besserung politisch Verirrter' werden. Wenn man bedenkt, welche Greuel sich mit dem Worte, Konzentrationslager verknüpfen und welch unbarmherzigem Druck die Häftlinge unterworfen waren, begreift man kaum, daß es Leute gegeben hat, die denken konnten, es sei möglich, auf solche Art Menschen zu belehren. Auch wenn man versucht, die Herkunft dieser sonderbaren, Idealisten' zu bestimmen, gewinnt man nur einen Hinweis, aber noch keine volle Erklärung für ihre seltsame Theorie. Zu einem großen Teil kamen sie aus der Schicht jener Volksschullehrer, die sich seit Jahrzehnten unbefriedigt und ehrgeizig jeder neuen Chance zuwenden; ihnen gesellten sich die brotlos gewordenen Berufssoldaten des ersten Weltkrieges zu, die den Sprung in ein klares und bescheidenes bürgerliches Dasein nicht wagten. Diese alle 19 verfielen der hypnotisierenden Doktrin, die primitiv genug war, um von ihnen verstanden zu werden, und zugleich so selbstsicher, daß sie trotz ihrer Haltlosigkeit ernst genommen wurde. Wenn wir daher eine Erklärung erhalten wollen, wie es überhaupt möglich gewesen ist, in diesen schreckensvollen Lagern Stätten der Erziehung zu erblicken, müssen wir uns den Glauben' dieser Idealisten' klar zu machen suchen. Ihnen bedeutete ihre Weltanschauung nicht eine philosophische Ansicht, oder die Form einer entwicklungsfähigen Weltschau, sondern schlechthin einen Glauben. Die Partei hat ja gerade dieses Wort immer wieder gebraucht. Den neuen Glauben durfte kein Verstand und keine Kritik betasten. Sie glaubten an Adolf Hitler mit dem Fanatismus von Derwischen und hielten ihre Wahnüberzeugung für Religion, ja gerade für die deutsche Religion. Wer diesen Glauben bezweifelte, oder wer sich als lau erwies, sündigte gegen ihr Heiligstes. Es glich diese Haltung einem echten religiösen Bekenntnis, wie die Karikatur dem Bild. Diese wahnwitzigen Träumer, Hitler an ihrer Spitze, sind die eigentlichen Erfinder der Konzentrationslager gewesen. Ihnen war es selbstverständlich, daß man Menschen, die gegen ihren, Glauben' verstießen, bestrafte und aus der Volksgemeinschaft ausschloß. Folgerichtig teilten sie solche, Sünder' in zwei Gruppen ein: die , Unheilbaren und die Verführten'. Die Unheilbaren hatten keine Aussicht, dem Konzentrationslager jemals wieder zu entrinnen; sie wurden ausgetilgt, ausgehungert oder vergast. Die andern aber, die Verführten, sollten durch Strenge geheilt werden den einen also die national, , - soziali Fegfe diese N frei m Es Jakob den F keit a tikers blickt heil a Cond ihm der H Härte Wah Aller ruhte ander W über Schil daß gifte groß ausz Jahr sieht dun über 20 Litiv genug zugleich so st genomollen, wie chreckensken, müsklar zu uung nicht r entwicknen Glaumer wieder stand und Hitler mit are Wahntsche Relier sich als glich diese e die KariHitler an er Konzenndlich, daß stießen, beloß. FolgeDen ein: die lbaren hatmals wieder ungert oder ollten durch Te nationalsozialistische, Hölle', den andern das nationalsozialistische , Fegfeuer'! Ist es nicht, als hätten Teufel und Dämonen diese Männer verblendet? In dieser Weise sollte die Arbeit frei machen! Es war ein Hohn und ein Wahn zugleich. Es war ein Wahn, ähnlich dem aberwitzigen Traum der Jakobiner von 1789, die mit Guillotine und Gefängnis den Franzosen ihre, Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit aufzwingen wollten. Solche Verblendung des Fanatikers, der in der Gewalt ein rechtmäßiges Heilmittel erblickt, hat in der menschlichen Geschichte schlimmeres Unheil angerichtet als die Machtgier der Glücksritter und Condottieri. Der Fanatismus kennt keine Grenzen; wer ihm widerspricht, verfällt dem Tod. Die Inquisition und der Hexenwahn beider christlichen Kirchen, calvinistische Härte und Ketzerjagd, entsprangen jenem fanatischen Wahnsinn und waren weit von Christi Gebot entfernt. Allerdings hatten sie nicht diese kalte Methodik und ruhten trotz allem auf einem Glauben von ganz anderer Würde und Kraft. - - Wie konnten die Konzentrationslager in Deutschland überhaupt Raum finden, im Deutschland Goethes und Schillers? Es ist schwer zu begreifen; wer hätte gedacht, daß es in unserem Volk eine so breite Unterschicht vergifteter Existenzen gab, und daß es möglich wurde, ein großes und begabtes Volk dem Aufstand der Finsternis auszuliefern! Der Frager, der nur auf das letzte Dutzend Jahre zurückgreifen will, findet keine rechte Antwort; er sieht zwar Wirkungen und Folgen, geht aber an dem dunkeln Strom der jahrhundertalten Verhängnisse vorüber. Wer Klarheit will, muß zurückgehen: Seit dem West21 fälischen Frieden war das Heilige Römische Reich Deut- scher Nation ein ohnmächtiges Gebilde und konnte gerade noch so viel Kraft aufbringen, wie ihm seine auseinander- strebenden Teile zubilligten. Der äußere Zusammenhang blieb noch gewahrt, die alte Ordnung aber war in ihrem Kern vernichtet. Der Fürst herrschte, und der Bürger beugte den Nacken. Die Macht des Reiches wandelte sich zur Willkür der Potentaten. So ist es gekommen, daß durch Jahrhunderte sich im deutschen Menschen mit dem Wort ‚Macht‘ Furcht vor der Tyrannei und eine verhäng- nisvolle Neigung, sich ihr willig zu unterwerfen, verbun- den haben. Gab es denn Macht ohne den Zwang, zugleich der Freiheit zu entsagen? Während das Reich zerfiel, wuchsen rings um Deutschland machtvolle Staaten auf, bildeten sich Imperien, deren Ansehen weithin alles Deutsche überschattete. Der Deutsche blickte aus seiner Enge sehnsüchtig in die Welt und begriff, daß in der Macht eines geschlossenen Staatswesens reiche Möglich- keiten ruhen; Furcht vor der Willkür verband sich jetzt mit dem Drängen, sich in einem starken Reich zusammen- zuschließen. So führte der Weg der deutschen Geschichte zur Reichs- gründung in Versailles 1871. Millionen jubelten dem Er- folg der preußisch-deutschen Waffen zu, nachdem sie jahr- zehntelang Bismarcks preußische Expansionspolitik ebenso heftig befehdet hatten. Man vergaß den Verrat am alten Reich und die Umlegung des Mittelpunktes nach Preußen. Ein mächtiger Staat bildete sich und übte seinen