TE DACHAU Erinnerungen eines katholischen Geistlichen aus der Zeit seiner Gefangenschaft 1941-1945 HANS CARLS 1946 LN VERLAG J. P. BA CHEM KÖLN Inhalts folge Seite Vorwort 1. Die Zeit vor der Verhaftung von 1933 bis 1941 2. Die Verhaftung 3. Im Gefängnis Wuppertal und Düsseldorf 4. Der ,, Schub" nach Dachau 5. Das Lager Dachau. 6. Erste Eindrücke. 7. Im Zugangsblock 7 9 29 38 50 54 69 71 8. Das Leben auf Block 26 und 28. . 91 9. Die Lagerstraße. 10. Die Strafen im Lager . 115 . 127 11. Das Revier. . 141 12. Bilder aus dem Lagerleben . 152 13. Tatsachenberichte von anderen Lagern. . 167 14. Die letzten Tage vor und nach unserer Befreiung durch die Amerikaner .. 184 Glassen 27.006 922 HANS CARLS Dieses den. Es wa oder gar i der entlass über das s Ich hab des öftere Wir Geist Abteilung Notizen w W Manch nicht mite Übertreib ist nicht heit sage Tatsachen habe sell dem Erle ist nicht Der S erwecken los vor d an das, w Die N der glänz hung" in des ganz Maßnahm nisations tisches D Wer das Der Juge große A und tau Schäden ging, tro um Schr Diese Nationa Wollt VORWORT Dieses Buch ist unter außerordentlichen Schwierigkeiten geschrieben worden. Es war nämlich im Lager Dachau streng verboten, Notizen zu machen oder gar irgend etwas über das Lager und seine Insassen zu schreiben. Jeder, der entlassen wurde, mußte eine eidesstattliche Erklärung abgeben, daß er nie über das sprechen würde, was er im Lager gesehen und erlebt hatte. Ich habe dreimal alles, was ich notiert hatte, vernichten müssen, weil man des öfteren plötzliche Nachforschungen nach solchen Aufzeichnungen machte. Wir Geistlichen, überhaupt die ,, Intellektuellen", wurden in der politischen Abteilung besonders scharf überwacht. Trotzdem ist es mir gelungen, alle Notizen wiederzubekommen und zu vervollständigen. Manches, was ich berichten werde, ist so unvorstellbar für den, der es nicht miterlebt hat, daß der Leser leicht geneigt sein wird, die Berichte für Übertreibungen zu halten oder gar als Greuelmärchen anzusehen. Dem aber ist nicht so. Ich berichte nur wirkliche Geschehnisse und will die reine Wahrheit sagen. Deshalb erbat ich von den Kameraden, die mir aus ihrem Leben Tatsachenberichte gaben, die Erlaubnis, ihre Namen zu veröffentlichen. Ich habe selbst ihre Berichte öfter nachgeprüft und eine Übereinstimmung mit dem Erleben anderer, noch heute lebender Mithäftlinge festgestellt. Vieles ist nicht berichtet worden, weil es mir selbst unwahrscheinlich vorkam. Der Sinn und Zweck dieses Buches aber ist nicht, Haß und Rachegefühl zu erwecken. Nein, es geht mir um unsere Jugend, die so verwirrt und fassungslos vor dem Trümmerhaufen unserer Zeit steht und sich anklammern möchte an das, woran sie doch oft wirklich geglaubt hatte. Die Mehrheit der deutschen Jugend hat den Nationalsozialismus nur von der glänzenden äußeren Fassade her gesehen. Sie ist in zwölfjähriger ,, Erziehung" in eine Ideologie hineingeführt worden, die sie die völlige Hohlheit des ganzèn Systems nicht ahnen ließ. Man kann heute der Partei in ihren Maßnahmen Lüge und Betrug nachweisen. Aber geradezu teuflisch kluge Organisationsmethoden schlugen die meisten jungen Menschen in den Bann. Kritisches Denken war verboten. Ein blinder Kadavergehorsam wurde verlangt. Wer dagegen aufbegehrte, wurde aus der Volksgemeinschaft" ausgestoßen. Der Jugend gab man Freiheiten, und doch war sie gefesselt. Schöne Uniformen, große Aufmärsche und herrliche Versprechungen hatten die Jugendlichen blind und taub gemacht gegen alle vernünftigen Überlegungen. Die riesenhaften Schäden und geistigen Verheerùngen sahen sie nicht. Das deutsche Volk ging, trotz großer Prachtbauten und Schaustellungen, Jahr um Jahr, Schritt um Schritt seinem Untergang entgegen. " Dieser Jugend, soweit sie heute noch im Bann des Irrwahns steht, den Nationalsozialismus ohne Maske zu zeigen und die Aufrechten zu fragen: ., Wollt ihr nicht lieber zurückkehren zu einer gesitteten Lebensordnung, zur 7 Gewissensfreiheit und zu wirklicher Tatliebe in unserer deutschen Heimat?" - das soll der erste Zweck dieses Buches sein. Ferner möchte ich dem Frieden unter den Völkern dienen und Verständnis wecken für manche chauvinistische Tat dieser oder jener Nation. Als Priester reiche ich über die Grenzen meines Vaterlandes den andern die Hand und bitte sie, die Guten meiner Heimat nicht mit den Verbrechern auf die gleiche Stufe zu stellen, unter denen wir alle sehr gelitten haben. Der Terror war zu groß, und keiner wagte ein Wort zu sagen. Reden bedeutete Tod. Aber das beredte Schweigen war stärker als das Geplärr der Gassen. Wir wollen ehrlich die Wahrheit eingestehen, auch wenn sie einem deutschen Herzen noch so wehe tut. Wir unterscheiden zwischen Guten und Friedsamen und solchen, die sich den Peinigern freiwillig angeschlossen haben. Auf ihren Schultern liegt die Verantwortung mit für alles, was geschchen ist. Sie müssen dafür büßen. Das deutsche Volk blutet aus tausend Wunden, und doch dürfen wir nicht verzweifeln. Nein! Gerade wir aus den Lagern, die wir geblutet und gehungert haben und in denen das Gefühl der Rache aufsteigen könnte, wir wollen keine Rache. Wir wollen mithelfen, unsere Städte wieder aufzubauen und Wunden zu heilen, die heute noch unheilbar erscheinen. Es gibt da keinen Unterschied der Parteizugehörigkeit oder der religiösen Überzeugung. Wir wollen alle nur dem einen Ziele dienen, die Not zu überwinden und der Welt zu zeigen, daß das deutsche Volk nicht in seiner Gesamtheit schlecht war und ist. Viele Millionen Deutsche haben die nationalsozialistische Irrlehre nicht angenommen und haben dagegen aufbegehrt. Millionen sind Opfer dieses Protestes geworden und ungezählte Tausende haben ihr Leben hingeben müssen. Es wäre deshalb ein Unrecht, wollte man das ganze deutsche Volk verurteilen und für die Greueltaten der SS verantwortlich machen. Da mir augenblicklich nur ein bestimmter Teil von Aufzeichnungen und Bildern zugängig ist, gebe ich die erste Auflage des Buches nur mit wenigen Bildern heraus, werde aber später vieles vervollständigen können. Ich lege Wert darauf, echte Photos zu bringen und nicht Zeichnungen, wie sie z. B. in der Broschüre ,, Dachau Nr. 30 784", Erlebnisse im Konzentrationslager von Konrad Wuest Edler von Vollberg( Verlag Libertas, Tübingen) gezeigt werden, die alle der Wirklichkeit nicht entsprechen. - - Es möge unserer zum Teil heute noch verblendeten Jugend wenn wir Alten auch Verständnis haben für irgendwelche Opposition durch unverrückbare Tatsachen die Augen öffnen und darüber hinaus seinen Teil beitragen zur Befriedung der Völker. Der Verfasser Diese Z Verhältniss liche Entw Bis 19 oder mind Opposition kleine Sch grundsätzl Lande auf Terror de Unruhe in weilig ve wirklich s in einem eineinhal am Ende war, sie man zur In De Friede u laßt dod Grund di bereitet, dem Nat zum erst Die Gefa Hitle Situation schaffen. Herr v. 8 National sönlichke der Anfa Der wenn au deutsche um Lebe eimat?“ tändnis Priester nd und gleiche or war 1. Aber wollen en noch solchen, hultern n dafür fen wir tet und nte, wir zubauen gibt da eugung. und der schlecht che Irr- .d Opfer en hin- deutsche 1en. gen und wenigen Ich lege eb ionslager gezeigt venn wir 4 unver- Teil bei- sser Die Zeit vor der Verhaftung von 1933 bis 1941 Diese Zeit kann man unter vier Gesichtspunkten betrachten: die politischen Verhältnisse in Deutschland, die wirtschaftlich-soziale Lage, die religiös-kirch- liche Entwicklung, die pädagogische Situation. Die politischen Verhältnisse in Deutschland Bis 1933 war Deutschland politisch‘ in Parteien zerrissen, die alle mehr oder minder ihre partiellen Interessen vertraten. Als radikale, ungebärdige Oppositionsparteien saßen im Reichstag die Kommunisten und eine zunächst kleine Schar Nationalsozialisten, die beide die parlamentarischen Formen erundsätzlich ablehnten und danach handelten. Beide befehdeten sich im Lande aufs schärfste. Die Straßenkämpfe und Saalschlachten nahmen durch den Terror der Nationalsozialisten ein solches Ausmaß an und brachten soviel Unruhe ins Volk, daß die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei zeit- weilig verboten werden mußte. Es ist für die Gruppe um Adolf Hitler wirklich symbolisch, daß sie in einem Bräukeller gegründet und ihr Programm in einem Gefängnis geschrieben wurde. Hitler hatte, als man die Partei verbot, eineinhalb Millionen Mark in die Schweiz bringen lassen. 1932 war die Partei am Ende ihrer Kraft. Schulden drückten besonders, weil keine Aussicht da war, sie aus Mitgliederbeiträgen zu decken. Es mußte etwas geschehen, daß man zur Macht kam. In Deutschland war die Stimmung im Volke wie 1918. Damals rief man: ‚Friede um jeden Preis!“ Jetzt hieß es:„Wir sind müde immer zu wählen, laßt doch den Hitler einmal zeigen, ob er die Lage meistern kann!“ Auf Grund dieser Stimmung verkündete die Partei:„Wir sind gewillt und vor- bereitet, die Macht zu übernehmen.“ Das Volk hatte bei den Wahlen 1932 dem Nationalsozialismus eine Absage erteilt. Die Nationalsozialisten hatten zum ersten Male eine nicht unbeträchtliche Zahl von Stimmen verloren. Die Gefahr schien überwunden. Hitler und seine Anhänger, an deren Spitze Goebbels, erkannten wohl die Situation. Man änderte die Taktik. Mit der Werbetrommel war es nicht zu schaffen. Man steckte sich hinter gewisse feudale und industrielle Kreise, Herr v. Papen und Baron v. Schröder wurden die Steigbügelhalter des Nationalsozialismus. Die Kölner Besprechungen zwischen diesen beiden Per- sönlichkeiten und Hitler waren die Geburtsstunde des Dritten Reiches und der Anfang des unsagbaren Elends. Der greise Reichspräsident wurde gefügig gemacht und auch Hugenberg— wenn auch nur vorübergehend— eingefangen. Damit war das Schicksal des deutschen Volkes entschieden. Heute wissen wir: Es war ein grausiges Spiel um Leben und Sterben von ungezählten Millionen und der verbrecherische, 9 Einsatz einer zweitausendjährigen abendländischen Kultur. Die Kugel rollte, bis sie nach 12 Jahren in Rauch und Flammen zerbarst. Selbst die Frühjahrs-wahl 1933 brachte die absolute Mehrheit der Wähler noch nicht auf ihre Seite, obwohl noch jede Wahl, abgesehen Ende 1932, die Zahl der nationalsozialistischen Abgeordneten vergrößert hatte. Da kam Dr. Joseph Goebbels auf die Idee, es müßte etwas geschehen, wodurch die kommunistische Gefahr deutlich gemacht würde. Das Reichstagsgebäude in Berlin sollte brennen, und die Kommunisten sollten es angesteckt haben. Der ausführende Mann war Hermann Göring, der sechs seiner Leute damit beauftragte. In der Öffentlichkeit aber wurde ein Mitglied der Kommunistischen Partei, namens van der Lubbe, der Tat bezichtigt. Man hat aber einwandfrei festgestellt, daß ein Mann allein den Brand in der Form nicht hätte durchführen können. Der Reichstagsbrand war für die Nationalsozialisten das durchschlagende Agitationsmittel. Die Mehrheit der bürgerlichen Wähler ließ sich einfangen, wählte Hitler und seine Leute, so daß die NSDAP zwar nicht die absolute Mehrheit, aber doch 42 Prozent aller Stimmen erhielt. Die Bildung einer Koalitionsregierung war von Hitler schon 1932, als sie zur Debatte stand, kategorisch abgelehnt worden. Gregor Strasser war der Vertreter einer Gruppe, die an sich bereit war, sich in einer parlamentarischen Form an der Regierung zu beteiligen. Damals schwebte dieser Gruppe eine Koalition mit den Deutschnationalen und dem Zentrum vor. - - Um den Schein zu wahren, als ob das deutsche Volk etwas mit zu sagen hätte, setzte man bei verschiedenen wichtigen, staatspolitischen und außenpolitischen Entscheidungen öffentliche Wahlen an. Das Ergebnis war 95 Prozent aller Stimmen. Die Resultate waren das ist tausendfach bewiesen teilweise gefälscht. Viele Wähler ließen sich durch Drohungen und Terror abschrecken, ihrem wahren politischen Willen Ausdruck zu geben. Wehe dem, der es wagte, mit ,, nein" zu stimmen! Die Wahlen sollten zwar geheim sein, waren es aber, vor allem in kleinen Orten, in Wirklichkeit nicht. Nur ein Beispiel: Als Bischof Dr. Johann Baptist Sproll von Rottenburg bei einer Wahl mit ,, nein" stimmte, wurde ihm gleich am anderen Tage sein Palais gestürmt und verwüstet, er selbst aus seiner Diözese ausgewiesen und jn die Verbannung geschickt. Mit der Zeit wurden Terror und Zwang der Nationalsozialisten immer unerträglicher. Das Spitzelsystem war derart ausgebaut, daß kaum einer wagte, auch nur eine Bemerkung zu machen. Die ,, Geheime Staatspolizei" war die gefürchtetste Institution. Es gab keine höhere Instanz, die deren Maßnahmen hätte verbieten oder zurücknehmen können. Sie verhaftete, wann sie wollte und wen sie wollte, mit und ohne Grund. Auf jede Anzeige, auch wenn sie offenbar eine Verleumdung war, reagierte die Gestapo", indem sie die Angeklagten für Wochen oder Monate ins Gefängnis setzte. Der Denunziation waren Tür und Tor geöffnet. Es wurden auf Görings Geheiß Konzentrationslager gebaut; aber im Volke hörte man von ihnen kaum etwas. Die Antifaschisten wurden nach und nach in diese Lager eingewiesen und hier völlig von der übrigen Welt abgeschlossen. 10 " Die Ge zum Anlaß auch wenn Röhm und Das de brecher reg lem, demo der Rettu Es war nie das deutsc die Genera Heute nach Abla gibt es no der Röhn wesen tr nur noch übrigen nur die t träge aud deutig w Armee i Genfer H Die Ges anzubiete uns umg und ihre tionen h mit geri unsagban der Zuk folgensc Die land sal tischen H Deutschl kommen Deutschl beobach nur auf Goebbe Idee eine sch können. wird sie rollte, hjahrs-uf ihre tionaloebistische brenhrende ftragte. Partei, andfrei durchen das ler ließ P zwar It. als sie var der arischen pe eine u sagen außen95 Pro- esen Terror he dem, im sein, Nur ein burg bei ge sein sen und immer rwagte, war die Bnahmen e wollte wenn sie sie die anziation trationsie Antier völlig Die Geschehnisse, die den 30. Juni 1934 herbeigeführt haben, wurden zum Anlaß genommen, sich aller unliebsamen Persönlichkeiten zu entledigen, auch wenn sie und das war ein großer Teil der Opfer Röhm und seinen Hintermännern zu tun hatten. - - gar nichts mit Das deutsche Volk mußte allmählich mit Schaudern erkennen, daß Verbrecher regierten, aber der Zeitpunkt einer Änderung des Regimes auf legalem, demokratischem Wege war verpaßt. Es schien nur noch eine Möglichkeit der Rettung: die Militärdiktatur; auch diese letzte Chance ward verspielt. Es war niemand da, der Mut, Autorität; Geist und Kraft genug aufbrachte, das deutsche Volk vom Abgrund zurückzureißen. Von dieser Schuld kann man die Generalität nicht freisprechen. Sie hat aus vielen Gründen tragisch versagt. Heute sehen wir klar, und das Ausland muß ebenso erkennen, daß es nach Ablösung des Rechtsstaates durch einen brutalen Gewaltstaat oder gibt es noch ernst zu nehmende Kreise, die meinen, was in Deutschland seit der Röhmrevolte unter dem Schlagwort einer wahren Demokratie sein Unwesen trieb, sei etwas anderes gewesen als eine tyrannische Diktatur? nur noch eine letzte Hoffnung gab, das war der gewaltsame Griff der übrigen Welt in das Steuerrad des deutschen Staatsschiffs. Man hätte nicht nur die tatsächliche, sondern auf Grund der vorliegenden und geltenden Verträge auch die rechtliche Möglichkeit dazu gehabt. Anlässe waren ebenso eindeutig wie bestimmt gegeben. Der widerrechtliche Einmarsch der deutschen Armee ins Rheinland war die Fragestellung des Schicksals an die Mächte der Genfer Konvention. Sie blieb vom Ausland unbeachtet und unbeantwortet. Die Geschichte pflegt selten eine verpaßte Gelegenheit zum zweiten Male anzubieten. Das Nichteingreifen der Mächte ist uns um so rätselhafter, als die uns umgebende Welt über das verbrecherische Treiben der Nationalsozialisten und ihre den Frieden der Völker bedrohende Politik weit bessere Informationen hatte als unser unter Zensur und Terror stehendes Volk. Was damals mit geringem Kraftaufwand hätte erreicht werden können, mußte später mit unsagbar viel Blut, Tränen und Not doch geschehen. Der Geschichtsschreiber der Zukunft wird die Aufgabe haben, die Gründe für dieses geschichtlich so folgenschwere Versagen der verantwortlichen Staatsmänner darzulegen. Die außenpolitische Lage war anfangs undurchsichtig. Frankreich und England sahen schweigend zu und mögen wohl öfter an den großen innenpolitischen Erfolgen Hitlers gezweifelt haben. Es wurde der Dreierpakt geschlossen: Deutschland- Italien- Japan. Alle drei Länder rüsteten heimlich auf, um den kommenden Krieg mit einer Welt von Feinden führen zu können. Wer in Deutschland aufmerksam die innere Entwicklung des Nationalsozialismus beobachtete, konnte zu einem klaren eindeutigen Urteil kommen: alles war nur auf Schein aufgebaut und wurde nur von der Propaganda eines Josef Goebbels getragen. Idee und Form müssen sich gegenseitig ergänzen. Wenn eine gute Idee in eine schlechte Form gegossen ist, wird sie nie zur vollen Entwicklung kommen können. Wenn aber eine schlechte Idee in einer glänzenden Form erscheint, wird sie sich eine Zeitlang halten, bis die äußere Form zerbricht und nur 11 noch Fäulnis übrig bleibt. Winston Churchill, einer der klügsten Seher unserer Tage, sprach einmal von dem innerlich faulenden Apfel, der eines Tages stinkend auseinanderbrechen werde. Der Nationalsozialismus trat in einer glänzenden Form auf und wußte durch tönende Phrasen die ganze Hohlheit seiner Idee vor der leichtgläubigen, kritikunfähigen Masse zu verbergen. Das deutsche Volk ahnte nicht, daß man nur von der Substanz des deutschen Volksvermögens lebte und daß die deutsche Währung zu wertlosem Papier geworden war. Glänzende Uniformen. Parteitage, große Aufmärsche, wie sie die Welt noch nie gesehen, Prachtbauten von erstaunlichen Ausmaßen, ein Personenkult, der erhaben wirken sollte und ins Lächerliche abglitt, Orden und Ehrenzeichen, überschwengliche Titel sollten die Macht aufzeigen. Leider ließen sich allzu viele in ihrem Urteil über die wirkliche Lage irreführen. An die leitenden Stellen, bis hinab in das kleinste Bauerndorf, waren Leute gesetzt, die entweder eine dunkle Vergangenheit hatten oder bisher noch nichts leisteten, weil ihre geistigen und sittlichen Kräfte sehr gering waren. Ein Postbriefträger wurde Polizeipräsident, ein Kellner Oberbürgermeister, junge arbeitslose Revolutionäre wurden Regierungspräsidenten, lauter Männer, die den ehrbaren Berufsständen, aus denen sie kamen, schon vorher zur Schande gereicht hatten. Partei und Staat wurden als eins erklärt, und Hitler konnte auf dem Parteitag 1937 in Nürnberg proklamieren, daß alles, was der Staat mit seinen Gesetzen nicht könne, die Partei leisten werde. Die Partei setzte sich skrupellos über alle durch ihren inneren Wert und ihre Tradition geheiligten Rechte hinweg, so daß man vergeblich nach einer geschichtlichen Parallele sucht. - Der Sophismus eines Goebbels erfand ein verblüffend einfaches Mittel: Die Partei als offizieller Träger der Staatsgewalt, mußte in den unzähligen Akten der brutalen Vergewaltigung von Recht und Gesetz stets makellos ,, erscheinen". Er erfand den Unterschied zwischen Partei und Bewegung. Hatte die Partei ein festes Programm wenn es auch nur weiter nichts war als ein Fetzen Papier-, so ging die Bewegung ihre eigenen, von ..niemand vorgeschriebenen" und von niemand durchkreuzten Wege. Sie war nur Dynamik. Ihr treibender Motor waren Haß und Selbstsucht der unzähligen Funktionäre im Lande, deren einziges Bestreben es war, dem ,, Führer" in seinem Radikalismus neue Wege zu bahnen, ohne daß dieser selbst bei etwaigen Fehlschlägen belastet wurde. Die Männer der Bewegung versuchten allenthalben im Lande, insbesondere auf delikaten Gebieten, wie z. B. dem religiösen und geistigen, fertige Tatsachen zu schaffen. Ging es gut, konnten sie einer Beförderung sicher sein, schlug es fehl, so wurden sie offiziell getadelt, im geheimen jedoch gelobt, und eine Versetzung war stets nur eine Besserstellung. Die Bewegung war für die Parteiführer illegitim und doch ein yon ihnen geschaffenes und liebevoll gepflegtes, unlauteres Instrument. So konnte man trotz Korruption und Nihilismus ruhig wagen, in der Öffentlichkeit zu proklamieren: Partei gleich Staat. Der Schild dieser Partei schien blank und makellos- wenigstens dem Kurzsichtigen, dessen Denken durch Logik nicht belastet war, denn mit der Scheidung von Bewegung und 12 Partei-war je ausreichter der gepan Die gi der Milita stellte, di gewaltige hung an stand in jenes ver habe für Welt, das Und feierlich frage wu Lösung. Mitteln. zeichnete Wir ha kanische was nat brechen. schen', peitscht Nich Streicher gehörter Himm Kriege 2 hat. Da wie die sahen in ruption Wissend Unfähig ging, re teimens der Schr urteilt, Landgut In a drang, a pathen. Natione unserer Tages 1 einer Dar. Ohlheit en und Leider waren * bisher gering 'bürger- 1, lauter ı vorher ärt, und aß alles, ı werde. und ihre iner ge Mittel: ‚zähligen makellos Bewe- r weiter nen, von Partei— deren Träger zudem meist noch die gleichen Persönlichkeiten waren —, war jedem Recht der Boden weggenommen. Wo die Staatsgesetze nicht ausreichten, entschied ohne Gericht und ohne Urteil die geheime Staatspolizei, der gepanzerte Arm der Partei. Die gigantische Parade 1938 in Berlin, wo sich plötzlich vor den Augen der Militärattaches der ganzen Welt eine modern ausgerüstete Armee vor- stellte, die zahlen- und waffenmäßig ihresgleichen nie gesehen hatte, dies gewaltige Schauspiel sollte in Wahrheit nur eine nicht mißzuverstehende Dro- hung an die Welt sein, es nicht zu wagen, den Weltherrschaftsplänen Wider- stand in den Weg zu legen. Es sollte die praktische Beweisführung sein für jenes vermessene Wort, das bei Kriegsbeginn aus Hitlers Munde kam:„Ich habe für die Armee über so Milliarden ausgegeben. Es gibt kein Heer dieser Welt, das wir mit den vorhandenen Beständen nicht zu schlagen vermöchten.“ Und doch bestand neben allen Drohungen und allem Waffengeklirr das feierlich gegebene Versprechen einer ehrlichen Friedenspolitik. Die Sudeten- frage wurde aufgeworfen. Drohung und Furcht brachten sie zur gewaltsamen Lösung. Die Tschechoslowakei war das nächste Opfer und erlag denselben Mitteln. Obwohl das polnische Problem sich schon klar im Hintergrunde ab- zeichnete, ward der Weltöffentlichkeit durch den Äther feierlich versprochen: „Wir haben keine Forderungen mehr in Europa.“ Damals warnte eine ameri- kanische Stimme:„Selbst wenn Hitler es diesmal wirklich ehrlich meint— was natürlich nicht der Fall ist—, er könnte gar nicht anders, als sein Wort brechen, denn er steht unter dem psychologischen Gesetz der ‚Erfolgsmen- schen‘, die von einem ungebärdigen Hunger nach Größerem vorwärts ge- peitscht werden, wie der Löwe, der Blut geleckt hats Nicht nur der innere Dämon peitschte Hitler, auch Himmler, Goebbels, Streicher, Bormann und viele andere, gewissenlose und beutegierige Kerle gehörten zu seinen Einpeitschern. Nachdem Göring die Polizeian Heinrich Himmler abgetreten hatte, entstand ein Schreckensregiment, das vor dem Kriege Zehntausende, im Kriege Millionen von Menschen das Leben gekostet hat. Das deutsche Volk mußte es dulden. Ahnten doch die meisten nicht, wie die Wirklichkeit aussah. Es blutete aus tausend Wunden, und die Guten sahen im Dunkel des Leids kein Licht der Rettung aus aller Not. Eine Kor- ruption machte sich breit, wie Deutschland sie noch nie gesehen hatte. Die Wissenden aber mußten schweigen, wenn sie ihr Leben nicht verlieren wollten. Unfähige Köpfe saßen in fast allen Verwaltungsstellen. Da Macht vor Recht ging, regierten sie mit brutaler Gewalt. Der Prototyp für diese Art der Par- teimenschen war Julius Streicher, der Allgewaltige des Frankenlandes, der Schreck der Nürnberger. Als er es zu toll trieb, wurde er nicht etwa ver- urteilt, nein, von Hitler geschützt, durfte er sich auf sein großes, schönes Landgut zurückziehen. In aller Stille hatte Hitler den Krieg vorbereitet, aus dämonischem Macht- drang, aus dem grauenhaften Geltungsbedürfnis eines verbrecherischen Psycho- pathen. 1938 begannen die ersten Provokationen gegenüber den anderen Nationen. Er glaubte stark genug zu sein, es mit einer ganzen Welt aufnehmen 213 zu können. Österreich wurde zwangsweise zum Deutschen Reich geschlagen. Während England und Frankreich an einen wirklichen Krieg nicht glaubten und sich auch in keiner Weise darauf vorbereitet hatten, plante Hitler, die Macht Deutschlands auf ganz Europa auszudehnen. Er sagte Deutschland und meinte nur sich selbst. Auf allen Parteitagen und in den Zeitungen wurde gegen Rußland, d. h. gegen den Bolschewismus gehetzt, und die große Gefahr, die von hier drohe, in den blutrünstigsten Bildern dargestellt. Deutschland müsse unbedingt Europa vor dem Untergang retten. Auf eine Lüge mehr oder weniger kam es den Nationalsozialisten nicht an. Trotz aller Hetze schloß man, als es nützlich zu sein schien, einen Pakt mit dem bolschewistischen Rußland. Im Jahre 1939 wurde Polen überfallen und zu Boden geschlagen. Da sich England, seinem Vertrag gemäß, auf die Seite Polens stellte, war der Weltkrieg unvermeidlich. Hitler erklärte den ,, Blitzkrieg". Es begann der Siegeszug der deutschen Heere durch Holland, Belgien, Frankreich, Jugoslawien, Griechenland und endlich gegen Rußland. Vor Stalingrad wurde ein Halt geboten, und seitdem war das Kriegsgiück den, Naziführern der Deutschen versagt. Der überhebliche Stolz der Nationalsozialisten war so groß, daß ,, Das Schwarze Korps" 1939 glaubte schreiben zu dürfen: ,, Ihr habt den Krieg 1914-18 mit Gott verloren, wir werden diesen ohne Gott gewinnen." Man fiel über die Länder her, die auf einen Krieg nicht eingestellt waren, raubte sie aus und brachte unsagbares Leid und Elend, Hunger und Not in blühende Städte und Dörfer. Der große ,, Verbündete" war Italien. Als Deutschland Frankreich erobert hatte, da erst kam Italien und besetzte rasch ein Stück französischen Bodens. ,, Veni, vidi, vici" könnte man übersetzen: ,, Ich kam, als ich sah, daß er siegte." Die Vereinigten Staaten stellten sich auf die Seite Englands, und damit war für jeden Einsichtigen der Krieg für Deutschland verloren. Seit 1943 erlitten die deutschen Heere eine Niederlage nach der anderen. 1945 brach nach einem selbstmörderischen Endkampf das ganze Hitlersystem zusammen. Übrig blieben zerstörte Städte, Millionen Verluste an Menschenleben und Schandtaten der SS und Gestapo. Viele Männer aber, die an diesem Unrecht die Schuld tragen, entgingen durch feigen Selbstmord der Verantwortung. Die wirtschaftlich- soziale Lage Der We liarden des die dem de kräftigen B Die wirtschaftlichen Tatsachen wurden von Hitler übersehen. Er beurteilte alles vom sogenannten Primat des Politischen her, und zwar, wie er die Zustände gerne gesehen haben wollte. Er ging von der ,, Als- Ob"-Vorstellung aus. Er vertauschte Ursache und Wirkung. Er sah nicht, daß Versailles und die Reparationen die Folgen des verlorenen Krieges waren. Die weltwirtschaftlichen Störungen, wie sie sich auch in der deutschen Wirtschaft bemerkbar machten, waren zunächst auf den Weltkrieg zurückzuführen und erst in zweiter Linie auf den Versailler Vertrag und seine Auswirkungen auf die internationale Wirtschaft. ten und P Friedrich D und im Inl zahlen mu lorenen K den. Das z. B. Zusch ren auf: I tung der arden vera 200 Gold Friedri vor 1933 zeichnend traf. Er ,, Wir bez wand, das gangenhe geistig un welche La Geschlech seines Vo Dieses in den Sie witter Geschäft. verzinsen auf Schlo stunde de Die A den Indu Hintergrü kennen, die es nu · Was heiten ge sie wand Marktsch Aufschwu wirtschaft der Noty 14 eschlagen. glaubten Hitler, die land und and, d. h. ier drohe, gt Europa m es den s nützlich Im Jahre England, krieg uneszug der Griechenboten, und rsagt. 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Zuschüsse zum Wohnungsbau. Dessauer zählt noch weitere Kostenfaktoren auf: Liquidations- und Verdrängten- Entschädigungen, sowie die Aufwertung der Kriegsanleihen. Der gesamte Jahresbetrag wird auf 12 bis 13 Milliarden veranschlagt. Das sind pro Kopf der deutschen Bevölkerung ungefähr 200 Goldmark jährlich. Friedrich Dessauer gibt zu diesen Feststellungen folgenden Kommentar, der vor 1933 von vielen deutschen Politikern pessimistisch und als die Dinge verzeichnend charakterisiert wurde, der aber tatsächlich den Nagel auf den Kopf traf. Er mutet sogar seherisch an, wenn wir den Kommentar heute lesen: , Wir bezahlen bei jedem Stück Brot, das wir essen, bei jedem Stück Leinwand, das wir kaufen, bei allen Gegenständen an den Kriegsschäden der Vergangenheit. Wenn Menschen, die leichtfertig vom Krieg reden und sich geistig und körperlich darauf einstellen, sich doch klar darüber sein wollten, welche Last ein Krieg nicht nur auf sie, sondern auch auf die kommenden Geschlechter türmt! Wer jetzt mit dem Kriege spielt, spielt mit dem Leben seines Volkes!" Dieses frivole Spiel mit dem Leben seines Volkes begann Hitler. Er fand in den Vertretern der Rüstungs- und Montanindustrie willige Mitspieler. Sie witterten in der politischen Bewegung des Nationalsozialismus ein großes Geschäft. Daher investierten sie in dieser Partei Kapitalien, die sich hoch verzinsen sollten. Die Zusammenkunft der Großindustriellen mit Hitler auf Schloß Landsberg bei Kettwig an der Ruhr war zugleich die Schicksalsstunde des deutschen Volkes. Die Aufdeckung der geheimen Abmachungen, die zwischen Hitler und den Industriekapitänen getroffen worden sind, dürfte letzte Klarheit in die Hintergründe und Zusammenhänge bringen. Das deutsche Volk wird erkennen, wie tief die Rüstungsindustrie in die tragische Schuld verstrickt ist, die es nunmehr so schwer bedrückt. 9 Was auch immer dem deutschen Volke vor 1933 an politischen Wahrheiten gesagt worden ist, viele hörten nicht auf die Stimme der Vernunft, sie wandten sich von den Predigern der Wahrheit ab, sie schenkten den Marktschreiern Gehör. Hitler versprach dem Volke alles: Wirtschaftlichen Aufschwung, Beseitigung der Arbeitslosigkeit, größere Rentabilität der Landwirtschaft, Vermehrung des Einkommens für den Mittelstand, Ausschaltung der Notverordnungen und der damit verbundenen Belastungen. Trotz besse15 ren Wissens unterstützte die Schwerindustrie die nationalsozialistische Bewegung im Glauben und in der Hoffnung, im entscheidenden Augenblick Hitler stürzen zu können, wenn er die der Industrie günstigen arbeitsrechtlichen Verhältnisse geschaffen oder die versprochene Aufrüstung eingeleitet hätte. Die Entwicklung ging andere Wege. Wohl kam es zu großen Rüstungsaufträgen, aber es kam auch zum Krieg. Wohl schuf Hitler der Industrie willkommene Arbeitsverhältnisse, aber allmählich ging die Gewalt auch auf wirtschaftlichem Gebiete auf die Partei über. Der Fall Thyssen und Hentschel ist typisch für den Machtanspruch und die Machtausweitung eines pathologischen Tyrannen. Die Aufrüstung, der Westwall, die Reichsautobahnen, die rege Bautätigkeit auf unproduktiver Grundlage, die Erstellung von pomphaften Parteibauten, das alles waren Kampferspritzen für die deutsche Wirtschaft, sie waren ihr in dieser Form von„, Belebung" schädlicher als der Zustrom fremder Kapitalien, die Hitler vor seinem Machtantritt so heftig bekämpft hatte. - Es ist charakteristisch für die nationalsozialistische Bewegung, daß sie nur das für wahr hielt, was sie gern als wahr ansah. Hitler hatte kein Organ für wirtschaftliche Gegebenheiten. Wie er sich schon früh wirtschaftlichen Utopisten verschrieb, etwa dem ,, Geldschöpfer" Gottfried Feder, so lehnte er alle ernsthaften Wirtschaftler ab, selbst Professoren der Nationalökonomie, es sei nur an den berühmten Kölner Betriebsselbst solche von Weltruf wissenschaftler Schmalenbach erinnert, die er als Vertreter des Wirtschaftsliberalismus diffamierte. Dagegen lieh er willig sein Ohr allen Wirtschaftsphantasten und-theoretikern, die seinen politischen Gedankengängen entgegenkamen, auch dann, wenn ihre Theorien vorläufig außerhalb jeder praktischen Möglichkeit lagen. So konnte z. B. der Gesandte Werner Daitz mit seinen Großraumtheorien auf Hitler einen großen Einfluß gewinnen, obwohl die militärgeographischen Gegebenheiten in keiner Weise seine Theorien rechtfertigten oder zu unterbauen vermochten. Auch hier wieder wurde die ,, Als- Ob"-Haltung des Romantikers Hitler dem deutschen Volke zum Verhängnis. Was wur an das Schlag Die von einsichtigen Wirtschaftlern und Politikern gemachten Einwendungen wurden hohnlachend zurückgewiesen. Hermann Göring, der zum Beauftragten des Vierjahresplanes ernannt wurde, brüstete sich in aller Öffentlichkeit, ein Nichtfachmann auf wirtschaftlichem Gebiete zu sein. Alle vorgetragenen Bedenken wurden von Propagandaphrasen übertönt. Die äußeren Erfolge einer vorgetäuschten Wirtschaftsprosperität streuten dem deutschen Volke Sand in die Augen. Da die Kritik nicht erlaubt und unmöglich war, steuerte die deutsche Wirtschaft dem Bankrott entgegen. war bei der eine Utopie, eine Störung Schlagworte waren Trumpf! Goebbels hat es einmal in seiner frivolen Art öffentlich ausgesprochen, daß es nicht auf den Begriffsinhalt, sondern auf den Begriffsklang ankomme, auf die Parole, unter der jeder etwas anderes verstehen sollte, eben das, was er gerne wünsche. 16 auch eine Be der schleiche Die vora phrasen über schlechter w von ,, Kraft erwiesen sic als Realität Man sprach Bauernstand Ben Waren grenze der Und wi den aufgel wurden zu sen. Die A front ware Abgaben abgezogen Million auf dem W gewaltigen Und w weiterhin leben! 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Sie bedeutete nämlich nicht nur eine Störung der deutschen Wirtschaftsverhältnisse, sondern darüber hinaus auch eine Bedrohung der europäischen Wirtschaft und eine Verschlimmerung der schleichenden Weltwirtschaftskrise. Die vorausgesagten wirtschaftlichen Schäden wurden durch Propagandaphrasen überdeckt, etwa durch den Schlachtruf: ,, Kanonen statt Butter!" Der schlechter werdende Lebensstandard wurde durch pomphafte Veranstaltungen von ,, Kraft durch Freude" vertuscht. Auch die anderen Wirtschaftsparolen erwiesen sich bald als das, was sie waren, nämlich als leere Phrasen, denen als Realität nichts gegenüberstand. Was war nicht alles versprochen worden! Man sprach von ,, Brechung der Zinsknechtschaft". Man verhieß Hebung des Bauernstandes. Man versprach bessere Löhne und Wohnverhältnisse. Die groBen Warenhäuser sollten verschwinden. Göring verkündete, daß die Höchstgrenze der Beamtengehälter monatlich 1000 RM sein sollte. Und wie sah es in Wirklicheit aus! Alle Gewerkschaften und Zünfte wurden aufgelöst. Ihr Vermögen und ihre Häuser wurden beschlagnahmt. Alle wurden zu der Großorganisation ,, Deutsche Arbeitsfront" zusammengeschlossen. Die Abgaben der Arbeiter, Beamten und Angestellten an die Arbeitsfront waren ungleich höher als die an die eigene Organisation früher. Diese Abgaben wurden einfach erzwungen, nämlich von Lohn und Gehalt sofort abgezogen, so daß ihnen niemand entrinnen konnte. Millionenbeträge kamen auf diese Weise zusammen. Millionenbeträge flossen auf dem Wege der Straßen- und Haussammlungen in die Kassen der Parteigewaltigen und dienten unkontrollierbaren Zwecken. Und wie hatte sich Hitler bei seinem Regierungsantritt damit gebrüstet, weiterhin als freier Schriftsteller von seinen Bezügen beim Eher- Verlag zu leben! Feierlichst verzichtete er darauf, nach dem Beispiele seiner Vorgänger, hohe Gehälter zu beanspruchen, obwohl diese im Vergleich zu den Bezügen anderer Staatsoberhäupter als bescheiden anzusprechen waren. Aber alle Beteuerungen waren eitles Blendwerk für ein leicht zu betörendes Volk. In Wahrheit flossen ihm Millionenbeträge zu in der sogenannten ,, Adolf- Hitler- Spende der deutschen Wirtschaft", die sie nach einem festen Prozentsatz vom allgemeinen Umsatz jährlich ebenso prompt entrichten mußte wie die fällige Steuer. Es war ein Blutzoll, mit dem man den Dank für die Heeresaufträge abstattete. Wer sich zu zahlen weigerte, wurde durch immer schärfere Warnungen dazu wieder und wieder aufgefordet. Nur wenige Firmen haben den Mut zum Widerstand gefunden, denn dieser Mut war für Werk und Arbeiter tödlich. Die Millionenbeträge der Berufsgemeinschaften kamen in eine eigene hierfür gegründete ,, Bank der deutschen Arbeit". An die Brechung der Zinsherrschaft dachte man nicht mehr. Wohnungen waren gebaut, aber nur für SA- Männer und verdiente Parteimitglieder. Die hohen Parteifunktionäre und 7 Dachau 2 17 Bonzen bezogen schöne große Villen, die sie den Juden weggenommen hatten. Noch nie hatte in Deutschland das Parteibuch eine solch bedeutende Rolle gespielt wie gerade unter dem nationalsozialistischen Regime. Man verkündete zwar den alten christlich klingenden Grundsatz ,, Gemeinnutz geht vor Eigennutz. Das hielt aber Tausende von Parteimännern nicht ab, eifrig für sich zu sorgen und nur auf das eigene Wohlergehen bedacht zu sein. Die Bauern wurden jedes Jahr durch eine Großkundgebung begeistert, die Preise für ihre Erzeugnisse aber waren ihnen genau vorgeschrieben. Es war ein Preiskommissar eingesetzt, der über alle Geschäftspreise zu wachen hatte. Es kam so weit, daß ein Ei oder die Milch den Erzeuger mehr kostete, als er dafür im Handel erhielt. Was nützten alle Versprechungen? Sie wurden nicht gehalten. Im ,, An riums über bis 1. Okt den. Das H der Welt samten 400 halten wer Studienzeit Erde von Im Februar 1939 erklärte ein Regierungsvertreter in einer Konferenz vor Wirtschaftlern: ,, Meine Herren! Die Staatsbilanz stimmt nicht. Die Lage ist die: Entweder Krieg oder Pleite." Der Krieg begann und gestaltete sich zu einem großen Raubzug. Das deutsche Volk hat noch jahrelang von dem gelebt, was die Nationalsozialisten fremden Völkern gestohlen hatten. Einige Wirtschaftsexperten hatten eine Denkschrift ausgearbeitet. Sie wiesen mit ernsten Worten auf die bedenkliche Wirtschafslage in Deutschland hin und forderten die sofortige Einstellung der Geldnotenpresse. Man könne die inneren Schulden nie bezahlen, wenn es so weiterginge. Die Vermehrung des im Verkehr befindlichen Geldes bedeutete Zerstörung der gesamten Wirtschaft, und das Ende sei: Hunger und Not. Jedoch sie sprachen zu tauben Ohren, und das Schicksal ging seinen Weg. Die wirtschaftliche Lage wurde immer katastrophaler. Die große Masse des deutschen Volkes wußte nichts davon. Ihr wurde durch die Propaganda in Presse und Rundfunk sowie in sogenannten Aufklärungsvorträgen die wirkliche Lage verheimlicht und alles im schönsten Lichte hingestellt. Million D 25 Million Als de druck, und Konfession damer Bot Die NSV, die nationalsozialistische Volkswohlfahrt, die von Hitler am 1. Mai 1933 anerkannte Organisation einer politisch ,, ausgerichteten" Fürsorge, sorgte für die sozialen Verhältnisse. Es wurde ein großes Programm aufgestellt, und jeder Deutsche sollte Mitglied werden. Wer sich weigerte, machte sich verdächtig, ein Volksfeind zu sein. Die Beiträge zur NSV, zum ,, Winterhilfswerk des deutschen Volkes", sowie die während der Sommermonate erhobenen Beiträge der Sammlungen für das Deutsche Rote Kreuz waren indirekte Steuern. Die Gesamtsteuerschraube wurde ins Untragbare angezogen, so daß vom Lohn oder Gehalt mindestens ein Drittel weggesteuert wurde. Im Volke war es ein offenes Geheimnis, daß auch Beiträge für Wohlfahrtspflege ebenso für Kriegsrüstung verbraucht wurden wie die Millionenerträge, die durch den berüchtigten Volkswagenschwindel, eines der größten Betrugsmanöver aller Zeiten, ergaunert wurden. 1939 wurde das Kartensystem eingeführt. Alle Lebensmittel wurden rationiert. Auf diese Weise konnte man einen Krieg von sechs Jahren aushalten. Doch das Leben wurde zur Qual. 18 Kirchensäu katholische mit den W kordat ist Zuerst neue religi der sogen Ludwig hoffte Ein tete Pasto Bekenntn Oranienbu Einzelhaft Man s eine Loszismus o Staatszusch Adolf 1930 auf nannt. A einer neue dereinst in Muhle ung im K zum Lese sozialismu damit zu, en hatten. Rolle geerkündete geht vor eifrig für sein. Die die Preise swar ein Chen hatte. 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Für jede Gemeinde der Erde von 2000 Einwohnern hätte ein Krankenhaus im Werte von einer Million Dollar gebaut werden können, und der Bau einer Autobahn von 25 Millionen Meilen wäre möglich gewesen. Die religiös- kirchliche Entwicklung Als der Nationalsozialismus zur Macht kam, hatte man anfangs den Eindruck, und manche hatten sogar den Glauben, daß er die beiden christlichen Konfessionen schützen werde. Klar und eindeutig hatte Hitler in seiner Potsdamer Botschaft verkündet, er wolle das neue Reich aufbauen auf den beiden Kirchensäulen. Dazu kam der Abschluß eines Konkordates mit Rom, das der katholischen Kirche Freiheit verhieß; jedoch von weiterschauenden Männern mit den Worten abgetan wurde: ,, Es ist zu schön, um treu zu sein." Das Konkordat ist nie gehalten worden. Zuerst hieß es ,, Entkonfessionalisierung" des öffentlichen Lebens. Eine neue religiöse Gemeinschaft entstand auf protestantischer Seite: Die Bewegung der sogenannten ,, Deutschen Christen" unter Führung des Reichsbischofs Ludwig Müller, der aber wegen mangelnder Autorität nicht die erhoffte Einheit herbeiführen konnte. Grundsatztreu, mutig und zielbewußt leitete Pastor Martin Niemöller, Berlin- Dahlem, die tapfere Gruppe der ,, Bekenntniskirche" bis zu seiner Verhaftung und Überführung in das KZ. Oranienburg bei Berlin und von dort nach Dachau, wo er bis April 1945 in Einzelhaft gehalten wurde. 102 Man sprach von ,, positivem Christentum". Eine kleine Gruppe versuchte eine Los- von- Rom- Bewegung einzuleiten, indem sie den deutschen Katholizismus ohne Rom propagierte. Diese Neugründung wurde stark durch Staatszuschüsse unterstüzt, ebenfalls der Alt- Katholizismus. Adolf Hitler hat in seinem Buch ,, Mein Kampf", in der zweiten Auflage 1930 auf Seite 409, den Nationalsozialismus eine neue Weltanschauung genannt. Auf Seite 415 sagt er:„ Wir aber werden durch die Aufstellung einer neuen Weltanschauung unserem Volk die Stufen bauen, auf denen es dereinst in den Tempel der Freiheit wieder emporsteigen kann." Dr. Emil Muhler hat in seinem vorzüglichen Büchlein ,, Die christliche Weltanschauung im Kampfe der Geister", das ich besonders unserer deutschen Jugend zum Lesen empfehle, auf Seite 62 darauf hingewiesen, daß der Nationalsozialismus den Trennungsstrich gezogen hat. Er sagt: ,, So geben sie selbst damit zu, daß ihre Bewegung nicht auf dem Boden der christlichen Welt19 anschauung steht!' Muhler fährt fort mit der Feststellung, daß Hitler auch sehr wohl die Schwäche einer Weltanschauung kennt, solange sie nur eine Idee ist, wenn er auf Seite 418 davon spricht: ,, Daß jeder Weltanschauung, sie mag tausendmal richtig sein, nur dann eine praktische Bedeutung zukommt, wenn sie zur Grundlage einer Partei gemacht wird.". Das Unglück Hitlers ist nur, daß er von der Existenz einer christlichen Weltanschauung keine blasse Ahnung hat, so wie er ja auch eine christliche Staatsidee nicht kennt. Die ,, neue" Weltanschauung ist die völkische, und diese ist mit der christlichen nicht vereinbar, weil sie das sogenannte ,, Rasseevangelium" predigt. In seiner Rede am 29. 11. 1929 in München über Weltanschauung und Kommunalfragen sagt Hitler: ,, Der Blutswert ist unser menschlicher Grundwert, unser spezifisches Gewicht, das wir Menschen nun einmal haben." Seite 446 seines Buches sagt er: ,, Der völkische Staat hat die Rasse in den Mittelpunkt des allgemeinen Lebens zu setzen." Muhler sagt mit Recht: ,, Der Höhepunkt des Rassenwahnsinns ist es wohl, wenn es auf Seite 324 heißt: Der Arier gab die Reinheit seines Blutes auf und verlor dafür den Aufenthalt im Paradies, das er sich selbst geschaffen hatte." Somit können wir mit Muhler sagen: ,, Das Ziel der völkischen( d. i. der nationalsozialistischen) Weltanschauung ist die völkische Religion und der völkische Gott. Tatsächlich haben alle wissenschaftlichen Vertreter der völkischen Ideologie diese Konsequenzen gezogen und sprechen je nachdem von einer deutschen Religion und einem deutschen Gott oder einer deutschen Kirche." Die Kampfansage an das Christentum vollzieht Hitler in seinem Buch Seite 507, wenn er schreibt:„ Der einzelne mag heute schmerzlich feststellen, daß in die viel freiere antike Welt mit dem Erscheinen des Christentums der erste geistige Terror gekommen ist, er wird die Tatsache aber nicht bestreiten können, daß die Welt seitdem von diesem Zwange bedrängt und beherrscht wird, und daß man Zwang nur wieder durch Zwang bricht und Terror nur durch Terror." völkische ihrem Zie hart, aber Man w Auf Seite 79 seiner Arbeit bezeichnet Muhler drei ,, Leitsterne", die auf den Pfad völkischen Strebens und Lebens leuchten: Kampf, Macht, Erfolg. Erster Grundsatz: Kampf, nicht Friede. Geistlichk Volksteils geistlichen um die un konnte m Zweiter Grundsatz: Macht geht vor Recht. Hitler sagte 1929 in einer Rede in München: ,, Den Grundsatz, daß Gerechtigkeit bestehen muß, auch wenn die Welt darum zugrunde geht, erkennen wir nicht an!" Rosenberg sagt in seinem Mythos Seite 539: ,, Recht ist das, was arische Männer für recht befinden!" wie Predi wurde ihr satanische bloßgestel Dritter Grundsatz: Der Erfolg entscheidet. Hitler sagt auf Seite 377: ,, Der Erfolg ist der einzige irdische Richter über das Recht und Unrecht eines Beginnens." gelegt we das Volk der Kirch Grundsatz im Glaub mit sein Ende alle ,, Der völkische Staat ist wesentlich Machtstaat, nicht Rechtsstaat, wie die christliche Staatsidee sagt. Auch die Ehe steht unter dem Gesetz des Erfolges, des Nutzens für die Rasse. Einziger Zweck der Ehe ist die Erziehung gesunder Kinder." Soweit Muhler, und weiter stellt er fest: ,, Die 20 dunklen scheine u standen i die ZU brachten. Obwo Verbände boten un Versamm Schließlic den Relig Kirche ge die Vera deutscher Dümmste handelte. Der Prozesse die Verha lische Sc katholisc Sittlichke herzigen Fällen ni an, d. h ler auch nur eine anschau- deutung Unglück schauung Jee nicht mit der um pie sung und r Grund- haben.“ se ın den t Recht: völkische Weltanschauung ist in ihrem Ausgangspunkt unwissenschaftlich, in ihrem Ziele unchristlich und in ihrem Weg unmoralisch. Dieses Urteil ist hart, aber wahr, und die Wahrheit ist oft schmerzlich, aber heilsam.‘ Man wußte nur zu gut um die ungeheure geistige Macht der katholischen * Geistlichkeit, die als ‚Stellvertreter Gottes“ im Denken des katholischen Volksteils ungleich mehr und tiefer gegründete Autorität besaß als die geistlichen Führer anderer christlicher Bekenntnisse. Man wußte nur zu gut um die ungeheure, seelenformende Macht des Beichtstuhles, und gelegentlich konnte man es hören:„Hätten wir soviel politische Propagandarednerpulte wie Predigtstühle, wir stünden ungleich besser da.“ Und immer dringender wurde ihr Ruf:„Was jagt ihr die Herde, schlagt die Hirten!‘ Man griff zu satanischen Mitteln. Die Diener Gottes sollten als Diener des Teufels bloßgestellt und ihre Seelenführung als Verführung vor aller Welt offen- gelegt werden. Man griff zu jenen alten, längst abgegriffenen Methoden, das Volk zu einer groß aufgezogenen Demonstration um den„Mülleimer“ der Kirche zusammenzurufen. Man hatte sich in der Standfestigkeit und Grundsatztreue des katholischen Volkes getäuscht, das sich nicht deshalb im Glauben wankend machen ließ, weil der in der Kirche fortlebende Christus mit seinem Judaserlebnis untrennbar wird verbunden bleiben bis zum Ende aller Tage. Wo viel Licht ist, liegt auch tiefer Schatten, und die dunklen Verräterstunden der Kirche werden hellüberstrahlt vom Glorien- scheine ungezählter Helden, Heiligen und Märtyrer. So und nicht anders standen im Urteil des katholischen Volkes jene berüchtigten Schauprozesse, die— zum Ruhm der Kirche sei es gesagt— kläglich wenig Beweise er- brachten. Obwohl durch das Konkordat die katholisch-kirchlihen Vereine und Verbände geschützt waren, wurden doch viele sofort, später fast alle ver- boten und ihr Vermögen und die Häuser beschlagnahmt. Jede- außerkirchliche Versammlung wurde untersagt und die konfessionelle Schule aufgehoben. Schließlich wurde auch der Religionsunterricht aus der Schule entfernt und den Religionsgemeinschaften bedeutet, man könne den Unterricht in den der Kirche gehörenden Räumen abhalten. Dieser Unterricht aber wurde durch die Veranstaltungen der HJ und des BDM, das waren Hitler-Jugend und Bund deutscher Mädel, bewußt gestört und gehemmt. Nun mußten auch die ‘ Dümmsten sehen, daß es sich um eine Entchristlichung des deutschen Volkes handelte. Der Kampf gegen die katholische Kirche begann damit, daß man durch Prozesse das Vertrauen des Volkes zur Kirche brechen wollte. Zuerst wurden die Verhandlungen über Devisenvergehen als große Schauprozesse gegen katho- -" Jische Schwestern und Geistliche durchgeführt. Da diese nicht halfen, dem katholischen Volk die Liebe zur Kirche zu nehmen, folgten die bekannten ‚Sittlichkeitsprozesse, von denen wohl der Koblenzer Prozeß gegen die Barm- herzigen Brüder von Waldbreitbach der berüchtigste war. Konnte in vielen Fällen nichts bewiesen werden, so wandte man den„Ausnahmeparagraphen“ an, d. h. man nahm an, daß es doch passiert war. Im„Schwarzen Korps“ 2 kündete man besondere Prozesse gegen die katholische Geistlichkeit an. An dem sogenannten ,, schwarzen" Freitag sprach Dr. Göbbels im Rundfunk den Satz aus: ,, Es gibt keinen Stand, in welchem so viel unnatürliche Unsittlichkeit getrieben wird wie im katholischen Priesterstand." Der erste Prozeb, dem keiner mehr folgte, richtete sich gegen einen Pfarrer aus Frankfurt am Main. Er wurde zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt. Ich habe mir sein Schicksal später im Lager Dachau erzählen lassen, wo ich ihn kennen lernte. Er war offenbar das Opfer eines hysterischen Mädchens geworden, nämlich der 15jährigen Tochter eines SS- Mannes. Der Pfarrer ist bald erkrankt und auf Invalidentransport gekommen, d. h. durch Vergasung getötet worden. Selbst die Prozesse brachen nicht das Vertrauen des Volkes zur Kirche. Nun begann eine systematisch eingeleitete Kirchenaustrittsbewegung. Besonders waren es die Beamten, die sehr darunter zu leiden hatten. Alle SS- Männer hatten sofort ihren Kirchenaustritt nachzuweisen. Der Nationalsozialismus gab sich als neue Religion aus. Die Bibel wurde ersetzt durch Hitlers Buch ,, Mein Kampf" und den ,, Mythos des 20. Jahrhunderts" von Alfred Rosenberg, jenen unverdaulichen, pseudowissenschaftlichen Schinken, der durch die mutige Schrift ,, Studien zum Mythos des zwanzigsten Jahrhunderts" in geradezu klassisch eleganter Weise dem verdienten Fluch der Lächerlichkeit preisgegeben wurde. Im Warthegau wurden sämtliche Pfarrer festgenommen und ins Lager geschickt. Man wollte hier die neue Kirche aufbauen und einrichten. Es ist aber nicht geglückt. Eine eigene Taufe hatte man erfunden. Das Kind wurde in eine Wanne mit Erde gelegt, dann sprach man die Worte über den Täufling: ,, Aus deutscher Erde bist du, zur deutschen Erde wirst du einst wieder zurückkehren, mache deinem deutschen Vaterlande Ehre! Amen." Jedoch auch diese Taufform hat sich nicht durchgesetzt. An ihre Stelle trat die Namensnennung. Man wählte nur altgermanische Namen. Und der Klostersturm! Ein Gauleiter wetteiferte mit dem anderen, wer wohl zuerst ein klosterfreies ,, Herzogtum" hätte. Die Schwestern, die Patres und die Brüder wurden oft binnen zwei Stunden einfach auf die Straße gesetzt und konnten zusehen, wo sie blieben. Nur die Krankenhäuser wurden meist verschont, weil man sie notwendig hatte und über nicht genug braune Schwestern verfügte, um die Ordensfrauen zu ersetzen. Wenn aber der Leiter, einer Anstalt oder eines Klosters aufbegehrte, wurde er verhaftet und in ein Konzentrationslager gesteckt. Rom und die deutschen Bischöfe legten Proteste dagegen ein. Es nützte nichts. zu leben hätter von Münster, klärte: ,, Nun Deutschland hi Die schon vor dem ersten Weltkrieg von den Universitätsprofessoren Binding- Leipzig und Alfred Hoche- Freiburg erhobene Forderung von der ,, Vernichtung lebensunwerten Lebens" wurde in erschreckend zunehmendem Maße von nationalsozialistischen Gesundheitsbehörden erfüllt. Die Irrenhäuser hatte man längst entvölkert, indem man die armen Irren in Krematorien verbrannte. Dann ging man auch an die Alters- und Invalidenheime heran und erklärte die Insassen zu Menschen, die kein Recht in denen er di in flammenden bischof Wurm Die Gestapo w aber aus der I geschickt. 1938 bega Bung eines M Rath aus Düs nahmen ein A Sämtliche jüdi wurden dem Dieses Erl stungsproben lionenwerte w Nationalsozial render Genug Joseph Goeb empfangen ha Was war eigene Antlit nichtet. Unzä lionenwerte l derten Gesch und vernichte stifter und a zogen werde empfindens. Die kod semitismus" in Paris zum ordnung der werden in k insbesondere Sofern sich i eine sofortig In einzel Sammellager gestellt nach Juden, z. B. 22 it an. ndfunk Unsittte ProFrankabe mir kennen worden, bald erung geVolkes ng. Been. 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Die Veranlassung war die ErschieBung eines Mitgliedes der deutschen Gesandtschaft in Paris, des Herrn vom Rath aus Düsseldorf. Der Täter soll ein Jude gewesen sein. Die Pogrome nahmen ein Ausmaß an, wie die Welt sie bisher noch nicht gesehen hatte. Sämtliche jüdischen Synagogen gingen in einer Nacht in Flammen auf, viele wurden dem Erdboden gleichgemacht. Dieses Erlebnis des Synagogensturms zeigt schlaglichtartig, welchen Belastungsproben man das logische Denken des deutschen Volkes aussetzte. Millionenwerte wurden in einer einzigen Nacht ein Raub der Flammen. Die Nationalsozialisten triumphierten. Ihre Rache war gekühlt. Mit triumphierender Genugtuung stellten Rundfunk und Presse die Gesetzestafeln eines Joseph Goebbels fest, daß das Pariser Attentat seine gebührende Sühne empfangen habe. Was war geschehen? Das deutsche Volk hatte sich einen Faustschlag ins eigene Antlitz versetzt. Es hatte unersetzliche Werte in blinder Wut vernichtet. Unzählige Geschäfte gingen mit den Synagogen in Trümmer. Millionenwerte lagen in Form von zerschlagenen Fensterscheiben und ausgeplünderten Geschäften im Kot der Straße. Man wollte eine Genugtuung haben und vernichtete im törichten Wahn deutsches Volksvermögen. Daß die Anstifter und ausführenden Organe dieser Wahnsinnstat zur Rechenschaft gezogen werden, ist eine unabdingbare Forderung jedes gesunden Rechtsempfindens. ,, Die kochende Volksseele", wie Goebbels sich ausdrückte, und der ,, Antisemitismus" waren sorgfältig vorbereitet, wären aber auch ohne den Mord in Paris zum Ausdruck gekommen. Hierfür liegen Beweise vor. In einer Anordnung der Gestapo vom 9. November 1938 heißt es unter anderem: ,, Es werden in kürzester Zeit in ganz Deutschland Aktionen gegen Juden und insbesondere gegen deren Synagogen stattfinden. Sie sind nicht zu stören. Sofern sich in Synagogen wichtiges Archivmaterial befindet, ist dieses durch eine sofortige Maßnahme sicherzustellen." In einzelnen Städten wurden alle Juden zusammengetrieben und in große Sammellager transportiert. Von dort wurden wieder Transporte zusammengestellt nach anderen Lagern, die eingerichtet waren zur ,, Liquidierung" der Juden, z. B. Auschwitz- Birkenau. Jüdische Geschäfte wurden ,, arisiert", d. h. 23 die Juden wurden einfach ihres Besitzes enteignet. Damit hatte man das gesamte Judentum der Welt gegen Deutschland zum Kampf aufgerufen. Was hatte aber nun der ganze Kampf gegen die Kirche erreicht? Einige wenige sind ausgetreten. Es waren meist solche, die an sich abständig waren und auch früher keinen großen Wert auf ihre Zugehörigkeit zur Kirche gelegt und die Heilsmittel abgelehnt hatten. Sie waren von jeher eine Belastung für die Kirche. Das christlich- katholische Volk aber stand treu zur Kirche und bewies diese Treue durch vermehrten Besuch des Gottesdienstes und häufigen Empfang der heiligen Sakramente. Manche gingen sogar aus Protest gegen das System zur Kirche und machten die Prozessionen, so lange sie genehmigt waren, mit, um ihren katholischen Glauben offen zu bekennen. Auch dieser Kampf der Nationalsozialisten, mit allen Mitteln der lügnerischen Propaganda geführt, war ein Schlag ins Wasser. Man kann die ohnmächtige Wut verstehen, welche Dr. Goebbels und Genossen hatten; sie führte dazu, noch schärfer gegen den katholischen Klerus vorzugehen und Verhaftungen. vornehmen zu lassen. Aber auch das half nichts. Wir gingen in die Konzentrationslager. Viele von uns starben dort, verhungert oder zu Tode gequält. Aber alle unsere Opfer werden nicht vergebens gebracht sein. Wir waren stolz und sind es heute noch, für die Kirche und unsere Überzeugung gelitten zu haben. Treu zur Kirche und zur deutschen Heimat! Treu bis zum Tode! Die pädagogische Situation Jugend läßt sich nur zu leicht durch eine glänzende äußere Hülle betören. Sie hat noch keinen Blick für das Wesen der Dinge, den inneren Gehalt, das tiefe Sein. Gegen- Bewe halterin des Terror der drücken. Es das sich hie noch zwei a Baldur Reichsjugen Erziehung i verkünden. Maß und a ziehen." einer neue überhaupt So konnte der Nationalsozialismus sie in seine glänzenden Netze einfangen. Begierig lauschte sie den Tiraden der Parteitage, berauschte sich an den Massendemonstrationen in der Reichshauptstadt, auf dem Bückeberg und den Sonnenwendfeiern. - Die Goebbels, Hitler, Rust so wenig sie in ihrer politischen Engstirnigkeit von Pädagogik verstanden sie wußten um das von Nietzsche proklamierte Gesetz: ,, Jugend will ihren Helden haben", wußten auch um die Schwäche der Jugend für alles, was mit Uniform, Waffen und Marschieren zusammenhängt, wußten endlich auch um die psychologisch und geschichtlich wieder und wieder festzustellende Tatsache, daß Jugend immer oppositionell ist. Die monarchisch erzogene wilhelminische Jugend wurde demokratisch, die demokratisch geformte Nachkriegsjugend wurde faschistisch. Wenn die Jugend nicht marschieren darf, will sie marschieren wenn sie marschieren soll, wird sie sich bald dagegen auflehnen. - So konnte Hitler mit seiner Werbetrommel von 1930 bis 1933 die Jugend vor seinen Siegeswagen spannen, aber nach demselben Gesetz, nach dem sie angetreten, versagte sie sich auch wieder, als sie erkannt hatte, daß Marschieren und Kriegsspiel die Zwangsjacke waren, in die man sie gesteckt hatte. Wie aus München, der Stadt der Bewegung, schließlich die Stadt der dächtnissch aussetzung Solange geistiger u gehoben w vollen, bev Generation mand ein, einer ande kennen. K Lehrlinge Es liegt n Demagogie Werte ein die Verwe Lebensans gesetze zu Der N er ,, einma darin, daß hätte wiss Völker in sonnenhei gefähr, da nach dem als wesen Wir eines der Viel rich Symptom Volkes, 24 n das gen. 2 sich abehörigkeit von jeher stand treu Gottesdiensogar aus , so lange bekennen. ignerischen hnmächtige ührte dazu, rhaftungen KonzentraHe gequält. Wir waren ang gelitten Tode! le betören. Gehalt, das Netze einnte sich an keberg und Engstirnigche proklach um die Marschieren geschichtlich sitionell ist. cratisch, die die Jugend hieren soll, die Jugend ach dem sie daß Marteckt hatte. Stadt der Gegen- Bewegung ward, so erwuchs aus der Jugend, der früheren Steigbügelhalterin des Nazismus, eine entschiedene Gruppe von Antifaschisten. Aller Terror der Partei, Hitlerjugend und Polizei vermochten sie nicht zu unterdrücken. Es war aber nicht nur das ewige, psychologische Gesetz der Reaktion, das sich hier Bahn brach in einer aufbegehrenden Gegenströmung, es kamen noch zwei andere Momente hinzu. Baldur von Schirach, diesem poetisierenden Romantiker, dem sogenannten Reichsjugendführer, war es vorbehalten, die primitivste Wahrheit jeglicher Erziehung ins groteske Gegenteil zu verkehren und als ein neues Gesetz zu verkünden. Es wurde ein Satz proklamiert, der in seiner Unsinnigkeit alles Maß und alle Grenzen überschritt: ,, Nur Jugend kann Jugend erziehen." So konnte man es allen Ernstes aus dem Munde dieser Propheten einer neuen Zeit hören. Und tausende plapperten es gedankenlos nach, wie überhaupt das ganze System Gedankenlosigkeit, Urteilsunfähigkeit und Gedächtnisschwäche der Masse und insbesondere der unreifen Jugend zur Voraussetzung hatte. Solange die Welt steht, solange Menschen aus dem Urzustande seelischer, geistiger und körperlicher Unfertigkeit durch Erziehung und Bildung herausgehoben wurden, geschah dieser Akt der Menschenformung durch den planvollen, bewußten Einfluß der älteren, lebenserfahrenen und bereits geformten Generation auf die Werdenden. Unter dem Nationalsozialismus fiel es niemand ein, den revolutionären Satz eines Schirach einmal versuchsweise auf einer anderen Ebene abzuwandeln, um die ganze Torheit dieses Satzes zu erkennen. Kann nur Jugend Jugend erziehen, dann können folglich auch nur Lehrlinge Lehrlinge heranbilden, Studenten den zukünftigen Wissenschaftler. Es liegt nicht nur eine groteske Absurdität, sondern auch eine abgründige Demagogie in jenem Satze. Es ist die Ablehnung der besonderen sittlichen Werte einer durch Erfahrung und Übung herausgebildeten Lebensreife, es ist die Verwerfung einer durch Not und Kampf geschaffenen Abgeklärtheit der Lebensanschauung, es ist die offene Rebellion gegen eine durch göttliche Urgesetze zum Heile der Menschheit wirkenden natürlichen Ordnung. Der Nationalsozialismus war nicht nur in dem Sinne geschichtslos, daß er ,, einmalig" war und ohne Vorbild in der Vergangenheit, er war es auch darin, daß er die Lehren und Warnungen der Geschichte bewußt ablehnte. Er hätte wissen müssen, daß immer dann, wenn hemmungsloser Sturm und Drang Völker in die Irre geführt hatte, man seine Zuflucht nahm zur geistigen Besonnenheit und Lebensklarheit der älteren Generation. Es war nicht von ungefähr, daß man nach dem Blutbad der Septembermorde von 1792 ungestüm nach dem ,, Rat der Alten" rief, den auch die Verfassungen der antiken Völker als wesentliches Element ihrem geistigen Staatsgefüge eingebaut haben. - - Wir die faschistisch regierten Nationen sind ,, Junge Völker", so hieß eines der leeren Schlagworte, mit denen man gedankenlose Massen betörte. Viel richtiger ist es, die Gegenthese aufzustellen und den Faschismus als einSymptom der Vergreisung und inneren Schwäche eines Volkes zu werten, eines Volkes, das als ultima ratio gegenüber Nihilismus und Demagogie nur noch 25 die Diktatur und die Tyrannei als einzigen Rettungsanker sieht. Daß ein groBer Teil des deutschen Volkes dieses raffiniert ausgeklügelte, üble Schwindelmanöver erst erkannte, als die Nation machtlos, entrechtet, in den Augen der übrigen Welt ehrlos, wehrlos in den Fallstricken des Nationalsozialismus gefesselt lag, ist unser Unglück gewesen. Den Besten unter der deutschen Jugend ging diese Erkenntnis schon früh auf. Das Salutieren und Paradieren vor Altersgleichen, deren Schwächen man nur zu gut kannte, und die unter äußerer Gespreiztheit und Großtuerei ihre innere Hohlheit und sittliche Unzulänglichkeit zu verbergen suchten, wurde als lächerliche Zumutung empfunden und mit den sogenannten ,, Führern" der ganze nationalsozialistische Geist abgelehnt. Diese Erkenntnis der Ungeistigkeit des Nationalsozialismus war ein weiteres Moment für den Rückzug der deutschen Jugend aus dem nationalsozialistischen Heerlager. Tyrannei bedeutet wesentlich Verzicht auf geistige Mittel. Sie will Abrichtung statt Erziehung, Drill statt Einsicht, blinden Gehorsam statt vernünftiger Überlegung, Ersatz eigenwilligen Handelns durch knechtische Unterordnung. Der Nationalsozialismus fing mit Marschieren an und hörte mit Krieg auf, und darin erschöpfte sich auch im Wesentlichen der innere Gehalt der Arbeit der Hitler- Jugend, deren Höhepunkt das militärische Geländespiel war. Nun ist es psychologisch richtig, daß die Jugend im Sturm und Drang der Reifung zu diesen Dingen eine stark gefühlsbetonte, bejahende Einstellung zeigt. Aber anderseits verkennt der die Psyche der Jugendlichen, der wähnt, daß ihre ganzen inneren Kräfte sich in einer Ausrichtung auf dieses Gebiet erschöpften. Die Jugend unseres abendländischen Kulturkreises weiß um den tiefen geistig- seelischen Gehalt des Erbes, das zu übernehmen als Aufgabe vor ihr steht. Es lebt in ihr bei allem Streben nach physischem Leistungsheroismus die tiefe Sehnsucht nach seelischer Vervollkommnung und geistiger Emporbildung. Die Jugend will nicht nur sich selbst leben, sie will auch ge- schult werden. wurde ungeistig Abrichtungsans Die Lehrers nicht mehr zu Dritten Reich, leert wurde w wollen künstle Seelen." Das D der Schablone Arbeiten zur pädagogische führende Orga Kriegsstadium Wie aber stand es mit der Schule im Dritten Reich? Man braucht sich nur die Rangfolge der Fächer im Zeugnis anzusehen, um zu wissen, daß man auch hier einen kopernikanischen Wandel vollzog. Zuoberst standen Leibesübungen, zuunterst rangierte die Religion, die schließlich ganz von der Stundentafel abgesetzt ward, und das trotz aller heiligsten Versicherungen, die im Konkordat feierlich beschworen waren. Mit den Kreuzen aus den Schulen schwand auch die altehrwürdige Sitte des Gebets als Auftakt jeder Arbeit, schwand für die katholischen Kinder die Heilighaltung der uralten Feiertage, schwand jegliche religiöse Literatur aus den Lesebüchern, wie aus der Schulbücherei. Altbewährtes, profanes Bildungsgut wurde gleichfalls in die pädagogische Rumpelkammer verwiesen. Die Schule marschierte geistig mit im Takt und Gleichschritt der Zeit. Neue Lehr- und Lernbücher überschwemmten die Schule. Das nationalsozialistische Lehrbuch verunzierte jedes Werk, das noch irgendwie traditionsgebunden war. Damit wurde auch die Schule geschichtslos; ja, sie 26 delten. Viele Leh und stur tater Teufel um all bisher, wenn a auf, stießen je Spitzel in der leicht das nie zialistischer.. sie den Weg wenn es ihne regelung zu e Das geist gingen erschr lebhaft mit d ins Leben tre dungsgrad ein Erzieheris eine anmaßer Bildungsstand 100 Jahren d sche Land de standen, so Stellung entt dieser Kaser wenig mehr deutscher Ge dazu verstie der Schulen Tyrannen ih stolzen Wo waren, eher ein grochwindelLugen der smus gehon früh chen man uerei ihre en, wurde „ Führern" ein weinalsozialige Mittel. Gehorsam nechtische mit Krieg Gehalt der spiel war. 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Er war- soweit es sich um seine pädagogische Tätigkeit handelte Zutreiber für die Hitler- Jugend, deren führende Organe sich hoch über ihn stellten und ihn schließlich im letzten Kriegsstadium als ein ihnen unterstelltes Werkzeug betrachteten und behandelten. Viele Lehrer verloren darob jegliche Sicherheit ihres Standortes. Stumpf und stur taten sie, was von ihnen verlangt urde. Andere scherten sich einen Teufel um alle Verfügungen und Erlasse und taten weiterhin ihre Pflicht wie bisher, wenn auch unter schwierigsten Bedingungen. Andere endlich begehrten auf, stießen jedoch auf Widerstand der Hitler- Jugend und der Partei, die ihre Spitzel in der Lehrerschaft und unter den Schülern hatten. Es ist dies vielleicht das niederträchtigste und unwürdigste Kapitel praktischer, nationalsozialistischer ,, Pädagogik". Es blieb den Lehrern keine Wahl! Entweder gingen sie den Weg der Strafversetzung oder der Entlassung aus dem Schuldienst, wenn es ihnen nicht gelang, sich durch Flucht in eine Krankheit einer Maßregelung zu entziehen. Das geistige Niveau der Schule sank tiefer und tiefer, die Leistungen gingen erschreckend zurück. Hatte man sich bis 1933 in pädagogischen Kreisen lebhaft mit dem Gedanken der Einführung eines 9. Schuljahres befaßt- der ins Leben tretende Volksschüler von 1945 hatte nicht einmal mehr den Bildungsgrad eines Schülers aus dem 6. Schuljahr von ehedem. Erzieherisch standen die Dinge um kein Haar besser. Vor dem Lehrer saẞ eine anmaßende, ehrfurchtslose, irregeleitete Jugend, deren religiös- sittlicher Bildungsstand jeden ernsten Pädagogen mit tiefer Sorge erfüllte. War vor 100 Jahren das geflügelte Wort geprägt worden: ,,, Deutschland ist das klassische Land der Schulen und Kasernen", wobei, wohlgemerkt, die Schulen voran standen, so hatte der Nationalsozialismus die Schule von ihrer führenden Stellung entthront und zur dienenden Magd der Kaserne erniedrigt. Der Geist dieser Kaserne hatte mit klassischer Größe, Vornehmheit und Selbstdisziplin wenig mehr gemein. Im Ringen zwischen Potsdam und Weimar war die Stadt deutscher Geistigkeit auf der ganzen Linie unterlegen, man hatte sich sogar dazu verstiegen, das Freiheitsdrama eines Fr. v. Schiller aus dem Lehrplan der Schulen zu streichen. Es lag auf der Hand, daß ein Volk, über dem Tyrannen ihre Geißeln schwangen, nichts wissen und hören durfte von jenem stolzen Wort aus ,, Wilhelm Tell": ,, Wir wollen frei sein wie die Väter waren, eher den Tod, als in der Knechtschaft leben." 27 Heute liegen unsere Schulen in Trümmern. Die Lehrmittel einer guten, alten Zeit sind in alle Winde zerstreut, soweit sie einer Einstampfung für den Moloch ,, Krieg" widerstanden. Gras wächst auf den Schulhöfen, wo ehedem eine gesunde, bildsame, deutsche Jugend sich tummelte. Soweit die Gebäude der Vernichtung durch Bomben und Phosphor entgingen, zeigen sie doch meist das Bild einer traurigen Verwüstung. Kann es einen treffenderen Ausdruck der völligen inneren Zersetzung und des Verfalls unserer ehedem so bewunderten und auch vom Ausland geachteten deutschen Schule geben als dieses trostlose Bild des Grauens! Doch wollen und dürfen wir nicht verzweifeln. Wir wollen neu bauen das Haus, in dem unsere Kinder ertüchtigt werden sollen für die schier übermenschliche Arbeit eines Wiederaufstieges aus dunkler Gegenwart in eine freundlichere Zukunft und zu einem neuen Lichte. Wir wollen uns dabei aber bewußt sein, daß diese Schule einer neuen Zeit den harten Gegebenheiten von heute und morgen Rechnung zu tragen hat. Es wird und darf kein stolzes Prachtgebäude sein, sondern ein einfacher, bescheidener Bau. Aber der Geist, der sich dieses Haus baut und der sich darin pädagogisch auswirken soll, muß frei von allem pädagogischem Überschwang sein. Für pädagogische Hochflüge ist kein Raum mehr im Deutschland der Zukunft. Die Schule von morgen wird eine Arbeits-, Leistungsund Erziehungsschule sein, und dies nicht im Sinne der mit wissenschaftlichem Raffinement verbrämten, hochfahrenden Definition von ehedem, sondern in einer ganz schlichten, klaren und wahren Bedeutung dieser Begriffe. Wir werden unsere Schule wieder auf das sittlich- religiöse, feste Fundament einer bescheidenen, guten, alten Zeit stellen. Sie soll nicht einer überspitzten, innerlich kranken, hypermodernen Zivilisation dienen. Sie liegt- man ist versucht zu sagen: Gott sei Dank!- unter den Trümmern unserer Großstädte begraben. Die Schule von morgen soll im Dienste einer neuen, gesunden, einfachen deutschen Kultur stehen, mitten in einer Volksgemeinschaft, die durch Not und Tod, durch Lug und Trug, Haß und Verblendung sich zurückfinden muß und wird zu den gesunden starken Wurzeln, die ein einfaches, natürliches, von tiefer Religiosität durchdrungenes Dasein nähren, ein Leben, das im Ideal seinen tiefen Sinn und seine höchste Vollendung erfährt in der Erfüllung des Goethewortes: ,, Tages Arbeit, abends Gäste, saure Wochen, frohe Feste." Ich schildere es Hunderten v Verhaftungen ei unterscheidet si mißhandelt. Die Wir haben den Glauben und die feste Zuversicht, daß die furchtbare Enttäuschung des Volkes durch den Nationalsozialismus, die Qual der Bombennächte, das große Sterben der letzten Jahre, der würgende Hungergriff des Augenblicks und das drohende Dunkel, das über unserer Zukunft liegt, eine innere Bereitschaft geschaffen haben für die Verwirklichung dieser neuen pädagogischen Zielsetzung. nahm Rücksicht Gestapostellen Der Geheim hindurch in viel von geschlossen solcher Vortrag seine Kirche im unser". In den erst baute die Lehr Zusammenhäng Daher die Trag schauungen wie klar und einde der Heimatgest hatte, benachri Es kommt ni Zuhörer es auf gehalten hatte schlagnahmte zur Gestapo b 1941) Redever digen. Ich erkl Entscheid abwa reisen einstell gäbe Seelsorgs In dieser hatte die Ten sollte, einen es selbst verla Sklerose unhe geben. Der A Endurteil übe wirrung anger nehmen. 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Ich hatte drei Jahre hindurch in vielen Großstädten Deutschlands Kanzelvorträge gehalten in Form von geschlossenen Vortragsreihen, die sich über eine Woche verteilten. Drei solcher Vortragsreihen handelten über: ,, Ehe und Familie" ,,, Christus und seine Kirche im Wandel der Zeiten" und ,, Das Leben im Lichte des Vater unser". In den ersten Vorträgen entwickelte ich die Problematik der Ehe und baute die Lehre der Kirche auf den Grundsätzen der Natur auf; denn die Zusammenhänge des Naturgesetzes waren den meisten nicht mehr bekannt. Daher die Tragik so manchen Ehelebens. Ich mußte natürlich ,, modernen" Anschauungen widersprechen und lehnte die Irrlehren des Nationalsozialismus klar und eindeutig ab. Dies brachte mir dann stets eine Vernehmung bei der Heimatgestapo ein, die von der Gestapo der Stadt, in der ich gesprochen hatte, benachrichtigt worden war. Einmal sagte mir der vernehmende Beamte: ,, Es kommt nicht darauf an, was Sie gesagt haben, sondern nur, wie der Zuhörer es aufgefaßt hat." Als ich von Männerpredigten, die ich in Paderborn gehalten hatte, heimkam, fand eine Hausuntersuchung bei mir statt. Man beschlagnahmte einige Handschriften meiner Kanzelvorträge. Dann wurde ich zur Gestapo bestellt, dort wurde mir eröffnet, ich hätte von jetzt ab( Januar 1941) Redeverbot für ganz Deutschland. Nur in Wuppertal dürfe ich noch predigen. Ich erklärte, daß ich dies meiner kirchlichen Behörde mitteilen und ihren Entscheid abwarten würde. Man war der Meinung, ich solle meine Vortragsreisen einstellen und meine Predigttätigkeit auf Wuppertal beschränken. Es gäbe Seelsorgsarbeit genug. In dieser Zeit lief gerade der vielumstrittene Film: ,, Ich klage an!" Er hatte die Tendenz, ein Gesetz im Volk vorzubereiten, wonach es erlaubt sein sollte, einen Menschen im Falle unheilbarer Erkrankung zu töten, wenn er es selbst verlangte. Der Film zeigte die Frau eines Arztes, die an multipler Sklerose unheilbar erkrankt war und ihren Mann bat, ihr eine Herzspritze zu geben. Der Arzt tat es und wurde wegen Mordes vor Gericht gestellt. Das Endurteil überließ man dem Volk. Da der Film auch unter Katholiken Verwirrung angerichtet hatte, war es notwendig, zu diesem Problem Stellung zu nehmen. An einem Dienstagabend sprach ich in einer sehr gut besuchten 29 Versammlung über dieses Thema, ich bekämpfte energisch die vollkommen abwegige Tendenz des Filmes. Ich stellte vier Begründungen auf: 1. Eine Medizin, die tötet, gibt sich selbst auf. 2. Eine Justiz, die ein Gesetz von der Meinung des Volkes abhängig macht, ist der Willkür der Masse ausgeliefert. 3. Eine Liebe, die tötet, ist keine wahre Liebe; denn ihr fehlt die Kraft des Mitleidens. 4. Die katholische Moral bekennt sich zu dem Grundsatz: Mord bleibt Mord, aus welchem Grunde immer er geschieht. Die Gestapo hatte mir an diesem Abend auch die Ehre ihres Besuches gegeben. Natürlich war ich jetzt wiederum vorgemerkt. Man suchte nur nach einer passenden Gelegenheit, mich festzunehmen, und dieser Anlaß kam bald. Bischof Graf von Galen- Münster hatte seine markanten Predigten gehalten. Überall im ganzen Lande wurden sie vervielfältigt und gelesen. Ich hatte in meinem Büro gesagt, man solle keine Vervielfältigungen dort vornehmen, und doch geschah es in meiner Abwesenheit. Die Gestapo hatte den Befehl erhalten, die Predigten sofort zu beschlagnahmen, wo immer sie verteilt würden. Man fahndete also nach den Stellen, wo die Predigten verteilt wurden und stieß dabei auch auf den Caritas- Verband in Wuppertal, dessen Direktor ich seit 23 Jahren war. Aber noch war keine Hausdurchsuchung gewesen. Diese sollte eine andere Veranlassung haben. Vier Tage von der Mili mann nicht k ,, Sagen Si ,, Ich weiß ,, Nun ste hierhergekom ,, Sagen Si Die Frau eines Oberstleutnants, die uns oft in liebenswürdiger Weise in der Caritasarbeit unterstützt hatte, kam zum Sekretariat, um sich von Fräulein Maria Husemann, der Sekretärin, die Predigten von Bischof von Galen zu erbitten. Zu gleicher Zeit besuchte ein Herr, der bis dahin noch nie im Sekretariat gewesen war, ebenfalls aus demselben Grunde das Büro. Nachdem er seine Bitte vorgetragen, begann er auf Regierung und Partei zu schimpfen. Frau Oberstleutnant war empört und die Sekretärin sehr verlegen. Sie versuchte, den Herrn zu beruhigen, und, als nichts half, komplimentierte sie ihn hinaus. Durch gutes Zureden erklärte sich Frau Oberstleutnant bereit, die Angelegenheit zu vergessen. Nach einigen Tagen kam ihr Mann in Urlaub. Ihm erzählte sie den ganzen Vorfall. Der Oberstleutnant forderte im Sekretariat die Anschrift des betreffenden Herrn. Er müsse der Gestapo gemeldet werden. Meine Mitarbeiterin versuchte, ihn zu beruhigen, und wies darauf hin, der Mann sei Familienvater und habe vier kleine Kinder. Jedoch der Oberstleutnant war nicht zu beschwichtigen. Wenn er bis zum Abend nicht die Adresse wisse, würde er den Caritas- Verband anzeigen, sagte er und ging. Die Sekretärin veranlaßte nun den Herrn, sich bei dem Oberstleutnant zu entschuldigen; er wurde jedoch nicht vorgelassen. Dagegen suchte Fräulein Husemann persönlich den Oberstleutnant in seiner Wohnung auf. Nach einer langen Unterredung versprach der Oberstleutnant, von dem Vorfall keinen Gebrauch zu rnachen und gab hierfür sein Offiziers- Ehrenwort. Das Ehrenwort eines deutschen Offiziers war bisher stets eine unumstößliche Gewähr gewesen. Deshalb war Fräulein Husemann nun auch beruhigt. 30 ,, Das wer Dann verhaft ,, Gut, dar schlüssel vork ,, Tun Sie Als nun Herr: ,, Wir Herr vor ein Da schaut Aufregung k hat ein deuts Ich habe dies ja schon. Ich kommnis, ka ändern. Im ü wie Frau Ob brochen und ,, Warum ,, Er wollt ,, Aha, da vielfältigt un ,, Nein, h nicht haben ,, Sie hab „ Ja!" ,, An wen Das ka Wie vi Ungefä Wo sin Als Fräu Arbeitersekr noch nicht Sodann eine Schreib piere sowie Tage wurde llkommen gig macht, Kraft des eibt Mord, s gegeben. . einer pasm gehalten. h hatte in hmen, und Befehl erilt würden. urden und irektor ich sen. Diese Weise in On Fräulein von Galen och nie im Nachdem schimpfen. m. Sie vererte sie ihn it, die AnIrlaub. Ihm Sekretariat let werden. uf hin, der OberstleutHie Adresse Die Sekreschuldigen; ann persönzen UnterGebrauch zu eines deuten. Deshalb Vier Tage später erschienen vier Herren im Sekretariat, und zwar zwei von der Militärpolizei und zwei von der Gestapo. Einer, den Fräulein Husemann nicht kannte, begann sofort die Vernehmung: ,, Sagen Sie mal, wie war das eigentlich vor einigen Tagen hier?" ,, Ich weiß nicht, was Sie meinen?" antwortete Fräulein Husemann. ,, Nun stellen Sie sich nicht so an, als ob Sie nicht wüßten, warum wir hierhergekommen sind." ,, Sagen Sie, was Sie von mir wünschen, sonst sage ich kein Wort!" ,, Das werden wir ja sehen. Wir haben Mittel, Sie zur Aussage zu zwingen. Dann verhaften wir Sie einfach!" ,, Gut, dann müssen Sie mich verhaften. Gestatten Sie, daß ich die Büroschlüssel vorher dem Herrn übergebe, der im Vorbüro sitzt." ,, Tun Sie es." Als nun Fräulein Husemann wieder zum Büro zurückkam, sagte derselbe Herr: ,, Wir wollen Ihnen sagen, weshalb wir gekommen sind. Was hat der Herr vor einigen Tagen gesagt, als er über Regierung und Partei schimpfte?" Da schaute Fräulein Husemann die Herren groß an und konnte vor innerer Aufregung kaum sprechen. Dann aber antwortete sie: ,, Meine Herren, somit hat ein deutscher Offizier sein Ehrenwort, das er mir dreimal gab, gebrochen. Ich habe dies nicht für möglich gehalten. Was der Herr gesagt hat, wissen Sie ja schon. Ich brauche es Ihnen nicht mehr zu sagen. Ich bedauere das Vorkommnis, kann aber an der Tatsache, daß es hier im Büro geschah, nichts ändern. Im übrigen habe ich den Herrn vorher nie gesehen, und ich habe ihn, wie Frau Oberstleutnant es bezeugen kann, in seinem Schimpfen sofort unterbrochen und dann aus dem Büro verwiesen." "" Warum ist der Mann denn überhaupt hierher gekommen?" ,, Er wollte eine der Predigten des Bischofs von Münster haben." ,, Aha, das ist ja interessant. Dann werden diese Predigten also hier vervielfältigt und an die Leute verteilt." ,, Nein, hier werden keine Predigten vervielfältigt, weil Herr Direktor es nicht haben will." ,, Sie haben aber doch Predigten verteilt?" ,, Ja!" ,, An wen?" ,, Das kann ich nicht mehr sagen." "" Wie viele waren es, die sie verteilten, das können Sie doch wohl sagen?" ,, Ungefähr 100!" ,, Wo sind die Predigten vervielfältigt worden?" Als Fräulein Husemann schweigt, sagt er: ,, Ich will es Ihnen sagen, im Arbeitersekretariat. Sie können aber beruhigt sein, das Vervielfältigen ist ja. noch nicht verboten." Sodann untersuchten die Herren das ganze Büro. Sie beschlagnahmten eine Schreibmaschine, die letzte Jahresbilanz des Verbandes und sonstige Papiere sowie die vorhandenen Abschriften der Bischofspredigten. Am anderen Tage wurde Fräulein Husemann von der örtlichen Geheimen Staatspolizei 31 wiederum vernommen. Es folgten noch acht Vernehmungen. Fräulein Husemann war zur Überzeugung gekommen, daß die ganze Aktion sich eigentlich gegen mich richtete, und so kam es denn auch zu meiner Verhaftung. Der Leser wird sich sehr für den Inhalt der Predigten des Bischofs von Münster interessieren. Deshalb lasse ich die wesentlichen Teile der Predigten hier im Wortlaut folgen: Aus der Predigt am Sonntag, dem 3. August 1946, in der Lambertuskirche in Münsteri.' W.:,,In dem am 6. 7. in allen Kirchen Deutschlands verlesenen Hirtenbrief der deutschen Bischöfe heißt es u. a.: Gewiß gibt es nach der katholischen Sittenlehre positive Gebote, die nicht mehr verpflichten, wenn ihre Erfüllung mit allzu großen Schwierigkeiten verbunden ist. Es gibt aber auch heilige, Gewissensverpflichtungen, von denen uns niemand befreien kann und die wir erfüllen müssen, koste es uns selbst das Leben. Nie, unter keinen Umständen, darf der Mensch außerhalb des Krieges und der gerechten Notwehr einen Menschen töten! Ich hatte schon am 6. 7. Veranlassung, diesen Worten des gemeinsamen Hirtenbriefes in Telgte folgende Erläuterungen hinzuzufügen. Seit einigen Monaten hören wir Berichte, daß aus Heil- und Pflegeanstalten für Geisteskranke auf Anordnung von Berlin Pfleglinge, die schon länger krank sind und vielleicht als unheilbar erscheinen, zwangsweise abgeführt werden. Regelmäßig erhalten dann die Angehörigen nach einiger Zeit die Mitteilung, der Kranke sei verstorben, die Leiche sei verbrannt, die Asche könne abgeliefert werden. Allgemein herrscht der an Sicherheit grenzende Verdacht, daß diese zahlreichen unerwarteten Todesfälle von Geisteskranken nicht von selbst eintreten, sondern absichtlich herbeigeführt werden. Daß man dabei jener Lehre folgt, die behauptet, man dürfe sogenanntes lebensunwertes Leben vernichten; also unschuldige Menschen töten, wenn man meint, ihr Leben sei für Volk und Staat nichts mehr wert. Eine Lehre, die furchtbar ist, die die Ermordung Unschuldiger rechtfertigen will, die die gewaltsame Tötung der nicht mehr arbeitsfähigen Invaliden, Krüppel, unheilbar Kranken, Altersschwachen grundsätzlich freigibt! 1 mehr feststell ursache vorla rium des Inn gar kein He Geisteskrank getötet werd Vorhaben ein es unterläßt, machen, wird thal abzutran anwaltschaft in Münster Inhalt: ,, Na Wie ich zufällig erfahren habe, werden jetzt auch in den Heil- und Pflegeanstalten der Provinz Westfalen Listen aufgestellt von solchen Kranken, Pfleglingen, die als sogenannte ,, unproduktive Volksgenossen" abtransportiert und in kurzer Zeit ums Leben gebracht werden sollen. Aus der Anstalt Marienthal bei Münster ist im Laufe dieser Woche der erste Transport abgegangen! Deutsche Männer und Frauen! Noch hat der§ 211 Gesetzeskraft im Strafgesetzbuche, der bestimmt: ,, Wer vorsätzlich einen Menschen tötet, wird, wenn er die Tötung mit Überlegung ausgeführt hat, wegen Mordes mit dem Tode bestraft." Wohl um diejenigen, die jene armen kranken Menschen, Angehörigen unserer Familien, vorsätzlich töten, vor dieser gesetzlichen Bestrafung zu bewahren, werden die zur Tötung bestimmten Kranken aus der Heimat abtransportiert in eine entfernte Anstalt. Als Todesursache wird dann eine Krankheit irgendwelcher Art angegeben. Da die Leiche sofort verbrannt wird, können die Angehörigen und auch die Kriminalpolizei es hinterher nicht 32 man spricht Marienthal der Heilanst solchen Tran geschehen is nur dem g als Mord na statte ich ge die bedroht Abtransport von dem V Nachrich mir nicht zu der Provinz Pflege und Es hat nicht ist von Ma ich höre, b So müss oder langu brechen bes griffen hab tung des e entgegentra desfeindes und nicht Nein, ben, sonde Gutachten nach diese urteilt: Sie schine, die Dachau Husegentlich ofs von redigten 1946, 6. 