MEINEN TOTEN BRÜDERN UND SCHWESTERN DEIN LEIB IM RAUCH DURCH DIE LUFT ,, Und wenn diese, meine Haut zerschlagen sein wird, so werde ich ohne mein Fleisch Gott schauen" HIOB O die Schornsteine Auf den sinnreich erdachten Wohnungen des Todes, Als Israels Leib zog aufgelöst in Rauch Durch die Luft- - Als Essenkehrer ihn ein Stern empfing Der schwarz wurde Oder war es ein Sonnenstrahl? O die Schornsteine! Freiheitswege für Jeremias und Hiobs Staub Wer erdachte euch und baute Stein auf Stein Den Weg für Flüchtlinge aus Rauch? O die Wohnungen des Todes, Einladend hergerichtet - Für den Wirt des Hauses, der sonst Gast war- O ihr Finger, Die Eingangsschwelle legend Wie ein Messer zwischen Leben und Tod O ihr Schornsteine, O ihr Finger, Und Israels Leib im Rauch durch die Luft! - 13 AN EUCH, DIE DAS NEUE HAUS BAUEN „ Es gibt Steine wie Seelen..." O, d Der RABBI NACHMANN Der Schre Sind Habe Säen Über Ang Zog Wie Kam In de Kam In de - Wenn du dir deine Wände neu aufrichtest- Deinen Herd, Schlafstatt, Tisch und Stuhl- Hänge nicht deine Tränen um sie, die dahingegangen, Die nicht mehr mit dir wohnen werden An den Stein, Nicht an das Holz - Es weint sonst in deinen Schlaf hinein, Den kurzen, den du noch tun mußt. Seufze nicht, wenn du dein Laken bettest, Es mischen sich sonst deine Träume Mit dem Schweiß der Toten. Ach, es sind die Wände und die Geräte Wie die Windharfen empfänglich Und wie ein Acker darin dein Leid wächst, Und spüren das Staubverwandte in dir. Baue, wenn die Stundenuhr rieselt, Aber weine nicht die Minuten fort Mit dem Staub zusammen, Der das Licht verdeckt. In de Web Bläs Die 14 O, der weinenden Kinder Nacht! Der zum Tode gezeichneten Kinder Nacht! Der Schlaf hat keinen Eingang mehr. Schreckliche Wärterinnen Sind an die Stelle der Mütter getreten, Haben den falschen Tod in ihre Handmuskeln gespannt, Säen ihn in die Wände und ins Gebälk- Überall brütet es in den Nestern des Grauens. Angst säugt die Kleinen statt der Muttermilch. Zog die Mutter noch gestern Wie ein weißer Mond den Schlaf heran, Kam die Puppe mit dem fortgeküßten Wangenrot In den einen Arm, Kam das ausgestopfte Tier, lebendig In der Liebe schon geworden, In den andern Arm, - Weht nun der Wind des Sterbens, Bläst die Hemden über die Haare fort, Die niemand mehr kämmen wird. 15 Wer aber leerte den Sand aus euren Schuhen, Als ihr zum Sterben aufstehen mußtet? Den Sand, den Israel heimholte, Seinen Wandersand? Brennenden Sinaisand, Auch Letzte Raubt Die le Zitter Zu erf Die le Mit den Kehlen von Nachtigallen vermischt, Mit den Flügeln des Schmetterlings vermischt, Mit dem Sehnsuchtsstaub der Schlangen vermischt, Mit dem Bitteren aus des Wermuts Geheimnis vermischt Mit allem was abfiel von der Weisheit Salomos vermischt, Der G Ausge Habt Bis ih O ihr Finger, Die ihr den Sand aus Totenschuhen lecrtet, Morgen schon werdet ihr Staub sein In den Schuhen Kommender! Alles An K Alles Samm O ihr Letzt Eines Es s Was Aus Wird Der 16 2 In se ht, Auch der Greise Letzten Atemzug, der schon den Tod anblies Raubtet ihr noch fort. Die leere Luft, Zitternd vor Erwartung, den Seufzer der Erleichterung Zu erfüllen, mit dem diese Erde fortgestoßen wird Die leere Luft habt ihr beraubt! Der Greise Ausgetrocknetes Auge Habt ihr noch einmal zusammengepreẞt Bis ihr das Salz der Verzweiflung gewonnen hattet Alles was dieser Stern An Krümmungen der Qual besitzt, - - Alles Leiden aus den dunklen Verliesen der Würmer Sammelte sich zuhauf - O ihr Räuber von echten Todesstunden, Letzten Atemzügen und der Augenlider ,, Gute Nacht" Eines sei euch gewiß: ,, Es sammelt der Engel ein Was ihr fortwarft, Aus der Greise verfrühter Mitternacht Wird sich ein Wind der letzten Atemzüge auftun, Der diesen losgerissenen Stern In seines Herrn Hände jagen wird!" 2 17 EIN TOTES KIND SPRICHT: Die Mutter hielt mich an der Hand. Dann hob Jemand das Abschiedsmesser: Die Mutter löste ihre Hand aus der meinen, Damit es mich nicht träfe. Sie aber berührte noch einmal leise meine Hüfte- Und da blutete ihre Hand- Von da ab schnitt mir das Abschiedsmesser Den Bissen in der Kehle entzwei Es fuhr in der Morgendämmerung mit der Sonne hervor Und begann, sich in meinen Augen zu schärfen - In meinem Ohr schliffen sich Winde und Wasser, Und jede Trostesstimme stach in mein Herz- Als man mich zum Tode führte, Fühlte ich im letzten Augenblick noch Das Herausziehen des großen Abschiedsmessers. 