Zauber aus. Man griff hastig nach den frischen Schätzen, be- rauschte sich an den Zeichen des fieberhaft wachsenden Reicht gewalt zum} ihren: sich zu schen. suchte nung, Dieses In der klar, entdec Warn Mensc ließen die Y seinen und I Man ı lichen blieh dern 1914 hinei eich Deutnte gerade seinandernmenhang r in ihrem er Bürger ndelte sich men, daß n mit dem e verhängn, verbung, zugleich ich zerfiel, aaten auf, ithin alles aus seiner daß in der e Möglichd sich jetzt zusammenzur Reichsen dem Erem sie jahrlitik ebenso at am alten ch Preußen. nen Zauber chätzen, bewachsenden Reichtums und überließ sich gehorsam der neuen Staatsgewalt, die im preußischen Industrie- und Militärregime, zum Nachteil der konservativen südlichen Reichsteile, ihren stärksten Rückhalt hatte. Wieder schien es Gewinn, sich zu ducken und dafür Behagen und Glanz einzutauschen. Nur Wenige wandten sich von dem Getriebe ab und suchten abseits vom offiziellen Deutschland die ewige Ordnung. Das Wort vom, Heimlichen Deutschland' entstand. Dieses Deutschland ruhte mit seinen Wurzeln tief im Volk. In der, Jugendbewegung' trafen sich, gärend und noch unklar, Kräfte der Erneuerung und Besinnung. Wiederentdeckte Dichter, wie Stifter und Hölderlin, und einsame Warner, wie Stefan George und Rilke, sammelten jene Menschen um sich, die sich vom Ruhm nicht verblenden ließen. Ja, soweit griff dieses, Heimliche Deutschland' in die Vorkriegswelt hinein, daß Kaiser Wilhelm II. mit seinen Kunstambitionen, seinen Denkmälern, Hofdichtern und Prunkmalern gar nicht ernst genommen wurde, daß man insgeheim und zuweilen auch öffentlich diesen kaiserlichen Betrieb belächelte. Die Sehnsucht nach dem Reich' blieb trotz aller Machtentfaltung ein unerfüllter Traum, der noch einmal in den ersten Kriegsmonaten des Jahres 1914 die deutschen Menschen in ein begeistertes Opfer hineinriẞ. Und dann versank all das in der Niederlage von 1918. Was war von dem alten Prunk geblieben? Mit Mühe rettete sich ein armer Staat aus dem Zusammenbruch. Wieder standen rings um Deutschland übermächtige Nachbarn. Und bald war vergessen, daß Macht allein keinen Staat bilden kann. Träumer und Rechner, in einem merk23 würdigen Bündnis vereint, begannen, eine neue Macht- herrschaft aufzubauen. Die alte Sehnsucht nach dem ‚Reich‘ verband sich mit den Herrschaftswünschen der Kohlen- könige, Industriekapitäne und ehrgeizigen Generale. Hitler wurde der Name, in dem sich alles zusammenfand. So war es wirklich ein Siegesruf, als Goebbels am 30. Januar 1933 schrieb:„Wir haben die Macht!“ Wieder war allein die Macht der Grund, auf welchem ein neues Staatsgebäude aufgerichtet werden sollte. Macht aber, wenn sie absolut gesetzt wird, verliert jeden Anspruch auf Gültigkeit und wird zur reinen Willkür. Emporkömmlinge und Gestran- dete hatten an jenem 30. Januar 1933 die Macht ergriffen, um sie allein noch zum Werkzeug ihrer Gier zu miß- brauchen. Da war kein Platz mehr für echte Freiheit und kein Boden für gewachsene Kultur; der politische Strauch- dieb bestimmte den Staat, und der Nichtsnutz beherrschte das Feld der Kultur. Was so begonnen hatte, endete folge- richtig im Zusammenbruch des 8. Mai 1945. Auf eine flüch- tige Zeit der Machtentfaltung folgte der Sturz in die Ohn- macht. Den Bataillonen Hitlers sind die Kolonnen der Flüchtlinge gefolgt; aus den kommandierten Menschen- massen der Aufmärsche sind die Menschenballungen der Gefangenenlager geworden, aus den Heilrufen wurde der Fluch der getäuschten Millionen. Welches war das Wesen jener Macht, in deren Zeichen solches Unheil heranreifte? Ist Macht an sich böse und ver- hängnisvoll? Daß wir Deutschen endlich wieder die Frage nach dem Sinn und dem Auftrag der Macht ernst nehmen sollen, deshalb mußten wir die letzten zwölf Jahre durch- leben und dazu ist uns der Schrecken der Konzentrations- 24 En ‚Emp das| regis Schli und D ‚Aus e Macht- m ‚Reich‘ -Kohlen-° le. Hitler d. So war uar 1933 allein die tsgebäude ie absolut gkeit und | Gestran- ergriffen, zu miß- siheit und e Strauch- eherrschte Here folge- eine flüch- n die Ohn- onnen der Menschen- ungen der grurde der ;n Zeichen ‚und ver“ ‚ die Fragt st nehmen ıhre durch“ entrations" lager vor Augen gestellt worden. Wozu unumschränkte Gewaltherrschaft führt, das mußten wir erfahren; nun gilt es, den Kräften der Überwindung Raum zu geben. III Endlich wurden die Neuankömmlinge in die sogenannte ‚Empfangsbaracke‘ getrieben. Es war ihnen, als habe sie das kalte Räderwerk einer Maschine erfaßt. Sie wurden registriert, untersucht, entkleidet, gestoßen und beschimpft. Schließlich wurden sie in den ‚Aufnahmeblock‘ geschickt und auf dessen verschiedene Baracken verteilt. Der ‚Aufnahmeblock‘ war, so könnte man sagen, die „Ausbildungsabteilung‘ des Lagers Dachau. Hier erfuhr Herr van N., welche Möglichkeiten der Peinigung im preußischen Kommißdrill verborgen liegen. Hier lernte er jene häßliche Verzerrung des Soldatischen kennen, die jeder deutsche Kasernenhof dem aufmerksamen Beobachter zei- gen konnte. Singen auf Kommando, möglichst nach Dauer- läufen, Marschieren und Stillstehen, ‚Bettenbau‘ und ‚In- nerer Dienst‘, Stubenreinigen und Säubern der verrosteten und verbeulten Eßgefäße— all das stand auf ihrem Aus- bildungsprogramm. Jede Tätigkeit wurde in der Weise er- ledigt, die am sichersten ermüdete und demütigte. Es gab keine Pause. Kaum hatten sie Zeit, ihre Wassersuppe zu löffeln. Immerfort wurden sie angeschrieen und verspottet; schließlich nahmen sie das Ganze gleichgültig hin. Von dieser ‚Ausbildung‘ im Lager Dachau führt eine Linie geradewegs zu überlieferten Erziehungsmethoden des preußischen Militärs. Hitlers Parteifeldwebel haben sie be- 2) nützt, die ihnen anvertraute Jugend, auszurichten' und ins Glied zu zwingen. Sie konnten gar nicht anders; Führen war ihnen gleichbedeutend mit Kommandieren. Sie mußten die Gewaltmethoden jenes unwürdigen Schliffs, den sie einst selbst auf ihrem Kasernenhof erfahren hatten, auf ihre Jugendführung' anwenden. Alle Versuche, diesen Tatbestand nachträglich zu vertuschen, oder