DERRICK SINGTON DIE TORE ÖFFNEN SICH Authentischer Bericht über das englische Hilfswerk für Belsen mit amtlichen Photos und einem Rückblick von RUDOLF KÜSTERMEIER Deutsche Ausgabe HAMBURGER KULTURVERLAG ON, um London" mburg rmany 1948 INHALT Einleitung des Übersetzers Vorwort des Verfassers 1. Kapitel: Der 15. April 7 10 11 2. Kapitel: Der erste Tag..... 25 3. Kapitel: Lebende, Tote und Sterbende 41 4. Kapitel: Büttel und Aufseher.. 62 5. Kapitel: Die Räumung des Lagers 6. Kapitel: Wie wir in Belsen lebten. Ein Rückblick von Rudolf Küstermeier. 81 88 87 7. Kapitel: Menschliche Wracks und ihre Errettung 125 8. Kapitel: Mahnzeichen.. 9. Kapitel: Auseinandergerissene Familien und Heimatlose. Schlußwort des Verfassers.. Anhang A: Dienstgrade der SS und der Amtsträger 153 . 159 179 in einem deutschen Konzentrationslager 181 Anhang B: Die Kennzeichen der Häftlinge in deutschen Konzentrationslagern....... 182 Anhang C: Bilder und Lageplan Einleitung des Überseizers Bi der Übertragung des Buches von Derrick Sington leitete uns nicht die:Absicht, einen ausländischen Schriftsteller der noch lebenden Generation um des Neuen willen, das er zu sagen hat, unserer Nationalliteratur einzufügen. Es ist ein durchaus poli- tischer und historischer Auftrag, der Verlag und Übersetzer verpflichtet, diesen Bericht über das Konzentrationslager Belsen nach seiner Befreiung durch die Engländer einer breiteren Offentlichkeit zugänglich zu machen. Er stammt aus der Feder eines Mannes, der als erster nach der Besetzung durch die Eng- länder das Lager betrat und wochenlang im Einsatz bei der Bekämpfung der infernalischen Leiden der Häftlinge stand. Die sachliche, fast zu sachliche Schilderung dieser Arbeit im ver- seuchten Lager, das zu einer Todesfalle auch für die Gesunden geworden war, bildet den wesentlichen Inhalt des Buches, das oft wie ein amtlicher Bericht anmutet. Aber die eindeutige Absicht des Verfassers, den Leser durch das Hilfswerk der Eng- länder"hindurch in das verbrecherische Inferno blicken zu lassen, bietet eine Gewähr für die Wahrhaftigkeit der Darstellung. Diese Wahrhaftigkeit— und warum kann das nicht vom gesamten öffentlichen Leben gesagt werden?— schließt auch einen politischen Auftrag ein. Denn es gibt leider noch immer viele Deutsche, die sich gegen die Glaubwürdigkeit der Ver- brechen, von Deutschen begangen, sträuben. Da gibt es viele, deren Abscheu und Ekel vor solchen abgrundtiefen Unmensch- lichkeiten sich wie eine unüberwindliche Barriere zwischen ihren Charakter und die historischen Tatsachen legt; andere wehren sich gegen das Fürwahrhalten der Greuelberichte, weil es ihrem Nationalbewußtsein einen gefährlichen Stoß versetzen würde; noch andere fürchten sich vor den seelischen Erschütterungen, die sich angesichts der materiellen und ideellen Trümmer, die 7 das System hinterließ, doppelt verhängnisvoll für sie auswirken müßten. Von denen, die die soeben begangenen Greueltaten mit den geschichtlich überlieferten Untaten anderer Völker zu entschuldigen suchen, lohnt es sich nicht zu reden; sie bezeugen durch ihre Haltung nur, daß selbst ein Schicksal von so gigantischem Ausmaß sie an keinem Punkte ihres Charakters zu berühren vermag, dessen Grundwesenszug Gleichgültigkeit gegenüber dem Leid der Völker ist. Ihr soziales Empfinden ist weit hinter der Zeit zurückgeblieben, an deren Ende heute ein ganz neuer Typ Mensch steht, der bewußt das Schicksal des eigenen und aller Völker als Teilschicksal der Menschheit erlebt. Unter solchem Gesichtspunkt will dieses Buch über Belsen gelesen sein, damit es auch die verhärtetste Seele vor Grauen erschüttert. Wenn es auch jene Geister aufrüttelt, die betrogen und enttäuscht in Phlegma, Lethargie und kleinlichem Egoismus zu verkümmern drohen, dann hat es seinen politischen Zweck erfüllt. Als historisches Dokument reicht die Bedeutung des Buches über die vielen in ihm nur kurz skizzierten Einzelschicksale und die scheinbar belanglosen Tatsachen hinaus. Zwar wird es dem oberflächlichen Leser manchmal scheinen, als wären diese Details des literarischen Aufwands nicht wert. Das ist aber ein Irrtum. Denn hier wird deutlich, wie heute das in der großen Masse untergehende Individuum Mitträger der Völkerschicksale ist. Das anonyme Leid der Millionen, das die bisherige Geschichtsschreibung über die Darstellung der Haupt- und Staatsaktionen verschwiegen hat, wird mit Namen genannt. Das von den berufsmäßigen Historikern noch nicht entdeckte Geheimkonto der Geschichte, auf dem sie die unzähligen Einzel- und Familienschicksale verbucht, schlägt der Verfasser auf. Das entspricht dem geistig- seelischen Habitus des demokratischen Zeitalters. Denn heute wirkt sich die persönliche Bedeutung des einzelnen in seiner tätigen, aber auch, seiner erleidenden Anteilnahme am Gesamtschicksal seines Volkes und der Völker mehr als früher aus. Und hier wird nun durch die Darstellung von Einzelschicksalen und in einem historischen Moment von zukunftsweisender Bedeutung sichtbar, wie notwendig es ist, daß jeder einzelne, ob hoch oder niedrig, sich vor 8 dem Forum die er zu tra einfachen M Geschichte u Wirkung. Das kennz sich im Lebe Seite sehen w spricht ander wirkenden S nische und w eine geistige Folge, wie si Unsere Gene geschehen, a teil haben. D noch als sie aller Erdteil um ihre nat Entwicklung Aber die waren und wenn auch Mittelalters Eruptionen zu gehen dr Bislang v unter ungeh die Massen teil an den a davon; und die notwend salen zu ziel Heute ab der Völkern geschehe, wi Hambu dem Forum der Geschichte der Verantwortung bewußt werde, die er zu tragen hat: Auch die willensmäßige Entscheidung des einfachen Mannes wird zu einer Bewegungskraft in der Geschichte und ist von wahrhaft geistiger Bedeutung und Wirkung. Das kennzeichnet ja überhaupt die säkulare Wandlung, die sich im Leben der‘Menschheit vollzogen hat. Auf der einen Seite sehen wir den Aufbruch der Massen der Völker; ihm ent- spricht anderseits das Phänomen ihrer immer tiefer sich aus- wirkenden Schicksalsverbundenheit. Die wissenschaftliche,.tech- nische und wirtschaftliche Erschließung der ganzen Erde hatte eine geistige Durchdringung der Kulturen aller Völker zur Folge, wie sie keiner Epoche der Menschheit bisher eigen war. Unsere Generation. erlebt als erste Weltgeschichte“als Zeit- geschehen, an dem auch die'entferntesten Völker tätigen An- teil haben. Das beweisen nicht nur die beiden Weltkriege. Mehr noch als sie kennzeichnet das politische Erwachen aller Völker aller Erdteile und der Kampf der bislang bedeutungslosesten um ihre natürlichen Rechte die geschichtliche Situation. Diese Entwicklung wird nicht mehr rückgängig zu machen sein. Aber die Konzentrationslager in allen autoritären Staaten waren und sind die Mittel einer politischen Reaktion, die, wenn auch nur bedingt, mit der Inquisition des ausgehenden Mittelalters verglichen werden kann, als Europa unter den Eruptionen eines geistigen Umbruchs ebenfalls aus den Fugen zu gehen drohte. Bislang vollzog sich die Geburt eines neuen Zeitalters immer unter ungeheuren Krämpfen und schmerzhaften Wehen, und die Massen der Völker hatten den größten und schwersten An- teil an den allgemeinen Leiden zu tragen. Aber niemand sprach davon; und das geistige Vermögen der Massen reichte nicht aus, die notwendigen Lehren aus ihren historisch bedingten Schick- salen zu ziehen. Heute aber mehren sich die Zeichen der Zeit, daß das Leid der Völkermassen der Anonymität entrissen werde. Damit das geschehe, will dieses Buch auch zum’ deutschen Volke sprechen. Hamburg, im August 1948 Der Übersetzer Vorwort des Verfassers Dieses Buch schildert meine Erfahrungen im Konzentrationslager Belsen während und nach seiner Befreiung. Ich und zwei Mitglieder meiner kleinen Einheit, Sergeant Eric Clyne und Lançe Corporal Sidney Roberts, waren die ersten britischen Soldaten, die das Lager betraten. Es geschah am Sonntag, dem 15. April 1945. Wir blieben in Belsen bis August. Wir sprachen fünf europäische Sprachen, darum hatten wir die Möglichkeit, uns Kenntnis von den Problemen Belsens und seiner Insassen zu verschaffen. Es gelang uns, einiges von dem zu erfahren, was die Männer, Frauen und Kinder dort erlebt hatten, was sie fühlten und welcher Art Menschen sie waren. Dieser Bericht kann sich selbstverständlich nicht mit der Arbeit der britischen Sanitätseinheiten befassen. Es ist zu hoffen, daß eines Tages ein Berufener die Geschichte der ungeheuren sanitären Schwierigkeiten erzählen wird, die mit dem Namen Belsen verbunden waren. Ich bezweifle, daß irgendein Buch über das befreite Belsen Anspruch auf Vollständigkeit erheben könnte. Die persönlichen Erfahrungen eines einzelnen hätten nicht ausgereicht, um alle wesentlichen Ereignisse, Handlungen und Menschen der umfangreichen und ständig sich wandelnden Szenerie darzustellen. Ich spreche hier meiner durch Erfahrung und Wissen ausgezeichneten Sekretärin, G. Neumannova, die selber Gefangene in Belsen war, meinen Dank aus, nicht nur. für ihre Hilfe, sondern auch für ihren unschätzbaren Bericht aus erster Hand über die Verhältnisse in den Konzentrationslagern.. Hamburg, Dezember 1945 D. S. " Die Deu Winsen üb gehen", sag karte vor Es war wirbelte v Was ist " ,, Ein Ko gebrochen; um über ,, Klingt ,, Hm, t Ich ver sprecherwa und Rütt nommen sichten des durch den als mit m lager, das Als ich haus stan befand, e 8. Korps. Offiziere, blauen den deut kennenler " Wie mir, We 10 ei. Hand INS PIUEL Der 15. April Die Deutschen reden davon, daß sie uns die Brücke von Winsen überlassen würden, wenn wir diesen Ort Belsen um- gehen“, sagte der Leutnant. Wir studierten gerade die Gefechts- karte vor dem Transportwagen des Divisionskommandeurs. Es war der 12. April. Die Hecken schlugen aus und der Staub wirbelte von den Wegen auf wie in der Normandie. „Was ist Belsen?“ fragte ich. „Ein Konzentrationslager. Anscheinend ist dort Typhus aus- gebrochen; Himmler hat einen persönlichen Vertreter entsandt, um über die Abriegelung des Ortes zu verhandeln.“ „Klingt ziemlich merkwürdig.“ „Hm, tut es auch, nicht wahr?“ Ich. verließ das Divisionshauptquartier in meinem Laut- sprecherwagen, dessen Steuerung nach dem vielen Schütteln und Rütteln zwischen Venlo und der Aller ziemlich mitge- nommen war. Ich war in meinen Gedanken mehr mit den Ab- sichten des Brigadiers der 159. Brigade, der uns befohlen hatte, durch den Lautsprecher zum Feinde zu sprechen, beschäftigt als mit mysteriösen Verhandlungen über ein Konzentrations- lager, das in unserer Marschrichtung lag. Als ich vier Stunden später auf der Straße vor dem Bauern- haus stand, in dem sich das Hauptquartier der 159. Brigade befand, erblickte ich die roten ‚Streifen eines hohen Offiziers des 8. Korps. Er überquerte den Hof mit einer Gruppe anderer Offiziere, in deren Mitte eine stattliche Gestalt in einem grau- blauen Mantel ging. Ich sollte diesen Mann später. als den deutschen Wehrmachtskommandanten von Bergen-Belsen kennenlernen. „Wie wäre es“, sagte der Brigadier während des Essens zu mir,„wenn Sie sich uns'anschlössen, dann mit ihrem Laut- 11 sprecher vorausfahren und zu jedem Dorf sprechen, bevor wir es angreifen?" ,, Gewiß, wir können es versuchen, Sir", sagte ich, indem ich schon vorweg erlebte, wie ich mit dem Bleistift in mein Notizbuch kritzeln und mit heiserer Stimme ins Mikrophon hineinrufen würde, dann das plötzliche Aufheulen der Granaten, das markerschütternde Krachen ihrer Explosionen hören und mich selbst fest an Mutter Erde pressen. würde. Am nächsten Tage ließ der Brigadier mich wieder kommen. ,, Dieses Winsen wird uns eine harte Nuß zu knacken geben", sagte er. Dann fuhren wir die gerade, staubige Straße östlich der Aller entlang und schlossen uns den Sherman- Panzern an, die knirschend und rasselnd vorrückten. Winsen war in der Tat eine harte Nuß, aber nicht für unsere Propaganda- Einheit. Wie der Bataillonskommandeur sagte, war es eine ,, faule Sache". Gegen 5 Uhr nachmittags lief der Spitzentank in das Feuer eines 88- mm- Geschützes, das geschickt im Wald an einer Wegbiegung aufgestellt war, und den ganzen Abend durchstreifte unsere Infanterie die Wälder, brannte das Unterholz ab und feuerte Salven in die Laufgräben zwischen den Bäumen, wo der Feind immer noch lauerte und aushielt. Als wir gerade eine Lichtung erreicht hatten, um dort für die Nacht zu lagern, stieg der unheimliche Schrei der ,, stöhnenden Minnas" gegen den geröteten Himmel, das unheimliche Zischen der Geschosse folgte, und wir konnten sehen, wie sie die Erde hochschleuderten und die Blitze der Explosionen die Luft zerrissen. Wir warfen uns platt in den Sand. Am Morgen lag der geschwärzte Körper eines verbrannten Soldaten am Wegrande neben einem Truppentransportwagen, der getroffen worden war, und lichterloh brannte. Die Beine waren fest von den Schnürstiefeln umschlossen, aber der Rest des Skeletts war fast nackt und die dünnen Schichten geschwärzten Fleisches glänzten, ein wenig. Winsen war schon seit zwölf Stunden genommen, als wir dort einzogen. Wir suchten den Ortsgruppenleiter auf. Er war noch zu Hause, ein wenig einnehmender, weißhaariger, blasser und gebeugter alter Mann. Auf dem Tische seines Wohn12 zimmers la Frauen, di Verhaftun Wieder Stabsoffizi hielten. ,, F gekommen Belsen fal regiment danten vo beschäftigt in einem sen säumte und eine bedrücken Er zeig das zwisch Korps u Bergen- Be zufolge so handelt w Zone erfo ungarische kreis des verhinder Aufgaben danten zw Oberst tischen T begeben machen. Auf di daß sie, c der Gefal lassen dü sche Regi unter brit Verlassen zimmers lag eine Geige, und die beiden bleichen, dünnlippigen Frauen,"3 dort saßen, hatten offenbar in Erwartung seiner Verhaftung geweint. Wieder im Brigadehauptquartier angelangt, hielt uns ein Stabsoffizier an, als wir in das Feld fuhren, wo die Wagen hielten.„Es ist gerade eine Meldung von der Division durch- gekommen: Sie sollen mit ihrem Lautsprecher nach diesem Belsen fahren.“ Oberst Taylor, der das 63. Panzerabwehr- regiment kommandierte, hatte das Amt eines Lägerkomman- danten von Belsen erhalten. Verständlicherweise war er sehr beschäftigt, als ich ihn am 15. April in seinem Hauptquartier in einem"Wald aufsuchte, der die Straße Schwarmstedt— Win- sen säumte. 60 000„politische Gefangene“, einiges SS-Personal und eine wütende Typhus-Epidemie. Die Verantwortung war bedrückend. Er zeigte mir eine Kopie des Waffenstillstandsabkommens, das zwischen dem kommandierenden General des 8. Britischen Korps und dem deutschen Wehrmachtbefehlshaber von Bergen-Belsen abgeschlossen worden war. Seinen Bestimmungen Edle sollte ein Bezirk um Belsen herum als„neutral“ Be handelt werden, das heißt, es sollte kein Feuerwechsel in dieser Zone erfolgen. Ein Bataillon deutscher Infanterie und ein ungarisches Regiment sollten in Belsen bleiben, um den Um- kreis des Lagers zu bewachen und einen Massenausbruch zu verhindern. Etwa 50 SS-Männer, die rein verwaltungsmäßige Aufgaben zu erfüllen hatten, sollten den britischen Komman- danten zwecks Übergabe des Lagers erwarten. Oberst Taylor gab mir den Auftrag, mit den führenden bri- tischen Tanks vorauszufahren, mich in das Lager Belsen zu begeben und eine Ankündigung durch den Lautsprecher zu machen. Auf diese Weise sollten die Insassen des Lagers erfahren, daß sie, obwohl von den Deutschen befreit, das Lager wegen der Gefahr‘ einer Verbreitung der Typhus-Epidemie nicht ver- lassen dürften. Es sollte ihnen gesagt werden, daß das ungari- sche Regiment, das die SS-Lagerwache bisher unterstützt hatte, unter britisches Kommando kommen”’und weiterhin jeden am Verlassen des Lagers hindern würde. Es sollte ihnen jedoch versichert werden, daß Lebensmittel und ärztliche Hilfe mit größtmöglicher Eile herbeigeschafft würden. Es wurde vereinbart, daß wir Oberst Taylor nachmittags in Bergen treffen würden, wo er den deutschen Oberst ausfindig machen wollte, der für das Belsener Gebiet verantwortlich war; gegen Mittag fuhren wir ab. " Wir passierten Winsen und fuhren auf der Hauptstraße nach Nordosten weiter. Hier überholten wir eine lange Reihe von Tanks, Aufklärungs- und Nachrichtenwagen der 23. Husaren. Nachdem wir mit dem Nachrichtenoffizier gesprochen hatten, der sich staubbedeckt aus dem Gefechtsturm seines Tanks herabbeugte, um den Lärm der rasselnden Ketten und brüllenden Vergaser zu überschreien, schlossen wir uns ihm an. Das freie Gelände außerhalb Winsens wich dichten, aromatisch duftenden Kiefernwäldern zu beiden Seiten der Straße. Die Infanterie feuerte auf Scharfschützen im Dickicht, und das Unterholz flammte und knisterte zu beiden Seiten der langen Panzerkolonne. Plötzlich rief der Nachrichtenoffizier mir zu: ,, Zwei Deutsche aus dem Konzentrationslager kommen den Weg entlang. Sehen Sie zu, was Sie aus ihnen herauskriegen können!" Wir hielten die beiden Gestalten an, die in Zivil gekleidet waren und kleine Bündel trugen. Ich fragte sie, wer sie seien. ,, Ich bin Elsässer und wurde 1943 wegen Wehrdienstverweigerung verhaftet." ,, Ich komme aus Guben. Mein Vater hatte ein Wirtshaus, das von der Partei geschlossen wurde, weil sich ehemalige Sozialdemokraten dort zu treffen pflegten." Keiner der beiden war lange in Belsen gewesen. Beide waren sie mit den 600 anderen dort befindlichen deutschen Gefangenen zu Fuß von der SS fortgetrieben worden. Sie waren nach und nach zurückgeblieben und dann in einen Wald gestürzt. Als die britischen Truppen, die die Wälder säuberten, an ihr Versteck herangekommen waren, hatten sie sich ergeben. Sie sagten min, daß die Grenze der neutralen Zone von Belsen deutlich mit weißen Plakaten ,, Achtung- Typhus" gekennzeichnet sei, und fünf Minuten später erreichten wir die ersten dieser Anschläge. Zwei unbedeutend aussehende 14 Gefreite, ein D lichen Khakiu rand auf uns die An Es trug und enthielt i an den britisch befehlshaber donnerten vor nächste Straße eingang. Eine beiden Seiten gekleideter Of rand. Auf die Blitzabzeichen manns, der d Wehrmacht. Die Offi fragte einen welchem Zusta hafter Mann einen Wange. „ Im Augenb „ Ich werde abgeben", sagt Der ungaris äußerster Beso „ Ich würde an Flecktyphu Der hünenh es war Jos Sie sind j riskieren." Ich dachte nämlich die rückenden br warteten dahe Es begann SS, dem Ung Gefreite, ein Deutscher und ein Ungar—' der an seiner grün- lichen Khakiuniform kenntlich war— traten vom Straßen- rand auf uns zu. Der Deutsche überreichte mir ein Schreiben. Es trug die Anrede:„Alliierter Befehlshaber, geben Sie acht!“ und enthielt in ziemlich schlechtem Englisch eine Einladung an den britischen Kommandanten, den deutschen Wehrmacht- befehlshaber in Bergen zu treffen. Die Sherman-Panzer donnerten vorbei und auch wir fuhren weiter. Als wir in die nächste Straßenkrümmung einbogen, sahen wir den Lager- eingang. Eine einfache Stange versperrte den Fahrweg; zu beiden Seiten befanden sich Holzhütten. Eine Gruppe elegant gekleideter Offiziere wartete davor. Wir hielten am Weg- rand. Auf die Uniformen blickend, bemerkten wir das gegabelte Blitzabzeichen der SS, das Khaki eines ungarischen Haupt- manns, der drei Ordensreihen trug, und das Feldgrau.der Wehrmacht. Die Offiziere grüßten, als ich herauskam, und ich fragte einen’von ihnen, einen SS-Hauptsturmführer, in welchem Zustande sich das Lager befände. Er war, ein hünen- ‚ hafter Mann mit feistem Gesicht und einer Natbe über der einen Wange. Er antwortete einfach: „Im Augenblick sind sie ruhig.“ „Ich werde hineingehen und eine Lautsprechererklärung abgeben“, sagte ich. Der ungarische Hauptmann trat vor und erklärte im Tone äußerster Besorgnis:: „Ich würde es nicht tun. Hier sterben täglich sieben Leute an Flecktyphus.“ ı Der hünenhaft gebaute SS-Offizier mit dem feisten Gesicht — es war Josef Kramer— fügte schnell hinzu: „Sie sind jetzt ruhig. Es wäre unklug, einen Tumult zu riskieren.“ Ich dachte an den Zweck des»Waffenstillstandes“, daß wir nämlich die Ausbreitung des Typhus im Rücken der vor- rückenden britischen Streitkräfte verhindern wollten. Wir warteten daher auf die Ankunft Oberst Taylors. Es begann eine zusammenhanglose Unterhaltung mit der SS, dem Ungarn und den Wehrmachtoffizieren. دو , Was für Gefangene haben Sie hier?" fragte ich Kramer. ,, Homosexuelle und Berufsverbrecher", antwortete er, ,, ferner Bibelforscher." Er beobachtete mich scharf, während er dies sagte. ,, Und politische Gefangene?" ,, O ja, da sind noch die, Häftlinge" mitteilsam.,, Wie viele sind es insgesamt?" دو - sagte er freundlichVierzigtausend in diesem Lager und weitere 15 000 im Ausweichlager in den Baracken weiter oben an der Straße." Die britischen Tanks donnerten immer noch am Tor vorbei, und ein bullenhafter deutscher Wehrmachtoffizier mit einem roten Schnurrbart sagte: ,, Ich habe zwei Neffen in England. Vielleicht werde ich sie treffen." Er lachte munter. Einige Minuten später hielt Oberst Taylors Jeep vor uns. Ich bat um Bestätigung meines Befehls, das Lager zu betreten. ,, Gehen Sie hinein und machen Sie die Ankündigung", sagte er und fuhr weiter auf der Straße nach Bergen. Ich sagte Kramer, er solle das Tor öffnen. Er sah betroffen aus. ,, Das kann ich nicht ohne Ermächtigung des Wehrmachtkommandanten tun." Ich winkte ihm, er solle die Schranke öffnen; sie ging hoch. ,, Stellen Sie sich auf das Trittbrett", sagte ich, und er stieg auf. ,, Sie haben uns durch das Lager zu führen und an den Punkten zu halten, die für die Abgabe der Lautsprechererklärung geeignet sind." Wir schwenkten durch den fast leeren vorderen Abschnitt des Lagers( er wurde, wie wir später erfuhren, ausschließlich von der SS benutzt), und zweihundert Meter weiter kamen wir an ein hohes hölzernes Tor, das kreuz und quer mit Draht bespannt war. Es erinnerte mich an den Eingang eines Zoos. Als wir durch das Tor hindurchwaren, verstärkte sich dieser Eindruck. Links vom Hauptweg standen Reihen grüner hölzerner Baracken, und wir kamen in einen Kotgeruch wie der Geruch eines Affenhauses. Ein trübseliger blauer Rauch wogte wie Bodennebel zwischen den niedrigen Gebäuden. 16 - Ich hatte Konzentration vorgestellt. A nicht vorgeste gestreifter, en drahtzäune d Wir hatten Dankbarkeit umdrängt wo einem flämisc reifen Birnen uns von der Aber die n Männer, dies die einmal p Budapester A erweckten ei Tränen ankä einen go trug Während un ging ich zu il ,, Ich bin H Nieuwe Rot Er war g Brigade geka der bedeuter lager. Währe Scharen von zu strömen. Jetzt beg Plötzlich Luft abzufe über die K ihm hin und ,, Hören S Er stellte gestreifter und Gepäck 2 Sington ich Kramer. wortete er, f, während freundlich15 000 im er Straße." Tor vorbei, mit einem erde ich sie ep vor uns. zu betreten. ung", sagte h betroffen Wehrmachtging hoch. und er stieg and an den autsprecherm Abschnitt usschließlich eiter kamen er mit Draht eines Zoos. e sich dieser grüner höl- ruch wie auer Rauch äuden. Ich hatte früher versucht, mir ein Bild vom Innern eines Konzentrationslagers zu machen, aber so hatte ich es mir nicht vorgestellt. Auch die seltsame, affenartige Schar hatte ich mir nicht vorgestellt, die sich mit geschorenen Köpfen und scheußlich gestreifter, entwürdigender Sträflingskleidung an die Stacheldrahtzäune drängte, die sich um die Lagerabschnitte zogen. Wir hatten in Frankreich, Belgien und Holland erlebt, was Dankbarkeit und Willkommen heißt. Wir waren in Paris umdrängt worden, man hatte uns umarmt und gedankt! In einem flämischen Dorf war unser Wagen mit Tomaten und reifen Birnen beladen worden, und Krüge kühlen Bieres wurden uns von der jubelnden Bevölkerung gereicht. Aber die nur halbgläubigen Hochrufe dieser fast verlorenen Männer, dieser Clowns in ihrer schrecklichen Narrenkleidung, die einmal polnische Offiziere, Landarbeiter in der Ukraine, Budapester Ärzte und französische Studenten gewesen waren, erweckten ein stärkeres Gefühl, und ich mußte gegen meine Tränen ankämpfen. Ein Mann, der im Tor eines Hofes stand, trug einen gewöhnlichen blauen Anzug und lächelte grüßend. Während unsere Lautsprecher die Ankündigung hinausriefen, ging ich zu ihm hin und schüttelte ihm die Hand. ,, Ich bin Holländer", sagte er.„ Ich arbeitete früher für den , Nieuwe Rotterdamsche Courant." Er war groß und rothaarig, hatte in der internationalen Brigade gekämpft und war, wie sich später herausstellte, eine der bedeutenden Erscheinungen der deutschen Konzentrationslager. Während wir weiter durch das Lager fuhren, begannen Scharen von Gefangenen durch den Stacheldraht auf die Straße zu strömen. Kramer beugte sich zu mir: ,, Jetzt beginnt der Tumult", sagte er. Plötzlich begann ein deutscher Soldat sein Gewehr in die Luft abzufeuern. Langsam senkte er den Lauf, bis er nur eben über die Köpfe der Gefangenen hinwegfeuerte. Ich lief zu ihm hin und legte meinen Revolver auf ihn an. ,, Hören Sie mit dem Schießen auf!" sagte ich. Er stellte das Feuer ein. Aber plötzlich sprang ein Dutzend gestreifter Gestalten unter die Menge und schlug mit Stöcken und Gepäckschnüren auf sie ein. 2 Sington 17. Keine Ballettsprünge hätten mich so erstaunen können wie diese Känguruhsätze. Sie waren wie sich bäumende Zebras, diese Geschöpfe in breitstreifiger Kleidung, die hin- und herfegend nach rechts und links, hieben und sich unter der Gewalt der Schläge, die sie austeilten, bogen. Oder war es ein Viehtreiben, dieser Ansturm von Dutzenden von Kreaturen, die unter den schrecklichen Hieben Spießruten liefen? Und warum schlugen sie nicht zurück, verteidigten sich nicht, statt auszuweichen, weiterzustürmen oder zu fallen? Halb auf der anderen Straßenseite sah ich ein schmächtiges Geschöpf, das auf dem Rücken liegend versuchte, die Schläge eines dicken Stockes abzuwehren. Ich versuchte zu verstehen, was ich sah. Sollten diese ,, Polizisten" die politischen Gefangenen sein, die die Verbrecher unter den Lagerinsassen mit den einzig möglichen Methoden niederhielten? Ich wußte damals nicht, daß es die Blockältesten waren, die für die SS ,, Ordnung hielten", und daß die entfesselte Menge nach der Küche jenseits der Straße stürmte. Ich hatte noch nicht begriffen, daß tödliche Hungersnot alles Geschehen im Lager bestimmte. Indem wir die große Küche passierten, kamen wir durch ein zweites Drahttor gegenüber dem kleineren der beiden Frauenlager. Scharen von Frauen, alle in den schrecklichen Sträflingskleidern, säumten den Wegrand. Eine von ihnen rief auf französisch: - ,, Sie müssen uns befreien. Es ist schrecklich, dieses Lager!" Ich ging zu ihr und sie sagte: ,, Wir sind 400 Französinnen hier alles politische Gefangene. Sie müssen uns befreien." Wir kehrten um und kamen in die Hauptstraße. Die Männer jubelten uns immer noch zu und eine gespenstische Gestalt warf ihre Krücken hin, fiel, während wir vorbeifuhren, auf die Knie und faltete die Hände zu einem Dankgebet. Wir fuhren links durch ein Stacheldrahttor in das größere Frauenlager, hielten an und begannen mit unserer Bekanntmachung. In wenigen Sekunden hielt der Wagen, von Hunderten von Frauen umgeben. Sie schrien und jammerten hysterisch, unbeherrscht, und kein Wort des Lautsprechers war zu verstehen. 18 Die Höfe des L und die Frauer Wagen. Ein Z ungeduldig hir Kramer sprang Was für ein " „ Es wurde e Einen Kilon der Panzerschu weichlager, in Tagen aus den waren. Kramer machtkommand in diesen Gebä kündigung im Wehrmachtkon Hier wurde offiziellen" H mandeur des W war, um bei helfen, und O Schwarmstedte Taylor. Die b tadellose Ersch händer des nachdem ich m Sanitätsoffizie الدور ,, Es hat ein Gleich darauf nahm den Hö Es scheint, da und einen Tu Oberst Tay „ Wer veru kommen zufo Lager sein, un „ Sie dürfer einem Achselz en, auf die Wir fuhren rauenlager, derten von isch, unbe- verstehen. Die Höfe des Lagers waren mit jungen Birkenbäumen bepflanzt, und die Frauen pflückten grüne Reiser und warfen sie auf den Wagen. Ein Zweig fiel auf Kramers Schulter. Er fegte ihn ungeduldig hinweg. Wir fuhren zurück. zum Haupteingang. Kramer sprang vom Trittbrett, und ich sagte zu ihm: „Was tür eine Hölle haben Sie hier geschaffen!“ „Es wurde eine in den letzten Tagen“, antwortete er. Einen Kilometer weiter sahen wir die ersten Betonbauten der Panzerschule. Etwa ein Dutzend davon bildeten ein Aus- weichlager, in dem sich 15 000 Männer befanden, die vor fünf Tagen. aus dem, Dora-Lager bei Nordhausen gebracht worden waren. Kramer hatte sie weggeschickt, und der"deütsche Weht- machtkommandant hatte sie zusammen mit ihren SS-Wärtern in diesen Gebäuden untergebracht. Auch hier ging unsere An- kündigung im Jubel unter, und wir gingen sofort auf die Wehrmachtkommandantur. Hier wurde ein gewisses Zeremoniell und der Versuch einer „offiziellen“ Haltung inszeniert. Oberst Harries, der Kom- mandeur des Wehrmachtbataillons, das zurückgelassen worden war, um bei der Bewachung des Konzentrationslagers zu helfen, und Oberst Schmidt, den ich vor drei Tagen in dem Schwarmstedter Bauernhof gesehen hatte, sprachen mit Oberst Taylor. Die beiden deutschen Obersten waren schneidige und tadellose Erscheinungen und waren sich ihrer Rolle als Treu- händer des„Belsener Waffenstillstandes“ sehr bewußt. Bald nachdem ich mich ihnen angeschlossen hatte, kam ein’ britischer Sanitätsoffizier herein. „Es hat einige Verluste im Konzentrationslager gegeben.“ Gleich darauf läutete das Telefon. Ein deutscher Hauptmann nahm den Hörer ab, dann wandte er sich uns zu und sagte: „Es scheint, daßsein Lautsprecher in das Lager gekommen ist und einen Tumult verursacht hat.“ Oberst Taylor sagte zu Oberst Schmidt: „Wer verursacht die Zwischenfälle im Lager? Dem Ab- kommen zufolge darf nur Verwaltungspersonal der SS im Lager sein, und zwar unbewaffnet!“ „Sie dürfen Pistolen haben“, sagte Oberst Schmidt mit einem Achselzucken. 2 9 19 Oberst Taylor befahl den deutschen Obersten, sofort mit uns ins Lager hinüberzugehen. Kramer näherte sich und grüßte, als wir am Tor aus unseren Wagen stiegen. ,, Sagen Sie ihm, daß alle SS- Männer ihre Waffen innerhalb einer halben Stunde abzugeben haben!" sagte Oberst Taylor zu mir. Ich tat es. ,, Ohne Waffen kann ich die Verantwortung für das Lager nicht übernehmen", erklärte Kramer. ,, Holen Sie Kramer verl darauf mit eine Haltung dasta Kramer gab ih Der Unterg schwand. Wer melden, daß Der Genera ,, Nein, aber Sie können dem britischen Offizier zeigen, wie Hughes kam je es verwaltet wird." ,, Ich kann das Lager nicht unbewaffnet betreten!" ,, In diesem Falle sagen Sie ihm", sagte Oberst Taylor ,,, daß er seine Waffen vorläufig behalten darf, daß aber für jeden erschossenen Lagerinsassen ein SS- Mann hingerichtet wird." Ich fragte Kramer, warum er im Lager Waffen bei sich tragen müsse. Er antwortete: ,, Um die Lebensmittelvorräte zu schützen." Wieviel Lebensmittelreserven es denn im Lager gebe? ,, Für zwei Tage." Was für Mahlzeiten die Insassen erhalten? ,, Morgens Steckrübensuppe und abends Steckrübensuppe. Brot so oft wie möglich." Wie es mit der Wasserversorgung sei? Die Hauptleitung sei an Hannover angeschlossen und durch Bomben zerstört. Vier Bassins mit stehendem Wasser seien jetzt der einzige Vorrat. Oberst Taylor befahl Kramer, uns sein Dienstzimmer zu zeigen. Er brachte uns in eine der Baracken. Als wir uns gesetzt hatten, schien er ungezwungener zu werden. Er war wieder der Lagerkommandant" und schlug nachlässig ein Bein über die Lehne seines Sessels. " Oberst Taylor verlangte die Personalpapiere der 40 000 Gefangenen des Lagers. ,, Sie sind alle vernichtet worden." ,, Auf wessen Befehl?" ,, Auf Veranlassung des Wirtschaftsverwaltungs- Hauptamts in Berlin.". 20 20 ,, Sind keine übriggeblieben?" Vielleicht 2000." den Hof hina Hauptmann, c zu sehen gew Baracken herbe „ Die Kücher Kommen S Offizier. Die b und einigen U Kramer und d Nachdem w setzten die Jul in Pyjamas g hörte rufen: Aber das Jub schüchtern und ständlich war. Halbwegs d lange Holzbar Dies war die hineingingen, Ich sehe ni Der SS- Auf zeigte auf die S „ Das alles Und das n Ich notierte Unruhestifters Ist das der sofort mit Tor aus n innerhalb erst Taylor ,, Holen Sie die 2000 sofort!" Kramer verließ das Zimmer und kehrte wenige Augenblicke darauf mit einem SS- Unterscharführer zurück, der in strammer Haltung dastand, seine Daumen an die Hosennaht geleimt. Kramer gab ihm einen Befehl. ,, Jawohl, Hauptsturmführer!" Der Untergebene knallte die Hacken zusammen und verschwand. Wenige Minuten darauf kam er zurück, um zu das Lager melden, daß keine Dokumente gefunden werden könnten. Der Generalarzt der 2. britischen Armee, Brigadier Glyn zeigen, wie Hughes kam jetzt, und wir gingen aus der Lagerverwaltung in den Hof hinaus. In diesem Augenblick eilte ein deutscher Hauptmann, der bereits früher am Nachmittag viel im Lager zu sehen gewesen war, aus der Richtung der GefangenenBaracken herbei. aylor ,,, daß r für jeden tet wird." en bei sich lvorräte zu gebe? ,, Für ten? ,, MorBrot so oft ng sei? Die und durch Wasser seien stzimmer zu Als wir uns Hen. Er war achlässig ein der 40 000 -Hauptamts ,, Die Küchen werden gestürmt", sagte er. ,, Kommen Sie, wir wollen es selbst sehen", sagte ein britischer Offizier. Die britische Abteilung, die aus etwa sechs Offizieren und einigen Unteroffizieren bestand, ging auf die Baracken zu, Kramer und der deutsche Offizier gingen voran. Nachdem wir durch das hohe Drahttor gegangen waren, setzten die Jubelrufe wieder ein. Hunderte von Gestalten, die in Pyjamas gekleidet waren, strömten auf die Straße. Man hörte rufen: ,, How do you do?" und„, God save the King". Aber das Jubel- und Willkommengeschrei klang unerwartet schüchtern und unsicher, was inmitten von Gewalt und Tod verständlich war. Schüsse ertönten vom anderen Ende des Lagers. Halbwegs die Hauptstraße hinunter stand die Küche, eine lange Holzbaracke, die mit 30 großen Kesseln ausgerüstet war. Dies war die Küche, die„ gestürmt" worden war. Als wir hineingingen, stand nur der SS- Aufseher da. Ich sehe nichts von Stürmen", sagte ich. Der SS- Aufseher lüftete den Deckel eines der Kessel und zeigte auf die Suppe darin. Sie reichte bis 30 cm unter den Rand. „ Das alles haben sie genommen", sagte er. ,, Und das nennen Sie die Küche stürmen?" Ich notierte mir den Namen dieses Mannes als den eines Unruhestifters und ging zu Kramer hinaus. " , Ist das der ganze, Aufstand?" fragte ich. 21 ,, Nein, es hat auch einen Angriff auf das Kartoffellager gegeben." ,, Führen Sie uns dahin", sagte ich. Kramer führte uns durch das hohe Drahttor am Ende des Lagers. Vorn stand das häßliche kleine Ziegelkrematorium mit seinem dünnen Schornstein. Die Dämmerung senkte sich herab, aber auf den Strohhaufen regte es sich. Die abgemagerte Gestalt einer Frau, schwarz gekleidet, mit gelbem Gesicht, Augen, die wie Kohlen glühten, kniete dort. Sie wühlte das Stroh mit den Händen auf, bemüht, die Kartoffeln darunter freizulegen. Kramer wandte sich mir zu. ,, Sie sehen, was ich meine", sagte er. Gerade in dem Augenblick wies der Generalarzt auf etwas am Boden. ,, Der Mann ist in einem üblen Zustand", sagte er. Ich blickte in die angegebene Richtung und sah einen Mann dort liegen, dem das Blut über das Gesicht strömte. Ich wandte mich dem nächsten SS- Mann zu: " Gehen Sie und holen Sie eine Bahre, aber etwas plötzlich!" Er eilte davon. Plötzlich hörten wir Schreie aus dem Kartoffellager. Auf dem Stroh krümmte sich ein Mann in heftigen Schmerzen. Er warf seinen Oberkörper vor und zurück. Bald wurde er still und sein Schreien hörte auf. Als wir weitergingen, kamen wir zu einem anderen Körper, dann zu einem dritten, dann wieder einer... دو Sergeant C. trat auf mich zu. Warum soll Kramer nicht einen von diesen Leuten wegtragen?" fragte er. Ich blickte Kramer an. ,, Nehmen Sie den Mann und bringen Sie ihn ins Lazarett." Kramer errötete, warf seinen Kopf zurück und trat einen Schritt zurück. Er fühlte sich immer noch als Lagerkommandant. ,, Nehmen Sie den Mann auf!" Ich legte den Revolver auf ihn an. Kramer trat vor und bückte sich. Ich stieß ihm meinen Revolver in den Rücken. Er hob den Körper auf die Schulter und ging langsam davon. Es war erschütternd zu denken, daß diese Männer gerade am Tage ihrer Befreiung wie Ratten abgeschossen waren. Zuerst dachte ich: Konnten sie sich nicht beherrscht und 22 nur die drei haben? Aber disch. In ihre nünftiger U „ morgen", wurden vom dem wilden Nicht nur hingeschlachte ungarische Ju nahme an de schaft) im Fra weil sie zusa „ Sie war ei Das slowa Baracke gesto früher passie wissen, daß Als Krame es dort von durch Gester gesichtige, he Es war eine Zwischen Rauchwolke Frauen lage Flammen wa „ Was ver Ihre Bar Und war ,, Freiheit! Flammen ste Als wir Männer des ersten britisc Seltsame Abend im L 50 Verwa " artoffellager Ende des atorium mit Strohhaufen u, schwarz en glühten, uf, bemüht, sich mir zu. auf etwas , sagte er. einen Mann Ich wandte plötzlich!" llager. Auf merzen. Er urde er still ren Körper, ramer nicht s Lazarett." trat einen ommandant. lver auf ihn ihm meinen die Schulter nner gerade sen waren. errscht und nur die drei Stunden bis zur Übernahme des Lagers gewartet haben? Aber solche Erwägungen waren phantasielos und kindisch. In ihrem Hungerdelirium hatten sie die Fähigkeit vernünftiger Überlegung verloren. Worte wie ,, Befreiung", ,, morgen",„ abwarten" hatten allen Sinn für sie verloren. Sie wurden vom Hunger, der in ihnen brannte, verzehrt, nur von dem wilden Drang beseelt, zu essen und zu überleben. Nicht nur die ,, Plünderer" waren an jenem Nachmittag hingeschlachtet worden. Einige Tage später erzählte mir eine ungarische Jüdin, daß ihre slowakische Freundin( wegen Teilnahme an der slowakischen Revolte von 1944 in Gefangenschaft) im Frauenlager durch das Auge geschossen worden war, weil sie zusammen in der Nähe der Küche spazierengingen. ,, Sie war ein so prächtiges Mädchen. Es war schrecklich." Das slowakische Mädchen war die Nacht darauf in der Baracke gestorben. Sie hatte gesagt: ,, Wenn es nur eine Woche früher passiert wäre, heute ist es traurig. Aber es ist gut zu wissen, daß ihr alle frei seid." Als Kramer nach dem Kartoffellager zurückkehrte, wimmelte es dort von Frauen. Die britischen Soldaten bedeuteten ihnen durch Gesten, in ihre Baracken zurückzugehen. Drei weißgesichtige, helläugige Frauen riefen aus: ,, Good night, boys!" Es war eine phantastische Schlußszene. Zwischen zwei Baracken des Frauenlagers stieg eine graue Rauchwolke auf. Kleine Feuer brannten in den Höfen und Frauen lagerten daneben, indem sie Holzstückchen in die Flammen warfen. " Was verbrennen sie?" fragte ich. ,, Ihre Baracken", antwortete Kramer. ,, Und warum?" ,, Freiheit!" erwiderte er. ,, Bald wird das ganze Lager in Flammen stehen." Als wir durch das Lager zurückgingen, kamen gerade die Männer des 63. Panzerabwehrregiments herein. Wir sahen die ersten britischen Wachen auf ihren Posten. Es war bereits dunkel. Seltsame Erwägungen drängten sich uns an diesem ersten Abend im Lager von Belsen auf. Was hatte Kramer und seine 50,, Verwaltungs- SS- Männer" veranlaßt, die Ankunft der 23 23 + Engländer abzuwarten? Sie mußten zahllose Gelegenheiten gehabt haben, in den dunklen Wald zu entkommen. Waren sie sich nicht darüber klar, daß sie den Tod herausforderten? د" Zweifellos hatten ihre SS- Vorgesetzten und möglicherweise auch die Wehrmachtoffiziere eine große Sache aus dem Waffenstillstand" gemacht und diese engstirnigen Halunken zu glauben verleitet, daß sie sich bei den Engländern einen freien Abzug erwirken könnten, indem sie bei der Säuberung des typhusverseuchten Lagers halfen. Es ist bezeichnend für ihre völlige Unkenntnis aller westlichen Anschauungen und Maßstäbe für Moral und Menschlichkeit, daß sie glauben konnten, ihre Mitarbeit würde angenommen werden. Ihr Verhalten zeigt auch, bis zu welchem Grade ihr schlechtes Gewissen durch Jahre viehischer Verbrechen abgestumpft war. Kramer war, wie sich später herausstellte, der Mann, der die ,, Selektion" in Auschwitz leitete. Dort stand er vor dem Krematorium, wenn die Lastwagenladungen menschlichen Viehs ausgefrachtet wurden, schickte zarte junge Frauen und ihre Kinder in die Gaskammern und die kräftigeren arbeitsfähigen Männer ins Lager. Seine Nase war an nichts anderes mehr gewöhnt als an den Gestank des Todes. Aber dieser groteske Versuch einer Zusammenarbeit deutete vielleicht auf noch etwas anderes hin. Hatte die Rassenlehre der Himmler- Schulen es wirklich fertiggebracht, daß diese SS- Männer Juden und Häftlinge als eine Art giftiger Ratten ansahen? Waren sie wirklich so unbekümmert, wenn sie einem schönen Judenmädchen in den Leib schossen oder den langsamen Hungertod eines unschuldigen Mannes verursachten, wie ein normaler Mensch es sein würde, wenn er ein ähnliches Schicksal über eine Ratte verhängt? Möglich ist es. Trotz Kramers verlogenen Befürchtungen passierte zweierlei nicht in der Nacht des 15. April. Es fand kein allgemeiner Angriff seitens der Insassen auf die SS statt, und es gab keinen Massenausbruch aus dem Lager. Daß dies nicht geschah, war wahrscheinlich großenteils auf die physische Schwäche der Gefangenen zurückzuführen. Außerdem war es der Ausdruck des Glaubens, daß die Engländer Rettung und Erlösung bringen würden. 