18 Einer war, ,, Und das Sinken geschieht um des Steigens willen-“ Der blies den Schofar Warf nach hinten das Haupt, Wie die Rehe tun, wie die Hirsche Bevor sie trinken an der Quelle. Bläst: " Tekia" Ausfährt der Tod im Seufzer- ,, Schewarim“ Das Samenkorn fällt " Terua" Die Luft erzählt von einem Licht! Die Erde kreist und die Gestirne kreisen Im Schofar, Den Einer bläst Und um den Schofar brennt der Tempel- Und Einer bläst Und um den Schofar stürzt der Tempel Und Einer bläst - Und um den Schofar ruht die Asche- Und Einer bläst - 20 Händ Die ihr Die au Oder Das T Händ Der G Hän Als ih Hielte Eines Zeigte War Ihr w War Eure Daß In de ht Hände der Todesgärtner, Die ihr aus der Wiegenkamille Tod, Die auf den harten Triften gedeiht Oder am Abhang, Das Treibhausungeheuer eures Gewerbes gezüchtet habt. Hände, des Leibes Tabernakel aufbrechend, Der Geheimnisse Zeichen wie Tigerzähne packend Hände, was tatet ihr, Als ihr die Hände von kleinen Kindern waret? Hieltet ihr eine Mundharmonika, die Mähne Eines Schaukelpferdes, faßtet der Mutter Rock im Dunkel, Zeigtet auf ein Wort im Kinderlesebuch War es Gott vielleicht, oder Mensch? Ihr würgenden Hände, War eure Mutter tot, Eure Frau, euer Kind? - Daß ihr nur noch den Tod in den Händen hieltet, In den würgenden Händen? 21 Schon vom Arm des himmliscen Trostes umfangen Steht die wahnsinnige Mutter Mit den Fetzen ihres zerrissenen Verstandes, Mit den Zundern ihres verbrannten Verstandes Ihr totes Kind einsargend, Ihr verlorenes Licht einsargend, Ihre Hände zu Krügen biegend, Aus der Luft füllend mit dem Leib ihres Kindes, Aus der Luft füllend mit seinen Augen, seinen Haaren Und seinem flatternden Herzen— Dann küßt sie das Luftgeborene Und stirbt! Welche geheimen Wünsche des Blutes, Träume des Wahnes und tausendfach Gemordetes Erdreich Ließen den schrecklichen Marionettenspieler entstehen? Er, der mit schäumendem Munde Furchtbar umblies Die runde, kreisende Bühne seiner Tat Mit dem aschgrau ziehenden Horizont der Angst! O die Staubhügel, die, wie von bösem Mond gezogen Die Mörder spielten: Arme auf und ab, Beine auf und ab Und die untergehende Sonne des Sinaivolkes Als den roten Teppich unter den Füßen. Arme auf und ab, Beine auf und ab Und am ziehenden aschgrauen Horizont der Angst Riesengroß das Gestirn des Todes Wie die Uhr der Zeiten stehend. 23 "... ehe es wächst, lasse ich euch es erlauschen..." JESAIA Lange haben wir das Lauschen verlernt! Hatte Er uns gepflanzt einst zu lauschen Wie Dünengras gepflanzt, am ewigen Meer, Wollten wir wachsen auf feisten Triften, Wie Salat im Hausgarten stehn. Wenn wir auch Geschäfte haben, Die weit fort führen Von Seinem Licht, Wenn wir auch das Wasser aus Röhren trinken, Und es erst sterbend naht Unserem ewig dürstenden Mund - Wenn wir auch auf einer Straße schreiten, Darunter die Erde zum Schweigen gebracht wurde Von einem Pflaster, Verkaufen dürfen wir nicht unser Ohr, O, nicht unser Ohr dürfen wir verkaufen. Auch auf dem Markte, Im Errechnen des Staubes, Tat manch einer schnell einen Sprung Auf der Sehnsucht Seil, Weil er etwas hörte, Aus dem Staube heraus tat er den Sprung Und sättigte sein Ohr. Preẞt, o preẞt an der Zerstörung Tag An die Erde das lauschende Ohr, Und ihr werdet hören, durch den Schlaf hindurch Werdet ihr hören Wie im Tode Das Leben beginnt. 