7. in Sfe heißt Gebote, Chwieriggen, von es uns uberhalb einsamen einigen Geistessind und gelmäßig r Kranke werden. ahlreichen ten, sonre folgt, ten; also Volk und dung Unicht mehr en grundnd Pflegeen, Pfleg rtiert und t Mariengegangen! eskraft im Stet, wird, s mit dem Menschen, lichen Been aus der wird dann verbrannt erher nicht mehr feststellen, ob die Krankheit wirklich vorgelegen hat und welche Todesursache vorlag. Es ist mir aber versichert worden, daß man im Reichsministerium des Inneren und auf der Dienststelle des Reichsärzteführers Dr. Conti gar kein Hehl daraus mache, daß tatsächlich schon eine große Anzahl von Geisteskranken in Deutschland vorsätzlich getötet worden ist und in Zukunft getötet werden soll. Das Strafgesetzbuch bestimmt in§ 139: ,, Wer von dem Vorhaben eines Verbrechens wider das Leben glaubhaft Kenntnis erhält und es unterläßt, der Behörde oder dem Bedrohten zur rechten Zeit Anzeige zu machen, wird bestraft." Als ich von dem Vorhaben erfuhr, Kranke aus Marienthal abzutransportieren, um sie zu töten, habe ich am 28. 7. bei der Staatsanwaltschaft beim Landgericht in Münster und beim Herrn Polizeipräsidenten in Münster Anzeige erstattet durch eingeschriebenen Brief mit folgendem Inhalt: ,, Nach mir zugegangenen Nachrichten sollen im Laufe dieser Woche man spricht vom 31. 7. eine große Zahl Pfleglinge der Provinzialanstalt Marienthal bei Münster als sogenannte ,, unproduktive Volksgenossen" nach, der Heilanstalt Eichberg übergeführt werden, um dann alsbald, wie es nach solchen Transporten aus anderen Heilanstalten nach allgemeiner Überzeugung geschehen ist, vorsätzlich getötet zu werden. Da ein derartiges Vergehen nicht nur dem göttlichen und natürlichen Sittengesetz widerstrebt, sondern auch als Mord nach§ 211 des Strafgesetzbuches mit dem Tode zu bestrafen ist, erstatte ich gemäß§ 139 des Strafgesetzbuches pflichtgemäß Anzeige und bitte, die bedrohten Volksgenossen unverzüglich durch Vorgehen gegen die den Abtransport und die Ermordung beabsichtigenden Stellen zu schützen und mir von dem Veranlaßten Nachricht zu geben." - Nachricht über ein Einschreiten der Staatsanwaltschaft oder der Polizei ist mir nicht zugegangen. Ich hatte bereits am 26. 7. bei der Provinzialverwaltung der Provinz Westfalen, der die Anstalten unterstehen, der die Kranken zur Pflege und Heilung anvertraut sind, schriftlich ernstesten Einspruch erhoben. Es hat nichts genutzt. Der erste Transport der schuldlos zum Tode Verurteilten ist von Marienthal abgegangen, und aus der Heilanstalt Warstein sind, wie ich höre, bereits 800 Kranke abtransportiert. So müssen wir damit rechnen, daß die armen wehrlosen Kranken über kurz oder lang umgebracht werden. Warum? Nicht weil sie ein todeswürdiges Verbrechen begangen haben, nicht etwa, weil sie ihren Wärter oder Pfleger angegriffen haben, so daß diesen nichts anderes übrig blieb, als daß er zur Erhaltung des eigenen Lebens in gerechter Notwehr dem Angreifer mit Gewalt entgegentrat. Das sind Fälle, in denen neben der Tötung des bewaffneten Landesfeindes im gerechten Krieg Gewaltanwendungen bis zur Tötung erlaubt und nicht selten geboten ist. Nein, nicht aus solchen Gründen müssen jene unglücklichen Kranken sterben, sondern darum, weil sie nach dem Urteil irgendeines Arztes, nach dem Gutachten irgendeiner Kommission ,, lebensunwert" geworden sind! Weil sie nach diesem Gutachten zu den unproduktiven Volksgenossen gehören! Man urteilt: Sie können nicht mehr Güter produzieren, sie sind wie eine alte Maschine, die nicht mehr läuft, sie sind wie ein altes Pferd, das unheilbar lahm Dachau 3 11 33 geworden ist, sie sind wie eine Kuh, die keine Milch mehr gibt. Was tut man mit einer solchen alten Maschine? Sie wird verschrottet! Was tut man mit solch einem lahmen Pferd, mit einem solch unproduktiven Stück Vieh? Nein, ich will den Vergleich nicht zu Ende führen, so furchtbar seine Berechtigung ist und seine Leuchtkraft! Es handelt sich hier ja nicht um Maschinen, es handelt sich nicht um Pferd und Kuh, deren einzige Bestimmung ist, Menschen zu dienen, für den Menschen Güter zu produzieren! Man mag sie zerschlagen, man mag sie schlachten, sobald sie diese Bestimmung nicht mehr erfüllen! Nein, hier handelt es sich um Menschen ,,, unproduktive Menschen" meinetwegen, aber haben sie damit das Recht zu leben verwirkt? Hast du, habe ich nur so lange das Recht zu leben, solange wir produzieren? So lange wir von anderen als produktiv anerkannt werden? Geistestörun anvertraut H und freute s hatte er Bes der Front st kranken Va wiederkomm Volksgenoss sicher nicht gesetzt. Ein Marienthal, ordnung de Wohin Könn Nachricht zu Wenn man den Grundsatz aufstellt und anwendet, daß man den ,, unproduktiven Menschen" töten darf, dann wehe uns allen, wenn wir altersschwach werden! Wenn man die ,, unproduktiven Menschen" töten darf, dann wehe den Invaliden, die im Produktionsprozesse ihre Kraft, ihre gesunden Knochen eingesetzt, geopfert und eingebüßt haben! Wenn man die unproduktiven Menschen gewaltsam beseitigen darf, dann wehe unseren braven Soldaten, die schwer kriegsverletzt als Krüppel, als Invaliden in die Heimat zurückkehren! Wenn einmal zugegeben wird, daß Menschen das Recht haben, unproduktive Mitmenschen zu töten, und es jetzt zunächst arme und wehrlose Geisteskranke sind, dann ist grundsätzlich der Mord an allen unproduktiven Menschen als unheilbar Kranken, die arbeitsunfähigen Krüppel, den Invaliden der Arbeit und des Krieges, dann ist der Mord an uns allen, wenn wir alt und altersschwach sind und damit unproduktiv werden, freigegeben! Dann braucht nur irgendein Geheimerlaß anzuordnen, daß das bei den Geisteskranken erprobte Verfahren auch auf andere ,, Unproduktive" auszudehnen sei, daß es auch bei den unheilbar Lungenkranken, bei den Altersschwachen, bei den Arbeitsinvaliden, bei den Schwerkriegsbeschädigten anzuwenden sei. Dann ist keiner von uns seines Lebens sicher. Irgendeine Kommission kann ihn auf die Liste der ,, Unproduktiven" setzen, die nach ihrem Urteil lebensunwert geworden sind. Keine Polizei wird sie schützen, und kein Gericht wird seine Ermordung ahnden und den Mörder seiner verdienten Strafe zuführen. Wer kann dann noch Vertrauen haben zu einem Arzt? Vielleicht meldet er den Kranken unproduktiv und erhält die Anweisung, ihn zu töten. Es ist nicht auszudenken, welche Verwilderung der Sitten, welch' allgemeines Mißtrauen bis in die Familien hineingetragen wird, wenn diese furchtbare Lehre geduldet, angenommen und befolgt wird. Wehe dem Menschen! Wehe unserem deutschen Volk, wenn das heilige Gottesgebot: ,, Du sollst nicht töten!", das der Herr unter Blitz und Donner auf Sinai verkündet hat, das Gott, unser Schöpfer, von Anfang in das Gewissen der Menschen geschrieben hat, nicht nur übertreten, sondern, wenn diese Übertretung sogar geduldet und ungestraft ausgeübt wird. Ich will euch ein Beispiel sagen, von dem, was jetzt geschieht: In Marienthal war ein Mann von 55 Jahren, ein Bauer aus einer Landgemeinde des Münsterlandes, ich könnte euch den Namen nennen, der seit einigen Jahren an 34 Wie wir Mann sei ge der Gebühr und für die Erden nicht ums Leben Die von Namen des Soldat ist, Du solls schen gesch drohte, län ahndeten. K es Staaten seines Gew könnte. Jed Du solls hat, über L Menschen ein Sitteng kündet hat Kinder aus Gott, so neuen Göt allwissende Unser Sch in unsere dem Bedür baren Nor genden un t. Was tut as tut man tück Vieh? ine BerechMaschinen, gist, Menag sie zermt mehr erMenschen" ? Hast du, ? So lange en ,, unprotersschwach mwehe den mochen eintiven Mendaten, die ückkehren! produktive isteskranke enschen als Arbeit und tersschwach r irgendein Verfahren Hen unheilaliden, bei von uns eder ,, Unorden sind. Ermordung kann dann ranken unszudenken, in die Fadet, angedeutschen us der Herr höpfer, von übertreten, geübt wird. In Marienmeinde des Jahren an Geistestörung leidet, den man daher der Heil- und Pflegeanstalt zur Pflege anvertraut hatte. Er war nicht ganz verrückt, er konnte Besuch empfangen und freute sich immer, so oft seine Angehörigen kamen. Noch vor 14 Tagen hatte er Besuch von seiner Frau und einem seiner Söhne, der als Soldat an der Front steht und Heimaturlaub hatte. Der Sohn hängt sehr an seinem kranken Vater. So war der Abschied schwer, und wer weiß, ob der Soldat wiederkommt und den Vater wiedersieht, denn er kann ja im Kampf für die Volksgenossen fallen! Der Sohn, der Soldat, wird den Vater auf Erden wohl sicher nicht wiedersehen, denn er ist seitdem auf die Liste der Unproduktiven gesetzt. Ein Verwandter, der den Vater diese Woche besuchen wollte in Marienthal, wurde abgewiesen mit der Auskunft, der Kranke sei auf Anordnung des Ministerrates für Landesverteidigung von hier abtransportiert. Wohin könne nicht gesagt werden. Den Angehörigen werde in einigen Tagen Nachricht zugehen. Wie wird diese Nachricht lauten? Wieder so, wie in anderen Fällen: Der Mann sei gestorben, die Leiche verbrannt, die Asche könne gegen Entrichtung der Gebühren abgeliefert werden. Dann wird der Sohn, der im Felde steht und für die deutschen Volksgenossen sein Leben einsetzt, den Vater auf Erden nicht mehr sehen, weil deutsche Volksgenossen in der Heimat ihn ums Leben gebracht haben! Die von mir hier ausgesprochenen Tatsachen stehen fest. Ich kann den Namen des Kranken nennen, ebenso den seiner Frau und seines Sohnes, der Soldat ist, und den Ort, wo sie wohnen. Du sollst nicht töten! Gott hat dieses Gebot in das Gewissen des Menschen geschrieben, längst ehe ein Strafgesetzbuch den Mord mit Strafe bedrohte, längst ehe ein Staatsanwalt und Gericht den Mord verfolgten und ahndeten. Kain, der seinen Bruder Abel erschlug, war ein Mörder, lange bevor es Staaten und Gerichte gab, und er bekannte, bedrängt von der Anklage seines Gewissens, größer ist meine Missetat, als daß ich Verzeihung finden könnte. Jeder, der mich findet, wird mich, den Mörder, töten! Du sollst nicht töten! Dieses Gebot Gottes, des einzigen Herrn, der Recht hat, über Leben und Tod zu befehlen, war von Anfang an in die Herzen der Menschen geschrieben, längst bevor Gott den Kindern Israels am Berge Sinai ein Sittengesetz mit jenen lapidaren, in Stein gehauenen kurzen Sätzen verkündet hat, die uns in der Heiligen Schrift aufgezeichnet sind, die wir als Kinder aus dem Katechismus auswendig gelernt haben: Ich bin der Herr dein Gott, so hebt dieses unabänderliche Gesetz an. Du sollst keine fremden neuen Götter neben mir haben! Der einzige, ewige, überweltliche, allmächtige, allwissende, unendlich heilige und gerechte Gott hat dieses Gebot gegeben. Unser Schöpfer und einstiger Richter! Aus Liebe zu uns hat er diese Gebote in unsere Herzen eingeschrieben und sie uns verkündet, denn sie entsprechen dem Bedürfnis unserer von Gott geschaffenen Natur. Sie sind die unabdingbaren Normen eines vernunftsmäßigen, eines Gott gefälligen, eines heilbringenden und heiligen Menschenlebens und Gemeinschaftslebens. 35 Gott unser Vater will uns mit diesen Geboten seine Kinder sammeln, wie die Henne ihre Küchlein unter ihre Flügel sammelt. Wenn wir Menschen diesen Befehlen, diesen Einladungen, diesem Rufe Gottes folgen, dann sind wir behütet, beschützt, vor Unfall bewahrt, gegen das drohende Verderben verteidigt, wie die Küchlein unter den Flügeln der Henne! Jerusalem, Jerusalem, wie oft habe ich deine Kinder sammeln wollen, wie die Henne ihre Küchlein unter ihre Flügel sammelt, aber du hast nicht gewollt. Soll das aufs neue werden in unserem deutschen Vaterlande, in unserer westfälischen Heimat, in unserem Münsterlande? Wie steht es in Deutschland, wie steht es hier bei uns mit dem Gehorsam gegen Gott, seine göttlichen Gebote? Das 8. Gebot, du sollst nicht lügen, du sollst kein falsches Zeugnis geben? Wie oft wird es frech, auch öffentlich verletzt? Das 7. Gebot, du sollst nicht fremdes Gut dir aneignen. Wessen Eigentum ist noch sicher nach der willkürlichen und rücksichtslosen Enteignung des Eigentums unserer Brüder und Schwestern, die katholischen Orden angehören? Wessen Eigentum ist geschützt, wenn dieses widerrechtlich beschlagnahmte Eigentum nicht zurückgegeben wird? Das sechste Gebot, du sollst nicht ehebrechen! Denkt an die Anweisungen und Zusicherungen, die der berüchtigte offene Brief des inzwischen verschwundenen Rudolf Heß, der in allen Zeitungen veröffentlicht wurde, über den freien Geschlechtsverkehr und die uneheliche Mutterschaft gegeben hat. Und was kann man sonst noch über diesen Punkt auch hier in Münster von Schamlosigkeit und Gemeinheit lesen, beobachten und erfahren! An welche Schamlosigkeit in der Kleidung hat sich unsere Jugend gewöhnen müssen? Vorbereitung eines späteren Ehebruches! Denn es wird die Schamhaftigkeit zerstört, die Schutzmauer der Keuschheit! Jetzt wird auch das fünfte Gebot ,,, Du sollst nicht töten!", beiseite gesetzt und unter den Augen der zum Schutze der Rechtsordnung und des Lebens verpflichteten Stellen übertreten, da man es sich herausnimmt, unschuldige, wenn auch kranke Menschen vorsätzlich zu töten, weil sie unproduktiv sind, keine Güter mehr erzeugen können! Wie steht es mit dem vierten Gebote, mit dessen Befolgung? Dem Gebot, das Gehorsam gegen die Eltern und Vorgesetzten fordert? Die Stellung und die Autorität der Eltern ist weithin untergraben und wird mit allen den Anforderungen, die gegen den Willen der Eltern der Jugend auferlegt werden, immer mehr erschüttert. Glaubt man, daß aufrichtige Ehrfurcht und gewissenhafter Gehorsam gegen die staatliche Obrigkeit erhalten bleiben, wenn man fortfährt, die Gebote der höchsten Obrigkeit, die Gebote Gottes zu übertreten, wenn man sogar den Glauben an den einzig wahren, überwältigenden Gott, den Herrn des Himmels und der Erde, bekämpft, ja auszurotten sucht? Die Befolgung der ersten drei Gebote ist ja schon lange für die Öffentlichkeit in Deutschland, auch in Münster, weithin eingestellt. Von wie vielen wird der Sonntag nebst den Feiertagen entweiht, dem Dienste Gottes entzogen? Wie wird der Name Gottes mißbraucht, verunehrt und gelästert. 36 Und das Statt des einz um sie anzub wie viele gib der Bauch ist wissen, opfer mag man es sich zum Her Als Jesus sprach: Wenn zum Frieden werden Tage werden, dich dem anderen Mit seinen le der Stadt Jer wie es inner wollte deine sammelt, abe bedrückte, d du willst ni bringen diese seinen gescha cherisch dem Sünde, über Am Frei heimen Staa habe mich e nicht Kaffee S ich könnte sein. Als ich mir den Gru Vernehmung nen, um me bar, ich wo mich der Se hinter mir Außenwelt hatte nämli besucht. eln, wie Menschen ann sind erderben m. Jerunne ihre unserer tschland. öttlichen Zeugnis ebot, du Cher nach er Brüder mtum ist micht zueisungen rschwunüber den hat. Und m Schamn e SchamWorbereizerstört, Du sollst mutze der man es tzlich zu Und das erste Gebot: Du sollst keine fremden Götter neben mir haben. Statt des einzigen wahren Gottes macht man sich nach Gefallen eigene Götter, um sie anzubeten: Die Natur, den Staat oder das Volk, oder die Rasse. Und wie viele gibt es, deren Gott in Wirklichkeit nach den Worten des hl. Paulus der Bauch ist, das eigene Wohlbefinden, dem sie alles, selbst Ehre und Gewissen, opfern! Der Sinnenrausch, der Geldrausch, der Machtrausch! Dann mag man es auch versuchen, sich selbst göttliche Befugnisse anzumaßen und sich zum Herrn zu machen über Leben und Tod der Mitmenschen! Als Jesus Jerusalem näherkam, die Stadt sah, weinte er über sie und sprach: Wenn du es erkennen wolltest noch heute an diesem Tage, was dir zum Frieden dient, nun aber ist es vor deinen Augen verborgen! Siehe, es werden Tage über dich kommen, wo deine Feinde dich zu Boden schmettern werden, dich und deine Kinder, die in dir sind. Sie werden keinen Stein auf dem anderen lassen, weil du die Tage deiner Heimsuchung nicht erkannt hast. Mit seinen leiblichen Augen schaute Jesus damals nur die Mauern und Türme der Stadt Jerusalem. Aber seine göttliche Allwissenheit sah tiefer, erkannte, wie es innerlich mit der Stadt und ihren Bewohnern stand. Jerusalem, ich wollte deine Kinder sammeln, wie die Henne ihre Küchlein unter ihre Flügel sammelt, aber du hast nicht gewollt. Das ist der große Schmerz, der Jesu Herz bedrückte, der seinen Augen Tränen entlockte. Ich wollte dein Bestes, aber du willst nicht! Jesus sieht das Sündhafte, das Furchtbare, das Verderbenbringen dieses Nichtwollens! Der kleine Mensch, das hinfällige Geschöpf, stellt seinen geschaffenen Willen gegen Gottes Willen! Trotzt töricht und verbrecherisch dem Willen Gottes! Darum weint Jesus über diese abscheuliche Sünde, über die unausbleibliche Bestrafung!" * m Gebot, lung und den Anwerden, gewissenenn man zu überltigenden sucht? ffentlicheiht, dem verunehrt Am Freitag, dem 7. November 1941, rief morgens der Sekretär der Geheimen Staatspolizei Manfeld bei mir an und bat mich, ihn aufzusuchen, er habe mich etwas zu fragen. Ich machte ihn darauf aufmerksam, daß ich noch nicht Kaffee getrunken hätte. Darauf antwortete er mir, es dauere nicht lange, ich könnte später frühstücken. Es schien somit eine harmlose Angelegenheit zu sein. Als ich zur Gestapo kam, wurde mir eröffnet, ich sei verhaftet. Ich bat, mir den Grund meiner Verhaftung zu sagen. ,, Den werden Sie während Ihrer Vernehmung erfahren." Meine Bitte, noch einmal nach Hause gehen zu können, um meine Sachen zu holen, wurde mir abgeschlagen. Man glaubte offenbar, ich wolle fliehen. Jedoch daran hatte ich nicht gedacht. Sodann führte mich der Sekretär ins Polizeigefängnis. Als die Türe des Gefängnisses sich hinter mir schloß, hatte ich keine Ahnung, daß ich nun vier Jahre von der Außenwelt abgeschnitten sein sollte. Ich kannte dieses Gefängnis schon. Ich hatte nämlich einige Monate vorher einen eingesperrten Konfrater dort besucht. 37 Die Zeit im Gefängnis Wuppertal und Düsseldorf Das Polizeigefängnis Wuppertal, das im Stadtteil Barmen neu erbaut wurde, ist ganz modern eingerichtet. Es besteht aus fünf Stockwerken mit je 14 Zellen. Der vierte Stock ist das Frauengefängnis. Jede Zelle ist luftig und sauber. In ihr steht ein kleiner Tisch mit Hocker, ein kleiner Wandschrank; ein an die Wand tagsüber aufklappbares Bett und in der vorderen Ecke ein Abort mit fließendem Wasser. Die Fenster sind vergittert und so hoch angebracht, daß man nur ein Stück des Himmels sieht. Zu den einzelnen Stockwerken führen an beiden Enden zwei Treppen, eine Eisenkonstruktion. Im Erdgeschoß sind zwar auch noch einzelne Gefangenenzellen, die meisten Räume aber waren Büros für die Beamten. Ein elektrischer Aufzug verbindet die einzelnen Stockwerke miteinander. Auch ist für eine anständige Badegelegenheit gesorgt. Im Kellergeschoß sind einzelne Arbeitsräume für die Gefangenen, ferner eine Zelle, in die widerspenstige Gefangene eingesperrt wurden. Ich wurde sofort zum Aufnahmebüro geführt. Der Polizeiwachtmeister Kralle, wie auch die anderen Beamten, die mich kannten, wunderten sich sehr über meine Verhaftung. Kralle begrüßte mich erstaunt mit den Worten: ,, Herr Direktor, was wollen Sie denn hier?' ,, Man hat mich festgenommen." ,, Was? Gerade Sie! Sind die Kerle denn verrückt geworden? Was sollen Sie denn getan haben?" ,, Ich weiß noch nicht, warum ich hier bin. Nun, auch das wird vorübergehen!" ganzen Tag. Gefängnis. D Verbotenes, Im Büro mußte ich alles abgeben, was ich in meinen Taschen hatte, man ließ mir nur meinen Rosenkranz und meine Schnupftabakdose. Der Polizeimeister führte mich dann persönlich in meine Zelle. Er wies mir Nummer 77 an, eine Zelle, die etwas größer war als die übrigen. Er sagte mir, er wolle die Türe auflassen und nicht abschließen. Ich mußte aber versprechen, mit den anderen Gefangenen nicht in Verbindung zu treten. Ich bat, der Gestapo zu sagen, sie möchte meiner Haushälterin und meinem Sekretariat mitteilen. daß ich verhaftet sei, und man möge von Hause die notwendigen Sachen bringen. Ferner bat ich die Gestapo um Erlaubnis, mich selbst zu beköstigen, da ich wegen meiner Zuckerkrankheit Diät bekommen müsse. Dies wurde mir gestattet, ebenfalls die Insulinspritze, die ich mir von jetzt ab täglich selbst gab. Nach einer Stunde waren meine Haushälterin Fräulein Uehleke und Fräulein Husemann mit meinen Sachen bei mir. Ich durfte zu ihnen herunterkommen und mich mit ihnen unterhalten. Beide weinten über mein Miẞgeschick. Ich tröstete sie und bat, mir auch Bücher und Schreibzeug mitzubringen, da ich nun Zeit genug hätte, um zu arbeiten. Ich nenne die Namen dieser beiden Getreuen an dieser Stelle, weil ich ihnen zu großem Dank verpflichtet bin. Tag für Tag, ob es regnete oder schneite, bei bitterer Kälte, brachte mir Fräulein Uehleke das Mittagessen und die Verpflegung für den 38 Polizeimeiste später aber besuchte mich richtigem Da der Folgezeit sich durch di es kam sowe zugebracht h Wenn ich Gott der He In den erster Kralle nicht Zelle. Ich ha mich besuche öfteren vers nicht erhalte mit, bis die noch zehnma mit irgendei hat man ihn mühungen gedankt. Al wurden mit Zelle blieb gestattet. D nehmen dur in Verbindu war nun an Aus de gesetzt zu wird erhöht und nur au wenigstens sobald die einmal ein schlossen w erst verstan schen, der Totschlag Lift fahren Werden s mich? Wer Horf eu erbaut < en mit je luftig und ndschrank; Ecke ein hoch angemen Stockuktion. Im ten Räume et die eingelegenheit genen, ferachtmeister derten sich en Worten: Was sollen d vorüberhatte, man Der PolizeiNummer 77 ir, er wolle en, mit den Gestapo zu t mitteilen. gen Sachen beköstigen, Dies wurde ab täglich Jehleke und en heruntermein Mißzeug mitzudie Namen Dank verterer Kälte, ung für den ganzen Tag. Es war dies stets ein weiter Weg von meiner Wohnung bis zum Gefängnis. Der Eßkorb wurde täglich von Beamten nachgesehen, ob nichts Verbotenes, Briefe usw., darin versteckt waren. Die erste Zeit, solange Kralle Polizeimeister war, wurde diese Untersuchung sehr großzügig durchgeführt, später aber war es eine Qual für Fräulein Uehleke. Auch Fräulein Husemann besuchte mich täglich, bis ihr dies von der Gestapo verboten wurde. Mit aufrichtigem Danke gedenke ich besonders ihrer an dieser Stelle. Was sie in der Folgezeit für mich getan hat, kann ich ihr nie mehr gutmachen. Sie ließ sich durch die Drohungen der Gestapo nicht abhalten, für mich zu sorgen, ja, es kam soweit, daß man sie ins Frauenlager einwies, wo sie eineinhalb Jahre. zugebracht hat. Wenn ich meine ganze Gefangenenzeit übersehe, so muß ich sagen, daß Gott der Herr mich gleichsam stufenweise der schwersten Zeit entgegenführte. In den ersten Tagen war meine Haft durch das Bemühen des Polizeimeisters Kralle nicht schwer, aber bald spürte ich die Einsamkeit und Stille der Zelle. Ich hatte erwartet, daß gleich am anderen Tage Herr Dechant Brandt mich besuchen würde. Jedoch er kam nicht. Wie ich später erfuhr, hat er des öfteren versucht, bei der Gestapo die Erlaubnis zu erwirken. Er hat sie aber nicht erhalten. Die Gestapo- Stelle Düsseldorf habe es verboten, teilte man ihm mit, bis die Vernehmungen vorbei seien. Im Laufe der Zeit hat er mindestens noch zehnmal versucht, zu mir zu kommen. Er wurde entweder hingehalten mit irgendeinem Versprechen oder vertröstet auf spätere Tage. In Wirklichkeit hat man ihn stets belogen. Hier sei Herrn Dechanten Brandt für all seine Bemühungen und seine herzlichen und trostreichen Briefe von ganzem Herzen gedankt. Als nach 14 Tagen Kralle abgelöst wurde und sein Nachfolger kam, wurden mit einem Schlage die Vergünstigungen abgeschafft. Die Türe meiner Zelle blieb verschlossen, ein Besuch in den unteren Räumen war nicht mehr gestattet. Das Essen, das ich bisher unten im Beisein meines Fräuleins einnehmen durfte, wurde in die Zelle geschickt. Ich durfte mit niemandem mehr in Verbindung treten. Besuch durfte ich von da ab nicht mehr empfangen. Ich war nun angewiesen auf meine kleine Zelle von 3 m Länge und 2½ m Breite. Aus dem freien Leben plötzlich herausgerissen und hinter Eisengitter gesetzt zu werden, bedeutet für jeden Menschen eine unsagbare Qual. Sie wird erhöht, wenn er nicht arbeiten darf, kein Buch, keine Zeitung lesen kann und nur auf sich selbst angewiesen ist. Ich hatte es besser als andere, weil ich wenigstens lesen und schreiben durfte. Ein ganz eigenes Gefühl befiel einen, sobald die Tür abgeschlosen war und man warten mußte, bis sich wieder einmal ein Beamter zeigte. Abends, wenn die Zelle für die Nachtzeit verschlossen wurde, ging mit großem Geräusch von außen ein Riegel vor. Jetzt erst verstand ich den Ausdruck: ,, Hinter Schloß und Riegel." Für einen Menschen, der wirklich schwere Schuld auf sich geladen hat, der einen Mord oder Totschlag begangen, muß es geradezu unerträglich sein, wenn er plötzlich den Lift fahren hört oder das Gerassel mit den Schlüsseln an sein Ohr dringt: ,, Werden sie mich jetzt zur Vernehmung holen? Haben sie Beweise gegen mich? Werden sie mir die Tat nachweisen können?" So wühlen die ankla39 genden Fragen in seiner Seele. Bei Tag und Nacht ist er auf der Hut, um sich ja nicht zu verraten. Bis er dann eines Tages zusammenbricht und ein Geständnis ablegt, ablegen muß, weil er die Qual nicht mehr ertragen kann. Ich war freitags verhaftet worden, wartete bei bester Stimmung auf meine Vernehmung und hoffte, auf Grund meiner Schuldlosigkeit, bald wieder entlassen zu werden. Der erste Sonntag im Gefängnis war betrübend. Als ich am Morgen die Glocken läuten hörte, übermannte mich das Gefühl der Verlassenheit, überfiel mich die Sehnsucht nach einem Gottesdienst und Kommunionempfang. Ich setzte mich hin und hielt mir selbst eine Predigt, das gab mir Trost. In den Gestapogefängnissen fand ja kein Gottesdienst statt. Als Priester mußte man auf alles verzichten, nur das Breviergebet war mir gestattet. Ich richtete mir den Tag so ein, daß er mit Beten, Lesen und Schreiben verhältnismäßig rasch vorüberging. Um sechs Uhr wurde aufgestanden, und am Abend um neun Uhr wurde das Licht gelöscht. Am Morgen traf man im Waschraum mit den anderen Häftlingen zusammen, jedoch war es verboten, miteinander zu sprechen. Meine Zelle brauchte ich nicht sauber zu machen, das besorgte ein Mitgefangener, den man ,, Kalfakter" nannte. Ich gab ihm von meinem Essen mit, da er immer Hunger hatte. Als ich eines Tages sah, mit welchem Appetit er sein Schwarzbrot aß, meinte ich, das brächte ich nicht fertig, dieses Brot so trocken zu essen. Er antwortete mir: ,, Sie haben noch keinen Hunger kennengelernt. Auch Sie werden noch einmal das trockene Brot gerne essen." Ich hatte damals nicht geglaubt, daß dies später auch für mich bitterste Wahrheit würde. Am Dienstagabend wurde ich endlich zur Vernehmung gerufen. Ein Assistent der Gestapo war beauftragt, das Protokoll zu machen. Hieraus erkannte ich, daß die ganze Vernehmung nur eine Formsache blieb und man bei der Gestapo schon überzeugt war, daß ich unschuldig sei. Es handelte sich um die Abschrift und das Verbreiten der Predigten des Bischofs von Galen. " rechtlicher Ka lichkeit aus i rotten, wenn hatte, weil V Der Krim nichts zu wiss Ich fragte mi Naivität und Ich konnte mit gutem Gewissen sagen, daß ich mit all diesen Dingen nichts zu tun hatte. Interessant war bei dieser Vernehmung eine Bemerkung des Assistenten über den Inhalt einer Predigt: Wie kann der Bischof von Gestapokellern sprechen, in denen die Leute gequält und zu Tode gepeinigt werden? Haben Sie hier bei uns solche Keller gesehen? Man müßte den Bischof eigentlich zur Verantwortung ziehen." Ob sich der Herr Assistent wohl ebenso klar war über die Inkonsequenz der nationalsozialistischen Justiz, daß man den Urheber der Predigten und Briefe unbehelligt ließ, während man jeden, der diese öffentlich gehaltenen Vorträge weiter verbreitete, mit Verfolgung und Einkerkerung bedrohte? und zu Henk einer mit Ko Ich mußte derartigen Ke Tatsachenberi Dieser Fall ist einer von Hunderten, in dem sich die ganze Unsicherheit und Haltlosigkeit der Rechtsprechung des Dritten Reiches offenbarte. Was man Recht nannte, war in Wahrheit Willkür und Gewalt. Mit kalter, ja zynischer Grausamkeit und Skrupellosigkeit setzte man sich über bestehende Gesetze, über verbriefte und beschworene Privat- und Staatsverträge hinweg. Nur so konnte man die vom Nationalsozialismus selbst feierlichst im Staatsgrundrecht verankerte Bekenntnisschule beseitigen, konnte die Vermögen 40 anders antwo im Gefängnis Er erzählte a Keller einges Zwei Jahre ha waren oft gr Oberstleutnan Oberst des t sollte Gehein ihn, und ein einer der Pe durch beide nächsten Ver Entweder oder er war dann wieder Ich konnte Eines Tages Essen für mi die anderen. und besichtig barschem To von Galen ging er hinau Pfaffe in dies eine andere Die Behandl wirklicher Ei durfte ich ei Durch di Ich verlangt Zuckerbestim Hut, um und ein gen kann. auf meine eder entAls ich der Vernd Kom, das gab statt. Als mir gend Schreiestanden, traf man verboten, machen, gab ihm Tages sah, ich nicht aben noch kene Brot für mich Vernehtokoll zu Formsache muldig sei. ligten des gen nichts kung des schof von gepeinigt müßte den Assistent alistischen lieb, wäherbreitete, msicherheit arte. Was r, ja zynihende Gee hinweg. im StaatsVermögen rechtlicher Körperschaften beschlagnahmen, konnte jede unliebsame Persönlichkeit aus ihrer Stellung entfernen, konnte sogar ganze Sippen brutal ausrotten, wenn sich ein Mitglied irgendwie gegen den Naziwahn aufgelehnt hatte, weil Vernunft oder Gewissen es ihm gebot. Der Kriminalassistent, der mich verhörte, schien von all diesen Dingen nichts zu wissen, wie überhaupt alle Gestapoleute unwissend zu sein schienen. Ich fragte mich immer: wo liegt bei ihnen die Grenze zwischen politischer Naivität und dämonischer Schurkerei, die sie zu Handlangern der Unterwelt und zu Henkern des Dritten Reiches herabwürdigten, und alles das im Namen einer mit Kot und Schmutz besudelten ,, Gerechtigkeit"? Ich mußte damals dem Assistenten gestehen, daß ich in Wuppertal keine derartigen Keller gesehen hätte. Aber hätte ich gewußt, was ich später durch Tatsachenberichte von Kameraden aus dem Lager erfuhr, ich hätte ihm ganz anders antworten können. Es sei hier nur einiges vorweggenommen. Ich lernte im Gefängnis Düsseldorf den Geheimen Kommerzienrat Pochwatt kennen. Er erzählte aus seiner Haft in Koblenz. Man hatte ihn in einen dunklen Keller eingesperrt und dort fürchterlich geschlagen und mit Füßen getreten. Zwei Jahre hat diese Qual gedauert. Die Vernehmungsmethoden der Gestapo, waren oft grauenhaft, wie ich dies einwandfrei später feststellen konnte. Ein Oberstleutnant Vaua aus Prag erzählte mir von seiner Gefangenschaft. Ein Oberst des tschechischen Generalstabes, der mit ihm verhaftet worden war, sollte Geheimnisse seines Landes verraten. Die Gestapo quälte ihn, schlug ihn, und eines Tages, als er immer noch keine Mitteilungen machte, nahm einer der Peiniger eine glühend gemachte Stopfnadel und stieß ihm diese durch beide Hoden. Der Schmerz war so furchtbar und seine Furcht vor der nächsten Vernehmung so groß, daß er sich in der Nacht das Leben nahm. Entweder hatte der junge Mann von all diesen Dingen keine Ahnung, oder er war ein Lügner. Die Vernehmung dauerte eine Stunde. Ich wurde dann wieder in meine Zelle geführt. Drei Monate hörte ich nichts mehr. Ich konnte mir gar nicht erklären, warum man mich eigentlich festhielt. Eines Tages wurde mir eine Zelle im Erdgeschoß angewiesen, weil man das Essen für mich nicht mehr herauftragen wollte. Diese Zelle war größer als die anderen. Da erschien der Polizeipräsident, ein früherer Volksschullehrer, und besichtigte das Gefängnis. Er kam in meine Zelle und fragte mich in barschem Tone: ,, Warum sind Sie hier?" ,, Ich soll die Predigten von Bischof von Galen verbreitet haben!" So, also Untersuchungsgefangener!" Dann ging er hinaus. Draußen vor der Türe hörte ich ihn sagen: ,," Warum ist der Pfaffe in dieser Zelle, der ist nicht mehr als die anderen. Er bekommt sofort eine andere Zelle. Verstanden!" So wurde ich dann auf Zelle 49 verlegt. Die Behandlung war von da ab viel schärfer. Es begann für mich die Zeit wirklicher Einzelhaft. Nur morgens, wenn meine Zelle rein gemacht wurde, durfte ich eine Zeitlang auf den Flur. Durch die Aufregungen der letzten Tage hatte mein Herz sehr gelitten. Ich verlangte, dem Gefängnisarzt vorgestellt zu werden, und bat um eine Zuckerbestimmung. Beides geschah. Von draußen wurde daran gearbeitet, über 41 So g den Gefängnisarzt meine Haftunfähigkeit zu erwirken und womöglich meine Überführung in ein privates Krankenhaus zu veranlassen. Wie man mir später mitteilte, hatte der Arzt die Diagnose gestellt: ,, Nur haftfähig bei Zuckerdiät und guter Behandlung." Dies hatte zur Folge, daß man mir die Zellentüre wieder aufließ, so daß ich tagsüber auf dem Flur auf und ab gehen konnte. Eines Tages erhielt ich einen lieben Besuch in meiner Zelle. Es war ein pensionierter evangelischer Pfarrer, dessen Namen ich leider vergessen habe. Er hatte die Erlaubnis, die Gefangenen besuchen zu dürfen. Er sprach mir Trost zu und gab mir, bevor er ging, den Segen mit einem herrlichen kurzen Gebet. Auch meine Schwägerin erhielt einmal die Erlaubnis, mich zu besuchen und mir das Essen zu bringen. Sie war entsetzt über die Enge der Zelle und weinte bitterlich. war kau diesem Herr Po protestie es unter lassen. Es waren neue Beamte eingeteilt worden. Nur einer war geblieben, der Hauptwachtmeister Buchholz, vor dem ich eine besondere Hochachtung hatte. Es war Advent geworden, ein Advent, den ich nie so innerlich erlebt hatte wie jetzt in der einsamen Gefängniszelle. Sehnsucht ging durch meine Seele, Sehnsucht nach Frieden und Freiheit. Wie anders klangen aus meiner Zelle die herrlichen, sehnsuchtsvollen Adventslieder. Ach, wie hätte ich glauben können, daß ich Weihnachten nicht zu Hause wäre, ja, daß es Jahre dauern würde, bis ich wieder einmal die Meinigen begrüßen durfte! Hatte ich mich in den ersten Wochen aufgebäumt gegen mein Geschick, so war jetzt Herzensfriede eingezogen, denn ich hatte das größte Glück, den eucharistischen Heiland bei mir in der Zelle zu haben. Heimlich wurde mir die heilige Kommunion von jetzt ab jeden Sonntag gebracht, und so konnte ich jeden Sonntagmorgen eine kleine Andacht halten und dabei zur heiligen Kommunion gehen. Es war wirklich für mich eine Erlösung. Die Einzelhaft fiel mir nicht mehr so schwer. Ich bin Es k erstes W die Glo nicht, e hereinge Christba Schmuck bemühte dacht z für alle nachtsta genen w Tag in Scharen frommes wenigst baren S worden Da mein Herz mir Schwierigkeiten machte, wechselten die Stimmungen zwischen froher Tapferkeit und niedergeschlagener Verzagtheit. Beweise treuen Gedenkens, die mir von draußen hereingeschickt wurden, gaben mir immer wieder Mut und stärkten das Bewußtsein, daß Gott mich ausersehen hatte, meinem Namenspatron ähnlich zu werden. Ich wußte, daß viel für mich gebetet wurde und daß man sich bemühte, meine Freilassung zu erwirken. Wer nie die enge Zelle eines Gefängnisses erlebte, hat nicht jene stille Einsamkeit gespürt, er weiß nicht, was dieses Gefangensein für einen Menschen bedeutet, der von morgens bis abends geschafft und sich um die Not seiner Mitmenschen Sorgen gemacht hat. Plötzlich herausgerissen aus allem Schaffen und hineingestoßen zu werden in eine grauenvolle Einöde, bedeutet eine außerordentliche Belastung. Ich hatte wenigstens Bücher und konnte studieren. In anderen Zellen aber saßen Gefangene, die den ganzen langen Tag ohne Beschäftigung waren. Ich fühlte, daß das Nichtarbeitendürfen im Gefängnis eine arge Erhöhung der Strafe der Haft bedeutet. Eine weitere Qual war es, daß man tagelang mit niemandem sprechen konnte. Wie mochte es wohl sein, wenn dazu noch Hunger kam. Auch das sollte ich später kennenlernen. 42 und im war nic wartete gekomm nie der gen soll Als der Fra festgeha Sie ank sie Ihne kungen auf sie Wupper sagen Nun w doch al Komme Zwei öglich meine un mir später bei Zuckerr die Zellennd ab gehen e. Es war ein rgessen habe. Er sprach mir lichen kurzen zu besuchen Her Zelle und geblieben, der achtung hatte. herlebt hatte meine Seele, meiner Zelle e ich glauben Jahre dauern Hatte ich mich jetzt Herzensristischen Heieilige Kommujeden Sonntagmunion gehen. mir nicht mehr ie Stimmungen heit. Beweise den, gaben mir mich ausersehen , daß viel für lassung zu erhat nicht jene msein für einen and sich um die ausgerissen aus Einöde, bedeuher und konnte nzen langen Tag dürfen im Gene weitere Qual Wie mochte es später kennenSo gingen die Tage dahin. Einer wie der andere ohne Abwechslung. Es war kaum zu ertragen. Es kam der 17. Dezember, mein Geburtstag. An diesem Tage erhielt ich so viele Gratulationen und Treuegedenken, daß der Herr Polizeimeister sich bemüßigt fühlte, zu mir zu kommen und dagegen zu protestieren. Er meinte, das sähe so aus wie eine Kundgebung, und man müsse es unterbinden. Trotzdem hat er mir in der Folgezeit alle Post hereinreichen lassen. Ob es alle Briefe waren, entzieht sich natürlich meiner Kenntnis. Ich bin überzeugt, daß die Gestapo eine ganze Reihe unterschlagen hat. Es kam das heilige Weihnachtsfest. Weihnachten im Gefängnis! Mein erstes Weihnachtsfest im Gefängnis! Wie soll ich es schildern! Als am Abend die Glocken von Laurentius läuteten, kamen mir die Tränen. Ich schäme mich nicht, es offen einzugestehen. Irgendwelche Weihnachtsgaben, die man mir hereingebracht hatte, waren mir nicht abgeliefert worden. Selbst ein kleines Christbäumchen wurde mir nicht gegeben, und meine Zelle blieb ohne Schmuck. Nur den Heiland hatte ich in der heiligen Eucharistie bei mir. Ich bemühte mich am Weihnachtsmorgen, eine besonders schöne und stille Andacht zu halten. Während unter Kralle jedes Jahr eine gemeinsame Feier für alle Gefangenen gewesen war, fiel sie in diesem Jahre aus. Der Weihnachtstag war wie jeder andere Sonntag, still und ohne Arbeit. Alle Gefangenen waren eingesperrt. Ich war mit meinen Gedanken natürlich den ganzen Tag in St. Laurentius, erlebte die heiligen Messen, das Hochamt, sah die Scharen der Gläubigen zur Kirche strömen und wußte, daß viele ein stilles frommes Gebet mir schenkten. Die meisten hatten geglaubt, ich sei doch wenigstens Weihnachten zu Hause. Jedoch sie kannten nicht die so furchtbaren Strafmaßnahmen der Gestapo gegen Menschen, die ihr unangenehm geworden waren. Auch das Weihnachtsfest ging vorüber, es kam das neue Jahr, und immer war noch keine Entscheidung gefallen. Auch eine Vernehmung war nicht mehr erfolgt. Manfeld hüllte sich in Schweigen. Ich wartete und wartete von Tag zu Tag. Ich hatte das Empfinden, daß ein neuer Grund dazu gekommen sein mußte, weshalb man mich noch festhielt. Es kam mir aber nie der Gedanke, daß meine Haft einmal in einem Konzentrationslager endigen sollte. Als ich an einem Morgen auf dem Flur auf und ab ging, sah ich auf der Frauenstation Frau E., und nun wußte ich, weshalb man mich so lange festgehalten hatte. Es war Frau E. möglich, mir rasch zuzuraunen: ,, Man will Sie anklagen, weil Sie mit uns freundschaftlich verkehrt haben. Dazu wollen sie Ihnen nachweisen, daß Sie in unserer Familie abträgliche politische Bemerkungen gemacht haben." Mehr konnte sie nicht sagen, da die Aufseherin auf sie aufmerksam geworden war. Sie selbst hatte man von Stuttgart nach Wuppertal ins Gefängnis gebracht, offenbar, um sie mir bei meinen Aussagen gegenüberzustellen. Zu einer Gegenüberstellung ist es nie gekommen. Nun wußte ich, was die nächsten Vernehmungen mir bringen würden, und doch ahnte ich nicht, worauf alles hinausgehen sollte. Ich sah in Ruhe allem Kommenden entgegen, denn ich hatte mir keinerlei Vorwürfe zu machen. Zwei Tage später wurde ich gerufen, und nun begannen sechs Verneh43 mungen, über deren Gründlichkeit ich mich wunderte. Ich merkte bald, daß Frau E. in ihrer Einfalt alles, erzählt hatte, was irgendwie über mein Verhältnis zur Familie zu erzählen war. Ich hatte nichts zu verschweigen und brauchte mich nach meiner Überzeugung nicht zu schämen, daß ich oft der Familie E. in ihrer Not geholfen hatte. Faustschlag ins wie es unwill mit meiner Fa für mich, pro leumdung, for wurde mir je Maßnahme de Brennpunkt d wußten Recht Feme, die jed Gericht zu ein bübt hatte. Ungezählte renden Gehein Opfer gefallen im Hintergun zitterten. Jede darum bat, ni zusprechen. Er heimen Staats Ich hielt zur Zeit in Stuttgart meine Kanzelvorträge. In einer der Aussprachestunden lernte ich Frau E. kennen. Sie bat mich, ihr und ihrer Familie zu helfen, nach Amerika auszuwandern. Sie erzählte mir, daß sie selbst katholisch geworden sei, ihr Mann und ihre Kinder aber noch jüdisch seien. Bischof Dr. Sproll habe sie gefirmt, und seitdem unterhalte sie zu ihm freundschaftliche Beziehungen. Da mir diese Erzählung zuerst sehr eigentümlich erschien, nahm ich mir vor, den Bischof in seiner Verbannung im Kloster St. Ottilien bei Augsburg zu besuchen und ihn persönlich zu fragen. Bei meinem Besuche sprachen wir auch über Frau E. Der Hochwürdigste Herr bat mich, von jetzt ab für die Familie sorgen zu wollen, da sie sehr arm geworden sei. Als ich dann wieder in Stuttgart war, besuchte ich die Familie E. in ihrer kleinen Wohnung und bemühte mich, ihr so gut zu helfen, wie ich nur konnte, Ich war in drei Jahren viermal bei ihnen. Ich lernte Herrn E. als einen sehr lieben Menschen kennen, der als Frontkämpfer draußen gestanden und mit Auszeichnungen nach Hause gekommen war. Mit ihm unterhielt ich mich über unsere Kriegserlebnisse. All dies war der Gestapo schon bekannt, ebenso der Briefverkehr, der heimlich überwacht worden war. Ich schrieb stets an Herrn und Frau E., und beide ebenso an mich. Bei der fünften Vernehmung eröffnete mir Kriminalsekretär Manfeld, daß ich wegen Rassenschande angeklagt sei. Damit war das Stichwort gefallen, mit dem man mich vernichten wollte. Meine Predigten, die Abschriften der Predigten des Bischofs von Galen hätten an sich zwar vollkommen genügt, um mich der Gestapojustiz zu überantworten, aber man wollte das Volk über die wahren Motive hinwegtäuschen, man wollte keine Märtyrer schaffen. Nach außen hin sollte wenigstens ein Schein der Gerechtigkeit erhalten bleiben. Man wollte noch mehr: Das katholische Volk sollte in seinem Kern erschüttert werden, indem seine geistlichen Führer wie dies schon im Fall der Sittlichkeitsprozesse geschehen war mit dem Makel sittlicher Verworfenheit gebrandmarkt werden sollten. Das im Nürnberger Gesetz am 15. September 1935 proklamierte ,, Blutschutzgesetz" sollte hierfür eine ganz besonders wirksame und teuflische Waffe liefern. Dieses ,, Blutschutzgesetz" war das höchste Gebot im nationalsozialistischen Dekalog, sollte es doch die deutsche Art und die deutsche Ehre schützen. Damit war ein weiter Rahmen gespannt, groß genug, um unzählige Menschen, die sich durch direkten Protest gegen den Nationalsozialismus, durch natürliches Humanitätsempfinden, christliche Caritas, geschäftliche Rücksichten usw. veranlaßt sahen, den Nürnberger Gesetzen zu widersprechen, zu Fall zu bringen. Bei einem katholischen Priester war, so hoffte man, zudem in der Verstrickung mit jenem Parteigesetz ein besonders wirksames Gift ausgelegt, um ihn dem Fluche der moralischen Vernichtung preiszugeben. Als man mir erstmalig die Anklage wie einen 44 - - sich oft vor Fallstricken de rüstung vor So fragte den ein Angeklagt einmal beweis ersichtlich gew nehmungsakte Im Hauptsiche Gefängnis Du halt hatte und Er gefäh durch sein Ve Staates, indem Verwirrung in Staatsführung menhalt der freundschaftlic dächtig ist." Ich sandte wahrte mich auch nie bew In Elberfeld w fallen gelassen berichtete in bald, daß mein Vereigen und hoft der der Auser Familie ost kathon. Bischof m freundumlich erKloster St. ei meinem mich, von n sei. Als er kleinen te, Ich war ehr lieben mit Ausmich über ebenso der an Herrn mung erhande anvernichten chofs von stapojustiz we hinwegsollte wewollte noch Hen, indem itsprozesse randmarkt 35 proklasame und ste Gebot rt und die groß ge gegen den liche Cariperger Geen Priester igesetz ein moralischen wie einen Faustschlag ins Gesicht schleuderte, wußte ich nicht, sollte ich darüber lachen, wie es unwillkürlich zunächst geschah, oder sollte ich ihr in gleicher Weise mit meiner Faust parieren. Als Manfred jedoch bemerkte, es sei sehr ernst für mich, protestierte ich entrüstet und energisch gegen eine solche Verleumdung, forderte einen Rechtsanwalt und ein ordentliches Gericht. Es wurde mir jedoch bedeutet, dies werde nicht geschehen, es sei nur eine Maßnahme der Geheimen Staatspolizei. Hier stehen wir wieder in einem Brennpunkt der ganzen nationalsozialistischen Rechtsunsicherheit und bewußten Rechtsverdrehungen. Die Geheime Staatspolizei war die geheime Feme, die jeden jederzeit vernichten konnte, selbst wenn das ordentliche Gericht zu einem Freispruch kam oder ein Verurteilter seine Strafe verbüßt hatte. - Ungezählte Tausende sind dieser ohne Prozeß und Gesetzbuch operierenden Geheimjustiz im bürgerlichen Bereich wie in der Wehrmacht zum Opfer gefallen. Es ist nur zu verständlich, wenn die Angeklagten vor dieser im Hintergund jedes ordentlichen Gerichts lauernden ,, Schwarzen Hand" zitterten. Jedem Richter sind Fälle bekannt, wo ein Angeklagter flehentlich darum bat, nicht auf Freispruch zu erkennen, sondern eine Verurteilung auszusprechen. Er wußte, daß draußen vor dem Saale schon der Mann der Geheimen Staatspolizei stand, der ihn in Schutzhaft nehmen sollte. Jeder, der sich oft vorher vollkommen unklar über seine Lage- plötzlich in diesen Fallstricken der Gestapo entdeckte, stand fassungslos und in tiefster Entrüstung vor der unerbittlichen Tatsache einer absoluten Rechtlosigkeit. So fragte denn auch ich damals empört, ob denn im heutigen Deutschland ein Angeklagter sich verteidigen könnte. Man möchte mir diese Anklage doch einmal beweisen. Mir wurde aber weder ein Brief vorgelegt, aus dem dies ersichtlich gewesen wäre, noch wurde ich Frau E. gegenübergestellt. Die Vernehmungsakten wurden abgeschlossen und nach Düsseldorf weitergeleitet. Im Hauptsicherungsamt in Berlin sollte das Endurteil gefällt werden. Erst im Gefängnis Düsseldorf erhielt ich den Schutzhaftbefehl, der folgenden Inhalt hatte und von Heydrich unterzeichnet war: ,, Er gefährdet nach dem Ergebnis der staatspolizeilichen Feststellungen durch sein Verhalten den Bestand und die Sicherheit unseres Volkes und des Staates, indem er durch Verbreitung entstellender Nachrichten Unruhe und Verwirrung in weite Kreise der Bevölkerung trägt, damit das Vertrauen zur Staatsführung und den angesichts des Krieges besonders wichtigen Zusammenhalt der inneren Front untergräbt und überdies durch seinen engen freundschaftlichen Verkehr mit Juden der Rassenschande dringend verdächtig ist." Ich sandte damals sofort einen energischen Protest nach Berlin und verwahrte mich gegen eine solche Anklage, die absolut nicht bewiesen sei und auch nie bewiesen werden könnte, weil sie eine elende Verleumdung sei. In Elberfeld war auf Grund der Vernehmungen die Anklage auf Rassenschande fallen gelassen worden. Aber die Stelle in Düsseldorf hielt daran fest und berichtete in diesem Sinne nach Berlin. 45 Ich konnte mir nicht erklären, wie man zu einer solch ungeheuerlichen Anklage kommen konnte. Erst 2½ Jahre später, im Lager Dachau, sollte mir Aufklärung gegeben werden. Bei Vernehmungen, die ich noch schildern werde, las man mir einen an mich gerichteten Brief vor, der so abgefaßt war, daß er der Gestapo eine Handhabe bot, gegen mich vorzugehen. Zuerst war ich sprachlos, dann aber antwortete ich folgendes: ,, Zu diesem Schreiben habe ich zu sagen: 1. Ein solcher Brief ist nie in meine Hände gelangt. 2. Sie haben einen psychologischen Fehler begangen. Sie mußten diesen Brief zuerst photokopieren und dann in meine Hände gelangen lassen. Hätte ich auf Grund dieses Briefes noch weiter in der Familie verkehrt, so hätten Sie Grund gehabt, mich der Rassenschande zu verdächtigen. 3. Der Brief ist mit Schreibmaschine geschrieben. Es steht fest, daß die Absenderin keine Schreibmaschine besaß und sich nie dieser Form in der Korrespondenz bediente. 4. Die Unterschrift, die unter diesem Briefe steht, ist nicht die Unterschrift der Absenderin. Somit ist der Brief gefälscht." Man nahm überhaupt nicht Stellung zu meiner Behauptung, sondern ging sofort zu den anderen Vernehmungsfragen über. Ich teilte damals im Gefängnis Wuppertal die ganze Angelegenheit sofort meiner Sekretärin mit und bat sie, geeignete Schritte zu unternehmen, damit das Verfahren beschleunigt und zu Ende geführt würde. Man fuhr nun nach Düsseldorf, danach auch sogar nach Berlin zum Hauptsicherungsamt und bat, die Akten sobald wie möglich zu bearbeiten. Diesem Wunsche wurde anscheinend nicht stattgegeben, denn Ende Januar 1942 wurde ich wieder zu Vernehmungen gerufen. Manfeld teilte mir mit, daß ich auf Veranlassung Berlins einem Krankenhause überwiesen werden sollte zur Beobachtung meines Krankheitszustandes. Ein Privat- Krankenhaus aber komme nicht in Frage. Ich würde in den nächsten Tagen in das Bezirkskrankenhaus des Gefängnisses Düsseldorf eingeliefert. Manfeld meinte noch scheinheilig dazu, vielleicht könne der dortige Arzt mir zur Freilassung verhelfen, obwohl er ganz genau wußte, daß als kommender Aufenthalt für mich das Lager Dachau vorgesehen war. Sie war e zu fahren. M Schmidt erkun Am Morgen des 30. Januar 1942 sollte das Polizeiauto mich nach Düsseldorf bringen. Es hatte aber in der Nacht so stark geschneit, daß eine Autofahrt unmöglich war. Wir mußten also den Zug benutzen. Wir fuhren zum Bahnhof Unterbarmen und warteten dort auf den Zug, der 9 Uhr 45 kommen sollte aber mit großer Verspätung eintraf. Es war eisig kalt, und es lag hoher Schnee. Mein Begleiter war ein Kriminalassistent, der mir unterwegs erklärte, daß ich jede Unterhaltung mit Zivilisten unterlassen müsse. Der Zug kam, und ich war sehr erstaunt, als ich von einem Abteilfenster aus angerufen wurde. Es war Fräulein Schmidt, Mitglied des von mir in Elberfeld geleiteten Kaufmännischen Vereins, die während meiner Haft meiner Haushälterin stets geholfen und, Lebensmittel für mich besorgt hatte. 46 doch bald frei wegs wäre ge daran und w haftung zu Ha Sollte ich Eides Statt: ,, Ich fliehe worden se Ich nehme Gefängnisz Alles, was absolut. A als unwah Ich fürcht Aussagen zwi klärung fand ich mich von tragte sie, all für lange Jah Am Einga beamten. Wi dunkles Tord ich hier beges sei dies ein g nisbüro mußt und offenbar aufgenommen Das Gefängni Seiten hin di nen. Hier si Glockenzeiche er zu einer Ich wurde da ich bei mir meinen schwa ziehen müsse Nun sper das sei für la und mein He Die Zelle w Gefängnis. N fort den Gef uerlichen sollte mir schildern abgefaßt n. 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Ich nehme mir nie das Leben, deshalb kann ich mich auch nicht in der Gefängniszelle erhängt haben. Alles, was ich in den ersten Tagen meiner Haft aussage, dazu stehe ich absolut. Alles aber, was ich später aussagen werde, nehme ich hiermit als unwahr zurück." Ich fürchtete damals schon, daß man mich mit einem Medikament zu Aussagen zwingen wollte, die der Wahrheit nicht entsprächen. Meine Erklärung fand die Gestapo bei der Haussuchung. In Düsseldorf verabschiedete ich mich von Fräulein Schmidt, dankte ihr für ihre treue Sorge und beauftragte sie, alle zu Hause herzlichst von mir zu grüßen. Es war ein Abschied für lange Jahre! Am Eingang des Bahnhofs wartete ein Polizeiauto mit einem Gestapobeamten. Wir fuhren zu dem alten Gefängnis auf der Ulmer Höhe. Ein dunkles Tor öffnete sich. Ich wurde hineingeführt, und die erste Person, der ich hier begegnete, war eine katholische Krankenschwester. Ich glaubte, es sei dies ein gutes Omen, jedoch hatte ich mich getäuscht. Vor dem Gefäng-nisbüro mußte ich warten, während die Herren der Gestapo hineingingen und offenbar hier ihre Befehle abgaben. Sodann wurden meine Personalien aufgenommen, und man führte mich ins Gefängnis, und zwar zur Zentrale. Das Gefängnis ist ein Zentralbau, in dem von einer Stelle aus nach allen Seiten hin die einzelnen Gänge mit ihren Zellen beaufsichtigt werden können. Hier sitzt ein Beamter, der die einzelnen Tageszeiten durch ein Glockenzeichen angibt. In diese Zentrale muß auch jeder Gefangene, bevor er zu einer Vernehmung oder zum Empfang seines Besuches abgeholt wird. Ich wurde dann zum Effektenraum geführt, wo ich alles abgeben mußte, was ich bei mir hatte. Als der Beamte sah, daß ich Geistlicher war, konnte ich meinen schwarzen Anzug behalten, sonst hätte ich die Sträflingskleidung anziehen müssen. Nun sperrte man mich in eine enge, dunkle Zelle. Ich glaubte zuerst, das sei für lange Zeit mein Aufenthalt. Da übermannte mich ein Grauen, und mein Herz verzagte. Ich erlebte einen schlimmen Nervenzusammenbruch. Die Zelle war fürchterlich. Ich bekam eine Vorstellung von einem alten Gefängnis. Nach einiger Zeit erschien ein Beamter, sah mich und rief sofort den Gefängnispfarrer, der gerade im Hause war und mich kannte. Ich 47 wurde einem jungen Arzt vorgeführt, erklärte ihm, daß ich zuckerkrank sei, und wünschte mit anderen Gefangenen zusammengelegt zu werden. Daraufhin hat er mich in den Krankensaal Nr. 11 verwiesen. . Das also war das Krankenhaus, in das ich eingeliefert werden sollte- eine Revierstube-. Das Bezirkskrankenhaus war ein Neubau, der nicht im Gefängnis, jedoch innerhalb der Umfassungsmauern stand. Hier gab es Einzelzellen und Gemeinschaftsräume. Es kamen nur solche Gefangene hinein, die entweder hohes Fieber hatten oder operiert werden mußten. Ich blieb in der Revierkrankenstube. Als ich in die Stube 11 geführt worden war und die Tür sich geschlossen hatte, stand ich fünf Mitgefangenen gegenüber, von denen die markanteste Persönlichkeit der Geheime Kommerzienrat Pochwatt war. Er war schon zwei Jahre vorher verhaftet worden und hatte in den Gestapokellern in Koblenz Furchtbares erlitten. Er war sehr abgemagert und hatte zu wenig rote Blutkörperchen. Er sah wirklich wie ein Skelett aus, so daß ihm unser ehrliches Mitgefühl galt, und doch betrieb er noch mit einer außerordentlichen Energie seine Freilassung. Er wollte einem privaten Krankenhaus in Düsseldorf überwiesen werden. In Stube 2 standen vierzehn Betten, von denen fünf besetzt waren, später wurden noch mehr belegt. In der Mitte stand ein Tisch mit mehreren Stühlen. Wir machten uns das Leben so angenehm wie möglich, und jeder bemühte sich, dem anderen ein helfender Kamerad zu sein. Pochwatt erzählte interessant aus seinem Leben. Ich selbst hielt an den Abenden einige Vorträge, die bei den Kameraden großen Anklang fanden. Was ich bisher noch nicht kennen gelernt hatte, war der Hunger. Ich bekam wegen meiner Zuckerkrankheit Diät. Morgens einen Schöpfer Suppe, um 10 Uhr ein Brötchen, mittags wieder eine Suppe, um 4 Uhr ein Brötchen und am Abend, wie die anderen Mitgefangenen, eine Suppe. Bald stellte sich ein unheimliches Hungergefühl ein, das kaum noch zu befriedigen war. Eines Tages besuchte mich meine Schwägerin, sie hatte ein paar Butterbrote bei sich. Ich erbat sie mir von ihr und aß sie mit Heißhunger. Und doch war dieser Hunger noch nichts gegen den Hunger später im Lager. Im Laufe war, konnte ic wurde. Eines s die Behandlung wurde den kri nun auf den G er die Kraft in gehen oder als wußtsein, kein handlung mich Es gab im Gefängnis auch eine Kantine. Man durfte alle 14 Tage einkaufen, und zwar in Höhe von 5 RM. Voraussetzung war natürlich, daß überhaupt etwas zu kaufen vorhanden war. Man konnte aber weder Brot noch Fleischwaren kaufen, sondern immer nur irgendwelche Gemüsearten, wie rote Beete, oder von Zeit zu Zeit deutschen Kaviar. Trotz dieser Einkäufe konnte man den Hunger nicht stillen. Es war nun gestattet, sich ein Mittagessen aus der Stadt kommen zu lassen. Einige von uns hatten sich die Erlaubnis durch ein besonderes Gesuch erbeten, zahlten täglich 5 RM und erhielten in einem Korbe täglich ihr Essen. Die Witwe eines Gefängnisbeamten war mit der Belieferung beauftragt. Sie hatte ungefähr für 50 Mann zu sorgen und verdiente an dem Mittagessen eine schöne Summe Geldes, denn allzuviel lieferte sie nicht für die 5 RM. Es mochte dies auch mit den allgemeinen Verhältnissen zusammenhängen. 48 gegen, wie es Jeder Gefa melden. Man Arzt saß, an eine halbe Min der Arzt den überlastet, als auch noch der Sehr freun pfarrer, der t benswürdige A Sonntag hatte übrigen streng tag konnte i teilnehmen. Der Herr ging er durch Gefangenen z Bittsteller". mußte er sich gang. Man Herrn Oberin mußte unten antreten, und haltung war melden und Bitte abgesch hatte. Im üb Man war ebe Mörder. Von und vernünft zufrieden zu ein junger B pflichtbewußt anständig un Dachau rank sei, Daraufhin sollte- nicht im gab es me hinein, Ich blieb eschlossen arkanteste chon zwei Koblenz rote Blutehrliches dentlichen n Düsselon denen tte stand angenehm Kamerad t hielt an Anklang unger. Ich fer Suppe, Brötchen stellte sich war. Eines rbrote bei doch war Tage einürlich, daß weder Brot arten, wie Einkäufe in Mittagich die ErRM und Gefängnis50 Mann eldes, denn it den allIm Laufe der sechs Wochen, in denen ich in Düsseldorf im Gefängnis war, konnte ich beobachten, wie die allgemeine Gefängnisordnung beobachtet wurde. Eines sei sofort hervorgehoben. Das Leben in diesem Gefängnis und die Behandlung waren schlechter als im Gestapogefängnis in Wuppertal. Man wurde den kriminellen Schwerverbrechern vollkommen gleichgestellt. Es kam nun auf den Gefangenen selbst an, wie er sich seine Haft gestaltete, d. h. ob er die Kraft in sich hatte, seelisch ungeschwächt durch die Gefängniszeit zu gehen oder als Schwächling zu jammern und um Gnade zu betteln. Im Bewußtsein, keine Schuld auf mir zu haben, konnte auch die schlechteste Behandlung mich nicht aus der Fassung bringen. Ich nahm alles in Ruhe entgegen, wie es kam. Jeder Gefangene konnte sich, wenn er sich krank fühlte, beim Arzt melden. Man trat dann in einer langen Reihe vor der Zelle, in der der Arzt saß, an und wurde vorgeführt. Die Vorführung dauerte in der Regel eine halbe Minute. Nur wenn offenkundig Fieber vorhanden war, untersuchte der Arzt den Kranken eingehender. Im übrigen war der Medizinalrat viel zu überlastet, als daß er sich mehr Zeit hätte nehmen können. Ihm war nämlich auch noch der letzte und einzige Assistenzarzt weggenommen worden. Sehr freundlich und von den Gefangenen geachtet war der Gefängnispfarrer der täglich die einzelnen Zellen und auch uns besuchte. Seine liebenswürdige Art, sein gütiges Wort des Trostes und seine gute Predigt am Sonntag hatten ihm die Herzen der Gefangenen gewonnen. Er hielt sich im übrigen streng an die Vorschriften der Gefängnisordnung. Am ersten Sonntag konnte ich nach drei Monaten wieder einmal an einem Gottesdienst teilnehmen. Der Herr Oberaufseher war eine besondere Persönlichkeit. Stolz, unnahbar ging er durch das Haus und wußte stets die Distanz zwischen sich und den Gefangenen zu wahren. Eine ganz besondere Einrichtung war der sogenannte ,, Bittsteller". Hatte ein Gefangener eine Bitte an die Verwaltung, dann mußte er sich wöchentlich melden. Am Mittwochmorgen war dann der Bittgang. Man wurde nun entweder dem Herrn Oberregierungsrat oder dem Herrn Oberinspektor vorgeführt. Am Morgen verließ man die Zelle und mußte unten im Flur in einer langen Reihe mit den anderen Gefangenen antreten, und zwar jeder einen Meter von dem anderen entfernt. Jede Unterhaltung war verboten. Kam man ins Zimmer, mußte man sich militärisch melden und kurz und knapp seine Bitte äußern. In der Regel wurde jede Bitte abgeschlagen, so z. B. auch mir, als ich um einen Füllfederhalter gebeten hatte. Im übrigen merkte man auch hier eine kalte, unnahbare Ablehnung. Man war eben ein Mensch zweiter Klasse, genau wie jeder Verbrecher und Mörder. Von den Gefängnisbeamten waren die meisten anständige, ruhige und vernünftige Leute. Nur einer schien mit sich und der ganzen Welt nicht zufrieden zu sein und schnauzte den ganzen Tag umher. Unser Aufseher, ein junger Beamter, verdient ein Wort der dankbaren Anerkennung. Er tat pflichtbewußt seinen Dienst, behandelte aber die einzelnen Gefangenen sehr anständig und korrekt. Manche überspitzte Schärfen, die das Gefängnisleben Dachau 49 mit sich brachte, wußte er abzuschwächen, ohne sich in seinem Dienste etwas zu vergeben. Eines Tages wurde ich gerufen. Ein Gestapobeamter legte mir einen roten Zettel vor, auf dem die Worte standen: ,, Schutzhaftbefehl!" Ich sollte unterschreiben, daß ich diesen Zettel gelesen hätte. Nach einigem Sträuben tat ich es, aber unter dem Vorbehalt, daß ich mit dem Inhalt dieses Befehls nicht einverstanden sei. Nun wußte ich bestimmt, daß ich in ein Konzentrationslager kommen würde. Als ich zur Stube 11 zurückkam, schrieb ich sofort an das Hauptsicherungsamt in Berlin und protestierte in aller Form gegen die im Schutzhaftbefehl enthaltenen Anklagen. Ich forderte meine sofortige Freilassung. Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Eine Woche später wurde ich an einem Morgen herausgerufen. Man bedeutete mir, daß ich wegen meines Krankheitszustandes dem Polizeiarzt vorgeführt werden sollte. Ein Beamter brachte mich zu einer Polizeiwache der SS. Mit mir war noch eine Reihe männlicher und weiblicher Gefangenen erschienen. Nachdem wir im Flur mindestens eineinhalb Stunde gewartet hatten, wurden wir einzeln dem Arzte vorgeführt. Er fragte nach der Krankheit, untersuchte nicht lange, sondern unterschrieb einen Zettel, der vor ihm lag. Wie ich nachher erfuhr, wurde nur festgestellt, ob man transportfähig war. Dann wurden wir wieder weggebracht. Am Nachmittag um 4 Uhr erscholl plötzlich der Ruf: ,, Carls mit allen Sachen heraus!" Also Transport! Ich packte rasch meine Habe zusammen, dankte meinen Mitgefangenen und auch dem Stationsbeamten. Aus dem Effektenraum erhielt ich meine abgegebenen Sachen zurück und mußte den Empfang quittieren. Nur die Wertsachen, wie Uhr, Geldbörse usw. sollten uns nachgeschickt werden. Bevor wir aber aus der Türe heraustraten, um in den bereitstehenden Wagen zu steigen, nahm man uns auch den Handkoffer und die Pakete ab. Man sagte, alles würde nachgesandt werden. So hatte ich tatsächlich nichts weiter als nur ein Brötchen, das ich gerade vorher empfangen hatte. Was würde die Zukunft bringen? Die Spannung, in der man lebte, ließ zunächst den Hunger vergessen. Ich fragte, wohin man mich nun brächte. Die Antwort lautete: ,, Das weiß ich doch nicht!' Und so begann der Schub. Der Schub nach Dachau Es war am Dienstag, dem 10. März 1942. Vor der Türe wartete der Gefangenentransportwagen. In ihn wurden wir eingeschlossen und fuhren dann zum Frauengefängnis. Hier stiegen vier Frauen ein, sie wurden in besondere Zellen eingesperrt. Dann ging es zum Hauptbahnhof. An einem Seiteneingang hielt der Wagen. Wir stiegen aus und wurden in einer Kolonne zu zwei und zwei durch eine staunende Menge zum Bahnsteig 2 geführt. Das Publikum bildete Spalier. Was mochte wohl der einzelne denken, als er den Zug der 50 Gefangenen sa Interesse, der recht, es sind Mitgefühl für uns. Während Elberfeld, den Meinigen." Der Zug eines solchen wagen für G solche Zelle aufklappbaren mit rohen Ge hineingetriebe fluchen und Beine machen Türe zu. Das am Oberlicht len, an welche hielt der Zug ren Bahnhof, lich ausgela transportes. beamten stan in der Hand dachte niema und dann gin gelputz. Gan schlitz den I fuhren hinein wir im Flur teilt. Ein alt habe ich eine Stück trocken ausgedreht. alarm, der n Sofort nach kannte, spred zu sprechen Gegen 9 U verpflegung, wurst. Dana zwei Wagen portwagen v e etwas en roten e untertat ich ls nicht rationsofort an gen die ige Freie später wegen lte. Ein och eine wir im eln dem lange, erfuhr, wieder Carls mit zusamAus dem bte den sollten , um in ndkoffer hatte ich mpfangen an lebte, brächte. er Schub. tete der ren dann besondere neingang zwei und Publikum Zug der Gefangenen sah? Der eine staunte vielleicht, der andere zeigte überhaupt kein Interesse, der dritte mag wohl gedacht haben: das geschieht diesen Menschen recht, es sind ja doch alles Verbrecher. Ich sah niemanden, der irgendwie ein Mitgefühl für uns geäußert hätte. Polizeibeamte mit Karabinern begleiteten uns. Während wir nun auf den Zug warteten, sah ich einen Bekannten aus Elberfeld. dem ich zurufen konnte: ,, Es geht nach Dachau. Sagen Sie es den Meinigen." Der Zug kam, und nun erlebte ich zum ersten Male die Annehmlichkeiten eines solchen Schubs. Hinter dem Gepäckwagen befand sich der Transportwagen für Gefangene, der im Innern eine Reihe kleiner Zellen hatte. Eine solche Zelle maß ein Meter im Quadrat, hatte eine Sitzgelegenheit und einen aufklappbaren Tisch. Dem Wagen entstieg der Gefangenenwärter, ein Mensch mit rohen Gesichtszügen und einer fürchterlichen Stimme. Wir wurden nun hineingetrieben. Da es dem ,, Herrn" nicht rasch genug ging, begann er zu fluchen und drohte: ,, Vorwärts, vorwärts, ihr Hunde, sonst werde ich euch Beine machen!" Im Wagen stieß er mich in die Zelle hinein und schlug die Türe zu. Das Fenster war natürlich abgeblendet. Nur durch eine kleine Klappe am Oberlicht konnte man den Himmel sehen. Es war nicht möglich festzustellen, an welcher Station man hielt, oder wohin die Reise ging. An jeder Station hielt der Zug. Gegen 6 Uhr kamen wir in Köln- Deutz an, und zwar am unteren Bahnhof, der zum Ausstellungsgelände führt. Hier wurden wir buchstäblich ,, ausgeladen"; denn die Behandlung entsprach ja ganz der eines Viehtransportes. Auf dem Bahnsteig war ein großes Polizeiaufgebot. Die Polizeibeamten standen vom Bahnsteig bis zum Polizeiwagen mit den Karabinern in der Hand Spalier, damit ja keiner von uns flüchten könne. An eine Flucht dachte niemand von uns. Wiederum wurden wir in den Wagen hineingestoßen, und dann ging es über die Rheinbrücke, am Dom vorbei zum Gefängnis Klingelpütz. Ganz eigenartig war es mir zu Mute, als ich durch einen Fensterschlitz den Dom sah. Das schwere Tor des Gefängnisses öffnete sich, wir fuhren hinein und wurden wieder ,, ausgeladen". Zu zwei und zwei mußten wir im Flur Aufstellung nehmen und wurden auf die einzelnen Zellen verteilt. Ein alter Beamter kam zu mir und sagte leise: ,, Für Sie, Herr Pfarrer, habe ich eine gute Zelle ohne Wanzen." Als Abendessen erhielt ein jeder ein Stück trockenes Brot und einen Becher Kaffee. Um 19 Uhr wurde das Licht ausgedreht. Es war Nachtruhe. Sie wurde aber gestört durch einen Fliegeralarm, der nicht lange dauerte. Am Morgen um 7 Uhr wurden wir geweckt. Sofort nach meiner Ankunft hatte ich gebeten, den Gefängnispfarrer, den ich kannte, sprechen zu dürfen. Es wurde mir bedeutet, daß er abends nicht mehr zu sprechen sei, vielleicht am Morgen, aber auch da wartete ich vergebens. Gegen 29 Uhr morgens wurden wir im Flur aufgestellt und erhielten Tagesverpflegung, bestehend aus Brot mit Margarine und einem Stückchen Blutwurst. Danach wurden wir, es waren mittlerweile 60 Personen geworden, in zwei Wagen verladen und zum Bahnhof Deutz gefahren. In demselben Transportwagen vom Tage vorher wurden wir zu drei Mann in eine Zelle gesperrt. 51 Von Zeit zu Zeit schloß der Aufseher die Zelle auf und sah nach, ob wir noch da seien, dann schlug er die Türe wieder zu. Der Zug fuhr nach Frankfurt. Als wir in Koblenz um 12 Uhr ankamen, mußten wir wieder alle aussteigen. Durch einen Seitenausgang kamen wir zu einem Transportwagen, der uns in das Gestapogefängnis brachte. In einem größeren Raume wurden wir zu 30 Mann eingesperrt und hatten auf die Weiterfahrt zu warten. Um ½2 Uhr ging es weiter. Draußen im Hofe traf ich mit Herrn Pater Kentenich zusammen, der ebenfalls nach Dachau kommen sollte. Da wir uns von früher kannten, blieben wir von jetzt ab während der ganzen Fahrt beieinander.. Mit Pater Kentenich war noch ein Mann gekommen, dem man sofort den Zuchthäusler ansah. Mit einer geradezu ängstlichen Sorge hielt er sich an Pater Kentenich, so daß wir ihn mit in unsere Zelle im Wagen nehmen mußten. Es war uns dies nicht angenehm, aber wir konnten nichts daran ändern. Auf dem Bahnsteig mußten wir lange auf die Ankunft des Zuges warten, streng bewacht von Polizeibeamten.. Am anderen Ende des Bahnsteiges sahen wir zwei Schwestern von der Schönstatter Gemeinschaft. Sie wagten aber nicht näher zu kommen. Als wir dann auf die andere Seite des Bahnsteiges geführt wurden, konnte Pater Kentenich seine Schwestern kurz begrüBen, die sich sichtlich freuten, ihn nach acht Monaten wiederzusehen. Auf Bahnsteig 2 standen viele Leute und sahen interessiert zu uns herüber. Später wurde mir mitgeteilt, eine Dame in Schwarz habe nach mir gefragt, sie habe sehr geweint. antwortete gurgeln." Un wurden zum es ging. Es w Anfangs g wir an Station 3 Uhr ankam auf dem Bah schellen. So eine große M die Männer d stolz, für uns gefängnis geb Es wurde uns Nach vier Stunden kamen wir im Bahnhof Frankfurt an. Schon lange, bevor der Zug in den Bahnhof einfuhr, hörten wir lautes Hundegebell. Polizei mit Hunden war angetreten, um uns abzuholen. Eine große Menschenmenge wartete an der Bahnsperre und schaute neugierig unserem Zuge nach. Manche waren erstaunt, als sie uns Geistliche zwischen den Gefangenen sahen. Bei dieser Gelegenheit hatte ich folgende Empfindung: Was würde ich wohl gedacht haben, wenn ich diesem Zug nachgesehen hätte? Würde ich mir überhaupt Gedanken gemacht haben? Würde ich nicht wie viele von diesem Publikum gedacht haben: ,, Denen dort geschieht recht, sie hätten die staatlichen Gesetze beobachten sollen." Wie falsch wäre meine Einstellung gewesen, nach dem äußeren Schein zu urteilen, ohne das Bemühen oder die Möglichkeit, das Schicksal der einzelnen kennen zu lernen. Wir wurden im Bahnhofsgebäude in einen engen Raum geführt und mußten hier eine Stunde warten. Während der Nacht waren wir in einem Kellergewölbe eingesperrt. Es waren insgesamt 178 Gefangene. Die Luft war furchtbar. In einer Ecke standen vier Kübel, die als Aborte dienten und einen scheuẞlichen Gestank verbreiteten. An der Seite lagen übereinander Strohsäcke, die am Abend ausgebreitet wurden. An Schlaf war natürlich nicht zu denken. Wir saben zusammen und erzählten Geschichten. Es war eine regelrechte Galgenhumor- Stimmung. Aber immer wieder beschäftigten sich unsere Gedanken mit den kommenden Tagen. Am Morgen kamen Beamte, um einen Transport für ein anderes Lager zusammenzustellen. Ich fragte einen dieser Beamten, ob ich nicht einen Schluck Wasser zum Gurgeln bekommen könnte. 52 g als Tagesverp Zu zehn Ma Matratzen un waren zwei erzählten vom Empfinden, da andere Kame bestätigt. Am 13. mußten zu F gefesselt. Zu Quack, und Transportwag wir endlich in Dachau! diesem Name in München hatte. Das St es früher ein kleinen Eisen einmal als Ge Am Bahn empfangen, d erzählt, das Justiz, nun al Auf dem Vo zusteigen un gestoßen. Die was ihr seid mußten wir durch das St vor einer kl 1, ob wir Frankfurt, alle aus- agen, der urden wir . Um%2 tenich zu- on früher ieinander.- ofort den T Sich an ı nehmen hts daran les Zuges ahnsteiges ie wagten des Bahn- ırz begrü- hen. Auf ET. Später , sie habe Aue eo EDLER N 9 on lange, ndegebell. Menschen- uge nad. n sahen. ich wohl » ich mit on diesem die staat- B ER 7 Er antwortete mir:„Wenn du nach Dachau kommst, kannst du mit Koks gurgeln.‘ Um 9 Uhr erhielten ‚wir wieder unsere Tagesverpflegung und wurden zum Bahnhof. gefahren. Wir stiegen ein und wußten nicht, wohin es ging. Es war Donnerstag, der 12. März. Anfangs glaubten alle, es ginge nach Nürnberg, jedoch am Mittag stellten wir an Stationsschildern fest, daß es nach Würzburg ging, wo wir nachmittags 3 Uhr ankamen. Hier erwartete uns eine heue Überraschung. Wir wurden auf dem Bahnsteig zwei und zwei aneinandergefesselt mit eisernen Hand- schellen. So gefesselt wurden wir durch die Sperre geführt. Hier staute sich eine große Menschenmenge. Als man uns als Geistliche erkannte, schüttelten die Männer den Kopf, die Frauen aber weinten. Ich rief ihnen zu, wir seien stolz, für unsere Kirche dies erdulden zu dürfen. Wir wurden zum_Gerichts- gefängnis gebracht. Zum ersten Male erhielten wir eine saubere Unterkunft. Es wurde uns sofort eine warme Nudelsuppe gereicht, während wir bisher als Tagesverpflegung% Brot und ein Stück Blutwurst erhalten hatten. Zu zehn Mann kamen wir in einen größeren Raum. Wir schliefen auf Matratzen und hatten Decken. Der Abend war sehr interessant. Bei uns waren zwei Österreicher: ein Oberleutnant und ein Regierungsbeamter. Sie erzählten vom Lager Esterwegen grauenvolle Erlebnisse. Damals. hatte ich das Empfinden, daß sie sehr übertrieben, später aber in Dachau wurde mir durch "andere Kameraden, die auch im Lager Esterwegen gewesen waren, alles bestätigt._ Am 13. März, früh morgens 6 Uhr, ging es weiter nach Dachau. Wir mußten zu Fuß zum Bahnhof gehen und wurden als Geistliche nicht mehr ‚gefesselt. Zu uns gesellten sich ein Pfarrer aus der Rheinpfalz, Hermann Quack, und ein Bruder aus einem Kloster in Mainz. Wir vier wurden im Transportwagen in eine Zelle eingesperrt. Am Nachmittag um 3 Uhr kamen wir endlich in Dachau an. Dachau! Dieses Wort war für mich insofern ein Begriff, als ich mit diesem Namen die Vorstellung von lustigen Musikanten verband, die ich in München als„‚Dachauer‘‘ bei dem Humoristen Weiß Ferdl kennengelernt* hatte. Das Städtchen Dachau selbst kannte ich nicht, hatte nur gehört, daß es früher eine Kolonie von Künstlern gewesen sei. Ich war oft an dieser "kleinen Eisenbahnstation vorbeigefahren, hatte aber nie gedacht, daß ich einmal als Gefangener hier aussteigen sollte. Am Bahnhof wurden wir von einer Schar junger kräftiger 55-Männer empfangen, die mit Karabinern bewaffnet waren. Zu Hause hatte man mir erzählt, das Lager Dachau sei seit einiger Zeit in der Hand der ordentlichen Justiz, nun aber mußte ich erkennen, daß dies nicht der Wahrheit entsprach. Auf dem Vorplatz hielt ein Transportauto. Wir wurden aufgefordert ein- zusteigen und, da dies anscheinend zu langsam ging, mit Gewehrkolben gestoßen. Die junge:SS brüllte uns an:„Ihr Hunde, wir werden euch zeigen, was ihr seid! Vorwärts, oder wir zeigen euch, was hier los ist!‘“ Im Auto mußten wir eng aneinandergepreßt Platz nehmen. Die Fahrt brachte uns durch das Städtchen Dachau zum Lager hinaus. Der Wagen hielt plötzlich vor einer kleinen Brücke, die über einen Wassergraben führte und in das 53 Tor mündete, das das eigentliche Lager abschloß. Die SS-Männer sprangen vom Wagen und brüllten:„Herunter mit«euch, ihr Hunde! Vorwärts! Sonst helfen wir euch nach!“ Ein alter Mann von über 70 Jahre, der nicht rasch genug ausstieg, erhielt einen Schlag mit dem Gewehrkolben, so daß er zur Erde fiel. Wir mußten uns zu zweien aufstellen und wurden in eine Baracke zum politischen Büro geleitet. Im Flur standen wir nebeneinander und warteten, bis wir gerufen wurden. Dann mußten wir zwei Fragebogen aus- füllen und unterschreiben. Während wir draußen im Flur warteten, kamen junge SS-Männer an uns vorbei, von denen einige sich besonders für uns zu interessieren schienen. Pater Kentenich trug damals noch einen schönen langen Bart und fiel dadurch natürlich auf. Einer der SS-Männer fragte ihn: „Bist du ein Jud?‘„Nein!“„Was bist du denn?‘„Ein katholischer Geist- licher.“ ‚Warum trägst du einen Bart?“ Hierauf erhielt er keine Antwort. Dann kam der junge Mann zu mir.„Warum bist du hier?‘„Ich erinnere mich nicht, Sie schon einmal gesehen zu haben!‘ Erstaunt fragte er dann auf einmal:„Sind Sie auch ein Geistlicher?‘„Jawohl!“ ‚Ein höherer?“ „Nein!“ Dann ging er weiter. Nachdem von allen die Personalien aufgenommen worden waren, wurden wir zum Erkennungsdienst geführt. Hier mußten wir einen kurzen Lebenslauf schreiben und wurden dann in unseren Zivilkleidern photographiert. Man mußte sich auf einen Stuhl vor den Apparat setzen, und von drei verschie- denen Seiten aus wurde eine Photographie gemacht. War man fertig, drückte der SS-Mann auf einen Knopf, und sofort spürte man einen Nadelstich in dem Gesäß. Der SS-Mann hatte seinen außerordentlichen Spaß daran. Nach insgesamt zwei Stunden wurden wir dann ins Lager abgeführt. Das Lager Dachau Das Lager mit all seinen Schrecken hat dem Namen Dachau einen üblen Ruf gegeben. Die Bevölkerung von Dachau hatte in der Mehrzahl nichts damit zu tun und hat für uns Häftlinge in all den Jahren sehr viel Gutes getan. Natürlich mußte alles heimlich geschehen. Trotz aller Schikanen ließen die Dachauer es sich nicht nehmen, den Männern heimlich zu helfen, die. durch ein Kommando aus dem Lager, sei es in die Stadt Dachau selbst oder in die Nähe kamen. Im Jahre 1944 haben Häftlinge im Januar in Dachau den Schnee von den Straßen wegschaufeln müssen. Frauen, die dies sahen, brachten den Männern Brot. Der Bürgermeister, dem dieses mitgeteilt wurde, bestrafte die Frauen mit 20 RM. Er begründete das mit dem Bemerken:„Wie kann man den Häftlingen Brot geben! Das sind doch alles Verbrecher, die aus der Volksgemeinschaft ausgestoßen sind.“- 54 sprangen ts! Sonst icht rasch ab er zur e Baracke nder und ogen ausn, kamen s für uns n schönen ragte ihn: her GeistAntwort. erinnere e er dann höherer?" n, wurden Lebenslauf iert. Man verschieig, drückte delstich in aran. Nach inen üblen zahl nichts viel Gutes nen lieben helfen, die selbst oder in Dachau dies sahen, eilt wurde, ken: ,, Wie recher, die St. Jakob, Dachau 4 55 Die Stadt Dachau Vor den nordwestlichen Toren Münchens, durch Heide"und Moor von der Hauptstadt getrennt, liegt fruchtbares Bauernland und jenes sumpfig- lehmige Erdreich, aus dem sich das hügelige Gebiet um Dachau erhebt, daher auch wohl sein Name. Urkundlich erscheint er zuerst gelegentlich einer Schenkung an die Freisinger Domkirche, 805, als Dahauua und bedeutet Lehm= Au(althochdeutsch daha= Lehm). Nach den Stürmen der Völker- wenderung ließen sich die von Baja(= Böhmen) gekommenen Baiwaren im Lande nieder. Christen geworden, hörten sie mit ihren heidnischen Bestat- tungsgebräuchen auf. Schriftkundige Mönche verfaßten die ersten Urkunden um 750 nach Christus und damit wertvolle Quellen für die Erkenntnis der Zustände frühmittelalterlicher Zeit. Die Heimsuchung des Landes durch ie Ungarn förderte das Rittertum, das sich in den- folgenden Jahrhunderten kräftig entwickelte. Wir lernen die ältesten, nach ihrem Wohnsitz benannten bayrischen Adelsgeschlechter und ihre Burgen kennen. Auf schützenden Höhen. j über der Amper bei Dachau erbauten sich die Grafen von Scheyern-Wittels- bach im elften Jahrhundert eine Burg. Der Ort zu ihren Füßen erhielt des Innern, eines Meist fand. Unter später Marktrecht. Er gewann bald an Bedeutung durch seine Lage an der I Straße München-Augsburg. Die Wittelsbacher, seit 1180 Herzöge von Bayern, seit 1182 Erben von Burg und Grafschaft Dachau, hatten begreifliche Gründe, den Straßenverkehr über Dachau zu leiten. Wohl damals erst wurde das„Dachauer M o o s“ überbrückt. Die Eigenart des Bodens mit Kalkgeröll und Sand läßt kein Grundwasser durch. Es drängte von alters her durch die dünne Kieslage nach oben, ließ Wasser- pflanzen und Moose üppig wuchern, bis daraus das heutige Moor geworden ist, im Volksmunde„Dachauer Moos‘ genannt. Wie schön diese: weite, große Landschaft einst gewesen, weiß z. B. liebevoll und anschaulich der fein- sinnige Kunsthistoriker Artur Rümann zu schildern. Burg und: Ort wurden im Laufe der folgenden Jahrhunderte öfter in kriegerische Verwicklungen mit einbezogen. Über die innere Entwicklung des Marktes Dachau fließen erst seit dem 15. Jahrhundert die Quellen reichlicher. Die früheren Urkunden gingen durch einen Brand des alten Rathauses(1403) verloren. In die letzten Tage des Dreißigjährigen Krieges fällt die berühmte Schlacht bei Dachau im Jahre 1648. An Stelle der alten Burg wurde um das Jahr 1555 das Dachauer Schloß im Renaissancestil errichtet, das auf freier Warte weit hinausblickt ins Land. Gegenwärtig ist nur noch der westliche Flügel vorhanden, ein Bruchteil der alten Herrlichkeit mit ehedem über hundert Wohnräumen. Der Platz vor.dem Schloß gewährt eine prachtvolle Aussicht bis zu den Alpen hin. Noch freier ist der Blick. vom Hofgarten aus. DieSt.-Jakob-Pfarrkirchein Dachau, ein beachtenswertes Bau- werk der deutschen Spätrenaissance, stammt in ihrem Grundstock aus dem Jahre 1624, wurde fünf Jahre später eingeweiht und blieb, den Stürmen der Zeit trotzend, außen und innen gut erhalten. Drei gleich hohe Schiffe ver- einigen sich zu einer sogenannten Hallenkirche, die unter Denkmalsschutz steht. Dem Erweiterungsbau von 1925 folgte eine durchgreifende Erneuerung 56 Bruderschaft Nächsten“ treulich pfl zeitige Pfaı den ersten von Dachat die konfess gesichert. Die Frie ein Achted 19. 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Dessen Tradition treulich pflegend, hat sich mit seinem gastlichen Haus vor allem der der- zeitige Pfarrherr von St. Jakob, Geistlicher Rat Friedrich Pfanzelt, in den ersten Tagen und Wochen nach der Befreiung der Konzentrationshäftlinge von Dachau verdient gemacht und sich aufrichtigen Dank, ohne Rücksicht auf die konfessionelle oder politische Einstellung‘der einzelnen, für alle Zeit gesichert. Die Friedhofkapelle, eine Stiftung aus dem Jahre 1625, stellt im Grundriß ein Achteck. dar. Mehrere andere Nebenkirchen wurden zu Anfang des 19. Jahrhunderts abgerissen, dagegen 1932 für den unteren Markt die St.-Johannes-Kirche in schlichten Formen erbaut, der seit 1938 die Kirche St. Peter und Paul im östlichen Randgebiet(Augustenfeld-Dachau) folgte- Den Stolz des Städtchens bildet neben der altehrwürdigen Pfarrkirche das Rathaus, ein charakteristischer Giebelbau im Renaissancestil, 1615 erbaut. Im Sitzungssaal fesselt eine schöne Holzdecke aus der gleichen Zeit und vor dem Gebäude ein Brunnen mit Dachauer Bauerngestalten in ihrer ehedem Dachau: Weg ins Moor weltberühmten Tracht unsere Aufmerksamkeit. Die unteren Räume des Schlosses beherbergen jetzt das Dachauer Bezirksmuseum. Es bietet. ein treffliches Bild aller Erscheinungen des bäuerlichen und bürgerlichen Lebens der bodenständigen Bevölkerung von Dachau und Umgebung. Im oberen Stockwerk befindet sich eine Gemäldesammlung, vornehmlich von Meistern der Dachauer Kunst; denn Dachaus Name bleibt seit den letzten Jahrzehnten mit der Entwicklung der neueren Kunst aufs innigste verknüpft. Wer den Ort und das Dachauer Moor für die Malerei entdeckt hat, ist, wie der fachkundige Dr. J. Scheidl, dem wir hier besonders dankbar folgen, betont, nicht leicht zu sagen. Von München- Schwabing fanden die Künstler eben gelegentlich den Weg. Als erster bedeutender Maler erschien 1852 Christian Morgenstern in Dachau. Alsbald folgten J. Wenglein, V. Weishaupt und, was wohl wenigen bekannt ist, Meister Fritz v. Uhde. Er fand in und um Dachau viele Motive und Vorbilder für mehrere seiner Werke. Von besonderem Einfluß auf den Ort und die Umgebung wurde erst das Wirken der drei Wahrheitsucher auf dem Gebiete der neueren Kunst, der Maler L. Dill, ferner A. Hölzl und A. Langhammer, die um · 1890 in Dachau auftraten. Mit einer Liebe und Beobachtungsgabe sondergleichen hing gerade Dill an den kleinsten und ärmlichsten Erscheinungen des Moores, bis er das Licht und Flimmerspiel von Erde, Pflanzen und Tümpel in der feuchten Luft erkannt hatte und mit dem Pinsel wiederzugeben vermochte. Er und die beiden anderen Künstler vornehmlich haben Dachau zu dem gemacht, was etwa Worpswede nach der wunderfeinen Schilderung des damals noch jugendlichen Dichters Rainer Maria Rilke für die norddeutschen und Barbizon für die großen französischen Meister geworden. Freilich: Eine eigentliche Dachauer Schule haben die Vorgenannten nicht begründet. Auch W. Leibl weilte nur eine kurze Spanne Zeit in einem Weiler des Dachauer Moores. Ein Hauptwerk von ihm, das in Graßlfing, dem Ausgangspunkt seiner Bauernmalerei, entstand ( 1873/74), stellt die ,, Zwei Dachauerinnen in der Schenke" dar, für das er 1895 in Berlin die goldene Medaille erhielt und das sich in der dortigen Nationalgalerie befindet. Besoldungsste die SS- Gärtne gehörte aber trugen alle H gestreifte Gef Während Munitionsfab Ihre Eigenart behaupteten, um nur einige Namen zu nennen, unter den Neueren z. B. H. v. Hajek, O. Graf, F. Bürgens, K. Petersen, H. Stockmann, letzterer auch der getreue Ekkehard des Dachauer Museums, dem Dr. Scheidl eine Monographie über Dachau verdientermaßen zugeeignet hat. Das Lager Dachau bestand aus zwei großen Gebäudekomplexen, und zwar dem eigentlichen Gefangenenlager, das ringsum von einem elektrischgeladenen Draht umgeben war und ungefähr ein Achtel des Lagers erfaßte, sodann dem Kommandanturbereich, zu dem außerhalb des eigentlichen Lagers ringsum alle Gebäude und Anlagen gehörten. Dieser Kommandanturbereich wurde durch eine Mauer abgerundet. Alles, was innerhalb dieser Mauer lag, gehörte dazu, so z. B. das Kommandanturgebäude selbst, die W. B., d. i. Wirtschaftsbetriebe, und das Krematorium. Alles andere unterstand dem Standortkommandeur, die SS- Kasernen, die SS58 wurde diese Dachaus holt blieben von nahmte der ersten Anfän wurde zuerst die Häftlinge behandelt w jede Arbeit wurde bis zu der nachmalis rend der Jah baut, der A um das Lage Bei Ausb SS- Schulungs dann die Wa 1100 nach F und Buchenw 1940, kamen arbeit in den sehr schwach hatte, gab m Verhängnis, Verpflegung führer war d Natzweiler i Anfang 1 den vorderer lager hatte s Stacheldraht und reichte des Lagers alle 30 Blod Lager folgen Lager. Unter das Lager u haftlagerfüh den Eingang äume des Es bietet. ürgerlichen ebung. Im mlich von Hen letzten. verknüpft. tdeckt hat, rs dankbar fanden die er erschien englein, ister Fritz ür mehrere ung wurde ren Kunst, r, die um gerade Dill r das Licht uft erkannt en anderen Worpswede en Dichters die großen uer Schule e nur eine Hauptwerk ei, entstand für das er er dortigen unter den tersen, hauer Muentermaßen komplexen, elektrischvers erfaßte, chen Lagers ndet. Alles, mandanturrematorium. en, die SSBesoldungsstelle, die Wohnungen der SS und die ,, Gärtnerei außen", das war die SS- Gärtnerei. Die große Plantage lag zwar nicht innerhalb der Mauer, gehörte aber trotzdem zum Kommandanturbereich. Innerhalb dieses Bereiches trugen alle Häftlinge seit Anfang 1943 Zivilkleider, in den Außenkommandos gestreifte Gefangenenkleidung. Während des Krieges 1914/18 war dort, wo heute das Lager steht, eine Munitionsfabrik. Das Gelände ringsum war Moorboden und Wald. 1919 wurde diese Fabrik geschlossen und zerfiel mehr und mehr. Die Bewohner Dachaus holten sich hier Ziegelsteine für den Neubau ihrer Häuser, und so blieben von der ganzen Fabrik nur noch Mauerüberreste. 