24 Als wir am SS- Hof einful blick. Reizvoll unterhielten si in. die Barack sollten, hatte Mehrere tause Ankunft nach durch Typhus Schmutz entst kommen, wo immer unmen willensstarku hatten ihre Birkenau bev russischen Vo Aber das größtenteils a sich gegangen nehmungslust des ganzen L sich genomme Fallen feldgr mäntel der S hergehenden so gekleidet. Als wir a leeren Barack Initiative hat und Überfüll ID KAPITEL Der erste Tag A: wir am nächsten Morgen im hellen Sonnenschein in den SS-Hof einfuhren, erwartete uns ein unvorhergesehener An- blick. Reizvolle junge Frauen, manche ziemlich gut gekleidet, unterhielten sich in Gruppen oder trugen. Pakete und Decken in. die Baracken hinein oder heraus. Wie wir bald entdecken sollten, hatte dieses Phänomen seine besondere Erklärung. Mehrere tausend Frauen waren gerade wenige Tage vor unserer Ankunft nach Belsen gebracht worden und waren daher weder durch Typhus oder Ruhr entkräftet noch durch Hunger oder Schmutz entstellt. Einige waren direkt aus Fabriklagern ge- kommen, wo die Lebensbedingungen zwar hart, doch nicht immer unmenschlich waren. Andere junge Jüdinnen, mutig, willensstark und vielleicht ein wenig vom Schicksal begünstigt, t deutete hatten ‚ihre Selbstachtung im Vernichtungslager Auschwitz- nlehre Birkenau bewahrt, vor dessen Gaskammern sie durch den diese russischen Vormarsch gerettet worden waren. \atten ı} Aber das Geheimnis ihrer guten Kleidung beruhte e einem größtenteils auf der Plünderung, die die ganze Nacht über vor gsamen sich gegangen war. Diese stärkeren, gesünderen und unter- n, frie ein nehmungslustigeren jungen Frauen hatten die Kleiderkammern| hes Schick- des ganzen Lagers durchsucht, ihre eigenen Kleider wieder an sich genommen, die Sträflingskleidung abgelegt und in einigen Fällen feldgraue Jackette aus Ersatzwolle und graue Regen- mäntel der SS angezogen. Die Französin, mit der ich am vor- hergehenden Nachmittag gesprochen hatte, war zum Beispiel so gekleidet. Als wir ankamen, nahmen alle diese Frauen gerade die leeren Baracken und Lagerräume des SS-Hofes in Besitz. Ihre Initiative hatte sie vor den schlimmsten Gefahren der Infektion und Überfüllung bewahrt. Wir fuhren durch den SS- Hof, und stellten unseren Lautsprecher wagen vor dem Drahttor auf, das ins Häftlingslager führte. Indem wir die Lautsprecher auf das Lager richteten, riefen wir erst auf deutsch und dann auf französisch: ,, Die Deutschen haben nichts mehr in diesem Lager zu sagen. Das Lager untersteht jetzt der Aufsicht der britischen Armee. Lebensmittel und Medikamente werden sofort herbeigeschafft. Gehorcht unseren Befehlen und Anordnungen. Dadurch helft ihr uns und das ist die beste Art, euch selbst zu helfen." Indem wir den Jeeps von Brigadier Hughes und Oberst Taylor folgten, fuhren wir quer durch das Lager, hielten nahe beim Krematorium am anderen Ende' und machten die gleiche Lautsprecheranordnung bekannt. Sie mußte überall hörbar gewesen sein und war der Anfang eines Appells an die Vernunft anstatt an die Furcht. Die menschliche Stimme ersetzte das Gewehr und den Gummiknüppel. Als wir unseren Wagen wendeten, um ins Lager zurückzukehren, kam jemand atemlos auf uns zugelaufen. Mit dem gestreiften Gefangenenanzug und einer grauen Decke über dem Kopf und einem Teil des Körpers sah der Mann aus wie ein Mönch. Sein bleiches Gesicht war nervös und von dem Bartwuchs vieler Tage verdunkelt. ,, Ich bin Engländer", keuchte er. د, دو Woher kommen Sie?" Von den Kanalinseln." Wir setzten ihn auf die Motorhaube und fuhren durch das wimmelnde Lager zum Haupteingang. Unterwegs bestürmten wir ihn mit Fragen. Er war, wie sich herausstellte, verhaftet worden, weil er russischen Kriegsgefangenen in Jersey zur Flucht verholfen hatte. Er wurde sofort entlassen, und wir sahen ihn nicht wieder. Unsere kleine Kolonne fuhr durch das Lagertor und weiter nach dem Ausweichlager in der Ausbildungskaserne. Hier, unter Gruppen von Jungen und Männern, die aus der unterirdischen V- 1- Fabrik von Nordhausen hierher gebracht worden waren, wiederholten wir unsere Ankündigung. Nach den Worten: ,, Das Lager untersteht jetzt der Aufsicht der britischen Armee..." brach ein brausender Jubel los, der eine oder zwei 26 Minuten anh Hauptlager, v Hungersnot d Ankündigung einem Russen Wir ginger Verwaltungs tigte Erschein Dora und Aus geführt. Er w ängstlich betr soll. Ein Sch eines Bauernf ihm besser Waffenrock u ihm, daß er zu weinen. Ich sagte ih Ernährungsla gingen, weint „ Ich habe Ich antwor 1933 hatt Was war " „ Ich war Wir traten „ Ich habe im Sie einen de Lager. Ich ha wandte er sic einem der Dora nicht e O ja, Do ,, Sind Sie lang in einer * Hoeßler außer anderen Auschwitz ver ren Laut- Ungslager !Oteten, “ Sagen, rbar ge- * Vernunft etzte das ı Worten: britischen oder zwei Minuten anhielt. Die Begeisterung war hier größer als im Hauptlager, vielleicht, weil es hier keinen Typhus gab und die Hungersnot die Männer nicht so heruntergebracht hatte. Die Ankündigung wurde von einem Polen, einem Ungarn und einem Russen aus der Schar der Gefangenen wiederholt._ Wir gingen in die SS-Schreibstube und entwaffneten die „Verwaltungs-SS“. Hauptsturmführer Hoeßler, eine berüch- ‚tigte Erscheinung aus der SS-Totenkopf-Unterwelt, der von Dora und Auschwitz her übel beleumundet war, wurde uns vor- geführt. Er war ein langaufgeschossenes Individuum mit den ängstlich betrübten Augen eines Kindes, das bestraft werden soll. Ein /Schlapphut, ein ausgefranster Zivilanzug, wie der eines Bauernfängers vor einem übel beleumundeten Hause, hätte "ihm besser gestanden als der mephistophelische graue SS- Waffenrock und die Breeches, die er trug. Oberst Taylor sagte ihm, daß er und seine Helfer verhaftet seien, und er begann zu weinen. Ich sagte ihm, er solle mich in die Küche führen und mir die Ernährungslage erklären. Als wir den Korridor hinunter- gingen, weinte er laut und sagte:/ „Ich habe eine Frau und zwei kleine Kinder.“ Ich antwortete:„Warum gingen Sie in die SS?“ „1933 hatte ich keine Arbeit“, antwortete er. „Was war Ihr Beruf?“ „Ich war Photograph.“ Wir traten in die Küche und Hoeßler* fuhr fort zu weinen: „Ich habe immer mein Bestes für die Gefangenen getan. Fragen Sie einen der Leute hier. Mein Lager in Dora war ein feines Lager. Ich hatte dort alles, sogar Sportplätze. Stimmt es nicht?“ wandte er sich an einen Mann der Küchenbeltgschaft, der neben einem der großen Kupferkessel stand,„war mein Lager in Dora nicht ein Musterlager?“ „O ja, Dora_war ein feines Lager“, sagte der Koch. „sind Sie sich nicht darüber klar“, fragte ich,„daß Sie jahre- lang in einer Verbrecherorganisation gearbeitet haben?“ * Hoeßler wurde in Lüneburg zum Tode durch Erhängen verurteilt; außer anderen Verbrechen war er für das Hängen von vier Mädchen in Auschwitz verantwottlich. 27 Als ich die Küche verließ, fuhr draußen ein Wagen vor. Sechs Fässer Getreide lagen hinten. Sie waren versiegelt, aber kleine Kornhaufen lagen auf dem Boden und ein wenig davon war auf die Erde gerieselt. In Sekundenschnelle kletterten fünf lange, magere Gestalten über die Fässer, zogen und zerrten an ihnen. Zwei andere krochen unten zwischen den Rädern hindurch, schöpften Hände voll Erde auf, suchten gierig die Körner heraus und verschlangen sie. Eine ungarische Wache lieẞ Schläge auf einen der Männer niederhageln. Ich fiel ihm in den Arm, nahm seinen Stock und zerbrach ihn über dem Knie. Ich stand hinter dem Wagen und rief: ,, Weg von diesem Wagen!" Die abgemagerten Geschöpfe mit den kahlgeschorenen Köpfen kletterten von dem Wagen herunter. Ich postierte Sergeant C. und Korporal R. zu beiden Seiten des Wagens, aber in einer Sekunde waren die Männer mit einer schnellen gleitenden Bewegung wieder auf den Fässern, zerrten daran und reckten ihre dünnen Arme um ein bißchen Korn. Rufend und unsere Waffen schwingend trieben wir sie noch einmal davon, während drei Männer aus der Küche herauskamen und die Fässer hineintrugen. Unsere nächste Aufgabe war es, alle Gefangenen durch Lautsprecher zusammenzurufen, sie nach Nationalitäten zu gruppieren und jede einzelne Nationalitätengruppe in eine besondere Baracke zu schicken. Das bedeutete, daß wir russische, ungarische, polnische und griechische Sprecher heraussuchen mußten. Allmählich verteilten sich die Leute auf ihre Gebäude, und der Platz wurde fast leer. Zum Schluß ergab sich jedoch eine Schwierigkeit. Wir hatten uns entschlossen, die zwanzig überzähligen SSLeute in Block 72 unter Bewachung zu stellen. Damit blieb aber immer noch Raum für hundert weitere Personen im Block, und da wir gerade diese Anzahl Zigeuner hatten, wiesen wir ihnen den übrigbleibenden Raum an. Wenige Minuten später kam ein besorgt aussehender kleiner Mann in schwarzem Anzug auf mich, zu. ,, Warum soll die SS mit uns Zigeunern zusammengelegt werden?" fragte er. ,, Schließlich sind wir auch Menschen." 28 Ich brauchte mehrere Minuten, um ihn davon zu überzeugen, daß diese Reg keine Herabw Als ich in d junge auf mic in polnischer ermordet wor " Wo?" fra Hinten im Ich sagte ih ich bei Major weichlagers. I Die sieben worden war worden und waren gräßl nur aus form Mit ihren k sahea sich die ähnlich. " Wer sind „ Unbelieb fangenen sch das Leben zu Ich fuhr n ich an, um m bat mich um mittel unter würde, brach er ergriff me Als wir w Ich war jetz forschungen Gefangener schon früher in den beid Die erste die die zweite die dort sta ni u Ag er daß diese Regelung auf rechnerischen Erwägungen beruhte und BR keine Herabwürdigung der Zigeuner sei. \ er Als ich in die Lagerschreibstube A zurückging, lief ein Polen- eg junge auf mich’ zu, der uns bei den Lautsprecherankündigungen en in polnischer Sprache geholfen hatte:„Sieben Menschen sind er ermordet worden“, erklärte er. ;=„Wo?“ fragte ich. „Minten im Barackenhof.“ Ich\sagte ihm, er solle mich dorthin führen. Unterwegs sprach ich bei Major C. vor, dem derzeitigen Kommandanten des Aus- weichlagers. Er erhob sich und ging mit uns. Die sieben Ermordeten lagen noch dort, wo sie niedergemacht worden waren. Die Hosen waren ihnen heruntergerissen worden und sie lagen in ihren Hemden da. Ihre Gesichter waren gräßlich zerschlagen oder zertreten,_sie bestanden nur aus formlosem rohem Fleisch und waren ganz unkenntlich. Mit ihren kahlgeschorenen Köpfen und mächtigen Gliedern sie noch sahea sich die Leichen in ihrer würdelosen Anonymität seltsam SA, ähnlich. „Wer sind diese Männer?“ fragte ich. u Laut-„Unbeliebte Kapos und Blockälteste, die die anderen Ge- sTUpPIe- fangenen schlugen, ihnen ihre Lebensmittel stahlen und ihnen ıdere das Leben zur Hölle machten.“ unga- Ich fuhr mach dem Tor des Ausweichlagers. Unterwegs hielt mußten. ich an, um mit einem kleinen jüdischen Jungen zu sprechen. Er nd der bat mich um etwas zu essen, und als ich ihm sagte, daß Lebens- a eine mittel unterwegs seien und daß er bald nicht mehr hungern würde, brach er in Tränen aus. Ich gab ihm einige Bonbons, und er ergriff meine Hand und küßte sie. Als wir wieder im Hauptlager waren, fielen Gewehrschüsse. Ich war jetzt mit meinen Nerven am Ende und ging, um Nach- forschungen anzustellen, in die Häftlingsabteilung. Scharen Gefangener gingen die Hauptstraße auf und ab, wie sie es schon früher am Morgen getan hatten. Viele von ihnen gingen in den beiden Baracken links beim Eingangstor aus und ein. mengelegt Die erste dieser beiden Baracken war das Lebensmittellager und ‚die zweite enthielt Haufen abgelegter Schuhe. Eine alte Frau, ven, die dort stand, sagte: 29 ,, Sie schießen immer noch auf die Leute, aber zu essen geben sie ihnen nichts." Am Eingang der zweiten Baracke stand ein britischer Soldat, das Gewehr nach oben gerichtet und feuerte jede halbe Minute eine Salve ab. ,, Das machen wir schon die ganze Nacht, Sir", sagte er. ,, Aber ohne den geringsten Erfolg. Sie nehmen alles, was sie wollen." Nach seiner Sorglosigkeit zu urteilen, hätte er ebensogut Rauchringe in die Luft blasen können. Wie eindeutig waren die Befehle des britischen Wachkommandanten gewesen und wie gesund und human war der Instinkt dieser Soldaten. Sie hatten keine leichte Aufgabe gehabt, diese britischen Wachen, als sie in der Nacht des 15. April versuchten, das Lebensmittellager zu verteidigen. Berichten zufolge, die ich später hörte, waren Hunderte von Gefangenen darin eingebrochen trotz des Sherman- Panzers, der quer vor dem Eingang aufgefahren war: Der Kramer- Terror war gebannt worden durch Oberst Taylors Worte: ,, Für jeden erschossenen Häftling wird ein SSMann hingerichtet", und das sichtbarste Zeichen von Kramers Sturz war vielleicht der Anblick gewesen, den er bot, als er in der Dämmerung mit einem toten Mann auf dem Rücken dahintrottete. Die britischen Wachen hätten es den SS- Männern gleichtun müssen, um den wilden Ansturm auf Lebensmittel und Kleidung in jener Nacht einzudämmen. Als ich an jenem Morgen eintrat, war das Lebensmittellager leer bis auf einige schwarze harte Wehrmachtsbrote und einige Sack Mehl. Es war überraschend, daß so viel übriggeblieben war, aber zweifellos hatten diejenigen, die am meisten ausgehungert waren, nicht die Kraft zum Plündern. Weiter unten im Lager hinter Block 9 hatte Kramer in einem Privatstall 25 Schweine untergebracht. Es muß ein seltsamer Anblick gewesen sein, als die Polen und Russen sie mit Messern abschlachteten und mit Drahtstücken erwürgten. 30 30 Noch weiter die Straße hinunter, zwischen dem Männerlager und dem klei Uniformen und Morgen des 16 geräumt war hinter den Fra dabei aufgestel im größeren sächlich Franz Baracken des Unternehmung ( sie waren ers Belsen gekom Erfolg aus den des Blocks zu Eine andere das Aussehen Grundstück vo waren Rüben Stroh gelagert die Rüben ge ausgezogen w Frauenlagers Kanonenkugel streifte Fetzer wurden zu ein Nach dieser mit einigen se Ein hochge und mit einer Anglais, pouvez pas v avez sauvés. zählte mir, sei und britis Eine Minut fünfundfünfz sie weinte wi „ Ich habe und dem kleineren Frauenlager, stand eine Baracke, die mit Uniformen und Zelten der SS angefüllt gewesen war. Als ich am Morgen des 16. April dort ankam, sah ich, daß sie völlig aus- geräumt war. Dutzende von kleinen braunen Zelten waren hinter den Frauenbaracken und auf der sandigen Lichtung dicht dabei aufgestellt worden. Andere Zelte standen unter den Birken im größeren Frauenlager. Die dort Zeltenden waren haupt- sächlich Französinnen, die in den schrecklich überfüllten Baracken des kleineren Frauenlagers vegetiert hatten. Ihr Unternehmungsgeist und ihre bessere körperliche Verfassung (sie waren erst vor wenigen Wochen aus Ravensbrück nach Belsen gekommen) ‚hatte es ihnen möglich gemacht, sich mit Erfolg aus dem SS-Zeltvorrat zu versorgen und so das Inferno des Blocks zu verlassen. Eine andere Episode in jener Nacht der Plünderungen hatte das Aussehen des Lagers bis zum Morgen verändert. Auf einem Grundstück von etwa 150 qm in der Nähe des Krematoriums waren Rüben eingemietet worden. Sie waren dort unter Stroh gelagert. Am Morgen gähnte nur noch eine Grube, wo die Rüben gewesen waren. Es war, als ob ein riesiger Zahn ausgezogen worden wäre. Und um die Baracken des kleinen Frauenlagers waren die schwarzen erdigen Rüben wie kleine Kanonenkugeln verstreut. Diese und weiße Leiber und ge- streifte Fetzen Häftlingskleidung und verschimmelnde Stiefel wurden zu einem alltäglichen Anblick in jener Ecke des Lagers. Nach diesen Eindrücken kehrte ich in das Lager zurück, um mit einigen seiner Insassen zu reden. Ein hochgewachsener Franzose in einem schwarzen Anzug und mit einer schwarzen Schirmmütze hielt mich unterwegs an. „Anglais, bon camerade!“ sagte er aufgeregt.„Vous ne pouvez pas vous imaginer de la detresse de laquelle vous nous avez sauves. Soyez sans pitie! Ils ne le meritent pas!“ Er er- zählte mir, daß er Küstenwächter in La Rochelle gewesen sei und britischen Schiffen Nachrichten signalisiert habe. Eine Minute später kam eine dunkle Jüdin zu mir, die wie fünfundfünfzig aussah, aber zwanzig Jahre jünger sein konnte; sie weinte wie ein Kind. „Ich habe zwei kleine Kinder in Budapest“, schluchzte sie, 3l ,, und mein Mann ist Gefangener in Rußland, und ich habe nichts zu essen. Ich bin hungrig." Ehe nicht die Lebensmittel eingetroffen waren, konnte ich nichts für sie tun. Ich ging weiter. Plötzlich hörte ich eine Stimme zu meinen Füßen englisch sprechen: ,, Können Sie nicht etwas für mich tun?" Ich blickte nieder und sah einen Mann auf dem Rücken liegen, Kopf und Rumpf quer über den Hauptweg gestreckt. Sein Oberkörper war nackt und seine Beine steckten in Sträflingshosen. ,, Sind Sie Engländer?" fragte ich. " Ja", antwortete er. دو Woher kommen Sie? Wo sind Sie geboren?" ,, Ich wurde in Derbyshire geboren, aber ich lebte fünfzehn Jahre in Ostende... Und jetzt liege ich in der Sonne." ,, Warum wurden Sie verhaftet?" ,, Ich machte Ta- ra- ra... Und jetzt... bin ich nur ein armer Kerl, der hier draußen in der Sonne liegt. Können Sie wirklich nichts für mich tun?" Ich hielt Capt. H. an, der mit seinem Sergeanten in einem Jeep vorbeifuhr. دو Wir müssen ihn rausbringen", sagte er. Wir hoben die lange, abgemagerte Gestalt zu dritt auf und setzten ihn in den Jeep. Als er aber den Sitz berührte, begann er zu schreien. ,, Er hat einen Schuß abgekriegt", sagte der Sergeant. Wir untersuchten den Rücken des Mannes. In der Mitte hatte er eine bläulich- gelbe. Geschwulst von der Größe eines Zwerghuhneies. دو , Wie kam das?" fragte ich. ,, Ich weiß nicht... Kann mich nicht erinnern." Wir fuhren ihn weg, indem der Sergeant seinen Rücken stützte. Der Kaplan brachte ihn auf ein Feld, und der Kranke erklärte, wie froh er sei, weil er jetzt wieder ein grünes Feld sähe. Er starb dort am selben Nachmittag. Die Lagerstraßen wimmelten immer noch von Menschen. Einige gingen auf und ab, andere bewegten sich auf die betonierten Wasserbehälter zu. 32 Das Wasser ten es mit klei und wusch sich trieben an der Diese Becker einer Woche zu weise wurde da ausbildungsschu elektrischem St worden, das Die Soldaten dran gewesen Wasserwagen Am frühen einen Kraftwa um eine Pump mit einem klei daß er der La ,, Ich bin au sagte er. Steinmetz' pumpen, der Feld floß. Die einem Wagen den Fluß hina wege ging ich zwischen Stac lager zog. Ste rück, bis ichi „ Herr Ober verstehen do helfen." „ Selbstvers Ich bin T was hier im ,, Ich verste Herr Ob anderen Flu 3 Sington "ein armer € wirklich n einem -n Rücken ler Kranke rünes Feld Menschen. auf die Das Wasser war grünlich und sehr trübe. Die Frauen schöpf- ten es mit kleinen Dosen und eine tauchte die Hände ‚hinein und wusch sich Gesicht und Nacken. Lumpen und Lederstücke ‚trieben an der Oberfläche. Diese Becken übelriechenden Wassers dienten seit ungefähr einer Woche zur alleinigen Versorgung des Lagers. Normaler- weise wurde das Wasser von einem Wasserwerk in der Panzer- ausbildungsschule durchgepumpt, aber diese Anlage war mit elektrischem Strom des Hannoverschen Kraftwerkes betrieben worden, das durch Bombentreffer lahmgelegt worden war. Die Soldaten der Panzerausbildungsschule waren glücklicher dran gewesen als die politischen Gefangenen, indem sie durch Wasserwagen versorgt wurden. Am frühen Morgen hatte ein SS-Mann mir vorgeschlagen, einen Kraftwagen zur Wehrmachtkommandantur zu schicken, um eine’ Pumpe zu holen. Er war ein großer, knochiger Mann mit einem kleinen, runden, fast kahlen Kopf, und er sagte mir, daß er der Lagerelektriker sei. Sein Name war Steinmetz. „Ich bin ausschließlich als Elektriker in diesem Lager, Sir sagte er. Steinmetz’ Vorschlag war, Wasser aus dem Fluß Meiße zu pumpen, der wenige hundert Meter vom Lager durch das Feld floß. Die Pumpe und einige Längen Schlauch wurden in einem Wagen herbeigeschafft und eine Gruppe SS-Männer an den Fluß hinabbefohlen, um sie aufzustellen. Auf dem Rück- wege ging ich hinter der Gruppe. Wir gingen einen engen Weg zwischen Stacheldraht entlang, der sich um das große Frauen- lager zog. Steinmetz, der ein Fahrrad führte, blieb etwas zu- rück, bis ich ihn erreicht hatte. „Herr Oberldutnant“, sagte er mit gedämpfter Stimme.„Sie verstehen doch, daß ich mein, Bestes, tun möchte, um zu helfen.“ r „Selbstverständlich“, antwortete ich. „Ich bin Techniker und habe nichts mit dem zu tun gehabt, was hier im Lager geschehen ist.“ „Ich verstehe.“ „Herr Oberleutnant, ich habe gehört, daß einige von den anderen Fluchtpläne machen.“ 3 Sington 33 er ,, Wissen Sie ihre Namen?" ,, Ja, Herr Oberleutnant, sie heißen Klipp und Emmerich." ,, Gut, daß ich es weiß." ,, Wenn Sie wollen, werde ich Ihnen auch weiterhin von Zeit zu Zeit Informationen geben." ,, Ja, das könnte von Nutzen sein." ,, Nur eins, Herr Oberleutnant..." " Ja?" ,, Ich möchte Sie bitten, mich nicht herauszuholen und mit mir zu sprechen, wenn die anderen SS- Männer dabei sind." ,, Nein, gewiß nicht." ,, Bitte, schelten Sie mich, wenn Sie mich mit den anderen sehen." ,, Ich verstehe durchaus." ,, Danke, Herr Oberleutnant. Ich hoffe, Sie werden verstehen, daß ich alles tun will, was in meinen Kräften steht, um zu helfen." Nachdem Steinmetz mich verlassen hatte, setzte ich meinen Weg fort und ging hinter den Blockhütten des großen Frauenlagers vorbei, die an den schmalen Pfad grenzten. Die braunen Hütten hoben sich freundlich gegen die dunklen Fichtenwälder ab. Die Rinde der Silberbirken hatte einen zarten Glanz, und die Zweige waren froh belaubt mit dem frischen Grün des Frühlings. Vier.Frauen hockten in einem Hof und verrichteten ihre Notdurft. Ich war ein wenig überrascht, aber dem kleinen Schreck folgte ein großer, denn dicht hinter den Frauen lag ein Gewirr von Armen, Beinen und Hinterteilen, dazwischen hin und wieder ein verfilzter Haarschopf. Es war das letzte Mal, daß mich der Anblick von Leichnamen im Belsenlager überraschte. Bevor ich den Fußpfad verließ, kam noch ein weiterer Leichenhaufen, dann noch einer, noch einer und wieder einer. Später am Tage führte mich ein ungarisches, jüdisches Mädchen nach der sandigen Lichtung, wo die SS begonnen hatte die Toten zu sammeln. Dreihundert Meter weiter befand sich ein zwei Meter hoher Leichenhaufen. Ein Windstoẞ wirbelte den Sand auf und trug uns den Gestank verwesenden Fleisches zu. 34 Wußten Si Toten hierher d „ Nein." „ Mutter und starben in den einzige, die noc Es war nach Der Lautsprech ersten Kraftwa Um vier Uh pflegung. Na Lagerinsassen i Hilfe Freiwilli der ersten Mal ein Handgeme Stärkeren zu ih Nun war es Lautsprechers wegen, sich in Erst fuhren Lager und ma und französisc „ Verpflegung kann, muß jed . in seinen Block ausgabe." Auf unserer einen jungen sie die Ankün doch zum Dra lassen des Ged Wieder fuhr Küche sprache Dürfen wi von den Gried Wir nahmen Unsere letzt Ungarn, einem 3* Emmerich." in von Zeit n und mit abei sind." en anderen erden verEften steht, ich meinen en Frauenie braunen mtenwälder Glanz, und Grün des errichteten em kleinen en lag ein ischen hin on LeichFußpfad ann noch ches Mädnen hatte efand sich wirbelte rwesenden ,, Wußten Sie", fragte sie ,,, daß wir vier Tage lang die Toten hierher durch das Lager schleifen mußten?" ,, Nein." ,, Mutter und Vater und alle meine Brüder und Schwestern starben in den Gaskammern von Auschwitz. Ich bin die einzige, die noch lebt. Verstehen Sie unseren Haẞ?" Es war nach drei Uhr. Niemand von uns dachte ans Essen. Der Lautsprecherwagen stand im SS- Hof in Erwartung der ersten Kraftwagen mit Lebensmitteln. Um vier Uhr kamen die ersten Dreitonnenwagen mit Verpflegung. Nach kurzer Beratung wurde beschlossen, alle Lagerinsassen in ihre Blocks zu schicken und das Essen mit Hilfe Freiwilliger dorthin zu bringen. Hätten wir sie wegen der ersten Mahlzeit anstehen lassen, so wäre wahrscheinlich ein Handgemenge entstanden, bei dem nur die physisch Stärkeren zu ihrem Recht gekommen wären. Nun war es unsere Aufgabe, die Lagerinsassen mit Hilfe des Lautsprechers durch Befehle, Zureden oder Drohungen zu be-. wegen, sich in ihre Baracken zu begeben. Erst fuhren wir den Lautsprecherwagen langsam durch das Lager und machten die folgende Ankündigung auf deutsch und französisch: ,, Verpflegung ist angekommen. Bevor sie verteilt werden kann, muß jedoch jeder in seinen Block gehen. Ehe nicht jeder in seinen Block zurückgekehrt ist, erfolgt keine Verpflegungsausgabe." Auf unserer zweiten Fahrt durch das Lager nahmen wir einen jungen Polen und ein ungarisches Mädchen mit, damit sie die Ankündigung in ihren Sprachen machten. Als wir jedoch zum Drahttor zurückkamen, war ein merkliches Nachlassen des Gedränges auf der Straße nicht festzustellen. Wieder fuhren wir ins Lager hinein. Während wir vor der Küche sprachen, kam eine Griechin zum Wagen. " Dürfen wir es auf griechisch hören?" fragte sie.» Keiner von den Griechen im Lager kann verstehen, was Sie sagen." Wir nahmen sie in den Wagen. Unsere letzte Rundfahrt machten wir mit einem Polen, einem Ungarn, einem Griechen und einem holländischen Sergeanten. 3* 35 Irgendwie quetschten wir uns alle in den Wagen hinein. Sergeant C. machte die Ankündigung auf deutsch, indem er auf dem rechten Trittbrett stand, der Holländer stand auf dem linken Trittbrett, während ich auf der Kühlerhaube saf und italienisch und französisch sprach. Die, anderen saßen drinnen und wir reichten das Mikrophon von Hand zu Hand. Die Hauptstraße hin und zurück, ins große Frauenlager hinein und wieder heraus, am kleinen Frauenlager dicht beim Krematorium vorbei wiederholten wir die Ankündigungen, bis wir heiser waren. Manchmal variierten wir die Aufforderung, indem wir die Befehlsform anwendeten: ,, Gehen Sie sofort in Ihre Blocks zurück!" Lächelnde Mädchen, die zu zweien und dreien dastanden, erklärten uns, wenn wir anhielten, um zu ihnen zu sprechen: ,, Ja, wir gehen gleich hinein." Nach einer halben Stunde hatte sich die Menschenmenge sichtbar verringert. Fast zwei Stunden noch setzten wir das Zureden fort, und gegen sechs Uhr waren die Wege fast leer. Das freiwillige Küchenpersonal hatte schwer gearbeitet, und in den Kupferkesseln von zweien der fünf Küchen( die Kessel wurden mit Kohlen von unten her geheizt) war ein Eintopf zubereitet worden. Aber es dämmerte schon, und in der großen Küche war etwas schief gegangen. Das Eintopfessen war nicht fertig. Kisten mit amerikanischem Eintopf in Dosen und Zwieback wurden eilends ausgeladen und die Verabfolgung kalter Verpflegung geplant. Zuerst wurden in jeden der zu verpflegenden zwanzig Blocks Leute geschickt, um den Lager- und die Blockältesten zu holen. Einige zwanzig Mann kamen. Ich stellte sie in zwei Gliedern auf. Der Lagerälteste sagte mir, daß jeder Block vier- bis sechshundert Menschen beherberge. Ich erklärte ihm, daß jeder Insasse eine Dosė kalten Eintopf und eine Dose Zwieback erhalten solle und daß jede Kiste vierundzwanzig Dosen Eintopf und ebenso viele Dosen Zwieback enthalte. Es wurde angeordnet, daß jeder Blockälteste vortreten und die Stärke seines Blockes angeben sollte. Dann sollte ihm eine 36 entsprechende oder vierundz Die Blockäl jeder mit zehn sollten. Eines muß der für die Or lich war ,,, daß keit verlassen Kranken ihren eines der schw Als die Ver reits dunkel, den. In aller H mit ungefähr fuhr mit ihne Lagerälteste u aus, indem er verfuhr. Als ich das reichte, war a tretende Lager Sie kam an d einig, daß es u zurufen und tionen zu geb für die Kisten auf. Sie versp vorzunehmen. Damit war Überall rin kranke Mens schon hatten des Terrors, d gegeistert, jet heben würde rückzuliegen. läufe, wilder n hinein. indem er tand auf aube saf en saßen zu Hand. auenlager icht beim ungen, bis Forderung, Sie sofort zu zweien elten, um henmenge fort, und eitet, und die Kessel ein Ein, und in EintopfEintopf in und die zig Blocks zu holen. bis sechsm Eintopf ede Kiste sen Zwiereten und ihm eine - entsprechende Anzahl Kisten seien es achtzehn, zwanzig oder vierundzwanzig zugeteilt werden. - Die Blockältesten kehrten in ihre Blocks zurück und kamen jeder mit zehn oder zwölf Helfern wieder, die die Kisten tragen sollten. ,, Eines muß ihnen gesagt werden", erklärte der Brigadier, der für die Organisation der Verpflegungszuteilung verantwortlich war ,,, daß wir uns auf ihr Ehrgefühl und ihre Menschlichkeit verlassen, wenn es sich darum handelt, daß auch die Kranken ihren Lebensmittelanteil erhalten." Damit hatte er eines der schwierigsten Lagerprobleme, angeschnitten. Als die Verteilung im Männerlager beendet war, war es bereits dunkel, und die Frauenlager mußten noch versorgt wer' den. In aller Eile beluden vier britische Soldaten zwei Wagen mit ungefähr dreihundert Lebensmittelkisten, und Sergeant C. fuhr mit ihnen in das große Frauenlager. Hier suchte er die Lagerälteste und die Blockältesten heraus und gab die Kisten aus, indem er nach dem gleichen System wie im Männerlager verfuhr. Als ich das kleinere Frauenlager mit einer Ladung Kisten erreichte, war alles in Dunkel gehüllt. Die Kapo oder stellvertretende Lagerälteste, eine tschechische Jüdin, wohnte in Block 47. Sie kam an die Tür des Blocks, und wir waren uns darüber einig, daß es unmöglich sein würde, die Blockältesten zusammenzurufen und ihnen auf dem stockdunklen Hof ihre Instruktionen zu geben. Sie hatte in ihrer Stube gerade Platz genug für die Kisten, so luden wir sie denn dort ab und stapelten sie auf. Sie versprach, die Verteilung der Lebensmittel am Morgen vorzunehmen. Damit war unser erster Tag in Belsen zu Ende. Überall ringsum waren Krankheit, Überfüllung und Tod; kranke Menschen, die noch keine Hilfe erhalten hatten. Aber schon hatten wir die Genugtuung zu wissen, daß das Gespenst des Terrors, das so lange durch dieses und alle die anderen Lager gegeistert, jetzt niedergeschlagen war und sich nicht wieder erheben würde. Der gestrige Nachmittag schien jetzt weit zurückzuliegen. Das schreckliche Erlebnis rauchender Gewehrläufe, wilder Panik und herzzerreißender Schreie und das 37 Klatschen von Schlägen auf Menschenfleisch schien bereits ein entwichener Alpdruck zu sein. Verpflegung war eingetroffen und würde weiterhin eintreffen. Wir hatten lächelnde Gesichter gesehen und menschliche Wesen, die menschlichen Vernunftgründen zugänglich waren. Das Hauptquartier der kleinen britischen Belsengarnison befand sich damals im Offizierheim der Panzerausbildungsschule, einem geschmackvoll konstruierten, hufeisenförmigen Gebäude, das rings von einem Garten umgeben war. Es enthielt gut eingerichtete Küchen, einen Tanzsaal und Salons mit Kupferstichen aus dem 18. Jahrhundert an den Wänden, die Friedrichs des Großen Leben und Triumphe darstellten. Hier hatten die jungen deutschen Offiziere während ihrer Ausbildungslehrgänge gewohnt. Als ich am Abend dorthin zurückkehrte, versuchte ich die kaleidoskopischen Eindrücke der vergangenen beiden Tage in ein logisches Gefüge zu bringen. - Zunächst kam ich einmal zu dem Schluß, daß der Belsener Waffenstillstand vom Standpunkt der Gefangenen gesehen ein großes Glück war trotz aller Brutalitäten, die bei der Übernahme von der SS verübt wurden, trotz der Wut, die einen erfüllte beim Anblick ungarischer Soldaten, die auf politische Gefangene einschlugen, und obwohl einen damals angesichts der Notwendigkeit, mit Kramer verhandeln zu müssen, der Ekel zu überwältigen drohte. Man braucht sich nur einmal vorzustellen, was geschehen wäre, wenn es keinen Waffenstillstand gegeben hätte. Angenommen, die Kämpfe auf der Schwarmstedt- Winsener Chaussee hätten bis nach Belsen fortgedauert was hätte die SS in Belsen dann getan? - Es ist wichtig, sich zu vergegenwärtigen, daß sich vor Abschluß des Waffenstillstandes einige dreihundert SS- Männer im Lager befanden und nicht nur die 55 Mann von der Lagerverwaltung, die uns am Abend des 15. April erwarteten. Sie hätten eine Verteidigung versuchen können, indem sie das Lager mit seinen Baracken, Wällen und Stacheldrahtverhauen als eine Art Stützpunkt benutzten. Doch ist dies unwahrscheinlich wegen der Gefahr, die ihnen von seiten der Häftlinge 38 gedroht hätte. I Lager abgesetzt vor sich hertrie Beispiel in Sac bis in die Wäld waren. Wenn dies a Zehntausende kranker einen Die dritte M wahrscheinlich aus, dem Lager darüber geben Sicherlich hätte Dynamit alle gleich, ob sie w Giftgas angewa viele Tausende wenn man die benden in Betr Soweit die u Der Umriß ab, die ausgear ein Lazarett zu Hughes den de zu sich komme Medikamente, sollte die Pan gewandelt wer Aber auch d mußte ins Aus dem verseucht belief sich am starben auch Nichtinfizierte werden, und Aber wir rechnen. sehen ein ler Über- die einen politische sichts der ler Ekel reschehen te. Ange- Chaussee e SS ın gedroht hätte. Die andere Möglichkeit wäre, daß sich die SS vom Lager abgesetzt hätte, indem sie die Gefangenen auf der Straße vor sich hertrieb. Dies geschah in den meisten Lagern, so zum Beispiel in Sachsenhausen, dessen Insassen am 1. Mai bereits bis in die Wälder von Parchim bei Schwerin getrieben worden waren. Wenn dies auch mit Belsen geschehen wäre, dann hätten die Zehntausende wandernder Skelette, Verwundeter und Tod- kranker einen gewaltigen Tode&zoll am Wegrande hinterlassen. Die dritte Möglichkeit— und zwar die, von der die SS wahrscheinlich Gebrauch gemaght hätte— wäre ein Rückzug aus, dem Lager ohne Gefangene gewesen. Kann es einen Zweifel darüber geben, was sie vor ihrem Abrücken getan hätten? Sicherlich hätten sie ihr Außerstes getan, um mit Feuer und Dynamit alle Spuren des Gewesenen zu verwischen. Ganz gleich, ob sie während der Nacht Feuer angelegt, Artillerie oder Giftgas angewandt hätten, zweifellos wäre es ihnen gelungen, viele Tausende der 40 000 Insassen hinzuschlachten, vor allem, wenn man die große Anzahl der Schwachen, Kranken und Ster- benden in Betracht zieht, die nicht hätten entkommen können. Soweit die unmittelbare Vergangenheit. Der Umriß der Zukunft Belsens zeichnete sich in den Plänen ab, die ausgearbeitet wurden. Es war bereits beschlossen worden, ein Lazarett zu errichten, und am ersten Abend hatte Brigadier Hughes den deutschen Militärarzt der Panzerausbildungsschule zu sich kommen lassen und ihn eingehend über dort verfügbare Medikamente, Sera und die Platzverhältnisse verhört. Später sollte die Panzerausbildungsschule in ein riesiges Lazarett um- gewandelt werden.' Aber auch das Problem der Gesunden und relativ Gesunden mußte ins Auge gefaßt werden. Es war klar, daß niemand in dem verseuchten Lager bleiben durfte. Die Zahl der Todesfälle belief sich am Tage unserer Ankunft auf 800, und täglich starben auch Gesunde durch Ansteckung wie die Fliegen. Die Nichtinfizierten mußten ebenso wie die Kranken herausgeschafft werden, und wenn möglich gleichzeitig. Aber wir hatten mit dem schrecklichen Faktor Zeit zu rechnen. Die Evakuierung von 40 000 Menschen setzte die Vorbereitung von Aufnahmeräumen und Betten voraus. Ferner die Isolierung der Kranken und die Desinfektion jeder Person, die aus dem Konzentrationslager kam, denn es wäre sinnlos gewesen, neben dem alten Ansteckungsherd die Entstehung eines neuen zu riskieren. Aber die Beschaffung und Verteilung des für die Aufnahmestellen erforderlichen Materials brauchte notwendigerweise Zeit, selbst wenn es gelingen sollte, diesen Zeitraum auf ein Minimum einzuschränken. Schon der Transport von 40 000 Menschen durch das einzige Tor nahm einige Zeit in Anspruch. Aber während dieses Zeitverlustes würden Tausende noch Gesunder sich infizieren und am Typhus sterben, und Tausende der anderen, die an Erschöpfung und Ruhr litten, würden wegen Mangels an Hilfe und Pflege verkommen müssen. Ansteckung, Leiden und Tod im Konzentrationslager konnten während dieses Zeitverlustes nur durch die Notmaßnahmen eingedämmt werden, die von den Engländern und ihren freiwilligen Helfern unter den Gefangenen ins Werk gesetzt wurden. Als von unser z der Gesta Die Gebäu nur von der S die das Wo カラ SS- Baracken kleidung an d lager, wo sich angeblich befi Gefangene ge fängnis. Es b Annehmlichk Apotheke un Mikroskopen Bei den H Lebensmittell SS enthielt, waren abseits Krankenstub besetzt, die Das Lage mit Stacheld für die Wad rundum erri Die meiste enthielten 4 Als wir Männer und Leichen); in es nicht meh 40 die VorFerner die erson, die nnlos geung eines ufnahmeweise Zeit, Minimum Menschen uch. Aber Gesunder sende der den wegen er konnten aßnahmen hren freik gesetzt III. KAPITEL Lebende, Tote und Sterbende Als Is unser zweiter Tag begann, gelang es uns, uns ein Bild von der Gestalt des Lagers zu machen. " Die Gebäude bestanden aus ungefähr vierzig Baracken, die nur von der SS benutzt wurden, und weiteren achtzig Baracken, die das Wohnviertel" der Häftlinge darstellten. Unter den SS- Baracken befand sich die Kleiderkammer, wo die Zebrakleidung an die Gefangenen ausgegeben wurde, ein„ Effekten"- lager, wo sich die den Gefangenen abgenommenen Wertsachen angeblich befinden sollten, ein Brausebad, in dem einkommende Gefangene gebadet wurden, ein Geräteschuppen und ein Gefängnis. Es befanden sich dort auch Baracken mit besonderen Annehmlichkeiten für die SS, z. B. eine Kantine mit Bar, eine Apotheke und ein kleines Lazarett, das mit Röntgenapparaten, Mikroskopen usw. wohl ausgestattet war. Bei den Häftlingsbaracken befand sich ein Brotlager, ein Lebensmittellager, eine Baracke, die zweite Garnituren für die SS enthielt, und eine sogenannte Weberei. Einige Baracken waren abseits aufgestellt worden und dienten als Reviere oder Krankenstuben. Sie waren mit Ärzten und freiwilligen Pflegern besetzt, die selbst Gefangene waren. Das Lager war im ganzen 600: 300 Meter groß und war mit Stacheldraht umzäunt. Hölzerne Wachtürme, die Betten für die Wachen enthielten, waren in Abständen von 100 Meter rundum errichtet. Die meisten der Häftlingsbaracken maßen 35: 10 Meter und enthielten 400 bis 800 Menschen. Als wir das Lager betraten, befanden sich etwa 40 000 Männer und Frauen darin( hinzu kamen 10 000 unbeerdigte Leichen); im Hinblick auf erträgliche Lebensverhältnisse hätte es nicht mehr als 8000 beherbergen dürfen. 