24 IHR ZUSCHAUENDEN Unter deren Blicken getötet wurde. Wie man auch einen Blick im Rücken fühlt, So fühlt ihr an euerm Leibe Die Blicke der Toten. Wieviel brechende Augen werden euch ansehn Wenn ihr aus den Verstecken ein Veilchen pflückt? Wieviel flehend erhobene Hände In dem märtyrerhaft geschlungenen Gezweige Der alten Eichen? Wieviel Erinnerung wächst im Blute Der Abendsonne? O die ungesungenen Wiegenlieder In der Turteltaube Nachtruf- Manch einer hätte Sterne herunterholen können, Nun muß es der alte Brunnen für ihn tun! Ihr Zuschauenden, Die ihr keine Mörderhand erhobt, Aber die ihr den Staub nicht von eurer Sehnsucht Schütteltet, Die ihr stehenbliebt, dort, wo er zu Licht Verwandelt wird. L N J D Π I I 26 Lange schon fielen die Schatten. Nicht sind gemeint jetzt Jene lautlosen Schläge der Zeit Die den Tod füllen - Des Lebensbaumes abgefallene Blätter Die Schatten des Schrecklichen fielen Durch das Glas der Träume, Von Daniels Deuterlicht erhellt. Schwarzer Wald wuchs erstickend um Israel, Gottes Mitternachtssängerin. Sie verging im Dunkeln, Namenlos geworden. O ihr Nachtigallen in allen Wäldern der Erde! Gefiederte Erben des toten Volkes, Wegweiser der gebrochenen Herzen, Die ihr euch füllt am Tage mit Tränen, Schluchzet es aus, schluchzet es aus Der Kehle schreckliches Schweigen vor dem Tod. 27 GEBETE FÜR DEN TOTEN BRÄUTIGAM Die Kerze, die ich für dich entzündet habe, Spricht mit der Luft der Flammensprache Beben, Und Wasser tropft vom Auge; aus dem Grabe Dein Staub vernehmlich ruft zum ewgen Leben. O hoher Treffpunkt in der Armut Zimmer. Wenn ich nur wüßte, was die Elemente meinen; Sie deuten dich, denn alles deutet immer Auf dich; ich kann nichts tun als weinen. 31 Nacht, mein Augentrost du, ich habe meinen Geliebten verloren! Sonne, du trägst sein Blut in deinem Morgen- und Abendgesicht. O mein Gott, wird wo auf Erden ein Kind jetzt geboren, Laß es nicht zu, daß sein Herz vor der blutenden Sonne zerbricht. Mörder, aus welchem Grabstaub warst du einmal so schrecklich bekleidet? Trug ihn ein Wind von einem Stern, den ein Nachtmahr behext Wie Totenschnee hinab auf eine Schar, die sich zu Gott hindurchleidet, Mörder, an deinen Händen zehnfacher Marterpfahl wächst. Darum auch spürtest du nicht der Liebe Zittern im Morden, Da sie ein letztes Mal aus soviel Küssen dich angehaucht Darum ist ihr, der Hiobzerschlagenen, keine Antwort geworden, Die dich zu Ihm wieder, zu Ihm wieder, hätte untergetaucht! 32 3 Vielleicht aber gebraucht Gott die Sehnsucht, wo sollte sonst sie auch bleiben, Sie, die mit Küssen und Tränen und Seufzern füllt die geheimnisvollen Räume der Luft- Vielleicht ist sie das unsichtbare Erdreich, daraus die glühenden Wurzeln der Sterne treiben Und die Strahlenstimme über die Felder der Trennung, die zum Wiedersehn ruft? - O mein Geliebter, vielleicht hat unsere Liebe in den Himmel der Sehnsucht schon Welten geborenWie unser Atemzug, ein und- aus, baut eine Wiege für Leben und Tod? Sandkörner wir beide, dunkel vor Abschied, und in das goldene Geheimnis der Geburten verloren, Und vielleicht schon von kommenden Sternen, Monden und Sonnen umloht. 34 3* H I Н e nst die mel as 1, für und Auch dir, du mein Geliebter, Haben zwei Hände, zum Darreichen geboren, Die Schuhe abgerissen, Bevor sie dich töteten. Zwei Hände, die sich darreichen müssen Wenn sie zu Staub zerfallen. Deine Schuhe waren aus einer Kalbhaut. Wohl waren sie gegerbt, gefärbt, Der Pfriem hatte sie durchstochen - Aber wer weiß, wo noch ein letzter lebendiger Hauch wohnt? Während der kurzen Trennung Zwischen deinem Blut und der Erde Haben sie Sand hineingespart wie eine Stundenuhr Die jeden Augenblick Tod füllt. Deine Füße! Die Gedanken eilten ihnen voraus. Die so schnell bei Gott waren, So wurden deine Füße müde, Wurden wund um dein Herz einzuholen. Aber die Kalbhaut, Darüber einmal die warme leckende Zunge Des Muttertieres gestrichen war, Ehe sie abgezogen wurde- Wurde noch einmal abgezogen Von deinen Füßen, Abgezogen- O du mein Geliebter! 3' 35 Alles Vergessnen gedenkst du von Ewigkeit her" Du gedenkst der Fußspur, die sich mit Tod füllte Bei dem Annahen des Häschers. Du gedenkst der bebenden Lippen des Kindes Als sie den Abschied von seiner Mutter erlernen mußten. Du gedenkst der Mutterhände, die ein Grab aushöhlten Für das an ihrer Brust Verhungerte. Du gedenkst der geistesverlorenen Worte, Die eine Braut in die Luft hineinredete zu ihrem toten Bräutigam. 