1933 beschlagnahmte der Staat das Gelände und begann mit Hilfe von Gefangenen die ersten Anfänge des Lagers zu bauen. In den zerfallenen Fabrikgebäuden wurde zuerst eine provisorische Baracke errichtet als Unterkunftsraum für die Häftlinge, anfangs nur kommunistische Funktionäre, die sehr schlecht behandelt wurden. Man trieb sie mit Stockhieben zur Arbeit an, und jede Arbeit mußte im Laufschritt gemacht werden. Diese Arbeitsmethode wurde bis zum Jahre 1939 beibehalten. Der erste Kommandant war Eicke, der nachmalige General der Waffen- SS, der an der Ostfront gefallen ist. Während der Jahre 1933-1939 hatte man schon die heutigen Wohnbaracken gebaut, der Appellplatz war fertig geworden, das Jourhaus stand, und rings um das Lager lief der elektrische Draht. Bei Ausbruch des Krieges 1939 wurde das Lager aufgelöst und zu einem SS- Schulungslager umgestaltet. Unter dem Lagerkommandanten Eicke wurde dann die Waffen- SS- Divison aufgestellt. Von den ersten Häftlingen wurden 1100 nach Flossenbürg, andere nach Mauthausen bei Linz an der Donau und Buchenwald bei Weimar transportiert. Nach sechs Monaten, am 2. März 1940, kamen sie wieder zurück. Es waren meist Facharbeiter. Durch die Hetzarbeit in den Steinbrüchen hatten sie 30 bis 35 Kilo abgenommen und waren sehr schwach. Da man nun im Dachauer Lager Facharbeiter sehr notwendig hatte, gab man ihnen anfangs gute Verpflegung. Dies aber wurde vielen zum Verhängnis, weil das veränderte Klima und die plötzlich gegebene bessere Verpflegung ruhrartigen Durchfall mit sich brachte. Viele starben daran. Lagerführer war damals der berüchtigte Zill, der spätere Kommandant des Lagers Natzweiler im Elsaß. Anfang 1940 war nur die Hälfte des Lagers für Häftlinge, während in den vorderen Blocks immer noch Waffen- SS untergebracht war. Das Häftlingslager hatte seinen Eingang von der späteren Rückseite und war durch einen Stacheldraht vom SS- Lager abgetrennt. Das Revier bestand aus einer Stube und reichte natürlich bei weitem nicht aus. Sobald die SS- Baracken außerhalb des Lagers fertiggestellt waren, zog die SS aus, und den Häftlingen wurden alle 30 Blocks zur Verfügung gestellt. 1941 und die folgenden Jahre hatte das Lager folgendes Gesicht: Durch das Jourhaus betrat man das eigentliche Lager. Unter Jourhaus verstand man das Gebäude, in dem die SS- Wache für das Lager untergebracht war und sich die Aufenthaltsräume für die Schutzhaftlagerführer und sonstigen SS- Führer befanden. Ein eisernes Tor schloß den Eingang ab. Auf diesem Tor standen die Worte:., Arbeit macht frei!" 59 Jeder, der diese Worte las, nahm sich vor, recht fleißig zu arbeiten, damit er bald wieder frei würde. Jedoch mußte er sehr rasch merken, daß diese Worte nur eine leere Phrase waren und nichts bedeuteten. Der einzelne Häftling konnte noch so tüchtig arbeiten, frei wurde er dadurch nicht. An das Tor schloß sich ein großer, freier Platz von ungefähr 300 Meter Länge und 200 Meter Breite, der Appellplatz an. Dieser Appellplatz hat seine eigene Geschichte. Könnte er erzählen, so würde ein großer Klageruf erschallen. Alle Toten des Lagers würden anklagend ihre Stimmen erheben. Wenn in sternenlosen, dunklen Nächten der Sturm durch das Lager tobte, der Regen gegen die Fenster schlug und der Schlaf die Häftlinge floh, dann war es, als ob man auf der Lagerstraße die Marschkolonnen der ehemaligen Kameraden hörte, die hin zum Appellplatz marschierten. Still und stumm marschierten sie, Block um Block, Jahrgang um Jahrgang. Viele Tausende sind es, denn durchschnittlich starben in einem Jahr zweieinhalb- bis dreitausend Menschen. Vom 1. Februar 1941 bis zum April 1942 waren es 9883 Personen. In dieser Zahl waren nicht mitgerechnet alle, die auf Invalidentransport gingen und nicht mehr wiederkamen. Und nun war es, als ob sie auf dem Appellplatz angetreten seien, da schallte kein Kommando, nicht: ,, Stillgestanden!", nicht: ,, Mützen ab", nicht: ,, Augen links!" Sie standen alle in Reih' und Glied, und ihre Augen waren weit geöffnet, zum dunklen Himmel gerichtet, an dem die Wolken heimwärts zogen. Wie oft hatten sie diesen Wolken nachgeschaut, wie oft ihnen die Grüße an die Lieben in ihrer Heimat mitgegeben! In so mancher Stunde ihres Lagerlebens hatten sie das Fernweh gespürt, eine brennende Sehnsucht, die von ihren Herzen zu den Ihrigen hinüberzog. Die Frage stand quälend in ihren Herzen: Werden wir die Heimat wiedersehen? Alles war vorübergegangen. Die eisige Hand des Todes hatte sich auf ihre Herzen gelegt und ihre Seelen in die ewige Heimat weggeführt. Zu Hause aber wartete vielleicht immer noch eine Mutter auf einen Sohn. So gab es Mann, den Va längst Hungers Der Appell Lager Strafe st So war es in Düsseldorf. Die Stadt zerstört durch einen fürchterlichen Bombenangriff! Ein Stadtteil fast ganz dem Erdboden gleich, nur ein kleines Häuschen stand noch! Hier lebte eine alte Mutter. Man hatte ihr nahegelegt, doch auszuziehen, weil es hier zu gefährlich sei. Sie aber antwortete: ,, Nein, ich bleibe. Mein Junge kann jeden Tag nach Hause kommen. Hierher wird er kommen und mich suchen. Hier muß er seine Mutter wiederfinden!" Der Junge aber war schon längst gestorben. Er gehörte zur Totenlegion von Dachau. alle Häftlinge 4 Uhr stehen. bis endlich der viele später er nommen, ob e wurden und bleiben. Ein Pfarrer war verhaftet worden und nach Dachau gekommen. Die Pfarrstelle wurde neu besetzt. Die Mutter des Pfarrers sollte ausziehen. Sie jedoch bat, in einem kleinen Dachzimmerchen weiter wohnen zu dürfen, ihr Sohn käme bestimmt hierher und suche sie. Im Gebete war sie täglich vereint mit ihrem Sohne, und sie hoffte auf seine Rückkehr. Da traf eines Tages die Nachricht ein, daß ihr Sohn gestorben sei. Die Mutter schaute mit tränenlosen Augen zum Himmel und von ihren Lippen kam ein: ,, Herr, dein Wille geschehe!" Vier Wochen später war auch sie tot. 60 In den Sch die vor dem A mit zum Appe Reihe ihres Bl Zählappell dur dann in der Re daß wieder irg Strafmaßnahme der sogenannte waren, bekame die Jammersch Der Appellp sten Art, über stellung der I War ihre Zahl und dann nack und ihre ganz die sogenannte Es kam des öf einrückte und weder vorn an der und Sache war ganz glei standen sie na waren. Eine sie auch hier von Lublin. D gehen. Ihre geleitet hatten Durch Befrage täglichen Ver teuer verkauft Goldsachen, B Eines Tages damit er se Worte Häftling 00 Meter platz hat Klageruf erheben. er tobte, oh, dann memaligen mm marsind es, end MenPersonen. rt gingen ppellplatz !", nicht: Glied, und dem die haut, wie mancher nde Sehnage stand auf ihre lause aber hterlichen in kleines ahegelegt, e: ,, Nein, er wird er Hen!" Der gion von Die PfarrSie jedoch ihr Sohn ereint mit Tages die ränenlosen Wille geSo gab es manche Mutter, manche Frau, die auf ihren Sohn oder ihren Mann, den Vater ihrer Kinder, wartete und wartete. Vergebens! Er war schon längst Hungers gestorben oder zu Tode gequält worden. Der Appellplatz erzählt von den furchtbaren Stunden, in denen das ganze Lager Strafe stehen mußte. 1939 war ein Häftling geflohen. Damals mußten alle Häftlinge antreten und von abends 27 Uhr bis zum anderen Tag ½ vor 4 Uhr stehen. Wie oft mußten wir stundenlang auf diesem Appellplatz warten, bis endlich der Befehl zum Abrücken kam. An den Folgen dieses Stehens sind viele später erkrankt und auch gestorben. Keine Rücksicht wurde darauf genommen, ob es regnete, ob es eisig kalt war, oder ob die Leute ohnmächtig wurden und umfielen. Sie wurden nicht fortgeschafft und mußten liegen bleiben. In den Schreckensjahren des Lagers war es Sitte und Brauch, daß Häftlinge, die vor dem Abendappell oder in der Nacht gestorben waren, als Leichnam mit zum Appellplatz getragen werden mußten. Sie wurden hinter der letzten Reihe ihres Blocks auf die Erde gelegt und dann mitgezählt. Erst nach dem Zählappell durften sie zur Totenkammer abtransportiert werden. Es erscholl dann in der Regel der grausige Ruf: ,, Totenträger!", und man merkte dadurch, daß wieder irgendwo einer gestorben war. Der Appellplatz erzählt von den Strafmaßnahmen des Auspeitschens. Nachdem am Abend abgezählt war, wurde der sogenannte Bock herbeigeholt. Häftlinge, die zu dieser Strafe verurteilt waren, bekamen ihre 25 Doppelhiebe. Das ganze Lager mußte zusehen und die Jammerschreie anhören. Der Appellplatz erzählt uns von vielen Untersuchungen der verschiedensten Art, über die ich auch noch zu sprechen habe: Einmal die Zusammenstellung der Invalidentransporte. Dann Einweisung der Neuankommenden. War ihre Zahl tausend, so mußten sich alle auf dem Appellplatz entkleiden und dann nackt zum Bad laufen. Ihre Kleidung wurde auf Haufen geworfen und ihre ganzen sonstigen Effekten auf Kammer abgeliefert". Weiterhin die sogenannten Filzungen. Unter Filzungen verstand man die Leibesvisitation. Es kam des öfteren vor, daß ein Arbeitskommando von draußen ins Lager einrückte und plötzlich untersucht wurde. Die Leute mußten sich dann entweder vorn am Tore oder am Appellplatz vollkommen ausziehen, ihre Kleider und Sachen vor sich hinlegen und einige Schritte zur Seite treten. Es war ganz gleich, ob es regnete oder die Sonne heiß brannte. Stundenlang standen sie nackt, Wind und Wetter ausgesetzt, bis alle Sachen untersucht waren. Eine ,, Filzung" aber war von besonderer Bedeutung, deshalb soll sie auch hier festgehalten werden. Im Jahre 1944 kam ein Judentransport von Lublin. Die Leute sahen sehr ausgehungert aus und konnten kaum noch gehen. Ihre ,, Kapos", auch Häftlinge, aber keine Juden, die den Transport geleitet hatten, erschienen wohlgenährt. Dies fiel natürlich im Lager auf. Durch Befragen erfuhren wir, daß diese Schufte ihren Mitgefangenen die täglichen Verpflegungsrationen vorenthalten und sogar Brot und Wasser teuer verkauft hätten. Auf diese Weise waren sie in den. Besitz von Geld, Goldsachen, Brillanten und Uhren gekommen. Dies erfuhr die Lagerleitung. Eines Tages hieß es, das Transportkommando käme wieder nach Lublin 61 zurück, sie sollten sich fertig machen, alle ihre Sachen einpacken und auf dem Appellplatz antreten. Kaum waren sie angetreten, erschien eine Schar SS- Männer, umstellte sie und befahl ihnen, sich zu entkleiden und alle Sachen vor sich auf die Erde zu legen. Keiner solle versuchen, irgendwie Gold, Ringe usw. zu verstecken. Daraufhin mußten sie fünf Meter von ihren Sachen wegtreten und warten. Jeder einzelne wurde nun untersucht. Mund, Nase, Ohren, selbst der After wurden einer eingehenden Untersuchung unterzogen. Auf diese Weise wurde noch eine ganze Reihe Wertsachen gefunden. Dann wurden alle zu einer Strafkompanie zusammengestellt und in ein Straflager abtransportiert. Der Appellplatz sah auch noch andere frivole Szenen. Ein Beispiel für viele! Es war Weihnachten. Man hatte auf dem Appellplatz einen Weihnachtsbaum aufgestellt. An ihm brannten eine Reihe elektrischer Lichter. Die Musikkapelle erschien, und alle glaubten, es gebe eine Weihnachtsfeier. Es gab auch eine, aber nicht so ,, wie es sich die Häftlinge gedacht hatten. Plötzlich brachte man den Bock. Unter den Klängen der Musik erhielten vor dem Christbaum Häftlinge, die irgend etwas verbrochen hatten, ihre 25 Doppelhiebe. Die Musik mußte so laut spielen, daß man die Schreie der Geschlagenen nicht mehr hörte. Kann man sich eine rohere Verhöhnung des Weihnachtsgedankens vorstellen? M.Niemö. Dr. Höck, aus der Saarp der Archi auf, und sie draußen im H soweit ich die aus dem Bun Laufe der Zei Fritz Thyss General Hal werde. Es gab ein war, nämlich Zuchthäusler, Jahre gesesser konnte un viele Hungers keine Träne gebahrt. Er w An den er Auf der ersten Hälfte des Platzes stand ein Lautsprecher, vor dem die Häftlinge sich versammeln mußten, wenn Hitler oder sonst jemand zum deutschen Volke sprach. Zur Rechten befanden sich die Wirtschaftsräume in einem langgestreckten Bau. Es waren die Sicherheitswerkstätte, eine Schreinerei, der Schubraum, das große Bad, der Lebensmittelraum, die Küche für die Häftlingsverpflegung mit ihren Nebenräumen, die Wäsche- und Kleiderkammer, darunter im Keller die Schuhmacherei und die Schneiderei. Jeder dieser Räume hat seine Geschichte. Hinter diesen Wirtschaftsgebäuden war auf der einen Seite der ,, Bunker", das ist der Kommandantur- Arrest, und auf der anderen Seite die Kaserne für die Straf- SS. Zum Bunker führte ein Tor, das stets abgeschlossen war. Wollte jemand hinein, mußte er sich in einem rechts vom Tor angebrachten Telephon melden, sagen, wer er sei und was er wolle. Erst dann kam ein Beamter von dem in der Mitte gelegenen Verwaltungsgebäude und schloß auf. Man betrat einen größeren Hofraum, dem sich noch zwei kleinere anschlossen. Rechts befand sich das Gebäude mit den Gefängniszellen. Vom Verwaltungsgebäude führte ein langer Flur, zu dessen beiden Seiten 77 Zellen waren. Diese Zellen waren geräumig und groß. Sie hatten fließendes Wasser und einen Abort mit Wasserspülung. In der Ecke stand eine Pritsche mit einem Strohsack und zwei Decken. An der Tür war eine kleine Klappe, durch die das Essen hereingereicht wurde. Die Fenster waren abgeblendet, so daß man nur den Himmel sehen konnte. Die ersten Zellen am äußersten Ende des Flures waren die ,, Ehrenbunker", teilweise für die Geistlichen, zumeist für solche hohen Ranges bestimmt. Eine Zelle war zu einer kleinen Kapelle umgebaut worden. In ihr wurden jeden Morgen hl. Messen gelesen. Die Herren, die hier zum größten Teil jahrelang eingesperrt waren, sind folgende: Pastor 62 zweiten konn ' den anderen Der dritte standen hier. Treppe unde einen kleinen nach unten u urteilte vollk Sodann be fanden. In B wurden die W hier erschosse stets über die Russenjungen zwei München den hierbei wurde die Ri März 1943. An den B der Straf oder die gefa oder Fahnenf viele von ihn man auf ihre und auf eine Schar und alle irgendwie von ihren ht. Mund, tersuchung Wertsachen estellt und eispiel für men Weiher Lichter. nachtsfeier. cht hatten. mielten vor , ihre 25 Schreie der Shnung des or dem die mand zum Chaftsräume eine SchreiKüche für d Kleiderlerei. Jeder äuden war tur- Arrest, ker führte Bte er sich en, wer er der Mitte m größeren and sich das führte ein ellen waren Abort mit ohsack und das Essen an nur den des Flures für solche e umgebaut Herren, die ande: Pastor M. Niemöller, Domkapitular Neuhäusler, Domkapitular Jansen, Dr. Höck, Benediktinerabt Albert Hoffmeister, ein alter Dechant aus der Saarpfalz, der Bischof von Clermont- Ferrand, Msgr. Piquet, und der Archimandrit von Belgrad. Die Türen ihrer Zellen standen auf, und sie konnten täglich am Vormittag wie am Nachmittag zwei Stunden draußen im Bunker- Hofraum sich ergehen. Die Behandlung war anständig, soweit ich dies feststellen konnte. Domkapitular Jansen kam im Jahre 1944 aus dem Bunker in den Block 26. In dem sogenannten Ehrenbunker war im Laufe der Zeit eine ganze Reihe prominenter Persönlichkeiten: Léon Blum, Fritz Thyssen und Frau, Dr. von Schuschnigg mit Frau und Kind, General Halder und Frau und andere mehre, die ich später noch nennen werde. Es gab eine Zeit, in der der Bunker von einfachen Häftlingen gefürchtet war, nämlich als der ,, Bunkerbernhard" dort Kapo war, ein alter Zuchthäusler, der wegen Körperverletzung und anderer schwerer Delikte zehn Jahre gesessen hatte. Wer von den verurteilten Häftlingen ihm nichts geben konnte und dies war sehr schwer erhielt von ihm kaum Essen, so daß viele Hungers gestorben sind. Bernhard starb 1944 im Revier. Ihm wurde keine Träne nachgeweint und seine Leiche von den Kameraden nicht aufgebahrt. Er war auch im Lager ein Geächteter. An den ersten Hof schlossen sich noch zwei kleinere Hofräume an. Im zweiten konnten die rumänischen Minister sich aufhalten. Ein Verkehr mit ' den anderen Ehrenhäftlingen war ihnen verboten. Der dritte Hof diente bis März 1943 den Hinrichtungen. Drei Galgen standen hier. Der Todeskandidat stellte sich auf die oberste Stufe einer kleinen Treppe und erhielt den Strick um den Hals. Dann drückte der SS- Mann auf einen kleinen Hebel am Fußende, die Platte, auf der der Häftling stand, schlug nach unten und er hing am Galgen. Vor der Exekution mußte sich der Verurteilte vollkommen entkleiden und seine Kleider ordentlich zusammen legen! Sodann befand sich dort eine Holzwand, vor der die Erschießungen stattfanden. In Brust- und Kniehöhe waren eiserne Ringe angebracht. An diese wurden die Verurteilten festgekettet. Viele Hunderte sind im Laufe der Zeit hier erschossen worden. Eines Tages beschwerten sich die Rumänen, daß sie stets über die kleine Mauer die Erhängten sehen könnten. Auch die kleinen Russenjungen sahen von den Fenstern des Kartoffelschälkellers eines Morgens zwei Münchener Studenten und eine Studentin am Galgen hängen und wurden hierbei von dem Kommandoführer, einem SS- Mann, überrascht. Sofort wurde die Richtstätte in den Park des Krematoriums verlegt. Dies war im März 1943. An den Bunker, durch eine hohe Mauer getrennt, grenzte die Kaserne der Straf- S S. Im Lager hießen diese SS- Männer die ,, Knochenmänner" oder ,, die gefallenen Engel". Es waren meist junge Leute, die sich Ungehorsam oder Fahnenflucht hatten zuschulden kommen lassen. Im Laufe der Zeit sind viele von ihnen hingerichtet worden. Knochenmänner hießen sie deshalb, weil man auf ihrer Mütze nicht den Totenkopf mehr sah, sondern nur noch die 63 64 =========: TURM =====✓ Weg TURM TURM Lagerstrasse Patrouillen TURM Kleine + Blocks M 5 Große Lagerstrasse 21 25 29 27 25 aga Одо Arrest- Zellen Wirtschaftsgebäude PLÄTZ 999 gens aaa obb Lautsprecher Wohnpaar Knochen zu sprechen od Diese Stra für solche SSExekution wa Ende gegange Zaunes die Ex das uns tief z Mann in eine Hinter der K wehr bewacht uns herüber, sein Leben h Leute wurden war. Auch die lich war es d letzter Brief a Im rechten straße. Re Wohnblocks f Vor jedem Bl weil bei der H 30 28 26 24 22 20 Kleine =====TURM LagerTURM 8 strasse Patrouillen weg Graben Krematorium TURM Jourhaus Haupteingang Lagerplan von K.Z. Dachau viele Kamera numerierte u die geraden N den Appellpla untergebracht Block für and eingerichtet, a Das Mus zinischen Prä seziert, präpar Ausmaß oder erkrankungen heiten im Bi diesem befand Neben dem E Pfarrer Ries und unter de Sturm im K meinde übern die Gestapo kuppel begon nehmer zu Ri Brauch gewes blicklichen po Dachau Krematorium Lagerplan Haupteingang por K.Z.Dachau paar Knochenreste. Es war uns Häftlingen streng verboten, mit diesen Leuten zu sprechen oder ihnen Zigaretten zu schenken. Diese Strafkaserne hatte Gemeinschaftsräume und Einzelzellen. Sie waren für solche SS- Männer bestimmt, die zum Tode verurteilt waren und auf die Exekution warten mußten. Wieviel verdorbenes junges Leben mag hier zu Ende gegangen sein! Öfter sahen wir von unserer Blockstraße jenseits des Zaunes die Exekutionskommandos vorbeiziehen. Es war jedesmal ein Erlebnis, das uns tief zu Herzen ging. Die ganze Strafkompanie der SS zog, zu je fünf Mann in einer Reihe, zur Hinrichtungsstätte und mußte alles mitansehen. Hinter der Kolonne kamen dann, rechts und links von SS- Posten unter Ge-. wehr bewacht, die zum Tode Verurteilten. Die Schüsse klangen natürlich zu uns herüber, und wir wußten, daß wiederum ein armer, meist junger Bursche, sein Leben hingeben mußte. Darauf rückte die Kompanie singend ab. Die Leute wurden gezwungen zu singen, obwohl es ihnen nicht danach zu Mute war. Auch dieses war eine von den vielen Roheiten des Lagerlebens. Natürlich war es dem Verurteilten versagt, einen Geistlichen zu sprechen. Kein letzter Brief an die Seinen! Ohne Sakrament in den Tod! Im rechten Winkel stieß auf den Appellplatz die 30 Meter breite Lagerstraße. Rechts und links von dieser Straße befanden sich Baracken, die Wohnblocks für die Häftlinge, und zwar mit der Stirnseite zur Lagerstraße. Vor jedem Block standen zwei große Pappeln, von uns Blutpappeln genannt, weil bei der Errichtung des Lagers und besonders beim Pflanzen dieser Bäume viele Kameraden durch die Hetzarbeit gestorben sind. Es gab dreißig numerierte und vier nicht numerierte Blocks. Auf der linken Seite waren die geraden Nummern, auf der rechten Seite die ungeraden. In der ersten an den Appellplatz grenzenden Baracke waren die Kantine und das ,, Museum" untergebracht. Als das Lager im Jahre 1944 überbelegt war, hat man diesen Block für andere Zwecke verwandt. Das Lager war normal für 6000 Menschen eingerichtet, am Ende der Haftzeit 1944/45 waren 32 000 Häftlinge im Lager. Das Museum hatte zwei Abteilungen. In der ersten waren die medizinischen Präparate ausgestellt. In der Totenkammer wurden spezielle Fälle seziert, präpariert und dann dem Museum übergeben: Schädel von besonderem Ausmaß oder eigenartiger Form, Hände und Füße, so dann Herz- und Lungenerkrankungen und anderes mehr. In der zweiten Abteilung waren Besonderheiten im Bilde festgehalten. In der Mitte des Saales stand ein Tisch. Auf diesem befand sich eine sehr schöne Plastik des alten und des neuen Lagers. Neben dem Eingang sah man im Bilde acht österreichische Pfarrer, darunter Pfarrer Rieser in einer Büste. Birett und Soutane hatte man ihm angezogen, und unter der Büste hing ein Auszug aus dem ,, Schwarzen Korps" betitelt: ,, Sturm im Kuppelturm." Rieser, ein junger Geistlicher, hatte 1938 eine Gemeinde übernommen, deren Pfarrer geflüchtet war, weil er gehört hatte, daß die Gestapo ihn festnehmen wollte. Er hatte den Neubau der Kirchturmkuppel begonnen. Als der Bau ungefähr fertiggestellt war, kam der Bauunternehmer zu Rieser und machte ihn darauf aufmerksam, daß es bisher Sitte und Brauch gewesen sei, in die Kuppel ein Dokument einzumauern, das die augenblicklichen politischen, religiösen und sozialen Zustände schildere. Rieser wollte Dachau 5 65 anfangs dieses Dokument nicht anfertigen. Der Unternehmer wußte ihn dann dazu zu überreden. Kaum war der Turm gebaut, zeigte er Rieser bei der Gestapo an, und die Folge war dessen Verhaftung. Rieser hat in den ersten Jahren seiner Gefangenschaft ein Martyrium durchgemacht. Gegeißelt, dann mit Dornen gekrönt, haben sie ihn ans Kreuz gehängt. Man machte aus Stacheldraht Geißeln und schlug unbarmherzig auf den entblößten Oberkörper. Man flocht aus Stacheldraht eine Krone und setzte sie ihm auf den Kopf, und zwar so fest, daß er blutete. Verhöhnt, verspottet band man ihn an zwei Hölzer und ließ ihn so über eine Stunde hängen. Rieser hat alles überstanden und ist 1945 in seine Heimat entlassen worden. An die katholischen Pfarrer reihten sich im ,, Museum" die ,, Ernsten Bibelforscher" an, von denen man einige im. Bilde festgehalten hatte. Ich glaube, ich sage nicht zu viel, wenn ich diese Bibelforscher die aufrechtesten, selbstbewußtesten Menschen nenne. Sie fürchteten den Tod nicht. Viele von ihnen sind gequält worden. Im Lager waren sie von den anständigen Häftlingen geachtet. sich um irgend bitte um Geld waltungsstelle Tage 20 Mark 1941 viele gu Tabak und der arm. Es war nu scheidenem Um Die dritte Gruppe, die man im Museum zeigte, waren die Kretins: arme miẞgestaltete Menschen, die zu den Asozialen zählten und meist zum Vergasen auf ,, Invalidentransport" geschickt wurden. Dann kamen die Tätowierten. Es gab unter ihnen eine Reihe, die ihren ganzen Körper tätowiert hatten, oft mit den obszönsten Bildern. Die fünfte Abteilung gehörte den Juden. Man hatte nicht nur Photographien von prägnanten Judentypen ausgestellt, sondern auch Gegenstände ihres religiösen Lebens, die man bei ihnen gefunden hatte. Im Jahre 1938/39 kamen an einem Tage 6000 Juden, von denen viele nach kurzer Zeit wieder entlassen wurden, weil sie sich bereit erklärten, ihr Vermögen zum größten Teil abzugeben und nach Amerika auszuwandern. Später wurden die Juden meist ins Lager Auschwitz- Birkenau gebracht und dort zu Tausenden vergast und verbrannt. Die sechste Abteilung gehörte den Kommunisten und Rot- Spanien- Kämpfern. Vor dieser Abteilung stand eine Figur. Sie stellte den Häftling dar, der in der Verkleidung eines Schornsteinfegers geflüchtet, aber dann wieder aufgegriffen worden war. Er wurde hingerichtet. Kleinigkeit auf SS- Kassierer. B In der zwe schreibstube, d Das Museum in seiner Gesamtlage war recht primitiv. Man merkte sofort, daß eine nationalsozialistische Tendenz vorherrschte. ältesten( Häftl legt und die g stellt. Ende 19 Berlin der Befe dürfte. Mit Block Häftlinge. Ein je vier Wohnsassen berechne Im Jahre 1 gebracht. Man Die ,, Kantine" war eingerichtet worden, damit der Häftling zusätzlich zu seiner schmalen Kost noch einige Lebensmittel kaufen konnte, sofern er Geld hatte. Es war verboten, von Hause Geld anzufordern, d. h. zu erbetteln, jedoch stand auf den Briefumschlägen unter anderem auch ,, Geldsendungen sind gestattet. Pakete dürfen nicht geschickt werden, da die Gefangenen im Lager alles kaufen können." Diese Bestimmungen galten bis 1943. Bis Anfang des Jahres 1942 durften die Häftlinge bares Geld bis zu 20 Mark bei sich tragen, von März 1942 ab wurde bargeldloser Verkehr mit der Kantine geführt, weil unter den Häftlingen zuviel Unfug mit dem baren Geld getrieben worden sei. Aber wir wußten uns zu helfen in der Anforderung von Geld. So schrieb man einfach: ,, Grüße mir Pecuniam Peto!" Der SS- Mann, der die Briefe revidierte, meinte wohl in seiner ,, Gescheitheit", es handle Im Schlafs war 10 mal 9 Anfangs hatte auf einem har wurden noch stellt. Die W Hocker und 5 Kacheln gebau war durch Spin worin der Stu raum, von de Waschrau an der Wand s für die Leibw Pissoire, jewei bewußt so ein war zu wenig konnten und Morgen und a eine große Qu T wöhnt war. maßen geordn es eben ertrag 99 66 ihn dann er bei der den ersten belt, dann machte aus Oberkörper. den Kopf, an ihn an alles überErnsten alten hatte. frechtesten, Viele von Higen Häftetins: arme zum Verdie Tätoer tätowiert gehörte den ntypen ausn bei ihnen Juden, von sich bereit ch Amerika tz- Birkenau n- Kämpfern. dar, der in eder aufge werkte sofort, zusätzlich zu fern er Geld zu erbetteln, eldsendungen fangenen im Bis Anfang Mark bei sich der Kantine en Geld georderung von Wer SS- Mann " es handle sich um irgendeine Person, in Wirklichkeit war es Latein und hieß:..Ich bitte um Geld." Das Geld, das geschickt wurde, schrieb man in der Verwaltungsstelle auf ein eigenes Konto, von dem für die Kantine alle vierzehn Tage 20 Mark angefordert werden konnten. Die Kantine hatte bis zum Jahre 1941 viele gute Sachen vorrätig: Fleisch, Wurst, Brot, Kuchen, Zigaretten, Tabak und dergleichen mehr. Vom Jahre 1942 an wurde die Kantine sehr arm. Es war nur noch möglich, Gemüse, Salate, Tabak und Zigaretten in bescheidenem Umfange zu kaufen. In diesem Hungerjahr waren wir für jede Kleinigkeit außerordentlich, dankbar. Die Überschüsse der Kantine erhielt der SS- Kassierer. Bei der SS wurden davon ausgelassene Feste gefeiert. In der zweiten, unnumerierten Baracke waren untergebracht: die Lagerschreibstube, der Arbeitseinsatz, die Wohnungen für die Herren Lagerältesten( Häftlinge) und einige Arbeitskommandos. 1943 wurden diese verlegt und die ganze Baracke den Messerschmitt- Werken zur Verfügung gestellt. Ende 1944 mußte Messerschmitt wieder das Lager räumen, weil von Berlin der Befehl kam, daß keine Kriegsindustrie innerhalb des Lagers sein dürfte. Mit Block zwei begannen auf der linken Seite die Wohnblocks für die Häftlinge. Ein solcher Block war 94| Meter lang und 9 Meter breit. Er hatte je vier Wohn- und vier Schlafstuben. Diese Stuben waren normal für 52 Insassen berechnet, jedoch immer überbelegt. Im Jahre 1944/45 wurden sogar 350-500 Mann in einem Block untergebracht. Man kann sich denken, welche Qual eine solche Belegung bedeutete. Im Schlafsa al standen 106 Betten, und zwar drei übereinander. Der Saal war 10 mal Meter groß. Das einzelne Bett hatte eine Breite von 80 cm. Anfangs hatten wir auch weiße Leintücher und zwei Decken. Wir schliefen auf einem harten Strohsack und einem Keilkissen. Bei der Überbelegung wurden noch weitere 24 Betten im Schlafsaal und in der Wohnstube aufgestellt. Die Wohnstube war auch 10 mal 9 Meter groß. 10 Tische, 50 Hocker und 52 Spinde waren das Mobiliar. In der Mitte standen ein aus Kacheln gebauter Ofen und an einer Seite ein großes Schuhregal. Eine Ecke war durch Spinde so abgegrenzt, daß dieser kleine Raum eine Stube darstellte, worin der Stubenälteste wohnte. Zwischen zwei Wohnstuben war ein Vorraum, von dem eine Tür zum Waschraum und eine zum Abort führte. Im Waschraum waren zwei Fontänen mit Waschgelegenheit für acht Mann, an der Wand sieben Waschbecken zum Reinigen des Eßgeschirrs, zugleich auch für die Leibwäsche bestimmt. Im Abort waren acht Trichter und acht Pissoire, jeweils ohne Zwischenwände. Dies war, wie vieles andere, im Lager bewußt so eingerichtet, um jedes Schamgefühl absichtlich zu erschlagen. Meist war zu wenig Wasser vorhanden, so daß die Trichter nicht gereinigt werden konnten und einen unerträglichen Gestank verbreiteten. Nur am frühen Morgen und am späten Abend war eine Wasserspülung möglich. All dies blieb eine große Qual für einen Menschen, der an Ordnung und Reinlichkeit gewöhnt war. Trotz der verschiedensten Bemühungen der Häftlinge, einigermaßen geordnete Verhältnisse zu schaffen, änderte sich nichts. Wir mußten es eben ertragen. 67 Die Blocks auf der rechten Seite urden zuletzt bis zum Block 13 als Revier verwendet. Bis 1943 waren die Blocks 19, 21, 23 vollkommen leer. Durch einen Zaun isoliert dienten sie andren Zwecken. Wenn nämlich Besuch oder eine Kommission zur Besichtigung ins Lager kam, mußten alle Häftlinge, die keine Arbeit hatten, von ihren Wohnblöcken verschwinden und wurden in die leerstehenden Baracken so lange eingesperrt, wie der Besuch im Lager war. Es wurde dann gesagt, das ganze Lager sei in Arbeit. Die Lagerstraße endete vor einem großen Garten, den wir aber nie betreten durften. An diesen Garten schloß sich die Kaninchenzucht an. 5-6000 Chinchilla- Kaninchen wurden dort gezüchtet. Ihre Wolle diente als Futter für Fliegerwesten. Neben den Kaninchenställen war die Lagerdesinfektion. Das Gefangenenlager war umgeben von einem tiefen Graben, an dessen Böschung Stacheldraht angebracht war. Dann kam der drei Meter hohe, elektrisch geladene Drahtzaun, dahinter ein Weg für die Wachtposten und dann noch eine Steinmauer von zwei Meter Höhe. Außer dem Tor im Jourhause gab es noch einen Ausgang auf der entgegengesetzten Seite, ein Tor, durch das man in die große Plantage gelangen konnte. Je 100 Meter voneinander entfernt waren die W a chttürme, auf denen bei Tag und bei Nacht Posten mit Maschinengewehren Wache hielten. Auch diese Wachttürme hatten ihre Geschichte. Jeder Wachthabende hatte den strikten Befehl, jeden Häftling, der sich dem Drahte näherte, zuerst anzurufen und, wenn er nicht zurückging, sofort zu schießen. Und zwar sollte es zuerst ein Schreckschuß sein; dann aber wurde unweigerlich scharf geschossen. Hatte ein Wachtposten einen Häftling niedergeknallt, wurde er sofort abgelöst und kam vor ein Scheingericht. Der Hauptbelastungszeuge war ja tot. Er wurde selbstverständlich freigesprochen, erhielt Urlaub und wurde später wieder als Wachtposten verwandt. - Das Tor de Dachau. Für w überstehen wü er im Lager se und habe sie ich stark empf Tod, hat es g Wenn man mi bleiben, ich w Der elektrische Draht war so geladen, daß jeder, der ihn anfaßte, sofort tot war. In der Zeit meiner Haft sind drei Kameraden in den Draht gelaufen. Es waren ein junger Russe, der fliehen wollte, ein Jugoslawe, der aus dem Revier entlassen wurde und für unheilbar erklärt worden war, er suchte in seiner Verzweifung den Tod-, und ein katholischer Pfarrer. Dieser lag krank im Revier und hatte hohes Fieber. Eines Nachts schlich er sich zum Draht. Der nächste Wachtposten auf dem Wachtturm sah ihn und rief ihn an. Der Pfarrer aber ließ sich nicht abhalten. Der Posten gab einen Schreckschuß ab, auch der half nichts. Der Pfarrer zeigte auf sein Herz und rief laut: ,, Hierhin schießen!" Damit griff er in den Draht und erhielt zugleich eine Kugel ins Herz. Er war sofort tot. zu trotzen. Vom Jourh uns alle vollko Tasche hatten, legen. Diese D So war das Lager hermetisch von der Außenwelt abgeschlossen. Hatte ein Häftling ohne SS- Begleitung das Lager zu verlassen, sei es, daß er zur Vernehmung bestellt war oder zu seiner außerhalb des Lagers befindlichen Arbeitsstätte wollte, so mußte er, vom sogenannten ,, Lagerläufer" begleitet, jedesmal vom Jourhaus bei der Wache mit der Angabe, wohin er wollte, gemeldet werden, etwa: ,, Ein Häftling aus dem Lager zur Vernehmung." Ein geschlossenes Arbeitskommando wurde stets von SS- Posten hinausgeführt. Überall und bei allem, was geschah, spürte man, daß man, der Freiheit beraubt, keine Persönlichkeit mehr war, sondern nur eine Nummer unter vielen. 68 im Schubraum gesteckt und m Jeder Häftling seinem Namen die ihn eingeli Unbekleide linge, auf uns nich verlor hie meter geschnit zigen Bemerku in ihren absto junges Leben Schamgefühl ti geführt. Hier danach einzeln tauchen. Wer geworfen. So kommen war. schweren Verg ins Lager über halb er da sei und Fußtritte, selbst unter de einigen Tagen Nachdem kleidung, wie viel zu klein. man mir zuwa Wort war: pantinen an d Block 13 als kommen leer. nämlich Bemußten alle chwinden und e der Besuch rbeit. aber nie be t an. 5-6000 te als Futter esinfektion. en, an dessen er hohe, elek ten und dan im Jourhaus in Tor, durd r voneinander Nacht Posten me hatten ihre Häftling, de ht zurückging ein; dann abe einen Häftling eingericht. De freigesprochen wandt. anfaßte, sofor Draht gelaufen der aus dem - er suchte in er. Dieser la ch er sich zum n und rief ih einen Schreck z und rief laut t zugleich ein Ver ssen. Hatte eit aß er zur ers befindlicher ufer" begleite er wollte, ge nehmung." E hinausgeführ Her Freiheit be mer unter vielen Die ersten Eindrücke Das Tor des Lagers hatte sich hinter uns geschlossen. Wir waren im Lager Dachau. Für wie lange? Ein Jahr oder länger? Ob ich wohl das Lagerleben überstehen würde? Wie wird die Behandlung sein? Mancher ahnte nicht, daß er im Lager sein Leben lassen würde. Ich hatte die Energie des ,, Dennoch" und habe sie immer behalten trotz mancher schweren Stunden. Eines habe ich stark empfunden nach einjähriger Haft: Gott, der Herr über Leben und Tod, hat es gut eingerichtet, daß wir Menschen die Zukunft nicht wissen. Wenn man mir damals gesagt hätte, ich müßte dreieinhalb Jahre im Lager bleiben, ich wäre verzweifelt und hätte die Kraft verloren, dem Schicksal zu trotzen. Vom Jourhaus wurden wir zum ,, Schubraum" geführt. Hier mußten wir uns alle vollkommen entkleiden und unsere Sachen abgeben. Was wir in der Tasche hatten, z. B. Füllfederhalter, Messer usw. mußten wir auf den Tisch legen. Diese Dinge verschwanden natürlich in die Taschen der Häftlinge, die im Schubraum tätig waren. Kleider und Wäsche wurden in einen großen Sack gesteckt und mit der Nummer versehen, die man von jetzt ab tragen mußte. Jeder Häftling erhält, wenn er ins Lager kommt, sofort einen Zettel mit seinem Namen, auf dem seine Nummer steht und die Stelle vermerkt ist, die ihn eingeliefert hat, z. B. Kripo oder Gestapo. Unbekleidet wurden wir in einen Raum geführt, wo Friseure, auch Häftlinge, auf uns warteten. Wir wurden am ganzen Körper rasiert. Pater Kentenich verlor hier seinen schönen Bart. Das Haar wurde auf einen halben Millimeter geschnitten. Rings um uns standen junge SS- Männer, die ihre schmutzigen Bemerkungen machten. Wer sich diese Leute aufmerksam ansah, konnte in ihren abstoßenden Gesichtern schon die Leidenschaften feststellen, die ihr junges Leben durchwühlten. Schweigend ertrugen wir alles, wenn auch das Schamgefühl tief verletzt wurde. Nach dieser Prozedur wurden wir ins Bad geführt. Hier wurden wir mit einer ätzenden Flüssigkeit bespült und mußten danach einzeln in einen großen Bottich mit Wasser steigen und dreimal untertauchen. Wer nicht rasch genug hineinkam, wurde von SS- Männern hineingeworfen. So erging es auch einem alten 72jährigen Mann, der mit uns gekommen war. Er stammte aus dem Luxemburgischen, hatte wegen eines schweren Vergehens zwei Jahre Zuchthaus als Strafe erhalten, war aber sofort ins Lager überwiesen worden. Wenn er von SS- Männern gefragt wurde, wesIhalb er da sei, erzählte er harmlos seine Geschichte. Sofort bekam er Schläge und Fußtritte, und man machte die unanständigsten Bemerkungen, leider oft selbst unter dem Gelächter der anderen Häftlinge. Der arme Mann kam nach einigen Tagen in die Strafkompanie und war nach drei Wochen tot. Nachdem wir uns abgebraust hatten, erhielten wir unsere Sträflingskleidung, wie die Zuchthäusler sie trugen. Natürlich waren Hose und Jacke viel zu klein. Unterhose und Strümpfe erhielten wir nicht. Die Mütze, die man mir zuwarf, war auch viel zu klein. Ich bat um eine andere. Die Antwort war: ,, In vier Wochen paßt dein Kopf in diese Mütze." Mit Holzpantinen an den Füßen mußten wir hinaus in die Märzkälte. Die Temperatur 69 im Lager Dachau war eigenartig. Bei Sonnenschein, selbst im Winter, war es warm, schien die Sonne nicht, war es unangenehm kalt. Besonders kalt war es des Nachts. Märzstürme lagen über dem Lager. Wir froren jämmerlich. Über den Appellplatz gelangten wir zum Revier, dem Lazarett. In einem kalten Vorraum mußten wir uns wieder entkleiden. Junge SS- Männer und Häftlinge standen umher und machten ihre Witze. Als sie erfuhren, daß wir Geistliche waren, wurden wir zur Zielscheibe des Hohngelächters und Spottes. ,, Ihr Volksverführer, ihr Banditen", die Feder sträubt sich, die gemeinen frivolen und zynischen Redensarten wiederzugeben, mit denen man uns beschimpfte. Obwohl voll heiligen Zornes, schwiegen wir dennoch und bedauerten innerlich diese armseligen Menschen. In der ,, Registratur" mußte jeder alle seine Krankheiten angeben. Anfangs verstand ich den Zweck dieser Angaben nicht, später wurde es mir klar. Ich habe oft, wenn ich gerade in der Registratur war, den Leuten gesagt: ,, Ja nicht alles angeben!" denn als Todesursache wurde in der Regel die Krankheit benutzt, an der der Häftling gelitten hatte oder es hieß einfach: ,, Er ist an Blutkreislaufstörung gestorben." Professor ode sich dieser B allen gehänse seiner Haft, und er hat r unerschütterli ein junger, meinem Vorn ,, Du hast mi Ich machte i mich mit dem Nach dies hatte, ins W Mann verhiel mich unterkri keit, ein Mit anzureden. P Du an. Du schlagfertig Pfaffe?"- Wir wurden dann dem Arzt vorgestellt. In Wirklichkeit war es der ,, Kapo" des Reviers, auch ein Häftling, der breitspurig in einem Sessel saß und uns einzeln beäugte. Unter ,, Kapo", eine Abkürzung des italienischen Wortes Capitano, versteht man eigentlich den Vorarbeiter, in diesem Fall den Aufseher über das gesamte Revier. Er hieß Zimmermann und machte keinen guten Eindruck. Danach kleideten wir uns wieder an und wurden zum Zugangsblock geführt. Mein erster Eindruck war niederschmetternd. Das also war das Lager! Wie mochte die Behandlung in der Folgezeit werden? Wir hatten aufgehört, eine Persönlichkeit zu sein. Alles schien darauf abgestellt, das Schamgefühl im Menschen zu töten, den Willen zu brechen und den Häftling zu einem jämmerlichen Kadavergehorsam zu zwingen. Es kam nicht darauf an, ob man ein geistig oder moralisch wertvoller Mensch war, alle waren gleich und wurden als Verbrecher gewertet. Solche, die wendig waren und durch lange Zuchthausstrafen das Leben eines Gefangenen kannten, wußten sich sofort auf die neue Lage einzustellen und fielen nicht auf. Der arme Mensch aber, der nie in seinem Leben ein Gesetz übertreten und bisher keine Strafe erhalten hatte, trug schwer an seinem Geschick, war linkisch, unbeholfen und mußte die Unzufriedenheit der ,, Vorgesetzten" erregen, die meist ja nur Triebmenschen waren. Wir sollten bald erfahren, daß man die akademisch Gebildeten, die Intellektuellen, besonders haßte und sie bei jeder Gelegenheit beschimpfte. Als Intellektueller galt letztlich jeder, der eine Brille trug. Ein österreichischer Konsul war kurz nach seiner Einlieferung ins Lager so unvorsichtig gewesen zu äußern, er wolle nicht mit Arbeitern zusammengepfercht werden, er sei doch Konsul gewesen. Diese Bemerkung hat ihm sehr geschadet. Man brachte ihn in ein Arbeitskommando, die Kiesgrube, wo er geschlagen und so drangsaliert wurde, daß er ins Revier eingeliefert werden mußte. Von da ab schwieg er, galt als komischer Kauz und wurde nach siebenjähriger Haft befreit. - ,, Das ist d Beleidigung f Die Umgangsform war das vertrauliche Zuchthaus- Du. Ob es ein junger oder alter Mensch war, ob er in seinem Privatberuf Geistlicher oder 70 den Kopf wi nichts mehr. Unter Zug kommenen S oft auch län anderen Gei konnten uns mir Pater K erhalten, wir Auf dies zelnen Zimm Hier trafen Lager Sachse haus, Kenter Spinde und gesetzten im des Lagers k Bis 1941 Jeder Block im Block wa ter, war Hers kalt mmerlich. In einem ner und daß wir Spottes. gemeinen uns beund be" mußte eck dieser de in der Is Todestling gestorben." res der Sessel sab lienischen Fall den d machte rden zum metternd. t werden? Harauf abechen und . Es kam ensch war, ie wendig kannten, t auf. Der und bisher r linkisch regen, die 6 man die e bei jeder der eine eferung ins beitern zumerkung hat die KiesRevier einKauz und Ob es ein licher oder Professor oder Künstler war, alles sagte ,, Du" zueinander. Wehe dem, der sich dieser Bestimmung entzog! Er galt als Außenseiter und wurde von allen gehänselt. Nur einer hat es verstanden, während der ganzen Zeit seiner Haft, die Distanz zu wahren, nämlich unser lieber Pater Kentenich, und er hat recht daran getan. Überall war er geachtet durch seine klare. unerschütterliche Haltung. Auf dem Zugangsblock passierte mir folgendes: ein junger, 22jähriger Bursche kommt auf mich zu und redet mich mit meinem Vornamen an. Ich fragte ihn, wer er sei. Da antwortete er mir: ,, Du hast mich vor 12 Jahren in Fürsorge getan, ich stamme aus Barmen." Ich machte ihn energisch darauf aufmerksam, daß ich ihm nicht erlaube, mich mit dem Vornamen anzureden. Verblüfft zog er ab. Nach diesen ersten Erfahrungen fielen alle guten Vorsätze, die ich gefaßt hatte, ins Wasser. Ich merkte, im Lager kam es darauf an, wie sich der Mann verhielt und ob er sich alles gefallen ließ. Ich dachte nicht daran, mich unterkriegen zu lassen. Der Lagerälteste, eine prominente Persönlichkeit, ein Mithäftling, fragte mich einmal, wie ich dazu käme, ihn mit ,, Du" anzureden. Prompt erhielt er die Antwort: ,, Du redest mich ja auch mit Du an. Du bist Häftling wie ich." Auch der SS gegenüber mußte man schlagfertig sein. Einmal fragte mich der Rapportführer: ,, Bist du ein Pfaffe?" ,, Nein!"- ,, Was bist du denn?"- ,, Ein katholischer Geistlicher." ,, Das ist doch dasselbe."- ,, Noch lange nicht. Das Wort Pfaffe ist eine Beleidigung für uns Rheinländer, und wer mir in der Freiheit das Wort an den Kopf wirft, der liegt im nächsten Augenblick an der Erde." Er sagte nichts mehr. - Im Zugangsblock Unter Zugangsblock versteht man den Wohnblock, wohin alle neuangekommenen Schutzhäftlinge gebracht und meistens 14 Tage oder drei Wochen, oft auch länger, ins Lagerleben eingewöhnt wurden. Ich mußte mit zwölf anderen Geistlichen fünfeinhalb Monate in diesem Block verbleiben. Wir konnten uns diese Sonderstrafmaßnahme gar nicht erklären. Erst später teilte mir Pater Kentenich mit, er habe sich erkundigt und habe zur Antwort erhalten, wir seien besonders fanatische Religionsvertreter. Auf diesem Block wurden wir vierzig Neuangekommenen auf die einzelnen Zimmer verteilt. Drei Geistliche und ein Bruder kamen auf Stube 1. Hier trafen wir den Jesuitenpater Benninghaus, der kurze Zeit vorher vom Lager Sachsenhausen angekommen war, und so waren wir zu viert: Benninghaus, Kentenich, Quack und ich. Der Blockälteste wies uns unsere Spinde und Betten an. Unter Blockältesten verstand man den ersten Vorgesetzten im Block, auch ein Häftling. Damit lernte ich die Selbstverwaltung des Lagers kennen. Bis 1941 wurde das Lager ganz in der Verwaltung von der SS geführt. Jeder Block hatte einen Blockführer, einen SS- Mann, der den ganzen Tag im Block war und die Häftlinge drangsalierte. Ab 1941 wurde die innere 71 Verwaltung den Häftlingen selbst übergeben. An der Spitze stand anfangs ein Lagerältester— später gab es deren zwei— und ein Lagerältesten-Stell- vertreter. Der erste Lagerälteste war Georg Scherer, der aber bald ent- lassen wurde und sich in Dachau niedergelassen hat. Sein ganzes Sinnen und Trachten war auf die Befreiung seiner Kameraden aus dem Lager ge- richtet. Er hat dann später beim Befreiungskampf eine besondere Rolle gespielt. Seine Nachfolger waren als.erster Lagerältester Karl Kapp, der. zweite Lagerälteste Martin Sawerski, beide ganz üble Menschen, denen die Mithäftlinge Rache geschworen hatten. Lagerältesten-Stellvertreter war Hugo Guttman.n. Jeder Block.hatte einen Blockältesten, jede Stube einen Stubenältesten. Dann gab es auf jedem Block einen Schreiber, einen Friseur und einen Kantinier, der die Verbindung zur Hauptkantine herstellte und im Verkauf von Waren dem Blockältesten verantwortlich war. Alle diese Leute waren unsere Vorgesetzten. Es war streng verboten, sich ihren Anordnungen zu widersetzen, auch wenn diese noch so unsinnig waren. Ich habe auf dem Zugangsblock vier. Blockälteste erlebt:Herz, Steiner, Guttmann,Kölble. Unser Stubenältester war damals WilliBader. Im Jahre 1942 stand das Lager sehr unter kommunistischer Führung. Alle irgendwie wichtigen Posten waren in der Hand von sogenannten Kom- munisten, die natürlich uns Geistliche besonders„liebten‘. Es sei hier aber gleich gesagt, daß viele von diesen Leuten überhaupt keine Kommunisten waren, sondern nur Schreier, Schwätzer und Nachläufer in der Partei. Ich habe später die führenden Kommunisten kennengelernt und muß sagen, daß sie alle hochanständige Leute waren, die sich nie einen Übergriff ihren Kameraden gegenüber zuschulden kommen ließen. Die anderen„Kommu- nisten‘“ ‚waren Verbrecher. Sie hatten es meisterhaft verstanden, sich die Gunst der SS zu erwerben, indem sie die Strafmethoden der SS nachahmten und vielleicht sogar neue ausdachten. Hierdurch sorgten sie dafür, daß sie ihre Posten behielten. Lagerschreibstube und Arbeitseinsatz waren ganz in kommunistischer Hand. Es bestand ein heimlicher Kampf zwischen Kommu- nisten und Sozialisten. Die einen suchten die anderen aus den verschiedenen Posten herauszudrängen. Ich habe im Lager drei verschiedene Typen von Kommunisten kennengelernt: Solche, die mit dem Verstande der Partei angehörten, jene, die mehr mit dem Herzen Anhänger der Idee waren, ohne sich tiefer mit der kommunistischen Idee gedanklich auseinanderzusetzen und die Schwätzer. Unser Blockältester war ein Verstandesmensch. Er hatte sehr viel gelesen und sich durch“Studien wissenschaftlicher Werke weiter- gebildet. Er unterhielt sich gerne mit uns über die sozialen Probleme, über Kunst und Volkswirtschaft. Nur den einen, Fehler hatte er, er war sehr, sehr stolz und in‘gewisser Hinsicht eingebildet. Uns Geistliche behandelte er} anständig. Den anderen Häftlingen gegenüber verlor er manchmal seine Haltung und konnte brutal sein. Unser Stubenältester Willi Bader, mit seinem Herzen Kommunist, war einfacher Hilfsarbeiter und stammte aus Ludwigsburg bei Stuttgart. Wir alle haben ihn gern gehabt, weil er ein ruhiger, feiner Mensch war, dem keiner Unrechtes nachsagen kann. Er sorgte vorbildlich für seine Stube und hat viel Unangenehmes von uns ferngehalten. 72 Mit Willi Ba denn er war einmal, er h ein Unrecht| block entlassı einige Gedich herauslesen 1 Häftlingsnum Eine eiger Er nannte si Schwätzer üb Guttmann ab die Angewoh Kaum wa Dieser Fragel la). Ne b) Ge c) Hä d) Zu e) Zu f) üb g) rü h) en . Beruf . Gebo a) Le IV, Religi V, Wiey Beruf a) Ve V d) Gr b) G 0) Fa Q) Fa &) K . Sind An Y UL Leber Dere; d anfangs sten- Stellbald entes Sinnen Lager geHere Rolle app, der en, denen treter war tube einen en Friseur tellte und Alle diese sich ihren nig waren. teiner, Bader. Führung. mten Komhier aber mmunisten Partei. Ich muß sagen, griff ihren ,, Kommu, sich die machahmten ir, daß sie en ganz in n Kommurschiedenen Typen von der Partei aren, ohne derzusetzen h. Er hatte ke weiterleme, über r sehr, sehr mandelte er hmal seine der, mit ammte aus weil er ein 1. Er sorgte rngehalten. Mit Willi Bader konnte man sich auch über religiöse Fragen unterhalten; denn er war in seiner Seele ein gläubiger, religiöser Mensch. Er gestand mir einmal, er halte jeden Abend eine Gewissenserforschung, ob er am Tage ein Unrecht begangen habe. Auch später, als ich schon längst vom Zugangsblock entlassen war, kam ich noch gerne mit ihm zusammen. Er hat auch einige Gedichte verfaßt, aus denen man die tiefe Sehnsucht nach Freiheit herauslesen konnte. Bader war einer der ältesten Häftlinge; er trug die Häftlingsnummer 9. Leider starb er 1945 plötzlich an Fleck fieber. Eine eigenartige Persönlichkeit war der ,, Herr" Blockschreiber Seyfert. Er nannte sich Kommunist, war aber ein ganz gewöhnlicher Bursche, ein Schwätzer übelster Sorte. Er tyranniserte den ganzen Block, bis ihn dann Guttmann ablösen ließ. Später kam er auf Transport nach Holland. Er hatte die Angewohnheit, besonders uns Geistliche zu hänseln. Kaum waren wir angekommen, mußten wir einen Fragebogen ausfüllen. Dieser Fragebogen sah folgendermaßen aus: I. a) Name und Vorname des Gefangenen b) Gefangenenbezeichnung c) Häftlingsnummer d) Zugegangen in Block Stube e) Zugang am f) überstellt g) rücküberstellt h) entlassen II. Beruf III. Geboren am - und Ort a) Letzter Wohnort und Adresse 1 IV. Religion ¹ V. Wieviel Kinder? 2 Beruf der Kinder a) Verheiratet? VI. a) Größe b) Gewicht 3 In welchem Alter? mit wem? ( evtl. letztes vor der Verhaftung) c) Farbe der Haare d) Farbe der Augen e) Kopfform VII. Sind Tätowierungen vorhanden? An welchen Körperstellen? VIII, Leben Vater und Mutter noch? Deren Alter? Im Todesfalle: In welchem Alter gestorben? Woran? XI. Sind bei Vater und Mutter körperliche oder geistige Leiden vorgekommen?( Tuberkulose, Nervenkrankheiten, Aufenthalte in ener ( welcher) Nerven- Heilanstalt, Krämpfe, Blindheit, Taubheit, körperliche Mißbildung, Alkoholismus, Aufenthalt in einer Trinkerheilanstalt,( welcher)? ! Ist der Gefg. aus einer Religionsgemeinschaft ausgetreten, so ist dies unter Angabe des Zeitpunktes zu bemerken. 2 Auch außerehelich erzeugte Kinder sind anzugeben, ebenso verstorbene. 3 Angabe des Gewichtes, ob nackt oder in Kleidern. 73 - X. Sind in der Familie 4 die in Ziffer IX bezeichneten Krankheiten oder Zustände vorgekommen?( Bei wem?) Genaue Anschrift des Erkrankten im Todesfalle letzte Anschrift des Verstorbenen Bezeichnung des Verwandtschaftsverhältnisses zum Gefg.( Beispiel: Bruder der Mutter, Straßenbahnschaffner Alois Meier, verst. 1932 am Gehirnschlag, litt an Krämpfen, war 1930 in der Nerven- Heilanstalt in X. zuletzt wohnhaft in München, Dachauer Straße 1). XI. Sind in der Familie des Gefg. Selbstmordversuche vorgekommen? Bei wem? Sind verbrecherische und asoziale Veranlagungen zu beobachten? Bei wem?( Sittlichkeits-, Eigentums- und Gewalttätigkeitsvergehen, Bettelei und Landstreicherei, Vergehen unter Einfluß des Alkohols?) XII. An welchen Krankheiten hat der Gefg. selbst gelitten? Wann und wo( in welchem Krankenhaus, Arzt) ist er behandelt? Sind Unfälle( Kopfverletzungen), Vergiftungen( Gasvergiftungen oder Verschüttungen im Felde) vorgekommen? Wo, wann und von wem behandelt? XIII. Welche Schulen, wo und wann hat der Gefg. besucht? Wie waren die Leistungen( gut, normal, mangelhaft)? Ist der Gefg. sitzengeblieben? Wie oft? XIV. Hat der Gefg. eine Schule, Anstalt für Minderbegabte( wo und und welche Anstalt? wann?) besucht? XV. Ist bezüglich des Gefg. Fürsorgeerziehung angeordnet? Wann? Grund? In welcher Anstalt bzw. Familie war der Gefg. untergebracht. XVI. Ist der Gefg. vorbestraft? 5 Wann? Wegen welcher Tat? Von welchem Gericht? Ist eine strafbare Handlung unter dem Einfluß von Alkohol beoldi gangen worden? XVII. Hat der Gefg. Rauschgifte gebraucht? Welche? Ist eine Erziehungskur angeordnet? Wann? mit welchem Erfolg? XVIII. Ist der Gefg. Nichtraucher? Nichttrinker? Seit wann? War er es früher? Bis wann? Gestalt: stark - - schlank - schwächlich Nase: gradlinig eingebogen nach außen gebogen groß Mund: dünne - - - untersetzt dicke - wulstige Lippen abstehend - - groß klein - Goldzähne Bei den Scherze, über Sind Sie ver hatte, der na bemerkungen daß er nichts über: ,, Na, n gestopft hat. fürchtete Per Kommando H gewisse Sche beide schon billigen Arbe nerei des Lag beide auch i Der Kant schwere Haft Homosexuell verbreitet tr war ein gute gesorgt hat zubringen. Die erste kommen um unmöglich g um 29 Uh 25 Uhr au waschen, aud war Zählapp straße an, u ab. Eine be die noch nic -, tagsüber lernten zue Befehl gege klein zieren. Dies hatten, sond Ohren: groß klein Zähne: vollständig - lückenhaft - Sprache:( Mundart) stottert stößt an 4 Zur Familie des Gefangenen gehören die Eltern, Großeltern, sowie deren Abkömmlinge, also auch die Geschwister, sowie Geschwisterkinder und Kinder des Gefg. Der Gefg. hat besonders darauf zu achten, ob bestimmte Krankheiten, z. B. Tuberkulose, Nerven- und Gemütserkrankungen, Blindheit, Taubheit, Alkoholismus, Selbstmorde, Selbstmordversuche bei mehreren Mitgliedern der Familie vorgekommen sind. 5 Unter Vorstrafen sind auch Geldstrafen zu verstehen, soweit sie nicht Polizeiübertretungen betreffen. Desgl. sind auch solche Strafen aufzuführen, deren Verbüßung ganz oder teilweise durch Amnestie erlassen ist. 74 und an den der engen unter den schäftigte. Täglich Lagervorsch Guttmann Neuankomn ankheiten chrift des benen ( Beispiel: erst, 1932 ven- HeilBe 1). ekommen? ungen zu walttätig. nter EinWann und rgiftungen Vie waren ( wo und ? Wann? fg. unterkohol be- klein deren AbKinder des eiten, z. B. koholismus, milie vorge cht Polizeideren VerBei den einzelnen Fragen machte er die übelsten und unanständigsten Scherze, über die er selbst am meisten lachte. Zum Beipsiel die Frage: Sind Sie verheiratet? kommentierte er, wenn er einen Geistlichen vor sich hatte, der natürlich mit ,, Nein" antwortete, mit unflätigen, gemeinen Randbemerkungen. Ich habe ihm bei einer Gelegenheit derart Bescheid gesagt, daß er nichts mehr zu erwidern wußte. Der Blockälteste meinte ihm gegenüber: ,, Na, nun hast du endlich mal einen gefunden, der dir dein Großmaul gestopft hat." Der Schreiber war auf dem Block eine gefährliche und gefürchtete Person, weil er einen Häftling in ein schlechtes, ja todbringendes Kommando bringen konnte. Mich hat er nie damit behelligt, er hatte eine gewisse Scheu vor mir. Den armen Benninghaus und den Pfarrer Schniers, beide schon über 60 Jahre alt, überwies er in die Plantage, die mit der billigen Arbeitskraft der Gefangenen ausgezeichnet wirtschaftende Groß- Gärtnerei des Lagers und der SS. Durch die schwere Arbeit und den Hunger sind beide auch in den nächsten Monaten gestorben. Der Kantinier, der damals auf dem Block war, hatte offenbar durch die schwere Haft gelitten. Er war sehr nervös und machte den Eindruck eines Homosexuellen. Übrigens war das Laster der Homosexualität sehr im Lager verbreitet trotz der schweren Strafen, die darauf standen. Sein Nachfolger war ein guter Mensch, ein Pole, namens Sti a sny, der für uns vorzüglich gesorgt hat und immer bemüht blieb, aus der Hauptkantine Eßwaren herbeizubringen. Die ersten Tage im Lager fielen uns recht schwer. Man mußte sich vollkommen umstellen und sich an Dinge gewöhnen, die man zu Hause für unmöglich gehalten hatte. Morgens um 5 Uhr wurde aufgestanden, abends um 29 Uhr mußten alle im Bett sein. Im Sommer standen wir sogar um ½25 Uhr auf. Mit entblößtem Oberkörper mußten wir uns im Waschraum waschen, auch im kältesten Winter. Dann wurde ,, Kaffee" getrunken. Danach war Zählappell. Wir traten zu je zehn Mann hintereinander in der Blockstraße an, und der zuständige Blockführer, ein SS- Mann, nahm den Appell ab. Eine besondere Aufgabe für den Blockältesten war es nun, all jene, die noch nicht zur Arbeit eingeteilt waren sie hießen die ,, uneingeteilten" -, tagsüber zu beschäftigen, denn auf der Stube sitzen, war verboten. Wir lernten zuerst, die Mütze auf- und abnehmen, indem wohl 100mal der Befehl gegeben wurde: ,, Mützen auf, Mützen ab." Dann lernten wir exerzieren. Dieses Exerzieren war deshalb so schwer, weil wir keine Schuhe hatten, sondern Holzpantinen, die entweder zu groß oder zu klein waren und an den nackten Füßen stets abrutschten. Exerziert wurde nicht nur auf der engen Blockstraße, sondern auch auf der Lagerstraße, wo wir natürlich unter den Augen der SS standen, die sich gerne mit den Neulingen beschäftigte. - Täglich gab es am Morgen wie am Abend eine Unterrichtsstunde über Lagervorschriften. Diese Unterweisung gab ich später unter dem Blockältesten Guttmann und gestaltete sie stets zu einer Aufmunterungsstunde für die Neuankommenden. Vielen Kameraden bin ich so Freund geworden. Sie 75 kamen mit kleinen und großen Anliegen zu mir. Sie merkten sofort: da war wenigstens einer, der nicht brüllte und schlug. In dieser Unterrichtsstunde wurde uns zuerst mitgeteilt, jeder SS- Angehörige sei unser Vorgesetzter und zu grüßen. Der SS war es verboten, den Gruß zu erwidern. Man mußte fünf Schritte vor dem SS- Mann die Mütze abnehmen und in strammer Haltung vorübergehen. Jeder war mit ,, Herr" Blockführer anzusprechen, es sei denn, daß er Offizier war, dann wurde er mit dem Dienstgrad angeredet. Wehe dem, der diese verschiedenen Dienstgrade nicht kannte! Es wurden uns Tafeln zur Verfügung gestellt, auf denen die Grade der SS aufgezeichnet waren, vom einfachen SS- Mann bis zum Reichsführer SS. Besonders mußten wir uns die Grade der Scharführer merken, auswendig lernen und immer wieder in der Anrede üben. Sodann wurde uns beigebracht, wie wir uns zu melden hatten, wenn ein SS- Mann uns rief, oder wenn wir nach vorne zum Jourhaus gerufen wurden. Die Meldung lautete: ,, Schutzhäftlng 29 400, dann kam der Name, meldet sich gehorsamst zur Stelle" oder„ ,, bittet gehorsamst, eintreten zu dürfen." Je schneidiger man diese Formel sagte, desto besser war es. Wenn aber ein armer, alter, gebrechlicher Mensch nur mit halber Stimme sich meldete, bekam er schon sofort einen Anpfiff oder eine Ohrfeige. Wie oft habe ich den Leuten dies vormachen müssen und sie üben lassen, bis es einigermaßen ging. Ich begann meist den Unterricht mit dem Satz: ,, Die da vorne wollen uns alle zur Strecke bringen, wir aber wollen leben und werden leben. Deshalb muß ein jeder gegen sich hart sein und alle seelischen und körperlichen Kräfte konzentrieren auf den Willen zum Leben." Das hatte Willi Bader mir gleich in den ersten Wochen beigebracht, und ich bin ihm für immer dankbar, denn so habe ich durchhalten können. Zigarrenkiste nauen Linie Steiner qu in der ersten Betten wurde Freude daran sie ihre sinnl Ein weiter des Aufmarsc sonders belie Die blauen D Die blaue Fanfaren Die wiehe Die Fähn Ein besonderer Gegenstand der Unterweisung waren Spind und Bett. Wie halte ich meinen Spind rein und wie baue ich mein Bett? Sehr ernst war die Vorschrift, das Eigentum der Kameraden zu achten. Auf Brotdiebstahl stand der Tod. Und trotzdem wurde fast täglich Brot gestohlen, denn Hunger tut weh. Diese Unterrichtsstunden fielen später ganz aus, weil die Belegung, auch des Zugangsblocks, so war, daß in einer Wohnstube über 300 Männer eingepfercht waren. In den ersten Tagen erhielten wir die Anweisung, wie ein Spind aussehen mußte. Das Eßgeschirr hatte seinen bestimmten Platz, das Messer mußte mit der Schneide nach vorne eingesteckt sein, und anderes mehr. Das Eßgeschirr bestand aus einer Eẞschüssel aus Aluminium, einem Teller und einem Becher. Jeder hatte anfangs ein Messer, eine Gabel und einen Löffel. Später waren Gabel und Messer selten. Es mußten sich zwei oder drei Mann mit einem Messer behelfen. Gabeln gab es überhaupt nicht mehr, es sei denn, daß sich jemand eine ,, organisiert" hatte. Warum erwähne ich diese Nichtigkeiten? Weil auf eine Vernachlässigung einer kleinen Vorschrift schon eine Strafmeldung erfolgte. Viele meiner Kameraden haben wegen einer solch kleinen Verfehlung 25 Doppelschläge erhalten oder hatten irgendeine Strafarbeit zu verrichten. Genau so war es mit dem Bau der Betten. Jedes Bett mußte glatt, wie das Innere einer 76 Morgen, Und mor Kehrreim Weit Dort neue Jeder Weit Die W Der N Madagaskar. Wir lager und hatte In den K und tägli Ahoi, Ka Wenn da weil ein sehen wi Und ein das zu H Da schau Haselnub. Schwarzb Schwarzb Schwarzb Gerade s ofort: da er SS- Anverboten, Mann die war mit war, dann chiedenen stellt, auf Mann bis charführer . Sodann SS- Mann rden. Die eldet sich irfen." Je aber ein meldete, habe ich germaßen ne wollen en leben. d körperatte Willi ihm für und Bett. Sehr ernst Brotdieblen, denn weil die tube über r die Aneinen beeingesteckt üssel aus in Messer, Es mußten O es überrt" hatte. lässigung le meiner pelschläge u so war mere einer Zigarrenkiste, aussehen. Die Keilkissen und Decken mußten in einer genauen Linie ohne Falten geordnet sein. Unser Schlafsaalkapo Albert Steiner quälte uns Tag für Tag mit diesen Dingen. Wie oft haben wir in der ersten Zeit die Betten immer wieder neu machen müssen. Mit den Betten wurde ein reiner Kult getrieben. SS wie Lagerälteste fanden ihre Freude daran, festzustellen, daß irgend etwas nicht stimmte. Dann konnten sie ihre sinnlosen Strafen verhängen. Ein weiterer Gegenstand des Unterrichts waren die Lieder, die während des Aufmarschierens gesungen werden mußten. Nachfolgend einige, die besonders beliebt waren: Die blauen Dragoner. Die blauen Dragoner, sie reiten mit klingendem Spiel vor das Tor. Fanfaren sie begleiten, hell zu den Hügeln empor. Die wiehernden Rosse, sie stampfen! Die Birken, sie wiegen im Wind. Die Fähnlein an den Lanzen flattern im Morgenwind. Morgen, da müssen sie reiten, mein Liebster wird bei ihnen sein. Und morgen zu allen Zeiten, morgen dann bin ich allein. Kehrreim: Weit ist der Weg zurück ins Heimatland so weit, so weit. Dort wo die Blumen blühn am Waldesrand, blüht die neue Zeit, die neue Zeit. Jeder brave Musketier sehnt heimlich sich nach ihr. Weit ist der Weg zurück ins Heimatland so weit, so weit. Die Wolken ziehn dahin, sie ziehn auch wieder her. Der Mensch lebt nur einmal und dann nicht mehr. Madagaskar. Wir lagen vor Madagaskar und hatten die Pest an Bord. In den Kesseln verfaulte das Wasser, und täglich ging einer über Bord. Ahoi, Kameraden, ahoi, ahoi, lebwohl süßes Mädel, lebwohl! Wenn das Schifferklavier an Bord ertönt, dann sind die Matrosen so still, weil ein jeder nach seiner Heimat sich sehnt, die er gerne einmal wiedersehen will. Und ein lustiges Mädel, das wünscht er sich her, das zu Haus so heiß ihn geküẞt. Da schaut er hinaus aufs weite Meer, wo fern seine Heimat ist. Haselnuß. Schwarzbraun ist die Haselnuẞ, Schwarzbraun bin auch ich. Schwarzbraun muß mein Mädel sein, Gerade so wie ich. 77 Sauerland. Heute wollen wir marschieren, einen neuen Marsch probieren, nach dem schönen Sauerland sei dieser Marsch benannt. O, du schönes Sauerland du bist ja auf der ganzen weiten Welt bekannt, ein jeder möcht dich sehn so gern, es kommen die Leut von nah und fern. Esterwegen( schöne Melodie). In Esterwegen war ich zwar so manchen Monat, Tag und Jahr. Und fragst du mich, wo steht mein Sinn, so seh ich nach der Heimat hin. Und jeden Morgen in der Früh beginnt des Tages Last und Müh. Ob Arbeitsdienst, ob Sport uns zwingt, doch stets ein frohes Lied erklingt. Briefve Anschrift ange benutzt werde schreiber, ob In die Wohnstube durften wir mit unseren Holzpantinen nicht hineingehen. Wir mußten sie vor der Türe ausziehen und auf Strümpfen oder, wenn man keine hatte, barfuß den Raum betreten. Die nicht zur Arbeit Eingeteilten mußten Schlaf- und Wohnstube, Abort usw. rein machen. Der Stuben- und Schlafsaaldienst war bestimmten Häftlingen anvertraut, während die Reinigung des Abortes, des Waschraumes und des Vorraumes zwischen beiden abwechselte. Oft wurde dies als Strafmaßnahme benutzt. Während des Reinemachens durfte niemand diese Räume betreten. Alle wurden auf die Blockstraße gejagt ohne Rücksicht darauf, ob es regnete oder schneite, auch bei bitterster Kälte. Sehr unangenehm war es, wenn ein armer Kerl den Durchfall hatte, aber auch hierauf wurde gar keine Rücksicht genommen. Der Fußboden im Wohnraum wurde geölt und geplockt, ein Grund mehr, daß wir acht haben mußten, ihn nicht schmutzig zu machen. Das war natürlich fast unmöglich, wenn es draußen regnete und die Blockstraße im Wasser schwamm. Es gab dann in der Regel einen großen Krach. In den Jahren 1941/42 waren genug Hocker zum Sitzen vorhanden. Von 1943 ab mußte mindestens die Hälfte stehen, weil die Belegung zu stark und der Hocker zu wenige waren. Es war verboten, politische Gespräche zu führen. Darauf standen schwere Strafen. Trotzdem glaube ich, wurde unter den Häftlingen wohl mehr politisiert als draußen im Lande. Man mußte nur vorsichtig sein, denn zu leicht fand sich ein Verräter. Wehe dem, der als Denunziant entlarvt wurde! Er wurde von den Häftlingen erbarmungslos auf die Todesliste gesetzt. Es ist vorgekommen, daß man einen solchen Menschen an einem Morgen erhängt auffand. Dann hieß es immer, er habe sich selbst gerichtet. Kein Mensch regte sich über diese Taten auf, und die Leiche wurde zur Totenkammer gebracht. Es war aber auch der Fall, daß dieser Mensch über den Arbeitseinsatz auf Transport in ein anderes Lager abgeschoben wurde. • 78 der Postzensur es einer, so w Briefumschlag geschrieben un ging diese zu eigens von de durch den Kar standen: Konzentration Folgende beachten: 1. Jeder Schu von seine an die Ge dürfen nur bogen nor Briefe dür andere ist 10 Zeilen H 2. Geldsendu 3. Es ist dar Adresse, b die Sendu nauen und ist, geht d 4. Zeitungen Dachau be 5. Pakete dü kaufen kö 6. Entlassung 7. Sprecherla sind grund Später, von schränktem U wie es im La Decknamen, z an Hunger. E gemerkt, von stellen zu ge kommen, das t hineinder, wenn beit Einhen. Der während zwischen Während urden auf schneite, Kerl den men. Der r, daß wir ürlich fast schwamm. / 42 waren estens die ige waren. en schwere ehr politiazu leicht wurde! Er etzt. Es ist en erhängt ensch regte gebracht. einsatz auf Briefverkehr mit der Heimat: Jeder Häftling durfte eine Anschrift angeben, an die er schreiben wollte. Nur diese Anschrift konnte benutzt werden. Alle Briefe wurden überprüft, und zwar zuerst vom Blockschreiber, ob die Adresse stimmte, und dann unterlag natürlich der Inhalt der Postzensur. Über das Lagerleben zu schreiben, war streng verboten. Tat es einer, so wurde der Brief vernichtet und der Absender erhielt den leeren Briefumschlag zurück oder er erhielt sogar eine Strafe. Alle 14 Tage durfte geschrieben und ein Brief empfangen werden. Erhielt ein Häftling mehr Post, ging diese zurück mit dem Vermerk ,, Schon Post empfangen". Es wurden eigens von der Lagerverwaltung hergestellte Briefbogen und Briefumschläge durch den Kantinier verteilt, auf denen folgende Lagervorschriften gedruckt standen: Konzentrationslager Dachau 3 K. Folgende Anordnungen sind beim Schriftverkehr mit Gefangenen zu beachten: 1. Jeder Schutzhaftgefangene darf im Monat zwei Briefe oder zwei Karten von seinen Angehörigen empfangen und an sie absenden. Die Briefe an die Gefangenen müssen gut lesbar mit Tinte geschrieben sein und dürfen nur auf einer Seite 15 Zeilen enthalten. Gestattet ist nur ein Briefbogen normaler Größe. Briefumschläge müssen ungefüttert sein. In einem Briefe dürfen nur fünf Briefmarken à 12 Rpf. beigelegt werden. Alles andere ist verboten und unterliegt der Beschlagnahme. Postkarten dürfen 10 Zeilen haben. Lichtbilder dürfen als Postkarten nicht verwendet werden. 2. Geldsendungen sind gestattet. 3. Es ist darauf zu achten, daß bei Geld- oder Postsendungen die genaue Adresse, bestehend aus Name, Geburtsdatum und Gefangenennummer, auf die Sendungen zu schreiben sind. Ebenso müssen alle Schreiben den genauen und vollständigen Absender tragen. Wenn die Adresse fehlerhaft ist, geht die Post an den Absender zurück oder wird vernichtet. 4. Zeitungen sind gestattet, dürfen aber nur durch die Postleitstelle des K. L. Dachau bestellt werden. 5. Pakete dürfen nicht geschickt werden, da die Gefangenen im Lager alles kaufen können. 6. Entlassungsgesuche aus der Schutzhaft an die Lagerleitung sind zwecklos. 7. Sprecherlaubnis und Besuche von Gefangenen im Konzentrationslager sind grundsätzlich verboten. Der Lagerkommandant. Später, von November 1942 ab, hieß es in Punkt 5: Pakete dürfen in beschränktem Umfang gesandt werden. Um denen zuhause nun doch mitzuteilen, wie es im Lager aussah, ob man krank war usw., gebrauchten wir einen Decknamen, z. B. ,, Wie ich höre, geht es dem Onkel Dor nicht gut. Er leidet an Hunger. Er leidet an Gesichtsrose u. a. m." Die SS hat in der Regel nie gemerkt, von wem eigentlich die Rede war. Es war auch verboten, Bibelstellen zu gebrauchen. Einer von uns hat deshalb sogar Schreibverbot bekommen, das bis zum Schluß der Haftzeit nicht aufgehoben worden ist. 79 diesen Liebes sie selbst nich haftet hatte, der diese A Seelsorge unte meiner Freund Fritz und d Nachdem das Lager im Oktober 1942 von einem Straf- zu einem Arbeitslager umgestellt worden war, erhielten wir die Erlaubnis, Pakete zu empfangen. Der Schutzhaftlagerführer Jarulin gönnte uns anscheinend diese Vergünstigung nicht und wollte sie, soviel wie möglich, sabotieren. Er ließ deshalb verkünden, jeder dürfe monatlich nur ein Paket empfangen, und in jeder Sendung müsse ein Erlaubnisschein sein, den man vorher nach Hause gesandt hatte. Lagerkommandant Weiß, übrigens ein gerechter Mann, der für uns Häftlinge so gut sorgte, wie er konnte, änderte, als er von dieser unsinnigen Bestimmung hörte, diese sofort, und von da ab- Dezember 1942- konnte jeder Pakete in beliebiger Anzahl und von schwerem Gewicht erhalten ohne Erlaubnisschein. Anfangs mußten wir abends zum Block B gehen und warten bis wir aufgerufen wurden. Da dies bald unmöglich wurde, weil zuviel Pakete ankamen, wurde im Lager auf Block 30 eine eigene Poststelle errichtet. Dem Schreiber jedes Blocks wurde gemeldet, wer ein Paket habe. Er teilte es den Empfängern mit. Diese mußten dann zu Block 30 gehen und die Pakete, nachdem sie von SS- Männern untersucht waren, ob nichts Verbotenes darin sei, in Empfang nehmen. Auch diese Regelung wurde 1943 abgeändert, indem die Pakete auf der Poststelle nach den einzelnen Blocks sortiert und durch den Schreiber abgeholt wurden. Am Abend nach dem Zählappell wurden dann vom Blockältesten die Namen der Empfänger aufgerufen. Von 1944 ab wurden die Pakete auf die eigene Stube gebracht, dort von SS- Männern geöffnet, untersucht und dann abgegeben. Oft haben wir in der Folgezeit, wenn der betreffende SS- Mann die Zahl der Pakete nicht feststellen ließ, Pakete heimlich weggenommen und selbst geöffnet, besonders dann, wenn wir ahnten, daß Weine, Spirituosen, Kartenspiele, Briefe in ihnen waren. Im Revier war eine eigene Poststelle. Der Leiter dieser Ausgabe ließ von sich aus manche Pakete verschwinden, bevor der SSMann erschien, händigte sie ungeöffnet dem Kameraden aus, verlangte dann aber eine ordentliche Abgabe, die oft unverschämt hoch, war. mir wöchentli „ Ich war hun sei auch noc München, erv annahm und und riskanter mit allem Na Freilassung h bei der Eins keineswegs v Überzeugung, hatten, es in Diese Lebensmittelsendungen haben vielen das Leben gerettet. Ich weiß mich noch der Stunde zu erinnern, in der ich mein erstes Paket erhielt. Nie im Leben habe ich mich so kindlich gefreut wie in diesem Augenblick. Ein ganzes Brot durfte ich mein Eigen nennen und Butter und Wurst: alles nahrhafte Sachen, auf die wir lange Zeit hatten verzichten müssen. An dem Abend habe ich mich nach langer Zeit wieder einmal satt essen können. An dieser Stelle sei der vielen lieben und guten Menschen gedacht, die sich während der ganzen Jahre in geradezu rührender Weise um mich sorgten und kümmerten, sich meiner im Gebete erinnerten und auch sonst alles nach ihren Kräften taten, um meine Leidenszeit, wenn möglich, abzukürzen, oder sie mir durch trostspendende Zeitschriften und Sendungen von Liebespaketen doch wenigstens in etwa erträglicher zu gestalten. die hierdurch nicht ratsam Ich danke hier in erster Linie dem hochwürdigen Herrn Kardinal Erzbischof Dr. Josef Frings in Köln sowie meinen zahlreichen Freunden aus Laienkreisen. Ein ganz besonderer Dank aber gebührt Fräulein Husemann, die in wahrhaft vorbildlicher Treue und bis zur Selbstaufopferung gehender Hingabe alles für mich tat, was überhaupt getan werden konnte. Sie hat 80 hand zu liqu steht außer Z Die Verp oder einem blätter oder welche sonsti ein kleines S tagen gab es suppe, selten Glück hatte, übrigen war daß man hie zweimal vorg ein besonder Die Kan wurde beson wußte imme Wir waren Zweimal in Suppe, Salat liefern konn war auch d hatten, zu h aus, um alle Tabak willk Dachau Arbeitszu kete z scheinend abotieren. mpfangen, rher nach gerechter te, als er da ab- und von wir abends bald unck 30 eine eldet, wer dann zu untersucht uch diese stelle nach urden. Am Namen der gene Stube geben. Oft Zahl der selbst ge, KartenDer Leiter or der SSangte dann Ich weiß et erhielt. Augenblick. Wurst: alles n. An dem önnen. An t, die sich orgten und alles nach Gürzen, oder bespaketen ardinal Erzeunden aus Husemann, g gehender te. Sie hat diesen Liebesdienst unter den schwierigsten Umständen geleitet. Und als sie selbst nichts mehr unternehmen konnte, weil die Gestapo auch sie verhaftet hatte, übernahm mein lieber Freund und Konfrater Willi Faß ben- der diese Aufgabe und sorgte für mich vom Allgäu her, wo er in der Seelsorge unter den aus Elberfeld Evakuierten tätig war. Ich will aber auch meiner Freunde in München gedenken, des Herrn Landescaritasdirektor Georg Fritz und des Herrn Konsul Albert Schorrs und seiner Gemahlin, die mir wöchentlich Brot und Kuchen zusandten. Allen gilt das Wort des Herrn: ,, Ich war hungrig, und ihr habt mich gespeist." In diesem Zusammenhang sei auch noch mein Rechtsbeistand, Rechtsanwalt Hans Schubert in München, erwähnt, der sich gleichfalls mit großer Hingabe meiner Sache annahm und sich unerschrocken der gerade für ihn als Anwalt nicht leichten und riskanten Aufgabe unterzog, meine Interessen gegenüber der Gestapo mit allem Nachdruck zu vertreten und unablässig auf meine unverzügliche Freilassung hinzuwirken. Auch wenn er diese nicht erreichen konnte, was bei der Einstellung der Gestapo, besonders den Geistlichen gegenüber, keineswegs verwunderlich erscheint, so bin ich andererseits doch der festen Überzeugung, daß seine vielseitigen und zähen Bemühungen den Erfolg hatten, es in Anbetracht der zahlreichen und prominenten Persönlichkeiten, die hierdurch auf meinen Fall aufmerksam geworden waren, der Gestapo nicht ratsam erschien, mich wie so unzählige andere Schutzhäftlinge kurzerhand zu liquidieren. Daß ich mich ernstlich in dieser Gefahr befunden habe, steht außer Zweifel. Die Verpflegung im Lager bestand morgens meist aus schwarzem Kaffee oder einem Becher Suppe, mittags aus einer Wassersuppe, in die Krautblätter oder Steckrüben oder Brennesseln hineingeschnitten waren. Irgendwelche sonstige Zutaten gab es nicht. An drei Tagen in der Woche gab es ein kleines Stückchen Margarine oder eine kleine Scheibe Wurst. An Sonntagen gab es mittags eine bessere Suppe, entweder Kartoffel- oder Nudelsuppe, selten Erbsen- oder Bohnensuppe. Sonntags konnte man, wenn man Glück hatte, auch ein kleines Stückchen Fleisch in der Suppe finden. Im übrigen war nicht nur die Qualität, sondern auch die Quantität so gering, daß man hiervon niemals satt werden konnte. In all den Jahren ist es nur zweimal vorgekommen, daß wir an einem hohen Festtag, z. B. Weihnachten. ein besonderes Essen bekommen haben. Die Kantine war von 1942 ab sehr spärlich, und der Zugangsblock wurde besonders wenig beliefert. Aber unser lieber Kamerad Stiasny wußte immer wieder etwas herauszuholen und auf den Block zu bringen. Wir waren für jede Kleinigkeit sehr dankbar; denn der Hunger tat weh. Zweimal in der Woche gab es morgens aus Maggi- Würfeln hergestellte Suppe, Salat, Kohlrabi, Paprika, Rettich, Gurken, alles, was die Plantage liefern konnte, brachte er uns. Wir waren froh, es kaufen zu können. Hier war auch die Gelegenheit gegeben, anderen Kameraden, die kein Geld hatten, zu helfen. Leider reichte oft das Geld, nämlich die 20 Mark, nicht aus, um alle teilnehmen zu lassen. Besonders aber waren Zigaretten und Tabak willkommen, die leider nur in kleinen Mengen verkauft wurden. Dachau 6 81 Einige tauschten Brot für Tabakwaren ein. Jedoch war dies verpönt, weil der einzelne sein Brot selbst sehr notwendig zum Unterhalt hatte. Es gab aber immer Kameraden, die lieber rauchten, als Brot aßen und nicht merkten wie sie mehr und mehr herunterkamen und abmagerten. Der Blockälteste hat eines Tages diesen Tauschhandel streng verboten. Der Zugangsblock war vom Lager durch ein Tor abgetrennt, und keiner von uns durfte auf der Lagerstraße mit den anderen Häftlingen zusammen. kommen. Trotzdem drangen besondere Ereignisse im Lager bis zu uns. Ich vergesse die Karwoche 1942 nie, da sie uns das wirkliche Lager in seiner ganzen Grausamkeit zum ersten Male zeigte. Was war geschehen? worden, weil Hä haben sollten. Ho brutaler Mensch, Bei jeder Gelegen ins Gesicht der H Sodann hatte er den ersten Schlag Erde gingen. Dar Rippen oder wohi beim ersten Schla seiner Wege. Er möglich gemacht Lagers. Gleich in den Lagersprache setz fängnis- und Zu teils aber nur im 1. ,, Ich sehe so Kurz vorher war ein bargeldloser Verkehr zur Kantine eingerichtet worden. Es war verboten, bares Geld in der Tasche zu haben. Zuwiderhandlungen wurden mit schweren Strafen bedroht. Die polnischen Pfarrer waren im Bad; da stürzte der Lagerälteste Kapp herein, ging sofort auf die abgelegte Kleidung eines Pfarrers zu und fand hier Geld. Es war ein Seminarpräses, der das Geld retten wollte, weil es nicht ihm gehörte, sondern dem Seminar, das für das Studium von Theologen gestiftet worden war. Kapp fragte ihn: ,, Ist das Geld dir?"- ,, Nein!" ,, Wem gehört es denn?" Er blieb die Antwort schuldig. Darauf schlug ihm Kapp mit der Faust ins Gesicht und trat ihn mit Füßen. Der Geistliche bekam eine Strafmeldung und 25 Doppelschläge. Man hatte ihn so zugerichtet, daß er ins Revier eingeliefert werden mußte, wo er nach einigen Tagen starb. Damit noch nicht genug, wurde sofort eine Untersuchung auf Block 28 und 30 angeordnet, wo die polnischen Geistlichen untergebracht waren. Die Mitbrüder mußten alle auf der Lagerstraße antreten, sich trotz der Märzkälte vollkommen entkleiden und stundenlang stehen, während ihre Kleider untersucht wurden. Auf den Blocks wurde alles durcheinander geworfen. Alle Strohsäcke wurden aus den Fenstern auf die Blockstraße befördert und die Spinde vollkommen entleert. Bei dieser Gelegenheit wurde vieles gestohlen. Die Pfarrer fanden am Abend nur noch die Hälfte ihrer Sachen vor. Sie selbst mußten chne Essen den ganzen Tag stehen und acht Tage lang bis zum zweiten Osterfeiertag jeden Tag von morgens 27 Uhr bis abends strafexerzieren. Nur am Mittag hatten sie eine halbe Stunde Pause zum Essen. In dieser Woche sind sieben der ältesten Geistlichen gestorben. Man fand im Block auch noch einiges Geld, Dollars und Gulden, was natürlich alles weggenommen wurde. Vieles ist wahrscheinlich in den Taschen der Häftlinge verschwunden, die hier ,, aufräumten". Im Lager wurde maßlos über die Pfaffen geschimpft, und das Geld, das man beschlagnahmt haben wollte, stieg ins Groteske. Auch wir deutschen Geistlichen wurden verantwortlich gemacht für dieses ,, Verbre chen. Wir aber bedauerten die armen polnischen Konfratres, denen man. wie so oft während ihres Lagerlebens, bitteres Unrecht getan hatte. anderen vo 2. ,, Hau ab" Hau ja ab 3. ,, Durch den 4. ,, Organisier 5. Kippe"- der von H gesammelt Am Samstag vor Pfingsten 1942 mußten wir strafstehen, und zwar von 1 Uhr mittags bis 9 Uhr abends. Die Betten wurden auf die Blockstraße befördert. Es fing an zu regnen, und nachdem die Decken und Matratzen naẞ geworden waren, durften wir sie wieder in den Schlafsaal bringen. Diese Strafmaßnahme war vom 1. Schutzhaftlagerführer Hofmann angeordnet 6. ,, Abkochen spräch: ,, Ha eine das B schwand sp 7. Fertigmach 8. Kretiner" chen, geist beit nutz 9. ,, Filzen" 10. ,, Brotzeit" Morgenkaff und einem erhielten a 11. ,, Türmen" 12. Nachschla der Suppe war, vertel Schöpflöffe 82 mönt, weil e. Es gab merkten ockälteste und keiner usammen uns. Ich in seiner chtet worandlungen waren im f die abSeminardern dem war. Kapp denn?" E Faust ins afmeldung Revier einnoch nicht ngeordnet, er mußten ollkommen sucht wurStrohsäcke pinde vollDie Pfarrer Ost mußten m zweiten exerzieren. In dieser im Block genommen schwunden, geschimpft, ceske. Auch es ,, Verbre Henen man. e. zwar von Blockstraße Matratzen ngen. Diese angeordnet - worden, weil Häftlinge eines Außenkommandos der SS Schnaps gestohlen haben sollten. Hofmann war einer der gefürchtetsten SS- Führer, ein roher, brutaler Mensch, der das Leben vieler Kameraden auf dem Gewissen hat. Bei jeder Gelegenheit schlug er mit und ohne Grund seine Faust so ins Gesicht der Häftlinge, daß immer eine Reihe Zähne zerschlagen waren. Sodann hatte er die Gewohnheit, wenn die Geschlagenen nicht sofort auf den ersten Schlag auf der Erde lagen, sie so lange zu bearbeiten, bis sie zur Erde gingen. Dann stieß er sie mit seinen schweren Stiefeln noch in die Rippen oder wohin es gerade traf. Weil wir das wußten, ließ sich jeder gleich beim ersten Schlag einfach fallen, dann war Hofmann zufrieden und ging seiner Wege. Er hat sich anscheinend im Lager durch andere Delikte unmöglich gemacht und wurde versetzt. Er wurde Kommandant eines anderen Lagers. Gleich in den ersten Tagen lernte ich die ,, Lagersprache" kennen. Diese Lagersprache setzte sich aus Ausdrücken zusammen, die teils aus der Gefängnis- und Zuchthaussprache stammen, teils bayrisches Sprachjargon war, teils aber nur im Lager Dachau vorkamen. Solche Ausdrücke waren z. B.: 1.., Ich sehe schwarz für dich!" d. h. man sah Unglück oder Strafe für den anderen voraus. 2. ,, Hau ab"-scher dich weg, je nachdem es ergänzt und betont wurde, ,, Hau ja ab!" bedeutete eine Drohung. - 3. ,, Durch den Kamin gehen"- verbrannt werden im Krematorium. 4. ,, Organisieren"- besorgen, stehlen oder im besseren Sinne eintauschen. 5. ,, Kippe" der kleine Stummel einer Zigarette, den man wegwarf und der von Häftlingen, die keinen Tabak hatten, mit Fleiß gesucht und gesammelt wurde. 6. ,, Abkochen"- betrügen. Es entspann sich in der Regel folgendes Gespräch: ,, Hast du Brot? Ich gebe dir Zigaretten dafür." Gab nun der eine das Brot, vergaß der andere die Zigaretten zu bringen und verschwand spurlos. 7. ,, Fertigmachen"- einen Häftling so lange quälen, bis er stirbt. 8. ,, Kretiner" Das Wort kommt von Kretin, und bedeutet einen schwachen, geistig und körperlich armseligen Menschen, der zu keiner Arbeit nutz ist. 9. ,, Filzen" Suchen nach verbotenen Dingen. 10. ,, Brotzeit" - Frühstück. In den Arbeitskommandos gab es zwischen Morgenkaffee und Mittagessen ein Frühstück, bestehend aus Brot und einem kleinen Stückchen Wurst, Käse oder Schmalz. Die Geistlichen erhielten anfangs auf der Plantage keine Brotzeit, dann nur die Hälfte. 11. ,, Türmen" Fliehen. - - 12. ,, Nachschlag" Wenn am Mittag das Essen ausgeteilt war und von der Suppe es gab überhaupt immer nur Suppe- etwas übriggeblieben war, verteilte der Stubenälteste diesen Rest, und zwar mit je einem Schöpflöffel voll an die Kameraden. Dieses wurde nun, soweit der Vor83 - - gasung getötet. 