41 Das Schauspiel, das sich in den Tagen nach unserer Ankunft in einigen der überbelegten Blocks bot, ähnelte Dantes Inferno. Block 48 in dem kleineren Frauenlager enthielt 600 Jüdinnen aus Polen, dazu kamen etwa 80 Französinnen. Betten gab es nicht, daher hatten die Frauen sich auf eine Decke oder einige Lumpen gelegt und lagen dort Reihe neben Reihe in ihren zerschlissenen Mänteln. In einigen Teilen des Raumes lagen sie mit Köpfen oder Beinen teilweise aufeinander. Eine kleine abgemagerte Kreatur schlief im Knien, als ich zum ersten Male den Block betrat. Ein ekelerregender Geruch von altem Schweiß und schmutzigen Lumpen stieg von den kranken, schmerzdurchwühlten Leibern auf. monateWenn jemand in britischer Uniform den Block 48 betrat, dann erhob sich zuerst ein Gemurmel und dann gewöhnlich ein Schrei, dem andere Schreie folgten. Manchmal waren es offenbar Bitten um Hilfe, um einen Arzt, Arzneimittel oder Essen, aber oft waren die Äußerungen auch unverständlich. Eine Frau mit dunklem Pagenkopf, die dort am zweiten Tage lag, wies auf sich und sah mich mit furchtblickenden Augen an. ,, Ich bin angeschwollen", sagte sie. Ihr Gesicht war aufgedunsen und ihr Leib von Schwellungen entstellt. Später erfuhr ich, daß diese Schwellungen eine Folge des Hungers waren, der zu Wasseransammlungen in gewissen Organen führt, was sich dann auf den ganzen Körper ausdehnt. Eine Woche später sah ich die dunkle Frau halbnackt im Kehricht vor dem Block liegen; der Regen tropfte aus ihrem schwarzen Haar, und ihr schwarzer Rock, über die Schenkel hochgezogen, war mit Regen vollgesogen. Sie war tot. Gegen Ende unseres zweiten Tages in Belsen hatten wir die Nationalitätengruppen im Lager ermittelt. Etwa 25 000 von den 40 000 Insassen waren Frauen, und von diesen waren einige 18 000 ungarische, polnische, rumänische, tschechische und deutsche Jüdinnen. Sie stellten einen Teil der Überlebenden des europäischen Judentums dar und waren in aller Eile in Belsen hineingepfercht worden, als die Deutschen durch das Vorrücken der alliierten Armeen aus Ost und West gezwungen wurden, das Vernichtungslager Auschwitz- Birkenau 42 in Polen und Schlesien und Teil dieser jüd von Familien Treblinka umg Außer den Diese Russinn waren sie nicht gegen die deur zentrationslage Akte der Wid Deportation Zwangsarbeite waren und ge Eine blonde „ Ich hatte in um eine zweite mir, daß mir an den Kopf. geschehen. Außer den noch mehrere slawinnen, Po von der Gesta satzungsmacht mancherlei A zu den Titodem Warscha vorher Spion Maquisarden andere wieder Die 15 000 unter die gle Gefangene; u die es fertig Deutschen in Das waren Viertel im L ler einige in Polen und die Dutzende von Arbeitssklavenlagern in Schlesien und Nordostdeutschland zu evakuieren. Der größte Teil dieser jüdischen Frauen stellte die einzigen Überlebenden von Familien’ dar, die in den Gaskammern von Birkenau und Treblinka umgekommen waren. Außer den Jüdinnen waren noch 2000 Russinnen in Belsen. Diese Russinnen waren fast«alle„Meuterer“. Größtenteils waren sie nicht wegen Teilnahme an organisiertem Widerstand gegen die deutsche Besatzung oder wegen Sabotage ins Kon- zentrationslager gekommen, sondern als Strafe für vereinzelte Akte der Widersetzlichkeit, die sie aus Erbitterung nach ihrer Deportation in Deutschland begangen hatten. Sie waren Zwangsarbeiterinnen, die aus ihrer Heimat verschleppt worden waren und gegen ihre deutschen Herren aufgemuckt hatten. Eine blonde, breitschultrige Russin, mit der ich sprach, sagte: „Ich hatte in der echalle der Fabrik, in der ich arbeitete, um eine zweite Portion gebeten. Die deutsche Aufseherin sagte daß mir keine zustehe. Da warf ich ihr einen Teller an den Kopf.“ Dies war in einer Flugzeugfabrik bei Metz geschehen. Außer den Jüdinnen und Russinnen befanden sich in Belsen noch mehrere tausend andere Frauen— hauptsächlich Jugo- slawinnen, Polinnen, Französinnen und Belgierinnen—,\ die von der Gestapo wegen Widerstandes gegen die deutsche Be- satzungsmacht verhaftet worden waren. Ihr Widerstand war mancherlei Art gewesen. Die jugoslawischen Frauen hatten zu den Tito-Partisanen gehört, die Polinnen hatten 1944 an dem Warschauer Aufstand teilgenommen oder schon lange vorher Spionage betrieben; die Französinnen hatten die Maquisarden mit Kleidung und Lebensmitteln versorgt, und andere wiederum hatten monatelang britische Piloten versteckt. Die 15 000 Männer des Lagers fielen im großen und ganzen unter die gleichen Gruppen: Juden, Meuterer und politische Gefangene; unter den letzteren befanden sich einige Deutsche, die es fertiggebracht hatten, zurückzubleiben, als die 600 Deutschen in Belsen von der SS davongetrieben wurden. Das waren die Lebenden in Belsen, von denen mehr als ein Viertel’im Laufe der nächsten vier Wochen sterben sollte. 43 An diesem zweiten Tage entdeckten wir auch die zahlreichen Toten. Die SS hatte die größten Anstrengungen gemacht, sich der vielen Tausende von Leichen vor Ankunft der Engländer zu entledigen. Mehrere Tage lang wurden diejenigen Gefangenen, die dazu körperlich noch imstande waren, zu Beerdigungskommandos zusammengestellt, die die Leichen aus dem ganzen Lager auf einer sandigen Lichtung in der Südwestecke des Lagers zusammentrugen. Vier Gefangene mußten jeweils Kleidungsfetzen an Hände und Füße eines jeden Leichnams binden und ihn, zwei am Kopf- und zwei am Fußende, Hunderte von Metern fortschleppen. Im allgemeinen gab die SS der Verbrennungsmethode den Vorzug, weil sie keine Spuren hinterließ, und die erste große Leichenansammlung wurde zu einem gewaltigen Scheiterhaufen. Eisenbahn'schwellen und Leichen wurden schichtweise aufeinandergelegt und vor der Enzündung mit Benzin durchtränkt. Nach Aussagen der Insassen hatte der Gestank brennenden Fleisches das ganze Lager erfüllt. Aus irgendeinem Grunde hatte die SS einige Zeit vor Ankunft der britischen Truppen ihre Methode zur Beseitigung der Leichen geändert und wenigstens ein Massengrab ausgehoben und gefüllt. Aber trotz dieser Bemühungen hatte das Problem der zu-' nehmenden Leichenhügel die SS überwältigt, so daß nach unserer Ankunft im Lager 10 000 unbeerdigte Leichen auf dem Boden lagen. Was von der SS getan werden konnte, um die unbeerdigten Leichen zu verbergen, hatte sie getan. Die Hauptstraße des Lagers war gesäubert worden. Die Insassen waren gezwungen worden, ihre Toten in Lichtungen zu verbergen, die rings von Bäumen abgeschirmt waren, oder auch am äußersten Ende der Höfe, möglichst weit von der Hauptstraße entfernt lagen. Am 17. April schlenderte ich durch die abgelegenen Pfade. des großen Frauenlagers. Plötzlich sah ich in etwa 60 Meter Entfernung einen Haufen unbeerdigter Toter. Sie lagen wirr durcheinander unter den Birken, seltsam beredt und düster. Aus der Nähe betrachtet wirkten sie unmenschlich; keine Gesichter waren zu sehen, nur Arme und Beine, häßliche 44 Steiße, nicht aus wie der fort lag die richtet. Ihr M gerissen und same Toten Toten, die bedeckt, das hatten einen Augen schien eine Marione In jedem Frauenlagers Streich, den mag, jede w hingeworfene studieren, w ging. Im Männe gelegenen Er Haufen von um die eing Grunde schie vorstehenden Skeletthände die der Fra oder waren Tod resignie Hinter B gestürztes N war. Ein Block 31, de gearbeitet h waren. Block 31 Die Pfleger waren alle kuiert word Steiße, nicht größer als Fäuste, die nach oben ragten. Es sah aus wie der überhäufte Ladentisch eines Schlachters.. Weiter fort lag die Leiche einer Frau, das Gesicht himmelwärts ge- richtet. Ihr Mund war zu einem sinnlichen Grinsen weit auf- gerissen und enthüllte eine Reihe von Goldzähnen. Eine selt- same Totenmaske. Das eingefallene Gesicht einer anderen Toten, die dicht daneben lag, war mit verfilztem Haar bedeckt, das wie Werg aussah. Ihre dünnen blauen Lippen hatten einen verkniffenen, unheimlichen Ausdruck, und ihre Augen schienen in den Höhlen versunken zu sein. Sie sah wie eine Marionette aus. In jedem Hof und hinter jeder Baracke des großen Frauenlagers lagen solche Haufen von toten Frauen. Jeden Streich, den die Todesstarre dem menschlichen Antlitz spielen mag, jede wunderliche Stellung, die ein ‚aufs Geratewohl hingeworfenes Skelett annehmen kann, konnte man hier studieren, während man im Sonnenschein unter den Birken ging. Im Männerlager erwartete einen, wenn man nach dem ab- gelegenen Ende der Höfe ging, der gleiche Anblick. Bizarre Haufen von Toten, denen die Lumpen der Häftlingskleidung um die eingeschrumpften Glieder hingen. Aus irgendeinem Grunde schienen die Leiber dieser toten Männer— mit ihren vorstehenden Backenknochen, entblößten Zähnen und geballten Skeletthänden— mehr vom Todeskampf verzerrt zu sein als die der Frauen. War dies eine‘physiologische Besonderheit oder waren die Frauen auf ihrem Wege durch Schmerz und Tod resignierter gewesen? Es ist unmöglich’ zu ‚sagen. Hinter Block 31 des Männerlagers befand sich ein ein- gestürztes Nebengebäude, das mit Männerleichen vollgestopft war. Ein gefangenes tschechoslowakisches Mädchen, das in Block 31, der eine Krankenstübe dargestellt hatte, als Schwester gearbeitet hatte, sagte mir, woher diese Leichen gekommen waren. Block 31 war mit 150 kranken Holländern gefüllt gewesen. Die Pflegerinnen waren holländische Freiwillige. Am 7. April waren alle körperlich intakten Holländer aus Belsen eva- kuiert worden. Am 13. April war dann eine aus zwölf deut- 45 schen und tschechischen Frauen bestehende Rettungsabteilung in den Block 31 eingedrungen. Sie fanden dort eine sich selbst überlassene Masse lebender, toter und sterbender Männer. Männer, die fast zu schwach gewesen, sich zu bewegen, waren zusammengebrochen, während sie versuchten, sich aus der Baracke zu retten, und waren auf noch lebende Männer gefallen und gestorben. Die Toten waren auf diesen noch lebenden Männern liegengeblieben, die selbst zu schwach waren, sich von ihrer Last zu befreien. Viele der Holzkästen, die die Mittelstücke der Betten bildeten, waren umgestürzt, so daß die Kranken darin in einem Winkel von 45 Grad lagen, einige aufsitzend, andere mit dem Kopf unten, die Füße in den Bettstreben festgeklemmt. Da die Ruhr im Block 31 wütete, waren sowohl die Decken als auch die Leiber der Toten und Lebenden nebst Bettgestellen und Flur mit Exkrementen besudelt. In heroischer Arbeit hatten diese tschechischen und deutschen Frauen die Toten in Decken hinausgetragen, sie mit den beschmutzten Decken beiseite geschafft und sich darangemacht, die aus den Fugen geratenen Betten wieder zusammenzusetzen. jenem Punkt Glück hatte, führen würde. Wenn man dieser ausgest Hauptstraße, einem niedrige SS gezogen w versickerte, lag weit zum Wa einem Schlauc entlanggelegt auch, weil sie sich über die schleppen. Vie den Mittelpun leichter finden sterbenden Ma sprache Mus diejenigen, di trugen, mit i schorenen Kö ihren starrend die ich einma und sich sonne Diese Män Als die Engländer in Belsen einrückten, war Block 31 zu einer der besten Krankenstuben des Lagers geworden, und die vielen Toten, die die Frauen dort am 13. April vorfanden, waren in dem eingefallenen Nebengebäude untergebracht worden. Am zweiten Tage unseres Aufenthalts in Belsen wurde jedoch der Anblick der Sterbenden womöglich noch herzzerreißender als der der Toten. Vor der langen Holzbaracke, die als SS- Kantine gedient hatte, befand sich ein Rasendreieck. Gegen Mittag sah ich einen Mann in schäbigem blauem Anzug, dessen Rockkragen aufgeschlagen war, langsam dorthin gehen und niedersinken. Sein Gesicht war halb vom Hut verdeckt, und er lag mit ausgestrecktem Arm auf der Seite. Er hätte ein Vagabund oder ein Obdachloser vom Themseufer sein können oder einfach ein Mann, der in der Sonne schlief. Tatsächlich war er jedoch zu schwach geworden, um noch weiterzugehen, und hatte entweder keinen Einlaß in die überfüllten Krankenreviere bekommen oder es nicht einmal versucht, und hatte also in einem Block gelebt, wo sich niemand um die Schwachen und Kranken kümmerte. Jedenfalls war er an 46 andern Nahru fragen, dazu Hilfskräften Belsen anwese ständlich scho mehr helfen k Ein großer Gründen gesc breiteten Kra volle Verpfle Diarrhoe, die zu schwach w ich von e Mittel- ® Kran- ufsitzend, jenem Punkt des steten Abgleitens angelangt, das, falls er nicht Glück hatte, in einen ruhigen Tod vor Hunger und Schwäche führen würde. Wenn man durch das Lager ging, bemerkte man Dutzende dieser ausgestreckten Männer. Sie lagen meist am Rande der Hauptstraße, am dichtesten auf einer Böschung, die sich-bei einem niedrigen Treibhaus herabsenkte, in dem Gemüse für die SS gezogen worden war. Diese Männer, deren Leben langsam versickerte, lagen an der Hauptstraße, weil sie von dort nicht so weit zum Wasser hatten, das nun an verschiedenen Punkten einem Schlauch, entnommen werden konnte, der die Straße entlanggelegt worden war. Vielleicht wählten sie diese Stelle auch, weil sie nahe bei den Küchen lag und sie hoffen konnten, sich über die kurze Entfernung bis zur Nahrungsquelle hinzu- schleppen. Vielleicht auch nur deswegen, weil diese Böschung den Mittelpunkt des Lagers bildete, so daß sie ein Freund dort leichter finden und ihnen Hilfe bringen konnte. Diese langsam sterbenden Männer wurden in der finsteren, treffenden Lager- sprache„Muselmänner“ genannt. Und. tatsächlich glichen diejenigen, die die lose sitzende gestreifte Ererrhnssklefdung trugen, mit ihrem viele Tage alten Stoppelbart, ihren ge- schorenen Köpfen und schlenkrigen, abgemagerten Leibern, ihren starrenden Augen und ihrer Lethargie arabischen Bettlern, die ich einmal vor ner Zeit am Kai von Aden faulenzen und sich sonnen sah. Diese Männer zu retten versuchen, ihnen einem’ nach dem andern Nahrung einzuflößen, ja sie nur nach ihrem Namen zu fragen, dazu hätte es mindestens der zehnfachen Anzahl von Hilfskräften bedurft, die in jenen ersten Tagen tatsächlich in Belsen anwesend waren. Und viele von ihnen waren selbstver- ständlich schon an einem Punkte angelangt, wo ihnen niemand mehr helfen konnte. 3 Ein großer Teil dieser hingestreckten Männer war aus zwei Gründen geschwächt: Hunger und Ruhr, der.am meisten ver- breiteten Krankheit des Lagers. Die Ruhr war durch die grauen- volle Verpflegung verursacht und war begleitet von N”, Diarrhöe, die die daran Leidenden weiter entkräftete, so daß sie zu schwach wurden, um sich bis zu den Ausgabestellen der Ver- 47 - pflegung zu schleppen. Unglücklicherweise war die erste von den Engländern verteilte Nahrung Zusammengekochtes, Schwarzbrot und Milchpulver- wenig geeignet für die Mägen derjenigen, die an Ruhr litten oder am Verhungern waren. Diese groben und fetthaltigen Lebensmittel reizten die Verdauungsorgane der an Ruhr Erkrankten noch mehr, und die Verdauungssäfte der Verhungernden waren durch langen Nahrungsentzug ausgetrocknet, so daß ihre ledernen Mägen die Nahrung nicht mehr verdauen konnten. Nach den ersten beiden Tagen wurde es klar, daß für viele Tausende im Lager eine Sonderdiät erforderlich war und daß diese aus Reis, Keks und Naturmilch oder Kakao bestehen müßte, doch dauerte es einige Tage, bis dies alles eintraf. In der Zwischenzeit wurden die unglückseligen Ruhrkranken ein gewohnter Anblick im Lager. In jedem Barackenhof befanden sich zu allen Tages- und Nachtstunden selten weniger als sechs Männer oder Frauen im Freien neben den Leichen hocken, und die Prozession der von dieser verheerenden Seuche Befallenen bewegte sich unablässig durch die Barackentüren. Pfützen von Exkrementen waren am Boden vermengt mit Lumpen, Leichen und Steckrüben. Im Laufe der Tage machte sich die ins Lager strömende britische Hilfe immer mehr bemerkbar. Fast täglich traf eine neue Einheit oder ein neuer Sachverständiger ein. Aber Tod und Krankheit hatten einen großen Vorsprung, und es sollte viele Tage dauern, ehe die Helfer ihn aufholen konnten. Am 17. April kam die 224. Abteilung der Militärregierung an. Major Miles war in einem Londoner Bankhaus beschäftigt gewesen, Captain Farmer war von der Yorkshire- Polizei, Captain Gibbons ein Geschäftsmann aus Lancashire und Captain Balston ein Universitätsgelehrter. Was sich durch Arbeit, Zähigkeit, guten Willen und Improvisationskunst erreichen läßt, das erreichten sie. Fieberhaft beschleunigten sie die Vorbereitungen zur Evakuierung der relativ Gesunden. Sie leiteten die Organisation und die Überwachung der Lebensmittelverteilung in die Wege, sie säuberten die verpesteten Höfe. Ein weiterer vertrauter Anblick wurde in jenen Tagen der Wasserwagen des 8. Korps, der unermüdlich durch das Lager 48 fuhr und, sob war, die alte bitte", sagte duldig und h Am 18. Ap Feldambulanz Bahren und ein improvisi blick, der sich sollte. Eine Heereseinheit panzerten Di Handumdrehe Typhusinfekt wehrten. Ein Armee war der 3- T brigade. Oft in dem klein fünfzehn Fra ältesten organ die schweren für hundert N bis dahin ges schwächer, w ausfielen. Ve daß Block 3 Verzweifelt Suppeneimer war es der quergestreifte Marschen hi mandie, der aufzuladen. Aber trot und einzelne noch Wasse bis 500 Nar 4 Sington Erste von Ngekochtes, die Mägen EM waren, ie Verdau- 1d die Ver- ITUngs- 5 fie Nahrung für viele ar und daß 20 bestehen Intraf, kranken nhof be- ten weniger gen Leichen nden Seuche &entüren. mengt mit r strömende traf eine rsprung, und len konnten, gierung eschäftigt olizei, Cap- d Captain it, Zähig- läßt, das bereitungen die Organi-| ilung in die Tagen der ı das Lager fuhr und, sobald er anhielt, sogleich von Menschen umgeben war, die alte Blechdosen trugen.(„Bitte— ein wenig Wasser, bitte“, sagte eine alte, zerlumpte kleine Jüdin so flehend, ge- duldig und höflich.) Am 18. April kamen die ersten Ambulanzen der 11. Leichten Feldambulanz ins Lager, brachten mit Decken ausgerüstete Bahren und evakuierten die ersten 500 Typhuskranken in ein improvisiertes Lazarett. Das war ein ermutigender An- blick, der sich noch an vielen der folgenden Tage wiederholen sollte.‘ Eine weitere zum Hilfseinsatz abgestellte britische Heereseinheit war‘ die fahrende Bade-Einheit der 11. Ge- panzerten Division, deren Freiluft-Baderäume, die täglich im Handumdrehen im Lager errichtet wurden, die Gefahr der Typhusinfektion von vielen Hunderten noch Gesunder ab- wehrten. Ein Armeefahrzeug, dessen ich mich besonders gern erinnere, war der 3-Tonnen-Kraftwagen der 6. Gepanzerten Garde- brigade. Oft versagte die Lebensmittelverteilung, vor allem in dem kleineren Frauenlager, in dem normalerweise etwa fünfzehn Frauen auf jeden Block kamen, die von den Block- ältesten organisiert wurden, um aus der Küche zur Essenszeit die schweren Suppenkübel abzuholen, von-denen jeder Essen für hundert Menschen enthielt. Im Laufe der Tage wurden die bis dahin gesund gebliebenen Frauen in den schlechten Blocks schwächer, was dazu führte, daß Gruppen von Essenholern ausfielen. Verschiedentlich wurde erst am Mittag festgestellt, daß Block 36 und Block 48 nicht gespeist worden waren. Verzweifelt sahen wir uns nach Transportmitteln um, um die Suppeneimer von der Küche abzutransportieren, und fast immer war es der Wagen der 6. Gardebrigade mit dem Zeichen des quergestreiften Schildes, das so bekannt war in den Peel- Marschen hinter der’ Maas und in den Waldhügeln der Nor- mandie, der jetzt vorfuhr, um vor den Küchen das Essen aufzuladen. Aber trotz aller Anstrengungen dieser wenigen Einheiten und einzelner Helfer gab es Tausende, zu denen weder Essen noch Wasser kam. Die tägliche Totenliste enthielt noch 400 bis 500 Namen, und viele hervorragende Männer und Frauen, 4 Sington 49 deren Rettung eine selbstverständliche Pflicht gewesen wäre, verkamen und starben. Einzelmenschen- dieses schreckliche Problem der Rettung von Einzelmenschen! Ich stand ihm am dritten Tage meines Aufenthaltes in Belsen gegenüber. Das Schlagwort:„ Ein Leben ist ebensoviel wert wie ein anderes" ist zweifellos unter gewissen Umständen anzuerkennen. Aber seine Anwendung in diesem Lager im April 1945 hätte entweder die Unfähigkeit, das Wesen eines Konzentrationslagers zu verstehen, enthüllt oder eine völlige Unkenntnis von zwölf Jahren europäischer Geschichte. Die 40 000 Gefangenen in dem Belsen vom 15. April 1945 setzten sich aus Männern und Frauen aus allen' Schichten der Gesellschaft und der unterschiedlichsten Lebensläufe zusammen. Einige waren jüdische Ladenbesitzer in Sosnowitz, Radom und Lublin gewesen, andere berühmte Ärzte und Journalisten in Budapest. Da war die Tochter Witos, des Führers der polnischen Bauernpartei. Da waren junge jugoslawische Frauen, die unter Titos Partisanen in den slowenischen Bergen mitgekämpft oder geholfen hatten, meuternde russische Sklavenarbeiter und deutsche Journalisten, die zehn Jahre in Lagern und Gefängnissen verbracht hatten. Da waren Französinnen, die Maquis- Kämpfer mit Kleidung und Nahrung versorgt hatten, belgische und polnische Doktoren und ehemalige Offiziere, die Informationen für britische Fallschirmagenten gesammelt und weitergeleitet hatten. Da waren Französinnen, die über Frankreich abgestürzten britischen Fliegern Verpflegung und Unterkunft gewährt hatten. Da waren Zigeuner aus aller Welt. Schließlich gab es noch zweifelhafte ,, politische Gefangene", deren Geschichte dunkel war und die sich für die Ziele der SS zur Verfügung gestellt hatten, deutsche Mörder, Diebe, Trunksüchtige und Prostituierte. Nur ein Unwissender hätte behaupten können, daß keiner dieser Menschen besondere Anstrengungen zu seiner Rettung verdiente oder daß sie alle gleiche Anstrengungen verdienten. Und in der Tat wurden auch Sonderanstrengungen gemacht, um einige von ihnen zu retten. 50 Am früher Hughes, ob i „ Sie ist eine Premierminist ( Das war hospitals, abe Ich ging in lager, wo e die sie dem hatten. Mada mit einer and jener ersten freut zu höre geführt werd Freundin Jea mußte. Als wir du Belsen gekom „ Ich bin lebte in Tou wartete, ver ich wurde Gummifabri drei Wochen Ich bracht auf ihre Am sie im Fabri und den sie Später am den, intellig der Univers wegen Wid war. Er spra Tragödien Möglichkeit, Widerstand notwendige könnte. Am frühen Morgen des 17. April fragte mich Brigadier Hughes, ob ich Madame Chassaigne im Lager finden könne. „Sie ist eine Nichte Lord Bennets,* des früheren kanadischen Premierministers. Wir wollen sie herausholen“, sagte er. (Das war vor der völligen Fertigstellung des Aufnahme- hospitals, aber einige Betten waren bereits verfügbar.) Ich ging in das weite Gelände hinter dem kleineren Frauen- lager, wo einige hundert Französinnen in Zelten lebten, die sie dem SS-Ausrüstungslager vor zwei Tagen entnommen hatten. Madame Chassaigne teilte eines dieser kleinen Zelte mit einer anderen Französin und litt an den Nachwirkungen jener ersten ordentlichen Mahlzeit am 16. April. Sie war er- freut zu hören, daß sie aus dem Lager ins Krankenhaus über- geführt werden sollte, aber es fiel ihr schwer, sich von ihrer Freundin Jeanette zu trennen, die weinte, als sie sie verlassen mußte. Als wir durch.das Lager fuhren, fragte ich sie, wie sie nach Belsen gekommen sei. „Ich bin mit einem Franzosen verheiratet“, sagte sie.„Ich lebte in Tours, und eines Tages, als ich auf die Straßenbahn wartete, verhaftete. mich ein deutscher Polizeibeamter, und ich wurde nach Deutschland gebracht. Ich mußte in einer Gummifabrik in Bremen arbeiten, und dann wurden wir vor drei Wochen nach Belsen gebracht.“ Ich brachte sie in die Baracke nahe beim Eingangstor, um auf ihre Ambulanz zu warten. Sie trug den Porzellannapf, den sie im Fabriklager und im Konzentrationslager benutzt hatte und den sie nicht zurücklassen wollte. Später am Vormittag traf ich Paul Hilfinger, einen reizen- den, intelligenten und energischen jungen Mann, Chemiker an der Universität Straßburg, deren ganze chemische Fakultät wegen Widerstandes gegen die Deutschen- verhaftet worden war. Er sprach von den Mißbräuchen, der Korruption und den Tragödien des Lagers, insbesondere von der erschütternden Möglichkeit, daß Hunderte mutiger Männer und Frauen der Widerstandsbewegungen sterben könnten,-wenn ihnen nicht die notwendige Nahrung, Medizin und Pflege bald gewährt werden könnte. Er brachte mich in den Revierblock und führte mich an das S'il vous P Bett eines belgischen Arztes namens Melchior. " „ Meine Beine sind gelähmt", sagte der Arzt, und ich weiß, daß es mit mir aus sein wird, wenn es zum Herzen fortschreitet." Er hatte feine sensitive Züge und braune Augen. Ich fragte ihn, warum er von den Deutschen verhaftet worden sei. ,, Ich arbeitete in Charleroi für einen Offizier des britischen Secret Service, Captain Davies. Er war mit dem Fallschirm gelandet. Vielleicht kennen Sie ihn?" Es war nicht möglich, den belgischen Arzt weiter auszufragen, denn er war schwach und litt Schmerzen. Paul Hilfinger und ich halfen ihm in meinen Wagen, und ich fuhr- ihn nach der Baracke beim Eingangstor. Dort saf er in einem Zimmer mit Madame Chassaigne. Er war sehr schwach und konnte nicht aufrecht sitzen. Der Kopf fiel ihm auf die Brust. Nach einer halben Stunde kam eine Ambulanz und brachte sie beide fort. Ich bat Hilfinger, mir alle gefährlich erkrankten Widerstandskämpfer zu nennen, die er ausfindig machen konnte. Am Nachmittag brachte er mich in einen Block des größeren Frauenlagers, um ein polnisches Mädchen namens Sakowski zu sehen, das 1944 am Warschauer Aufstand teilgenommen hatte. Sie war fiebergerötet und vom Typhus entkräftet, immerhin war sie noch imstande, uns zu sagen, daß sie als Verbindungsoffizier zwischen den Warschauer Aufständischen und den Partisanen außerhalb der Stadt gewirkt hatte. Ich fuhr aus dem Lager hinaus nach der Unfallstation Nr. 32 und erhielt eine Genehmigung, sie beschleunigt in das neue Hospital zu überführen. Am nächsten Morgen bestieg ich eine der Ambulanzen, die gekommen waren, sich der schweren Typhusfälle anzunehmen, und führte sie nach dem Block. Die Frauen im Block entkleideten sie und der Ambulanzfahrer wickelte sie in, eine Decke, legte sie auf eine Bahre und fuhr mit ihr ab. Ich hoffe, daß sie zu den Überlebenden zählt. Als ich am 17. April den Korridor der beim Eingang gelegenen Baracke entlangging, sprach mich ein im Schatten stehender Mann schüchtern an: 52 52 Er trug e Mantel. Darun Ich wandte Wenn Sie " bitte meiner de Vries in Be „ Mit Verg sind Sie?" „ Ich war die soz gazet; der Bürgerme freuen zu hör Ich notierte sprach, Herrn Gelegenheit, w Am nächst Baracke des H Monsieur" mit Brüssel in Mit seinen stehenden Ob ein Gnom. „ Ich wußte Er blickte Wangen ware Monsieur, ,, Aber nich Heute un mich sehr sch „ Können S Tagen beginn und dann ko Er blickte „ Ich bin s zeug senden, Ich werd sagte ich. e mich an das ,, S'il vous plaît, Monsieur CC Er trug eine blaue Baskenmütze und einen schäbigen und ich weiß Mantel. Darunter konnte ich die gestreiften Hosen sehen. Herzen fort Ich wandte mich ihm zu. " , Wenn Sie jemals nach Brüssel kommen, würden Sie dann en. Ich fragte bitte meiner Frau und meinen Freunden sagen, daß David Hen sei. des britischen de Vries in Belsen am Leben ist?" ,, Mit Vergnügen, aber wer sind ihre Freunde und wer em Fallschirm sind Sie?" ,, Ich war der Hauptschriftleiter der Antwerpener Volksweiter aus gazet; die sozialistischen und kommunistischen Minister und der Bürgermeister von Antwerpen, Huysmans, würden sich Wagen, und freuen zu hören, daß ich lebe." tor. Dort saf Ich notierte den Namen des belgischen Journalisten und verEr war sehr sprach, Herrn van Acker oder Herrn Lallemand bei der nächsten er Kopf fiel Gelegenheit, wenn ich Brüssel wieder besuchte, aufzusuchen. Am nächsten Morgen erschien de Vries wieder bei der Baracke des Hauptquartiers. am eine Amnkten Wider,, Monsieur", fragte er ,,, war es Ihnen möglich gewesen, sich machen konnte mit Brüssel in Verbindung zu setzen?" des größeren Mit seinen dicken Lippen und der kräftigen Nase, den abens Sakowski stehenden Ohren und seiner kleinen Gestalt wirkte er wie teilgenommen ein Gnom. us entkräftet, , daß sie als Aufständischen hatte. station Nr. 32 in das neue estieg ich eine ,, Ich wußte nicht, daß es so dringend ist." Er blickte mich mit glanzlosen, flehenden Augen an. Seine Wangen waren eingefallen und er war schrecklich hager. ,, Monsieur, ich fühle, daß es mit mir zu Ende geht." ,, Aber nicht doch!" ,, Heute und, gestern konnte ich nicht essen. Ich fühle mich sehr schwach." ,, Können Sie nicht noch etwas durchhalten? In wenigen Tagen beginnt die Evakuierung der noch nicht Erkrankten, und dann kommen Sie in bessere Verhältnisse." der schweren em Block. Die mbulanzfahrer ahre und fuhr Er blickte mich aus verzweiflungsvollen Augen' an. den zählt. ,, Ich bin sicher, die belgischen Minister würden ein Flugbeim Eingang zeug senden, wenn sie wüßten, daß ich hier bin." im Schatten ,, Ich werde ein Telegramm an Herrn van Acker senden", sagte ich. 53 kräftet, um Am Nachmittag telegraphierte ich an den belgischen witz gewesen Ministerpräsidenten: ,, David de Vries in Belsen gefährlich erkrankt, halte Sondermaßnahmen für dringend erforderlich." Leider kam jedoch drei Wochen lang keine Antwort. Am nächsten Morgen kam de Vries auf der Lagerhauptstraße wieder auf mich zu. Er sah schlechter als am Vortage aus, entkräfteter und hilfloser. Er erklärte, daß er immer noch nicht das Zusammengekochte essen oder die Trockenmilch trinken könne, auch war es ihm nicht möglich gewesen, geeignete Nahrung aus der Küche zu erhalten. Ich gab ihm zwei Päckchen Heereszwieback, brachte ihn in die Küche und gab ihm ein Glas Ovomaltine. Er trank es gierig. ,, Ich fühle mich viel besser, Monsieur", sagte er. Er schlief damals auf einem Haufen Lumpen und alten Schuhen in einer halbverfallenen Hütte ohne Tür. Er zog sie den wohnlicheren Blocks vor, weil dort weniger Leute schliefen. Es war klar, wenn er nicht die einem Ruhrkranken angemessene Diät und einige ärztliche Pflege erhielt, so würde er weiter entkräftet werden bis in das Stadium der draußen liegenden ,, Muselmänner" und würde schließlich sterben. Ein Sanitätsarzt, der sich ihn ansah, teilte meine Auffassung. Zu diesem Zeitpunkt hatten vier Männer angefangen, das erste improvisierte Notlazarett des Lagers zu errichten. Der jüdische Kaplan des 8. Korps, ein polnischer Arzt und ein polnischer Offizier beides politische Gefangene ein Helfer des Roten Kreuzes verwandelten die SS- Apotheke in ein Miniatur- Lazarett. - Sie legten eine Tasse h Gegen End de zu sagen, meinte, ich Adressen aus Ich werde versprach ih zusuchen, we Bevor ich nun kann ich finden." Damals, a niemals wied Van Acke Tage später e den Stab der ich möchte d zurück, aber Rote- Kreuzzaretts, wuß worden war. zufolge hatte und genommen. den Weg ge können. Seit Es wurde gerade für solche Fälle wie den des de Vries errichtet. Sein Zweck war, für kritisch erkrankte Personen die Zeitspanne bis zu ihrer Verlegung in das neue Lazarett in der Panzerausbildungskaserne zu überbrücken. Der jüdische Kaplan reservierte eines der zwölf Betten für de Vries. Als ich mit de Vries zur SS- Apotheke hinüberging, erzählte er mir einen Teil seiner Geschichte. Er war in der belgischen Unabhängigkeitsfront Organisator des Bezirks Nord- Limburg gewesen, dann von einem Belgier denunziert und- von der Gestapo 1942 in Tongres verhaftet worden. Erst war er in dem schrecklichen Lager Breendonck bei Malines, später in Ausch54 Monate sp in der Avenu Ich sprach Rote Fahne seine Rückk Ich mag mich immer Mann unter Sie hatter gearbeitet, en belgischen witz gewesen. Und jetzt war er in Belsen, vielleicht zu entkräftet, um die Tage nach seiner Befreiung zu überleben. sen gefährlich erforderlich." ntwort. gerhauptstraße Vortage aus, immer noch Trockenmilch r lich gewesen, Ich gab ihm in die Küche es gierig. Ich pen und alten Tür. Er zog weniger Leute Ruhrkranken hielt, so würde m der draußen ch sterben. Ein uffassung. mgefangen, das errichten. Der Arzt und ein und SS- Apotheke ngene des de Vries nkte Personen neue Lazarett m. Der jüdische de Vries. rging, erzählt der belgischer Nord- Limburg und- von de war er in den äter in Ausch Sie legten ihn in ein Bett mit Laken und brachten ihm eine Tasse heißer Milch. Gegen Ende April suchte ich ihn auf, um ihm Lebewohl zu sagen, denn ich verließ Belsen, vielleicht für immer. Er meinte, ich habe ihm das Leben gerettet, und wir tauschten Adressen aus. ,, Ich werde sicher nach London kommen", sagte er. Und ich versprach ihm, ihn in seiner Wohnung in Antwerpen aufzusuchen, wenn ich auf Urlaub nach Belgien kommen würde. Bevor ich ihn verließ, war er sehr still, dann sagte er: ,, Und nun kann ich keine Worte im Augenblick unseres Abschieds finden." Damals, als ich ihn verließ, dachte ich nicht, daß ich ihn niemals wiedersehen würde. Van Acker hatte mein Telegramm beantwortet, und zehn Tage später erhielt ich von ihm eine dringende Botschaft durch den Stab der Militärregierung des Hauptquartiers der 2. Armee, ich möchte de Vries ausfindig machen. Ich kehrte nach Belsen zurück, aber de Vries war verschwunden. Stephen Green, der Rote- Kreuz- Helfer des in der SS- Apotheke eingerichteten Lazaretts, wußte, daß er in das große neue Lazarett übergeführt worden war. Aber dort war er nicht zu finden. Einem Bericht zufolge hatte er ein Transportangebot nach dem Westen angenommen. Nach einem anderen hatte er sich einfach auf den Weg gemacht in der Hoffnung, nach Hause wandern zu können. Seither habe ich nichts mehr von ihm gehört. Monate später sprach ich in seiner Wohnung in Antwerpen in der Avenue Wolfjagers vor. Er war nicht zurückgekommen. Ich sprach mit seiner Frau, die bei ,, De Rode Vaan"( Die Rote Fahne) in Brüssel arbeitete. Sie hoffte immer noch auf seine Rückkehr. ,, Ich mag Antwerpen nicht mehr", sagte sie.„, Es erinnert mich immer an die Spaziergänge, die ich dort mit meinem Mann unternahm." Sie hatten zwei Jahre illegal in der Unabhängigkeitsfront gearbeitet, er in Lüttich und sie in Löwen. 