36 www " Die Gewänder des Morgens sind nicht die Gewänder des Abends" BUCH SOHAR Qual, Zeitmesser eines fremden Sterns, Jede Minute mit anderem Dunkel färbend Qual deiner erbrochenen Tür, Deines erbrochenen Schlafes, Deiner fortgehenden Schritte, Die das letzte Leben hinzählten, Deiner zertretenen Schritte, Deiner schleifenden Schritte, Bis sie aufhörten Schritte zu sein für mein Ohr. Qual um das Ende deiner Schritte Vor einem Gitter, Dahinter die Flur unserer Sehnsucht zu wogen begann O Zeit, die nur nach Sterben rechnet, Wie leicht wird Tod nach dieser langen Übung sein. 38 Ich sah eine Stelle, wo ein Herd stand Auch fand ich einen Männerhut O, mein Geliebter, welcher Sand Weiß um dein Blut? Die Schwelle, die liegt ohne Tür Sie liegt zum Beschreiten bereit Dein Haus, mein Geliebter, ich spür Ist ganz von Gott verschneit. - 39 Im Morgengrauen, Wenn ein Vogel das Erwachen übt- Beginnt die Sehnsuchtsstunde allen Staubes Den der Tod verließ. O Stunde der Geburten, Kreißend in Qualen, darin sich die erste Rippe Eines neuen Menschen bildet. Geliebter, die Sehnsucht deines Staubes Zieht brausend durch mein Herz. 40 Wenn ich nur wüßte, Worauf dein letzter Blick ruhte. War es ein Stein, der schon viele letzte Blicke Getrunken hatte, bis sie in Blindheit Auf den Blinden fielen? Oder war es Erde, Genug, um einen Schuh zu füllen, Und schon schwarz geworden Von soviel Abschied Und von soviel Tod bereiten? Oder war es dein letzter Weg, Der dir das Lebewohl von allen Wegen brachte Die du gegangen warst? Eine Wasserlache, ein Stück spiegelndes Metall, Vielleicht die Gürtelschnalle deines Feindes, Oder irgend ein anderer, kleiner Wahrsager Des Himmels? Oder sandte dir diese Erde, Die keinen ungeliebt von hinnen gehen läßt Ein Vogelzeichen durch die Luft, Erinnernd deine Seele, daß sie zuckte In ihrem qualverbrannten Leib? D M V B I I Z 42 ,, Ich sah, daß er sah" JEHUDA ZWI Deine Augen, o du mein Geliebter, Waren die Augen der Hindin, Mit der Pupillen langen Regenbögen Wie nach fortgezogenen Gottgewittern Bienenhaft hatten die Jahrtausende Den Honig der Gottesnächte darin gesammelt, Der Sinaifeuer letzte Funken O ihr durchsichtigen Türen Zu den inneren Reichen, Über denen soviel Wüstensand liegt, Soviel Qualenmeilen zu o Ihm gehn- O ihr erloschenen Augen, Deren Seherkraft nun hinausgefallen ist In die goldenen Überraschungen des Herrn, Von denen wir nur die Träume wissen. 43 GRABSCHRIFTEN IN DIE LUFT GESCHRIEBEN DER HAUSIERER G. F. Du hattest einen weiten Weg zu gehn Von Nadeln und Zwirn bis zu den Engeln- Der Tod kam deinen Kram besehn, An einer Sichel sang sein Dengeln, Aufgingen Scheren wie im Windeswehn Der Mond lag bleichend auf dem Linnen. Sand leerte sich aus einem Kinderschuh Du aber standst im schrecklichen Beginnen Und nahmst an Angst wie an Gewichten zu. Doch deine Füße, längst gewohnt das Wandern Wußten nun den Weg, den andern. Deine Augen, die die Elle abgemessen Tauten Spiegel aus dem längst Vergessen. Deine Hände, die die Münze nahmen Starben wie zwei Beter mit dem Amen. DIE MARKTHÄNDLERIN B. M. Sanfte Tiere zu verkaufen war dein Tun auf einem Markt auf Erden, Lockendes sprachst du wie eine Hirtin zu den Käuferherden. Umstrahlt von heimkehrenden Fischen im Tränengloriengewand Versteckten Füßen der Tauben die geschrieben für Engel im Sand. Deine Finger, das blutge Geheimnis berührend und abschiedsrot Nahmen die kleinen Tode hinein in den riesigen Tod. 47 DER SPINOZAFORSCHER H. H. Du last und hieltest eine Muschel in der Hand. Der Abend kam mit zarter Abschiedsrose. Dein Zimmer wurde mit der Ewigkeit bekannt Und die Musik begann in einer alten Dose. Der Leuchter brannte in dem Abendschein; Du branntest von der fernen Segnung. Die Eiche seufzte aus dem Ahnenschrein Und das Vergangne feierte Begegnung. DIE TÄNZERIN D. H. Deine Füße wußten wenig von der Erde, Sie wanderten auf einer Sarabande Bis zum Rande- Denn Sehnsucht war deine Gebärde. Wo du schliefst, da schlief ein Schmetterling Der Verwandlung sichtbarstes Zeichen, Wie bald solltest du ihn erreichen Raupe und Puppe und schon ein Ding In Gottes Hand. Licht ward aus