1944/45 starben wütete unter ihr dieser Zeit seher Mann auf diese geworfen und las abgeholt wurder anderen schlende und aben ihr Ess Eindruck auf sie. rat reichte, spindweise oder tischweise gemacht. In dem Hungerjahr war ein Nachschlag immer sehr wertvoll, und es achteten alle darauf, daß nur ja niemand überschlagen wurde. 13. ,, Kapo" Vorarbeiter, Aufseher über ein Arbeitskommando. Die SS legte Wert darauf, Menschen zu Kapos zu machen, von denen sie wußte, daß sie rohe, verkommene Kreaturen waren, die in ihrem Sinne die Mithäftlinge quälten. Es gab, Gott sei Dank, auch gute und vernünftige Kapos. 14. ,, Verzinken"- Verraten. Es kam öfter vor, daß Häftlinge ihre eigenen Kameraden bei der SS verrieten. Das Los dieser Denunzianten habe ich schon geschildert. 15. ,, Himmelfahrtskommando"- Invalidentransporte, in denen die armen Menschen zum Vergasen abgeführt wurden. Von Dachau kamen diese in der Regel in ein anderes Lager, und zwar nach Mauthausen oder Auschwitz. Das religiöse war mündlich je zeichen, kein G Kapelle befand, verboten, diese Kommunion gel ans Tor die hl. Zeit später unte bald ein anderer versammelten u raum, oder, we den eucharistisch und ab. Währen Dank sind wir Blockstraße oder Es war lange Z dem Blockältest appell in der W führen. Er selbs Hugo Guttm Zeit zu Zeit h Kommunisten u daß diese Able kam, als vielme Man sagte von die Lagerführer Besonderes Aufsehen erregten die von Zeit zu Zeit stattfindenden Invalidentransporte. Die Gebrechlichen und Invaliden waren auf Stube 4 untergebracht. Von diesen wurde dann eine Anzahl ausgesucht und weggeführt. Der Abschied war immer ergreifend. Die meisten der armen Menschen wußten ja nicht, daß es zum Tode ging, sondern sie glaubten, sie würden in einem Altersheim in der Nähe von Linz untergebracht. Zweimal hat mir unser Blockältester Guttmann das Leben gerettet, indem er es fertigbrachte, mich von den Ausgesuchten für den Invalidentransport herauszuholen. Eines Tages hieß es: ,, Alle Uneingeteilten auf dem Appellplatz antreten." Gutt mann sagte: ,, Stramm am Arzt vorbeigehen, nur ja nicht hinken oder den Eindruck erwecken, als ob du krank seiest." Es versammelten sich über tausend Menschen. Wir mußten uns vollständig entkleiden. Auf einem Tische lümmelte sich, die Zigarette im Mund und die Reitpeitsche in der Hand, der junge SS- Arzt. An ihm mußten wir einzeln vorbeigehen. Wenn er mit der Reitpeitsche nach links wies, bedeutete dies Transport, nach rechts, ins Lager zurück. Damals gingen über dreihundert polnische Geistliche aus dem Lager und wurden getötet. Ein zweites Mal, vielleicht ein halbes Jahr später, hieß es wieder: ,, Uneingeteilte antreten." Im letzten Augenblick konnte mir Guttmann zuflüstern: ,, Du bist heute kein Geistlicher, sondern nur Direktor und willst arbeiten." Die Kommission kam an mir vorbei und ich antwortete, wie ich eben gehört und wurde gerettet. Zwei Geistlichen, die auch in der Reihe vor mir standen, hatte ich rasch zugeraunt: ,, Ihr seid heute keine Geistlichen, sondern nur Lehrer." Aber sie hatten es anscheinend nicht verstanden und sagten, sie seien Geistliche. Sie kamen daraufhin zum Transport. Die Schwester des Pfarrers Heinzmann teilte sechs Wochen später einem Konfrater auf Block 26 brieflich mit, ihr armer Bruder sei im Revier des Lagers gestorben. Sie habe von der Lagerverwaltung folgende Mitteilung erhalten: ,, Ihr Bruder ist trotz bester medizinischer und ärztlicher Behandlung hier an Blutkreislaufstörung gestorben. Er hat keinen Wunsch mehr geäußert." In Wirklichkeit kam er auf Transport und wurde durch Ver84 Schutzhaftlager Denunziant. Er Lageraltesten- St ein unzuverläss Dem allen gelernt habe. E durch die lange und gehörte d Frau und Sohn er den Nationa Hungerjah alle darauf ndo. Die S n sie wußte m Sinne die vernünftig ihre eigene ten habe id In die arme kamen dies thausen ode indenden In ube 4 unter weggeführ schen wußte Hen in einen at mir uns fertigbracht uholen. Eine reten." Gutt ken oder de en sich üb einem Tisd in der Hand Wenn er mi ch rechts, i liche aus de s Jahr späte Ek konnte m nur Direkto und ich an chen, die aud hr seid het s anscheine Haraufhin ZU Wochen spät sei im Revi de Mitteilu icher Behan Wunsch me e durch Ve gasung getötet. Ende 1943 wurden diese Invalidentransporte abgestoppt. 1944/45 starben die Gebrechlichen an Hunger im Lager. Das Fleckfieber wütete unter ihnen, und die Bilder, die man auf Block 30, 23 und 27 in dieser Zeit sehen konnte, waren grauenhaft. Jede Nacht starben 20 bis 40 Mann auf diesen Blocks. Die Leichen wurden nackt auf die Blockstraße geworfen und lagen oft den ganzen Tag umher, bis sie in die Totenkammer abgeholt wurden. Das Leben ging auf dem Block ungestört weiter. Die anderen schlenderten uninteressiert an den Leichen vorbei, standen dabei und aben ihr Essen, schwatzten und lachten. Der Tod machte absolut keinen Eindruck auf sie. Das religiöse Leben im Zugangsblock schien beherrscht von Angst. Es war mündlich jede religiöse Äußerung verboten. Kein Gebet, kein Kreuzzeichen, kein Gottesdienst waren möglich. Obwohl sich auf Block 26 eine Kapelle befand, in der täglich die heilige Messe gelesen wurde, war es uns verboten, diese zu besuchen. Anfangs konnten wir auch nicht zur heiligen Kommunion gehen. Pfarrer Josef Neunzig war der erste, der uns heimlich ans Tor die hl. Spezies brachte. Aber auch dieser Liebesdienst wurde einige Zeit später unterbunden, weil es bekannt geworden war. Trotzdem fand sich bald ein anderer Konfrater, der uns die hl. Hostie brachte. Wir Geistlichen versammelten uns dann unauffällig entweder im Schlafsaal oder im Waschraum, oder, wenn auch das nicht ging, auf der Blockstraße und empfingen den eucharistischen Heiland. Am Morgen gingen wir Rosenkranz betend auf und ab. Während des Tages fanden wir kaum Zeit zum Gebet. Zu großem Dank sind wir Pater Kentenich verpflichtet, der am Abend, sei es auf der Blockstraße oder später in einer Ecke des Schlafsaals, Betrachtungspunkte gab. Es war lange Zeit die einzige geistige Anregung, die wir erhielten. Unter dem Blockältesten Guttmann, durften wir uns am Abend nach dem Zählappell in der Wohnstube an einen Tisch setzen und dort religiöse Gespräche führen. Er selbst nahm öfter daran teil, jedoch ohne inneres Interesse. Hugo Guttmann war im Lager eine sehr umstrittene Persönlichkeit. Von Zeit zu Zeit hat er in unangenehmer Weise von sich reden gemacht. Alle Kommunisten und auch andere Kameraden lehnten ihn ab. Und es schien, daß diese Ablehnung weniger aus dem Gegensatz der politischen Meinung kam, als vielmehr durch das Benehmen von Guttmann hervorgerufen wurde. Man sagte von ihm, er habe es mit der SS gehalten und öfter heimlich die Lagerführer über Ereignisse im Lager unterrichtet, besonders von dem Schutzhaftlagerführer Zill sei er dazu benutzt worden. Somit sei er ein Denunziant. Er habe dieses nur deshalb getan, um sich seinen Posten als Lagerältesten- Stellvertreter zu sichern. Er sei ferner auch in seinem Charakter ein unzuverlässiger und gefährlicher Mensch. Dem allen kann ich nicht zustimmen, weil ich Guttmann anders kennen gelernt habe. Er war damals schon sieben Jahre verhaftet und hatte offenbar durch die lange Haftzeit seelisch sehr gelitten. Von Geburt war er Schweizer. und gehörte der heimatlichen Christlich- Sozialen Partei an. Seine Familie, Frau und Sohn, wohnte in Düsseldorf. Er hatte ein Buch geschrieben, worin er den Nationalsozialismus in seiner wirklichen Gestalt aufwies. 1933 floh er 85 in die Schweiz, ließ sich aber überreden, zurückzukommen und wurde verhaftet. An einem Abend erzählte er mir aus seinem Leben. Ich mußte leider erkennen, daß er ein oberflächlicher Mensch war, religiös abständig, sozial gleichgültig, und jetzt aber mit einem unversöhnlichen Haß gegen den Nationalsozialismus, besonders gegen die SS beseelt. Dieser Haß leitete ihn in allem, was er tat. Oft waren es niedrige, menschliche Instinkte, die ihn sich selbst vergessen ließen. Er konnte dann roh und brutal sein und furchtbar schlagen, aber nur, wenn er eine Gemeinheit sah, z. B. Brotdiebstahl, oder wenn er einen Verbrecher vor sich hatte. Gegen uns Geistliche war er anständig, wenn er auch oft so tat, als wäre er unser größter Feind. Ich fragte ihn einmal, warum er sich so verstelle. ,, Weil ich euch schützen will vor der SS! Die brauchen nicht zu merken, daß ich auf eurer Seite stehe." Er nannte uns deshalb, wenn SS im Block war ,,, Pfaffen", und ich war der ,, Oberpfaffe". Er unterhielt sich öfter mit uns über religiöse Fragen und hatte besondere Freude daran, einen von uns in Verlegenheit zu bringen, was ihm aber in den meisten Fällen nicht gelang. Für geistvolle Auslegungen war er sehr empfänglich. Bei den Invalidentransporten rettete er Pater Kentenich und mir das Leben. Wenn er die Leute meldete, war ihr Leben verwirkt. Deshalb meldete er sie nicht, sondern nahm die Bestrafung selbst vor, vergaß sich dabei aber oft in brutalster Form. Eines Tages wurde er von seinem Posten abberufen und Lagerältester im Lager Natzweiler. Von da kam er zurück und übernahm das Lager Friedrichshafen, wo er bei einem Luftangriff zu Tode kam. Alle Häftlinge waren im Lager in verschiedene Kategorien eingeteilt und durch besondere Abzeichen erkennbar. Jeder mußte auf der linken Brustseite einen dreieckigen Winkel und seine Nummer tragen. War er zum zweiten Male im Lager, hatte er einen Balken über dem Winkel. Diese Winkel hatten verschiedene Farben: 32 rot politische Häftlinge, = grün= PSV= polizeiliche Sicherheitsverwahrung, die Berufsverbrecher, schwarz = violett = = die Asozialen- Arbeitszwang, AZR die Ernsten Bibelforscher, blau die Emigranten, = rosa= Homosexuelle, Davidstern die Juden. = War der Winkel mit der Spitze nach oben angebracht, hieß das: Deserteur. Diese Einteilung stimmte nicht immer. Mancher mit rotem Winkel hätte besser einen grünen getragen und umgekehrt. Unter den Asozialen waren oft harmlose Leute, die keine minderwertigen Eigenschaften zeigten. Und doch war es für uns eine Qual, mit allen möglichen und unmöglichen Menschen zusammen zu sein. Später, besonders 1944/45, wurde dieses noch schlimmer, weil auf einer Stube statt hundert, dreihundert Menschen zusammen hausten. Stadtpfarrer Dr. Muhler, der derzeitige bayrische Ministerpräsident Schäffer, Oberbürgermeister Scharnagel, um nur diese Persönlichkeiten zu nennen, haben dieses erlebt und auch solche menschenunwürdigen Zustände monatelang ertragen müssen. 86 Ferner wa In Form eine Es gab n und nur als hatten besond Lager. Außer lingen getren mit vielen Ve raum. Guttmann SS- Mann, der war ein einge merksamkeit habe. 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Und unmöglicher dieses nod Menschen zu che Minister e Persönlic nünwürdiger Ferner war auf den Winkeln die Nation angegeben: In Form eines Buchstabens: P = Pole R = Russe Franzose Holländer Sit F H = = T Tscheche Es gab noch ,, Ehrenhäftlinge", die meist prominente Persönlichkeiten und nur als Geiseln inhaftiert waren. Sie trugen eine violette Armbinde und hatten besondere Vergünstigungen, z. B. SS- Essen, freie Bewegung im ganzen Lager. Außerdem gab es auch ,, Vorzugshäftlinge", die von den anderen Häftlingen getrennt lebten und ihren Aufenthalt in einem Bunker hatten, jedoch mit vielen Vergünstigungen, z. B. Spaziergang, Essen und gemeinsamer Speiseraum. Guttmann wurde als Blockältester abgelöst durch Kölble, einen ehemaligen SS- Mann, der Dummheiten gemacht hatte und deshalb im Lager landete. Er war ein eingebildeter Mensch, der zumal uns Geistlichen seine besondere Aufmerksamkeit schenkte. Offen gestand er ein, daß er die ,, Pfaffen" gefressen habe. Nun war es Zeit für mich, ein Arbeitskommando zu suchen, damit man nicht den ganzen Tag unter den Augen des Blockältesten war. Durch Pater Kentenich lernte ich den Kapo des Strohstopfkommandos, Jakob Koch, kennen. Er hatte die Desinfektion des Lagers, die Barackenreinigung und die Strohstopfkommandos unter sich. Zu ihm kam ich in Arbeit. Es war in dem Hungerjahr 1942. Koch hat mir damals, als der Hungertyphus im Lager wütete, das Leben gerettet, indem er mir täglich heimlich Essen gab. Ich war sehr schwach und wog nur noch 123 Pfund. Er schonte mich, wo er nur konnte, sorgte für mich wie ein Bruder, und so wurden wir Freunde. Eines Tages erzählte er mir seine Lebensgeschichte, voll von Leid, Unrecht und Enttäuschungen. Er stammte aus einer kleinen Stadt an der Mosel. Sein Vater war Winzer. Vater und Mutter starben während seiner Haft. Er hatte seine Eltern sehr lieb und hat unter deren Tod sehr gelitten. Koch war Pazifist und geriet in den Verdacht, ein Separatist gewesen zu sein. Er erhielt dafür Zuchthausstrafe, weil er aus seiner Gesinnung keinen Hehl machte. Weil er nun im Zuchthaus gewesen war, verachtete man ihn in seiner Heimatstadt Zell. Er suchte anderswo eine Stellung, fand sie bei katholischen Klosterschwestern und führte ihnen die Verwaltung. Hier wurde er im Jahre 1939 plötzlich verhaftet und mit 500 anderen ins KZ- Sachsenhausen gebracht. Unter ihnen war auch Universitätsprofessor Dr. Benedikt Schmittmann, Köln. Die Behandlung dieser Häftlinge war sehr grausam, so daß viele schon in den ersten Wochen starben. Koch erzählte mir vom Tode Schmittmanns. Sie mußten alle den ,, Sachsengruß" machen, das ist, die Hände gefalten am Hinterkopf, in der Kniebeuge hüpfen, und zwar stundenlang. Schmittmann versagte bald. Er hielt sich an Koch fest, fiel aber trotzdem zu Boden und wurde nun von dem SSMann, der als Aufseher dabeistand, jämmerlich geschlagen. Dann mußte er im Laufschritt um die ganze Schar kreisen, bis er zusammenbrach. Auf dem Transport zum Revier ist jener besonders im Rheinland bekannte charaktervolle Hochschullehrer gestorben. 87 Zwei Ereignisse aus dem Leben von Jakob Koch will ich hier festhalten. Einmal schaute er während der Arbeitszeit nur einen Augenblick aus dem Fenster seines Arbeitsraumes. Ein SS- Mann sieht es, kommt herein, haut ihn mit der Faust ins Gesicht und macht Strafmeldung. Erneut erhielt Koch 25 Doppelschläge. Ein anderes Mal mußte er mit noch einem anderen einen Graben auswerfen. Der Kamerad, der im Graben stand, war Erdarbeiter und konnte natürlich rascher mit der Schippe umgehen, als Koch. Dadurch häufte sich bei Koch die Erde an. Der Kommandoführer kommt, sieht es, haut ihm mit der Faust ins Gesicht und brüllt ihn an: ,, Du faules Schwein, ich werde Dir das Arbeiten beibringen." Dann machte er Strafmeldung. Koch erhielt eine Stunde ,, Baum". Drei Wochen konnte er seine Arme nicht mehr gebrauchen. 1940 kam er nach Dachau. Hier ging es ihm besser. Er erhielt den Kapoposten in der Desinfektion, den er über drei Jahre mit verantwortungsbewußtem Pflichteifer bekleidete. Er hatte sich heimlich die Aufgabe gestellt, insonderheit Pfarrer in sein Kommando aufzunehmen. Man machte ihm zwar vom Arbeitseinsatz her immer Schwierigkeiten. Er aber wußte sich durchzusetzen und hat so Hunderten von Geistlichen das Leben gerettet. Koch war ferner einer von den wenigen Laien, die heimlich zum Gottesdienst kamen. 1945, also kurz bevor das Lager durch die Amerikaner befreit wurde, befiel ihn das Fleck fieber. Er starb nach drei Tagen Krankheit. Wir haben ihn aufbahren lassen mit feierlicher Einsegnung und nahmen Abschied von einem lieben, alten Kameraden, den wir nie vergessen werden. hier in der Reg um sich die N meiner Zeit, s ehrlos! Ihr seid behandelt! We Leider hat man längst nicht alle Geistlichen retten können. Es kam der Abt vom Kloster Emaus in Prag ins Lager. Ich sorgte sofort dafür, daß er unserem Kommando zugeteilt wurde. Jedoch der alte Herr hatte zuviel mitgemacht. Er bekam den Durchfall und Wasser in die Beine. Sein Körper hatte keine Widerstandskräfte mehr, und so ist er schon nach einigen Tagen im Revier gestorben. Der Aufen Tage bis drei V von da an leb Die Ausländer März 1942 gel Es waren die H Quack, Braun, Benninghaus un Unser lieber B litten und kam Erlebnissen Ein hausen herrsch dritte Bett in Haupt voll Blu Ich darf eines SS- Mannes nicht vergessen, der im ganzen Lager unrühmlich bekannt war, und obwohl er erst 24 Jahre zählte, sehr gefürchtet wurde. Man nannte ihn ,, Die blonde Bestie". Sein Name war Nefs. Er stammte aus Hamburg und wurde auch oft der Hamburger genannt. Er war ein außerordentlich roher und brutaler Charakter, gewissenlos und sadistisch. Er hatte eine besondere Freude daran, die 25 Doppelschläge auszuführen. Er schlug mit einer solchen Wut und besonders auf die Nieren, so daß der betreffende Häftling meistens einige Wochen später an den Verletzungen starb. Er war eine Zeitlang Blockführer des Zugangsblocks. Wir hatten unter seiner Brutalität sehr zu leiden. An einem Abend war er sehr früh gekommen, um Zählappell bei uns abzunehmen. Es fehlte noch ein Arbeitskommando. Nach einiger Zeit kamen die Kameraden. Als Letzter humpelte auf seinen Holzpantinen Pfarrer Rotkranz nach. Er hatte eine Phlegmone am rechten Bein. Kaum sieht ihn der Hamburger, stürzt er auf ihn zu und schlägt ihm die Faust ins Gesicht: ,, Du Hund, ich werde dir beibringen, rascher zu kommen." Rotkranz fällt sofort um, und Nefs tritt ihn unbarmherzig mit seinen schweren Stiefeln in die Seite. Die Neuangekommenen erhielten stets nach einigen Tagen ihre ,, Belehrung". Man trat an und wurde zum Jourhaus geführt. Nachdem man 88 so lange geschl wohl er über tollsten Schika erfahren hatte zum Arbeiten. Füße, und bald ausgeheilt. Er Wie uns alle, zu essen und für seinen Zus Formen an, d starb nach ein raden. Er star ins Revier irge Prag war kau Fieber klagte. Lungenrib zug doch diese Ar Revier und st Tod entsetzt sei. Gebert wa und Kandidat Verräter werd Außerungen, an, und Gebe Gott der Her esthalten. aus dem haut ihn Koch 25 en einen eiter und ch häufte haut ihm ich werde h erhielt mehr gehielt den wortungsgestellt, ihm zwar ch durchKoch war st kamen. de, befiel ihn aufon einem kam der ir, daß er uviel mitrper hatte Tagen im unrühmet wurde. mmte aus in außerEr hatte Er schlug etreffende b. Er war ner Brutaum Zählach einiger Izpantinen aum sieht st ins GeRotkranz en Stiefeln Tagen ihre hdem man hier in der Regel eine Stunde gewartet hatte, kam der Schutzhaftlagerführer, um sich die Neuen zu besehen. Hofmann, der erste Schutzhaftlagerführer in meiner Zeit, sagte dann stereotyp folgendes: ,, Ihr seid wehrlos! Ihr seid ehrlos! Ihr seid rechtlos! Ihr seid ein Stück Scheiße und werdet auch danach behandelt! Wegtreten!" Der Aufenthalt auf dem Zugangsblock dauerte in der Regel vierzehn Tage bis drei Wochen. Dann wurde man dem Block überwiesen, auf dem man von da an leben mußte. Der Block für die deutschen Pfarrer war Block 26. Die Ausländer kamen bis 1944 auf Block 28 oder 30. Wir aber, die wir im März 1942 gekommen waren, blieben fünfeinhalb Monate im Zugangsblock. Es waren die Herren Kentenich, Benninghaus, Schniers, Buchkrämer, Selhorst, Quack, Braun, Carls, Hilmes, Bergmann, Burkhard, Staudacher und Mertens. Benninghaus und Schniers starben, bevor sie zum Block 26 überwiesen wurden. Unser lieber Benninghaus hatte im Lager Sachsenhausen außerordentlich gelitten und kam sehr geschwächt in Dachau an. Er erzählte aus seinen dortigen Erlebnissen Einiges, das uns den teuflischen Geist erkennen ließ, der in Sachsenhausen herrschte. Eines Tages, an einem Karfreitag, befahl man ihm, auf das dritte Bett in der Schlafstube zu steigen und von dort herab das Lied ,, O Haupt voll Blut und Wunden" zu singen. Als er sich weigerte, hat man ihn so lange geschlagen, bis er endlich mit schwacher Stimme das Lied sang. Obwohl er über 60 Jahre alt war, schlug man ihn und verfolgte ihn mit den tollsten Schikanen. In Dachau wurde es nicht besser. Nachdem unser Schreiber erfahren hatte, daß B. ein Jesuit war, schickte er ihn sofort in die Plantage zum Arbeiten. Durch die anstrengende Arbeit bekam er Wasser in Hände und Füße, und bald stellte sich Durchfall ein. Im Revier wurde die Krankheit nicht ausgeheilt. Er kam wieder zum Block zurück und fühlte sich sehr schlecht. Wie uns alle, so quälte ihn der Hunger. Wir mahnten ihn, doch nicht alles zu essen und nicht das Wasser zu trinken, die Suppe wäre Flüssigkeit genug für seinen Zustand. Jedoch er hörte nicht auf uns, und so nahmen seine Leiden Formen an, die zum Tode führen mußten. Er kam wieder ins Revier und starb nach einigen Tagen. Wir verloren in ihm einen lieben, treuen Kameraden. Er starb ohne Sakramente, weil es damals noch streng verboten war, ins Revier irgendwie seelsorgliche Hilfe zu bringen. Kanonikus Gebert aus Prag war kaum acht Tage bei uns, als auch er eines Abends über hohes Fieber klagte. Er hatte sich durch das Tragen der schweren Eẞkübel einen Lungenriẞ zugezogen. Leider hat er uns vorher nichts gesagt, sonst hätte er doch diese Arbeit nicht mehr zu verrichten brauchen. Er kam freitags ins Revier und starb sonntagabends schon. Wir alle waren über seinen raschen Tod entsetzt und meinten, daß dieses nicht mit rechten Dingen zugegangen sei. Gebert war der Seelsorger der Deutschen in Prag. Er war sehr angesehen und Kandidat auf den Bischofsstuhl. Der Neid aber ließ einen Prälaten zum Verräter werden. Dieser zeigte den Kanonikus bei der Gestapo wegen einiger Äußerungen, die er vor dem Einmarsch der Deutschen gemacht haben sollte, an, und Gebert wurde sofort verhaftet und nach Dachau gebracht. Hier rief Gott der Herr ihn zu sich. Auch er starb ohne Sakramente. 89 Pfarrer Schniers aus der Diözese Osnabrück, über 60 Jahre alt, mußte ebenfalls auf der Plantage arbeiten. Lange Zeit hatte er sich gut gehalten. Wir bewunderten ihn, weil er vor keiner Arbeit zurückschreckte und stets den Jüngeren ein gutes Beispiel gab. Er beschäftigte sich viel mit Blumenkunde und hatte seine große Freude daran. Eines Tages aber sahen wir, daß er sehr abmagerte und über Kopfschmerzen klagte. Mit Fieber wurde er dem Revier überwiesen und starb nach acht Tagen. Auch in ihm verloren wir einen treuen, lieben Menschen, den wir alle hoch ehrten und sehr geschätzt hatten. Auch er starb ohne Sakramente. Kaplan Flintrop aus Mettmann kam zwei Monate nach mir ins Lager. Wir begrüßten uns herzlich, da wir uns ja vorher schon kennengelernt hatten. Flintrop war sehr deprimiert. Ich habe ihn oft angetroffen, in einer Ecke sitzend und weinend. Ich tröstete ihn, machte ihm Mut und warnte ihn davor, stets an zu Hause zu denken. Er hatte eine große Liebe zu seinen Eltern, die in Barmen wohnten, und verzehrte sich in Sehnsucht nach ihnen. Ich überzeugte ihn auch, daß dieses Denken an die Heimat keinen Zweck habe und uns das Leben im Lager noch erschwere. Dann wurde er zum Block 26 verlegt, und hier hat er anscheinend niemanden gefunden, der ihm in seinen Depressionen half. Nach einigen Monaten traf ich ihn im Revier, erkannte ihn aber nicht mehr, so hatte er sich verändert. Halbverhungert, mit Wasser in den Beinen, wurde er ins Revier aufgenommen; er starb bald. ' Als Köll nach seiner Haare mittw dies gescheh Spaß, uns marsch" ,,, H Strafmeldun So umgab uns der Tod täglich und forderte seine Opfer. Es machte schon gar keinen Eindruck mehr auf uns, wenn man eine Leiche nach der anderen vom Block abholte. Eines Tages kam ein Studienrat aus Berlin an, ein gesunder, kräftiger Geistlicher. Er kam in die Kiesgrube zur Arbeit und war in vierzehn Tagen tot. Manche derartige Fälle waren so eigenartig, daß man unwillkürlich auf den Gedanken kam, daß in den Papieren dieser armen Menschen irgendein Vermerk von der Gestapo stand, auf Grund dessen der Betreffende ein Todeskandidat war. ,, Was der Staat nicht kann, führt die Partei aus" hatte Hitler gesagt. Wo die Staatsgesetze nicht ausreichten, einen Menschen zum Tode zu verurteilen, traten an ihre Stelle die Konzentrationslager mit ihren Strafmethoden. ,, Ich werde sie in den Lägern dezimieren und ausrotten", so lautete Hitlers Wort, und mit dieser teuflischen Methode hat er Tausende braver Menschen hinmorden lassen. 1. Auf H Von den auf den Wo sondern auf die alle auf Gleich a ältesten, de das Abende Stube stürz einschlug. A Tische krod knurrend fo Ich werde e Der Haarschnitt war vorgeschrieben: Alle vierzehn Tage mußten die Haare auf ein halb Millimeter geschnitten werden. Auf der Nichtbefolgung dieser Vorschrift standen exemplarische Strafen. Es gab aber auch die Möglichkeit, lange Haare zu tragen. Hierzu aber hatte man die ausdrückliche, schriftliche Erlaubnis des Schutzhaftlagerführers nötig. Man mußte den Schein stets bei sich haben, um ihn vorzeigen zu können, wenn man auf der Straße angehalten und danach gefragt wurde. 1943 hat der Lagerälteste Kapp angeordnet, daß die Häftlinge über den Kopf einen Streifen tragen mußten: Die Haare waren abrasiert. Dieses wurde aber bald vom Kommandanten wieder abgeschafft, und nur die russischen Gefangenen mußten bis zur Auflösung des Lagers diesen Streifen tragen. 90 Fritz Be führer gewe gekommen chen, war im Lager. B heit deutlic worfen war Geistlichen gemeine Au bei jedem wenigstens eine widerli schlug ihm floß, nahm an die Block konnte es Lagerleitung schon erwäh Bratkartoffe etwas Beson sich oder v alt, mußte gehalten. und stets it Blumensahen wir, r wurde er m verloren Als Kölble Blockältester war, ließ er einige von uns strafexerzieren, weil nach seiner Meinung unsere Haare nicht geschnitten waren. Ich hatte mir die Haare mittwochs schneiden lassen, aber er hatte befohlen, nur samstags sollte dies geschehen. Dafür mußte ich strafexerzieren. ,, Herr" Kölble hatte seinen Spaß, uns recht zu„, trainieren" mit„ Knie beugt" ,,, Laufschritt marsch, marsch" ,,, Hinlegen" usw. Einen Widerspruch duldete er nicht, sonst gab es Strafmeldung. r geschätzt ins Lager. ernt hatten. einer Ecke ihn davor, Eltern, die . Ich überkhabe und ock 26 vermin seinen r, erkannte mit Wasser machte schon der anderen an, ein geund war in aß man unarmen Men sen der Bert die Partei hten, einen zentrations imieren und Methode hat en die Haare gung dieser Möglichkeit schriftliche ein stets bei e angehalten eordnet, da Haare waren abgeschafft des Lagers Das Leben auf Block 26 und 28 1. Auf Block 28 Von dem Zugangsblock wurden wir eines Tages verlegt. Wir kamen nicht auf den Wohnblock, auf dem die deutschen Geistlichen untergebracht waren, sondern auf Block 28 zu den polnischen Geistlichen. Wir waren 12 Herren, die alle auf Stube 2 gelegt wurden. Gleich am ersten Abend erlebten wir einen Empfang durch den Blockältesten, der uns die Situation sofort schlagartig klärte. Wir hatten gerade das Abendessen, eine Wassersuppe, empfangen, als der Blockälteste in die Stube stürzte und wahllos mit einem Besenstiel auf die Köpfe der Leute einschlug. Alles rettete sich vor den Schlägen, indem die meisten unter die Tische krochen. Als der ,, Herr" Blockälteste sich ausgetobt hatte, ging er knurrend fort mit den Worten: ,, So, nun habt ihr gesehen, was euch blüht. Ich werde euch schon kusch bekommen." - Fritz Becher hieß dieser Blockälteste, ein Häftling, der früher SA- Sturmführer gewesen war, Unterschlagungen gemacht hatte und deshalb ins Lager gekommen war eine ausgesprochene Verbrechernatur. Er stammte aus München, war von großer Gestalt, gut genährt, trotz des allgemeinen Hungers im Lager. Er hatte grobe Gesichtszüge, aus denen Roheit und Unbeherrschtheit deutlich sprachen, ein Triebmensch, der stets seinen üblen Launen unterworfen war. Charakterlos und ohne Gewissen, behandelte er die polnischen Geistlichen wie eine Herde Vieh. Er hatte nie ein freundliches Wort, nur gemeine Ausdrücke. ,, Pfaffengesindel, Banditen, Volksverführer", das waren bei jedem Antreten seine Ausdrücke. Es gab keinen Tag, an dem er nicht wenigstens einen der Mithäftlinge blutig schlug. Ich erlebte an einem Abend eine widerliche Szene. Er stürzte sich auf einen kleinen polnischen Geistlichen, schlug ihm mit der Faust ins Gesicht, so daß sofort Blut aus Nase und Mund floẞ, nahm ihn an den Schultern und schlug mindestens zehnmal seinen Kopf an die Blockwand, so daß der arme Mensch plötzlich zusammenbrach. Er selbst konnte es ungestraft tun, war es doch nach dem Willen der SS und der Lagerleitung. Im Hungerjahr 1942 lebte Becher ein gutes Leben. Er sah, wie schon erwähnt, gut aus. Er hatte alles, was er haben wollte: Fleischkonserven, Bratkartoffeln, Gemüse, Brot und anderes mehr. Hatte die Kantine irgend etwas Besonderes, so kaufte er es mit unserem Gelde, behielt die Sachen für sich oder verteilte sie an seine Freunde im Lager. Einmal erklärte er, in der 91 f Kantinenkasse des Blocks fehlten RM 3000,-. Diesen Fehlbetrag mußten wir Pfarrer tragen. Ich kann mich nicht entsinnen, daß wir irgend etwas Besonderes erhalten hätten, wodurch dieser Fehlbetrag hätte entstanden sein können. Aber keiner von uns wagte, gegen ihn vorzugehen. Becher war ein so gefährlicher Mensch, daß er jeden heimlich zum Tode gebracht hätte. Man fürchtete ihn und ging ihm am besten aus dem Wege. Eines Tages wurde er zum Militär eingezogen und verschwand aus dem Lager. Das Leben auf dem Block war für uns deutsche Geistliche sehr schwer. Wir merkten gleich am ersten Tage schon eine starke Verstimmung der polnischen Geistlichen gegen uns. Besonders die jüngeren waren es, die uns durch ihr Benehmen fühlen ließen, daß wir Eindringlinge waren und Deutsche, denen sie ihr ganzes Elend zu verdanken hätten. Auch hierfür muß man Verständnis haben, wenn man sich einmal vergegenwärtigt, was diese armen Menschen durchgemacht haben. Von Haus und Hof vertrieben, ihres Eigentums beraubt, hatten sie Vater, Mutter und Geschwister verlassen. Und weshalb dies alles? Nur weil sie Polen und katholische Priester waren. Besonders sei hier eines lieben, heiligmäßigen Mannes gedacht, der, durch die Strapazen des Lagers aufgerieben, elend gestorben ist. Es war der hochwürdigste Weihbischof Kozal, der durch seinen feinen Charakter uns allen ein leuchtendes Vorbild war. Jeden Abend beim Zählappell segnete er alle, uns, seine Mithäftlinge, wie auch die Feinde. - Es gab unter den polnischen Geistlichen noch sehr viele, die gute Kameraden und ausgezeichnete Priester waren. Sie trugen ihr Geschick mit wahrhaft edelmütigem Bekennergeist. Keine Schikane, keine ungerechte. Strafe, keine Qual konnte ihnen ihre Liebe zu ihrer polnischen Heimat und zu ihrer Kirche nehmen. Aber wie auf Block 26 später, so waren auch hier junge Menschen, die keine Priester, sondern erst Kandidaten waren, oder die zu einer Sekte Mariaviten- gehörten, deren Benehmen oft zu wünschen übrig ließ. Deshalb hielt ich an einem Abend in der Schlafstube eine kurze Ansprache, in der ich darauf hinwies, daß wir doch alle Kameraden des Leids seien und gemeinsam als Priester der großen Kirche einander unterstützen müßten, wir auch als Deutsche volles Verständnis für die polnischen Kameraden hätten. Gemeinsame Not, gemeinsamer Hunger müßte uns in Liebe vereinen und das Lagerleben erträglich werden lassen. Schon am anderen Tage spürten wir ein besseres Entgegenkommen. Die Schärfe der Gegensätze und Spannungen war überwunden. Nach sechs Wochen wurden wir Deutschen dann zum Block 26 zu unseren deutschen Brüdern verlegt. 2. Auf Block 26 Die histo Anfangs, liche unterge wohnten auf Der Block 26 war der Wohnblock für die deutschen katholischen und evangelischen Geistlichen. Leider sind mir meine wichtigen Notizen über das Leben auf dem Block jetzt noch nicht zur Hand, um sie hier zu verwerten. Ich werde das aber hoffentlich nachholen und besonders die genauen Adressen der Geistlichen in einer neuen Auflage veröffentlichen können. 92 12 Ankunft im Geistliche w waren sie au dem anderen gezogen und Trotzdem ha in ihre Hein Durch ein Reichsregier befanden, na und polnisc Mauthausen Nun wurden 28 und 30, dann wurde Belegung de Von 1943 a Auflösung d lichen auf B Statistis lagers Dach nach dem S Nach Na 791 Polen 325 Reichs 122 Franzo 73 Tsched 38 Hollän 34 Belgie 29 Italien 19 Jugosl 19 Volkso 8 Luxem 4 Reichs 4 Staate 4 Ungar 4 Litaue Nach Di Frankreich Deutschland Polen Italien Protekt, Bö Holland Belgien ften wir as Besonden sein war ein tte. Man wurde er r schwer. der poluns durch Che, denen man Verse armen res EigenUnd wesBesonders Strapazen ste Weiheuchtendes seine Mitute Kamemit wahrte. Strafe, at und zu hier junge der die zu wünschen eine kurze des Leids nterstützen men Kames in Liebe m anderen Gegensätze zu unseren Die historische Übersicht über die Belegung des Blocks: Anfangs, d. h. seit 1938, waren im Lager Dachau nur vereinzelt Geistliche untergebracht. Es waren dies besonders die österreichischen Pfarrer. Sie wohnten auf verschiedenen Blocks mit anderen Häftlingen zusammen. Bei ihrer Ankunft im Lager wurden sie sehr schlecht behandelt. Sie kamen, weil sie Geistliche waren, sofort in die Strafkompanie, auf den Strafblock. Und hier waren sie auf die einzelnen Stuben verteilt, mit dem Befehl, daß keiner mit dem anderen sprechen dürfe. Sie wurden zu den schwersten Arbeiten herangezogen und standen unter andauernder Schikane, die schier unerträglich war. Trotzdem haben die meisten die lange Zeit ihrer Haft überstanden und sind in ihre Heimat zurückgekehrt. Durch eine Vereinbarung zwischen dem Hl. Vater in Rom und der deutschen Reichsregierung wurden dann 1940 alle Geistlichen, die sich in anderen Lagern befanden, nach Dachau zusammengezogen. Es handelte sich damals um deutsche und polnische Geistliche aus den Lagern Sachsenhausen, Buchenwald und Mauthausen. Am 14. Dezember 1940 kam der erste Transport im Lager an. Nun wurden eigene Wohnblocks für die Geistlichen geschaffen, und zwar Block 28 und 30, später auch 26. Bis 1941 wohnten Polen und Deutsche zusammen, dann wurden die deutschen Pfarrer auf Block 26 isoliert untergebracht. Die Belegung des Blocks 26 hat sich im Laufe der Zeit immer wieder geändert. Von 1943 ab kamen auch andere Nationen auf diesen Block, so daß bei der Auflösung des Lagers 1945 im ganzen 24 Nationen mit insgesamt 1491 Geistlichen auf Block 26 und 28 untergebracht waren. Statistische Übersicht über die bei der Evakuierung des Konzentrationslagers Dachau dort befindlichen katholischen und evangelischen Geistlichen nach dem Stand vom 1. Januar 1945. Nach Nationalitäten geordnet: 791 Polen 325 Reichsdeutsche 122 Franzosen 73 Tschechen 38 Holländer 34 Belgier 29 Italiener 19 Jugoslaven 19 Volksdeutsche 8 Luxemburger 4 Reichsdeutsche auf Widerruf 4 Staatenlose 4 Ungarn 4 Litauer 3 Dänen, 2 Griechen 2 Schweizer 2 Kroaten 1 Norweger 1 Engländer 1 Amerikaner( USA) 1 Lothringer 1 Spanier 1 Rumäne 1 Russe 1 Ukrainer zusammen 1491 aus 24 Nationen Nach Diözesen geordnet: Frankreich Deutschland mit 56 Diözesen 32 " " I 21 Jugoslavien Luxemburg Rumänien mit 2 Diözesen 1 Diözese " 1 " 1 " 1 Π 11 Italien 12 Kroatien 1 " 1 " 11 " Protekt, Böhmen 6 ischen und en über das verwerten. en Adressen Polen Holland Belgien L 11 " 55 " " I 142 Diözesen 93 Nach dem Stand, d. h. nach der kirchlichen Stellung: 2 Bischöfe 2 Abte 6 Domkapitulare 2 Generalvikare 4 Archidiakone 1 Probst 2 Prioren 15 Dechanten Ma MM Ma Ob Ог Pa Pra Pi Pie Re Kr Sa Sa ins 246 Pfarrer 862 Vikare, Kapläne, Verwalter, Rektoren 100 Cooperatoren 51 Professoren, Religionslehrer, Benefiziaten und Schriftsteller 1 Caritasdirektor 38 Kandidaten der Theologie 153 Ordenspriester 1 Kleriker 5 Laienbrüder Se Ste Tr W Fil La De 1491 zusammen Pa O Folgende deutsche Diözesen waren vertreten: Af Aachen mit 7 Geistlichen München mit 8 Geistlichen Sc Augsburg 3 Münster 24 TI " Al " Berlin 8 Osnabrück 4 " 11 " " Breslau 17 Paderborn 11 11 " T " " Ermland 5 Passau 2 " " " " Eichstätt 1 Regensburg 6 " " 1 " " Freiburg 17 Rottenburg 4 " " " Graz 8 St. Pölten 3 " " " Fulda Salzburg 8 " 11 Hildesheim 4 Π " Innsbruck Speyer Schneidemühl L 11 5 " 11 " I Klagenfurt 8 Trier " 1 Köln 10 Wien Π Linz 22 " " T Limburg Mainz Meißen 13 " 14 " 4 " 3 ======== " " 13 IT 11 7 " Würzburg Burgenland zusammen 32 Diözesen mit 256 Geistlichen Folgende katholischen Orden und Genossenschaften waren vertreten: Augustiner Assumptionisten Barnabiten Benediktiner Zisterzienser Christkönig Dominikaner Franziskaner Herz- Jesu- Mission Herz- Jesu- Mission( Hiltrup) Herz- Jesu- Mission( St. Quentin) Calasatiner mit 3 Mitgliedern 2 " 2 " 1 17 4 " " " " 1 Mitglied 6 Mitgliedern 11 11 " " " 1 Mitglied 4 Mitgliedern 1 Mitglied " 1 " " 26 Mitgliedern 9 .. " 1 Mitglied Die Wohn Auf B Schlafstube Räume wa anderen St 1942 ware Bett hatte. lastet. Ers schiedenen Leben zur stube unte Auf St Zusammen, Kamerader dann Holla Später auc Der Bl jeder Haft se isoliert Umherlauf Dies war fremde Ele 94 Jesuiten Kapuziner Karmeliter Malteser Marienbrüder Oblaten Oratorianer Pallotiner Prämonstratenser Picpusianer Piere Monfort Redemptoristen Kreuzritter Salvatorianer Salesianer Servitenmönche Steyler Missionare Trappisten Weiße Väter Filii a caritate Lazaristen Deutsch. Ritter- Orden mit 1 Mitglied 1 " I 3 Mitgliedern " " 1 Mitglied 11 " Mitgliedern 4 11 " 4 " " 1 Mitglied " 5 Mitgliedern 3 " " 2 " 4 " 1 " 1 " Mitglied " 4 Mitgliedern 2 " " 2 " " 1 " Mitglied " 2 Mitgliedern stlichen ' Paulusgesellschaft. Oblaten v. d. hl. Mar. Schulbrüder Afrika- Missionare Alexianerbrüder " 1 Mitglied 1 " 1 " " " 1 " " 8 Mitgliedern " 2 " insges. 39 Orden u. Genossenschaften mit 155 Geistlichen " " " " " " " 1 of " Die Wohnverhältnisse auf Block 26 11 11 11 stlichen ertreten: n ern Auf Block 26 gab es nicht wie auf allen anderen Blocks vier Wohn- und Schlafstuben, sondern nur drei Schlaf- und Wohnstuben. Die ersten beiden Räume waren zur Kapelle umgebaut worden. Sonst aber waren die drei anderen Stuben genau so eingerichtet, wie die Stuben der übrigen Baracken. 1942 waren diese Stuben normal belegt, so daß jeder von uns sein eigenes Bett hatte. Damals war das Leben nicht durch anormale Wohnverhältnisse belastet. Erst 1944 und besonders 1945, als immer mehr Geistliche der verschiedenen Nationen auch auf Block 26 untergebracht wurden, wurde das Leben zur Qual, denn wo normal im Höchstfall 103 Mann auf einer Schlafstube untergebracht waren, mußten jetzt 200 bis 250 leben. Auf Stube 2 lebten die österreichischen Geistlichen mit Reichsdeutschen zusammen, auf Stube 3 die evangelischen Pfarrer mit anderen katholischen Kameraden, auf Stube 4 ab 1943 die ausländischen Herren, zuerst Tschechen, dann Holländer, Belgier, Franzosen, Luxemburger, ein Rumäne und ein Slovene, später auch Italiener. Der Block war gegen das Lager durch zwei Tore abgeschlossen, da nicht jeder Häftling den Block betreten durfte. Die deutschen Geistlichen sollten isoliert sein. Später, 1944 wurde sogar eine Torwache aufgestellt, die das Umherlaufen von Fremden auf unserem Block verbieten und verhindern mußte. Dies war besonders notwendig, nachdem die Pakete ankamen, und oft durch fremde Elemente aus den Wohnstuben Lebensmittel gestohlen wurden. 95 Das religiöse Leben auf Block 26 Schon August 1940 war in Sachsenhausen nach langwierigen Verhandlungen mit der Reichsregierung für die katholischen Geistlichen eine Kapelle eingerichtet worden. Als nun die Geistlichen nach Dachau kamen, sollte auch hier sofort eine Kapelle gebaut werden. Jedoch die Lagerverwaltung sabotierte anfangs diese Anordnung, bis dann im Jahre 1941, als plötzlich der Besuch Himmlers angesagt war, die Kapelle in vier Stunden erstehen mußte. Aus Kistenbrettern wurde dann rasch ein Altar gezimmert, die Zwischenwand zwischen Wohn- und Schlafstube 1 herausgeholt und so ein Gottesdienstraum geschaffen. Im Laufe der Jahre wurde nun die Kapelle schöner ausgebaut. Ein guter Altar wurde in der Schreinerwerkstelle hergestellt. Ein Kreuz wurde beschafft, und 1943 erhielten wir eine herrliche Madonna aus einem Salesianerkloster. Es war selbstverständlich für uns, die Kapelle stets sauber zu halten und die Altäre mit frischen Blumen zu schmücken. Der Herr Kardinal von Breslau hatte uns 150 Breviere zur Verfügung gestellt, die von den Pfarrern benutzt wurden, die nicht zu einer Tagesarbeit eingeteilt waren. Ferner hatte uns der Herr Prälat Nathan aus Olmütz Gewänder und die anderen zum Gottesdienst nötigen Dinge zugesandt. Im Anfang durfte nur ein Priester die hl. Messe feiern. Es war dies der für das Lager ernannte Lagerkaplan. Seit September 1942 konnte jeder Priester einmal zelebrieren. Hierbei war aber ausschlaggebend die Länge seiner Inhaftierung oder ein besonderer Anlaß, z. B. Namenstag, Primiz tag, Trauerfall usw. Jeden Morgen vor dem Zählappell fand ein Gottesdienst statt. Deshalb standen wir auf Block 26 stets eine halbe Stunde früher auf als das sonstige Lager. Nach dem katholischen Gottesdienste hielten die evangelischen Pfarrer ihre Morgenandacht. In der hl. Messe gingen alle katholischen Geistlichen zur hl. Kommunion. In der ersten Zeit erhielt jeder, der zur Kapelle kam, eine Hostie. Er hielt sie in seinen Händen während des hl. Opfers. Sie wurde während der hl. Handlung mit konsekriert vom Altar her, und dann gab sich jeder die hl. Kommunion. Da nun öfter durch SSMänner diese Handlung gestört worden war, ging man dazu über, durch vier Herren jeden Morgen die hl. Kommunion aufteilen zu lassen, indem diese durch die einzelnen Reihen gingen. Zwei Geschehnisse seien hier festgehalten: An einem Morgen erschienen zwei SS- Männer, Mütze auf, Reitpeitsche in der Hand und Zigaretten im Munde, in der Kapelle. Der eine nahm einem Geistlichen die Hostie aus der Hand und rief in die Kapelle hinein: ,, Nun habe ich wohl hier euern Christus? Was geschieht mit mir, wenn ich ihn auf die Erde werfe?" Wir schwiegen und beteten still unsere Gebete. Ein anderes Mal kamen SS- Männer durch die Reihen der betenden Priester bis vorn an den Altar. Der Geistliche hatte gerade das hl. Opfer beendet und kam vom Altar. Da schnauzte ihn der SS- Mann an: ,, Nimm deine Knochen zusammen, du Hund, und grüße mich vorschriftsmäßig." Jeden Sonntag war außer einer stillen Kommunionmesse auch ein feierliches Hochamt. Vor diesem war eine kurze Predigt, die abwechselnd von den Geistlichen gehalten wurde. Nachmittags war eine Andacht oder Komplet. 96 Dachau n Verhandeine Kapelle , sollte auch ng sabotierte der Besuch mußte. Aus wischenwand esdienstraum usgebaut. Ein Kreuz wurde n Salesianerer zu halten Kardinal von den Pfarrern Ferner hatte anderen zum Es war dies konnte jeder Länge seiner ztag, Trauerst statt. Des auf als das die evange alle katho elt jeder, der während des art vom Altar ter durch SS er, durch vier indem diese festgehalten: eitsche in der einem Geist: ,, Nun habe ihn auf die Ein anderes bis vorn an und kam vom en zusammen uch ein feier selnd von den der Komplet 1 Dachau Kreuz des Lageraltars im K. Z. Dachau 97 wohnen dur geblieben, h können. We schreiben! N Öfter fand auch ein Kanzelvortrag über ein gewünschtes Thema statt. Am Sonntag war jedesmal ein Kampf um Zulassung zum Gottesdienst. Nur heimlich konnte sich der nicht zum Block 26 Gehörige zur hl. Messe schleichen. Der Besuch von Theater, Kino und Fußballspiel war allen erlaubt, der Besuch des Gottesdienstes aber war verboten. Bei jedem Fremdenbesuch wurde die Kapelle gezeigt und darauf hingewiesen, wie gut für die religiösen Bedürfnisse der Häftlinge gesorgt sei. In Wirklichkeit konnten nur die auf Block 26 wohnenden Geistlichen den Gottesdienst besuchen. Im Maimonat wurde jeden Morgen nach der hl. Messe eine kurze Ansprache über die einzelnen Wallfahrtsorte zu Ehren Mariens gehalten. In der Fastenzeit waren Fastenpredigten. Jeden Abend vor dem Einschlafen fand auf den einzelnen Sälen das Abendgebet statt, dem oft eine kurze Aussprache voraufging. Sehr schön hatte im Jahre 1942/43 Pater Kentenich auf Stube 4 eingeführt, jeden Abend, außer den Betrachtungspunkten, die er gab, in kurzen Sätzen zu den Ereignissen des Tages im Lager Stellung zu nehmen. Der Sinn dieser Ausführungen war, eine einheitliche Auffassung und damit Haltung von uns Geistlichen anzustreben und durchzuführen. Leider hat man später hierauf keinen Wert mehr gelegt. Außer diesen Andachten und Gottesdiensten für die Allgemeinheit hielt auch jeder für sich seine Gebetsstunden. Am Morgen wie auch am Abend konnte man manchen still betend auf der Blockstraße auf- und abgehen sehen. Jeder respektierte diese Stunde der Einsamkeit, und keiner wagte, sie zu stören. Hatte doch jeder von uns sehr viel allein mit seinem Herrgott zu besprechen und sich selbst Mut und Vertrauen zu erbitten, auf daß er nicht verzage und traurig werde. ihnen nachg Tabernakel floß von die die hier nur verboten, Fr Zu den hohen Feiertagen des Jahres bereiteten wir uns immer zu einem besonders glänzend gestalteten Gottesdienste vor. Ein feiner Männerchor sang mit Begleitung eines Orchesters eine große mehrstimmige Messe. Es sei allen an dieser Stelle ein besonderer Dank gesagt für die Mühe, die dies gekostet hat, insonderheit unserem lieben Kameraden Schrammel, dem Leiter des Chores, der 1944 plötzlich nach Buchenwald abtransportiert wurde. Er soll nicht mehr leben, sondern vergast worden sein. 26 hineinzu Dazu gehör deren es üb Das übrige religiöse Leben im Lager ist in Bildern festgehalten, die mir mein lieber Leidensgenosse Pfarrektor Josef Neunzig zur Verfügung gestellt hat und die ich gerne hier zur Veröffentlichung bringe. Erstes Bild: leben. Diese Wenn sie a konnte es zu diesen M von uns H Arbeitsstätt häuser oder bar zur Ar den Ansche Hostien und würdig die weder Kerz man nur ei stalten von in einer sch monatelang dem früher Heiland gin und in die Zweites Auf de frühen Mor Es war am 28. Januar 1941, da versammelten sich im K. L. Dachau einige hundert Priester in der ersten Stube des Blocks 26. Man hatte Wohnund Schlafraum zu einem großen Raum zusammengeschlagen. Vorn stand ein kleiner Tisch, der mit einem SS- gezeichneten weißen Tuch bedeckt war. Auf dem Tisch stand ein kleines Kreuz, daneben zwei winzige Kerzenleuchter mit kleinen Kerzenstümpfchen, davor ein kleiner Kelch, der wie zur hl. Messe gedeckt war. Rechts lag ein Meßbuch, nicht größer als eines der üblichen Schott- Meßbücher. Wozu das alles? War es Hohn? Oder wollte man, wie schon so oft, die Priester- Gefangenen verspotten? Nein. Da trat ein Priester im weißen Meßgewand an den Tisch, und dann wurde im Lager Dachau die erste hl. Messe gefeiert. Die meisten Priester, die dieser hl. Handlung bei98 Herfluten. Priester de mögen sie Gespräche, Brot, Arbei Dingen. Un Kamerad Sa tigen, Ihne bekennt en die vielleic gefangen is spricht seg statt. Am enst. Nur schleichen. t, der Bewurde die Bedürfnisse Ek 26 wohurde jeden nen Wallmpredigten. as Abendhatte im end, außer Ereignissen ungen war, chen anzuWert mehr gemeinheit e auch am f- und abiner wagte, Herrgott auf daß er r zu einem Männerchor Messe. Es me, die dies mmel, dem ciert wurde, en, die mir ung gestellt L. Dachau matte Wohnin stand ein edeckt war rzenleuchter ur hl. Messe er üblichen e man, wie ein Priester Dachau die andlung beiwohnen durften, waren seit Jahren und Monaten ohne jeden geistlichen Trost geblieben, hatten seit Jahren und Monaten keiner hl. Messe mehr beiwohnen können. Welche Freude da im Priester- Block herrschte, kann man kaum beschreiben! Nun hatte man den Heiland wieder in unmittelbarer Nähe. Er war ihnen nachgegangen in die Gefangenschaft, und als heiligster Gefangener im Tabernakel sollte er nicht mehr aus dem Lager weichen. Unendlich viel Segen floẞ von dieser Stätte in die Herzen ungezählter Menschen fast aller Nationen, die hier nun Kraft und Trost fanden im Sakrament der Liebe. Es war streng verboten, Fremde in die nunmehr eingerichtete Kapelle in Stube 1 des Blocks 26 hineinzubringen. Fremde, das waren alle, die nicht auf Block 26 wohnten. Dazu gehörten auch die vielen polnischen Geistlichen von Block 28 und 30, deren es über 2000 im Lager gab, von denen heute kaum noch etwa 800 leben. Diese Priester und sämtliche Laien durften die Kapelle nicht betreten. Wenn sie aber auch nicht zum Heiland in die Kapelle kommen durften, so konnte es doch niemand hindern, daß des Heilands und seiner Priester Liebe zu diesen Menschen nach draußen kam. So ließen sich die polnischen Priester von uns Hostien und Wein geben und nahmen beides mit hinaus auf die Arbeitsstätten. Draußen im Freien der weiten Felder, in einem der Gewächshäuser oder in der verborgenen Ecke einer Werkstatt scharten sie sich, scheinbar zur Arbeit versammelt, oder zur Brotzeit zueinander und gaben sich den Anschein, fleißig beschäftigt zu sein. Aber einer von ihnen nahm dann Hostien und Wein, und sie feierten arm und dürftig, aber doch gläubig und würdig die hl. Messe. Selbstverständlich hatte man kein Meßgewand angelegt, weder Kerzen noch Schellen verrieten, was hier geschah. Als Kelch benutzte man nur ein Glas, aber der Heiland ließ es geschehen, er kam in die Gestalten von Brot und Wein herab, genau so, wie im herrlichsten Dom oder in einer schönen Kirche. Im strengen Winter 1941/42 durfte ich z. B. auch monatelang im Dunkel der Morgenfrühe am Kaninchenstall gegen 5 Uhr dem früheren Reichstagsabgeordneten Joos die hl. Kommunion reichen. Der Heiland ging den Menschen nach durch seine Priester in die Arbeit hinein und in die Krankenstätten des Lagers. Zweites Bild: Auf der Lagerstraße gehen die Häftlinge in der kurzen Freizeit am frühen Morgen oder späten Abend spazieren. Es ist ein gewaltiges Hin- und Herfluten. Tausende gehen da auf und ab. Unter ihnen befinden sich auch Priester des Herrn. Oft gehen sie zusammen mit Laienkameraden. Was mögen sie wohl so eifrig miteinander besprechen? Ihre Reden sind keine Gespräche, wie sie sonst die Häftlinge führen. Sie reden nicht von Freiheit, Brot, Arbeit, politischen Interessen. Sie sprechen von Gott und göttlichen Dingen. Und dann beginnen sie still miteinander zu beten. Und der eine Kamerad sagt zum Priester- Freund:„ Ich bekenne vor Gott, dem Allmächtigen, Ihnen, ehrwürdiger Vater, daß ich gesündigt habe"... Und dann bekennt er dem Priester neben ihm seine Sünde seit der letzten Beichte, die vielleicht schon vor Jahren gewesen war, weil auch er schon seit Jahren gefangen ist. Und der Priester hebt still und unauffällig seine Hand und spricht segnend sein ego te absolvo. Und sie verweilen weiter still beiein99 ander. Dann zieht der Priester eine kleine Vaselindose oder ein weißes Papier aus den Rocknähten( weil es in der Tasche zu gefährlich war, aufzubewahren) und entnimmt daraus das heiligste Sakrament und reicht es seinem Kameraden. ,, Der Leib unseres Herrn Jesus Christus bewahre deine Seele zum ewigen Leben." Wieder verstummen beide in tiefer Andacht versunken, betend, Christus im Herzen tragend, und schreiten weiter durch die Reihen der Häftlinge. Keiner hat etwas bemerkt; aber beide sind überglücklich. Wie oft habe ich von manchem Kamerad gehört, zu dem ich verschwiegen und verborgen den Leib des Herrn tragen durfte: ,, Das hätte ich nie gedacht, daß ich im Lager einmal kommunizieren könnte." Auch diesem einen, wie so vielen anderen, ist der Heiland nachgegangen. Die Quelle der Liebe, die vom Dachauer Tabernakel ausströmte, war so reich, daß alle im Lager, die guten Willens waren, davon trinken durften. Drittes Bild: es dann de Ackerfurch Heiland d sich über hl. Sakram kommuniz auch diese an dem h Viertes Die sch 1944, also katastroph auch ein s Da er frü Priesterwe währt. Hie dann nach heit wurd nicht bald niemals di nach und gehen, ab Bischof im könne de Schritte g Im Revier liegt ein schwerkranker Häftling. Er weiß, daß er nicht mehr gesund wird. Daheim würde er nach einem Priester gerufen haben, hier ist das unmöglich. Unter Androhung schärfster Strafen war jede seelsorgliche und privat- ärztliche Betreuung von Häftlingen im Lager verboten. Und doch findet auch der Heiland den Weg zu ihnen. Immer finden sich Priester und auch Laien, die verstohlen und heimlich den Weg ins Revier wagen, oder die dort als Pfleger bzw. als Hauspersonal angestellt sind und nun die Kranken heimlich seelsorglich betreuen. Da fragt den Kranken einer: ,, Bist du nicht katholisch? Willst du nicht die Sterbesakramente empfangen?" Und schon in dieser Frage liegt die Antwort für den, der fragt. Der Fragende sagt ihm: ,, Ich habe alles hier, Sakrament und hl. Öl." Und als Priester hört er ihm zunächst die Beichte und spendet dann das Sakrament der hl. Wegzehrung und das Sakrament der Ölung. Der Heiland war ihm nachgegangen. Woher kam der Priester? Christus hatte auch ihn an dieses Krankenbett geschickt. Hier muß ich in rührender Weise nicht nur unserer deutschen Priester Erwähnung tun, sondern auch der Priester aller Nationen und besonders der polnischen Priester, die in opfervoller Liebe, manchmal bis zur Hingabe des eigenen Lebens, für die sterbenskranken Kameraden sorgten. Aber auch mancher Laie innerhalb und außerhalb des Lagers wurde da zum Tarzisius. Dafür ein Beispiel: In der Stadt Dachau lebte eine Familie mit zwei Kindern, einem Jungen und einem Mädchen von etwa 10 bis 12 Jahren. Diese Kinder waren bei uns gefangenen Priestern bekannt, weil sie immer wieder mit Hilfe des Pfarrers von Dachau und ihren Eltern den Priestergefangenen Wohltaten erwiesen. Es war an einem Fronleichnamstag. Die Glocken der Dachauer Stadtkirche läuteten den Festtag ein. Die vielen Priester auf den Feldern der Plantage von Dachau sahen von ferne auf der Straße die Menschen zur Pfarrkirche und zur Prozession gehen. Da kommt am frühen Mittag nach der Prozession dieses junge Mädchen im weißen Kleid, das Kränzchen noch im Haar, zu etwa 15 gefangenen Priestern, die auf dem Felde arbeiteten, und erzählt ihnen von dem schönen Erlebnis der Fronleichnamsprozession. Der Posten in der Nähe ließ es geschehen, daß dieses Kind mit den Gefangenen redete. In einem günstigen Augenblick warf 100 Teil über Kardinal des Block gebraucht Strümpfe, Alles war alles mög um der Li wir offizi junge Dia Albe und kleid die auch grof Wie war Dom zu klang das Dom wan Geschwist Holzbara geschehen keine An 1 weißes r, aufzu- reicht e$ ıre deine acht ver- lurch die nd über- dem ich )as hätte “Auch gen. Die so reich, cht mehr hen, hier seelsorg- verboten. nden sl 15 Revier sind und es dann den gefangenen Priestern, die es gut kannten, ein Beutelchen in die Ackerfurche und sagte den Nächststehenden ganz leise:„Da ist der liebe Heiland drin.“ Dann ging es froh von dannen. Die Priester aber beugten sich über diesen heiligen Fund, entnahmen aus einer kleinen Büchse das hl. Sakrament, teilten die wenigen Hostien untereinander und feierten so kommunizierend in der Ackerfurche Fronleichnamstag. Der Heiland war auch diesen Priestern nachgegangen und wollte sie im Konzentrationslager an dem hohen Festtag nicht ohne ihn lassen. WıertesBild: Die schönste Freude aber erlebten wir Dachauer Priester am 17. Dezember 1944, also an jenem Tage, wo über München einer der schwersten Flieger- katastrophen hereingebrochen ist. Im Revier unter den Lungenkranken lebte auch ein schwerkranker Diakon aus der Diözese Münster i. W. Karl Leisner. Da er früher schon kränklich war, hatte ihm sein Bischof noch vor seiner Priesterweihe einen längeren Aufenthalt in St. Blasien im Schwarzwald ge- währt. Hier in St. Blasien, wurde-er verhaftet und ins K. L. Oranienburg und dann nach Dachau gebracht. Seit September 1939 weilte er dort. Seine Krank- heit wurde zeitweise besser, aber im Durchschnitt immer schwerer. Wenn er nicht bald entlassen würde, so dachten wir schon Anfang 1944, würde er "niemals die Priesterweihe bekommen. Siehe da, der Herrgott ging auch ihm nach und schickte ihm Hilfe. Den Kreuzweg seines Lebens muß er zwar weiter- gehen, aber im September 1944 trifft aus Süd-Frankreich ein katholischer Bischof im Lager Dachau ein. Kaum ist er da, entsteht der Plan, dieser Bischof könne den Karl im Revier zum Priester weihen. Sofort werden die nötigen- Schritte getan, zum Teil durch schwarze Briefe, die nach draußen gingen, zum Teil über den ordentlichen Weg. Der Bischof von Münster und hochw. Herr Kardinal von München geben freudig die Erlaubnis zur Weihe. Die Priester des Blocks 26 hatten mittlerweile alles Nötige beschafft, was zur Weihe gebraucht wurde: ein ganzes Bischofsornat, rote Soutane, rote Pantoffel, rote Strümpfe, rotes Birett, Mitra, Stab, einen vergoldeten Ring, Brustkreuz usw. Alles war da und alles im Lager hergestellt. Ihr werdet fragen: Wie ist das alles mögich gewesen? Ja, das ist das Geheimnis der Priester-Häftlinge, auch um der Liebe Christi willen kann man„organisieren“. Von München erhielten wir offiziell die notwendigen hl. Öle und Ritualbücher, und nun konnte 2 junge Diakon geweiht werden. Über seine Häftlingskleider legte er die weiße Albe und das Meßgewand an. Und der Bischof zog ebenso über sein Häftlings- kleid die Pontifikalien. Schlicht und einfach war die Weihestunde, aber doch auch groß und erhaben. Jeder von uns erlebte seine ‚eigene Weihe wieder. Wie war es doch so ganz anders damals als heute. Ich stand z. B. im Hohen Dom zu Trier; über mir wölbten sich die romanischen Bogen, von den Türmen klang das Vollgeläute der schweren Domglocken, die Orgel erbrauste, der Dom war dicht besetzt mit gläubigen Menschen, unter ihnen meine Eltern, Geschwister, Verwandten und Freunde. Und hier eine kleine Stube in einer Holzbaracke, inmitten eines Lagers, in dem soviel Furchtbares und Grausames geschehen war, keine Orgeltöne und kein Glockenklang, keine Festgewänder, keine Angehörigen des Neugeweihten, dafür aber Hunderte von Priestern aus 101 24 verschiedenen Nationen, die zum größten Teil mit dem Bischof dem Neu- geweihten die Hände auflegten. Der junge Priester konnte, weil seine Ge- sundheit so geschwächt war, nur ein einziges Mal die hl. Messe feiern, seine Primizmesse am zweiten Weihnachtstag, am Feste des hl. Erzdiakons Stephan. Da stand er im roten Meßgewand am Altar, auch gleichsam ein Blutzeuge für sein katholisches Priestertum. Ewig sollte er nun Priester sein nach der Ord- nung des Melchisedech, er, wie wir alle. Da haben wir vergessen, wo wir waren,.da fühlten wir die Not und Härte des K. L. nicht mehr, da waren wir des Herrgotts Gäste und fühlten uns alle als des Heilands Freunde und Lieb- linge reich beschenkt.: Als dann die Amerikaner das Lager Dachau befreiten, schafften sehr bald liebe Priesterfreunde den jungen kranken Neupriester in die Heilstätte Planegg bei München. Hier konnten seine Eltern und seine drei Schwestern ihn be- suchen. Vom Krankenbett aus konnte er ihnen noch seinen Primizsegen spenden und die hl. Kommunion reichen. Der Jungpriester aber mußte weiter leiden und opfern. Es war ihm nicht vergönnt, seine priesterlihen Funk- tionen auszuüben. In den Armen seiner Mutter, die ihn— nach Befreiung des Lagers durch die Amerikaner— noch ungefähr sechs Wochen pflegen durfte und den letzten Dienst der Mutterliebe ihm erweisen konnte, verschied er in der Sonntagsfrühe des 12. August 1945 still und gottergeben. Es ist ein alter schöner Brauch, wenn ein toter Priester in den Sarg ge- legt wird, ihn in ein violettes Meßgewand zu kleiden zum Zeichen der Buße und Sühne, während ein toter Bischof— als Nachfolger der Apostel— mit einem roten Meßgewand in den Sarg gebettet wird. Dem toten jungen neu- geweihten Dachauer Priester legten Ordensschwestern ein rotes Meßgewand an, zum Zeichen seines priesterlichen Martyriums. In diesem roten Meßgewand brachte ich am Feste Mariä Himmelfahrt— der Jungpriester war ein großer Marienverehrer— anläßlich meines letzten Rücktransportes Dachauer Priester und Laienkameraden den Sarg mit der sterblichen Hülle des Verschiedenen in seine zerstörte rheinische Heimat. Auf dem Friedhof seiner Heimatstadt Kleve sieht er nun der Auferstehung am Jüngsten Tage entgegen.> Zu diesem letzten Bild habe ich noch zu berichten: Am Tage seiner Weihe haben wir gemeinsam ihm ein sinniges Geschenk überreicht: neben der Ur- kunde seiner Priesterweihe noch ein Bild der Dachauer Kapelle, das unser Kamerad Dr. Riedmater gezeichnet hatte. In der Anlage zu diesem Bilde haben folgende Herren das Gratulations- dokument unterschrieben. Soweit ich die Unterschriften entziffern konnte, sind es die Herren: 1. katholische Geistliche Heinrich Selhorst Franz Geiger Oskar Bäusch Josef Mühlbeyer Gerrit Plantagie Hermann Richarz Josef Hopper Christian Reger Walter Kaiser Karl Schmitt Francoy Roger Stadtmitzen Gottfried Blydorp Georg Lehmann Bruno Theek Willy Windgassen Hans Carls Ludwig Hiller Josef KW: Bruno Bernh Matth Brudu Alois Heinr Peter Chree Johan Adam Richa Leo( Niko] Gerh: Paul Hube Josef Hein Franz dem Neuseine Geern, seine s Stephan. tzeuge für der Ordm, wo wir waren wir und Liebsehr bald te Planegg n ihn be" rimizsegen Bte weiter hen Funkreiung des gen durfte chied er in m Sarg gen der Buße stel- mit ungen neuMeßgewand Mebgewand ein großer er Priester niedenen in Heimatstadt iner Weihe en der Urdas unser ratulationsrn konnte, Josef Neunzig K. Walter Bruno Schmidt Bernhard Kreutzberger Matthias Germeicke Brudus Alois Starker Heinrich Kühnel Peter Lohausen Chreer Johann Landgraf Adam Ott Richard Schneider Leo Comucky Nikolaus Jansen Gerhard Baumjohann Paul Lastanitz Hubert Berger Josef Witthaupt Hein Eudenbach Franz Weinmann Josef Adamus F. Naurath L. Wiemker Josef Keup J. Keẞler Paul Paquet Korbinian Aigner Friedr. Seitz Emil Hurm Willy Breithecker Otto Pies S. J. Aug. Asenmann Albert Beckers Ludwig Braun Franz Müller Grotenberger P. A. Krähenheide Albert Trüby Hermann Scheipers Hubert Kurek Benedikt Rodach Edmund Fischer Z. Bierre Hermann Dümig Prinz zu Löwenstein Karl Friedrich Hubert Trompeter Josef Peters Martin Rohrmeister Ludwig Spiesel Erich Linhart Karl Kähs Pierre Neffe Josef Poihl Pereira Hans Rindermann Emil Mechler Eduard Farwer Theo Averberg Laurenz Schmedding Josef Reukes P. Hugo Montwe Engelbert Rehling Paul Siefer Matthias Mertens Michael Broichel Gust. Besoncos Heinrich Becker Josef Meyer Josef Avaresch Heinrich Kötter Adolf Nolewaika Hans Zimmermann Georg Schlecklies Heinrich Fresenborg Josef M. Böhr Alfons Duschak Edmund Frischke Heinz Römer Thomas Kalfas Gerhard Radeke Richard Schmidt Wilhelm Uhlig Elie Lavigue Wilhelm Gnegel Hubert Gaẞmann Gerhard Bouman Willem den Hertog Alois Theissen Hans Jäger Jakob Schmitt Jos. Buchkremer Jos. Zeimetz Seelig Jos. Moosbauer Emil Thoma Max Mayr Paul Wasmer Josef Rohrmoser Johann Gerharz Karl Weiß Alois Peikert Leo Binder Carl Mitzka Hieron. Bochnia Hubert Unzeitig Josef Halley Fr. Goldschmitt Christophorus Vasen OESA, B. Overmaat Matth. Wayster Benschopp 103 Josef Stangl Konrad Just Cotlet Metzger Paul Urban Kurt Dehne Herm. Stammschrör Antonius Bornefeld Maurus Münch P. Celums Peter Haunstein Anton Burger Andreas Rieser Alois Knecht Johann Heẞ Josef Albinger August Haumesser Heinrich Hennen Josef v. Styp- Rekowski Hubert Czechowsk! Ludwig Bauer Alois Knoller Hermann Schumacher P. Gregor Schwake OSB. Josef Heinzel Leopold Arthofer Eugen Weiler Alois Otzipka Peter Wolf Josef Steinkelderer Otto Jorek Franz Ulrich J. Voortmans Dr. P. Riedmater Georg Bujakowsky Siegfried Würl Gerhard Maashänser 2. evangelische Geistliche Ernst Wilm Erich Schiefelbein Christian Reger Walter Kaiser Kurt Walter Willem den Hertog Friedrich Zippel Paul Siefer W. Windgasse Jean Lemaire Edm, Frischke Horst Turmann Franz Guillaume Nik. Padt Helmut Augustin A. Schaars Br. Genuchten J. Lihs L. Royjackers Br. Raphael Thyny Frant. Oernée Adamus Josef Hos Sigmund Sudik Josef Heil H. Schulte Jan. Neinek Severak Jan Sauda Jan Dobrodinsky Adolf Staudacher Franz Namer Vysohlid Vaclav Josef Prusa Benedikt Howarik Archiepisky Sawaty Dr. Berau Karl Wilh. Horky Alois Frayt Alois Langhans Hermann Quack Emil Kiesel Johannes Sonnenschein S. R. Smied Robert Pruszkowski Willi Meyer Fr. Dabeck P. Anton Stahl Heinz Dresbach Gustav Spitzig J. Schaffen J. Kentenich Peter Robertstad Bruno Theek Eug. Jeleny. Josef Cvréek Frantisek Dotras Uwcensky Otto Mikolastiky G. Blydorp Ferd, Bonmans Gustav Dittmer Waldemar Kreis Buttler Gerrd Plantagie Jans Raults Sieptmier An dieser Stelle möchte ich ganz energisch einer Darstellung widersprechen, die in einem Buche, im Verlag Libertas, Tübingen, veröffentlicht worden ist, das sich ,, Dachau Nr. 30 784" nennt und den Toten von Dachau gewidmet 104 ist. Der Verf Der Verfasser Die kath sprechend, du zu schöpfen. ebenfalls als H nicht unerwäh das Risiko, e Beichte jedem trationslager Meinung nach christliche Na Woche los un Lagerhasen w fördert, ohne Angelegenhei Wer Brot st nur zu verst Diebstahl an und auf Mo außerst stren gewordenen cher nur einm Ein ander Typhuskrank tat nun diese Gedankengän Formular zu scheinigen, da Es war tie an den Lager diese Gottes verwöhnt wo nicht wie an und nach de es auch ande bestens zured stellten, wie ganze Kame dharakterlich hatte sie alle in die Situa Maske an d bestehen, di i hein vidersprechen worden ist, hau gewidmet ist. Der Verfasser ist ein Konrad Wuest Edler von Vellberg aus Stuttgart. Der Verfasser gibt auf Seite 46 seines Buches folgendes bekannt: ,, Die katholischen Häftlinge glaubten, ihre Seelennot, ihrem Glauben entsprechend, durch eine gründliche Beichte zu erleichtern und auch Kraft daraus zu schöpfen. Diesen Umstand nutzte z. B. ein katholischer Geistlicher, der ebenfalls als Häftling im Lager war, in skrupelloser Weise aus. Es war, das soll nicht unerwähnt bleiben, streng verboten, kirchliche Riten durchzuführen. Für das Risiko, entdeckt zu werden, nahm nun dieser brave Gottesmann die Beichte jedem Beichtling für einen Laib Brot ab. Das bedeutete in dem Konzentrationslager Dachau nahezu eine ganze Wochenration. Der Häftling war seiner Meinung nach zwar seiner Sünden bar, dafür war er durch die vorbildliche christliche Nächstenliebe seines Beichtvaters auch die Verpflegung für eine Woche los und hatte rund acht Tage mehr Hunger als vorher. Von alten Lagerhasen wurde natürlich dieses Vorbild an Selbstlosigkeit ins Jenseits befördert, ohne daß der Fall dem Kommandanten gemeldet wurde. Derartige Angelegenheiten wurden unter den Zebraisten meist selbst erledigt. Die These: ,, Wer Brot stiehlt, begeht Mord am Kameraden" war unumstößlich. Das war nur zu verständlich, denn bei den ungewöhnlich knappen Rationen mußte Diebstahl an Nahrungsmitteln als Mord am Kameraden angesehen werden, und auf Mord stand Totschlag. Nur auf diese Weise konnte, wenn auch äußerst streng und grausam, unter den vielen, durch Hunger willensschwach gewordenen Menschen einigermaßen Disziplin gehalten werden. So stahl mancher nur einmal Brot, in der Folge hatte er keines mehr nötig! Ein anderer Pfaffe lag weniger schwer erkrankt mit hilflosen schweren Typhuskranken zusammen, um ihnen mit Handreichungen zu dienen. Was tat nun dieser Gottessohn? Er, der allem Materialismus und allen irdischen Gedankengängen fern stehen sollte, legte den Sterbenden ein vorgeschriebenes Formular zur Unterschrift vor. Auf diese schmähliche Art ließ er sich bescheinigen, daß die geringe Hinterlassenschaft des Toten ihm gehöre. Es war tief beschämend, daß die Pfarrer mit einem recht hohen Prozentsatz an den Lagerstrafen wegen Diebstahl beteiligt waren. Im Leben draußen waren diese Gottesmänner von ihren Gemeinden verweichlicht und kulinarisch arg verwöhnt worden. Sie waren nicht satt zu kriegen. Sie konnten sich aber auch nicht wie andere Häftlinge im allgemeinen Interesse der Lagerinsassen nach und nach der doch so notwendigen Genügsamkeit befleißigen. Natürlich gab es auch andere Pfarrer, die im Lager, wo alles sich mit ,, Du" anredete, sich bestens zurechtfanden und unter den schwierigsten Verhältnissen ihren Mann stellten, wie einstens auf der Kanzel. Gern und jederzeit wurden diese als ganze Kameraden gewertet. Die meisten zeigten aber keine überragende, charakterliche Qualität, wie es zunächst doch erwartet wurde. Der Hunger hatte sie alle recht menschlich) werden lassen. Sie waren eben, wie alle anderen, in die Situation geraten, die unbarmherzig offenbart, was Wesen und was Maske an den Menschen ist. Auch für sie hieß es, die Bewährungsprobe zu bestehen, die an der Echtheit gemessen wurde." 105 1. Ich stelle fest, daß der Verfasser schon am 22. Dezember 1943 entlassen wurde und nur kurze Zeit im Lager war. Er behauptet zwar, jahrelang in Dachau gewesen zu sein. 2. Er war Hausel im Jourhaus und hatte da einen sehr guten Posten. 3. Er hat in seinem Buch Ereignisse erzählt, die gar nicht in Dachau geschehen sind, sondern in anderen Lagern, ohne deren Namen zu nennen. 4. Die Zeichnungen in seinem Buche sind alle Ausgeburten einer üppigen Phantasie und entsprechen nicht der Wirklichkeit. 5. Es ist mir nicht bekannt geworden, daß Kameraden einen Geistlichen gehängt oder ins Jenseits befördert haben, weil er ein Brot gestohlen hatte. 6. Ich darf wohl für mich in Anspruch nehmen, daß ich im Lager Dachau als Notizensammler bekannt war und deshalb zwischen Parolen und Tatsachen unterscheiden kann. Zu der gehässigen Form, in der er die Geistlichen im Lager beschimpfte, nehme ich wie folgt Stellung: solchen Le aufrufen, a die Heraus Das Vater Wie of betet, ohn dem Leber unser Lebe Im Lag dieses Gel Stunde de fängnishaf ich das Va Vate Vater. We Die Geschichte mit dem ganzen Laib Brot und der Beichte ist Parole. Im Jahre 1942 tauchte im Lager diese Behauptung auf. Ich habe mich sofort bemüht, erstens festzustellen, wer sie aufgebracht hat, und zweitens, um welchen Geistlichen es sich handele. Ich bot sogar als Lohn für den, der mir den Geistlichen nennen würde 14 Brot an. Ich habe niemals erfahren können, wer es war, und auch nicht, wer so skrupellos und gemein diese Parole aufgebracht hat. Im übrigen sieht man schon daran, daß der Geistliche ein ganzes Brot gefordert haben soll, daß alles elendige Lüge ist, denn ein ganzes Brot konnte ein Häftling nicht aufbringen. Der zweite Fall aus dem Revier ist mir ebensowenig bekannt. Ich bin sehr lange im Revier gewesen und kannte die Verhältnisse sehr genau. Mir ist nie Ähnliches berichtet worden. Aus dem ganzen Buch geht nach meiner Überzeugung aber hervor, daß der Verfasser sehr gerne und wahllos Parolen annahm und sie nach seinem Gutdünken gebrauchte. alles Seins Leben, das ganz in De mein Lebe Unse die uns h lassen. Ve wie alle N alle trostl Die dritte Behauptung, daß ein recht hoher Prozentsatz von Pfarrern an den Lagerstrafen wegen Brotdiebstahls beteiligt war, ist eine gemeine Verleumdung. Mir ist seit 1942 nichtein einziger Fall bekannt, daß ein Geistlicher wegen Diebstahls von der Lagerverwaltung bestraft worden sei. Wohl weiß ich, daß auf dem Zugangsblock_ein krankhaft veranlagter Geistlicher einem Kameraden ein Stück Brot weggenommen hatte und dafür von seinen Kameraden bestraft wurde. Aber diese Strafe bestand nicht in ,, der Beförderung ins Jenseits", wie der Verfasser mitteilt, sondern in einer Prügelstrafe. Wäre wirklich eine solche Bestrafung im Lager vorgekommen, so wäre sie mir bestimmt mitgeteilt worden. Im ganzen genommen, weise ich die Anwürfe des Herrn Vellberg nicht deshalb zurück, weil ich selbst ein Geistlicher bin, sondern weil ich als ,, Dachauer", aus genauer Kenntnis der Verhältnisse heraus diese Behauptungen ablehnen muß, und zwar als Übertreibungen und als Unwahrheiten. Wenn ich dem Inhalt des Buches nachgehe, stoße ich auch bei anderen Schilderungen auf ungenauigkeiten, unwahrheiten, ja Behauptungen, die nur Parolen waren. Mit einer 106 Der dem unse erlangen unsere He in uns sei Geh Flüche un verunglim wollen. W die Qual Er ist uns Zu im Reiche werden e in jeder der Gered Kapelle w die guter Beispiel werden. entlassen relang in geschehen üppigen ichen gelen hatte. Dachau als Tatsachen schimpfte, Parole. Im sofort bem welchen Hen Geisten, wer es pracht hat. Brot ge ot konnte ir ebensodie Verem ganzen sehr gerne uchte. farrern an meine Vernnt, daß valtung sblock ein ot weggeAber diese fasser mittrafung im Im ganzen alb zurück, ", aus genen muß, Inhalt des Ingenauig Mit einer solchen Lektüre kann man wohl die deutschen Menschen zu Haß und Rache aufrufen, aber nicht zur Besinnung auf höhere Werte. Deshalb bedauere ich die Herausgabe dieser Schrift. Das Vater Unser im Lager: Wie oft habe ich im Leben dieses Herrengebet gesprochen, wie oft es gebetet, ohne über den tieferen Sinn nachzudenken und die einzelnen Bitten mit dem Leben zu verbinden. Und doch schenkte uns der Herr dieses Gebet für unser Leben und seine ganze Gestaltung. Im Lager, in der furchtbaren Zeit des Hungers und der Qual, konnte ich dieses Gebet in seiner ganzen Tiefe und Schönheit verstehen. In so mancher Stunde der Not, in so mancher stürmischen Nacht, in den Tagen meiner Gefängnishaft im Lager 42 lange, einsame, trostlose Tage und Nächte- habe ich das Vater Unser innig gebetet und dabei das ganze Leben betrachtet. - Vater: Der Mensch sucht in Zeiten der Not Schutz. Er sucht ihn beim Vater. Wer könnte diesen Schutz sicherer gewähren als Du, Vater, Schöpfer alles Seins. Vater, schau auf uns alle, auf unsere Qual, auf unsere Angst ums Leben, das doch in Deinen Ratschlüssen steht. Vater, ich übergebe mein Leben ganz in Deine gütigen Hände. Hast Du keine Aufgabe mehr für mich, so nimm mein Leben und schone andere, die jünger und besser sind als ich. Unser Vater, Du siehst auch die anderen, die Feinde und Verfolger, die uns hassen und quälen und uns töten wollen. Auch sie hast Du werden lassen. Verzeihe ihnen, denn sie wissen nicht mehr, was sie tun. Sie stehen, wie alle Menschen, unter dem harten Gesetz der Vergeltung. Lasse sie nicht alle trostlos zugrunde gehen. Der Du bist im Himmel: Himmel, Du ewige Seligkeit, nach dem unsere Seele verlangt, auf den unsere Gebete gerichtet sind, den zu erlangen unser ganzes Bestreben ist, leuchte mit Deinem Frieden hinein in unsere Herzen, auf daß trotz Todesgefahr und Seelenqual doch stiller Friede in uns sei. Geheiligt werde Dein Name: O Vater, wie furchtbar sind die Flüche und Verwünschungen, mit denen täglich Dein heiliger Name vor uns verunglimpft wird. Häftlinge sind es, die uns Geistliche mit Absicht verletzen wollen. Wir müssen schweigend dulden und in der Stille beten und aufopfern die Qual des Tages. Tief in unsere Seelen ist Dein heiliger Name eingeprägt. Er ist uns heilig in der Arbeit und im Gebete. Zu uns komme Dein Reich: O Vater, schau, wir leben hier im Reiche des Satans. Lüge und Hinterlist umgibt uns, teuflische Qualen werden erdacht und an uns angewandt. Ein unsagbarer Haß umbrandet uns in jeder Stunde bei Tag und Nacht. Trotzdem lasse Dein Reich, das Reich der Gerechtigkeit und des Friedens in uns sein. Aus der Stille unserer kleinen Kapelle wollen wir Dein Reich hinaustragen in die Herzen der Kameraden, die guten Willens sind. Laß uns in Geduld alles ertragen und durch unser Beispiel Herzen für Dich gewinnen, die verwirrt waren. Herr, laß Frieden werden. 107 Einige weni zur Freiheit Herr, Uned Seele und L Sonde Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auch auf Erden: Vater, erkennten doch alle Menschen Deinen heiligen Willen. Doch immer wieder hört man die Klage, die gleichsam zur Anklage wird: Warum geschieht mir dieses alles? Wodurch habe ich dieses Schicksal verdient? Gibt es noch einen gerechten Gott? Nein, Herr, so sprechen wir nicht. Wir wissen, alles Geschehen hat einen Sinn. In Deinem hl. Willen stehen alle Geschehnisse rings um uns her. Wer hätte von uns nicht zu büßen? Und wenn er sündenlos wäre, so wäre er zur Erlösung der Seinen berufen. Weiß ich denn, ob ich nicht der Schlußring in der Kette der Schuld meiner Sippe bin. Klingt nicht in mir der Ruf der armen Seelen ,, erlöse du uns durch das Leid, das du zu tragen hast". Liegt darin nicht Dein Wille, o Herr, uns z zu läutern und zu stählen für ein opferbereites Leben? Ein jeder von uns, der durch Dich zum Weiterleben begnadigt und befreit wird, will seinem Leben einen tieferen Sinn geben und sich bemühen, den armen gequälten Menschen ein sorgender, helfender Priester zu sein. als hier an uns die Frei Erlöse unser Amen So war stillen, aber wir in der seiner Kirch Sorge brach damit den weihen. Die reli leben mit a von uns ste Liebe an u Unser tägliches Brotgib uns heute: Nie ist eine Bitte so inbrünstig gesprochen worden wie hier im Lager. Trockenes Brot und Wassersuppen sind die Nahrung. Der Hunger zehrt an den Lebenskräften, und viele sind gestorben, verhungert. Vater, o lasse uns nicht verhungern. Jedes Krümchen Brot ist uns heilig. Wir wollen für unser späteres Leben lernen, bescheiden zu sein in unseren Ansprüchen. Wir wollen stets an unsere armen Mitmenschen denken, die um ihr tägliches Brot kämpfen müssen. Was wir bisher nie gekannt, hier lernen wir ihn kennen: den Hunger. Wir lernen uns begnügen mit einem kärglichen Teil unserer sonstigen Nahrung. Aber noch eines lehrtest Du uns verstehen. Wie schwer ist es doch, mit hungerndem Magen zu leben, religiös zu denken und unter übernatürlichen Motiven das Leben zu meistern! Wir hatten uns früher gewundert, daß so manche Familie keinen Weg zum Gotteshaus fand. Und ihr tägliches Brot? Und der tägliche Lebensraum? Sie fehlten und machten die armen Menschen müde. Trostlose Interessenlosigkeit kam über sie. Kein Samenkorn religiösen Gedankens konnte hier aufblühen. Deshalb, Herr Gott, ich danke Dir, daß Du auch mir einmal zeigtest, was Hunger ist und bedeutet für ein Priesterleben. Fast ein je abzufinden Bei allem, der Grunds einer sich d lichen Lage Aber nur w Ausdrucksw der Mensc Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben müssen unseren Schuldigern: Sieh, Herr, wir büßen alle für unsere Sünden. Laß Deine Barmherzigkeit walten über uns und laẞ uns zurückkehren zu Deiner Vatergüte. Wir wollen nie mehr hart und rücksichtslos sein. Weites Verständnis wollen wir haben für die Seelennot unserer Mitmenschen und Erlösung denen sein, die Du uns über den Lebensweg sendest. Wir wollen allen, die uns geschlagen, gequält und beschimpft haben, verzeihen, denn Du allein sollst ihr Richter sein. ließen doch vogel eines dem Lager nehmen sol Und führe uns nicht in Versuchung: O, wie groß ist hier im Lager die Versuchung, an allem zu zweifeln, allen Glauben, alle Hoffnung und damit alle Liebe abzulegen. Auch an uns Priester kommt diese Versuchung heran. Einzelné sind ihr erlegen, wurden kalt, einsam und verbittert. 108 Das Zu die durch b einzelnen Ja noch nicht als über 20 sich eine N Als noch n das Leben Empfang de Gerade jen auskratzten auf Erllen. Doch d: Warum ient? Gibt Vir wissen, e Geschehd wenn er Weiß ich Sippe bin. h das Leid, zu läutern der durch eben einen enschen ein ne Bitte so Brot und menskräften, werhungern. eres Leben S an unsere en müssen. unger. Wir n Nahrung. doch, mit rnatürlichen undert, daß Thr tägliches die armen Samenkorn t, ich danke utet für ein vergeben Ben alle für and lab uns d rücksichtsunserer Mitweg sendest. haben, vergroß ist hier lle Hoffnung diese Verand verbittert Einige wenige haben sogar ihrem Priestertum abgeschworen und sind dadurch zur Freiheit gekommen. Aber sie werden nie glücklich und froh sein. Ja, Herr, Unechtes hast Du vom Echten getrennt. Es war eine Feuerprobe für Seele und Leib. Sondern erlöse uns von dem Übel: Was liegt näher, o Gott, als hier an die Qual der Haft zu denken. Erlöse uns von dieser Not und gib uns die Freiheit wieder. Erlöse uns von dem Terror, von unseren Peinigern! Erlöse unser armes deutsches Volk von dem Wahn des Nationalsozialismus! Amen. So war das ganze religiöse Leben auf unserem Block getragen von einer stillen, aber steten Hoffnung auf die Hilfe Gottes. Und täglich erneuerten wir in der Morgenkommunion unsere Liebe zu Christus, dem Herrn, und seiner Kirche. Und wenn der Tag noch so viel Unruhe, Unrecht nud quälende Sorge brachte, in der Gottesnähe fanden wir unseren inneren Frieden und damit den Mut, alles aufrecht zu tragen und unser Leben dem Herrgott zu weihen. Die religiöse Haltung war schon tapfer und gut, wenn auch das Lagerleben mit all den qualvollen Stunden große Anforderungen an einen jeden von uns stellte. Der Neuankommenden nahmen wir uns stets in brüderlicher Liebe an und machten sie auf die Besonderheiten des Lagers aufmerksam. Fast ein jeder von ihnen mußte sich durchringen zu dem Entschluß, sich abzufinden mit der Tatsache der Haft und alles hinzunehmen, wie es kam. ,, Bei allem, was du sagst und tust, vergiẞ nie, daß du ein Priester bist", war der Grundsatz! Deshalb wurde es auf Block 26 nicht gerne gehört, wenn einer sich die Lagersprache angeeignet hatte. Die mehr oder minder anzüglichen Lagerausdrücke, meist der Ganovensprache entnommen, waren verpönt. Aber nur wenige hatten den Mut, ihre Kameraden auf das Unpassende ihrer Ausdrucksweise hinzuweisen. Oft mußte man sich wundern, wie rasch doch der Mensch sich seiner Umgebung anpaßt. Benehmen und Sprachausdruck ließen doch oft bei einzelnen mehr als zu wünschen übrig, so daß ein Spaßvogel eines Tages auf die Idee kam, zu beantragen, daß alle, bevor sie aus dem Lager entlassen würden, vorher noch einige Wochen Anstandsunterricht nehmen sollten. Das Zusammenleben auf Block 26 entbehrte nicht gewisser Spannungen, die durch bestimmte Umstände bedingt waren. Diese Umstände waren in den einzelnen Jahren zudem vollkommen verschieden. Solange die einzelnen Stuben noch nicht so stark überbelegt waren, blieb das Leben erträglicher. Später, als über 200, ja sogar 300 Mann auf einem Zimmer hausten, entwickelte sich eine Nervosität, die oft kleine Auseinandersetzungen mit sich brachte. Als noch niemand Sendungen empfangen durfte und alle hungerten, alle um das Leben bangten, war die Kameradschaft besser, als später, nach dem Empfang der Lebensmittelpakete. Es versagten, Gott sei Dank, nur wenige. Gerade jene, welche in der Hungerzeit ihre leeren Eẞkübel mit dem Löffel auskratzten, waren es, die, als sie Pakete in Fülle erhielten, ihren Kameraden 109 nichts mitgaben. Es gab auch einzelne Häftlinge, die von ihrem Bischof wegen ihres Vorlebens suspendiert waren. Zusammen mußten leben junge und alte Herren, auf engem Raum, verschieden in ihrer Vorbildung, verschieden in ihrer Abstammung, aus den entgegengesetzesten Provinzen Deutschlands. Besonders die Österreicher führten ein von Animosität gegen uns Reichsdeutsche getragenes Eigenleben. Es ist nie möglich geworden, eine einheitliche Haltung auf unserem Block zu erzielen. SS- Mann u froren war Man mußte man alle S Freitag vo Wirbel au Mensch un war er ein gestellt wa mit einem Das Verhältnis zwischen den katholischen und evangelischen Kameraden war sehr gut und friedlich, wenn auch der eine oder andere der evangelischen Pfarrer in seiner Gesamthaltung zu wünschen übrig ließ. Aber das gleiche konnte man von jungen katholischen Geistlichen sagen, die oft vergaßen, daß sie Priester waren, sich gehen ließen und sich der blöden Ausdrücke des Lagers bedienten. Als später Geistliche fremder Nationen zu uns kamen, entstand ein Grund für neue Spannungen. Besonders die Franzosen zeigten Abneigung gegen uns Deutsche. Die besten Kameraden waren die Luxemburger; sie zeigten sich immer freundlich und hilfsbereit. Für die anderen Nationen gilt, was ich von Polen gesagt habe. Man durfte nicht vergessen, daß den Holländern und Tschechen bitterstes Unrecht geschehen war; darunter litten alle. Deutsche hatten ihnen dieses Unrecht zugefügt; Deutsche hatten sie gequält, geschlagen und beschimpft. Auch wenn wir dasselbe erleiden mußten, gehörten wir für sie doch zu der Nation, die ganz Europa unglücklich gemacht hatte. die Blocks Spinde eili Zigarren u am Abend Über allen Gegensätzen aber stand doch das eine Opfer, das wir täglich gemeinsam feierten: die heilige Messe, und vom Opferaltar her nahmen wir immer wieder neue Kraft zum Ertragen des Lagerlebens. wir alle au Zigaretten benannt w Bemerkung Das Qualvollste war, daß man nie allein sein konnte. Immer und zu Jeder Stunde, bei Tag und Nacht, umgeben blieb von Menschen, die man sich nicht selbst gewählt hatte, die man kaum kannte, deren Fehler man ertragen mußte, die, gereizt durch die Geschehnisse des Tages, manches harte Wort sprachen und Rücksicht verlangten, ohne selbst Rücksicht zu üben. Dazu kamen all die Zufälligkeiten, denen man ausgeliefert war, durch die man in die schwierigsten Lagen kommen konnte. Es gab Oberscharf hältiger, b einstellte. da, und sc rad Johann sofort eine kleiner Er zutun, wie Wie oft sind gute und wirklich edle Priesterkameraden schuldlos schuldig geworden, weil sie harmlos und ohne Absicht irgendeine Lagervorschrift übertraten und dem SS- Führer in die Hand gelaufen waren. Es war 20 Grad Kälte. Unser lieber Pfarrer Bettendorf hatte zwei Pullover angezogen, um sich gegen die bittere Kälte zu schützen. Es kam plötzlich eine Kontrolle, man nahm ihm den einen Pullover ab, und er bekam eine Strafmeldung. Die Strafe war 25 Doppelschläge, und zwar so, daß er acht Monate im Revier liegen mußte. Heute noch ist die große Narbe zu sehen. Unser Siegfried Würl, ein Pfarrer aus Tirol, ein Original, der uns die Stunden im Arbeitskommando durch seine munteren Erzählungen aus seinem Leben verkürzt hat, erzählte uns von seinen Erlebnissen im Lager Sachsenhausen. Es lag hoher Schnee. Da mußten sich alle in den Schnee legen und durften sich nicht rühren. Er aber bewegte nur einmal seinen Kopf, und schon kam der 110 WO Es war jeder Hunger un für ihre K Hunger ha einen Her konnten. Brot sche anderen, d konnte. H maligen S munistisch gesorgt ha Bader, Ly die Lebens 55-Mann und hielt sein Gesicht so lange in den Schnee, bis seine Nase er- froren war, daran litt er noch 1945 bei seiner Entlassung aus dem Lager. Man mußte wirklich gesunde Nerven und eine robuste Natur haben, wollte man alle Schikanen ohne persönlichen Schaden überstehen. Donnerstag und Freitag vor Pfingsten 1944 machte der Hauptscharführer Jung einen tollen Wirbel auf unserem Block, besonders mit Stube 3. Jung war ein kranker Mensch und deshalb nicht zur Truppe eingezogen worden. Charakterlich aber war er ein gehässiger, gefühlloser, roher Patron, der nur auf Quälen ein- gestellt war. Irgend etwas hatte ihn gereizt. So kam er zu uns und warf _ mit einem SS-Kommando alles aus unserem Schlaf- und Wohnzimmer auf die Blockstraße. Die Strohsäcke, die Decken wurden genau untersucht, die Spinde eilig entleert und alles beschlagnahmt, was ihm gut dünkte. Auch Zigarren und Zigaretten verschwanden, eigene Wäsche und noch mehr. Erst am Abend konnten wir alles wieder einräumen. Auf Pfingstsonntag mußten wir alle auf dem Appellplatz antreten. Hier verteilte Jung die Zigarren und Zigaretten an Häftlinge, die von dem Blockältesten der anderen Blocks benannt worden waren. Jung machte dazu seine verletzenden und bösartigen Bemerkungen über uns„Pfaffen“. Es gab jedesmal eine große Aufregung auf dem ganzen Block, wenn der Oberscharführer‘Bach, der Gerichtsoffizier, auf dem Block erschien, ein hinter- hältiger, bösartiger Mensch, der seine ganze Arbeit nur auf seine Beförderung einstellte. Er hat manches Leben auf seinem Gewissen. Plötzlich stand er da, und schon hatte er jemanden erwischt. So stand eines Tages unser Kame- rad Johann Schmidt im Vorraum und rauchte. Bach kam, sah ihn und machte sofort eine Strafmeldung. Schmidt erhielt 48 Stunden Stehbunker. Derartiger kleiner Erlebnisse könnte ich noch viele erwähnen, es genügt aber, um dar- zutun, wie gequält das Leben im Lager war. Die Caritas im Lager Es war etwas Eigenartiges um die Caritas im Lager. In der Hungerzeit, wo jeder von uns kaum etwas zu essen hatte, wo Hunderte starben am Hunger und seinen Folgeerscheinungen, gab es viele, die in brüderlicher Liebe für ihre Kameraden sorgten und das Wenige mit ihnen teilten, die mehr Hunger hatten. Es gab Häftlinge, die nicht religiös waren, die nicht an “ einen Herrgott glaubten und doch ihren Kameraden halfen, wo immer sie konnten. Wie freute man sich, wenn jemand kam und ein kleines Stück Brot schenkte. Leute, die Geld auf ihrem Kantinenkonto hatten, halfen anderen, die nichts hatten, und denen von Hause kein Geld gesandt werden konnte. Hier zeigte sich echte Kameradschaft, die keine Grenzen des ehe- maligen Standes oder der Parteizugehörigkeit kannte. Ich habe liebe kom- h mir geholfen und selbstlos für mich Dankbarkeit, meines lieben Willi munistische Kameraden gehabt, die auc gesorgt haben. Ich gedenke ihrer stets in Bader, Lyder, Winters, Adolf Meislinger und Mazenauer. Als dann 1943 die Lebensmittelpakete kamen, konnte in großzügiger Art geholfen werden. 