1942 war er in 55 Tongres in einem Café verhaftet worden, wo er Senator Dierken und zwei andere Widerstandsführer traf. Ein belgischer Denunziant hatte ihn erkannt und Gestapobeamte herbeigeführt. De Vries war durchgebrochen und hatte seine Verfolger abgeschüttelt, aber unglücklicherweise war er in einem Bogen wieder auf seine alte Spur zurückgekommen und den Gestapobeamten direkt vor dem Hauptquartier des Sicherheitsdienstes in die Arme gelaufen. Madame de Vries reichte mir eine Photographie. ,, Ich glaube, Sie werden ihn nicht erkennen", sagte sie. Ich erkannte ihn nicht. Es war unmöglich, die kräftigen, frohen und offenen Züge auf dem Photo in dem unrasierten Gesicht des kleinen Gnomen mit den glanźlosen Augen wiederzuerkennen. Vielleicht hatte sich de Vries in dem durch die Befreiung bewirkten trügerischen Frohgefühl, ohne sich über seine Entkräftung klar zu sein, aufgemacht und war irgendwo in Deutschland am Wegrande gestorben. Vielleicht wird er noch nach Belgien zurückkommen, dessen Name durch seinen Geist, ' seine Tapferkeit und seine Leiden noch an Glanz gewonnen hat. Der Stab des improvisierten Apotheken- Lazaretts, das aus der verzweifelten Dringlichkeit solcher Fälle wie de Vries' entstanden war, versuchte vier Wochen lang nach der Befreiung des Lagers Menschenleben zu retten. Das Lazarett war von Leutnant Marian Tatarczuk, Dr. Natolski( beides polnische politische Gefangene), Stephen Green vom Britischen Roten Kreuz und Captain Hardman, dem jüdischen Kaplan des 8. Korps, eingerichtet worden. Die SS- Apotheke war eine lange Holzbaracke mit einem Längskorridor und fünf Stuben zu jeder Seite. Die erste Stube rechts wurde als Arzneilager benutzt, in den anderen brachten sie die zwölf Betten unter, die aus verschiedenen SS- Baracken des Lagers herausgenommen worden waren. Die erforderlichen Laken und Decken hatten sie dort auch gefunden. Der Zweck dieses kleinen Lazaretts war, Menschenleben zu retten, ehe es zu spät war, ihnen eine Notbehandlung, zuteil werden zu lassen, und für Schwererkrankte die Zeit zwischen ihrer Befreiung und ihrer Überführung in das neu56 geschaffene H wurden die P gebracht, bev eines der Re drei Tage der Die Patien Apotheke. E daten oder die von diese Antrieb dort dem Versuch finden. And Gefangenen In der SSeine beschleu an Ruhr o Eleudron- Inj heißem Kaka infolge Hun Injektionen Kräftigung. Die vier schiedenen Diagnose und waltete und da die SSKrankenstub Rundgang d mitteln. C Spezialverp küche arbei Lagerreviere Ambulanz Woher ka war von gelassen wor verpackt fe Mai wurde" ıe de Vries’ ach der Be- zuk, Dr. Na- e mit-einem e. Die erste den anderen 1081 geschaffene Haupthospital zu überbrücken. In vielen Fällen wurden die Patienten nur drei Tage in der SS-Apotheke unter- gebracht, bevor sie in das Haupthospital übergeführt oder in eines der Reviere des Lagers geschickt wurden. Aber diese drei Tage der Pflege retteten vielen das,Leben. Die Patienten kamen auf, mancherlei Weise in die SS- Apotheke. Einige, wie de Vries, waren von britischen Sol- daten oder Helfern am Wege aufgelesen worden. Andere, die von dieser Möglichkeit gehört hatten, kamen aus eigenem Antrieb dorthin, entkräftetr, benommen und.ohne Erfolg bei dem Versuch, Zugang zu den überfüllten Krankenstuben zu finden. Andere waren von Ärzten unter den politischen Gefangenen“geschickt worden. In der SS-Apotheke erhielten die Kranken oder Sterbenden eine beschleunigte erste Hilfe. Die meisten von ihnen litten an Ruhr oder Entkräftung. Die Ruhrkranken erhielten Eleudron-Injektionen und eine Sonderdiät von Zwieback und heißem Kakao oder Milch. Solche, die an totaler Erschöpfung infolge Hungers litten, erhielten Cardiazol- oder Coramin- Injektionen zur Herzstärkung und Traubenzucker zur Kräftigung. Die vier Organisatoren der SS-Apotheke teilten die ver- schiedenen Aufgaben unter sich. Dr. Natolski stellte die Diagnose und behandelte die Patienten. Marian Tatarczuk ver- waltete und verteilte die Medikamente im Lazarett selbst, und da die SS-Apotheke auch als Reserve-Arzneilager für alle Krankenstuben des Lagers diente, machte er täglich einen Rundgang durch sämtliche Reviere, um ihren Bedarf zu er- mitteln. Captain: Hardman beschaffte die erforderliche Spezialverpflegung und lieferte sie an Küche B, die als Diät- küche. arbeitete, um sowohl die SS-Apotheke als auch die Lagerreviere zu versorgen. Stephen Green holte mit. seiner Ambulanz die Kranken oder brachte sie fort. Woher kamen die Medikamente? Ein ziemlich großer Vorrat war von der SS in dieser ihrer eigenen Apotheke zurück- gelassen worden, und eine beträchtliche Menge wurde in Kisten verpackt fertig zum Abtransport aufgefunden. Gegen Mitte Mai wurde Tanalbin und Aspirin von britischen Helfern gesandt. 87 - Das Problem der Beschaffung geeigneter Verpflegung war * vielleicht noch schwieriger als die Medikamentebereitstellung. Aber Captain Hardmans Energie und Findigkeit waren unerschöpflich. Er fand Dosenmilch, Erbsen und Haferflocken in ungarischen Rote- Kreuz- Paketen, die schon längst bei den politischen Gefangenen hätten eintreffen sollen, aber von der SS für den eigenen Gebrauch in der Apotheke zurückgehalten worden waren. Schokolade, Kakao, Kaffee, Reis und frische Milch beschaffte er durch Requirierung und Bitten. Einer seiner Vorträge vor einer RAF- Einheit brachte eine große Menge Reis und Schokolade ein ob offiziell oder inoffiziell, weiß niemand zu sagen. - brück überg gruppe 25 C sie dann na Ich traf Anzahl He nach Block und einen S hatte, denn wachsen. Sie habe Ihr Kop 25 Hiebe v vergehens" beschafft, d Noch ehe das Konzentrationslager gegen Mitte Mai endgültig geschlossen wurde, waren 200 kranke Männer und Frauen durch dieses improvisierte Lazarett gegangen, eine Anzahl Kinder war dort geboren und 200 ambulante Patienten waren behandelt worden. Neben dem Problem der Betreuung der Schwererkrankten sah sich das britische Personal, das in dem Lager arbeitete, ständig der Tatsache gegenüber, daß Gesunde der Ansteckung erlagen. Oft handelte es sich um Männer und Frauen, die uns bei der Rettungsarbeit geholfen hatten oder freiwillig als Übersetzer, Pflegerinnen oder Essenholer Hilfsdienste leisteten. Es war für uns um so trauriger, sie plötzlich hilflos und von Schmerzen gepeinigt zu sehen, als sie uns zu Freunden und Mitarbeitern geworden und nicht mehr allein Gegenstand unserer Fürsorge waren. Ich habe bereits erwähnt, daß einige der gesünderen und selbstsicheren jungen Frauen sich am ersten Tage in den Baracken des SS- Hofes Wohnraum gesichert hatten und so aus den verseuchten Blocks der Häftlingshöfe entkommen waren. Es gab jedoch noch tausend andere einige davon selbstloser, andere weniger schnell und unternehmungslustig-, die immer noch in den verpesteten Baracken blieben. - So zum Beispiel Mona Georges. Sie war eine junge Französin, die früher als Kabarettsängerin im ,, Don Juan", einem Nachtklub auf dem Montmartre, aufgetreten war. Im Jahre 1943 war sie von der Gestapo verhaftet und nach Ravens58 hatte. Sie Am Abe Sie war beg besonders a „ Ist es w Ich sagte Als mir dann mußt Zwei Ta beten, die nicht mehr wären, in ging hinüb Stöhnen u überall vo lagen. Vo stande zu als hinaus auf drei stellten. S langen na Abend ka hindurchz alle Lager pflegung war bereitstellung. eit waren unHaferflocken ängst bei den aber von der urückgehalten is und frische Bitten. Einer e eine große ell oder intte Mai endMänner und egangen, eine mbulante Pawererkrankten ger arbeitete, de der AnMänner und hatten oder nholer Hilfssie plötzlich als sie uns mt mehr allein sünderen und Tage in den atten und so entkommen einige davon ungslustig-, ben. junge FranJuan", einem ar. Im Jahre mach Ravensbrück übergeführt worden, weil sie einer Pariser Widerstandsgruppe 25 000 Francs gegeben hatte. Im April 1945 wurde sie dann nach Belsen geschickt. Ich traf sie am ersten Tage vor der Küche. Sie hatte eine Anzahl Helfer mitgebracht, um die schweren Suppenkübel nach Block 48 zu bringen. Sie trug einen losen blauen Mantel und einen Schal, den sie turbanartig um den Kopf gewunden hatte, denn ihr Haar hatte eben erst wieder angefangen zu wachsen. ,, Sie haben uns zu Affen gemacht“, sagte sie. Ihr Kopf war rasiert worden und sie hatte die üblichen 25 Hiebe von einer SS- Aufseherin wegen eines ,, Disziplinarvergehens" erhalten, das heißt, sie hatte sich ein Paar Schuhe beschafft, die eine andere Französin in das Lager geschmuggelt hatte. Sie war bleich und abgemagert. Am Abend sah ich sie wieder im Hof vor dem Block 48. Sie war begierig, Neuigkeiten aus der Außenwelt zu erfahren, besonders aus Frankreich. ,, Ist es wahr", fragte sie ,,, daß Roosevelt tot ist?" Ich sagte ihr, daß es wahr sei; sie seufzte und sagte: ,, Als mir jemand das sagte, konnte ich es nicht glauben, und dann mußte ich weinen." Zwei Tage darauf wurde ich vom Block 48 dringend gebeten, die Verpflegung mit einem Wagen zu senden. Es waren nicht mehr genug Frauen in der Baracke, die imstande gewesen wären, in die Küche zu gehen und die Kübel abzuholen. Ich ging hinüber zum Block 48. Als ich eintrat, vernahm ich Stöhnen und Weinen, und ein Chor von Bitten erhob sich überall vom Boden, wo die Frauen dicht aneinander gepackt lagen. Von den 600 Frauen im Block waren nur wenige imstande zu gehen, und diese wenigen konnten wenig mehr tun als hinauswanken und ihr Bedürfnis verrichten. Mona lag auf drei nebeneinandergestellten Kisten, die ihr Bett darstellten. Sie weinte vor Ruhrschmerzen und hatte nur Verlangen nach Tanalbin, das ich ihr beschaffen konnte. Abend kam ich in das Lager, um mit dem Lautsprecherwagen hindurchzufahren und eine Ausgangssperre anzukündigen: alle Lagerinsassen sollten ab 21.30 Uhr im Bereich ihrer Höfe Am 59 sein. Patrick Gordon- Walker, der im Lager Berichte für Radio Luxemburg machte, kam mit mir, und ich zeigte ihm Block 48 im Dunkeln. Mona, die sich ein wenig erholt hatte, kam heraus und sprach uns an. ,, Monsieur", sagte sie ,,, sieben weitere Frauen sind hier heute gestorben. Wenn wir hierbleiben, werden wir alle an der Seuche zugrunde gehen. Falls nicht etwas geschieht, wird hier in ein paar Tagen keine Frau mehr am Leben sein." Inmitten der herumliegenden Rüben und Exkremente, des Gestanks verbrennenden Leders, der Leichen und der Geräusche sich entleerender Frauen war ihre Logik unwiderlegbar und unerbittlich. Man fühlte sich machtlos, verzweifelt machtlos. Man wußte, daß die Organisation und Ausstattung des Sammellagers und Aufnahmelazaretts mit aller erdenklichen Eile vorangetrieben wurden. Aber sollten die Frauen in der Zwischenzeit in dieser Todesfalle bleiben, sich infizieren und sterben? Major Berney, ein Artillerie- Offizier des 8. Korps, der vom ersten Tage an zäh im Lager mitgearbeitet hatte, versuchte bereits bessere Unterkünfte zu improvisieren, wohin die noch nicht angesteckten Insassen übergeführt werden konnten. Am nächsten Tage sagte er mir, daß die Kleiderkammer im SS- Hof, obwohl mit Lumpen vollgestopft, gesäubert werden müsse und dann mindestens 50 Leute aufnehmen könne. Ich ging mit ihm dorthin und sah mir die Sache an. Dann ging ich nach der Baracke des ungarischen Offiziers, dessen Kompanie den Umkreis des Lagers bewachte. ,, Ich wünsche innerhalb von fünf Minuten fünf Soldaten zur Säuberung des Blocks", erklärte ich. Der ungarische Hauptmann beeilte sich, die fünf Männer zu holen. Ich führte sie in die SS- Kleiderkammer und sagte ihnen, was sie tun sollten. Zwei Stunden später war der Block nicht mehr als zu einem Viertel gesäubert. Ich ließ die fünf Mann antreten. ,, Ihr habt genug unserer Freunde und Verbündeten erschossen", sagte ich. ,, Jetzt wird euch befohlen, einige Arbeit zu tun, und zwar schnell. Innerhalb einer Stunde hat die 60 Baracke sau gesäubert. Nachdem Block 48 in und zwölf nichtverseud Ich kann die herausk Oberst in d ein zartes stützung b gische Dam Belgische L packten ihr kleine Säck verschnürte sie in Gru tschechische Dann fuhr Soldat sie lich bracht Es war Gestellen, auch als B und die be Es war pr aus der sie te für Radio hm Block 48 s und sprach d hier heute alle an der t, wird hier emente, des er Geräusche erlegbar und Man wußte, ellagers und rangetrieben zeit in dieser ps, der vom ce, versuchte min die noch onnten. kammer im bert werden könne. Ich ann ging ich Kompanie Soldaten zur inf Männer rund sagte als zu einem ündeten ernige Arbeit de hat die Baracke sauber zu sein." Eine Stunde später war die Baracke gesäubert. Nachdem die Kleiderkammer gesäubert war, ging ich nach Block 48 im kleinen Frauenlager. Ich sagte Mona, daß ich sie und zwölf bis fünfzehn Frauen in eine nichtüberfüllte und nichtverseuchte Baracke bringen könne. Ich kann mich nicht mehr der Namen aller derer entsinnen, die herauskamen. Da war die Gräfin de Coutard, deren Gatte Oberst in der kämpfenden französischen Luftwaffe war; dann ein zartes bretonisches Mädchen, deren Bruder wegen Unterstützung britischer Piloten erschossen worden war; eine belgische Dame, die in ihrer Brüsseler Pension Räume an die Belgische Legion vermietet hatte, und ein Dutzend andere. Sie packten ihre wenigen Sachen, Küchengeräte, Kleiderfetzen und kleine Säcke mit Kartoffeln in Decken, die sie mit Bindfäden verschnürten, und warfen sie auf meinen Wagen. Ich fuhr sie in Gruppen zu je drei nach der SS- Apotheke, wo ein tschechischer Arzt jede der Frauen auf Typhus untersuchte. Dann fuhr ich sie nach der Baracke am Eingangstor, wo ein Soldat sie und ihre Bündel mit Läusepulver bestäubte. Schließlich brachte ich sie in ihr neues Quartier. Es war eine einfache Holzbaracke mit dreistöckigen Gestellen, auf denen die Kleidung gelagert hatte, die aber auch als Bettstellen zu gebrauchen waren. Die französischen und die belgischen Frauen waren froh, dort unterzukommen. Es war primitiv, aber verglichen mit der verpesteten Höhle, aus der sie kamen, war es luxuriös. 19 61 IV. KAPITEL Büttel und Aufsehér So wurde Polin zur A Baracke gema kunft und Er Die verzweiflungsvolle Frage der Lebensrettung war nicht die einzige, der sich die in Belsen arbeitenden britischen Einheiten gegenübersahen. Neben den ärztlichen und verpflegungsmäßigen Aufgaben sahen wir uns vom ersten Tage an einem höchst verwickelten politischen Problem gegenüber. Das deutsche Konzentrationslager war eine beträchtliche politische Errungenschaft. Es war eine Zwangsmaschinerie der Massendemoralisation nicht nur im gesellschaftlichen, sondern auch im politischen Sinne. Das bedeutet, daß es der SS durch ihr System indirekter Verwaltung der Konzentrationslager gelang, Rasse gegen Rasse, Nation gegen Nation und Klasse gegen Klasse auszuspielen. In Belsen hatte sie es fertiggebracht, unter einigen Französinnen eine antisemitische Stimmung hervorzurufen, viele Tschechinnen gegen die Polinnen aufzureizen und bei gewissen Polinnen Widerwillen gegen tschechische Frauen zu erzeugen. Ihr System, Menschen so teuflisch gegeneinander aufzuhetzen, war einfach. Ausgesuchte Gefangene, die für ,, Disziplin und Ordnung" verantwortlich waren, mußten Gefangene anderer Rasse und Nationalität beaufsichtigen. Diesen disziplinaren Amtswaltern" wurden die weitesten Machtbefugnisse eingeräumt. Sie wurden mit der Verteilung der Verpflegung betraut, und die SS unternahm nichts, um einer schrankenlosen Veruntreuung und willkürlichen Verwendung einen Riegel vorzuschieben. Diese Aufseher durften sich mit dicken Knütteln ausrüsten, in einigen Fällen waren es sogar Eisenrohrstücke, und wurden ermutigt, diejenigen, denen sie übergeordnet · waren, zu mißhandeln und zu schlagen. In vielen Fällen wurden ihnen auch von ihren SS- Vögten besondere Vergünstigungen gewährt. der Korrept Brutalität. U mit dieser Pe primitive Tsc Polinnen betr überschüttete, alle Tschecher Der gewö ausgestatteten verbrecher, di oder die ,, Gr an ihrer Kle roten bestand Kreaturen wa und Prostituie ihnen Gewal waren nützlic der dreckigen von ihnen v Gefängnisstra waren, wo krankhafter H SS Anwendu Die Hiera Amtsträger Lagerältesten, lich war. Au unterstand ei Blocks gab e nannt, die je Hauptpflichte am frühen N verteilung in schmuggelns 62 22 g war nicht ritischen Einverpflegungsage an einem beträchtliche aschinerie der chen, sondern der SS durch ntrationslager und Klasse ertiggebracht, immung hermaufzureizen tschechische aufzuhetzen, Disziplin und gene anderer disziplinaren fugnisse einVerpflegung chrankenlosen einen Riegel ken Knütteln senrohrstücke, So wurde eine analphabetische, gefühl- und charakterlose Polin zur Aufseherin in einer mit Tschechinnen belegten Baracke gemacht, in der sich viele Mädchen von guter Herkunft und Erziehung befanden. Sie wurde zu einem Symbol der Korreptheit, Unterwürfigkeit gegenüber der SS und Brutalität. Und das Wort„ polnisch" wurde gleichbedeutend mit dieser Peinigerin. In einer anderen Baracke wurde eine primitive Tschechin oder Slowakin mit der Aufsicht gebildeter Polinnen betraut, und die Gemeinheiten, mit denen sie diese überschüttete, führten zu einem verallgemeinernden Haß gegen alle Tschechen. Der gewöhnliche Typ dieser mit Disziplinarbefugnissen ausgestatteten Gefangenen waren jedoch Schwer- oder Berufsverbrecher, die in der Lagerterminologie als ,, BV" oder ,, SV" oder die ,, Grünen" bezeichnet wurden, weil das Merkzeichen an ihrer Kleidung aus einem grünen Dreieck anstatt einem roten bestand, wie es die politischen Häftlinge trugen. Diese Kreaturen waren in fast allen Fällen deutsche Diebe, Mörder und Prostituierte, und es war einer der Ecksteine der SS- Politik, ihnen Gewalt über die Insassen des Lagers zu geben. Sie waren nützliche Handlanger der SS und übernahmen viel von der dreckigen Arbeit des Terrorisierens und Schlagens. Viele von ihnen waren Verbrecher, die nach Verbüßung langer Gefängnisstrafen in ein Konzentrationslager geschickt worden waren, wo ihre pervertierten Instinkte, Sadismus und ein krankhafter Blutdurst für die Erledigung der ,, Eselsarbeit" der SS Anwendung finden konnten. Die Hierarchie der unter den Häftlingen ausgewählten Amtsträger war kompliziert. In jedem Lager gab es einen Lagerältesten, der der SS für die Lagerdisziplin verantwortlich war. Außerdem war da ein Stellvertreter. Jeder Block unterstand einem Blockältesten nebst Stellvertreter, und in den Blocks gab es untergeordnete Dienstgrade, Stubendienst genannt, die jeder für 50 Leute verantwortlich waren. Zu den übergeordnet Hauptpflichten der Blockältesten gehörte der Namensaufruf am frühen Morgen oder nach der Arbeit, die Lebensmittelverteilung in den Blocks und die Unterbindung des Einschmuggelns von Luxusgegenständen, sonstigen Annehmlichvielen Fällen sondere Ver63 99 keiten oder verbotenen Artikeln in die Blocks. Die Blockältesten mußten in gewissen Zeitabständen die Matratzen, Strohsäcke und die Kleidung der Insassen ihrer Blocks durchsuchen, denn sie wußten, daß man sie bei Entdeckung einer Uhr, eines Traurings oder eines Päckchens mit Süßigkeiten verantwortlich machen würde. Von diesen Amtsträgern mit Disziplinar- Vollmachten unterschieden sich die normalerweise ganz andersartigen Schreibkräfte. Diese waren im allgemeinen Männer von einiger Bildung, oft auch politische Gefangene. Nur wenige von ihnen schlugen oder waren brutal. Unter ihnen befanden sich Männer, die riskante Fälschungen von Papieren durchführten, um ihren Mitgefangenen zu helfen oder sie zu retten. Zu jedem Lager gehörte ein Schreiber, der für die Listen verantwortlich war und eine Gefangenen- Aufstellung für den Appell sowie die Kartei aller Lagerinsassen zu führen hatte. Ferner war da der Arbeitsdienst, der die Gefangenen für Arbeitsgruppen aussuchte und zusammenstellte, und der Proviantmeister, dem die Vorräte an Trockennahrung unterstanden. Wir hatten die schlimmsten der Disziplinar- Amtsträger in den ersten zehn Minuten nach unserer Ankunft im Lager am 15. April am Werke gesehen. Das methodische, roboterhafte Drauflosschlagen, das wir erlebt hatten, war beispielhaft für ihre täglichen Pflichten. Es war nicht überraschend, daß sie in den der Befreiung Belsens folgenden Tagen zu einem politischen Problem wurden. Meine erste Bekanntschaft mit einem der deutschen Berufsverbrecher machte ich in der Nacht des 17. April. Ich fuhr gegen 21 Uhr zum Lager hinaus, als Major M. vom 113. Leichten Flakregiment, das Oberstleutnant Taylors Einheit abgelöst hatte, mich anhielt und mir auftrug, einen Mord zu untersuchen, der sich gerade im Lager zugetragen hatte. Joop Zwart, der große, rothaarige Holländer, der uns bei unserer ersten Rundfahrt durchs Lager begrüßt hatte, befand sich bei ihm. Ich stieg aus dem Wagen und ging mit ihnen in die Baracke des Hauptquartiers. ,, Soeben ist ein Mädchen vor einer der Baracken erschossen worden", sagte Major M. ,,, es befand sich ein Mann bei ihr, 64 von ferner zwei dem gese Ich nahm Mann. Er ist ein Bursche. Mö rächen und e Ich ließ d schicken. Er ärmeln, mit mit hängend Seine Nase auch von de ihm am Nac Ich lief i „ Ich brach Block zurück abfeuerte. I und einen s Hand an da Haben S „ Ich sah fahren." Er sprach leid täte. Ich schick Sie waren be die Schüsse Alles, wa sich den Na lag, und da ihnen. Sie fügte jedem. Das allen zusam In jener Name Erich gewesen sei 5 Sington Die Blockie Matratzen, Blocks durchung einer Uhr, keiten verant machten untertigen Schreibvon einiger wenige von befanden sich durchführten, Listen verantFür den Appell hatte. Ferner für Arbeitsder Proviant unterstanden Amtsträger in im Lager am roboterhafte meispielhaft für end, daß sie in zu einem poli utschen Berufs-il. Major M. vom Taylors Einheit einen Mord z en hatte. Joop uns bei unserer befand sich bei t ihnen in die cken erschosse Mann bei ihr ferner zwei polnische Mädchen, die angeben, sie hätten etwas von dem gesehen, was sich ereignet hat." Ich nahm Joop Zwart beiseite und befragte ihn über den Mann. ,, Er ist ein Berliner Verbrecher", sagte Zwart ,,, ein sehr übler Bursche. Möglicherweise wollte sich jemand im Lager an ihm rächen und erschoß das Mädchen an seiner Statt." Ich ließ den Mann in die kleine Schreibstube der Baracke schicken. Er kam blinzelnd und verwirrt herein, in Hemdsärmeln, mit Breeches und Gamaschen. Ein untersetzter Mann mit hängenden Schultern, niedriger Stirn und kleinen Augen. Seine Nase war flach wie die eines Boxers, vielleicht war sie auch von der Syphilis zerstört. Ein Stück Heftpflaster klebte ihm am Nacken. Ich ließ ihn sich setzen und fragte ihn, was geschehen sei. ,, Ich brachte ein Mädel, eine Freundin von mir, in ihren Block zurück", sagte er ,,, als jemand drei Schüsse hinter mir abfeuerte. Das Mädel fiel hin und ich fühlte einen Schlag und einen stechenden Schmerz im Nacken." Er legte seine Hand an das Stück Heftpflaster. ,, Haben Sie irgend jemand gesehen?" ,, Ich sah einen großen Mann auf einem Fahrrad davonfahren." Er sprach in einem bekümmerten Ton, als ob er sich selbst leid täte. Ich schickte ihn fort und rief die beiden, Mädchen herein. Sie waren beide Polinnen und waren an die Blocktür geeilt, als die Schüsse abgefeuert waren. ,, Alles, was ich gesehen habe, war Erich, der dort stand und sich den Nacken hielt, und das Mädchen, das auf dem Boden lag, und dann ein großer Mann, der fortlief", sagte eine von ihnen. Sie fügte heftig hinzu: ,, Es ist widerlich. Jede schläft mit jedem. Das kann man tun, wenn man allein ist; aber mit allen zusammen im Block ist es abscheulich." In jener Nacht sah es so aus, als ob dieser Mann, dessen Name Erich Zoddel war, das Objekt eines Mordversuches gewesen sei, dem seine Begleiterin zum Opfer gefallen war, 5 Sington 65 Ehe ich d Baracke am Freunden, di auch hätte es ein gewöhnliches Eifersuchtsverbrechen sein können. Tatsächlich verhielt es sich jedoch ganz anders. Wochen darauf, als er verhaftet worden war, konnten zwei Zeugen beweisen, daß tatsächlich er das Mädchen ermordet und Lorenz hatte, als sie mit jemand anders nach ihrem Block ging. Zoddel wurde wegen dieses Mordes von einem Militärgericht in Celle zum Tode verurteilt. Am 19. April sagte Sergeant C. zu mir:„ Die Leute im Lager beklagen sich heftig über die Blockältesten. Sie sagen, daß man ihnen nicht erlauben dürfte, im Amt zu bleiben." Er sagte mir, daß er sich mit einem ,, Internationalen Komitee" von Lagerinsassen in Verbindung gesetzt habe, dessen führende Angehörige der Meinung der Gefangenen Ausdruck zu geben behaupteten. Er brachte mich Dr. Malatinski, einem polnischen Journalisten, der Präsident dieses Komitees war. zu Am gleichen Tage berichtete mir Joop Zwart, daß vier russische Gefangene sich in den Besitz von Revolvern gesetzt hätten und planten, sich an mindestens fünf Blockältesten zu rächen. Woher haben sie die Revolver?" fragte ich. 39 ,, Einige eigneten sie sich wahrscheinlich an, als die SS entwaffnet wurde. Es ist auch möglich, daß Waffen ins Lager geschmuggelt worden sind." Zwart fügte hinzu: ,, Denen, die sie umbringen wollen, geschieht nur recht." Am Abend besprach ich die Lage mit Captain Farmer, dem Public Safety Officer des Lagers. ,, Wir können nicht zulassen, daß hier ein kleiner Bürgerkrieg im Lager ausbricht", sagte er. Wir beschlossen, die illegal bewaffneten Russen zu entwaffnen und gleichzeitig festzustellen, welches die schlimmsten Verbrecher und Unterdrücker unter den Blockältesten seien, um sie sofort festzunehmen. Major Miles, der Kommandeur des 224. Military Government Detachment, sagte, ich solle das Internationale Komitee bei der Ermittlung der üblen Blockältesten zu Rate ziehen. Er ordnete eine Sitzung des Komitees für den folgenden Nachmittag an. 66 holländischen Student. Id hältnisse die dieser Be ZU trauen hatt Komitees w konnte, die Die elf V Bänken und und als ich so widersing des Angeste erinnert, an Es war di Volkstypen Europas. Die fünfz Belsener In waren: Madam Paul H Uni Stefani Uni Dr. Fr M. Re Max I Lorenz von der Kon Dr. M erbrechen sein ganz anders. konnten zwei dhen ermorde ging. Zodde gericht in Cell Die Leute im ten. Sie sagen, mt zu bleiben." Internationalen gesetzt habe. Her Gefangenen chte mich zu der Präsident , daß vier rusmgesetzt hätten sten zu rächen n, als die SS affen ins Lager ringen wollen, n Farmer, dem mer Bürgerkrieg Russen zu entdie schlimmsten cesten seien, um litary Govern onale Komitee Rate ziehen. Er lgenden Nach Ehe ich das Internationale Komitee Belsens in der kleinen Baracke am Haupteingang traf, holte ich vier von meinen Freunden, die mir im Lager geholfen hatten. Eduard Luchinsky und Lorenz Wenclewicz, beides Polen, Max Levy, ein junger holländischer Jude, und Paul Hilfinger, der französische Student. Ich hielt es für ratsam und zur Klärung der Verhältnisse dienlich, vier Männer verschiedener Nationalitäten zu dieser Besprechung mitzubringen, zu denen ich bereits Vertrauen hatte und die nicht Mitglieder des Internationalen Komitees waren, das ja schließlich eine Clique darstellen konnte, die ihre privaten Interessen verfolgte. Die elf Vertreter und die vier von mir Erwählten saßen auf Bänken und Stühlen des kleinen Raums am Ende der Baracke, und als ich sie so von meinem Tisch aus betrachtete, wurde ich, so widersinnig der Vergleich auch sein mag, an die Konferenzen des Angestellten- Ausschusses der Auslandsabteilung des BBC erinnert, an denen ich vor drei Jahren teilgenommen hatte. Es war die gleiche reiche Auswahl von Gesichtern und Volkstypen, der gleiche Querschnitt durch die Intellektuellen Europas. Die fünfzehn Männer und Frauen, die an dieser Sitzung des Belsener Internationalen Komitees am 20. April teilnahmen, waren: Madame Wandowska, eine französische Jüdin. Paul Hilfinger, Student der Chemischen Fakultät der Universität Straßburg. Stefanie Kuder, Sekretärin der Chemischen Fakultät der Universität Straßburg. Dr. Frejafon, ein französischer Doktor der Medizin. M. René Piketty, ein französischer Geschäftsmann. Max Levy, ein holländischer jüdischer Kaufmann. Lorenz Wenclewicz, ein polnischer Konsulatsbeamter, der von den Deutschen vor sieben Jahren unter der Anklage der Spionage während seiner Tätigkeit am polnischen Konsulat in Berlin verhaftet worden war. Dr. Malatinski, ein polnischer Journalist. 5* 67 Eduard Luchinsky, ein polnischer Sozialist, der in Paris von den Deutschen wegen Organisierung des Abhörens der BBC- Sendungen verhaftet worden war. Janina Jasinska, eine polnische Lehrerin. M. Olczewski, Chefingenieur der Stadt Warschau. Dr. Gottlieb, ein ungarischer jüdischer Doktor der Medizin. Ein jugoslawischer Leutnant. Mihail Ustinow, ein Major der Sowjet- Armee. Ilarian Michailowski, ein sowjetrussischer Doktor. Nach einer Diskussion von etwa zwanzig Minuten über das menschliche Elend im Lager kam ich ein wenig zögernd auf das politische Problem zu sprechen. Ich erklärte, der britische Kommandant wünsche, daß diejenigen Gefangenen bestraft würden, die sich wie Verbrecher aufgeführt hatten und, indem sie die Sache der SS zu der ihrigen machten, ihre Mitgefangenen grausam mißhandelt hatten, daß er aber andererseits entschlossen sei, jede Art von Bürgerkrieg im Lager zu verhindern. Ich fragte nach den Namen solcher Verbrecher und nach Angaben über ihre Untaten, so daß sie sofort verhaftet werden könnten. Es folgte eine Totenstille. Ich forderte der Reihe nach jeden Angehörigen des Komitees auf, mir die Namen einiger besonders hervorgetretener Verbrecher zu nennen, aber alle weigerten sich, hier in Gegenwart der anderen endgültige Angaben zu machen. Ich schlug dann vor, daß jedes der Komitee- Mitglieder um drei Uhr am folgenden Nachmittag mit einer hand- oder maschinegeschriebenen Namensliste zu mir kommen sollte. Diese Anregung wurde besser aufgenommen, und die Versammlung löste sich auf, nachdem alle Anwesenden eingewilligt hatten, Namenslisten der verbrecherischen ,, Kollaborateure" bis zum nächsten Tage auszufertigen. Zwei Männer blieben zurück, bis die anderen gegangen der russische Doktor. Ilarian Michailowski und der russische Major Mihail Ustinow. Während der ganzen Konferenz hatten sie ein wenig abseits von den anderen dicht beieinander gesessen. Michailowski war ein kräftig gebauter Mann mit dicken Lippen und lockigem Haar. waren 68 Ustinow tru gekrempelten stämmigen G wie ein Schn näher und s wollten. Ich blick des Zö zu nennen w weiterhelfen. „ Aber lass haben", erst einem andern Sie erklärt Zunächst Gefangenen sehen, aber d sie den Na zeigte, daß s eine andere „ Und dan fort. ,, Er ist Täglich schl er einem P Menschen m slowakischen Die beider Dutzend we Polen, der d und der am überfallen h geschlagen h einschlug un Die Auss wert. Beide Michailowsk genommen kommen und im Gefange der in Paris Ustinow trug Soldatenbreeches und ein Hemd mit hochHes Abhörens chau. der Medizin. e. ktor. ten über das gernd auf das der britische enen bestraft mund, indem Mitgefangenen ererseits entu verhindern. and nach Anmaftet werden er Reihe nach amen einiger n, aber alle en endgültige aß jedes der Nachmittag amensliste zu besser auf nachdem alle Her verbreche auszufertigen. ren gegangen ailowski und d der ganzen den anderen gekrempelten Ärmeln. Mit seinem faltenreichen Gesicht, der stämmigen Gestalt und den muskulösen. Armen sah er eher wie ein Schmied als wie ein Armee- Offizier aus. Sie traten näher und sagten, daß sie mir einige Informationen geben wollten. Ich bat sie, sich zu setzen, und nach einem Augenblick des Zögerns wurde es klar, daß sie einige Individuen zu nennen wünschten. Das würde uns wenigstens ein Stück weiterhelfen. ,, Aber lassen Sie uns bitte die schlimmsten Verbrecher zuerst haben", sagte ich. ,, Nicht den Namen eines jeden, der einem andern eine Ohrfeige gegeben hat." Sie erklärten, daß sie verstanden hätten. ,, Zunächst ist da ein Russe", sagte Michailowski; ,, die. Gefangenen hier sagen, daß sie ihn fünf Leute haben henken sehen, aber das war nicht in Belsen." Es beruhigte mich, daß sie den Namen eines russischen Gefangenen nannten. Das zeigte, daß sie nicht einfach Exponenten einer Vendetta gegen eine andere Nationalitätengruppe waren. ,, Und dann ist da Erich Zoddel", fuhr der russische Doktor fort. ,, Er ist ein Berliner Verbrecher, ein professioneller Dieb. Täglich schlug er Leuten ins Gesicht. Vor zehn Tagen schlug er einem Polen die Augen aus. Er half den SS- Ärzten, Menschen mit Petroleum- Injektionen umzubringen. Einem slowakischen Arzt hier im Lager zufolge ist er Syphilitiker." Die beiden Russen gaben mir die Namen von einem halben Dutzend weiterer Verbrecher im Lager: von einem einäugigen Polen, der die Leute fortwährend mit großer Brutalität schlug und der am 15. April drei Ärzte unter den Gefangenen überfallen hatte. Dann sein Assistent, der Menschen totgeschlagen hatte, ferner ein Russe, der fortgesetzt auf Kranke einschlug und ein, notorischer Antisemit war, und andere mehr. Die Aussagen dieser beiden Russen waren beachtenswert. Beide waren sie seit 1941 in Gefangenschaft gewesen. Michailowski war in den Kämpfen bei Uman gefangengenommen worden, war aus dem Kriegsgefangenenlager entein kräftig kommen und wieder gefaßt worden. Ustinow hatte zwei Jahre kigem Haar. im Gefangenenlager von Nikolajew zugebracht, war dann 69 entkommen, wieder verhaftet und in ein Konzentrationslager übergeführt worden. Ustinow war neun Monate und Michailowski fast ein Jahr in Belsen gewesen. Als wir die Hütte verließen, kam Madame Wandowska, die mit auf der Komiteeversammlung gewesen war, zu mir. ,, Sie wollen einen sichtbaren Beweis, wie die Funktionäre prügeln. Sie sollen ihn haben." Sie führte mich in den ersten Raum der Baracke, der als Wartezimmer diente. Eine winzige, dunkelhaarige Frau saẞ auf einer Bank, hielt sich den linken Unterarm und schluchzte wie ein Kind. entMadame Wandowska bat sie, ihren linken Arm zu blößen, und die kleine Frau hielt ihn mir hin. Eben unterhalb des Ellbogens war eine entzündete Schwellung von der Größe und Farbe einer Viktoriapflaume. " , Wie ist das gekommen?" fragte ich. ,, Eine Slowakin, ein Stubendienst in Block 219, hat sie mit einem Stock geschlagen", sagte Madame Wandowska. Ich ließ die kleine dunkle Frau in meinen Jeep einsteigen und fuhr mit ihr nach Block 219. Eine Gruppe von Mädchen stand vor der Baracke, und im Eingang standen einige Frauen. Ich fragte die kleine dunkle Frau, ob sie angeben könne, wer sie geschlagen hatte. Sie bejahte, und wir traten ein. ,, Das große Mädchen in der Mitte der Gruppe an der Tür", sagte sie. Wir traten auf das bezeichnete Mädchen zu. ,, Haben Sie das getan?" fragte ich, indem ich auf den zerschlagenen Arm der kleinen Frau zeigte. ,, Ich mußte sie schlagen", antwortete das Mädchen, ein ungeschlachtes Geschöpf mit fettem formlosem Gesicht und rauhen dicken Lippen sie erinnerte mich an eine Cruikshank Illustration zu Oliver Twist. - ,, Sie sind Ihres Amtes in diesem Block enthoben", sagte ich, ,, und sind verhaftet." Die Blockälteste trat vor. ,, Dieses Mädchen arbeitet jeden Tag bis spät in die Nacht für diese Leute und sie wollen ihren Instruktionen nicht folgen." 70 „ Das ist mi täglich für si jemanden mit Das grobsch sie in meinem gab sie dem Stunden auf ins Gefängnis und ließ sie Es gab noo Internationale mittag kam sagte:„ Jener war ein ü Ich fragte i Konzentration Leute, auch w in Kontakt. F Gestalt und seit einigen T wesen. 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Er behielt sie drei Stunden auf der Wache, erklärte ihr, daß sie lebenslänglich ins Gefängnis käme, wenn sie noch einmal jemanden schlüge, und ließ sie dann laufen. Es gab noch ein weiteres Nachspiel zu jener Sitzung des Internationalen Komitees am 20. April. Am späten Nachmittag kam Luchinsky, der polnische Sozialist, zu mir und sagte:„ Jener jugoslawische Leutnant, der auf der Sitzung war ein übler Bursche, sehr übel." - Ich fragte ihn, warum er das sage. ,, Ich kenne ihn aus dem Konzentrationslager Miesburg. Als Blockältester schlug er die Leute, auch war er mit dem kroatischen Botschafter in Berlin in Kontakt. Er wollte sich freiwillig zur SS melden." Gestalt und Gesicht dieses jugoslawischen Leutnants waren seit einigen Tagen im Hintergrund meines Gedächtnisses gewesen. Nun bestätigte sich also mein Eindruck, daß er eine jener geschmeidigen, athletischen Gestalten gewesen war, die mit einem Knüttel unter ihren Kameraden herumsprangen und auf sie einschlugen, als die Gefangenen am 15. April auf unseren Wagen zuliefen. Am Nachmittag des 21. April kam als Ergebnis dieser ersten Sitzung fast jedes Mitglied des Internationalen Komitees mit einer Liste verbrecherischer ,, Amtsträger" zu mir. Beinahe jede Liste enthielt die Namen der Männer, die Ustinow und Michailowski mir am vorhergehenden Nachmittag gemeldet hatten. Und ich wußte, daß ich wahrheitsgemäß unterrichtet wurde. 1 - Insbesondere zwei Ärzte Wiesner, ein Tscheche, und Weiß, ein Slowake( der von den Deutschen während des Banska- Bystrica- Aufstandes im August 1944 verhaftet worden war) gaben mir detaillierte Einzelheiten über die Taten jener Clique von Lagerinsassen, die die Methoden der SS angewandt hatten. - 71 ,, An dem Nachmittag, als Sie mit Ihrem Lautsprecherwagen in das Lager kamen", erklärte Wiesner ,,, war P. F. betrunken und griff Dr. Weiß, Dr. Fritz Leo, einen deutschen Arzt und mich mit einem Stock an. Dr. Leo sagte zu ihm:, Was! Überfallen Sie einen Arzt?' und vergalt ihm, indem er zurückschlug." Weiß sagte: ,, An dem Nachmittag, als Sie in das Lager kamen, sah ich, wie P. F. einen Muselmann schlug. Ich versuchte ihm Einhalt zu gebieten, aber seinem Opfer war kaum noch zu helfen." Beide bestätigten auch alles das, was ich über den verderbten und bestialischen Charakter Erich Zoddels gehört hatte. Am folgenden Abend ging ich mit einem Kanonier des 113. Leichten Flak- Regiments nach dem Block, wo Zoddel wohnte. Zoddel stand in seinen Breeches und Gamaschen mit aufgekrempelten Hemdsärmeln in der Baracke vor einer Gruppe von Männern, die um ihn versammelt waren. Offenbar beanspruchte er noch Aufmerksamkeit und wahrscheinlich war er noch Lagerältester, Blockältester oder sonst irgendein Amtsträger. Ich fragte ihn, ob er Erich Zoddel sei, und er sah mich mit seinem Affengesicht und den kleinen Augen an und nickte. So bestimmt, wie ich konnte, sagte ich: ,, Sie sind verhaftet." Er blickte mich weiter an, ohne seinen Gesichtsausdruck zu verändern. ,, Wissen Sie warum?" fragte ich. Er antwortete nicht. >: Weil Sie Insassen dieses Lagers unmenschlich geschlagen und mißhandelt haben. Weil Sie ein Verbrecher und ein Ärgernis für die zivilisierte Menschheit sind." Er ging, unentwegt mit seinem häßlichen, verdrossenen Gesicht geradeausblickend, mit hängenden Schultern aus der Baracke. Der britische Kanonier schritt, die Maschinenpistole schußbereit, hinter ihm. Zehn Minuten später ließ der Sergeant der Wache Zoddel im Eiltempo Kohle von einem Wagen abladen. Zoddel blickte immer noch geradeaus, und sein häßliches, ausdrucksloses Gesicht hatte sich nicht verändert. 