Sand. 48 DER NARR H. F. Fast hättest du Sterne in deinen Kranz gewunden Aber der Erdrauch ließ sich leichter runden. Die Kröte mit dem Mondenstein Sah zur Mitternacht in dein Fenster hinein. Da hättest du die Musik der Welten gehört- Aber du schliefst weiter, nur wenig gestört. Auf der Dämmerungsbrücke beim Hahnenschrei Hattest du vom Fischfang der Nacht keine Beute dabei. Wahrsager, der Träume und Karten mischt Und dem ein Wind sein Licht verlischt. DIE SCHWACHSINNIGE B. H. Du stiegst auf einen Berg aus Sand Hilfloses Wandern zu Ihm! Und glittest hinab; dein Zeichen verschwand. Für dich stritt ein Cherubim. 50 4* bei. DER RUHELOSE K. F. Alle Landstraßen wurden enger und enger. Wer war dein Bedränger? Du kamst nie zum Ziel! Wie im Ziehharmonikaspiel Wurden sie wieder auseinandergerissen- Denn auch im Auge ist kein Wissen. In die blaue Ferne gehn Berge und Sterne und Apfelbaumalleen. Windmühlen schlagen wie Stundenuhren Die Zeit; bis sie verlöscht die Spuren. 4* DER MARIONETTENSPIELER K.G. Die weite Welt war zu dir eingegangen Mit Sand im Schuh und Ferne an den Wangen. Am Sonnenfaden zogst du sie herein Da ruhte sie auf deinem Meilenstein. Die Schwalbe baute in Elias Haaren Ihr Nest; bis er in Sehnsucht aufgefahren. Der Totengräber nach dem Rätsel grabend Fand eine Jungfrau in dem Rosenabend. Das Zwillingspaar aus Lächeln und aus Weinen Versuchte sich in Liebe zu vereinen. So tanzte Erde rund mit ihrer Sternmusik Auf deiner Hand; bis sie verlassen schwieg. 51 DIE MALERIN M. Z. So gingst du, eine Bettlerin, und öffnetest die Tür: Tod, Tod wo bist du Unterm Fuß du - Zum Schlafmeer mich führ Ich wollte die Liebsten malen Sie fangen schon an zu fahlen Wie ich den Finger rühr. Der Sand in meinem löchrigen Schuh Das warst du... du... du... Male ich Sand der einmal Fleisch war- Oder Goldhaar oder Schwarzhaar - - Oder die Küsse und deine schmeichelnde Hand Sand male ich, Sand - Sand- Sand DIE ABENTEURERIN A. N. Wohl spieltest du mit nichts als Wasserbällen Die lautlos an der Luft zerschellen. Aber das siebenfarbige Licht Gab jeder sein Gesicht. Einen Herzschlag nur Wie Engelflur. Doch dein letztes AbenteuerStill; eine Seele ging aus dem Feuer. 52 DER STEINSAMMLER E. C. Du hast der Erdenzeiten Stille Gesammelt in den Steinen. Imme Das H Wieviel Morgenröten im Berylle Wieviel Fernen im Kristalle scheinen Meer Fisch Mit der Biene, die auf einer Wicke Abertausendjährgen Honig braute, Doch Opal mit seinem Seherblicke Längst dein Sterben dir schon anvertraute. Du, aus Menschennächten losgebrochen Sprichst die Lichtersprache aus den RissenAber Die man spricht, wenn das Gehäus durchstochen Und von der wir nur die Funken wissen. Die k Alle Und 54 44 DIE ERTRUNKENE A. N. Immer suchtest du die Perle, am Tage deiner Geburt verloren. Das Beseẞne suchtest du, Musik der Nacht in den Ohren. Meerumspülte Seele, Taucherin du, bis zum Grunde. Fische, die Engel der Tiefe, leuchten im Licht deiner Wunde. DIE ALLES VERGESSENDE A. R. Aber im Alter ist alles ein großes Verschwimmen. Die kleinen Dinge fliegen fort wie die Immen. Alle Worte vergaßt du und auch den Gegenstand; Und reichtest deinem Feind über Rosen und Nesseln die Hand. 55 DIE CHÖRE >> NACH DER MITTERNACHT<< CHOR DER VERLASSENEN DINGE KRUG IM SCHUTT War ich der Krug, daraus der Abend floß wie Wein Und manchmal ein gefangner Mond zum Rosenstock? Die Sterbenacht der Greisin fing ich ein Als schon ihr Atem keuchte wie die Geiß am Pflock. O Krüge, Krüge! in ein Abschiedsmaß gezwängt Ist was wir halten; rinnende Natur. Wir sind wie Herzen, draus es weiter drängt Und stille steht wie Zeit in einer Uhr. EIN HALB VERBRANNTES LICHT O Schattenspiegel mein! ich sah in dir, ich sah- Die Hand aus Grabesstaub, die sich an einem Stern verging. Die Zeit in ihrer Sterbewiege schrie ich sah - Israels Mund in Qual, gebogen wie ein Ring. EIN SCHUH Verlornes Menschenmaß; ich bin die Einsamkeit Die ihr Geschwister sucht auf dieser Welt- O Israel, von deiner Füße Leid Bin ich ein Echo, das zum Himmel gellt. CHOR Wir aber sind, seitdem wir Erde waren Getrieben schon von euch durch soviel Tod- Bist du ein Band, gepflückt aus Totenhaaren Geh ein zum Wunder, werde Brot. Hier ist ein Buch, darin die Welten kreisen Und das Geheimnis flüstert hinter einem Spalt Wirf es ins Feuer, Licht wird nicht verwaisen Und Asche schläft sich neu zur Sterngestalt. Und tragen wir der Menschenhände Siegel Und ihre Augen- blicke eingesenkt wie Raub So lest uns wie verkehrte Schrift im Spiegel Erst totes Ding und dann den Menschenstaub. 