HERMANN BRILL geboren am 9. Februar 1895 in Gräfenroda/Thüringen. Berufliche Laufbahn: Lehrer, Hilfsreferent bel der Geblets= regierung Gotha, Vortragendey Rat im Thür.- Miniſterium für Volksebildung, Miniſterlaldirektor im Thür. Miniſterium des Innern, 1933 nach$ 4 des Geſetzes zur Wiederherſtellung des Berufsbeamtentums entlaſſen. Von da 2b in Berlin un= unterbrochen illegal politiſch gearbeitet, roZhrend dieſer Zeit mehremals kürzer in Haft. 1938 vOn der Geſtapo wegen fühe render Beteiliguns an der Gruppe»ODeutſche Volksfront« verhaftet. Juli 1939 vom Volksgerichtehof Berlin zu 12 Jah= ren Zuchthaus wegen Vorbereitung eines hochverräteriſchen Unternehmens verurteilt. Strafe bis Dezember 1943 im Zucht= haus Brandenburg/H.-Görden verbüßt, ab Oezember 1943 im Konzentrationslager Buchenroald bis zur Befreiung durch die amerikaniſchen Truppen. Sofort nach der Entlaſſung aus dem Konzentrationslager(ab 25. April 1945) Berater der amerikaniſchen Militärregierung für Thüringen in Weimar, ab 7. Mai 1945 mit der Wahrnehmung der Geſchäfte des Thüringiſchen Staatsminiſteriums und der Fachminiſterien beauftragt, vom 9, Juni bis 16. Juli 1945 Regierungspräſident der Provinz Thüringen, Amtsbeendigung durch Wechlel der Geſazungsmacht, Seit 15. Dezember 1945 Berater der ame= rikaniſchen Militärregierung für Deutſchland, ab 4. Juli 1946 Staatsſchretär im GroßsHeiſiſchen Staatsminiſterium. WEGI E der Militär- Regierung 1. W. R. Rudolph INHALTSVERZEICHNIS Seite Vorwort 1. Mein Entschluß, gegen Hitler zu kämpfen. 2. Die» Zehn Punkte<< 3. Deutsche Ideologie 1937.. 10 7 15 18 4. Freiheit! 01 5. Bericht über die Tätigkeit des Volksfront- Komitees des KZ. Buchenwald.. 88 94 6. Plattform vom 1. Mai 1944.. 7. Entschließung des Buchenwald- Kongreffes vom 23. April 1945. 95 8. Buchenwalder Manifeft . 96 Vorwort In= und ausländiſche Freunde bitten mich ſeit mehr als einem Jahre, diejenigen Manuſkripte zu veröffentlichen, die in der ſozial= demokratiſchen Widerſtandsbewegung innerhalb Peutſchlands aus meiner Feder entſtanden ſind. Aus verſchiedenen Gründen habe ich mich bisher gegen die Erfüllung dieſes Anſuchens gewehrt. Zuerſt war ich der Auffaſſung, daß dieſe Arbeit die Aufgabe der Hiſtori= ker iſt, denn die handelnden Perſonen ſelbſt kommen nur allzuleicht in die Gefahr einer einſeitigen OParſtellung. Weiter ſind die Manu= ſkripte nur zum Teil erhalten, und ſchließlich wäre eine zuſammen= faſſende, die Ereigniſſe und Anläſſe ſelbſt analyſierende Parſtellung für das Verſtändnis der jungen Generation, für die dieſes Buch als Zeug= nis eines unbeugſamen deutſchen Freiheitswillens gedacht iſt, not= wendig. Da ich jedoch in ſteigendem Maße und mit Erſtaunen feſtſtellen mußte, daß ſelbſt hochſtehende und maßgebliche Perſönlichkeiten über die Art und den Umfang der Widerſtandsbewegung in Oeutſchland faſt nichts wiſſen, daß ſich ihre Kenntnis auf Emigrantenliteratur und Apparatarbeit beſchränkt, daß ſie mit einer für uns, die wir in Deutſchland gekämpft haben, faſt unverſtändlichen Voreingenommen= heit an die Oinge‘herantreten, habe ich geglaubt, daß es notwendig iſt, nun endlich an die Öffentlichkeit zu treten und verſucht, alle Ge= fahren des Subjektivismus dadurch abzuwenden, daß ich mich auf die Mitteilung von Pokumenten beſchränke. Dieſe Dokumente ſind innerhalb der aus den Jungſozialiſten und der ſozialiſtiſchen Arbeiterbewegung hervorgegangenen Gruppe»Neu Beginnen« und der Gruppe»Peutſche Volksfront« entſtanden, Die 5 E e E EIE A ———— ESTI Te ig ÉS | | \ De EEA Deutſche Volksfront war eine in der Spitze rein ſozialdemokratiſche Wiiderſtandsorganiſation, der ſich Kommuniſten, Liberale und katho= liſche Kreiſe angeſchloſſen hatten. Mein Anteil an dieſer Gruppe wird durch die Dokumente dieſer Schrift auch nur annäherungsweiſe ge= kennzeichnet. Viele meiner Arbeiten, etwa die Hälfte, die erſten pro= grammatiſchen Bemühungen aus dem Jahre 1933, ein großer Eſſay über Bebel, das geſamte Nachrichtenmaterial, alle ſelbſtändigen Ar= tikel, alle überſetzungen mit ihren Kommentaren und Anmerkungen ſind wahrſcheinlich für immer verloren. Möglich, daß ſich aus Emi= grantenzeitungen und z=zeitſchriften in einigen Jahren noch dieſes und jenes findet. Das liegt nun einmal in der Natur der illegalen Arbeit. Sie iſt Brückenbau gegen einen reißenden Strom. Er ſpült vieles hin= weg, auch viele gute Menſchen, aber die Pfeiler bleiben doch ſtehen. So iſt dieſe Sammlung trotz aller Mängel ein Denkmal heißen Be= mühens, Frieden und Freiheit in Deutſchland zu retten und das deutſche Volk vor dem Untergang in einem zweiten Weltkrieg zu bewahren. Die Dokumente ſollen für ſich ſelber ſprechen, ich bringe keine Erinnerungen, nur einige Einleitungen und Anmerkungen ſind zu= gefügt. Wiesbaden, den 14, Oktober 1946. Or. Hermann L. Brill. l, Me Vom Frick! ir Innenm| Miniſter in eine verſucht Ich war nach ſe Ermächi ſich alle dem 6c Hilfe di + 9ungsg vom Ri Staats des Lg Ganzen die auf O1dent| ſich(0 Frid Theater vor de] Polizeit 8 dieler ç tel von E TTE î (demokratiſche;/ le und katho-: Gruppe wird ungsweiſe ge- ie erſten pro- : großer y] Mein Entſchluß, gegen Hitler zu kämpfen ſtändigen Arz Anmerkungen Einleitung: ſich aus Émi- 4: j E D 1 Vom 26. Januar 1930 bis zum 1. April 1931 war Pr. Wilhelm och dieſes Un Frick! infolge der Wahlen einer bürgerlichen Mehrheit thüringiſcher legalen Arbeit Innenminiſter. Er verwaltete das Miniſterium des Innern und das ült vieles hin- Miniſterium für Volksbildungs. Seine miniſterielle Tätigkeit beſtand y doch ſtehen. in einer Reibe von Rechtsbrüchen. Mit einem Ermächtigungsgeſet verſuchte er die ordentliche Geſetzgebung des Landtags auszuſchalten. ißen Be- Jal heißen Ich war der erſte deutſche Abgeordnete, der dem erſten Naziminiſter 1d das deutlbe nach ſeiner erſten parlamentariſchen Rede, der Begründung zu dieſem 1 bewahren, Ermächtigungsgeſet, entgegentrat. Da die faule bürgerliche Mehrheit “ kaine ſich allen Vernunftgründen verſchloß, führte ich den Kampf auch auf 1 bringe° dem Boden des. Rechtsſtaates vor den Gerichten. Es gelang mir mit ngen ſind 20- Hilfe des Reichsminiſters des Innern, den Artikel 3 dieſes Ermächtiz| _ gungsgeſetzes, der die Axt an die Wurzeln des Beamtentums legte, vom Reichsgericht für ungültig erklären zu laſſen. Ich reichte vor dem Staatsgerichtshof für das Deutſche Reich und beim Staatsgerichtshof des Landes Thüringen eine Klage gegen das Ermächtigungsgeſet im grill Ganzen ein. Im September 1930 kapitulierte Frick. Er ließ alle Geſetze, ann L- die auf Grund des Ermächtigungsgeſetßes ergangen waren, durch ein | ordentliches Landtagsgeſetz, ein Mantelgeſet, legaliſieren und entzog ſich ſo der Verhandlung vor dem Staatsgerichtshof.. Frick verbot zweimal durch Polizeiverfügung die Aufführung des Theaterſtücks»Frauen iù Not« von Dr. Karl Credè. Zweimal ſette ich vor dem Thüringiſchen Oberverwaltungsgericht die Aufhebung dieſer Polizeiverfügung als Rechtsbruch durch. Frick erließ eine Unzahl von jE SET SERES ISE ER EE ESET: M 1 Wilhelm Frick, geb. 1877 in Alſenz als Sohn eines proteſtantiſchen Rektors. Nach dem | Studium der Rechtswiſſenſchaften ſeit 1900 im bayriſchen Staatsdienſt. 1907-1917 Bezirksamts=2 Aſſeſſor în Pirmaſens, dann Oberamtmann bei der Polizeidirektion in München. Verbarg in dieſer Stellung Kapitän Ehrhardt und andere Putſchiſten in München, verhinderte die Aufklärung von Feme=Morden und trat der NDSAP bei. Wegen Teilnahme am Hitler=Putſch 1923 zu lang= \ jähriger Feſtungshaft verurteilt, begnadigt und 1926 wieder als Regierungsrat in den bayriſchen î Staatsdienſt eingeſtellt, wohin er auch nach Beendigung ſeiner thüringiſchen Miniſtertätigkeit : zurüdzkehrte. Seit 30. 1. 1933 Reichsrainiſter des Innern, verantwortlich für den Ausſchluß der kommuniſtiſchen und ſozialdemokratiſchen Abgeordneten aus dem Reichstag, für die Errichtung y der Konzentrationslager, für die Nürnberger Geſete, für die Progromnacht vom 8./9 November 1938. Seit 1943 Reichsprotektor in Böhmen. Als Kriegsverbrecher vom Internationalen Militär= Ï gerichtshof in Nürnberg zum Tode verurteilt und gehängt. . RO y Filmverboten. Sie wurden von der Filmprüfſtelle und der Filmober= prüfſtelle kaſſiert. Frick fabrizierte mit ſeinem»Fachberater« Waechtler? die bekannten Haßgebete für alle öffentlichen Schulen, von denen eines mit der Bitte endigte:»Herr mach uns frei vom Landesverrat«. Auch ſie wurden vom Staatsgerichtshof aufgehoben. Frick geriet wegen naziſtiſcher Umtriebe in der Polizei mit den Reichsminiſtern Severing und POr. Wirth in einen Verwaltungsſtreit über die Polizei= Koſtenzuſchüſſe des Reichs. Der Streit endete mit einem Vergleich. Und nachdem Frick ſich ſo bei der damals noch liberalen deutſchen Volksgpartei unmöglich gemacht hatte, ſtürzte er am 1. April 1931 durch ein Mißtrauensvotum des Landtags. Erſt nach ſeinem Sturze wurde bekannt, daß Frick verſucht hatte, Hitler durch Ernennung zum Gen= darmerie=Kommiſſar in Hildburghauſen die deutſche Staatsangehörig= Reit zu- verſchaffen. Um die Geſeßzlichkeit und Lauterkeit dieſer Maß= nahme zu prüfen, wurde auf Antrag der Sozialdemokatie Anfang 1932 ein Unterſuchungsausſchuß eingeſetzt und ich zum Vorſitzenden dieſes Ausſchuſſes gewählt.| Pie ganze Tätigkeit Fricks als Miniſter zeigte ſchon in der republi=- kaniſchen Ara deutlich zwei.Tendenzen: gegen die Pemokratie und gegen den Rechtsſtaat. Leider ſind diéſe Pinge in Geſamtdeutſch= land damals wenig beachtet worden. Heute iſt es nüßlich, nach den Gründen für dieſes geringe Intereſſe zu fragen. Sie liegen in einer ſchlechten Organiſation der Rechtskontrolle der Verwaltung, in dem mangelnden Rechtsgefühl der ODeutſchen, in der kulturellen Apathie und moraliſchen Feigheit der damaligen Lehrervereins=Bewegung, die nichts Ernſthaftes gegen die würdeloſen Haßgebete unternahm und ſchließlich in einer falſchen Politik im Reich und.in den übrigen deut= ſchen Ländern. Was intereſſierte ſie ſchon Frick in dem kleinen Thü= ringen, das ſeiner Größe naeh erſt zwiſchen Baden und Heſſen ran= gierte!? Daß es im Kampf gegen Frick um das Schickſal der deutſchen Freiheit ging, hat die Selbſtſicherheit der damals Regierenden, vor allen Dingen in Preußen, das auf ſeine ungeheure zentraliſtiſche repu= blikaniſierte Bürokratie ſtolz war, nicht begriffen. Rückſchauend betrachtet, iſt damals eins der wichtigſten Vor= poſtengefechte in der großen Schlacht zwiſchen Demokratie und Dik= tatur ausgefochten worden. 2? Friß Wächtler, geb. 7. 1. 1891 in Triebes. Von 1911-1932 Lehrer der einklaſſigen Volks= ſchule in Vippach=Edelhauſen, Landkreis Weimar. Seit 1926 Mitglied und Amtswalter der NSDAP, 1929 Landtagsabgeordneter und Fachberater von Or. Frick, Auguſt 1932 thüringiſcher Volks= bildungsminiſter, Mai 1933 thüringiſcher Innenminiſter, 1934 Gauleiter des Gaues Bayriſche Oſt= mark und Reichswalter des NS=Leh-erbundes, SS=Gruppenführer. Anfang Mai 1945 auf Befehl des E aulelters der Bayriſchen Oſtmark wegen Feigheit von einem SS-=Kommando ſtandrechtlich erichoſlen., [n di Hitler zu ſationen Schwimi individu viel dazi Diktatur ſah und an die$ ber 193 Zeuge«, Millic Gott gel burtsfeh] - er wa zurückke Politik| ſtanden Hinterty auf krun Dr, Verkomy Innern Hitler q Induſtri Amerika War ein in die p er am 7 hindern Hochvey Mann«, Vor N eine dey di fachey 9 hatte q, Beamte, dem Py Direkto er Wh Dochleh Worfen ver Filmober= r« Wacchtler? 1, von denen andesverrat«, Frick geriet eichsminiſtern er die Polizei em Vergleich, alen deutſchen vril 1931 durch Sturze wurde ng zum Gen- atsangehôrig- t dieſer Maß- e Anfang 1932 ißenden dieles q der republi- mokratie und ¿eſamtdeutſch- lich, nach den egen in 4 ltung, ín em rellen Apathit Bewegung, Vf 1ternahm un übrigen deut- kleinen ThV- d Heſſen 1'aM7 der deutſchen jerenden; yo! iſtiſche PV - In dieſer Schlacht habe ich den perſönlichen Entſchluß gefaßt, gegen Hitler zu kämpfen. In unſrer Zeit der Maſſen, der Parteien und Organi= ſationen ſind ſolche Entſchlüſſe von höchſter Wichtigkeit. Penn das Schwimmen in der Maſſe, die Inſtanzenpolitik in den Parteien und die individuelle Verantwortungsloſigkeit in den Organiſationen haben viel dazu beigetragen, daß der perſönliche Einſatz gegen die naziſtiſche Piktatur in Deutſchland ſo ſchwach war. So wie ich Hitler perſönlich ſah und beurteilte, ſo faßte ich meinen Entſchluß. Peshalb ſette ich an die Spitze der Dokumente ein Erinnerungsblatt, das ich im Novem= ber 1932 zuerſt für ausländiſche Freunde konzeptierte:»Hitler als Zeuge«. Hitler als Zeuge Millionen von Deutſchen haben zwei Jahrzehnte lang Hitler als»den von Gott geſandten Führer« umjubelt. Aber dieſe»Sendung« war mit einem Ge= burtsfehler behaftet. Hitler beſaß nämlich keine deutſche Staatsangehörigkeit - er war Ofſterreicher und konnte aus vielen Gründen nicht nach Oſterreich zurückkehren. Um ſeine Laufbahn als»Führer« von der Demagogie in die Politik verlegen zu können, mußte er deutſcher Staatsbürger werden. So ſtanden ſeine Freunde vor der ſchwierigen Aufgabe, ihn ſozuſagen durch eine Hintertreppe in das Gebäude der Weimarer Republik einſchlüpfen zu laſſen, ihn auf krummen Wegen in die Geſchichte einzuſchmuggeln. Pr. Wilhelm Frick, ſeit Januar 1930 dank der erbärmlichen moraliſchen Verkommenheit der nationaliſtiſchen bürgerlichen Parteien Miniſter des Innern in Thüringen, hat ſich als erſter in ſolchen Machenſchaften verſucht. Hitler empfahl ihn im Januar 1930 in einer Verſammlung der thüringiſchen Induſtriellen, deren damaliger Vorſitzender ſich heute als Kriegsverbrecher in amerikaniſcher Gefangenſchaft befindet, als ſeinen beſten Mann. Aber Dr. Frick war ein dummer Kerl. Bis zu ſeiner Berufung als Leiter der Politiſchen Polizei in die Polizeidirektion München hatte er keinerlei Verdienſte aufzuweiſen. Wie er am 7. November 1918 nichts tat, um die Revolution in München zu ver= hindern, ſo unterſtützte er ſeit 1919 alle nationaliſtiſchen Umtriebe, verſteckte Hochverräter und ſchütte militariſtiſche Mörder. Deshalb war er Hitlers»beſter Mann«. Vor 1933 konnte man die deutſche Staatsbürgerſchaft durch Einbürgerung in einem deutſchen Land, durch Ernennung zum Reichs= oder Staatsbeamten oder durch Verleihung ſeitens der Reichsregierung erhalten. Was wäre ein= facher geweſen, als Hitler für einen Tag zum Staatsbeamten zu machen? Dann hatte er die deutſche Staatsangehörigkeit und konnte ja danach wieder als Beamter entlaſſen werden! So verlangte Dr. Frick von ſeinem Kollegen Baum, dem Präſidenten des Thüringiſchen Staatsminiſteriums, er folle Hitler zum Direktor der Weimarer Kunſthochſchule ernennen. Gewiß ein guter Gedanke: Der Welt wäre viel erſpart geblieben, wenn Hitler an der Weimarer Kunſt= hochſchule entſprechend ſeinen künſtleriſchen Neigungen Tapetenmuſter ent= worfen oder Porzellanvaſen gedreht hätte. Aber Herr Baum lehnte ab. Darauf 9 = ——— A e R E ESE e Me dB À EEE | | h | ernannte Dr. Frick Hitler zum Gendarmeriekommiſſar des kleinſten thürin= giſchen Landkreiſes Hildburghauſen und überreichte ihm in dem Gefühl, damit eine große hiſtoriſche Leiſtung zu vollbringen, anläßlich eines SA=Aufmarſches in Gera am 12. Juni 1930 die Urkunde darüber. Doch Hitler machte ein ſaures Geſicht. Er nahm die Urkunde an ſich und hat ſie ſpäter in München zerriſſen. Pr. Frick zerriß die Empfangsbeſtätigung, die Hitler über die Urkunde aus= geſtellt hatte. So ſchien alles begraben, bis die Sache, nachdem Hitler durch das braunſchweigiſche Staatsminiſterium zum Regierungsrat ernannt worden war, ans Licht kam. Anfang 1932 beſchloß der Landtag von Thüringen zur Nachprüfung der Geſetzlichkeit und Lauterkeit der Maßnahmen des Dr. Frick, der inzwiſchen durch die vereinte Oppoſition der liberalen, ſozialdemokratiſchen und kom= muniſtiſchen Abgeordneten als Miniſter geſtürzt“worden war, einen Unterz ſuchungsausſchuß einzuſetzen. Der Vorſitz dieſes Ausſchuſſes wurde mir über= tragen. Sofort begann eine ungeheure Hetße der NSDAP gegen meine Perſon. Man bezeichnete es als unerhört, daß ich es wagen wolle, die Majeſtät des »Führers« vor cinen Unterſuchungsausſchuß zu ziehen, man nannte mich größenmahnſinnig und arrogant, man drohte, mir ſämtliche Knochen im Leibe zu brechen. Aber ich ließ mich nicht einſchüchtern, übernahm den Vorſit und traf alle Vorbereitungen, um den»Führer« zu empfangen, wie man eben einen ganz gewöhnlichen Zeugen empfängt. Am 13. März 1932 war der erſte Wahlgang zur Reichspräſidentenwahl, bei der Hitler neben Hindenburg und Thälmann kandidierte. Ich ſeßte-die Ver= nehmung Hitlers als Zeugen vor dem Unterſuchungsausſchuß auf Montag, den 14. 3. 1932 16.00 Uhr feſt. Die Tageszeitung der NSOAP in Thüringen ver= öffentlichte noch am 12. 3. eine Mitteilung, in der es hieß, ſie wiſſe aus ſicherer Quelle, daß die- Einvernabme Hitlers als Zeuge nicht ſtattfinden werde. Am Wahltage wurde ein Sonderdruck verteilt, in dem es hieß, ich hätte Weimar verlaſſen und befände mich bereits auf der Flucht in die Schweiz. Aber alle dieſe Verſuche, Hitlers Erſcheinen vor dem Unterſuchungsausſchuß zu vermeiden, blieben erfolglos. Gewiß befand ich mich in keiner einfachen Situation, denn knapp!4 Jahr zuvor hatte es Hitler bei ſeiner Vernehmung als Zeuge vor dem Reichsgericht fertiggebracht, den Vorſißenden des Straf= ſenats, Präſident Dr. Bünger, durch eine ſtundenlange Rede, die mit großen Demonſtrationen ſeiner Anhänger in und vor dem Gerichtsgebäude verz bunden war, vollkommen einzumwickeln. Ich wußte, daß das die Nazis auch in Weimar verſuchen würden, Der 14. März 1932 war ein»großer Tag«. Eine große Menſchenmenge füllte den Plat vor dem Landtag. Die Sitzung des Unterſuchungsausſchuſſes mußte gemäß der Vorſchrift der Verfaſſung öffentlich ſein. Da ein gewaltiger Andrang von Zuhörern und Preſſeleuten herrſchte, hatte ich den Plenarſaal des Land= tages als Sißzungsraum beſtimmt. Pünktlich um 16.00 Uhr nahm ich mit dem Ausſchuß im Plenarſaal Platz, unmittelbar darauf erſchien die Begleitung Hit= lers: Rudolf Heß, Dr. Goebbels, Baldur von Schirach, Gregor Straſſer, Dr. Frick, die Gauleiter Sauckel, Wächtler, Wagner, der Bezirksleiter der Deutſchen 10 Arbeitsfro mir der P gewieſenen Die Ve gruppenfül Meuterei d lich Neues zuführen,| in einem z beim Eintr hoben, un Stolpern n Napoleon Demonſtra Wiret, daß Hand erhc irre mach Regierung, Sie bitte ſtändlich 1 aUfgeſtand ferung y Paragraph ten dey$ ſtand, übe Jawohl,| mung dex weltlichen mich von beben unt Ihn feſt gj Da geſ Way, lh hohen Ric eſſen Huy befanden| fiſch vorb einſten thürin- 1 Gefühl, damit A-Aufmarſches achte ein ſaures inchen zerriſſen, Urkunde aus- m Hitler durch ernannt worden achprüfung der der inzwiſchen chen und kom- », einen Unter- urde mir über= 1 meine Perſon, zie Majeſtät des 1 nannte mich jochen im Leibe den Vorſih und man eben cinen jentenwahl, bei ſete-die Ver- yf Montag, den Thüringen ver? , ſie wiſe aus ¡cht ſtattfinden m és hieß, ich in die Schweiz. pungsauslc Afa-0AM 12 L Ernſt der Lage verbot es, daß wir uns je vollſtändig verſammelten, aber wir arbeiteten. Jurkat gelangen cinige Veröffentlichungen, Har= nack mußte eine Soziologie der Verwaltung kurz nach dem Erſcheinen zurückziehen. Ich ſchrieb in der Zeit vom 16. bis 29, Oktober 1937 die »Deutſche Ideologie 1937«. Ihre Wirkung war verblüffend. Glücklicherweiſe gelang es der Geſtapo nicht, ſie aufzufinden, obwohl die Schergen Görings von der Exiſtenz dieſes Verſuches wußten. Um ſo mehr und um ſo eifriger wurde ſie geleſen. Während des Krieges, nein, gerade im Krieg war ſie die Lektüre ſozialdemokratiſcher Zellen in der hitleriſtiſchen Wehr= macht und Verwaltung, 1945 hat ſie auf die Jugend, die aus der HJ und dem BOM kam, wie ein Spiegelbild des eigenen Schickſals gewirkt, Deutſche Ideologie 1937 l.Ideologie, Politik, Wiſſenſchaft. 1. Politik und Wiſſenſchaft als verſchiedene Lebensformen der Demokratie oder Diktatur. 2. Der Begriff der Ideologie. 3. Das Kriterium der Wahrheit. 4. Das Fürwahrhalten. 5. Der ideologiſche Wert. 6. Die Bezogenheit auf den Staat. 7. Der Geſamtkomplex der Ideologie. Il.Ideologie und Wiſſenſchaft. 1, Rechtswiſſenſchaft. A) Literatur(Schmitt, Koellreuter, Köttgen, Weide= mann), B) Rechtſprechung(Reichsgericht; Reichsfinanzhof). e. Phyſik(Le= nard). 3. Philoſophie(Die»Deutſche Philoſophiſche Geſellſchaft«). 4. Päd= agogik(Scheffer). 5. Die Wiſſenſchaft als Erzeuger der Ideologie. Il Die Ideologie der Maſſe. 1, Die Funktion der Maſſe in der Diktatur. 2. Die Maſſe in der Induſtrie. 3. Die politiſche Maſſe der Diktatur. IV. Ideologie und Jugend. 1. Die Erlebnisſchichten der Jugend. 2. Der ſoziologiſche Standort der Ju= gend. 3. Jugend und Nation. 4. Jugend und Religion. 5. Jugend und Literatur. 6. Revolte und Revolution. V.lIdeologie, Intereſſe, Idee. 1. Pie Struktur der Ideologie. 2. Intereſſenentſcheidung. 3, Die Kraft der Idee. I. Ideologie, Politik, Wiſſenſchaft 1. Politik und Wiſſenſchaft als verſchiedene Lebensformen der Demokratie oder Diktatur/ Erkenntnis aus Forſchung und Erkenntnis aus Erfahrung ſind zwei ver= ſchiedene Dinge. Erkenntnis aus Forſchung erfolgt ausſchließlich durch Denken. Das beſagt- wie die Tatſächlichkeit des Wiſſenſchaftsbetriebs beweiſt-, daß 19 PE PE E ETS dieſe Erkenntnis in der Regel Handeln ausſchließt. Auch da, wo Forſchung und Wiſſenſchaft in der Figur des Experten in das politiſche Handeln eingeſchloſſen werden, dienen ihre Erkenntniſſe nur dem Handeinden, handelt der Experte nicht ſelbſt. Erkenntnis aus Erfahrung iſt weſentlich Erkenntnis aus Hand= lungen. Dieſe ſind in der Form der Analyſe einer gegebenen Lage reines Den= ken, überwiegend jedoch planendes Denken, mwollender Vollzug und voll= endete Leiſtung. Gleich weit entfernt von der faſchiſtiſchen Doktrin des denkleeren Akts(Gentile) oder der Lehre vom intentionalen Denken(Huſſerl), von der reinen Faktizität des Behaviorismus(James) und der antizintel= lektuellen Intuition(Bergſon), befürworten wir cine Methode der Erkennt= nis, die das Objekt aus tätiger Erfahrung von allen möglichen Seiten menſch= lichen Erlebens erfaßt, indem ſie es auf die vollſtändigſte Art beſchreibt, um dieſe auf die cinfachſte Form zu bringen. Auf den vorliegenden Gegenſtand der Ideologie, angewandt, bedeutet dieſe Methode, daß ein Unterſchied zwiſchen Politik und Wiſſenſchaft in dem Sinne, daß dieſe»neutral«, jene aber parteiiſch ſei, nicht anerkannt werden kann. Dreht nicht der Faſchismus dieſes Verhält= nis um? Jede faſchiſtiſche Politik behauptet von ſich, daß ſie mit der Unter= drückung aller gegneriſchen Parteien ſelbſt keine Partei mehr ſei, ſondern die alle umfaſſende Führung des geſamten Volkes darſtelle. Sie verlangt von der Wiſſenſchaft, daß ſie dieſer behaupteten Einheit des Volkes ausſchließlich diene. Indem ſie die gegneriſchen Parteien in die Illegalität treibt, bleibt ſie ſelbſt Partei, ja ſie wird das, ausgeſtattet mit den Attributen alleiniger politiſcher Verantwortung für alles ſtaatliche Geſchehen und der ſtaatlichen Gewalt, în cinem viel ſchärferen Sinne als früher. Ihre Aufforderung an die Wiſſenſchaft,- nur dem geeinten Volke zu dienen, enthüllt ſich alſo als die völlige Partei= iſierung von Forſchung und Lehre. Daß die faſchiſtiſche Politik dabei für die Univerſitäten am Gedanken der Freiheit feſthält, während ſie für Volks-= und Mittelſchulen ganz offen den Gedanken des Gehorſams als Richtpunkt auf= ſtellt, macht keinen Unterſchied. Trotdem hat die Frage der Ideologie eine politiſche und eine wiſſenſchaft= liche Seite. Politiſch bedeutet ſie die Frage nach den propagandiſtiſchen Mitteln ciner Herrſchaft. In dieſem Sinne iſt ſie in demokratiſchen Staaten mit der Frage nach der öffentlichen Meinung identiſch. In faſchiſtiſchen Staaten, in* denen es mangels einer freien Preſſe keine öffentliche Meinung gibt, beſteht die Ideologie in dem offiziellen Syſtem der Propaganda, die in jeder Art von Inhalt und Form mit Gewalt Andersdenkenden aufgezwungen wird. Die mriſſenſchaftliche Seite nach der Frage der Ideologie betrifft jenen kom= plizierten Prozeß, in dem aus der Forſchung bzw. der Kunſt über die Literatur durch die Populariſierung jene von magiſchem Glanz umſtrahlte mythenhafte Vorſteillungswelt der geſellſchaftlichen Gruppen und einzelſtaatlichen Geſell= ſchaften einſchl. der Staatengemeinſchaften entſteht, in dem große Gedanken zur beherrſchenden Vulgärvorſtellung ganzer Zeiten werden. Dieſer Prozeß iſt zum Teil pſychologiſcher, zum Teil logiſcher Natur. Apperzeption, Aſſozia=- tion, Interpolariſation, Typiſierung ſind ſeine durchaus gruppen=-pſycholo= giſchen Formen. Schluß, Urteil, Reduktion, Ordnung und Geſetmäßigkeit die logiſchen Stufen, die er individuell durchläuft. 20 Die beiden die von Marx gie der herrſct tät dey ökonc der Religion, ſteht unter 1d Gedankenlyſte kämpferiſchen In dieſe l werden, Die) Ideologie als weit, indem\ Ideologie erk Unterdrückten ſchwebende| atomiſiert ey und dieſen ln Ruf Grund tatur definier als den Gela Geſellſchaft fü Dadurch,| Umgekehrt hg hoch nicht be jeder Wilten Gruppe, tine Natürlich wa! daß italieniſd tilitariomug Wiſlenlchafte, nicht nue die Menſchliches. tben die 9 jede Politik a Wiſſenſch; Sehalt Forſchung und eingeſchloſſen 1 der Experte is aus Hand- ge reines Denz zug und voll- Doktrin des nken(Huſſerl), der anti-intel= der Erkennt- Seiten menſch- beſchreibt, um Gegenſtand der ſchied ¿wiſchen aber parteiiſch dieſes Verhält- mit der Unter- ei, ſondern die rlangt von der- hließlich diene. bleibt ſie ſelbſt iger politiſcher jen Gewalt, in ie Wiſſenſchaft, póllige Partei- ; dabei für die fir Volks- und zichtpunkt auf: ne wiſlenſchaft- ſtiſchen Mitteln taaten mit deſ Staaten, in ſi Sia s | 2. Der Begriff der ldeologie Pie beiden in Deutſchland bekannten Hauptauffaſſungen der Ideologie ſind die von Marx und Mannheim. Marx verſtand unter der Ideologie die Ideolo= gie der herrſchenden Klaſſe, wobei er bei einer ſtreng kauſalgeſetzlichen Priori= tät der ößonomiſchen Verhältniſſe den»Überbau« der geſamten-Philoſophie, der Religion, des Rechts, der Kunſt uſw. als Ideologie anſah. Mannheim ver= ſteht unter Ideologie das eine gegebene geſellſchaftliche Klaſſe beherrſchende Gedankenſyſtem, wobei er auch den Marxismus als Ideologie eines klaſſen= kämpferiſchen Proletariats betrachtet. In dieſer Unterſuchung ſoll eine dritte Auffaſſung der ldeologie vertreten werden. Pie Marxſche Interpretation der Ideologie iſt zu eng, indem ſie die Ideologie als eine Angelegenheit nur der- herrſchenden Klaſſe behandelt, zu weit, indem ſie die geſamte Philoſophie, Religion, Kunſt uſw. zum Inhalt der Ideologie erklärt. Mannheim ſieht richtig, wenn er Ideologie auch bei einer unterdrückten Klaſſe erkennt. Da er jedoch zwiſchen den Klaſſen eine frei= ſchwebende Intelligenz mit einer beſonderen Wahrheitsfunktion annimmt, atomiſiert er die Ideologie ſozial, ohne über die Bedingungen ihres Inhalts und dieſen Inhalt ſelbſt zu einer Klarheit zu gelangen. Auf Grund der Erfahrungen der nunmehr fünfjährigen faſchiſtiſchen Dilz= tatur definieren wir die Ideologie in dieſer Geſellſchaftsform wiſſenſchaftlich als den Geſamtkomplex von OPenkinhalten, die in einer ſtaatlich gebundenen Geſellſchaft für wahr und wert gelten. 3. Das Kriterium der Wahrheit Padurch, daß der Faſchismus das Verhältnis von Politik und Wiſſenſchaft umgekehrt hat, vollzieht er einen Erkenntnisprozeß, der uns in dieſem Umfang noch nicht bewußt geworden iſt. Er beweiſt, daß jede Forſchungsrichtung und jeder Wiſſenſchaftsbetrieb ſtets Teile des politiſchen Geſamtlebens einer Gruppe, einer Klaſſe, ciner ſtaatlichen und internationalen Geſellſchaft ſind. Natürlich war uns immer klar, daß das perikleiſche und auguſteiſche Zeitalter, daß italieniſche Renaiſſance, Humanismus, Aufklärung, Klaſſik und Romantik, Ütilitariomus und Marxismus geiſtige Einheiten darſtellen, in denen die Wiſſenſchaften ein nicht wegdenkbarer Teil der. Politik ſind. Klaſſik bedeutet “ nicht nur die edle Reinheit und ſtille Größe, ſondern auch Menſchliches, allzu Menſchliches. Es iſt die Politik, die für das ſtaatliche und wiſſenſchaftliche Leben die gleichen Vorausſetungen der Exiſtenz ſchafft. Deshalb entwickelt jede Politik, deren Grundelement die Freiheit iſt, Umfang, Inhalt und Stärke der wiſſenſchaftlichen Wahrheit und vermindert die nur für konventionell wahr “ gehaltenen Urteile der Ideologie. Deshalb vernichtet jede Politik, deren Grund= element die Unterdrückung iſt, die wiſſenſchaftliche Wahrheit und entroickelt “ die Ideologie wie Treibhauskulturen.‘Demokratie und Piktatur unterſcheiden ſich in der Wiſſenſchaftslage alſo nicht durch zwei ſich bekämpfende Ideolo= gien, ſondern dadurch, daß die Wahrheit wiſſenſchaftlicher Erkenntnis, die “ unteilbar und einheitlich iſt, in der Demokratie die größten, in der Diktatur gm lar EWD ra „Sar keine Chancen hat. Diktaturen ſind, wie auch jede oligarchiſche Herrſchaft in Gruppen, die Brutſtätten, auf denen die Ideologien wuchern. 21 I ZE "e 7 i PRESTA PAPERE A "SE FC 4. Das Fürwahrhalten Die Vorherrſchaft der Ideologie über die Wahrheit erfolgt in der Diktatur durch das Fürwahrhalten. Wer fähig iſt, unter der Diktatur kritiſch zu denken und kulturkritiſch zu leben- in Deutſchland geſchieht das zur Zeit ſo, daß die Gebildeten aller ſozialen Schichten, veranlaßt durch die Unmöglichkeit, neue Bücher zu käufen, weil ſie entweder kein Geld dazu haben, oder die ange= botenen Bücher unter jedem Niveau liegen, ihre Bücherſchränke noch einmal durchleſen und Thukydides wie Plutarch, Homer wie Vergil, Dante wie Goethe, Kant wie Mach neu entdecken oder entgegen dem offiziellen Wagnerkult zu Bach und Reger flüchten- erkennt, wie dieſes Fürwahrhalten die Wahrheit überwältigt wie die Peſt das Leben. Ob Menſchen, die den Sozialismus ſtets abgelehnt haben, jetzt begeiſtert vom»deutſchen Sozialismus« reden, Frauen, die immer den größten Wert auf die Wahrheit der Standesgunterſcheide legten, nun von Volksgemeinſchaft ſchwärmen, erbitterte Vertreter des Privateigen= tums, privat ſtreberiſch bemüht, dieſes für ſich ſtändig zu vermehren,»Ge= meinnußt geht vor Eigennuß« predigen, Schriftſteller, die jahrelang mit ihren jüdiſchen Kollegen zuſammenarbeiteten, den Wert des deutſchen Wortes aus dem Weſen der Raſſe und des Blutes entdecken, es iſt immer derſelbe Vor= Sang: Das Neue iſt gegenüber allem früheren ſo paradox, daß man ſich gar nicht die Mühe nimmt, es auf ſeinen Wahrheitsanſpruch hin zu prüfen. Es widerſpricht ſo ſehr jeder kulturellen Erziehung, daß es einfacher iſt, es für wahy zu halten. Gewiß waren viele Deutſche dafür prädeſtiniert. Denn die Republik hatte erſt die Hälfte des Weges zur Überwindung des beſchränkten Untertanenverſtandes zurückgelegt. Gewiß entſtehen daraus bei feineren Na= turen Zuſammenbrüche des moraliſchen Charakters. Aber wenn die Demo= kratie durch ihre perſönliche Freiheit eine unaufhörliche perſönliche Entſchei= dung des einzelnen zwiſchen Wahrheit und Fürwahrhalten wenigſtens ermög=- licht und dieſe bei den Wahlen periodiſch fordert, ſo ſett eben die Diktatur mit der Vernichtung dieſer Freiheit durch die Pflicht zur Gefolgſchaft gegenüber der Führung den Zwang zur Annahme jedes offiziellen Dogmas, das ſubjek= tive Fürwahrhalten vom Selbſtbetrug‘bis zur intellektuellen Selbſtvernichtung. Durch ihren Totalitätsanſpruch enthebt die Diktatur den Menſchen auf allen Lebensgebieten gänzlich der Mühe eigenen Denkens. Der Menſch der Diktatur wird in ein vollſtändiges Syſtem von Pſeudowerten eingeſpannt. Die Intellek= tuellen wie die Gebildeten unter den Arbeitern können natürlich in einem ſolchen Syſtem nur zerſetßend wirken: Daher die Wut aller Diktatoren auf die »Ideologen«. Daß ſie, die Diktatoren, die Schöpfer der Ideologie, heiße ſie gloire, Mythos der Nation oder der Raſſe, ſind, ohne dieſe Ideologie der Pſeudomwahrheit die Maſſe nicht führen könnten, wird den vom Glanz der Waffen und Paraden geblendeten Augen immer verborgen bleiben. 5, Der ideologiſche Wert War es eine Vorahnung, als vor Jahrzehnten die Rickertſche Kulturmetha- phyſik die Identität von Wirklichkeit und Wert als»Drittes Reich« bezeichnete? Wenn Wirklichkeit im Sinne des Neukantianismus Idee, Wahrheit iſt, dann crycicht die Ideologie der Diktatur dieſe Einheit von»Wahrheit und Wert«. So Denn der Vor ein Syſtem vo! halb der pſy Angſt, Nachal wahrgehaltene dabei zugleich Sache für wer Sah: Der Zwe loſigkeit-, di - dann ſind e aber immer q »Die Treue iſt dieſem Sabe 1 nicht gehinde Treue hielten, in jeder Form worden, faſt j und Ehre wu) hauptet, hätte metaphyſiſche; Treueide geby oder geheime kreiſen dey y "Wie lange Ordnung, ly Unterlaß verk Quäkerweishe wenn ſie nich Weltgelchichtl; 0 E Dikt: Mate und die Menhen nationslagey e, de innen nach unten 8 [n dey Maſſe dag Beſtreben das Stau nen a(fo iſt| Yhre A În diele der Diktatur [ch zu denken it ſo, daß die lichkeit, neue der die ange- noch einmal e wie Goethe, 'agnerkult zu die Wahrheit ialismus ſtets eden, Frauen, ſcheide legten, 3 Privateigen- mehren,»Ge- ng mit ihren 1 Wortes aus derſelbe Vor- man ſich gar y prüfen, És er iſt, es für rt, Oenn die beſchränkten feineren Na- n die Demo- iche Entſchei- ſtens ermÖ9- ‘die Oiktatur aft gegenüber das ſubjek- tvernichtung- yen auf allen der piktatur Pie Intellek- ich in einew toren auf die js heiße ſie gie, e der kulturmeth? , bezeihn AD BD 9 lead: bfai Penn der Vorgang, daß Tauſende von an ſich urteilsfähigen Menſchen durch ein Syſtem von Fürwahrgehaltenem wehrlos der Diktatur unterliegen, iſt inner= halb der pſychologiſchen Akte der herdenmäßigen Maſſenapperzeption in Angſt, Nachahmung, Verſtellung logiſch nur dadurch möglich, daß das Für= wahrgehaltene als das einzig Wertvolle auftritt. Der Wert einer Sache erſcheint dabei zugleich als ihre Güte und ihre Zweckmäßigkeit. Wenn die Piktatur eine Sache für wertvoll erklärt, iſt dieſe für ſie zweckmäßig und dadurch wahr. Der Satz: Der Zweck heiligt die Mittel, erſcheint in der OPiktatur wie eine Harm= loſigkeit-, denn die Diktatur ſchafft ſelbſt die Zwecke. Dieſe können wechſeln - dann ſind eben dieſelben Mittel jeweilig gut oder ſchlecht, bleibt die Sache aber immer quaſi wahr. Hindenburg wurde 1932 wiedergewählt mit dem Saßz: »Die Treue iſt das Mark der Ehre.« Die nationalſozialiſtiſche Strafjuſtiz fügte dieſem Satze 1933/34 noch den Grundſatz zu: Die Ehre iſt unteilbar. Das hat nicht gehindert, daß die Menſchen, die der republikaniſchen Verfaſſung die Treue hielten, weil ſie ihre Ehre nur einmal zu verlieren hatten, maſſenhaft und in jeder Form beſtraft worden ſind. Seitdem iſt der Amtseid viermal geändert i worden, faſt jeder Deutſche iſt heute irgendwie auf den Führer vereidigt, Treue und Ehre wurde zu Redensarten herabgewürdigt- gerade deshalb wird bez hauptet, hätten ſie ſich mit einem nur dem rein ariſchen Menſchen erfühlbaren metaphyſiſchen Sinn gefüllt. Tatſächlich aber ſind in Peutſchland nie ſo viele Treueide gebrochen worden wie unter der Diktatur. Beinahe jede vertrauliche oder geheime Anordnung wird weitererzählt. In den hohen und höchſten Kreiſen der Militärs, Wirtſchaft, Partei und Preſſe iſt die Erörterung der Frage »Wie lange ſoll es noch dauern«, der glatte Hochverrat alſo, an der Tages= ordnung. In allen Arten der Propaganda aber wird»Ehre« und»Treue« ohne Unterlaß verkündet, bis niemand mehr die wirklich Treuen ſicht. Die einfache Quäkerweisheit William Penn's hat bewieſen, daß Verträge am beſten halten, wenn ſie nicht beſchworen werden. Aber um ein ſolches Maß von Treue und weltgeſchichtlicher Ehre zu erreichen, muß man die Menſchen in Verträge bin= den. Oie Diktatur leugnet den Vertrag ſelbſt im bürgerlichen Recht. Sie befiehlt im Staate und in der Wirtſchaft, in der Erziehung und in der Juſtiz. Sie bindet die Menſchen durch Gemalt. Sie findet dieſe Gewalt außerhalb der Konzen= trationslager und Gefängniſſe, indem ſie die Träger der Ideologie in einer Hierarchie der Geltung vereinigte. Der Wert einer Sache gilt nicht durch die ihm innewohnende Wahrheit, ſondern durch die Befehlsgewalt ſeines Trägers nach unten, das Kommandoverhältnis, indem er nach oben ſteht. Das erweckt in der Maſſe zwei verſchiedene Tendenzen, beim einzelnen zuerſt und zumeiſt das Beſtreben, ſelbſt ein Angehöriger der Hierarchie zu werden, bei der Maſſe das Staunen(»Sie ſchaffen es doch immer wieder«) und ſchließlich den Glau= ben.(»Es iſt müßig, gelehrte Abhandlungen über das Weſen des neuen Staates zu ſchreiben, hier kraßen die Federn vergebens. Wie der neue Staat nach 10 Jahren ausſehen wird, weiß heute nur einer, der Führer allein, und er wird ſich in dieſem Wiſſen von noch ſo gelehrten Schreibern nicht beeinfluſſen laſſen.« Miniſterialdirektor des Stabes des Stellvertreters des Führers, Walter Som= mer, Deutſche Verwaltung München, 1937, Seite 175.) DPas iſt der Punkt, an dem die deutſche Ideologie 1937, dieſes Syſtem von Pſeudomwahr= 23 heiten gegen beſſeres Wiſſen, Pſeudowerten gegen beſſeres Urteil, Pſeudo= glauben gegen beſſeres Werken, mit dem Glauben der Religions= und Geſin= nungsgemeinſchaften in einen unüberbrückbaren Widerſpruch geraten iſt. Wenn aus der Weſensmitte des Menſchen die Kraft des chriſtlichen Satzes»Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben, wer an mich glaubt, der wird leben, ob er gleich ſtürbe« ſpricht, wenn dem Glaubensjuden die Stimme des Propheten Sacharja ertönt»nicht durch Macht, nicht durch Gemalt, ſondern allein durch meinen Geiſt«, dem philoſophiſchen Atheiſten die Menſchheitsidee von Kants RKategoriſchem Imperativ leuchtet, gibt es nicht nur keine Kom= promiſſe mit der herrſchenden Ideologie, ſondern noch nicht einmal die Mög= lichkeit dazu, Denn Glaube aus Ideologie und Glaube aus Religioſität ſchließen ſich nicht weniger aus, als Vernunft und Mythos. 