72 72 Am folgend in die Method mich, mit ihm Unser Blo Kisten mit K kranke Männe kommen habe Er brachte vom Rest de einigen hölze war ausgegang kiste unter ein und Gemüsek Vielleicht sagte ich. „ Aber die H antwortete H „ Gehen wi Er brachte dicht auf z Matratzen au über den ges Ich trat an Wann er Der Mann nein, vorgeste „ Um welc Zu Mitta Er lag sch Hilfinger Er mußte v Augenblick wohlgenährte Was ist mittelkisten Er begann Haben h erhalten?" ‚ra 1 del wohnte.! Am folgenden Morgen bekam ich einen weiteren Einblick in die Methoden der üblen Blockältesten. Paul Hilfinger bat mich, mit ihm in seinen Block zu kommen. „Unser Blockältester ist ein Gauner“, sagte er.„Er hat Kisten mit, Konserven und lebt wie ein König, aber hier sind kranke Männer im Block, die seit Tagen nichts zu essen be- kommen haben.“ Er brachte mich in das Quartier des Blockältesten. Es war vom Rest des Blocks abgeteilt und’ mit zwei Betten und einigen hölzernen Schränken ausgestattet. Der Blockälteste war ausgegangen, und Hilfinger bückte sich und zog eine Holz- kiste unter einem der Betten hervor. Sie war mit Käse-, Fleisch- und Gemüsekonserven aus England und USA gefüllt. „Vielleicht hat er sich‘ eine Reserve anlegen Können“, sagte ich. „Aber die Kranken in diesem Block werden nicht verpflegt“, antwortete Hilfinger. „Gehen wir und sehen wir’s uns an.“ Er brachte mich in den Block, wo die Kranken dicht an dicht auf zweietagigen Betten lagen, die meisten ohne Matratzen auf den Holzgestellen, mit einer dünnen Decke über den geschwächten Leibern. Ich trat an eines der Betten. „Wann erhielten Sie Ihre letzte Mahlzeit?“ Der Mann antwortete langsam und mühselig:„Gestern— nein, vorgestern.“ „Um welche Zeit?“ „Zu Mittag bekamen wir etwas Milch.“ Er lag schwach und hilflos da, mit glasigen Augen. Hilfinger und ich gingen in die Stube des Blockältesten. Er mußte von unserem Besuch gehört haben, denn einen Augenblick später war er da, ein großer, breitschultriger, wohlgenährter junger Mann. Er trat lächelnd auf mich zu. „Was ist das hier?“ fragte ich, indem ich auf die Lebens- mittelkisten unter dem Bett deutete. Er begann schnell und selbstsicher auf deutsch zu reden. '„Haben ‚heute alle kranken Männer im Block Verpflegung erhalten?“ h Er nickte. Wir verließen die Baracke und ich bestellte Paul Hilfinger zum Blockältesten. ,, Ich rate Ihnen, gründlich darüber nachzudenken, was aus ihnen geworden ist." ,, Sicherlich", antwortete er. ,, Kommen Sie mit!" ,, Ich brachte ihn an das Bett des Mannes, den ich gerade befragt hatte, und stellte dem Kranken die gleiche Frage. Er wiederholte die Antwort von vorhin. Ich wandte mich an den Blockältesten. Er begann wieder wortreich draufloszureden. دو Warum haben Sie mich belogen?" fragte ich. Er begann mit einem neuen Wortschwall. Ich hob meine Stimme und rief: ,, Warum haben Sie mich belogen?" Er hielt auf zu reden, sah mir in die Augen und senkte dann seinen Blick auf den Fußboden. ,, Sie sind nicht mehr Blockältester hier", sagte ich. ,, Haben Sie bemerkt, was mit den SS- Wachen dieses Lagers geschehen ist?" Freude und H mehr in Belse Zwei Tage SS verhaftet. geteilt und m Wagen laden Wenn der W SS- Männer o gefahren wur Panzer hinter folgte ihm nu Die Aufste Insassen Bels deutet haber menge in der tung in der S Peinigern zu zweiten Tage von denen je her. Unglück neben dem F Das Schicksal der SS, auf das ich diesen Verbrecher hingewiesen hatte, war am 17. April entschieden worden. An diesem Tage war Josef Kramer unter strengen Arrest gestellt worden. Als ich am Nachmittag in der Nähe einer der Küchen arbeitete, hörte ich plötzlich ein Beifalls- und Triumphgeschrei aus mehreren hundert Kehlen. Es war ein merkwürdiger Laut, der tief aus den Lungen dieser Menschen zu kommen und an Ausdehnung zu gewinnen schien. Es lag darin eine erschreckende Mischung von Freude und Haẞ. Ich sah einen Jeep durch die Hauptstraße des Lagers fahren. Neben dem Fahrer saß Josef Kramer, mit entblößtem Kopf, die gefesselten Hände auf den Knien. Sein Hemd blähte sich im Winde. Er hatte sich vornübergelehnt, vielleicht in der Bemühung, sich den Blicken zu entziehen, und blickte unverwandt geradeaus. Zwei britische Soldaten auf dem Rücksitz hatten ihre Maschinenpistolen auf sein Rückgrat gerichtet. Der Jeep fuhr durch das ganze Lager, und ich konnte das Geheul von 74 Doch es war durch die L und bückten Köpfe dahin Flugbahn; e fiel, sein Ge Wagens nied Am dritte Frau unter Du drecki meine liebe Schwagerin du Schwein Und dan Antworten zuschreien. gleichen Ve den ich gerade iche Frage. Er begann wieder maben Sie mich en und senkte ", sagte ich. mdieses Lagers enken, was aus Paul Hilfinger Verbrecher hinn worden. An Arrest gestellt ähe einer der - und Triumphwar ein merkMenschen zu schien. Es lag und Haß. Lagers fahren. blößtem Kopf, md blähte sich icht in der Beste unverwand Rücksitz hatter chtet. Der Jeep Has Geheul von Freude und Haß hören, das ihn begleitete. Kramer wurde nicht mehr in Belsen gesehen. Zwei Tage später war der Rest des ,, Verwaltungsstabes" der SS verhaftet. Sie wurden sofort zu Beerdigungskommandos eingeteilt und mußten acht Stunden täglich Leichen auf einen Wagen laden und sie dann in ein großes Massengrab legen. Wenn der Wagen mit Leichen vollgeladen war, mußten die SS- Männer obendrauf sitzen, während sie zum Massengrab gefahren wurden. Am ersten Tage donnerte ein ShermanPanzer hinter dem Beerdigungswagen her. An den Tagen darauf folgte ihm nur ein zweiter Wagen mit einer britischen Wache. Die Aufstellung dieser Beerdigungskommandos muß für die Insassen Belsens eine gewaltige seelische Entspannung bedeutet haben. Jeden Morgen bildete sich eine Menschenmenge in der Nähe des Massengrabes auf der sandigen Lichtung in der südwestlichen Ecke des Lagers, um ihren früheren Peinigern zuzuheulen und zu schreien. Als der Wagen am zweiten Tage vom Begräbnisplatz abfuhr, liefen zwei Männer, von denen jeder einen Arm voll Ziegelsteine trug, hinter ihm her. Unglücklicherweise stand ein britischer Soldat aufrecht neben dem Fahrer. Ein Mädchen rief: ,, Achtung, der Tommy!" Doch es war zu spät. Ein Ziegelstein sauste dem Wagen zu durch die Luft. Die hinten sitzenden SS- Männer paßten auf und bückten sich tief, so daß das Wurfgeschoß über ihre Köpfe dahinflog. Der britische Soldat stand direkt in der Flugbahn; er wurde am Kinn getroffen. Er schwankte und fiel, sein Gesicht mit den Händen bedeckend, zur Seite des Wagens nieder. Am dritten Tage dieser Beerdigungskommandos sah ich eine Frau unter den Zuschauern die Fäuste schütteln und schimpfen: ,, Du dreckiges Schwein, Dr. Klein", schrie sie. ,,, Wo sind meine liebe Mutter, meine schöne Schwester und meine gute Schwägerin? Alle mußten sterben. Alle mußten ins Gas. O du Schwein, du dreckiges Schwein, Dr. Klein!" Und dann begann sie, die gleichen Fragen, die gleichen Antworten und die gleichen Verwünschungen aufs neue hinauszuschreien. Und so fuhr sie fort, immer wieder aufs neue die gleichen Verfluchungen, bis sie heiser war. Aber weder sechs, 75 Monate noch sechs Jahre hätten genügt, all den in ihrem Herzen aufgespeicherten Haß zu stillen. Der Begräbniswagen fuhr an jenem Morgen Leichen aus dem großen Frauenlager ab. Um die sandige Lichtung zu erreichen, wo sich das Massengrab befand, mußte er durch den schmalen Stacheldrahtweg, der das Männerlager mit dem großen Frauenlager verband. Ich ging gerade durch die parallel laufende Hauptstraße, als ich plötzlich das Knattern von Schüssen hörte. Durch den Stacheldraht sah ich den sich nähernden Beerdigungswagen und dann eine laufende Gestalt in braunem Hemd und den graugrünen Hosen der SS. Von überall her kamen jetzt Menschen herbeigeeilt. ,, Ein SS- Mann! Ein Fluchtversuch!" rief jemand. Der Fliehende kehrte in seiner Spur zurück. Plötzlich lief er den kleinen Hang hinan, der zu dem Betonwasserbecken führte. Er war deutlich sichtbar, als er dort einen Augenblick lang am Rande stand. Lauter ertönten die Schüsse, doch hinderte dies nicht die Dutzende von Männern und Frauen, auf ihn zuzueilen. Wasser klatschte auf, und jetzt erschienen zwei britische Soldaten mit Maschinenpistolen am Rande des Tanks. Ihre Kugeln durchlöcherten den Wasserspiegel. Dann erschien der Kopf des SS- Mannes an der Oberfläche, bewegungslos treibend. Es gab ein aufgeregtes Stimmengewirr und Rufe. Dies war der erste zweier Versuche von Angehörigen der SS, dem Begräbnisdienst zu entkommen. Der zweite erfolgte zwei Tage später an genau der gleichen Stelle. Ich vernahm das gleiche Geschrei und die gleiche Unruhe im Lager und wieder die Gewehrsalven. Ich lief auf den Wassertank zu und konnte gegen die dunklen Kiefern eine laufende Gestalt durch den Stacheldraht wahrnehmen. Es war ein bullenhafter, kahlköpfiger Mann, der den Pfad in Richtung auf die Westecke des Lagers entlang lief. Die Kugeln erreichten ihn 50 Meter weiter längs; er stolperte und fiel auf sein Gesicht. Seine mühsamen Atemzüge hoben und senkten ihm noch die Schultern, als er so dalag, und ich konnte ihn schnaufen hören. Dann kamen zwei britische Soldaten auf ihn zu und durchlöcherten seinen Körper mit Blei. 76 Später wur versuche an d Pfad führte z draht zu beid geschnitten w auf beiden Se baracken und unübersichtlich sich um das bewältigen ho der erste SS- N zu verstehen. Angst vor ein von einem U zu suchen. A schen Wacher Am 21. Ap regierung die im Lagergebie Maßnahmen sondere Zwed war von dem dafür zu so Grauen von Bürgermeister anderer' Orte Massengrab war. Die SS des gähnende ten am Rand fahren und während die Wenn wi Rede des Of sein. Erstens sind. Wir ho haben. Mehr die Überleb lich lief serbecken n Apgenblick sse, doch hin- auen, auf eV estecke ihn 50 0 Meter Später wurde mir klar, warum die einzigen beiden Flucht- versuche an dieser Stelle gemacht worden waren. Der kleine Pfad führte zum äußersten Ende des Lagers, und der Stachel- draht zu beiden Seiten verhinderte, daß ein Fliehender ab- geschnitten werden konnte. Es gab auch ein wenig Deckung auf beiden Seiten: die Küche, das Krematorium, ie Frauen- baracken und Bäume—‘alles dies machte das Schußfeld etwas unübersichtlich. Ich weiß nicht, wie die beiden Männer die sich um das Gesamtlager_hinziehende Stacheldrahtsperre zu bewältigen hofften, vielleicht kannten sie eine Lücke. Warum der erste SS-Mann umkehrte und ins Wasser sprang, ist schwer zu verstehen. Vielleicht wollte er Selbstmord begehen aus Angst vor einer erneuten Festnahme. Vielleicht wurde er auch von einem Urinstinkt fortgerissen, Deckung vor den Schüssen zu suchen. Auf jeden Fall hat das zielsichere Feuer der briti- schen Wachen beiden Fluchtversuchen ein Ende bereitet. Am 21. April hatte Oberst Spottiswoode von der Militär- regierung die Aufgabe übernommen, alle nichtärztliche Arbeit im Lagergebiet abzusondern und zu leiten. Eine seiner ersten Maßnahmen war es, die SS-Beerdigungskommandos für be- sondere Zwecke einzusetzen. Ich glaube, daß er tief erschüttert war von dem, was er gesehen hatte, und er war entschlossen, dafür zu sorgen, daß Vertreter des deutschen Volkes das Grauen von Belsen sehen und begreifen sollten. Er ließ den Bürgermeister von Belsen und die Bürgermeister einer Reihe anderer‘ Orte kommen. Am 24. April wurden sie an das Massengrab geführt, das schon halb voller Leichen und Skelette war. Die SS-Männer und-Frauen waren. an der einen Seite des gähnenden Grabes angetreten, und die Bürgermeister muß- ten am Rande stehen. Der Lautsprecherwagen wurde vorge- fahren und eine Erklärung in deutscher Sprache verlesen, während die Menge schweigend dastand. „Wenn wir Sie nun durch das Lager führen“, lautete die Rede des Obersten,„müssen Sie sich über zwei Dinge klar sein. Erstens, daß wir Engländer hier bereits seit zehn Tagen sind. Wir hoffen, daß wir alle Blocks von Toten gesäubert haben. Mehrere tausend haben wir begraben. Wir@haben für die Überlebenden Verpflegung herangeschafft. Wir haben - 77 I Zen er ihnen neue Hoffnung gegeben. Die Lebensbedingungen, di Sie heute hier. sehen können,“ind nicht so entsetzlich wie die, welche unter den Deutschen bestanden. Zweitens müssen Sie begreifen, daß dieses Lager nach dem Urteil der unglückseligen Opfer, die schon andere kennengelernt haben, in mancher Hinsicht zu den besseren gehörte. Vor allem deswegen, weil es hier in den meisten, wenn auch nicht in allen Fällen möglich war, verhältnismäßig ungestört an Hunger oder Typhus zu sterben. In gewissen anderen Lagern dagegen wurden die In-} sassen umgebracht oder in Massengräber geworfen, bevor sie tot| waren. Und dies sind Menschen aus jedem Lande, von jeder Religion und Rasse Europas. Das einzige Verbrechen vieler von ihnen war ihre Vaterlandsliebe. Was Sie hier sehen werden, ist das letzte und äußerste Ver- dammungsurteil über die Nazipartei. Es rechtfertigt jede Maf- nahme, durch die die Vereinten Nationen diese Partei ver- nichten werden. Was Sie hier sehen werden, ist eine solche Schande für das deutsche Volk, daß sein Name aus der Liste zivilisierter Nationen gestrichen werden muß. Sie, die Sie die Väter und Brüder der deutschen Jugend repräsentieren, sehen vor Ihren Augen einige der Söhne und Töchter, die einen kleinen Teil der direkten Verantwortung für dieses Verbrechen tragen. Nur einen kleinen Teil, dennoch eine zu schwere Last für die menschliche Seele. Aber wer trägt die wirkliche Verantwortung? Sie, die Sie Ihrem Führer erlaubt haben, seine schrecklichen Pläne durchzuführen! Sie, die Sie sich als unfähig erwiesen haben, seine erbärmlichen Triumphe zu verhindern. Sie, die Sie ven diesen Lagern gehört hatten oder doch wenigstens einen kleinen Begriff davon hatten, was in ihnen vorging. Sie, die Sie sich nicht spontan erhoben, um den Namen Deutschlands zu reinigen, ohne Furcht vor den persönlichen Konsequenzen. Sie stehen hier verurteilt durch das, was Sie in diesem Lager sehen werden. Sie müssen darauf gefaßt sein, durch Arbeit und Schweiß das zu sühnen, was Ihre Kinder begangen und was Sie nicht verhindert haben. Was immer Sie aber auch leiden werden, es wird ni®ht der hundertste Teil-dessen sein, was diese armen Menschen hier und in den anderen Lagern erdulden mußten. 78 dingungen, die etzlich wie die, ens müssen Sie unglückseligen n, in mancher deswegen, weil Fällen möglich Her Typhus zu wurden die Inen, bevor sie tot nde, von jeder rbrechen vieler däußerste Verrtigt jede Maßese Partei verist eine solche e aus der Liste Es ist jetzt Ihr Los, sich der harten Aufgabe zu unterziehen, den Namen des deutschen Volkes wiederherzustellen auf der Tafel der zivilisierten Nationen. Dies aber kann nicht geschehen, ehe Sie nicht eine neue Generation aufgezogen haben, unter der es unmöglich sein wird, Menschen zu finden, die bereit sind, solche Verbrechen zu begehen; bis Sie eine neue Generation aufgezogen haben werden, die den' instinktiven guten WiHen besitzt, eine Wiederholung solcher schrecklichen Grausamkeiten zu verhindern. Wir wollen nun mit unserer Besichtigungsfahrt beginnen." Während der Rede bedeckte einer der deutschen Bürgermeister sein Gesicht mit den Händen und weinte. utschen Jugend der Söhne und Verantwortung n Teil, dennoch Aber wer trägt Ihrem Führer zuführen! Sie, me erbärmlichen m Lagern gehört Begriff davon nicht spontan reinigen, ohne Sie stehen hier -sehen werden. nd Schweiß das was Sie nicht leiden werden, was diese armen dulden mußten. Der 23. April brachte ein neues Ereignis. Es war an der Zeit, daß die Truppen des Wehrmachtbataillons sich im Sinne des Belsener Waffenstillstandes entschieden, ob sie nach den deutschen Linien zurückkehren wollten oder nicht. Oberstleutnant Taylor und ich sprachen mit den beiden deutschen Obersten in einer Stube des Offiziersquartiers. Sie waren gedrückter als am Nachmittag des 15. April. Aus war es mit der gehobenen Haltung der ,, Unterhändler des Belsener Waffenstillstands" und vorbei mit der Pose der Unnahbarkeit der sich als Beschützer aufspielenden Leutnants, die die Besucher in imposanten Vorzimmern empfingen. Sie saßen ziemlich kleinlaut auf der Kante der beiden Holzstühle und waren übertrieben dankbar für die Zigaretten, die wir ihnen anboten. Sie wurden gefragt, ob ihre Truppen zu den jetzt weit nordöstlich der Elbe befindlichen deutschen Verbänden zurückkehren wollten. Oberst Harries sagte, die Hälfte der Männer wolle zurückkehren, die andere Hälfte zöge die Kriegsgefangenenschaft vor. Er selbst zog es vor, mit zurückzugehen. Oberst Schmidt wollte als Kriegsgefangener bleiben. Die Sitzung war beendet. Am gleichen Abend erreichte uns eine Nachricht von General Dempsey, wonach er niemand von dieser Truppe als Gefangenen annähme. Sie müßten alle zu den deutschen Linien zurückkehren. Am folgenden Morgen versammelte sich das Wehrmachtbataillon auf einem Felde vor der Panzer- Ausbildungsschule. 79 Wir teilten ihnen durch Lautsprecher die Entscheidung des Kommandeurs der 2. Armee mit, daß sie alle zurückkehren müßten. Oberst Harries hielt ihnen dann durch das Mikrophon eine sentimentale Rede, die mit den Worten ,, Meine Soldaten..." begann. Er befahl dem Bataillon, sich am nächsten Morgen abmarschbereit zu versammeln. Wie viele der Soldaten sich die Zwischenzeit zunutze machten, um zu verschwinden, weiß ich nicht. Ein Mann erschien jedenfalls am nächsten Morgen nicht- Oberst Schmidt, der schneidige und Es war ange untadelige Kamerad des Oberst Harries. Er schien Vorahnungen gehabt zu haben. Ein Vierteljahr später, als der Krieg schon zwei Monate vorbei war, hörte ich von einem deutschen Soldaten, daß Oberst Harries, als er sich den deutschen Truppen anschloß, wegen Verrat und Feigheit erschossen worden war, weil er dem Feinde Belsen kampflos überlassen hatte. 80 erklärte:„ Der der nächste D Tag für Tag das Lager eine indem wir die Seuchenherd H retten. Die Zahl d vorgesehenen uns zu wenig digen. Aber i 1500 Personer Es wurde tätengruppen Zuerst sollten burger entlass im Westen daß sie früh Osteuropäer, kurzer Zeit f Frauen vor de Die Evaku vor sich. Er mußten aus Registrierung und schließlic Am 23. A französischen, Frauen aufges 6 Sington her sane: Purückkehren 2 das Mikro- ‚Mein. n, Sich am teidung des j “ie viele der| ‚Um zu ver. edenfalls am "schossen wor- sen hatte, V.KAPITEL Die Räumung des Lagers : war angenehm zu hören, als Major Miles am 22. April erklärte:„Der erste Tag für die Evakuierung der Gesunden ist der nächste Dienstag.“ Dies w2r der Bescheid, auf den wir Tag für Tag gewartet hatten. Denn es war offenkundig, daß das Lager eine Todesfalle für Gesunde und Kranke war. Nur indem wir die noch Gesunden so schnell wie möglich aus dem Seuchenherd herausholten, konnten wir Tausende von Leben 1etten. Die Zahl der für Dienstag, den 24. April, zur Evakuierung vorgesehenen Lagerinsassen war 600. Dies schien einigen von uns zu wenig zu sein und ein zu langsames Tempo anzukün- digen. Aber in den folgenden Tagen kamen wir schnell auf 1500 Personen täglich. Es wurde beschlossen, daß die Evakuierung in Nationali- titengruppen nach einer gewissen Ordnung erfolgen sollte. Zuerst sollten die Franzosen, Belgier, Holländer und Luxem- burger entlassen werden, aus dem einfachen Grunde, weil diese im Westen beheimateten Lagerinsassen sicher sein durften, daß sie früher nach Hause zurückkehren konnten als die Osteuropäer, und daher die neuen Quartiere in verhältnismäßig kurzer Zeit freimachen würden. Es wurde beschlossen, daß die Frauen vor den Männern evakuiert werden sollten. Die Evakuierung ging in ihrem Endstadium in vier Phasen vor sich.- Erst kam die Zusammenstellung der Leute; sie mußten aus ihren Blocks herausgerufen werden. Dann die Registrierung des einzelnen. Drittens baden und desinfizieren und schließlich die Unterbringung auf den Wagen. Am 23. April hatte ich einige meiner Bekannten unter den französischen, belgischen, tschechischen und holländischen Frauen aufgesucht und um drei oder vier Freiwillige von jeder « 6 Sington>: 8] Nationalität gebeten, die die Registrierung und Ausstellung der Personalkarten übernehmen könnten. Sie traten schnell vor. Ich bat sie, sich am folgenden Morgen um neun Uhr bei der Registrierungsstelle einzufinden. Die Registrierung sollte in der SS- Kantine stattfinden, einer großen Baracke mit einer kleinen Orchesterbühne; eine Seitentür führte in eine Bar, die noch immer wohlversehen war mit geschliffenen gläsernen Bierkrügen. Die Frauen sollten der Reihe nach in die Baracke gehen, ihre Personalausweise in Empfang nehmen und dann durch die Bar in das 50 Meter entfernte Bad gehen. Um 9 Uhr fuhr Sergeant Harrison von meiner Einheit mit dem Lautsprecherwagen in das kleinere Frauenlager hinüber und gab dort bekannt, daß alle Französinnen, Belgierinnen, Holländerinnen und Luxemburgerinnen sich mit kleinen Bündeln persönlichen Eigentums vor dem Hof versammeln sollten. Viertel vor zehn schickte ich einen Wagen, der diese Frauen nach der SS- Kantine bringen sollte. Sie standen in zwei Reihen vor dem Hof in ihren gestreiften Morgenröcken oder staubigen Mänteln, viele von ihnen mit Tüchern um den Kopf und mit ihren kleinen Bündeln von Geschirr, Kleidung oder Lebensmitteln. Sie waren mit Kraftwagen auf den offenen Platz vor der Kantine gebracht worden. Die freiwilligen Schreiberinnen saßen hinter Tischen, und registrierten sie, während sie an ihnen vorbeigingen. Die Evakuierung dauerte den ganzen Tag; wartende Frauen saßen auf ihren Bündeln oder lagen schläfrig in der Sonne. Gegen Mittag wurde ein Wagen nach einer der Küchen geschickt, um einige Kübel Suppe zu holen. Während die Französinnen sich anschlossen, um sich registrieren zu lassen, kam ein rumänisches Mädchen, das als Dolmetscherin gearbeitet hatte, zu mir und erklärte, auf eine der Frauen in der Schlange zeigend: ,, Das Mädchen da ist keine Französin." ,, Sie sagte mir, sie sei eine Ungarin, die mit einem Franzosen verheiratet ist." ,, Das stimmt nicht. Ich kenne sie vom Arbeitslager Weißwasser. Sie war dort mit einem französischen Kriegsgefangenen befreundet. Das ist alles." 82 Ich ging sprach. Sie aus Budape 1942 einen Indem ich sie dahin, d ihren Block ,, Wenn i leben", schlu Ich setzte in neue Qu deuten würd Ich fand Schlange, d schichte wa zählte, daß worden sei schreiben, g Ihr Wunsch chen Grund einem. fran Lille aufsuc Gegen A für die F Dampf qu stäubten z herauskom ich wartete Sie kame des ersten stießen und die andere verloren i Verwirrun suchte zu weis zeigte Rückwand während Ausstellung ten schnell un Uhr bei rung sollte e mit einer ne Bar, die sernen Bierdie Baracke und dann Einheit mit ger hinüber Belgierinnen, leinen Bünmeln sollten. Hiese Frauen en in zwei röcken oder m den Kopf eidung oder den offenen freiwilligen trierten sie, ung dauerte en Bündeln wurde ein Kübel Suppe m sich regi das als Dol auf eine der m Franzosen slager Weiß gsgefangenen Ich ging zu der Ungarin hinüber, die fließend Französisch sprach. Sie war eine intelligente Frau, Mathematiklehrerin aus Budapest. Sie hielt an' ihrer Geschichte fest- daß sie 1942 einen Franzosen in Budapest geheiratet habe. دو Indem ich ihr sagte, daß es unklug sei zu lügen, brachte ich sie dahin, die Wahrheit zuzugeben. Dann schickte ich sie in ihren Block zurück. Sie brach in leidenschaftliche Tränen aus. Wenn ich nicht zu ihm gehen kann, will ich nicht mehr leben", schluchzte sie. ,, Er ist alles, was ich in der Welt habe." Ich setzte ihr auseinander, daß eine gemeinsame Verlegung in neue Quartiere zusammen mit den Französinnen nicht bedeuten würde, daß sie automatisch nach Frankreich käme. Ich fand auch ein rumänisches, jüdisches Mädchen in der Schlange, dessen Französisch fast vollkommen war. Ihre Geschichte war weniger geschickt zurechtgemacht, denn sie erzählte, daß sie von Frankreich aus nach Deutschland gebracht worden sei. Als ich sie aufforderte, ihre Reiseroute zu beschreiben, gab sie es auf und räumte ein, daß sie Rumänin sei. Ihr Wunsch nach Frankreich zu kommen, war von dem gleichen Grunde bestimmt, wie der der Ungarin. Sie war mit einem französischen Gefangenen verlobt und wollte ihn in Lille aufsuchen. Gegen Abend ging ich nach dem Badehaus mit Schwarzbrot für die Frauen, die noch immer hindurchpassierten. Der Dampf quoll aus den Bädern heraus und in einem Raum stäubten zwei britische Soldaten Entlausungspulver auf die herauskommenden Frauen. Die Wagen standen draußen, und ich wartete, um den letzten Frauentrupp abfahren zu sehen. Sie kamen aus dem Badehaus heraus, und sobald die Klappe des ersten Wagens heruntergelassen war, stürmten sie vor, stießen und drängten sich hinein. Einige der Stärkeren schoben die anderen zur Seite. Einige ließen ihre Bündel fallen oder verloren ihren Inhalt im Gedränge. Es war eine babylonische Verwirrung von Schreien, Bitten und Vorwürfen. Ich versuchte zu veranlassen, daß mir jede Frau ihren Personalausweis zeigte, aber nach einer Minute war ich selbst gegen die Rückwand des Kraftwagens gepreßt und dort wie festgenagelt, während die Frauen rings um mich hochkletterten und sich 6* 83 dabei auf meine Schultern, stützten. Dies war eines der Vermächtnisse der Deutschen: die Zügellosigkeit der Konzentrationslager- Mentalität. Diese Menschen hatten sich dem schrecklichen Kampf ums Dasein so angepaßt, daß sie auf eine Situation immer noch so reagierten wie in den Tagen der SS Unter der SS konnte man Schlägen nur entgehen, indem man sich vorwärtskämpfte, nur so konnte man Verpflegung erhalten, und nur indem man sich zu einem Transport vorwärtskämpfte, konnte man bei seiner Schwester oder Freundin bleiben. Inmitten dieses drängenden, stoßenden und kletternden Frauenhaufens sah ich eine dunkle Jüdin mittleren Alters mit * einem Mädchen und einem Jungen. Sie standen eines zu jeder Seite, und das kleine Mädchen, das etwa zehn Jahre alt sein mochte, stützte die Frau. Das Kind sah mich mit dunklen bittenden Augen an: ,, S'il vous plaît, monsieur", sagte sie ,,, Maman est si malade." Die Frau schwankte hilflos vor und zurück, während die Menge um sie herumwirbelte. Ihr Kopf sank zurück und sie war sehr bleich. Ich sagte dem Mädchen, sie solle ihre Mutter aus der Menge herausführen. Als der Wagen voll war, führte ich die Mutter mit den zwei Kindern zu meinem Jeep und half der Frau auf den Vordersitz. Sie legte sich mit aufwärtsgewandtem Gesicht zurück. Das kleine Mädchen und der Junge saßen hinten, und als wir in das Aufnahmegebiet fuhren, erzählte das Mädchen mir ihre Geschichte. Sie waren jüdische Ladenbesitzer aus Brüssel. Eines Nachts im Jahre 1942 wurden sie festgenommen und nach Deutschland gebracht. Sie waren in verschiedenen Lagern gewesen, zuletzt in Ravensbrück und schließlich in Belsen. Der Vater der Kinder war nach Polen geschickt worden, sie rechneten nicht damit, ihn wiederzusehen, aber diesen dreien war es gelungen, durch alle diese Jahre zusammenzubleiben. Während wir dahinfuhren, legte das kleine Mädchen eine Hand auf die Schulter ihrer Mutter und tröstete sie. Auf dem großen Asphaltplatz vor der Panzerausbildungsschule führten wir die kranke Frau an einen Haufen Strohsäcke, wo sie wartete, bis an sie die Reihe käme, mit ihren Kindern hineinzugehen. Sie war eine von vielen Kranken, die mit den 84 Gesunden ev haus überge Desinfektion Sechshund kuiert worde der folgend 28. April ha schen Frauen Erst nachd wir hatten k dem Versuch sam genug su die Registrie heraus, die'd und bildeten ein britischer Tage mußter herum Wache panischen Ve keine Vorwü Einen Tag 8. Korps bei Männer in U waren zwei d keit im Lag später zurück hatten. 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Erst nachdem ich das Lager verlassen hatte, geschah das, was wir hatten kommen sehen: ein wilder allgemeiner Tumult bei dem Versuch, auf die abfahrenden Wagen zu gelangen. Seltsam genug suchten sich die Ausbrecher zunächst einen Weg in die Registrierungsbaracke zu erzwingen. Sie rissen die Pfosten heraus, die den um die Kantine gezogenen Drahtzaun stützten und bildeten eine undurchdringliche Masse in der Baracke, ehe ein britischer Offizier zur Stelle sein konnte. Am folgenden Tage mußten zwanzig Soldaten um die Registrierungsstelle herum Wache stehen. Man konnte diesen Menschen wegen ihres panischen Versuches, aus dem verseuchten Lager auszubrechen, keine Vorwürfe machen. Einen Tag bevor ich Belsen verließ, um mich wieder dem 8. Korps bei Lüneburg anzuschließen, baten mich zwei junge Männer in UNRRA- Uniformen, sie zum Essen zu fahren. Es waren zwei der 96 britischen Medizinstudenten, die ihre Tätigkeit im Lager aufgenommen hatten. Als ich vierzehn Tage später zurückkam, hörte ich, welche gute Arbeit sie geleistet hatten. Vor allem hatten sie die Tausende von Schwachen und Kranken verpflegt, die immer noch im Konzentrationslager geblieben waren, und die wegen der Entlassung der Gesunden sonst hilflos und ohne Nahrung gewesen wären. Zweitens hatten sie die Ruhrkranken mit Bengalischer Hungerpaste ernährt, die für ihr Verdauungssystem besonders geeignet war. Und drittens hatten sie ärztliche Hilfe für die Kranken geleistet. Indem sie auf den Erfahrungen der Pioniere der SS- Apotheke aufbauten, hatten sie eine Anzahl Baracken geräumt und ein Notlazarett eingerichtet, wo die Kranken betreut werden konnten, falls sie nicht in das ständige Lazarett in der Panzer85 98 86 ausbildungsschule übergeführt wurden. Diese Rationalisierung wurde dadurch möglich, daß sich das Lager so schnell leerte. In ihrem Lazarettgebiet hatten die Studenten die geräumten Blocks desinfiziert, reinigten die Fußböden mit Kreosot, überstäubten sie mit Entlausungspulver und brachten dann 150 Kranke in jeden Block. Drei Studenten sorgten für die Patienten jedes Blocks. Am 29. April fuhren wir nach Lüneburg. Die steilen, rotziegeligen Dächer glühten im Frühlingssonnenschein, und Massen von Flieder wogten über den Hecken. Auf den Feldern grasten die schwarz- weißen Kühe und die Kirchen von Lüneburg zeigten die grünen Kupfertürme des wunderschönen Deutschland, das ich vor achtzehn Jahren hatte kennengelernt. Wie war das friedliche Landgebiet geschändet worden. Der Geruch verbrannten Leders und brennender Kiefern war noch in meinem Gedächtnis. Eine Frau stürzte aus einem Bauernhaus und hielt meinen Wagen an. ,, Können Sie uns nicht helfen?" fragte sie.„ Die Russen schlachten unsere Hühner und Schweine und verlangen Kleidung und Möbel." Ich gab Gas und fuhr weiter. Ich dachte an die Tausende von Männern und Frauen, die tot oder verkrüppelt in den Blocks des Konzentrationslagers und in den Baracken der Panzerausbildungsschule lagen. ,, Was macht es schon aus", dachte ich ,,, wenn du deine Hühner und Schweine, Kleider und Möbel verlierst?" Am 18. Ap die Baracke Sozialist, de zu fragen, w zigen Grupp einnehmen Der Nam machte eine zwölf hinte Jahren nicht in einer abge gehen, ehe i Rudolf K gegen die n Tätigkeit v vom, Volk Nach Verbi ins Konzent In dem meier seine Sachsenhaus im August wiederherge Der deutsch In der ga eines Propa * Im Mär in Hamburg nalisierung l leerte. In mten Blocks überstäubIV. KAPITEL Wie wir in Belsen lebten Ein Rückblick von Rudolf Küstermeier 50 Kranke enten jedes teilen, rothein, und Hen Feldern von Lünederschönen nengelernt. orden. Der war noch ielt meinen Die Russen angen Klei Frauen, die ationslagers gen. m du deine st?" Vorbemerkung. Am 18. April kamen zwei deutsche politische Gefangene in die Baracke des Belsener Hauptquartiers. Der eine war ein Sozialist, der andere ein Kommunist. Sie waren gekommen, um zu fragen, welche Haltung die Engländer gegenüber der winzigen Gruppe überlebender deutscher politischer Gefangener einnehmen würden. Der Name des Sozialisten war Rudolf Küstermeier. Er machte einen müden und, benommenen Eindruck, was nach zwölf hinter Gefängnisgittern und Stacheldraht verbrachten Jahren nicht überraschend sein kann. Aber er wirkte freundlich in einer abgeklärten, ruhigen Art. Mehrere Wochen sollten vergehen, ehe ich seine ganze Geschichte kennenlernte. Rudolf Küstermeier war am 29. November 1933 wegen einer gegen die nationalsozialistische Regierung gerichteten illegalen Tätigkeit verhaftet worden. Am 27. August 1934 wurde er vom„ Volksgerichtshof" zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach Verbüßung der zehn Jahre wechselte er vom Zuchthaus ins Konzentrationslager. In dem nachstehenden Rückblick beginnt Rudolf Küstermeier seine Erlebnisse mit dem Tage, an dem er vom KZ Sachsenhausen kommend in Belsen eintraf. Er hat seinen Bericht im August 1945, als er gesundheitlich noch bei weitem nicht wiederhergestellt war, in englischer Sprache niedergeschrieben. Der deutsché Text ist aus dem Englischen übersetzt worden.* * In der ganzen Welt gibt es Menschen, die fürchten, das Opfer eines Propagandaapparates, zu werden, wenn sie über deut* Im März 1946 wurde Rudolf Küstermeier Hauptschriftleiter der in Hamburg erscheinenden Zeitung ,, Die Welt". 87 sche Konzentrationslager hören. Und sie haben recht, sich gegen Übertreibungen zu wappnen, wenn sie die Wahrheit suchen. Offenbar gibt es eine tiefverwurzelte Überzeugung, daß menschliche Wesen, gleichgültig welchen Landes oder welcher Rasse, nicht solcher Greuel und Grausamkeiten schuldig sein können, wie sie jetzt der Welt enthüllt worden sind. Aber diese Berichte sind nicht nur von einer Stelle gekommen so daß sie sich als Ausnahmeerscheinung hätten erklären lassen, sondern aus ganz Europa. Es handelt sich um ein System, und es bleibt keine andere Möglichkeit als der Versuch, dieses ungewöhnliche System, dessen Existenz eine ernste Verantwortung für uns alle bedeutet, zu verstehen. - - Millionen von Männern, Frauen und Kindern haben unter diesem System gelitten. Sie haben nicht nur davon gehört oder zugesehen, sie haben es erlebt, und die Überlebenden spüren es an ihren Leibern noch jetzt, wo alles vorbei ist. Ich selbst habe dieses System zwölf Jahre lang ertragen seit 1933. Darf ich Ihnen davon berichten, auch den Zweiflern unter Ihnen? Ich denke, Sie werden es mir erlauben, nachdem ich Ihnen ein kleines Geständnis gemacht habe: Viele von uns, die Opfer des SS- und Gestapo- Systems gewesen sind, können jetzt selbst kaum glauben, daß wir die Dinge, die wir erinnern, wirklich erlebt haben: Nicht Sie allein, Leser und Zuhörer, möchten sich weigern, die Möglichkeit solcher Unmenschlichkeit und Verruchtheit einzuräumen, sondern selbst wir, die wir dies alles erlebt und viele Jahre ertragen haben, sind versucht, jetzt zu denken:„ Nein! Diese Dinge können nicht wirklich geschehen sein." Aber, ach- sie sind geschehen... * Es war ein grauer, kalter Wintertag. Mehr als 800 Männer marschierten auf einer Landstraße voller Löcher, Pfützen und Dreck. Sie marschierten langsam, denn sie waren müde, viele von ihnen waren krank oder Invaliden. Nicht einer von ihnen hatte ein gutes Paar Schuhe. Sie waren in Lumpen gekleidet, und viele waren zu schwach, um das kleine Bündel zu tragen, das all ihren Besitz enthielt: ein zweites Hemd, ein Paar Socken, vielleicht ein Stück trockenes Brot. 88 Sie sprache sie an die waren sie meisten von jener Männer herum ware marschierten GewehrenDie achth in der Nähe ich vor war halben Stund um Schritt z mit Diphthe Versuch, we Weg zum A Sachsenha Russen nähe Gefangenen Rüstungsfab stätten. Fast Buchenwald Belsen! M betriebe und es also ein glaubten es. lager, eine Wußten sie Wenige N zu machen. auch immer sollte die S Lager brin wären? Wa waren? Und dan heit der Na wundervoll sich gegen it suchen. menschher Rasse, können, diese Beso daß sie , sondern es bleibt wöhnliche ir uns alle ben unter hört oder spüren es lbst habe Darf ich hnen? Ich Ihnen ein Opfer des tzt selbst wirklich chten sich und Verdies alles =, jetzt zu geschehen 0 Männer ützen und üde, viele von ihnen gekleidet, zu tragen, ein Paar Sie sprachen nicht viel, diese Marschierer. Vielleicht dachten sie an die Vergangenheit oder an die Zukunft; vielleicht waren sie zu apathisch, um überhaupt, zu denken. Die meisten von ihnen hatten seit Jahren unter den Gewalttaten jener Männer zu leiden gehabt, die immer und überall um sie herum waren, und die jetzt links und rechts, vorn und hinten marschierten in ihren graugrünen Uniformen, mit geladenen Gewehren die SS. - Die achthundert Männer kamen aus Konzentrationslägern in der Nähe Berlins, und ich war einer von ihnen. Zu Beginn war ich vorn in der Marschkolonne gewesen, aber nach einer halben Stunde gehörte ich zu den letzten. Ich war zu schwach, um Schritt zu halten. Ich hatte monatelang mit Typhus, dann mit Diphtherie gelegen, und seit langem war dies mein erster Versuch, weiter als um eine Baracke herum, oder den kurzen Weg zum Arzt oder zum Badehaus zu gehen. Sachsenhausen war teilweise evakuiert worden, denn die Russen näherten sich der Oder, und die SS wollte sich aller Gefangenen entledigen, ausgenommen derjenigen, die in Rüstungsfabriken arbeiteten oder in Wehrmachtreparaturwerkstätten. Fast täglich hatte es Transporte nach Dachau, nach Buchenwald, nach Flossenbürg und Belsen gegeben. Belsen! Man hatte uns gesagt, daß es ein Lager ohne Arbeitsbetriebe und mit Spezialeinrichtungen für Kranke sei. Würde es also ein Ort der Erholung und Ruhe sein? Einige von uns glaubten es. Andere sagten, Belsen sei ein Todes- und Hungerlager, eine Stätte des Massenmordes und der Verbrennung. Wußten sie Bescheid? Oder waren sie nur Schwarzseher? Wenige Menschen lieben es, sich auf das Schlimmste gefaßt zu machen. Man hofft immer. Und wenn man hofft, findet man auch immer Gründe zum Hoffen. Warum, so dachten wir, sollte die SS uns Hunderte von Kilometern weit in ein anderes Lager bringen, wenn wir nur Sterben verdammt wären? Wäre es nicht leichter gewesen uns zu töten, wo wir waren? zum Und dann war da mein Freund Otto, der immer die Schönheit der Natur pries, und der auf unserem Marsche die hohen, wundervollen Birken rechts und links bewunderte.