113 Leider hat wohl aus einer übergroßen Vorsicht heraus- die katholische Caritas selber eine vielen unbegreifliche Zurückhaltung geübt. Wer von uns nicht zu Hause Menschen hatte, denen er lieb war, konnte einfach verhungern. Für mich wurde außerordentlich lieb und reichhaltig gesorgt. Ich konnte mit vollen Händen denen, die nichts hatten, geben. Besonders konnte ich jetzt manchem Kameraden eine Freude machen, der mich in der Hungerzeit unterstützt hatte. Ich gedenke hier besonders meines Freundes Josef Leitgeb aus Nürnberg, der ,, Hundesepp" genannt. Leitgeb hatte sich ein eigenes Kommando aufgebaut, nämlich die Pflege und Dressur der Hunde, die dem Kommandanten und anderen höheren SS- Offizieren gehörten. Für diese Hunde wurde eigens in der Häftlingsküche gekocht. Während wir Menschen hungerten, erhielten diese Tiere ein wirklich gutes und reichliches Essen. Morgens eine schöne Suppe, oft sogar Milchsuppe, mittags Knochen mit Fleisch und viel Brot. Als ein Muttertier Junge bekam, erhielten die Hunde im Verhältnis mehr Milch als das ganze Lazarett. Es war mir klar, daß Sepp dieses Essen nicht alles den Hunden gab, sondern eine ganze Reihe Kameraden einlud und ernährte. Unter diesen war auch ich. Sepp war ,, Großorganisator". Es gab nichts, was er nicht besorgen konnte. Vier Jahre war er im Lager. Zu Hause hatte er ein kleines Geschäft, das seine Frau führte. Drei Kinder warteten auf die Rückkehr des Vaters. den Leut war er Kamerad Essen, da Arbeitsk Wiew öffentlich nur Lan aber wa armen h für die schönes genomme Lebensm Im J wurde, zichten Auch sammelt ga Einkauf erhielten Wir 1943 hatte er vom Kommandanten die Erlaubnis erhalten, mit einem SS- Mann als Bewachung auf Jagd zu gehen, um die Hunde auszubilden. Das sollte sein Verhängnis werden. Er hatte im Laufe der Zeit den SS- Mann ganz für sich gewonnen. Dieser gab ihm heimlich viele Freiheiten. Er lernte in der Nähe von Dachau eine einfache Bauernfamilie kennen, bei der er stets einkehrte und sich wie zu Hause fühlte. Zu dieser Familie ließ er eines Sonntags seine Frau mit den Kindern kommen. Das Kleinste, kaum zwei Jahre alt, als er verhaftet wurde, jetzt sechs Jahre, umarmte den Vater, küßte ihn immer wieder und fragte: ,, Vater, wann kommst du nach Hause?" Dies schnitt dem Sepp so ins Herz, daß von da ab nur ein Gedanke ihn beseelte, zu fliehen. Er sprach mit mir über seine Fluchtpläne. Ich riet ihm dringend ab und machte ihn darauf aufmerksam, daß er unbedingt auffallen würde, weil er als 40jähriger doch Soldat sein müßte, der Soldat in Urlaub aber einen Ausweis vorzuzeigen habe. Alle Vorstellungen fanden taube Ohren und eines Tages war er geflohen. Nach zwei Tagen wurde er in Ingolstadt aufgegriffen und ins Lager zurückgebracht. Er erhielt 25 Doppelschläge, kam in die Strafkompanie und wurde später in ein anderes Lager abtransportiert. Seitdem habe ich nichts mehr von ihm gehört. wurden Caritasta zur Ver fand, m gefährlic Trot die gege elende licher S Als die Pakete ankamen, setzte allgemein eine große Liebestätigkeit ein. Ein jeder von uns hatte im Lager mehrere arme Kameraden aus seiner Heimat, die er unterstützen wollte. Oft sah man den einen oder anderen mit kleinen Päckchen den Block verlassen, um seine Gaben weiterzugeben. Am Tore standen morgens, mittags und abends viele Bittende. Sie waren hungrig und baten um ein Stückchen Brot. Es wurde ihnen reichlich gegeben. Unter ihnen gab es auch Berufsbettler, die in ihrem ganzen Leben nichts anderes getan hatten, als gebettelt. Besonders ein alter Ganove fiel unter 112 leicht h Mensche Auf sicherun beiten z Lager k die Gei Lager 6 schäftig einzelt studiere deres E Dachau atholische r von uns erhungern. ch konnte konnte ich Hungerzeit ‚ef Leitgeb in eigenes >, die dem iese Hunde en hunger- 1. Morgens Fleisch und z im Ver Sepp dieses Kameraden jroßorgani- war er Im ührte. Drei mit einem bilden. Da m 55.Manil den Leuten auf. Mit einem unterwürfigen Lächeln bettelte er. Jedoch bald war er in seinem schmutzigen Charakter erkannt als einer, der keinem Kameraden etwas gönnte und deshalb. nun selbst nichts mehr bekam. Alles Essen, das am Mittag und Abend übrig blieb, trugen wir hinüber zu unserem Arbeitskommando. Dort wurde es an die jungen Russen verteilt. Wieviel heimlich getan wurde, entzog sich der Kenntnis der Lager- öffentlichkeit. Es war jedoch nicht wenig. Manche vertraten den Grundsatz, nur Landsleuten etwas zukommen zu lassen, der Grundsatz der meisten aber war, nur den Bedürftigen zu geben. Die Holländer sorgten für ihre armen holländischen Kameraden, die Tschechen und besonders die Polen für die Kameraden ihrer Nation. Die Holländer erhielten jede Woche ein schönes Paket. Dies zu besorgen hatte eine Dame in Holland in die Hand genommen. Sie hatte in den verschiedenen Dörfern Familien geworben, die Lebensmittel sammelten und ihr zuschickten. Im Jahre 1943, als das Elend besonders bei den Tb.-Kranken größer wurde, beschlossen wir, jeden Donnerstag auf die ganze Brotration zu ver- Zichten und sie den armen Kranken zur Verfügung zu stellen. Außerdem sammelte täglich jede Stube Lebensmittel und überwies sie ins Revier. Auch gab jeder von seinem Kantinenkonto oft eine Summe zu gemeinsamem Einkauf für andere Blocks, auf denen Kameraden wohnten, die kein Paket erhielten. Wir haben ganze Fässer roter Rüben eingekauft und verschenkt. Es wurden Stiftungen für die Kulturfonds des Lagers gegeben. Eine besondere Caritastat bestand darin, daß viele der Geistlichen sich für Bluttransfusionen zur Verfügung stellten. Als 1944 der Typhus wütete und man keine Pfleger fand, meldeten sich polnische Pfarrer und übernahmen freiwillig die schwere gefährliche Pflegearbeit. Trotz unserer sorgenden Caritasarbeit gab es doch Leute im Lager, die gegen uns hetzten und uns jedes Caritasempfinden absprachen, meist elende Schwätzer und Verleumder, die, wenn wirklich einmal ein Geist- licher sich nicht gut benommen hatte, das gleich verallgemeinerten. Viel- leicht hat Vellberg, dessen Broschüre ich weiter oben erwähnte, nur solchen Menschen sein Ohr geliehen. Mußten die Geistlichen arbeiten? Auf diese Frage kann man mit nein und ja antworten. Vom Haupt- sicherungsamt Berlin war Befehl da:„Die Geistlichen sind mit leichten Ar- beiten zu beschäftigen.“ Die Arbeit sollte nur eine„Beschäftigung sein. Das Lager kümmerte sich aber gar nicht um die Anordnung Berlins, sondern stellte die Geistlichen wahllos in die einzelnen Arbeitskommandos ein. Es gab im Lager 64 verschiedene Arbeitskommandos, die teils innerhalb des Lagers be- schäftigt waren. Als die Pfarrer 1940 nach Dachau kamen, wurden sie nur ver- einzelt beschäftigt. Die meisten blieben auf dem Wohnblock und konnten studieren, lesen oder sich sonstwie beschäftigen. In diese Zeit fiel ein beson- deres Ereignis. Es war eine Spende Wein und Kakao angekommen. Man er- Dachau 8 113 Auße zählte, es sei die Spende des Papstes für gefangene Geistliche. Offenbar aber war die Lagerleitung nicht mit dieser Zuwendung einverstanden, denn erstens sagte man, wie dies die übliche Hetze im Lager war: ,, Die faulen Pfaffen saufen den ganzen Tag, während wir hungern müssen." Zweitens: Der Blockälteste und das Blockpersonal nahmen nicht nur an dieser Liebesgabe teil, sondern wußten vieles für ihre Zwecke zu verschieben. Und drittens: die jungen SS- Blockführer wußten den Geistlichen das Trinken des Weines zu vergällen, und zwar so, daß viele daran krank geworden sind. Es wurde ein Weinkommando gebildet. Dies waren drei Häftlinge von jeder Stube. Der SSMann kam in der Regel am Mittag, und dann hieß es: ,, Weinkommando heraus! Wein fassen!" Für je drei Mann ein Flasche. Die Flaschen wurden entkorkt. Jeder hatte mit seinem Becher anzutreten und erhielt ein Drittel der Flasche eingeschenkt. Dann kam der Befehl: ,, Aussaufen!" Dann mußte jeder in einem Zuge den ganzen Wein austrinken und den Becher leer vorzeigen. Einmal war der SS- Mann drei Tage nicht erschienen. Als er kam, erhielt jeder eine ganze Flasche zum Trinken. An diesem Tage zogen viele recht angeheitert zum Appell. Es war klar, daß diese Methode des Trinkens schon oft Magenverstimmungen und auch ernste Erkrankungen mit sich brachte. Von der täglichen Ration Kakao war vorher schon so viel umorganisiert, daß nur noch eine dünne Brühe übrig blieb. und sons sich meis der Nad toffeln, Schmucks er jeden Sachen H Nachfrag In de waren a waren au Im Jahre 1942 mußten die Pfarrer plötzlich zum Arbeiten antreten. Es waren zuerst 50 Mann, die in die Plantagenarbeit geschickt wurden. Später folgten mehr. Die Plantage war wohl das größte Kommando im Lager. Hier gab es leichte, aber auch schwere Arbeit, die die armen Menschen aufreiben mußte. In den Jahren 1942/43 war es für die Geistlichen kaum möglich, in ein gutes Arbeitskommando zu kommen. Die Geistlichen arbeiteten meist nur in Kommandos ohne Brotzeit. Innerhalb des Lagers waren wir beschäftigt in folgenden Kommandos: Kartoffelschälküche, Schusterei, Schneiderei, Kaninchenstall, Desinfektion, Barackeneinräumung, Strohstopf- und Flickerei, in den späteren Jahren kamen hinzu: Revier, Schreibstube, Arbeitseinsatz, Besoldungsstelle der SS- Kripo, politische Abteilung und anderes mehr. Junge polnische Geistliche wurden zu Maurerlehrlingen ausgebildet. Sie kamen später nach Hamburg zu Aufräumungsarbeiten. Wer nun länger im Lager war, kannte eine Reihe Kapos und wußte sich ein angenehmes Kommando zu verschaffen. In den Jahren 1944/45 wurden die älteren Herren in Heimarbeit auf dem Wohnblock beschäftigt. Spielkart Stelle. Eine schieden welt. Da pfiff ode weiter. A Weil sich, der Schwest Wenn die Pakete kamen, gab es natürlich auch Lebensmittel in ungekochtem Zustand, und es begann ein emsiges Kochen. Nicht nur, daß der Ofen inmitten der Wohnstube tagsüber von Kameraden umlagert war, die sich eine Suppe kochen oder Kartoffeln braten wollten, man hatte auch elektrische Kocher organisiert. Tauchsieder waren da. Einige machten sich sogar im Waschraum mit Papier und Holz ein kleines Feuer, über das sie ihre Bratpfannen hielten; wieder andere hatten sich einen Kochapparat gebaut, den sie mit angezündetem Zucker heizten. Es war erstaunlich, zu welcher Kunst im Kochen einzelne es brachten. Das alles war an sich verboten. Wenn ein SS- Mann erschien, mußten die Sachen verschwinden. Deshalb war immer eine Wache aufgestellt. 114 binger K Freundin zu kümn mit groß auch ein Pfarrer Ich bin die Kir halten!" erschiene Vom Meter b baracken Auf in der F Bekannt sprochen völkert dazu ka Berliner bar aber erstens Pfaffen er Blockabe teil, cens: die eines zu wurde ein Der SSndo herden entrittel der Ste jeder orzeigen. ielt jeder geheitert Magender tägnur noch reten. Es m. Später Hier gab en mußte. ein gutes in Komfolgenden tall, Desspäteren sstelle der Geistliche amburg zu ne Reihe 1. In den Wohnblock rekochtem inmitten ine Suppe e Kocher Waschraum n hielten; zündetem inzelne es mn, mußten Außer durch Pakete gab es noch eine Gelegenheit, an Lebensmittel aller Art und sonstige Sachen zu kommen. Das war der regelmäßige Markt; er tat sich meist abends nach dem Zählappell auf. Dann erschienen in den Fenstern der Nachbarblocks Häftlinge, die gegen Brot und Zigaretten anboten: Kartoffeln, Gemüse, Gurken, Salate, Schuhe, Joppen, Mützen, Messer, Hosenträger, Schmuckgegenstände. Auch dieser Handel war streng verboten, und doch geschah er jeden Abend. Besonders die kleinen Russenjungen besaßen Routine, diese Sachen heranzubringen. Die Preise richteten sich immer nach Angebot und Nachfrage. In den letzten Jahren bildeten sich Spielgruppen. Skat und Doppelkopp waren am beliebtesten. Schach wurde sehr viel gespielt. Halma und Mühle waren auch vorhanden. Spielen war aber auch verboten. Oft wurden uns die Spielkarten weggenommen. Nach einiger Zeit waren dann wieder neue zur Stelle. Eine Nacht im Schlafsaal war für den, der wach war, sehr amüsant. Die verschiedenen Arten des Verhaltens im Schlaf zeigten oft eine eigenartige Traumwelt. Da war einer, der schnarchte, als ob er in einer Agonie läge, ein anderer pfiff oder pustete, wieder ein anderer schrie plötzlich auf und schlief dann weiter. Auch hieran hatte man sich in den Jahren gewöhnt. Weihnachten war im Lager ein besonderes Fest. Ein jeder von uns bemühte sich, dem anderen eine kleine Freude zu bereiten. Einmal erlebte ich, wie ,, Schwester Pia" zu uns kam. Sie war eine ,, freie" Schwester aus dem Schwabinger Krankenhaus und Trägerin des Blutordens. Sie war eine besondere Freundin Adolf Hitlers und hatte den Auftrag, sich um die Häftlinge in Dachau zu kümmern. Fanatisch, unfreundlich machte sie keinen guten Eindruck, als sie mit großsprecherischen Gesten den Häftlingen einige Plätzchen brachte. Sie hielt auch eine Ansprache. Ein Satz möge genügen, um ihre Einstellung zu zeichnen: ,, Pfarrer, die das Lagerleben nicht ertragen können, sind nicht wert zu leben. Ich bin aus der Kirche ausgetreten und werde erst dann wiederkommen, wenn die Kirche gereinigt ist von den Elementen, die nicht zu meinem Führer halten!" Wir alle zeigten ihr die kalte Schulter. Sie ist auch nie mehr bei uns erschienen. Die Lagerstraße Vom Appellplatz führte durchs ganze Lager die Lagerstraße, ungefähr 30 Meter breit. Rechts und links waren, mit der Stirnseite zur Straße, die Wohnbaracken der Häftlinge durch die sogenannte Blockstraße voneinander getrennt. Auf dieser Straße entfaltete sich das ganze Lagerleben am frühen Morgen, in der Freizeit, am Mittag und am Abend. Hier trafen sich die Freunde und Bekannten, um sich zu unterhalten. Hier wurden Erlebnisse erzählt und besprochen, hier lernte man Kameraden kennen. 1942 war die Straße nur bevölkert von Deutschen, Polen und Tschechen. Man hörte diese drei Sprachen, dazu kamen die einzelnen deutschen Dialekte. Es waren Österreicher, Sachsen, Berliner, Hamburger, Kölner, Ostpreußen, Schlesier und Bayern. Mit dem 115 Jahre 1943 änderte sich dieses Bild. Es kamen Russen, Franzosen, Belgier, Jugoslaven, Italiener, Dänen, Norweger, Ungarn, Spanier, Ukrainer, Slovenen, Kroaten, Griechen, Armenier, Rumänen, Serben und Schweizer. Die Straße glich der Hauptstraße einer großen Weltausstellung. Die deutsche Sprache verschwand mehr und mehr. Man hörte ein Gewirr von verschiedenen Sprachen, unter denen zuerst die russische, später die französische vorherrschte. Die Unterhaltung fand meist in kleinen Gruppen statt, Landesmannschaften, die sich zusammenfanden und auch sonst sich gegenseitig unterstützten. Der Inhalt der Aussprachen war verschiedener Art. Politisieren war streng verboten, und man mußte gewärtig sein, von einem Denunzianten angezeigt zu werden, wie dies auch öfter geschehen ist. 1942 lautete das Thema immer wieder: Wann kommen wir in die Freiheit? Mit größtem Interesse wurden die politischen und militärischen Ereignisse verfolgt, trotz Verbot besprochen und Schlüsse gezogen, die meist fehlgingen. Die Sehnsucht nach der Freiheit war eben so stark, daß alles nur unter diesem Gesichtspunkte betrachtet wurde. Natürlich entstanden so Parolen, die fast immer wie Seifenblasen zergingen, und es blieb nur eine Enttäuschung übrig. Man hat gegangen Exekution verlegt. Ein E Transport Deutsche Diese Le des Grau gefressen gegessen. Viele sprachen nur vom Essen und davon, ob die Kantine etwas zu verkaufen habe. Der Hunger quälte alle fürchterlich. Trotzdem waren Zigaretten und Tabak noch mehr gefragt, und Brot wurde gegen Zigaretten eingetauscht. Ernste Unterhaltungen, z. B. über wissenschaftliche Themen, waren selten. Nur vereinzelt fanden sich Kameraden zusammen, die auch noch für wirklichen geistigen Gedankenaustausch waren. Eigenartig war folgendes: Die Neuangekommenen erzählten stets ihre eigenen Erlebnisse, ihre Verhaftung, die Behandlung bei der Gestapo, der Transport ins Lager und dergleichen mehr, während die alten Häftlinge schwiegen. Nur selten bekam man einen von ihnen zum Sprechen. Man mußte schon gut mit ihm bekannt sein und sein Vertrauen besitzen, sonst erzählte er nichts. Von diesen alten Häftlingen, die von 1938 an im Lager waren, erfuhr ich manche Einzelheit der Geschehnisse. Die Wahrheit der Angaben wurde dadurch verbürgt, daß entweder der einzelne seinen Namen gab zur Veröffentlichung, oder ich bei drei anderen Kameraden, die im gleichen Lager waren, nachforschte. Ich stellte in den meisten Fällen in den Aussagen Übereinstimmung fest. Auf die Leich den Tote Ein weiterer Stoff der Unterhaltung waren die Ereignisse im Lager selbst, die oft große Aufregung mit sich brachten. Es seien nur einige hier aufgezeichnet. ein angel trat ihm hin." In im Bad, und saße bis dahi und dod Mensche alle Blic töten. D Die 25 Stockhiebe wurden anfangs im Bad verabfolgt. Es waren junge SSMänner, die sie austeilten. Eines Abends wurde der Bock auf den Appellplatz gebracht, und das ganze Lager mußte gezwungenermaßen zusehen, wie die Kameraden verprügelt wurden. Aber das allein war es nicht, was uns alle empörte, sondern die Tatsache, daß die Blockältesten, also Häftlinge, gezwungen wurden, von jetzt ab dieses Henkeramt zu verrichten. Nicht alle Blockältesten gaben sich dazu her. Eine ganze Reihe weigerte sich und bat um Ablösung von ihrem Posten. Man drohte ihnen mit 25 Stockschlägen. Sie blieben bei ihrer Weigerung. Leider gab es auch einige, die gefügig waren und die Schläge austeilten. Sie fielen der Verachtung des ganzen Lagers anheim. 116 der eine geben, d Vor Ersch natürlich allgemein angeord handlung Ein H straße de einem M gut. Er H ihn an: nicht zu heute a anderen der Kon Karl lichkeit Totenka saß ein Haufen hin. Es Belgier, slovenen, aße glich rschwand en, untel schaften, sten. Der reng Vel- ezeigt ZU Freiheit? nisse Vel“ >hlgingen. ‚er diesem die fast zu ver Man hat sich ihre Namen gemerkt, und kaum einer ist später straflos aus- gegangen, wenn er nicht wie Fritz Becher zur Wehrmacht entlassen wurde. Diese Exekutionen dauerten bis zum Jahre 1944. Dann wurden sie wieder ins Bad verlegt., Ein Ereignis, das eine ungeheure Aufregung ins Lager brachte, war ein Transport aus dem Lager Stutthoff am 19. November 1942. Es waren 283 Deutsche und Russen, von denen 54 gleich als Leichen ausgeladen wurden. Diese Leichen hatte man vor dem Bad auf die Straße gelegt. Es war ein Bild des Grauens. Alle waren verhungert. Von den Leichen war eine Anzahl an- gefressen. Aus Hunger hatten die eigenen Kameraden das Fleisch der Toten gegessen. Ich persönlich habe damals folgende Szene erlebt: Auf der Treppe, die zum Bad führte, stand ein Häftling und schaute auf die Leichen: Junge SS-Männer standen Zigaretten rauchend und lachend bei den Toten. Da machte der Häftling einen SS-Mann darauf aufmerksam, daß ein angeblich Toter noch lebe. Der SS-Mann ging auf den noch Lebenden zu, trat ihm mit seinen schweren Stiefeln auf die Gurgel und sagte:„Der ist doch hin.“ In Wirklichkeit lebte der Mann noch und starb erst zwei Stunden später im Bad, wohin er von Häftlingen gebracht worden war. Im Bad selbst lagen und saßen die halbverhungerten Menschen; ein Bild des Jammers, wie ich es . bis dahin noch nie gesehen hatte. Man hatte ihnen warmes Essen gegeben, und doch waren sie nicht gesättigt. Aus tiefen Augenhöhlen schauten uns Menschen an, voll Angst und Hunger. Wenn die Türe geöffnet wurde, waren alle Blicke nach dort gerichtet. Sie fürchteten, jetzt komme man, um sie zu töten. Dann waren wieder die Augen auf die Eßkübel gerichtet, und leise bat der eine oder andere um etwas Suppe. Wir durften ihnen jedoch nichts mehr geben, da der Magen es nicht vertrug. Auch im Bad starb eine ganze Reihe vor Erschöpfung, so daß nur wenige übrig geblieben sind. Dieses Ereignis kam natürlich zur Kenntnis der Zivilbevölkerung von Dachau, und man sprach ganz allgemein über diese Ungeheuerlichkeit. Daraufhin soll eine Untersuchung angeordnet worden sein. Gegen den Transportführer wurde eine Gerichtsver- handlung eingeleitet, er wurde aber nicht bestraft. Ein polnischer Geistlicher erzählte mir folgendes Erlebnis: Auf der Block- straße des Wohnblocks, auf dem die polnischen Geistlichen wohnten, stand an einem Mittag ein Geistlicher an eine Blockwand gelehnt. Es war ihm nicht gut. Er hatte Fieber und fühlte sich krank. Da kam der Blockführer und brüllte ihn an:„‚Was ist mit dir los?‘„Es ist mir sehr schlecht, ich bitte, heute abend nicht zum Appell antreten zu müssen.“„Blockältester! Den Kerl will ich heute abend nicht mehr sehen! Verstanden?“ Am Abend marschierten die anderen zum Zählappell, und als sie nach Hause kamen, teilte man ihnen mit, “der Konfrater habe sich aufgehängt. Er hing in einem kleinen Abstellraum. Karl Schmitt erzählte ein Erlebnis aus Sachsenhausen, das in seiner Schauer- lichkeit wohl alles übertrifft. Er hatte mit anderen Kameraden Särge in die Totenkammer zu bringen. Als die Türe von dem Wärter aufgeschlossen wurde, saß ein„Toter“, der wieder lebendig geworden war, hoch oben auf einem = Haufen von Leichen, spielte mit seinen Fingern und lachte irrsinnig vor sich hin. Es kam vor, daß, wenn der Wärter morgens den Raum aufschloß, ein oder 117 auch zwei„Tote“ wieder lebendig an der Türe standen. Dann nahm er ein Stück Eisen und schlug sie mit den Worten tot:„Ihr Schweinhunde seid doch tot und habt nicht mehr zu leben.“ Ein tschechischer Studienrat erzählte sein Erlebnis aus Sachsenhausen. Er war mit Karl Schmitt in der Strafkompanie, weil er Geistlicher war. Eines Tages hatte er hohes Fieber und konnte sich kaum aufrecht halten. Trotzdem hatte er zuviel Angst, sich krank zu melden, weil meist auf die Krankmeldung die Antwort erfolgte:„Du willst dich wohl an der Arbeit vorbeidrücken.“ Ja, es kam oft vor, daß sogar dann eine Strafmeldung erfolgte. Er zog also an diesem Morgen mit zur Arbeit. Sie hatten Loren mit Kies zu laden und zu einer Baustelle zu fahren. Da sein Zustand immer schlechter wurde, und er wirklich nicht mehr arbeiten konnte, trat er einige Schritte, von seinem Arbeitsplatz zur Seite, um sich hinzusetzen. Der SS-Posten faßte dies als Flucht- versuch auf und schoß. Der Schuß ging dem Häftling durch die Hand.und riß den Daumen ab. Darauf fiel S. in eine Wasserpfütze. Der Posten schoß nun zum zweiten Mal. Der Schuß ging durch die Lunge. So lag er nun blutend am Boden. Er erzählte, er habe nur noch wie durch einen Schleier die Wolken am Himmel gesehen, aber in sich den starken Willen gespürt, nicht zu sterben. Da hörte er plötzlich eine Stimme, die fragte:„Was ist denn das? Ist er tot? Welche Nummer hat er?“ Eine andere Stimme sagte eine Nummer, aber nicht die seinige. Da’lallte er mit schwacher- Stimme:„Nein, das ist nicht meine Nummer!“ Es war der Kommandant des Lagers, der zufällig an diese Arbeits- stätte gekommen war und gefragt hatte. Sofort wurde er von Kameraden auf- gehoben und ins Revier gebracht. Von diesem Tage ab arbeiteten die Geist- lichen nicht mehr in der Strafkompanie.$. wurde gerettet und kam nach Dachau. Das Bild der Lagerstraße änderte sich mit jedem Jahre, besonders seit dem Frühjahr 1943. Mittlerweile war die Erlaubnis gekommen, Pakete empfangen zu können. Dies wirkte sich so aus, daß die Lagerstraße zu einer Marktstraße wurde, auf der getauscht, gehandelt und gekauft wurde. Gefragt waren meistens Brot und Zigaretten. Angeboten wurden Kartoffeln, Gemüse jeder Art, sodann Kleidungsstücke, Jacken, Mützen, Schuhe und anderes mehr. Auf einem Briefbogen stand: Im Lager ist alles zu kaufen. Es wurden herrliche Stoffe, Seiden aller Art, Brillantringe, Uhren usw. angeboten. Es waren meist Leute, die in Kommandos außerhalb des Lagers tätig waren und derartige Schmuckstücke mitbrachten. Man hatte sie irgendwo gestohlen, oder, wie der Lagerausdruck hieß,„organisiert. Für eine ganze Wurst oder ein Brot konnte man die herrlichsten Sachen erstehen. Man mußte nur dafür sorgen, daß man nicht erwischt wurde. Die Lagerstraße war auch die große Aufmarschstraße für die einzelnen Blocks zum Zählappell am Abend und am Morgen. Diese Aufmärsche waren 1942/43 mühsam und aufreibend. Statt Schuhen trugen wir Holzpantinen. In Reihen von zehn Mann mußte angetreten und marschiert werden, und zwar mußten wir ausgerichtet im Tritt marschieren. Die Stubenältesten liefen wie „Schäferhunde“ an den Reihen vorbei und schrien dauernd 2, 3, A, links. Wehe, wenn man am Appellplatz ankam und die Reihen waren nicht genau ausgerichtet. Dann gab es Strafexerzieren. Beim Aufmarsch wie auch beim 118 Abmarsch war es. N appell ma Arbeit ha die Leute bei ihrem und resig dieselben Was bek: immer wi viele kei Nach Wehe, Wi 85 Strafe Dieses E Waren h) ihn, wen Wen: großen} Segen: Gehorsar Nungssin m er ein seid doch mausen. Er war. 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Im Hungerjahr 1942 waren jeden Abend dieselben Fragen auf ihren Lippen, nämlich: ,, Wer ist heute von uns gestorben? Was bekommen wir zu essen? Kann die Kantine etwas liefern?" Hunger und immer wieder der grausame Hunger quälte uns alle, und zwar so stark, daß viele keinen anderen Unterhaltungsstoff als das Essen hatten. Nach dem Zählappell mußte beim Abrücken wieder gesungen werden. Wehe, wenn es dem Herrn Blockältesten nicht laut genug erschien, dann gab es Strafexerzieren, und zwar sofort nach dem Appell auf der Blockstraße. Dieses Exerzieren dauerte eine halbe Stunde und oft noch länger. Wir alle waren hungrig, der Blockälteste aber hatte schon gegessen. Was scherte es ihn, wenn die Leute fast zusammenbrachen. Wenn man die Lagerstraße hin zum Appellplatz ging, leuchteten uns in großen Buchstaben von den Dächern der Wirtschaftsgebäude die Worte entgegen: ,, Es gibt einen Weg zur Freiheit, seine Meilensteine sind: Gehorsam, Ehrlichkeit, Sauberkeit, Nüchternheit, Fleiß, Wahrhaftigkeit, Ordnungssinn und Liebe zum Vaterland!" Zu diesen Tugenden sollten wir erzogen werden. Wie sahen nun diese Tugenden im Lager in Wirklichkeit aus? Gehorsam: Wahrer Gehorsam muß aus höheren Motiven kommen, aus der Anerkennung der Autorität der Vorgesetzten und dem freien Willen, ihr zu dienen. Man hat so oft von Kadavergehorsam gesprochen und diesen insonderheit der katholischen Kirche vorgeworfen. Im Lager lernten wir erst den Kadavergehorsam in einer furchtbaren Form kennen. Es war nicht Zufall, daß Gehorsam als erste Tugend herausgestellt wurde. Dieser Gehorsam war nichts anderes als knirschende Hinnahme eines Befehles, wenn er noch so unsinnig, ja sogar unsittlich war. Es kam dann auf den Häftling an, wann er sich in seinem Gewissen verpflichtet fühlte, ja oder nein zu sagen. Der Kamerad Rudolf Berndt. Bonn, Meckenheimer Straße 43, erzählte zu diesem Punkte folgendes aus Sachsenhausen: Der Ernste Bibelforscher August Dieckmann hatte sich geweigert, seinen Wehrpaß zu unterzeichnen. Er begründete seine Haltung mit seinem Glauben an die Hl. Schrift. Er wurde deshalb zum Tode verurteilt. Das Urteil ist am 15. September 1939 vollstreckt worden. Der SS- Führer Baruwizky, ein Sadist, ließ die Häftlinge im Halbkreis um die Erschießungswand sich aufstellen, trat dann vor der Erschiebung an Dieckmann heran und sagte in hämischem Tone: ,, Wenn ich dir jetzt vor deinem Tode noch einmal Gelegenheit gäbe, zu unterzeichnen, dann würdest du jetzt wohl unterschreiben. Du elendes Schwein! Diese Ge119 legenheit bekommst du aber nicht." Darauf antwortete Dieckmann ihm so, daß es alle hören konnten: ,, Und wenn Sie mir 15mal es anböten, dann bliebe ich meiner Überzeugung als Ernster Bibelforscher treu. Sie aber werden meinen Tod nicht lange überleben." Er wurde erschossen. Vier Monate später starb Baruwizky an Magenkrebs. Der andere Lagerführer Eisfeld kam 1940 durch einen Autounfall zu Tode. beaufsichtig ganze. Reil maschinen. nungen der und stopft und sagte Führte man einen Befehl nicht sofort aus, gab es Hiebe oder es wurde Strafmeldung gemacht und eine härtere Strafe wurde verhängt. Über allem stand die Knute, und nur verbissen schweigend und unwillig führte man die Befehle aus. Dies geschah meist nur so lange, wie der Vorgesetzte es beobachten konnte. Sonst wurden die Befehle oft sabotiert. Die Lagerleitung ging mit gutem Beispiel voran; denn sie sabotierte fast alle Befehle, die von Berlin kamen, z. B. war der Befehl von Berlin da, daß die Geistlichen nur leicht zu beschäftigen seien. In Dachau schickte man die Geistlichen in eines der schwersten Kommandos, nämlich in die Plantage. Die meisten, die 1942/43 gestorben sind, haben sich bei der Methode, mit der dort gearbeitet werden mußte, den Todeskeim geholt. Unter Plantage verstand man eine große, gewaltige Gartenanlage, auf der Blumen, Gewächse, Gemüse aller Art, Kartoffeln usw. gezüchtet wurden. Die Plantage war 4000 Meter lang und 2500 Meter breit. Es gab hier Hunderte kleiner Beete mit den verschiedensten Pflanzen, die in einem Laboratorium auf ihren Nähr- und Heilwert untersucht wurden. Es waren die verschiedensten Gebäude errichtet, die in einer ganz großartigen Form angelegt waren und in denen die Häftlinge ebenso wie auf dem Land zu arbeiten hatten. Im Sommer arbeiteten in der Plantage 1300 bis 1400 Häftlinge, im Winter wurde die Zahl auf 350 vermindert. Die Plantage gehörte Himmler und Obergruppenführer Pohl, die sehr viel Geld daran verdienten, weil ja unsere Arbeitskraft kaum Unkosten bereitete. noch etwas davon ges bekannt. Ehrlichkeit: Im Lager war die Ehrlichkeit unter den Häftlingen oft sehr fragwürdig. Am häufigsten war Betrug beim Tauschen. Man nannte das;, abkochen". Zwei verrichten. gekocht. D die Fausti die Kartof Geistlicher schwere Er Dersel dafür, daß lingen ein nötig war, Gleich Dann herrschte im allgemeinen die Unsitte des ,, Organisierens". Es wurde nicht als Diebstahl aufgefaßt, wenn ein Häftling der SS etwas wegnahm, man stand auf dem Standpunkt: wenn einer von dem Lagerbestand, der für Häftlinge da war, aber von der SS zurückgehalten wurde, etwas weg nahm, dann war dies nicht gestohlen. Es gab Kameraden, die von diesem ,.Organisieren" sehr gut lebten. Sie lieferten Leder, Schuhe, Tuche aller Art und andere Dinge mehr und erhielten dafür Wurst und Brot, Zigaretten und Tabak. Aus der Küche verschwand Butter, Fleisch, Wurst in Mengen. Es waren aber nur ,, Prominente" des Lagers, die an diesen Lieferungen teilhatten. nur eine l Saub Sauberkeit Sauber Im übrigen ging, uns die SS mit gutem Beispiel voran, und zwar manchmal in einer Form, die empörend war. Für das Lager wurde von einer Wurstfabrik Fleisch und Wurst geliefert. Stets blieb unterwegs von dieser Lieferung eine ganze Menge in der SS- Küche hängen. Besonders toll war es, als das Beutegut aus Italien ankam. Die SS- Männer, die das Arbeitskommando 120 lich aufre Es war gle auch- 1 Hochstapl wo sie nu möglichst unter den ihre Poste angenomm immer wi Wir steh uns glau diese Ver und hatte aber kein gelernt, Menschen entweder kommuni hätte zus ihm so, en, dann er werden ate später eld kam es wurde ber allem e man die es beobgerleitung , die von lichen nur n in eines eisten, die gearbeitet man eine müse aller Meter lang verschieHeilwert tet, die in Häftlinge ten in der 350 verPohl, die Unkosten Häftlingen Man nannte Merens". Es etwas weggerbestand, etwas weg von diesem e aller Art Faretten und Mengen. Es rungen teilr manchmal Finer Wurstieser Liefewar es, als skommando beaufsichtigten, das die Waggons auszuladen hatte, ließen zuerst einmal eine ganze. Reihe Sachen für sich auf die Seite legen und verschwinden: Nähmaschinen, Lebensmittel, Zigaretten und anderes mehr wurden in die Wohnungen der SS gebracht. Die Häftlinge nahmen sich natürlich auch Zigaretten und stopften sich die Taschen voll. Dann kam der Rapportführer Trenkle und sagte: ,, Ihr habt nun genug Zigaretten genommen. Wer von jetzt ab noch etwas wegnimmt, hat gestohlen und wird bestraft. Im Lager wird nichts davon gesagt. Verstanden!" Natürlich wurde das im ganzen Lager sofort bekannt. Zwei Geistliche hatten hinter der Desinfektion Aufräumungsarbeiten zu verrichten. Am Mittag hatten sie sich auf einem kleinen Feuerchen Kartoffeln gekocht. Der Rapportführer Welter überraschte sie hierbei, schlug dem einen die Faust ins Gesicht und brüllte ihn an: ,, Ihr Diebesgesindel, wo habt ihr die Kartoffeln her, ich werde euch eine Strafmeldung machen!" Die beiden Geistlichen kamen in eine Strafkompanie und mußten vier Wochen hindurch schwere Erdarbeiten verrichten. Derselbe Rapportführer Welter hatte anscheinend gar kein Empfinden dafür, daß er selbst der größte Schieber war. Er ließ sich nämlich von Häftlingen einen großen Hasenstall bauen. Das ganze Material, welches hierzu nötig war, mußten die Häftlinge selbst organisieren, sprich stehlen-! Gleiche Beispiele könnte ich in Mengen aufführen. Somit war Ehrlichkeit nur eine leere Phrase, ohne jede moralische Bedeutung. - - Sauberkeit: Man kann unter diesem Worte Sauberkeit entweder Sauberkeit der Gesinnung oder äußere Sauberkeit Hygiene verstehen. Sauberkeit der Gesinnung: Unter den Häftlingen gab es viele, die wirklich aufrechte, ehrliche Menschen waren und tadellose Kameradschaft hielten. Es war gleich, welcher politischen Richtung sie angehört hatten. Es gab aber auch leider keine geringe Zahl ausgesprochene Lumpen, Verbrecher, Hochstapler, die auch im Lager die eigenen Kameraden belogen und betrogen, wo sie nur konnten. Sie dachten nur an sich und waren stets darauf bedacht, möglichst viel für sich herauszuschlagen. In den Jahren 1942-1943 waren unter den Block- und Stubenältesten solche erbärmliche Kreaturen, die, um ihre Posten zu behalten und den SS- Männern zu imponieren, deren Allüren angenommen hatten. Sie schlugen bei jeder Gelegenheit die Leute, erfanden immer wieder neue Schikanen und hatten ihre Freude daran. Es hieß damals: ,, Wir stehen unter einem elenden kommunistischen Regiment." Mancher von uns glaubte, die Kommunisten erst richtig kennen gelernt zu haben. Ja, diese Verbrecher nannten sich alle Mitglieder der kommunistischen Partei und hatten das Wort Kommunismus jeden Augenblick im Mund. Es waren aber keine Kommunisten. Ich habe viele aufrechte und edle Männer kennen gelernt, die wirklich Kommunisten waren. Diese lehnten mit Recht diese Menschen ab, weil sie nur elende Schwätzer waren, die draußen in der Partei entweder überhaupt nicht bekannt oder nur Mitläufer waren. Ich habe keinen kommunistischen Funktionär kennen gelernt, der sich auch nur das geringste hätte zuschulden kommen lassen. 121 derum wa hatten. Sp daß man s Zeit im La Laster. Kö gegnete, b Jung! Wie Die SS war in der Fleiß Es waren aber arbei in der Nä und mußte nicht zufri gelöst. Of irgendein verständlic frieden zu dann war Kapo Kno schlug und an der Ta Kameraden titel ,, De Man kann unter Sauberkeit aber auch die Hygiene verstehen. Auf den Wohnblocks wurde in den ersten Jahren die Sauberkeit maßlos übertrieben. Den Betten- und Spindbau habe ich schon beschrieben, dazu kam die Sauberhaltung der Tische und des Bodens. Wenn gegessen wurde, mußte vorher die Tischplatte umgedreht werden, damit die Platte ja keine Kratzer erhielt. Der Fußboden wurde geölt. Man durfte mit Holzpantinen die Stube nicht betreten, sondern nur auf Strümpfen, und wenn man keine Strümpfe hatte, mit nackten Füßen. Wehe dem, der diese Forderungen nicht erfüllte! Die Block- und Stubenältesten hatten schon längst Lederschuhe, sie gingen aus und ein. Die Sauberkeit der Lokalitäten ließ, wie bereits erwähnt, sehr zu wünschen übrig, weil oft kein Wasser vorhanden war. Es fehlte die Nachspülmöglichkeit. Dieser Mißstand war besonders im Revier sehr groß, weil damit die Ansteckungs- und Seuchengefahr verbunden war. Von Zeit zu Zeit wurde Großreinigung angeordnet. Dann mußte alles aus den Stuben auf die Blockstraße, und dann wurde gründlich gereinigt. Es war eine Qual, auf der Stube zu leben, da man jeden Augenblick gewärtig sein mußte, der ,, Herr" Blockführer fände hier eine Unsauberkeit. Die Pantinen wurden abends stets abgewaschen und mußten sauber im Regal stehen. Vor dem Schlafengehen war Fußappell, d. h..man mußte seine Füße vorzeigen, ob sie auch sauber waren, ehe man in den Schlafsaal eintreten durfte. Besonders unangenehm war die Läusekontrolle, die anfangs jede Woche einmal, und zwar meist am Sonntag vor der Essenausgabe, war. Später, in der Typhuszeit, wurde sie jeden Tag abgehalten. Wir hatten bei uns auf dem Priesterblock einen Blockältesten, der an dieser Kontrolle seinen besonderen Spaß zu haben schien. Er ließ die Leute sich vollkommen entkleiden, stellte sie auf einen Schemel und untersuchte sie dann mit einer Lampe. In der Zeit der Seuche wurde, um überhaupt der Läuse plage Herr zu werden, befohlen, daß jeder dafür zu sorgen habe, daß er keine Läuse habe. In fünf Sprachen hingen auf den Blocks Anschläge mit der Aufschrift: ,, Eine Laus dein Tod!" Man sprach die Drohung aus: jeder, bei dem bei der Kontrolle eine Laus festgestellt würde, sollte kein Essen erhalten. Und trotz dieser Maßnahmen konnten wir uns doch der Läuse kaum erwehren. Wir wiesen des öfteren auf den Mißstand hin, daß die Lagerwäsche viel zu wenig gewechselt wurde. Manchmal mußte wochenlang dasselbe Lagerhemd getragen werden. Daß eine Unterhose und ein Hemd oft vier bis sechs Wochen und die Socken ein halbes Jahr getragen werden mußten, war keine Seltenheit. Wenn die Wäsche aus der Kammer kam, haben wir oft feststellen können, daß diese ,, frische" Wäsche voller Läuse war. Wer nun Läuse hatte, mußte am Abend mit seinen ganzen Sachen, nicht nur Kleidung, sondern auch mit den Bettlaken, zum Bad. Die armen Leute warteten dann meist splitternackt von abends 29 Uhr bis morgens 7 Uhr auf ihre Kleider. Das ganze Leben war eine Qual! Versetzt w Ob m Arbeitsko keiner vo meradscha Nüchternheit: Die Nüchternheitsforderung im Lager war eine Lächerlichkeit, denn es gab ja keine Spirituosen. Wir waren alle sehr nüchtern, das Leben im Lager zwang jeden dazu. Und doch kam es von Zeit zu Zeit vor, daß durch Außenkommandos Schnaps ins Lager gebracht wurde. Wie122 stets bere leistung d Verwandt es doch k Der Häftl und bestr Wah treten: V herausrett keinem V gestapo s gesehen. 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Halt dä Kopp huh, et es bahl vorüvver." Die SS gab auch hier wieder das ,, gute Beispiel". Lagerführer Redwitz war in der Regel betrunken, wenn er zum Zählappell kam. Fleiß Die Lust zur Arbeit konnte man nur in Einzelfällen feststellen. Es waren meist Fachleute, die in ihrem Handwerk tätig sein konnten. Sonst aber arbeiteten die meisten nur dann scheinbar fleißig, wenn die Aufsicht in der Nähe war. Die Kapos wurden von den SS- Kommandanten getrieben und mußten ihre Leute wieder treiben. War der SS- Mann mit dem Kapo nicht zufrieden, machte er ihm eine Strafmeldung; dann wurde dieser abgelöst. Oft ist es vorgekommen, daß die Kapos Strafexerzieren hatten, weil irgendein Kommando nicht fleißig genug gearbeitet hatte. Es war deshalb verständlich, wenn der Kapo alles tat, um ja seinen Kommandoführer zufrieden zu stellen. War nun der SS- Mann ein herzloser, grausamer Mann, dann war es der Kapo meist auch, er wollte ja seinen Posten behalten; der Kapo Knoll von der Plantage war ein solcher Sadist, er quälte die Leute, schlug und miẞhandelte sie in übelster Weise. Schläge und Fußtritte waren an der Tagesordnung, und man kann wohl sagen, daß er den Tod hunderter Kameraden auf seinem Gewissen hatte. Auch er hatte im Lager den Ehrentitel ,, Der Mörder von der Plantage". Er ist später in ein anderes Lager versetzt worden und hat dort einen besonders guten Posten erhalten. Ob man fleißig war oder nicht, hing auch damit zusammen, welches Arbeitskommando man erhielt. Handelte es sich um Arbeit für die SS, hatte keiner von uns große Lust, fleißig zu sein, handelte es sich aber um Kameradschaftsarbeit, das heißt Hilfe für das Leben der Kameraden, waren wir stets bereit, unser Bestes zu geben. Die SS sorgte mit Hilfe der Arbeitsleistung der Häftlinge natürlich für ihren eigenen Vorteil und für ihre ganze Verwandtschaft. In den Wohnungen der SS- Offiziere und-Mannschaften gab es doch kaum etwas, was nicht durch die Häftlinge angefertigt worden wäre. Der Häftling hatte alles zu ,, besorgen" und war stets in Gefahr, aufzufallen und bestraft zu werden. Wahrhaftigkeit: Im Lager wurde allgemein der Standpunkt vertreten: Wenn man sich durch eine Lüge aus einer gefährlichen Situation herausretten konnte, war die Lüge erlaubt. Die Strafen standen ja in gar keinem Verhältnis zu der geringfügigen Tat. War dies schon bei der Heimatgestapo so mehr noch wurde im Lager auf strenge und exemplarische Strafe gesehen. - Eigentümlich war auch in anderer Beziehung die Auffassung einzelner Häftlinge über den Begriff ,, Wahrhaftigkeit". Es machte ihnen nichts aus, die tollsten Märchen zu erzählen. Dadurch entstanden dann die sogenannten ,, Parolen". Wie entstanden diese Parolen? Es hörte irgendein Häftling 123 eine Nachricht. Er erzählte sie vielen und gab gleich Einiges hinzu. Hierbei war stets der Wunsch der Vater des Gedankens. Aus einem gewissen Gel- tungsbedürfnis heraus formulierte er das Gehörte mit seinen Worten, ohne zu prüfen, ob die Nachricht, die er erhalten, der Wahrheit entsprach. So ent- standen oft„Parolen“, die jeder Grundlage entbehrten. Es dauerte aber nicht lange, so war der Parolemacher bekannt und wurde abgelehnt. Und doch war auch an vielen Parolen etwas Wahres. Später erst stellte sich dies heraus. Viele, die den grünen Winkel trugen, hatten ein großes Interesse daran, ihr Vorleben zu verschweigen und dafür zu sorgen, daß nichts ans Tageslicht kam. Es waren dies meist Hochstapler und Kriminelle. Und doch konnten sie auf die Dauer ihren wahren Charakter nicht verbergen und verrieten sich dann selbst, indem sie wieder in ihre alten Fehler zurückfielen. Durch ihre Geschäftigkeit wußten sie sich gute, oft sogar führende Stellungen zu erwerben, in denen sie sich dann eine Zeitlang hielten, um plötzlich zu verschwinden, weil sie sich unmöglich gemacht hatten. Gerade in den Jahren 1941 und 1942 waren die Stellen der Block- und Stubenältesten in den Händen solcher Leute, die hier den roten, d. h. politischen Winkel trugen, ihrem Charakter nach aber unehrliche Menschen waren. Die SS gab uns die besten Beispiele ihrer„Wahrhaftigkeit“. Es seien nur einige Episoden hier festgehalten, die besonders bemerkenswert sind. Öfter kam es vor, daß Kommissionen das Lager besuchten, um es zu besichtigen. In diesem Falle mußten, wie ich bereits oben andeutete, alle Häftlinge, die keine Arbeit hatten, aus ihren Wohnblocks verschwinden, damit man sie nicht sah. Auf einem Block, der isoliert war; wurden sie wie Hunde eingepfercht und mußten dort warten, bis der„Besuch“ das Lager wieder verlassen hatte. Man teilte der Kommission mit, daß alle Gefangenen bei der Arbeit seien. Es kam die Besichtigung. Man zeigte natürlich nur Musteranlagen und Gebäude, mit denen man prunken konnte. Zuerst ging man in die große Häftlingsküche, deren Inneneinrichtung sehr sauber und modern war. Fünfzehn große und sechs kleine Kessel für eine Gesamtver- pflegung von etwa 30000 Menschen. Vorher hatte man rasch aus der SS-Küche einige Zentner Fleisch in die Küche bringen lassen. Man erklärte nun der Kommission, daß diese großen Mengen Fleisch für die Häftlinge bestimmt seien. War der Besuch aus der Küche,"wurde das Fleisch wieder zurückgebracht, und nur eine ganz kleine Menge wurde für das Essen der Häftlinge verwandt. Man ging in die Kleiderkammer. Hier wurden Kleider fein sauber gemacht und Wäsche geordnet aufgestapelt. Man erklärte, dies seien die Kleider und die Wäsche der Häftlinge. Man verwahre sie, um bei der Entlassung jedem Häftling seine Kleider wieder zurückzugeben. In Wirk- lichkeit waren es die Anzüge und Wäsche der Juden, die in Auschwitz und anderen Lägern vergast oder verbrannt worden waren. Lagerführer Redwitz, wie- bereits bemerkt, meist in angetrunkenem Zu- ä stand, führte eines Tages eine Militärkommission durchs Lager. Sie kamen auf einen Block, auf dem die Stubenpersonalhäftlinge bei der Arbeit waren. Ein Hauptmann fragte:„Wie lange bleiben denn die Häftlinge hier im Lager?“ Redwitz antwortete:„Höchstens ein Jahr, es sei denn, daß sie Lager- 124 strafen hät Stubenälte ‚ Hauptman Allgemein Man| das sei di besuchen. dienst tei] Ein an an einem Häftlinge, Da erkläi zu faul, d den Wage Transport War j den Ange Und habe Gerhard ı dem Sohn Leuten m *i und d Hierbei en Geln, ohne So entDer nicht och war raus. e daran, ageslicht konnten verrieten m. 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In demselben Augenblick begegneten ihnen Häftlinge, die einen schweren Lastwagen, den ,, Moor- Expreß" genannt, zogen. Da erklärte der Lagerführer: ,, Sehen Sie, meine Herren, die Kerle sind zu faul, die Pferde einzuspannen, die dort im Stalle stehen, lieber ziehen sie den Wagen selber." In Wirklichkeit war es streng verboten, die Pferde für Transporte zu gebrauchen. - War jemand gestorben verhungert oder zu Tode gequält, teilte man den Angehörigen stereotyp mit, er sei an Blutkreislaufstörung gestorben und habe keinen Wunsch mehr geäußert. Die Mutter unseres Kameraden Gerhard war gestorben. Die Anverwandten hatten die Lagerleitung gebeten, dem Sohn erlauben zu wollen, zur Beerdigung zu kommen. Man teilte den Leuten mit, daß der Häftling gar nicht mehr in Dachau, sondern in Krakau sei und deshalb nicht kommen könne. Gerhard war nie aus dem Lager gewesen. So war alles Lug und Trug! Ordnungssinn: Im Lager wurde sehr auf Ordnung gesehen, manchmal zwar etwas überspannt. Jedoch war dies besser als die Unordentlichkeit, die eintrat, als das Lager befreit wurde. Da hielt sich niemand mehr an irgendeine Ordnung, jeder tat, was er wollte. Das Lager glich einem Jahrmarkt. Die Unordnung war so groß, daß selbst die Lagerpolizei nichts mehr ausrichten konnte und die Hilfe der Amerikaner in Anspruch nehmen mußte. Das Lager selbst war mustergültig und seine ganze Anlage geordnet. Die Baracken waren genau ausgerichtet und die Rasenflächen um die Baracken mit kleinen Steinen genau abgegrenzt. Beim Zählappell standen alle Blocks in Reih und Glied. Der Lagerälteste Kapp hatte eine besondere Art, beim Zählappell alle Reihen so aufzustellen, daß man durch alle hindurchsehen konnte und ruhte nicht eher, bis er dies erreicht hatte, auch wenn der Appell noch so lange dauerte. In dem Spind mußte peinlichste Ordnung sein. Jeder Gegenstand hatte seinen Platz. In der Schlafstube waren die Betten auch genau ausgerichtet aufgestellt. Jedes Bett mußte kantig sein, und zwar so glatt wie ein Brett. Man konnte in den Jahren 1941 bis 1943 wirklich von einem Spind- und Bettkult sprechen, weil sofort harte Strafen auf einem kleinen Fehler standen. Wenn man sonst bei einem Häftling keinen Grund fand, ihn zu bestrafen, hier war es leicht, einen Fehler festzustellen. Es waren besonders die Gebrüder Seuss, die für einen kleinen Krümel Brot, den sie im Spind fanden, gleich eine Strafmeldung machten. 125 Die Registraturen, die im Lager geführt wurden, waren ebenfalls mustergültig gehalten. Es wurde nicht an Papier und Aktenmappen gespart. Jeder Häftling hatte seine Nummer, und man wußte in der Lagerschreibstube genau, auf welchem Block der Häftling wohnte und in welchem Arbeitskommando er beschäftigt war. In der politischen Abteilung wurden die Akten genau geführt und jede Lagerstrafe notiert. Für peinlichste Ordnung war so im ganzen Lager gesorgt, und jeder machte sich strafbar, wenn er gegen die Lagervorschriften sündigte. daß Millio Terror un Zuchthäuse Vaterlandsliebe: Aus der Liebe zur Heimat wächst die Liebe zum Vaterlande. Dieses Wort ,, Vaterlandsliebe" hatte viel Schmutz an sich für die Häftlinge. Jeder von uns hatte sein Vaterland lieb und hatte ihm in seiner Art dienen wollen. Die meisten von uns sahen den kommenden Untergang, spürten, daß der Nationalsozialismus besonders in seinen Trägern der deutschen Nation nicht diente, sondern nur dem eigenen Vorteil. Ja, man hatte sogar den alten christlichen Grundsatz aufgestellt:„ Gemeinnutz geht vor Eigennutz", aber es schien, daß gemeiner Nutz vorging. Und wir hatten gegen diese Methoden gesprochen und uns aufgebäumt, darum waren wir ins Lager gekommen. ermordet Nein! jeder Kenn den sog. P Parteizugel weiteren S deutschen sie nicht la aus Rücksi der Partei von Nichtp der hinter wir erkenn Speichen fi noch viel, War dieses Wort ,, Vaterlandsliebe" nicht ein Hohn für unsere ausländischen Mithäftlinge? Sie waren ja deshalb verhaftet worden, weil sie ihr Vaterland lieb gehabt und gegen die Ungerechtigkeiten protestiert hatten. Was hatten z. B. die polnischen Geistlichen getan? Vielleicht hatte der eine oder andere ein unbedachtes Wort gesprochen oder zur Treue für die polnische Nation aufgefordert. Dafür wurden nun im Warthegau alle Geistlichen verhaftet, mißhandelt, ausgeraubt und weggeschleppt. Von 2100 polnischen Geistlichen waren bei Aufhebung des Lagers nur noch 807 übriggeblieben. Die anderen waren gestorben, verhungert oder getötet worden, indem man sie auf ,, Invalidentransport" sandte und vergasen ließ. Noch im Jahre 1942 stand in der Zeitung zu lesen, die polnischen Geistlichen seien schuld, daß das polnische Volk antideutsch dächte. wollen nic Wir diener sehr schlec aufbauen, jenes Syste wir unser störten, ha Geachteten nehmen kö und verleu Und wir Deutschen? Hatte nicht jeder von uns seine deutsche Heimat lieb? Und was geschah in Deutschland? Die. Väter wurden den Familien genommen und weit entfernt in einer fremden Gegend dienstverpflichtet. Bedeutete dies nicht die Auflösung der Familie? Und gerade die, die immer nur von Liebe zum Vaterland sprachen, versündigten sich am meisten am deutschen Volk. Leider unterschieden damals wenige zwischen Vaterland und Regime. Verbrecher waren es, die sich zur Macht emporgeschwindelt hatten, Menschen, die gar kein reines deutsches Blut in ihren Adern hatten, wie Rosenberg, Hess und Hitler. Alle Versprechungen waren Lüge. Alle Verträge waren nur so lange gültig, wie sie nützlich erschienen. Mit dem Hl. Stuhl wurde ein Konkordat geschlossen, das nie gehalten wurde. In der ganzen Welt ist das deutsche Volk belastet worden durch Scheußlichkeiten, Mord und Raubzüge der SS. Wir Deutschen im Lager merkten bald nach der Befreiung die starke Abneigung der anderen Nationen selbst gegen uns. ,, Alle Deutschen sind schlecht und haben ihre Strafe verdient," wurde uns entgegengehalten. Man wollte nichts wissen von der Tatsache, 126 Die vo amt Berlin nünftiger glauben ka davon erzä Übertreibu Alle S haftlagerfü danach wen Die Ko und zwar n um sie nach für politisc Is musterpart. Jeder ube genau, kommando ten genau und jeder die Liebe tz an sich hatte ihm ommenden en Trägern Vorteil. Ja, Gemeinnutz rging. Und mt, darum unsere ausweil sie ihr ert hatten. e der eine e polnische lichen verpolnischen ggeblieben. indem man Jahre 1942 schuld, dab the Heimat amilien ge Fichtet, Be die immer meisten am Vaterland eschwindelt ern hatten Lüge. Alle Mit dem arde. rch Scheub er merkten onen selbst verdient, r Tatsache, daß Millionen aufrechter deutscher Männer und Frauen wehrlos durch den Terror und den Zwang gelitten hatten. Wie viele sind in Gefängnissen, Zuchthäusern und Konzentrationslagern gequält worden, wie viele sind ermordet worden und gestorben! Nein! Es ist ein Unrecht, alle Deutschen für schlecht zu erklären. Und jeder Kenner der deutschen Verhältnisse weiß nur zu gut, daß es selbst unter den sog. Pgs. nicht wenige gab, die aus irgendwelchen äußeren Gründen zur Parteizugehörigkeit kamen: sei es, daß sie endlich Ruhe haben wollten vor weiteren Schikanen, sei es, daß sie glaubten, im Lager des Gegners der guten deutschen und christlichen Sache am besten dienen zu können, sei es, daß sie nicht länger in ihrer Beförderung als Beamte hintanstehen wollten, einzig aus Rücksicht auf die Versorgung ihrer Familie. Viele von ihnen haben in der Partei ein inneres und äußeres Martyrium durchgemacht, das Tausende von Nichtparteigenossen erspart geblieben ist. Und wenn dereinst die Akten der hinter uns liegenden unseligen Jahre offen vor uns liegen werden, werden wir erkennen, daß mancher dieser Männer dem Rad des Radikalismus in die Speichen fiel, und daß vieles verhindert wurde, was unserem gequälten Volke noch viel, viel mehr Leid und Elend, Jammer und Not gebracht hätte. Wir wollen nicht den Fehler begehen, den Weizen mit der Spreu hinauszuwerfen. Wir dienen damit wahrlich uns selbst und dem Aufbau einer neuen Zukunft sehr schlecht. Die Guten werden sich zusammenschließen, ihre Städte wieder aufbauen, ihrer Arbeit treu nachgehen und gutzumachen versuchen, was jenes System zerstört hat. Man wollte uns Vaterlandsliebe lehren. Wir, die wir unser Volk und unsere Heimat mehr lieb haben als jene, die sie zerstörten, haben gehungert und geblutet, sind geschlagen worden und waren die Geächteten. Und doch hat man uns nicht die Liebe und Treue zu Deutschland nehmen können. Gerade heute stehen wir in Treue zu unserem Vaterlande und verleugnen unser Deutschtum nicht. Die Strafen im Lager Die von der Lagerverwaltung im Einverständnis mit dem Hauptsicherungsamt Berlin eingeführten Strafen waren so furchtbar und hart, daß ein vernünftiger und christlicher Mensch die Methoden der Bestrafung nicht glauben kann. Wie oft wurde mir gesagt, wenn ich nach meiner Befreiung davon erzählte: ,, Das ist doch unmöglich, das kann nicht wahr sein, das sind Übertreibungen." Und doch muß ich der Wahrheit gemäß berichten. Alle Strafen im Lager standen unter dem Worte, das uns der Schutzhaftlagerführer Hofmann bei der Belehrung gab: ,, Ihr seid Verbrecher, und danach werdet ihr behandelt." Erste Strafe: die Todesstrafe Die Konzentrationslager waren alle mehr oder minder Vernichtungslager, und zwar nicht nur für wirkliche Verbrecher, wenn Straftaten nicht ausreichten, um sie nach dem bestehenden Gesetze zum Tode zu verurteilen, sondern auch für politische Gefangene, deren Hauptschuld darin bestand, daß sie nicht die127 - selbe politische Überzeugung hatten wie die Nationalsozialisten und dies offen bekannt hatten. Dazu kam das Rasseprinzip, das dazu führte, Juden, Polen und andere auszurotten, weil sie ,, lebensunwert" waren. Die Todesstrafe wurde nun in verschiedenen Methoden durchgeführt: Zunächst die entehrende Strafe des Erhängens: Im Lager hatten wir drei Galgen. Anfangs war die ganze Apparatur im dritten Gefängnishof aufgestellt. Im März 1943 wurde sie zum Krematorium verlegt. Diese Strafe wurde in bestimmten Fällen verhängt, z. B. bei Brotdiebstahl, Sabotage oder Verrat von Lagergeheimnissen. Ich selbst sollte gehängt werden, weil ich Scheußlichkeiten des Lagers durch illegale Berichterstattung an die Öffentlichkeit gebracht hatte. Dann die Strafe des Erschießens: Es war anfangs im Gefängnishof eine Holzwand aufgestellt. An diese wurden die Verurteilten gefesselt und dann erschossen. Später war in der Nähe des Krematoriums ein Graben angelegt. Über diesem lag ein Holzrost. Die Verurteilten knieten auf diesem Rost und erhielten den Genickschuß. Nachdem sie sich ausgeblutet hatten, wurden sie ins Krematorium geschafft und verbrannt. Fast täglich hörten wir diese Todesschüsse. Im Jahre 1944 wurden an einem Tage 92 russische Offiziere erschossen, die als Kriegsgefangene ins Lager gekommen waren. der Deck entström Zahl. D werden, das Kre Leichen, raum hä hätten. Tausend erfaßte Der Kommandoführer hierbei war der Hauptscharführer Böttger aus München. Die Haltung dieser Russen war hervorragend. Bevor sie sich trennten, riefen sie sich ihren letzten Gruß der Treue zu. Eines Tages wurde sogar öffentlich im Lager ein Russe aufgehängt. Dies hatte folgende Bewandtnis. Eine Baracke diente zur Unterbringung der Messerschmittwerke. Hier arbeitete ein Kommando von Fachleuten, unter denen auch Russen waren. Einer dieser Leute sagte eines Tages zu seinem Arbeitskameraden:„ ,, Ob der Aufseher wohl merkt, wenn ich aus der Hülse einen Draht entferne?" Natürlich war die Hülse dann nicht brauchbar, er wollte nur feststellen, ob der Arbeitsführer etwas von der Arbeit verstand. Am anderen Tage stellte der Aufseher fest, daß die Hülse unbrauchbar sei. Der Russe gab zu, es getan zu haben, kam ins Gefängnis und wurde nach acht Tagen auf Befehl der Gestapo am Tore des Arbeitsblocks vor den Augen seiner Arbeitskollegen aufgehängt. Er starb mit den Worten: ,, Auf Wiedersehen, Kameraden." auch me wurden. Ich Lager gr die TbLeute au lassen w untersuc glaubter durchs Häftling dann zu waren. ablegen über. Ih Der natürlic gab z. genau aber, m war no hügelg die obe warf, si balken, erhäng Als Das Krematorium In einem kleinen Park, der aus sehr schönen alten Bäumen besteht, Fichten und Buchen, hatte man ein Krematorium gebaut. Juden und katholische Geistliche haben diesen Bau errichten müssen. Das Kommando hieß Baracke X. Es ist ein einfacher Backsteinbau und in verschiedene Räume geteilt. Neben diesem Neubau steht noch das alte Krematorium, außerordentlich primitiv und schmutzig. Während man früher keine Gaskammern hatte, waren jetzt drei kleine und eine große Gaskammer eingebaut. Über der Tür der großen Kammer steht ,, Brausebad". Wie schon erwähnt, sind in diesem Raume oben an 128 Aus de Leichen überein gegen komme irgend Leichen Dachau ınd dies Juden, { . Todes- tten. wir ‚hof auf- ‚e Strafe age oder weil ih Kentlich- ngnishof selt und aben an- f diesem + hatten, an einem Lager ge iger aus trennteN. rde soga! yandtnis- arbeitete net dieser Aufseher ‚lich Wer Arbeits‘ Aufseher - kommen. In Wirklichkeit war es ja nie der Decke Brauseeinrichtungen angebracht, aus denen statt Wasser flüssiges Gas entströmt. Durch eine Türe gelangt man zu den Verbrennungsöfen, vier an der Zahl. Diese Öfen sind sehr primitiv, und selten konnte eine Hitze erzielt werden, bei der die Leichen ganz verbrannten. Als ich nach unserer Befreiung das Krematorium zum ersten Male sah, lagen im Leichenhaus noch sechs Leichen, die schon in Verwesung übergingen. Diesen Leichenaufbewahrungs- raum hätte man als solchen auch erkannt, wenn keine Leichen dort gelegen hätten. Die Wände waren mit Blut bespritzt. Es stank fürchterlich. Wie viele Tausende müssen hier verbrannt worden sein? Das Gefühl tiefster Trauer erfaßte mich, wenn ich daran dachte, daß hier in diesem schrecklichen Raume auch meine armen Freunde als Leichen gelegen hatten, ehe sie verbrannt wurden. Ich erinnere mich eines Vorkommnisses aus den Jahren 1942/43, das im Lager große Unruhe hervorgerufen hatte. Auf Block 29 lagen in Stube 2, 3 und 4 die Tb-Kranken. Jede Woche kam ein Kommando-Offizier und suchte solche Leute aus, die für unheilbar galten. Man bedeutete den Leuten, daß sie ent- lassen würden. Sie wurden ins Revier geführt und zum Schein noch einmal untersucht. Im Schubraum empfingen sie dann ihre Zivilkleider. Die Leute glaubten fest an ihre baldige Heimkehr und freuten sich. Dann ‚wurden sie durchs Tor geführt. Hier kam ein„‚Arzt‘‘ im weißen Mantel— es war ein Häftling— und stellte fest, daß sie noch nicht gebadet hätten. So wurden sie dann zum„Brausebad‘‘ ins Krematorium geführt. Sie wußten nicht, wo sie waren. Vor der Türe des sogenannten Baderaumes mußten sie ihre Kleider ablegen und wurden hineingeführt. Nach 10 bis 15 Minuten war alles vor- über. Ihre Leichen wurden durch die nächste Türe sofort in die Öfen befördert. Der kleine Park war von März 1943 ab Hinrichtungsstätte. Man hat natürlich versucht, alles zu vernichten, was auf diese Dinge schließen ließ. Es gab z. B. nach unserer Befreiung nicht mehr die drei Galgen, obwohl wir genau wußten, daß sie hier aufgestellt worden waren. Die Erschießungsstätte . aber, mit dem Rost über dem Graben, von dem ich oben schon berichtete, war noch vorhanden. Hier erhielten die Leute, mit dem Gesicht zu dem Erd- hügel gewandt, den Genickschuß. Im Frühjahr 1944 wurden auf diese Weise die oben erwähnten 92 russischen Offiziere erschossen, weil man ihnen vor- “warf, sie hätten revoltiert. Im Verbrennungsraum waren an der Decke Quer- balken, und an diesen Balken befanden sich Ringe. Auch hier wurden Leute erhängt.; Als ich die Öfen besichtigte, hatte ich einen schaudererregenden Anblick. Aus den geöffneten Ofentüren schauten die halb verkohlten Gebeine von Teichen heraus. Die Öfen waren kalt. In jedem Ofen lagen drei Leichen übereinander. Den Anverwandten wurde in der Regel mitgeteilt, sie könnten gegen Einsendung von RM 40,— die Urne mit der Asche des Verstorbenen be- die Asche des Verstorbenen, sondern irgendwelche Aschenreste vor dem Ofen. Selbst mit den Überresten der Leichen trieben sie so verbrecherischen Schwindel. Dachau 9 Meinung Zweite Strafe: ,, Baum" Unter ,, Baum" verstand man im Lager folgende Strafmethode: Dem Häftling wurden beide Hände auf dem Rücken mit Ketten gefesselt. An diesen Ketten wurde er dann an einem Pfahle aufgehängt. Anfangs standen im Gefängnishof vier Pfähle. Sie waren in die Erde gerammt, 2½ Meter hoch, vierkantig und je 25 cm breit. Sie hatten einen Haken, an dem der Verurteilte aufgehängt wurde, und zwar so, daß seine Fußspitzen den Boden nicht berühren konnten. Später wurden im Bad an der Decke Eisenträger mit Ringen befestigt, an denen dann der Delinquent aufgehängt wurde. Da nun im Lager Buchenwald einmal eine Besichtigungskommisson zufällig in den Raum kam, in dem diese Exekution stattfand, wurde diese Strafe im Februar 1942 plötzlich auch in Dachau abgeschafft. Es war Sitte und Brauch, daß 10 bis 15 Häftlinge diese Strafe gemeinsam erhielten. Kameraden erzählten mir, daß der Schmerz unbeschreiblich sei. Es war, als ob der ganze Körper in zwei Teile zerrissen würde. Die armen Menschen fingen an zu stöhnen, dann laut zu jammern und schließlich zu brüllen. Der Schweiß trat hervor und tropfte zu Boden, Blut quoll aus den Augenhöhlen, aus Nase und Mund. Die geringste Strafe war eine ganze Stunde. Manche hingen zwei, ja drei Stunden unter unsagbaren Schmerzen. leise gezäl mehr Schl ..Jembock zu. Es gab so die Nie Folgen di im Revier dem hinge Oberpfleg In der nis aufhal man die handlung diese Schla abreicht w Die SS war in der Regel zu mehreren zugegen. Sie rauchten ihre Zigaretten und spielten Karten. Wurde das Geschrei zu laut, drohten sie mit ihren Peitschen, schlugen sogar öfter die armen Gequälten oder, was noch gemeiner war, bewegten sie hin und her, um dadurch den Schmerz noch zu erhöhen. Schutzhaftlagerführer Hofmann hatte eigens einen kleinen Hund dressiert, er sprang den Häftlingen, die da hingen, an die Füße und biß. Dadurch wurden die Kameraden gezwungen, ihre Füße einzuziehen, wodurch ebenfalls der Schmerz erhöht wurde. Die SS lachte und machte ihre blöden Witze dazu. Wenn die Exekution vorüber war, konnte man unter jedem Aufgehängten eine große Lache Blut und Wasser sehen. Drei, ja vier Wochen lang konnte der Bestrafte nicht mehr seine Arme bewegen. Er war gelähmt. Kameraden mußten ihn füttern. Es war klar, daß solche Strafen eine maßlose Angst bei den Häftlingen auslösten und ein jeder bemüht war, sich den Fängen der SS zu entziehen. Die beiden Schutzhaftlagerführer Zill und Hofmann machten sich ein Vergnügen daraus, gerade diese Strafe zu verhängen und stets persönlich dabei zu sein. Auch kam es vor, daß die SS- Leute zu dieser und der folgenden Strafe Frauen mitbrachten, die sich die Sache ansahen und dazu lachten. Dritte Strafe: ,, Der Bock" ins Bad z Die M Man Zählappel ob es reg setzen od Am S 1 Uhr bis der SS Sc Das g nachmitta mußten e 1943 Zelle von konnte si Tage und von dem ausgelasse Dieser lesen kon darüber a Unter dem ,, Bock" verstand man im Lager 25 Doppelhiebe. Man nannte diese Strafe ,, über den Bock gehen". - Es wurde ein Gestell- Bock genannt aufgestellt, über das der Körper gelegt und festgeschnallt wurde, und zwar so, daß die beiden Arme von Lederriemen festgehalten wurden. Die Füße standen in einem kleinen Kasten, so daß sie nicht ausweichen konnten. Der Hosenboden wurde stramm angezogen. Der Häftling mußte laut die einzelnen Schläge zählen. War ein Schlag nach der 130 aber führ als die b noch eine Dem HäftAn diesen n im Geeter hoch, Verurteilte berühren befestigt, er Buchenn, in dem zlich auch gemeinsam ich sei. Es Die armen ließlich zu I aus den ze Stunde. Zigaretten ihren Peitmeiner war, en. Schutz er sprang wurden die er Schmerz Wenn die eine große tet der Been mußten den HäftSS zu enten sich ein sönlich da folgenden chten. Man nannte dab der Körper von Ledersten, so angezogen. ag nach der Meinung des Schutzhaftlagerführers zu gelinde oder hatte der Häftling zu leise gezählt, dann wurde der Doppelschlag nicht gültig erklärt, und es wurden mehr Schläge gegeben. Rechts und links stand je ein SS- Mann. Er hatte einen ,, Jembock" d. h. einen Ochsenziemer in der Hand und schlug mit aller Wucht zu. Es gab SS- Männer, die mit Vorliebe über die Nierengegend schlugen, und so die Nieren zerschlugen. Viele von den Kameraden sind dann später an den Folgen dieser satanischen Bestrafung gestorben. Monatelang lagen sie meist im Revier. Ich sah einen Kameraden, der gerade von dieser Bestrafung kam, dem hingen die blutigen Fetzen herunter, und zwar so furchtbar, daß der Oberpfleger sagte: ,, Der kann in seinem ganzen Leben nicht mehr sitzen." In der Regel mußte sich der so Bestrafte noch drei bis vier Tage im Gefängnis aufhalten. Man versuchte, die Spuren der Mißhandlung zu entfernen, indem man die Wunden mit Jod behandelte. Jedoch erhöhte diese Art der Heilbehandlung nur noch die Schmerzen. Im Jahre 1943 wurde neu eingeführt, daß diese Schläge öffentlich vor dem ganzen Lager nach dem Abendzählappell verabreicht wurden. Jedoch wurde dies bald wieder abgeändert und die Bestrafung ins Bad zurück verlegt. Vierte Strafe: ,, Das Strafstehen" Die Methoden waren verschieden. Man mußte sich am Jourhaus melden und dort von morgens nach dem Zählappell bis abends stehen ohne Essen. Es wurde nicht Rücksicht genommen, ob es regnete, schneite oder die Sonne brannte. Man durfte sich nicht hinsetzen oder anlehnen, man mußte stehen. 6 Am Samstag vor Pfingsten 1942 stand das ganze Lager von nachmittags 1 Uhr bis abends 9 Uhr. Der Grund für diese Strafe war: Häftlinge sollten der SS Schnaps gestohlen haben. Das ganze Lager stand einmal von abends 7 Uhr bis zum anderen Tage nachmittags 4 Uhr. In dieser Nacht sind sieben Mann gestorben. Ihre Leichen mußten ebenfalls bis zum anderen Nachmittag liegen bleiben. 1943 wurde der sogenannte ,, Stehbunker" eingeführt. Es war eine enge Zelle von 34 Meter im Quadrat. Der Häftling mußte hier aufrecht stehen, er konnte sich nicht setzen. Er stand in der Regel 48 Stunden. Manche standen Tage und Nächte lang. Wollte er austreten, mußte er klopfen, jedoch hing es von dem Großmut des SS- Mannes ab, der die Aufsicht führte, ob er herausgelassen wurde. Die Nahrung war Wasser und trockenes Brot. Dieser Stehbunker wurde bei uns eingeführt, als man in deutschen Zeitungen lesen konnte, daß die Sowjets diese Strafe eingeführt hätten. Man regte sich darüber auf und verwarf in der Öffentlichkeit diese Strafe. In den Lagern aber führte die SS sie ein, und zwar in einer Form, die viel schlechter war, als die bei den Sowjets, denn die russischen Stehbunker hatten wenigstens noch eine Sitzgelegenheit. 131 Fünfte Strafe:„Der Sachsengruß‘“ Unter„Sachsengruß‘‘ verstand man folgendes: Man mußte seine Hände gefaltet an den hinteren Kopf legen, in Kniebeuge gehen und dann hüpfen: Dieses Hüpfen dauerte nicht einige Minuten, sondern meist stundenlang. Die Leute fielen um vor Ermattung, wurden dann durch Peitschenhiebe aufgetrieben und mußten weiter hüpfen. Ältere Kameraden, Besonders solche, deren Herz schon sehr gelitten hatte, fanden durch diese Strafmaßnahme oft ihren Tod. Sechste Strafe:„Strafarbeit“ Häftlinge, die sich etwas gegen die Lagervorschriften hatten zuschulden kommen lassen, wurden in die Strafkompanie versetzt. Hier mußten sie schwer arbeiten ohne Brotzeit und ohne jede sonstige Vergünstigung. Sie durften nur jedes Vierteljahr nach Hause schreiben und durften keine Pakete empfangen. Dann kamen sie meist nach einiger Zeit auf Transport in ein anderes Lager, das schlechter war als Dachau, z. B. Mauthausen, Neuengammen und andere. Dann: an vier aufeinander folgenden Sonntagen mußte gearbeitet werden, und zwar von morgens 6 Uhr bis abend%8 Uhr ohne Essen. Die Arbeit war in der Regel ausgesucht schwere Arbeit, Schubkarren mit Kies ‚oder Sand fahren und dergleichen mehr. Diese Strafe wurde für Kleinigkeiten verhängt. Ich erinnere mich an einen Fall: Im Hungerjahr 1942 arbeiteten wir Häftlinge in der Plantage. Quälender Hunger machte allen die Arbeit unerträglich. Ein polnischer Priester, der im Felde mit Hacke und Schüppe arbeiten mußte, hatte zu seiner Rechten ein Feld mit Möhren. Aus Hunger nahm er sich eine kleine Möhre, wurde dabei vom SS-Mann gesehen und erhielt eine Strafmeldung. Seine Strafe war„vier Sonntage Strafarbeit“. Es bedeutete auch eine Strafe, wenn man in ein bestimmtes Arbeitskom- mando kam. Bekam man als Vorgesetzten einen Kapo, der ein Schläger, ja ein Verbrecher war, so war das Leben täglich gefährdet. Viele sind gestorben, weil sie durch die Arbeitsmethoden körperlich aufgerieben wurden. Ich er- innere mich an einen Geistlichen, einen Studienrat aus Berlin, der.anscheinend in seinen Papieren eine besondere Bemerkung stehen hatte. Er kam: bald nach seiner Ankunft in das schwere Arbeitskommando der„Kiesgrube‘“. Nach drei Wochen war er tot. Man ging rücksichtslos und brutal vor, und alle, die nicht starben, tragen heute noch die Folgen dieser Behandlung an sich. Viele werden zeitlebens vollkommen gebrochene Menschen bleiben. Verhaftung im Lager Am 22. Dezember 1943 wurde ich plötzlich zur Vernehmung bestellt und daran anschließend ins Gefängnis des Lagers abgeführt, d. h. Komman- dantur-Arrest, genannt K.A. Die Lagerverwaltung hatte mich, wie man mich heimlich unterrichtete, zum Tode verurteilt. Ich sollte gehängt werden. Die Kameraden im Lager hatten nicht mehr damit gerechnet, mich wiederzusehen.| 132 Auf Block raden hat hätten. D gesandt, ı Ohne Zwi sie an Fr Außenkor München verkehr} ein Brief Später of demselber Der Krin und der ihre Schw einer Zei lager na Später n, einem F SS-Frauer ZU quäle, Teschickt Sie nicht Transpor ‚ Tend des Marschier sie dann Ihh krankhe; Kniebeuge m, sondern ann durch Cameraden, urch diese zuschulden sie schwer Hurften nur empfangen. eres Lager, und andere. tet werden. Arbeit war oder Sand verhängt Häftlinge Täglich. Ein mußte, hatte eine kleine rafmeldung Arbeitskom Schläger, ja gestorben den. Ich er anscheinend m bald nach Nach dre! lle, die nicht sich. Viele ung bestellt h. Komman die man mid werden. Die Federzusehen Auf Block 26 und 28 wurde viel und oft für mich gebetet, und viele Kameraden haben mir später gestanden, daß sie sehr um mein Leben gebangt hätten. Die Gestapo Düsseldorf hatte eigens einen ihrer Beamten herübergesandt, um mich zu vernehmen. Die beiden Vernehmungen waren kurz und ohne Zwischenfälle. Man stellte nur fest, daß ich Berichte geschrieben und sie an Fräulein Husemann gesandt hätte. Ein Häftling arbeitete in einem Außenkommando. Er hatte einen SS- Mann überredet, die Briefe mit nach München zu nehmen, um sie dort zur Post zu geben. Dieser illegale Postverkehr hatte ein volles Jahr gedauert. Eines Tages aber war durch Zufall ein Brief in die Hände der Gestapo gekommen, die nun, anfangs heimlich, später offen, ihre Nachforschungen anstellte. Fräulein Husemann wurde an demselben Tage, wie ich, verhaftet und acht Monate fürchterlich gequält. Der Kriminalrat Hufenstuhl hat sie persönlich des öfteren geschlagen und der Kriminalsekretär Manfeld hat ihr zynisch mitgeteilt, daß sie ihre Schwester nicht mehr wiedersähe. Man hat sie dann nach acht Monaten, einer Zeit, in der sie gehungert hat und mißhandelt worden ist, ins Frauenlager nach Ravensbrück gebracht. Von dort wurde sie dann drei Monate später nach Grasslitz im Sudetengau abtransportiert. Die Behandlung in einem Frauenlager war noch schlechter als im Männerlager. Gerade die SS- Frauen waren Teufel, die jede Schikane erdachten, um die armen Opfer zu quälen. Gegen Ende der Haftzeit wurden dann die Frauen auf Transport -geschickt und mußten täglich 20 bis 30 Kilometer marschieren. Man wollte sie nicht lebend in die Hände der Russen fallen lassen. Viele sind auf diesen Transporten gestorben. Fräulein Husemann wurde mit einer Kameradin während des Marsches entlassen, weil sie unfähig geworden waren, weiter zu marschieren, So wurde sie gerettet. Nach langen, mühsamen Irrwegen kam sie dann endlich in der Heimat an. Ich befand mich bei meiner Verhaftung im Revier. Ich litt an der Zucker-. krankheit und hatte auch sonstige Beschwerden. Man führte mich am 22. Dezember 1943, abends 6 Uhr, in den K.A. 42 lange Tage und Nächte wartete ich auf die Stunde des Todes. Die ersten drei Tage und Nächte waren furchtbar. Ich wußte, daß ich gemäß den Lagergepflogenheiten erschossen oder gehängt werden würde. So beherrschte mich nur ein Gedanke: Dein Leben ist zu Ende! Was nun? Nur derjenige, der eine solche Situation einmal selbst erlebt hat, kann sich hineindenken in die Seelenverfassung eines zum Tode Verurteilten. Still und einsam saß ich in meiner Zelle und dachte nach. Was dachte ich? Ich weiß es nicht mehr. Meine Augen waren weit aufgerissen, und so starrte ich zu den Wolken, die an dem Fenster meiner Zelle vorüberzogen und meine Heimat grüßten, die ich niemals mehr wiedersehen sollte. Da erhielt ich einen Kameraden als Mitgefangenen in meine Zelle, Georg Schlachtner aus München. Er tröstete mich und gestand mir, daß er an meinen Tod überhaupt nicht glaube. Ich käme wieder ins Lager zurück. Der hl. Abend kam. Weihnachtslieder wurden gesungen. Wir beide konnten aber nicht mitsingen. Es war so viel Weh in unseren Herzen, so viel Sehnsucht nach dem Leben. Es war alles so schwer. Die dritte Weihnacht ohne 133 ,, Das weil er ,, Nu daß hie Benzols Ja! Zeit hie ..We ,, Es hl. Messe, ohne hl. Kommunion, ohne Brevier. Am Abend des ersten Feiertages wurde plötzlich das kleine Kläppchen an der Tür geöffnet, es erschien das Gesicht des Domkapitulars Neuhäusler. Er raunte mir zu: Morgen 27 Uhr hl. Messe lesen! Und schon war er wieder verschwunden. Es war nämlich streng verboten, mit den Strafgefangenen auch nur ein Wort zu wechseln. Ich sollte also nach zwei Jahren zum erstenmal ein hl. Meßopfer feiern. Mir war ganz eigenartig zu Mute. Ich weinte in dankbarer Erregung. Wie war dies nur möglich gemacht worden? Am anderen Morgen, 6 Uhr, holte mich ein SS- Mann aus der Zelle und führte mich zu den Geistlichen, die als Ehrenhäftlinge hier eingewiesen waren und eine kleine Kapelle hatten. In stiller Ergriffenheit las ich die hl. Messe und wurde danach von den Herren zum Kaffee eingeladen. Sie erzählten mir, daß sie den SS- Mann für diese Idee gewonnen hätten, da er selbst katholisch sei und aus Köln stamme. Als ich dann in meine Zelle kam, war ich ganz ruhig, ja, sogar froh. Ich kniete hin und betete: ,, Herr, wenn Du mein Leben haben willst, wenn Du keine Aufgabe mehr für mich hast, dann nimm mein Leben und schone zwei jüngere Herren, die besser sind als ich und mehr leisten können." An. den folgenden Tagen machte ich Exerzitien an Hand eines Exerzitienbüchleins, das mir Herr Neuhäusler überlassen hatte. Und doch schreckte ich jedesmal auf, wenn irgendwo ein Schlüssel ging und die schweren Schritte der SS durch den Gang schallten. Sofort war der Gedanke da: ,, Jetzt kommen sie und holen dich zum Todesgang." Vierzig lange Tage und Nächte! Da, eines Tages wird die Tür aufgerissen: Carls zur Vernehmung! Nun war das Ende gekommen; so dachte ich. Aber es sollte nicht so sein. Ich wurde einer Kommission vorgeführt, die eigens vom Hauptsicherungsamt der Gestapo Berlin nach Dachau gekommen war. Es fanden sechs Vernehmungen zu je vier Stunden statt, in welchen die einzelnen Anklagepunkte behandelt wurden. Man war ruhig und sachlich in diesen Vernehmungen und behandelte mich rücksichtsvoll. Ich mußte wirklich staunen; denn sonst war das ja nicht die Art, wie die Gestapo zu vernehmen pflegte. Man brüllte nicht, schlug mich nicht, bot mir sogar eine Sitzgelegenheit an. Die erste Frage war: Stehen Sie zu allem, was Sie hier geschrieben haben?" Ich antwortete mit einem lauten und kräftigen Ja". Ich will nur einige Vernehmungspunkte herausgreifen und hier festhalten. Meine Haltung war eine klare und unzweideutige. Ich rechnete mit dem Tode. Ich hatte mich darauf vorbereitet und mir vorgenommen, diesen SS- Leuten ganz energisch die Wahrheit zu sagen, bevor ich sterben müßte. Nun war mir die Gelegenheit dazu gegeben. Die Vernehmung ging weiter: ,, Das sind doch alles Parolen!" 10% ,, Nein, das sind keine Parolen, sondern Tatsachen; wenn Sie aber Häftlinge fragen, meine Herren, dann wissen diese Häftlinge nichts." ,, Warum nicht?" ,, Weil sie Angst haben!" ,, Warum haben sie Angst?" 134 ,, Weil sie sonst erschossen werden." ,, Das ist doch unmöglich, das ist barer Unsinn." ,, Sch ,, Wa ,, He Lagerfü zu Her gesagt? ,, Nu ,, Ich mit ein anderen Sch PH" auch gl schaft bevor rungen worden bis zur ,, Sie liegt, d waren mission Oberpf bar und dort pr nach H Schubra Hier w vor ei vor de Gas, d vorbei Kleider mußte Latte Tot tra ten Feiers erschien Morgen n. Es war Wort zu MeBopfer Erregung. n, 6 Uhr, Geistlichen, e Kapelle anach von SS- Mann In stamme, froh. 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Können Sie sich vorstellen, was mir passiert wäre, wenn ich zu Herrn Schutzhaftlagerführer Hofmann gekommen wäre und hätte dies gesagt?" ,, Nun, was wäre dann passiert?" ,, Ich hätte rechts und links seine Faust ins Gesicht bekommen und wäre mit einem Fußtritt vor die Tür befördert worden, wie dies ja öfter bei anderen Gelegenheiten geschehen ist." ,, Schreiben Sie nur auf! Wie hieß der Mann?" ,, Hofmann, er war Schutzhaftlagerführer, Meine Herren, notieren Sie auch gleich den Hauptscharführer Welter hinzu, der vor versammelter Mannschaft des öfteren erklärte:, Noch haben wir das Heft in der Hand. Aber bevor wir abtreten, werdet ihr alle noch umgelegt. Auf Grund dieser Äußerungen sind viele Häftlinge geflohen, sind teils auf der Flucht erschossen worden, teils hat man sie wieder verhaftet. Einen großen Teil hat man aber bis zur Stunde nicht." ,, Sie wollen doch nicht behaupten, daß dieser Bericht, der hier vor uns liegt, der Wahrheit entspricht. Sie schreiben nämlich folgendes: Auf Block 29 waren die Tb- Kranken untergebracht. Jeden Donnerstag erschien eine Kommission, bestehend aus dem ersten Lagerarzt, dem Revierkapo und einem Oberpfleger, und bestimmte gewisse Kranke zum Transport. Sie seien unheilbar und sollten abtransportiert werden. Die Leute wurden zum Revier geführt, dort pro forma noch einmal untersucht. Dann wurde ihnen mitgeteilt, daß sie nach Hause entlassen würden. Die Leute freuten sich sehr. Sie wurden zum Schubraum gebracht, erhielten ihre Kleider und wurden durchs Tor geführt. Hier wurden ihnen bedeutet, daß sie noch baden müßten. Man brachte sie vor einen Raum, über dessen Tür, Brausebad' stand. Sie entkleideten sich vor der Tür. Im Baderaum waren Brausen. Statt Wasser aber floẞ flüssiges Gas, das mit Zyankali gemischt war, auf sie herab. In 7 Minuten war alles vorbei. Es bestand eine zweite Hinrichtungsart. Der einzelne mußte seine Kleider abgeben, trat in einen Raum, in welchem ein Meßapparat stand. Er mußte sich aufrecht an die Meßlatte stellen und seinen Kopf fest an diese Latte anlehnen. Plötzlich schug eine feine Nadel ihm ins Genick und der Tot trat sofort ein. Die Leiche wurde sofort zum Verbrennungsofen gebracht. 