6. Die Bezogenheit auf den Staat Aber die Ideologie der Diktatur hat eine ſchier unüberwindlich erſcheinende Stärke, Ideologien von ſozialen Gruppen und Klafſen, von politiſchen und kulturellen Nationen und Nationalitäten, von Kirchen und Sekten mögen groß und immer größer erſcheinen- abgeſchen davon, daß ſie im ſtändigen Kampf mit den Intereſſen und Ideen dieſer geſellſchaftlichen Kategorien liegen, fehlt ihnen das Moment phyſiſcher Gewalt. Ideologie der Diktatur iſt, ſelbſt ideen= los, ein Werkzeug der Gemalt. Jede Ideologie außerhalb der Diktaturen er= möglicht einen friedlichen Wechſel. Pie Ideologie der Diktatur kann nur unter Mithilfe von Gewalt: geändert und beſeitigt werden. Immer und überall iſt ſie viel mehr aus Blut und Eiſen als aus dem Schrott von Ideen und Intereſſen gemacht. Selbſt ſoweit ſolche vorliegen, ſtammen ſie nur aus überſtändigen Traditionen(preußiſcher Militarismus) und Teilideologien von Gruppen, die ſich mit der Diktatur affiliieren. Wie ein Nachtmahr den Menſchen, ſaugt die Diktatur dieſe Gruppen aus. Deshalb ſtürzen immer ganze Pyramiden von Gewalt ein, wenn die Freiheit ſich wieder als Lebensprinzip der Geſellſchaft durchſetzt. Deshalb bleibt immer ein Nichts übrig, wenn eine Diktatur- von der geſellſchaftlichen Bühne abtritt. Indem jedoch die Diktatur allen menſchlichen Unwert akkumuliert, um ihn zum ideologiſchen Wert zu erklären, jede Falſchheit überbietet, um eine Pſeudo= ivahrheit daraus zu machen, alle Eitelkeiten mit den mannigfachſten Uniformen koſtümiert, um ſich durch ſie Geltung zu verſchaffen, vollzieht ſie einen Prozeß, der das Gegenteil zur Folge hat; Wert, Wahrheit und Recht treten in der Ge= ſellſchaft in ihrer lauterſten, reinſten und vollkommenſten Form wieder auf. Dieſer Prozeß iſt in Deutſchland 1937 deutlich erkennbar. Die Gegner. der hitleriſchen Diktatur, die die ſittliche Kraft behalten häben, ihr zu widerſtehen, erleben an ſich eine radikale Desilluſionierung. Die alten Ideologen werden religiös an einfachen Bekenntniſſen, politiſch an einfachen Ideen geprüft. Dieſe Erkenntniſſe und Ideen ſind bei den meiſten nicht Geſtalten des Glaubens und der Vernunft, ſondern des Handelns, des cinfachen praktiſchen Lebens. Ein neuer deutſcher Menſch entſteht, kritiſch, aktiv im Denken und Tun, ſchöpfe= riſch und tragiſch in erlebter Humanität, Bürger, nicht Untertan, arbeitet er für die Errichtung eines Staates, der für den“ Menſchen da iſt, und will nichts 24 “gemein haben 1 Notwendiger unter der Geiſt den Arbeitern ein ſchemenhaft gie ſind, Selbſt einzige von ihr können,$o iſt| ihre Verſchmelz ausſehung zur Jedoch wird bleiben, Verſtel und maſſenply Relationsreihen ' komplex von[ ps Von einer 1 tits, der Angſ ſich, da de D halbwegs gut des Winterhil erbrechen, Di lozialen Klaſſe; fine Zeitlang nung. Sie erf iderſprüche Stil in ſinnloſi Umgeſta ltung urch einen tbens), Dey Ordnung dey worden,_ y (e fine ſiftli | u il, Pſeudo=— gemein haben mit einem Staat, in dem der Menſch nur für den Staat exiſtiert. und Geſin- Notwendigermeiſe folgt daraus, daß für dieſen neuen Menſchentyp, den wir geraten iſt, unter der Geiſtlichkeit, den intellektuellen Berufen, der ſtudierenden Jugend, | Sabes»Ich den Arbeitern und Frauen treffen, die alten Parteien, die in der Emigration, t, der wird ein ſchemenhaftes Daſein führen, Überreſte einer längſt überwundenen ldeolo= Stimme des gie ſind. Selbſt wenn manche von ihnen ihren Namen behalten, wird nicht eine ilt, ſondern einzige von ihnen in der alten Art in das politiſche Deutſchland zurückkehren ſchheitside Rönnen. So iſt gerade das Überpotential, das die deutſche Ideologie 1937 durch keine Kom-© ihre Verſchmelzung mit der Staatsgewalt der Diktatur erhalten hat, die Vor= 11 die Mög-" zur Entladung neuer Energien aus Glaube und ldee geworden. ät ſchließen gs 7. Der Geſamtkomplex der ldeologie Jedoch wird der Geſamtkomplex dieſer Ideologie auf Jahre hinaus ſchwierig bleiben. Verſtehen wir unter dieſem Geſamtkomplex die von der individual= erſcheinende und maſſenpſychologiſchen Struktur verſchiedene logiſche Koordination von itiſchen und Relationsreihen, ſo müſſen wir uns zunächſt klarmachen, daß dieſer Geſamt= mögen groß komplex von Reihen einer ſtändigen Reduktion der Denkinhalte unterworfen igen Kampf/“ iſt. Von einer raſenden pſychologiſchen Dynamik des Geltungsanſpruchs einer= liegen, fehlt ſeits, der Angſt und Nachahmung andererſeits vorwärtsgetrieben, verwandelt ſelbſt ideen- ſich, da die Diktatur immer etwas Neues braucht, eine Loſung, die zuerſt ¡taturen erz halbwegs gut und richtig erſchien- z. B. der Gedanke der Opfergemeinſchaft n nur unter J des Winterhilfswerks- zur Phraſe, zum Hohn, zum Wit, zum kriminellen berall iſt ſie| Verbrechen. Die pſychologiſche Wirkung dieſes Vorgangs iſt in den einzelnen d Intereſſen ſozialen Klaſſen und Ländern Deutſchlands ganz verſchieden.- Weiter herrſcht „erſtändigen eine Zeitlang zwiſchen den einzelnen Reihen der Ideologie eine gewiſſe Ord= ruppen, die nung. Sie erſcheinen als ſinnvoll aufeinander bezogen. Plötzlich werden ihre n, laugt dièe(M à Widerſprüche offenbar(z. B. Streben nach cinem eigenen nationalſozialiſtiſchen „miden pon ¿8 Stil in ſinnloſen Repräſentationen gegen den Gedanken der Opfergemeinſchaft, ‘Geſellſchaft E Umgeſtaltung der Straße Unter den Linden zu einer ewigen Theaterdekoration jktatur: vn durch einen profeſſionellen Bühnenbildner gegen das Gebot eines einfachen Lebens). Der Geſamtkomplex wird brüchig. Er wird geflickt. Aber die neue ihn Ordnung der einzelnen ideologiſchen Reihen iſt für immer disproportional ert, uM do- geworden.- Moraliſch erſcheinen die Reihen durch‘den Gedanken des Dienſtes tine Pſeu a wie eine ſittliche Selbſtgeſeßsgebung. Aber dann treten individuelle und kol= Unto— Revolten ein, die rein ſeeliſch von einzelnen, aber auch ſehr äußerlich inen E i: von einer Organiſation ausgehen können(Schickſal der Jugend in den religiö= in dE ſen Auscinanderſeßungen). Das Ende iſt ein logiſcher und moraliſcher Nihi= ieder À lismus. Wird dieſer Nihilismus ſogar als Weltanſchauung gepredigt, ſo führt Gegner E“er zur Selbſtvernichtung der Ideologie als ſolcher, und iſt häufig vom Selbſt= widerſtehen, Fl mord des einzelnen begleitet. Wo pſychologiſch ein Gemwaltiger der Piktatur gen werde! I_noch frei interpoliert, ſeinen Zuhörern das, was nur eine Lücke in ihrer Schul= eprüft Pieſe: 10 bildung ausfüllt, wie eine Offenbarung der Wahrheit erſcheint, viele ſich daz ¡auben® ge durch als Typen des angeblich kommenden Tauſendjährigen Weltreichs der Lebens UE OPeutſchen fühlen, kann für den Geſamtkomplex der Ideologie ſchon Reduktion un[chóplé i bis zur Zote, Geſetzesverleßung bis zum Verrat, Bruch der Ordnung bis zur arbeitet* Verbrechenanſtiftung vorliegen.- Schließlich iſt für den Geſamtkomplex die will ni 25 Gegenbewegung der von der ldeologie befreiten Menſchen zu beachten. Je mehr ſich die Gewalt der Diktatur vollendet, um ſo ſtärker werden bei dieſen Gruppen die Ideen, die an Stelle der überwundenen Ideologie treten. II. Ideologie und Wiſſenſchaft Methodiſche Vorbemerkung.- Es erhebt ſich die Frage, wie die Ideologie in der Diktatur, die dieſe ſoziologiſche Erſcheinung par excellence entwickelt, am beſten darzuſtelien iſt. Der naheliegenden Gliederung nach den einzelnen Wiſſenſchaftsgebieten ſteht der Umſtand entgegen, daß dadurch das ſpezifiſch Soziologiſche, die Wirkung der Ideologie auf die Geſellſchaft, verloren geht. Deshalb erſcheint eine Betrachtung nach ſoziologiſchen Kategorien richtiger. Wir wählen dazu die unorganiſierten geſellſchaftlichen Erſcheinungen der Wiſ=z ſenſchaft, Maſſe und Jugend. Eine Darſtellung der organiſierten Einheiten der Partei, Bürokratie, Wehrmacht und Religionsgemeinſchaften bleibt einem ſpä= teren Aufſatz vorbehalten. Wir bezeichnen die Wiſſenſchaft als eine unorgani= ſierte geſellſchaftliche Erſcheinung, weil trotß Univerſitätsbetrieb das geiſtige Leben keinen leitenden Anordnungen einer Organiſationsſtelle folgt, ſondern ſich aus dem Spanungsverhältnis von Individuum und dem Kollektiv Wiſſen= ſchaft ergibt. Unſere OParſtellung verwendet ſtets nur ausgewählte Beiſpiele, die wir nach ſorgfältiger Prüfung des Materials für typiſch halten, legt alſo keinen Wert darauf, materiell vollſtändig zu ſein. Die geiſtige Vollſtändigkeit ergibt ſich aus dem Typusbegriff, der den Beiſpielen unausgeführt zugrunde liegt. Wiſſenſchaft, die, nach Erkenntnis ſtrebend, aus der abſoluten Redlichkeit des wiſſenſchaftlichen Arbeiters vor ſich ſelbſt dem Gebot der Wahrheit ge= horch, RKann keine Ideologie haben. Ihre Erkenntniſſe ſind mehr oder weniger wahr. Aber auch der Irrtum iſt noch ein Weg zur Wahrheit. Zur Wahl zwiſchen Irrtum und Wahrheit gehört jedoch Freiheit. Weil es dieſe in der Diktatur nicht gibt, Rann unter ihr keine reine Wiſſenſchaft entſtehen. Die großen Werke der Zeitgenoſſen einer Diktatur, man denke nur an Ovid, Dante, Machiavelli, Montesquieu, de Stael, Büchner, Heine, Victor Hugo, Marx, Lenin, ſind immer in der Emigration entſtanden. Wer unter der Diktatur nicht den Ausweg in die Reſignation, das Vorhandene zu bewahren, geht, hat als Wiſſenſchaftler nur cine Möglichkeit: der Ideologie zu dienen. Nicht, daß das im Hitlerismus reichlich geſchieht, ſondern die bewußte Teilnahme an der Erzeugung der faſchiſtiſchen Ideologie macht die beſondere Schmach der heutigen deutſchen Wiſſenſchaftslage aus. Von der leichten In= terpolariſation bis zur ſchamloſen Fälſchung, von der Berufung auf letzte Dogmen bis zum politiſchen Offenbarungsglauben, von der Mythologie bis zum Myſtizismus reichen dabei die Mittel, deren ſich die Ideologen auf den Kathedern bedienen. 1. Rechtsmwiſſenſchaft An der Spiße ſtehen natürlich die Juriſten. Von Natur Protagoniſten der herrſchenden Klaſſe, ſind ſie im heutigen Deutſchland Wegbereiter und Exeku= toren der Diktatur. Nicht, daß ſie es ſind, ſondern wie ſie es ſind, zeigt ihren Verrat der Wiſſenſchaft zugunſten der Ideologie. 26 Da iſt der der Univerſiti er ein Plagía fand, die Dik im franzöſiſch de Bonald un den iſt, Als e teienſtaat« ur Popanz des» chen und ett Lalki einzuge! tariſtiſchey Pa »Integration« einer politiſc zu! Wiederhe und Staat uſr bemerkbar 9, Freunde gera Der Gipfe tr in ſeiner Hamburg 19: dey Wiſſenſch mus der Fre În folgende »Eine Me; Envichtun: keit und| ſich fortzy keit iſt q) Gemalt anderen\ trnichtu à Schmitt je êt nämlich Höhepunkt| beachten, Je en bei dieſen eten, die ldeologie ce entwickelt, den einzelnen das ſpezifiſch erloren geht. ien richtiger, gen der Wiſ- Einheiten der bt einem lpä- ne unorgani= das geiſtige olgt, ſondern ektiv Wiſſen- Beiſpiele, die ;t alſo keinen igkeit ergibt grunde liegt. n Redlichkeit /ahrheit gez oder weniger v/ahl zwiſchen piktatur niht en Werke der Machiavelli y, ſind imm" 1 Auswes i" (iſſenſchaftler die bewußte die beſonder? , ſeichten 10° auf lehtfe thologie bi gen auf den A. Literatur Da iſt der famoſe Herr Karl Schmitt, zur Zeit Profeſſor der Staatslehre an der Univerſität der Reichshauptſtadt Berlin. Vom Beginn ſeiner Kariere an war er ein Plagiator und Fälſcher. Als er es in ſeiner erſten Periode zeitgemäß fand, die Diktatur gegen die Demokratie zu vertreten, plagiierte er alles, was im franzöſiſchen Schrifttum jemals von Konterrevolutionären a la de Maiſtre, de Bonald und von Bonapartiſten über die politiſche Gewalt geſchrieben wor= den iſt. Als er es in ſeiner zweiten Periode zeitgemäß fand, gegen den„Par= teienſtaat« und für die»Integration« zu Feld zu ziehen, machte er ſich einen Popanz des»Pluralismus« zurecht, ohne jemals auf die philoſophiſchen, logi= ſchen und ethiſchen Grundbegriffe dieſer Bewegung bei James, Dewey, Cole, Laſki einzugehen. Er behauptete, daß das Vorhandenſein mehrerer parlamen= tariſtiſcher Parteien Pluralismus im angelſächſiſchen Sinne ſei, um daraus die »Integration« zur Diktatur zu fordern. Unter der Diktatur hat er ſich- von ſeiner politiſchen Rolle als Berater Hitlers beim Reichsſtatthaltergeſetz, Geſetz zui Wiederherſtellung des Berufsbeamtentums, Geſetz zur Einheit von Partei und Staat uſw. ſprechen wir hier nicht- nur noch als Idecologie und Apologet bemerkbar gemacht. Auf die großen mwiſſenſchaftlichen Werke, für die ihn ſeine Freunde gerade unter der Diktatur berufen glaubten, wartet man heute noch. Der Gipfel der ideologiſchen Leiſtung Schmitts iſt eine Fichtefälſchung, die er in ſeiner Schrift»Über die drei Arten rechtswiſſenſchaftlichen Denkens« Hamburg 1934(nach einem in der Kaiſer=Wilhelm=Geſellſchaft zur Förderung der Wiſſenſchaft gehaltenen Vortrag) verübt hat. Um Fichte trotz ſeines Idealis= mus der Freiheit in das konkrete Ordnungsdenken einzuſchließen, zitierte er ihn folgendermaßen: »Eine Menſchenmenge, durch gemeinſame ſie entwickelnde Geſchichte zur - Errichtung eines Reiches vereint, nennt man ein Volk. Deſſen Selbſtändig= keit und Freiheit beſteht darin, in dem angehobenen Gange aus ſich ſelber ſich fortzuentwickeln zu einem Reiche. Des Volkes Freiheit und Selbſtändig= Reit iſt angegriffen, wenn der Gang dieſer Entwicklung durch irgendeine Gewalt abgebrochen werden ſollte, es einverleibt werden ſoll einem anderen ſich entwickelnden Streben zu cinem Reiche, oder auch wohl zur Vernichtung alles Reiches und Rechtes.….«(S. 44/45). Schmitt iſt ſo vorſichtig, anzudeuten, daß das Zitat nicht vollſtändig iſt. Er hat nämlich gerade den Satz ausgelaſſen, auf dem die ganze Piktion ihren Höhepunkt findet. Hier der Wortlaut: »Das Volksleben, eingeimpft cinem fremden Leben, oder Abſterben, iſt ge= tötet, vernichtet und ausgeſtrichen aus der Reihe«(Fichte=Ausgabe des Ver= lages Felix Meiner, Leipzig, Band VI, S. 451 ff). Indem er dieſen Saß wegläßt, nimmt. er dem Zitat Inhalt und Sinn und fälſcht es aus einem Kampf für die Freiheit im Volksleben um,in einen Kampf für die äußere Freiheit des Staates. So iſt es brauchbar für die Diktatur. Dieſe Fälſchung iſt glatt und offen. Weniger leicht erkennbar iſt die unmittelbar folgende Schelling=Fälſchung. Schellings Stellung in der deutſchen Staatslehre ſoll von Schmitt mit folgendem Satz gekennzeichnet werden: 27 * [ »Schellings großartige, kosmiſch=naturphiloſophiſchen Lehren vom Orga= nismus, von der Weltanſchauung und vom Mythos hatten nicht den glei= chen unmittelbaren Erfolg und nicht die gleiche Wirkung.«(S. 45)(Wie die von Fichte, Hegel, Savigny, d. V.) Als Beleg folgt ein Verweis auf die»Einleitung in die Philoſophie der Mythologie« ohne jede Seitenangabe. Dieſes ca. 1842 entſtandene, aus Schel= lings Nachlaß herausgegebene Werk aber hat ganz präziſe Ausführungen über das Staatsleben, aus denen hier folgende angeführt werden ſollen: »Der Staat iſt es, ſagten wir, der dem Individuum eine Geſinnung erſt mög= lich macht, er ſelbſt aber fordert ſie nicht. Gerade indem er ſie nicht fordert, ſondern ſie nur möglich macht, ſich ſelbſt aber mit der äußeren Gerechtig= keit begnügt, und die Sorge dafür auf ſich nimmt, macht er das Indivi= duum frei und läßt ihm Raum für die freiwilligen und darum perſönlichen Tugenden.« »Der Herrſcher, der den freiwilligen Tugenden keinen Raum, der Geſell= ſchaft keine Entwicklung geſtattet, dem, in Kants Weiſe zu reden, die Frei= heit nicht des Zwanges Zweck iſt, ein ſolcher iſt Deſpot.« »Ebenſowenig war es zufällig, wenn die aufgeweckteſten und geiſtvollſten der Hellenen zu jener Form entſchiedener Völksherrſchaft der Demokratie fortgingen, bei welcher, wie man ſagen kann, der Staat völlig von der Ge= ſellſchaft überwältigt, die Geſellſchaft ſich zum Träger(Grundlage) des Staates macht, dieſer den Fluktuationen derſelben preisgegeben und im_ Grunde und recht betrachtet ſo wenig mehr Staat iſt, als das deſpotiſch regierte Reich ein Staat heißen kann, denn weder dem deſpotiſchen Herrſcher iſt es um den Staat zu tun(der ſucht nur ſich) noch der Demokratie, wo der Staat nur Werkzeug der Perſönlichkeiten iſt.«(A. a. O. S. 539 ff.) Es genügt, dieſen Schellingſchen Text, in dem jeder Saß ein Schlag gegen die Diktatur iſt, wörtlich zu leſen, um die Schmittſche Flunkerei als Fälſchung zu entlarven. Hier ſehen wir die Entſtehung der Ideologie in nuce: um die unſinnige Behauptung zu beweiſen, daß die hitleriſche Diktatur als Staat voll= endeter Rechtloſigkeit nicht nur der höchſte Rechtsſtaat ſei, ſondern auch im kon= kreten»Ordnungsdenken« die höchſte Form rechtswiſſenſchaftlicher Erkenntnis= methode hervorgebracht habe, iſt es nötig, dieſe Diktatur in den Gang der beſten deutſchen Geiſtesentwicklung zu bringen. Deshalb erſcheint dem Ideo= logen ihre Verbindung mit der klaſſiſchen deutſchen Philoſophie unerläßlich. Dazu muß man fälſchen. Aber weiß nicht jeder, der Fichte auch nur oberfläch= lich kennt, daß er ohne die idee der Freiheit, daß Schelling ohne den Gedanken - der Weltvernunft, in der dem Menſchen freies, ſchöpferiſches Handeln zuſteht, unvorſtellbar ſind? Nun- ſeitdem es an dep deutſchen höheren Schulen keine philoſophiſche Propädeutik mchr gibt und Philoſophie als Lehrfach an den Kricgsſchulen des Heeres abgeſchafft iſt, lernt man zum Abitur Tinige Namen ohne Vorſtellungsinhalt aus der Philoſophiegeſchichte und danach nichts mehr. Seit 30 Jahren mußten in Deutſchland alle Anthologien von Philoſophen ver= ramſcht werden. Zu dieſem nominaliſtiſchen Wiſſen fügt der ldeologe mit der wiſſenſchaftlichen Autorität des Akademikers eine Fälſchung. Sie wird gar nicht bemerkt, verbreitert noch die inhaltliche Lehre, wird für wahr gehalten und ſteigert noch das Wertbewußtſein des Halbwiſſenden. Tritt dazu, wie im 28 e tf rw BAA te À at e vorliegende faſchiſtiſche Subjekte digen Deut! Hitlers am »Das Ri Recht jed “Recht un dieſes R ſtaatlich aus dieſ! Zwangs Die Apc Führer ſchü trimonialg land endgü ciſtiert nu Bindung a1 und im Pa zeiten hat verteidigun tiſche Geſte nur zu erk als Lüge 2 iſ! ihre En ihre Durch Volkes«,| Was etwa Ideologie Einfach der Haupt Jugendich, Agelehen, vay big 7 ſchen Volk 68 fertig, öffentliche Pifel über Leſer tint Büchern, derg intey »Dag P Im vò Deha Vahr lühruj 1 vom Orgaz icht den glei- , 45)(Wie die iloſophie der e, aus Schel rungen über n: 1ng erſt môg- nicht fordert, en Gerechtig- r das Indivi- 1 perſönlichen 1, der Geſellz den, die Frei- ) geiſtvollſte y Demokratie pon der Gt- undlage) des eben und im as delpotiſch hen Herrſcher nokratie, 0 5, 539 ff,) Schlag gegen als Fälſchun8 nuce: um die ls Staat poll- auch im 0° y Erkenntni®? en Gang der dem I1de0- q unerläßlich, jur oberfläch- en Gedanken 1 nana>| erar 40 ini vorliegenden Falle, weiter der Dünkel des Nationalismus, ſo iſt die ſpeziell faſchiſtiſche Ideologie fertig. Subjekte wie dieſer Schmitt können es ſich dann leiſten, in der altehrwür= digen OPeutſchen Juriſtenzeitung vom 1. Auguſt 1934 die fürchterliche Metzgerei Hitlers am 30. Juni 1934 mit folgenden Säßen zu verherrlichen: »Das Richtertum des Führers entſpringt derſelben Rechtsquelle, der alles Recht jedes Volkes entſpringt. In der höchſten Not bewährt ſich das höchſte - Recht und erſcheint der höchſte Grad richterlich rächender Verwirklichung dieſes Rechts. Alles Recht ſtammt aus dem Lebensrecht des Volkes. Jedes ſtaatliche Geſetz, jedes richterliche Urteil enthält nur ſoviel Recht, als ihm aus dieſer Quelle zufließt. Das übrige iſt kein Recht, ſondern ein»poſitives Zwangsnormengeflecht«, deſſen eïn geſchickter Verbrecher ſpottet.«(S. 947.) Pie Apologie des Maſſenmordes verſieht Schmitt mit der überſchrift»Der Führer ſchüßt das Recht».- Die Figur des Gerichtsherrn ſtammt aus der Paz trimonialgerichtsbarkeit, gehört alſo dem Feudalismus an. Sie iſt in Peutſch= land endgültig ſeit dem Inkrafttreten der Reichsjuſtizgeſeßze 1879 abgeſchafft und exiſtiert nur noch ſchattenhaft mit reinen Vermwaltungsbefugniſſen, aber ohne Bindung an das Grundeigentum, îm preußiſchen Amtsvorſteher für die Polizei und im Patronat für Kirche und Schule. Selbſt für die Militärjuſtiz in Kriegs= zeiten hat ſie keine richterlichen Funktionen. Was Hitler zu ſeiner Selbſt= verteidigung vorgebracht hat, iſt alſo hiſtoriſch eine Lüge, politiſch eine deſpo= tiſche Geſte. Schmitt macht daraus eine dogmatiſche Weisheit,/ die der Juriſt nur zu erklären hat. Das iſt der erſte Schritt zur Ideologie. Statt das Dogma als Lüge zu entlarven, wird die Lüge zur Wahrheit erklärt. Der zweite Schritt iſe ihre Erhebung zum Recht: Aus blutiger Gewaltanwendung geboren, wird ihre Durchſetzung als Recht jedem angedroht, der ſich dem»Lebensrecht des Volkes«, das natürlich der Führer als»Gerichtsherr« beſtimmt, widerſetzt. Was etwa der Amerikaner als the ſupremacy of law anerkennt, iſt für dieſe Ideologie kein Recht, ſondern ein /»poſitives Zwangsnormengeflecht«. Einfacher dogmatiſch iſt der Mann, der das Staatsrecht an der Univerſität der Hauptſtadt der Bewegung in München, Otto kKoellreuter, vertritt. Von ſeiner Jugendſchrift über»Verwaltung und Verwaltungsgerichte in England« 1912 abgeſehen, hat er bis zum dritten Reich nicht ein einziges Buch geſchrieben, war bis zum Sieg der NSDAP in der Septemberwahl 1930 Mitglied der Peut= ſchen Volkspartei, ſchillerte eine Zeitlang in den Farben von Spengler, brachte es fertig, Laskis»Grammar of politics« în einer Beſprechung im»Archiv des öffentlichen Rechts« Juli 1930 ſo zu verfälſchen, daß er die grundlegenden Ka= pitel über Souveränität, Recht, Freiheit und Gleichheit, Eigentum dem deutſchen Leſer einfach unterſchlug, betreibt ſeit 1933 eine Maſſenproduktion von Büchern, von denen ſein»Grundriß der Allgèmeinen Staatslehre« hier beſon=z ders intereſſiert. Wir leſen darin:« »Das Politiſche als Weſen der Gemeinſchaft. f Im völkiſchen Staat iſt das Volk der Träger der politiſchen Geſtaltung. Deshalb iſt Politik nichts anderes und kann nichts anderes ſein als die Wahrnehmung der Lebensintereſſen eines Volkes und die praktiſche Durch= führung ſeines Lebenskampfes mit allen Mitteln.(Hitler in cinem Vortrag 29 DA | | y vom 27. Januar 1932.) Damit liegt ein beſonders ſtark verbindendes poli= tiſches Element in der gemeinſchaftsbildenden Kraft des Staates.«(S. 14.) »Das Weſen des Volkes. Die Maſſe als ſolche beſtimmt das Jeweilige Weſen eines Volkes. Volk und Maſſe zu trennen entſpricht der Auffaſſung eines Liberalismus, der der po= litiſchen Wirklichkeit nicht Rechnung trägt. Deshalb iſt cine nationale Politik ohne zum mindeſten ſchweigende oder paſſive Billigung des Volkes nicht möglich.«(S. 39, dazu folgender Verweis auf Hitler, Mein Kampf, S. 309: Auf die Dauer werden Regierungsſyſteme nicht gehalten durch den Pruck der Gemalt, ſondern durch den Glauben an ihre Güte.) »Das Weſen des Führerſtaates. Der Führer repräſentiert bewußt den politiſchen Wert im Staate. Das Weſen der echten Führerſchaft beſteht darin, daß ſie imſtande iſt, dadurch politiſch einheits= und gemeinſchaftsbildend zu wirken, daß der Führer es ver= ſteht, die politiſchen Kräfte der Gemeinſchaft zu heben und zu formen. Der Grundſaß des Aufbaues unſerer ganzen Staatsverfaſſung hat zu ſein: Auto= rität des Führers nach unten und Verantwortlichkeit nach oben.(Hitler, Mein Kampf, S. 501.) Dadurch wird die bewußte politiſche Verbundenheit von Volk und Staat erreicht, die zum Weſen des echten autoritären Staates notwendig gehört.«(S. 164.) Was das mit Wiſſenſchaft zu tun hat, wird wohl allen, die den OPunſtkreis von Nazi=Univerſitäten nicht kennen, unbegreiflich bleiben. Es iſt ſimpler Offenbarungsglaube. Im»Politiſchen als Weſen der Gemeinſchaft« beginnt Koellreuter mit einer Nominal=-Definition des Staates: Im völkiſchen Staat iſt das Volk der Träger der politiſchen Geſtaltung.« Da aber dieſe Geſtalt den Namen Staat führt, iſt das Volk= Staat. Wozu da Gedanken über Staat und Geſellſchaft machen? Das wäre»liberaliſtiſch«- alſo iſt es falſch. Wer gar ſo vermeſſen iſt, nach dem lnhalt der Politik zu fragen, die dieſe Geſtalt des Staates ſchaffen ſoil, wird auf die Autorität der auch die Forſchung bindenden Erklärung Hitlers verwieſen, daß Politik»Lebenskampf mit allen Mitteln« ſei, Warum nach der Bindung der Politik an Wirtſchaftsgeſeße, an Normen der Moral und des Rechts fragen? So führt der Weg dieſer Ideologie von der ideenloſen Tautologie über das Dogma, das den Kampf an ſich predigt, zum Nationalismus, um, da ausſchließlich Nation und Staat als gemeinſchafts=- bildend anerkannt werden, in cinem menſchheitszerſtörenden Chaos zu en=- digen, Es iſt alſo ein beſonderes Stück von ideologiſcher Borniertheit.- Koellreuter ſcheint das in ſeinem Unterbewußtſein ſelber zu fühlen. Im »Weſen des Volkes« ſcßt er überraſchenderweiſe Volk und Maſſe gleich. Kein Soziologe kann das tun, ja es genügt, Maſſen praktiſch zu erleben, um zu ſchen, daß ſie etwas anderes ſind als das Volk. Jeder Einwand dieſer Art wird mit dem Diktum abgeſchnitten:»Volk und Maſſe zu trennen entſpricht der Auffaſſung des Liberalismus« Und weshalb das alles? Koellreuter läßt die Kate aus dem. Sack: Die Diktatur braucht die»zum mindeſten ſchweigende oder paſſive Billigung« der Unterdrückten. Hitler iſt offener: ſie braucht den Glauben. Aber dieſes Wort verſteckt Koellreuter in einem Verweis, der ſich erſt einige hundert Seiten ſpäter findet. Halten wir feſt: Am Anfang eine Behaup= tung, die jeder praktiſchen Erfahrung und wiſſenſchaftlichen Erkenntnis ins 30 Geſicht ſchlägt, zyniſche Zweckb tiſche Religion: Schließlich z1 [chaft ſagt- Ei für jede politiſc lichkeit, Aus eir iſt nicht leicht,' liegt dey Bewei: in dem zitierte) beſehen, erweiſt flachung von J aux peuples leg És wurde 1796 wird zum Schlu heit von Volk y in ihm durch d nach oben« ery Ur reſſentiment chieben, reigt lelbſt bemerkt þ liben mit»dag Dychologiſch: p Führung findet ild dey nahen Epigonen gegen lden Tradition 0 Schein dey Aven die dem Menſchlichen Ä Weiſe ermöglic Neologie endet ſelbe Mann 1 Ver bezaubert ſich y Ang bon Volk Da endes poli- s,«($. 14,) s, Volk und der der po- e nationale des Volkes ein Kampf, n durch den , Das Weſen rch politiſch rer es ver- formen, Der ſein; Autoz ben.(Hitler, ebundenheit gren Staates 1 Ounſtkreis iſt ſimpler ft« beginnt Jen Staat iſt Geſtalt den er Staat und Wer gar 0 Geſtalt des 9 bindenden Mitteln« ſel, Normen der gie von der predigt zum meinſchaftô-" ha0s zu en rtheit.- u Im | fühlen, gleich, Kein eben/ um d dieler Art Geſicht ſchlägt, dann die Diffamierung der Gegner als liberaliſtiſch, dann die zyniſche Zweckbeſtimmung der Behauptung, endlich der Sprung in eine poli= tiſche Religion: echteſte Ideologie! Schließlich zum»Weſen des Führerſtaates«. Was Koellreuter über Führer= ſchaft ſagt- Einigung und Formung der gemeinſchaftsbildenden Kräfte-, iſt für jede politiſche Partei, jede parlamentariſche Führung eine Selbſtverſtänd= lichkeit. Aus einer Selbſtverſtändlichkeit die Abſurdität der Diktatur zu machen, iſt nicht leicht. Wieder benutzt ſein verſimpeltes Denken ein Hitlerzitat, wieder liegt der Beweis Koellreuters in der Berufung auf die politiſche Autorität, die in dem zitierten Ausſpruch ſelbſt alle Autorität für ſich“reklamiert. Näher beſehen, erweiſt ſich die von Hitler ausgedrückte Anſchauung als eine Ver= flachung von Joſeph de Maiſtres berühmtem Wort:»Il faut prêter ſans ceſſe aux peuples les bienfaits de l’autorité et aux rois les bienfaits de la liberté.« Es wurde 1796 in den»Conſidèrations ſur la France« geſchrieben. Und nun wird zum Schluß wieder eine Selbſtverſtändlichkeit, die»bewußte Verbunden= heit von Volk und Staat«, als nur dem autoritären Staat cigentümlich und nur in ihm durch die»Autorität des Führers nach unten und Verantwortlichkeit nach obene« erreichbar hingeſtellt. Wie ſchwer es iſt, Selbſtverſtändlichkeiten zur reſſentimenterfüllten Ideologie der konterrevolutionären Diktatur zu ver= ſchieben, zeigt ſich- Herrn Koellreuters grammatiſche Fehler wird der Leſer ſelbſt bemerkt haben- hier ſogar an der Sprachform, den gehäuften Neben= ſäßen mit»daß«. Der Weg zur Ideologie iſt in dieſem Beiſpiel vorwiegend pîychologiſch: Die erſte Selbſtverſtändlichkeit über die Aufgabe der politiſchen Führung findet allgemeine Zuſtimmung. Unausgeſprochen wird mit ihr das Bild der nahen Vergangenheit- Überzahl der Parteien ohne große Führer, Epigonen gegen Titanen, Wels gegen Bebel-, gemeſſen, eine der militariſti= ſchen Tradition des deutſchen Volkes bekannte Führungsform poſtuliert und der Schein der formellen Einheit des Staates mit dem Volk in der DPiktatur gegen die demokratiſche Erfahrung, daß nur die Entfaltung der verſchiedenen menſchlichen Änlagen in verſchiedenen Parteien dieſe Einheit annäherungs= weiſe ermöglicht, als Identität von Idee und Wirklichkeit ausgegeben. Die Ideologie endet alſo in dieſem Beiſpiel im Selbſtbetrug der Ideologen. Der= ſelbe Mann, der eben noch den Maſſen die ſchweigende Zuſtimmung abforderte, bezaubert ſich und ſeine Umwelt jetzt mit dem Schwindel der reſtloſen Vereini= gung von Volk und Idee in der Perſon des Führers!- Das Zentralproblem der Diktatur iſt die Machtanwendung nach innen, die Polizei. Gäbe es einen einzigen Tag keine geheime Staatspolizei, keine Kon= zentrationslager, keine Zenſur, dafür aber Preſſe=/, Verſammlungs= und Rede= freiheit, ſo wäre die Diktatur erledigt. Man mußte daher erwarten, daß ſich die nationalſozialiſtiſche Wiſſenſchaft mit dieſer Frage auseinanderſetzte. Das hat Arnold Köttgen, Profeſſor in Greifswald, getan. Er iſt ein Schüler Koell= reuters, fiel vor 10 Jahren durch eine zwar gedankenarme,/ immerhin aber materialreiche Schrift über»Das deutſche Berufsbeamtentum und die parla=z mentariſche Demokratic« und ſpäter durch einige fleißige Monographien auf. 1936 ließ er cine»Deutſche Verwaltung« erſcheinen, in der er‘das Zentral= problem der Polizei wie folgt anpackt: »Was hat die Polizei zu bewahren? Als das polizeilich geſchützte Gut iſt heute die nationale Gemeinſchafts= ordnung anzuſehen. Damit hat die Polizei eine eminent politiſche Funktion erhalten, in dem ihr das Fundament des Staates anvertraut worden iſt. Die Polizei hat alſo insbeſondere nicht allein darüber zu wachen, daß die in den Geſetzen poſitivierte Ordnung innegehalten wird, ſondern auch außerhalb der geſetzlichen Ordnung gegebene Gemeinſchaftswerte ſind ihrer Obhut anvertraut.…. Die Pflichten der Polizei ſind daher zumeiſt primäre Pflichten gegenüber der Nation. Wie ſich der Inhalt der Volksgemeinſchaft ſelbſt nicht paragraphenmäßig ausſchöpfen läßt, ſo laſſen ſich auch die Schutßkompetenzen der Polizei nicht ſpezialiſtiſch zergliedern. Die alte Ge= neralvollmacht($ 14 Preuß. Pol. Verw. Geſetz) bleibt alſo eine Notwendig= Reit.« An dieſen Fragen frappiert ſofort die Behauptung, daß auch für das von Göring regierte Preußen$ 14 PVG. gilt. Wie? In einer Diktatur die Legal= definition des republikaniſchen PVG. vom 1. Juni 1931? Verſichern wir uns des Textes: »Die Polizeibehörden haben im Rahmen der geltenden Geſetze die nach pflichtmäßigem Ermeſſen notwendigen Maßnahmen zu treffen, um von der Allgemeinheit oder dem einzelnen Gefahren abzuwehren, durch die die öffentliche Sicherheit und Ordnung bedroht mwird.« S Köttgen verſchweigt dieſen Text. Es wäre freilich einer Selbſtentlarvung gleichgekommen, ibn zu nennen. Denn wenn Köttgen ausführt, daß»die Polizei auch außerhalb der geſetzlichen Ordnung« tätig ſein muß, bannt das PVG. ſie ſtreng»in den Rahmen der geltenden Geſetze«, wo Köttgen behauptet, daß die Polizei»eine politiſche Funktion« und darum»primäre Pflichten gegen= über der Nation« habe, ſpricht das PVG. ſchlicht von»pflichtmäßigem Er= meſſen«, notwendige Maßnahmen zum Schutze des einzelnen und der All= gemeinheit zu treffen. Wo Köttgen als Objekt der Polizei das»Fundament des Staates« bezeichnet, nennt das PVG. als ſolches genau die»Offentliche Sicher= heit und Ordnung«. Köttgen macht die Polizei zu Herren über den Unter= tanen, das PVG. zur Helferin des Bürgers oder einer Geſamtheit von Bürgern, der Allgemeinheit. Was Köttgen über die Polizei ſagt, iſt alſo eine einzige Un= wahrhaftigkeit.- Notgedrungen ſetzt ſich Köttgen auch mit den neuen Erſchei= nungen des Wirtſchaftsrechts im Dritten Reich auseinander. Großtueriſch nennt er dic Zwangsbemwirtſchaftung des Mangels und der Entbehrung»Planung«. Aber ſofort unterſcheidet er die Planung im Nationalſoziasamus von den Maßnahmen gleichen Namens in den anderen Ländern. Als echte? Ideologe kann er das| natürlich nur, indem er die wirkliche Planwirtſchaft herabſetzt. Denn alle Plaz nung îſt nach Köttgen»etwas rational Oberflächliches«, nur»techniſche Ord= nung«, nicht»politiſche Ordnung«, die»in der Lebensordnung der Volks= gemeinſchaft vorgegeben iſt«. Solche lebendige Ordnung iſt Mur- die Poliz zei,»Die Lebendigkeit der politiſchen Ordnung, die aus den irrationalen Wurzeln des Volkstums herrührt, fehlt alſo den rationalen Planungsord= nungen«(ſämtliche Zitate in: Deutſche Verwaltung, S. 150). Könnte es einem Poliziſten wie Köttgen ſchwerfallen, die Wahrheit über die»Planmwirtſchaft im Dritten Reïch« zu ſagen? Gewiß nicht: zu deutlich liegen die juriſtiſchen Ele= mente derſel an den Auß Jahrhunderte menſchlichen wiſlen, Statt Dritten Reich lo viel Iyrati lein, Denn ci ten Reich mi trationslaget tatur haben? »Der priv nicht an an die y ſcheidend ſtets obe reich hin maximal: gebunde; ringt«($ Der Sinn Bereich«, Sieht ma ihr logiſche leiner Darſt Kampf dey immer verge horchen ge) odey dey C An? entbeh Faniert dazy aber lebten nen, Und| ?, Mai 1933 a ieden hg Aatsve Nichts e die richtig Dag Grund EEA mente derſelben als übelſter polizeiſtaatlicher Merkantilismus(man denke nur Gemeinſchafts= an den Außenhandel) zutage. Daß ſich die wirkliche Planwirtſchaft auf der tiſche Funktion Jahrhunderte alten Erforſchung der umfaſſendſten Bewegungsgeſetze der ut worden iſt, menſchlichen Geſellſchaft aufbaut, braucht er als Juriſt natürlich nicht zu achen, daß die wiſſen. Statt deſſen blamiert er das Volkstum, indem er die Beſtialitäten im ſondern auch Dritten Reich aus den irrationalen Wurzeln desſelben entſtehen läßt.- Nach verte ſind ihrer ſo viel Irrationalismus ſcheint Köttgen einem Anflug von Logik erlegen zu umeiſt primäre ſein. Denn er behandelt nun den Unternehmer, der, wirklich logiſch, im Drit= lksgemeinſchaft ten Reich mit einem Bein in der»Planung«, mit dem anderen im Konzen= trationslager ſteht. Was für„eine Stellung kann der Unternehmer în der Dik= tatur haben? Köttgen antwortet: | ſich auch die 1, Die alte Ge- ne Notmendig- »Der private Unternehmer iſt der gebundene Unternehmer, wobei allerdings ch für das von nicht an irgendwelche organiſatoriſche Bindungen äußerlicher Art, ſondern atur die Legal- an die rein innerliche Bindung der Haltung gedacht iſt. Die leßthin ent= ichern wir uns ſcheidende Bindung des heutigen Lebens, die ungleich tiefer greift als die ſtets oberflächlichen Bindungen der Planung, reichen in den ſeeliſchen Be= i N reich hinab. Die Erfüllung der Idee der Volksgemeinſchaft beruht nicht auf ig Nt bie maximaler öffentlicher Planung, ſondern auf der Verwirklichung‘jenes en, um von die gebundenen Menſchentyps, um den der Nationalismus heute allerorts durch die 0! ringt«(S. 154). elbſtentlarvuns Per Sinn diefer Antwort iſt dunkel- der Juriſt verſchwindet»im ſeeliſchen ührt, daß»die Bereich«. uß, bannt das Sieht man ſich die Ideologie Köttgens genauer an, ſo vermiſchen ſich in p M 4 Y Y tgen behauptel- ihr logiſche und pſychologiſche Elemente. Das zeigt ſich am deutlichſten bei pflichten geg2n- ſeiner Darſtellung der Polizei und des Unternehmers. Der rechtsſtaatliche; htmäßigem E___ Kampf der Vermaltungsgerichte gegen die Polizeiwillkür iſt in Deutſchland| ; und der immer vergeblich geblieben. Man war zu fehr an das Kommandieren und Ge='| Fundament De horchen gewöhnt, wollte aber für Exiſtenzfragen, z. B. bei der Enteignung 1 fentliche Sicher- oder der polizeilichen Eigentumsbeſchränkung, den Schutz der Gerichte nicht D her den Unter ganz entbehren. So rechtfertigt Köttgen die äußere Gewaltanwendung, pro= WM it von BürgeM/ faniert dazu alle Ideen von Nation und nationaler Gemeinſchaft, möchte ſich/ ine einzige 14| aber letzten Endes auf die geſetzliche Fixierung der Polizeigewalt berufen kön= Y neuen Erde? nen. Und obgleich das Preuß. Oberverwaltungsgericht(ſiehe Urteil vom Y tuerilch nenn 2. Mai 1935, III C 43/35, von da ab in ſtändiger Rechtſprechung) längſt ent= fL| planungs, A ſchieden hat, daß die Geheime Staatspolizei ein beſonderer Zweig der q| en Mana| Staatsvermwaltung iſt und mit der Polizei îm verwaltungsrechtlichen Sinne f e kann t” E| nichts zu tun hat, hält Köttgen an der Fiktion einer Generalvollmacht feſt, M Penn alle LE| die richtig ſein ſoll, auch wenn ſie nur irrational verſtanden werden kann!