solch sinnlosen Schliff mit der Notwendigkeit militärischer Ausbildung zu entschuldigen, sind eine Irreführung. Denn erstens einmal gibt es keinen vernünftigen Grund, weshalb man in der Jugenderziehung Exerziermethoden und militärischen Drill einführen sollte; es sei denn, man strebe danach, die jungen Menschen nicht zu führen und zu erziehen, sondern sie sich dienstbar und hörig zu machen. Zum andern aber steht fest, daß manche einsichtige militärische Führer der deutschen Wehrmacht sich bemüht haben, diesen unwürdigen Zwang durch eine freiere Erziehung zu ersetzen und endlich den, preußischen Zopf' abzuschneiden, damit an Stelle des eingedrillten Gehorsams das Handeln verantwortlicher Pflicht treten könne. Wie weit dieser Versuch gelungen ist, oder vielmehr am Starrsinn der, Zünftigen' scheiterte, ist eine Frage, die uns hier nicht berührt. Sicher bleibt, daß mancherorts dieses Grundübel des geistlosen Drills bekämpft wurde. Aber es war auch hier so, wie auf allen Gebieten, deren sich der Nationalsozialismus bemächtigt hat. Wie ein höllischer Magnet alles Unsaubere anziehen mag, so hat die Partei alle verneinende und böse Lust gesammelt. Deshalb gewann auf dem Gebiet des Heerwesens das subalterne Feldwebeltum immer mehr Boden und siegte bald völlig der 26 veran jene U Behan mit d mit s gleich Krieg mens fühl an se nicht drän die rister als d Glei des eine tech hier ben Leb her feld die Ra mi Sch W Ge undins verantwortungslose Gehorsam und blieb zuletzt nur noch ül jene Umkehr der Tapferkeit, die in Wirklichkeit dumpfes Beharren ist. Wir dürfen aber nicht einseitig das Militärische mit dem Soldatischen, den echten Wert des Soldatentums mit seiner Verzerrung durch den Ungeist des Kommiß gleichsetzen. Wir müssen uns erinnern, daß auch in diesem Kriege Millionen deutscher Soldaten Tapferkeit und menschliche Haltung bewiesen haben, oft im bittern Ge- fühl des ‚Umsonst‘. Wir sehen, daß ein geschichtlicher Weg an sein Ende gelangt ist, wollen uns aber gerade deshalb nicht zur Ungerechtigkeit verleiten lassen. Die Technik drängte den Menschen in den Hintergrund. Was bedeutet die Tapferkeit des bang in die Erde gekrallten Infante- risten gegenüber den Panzerungetümen, was bleibt übrig, als den übermächtigen Bombengeschwadern einen stumpfen Gleichmut entgegenzusetzen? Keiner hat diese Entwertung des Menschlichen so erlebt, wie der deutsche Soldat, den eine verbrecherische, unfähige Führung rücksichtslos dem technisch höchstgerüsteten Gegner entgegenwarf. Was half hier das Wort vom ‚tapferen Herzen‘, das immer wieder benützt wurde, um den Widerstand anzustacheln und das Leben der Teufelssippe der nationalsozialistischen Gewalt- herrscher zu verlängern? Die Technik hat sich das Schlacht- feld erobert und den Menschen zur Seite gedrängt. Zu dieser Entwicklung, die den gesamten abendländischen Raum überschattet, trat hinzu, daß die starre preußisch- . militärische Form das Menschliche und wertvolle Eigen- halbe| . die Par ME:. halb ge| schaften, wie Selbstverantwortung und Treue zum eigenen I geld-| Wesen, ohnehin gefährdete. Was von Vernünftigen als Ir{ a. 1 1 li ja IM Gefährdung erfahren wurde, das eben nahmen die Natio- | vo |{ 2 | 7 nalsozialisten zum Gesetz ihrer Macht. Diese unbegrenzt zu besitzen, war der Grund, weshalb man den Parteigenossen an seinen freien Abenden und Sonntagen, marschieren ließ, weshalb Beamte aller Art, Lehrer, Rechtsanwälte und Dozenten sich ihre Anstellung mit einem , Schulungslager' verdienen mußten, in welchem regelmäßig der stumpfsinnigste Kommiẞton das Regiment führte. Die Hetzjagd im, Aufnahmeblock' des Konzentrationslagers Dachau und der entwürdigende, alles personale Gefühl brechende Kommißdrill und die zerstörende Exerziererei der Hitlerjugend bilden eine einzige Konsequenz. Die Unterdrückung hier und die Dressur dort entspringen derselben Wurzel. Der preußische Feldwebel in seiner schlimmsten, subalternsten Art ist der Lehrmeister der nationalsozialistischen, Bewegung geworden. Es ist bedauerlich, daß viele Deutsche sich dem unbedenklich, ohne inneren Widerstand, unterworfen haben. Sie gehorchten- ,, und mit Lust"! In diesem unkritischen Trieb zur blinden Disziplin liegt eine der Hauptursachen für Hitlers schnellen Aufstieg. Ohne den Drang, sich im Glanz seiner Uniform zu spiegeln und endlich wieder kommandieren zu dürfen, ohne die Befriedigung, in jeder wichtigen Frage unter Befehl zu stehen und der eigenen Entscheidung enthoben zu sein und ohne das Verlangen, die eigene Persönlichkeit in der anonymen Masse verschwinden zu lassen, hätte das nationalsozialistische System kaum das Dutzend Jahre überdauert. Die Enge der langen Jahrhunderte, da der Deutsche eingezwängt war in Fürstenwillkür und Untertanenohnmacht, die Zersplitterung und Krähwinkelei, das alles wirkte mit, jene Bereitwilligkeit zu schaffen, die Hit28 ler für hung v um Fre sterung bewußt Katast bruch den, de vem v das in schreib und fr den ist und lie auch nicht nem wicklu solche gerät, rechte fertig könne lung uns is entsch sere nehm zu e geist begrenzt Parteien, marRechtsit einem gelmäßig Führte. trationsnale GeExerzieenz. Die gen derschlimmnationaldauerlich, e inneren - ,, und nden Disschnellen Uniform u dürfen, unter Behoben zu ichkeit in hätte das nd Jahre e, da der and Unterkelei, das die Hit7, ler für seine Herrschaft so geschickt benützte. Die Bemühung vieler deutscher Generationen um einen echten Staat, um Freiheit und Rechtlichkeit, die vaterländische Begeisterung von 1813, wie das Opfer von Millionen pflichtbewußter Soldaten in zwei Weltkriegen, endeten in der Katastrophe des Mai 1945. Dieser beispiellose Zusammenbruch wird immer mit dem Namen Hitlers genannt werden, des Mannes, der in seinem Wesen all das an Negativem verkörperte, das dem Deutschen möglich ist, wenn er das innere Maß verliert und sich einer Wahnidee verschreibt. Hitler hat erreicht, daß aus der Not' der späten und fragwürdigen Reichsgründung die Katastrophe geworden ist. Seine Diktatur dämmte die Zuflüsse des Guten ab und ließ den