135 Es war nämlich das Krematorium, in dessen Räume die Leute geführt worden waren." ,, Nun, was sagen Sie dazu?" ,, Ich kann nur sagen, daß all dieses offenes Geheimnis im Lager ist." ,, Haben Sie denn gesehen, wie man die Leute tötete?" ,, Nein, man ruft' in der Regel niemanden hinzu, wenn man einen Menschen tötet." ,, Ja, woher haben Sie denn diese Nachricht?" ,, Der Blockälteste von 29, der jetzt beim Militär ist, hat mir des öfteren von diesen Hinrichtungen erzählt." ,, Nun, wir werden ja sehen." Nach meiner Vernehmung wurde eine ganze Reihe Häftlinge vernommen, besonders solche, die die medizinischen Versuche mitgemacht hatten, insonderheit polnische Geistliche. Am folgenden Tag teilte man mir folgendes mit: Wir haben viele Häftlinge vernommen. Keiner aber hat Ihre Angaben bestätigt. Alle wissen nichts von diesen Dingen." "" ,, Meine Herren, wollen Sie bitte diese Häftlinge, die Sie vernommen haben, jetzt hierher rufen, und ich will sie fragen." Dies geschah aber nicht, sondern man ging zu weiteren Fragen über. Später erfuhr ich, daß die polnischen Geistlichen alles bestätigt hatten und daß ein Kapo geantwortet hatte: ,, Ich sage nicht ja, ich sage nicht nein. Ich will meine Frau und Kinder wiedersehen." Nach meiner sechsten Vernehmung, als man mir keine Fragen mehr stellte und man mich entlassen wollte, erklärte ich den Herren noch folgendes: ,, Ich stehe Ihnen nun zur Verfügung. Sie können mich erschießen oder hängen lassen. Eines werden Sie nicht erleben, daß ich winsele und um Gnade bitte oder heule wie ein altes Weib. Ich will Gerechtigkeit, und zwar, daß Sie mich sofort aus diesem Lager entlassen." Daraufhin trat ein tiefes Schweigen ein. Nach einiger Zeit sagte mir der Obersturmbannführer: ,, Sie können gehen." ,, Wohin? Ins Gefängnis oder ins Lager?" ,, Ins Lager!" Ich war so erstaunt, daß ich kein Wort mehr sagen konnte und ging. Mittlerweile waren auf Befehl der Kommission sofort die ganzen medizinischen Versuche abgestellt worden. Im Lager war große Aufregung entstanden, da ja viele vernommen worden waren, und man hatte wirklich geglaubt, daß ich zum Tode geführt worden wäre. Die ersten, die mich begrüßten, waren kommunistische Kameraden, die sagten: ,, Endlich einmal ein Geistlicher, der den Mut hatte, den Kerlen da vorne die Zähne zu zeigen. Das werden wir dir nie vergessen. Du hast hunderten Kameraden das Leben gerettet." Revier Aufnah vor der in weld Ich ging ins Revier zurück, da ich ja noch in dauernder Behandlung meiner Zuckerkrankheit war. Doch das Leben im Revier gestaltete sich immer schwieriger, weil der Kranken zu viele wurden. Dazu kamen die armen Verwundeten, die durch die Bombenangriffe auf Außenkommandos verletzt worden waren. zu werd Die Aufnahme ins Revier hat auch ihre verschiedenen Phasen der Entwicklung durchgemacht. Anfangs war es sehr schwer, überhaupt ins 136 natürlic von de Häftling ersten 212 U straße oder so einer R ab wie so lang war. D Die Mann und er gewiese Typhus ganze und m desinfiz in die Hemde denen Decken kannte zurück Üb lernen, lange schon. Pfleger merte Schicks In sogar früher überei sonst Betten Es lag fieber. art worst." en Mensöfteren nommen, tten, indes mit: Angaben nommen per nicht, die polantwortet d Kinder' e Fragen ren noch erschieben sele und keit, und e mir der und ging izinischen anden, da ß ich zum ren komicher, der erden wir t." ehandlung altete sich amen die Commandos en Phasen rhaupt ins Revier zu kommen, man mußte schon hohes Fieber haben, sonst war eine Aufnahme ganz unmöglich. Immer herrschte der Verdacht, daß man sich vor der Arbeit drücken wolle und gar nicht krank sei. Es gab eine Zeit, in welcher Häftlinge sich künstlich Fieber beibrachten, um aufgenommen zu werden. Sie schütteten sich Schnupftabak in kleine Wunden, die dadurch natürlich eiterten und anderes mehr. Als die Methode offenbar wurde, wurde von der Lagerverwaltung jeder Schnupftabak verboten. Trotzdem fanden Häftlinge immer wieder andere Mittel, um Fieber vorzutäuschen. In den ersten Jahren war die ambulante Behandlung fürchterlich. Mittags gegen ½212 Uhr konnte man die Menschen in langen Reihen in der ersten Blockstraße angetreten sehen. Es waren Hunderte mit scheußlichen Geschwüren oder sonstigen Erkrankungen. Im Ambulanzzimmer standen die Pfleger in einer Reihe und verbanden die einzelnen Wunden. Das Ganze spielte sich ab wie am laufenden Band. Viele Wunden wurden geheilt, aber auch viele so lange verschleppt, bis eine Aufnahme möglich, ja notwendig geworden war. Das Ganze war ein Bild des Jammers. Die Aufnahme selbst ging nach bestimmten Vorschriften vor sich. Der Mann mußte sich zuerst in der Schreibstube melden, wurde hier registriert und erhielt eine Aufnahmekarte, auf der der Block stand, in den er eingewiesen wurde; dann wurde er zu diesem Block geführt. Als später der Typhus im Lager wütete, mußte jeder zuerst in ein Bad. Hier mußte er seine ganze Kleidung, und Wäsche abgeben. Diese kam in die Revier- Desinfektion, und man sah nichts mehr davon wieder. Im Bad wurde zuerst der Körper desinfiziert und abgebraust. Sodann erhielt man eine Decke und wurde nackt in die Krankenstube geführt. Dort erhielt man ein Lagerhemd, wenn Hemden überhaupt vorhanden waren. Ich habe Krankenstuben gesehen, in denen die armen Kranken nackt in ihren Betten lagen, nur mit zwei dünnen Decken zugedeckt. Alte ,, Lagerhasen", die diese Methode der Aufnahme kannten, sorgten natürlich dafür, daß sie bald ihre Kleidung wieder heimlich zurückbekamen und sich so dann besser helfen konnten. Übrigens ist es sehr interessant, einmal die Pflegemethoden kennen zu lernen, wie sie im Revier in den einzelnen Jahren üblich waren. Da ich selbst lange Zeit im Revier war, konnte ich diese so recht beobachten. Ich sagte schon an einer anderen Stelle, daß es oft sehr von dem Oberpfleger oder Pfleger abhing, wie ein Kranker behandelt wurde, ob man sich um ihn kümmerte oder nicht, ob man ihm half oder ihn einfach liegen ließ, seinem Schicksal vollkommen überlassen. In unserem Zimmer lagen wir zu 50 Mann; in der Vorstube waren sogar 70 Mann. Die Betten standen zu zwei und drei übereinander. In den früheren Jahren war es wenigstens vermieden worden, daß drei Betten übereinander standen. In den Jahren 1944/45 aber wurde dies notwendig, sonst hätte man unmöglich alle Kranken aufnehmen können. In manchen Betten lagen drei Mann in je zwei Betten. Es war die chirurgische Station. Es lagen nicht nur operierte Fälle bei uns, auch Rekonvaleszenten von Fleckfieber. Es schienen dies besondere Lieblinge oder Bekannte der Pfleger zu 137 sein. An jedem zweiten Tag, morgens 6 Uhr, begann die Verbandsstunde. Nur wenige wurden noch zum Operationssaal gebracht. Die meisten wurden in Stube 1 verbunden. Dies dauerte von 6 bis 9½ Uhr. Wieviel Stöhnen, wie viele Schreie sind durch diesen Raum gezittert, und oft war es so, daß, nachdem der arme Kamerad die gräßlichsten Schmerzen ausgehalten hatte, er plötzlich in der Nacht an Herzschlag starb. Ich hatte früher schon einmal auf diesem Krankensaal gelegen wegen meiner Zuckerkrankheit, nun war ich dort nach einer schweren Operation im Rücken. Damals war Heini Stöhr Oberpfleger und Gerhard Maashännser Pfleger, beide vorbildliche, gewissenhafte, gute Menschen, die sich täglich um ihre Patienten kümmerten und sorgten. Maashännser gab z. B. alle Abende jedem seiner Pfleglinge die Hand und wünschte ihm gute Nacht. Er hat manche Nacht bei Schwerkranken gewacht und den einen oder anderen auf den Tod vorbereitet. Da er Geistlicher war, konnte er oft heimlich auch den Kameraden helfen, die um die hl. Sakramente baten. H. Stöhr wußte über den Zustand jedes seiner Kranken genau Bescheid. Starb einer, dann sah man ihm an, daß ihm der Tod des Kameraden zu Herzen ging. Beide waren bei allen Kameraden beliebt und geschätzt. So gab es auch auf anderen Blocks noch einige Pfleger, die gut waren und sich nichts zuschulden kommen ließen. Leider konnte man dies nicht von allen sagen. half er verpflich er imm Freunde mein K sorgte. baunah Als Heini Stöhr das Revier verließ, wurde es leider anders auf Block 1. Auch Maashännser mußte seinen Posten niederlegen, weil durch meine Vernehmungen alle Geistlichen aus ihren Arbeitsstellen entlassen werden mußten, da die Kommission festgestellt hatte, daß die Geistlichen trotz gegenteiliger Anordnungen von Berlin in leitenden Arbeitsposten beschäftigt waren. In Stube 3 war Pater Karl Schmitt Pfleger. Er war ebenfalls bei allen Kranken sehr beliebt und mußte leider ebenfalls das Revier verlassen. Der Oberpfleger, der nun an die Stelle von Stöhr trat, war ein ehemaliger Konditorgeselle im Zivilberuf. Er war ein ruhiger, stets hilfsbereiter Mensch, der sich im Laufe der Jahre als einfacher Pfleger ebenfalls ein gediegenes Wissen in der Wundbehandlung angeeignet hatte. Leider konnte er sich nicht, wie Heini Stöhr, um alle Angelegenheiten seines Blocks kümmern. Die eigentlichen Pfleger und Hilfspfleger versagten vollkommen. Von einer Pflege konnte überhaupt keine Rede sein. für mic eine Fle bedenke ,, Lieber wortete sierte d denn le Ein wirklich law a Posen, Eine kleine Szene! Ich mußte unbedingt austreten und konnte mir allein nicht helfen, da ich schwer operiert war. Ich bat den Hilfspfleger, mir zu helfen, und seine Antwort war: ,, Ich habe es auch schon seit zehn Minuten notwendig und habe keine Zeit." Er ging und ließ mich liegen. Ein Kamerad, der aufstehen und laufen konnte, half mir, und so mußten sich die Kranken gegenseitig helfen. Oft war dieses ,, Helfen" aber auch geleitet von egoistischen Motiven. Der Mann erwartete eine ,, Bezahlung" in Form von Lebensmitteln oder Tabakwaren. Der erste, der sich anbot, mir zu helfen, hat mich einige Nächte später bestohlen, indem er Brot, Wurst und anderes mehr sich heimlich aneignete. Er wurde sofort auf eine andere Stube verlegt. Zuletzt pflegte mich ein Salesianerpater aus Krakau namens Sigismund Kujak. Unermüdlich 138 als Op Arco H gestand ration uns, da Au Man w zum B der Tü Im Flu völlig natürlic draußer dert, da ich mit des se um mi beschle Die dem Se festges besond zwecke haft in in den alle A Zuletz T sstunde. wurden Stöhnen, so, daß, en hatte, m einmal nun war Heini eide vorPatienten m seiner Nacht bei Tod vorameraden Zustand ihm an, bei allen ocks noch n lieben. Block 1. eine Vermußten, enteiliger waren. In Kranken perpfleger, torgeselle sich im en in der wie Heini gentlichen e konnte mir allein r, mir zu Minuten Kamerad, Kranken goistischen ensmitteln ich einige sich heimzt pflegte nermüdlich half er mir bei Tag und bei Nacht. Ich bin ihm wirklich zu großem Dank verpflichtet und werde es nicht vergessen, mit welcher Liebe und Aufopferung er immer um mich war. An dieser Stelle möchte ich auch meines lieben Freundes Heinrich Auer gedenken, der täglich jede zweite Stunde an mein Krankenbett kam und mir half und mich in brüderlicher Liebe umsorgte. In den kritischen Tagen, da es galt, meinem Körper wirkliche Aufbaunahrung zuzuführen, war es mein lieber Kamerad Matzenauer, der für mich in besonderer Weise sorgte. Er kam jeden Mittag und brachte mir eine Fleischsuppe, Bratkartoffeln mit Gulasch und anderes mehr. Man muß bedenken, was dies alles für das Lager bedeutete. Ich fragte ihn eines Tages: ,, Lieber Mazek, wie kommst du an alle diese schönen Sachen?" Er antwortete mir: ,, Ich gehe jeden Abend auf den Markt einkaufen." Er organisierte die Sachen durch Kameraden, die in Außenkommandos tätig waren, denn legal war nichts zu haben. So wurde ich allmählich wieder gesund.- Ein besonderer Dank sei hier auch zwei Häftlingsärzten gesagt, die sich wirklich aufgeopfert haben für die Kranken. Es waren Dr. Arco Venceslaw aus Ljublhema, Bohica Hospital, und Alfons Zcarkowski aus Posen, Elisabethkrankenhaus. Beide waren unermüdlich im Operationszimmer als Operateure tätig. Sie haben manchem Kameraden das Leben gerettet. Arco hatte den Mut, mich trotz des hohen Blutzuckers doch zu operieren, gestand mir aber nach Wochen: ,, Deine Operation war wirklich keine Operation mehr, sondern eine Metzgerei. Wir hatten dich aufgegeben und wundern uns, daß du so durchgehalten hast." Auch das Operieren und Verbinden im Operationssaal hatte seine Eigenart. Man wurde aufgerufen, mußte aufstehen, wenn man konnte, und ging dann zum Block 1. Nur mit einer Decke bekleidet stand man dann im Flur vor der Tür. Man mußte so lange warten, bis man an der Reihe war einzutreten. Im Flur zog es, es war oft eisig kalt. Trotzdem mußte man sich vor Eintritt völlig entkeiden. Man legte sich auf den Operationstisch und wurde operiert. natürlich unter Narkose. War man operiert und konnte gehen, zog man sich draußen wieder an und ging zu seiner Krankenstube. Ich habe mich gewundert, daß ich mir nie eine Erkältung zugezogen habe. Neun Wochen lang lag ich mit meinen Wunden im Rücken ans Bett gefesselt. Dank der guten Pflege des sehr tüchtigen französischen Arztes Suire, der sich die größte Mühe um mich gab und mich zuckerfrei machte, wurde der Heilungsprozeß sehr beschleunigt. Die Toten kammer bestand aus zwei Räumen, einem Vorraum und dem Sezierraum. Alle Leichen wurden hierher gebracht und seziert. Es wurde festgestellt, an welcher Krankheit sie gestorben waren. Zugleich wurde in besonderem Falle Herz, Lunge, Gehirn usw. herausgenommen und zu Lehrzwecken präpariert. Herr Dr. Baha, ein Häftlingsarzt, immer sehr gewissenhaft in seiner Arbeit, könnte Aufschluß geben über Hunderte von Fällen, in denen der eigenartige Tod des Kameraden festgestellt wurde. Leider sind alle Aufzeichnungen zerstört worden, kurz bevor die Amerikaner kamen. Zuletzt konnte man die Arbeit in der Totenkammer überhaupt nicht mehr 139 Un seine e Im hatte, 1942, Revier und 5. bewältigen, denn die Zahl der Toten war zu groß! 1944/45 starben täglich durchschnittlich 80 Mann. Die Höchstzahl an einem Tage war 178. Es war ein schauerliches Bild. Die Leichen lagen auf der. Blockstraße, und nur noch einzelne Leichen, die besonders auffällig waren, wurden seziert. Das letzte Angebinde, das das Lager jedem Toten mitgab, war ein kleiner Zettel, auf dem Name und Nummer des Verstorbenen stand und der, wie bereits bemerkt, an die Zehe angebunden wurde. Wenn man an diesen Leichen vorüberging, bekam man das Grauen. Alle mehr oder weniger verhungert. Einer lag da mit weit aufgerissenen Augen, aus denen ein fürchterlicher Haß sah, ein anderer hatte seine Hand wie zum Schwur erhoben. Ebenso schauerlich wie dieser Anblick war der Abtransport der Leichen zum Krematorium. Es war ein eigenes Transportkommando gebildet, das nur diese Transporte zu tätigen hatte. Man nahm die Leichen und warf sie auf einen Wagen. Die Köpfe schlugen auf den harten Brettern auf, Arme und Beine flogen durcheinander. Eine Pietätlosigkeit, wie sie größer nicht sein konnte, herrschte hier. Jede Scheu vor dem Tode war verlorengegangen. Kameraden, meist Russen waren es, die diesen Dienst versahen. Sie taten es nur deshalb, weil sie eine Sonderzulage bei der Kost erhielten. Wir hatten nun den Helfer in der Totenkammer, der die Leichen nach der Sektion zum Abtransport bereitstellte, dazu überredet, in besonderen Fällen eine Aufbahrung vorzunehmen. Anfangs war dies im Vorraum möglich, später ging es auch nicht mehr. In einer kleinen Holzbaracke auf der Blockstraße, wo sonst die leeren Särge standen, teilte er einen kleinen Raum ab für die Aufbahrung. Für diese Arbeit bekam er von uns natürlich Lebensmittel als Bezahlung. Anfangs mußten wir die Erlaubnis der Verwaltung jedesmal einholen, später jedoch unterblieb dies. Die einzelnen Landsmannschaften und Kameradschaften sorgten für die Aufbahrung ihres Kameraden gemäß seiner Glaubenshaltung. Die ersten, die den Mut aufbrachten, ihre Kameraden aufzubahren, waren die Spanienkämpfer. Natürlich ohne irgendwelche Insignien eines christlichen Bekenntnisses. Wir Geistlichen aber legten Wert darauf, Kreuz, Kerzen und einen sinnvollen Spruch an der Bahre aufzustellen und auch feierlich die Einsegnung vorzunehmen, bevor die Leiche weggeschafft wurde. Während früher bis 1944 fast alle Kranken ohne Sakramente sterben mußten, haben wir von 1944 an gesorgt, daß der Kranke versehen wurde, wenn er es wünschte. und 17 genom viel zu der La diese a Lazare herübe Revier Phlegn Di von B Lagers Di Ein Gang durch die einzelnen Krankenräume war für jeden mitempfindenden Menschen eine Qual. Auf engen Raum zusammengepfercht lagen die armen Menschen in ihren Betten. Und wenn man vorbeiging, kam nur ein Wort über ihre Lippen: ,, Hunger!" Aus tiefliegenden Augen schauten dann Angst und Sorge um das, bißchen Leben, oder man hatte einen Kameraden vor sich, der apathisch still und stumm sein Lebensende erwartete. Das Sterben in Dachau war so unkompliziert. Kein Todeskampf, keine Wünsche mehr, ruhig schlief der Kranke ein, unfähig, sich gegen den Tod zu wehren. Der Körper war zu geschwächt. Die meisten starben an Hunger. Nur wenige wußten, daß sie sterben mußten. So war Dachau eine große Stadt des Sterbens. 140 war, v Se sonder De je ne stratu lanz, Desin Der kunge der S saal f D Block z. B. Block A gab e kümn waren Arzte eigen holla vorbi täglich Es war mur noch as letzte Zettel, bereits Leichen hungert. Cher Hab schauermatorium. ransporte Wagen. me flogen herrschte n, meist alb, weil n Helfer transport ung voruch nicht die leeren rung. Für Anfangs er jedoch dschaften shaltung. en, waren es christz, Kerzen feierlich Während en, haben enn er es Empfindenlagen die m nur ein uten dann Kameraden artete. Das Wünsche cu wehren. ur wenige Sterbens Das Revier Unter ,, Revier" verstand man im Lager das Lazarett. Dieses Revier hatte seine eigene Geschichte, weil es ein isoliertes Eigenleben führte. Im Jahre 1940, als die Waffen- SS noch die Hälfte der Wohnblocks inne hatte, bestand das Revier aus einem halben Block, das waren nur vier Stuben. 1942, nachdem das Lager nunmehr Häftlingslager geworden war, wurde das Revier sehr erweitert. Von da ab bestand es aus Block A und B, Block 1, 3 und 5. Später kamen hinzu Block 7 und 9 und 1943 die Blocks 11, 13, 15 und 17, ja, man hatte sogar für unheilbare Tb- Kranke den Block 29 hinzugenommen. Durch Seuchen, besonders Flecktyphus, war das Revier Ende 1944 viel zu klein. Die Zahl der Kranken und Sterbenden nahm gerade am Ende der Lagerzeit ungeheuer zu. Sofort nach der Ankunft der Amerikaner richteten diese außerhalb des Straflagers in leerstehenden Gebäuden und SS- Baracken Lazarette ein und ließen nach und nach bestimmte Krankheitsfälle zu sich herüberkommen. Ein amerikanischer Arzt suchte die einzelnen Fälle im Revier aus und wies sie nach den einzelnen Krankheiten gesondert, z. B. Phlegmonie, Tb, Unterernährte usw., in einzelne Baracken ein. Die Geschichte des Reviers hat, wie das Lager selbst, zwei Abschnitte, von Beginn bis Oktober 1942 und von Oktober 1942 bis zur Auflösung des Lagers. Diese Einteilung kommt daher, weil bis 1942 das Lager Straflager war, von da ab Arbeitslager mit vielen Erleichterungen. Seit 1942 konnte man das Lagerrevier in seiner äußeren Einrichtung, besonders in seiner chirurgischen Abteilung, vorbildlich nennen. Der Block A war wie folgt aufgeteilt: Zuerst kamen fünf Zimmer mit je neun Betten für besonders schwer operierte Fälle. Dann folgte die Registratur, die Zimmer für den Revierkapo und die Häftlingsärzte, die Ambulanz, zwei Operationsräume, Röntgenabteilung, Revierküche, Wäschekammer, Desinfektion. Der Block B war wie folgt aufgeteilt: Krankenzimmer für Malariaerkrankungen, Laboratorium, Revierschreibstube, S.D.G. d. i. der Sanitätsdienstgrad der SS, Zimmer des Chefarztes, Apotheke und am Ende ein größerer Schlafsaal für erkrankte Straf- SS. Der Block 1 hatte nur chirurgische Fälle. Block 3 war die innere Abteilung. Block 5 und die anderen Blocks waren für bestimmte Erkrankungen vorgesehen; z. B. Tb, Durchfall, ansteckende Krankheiten und dergleichen mehr. Auf Block 5 war die berüchtigte Versuchsstation. Außer dem Chefarzt, in der Regel im Range eines Obersturmbannführers, gab es noch drei SS- Ärzte, die sich aber wenig um die erkrankten Häftlinge kümmerten. Dies überließen sie den Pflegern, die ausnahmslos Häftlinge waren. Als im Jahre 1943/44 Franzosen ins Lager kamen, waren sehr viele Ärzte unter ihnen. Jeder Block, später sogar jede Krankenstube, erhielt einen eigenen Häftlingsarzt. Außer diesen französischen Ärzten waren auch noch holländische und tschechische Ärzte im Revier. Diese Herren haben sich in vorbildlicher Weise und in echt kameradschaftlichem Geiste um ihre Kame141 raden gekümmert und manchem das Leben gerettet, trotz der so furchtbaren Knappheit an Medikamenten und Verbandsmaterial. Es gab auch einige wenige russische Ärzte. Die meisten der Ärzte waren Chefärzte größerer Krankenhäuser ihrer Heimat oder hatten vor ihrer Verhaftung eine gutgehende Praxis gehabt. Den erkrankten Häftlingen gegenüber war der allmächtige Alleinherrscher im Revier der sogenannte Revierkapo. Diesem lag auch die Pflicht ob, stets bei Erschießungen oder Erhängungen dabei zu sein. Bis 1943 entschied nicht der Arzt, ob jemand ins Revier aufgenommen wurde oder nicht, sondern der Revierkapo. Jeder Block hatte einen Oberpfleger, jede Stube einen Pfleger. Diesen stand der ,, Stubendienst" zur Verfügung. Dies waren genesende Häftlinge, welche die Stuben reinzumachen hatten und auch zu sonstigen Arbeiten herangezogen wurden. Außerdem war auf jedem Block ein Rasierer und ein ,, Heusel", der alles besorgte, z. B. die verschiedene Kost: Diät, Sonderdiät, Normalkost, Brot mit Belag usw. Außer von dem Kapo hing es auch sehr viel von dem Oberpfleger ab, wie der einzelne Kranke behandelt wurde, ob man sich um ihn kümmerte, oder ob man ihn einfach liegen ließ. Das war ja die raffinierte, teuflische Art der SS, daß sie selbst kaum in Erscheinung trat, und wenn etwas passierte, von sich sagen konnte, sie habe es nicht getan. In Wirklichkeit sorgte sie dafür, daß fast nur einzelne Ausnahmen zugegeben- Verbrechernaturen Oberpfleger wurden, die, um ihre Posten zu erhalten, der SS und ihren Wünschen hörig waren. Unvergeßlich wird allen Häftlingen die Zeit bleiben, in der ein Revierkapo Heiden ,, regierte". Er wurde im Lager der Mörder genannt. Die Methoden, mit denen er die Leute behandelte, waren so furchtbar, daß noch lange Zeit nach seiner Abberufung zum Militär jeder von uns Angst hatte, zum Revier zu gehen. Viele wären nicht gestorben, wenn sie früh genug in eine vernünftige Pflege genommen worden wären. Es war die Zeit, in der Hitler einmal gesagt hatte: ,, In den Lagern werden wir sie dezimieren". Es entsprach dem Willen der SS, was Heiden tat, sonst hätte er es auch nicht ungestraft durchführen können. Meldete sich ein Häftling krank, mußte er über 39 Grad Fieber haben, um überhaupt aufgenommen zu werden. Hatte er kein Fieber oder unter 39 Grad, erhielt er Faustschläge ins Gesicht. Er wurde angebrüllt, er wolle sich wohl an der Arbeit vorbeidrücken. Großes Glück hatte er, wenn keine Strafmeldung gemacht wurde. Mit einem Fußtritt flog er hinaus. Bei manchen Kranken, besonders Juden, hatte Heiden folgende Fragen: ,, Hast du Goldzähne? Mach mal das Maul auf! Hast du Geld bei dir?" Hatte der Kranke nun Goldzähne und Geld, so machte Heiden mit der linken Hand eine Bewegung. Der Kranke wurde dann von zwei Häftlingen, die dem Kapo verpflichtet waren, auf Block 1 abgeführt. Der arme Mensch wurde hier in einen Waschraum geleitet, wo einsam ein Bett stand. Er mußte sich entkleiden und wurde ins Bett gelegt. Der Waschraum wurde abgeschlossen. Es sollte ein Geheimnis bleiben, was hier geschah. Jedoch jedesmal nach zwei Stunden brachte man die Leiche dieses Mannes in die Totenkammer. Man sagte es war dies offenes Geheimnis im - ganzen brach i Heiden stube h schläge und wi mit kei auf der waren s Sein viel be Er beha feigen Ein pfleger Stube Häftlin großes nicht anderen war fo er aus bracht. Kranen Leiche storben Kamera es beze und Sp lassen, doch s suchun durch licher. Fü spätere kam V war. D lange der rul als ein anvert rend z zinisch medizi sichere 142 chtbaren ı einige größerer ine gut- herrscher ob, stets nommen n Ober- zur Ver- umachen dem war ,. B. die y. 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Auch dieser war anfangs nicht viel besser, wenn man ihm auch direkte Morde nicht nachzusagen hatte.- Er behandelte ebenfalls die Kranken sehr roh und brutal, teilte auch Ohr- feigen und Fußtritte aus und war im Revier und Lager sehr gefürchtet. Eines Tages war eine große Untersuchung. Zimmermann und der Ober- pfleger von Block 7, Spies, waren angeklagt, schuldig zu sein, daß auf Stube 4 in Block 7 Kranke gestorben seien. Auf diese wurden nämlich alle Häftlinge eingeliefert, die an Durchfall litten und Fieber hatten. Es ging ein großes Raunen durchs Lager von mutwilligen Tötungen. Man erzählte sich nicht nur von Dachau, sondern auch von Sachsenhausen, Mauthausen und anderen Lagern, daß überall dieselbe. Methode angewandt würde. Und diese war folgende: Hatte ein armer Kranker sein Bett schmutzig gemacht, wurde er aus dem Bett gerissen, seines Hemdes entkleidet und zur Wachstube ge- bracht. Hier wurde er in die Fontäne geworfen und eiskaltes Wasser aus sechs Kranen über ihn laufen gelassen, und zwar oft so lange, bis er tot war. Die Leiche wurde in die. Totenkammer gebracht, und der Mann selbst als„ver- storben‘‘ gemeldet. Um den Fall selbst kümmerte sich kein Mensch. Es gibt Kameraden, die heute noch leben, die diese Dinge selbst miterlebt haben und es bezeugen können, daß sich auf Block 7 gleiches ereignet hat. Zimmermann und Spies saßen vierzehn Tage im Gefängnis, wurden aber dann wieder ent- lassen, weil man ihnen nichts nachweisen konnte. In Wirklichkeit war es doch so, daß die SS selbst blamiert gewesen wäre, wenn bei dieser Unter- suchung wirklich etwas herausgekommen wäre. Später hat Zimmermann sich, durch die Verhältnisse im Lager gezwungen, etwas geändert und war zugäng- licher. 1944 wurde auch er zur Wehrmacht entlassen. Für viele im Lager war der rettende Engel im Revier der Pfleger und spätere Oberpfleger von Block 1, H einiStöhr aus Nürnberg. H. Stöhr kam von der sozialistischen Arbeiterjugend, in der er lange Jahre führend war. Deshalb wurde er 1934 Schon verhaftet. Er war Arbeiter-Sanitäter. Die lange Zeit seiner Haft hatte ihn nicht in seinem Charakter geändert. Er blieb der ruhige, stets freundliche, hilfsbereite Mensch. Er kam schon bald ins Revier als einfacher Pfleger und hat sich mit großer Gewissenhaftigkeit van die ihm anvertrauten kranken Kameraden gekümmert. In dieser seiner Tätigkeit wäh- rend zehn Jahren hat er sich in der Wundbehandlung ein umfassendes, medi- zinisches Wissen angeeignet. Täglich, wenn er Zeit hatte, studierte er gute medizinische Werke, die er sich aus der SS-Bibliothek. besorgte. Er lernte so, sichere Diagnosen aufzustellen. Zur Zeit der medizinischen Versuche, über die 143 4 ich noch berichten werde, hat Stöhr persönlich sehr gelitten, weil er es grund- sätzlich ablehnte, gesunde Menschen in Todesgefahr zu bringen. Vielen hat er das Leben gerettet, weil er die Anordnungen der SS-Ärzte, die eigens für die Phlegmone-Versuche ins Lager kommandiert waren, nicht befolgte,‘sondern heimlich Maßnahmen traf, die zur Gesundung führten. Stöhr war im ganzen Lager geachtet und geehrt. Zu ihm ging man, wenn man in Not war. Ihn fragte man um Rat, wenn es sich um eine Krankheit handelte. Er hatte immer einen guten Rat, oder war zur sofortigen Hilfe bereit. Auch ich habe ihm viel zu danken und werde seiner stets in Dankbarkeit gedenken. Euthanasie Es gab einmal eine Zeit, in der dieses Wort nur ein medizinischer Begriff war und in den Moralbüchern der katholischen Kirche— ich möchte fast sagen -. so nebenher erwähnt wurde als eine Art„Mord“, der selbstverständlich semper et pro semper verboten war. Unter Euthanasie versteht man die Tötung eines Menschen durch eine Spritze. Es war von jeher stets ein Diskussionspunkt auf medizinischen Kongressen, ob es wohl erlaubt sei, einen Menschen, der unheilbar krank sei, von seinem Leiden zu befreien, indem man ihn, ohne daß er es wisse, schmerzlos töte. Immer und immer wieder meldete sich das christliche Gewissen unseres Volkes und gebot Einhalt. Und so war es dem einzelnen Mediziner mehr oder minder überlassen, den Tod, der doch nicht zu verhindern war, zu beschleunigen. Aber der größte Prozentsatz der Ärzte nahm es sehr ernst mit dieser Frage, und es gab nur wenige, die euthanasierten. Mit der nationalsozialistischen Ideologie war nun- plötzlich eine andere Meinung dominierend geworden, die mit allen Mitteln moderner Propaganda zu einer allgemeinen Volksmeinung gemacht werden sollte, nämlich: Unwertes Leben hat kein Anrecht mehr auf Leben im Volke. ‚Drei Stufen sind es, in denen bisher dieser Grundsatz durchzuführen ver- sucht wurde: Das Zwangssterilisationsgesetz, die Euthanasie an Irren und die Tötung „unwerter‘‘ Menschen. Mit Recht haben schon vor zehn Jahren, als zum ersten Male diese Be- strebungen auftauchten, ernste und verantwortungsbewußte deutsche Wissen- schaftler gewarnt. Ihnen haben sich die Bischöfe, an ihrer Spitze der hochw. Kardinal Graf Galen in Münster, sowie andere Führer der beiden christlichen Konfessionen angeschlossen und ebenso warnend ihre Stimme erhoben. Mit Recht hat man die Frage gestellt: ‚Was ist ‚unwertes‘ Leben?‘„Wer entscheidet darüber? Wo beginnt man, wo hört man auf? Sind nicht andere viel größere Gefahren für das gesamte Volksleben damit verbunden? Wer will die Ver- antwortung tragen?‘ Aber man ging einfach zur Tagesordnung über und machte Gesetze. Ihnen folgten die Durchführungsbestimmungen, und wer sich dagegen sträubte, wurde als Volksschädling gebrandmarkt, ja als Volksverräter be- schimpft. 144 Ste erblich sich zı Bluter dem r das re 1934 seit I getret: Formf Dr.$ bedin, Di Aung Katho feindl Pius festge Steril; fächli es grunden hat er ns für die ," sondern m ganzen war. Ihn tte immer e ihm viel mer Begriff fast sagen erständlich durch eine ongressen, on seinem rzlos töte. res Volkes der minder igen. Aber ge, und es ine andere Propaganda : Unwertes Führen verdie Tötung diese BeThe Wissender hochw. christlichen hoben. Mit entscheidet viel größere fill die Verund machte ich dagegen verräter beDas Sterilisationsgesetz Sterilisieren heißt, jede Zeugungsmöglichkeit operativ unterbinden. Alle erblich bedingten Kranken wurden der Sterilisierung zugeführt. Es handelte sich zuerst um alle Manisch- Depressiven, ferner um Epileptiker, Schizophrene, Bluter und Wahnsinnige. Es wurde ein Erbgesundheitsgericht eingerichtet, vor dem man sich durch einen Rechtsbeistand verteidigen konnte. Das Urteil, das rechtskräftig geworden war, konnte nicht mehr angefochten werden. Von 1934 bis 1936 hatte hier zuerst die Partei das Wort, dann die Juristen und seit 1937 die Mediziner. Seit Ende 1937 ist ein merklicher Stillstand eingetreten. Man hatte anscheinend in Fachkreisen eingesehen, daß doch viele Formfehler vorgekommen waren, und ernste Mediziner, so z. B. Professor Dr. Sauerbruch, wiesen darauf hin, daß es außerordentlich schwer sei, erbbedingte Schizophrenie oder Epilepsie festzustellen. Die Propaganda ging in diesen Jahren ihren Weg, unbeirrt um die Meinung der wirklich Sachkundigen und griff insonderheit die Stellungnahme der katholischen Kirche an. Man warf der Kirche Rückständigkeit, ja Staatsfeindlichkeit vor, weil sie nicht 100prozentig der Idee zustimmte. Papst Pius XI. hat in seiner Enzyklika ,, Casti conubii" die Haltung der Kirche festgelegt. In Kreisen der Gegner behauptet man, die Kirche verbiete jede Sterilisierung. Wer aber die Enzyklika wirklich studiert und nicht nur oberflächlich liest, wird zu folgender Formulierung kommen: Es gibt vier Indikationen, wonach das Sterilisieren beurteilt werden muß. Erstens die juristische Indikation: Der Sittlichkeitsverbrecher hat die Sterilisierung, wenn sie von einem hierfür eigens eingesetzten Gerichtshof als Strafe ausgesprochen wurde, als Strafe anzunehmen. Sie ist also erlaubt. - Zweitens die medizinische Indikation: Wenn ein Arzt nach seinem besten Wissen und Gewissen entscheidet, ob dieser Mensch da nur durch eine Sterilisierung von seiner Krankheit zu heilen ist, ist die Operation erlaubt. Z. B. eine Frau hat Unterleibskrebs. Sie ist nur durch Sterilisierung einer Heilung entgegenzuführen. In diesem Falle ist die Sterilisierung erlaubt. Drittens die eugenische Indikation: Es wird sterilisiert, damit keine Kinder gezeugt oder empfangen werden können. Die Entscheidung hier lautet so: Solange die biologisch- medizinische Wissenschaft nicht klar und eindeutig das sichere Urteil gefunden hat:., Dieser Mensch kann keine erbgesunden Kinder mehr zeugen oder empfangen;" solange dies noch einer mehr oder minder unsicheren Entscheidung unterworfen ist, oder gar die Entscheidung abhängig ist von einer vorgefaßten Meinung der generellen Anordnung zum Schutze des ,, absoluten" Staates, solange ist nach der Lehre der Kirche die Operation verboten. Viertens die rassen- hygienische Indikation: Man will eine Rasse züchten und schaltet das Natursakrament der Liebe zwischen zwei Menschen aus. Man läßt ,, gesunde" Menschen sich paaren, nicht Dachau 10 145 in Verbindung der Ehe. Man sterilisiert die Menschen, die nicht reinrassisch sind. Seiner Zeit gab es Fanatiker, die nur die ,, nordische Rasse" als Alleinberechtigte zum Leben anerkannt wissen wollten. Diese Operation ist semper et pro semper verboten. Die paar Jahre der Durchführung hatten nun folgende Ergebnisse gezeitigt: Man hatte in den Nazi- Fachkreisen eingesehen, daß man mit der Sterilisierung das Ziel nicht erreichen würde, das man sich gestellt hatte, nämlich die Befreiung des Volkes von allen Erbkrankheiten. Den Maßnahmen des Gesetzes haben sich viele entziehen können, insofern sie irgendwelchen Einfluß im Staate hatten. Man erkannte, daß selbst in scheinbar gesunden Familien neue Fälle von ähnlichen Krankheitserscheinungen auftreten. Das wichtigste aber erscheint mir, daß sich drei Kategorien von Sterilisierten gebildet haben: Die Schweiger: Es sind solche, die zwangssterilisiert wurden und sich nun als Menschen zweiter Klasse fühlen. Sie spüren in sich nur noch ein Gefühl, und das ist das Gefühl der Rache. Wehe, wenn diese einmal als Richter in ein Tribunal kämen. Die Schwätzer: Sie erzählen jedem, der es wisen will, daß sie sterilisiert sind und stehen zu allen möglichen Dingen gegen Geld zur Verfügung. Die Melancholiker: Sie neigen zu religiösen Wahnvorstellungen, Halluzinationen usw. und enden meist in einer Nervenheilanstalt. Man findet sie auch öfter unter der Zahl der Selbstmörder. was hier Stellung. hatte vo Diese Im abtransp Kranken halb lau her noch nichts. S einen O Schwieri Die der Bisch öffentlic Bischof darauf w W dann na Eines mehr so Wen geirrt. Formen er nicht Und Die Euthanasie an Irren Ich werter" aber gip Mitten in die Maßnahmen der Sterilisierung kam dann plötzlich die Nachricht von der Tötung der Irren. Die Irrenanstalten leerten sich mehr und mehr, und die Aufregung im Volk über diese Art von Tötung wurde immer größer. Es mehrten sich die Fälle, in denen es sich um harmlose Irre handelte, die man hatte sterben lassen. Nur ein Fall für viele: Ein Vater besucht seinen Sohn und findet ihn gesund vor. Er ist harmlos irre und kann sich mit seinem Vater unterhalten. Er erkennt seinen Vater nicht nur, sondern hat auch noch Interesse an den Ereignissen in seiner Familie. Jedesmal, wenn der Vater ihn besuchte, hatte er seine große Freude darüber gezeigt. Er empfing Pakete von Hause und stand sogar in Briefwechsel mit den Seinen. Da erhält der Vater sechs Wochen nach seinem letzten Besuch die Nachricht, sein Sohn sei erkrankt und gestorben. Der Vater fährt zur Anstalt und will wissen, woran sein Sohn gestorben sei. Der Direktor der Anstalt weigert sich, ihm Auskunft zu geben. Es sei ihm verboten. ,, Warum haben Sie mich denn nicht gerufen, als mein Sohn im Sterben lag?" fragte der Vater. Da schaut der Direktor ihn groß an und sagt: ,, Ja, mein Lieber, wissen Sie denn gar nicht, 146 gemeins gemeins somit: Erst Art der Ausschl Zwe nicht in durch Se Drit lungen reinrassisch als Alleinist semper e gezeitigt: der Sterite, nämlich n, insofern e Fälle von von SteriMenschen 14 und das ist in Tribunal 109 und stehen usw. und r unter der hdie Nach mehr und urde immer re handelte, sucht seinen mit seinem t auch noch Vater ihn Pakete von It der Vater Sohn sei erssen, woran , ihm Ausdenn nicht schaut der in gar nicht, was hier los ist? Wenn ich Ihnen etwas sagen würde, verlöre ich meine Stellung." Und der Vater konnte unverrichteterdinge nach Hause fahren. Er hatte von diesem Augenblick an einen schweren Herzfehler. Diesen könnte ich um ähnliche Fälle beliebig vermehren. Im Volk wurden vier Anstalten bekannt, wohin die armen Menschen abtransportiert wurden. Es kam öfter vor, daß beim Abtransport die armen Kranken schon genau wußten, was man mit ihnen vorhatte, und daß sie deshalb laut um Gnade riefen. Es waren darunter Menschen, die eine Stunde vorher noch fleißig im Garten gearbeitet hatten. Ihr Flehen um Gnade half ihnen nichts. Sie wurden gezwungen, ja öfter sogar gefesselt und dann einfach in einen Omnibus verladen. Oder man gab ihnen Mescalin, um mit ihnen keine Schwierigkeiten zu haben. Die Kirche sah diesen Dingen nicht ruhig zu. Es ist, wie oben erwähnt, der Bischof von Münster gewesen, Graf v. Galen, der seine Stimme erhob und öffentlich gegen diese Morde protestierte. Ebenso war es der protestantische Bischof Wurm aus Stuttgart, der die Zustände scharf geißelte. Die Antwort darauf waren die Verhaftungen von Geistlichen, von denen eine ganze Reihe dann nach Dachau kamen. Eines hat dieser Protest nun doch bewirkt, daß nämlich die Tötungen nicht mehr so öffentlich sichtbar und dem Volke fühlbar vollzogen wurden. Wenn man aber geglaubt hat, sie hätten aufgehört, hatte man sich gewaltig geirrt. Von jetzt ab geschah alles noch mehr im Verborgenen und hat Formen angenommen, an die niemand in unserem Volke glauben kann, wenn er nicht persönlich die Dinge in nächster Nähe erlebt hat. Und so komme ich zum Dritten: Die Tötung ,, unwerter" Menschen Ich habe versucht, festzustellen, was nach heutiger Anschauung ein ,, unwerter" Mensch sei. Ich habe die verschiedensten Antworten erhalten. Alle aber gipfelten in dem Gedanken des Nutzens für den Staat oder die Volksgemeinschaft. Wer immer dem Staate nicht mehr nutzen kann oder der Volksgemeinschaft nicht mehr dienen kann, ist nicht wert, zu leben. Unwert ist nde somit: Erstens der unheilbare Kranke. Es kommt hier nicht auf die Art der Krankheit an, auch nicht, ob sie zu den Erbkrankheiten gehört. Ausschlaggebend ist die Unheilbarkeit. Zweitens der asoziale Mensch. Das ist der Mensch, der sich nicht in die Ordnung einer bestehenden Gesellschaft eingliedern kann und durch seine Lebensführung sich selbst aus der Gemeinschaft ausschaltet. Drittens der verbrecherische Mensch, der durch seine Handlungen die bestehenden Gesetze des Staates miẞachtet und andauernd verletzt. 147 Viertens der sittlich degenerierte Mensch, der die sittlichen Forderungen der bestehenden Gesellschaftsordnung nicht erfüllt und fortwährend verletzt. Fünftens der politische Gegner, der den bestehenden Staat in seiner Form ablehnt oder gar bekämpft. Sechstens der alte und gebrechliche Mensch, dessen Leben pekuniär dem Staate zur Last fällt. Siebtens der Mensch, der einer Nation oder Rasse angehört, die vernichtet werden soll, und der sich nach wie vor zu seiner Nation bekennt. Die Konsequenz all dieser Bestrebungen muß letzten Endes sein: die sofortige Tötung des Kindes, das nicht gesund zur Welt kommt. Hier muß ich noch einmal des Filmes ,, Ich klage an" Erwähnung tun, von dem eingangs bereits ausführlich die Rede war. Er zeigte ausgesprochen die Tendenz, die Volksmeinung für eine Gesetzgebung im Sinne der Euthanasie vorzubereiten. Ich habe oben zu diesem Plan der Reichspropagandaleitung vom medizinischen, psychologischen, juristischen und moralischen Standpunkte Stellung genommen und kann mich hier mit einem Hinweis auf das dort Gesagte begnügen. von hin Die Lei Zure Dies solange Es war von Interesse, zu beobachten, wie damals die Gestapo ängstlich darüber wachte, daß niemand gegen den Film und dessen Tendenz sprach. Wer den Mut hatte, Bedenken zu äußern, hatte sich schon strafbar gemacht und wurde zitiert. seine K Hing Im geheimen aber, das heißt, nicht vor den Augen des Volkes, kamen immer wieder neue Methoden auf, mit denen man die Menschen, die unwert waren weiter zu leben, tötete, und jede Lüge war gestattet, wenn sie dazu diente, die Art des Todes eines unschuldigen Menschen zu verschleiern oder gar ganz zu verschweigen. Häf schuldig oder ih gemeins Mützen Die Methoden, mit denen man bisher die Euthanasie durchführte, waren verschiedener Art. Eine Einrichtung aber war allen zu Nutzen, nämlich das Krematorium. Nach der Verbrennung konnte man niemals mehr feststellen, aus welchen Ursachen der Verstorbene den Tod gefunden hatte. Die Methoden waren: Vergasung: Betreffe Juden In ande sich we Die Leute wurden, wie bereits mehrfach erwähnt, scheinbar in ein Bad geführt, wo statt warmen Wassers den geöffneten Hähnen Gas entströmte. Dieses Gas führte einen schmerzlosen Schlaftod herbei. Die Agonie dauerte in der Regel ein paar Minuten. und ma Eine ohne B zeigte Man gab eine Benzinspritze., Die Wirkung war eine sofortige Herzstockung und dann Herzschlag. Spritze: Wirbelstich: Geschw der To Es kam im Rev Die Leute wurden einzeln entkleidet in einen Raum zur Untersuchung geführt. Als letzte Maßnahme war vorgesehen, die Größe zu messen. Wenn der Mann dann an dem Maßbrett stand, drückte der untersuchende Pfleger 148 aufgend sabotag der zu Es 800 no Geistlic Im L viele L den so Jahren etwas port g Zu ist not diese I lichen hier an der Er Mensch muß suche, die sittrfüllt und m Staat in sen Leben gehört, die nbekennt. sein: die mt. g tun, von rochen die Euthanasie andaleitung tandpunkte of das dort o ängstlich enz sprach. car gemacht xes, kamen die unwert n sie dazu leiern oder hrte, waren nämlich das feststellen, in ein Bad entströmte. nie dauerte Perzstockung intersuchung essen. Wenn ende Pfleger von hinten eine feine Nadel ihm ins Genick. Der sofortige Tod trat ein. Die Leiche wurde fortgeschafft. ,, Zurecht gemacht": Dies ist ein Lagerausdruck und bedeutet, daß man den Betreffenden solange schikanierte, schlug und zu den schwersten Arbeiten verwandte, bis seine Kräfte zu Ende waren und er dem sicheren Ermattungstode erlag. ,, Hingerichtet": Häftlinge erzählen aus den Jahren vor 1940 dieses: Leute, die des Todes schuldig waren, weil sie entweder ihrer Rasse, ihrer politischen Betätigung oder ihrer religiösen Haltung wegen unwürdig geworden waren, der Volksgemeinschaft anzugehören, wurden zu Tode gehetzt. So z. B. warf man ihre Mützen über einen Graben und befahl ihnen, diese zurückzuholen. Tat der Betreffende dies, wurde er erschossen, weil er ,, flüchten" wollte. Oder aber Juden wurden zum Schaufeln in eine Kalkgrube gestoßen und erstickten. In anderen Fällen schlug und trat man auf einen Häftling ein, und wenn er sich wehrte, d. h. die Schläge abzuwehren versuchte, war das ,, Widerstand", sich wen und man erschoß ihn. Eine weitere Methode war das systematische Aushungern: schwere Arbeit ohne Brotzeit, d. h. ohne Frühstück, und im übrigen bei schlechter Kost. Es zeigte sich Wasser in den Füßen, Händen und im Gesicht. Es stellten sich Geschwüre ein, Phlegmone und Karfunkel, und das Ende war in der Regel der Tod im Revier, in das der Betreffende viel zu spät eingeliefert wurde. Es kam aber auch vor, daß ein armer Kerl sich vollkommen zusammengebrochen im Revier meldete, man hatte ihn hinschleppen müssen, und statt daß er aufgenommen wurde, erhielt er Schläge und eine Meldung wegen Arbeitssabotage. Auf Grund einer solchen Meldung erhielt er eine Strafe zudiktiert: der zu Bestrafende war aber dann meist schon acht Tage tot. Es ist nicht Zufall, daß von 2000 polnischen Geistlichen nur mehr rund 800 noch leben, und daß im Jahre 1942 in drei Monaten 54 reichsdeutsche Geistliche an Unterernährung starben. Im Lager herrschte eine große Angst vor dem Revier, denn es starben zu viele Leute kurz nach der Einlieferung. Noch größere Angst hatte man vor den sogenannten Invaliden transporten. Es sind im Laufe von zwei Jahren Tausende gewesen, die auf Transport kamen. Man hat niemals mehr etwas von ihnen gehört. Sämtliche alten polnischen Pfarrer sind auf Transport gekommen. Zu all diesen Vorkommnissen ist ein Kommentar überflüssig. Nur eins ist notwendig, unsere deutsche Jugend, unser deutsches Volk, ja die Welt muß diese Dinge sachlich erfahren; um den Nationalsozialismus in seinen widerlichen Formen kennen zu lernen. Untermenschentum in der übelsten Form war hier am Werk, um jede sittliche Kultur auszurotten. Was bei anderen Völkern der Erde an Tieren verboten ist, wurde hier an armen, meist unschuldigen Menschen vollzogen. Eine andere Angelegenheit gehört auch hierher und muß der Öffentlichkeit übergeben werden. Es sind die medizinischen Versuche, die in den Tatsachenberichten bereits gestreift wurden. 149 So hatte, wie wir sahen, die Euthanasie Formen angenommen, die nichts mehr mit Moral, ja nicht einmal mehr etwas mit wirklicher Kultur zu tun hatten. Und es wird einst der Nachwelt überlassen sein, ihr Urteil zu fällen. Unser armes deutsches Volk aber hat unter den Folgen zu leiden, denn die Stunde der Vergeltung ist da, und in blutroten Lettern erscheint am Himmelsfirmament die Schrift: ,, Wir klagen an." Und keiner von jenen, die hierfür verantwortlich waren, wird sich der Verantwortung entziehen können. Wehe dem, der wehe tut! In den Jahren 1942 und 1943 verursachten drei medizinische Versuche große Angst im Lager: die Malaria versuche, die künstlichen Phlegmonen und die Fliegerversuche. Die Malariaversuche Der bekannte Blutforscher Prof. Dr. Schilling aus München stellte im Revier seine Malariaforschung an. Er kam jeden Dienstag und Donnerstag ins Revier, um seine Versuche durchzuführen. Es hieß, Häftlinge könnten sich freiwillig melden und nur solche sollten genommen werden. In Wirklichkeit wurden die Leute gezwungen, ja, es wurde ihnen mit 25 Doppelschlägen gedroht, wenn sie der Aufforderung, sich zu stellen, nicht nachkamen. Es wurden von den Blockältesten auf Befehl der SS einfach eine Anzahl bestimmt, und zwar nur gesunde Männer. Selbst die deutschen Geistlichen, die zu den anderen Versuchen nicht herangezogen wurden, wurden gerufen. Es waren die Kameraden Hilmes, Bergmann, Avaresch, Bauer und andere. Durch eine Injektion oder durch Ansetzen von Fliegen, die mit Malaria geimpft waren, trat sofort hohes Fieber ein. Es gab auch Naturen, die nicht darauf reagierten. Das Fieber dauerte in der Regel acht bis zehn Tage und schwächte, die Leute außerordentlich. Die ganze Behandlung dauerte vier bis sechs Wochen, Bei ihrer Entlassung aus dem Revier sahen alle wie Halbverhungerte aus und hatte noch lange nachher erhebliche Beschwerden der verschiedensten Art. Als eines Tages dem Professor vorgeführte Kameraden sich weigerten, drohte dieser selbst mit 25 Stockhieben. Ob Schilling ein neues Serum finden oder ausprobieren wollte, ist mir nie klar geworden. Eines steht fest, daß er viele Kameraden unnütz gequält hat. Es ist mir nicht bekannt, ob jemand an diesen Versuchen gestorben ist. Die künstliche Phlegmone Diese Versuche sind wohl eines der traurigsten Kapitel in der Geschichte des Reviers. Phlegmonen sind Geschwüre, flächenhafte Entzündungen des Bindehautzellgewebes, die durch Entzündungserreger( Kokken) hervorgerufen werden. Während der gesunde Organismus imstande ist, mit seinen Abwehrkräften die Entzündung oft mit Erfolg zu bekämpfen bzw. einzudämmen, ist dazu der geschwächte und durch Unterernährung entkräftete Körper meistens nicht mehr imstande. Solche Phlegmonen wurden nun künstlich erzeugt dadurch, 150 daß Phleg demse zu he sei a Bioch pathi und A gezog Block nisch antre einig liche, Jesu mein gesto Revi Jedo gewü I gelei zwei -seine noch ins such glod In е muß wur Luft der nun Wa und Leb klei tief auf der ie nichts tun hat- n. Unser > Stunde rmament twortlich em, der Versuche lichen ‚n stellte „nnerstag könnten Wirklich“ Ischlägen men. Es hestimmt, e zu den Es waren 1er und die mit turen, die chn Tage uerte vier vie Halb- n der ver ‚aden S} ein neues ines steht bekannt, daß man einem vollkommen gesunden Menschen den Eiter einer natürlichen Phlegmone einspritzte. Manchmal wurde sogar der Eiter einer Beinphlegmone demselben Häftling in den Arm gespritzt. Man versuchte nun die Phlegmone zu heilen durch biochemische Mittel, um zu sehen, ob dieser Weg der bessere sei als die allopathische Behandlung. Himmler stand auf der Seite der Biochemie, der Führer der deutschen Ärzte, Konti, auf der Seite der Allo- pathie. Zwei SS-Ärzte waren eigens zu diesem Zwecke nach Dachau befohlen und überwachten die biochemische Behandlungsmethode. Auch hier hieß es, nur Freiwillige dürften zu diesen Versuchen heran- gezogen werden. Jedoch das Gegenteil war der Fall. Der Blockälteste von Block 28, Fritz Becher, z. B. bestimmte wahllos einfach junge, gesunde pol- nische Pfarrer für diese Versuche. In fünf Reihen mußten sie nacheinander antreten. Zuerst waren es zehn Pfarrer, dann wiederum zehn, ferner nach einiger Zeit wieder zehn und zweimal zwanzig, zusammen siebzig Geist- liche, von denen dreißig gestorben sind. Der Pfarrer der Kirche vom Kinde Jesu aus Prag verlor auf diese Weise seinen rechten Fuß. Es entzieht sich meiner Kenntnis, wieviel andere Kameraden hierzu befohlen wurden und gestorben sind. Man kann bestimmt sagen, es waren Hunderte. Selbst im Revier gab es SS-Ärzte, die mit diesen Versuchen nicht einverstanden waren. Jedoch waren diese Versuche von Himmler nicht nur geduldet, sondern sogar gewünscht. Die Fliegerversuche Diese Versuche wurden von einem Stabsarzt der Flieger namens Rasche geleitet. Zwei Häftlinge standen ihm zur Seite. Sie hatten den Zweck, ein zweifaches festzustellen. Einmal in welcher Höhe ein Flieger noch leben und -seine Maschine bedienen konnte, und bei welcher Untertemperatur ein Mensch noch lebensfähig war. Es sollte festgestellt werden, wie lange ein Flieger, der ins Meer abgestürzt war, im Meerwasser leben konnte. Für die erste Unter- suchung hatte man eigens einen Wagen konstruiert, der''zwei große Glas- glocken trug. Diese Glocken waren durch eine Tür miteinander verbunden. In eine dieser Glocken wurde der Häftling an einen Tisch gesetzt. Hier mußte er von 1000 abwärts die Zahlen aufzeichnen. Während er schrieb, wurde von außen die Luft herausgesogen. An einer Skala konnte man nun’die Luftmengen feststellen, die noch in der Glocke waren, d. h. in welcher Höhe der Flieger wäre, 9000 bis 12000 Meter hoch. Wurde der Häftling besin- nungslos, machte man die Tür auf, untersuchte ihn, ob er noch am Leben sei. War er tot durch Herzschlag, wurde die Leiche in die Totenkammer gebracht und seinen Anverwandten mitgeteilt, er sei an Blutkreislaufstörung gestorben. Lebte er noch, so wurde er wieder zu sich gebracht. Dann mußte er sich ent- kleiden, um einem zweiten Versuch zur Verfügung zu stehen. Für diesen Versuch hatte man einen größeren Behälter, der 2% Meter tief und mit Wasser gefüllt war. Durch Eisstücke und Viehsalz war das Wasser auf Meerestemperatur gebracht. In den Bottich führte eine Eisenleiter, an der -der Häftling hinabsteigen mußte. Er stand, an dieser Leiter sich festhaltend, 151 bis zum Halse im Wasser. Hier mußte er solange stehen, bis er durch untertemperatur besinnungslos wurde. Er wurde herausgeholt und untersucht, ob er noch lebe. Schlug sein Herz noch, brachte man ihn im besinnungslosen Zustande in ein eigens hierfür hergerichtetes kleines Zimmer und legte ihn auf ein breites Bett. Zwei Dirnen warteten auf ihn, um ihn durch ihre Körperwärme wieder zu beleben. Zu diesen Versuchen wurden nur P.S.V., das sind Berufsverbrecher, herangezogen. Diese beiden letzten Versuche wurden Dezember 1944 plötzlich abgeschafft. Die Gestapo war nämlich dahinter gekommen, daß es mir unter größten Schwierigkeiten und nach sorgfältigster Vorbereitung gelungen war, Tatsachenberichte aus dem Lager herauszuschmuggeln und, soweit es im Zuchthausstaat Hitlers möglich war, an die Öffentlichkeit zu bringen! Flucht Bilder aus dem Lagerleben - Bei einem Abendappell fehlte er, der kleine Franzose mit den gutmütigen, nuẞbraunen Augen, der erst vor kurzem ins Lager gekommen war. Er war in der Plantage beschäftigt und jeden Tag mit den anderen Kameraden zur Arbeit ausgerückt. Auch heute mittag es war der 3. September am Abend aber fehlte er. Als Landmädchen verkleidet, ein Tuch um den Kopf gebunden und einen kleinen Korb am Arm, war er durch die Postenkette gegangen, ohne daß jemand ihn angehalten hatte. Er hatte sich wohl mit Hilfe von Landsleuten die Sachen vorher besorgt. Dieser Tag schien ihm der günstigste zu sein. Er blieb verschwunden. Mitte Oktober erfuhren wir dann, daß er sich als Facharbeiter bei der Rüstungsindustrie gemeldet hat. Durch einen Bekannten vorgestellt und als Spezialarbeiter empfohlen, wurde er angenommen. Nach zwei Wochen bekannte er, daß er aus Dachau ausgebrochen sei. Man sandte ihn aber nicht wieder zurück, sondern behielt ihn im Werk. Geplatzt Männer anderes zur Fabr Ein ne Auf richtet. vielen L mando" vor jede straße betreten sich ih Tscheche irgendei Arm, d man ihr Bettlern Alters mußten Am Sonntag, dem 26. September 1943, wurde plötzlich das Kommando der Wurstfabrik Wülfert abgelöst. Im ganzen Lager raunte man, da wäre eine ganz ,, dicke Sache geplatzt". Die Leute mußten, da sie draußen wohnten, ihre Sachen zusammenpacken und geschlossen ins Lager marschieren. Es regnete in Strömen. Trotzdem mußten sich über 200 Männer auf dem Appellplatz nackt ausziehen und alle ihre Sachen auf die Erde legen. Nachdem sie eine Zeitlang im Regen gestanden hatten, wurden sie ins Bad geführt, wo sie die Untersuchung abwarten mußten. Schon auf dem Appellplatz hatten sie mit erhobenen Händen stehen müssen. Ihr ganzer Körper würde untersucht, ob nicht irgendwo Geld oder sonstige Wertsachen versteckt seien. Bei einigen hatte man dann auch Geld gefunden, und zwar, wie es hieß, bei einem über 1500 RM. Es entstand die Frage, woher hatten diese Männer das viele Geld? Schiebungen- Weibergeschichten und dergleichen waren die Anklagen, die gegen acht Mann erhoben wurden. Sie wurden sofort in den Bunker abgeführt. 40 weitere 152 in einen Einbr Es is die erst ein und packten heimlid lieben man ge anderen Er soll Kärn Ein Landma verhaft Töchter Soldate Opposi Ein D Am gesucht ist ein Nacht worden Unterunternnungsmer und n durch P.S.V., h abgeir unter gen war, es im mütigen, r war in ur Arbeit Abend gebunden egangen, ilfe von ünstigste ß er sich inen Benommen. sei. Man ando der eine ganz ten, ihre regnete atz nackt Zeitlang e Unterrhobenen irgendwo man dann RM. Es bungen- cht Mann Oweitere Männer blieben im Lager zurück, sie sollten, wie es hieß, demnächst in ein anderes Lager zur Arbeit kommen. Die übrigen sind dann am Abend wieder zur Fabrik marschiert. Die Wehrmachtlieferungen mußten ja weitergehen! Ein neues Arbeitskommando Auf Block 30 wurde eines Tages ein neues Arbeitskommando eingerichtet. Wohn- und Schlafstube 1 wurden vereinigt zu einem Raum, um die vielen Leute aufzunehmen, die zu dem sogenannten„, Gurtenweberei- Kommando" gehörten. Es waren in diesen beiden Stuben 186 Mann. Sie mußten vor jeder Arbeitszeit, es war gleich, ob es regnete oder nicht, auf der Blockstraße antreten, wurden abgezählt und konnten dann erst die Baracken betreten. Wer die Leute näher ansah, war entsetzt über das Bild, das sich ihm bot. Es war ein Bild des Jammers. Polen, Russen, Griechen, Tschechen, Franzosen, Deutsche waren hier zusammen, fast alle hatten irgendeinen Defekt. Dem einen fehlte ein Auge, der andere hatte nur einen Arm, der dritte hatte im Moor beide Beine verloren. Wieder anderen sah man ihre geistige Minderwertigkeit an. Zwischen professionellen ehemaligen Bettlern und Zuchthäuslern saßen hochintelligente Akademiker, die nur ihres Alters wegen in dieses Kommando gekommen waren. Auch ältere Geistliche mußten hier die ungewohnte Arbeit verrichten. Und doch waren manche froh, in einem Kommando zu sein, das unter schützendem Dach tätig war. Einbruch Es ist der 7. Oktober 1943 im Block 8. Drei junge Russen vom Block 21, die erst vor einigen Tagen angekommen waren, brachen nachts in Block 8 ein und stahlen dort aus einzelnen Paketen Butter, Speck, Brot usw. Sie packten die Sachen zu kleinen Päckchen zusammen und wollten dann wieder heimlich verschwinden. Da wurden sie von dem Blockältesten erwischt. Sie ließen die Sachen im Stich. Zwei sprangen durchs Fenster, den dritten hat man gefaßt. Er wehrte sich und biß dem Blockältesten einen Finger ab. Am anderen Morgen steht er am Jourhaus und erhält jede halbe Stunde 25 Schläge. Er soll die Namen der beiden anderen sagen. Jedoch er schweigt. Kärnten Ein 65jähriger Mann steht in der Ambulanz. Man sieht ihm sofort den Landmann an. Kärnten ist seine Heimat. Er wurde mit 100 anderen Bauern verhaftet. Seine Besitzung fiel der Beschlagnahme anheim, seine Frau und die Töchter wurden verschleppt, und er kam ins Lager. Vier Söhne stehen als Soldaten an der Front. Die Kärntner Bauern wurden damals wegen klarer Opposition gegen das Hitler- Regime in der niederträchtigsten Weise verfolgt. Ein Dieb Am 15. Oktober 1943 fehlt beim Morgenappell ein Mann. Er wird gesucht. Das ganze Lager sucht anderthalb Stunden. Man findet ihn nicht. Es ist ein Pole aus Block 16. Eines Abends findet man ihn. Er hatte in der Nacht auf einem fremden Block gestohlen und war vom Blockältesten erwischt worden. Da er keine Nummer trug und auch seinen Namen nicht sagen 153 wollte, wußte sich der Blockälteste nicht anders zu helfen, als ihm ein Gläschen Tinte über den Kopf zu gießen. Der Mann hatte sich unter dem Dach der Baracke versteckt. Neben ihm auf der einen Seite ein Haufen verschimmeltes Brot, auf der anderen Seite ein Haufen Exkremente. Planmäßig geräumt! Der Schutzhaftlagerführer Redwitz hatte sich einen Stall für 25 Kaninchen machen lassen. Es waren die besten Exemplare der Züchtung des Lagers. Jeden Tag mußte ein Häftling die Tiere füttern. Als Redwitz eines Morgens zum Stall kam, waren alle Kaninchen fort. Über den Ställen stand ein Schild, säuberlich mit gemalter Schrift war darauf zu lesen: Planmäßig geräumt! Vom Feinde nicht bemerkt! Redwitz soll nicht gerade freundlich über diese Tat geurteilt haben. Vom Schicksal ereilt! Bei einem nächtlichen Angriff auf München fiel eine Leuchtbombe aufs Lager. Sie traf den Teil des Schubraumes, in dem die Kleider der Häftlinge untergebracht waren. Alles verbrannte. Nur weniges konnte gerettet werden. Das Aufräumungskommando warf alle angebrannten Sachen auf einen Haufen. Hier wurden die einzelnen Stücke nachgesehen, um festzustellen, wem sie gehörten. Vieles war überhaupt nicht mehr festzustellen. In einem Rock, der einem Polen gehörte, fand man eingenäht Legitimationspapiere. Es handelte sich um einen Polen, der schon drei Jahre in Haft war. Man stellte nun fest, daß er einen falschen Namen angegeben hatte und dazu ein Jude war. Am anderen Tage ging der Mann auf Transport, d. h. zum Tode! Die Tragik eines jungen Lebens 19LV Leon Tribou war sein Name. Er stammte aus Deauville und war 22 Jahre alt, als er inhaftiert wurde. Deauville ist ein elegantes Seebad an der Westküste seiner französischen Heimat. Seine Eltern waren die Besitzer der teuersten Vergnügungsstätte mit Spielhölle und Bar. Leon hatte nichts gelernt und lebte in den Tag hinein. Schon als Junge konnte man die Anzeichen der Spielleidenschaft an ihm beobachten. Mit 20 Jahren heiratete er eine 17jährige, die ihm vor der Inhaftierung zwei Kinderchen schenkte. Beide Eltern, selbst noch Kinder, die das Leben nur von der angenehmen Seite des Reichtums kennengelernt hatten, lebten sorglos ihre jungen Ehetage. Leon konnte nur eines meisterhaft, in der Küche des väterlichen Anwesens pikante Tunken zu den feinen französischen Gerichten zubereiten. untrös Leon zur Fl Augsb er kö man er ha Der Krieg brachte auch für ihn mit dem Einmarsch der Deutschen eine vollkommene Veränderung seines Lebens. Das Hotel mit allem Inventar wurde beschlagnahmt und sämtliche Vorräte an Lebensmitteln und Getränken, Wäsche und Einrichtungsgegenständen abtransportiert. Leon selbst vertrieb eines Tages seine Zeit mit Fischen, als ein Feldgendarm auf ihn zutrat und fragte, ob er nichts zu arbeiten hätte. Da er kein Deutsch verstand, lachte er den Fragenden an und wies auf sein Fischgerät. Daraufhin wurde er abgeführt und nach Köln zum Arbeitseinsatz gebracht. Seine junge Frau war 154 nächst Frau er in sich d es de Auf e warte nicht So na wisse selbst mit H richte gebis auf e Uns E Revie auf d ein H und da. Honi gibt kom Schus habe und mehr merk daß gege Geso De auf tun wes ihm ein nter dem Haufen Kaninchen rs. 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Eines Tages erhielt er in Dachau einen Brief von seiner Frau, in dem sie ihm mitteilte, sie habe sich dienstverpflichtet und sei nach Augsburg gekommen. Sie fragte an, ob es denn nicht möglich sei, in der Küche in Dachau arbeiten zu können. Auf ein diesbezügliches Gesuch habe man sie nach München geschickt, und nun wartete sie auf eine Antwort von ihm. Leon war erschüttert und wußte sich nicht zu helfen. Es dauerte lange, bis er sich in das Unvermeidliche schickte. So nahe beieinander und doch so fern! Was aus seiner Frau geworden ist, wissen wir nicht. Nur eines wissen wir, Frau und Kinder leben noch. Er selbst arbeitete in der Strafkompanie der Fluchtpunktträger und mußte täglich mit Hacke und Schüppe bei Wind und Wetter die schwersten Arbeiten verrichten. Aber er hat sich in sein Los ergeben, hatte die Zähne zusammengebissen und war ein Mann geworden und ein harter Hasser dazu! Er lebte nur auf eine Stunde zu, auf die Stunde seiner Heimkehr. Unsaubere Kameradschaft Er war Holländer und bekam sehr viele Pakete mit Lebensmitteln. Im Revier fiel das einem Kameraden auf. Er hatte schon lange seine Augen auf die vielen schönen Sachen geworfen. Eines Tages bietet er dem Holländer ein Paar Schuhe an. Durch die Holzpantinen hatten die Füße sehr gelitten, und deshalb waren Schuhe sehr begehrt. Aber wie bezahlen? Geld ist keines da. Also Lebensmittel. Der Kamerad fordert eine große Dose Sardinen, Honig, Milch und etwas Butter. Der Holländer geht auf den Kauf ein und gibt die Lebensmittel, bevor er die Schuhe erhalten hat. Am folgenden Tage kommt ein anderer und mißt an. Mehrere Tage später erscheinen zwei Schuster und bringen die neugemachten Schuhe. Der Holländer glaubt, er habe die Schuhe schon bezahlt. Jedoch die zwei fordern einen neuen Preis, und zwar zwei Pfund Butter, zwei Pfund Speck, ein Pfund Honig und anderes mehr, wie Kuchen und Zigaretten. Erstaunt macht der Holländer darauf aufmerksam, daß er schon bezahlt habe. Das Ende vom ganzen Handel war, daß die beiden die Schuhe wieder mitnahmen und der Holländer seine gegebenen Sachen los war. Er verzichtete in Zukunft auf solche unsauberen Geschäfte mit solch unfeinen ,, Kameraden". Der Jude Kaulbach Am 12. Oktober 1943 kommt der dritte Schutzhaftlagerführer Welter auf Block 15 und läßt alle Reichsdeutschen antreten, um, wie er es immer zu tun gewohnt war, die Leute auszufragen, welchen Beruf sie hätten, und weshalb sie im Lager seien. Dr. Kaulbach, Rechtsanwalt in der Nähe von 155 Innsbruck, reichsdeutscher Bürger, stellte sich dazu. Er war 60 Jahre alt und vor vier Jahren verhaftet worden. Als W. zu ihm kommt, fragt er ihn: „Was sind Sie?“„Rechtsanwalt,“ antwortete Kaulbach.„Ein Stinkjude bist du. Sag es nur, was du bist!“ Als Kaulbach dies nicht tut, schlägt W. ihn rechts und links ins Gesicht, so daß K. zu Boden fällt. Als er nicht rasch genug aufsteht, tritt er ihn mit Füßen.„Steh auf, du Hund! Warum bist du im Lager?“„Weil mein Sohn bei der chilenischen Gesandtschaft in London ist. Ich war Offizier im Weltkrieg 1914/18 und habe geglaubt, daß die SS deutsche Soldaten seien!“ Am Nachmittag erscheint er wieder, läßt alle Juden rufen und ist ausnehmend freundlich zu Kaulbach.„Warum sehen Sie so schlecht aus?“„Weil ich kurz vor meiner Verhaftung eine Prostataoperation mitgemacht habe.‘„Nun, dann sollen Sie mit einer leichten Büroarbeit beschäftigt werden in einem gewärmten Zimmer.‘ Ich bezweifle, ob dies geschehen ist, denn Kaulbach war eines Tages nicht mehr auf dem Block, ünd wir haben nie wieder etwas von ihm gehört. Auch er. wurde schuldie...! Vor uns steht ein alter Herr, an dessen großer und stattlicher Erscheinung man sofort den ehemaligen Offizier erkennt. Im Lager ist er seit 1938. Jetzt leitet er eine Poststelle des Reviers. Emil war Oberstleutnant der öster- reichischen Armee und hatte sich näch dem Weltkrieg pensionieren lassen. Still und zurückgezogen lebte er in seiner Heimat. Als der Krieg ausbrach, hatte er Bekannten gegenüber geäußert, auch diesen Krieg werde England gewinnen. Längst hatte er diese Bemerkung vergessen. Da kamen die Deut- schen, besetzten auch das Gebiet, in dem er lebte. Einige Tage später wurde er verhaftet und sofort eingesperrt, dann in ein Lager überwiesen, und zwar zuerst'nach Sachsenhausen und später nach Dachau.. Eine köstliche Episode sei hier festgehalten. Im Kreise seiner Mitge- fangenen erzählte er gerne von seiner Eroberung weiblicher Herzen. Be- sonders eine sei ihm bestimmt treu geblieben. Luise hieß sie. Sie werde ihm sicher einmal schreiben. Das war der Auftakt zu einem harmlosen Streich. Ein feiner Briefbogen wurde organisiert und darauf ein glühender Liebesbrief geschrieben. Als der alte Herr den Brief erhielt, war er voller Freude und las.begeistert den Brief seinen Mitgefangenen vor. Heimatlos heimgeholt! Er-war erst 42 Jahre alt, als er ins Lager kam. Man brachte ihn als Kranken. Seine Beine waren vollkommen gelähmt, weil er an einer unheil- baren Rückenmarktuberkulose litt. Hinzu kamen noch andere ‚Leiden, die ihn schon in den ersten Tagen als Todeskandidaten zeichneten. Er kam zu unserem lieben Pfleger Karl Schmidt, der sich seiner mit ganzer Selbstaufopferung annahm. Elf Decken hatte man ihm untergelegt, damit er ja weich gebettet war. Wenn man an seinem Bett vorbeiging, sahen zwei große Augen, aus denen ein Leben voller Schmerz und Enttäuschung sprach, den Besucher an. Es war, als wollten sie künden, nicht mehr lange wird es dauern, und ich bin den Weg in die Ewigkeit gegangen. Schon zeichnete sich der Tod auf dem Gesicht des Kranken ab. Spät am Abend beugte sich Karl, der Priester ist, 156 über< seinen ist all herzig ruhig Län; Es Die a halter Wieser ältere seinen ältere und diesen und h ist,\ Trenn wohl e alt und er ihn: jude bist W. ihn ht rasch rum bist London daß die läßt alle sehen Sie Operation üroarbeit ob dies m Block, scheinung 38. Jetzt er östern lassen. ausbrach. England die Deuter wurde und zwar er Mitgerzen. Bewerde ihm m Streich. iebesbrief eude und e ihn als er unheil, die ihn unserem fopferung gebettet ugen, aus ucher an. and ich bin auf dem iester ist, über den Armen und fragte ihn, ob er noch einen Wunsch habe, ob er mit seinem Herrgott in Ordnung sei? Mit schwacher Stimme antwortete er: ,, Es ist alles in Ordnung, ich habe gebeichtet, und mein Herrgott wird mir barmherzig sein!" Dann erhielt er die Generalobsolution. In der Nacht ist er ruhig eingeschlafen. Längst verloren und doch wiedergefunden! Es kam ein neuer Transport an. Er kam aus Gefängnissen und Lagern. Die armen Menschen sahen verhungert aus. Nicht alle hatten sich gesund erhalten können. Diejenigen, die irgendeine Verletzung oder Krankheit aufwiesen, wurden sofort ins Revier eingeliefert. Unter diesen war auch ein älterer Mann aus der Saargegend. Nun war, es Brauch, daß jeder Neuzugang seinen Urin zur Untersuchung im Revier abgeben mußte. So auch dieser ältere Häftling. Im Laboratorium liest der Leiter dieser Station den Namen und das Geburtsdatum der Mannes. Er schaut immer wieder sinnend zu diesem kleinen Blättchen hin, und plötzlich verläßt er sein Arbeitszimmer und hastet eilig hin zu der Krankenstube, auf der der Kranke untergebracht ist. Nun standen sich Vater und Sohn gegenüber nach einer zehnjährigen Trennung. Solches Wiedersehen an solcher Stätte nach so langer Zeit wird wohl ,, einmalig" sein. Italiener September 1943 wurden 1800 italienische Faschisten als Gefangene hier eingeliefert, die alle auf einem Block isoliert untergebracht wurden. Um die Lagerordnung kümmerten sie sich wenig. So wurde es möglich, daß gleich in den ersten Tagen beim Essenausgeben ein Tumult entstand. Sie waren bisher eine bessere Verpflegung gewohnt und waren unzufrieden mit der Lagerkost. Einzelne versuchten doppelte Portionen zu empfangen, wodurch andere benachteiligt wurden. Sie gerieten in Aufregung und schimpften. Als der Stubenälteste Ruhe gebot, warfen sie ihn kurzerhand durchs Fenster auf die Blockstraße. Sie wurden alle in eine besondere Strafe genommen und mußten einige Tage von morgens bis abends auf der Blockstraße strafstehen. Verwirrte Schicksalsfäden An der Mosel war seine Heimat. Aus einer guten katholischen Winzerfamilie stammte er. Weinbauer zu werden, war nicht sein Hang. Beamter wollte er werden. Seine Supernumerarjahre zeigten ihn als einen fleißigen, strebsamen jungen Mann. Die Vorgesetzten sind sehr zufrieden mit ihm. Eines Tages wird er in die politischen Wirrnisse der Jahre 1919/20 hineingezogen. Er bekennt sich zum Pazifismus und neigt stark zu jenen politischen Tendenzen, die eine Unabhängigkeit des Rheinlandes von Preußen verkünden. Als Beamter darf er keine andere Politik vertreten als die der Regierung. Er wird angeklagt und wegen Vaterlandsverrats zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt. In Einzelhaft hat er jene Jahre abgebüßt. Unsagbar waren die seelischen Leiden dieser Zeit. Vater und Mutter trugen diese Strafe mit ihm und waren ihm stets in dieser langen Zeit ein großer Trost. Oft trat der Satan an ihn heran und versuchte ihn, er solle sich doch das Leben nehmen. Doch in diesen 157 Augenblicken stand das Bild seiner guten Mutter vor ihm. Sie stärkte ihn im Willen zum Weiterleben. Im Zuchthaus erwarb er sich das Wohlwollen und die Anerkennung des Inspektors und des Pfarrers. Trotz yerschiedener Versuche, seine Strafzeit abzukürzen, mußte er die ganze Strafe abbüßen. Er wurde entlassen. Der Pfarrer sagte ihm ausdrücklich, daß er niemand seine Zuchthausstrafe mitzuteilen habe, da er ja nicht wegen einer ehrenrührigen Tat verurteilt worden sei. haben wußte, zum A heimli wirklic bleiber starb Das l Er Pfarre plötzli in Ma Tisch Zillike fürchte höhnt angeb gehen schwer Behan gegen Leben kamen Das Zuchthaus hatte aus ihm einen verschüchterten Menschen gemacht. Eine tiefe Abneigung gegen alle Menschen erfaßte ihn. Er hatte sein seelisches Gleichgewicht verloren. Zu Hause mied man ihn wie einen Aussätzigen. Er war doch ein ,, Zuchthäusler". Wer fragte danach, warum er diese Strafe erhalten? Wer gab sich die Mühe, diesem Armen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen? Selbst sein eigener Pfarrer zu Hause empfing ihn nicht, als er Seelentrost bei ihm suchen wollte. Als er während des Kirchweihfestes seiner kleinen Heimatstadt auf einem Tanzboden mit einem guten bürgerlichen Mädchen tanzen wollte, schlug sie ihm den Tanz ab mit dem Bemerken: ,, Mit einem Zuchthäusler tanze ich nicht." Es trifft ihn wie ein Keulenschlag. Er ist der Geächtete. Seine Heimat lehnt ihn ab und wirft ihn in eine trostlose Verlassenheit. Da ist es wiederum seine gute Mutter, die ihm den Rat gibt, sich für einige Zeit in ein Kloster zurückzuziehen, um seine Seelenruhe wiederzufinden. Auch in diesem Augenblick hat ihn seine gute, religiöse Erziehung vor der vollkommenen Verzweiflung gerettet. Eine Anzeige in einem vielgelesenen Wochenblatt verschaffte ihm eine Anstellung auf dem Büro einer großen klösterlichen Anstalt. Dies jedoch war nur für ein paar Wochen. Irgendwoher erfuhr der Vorsteher, daß er eine Zuchthausstrafe hinter sich hatte. Ohne ihn selbst zu sprechen, ließ er ihm seine Papiere zurechtlegen, gab ihm etwas Geld und entließ ihn fristlos. Nun stand er wieder auf der Straße. Wohin sollte er gehen? Und wieder war es die Mutter, die ihn vor der Verzweiflungstat eines Selbstmordes bewahrte. Durch eine abermalige Zeitungsnotiz kam er dann in eine Schwesternniederlassung als Verwalter der Ökonomie. Hier fand er seine Seelenruhe wieder und hat, wie er selbst sagte, schöne Tage gehabt und sich wohl gefühlt. Da beginnt der Krieg. Er wird dienstverpflichtet als Leiter eines Büros der Reichsautobahn mit gutem Gehalt. Nicht lange sollte diese Tätigkeit dauern. Die Gestapo verhaftet ihn bei einer allgemeinen Aktion gegen die Pazifisten. Er kommt mit 500 anderen aus der Rheinprovinz nach Sachsenhausen. Hier macht er die schlimmste Zeit seines Lebens mit. Geschlagen, getreten, gequält und verspottet ist er fast dem Tode nahe. Seine körperlichen Kräfte versagen. Wegen einer Geringfügigkeit wird er an einen Baum gehängt, erhält 25 Doppelschläge und kommt endlich nach langem Leiden ins Revier. Fieberwahn schüttelt ihn. In der Nacht steht er auf und wankt in den Waschraum. Hier fällt er und bleibt liegen. Als er erwacht, liegen zwei tote Kameraden auf ihm. Man hatte die Leichen einfach in den Waschraum geworfen. Es ist kaum möglich, zu schildern, was er durchgemacht hat. Endlich kam eine Besserung für ihn, als er zum Lager Dachau überwiesen wurde. Hier erhielt er eine Kapostelle im Desinfektionskommando. Drei Jahre hat er segensreich gewirkt an den Geistlichen jeder Nation. Viele 158 mit Fe lange in den versag Wind Revie zu ret Worte für di 이 ging Gang Se nach wurde dann D Leich stand dem e ihn im llen und ner Verüßen. Er nd seine mrührigen gemacht. sein seemen Auser diese it widerhn nicht, weihfestes rgerlichen emerken: lenschlag. ine trostden Rat eelenruhe igiöse Erin einem Büro einer Wochen. inter sich rechtlegen, er auf der e ihn vor abermalige walter der lbst sagte, g. Er wird gutem Getet ihn bei o anderen mste Zeit er fast dem ngfügigkeit mt endlich Nacht steht en. Als er men einfach ser durchver Dachau commando. tion. Viele haben ihm das Leben zu verdanken. Denn, wo er im Lager einen Geistlichen wußte, der ein schlechtes Kommando hatte, hat er durch seine Beziehungen zum Arbeitseinsatz ihn zu sich ins Kommando genommen. Vielen hat er heimlich Brot gegeben, anderen mit Essen ausgeholfen, und man kann ihn wirklich einen Lebensretter nennen, dem viele zu großem Dank verpflichtet bleiben. Leider war es ihm nicht vergönnt, nach Haus zurückzukehren. Er starb 1945 plötzlich am Fleckfieber im Revier. Das letzte Angebinde Er war ein tüchtiger Pastor seiner Gemeinde Nickenich gewesen, der Pfarrer Schulz, beliebt und von allen hochgeachtet. Man war entsetzt, als er plötzlich verhaftet wurde. Er und Dechant Zilliken aus Wassenach hatten in Maria Laach im Hotel Herrn Göring nicht gegrüßt. Offizere, die an ihrem Tisch saßen, hatten auch nicht den deutschen Gruß gegeben. Schulz und Zilliken wurden nach dem Lager Sachsenhausen gebracht. Hier begann eine fürchterliche Leidenszeit für beide. Sie wurden geschlagen und getreten, verhöhnt und verspottet. Auf einem Platze war eine Mütze auf einem Holz angebracht. Die beiden mußten tagelang um diese Mütze im Kreis herumgehen und dauernd die Hand zum Gruß erheben. Dann wurden sie einem schweren Kommando eingegliedert, wo sie immer wieder erneut schmachvolle Behandlungen über sich ergehen lassen mußten. Trotz aller Quälerei, entgegen allen Bemühungen der Feinde, sie zu töten, behielten die beiden ihren Lebensmut und ihren unzerstörbaren Humor. Im Jahre 1941 am 14. Dezember kamen dann beide Herren mit anderen Kameraden nach Dachau. Hier setzte mit Februar 1942 die grauenvolle Hungerszeit ein. Der Körper war durch die lange Haft schon geschwächt. Es traten verschiedene Krankheiten auf: Wasser in den Füßen, Durchfall, der nicht zu heilen schien, der Magen und die Därme versagten den Dienst. Dann mußten die beiden immer noch zur Arbeit bei Wind und Wetter antreten. Eines Tages brach Schulz zusammen. Er kam ins Revier. Aber es war schon zu spät. Trotz aller Versuche der Kameraden, ihn zu retten, starb er schon einige Tage nach seiner Einlieferung. Seine letzten Worte waren: ,, Ich sterbe für meine Gemeinde, damit alle gerettet werden für die Ewigkeit." Dies war sein letztes Angebinde an seine Gemeinde. Ohne heilige Kommunion, ohne heilige Ölung, ohne geistlichen Zuspruch ging er in die Ewigkeit. Und doch war er wohlvorbereitet zu diesem letzten Gang durch das Martyrium, das er jahrelang durchgemacht hatte. Seine Leiche wurde, genau wie die seines Kameraden, eine halbe Stunde nach Eintritt des Todes entkleidet und so in die Totenkammer gebracht. Hier wurde sie seziert und dann in einen Sarg geworfen. Im Krematorium fand dann der letzte Akt der vollständigen Vernichtung statt. Das Lager aber gab auch ihm ein letztes Angebinde mit: Einer jeden Leiche wurde an einer Zehe ein kleiner Zettel angebunden. Auf diesem Zettel stand Name, Geburtsdatum und die Häftlingsnummer. So wurde die Leiche dem Brennofen übergeben. 159 Psychologisches Wie wurde der Mensch im Lager gewertet? Ein jeder von uns stand unter der doppelten Wertschätzung, und zwar der von seiten der SS und der der eigenen Kameraden. Die vorgesetzten Blockführer eder hohen SS-Führer beurteilten meist den Menschen nach seinem äußeren Auftreten. Konnte er stramme Haltung annehmen, ordentlich melden, kurze, knappe Antwort geben, war er für sie in Ordnung. Innerlich konnte er in seiner ganzen Gesinnung ein noch so größer Bösewicht sein, konnte ein Vorleben hinter sich haben, das durch alle Niederungen der Gemeinheit ge- gangen war. Wußte er sich im Lager durch alle Fährnisse durchzuschleichen, fiel er nicht irgendwo auf, dann war er von der SS angesehen als ein brauch- barer Mensch. War aber da ein Mann, der ungeschickt war, der keine„Männ- chen‘ machen konnte, vielleicht auch noch unbeholfen in der Sprache war, der mußte auffallen. Er war mißachtet und lebensunwert. Er konnte geistig noch so hoch stehen und in seiner inneren Haltung noch so fein und rück- sichtsvoll sein, er blieb für sie immer ein Stein des Anstoßes. Viele von diesen feinen Menschen sind zu Tode gequält worden, sie starben, weil sie zu anständig waren, weil sie zu feinfühlig den Härten des Lagers gegenüber- standen, weil sie sich der Ellenbogenpolitik der anderen gegenüber nicht durchzusetzen vermochten. Er konnte innerlich ein noch so großer Gauner sein, verstand er es, dies vor seinen Vorgesetzten zu verbergen, war er der Mann, den man brauchen konnte. Es wurde nichts auf Charakterstärke gegeben, noch viel weniger auf seelisches Leben. Die Bewertung seitens der Kameraden aber war meist eine doppelte. Es gab z. B. Kommunisten, die jeden Geistlichen von vorneherein ablehnten, ihn keines Grußes würdigten und nur die Schattenseiten seines Benehmens feststellten. Es gab aber auch Männer, die es sehr.ernst nahmen in ihrem Urteil. Der Gauner konnte vielleicht in den ersten Wochen imponieren, aber auf die Dauer entpuppte sich doch sein wahrer Charakter, und er wurde dann abgetan. Die Verurteilung war bei den Kameraden offensichtlich, und meist war es so, daß, wer sich unkameradschaftlich benommen hatte, dies eines Tages zu verantworten hatte. Auf die Dauer der Zeit hat sich deshalb der anständige Charakter immer noch durchgesetzt. Humor Der Kommandant kommt in die Plantage zu einem: Arbeitskommando. Alle stehen stramm, nur einer bleibt sitzen und grüßt nicht. Der Kommandant schaut ihn verwundert an und fragt ihn:„Warum grüßen Sie nicht?“ Keine Antwort.„Was sind Sie im Zivilberuf?‘‘„Fabrikdirektor.“„Was würden Sie mit einem Gefolgschaftsmitglied machen, das Sie in der Fabrik nicht grüßt?“„Ich würde den Mann fristlos entlassen!“ Der Kommandant lacht und geht. In einem vor dem Lager arbeitenden Kommando hat der Kommando- führer einen Mann festgestellt, der betrunken war. Sofort stellt er ihn zur Rede und fragt, woher er den Alkohol habe. Da er keine Antwort erhielt, 160 führte witz\ gerad Da eı und zwar rgesetzten ach seinem h melden, ch konnte konnte ein inheit geschleichen, in brauchme ,, Männrache war, te geistig und rückViele von , weil sie gegenüberüber nicht er Gauner war er der ze gegeben, oppelte. Es ablehnten, Benehmens in ihrem ieren, aber wurde dann und meist dies eines Heshalb der kommando. Commandant ht?" Keine Was würden abrik nicht ndant lacht Kommandoer ihn zur wort erhielt, führte er den Mann nach Schluß der Arbeit dem Schutzhaftlagerführer Redwitz vor und meldet ihn zur Bestrafung. Der Häftling steht mit einem nicht gerade intelligenten Gesicht am Jourhaus und wartet auf seine Vernehmung. Da erscheint Redwitz. Als er erfährt, um was es sich handelt, fragt er:„ Wo ist der Mann? Er soll sofort zu mir kommen!" Und nun entspinnt sich folgendes Zwiegespräch: ,, Wie heißt er?" ,, Karl Müller." Welche Nummer hat er?" ,, Nummer 27 354." ,, Wer bin ich?" ,, Der Schutzhaftlagerführer." Wie heiße ich?" ,, Redwitz." Da blitzt Redwitz den Kommandoführer an und sagt: ,, Sind Sie verrückt geworden? Der Mann soll betrunken sein? Hau ab und laß dich nicht mehr sehen!"( Name und Nummer sind willkürlich eingesetzt, weil ich den Namen nicht erfahren konnte.) Das Lager getroffen Ein wundervoller Nachthimmel leuchtet über dem schlafenden Lager. Es ist Samstag, der 3. Oktober 1943. Wir hatten alle die Empfindung, daß in dieser Nacht Feindanflüge auf München kommen müßten. Gegen 10 Uhr ertönen plötzlich die beiden Sirenen. Sofort erlischt alles Licht im ganzen Lager. Kaum einige Minuten später hören wir schon dumpfe Detonationen. Näher kommt das Geräusch der Flugmaschinen. Es sind die bekannten amerikanischen Bomber. Unsere Flak beginnt zu schießen, jedoch scheint es uns sehr dürftig zu sein. Über dem Lager stehen wie Kerzen die Leuchtkugeln und erhellen weithin den Umkreis des Lagers. Wir können von unserer Stelle aus nach München schauen. Ein Feuerregen geht auf die Stadt nieder, und große Rauchschwaden steigen zum Himmel empor. Dann bricht überall plötzlich Feuer aus. Eine Flugmaschine kommt auf das Lager zugeflogen. Sie wirft Phosphorbomben ab. Eine dieser Bomben beginnt im Fallen zu brennen und sprüht über dem Lager einen Feuerregen ab. Das Magazin, das Bad und ein Teil des Schubraumes sind getroffen. Es dauerte keine zwei Minuten, bis ein penetranter Brandgeruch sich auf das ganze Lager legt. Ein dichter Qualm geht durch die Lager- und Blockstraßen. Man kann kaum atmen. Wir legen nasse Tücher auf den Mund und warten der Dinge, die da kommen können. Plötzlich ist der Himmel hell erleuchtet. Hoch schlagen die Flammen aus den Gebäuden. Rufe ertönen. Sämtliche Blockältesten und Kapos werden zum Löschen herangezogen. Das Lagerlöschkommando allein genügt nicht mehr. Die Dachstühle brennen lichterloh. Alle Effekten der Häftlinge sind den Flammen anheimgefallen. Die Lebensmittel, die man noch retten konnte, liegen auf der Straße: Brot, Wurst, Mehl, Salz, Zucker und anderes mehr. Zwei Kerle, die sich eine Kiste geschnappt hatten, um sie auf dem Block verschwinden zu lassen, werden festgenommen und eingesperrt. Der dritte SchutzDachau 11 161 - haftlagerführer Welter kommandierte bald so, bald so, bald anders und verriet, daß er sehr nervös war. Als man feststellte, daß die meisten Effekten Kleidungsstücke der Häftlinge verbrannt waren, machte er die überflüssige Bemerkung: ,, Es schadet nichts, denn ihr werdet ja doch alle umgelegt, bevor wir abhauen." Derartige Bemerkungen hatte er schon öfter in der letzten Zeit gemacht. Nach einer Viertelstunde war man des Feuers Herr geworden, und wir konnten unsere unterbrochene Nachtruhe wieder fortsetzen. Am anderen Morgen ragten nur noch die Dachsparren zum Himmel. Spannungen im Lager 15 000 Menschen auf engem Raum zusammengepfercht! Menschen verschiedenen Alters, verschieden an Bildung, Vorleben und an Abstammung. Soziale Gegensätze! Politische Gegensätze! Die gemeinsame Not überbrückt vieles. Und doch gibt es Augenblicke, in denen grundsätzliche Auseinandersetzungen große innere Spannungen aufreißen, Spannungen, die nicht ausgeglichen werden können. Sie bleiben und werden bleiben, denn es fehlen die Voraussetzungen, nicht zuletzt auch der gute Wille. Verstand trifft auf Dummheit, Wissen auf hoffnungsloses Unwissen, ruhige Wertung auf sturen Fanatismus, stille Gottinnigkeit auf antireligiöse Schatten, Bildung auf Halbbildung und Aufgeblähtheit, vernünftiges, ruhiges Denken auf unzerstörbares Haßgefühl, Charakterstärke auf psychopathische Willenlosigkeit. Nur eines eint alle, die große Hoffnung auf Freiheit. Wenn man das Lagerleben aufmerksam beobachtet, so wird man öfter Spannungen feststellen, die im stillen beginnen, dann bei einer geringen Ursache offen auflodern. eines denen mehr diese nische komm Appe jener SS- M Spannung in der SS: In der früheren Zeit des Straflagers bestanden Spannungen in der SS zwischen Untergebenen und Vorgesetzten. Man war sich meist nicht einig über die Behandlung der Häftlinge. Die unteren Organe wüteten oft in sadistischer Form gegen die armen Gefangenen, während man oben so tat, als ob dies nicht erwünscht sei. Und doch ließ man es zu. In der unteren SS fanden seit Stalingrad oft Debatten statt über die Zukunft des Lagers. Ein Teil, meist die jungen, war der Meinung, die Häftlinge sollten als Volksschädlinge alle erschossen werden, der andere Teil war wieder gemäßigter und dachte dabei mehr an das eigene, kommende Schicksal. Nachdem das Lager Arbeitszwangslager geworden war, die jüngeren SS- Männer durch alte ersetzt wurden, gab es im allgemeinen nur noch die eine Spannung der Furcht vor der Zukunft. Wenn auch der Schutzhaftlagerführer Welter vor versammelter Mannschaft sagte, daß, bevor sie abträten, alle Häftlinge ,, erledigt" würden, so war dies doch ein Zeichen eigener Verzweiflung. Allgemein war die SS gegen Ende 1944 der Ansicht: der Krieg sei verloren und wehe uns! Bei einer Gelegenheit gestand derselbe Welter, er wisse nicht, was er tun solle. ,, Wohin soll ich gehen? Was soll ich anfangen?" Das waren die bangen Fragen. Die anderen wollten sich und ihre Familien erschießen. ,, Ich kann es nicht, ich will leben." So blieb es nicht aus, daß die Häftlinge keinen Respekt mehr vor den Blockführern hatten. Spannung zwischen SS und Gefangenen: Bis Ende 1942 war diese Spannung nur einseitig, nämlich Furcht der Häftlinge. Lag doch das Schicksal 162 raum N alten Wäh usw. mach es ve Unte P stand klar Ideo dokt schü dere liche Vor men Haft press tisch Nac der treu Seel Rüd In S mei sich dar Zue Har ihn Lag lich es nd verriet, ffekten berflüssige egt, bevor er letzten geworden, tzen. Am schen verStammung. überbrückt seinandernicht auses fehlen trifft auf auf sturen auf Halbunzerstörgkeit. Nur Lagerleben en, die im nden Spanwar sich en Organe hrend man an es zu. ie Zukunft nge sollten war wieder ksal. NachSS- Männer Spannung rer Welter Häftlinge rzweiflung. eg sei verWelter, er anfangen?" are Familien us, daß die diese Spanas Schicksal eines Menschen ganz in der Willkür des Blockführers. Der Beispiele, in denen ein SS- Mann gesagt hat: ,, Den Mann da will ich heute abend nicht mehr sehen!", sind nicht wenige. Der betreffende Häftling wurde dann an diesem Tage ,, zurecht gemacht", d. h. am Abend war er tot. Einen polnischen Pfarrer, von dem ich oben bereits berichtete, krank und vollkommen entkräftet, ereilte dieses Schicksal. Am Abend trat er nicht beim Appell an, und als die anderen Kameraden zum Block kamen, hörten sie, jener habe sich erhängt... In Wirklichkeit hatten der Blockälteste und der SS- Mann ihn gehängt, und zwar auf dem Block in einem kleinen Abstellraum, der immer abgeschlossen war. Nach 1942 war die Spannung doppelseitig. Deshalb bemühten sich die alten SS- Männer, die ihnen unterstellten Gefangenen gut zu behandeln. Während früher kein SS- Mann Geschenke in Form von Zigaretten, Tabak usw. annahm, zeigten sie jetzt offen ihr einnehmendes Wesen". Auch machten sie Äußerungen, die früher ganz unmöglich gewesen wären. Obwohl es verboten war, sich mit Häftlingen zu unterhalten, konnte man doch oft Unterhaltungen zwischen SS- Männern und Gefangenen beobachten. - Politische Spannungen im Lager: Kommunisten und Sozialdemokraten standen immer in gespanntem Verhältnis. Die Extremen zeigten sich stets klar an ihre Parteidisziplin gebunden, während die Sozialisten ihrer Ideologie ganz und gar verfallen waren. Wer sich in den verschiedenen Parteidoktrinen auskannte, konnte immer wieder die alten Schlagworte der Broschüren und Zeitungsliteratur vernehmen, und es war vergeblich, ihnen deren Inhaltlosigkeit beweisen zu wollen. Auch fehlte den meisten ein gründliches historisches Wissen, das ihnen zur tieferen Einsicht verholfen hätte. Vor allem mangelte vielen der kritische Blick für eine überstaatliche Zusammenschau kein Wunder übrigens, da bei den meisten durch langjährige Haftdauer und das Angewiesensein auf die ,, einheitlich ausgerichtete" Tagespresse an sich schon das kritische Urteil getrübt war. Obwohl alle poliverkündeten die Kommunisten mit tischen Debatten verboten waren, Nachdruck den Sieg ihrer Weltanschauung. Deshalb wurde das Vordringen der russischen Armeen mit ungeheuchelter Genugtuung begrüßt, während die treuen Vaterlandsfreunde und Teilnehmer des ersten Weltkrieges sich in die Seelenlage unserer sturmerprobten Soldaten hineinversetzten, die auf dem Rückzug an den Gräbern ihrer gefallenen Kameraden vorbeiziehen mußten. In solchen Situationen ist auch der Schlußvers: ,, Bleib' du im ew'gen Leben, mein guter Kamerad!" schließlich doch nur ein schwacher Trost. Die Spannungen zwischen Kommunisten und Sozialdemokraten wirkten sich auch im Lagerleben aus: Waren doch die Kommunisten mehr und mehr darauf bedacht, gute Posten zu bekommen und sich gegenseitig zuzuschieben. Zuerst besetzten sie den Arbeitseinsatz, um die guten Kommandos für ihre Hand zu sichern. Die Stellungen als Block- und Stubenältester wurden von ihnen beansprucht. Und da diese Maßnahmen überhand nahmen, hatte die Lagerleitung in einzelnen Fällen, trotz ihrer sonst offenkundigen antikirchlichen Einstellung, Geistliche an verantwortungsvolle Posten gestellt, weil es einfach nicht zu umgehen war und geeignete unchristliche Leute fehlten. 