- E techniſche E| Das Grundprinzip des Unternehmers iſt die wirtſchaftliche Freiheit. Daß ſie F ¡ng de” Vo li- im Oritten Reich nicht exiſtiert, kann Köttgen nicht leugnen. Er möchte ſie er= fi r- die af halten. Darum diffamiert er die Planung als»oberflächlich« und verlegt die M en jeration2 6!»Bindung des Unternehmers« in den»ſceliſchen Bereich«. So ſpannt Köttgen planung80"| ſeine Ideologie von den ſchlechteſten Traditionen des preußiſchen Polizei=z / nte einem| ſtaates über die nackte Gewaltanwendung der Diktatur bis zu einer ecin= ¡etſchaft WV geſtanden irrationalen Mythologie des Nationalen.- | | 3 Gegen den Strom 33 Von da bis zum Myſtizismus iſt nur noch ein Schritt. Er wird vom Ober= bürgermeiſter und Vizepräſidenten des Peutſchen Gemeindetags, Johannes Weidemann, Profeſſor an der Univerſität Halle, getan. Weidemann hat in dem Standardwerk»Deutſche Verwaltung«, München 1937, den umfangreichſten Beitrag über die kommunale Selbſtverwaltung geliefert. Nachdem er als»die drei Urzellen des Staates«»die Familie mit ihrer natürlichen Blutverbunden= heit und Liebe, die Werkſtatt als Stätte des Broterwerbs und der Arbeit für Volk und Vaterland, die Gemeinde als Inbegriff aller menſchlichen Zuſammen= arbeit und als unmittelbares Erlebnis des Staatsgedankens« definiert hat (S. 195), legt er die Stellung der Selbſtverwaltung wie folgt dar: »Die gemeindliche Selbſtverwaltung iſt nicht allein als formaler Verwal= tungsgrundſat anzuſehen, ſondern ſie iſt umwittert von den unwägbaren und juriſtiſch nur unzureichend erfaßbaren, mehr gefühlsmäßig zu begrei= fenden Gegebenheiten des geſchichtlich und organiſch Gewordenen, der Heimatverbundenheit, der genoſſenſchaftlichen Selbſthilfe. Die Stellung der Gemeinden iſt in der Tat ganz eigenartig. Sie ſind zeitlos wie das Volk ſelbſt und unmittelbar aus ihm hervorgewachſen. Demgegenüber ſtellen ſich alle ſtaatlichen Dienſtſtellen als bloße Zweckſchöpfungen zeitbedingter Art dar, und ſie können bei aller überragenden Wichtigkeit doch niemals die Gemeinden erſeten«(S. 194). Natürlich iſt auch Weidemann von der tautologiſchen Volksſtaatdefinition beherrſcht, nur daß ſich bei ihm ſogar die Gegenſätze von Einzelmenſch und Staat, Gemeinde und Staat im Begriff des Volksſtaates überwinden. Natür= lich iſt der juriſtiſche Teil des ſchwammigen Geredes Unſinn. Penn die Gemein= den»zeitlos wie das Volk ſelbſt« zu nennen und damit ihre Stellung zum Staat erklären zu wollen, iſt etwa ſoviel wert, als wenn der Biologe die Stel= lung des Menſchen mit der Behauptung umreißen wollte, daß er den Menſchen zeitlos wie die Natur ſelbſt bezeichnete. Juriſtiſch kommt es nicht darauf an, daß es fiberhaupt, Nomaden und Jägervölker ausgenommen, immer menſch= liche Siedlungen gegeben hat, ſondern darauf, in welcher rechtlichen Funktion ſie zum übergeordneten rechtlichen Verband geſtanden haben. So kennen wir die-Städte als juriſtiſch ſubſtanzloſe, einem Kloſter dienſtpflichtige Wohnräume, als Kaiſerpfalzen, Zunftſtädte, Hanſeſtädte, freie Reichsſtädte, Patrizierrepu= bliken, Realgemeinden, Einwohnergemeinden, moderne rechtsſtaatliche Ver= waltungseinheiten uſw., genau ſo wie uns der Menſch als Perſon im Recht als Sklave, Höriger, Ritter, Plebejer, Patrizier, Proletarier, Vollbürger, Staatsbürger, Sowjetbürger und neuerdings wieder als Untertan der Dik= tatur bekannt iſt. Das mit dämoniſcher Ummwitterung auszuſtatten, es als unmwägbar und nur gefühlsmäßig erfaßbar hinzuſtellen, iſt, wie die vage Un= beſtimmtheit der»zeitloſen Exiſtenz«, Myſtizismus. Zudem iſt dieſe behaup= tete Zeitloſigkeit falſch. Sind nicht Völker wie Städte viele Male untergegan= gen? Ebenſo falſch iſt es, die moderne Großſtadt, in der Mehrzahl der Fälle ein Produkt der lebten 70 Jahre, als organiſch gewachſene Gegebenheit, Ort der Heimatverbundenheit und Inbegriſſ aller menſchlichen Zuſammenarbeit zu charakteriſieren. Der moderne bürgerliche Menſch verzieht von Berlin nach New York, von London nach Shanghai, von Paris nach Rom, ohne daß er ſeine täglichen ſtädtiſchen Lebensgewohnheiten verändert, Er vermißt ſein 34 Land, kaum rung mit der Genug: Falſdd Grundkonzep iſt ihre Geſta Dieſer My Sprache deck macht kein( bare Gegenw lebendig, We jugend, die| und nun ein densarten nic Ebene der Al der Wirklich Hohlheit ſtat lo entſcheide; aus dem Gl ldeologie in Der Recht hat das in j Eigentums ij Juden nach d lichen Exiſten Jede lozi NSDAP iſt: Privateigenty anders geha, Bandendiebſ fen, londern einde und{ Rielenkomple das Geſet üb Yuſtiz / berni lei cete d vom Obers 8, Johannes n hat in dem ifangreichſten n er als»die utverbunden- er Arbeit für n Zuſammen- definiert hat aler Vermwal- unwägbaren ig zu-begrei- ordenen, der Stellung der pie das Volk er ſtellen ſich "edingter Art y niemals die taatdefinition elmenſch und nden, Natür- die Gemein- Stellung zum loge die Stel- den Menſchen ht darauf an/ nmer menlch- hen funktion » kennen wif Wohnräum&/ patrizierrep aatliche Ver n im Recht VollbürgtT tan der Oik- atten/ 8 als die vag? 16 dieſe behauP- Y untergegan“ heit/ rt menarbeit E ßerlin na 1 daß er Land, kaum ſeine Stadt. Und gegen die Verhaftung der agrariſchen Bevölke=- rung mit dem Dorf ſpricht die Landflucht der letzten Jahrzehnte ganze Bände. Genug: Falſchheit in jedem- das iſt das Eigentümliche dieſer Weidemannſchen Grundkonzeption der kommunalen Selbſtverwaltung. Myſtizismus im ganzen iſt ihre Geſtalt. Dieſer Myſtizismus iſt unecht, denn er iſt gewollt. Das Gehabe und die Sprache deckt nur aufgeblähte Phraſen, die Sprache kleidet keine Gedanken, macht kein Gefühl für Heimatverbundenheit, Genoſſenſchaftlichkeit, unmittel= bare Gegenwart des Staatsgedankens, wie die Weidemannſchen Worte heißen, lebendig. Weidemann gehört zu jener ſchnell ſatt gewordenen älteren Hitler= jugend, die ſeit 1934 die Bürgermeiſterſtellen in den Gemeinden beſetzt hält und nun eine gefährliche innere Leere mit den angelernten ideologiſchen Re= densarten nicht mehr meiſtern kann. So entſteht eine Ideologie auf der zweiten Ebene der Abſtraktion: Myſtizismus, geboren aus dem fanatiſchen Willen, in der Wirklichkeit den Parteijargon der Diktatur nicht untergehen zu laſſen. Hohlheit ſtatt gedanklicher Fülle, Kälte ſtatt gefühlsmäßiger Verzückung,- ſo entſcheidet ſich dieſer Myſtizismus aus dem Willen von der echten Myſtik aus dem Glauben, von der er die abgelegten Kleider geſtohlen hat. Er iſt [ldeologie in der tödlichen Art und Form.- B. Rechtsſprechung Der Rechtsſprechung fällt die Aufgabe zu, die Ideologie zu vollziehen. Sie hat das in reichlichem Maße getan. Wir wählen als Beiſpiel die Frage des Eigentums in der Form der Enteignung und eine Frage der Rechtsſtellung der Juden nach den Nürnberger Geſetzen. Beide betreffen Grundfragen der menſch= lichen Exiſtenz. Beide verdienen deshalb die größte Beachtung.: Jede ſozialiſtiſche Partei iſt notwendig irgendwie eigentumsfeindlich. Oie NSDAP iſt das nach ihrem Programm nicht. Sie erklärt ausdrücklich das Privateigentum als die Grundlage der Kultur. In ihrer Praxis hat ſie ganz anders gehandelt. Sie raubte nicht nur am 2. Mai 1933 durch den größten Bandendiebſtahl der Weltgeſchichte das Eigentum der deutſchen Gewerkſchaf= ten, ſondern enteignete maſſenhaft das Privateigentum der ſogenannten Staats= feinde und Emigranten. Als einige Gerichte in wenigen Fällen aus dieſem Rieſenkomplex den Geſchädigten ihr Recht gaben, entzog die NSOAP durch das Geſetz über den Ausgleich bürgerlich=rechtlicher Anſprüche dieſes alles der Juſtiz, vernichtete alſo für Millionen deutſcher Menſchen den Rechtsweg. Zu= gleich ging ſie mit ihren Geſetzen über Arbeitsbeſchaffung, Straßen= und Tal= ſperrenbau, Landbeſchaffung für die Wehrmacht und für die Luftfahrt, über die Anlagen von Schußbereichen, die Erlaubnis von Berufsausübungen, die agra= riſche Zwangswirtſchaft uſw. zu einem Generalangriff auf das Privateigentum über, Dieſe Geſetze- insgeſamt jetzt etwa 200- ſchließen entweder eine Ent= ſchädigung von vornherein und allgemein aus oder laſſen ſie nur teilweiſe, aus Billigkeitsgründen und unter Ausſchluß des Rechtswegs, zu. In der Wei= marer Republik geſtattete der aus der Sozialiſierungsangſt von 1919 geſchaf= fene Artikel 153? RV. cine Enteignung nur gegen Entſchädigung. Die Rechts= ſprechung des Reichsgerichts dazu war ſoweit gegangen, daß ſie ſelbſt eine 35 e——————————>= 5 E Rr== SEE iir SS E C ERESIE iia EA rA Da RO 0 R a Lee: CRIA öffentlich-rechtliche Eigentumsbeſchränkung durch baupolizeiliche Maßnahmen als eine entſchädigungspflichtige Enteignung anſah(Bethke- Urteil vom 28. 2. 30). Mit der nationalſozialiſtiſchen Geſetzgebung befaßt, hatte der 4. Zivil- ſenat des Reichsgerichts entſchieden(145, 369), daß Artikel 153 RV. durch die Verordnung zum Schutze von Volk und Staat vom 27. Februar 1933(Reichs= tagsbrandverordnung) aufgehoben ſei. Der 3. und 7. Zivilſenat des Reichs= gerichts haben entſchieden(140, 113, 286;+41, 166; 142, 370; 144, 330; 145, 169; 146, 208), daß Artikel 153 RV. weiter beſtehe, jedoch ſeine Anwendung ‘und Geltung im Einzelfalle dahingeſtellt bleiben könnte. Die Sachbearbeiter der Miniſterien, die Fachautoritäten der Univerſitäten und die Fachſchaft der Hochſchullehrer verneinen jedes verfaſſungsmäßige Eigentumsrecht. Was geht hier eigentlich vor? Noch immer bejaht das Programm der NSDAP das Eigentumsrecht. Aber mit der Phraſe des»Dienſtes am Volke« wird jeder Raub bel Andersdenken= den und jeder Eingriff bei Beſitenden gerechtfertigt. Das erſte findet den Bei= fall der Anhänger. Das zweite erweckt bei den Maſſen den Anſchein, daß hier »mwirkliche Sozialiſten« am Werke ſeien. Das iſt die Ideologie, die die Dik= tatur braucht. Denn ſelbſt nicht ſchöpferiſch, lebt ſie nur von der Vernichtung ihrer Gegner und der Subſtanz der Beſitzenden. Beide ſind gegenüber der Maſſe Minderheiten. So kann die Diktatur mit programmatiſchen Erklärungen über die Erhaltung des Eigentums vor der Tradition paradieren, eine qua Eigentumsideologie züchten und zugleich die Inſtitution des Eigentums, die in keine Diktatur paßt, vernichten. Das höchſte Gericht vollzieht dieſen Prozeß durch Schweigen, das eine Situation allgemeiner Unſicherheit ſchafft. Aus dieler Unſicherheit entſteht die Angſt, daß morgen mit ß. geſchehen könnte, was geſtern mit A. geſchah, die Feigheit, lieber einem legalen Raube zuzu= ſtimmen, als es auf einen geſetzgeberiſchen Akt ankommen zu laſſen. Es iſt eine im Zuſtändlichen liegende Ideologie, die, ein ſeltener Fall, ihre Natur als Herrſchaftsmittel der Diktatur Klar erkennen läßt. Bewußt und aktiv hat ſich das Reichsgericht im Falle des ſogenannten Blutſchutzgeſetes an der Bildung und Feſtigung der nationaliſtiſchen Ideologie betätigt.$ 2 dieſes Geſetzes beſtimmt: »Außerehelicher Verkehr zwiſchen Juden und Staatsangehörigen deutſchen oder artverwandten Blutes iſt verboten.« $ 11 der 1. Ausführungsverordnung definiert dazu klar: »Außerchelicher Verkehr im Sinne des$ 2 des Geſetzes iſt nur der Ge= ſchlechtsverkehr.« Der große Strafſenat des Reichsgerichts hat aber am 9. Dezember 1936 (RGST. 70, 375) folgenden Beſchluß gefaßt: »Der Begriff Geſchlechtsverkehr im Sinne des Blutſchutzgeſeßes umfaßt nicht jede unzüchtige Handiung, iſt aber auch nicht auf den Beiſchlaf beſchränkt. Er umfaßt den geſamten natürlichen und unnatürlichen Geſchlechtsverkehr, alſo außer dem Beiſchlaf auch alle geſchlechtlichen Betätigungen mit einem Angehörigen des anderen Geſchlechts, die nach der Art ihrer Vornahme beſtimmt ſind, an Stelle des Beiſchlafs der Befriedigung des Geſchlechts= triebes mindeſtens des einen Teils zu dienen.« ————————————z- Dieſer Beſch buch unterſche ſchlechtsverkeh verkehr iſt nu unfreiwilliger Beiſchlafs$ 17 keitsverhältniſl ($ 176 Ziffer 3 ſteht im deutlc ſchutzgeleßes| ($ 175) ſowie gericht hat ſel lljährigen Mä das Landgeric ſchuhgeleß kei anwendbar ep] ſichtig, es me] $ 1(Ehelchlieſ der Beſchäftigu lebes als Inſtr Mit anderen V\ leide Hausanc daß jede Form ſtraft werden Opfer iſt, dag Y Ideologie Raſi Strafgelebbuc ingegen die Unſchuldigen lagen, was ſe leb es vorh She AU8zuſp) »uden ſin ihre Unter uch \aßnahmen vom 28, 2, y 4, Zivil- , durch die 33(Reichs- Jes Reichs- , 330; 145, \nwendung hbearbeiter hſchaft der , Was geht recht. Aber ersdenken- et den Bei- n, daß hier je die Dik- Vernichtung jenüber der ‘rklärungen 1, eine qua ntums, die elen Prozeß chafft, Aus hen könnte/ Raube 7UU- aſſen, fs| ſogenannten en Ideologif en deutſchen gur de” GE „embt” 193ó EB N A DA CURE MEL N A Td 1 TARE U58 CIC Bh i GMT SIMCE EE LS PCL TEMES PERE Pieſer Beſchluß iſt eine kraſſe Rechtsbeugung. Denn das deutſche Strafgeſetz= buch unterſcheidet deutlich die unſittlichen Handlungen in verbotenen Ge= ſchlechtsverkehyr und unzüchtige Handlungen. Der außereheliche Geſchlechts= verkehr iſt nur ein Teil des verbotenen Geſchlechtsverkehrs und kann als unfreiwilliger(Schändung$ 176 Ziffer 2, Notzucht$ 177, Erſchleichung des Beiſchlafs$ 179), als Geſchlechtsverkehr unter Ausnußzung eines Abhängig= keitsverhältniſſes($ 174), als Geſchlechtsverkehr mit unerwachſenen Perſonen ($ 176 Ziffer 3,$ 182), als Blutſchande($ 173) auftreten. Dieſe Begriffsſprache ſteht im deutſchen Reçhtsleben Teit Jahrzehnten feſt. Der Geſetzgeber des Blut= ſchutzgeſetzes ſchließt alſo expreſſis verbis den perverſen Geſchlechtsverkehr ($ 175) ſowie die geſamten unzüchtigen Handlungen aus. Aber das Reichs= gericht hat ſelbſt in einem ganz eindeutigen Unzuchtsfall(Unzucht an einem 11jährigen Mädchen nach$ 176 Ziffer 3, Urteil vom 9. Februar 1937), in dem das Landgericht mit großer Sorgfalt herausgearbeitet hatte, daß das Blut= ſchutßgeſeß keine Anwendung finden könnte, dieſes Nürnberger Geſetz als anwendbar erklärt. Die Beweisführung des Reichsgerichts iſt mehr als durch= ſichtig, es meint, daß ſich aus der Geſamtheit des Geſetzes, insbeſondere aus $ 1(Eheſchließungsverbot zwiſchen Ariern und Nichtariern) und dem Verbot der Beſchäftigung von Hausangeſtellten durch Juden($ 3) die Natur des Ge= ſetzes als Inſtrument zur Erhaltung von Raſſercinheit und Raſſenehre ergäbe. Mit anderen Worten: Aus niedrigen Unterſtellungen des$ 3, daß jeder Jude ſeine Hausangeſtellten geſchlechtlich mißbrauche, folgt für das Reichsgericht, daß jede Form der geſchlechtlichen Betätigung eines Juden als Raſſeverrat be= ſtraft werden muß. In dem ſpäteren Urteil hat es offen geſagt, daß das ein Opfer iſt, das die Juden der Ideologie bringen müſſen. Nur nennt es dieſe Ideologie Raſſenehre. Denn nach der Meinung des Reichsgerichts ſchützt das Strafgeſetzbuch nur die Geſchlechtlichkeit der Verletzten, das Blutſchutzgeſetz hingegen die Raſſenehre des Deutſchen Volkes. Vollziehung der ldeologie an Unſchuldigen im ſtrafrechtlichen Sinne- beſſer Konnte das Reichsgericht nicht ſagen, was ſeïine Rechtsſprechung inhaltlich bedeutet.- Dem Reichsfinanzhof blieb es vorbehalten, in einem Urteil vom 10. Dezember 1936 die lapidaren Säße auszuſprechen: »Juden ſind keine deutſchen Volksgenoſſen, ihre Unterſtützung iſt nicht mildtätig.« Auch wenn der Verein»lſraelitiſche Kinderheilſtätte«, um den es ſich hier handelt, chriſtliche, ariſche Kinder, wie der Reichsfinanzhof ſelber anerkennt, aufnimmt, iſt das»nicht mildtätig« und muß der Verein nach$ 18 des Steuer= anpaſſungsgeſetzes in der Faſſung vom 1. Pezember 1936 Vermögensſteuer zahlen. So dient die Ideologie der Beſchmutzung hochherziger Stiftungen und der Vernichtung von Vermögen, durch beides der Piktatur. 2. Phyſik Aber wenden wir uns von der Rechtswiſſenſchaft, deren Ruf als Wiſſen= ſchaft durch die Ideologie der Diktatur abermals aufs ſtärkſte gefährdet iſt, ciner exakten Wiſſenſchaft zu, bei der der geſunde Menſchenverſtand eine Ideologie für möglich halten ſollte, der Phyſik. Die phyſikaliſchen Geſetze, auf 37 y ' | 6 = mathematiſche Formeln gebracht, geometriſch veranſchaulicht, ſind objektiv gültig. Man kann ihre Entdecker verbrennen, wie Galilei, verjagen, wie Ein= ſtein, aber nicht die Gültigkeit der phyſikaliſchen Geſetze vernichten. Noch hat keine Diktatur die Bahnen der Sterne verändert oder ein chemiſches Element aus dem Nichts erſchaffen. Man ſollte auch meinen, daß nach der barbariſchen Vertreibung der Juden aus der deutſchen phyſikaliſchen Forſchung und Lehre der furor teutonicus ſich ausgetobt habe und die nationalſozialiſtiſche Ideo= logie vor Raum und Zeit, Kauſalität und Wahrſcheinlichkeit Halt mache. Eine ſolche Annahme wäre eine demokratiſche Schwäche. Denn es gibt eine ariſche Phyſik, Prof. Lenard, Heidelberg, hat ſie entdeckt und ſagt über ſie im Vor= wort ſeines vierbändigen Werkes»Deutſche Phyſik«, München 1937: »Deutſche Phyſik? wird man fragen.- Ich hätte auch ariſche Phyſik oder Phyſik des nordiſch gearteten Menſchen ſagen können, Phyſik der Wirk= lichkeitsergründer, der Wahrheitsſuchenden, Phyſik derjenigen, die Natur= forſchung begründet haben.- Die Wiſſenſchaft iſt und bleibt international!, wird man mir einwenden wollen. Dem liegt aber ein Irrtum zugrunde. In Wirklichkeit iſt die Wiſſen= ſchaft, wie alles, was Menſchen hervorbringen, raſſiſch blutmäßig bedingt. Ein Anſchein von Internationalität kann entſtehen, wenn aus der All= gemeingültigkeit der Ergebniſſe der Naturmwiſſenſchaft zu Unrecht auf all= gemeinen Urſprung geſchloſſen wird oder wenn überſehen wird, daß die Völker verſchiedener Länder, die Wiſſenſchaft gleicher oder verwandter Art geliefert haben wie das deutſche Volk, dies nur deshalb und inſofern konnten, weil ſie ebenfalls vorwiegend nordiſcher Raſſenmiſchung ſind oder waren.…. Naturforſchung allerdings hat kein Volk überhaupt je begonnen, ohne auf dem Nährboden ſchon vorhandener Errungenſchaften von Ariern zu fußen. Es iſt wichtig, die Phyſik des jüdiſchen Volkes hier ein wenig zu betrachten, weil ſie ein auffallendes Gegenſtück zur deutſchen Phyſik iſt und dieſe bei Erkenntnis des Gegenſatzes wohl für viele erſt ins rechte Licht ſetzt. Wie alles Jüdiſche iſt auch die jüdiſche Phyſik erſt ſeit kurzem überhaupt einer unbefangenen öffentlichen Betrachtung zugänglich geworden. Sie hatte ſich lange verſteckt und zögernd entwickelt. Mit Kriegsende, als die Juden in Deutſchland herrſchend und tonangebend wurden, iſt ſie in ihrer ganzen Eigenart und plötzlich überſchwemmungsartig hervorgetreten. Sie hat dann alsbald unter vielen Autoren nicht jüdiſchen oder doch nicht rein jüdiſchen Blutes cifrige Vertreter gefunden. Um ſie kurz zu charakteriſieren, kann am gerechteſten und beſten an die Tätigkeit ihres wohl hervorragendſten Vertreters, des wohl reinblütigen Juden A. Einſtein, erinnert werden. Seine Relativitätstheorien wollen die ganze Phyſik umgeſtalten und beherrſchen, gegenüber der Wirklichkeit haben ſie aber nun ſchon vollſtändig aus= geſpielt. Sie wollen wohl auch gar nie wahr ſein. Dem Juden fehlt auf= fallend das Verſtändnis für Wahrheit, für mehr als nur ſcheinbare über= einſtimmung mit der vom Menſchendenken unabhängig ablaufenden Wirk= lichkeit, dem Gegenſatz zum ebenſo unbändigen als beſorgnisvollen Wahr= heitswillen der ariſchen Forſcher. Der Jude hat kein merkliches Faſſungs= vermögen für andere Wirklichkeiten als etwa die des menſchlichen Ge= triebes und der Schwäche ſeines Wirtsvolks. Dem Juden ſcheint mwunder= licherweiſe Wahrheit, Wirklichkeit, überhaupt nichts Beſonderes, von Un= wahrem ve ſchiedenen, dige Unge Jedoch wur Juden eige genoſſen, e Bibliotheke ten Gedanl dings perſi ziehend für die nachhe ariſche Art iſt in diele Fremdgeiſt lich, Die ji erſcheinune Man enth ariſcher Forſch lungen, die 1 teufliſchen Ge faſſen konnte Aberglauben Preisträger q deutſchen Spr Wirkliche Phy kurzen Wort tungoanſprud Araber auch lüchtig ift di, aber nur be Es iſ bek, roben Anty| ſell, Whitehe ‘Mfſtanden ſi, Mus kay MG ke ) objektiv , wie Ein- Noch hat s Element rbariſchen und Lehre iſche 1deo- ache, Eine ine ariſche e im Vor- hyſik oder der Wirk- die Natur- einwenden die Wiſſen- g bedingt. ;z der All- ht auf all- d, daß die ermandter 1d inſofern ; ſind oder begonnen/ yon Ariern betrachten/ d diele bei { ſeht. e aupt eine 5 hatte ſich e Juden i rer ganzen e hat dann wahrem verſchiedenes zu fein, ſondern gleich irgendeiner der vielen ver= ſchiedenen, jeweils vorhandenen Penkmöglichkeiten. Daß daraus vollſtän= dige Ungeeignetheit für Naturforſchung hervorgeht, iſt ſelbſtverſtändlich. Jedoch wurde das durch Rechenkunſtſtücke verdeckt; die dem ungehemmten Juden eigene Frechheit, zuſammen mit der geſchickten Mithilfe ſeiner Raſſe= genoſſen, ermöglichte den großen Aufbau von jüdiſcher Phyſik, der ſchon Bibliotheken füllt. Die dem jüdiſchen Geiſt eigene Eiligkeit, mit unerprob= ten Gedanken hervorzutreten, wirkte ſogar anſteckend, ſie verſchafft aller= dings perſönliche Vorteile(Judenbeifall, Priorität), wirkt aber herunter= ziehend fürs Ganze.…. In der jüdiſchen Phyſik wird ſchon jede Vermutung, die nachher nicht ganz verfehlt ſich zeigt, als Markſtein gewertet. Die ariſche Art der Tätigkeit wird aber mit ſolcher Wertung ſtillgelegt, und es iſt in dieſer Hinſicht ſchon eine ſehr merkliche Auswirkung erfolgt. Der Fremdgeiſt wirkt lähmend, alles Raſſefremde iſt dem deutſchen Volk ſchäd= lich. Pie jüdiſche Phyſik iſt ſomit nur ein Trugbild und eine Entartungs= erſcheinung der grundlegenden ariſchen Phyſik.« Man entſchuldige das lange Zitat. Es war nötig, um zu zeigen, was ein ariſcher Forſcher unter jüdiſcher Phyſik meint. Es ſind jene kindlichen Vorſtel= lungen, die von jeher jede Überlegenheit geiſtiger Menſchen nur als einen teufliſchen Geheimbund- das letzte Beiſpiel dieſer Art waren die Freimaurer- faſſen konnten. Nur, daß dieſe Vorſtellungsweiſe früher beim niederen, im Aberglauben befangenen Volke beſtand, jetzt aber bei einem deutſchen Nobel= preisträger angetroffen wird. Die jüdiſchen Phyſiker ſchrieben nur in der deutſchen Sprache, um dem deutſchen Volke ihren Fremdgeiſt aufzudrücken, wirkliche Phyſik ſtammt auf der ganzen Erde nur von Ariern. Das iſt mit kurzen Worten Lenards Lehre von der»deutſchen Phyſik«. Aus bloßem Gel= tungsanſpruch geboren, völlig ungeſchichtlich(oder waren etwa Agypter und Araber auch Arier?), wiſſenſchaftlich ohne jeden Inhalt, wertbetont, herrſch= ſüchtig iſt dieſe Ideologie, um die man ihre Erfinder nur verachten, ihre Teil= haber nur bemitleiden kann, 3. Philoſophie Es iſt bekannt, daß die Philoſophie von der modernen Phyſik einen neuen großen Antrieb erhalten hat, aus dem als wiſſenſchaftliche Philoſophie(Ruſ= ſell, Whitehead, Carnap, Reichenbach, Frank) bereits bedeutende Leiſtungen entſtanden ſind. Aber die deutſche Schulphiloſophie, die ſchon den Behavioris= mus kaum zur Kenntnis genommen hatte und niemals eine entſcheidende Auseinanderſeßzung mit dem Intuitionismus vollzog, zeigt von dieſem Geiſte keinen Hauch. Sie treibt in ſchweinslederner Trockenheit Philoſophiegeſchichte und hüllt ſich in allen Problemfragen in eine undurchdringliche metaphyſiſche Wolke. Die Halbgötter, die in dieſer Wolke thronen, gehen zu keinem Kon= greß. Wenn aber ein ſolcher tagt, ſo ſchickt er, wie es der Kongreß der Deutſchen Philoſophiſchen Geſellſchaft im September 1936 in Berlin getan hat, ein Ergebenheitstelegramm an den-Diktator Hitler mit dem Gelöbnis, auch die Philoſophie in den Dienſt am Wiederaufbau des Vaterlandes zu ſtellen. Die Überhebung dieſes Kongreſſes ging ſo weit, daß er die kritiſche Meinungs= äußerung eines Klagges=-Schülers, der übrigens Deutſch=Schweizer war, ohne 39 Eingehen auf den Inhalt ſeines Vorbringens als»eciner Deutſchen Philoſo= zuſtreben, mad phiſchen Geſellſchaft nicht würdig« zurückwies. Wo nichts als das Streben nah| trachter auftüni reiner Wahrheit fein- darf, wurde unkritiſch die Würde, die Autorität der wichtig war ni > Organiſation als das Ausſchlaggebende anerkannt. Das iſt die beſchränkte[chaftsmittel al Überheblichkeit, die jede Fälſchung entſchuldigt, wenn ſie nur»deutſch« iſt. Denkinhalten,| Die- deutſche Schulphiloſophie iſt auf dem Wege, in ihrer Geſamtheit zur der Schatten, [dcologie zu werden. Die Metaphyſik eines Heidegger und Hartmann iſt nie etwas anderes gerveſen. 4. Pädagogik i| 1, Die deutſche Pädagogik iſt Ideologie. Es gibt ſeit 1937 eine»pädagogiſche Politik«. Der Reichserziehungsminiſter hat zur Vertretung dieſes Fachs einen Doktor Th. Scheffer an die Univerſität in Jena berufen. Die am 4. Juni 1937 tums, daß kei gehaltene Antrittsvorleſung dieſes Herrn Scheffer liegt gedruckt vor(Langen= verweltlichend ſalza 1937). Was er über den poſitiven Inhalt der pädagogiſchen Politik vor= E| und dey Maſte bringt, iſt nichts Neues: Geſchichte, Sprachpflege, Heimatkunde. Aber»es j Verein handelt ſich darum, für einen totalen Staat eine totale Volksgemeinſchaft durch ut Gf 7 Cälariomus dazu den Beifg cine totale Erziehung zu ſchaffen«(S. 8). Und warum dieſe Totalitäten? Weil| daß von ihm nach der Meinung des pädagogiſchen Politikers in der Welt ein totaler Krieg| E m gegen Deutſchland ausgebrochen iſt. Man verſteht das erſt, wenn man lieſt, E(iden 0 is wie ſich in dieſem Kopfe die Welt malt: In Spanien führt Sowjetrußland gegen| von C, s Spanien ohne Kriegserklärung Krieg(S. 24), Frankreich iſt vom Bolſchewis= WU ej O M mus erſchüttert, England angekränkelt(S. 25), der Bolſchewismus kämpft in| Re M 4 China, Japan, Indien, den USA. uſr. Die Juden machen zu gleicher Zeit Streiks E de ne Figu 4| und Valutaſchwierigkeiten(S. 25), Deutſchland kann nur durch Hitler ge=| e O E rettet werden, der da vorſpringt und»einen Zipfel des Mantels Gottes, der| fie Lt E| durch die Weltgeſchichte rauſcht, erhaſcht«(S. 27). Deshalb ſoll die pädago=| lende d öhepu 100 giſche Politik dem Führer das totale Volk als Gefolge ſtellen(S. 29). 104 er gern 0 Iſt das Wahnſinn? Noch nicht. Ein von Minderwertigkeitskomplexen und| iE dit |(| Verfolgungswahn gepeinigter Menſch ſicht die ganze Welt immer im Aufruhr R} be A 1! Ta j gegen ſich ſelbſt. Das iſt der Fall Scheffer, aus dem natürlich, wenn der un= A E Ger EMA e| glückliche Mann ſeine Phantaſien an einer Univerſität vertreten darf, leicht ein| iſ bei E ſind 10 Maeſſenwahnſinn werden kann. Aber Wollen und Können- die Armut der Vl fie 4a hen 1 F didaktiſchen Gedanken beweiſt das- ſtehen in einem zu kraſſen Mißverhältnis| Gr rh ihre MY zucinander. Alſo entwickelt ſich daraus nur Ideologie: ein verkrampftes Wol= D, welch 1E len mit Inhalten ohne Wirklichkeit, ohne Wahrheit und Wert, brutaler Zwang D! A gegen Andersdenkende, gegen- Wiſſende, unmenſchliche Quälereien echter|} i Peſtalozzileute. Solche ideologiſchen Krämpfe haben in der Pädagogik noh“J Dis Wenig “Y immer mit dem Untergang de- ldeologen geendet. Geblieben iſt ſtets die| Peutlchland 7 % hs Kantſche Löſung, Kinder nicht der Gegenwart, ſondern zu einem zukünftigen| Aleninſtink 18 beſſeren Zuſtand des menſchlichen Geſchlechts, das iſt: der Idee der Menſchheit L D Orkriec T2 und deren ganzer Beſtimmung, zu erziehen.|| O macht 2 ng R’ 5, Die Wiſſenſchaft als Erzeuger von ldeologie| tionären Lo Wir haben für die Entſtehung der Ideologie aus der deutſchen Wiſſenſchaft nile galt al unter der faſchiſtiſchen Diktatur nur Beiſpiele gebracht. Vollſtändigkeit an=- pri el: Wen "ität d 40 n Philoſo- treben nach torität der beſchränkte eutſch« iſt, mtheit zur ann iſt nie ¡dagogilche ‘achs einen , Juni 1937 ry(Langen- litik vor- Aber»es ſchaft durch täten? Weil taler Krieg 1 man lieſt, land gegen Bolſchewis- ; kämpft in Zeit Streiks Hitler ge- Gottes, der jie pádag0 29), „plexen und im Aufruh" nn der un f, leicht ein Armut de” (ßoerháltni® ipftes WO! taler Zwan8 eien eter ogik no M Tei die zukünftige" , pénſchhei! ie winenihal! digkeit 9° zuſtreben, macht ſchon das Gebirge von Makuiatur, das ſich vor dem Be= trachter auftürmt, unmöglich. Es kommt indeſſen auch gar nicht darauf an, wichtig war nur, zu zeigen, wo die Quellen der ldeologie liegen, jenes Herr= ſchaftsmittel aus dem Geſamtkomplex von für wahr und wert. gehaltenen Denkinhalten, das für die Diktatur ſo begriffsnotwendig iſt, wie für das Licht der Schatten. III. Ideologie der Maſſe 1. Die Funktion der Maſſe in der Diktatur Cäſarismus iſt die Regierungsfgrm der faſchiſtiſchen Diktatur. Sie braucht dazu den Beifall der Maſſe. Die Forderung des monarchiſchen Gottesgnaden= tums, daß keine Verfaſſung zwiſchen dem König und dem Volk ſtehen dürfe, verweltlichend, verlangt ſie, daß keinerlei Organiſation zwiſchen dem Führer und der Maſſe porhanden iſt. Indem ſie die geſamte Kultur der autonomen Vercine und Verbände mit Gewalt vernichtet, eine nivellierende Maſſe ſelbſt ſchaffé, legt ſie dieſem politiſchen und ſozialen Schutthaufen die Legende bei, daß von ihm der Führer ausgegangen ſei und immer erneut ſeine Legitimation zur Führung beziehe. Die perpetuierliche Vergewaltigung wird zur. perpetuier= lichen Quelle eines Scheinrechts der Legalität. Die Maſſe, der durch Hunderte von Geſetzen und die tägliche Praxis der Geſtapo verboten iſt, etwas anderes zu ſein als Maſſe, wird trot der innerlichen Auflehnung des einzelnen die politiſche Figur, ohne die die Diktatur nicht auftreten kann. Wie der Chor in der griechiſchen Tragödie, begleitet ſie mit den Nationalhymnen als dauern= dem Rezitativ ihren eigenen Untergang. Oie Herrſchaft der Ideologie iſt auf ihrem Höhepunkt angelangt. Bei jeder Maſſenveranſtaltung erinnern ſich Tau= ſende der gezwungenen Teilnehmer des Raubs, der Erniedrigung, der Schmach, des Leids, die die Oiktatur ihnen zugefügt hat, mit Widerwillen hören ſie die Reden ihrer Tyrannen, aber ſanktionieren durch ihre Anweſenheit, ihre Ehren= bezeugungen die Unterdrückung, unter der ſie ſeufzen. Alle Vorſtellungsreihen der Reden ſind für ſie unwahr, alle Werturteile für ſie falſch, alle Begeiſterung iſ: bei ihnen unecht, und alle zuſammen ſind beherrſchend durch die Maſſe, die ſie durch ihre einzelnen in Wahrheit vereint. Das iſt ein ſoziologiſches Phä= nomen, welches der ſorgfältigſten Betrachtung bedarf. 2, Die Maſſe in der Induſtrie Bis wenige Jahre vor der Errichtung der hitleriſchen OPiktatuy herrſchte in Peutſchland die marxiſtiſche Ooktrin, daß die proletariſchen Maſſen durch Klaſſeninſtinkt, Klaſſenbewußtſein und Klaſſenmoral ſozialiſtiſch ſeien. Solange _ der Vorkriegsſozialdemokratie niemand ihren Führungsanſpruch ernſtlich" ſtreitig machte, ſchien das richtig. Die Lehre vom Maſſenſtreik, wie ſie die Rich= tung Roſa Luxemburgs vertrat;- imputierte den Maſſen ſogar ein viel revolu= tionäreres Bewußtſein, als es Partei und Parteibürokratie beſiten können. Die Maſſe galt als lette Inſtanz. Auf ihr Urteil beriefen ſich die einzelnen Schrift= ſteller, wenn ſie in der Partei unterlegen waren. Als dieſe Doktrin von der Priorität der revolutionären Maſſenaktion in der Nachkriegszeit erſchüttert : 41 wurde, verſuchten die alten Strategen ſich zu retten, indem ſie die Sozial= demokratie veranlaßten, bei allen entſcheidenden Ereigniſſen für die Republik - Kapp-Putſch, Rathenau-Mord, Maifeier-, zugunſten der Gewerkſchaften ab= zudanken. Durch ihre Aktion konnte die Vorſtellungwelt von der einheit= lichen ſozialiſtiſchen Maſſe noch am beſten aufrechterhalten werden. Soziologen wie Geiger, Lederer, Mannheimer, die in den leßten Jahren vor der Diktatur auf die Problematik der Maſſe hinwieſen, wurden entweder nicht oder nicht ge= nügend beachtet, oder gar, wie Mannheim, der es gewagt hatte, auszuſprechen, daß der deutſche Vulgärmarxismus Kautsky=-Mehringſcher Obſervanz eine Ideologie ſei, niedergeſchrieen. Als es dem Hitlerismus gelang, zu beweiſen, daß auch er Maſſen beſaß, und ſchon dem Augenſchein nach nicht zu beſtreiten war, daß die Maſſen im Gefolge Hitlers weitgehend Proletarier waren, ſtanden die alten Parteien des Proletariats der neuen Lage faſſungslos gegenüber und verloren in kürzeſter Friſt ihre für uneinnehmbar gehaltenen Poſitionen. Es hat jedoch zwiſchen 1919 und 1932 in OPeutſchland mehr als eine Wahl gegeben, die klar bewies, daß die von der modernen Induſtrie geſchaffenen Maſſen keineswegs bei den marxiſtiſchen Parteien ſtanden. Von den rd. 40 Mill. Wählern waren rd. 30 Mill. Proletarier, während die Stimmenzahl der marxiſtiſchen Parteien ſtets nur rd. 14 Mill. erreichte. Analyſiert man die. erſte Auseinanderſeßung mit der NSDAP, die bei den beiden Reichstagswahlen im Mai und Dezember 1932 eifolgte, genau, ſo ergibt ſich, daß für die SPD als Partei des traditionellen Marxismus kaum mehr als die Mitglieder und Fa= milienangehörigen der Freien Gewerkſchaften geſtimmt haben. Trotzdem hat ſich die Ideologie dieſer Partei von der einſeitigen Verurſachung der Politik durch die ökonomiſchen Verhältniſſe und der Notwendigkeit, mit der angeb= lich der Sozialismus kommen müſſe, die marxiſtiſchen Parteien aber gemäß der von Marx entdeckten hiſtoriſchen Geſetze die Träger dieſer Entwicklung ſeien, noch faſt ein Jahrzehnt gehalten. Als der Hitlerismus 1933 die Klammer der marxiſtiſchen Parteien und freien Gewerkſchaften, mit denen die Induſtrie= arbeitermaſſe zuſammengehalten war, zerſchlug, vernichtete er auch dieſe Ide0= logie. Ein großer Teil der höheren Funktionäre, für den ſie immer Ideologie im Sinne unſerer Definition, ihrer Agitation, Theologie ohne Glaube und Moral geweſen war, legte ſie ab, reſignierte oder wandte ſich, an Kleinarbeit gewöhnt, anderen Tätigkeiten zu. Ein großer Teil der Jugend, fanatiſch an die Ideologie glaubend, und alles, was geſchaffen war, nur für einen Irrtum der Geſchichte haltend, rannte verzweifelt gegen den Staatsapparat der Diktatur an und ging dabei verloren. Die Grabeninfanterie der alten marxiſtiſchen Be= wegung, die Funktionäre in den Betrieben, dieſe große Zahl intelligenter, in ihrer Berufsarbeit hochqualifizierter Männer, nachdenkend, kritiſch, treu, zäh, kämpfte mit dem Rücken an der Wand in einem Trommelfeuer von Verleum= dung, das auf ſie niederging, in den erſten zwei Jahren der Diktatur um den eigenen Arbeitsplatz, um die Exiſtenz eines jeden einzelnen Kollegen, um den elementarſten Zuſammenhalt. Für die Maſſen ſprach die Erfahrung der Ar= beitsbeſchaffung, der Feiern, Feſte, Reiſen uſw. zu deutlich gegen die paar Glaubensartikel der marxiſtiſchen Ideologie, ſie deſertierten zum Hitlerismus. Die Flucht aus der Freidenkerberwegung mar ein einziger Verrat, es gibt kom= 42 muniſtiſche Dörf kirchlichen Trau zu 35 Jahren get an wehrfähigen Höhepunkt diele und Handelswe klären, Auch un lutionarismus d kriegserlebniſſe Lande ohne inn philoſophiſch un Intellektuellen n tariſtiſche Weltk große Erlebnis| kämpfen, als da Kirche, Es behe waltigere Erleb) Seit 1936 iſt tingetreten, Eg wir verfolgen NSDAP, fi eh lozialiſtiſchen KA des»revolutior Éntmutigung ha Auf allen Wwirf[c Aer, Aber de geht vor Eigeny Ahrungsmitte] le Sozial= Republik naften ab- y einheit oziologen ktatur auf nicht ge= uſprechen, vanz eine beweilen, beſtreiten n, ſtanden nüber und nen, eine Wahl eſchaffenen en rd, 40 enzahl der n die erſte wahlen im je SPD als y und Fa- >fidem hat Jer Politik ver angeb- gemäß der lung ſeien, mme?" der ſnduſtrie- diele Ide0- ,[deologie laube und «leinarbeit natiſch 2" jen Irrtum er Diktatur tiſchen Be- igenter/ treu, rih/ | VerleuM“ ur um den um den 1 die paar (tlerismv® gibt ko“ muniſtiſche Dörfer, in denen 1933/34 Sonntag um Sonntag alle unterlaſſenen kirchlichen Trauungen nachgeholt worden ſind. Nahezu 3 Mill. Männer bis zu 35 Jahren gehörten vor dem 30. Juni 1934 der SA an: nahezu alles, was es an wehrfähigen Männern in dieſem Alter gibt! Das Jahr 1935 kann als der Höhepunkt dieſer Entwicklung bezeichnet werden. Die Maſſe aus der Induſtrie= und Handelswelt war nationaliſtiſch geworden. Das iſt ſehr einfach zu er- klären. Auch unter der Vorkriegsſozialdemokratie iſt trot alles Schein=Revo= lutionarismus der Militarismus immer ſtark geweſen. Er hat durch die Welt= kriegserlebniſſe eine ungeheure ſeeliſche Vertiefung erfahren. Und da in einem Lande ohne innere Religioſität der Pazifismus immer eine Angelegenheit der philoſophiſch und juriſtiſch gebildeten Intellektuellen, alſo einer Minderheit der Intellektuellen mit all ihrem Literatenkrakeel bleiben mußte, iſt dieſes mili= tariſtiſche Weltkriegserlebnis für Millionen marxiſtiſcher Wähler das einzige große Erlebnis ihres Lebens geworden, größer als das Erlebnis von Arbeits=- kämpfen, als das Erlebnis der Errichtung der Republik, als Liebe, Ehe, Familie, Kirche. Es beherrſcht alles andere. Es kann nur durch größere, tiefere, ges mwaltigere Erlebniſſe überwunden werden. Seit 1936 iſt in dieſer Lage der Maſſenideologie eine deutliche Veränderung eingetreten. Es iſt ein ſehr zuſammengeſeßter, ſehr differenzierter Prozeß, den wir verfolgen können. Seine wichtigſten Träger ſind die Mitglieder der NSDADP, die ehemaligen Mitgliedermaſſen der Gewerkſchaften, die Elite der ſozialiſtiſchen Arbeiter und Angeſtellten. Oie erſten erleben den Katzenjammer des»revolutionären« Alltags. Eine ungeheure Ernüchterung, Enttäuſchung, Entmutigung hat unter ihnen Plag gegriffen. Alles iſt ganz anders geworden. Auf allen wirtſchaftlichen Gebieten geht es bergab. Jetzt ſtehen ſie gegen eine Mauer. Aber der Gegner iſt nicht zu faſſen. Was vermag der Sat»Gemeinnuß geht vor Eigennuß«, wenn die Gemeinſchaft täglich ärmer an Rohſtoffen, Geld, Nahrungsmitteln wird? Was der Satz»Die Juden ſind unſer Unglück«, wenn die Erfahrung lehrt, daß bei Juden Arbeit und anſtändige Behandlung zu finden waren, die gleichgeſchalteten Betriebe aber von den neuen national= ſozialiſtiſchen Betriebsführern ruiniert werden? Gegen dieſe dumpfe Maſſe von Unzufriedenheit, Unluſt, gegen dieſe Menge von Ungunſt und Unordnung iſt nicht anzukommen. Die Amtsmwalter der NSOAP bewegen ſich darin wie in einem zähen Schlamm: ſie ſinken immer tiefer hinein, und niemand iſt da, der ihneú heraushilft, Einige von ihnen fangen an, zu merken, daß der ſozia= liſtiſche Gegner zu fechten gelernt hat. Die Angſt vor den Verbrechen von 1933 weckt ihr Gewiſſen, ſie beginnen, ſich nach einem Ausweg umzuſehen. Pie Mitgliedermaſſen der ehenialigen freien Gewerkſchaften tun das, was ſie immer getan haben, ſie lernen aus der Erfahrung. Sie vergleichen die Löhne von 1929 mit denen von 1937 und dem Verſprechen Or. Leys vom 1. Mal 1935, den»Gerechten Lohn« zu ſchaffen. Sie erfahren an der Hetze des Arbeits=- tempos und an der Überſtundenſchinderei die Unmöglichkeit des Mangels einer jeden tariflichen Vereinbarung, ſie erkennen, troß»Schönheit der Arbeit«, den Unterſchied zwiſchen Kaſino und Kantine, ſie ſehen in ihrer Familie, daß die überhöhten Preiſe jede berufliche Mehrleiſtung illuſoriſch machen. Eine wachſende Zahl von einzelnen aus der Maſſe empfindet die Bindung an den 43 Gétricb und die Unterdrückung der Meinungsfreiheit als eine Verletzung der Ménfchenwürde und intereſſiert ſich für eine neue politiſche Aktivität.