59 - CHOR DER GERETTETEN Wir Geretteten, Aus deren hohlem Gebein der Tod schon seine Flöten schnitt, An deren Sehnen der Tod schon seinen Bogen strich Unsere Leiber klagen noch nach Mit ihrer verstümmelten Musik. Wir Geretteten, Immer noch hängen die Schlingen für unsere Hälse gedreht Vor uns in der blauen Luft - Immer noch füllen sich die Stundenuhren mit unserem Wir Geretteten, [ tropfenden Blut. Immer noch essen an uns die Würmer der Angst. Unser Gestirn ist vergraben im Staub. Wir Geretteten Bitten euch: Zeigt uns langsam eure Sonne. Führt uns von Stern zu Stern im Schritt. Laßt uns das Leben leise wieder lernen. Es könnte sonst eines Vogels Lied, Das Füllen des Eimers am Brunnen Unseren schlecht versiegelten Schmerz aufbrechen lassen Und uns wegschäumen-- Wir bitten euch: Zeigt uns noch nicht einen beißenden Hund- Es könnte sein, es könnte sein Daß wir zu Staub zerfallen - Vor euren Augen zerfallen in Staub. Was hält denn unsere Webe zusammen? Wir odemlos gewordene, Deren Seele zu Ihm floh aus der Mitternacht Lange bevor man unseren Leib rettete In die Arche des Augenblicks. Wir Geretteten, Wir drücken eure Hand, Wir erkennen euer Auge- Aber zusammen hält uns nur noch der Abschied, Der Abschied im Staub Hält uns mit euch zusammen. бо CHOR DER WANDERNDEN Wir Wandernde, Unsere Wege ziehen wir als Gepäck hinter uns her Mit einem Fetzen des Landes darin wir Rast hielten Sind wir bekleidet Aus dem Kochtopf der Sprache, die wir unter Tränen Ernähren wir uns. Wir Wandernde, - Wir Wir Hera Und Bren Wir Wir [ erlernten, Wir In de Hint An jeder Wegkreuzung erwartet uns eine Tür Dahinter das Reh, der waisenäugige Israel der Tiere In seine rauschenden Wälder verschwindet Und die Lerche über den goldenen Äckern jauchzt. Ein Meer von Einsamkeit steht mit uns still Wo wir anklopfen. O ihr Hüter mit flammenden Schwertern ausgerüstet, Die Staubkörner unter unseren Wanderfüßen Beginnen schon das Blut in unseren Enkeln zu treiben- O wir Wandernde vor den Türen der Erde, Vom Grüßen in die Ferne Haben unsere Hüte schon Sterne angesteckt. Wie Zollstöcke liegen unsere Leiber auf der Erde Und messen den Horizont aus O wir Wandernde, Kriechende Würmer für kommende Schuhe, Unser Tod wird wie eine Schwelle liegen Vor euren verschlossenen Türen! Scha Spre Dür Aber Und Dur Blick Wir Wir Stein Stein Sie v Und Wir Wel Und Wir OW 62 Wir CHOR DER WAISEN en, Wir Waisen Wir klagen der Welt: Herabgehauen hat man unseren Ast Und ins Feuer geworfen - Brennholz hat man aus unseren Beschützern gemacht Wir Waisen liegen auf den Feldern der Einsamkeit. Wir Waisen Wir klagen der Welt: In der Nacht spielen unsere Eltern Verstecken mit uns Hinter den schwarzen Falten der Nacht Schauen uns ihre Gesichter an, Sprechen ihre Münder: Dürrholz waren wir in eines Holzhauers Hand Aber unsere Augen sind Engelaugen geworden Und sehen euch an, Durch die schwarzen Falten der Nacht Blicken sie hindurch Wir Waisen Wir klagen der Welt: Steine sind unser Spielzeug geworden, - Steine haben Gesichter, Vater- und Muttergesichter Sie verwelken nicht wie Blumen, sie beißen nicht wie Tiere- Und sie brennen nicht wie Dürrholz, wenn man sie in den Wir Waisen wir klagen der Welt: [ Ofen wirftWelt warum hast du uns die weichen Mütter genommen Und die Väter, die sagen: Mein Kind du gleichst mir! Wir Waisen gleichen niemand mehr auf der Welt! O Welt Wir klagen dich an! 63 CHOR DER TOTEN Wir von der schwarzen Sonne der Angst Wie Siebe Zerstochenen Abgeronnene sind wir vom Schweiß der Todesminute. Abgewelkt an unserem Leibe sind die uns angetanenen Tode Wie Feldblumen abgewelkt an einem Hügel