dunklen Strömen freien Lauf, bis die Flut alles, auch Gutes und Wertvolles, niederriß. Das wird wahrlich nicht das Ende Deutschlands bedeuten, wie Hitler in seinem Wahne meinte, wohl aber den Endpunkt einer Entwicklung, die abgeschnitten werden muß. Daß bei einem solchen Zusammenbruch auch gute Überlieferung in Gefahr gerät, wird niemand bestreiten. Daß die Werte eines aufrechten Soldatentums, die ja jedes Volk, selbst das friedfertigste( z. B. die Schweiz) anerkennt, verschüttet werden können, liegt in der Tragik jeder menschlichen Entwicklung und jeden geschichtlichen Umsturzes begründet. An uns ist es, aus jenem tiefsten Sturz unserer Geschichte den entschlossensten Neubeginn zu schaffen. So ist es auch unsere Aufgabe, dies, Soldatische in unser alltägliches Sein zu nehmen und ihm den falschen Glorienschein des Krieges zu entreißen. Tapferkeit und Opfersinn, Gemeinschaftsgeist und Härte gegenüber den eigenen Trieben sind Tu29 genden, die erst dann erblühen, wenn sie nicht mehr der Vernichtung dienstbar gemacht werden können, dafür aber unser Leben an jedem Tage erfüllen; wenn sie nicht mehr des Rausches der Kriegsbegeisterung bedürfen, um entzündet zu werden. Will man erkennen, worauf das nationalsozialistische System in letzter Konsequenz zusteuerte, dann darf man an den Konzentrationslagern nicht vorübergehen. Sie sind ein Beispiel für viele sonst schwer erklärbare Erscheinungen des Dritten Reiches. Es erscheint heute vielen Deutschen unleidlich, auch nur ein Wort über diese Lager zu hören; sie haben es schon so oft vernommen! Gewiß, auch der besten Sache wird man schließlich müde, und gegen das Trommelfeuer der Propaganda sind wir mit Recht miẞtrauisch geworden; entbindet uns diese Vorsicht aber der Pflicht, nachzudenken? Das ist der entscheidende Punkt: Wir sehen gerade an der Erscheinung der Konzentrationslager so viel, das uns zu einem Halt der Besinnung zwingen sollte. Oft sind es scheinbar nebensächliche Beobachtungen, die uns einen Durchblick öffnen können auf jene düsteren Gründe der Gewalt, die wir durchschritten haben. - Wenn man einen Mann fragt, der längere Zeit in einem solchen Lager verbracht hat, was ihm die meiste Beschwer bereitet habe nicht gerechnet die Qual des Hungers und die Plage der schweren Arbeit, so hört man oft, daß eine scheinbar unbedeutende Tätigkeit, das sogenannte , Bettenbauen, sie besonders gequält habe. Auch Herr van N., der drei Jahre lang diese urpreußische Kunst hatte üben müssen, berichtete, es hätte ihm oftmals ein wahres Alpdrücken bereitet, wenn er nur von fern daran erinnert worden Schlafe Furcht nungsg Gefang war, al noch a Herzen sicherh Strohb liche a der A Neben war d Mensc dem e wider dann schen überd breche Masse Stufe En Aufn Block ner 30 mehr der afür aber icht mehr n entzüntische Syf man an Le sind ein meinungen Deutschen hören; sie der besten as Tromißtrauisch er Pflicht, Wir sehen ger so viel, sollte. Oft , die uns en Gründe in einem Beschwer worden sei. Und manche Tage habe er außen Essen und Schlafen nur noch dieses denken können und sei in der Furcht gebannt gewesen, ob er denn sein Strohlager ordnungsgemäß gebaut habe. Mit solchen Mitteln wurden die Gefangenen in einen Kerker der Angst verbannt, der enger war, als die schmalste Zelle. Schließlich vermochten sie nur noch an jene Zwangsbefehle zu denken und hatten in ihren Herzen keinen Raum mehr, außer für Mißtrauen und Unsicherheit. Eine Nichtigkeit, wie das Glätten eines elenden Strohbettes, wurde gleichsam zur Kette, die alles Menschliche abschnürte. Die Gefangenen waren beherrscht von der Angst vor der nächsten Stunde, vom Neid auf den Nebenmann und dem Gefühl ihrer Ohnmacht. Damit aber war das Ziel der kunstvoll gestuften Tyrannei erreicht: Der Mensch sah sich in einen Zirkel der Furcht gebannt, aus dem es kein Entrinnen gab; er besaß keine Kraft mehr, sich wider die Bedrückung aufzulehnen. Schließlich mochten dann das war die dämonische Konsequenz die Menschen so beschäftigt sein, daß sie ihres eigenen Willens überdrüssig und gerne Herde würden. Einige wenige Verbrecher im Genuß der unumschränkten Macht und eine Masse Gefügiger als ihr Werkzeug, so heißt die letzte Stufe der Willkür. - - angers und oft, daß sogenannte Herr van unst hatte ein wahres an erinnert IV Endlich waren diese sechs Wochen, Rekrutenzeit im Aufnahmeblock verronnen. Als mein Gewährsmann in den Block der, Politischen' verwiesen wurde, spürte er an seiner körperlichen Erschöpfung, wieviel Kraft ihn diese Zeit 31 gekostet hatte. Es waren nur sechs Wochen gewesen, und doch, wie fern lag die Welt, aus der er kam! Mit jedem Tag wuchs seine Müdigkeit. Bald würden die letzten Reserven des Körpers verbraucht sein. Wieviel länger aber könnte ihn dann sein Wille noch aufrechterhalten? Das Essen war so ungenügend, daß er meinte, er könne sich den Tag abzählen, an welchem seine letzte Kraft verzehrt sei. Der Hunger wurde derart übermächtig, daß er ihn nicht einmal nachts in Ruhe ließ. Mehr und mehr wurde er in das Gefühl unbedingter Hoffnungslosigkeit verstrickt. Noch war er zu neu im Lager, um die verborgenen Hilfsmittel zu kennen, die selbst in einer solchen Umgebung Erleichterung bringen können und noch lag die Gewöhnung nicht mildernd über seinen Tagen. Einzig der Halt des Glaubens blieb und die Hilfe durch den Nebenmann, der in der nämlichen Not leben mußte. Aber er fürchtete in diesen schlimmen Wochen, es möchte ihm eines Tages sogar zum Gebet die Kraft fehlen. Er lebte in einer Baracke, die ursprünglich für 60 Menschen vorgesehen war. Seit Herbst 1943 hausten über 300 Häftlinge in ihr! Der Leser wird gut tun, nicht darüber hinzuhuschen, sondern es sich zu vergegenwärtigen, mitsamt der Vorstellung, er selbst müsse so hausen! Im Schlafraum standen die Betten dreischichtig übereinander. Die Menschen waren so gepfercht, daß sie im Schlafen unbeweglich auf der Seite liegen mußten. Ein ekelerregender Geruch erfüllte den Raum. Das alles wurde noch erschwert durch den Schmutz der Lagerstätten, deren Stroh der Streu eines verwahrlosten