- Pic Elite der ſozialiſtiſchen Arbeiter hat die Betäubung von 1933-1935 völlig übcrwunden. Sie hat die marxiſtiſche Ideologie als ſolche erkannt, weiß, daß die Maſſe an ſich keineswegs revolutionär iſt, denkt realiſtiſch und kritiſch, verwirklicht eine menſchlich reine Solidarität. Faßt man dieſe Erſcheinung zu einem Geſamtbild der Ideologie zuſammen, ſo läßt ſich ſagen: Die Loſungen dés Parteiprogramms der NSDAP haben ihren beherrſchenden Einfluß bei allen Teilen der Maſſe verloren. Zeitungen und Zeitſchriften der NSDAP werden mehr und mehr bedeutungslos. Es beginnt cin geiſtiger Neuaufbau. Er läßt das Vergangene vergangen ſein. Niemand will von den alten Parteien etwas miſſen. Die Menſchen ſuchen etwas Neues. Da ſich ihnen intellektuell vorderhand nichts bietet- da und dort finden lediglich einige anarcho=ſyndikaliſtiſche Theorien Anklang-, verwirklicht ſich ihr Streben nach ciner Überwindung der jetzigen Zuſtände in einer einfachen menſchlichen Moral. Die Macht der nationalſozialiſtiſchen Idee über die Ge= müter iſt gebrochen, nur ihr äußerer Zwang iſt geblieben. Natürlich iſt dieſer Prozeß, für den uns eine ganze Anzahl von Unterſuchungen aus dem rheiniſch= weſtfäliſchen Induſtriegebiet, Berlin, Hamburg, Sachſen, Mitteldeutſchland und Süddeutſchland zur Verfügung geſtanden haben, je nach dem Alter, der Struk= tur, der Geſchichte und Pſychologie der Induſtricarbeitermaſſe fehr verſchie= den, Es gibt Spielwarendörfer des Erzgebirges, in denen die Menſchen noch heute darauf hoffen, daß ihnen der Reichsſtatthalter Mutſchmann»a Häusl und a Kuh« ſchaffen werde, wie ſie vor 100 Jahren hofften, das große Los zu gewinnen, das ſie zwar nicht gekauft, von dem ſie aber geträumt hatten, Rothſchild habe es ihnen geſchenkt. Im Gegenſatz dazu exiſtieren Großbetriebe mit ciner deutlichen neuen politiſchen Aktivität.- Richten wir jeßt unſere Aufmerkſamkeit auf die bürgerliche Seite der In= duſtrie, ſo ſehen wir auch da neue Tendenzen. Die marxiſtiſche Ideologie hat dieſe Menſchen zur Bourgeoſie, zur»reaktionären Maſſe« erklärt. Die geſell= ſchaftliche Wirklichkeit iſt immer anders geweſen und hat ſich noch ganz anders entwickelt. Die deutſche Induſtrie iſt ſeit 30 Jahren viel mehr von ihren Angeſtellten und Syndici als von ihren Eigentümern verwaltet worden. Dieſe, die bezahlten Diener der eigentlichen Bourgeoiſie, waren die größten Scharf= macher, die Männer, die den Schneid des Reſerveoffiziers in die Betriebs= verfaſſung hineintragen wollten. lhre Zahl iſt durch die ſtaatliche Organiſation der Wirtſchaft um viel tauſend Akademiker und andere Intellektuelle vermehrt worden. Das ſind die ausgeſprochenen Nationalſozialiſten, vielfach»alte Kämpfer«, die es im bürgerlichen Leben bisher zu nichts gebracht hatten. In den Zeitungen und Zeitſchriften der Wirtſchaftsgruppen traten und treten ſie die Ideologie von der politiſch geſteuerten Wirtſchaft, vom gebundenen Unter= nelimer, vom deutſchen Sozialismus, von der ſozialen Ehre, vom ſtändigen Aufbau uſmw., breit, propagieren die unſinnigſten Behauptungen, im September 1937 z. B6., daß wirtſchaftliche Kriſen immer nur auf eine Parole der Frei= maurer hin ausbrechen, und ſchwelgen in Lobeshymnen auf den Vierjahres=- 44 — plan. Die alter Ehrengerichten die Inſtitution elbiſchen Guts] bleiben aber 9g in der ganzen| Was alle drei die politiſche F Wiſſen, viel fi ſichtsloſigkeit gegenüber der Arbeiterſchaft| eingeleitet, Er wie ein mode tinen Weg zu dafür, daß vo [charfmacheriſd wiſtiſchen Teni die Herſtellunc funktionären y ſtellung von A urteilt, aus de Hitlergrußes,| Mittel, die ih Angeſtellten d ſelben Ernüch durch, Sie ſe peangöbewvin rA den m Anſehen E tine Auf a: lei Än E binüberwechſe Was die beſtimmt die Ideologie am Umgekehrt,$ thzing habe) hung der pS 935 völlig weiß, daß ) kritiſch, uſammen, ben ihren ngen und s beginnt Niemand- 19 Neues, rt finden klicht ſich einfachen y die Ge- 1 iſt dieſer rheiniſch- 1land und der Struk- : perſchie- chen noh 4zusl und 3e Los 21 nt hatten/ oßbetricbe te der In- ologie hat pie gelell- oh ganz von ihren den- Pieſe/ en gcharf- getriebS- | niſation E oermehrt fach valte hatten, I treten ſie en Unte ſtändige" geptembe! der Frei“ yjerjahres“ SCRE R EPR SRT EIE EE UL LDR: Ts E N e 502 as SSR FF AUO ÉE ENTGE EICHER REM GE E plan. Die alten Scharfmacher jedoch, die keine Verantwortung vor ſozialen Ehrengerichten wünſchen, ſondern Herr im Hauſe bleiben wollen, akzeptieren die Inſtitution des Betriebsführers nach dem AOG., weil ſie der vom oſt= clbiſchen Gutshof übernommenen Inſtitution des Kompagniechefs entſpricht, bleiben aber gerade deshalb deutſchnational. Die Eigentümer ſchließlich.ſehen in der ganzen nationalſozialiſtiſchen Wirtſchaftspolitik nur den Bolſchewismus. Was alle drei Gruppen eint, iſt ihre völlig unpolitiſche Unterwerfung unter die politiſche Führung der Diktatur. Sie beſitzen viel gutes, aber grundſaßloſes Wiſſen, viel techniſches, aber kein konſtruktiv ſoziales Können, viel Rüclz= ſichtsloſigkeit gegen ſich und ihre Arbeit, aber ebenſoviel moraliſche Feigheit gegenüber der Diktatur. Die Rohſtoffſchwierigkeiten und die Gärung in der Arbeiterſchaft haben auch bei ihnen ſeit 1936 einen Prozeß der Differenzierung eingeleitet. Er iſt am ſtärkſten bei den Eigentümern, bei denen ſich ſo etwas wie ein moderner politiſcher Konſervativismus zu bilden beginnt. Er ſucht cinen Weg zurück, unwiſſend, daß es nie einen ſolchen gegeben hat, blind dafür, daß vor ſolchem Suchen die Worte»zu ſpät« ſtehen. Auch die alten ſcharfmacheriſchen Direktoren erſchreßen mehr und mehr vor-den bolſche= wiſtiſchen Tendenzen der nationalſozialiſtiſchen Sozialpolitik, ſie meinen, daß die Herſtellung eines patrimonalen Verhältniſſes zu den alten Gewerlzſchafts= funktionären eine Löſung bringen könnte. Betont zuvorkommende Ein= ſtellung von Arbeitern, die 1933/34 nach den damals niedrigen Strafſäßen ver= urteilt, aus den Gefängniſſen und Zuchthäuſern kommen und Ablehnung des Hitlergrußes, Bonhomie im Umgang mit Arbeitern und Angeſtellten ſind die Mittel, die ihnen für dieſe Löſung geeignet erſcheinen. Oie dritte Schicht, die Angeſtellten der Wirtſchaftsorganiſationen der Zwangs1wirtſchaft, macht den= ſelben Ernüchterungsprozeß wie die Amtswalter der Partei in den Betrieben durch. Sie ſchen, daß der deutſche Sozialismus in Wirklichkeit in einer Zwangsbemwirtſchaftung des Mangels beſteht. Aber ſie ſind meiſt zu jung und durch den müheloſen Erwerb der Macht, der für ſie Stellung, Einkommen,- Anſehen war, zu verdorben, um eine Kursänderung, die ja für jeden von ihnen cine Aufgabe der jetzigen Exiſtenz bedeuten würde, ernſtlich zu erwägen, es ſei denn, daß ſie in eine andere Stellung der Verwaltung oder der Wehrmacht hinüberwechſeln können. Was die leitende Oberſchicht einer Induſtrie an Gedanken beſitzt, beſtimmt die wirtſchaftliche Kultur der Geſellſchaft. Parum darf in ihr die Ideologie am wenigſten Raum einnehmen. Im faſchiſtiſchen Peutſchland iſt es umgekehrt. Selbſt die neuen Erfindungen der Zellwolle und des ſynthetiſchen Benzins haben zur Steigerung der Ideologie des Pünkels abſoluter wirtſchaft= licher Überlegenheit beigetragen. Menſchen, die ſich von der Weltwirtſchaft ſelbſt ausgeſchloſſen haben, gehen mit der Gebärde des Weltgebieters umher. Leute, die wiſſenſchaftliche Erkenntniſſe, wie die über die Kriſen als Freimaurer=z parolen verſpotten, gefallen ſich in der Geſte des Entdeckers neuer Wahr= heiten. Paraſitäre Elemente, wie die für eine kapitaliſtiſche Wirtſchaft objektiv überflüſſigen Angeſtellten der Zwangswirtſchaft, behaupten, Agenten einer ncuen Wirtſchaftsform zu ſein. Männer, die ſchon Milliardenbeträge ſchulden, reden cinem unbegreiflich ſparſamen Volke ein/ Rüſtungsanleihen, für die die 4 45 m LUA A dis Baiba L196. Lavis ud Bit D i E— & Zinſen nicht nur den Anleihezeichnern ſelbſt durch Steuern, ſondern ſchließlich von allen mit dem Leben auf dem Schlachtfeld bezahlt werden müſſen, ſeien nicht Kapitalvernichtung, ſondern die beſte Kapitalanlage. Wenn etivas dieſe Ideologie der mirtſchaftlich leitenden Oberſchichten Deutſchlands kennzeichnet, ſo iſt es ihre durchgängige Verlogenheit, der Selbſtbetrug, der die Selbſtver= nichtung ihrer Träger provoziert. Sich ſelbſt betrügen, um ſich dadurch von anderen beherrſchen zu laſſen, das iſt eine Spitzenleiſtung der lebensfeindlichen geſellſchaftlichen Wirkung der Ideologie. 3. Ole politiſche Maſſe Nicht die Bauern und nicht der Mittelſtand, ſondern dieſe in den Städten jederzeit zu mobiliſierenden Maſſen der Induſtrie und ihrer Nebenglieder in der Wirtſchaftsverwaltung ſind es, die der Diktatur bei den großen Kund= gebungen den Anſchein der Volksherrſchaft geben. Als Werkzeug der Politik bilden ſie die eigentliche politiſche Maſſe. Pieſe politiſche Maſſe iſt von-der Induſtriemaſſe in mehrfacher Hinſicht ganz verſchieden. Sobald die Menſchen aus der Induſtriemaſſe als politiſche Maſſe auf die Straßen und Pläße getrieben werden, verſchwinden alle ſtrukturellen Unterſchiede, die die Fabrik, das Büro, die Behörde noch aufweiſen. Es gibt nur noch»Arbeitskameraden, Volksgenoſſen«. Zeitung und Radio nivellieren Denken und Fühlen. Die körperliche Anſtrengung des Marſchierens ruft eine primitive Kameradſchaftlichkeit hervor. Die Flüſterzeitung verbreitet Ver= mutungen über das bevorſtehende Ereignis, Gerüchte über angebliche Ge= ſchehniſſe gehen von Mund zu Mund. Die Vernünftigen ſchweigen ganz, andere ergehen ſich in der Privatatmoſphäre ihrer Schrebergartenintereſſen, Klein= tierzucht uſw. Für viele gibt der Sport ein ausreichendes Geſprächsthema ab. Die Frontſoldaten fangen an, Kriegserlebniſſe zu erzählen und verſinken danach in dumpfe Erinnerungen an die Toten. Der Aufmarſch der Würdenträger des Regimes erregt Neugier, Sympathie, Antipathie, Ernſt und Spott. Keine der Reden mird verſtandesgemäß aufgenommen, niemand weiß genau, was»er« eigentlich geſagt hat. In Abgeſtumpftheit und Müdigkeit vergeht das Ende des Tages. Das ideologiſche Erlebnis einer ſolchen Maſſenkundgebung unter der hit= leriſchen Diktatur läßt ſich zuerſt in den Witßen zuſammenfaſſen, die am fol= genden Tage Rurſieren. Der politiſche Wit iſt ja nichts Neues. Er hat unter Bismarck den»Kladderadatſch«, unter Wilhelm Il. den»Simpliziſſimus« be= rühmt gemacht. Er iſt auch nicht auf die Maſſenkundgebung beſchränkt. Wie unter Wilhelm II. die Mehrzahl der Wiße in den Offizierkorps der feudalen Kavallerieregimenter entſtand, ſo kommen heute die meiſten Göring= und Goebbels-=Witze aus SS und SA, die meiſten Hitler=Witze aus Wirtſchaft und Bürokratie. Aber die Wiße nach einer Maſſenkundgebung ſind doch etwas anderes: ſie beſagen in leicht faßlicher Form, was die»Maſſe« denkt. Natür= lich denkt immer nur ein einzelner. Mögen bei dieſem Anlage, Einfall, Humor, Ironie uſr. die Quelle des Witzes ſein-, indem die Maſſe den Wißt akzeptiert, variiert, pointiert, ſtimmt ſie der politiſchen Ablehnung des ganzen Theaters, 46 | auf dem ſie ſelb heit? Auch weni! Maſſe ſelbſt nid lronie, Und ſtat! dieler Erlaubnis Diktatur, Schon 1937 konnte d Deutſchland vert gemeinden die| umhergetragen Die zweite id iſt das Schimpf das Unterdruck machen, Nie, n viel geſchimpft| lolgen den Schi dieſer Ideologie) über paſſiv ble] tinmal ordentli ruhigt, Und m önnen, Die dritte y; Fataliomus, Die Antwort, Die konſtruktives, Phyſiſches»fg« Frage nach dey: erfreuen ſich Sekauft, Die D; regiert der Gla Menlchen der y | ſchließlich ifſen, ſeien ‘tivas diele nnzeichnet, - durch von feindlichen en Städten eder in der zen Kund- der Politik nſicht ganz iſche Maſſe rukturellen en, Es gibt nivellieren g ruft eine reitet Ver- bliche Ge- anz, andere ſen, Klein- thema ab- ken dana 1träger des Keine der as»el'« das Ende er der hit- ie am fol- y hat unter be- ſimuB“ ränkt- Me er feudalen - 10 ring d och etwas o: Natür- ill, Hum0"/ n Theater® auf dem ſie ſelbſt mitgeſpielt hat, zu. Wo liegt hier die Grenze der Bervußt= heit? Auch wenn aus der Maſſe ein Wis kommt, beweiſt dieſer, daß ſich die Maſſe ſelbſt nicht ernſt nimmt. Peshalb erlaubt die OPiktatur der Maſſe die Ironie. Und ſtatt gegen die Oiktatur Stellung zu nehmen, macht die Maſſe von dieſer Erlaubnis Gebrauch, unterwirft ſich damit der politiſchen Führung der Piktatur. Schon die Satire würde die Diktatur niemals geſtatten. Zum Faſching 1937 konnte die Münchener Faſtnachtzeitung in einer Millionenauflage in Deutſchland verkauft werden. Gleichzeitig wurden in einigen rheiniſchen Land= gemeinden die Menſchen, die im Karneval Puppen von Hitler und Goebbels umhergetragen hatten, zu Hunderten verhaftet. Die zweite ideologiſche Form; in der die Maſſe als politiſche Maſſe reagiert, iſt das Schimpfwort. Das Schimpfwort iſt immer das Ventil geweſen, durch das Unterdrückte, die vor ihren Herren kuſchen mußten, ihrer Wut Luft machen. Nie, noch nicht einmal während des Krieges, iſt in Peutſchland ſo viel geſchimpft worden, wie unter der Diktatur. Verwünſchungen und Flüche folgen den Schimpfworten auf dem Fuß. Rachephantaſien ſind der Gipfelpunkt dieſer Ideologien. Es iſt eine Ideologie, nicht nur, weil ſie der OPiktatur gegen= über paſſiv bleibt, ſondern dieſe Paſſivität zur Vorausſezung hat. Wer ſich einmal ordentlich ausſchimpfen durfte, iſt dann wieder für einige Zeit be= ruhigt, Und mehr als Paſſivität. braucht keine OPiktatur, um regieren zu können. Die dritte und elendeſte Form von Ideologie der politiſchen Maſſe iſt der Fatalismus. Die oft geſtellte Frage, wann»es« anders wird, erhält keine Antwort. Die politiſche Maſſe ſieht keine oppoſitionellen Führer, beſitzt kein konſtruktives, politiſches Programm, mwartet auf ein Wunder, ein metas phyſiſches»es«. Aſtrologie, Hellſeherei ſind die Mittel, mit denen Tauſende die Frage nach der Zukunft zu beantworten verſuchen. Die aſtrologiſchen Zeitungen erfreuen ſich hoher Auflagen, Wahrſagekalender werden in ſteigendem Maße gekauft. Die Paſſivität iſt vollendet. Fernab von jedem politiſchen Intereſſe regiert der Glaube an die überſinnliche Macht der Runen und Sterne die Menſchen der Maſſe. So lebt die politiſche Maſſe der faſchiſtiſchen Oiktatur, glaubend, ſchimp= fend, witelnd. Aber auf die Pauer könnte damit ſelbſt ein Hitler nicht aus= kommen. Deshalb hat er ihr mit dem Motto»Freut euch des Lebens« den 1. Mai als Nationalfeiertag und»Kraft durch Freude« gegeben. Pas iſt der »deutſche Sozialismus«. Der 1. Mai ertrinkt ſeit Jahren in Deutſchland im Alkohol.»Kraft durch Freude« iſt ein exakt organiſierter Maſſenbetrieb, der nahezu jeden individuellen Naturgenuß ausſchließt. Natürlich meint niemand, daß das etwas mit Sozialismus zu tun hat. Aber es wirkt lähmend auf Mil= lionen von Menſchen. Das Freibier am 1. Mai und die[lluſion, für 50.- RM nach Madeira fahren zu können- nicht alle ſehen, daß der übrige Teil der Reiſekoſten von der Deutſchen Arbeitsfront, alſo den Arbeitern ſelbſt bezahlt wird,- erzeugen einen Geiſt der Servilität, der oft gerade die alten Gewerk= ſchaftler am meiſten entmutigt. Es iſt der Widerſpruch auf der höchſten Potenz: aus einbehaltenen Zwangsbeträgen wird eine Inſtitution finanziert, die eine 47 ideologie zu ſchaffen erlaubt, welche die Unterdrücker noch als Wohltäter preiſt! Es iſt ein Widerſpruch, der nach Löſung ſchreit. Dieſe Löſung hat die Diktatur bisher in ihren außenpolitiſchen Erfolgen gefunden. Sie ſetzten für die Diktatur rechtzeitig mit dem Jahr 1935 ein. Saar= abſtimmung, allgemeine Wehrpflicht, Rheinlandräumung, Intervention in Spanien, Muſſolini-=Beſuch in Deutſchland, erweckten bei der politiſchen Maſſe den Eindruck, daß»Deutſchland in der Welt voran« iſt. Damit wiederholte ſich die Perſpektive der inneren Politik- keine oppoſitionellen Führer, kein oppoſitionelles Programm- in der äußeren: der Faſchismus kann alles, er handelt, während die anderen reden. Per Völkerbund, ſchon in der Weimarer Republik bei den Maſſen faſt unbekannt, wird zu einem Herbſtgeſpenſt am Genfer See. Ob die Diktatur künftig noch ſolche Löſungen hat, iſt eine politiſche Frage, die für dieſe ſoziologiſche Unterſuchung nicht zu beantworten iſt.- Natürlich beſitzt die Ideologie der politiſchen Maſſe in der Diktatur keiner= lei Konſiſtenz. Gleichgültigkeit, Demütigkeit, Wiße, Flüche an Stelle von Er= zenntnis= und Werturteilen ſind nicht die intellektuellen und ſeeliſchen Energien, auf die man für die Dauer cine politiſche Herrſchaft aufbauen kann. Aber ſie können nur durch cine neue, kämpfende politiſche Klaſſe überwunden werden, die die Diktatur vernichtet und eine neue politiſche Maſſe ſchafft, die politiſche Maſſe der Demokratie. Dieſe wird eine organiſierte, ſich ſelbſt ver= waltende, aufgeklärte und urteilsfähige Maſſe ſein müſſen. Oie Umriſſe dieſer neuen politiſchen Klaſſe aber erſcheinen in Deutſchland bereits in dem Prozeß, den wir in der Induſtriemaſſe als den Prozeß der Selbſtbefreiung von einer längſt überſtändigen vulgär=marxiſtiſchen Ideologie, als den Verſuch, eine neue Idee des Sozialismus zu finden, dargelegt haben. IV. Ideologie und Jugend 1. Oie Erlebnisſchichten der Jugend Vor der Errichtung der Diktatur war»die Sendung der jungen Generation« cines der am meiſten diskutierten Probleme. Durch die Vergreiſung der bür= gerlichen Parteien und der Sozialdemokratie beſonders gereizt(in der ſozial= demokratiſchen Reichstagsfraktion hatten die Abgeordneten ein OPurchſchnitts=- alter-von 56 Jahren), bezeichnete ſich die nationaliſtiſche Revolution gern als die Revolution der Jugend. Verſteht man unter»Jugend« die Altersklaſſen zwiſchen dem 18. und 28. Lebensjahr, ſo ergibt ſich, daß im Gegenſatz zur franzöſiſchen und ruſſiſchen Revolution, die viele jugendliche Miniſter und Generäle beſeſſen haben, nicht ein einziger Angehöriger ein ſolches Amt be= kleidet. In den früheren Stellen findet man noch nicht einmal die eigentliche Kricgsgeneration, die Männer der Jahrgänge 1890/1900; ſie blieb auf Poſten in der Partei(SS, SA) beſchränkt. Die jüngſten Männer der Reichsregierung gehören mit ihrem Geburtsjahr dem Zeitraum von 1880/90 an. Der Krüppel Goebbels(geb. 1897) kann nach den eigenen Maßſtäben der NSDAP nicht als Angehöriger der Kriegsgeneration gelten, weil ihm das- Fronterlebnis fehlt. 48 Dieſe Tatſa Jugend falſch _perſteht, Aber durch das pſy Allerdings iſt ideell über et die ihren Impi ſcheint logar| die Bonapartil ſchaftler im J: bis ans Ende eine»Generat dieler Jahrzeh der Jahre 191 in dieſe Zeit| ung, einen 91 lönlichkeit pr Da iſt zun - Ländern über | krieges nie v lehr glücklich, Menſchen, die Erde zu ſchaf abei nuy i faltung, ln il Kein militär lenſt, keine ; leidlos von die ewi gen ſich als Land Wohltäter 1 Erfolgen ein, Saar- ention in chen Maſſe piederholte ihrer, kein n alles, er Weimarer eſpenſt am e politiſche 1 iſt,- fur keiner- le von Ér- ſeeliſchen zuen kann. berwunden ſchafft, die ſelbſt ver- iſle dieſer em Prozeß, pon einer ruh, eine ¡eneration“ q der bür- ‘der ſozial rchlchnitts- n gern als (tersklaſlen egenlaß zur Dieſe Tatſachen beweiſen, daß die Behauptung von der Revolution der Jugend falſch iſt, wenn man darunter ein An=die-=Macht-kommen der Jugend verſteht. Aber ſie iſt richtig in dem Sinn, daß die nationaliſtiſche Revolution durch das pſychologiſche und politiſche Schwergewicht der Jugend erfolgte. Allerdings iſt dieſe Jugend nicht eine»Generation«, d. h. eine zeitlich und ideell über etwa 3 Jahrzebnte geſchloſſene Handlungseinheit von Menſchen, die ihren Impuls aus der Jugendlichkeit ihrer Angehörigen empfängt. Es er= ſcheint ſogar fraglich, ob es ſo etwas jemals gegeben hat. Möglich, daß ſich die Bonapartiſten auch 1830, nach der Julirevolution, die deutſchen Burſchen= ſchaftler im Jahre 1848/49, die Kämpfer des amerikaniſchen Sezeſſionskrieges bis ans Ende des 19. Jahrhunderts und die proſperious Victorians ſtets als eine»Generation« empfunden haben. Das mag mit dem langſameren Tempo dieſer Jahrzehnte zuſammenhängen. Die ungeheure Dramatik und Dynamik der Jahre 1914/34 hat jedenfalls verhindert, daß die Menſchen, deren Jugend in dieſe Zeit fällt, ein gemeinſames Zeitgefühl, eine gemeinſame Weltanſchau= ung, einen gemeinſamen Lebensſtil haben. Denn die Erlebniſſe, die ihre Per= ſönlichkeit prägten, ſind grundverſchieden. Da iſt zunächſt die Kriegsjugend. lhre innere Verfaſſung ſtimmt in allen Ländern überein. Es ſind meiſtens Menſchen, die den ſchweren OPruck des Krieges nie verwinden werden, körperlich und ſeeliſch leidend, beruflich nicht ſehr glücklich. Aber es gibt unter ihnen zwei Ausnahmen. Die eine bilden die Menſchen, die 1918 ungebrochen nach Hauſe kamen. Feſten Willens, eine andere Erde zu ſchaffen, ſtellten ſie ſich der Republik zur Verfügung. Leider kamen dabei nur wenige vor den Alten, die den Weg verſperrten, zur vollen Ent= faltung. In ihrer Geſamtheit ſind ſie unter der Diktatur die Unglücklichſten. Kein militäriſcher Rang, kein durch noch ſo hohe Orden ausgezeichnetes Ver= dienſt, keine Verwundung oder-Verkrüppelung hat ſie davor bewahrt, mit= leidlos von der Diktatur weggejagt zu werden. Pie andere Ausnahme ſind die ewigen Soldaten, die bis zum Zuſammenbruch des Hitlerputſches 1923 ſich als Landsknechte in Deutſchland herumtrieben, dann entweder in aller Herren Länder zu Felde lagen oder in halber Berufsloſigkeit als Gutsinſpek= toren, Vertreter uſw. irgend etwas taten, bis ihnen von 1929 ab der neue Auf= trieb der NSOAP das alte Soldatenleben in SS und SA wieder brachte. Sie ſtellen heute die Mehrheit der SA= und SS-Führer. lhre Ideologie iſt der ewige Krieg, zum mindeſten der ewige Bürgerkrieg gegen den Marxismus, der ihnen in ihrer Vorſtellungsweiſe durch ſeinen Dolchſtoß die Karriere verdarb. Die unmittelbaren Nachkriegsjahrgänge 1901/05 übertrumpfen dieſe Ideolo= gie noch. Sie, die 1918 Vierzehn= bis Achtzehnjährigen, ſind während des Krieges im übelſten Chauvinismus erzogen worden. Oie Republik hat ihnen ein abenteuerlich erträumtes Heldenleben verunmöglicht. Ihre Studien waren weltanſchaulich richtungslos, wiſſenſchaftlich liederlich. Pie revolutionären Kämpfe und Streiks der Jahre 1919/20 zogen ſie in den tollen Wirbel der Gegenrevolution. Die Inflation ſtellte ſie vor das Nichts. Hitler war der erſte, der ihnen ein Ziel gab. War es auch nur ein negatives, ein reſſentiments= und haßerfülltes Ziel, ſo entſprach es doch vollſtändig ihrer inneren und äußeren Lage. Sie ſind die erſten wirklichen Faſchiſten,/ die Putſchiſten von 1923. Heute- 4 Gegen den Strom 49 ſtellen ſie im Apparat der Diktatur den agreſſivſten Teil dar. Von der Republik mit geringen Anfangsgehältern kurz gehalten, führen ſie in der Piktatur ein Herrenleben. Die Phraſeologie der Diktatur iſt nicht nur ihre Ideologie, ſondern auch ihr Idol. Pie Jahrgänge 1906/10 ſind 1924 proletariſch in die Berufslehre, bürgerlich ins-Studium getreten. Ihre Jugend fällt in die wirtſchaftliche Proſperität. Es war eine feiſte, hochbürgerliche Zeit, die auch proletariſchen Oberſchichten eine recht gehobene Lebensführung ermöglichte, gewiß keine gute Zeit für junge Menſchen, die Ideale haben. Die Kriſe von 1930 traf dieſe Menſchen überaus hart. In den Fabriken wurden ſie zuerſt entlaſſen, in den Schulen und Büros ſchloſſen ſich vor ihnen durch den Abbau alle Türen. lhre Jahrgänge waren 1932 faſt ohne Ausnahme arbeitslos. Von ihnen ſtrömten auch die Arbeiter in beträchtlicher Zahl zu Hitler. Als»alte Kämpfer« fanden ſie bei Hitler ſchnell wieder Stellung. Einige von ihnen brachten es vom Referendar zum Staatsſekretär, vom Aſſeſſor zum Oberlandesgerichtspräſidenten. lhre Ideo= logie iſt der»deutſche Sozialismus«. Pie Jahrgänge 1911/15 ſind von ihnen durch den Akzent verſchieden. Gerade berufsfähig, wurden dieſe Jahrgänge 1930 von der Kriſe überraſcht. Sie haben ſie genan ſo erlebt wie die vorhergehenden Jahrgänge, nur noch jugendlicher, dramatiſcher, heroiſcher. Sie verbinden die Ideologie des»deutſchen Sozialis= mus« mit der Tradition der Kampfzeit der Partei, die- per aſpera ad aſtra- durch den Sieg gekrönt wird, durch den Erfolg geheiligt iſt. Ganz anders iſt die Erlebnislage der Jahrgänge 1916/20. Sie erlebten die Republik als Kinder, frei vom Reſſentiment des verlorenen Krieges. Ihre Schul= zeit war z. T. recht glücklich. Vielen ihrer Eltern hat die Diktatur nur Unglück gebracht. Sie haben keine Ideologie: Der der Jugend natürlicherweiſe ange= borene Oppoſitionstrieb gegen das Beſtehende richtet ſich bei ihnen gegen die Diktatur, gegen den Drill, gegen die Unfreiheit. Der Kampf um die Selbſt= beſtimmung ihrer Individualität iſt nur als Teilakt des Kampfes um die Be= freiung von der Diktatur möglich. 2. Der ſoziologiſche Standort der Jugend 1933 haben die Jahrgänge 1901/15, zahlenmäßig der Kriegsjugend weit überlegen und ideologiſch von Jahrgang zu Jahrgang in ſteigendem Maße betont faſchiſtiſch, den Staat geſtürmt und ſeine alte und neue Bürokratie als Beute unter ſich verteilt. Das Geheimnis ihres Erfolges liegt nicht nur in der Übereinſtimmung ihrer Erlebnismaſſe mit der Ideologie der Diktatur, ſondern vor allem in der Tatſache, daß ſie ihren andersdenkenden Alters= genoſſen zahlenmäßig weit überlegen waren. Schließlich iſt die nicht=faſchiſtiſche Jugend Deutſchlands in unzählige Gruppen zerſplittert und in den nicht= faſchiſtiſchen Organiſationen zum Schweigen verurteilt geweſen, alſo im Kampfe gegen den Faſchismus geiſtig und politiſch bedeutungslos geblieben. Nicht einer von ihnen hatte die Möglichkeit, im Reichstag der ſeit 1930 kompakten Maſſe jugendlicher Naziabgeordneter entgegenzutreten; die Jüngſten, die gegen ſie zu Worte kamen, waren eiïnige ſozialdemokratiſche und kommuniſtiſche Kriegsreſerveoffiziere, die dafür ſchwer büßen mußten bzw. müſſen. 50 Aber die i heute für die den Standort d zur Ideologie 1 Die ſoziolo: triebe, die Uni Betrieben hab entweder durd fehlen, wie da Arbeits- und numerus clauſ ein erhebliches allo im Reichs: Der Heeres ey beſißt dazu von lchäßunge dieſe Jugend) dem Rahmen iſt ihre Ideolo, nicht die ldeo traliſchen Miſc »Die Wehr Deutſche R und[einer reichen Ve ſcher Arb: Volke,« Denn di Wichtig E ſie im Abſchn Ienerweiſun !e Luftwaffe äftoverkehy Manzdienſt Wie die»Pflic| ſchen ſie das| Allgemeine Republik tatur ein , ſondern ürgerlich erität, Eo hten eine für junge | überaus nd Büros ge maren Arbeiter ei Hitler ndar zum hre Ideo- n, Gerade Sie haben endlicher/ Sozialis=- 1d aſtra- lebten die pre Schulz r Unglück eile ange- je Selbſt- n die Be- zend ¡eit jem Maße kratie als ht nur in piktatur/ n Alters aſchiſtiſh? nicht- Aber die Jugend lebt ſchnell. Die vor 5 Jahren noch Stürmer waren, ſind heute für die Jugend mit dem Geburtsjahr 1916 und ſpäter Bonzen. Es gilt den Standort der Jugend zu beſtimmen, wenn man vom Verhältnis der Jugend zur Ideologie unter der Diktatur ſprechen mill. Die ſoziologiſchen Standorte dieſer Jugend verteilen ſich 1937 auf die Be= triebe, die Univerſitäten, den Reichsarbeitsdienſt und die Wehrmacht. In den Betrieben haben die Jugendlichen kein ſoziales Eigengewicht. Ihre Zahl. iſt entweder durch den Geburtenausfall der Jahre 1916/19 ſehr gering, oder ſie fehlen, wie das für die Jahrgänge 1912/15 zutrifft, durch die Einziehung zum Arbeits= und Heeresdienſt faſt ganz. Auch die ſtudierende Jugend, durch den numerus clauſus ſowieſo ſchon dezimiert, muß für dieſe beiden Dienſtformen ein erhebliches Kontingent ſtellen. Das Schwergewicht des Jugendlebens liegt alſo im Reichsarbeitsdienſt und im Heeresdienſt. Der Heercsdienſt erfaßt pro Jahr rund 900 000 jugendliche Wehrpflichtige, ey beſizt dazu ein Unteroffziers= und Offiziersperſonal in jugendlichen Jahren von ſchäßzungsweiſe weiteren 100000 Menſchen. Welche politiſche Bedeutung dieſer Jugendmaſſe bewaffneter Menſchen zukommt, iſt eine Frage, die aus dem Rahmen dieſer ſoziologiſchen Unterſuchung herausfällt. Gerade deshalb iſt ihre Ideologie von dem größten wiſſenſchaftlichen Intereſſe. Natürlich iſt es nicht die Ideologie der»Pflichten des deutſchen Soldaten«, die in einer theaz traliſchen Miſchung von falſchem und wahrem beſtimmen: »Die Wehrmacht iſt der Waffenträger des deutſchen Volkes. Sie ſchützt das Deutſche Reich und Vaterland, das im Nationalſozialismus geeinte Volk und ſeinen Lebensraum. Die Wurzeln ihrer Kraft liegen in einer ruhm= reichen Vergangenheit, in deutſchem Volkstum, deutſcher Erde und deut= ſcher Arbeit. Der Dienſt in der Wehrmacht iſt Ehrendienſt am deutſchen Volke.« Denn dieſe Pflichten werden von der deutſchen Wehrmacht nicht allzu wichtig genommen. Im»Taſchenbuch für die Offiziere des Heeres 1937« ſtehen ſie im Abſchnitt»Allgemeine Dienſtangelegenheiten« mit Vorſchriften über die Ehrecnerweiſungen und die Leibesübungen zuſammen. Pas»Taſchenbuch für die Luftwaffe 1937/38« faßt ſie mit Beſtimmungen über den Urlaub, den Ge= ſchäftsverkehr, die Behandlung von Todesfällen und den Aufwarte= und Or= donanzdienſt zu einem Abſchnitt»Innerer Dienſtbetrieb« zuſammen. So wenig wie die»Pflichten« an der Spitze dieſer Taſchenbücher ſtehen, ſo wenig beherr= ſchen ſie das Denken der Maſſe der jugendlichen Soldaten. überhaupt liegt das allgemeine Niveau dieſes Denkens ſehr tief. Die meiſten dieſer jungen Sol= daten haben ihre Berufslehre oder die Oberſtufe der höheren Lehranſtalten vom April 1933 bis März 1937 abſolviert. Das maren die Jahre endloſer Feiern, Feſte, Kundgebungen, Märſche, die Jahre des Einbruchs der Hitlerjugend mit ihrém rein körperlichen Dienſtbetrieb in das Schulleben und der Militariſie= rung des Schulbetriebs. Viele haben nur ein Jahr in der Prima geſeſſen und ein Abitur gemacht, das ſich nicht merklich über die Oberſekundareife erhebt. Zudem iſt den meiſten durch die NSOAP eine tiefe Verachtung für das Wiſſen eingeimpft worden; es wurde ihnen gelehrt, daß es nur auf Charakter an= komme, der ſich aus raſſereinem Blut von ſelbſt ergäbe. Von überall, vom 51 Kriegsminiſterium, dem Direktor der Kriegsſchulen, den Heerespſychologen, den Truppenkommandeuren ertönen die Klagen, daß die Bildung der Soldaten, beſonders der Anwärter für den Offiziersberuf, zu gering ſei. Man hört, daß oft Aufgaben der unteren Truppenführung nicht gelöſt werden können, weil es an geographiſchen Kenntniſſen für die militäriſche Kartographie, an phyſi= kaliſchen und mathematiſchen Kenntniſſen für Balliſtik und Waffentechnik und an einer allgemeinen Reife des Urteils, die ſich aus der fremdſprachlichen und literariſchen Bildung ergibt, fehlt. Auf dieſem geſunkenen Denkniveau exiſtiert aber auch nichts von der Parteiideologie. Sie iſt meiſtens geradezu verpönt. Da ſchließlich die Geſchichte der Traditionstruppenteile nur mühſam gelehrt und begriffen wird, ergibt ſich für das Denken der Soldaten zwiſchen 19 und '24 Jahren eine ungeheure Leere, die, obgleich die körperlichen Anforderungen des Waffendienſtes oft ſpielend erfüllt werden, nur einen Wunſch kennen: den Waffenrock ſchnell wieder auszuziehen. Bis dahin muß die Langeweile die mehr oder weniger als ſinnlos empfundenen Jahre überdauern. Im Reichsarbeitsdienſt ſind dieſe Dinge noch ſchlimmer. Da Sport und körperliche Arbeit für die heutige Jugend keine Probleme ſind und der Unterricht über Parteiprogramm, Raſſe, Verſailler Vertrag uſw. nur die ſchon überall gehörten und geleſenen Fragen wiederholt, außerdem der Vortrag infolge eines kataſtrophalen Mangels an geeigneten Kräften ſehr ſchlecht iſt, wird das ganze im Arbeitsdienſt von der Jugend erſt gar nicht: ernſt ge= nommen. Ganz anders ſind die Verhältniſſe an den Univerſitäten. Oie Mehrzahl der Studenten iſt begabt genug, um den Unterſchied zwiſchen Wiſſenſchaftlichkeit und Ideologie zu erkennen. Sie boykottiert die Fälſcher und Ideologen, ſabo= tiert nach Möglichkeit den unakademiſchen Dienſtbetrieb, flieht aus dem NS= Studentenbund, verulkt die Parteiideologen in den Prüfungsämtern als»völ= Riſche Beobachter«, verſucht abſeits der Univerſitäten ein eigenes geiſtiges Leben zu führen. In den Betrieben, wo der Reſt der Jugend, der nicht im Arbeits= und Heeresdienſt ſteckt, ſeit einem Jahr in die Werkſcharen gezwungen mird, ſind beſtimmte Tendenzen noch nicht erkennbar. 3. Jugend und Nation Seit jeher geht das Gefühl der Jugend ins weite und allgemeine. Es iſt die Grundlage des jugendlichen Idealismus. Die Diktatur hat verſucht, dieſem Gefühl zuerſt und zumeiſt die Form des Nationalgefühls zu geben. Aber in völliger Verkennung der Pſychologie der Jugend wählte ſie dafür nicht eine idealiſtiſche, ſondern grob materialiſtiſche Grundlage: die Lehre von der Raſſe. Die Diktatur iſt damit nicht bei der Doktrin ſtehengeblieben, ſondern hat dieſe durch Ahnenforſchung und Erbgeſundheitspflege der Jugend praktiſch, handgreiflich demonſtriert. Aber die Ergebniſſe der Ahnenforſchung ſind nicht „immer ermutigend, ſondern öfter als man annimmt deprimierend. In dem faiſchen Stolz, den ſie erzeugen, wirken ſie geradezu verdummend. Die Frage= bogen, die zur Erbgeſundheitspflege ausgegeben werden, laſſen an ſexuellen 52 I Ï Dingen nichts Lektüre, die d Überſteigerun Und dieler b| geſundes Nati wird nun, n erlefenen Voll geneſen«(way Loſung»am Auf derſel! welcher Scha Sexualität gen denken als d ſie bringen, friedigung 91 Eros, in dey Form des n; nicht nur jede nation lieger Jugend, Echter Jus kann das Ey ſteigt die Lie von Religio( Mologie ur die religiöſer Stärke auf d Beiſpiel darſt 1e allgeme] Unſerem Auf chrgang 19 tieſſtey Eindy mung üb dr vie Mttlan e DeR Pfar die NSDAp 7 Meinde hologen, Soldaten, ört, daß nen, eil an phyſi- hnik und chen und 1 exiſtiert verpönt. n gelehrt 1 19 und derungen kennen: ngeweile ort und und der die ſchon Vortrag hlecht iſt, ernſt gez rzahl der ¡ftlichkeit en, ſabo- dem NS- als»vôl- geiſtiges jts- und ird, ſind fs iſt die t, dieſem | Aber in zicht eine von det dern hat praktilÞ ſind nicht In dew ie Fragt "eguellen Pingen nichts an Deutlichkeit zu wünſchen übrig. Sie ſind in der SS eine Lektüre, die den naturaliſtiſchen Liebesroman mehr als erſetzt. So wird eine UÜberſteigerung der Sexualität, in die ſchließlich alles einmündet, gezüchtet. Und dieſer bis in krankhafte Überreizung gehende Gemütszuſtand ſoll als geſundes Nationalgefühl gelten. Denn aus dieſem gröbſten aller Materialismen wird nun,- mit Vorgeſchichtsmythen vermengt, ein Bewußtſein vom aus= erlcfenen Volk gemacht, das das Wort»Am deutſchen Weſen ſoll die Welt geneſen«(was immer noch etwas geiſtigen Klang hatte) umgedeutet in die Loſung»am ariſchen Blut ſoll die Welt geſunden«. Auî derſelben Baſis erwächſt der Antiſemitismus. Es iſt bekannt, mit welchei Schamloſigkeit der Hitlerismus die Judenfrage zu einer Frage der Sexualität gemacht hat. Es läßt ſich nicht leicht eine ſchmutzigere Pornographie denken als die Bilder, Angeſtelltenbriefe und Prozeßberichte des»Stürmers« ſie bringen. Hier wird der ſexuellen Phantaſie der Jugend eine ungeahnte Be= friedigung geboten. Indem ſie ihren Sexualtrieb, weit entfernt von jedem Eros, in der Kloake befriedigt, wird ihr eingeredet, ſie erwerbe eine höhere Form des nationalen Lebens. So zerſtört die Raſſenideologie der Diktatur nicht nur jedes Empfinden für die hohen Werte, die im Gedanken der Kultur= nation liegen, ſondern zuletzt direkt die urſprünglichſten Lebenskräfte der Jugend, 4. Jugend und Religion Echter Jugendlichkeit, die im Gefühl ſchwärmeriſch ans Höchſte ſchweift, kann das Erlebnis der Religion nicht verſchloſſen bleiben. Aus dem Eros ſteigt die Liebe. Menſchen= und Gottesliebe finden in der Jugend jede Form von Religioſität, Verſtand und Vernunft daraus jede Form von kirchlicher Theologie und philoſophiſchem Atheismus. Es iſt deshalb kein Zweifel, daß die religiöſen und antireligiöſen Bewegungen der letßten Jahre mit beſonderer Stärke auf die Jugend gewirkt haben. Wie das geſchah, wollen wir an einem Beiſpiel darſtellen. Das Beiſpiel dürfte in dieſem Fall beweiskräftiger ſein als die allgemeine Erörterung des ſoziologiſchen Materials, das wir ſonſt in unſerem Aufſat den allgemeinen Ausführungen zugrunde gelegt haben. Es handelt ſich um eine Mädchenfſchulklaſſe in einer Handelsſchule aus dem Jahrgang 1919. Als die Deutſchen Chriſten 1933 ſich der evangeliſchen Kirche bemächtigten, folgten die Mädchen natürlich dieſer neuen Bewegung. Ihr tieſſter Eindruck von ihr war der Gottesdienſt, der am Tage der Volksabſtim= mung über Oeutſchlands Austritt aus dem Völkerbund am 12. November 1933 ſtattfand. In dieſem mußten die jungen 14-15jährigen Mädchen hören, wie der Pfarrer in der Predigt dazu aufforderte, mit»Ja« zu ſtimmen. OPurch die NSDAP ſorglich vorbereitet, erhob ſich bei dieſen Ausführungen die Ge= meinde von ihren Sitzen. Oer Pfarrer erklärte das als Zuſtimmung. In den nächſten Tagen gaben die Mädchen ihrer Lehrerin gegenüber den zwie= ſpältigen Gefühlen, die ſie bewegten, Ausdruck, Einige wenige bejahten dieſes »deutſche Chriſtentum«, die meiſten lehnten ſich dagegen auf. Im unmittel= baren Zuſammenhang damit wurden die Elberfelder Beſchlüſſe der 1. Synode der bekennenden Kirche bekannt. Wenn auch die Mädchen die an Hegel und 53 Kierkegaard geſchulte Dialektik Karl Barths nicht verſtanden, ſo gaben dieſe “Beſchlüſſe ihnen doch einen feſten, tieferlebten Halt. Einige Pfarrer erklärten ſich für die bekennende Kirche, und während der Sommermonate des Jahres 1934 konnten ſich die Mädchen, nun 15-16jährig, ſo recht herzlich in ſie hinein= ſingen. Da begannen die fraktionellen, theologiſchen und kirchlichen Kämpfe, die die Mädchen in den einzelnen Kirchgemeinden und Familien hin= und her= riſſen. Plötzlich erſchien im Jahre 1935 die deutſche Glaubensbewegung vor ihren Augen. Die erſte Kundgebung mit Prof. Hauer war eine reine Jugend= kundgebung. Begeiſtert trugen viele das ſilberne Hakenkreuzrad im blauen- Feld. Auf die bekennende Kirche legte ſich der Froſt der Kompromiſſe und die Fauſt der Geheimen Staatspolizei. 