„ Kann ein 89 88 so herrlicher Weg ins Verderben führen?" fragte er. Kaum hatte er die Frage gestellt, so waren wir da. Durch tiefe Pfützen, mit nassen Füßen und Hosen, kamen wir ins Lager. Zum ersten Male sahen wir jenen Appellplatz, auf dem wir Tag für Tag so viele Stunden stehen sollten. Wir mußten gezählt werden, und das war, wie wir bereits wußten, eine schwierige Aufgabe. In den Güterwagen, mit denen wir gereist waren, hatten wir zu 80 oder 100 zusammengepfercht 30 Stunden lang gestanden. Dann waren wir 6 Kilometer marschiert. Und nun standen wir wieder. Allmählich bedeckte sich der Himmel, es gab Schnee und Regen- aber wir standen wie vorher. Ich schaute mich um nach den besonderen Einrichtungen für Kranke. Aber ich sah nur Schmutz, Wasser, Schutt und dunkle, elende, teilweise zerfallene Baracken. Schließlich durften wir die Baracken betreten. Sie waren innen nicht anders als außen. Es gab keine Betten, keine Stühle, keine Bänke und kein Licht. Die Fenster waren zerbrochen, und es gab weder Strohsäcke noch Stroh zum Liegen. Da war nur der schmierige Fußboden, und der Regen kam durch das Dach. Man sagte uns, daß wir die nächsten zwei bis drei Tage nichts zu essen bekommen würden, weil die Küchen für die Neuankömmlinge nicht ausreichten. Wir schliefen, wie Heringe aneinandergepreßt, auf dem Fußboden. Es gab keinen Platz, sich umzudrehen oder auszustrecken. Mitten in der Nacht erwachte ich von einem scharfen Schmerz in der Magengegend. Jemand hatte mir, auf den Bauch getreten. Wasser tropfte von der Decke, und einige wollten sich einen anderen Platz suchen. Sie beschlossen, sich in einen engen Gang neben dem Schlafraum zu legen, aber auch dort wurden sie naẞ, denn der Wind peitschte den Regen durch die Fenster. Und alle diese Menschen waren entweder krank, oder sie hatten sich kaum von schweren Krankheiten erholt. Am nächsten Morgen begannen einige Männer die Neuankömmlinge zu registrieren. Im allgemeinen zogen wir es vor, nach Nationalitäten zusammenzuleben. Die Russen und Polen, die die große Mehrheit bildeten, hatten eigene Räume. Andererseits krochen Deutsche, Norweger, Holländer und Franzosen scheu und argwöhnisch zusammen. Es war eine merkwürdige 90 90 Art von Zu zusammenge unter Mitm solches Leb einer Geme bedeutete, gedanken. Da es w ich nicht v und wir ko starb einer zehn Jahre anderen Bl Dutzend M drei Tage Ziegelstein Baracken rung. Abe schlafen, es um Rheum Krankheit auf meiner Stunden e da nieman Und da dringend niger als was sie b Suche nac so kalt W auf dem den Kopf von den einem das falls man Nach z mit Better die in dre er. Kaum , kamen wir ellplatz, auf sollten. Wir its wußten, denen wir mengepfercht Kilometer ich bedeckte wir standen ren Einrichsser, Schutt Sie waren eine Stühle, rochen, und Da war nur hdas Dach. Tage nichts r die Neuf dem Fußoder auszuem scharfen f den Bauch wollten sich einen engen ort wurden die Fenster. er sie hatten die Neuwir es vor, und Polen, me. AndererFranzosen merkwürdige Art von Zusammenleben. So schlimm es sein mochte, wie Vieh zusammengetrieben zu werden, so war es doch immerhin gut, unter Mitmenschen zu sein. Es wäre unmöglich gewesen, ein solches Leben allein auszuhalten. Die Tatsache, daß wir in einer Gemeinschaft lebten, die für uns alle das gleiche Elend bedeutete, wappnete uns gegen Verzweiflung und Selbstmordgedanken. Da es während der ersten Tage beständig regnete, bekam ich nicht viel vom Lager zu sehen. Verpflegung gab es nicht, und wir konnten nichts tun als warten. Am zweiten Morgen starb einer von uns. Er war ein deutscher Kommunist, der vor zehn Jahren verhaftet worden war. Wir hörten, daß es in den anderen Blocks noch mehr Tote gäbe, so daß ungefähr ein Dutzend Menschen unseres Transports innerhalb der ersten drei Tage starben. Am dritten Tage wurde ich in eine aus zwei Ziegelsteinen erbaute Baracke verlegt. Es gab nur Baracken dieser Art und ich glaubte, es wäre eine Verbesserung. Aber in dieser Baracke war es gänzlich unmöglich zu schlafen, es sei denn, man legte sich auf den eisigen Fußboden, um Rheumatismus, Nierenentzündung oder irgendeine andere Krankheit zu bekommen. Ich weiß nicht, wie viele Nächte ich auf meinem kleinen Bündel saß, manchmal für eine oder zwei Stunden einnickend, und immer angestoßen und aufgestört, da niemand Platz für sich selbst hatte. Und dann die Diebe!" Niemand hatte etwas, was er nicht dringend selbst benötigte. Aber überall gab es Leute, die weniger als andere besaßen und die versuchten, das zu finden, was sie brauchten. Insbesondere waren sie immer auf der Suche nach Decken und nach Kleidern aller Art, weil es so kalt war. Sie versuchten, einem das Bündel fortzunehmen, auf dem man schlief, oder die Schuhe, die man sich unter, ja, sie versuchten sogar, sie einem den Kopf gelegt hatte von den Füßen zu ziehen. Wusch man sich, so versuchten sie einem das Hemd, das Handtuch oder die Seife zu entwenden, falls man dergleichen besaß. - Nach zehn oder zwölf Tagen gelang es mir, in einen Block mit Betten zu kommen. Diese bestanden aus bloßen Brettern, die in drei Etagen an den Wänden und in der Mitte der Ba91 racke aufgebaut waren. Wir hatten auch einige Strohsäcke, aber die meisten von uns zogen es vor, darauf zu verzichten, weil sie voller Flöhe waren. Die ,, Betten" standen eng aneinander, es war fast kein Raum zwischen ihnen, und es war äußerst schwierig, seinen Schlafplatz zu erreichen, ohne sich und andere zu stoßen. Fünf Mann teilten zwei ,, Betten", und einer von ihnen mußte auf dem engen Zwischenraum schlafen. Da jedes/ ,, Bett" zu schmal war, als daß zwei Mann Seite an Seite schlafen konnten, schliefen wir gewöhnlich mit den Füßen des einen gegen den Kopf des anderen. Wenn beide einigermaßen ruhig schliefen, war das nicht so schlimm, aber die meisten von uns waren nervös und warfen sich herum, besonders im Traum. Und was für Träume hatten wir, wenn wir uns all der Dinge erinnerten, die wir am Tage gesehen oder gehört hatten! Trotzdem waren wir froh, diese kleine Möglichkeit der Ruhe zu haben. Man konnte wenigstens seine Beine strecken, um sie für den Appell des nächsten Tages zu stärken. - Wir mußten um vier Uhr aufstehen, manchmal früher. Innerhalb weniger Minuten mußten wir in fünf Gliedern zu zwanzig Mann vor den Baracken angetreten sein. Dann wurden wir von dem Blockältesten und seinem Schreiber gezählt. Sie mußten ihre ,, Stärke" für den Tag ermitteln: wie viele gekommen und gegangen, wie viele krank oder tot waren. In einem Block waren zwischen zweihundert und sechshundert Mann, Gegen sechs Uhr wurden wir auf den Hauptappellplatz des Lagers geführt, wo jeder Block seinen Platz hatte. Dort standen wir, Tausende und aber Tausende, bis die SS- Blockführer und der SS- Rapportführer erschienen. Ob es regnete oder schneite, wir mußten stehen und warten, ohne Frühstück oder heißes Getränk, selbst an den kältesten Tagen. Die einzige Zuteilung bestand in Schlägen. Man wurde von den Blockältesten und ihren Helfern wie von der SS gestoßen, getreten und geschlagen. Entweder man befand sich nicht im Glied, weil man seinen Platz inmitten einer tiefen Pfütze verlassen hatte, oder man hatte seine Mütze nicht schnell genug abgenommen, wenn der SS- Blockführer vorbeikam, oder man hatte, weil es regnete oder schneite, sie zu 92 schnell wied hatte se man geschlagen, o ein wenig W hatte au man Blockältesten weil er nicht waren. Wir und wir wur Da war G fehlen, Flüch und dumpfe Rücken, Sch fuhren. Wir völlig durch hungrig war der Schwäch lagen die T um ihnen K lagen die T sie wegzusch Im Anfa und in der sondere Bar waren. Da 1 und Jahre in Und jederz Taschen der was ihnen in Es gab e nannte. Das einem deuts nur wenige, Dienst an Lagers, besc Gütertransp Manchma Häftlingen schnell wieder aufgesetzt, wenn er vorbeigegangen war, oder man hatte seinen Kragen wegen des scharfen Windes hoch- geschlagen, oder man hatte sich eine Decke umgewickelt, um ein wenig Wärme zu finden, oder man hatte gesprochen, oder man hatte auch nur zufällig in der Nähe des Blockführers oder Blockältesten gestanden, der seine Selbstbeherrschung verlor, weil er nicht herausfinden konnte, wie viele Männer anwesend waren. Wir wurden gezählt und wieder gezählt. Es gab Fehler und wir wurden ein drittes und viertes Mal gezählt. Da war Geschrei und Gebrüll, ein Hin und Her von Be- fehlen, Flüchen, Drohungen, und dazwischen das Klatschen und dumpfe Aufschlagen von Stöcken und Peitschen, die auf Rücken, Schultern, Arme und Köpfe der Männer nieder-. fuhren. Wir standen bis neun, zehn oder elf Uhr, oftmals völlig durchnäßt, oft unfähig, noch länger zu stehen, da wir hungrig waren und vor Kälte zitterten. Täglich fielen einige der Schwächeren um und starben auf dem Appellplatz."Dann lagen die Toten im Schmutz, und die„Organisierer‘‘ kamen, um ihnen Kleider und Schuhe abzunehmen. Nach kurzer Zeit lagen die Toten fast nackt da, bis eine Sonderabteilung kam, sie wegzuschaffen. Im Anfang wurden alle, die am vorhergehenden Tage und in der Nacht gestorben waren, morgens in eine be- sondere Baracke geschafft, deren Türen und Fenster offen waren. Da lagen die Freunde und Kameraden langer Monate und Jahre in Haufen, einer auf dem anderen, kreuz und quer: Und jederzeit fanden sich Leute, die hineingingen, um die Taschen der Toten zu durchsuchen und alles mitzunehmen, was ihnen irgend von Nutzen sein konnte. Es gab eine Art Lagerpolizei, die sich„Ordnungsdienst“ nannte. Das waren Häftlinge verschiedener Nationalität mit einem deutschen Kapo als Vormann. Aber es waren ihrer nur wenige, im allgemeinen nicht mehr als fünfzehn. Sie hatten Dienst an. den Beerdigungsplätzen und auch außerhalb des Lagers, besonders an der Station, wenn neue Häftlings- oder Gütertransporte ankamen. Manchmal versuchten einzelne Häftlinge oder Gruppen von Häftlingen spontan Ordnung und Sauberkeit herzustellen. 93 Aber alle solche Versuche schlugen fehl und mußten fehlschlagen, weil die große Mehrheit der Gefangenen schon zu tief gesunken war. Vielleicht kann niemand, der es nicht erlebt hat, glauben, wie tief Menschen sinken können, wenn sie gezwungen sind, lange ohne Nahrung, Kleidung und ausreichende Unterkunft zu leben. Es scheint, daß es einen gewissen Punkt der Erniedrigung gibt, der nicht ohne den Verlust jeglicher Selbstachtung und Moral überschritten werden kann. Die Entwicklung beginnt langsam, schreitet aber schnell fort, bis man plötzlich den Mann nicht mehr wiedererkennt, den man als gewinnend, intelligent und gebildet gekannt hat und der nun unmenschlich und unpersönlich geworden ist. Der Gedanke an die Männer, die jeglichen Charakter und alle guten Eigenschaften verloren hatten, die nicht mehr mit ihren Gefährten zu leben wußten, sondern nur daran dachten, wie sie sich selbst auf Kosten anderer retten könnten, und die schließlich völlig vertiert wurden, wird immer zu meinen schrecklichsten Erinnerungen gehören. Ich entsinne mich noch gut jenes Tages gegen Ende Februar 1945, als ich zum ersten Male von Leuten hörte, die Leichenfleisch gegessen hatten. Einigen Leichen fehlten Lungen, Herz und Leber, und aus den Oberschenkeln und Hinterteilen waren, Stücke herausgeschnitten. Eines Tages wurden drei Männer gehängt, weil sie verdächtig waren, Fleisch von Leichen genommen zu haben, die im Hofe lagen. Sie wurden furchtbar gefoltert, gestanden jedoch nichts und waren vielleicht unschuldig. Vor allem einer von ihnen, ein junger Student, schien das Opfer einer falschen Beschuldigung zu sein. Die SS wollte sie hängen, um andere abzuschrecken. Aber es war unmöglich, dieser Pervertierung. Einhalt zu gebieten, denn Hunger und Elend nahmen von Woche zu Woche zu. Zu jener Zeit, also im Februar 1945, erhielten wir etwa zwei Scheiben Brot täglich und einen halben Liter Wassersuppe, die weder Fett noch Fleisch enthielt, sondern nur ein paar Stückchen Rüben und Kartoffeln. Zweimal in der Woche erhielten wir einen Teelöffel voll Butter und ein Scheibchen Wurst oder Käse. Gelegentlich gab es ein Getränk, das als 94 Kaffee" b Woraus es Zum Gli und wenn Ein Jahr Groß- Beere mehr als 60 aufgebaut, zurückkehr tür der Kü im Freien, Schüssel au alle auf die ihnen neue und wiede nachdem je worden wa Ist es zu v Beeren schn In Belse Baracken v es schwer, den Barack war eine ha einer Wad plötzliche vorkamen. wöhnlich Ansturm vieren da Suppe, au wenn beim zelne in d durch bru können. Solche für das Latrinen ‚kannt hat en ist. 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Nachdem die Schüsseln auf diese Weise alle auf die andere Seite der Küche gelangt waren, wurden hinter ihnen neue Schlangen gebildet und die gleichen Schüsseln wieder und wieder. benutzt, bis alle gegessen ‚hatten. Schließlich, nachdem jede Schüssel von drei oder yier Personen benutzt worden war, wurden sie für den nächsten Tag abgewaschen. Ist es zu verwundern, daß sich allerlei Krankheiten in Groß- Beeren schnell ausbreiteten? In Belsen wurde die Suppe in- alten Holzfässern an die Baracken verteilt. Da die Fässer keine Handgriffe hatten, war es schwer, sie.über die große Entfernung von den Küchen zu den Baracken zu transportieren. Ein solches Faß zu tragen war eine harte Arbeit für vier Männer. Diese vier mußten von einer Wache von etwa fünf Männern begleitet werden, um plötzliche Überfälle zu verhindern, die trotzdem fast täglich "vorkamen. Während dieser Angriffe wurde. der Inhalt ge- wöhnlich auf den Boden verschüttet, und in einem wilden ‚Ansturm stürzten Dutzende hungriger Männer auf allen vieren darüber her, um ein wenig aufzukratzen von der ‘Suppe, auf‘der gleichzeitig herumgetrampelt wurde. Selbst wenn beim Tragen ein wenig Suppe überlief, warfen sich ein- zelne in den Schmutz, um sie vom Boden aufzulecken. Nur durch brutale Gewalt hätten sie daran gehindert werden können. Solche Vorkommnisse bildeten natürlich eine große Gefahr für das ganze, Lager. Tausende litten an Durchfall., Die Latrinen lagen’teilweise weit von den Baracken entfernt, und 95 “ h a Hi wenn man sie bei Nacht aufsuchte, lief man Gefahr, wegen Fluchtverdachts erschossen zu werden. Die meisten zogen es daher vor, ihr Bedürfnis in der Nähe der Baracken zu verrichten. Allmorgendlich versuchten wir, die Höfe zu reinigen, aber es ließ sich unmöglich verhindern, daß Exkremente an den Schuhen in die Baracken und auf die Betten getragen wurden. Und von der kotigen Erde wurde Suppe gegessen! Mußten wir da nicht alle früher oder später an Ruhr, Typhus oder irgendeiner anderen Seuche zugrunde gehen? Die SS interessierte sich für diese Fragen nicht. Im allgemeinen şahen wir die SS- Blockführer nur bei den Appellen. Manchmal kamen sie schimpfend, schlagend und schießend durch die Baracken. Eines Nachmittags erschoẞ der Rapportführer zwei Männer, die auf ihren Betten lagen und nicht schnell genug aufstanden. Die SS- Männer trugen immer Stöcke, mit denen sie jeden schlugen, dessen Gesicht ihnen nicht gefiel. Das Schlimmste aber war, daß sie anfingen, die Kontrolle über das Lager und seine Insassen zu verlieren. Zwei-, drei- und viermal wöchentlich kamen neue Transporte an. Sie kamen aus Polen und ganz Ostdeutschland; es handelte sich um Häftlinge, die man vor den heranrückenden russischen Truppen evakuiert hatte. Sie kamen aus ganz Mittel- und Norddeutschland, wo immer mehr Arbeitskräfte durch die Zerstörung der Fabriken durch britische und amerikanische Bomber überflüssig geworden waren. Sie kamen auch aus dem Westen, als das linke Rheinufer aufgegeben werden mußte. Sie wurden in Belsen zusammengepfercht, vermutlich weil man glaubte, daß Belsen im Mittelpunkt des am längsten zu haltenden Gebietes liege. Während des ersten Teiles des Jahres 1944 waren in Belsen nur ein paar tausend Gefangene. Gegen Ende des Jahres erhöhte sich die Zahl, als mehrere Transporte ungarischer Juden eintrafen. Da aber die Sterbeziffer erschreckend hoch lag, war Belsen immer nur kurzfristig überfüllt. Dies änderte sich im Januar 1945. Tausende von Gefangenen kamen gleichzeitig an, aber es war kein Platz für sie da. In den meisten Baracken konnten die Menschen weder 96 liegen noch s sie nur steher auf die Wett konnte Platz Und der T Transport au waren zwölf wesen, ohne Waggon. Als den mehr als konnten wed in eine Stall aber nicht ge und Mist sic betrachtet w Ein paar Es lebten no Lazarettbloc wie ihre ad torium. Manchmal geschickt, na wir zur Aus war, schickt die Baracker heraus. Es g bis zum Nac durften. Ma gesucht. Ma physische St an einer K aus Häftlin wir marschi ihre Auswa Experten" Fällen nicht Tausende Sachsen un 7 Sington ı Ihr Ar, Wegen ' Zogen&5 en zu ver- U Teinigen, Nte an den N wurden, n. Mußten 'Päus oder . Im all- \ Appellen. schießend j Rapport- und nicht 1 sie jeden ı werden ET EN vermutlich” m längsten 1 in Belsen Jahres er- h lag, war on Gefan- arz für sie 7 x 2 liegen noch sitzen, und wenn sie alle drinnen waren, konnten sie nur stehen. Tagelang wurden Transporte ohne Rücksicht auf die Wetterverhältnisse im Freien gelassen. Nur der Tod konnte Platz schaffen.. Und der Tod war eifrig am Werk. Eines Tages kam ein Transport aus Groß-Rosen in Schlesien. Fast 3000 Männer waren zwölf Tage lang. in Güterwagen eingeschlossen ge- wesen, ohne Speise oder Trank, bis zu hundert in einem Waggon. Als die Türen der Waggons geöffnet wurden,- den mehr als 800 Leichen gefunden. Die meisten der anderen konnten weder gehen noch stehen. Die Überlebenden wurden in eine Stallbaracke geschafft, die zwar für sie frei gemacht, aber nicht gereinigt worden war. Dort wurden sie in Schmutz und Mist sich selbst überlassen, weil sie als typhusverdächtig betrachtet wurden. Ein paar Tage später wurde die Stallbaracke gesäubert. Es lebten noch etwa zweihundert Männer. Sie wurden in die Lazarettblocks gebracht. Die anderen gingen den gleichen Weg wie ihre achthundert Kameraden vor ihnen— ins Krema- torium. Maachmal wurden auch Transporte von Belsen weg- geschickt, nach Orten, die Arbeiter brauchten. Dann mußten wir zur Auswahl im Hof anstehen. Wenn die SS guter Laune war, schickte sie uns nach dem Appell zum„Frühstück“ in die Baracken und holte uns eine halbe Stunde später wieder heraus. Es gab jedoch Tage, an denen wir vom frühen Morgen bis zum Nachmittag stehen mußten, ohne daß wir uns bewegen durften. Manchmal wurden bestimmte Arten von Facharbeitern gesucht. Manchmal wurden wir nur im Hinblick auf unsere physische Stärke geprüft. Einer nach dem anderen mußten wir an einer Kommission vorbeidefilieren, die teils aus SS, teils aus Häftlingen zusammengesetzt war und beobachtete, wie wir marschierten, unsere allgemeine Erscheinung musterte und ihre Auswahl nach dem Alter traf. Manchmal befühlten diese „Experten“ unsere Muskeln, obwohl. es da in den meisten Fällen nicht viel zu befühlen gab. Tausende von Gefangenen wurden für Transporte nach Sachsen und an die Ostfront zusammengestellt. Ein Trans- ! 7 Sington 97 port, der für Stettin bestimmt war, wo angeblich neue Befestigungen zum Schutz der Odermündung geplant wurden, kam zurück, weil die Pläne inzwischen aufgegeben waren. Die Männer hatten während der ganzen Reise hin und zurück nichts zu trinken erhalten; sie waren ausgedörrt und dem Tode nahe vor Durst. Nach ihrer Rückkehr tranken sie literweise kaltes Wasser, und viele von ihnen lagen am nächsten Tag krank. Alle, die für Transporte ausgesucht wurden, mußten sich einer abschließenden Untersuchung durch einen SS- Arzt unterziehen. Und was für einer Untersuchung! Welch einen Film hätte das gegeben! Die unglückseligen Männer mußten sich im Freien ausziehen, in Regen, Schnee und Schmutz, und dann mußten, sie, während die SS von hinten auf sie einschlug, nackt an einem Arzt vorbeilaufen, der in einer der Baracken saẞ. In wenigen Minuten wurden Hunderte von Männern durch die eine Tür herein- und durch die andere hinausgetrieben. Durch einen überschwemmten Hof mußten sie an den Platz zurücklaufen, wo sie ihre Kleidung abgelegt hatten. Obwohl er nur eine oder zwei Sekunden für jeden Mann Zeit hatte, brachte der Arzt es fertig, ein paar Dutzend völlig Untauglicher auszusieben. Sicherlich waren sie untauglich, und sie wußten es! Aber die meisten hatten nur einen Gedanken: um jeden Preis aus Belsen herauszukommen, dieser furchtbaren Falle zu entrinnen, wo täglich Hunderte starben und noch Tausende auf gleiche Weise sterben sollten, an Krankheit und Hunger. • Eines Nachts kam der Befehl, daß zweitausend Mann zusammengestellt werden sollten für einen Transport, der das Lager am folgenden Tage zu verlassen hatte. Fast alle waren schon schlafen gegangen, aber Baracke nach Baracke mußte sich bei der Auswahlkommission melden.. Wenn solche Musterungen am Tage durchgeführt wurden, dann wurden drei oder vier Tische mit Schreibmaschinen in den Hof gestellt, und es herrschte wenigstens eine gewisse Bewegungsfreiheit. Aber nachts ging alles in einer kleinen Stube vor sich. Die schlaftrunkenen Männer wurden aus ihren Betten und Baracken gestoßen und geprügelt, hinein ins Büro und wieder 98 hinaus, bis Zahl von 20 stellung der mehr draufl Nachdem Mann durch trat, den er kam in den schluß an d Wir hatte cin- und au Transporte weil ihnen, geblieben w lorengegang ten nicht an ankömmling aufgestellt wurden. Die Liste Entscheidun gestellt. Ab ten, weil s Belsen blei dos waren. um einem Hungers st die für der aus ihren das Lager Die SS Sie zählte stimmten. Wege, sie einige Mä lich in Ha Blockältest die Zeit u ch neue Behinaus, bis der Morgen kam. Zur festgesetzten Zeit war die ant wurden, Zahl von 2000 noch nicht erreicht. So mußte die Zusammeneben waren. und zurück t und dem en sie literam nächsten mußten sich -Arzt untereinen Film Bten sich im und dann stellung der Fehlenden beschleunigt werden, also wurde noch mehr drauflos geschlagen. Nachdem der Transport abgegangen war, streifte ein SSMann durch die Gegend, der jeden peitschte und mit Füßen trat, den er für„ tauglich" hielt; jeder, der noch laufen konnte, kam in den Verdacht, sich versteckt zu haben, um den Anschluß an den Transport zu vermeiden. Wir hatten keine zuverlässigen Namenslisten für alle die ein- und ausgehenden Transporte. Viele der Lager, aus denen Transporte gekommen waren, hatten keine Listen gesandt, weil ihnen, mit den Russen vor den Toren, keine Zeit dazu e einschlug, geblieben war. Oder die Listen waren bei Luftangriffen verlorengegangen. Leute, die tot oder bewußtlos ankamen, konnten nicht angeben, wer sie waren, und da die Listen der Neuankömmlinge im allgemeinen am Tage nach ihrer Ankunft aufgestellt wurden, gab es viele, die gar nicht mehr erfaẞt er Baracken n Männern ere hinausBten sie an elegt hatten. jeden Mann tzend völlig auglich, und Gedanken: eser furchtarte starben sollten, an Mann zuport, der das alle waren acke mußte enn solche ann wurden en Hof geBewegungs be vor sich. Betten und und wieder wurden. a Die Listen der ausgehenden Transporte wurden gemäß den Entscheidungen der Auswahlkommission und des Arztes aufgestellt. Aber es gab immer einige, die zurückzubleiben wünschten, weil sie Freunde im Lager hatten, und andere, die in Belsen bleiben wollten, weil hier nur wenige Arbeitskommandos waren. Viele jedoch suchten nach der ersten Gelegenheit, um einem Orte zu entrinnen, wo wir früher oder später alle Hungers sterben mußten. Es war nicht unmöglich, sich unter die für den Abtransport ausgesuchten Leute zu mengen oder aus ihren Reihen zu verschwinden. So wußte niemand, wer das Lager wirklich verlassen hatte oder wer gestorben war. Die SS kümmerte sich nicht viel um dieses Durcheinander. Sie zählte nur und war zufrieden, wenn die Gesamtsummen stimmten. War.dies nicht der Fall, so gab es Mittel und Wege, sie ,, in Ordnung" zu bringen. Gewisse Blocks mußten einige Männer ,, ausleihen". Oder die Zahlen der unübersichtlich in Haufen liegenden Toten wurden gefälscht. Einige der Blockältesten und Schreiber halfen bei den Fälschungen, um die Zeit unseres Herumstehens zu verkürzen. 99 - Es gab nicht viel Arbeit im Lager, meist nur kleine Arbeitsgruppen zum Ausgraben von Stubben, zum Holzfällen und-hacken und für Gartenarbeiten, dazu einzelne Schmiede, Elektriker, Schneider und Flickschuster. Ferner gab es Gruppen , von Männern für die Säuberung der Höfe und Wege und schließlich die Amtsträger die Blockältesten mit ihren Stellvertretern und Schreibern, die Lagerpolizei, die Ärzte und Pfleger. Tausende waren unbeschäftigt, lagen, saßen und schlenderten herum, warteten, verzweifelten allmählich, hungerten und starben. Sie stammten aus allen Teilen der Welt, aus Sibirien, China und Persien, aus Afrika und Amerika und aus fast allen Ländern Europas. Unter ihnen waren Analphabeten und hochgebildete Männer, Landarbeiter und Grundbesitzer, Arbeiter und Industrielle, Lehrer, Wissenschaftler und Künstler. Ich wüßte nicht, welche Art von Menschen ich nicht zu der einen oder anderen Zeit im Lager angetroffen hätte. Einige waren Verbrecher, die in jedem Lande eingesperrt worden wären und unter jeder Regierung. Aber die große Mehrheit waren gefangengesetzt, weil sie als Hindernis für Hitlers Herrenrassen- Politik angesehen wurden. Da gab es Kriegsgefangene und ausländische Zivilarbeiter, die der Faulheit oder des Ungehorsams bezichtigt worden waren oder auch der Teilnahme an antideutschen Verschwörungen und Propagandaaktionen; Juden, die der Liquidierung in anderen Lagern entgangen waren, weil sie kräftige Arbeiter waren; Polen, die im Warschauer Aufstand mitgekämpft hatten, jugoslawische und slowakische Partisanen. Da waren Widerstandskämpfer aus allen deutsch besetzten Gebieten, ferner deutsche Kommunisten, Sozialisten, Pazifisten, Liberale und Gläubige jeden religiösen Bekenntnisses. Einige von ihnen waren aktive Antinazisten gewesen, einige hatten nur fremde Sender abgehört, eine kritische Meinung geäußert, sich irgendwie ,, verdächtig" gemacht. Gegen Ende Februar 1945 änderte sich meine eigene Lage völlig. Inzwischen war das Fleck fieber, das durch Läuse übertragen wird, zu einer ernsten Gefahr für das ganze Lager geworden. Zunächst waren alle in Belsen eintreffenden Transporte durch ein Desinfektionsbad gegangen; es scheint, daß 100 das Lager auf gehalten worde Gegen Ende Transport ohne veil irgendein var. Unglückli und langsam b us. Anfang F Lager I, das a 15 weitere B Familien und i Gegen Ende Zuerst waren Dutzende, und gebieten. Es w einigen und Betten, Kleide Kranken, sond verden müsse Organisation a Seit Monate Wäsche wurde ber hatte es k var frei für Soweit wie den Häftlinge veiterer im I viert. Aber fü den. Es gab k Diät zuzubere und Trinken 41 Grad Fieb Unglücklich der Isolierblo und Pfleger l vieder zu erl lümmern? Da in den Lazare mr kleine Ar m Holzfälle Ine Schmiede bes Gruppe d Wege und en mit ihre i, die Arzt n, saßen und mählich, hun en der Wel Amerika un ren Analpha und Grund Wissenschaftle Menschen id rangetroffe Lande ein ng. Aber di als Hindern en. das Lager auf diese Weise bis zum Herbst 1944 läusefrei gehalten worden ist. Gegen Ende Oktober 1944 war zum ersten Male ein großer Transport ohne Desinfektion ins Lager aufgenommen worden, weil irgendein Schaden an den Brausebad- Anlagen eingetreten war. Unglücklicherweise brachte dieser Transport Läuse mit, und langsam breiteten sich die Läuse über das ganze Lager aus. Anfang Februar 1945 gab es schon überall Läuse im Lager I, das aus den Blocks 1-8 bestand, im Lager II, das 15 weitere Blocks enthielt, im ,, Sternlager" für jüdische Familien und im Frauenlager. Zivilarbeite htigt worde en Verschwö Liquidierung kräftige Ar mitgekämpf n. Da ware Gebieten, fer sten, Liberal ge von ihne nnur fremd sich irgend Läuse über - Gegen Ende Januar brach im Lager I der Flecktyphus aus. Zuerst waren es nur vereinzelte Fälle, aber bald waren es Dutzende, und es wurde unmöglich, der Seuche Einhalt zu gebieten. Es wäre notwendig gewesen, das ganze Lager zu reinigen und zu desinfizieren mit allen seinen Baracken, Betten, Kleidern und Insassen; dann hätten nicht nur die Kranken, sondern auch alle Ansteckungsverdächtigen isoliert werden müssen. Niemand im Lager versuchte eine solche Organisation aufzuziehen. Seit Monaten schon war es unmöglich zu baden. Auch Wäsche wurde nicht mehr gewaschen, und seit Mitte Dezember hatte es keine saubere Wäsche mehr gegeben. Die Bahn war frei für Typhus. Soweit wie möglich wurden alle Typhusverdächtigen von den Häftlingen selbst isoliert. Ein Block im Lager I und ein weiterer im Lager II wurden als Isolierungsbaracken reserviert. Aber für die Patienten darin konnte nichts getan werden. Es gab keine Medizin, keine Möglichkeit, eine besondere Diät zuzubereiten. Oft war es unmöglich, überhaupt Essen und Trinken zu bekommen. Und da lagen Männer mit 41 Grad Fieber. Unglücklicherweise wurde bald auch das ganze ,, Personal" e eigene Lag der Isolierblocks krank. Die Blockältesten, Schreiber, Ärzte und Pfleger legten sich hin, um sich in vielen Fällen niemals wieder zu erheben. Wer sollte sich nun um die Kranken kümmern? Da es keine Zwangsverpflichtungen für die Arbeit in den Lazarettblocks gab, sah es so aus, als ob die Patienten ganze Lager enden Trans scheint, da 101 im Stich gelassen werden würden. So versuchten einige von uns, Freiwillige zu finden. Für mich selbst war es leicht, mich zu melden, da ich vor einem Jahre in einem anderen Lager Typhus gehabt hatte, also mindestens für ein paar Jahre immun war. Ich war zu schwach, um ohne Stock zu gehen, aber ich wollte mein Bestes tun. Ich wurde Schreiber in einem der Lazarettblocks im Lager I. Als politisch besonders schwer belasteter Häftling kam ich nach der in Belsen herrschenden Praxis eigentlich nicht für eine Funktion in Frage; aber für den Dienst in einem ,, Totenblock" machte die SS eine Ausnahme. Als ich im Lager II gewesen war, hatte ich schreckliche Dinge gesehen. Ich hatte die physischen und moralischen Folgen des Hungers gesehen, hatte gesehen, wie Dutzende von Männern zusammenbrachen und starben. Ich hatte Schmutz und Elend gesehen, wie ich es in der ganzen Welt nicht für möglich gehalten hätte. Aus einiger Entfernung, durch einen doppelten Stacheldrahtzaun, hatte ich jene bemitleidenswerten jüdischen Kinder gesehen, viele unter ihnen waren Waisen, die im ,, Sternlager" unter den gleichen Bedingungen lebten wie die Erwachsenen. Ich glaubte, daß ich die schlimmsten aller vorstellbaren Dinge gesehen hätte, aber ich war im Irrtum. - - In dem Lazarettblock war, als ich mit der Arbeit begann, fast das gesamte ,, Personal" bereits erkrankt. Der Blockälteste, sein Stellvertreter, der Schreiber, der Arzt und die meisten der Pfleger und Stubendienste hatten Typhus. Vierhundert Patienten lagen praktisch ohne Pflege. Sie lagen jeweils zu zweien in dreistöckigen Betten, Fälle von Tuberkulose, Ruhr, Typhus und Aushungerung- so wie sie hereingekommen waren und wie gerade Plätze frei waren. Viele hatten weder Strohsäcke noch Decken, weil sie zu schwach waren, ihre Sachen gegen die ,, Organisatoren" zu verteidigen. Die meisten der Ruhrkranken waren nicht imstande, die Latrine am Ende des Blocks aufzusuchen, und es gab keine Bettgeschirre, so daß Strohsäcke, Decken, Betten und die Gänge zwischen den Betten in einem unbeschreiblichen Zustand waren. Der Gestank im Block war unerträglich. War es 102 möglich, so gegangen wa ersticken? Es storben wäre zwungen wa Aus den Männer tägl Lazarett, un zum Sterber konnte ich t Meine bes die täglich a Eine schw bewußtlos, Erkennungs festzustellen Ebenso w marken ver ein Stück B als tot regis der Lebend Überprüfun Männer, di weise war denn die ,, Postverbin Konnte das war n Block lüfte wie möglic waren, wu suchten w Typhus ge fanden wi und ein ha des Blocks Täglich Tauschabl einige von leicht, mich möglich, so dachte ich, nachdem ich einmal durch den Block gegangen war, in dieser entsetzlichen Atmosphäre nicht zu deren Lager ersticken? Es hätte mich nicht überrascht, wenn jemand gepaar Jahre storben wäre, nur weil er diese üblen Gerüche einzuàtmen gezwungen war. k zu gehen, per in einem ders schwer merrschenden e; aber für S eine Ausschreckliche moralischen tzende von te Schmutz Welt nicht mung, durch jene bemitunter ihnen chen Bedindaß ich die te, aber ich Deit begann, Der Blockrzt und die phus. VierSie lagen- Fälle von - so wie sie waren. Viele zu schwach verteidigen. stande, die s gab keine en und die hen Zustand ch. War es Aus den verfügbaren Listen sah ich, daß etwa zwanzig Männer täglich starben. Der Block war eher ein Grab als ein Lazarett, und die Menschen wurden nicht zur Heilung, sondern zum Sterben hergebracht. Was sollte ich dort tun? Was konnte ich tun? Meine besondere Pflicht war es, die Kranken zu registrieren, die täglich aus anderen Blocks kamen, und vor allem die Toten. Eine schwierige Aufgabe! Viele Patienten waren bereits bewußtlos, wenn sie gebracht wurden, und wenn sie keine Erkennungsmarken um den Hals trugen, war es unmöglich festzustellen, wer sie waren. Ebenso war es mit den Toten. Sie hatten ihre Erkennungsmarken verloren, oder die Marken waren vertauscht oder für ein Stück Brot weggegeben worden. Viele noch Lebende waren als tot registriert worden, und viele Tote waren in den Listen der Lebenden. Als gegen Mitte März die Blockschreiber eine Überprüfung durchführten, wurde festgestellt, daß über hundert Männer, die als tot registriert waren, noch lebten. Glücklicherweise war keine Todesanzeige an die. Verwandten ergangen, denn die ,, Toten" stammten alle aus Ländern, mit denen keine Postverbindung mehr bestand. Konnte man mehr tun, als die Toten registrieren? Doch, das war möglich. Das erste, was ich tat, war, daß ich den Block lüftete. Die Fenster und Außentüren wurden so lange wie möglich offengehalten. Einige der Fenster, die zugenagelt waren, wurden, wieder beweglich gemacht. Und dann versuchten wir Helfer unter denen zu finden, die schon einmal Typhus gehabt hatten Aus einem eben eingehenden Transport fanden wir zwei russische Ärzte, beides junge Kriegsgefangene, und ein halbes Dutzend weiterer Russen, die mit der Säuberung des Blocks begannen. Täglich wurde eine Anzahl Betten gründlich gereinigt. Ein Tauschabkommen mit einer außerhalb des Lagers arbeitenden 103 Gruppe, die uns Feuerholz brachte, ermöglichte uns, Wasser heiß zu machen. Wir hatten keine Streichhölzer, aber ein paar von uns hatten Feuerzeuge. Sie stammten vermutlich aus der Effektenkammer, wo alles persönliche Eigentum der eintreffenden Gefangenen aufbewahrt wurde. Ein wenig Benzin hatten wir von einem Mann bekommen, der in der SS- Garage mit der Reinigung und Reparatur der Kraftwagen beschäftigt war. Wir konnten uns auch einige Bürsten und Besen beschaffen. Sie waren aus SS- Beständen entwendet. Die Männer, die das taten, riskierten, erschossen zu werden. Es gelang uns, viele der Decken zu reinigen, und alle schmutzigen Strohsäcke wurden verbrannt. Neue gab es nicht, aber die meisten der Patienten zogen es vor, eine Decke auf die nackten Bretter zu legen, als auf dem flöheverseuchten Stroh zu liegen. Die Flöhe waren inzwischen zu einer ebenso großen Plage geworden wie die Läuse und Wanzen. . Gleichzeitig ordneten die Ärzte die Patienten nach Krankheiten. Die Ruhrfälle wurden den Latrinen am nächsten untergebracht. Die zweite Abteilung war für die Typhusfälle, dann gab es eine für Tuberkulöse und eine vierte für alle anderen. Diese Methode der Anordnung war natürlich völlig unzulänglich, aber sie war das einzige, was wir ohne Hilfe von außen tun konnten. Unsere SS- Blockführer waren an diesen Fragen nicht interessiert. Sie kamen nur frühmorgens, um die Stärke festzustellen. Sie, kamen zur einen Tür herein und verließen den Block durch die andere so schnell wie möglich, wahrscheinlich, weil sie fürchteten, infiziert zu werden. Für den Rest des Tages bekamen wir sie nicht mehr zu sehen. Nach einer Woche hatten wir einige wirkliche Verbesserungen in der Baracke zuwege gebracht. Der Gestank war verschwunden, Gang und Betten waren sauber und wurden auch saubergehalten. Wir hatten alle das Gefühl, etwas geleistet zu haben. Aber leider gab es mehr Tote als zuvor. Der Typhus verbreitete sich unaufhaltsam. Ein weiterer Block war ausschließlich für Typhusfälle reserviert worden, aber Typhus gab es überall. Es war unmöglich, alle Erkrankten zu isolieren; es gab 104 nicht genug waren! An Ich war a wurde ich wir tun? Es sah so überlegend Ausweg. P leicht erken Gefangene im Ofen v vor Kälte Verrecken! nichts!" Es schier der Typhus ihn einzuda retten, gez liche Anza Werkstätte würde der In der T Eines Tag zierungen hoffen. An zieren beg räumt; Wa render Flü gebracht Strohsäcke fügung ge durch die ihre Kleid Baracke g benutzten an Hinter Stacheldra Lagers. D uns, Wasser ber ein paar lich aus der m der einenig Benzin SS- Garage beschäftigt beschaffen. ner, die das m, und alle gab es nicht, Decke auf die ichten Stroh menso großen mach Krankhsten untersfälle, dann alle anderen. völlig une Hilfe von n an diesen gens, um die in und vervie möglich, den. 