Stalles glich. Wie erschöpft muß man sein, hier noch Schlaf zu finden? War dies alles nicht Strafe und Qual genug? Und doch, nenler mung Grupp rer G vorne auf d Nach lichen ihnen Stück sich empf hätte denlo sie v Was syste böser auf und halb gew daru noch unsc vern Mer Ma lich 32 Bind wesen, und Mit jedem Letzten Reänger aber alten? Das ne sich den erzehrt sei. rihn nicht wurde er in verstrickt. enen HilfsUmgebung Gewöhnung Halt des mann, der ürchtete in Tages soer Baracke, war. Seit -! Der Leser dern es sich g, er selbst Betten dreigepfercht, iegen mußRaum. Das der LagerOsten Stalles chlaf zu fingenug? Und doch, wieviel Arten der Peinigung mußten sie noch kennenlernen, von den harten Prügelungen, bis zu den erbarmungslosen Martern, die sich die SS erdacht hatte. Gewisse Gruppen von Gefangenen waren darüber hinaus besonderer Grausamkeit ausgesetzt. Zu jenen Verlorenen gehörten vornehmlich die Häftlinge, die ein großes doppeltes, N' auf dem Rücken gemalt trugen. Im SS- Jargon sollte dies , Nacht und Nebel' bedeuten und sagen, daß jene Unglücklichen in Nacht und Nebel zu verschwinden hätten. Mit ihnen durfte niemand reden, niemand ihnen auch nur ein Stücklein Brot oder eine rohe Kartoffel zustecken, keiner sich nähern, oder ihnen bei der Arbeit behilflich sein. Sie empfingen keine Post und keine Pakete; ja, es schien, als hätte man sogar ihre Namen getilgt. Lebendig Tote, gnadenlos Verdammte! Kann es größere Qual geben, als über sie verhängt war? Was wollte dieses ausgefeimte Straf- und Bedrückungssystem in Wirklichkeit erreichen? Entsprang es allein der bösen Lust, Pein zu verhängen? Alle Strafen waren darauf abgestellt, den Körper ganz allmählich zu zerreiben und damit den Widerstand der Seele zu zermürben. Deshalb die beständige Hetzjagd, daher die Peinigungen, die gewöhnlich nicht vernichteten, sondern nur schwächten; darum die jammervolle Ernährung, die zum Sterben immer noch zuviel war. Es ist deutlich: Nicht bloß der Leib sollte unschädlich gemacht, sondern vor allem die Kraft der Seele vernichtet werden. Der Haß dieser Teufelswelt galt dem Menschen. Dem denkenden, innerlich freien, an eine höhere Macht gebundenen Menschen! Erst wenn dieses Menschliche zerschlagen wäre, würden die gefügigen Wesen entBinder, Dämonen. 3 33 stehen, die man brauchte. Aus der Persönlichkeit sollte das Werkzeug, und aus der Gemeinschaft der Einzelwesen die Masse werden. Mit dieser Tendenz zur Vermassung erweist sich der Nationalsozialismus als einer der Endpunkte, die unsere moderne ,, säkularisierte Zeit erreichen konnte. Das war das Ergebnis jener Entwicklung, in welcher man Gott zuerst zu einem fernen, unendlich hohen, vor allem aber dem Menschen ganz entrückten Prinzip, dann zu einem bloßen Schemen und schließlich zu einer Spottfigur gemacht hat. Der Mensch verlor sich selbst, den eigenen Wert. Er wurde der Persönlichkeit müde und rechnete lieber mit dem Kollektiv. Die großen Zusammenballungen der Industrie zählen keine Menschen mehr, einzeln gewertete Mitarbeiter, wie das beim Handwerk der Fall war, sie bedürfen nur noch der großen Zahl arbeitender Wesen, die ohne Eigenverantwortung in den Produktionsprozeß eingeschlossen sind und der Staat wird zum allmächtigen Gebieter, dem kein Lebensvorgang mehr heilig ist. - Gerade die Betrachtung der, deutschen Konzentrationslager beweist, daß auch die Erscheinung des Nationalsozialismus nicht isoliert angesehen werden darf. Gab es nicht längst auch anderswo ähnliche Institutionen? Die Jakobiner haben 1789, Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit gerufen und die Guillotine über Frankreich errichtet! Daß aber durch die Methodik des Grauens und den Umfang der Vernichtung diese deutschen Konzentrationslager einen ganz besonderen Platz erreicht haben, daß sie darin unvergleichlich sind, soll nicht vergessen sein. Gibt es überhaupt einen Ausgang aus diesem fürchterlichen Weg, auf - dessen potie d er sich Form Wir potie u sten G muß. S durch zeichne ihn ein Göttli Unlösh Frü welche wenn das el wenn Verein Begrif die W imme Calvi ein G brenn Staat der e naro Form 34 sollte das wesen die sich der die unsere Das war Gott zuaber dem em bloßen macht hat. Er wurde dem Kolustrie zähMitarbeiter, Hürfen nur hne Eigengeschlossen Gebieter, centrationstionalsoziaab es nicht Die Jakobichkeit geh errichtet! d den Umrationslager aß sie darin Gibt es übern Weg, auf dessen linker Seite das Chaos, auf dessen rechter die Despotie droht? Kann ein Staat der Macht entraten, ohne daß er sich selbst preisgibt? Ist Ordnung ohne Macht denkbar, Form ohne Zwang? Wir haben erlebt, wie eng in der letzten Steigerung Despotie und Chaos sich berühren, wie gerade in der äußersten Gewaltherrschaft die geprägte Form sich auflösen muß. Scharf zwischen den beiden äußersten Punkten hindurch zieht sich der Weg, der dem Menschlichen vorgezeichnet ist. Nicht aus eigener Kraft vermag der Mensch ihn einzuhalten; er taumelt nach rechts und nach links. Im Göttlichen allein findet er die Lösung aus dem menschlich Unlösbaren. Frühere Jahrhunderte wußten um dies abgründig Böse, welches immer dann in den Leib eines Volkes eindringt, wenn die Gewalt ungehindert sich austoben darf. Selbst das ehrlichste Wollen muß sich in Fanatismus verkehren, wenn ihm ungehemmt freie Bahn gegeben wird. In der Vereinzelung und Verabsolutierung eines an sich richtigen Begriffs, wie etwa dem der Autorität, liegt der erste Schritt, die Wahrheit zu verlassen; das schlimmste Unheil heißt immer Verfälschung und Verkehrung des Guten. War Calvin um den seltener Genannten anzuführen- nicht ein Glaubender und ein Idealist, und ließ doch Servet verbrennen? Hat er nicht eine Theokratie eingerichtet, einen Staat der tyrannischen Kirchenältesten, wie er einzig in der europäischen Geschichte besteht? Ließ sich nicht Savonarola verleiten, mit seiner hemmungslosen Bußpredigt die Form des Staates und der Kirche zu zerschlagen, so daß - 35 aus der Einkehr des Gewissens der Taumel, aus der stillen Reue das Chaos der Besessenen geworden ist? Der Macht