1936 zerbrach die deutſche Glaubensbewe= gung. Hauer, in dem manche einen deutſchen Chriſtus geſehen hatten, zog ſich zurück. Als die Klaſſe im Herbſt 1937 die Handelsſchule verließ, war ſie im Zuſtand tiefſter religiöſer Not und Wirrniſſe. Voller Ekel erklärten alle, ſie würden nie die Schweinerei ciner Maſſencheſchließung nach dem deutſchen Gottglauben von Mathilde Kemnitz=Ludendorff mitmachen, nie einen SS= Mann heiraten, ſchon um den dazugehörigen Fragebogen nicht ausfüllen zu müſſen. Alle fragten: Was ſollen wir denn nun glauben? Einige litten ſchwer unter der Laſt der Sünde, aus der das alles entſtanden ſei. Jetzt gehen ſie einzeln ihren Weg, die einen zu Gott, die anderen zu anderen Ideen. Nicht alle Jugendlichen haben die religiöſen Auseinanderſeßzungen mit der Intenſität erlebt, die der geſchilderten Jugendgruppe der von ſtarken geiſtigen Spannungen erfüllte Raum einer Mittelſtadt ermöglichte. Aber alle Jugend= lichen ſind in den letzten 5 Jahren durch ſolche oder ähnliche Kämpfe hindurch= gegangen. Sie mögen im katholiſchen Lager einfachere ſein, weil in ihm die Führung der Kirche ſicherer iſt. Jedenfalls ſind ſie unter der Diktatur nicht wegzudenken. 5, E nE und Litératur In jeder Jugend kommt bei einigen wenigen begabten Individuen der Kugenblick, in dem das Ringen um die höchſten Güter, um Volk, Gott und Menſchheit Geſtalt gewinnt. Das iſt der ewige Quell der Dichtung, der Literatur. Literatur gibt es îim Dritten Reich mehr als genug. Aus dem Zentral= verlag der NSDAP Franz Eher Nachf., GmbH., München, den Verlagen Georg Müller/Albert Langen, München, und der Hanſeatiſchen Verlagsanſtalt, Ham= burg, um nur die wichtigſten zu nennen, wälzt ſich ein ununterbrochener Strom einer von Halb- und Viertelmenſchen geſchriebenen Literatur ins Volk. Soweit dieſe Literatur geleſcn wird, ſtammt ſie von den fünfzigjährigen und mchr als fünfzigjährigen Autoren(Kolbenheyer, Strauß, Stehr, Wiechert) und ihre beſcheidene Produktion beſtätigt nur das Urteil, das Kritik uñd Publikum ſeit ihrem erſten Auftreten vor mehr als 30 Jahren über ſie gefällt haben. Es ſind auch einige Jüngere darunter. Wenn ſie nicht in einem Schulungslager für SA=-Lyriker dichten gelernt haben, machen ſie verſifizierte Apologien der Parteipolitik. So hat einer dieſer Kerle ein Gedicht zur Verherrlichung des 30. Juni 1934 fertiggebracht, das im Almanach des Verlages Georg Müller/Albert Langen für 1935 abgedruckt iſt 54 und gleich mit mann, Das G Aber einc unvergeſſen Gottlob Wii Stamme geb legung der re Herbſt 1936 k ſteigerten, Mz zuzuerkennen Als die Erzäl weſen, anzun derholt, ſich è decken zu laſſ Beim näheren Ahnlichkeit d noch kunſtvo geſättigter wy; ten äſthetiſch tober 1936 d Leben geſchie Arbeiten(Ve tin geiſtig 6 buchblättey u ehrlich nach| »lch habe aber inſti hintreibe; < eine laſten mi Das way Nach eine Konzenty; wollte ej ſicherte f bereitete ibgelagte + Nuy; (6. Ok Aber die München Pri »lch hab e lgende! A mip Veckte y des Wiſh ben diele und gleich mit einem formidablen grammatiſchen Fehler beginnt.(Georg Schuh= erklärten mann, Das Gericht, S. 20.) Sie werden in kürzeſter Zeit vergeſſen ſein. es Jahres Aber einer hat in der Jugend unter der Oiktatur geſchrieben, der ie hinein- unvergeſſen bleiben- wird, weil er ihr Schickſal verkörperte: Eugen 1 Kämpfe, Gottlob Winkler. 1910 aus ſächſiſchem, ſchwäbiſchem und ladiniſchem und her- Stamme geboren, ſchon in ſeiner biologiſchen Exiſtenz eine Wider= gung vor legung der reinen Raſſentheorie, veröſſentlichte er in knapp 2 Jahren bis zum e Jugend- Herbſt 1936 kritiſche und dichteriſche Arbeiten, die unſer Erſtaunen nur immer m blauen-" ſteigerten. Man war bald im Zweifel, welchem Platen-Eſſay der höhere Preis [e und die zuzuerkennen wäre, dem von Thomas Mann oder dem von Eugen Winkler. ensbervez Als die Erzählung des»Bocciaſpiels« erſchien, wäre man zuerſt verſucht ge= 1ften, 209 weſen, anzunehmen, Thomas Mann habe Hermann Heſſes überraſchung mie= var ſie im FF derholt, ſich durch Arbeiten eines fingierten Emil Sinclair ein zweites Mal ent= 1 alle, ſie decken zu laſſen, ſo ſehr ähnelte der Stil dieſer Novelle dem Thomas Manns. deutſchen Beim näheren Zuſehen ſah man aber, daß dieſer Eindruck nur auf der äußeren ¿inen$S- Ahnlichkeit der Periode beruhte, die Periode Winklers jedoch grammatikaliſch sfüllen zu noch kunſtvoller, an Bildern und Vorſtellungen noch reicher, an Gefühl noch ten ſchier geſättigter war als die Periode des»Zauberbergs«, und von einer transparen= gehen ſie ten äſthetiſchen Vernunft erleuchtet wurde. Wie ein Donnerſchlag traf im Olz= tober 1936 das literariſche Publikum die Nachricht, daß Winkler aus dem Leben geſchieden ſei. Jett vereinigen 2 Bände ſeine kritiſchen und dichteriſchen Arbeiten(Verlag Karl Rauch, Leipzig=Markkleeberg) und beweiſen uns, daß ein geiſtig Großer aus der Jugend von der OPiktatur zerbrochen wurde. Tage= buchblätter und Tangenten zeigen, wie gänzlich er dieſe Zeit ablehnte. Er ſuchte ehrlich nach ſeinem Beruf: »Ich habe ſchon in meinem 18. Jahr zwar nicht klar und intellektuell, dafür aber inſtinktiv um ſo ſicherer gewußt, wie es mit mir ſteht und wo es mich hintreiben wird. Ich malte damals. Wenn. ich die alten Bilder anſehe, finde ich eine Fülle fruchtbarer Anſätze. Die unentwickelten Möglichkeiten be= ¡duen der laſten mich noch immer. Ich ging damals nach München, um zu ſtudieren. ias nd Das war ein Mangel an‘Hartnäckigkeit, die Malerei nebenher gedieh nicht. Gott V| Nach einem weiteren Jahr ſtieß ich auf Probleme, die zu löſen eine völlige Literatur À Konzentration erfordert hätte. Da gab ich es auf, wollte vernünftig ſein, n Zentral-| wollte einen ſachlichen Broterwerb finden, hatte nicht den Mut, das ge= zen Georg ſicherte und gebilligte Leben aufzugeben und ſchloß ein Kompromiß: ich alt, Ham- bereitete mich vor, zu promovieren. Aber das kaum Verdrängte, der eben rbrochene" abgeſagte Genius kam in anderer Erſcheinung wieder. , ins Volk, …. Nur Zeit! Zeit! Zeit! Und ein der Sache gewidmetes Leben.« „igen und(29. Oktober 1934, S. 85/86). chert) und Aber die Univerſität(er hatte ſchon im März 1933 bei Karl Voßler in ) pyblikuw München promoviert) ekelte ihn an. s A»Ich habe heute die erſten Vorleſungen abſolviert und konnte dem daraus t folgenden Unmut nur entgehen, indem ich noch einmal all dies gewaltſam jen gele" Y von mir entfernte, mit Mühe eine ſchützende Gleichgültigkeit dagegen er= einer dieſet”} weckte und zu Hauſe ganz auf mich ſelbſt zurückkehrte. Die Sinnloſigkeit i des Wiſſenſchaftlichen iſt für mich allgemach von einer verleßenden Peut= 1, 1 mit der 1 geiſtigen ; Jugend- hindurch- n ihm die atur niht — lichkeit und ich muß fürchten, daß es anfangen wird, meine eigentliche È Sokrates: n Subſtanz zu verderben und zu verfälſchen«(1. November 1934, S. 87). f 4 den wenige . A ſchen, Die l » zieht die Konſequenz, ganz von vorn anzufangen: Kennzeidet »Jeder Dichter hat heute gleichſam von vorn anzufangen, ſo als ſei er der 7 die kKennzei erſte Dichter. Nur aus dieſer Haltung heraus kann er noch geſtalten.«: ſind es die (11. November 1934, S. 89.) Er verachtet di ' begreift ſein Ziel: Ideal »Es muß Harmonien geben, die wir während unſeres ganzen Lebens nicht λErzürnt ge zu hören vermögen, weil ununterbrochen andere Geräuſche vorhanden ſind, zei Teller die ſie übertönen.«(S. 71.) 4 Welche Um| Anſpruch| rend ſonſt Das eigentliche Leben fängt dort an, wo das Leben der meiſten Menſchen endet, bei der Sicherung der materiellen Exiſtenz. Für ein geiſtiges Leben iſt dieſe Sicherung die Conditio ſine qua non. Gelderroerb verdirbt den Geiſt. Maßſtab: Ich ſchätße eine Perſon nicht nach dem, was ſie tut, ſondern nach dem, mas ſie iſt.«(S. 76.) Im Winter Nachtmahl«(( ſtellen darf, ge Wie lange Wirrniſſen die Ordnu ſich nichts Erdachtes| Antwortet ſich Inmitten G Ihr leicht€ bleibt dein Ava Poeta Erhotit fi »Der Künſtler gilt heute bei ſeiner Familie und beim Durchſchnitt ſeiner on w Zeitgenoſſen als unnütz oder als verworfen, oder im beſten Fall als lächer= 1 Wolke di lich, weil ſeine zeitliche Erſcheinung, die infolge ihrer höheren Beſtimmung“ diu über dieſe Zeit hinauszielt, ja ſich geradezu gegen ſie wendet, ſofern dieſe 1 Und ſagt von geiſtlos iſt, notwendigerweiſe»negativ«... Künſtler ſind heute die ein= Î lh zigen Menſchen, die noch mit Bewußtſein Menſchen ſind.«(S. 73.) j ven Lorb verfolgt ſi | durchſchaut und kennzeichnet mit größter Schärfe die Ideologie der Zeit:}: LU_ Er weiß Verdächtig im Zufall d »Das ſind Leute, die, weil ſie zu unfähig oder zu träge ſind, um die ein= i e | Nicht geli geborene Vernunft zu gebrauchen, ſich als Pflichtmenſchen ausgeben.« 44 Nlingey (6.775: * ſieht ſeine eigene Möglichkeit des Lebens: Ausmweg »Bei der Entwertung des Menſchen und der menſchlichen Arbeit, wodurch unſere Zeit ausgezeichnet iſt, beſitzt das Ethos des praktiſcher Lebens keine Wirklichkeit mehr. Bleibt alſo dem bewußt Lebenden nur noch das Spiel, die kKunſt.«(S. 75.)- s Er fühlt, daß er nur auf ſich geſtellt iſt: dept DEP E IME BM ND ta OT E OPERE A E na Vergeblich-Y drüber, »Es gibt Begriffe, denen alles Menſchlich=-Perſönliche geopfert wird, ohne EY| BE die< daß ſie dadurch konkreter würden.…. Ströme von Blut fließen für ſie- 1E| cht, wy ſie bleiben blutleer.«(S. 77.) f age a Umſonſt|| ini n »SokRrates hatte gut leben mit ſeiner Menſchenliebe. Wie aber, wenn einem Segen e ſchon mit 18 Jahren das grundlegende Erlebnis von der halsſtarrigen f le Dummheit der Menſchen zuteil geworden iſt?/ Wag kann teyt nimmt Wi gentliche: Sokrates: wer das Rechte weiß, tut auch das Rechte. Die meiſten aber von 67),' den wenigen, die es wiſſen, verharren aus Trägheit im Zuſtand des Fal= ſchen. Die Unverbindlichkeit der Wahrheit iſt eines der hervorſtechendſten y Kennzeichen unſerer Zeit. Wenn noch etwas als verbindlich gilt, ſo ſind es el er der die Kennzeichen unſerer Zeit. Wenn noch etwas als verbindlich gilt, ſo en,« Î ſind es die Konventionen des Falſchen.«(S. 79.) Er verachtet dieſe Konventionen mit überlegenem Spott: Bürgerliche Gebärde ens nicht»Erzürnt geriet ſie in eine wütende Erregung derart, daß ſie nacheinander den ſind, î zwei Teller ergriff und ſie mit Nachdruck auf dem Boden zerſchmetterte. Welche Umſicht! Es waren die beiden einzigen aus billigem Porzellan, wäh= rend ſonſt der Tiſch mit Sevres gedeckt war.«(S. 79.)| Menſchen Im Winter des Jahres 1934/35 faßte ſich Winkler in einem Gedicht»Das es Leben Nachtmahl«(S. 65), das man kübnlich neben Hölderlins große Dichtung rbt den ſtellen darf, ganz zuſammen. Er richtet an ſich ſelbſt die Frage: | 1) E Wie lange träumſt du, daß mit dieſen Wirrniſſen ungeheuer vermählt, die Ordnung, von deren Angedenken ſich nichts als die Schlange des Zweifels erhält, wodurch j Erdachtes vermwirkliche?- ens keine i Antwortet ſich ſelbſt mit dem Tode: jel, as Spie Inmitten Geſättigter, die im Schatten ihr leicht gelungenes- Geſchäft erſchlafft, bleibt deines Bogen Sehnen geſtrafft. Erhofft dein Pfeil noch ein göttlich Begatten?- Schon wartet mein Mantel auf dein Ermatten: e| Wolke, die dich dunkelt, Flug, der dich rafft! ls läcnerz: immun8/| Und ſagt von ſeiner Muſe: fern He 4 Ihren Lorbeer erſetend durch die Kraft der Meduſe, die verfolgt ſie mit Schlangen dein wehrloſes Herz. JF Zeit: Er weiß, daß er das Unmögliche verſuchen muß,»die Zeit zu zerbrechen ts im Zufall der Formen, darin ſie gerann!« Er weiß aber auch, daß ihm das y nicht gelingen wird. die ein i; 5»O beſchwöre jogeben“| Verführer, die Einſicht nicht, die verneint! Naht die Stunde, da ich dich erhöre, : ſo nicht, weil mich dieſe Verſuchung betöre! ird, ohnt Mi j Ich folge als einer, der ſich beweint.…. für e“ F Wo ſind noch Abſichten, welche vernichten, : wenn ſich die Summen unzählig verdichten gegen die Zeit, die das Nichtſein ſpeiſt?«: nn einem- Was kann der Menſch noch tun? Der Tod iſt wirkliches Sein. Und erſchüt= gſtarrige tert nimmt Winkler von cinem jungen Mädchen Abſchied: ST: So fühle endlich dies: die Not. Sieh dich beſtehend ganz aus Not, und ſpüre das Nicht=mehr=gültig=Sein des ſicheren Erbteils, das dich bis jetzt erhielt. Verlöſch die Lampen, die künſtlich aufgeſteckt ſind, ſieh, ob dennoch ein Licht verbleibt in dir, ein wirkliches. Sinke in Finſternis, mit Schrecken wiſſe: Das Hintergründige, es iſt! Und anerkenne was ewig anzufechten iſt, das Nichts! Aus Angſt und Not gebiert ſich die Einſicht: Das Hintergründige iſt! Das iſt der Nihilismus, den Winkler in ſeinen Eſſays über Araber- Lawrence und Ernſt Jünger noch offen gelaſſen hatte. Am Schluß hat ihn Winkler doch ak= -zeptiert- logiſch, daß er aus dem Leben ſchied. Pie Freunde Winklers haben ihn cinen Frühvollendeten genannt. In der Form iſt er es gewiß, all ſeine Zeitgenoſſen weit in den Schatten ſtellend. Aber die deutſche Literatur hat in Winkler auch zum erſten Male einen vollendeten Nihiliſten. Daß der Nihilismus mit ihm in der deutſchen Literatur vollendet wäre, iſt jedoch nicht anzunehmen. Er wird dauern, ſolange die Diktatur dauern mird. 6. Revolte und Revolution Jugend iſt ein Zuſtand des Lebens, der normalerweiſe der Ideologie ganz fernliegt, weil er die Faſchheit und Halbheit haßt, das Unbedingte, Ideale liebt. Aber Jugendleben unter der OPiktatur iſt eine Exiſtenz in der ldeologie. Sie kennt die Nation nicht als Sprach= und Kulturgemeinſchaft, die notwendig demokratiſch ſein muß, weil ſie alle Volksgenoſſen umſchließt, ſondern nur als ein künſtliches Produkt aus lebensfeindlichen falſchen Theorien, beſtimmt, dem Nationalismus zu dienen. Kriegsdienſt als Vorbereitung für den äußerſten Fall des Schutzes dieſer Gemeinſchaft iſt dieſer Ideologie cin fremder Zwang, ſchlecht verhüllt von Tradition und Eroberungsſfucht. Wiſſenſchaft und Religion dienen ihr als Mittel der politiſchen Herrſchaft. Der Verſuch zur Selbſtgeſtal= tung in der Literatur führt zum Nihilismus. Die Jugend, die das alles erkennt, kann nicht ans Leben glauben, es ſei denn, daß ſie dazu»dennoch« ſagt. In der deutſchen Wehrmacht graſſiert der Selbſtmord in der furchtbarſten Weiſe, Hohe Offiziere bekennen in öffentlichen Vorträgen, daß ihr die innere Diſzi= plin fehlt. Sie hat die Jugendrevolte im Leibe. Aber das Leben war noch immer ſtärker als der Tod. Die nächſten Jahr= gänge der Jugend, die ſeit 1921 geborenen, ſtehen von Anfang an vor der Tatſache der Diktatur. Sie können ſie nur völlig verneinen oder bejahen. Be= jahen ſie dieſe verkuppelte Wiſſenſchaft, dieſe entartete Religion, dieſe inhalts= loſe, beſtenfalls nihiliſtiſche Literatur, ſo werden ſie Träger einer wahrſchein= lich hoch techniſierten, ſportlich außerordentlich trainierten, reſtlos in Sexuali= tät materialiſierten, geiſtig aber ſtändig und unaufhaltſam degenerierenden Geſellſchaft werden, die keine Kantſche Erkenntniskritik und Hegelſche Dia= lektik, keine Aſthetik Schillers und Goethes, keine Smithſche und Marxſche Okonomie mehr kennt, die Fähigkeit zum rationalen Denken verliert und ſchließlich den Geiſtesgeſchicht tödliche Waffe neinen dieſe ni wirklichen Rev Bahn frei mad klaſſiſchen Weg Jeht ſind n ihrer Struktur naliſtiſche Hiſtc politiſcher Gel und Religion tigen Wiſſensz ſtens nationali der Gewalt, D ſozial bedingt Sanilation wie Maſſe als Träg werdung dey| tung des Lebe ldeologie i tologie eine kratie, Ihve M mit reiner Re lhenbildung an die Macht, Sie verlangt dag Nachdenk das verz ernunft, Die Ideolo, lellichaft, i krieg den An vollſtändig lichey“A deutlche evan [de Politik d Vt wirklich Politik vera] Vdeiht, ge iſt! Das rence und y doch ak- nt, lu der llend. Aber vollendeten y vollendet je Diktatur ologie ganz gte, Ideale ,[deologie- notwendis ondern nu" lz beſtimmt/ n äußerſten der Zwan$/ nd Religion elbſtgeſtal- les erkennt/ qye ſagt,| eſten Weile, nnere iſzi- ſchließlich den Namen der Deutſchen als der Dichter und Penker aus der Geiſtesgeſchichte auslöſcht. Anfänge dazu, aus der Ideologie der Jugend dieſe tödliche Waffe gegen den Geiſt zu ſchmieden, ſind genug vorhanden. Ver= neinen dieſe neuen Jugendjahrgänge dieſe Ideologie, ſo wcrden ſie în einer wirklichen Revolution der Jugend- denn ſie werden ihre Träger ſein- die Bahn frei machen für die echte Beſtimmung der Deutſchen in der Welt, die klaſſiſchen Wegbereiter der Humanität zu ſein. V. Ideologie, Intereſſe, Idee 1. Die Struktur der Ideologie Jett ſind wir imſtande, die Ideologie als geſellſchaftliche Erſcheinung in ibrer Struktur zu erkennen. Gefälſchte Logik, primitive Pſychologie, traditio= naliſtiſche Hiſtoriſierung und Typiſierung, myſtifizierende Verwirrung, macht= politiſcher Geltungsanſpruch, politiſierende Religioſität, löſen in Wiſſenſchaft und Religion Teilergebniſſe, Teilerkenntniſſe,/ Teilglaubensakte aus dem rich= tigen Wiſſenszuſammenhang los, verabſolutieren ſie, geben ihnen einen mei= ſtens nationaliſtiſchen Wertakzent, umkleiden ſie mit der glitzernden Uniform der Gemalt. Die aus der Induſtriewelt entſtandene Maſſe aſſimiliert ſie ihrem ſozial bedingten, nivellierenden Maſſenberoußtſein. Indem die Maſſe als Or= ganiſation. wie die öffentliche Meinung vernichtet werden, entſteht die politiſche Maſſe als. Träger der Ideologie. In den Erlebnisfolgen und der Perſönlichkeits= werdung der Jugend entſcheidet ſich der Kampf zwiſchen Ideologie und Geſtal= tung des Lebens. Ideologie iſt immer Unklarheit, Mythologie, politiſche Myſtik. Darum iſt die Ideologie cine Todfeindin des Rationalismus/ des Liberalismus, der Demo= kratie. Ihre Metaphyſik iſt mit 1viſſenſchaftlicher Philoſophie, ihre Jurisprudenz mit reiner Rechtslehre, ihre Politik mit Soziologie, ihre Pädagogik mit Men= ſchenbildung unvereinbar. lhre Wahrheit iſt Fürwahrhalten aus dem Glauben an die Macht, ihr Wert Für=wertvollzhalten durch den Nuten aus dem Zweck. Sie verlangt kein Denken und gewährt keine Freiheit, ſondern verbietet ſogar das Nachdenken und fordert Gehorſam. Glück ſchenkt ſie nur demjenigen, der auf das verzichtet, was den Menſchen zur Perſönlichkeit macht, auf die Vernunft. Pie Ideologie iſt immer das Ergebnis eines Sumpfungszuſtandes der Ge= ſellſchaft. Man ſehe ſich dieſe deutſche Wiſſenſchaft an! Sie hat nach dem Welt= krieg den Anſchluß an das internationale wiſſenſchaftliche Leben nur ſchwer, unvollſtändig und ohne große eigene Leiſtung wiedergewonnen. lhre wirk= lichen Gelehrten wurden von der Diktatur weggejagt. Das ſchlechte Mittelmaß und die böswilligen Fälſcher ſind geblieben. Nun befördert ſie mit unglaub= licher Arroganz die Erzeugung der ideologie.- Und dann ſehe man ſich dieſe deutſche evangeliſche Kirche an! Sie machte alle Richtungen der Philoſophie und jede Politik des Staates mit. Sie wird, wenn ſie mit der bekennenden Kirche nicht wirklich eine innerſte religiöſe Entſcheidung herbeiführt, ſtets der Staats= politik verfallen ſein. Das ſind die Sümpfe, in denen die‘Ideologie giftig gedeiht.- 59 ‘ 2. Intereſſenſcheidung Aber es gibt Grenzen der Ideologie. Die‘erſten ſind die materialen Inter= eſſen der Geſellſchaft. Sie ſind auch in Deutſchland vorhanden und haben ſich im Jahre 1937 mit dem Aktienrechtsgeſet; vom 30. Januar 1937 deutlich ge= zeigt. Mit dieſem Geſetz errangen die rein kapitaliſtiſchen Intereſſen einen vollen Sieg über die nationalſozialiſtiſche Ideologie. Wir nennen dafür drei Punkte. Im Anfang führte der Hitlerismus einen wütenden Kampf gegen die Aktien= geſellſchaft überhaupt. Sie ſollte verſchwinden und durch Perſonalgeſellſchaften mic dem Führerprinzip erſetzt werden. Dazu wurde das Geſetz über die erleich= terte Umwandlung von Kapital= und Perſonalgeſellſchaften vom Juli 1934 geſchaffen. Seine Wirkung war kläglich. Knapp 3% des Kapitals wurden von der einen in die andere Rechtsform eingeführt. Das neue Aktiengeſetz erkennt die Aktiengeſellſchaft als eine Notwendigkeit auch für die nationalſozialiſtiſche Wirtſchaft an. Aber nicht genug mit dieſer Kapitulation der Ideologie, ging der Kapi= talismus zum Gegenangriff auf den Nationalſozialismus über. War es vordem eine der llluſionen des Nationalſozialismus, durch Kleinaktien ein Stück Sozialismus durchzuführen, ſo dekretierte das neue Geſetz, daß alle Aktien unter dem Nennwert von 1000.- verſchwinden müſſen. Und um recht deutlich zu ſagen, daß die Aktiengeſellſchaft nur eine Angelegenheit für Kapitaliſten iſt, beſeitigte es auch alle Aktiengeſellſchaften mit einem Kapital unter 500000.- RM. Drittens wurde das Führerprinzip zwar als eine Kannvorſchrift- welche Verhöhnung für das Prinzip!- in das Aktienrechtsgeſet aufgenommen, aber mit ſoviel Kaútelen umgeben, daß es praktiſch wirkungslos bleiben mußte. Übrigens wird davon kein Gebrauch gemacht, die Anonymität der Führung durch den kollektiven Vorſtand und den ebenſo organiſierten Aufſichtsrat bleibt. Das wirtſchaftliche Intereſſe in einer Seinsfrage der kapitaliſtiſchen Ge= ſellſchaft hat die Ideologie reſtlos zertrümmert. Die grundſätzliche Bedeutung dieſes Vorganges zeigt das allgemeine ſozio= logiſche Geſetz, das ſich darin manifeſtiert. 3. Pie Kraft der ldee Pie entſcheidende Grenze der Ideologie iſt die Idee. Kraft und Geſtalt ge= winnt die Überwindung der Ideologie durch die Idee. Dieſe Idee iſt in Deutſch= land zur Zeit vorwiegend moraliſcher Natur. Sie erfüllt ſich in einfachen Akten der Solidarität, wirklich treu und wahr. Dieſe Akte nehmen an Zahl und Stärke ſtändig zu. Pie Menſchen, die dieſer Moral leben, haben ſich frei gemacht von jeder Ideologie. Und da dieſe Löſung von der Ideologie ein Akt der Selbſtbefreiung ihrer ſittlichen Perſönlichkeit iſt, bahnt ſich eine moraliſche Renaiſſance an, beſißt ihre Moral die Kraft, die aus der Idee der Menſch= heit fließt. Han “Die»Zehn Widerhall, Si land weithin Berlin-Trepto) riefen auch e Uns die Notw Otto Braß Parteivorſtand komitee dey| ar wiederho Verbindung nahm ebenſo ber 1937 nach (chen Arbeite nerkennun handeln, Au darſtellung u ſchrie ich jj Lichtenberg| vom Volksfrc È h Monaten Mi 8 Paul Herb dlu i: lehretär des ilfen Ul Ant © der KPD(SED Ach Redahte"iZ Adle zeleur ty Mäfdente eit embep-$ Arbeitager voluti, Arbeitogemne * 8 Brüſfel, ya af ieder in nh LRS 16+ Brü alen Inter- haben ſich eutlich ge- inen vollen rei Punkte, die Aktien- elellſchaften IV. Freih eic! die erleich- Juli 1934:» E i urden von Einleitung mw 4“ Die»Zebhn Punkte« fanden eine weite Verbreitung und einen ſtarken Lau AEA Widerhall. Sie liefen von Berlin ins ganze Reich. Sie wurde im Aus= ile land weithin bekannt. Radio Barcelona und der illegale Sender in 24 E“ Berlin-Treptow bzw.=Lichtenberg ſandten ſie in die Welt. Aber ſie A riefen auch cine lebhafte ODiskuſſion hervor. Dieſe Diskuſſion zeigte| in Stü 6 E AS, 2 RE uns die Notwendigkeit, die»Zehn Punkte« zu kommentieren. cht deutlich FF Otto Braß reiſte 1937 nach Prag, um durch Paul Hertz den italiſten iſ/ Parteivorſtand der SPD, durch Anton Ackermann“ das Zentral= 0000.- RM. komitee der KPD für unſere Plattform zu gewinnen. Kurt Schmidt #- welhe FF war wiederholt in ßrünn, um mit den öſterreichiſchen Sozialiſten die nmen, aber Verbindung aufzunehmen, was auch auf das beſte gelang. Er unter= ben mußte, naßm ebenſo mehrere Reiſen zu Paul Hertz. Ich ſelbſt ging im Pezem= er et ber 1937 nach Brüſſel, um mit Fritz Adler, dem Sekretär der Sozialiſtiz R ſchen Arbeiter=Internationale(SAI) und Louis de Broukère'* über cine ſtiſchen Anerkennung unſeres Programms durch die Internationale zu ver= zio“ handeln. Aus allen Kreiſen kam die Forderung nach einer Geſamt= eine 0 darſtellung unſerer Ideen. Vom 30. Januar bis zum 8. Februar 1938 ſchrieb ich în Berlin-Halenſee,=Wilmersdorf,-Friedrichsfelde und =Lichtenberg die Programmſchrift»Freiheit«. Sie wurde am 9. Februar vom Volksfront-Komitee akzeptiert, ſofort vervielfältigt und in den Geſtalt gez zt Z d in Deutſ- Monaten März und April an alle Vertrauensleute in Deutſchland ver= E N en— FEE: CORR N n einfa| 13 Paul Herg, geb. 23. 6. 1888 in Worms, Kaufmann, Angeſtellter des Zentralverbandes der en an Handlungsgehilfen, politiſcher Redakteur. Reichstagsabgeordneter von 1920 bis 1933, General= | ſich frei ſekretär der ſozialdemokratiſchen Reichstagsfraktion. Seit 1933 treueſter Freund von»Neu Begin= zen 1 kt nen« im Ausland. Jett führendes Mitglied‘der»Amerikaniſchen Vereinigung für die deutſche gie ein À Frcibeit« in New York. moraliſche 14 Anton Ackermann, erwarb in der Sowjetunion akademiſche Bildung, führender Literat e nlh- der KPD(SED). ver Me 15 Fritz Adler, Sohn von Viktor Adler, dem Begründer der öſterreichiſchen Sozialdemokratie. Redakteur und Parteiſekretär in Wien, wo er im Oktober 1916 den öſterreichiſchen Miniſter= präſidenten Graf Stürghk erſchoß. Vom Sondergericht dafür zum Tode verurteilt, durch die -Revolution 1918 aus dem Zuchthaus befreit. Seit 1921 Sekretär der internationalen Arbeitsgemeinſchaft ſozialiſtiſcher Parteien, ſeit 1923 der ſozialiſtiſchen Arbeiter=lnternationale, in Brüſſel. Während des zweiten Weltkrieges in Großbritannien und den USA, ſeit Sommer 1946 wieder în Brüſſel. 16 Louis de Broukère, belgiſcher Senator, Präſident der Sozialiſtiſchen Arbeiter=lnternationale. ó1 ſandt. Die»Freiheit« entſtand in dramatiſchen Tagen. Ich ſchrieb während der Fritſch-Blomberg=Kriſe, ich wußte, daß das deutſche Volk in dieſen Monaten die letzten Chancen hatte, ſich vor einem “zweiten Weltkrieg durch den Sturz der hitleriſtiſchen Diktatur zu retten. So erklärt ſich die leidenſchaftliche Sprache dieſes Pamphlets, für das ich dann wegen»Vorbereitung zum Hochverrat« meine 12 Jahre Zuchthaus erhielt. Die Wirkung dieſer Schrift war geradezu elektriſierend. Aber ſie war zu Klein und zu kurz. Wenige Tage nach ihrem Erſcheinen nahm das Verhängnis mit der Beſetzung Oſterreichs ſeinen Lauf. Heute iſt die«Freiheit« ein hiſtoriſches: Dokument. Gerade deshalb hat ſie noch einiges zu ſagen. Freiheit! Herausgegeben von der Deutſchen Volksfront- 1938. INHALT Was kRommt nach Hitler? 10 Punkte Begründungen und Erläuterungen 1. Nieder mit der Diktatur! . Recht und Gerechtigkeit für alle . Freiheit . Volksherrſchaft . Friede . Europa . Weltwirtſchaft . Soziale Sicherheit . Deutſchland muß ein Bauernland werden 10. Sozialismus für heute Der Weg zur Freiheit 2 3 4 5 DS R À D Was kommt nach Hitler? Mit dem Ende des Jahres 1937 hat ſich im deutſchen Volk die Meinung durchgeſetzt: es kann nicht ſo weitergehen! Tauſende, die ſich nach Freiheit und einer beſſeren Wirtſchaftsordnung ſehnen, ſchaudern jedoch vor der Frage zurück, was Rommen ſoll. Die einen mißtrauen dem Friedensgerede der Dilz= tatoreni aufs tiefſte und fürchten einen neuen Krieg. Andere erſchrecen vor dem Geſpenſt der Inflation. Verängſtigte Seelen erblicken ſchon den Bolſche= wismus. Dutzende von Projekten über cine mögliche Politik ſtimmen nur in cinem cinzigen Punkte überein; daß ſie alleſamt unmöglich ſind. Denn noch größer als über die Ziele der Politik nach dem Sturze Hitlers iſt die Unklarheit in der Frage, wie es zu dieſem Sturze kommen ſoll und wer danach Deutſchland regieren könnte. Das Idol-der»großen Männer« hat ver= óL2 E i A heerend auf den nach einem lber Wirtſchaftsführer die Bande, die he wehrelique? Ode tlonärey Maſſenſ Minute viele Ma! den, Manche fra einſt daran glau ihy aktives Zutu ſtofflchwierigkeit mangel, die fina! um Zuſammenb genau vor, wey einige Naturen, zeichnen, eine ny Deutſchnationale) ſcheinen noch 5 gebrochen iſt, de So allgemein die tine konkrete Vc Wir wollen[ ſchlagen hat, Die in Deutſchland, Freiheit ſtatt dey | ſchrieb deutſche y cinem u retten, lets, für 19 Jahre Aber ſie en nahm inuns (e Meinun: freiheit heerend auf den deutſchen Geiſt gewirkt. Nach einem Diktator verlangt man nach einem lberdiktator. Soll es ein General ſein? Einer von denen, die ſich Wirtſchaftsführer nennen? Ein Literat? Oder gar cin Emigrant? Und wer ſoll die Bande, die heute über Deutſchland herrſcht, verjagen? Ein Putſch der Reichs= wehrclique? Oder die Sabotage der Wirtſchaft? Oder cin erträumter revolu= tionärer Maſſenſtreik? Das ſind die Fragen, die täglich, ſtündlich, in jeder Minute viele Male in Deutſchland geſtellt und kaum jemals beantwortet wer= den. Manche fragen überhaupt nicht. Sie machen es ſich ſehr leicht. Wie ſie- einſt daran glaubten, daß der Sozialismus»mit Naturnotwendigkeit« ohne ihr aktives Zutun kommen müſſe, ſo glauben ſie heute daran, daß die Roh= ſtoffſchwierigkeiten, die Nahrungsmittelknappheit, der Kleider= und Wäſche= mangel, die finanziellen und wirtſchaftlichen Schwierigkeiten uſw. die OPiktatur zum Zuſammenbrechen bringen müſſen. Leider ſtellen ſie ſich dabei niemals genau vor, wer oder was da zuſammenbrechen ſoll. Und es gibt auch noch cinige Naturen, die den paar Buchſtaben, welche die früheren Parteien be= zeichnen, eine magiſche Kraft beilegen. Sie reden von SPD und KPD, den Deutſchnationalen und den Pemokraten wie von wirklichen Dingen und ſcheinen noch nicht bemerkt zu haben, daß, wenn 1933 etwas zuſammen= gebrochen iſt, dann es dieſe Parteien ſind, die aufgehört haben zu exiſtieren. So allgemein die Überzeugung iſt, daß Hitler verſchwinden muß, ſo gering iſt eine konkrete Vorſtellung davon, wie es gemacht werden kann. Wir wollen ſagen, was die Volksfront dem deutſchen Volke dazu vorzu= ſchlagen hat. Die Volksfront iſt keine imaginäre Größe. Die Volksfront beſteht in Deutſchland. Sie lebt in den Herzen und Gehirnen aller derjenigen, die Freiheit ſtatt der Unterdrückung, die Selbſtbeſtimmung ſtatt der»Führung«, Recht und Gerechtigkeit ſtatt Terrorismus, Frieden ſtatt Kriegsdrohungen, Arbeit für den Wohlſtand aller ſtatt Kriegs= und Zwangswirtſchaft, Butter ſtatt Kanonen wollen. Die Volksfront iſt überall, wo zwei oder drei ſich frei= machen von der unausgeſetßten Propaganda der Goebbels=-Blätter und des Radios, wo einige entſchloſſen ſind, ſich dem Zwange der Demonſtrationen zu entziehen, wo über Spanien diskutiert wird, wo Menſchen verſuchen, daß, was notwendig iſt, vom Standpunkt der nächſten dreißig Jahre zu begreifen. Pie Volksfront iſt die Einheitsfront derjenigen, die unter der Diktatur an= ſtändig und vernünftig geblieben ſind. Aber es genügt nicht, daß ſich im deutſchen Volke ein Wall des moraliſchen Widerſtandes gegen das Regime der Diktatur bildet. Es iſt notwendig, dieſem moraliſchen Widerſtand eine poli= tiſche Geſtaltung zu geben. Jeder ſoll ſich zuerſt cines ganz klar und feſt ein= prägen: wenn die Umriſſe für die politiſche Geſtaltung feſtſtehen und von allen, die gegen das Regime ſind, erkannt werden, iſt der erſte Schritt zur Beſeitigung der Diktatur getan. Deshalb hat ſich aus Menſchen, die den Links= parteien in Deutſchland angehört haben und angehören, eine politiſche Or= ganiſation der deutſchen Volksfront gebildet, die den Kampf gegen das Dilk= taturſyſtem führt und gewillt iſt, die Regierung der deutſchen Republik nach “ dem Fall Hitlers mit einem feſten Programm zur Rettung des deutſchen Volkes aus dem Chaos von Politik und Wirtſchaft, in das uns‘Hitler geführt hat, zu übernehmen. Danach iſt die Frage, wer nach Hitler regieren ſoll, beant= 63 wortet: das deutſche Volk ſoll ſich durch die politiſche Organiſation der deutſchen Volksfront ſelbſt regieren! Die deutſche Volksfront weiß, daß dieſe Aufgabe eine ungeheuerliche iſt. Kein anderes Land kann dem deutſchen Volk dafür ein Vorbild geben. Auch in Frankreich und in Spanien, wo Volksfronten beſtehen, wie in Italien, Polen und kleineren Ländern, wo ſolche in der Entſtehung begriffen ſind, können wir nichts finden, was uns in unſerem Kampfe gegen Hitler als Beiſpiel dienen könnte. Denn in allen dieſen Ländern ſind die Verhältniſſe von den deutſchen Pingen grundverſchieden. In Frankreich iſt die Volksfront ein parlamen= tariſches Kartell, berufen, die Wirtſchafts=- und Finanzkriſen zu liquidieren und Frankreich aus feiner ſozialen Rückſtändigkeit herauszuführen. In Spanien kämpft die Volksfront um die Beſeitigung der Reſte des katholiſchen und welt= lichen Feudalismus. Das Zentralproblem der polniſchen Volksfront iſt die Bewältigung der Armut und Not auf dem Lande. Was in Deutſchland die Volksfront ſein muß, ergibt ſich einzig und allein aus den Pingen, die die Diktatur geſchaffen hat und die es zu überwinden gilt. Welches dieſe Dinge ſind, wollen wir nachfoigend ſagen. Wir haben ſie in 10 Punkten zuſammen= gefaßt. Unſere 10 Punkte ſind ein Aktionsprogramm, auf das ſich alle zur Volksfront gehörigen Menſchen, ohne Rückſicht auf ihre parteipolitiſche und religiöſe Einſtellung, verpflichtet haben. Sie laſſen alſo auch Plat für die proz grammatiſchen Erklärungen von politiſchen Parteien, die innerhalb der deut= ſchen Volksfront in erneuerter Form beſtehen. Sie ſchaffen cine Plattform der Einigung, welche die Grundlage für den Aufbau in einem freien, friedlichen und glücklichen Lande geben wird. Pie Mordgier, mit der uns die Hitlerbanden verfolgen, verbietet uns heute, Namen der Menſchen zu nennen, die die Volksfront geſchaffen haben und ſie leiten. Wir halten das auch ohne dieſe Gefahr für überflüſſig. Denn die neue Regierung des deutſchen Volkes iſt nur möglich durch die Mitarbeit aller. Pie Volksrevolution, die wir wollen, iſt aber eine von allen Feſſeln der Ver= gangenheit befreite wirkliche Revolution, iſt im Kern die ſozialiſtiſche Arbeiter= bewegung. Was Hitler als Sozialismus verkündet hat, waren Phraſen. Was er getan hat, waren Zerſtörungen. Dann gab er Bettelſuppen, die keinen Aus= gleich für den ungeheuerlichſten Lohnraub, der jemals am ſchaffenden deutſchen Menſchen verübt worden iſt, boten. Aber ohne Sozialismus kann das deutſche Volk nicht leben! Deshalb will die Volksfront den Schmwerinduſtriellen, den Monopolkapitaliſten, den Finanzkapitaliſten, allen, die durch das hitleriſtiſche Wettrüſten verdient haben, nehmen, was ihnen nicht gehört, um es denen zu geben, denen während der Diktatur die Früchte ihrer Arbeit vorenthalten worden ſind. Darum mill die Volksfront auch dem Bauern-den Boden geben, auf dem mit Hitlers Hilfe immer noch Fürſten und Großagrarier ſitzen. Ein neues Zeitalter der Geiſtesfreiheit ſoll anbrechen; nachdem uns der Weg von der Humanität über die Brutalität in die Beſtialität geführt hat, wollen wir den Weg finden zur Menſchlichkeit. Denn der Menſch iſt das Maß aller Dinge, er ſoll nicht mehr, wie unter Hitler, dem Staate als einem angeblich*; höheren Weſen geopfert werden. 