Sand. O ihr, die ihr noch den Staub grüßt als einen Freund Die ihr, redender Sand zum Sande sprecht: ,, Ich liebe dich" Wir sagen euch: Zerrissen sind die Mäntel der Staubgeheimnisse Die Lüfte, die man in uns erstickte, Die Feuer, darin man uns brannte, Die Erde, darin man unseren Abhub warf. Das Wasser, das mit unserem Angstschweiß dahinperlte Ist mit uns aufgebrochen und beginnt zu glänzen. Wir Toten Israels sagen euch: " , Wir reichen schon einen Stern weiter In unseren verborgenen Gott hinein". Vant 5 64 de CHOR DER SCHATTEN Wir Schatten, o wir Schatten! Schatten von Henkern Geheftet am Staube eurer Untaten— Schatten von Opfern Zeichnend das Drama eures Blutes an eine Wand. O wir hilflosen Trauerfalter Eingefangen auf einem Stern, der ruhig weiterbrennt Wenn wir in Höllen tanzen müssen. Unsere Marionettenspieler wissen nur no den Tod. Goldene Amme, die du uns nährst Zu solcher Verzweiflung, Wende ab o Sonne dein Angesidht Auf daß aud wir versinken— Oder laß uns spiegeln eines Kindes jauchzend Erhobene Finger Und einer Libelle leichtes Glück Über dem Brunnenrand. t Wir Steine CHOR DER STEINE Wenn einer uns hebt Hebt er Urzeiten empor Wenn einer uns hebt Hebt er den Garten Eden emporWenn einer uns hebt Hebt er Adam und Evas Erkenntnis empor Und der Schlange staubessende Verführung. Wenn einer uns hebt Hebt er Billionen Erinnerungen in seiner Hand Die sich nicht auflösen im Blute Wie der Abend. Denn Gedenksteine sind wir Alles Sterben umfassend. Ein Ranzen voll gelebten Lebens sind wir. Wer uns hebt, hebt die hartgewordenen Gräber der Erde. Ihr Jakobshäupter, Die Wurzeln der Träume halten wir versteckt für euch, Lassen die luftigen Engelsleitern Wie Ranken eines Windenbeetes sprießen. Wenn einer uns anrührt Rührt er eine Klagemauer an. Wie der Diamant zerschneidet eure Klage unsere Härte Bis sie zerfällt und weiches Herz wird Während ihr versteint. Wenn einer uns anrührt Rührt er die Wegscheiden der Mitternacht an Klingend von Geburt und Tod. Wenn einer uns wirft Wirft er den Garten Eden Den Wein der Sterne - Die Augen der Liebenden und allen Verrat-- Wenn einer uns wirft im Zorne So wirft er Äonen gebrochener Herzen Und seidener Schmetterlinge. Hütet euch, hütet euch Zu werfen im Zorne mit einem Stein Unser Gemisch ist ein vom Odem Durchblasenes. Es erstarrte im Geheimnis Aber kann erwachen an einem Kuẞ. 5* 67 CHOR DER STERNE Wir Sterne, wir Sterne Wir wandernder, glänzender, singender Staub- Unsere Schwester die Erde ist die„ Blinde" geworden Unter den Leuchtbildern des HimmelsEin Schrei ist sie geworden Unter den Singenden- Sie, die Sehnsuchtsvollste Die im Staube begann ihr Werk: Engel zu bilden- Sie, die die Seligkeit in ihrem Geheimnis trägt Wie goldführendes Gewässer- Ausgeschüttet in der Nacht liegt sie Wie Wein auf den Gassen Des Bösen gelbe Schwefellichter hüpfen auf ihrem Leib. O Erde, Erde Stern aller Sterne Durchzogen von den Spuren des Heimwehs Die Gott selbst begann Ist niemand auf dir, der sich erinnert an deine Jugend? Niemand, der sich hingibt als Schwimmer Den Meeren von Tod? Ist niemandes Sehnsucht reif geworden Daß sie sich erhebt wie der engelhaft fliegende Samen Der Löwenzahnblüte? Erde, Erde, bist du eine Blinde geworden Vor den Schwesternaugen der Plejaden Oder der Waage prüfendem Blick? Mörderhände gaben Israel einen Spiegel Darin es sterbend sein Sterben erblickte Erde, o Erde Stern aller Sterne Einmal wird ein Sternbild Spiegel heißen. Dann o Blinde wirst du wieder sehn! 68 CHOR DER UNSICHTBAREN DINGE Klagemauer Nacht! Eingegraben in dir sind die Psalmen des Schweigens. Die Fußspuren, die sich füllten mit Tod Wie reifende Äpfel Haben bei dir nach Hause gefunden. Die Tränen, die dein schwarzes Moos feuchten Werden schon eingesammelt. W W U W W U W Denn der Engel mit den Körben Für die unsichtbaren Dinge ist gekommen. O die Blicke der auseinandergerissenen Liebenden Die Himmelschaffenden, die Weltengebärenden Wie werden sie sanft für die Ewigkeit gepflückt Und gedeckt mit dem Schlaf des gemordeten Kindes, In dessen warmem Dunkel Die Sehnsüchte