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Würden sie nicht, um ihr eigenes Leben zu retten, gezwungen sein, etwas zu unternehmen? Eine beträchtliche Anzahl Gefangener arbeitete in den Schreibstuben und Werkstätten bei der SS, und wenn diese nichts unternahm, würde der Typhus sicher auch bei ihr ausbrechen. In der Tat erkannten sie bald die Gefahr, die ihnen drohte. Eines Tages wurden die Badeanlagen repariert und Desinfizierungen angeordnet. Wir fingen an, auf eine Besserung zu hoffen. An einem bestimmten Tage sollte mit dem Desinfizieren begonnen werden. Der erste Block wurde völlig geräumt; Wände, Fußböden und Decken wurden mit desinfizierender Flüssigkeit gewaschen. Die Bettgestelle, die nach draußen gebracht worden waren, wurden ebenfalls gewaschen. Neue Strohsäcke und Decken wurden aus Vorräten der SS zur Verfügung gestellt. Dann wurden mehr als zweihundert Männer durch die Reinigungsanlagen geschickt. Abends, nachdem auch ihre Kleidung desinfiziert worden war, wurden sie in die Baracke gebracht, die anschließend isoliert wurde. Die bisher benutzten Türen wurden geschlossen, statt dessen wurden fortan Hintertüren benutzt. Von diesen Türen führte ein mit Stacheldraht eingezäunter Weg direkt zum Haupttor des Lagers. Die Baracke war ausschließlich mit Männern belegt, 105 die in täglichem Kontakt mit der SS waren, und es wurde niemandem sonst gestattet, sie zu betreten. In allen anderen Blocks dagegen blieben wir uns selbst überlassen. Die Läuse, Wanzen und Flöhe nahmen mehr und mehr zu, und ich pflegte meine Unterwäsche zwei- oder dreimal täglich auszuschütteln und durchzusuchen. Immer wenn ich von den Krankenbetten kam, fand ich zehn oder mehr Läuse an mir. Die meisten der Kranken waren physisch außerstande, etwas für sich zu tun, und da es keine Möglichkeit gab, sie zu waschen oder ihnen reine Hemden zu geben, hatten wir manche mit Hunderten von Läusen im Block. Die Verpflegung wurde schlechter und schlechter. Es gab nur noch ein- oder zweimal in der Woche Kartoffeln in der Suppe. Rüben und Kartoffeln wurden nicht mehr gesäubert, sondern mit Schale, Wurzelwerk und Schmutz gekocht. Zeitweise gab es ,, Diät" für Fieber- oder Ruhrkranke. Diese ,, Diät" bestand aus dünner Suppe mit etwas Mehl oder Grütze darin. Manchmal wurde das Zeug nicht gekocht, sondern einfach in heißes Wasser geschüttet, und sicher hatten diejenigen nicht unrecht, die meinten, daß diese Nahrung eher zum Umbringen als zur Heilung bestimmt sei. Den Ärzten, mir und den anderen Mitgliedern des ,, Personals" der Baracke war es klargeworden, daß die Mehrheit unserer Patienten sterben mußte. Wir waren uns darüber einig, daß es am besten sein würde, wenn wir die geringen uns zur Verfügung stehenden Mittel für diejenigen aufwendeten, die wenigstens eine kleine Chance des Durchstehens hatten. Trotz der ungeheueren Verantwortung, die darin besteht, dem einen Behandlung zu verweigern und sie dem anderen zuteil werden zu lassen, hatten wir keine andere Wahl. Die erschütterndste Erfahrung war für mich in jener Zeit, daß ich zusehen mußte, wie alle Patienten, an denen ich ein besonderes Interesse genommen hatte, einer nach dem anderen starben. Es waren viele, die ich zu retten versuchte, um deren Leben ich mit meiner ganzen Kraft kämpfte, aber nicht einer von ihnen überlebte diese schreckliche Zeit. Da war zum Beispiel ein siebzehnjähriger Junge, ein französischer Jude. Acht von seiner Familie sein Vater, Brüder, 106 - Vettern und gebracht w der Jungen wurden die Menschenko Lagern nac Nacht, wäh Trank, dün Kräfte ver und dies Freundes. 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Sie marschierten Tag und Nacht, während des größten Teils der Zeit ohne Speise oder Trank, dürftig gekleidet, im harten Winterwetter. Wem die Kräfte versagten und wer zurückblieb, der wurde erschossen, und dies geschah dem letzten der Vettern meines jungen Freundes. Nach drei Wochen kam der junge Franzose in Sachsenhausen an, wo der letzte seiner Brüder starb, da er zu sehr entkräftet war, um sich zu erholen. Und nun lag der letzte der acht In Belsen, von chronischem Durchfall zum Skelett abgemagert. Wir taten alles, was in unserer Macht stand, um das Leiden zum Stillstand zu bringen. Schließlich gelang es, seiner Darmbeschwerden Herr zu werden. Aber die immer mehr zunehmenden Läuse infizierten den armen Kerl schließlich mit Typhus. Er schien ein starkes Herz zu haben, und wir hofften ihn durchzubringen. Aber leider hatte er das Fieber noch nicht überwunden, als er sich eine Entzündung am linken Oberschenkel zuzog. Sie mußte geschnitten werden und mehr als eine halbe Tasse voll Eiter und Blut kam heraus. Seine Widerstandskraft war gebrochen, und er sagte ruhig: ,, Ich werde sterben wie die anderen." Am nächsten Morgen mußte ich seine Karteikarte herausnehmen, sie bekam ein Kreuz mit dem Datum und wurde abgelegt. Da war noch ein anderer Franzose, ein Maler von außergewöhnlichem Talent, der mit seinem 16jährigen Sohn im Lager lebte. Sie waren aus dem Lager, Buchenwald gekommen und der Vater hatte längere Zeit im Lazarett gearbeitet. Er war sehr hilfsbereit gewesen, und daher fühlten wir uns, als er und sein Sohn Typhus bekamen, besonders verpflichtet, ihnen zu helfen. Sie waren sehr krank, aber schließlich fingen sie an, sich zu erholen. Dann zog sich der Sohn eine furchtbare Diarrhöe zu, und er mußte von seinem Vater, mit dem er das Bett teilte, getrennt werden. Der Vater konnte nicht aufstehen, um seinen Sohn zu besuchen, und den ganzen Tag 107 fragte er, wie es ihm ginge. Ich konnte ihm die Wahrheit nicht sagen. Dem Jungen ging es immer schlechter, und eines Morgens starb er. Der Vater war zu empfindlich und zu entkräftet, als daß er die Nachricht hätte ertragen können. Daher täuschte ich ihn und bat die Pfleger, das gleiche zu tun. Nach ein paar Tagen muß er Argwohn geschöpft haben. Er liefs einen anderen Franzosen nach dem Befinden seines Sohnes fragen und erfuhr die Wahrheit. Sie gab ihm den Rest. Er lebte noch ein paar Tage und sah sogar den Tag der Befreiung. Aber er konnte sich nicht erholen, und trotz aller Bemühungen starb er. In Lager II war ein deutscher Kommunist Otto Kilian, sechzig Jahre alt, ehemaliger Landtagsabgeordneter und bekannter Dichter. Zwei Monate vorher hatten wir das gleiche Bett geteilt. Er liebte die Musik, und wenn wir im Regen im Hof standen, traurig und bedrückt, oder wenn wir in einer dunklen Ecke auf unserer Bettkante saßen und alles um uns herum klagte oder ganz apathisch war, dann summte er die wundervollen Melodien der deutschen und italienischen Opern. Sein musikalisches Wissen war unbegrenzt, und er schien seine Umgebung zu vergessen, indem er sich in die Musik versenkte. Zu anderen Zeiten wiederum rezitierte er seine Gedichte vor dreien oder vieren, die um ihn herumsaßen, und ließ so die schönen Dinge der Welt wieder in uns lebendig werden. Jahrelang hátte er, weniger doktrinärer Kommunist als deutscher Idealist, für eine bessere Welt gearbeitet. Ich hatte ihn in Lager II zurückgelassen, aber ich sah ihn ein paarmal, und jedesmal hatte er mehr von seiner Zuversicht verloren. Eines Tages wurde er mit hohem Fieber und furchtbar entkräftet in meinen Lazarettblock gebracht. Typhus! Einen Tag, nachdem, er gekommen, wußte ich, daß er sterben würde, und ich stand zum letzten Male an seinem Bett. Er war voller Bitterkeit und Verzweiflung. War sein Glaube an das Gute im Menschen, an Gerechtigkeit, Güte und Wahrheit ein Irrtum gewesen? Er weinte bitterlich. Er wußte, daß es keine Hoffnung für ihn gab. Gibt es, so fragte er, eine Hoffnung für die anderen, für die nächste Generation? Ich versuchte ihn aufzurichten. Am nächsten Morgen war er tot. 108 Ein alter Ju er die ganze habe. Dieser alt Leuten, die Einige von und Schmud vergraben. hatten berei Silberuhren, stifte, oder konnten, ver Blockältesten etwas Suppe hatten oder schmuggeln, Einer dies geheimen S Pfund wert in seinem H ihm nur he Einige Laib würden gen bis die Eng seines ,, Scha einer so arm Ein ande Fabrikanten einen Scheck helfen könn in seiner Im an seine ein und an eine mußten die sehen lernen Da war ein deutsche Sekretär ein ie Wahrheit er, und eines und zu entnnen. Daher u tun. Nach ben. 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Alle diese Dinge waren nun im Besitz der Blockältesten oder Kapos, die sie mit ein paar Zigaretten oder etwas Suppe oder einem Stückchen Brot oder Käse bezahlt hatten oder auch mit dem Versprechen, einen Brief hinauszuschmuggeln, der gewöhnlich im nächsten Ofen verbrannt wurde. Einer dieser verzweifelnden alten Männer bot mir einen ,, geheimen Schatz" an, der ich weiß nicht wie viele tausend Pfund wert war. Niemand kannte sein Versteck. Er war nicht in seinem Haus oder Garten, nein, er war... ich brauchte ihm nur heimzuhelfen und der ,, Schatz" würde mein sein. Einige Laibe Brot und vielleicht ein Liter Suppe täglich würden genug, sein, sagte er, um ihn am Leben zu erhalten, bis die Engländer kämen. Aber er starb, und das Geheimnis seines ,, Schatzes" ist in einer Grube begraben, wo Tausende, einer so arm wie der andere, beisammenliegen. 9 Ein anderer, der einer der bestbekannten Kaufleute und Fabrikanten seines Heimatlandes gewesen sein muß, bot mir einen Scheck über 25 000 Schweizer Franken an, wenn ich ihm helfen könnte. Ein dritter versprach mir einen leitenden Posten in seiner Im- und Exportfirma und besondere Empfehlungen an seine einflußreichen Freunde, so an einen polnischen Grafen und an einen englischen Peer. Alle diese armen alten Männer mußten die Wertlosigkeit von Geld, Einfluß und Namen einsehen lernen. Sie starben ohne Ausnahme. Da war auch Paul Wegmann, ein guter Freund von mir, ein deutscher Sozialist, der vor mehr als zwanzig Jahren Sekretär eines der aktivsten sozialistischen Abgeordneten jener 109 Zeit gewesen war, und der später ein Sozialarbeiter von hohem Rang wurde. Er war ein guter Kamerad, gegen jedermann hilfsbereit, ein starker Charakter und bei allen, die mit ihm in Verbindung kamen, geachtet. Unglücklicherweise war er zuckerkrank, und er mußte wegen seiner Abhängigkeit von Insulin schwere Zeiten durchleben. Er konnte sich die Erlaubnis erwirken, durch seine Familie Insulin schicken zu lassen. Aber eines Tages wurde sein kleiner Vorrat gestohlen. Da er in einem der Lazarettblocks des Lagers II arbeitete, hätte ihm vielleicht geholfen werden können, aber er bekam Typhus. Ich erfuhr von seinem Unglück, aber da ich im Lager I war, konnte ich ihn nicht besuchen. Am Ostermontag jedoch gelang es mir, unter einem Vorwand nach Lager II zu kommen. Ich hatte Schwierigkeiten, meinen Freund zu finden, denn er war mehrmals verlegt worden. Schließlich wurde ich in einen ziemlich sauberen Raum verwiesen, wo ein junger jüdischer Arzt offensichtlich sein Bestes tat, die Kranken zu speisen, zu säubern und aufzumuntern. Aber er sagte mir traurig, daß er genau so viele Tote habe wie die anderen Blocks. Als ich meinen Freund fand, konnte ich ihn kaum wiedererkennen. Sein sonst so lebhaftes Gesicht war völlig ausdruckslos. Ich saß an seinem Bett, fühlte seinen noch schlagenden Puls und fuhr mit der Hand über seine Stirn. Er war ohne Bewußtsein. Etwas später fühlte der Arzt ihm den Puls und starrte mich dann schweigend an. Mein Freund war mir unter den Händen gestorben. Ich saß an seinem Bett, wie betäubt, und unfähig zu denken. Ich entnahm seinen Taschen einige Papiere, um den Versuch zu machen, sie seiner Familie zu senden, dann ging ich fort. Einmal ging ich spät abends noch durch unseren Lazarettblock, bevor ich mich schlafen legte. Plötzlich hörte ich aus einem entlegenen Winkel den Ruf: ,, Ich bin so durstig! Ich werde vor Durst umkommen!" Ich fand ein junges Gesicht, das mir neu war. Der Junge war an jenem Nachmittag gebracht worden. Er sagte mir, daß er fünfzehn Jahre alt sei, aber er hätte zehn sein können. Ich beschaffte ihm eine Tasse ,, Tee" und er war auf eine kindliche Art dankbar und glücklich. Ich versuchte, mit ihm zu sprechen, aber er schlief ein. 110 So verließ i nächsten Tag Tag mehr fü Eines Tage Schreibpapier Er wies es zu nicht, was ich und zog sich war er tot. Diese Erla geben wurde meinem Bloc ihre Briefe schreiben, so weigerten sic schreiben kön ich hoffe, I Aber trotz al kam ein hal hatte die Lü Ortsnamen w er keine war sagen, daß e wieder hatte Dann war e Unterstellung Von Tag seiner Persön Masse des E An einem Tod war jet Natürlich höchsten. Bi „ Personals" als sie ihre aber einige schon krank Brettern und rbeiter von gegen jederllen, die mit erweise war mgigkeit von Hie Erlaubnis assen. Aber Da er in , hätte ihm am Typhus. Lager I war, edoch gelang ommen. 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Zwei von ihnen konnten nicht schreiben, so schrieb ich in ihrem Namen. Vier oder fünf weigerten sich, weil sie niemanden hatten, an den sie hätten schreiben können. Einige der Briefe waren kurz( ,, Ich lebe, ich hoffe, Ihr auch. Viele herzliche Grüße an Euch alle"). Aber trotz aller Kürze, die von den Zensoren angeordnet war, kam ein halbes Dutzend Briefe zurück. Ein Briefschreiber hatte die Lüneburger Heide erwähnt, und die Erwähnung von Ortsnamen war verboten. Ein anderer hatte geschrieben, daß er keine warme Kleidung habe, und man befahl mir, ihm zu sagen, daß er nicht wie ein Bettler klagen" solle. Ein anderer wieder hatte gesagt, daß es ihm ,, jetzt besser" ginge. Besser? Dann war es ihm also vorher nicht gut gegangen? Derartige Unterstellungen waren verboten. د" Von Tag zu Tag verlor jeder von uns immer mehr von seiner Persönlichkeit und Eigenart, bis wir endlich eine einzige Masse des Elends und Leidens waren. An einem Tag starben mehr als tausend im Lager. Der Tod war jetzt überall im Lager ein alltägliches Geschehen. Natürlich war die Totenziffer in den Lazarettblocks am höchsten. Bis Ende März waren sechzehn Angehörige unseres ,, Personals" im Laufe von sechs Wochen gestorben. Alle waren, als sie ihre Arbeit begannen, einigermaßen gesund gewesen, aber einige waren zwei oder drei Tage nach ihrem Eintreffen schon krank. Der Tod lag in der Luft, er steckte in den Brettern und in den Decken. Einmal wurde einer von unserem 111 ,, Personal", der den ganzen Tag gearbeitet und von keinerlei Beschwerden gesprochen hatte, am nächsten Morgen tot aufgefunden. Es wäre eine Aufgabe für eine Forschungsgruppe gewesen, die verschiedenen Ursachen aufzudecken, an denen Menschen starben. Wir wußten, daß wir Flecktyphus hatten, und ich glaube, daß es auch Fälle von Bauchtyphus gegeben hat. Die Diarrhöe, die Tausende von Männern, Frauen und Kindern tötete, war offenbar ansteckend. Das interessanteste Untersuchungsgebiet wären aber wahrscheinlich die Fieberkrankheiten gewesen, die nichts mit Typhus zu tun hatten. Viele hielten sie für mildere Formen des Flecktyphus, aber es ist unwahrscheinlich, daß Fleck fieber zum Stillstand kommen und dann nach einer Woche wieder ausbrechen, oder daß die Temperatur bei Typhus am Morgen hoch und abends niedrig sein kann. Meine eigene Erklärung ist, daß diese wechselnden Fieberanfälle von den Flöhen verursacht wurden. Sie waren nicht so gefährlich wie Flecktyphus, aber sie wirkten entkräftend, und in Verbindung mit den allgemeinen Lagerverhältnissen fielen ihnen wahrscheinlich ebenso viele Menschen zum Opfer. Ich selbst litt etwa sechs Wochen lang an diesen Fieberanfällen. Sie verließen mich erst, als ich das Lager verlassen hatte. Viele Tage lang konnte ich nicht arbeiten und lag unfähig zu essen oder zu schlafen auf meinem Bett. Oft fürchtete ich, daß allein die Flöhe und Wanzen mich umbringen würden. Meine Haut war über den ganzen Körper entzündet und geschwollen, und vielleicht wäre ich erlegen, wenn ich mich nicht an die Hoffnung auf Befreiung geklammert hätte. älteste meines E Sorte, so daß i kennenlernte. Mein besonde er und sein Stell viele ihrer Fun in die Lagerso Männer unseres Wir hatten selbstverständlich keine Zeitungen im Lager, und die SS- Männer belogen uns. Dennoch erreichten uns wichtige Nachrichten aus der Umwelt. Wir hörten, daß der Rhein bei Remagen überschritten worden sei, und später, daß amerikaAber die Tage und nische Tanks bei Paderborn ständen. Nächte des Wartens wurden uns lang. Zu den übelsten Erlebnissen jener Märzwochen gehörte für mich der Einblick, den ich in die Umtriebe der Berufsverbrecher gewann, die als Blockälteste und Kapos fungierten. Der Block112 sofort. Am näc wahr sei, daß und was ich m wurde er wüter kopf. Ich ent plünderte, inde rahm und den nichts zukomm meinerseits zu Schreibstube ü abgeliefert wer Kurze Zeit Grund von List erhielt. Ich wa Namen von M diesem System Blockältesten. gierten, erhielt daß sie nicht reichenden Üb Ankauf von Dienstleistunge Es gab, wie Geld im Lager ein paar Stun schlief und in pflegte, gründ brachte eine I werde, um die und Bettstelle Sington won keinerlei gen tot aufppe gewesen, en Menschen ten, und ich ben hat. Die und Kindern mteste UnterFieberkrankhatten. Viele ber es ist unkommen und der daß die bends niedrig e wechselnden m. Sie waren wirkten enten Lagerverele Menschen Hiesen Fieberger verlassen älteste meines Blocks und sein Stellvertreter waren von dieser Sorte, so daß ich einiges von den Methoden dieser Kreaturen kennenlernte. Mein besonderer Kontakt mit dem Blockältesten begann, als er und sein Stellvertreter Typhus bekamen. Automatisch gingen viele ihrer Funktionen auf mich über. Eines Tages wurde ich in die Lagerschreibstube gerufen, um einige Päckchen für Männer unseres Blocks entgegenzunehmen. Ich verteilte sie sofort. Am nächsten Tage fragte mich der Blockälteste, ob es wahr sei, daß Päckchen für unseren Block angekommen seien und was ich mit ihnen gemacht habe. Als ich es ihm sagte, wurde er wütend und nannte mich einen Idioten und Dummkopf. Ich entdeckte später, daß dieser Mann die Päckchen plünderte, indem er die besten Sachen für sich selbst herausnahm und den legitimen Empfängern nur den Rest oder gar nichts zukommen ließ. Um alle weiteren„ Dummheiten" meinerseits zu verhindern, kam der Blockälteste mit der Schreibstube überein, daß in Zukunft Päckchen nur an ihn abgeliefert werden dürften. Kurze Zeit darauf sollten 200 Rote- Kreuz- Zigaretten auf Grund von Listen verteilt werden, die ich von der Schreibstube erhielt. Ich war erstaunt festzustellen, daß diese Listen nur Namen von Männern enthielten, die schon tot waren. Nach iten und lag diesem System wanderten alle Zigaretten in die Taschen des m Bett. Oft ich umbringen per entzündet wenn ich mich hätte. im Lager, und uns wichtige der Rhein bei daß amerikalie Tage und Blockältesten. Indem sie die Dinge auf diese Weise arrangierten, erhielten die Amtsträger oft bis zu 500 Zigaretten, so daß sie nicht nur genug zu rauchen, sondern auch einen hinreichenden Überschuß hatten, den sie als„ ,, Währung" für den Ankauf von Nahrung, Kleidung und zur Bezahlung von Dienstleistungen verwenden konnten. Es gab, wie ich bald entdeckte, noch eine andere Art von Geld im Lager. Eines Tages wurde mir gesagt, ich möge für ein paar Stunden verschwinden, weil die Ecke, in der ich schlief und in der der Tisch stand, an dem ich zu schreiben Irgend jemand n gehörte für pflegte, gründlich gereinigt werden sollte. rufsverbrecher n. Der Blockbrachte eine Lötlampe, und man sagte mir, daß sie benutzt werde, um die Wanzen in ihren Verstecken in den Wänden und Bettstellen auszubrennen. Dies geschah auch in der Tat, 8 Sington 113 war aber nur ein Vorwand. Die Lampe wurde zum Schmelzen von Gold benutzt, und ich stellte fest, daß es eine Gruppe gab, die die Goldzähne der Toten einsammelte. Unser Blockältester schien das Haupt dieser Bande zu sein, und er selbst gab sein Geheimnis preis, als er eines Tages während seiner Genesung mit einem seiner Mitgangster einen heftigen Streit hatte, in dessen Verlauf er ihn beschuldigte, ihm den größten Teil seines Vermögens, während er krank lag, gestohlen zu haben. Offenbar hat es auch Anfang 1944 große Schmucksachentransaktionen gegeben, als viele Juden aus osteuropäischen Ländern ohne vorherige Durchsuchung ins Lager gekommen waren. Goldringe, Diamanten und andere Wertsachen wurden gehandelt, und das meiste davon fand seinen Weg in die Hände einiger weniger Lager- und Blockältester und Kapos. Von unserem Blockältesten hieß es, daß er 120 000 Mark in Gold angehäuft habe, und ein Lagerältester besaß angeblich Wertsachen im Betrage von 240 000 Mark. Viele der Verstecke, in denen diese Wertsachen verborgen wurden, blieben unbekannt, so daß ein großer Teil der Schätze in den Baracken geblieben sein mag, bis sie von den britischen Ingenieuren niedergebrannt wurden, und vielleicht liegt einiges davon bis zu diesem Tage in der Erde vergraben. Die SS war erfahren als di Lagerältesten d erkrankte Bloc erhielten wir e Lazarettblocks mehr davon. Verteilung vor Keks stammte. Kreuzes entnom Konserven, das Ich weiß nicht, wer tüchtiger im Erwerb von Gold und Schmuck war, die SS oder die Berufsverbrecher unter den Häftlingen. Schon in Sachsenhausen hatte ich von SS- Männern gehört, die im Begriffe waren, Millionäre zu werden, und in Belsen hörte ich das gleiche. Schmuck- und Wertsachen wurden immer beschlagnahmt, aber manchmal boten die SS- Männer auch ein paar Zigaretten für Dinge, an denen sie Gefallen fanden. Ich benutzte damals einen Spazierstock, weil ich teilweise gelähmt war. Der Griff dieses Spazierstockes bestand in einem geschnitzten Indianerkopf. Ein SS- Mann sandte einen seiner Mittelsmänner, um mir einen anderen Stock im Tausch anzubieten. Ich lehnte das Angebot ab. Am nächsten Tag hörte ein Freund von mir zufällig ein Gespräch, in dessen Verlauf jemand beauftragt wurde, mir den Stock zu stehlen. Aber dies erwies sich selbst für einen erfahrenen Dieb als eine zu schwierige Aufgabe! 114 hatten sie nich sondern sie in wohlgenährt w Während me Möglichkeit fü kommen. Einig treffen, aber im die größtenteil selbst. Die Z kleinen Liebesa Aber fast tä gessen werde. gang um die Spaziergang w Leichen, der di besser als drin mit einem der Zeit ein paar Hauptstraße d zaun getrennt. 1500 Frauen der sogenannt Lumpenmateri der Frauen w Jüdinnen, doc treten. 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Die Kekse hatten sie nicht genommen, weil sie ziemlich trocken waren, sondern sie in die Blocks gegeben diese SS- Männer, die wohlgenährt waren und alles hatten, was sie brauchten. - Während meines ganzen Aufenthalts in Belsen gab es keine Möglichkeit für Männer, Zutritt zum Frauenlager zu bekommen. Einige unserer Kapos hatten Gelegenheit, Frauen zu treffen, aber im allgemeinen sahen sie nur die weiblichen Kapos, die größtenteils zum gleichen Menschenschlag gehörten wie sie selbst. Die Zusammenkünfte mit den Frauen wurden zu kleinen Liebesaffären, Tausch- und Handelsgeschäften benutzt. Aber fast täglich hatte ich einen Anblick, den ich nie vergessen werde. Gegen sechs Uhr abends pflegte ich einen Spaziergang um die Baracken zu machen. Es war kein angenehmer Spaziergang wegen des furchtbaren Gestanks von brennenden Leichen, der die Luft erfüllte. Immerhin war die Luft draußen besser als drinnen in den Baracken, und im Gehen pflegte ich mit einem der Ärzte zu plaudern, der sich ebenfalls zur gleichen Zeit ein paar Minuten Ruhe gönnte. Unser Hof war von der Hauptstraße des Lagers durch einen doppelten Stacheldrahtzaun getrennt. Nach ihrer Tagesarbeit pflegten um diese Zeit 1500 Frauen den Weg entlang zu kommen. Sie kamen aus der sogenannten ,, Weberei", wo nicht gewebt, sondern nur Lumpenmaterial zu Zeitzündern verarbeitet wurde. Die meisten der Frauen waren Russinnen oder polnische und ungarische Jüdinnen, doch waren auch viele andere Nationalitäten ver treten. Langsam, müde zogen sie vorüber, in schweren Holzpantinen oder barfuß, in Lumpen aller Arten und Farben, 8* 115 ohne Schutz vor Wind und Regen. Fast alle trugen Kopftücher, um ihre kahlgeschorenen Köpfe zu verbergen, während sie sich hoffnungslos dahinschleppten. Und waren die anderen Geschöpfe wirklich Frauen, diese langhaarigen Wesen in Röcken und Stiefeln, die schimpften und schlugen und traten, während die traurige Prozession vorbeizog? Einige Tage nach Ostern wuchs unsere Überzeugung, daß sich die Stunde unserer Befreiung nähere. Plötzlich begannen wir täglich die letzten Nachrichten zu erhalten, und ich erfuhr, daß sich ein Rundfunkempfänger im Lager befand. Er war tagsüber versteckt und wurde nur spät nachts abgehört, aber wir wußten jetzt, daß sich die britischen Truppen näherten, und viele, die angefangen hatten zu verzweifeln, begannen wieder zu hoffen. Aber die letzten zehn Tage wurden uns lang, und wir mußten sehr viel durchmachen, ehe die Befreiung kam. Was würde die SS tun? Würden sie das Lager seinen 40 000 Insassen überlassen? Würden sie versuchen, so viele wie möglich zu liquidieren? Wir wußten, daß die politische Abteilung Listen aufgestellt hatte, die die Namen führender Politiker, Universitätsprofessoren und Intellektueller enthielten. Während der ganzen Zeit verschlechterten sich die Lebensbedingungen zusehends. Bald erhielten wir kein Brot. Dann waren wir tagelang ohne Wasser. Rohe Steckrüben wurden selbst an Ruhr- und Typhuskranke ausgegeben. Als wir um Diät für unsere Kranken baten, erhielten wir ein Faß mit schmutzigem Wasser, in dem Stücke ungeschälter und ungesäuberter Kartoffeln schwammen. Bald wurden Leute, die Kartoffeln oder Steckrüben vor der Küche zu ergattern versuchten, erschossen. Es gab noch ein weiteres Problem für uns. Als es sich herausstellte, daß die SS den deutschen Insassen eine Sonderbehandlung zudachte, gelang es mir, als Deutscher zu ,, sterben" und als Holländer registriert zu werden. Ein polnischer Schreiber in der Lagerschreibstube half mir dabei. Als uns befohlen wurde, die Zahl der in unserem Block befindlichen Juden anzugeben, gaben wir eine möglichst niedrige Ziffer an. 116 Aber jede Lis daß alle Pa sollten. Einig chen Papier, Bleistifte und In diesen Stunden tägli wir bekamen schwächer. I eignissen und mal versuchte Es war an war, eine Dr schärften sie einem neblige ein Stück Sta Während ich Schritt hinter wehr unter de und ich starrt Er setzte seine erwies sich als einige Bretter schlagen zu k suchen sollte, Eines der u nächtlichen A Piloten sahen toriumschornst Scheiterhaufen denn sie nahn gewehrfeuer. wir einige B gruben ein z über das wir uns auch vors den die SS et Etwa eine en Kopfwährend men, diese himpften Prozession ung, daß begannen ch erfuhr, Er war hört, aber näherten, begannen m. und wir en 40 000 wie mög Abteilung Politiker, . e Lebensrot. Dann n wurden Is wir um Faß mit und unge Leute, die attern vers sich herme Sonder ,, sterben" polnischer Als uns efindlicher Ziffer an Aber jede Listenführung nahm ein Ende, als die SS anordnete, daß alle Papiere der Lagerschreibstube verbrannt werden sollten. Einige SS- Männer kamen und entfernten jedes Stückchen Papier, das sie finden konnten. Tintenfässer, Federn, Bleistifte und Lineale verschwanden ebenfalls. In diesen Tagen verließ ich mein Bett nur für ein bis zwei Stunden täglich. Ich war sehr entkräftet, und da ich das, was wir bekamen, nicht essen konnte, wurde ich mit jedem Tage schwächer. Ich versuchte niederzuschreiben, was ich von Ereignissen und Leuten, an Namen und Anschriften wußte. Einmal versuchte ich es mit einer anstrengenderen Arbeit. Es war an einem Tage, da es einem unserer Leute gelungen war, eine Drahtzange aus der Garage zu entwenden. Wir schärften sie so gut wie möglich, und dann humpelte ich an einem nebligen Aprilabend um die Blocks herum und fand ein Stück Stacheldraht, an dem ich sie ausprobieren konnte. Während ich den Draht mit der Zange bog, hörte ich einen Schritt hinter mir. Eine SS- Wache stand da mit einem Gewehr unter dem Arm. Mein Herz schlug mir bis in die Kehle, und ich starrte den Mann mit geistesabwesendem Gesicht an. Er setzte seine Runde fort, ohne ein Wort zu sagen. Der Draht erwies sich als zu stark für unsere Zange, deshalb legten wir einige Bretter zusammen, in der Hoffnung, den Draht herunterschlagen zu können und so zu entkommen, falls die SS versuchen sollte, alle Lagerinsassen zu liquidieren. Eines der unangenehmsten Erlebnisse dieser Zeit waren die nächtlichen Angriffe der britischen Luftwaffe. Die britischen Piloten sahen wahrscheinlich die Funken aus dem Krematoriumschornstein fliegen oder die glühenden Reste der Scheiterhaufen, auf denen die Leichen verbrannt worden waren, denn sie nahmen das Lager fast jede Nacht unter Maschinengewehrfeuer. Wir hatten keine Schutzräume, daher entfernten wir einige Bretter aus dem Fußboden unseres Blocks und gruben ein zwei Meter tiefes und zwei Meter breites Loch, über das wir nachher wieder die Bretter legten. Wir hatten uns auch vorgenommen, jeden in diesem Loch zu verbergen, den die SS etwa noch würde hinrichten wollen. Etwa eine Woche, bevor die Engländer ankamen, wurde 117 das Zusammentragen und Verbrennen der Toten zu einem Problem. Gegen Mitte Februar konnte das Krematorium die täglichen Leichenhaufen schon nicht mehr verschlingen, daher wurden sie auf Scheiterhaufen von alten Eisenbahnschwellen verbrannt. Sie verbreiteten einen abscheulichen Gestank über das ganze Lager. Eines Tages hörte das Verbrennen auf. Gerüchte wollten wissen, daß sich die vier Kilometer entfernte Wehrmachtskommandantur und die Zivilbevölkerung der Umgegend beschwert habe. Am gleichen Tage fielen die beiden Pferdewagen aus, die benutzt worden waren, um die Leichen von den Sammelpunkten abzuschleppen. Vielleicht sollten sie zum Ersatz der sieben Kraftwagen des Lagers eingesetzt werden, von denen nur noch zwei fahrbereit waren. So wurden die Leichen überall im Lager, wo es viele Tote gab, aufgetürmt. In manchen Fällen blieben sie in den Baracken, weil die Lebenden zu schwach waren, sie hinauszutragen. Viele schliefen neben den Leichen, und manche versuchten sogar den Tod ihrer Bettgenossen zu verheimlichen, um die Suppenrationen der Toten empfangen zu können, falls überhaupt welche ausgeteilt wurden. Eines Tages hörten wir, daß ein LKW, der nach Hannover geschickt worden war, seinen Bestimmungsort nicht erreicht hatte, weil sich die Straße unter Geschützfeuer befand. Am nächsten Tage hieß es, daß Kramer, der Lagerkommandant, versucht habe, nach Hamburg zu gelangen, um mit den SS- Häuptlingen von Neuengamme zu sprechen. Einem Gerücht zufolge war er von den Wehrmachtsbehörden zurückgeschickt worden mit dem Hinweis, daß er das Lager nicht ohne besonderen Befehl verlassen dürfe. Dann begann die letzte Phase. Die SS versorgte sich mit Zivilkleidung und Rucksäcken, um ihr Verschwinden vorzubereiten. Sie kamen kaum noch in die Baracken, und die schrecklichen Appelle hörten auf. Hier und da im Lager versammelten sich kleine Gruppen von Gefangenen, um, falls notwendig, die Leitung zu übernehmen. Aber die SS beabsichtigte nicht, ohne Begleitung abzuziehen. Sie erließ einen Aufruf, vor allem an die Deutschen und Polen, freiwillig an der Seite der SS gegen die alliierten Streitkräfte 118 zu kämpfen. ausgenommen einer Baracke meisten Block 14. April ab. Kurz vorhe und deutschen demzufolge d Dies wurde n die durchgefü Die meisten schienen unga macht. Der S Lager instand Massengräber portmittel un zuwege bring fand einen W jener schreck Gedächtnis sc Die meiste 90 Pfund. A kräftung selb gab nicht Hu im Lager, der und von Dec Handgelenke Männern die schleift. Fast wurde, wenn brannt. Es w Knochen. Vie begannen zu war teils sa Wagenspuren Reise dieser wurde von schunden, ih che ver- mlichen, en, falls annoyer erreicht nd. Am nandant, mit den Gerücht geschickt Ihne be- sich mit len vor- und die iger ver- alls not- zuziehen.| ‚d Polen, ‚eitkräfte zu kämpfen. Ein paar Tage später wurden alle Deutschen, ausgenommen einige wenige, die ihre eigenen Weg gingen, in einer Baracke versammelt, und die Mehrheit, vor allem die meisten Blockältesten und Kapos, gingen mit der SS am 14. April ab. Kurz vorher war bekannt geworden, daß zwischen britischen und deutschen Offizieren ein Abkommen getroffen worden sei, demzufolge-das Lager zum neutralen Gelände erklärt war: Dies wurde nicht offiziell verkündet, aber die Veränderungen, die durchgeführt wurden, schienen die Gerüchte zu bestätigen. Die meisten SS-Männer verschwanden, und statt ihrer er- schienen ungarische Truppen und Soldaten der deutschen Wehr- macht. Der Sonderauftrag der zurückbleibenden SS war, das Lager instand zu setzen und insbesondere die Toten in die Massengräber zu schaffen. Wie aber sollten sie dies ohne Trans- portmittel und bei einer Entfernung von einem Kilometer zuwege bringen? Die SS, energisch und brutal wie nie zuvor, fand einen Weg. Und so sahen und inszenierten wir das letzte jener schreckhich-denkwürdigen Bilder, die nie aus unserem Gedächtnis schwinden werden.: Die meisten der Leichen wogen nicht mehr als 80 oder 90 Pfund. Aber sie zu tragen wäre angesichts unserer Ent- kräftung selbst für zwei oder drei von uns zuviel gewesen. Es gab nicht Hunderte, sondern Tausende von Leichen, und-jeder im Lager, der gehen konnte, mußte helfen. Lederriemen, Gürtel und von Decken abgerissene Streifen wurden um die Fuß- und Handgelenke der Leiche gebunden, und so wurde sie von vier Männern die Straße entlang zum änderen Ende des Lagers ge- schleift. Fast jede Leiche war nackt, da die Kleidung gestohlen wurde, wenn sie gut war; war sie unbrauchbar, wurde sie ver- brannt. Es war praktisch kein Fleisch zu sehen, nur Haut und Knochen. Viele der Leichen hatten schon seit Tagen gelegen und begannen zu verwesen. Der Weg, über den sie geschleift wurden, war teils sandig, teils sumpfig. Durch Dreck, Pfützen und Wagenspuren, über Steine und Schutthaufen ging die letzte Reise dieser Toten. Ihre Haut, trocken, gelb, manchmal grün, wurde von den Knochen gescheuert, ihre Rücken wurden ge-, schunden, ihre Gesichter mit Schmutz und Sand verschmiert. 119 Eines der seltsamsten Merkmale jener Tage war, daß äußerste Unterdrückung und äußerstes Elend mit einer Art wilder Heiterkeit gemischt waren. Mitten im tiefsten Leid keimte neue Hoffnung. Zwei Kapellen spielten den ganzen Tag Tanzmusik, während zweitausend Männer Leichen nach den Massengräbern schleppten. Es hatte immer Geigen und Gitarren im Lager gegeben, und ein paar Zigeuner hatten abends oft ein wenig Musik gemacht. In den letzten Tagen aber gab es plötzlich eine vollständige Kapelle. Die SS ermunterte sie, indem sie Zigaretten gab; und so spielte sie im Freien vom Morgen bis zum Abend, und die Leichen schleiften über die Steine, und die SS- Männer hieben mit Stöcken und Peitschen auf die stolpernden Gefangenen ein zu Melodien von Lehár und Johann Strauß. - Die Zigeuner spielten sogar bei Nacht. Niemand konnte schlafen. Wir waren erschöpft und doch zugleich auf unserer Hut. Die Zigeuner wanderten von Baracke zu Baracke, spielten ein paar Stücke, sammelten kleine Geschenke und gingen weiter. Sie besuchten unsere Baracke um 11 Uhr, dann wieder um zwei und schließlich noch einmal um fünf. Einige Insassen waren dagegen, nannten es Irrsinn und Dummheit, während andere froh waren, etwas Unterhaltung zu haben. Wir hatten am Tage bereits Geschütze gehört und Explosionen, die ganz nahe zu sein schienen. Wir glaubten, daß wir am Freitag, dem 13. April, befreit werden würden, doch warteten wir vergeblich. Dann hörten wir, daß es bei Hannover einen deutschen Gegenangriff gegeben habe und daß die Engländer an der Aller, 20 Kilometer südlich Belsen, zum Stehen gebracht worden wären. Gerüchten zufolge bereiteten die Deutschen eine große Schlacht in der Lüneburger Heide vor. Würden wir durchkommen? Viele von uns bezweifelten es. Die SS rückte ab, ausgenommen etwa fünfzig von ihnen. Ungarische Soldaten, die nach Deutschland gebracht worden waren, um von deutschen Offizieren ausgebildet zu werden, rückten ein. Nie sind so viele Häftlinge erschossen worden, als nachdem die Ungarn das Lager übernommen hatten. Sie waren gute Schützen und mehr als fünfzig Menschen wurden vom ersten Abend bis zum nächsten Mittag erschossen die meisten 120 - ohne jeglichen äußeren Umz aber die Leich Meter vom Z von ihnen auf besonderen Ba Einige mögen haben. Ein Le gefunden. Wi zu fliehen bea In der Nad frühen Morge schen Arbeite schnell! schnel unverkennbar dreieinhalb J Nähe einer P waren die St die wenig sp fahren sollten Nun hörte wärts. Aber aus dem Wes dem Osten ka den beiden Gejagte. Langsam s am Baracken Furcht vor d Ungarn' star kühner und Waldstreifen wir sahen d Kein Schuß der Panzer. 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Plötzlich wurde ich durch einen der russischen Arbeiter in unserem Block geweckt. ,, Komm, komm, schnell! schnell! Da sind Panzer auf der Straße!" Ich hörte das unverkennbare klappernde, rasselnde Geräusch, das mir vor dreieinhalb Jahren so vertraut geworden war, als ich in der Nähe einer Panzerschule in Ostdeutschland arbeitete. Damals. waren die Straßen überfüllt mit jenen deutschen Ungetümen, die wenig später bis zu den Toren Moskaus und Stalingrads fahren sollten. Nun hörte ich wieder Panzer, und wieder fuhren sie ostwärts. Aber diesmal waren sie Hunderte von Kilometern weit aus dem Westen gekommen. Ich wußte, daß andere Panzer aus dem Osten kamen, und daß sich die deutschen Armeen zwischen den beiden Fronten befanden, nicht Jäger jetzt, sondern Gejagte. Langsam stand ich auf. Ein Dutzend Männer stand bereits am Barackeneingang. Niemand wagte zu weit zu gehen aus Furcht vor den Ungarn auf den Wachttürmen. Aber auch die Ungarn starrten in Richtung der Straße, und so wurden wir kühner und gingen auf die Umzäunung zu: Nur ein schmaler Waldstreifen trennte das Lager von der Straße draußen, und wir sahen die Panzer einen nach dem anderen vorbeirollen. Kein Schuß war zu hören, nur das mahlende, rasselnde Geräusch der Panzer. Aber was für Panzer waren das? Einige bemerkten den weißen Stern auf den Seiten. ,, Das ist kein britisches Zeichen!" 121 ور , Vielleicht sind es Kanadier?"