64 Sturz und Tief iſt das d Volk der Dichte es heute von eir der Leiſtungen Völker, arbeitet modernen Sozia beiterbewegung - deutſcher Menſd Totenkopf als| lagern, Gefängn einen elenden T Andersdenkend: fünf Jahren in| Warum ſaúſe fünf junge Deut! trägt die Jugen Kämpfern ſchließ Arum machen zul Bewußtloſig Peln geht, weil arum empö Zuchthäulern L Odegurteil des zu jedey»Kkund jeder Demüti üti Warum? M _Weil die Di «Nen gemacht Wahrheit iſt tion der liche iſt, en. Auch n, Polen können el dienen veutſchen arlamen= eren und Spanien nd welt- t iſt die land die , die die eſe Dinge ſammen- alle zur iſche und die pro- Jer deut- form der riedlichen ns heute/ n und ſie ‘die neuf eit aller der Ver- Arbeiter ſen, Wa9 nen Aus- deutſchen z deutſche ellen, deV tleriſtiſC es dent" renthalten en geben en- uns Á führt M8 das Mob qngebli - 1. Nieder mit der Piktatur! Sturz und Vernichtung der Hitlerdiktatur. ‘Tief iſt das deutſche Volk gefallen. Noch vor wenigen Jahrzehnten als das Volk der Dichter und Denker in der ganzen Welt geachtet und geehrt, wird ® es heute von einer Bande von Mördern und Banditen beherrſcht. Einſt wegen der Leiſtungen ſeiner Technik und Induſtrie der Lehrmeiſter aller aufſtrebenden Völker, arbeitet es heute nur für den Krieg. Und obgleich die Begründer des moderñen Sozialismus Deutſchlands Söhne ſind, ſchmachtet die deutſche Arz _ beiterbewegung am ſchiverſten unter dem Joche der Diktatur. Hunderttauſende deutſcher Menſchen werden von einer ſchwarzen Beſaßungsarmee, die den Totenkopf als Abzeichen an ihre Müßen geheftet hat, in Konzentrations= lagern, Gefängniſſen und Zuchthäuſern gefangen gehalten. Tauſende ſterben einen elenden Tod. Ununterbrochen erfolgen Hinrichtungen. Täglich fliehen Andersdenkende und Juden über die Grenzen. Ungezählt verkommen ſie ſeit fünf Jahren in der Emigration. Warum? Warum? Warum ſaúſen die Bahnen und die Autos, wenn am ſelben Morgen wieder fünf junge Deutſche für ihre Weltanſchauung unter dem Beile ſtarben? Warum trägt die Jugend ſingend neue Kleider, wenn ſich die Zuchthaustore hinter Kämpfern ſchließen, die nur Menſchenwürde und ein bißchen Glück verlangten? Warum machen die Kollegen Müller, Meier, Schulze‘uſw. Überſtunden bis zur Bewußtloſigkeit, wenn ihr alter Gewerkſchaftsſekretär immer noch ſtem= peln geht, weil die Stapo ihn aus jeder Arbeitsſtelle wieder herausmirft? Warum empörſt du dich nicht, Kollege, obwohl du weißt, daß in deutſchen Zuchthäuſern Frauen auf die Hinrichtung warten, obwohl ſie erſt nach dem Todesurteil des Volksgerichtshofs cin Kind gebaren? Warum läufſt du noch zu jeder»Kundgebung«, obwohl du dagegen biſt? Warum ſchweigſt du zu jeder Demütigung, obwohl du dich aus Ekel ſelbſt anſpucken möchteſt? Warum? Warum? Weil die Diktatur aus Deutſchland ein Land der Erniedrigten und Belei= digten gemacht hat und aus dem deutſchen Untertan einen rechtloſen Sklaven. - Pie Wahrheit iſt bitter, aber ſie iſt immer gut. Sage dir ſelbſt die ganze Wahr= heit, und du mußt dir ſagen, daß du nicht mehr Menſch, Bürger, Perſönlich= keit, ſondern nur noch ein rechtloſer Sklave biſt. Pu mußt arbeiten und ſchweigen. Du darfſt deinen Arbeitsplat nicht mehr verlaſſen, deine Kinder müſſen dienen vom 10.-25. Lebensjahr und du mußt gehorchen. Bis zum mie= vielten Jahre zwingt man dich zum Heeresdienſt? Das Geſetz läßt die Zeit der Landſturmpflicht unbegrenzt. LInd natürlich wirſt du kommen, wenn irgend= cin Wiſch mit einem Hakenkreuzſtempel dich ruft. Und du wirſt wieder gehor= “chen, bis dir ein Heldentod auf unbekannten Schlachtfeldern die weitere Mühe des Schweigens erſpart. Das hat die Piktatur aus dir gemacht, das var ihr Ziel. Nun erkenne ihr Syſtem: Fünf Männer herrſchen in Deutſchland: Hitler, Göring, Himmler, Goebbels, Ley. Der efſte ein degenerierter Lumpenproletarier, der zweite ein unerſätt= licher Blutſäufer, der dritte die verkörperte Gewalt, der vierte die verkörperte Lüge, der fünfte ein knechtiſcher Verräter. Verrat an der Arbeit und ihrem Lohn, Lüge gegen Wirklichkeit und Wahrheit, Gewalt gegen Freiheit und _5 Gegen den Strom 65 Geiſt, Mord in Krieg und Frieden, ſittliche und moraliſche Verarmung ſind in Dieſem Sy dieſen fünf Männern die Grundlagen der Diktatur im Dritten Reich. Kein ſehen es nic anderer als der- verkommenſte unter ihnen kann der Führer ſein. Noch ent= Goebbels-Bli ſchuldigt oft cine Verblendung unter den Peutſchen dieſen Hitler, daß er von der Burſche d den Ausſchreitungen ſeiner Söldner nichts wiſſe und ſie nicht wolle, die Tat=® die Beiträge ſachen ſind anders. Hitler iſt der Vater des Antiſemitismus und Antibolſche= ihre Volksge wismus. Nichts wurde gegen die ſozialiſtiſchen Parteien, gegen die Gewerlz= ſtarken Mann ſchaften, gegen die ganzen großen Kulturorganiſationen unternommh, was ſucht beſteht, er nicht veranlaßt hat. Hitler iſt der Treiber des Wettrüſtens und der Kriegs= Unterjochen d wirtſchaft. Kein Wort von den Eroberungszielen, die er 1936 gegen Frank= Wir woll reich und Rußland verkündete, hat er Je zurückgenommen. Hitler beging am Menſchen vo 30, Juni 1934 den Mord an ſeinen Freunden, er ganz allein iſt dafür verant=“ daher an jed wortlich. Im Führerprinzip iſt er das Prinzip der geſamten Diktatur. NS=Zeitunge! Aber, was wäre er ohne Göring? Göring hat ihm den Weg in die Macht euch keinen| geebnet, Erſt brachte er ihm die Gelder der Schwerinduſtrie und der Banken, Schiller und dann mit der Verſtändigung die Männer um Papen und Schröder, dann machte Studiert unſ er mit Oskar von Hindenburg und Meißner den Handel um die Miniſter= euven Kopf- poſten, Rittergüter und Generalſtellen fertig. 1934 erſchoß er für ihn die na= tatuy: Da, tionalrevolutionären SA-Führer. Durch Schaffung einer Luftwaffe brach er als ganzen Vo erſter den Fricdensvertrag, ſchickte als erſter Bombengeſchwader gegen das: zerſprengt,( freiheitliche ſpaniſche Volk. Zum Wirtſchaftsdiktator beſtellt, verdrängte er Hitler muß\ Schacht und dirigierte Funk. Brutal, aber hohl iſt er, der Marſchall»Unglüclk« durch eine Ww des Oritten Reiches.: Wir wollen 0 Himmler, Goebbels, Ley ſind die Handlanger der zwei. Als Reichsführer Î vernichten, der SS kommandiert Himmler das tägliche Sterben in den Konzentrations= Rechtspflege, lagern. Sein Geiſt ſchwelgt in der Phantaſie von Maſſenerſchießungen, die im Demokratie, Kriegsfall unter den Funktiohären der Sozialiſten und Pazifiſten in Sonder= Leiter, Amts lagern vorgenommen werden ſollen. Wenn Himmler für eine Sache völlig echt vermi) gerüſtet iſt- dann für den Bürgerkrieg gegen das deutſche Volk.- Goebbels Deshalb wer lügt, er hat immer gelogen. Er log vor verſammeltem Reichstag in öffentlicher| londern alle Sitzung, als er behauptete, in belgiſchen Gefängniſſen geprügelt worden zu F tuy Abzuſcha) ſein. Er log im Reichstagsbrandprozeß. Er lügt über das republikaniſche Avantie Spanien, über die katholiſche Kirche und den Sozialismus. Er lügt auch über Deutſchland' Hitler, indem er ihn zu einem Wundermenſchen erklärt. Dafür iſt er Miniſter, Viederholen dafür, daß er lügt, Die Goebbelſche Kulturkammer, wie Preſſe, Film, Radio So wolle, und Theater ſind zur Kulturſchande in Deutſchland geworden.- Ley macht die F Diktatuy di| DAF, von ihm werden die deutſchen Arbeiter und Angeſtellten um ihren Lohn berechtigt e betrogen. Wann verſprach er den»gerechten« Lohn? War es nicht ſchon am F Lohn ſt py 1, Mai 1935?‘Aber ſeitdem ſind die Dividenden unaufhörlich geſtiegen und die Siftlich Löhne immer noch ſo niedrig wie in der Kriſe 1932. Ley macht die DAF: um die Arbeiter und Angeſtellten rechtlos dem Unternehmer auszuliefern. Ley verweigert jeden Rechtsanſpruch auf Unterſtütßungen nach den alten Verbands=/ Pef ſatungen,. Ley verwirtſchaftet einen Etat von über 400 Millionen für ſich und Blut) veiy ſeine treuen Beamten. Denn nur die Dummen glauben, daß ſie die KdFzReiſen"FF ut nicht ſelbſt bezahlen müſſen. Ley iſt der Unternehmerknecht, den ſich die Machu) Herren immer gewünſcht haben. 6 Ein Stöh) y tlehe ih Hi att D keit ſt 0ó ng ſind in eich, Kein Noch eñt- aß er von e, die Tatz* ntibolſche- e Gewerk- ni, was er Krieg8- zen Frank- beging am ür verant- die Macht er Banken, ann machte e Miniſtey- hn die na- rach er als gegen das drängte el »Unglüdli« eichsführer| entrations? zen, die im in Sonde" ache póllig _ Goebbels öffentlicher orden 2 blikanilche auch über er Miniſter ‘ilm, Radi0 / macht Du hen[ohn t[chon 2 jen und die e DAF: UM f Ley ern lief L Dieſem Syſtem der Diktatur ſind Millionen deutſcher Menſchen erlegen, ſie ſehen es nicht mehr. Sie leſen Zeitungen und wiſſen nicht mehr, daß die Goebbels=-Blätter nur lügen. Sie hören Ley-=Reden und haben vergeſſen, daß der Burſche das Gewerkſchaftsvermögen ſtahl und ſie weiter allwöchentlich um die Beiträge zur DAF beſtichlt. Sie ſehen die SS und verraten und verleugnen ihre Volksgenoſſen in den Gefangenenlagern. Sie beroundern in Göring den ſtarken Mann und erkennen nicht, daß der Kerl nur aus Brutalität und Hab= ſucht beſteht. Sie verehren in Hitler»den von Gott geſandten Führer« und unterjochen damit ſich ſelber. Wir wollen den Sturz der Diktatur. Darum müſſen wir zuerſt den deutſchen Menſchen von der Propaganda und der Gewalt befreien. Wir wenden uns daher an jeden einzelnen. Unſere Mittel ſind einfach. Hier ſind ſie: Leſt keine NS=-Zeitungen und Zeitſchriften. Hört keinen deutſchen Nachrichtendienſt. Seht euch keinen NS-Film an. Leſt keinen»volkhaften« Dichter. Aber leſt Leſſing, Schiller und Goethe. Hört ausländiſche Nachrichten. Seht euch alte filme an. Studiert unſere revolutionären Blättér und Schriften. Vor allem: Gebraucht curen Kopf zum Denken! Das iſt unſer erſter Weg zum Sturz der Dilz= tatur: Das eigene Denken eines jeden, das Nachdenken des ganzen Volkes. Denken hat noch ſtets in der Weeltgeſchichte jeden Mythos zerſprengt. Ohne dieſes Penken werden wir nie die Diktatur überwinden. Hitler muß von innen fallen. Es wäre unſer größtes Unglück, wenn er nur durch eine Wirkung von außen, evtl. einen Krieg, verſchwinden würde. Penn wir wollen die faſchiſtiſche Diktatur nicht nur ſtürzen, ſondern ſie für immer vernichten. Wir wollen eine freie Regierung, eine Selbſtverwaltung, eine Rechtspflege, eine wahre Volksrepublik. Aber wir wollen keine Freiheit, keine Demokratie, keine Republik für Diktatoren. Die Menſchen, die ſich als Führer, Leiter, Amtswalter, Förderer, Unterſtützer der Diktatur betätigen, haben das Recht verwirkt, in einer freien Volksrepublik politiſch mitreden zu dürfen. Peshalb werden mir kein leeres formales Verbot gegen die NSDAP erlaſſen, ſondern alle Maßnahmen perſönlicher und ſachlicher Art ergreifen, die Pikta= tur abzuſchaffen. Ein Geſet zur Abſchaffung der Diktatur wird die Garantie geben, daß die Wiederkehr faſchiſtiſch=diktatoriſcher Zuſtände în Deutſchland unmöglich wird. Die Fehler der Vergangenheit werden ſich nicht wiederholen. So wollen wir durch die Volksfront mit der Vernichtung der faſchiſtiſchen Piktatur die Grundlage in Deutſchland ſchaffen für eine freie Geſellſchaft gleich= berechtigter Menſchen: Wahrheit ſtatt Lüge, Freiheit ſtatt Gewalt, gerechter Lobn ſtatt Diebſtahl an der arbeitenden Bevölkerung, Friede ſtatt Wettrüſten, Sittlichkeit ſtatt moraliſcher Verlumpung, Menſchlichkeit ſtatt Unterdrückung! o. Recht und Gerechtigkeit für alle!. Befreiung der politiſchen Gefangenen, Abſchaffung der ßBlutjuſtiz, Sühne für die begangenen Verbrechen, Wieder= gutmachung des verübten Unrechts. Ein Stöhnen geht durch Deutſchland: es gibt kein Recht mehr. Es gibt Geſetze in Hülle und Fülle. Noch nie hat es ſo viele Geſetze und Geſetzgeber 67 gegeben. Der Führer, die Reichsregierung, jeder Miniſter, ab und zu der Reichs= tag, der Beauftragte für den Vierjahresplan, die Wirtſchaftsgruppen und lber= wachungsſtellen, der Reichsnährſtand, der Reichsſchatzmeiſter der NSDAP laſſen cine unaufhörliche Flut von Geſeten, Verordnungen, Anordnungen, Erlaſſen, Verfügungen über das deutſche Volk niederregnen. Aber je mehr Geſetze er= laſſen werden, um ſo größer wird im Volk das Gefühl abſoluter Rechtloſig= keit, Denn alle Geſetze bringen nur Zwang und Gemalt, keines ſchafft Frei= heit, keines Entwicklung, Leben, Ziviliſation, Kultur. Vorrechte für die Träger und Nußnießer der Diktatur, Rechtloſigkeit für alle anderen iſt ihre gemein= ſame Tendenz./ Und es gibt keine Gerechtigkeit, keinen Rechtsweg, nur Beſchwerde, keine Gerichte, nur Mörder und Spitzbuben in Talaren und Parteiuniformen. Sie machen aus den Geſetzen tötende Gewalt. Wo Geſetze nicht reichen, ergänzen ſie ſie durch das Parteiprogramm, dieſes Sammelſurium ſchwachſinniger Ver= ſchwommenheiten. Keine Schöffen, keine Geſchworenen, kein Rechtsſchutz in der Verwaltung, überall nur Juſtiz, nirgends Gerechtigkeit. Das iſt das Dritte Reich. Rechtlos die Marxiſten und Juden, gejagt und gehetzt die Katholiken und die bekennenden Proteſtanten, bevorzugt und befördert die Pgs./ kor= rumpiert die alten Kämpfer. Ein Syſtem von Unrecht, das heißt în der Diktatur Gerechtigkeit. Wir wollen Recht und Gerechtigkeit für alle. Nicht cin formales Recht, das nur auf einwandfreie Verfahrensſäße gleichgültig auf ſeine ſoziale Wirkúng angewandt wird, ſondern ein poſitives Recht, das den tiefſten Sinn des Rechts verwirklicht: Freiheit und Sicherheit der Perſon und des perſönlichen Eigen= tums und geſellſchaftlichen Frieden. Wir wollen eine Gerechtigkeit, die nach gleichem Maße Schuld und Unſchuld mißt und Sühne oder Ehre zuteilt, Dieſes Recht und dieſe Gerechtigkeit wünſchen wir alle. Rechtsgleichheit ſoll wieder unter den deutſchen Menſchen herrſchen, nicht Willkür und Betrug. Abſchaffung der Blutjuſtiz. Maßnahmen von grundfäßlicher Bedeutung ſind dazu notwendig. Die neue Zeit kann nicht im Blutnebel der Guillotine beginnen. Denn die Todesſtrafe iſt in einem geordneten Rechtsleben nicht notwendig. Sie ſchreckt den Mörder ſo wenig, wie ſie uns Kämpfer für ein freies Deutſchland je geſchreckt hat, Deshalb muß ſie in der Volksrepublik verſchwinden. Welch ein Unterſchied zur Diktatur! Die Diktatur hat die Todesſtrafe geſetzlich und praktiſch verviel= facht. Hochverrat, ſelbſt in der Vorbereitung, cin Dußend Fälle des Landes= verrats, Attentatsverſuche jeder Art, Brandſtiftung, Deviſenvergehen und eine unbekannte Anzahl von militäriſchen Vergehen werden nach Hitlers Befehl mit dem Tode beſtraft. Jahr um Jahr wächſt in grauenerregender Weiſe die Zahl der Hinrichtungen, Oder iſt es nicht ein unfaßbares Grauen, daß Göring an ſeinem Hochzeitsmorgen drei kommuniſtiſchen Kameraden die Köpfe abſchlagen lie8? Wenn jemals, dann iſt es jetzt angebracht, Schluß zu machen mit der Blutjuſtiz. Befreiung der politiſchen Gefangenen. Wir können die Toten, die unſchuldig für den höchſten Wert der Menſch= heit durch Hitlers Willen auf dem Schaffott ſtarben, nicht wieder ins Leben 68 zurückrufen,\ Menſchen zu e anderen Unſcl Alle politiſche1 Verbrechen ve $o werden A gegeben, Wir ein neues Deu Deutſchland m fertig werden, teils indem w Sühne fü Nicht einer die Strafgeſeß die Volksfron Nach ihren ei geſtraft werde Staatsbürgey| 30, Juni 1934 $0 way dey 5 Hochverrat, d Menſchenraub weſen, Kein 20 üben, Es herzuſtellen, y Notwendigkei Urch die byej ter Lynchjuſtj vor dem deut brechep waren Wieder Dann w oll ſſt Unheilbay: Legeben 08 Reichs= d Über- P laſſen ‘laſſen, [ehe erz htloſig- ft Frei Träger gemein= e, keine nen, Sie rgänzen jer Ver- chut in g Dritte tholiken s,/ kor- Diktatur cht, das X/irkung g Rechts 1 Eigen- die na t, Pieles [ wieder pie neue desſtrafe Mörder eckt hat, terſchied | perviel- (andes? und eine efehl mit die Zahl gring WV ſchlagen “mit de” _ Menl- 18 Lebe" zurückrufen. Wir müſſen es genug ſein laſſen, ihnen die größte Ehre unter den Menſchen zu erweiſen: ſie als Märtyrer nie zu vergeſſen. Aber wir können die anderen Unſchuldigen noch retten, wenn wir uns beeilen und Hitler ſtürzen. Alle politiſchen Gefangenen, auch diejenigen, die unter dem Vorwand gemeiner Verbrechen verurteilt worden ſind, ſollen ſofort ihre Freiheit wieder gewinnen. So werden 200 000 der beſten deutſchen Menſchen unſerem Volke wieder= gegeben. Wir freuen uns darauf, ſie in der vorderſten Reihe der Arbeit für ein neues Deutſchland zu ſehen. Danach ſoll es keine Konzentrationslager in Deutſchland mehr geben. Mit den Verbrechern werden wir auf andere Weiſe fertig werden, teils indem mir ſie in geordnete Sicherungsverwahrung bringen, teils indem wir ſie ihrer gerechten Strafe zuführen. Sühne für die begangenen Verbrechen. Nicht ciner ſoll für das, was er ſeit 1933 bewußt oder nicht bewußt gegen die Strafgeſetze getan hat, ungeſtraft bleiben. Schnell, ſtreng und gerecht wird die Volksfront das deutſche Volk von den Verbrechern der Diktatur reinigen. Nach ihren eigenen Geſetzen ſollen die Hitler und Genoſſen für ihre Untaten geſtraft werden. Keine Regierung in der ganzen Welt hat je Befugnis gehabt, Staatsbürger ohne Geſetz, Gericht und Urteil zu erſchießen. Deshalb war der 30. Juni 1934 Mord, und muß nach alten Geſetzen als Mord geſühnt. werden. So mar der 5. März 1933- mit dem Ausſchluß der KPD aus dem Reichstag Hochverrat, der 2. Mai 1933 Bandendiebſtahl, iſt jeder Fall von Schutzhaft Menſchenraub, jede Vermögenseinziehung Raub, jeder 1. Mai Nötigung ge= weſen. Kein Buchſtabe des neuen Geſeßes wird nötig ſein, um hierfür Sühne zu üben. Es genügt, das alte Recht in ſeiner alten Stärke und Reinheit wieder herzuſtellen. Wir wiſſen, daß dieſe gerichtliche gerechte Sühne eine unbedingte Notwendigkeit iſt. Denn eine Woge von Wut, Haß= und Rachegelüſten geht durch die breite Maſſe. Unabſehbar ſind die Folgen, wenn ſie ſich in ungeregel= ter Lynchjuſtiz ſelbſt Raum ſchaffen. Deshalb wirbt die deutſche Volksfront vor dem deutſchen Volke um Vertrauen zu einem ſühnenden ordentlichen Ge= richt. Nicht weil ſie unſere politiſchen Gegner ſind, ſondern weil ſie Ver= brecheyr waren, ſoll die Hitler und Genoſſen die Schärfe des Geſetzes treffen. Wiedergutmachung des verübten Unrechts. Dann wollen wir die Wunden heilen, ſo ſehr wir es noch können. Vieles iſt unheilbar geworden. Aber es wird auch viel perſönliches Eigentum zurüchk=- gegeben oder ſeine Wegnahme entſchädigt werden können. Die Arbeiter und Angeſtellten werden die aus Pfennigen geſparten Vermögen- der Gewerk= ſchaften und Genoſſenſchaften zu eigener Verwaltung zurückerhalten. Alle kul= turellen Organiſationen ſollen neu erſtehen. Verjagte Beamte, Profeſſoren, Lehrer, Angeſtellte und Arbeiter werden angemeſſen entſchädigt werden. Keiner der Geſchädigten wird dadurch bereichert, kaum einer für das Unmaß von Leid getröſtet werden können. Diejenigen äber, die ſich in einer unerhörten Korruption in der Diktatur bereicherten, müſſen zurückgeben, was ihnen nicht gehört: Die Reichstagsabgeordneten, die 7200.- RM pro Jahr, für die ſie cinmal das Horſt=Weſſel-Lied ſangen, die Führer und Leiter die Villen und Rittergüter, mit denen ſie ſich in wenigen Jahren verſchwenderiſch verſorgten, ó9 die Organiſationshäuſer, die andere gebaut. Daß die kleinen Angeſtellten der NSDAP, die für kärgliche Gehälter die Arbeit für ihre beſoffenen Leiter machen müſſen, unſere Freunde, keineswegs unſere Feinde ſind, verſteht ſich von ſelbſt. Recht und Gerechtigkeit für alle: das‘iſt ein Ruf, der tiefſte menſchliche Sehnſucht und härteſte politiſche Notwendigkeit in eins zuſammenfaßt. Nie= mand, der rein vor der Geſchichte ſteht, braucht vor ihm zu erſchrecken. Furchtbar iſt er nur für die, die Unrecht übten. Dieſer Ruf wird befreien, rcinigen, ſühnen, wiedergutmachen. Nach einer ſchrecklichen Klaſſenjuſtiz in der Monarchie, einer ſchwächlichen Rechtspflege in der Republik, einer furcht= baren Blutherrſchaft in der Diktatur wird er durch die Volksfront endlich den Weg für das deutſche Volk öffnen, ſein Reich in Freiheit und Frieden zu er= neuern. 3. Freiheit Freiheit des Glaubens und der Weltanſchauung, ſtaatlicher Schuß jeder Religionsausübung, Preſſe=, Verſammlungs=- und Vereinigungsfreiheit. Schwer und dornenvoll iſt der Weg, der zur Freiheit führt. Nur freie Menſchen können anderen Freiheit gewähren. Die Größe der Freiheit aller ergibt ſich aus dem Maße der Freiheit, zu der jeder einzelne fähig iſt. Noch ſind in Deutſchland die innerlich unfreien Menſchen gegenüber den freien in der Mehrzahl, Deutſchland hat mehr Untertanen als Staatsbürger, mehr Men= ſchen, die ohne zu denken ans Gehorchen gewöhnt ſind, als Menſchen, die in gleicher Achtung jedes anderen aus vernünftigen Gründen ſich mit anderen zu gemeinſamem Wirken vereinen. In keinem anderen Lande iſt oie in Peutſch= land cine Überordnung von großen und kleinen Feldwebeln und Poliziſten über cine Unterordnung von Untertanen, ein Befehlen von Männern über Frauen, cine Hierarchie von Bonzen über Laien vorhanden. Deutſchland iſt durch Geſchichte und Tradition, Feudalismus und Militarismus, Scharf= machertum und Demokratie ein Sumpfland moraliſcher Unfreiheit. Dieſen Sumpf der Unfreiheit gilt es in ein Kulturland der Freiheit zu verwandeln, Wie iſt das möglich? Freiheit des Glaubens und der Weltanſchauung. Zuerſt müſſen wir anerkennen, daß die Menſchen verſchieden, aber alle zur Freiheit gleich fähig ſind. Wir verwerfen deshalb das Dogma der Raſſen= pflege und Erbtüchtigkeit von ſogenannten höheren, anderen Raſſen. Nicht in der biologiſchen Vergangenheit, ſondern in den geiſtigen und moraliſchen Anlagen des Menſchen liegt ſein Wert; darum kommt es darauf an, jedem die Chance zu geben, frei oder unfrei, Bürget oder Untertan zu werden. Zwei Wege ſtehen dafür offen: der Glaube und die Weltanſchauung. Was der Menſch an Wiſſen und Bildung in letter Inſtanz ſagt und. tut, iſt ſein religiöſer Glaube und ſeine politiſenhe Weltanſchauung. Die Diktatur will dem Menſchen eine einzige ſogenannte Weltanſchauung der NSDAP aufzwingen, möchte am liebſten auch nur einen Glauben, den Glauben“an ſich, den»Füh= rer« ſchen. Deshalb verkrüppelt der Menſch unter der Diktatur. Denn nicht einmal diejenigen, die für die Diktatur_ſind, vermögen ihre Anlagen voll= 70* nerbo Ere ſtändig zu entw Willens, Feighe! Die menſchliche und ſchwächer n ſtärker wird, Ni das Entſcheiden Macht des Gemi ſoll, jeder Glaul iſt nichts Form ldeen, die Tiefe einzeln und in il nach ihrem Weſ kunft beantwor Freiheit ſchaffen, ſelbſt, Freiheit| Leben beweiſen, Staatliche, Staat und Ki allen Kirchen Vv ſtüßen, ln dey 1 Polizeiſpibel, ke Fronleichnamspr Gemeindehäuſey über theologiſch der Volksrepub| =Pöbelg[chül Staat und Kiych les dag iſt ni ſondern folgt fi en der nachen ſelbſt, chliche , Nie- recken, freien, ſtiz in furcht- ich den zu etz licher 1ngs- ¡e freie it aller , Noch eien in y Men- , die in nderen )eutlch- zliziſten n über and iſt Scharf- Pieſen In, Wiie alle zu” ſaſſen- Nicht in gliſchen n „Was e ſein ill dem ſtändig zu entwickeln. Armut des Geiſtes, Leere des Gefühls, Schwäche des Wiiliens, Feigheit der Moral ſind ſo die notwendigen Folgen der Diktatur. Die menſchliche Geſellſchaft aber kann nicht leben, indem ſie täglich‘ärmer und ſchwächer wird, ſondern ſie wird nur leben, wenn ſie täglich reicher und ſtärker wird. Nicht Flugzeuge und Kanonen, Autoſtraßen und Brücken ſind das Entſcheidende.»Nicht durch die Gewalt der Waffen, ſondern durch die Macht des Gemüts werden Siege erkämpft.« Deshalb muß, wenn Freiheit ſein ſoll, jeder Glaube und jede Weltanſchauung leben können. Auch die Freiheit iſt nichts Formales, ſondern ein Wirkliches. Die Vielheit und Größe der Ideen, die Tiefe und Innigkeit des Glaubens, die Stärke reinen Wollens ſind einzeln und in ihrer Geſamtheit Erſcheinung und Maß der Freiheit. Die Frage nach ihrem Weſen überlaſſen wir der Metaphyſik, die Frage nach ihrer Zu= Runft beantworten wir, indem wir für viele Freiheiten menſchlichen Lebens Freiheit ſchaffen. Freiheit, andere zu unterdrücken, iſt ein Widerſpruch-in ſich ſelbſt. Freiheit kann es nur für Menſchen geben, die durch ihr praktiſches Leben beweiſen, daß ſie die Freiheit ihrer Mitbürger achten. Staatlicher Schuß jeder Religionsübung. Staat und Kirche ſollen in Frieden leben. Deshalb wird die Volksrepublilz allen Kirchen volle Autonomie der Religionsübung gewähren und dieſe “ ſtützen. In der von der Volksfront regierten Volksrepublik wird es keine Polizeiſpißel, keine Kanzelparagraphen, kein bemwaffnetes Vorgehen gegen Fronlcichnamsprozeſſionen, keine politiſchen Kundgebunden in Kirchen und Gemeindehäuſern, kein ſtaatliches Kirchenregiment, keine Diſziplinargerichte über theologiſche Meinungsverſchiedenheiten geben. Die Verwaltungsorgane der Volksrepublik werden jede berechtigte Religionsübung gegen Exzeſſe des NS-Pöbels ſchüßeh. Die Volksfront wird auch vermögensrechtlich zwiſchen Staat und Kirche eine Verſtändigung finden, die beiden Seiten gerecht wird. Alles das iſt nicht ein gelegentliches praktiſches Zugeſtändnis an die Kirche, ſondern folgt für immer aus unſeren Grundſätzen über die Freiheit. Freiheit ſoll auch für die atheiſtiſche Bewegung herrſchen. Mögen Kirchengläubige und Atheiſten miteinander ringen- überzeugt, daß jedes geiſtige Ringen alle menſchlichen Kräfte weckt, wird es die Volksrepublik als ein Stück der Wirk= lichkeit der Freiheit nur begrüßen. Organiſationsfreiheit. Die Volksrepublik braucht die politiſche, weltanſchaulich gefeſtigte Tätigkeit ihrer Bürger. Da aber die Menſchen verſchieden ſind, anerkennt die Volks= front grundſäzlich die Notwendigkeit verſchiedener Parteien. Denn man darf nicht nur von der Freiheit reden, man muß ſie auch organiſieren. Pie Freiheit iſterſt geſichert, wenn mehrere Parteien ein poſitives Recht auf politiſche Wirk= ſamkeit im Staate haben. Daraus ergibt ſich, daß die Parteien ihrer Natur nach etwas anderes ſind als Vereine. Der Liberalismus ſtellte ſie fälſchlich den Vereinen gleich, die Diktatur identifizierte fälſchlich Partei und Staat. Wir werden durch ein Verfaſſungsgeſetz über das Parteiweſen die Parteien dahin ſtellen, wohin ſie gehören: in die Geſellſchaft- ihre Mitglieder vor Auto= kratie, ihre Finanzen‘vor Korruption, ihre Führer vor Verleumdung, das Volk ſelbſt aber vor dem Unfug der Parteiſplitterungen ſchützen. 71 Verſammlungsfreiheit. In Freiheit ſoll das Volk in Verſammlungen ſprechen können. Auch dieſe ‘Freihéit muß man organiſieren. Freiheit in Verſammlungen beſteht nur dann, wenn dieſe weder Reden- und Prügelangelegenheiten noch Fahnen=, Muſik= und Redeparaden ſind. Vielfache Maßregeln zur Freiheit der Rede in Ver= ſammlungen ſollen geſeßlich geordnet werden. Nur Menſchen, die fähig ſind, mindeſtens zwei Meinungen anzuhören, können denken und urteilen. Nur ein Volk, das diskutiert, Iſt frei. Preſſefreiheit. Wir miſſen, daß die Organiſation der Preſſefreiheit die ſchwerſte aller ſchweren Aufgaben zur Verwirklichung der Freiheit iſt. Aber das deutſche Volk bringt dafür eine Erfahrung mit, die kein anderes hat machen können. Andere Völker kennen die Korruption der Preſſe. Wir kennen die Lüge. Darum iſt der unausgeſette Kampf gegen die Lüge die Richtſchnur unſeres Ringens um die Preſſefreiheit. Gute Unterrichtung der Preſſe, eine ſtaatlich geſicherte, ausgezeichnete Bildung der Redakteure, Gemeinnüßigkeit der Preſſebetriebe, werden Grundlagen der neuen Preſſefreiheit ſein. Oh, welches Glück, zu wiſſen, daß in der Volksrepublik die Preſſe- und Redefreiheit und die Wahr= heit nicht Dinge ſind, die ſich, wie in der Goebbels-Diktatur, ausſchließen müſſen. Wollen wir zuviel? Greifen wir nach zu‘hohen Zielen? Nein, Freiheit iſt nicht nur eine Sehnſucht, die jedem Menſchen angeboren iſt, Freiheit iſt ein Element des Lebens. Und wir, die Volksfront, wir leben! Wir leben trotz Diktatur, Zuchthaus und Schaffott. Und der Lebende hat Recht. Lebt mit uns, und eine neue magna Charta der Freiheit ſoll 1813, 1918 und 1938 zu eînem Strahlenkreuz der deutſchen Geſchichte zuſammenfafſen! 4. Volksherrſchaft Seclbſtregierung und Selbſtverwaltung des deutſchen Volkes in cinem erneuerten Reich der wirtſchaftlichen, politiſchen und ſozialen Demokratie. Aus Freiheit wächſt gleiches Recht im Staat. Regierung aus gleichen Rechten aller iſt Volksherrſchaft, Demokratie. Es iſt richtig, wenn unſere Gegner über die Demokratie der Republik von 1919 ſpotteten. Dieſe Republik war ſchwach; aber ihre Schwäche entſtand nicht aus einem Zuviel, ſondern aus einem Zu= wenig in der Demokratie. Die vergangene Demokratie war nur politiſch- und ſie hätte auch wirtſchaftlich, ſozial und kulturell ſein müſſen. Die alte Dema= kratie war nur parlamentariſch- und ſie hätte auch ſtaatlich und kommunal ſein müſſen. Sie war ſchlecht organiſiert. Mit ihrer Vielwählerei, ihren vielen Parteien, Vielparlamenten und 30 Gemeindeordnungen, und ſie hätte einlteit= lich ſein müſſen. Sie war ein Kind des Krieges und der Alten- und ſie hätte cine Schöpfung des Friedens und der Jugend ſein müſſen. Wir wollen eine andere, beſſere Demokratie. Wir folgen dem Satze:»Alles für das Volk, mit dem Volk, durch das Volk.« Für das Volk zu wirken behauptet jeder, der irgendeinmal regierte. Mit dem Volk zu gehen, lügt ſogar die Diktatur. Aber GI NGADA C A SURE MR AET Vw HNE. e: BEE Mu nur der Den tat, indem Befehlen, abi ten Staaten Volle$ Nur eine regierung iſ untergeordn Gericht, ein Aber dieſe Wirkung iſ Oppoſition Hitler aufs die gleiche keine Splitt und Geſetg Volle| Alle ani laſſen werd, ziehen; den alte Vielſta; behörden Staatsräte| Statthalter, ſtadt Ham Selbſtver. Uber allen leitungen, Reichamini Kreigleitep erwaltun, Politi Alles, 1 Selegenhej Wird in de kürzeſte, f Éilenbahne Wirtlchafe Wirtſchaft); Wirtſchaft Allen Bot, kam E uch diele ur dann, =, Muſik- è in Ver- ¡hig ſind, len, Nur erſte aller ; deutſche 1 können. ge, Darum z Ringens geſicherte, ſebetriebe/ Glüdi, 28 die Wahr- ¡sſchließen Freiheit iſt eit iſt ein leben trob { mit uns/ zu einem eutſche ftlichen/ en echten egner übe! pr ſchwa) einem 205 Y / nur der Demokrat kann beweiſen, daß er alles für das Volk, mit dem Volke tat, indem er es durch das Volk ſelbſt tun läßt. Das geht langſamer als mit Befehlen, aber es geht auch ſicherer. Es geht, wie die Schweiz und die Vereinig= ten Staaten lehren, vor allem für die Dauer. Volle Selbſtregierung des Volkes. Nur eine oberſte Gewalt kann aus dem Volke hervorgehen. Dieſe Volks= regierung iſt die alleinige politiſche Gewalt, alle anderen Gewalten müſſen ihr untergeordnet ſein. Wer ſich gegen ſie auflehnt, ſei es ein General oder ein Gericht, ein Wirtſchaftler oder ein Gewerkſchaftsführer, begeht Hochverrat. Aber dieſe oberſte Volksregierung iſt kein Organ der Diktatur, denn ihre Wirkung iſt geſetgeberiſch an die Volksvertretung gebunden. In dieſer ſind Oppoſition und Regierung gleichen Rechts. Der Führer der Oppoſition, den Hitler aufs Schafott ſchleppen. läßt, wird in der Selbſtregierung des Volkes die gleiche Achtung genießen wie die Regierung. Die Volksvertretung wird keine Splitterparteien haben und ſich nur den großen Aufgaben der Politik und Geſetzgebung widmen. Volle Selbſtverwaltung in einem erneuerten Reich. Alle anderen Aufgaben werden der Selbſtverwaltung des Volkes über laſſen werden. Dieſe Selbſtverwaltung foll ſich in einem erneuerten Reich voll» ziehen; denn die Diktatur hat nichts getan, um das Reich zu reformieren. Die alte Vielſtaaterei mit ihren 200 Exklaven beſteht weiter. Zu den vielen Sonder2 behörden ſind auch noch mehr neue getreten. Miniſter, Staatsſekretäre und Staatsräte hat es noch nie fo viel gegeben wie heute. In den Ländern ſind die Statthalter, in Berlin der Stadtpräſident hinzugekommen. Der freien Hanſe= ſtadt Hamburg hat das Reich die wichtigſten Gebiete ihrer alten geſunden Selbſtverwaltung genommen. Nirgends gibt es mehr gewählte Körperſchaften. über allem ſteht die Partei mit Gauleitungen, die Miniſterien ſind. Kreis» leitungen, die größer als Landratsämter ſind, und Reichsleitungen, die den Reichsminiſtern das Amt ſtreitig machen. Fort mit dieſen Reichs=, Gau= und , Statthaltern und Präſidenten aus der Verwaltung! Einheit der Verwaltung! Selbſtverwaltung auf allen Gebieten iſt unſer Ziel. Politiſche, wirtſchaftliche und ſoziale Pemokratie. Alles, was es an politiſchen,-polizeilichen, finanziellen und kulturellen An= gelegenheiten gibt, ſoll durch eine politiſche Demokratie geordnet werden. lhr wird in der Staatswirtſchaft die volle wirtſchaftliche Pemokratie folgen. Binnen kürzeſtei Friſt wird die Volksrepublik die Eiſenbahnen der Verwaltung der Eiſenbahner und der Wirtſchaft, die Poſt der Verwaltung der Poſtler und der Wirtſchaft übergeben, aus Domänen, Forſten und Bergwerken große gemein= wirtſchaftliche Betriebe des Staates machen. Ein Geſetz über die demokratiſche Wirtſchaftsverwaltung wird die Mitwirkung der Arbeiter und Angeſtellten in allen Betrieben der freien Privatwirtſchaft feſtlegen und in den Wirtſchafts kammern für Gleichberechtigung zwiſchen Arbeitern und Unternehmern ſor= gen. Die Sozialverſicherung ſoli gänzlich den Verſicherungspflichtigen zur alleinigen Selbſtverwaltung überlaſſen werden. Pie Hilfseinrichtungen der 73 Krankenkaſſen und Arbeitsloſenverſicherung werden auf kommunaler Grund= lage vereinheitlicht, die Rentenverſicherungen(Invaliden und Angeſtellten) zuſammengeſchloſſen, dezentraliſiert und demokratiſiert werden. Überall wollen wir die Menſchen aufrufen, ihre eigenen Angelegenheiten ſelbſt zu beſorgen. Denn es gibt keinen anderen Weg zur Volksherrſchaft. Aber wenn das Führerprinzip verſchwunden iſt, wird da nicht ein Chaos in Deutſchland entſtehen? Nein! Es wird im Gegenteil Ordnung werden; denn das Chaos iſt jetzt da. Dieſe Vielregiererei, dieſes Hineinreden aller mehr oder wenigei ehrenwerten Pgs. in alle Verwaltungsſachen, dieſe Feigheit der Führer vor Entſcheidungen, dieſe Flucht vor Verantwortung, dieſes Hin-= und Her= ſchieben zwiſchen den Inſtanzen, dieſe materielle und geſinnungsmäßige Kor= ruption, die offizielle Meuchelei des Beamtentums, das So=tun=als=0b des Publikums: das iſt Chaos. Jede Uniform verdeckt ein Chaos in der Bruſt des Trägers, jeder Hitlergruß das Chaos im Staate. Die Volksfront wird dieſes Chaos beſeitigen. Sie beſitzt die Mittel dazu: Freiheit und Sicherheit der Perſon vernichten Angſt und Heuchelei, die Urſachen des Chaos und damit dieſes ſelbſc. Und wie wird es mit dem Beamtentum? Daß es in der Volksherrſchaft keine Bürokratie geben kann, liegt auf der Hand. Daß auch das Beamtentum in ſeiner gegenwärtigen Geſtalt nicht weiter beſtehen kann, iſt ebenſo klar. Es hat im ganzen Hitler perſönlich den Treueid geleiſtet. Darum muß es fallen, wenn Hitler fällt. Man ſage nicht, daß es das gezwungen tat. Viele taten es nicht. Wieviel Elend wäre uns erſpart geblieben, wenn das Beamtentum nicht alle Rechtsbrüche mitgemacht hätte! Gibt es nicht Beamte, die nacheinander der Monarchie, der Republik und dreimal ſeit 1933 in verſchiedenen Formen dem Volk und Hitler den Treueid geleiſtet haben? Welcher Treueid war der richtige? Oder ſind ſie alle falſch geweſen? Peshalb ſagen wir: Mit dieſem Beamtentum iſt kein Staat zu machen. Die Volksregierung wird durch die Volksfront ein neues Volksbeamtentum ſchaffen, beſſer, freier, geſicherter als ee das alte war. Langſam, Stockwerk um Stockwerk, werden wir die Volks= republik von unten aufbauen. Alle geſunden Kräfte werden wir organiſieren, bis ſchließlich ein wahrhaft deutſcher Bau entſteht, in dem unſer Volk für immer in Frieden leben kann. 5. Friede Einſtellung des Wettrüſtens und der Kriegswirtſchaft, Sicherheit durch Abrüſtung, Verkürzung der militä= riſchen Dienſtzeit. Peutſchland ſteht am Rande des Krieges. Hitler hat es dahin gebracht. Un= fähig, eine andere Wirtſchaft zu führen, hat er 1934 die Kriegswirtſchaft be= gonnen, Außerſtande, friedlich zu leben, hat er ſich dem Wettrüſten der faſchiſtiſchen Mächte Italiens und Japans angeſchloſſen und ſich ihnen durch den Antikominternpakt auf Tod und Leben verbündet. Weil die großen Demo= kratien, Groß=Britannien und USA, weitgehend abgerüſtet hatten und das franzöſiſche und amerikaniſche Volk von einer tiefen Abneigung gegen den Krieg erfüllt iſt, konnte Hitler Erfolge erzielen. Aber ſeitdem ſich dieſe Völker und Mächte auf ihre Kraft beſonnen haben, weiß Hitler nicht mehr, was er 74 SO PRIN ED H IT TITINE pe EWR“MRE tun loll, Denn cinmal durchfüh die ruſſiſche, en begonnen hat al gewaltiger vorn ſich heute oder der dritte Akt d ltalien und Oe China, Deutſchl; Diktaturen ihre ſich auf die reich Generale Krieg Staaten und Re das Volk, Ge Spanien und C Mittel, Schon w. einem ſchnellen geleht werden| ſind Lügen, Und was ſo Hitley ſtürzen,| Elend ſtürzt, U Volkes ſein, mw, freien, die in di Einſtellun Auch das if Abrüſtung, als muß die deutſc zrund- ellten) wollen orgen, Chaos ; denn y oder Führer ) Her- e Kor- bb des 1ſt des dieles Perſon dieles erſchaft tentum o klar, fallen, fen es 1 nicht nander ‘ormen ar der dielem rch die ter als Volks- iſieren/ lk für haft/ ¡litá- ht, Un- aft be- en der | dur pem0? 