163 Oftmals konnte man sogar offenen Haß zwischen den beiden Parteien feststellen, der zur Denunziation und Bestrafung der verhaßten Sozialisten führte. So wurde z. B. der Kapo des Reviers, Zimmermann, bezichtigt, er habe Kranke absichtlich zu Tode gebracht. Er wurde ins Gefängnis gesperrt. Die Untersuchung aber zeigte, daß die Anklage zu einer Bestrafung nicht ausreichte. Eine eigenartige Spannung war gegeben durch die ,, Spanienkämpfer". Sie hielten sich für eine erprobte Kampftruppe des Kommunismus und zeigten dies auch oft anderen gegenüber. Auch sie verstanden es, sich gute Posten zu sichern, waren aber in ihrer ganzen Haltung gerecht und kameradschaftlich. Als dann 1943 im September 1200 Italiener ankamen, war damit eine neue Situation geschaffen, denn nun standen im Lager die Spanienkämpfer den italienischen Soldaten gegenüber, die in Spanien gegen sie gekämpft hatten. Spannungen zwischen den Nationen: Man hatte im Lager für die anderen Nationen zwei Ausdrücke geprägt, nämlich ,, Rand- und Hilfsgermanen". Man spürte deutlich die Ironie heraus, mit der beispielsweise ein Holländer sich abweisend dieser Ausdrücke bediente. Bei vielen war ihre Haltung die Folge eines nationalen Chauvinismus, der sich oft in Habeffekten äußerte. Und doch konnte man es ihnen nicht übel nehmen, wenn man wußte, was sie selbst, ihre Familien und ihr Heimatland nach Kriegsbeginn durchgemacht hatten. Man denke nur an die Polen und insonderheit an die gefangenen Geistlichen. gestof Eine besondere Spannung herrschte im Lager zwischen den Häftlingen mit rotem und grünem Winkel. Da die ersteren in der Überzahl waren, fielen die anderen um so mehr auf. Freilich konnte man in manchen Fällen feststellen, daß einer einen„, grünen" Winkel zu Unrecht trug, da er kein Berufsverbrecher im eigentlichen Sinne des Wortes war, sondern von einer fehlgeleiteten Justiz dazu degradiert worden war. Im übrigen bleibt unbestreitbar, daß unter den ,, Grünen" doch manche ,, schwere Jungens" waren, vor denen man sich in acht nehmen mußte, zumal wenn sie Geschäfte mit einem machen wollten. Sie versprachen vieles und hielten wenig. Daraus ergab sich dann ein erhöhtes Mißtrauen gegen alle, und man hielt sich verpflichtet, andere vor solchen Elementen zu warnen. e auf ,, Wir W ,, Haut sich d kapos Brot hatter übrige ment, der S eigen ein M Eine besondere Belastung für das Zusammenleben im Lager waren die mit ,, schwarzem" Winkel, das waren die Asozialen. Man mußte mit Menschen zusammenleben, die im früheren Leben die meiste Zeit in Gefängnissen und Zuchthäusern verbracht hatten, und die darum über die Vorzüge und Schattenseiten dieser oder jener Anstalt, des Personals, der Verpflegung in der köstlichsten Weise sich zu verbreiten wußten. Sie erzählten die tollsten Geschichten in den massivsten Ausdrücken, besonders wenn es um gewisse Dinge ging. Von Schamgefühl keine Spur. Man kann sich denken, wie schwer es für feiner geartete Menschen, nicht Vorbestrafte, besonders Persönlichkeiten höherer Bildung sein mußte, die nie im Leben ein Unrecht getan und mit der Justiz in Konflikt gekommen waren, jahrelang und auf ganz ungewisse Zeit mit solchen Elementen ständig zusammen zu sein. Man kann sich im Konzentrationslager nicht seine Umgebung wählen, sondern man wird oft in ganz, sozusagen unmögliche Situationen hinein. 164 quält Mehl schob schaft über. Nur sie g oft Z Auf den zutau 2-30 aus kom Fehl E lebte ins R war. 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Als viele Hungers starben und für eine Kruste Brot dankbar gewesen wären, aßen jene täglich ihre Braten und Koteletts, hatten jede Gelegenheit, besonders Sachen, wie Alkohol, zu organisieren. Im übrigen führten sie ihren Kameraden gegenüber ein äußerst strenges Regiment, um nur ja ihre so wertvollen Posten zu behalten. Unter den Augen der SS bemühten sie sich, alles das auszuführen, was die SS- Vorgesetzten ohne eigenen Befehl gerne sahen. Ich erinnere an die Zeit, da ein Karl Kapp und ein Martin Saverski Lagerälteste waren und die Leute in unerhörter Form quälten. Ich erinnere an die Tatsache, daß täglich aus der Küche Lebensmittel, Mehl, Brot, Wurst, Margarine wegkamen und nur prominenten Personen zugeschoben wurden. Und diese Leute wollten die anderen Mithäftlinge Kameradschaft lehren! Dieselbe Spannung bestand den Stuben- und Blockältesten gegenüber. Sie hatten ein gutes Leben und wußten stets zuerst für sich zu sorgen. Nur wenige Ausnahmen gab es im Lager, von denen man sagen konnte, daß sie gerecht den Unterstellen gegenüber handelten. Selbst die Lagerkost wurde oft zu Organisationszwecken gebraucht und den anderen somit entzogen. Auf Block 28 und 26, bei den Geistlichen, wurde das Kantinenkonto von den Blockältesten mißbraucht, um für sich die verschiedensten Dinge einzutauschen. Auf beiden Blocks ist es vorgekommen, daß eines Tages 2-3000 RM Fehlbetrag war, weil man für Freunde und andere Zwecke Sachen aus der Kantine gekauft hatte, die nie in den Besitz der Geistlichen gekommen waren. Und so mußten die Geistlichen in ihrer Gesamtheit den Fehlbetrag ausgleichen. Eine besondere Spannung war zwischen Lager und Revier. Das Revier lebte sein Eigenleben. In der schlimmen Zeit war es eine Gnade, überhaupt ins Revier aufgenommen zu werden, es sei denn, daß man dem Tode geweiht war. Von dem damaligen Revierkapo Heiden erzählt man die schaurigsten Geschichten. Hatte ein nicht bekannter Kranker Goldzähne oder Geld bei sich, so mußte er sterben. Dies war allmählich im ganzen Lager offenes Geheimnis geworden. Er bekam eine Spritze und starb. Das andere besorgten die Leichenträger. In der besseren Zeit führte das Revier insofern ein Eigenleben, als es vielen Zuflucht bot, um im Lager zu verschwinden und sich zu pflegen. Die letzte Spannung bestand zwischen Schreibkommando und solchen der Handarbeit. Wie schon vorher bemerkt, wurden im Lager geistige Qualitäten überhaupt nicht gewertet. Nur handwerkliche Fähigkeiten standen in hohem Kurs. Man spürte oft in Bemerkungen den Spott heraus, der über jede Geistesarbeit herfiel und sie als minderwertig hinstellte. So waren diese psychologischen Momente stets der Quell unangenehmer Streitigkeiten, die zur offenen Abneigung führten. 165 Ein Es Kameradschaft Die Kameradschaft im Lager hatte verschiedene Formen, und zwar je nach den Menschen, die gemeinsam die Zeit ihrer Gefangenschaft trugen. So war es im Lager allgemeine Anstandspflicht, kameradschaftlich, d. h. hilfsbereit zu sein. Und doch hatte die Hilfsbereitschaft verschiedene Grade, je nachdem der Betreffende einem nahe stand. So hielten die einzelnen Landsmannschaften zueinander und halfen sich gegenseitig. Auch die alten politischen Parteien hielten zueinander und wußten sich im Lager die guten Kommandos zu vermitteln. Doch man merkte, wo Kameradschaft Herzensangelegenheit und wo sie zu einer Freundschaft geworden war. Rührend sorgten manche für ihre krank gewordenen Kameraden im Revier, brachten ihnen Brot und Essen oft auf Schleichwegen, da der Besuch im Lazarett verboten war. Im allgemeinen war das Mitgeben im Lager selbstverständlich und führte bei einzelnen zur vollständigen Gütergemeinschaft. Um so mehr fielen die wenigen auf, die diese Gebefreudigkeit nicht besaßen und in ihrer egoistischen Einstellung hinter ihren Pappschachtel- Schätzen saßen und sich verschanzten. Bei einigen war der Gedanke und Wille sehr ausgeprägt, für Lebensmittel wichtige Gebrauchsgegenstände zu erwerben, z. B. Schuhe, Mützen, Wäsche aller Art. Insbesondere waren es Rauchwaren, die sehr gefragt waren. Dafür wurden hohe Preise gezahlt. Ist im Lager eine Freundschaft möglich? Freundschaft im echten und tieferen Sinne? Ja! Doch sie ist sehr selten. Manchmal waren die freundschaftlichen Beziehungen nur äußerer Schein und bauten sich auf dem Grundsatz des ,, DO UT DES" auf. Als katholischer Geistlicher empfinde ich es als Pflicht, hier auch ein Wort zum Verhalten einiger Standesgenossen einzuflechten. Wenn auch das berüchtigte Wort: CLERICUS CLERICO DIABOLUS keine allgemeine Gültigkeit beanspruchen darf, konnte man doch bei jahrelangem Aufenthalt im K. L. in verschiedenen Fällen die Beobachtung machen, daß einzelne ein bescheidenes Maß brüderlicher Gesinnung vermissen ließen, ganz zu schweigen von erschütternden Beweisen von Schadenfreude, wenn es diesem oder jenem Konfrater einmal schlecht ging. Nicht alle Geistlichen waren der Last dieser Tage gewachsen, nicht alle waren echte priesterliche Menschen. Aber grobe Enttäuschungen auf diesem Gebiet waren doch- Gott Dank!- die Ausnahme. komm Sehr stark waren die Bindungen der Nationalitäten untereinander, deren Auswirkungen bei einzelnen geradezu unchristlich zu werden drohten. Hier predigte der Chauvinismus sein lautes Wort. Man stellte sein nationales Bewußtsein über seine Religion, so daß es vorkommen konnte, daß die einfachsten Höflichkeitsformeln, z. B. Grüßen untereinander, fortfielen. Es liegt mir fern, diese Beobachtung zu verallgemeinern. Manches kann man sich so erklären, daß die fürchterlichen Erlebnisse, jahrelange Haft, Verlust der Ehre, der Stellung und des privaten Besitzes, die Sorge um die Zukunft, Trauerfälle usw. eine Herzenshärte zur Folge hatten, die bis zur allgemeinen Menschenverachtung zu führen drohte. In einer solchen seelischen Qual sind für uns alle nur unerschütterliches Gottvertrauen und der Glaube an eine bessere Zukunft geblieben. 166 Festta auch dem um 8 hatte jeder komm war, lich unter abma Kam Alles stehe tägli kon ein uns heim wach kür selb Lag als nur Vie in sch Es sch der ker 80 de wa ar je nach . So war hilfsbereit nachdem ndsmannpolitischen Ommandos elegenheit n manche Brot und war. Im führte bei ie wenigen schen Einnzten. Bei el wichtige aller Art. ür wurden chten und ie freundem Grundein Wort ch das bene Gültigenthalt im nzelne ein schweigen oder jenem Last dieser Aber grobe Ausnahme. nder, deren phten. Hier nationales aß die einen. Es liegt n man sich Verlust der e Zukunft, is zur allseelischen der Glaube Ein Ostermorgen im Lager - Es ist Ostermorgen 1943! Schon steht die Sonne am Himmel, und warm kommen ihre Strahlen zu uns herüber. Aus dem nahen Dachau erklingen die Festtagsglocken, und es ist, als ob sie uns zuriefen: ,, Christ ist erstanden, auch für euch, damit ihr erlöset werdet von aller Qual." Wir standen auf dem Appellplatz und freuten uns schon auf den feierlichen Gottesdienst, der um 8 Uhr sein sollte. Die Kapelle war geschmückt worden. Viele Blumen hatten wir gekauft, d. h. gegen Brot, Butter und Wurst eingetauscht. Ein jeder von uns hatte einem Freunde gesagt, er solle mit zum Gottesdienst kommen, und mancher, der lange nicht mehr zur hl. Kommunion gegangen war, freute sich auf seine Osterkommunion. Jedoch all dieses mußte heimlich geschehen, da ja der Besuch des Gottesdienstes allen Laienhäftlingen untersagt war. Als der Zählappell nun vorüber war, und alle Kolonnen abmarschierten, hatte sich der Rapportführer Trenkle geärgert, daß irgendein Kamerad nicht stramm genug abmarschiert war. Sofort gab er den Befehl: Alles wieder zum Appellplatz zurück. Und nun mußten wir zwei Stunden stehen und wußten nicht, welches die Veranlassung zu dieser wenig festtäglichen Maßnahme war. Die Gottesdienstzeit war nun vorüber, und so konnte erst am Abend die hl. Messe gefeiert werden. Es war wieder einmal ein Feiertag, der gestört wurde, wie so viele vorher. Trotzdem lieben wir uns die innere Freude des Osterfestes nicht rauben und sangen unsere heimatlichen Osterlieder. Wir Kölner z. B. ,, Das Grab ist leer, der Held erwacht, der Heiland ist erstanden..." Und umgeben von Unglauben, Willkür und Haẞ klangen begeistert die Worte: ,, Schließt ihn der Unglaub selber ein, er wird ihn siegreich sehn." Tatsachenberichte auch aus anderen Lagern a- Unter Tatsachenberichten verstehe ich Berichte über Vorkommnisse im Lager Dachau und in anderen Lagern, die mir Kameraden erzählten, die länger als ich im Lager waren. Ich habe aber diese Erzählungen nachgeprüft und sie nur dann benutzt, wenn sie mir von anderen Kameraden bestätigt wurden. Vieles habe ich nicht veröffentlicht, weil es mir nach gewissenhafter Prüfung in verschiedener Richtung nicht genügend gesichert und unwahrscheinlich schien. Es wurden verschleppt... Das Dachauer Gefangenenlager war ursprünglich dazu bestimmt, die Deutschen aufzunehmen, die sich gegen die Nazidiktatur auflehnten. Es bereitete den Nazis die größte Freude, die Opfer zu quälen und dadurch die Bevölkerung in Schrecken zu halten. In normalen Zeiten hausten dort 6000 bis 8000 Gefangene. Damals schon war es eine Hölle auf Erden. Als die Zahl der Internierten auf 32 000 stieg, wie dies zur Zeit der Befreiung der Fall war, spotteten die Lebensbedingungen jeder Beschreibung. Dachau war eines 167 der schlimmsten Konzentrationslager, die Deutschland unterhielt. Juden wurden zur Hinrichtung nach Dachau gebracht, politishe Gegner kamen wegen geringfügiger Äußerungen in das gleiche Lager. Ebenso sind international bekannte Persönlichkeiten, die sich in Gegensatz zu den Nazis gesetzt hatten, von der Gestapo hinter den Stacheldraht geschafft worden.» Ein holländischer Gefangener, der zweieinhalb Jahre in Dachau saß, nannte eine Anzahl berühmter Männer, die durch das Lager Dachau gegangen waren. Kurt von Schuchnigg, der österreichische Kanzler von 1934 bis 1938, zählte bis vor kurzem zu den„Gästen“. Der österreichische Kanzler wurde aus Dachau evakuiert und in eine kleine italienische Stadt nahe der Schweizer Grenze gebracht. Mit ihm teilten dasselbe Los Leon Blum, der letzte Mini- sterpräsident Frankreichs, und der frühere Reichsfinanzminister Dr. Hjalmar Schacht. Alle drei waren in Dachau eingesperrt gewesen. Auch der hollän- dische Kriegsminister und Prinz Leopold von Preußen lernten die Schrecken des Konzentrationslagers kennen. So geriet der Prinz in Haft, weil er den englischen Rundfunk hörte. Aber dies war die Aristokratie, und sie erhielt eine bevorzugte Behandlung durch die Wache. Man brachte die„Aristokraten“ in einen Raum von der Größe einer Kleidergarderobe mit: primitiven Bett- stellen unter. In diesem Raum gab es auch fließendes Wasser, das aller- dings sehr oft nicht funktionierte. Die einfachen Leute dagegen wohnten in Dachau schlechter als die Wachhunde, die das Krematorium des Lagers hüteten. In den Quartieren der Gefangenen herrschte das Gemisch vieler Gerüche, der Gestank alten Schweißes, der Geruch von Kleidern, die niemals gewaschen wurden, die Ausdünstung von kranken Körpern. Über allem schwelte der üble süßliche Geruch des Todes. Ein Raum, der nicht größer war als ein normales Wohn- und Eßzimmer, faßte jede Nacht 150 Männer. Hier schliefen sie, manche von ihnen auf groben Brettern in fünf Abtei- lungen übereinander. Jede Liegestatt ist etwa 60 cm breit und ungefähr 45 cm von dem oberen Lager. entfernt. Die kein Lager fanden, schliefen auf dem Fußboden, auf und unter dem Tisch. Sie preßten ihre ausgemergelten Körper in die kleinsten Zwischen- räume. Nachts wurden die Häftlinge oft aus den Räumen getrieben, wenn die Wache irgend jemand wispern hörte. Dann mußten die Gefangenen in der frostigen Luft stillstehen und gemeinsam hundertmal und öfter rufen:„Ich war ungehorsam. Ich werde nicht mehr ungehorsam sein.‘ Morgens wurde um 4 Uhr geweckt. Gewöhnlich ließen die Wächter die Leute längere Zeit in der Kälte stehen. Dann wurden die körperlich Fähigen zur Arbeit geführt und mußten den ganzen Tag schuften. 2 de De 7 een er u EEE Ein Höllendasein Ein Tag in Dachau war nie ohne Pein für die einzelnen. Auch wenn einer nicht gerade unter der Wut seiner SS-Männer litt, fragte er sich angstvoll, was ihm alles passieren würde, wenn er nicht rasch genug seine Kappe abnehmen werde, falls ihm ein Posten begegnete, oder wenn er versehentlich eine der zahllosen strengen Vorschriften überschritt, oder wenn sein Gesicht dem Wächter nicht gefiel. Lange bevor die 45. amerikanische Division kam, waren 168 en wurden en wegen ernational tzt hatten, ab, nannte en waren. 38, zählte wurde aus Schweizer zte Mini. Hjalmar er hollänSchrecken eil er den sie erhielt Stokraten" Given Bettdas allerwohnten des Lagers isch vieler ie niemals Iber allem größer war O Männer. inf Abteiungefähr unter dem Zwischenben, wenn men in der ufen:„ Ich ächter die tch Fähigen wenn einer stvoll, was abnehmen heine der sicht dem am, waren phantastische Gerüchte über die Lagerfoltern in der Außenwelt in Umlauf. Leider waren nur wenige davon übertrieben. Mancher Mann wurde an seinem Daumen den ganzen Tag über auf dem Paradeplatz aufgehängt als Schrecken für die vorüberkommenden Gefangenen, oder er wurde an einen Pfahl im Hundehof gebunden, wo die Hunde von den SS- Männern so in Wut gebracht wurden, daß sie die Gedärme des Mannes mit einem wilden Sprung aus dem Körper rissen. Die am meisten gebräuchlichste Folter, bei der nur wenige Männer lebend herauskamen, war der ,, Bunker". Sogar jetzt noch sprechen die befreiten Insassen in einem scheuen Tone darüber. Der Bunker ist ein schmaler, lichtloser Raum von ungefähr 50X54 cm im Quadrat und 2,10 Meter Höhe. Es geschah, daß ein Mann darin zwei Wochen lang stehen mußte. Er bekam nur Brot und Wasser, damit er am Leben blieb. Seinen dünnen, halbverhungerten Körper konnte er schließlich so zusammenkrümmen, daß er sich zu setzen vermochte. Aber die Wächter verhinderten auch das durch den Einbau einer kurzen, nadelspitzen Stange, die in der Mitte des Raumes angebracht wurde. Einer flüchtete... Vor ungefähr zwei Monaten vollführte einer der Gefangenen das kaum Glaubliche und entwischte. Es gelang ihm, durch den Stacheldraht und über den Bach zu kommen, der das Lager umfloß. Er entging der Wache und kletterte über die Steinmauer. - Sobald seine Abwesenheit entdeckt wurde, mußte sich das ganze Lager auf dem Paradeplatz versammeln und stillstehen. Die Männer standen die nur wenige ganze Nacht und den ganzen nächsten Tag über ohne Mantel besaßen einen-, ohne Nahrung und Wasser. Sie verharrten so mehr als 36 Stunden, bis der ausgebrochene Gefangene wieder eingefangen war und den Tod fand. Viele der Insassen starben infolge der Behandlung vor Kälte und Hunger. Wenn sie zu Boden fielen, wurden sie auf die Seite gestoßen und später, als einige Dutzend Körper herumlagen, gesammelt und weggebracht. Wie sie starben... Der Tod hielt täglich reiche Ernte. ,, Ohne die Hinrichtungen konnte man etwa 100 Tote an jedem Tag zählen", sagte ein Gefangener aus. Die Männer starben bei der Verpflegung von ein wenig Tee zum Frühstück, einem Liter Wassersuppe zu Mittag und wieder Tee zum Abendbrot, den Hungertod. Ein schmaler Laib Brot wurde pro Tag für je acht Mann ausgegeben, und zweimal die Woche bekamen die Insassen eine Schüssel Suppe. Viele starben an Typhus. Die Wächter hielten sich abseits der Infizierten, und als die Frage der Unterkunft der Häftlinge immer schwieriger wurde, mischte man die gesunden Männer unter die Typhuskranken, um Platz für die Neueinlieferungen zu haben. Die Toten wurden aus ihren Baracken, dem primitiven Krankenhaus, oder wo immer sie umfielen, geholt und in den Lagerstraßen wie Brennholz aufgestapelt. 169 Das Ende jeden Mannes im Dachauer Lager war das Krematorium, eine Drohung, die über den Insassen hing wie die Rauchwolke, die nahezu jeden Tag aus den Kaminen der Öfen aufstieg, in denen die toten Körper zur Asche wurden. Obschon die Öfen abseits der Baracken von einer hohen Mauer umgeben waren, blieben die Dinge, die dort vor sich gingen, kein Geheimnis für die Gefangenen. Häftlinge, die, wie jene in den Güterwagen, wochenlang ohne Nahrung transportiert wurden, bevor sie starben, oder solche, die im Lager endeten und an den Straßen aufgehäuft lagen, wurden hierher befördert. Man entkleidete sie und warf sie in die Flammen. An jeder Seite des Krematoriums sind große Anbauten angebracht, in denen Berge von Leichen auf die Einäscherung warteten. Während des Februar 1945", berichtet ein Gefangener ,,, wurden 1300 Körper verbrannt." Hinter dem Krematorium befindet sich die teuflischste Erfindung der SS- Truppen, das ,, Brausebad". Alle, die dem Tode nahe waren, wurden hier in einem Raum zusammengetrieben, der genau wie ein Brausebad aussah. Sie wurden entkleidet, erhielten ein reines Handtuch und Seife. Es wurde ihnen gesagt, sich gut zu waschen, da sie auf eine lange Reise gingen. Dann verließen die Wächter den Raum, schlossen die Türen und drehten an einem Schalter. Statt warmen Wassers drang aus den Brausen ein tödliches Gas in den Raum, und in kürzester Frist waren die Eingeschlossenen ,, erledigt". Andere fanden einen einfacheren Tod, sie wurden erschossen. Dabei mußten sie über einer Vorrichtung knien, die zum Auffangen des Blutes bestimmt war. Aber ganz gleich, auf welche Art ein Mann in Dachau starb, sein Körper wurde verbrannt, solange Brennmaterial vorhanden war. ,, Die amerikanischen Militärbehörden haben das Lager evakuiert, für die Kranken gesorgt und die Toten beerdigt eine ungeheure Aufgabe. Aber selbst wenn die Gebäude bis zum Grunde niedergebrannt werden und eines Tages Blumen auf dem Boden blühen, wo einst Abertausende von Menschen zur Strecke gebracht wurden- Dachau wird für immer ein Schandfleck in der deutschen Geschichte bleiben..." Zu diesen Berichten muß ich aber einschränkend sagen: Die, nicht. Er Bei den erwähnten Waggons handelt es sich um einen Gefangenentransport, der von Buchenwald gekommen war und drei Wochen unterwegs gewesen ist. Die Leute sind verhungert. Man hatte diese Wagen abgeschlossen und vergessen. Der zum Jahr Nur ein Häftling faßte an den Draht, weil er glaubte, er sei nicht mehr geladen. Er war sofort tot. waren es lungen ü von dem Ich h Betten g ungehors Der Dachau war nicht eines der schlimmsten Lager. Auch wurden Juden nicht nach Dachau gebracht zur Hinrichtung, sondern nach Auschwitz. In den Jahren 1942 bis 45 waren kaum Juden im Lager. Ende 1944 wurden einige ungarische Juden eingeliefert, die aber nach einigen Tagen wieder auf Transport kamen. 170 geschilde Unte gemeint Bericht Auch sind 1. ist eine Das sachen. In d 1. Juni Erlebnis Kur sogenan empfang nein, a der Ein befinde Umwelt Mit Sch vor der Erbarme durftest Essen w ling vo Kaffeeb Liter K Im Bücher ersten numme und de eine eden = zur umimnis rung deten entriums Ein1300 der n m hier russah. wurde Dann einem Gas in Dabei es bestarb, für die Aber deines enschen leck in nsport, sen ist. nd verat mehr en nicht In den einige Her auf Die ,, Aristokraten" waren im Bunker, nur Prinz Leopold von Preußen nicht. Er war, wie jeder andere Häftling, auf einem Wohnblock. Der Raum, worin die Häftlinge wohnten, war 10X9 Meter groß. Bis zum Jahre 1943 waren höchstens 100 Mann darin, zuletzt im Jahre 1944/45 waren es 300 bis 400 Mann. Auch standen die Betten nicht in fünf Abteilungen übereinander, sondern in drei. Das Bett war 80 cm breit und 60 cm von dem oberen entfernt. Ich habe in vier Jahren nicht erlebt, daß Gefangene bei Nacht aus den Betten getrieben wurden, und auch nicht, daß man rufen mußte: ,, Ich war ungehorsam. Ich werde nicht mehr ungehorsam sein." Der Abschnitt ,, Höllendasein" ist ein unwahrer Bericht. Von den dort geschilderten Ereignissen habe ich keines erlebt. Unter ,, Bunker" verstanden wir das Gefängnis. Hier wird der ,, Stehbunker" gemeint sein, der erst im Dezember 1943 errichtet wurde. Dieser ganze Bericht ist maßlos übertrieben. Auch der Artikel ,, Einer flüchtete" entspricht nicht der Wirklichkeit. Es sind 1. sehr viele im Laufe der Jahre geflüchtet. In den letzten zwei Monaten ist eine ganze Reihe geflüchtet. Das Lager hat nicht strafstehen müssen. Das Ende des Artikels ist sehr ungenau und entspricht nicht den Tatsachen. Ich schildere durch meine Tatsachenberichte die Wirklichkeit. ,, Ertränkt, erschossen und erschlagen" ,, Der Alltag in einem Konzentrationslager" In dem nachstehenden Bericht der Bayerischen Landeszeitung Nr. 2 vom 1. Juni 1945, schildert der sudetendeutsche Journalist, Walter Heller, seine Erlebnisse als Strafgefangener in Buchenwald. Kurze Zeit nach meiner Einlieferung ins Lager wurde ich durch die SS vom sogenannten Freiblock in die Strafkompanie verlegt. Ich wurde dort ,, heiẞ" empfangen, ein Tag, der sich nicht nur in meinem Herzen festgelegt hat- nein, auch an meinem Körper sind die nie mehr verschwindenden Spuren der Einreihung in diese ,, Ehrenkompanie" ersichtlich. Die Strafkompanie befindet sich in einem Block im Herzen des Lagers, mit Stacheldraht von der Umwelt abgeschlossen. Es herrschte dort peinlichste Ordnung und Disziplin. Mit Schuhen in den Block zu kommen, war unmöglich- das Ausziehen mußte vor der Baracke besorgt werden, ob es regnete, stürmte oder schneite. Ohne Erbarmen mußtest du Schuhe und Kleider vom Schmutz reinigen, früher durftest du nicht auf deinen Platz, um das Essen zu empfangen. Und dieses Essen war fettlos und völlig ungenügend. Es reichte gerade aus, um den Häftling vor dem Verhungern zu bewahren. Es bestand aus einem halben Liter Kaffeebrühe, etwa 280 gr Brot und 20 gr Margarine, am Abend aus einem Liter Kraut- oder Steckrübensuppe. Im Block war das Sprechen strengstens verboten, auch Zeitungen und Bücher waren untersagt. Jeder Angehörige der Strafkompanie war auf den ersten Blick durch einen zusätzlichen schwarzen Punkt über der Häftlingsnummer erkenntlich. Die Strafkompanie war ferner von der Geldabhebung und dem Bezug von Kantinenwaren ausgeschlossen. Sämtliche Angehörige 171 der ,, S. K." durften nur einmal in drei Monaten schreiben. Antworten von Angehörigen wurden nicht ausgefolgt, nur der leere Briefumschlag. Selbst dieser war für uns eine große Freude. Das Rauchen war uns gleichfalls untersagt und wurde streng bestraft. Ich selbst erlitt eine Züchtigung von einem SS- Mann, der mich beim Aufheben eines Zigarettenrestes erwischte. Diese Bestie in Menschengestalt schlug derart auf mich ein, bis ich drei Zähne aus meinem Oberkiefer ausspuckte. Des Morgens um 3.15 Uhr war Weckpfeifen. Da hieß es schnell aus dem Bette, rin in Hosen und Schuhe und raus vor den Block. Wir machten dort eine Viertelstunde Morgengymnastik, ob es nun regnete oder schneite, aber nicht zur Erhaltung unserer Gesundheit, sondern um der SS weitere Gelegenheit zu geben, uns aus den nichtigsten Gründen den Stiefelabsatz oder die Faust im Gesicht spüren zu lassen. Dann hieß es wieder Schuhe ausziehen, Betten bauen, waschen und frühstücken. Der Bettenbau war eine weitere Erfindung der SS zum Quälen der Häftlinge, denn dieser war ein willkommener Anlaß zum Schlagen und Strafen und ich übertreibe nicht- ja sogar zum Töten. Bei unserem Hunger war das karge Frühstück im Nu verschlungen, und schon hieß es antreten zum Appell. Dort wurden wir gezählt. Dann hieß es: ,, Arbeitskommando antreten!" Vorher noch schnell einen Händedruck mit den Kameraden, der wie ein Abschiednehmen war, mit den besten Wünschen, den Tag zu überleben... - Postenke fünf Reid willkomm Die e mit Bred brochene verladen. dementsp anderen etwa 50 steigende SS- Poster gebracht dann ebe der Tode Die Arbeitskommandos rückten, je hundert Häftlinge in Fünferreihen, mit gezogenen Mützen durchs Tor. Wer dabei nicht vorsichtig war, hatte schon seine Tracht Prügel oder Fußtritte abbekommen. Gleich hinter dem Tor mußte gesungen werden, und zwar unsere Lagerlieder. Nur klappte es meistens leider nicht, da unsere Stimmen durch die schlechte Ernährung an Kraft gebrochen waren. Dafür traten dann die Knüppel in Aktion, die besonders jene Kameraden trafen, die den darauffolgenden Laufschritt aus Schwäche nicht mehr mitmachen konnten.. Nach dieser Hetzjagd wurden wir dann auf der Arbeitsstelle im Steinbruch eingeteilt, und zwar wie die Reihe zufällig traf, entweder zum Steinebrechen und Abraumschaffen, oder Steine im Laufschritt tragen, oder die Loren im Laufschritt bergauf, bergab ziehen. Noch schnell eine Augenverständigung mit seinem besten Kameraden, was soviel bedeutete, wie ,, halte durch, mach's gut und grüße meine Angehörigen, falls ich am Abend nicht in den Block komme." Die K nun dur wurden s wenn sie der ande auf der S Tod gen Pläne zu Dann war jeder auf seiner Arbeitsstelle, mußte von früh bis zum Einbruch der Dunkelheit schuften, mit einer halben Stunde Unterbrechung mittags. Aber nicht einmal diese hat man uns gegönnt, denn wir mußten singen. Wenn das Lied der SS nicht laut oder gut genug war, dann wurde die ganze Pause über gesungen und ,, Sport" getrieben, nämlich strafweise hinlegen, aufspringen, hüpfen oder rollen. Die Nerven und Sinne waren so angespannt, daß sie, glaube ich, besser reagierten als das geschulte Gehör eines Blinden, denn überall witterten wir Gefahr, da wir der jeweiligen Willkür der SS- Männer ausgesetzt waren. Ihre Hauptaufgabe war, systematisches Erschlagen, Ertränken( in Pfützen und Latrinen) und Erschießen der Häftlinge( was noch die humanste Art war). Jeder SS- Posten, der einen aus Verzweiflung in die 172 den Stei und Sto sie mit Leute gl zunehme Die einem K zu ziehe Mordins Todesop Bergauf Die mehr kr trotzdem herbeige komman macht, a Aber di Der letzte. D Kampf a nach de 13 bis 1 von lieser und Mann, Bestie cinem dem dort aber egenFaust etten dung Anlaß öten. schon Bes: mit chen, ihen, hatte n Tor istens ft geonders wäche an auf fällig LaufNoch el bells ich bruch ittags. Wenn Pause ingen, ß sie, denn Männer n, Ers noch in die Postenkette gelaufenen Kameraden niederknallte, erhielt eine Prämie von fünf Reichsmark, ein Paket Tabak und drei Tage Urlaub. Somit waren wir ein willkommenes Wild für diese sadistischen Peiniger. Die eine Gruppe marschierte zu ihren Steinbrüchen, mußte dort die Steine mit Brecheisen, Brechstange und Vorschlaghammer abspalten, teils die gebrochenen Steine zu Haufen schichten und den Schotter und Abraum in Loren verladen. Bei dieser Gruppe waren verhältnismäßig wenig SS- Posten und dementsprechend wenige Tote. Um so ärger hatten es die Häftlinge der anderen Gruppe( die Steinträger,) die den ganzen Tag mit Steinblöcken von etwa 50 bis 60 kg auf der Schulter über die etwa 60 Meter lange, steil aufsteigende ,, Himmelsleiter" laufen mußten und dabei von den flankierenden SS- Posten mit den Gewehrkolben geschlagen oder durch Fußtritte zu Fall gebracht wurden. Der stürzende Kamerad riß seinen Hintermann mit, der dann ebenfalls unter dem schweren Stein lag und meist darunter starb. Auf der Todesmeldung stand dann schlicht: Unfall. Die Kameraden, die die ,, Himmelsleiter" glücklich passiert hatten, mußten nun durch das ,, Spalier", eine Allee von weiteren SS- Posten, gehen. Hier wurden sie von der einen Postenreihe mit dem Gewehrkolben bedroht, und wenn sie, um dem Schlag auszuweichen, auf die andere Seite sprangen, von der anderen Reihe ,, auf der Flucht erschossen" und brachen, mit dem Stein auf der Schulter, zusammen. Dies alles reichte nicht aus, war nicht Elend und Tod genug, und so erdachten sich einige dieser Unmenschen täglich neue Pläne zu ihrer Ergötzung. Sie jagten nicht, wie sonst, kleinere Kolonnen zu den Steinhaufen, sondern große Kolonnen; das hatte ein ungeheures Drängen und Stoßen um die kleineren Steine zur Folge. In dieses Chaos hinein schlugen sie mit Gewehrkolben, Knüppeln und Hundepeitschen, so daß ein Teil der Leute gleich liegen blieb und nicht mehr fähig war, die schweren Steine aufzunehmen. Sie wurden dann meistens ertränkt. Die Gruppe der Kippwagenzieher, je 14 Kameraden an einer Lore mit einem Kubikmeter Steine darin, hatte die Lore etwa 600 Meter weit bergauf zu ziehen. Die neben ihnen hergehenden Posten schlugen wiederum mit ihren Mordinstrumenten auf die Köpfe der Häftlinge ein; dies forderte ebenfalls Todesopfer. Zurück, bergab, ging es dann im Laufschritt. Dies Bergab und Bergauf wiederholte sich 45 bis 50 mal im Tage. Die Häftlinge mußten dem Morden tatenlos zusehen. Viele, die nicht mehr kräftig genug waren, die täglichen Anstrengungen durchzuhalten, und trotzdem noch Lebensmittel hatten, zogen es vor, sich durch einen selbst herbeigeführten Unfall so schwer zu verletzen, daß sie aus diesem Todeskommando als arbeitsunfähig ausschieden. So haben sie sich zu Krüppeln gemacht, aber ihr Leben gerettet. Das Kommando hatte täglich viele Zugänge. Aber die Stärkezahl blieb fast immer auf gleicher Höhe. Der Steinbruch forderte täglich 10 bis 15 Todesopfer und 30 bis 40 Verletzte. Die SS- Mörder rühmten sich dieses ,, Erfolges", und ich machte diesen Kampf auf Leben und Tod vierzehn Monate mit. Mit Sehnsucht schauten wir nach der Sonne, ob sie nicht bald unterginge, denn das bedeutete, daß der 13 bis 15 Stunden lange Arbeitstag endlich vorüber war. Beladen mit einem 173 Stein wurde im Gleichschritt ins Lager marschiert, wo wir mit Gesang durchs Tor einzogen. Aber damit war der Tag noch nicht abgeschlossen. Der Abend- zählappell dauerte gewöhnlich lange, ja manchmal bis nach Mitternacht. Was das Stehen nach dem schweren Arbeitstag noch an Opfern forderte, ist un- beschreiblich. Diejenigen, die die Qualen des Tages gerade noch ausgehalten haben, brachen zusammen. So wirkte sich die systematische Vernichtung aus. Heute freue ich mich, diesen Qualen nicht unterlegen zu sein; ich freue mich, daß ich nicht vergebens für eine bessere Zukunft und um mein Leben gekämpft habe, denn heute ist es mir möglich, als freier Mensch die Leiden und Qualen meiner Haft einer unwissenden Menschheit durch meine Schilde- rungen vor Augen zu führen. Sie soll dadurch das Vernichtungssystem des Nationalsozialismus erkennen und beitragen, diese ohne Vergleich dastehende, Kulturschande, die an uns all diese Jahre begangen wurde, zu rächen. Eine halbe Million massakriert Die sechs Methoden des Vernichtungslagers Mauthausen Der Sonderkorrespondent der„Times“ berichtet grauenvolle Einzelheiten: über die Massenhinrichtungen im Konzentrationslager Mauthausen bei Linz an der Donau. Seit dem Jahre 1939 wurden im Lager 210 000 Menschen vom Leben’zum Tode befördert; seit Bestehen des Lagers ist diese Ziffer nunmehr auf über eine halbe Million angestiegen. Die Verbrennungsöfen hatten eine Kapazität von 300 Leichen pro Tag, das sind über 100 000 Leichen im Jahr. In einer nahe gelegenen Grube wurden Überreste von 15 000 Personen ge- funden. Es handelt sich aller. Wahrscheinlichkeit nach um eine„Überschuß- menge“, die die Tag und Nacht in Betrieb befindlichen Öfen zu gewissen Zeiten nicht mehr verarbeiten konnten. Es gab sechs verschiedene Hinrichtungsmethoden: 1. Die Gefangenen wurden einfach so lange in Zellen eingesperrt gehalten, bis sie starben. 2. Die Gefangenen wurden durch Gas hingerichtet. Die Gas- kammern faßten 50 Personen und sahen wie Badezellen aus. Die Opfer wurden mittels brauseartiger Vorrichtung mit flüssigem Gas bespritzt, nachdem sie vorher gezwungen worden waren, sich der Kleider zu entledigen. 3. Das Erschießen war sehr häufig. Die Häftlinge wurden an einer Wand, der soge- nannten Blutmauer, aufgestellt und dann einzeln erschossen. 4. Angewandt wurde auch die Injektion von Benzin in die Venen, wodurch die nachfolgende Verbrennung der Leichen erleichtert wurde. 5. Ferner wurde die Methode gebraucht, die Gefangenen durch ausgehungerte Bluthunde in einer Grube zerreißen zu lassen. 6. Schließlich kam es noch vor, daß man bei besonders großer Winterkälte die Opfer völlig unbekleidet im Freien aussetzte, nachdem man sie vorher hatte heiß baden lassen... a Nach einwandfreien Zeugenaussagen steht fest, daß nach der letzteren Methode im Dezember 1944 ein Amerikaner hingerichtet worden ist. Auf andere Weise wurden zu gleicher Zeit weitere 22 amerikanische und englische Kriegsgefangene in Mauthausen getötet. 174 raden ga verlässig] Er st 15/18, F SS-M und Gen Die; ‘ Lage . Lage Petr. sonders Wälen, Suchten ihre Sau ein Krü, Seputzt Eine Me oder 25 Acker]i Um 6 L Pfeifen Und sch urchs end- Was un. alten aus, freue ‚eben eiden ilde- 1 des ende Es folgen nun Tatsachenberichte aus verschiedenen Lagern, die mir Kame- raden gaben, die dort waren. Ich habe jeden einzelnen Bericht auf seine Zu- verlässigkeit nachgeprüft und gebe sie im folgenden wieder. ) Ein weiterer Bericht über Dachau Er stammt von Kamerad Hans Petrowsky, Wien Il, Blaumengasse 15/18, Häftlingsnummer 958. SS-Männer, die sich damals 1938 bis 1942 durch besondere Scheußlichkeiten und Gemeinheiten hervortaten, waren: 1. Die gefürchteten Gebrüder Se u ß. 2. Spatzenacker, der sich den Neuankommenden als„Lagerschreck“ vorstellte. 3. Wagner, als Blockführer, der später 1942 Kommandoführer in der Wäschekammer war, ein roher, heimtückischer Mensch, der für jede Kleinigkeit fürchterlich schlug. 4. Zill, Schutzhaftlagerführer, der seine besondere sadistische Freude an den schweren Lagerstrafen„Baum“ und„25 Schläge“ hatte, an deren Folgen auch Kameraden gestorben sind. 5. Lagerführer Kreipel. 6. Lagerführer Kögel. Petrowsky berichtet aus dem Jahre 1938: Die Gebrüder Seuß und be- sonders Spatzenacker hatten einen teuflishen Spaß daran, die Leute zu quälen, zur Meldung zu bringen und bestrafen zu lassen. Auf Block II unter- suchten sie tagsüber, wenn: die Kameraden in Arbeit waren, die Spinde auf ihre Sauberkeit. Wenn nun an einem Messer nur ein Fingerabdruck war, oder ein Krümel Brot auf dem Spindbrett lag, oder die Eßschüssel nicht sauber geputzt war und zwar SO, daß man sich darin spiegeln konnte, dann war eine Meldung fällig. Und das bedeutete stets entweder eine Stunde Baum, oder 25 Doppelschläge. Täglich fanden derartige Exekutionen statt. Spatzen- acker ließ oft die Leute, wenn sie müde und hungrig von der Arbeit kamen, um 6 Uhr nach“dem Zählappell antreten und strafexerzieren bis zum Ab- pfeifen um 9 Uhr. Dann mußten sie rasch essen, Schuhe putzen, sich waschen und schlafen gehen. Jede Schikane, die man sich denken kann, wandten sie an, um die Leute zu quälen. Kreipel erschien eines Abends betrunken auf dem Judenblock. Als er eintrat, ging gerade ein Häftling zum Abort. Da nahm er seinen Revolver und schoß ihn nieder. Von Kögel erzählte der Berichterstatter folgendes: Der Blockälteste Hermann Hasenneder, der gegen seine Leute stets gütig war und sie in Schutz nahm, war Kögel ein Dorn im Auge. Er haßte ihn. Eines Tages inspizierte Kögel einen Block und stellte fest, daß die Betten nicht vorschriftsmäßig gemacht waren. Er suchte offenbar einen Grund, den Hasenneder bestrafen zu können, denn die Betten waren tadellos in Ordnung und entspracdien den Anforderungen. Kögel machte Meldung und der Blockälteste erhielt eine Stunde„Baum“. 175 Es genügt nur dieses eine Vorkommnis, um diese Zeit zu kennzeichnen. Am 2. April 1938 kamen die ersten Österreicher ins Lager. Es waren 165 Mann. Der ehemalige Kommandant Loritz begrüßte sie mit einem ironischen Lächeln und wünschte ihnen guten Appetit zum Essen, das besonders hier in Dachau gut schmecke. Die Sonne sei sehr nahrhaft. Darauf mußten die Leute bis abends 8 Uhr in der Sonne stehen und erhielten dann etwas Brot, Käse und Tee. Man war eine ganze Nacht durchgefahren und hatte 24 Stunden nichts mehr zu essen bekommen. In den Waggons mußten sie an der Erde sitzen, die Hände um die Knie gefaltet und in das Licht schauen. Wer sich auch nur bewegte, erhielt Peitschenhiebe. Am Bahnhof Dachau mußten sie in ein Lastauto umsteigen und geradeaus schauen; wer den Kopf auch nur etwas bewegte, erhielt sofort einen Schlag auf den Kopf. Beim Aussteigen mußte es sehr rasch gehen. Manche fielen hin und erhielten sofort Fußtritte und Kolbenschläge. Es war eine ganze Schar SS-Männer in Stahlhelmen ange- treten, als ob bewaffnete Feinde ankämen. Sie machten Späße mit den Ange- kommenen und lachten alle über die armen Häftlinge. Zill war damals erster Lagerführer, ein Sadist. Petrowsky wurde von Zill zu 25 Doppelschlägen ver- urteilt, weil er verbotene Dinge in der Kantine eingekauft haben sollte. Mit Petrowsky waren noch vierzehn andere Häftlinge dazu verurteilt worden. Zill erschien persönlich, um der Bestrafung zuzusehen und bemerkte sofort: „So, nun will ich etwas sehen.‘‘ Der erste Schlag, mit voller Wucht ausge- _ führt, traf das Steißbein. Es war wie ein elektrischer Schlag, der durch den ganzen Körper ging und einen unsagbaren Schmerz verursachte. Zill aber entschied:„Der erste, vierte, neunte und vierzehnte Schlag galten nicht, weil sie zu schwach waren.“ Da es jedesmal Doppelschläge waren, erhielt Petrowsky statt fünfzehn 34 Schläge. Darauf mußte sich jeder Häftling nochmals bei diesem„Edelmenschen“ Zill melden und sagen, daß er seine 25 Schläge empfangen habe. Petrowsky erhielt bei dieser Gelegenheit einen Fußtritt. Er fiel zur Erde und umfaßte seine Knie. Trotzdem mußte er und die anderen „Kniee beugt‘ machen. Die Wundn wurden mit Jod eingerieben, um den Schmerz noch zu erhöhen. Dann kamen alle vierzehn Tage in den Bunker. Als sie entlassen waren, mußten sie zuerst vierzehn Tage Strafarbeit machen und erhielten danach Strafbunker, d. h. alle vier Tage einmal warmes Essen, sonst nur Wasser und Brot. Nach der Entlassung aus dem Bunker kamen alle ein Jahr in die Strafkompanie. Man quälte sie furchtbar. Es war schon der Wille, die Leute sterben zu lassen. Einige von ihnen sind auch später an den Strapazen zugrunde gegangen.-= Zu Weihnachten 1938 wurde auf dem Appellplatz zum großen Erstaunen der Häftlinge ein- drei Meter hoher Christbaum aufgestellt und elektrisch beleuchtet. Eine Stunde nach dem Zählappell mußten die Zigeuner antreten und den„Block“ heranschleifen. Daraufhin erhielt einer nach dem anderen unter dem Christbaum seine 25 Doppelschläge. Es. war damals sehr kalt. Trotzdem mußten ‚die Geschlagenen ihr Gesäß vorzeigen, um- festzustellen, ob die Schläge auch kräftig genug gewesen waren. Von diesen Zigeunern sind heute nicht mehr viele am Leben.; Soweit der Tatsachenbericht vom Kameraden Petrowsky. 176 a ne re 1 4 ' % # Die: Neuß, 1 Die Diese y sollte| sturm unbänd Die rücken, arbeit Moorw. reichlid Viele s Das] Die Werker einige die sie Verrich hnen. 165 schen ier in Leute Käse unden Erde r sich sie in nur teigen Btritte angeAngeerster versollte. worden. sofort: ausgech den 1 aber , weil owsky ls bei Schläge ritt. Er anderen m den Sunker. machen Essen, en alle on der an den staunen ektrisch Entreten anderen r kalt. stellen, geunern Die Läger Esterwege und Aschendorf Dieser und der folgende Bericht stammen von Kamerad Karl Schnock, Neuß, Düsseldorfer Straße 106. Die Hauptbeschäftigung in Esterwege( Lager VII) bestand in Moorarbeit. Diese wurde ohne jede Maschine ausgeführt, also nur Handarbeit. Das Land Pioniersollte kultiviert werden. Die Aufseher waren Zivilisten vom sturm 11. Alle waren rohe, vertierte Menschen, die für jede Kleinigkeit unbändig schlugen. Die Leute mußten morgens um 4 Uhr aufstehen. Um 5 Uhr war Ausrücken. Die Arbeit dauerte bis 3 Uhr nachmittags und war wie Akkordarbeit sehr schwer. Man stand stundenlang bis zu einem halben Meter im Moorwasser. Das Essen war gemessen am Essen anderer Läger- zwar reichlich, aber im Hinblick auf die geforderte Arbeitsleistung viel zu knapp. Viele sind dem Moorfieber und anderen Erkrankungen erlegen. Das Lager Sachsenhausen Die Hauptarbeit in diesem Lager war die Beschäftigung in den Klinkerwerken, der Wege- und der Kasernenbau. Es gab 70 numerierte und noch einige unnumerierte Blocks. Im Lager herrschte eine grausame Behandlung, die sich an vielen Schandtaten zeigte. Alle Arbeiten mußten im Laufschritt verrichtet werden. Kamen Neuzugänge an Häftlingen, so waren in drei bis vier Tagen nach der Einlieferung 30 bis 40 Prozent tot, und zwar meistens infolge der unmenschlichen Mißhandlungen. Fausthiebe, Fußtritte, Kolbenschläge und ähnliches waren stets der Empfang. Juden lebten höchstens 14 Tage. Prominente Häftlinge wie Reichstagsabgeordnete, Rechtsanwälte, Künstler lebten niemals länger. So wurde z. B. der Verteidiger van der Lubbes schon eine halbe Stunde nach der Einlieferung als tot gemeldet. Die Strafkompanie war das Fürchterlichste im Lager. Wer dorthin kam, konnte meistens mit seinem Tode rechnen. Morgens und abends trat sie auf der Blockstraße an. Dann wurden die Namen derjenigen vorgelesen, die bis zum Abend oder bis zum anderen Morgen nicht mehr leben durften. Der Blockführer war ein gewisser SS- Mann, namens Brugalla. Wer nun von diesen aufgerufenen Leuten sich nicht selbst das Leben nahm, wurde in der Nacht aus seinem Bett geholt und im Waschraum solange mit dem Kopf unter Wasser gehalten, bis er nach einigen. Minuten erstickt war. Es gab keine Nacht, in der sich nicht einige Mann im Abort erhängt hatten. In den ersten fünf Tagen erhielten die Neuangekommenen kein Essen. Morgens früh mußten sie antreten und den ,, Sachsengruß" machen, d. h. in der Kniebeuge mit gefalteten Händen stundenlang hüpfen. Diese Übung wurde bis zum Mittagessen ausgedehnt. Nachdem dann die anderen gegessen hatten, begann die Übung von neuem bis zum Abend. Die meisten hielten diese Quälereien nicht aus und waren nach einigen Tagen tot. Es wurden auch Häftlinge eingegliedert mit dem Vermerk in ihren Akten ,, verstorben". Somit standen sie schon auf der Mordliste. Zwischen dem Dachau 12 177 Waschraum und dem Abort war eine kleine Abstellkammer, vielleicht 1½ Meter im Quadrat. In diese wurden öfter abends 10 bis 16 Mann eingesperrt. Gingen die letzten nicht mehr hinein, so traten die SS- Männer mit ihren schweren Stiefeln die Leute solange, bis endlich die Tür zuging. Oben auf dem Türrand wurde noch eine Decke eingezwängt, damit ja keine Luft in den Raum dringe. Am anderen Morgen, wenn die Tür aufgemacht wurde, fielen die Toten heraus. Diese Strafe hat mein lieber Kamerad Lyder Winters aus Bremen mitgemacht. Er wurde nur dadurch gerettet, daß er an der Tür stand und durch eine ganz kleine Öffnung Luft bekam. - Diejenigen Leute im Lager, die keinem Kommando angehörten, d. h. die keine Arbeit hatten dies waren meistens die Alten und Invaliden -, gehörten dem sogenannten ,, Stehkommando" an. Im Abortraum standen 150 Männer eng aneinander gepreßt von morgens bis mittags und nach dem Essen von mittags bis abends. Wurde einer von der SS- Streife erwischt, daß er sich hingesetzt hatte, mußte er sich fünfzigmal auf die Erde legen und aufstehen und erhielt dazu Peitschenhiebe und Fußtritte. Das grausamste Kommando war der Kartoffelschälkeller. Außer Kartoffeln wurden hier auch Mohrrüben, Kohlrabi und Gemüse gereinigt. Wehe dem, der, vom Hunger gequält, auch nur ein kleines Stückchen aß und dabei erwischt wurde; er erhielt sofort einen Eimer Wasser übergegossen. Der Kapo schlug ihn auf den Kopf und trieb ihn durch einen kleinen Eingang mit Stockhieben hinaus. Der gefürchtetste SS- Mann im Lager war der ,, eiserne Gustav"( seinen Namen konnte ich nicht feststellen). Aus dem Lager Sachsenhausen berichtet ferner ein Schlesier K. Schm., der mit zwei Geistlichen ebenfalls in der Strafkompanie war, folgendes: Alle Leichen wurden in die Totenkammer geworfen. Hier lagen sie kreuz und quer aufeinander. Schm. mußte eines Tages Särge in die Totenkammer bringen. Als er hineinkam, saß oben auf dem Haufen der Leichen ein Nackter, der wieder zum Leben zurückgekommen war und lachte irrsinnig vor sich hin. Von dem Verwalter der Totenkammer erzählt er dieses Unglaubliche: Es kam vor, daß, wenn der Verwalter morgens die Tür aufmachte, ein oder zwei ,, Tote" betend an der Türe standen. Dann nahm dieser Unmensch eine Eisenstange und schlug die Leute tot, indem er dabei brüllte: ,, Ihr seid als tot gemeldet, deshalb habt ihr nicht mehr zu leben.' Das Lager Neuengammen bei Hamburg Da schon flächer Dieses Lager war eines der furchtbarsten Aufbaulager, die es gab. 500 Mann lagen in zwei rohgezimmerten Baracken, und zwar auf dem Fußboden, auf den nur ein wenig Stroh gestreut war. Man hatte kein Wasser, keine Badegelegenheit, nicht die Möglichkeit, das Geschirr reinigen zu können. Der Morast lag draußen einen halben Meter hoch. Die Leute trugen Holzpantinen, mit denen man in diesem Schmutz stecken blieb. Im Sommer wurde morgens von 5 Uhr ab bis 12, von 1 bis 6 und von 6.45 bis 11 Uhr gearbeitet. In Ermangelung von Spaten und sonstigen Werkzeugen wurden die Erdarbeiten mit den Händen ausgeführt. Dabei waren schlechtes Essen und grausame Behandlung an der Tagesordnung. 178 fahren ein T einhal mußte jedoc unter SS- Ma ,, Figu M Essen rollen 1 Uh Wer zur A um 5 nern B zurup abge N schle aber Er w abma meie nur: Pola Vom er H endli Kapo kelle Revi Arzt wach Er h 50 J küm muß hera ihm das 1½ inger mit Oben Luft wurde, inters r Tür h. die -, ge1150 dem t, dab und toffeln dem, dabei 1. Der ingang eiserne Schm., es: kreuz ammer ackter, or sich bliche: n oder ch eine eid als b. 500 Bboden, , keine en. Der antinen, morgens rbeitet. Te Erdd grauDas Schicksal von Karl Schnock persönlich war sehr schwer. Er konnte schon nach einigen Monaten nicht mehr arbeiten. Seine Finger und Handflächen waren zu rohem Fleisch geworden. Trotzdem mußte er Schubkarren fahren. Da er mit seinen Händen nichts mehr anfassen konnte, band er sich ein Tuch um seine Gelenke und hing den Karren in die Tuchknoten. Viereinhalb Wochen mußte er diese Arbeit verrichten. In den Klinkerwerken mußte Lehm gefahren werden. Die Arbeit war an sich schon sehr schwer, jedoch wurde sie noch schwerer dadurch, daß alles schnell gehen mußte, unter ständigen Mißhandlungen durch die Kapos, die ihrerseits wieder von den SS- Männern getrieben wurden. Man nannte die Häftlinge nicht anders als ,, Figuren". Mittags wurde zum Essenempfang angetreten. Nur wenige erhielten Essen. Die anderen mußten ,, Erdkunde" treiben, das war: über die Erde rollen oder robben oder über die Kieshügel springen. Um 10 Minuten vor 1 Uhr erhielten wieder nur einige etwas Essen, dann pfiff es zum Antreten. Wer noch nicht mit dem Essen fertig war, stellte es auf die Erde und ging zur Arbeit. Diese Schikane geschah oft nur deshalb, weil die Leute morgens um 5 Uhr nicht laut genug gesungen hatten. Bei der Arbeit zogen je vier Mann einen Wagen. Einer von diesen Männern wurde beauftragt, heimlich den am Wege stehenden Sauerampfer auszurupfen und zu essen, damit er satt würde. Es wurde von Zeit zu Zeit abgewechselt. Nach einiger Zeit bekam Karl hohes Fieber und Lungenbluten. Man schleppte ihn zum Zählappell. Zwei Kameraden hielten ihn aufrecht; diese aber mußten zur Arbeit antreten, ließen ihn los und sofort sank er zur Erde. Er wälzte sich mit der letzten Kraft bis zu den Blocks, um nicht von den abmarschierenden Leuten zertreten zu werden. Der Arbeitsdienstführer Lüttge,, Was ist dir?" Karl lallte meier sah ihn, kam auf ihn zu und brüllte ihn an: nur: ,, Krank." Da trat er ihn mit Füßen, schlug ihn und rief: ,, Du dreckiger Polack verrecke, und zwar möglichst bald." Ins Revier aber kam Karl nicht. Vom Block mußte er trotz Fieber und Lungenbluten ins Holzkommando, wo er Holz klein machen mußte. Verschiedentlich ist er zusammengebrochen, bis endlich der Kapo ihn in die Holzbude hineinnahm. Dafür mußte er aber dem Kapo sein Mittagessen geben. Von dieser Stelle kam er in den Kartoffelschälkeller. Da das Lungenbluten nicht aufhörte, führte man ihn endlich ins Revier. Zweimal mußte er sich melden, ehe er aufgenommen wurde. Der Arzt kümmerte sich gar nicht um ihn. Man legte ihn zu einem Polizeioberwachtmeister Eugen Ovelgrüne aus Kassel, der als Tb- Kranker im Revier war. Er hat Karl gepflegt. Direkt neben ihm in einem angrenzenden Raum lagen 50 Juden, die überhaupt nicht gepflegt wurden und um die sich niemand kümmerte. Sie waren sich vollständig selbst überlassen. Starb einer, so mußten die anderen ihn in einen der im Raum stehenden Särge einsargen und heraus auf die Blockstraße bringen; ein Bild des Jammers! Karl wurde wieder einigermaßen gesund und kam nach Dachau, wo es ihm besser ging. Er ist in seine Heimat entlassen worden, als die Amerikaner das Lager befreiten. 179 Lager Auschwitz- Birkenau Dieser Bericht stammt von Dr. E. Tengres Armand Benn, Brüderkrankenhaus in Sand a Mard, Rumänien. Er ist bestätigt worden von einem Salesianerpater S. H. aus Krakau, der als Pfleger dort tätig war und selbst zweimal zum Vergasen verurteilt war. Das Lager Auschwitz- Birkenau war das größte und furchtbarste von den bestehenden Lagern. Es gab in Deutschland und den von den Deutschen besetzten Gebieten 284 Konzentrationslager größeren und kleineren Stils. Das Lager Auschwitz war ungefähr 12 Kilometer lang, 3½ Kilometer breit und umfaßte ungefähr 40 000 000 qm. In diesem Lager konnten eine halbe Million Menschen untergebracht werden. Zeitweilig waren auch soviel darin, und zwar Männer, Frauen und Kinder. Das Besondere des Lagers war eine Sonderkompanie von 500 Mann, alles Juden, die täglich nichts anderes zu tun hatten, als das Krematorium zu bedienen. Das eigentliche Krematorium war in Birkenau. In Auschwitz war nur eine Gaskammer, die einige hundert Mann faßte, und ein Verbrennungsofen. Der anordnende SS- Arzt hieß Dr. Mengele. Vor ihn wurden alle Neuankommenden geführt. Er besah sich die Leute ohne nähere Untersuchung auf ihren Gesundheitszustand. Je nachdem der Häftling, ob Mann oder Frau, auf ihn einen ungünstigen Eindruck machte, sei es durch seine Haltung oder sein Aussehen, machte er eine Handbewegung nach links; dies bedeutete: ,, Vergasen." Alle Kinder unter 16 Jahren und alle Männer und Frauen über 50 Jahren wurden ohne weiteres zum Vergasen abtransportiert. Auf Block 5 wurde täglich ein Transport von 1000 Mann zusammengestellt. Wer irgendwie den Eindruck machte, krank oder schwach zu sein, wurde nachts in ein schwarzes Auto geladen und zum Krematorium gefahren. In Birkenau, das zum Lager Auschwitz gehörte und nur zwei Kilometer entfernt war, gab es vier Gaskammern und vier Verbrennungsöfen. Die beiden ersten Kammern faßten je tausend Menschen, die beiden letzteren je zweitausend. Diese Kammern sahen aus wie große Baderäume mit Brausen. Die Leute zogen sich aus und glaubten nun baden zu können. Aber statt Wasser kamen Strahlen von Gas herunter. Nach zehn Minuten war alles zu Ende. Hinter diesen Gaskammern war ein Wäldchen, in dem Gräber gegraben waren, und zwar 15 Meter lang, zwei Meter breit und ein Meter tief. In diesen Gräbern verbrannte man die Leichen, wenn die Öfen die Überreste nicht mehr fassen konnten. Bei Tag und Nacht schlugen die Flammen aus diesen Gräbern empor. Der Geruch von verbrannten Menschen war furchtbar und weithin zu spüren. Als die Juden aus Ungarn ankamen, wurde das Sonderkommando von fünfhundert auf tausend verstärkt. Plötzlich flüchteten von diesen fünfzig Mann, die anderen wurden abgelöst. Von Zeit zu Zeit wurde auch dieses Kommando vergast und verbrannt. Bis zum März 1943 wurden auch arische Häftlinge so hingerichtet. ,, Liquidiert" hieß der schöne Naziausdruck. Es waren meistens erschöpfte oder arbeitsunfähige Menschen, die man durch Transporte oder Schikanen ,, fertig" gemacht hatte. Von 1943 an wurden nur noch Juden verbrannt. 180 Gräbern zwar n Gasen von fassen empor. spüren. do von den nur durch ruck. Es arische dieses fünfzig mungsrgendlock 5 über „ Verer sein u, auf ng auf Neuan14 11 SCHLESW.HOLSTEIN BLAGER HAMBURG- MECKLENB 6 LAGER POMMERN 4 LAGER 16 OSTPREUSSEN 5 LAGER OLDENB BREMEN PROVHANNOVER 20 LAGER WESTFALEN FLAGER RUHR GEB.3LAGER RHEINL 11 LAGER PFALZ SAAR 4 LAGER 4 13 PROY SACHSEN BRANDENBURG 20LAGER BRAUNSCHWEIG 4 LAGER 15 DEUTSCHLAND 4LAGER HESSEN 8LAGER 3 THÜRINGEN 5 LAGER SACHSEN BLAGER 7 SUDETEN GAU 2LAGER 8 SCHLESIEN 10 LAGER BADEN 8 LAGER WÜRTEMB. 4 LAGER 18 BAYERN 17 LAGER ÖSTERREICH 10 LAGER POLEN 35 LAGER 17 POLEN Einige der wichtigsten Konzentrationslager 109 ①Auschwitz Birkenau 3 Buchenwalve Belsen Dachan Flossenbürg Graslitz Groß- Roosen Lublin Meivaneck natzweiler 12 Нейендание 13 Ravensbrück 14 Schirmeck Sachsenhausen ( Oranienburg) 16 Stüthoff Warschau Welzheim 181 Im Männerlager Block 7 konnten normal 500 Mann untergebracht werden. Die Belegschaft war aber immer höher, zuletzt stieg die Zahl auf 1492. Eine große Menge von Kranken und Erschöpften lag vor dem Block auf der Straße, trotz Regen und Sonnenbrand. In zehn Monaten starben von diesen Leuten 30 000 Mann. Täglich wurden von diesem Block die Leute abgeholt zum Vergasen. Das wußten sie auch. Wie oft konnte man die Frage hören: ,, Gott, wo bist du? Wärter, kommt morgen die Vergasung? Man muß beten!" Manche von diesen Leuten stiegen scheinbar froh in die Autos, damit endlich die Qual ein Ende nähme. Vor hohen jüdischen Festtagen, z. B. am Versöhnungstage, sparte man sich eine große Zahl Juden auf, um sie gerade an diesem Feiertag gleichsam als Brandopfer darzubringen. Mit satanischer Freude verkündete man es ihnen und verhöhnte sie. Dezember 1942, Januar und Februar 1943 sind über 10 000 getötet worden oder gestorben. Unter den Kapos gab es viele, die mehrere hundert Häftlinge auf ihrem Gewissen hatten. Besonders hervorgetan hat sich einer. Man nannte ihn ,, den blutgierigen Alois". Diese Verbrecher wetteten miteinander, wie viele Leute sie mit einem Schlage töten könnten. Es handelte sich natürlich um kranke und halbverbungerte, vollkommen geschwächte Häftlinge. Der eine sagte sieben, der andere zehn. Nachts wurde dann die Wette ausgetragen. In Birkenau gab es ,, Stehbunker", die das Aussehen von Kaminen hatten. 80 cm im Quadrat waren sie drei Meter hoch. Oben war ein kleines Fensterchen, und ganz unten eine kleine, eiserne Türe, durch die man durchkriechen mußte. In einen solchen Kamin wurden nachts vier Mann eingesperrt und mußten 24 bis 48 Stunden hier stehen, je nach der Straftat auch vierzehn Tage bis drei Wochen. Die meisten starben. Die Geistlichen, meistens Polen, wurden, wie die Juden, als Staatsfeinde angesehen und danach behandelt. Sie erhielten die schwersten Arbeitskommandos. Theresienstadt Dieser Bericht stammt von Heini Kroner, Berlin O 55, Linzstraße 16. Theresienstadt, zehn Kilometer von Prag entfernt, war eine frühere Festung, die im Jahre 1944 sehr schön umgebaut worden war. Nun war sie ein Ghetto für die Juden. Den Häftlingen ließ man auch Freiheiten. Die Männer waren für sich untergebracht, konnten aber zu ihren Frauen und Kindern gehen, die in einem anderen Teil des Lagers waren. Das Essen war anfangs reichlich und gut. Es gab landwirtschaftliche Arbeiten, Straßenbau und anderes mehr. Alle vom 16. bis 55. Lebensjahr mußten arbeiten. Unerwartet wurde plötzlich ein Transport zusammengestellt. Es ging nach Auschwitz. Eine Stunde vor dem Abmarsch mußten alle eine Karte an ihre Angehörigen schreiben mit den Worten: ,, Soeben in Deutschland angekommen. Gute Arbeit gefunden bei guter Verpflegung." In Wirklichkeit war alles Schwindel. In Auschwitz mußte das Gepäck abgegeben werden. Es wurden die Gesunden und Arbeitsfähigen ausgesucht und zu einem neuen Transport zusammengestellt. Hier arbeiteten die Leute bei den Firmen Holzmann und 182 Moll. 9 Uh die be mando Verlau Verba durch Viele Lag D straße Gesta verga Es Viele nehm beide geber haft. Bam in ei eine näge wurd Tort dabe ihm Bret Was alle Pilo hint nis brin bog ihm Bad sein erden. . Eine Straße, Leuten t zum Gott, eten!" endlich Verade an nischer getötet undert einer. n mitandelte HäftWette hatten. kleines durcheingeat auch sfeinde Arbeitsaße 16. Festung, Ghetto waren men, die ich und mehr. plötz Stunde ben mit efunden den die ansport nn und Moll. Besonders bei der Firma Moll, wo man von morgens 5 Uhr bis abends 9 Uhr arbeiten mußte, war es eine Menschenschinderei. Hierbei haben sich die beiden SS- Männer Tempel und Kuppelhäber, die beiden Kommandoführer, besonders hervorgetan. Dann brach plötzlich durch allgemeine Verlausung Flecktyphus aus, der viele Opfer gefordert hat. Man hatte kein Verbandszeug und keine Medikamente. Die erkrankten Häftlinge sowie die durch Hunger vollkommen Geschwächten wurden dann nach Dachau gebracht. Viele sind auf dem Transport umgekommen. Lager Flossenbürg Der junge russische Student Wasil Antonow aus Kasan, Tschernischevskistraße 10, berichtet aus dem Lager Flossenbürg und erwähnt besonders den Gestapokommissar Betz, der sich in furchtbarster Weise an Gefangenen vergangen hat. Es waren in einer Nacht 5000 russische Kriegsgefangene ausgebrochen. Viele wurden, als man sie einfing, erschossen. Sofort begannen die Vernehmungen. Diese gestalteten sich so, daß einer von ihnen sofort starb, die beiden anderen nahmen sich das Leben, nur Antonow hielt aus. Er sollte zugeben, bei den Geflüchteten dabei gewesen zu sein. Jedoch er leugnete es standhaft. Dafür hatte er folgende Strafen zu erdulden: Seine Fußsohlen wurden mit Bambusstöcken zerschlagen. Er wurde mit auf den Rücken gefesselten Händen in einen Sack eingenäht und 14 Tage aufgehängt. Das Essen erhielt er durch eine kleine Öffnung. Die Notdurft machte er in den Sack. Seine Fingernägel wurden zwischen eine Eisentüre geklemmt. Durch die Fingernägel wurden spitze Nägel getrieben. Bei jeder Vernehmung wurde eine dieser Torturen angewandt. Dann wurde er, da er ständig leugnete, bei dieser Flucht dabeigewesen zu sein, aus dem Bunker entlassen. Bei einem Kameraden von ihm hat man folgende Strafe vollzogen: Der Betreffende wurde auf einem Brett so festgebunden, daß er sich nicht bewegen konnte. Dann ließ man Wassertropfen zwei Tage lang auf ein und dieselbe Kopfstelle fallen. Fast alle, die diese Strafe durchmachten, haben den Verstand verloren. Von Hauptmann Simirow erzählte er dieses: Simirow war ein russischer Pilot. Seine Maschine war angeschossen, und er mußte mit einem Fallschirm hinter unseren Linien abspringen. Gefangengenommen, sollte er das Geheimnis der neuen russischen Bordwaffe verraten. Um ihn zum Sprechen zu bringen, bekam er eine Stunde ,, Baum" und fünfzig Stockhiebe. Seine Ellbogen wurden zwischen eine Eisentür gezwängt. Glühende Kohlen wurden ihm in beide Backen gestoßen. Mit einem Messer schnitt man Sterne in die Backen, Hammer und Sichel und die Worte ,, bolschewistischer Bandit" auf seine Brust. Endlich wurde er erhängt. 183 Die letzten Tage vor und nach unserer Befreiung durch die Amerikaner Wir schrieben das Jahr 1945. Februar und März waren ins Land gegangen. Über dem ganzen Lager lag eine eigenartige Stimmung. Die Zeitungen waren verboten worden. Sämtliche Radioapparate waren gesperrt, so daß keine Nachricht zu uns gelangen konnte. Die tollsten Parolen liefen um. Alles stand in Erwartung der kommenden militärischen Ereignisse. Hier und da drang eine Nachricht durch, die von Außenkommandos mitgebracht wurde. Fast täglich hatten wir Alarm, und schwere amerikanische Bomber überflogen das Lager. Jedoch es schien, daß das Lager absichtlich geschont wurde, denn in der ganzen Zeit ist nie eine Bombe ins Lager gefallen. Auf allen Lippen schwebte die bange Frage: ,, Wie lange noch?" ,, Wird man uns noch etwas antun?" Da erfuhr das Leben auf Block 26, wo die deutschen Geistlichen wohnten, plötzlich eine große Änderung. Am Montag, dem 26. März- Karwoche 1945- wurden unverhofft, ohne daß jemand etwas geahnt hatte, sechs. Geistliche entlassen. Unter ihnen waren unsere beiden lieben Kameraden Prälat Ulitzka und Pater P. Hiller. Es herrschte eine große Aufregung im Block. Sofort schossen die unsinnigsten Parolen auf. Die einen wollten wissen, daß nur 50 Mann entlassen würden, die anderen, daß alle deutschen Geistlichen zur Entlassung kämen. Am Dienstag, wurden elf gerufen, am Mittwoch zwanzig und am Gründonnerstag vierzehn Mann. Dann kam eine Unterbrechung bis Dienstag nach Ostern. Ich glaube, noch nie hat Ostern so lange gedauert wie gerade in dieser Zeit, weil jeder wartete und hoffte, das nächste Mal dabei zu sein. Man hatte wahllos die Entlassungen vorgenommen. Die Akten spielten gar keine Rolle. Es war kein System zu erkennen, so daß man nichts voraussagen konnte. Nach Ostern begannen die Entlassungen von neuem. Man ging nach dem Alphabet vor, jedoch überschlug man eine ganze Reihe. Dann war plötzlich Schluß. Es waren 120 deutsche Geistliche übrig geblieben. Immer noch hofften diese, auch entlassen zu werden, jedoch vergebens. jeder, Von d boden Man freute sich im Block über die Entlassungen. Jede Stube war mit mehr als 200 Mann besetzt, und so hoffte man wieder Platz zu bekommen, so daß wenigstens die älteren Herren ihr eigenes Bett erhielten; aber diese schöne Hoffnung wurde vollkommen zunichte gemacht. Kaum waren die ersten Männer entlassen worden, mußte die Stube 4 geräumt und die Insassen auf die Stuben 2 und 3 verteilt werden, das bedeutete einen Zuwachs von über 200 Mann. Auf Stube 4 kamen 350 Invaliden. Es war eine Qual, und das Leben schien unerträglich geworden. Aber es sollte noch schlimmer kommen. Eines Tages kamen die Invaliden auf einen anderen Block. Der ganze Block 28, das waren 708 polnische Pfarrer, wurde in Stube 4 und 3 untergebracht. Auf jeder Stube, die normal für 60 Mann bestimmt war, lagen jetzt 350 Mann; es sollten 8 Mann in zwei Betten schlafen. Dies war natürlich unmöglich. Es wurde nun verkündet, daß 184 Essen Schüss stehen noch, stand Flur der L Block D halter tolle Es Lager ständ würd wollt Stadt es kö die F S die H darau Lager habe Maß beor und wurd Fall aufre Eine des Die wer Nati der Dor Es& tags sein por Pre gen. waren keine Alles d da urde. ogen denn ippen etwas nten, woche sechs raden g im ollten schen , am eine rn so offte, orgeu eren die über7120 lassen ar mit men, diese die d die einen S war noch nderen de in Mann Betten dab jeder, der nach 1900 geboren sei, keinen Anspruch auf ein Bett habe. Von da ab schliefen viele im Wohnraum oder in der Kapelle auf dem Fußboden. Tagsüber sah man viele, die in einer Ecke saßen und schliefen. Das Essen wurde durchs Fenster ausgeteilt. Hatte einer gegessen, gab er seine Schüssel ab. Sie wurde gewaschen und dem Nächsten gegeben. Man aẞ stehend auf der Blockstraße. Im Wohnraum war kein Platz. Das ging nun es regnete. Dann noch, wenn es schönes Wetter war. Wehe aber, wenn stand man eng aneinander gepfercht im Waschraum, im Abort, auf dem Flur und wartete, bis der Regen aufhörte. Es war menschenunwürdig. Von der Lagerleitung kümmerte sich niemand um diese Zustände, obschon der Blockführer täglich den Block besuchte. Das übrige Lager wurde durch zwei Dinge andauernd in Aufregung gehalten, durch die bei Tag und Nacht stattfindenden Fliegerangriffe und durch tolle Parolen. Es verging kaum ein Tag oder eine Nacht, wo nicht in der Nähe des Lagers schwere Bomben fielen. Die Baracken zitterten so sehr, daß Gegenstände in ihnen umfielen. Wir fürchteten, daß das Lager doch getroffen würde. Tiefflieger schossen mit Bordwaffen auf Zivilpersonen, die sich retten" wollten. Auch in der Stadt Dachau war große Aufregung. Aber auch die Stadt wurde, wie das Lager, geschont. Bange Sorgen hatten wir aber alle, es könnte sich einmal ändern; denn lange bevor die Sirenen heulten, waren die Flieger schon da. Eine Abwehr fand überhaupt nicht mehr statt. Schlimmer als diese Angriffe waren die geradezu verrückten Parolen, die die Häftlinge selbst verbreiteten, obwohl es streng verboten war und Strafe darauf stand. Eines Tages ging die Nachricht durchs Lager, alle Insassen des Lagers würden evakuiert. Man wollte dies aus sicherer Quelle erfahren haben. In Wirklichkeit war nichts davon wahr. Anlaß dazu gab folgende Maßnahme: Es wurden 150 gesunde und kräftige Häftlinge zum Appellplatz beordert und zur Lagerpolizei ernannt. Diese Leute brauchten keine Winkel und keine Nummern zu tragen und konnten ihr Haar wachsen lassen. Es wurde ihnen vom Rapportführer bedeutet, sie seien eingesetzt, um für den Fall, wenn es ,, anders" würde, die Ruhe und Ordnung unter den, Häftlingen aufrecht zu erhalten; sie hätten das volle Vertrauen der Lagerverwaltung. Eine zweite Parole ging durchs Revier. Die einen wollten wissen, ein Teil des Reviers, andere meinten das ganze Revier, würde nach Alach verlegt. Die Veranlassung zu dieser unsinnigen Parole war der Befehl, festzustellen, wer transportfähig sei und wer nicht; ferner wie groß die Zahl der einzelnen Nationen im Revier sei und wieviel Juden da seien. Einige Tage vorher war der Internist, ein Häftlingsarzt, Dr. Trost, nach Alach geschickt worden. Dort war nämlich wirklich ein großes, neues Lazarett aufgebaut worden. Es geschah nichts! Am 23. April wurde plötzlich um 19 Uhr morgens der ehemalige Reichstagsabgeordnete Josef Joos gerufen, ohne daß er Zeit gehabt hatte, sich von seinen Freunden zu verabschieden. Es wurde ihm mitgeteilt, daß er auf Transport käme. Mit ihm sollten das Lager verlassen: der Prinz Leopold von Preußen und sein Sekretär, der Prinz von Coburg- Gotha, der Prinz von - 185. Bourbon, der Oberbürgermeister Schmitz von Wien und ein Schriftsteller. Sie sollten per Auto abfahren. Am Abend waren sie aber wieder zurück. Man hatte ihnen für fünf Tage Verpflegung gegeben. Sie hatten auf,eine Trans- portmöglichkeit gewartet, jedoch vergebens. Man’ brachte sie auf einen Sonderblock. In der Nacht sind sie dann abgefahren. Am 26. April wurden alle Blockältesten zusammengerufen und ihnen mit- geteilt, daß alle Reichsdeutschen, auch die Pfarrer, ferner ein Teil Franzosen, Rumänen und Russen sich marschbereit zu halten hätten. Alle Fußkranken seien ausgenommen. Jeder sollte zwei Decken und ein Paket mitnehmen. Die Leute erhielten Verpflegung für fünf Tage. Es bemächtigte sich des ganzen Lagers eine nervöse Aufregung. Jeder mußte sich entschließen, was er von seinen Sachen mitnehmen wollte; denn zu schwer durfte das Gepäck ja nicht sein. Nun ging ein Rätselraten los, wohin es wohl ginge. Die einen wollten wissen, es ginge nach Alach ins Lager, da dort Platz geschaffen sei. Alach aber war nur’ sieben Kilometer entfernt. Dagegen sprach die. Verpflegung für fünf Tage. Andere wieder meinten, es ginge in ein Lager südlich von München. Sie müßten zuerst 20 Kilometer marschieren und würden dann in Waggons verladen. Wieder andere sprachen vom Ötztal. Keiner aber wußte genau Bescheid. Man wartete nun auf den kommenden Marschbefehl. Am Mittag hieß es plötzlich:„Alles am Appellplatz antreten!‘ Hier wurde mitgeteilt, ein Teil marschiere um 7 Uhr, ein zweiter Teil um 9 Uhr abends aus dem Lager. Trotz der Lagerpolizei, die man auf 400 Mann ver- erößert hatte, konnte auf dem Appellplatz keine Ordnung mehr aufrecht erhalten werden. Man sah das reinste Zigeunerlager. Es wurden kleine Feuer gemacht. An diesen wurden Kartoffeln und Suppen gekocht. Andere wieder verhandelten ihre Fleischkonserven gegen Brot, weil dieses ihnen wertvoller erschien. Man lag oder saß auf der Erde oder stand umher. Das Gewirr der verschiedenen Sprachen erfüllte den Platz. Besonders die Russen waren sehr laut und dabei geschäftstüchtig im Handeln. Die deutschen Geistlichen hatte man zwingen wollen, diesen Transport mitzumachen. Selbst Kranke und Fußkranke sollten auf Transportautos mit- genommen„werden. Emil Schumann gab mir einn authentischen Bericht über diese Vorgänge. Er schreibt: Tagelang wurde unter uns Häftlinge über einen etwaigen Transport ge- sprochen. Je weiter die militärischen Fortschritte der Amerikaner gediehen, desto ruhiger wurden die meisten Häftlinge und atmeten auf, da der Trans- port ausgeschlossen schien. Darum traf‘uns der offizielle Bescheid am 26. April, einem Donnerstag, um 9 Uhr:„In drei Stunden muß alles marschbereit sein“, wie ein Donnerschlag aus heiterem Himmel. Die Optimisten meinten zwar, es wäre nur ein Manöver, und wenn nicht das, so würde der Transport jedenfalls nicht mehr weit kommen. Schon stand ich in Reih und Glied vor unserem Block, als mir einfiel, daß ich meinen Becher vergessen hatte. Als ich mit dem Becher wieder zur Kolonne kam, waren die Reihen schon auf- geschlossen, und ich überlegte, wo ich Anschluß finden sollte. Weich aber nachdrücklich fiel ein leichter. Landregen. Das gab mir gewiß keinen Ansporn. Den letzten Ausschlag für mein Zurückbleiben gab Pfarrer Schmidt Johann, 186 der m bleibe wiede zurüd dieser zusan schrei zum Trans Am ı heraı Deut Block stärk Pries Was Wir mir nach entl: Dad Nag Wah Gru füg, ich Touı war mid Ad; bet, Kor Wir Sin: soll dur der Sie Man ansnen mitsen, ken Die zen von micht Iten lach für von on in ubte Hier Uhr verrecht Feuer ieder oller wirr waren sport mitüber t geehen, rans1 26. bereit inten sport dvor . Als aufaber sporn. hann, der mich bat, doch auch da zu bleiben. Und weil sich niemand um die Zurückbleibenden kümmerte, blieb ich. Nach einer Viertelstunde etwa kamen alle wieder auf den Block mit Ausnahme der Deutschen. Offiziell hatten nur die zurückbleiben dürfen, die in der letzten Nacht gearbeitet hatten. Um zu dieser Kategorie zu gehören, falls am nächsten Tage ein neuer Transport zusammengestellt würde, ging ich abends in den Arbeitseinsatz als Maschinenschreiber. Vorher hatte ich die Freude, einige, vor allem ältere Confratres, zum Block zurückkehren zu sehen, denen es gelungen war, sich aus dem Transport zu entfernen; die anderen, 89 an der Zahl, marschierten abends ab. Am nächsten Morgen, Freitag, dem 27., hieß es beim Aufstehen: ,, Alles muß heraus, der ganze Block muß leer sein, es werden noch Russen gesucht." Die Deutschen traten mit ihrem Gepäck an die Spitze des aufmarschierenden Blocks. Wieder mußten wir auf dem Appellplatz bleiben, wieder regnete es, stärker als gestern. Was sollte aus dem kleinen Häuflein von ungefähr 40 Priestern, darunter vielen alten- sogar einen 70jährigen hatten wir bei uns was sollte aus diesen Kranken und Schwachen auf einem Fußmarsch werden? Wir sollten doch schon längst entlassen sein! Mit diesem Gedanken kam mir sogleich ein anderer. Wie wäre es, wenn ich beim Schutzhaftlagerführer nach unserer Entlassung fragen würde und bitten, uns doch heute noch zu entlassen. Ja, wenn es nicht anders ginge, so, wie wir seien. Der Pfarrer von Dachau würde uns schon aufnehmen. Diesen Gedanken schlug ich meinen Nachbarn in den angrenzenden Reihen vor, darauf hinweisend, daß es mir wahrscheinlich gelingen würde, zum Schutzhaftlagerführer zu kommen auf Grund meiner Tätigkeit als Verteiler der dem Schutzhaftlagerführer zur Verfügung stehenden Lebensmittel, die ich im Jourhaus öfter holte und wodurch ich dort keine unbekannte Erscheinung war. Alle waren einverstanden. Im Jourhaus fand ich den Lagerführer nicht. Er war soeben weggegangen. Also warten. Da wurde der Hausel zum Kommandanten bestellt. Dem schloß ich mich an. So kam ich unbehelligt bis ins Vorzimmer der Kommandantur. Der Adjutant hieß mich auf dem Flur warten. Als der Kommandant den Flur betrat, machte ich den Adjutanten auf mich aufmerksam, der mich darauf zum Kommandanten ließ. Ich sagte ungefähr folgendes: ,, Herr Lagerkommandant, wir wissen positiv, daß einige von den Pfarrern, die auf Transport gegangen sind, und einige von denen, die noch hier sind und auch auf Transport gehen sollen, auf der Entlassungsliste stehen. Diese Entlassungen sind noch nicht durchgeführt, weil eine Reihe von anderen Häftlingen zuerst entlassen wurden, deren Entlassung sich durch die Quarantäne verzögert hat. Wäre es nicht möglich, die Entlassung der deutschen Priester jetzt noch durchzuführen? Es sind noch ungefähr 35, meist Alte, Schwache und Fußkranke, die eben dieses Umstandes wegen vom Transport zurückgeblieben sind. Sie können sich denken, daß diese den Transport fürchten, aber auch nicht gerne hier bleiben." Da unterbrach mich der Kommandant und sagte, daß die Marschunfähigen zurückbleiben könnten, sie brauchten nichts zu fürchten, sie würden genau wie die Kranken den Händen der Amerikaner übergeben. Trotzdem kam ich noch einmal auf die Entlassung zurück und bedeutete dem Kommandanten, daß eine Unterbringung auch bei Unterbrechung des Reiseverkehrs keine Schwierig187 keiten mache, da der Kardinal von München dem Pfarrer von Dachau Anweisungen für die Geistlichen gegeben habe. Das Wort Kardinal machte den Kommandanten stutzig, und er schickte mich zur politischen Abteilung, zum Kriminalsekretär Clopmann mit dem Auftrag, er. Clopmann, solle dem Kommandanten die Entlassungslisten bringen. Clopmann war es sichtlich unangenehm, und er stellte sich etwas begriffsstutzig. Mit der Behauptung, er habe dem Sekretär die Listen doch schon überreicht, versprach er, sie noch einmal dem Kommandanten vorzulegen. Als ich ins Lager zurückkehrte, war der Transport auf den Nachmittag verschoben. Die Aussage des Kommandanten bezgl. der Kranken veranlaßte den Blockältesten, einen Revierarzt zu suchen, der die Marschunfähigen aussuchen sollte. Wir traten wieder alle in der Blockstraße an, aber es kam kein Arzt. Sie hatten keine Zeit. Bei dem Antreten am Nachmittag für den Transport blieben wir alle auf dem Block. Aber auch die italienischen Priester kamen gegen Abend zurück. Alles atmete auf • und glaubte, die Transportgefahr sei vorbei. Welche Enttäuschung, als abends der Blockälteste verkündete, daß alle Deutschen und Italiener ohne Ausnahme morgen früh zum Transport antreten müßten; für die Marschunfähigen ständen Wagen bereit. Am anderen Morgen versuchte ich vom Appellplatz aus wieder zum Kommandanten zu kommen. Im Jourhaus bedeutete man mir, ich solle erst zum Rapportführer. Ruppert traf ich auf dem Flur. Ich berichtete mein Gespräch mit dem Kommandanten. Der Kommandant sei jetzt nicht zu sprechen, sagte er, er wolle mit Clopmann telefonieren. Ich ging mit ins Zimmer, um das Telefongespräch mit abzuhören. Clopmann leugnete, es seien alle, die entlassen werden sollten, auch entlassen worden. Dann fragte ich, ob es stimme, daß für die Marschunfähigen Wagen zur Verfügung ständen? Ruppert war ganz erstaunt. Er fragte den anderen Lagerführer, ob er etwas von Wagen wisse? Auch der wußte nichts und betonte ausdrücklich, daß keine Marschunfähigen mit dem Transport gehen sollten. Auch an diesem Tage ging kein Transport mehr. Trotzdem ruhte noch ein gewisser Druck auf unserer Seele, bis endlich die Amerikaner, die langersehnten Befreier, kamen. Daraufhin ließ sich eine ganze Anzahl von Pfarrern zurückstellen. Sie erklärten, daß sie nicht imstande seien, den Marsch mitzumachen. Es waren folgende Herren: 1. Bannholzer 2. Becker, Heinrich 3. Binder, Leo 4. Burkhard, Hans 27. Sc 28. Sch 29. Sc 30. Sta 31. St 32. TH 33. V 34. W 35. W 36. W 37. W Αν 1. A 2. A 3. B 4. B 5. B 6. B 7. B 8. C 9. D 10. D 11. F 12. G 13. G 14. C 15. H 16. H 17. H 18. H 19. H 14. Kreuzberger, Bernh. 20. H 15. Leismann, Max, Ev. 21. K 5. Böker, Josef 19. Porusky, Johann 18. Mühlbeyer, Anton 17. Meckelnburg, Bernh. 16. von Mallinkrodt, Meinulf 22. K 23. 24. I 25. T 6. Bornefeld, Anton 20. Rachwitz, Arthur, Ev. 26. 7. Dittmar, Gustav, Ev. 21. Kilinski 27. 8. Faver, Eduard 22. Zisch, Benno 28. 9. Fertala, Franz 10. Fischer, Josef 23. Riedmater, Paul 29. 24. Roth, Bernh. 30. 11. Gallas, Rudolf 25. Rohrmoser, Josef 31. 12. Gerharz, Johann 13. Jansen, Nicolaus 188 26. Rupieper, Heinrich 32. Anden zum ommanmabe mal 27. Schmitt, Johann 28. Schumann, Emil 29. Scholz, Erich 30. Stahl, Anton 31. Steinbock, Johann 32. Thurmann, Horst Ev. 33. Verniack, Josef 34. Wendolsky, Rudolf 35. Wienecker, Leopold der nten hen, der 37. Wöß, Franz AnAber auf ends Ausigen platz mir, htete mt zu t ins seien ich, den? etwas keine Tage x auf amen. de erwaren 36. Windgassen, Willi 38. Würl, Sigismund 39. Wüst, Bernhard 40. Zuber, Franz 41. Planer, Johann 42. Frischke, Ev. 43. Scholze 44. Selzle, Erich 45. Schmidt, Jacob 46. Carls, Hans, im Revier krank 47. Leisner, Karl 48. Schäklings, Georg Auf den Transport gingen am 26. April folgende Herren: a) Reichsdeutsche: 1. Aigner, Corbinian 2. Averberg, Theodor 3. Bauer, Peter 4. Becker, Albert 5. Bergmann, Franz 6. Bracker, Wenzel 7. Breitenberger, Franz 8. Czerchowski, Hubert 9. Dehne, Kurt 10. Dubianski, Paul 11. Feld 12. Geiger, Franz 13. Gehr, Emil 14. Gerhard, Josef 15. Hastinger, Josef 16. Hartmann, Robert 17. Hopper, Josef 18. Hubert, Rudolf 19. Hürfeld, Bernh. د" دو Nr. 27 788 geb. 11. 5. 85 " 50 046 12. 10. 78 " 30 106 " 3 25. 8. 90. " 46 480 " " 29 656 27. 12. 90 23. 2. 97 " " 27 022 10. 11. 89 "" " 26 149 13. 8. 13 " 28.992 13. 7. 00 " " 60 796 30. 5. 01 " " 75 329 18. " "" 6.06 111 782 16. 6. 01 " " 28 854 " " 30. 11. 05 29 819 " " 15. 11. 02 34 120 30. 7. 02 " " 66 806 28. 8. 10 " " 46 485 13. 2. 94 " 28.755 6. 3. 92 " 69 809 24. 1. 96 65 117 5. " 33 4. 91 20. Hgui, Dionysi 134 375 33 دو 16. 10. 82 21. Kaliga, Joh. 25 308 13. " " 5. 03 22. Kietzau, Aug. 74 414 9. 1. 15 " " 23. Kohler, Otto 93 543 31. 3. 09 " " 24. Laski, Johann 22 230 24. 6. 17 " " 25. Lebner, Beul 55 872 28. 11. 03 " " 3 26. Legner, Hermann 131 310 11. 12. 06 " " 27. Lehmann, Georg 24 434 د" " 22. 8.99 28. Lohausen, Peter 48541 " 3 " 3 16. 4. 97 29. Lösch, Rudolf 37 203 22. 9. 91 " " 30. Löwenstein, Alban 60 601 " """ 14. 8.92 31. Maashännser, Gerh.. 32. Magurowski, Josef 30 397 23. 5. 07 " 3 " 3 137 774 19. 8. 02 " " 189 دو دو 33. Muhler, Emil 34. Noleweika, Adolf 35. Novotny, Stephan 36. Olbers, Josef 37. Pereira, Carlos 38. Peters, Josef 39. Pieper, Josef 40. Peuhs, Wilhelm Nr. 110 434 geb. 21. 4. 92 13. M 22 992 16. 6. 92 " " 14. M 126 651 2. 12. 83 " "" 15. Na 91 229 22. 4. 02 " " 16. Ne 68 265 23. 3. 11 " " 17. Pe 49641 28. 2. 05 " " 18. Q 137 215 26. 1. 92 " "" 19. R 67 959 12. 1. 04 " " 20. Ri 41. Reinfurth, Robert 49 603 .11. 2. 94 " "" 21. Se 42. Rehling, Engelb. 28 963 29. 6.06 " 22. Si 43. Reukes, Josef 27 833 22. 5. 89 "" " 23. Sp 44. Riedel, Ernst 45. Rindermann, Hans 46. Schamoni, Wilhelm 47. Scheffen, Jos. 31 444 13. 10. 04 "" "" 24. St 28 613 10. 4. 10 د" " 25. Ze 27 061 4. 1.05 "" " Der 64 394 28. 2. 04 " " Besorg 48. Scheipers, Herm. 24 255 24. 7. 13 " " Fliege 49. Schmidt, Bruno 50. Schmitt, Herm. Jos. 51. Schmitt, Richard 108 248 26. 4. 09 " 7 " schon 135 105 1. 7. 96 " 3 Freisin 30 352 26. 3. 99 " " wußte 52. Schmitz, Heinr. 53. Scholz, Richard 105 009 23. 7.90 دو " N 22 919 12. 7. 84 " " Um d 54. Schulte, Helmut 55. Semeliker, Matthias 56. Stedniczuk, Wilh. 57. Stahl, Josef 58. Steinhoff, Bernh. 69 351 20. 3. 01 " " dient 48 370 25. 2. 