wohnt die Kraft zum Guten inne, ebenso wie sie das Böse zu entfesseln vermag. Sie steht im Zwielicht, und nichts kann sie aus dieser furchtbaren Doppelheit der Möglichkeiten befreien. Die Tragik steht neben der Macht, dunkel und oft genug unausweichlich. Und im Hintergrund wartet das Verbrechen auf denjenigen, der in der Macht nur seine persönliche Geltung, oder die Verwirklichung eines gottfernen Wahnes sucht. Ja, es scheint, als müsse selbst das reinste Wollen in irgendeinem Punkt zum Bösen hin gefährdet werden, sobald es nur Macht gewinnt. Je ausschließlicher diese Macht, desto weiter ist den Dämonen das Tor geöffnet. Nichts kann für ein Volk gefährlicher sein, als wenn die Regierenden die heilsame Korrektur der Kritik und den Stachel der Opposition gering achten und auf dem gefährlichen Abstieg zur unbegrenzten Gewalt in die Tiefe des Terrors sinken. Der Teufelsgeist dieser unumschränkten Gewalt war uns ganz nah; hier, in unserer Heimat, ja, vielleicht in unserer allernächsten Nähe! Niemals mehr dürfen wir von der Macht des Bösen reden, als sei sie etwas Fernes und Veraltetes, eine Sache, die man mit der Nüchternheit der modernen Zivilisation längst überwunden glaubt. Wir haben kein Recht, zu lächeln, wenn jemand vom, Teufel' spricht ,, der sich aufmacht, die Welt zu verschlingen'. Die Konzentrationslager haben es gezeigt, er ist auch heute eine Realität! Es ist im Grund nur ein Wortunterschied, wenn wir statt vom, Teufel von den, Dämonen' reden- sofern wir nur mit dem Wort Dämonen nicht eine Ausflucht suchen, die uns zu einem 36 liberal welche Kraft malen zuwei ziehen eine f als ein deuter muß oder sie al erfäh Wie s Del phus zentr Unur gasse mitte Bara So d Aten wer Verz stan strä und P us der stillen inne, ebenso eht im Zwieren Doppelsteht neben lich. Und im nigen, der in die Verwirkes scheint, als Punkt zum acht gewinnt. st den DämoVolk gefährame Korrekn gering achunbegrenzten Teufelsgeist nah; hier, in ächsten Nähe! Bösen reden, cache, die man sation längst zu lächeln, aufmacht, die ager haben es ist im Grund , Teufel von it dem Wort uns zu einem liberalen Bezirk retten soll. Wer sind diese Dämonen, welche Macht setzte sie ein? Vor allem aber, in welcher Kraft können sie überwunden werden? Der Mensch in normalen Lebensumständen vermag vielleicht dieser Frage auszuweichen. Er kann sich auf eine mittlere Linie zurückziehen, wo es weder heiß noch kalt gibt; er kann Gott als eine ferne, hohe Idee ansehen, seinen Widersacher jedoch als ein Gespenst oder ein Prinzip, die Welt dualistisch zu deuten. Anders der Mann in der äußersten Bedrängnis. Er muß sich die Frage stellen, gleichgültig, ob er geneigt ist oder nicht, ob er zuvor der Wahrheit geöffnet war oder sie als ein Hirngespenst verleugnet hatte. Dieser Mensch erfährt die Wirklichkeit des Bösen an seinem eigenen Leib; wie sollte er noch zweifeln? V Der furchtbare Winter 1944-45 rückte heran. Der Typhus ging im Lager um. An jedem Tag starben im Konzentrationslager Dachau wenigstens hundert Menschen. Ununterbrochen rollten die Leichenkarren durch die Lagergassen den Krematorien zu. Der Terror wuchs, die Hilfsmittel, ihm zu begegnen, schwanden. Das Gedränge in der Baracke wurde fürchterlich. Die Gefangenen hausten jetzt so dicht beisammen, daß der eine dem andern fast die Atemluft nahm. Mußte jetzt nicht jeder des anderen Feind werden? Die unerträgliche Not zog sie in einen Strudel der Verzweiflung und drohte, die letzten Kräfte des Widerstandes zu verschlingen. Sie fühlten Haß, so sehr sie sich sträubten. Sie spürten es finster in ihren Herzen aufquellen und jeden Gedanken verbittern: gab es keine Gegenwehr, 37 - - eine keine Rettung? Bei aller Selbstbeherrschung des Einzelnen trugen sich zuweilen häßliche Szenen zu und böse Worte fielen, später schmerzlich bereut. Die Gefangenen ahnten, daß eine Macht gegen sie anrannte, die sie aus eigener Kraft unmöglich besiegen konnten. Denn es gibt ein Maß der Not und Qual, das alle menschliche Kraft übersteigt. Es gibt das ist die Lehre der Konzentrationslager- Probe, die nur bestanden werden kann, wenn der Glaube und die Bindung an Gott Schild und Halt des Menschen sind. Man hat viel vom Titanentrotz geredet, Nietzsches Verführung erliegend, und nicht gewußt, daß dieses Heldentum in Wahrheit nur die große Geste der Verzweiflung gewesen ist und in der Verneinung enden mußte. Man sah den Wert des Menschen nicht mehr im Absoluten, das alles Menschliche unendlich übersteigt, sondern wollte diese letzte Instanz in den Menschen selbst hineinverlegen. Eine solche Haltung muß im Feuer der letzten Prüfung zunichte werden. Das Ende Friedrich Nietzsches ist nicht anders zu erklären. Gott bleibt stärker als seine Leugner. In so fürchterlicher Lage vollends, wie sie den Häftlingen der Konzentrationslager aufgezwungen war, zerbricht ein, Heldentum', das den Menschen zum letzten Maß erhebt. Wo wäre noch Hoffnung, läge sie nicht außerhalb der menschlichen Wirkung? Wo noch Hilfe, außer von jenseits des Menschen? In ihren Verhältnissen durften die Gefangenen so wenig Hoffnung hegen, daß sie sich mit Recht als die Verlorenen bezeichnen mochten. In dieser Nacht blieb ihnen nur noch das Licht der göttlichen Gerechtigkeit. Sie fühlten, daß ihr Tag, in Gedanken an Gott begonnen, trotz allem nicht im Verderben enden konnte. Die äußere 38 No der He bef N die zur gen De Tr de in che üb er ve dd W au d a Sa 19 h S S des Einzelnen se Worte fieen ahnten, daß eigener Kraft ein Maß der übersteigt. Es slager- eine an der Glaube des Menschen et, Nietzsches ß dieses Helder Verzweifn mußte. Man Absoluten, das n wollte diese verlegen. Eine fung zunichte icht anders zu r. In so fürchgen der Konat ein, Heldenr nebt. Wo wäre menschlichen eits des MenGefangenen so Recht als die Nacht blieb rechtigkeit. Sie Gott begonnen, te. Die äußere Not jedoch stieg riesenhaft. Die Ungewißheit, was der andere Morgen bringen würde, drückte furchtbar auf ihre Herzen. Konnte nicht zu jeder Stunde der Ausrottungsbefehl eintreffen? Morgens, eine Stunde vor dem frühen