1d das en den völker as er tun ſoll. Denn ſeine Aufrüſtung iſt Unſinn. Mag er zehn Vierjahrespläne auf cinmal durchführen, niemals kann er die vier Weltmächte überholen. Obgleich die ruſſiſche, engliſche und amerikaniſche Rüſtung zwei oder drei Jahre ſpäter begonnen hat als die deutſche, geht ſie in Menſchen und Material ſchneller und gewaltiger vorwärts. Will Hitler nicht die lezte Chance verlieren, ſo muß er ſich heute oder morgen entſcheiden, ob er kämpfen ſoll. Hitlers Krieg wäre der dritte Akt des internationalen faſchiſtiſchen Krieges gegen die Demokratie. Italien und Deutſchland gegen das republikaniſche Spanien, Japan gegen China, Deutſchland gegen die Sowjetunion heißen ſeine Fronten. Weil die Diktaturen ihre Länder wirtſchaftlich aufs leßte ausgeſaugt haben, müſſen ſie ſich auf die reichen Nachbarn ſtürzen. Zugleich führen ſie mit Hilfe verräteriſcher Generale Krieg gegen die Völker. Alle anderen Kriege waren Kriege zwiſchen Staaten und Regierungen. Der internationale faſchiſtiſche Krieg iſt Krieg gegen das Volk. Gegenregierungen gegen die verfaſſungsmäßige Regierung in Spanien und China, barbariſche Luftangriffe gegen offene Städte ſind ſeine Mittel. Schon warten in Berlin die weißruſſiſchen Konterrevolutionäre, die nach cinem ſchnellen deutſchen Vorſtoß auf Leningrad dort als Gegenregierung ein= geſetzt werden ſollen. Das iſt die Wahrheit. Alle hitleriſtiſchen Friedensreden ſind Lügen. Und was ſollen wir tun? Noch iſt es nicht zu ſpät. Deshalb wollen wir Hitler ſtürzen, bevor er zum Kriege ſchreitet und uns alle in ein namenloſes Elend ſtürzt. Unſterblich wird der Ruhm der Volksfront und des deutſchen Volkes ſein, wenn es gelingt, die Welt von der fürchterlichen Gefahr zu be= freien, die in der Bedrohung durch Hitler liegt. Einſtellung des Wettrüſtens und der Kriegsmwirtſchaft. Auch das iſt nur durch große Entſchlüſſe möglich. Die Welt war bereit zur Abrüſtung, als Hitlers Aufrüſtung alle Vorarbeiten zunichte machte. Deshalb muß die deutſche Volksrepublik den Völkern durch Taten beweiſen, daß das freie deutſche Volk den geriſſenen Friedensfaden wieder anknüpfen will. Weil wir keine pazifiſtiſchen Ideologen ſind, wollen wir dazu nichts Unmögliches, vor allem keine deutſche Entwaffnung. Aber was wir ſofort können, iſt, die Rüſtung auf dem Stande zu halten, den ſie jeßt erreicht hat. Das Wettrüſten hat Hitler ſchon verloren. Machen wir Schluß damit! Wir produzieren nur noch für den Schrotthof. Es liegt in unſerem eigenen Intereſſe, ſo zu handeln. Denn warum leidet unſere Wirtſchaft unter Rohſtoffmangel? Weil alles in einem ſinnloſen Tempo für das, Wettrüſten verbraucht worden iſt und verbraucht wird. Machen wir Schluß damit! Im ſelben Augenblick werden wir genug Rohſtofi haben und der ganze überteuerte Erſaß iſt überflüſſig geworden. Tun wir das, ſo erkennen die anderen Völker, daß es uns Ernſt iſt um die Erhal= tung des Friedens. Denn nicht ſtehende Heere, Menſchen und. Materialreſerven zerſtören die Grundlagen des Gemeinſchaftslebens der Völker, ſondern die kricgswirtſchaftliche Autarkie und die Angſt, die aus dem Wettrüſten entſteht. Friede und Freundſchaft mit allen Völkern. Die deutſche Volksrepublik wird durch den Sturz Hitlers eine ſolche Leiſtung ür den Weltfrieden, die Sicherheit und Wohlfahrt aller Menſchen vollbringen, LM /D daß ſie, die Niederlage des internationalen Faſchismus vorausgeſetzt, keine Feinde unter anderen Völkern haben kann. Sie iſt feſt entſchloſſen, in Frieden und Freundſchaft mit allen Völkern zu leben. Wahrhaftige Freundſchaft wird uns mit den alten Demokratien Frankreich, Großbritannien und USA ver= binden. Dieſe Freundſchaft wird nicht eine Freundſchaft der Cliquen und Par= teien wie zwiſchen der kleinen Gruppe des engliſchen Hochadels und Herrn Hitler, zwiſchen italieniſchen und öſterreichiſchen Faſchiſten, ſondern eine Freundſchaft der Völker ſelbſt ſein. Mit beſonderer Herzlichkeit wird ſich die junge deutſche Freiheit den Völkern zuwenden, die ſelbſt ſchwer um ihre Frei= heit ringen müſſen, der ruſſiſchen, chineſiſchen und ſpaniſchen Republik. Denn wir haben nicht vergeſſen, daß der größte Aufſtieg im Welthandel der deutſch= ruſſiſche Handel von 1925/31 geweſen iſt und ſchon die Weimarer Republik mit dem jungen China eine auf innere Verbundenheit beſtehende Freundſchaft beſeſſen hat. Wir hoffen, daß die SU und die deutſche Volksrepublik in allen grundſätlichen politiſchen und wirtſchaftlichen Fragen gemeinſam marſchieren werden, daß das junge Deutſchland und das junge China gute Kameraden ſein werden.- Ein neuer Weg zu deutſchem Anſehen und deutſcher Macht iſt der außen= politiſche Weg der Volksfront. Ohne Krieg, ausſchließlich durch friedliche Mittel, werden wir mehr leiſten als Hitler jemals zu leiſten vermag: Ewiger Friede zwiſchen Frankreich und Deutſchland, Freundſchaft mit den Weltmächten, Kameradſchaft mit den jungen aufſtrebenden Millionenvölkern. Das deutſche Volk hat unter Hitler den Nationalismus, der nur Haß und Zerwürfniſſe mit ſich bringt, bis zur Neige ausgekoſtet. Es hat die Unfreiheit bis zur menſch= lichen Entwürdigung ertragen. Deshalb iſt es wie kein anderes Volk befähigt, darüber urteilen zu können, was Freiheit, was Würde und was europäiſches Denken wert ſind. Deshalb wird die deutſche Volksrepublik das treueſte Glied eines neuen Europa und einer neuen Welt ſein. A Aber ohne eine befreite Volksrepublik iſt auch eine Geſundung Europas und eine Reorganiſation des Völkerbundes unmöglich. Alle Verſuche, dieſe Ziele mit Hitler zu erreichen, werden zur Erfolgloſigkeit verurteilt ſein. Hitler in Europa iſt der Wolf in der Hürde. Darum iſt die deutſche Volksfront, aus der die deutſche Volksrepublik erſtehen wird, die Vorausſeßung der Neuord= nung Europas und der Welt. Sicherheit durch Abrüſtung. Haben mir dieſe Umſtellung der Kriegswirtſchaft zu einer nur den Lebens= bedürfniſſen des Volkes dienenden Friedenswirtſchaft erreicht, ſo werden wir fähig ſein, an den Arbeiten“ einer internationalen Abrüſtungskonferenz teil= zunehmen. Wir ſehen ihre Hauptaufgabe nicht in den techniſchen Beſtimmungen über die Höhe der Mannſchafts- und Offiziersbeſtände, die Größe der Re= ſerven, die Art der Bewaffnung, die Abſchaffung beſtimmter Waffen, auch das Verbot beſtimmter Kampfmittel, wie Giftgas und Flugzeugbomben auf offene Städte, wird nicht das wichtigſte ſein. Denn die Erfahrungen haben nicht erſt ſeit 1918 gelehrt, daß alle Abrüſtungsbeſtimmungen umgangen werden kön= nen und kein Angreifer ſich an Verbote hält, wenn ſeine kriegeriſche Geſin= 76 nung nicht po rüſtung zu ſcha frei gewählten trolle der Wel Prüfung der H hauptete, Peut! ſei, Aber ſeine gemeine Unſich heute von der| dienſt überall deutſche Beamt teilnehmen, we ſtets das Richti täriſch, wirtſch; ſtand, Sicherhei Verkürzu Wir wollen Dienſtzeit begir bilmachung, 0, Asgebildet, Di Lend, die jezt »alten Leuten« wollen wiy lof Amit vor alle weil es ſie nic Sollte de lo Werden wir die Freiheit ei Unterdrücken, ler keine Gele 6t, keine n Frieden haft wiyd ISA ver- und Parz nd Heren ern eine ) ſich die ihre Frei- lik, Denn y deutſch- Republik undſchaft k in allen arſchieren aden ſein er außen- friedliche ;: Ewiger tmächten/ ; deutſche fniſſe mik r menſch- : befähigt/ ropáiſches eſte Glied | Europas che, diele in, Hitler ront/ aus , Neuord- nung nicht politiſch beſiegt werden kann. Politiſche Grundlagen der Ab= rüſtung zu ſchaffen, iſt das oberſte Ziel unſerer Arbeit. Wir ſehen ſie in einer frei gewählten Volksvertretung, einer Volksregierung, ciner öffentlichen Kon=- trolle der Wehrausgaben, einer guten Preſſe und ſtändiger internationaler Prüfung der Heere in jedem Lande. Das allein ſchafft Sicherheit. Hitler be= hauptete, Deutſchlands Sicherheit iſt bedroht, ſolange es militäriſch ſchwach ſei. Aber ſeine Aufrüſtung hat keine Sicherheit für Deutſchland, ſondern all= gemeine Unſicherheit in der ganzen Welt zur Folge gehabt. Was wiſſen wir heute von der Rüſtung der anderen? Trotzdem ein nie dageweſener Spionage= dienſt überall umherſchnüffelt, wiſſen wir ſo gut wie nichts. Wenn aber deutſche Beamte regelmäßig an internationalen Kontxollen in allen Ländern teilnehmen, werden wir einwandfrei unterrichtet ſein, Sicherheit haben und ſtets das Richtige für unſere Sicherheit tun können. Pie Aufrüſtung iſt mili= täriſch, wirtſchaftlich und finanziell bankrott. Die Abrüſtung ſchafft Wohl= ſtand, Sicherheit und Frieden. Verkürzung der Dienſtzeit. Wir wollen, daß die Abrüſtung mit einer weſentlichen Verkürzung der Dienſtzeit beginnt. Die zweijährige Dienſtzeit iſt nichts als eine verſteckte Mo= bilmachung. Der moderne Soldat iſt in 6 Monaten vollkommen kriegsmäßig ausgebildet, Die Induſtrie und Landwirtſchaft braucht die Arbeitskräfte drin= gend, die jetzt müßig in den Kaſernen ſtecken. Gerade die beſten unter den »alten Leuten« ſehnen ſich am meiſten zurück ins wirtſchaftliche Leben. Ihnen wollen wir ſofort und bedingungslos ihre Freiheit zurückgeben. Wir nüßen damit vor allem der Landwirtſchaft. Das Heer aber wird ſie nie vermiſſen, weil es ſie nicht braucht. Sollte der Krieg dennoch ausbrechen... ſo werden wir nicht für Hitler kämpfen. Wir bekennen uns zu der Pflicht, die Freiheit eines Volkes zu verteidigen, aber zu keiner Verpflichtung, ſie zu unterdrücken. Wir wollen keine individuellen Aktionen im Lande, um Himms= ler keine Gelegenheit zu geben, den Bürgerkrieg gegen uns zu eröffnen. Aber wir werden dieſen Krieg benußzen, um Deutſchland von Hitlers Diktatur zu befreien. Der Friede nach dieſem Krieg wird ein Friede der Freiheit ſein. Volksfrontregierungen in Spanien, Italien und Frankreich und eine Arbeiter= regierung, die in England kommen wird, garantieren, daß aus dem Sieg über den Faſchismus keine Verfailler Knechtſchaft entſteht. Aber wir wenden uns noch ecinmal an das deutſche Volk: Stürzt Hitler, bevor der krieg beginnt! Der Friede durch den Sturz Hitlers wird herrlicher ſein als der Friede nach einem ſiegreichen Krieg! 6. Europa Reſtloſe und aufrichtige Ausſöhnung und Verſtändi= gung mit Frankreich. Mitarbeit am Aufbau einer euro=- päiſchen Staatengemeinſchaftin einem reorganiſierten Völkerbund. Die Welt lebt im Zuſtand der Anarchie. In jedem Lande iſt die Wirt= ſchaftskriſe kaum überwunden und ſchon iſt eine neue Kriſe im Anzug. Das TA, Wettrüſten verſchlingt die Erträge der Volksmwirtſchaft. Unerträgliche Span= nungen hindern den Wiederaufbau des Welthandels. Am ſchlimmſten iſt Europa betroffen. Die Nazis meinen, daß ſchon das Wort nur ein Gähnen hervorrufen könne. Wir meinen, daß der chaotiſche Zuſtand Europas, dieſes Durcheinander von Nationalismus, Militarismus, Raſſen- und Glaubens= verfolgungen, Diktaturen und Bürgerkriegen, Autarkien, Militärbündniſſen, Ententen und Kollektiven gegenüber dem ungeheuren Aufſtieg der Völker der SU, den Fortſchritten in Indien, der nationalen Sammlung in China alle Europäer vor die Frage ſtellt: wolit ihr durch Selbſtzerfleiſchung dazu bei= tragen, daß Europa in dreißig, fünfzig oder hundert Jahren von den Völkern Aſiens aus der Geſchichte verdrängt iſt? Wem die europäiſche Kultur etwas wert iſt- und wem könnte ſie gleichgültig ſein?- kann darauf nur mit Nein antworten. Alſo darf man nicht nur von Europa reden; man muß organiſieren. Reſtloſe Ausſöhnung und aufrichtige Verſtändigung mit Frankreich. N Wer cin Haus bauen will, muß zuerſt die Grundmauern ſetzen. Diejenigen, die bisher von Europa redeten, begnügten ſich mit Faſſaden. Man muß Aber für Europa-erſt Grundlagen ſchaffen. Wie kann man beim Hausbau Grund= waſſer und Baumwurzeln unter den Grundmauern ſtehen laſſen! Man muß dieſe Grundübel beſeitigen. Die Wurzel allen UÜbels in Europa iſt der deutſch= franzöſiſche Gegenſatz, den der unmögliche Verſailler Vertrag noch verewigen wollte. Entweder kann Frankreich über ein atomiſiertes Deutſchland herrſchen - das war die napoleoniſche Löſung- oder Deutſchland kann über Mittel= europa herrſchen, um Frankreich zu ſchwächen- das war die Bismarckſche Löſung. Beide waren nationaliſtiſch, Beide ſind geſcheitert. Eine dritte natio= naliſtiſche Löſung, eine hitleriſtiſche, gibt es nicht. Aber es gibt eine euro= päiſche. Dieſe wollen wir. Entgiften wir dazu die Atmoſphäre! Beſinnen wir uns endlich, daß ganze Maßnahmen notwendig ſind, daß wir mit dieſen kryptoznationaliſtiſchen Löſungen nicht weiterkommen! Aufbau Europas in einem reorganiſierten Völkerbund. Dieſe deutſch-franzöſiſche Verſtändigung wird das wichtigſte Element eines neuen Europas fein, Sie wird den Nationalismus abbauen und einer euro= päiſchen Geſinnung den Weg ebnen. Das iſt notwendig, wenn es zu einem neuen Europa kommen ſoll. Deshalb lehnen mir alle Pläne für eine Teilung Deutſchlands kategoriſch ab. Sie würde nur eine Wirkung haben: den Natio= nalismus bis zum Taumel zu ſteigern und Europa endgültig-in Trümmer ver= wandeln. über das neue Europa ſoll das Primat des Völkerrechts herrſchen. Die deutſche Volksfront bekennt ſich in dieſem Sinne zu einem Völkerbund, der keine ausſchließliche Souveränität ſeiner Mitglieder anerkennt und ein echter Staatenbund iſt. Die Volksfront iſt bereit, einem ſolchen Staatenbund durch Erweiterung des jetzigen Artikel 16 der Völkerbundſaßung alle Macht= mittel einer Bundesexekutive in die Hand zu geben, die imſtande iſt, mit der AbrüſtungsKkontrolle jeder Angriffshandlung cines Friedensbrechers wirkſam zu begegnen. Die Volksfront erſtrebt die territoriale und politiſche Univer= POME DEORE ſalität des| lonien nach eingeborene! gefühyt wer bereit, an di Be W Autarkie uns Hitlers wirtſchaft ſe tionalwirtſch Keine Bu keine Wolle ſtoffen; Erſa [chinderei y 1932 unver Rückſtellung der Produkt leben einige Beſeiti Not hen terhilfe- i das Leben Gegenſtänd elen eine) NParniſſe è le uns, Un ommt, iſt Jeder Menſe dag Recht, d löhnen zU 2) ſie beſeitige 1d Aug dex dienſtley, N Machen und „loſe in he Span- mſten iſt 1 Gähnen as, dieſes Zlaubens- indniſlen, /ölker der hina alle dazu bei- n Völkern tur etvas mit Nein zaniſieren, ¡ng mit )iejenigen, muß Aber u Grund- Man muß y deutſch- veremwigel “herrſchen er Mittel- zmardlche itte natio- eine eurO- innen wi" mit dieſen und. nent eines iner eur0- 20 einem je Teilun8 en Natio mer ve! D ſalität des Völkerbundes. Sie will daher, daß alle jetzt noch beſtehenden Ko= lonien nach Maßgabe der wirtſchaftlichen und moraliſchen Entwicklung ihrer eingeborenen Bevölkerung künftig nur noch als Mandate des Völkerbundes geführt werden. Die von der Volksfront regierte deutſche Volksrepublik iſt bereit, an dieſer Aufgabe mitzuwirken. 7, Weltwirtſchaft Beſeitigung der Armut und der Arbeitsloſigkeit durch Wiedereintritt Deutſchlands in die Weltwirtſchaft. Autarkie ſagt die Diktatur, Weltwirtſchaft ſagen wir. Vergegenwärtigen wir uns Hitlers Weg: Arbeitsbeſchaffung 1933/34, Staatswirtſchaft 1934, Wehr= wirtſchaft ſeit 1935, Vierjahresplan ſeit 1936, ewiger Vierjahresplan und Na= tionalwirtſchaft ſeit 1938. Und was iſt das Ergebnis?/ Keine Butter, kein Fett, keine Eier, keine Wohnungen, keine Baumwolle, keine Wolle, ſchlechtes Brot, Zellwollwäſche und=anzüge, Mangel an Roh= ſtoffen; Erſatzſtoffe überall, ein wahnſinniger Wechſel zwiſchen Überſtunden ſchinderei und Kurzarbeit und nie Geld, ſtaatlich feſtgeſetzte Löhne, die ſeit 1932 unverändert ſind, Rieſengewinne der Induſtrie in Gehältern, Dividenden, Rückſtellungen, raſendes Abſinken des Anteiles der Löhne der Arbeiter an der Produktion, die von ihnen geſchaffen wird, und ein nie geſehenes Wohl= leben einiger zehntauſend Bürokraten, Bonzen und Offiziere. Beſeitigung der Not und der Arbeitsloſigkeit. Not herrſcht in Deutſchland, bitterſte Not. Wäre ſonſt die rieſenhafte Win= terhilfe- rbofür wird ſie mißbraucht?- notwendig? Es fehlt an allem, was das Leben leichter und angenehmer machen könnte. Alle unentbehrlichen Gegenſtände des täglichen Gebrauches werden immer weniger. Es liegt im Weſen einer Diktatur, daß ſie alles verbraucht: die Vorräte der Induſtrie, die Erſparniſſe des Volkes, die Nerven und Moral der Menſchen. Jetzt 1938 zwingt ſie uns, unſere leßten guten Hemden und Kleider aufzutragen. Was dahinter kommú, iſt Erſa. Aber das Leben iſt nicht für ewige Entbehrungen gemacht. Jeder Menſch hat ein Recht auf ein anſtändiges Oaſein. Keine Regierung hat das Recht, die Menſchen zu cinem Dahinvegetieren in Überſtunden und Hunger= löhnen zu zwingen. Hitler hat nur Not über Deutſchland gebracht. Wir wollen ſie beſeitigen. Hitler hat auch die Arbeitsloſigkeit nicht beſeitigt. Was hilft es, aus den Arbeitsloſen eine Million Soldaten, eine halbe Million Arbeits= dienſtler, 400 000 Landdienſtler, 600 000 Angeſtellte der neuen Bürokratie zu machen und ſie von Wechſelſchulden zu bezahlen? Hitler hat 2!s Millionen Ar= beitsloſe in Uniformen verſteckt. Aber nur der Denkfaule kann durch ſchöne Worte darüber getäuſcht werden, daß Hitler das Problem der Arbeitsloſig= keit nicht gelöſt hat. In Wirklichkeit verbirgt es ſich nur hinter ciner von Lißen und Schnüren glänzenden Faſſade. Wir wollen nichts verbergen, ſondern dem Volk die ganze Wahrheit ſagen. Die Wahrheit iſt, daß die Beſeitigung der Arbeitsloſigkeit und der Not im produktiven Sinne als Aufgabe erſt noch- vor uns ſteht. 79 e Wiedereintritt in die Weltwirtſchaft. Das kann nur durch den Wiedereintritt Deutſchlands in die Weltwirtſchaft geſchehen; denn die Wirtſchaft iſt ſeit mehr als einem Jahrhundert eine Welt= wirtſchaft, in der die Kräfte vieler Völker zuſammengehören, um allen eine menſchenwürdige Exiſtenz zu ermöglichen. Ein Zurück gibt es nicht mehr. Auf die Weltwirtſchaft verzichten, hieße, ſich mit Weniger und- fortſchreitender Not begnügen, bis der Krieg als einzige Löſung den Tod bringt. Das iſt, der Weg, den Hitler führt.- Wir wollen den Weg des Lebens gehen, den Weg in die Welt. Hitler fürchtet dieſen Weg: denn es wäre der Weg zu ſeinem Unter= gang. Hitler müßte abwerten, d. h. dem Volke ſagen, daß er ihm 5 Jahre lang ſeine Erſparniſſe geſtohlen hat. Hitler müßte die deutſchen Auslandsſchulden bezahlen, d. h. auf diejenigen Lumpen verzichten, die ſeit 1924 in der ganzen Welt Geld zuſammengeborgt haben, und als ſie es zurückbezahlen ſollten, Hitler an die Macht geholfen haben, weil er ihnen die Autarkie und die Auf= rüſtung verſprochen hatte. Hitler müßte einen Haushaltsplan aufſtellen und eine Staatsrechnung legen, d. h. dem Volke ſagen, wieviel Geld er aus dem Volke herauspreßt, wofür er es ausgibt, welche Gehälter und für welche Poſten er zahlt, nichts von dem kann Hitler tun. Wahrhaftigkeit, Redlichkeit, Offen= heit und Ehrlichkeit widerſprechen ſeinem Weſen und der Diktatur. Wir können dem Volk alles ſagen, denn wir wollen ja mit und durch das Volk regieren. Wir wollen den Weg in den Weltwaren= und Kreditmarkt wieder öffnen. Es ſoll wieder Wolle und Baumwolle, Weißbrot, Butter und Eier, Kupfer und Zinn in Deutſchland geben, Es ſoll für alle ein beſſeres Leben zu niedrigen Preiſen möglich ſein.- Ourch den Beitritt Deutſchlands zum Dreimächteabkom= men über die Währung wollen wir anſtändiges deutſches Geld ſchaffen, mit dem man in der ganzen Welt einwandfrei zahlen kann, und das Vielerlei von RM, Sperrmarkſorten und Regiſtermark beſeitigen. Die Dividendenzwangswirt= ſchaft ſoll reſtlos und unwiderruflich verſchwinden. Ourch eine Regelung der Auslandsſchuldenfrage ſollen Deutſchland-neue Kapital= und Warenkredite im Ausland cröffnet und durch lansfriſtige Lieferungsverträge für Maſchinen, Chemikalien und Textilien bezahlt werden. Purch Aufhebung der Verrech= nungsabkommen ſoll die Freiheit des Außenhandels wiederhergeſtellt und die Einfuhr nach Deutſchland weſentlich erleichtert werden. Die aufrichtige Mit= arbeit am Van=-Zeeland-Plan wird die Grundlagen ſchaffen, auf denen der Wiederaufbau erfolgen kann.-/ Wenn das Wettrüſten eingeſtellt iſt, die Schranken der Zwangswirtſchaft gefallen ſind, die Grenzen geöffnet werden, wird ein ungeheurer Strom von d wirtſchaftlichem Vertrauen zu der neuen deutſchen Volksrepublik die wirt= ſchaftliche Initiative in der ganzen Welt beleben. Erſt nachdem dieſe wirtſchaft= lichen und politiſchen Vorausſegungen geſchaffen ſind, wird die Weltwirtſchaft wirklich in Gang kommen. Alle Märkte, die ſich vor der Hitler-Diktatur ver= ſchloſſen haben, werden ſich uns öffnen, USA und SU werden wieder gute Kunden Deutſchlands werden. Die deutſche Induſtrie wird auf vollen Touren- laufen und in friedlichem Wettſtreit aus guten Stoffen wieder gute Ware er= zeugen. Die Löhne werden ſteigen. Waren werden genug vorhanden ſein, um jede Nachfrage zu befriedigen. Jeder kann kaufen, was er braucht. Aus den 80 Soldaten we kraten der U den wieder, gereiht, So werden,- kann es Volksfront z front politiſ Politik, kein heit, Bauern! Denn das Le Re St Wir arb Wir wünſch Wir leſen di Verſicherung ten wir die die Anlage Vermögens Unſer Geld| Au8gaben, 1 nächſten 39 Rettun Aber eg Räubern Ut regieren, ſe Wir zahlen ir wo Wsgegeben Tatſache, di ich Mache; Deutſche À baushalt Di werden, dai keit der Sp Soldaten werden wieder Arbeiter, Angeſtellte und Bauern werden, die Büro= :|_„kraten der Überwachungsſtellen der faſchiſtiſchen Zwangswirtſchaft verſchwin= rtſchaft| den wieder, werden als Kaufleute in den produktiven Wirtſchaftsprozeß einz - gereiht. So wird die Arbeitsloſigkeit produktiv, ſchöpferiſch überwunden en eine werden.: E E Kann es ſchwer ſein, zwiſchen der Wirtſchaftspolitik der Diktatur und der ar Volksfront zu wählen? Wenn in einem Punkte bewieſen wird, daß die Volks= e front politiſch etwas Neues iſt, dann in dieſem. Wir wolien keine Brüning= ] Politik, keinen volksfeindlichen Kapitalismus, ſondern cin aus ſozialer Sicher= Unter- heit, Bauernwirtſchaft und Sozialismus planmäßig geleitetes Wirtſchaftsleben. re lang Denn das Leben ſoll wirklich beſſer werden. chulden ganzen 8s. Soziale Sicherheit ſollten, i Rettung der Spareinlagen und Verſicherungen, 40=- je Aut: Stundenwoche, freier Arbeitsvertras. nd eine n Volke Wir arbeiten, verſichern uns und werden verſichert, rechnen und ſparen. Wir wünſchen uns Sicherheit für Krankheit, Arbeitsloſigkeit und Alter, und wir leſen die Zahlen der Spareinlagen“und Vermögensbeſtände der ſozialen Verſicherungen mit großer Sorge. Was geſchieht mit dem Geld? Früher konn= ten wir die Frage beantworten, denn der Reichstag beſchloß die Geſeßze über die Anlage unſerer Verſicherungsbeiträge und die Landtage beſtimmten die Vermögensverwertung der Sparkaſſen. Heute regiert die NSDAP. Sie beſchließt, unſer Geld für Reichsanleihen auszugeben. Reichsanlecihe: das heißt Rüſtungs= oſten er - können egieren. nen, És fer und en 8 edrig FF ausgaben. Wenn es nach Hitler, Göring und Schacht ginge, müßten in den Tei M nächſten 30 Jahren alle Erſparniſſe für Kanonen verſchleudert werden. 1 Y ¿rlei VON Rettung der Spareinlagen und Verſicherungen. 1gsmwirt- Aber es wird nicht nach Hitler und Göring gehen. Wir wollen dieſen ung de’ FF Räubern unſerer Spargroſchen das Handwerk legen. Wir wollen uns ſelbſt edite iM regieren, ſelbſt verwalten; denn wir wollen nicht unter Steuern erſticken, die aſchinen wir zahlen müßten, wenn die Reichsanleihen richtig verzinſt werden ſollten. Verre Wir wollen nicht doppelt, einmal durch Beiträge und einmal durch Steuern, und die/ zahlen. Wir wiſſen: Unſere Erſparniſſe ſind durch Hitler und Göring ſchon ige Mt ausgegeben, bevor die Abwertung kommt, Die Abwertung kann dieſe traurige enen der/ M 7 Tatſache, die heute hinter einem Dickicht von Zahlen verſteckt iſt, nur öffent= : lich machen. Aber die Volksfront mill nicht, daß in Alter und Schwäche pirtichaft 4 Deutſche auf Hungerpfennige geſetzt werden. Darum ſollen aus dem Staats= rom ON_| haushalt von leiſtungsfähigen Kreiſen ſoviel Gelder zur Verfügung geſtellt die wirt- x werden, daß die Leiſtungsfähigkeit der Verſicherungen und die Zahlungsfähig= irtſchaft-| keit der Sparkaſſen aufrecht erhalten bleibt. Soziale Sicherheit iſt die Loſung. cvtſchaft rtl; Freier Arbeitsvertras. Soziale Sicherheit auch im Betrieb. Die Diktatur iſt die verewigte Unſicher= heit. Metall- und Bauarbeiter dürfen ihre Arbeitspläßze nicht mehr freî ver= laſſen, die Naziunternehmer kommandieren den Arbeitseinſaß wie den Einſatz der Truppen im Grabenkries. NSBO, Vertrauensräte, Werkpolizei,/ Geſtapo, 6 Gegen den Strom 81 Wirtſchaftsoffiziere, Betriebsführer und OAF wirken zuſammen, um die Ar= beiter rechtlos zu machen. Es iſt genug, ihr Herren!»Das Werk der Befrei= ung der Arbeiter kann nur das Werk der Arbeiter ſelbſt ſein.« Welch wunder= bar tiefes Wort! Richtig: Es rettet uns kein höheres Weſen. Alſo retten wir uns ſelbſt! Die Freiheit der Arbeit ſei auf unſere Fahnen geſchrieben. Wir wollen einen freien Arbeitsvertrag, nicht dieſe Kettenbriefe von Knechtſchaften, Unterdrückungen und Abhängigkeiten. Wir wollen freie Organiſationen der Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Wir wollen auch hier kein Zurück. Das Vie= lerlei der tauſend Gewerkſchaften, Verbände und Vereine politiſcher, konfeſz= ſioneller und neutraler Richtungen darf nicht wiederkehren. Zu dieſem Zwecke werden wir ein Gewerkſchaftsgeſetz erlaſſen, in dem zwar die Mitgliedſchaft in den Gewerkſchaften individuell frei iſt, für die einzelnen Gewerbezweige aber nur beſtimmte Arbeitnehmer= und Arbeitgeberorganiſationen zugelaſſen und ihre Aufgaben durch die Volksrepublik geregelt werden. So vereinigen wir Freiheit und ſoziale Sicherheit. 40=Stundenwoche. Freiheit braucht Zeit. Nur Zeit! Wir merden dieſe zu ſchaffen wiſſen. Unſere ruſſiſchen, franzöſiſchen und belgiſchen Kameraden haben uns den Weg ge= zeigt: Die 40-Stundenwoche bei vollem Lohnausgleich. Daß die 40=Stunden= woche in der Sowjetunion unter einer kommuniſtiſchen, in Frankreich unter einer ſozialiſtiſch=, bürgerlich-ſozialen, in Belgien unter einer nationalen Re= gierung möglich war, beweiſt, daß ſie lange eine induſtriewirtſchaftliche Not= wendigkeit iſt. Wir bejahen ſie, wie das internationale Arbeitsamt ſie bejaht. Ihre Durchführung iſt bei der deutſchen Organiſationsfähigkeit leicht. Der volle Lohnausgleich ſchafft uns die erforderliche Lohnerhöhung. Und wir haben endlich Zeit.- Zeit zum Denken, Zeit zum Leben, Zeit zum Diskutieren, Zeit zur Selbſt= verwaltung, Zeit zur Politik, zur Kultur. Die Diktatur kann uns Reine Zeit laſſen. Denn ließe ſie uns Zeit zum Leben, wäre es für ſie gefährlich. Die Volks= republik aber braucht Menſchen, die Zeit haben. Denn zum Selbſtregieren ge= hört Zeit.- Die Volksfront ſchafft dieſe Zeit. Soziale Sicherheit und keine Angſt vor morgen! 9. Deutſchland muß ein Bauernland werden Einziehung des Großgrundbeſitzes, großzügige Bauernſiedlung, freies ländliches Genoſſenſchafts= weſen, Abſchaffung der Zwangswirtſchaft am land= wirtſchaftlichen Boden(Erbhofgeſetz) und an den land=- wirtſchaftlichen Erzeugniſſen(Marktordnung). 12 000 Menſchen leben in Deutſchland vom Großgrundbeſitz. Aber in drei Millionen Bauernhöfen arbeiten Mann, Frau und Kind auf eigener Scholle. Die cinen führen ein Herrenleben, die anderen ſchuften ſchwerer als mancher Induſtricarbeiter. Weil die Herren auf den Rittergütern verſchuldet waren bis über die Ohren und ihnen weder die höchſten Zölle noch die Milliarde der Oſthilfe genügten, halfen ſie Hitler in die Macht. Er hat ſie ſeit Juli 1933 ein 82 air cott MCAB aA ACR pitre Bp R AAAS D M \ erhöh ſchalten, F zweites Mal gekommen 12 000 Fami ſozialen Sur nur den Wi noch auf de der erſte Ert anderen abe nahme im( men, den H Koloniſten i Raum für a völlig über! wirtſchaftlici im Oſten| ſeit 1918 de Volksfront Einziel durchführen 1 Million n in Weſt= y Und eine Ff; ſtädtiſche können, we Im die ns der jetzt m 9roßen Lay liche Schu] freien Baue Worden, A wird im n Abh: _Die Erf hört, diele Felder ni chatte Dag von] Volkes we) dey Lebene nn wie vermehyten Aüp zu k Ung| Werwachy die Ar- - puhder- ten wir n, Wir haften, nen der as Viez konfel- Zwecke ſchaft in ge aber Ten und gen wir , Unſere Neg gez tunden- h unter ¡len Re- he Not- J bejaht. Jer volle y haben y Selbſt- ine Zeit e Volks: eren gt ¡d keine rugis9t chafts? [and- n[and- fin drei scholle- manche” jaren bis ardt der 1933 cin zweites Mal»entſchuldet« und ſie vor dem gerettet, was ſonſt unabwendbar gekommen wäre: die Aufteilung der Rittergüter unter Siedlungsbauern. Die 12 000 Familienmitglieder der Rittergutsbeſitzer bilden einen politiſchen und ſozialen Sumpf, der trockengelegt werden muß. Hitler hat den Bauern nicht nur den Weg zum Land verwehrt, ſondern ſie durch das Erbhofgeſetz Darrés noch auf den jetzigen Betrieben eingeſperrt. Der Sinn dieſes Geſetzes iſt, daß der erſte Erbe nichts anderes werden darf, als ſchon ſein Großvater mar, alle anderen aber rechtlos ſind, es Tei denn, daß ſie nach der ſagenhaften»Land= nahme im Oſten« als ausgediente Soldaten etwas von dem.Boden abbekom= men, den Hitler dem ruſſiſchen Volke zu rauben gedenkt, oder daß ſie als Koloniſten im afrikaniſchen Sand ſchmoren können. Raum genug hat die Erde, Raum für alle. Raum für alle hat auch OPeutſchland. Der Großgrundbeſis iſt völlig überlebt. Durch die Landflucht treibt er die Menſchen in die Stadt, wirtſchaftlich kann er die Ernährung des Volkes nicht garantieren. Alle Völker im Oſten Europas haben daraus längſt die Konſequenzen gezogen und ſeit 1918 den Großgrundbeſitz aufgelöſt. Aus allen dieſen Gründen wird die Volksfront die Einziehung des Großgrundbeſitzes durchführen. Von der Provinz Sachſen bis nach Schleſien und Oſtpreußen ſollen 1 Million neuer Bauernhöfe entſtehen, in denen gelernte Bauern, deren Betriebe in Weſt-= und Süddeutſchland zu klein geworden ſind, um alle Bauernſöhne und cine Familie zu ernähren, angeſiedelt werden. Die Landarbeiter und die ſtädtiſche Jugend, der Induſtrie und Handel keine Aufnahme mehr bieten können, werden dort eine wirtſchaftlich und finanziell geſunde Exiſtenz finden. Um die nötige Vorbereitung zu leiſten, werden wir den Reichsarbeitsdienſt, der jeßt nur eine Orillanſtalt mit minimalen Arbeitsleiſtungen iſt, zu einer großen Landſchule des deutſchen Volkes umgeſtalten und das landiwirtſchaft= liche Schulweſen bedeutend ausbauen. Ganz Deutſchland ſoll mit gleichen, freien Bauern beſiedelt werden, dann erſt iſt Deutſchland ein Bauernland ge= worden. Auch für unſere landwirtſchaftlichen Eigentums= und Betriebsformen wird im neuen Peutſchland Raum ſein. Abſchaffung der Zwangswirtſchaft. Die Erfahrung hat uns gelehrt, daß jeder Bauer, dem ein Stück Boden ge= hört, dieſen mit größerem Erfolg beſtellt als ein Rittergutsbeſitzer, der ſeine Felder nicht mehr überſehen kann. Eine beträchtliche Steigerung der landwirt= ſchaftlichen Erträge wird die Folge unſerer großzügigen Bauernſiedlung ſein. Das von Hitler nicht gelöſte Problem der Nahrungsfreiheit des deutſchen Volkes werden mir löſen können, ohne daß wir auf die für eine Steigerung der Lebenshaltung notwendige ausländiſche Einfuhr zu verzichten brauchen. Denn wir werden in der Lage ſein, einfache landwirtſchaftliche Produkte in vermehrtem Maße auszuführen, um Nahrungs=- und Genußmittel feinerer Art dafür zu kaufen. Das wird im Zuſammenhang mit der Lohn= und Gehalts= erhöhung der Weg ſein, den gerechten Preis für alle agrariſchen Erzeugniſſe zu ſchaffen. Freilich muß dazu die Zwangswirtſchaft fallen. Heute nehmen die überwachungsſtellen mit ihren Tauſenden von Bürokraten dem Landwirt die 83 . Hälfte der Preiſe, mit denen die Verbraucher belaſtet ſind, für Vermwaltungs= koſten weg. Das iſt ein großer Unfug, der ſchleunigſt beſeitigt werden muß. Raiffeiſen hat längſt den Weg gewieſen, der in ſeiner vorbildlichen Reinheit wieder hergeſtellt werden muß: der Zuſammenſchluß zu Abſaßz= und Bezugs= senoſſenſchaften. Sie ſollen mit den Genoſſenſchaften der Verbraucher zuſam= menarbeiten, um den Erzeugern den höchſten Preis für ihre Waren, dem Ver= braucher aber die beſte-Ware zu ſichern. Siedlung und Genoſſenſchaft. Auf dieſer Grúndlage ſoll ſich eine umfaſſende landwirtſchaftliche Selbſt= verwaltung aufbauen. Früher waren die Landwirtſchaftskammern die Domänen der Großgrundbeſitzer. Darré. hatte ſie in Bauernkammern umgetauft, in Wirk= lichkeit aber zu Parteidienſtſtellen gemacht, in denen die»weltanſchauliche Schulung«, d. h. Nazipropaganda, der wirtſchaftlichen Arbeit vorgeht. Wir wollen ſie zu Organen der wirtſchaftlichen Selbſtverwaltung, in denen jeder Bauer ſtimmberechtigt iſt, zu ausführenden Organen der Bauernſiedlung machen. Wir werden es begrüßen, wenn in ihnen ein neuer Geiſt deutſcher genoſſenſchaftlicher Verbundenheit entſteht und das alte deutſche Genoſſen=| ſchaftsrecht in ihnen eine Wiedergeburt erlebt. Es wäre die ſchönſte Frucht unſerer Arbeit, wenn ſie die Führung ergreifen würde, um auch die Siedlung auf genoſſenſchaftlicher Grundlage durchzuführen und die Abſaßtz= und Bezugs= genoſſenſchaft zur Produktionsgenoſſenſchaft weiter zu entwickeln. Die Volks= front wird dazu jede Freiheit und jede Hilfe gewähren. Pegreift ihr die Größe der Volksfrontziele? Es ſoll ein freies Volk auf freiem Grunde ſtehen. Mit friedlichen Mitteln ſoll eine Bauernrevolution durch= geführt werden, die die größte der deutſchen Geſchichte ſein wird.- Dieſe Umgeſtaltung iſt auch notwendig. Die Induſtrie iſt ausgebaut. Künftig kann ſie kaum mehr Arbeitskräfte aufnehmen als die, die aus der Arbeiterſchaft ſelbſt entſtehen. Der Weg der Landarbeiter= und Bauernkinder in die Stadt wird immer ſchwieriger werden und eines Tages verrammelt ſein. Selbſt viele Ar= beiter ſind fabrik= und ſtadtmüde geworden.- Nun muß die Siedlung auf dem eingezogenen Großgrundbeſitz allen neue Lebensmöglichkeiten bieten. Statt Landflucht wird ein Zug aufs Land ſtattfinden, aber es wird- wie die Volksfront nirgends ein Zurück kennt- kein Zurück ins Dorf ſein. Denn alle ziviliſatoriſchen Errungenſchaften für Bauen, Wohnen, Wirtſchaften, geſell= ſchaftliches, ſchuliſches, kulturelles und religiöſes Leben werden dieſen Zug aufs Land begleiten. Der Unterſchied zwiſchen Stadt und Land wird verſchwin= den. Die neuen Bauernſiedlungen werden keine Dörfer im alten Sinne, ſondern moderne Heimſtätten ſein.- Nichts von dem kann Hitler ſchaffen. Gewiß hat er die Siedlung verſpro= chen. Aber er hat viel verſprochen, was er nicht hält. Gewiß verſchenkt er ab und zu eins von ſeinen Gütern- wieviel Güter beſitzt er eigentlich außer dem Bückeberg und der Landwirtſchaft in Berchtesgaden?- an einen verdienten Pg. Und was tut er praktiſch? Er ſchüßt den Großgrundbeſitz und belohnt deſſen Söhne mit Offiziersſtellen. Den Bauern jedoch entzieht er die Arbeits= kräfte durch den Wehrdienſt und ſchickt ihnen dafür die unnützen Freſſer der 34 E Hi bj s Y Landhilfe und ſchaft weg.- und Landesbau Marktordnunge Verſ Ichaf poli deut Deutſchland lionen Erwerbe haben keinen 7 toter Stein und lnduſtrieſozialie Reformismus y Millionen Deut lehen ſie, daß Krupp-Dividen; Sorialismus iſl Treibſtoife mac herren, die Kai an Anleihemilſſ ien, Minerali allen gehören? Orgen wir all erwaltung gl Verſtaat| Energien 1 muß, einheit ezugsz zuſam- m Ver- Selbſt= »mänen =- auliche 1t, Wir n jeder iedlung eutſcher noſlen- Frucht jedlung ßezugs- Volks- olk auf 1 durch- „ Dieſe kann ſie ¡ft ſelbſt dt ird iele Ar- ung auf bieten- wie die enn allt > gelell- fen Zu8 rlchwin- ſonder" perlpr07 kt er 9 Ger fe erdientt! ‘belohnt Arbeits?“0 eſſer der Landhilfe und nimmt ihm den Ertrag ſeiner Arbeit durch die Zwangswirt= ſchaft weg.- Soll das ſo weitergehen? Brauchen wir in Deutſchland Reichs= und Landesbauernführer, Überwachungsſtellen, Zwangswirtſchaftsverbände, Marktordnungen? Wir brauchen ſie nicht, wir werden ſelber Ordnung machen! 10. Sozialismus für heute Verſtaatlichung der Schwerinduſtrie, der Energiewirt= ichaft und der Banken, Führung einer Wirtſchafts= politik, die allein der Sicherung und Beſſerung des deutſchen Lebens dient. Deutſchland kann nicht ohne Sozialismus leben. 22 Millionen von 32 Milz lionen Erwerbstätigen leben unſelbſtändig nur von ihrer Hände Arbeit und haben keinen Anteil am Eigentum der Fabriken und Firmen, die ohne ſie nur toter Stein und Apparat ſind. Bauern und Handwerker brauchen nicht weniger Induſtrieſozialismus. Weil die Sehnſucht nach Sozialismus weder vom ſozialen Reformismus noch vom bloßen Revolutionarismus erfüllt worden iſt, ſind Millionen Deutſcher den ſozialiſtiſchen Verſprechungen Hitlers gefolgt. Nun ſehen ſie, daß ſie betrogen worden ſind;»Peutſcher Sozialismus« bei 6% Krupp-Dividenden, der höchſten ſeit 30 Jahren- das ſagt alles. Per deutſche Sozialismus iſt eine Sache für Kohlenbarone, die jezt auch noch künſtliche Treibſtoffe machen, für Chemiegewaltige, die Giftgas produzieren, für Stahl=- herren, die Kanonen und Maſchinengeroehre liefern/ für Finanzkapitaliſten, die an Anleihemiſſionen ſchwindelhaft verdienen, aber nicht fürs Volk. Kohle und Eiſen, Minerale und Gaſe hat die Natur wachſen laſſen, warum ſollen ſie nicht allen gehören? Das Geld in den Banken haben wir ſowieſo ſelbſt verdient. Sorgen mir alſo dafür, daß das, was dem Volk gehört, auch in ſeiner eigenen Verwaltung allen zugute kommt! Verſtaatlichung der Schwerinduſtrie, der chemiſchen und der Energiewirtſchaft. “ Hitler ſtellt ſich ſchütßend vor die OPividenden. Penn die Herren von Ruhr und Rhein, Thyſſen und Schröder, haben ihm in die Macht geholfen. Es war für beide ein glänzendes Geſchäft. Hitler wollte Kanonen, Thyſſen und Schrö= der Dividenden. So gehören ſie im Kanonenſozialismus zuſammen.- Wir wollen keine Kanonen, um Menſchen in Maſſen zu töten, ſondern Maſchinen, um die menſchliche Geſellſchaft zu ernähren. Wir wollen keine Giftgaſe, um unheilbare Krankheiten zu erregen, ſondern Medikamente, um Krankheiten zu heilen und Energie für Arbeit und häuslichen Verbrauch. Darum ſind Schmwer= induſtrie, Chemie und Energiewirtſchaft überreif zur Verſtaatlichung und So= zialiſierung. Nur ihre Sozialiſierung garantiert, daß niemals ein hitleriſtiſcher, thyſſenſcher,/ ſchröderſcher Kanonenſozialismus wiederkehrt. Wenn das ar= beitende Volk die Gruben und Hochöfen, die Walzwerke und Treibſtoffanlagen, die chemiſchen Fabriken, die Talſperren, die Gas= und Elektrizitätswerke ſelbſt veraltet, iſt die Volksherrſchaft geſichert. Es war ein Irrtum von 1919, daß. neben der Demokratie im Staat Feudalismus in der Wirtſchaft möglich ſein könne. Umgekehrt iſt ecs richtig. Demokratie iſt erſt dann lebensfähig, wenn 85 ALERO I pril i Sat RELI IRE S pL es keine Art von Feudalismus mehr gibt. Deshalb iſt Sozialismus kein End= ziel, ſondern eine Lebensnotwendigkeit für heute. Verſtaatlichung der Banken. Heute regiert das Geld. Am Gelde hängt, nach dem Gelde drängt doch alles. Wir müſſen das Geld beherrſchen, wenn es uns nicht beherrſchen ſoll.