10 "" " 26 321 15. 9. 16 " " 53 619 19. 1. 90 " "" 137 736 6. 8. 89 " " 59. Stumpf, Karl 137 370 20. " " 60. Syndocinski, Aug. 23 664 14. " " 61. Tanzer, Johann 43 588 21. " "" 62. Trindel, Anton 1. 91 1. 82 4.00 A es Sta heiml Der Z Bei A 57 482 25. 5.93 " " 63. Trüby, Albert 26 891 26. 5. 88 " " 64. Wilmer, Dominik " b) die österreichischen Geistlichen: 1. Auer, Gottfried Nr. 2. Bernhold, Alfred 3. Berndel, Anton einige D beide 21.856 25. 7.04 " " Kran 30 409 9. 8. 96 " " zu k 4. Burger, Anton 23 750 6. 9. 10 " " lud 5. Dirnberger, Andreas 24 359 21. 4. 04 " " 6. Fankhauser, Alois 28 680 30. " " 3. 08 wurd Lebe 7. Hausmann, Berthold 111 777 14. 8. 00 " " 3 8. Heinzel, Josef 28 880 25. 3.00 "" " gestü fuhr 9. L'hoste, Nicolaus 22 003 22. 10. 91 " " 10. Just, Konrad 11. Mager, Johann 12. Mayr, Franz 190 21 863 19. 3.02 Zug " " durf 21 070 5. 6. 90 " " dant 24 057 10. 10. 90 " " Nach 59 271 13. " 4. 85 und a und drei Häftl gekon 27 788 geb. 11. 5. 85 18. Quass, Karl 19. Röss, Karl 13. Moßbauer, Josef 14. Musis, Leopold 15. Nadrag, Alois 16. Neuhold, Karl 17. Pertsch, Franz Nr. 22 084 geb. 15. 3. 03 دو " 28 881 ,, 15. 11. 99 67 733 22. 7. 97 " 3 48 497 27. 2. 95 " 60 245 17. 6. 18 " " 42 580 8. 9. 91 " "" 121 508 7. 1. 93 " " 21 859 1. 7. 08 " " 21 985 8. 12. 96 " " 24 340 27. 4. 93 " " 23 613 19. " "" 1. 87 22 150 25. 2. 07 " "" 75 169 "" " 3 20. Rieser, Andreas 21. Seewald, Alex 22. Sindler, Alois 23. Spitzig, Gustav 24. Steiner, Heinrich 25. Zeichen, Rudolf 9. 8. 19 Der Marsch ging in die Nacht hinein. Im Lager sahen wir mit großer Besorgnis. unsere Kameraden scheiden. Wir hatten Angst, die feindlichen Flieger würden den Zug bombardieren, wie sie es bei anderen Transporten schon getan hatten. Am 27., abends, traf die Kunde ein, daß der Zug in Freising hängen geblieben sei und komme nicht mehr weiter. Jedoch Genaues wußte niemand. Nach einigen Tagen erhielten wir Nachricht, daß 38 Herren gerettet wurden. Um die Rettung hatte sich besonders unser lieber Pater Pies S. J. verdient gemacht, der sich sehr umsichtig und tapfer gezeigt hat. Am Freitag, dem 27., war der Zug in Steynberg angekommen. Hier glückte es Stadtpfarrer Muhler zu fliehen. Ein ihm bekannter Bauersmann nahm ihn heimlich in sein Haus auf und versteckte ihn, bis die Gefahr vorüber war. Der Zug marschierte weiter über Aufkirchen nach Wohlfahrtshausen- Beuerberg. Bei Aufkirchen flohen Rehling, Kohler, Burger und Czechowski. Die ersten drei fanden den Weg nach Rottmannshöhe, wo der vor etwa 14 Tagen als Häftling entlassene Pater Pies wohnte. Dieser war eben von München zurückgekommen. Auf der Straße hatte er Häftlingskleider, sonstige Gegenstände und auch Leichen liegen sehen. Als er nun von dem Zuge hörte, fuhren er und ein Oberleutnant( der Frater Kreis S. J.) dem Zuge nach. Sie hatten einige Zivilkleider mitgebracht. Der Zug lagerte 12 Kilometer hinter Wohlfahrtshausen in einem Walde beiderseits der Straße. Inzwischen hatte Pies einen Lastwagen organisiert, um Kranke des Zuges abzuholen. Diese Gelegenheit benutzte er, um ins Lager zu kommen. Trotz der Anwesenheit des Zugkommandanten und der SS- Wache lud man neun Kameraden in den Wagen und brachte sie weg. Am Sonntag wurde in München von SS- Obergruppenführer Jüttner die Erlaubnis erreicht, Lebensmittel zu fassen. Das Magazin wurde bereits von der Bevölkerung gestürmt. Mit einigen hundert Broten, Kisten Fleischkonserven und Kaffee fuhr Pies dann zum Lager, das immer noch bei Wohlfahrtshausen war. Vom Zugkommandanten wurde dann erreicht, daß die Lebensmittel verteilt werden durften. Die Kranken wurden auf den Lastwagen geladen, da der Kommandant die Aussichtslosigkeit der Lage einsah. 29 Kameraden, die in dieser Nacht nicht schliefen, wurden rasch verladen und mitgenommen. Sie wurden 191 in Rottmannshöhe im Lazarett Percha und im Kloster der Karmeliterinnen. Aufkirchen und in sonstigen benachbarten Orten untergebracht. Viele sind auf eigene Gefahr geflohen. Die SS-Wachmannschaften gaben Schreckschüsse ab. Man behauptete, es seien auch mehrere Häftlinge erschossen worden. Das Schicksal der Geflüchteten war uns damals unbekannt. Amtlich konnte eine sichere Nachricht nicht festgestellt werden. Die wilden Gerüchte entbehrten jeder Begründung. Am 2. Mai trifft bei uns eine Nachricht ein, die ich sehr skeptisch auf- genommen habe und die sich später als unwahr herausstellte. Der Transport vom 26. April sei an der Bahnstrecke Schleisheim entlang geführt worden. In der Nacht seien 80 Prozent der Leute von der SS erschossen worden. Der Pfarrer von Dachau sei verständigt worden, er solle dafür sorgen, daß die Leichen fortgeschafft würden. An der ganzen Meldung war nicht ein Wort wahr. Hieran sieht man, wie wir durch derartige Parolen andauernd in Auf- regung gehalten wurden.: Außer diesem Transport hatte man auf höheren Befehl auch die„Ehren- häftlinge‘ des Lagers, die im Bunker untergebracht waren, weggebracht. Wohin sie verschleppt wurden, war uns damals unbekannt. Teils im Auto, teils mit der Bahn wurden sie in Richtung Innsbruck abtransportiert. Soweit ich fest- stellen konnte, waren es folgende Personen: 1. Oberst Best, 2. Minister Leon Blum und Frau, 3. Schuschnigg mit Frau und Kind, 4. Kokorni, der Neffe Molotows, 5. der Sohn von Marschall Badoglio, 6. der Sohn von Horthy, 7. Fritz Thyssen und Frau, 8. General von Falkenhausen, 9. Colonel von Bonia, 10. Dr. Müller, der Advokat des Ordinariats von München, 11. Kapitän Libig, 12. acht Herren der ersten ungarischen Regierung, 13. Baron von Schell, 14. Bischof Piquet von Clermont-Ferrand, 15. einige griechische Generäle, 16. Dr. Höppner, der Bruder des deutschen Generals Höppner, 17. einige Mitglieder der Familie von Stauffenberg, 18. Pastor Niemöller,' 19. Domkapitular Neuhäusler, 20. Graf Plettenberg und seine Tochter Gisela, 21. General Garibaldi, 22. Oberst Ferrero, 23. Oberst Petersdorf, 24. Rechtsanwalt Kuhn, 25. Gördeler, Oberbürgermeister von Leipzig, 26. Generaloberst von Halder mit Frau und Sohn, Er 280) 29. Gi Es sei licher Häl Sachsenhaı beiden chr Martin niskirche, öffentliche mutiges T War er im den„Pou die Haare Die Dieser Am 2 danten ge Verpflicht: Tansport ührer St; des Ri, Mich den en en en ich te f- Ort en. Der die ort ufenhin mit est27. Leutnant Colonel Nagres( Engländer), 28. Oberst Stevens( Engländer), 29. General Delstrin( erschossen in Dachau am 25. April). Es sei mir gestattet, besonders eines Mannes zu gedenken, der als persönlicher Häftling des Führers jahrelang der Freiheit beraubt war und von Sachsenhausen im August 1941 nach Dachau gebracht wurde. Es ist der in beiden christlichen Konfessionen mit großer Achtung und Verehrung genannte Martin Niemöller, zuletzt Pfarrer in Berlin und Präses der Bekenntniskirche. Als solcher hat er durch seine Grundsatzfestigkeit, durch sein öffentliches Auftreten als Prediger und Redner, vor allem durch sein opfermutiges Tatchristentum, die Verfolgung der Gegner auf sich gezogen. Dabei war er im ersten Weltkrieg, wie allbekannt, U- Boot- Kommandant und hatte den ,, Pour le merite". Die Vorzugshäftlinge hatten auch die Vergünstigung, die Haare lang zu tragen. Die Entführung der Geiseln von Dachau nach dem Praxerwildsee und die Befreiung durch die Amerikaner Dieser Bericht stammt von Willi Viesenteiner, genannt ,, Kohlenklau". Am 26. April 1945 wurde ich morgens gegen 9 Uhr zum Lagerkommandanten gerufen und mir mitgeteilt, daß ich entlassen sei, jedoch als Dienstverpflichteter mit dem Hauptsturmführer Stiller als Dolmetscher und Koch den Transport der Sonderhäftlinge zu begleiten habe. Ich wurde dem Hauptsturmführer Stiller vorgestellt, den ich schon seit zwei Jahren als Fürsorgeoffizier des K.L.- Arrestes sehr gut kannte. Er führte mich ins K.L.- Arrest und stellte mich den anderen SS- Leuten als neuen Mitarbeiter vor. Ich mußte ihm versprechen, treu zu ihnen zu halten, was ich auch mit einigen Hintergedanken tat. Wir wurden abends gegen 6 Uhr in vier Autobussen verfrachtet. Unter den Insassen befanden sich: Prinz Leopold von Preußen, Freiherr Scheriny, Reichsbankpräsident Dr. Schacht, der ehemalige Bundeskanzler Schuschnigg mit Frau und Kind, die Familie Stauffenberg, Familie Gördeler, der Bruder des ehemaligen Generals Höppner, Generalstabschef von Halder mit Frau und Sohn, Oberst Petersdorf, Kapitän König vom Kreuzer ,, Köln", Ingenieur Mohr mit Frau und Schwester und deren Kinder aus Ehrlich bei Bonn, Kaplan Dr. Hamm, Domkapitular Neuhäusler, Pastor Niemöller, der Bischof von Clermont- Ferrand, Minister Leon Blum, General Garibaldi, Oberst Ferrero, der Sohn des russischen Ministers Molotow, der Sohn des Marschalls Stalin, der Sohn des ungarischen Staatsverwesers Horthy, zwölf ungarische Minister mit deren Ex- Ministerpräsidenten, sowie die gesamten rumänischen Minister mit dem Ministerpräsidenten. Außerdem waren u. a. acht russische Generäle, vier serbische Generäle, vom englischen Geheimdienst Oberst Best, Colonel Magref, Oberst Stevens, Graf von Plettenberg mit Tochter Gisela, General Thomas und einige schwedische Stabsoffiziere, Dr. Pünder, der jetzige Oberbürgermeister von Köln, Frau und Tochter des Gewerkschaftsführers Jakob Kaiser bei den Häftlingen. Um 9 Uhr abends fuhren wir von Dachau ab an den evakuierten Dachau- Häftlingen vorbei nach München zu. Die Fahrt ging Dachau 13 193 über Innsbruck, wo wir im dortigen SS- Lager zwei Autobusse mit hohen Persönlichkeiten aufnahmen. Bevor wir die Fahrt antraten, wurde ich vom Hauptsturmführer Stiller beauftragt, besonders gut auf eine Kiste scharfer Handgranaten und die Reserve- MG- Munition aufzupassen und keinen daran zu lassen, weil wir sie in kurzer Zeit gut gebrauchen könnten. In Innsbruck wurden uns sechs Vollzugsbeamte von der Gestapo zugeteilt. Nun konnten wir unser Schicksal voraussehen, nachdem diese Beamten nur zum Vollzug von Todesurteilen zugeteilt wurden. Gegen 11 Uhr kamen wir an der italienischen Grenze am Brenner an. Hier erklärte ich einem Mitgefangenen, daß ich wegen starker Blinddarmschmerzen nicht aufstehen könne. Es wurde uns nämlich mitgeteilt, daß wir am Brenner aussteigen müßten, um verpflegt zu werden. Als wir am Brenner ankamen, mußte alles aussteigen, und sie wurden unter scharfer Aufsicht( 26 SS- Leute) in die Verpflegungsbaracke geführt. Ich erklärte auch dem Sturmführer, daß ich nicht aufstehen könne, da ich sehr starke Schmerzen am Blinddarm hätte. Daraufhin gab er mir nur zur Antwort, ich könne ja im Wagen verrecken. Die Autobusse wurden abgeschlossen, und die SS zog mit den anderen Häftlingen ab. Ich beobachtete, wie die letzten in die Baracke gingen und machte mich an die Arbeit. Ich öffnete die Kiste mit den scharf geladenen Handgranaten, nahm eine nach der anderen heraus und entschärfte sie; die Patronen steckte ich in die Tasche. Die MG- Munition, die dort in Magazinen in einem Kasten lag, nahm ich mir einzeln vor, steckte die Patronen in einen Gewehrlauf, lockerte die Kugeln und schüttete das Pulver auf ein Papier, welches ich vorbereitet hatte. Ich beobachtete jedoch dauernd die Verpflegungsbaracke, um nicht überrascht zu werden. Nach etwa einer Stunde kehrten die Häftlinge zurück. Ich hatte unterdessen die gesamte Munition entschärft außer vier Maschinenpistolen, die die Wache mitgenommen hatte. auf Sonntag haus unterg ein SS- Ver bindung se abgeriegelt SS und de Morgen tra Bei dieser nehmen, w die im Au - rend er sc Am So ins Gemei als Dolme Tafel sabe später als Garibaldi sich Ober Ich wurde dann vom Hauptsturmführer Stiller in den Führerwagen gesetzt, um als Führer zu den für uns bestimmten Hotels nach Niederndorf im Pustertal mitzufahren. General Garibaldi, mit dem ich mich über unseren neuen Aufenthaltsort unterhalten hatte, gab mir den Auftrag, wenn es möglich sei, mich mit dem dortigen Bürgermeister zu verständigen, daß der Transport, bei dem er sich selbst befand, dort vormittags eintreffen würde. Wie ich erst am anderen Tag erfuhr, war der Bürgermeister ein Kapitän der italienischen Partisanen, die früher General Ferrero unterstanden hatten. Wir kamen gegen 11 Uhr vormittags nach Niederndorf, wo ich gleich Gelegenheit hatte, mit dem Bürgermeister zu sprechen. Er war über die Nachricht sehr erfreut und teilte mir mit, daß wir in kurzer Zeit frei sein würden. Das für uns bestimmte Hotel war jedoch von hohen Generalstabs- Offizieren auf Befehl Himmlers beschlagnahmt. Des Mittags trafen auch die anderen Autobusse ein, und Stiller begab sich auf die Suche nach geeigneten Quartieren für uns. Wir verblieben etwa zwei Tage unter scharfer Bewachung der SS in den Autobussen, wo wir auch übernachteten. Lediglich zum Essen wurden wir geschlossen in eín Hotel geführt. Ich selbst hatte mich auf eigene Faust mit einem Sturmscharführer Prosenick, der den Häftlingen sehr zugetan war, in einem Bauernhaus einquartiert. In der Nacht von Samstag 194 vorhabe. Himmler und zwar meter vo darauf, d habe die Garibaldi überschät Stiller sag ihn aber sei, dafür überzeugt auf Koh wollte so er erschre angelegte zurück un ihm, daß einen ent Auftrag a Tage ges Molotow Am a das Hote 300 Zim streckt. hielten Stiller g auf Sonntag wurde ich von General Garibaldi beauftragt, die im Gemeinde- haus untergebrachten SS-Leute zu beobachten, da bekannt gewörden war, daß ein SS-Verband in der Nähe sei, der sich mit unseren SS-Leuten in Ver- bindung setzen sollte. Das Dorf wurde von den dort versteckten Partisanen abgeriegelt. In der Nacht gegen 2 Uhr fand ein Gefecht zwischen der fremden SS und den Partisanen statt, welches eine Stunde dauerte. Am anderen Morgen traf der Befehlshaber der Armeegruppe Südost in Niederndorf ein. Bei dieser Gelegenheit bat ihn Oberst Petersdorf, unseren Schutz zu über- nehmen, was er jedoch ablehnte. In der Nacht gelang es einigen Häftlingen, die im Autobus schliefen, den Revolver des Hauptsturmführers Stiller, wäh- rend er schlief, zu entladen: Am Sonntagmittag gegen 1 Uhr wurde ich vom Hauptsturmführer Stiller ins Gemeindehaus gerufen, wo ein großes Bankett stattfand. Ich sollte dort als Dolmetscher zwischen General Garibaldi und ihm assistieren. An der Tafel saßen General Garibaldi, Oberst Ferrero, sechs Italiener, welche sich später als italienische Partisanen-Kapitäne entpuppten, die ehemals unter Garibaldi gekämpft hatten, und einige Frauen. Nach dem Festessen erkundigte sich Oberst Ferrero im Auftrag des Generals Garibaldi, was Stiller mit uns vorhabe. Stiller erklärte, er habe einen Sonderauftrag des Reichsführers Himmler zwecks unserer Unterbringung in einem Seitentale des Pustertales, und zwar sei dafür das Hotel Praxerwildsee vorgesehen, welches 8 Kilo- meter von Niederndorf entfernt läge. General Garibaldi entgegnete ihm darauf, daß er und Ferrero nicht mitgehen würden, worauf Stiller sagte, er habe die Macht, auch mit Gewaltanwendung seinen Auftrag durchzuführen. Garibaldi erklärte darauf in einem lächelnden Tone, daß er wohl seine Macht überschätzt habe, denn er befände sich jetzt im Hauptquartier der Partisanen. Stiller sagte:„Das ist Meuterei‘ und zog seinen Revolver. Garibaldi machte ihn aber lachend darauf aufmerksam, daß sein Revolver gar nicht geladen sei, dafür hätten schon andere gesorgt. Er möge ihn ruhig wegstecken. Stiller überzeugte sich sofort, daß es der Wahrheit entsprach und schob die Schuld auf„Kohlenklau“, der jedoch völlig unschuldig an der Sache war.. Stiller wollte sofort die Wache herbeirufen. Als er jedoch die Türe öffnete, sprang er erschreckt zurück, denn vor ihm standen vier Partisanen in Uniform mit angelegten Maschinenpistolen. Völlig geschlagen kehrte er wieder ins Zimmer zurück und fragte, was nun mit ihm geschehen würde. Garibaldi versicherte ihm, daß ihm kein Leid angetan würde. Er gab sogar sein Ehrenwort darauf, einen entsprechenden Befehl zu geben. Stiller sagte darauf, er müsse seinen Auftrag ausführen und uns nach Praxerwildsee bringen, welches am anderen Tage geschah, jedoch ohne General Garibaldi, Oberst Ferrero und den Sohn Molotows. Am anderen Morgen fuhren wir gegen 10 Uhr nach Praxerwildsee, wo wir das Hotel in einem Talkessel fanden. Praxerwildsee ist ein Sporthotel mit 300 Zimmern, vor dem sich ein großer See rings von Bergen umgeben er- streckt. Es gab nur einen einzigen ‚Ausweg nach Niederndorf. Im Hotel hielten sich nur die Besitzerin und ein Hausmeister auf. Ich wurde von Stiller gleich beauftragt, die Verpflegung der Häftlinge zu übernehmen. Die 195 Am 6. miten nach wurden wir Verona aus Nach zweie ein, wo wi herzlich em platz servie der Ameri wiederum Luxushotel uns bewachende SS war so sorglos, daß sie nur einen Posten am Hoteleingang aufstellte. Nach getaner Arbeit ging ich ins Zimmer der Besitzerin und hörte dort die Radionachrichten, welche ich dann meinen Mithäftlingen mitteilte. Am 2. Mai, um 9 Uhr abends, hörte ich am Radio, daß die Amerikaner bereits das gesamte Pustertal besetzt hatten. Ich teilte diese Nachricht Oberst Petersdorf, Kapitän König und Herrn von Schuschnigg mit, erklärte ihnen jedoch gleichzeitig, daß ich um 11 Uhr versuchen würde, das Hotel zu verlassen, um die Amerikaner herbeizurufen. Da die Ausgänge von der SS scharf bewacht wurden, knüpften wir einige Leintücher zusammen und befestigten sie auf der Rückseite des Hotels an einem Fensterkreuz. Ohne bemerkt zu werden, kletterte ich hinab und fuhr auf einem Fahrrad, welches ich schon vorher in einem Schuppen entdeckt hatte, nach Niederndorf, wo ich am Ausgange des Tales von amerikanischen Truppen angehalten wurde. Ich wurde Capt. Bocto. vorgeführt, erzählte ihm, daß wir als Geiseln verschleppt worden waren und von der SS bewacht würden. Wir seien überzeugt, daß der Kommandant von Himmler den Auftrag habe, uns bei Anrücken der Alliierten sofort zu erschießen und bat ihn, uns schnell zu Hilfe zu eilen. Oberst Ferrero und General Garibaldi, zu denen ich geführt wurde, alarmierten sofort einen Teil der Partisanen, die, vereint mit den Amerikanern, mir auf dem Wege folgten. Es war die 5. amerikanische Armee unter Befehl des Generals Wawell. Auf der Rückseite des Hotels zieht sich ein Tannenwald bis zum Talkessel. Die Truppen versteckten sich in diesem Wald, was von der SS unbemerkt vor sich ging. Ich gab meinen Mithäftlingen ein Zeichen, worauf sie die Leintücher wieder herunterließen und ich hinaufklettern konnte. Gegen 3.30 Uhr ging ich in die Küche wie jeden Morgen, öffnete verabredungsgemäß das Fenster, durch welches die Amerikaner dann einstiegen. Sie besetzten sofort lautlos die Hotelausgänge und die Zimmer der SS. Der SS- Posten am Ausgang des Hotels wurde kurzerhand von den amerikanern niedergeschlagen. Die Zimmer der SS wurden auf ein Kommando aufgestoßen. Sie wurden aufgefordert, sich zu ergeben. Einzelne versuchten sich zu wehren, u. a. warf SS- Oberscharführer Fritz eine Handgranate in die Reihen der Amerikaner. Es war eine von denen, die ich vorher entschärft hatte, sie konnte kein Unglück mehr anrichten. pflegung s Träumen u zu haben, unser Auße Schuhe, Wa gm Bei der Durchsuchung der SS- Gefangenen durch die Amerikaner wurde bei Hauptsturmführer Stiller der Befehl Himmlers vorgefunden, wonach die Gefangenen an einen sicheren Ort in Süditalien zu bringen waren, um sie später als Geiseln gegen gefangene SS- Offiziere auszutauschen. Jedoch bei Anrücken der Alliierten sollten die Geiseln sofort erschossen werden. Die sechs Vollzugsbeamten der Gestapo wurden von den Amerikanern kurzerhand an den nächsten Bäumen aufgeknüpft. zum Strand die ehemali Einwohner vergessen häuften. A Um 9 Uhr traf General Wawell persönlich ein. Er war von dem Anblick der sehr heruntergekommenen Häftlinge tief erschüttert. Er beglückwünschte uns unserer Befreiung und teilte uns gleichzeitig mit, daß wir zur Erholung als Gäste der amerikanischen Luftflotte nach der Insel Capri gebracht würden. 196 erhielt je Amerikane Nachde wieder nac zehneinhal Marseille, um uns vo wir nach wurden wi erst eine sein. Er m gestellten Durchgang des Pfarre Tage auf Frankfurt. In meinem schauspiele ihren Kin Am E zurückblie meister S dischen M Am 6. Mai fuhren wir in 50 Autos durchs Pustertal und durch die Dolo- miten nach Verona. Wir hatten ein prachtvolles Reisewetter. In Verona ‚ wurden wir in den für uns vorbereiteten Hotels sofort untergebracht. Von Verona aus flogen wir in 16 Flugzeugen am anderen Morgen nach Neapel. Nach zweieinhalbstündigem Flug trafen wir auf dem Flugplatz von Neapel ein, wo wir von dem Kommandanten der dritten amerikanischen Luftflotte herzlich empfangen wurden. Nach dem Mittagessen, welches auf dem Flug- platz serviert wurde, ging es zum Hafen, und wir bestiegen die Schnellboote der Amerikaner, die uns zur Insel Capri brachten. Dort erwarteten uns wiederum die Amerikaner mit ihren Autos, die uns nach Anacapri ins Luxushotel Eden-Paradiso brachten, wo wir 32 Tage blieben. Die Ver- pflesung seitens der Amerikaner war sehr gut. Alles, was wir nur aus Träumen und Filmen kannten, wurde uns dort dargeboten. Es waren Sachen zu haben, die die meisten noch nie in ihrem Leben gesehen hatten. Auch für unser Äußeres sorgten die Amerikaner sehr liebevoll. Wir bekamen Kleider, Schuhe, Wäsche, selbst Badezeug fehlte nicht. Zweimal täglich wurden wir zum Strand gefahren und auch wieder von Autos abgeholt. Ferner wurden für die ehemaligen Häftlinge des Konzentrationslagers Konzerte veranstaltet. Die Einwohner Capris taten ihr Bestes, um uns unsere Leidensjahre schneller vergessen zu lassen, indem sie uns mit Geschenken, speziell Obst, über- häuften. Auch mit Toiletteartikeln jeder Art wurden wir versehen. Außerdem erhielt jeder ehemalige Häftling ein größeres Geldgeschenk von den Amerikanern.: S Nachdem unser Aufenthalt auf Capri beendet war, wurden wir zu Schiff wieder nach Neapel gebracht, bestiegen dort die Flugzeuge und landeten nach- zehneinhalbstündiger Luftreise, die über das Mittelmeer und über die Städte Marseille, Lyon, Dijon usw. führte, in Paris. Dort verblieben wir einen Tag, um uns von den Strapazen der Luftreise zu erholen. Am anderen Tage flogen wir nach Frankfurt a. M., wo wir nach zweistündigem Flug ankamen. Hier wurden wir von dem Bürgermeister herzlich empfangen. Er bedauerte jedoch, erst eine halbe Stunde vorher von unserer Ankunft unterrichtet worden zu sein. Er müsse uns leider mitteilen, daß wir uns mit den uns zur Verfügung gestellten Quartieren vorerst zufrieden geben müßten. Wir wurden in einem’ Durchgangslager in der Walter-Grimm-Schule untergebracht. Auf Verwendung des Pfarrers der Josefskirche in Frankfurt wurden wir jedoch schon am anderen Tage auf Privatquartiere verteilt. Zehn Tage dauerte unser Aufenthalt in Frankfurt. Von dort aus ging es mittels Autos der Amerikaner in die Heimat. In meinem Wagen befanden sich u. a. Herr Höppner, Frau Gördeler, die Film- schauspielerin Isa Vermehren, die Frau des Armee-Oberpfarrers Schröder mit ihren Kindern. Am Ende sei noch bemerkt, daß folgende Personen auf der Insel Capri zurückblieben: Bundeskanzler Schuschnigg mit Frau und Kind, Oberbürger- tt aus Wien, ferner die ungarischen, rumänischen und schwe- meister Schmi dischen Minister und Offiziere. Im Lager entstand durch diese Transporte immer größere Unruhe. Wir wußten ja, was ein solcher Transport zu bedeuten hatte. Man nannte sie offen ,, Todesfahrten". Jedoch wußten wir auch schon, daß die Aufsichtsmänner der SS nicht mehr zuverlässig waren und auch an Flucht dachten. In der Nacht zum 28. April erschien plötzlich am Lagertor ein Jude und meldete der Wache einen Transport zurück. Die Wachmannschaften fragten erstaunt, wo denn die anderen seien. Der Mann antwortete ihnen: ,, Die sind nicht mitgekommen. Sie sind mit den Posten getürmt." Als man ihn fragte, warum er denn ins Lager gekommen sei, antwortete er, er wisse nicht, wohin er gehen solle, er habe in Deutschland niemanden, der ihn aufnähme. Ein weiteres Situationsbild! Stimmung. Wehe, wen Unsere Ge dem Schlin über dem Am So Häftlingsan Nachricht, Die Freude zu wissen, Die SS- Fü alten SS- L Kaum waren unsere Leute am 26. April aus dem Lager, kam wieder ein neuer Transport von Buchenwald. Wir hatten bisher schon manchen Transport gesehen, aber dieser war wohl der schlimmste von allen. Die armen Menschen waren drei Wochen unterwegs. An Verpflegung hatten sie nur ein Brot und drei Kartoffeln. In offenen und geschlossenen Eisenbahnwaggons standen sie tagelang auf der Strecke und konnten nicht weiter. Verpflegt wurden sie nirgends. Niemand kann sich vorstellen, in welchem Zustande die Leute in Dachau ankamen. Alle mußten ins Lager gefahren werden, da sie zu schwach waren zu marschieren. Ein Wagen voll Leichen wurde zur Totenkammer gefahren und abgeladen. Man meldete: ,, Da sind die Toten vom Transport. Ihr müßt aber einmal nachsehen, einige schnaufen noch. Sucht sie euch heraus." Es waren 28 Tote, die nachher nebeneinander auf der Blockstraße lagen, alle verhungert, nur Haut und Knochen. Weit aufgerissene Augen, in denen die große Anklage stand: ,, Ihr habt uns gemordet." Die Leichen wurden abgeholt und zum Krematorium gefahren. Hier jedoch wurden sie nicht verbrannt, sondern in eine Grube geworfen, weil der Verbrennungsofen die Arbeit nicht mehr bewältigen konnte. Die Zahl der Toten vom Buchenwalder Transport wurde täglich größer. Jeden Morgen lagen 60 bis 80 Leichen vor der Totenkammer. Es hieß immer: ,, An Hunger gestorben." Als die amerikanischen Truppen kamen, besetzten sie den Bahnhof Dachau und fanden hier eine Reihe Waggons, die verschlossen waren. Als man sie öffnete, fand man 1200 Leichen. Ein vergessener Häftlingstransport von Buchenwald, alle verhungert. SS- Uniform Schon donner, da der Barack In den letzten Tagen des April war von feindlicher Fliegertätigkeit kaum etwas zu spüren. Von ferne tönte Kanonendonner zu uns herüber, und zwar aus der Richtung Augsburg. Sonst war alles ruhig. Wir alle glaubten, es sei die Ruhe vor dem Sturm. Am 28. April kam die Nachricht, Bayern habe kapituliert und General von Epp habe die Gewalt inne. Er sei schon dabei, mit den Amerikanern zu verhandeln. An demselben Tage aber hieß es, Gauleiter Giesler habe mit seiner SS die Oberhand. Genaues jedoch konnten wir nicht erfahren. wagen. Di nische Tru wurden da der erste Das Leben im Lager wurde von Stunde zu Stunde katastrophaler. Wir erhielten nur noch ein Achtel Brot. Von der Wassersuppe konnten die Leute nicht satt werden. Auf den einzelnen Blocks war eine nervöse, aufgeregte Peter H ein Solda Appellpla fand über Jourhause baracke in sterung i Gewehre. wurde un man in d wenn er Besetzung sprach zu über, sie wetterhan Die H Befreiung terieregin toriums. SS- Trupp solchen brannt. S 198 Stimmung. Trotz Lagerpolizei fürchteten wir eine vollkommene Anarchie. Wehe, wenn die Massen in Bewegung kamen! Hunger kennt keine Schranken. Unsere Gedanken waren in diesen Stunden stets: Gott bewahre uns vor dem Schlimmsten! Hoffentlich ist bald alles zu Ende. Ein dumpfer Druck lag über dem ganzen Lager. Keiner von uns wußte, wie dies enden würde. Am Sonntag, dem 29. April, kam morgens um 6 Uhr Dr. Blaha, ein Häftlingsarzt, und verkündete den noch schlafenden Kameraden die freudige Nachricht, daß auf dem Kommandanturgebäude die weiße Flagge gehißt sei. Die Freude war sehr groß. Wir warteten auf die weitere Entwicklung, ohne zu wissen, in welcher Gefahr wir gerade an diesem Sonntag noch schwebten. Die SS-Führer waren spurlos verschwunden. Anwesend waren nur noch die alten SS-Leute, die vor einem halben Jahre aus ihrem Militärdienst in die SS-Uniform gezwungen worden waren.; Die Befreiung des Lagers Schon am Morgen des 29. April hörten wir näherkommenden Kanonen- donner, dann Maschinengewehrfeuer. Unsere Kameraden stiegen auf die Dächer der Baracken und sahen die von ferne heranrollenden amerikanischen Panzer- wagen. Die Spannung war aufs höchste gestiegen, als gegen Mittag amerika- nische Truppen in der Plantage näherrückten. Auf den einzelnen Wachtürmen wurden dann plötzlich weiße Fahnen gehißt. Um 5.15 Uhr nachmittags betrat der erste Amerikaner das Lager. Es war ein Jude aus Köln mit Namen Peter Post. Nach ihm kam eine amerikanische Journalistin. Dann kam ein Soldat und nach ihm zwei Panzerwagen. Alle Häftlinge stürmten zum Appellplatz und empfingen die Soldaten mit lautem Jubel. Die Begeisterung fand überhaupt keine Grenzen. Trotzdem wurde von dem Wachturm des Jourhauses durch die SS-Posten geschossen. Hierbei ist der Kapo der Schneider- baracke ins Herz getroffen worden. Er war sofort tot. Da schlug die Begei- sterung in Wut um. Die Amerikaner gaben den Häftlingen Revolver und Gewehre. Man besetzte die Wachtürme, und wer als SS-Mann angetroffen wurde und sich wehrte, wurde erschossen. 35 Leichen von SS-Leuten hatte man in den kleinen Fluß geworfen. Der Mensch kann zur Bestie werden, wenn er von unversöhnlicher Rache erfüllt ist. Kaum eine Stunde nach Besetzung des Lagers besuchte ein amerikanischer Soldat auch das Revier. Er Kranken beruhigende Worte, die Zeit der Qual sei nun vor- “sprach zu den Tief ergriffen hörten alle zu. Man sah in manchen über, sie seien gerettet. wetterharten Gesichtern Tränen der Freude. Die Bayrische Landeszeitung schilderte den historischen Augenblick der Befreiung folgendermaßen:„Die Männer des 157. amerikanischen Infan- terieregiments betraten das Lager von rückwärts in der Nähe des Krema- toriums. Sie stürzten nach den SS-Baracken und töteten die sich wehrenden SS-Truppen, wo immer diese sich zeigten. ‚Ich sah nie die Leute in einer solchen Stimmung‘, sagte ein Leutnant später. ‚Die Männer waren wutent- brannt. Sie liefen die Lagerstraße entlang ohne Rücksicht auf Deckung. Keiner 199 dachte an sein Leben, nachdem er die Güterwagen mit den verhungerten Toten auf den Abstellgleisen beim Lager gesehen hatte.' Die glücklichen Gefangenen stießen hysterische Schreie der Freude aus, als sie die, Amerikaner kommen sahen. Voller Verlangen nach Freiheit sprangen die Häftlinge durch den Stacheldraht, der elektrisch geladen war. Einige der Gefangenen wurden dabei von dem elektrischen Strom getötet. Aber der Tod hatte für viele der Sklaven von Dachau die Schrecken verloren. Sie stürmten auf die Amerikaner zu. Jene, die ihre Gesichter nicht küssen konnten, küßten die Füße ihrer Befreier. Erst auf Warnungsschüsse hin, die über die Köpfe pfiffen, zogen sich die Gefangenen in ihre Quartiere zurück und beobachteten von dort den Kampf. Der Haß aber, der sich seit Jahren in den Häftlingen aufgespeichert hatte, ließ sie nicht ruhig zusehen, sie handelten. Als das kurze, scharfe Gefecht vorüber war, lagen die Toten der SSGarnison in grotesken Stellungen neben den Leichen der Internierten, die täglich zu Hunderten hier sterben mußten. Die Truppe hatte keine Verluste." ☆ versteckt g waffnete si SS- Formatio sind. Es wa Sie sind ge bei uns ste Die Amerikaner hatten eine furchtbare Wut auf alle SS- Leute, nachdem sie sowohl die 1200 Leichen am Bahnhof Dachau, als auch die große Zahl von Leichen im Krematorium gesehen hatten. Sie schworen, alle SS- Männer sofort zu erschießen, die sie im oder in der Nähe des Lagers anträfen. Dies haben sie im Kommandanturbereich auch restlos ausgeführt. Leider sind dabei manche Unschuldige erschossen worden. Es waren dies besonders die alten SS- Leute, die dem Kyffhäuserbund angehört hatten und zur SS gezwungen worden waren. Ein SS- Mann zog, um sich zu legitimieren, seinen Wehrpaß heraus. Jedoch die Kugel war rascher. Es war schade, daß man die Häftlinge nicht zur Verantwortung ziehen konnte, die ihre Mithäftlinge so furchtbar geschlagen und gequält hatten, wie Kapp, Samerski, Becher, Zill, Heiden und andere. War un Auf diese des Lagers Telegramm Im Lager wurde nach dem Erscheinen der Amerikaner die Verpflegung sofort besser. Die gesamten Vorräte der Konservenfabrik W. wurden beschlagnahmt und dem Lager zugeführt. In den ersten Tagen erhielten wir reichlich Fleischkonserven. Die Leute stürzten sich mit Heißhunger auf diese Fleischvorräte, und sie aßen alles sofort auf, was sie erhielten. Dies konnte nun der ausgehungerte Magen nicht vertragen. Es stellte sich starker Durchfall ein, viele sind an den Folgen gestorben. ,, Die Übers Häftling da sich graue ... Himmler." evakuieren hatten wir konnten u linge von alle Komm Partei ode Die Befreiung hatte eine Vorgeschichte. Es war ein Befreiungskampf in der Stadt Dachau. Hier wohnte seit längerer Zeit ein ehemaliger Häftling, Georg Scherer, der vor einigen Jahren aus dem Lager entlassen worden war. Er hatte sich heimlich die Aufgabe gestellt, die Befreiung des Lagers vorzubereiten und mit den nahenden amerikanischen Truppen in Verbindung zu kommen. Dies gelang ihm. Er wies darauf hin, daß die Bevölkerung von Dachau antifaschistisch eingestellt sei und für die Häftlinge des Lagers sehr viel getan habe. Deshalb haben die Amerikaner die Stadt Dachau nicht bombardiert. Am 26. April ging aus dem Lager der große Transport ab. In der Nacht flohen 80 Mann, kehrten heimlich nach Dachau zurück und mußten von der Bevölkerung 200 kämen all lieber Kan Wie viele berechtigt, Dachau an Transport. so gut wi Transport Tag und nur etwas wurden in offene, tei Bahnhof, Kaum faltete sid sich zusan Aus diese nannte sic dem amer die Wüns mit folger Im K Häftlinge ® versteckt gehalten werden. Scherer versammelte die Seinen am Samstag, be- waffnete sie und stürmte‘ das Rathaus. Hierbei gerieten sie mit einer kleinen SS-Formation in einen Feuerkampf, in welchem drei Spanienkämpfer gefallen - sind. Es waren die Kameraden Fritz Dürr, Anton Hackel und Otto Endrian. Sie sind gefallen, um uns das Leben zu retten und dafür soll ihr Andenken bei uns stets in Ehren bleiben! War unser Leben im Lager in den letzten Tagen gefährdet durch die SS? Auf diese Frage bekamen wir eine erschütternde Antwort nach der Einnahme des Lagers durch die Amerikaner. Man fand nämlich in der Kommandantur zwei Telegramme von Himmler persönlich. Das eine war vom 14. April und lautete: „Die Übergabe kommt nicht in Frage. Das Lager ist sofort zu evakuieren. Kein Häftling darf lebendig in die Hände der Feinde kommen. Die Häftlinge haben sich grauenhaft gegen die Bevölkerung von Buchenwald benommen. gez. - Himmler.‘ Das andere Telegramm war vom 17. April und lautete:„Lager evakuieren! Revier bleibt! Alles liquidiert! gez. Heinrich Himmler.‘ Nun hatten wir auch eine Erklärung für die Transporte im letzten halben Jahr. Wir konnten uns nämlich nicht erklären, welchen Zweck es wohl hatte, die Häft- linge von einem Lager in das andere zu verschieben. Zuerst wurden plötzlich alle Kommunisten aus unserem Lager entfernt. Es waren die Funktionäre der Partei oder solche, die einen Posten im Staate inne gehabt hatten. Es hieß, sie kämen alle nach Neuengammen bei Hamburg. Unter ihnen war auch unser lieber Kamerad Lyder Winters aus Bremen, früher Bürgermeister in Sachsen. Wie viele von diesen Leuten mögen heute noch. leben? Diese bange Frage ist berechtigt, wenn man die Transporte gesehen hat, die von anderen Lagern in Dachau ankamen. Im Revier lag neben mir ein Kamerad vom Buchenwald- Transport. Er war halb verhungert, als er eingeliefert wurde. Wir halfen ihm so gut wie möglich. Er lebte wieder auf und erzählte Einzelheiten von dem Transport. Mit 5000 Mann zogen sie aus, ein endloser Zug armer Menschen. Tag und Nacht mußten sie zuerst marschieren. Wer nicht weiter konnte und nur etwas zurückblieb, wurde vom Posten einfach: erschossen. Die Leichen wurden in den Straßengraben geworfen. Dann wurden sie verladen, teils in offene, teils in geschlossene Waggons. Das Ende war das Bild auf dem Dachauer Bahnhof, 1200 Leichen! Kaum waren die Amerikaner erschienen und hatten das Lager befreit, ent- faltete sich im Lager ein neues frohes Leben. Die einzelnen Nationen schlossen sich zusammen und bildeten eigene Komitees zur Wahrung ihrer Interessen. Aus diesen Komitees wurde ein großes internationales Komitee gebildet. Es nannte sich„I. H. K.“ Internationales Häftlings-Komitee. Seine Aufgabe war, dem amerikanischen Kommandanten des Lagers zur Seite zu stehen und ihm die Wünsche der Häftlinge zu unterbreiten. Am 25. April trat dieses Komitee mit folgender Bekanntgabe an die Öffentlichkeit: „Kameraden! Im Konzentrationslager Dachau hat sich als oberste Repräsentation der Häftlinge aller Nationen und zur Aufrechterhaltung der Sicherheit und Ord- 201 nung ein Internationales Häftlings- Komitee gebildet. In diesem I. H. K. sind folgende Nationen vertreten: 1. für Belgien: Haulst, Arthur, 2. für Britannien: O'Leary, Patrik 3. für Frankreich: Michelet, Erimond, 4. für Holland: Boellard. Willem 5. für Italien: Melodia, Giovanni, 6. für Jugoslawien: Juranic, Oskar, 7. für Luxemburg: Conner, Jim, 8. für Österreich: Kotbauer, Alfons, 9. für Polen: Kokoszka, Josef, 10. für Sowjet- Union: Michailow, Nicolei, 11. für Spanien: Parra, Vincenz, 12. für Tschechoslowakei: Dr. Blaha, Franz, 13. für Ungarn: Pallavicini, Georg, 14. für die Balkan- Volksgruppen: Kuki, Ali." Zunächst war Deutschland ausgeschaltet worden und nicht vertreten. Nach einigen Tagen wurde Müller, der derzeitige Lagerälteste, als Vertreter der Deutschen hinzugezogen. Es wurde angeordnet: 1. Auf jedem Block wird sofort ein Internationales Komitee gewählt, das im Verein mit den Blockältesten für Ruhe und Disziplin auf dem Block verantwortlich ist. 2. Die obersten Ausführungsorgane des Lagers sind der Lagerälteste und der Lagerschreiber. Alle ihre Anordnungen, welche im Einverständnis mit dem I. H. K. gegeben werden, sind sofort auszuführen. 3. Die gesamte Polizei ist dem Lagerältesten unterstellt und hat mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln für Ruhe und Sicherheit im Lager zu sorgen. Jede Ausschreitung wird sofort mit den strengsten Mitteln bestraft. 4. Sämtliche Arbeitskommandos, die zur Weiterführung des Lagers betriebsnotwendig sind, arbeiten nach Anweisungen des Lagerältesten bzw. Lagerschreibers. 5. Alle Schriftstücke des I. H. K. zeichnete als Vorsitzender O'Leary Patrik, als Sekretär Malczewski, Leon. Bericht über die erste Sitzung des Internationalen Häftlings- Komitees im befreiten Lager Dachau 1. Die Sitzung fand statt in Anwesenheit des amerikanischen Truppenkommandeurs Colonel Fellenz. 2. Der amerikanische Kommandeur hat dem Vorsitzenden des I. H. K., Leutnant R. M. Patrik O'Leary, sämtliche Vollmachten über das Lager gegeben. Den äußeren Schutz haben die amerikanischen Truppen übernommen. 3. In zwei bis drei Tagen übernimmt die amerikanische Militärverwaltung die Sicherheit und Verpflegung des Lagers. 202 4. Di Müller au 5. Di erhöht. 6. Die unterstell 7. Es 8. Etw 9. Wi Mitteln H 10. D einen Pas 11. D stube er gefangen 12. D genomm erschosse drangsal 13. scheidet 14. h C 15. bekannt Dies veröffen Dad Die hier wu entstand Manifes Das hatte fo Die daß De strophe von To | 4. Die Ausführungsorgane innerhalb des Lagers sind der Lagerälteste Müller aus Frankfurt und der Lagerschreiber Domagalla. 5. Die Lebensmittellage ist gesichert. Die täglichen Rationen werden erhöht. 6. Die Lagerpolizei ist bis auf weiteres dem Kommando von Gustav Eberle unterstellt, der mit dem Lagerältesten zusammen arbeitet. 7. Es ist niemand gestattet, das Lager zu verlassen. 8. Etwaige im Lager befindliche Waffen sind sofort im Jourhaus abzugeben. 9. Willkürliche Akte, persönliche Rache werden sofort mit den schärfsten Mitteln bestraft. 10. Die zur Verpflegung des Lagers bestimmten Kommandos bekommen einen Passierschein zum Ausrücken außerhalb des Lagers. 11. Die ehemaligen SS-Häftlinge im Lager werden durch die Lagerschreib- stube erfaßt und später den amerikanischen Militärbehörden als Kriegs- gefangene zur Verfügung gestellt. 12. Der bisherige Häftling Maanssanian und sein Adjutant wurden fest- ch genommen und auf Befehl des amerikanischen Kommandeurs standrechtlich er erschossen.(Es waren die beiden Männer, die das ganze Lager bis zuletzt drangsaliert und viele Kameraden an die SS ausgeliefert hatten.) 13. Über die Festnahme verschiedener anderer Elemente im Lager ent- a5 scheidet in jedem Falle das I.H.K. Vor Einzelakten wird schärfstens gewarnt. 1- 14. Als vorläufige Ausschüsse werden bestellt: a) Ernährungswesen: Jan Margunkowski, nd b) Desinfektion: Dr. Franz Blaha, m c) Disziplinarwesen: Oskar Juranic. 15. Weitere Berichte werden schriftlich oder durch den Lautsprecher laufend en bekannt gegeben. zu Dieser Bericht wird im Laufe des Vormittags in den wichtigsten Sprachen veröffentlicht. en Dachau, den 30. IV. 1945. Das 1.H.K. W RN 2 Die einzelnen Komitees der Nationen machten sofort ein Büro auf. Von hier wurden die‘ Häftlinge mit den neuesten Ereignissen bekannt gemacht. Es entstanden sofort Zeitungen in den einzelnen Sprachen geschrieben, ferner Manifeste an die einzelnen Nationen. z Das erste Rundschreiben gaben die deutschen Kommunisten heraus. Es hatte folgenden Wortlaut: „An alle freiheitlichen, antifaschistischen Deutschen! Kl Die Hitler-Diktatur ist zu Ende! Hitler und seine Banditen sind schuld, JE daß Deutschland die größte politische, wirtschaftliche und kulturelle Kata- IF strophe erleidet. Zertrümmerte Städte, vernichtete Volkswirtschaft, Millionen von Toten, Millionen Verstümmelter sind das Ergebnis der Machtgier Hitlers. Tr> =} = 203 Staaten und Religionen kamen und gingen. Überall blieb etwas Gutes. Nach dem Faschismus aber bleibt nur das Grauen. Niemals sind in der deutschen Geschichte die Befreiungsarmeen der Amerikaner, Engländer und Russen von der durch Hitlerbanditen terrorisierten Bevölkerung so begrüßt worden wie heute. Viele von uns deutschen Antifaschisten sind durch die 12jährige Hitler- Diktatur nicht mehr am Leben. Wir deutschen Antifaschisten haben die mühevolle Aufgabe, uns das Vertrauen und Ansehen als deutsches Volk bei den anderen Völkern wieder zu erobern. Auch das ist ein Werk Hitlers. Durch die Befreiungsarmeen der Alliierten haben wir die Möglichkeit, wieder den 1. Mai als freie Menschen zu feiern und unsere antifaschistische Gesinnung offen und frei zu zeigen. Am 1. Mai kämpfen wir für die restlose Ausrottung des Faschismus als Organisation und Gesinnung. Für den Aufbau eines neuen Staatenapparates! Kein Faschist darf in einer Staatstellung bleiben. Für den Wiederaufbau der antifaschistischen Organisationen und Gewerkschaften! Für die Glaubensfreiheit! Für ein antifaschistisches, demokratisches Deutschland! adi Für ein brüderliches Bündnis mit den freien demokratischen Völkern! Nieder mit dem faschistischen Rassenhaß! Tod dem. Faschismus! Für Frieden Freiheit- Brot! - Die deutschen Antifaschisten." Die amerika ein. Am 3. statt. Es zel Am 1. Mai 1945 fand die erste große Maikundgebung statt. 11.15 Uhr vormittags marschierten die einzelnen Nationen zum Appellplatz. Nach dem Aufmarsch erschien der amerikanische Kommandant und sprach zu den Leuten in herzlichen Worten, indem er die Anrede gebrauchte: ,, Meine Freunde." Er versprach, so rasch wie möglich alle zu ihren Familien nach Hause befördern zu lassen. Auch Frauen mit kleinen Kindern nahmen an der Feier teil. Es waren ebenfalls Häftlinge. Nach einer kurzen Totenehrung überreichte eine Frau dem Kommandanten einen Blumenstrauß. Ein Fahnenträger mit zwei amerikanischen Soldaten hatten auf der Tribüne Aufstellung genommen. Ein russischer General begrüßte insonderheit die russischen Gefangenen und dankte allen. Nach ihm sprach der Lagerälteste Oskar Müller in herzlichen Worten. Damit schloß die Feier. als Diakon hielt Pfarre stimmt. An Zwischenfall ein französi Ansprache hat er sich Am Abend des 1. Mai verkündete uns das Radio, daß am 28. April, nachmittags 4.15 Uhr, in der Nähe von Mailand Mussolini erschossen worden sei. Von dem Turm des Jourhauses sprach ein amerikanischer Militärpfarrer zu den Leuten: ,, Wir freuen uns, daß wir euch befreien konnten. Lasset uns deshalb die Hände falten und dem Herrn danken." Dann betete er das Herrngebet. Am 2. Mai errichteten die Polen auf dem Appellplatz ein acht Meter hohes Kreuz. Davor auf einer Empore stellten sie einen Altar auf. Der Altar war herrlich geschmückt. Über ihm brannte ein Kranz elektrischer Lampen. 204 Besonde ihnen herau Gottesdiens empfang in evangelische Ein Erei 10 nahme des wesen war auf dem Ge kommando ihnen ein M sofort in di ihn gefange Wie ein La Böttger im Aus 30 000 ihn richten. Alle traten Appellplatz. zwischen ha weithin sich genau wie e sagen, und großes Naz russische O Heil, mein Aufregung erklang der Nachdem a Blocks zurü anderen Ta was er wub Später wur Juwelenhän die Juwelen gründet. In Die amerikanische, englische und polnische Flagge rahmten das ganze Bild ein. Am 3. Mai fand ein feierlicher Gottesdienst für die Toten des Lagers statt. Es zelebrierte Pfarrer Verenik-Lublin, es assistierte Pfarrer Korcinski, als Diakon Pfarrer Corcz, als Subdiakon Pfarrer Czaplinski. Die Predigt hielt Pfarrer Haudza. Dieser Gottesdienst war leider nur für die Polen be- stimmt. Andere hatte man nicht dazu eingeladen. Es ereignete sich ein Zwischenfall, der sehr bedauerlich war. Während der hl. Messe hielt plötzlich ein französischer General zu den in der Nähe versammelten Franzosen eine Ansprache und störte durch seine laute Stimme den Gottesdienst. Nachher hat er sich entschuldigt. Besonders rührig sorgten die Holländer für ihre Kameraden. In der von ihnen herausgegebenen Zeitung teilten sie u. a. mit, daß täglich katholischer Gottesdienst sei. Auch sei Gelegenheit zur Beichte und zum Kommunion- empfang in der Kapelle auf Block 26. Sonntags um 5 Uhr nachmittags sei evangelischer Gottesdienst. Ein Ereignis, das das ganze Lager in Aufregung brachte, war die Fest- nahme des Hauptscharführers Böttger, der bis zuletzt Rapportführer ge- wesen war ünd uns sehr gequält hatte. Das Leben vieler Häftlinge hatte er auf dem Gewissen. Brutal und roh hatte er uns behandelt. Das Hasenstall- kommando holte außerhalb des Lagers Heu. Auf der Straße von Dachau kam ihnen ein Mann in Häftlingskleidung auf dem Rad entgegen. Einige erkannten sofort in diesem Häftling den Böttger. Sofort umringten sie ihn und nahmen ihn gefangen. Sie brachten ihn ins Lager und übergaben ihn den Amerikanern. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Nachricht von der Festnahme des Böttger im ganzen Lager. Alle Häftlinge versammelten sich vor dem Jourhaus. Aus 30 000 Kehlen erscholl der Ruf:„Gebt uns den Kerl heraus. Wir wollen ihn richten.“ Der Amerikaner aber gab den Befehl:„Auf die Blocks zurück!“ Alle traten nun auf ihren Blockstraßen an und marschieren geschlossen zum Appellplatz. Hier aber lösten sie sich auf und umstanden das Jourhaus. In- zwischen hatte man den Böttger oben auf die Empore des Jourhauses gestellt, weithin sichtbar. Hier mußte er zuerst einmal ‚„‚Mütze auf, Mütze ab“ machen, genau wie er es von uns verlangt hatte. Dann zwang man ihn folgendes zu sagen, und zwar mit lauter Stimme, die jedoch sehr rauh klang:„Ich bin ein großes Nazischwein. Ich habe viele hundert Häftlinge getötet. Ich habe 92 russische Offiziere. erschossen. Ich bin nicht wert, weiterzuleben. Heil Hitler! Heil, mein Führer! Heil, mein Führer! Heil, mein Führer!” Eine ungeheure Aufregung bemächtigte sich der Lagerinsassen. Aus den Reihen der Häftlinge erklang der Ruf:„Werft uns den Kerl herunter! Wir wollen ihn richten! Nachdem aber auf Befehl der Amerikaner die Versammelten wieder zu den Blocks zurückgegangen waren, führte man Böttger zum Gefängnis ab. Am anderen Tage wurde er vernommen. Er sollte Aussagen machen über alles, was er wußte. In der Folgezeit mußte er im Krematorium Leichen schleppen. Später wurde mitgeteilt, er sei in Augsburg gehängt worden. Böttger war Juwelenhändler in München, aber erst seit 1933. Man erzählte, er habe sich die Juwelen der Juden angeeignet und damit ein einträgliches Geschäft ge- "gründet. In einem Brief, den er am 25; August 1940 von Berlin erhielt, 205 lasen wir die Mitteilung eines Geschäftsfreundes: ,, Was ist bei dir in Dachau los? Was machen die armen Juden? Es müßte nun ja bald keine mehr geben. Hoffentlich avancierst du nun bald zum Leutnant, sonst hat das ganze Soldatenspielen keinen Zweck für dich." Somit war Böttger offenbar ein Parteigenießer. Seiner verdienten Strafe ist er zugeführt worden. Im Lager war ein reges Leben. Die Lagerstraße hatte sich vollkommen geändert. Man hatte den Eindruck, sie sei eine Kirmesstraße. Überall bunte Fahnen und Fähnchen. Jede Nation wollte die andere übertrumpfen im Schmuck ihrer Wohnblocks. Es war ein buntes Bild der verschiedensten Farben. Die Ordnung des Lagers, die früber so außerordentlich streng gehalten wurde, war vollkommen aufgelöst. Auf dem Appelplatz sah es aus wie in einem Zigeunerlager. Die Amerikaner hatten Zelte aufgeschlagen. In diesen Zelten wurde desinfiziert. Die Kameraden der einzelnen Nationen hatten Abzeichen in ihren Nationalfarben angelegt. Nur die Deutschen hatten keine Fahne und kein eigenes Abzeichen. Kaum war das Lager befreit, hatten es einige verstanden, in die riesigen Bestände der SS außerhalb des eigentlichen Häftlingslagers einzubrechen und dort alles zu stehlen, was sie gebrauchen konnten. Leider ist bei dieser Aktion auch vieles zerstört worden. Mit den gestohlenen Sachen wurde ein schwunghafter Handel getrieben. In den einzelnen Komitees war man fleißig an der Arbeit, um die baldige Entlassung vorzubereiten. Man bemühte sich, täglich durch eine Lagerzeitung die Häftlinge zu orientieren über verschiedene Maßnahmen der Verwaltung, über Ereignisse außerhalb des Lagers und besonders über die politische Entwicklung in Europa, insonderheit die in Deutschland. Hierbei aber spürte man eine sehr starke Abneigung gegen alles Deutsche. Es machte sich bald ein Chauvinismus breit, der offen in einen unversöhnlichen Haß auszuarten drohte. Deshalb gab das deutsche Komitee folgenden Aufruf heraus: ,, An die deutschen Antifaschisten des Konzentrationslagers Dachau! Soldaten der VIII. amerikanischen Armee unter dem Befehl des Generals Patten, Angehörige der 45. Division unter General Patch haben uns befreit! Unsere jahrelangen Leiden, unsere vielfältige Not, die knechtische Unterdrückung unseres Denkens und Fühlens scheiden alle antifaschistischen Deutschen von der Schicht jener, die durch die Waffen der freiheitsliebenden Völker besiegt wurden und deren undeutsche Selbstvergötterung und verbrecherischer politischer Wahnwitz endlich ein Ende nahm. Samstag vo den Abtran Himmlers s worden wa Vergessen wir heute im Gefühl aufrichtigen Dankes für unsere Befreier nicht die Hunderttausende starkmütiger deutscher Kämpfer, die in den Gestapokellern gemartert und in den Konzentrationslagern des Reiches zugrunde gerichtet worden sind! Ihr Tod und das allgemeine Unglück unseres Vaterlandes verdunkeln die Freude über unsere Befreiung mit den Schatten einer aufrechten Trauer. Als deu Haltung in erworben un nationalsozi Vergessen wir auch heute nicht die kleine, verschworene Schar beherzter deutscher Häftlinge aus dem Konzentrationslager Dachau, die in todesentschlossener Kameradschaft mit einem Offizier des Kommandos der Fertigungswerkstätte und einigen uns innerlich verbundenen Volkssturmmännern am 206 Wir hof anerkennen ihre Schand Durch Selbstbesche bemühen, d und dem G beweisen, d Sitte und erstorben si Wir ant uns mit St Verfasser: I Technische Dachau, tschech Nur we Freude des zeigen, dal begreifen, oder es bey suchungen in den Rei Darum der kämpf Einheit der A De Sie ver den Nazism Hier n klaren Sta Samstag vor unserer Befreiung den Sturm auf Dachau wagten, um dadurch den Abtransport aller Gefangenen zu verhindern, die durch einen Befehl Himmlers schon den Maschinengewehrsalven der SS-Bewachung ausgeliefert worden waren. Als deutsche antifaschistische Kämpfer glauben wir, uns durch unsere Haltung in den Jahren des Naziterrörs die Achtung aller Gerechtdenkenden erworben und auch für die Zukunft gesichert zu haben, jene Achtung, die das nationalsozialistische Deutschland untergraben und verloren hat. Wir hoffen, daß die Kameraden der anderen Nationen diese Scheidung anerkennen, die uns von denen trennt, die unseren deutschen Namen durch ihre Schandtaten und ihre Willkürherrschaft verunglimpft haben. Durch unsere Arbeit, unseren Fleiß, ein einfaches Leben in Zucht und Selbstbescheidung werden wir uns draußen in der schwer errungenen Freiheit bemühen, den Wiederaufbau unseres durch die Naziherrschaft der Vernichtung und dem Grauen anheimgegebenen Vaterlandes einzuleiten, um der Welt zu beweisen, daß im gesund gebliebenen Teil des deutschen Volkes Anstand, Sitte und das Gefühl der Verbundenheit mit den übrigen Völkern nicht erstorben sind. Wir antifaschistischen Kämpfer des Konzentrationslagers Dachau bekennen uns mit Stolz zur Gemeinschaft der freiheitsliebenden Völker in aller Welt! Verfasser: Dr. Heinrich Eduard Miesen, Köln-Ehrenfeld, Nußbaumer Str. 260. Technische Leitung: Karl Schnock, Neuß, Düsseldorfer Straße 106. Dachau, am 2. Mai 1945.“ WIR„SPANISCHEN FREIWILLIGEN“ tschechischer und slowakischer Nationalität haben uns entschlossen, folgende Erklärung vorzubringen: Nur wenige Tage sind verflossen seit unserer Befreiung. Wir haben die Freude dessen noch nicht genossen, und schon sind Dinge passiert, welche zeigen, daß einige Leute der tschechischen Nation entweder politisch nicht begreifen, wer das Recht hat, den stolzen Titel„Antifaschist“ zu tragen, oder es bewußt vertuschen, damit sie die Aufmerksamkeit bei späteren Unter- suchungen und strengen Bestrafungen der faktischen Helfer des Nazismus auch in den Reihen der tschechisch-slowakischen Nation von sich lenken. Darum verbreiten sie chauvinistische Hetzereien, anstatt den Gedanken der kämpfenden antifaschistischen Demokratie und weiteren Festigung der Einheit der Nation gegen den Faschismus zu sehen. Ihr Lied ist immer dasselbe: „Alle Deutschen sind gleich, Ausmerzen der Germanen, weg mit allen Deutschen, warum spricht man immer noch deutsch.“ Sie verdecken damit die Wahrheit, daß deutsche Arbeiter im Kampfe gegen den Nazismus Blut vergossen haben, viel früher, als die Reihe an uns kam. Hier müssen wir„Spanischen Freiwilligen‘‘ unsere Meinung sagen und ‚klaren Standpunkt einnehmen, weil es sich hier um die Ehre und vielleicht 207 auch um das Leben unserer Kameraden und Brüder, welche mit uns gemeinsam Blut vergossen haben, handelt, um die Ehre unserer deutschen, österreichischen und sudetendeutschen Kameraden, und damit auch um unsere Ehre. Wir wissen, daß sie nicht ganz ohne Tadel sind, wir wissen, daß in diesen sich einzelne Leute befinden, welche unsere Reihen beschmutzen, aber wir wissen auch, daß diese einzelnen Leute uns und ihrem Volke einmal Rechenschaft geben müssen über ihre Fehler und evtl. Verbrechen. Aber wir stemmen uns entschlossen gegen eine chauvinistische allgemeine Verurteilung des ganzen deutschen Volkes und hauptsächlich durch Leute, welche in erster Linie ihr eigenes Gewissen einer Kontrolle unterziehen müssen. Wir können nicht mit dem einverstanden sein, daß unsere Kameraden verurteilt und verleumdet werden durch die, welche Hitler und seinen Verbrechern zujubelten in der Zeit, wo unsere deutschen Kameraden schon lange im Kampfe standen und ihr Blut gaben auf den Barrikaden von Berlin, München, Wien gegen Hitlerismus und österreichischen Faschismus. Wir dulden nicht die Verurtei-. lung unserer Blutsbrüder, welche in den Jahren der Emigration Seite an Seite mit uns gegen den vereinigten internationalen Faschismus gekämpft haben. Das auf diesen Kampffeldern vergossene Blut bindet uns unzerreißbar. Das unvergeßliche Opfer unserer gefallenen Kameraden zwingt uns unter allen Umständen und mit allen Mitteln, die Ehre der deutschen antifaschistischen Kämpfer zu verteidigen und unter allen Umständen und mit allen Kräften eine eventuelle künstlich ausgelöste Massakrierung zahlreicher deutscher Antifaschisten zu verhindern, welche nicht erst seit gestern, sondern viele schon seit dem vorigen Weltkrieg in den Reihen der Antifaschisten standen. Wir erinnern an den Aufstand der Marine in Kiel, Revolution in Berlin und den Aufstand in München und Dachau. In den nächsten Tagen legen wir euch Dokumente vor, daß das hiesige Lager am 20. März 1933 durch Himmler für 5000 deutsche kommunistische und sozialdemokratische Funktionäre errichtet wurde. Erst war diese deutsche Arbeiterklasse vernichtet, ehe die Reihe an uns kam. Diejenigen, die über die Grenze flüchteten, kämpften schon in Österreich im Jahre 1934, mit uns in Spanien, oder in der tschecho- slowakischen Armee in Frankreich. unsere suc Armee in Fragt zu Hause Kommandeure unserer Grenzeinheiten und GendarmerieStationen, die Polizeidirektionen, wie sie die kämpfende armierte Hilfe deutscher Antifaschisten im Kampfe gegen Hähnlein geschätzt haben. manche v manche v industrie Beden SS- Offizie und mehr alles das. haben. Urteilt gerecht! Tod den Verrätern und Schuldigen aller Grausamkeiten, die von dem internationalen Faschismus und ihren Helfershelfern auch in unseren tschechisch- slowakischen Reihen begangen wurden. Aber Ehre den ehrlichen und langjährigen Kämpfern gegen den Faschismus. Hände weg von ihrer Ehre, besonders, wenn diese Hände selbst nicht rein sind. Wenn Ihr berechtigte Anklagen gegen unsere Kameraden habt, sagt es uns ins Gesicht und schändet nicht das Blut, das für eine gerechte Sache vergossen ist. Unser schlechte er seine wir nicht Gedenkt auch dessen, daß es deutsche und österreichische Kameraden waren, die noch am Vortage unserer Befreiung auf den Barrikaden von Dachau und München gekämpft haben und gefallen sind. Gedenkt auch dessen, daß 208 ist unsere Kampfes sam verg Sollte Spanienka bei unser digen ver Jeder Strafen z land, we massakrie Dach Unte Entlassun hatte. V Amerika Komitees lischer S längerun waren. I Name d Datum: Name d Geschlec Staatsan Wohnun Datum Dachau ne ee TS unsere sudetendeutschen Kameraden in den Reihen der tschecho-slowakischen Armee in Frankreich gegen Hitler-Deutschland standen in der Zeit, wo manche von Euch Hacha und anderen Verrätern zugejubelt haben und manche von Euch ehrlich für die deutsche faschistische Armee in der Kriegs- industrie gearbeitet haben. Bedenkt dieses, dann urteilt! Manche von Euch sind heute noch bereit, SS-Offiziere zu decken, welche„gut“ sein sollten, obwohl sie schon vor zehn und mehr Jahren freiwillig in die Reihen der SS traten und mit ihrem Namen alles das, was wir selbst erlebt und was um uns herum geschah, gedeckt haben. Unsere Kameraden werden wir verurteilen. Will uns jemand helfen, schlechte Leute aus unseren Reihen zu entdecken und zu entlarven, so soll er seine Klage uns vorbringen, wir sind ihm dankbar. Jedenfalls stimmen wir nicht zu, daß man die Ehre unserer Kameraden angreift, denn ihre Ehre ist unsere Ehre. Uns bindet nicht nur die gemeinsame Sache des langjährigen Kampfes gegen Nazismus und für Demokratie, sondern besonders gemein- sam vergossenes Blut. Sollte aber durch diese künstlich entfesselte Stimmung einem deutschen Spanienkämpfer auch nur ein Haar gekrümmt werden, werden wir zu Hause bei unserer Regierung die Untersuchung und schärfste Bestrafung der Schul- digen verlangen. Jeder hat das Recht zu urteilen, aber niemand hat das Recht, größere Strafen zu geben als der, der die größten Opfer gebracht hat: Sowjet-Ruß- land, welches gerecht die Schuldigen bestraft, aber die Unschuldigen nicht massakriert. Wir wollen Menschen sein und keine Bestien wie die Nazis. Tschecho-Slowakische Gruppe der „FREIWILLIGEN SPANIENKÄMPFER“ Dachau, den 5. Mai 1945. Herausgegeben vom„Deutsc hen Komitee‘. Unter den Häftlingen war eine große Nervosität, weil man ihnen ihre Entlassung versprochen und sogar für die nächste Zeit in Aussicht gestellt hatte. Viele glaubten, in den nächsten Tagen entlassen zu werden. Jedoch die Amerikaner ließen sich Zeit. Nach einigen Tagen verteilten die einzelnen Komitees Fragebogen an ihre Mitglieder. Diese Fragebogen mußten in eng- Jischer Sprache ausgefüllt werden. Dies bedeutete natürlich eine große Ver- längerung der ganzen Angelegenheit, weil nicht genug Dolmetscher vorhanden waren. Der Fragebogen hatte folgende Fragen: Name des Konzentrationslagers: Datum: Ort: Name des Lagerinsassen: Geschlecht: Geburtsdatum: Staatsangehörigkeit: Glaubensbekenntnis: Wohnungsanschrift: Beruf: Datum der Verhaftung: Durch wen: Dachau 14 sonders ha wurden in sierte" eb einigen T Ort der Verhaftung: Grund für Verhaftung: Erkennendes Gericht: Name der Richter: Urteil: Wo in Haft gewesen und wie lange: Einzelheiten betreffend die Haft, im besonderen etwaige grausame Behandlung und Zeit derselben, Gründe hierfür und die Namen der Täter, falls bekannt: Stellung, die Sie während der Haft hatten: Haben Sie jemals der NSDAP., deren Gliederungen, angeschlossenen Verbänden oder betreuten Organisationen angehört? Falls ja, geben Sie die Organisationen, die Zeit der Mitgliedschaft und die von Ihnen bekleideten Ämter an: Geben Sie Ihre Militärdienstzeit unter Angabe der Organisationen, Daten und des Dienstranges an: Geben Sie Tatsachen an, die Ihre etwaige Gegnerschaft gegen die Nationalsozialisten erkennen lassen, sowie diesbezügliche Tätigkeiten: Geben Sie Ihre Beschäftigung durch Regierungs- und NSDAP.- Behörden einschließlich die Art der Beschäftigung an und wie Sie diese Anstellung erhalten haben: Waren Sie vom Militärdienst zurückgestellt: Wann? Warum: Sind Sie jemals wegen einer strafbaren Handlung verurteilt worden? Falls ja, geben Sie hier in jedem einzelnen Fall Datum, Gericht, Urteil, die strafbare Handlung und das Datum der Haftentlassung an: Wohin beabsichtigen Sie zu gehen, falls Sie aus der Haft entlassen werden? Geben Sie die Namen und die Anschriften dreier vertrauenswürdiger Personen an, die in dem Orte wohnen, wohin Sie gehen wollen und die für Sie bürgen können: Dieser Fragebogen machte manchem große Kopfschmerzen, weil sie nicht alles aus ihrem Leben angeben wollten. Sie fürchteten nämlich, durch die Angaben könnte die Entlassung in Frage gestellt sein. Besonders waren es die PSVer, die Angst um ihre Entlassung hatten, denn es waren diejenigen, die unter polizeilicher Sicherheitsverwahrung standen. Das Lager glich mehr und mehr einem Ameisenhaufen. Alles lief durcheinander. Jeder war bemüht, für sich etwas zu hamstern. Außerhalb des Sträflingslagers, in den SS- Baracken und Gebäuden, lagen ungeheure Mengen von Gegenständen aufgehäuft. Viele der Häftlinge hatten in diesen Baracken gearbeitet, als die SS noch da war, und wußten um die Dinge. Das Zeugamt, das Magazin, die Porzellanfabrik, die vielen Büros der SS und andere Räume enthielten wertvolle Sachen. Große Ballen von Stoffen und Tuchen, Gebrauchsgegenstände jeder Art, Möbel, Bücher, Radioapparate und vieles mehr waren dem Zugriff freigegeben. Anfangs schlichen sich Häftlinge aus dem Lager und raubten, was sie fanden. Hierbei wurde manches zerstört. Sie brachten die Sachen ins Lager und fingen damit einen schwunghaften Handel an. Be210 daß alles Ersatz all man die Das Le Menschen des Intern halb des L zu sorgen. eingerichte Täglich fu ab. Zuerst monefälle heraus. Sp in großen Lager. De und Kleid Bei d von 30 00 Frauen. W Nationen genug, di lag auf Bursche, ich würd Antwort mußte ei die Ausla Am Ereignisse festzuste Ich konn richtigste Können England haben un Millioner Konzent dieses of aus ihre sozialism HJ. und Eltern d sonders hatte man es auf Rauchwaren abgesehen. Zigarren und Zigaretten wurden in großen Mengen im Lager verteilt oder verhandelt. Man„organi- sierte‘‘ eben alles, was nicht niet- und nagelfest war. Dann wurde nach einigen Tagen ein Verbot erlassen. Den Häftlingen aber wurde bedeutet, daß alles unter sie verteilt werden würde. Sie hätten einen Anspruch auf Ersatz all dessen, was ihneg verloren gegangen wäre. In Wirklichkeit wollte man die Leute nur beruhigen. Verteilt wurde später nichts.: Das Leben auf den einzelnen Wohnblocks war unerträglich, weil zu viele Menschen auf engem Raum eingepfercht waren. Es war deshalb das Bestreben des Internationalen Häftlings-Komitees, die leerstehenden SS-Baracken außer- halb des Lagers zu belegen. Zuerst war es notwendig, für die vielen Kranken zu sorgen. Es wurde deshalb von den Amerikanern sofort ein großes Lazarett eingerichtet, dem später ein Lazarett des Roten Kreuzes angegliedert wurde. Täglich fuhren die Krankenwagen an unserem Revier vor und holten Kranke ab. Zuerst wurden die Tb-Kranken abtransportiert, dann kamen die Phleg- monefälle. Ein amerikanischer Arzt suchte stets selbst die einzelnen Fälle heraus. Später wurden die einzelnen Nationen voneinander getrennt draußen in großen SS-Baracken untergebracht. Nur die Polen und Russen blieben im Lager. Den Polen übergab man die Leitung des Lagers, besonders die Küche und Kleiderkammer. i Bei der Übernahme des Lagers durch die Amerikaner waren von 30 000 Häftlingen nur noch 1173 Deutsche. Davon waren sieben deutsche Frauen. Wir Deutschen hatten einen sehr schweren Stand, denn die anderen Nationen ließen uns fühlen, daß wir Deutsche waren. Es gab Chauvinisten genug, die sagten:„Alle Deutschen sind schlecht.‘“ Im amerikanischen Lazarett lag auf meiner Stube ein junger Jude. Er war Ungar, ein frecher, vorlauter Bursche, der eines Tages laut in die Stube rief:„Alle Deutschen sind schlecht, ich: würde sie alle erschießen.“ Wir haben ihm natürlich die notwendige Antwort gegeben, so daß er von da ab sehr still war. In unserer Lagerzeitung mußte eigens ein Artikel zu diesem Thema erscheinen. Er war besonders für die Ausländer bestimmt. Am 7. Mai kam ein amerikanischer Reporter und bat mich, ihm über die Ereignisse im Lager Mitteilung zu machen. Es interessierte ihn besonders festzustellen, ob Berichte stimmten, die er von anderen Seiten erhalten hatte. Ich konnte ihm eine objektive Kenntnis der Dinge vermitteln und manches richtigstellen, was ihm entstellt erzählt worden war. Dann aber fragte er: ‚Können Sie mir Tatsachen sagen, mit denen ich die öffentliche Meinung in England und Amerika, wonach alle Deutschen dem Hitlersystem zugestimmt haben und deshalb schlecht seien, widerlegen kann?“ Ich wies darauf hin, daß Millionen deutscher Männer und Frauen in Zuchthäusern, Gefängnissen und Konzentrationslägern gewesen seien, weil sie Gegner des Systems waren und dieses offen bekannt hatten, daß eine große Zahl von Beamten und Arbeitern aus ihren Stellungen entlassen worden seien, weil sie gegen den National- sozialismus gewesen wären, daß ferner viele Väter ihre Kinder nicht in die HJ. und den BDM. gehen ließen und gemaßregelt wurden, daß viele deutsche Eltern dagegen protestiert hätten, daß man zehnjährige Kinder gezwungen 211 habe, einen Eid abzulegen und sich bekannten zu dem Satz:., Dies ist ein Frevel an der unschuldigen Kinderseele", daß der Besuch der Kirche stets zunahm. Dies war offenbar ein Protest gegen die Maßnahmen des Systems gegen die Kirche. Als die Kreuze aus der Schule entfernt wurden, zogen Frauen zum Rathaus und forderten die Kreuze zurück. Daß endlich keiner von all diesen Gegnern des Nationalsozialismus ein Wort sagen durfte, da das Spitzelsystem ausgebaut war bis in die Familien hinein. Die Kinder wurden. unter Hinweis auf ihren Eid verpflichtet, Vater und Mutter anzuzeigen, wenn diese eine Bemerkung gegen den Staat oder das Regime machten. Das Volk wehrte sich gegen die vielen Lügenmeldungen. Aber es half nichts. Es war sogar soweit gekommen, daß viele überhaupt nichts mehr glaubten. Sodann sagte ich ihm: ,,, Wir werden alle, die sich etwas zuschulden kommen ließen, zur Verantwortung ziehen, und zwar ohne Unterschied des Amtes und Standes. Wir werden uns bemühen, der Welt zu zeigen, daß wir guten Willens sind, das wieder gutzumachen, was jene unglückseligen Menschen angerichtet haben. Man muß uns im Ausland nur Zeit lassen und etwas Verständnis für unsere so schwere Lage entgegenbringen." Am 7. Mai teilte mir mein Arzt, Herr Dr. Suire, ein französischer Häftlingsarzt, mit, daß er mich für das amerikanische Lazarett in Vorschlag gebracht hätte. Es dauerte aber doch noch einige Tage, bis ich dann am 9. Mai abtransportiert wurde. Mit 15 Kameraden wurde ich in das frühere SS- Lazarett gebracht. Vor einem Zelt hielt das Auto. Hier wurden wir desinfiziert. Danach wurden wir in Baracke 76 geführt. Drei Tage bekamen wir spärliches, aber gutes Essen. Trotzdem trat großer Hunger ein. Denn mit Tee und drei Löffel Suppe konnte man nicht satt werden. Die meisten, die hier untergebracht waren, waren unterernährt und durften nicht sofort volles Essen bekommen. An die Stelle der natürlichen Speise traten Speisen mit Vitaminen der verschiedensten Form, z. B. Normal Humen Plasma 250 C. C. in die Venen eingespritzt. Die Behandlung war sehr höflich und medizinisch gesehen, sehr korrekt. Es waren dort Ärzte, eine Schwester und als Pflegepersonal polnische Geistliche aus dem Lager. Alle waren um jeden einzelnen Kranken sehr bemüht, jeden angängigen Wunsch zu erfüllen. Am Sonntag, dem 13. Mai, wurde das SS- Krankenhaus im Lager durch die amerikanischen Truppen evakuiert. Es fuhren verschiedene Autos vor, in welche die Kranken eingeladen werden sollten. Jeder einzelne Kranke kam vor eine Untersuchungskommission. Man hatte nämlich erfahren, daß sich viele SS- Leute hier versteckt hielten und sich krank getarnt hatten. Man stellte die Kategorien fest, die gesondert voneinander abtransportiert wurden: 1. solche, die wirklich krank waren, 2. solche, bei denen man Waffen fand, und 3. solche, die sich im Krankenhaus verborgen gehalten hatten. An demselben Sonntag, dem 13. Mai, fand abends um 8 Uhr, auf der Blockstraße zwischen den Krankenbaracken ein Gottesdienst statt. Ein polnischer Priester las die heilige Messe, polnische Lieder wurden gesungen. Pfleger und Kranke nahmen an dem Gottesdienst teil. Wer hätte jemals 212 früher dara heilige Me Nach e Lazarett ül dische Pfle pflichtet w Fabrikarbei Roten- Kre Frauen un Diensten g nach Berli dem verlo Sie taten Essen reic Das Lazar übrigen L Mittle verlegt w daß diese Seit der ehe die E und Fran große Au genomme warteten ich verle bracht w eine Büh halten. I gramm w S r g 1 e I e r it h n 11 h I, m I ㄨ ˊ en er 1- ls früher daran gedacht, daß es einmal möglich wäre, in einem SS- Lager eine heilige Messe zu feiern! Nun war es Wirklichkeit geworden. Nach einigen Tagen, am 19. Mai, wurden wir in das Deutsche Rote- KreuzLazarett überführt. Hier waren Ärzte der deutschen Wehrmacht und holländische Pflegeschwestern. Die Holländerinnen waren seinerzeit dienstverpflichtet worden. Sie wurden gezwungen, sich zu entscheiden, entweder als Fabrikarbeiterinnen oder als Pflegerinnen zu gehen. Sie entschlossen sich dem Roten- Kreuz- Dienst zur Verfügung zu stellen. Es waren auch verheiratete Frauen unter den Pflegerinnen. Ihre Männer waren entweder in deutschen Diensten gefallen, oder sie hatten sich von ihnen scheiden lassen. Sie fuhren nach Berlin und wurden SS- Krankenschwestern. Die Situation war nun nach dem verlorenen Kriege so, daß sie nicht mehr nach Holland zurückkonnten. Sie taten Dienst als deutsche Kriegsgefangene. Die Pflege war sehr gut, das Essen reichlich und die Bedienung in einzelnen kleinen Zimmern bequem. Das Lazarett war durch ein Tor abgeschlossen, so daß ein Verkehr mit dem übrigen Lager nicht möglich war. Mittlerweile waren alle deutschen Häftlinge aus dem Lager in SS- Baracken verlegt worden und warteten hier auf ihre Entlassung. Man hatte gedacht, daß diese Entlassung rasch vor sich ginge. Jedoch wir hatten uns getäuscht. Seit der Übernahme des Lagers durch die Amerikaner vergingen 6 Wochen, ehe die Entlassungen anfingen. Zuerst wurden die Holländer, dann die Belgier und Franzosen abtransportiert. Vorher hatte der Schwedische Sanitätsdienst große Autobusse zur Verfügung gestellt und die Dänen und Norweger mitgenommen. Die deutschen Geistlichen sollten zuerst entlassen werden. Einige warteten nicht ab, bis sie offiziell entlassen wurden. Aus dem Lazarett war ich verlegt worden in die SS- Baracke, in der die deutschen Pfarrer untergebracht worden waren. Auf dem Platze vor der Baracke hatten Kameraden eine Bühne errichtet, auf der ein Sarg stand. Hier wurde eine Totenfeier gehalten. Die Veranstalter waren die kommunistischen Kameraden, das Programm war dieses: Programm der Totenfeier. 1. Trauermarsch 2. Rezitation Unsterbliche Opfer - 3. Ansprache Kamerad Wagner · 4. Musik Moorsoldaten- Intonierung 5. Rezitation- Als Opfer seid Ihr gefallen 6. Ansprache- Ausländischer Delegierter 7. Sprechchor- Wir Toten sind größere Heere 8. Gesang- Moorsoldatenlied 9. Musik - Marsch 10. Gesang- Brüder, zur Sonne, zur Freiheit. 213 Lied der Moorsoldaten. Wohin auch das Auge blicket, Moor und Heide rings herum, Vogelsang uns nicht erquicket, Eichen stehen kahl und stumm. WI Wir sind die Moorsoldaten Und ziehen mit dem Spaten Ins Moor.... Auf und nieder gehn die Posten, Keiner, keiner kann hindurch. Flucht wird uns das Leben kosten, Vierfach ist umzäunt die Burg. Wir sind die Moorsoldaten Doch für uns gibt es kein Klagen, Ewig kann's nicht Winter sein. Einmal werden froh wir sagen: ,, Heimat, du bist wieder mein!" Dann ziehn die Moorsoldaten Nicht mehr mit dem Spaten Ins Moor. Brüder, zur Sonne, zur Freiheit... D Der H für die O in Traue Ruhpieper hielt Bru lingen wa Brüder, zum Licht empor! Brüder, zur Sonne, zur Freiheit, In die statt, die Leuchtet die Zukunft hervor. Hell aus dem Dunklen, Vergangnen große Ma durch die geistliche 214 Seht, wie der Zug von Millionen Endlos aus Nächtigem quillt, Bis Eurer Sehnsucht Verlangen Himmel und Nacht überschwillt. Brüder, vereint nun die Hände, Brüder, das Sterben verlacht. Ewig der Knechtschaft ein Ende, Heilig die letzte Schlacht. Am 2 des Ober erschien fuhr uns verstaut hatten, a beseelten Chor der Toten. Wir Toten, wir Toten sind größere Heere Als ihr auf der Erde, als ihr auf dem Meere! Wir pflügten das Feld mit geduldigen Taten, Ihr schwinget die Sichel und schneidet die Saaten, Und was wir vollendet und was wir begonnen, Das füllt noch dort oben die rauschenden Bronnen, Und all unser Lieben und Hassen und Hadern, Das klopft noch dort oben in sterblichen Adern, Und was wir an gültigen Sätzen gefunden, Dran bleibt aller irdischer Wandel gebunden, Und unsere Töne, Gebilde, Gedichte Erkämpfen den Lorbeer im strahlenden Lichte, Wir suchen noch immer die menschlichen Ziele, Drum ehret und opfert! Denn unser sind viele! Meyer. Die Trauerfeierlichkeit in der katholischen Kirche in Dachau Der Herr Dekan von Dachau hatte am Sonntag eine große Trauerfeier für die Opfer des Lagers Dachau in seiner Kirche vorbereitet. Die Kirche war in Trauerschmuck. Herr Pfarrer Baumholzer assistierte, die beiden Kapläne Ruhpieper und Jakob Schmidt amtierten als Diakon und Subdiakon. Die Predigt hielt Bruno Burkhardt. Es war eine sehr eindrucksvolle Feier. Hundert Häftlingen war es gestattet worden, dieser Feier beizuwohnen. Eine feierliche Beerdigung In diesen Tagen fand auch die feierliche Beisetzung der vielen Leichen statt, die man vorgefunden hatte. Es wurden in der Nähe eines Dorfes zwei große Massengräber ausgeworfen. Die Wagen, vollgefüllt mit Leichen, wurden durch die Straßen Dachaus gefahren. An der Beerdigung nahmen drei Militärgeistliche teil: ein evangelischer, ein katholischer und ein jüdischer. Am 29. Mai wurden zuerst die evangelischen Pfarrer durch einen Wagen des Oberkirchenrates von München abgeholt. Danach am Mittag um 2 Uhr erschien unser lieber Pater Pies, der unermüdlich für uns gesorgt hatte, und fuhr uns 16 Mann mit einem Lastwagen, auf dem auch sämtliches Gepäck verstaut war, nach Dachau. Als wir endlich das Tor des Lagers hinter uns hatten, atmeten wir auf. Man kann nicht beschreiben, welche Gefühle uns beseelten, als wir nach langen Jahren frei waren. Wir fuhren zum Pastorat 215 in Dachau. Hier begrüßte uns der Herr Dekan, Geistlicher Rat Pfanzelt, mit herzlichen Worten und hatte einen herrlichen Kaffeetisch gedeckt, mit reichlichem Kuchen und sonstigen schönen Sachen. Jeder erhielt eine Zigarre guter Qualität. Wie empfanden wir es als großes Glück, wieder nach Jahr und Tag an einem festlich gedeckten Familientisch sitzen zu dürfen! Wir alle werden es dem guten Dekan nicht vergessen, was er als wirklicher Caritasmann für uns getan hat. Schon Wochen vorher hatte er mich im Lazarett besucht, mir Pakete zukommen lassen und in treuer Sorge sich um mich gekümmert. Als wir Abschied nahmen, bekam jeder deutsche Häftling von der Stadt Dachau einen Beutel überreicht. In diesem war ein Brot, eine Wurst, eine Flasche Kognak oder Wein und Zigarren. Ein Sanitätswagen fuhr mich am Spätnachmittag ins Krankenhaus Nymphenburg bei München. Drei Wochen wurde ich hier gepflegt. Die Schwestern haben rührend für mich gesorgt und auch die Herren Ärzte ließen mir gute Hilfe zuteil werden, so daß ich bald wieder kräftig und einigermaßen gesund meine Reise nach Hause antreten konnte. Ich werde es meinem lieben Freund und Leidensgefährten Josef Neunzig nie vergessen, daß er ein Auto in Elberfeld aufgebracht hatte und mich abholte. Herr Hengst fuhr persönlich und nahm noch einen Freund von Bayern mit. Herr Kölker war es, der uns die Rückfahrt wirklich froh gestaltete. Wir saßen am Abend in Oestrich im Hotel Schwan auf der Terrasse, den Rhein zu unseren Füßen. Bei herrlicher Mondnacht waren wir alle guter Stimmung, und man vergaß bald das schwere Leid, das hinter uns lag. Am anderen Tag fuhren wir weiter. In Elberfeld wollte ich ungesehen ins Marienheim kommen und ging deshalb heimlich in die Kapelle, kniete am Altar nieder und dankte Gott für meine Rettung. Da brauste plötzlich ein Chor durch das Haus: ,, Lobet den Herrn".., ein herzlicher Empfang wurde mir bereitet, den ich nie vergessen werde. Die Tage der Qual sind vorüber. Eine neue Zeit ist angebrochen, die Zeit neuer Arbeit, neuer Sorgen und großer neuer Verantwortung! Rückblick und Ausschau ,, Was uns nicht niederzwingt, das macht uns stärker!" - Und Schicksal drang do tiefen W die Ja m Grauen schen au Dachau hat uns nicht zerbrochen, trotz allem, allem, was geschehen. In der Verlassenheit und Düsternis jener Jahre lagen immer wieder zwei polare Gedanken in uns, im harten Ringen miteinander: der natürliche Drang nach Rache, falls unser Weg wieder in die Freiheit führen sollte, und heroische Kraft zum ,, Dennoch" eines Lebens in der Freiheit, das vom Gesetz der Liebe beherrscht ist, der Liebe zu unserem armen, von verbrecherischen Machthabern in seiner Ehre besudelten Volke, und unserer beklagenswerten, zerstörten Heimat, über deren Ruinen schließlich die Morgenröte unserer Freiheit leuchtete. Märtyrer eine alle ( war? Wen natürlich g an, den eines neu neue Kra Wir trationsla Verbrech widerspr handhab Diese sprechen verurteil ihrem fu von 157 Geist v wachsen, ist für weisen, Sozialist manöver die übri anerkan Nie mißbrau den als Und los in c und tief ließ, Ni 216 Und was man uns auch angetan, wie furchtbar man auch an unserem Schicksal gefrevelt hatte, letztlich obsiegte über allem dunkeln Vergeltungs- drang doch jene göttliche Urgewalt, die zu uns spricht aus den schlichten, tiefen Worten Goethes: „Der Du von dem Hinmel bist, Alles Leid und Schmerzen stillest, Den, der doppelt elend ist, Doppelt mit Erquickung füllest, Ach, ich bin des Treibens müde....“ Ja müde, namenlos müde hatte uns Dachau mit all seinem Leid und Grauen gemacht. Aber durften wir müde sein, wo Millionen verzagte Men- schen auf uns schauten, auf uns, die wir mehr gelitten hatten als sie, wir, die Märtyrer einer Sache, die zutiefst innerlich von unzähligen Deutschen als eine alle verpflichtende Angelegenheit der ganzen Nation empfunden worden war? Wenn wir trotz allem nicht an diesem Volke verzweifelten, wie es natürlich und menschlich verständlich gewesen wäre, wenn wir den Glauben an, den guten Kern des Volkes bewahrten und Hand anlegten beim Aufbau eines neuen, besseren Deutschland, dann mußte auch ihnen daraus neuer Mut, neue Kraft und neues Selbstvertrauen erwachsen. Wir haben keinen Augenblick daran gezweifelt: Was in den Konzen- trationslagern im Namen Deutschlands geschah, war das Schandwerk von Verbrechern, elenden Kreaturen, die das billige ungeistige Instrument einer widerspruchslosen Diktatur mit Skrupellosigkeit und Rücksichtslosigkeit handhabten, die vor keinem Satanswerk zurückschreckten. Dieses Untermenschentum-als vom deutschen Volke beauftragt anzu- sprechen, ist ebenso abwegig, wie das von jedem ernsten Geschichtsschreiber verurteilte Unterfangen, die Greuel der„Französischen Revolution“ mit ihrem furchtbaren Septembermorden, oder die berüchtigte Bartholomäusnacht von 1572 diesem Volke als Kollektivschuld aufbürden zu wollen. Wäre der Geist von Dachau aus dem Boden eines demokratischen Deutschland er- wachsen, das Volk müßte für die Freveltaten und Verbrechen einstehen. Fs ist für den objektiven Geschichtsschreiber unserer Tage nicht schwer zu be- weisen, daß selbst die demokratisch getarnten Akte zu Beginn der National- sozialistischen Machtergreifung weiter nichts waren, als ein verlogenes Schein- manöver, wodurch nicht nur das deutsche Volk betört wurde, sondern auch die übrigen Nationen der Erde, die ausnahmslos die Hitlerregierung von 1933 _ anerkannten und beglaubigten. Nie ist das Vertrauen eines Volkes schmählicher enttäuscht und furchtbarer mißbraucht worden! Nie ist die Ehre eines Volkes schändlicher besudelt wor- den als in unseren Tagen durch den Nationalsozialismus. Und so steht heute im Herzen der Welt ein großes Kulturvolk fassungs- los in ohnmächtiger Wut, schwer verhaltener Verbissenheit, stummer Trauer und tiefer Scham angesichts des furchtbaren Erbes, das der Nazismus hinter- ließ. Nie wurde ein Volk schändlicher betrogen! Wenn dieses Buch keinen anderen Zweck hätte, als den, das Grauen der Konzentrationslager in möglichst grellen Farben zu schildern, es würde, wie so viele seinesgleichen, die bereits geschrieben wurden, oder noch kommen werden, sich kaum über dem Niveau einer lüsternen Sensationslektüre erheben. Dadurch, daß ich überall bemüht war, die geistigen Grundlagen des Nationalsozialismus hineinzuweben und das Furchtbare unseres Erlebens an seinen Unwerten zu messen und darzutun, daß Dachau nur die letzte Konsequenz einer gottvergessenen amoralischen Unterweltspolitik war, glaube ich, dieser Schrift eine besondere Note und einen besonderen Wert gegeben zu haben. Dachau war eine der eitrigen Pestbeulen, die der Nationalsozialismus dem gesunden Körper des deutschen Volkes eingetragen hat. Wir mußten sie schonungslos aufstechen, damit das Gift ausfließen und der Heilungsprozeß beginnen kann. Wenn wir an Dachau nicht zerbrachen, dann deshalb nicht, weil wir uns täglich und stündlich stärkten mit jener Kraft aus der Höhe, die machtvoller ist als alle satanischen Gewalten dieser Welt. Der Lenker aller Geschicke hat uns dem Leben wiedergegeben. Und wenn wir heute mit geschärftem Verantwortungsbewußtsein Hand anlegen an die gigantische Aufbauarbeit der dunkel vor uns liegenden Zukunft, die aus einer in Schutt und Asche liegenden 1000jährigen Kultur neu erstehen soll- eine Arbeit, zu der wir mit der ganzen Glut unserer im Leid erprobten Herzen Deutschlands unverdorbene so geschädigte Jugend aufrufen, dann sei's in seinem Namen! Und so beschließe ich dieses Buch mit einem' Wort Mörikes: In ihm sei's begonnen ,. Der Monde und Sonnen An blauen Gezelten Des Himmels bewegt. Du, Vater, Du rate, Lenke und wende! Herr, Dir in die Hände Sei Anfang und Ende, Sei alles gelegt. 218 Quellen- Angabe Dr. Emil Muhler, Die christliche Weltanschauung im Kampfe der Geister, Pustet ( Regensburg) 1933. Adolf Hitler, Mein Kampf. Ausgabe von 1929. Eher( München). Völkischer Beobachter 1929, Nr. 280. * Studien zum Mythus des 20. Jahrhunderts. 1. 1.- 3. Teil, J. P. Bachem( Köln) 1934. 2. Die Paulusfrage, J. P. Bachem( Köln). 3. Grundfragen, J. P. Bachem ( Köln). 4. Epiloge, J. P. Bachem( Köln). 5. Ekkehard- Problem, J. P. Bachem( Köln). Bavaria, Landes- und Volkskunde des Königreiches Bayern, 1. Bd. München 1860, S. 846/848. Pichler Josef: Dachau einst und jetzt. Bayerland 20( 1909), S. 91 ff. Scheidl, I.: Dachau, Wanderungen im altbayrischen Bauernland. Sepp Hermann: Bibliographie der bayr. Kunstgeschichte. Straßburg( Els.) 1906, S. 88 Nachtrag ebd. 1912 S. 54. Über Dachaus Bedeutung für die neuere Kunst. ,, Der Sportfischer" 10( 1933), S. 384: Sportfischer- Erlebnisse aus einem Münchener Künstlerkreis um die Jahrhundertwende. Verlag Dr. Hanns Schindler in München NW 2. Dr. Michael Hartig, Die katholische Kirche in Dachau/ Obb. Kleine, deutsche Kirchenführer, Reihe Süddeutschland Nr. 459/60. München 42, Verlag Dr. Schnell und Dr. Steiner. Mayr, Julius: Wilhelm Leibl. Sein Leben und seine Schaffen, Berlin: Bruno Cassirer 1907 S. 52. Mit kirchl. Druckerlaubnis Copyright 1946 by J. P. Bachem Verlagsbuchhandlung, G. m. b. H., Köln Alle Rechte vorbehalten Druck: J. P. Bachem K. G., Köln - Verlagsnummer: 204146 8 P. 14 8 1 4 l — 8 Golour& Grey Control Chart ams Blue Cyan Green Vellow Hed Magenta Grey 1 Streya Grey S Grey 4 Black D ,S HANS CARLS DACHAU