Wecken, hielten die Geistlichen ihren Gottesdienst ab. Oft waren sie selbst zum Knien zu matt, keiner aber ließ sich abhalten, in der gemeinsamen Feier Kraft und neuen Trost zu schöpfen. Den anderen Häftlingen war verboten, teilzunehmen. Trotzdem stahlen sich manche hinzu. Auch Herrn van N., der den politischen Häftlingen zugeteilt war, glückte es in den letzten Wochen zuweilen sich hindurch zu schleichen und an der Feier teilzunehmen. Es ist seltsam, daß die Lagerleitung solche Gottesdienste überhaupt gestattete. Wußte sie denn nicht, was sie damit erlaubte? Oder wollte sie nur die Welt täuschen? Weshalb verbot sie nicht kurzerhand alle Gottesdienste? Es war doch klar, daß hier eine Lehre verkündet wurde, die ihrer Weltanschauung der Gewalt und des Hasses von Grund auf widersprach! Für dieses merkwürdige Verhalten finden wir nur die Erklärung, daß eben die Parteiführer nicht ahnten, welche innere Macht in einem wirklichen Glauben ruht. Wo sie nicht Organisationen und Materialmassen sahen, sondern ein Geistiges erfassen sollten, waren sie blind. Alle Werte, welche der jenseitigen Ordnung zugehören, blieben ihnen fremd. Sie zeigten sich trotz ihrer scheinidealistischen, Weltanschauung' einem hemmungslosen Materialismus verfallen, der verhängnisvollen Erbschaft einer Epoche, die sich völlig dem Diesseits verschrieben hatte. Das klingt auf das erste unglaubwürdig; wollte der 39 Nationalsozialismus nicht jenen Materialismus, der angeblich ringsum die Welt beherrschte, vernichten? Wieder enthüllt ein Blick auf die nationalsozialistische Lehre den Trug:, Blut ,, Volk' und, Rasse' bezeichneten sie als letzten Wert und setzten also abhängige Dinge, Geschaffenes und nicht Absolutes, in die Rechte des Göttlichen ein. Sie erhoben damit Ordnungen des menschlichen Bezirkes, die an sich durchaus ihren Wert besitzen, in den Bereich einer unbedingten Geltung. Wer diese irdischen Werte in jene höchste Höhe stellt, über der nichts mehr sein kann, ist Materialist, auch wenn die, Materie', welcher er verfallen ist ,, lebt'; ja, sein Materialismus ist vielleicht, eben dieses Lebens wegen, noch tiefer. Der Mantel des idealistischen Glaubens, der darüber gelegt wurde, war ein Betrug, im besten Fall eine Selbsttäuschung. Daß sich die nationalsozialistische Lagerleitung im Besitz eines Glaubens wähnte, ließ sie vollends die echte Religion verkennen, und daher konnte sie die Gottesdienste ruhig erlauben. uns, chen; entst Symb mens zirk. dung selbs suche über ewig Wo Dan dem die sich dem Me mer ver VI Das Dämonische war, daß der Nationalsozialismus an die Stelle der echten Welt eine Scheinwirklichkeit setzte, die wie ein Netz alle geschaffene Wirklichkeit umschloß und sie zugleich von der Verbindung mit den wahren Gegebenheiten abschnürte. Trügerische Spekulationen verhüllten, wie sinnleer diese Scheinwirklichkeit war. Erst der Zusammenbruch hat es offenbar gemacht. Die großen Worte sind verhallt. Nun ist uns schwer gemacht, neu zu bauen und jene Werte wieder aufzurichten. Wir scheuen 40 auc in den sich ein che VO hü de der angebWieder entLehre den als letzten affenes und ein. Sie errkes, die an ch einer unrte in jene m kann, ist er verfallen eben dieses lealistischen Betrug, im e nationalens wähnte, und daher alismus an keit setzte, t umschloß wahren Geionen verar. Erst der Die großen cht, neu zu Wir scheuen uns, die Worte, Glaube' ,, Liebe' und, Treue' zu gebrauchen; zu sehr hat sie der Mißbrauch der vergangenen Jahre entstellt. Aber die Werte, für welche jene Worte nur die Symbole bedeuten, behalten Gültigkeit, ungeachtet allen menschlichen Treibens. Sie entstammen dem göttlichen Bezirk. Die Liebe besteht einzig in der lebendigen Verbindung des Menschen zu Gott, welcher diese Liebe in sich selbst verkörpert; der Glaube kann nur immer neu Ihn suchen, und Treue besteht allein in der Einheit mit jener übermenschlichen Treue. Sobald wir diese Werte in ihren ewigen Zusammenhang einordnen, erhalten wir auch die Worte, die ihre Zeichen sind, frisch und unzerstört zurück. Dann überwinden wir auch jene Resignation, die in jedem solchen Zeichen Überhebung und Betrug finden will; die jetzt vorschnell allen Glauben als Wahngebilde von sich weisen möchte. Von dieser Anerkennung aus, die wir dem Göttlichen zollen, ordnet sich unser Verhältnis zum Menschen neu. Das vergangene System hat den Sinn für menschlichen Wert verschüttet. Denn wer den Dämonen verfallen ist, der kann nicht anders, als zugleich mit Gott auch das Menschliche verachten. Nur von hier aus vermögen wir zu begreifen, weshalb in der Vergangenheit das Wort, Mensch' wie Gift gemieden wurde, weshalb man lieber, Parteigenosse' sagte, oder sich einen Dienstgrad zulegte. Humanismus nannten sie eine peinliche Verirrung, Humanität eine verächtliche Knochenerweichung. Selbst dort, wo sie die deutsche Klassik vor ihren Propagandawagen spannten, mußten sie sich enthüllen. Ihre geistige Gewissenlosigkeit machte aus Schiller den nationalistischen Heros und fälschte Goethe um zu 41 einem Weisen, der allein in der Gemeinschaft die Erfüllung gefunden habe. Kein Wunder, daß mit dieser Gesinnung auch jene Grundwerte der christlichen Religion, welche aus der Ehrfurcht vor dem Menschen gespeist sind, die Demut und die Liebe, verächtlich gemacht wurden. Wann immer ein Regime an die Stelle des Menschenwertes einen Ersatz stellt— zumeist in der Form des Versuches, den Menschen einem Kollektiv unterzuordnen—, ist die Gefahr der Tyrannei nahe; es besteht kein Staat ohne die tatsächliche, in der täglichen Praxis bekundete Achtung vor der menschlichen Persönlichkeit. Die Einschätzung des Menschen ist der Prüfstein, an dem wir die Weltanschau- ungen und die Staatssysteme zu messen haben. Wer die Persönlichkeit leugnet, treibt jener gottfernen Massen- tyrannei entgegen, die einen geschichtlichen Atemzug lang uns Deutsche geknechtet hat. Welcher Entwertung des Menschen dieses System fähig gewesen ist, zeigt ein Erlebnis, das ich im Mai 1945 hatte: Wir fuhren wenige Tage vor dem Zusammenbruch mit den letzten Fahrzeugen unserer Kompanie von Jugosla- vien nach Kärnten und hatten eben den Loibl-Paß, der| nach Klagenfurt weist, zur Hälfte überwunden. Da zwang ein Halt der ersten Kolonne, kurz vor einem Tunnel, zu einer Fahrtpause. Im Tal dehnte sich ein verlassenes, stacheldrahtumzäuntes Lager. Vor dem Tunneleingang warteten zwei Männer in SS-Uniform. Sie sahen so schmal und abgezehrt aus, daß wir aufmerksam wurden. Solche SS-Leute hatten wir noch nicht gesehen! Einer von uns fragte sie:„Woher kommt ihr? Was wollt ihr hier? In zwei Stunden können die Titotruppen da sein?