- Schon beſteht in Deutſchland ein großes Sparkaſſen= und ſtaatliches Bank= weſen. Doch iſt es ohnmächtig gegenüber den privaten und Aktienbanken, Denn es hat ſich mit ihnen zur Verfolgung privater und diktatoriſcher Zwecke zuſammengetan. In der Weimarer Republik riſſen die Herren Schacht, Moßler, Strauß, Pechmann mächtig den Mund auf. 1931 wären ſie alle bankrott ge= weſen, hätte ihnen nicht das Reich geholfen. 1933 entſchuldigten ſie vor dem Unterſuchungsausſchuß ihr Verſagen als»Schickſal«. Dann ſchwindelten ſie zuerſt von neuem Aufſtieg. Jetzt bejammern ſie den Zuſammenbruch der Börſe, ſchweigen, reſignieren und verſuchen, gleich Schacht, aus dem fahrenden Schnell= zug auszuſteigen.- Zu ſpät, ihr Herren, zu ſpät! Man verſchuldet ein ganzes Volk nicht ungeſtraft, verpulvert nicht ſeine Erſparniſſe in Flugzeugen und Kanonen und kann ſich nicht, wenn all die armen Menſchen vor der Verlum= pung ſtehen, wieder einmal auf höhere Schickſalsmächte herausreden, um ſich der Verantwortung zu entziehen.- Wir wollen keine individuelle Rache üben, wir wollen das private Bankweſen mit ſeiner wirtſchaftlichen Bedeutung, ſeine Kliquen von Präſidenten, Direktoren und jene elenden Schönredner von Se= kretären und Archivaren, die alles begründen können, beſeitigen. Auf der Grundlage der Sparkaſſen und Kreditgenoſſenſchaften ſoll ſich eine klare Or= ganiſation von territorialen und wirtſchaftlichen Banken für einzelne Ge= werbszweige erheben, die alle Geld= und Kreditaufgaben zum gemeinſamen Beſten erledigt.- Nie wird der Sparpfennig ſicherer ſein Können, als in der trceuhänderiſchen Verwaltung der Banken durch das ganze Volk. Lebensſteigérung auf vielen Wegen. So gerüſtet, wollen wir eine Wirtſchaftspolitik führen, die nur ein Ziel kennt: Steigerung des Lebens. Wenn die Grundlagen der Wirtſchaft ſozia= liſtiſch ſind, alle anderen Wirtſchaftszweige aber bewußt freie Wirtſchaft bleiben, werden ſich ungeahnte wirtſchaftliche Möglichkeiten eröffnen. Wir werden die Preiſe aller Grundſtoffe, Kohle, Eiſen, Gas, Elektrizität und Kapital planmäßig ſenken und dadurch die Unkoſten der verarbeitenden Induſtrie, im Handwerk und in der Landwirtſchaft und die Lebenshaltungskoſten in allen Haushalten fühlbar verbilligen. Wir werden aus der deutſchen' Bauernwirt= ſchaft die beſten Nahrungsmittel und aus der Induſtriewirtſchaft wieder wol= lene, baummwollene und ſeidene Stoffe, Wäſche und Kleider haben. Wir werden die Zölle und Verbrauchsſteuern aufheben oder herabſetzen, nicht um der Staatskaſſe neue Einnahmen zu verſchaffen, ſondern um Salz, Zucker und Kaffee und Kakao zu billigen Gütern zu machen. Der Menſch wird wirklich der ailei= nige Zweck der Wirtſchaft ſein.- Wir wiſſen, daß viele Deutſche, eingenebelt in die Goebbelspropaganda, dies für unmöglich halten. Natürlich haben ſie vergeſſen, daß Hitler die Beſeitigung der Bank= und Börſenfürſten verſprochen hatte und die SA ſchnell nach Haufe ſchickte, als ſie vor der Berliner Börſe 8ó 1 H Ï { AIDI i a ait E ERNA 4 ESTE SR IRRT VEO COINS ARE an ENNE E TERE WRI E E A aufmarſchierte, ſeines Weſens rat an ſeinem iſt, Verrat an an OPeutſchland Aber es gi während der| in 100 Jahren Volksfront ein durchführte, D kapitaliomus, neues Beweisſt Deutſchland zu wollen, Der Weg Nach dem Bewußtſein de werden ſich Pe wind ſiegen,| oder alte Volk: kraten, die Ve müſſen, Verein ſie eine hohen E wiedey 1 "möglich, diktatuy, e ſtehen, mit Ï Ommt, wird der, wollende und Würdigey Geſtale deg V hat, Nichts ww 9 wird dag i Denn wag Zwiſchen Das Py Í 0 0 leine Ue a8 dag emi veiheit führer Deshalb i Nied Füp 1gt doch en ſoll,- 9 Pank- nbanken, y Zwecke , zrott ge- vor dem delten ſie ver Börſe, 1 Schnell- n ganzes igen und - „ um ſich che üben, 1ng, ſeine pon Se- Auf der ;lare Or- elne Gt- einſamen ls in der , ein Ziel aft[0zia- Wirtſchaft nen, Wir 1d kapital uſtrit/ im uernwirt- eder ol- ir werden t um de! und kalle ‘der allet? ingenebel hen ſie rpo Pe górle ine” aufmarſchierte. Wie ſollte auch Hitler ein, Verſprechen halten? Der Grundzug ſeines Weſens iſt Verrat. Verrat an Südtirol, das er Muſſolini überließ, Ver= rat an ſeinem Programm des deutſchen Sozialismus, das nur ein Fetzen Papier iſt, Verrat an ſeinen Freunden, die er abſetzt, fortjagt, erſchießen läßt, Verrat an Peutſchland, das er ins Chaos ſtürzt. Aber es gibt ein Land obne Kapitaliſten, das im ſozialiſtiſchen Aufbau während der letzten 10 Jahre mehr geleiſtet hat, als der ganze Kapitalismus in 100 Jahren zuvor zuſammen: Rußland. Es gibt ein Frankreich, in dem die Volksfront cine neue, friedliche ſoziale Revolution mit demokratiſchen Mitteln durchführte. Der Beweis, daß der Sozialismus mehr vermag als Diktatur und Kapitalismus, iſt vor der Geſchichte längſt geführt. Beeilen wir uns, lhr ein neues Beweisſtück zuzuführen, indem wir durch das Programm der Volksfront Deutſchland zu einem ſozialiſtiſchen Lande machen. Wir können es, wenn wir wollen.- Per Weg zur Freiheit! Nach dem Sturze der Diktatur wird das deutſche Volk ſtark und ſicher im Bewußtſein der Freiheit in die Zukunft ſchreiten. Alle unterdrückten Kräfte werden ſich regen, Freiheit jeder Leiſtung, die ſchöpferiſch iſt.- Die Volksfront wird ſiegen. lhre Gegner ſind eine verſchwindende Minderheit und als neue oder alte Volksfeinde leicht erkennbar, Schlotbarone, Finanzkapitaliſten, Büro= kraten, die Volksfeinde von geſtern werden ſich nun erſt recht demaskieren müſſen. Verecinigen ſie ſich mit Hitler, ſo werden ſie mit Hitler fallen. Verſuchen ſie cine hohenzollernſche oder habsburgiſche Reſtauration, ſo werden ſie auch bald wieder verſchwinden. Denn jede Reſtauration iſt, weil lebensfeindlich, unmöglich. Die neuen Volksfeinde, die Träger und Nutznießer der hitleriſchen Diktatur, kennt jeder. Wir brauchen ſie nicht zu nennen. Das Volk wird ver= ſtehen, mit ihnen fertig zu werden.- In der Volksrevolution, die dann kommt, wird eine völlige Erneuerung des deutſchen Volkes folgen, denken= der, wollender, begeiſterter, ſchöpferiſcher, handelnder, geiſtiger, geachteter und würdiger als heute ivird das Deutſchtum vor der Welt ſtehen, die herrliche Geſtalt des Volkes, das ſeinen Tyrannen verjagt und den Frieden gerettet hat. Nichts wird ihm geſchenkt werden, alles muß es ſich bitter erkämpfen. Es mird das erkämpfen. Denn was es erkämpft, wird es dann auch wirklich beſitzen. Zwiſchen Krieg und Frieden ſchwankt die Wage. Noch iſt es nicht zu ſpät. Noch können mwir am Rande des Abgrundes umkehren. Das Programm der Volksfront iſt das Programm des Friedens. Der Krieg wird ſeine Urheber zerſchmettern, die Volksfront aber wird leben und das Volk, das ewig bleiben wird, wenn auch Staaten und Regierungen ſterben, zur Freiheit führen. Deshalb iſt unſer Ruf in Krieg und Frieden: Nieder mit der Diktatur! Es lebe die Freiheit! Für ein freies, friedliches und glückliches Deutſchland! iR H il [4 EI‘UE x Es. SE-razir au ies AA Js Za re SE V. Bericht über die Tätigkeit des Volks= front=Komitees des ehem. Kz. Buchenwald Einleitung Am 21. Dezember 1943 wurde ich als nicht beſſerungsfähiger Ge= fangener aus dem Zuchthaus Brandenburg=Görden ausgeſondert und am 83. 18. in das Konzentrationslager Buchenwald eingeliefert. Nach wenigen Tagen ſtellte ich feſt, daß Buchenwald von der KPD beherrſcht wurde. Ich nahm mit einigen ihrer führenden Mitglieder Fühlung und bildete ſchon im Februar 1944 ei= der C DU Werner Hilpert,"* von der KPD Walter WON angeNSrten, Über die Tätigkeit dieſes KOM Nr. V. bis VIE mitgeteilten Dokumente ſo deutlich Aufſchluß, daß ich nichts dazu zu ſagen habe. Ich möchte nur hervorheben, daß die Arbeit des Buchenmwalder Volksfront-Komiteces ſich nicht auf die deutſchen Gefangenen beſchränkte und es uns insbeſondere gelang, die Zuſtim= mung der franzöſiſchen Sozialiſten(Eugéne Thomas) und Kommu= niſten(Marcel Paul) zu der Plattform vom 1. Mai 1944 herbeizuführen. Das dürfte heute von beſonderem politiſchen Intereſſe ſein. Die Arbeit des Buchenmwalder Volksfront-Komitees erlitt durch Verhaftungen, die im Spätſommer 1944 im Lager erfolgten, eine erhebliche Beeinträchti= guns. Bei dieſen Verhaftungen fand die Sonder=Geſtapo auch einige meiner Manuſkripte und nahm ſie zu den Akten. Am 29. Dezember 1944 begann man nach mir im Lager zu ſuchen, aber man fand mich nicht. Der allgemeine Auflöſungsprozeß, der in der zweiten Januar= hälfte in der SS einſetzte und die dadurch einreißende Schlamperei ver= hinderten, daß ich gehenkt wurde. 17 Ernſt Thape, geboren 29. 5. 1892 in Klein-Aga, urſprünglich Mechaniker, ſtudierte ſpäter Technik und Volkswirtſchaft, ſeit 1924 politiſcher Redakteur. 1933 und 1934 mehrfach verhaftet, bci Ausbruch des zweiten Weltkrieges erneut verhaftet. Seit März 1944 Mitglied des Volksfront= komitees Buchenwald. Seit 16. Juli 1945 zweiter Vicepräſident der Provinz Sachſen. 18 Werner Hilpert, geb. 1899 în Leipzig, Volkswirt und Juriſt. Vor 1933 führend în der ſächſiſchen Zentrumspartei tätig, bei Ausbruch des zweiten Weltkrieges verhaftet, ſeit Juni 1944 Mitglied des Volksfront=Komitees. Buchenwald. Seit Oktober 1945 Staatsminiſter und ſtellv. Miniſterpräſident der Staatsregierung des Landes Heſſen. 19 Walter Wolf, geboren 1913 in Gotha, Lehrer. Obwohl von der Anklage der Vorbereitung des Hochverrats freigeſprochen, wurde er 1938 în das Konzentrationslager Buchenwald gebracht. Se:t Mai 1945 Volksbildungsminiſter în der Regierung des Landes Thüringen, bzw. Landes= direkto“- în der Landesverwaltung Thüringen. i 88 In der pc Beſtrebungen antifaſchiſtiſc> Benußung vc matiſche Erkl eines neuen Im OPezem Monate Janu mehrfacher[ gedankens 2 6 Punkten bi wahl politi machen, Pie hier nur de! während dey nichtet werd Wiederherſte Republik, de verbrecher, d Und‘ſozialen tiſchen Zuſay durch die 11] tine lebhafte beträchtliche fangenſchaft fehlten, Info vatoriſchen Wiegend Jui Plattform Ï ländiſchen| Wichtigſten| DIe Sity Umfaſſenden alley Beteili Kameraden, Zuerſt jungen Gei y Degen C olks- ald _ iger Ge-: dert und ort, Nach geherrſcht [ung und pon der p Waiter pre unter „ daß i ie Arbeit deutſchen - KommV- zuführen. ie Arbeit ngen, die ch einige pezembe Ff and mi \ Januar?}' perci veſ- iter pyſtet, FF 9 Volhafron*| len- i 1. Vorarbeiten In der politiſchen Arbeit der Jahre 1937/43 haben im Lager verſchiedene Beſtrebungen ſtattgefunden, um den Gedanken der Zuſammenfaſſung aller antifaſchiſtiſchen Kräfte in einer Volksfront zum Ausdruck zu bringen. Unter Benutzung von Mitteilungen aus der Emigration wurde auch eine program= matiſche Erklärung abgegeben, die die wichigſten Forderungen zur Schaffung eines neuen Peutſchlands enthielt. Im Dezember 1943 bekam dieſe Arbeit einen neuen Auftrieb. Nachdem die Monate Januar bis März 1944 eifrig dazu benußt worden waren, eine in mehrfacher Beziehung‘erweiterte und vertiefte Auffaſſung des Volksfront= _gedankens zu gewinnen, gelang im April 1944 die Formulierung einer aus 6 Punkten beſtehenden Plattform, die geeignet erſchien, eine beſtimmte Aus= wahl politiſch intereſſierter Kameraden mit dieſem Gedanken vertraut zu machen..Die 6 Punkte, die wie alle übrigen Arbeiten des Volksfront-=Komitees hier nur dem Inhalt nah mitgeteilt werden können, weil die Dokumente während der Verhaftungswelle vom November=-Dezember 1944 ſämtlich ver= nichtet werden mußten, handeln von der Vernichtung des Faſchismus, der Wiiederherſtellung der Freiheit, der Schaffung einer neuen demokratiſchen Republik, der Beendigung des Krieges, der Beſtrafung der Kriegs=- und Terror= verbrecher, der Herbeiführung des Friedens und von einigen wirtſchaftlichen und ſozialen Sofortmaßnahmen, insbeſondere der ökonomiſchen und poli= tiſchen Zuſammenarbeit mit der UdSSR. Sie wurden am 1. Mai 1944 in einer durch die|llegalität beſchränkten Öffentlichkeit publiziert und riefen alsbald eine lebhafte Diskuſſion hervor. In dieſer erwies ſich, daß bei einer nicht un= beträchtlichen Zahl von Kameraden, natürlich erklärlich durch ihre lange Ge= fangenſchaft, manche Vorausſeßungen für das Verſtändnis der Plattform fehlten. Infolgedeſſen wurden in der 2. Maihälfte 1944 eine Einleitung dekla= ratoriſchen Inhalts und eine größere Reihe von Begriffsbeſtimmungen, vor= wiegend juriſtiſcher Natur, verfaßt, die es in kurzer Zeit ermöglichten, die' Plattform în dem genannten Perſonenkreis durchzuführen. Auch die aus= ländiſchen Nationen konnten über das Ergebnis informiert werden, das die wichtigſten von ihnen die Plattform zur Kenntnis nahmen. 2. Konſtituierung und Arbeitsplan. Pie Situation war reif, um die Konſtituierung eines antinaziſtiſche Kreiſe umfaſſenden Volksfrontkomitees in Angriff zu nehmen. Im Einverſtändnis aller Beteiligten wurde es wie folgt formiert: Hermann L. Brill, Deutſche Volksfront von 1936, Werner Hilpert, Chriſtliche Pemokraten, Ernſt Thape, SPD, Walter Wolf, KPD. Das Komitee hielt am 5. Juli 1944 ſeine erſte Sitzung ab und wählte den Kameraden Brill zum Vorſitzenden,* * Zuerſt wurde die Ergänzung des Komitees durch einen Vertreter dei jungen Generation erörtert, Der Plan mußte infolge.mannisgfaltiger Schwie= 7 Gegen den Strom 89 rigkeiten fallengelaſſen werden; jedoch wurde der Vorſitzende beauftragt, mit den Jungen ſtändige Fühlung zu halten.- Zweitens wurde, die Frage geſtellt, ob die Plattform vom 1. Mai 1944 die Grundlage der Arbeit bilden könne. Nach einer mehrere Sitzungen ausfül= lenden Diskuiſſonen wurde die Frage mit der Maßgabe bejaht, eine Ausarbeitung der wichtigſten Gedanken im einzelnen vorzunehmen. Daraus entwickelte ſich folgender Arbeitsplan: 1. allgemeine Grundlagen, 2." Aufbau einer neuen- Verwaltung, 3. die Beamtenfrage, 4. die Frage der Miliz, 5. wirtſchaftliche und ſoziale Fragen, 6. die Frage der öffenflichen Meinung, insbeſondere der Preſſe, 7. die Erziehungsfrage. Später kam noch die nationale Frage hinzu. Das Komitee hat alle Fragen mit Ausnahme von 4. bearbeitet und die ſchrift= lichen Formulierungen feſtgelegt. Alle Beſchlüſſe des Volksfront=-Komitees ſind einſtimmig gefaßt worden.- 3. Grundlagen unſerer Politik. Schon am 18. Auguſt 1944 konnte der Entwurf über die allgemeinen Grundlagen unſerer Politik angenommen werden. Er enthielt folgenden Ge= dankengang:; Die antinaziſtiſche Politik kann nicht das Werk einzelner Organiſationen, ſondern nur das Ergebnis einer antinaziſtiſchen Bewegung der breiten werk= tätigen Maſſen in Stadt und Land ſein. Deshalb kommt es darauf an, dieſe Bewegung auf konkrete politiſche Ziele zu lenken. Das Mittel dazu müſſen die aus allen antifaſchiſtiſchen Gruppen zu bildenden Volksfront-Komitees ſein. Sie ſind im ganzen Reiche auf allen Stufen ſeiner politiſchen Gliederung zu bilden und in einem deutſchen Volkskongreß zuſammenfaſſen. Er hat Regie= rung und Volksvertretung einzuſetzen. Das politiſche Recht der naziſtiſchen Diktatur iſt zu beſeitigen. Welche Vorſchriften des öffentlichen Rechts, insbeſondere der Weimarer Verfaſſung vom 11. Auguſt 1919 noch in Kraft bleiben, iſt Tat-= und Rechtsfrage, die nach dem Satz von der normativen Kraft des Faktiſchen zu entſcheiden wäre. Pie Vernichtung der Diktatur hat nach drei Seiten hin zu erfolgen: a) der NSDAP, b) des Staates, c) der Geſellſchaft. Es iſt dafür ein genau punk= tiertes Geſetzgebungsprogramm aufgeſtellt worden, das hier im einzelnen nicht intereſſieren dürfte. Allgemein ſei geſagt, daß es in der Ourchführung dieſes Programms nicht auf formelle Zugehörigkeiten, ſondern allein auf die praktiſche Betätigung unter der Diktatur ankommt. Weiter, daß nicht formelle Auflöſungen, Entlaſſungen uſw. ausgeſprochen werden dürfen, ſondern eine materielle Vernichtung erſtrebt wird, ſchließlich, daß dem negativen Ver= nichtungsprozeß ein poſitiver Aufbauprozeß neuer Kräfte entgegengeſetzt: werden muß. Die Ausdehnung dieſes Verfahrens auf nicht naziſtiſche faſchiſtiſche Or= ganiſationen und Beſtrebungen wurde beſonders feſtgelegt, ebenſo die Be= ſtrafung der Kriegsverbrecher. A Die Grundſäge einer Entſchädigung der Opfer des Terrors wurden auf= geſtellt. z 90 E LEN Schließli beſtimmt. In der neuen Regie ſich das Kd deutſchen V Aufgabe in « Darum mur waltungsbe Zulammenfi den und=< Kreis dieſer Natürlic führen, Dey Volksrepub mit welche; Ämter von für eine 9 weiterung I der Frage ſchloſſen, d ſchränken, (lebenslänc der Beamts Terten An Übergan g geben, y Verſchie Verichtete nalen Fra, Wurde aug leine natig ückgewieſ in dey Sell leſtgelege/ n erſte L ür die Ej agt, mit 1944 die rbeitung kelte ſich y neuen liche und" dere der e hinzu. e ſchrift- tees ſind gemeinen ¡den Ge- iſationen, en werk- an, diele ¡üſſen die tees ſein. erung u jat Regie- 1, Welche Verfaſſuns „ die na re. en: a) der aul punk- einzelnen cführuns in auf die it formelle dern eine beſtimmt. ? Schließlich wurden Strafvorſchriften, Berichte, Verfahren und Rechtsmittel 4. Aufbau einer®neuen Verwaltungs. In der Erkenntnis, daß zur Durchführung dieſer Aufgabe außer einem neuen Regierungsapparat auch eine neue Verwaltungsmaſchine gehört, wandte ſich das Komitee als zweiter Aufgabe dem Aufbau der Verwaltung in der - deutſchen Volksrepublik zu. Von vornherein beſtand Einverſtändnis, daß diefe Aufgabe in dem alten Verhältnis von Reich und Ländern nicht lösbar iſt. Darum wurde ein genauer Plan für die Neueinſtellung des Reichs in Ver= waltungsbezirke(Länder) ausgearbeitet. Außerdem wurde eine durchgreifende Zuſammenfaſſung, Vereinfachung und Vereinheitlichung der Verwaltungsbehör= den und z=gerichte beſchloſſen. Auch die Kommunalverwaltung wurde in den Kreis dieſer Erwägungen und Beſchlüſſe einbezogen.: 5, Pie Beamtenfrage. Natürlich mußten dieſe Erörterungen von ſelbſt auf die Beamtenfrage führen. Denn noch mehr als für irgendeinen anderen Staat iſt es für die Volksrepublik, beſonders auch nach den Erfahrungen von 1918, entſcheidend, mit welchen Menſchen die neuen Behörden beſeßzt werden. Zuerſt ſind die Amter von allen faſchiſtiſchen Elementen gründlich zu reinigen. Es wurde da= für eine ganze Skala von Maßnahmen aufgeſtellt, die eine bedeutende Er= weiterung der Maßregel nach Ziffer 3 enthält. Sodann ging man zur Prüfung der Frage über, wieweit überhaupt Beamte notwendig ſind. Es wurde be= ſchloſſen, den Beamtenbegriff auf die Träger öffentlicher Funktionen einzu= ſchränken, die beſonderen Privilegien des bisherigen Berufsbeamtentums (lebenslänglich, penſionsberechtigte Anſtellung uſw.) abzuſchaffen, die Wahl der Beamten auf Zeit einzuführen, ſozial ihre Gleichſtellung mit den qualifiz zierten Angeſtellten vorzunehmen, bei allem jedoch erworbene Beamte durch übergangsbeſtimmungen zu achten und der Jugend eine große Chance zu geben. 6. National=Frage. Verſchiedene, auf Zerſtückelung und dauernde Unterdrückung OPeutſchlands gerichtete Kundgebungen gaben dem Komitee Veranlaſſung, ſich mit. der natio» nalen Frage der Deutſchen zu beſchäftigen. Nach einer hiſtoriſchen Prüfung* wurde ausgeſprochen, daß das deutſche Volk wie jedes andere ein Recht auf “ feine nationale Exiſtenz hat. Alle entgegengeſetzten Beſtrebungen wurden zu= rückgewieſen, die Mittel zur Behauptung des nationalen Daſeins, die vor allem in der Selbſtbefreiung des deutſchen Volkes vom Nazismus geſehen werden, feſtgelegt, mögliche Friedensfragen erörtert und die Erwartung geäußert, daß in erſter Linie die UdSSR ein eigenes außenpolitiſches Intereſſe daran habe, für die Erhaltung der deutſchen Einheit einzutreten. 7, Wirtſchafts- und Sozialfragen. Im Vordergrund der Wirtſchaſtsfragen ſtand ſelbſtverſtändlich die Sorge um die Ernährung. Als politiſche Vorausſeßung zur Löſung dieſer Frage wurde ein vertrauensvolles Zuſammenarbeiten zwiſchen Stadt und Land ge» 91 e E E E LT i EEA 0 C DEE te 25> LLL Sage ERLE S3 4 E n E fordert und geſagt, daß die deutſchen Bauern das Recht auf eine elgene poll- tiſche Partei haben werden. Bei einer planmwirtſchaftlichen Erfaſſung von Ge=- treide, Mehl und Kartoffeln ſoll nach Aufhebung des Erbhofgeſetes und Bez ſeitigung der Zwangsorganiſation des Reichsnährſtandes die freie genoſſens- ſchaftliche Wirtſchaft treten. In Induſtrie und Verkehr foll eine Zuſammenfaſſung der Vermögen der Nazis und Kriegseverbrecher und eine teilweiſe Verſtaatlichung vorgenommen werden. S In der Sozialpolitik roird einfach die Wiederherſtellung des. Höchſtſtandes von 1930 verlangt. Die DAF ſoll aufgelöſt und ihre Umwandlung in eine Einheitsgewerkſchaft, notfalls auf geſetzlicher Grundlage, gefordert werden. 6. Vffentliche Melnung. Uberzeugt, daß alle dieſe Dinge nur gemacht werden können, wenn die öffentliche Meinung völlig umgeſtaltet wird, ſind umfangreiche, weitgehende Beſprechungen über die Preſſe, den Rundfunk, den Film, das Theater und die Literatur mit verſchiedenen dafür kompetenten Perſonen aller Richtungen, auch des Auslands, durchgeführt worden. Sie haben Jedoch nur auf den Gebieten‘ der Preſſe und Literatur zu greifbaren Ergebniſſen geführt, was angeſichts der äußerſt beſchränkten Arbeitsmöglichkeiten,. die auf dieſen Gebieten nicht nur durch die lllegalität, ſondern auch durch den Mangel an Kräften bedingt ſind, verſtändlich ſein dürfte. Auf dem Gebiet der Preſſe ſollen die Zeitungen und Zeitſchriften aus einer neuen foziologiſchen Auffaſſung heraus, die auf Grund* der Erfahrungen in der Diktatur gewonnen worden iſt, völlig neu gemacht werden. Für die Literatur ſind editoriſche Pläne großen Stils aufgeſtellt worden. Zu ciner Beſchlußfaſſung darüber iſt es noch nicht gekommen. 9. Erziehungsfragen. Für die Erziehungsfragen wurde eine beſondere Kommiſſion eingeſetzt, die nach perſönlichen Vorbeſprechungen und nach Anhörung zweier Referate, von denen das eine berichtlichen, das andere prinzipiellen Inhalt hatte, ſowie einer daran anſchließenden allgemeinen Ausſprache»Schulpolitiſche Sofortmaßnah= men« einen Plan für eine, politiſche Schule neuen Typs ausgearbeitet hat. Die Sofortmaßnahmen ſollen eine Reform des Erziehungsweſens an Haupt und Gliedern herbeiführen. Sie beziehen ſich auf alle Schulgattungen, die Lehrerfrage, die Lehr= und Lernmittel, u. a. m. Auch auf dieſêm Gebiete iſt es leider zu kelner Beſchlußfaſſung mehr gekommen. Doch beſteht kaum ein Zweifel, daß das Ergebnis der Kommiſſionsarbeit vom Komitee gebilligt worden wäre. 10. Lagebeſprechungen. Dieſe ganze ſachliche Arbeit iſt ſtändig von Beſprechungen der politiſchen Lage begleitet geweſen. Sie diente nicht nur der gegenſeitigen Information, ſondern auch der immerwährenden Nachprüfung unſerer Grundanſchauung an der Wirklichkeit, die wir ſtets beſtätigt gefunden haben. Im Januar 1945 ſind aus ſolchen Beſprechungen einige Loſungen hervorgegangen, die ſämt= 92 lich auf die lution des| Unſere Kk vor allem id Gedanken p eine kritik gelegten Er brachten, D am meiſten, unſere Saat Wirkſan ſpäter die\ beſondere; Arbeit war Bald nz Mitglieder ken von d ſchienen, Das Ko wird, ſeine Menſchen f teien und Nôtigenfal | 2 ergreife î Wir tre 4 Buchen OS PE DPR Gra 0 I WY Srta Ätmits 1e poils on Ges nd Bez noſlens zen der ommen ¡ſtandes in eine den. enn die gehende und die en, auch Zebieten* cts der icht nur gt ſind, gen und f Grund gemacht worde ſeht, die ate, 00 pie einer maßnab- itet haf. n Haupt gen/ die ebiete Iſt aum ein gebilligt lich auf die Beendigung des Krieges gerichtet waren, Auch die Schlußreſo= lution des Komitees liegt auf dieſer Linie. 11. Gegenſeitige Hilfe, Unſere Kameraden brauchten in der ſchweren Zelt, die hinter uns llegt, vor allem ideologiſche Hilfe. Ihnen politiſche Gedanken zu geben, ihre eigenen Gedanken politiſch produktiv zu machen, uns ſelbſt für die Arbeit im Komitee eine Kritik zu ſchaffen, waren unſere Ziele, wenn wir die beſchlußmäßig feſt= gelegten Ergebniſſe in einer beſchränkten Anzahl von Abſchriften in Umlauf brachten. Daß das nur ſehr beſchränkt möglich war, bedauerten wir ſelbſt am meiſten. Aber wir dürfen hoffen, daß in dieſem Völkerfrühling von 1945 unſere Saat aufgehen mird. Wirkſame materielle Hilfe haben wir geleiſtet, als lm Auguſt 1944 und ſpäter die Verhafteten der Aktion gegen den 20. Juli ins Lager kamen. Eine beſondere Aufgabe war es uns, uns der Jugend anzunehmen. Auch dieſe Arbeit war nicht vergeblich. 19. Abſchluß und Ausblick. Bald nach der Befreiung der Gefangenen von Buchenwald konnten dle Mitglieder der Volksfront-Komitees mit Freude feſtſtellen, daß ihre Gedan= “ ken von der Entſchließung der er e Entſchließung der erſten Mitgliederverſammlung—der KPD Tot E N Der Demen ra nen UE cie Lo EZE men worden ſind. Auch in vielen Schriftplakaten ſind unſere Loſungen er=- ſchienen.; Das Komitee hat nun mit einer Entſchließung, die Im Wortlaut beigefügt wird, ſeine Lagerarbeit als Nazi=Gefangene abgeſchloſſen, um ſie als freie Menſchen fortzuſetzen. Es wird dieſen Bericht allen in Frage kommenden Par=- teien und Gruppen vorlegen und ſie bitten, ibn zur Kenntnis zu nehmen, nötigenfalls die lnitiative zur Bildung eines Deutſchen Volksfront-Komitees zu ergreifen. z Wiir trennen uns von allen Mitarbeitern und Kameraden mit den Rufen: Nieder mit dem Nazismus! Es lebe die Freiheit! Es lebe die deutſche Volksrepublik! Buchenwald, Den 19. April 1945. [TA 04 TEIN C TIDE TEAC E m Das Volksfront=Komitee Hermann L. Brill, Werner Hilpert, Ernſt Thape, Walter Wolf, EE D | A 22 Al P M C e UE A SE A R n a = MAis: ?) EEE VI. Buchenmwalder Plattform vom 1. Mai1944 Pie politiſchen Gefangenen in Buchenwald fordern: 1. Vernichtung der faſchiſtiſchen Piktaturen. 2. Beſtrafung der Kriegs= und Terrorverbrecher, Wiedergutmachung allen- Unrechts. 3. Errichtung einer deutſchen Volksrepublik auf neuer demokratiſcher Grundlage. 4. Beendigung des krieges. Zurückziehung der deutſchen Truppen hinter die Genzen von 1938. Waffenſtillſtand. Austauſch der Kriegs= gefangenen, Heimſendung der Fremdarbeiter. 5, Friede obne Annexionen und Kontributionen. Anevhèniina dey deutſchen Reparationspflicht. Ablehnung der Verwendung deutſcher Arbeitskräfte zur Zwangsarbeit. 6. Verſtaatlichung der Schwerinduſtrie. Ausreichende Ernährung. Ein= führung der 40=Stundenwoche. Einheit der Sozialgeſetzgebung. Angenommen von der Kommuniſtiſchen Partei Deutſchlands, Sozialdemokratiſchen Partei Deutſchlands, den Chriſtlichen Demokraten Deutſchlands; Kommuniſtiſchen Partei Oſterreichs, Sozialiſtiſchen Arbeiterpartei Oſterreichs, Kommuniſtiſchen Partei der Tſchechoſlowakei, Deutſchen und Tſchechiſchen Sozialdemokratie, Kommuniſtiſchen Partei Frankreichs, SFIO(Sozialiſtiſche Partei Frankreichs), Britiſchen Arbeiterpartei, Sozialiſtiſchen und Kommuniſtiſchen Partei der Niederlande, Belgiſchen Arbeiterpartei, D Kommuniſtiſchen Partei Jugoſlawiens, Polniſchen Sozialiſtiſchen Partei, Polniſchen Arbeiterpartei(Kommuniſten), Ruſſiſchen Kommuniſtiſchen Partei(Bolſchewiki), Vertretern der radikal=-ſozialiſtiſchen Partei Frankreichs, Mitgliedern der revolutionären Studentengruppe Scholl-München. 1 Fj Vil, Dic Reſolu Die demo den Naziom vielen Opfer Aber noch| geſchichtliche ſchen Kräfte, und jede W nen, Deshall 1, 2 3, 10, I Sofor « Überr verne] Säube Vertei Wehr + Einſte ſtöru) jedey Reich « Verh. ſtelly « Peſch « Scha] » Orga vepul * Wied ſorg Bald liche des Bildi Heya ‘tend kläry die 1 tiſche 44| Vll. Die nächſten Aufgaben der Volksfront Reſolution des 1, Buchenwalder Volkskongreſſes am-23.4. 1945..» Die demokratiſchen Kräfte der ganzen Welt ſtehen vor dem Endſieg über den Nazismus. Die deutſchen Antinaziſten dürfen ſtolz darauf ſein, unter chung vielen Opfern und Leiden ihren Teil zu dieſem Sieg beigetragen zu haben. Aber-noch liegt der furchtbare Gegner nicht zerſchmettert am Boden. Die iſcher geſchichtliche Stunde erfordert vielmehr die Mobiliſierung aller antifaſchiſtiz ; ſchen Kräfte, um den blutbefleckten Feind jeder Kultur endgültig niederwerfen und jede Wiederholung ſeiner verbrecheriſchen Diktatur verhindern zu kön=- 1ppen nen. Deshalb fordern wir für den Augenblick: fiegs-"Sofortige Bildung antinaziſtiſcher Volksausſchüſſe in Stadt und Land. . Übernahme der öffentlichen Gewalt durch die Volksausſchüſſe im Ein= vernehmen mit den Beſaßzungsbehörden. der ze Z; 9. Säuberung der Polizei von naziſtiſchen Elementen, Errichtung einer ticher Verteidigungstruppe auf der Grundlage der Miliz gegen Saboteure, Wehrmwölfe und dergl. E Y , fin-. Einſtellung jeder Tätigkeit für Hitler, Verhinderung jeder weiteren Zer= g. ſtörung Deutſchlands, Verhinderung jeder Arbeit, jedes Transports, jeder Nachrichtenübermittlung,/ jedes Kampfes für die Reſte des Pritten Reiches durch die Volksausſchüſſe und ihre Organe. . Verhaftung und überwachung aller naziſtiſchen Elemente, ihre Über= ſtellung an Volksgerichte.; . Beſchlagnahme aller Nazivermögen und Nazibetriebe. . Schaffung einer neuen demokratiſchen Ordnung gegen die Nazis. . Organiſation eines Reichsausſchuſſes der Antinaziſten, Bildung einer republikaniſchen Volksregierung. . Wiederaufnahme der Arbeit in Stadt und Land, ausſchließlich zur Ver ſorgung des deutſchen Volkes unter menſchenwürdigen Bedingungen. Baldiger Wiedereintritt Deutſchlands in die Weltwirtſchaft, unverzüg= liche Aufnahme enger ökonomiſcher Beziehungen zur Sowjetunion als des natürlichen Wirtſchaftspartners auf dem europäiſchen Feſtland. . Bildung von antinaziſtiſchen Einheitsgewerkſchaften. . Herausgabe neuer Zeitungen, Zeitſchriften, Ausnutzung des Nachrich= ‘tendienſtes, des Rundfunks und aller Bildungseinrichtungen zur Auf= klärung des deutſchen Volkes über die Verbrechen des Nazismus, über die wirkliche Lage Deutſchlands, ſowie zur Schaffung einer demokra= tiſchen öffentlichen Meinung. Es lebe-die Freiheit! Es lebe die deutſche Volksrepublik! VIII Buchenwalder Manifeſt Einleitung Während der ganzen Zeit der Diktatur hatten wir Sozialdemo=- kraten kameradſchaftlich mit Katholiken und Kommuniſten zuſam= mengearbeitet. Wir hofften, daß aus der Volksfront cine große cinheitliche ſozialiſtiſche und demokratiſche Organiſation hervorgehen Tvürde, Deshalb lehnten wir es nach der Befreiung auch ab, uns als Sozialdemokratiſche Partei zu konſtituieren. Aber ſchon am zweiten Tage nach der Befreiung mußten wir erkennen, daß die KPD die alte geblieben war. Man wollte die Volksfront nur als eine Brücke zu nicht-kommuniſtiſchen Kreiſen benutzen. So ſahen wir uns gezwungen, die Auffaſſung der demokratiſchen Sozialiſten klar auszuſprechen. Das _Seſchah durch das Buchenwalder Manifeſt. Am 13. April 1945 trug ich in einer Verſammlung aller derjenigen, die aus der ſozialdemokratiſchen Partei Deutſchlands und der ſozia= liſtiſchen Arbeiterpartei Oſterreichs kamen, dieſe Ideen vor. Franzoſen, Belgier, Holländer, Dänen, Polen, Tſchechen nahmen an der Verſamm= lung teil und billigten meine Vorſchläge. Eine ſiebenköpfige Kommiſſion wurde beauftragt, ſie endgültig zu formulierepBenedikt Kautsky* über= nahm die Berichterſtattung. Wenige Tage ſpäter billigten die lber= lebenden unter den demokratiſchen Sozialiſten das Buchenmwalder Manifeſt. Uberall in Deutſchland bildete es in den Monaten April, Mai und Juni 1945 die- Grundlage zielbewußter demokratifcher und ſozialiſtiſcher Arbeit. Die Franzoſen verkündeten es in Paris, die Niederländer in Amſterdam, die Öſterreicher in Wien und in den Alpenländern. Beſeelt von dieſem Geiſt machten ſeine Urheber der KP lung der völligen organiſatoriſchen Ein= heit. ng Juli förmlich zurückgeroteſen, Was Oanach geſchah, iſt noch nicht Geſchichte. 20 Benedikt Kautsky, 1894 als Sohn des bedeutenden fozlaldemokratlſchen Theoretikers Karl Kautsky und ſeiner Frau Minna Kautsky in Berlin geboren. Nach dem Studium der Rechts- und Wirtſchaftswiſſenſchaften Sekretär der Arbeiterkammer in Wien. Seit 1938 nacheinander in den Konzentrationslagern Buchenwald, Auſchwitz, ſeit 1945 erneut in Buchenwald. Mai bis Juli 1945 Mrnelter in der Staatsregierung des Landes Thüringen, ſeit Herbſt 1945 freier Schriftſteller n Zürich. E 96 Die Auf des Frieden! ſammeln, a Löſung, MANIFEST | | Im Auger naziſtiſchen 0 wald verſam Brandenburg Braunſchweig Pflicht, in Ar ſiſchen, bel lowie dey D [lowakiſchen Wir habe wir glaubter Sozialiomus haus und ko tlenden Tod uns vergönt lammeln, wi tengeſicht de Henker ge Zukunft unſe dem deutſch Dentſchland ihm Wiedey| Solan e elt gebo dem0s zuſam- „große rgehen ns als eiten jie alte iche 21 ungen, n, Das — enigen,/ + ſ0zia- nzolen, rſamM- miſſion jjber- _(iber- 1waldel' | April, er und is, die in den ver der en Ein “nad Pie Aufgabe, die ſich die Volksfront geſtellt hatte: alle Freunde des Friedens und der Freiheit auf der Grundlage der Pemokratie zu R aber iſt nicht erledigt, ſondern harrt noch immer ihrer óôſung. Bund demokratiſcher Sozialiſten Für Frieden Freiheit Sozialismus! MANIFEST der demokratiſchen Sozialiſten des ehemaligen Konzentrations= lagers Buchenrald.“ Im Augenblick. ihrer Befreiung aus der beſtialiſchen Gefangenſchaft der naziſtiſchen Diktatur empfinden es die im ehem. Konzentrationslager Buchens=. wald verſammelten Vertreter des demokratiſchen Sozialismus aus Berlin, Brandenburg, Mitteldeutſchland, Sachſen, Thüringen, Anhalt, Hannover, Braunſchweig, Weſtfalen, Rheinland, Saarland, Bayern und Oſterreich als ihre Pflicht, in Anweſenheit der legitimierten Vertreter und Beauftragten der fran= zöſiſchen, belgiſchen, niederländiſchen, tſchechiſchen und polniſchen Sozialiſten ſowie der Deutſchen Sozialdemokratiſchen Arbeiter=Partei in der Tſchecho=z ſlowakiſchen Republik, folgendes zu erklären: Wir haben Gefängnis, Zuchthaus und Konzentrationslager ertragen, weil wir glaubten, auch unter der Diktatur für die Gedanken und Ziele des Sozialismus und für die Erhaltung des Friedens arbeiten zu müſſen. In Zucht= haus und KkKonzentrationslager ſeßten wir trot täglicher Bedrohung mit einem elenden Tode unſere konſpirative Tätigkeit fort. Durch dieſen Kampf iſt es uns vergönnt geweſen, menſchliche, moraliſche und geiſtige Erfahrungen zu ſammeln, wie ſie in normalen Lebensformen unmöglich ſind. Vor dem Schat= tengeſicht der Blutzeugen unſerer Weltanſchauung, die durch die hitlexiſtiſchen Henker geſtorben ſind, wie auch in der beſonderen Verantwortung für die Zukunft unſerer Kinder halten wir uns deshalb für berechtigt und verpflichtet, dem deutſchen Volke zu ſagen, welche Maßnahmen notwendig ſind, um Pentſchland aus dieſem geſchichtlich beiſpielloſen Zuſammenbruch zu retten und ihm wieder Achtung und Vertrauen im Rate der Nationen zu verſchaffen. 1. Vernichtung des Faſchismus. Solange Faſchismus‘und Militarismus in Deutſchland nicht reſtlos ver= nichtet ſind, wird es‘keine Ruhe und keinen Frieden bei uns und in der Welt geben. Unſere erſten Anſtrengungen müſſen darauf gerichtet ſein, alle geſellſchaftlichen Erſcheinungen dieſer blutigen Unterdrückung des Lebens für immer zu beſeitigen. Alle Geſetze, Erlaſſe, Verordnungen, Verfügungen, Urteile, Beſcheide und ſonſtige Rechtsvorſchriftén, die zur Begründung, Förderung und Behauptung der Diktatur gedient haben, ſind aufzuheben. 97 A MEL A Y | 4 | ti D z ELE LA D iaa A Lo Mme O LE HA H E, Die NSDAP mit allen Gliederungen und angeſchloſſenen Verbänden iſt zu verbieten und aufzulöſen, ihr Vermögen zugunſten der Opfer ihres Terrors einzuziehen, ihren Mitgliedern ſind die politiſchen Rechte zu ent= ziehen. Alle begangenen Verbrechen ſind durch Volksgericht ſchnell, ſtreng und gerecht zu beſtrafen und die Verurteilten einem Strafvollzug nach ihren eigenen Anſchauungen zu unterwerfen. Alle zu Unrecht erworbenen Vermögen der Nußnießer des Regimes ſind zu enteignen. Nationalſozialiſtiſche Auf= ſtandsverſuche ſind rückſichtslos niederzukämpfen, ds Darüber. hinaus ſind alle faſchiſtiſchen und militariſtiſchen Organiſationen dem gleichen Verfahren zu unterwerfen. Ebenſo iſt die hitleriſtiſche Wehrmacht mit allen ihren Inſtitutionen auf= zulöſen. Den Bedürfniſſen der öffentlichen Sicherheit kann durch eine Miliz genügé werden.» i Alle Beamte, die als Träger der Diktatur tätig geweſen ſind, müſſen un= verzüglich den öffentlichen Dienſt verlaſſen. Kriegsverbrecher und Kriegsverlängerer ſind nach den Geboten des inter= nationalen Rechts von deutſchen Gerichten zu beſtrafen. ‘2, Aufbau der Volksrepublik, Dieſe rieſenhafte Arbeit kann nur geleiſtet werden, wenn ſich alle anti= faſchiſtiſchen Kräfte zu einem unverbrüchlichen Bündnis zuſammenſchließen. Zu dieſem Zwecke erſtreben wir einen neuen Typ der Demokratie, die ſich nicht in cinem leeren, formelhaften Parlamentarismus erſchöpft, ſondern den brei= ten Maſſen in Stadt und Land eine effektive Betätigung in Politik und Ver= waltung ermöglicht. Zuerſt ſind in allen Orten antifaſchiſtiſche Volksausſchüſſe zu bilden, die ſobald ais möglich durch Heranziehung antifaſchiſtiſcher Organiſationen auf eine urdemokratiſche Grundlage zu ſtellen ſind. Aus dieſen Volksausſchüſſen iſt für das ganze Reich ein Deutſcher Volks= kongreß