neuer Herrlichkeiten keimen. Im Geheimnis eines Seufzers Kann das ungesungene Lied des Friedens keimen. Klagemauer Nacht, Von dem Blitze eines Gebetes kannst du zertrümmert werden Und alle, die Gott verschlafen haben Wachen hinter deinen stürzenden Mauern Zu ihm auf. V S G Ih V A 70 en CHOR DER WOLKEN Wir sind voller Seufzer, voller Blicke Wir sind voller Lachen Und zuweilen tragen wir eure Gesichter. Wir sind euch nicht fern. Wer weiß, wieviel von eurem Blute aufstieg Und uns färbte? Wer weiß, wieviel Tränen ihr durch unser Weinen Vergossen habt? Wieviel Sehnsucht uns formte? Sterbespieler sind wir Gewöhnen euch sanft an den Tod. Ihr Ungeübten, die in den Nächten nichts lernen. Viele Engel sind euch gegeben Aber ihr seht sie nicht. 71 CHOR DER BAUME O ihr Gejagten alle auf der Welt! Unsere Sprache ist gemischt aus Quellen und Sternen Wie die eure. Eure Buchstaben sind aus unserem Fleisch. Gärt Kein Wir sind die steigend Wandernden Wir erkennen euch O ihr Gejagten auf der Welt! Heute hing die Hindin Mensch an unseren Zweigen Gestern färbte das Reh die Weide mit Rosen um unseren Stamm. Eurer Fußspuren letzte Angst löscht aus in unserem Frieden Wir sind der große Schattenzeiger Den Vogelsang umspielt- O ihr Gejagten alle auf der Welt! Wir zeigen in ein Geheimnis Das mit der Nacht beginnt. 72 Von Der Ros Selb Die Rei Ne Im We In Zw Ste Ma Se V W Di Di Ni D W G U U en en CHOR DER TRÖSTER Gärtner sind wir, blumenlos gewordene Kein Heilkraut läßt sich pflanzen Von Gestern nach Morgen. Der Salbei hat abgeblüht in den Wiegen - [ lorenRosmarin seinen Duft im Angesicht der neuen Toten verSelbst der Wermut war bitter nur für gestern. Die Blüten des Trostes sind zu kurz entsprossen Reichen nicht für die Qual einer Kinderträne. Neuer Same wird vielleicht Im Herzen eines nächtlichen Sängers gezogen. Wer von uns darf trösten? In der Tiefe des Hohlwegs Zwischen Gestern und Morgen Steht der Cherub Mahlt mit seinen Flügeln die Blitze der Trauer Seine Hände aber halten die Felsen auseinander Von Gestern und Morgen Wie die Ränder einer Wunde Die offenbleiben soll Die noch nicht heilen darf. Nicht einschlafen lassen die Blitze der Trauer Das Feld des Vergessens. Wer von uns darf trösten? Gärtner sind wir, blumenlos gewordene Und stehn auf einem Stern, der strahlt Und weinen. 73 CHOR DER UNGEBORENEN Wir Ungeborenen Schon beginnt die Sehnsucht an uns zu schaffen Die Ufer des Blutes weiten sich zu unserem Empfang Wie Tau sinken wir in die Liebe hinein. Noch liegen die Schatten der Zeit wie Fragen Über unserem Geheimnis. Ihr Liebenden, Ihr Sehnsüchtigen, Hört, ihr Abschiedskranken: Wir sind es, die in euren Blicken zu leben beginnen, In euren Händen, die suchende sind in der blauen LuftWir sind es, die nach Morgen Duftenden. Schon zieht uns euer Atem ein, Nimmt uns hinab in euren Schlaf In die Träume, die unser Erdreich sind Wo unsere schwarze Amme, die Nacht Uns wachsen läßt, Bis wir uns spiegeln in euren Augen Bis wir sprechen in euer Ohr. Schmetterlingsgleich Werden wir von den Häschern eurer Sehnsucht gefangen Wie Vogelstimmen an die Erde verkauft Wir Morgenduftenden, - Wir kommenden Lichter für eure Traurigkeit. 74 ( I g 89 1, ftSTIMME DES HEILIGEN LANDES O meine Kinder, Der Tod ist durch eure Herzen gefahren Wie durch einen Weinberg - Malte„ Israel" rot an alle Wände der Erde. Wo soll die kleine Heiligkeit hin Die noch in meinem Sande wohnt? Durch die Röhren der Abgeschiedenheit Sprechen die Stimmen der Toten: ,, Leget auf den Acker die Waffen der Rache Damit sie leise werden - Denn auch Eisen und Korn sind Geschwister Im Schoße der Erde " Wo soll denn die kleine Heiligkeit hin Die noch in meinem Sande wohnt? Das Kind im Schlafe gemordet Steht auf; biegt den Baum der Jahrtausende hinab Und heftet den weißen, atmenden Stern Der einmal Israel hieẞ An seine Krone. ,, Schnelle zurück", spricht es ,, Dorthin, wo Tränen Ewigkeit bedeuten." 75 INHALT DEIN LEIB IM RAUCH DURCH DIE LUFT GEBETE FÜR DEN TOTEN BRAUTIGAM 29 GRABSCHRIFTEN IN DIE LUFT GESCHRIEBEN 45 DIE CHORE» NACH DER MITTERNACHT<< 57