“ 42 die Erfüllung Ser Gesinnung On, welche aus d, die Demut enschenwertes des Versuches, en-, ist die Staat ohne die Achtung vor chätzung des Weltanschauben. Wer die rnen MassenAtemzug lang System fähig ai hatte: 1945 menbruch mit von Jugoslaoibl- Paß, der en. Da zwang m Tunnel, zu n verlassenes, Tunneleingang ahen so schmal wurden. Solche Einer von uns ihr hier? In cin?" Die beiden Leute deuteten auf das Lager zurück: ,, Aus dem Konzentrationslager dort kommen wir!" Sie zeigten uns ihre Ausweise und sagten: ,, Gestern hat uns die SS entlassen und in diese Uniformen gesteckt. Wir sollen nach Klagenfurt marschieren und uns dort zur Frontbewährung melden." Sie lachten bitter: ,, Wir waren, der eine fünf, der andere sieben Jahre, Gefangene im Konzentrationslager, Den Tunnel dort haben wir zusammen mit unseren Kameraden gebaut. Viele sind dabei umgekommen. Bis jetzt waren wir, KZ- ler', und nun sollen wir SS- Männer sein!" Wir nahmen sie auf unser Fahrzeug und boten ihnen zu essen. Zuerst aber trennten wir ihnen die SS- Abzeichen ab und gaben jedem einen Mantel für die Nacht. - Ist eine schlimmere Verachtung alles Menschlichen denkbar als dieses Beispiel zeigt? Im Frühjahr 1945 ist das Trugbild zerbrochen. Die Tore der Konzentrationslager wurden aufgerissen. Und doch sind Terror und Willkür noch längst nicht aus der Welt verschwunden. Noch gibt es Gefängnisse für Menschen, die ihre politische Ansicht gegen eine übermächtige Staatsgewalt behaupten wollen. Noch regiert die Furcht in weiten Bezirken. Die Dämonen lauern vor den Toren jeden Landes. Sie warten auf ihr Zeichen und finden tausend Durchschlüpfe und Listen. Haß und Rachsucht sind ihre Verbündeten, Lüge und Heuchelei ihre Waffen. Selbstgerechtigkeit und Überheblichkeit schließen ihnen alle Türen auf. Die Angst aber läßt sie triumphieren. Kein Volk, auch kein Mensch aus eigener Kraft, kann ohne Hilfe das Unheil bannen. Verfassungen und Gesetze, Organisationen 43 11 5 |! fl und Verträge allein sind keine Sicherungen gegen die sprungbereite Dämonie der Macht; sie sind das Gefäß, welches von einer neuen Gesinnung erfüllt werden muß. Diese Haltung— man mag sie ‚demokratisch‘, ‚freiheit- lich‘ oder ‚menschlich‘ nennen— ist von einem unerschöpf- lichen Quell gespeist; sie hat ihre Wurzeln in dem alle Welt verwandelnden christlichen Glauben. Dieser Glaube, welchem das Abendland verpflichtet bleibt, setzt in die Mitte seiner Verkündigung den Sieg jener Kräfte, die allein die Dämonen überwinden: Wahrheit, Ehrfurcht und Liebe. gegen die das Gefäß, erden muß. h' ,, freiheitunerschöpfin dem alle eser Glaube, setzt in die te, die allein t und Liebe. DER DEUTSCHENSPIEGEL Schriften zur Erkenntnis und Erneuerung Die Schriftenreihe ,, Der Deutschenspiegel" erscheint in einer Zeit, da wir Deutschen nach der Katastrophe des Mai 1945 darauf gewiesen sind, einen völlig neuen Weg in die Zukunft zu suchen. Die vergangene Epoche der Scheinmacht war auf dem Sand törichter und böser Halbwahrheiten errichtet; sie stürzte, weil sie wesentliche Grundlagen unseres Daseins, Christentum und Erbe der Antike zerstören wollte und das an Kräften so reiche und eben deshalb so verletzliche deutsche Wesen verfälschte. Nun gilt es, das Unvergängliche wieder in die Mitte zu rücken und sich auf die dauernden Werte zu besinnen. Einen solchen Beitrag echter Besinnung will unsere Schriftenreihe leisten. In ihrem Rahmen werden Historiker und Philosophen, Theologen und Pädagogen und nicht zuletzt Naturwissenschaftler, Techniker und Männer der Wirtschaft zu Wort kommen. Sie werden in immer weiteren Kreisen der Betrachtung zu bedeutsamen Problemen unserer Zeit Stellung nehmen. Dabei ist in keiner Weise an irgendeine neue Uniformierung gedacht. Gerade auch Äußerungen, die zu eigenem Urteil zwingen wollen, werden dem Leser willkommen sein. Es bleibt aber das Ziel, über die persönliche Ansicht und Verantwortung jedes Autors gemeinsame Erfahrungen und Überzeugungen zu stellen. Die Reihe soll organisch wachsen. Aus der lebendigen Beziehung zu einem großen Leserkreise mag dann für die Gestaltung des Werks immer neue Anregung fließen. So soll ein Kraftfeld gemeinsamer Bemühung entstehen, das Leser, Autoren und Verlag verbindet. DEUTSCHE VERLAGS- ANSTALT STUTTGART Weitere Bände der Reihe: GERTRUD BÄUMER Der neue Weg der deutschen Frau FELIX SCHOTTLAENDER Zwang und Freiheit Über die Entstehung des Terrors in Deutschland HUGO KUHN Die verfälschte Wirklichkeit HELMUT THIELICKE Weltanschauung und Glaube HANS GRANER Fluch und Segen der Technik GERHARD RITTER Geschichte als Bildungsmacht ROMANO GUARDINI Der Heilbringer in Mythos, Offenbarung und Politik GOTTHILF SCHENKEL Kirche, Sozialismus, Demokratie In Vorbereitung sind: GERHART BINDER Gebändigte Dämonen Von der Überwindung der Gewalt - PAUL KLUCKHOHN Die Idee des Menschen in der Goethezeit THEODOR STEINBÜCHEL Friedrich Nietzsche FELIX MESSERSCHMID Alte Wahrheit und neue Ordnung Grundfragen der Erziehung und Bildung HELMUT BRÜHL Im Ausland unerwünscht HEINZ K. HAUSHOFER Die politische Theorie der Landwirtschaft Unter anderen sind folgende Autoren vorgesehen: Reinhold Schneider, Theodor Bäuerle, Karl Schmid, Paul Distelbarth, J. R. von Salis, Paul Fechter, H. K. Holthusen, W. E. Süskind, Gerd Tellenbach, Paul Stepun u. a. Die Reihe wird fortgesetzt Colour& Grey Control Chart Danes Picta Blue White Cyan Grey 1 Green Grey 2 Yellow Grey 3 Red Grey 4 Magenta Black cm 1 2 3 4 5 6 7 8 9 6 8 L 10 11 12 13 9 S