( Wir hatten gehört, daß Kanadier bei Celle kämpften.) Jemand deutete an, daß es Russen sein könnten, ein anderer riet auf Australier, und einer meinte sogar:„, Chilenen!" Ich machte den Spekulationen ein Ende, indem ich sagte:„ Es sind alliierte Panzer. Das ist die Hauptsache!" Aber meine Zuhörer schienen skeptisch zu bleiben. Sie fürchteten immer noch, ich weiß nicht was. Unfähig noch länger zu stehen, ging ich wieder zurück aufs Bett. Von weitem hörte ich die Panzer den Lagereingang passieren und eine Stimme von einem Lautsprecherwagen rufen. Ich wußte, daß wir frei waren. Ich lag und grübelte. Unablässig mußte ich Flöhe und Wanzen abwehren, die keinen Augenblick aufhörten, mich zu foltern. Ich hatte Fieber und mein Kopf war schwer und benommen, aber mir war klar, daß wir frei waren. Über elf Jahre Gefangenschaft waren zu Ende. Ich lebte. Ich würde eine Chance haben, mich wieder zu erholen. Ich würde imstande sein, an der Wiederaufbauarbeit teilzunehmen. Ich dachte nicht an Rache, aber ich wußte, daß die teuflischste Tyrannei, die die moderne Welt erlebt hat, ihre letzten Stützpunkte verloren hatte und daß es jetzt eine Chance gab für neue Männer und für ein neues Leben. Ein tiefes Gefühl der Dankbarkeit erfüllte mich. Am Nachmittag besuchte mich ein holländischer Freund. Er war freudig erregt und erstaunt, mich ziemlich still zu finden. Nach einer Weile nannte er mich wunderlich und undankbar. Er fieberte fast vor Optimismus und Freude. Warum konnte ich nicht so glücklich sein wie er? Vor allem mußte ich an die vielen tausend Kameraden denken, die gestorben waren. Sie hatten sich wie ich nach diesem Tage gesehnt. Ich sollte ihn erleben, aber die Asche ihrer Leiber lag, der Himmel weiß wo. Frauen und Kinder, Brüder und Schwestern, Eltern und Freunde warteten auf ihre Rückkehr. Vielleicht würden sie monatelang warten, niemand würde kommen, niemand würde ihnen Nachricht bringen. Dann hatte ich einen anderen Gedanken. Die alliierten Armeen hatten bereits viele Länder befreit, und nun wurde Deutschland von dem eisernen Joch des Nazismus befreit. 122 Das war e konnte ich mi uns Deutsche der Erde gekon in De hatte es Warum war durch eine de worden? War wesen? War e aus Amerika, nicht leicht z Geist und där Ich mußte a Als Deutscher Nationen, die sprechen hörte Grausamkeite gessen? Würd zu leiden hab lands angetan Was würde Auge die Tau ihnen waren Ich sah einen der ebenso bö genug, trauri In der Na erwartete Aus es seit Jahren kammern. Di wurden gesc geheimen Lo Blockältester nach der Lat dertfünfzig Gründe geha Ein kurzes den Engländ mört, daß m anderer men!" Ich „ Es sind e Zuhörer noch, ich rück aufs ng passierufen. Ich Unablässig Augenund mein , daß wir Ende. Ich holen. Ich unehmen. euflischste en Stützgab für efühl der reund. Er zu finden. dankbar. n denken, sem Tage er Leiber üder und Rückkehr. d würde allierten un wurde freit. Das war eine wunderbare Tatsache, aber als Deutscher konnte ich mich nicht ganz wohl dabei fühlen. War es für uns Deutsche nicht eine Schande, daß Männer aus allen Teilen der Erde gekommen waren, uns von Hitler zu befreien? Warum hatte es in Deutschland keine kräftigere Opposition gegeben? Warum war der sinnlose Kampf der letzten Monate nicht durch eine deutsche Untergrundbewegung unmöglich gemacht worden? Waren nicht selbst wir in den Lagern zu passiv gewesen? War es genug gewesen, auf die Befreiung zu warten, die aus Amerika, Großbritannien und der Sowjetunion kam? Diese nicht leicht zu beantwortenden Fragen beschäftigten meinen Geist und dämpften meine Freude. Ich mußte auch an die Zukunft des deutschen Volkes denken. Als Deutscher lebte ich unter Tausenden von Männern aller Nationen, die in Wut gerieten, wenn sie ein Wort Deutsch sprechen hörten. Und hatten sie nicht recht? Welch unsagbare Grausamkeiten hatten sie erlebt! Würden sie das jemals vergessen? Würden nicht selbst unsere Kinder und Enkel für das zu leiden haben, was der Nazismus allen Nachbarn Deutschlands angetan hatte? Was würde aus Europa werden? Ich sah vor meinem geistigen Auge die Tausende heimatlos gewordener Menschen, viele von ihnen waren krank. Ich kannte ihren Haẞ, ihren Rachedurst. Ich sah einen Nationalismus rund um Deutschland entstehen, der ebenso bösartig war wie derjenige der Nazis. Es gab Grund genug, traurig und voller Zweifel zu sein. In der Nacht nach der Ankunft der Engländer erfolgte der erwartete Ausbruch. Hunderte von Männern und Frauen, denen es seit Jahren an allem gemangelt hatte, stürmten die Kleiderkammern. Die Schweine, die für die SS- Küche gehalten wurden, wurden geschlachtet, und zwei davon verschwanden in dem geheimen Loch in unserer Baracke. Unser stellvertretender Blockältester, ein deutscher Krimineller, wurde auf dem Wege nach der Latrine niedergestochen und erschossen. Die dreihundertfünfzig Kapos, die mit der SS gegangen waren, hatten gute Gründe gehabt, nicht zu bleiben! Ein kurzes Wort wenigstens muß ich sagen über die uns von den Engländern zuteil gewordene Hilfe. Ihr Einsatz war ein 123 Erlebnis! Wie sie vom Morgen bis in die Nacht arbeiteten, Hunger und Krankheit, Schmutz und Unordnung und Verzweiflung bekämpften! Sie taten ihr Bestes, um zu retten, was zu retten war. Da waren Ärzte und Sanitäter, Rote- KreuzSchwestern und viele andere, die ich nie vergessen werde. Durch ihre Opferbereitschaft und Hingabe schufen sie die Grundlage eines neuen, freien und menschenwürdigen Lebens für Tausende. Es ist mir unmöglich, einen angemessenen Ausdruck für meine Dankbarkeit zu finden. Ein paar Tage nach unserer Befreiung kam ich in eine verlassene Baracke des Lagers. Auf dem Boden lagen einige alte. Zeitschriften. Als ich in einer von ihnen blätterte, fand ich einen Satz, der wunderbar die Idee zum Ausdruck brachte, die hinter allem stand, was in jenen Tagen von englischer Seite zur Linderung unmenschlichen Leidens getan wurde: ,, UNSER HÖCHSTES GESETZ IST DIE LIEBE" Und wo fand ich diesen Ausspruch? Ich fand ihn in schönen Lettern gesetzt, über eine ganze Seite gedruckt, in einer alten Ausgabe von Himmlers Monatsschrift für die SS. - Mens Wir kehrt wohlkonstru Anblick. D Die Kasern lebende, un tischen Einh Jahren des dem Leben Gleichgewic Die groß worden, zu sprünglich wesen, abe 124 Wunsdorf konstruiert Schotterstra Kasernenge für einfach schaftsbara Kantinen großes mo Landstraß führte ein Seite ein h stand, die Messe dien Vor der stätten so Westtor, wundersch eiteten, d Veren, was -KreuzDurch undlage usende. meine ne verige alte h einen e hinter ite zur BE" schönen er alten VII. KAPITEL Menschliche Wracks und ihre Errettung Wir kehrten am 13. Mai nach Belsen zurück. Die geräumige wohlkonstruierte Panzerausbildungsschule bot einen neuen Anblick. Das Konzentrationslager war bereits fast leer. Die Kasernen im Wald beherbergten ungefähr 27 000 Überlebende, und es war die Aufgabe der zurückbleibenden britischen Einheiten, zu versuchen, die Opfer von Monaten oder Jahren des Terrors, der Brutalität und des Hungers wieder dem Leben und der Gesundheit, dem Glück und dem seelischen Gleichgewicht entgegenzuführen. Die großen Belsener Kasernen waren im Jahre 1936 erbaut worden, zu Beginn der deutschen Wiederaufrüstung. Ursprünglich waren sie eine Infanterieausbildungsschule gewesen, aber 1942 wurde die Panzerausbildungsschule von Wunsdorf bei Berlin hierher verlegt. Sie waren hervorragend konstruiert und in das Waldgelände eingefügt; eine breite Schotterstraße, führte hindurch. Etwa 90 wohlproportionierte Kasernengebäude aus Beton standen um die Asphaltplätze. Die für einfache Soldaten bestimmten waren mit ,, MB"( Mannschaftsbaracke) bezeichnet, die für Hauptleute mit ,, HB", die Kantinen mit WB"( Wirtschaftsbaracke) und so fort. Ein großes modernes Kino mit 1200 Sitzen flankierte eine der Landstraßen. Dicht bei dem Rundbau der Offiziersherberge führte eine kleine Brücke über den Fluß, auf dessen einer Seite ein halb aus Holz gebautes Gebäude, die Belsener Mühle, stand, die den ständigen Offizieren der Ausbildungsschule als Messe diente. دو Vor dem Nordtor des Lagers waren die Garagen und Werk-. stätten sowie eine große mechanisierte Wäscherei, und vor dem Westtor, etwas abseits im Walde, war das Militärlazarett, ein wunderschön entworfenes helles und luftiges Gebäude. 125 Drei Jahre vor Ankunft der Engländer stand die Panzerausbildungsschule unter dem Befehl des Generals von Kemski. Er hatte in einer großen Villa mit umliegendem Garten vor dem Westtor gewohnt. Er und seine Frau, waren als unentwegte Anhänger der nationalsozialistischen Sache bekannt gewesen, und in den Tagen der größten Transportschwierigkeiten war Frau von Kemski in einem Kraftwagen nach dem vier Kilometer entfernten Belsen einkaufen gefahren. Von Kemski hatte zwei Nachfolger gehabt: Oberst Gebauer, der die Panzerausbildungsschule von 1942 bis 1943 kommandierte, und nach ihm Oberst Harries, der die Leitung hatte, als wir am 15. April in Belsen einrückten. Zu der Panzerausbildungsschule gehörte eine kleine zivile Kolonie. Einige waren Monteure in den Werkstätten gewesen, dann waren da etwa zweihundert Fremdarbeiter, größtenteils Tschechen, Flamen und Holländer. Die meisten der Ausländer hatten in Kaserne Nr. 90 gewohnt, aber die Holländer und ihre Familien waren in letzter Zeit in den SA- Baracken untergebracht gewesen, dicht bei der Hauptstraße, und in einem niedrigen Betonbau, der früher für die Unterbringung von Gastspielensembles benutzt worden war. Diese Holländer hatten hauptsächlich in der Wäscherei gearbeitet. Eine Reihe von Geschäften vor dem Nordtor der Panzerausbildungsschule hatte den Bedürfnissen der Zivilarbeiter und ihrer Familien gedient; und ein Vertrauensmann der Partei, Herr Beckedorf, hatte ihre politische Zuverlässigkeit und ,, Disziplin" überwacht. Dieser mächtige, aber zum Schluß wenig glückliche Beamte hatte in einem modernen Hause in der Hoppenstedter Straße gerade vor der Schule gewohnt. Er war SA- Sturmführer, KdF- Führer und Standortobmann gewesen. Seine wichtigste Aufgabe war die politische Überwachung aller Zivilarbeiter, unter anderem hatte er der SA am Sonntagmorgen einen Vortrag in ihrer Baracke zu halten. Eines seiner wichtigsten Druckmittel, um den Fremdarbeitern seinen Willen aufzuzwingen, war die Drohung, daß sie in das Konzentrationslager unten an der Straße geschickt werden könnten. Abwesenheit von der Arbeit ohne ärztliches Attest hätte unweigerlich diese Drohung ausgelöst. 126 Herr Bed Belsen einr eines Freun ausbildungs 10 Kilomete die beiden händler übel zusam ausgeschlage Krankenhau Im Mai ausbildungss gesehen hat die Felder deutschen S mit den Of der Offizier in der SA- H Als wir a ändert. Etw Holzpfosten Assistenzarz menschlicher Anblick, ein queren oder konnte man Eine Wo mit unserer 21. Mai s werfern ni deur der 10 Das Lage Die Barack drahtzaun, Häftlingsla ausgenomm nur die G standen ha PanzerKemski. ten vor ntwegte gewesen, en war er KiloGebauer, Commanatte, als e zivile gewesen, Stenteils usländer der und untermeinem ng von olländer e Reihe gsschule Familien ckedorf, erwacht. Beamte Straße mführer, ichtigste arbeiter, en VorDruckzwingen, er unten von der Drohung Herr Beckedorf gab an dem Tage, an dem die Engländer in Belsen einrückten, Fersengeld. Er befand sich in Begleitung eines Freundes, der den Kolonialwarenladen bei der Panzerausbildungsschule leitete, auf dem Wege nach dem Dorf Hohne, 10 Kilometer von Belsen, als eine Gruppe von Fremdarbeitern die beiden aus dem Hinterhalt angriff. Der Kolonialwarenhändler der mit Beckedorf verwechselt wurde wurde übel zusammengeschlagen, Beckedorf selbst wurde ein Auge ausgeschlagen, und er befand sich noch drei Monate später im Krankenhaus. - Im Mai 1945 war es noch immer möglich, sich die Panzerausbildungsschule vorzustellen, wie sie vor sechs Monaten ausgesehen hatte, mit ihren Mark IV und Tigerpanzern, die über die Felder rollten und hinter den Hecken warteten; mit den deutschen Soldaten, die in den Kasernen aus- und eingingen, mit den Offiziersgesellschaften in der Belsener Mühle und in der Offiziersherberge und mit den geflüsterten Denunziationen in der SA- Baracke. Als wir am 13. Mai dorthin kamen, hatte sich das Bild geändert. Etwa ein Drittel der Kasernen war mit Draht umzäunt," Holzpfosten trugen ein Plakat ,, Achtung, Typhus!" und ein Assistenzarzt oder eine Pflegerin waren die einzigen sichtbaren menschlichen Wesen. An der Nordseite war es ein typischer Anblick, eine Gruppe Mädchen Arm in Arm den Platz überqueren oder vor den Kantinen Schlange stehen zu sehen; auch konnte man Männer mit offenem Hemdkragen beobachten. Eine Woche nach unserer Rückkehr nach Belsen fuhren wir mit unserem Lautsprecherwagen ins Konzentrationslager. Am 21. Mai sollte die letzte Baracke mit britischen Flammenwerfern niedergebrannt werden, und Oberst Bird, Kommandeur der 102. Kontrollabteilung, sollte eine Gedenkrede halten. Das Lager, das wir betraten, war jetzt eine verlassene Einöde. Die Baracken des SS- Hofes standen noch, ebenso der Stacheldrahtzaun, die Wachttürme und das Tor. Die Baracken des Häftlingslagers waren jedoch völlig niedergebrannt, eine einzige ausgenommen. Auf jeder Seite lagen Haufen Gerümpels, und nur die Grundmauern zeigten an, wo die Baracken einst gestanden hatten. 127 Die Kupferkessel der Küche oxydierten im Freien, und hier und da waren die betonierten Ausgüsse und Abflußrohre der Baracken noch intakt. Das Ziegelkrematorium war geblieben, aber das Unkraut begann ringsum aufzuschießen und die nahegelegene Kartoffelmiete zu bedecken. Zu beiden Seiten des Eingangstores waren Tafeln errichtet worden, eine in englischer und die andere in deutscher Sprache: ,, Hier befand sich das berüchtigte Konzentrationslager von Belsen, das von den Engländern am 15. April 1945 befreit wurde. Zehntausend unbeerdigte Tote wurden hier gefunden. Weitere dreizehntausend sind seither gestorben. Sie alle sind Opfer der deutschen Neuen Ordnung in Europa und ein Beispiel der Nazikultur." Block 44 im kleineren Frauenlager war für die zeremonielle Verbrennung ausersehen worden. Zwei große Plakate, von denen das eine ein Hakenkreuz, das andere ein Eisernes Kreuz, die Symbole des Nazismus und Militarismus, trug, waren zu beiden Seiten des Blocks befestigt worden. Ein drittes Plakat in der Mitte zeigte Hitlers düsteres Gesicht. Dreißig Meter von der Baracke entfernt standen eine Fahnenstange und eine Tribüne. Gegen drei Uhr hatten sich die meisten der in Belsen anwesenden britischen Truppen versammelt, und dreihundert ehemalige Häftlinge waren von der Panzerausbildungsschule gekommen. Drei ,, Wespen" mit Flammenwerfern ausgerüstete Wagen standen bereit. - - ,, In einigen Minuten", sagte Oberst Bird ,,, werden wir die letzte Baracke des ehemaligen Konzentrationslagers Belsen niederbrennen. Es drängt sich mir das Gefühl auf und vielleicht empfinden Sie ebenso-, daß die völlige Niederbrennung dieses pestverseuchten Lagers ein großes Symbol ist. Sie ist das Symbol der endgültigen Vernichtung des bestialischen, unmenschlichen Glaubens Nazi- Deutschlands, jenes Glaubens, durch den Verbrecher versuchten, die Völker Europas für ihre eigenen teuflischen Ziele zu erniedrigen. Die britische Fahne hat nie über Grausamkeit und Bestialität geweht. Daher wurde sie auch bisher nicht über Belsen gehißt. In wenigen Augenblicken wird sie gehißt werden. Auch dies ist ein Symbol. Das 128 Symbol der für die die al die Vollend 6. Juni begon landete, und geisternden 2. Armee ge Was ist in Etwa 40 10 000 oder Ihr von hie Ankunft sta Durchgangsl das Personal reise, weite ginnen. Di Männer und Sanitätskorp der Königli rung, der se und der Me der Stäbe.u In diesem mit der abs Bestialität wurde. Ihr großen Eins lebender d anfangen, Tribut zoll gefühl und Botschafter Und nun mit die H Spottiswoo zubrennen. Nach de und die ,, W 9 Sington Symbol der Vollendung der großen Aufgabe der Befreiung, „für die die alliierten Armeen sechs lange Jahre gekämpft haben, die Vollendung der von der britischen Befreiungsarmee am 6. Juni begonnenen Aufgabe, als sie am Strande der Normandie landete, und vor allem der Abschluß der furchtbaren, aber be- geisternden Aufgabe, der sich hie? vor kurzem Einheiten der 2. Armee gegenübersahen. Was ist in dieser kurzen Zeit erreicht worden? Etwa 40000 Menschen lebten noch, als Ihr hier eintraft. 10 000 oder mehr lagen tot und unbegraben. 29 000 evakuiertet Ihr von hier und mufßtet 13 000 begraben, die nach Eurer Ankunft starben. Ihr habt die vier Lazarette und die neuen Durchgangslager für die überlebenden 27 000 eingerichtet und das Personal gestellt. 500 begannen vor vier Tagen ihre Heim- reise, weitere 7000 werden heute mit‘ ihrer Heimkehr be- ginnen. Dies ist das Ergebnis Eurer Leistungen, Offiziere, Männer und Frauen der opferbereiten Einheiten des Königlichen Sanitätskorps und der prächtigen Offiziere und Mannschaften der Königlichen Artillerie; die Abteilungen der Militärregie- rung, der selbstlosen Abteilungen des Britischen Roten Kreuzes und der Medizinstudenten, des Schweizer Roten Kreuzes und der Stäbe.und Dienststellen, die uns hier unterstützt haben. In.diesem Augenblick wird ein Kapitel beendet, dessen Seiten mit der abscheulichsten Geschichte von Grausamkeit, Haß und Bestialität gefüllt sind, die je von einer Nation geschrieben wurde. Ihr habt ein Kapitel beendet und habt durch Euren großen Einsatz ein neues Kapitel im Leben einiger 27 000. Über- lebender des Lagers begonnen. Ehe wir mit der Zeremonie anfangen, möchte ich dem britischen Soldaten einen besonderen Tribut zollen. Seine Großherzigkeit, seine Geduld, sein Mit- gefühl und sein Sinn für Humor haben ihn immer zum besten Botschafter gemacht, den sich eine Nation nur wünschen kann. Und nun rufe ich vier von Euch auf, die vom ersten Tage an mit die Hauptlast getragen haben: die Obersten Johnston, Spottiswoode und Mather und Major Miles, diese Baracke ab- zubrennen.“ Nach der Rede des Obersten wurde der Union Jack gehißt, und die„Wespen“ spien ihre Flammenstrahlen in Block 44. Das D) 9 Sington 129 Holzwerk knisterte, das Dach krachte nieder und die Rauchwolken wogten um Hitlers flammendes Bild. Bald war Block 44 nur noch ein brüllendes Flammenmeer. Aber schon eine Woche vor dieser Verbrennungszeremonie hatte sich mein Interesse vom Konzentrationslager der Panzerausbildungsschule zugewandt. Dort im Lazarett und im Aufnahmelager sahen sich die Engländer einer ganzen Reihe neuer Probleme gegenüber: dem Problem der Behandlung und Heilung von 12 000 Schwerkranken, dem Problem der Betreuung und Verpflegung von 15 000 leichter Erkrankten und Gesunden und dem Problem der seelischen Wiederherstellung der physisch Gesunden, so daß sie wieder lernten, wie Menschen einer normalen sittlichen Gesellschaft zu fühlen, zu denken, sich zu benehmen und zu reagieren. Denn in dem Inferno, dem sie entronnen waren, waren Korruption, physische Überlegenheit, Gerissenheit, Raub und illegales Verhalten die einzigen Mittel, um zu überleben. Eine Steckrübe aufzunehmen, wenn die Wache gerade nicht hinsah, einen Blockältesten mit Gold aus den eigenen Zähnen für Lebensmittel bezahlen, sich in einem Block liegengebliebene Kleidung zu sichern, bevor sie weggenommen wurde, seine eigenen abnehmenden Kräfte zu schonen, indem man sich aus einer Arbeitsabteilung drückte, sich in den Transport, zu dem ein Freund gehörte, hineinzudrängen waren die einzigen Möglichkeiten zu überleben. Und wer will denen einen Vorwurf daraus machen, die sich ihrer bedienten? Wer kann sich wundern, daß Tausende von menschlichen Wesen, die diese Jahre des Terrors überstanden, amoralisch und unsozial waren? Stehlen, sich drücken, die Behörden bestechen und betrügen bedeutete sein Leben retten unter der SS- Herrschaft. Es wäre unbillig anzunehmen, daß die in Jahren solchen Zwanges entstandenen Gewohnheiten unter der britischen Verwaltung sofort aufgegeben werden würden. Die Häftlinge hatten sich in der Unterwelt der Arbeitskommandos eingestellt auf Bluthunde, Reitpeitschen und Gaskammern. Und in der Tat hatten sich Handlungsweise und Betragen der Opfer von Belsen nicht mit dem Augenblick geändert, in dem sie das Konzentrationslager verließen. Dreitausend britische Soldaten sahen sich einem Problem der geistigen und moralischen Wiederher130 das stellung gege atrischer Exp Aber wäh Aufnahmelag dringendsten perlichen G raschung bra Konzentratio zusammen un den verhältn großen Kaser eine verzöger die Wirkung spruchten No keit angesich immer die U bittere Enttä hatte, die ge von Krankhe hygienische Da war z Mädchens Ki Im Konzer gesundesten nissen der f hatte sie jed ziere gearbei Panzer- Ausb Zimmer mit gedeckter Ti für Lebensm ich sie aber i lich zu schw klagte über sagte, daß sie mir zu u seien. 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Es mag eine verzögerte Reaktion auf die lange Drangsalierung, oder die Wirkung der plötzlichen Entspannung ihrer überbeanspruchten Nerven oder ein Anfall von Sorge und Hilflosigkeit angesichts einer ungewissen Zukunft gewesen sein. Was immer die Ursache dieser Rückfälle war, sie bedeuteten eine bittere Enttäuschung für das britische Personal, das gehofft hatte, die gesunden Opfer des Konzentrationslagers dadurch von Krankheit und Tod zu retten, daß es sie in einigermaßen hygienische Verhältnisse brachte. Da war zum Beispiel der Fall des rumänischen jüdischen Mädchens Kitty S. Im Konzentrationslager schien sie eine der aktivsten und gesundesten der Überlebenden zu sein. Mit ihren guten Kenntnissen der französischen, englischen und deutschen Sprache hatte sie jeden Tag als Übersetzerin für die britischen Offiziere gearbeitet. Anfang Mai wurde sie in eine Kaserne der Panzer- Ausbildungsschule verlegt, wo sie ein ziemlich großes Zimmer mit drei anderen Mädchen teilte. Da waren ein weiß gedeckter Tisch, eine Blumenvase, Bücher und ein Schrank für Lebensmittel und die persönlichen Dinge im Zimmer. Als ich sie aber in der ersten Maiwoche besuchte, war Kitty plötzlich zu schwach geworden, um aufzustehen, und totenblaẞ. Sie klagte über drückende Schmerzen in der Lunge. Als ich ihr sagte, daß es sich um nervöse Symptome handelte, stimmte sie mir zu und sagte am nächsten Tage, daß sie verschwunden seien. Aber ihre Schwäche nahm zu. Ein Ruhranfall machte ihr die Nahrungsaufnahme unmöglich, und nach drei Tagen 131 war sie fast zu schwach, um zu sprechen. Sie legte ihre Hand auf die Bettdecke. ,, Meine Hände ähneln schon denen der Toten, die wir sahen", meinte sie. Und als ich auf ihre Hände niederblickte, sah ich, daß sie recht hatte. Ich führte einen Stabsarzt zu ihr. ,, Ihr körperlicher Zustand ist ziemlich übel", erklärte dieser später. ,, Wenn sie es übersteht, so fürchte ich, daß sie niemals wieder eine normale Gesundheit haben wird." Sie wurde ins Lazarett gebracht. Da sie das Verlangen der Ruhrkranken nach Früchten und Saurem hatte, brachte ich ihr einige Äpfel und eine Flasche Zitronensaft. Als ich sie zwei Tage später besuchte, war ihre Stimme kräftiger und sie sagte: ,, Ich sehe, daß es sich nicht so leicht stirbt." Sie lag zweieinhalb Monate im Lazarett, und im Juli verließ sie Belsen mit 7000 anderen Patienten, die zur Erholung nach Schweden fuhren, in einem Lazarettzug. Sie war ein sensibles, intelligentes jüdisches Mädchen, die Tochter eines Schlachters in Sattmar in Rumänien. Kitty war eine von vielen Hunderten tüchtiger und wohlbefähigter Überlebender von Belsen, die den Engländern freiwillig und ohne Bezahlung bei ihrer furchtbaren Aufgabe halfen. Sie und ihre Mitfreiwilligen unter den ehemaligen Häftlingen bildeten ein unentbehrliches Hilfspersonal. Es bestand aus Ärzten, Pflegerinnen, Dolmetschern, Köchen, später auch aus Lehrern, Bibliothekaren, Unterhaltungskräften und politischen Helfern der Kriegsverbrechen- Kommission. Ohne die Hilfe dieser Hunderte von fähigen und oft selbstlosen Freiwilligen wäre es unmöglich gewesen, das Lazarett oder das Erholungslager aufrechtzuerhalten. Unter ihnen befanden sich Pflegerinnen, die viele Tage noch, nachdem sie hätten verlegt werden können, in dem verseuchten Lager blieben, um die Kranken zu pflegen und zu versorgen. Ohne die Dolmetscher, die wir in der ersten Woche zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammengestellt hatten, wäre es für die meisten Engländer unmöglich gewesen, den Köchen, Blockältesten, Pflegerinnen und dem deutschen Arbeitsdienst An132 weisungen z stellten sich Verfügung, Untersuchun tschechischen Kreuz verhör Diese inte unschätzbare Pflichten ab rungswürdig jenem ,, unter Himmler sic In den L in den letz Typhusprobl Die verbleib hauptsächlich äußerster En Verdauungss provisorische wandelten C lazarett im Skelette. Vie ihrer Abmag lag ein jung eder Scharm Augen blick waren apath Eine der nahm ein ps und leidend ausbildungss teilte sie Fil stücke, daz Tage war drahtgefertig gestellter kü Die Begab e Hand die wir daß sie te dieser niemals gen der e ich ihr sie zwei Sie sagte: i verließ ng nach chen, die nd wohlgländern en Aufden ehepersonal. Köchen, haltungsen- Komund oft Has Lazaage noch rseuchten versorgen. zu einer s für die , Blockienst Anweisungen zu erteilen. Später, als die Schule organisiert war, stellten sich aus der Reihe der Häftlinge freiwillige Lehrer zur Verfügung, und die Mehrzahl der von der KriegsverbrechenUntersuchungsgruppe aufgerufenen Zeugen wurde von zwei tschechischen jüdischen Mädchen ausfindig gemacht und ins Kreuzverhör genommen. Diese intellektuelle Elite Belsens leistete den Engländern unschätzbare Dienste, indem sie ihnen einen Teil ihrer Pflichten abnahm; es befanden sich darunter viele bewunderungswürdige und begabte Menschen. Auch sie gehörten zu jenem ,, untermenschlichen" Element Europas, das auszurotten Himmler sich vorgenommen hatte. In den Lazarettblocks der Panzerausbildungsschule lagen in den letzten Maitagen ungefähr 13 000 Patienten. Das Typhusproblem war durch Tod oder Genesung gelöst worden. Die verbleibende Masse menschlichen Strandgutes bestand hauptsächlich aus Tuberkulosefällen und solchen, die an äußerster Entkräftung litten; hinzu kamen die an chronischen Verdauungsstörungen Leidenden. Da lagen sie nun in dreißig provisorischen Lazarettbaracken, in der in ein Lazarett umgewandelten Offiziersherberge und in dem deutschen Militärlazarett im Walde, eine erbarmungswürdige Schar lebender Skelette. Viele der Frauen hatten geschorene Köpfe, und in ihrer Abmagerung wirkten sie geschlechtslos. Hier und dort lag ein junges Mädchen, das noch immer etwas Schönheit eder Scharm bewahrt hatte, oder eines Mannes freundliche Augen blickten einem entgegen, aber die. meisten Gesichter waren apathisch oder leiderfüllt. Eine der Gehilfinnen des Britischen Roten Kreuzes unternalım ein psychotherapeutisches Experiment mit den kranken und leidenden Frauen des Lazarettabschnittes der Panzerausbildungsschule. In Ermangelung besseren Materials verteilte sie Filzstreifen, Rollen bunten Bindfadens und Drahtstücke, dazu Näh- und Strickmaterial. Innerhalb weniger Tage war manches Paar wunderschön bestickter Pantoffeln, drahtgefertigter Tischuntersätze und eine Anzahl aus Filz hergestellter künstlicher Blumen angefertigt. Die Begabung für Nadelarbeit und Schneiderei, die sich so 133 unerwartet selbst unter den Bettlägerigen und ernstlich Kranken offenbarte, war bezeichnend für die weiblichen Überlebenden Belsens. Viele dieser Frauen waren Jüdinnen aus Polen, Ungarn und Rumänien. Vor ihrer Festnahme und Verschleppung hatten sie als Schneiderinnen, Näherinnen und Zeichnerinnen in den Fabriken und Ateliers von Radom, Sosnowitz, Debrecin und Koloszvar gearbeitet. Das solcherart bei diesen kranken Frauen entdeckte Talent offenbarte sich später unter den Gesunden. Ich weiß nicht, was aus diesen kranken Frauen schließlich werden wird. Von den an Tuberkulose leidenden werden nur zwanzig Prozent sich einer normalen Lebensdauer erfreuen können, und der größte Teil wird sein Leben lang kränklich sein. Aber vielleicht läßt sich aus diesem Experiment eine Lehre ziehen. Vielleicht wird es möglich sein, Kolonien selbständiger Kunstgewerblerinnen und Schneiderinnen aus diesen Überlebenden zu bilden, deren jede von einem Gesundheitsdienst betreut wird. Außer dieser Schar körperlich Behinderter, Kranker und. Sterbender gab es noch ein anderes schlimmes Erbe im Lazarettabschnitt der Panzerausbildungsschule. Block 27 war in eine Irrenanstalt umgewandelt worden. Vor den Fenstern waren eiserne Gitterstäbe. Als ich eines Morgens an dem Block vorbeiging, hörte ich eine Frauenstimme ,, Im weißen Rössel am Wolfgangsee" singen. Eine der Pflegerinnen zeigte mir den Raum, woher der Gesang kam. Ein Mädchen kletterte im Nachthemd aus dem Bett, immer noch aus voller Kehle singend. Sie war abgemagert und blaẞ und ihre Augen blinzelten. Als ich sie ansprach, brach sie in einen zusammenhanglosen Wortschwall aus. ,, Berlin wird geblitzt, gebombt, geblitzt, gebombt, geblitzt", rief sie. Dann kletterte sie vollends aus dem Bett und lief an das Bett einer älteren Jüdin, die langsam und flehend sagte: ,, Bitte, Herr Doktor, scheren sie mir nicht das Haar... sie sagen, Stalin sei schuld, daß ich nicht heimkehren kann... aber ich weiß nicht..." Und dann: ,, Sterilisation... Sterilisation... Sterilisation..." Das Mäd mit der Har fort. „ Das Mäd als wir hina ein Fall geist denen sie sic In dem grimassensch das damit be sten Bett lag wilden Ausd ihres Bettes Die Gesch imstande gev Eine ander das Problem war. 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In dem gegenüberliegenden Zimmer befand sich ein grimassenschneidendes, affenähnliches, kahlköpfiges Geschöpf, das damit beschäftigt war, seine Decke zu zerfasern. Im nächsten Bett lag ein völlig angekleidetes Mädchen, das mit einem wilden Ausdruck zur Decke hinaufstarrte. Auf das Fußende ihres Bettes hatte sie einige belaubte Zweige gelegt. Die Geschichte dieser Frauen war unbekannt. Sie waren nie imstande gewesen, sie zu erzählen. Eine andere Anlage der Panzerausbildungsschule zeigte, daß das Problem wenigstens einiger der Kranken gelöst worden war. Das war der neue Friedhof, der am Rande eines Waldes angelegt worden war, hinter dem großen Theaterzelt, das früher der Unterhaltung der Wehrmacht gedient hatte. Die tägliche Totenliste, die sich gegen Ende des Krieges auf dreihundert belaufen hatte, enthielt einen Monat später immer noch fünfzig Namen, und die Reihen kleiner hölzerner Tafeln auf den frisch aufgeworfenen Hügeln wurden täglich länger. Jede Tafel trug eineh Namen, und an dem Nordende des Friedhofes war ein Dutzend größerer Gräber, jedes mit einer größeren Tafel, von denen einige mit dem Davidstern oder einer Nationalfahne gezeichnet waren. In diesen größeren Gräbern waren die Leichen in hölzernen Spinden, die als Särge dienten, beigesetzt. Es waren die Gräber von Männern und Frauen, die Angehörige im Lager hatten, welche ihre Überreste mit zurück in die Heimat oder in ein Einwanderungsland nehmen wollten. Das Dasein der Kranken, Sterbenden und entkräfteten Männer und Frauen im Lazarettabschnitt unterschied sich wesentlich von dem der gesunden Überlebenden, die in etwa zwanzig Kasernen am Nordende der Panzerausbildungsschule ( bekannt als Lager 3) und in einer Anzahl kleiner zwischen 135 Bäumen gelegener Blocks, den ehemaligen Offizierswohnungen zwischen der Belsener Mühle und der Offiziersherberge ( Lager 4), untergebracht waren. Hier waren, soweit angängig, die Blocks nach Nationalitätengruppen verteilt worden. So lebten die Tschechinnen in drei oder vier Blocks, die Ungarinnen hatten ihren eigenen Block und so weiter. Die in Lager 3 untergebrachten Franzosen, Belgier und Holländer verschwanden bald, da sie heimkehrten. Unter den zurückbleibenden Nationalitätengruppen hatten sich bereits Ausschüsse der aktivsten Geister gebildet, um die Interessen ihrer Landsleute wahrzunehmen und als Auskunftsbüro zu dienen. Die materiellen Bedingungen in den Lagern 3 und 4 waren gut. Ein reichlicher Verpflegungssatz war eingeführt worden, und die pro Person ausgeteilten Rationen entsprachen kalorienmäßig den Zuteilungen der britischen Zivilbevölkerung. Die Mahlzeiten wurden gegen Rationierungskarten direkt von den Kantinenküchen und nicht durch Vermittlung von Blockältesten ausgegeben. Die Leute kamen mit ihren Tellern( die abrückenden Deutschen hatten eine große Menge Geschirr hinterlassen) und trugen die Verpflegung in ihre Räume zurück, einige nahmen ihre Mahlzeiten auch vor der Küche stehend oder sitzend ein. F Und dennoch kamen in den ersten Tagen nach Einrichtung des Lagers 3 Leute, die über Hunger klagten. Es war schwierig, hierfür eine Erklärung zu finden. Gewiß kam es vor, daß Rationierungskarten gestohlen oder verloren worden waren, was dazu führte, daß Mahlzeiten ausfielen, aber dies erklärte nicht die große Anzahl der über Hunger Klagenden. Auch rechtfertigte dies nicht das Verhalten einiger junger Insassen des Lagers, die von der Militärpolizei dabei überrascht wurden, wie sie große Stücke Schweine- und Rindfleisch brachten, das von Tieren stammte, die sie von Höfen und Weiden entwendet und geschlachtet hatten. Ebenso wenig erklärt es die Tatsache, daß in einigen Blocks Brot unter den Matratzen versteckt gefunden wurde. Eines Nachmittags hielt ein mit Brot beladener LKW auf dem Hauptplatz von Lager 3, was, wie sich herausstellte, unvorsichtig war, denn innerhalb 136 von zwei M geentert, di - g rissen Diese Masse der Fahrer konnte. Zweifello die lange Z zuführen. I um ihre Kö war jedoch einer Art glauben, da unwidersteh mittel an si weil sie nac gewiß ware Tag wieder in den Lei gestürzt hat Das Prob Frauen in d lingskleidun gelöst, daß Ortschaften Lazarettabs So hatter der bereits schule bis pflegung, Belsen gem Zu lösen aufrichtung gleichs ein gewöhnung von ihnen trauen und hinters Lic ungen Tberge ionali- Ien in Igenen Fran- heim- ‘uppen bilder, Is Aus- waren orden, kalo- erung, kt von Block- n(die seschirr zurück, stehend ichtung jwierig Ir, daß waren, erklärte genden ger In- errascht fleisch en und enig, EI- ter den g5 hielt Lager 3, inerhalb von zwei Minuten war er von einer Menge schreiender Frauen geentert, die die Brote an sich nahmen und sie einander ent- rissen— ganz wie in den Tagen des Konzentrationslagers. Diese Massenhysterie”— denn das war es— ging so weit, daß der Fahrer die Menge nur durch Weiterfahren zerstreuen konnte. Zweifellos war diese unbeherrschte Eßbegierde teilweise auf die lange Zeit des Hungers und der Unterernährung zurück- zuführen. Die Menschen brauchten ungewöhnliche Mengen, um ihre Körper und Gewebe wiederaufzubauen."Wesentlicher war jedoch eine psychologische Ursache. Sie litten nämlich an ‘einer Art Hungerpsychose. Im Grunde konnten sie nicht glauben, daß die Tage des Hungers vorbei waren. Durch einen unwiderstehlichen Instinkt wurden sie gezwungen, Lebens- mittel an sich zu nehmen, zu stehlen, zu hamstern, einfach, weil sig nach all den Jahren des Terrors ihres Schicksals nicht gewiß waren, immer noch nicht sicher waren, ob nicht der Tag wiederkehren würde, da sie sich unter Gefahr, eine Kugel in den Leib zu bekommen, auf ein Stück Kartoffelschale gestürzt hatten.= Das Problem der Neueinkleidung der 15 000 Männer und Frauen in den Lagern 3 und 4, von denen viele nur ihre Häft- lingskleidung besaßen, wurde wenigstens teilweise dadurch gelöst, daß viele Kilometer im Umkreis Kleidung in deutschen Ortschaften beschlagnahmt wurde. Ein ehemaliger Stall im Lazarettabschnitt wurde in ein Ausgabelager umgewandelt. So hatten die Engländer mit Hilfe des guten Wetters und der bereits bestehenden Einrichtungen der Panzerausbildungs- schule bis Ende Mai die vordringlichen Aufgaben der Ver- pflegung, Bekleidung und Unterbringung der Insassen von Belsen gemeistert. f Zu lösen waren noch’ die Aufgaben der seelischen Wieder- aufrichtung, der Wiederherstellung des Vertrauens, des Aus- gleichs eines jahrelangen Ausbildungsausfalls, der"Wieder- gewöhnung von 15 000 Menschen an die Arbeitsfreude; vielen von ihnen mußte beigebracht werden, den Behörden zu ver- trauen und sie zu respektieren, statt sie zu verachten und sie hinters Licht zu führen, und man mußte ihnen klarmachen, SEE 137 Be daß Bestimmungen und Vorschriften wohltuend und nicht teuflisch sind. Offenbar konnte hinsichtlich dieses schwierigen Vorhabens nur ein Anfang gemacht werden. Am 15. Mai ging ich mit Mrs. Montgomery und Miẞ Heard vom Britischen Roten Kreuz in die Speisesäle zweier Kantinen des Lagers 3. Wir planten die Einrichtung einer Bücherei und eines Aufenthaltsraums. Eine Woche später war der Plan durchgeführt. Ich fuhr nach Lübeck und befahl dem Bürgermeister, eine Sammlung aller nichtdeutschen Bücher in der Stadt durchzuführen. Vier Tage später standen zweihundert Bände für mich im Rathaus bereit. Darunter befanden sich Macaulays Essays und Romane von Galsworthy, Oscar Wilde, Alphonse Daudet und Warwick Deeping. Unglücklicherweise waren keine polnischen und ungarischen Bücher darunter. Mrs. Montgomery beauftragte den Bürgermeister von Belsen, Sessel, Grammophone und Klaviere zu beschaffen. Innerhalb weniger Tage hatte sie genug Möbel, um einen Aufenthaltsraum auszustatten. Unsere erste Bibliothekarin war Elisabeth Kohn, eine schármante und intelligente rumänische Jüdin. Es mangelte uns an Zeitungen, und wir hatten überhaupt keine in polnischer oder russischer Sprache, ausgenommen ein vierzehntäglich erscheinendes Blatt der 21. Armeegruppe, das in sieben Sprachen für DPs herausgegeben wurde und zuerst vor zwei Monaten in Kevelaer erschienen war, ehe die britischen Armeen vom Rheinland aus vorgerückt waren. Zu Anfang wurde die Bücherei in Lager 3 nicht sehr in Anspruch genommen. Teils wegen der Vorschrift, daß Bücher nicht mitgenommen werden durften, teils aber auch, weil der größte Teil der Überlebenden mehr von einem Verlangen nach Unterhaltung als nach Wissen beseelt war. Dies galt insbesondere für die jungen Frauen. Nach Jahren der Unterdrückung, der Düsternis, des Terrors und Mangels konnte ihr aufgestauter Lebenshunger jetzt endlich befriedigt werden. Sie wollten eher ,, leben" als denken. Dies galt nicht für alle Insassen des Lagers 3, denn 400 von ihnen trugen sich in drei Tagen in die Teilnehmerlisten für englischen Sprachunterricht ein, und gewöhnlich waren in der Bücherei drei oder vier 138 Leute über lasen meis ,, Intellektu Mannes en ,, Brüder K Bald erk Unterhaltu Stojowska, fahrung am stellung ein vom Roter Komitees Bühnentale kommende Am 24. Vorstellun umfaßte p russischen sangen, ei amazonisch arien, gesu aber zieml hörtem T Typhus er auf Befeh Auschwitz Untergang Für da gramme b schule zu trägern u ausgestatt Kulissen Eisenbahn stempelt. von Dr. gelegene für drama d nicht wierigen Heard KanBücherei er Plan Bürgerin der hundert en sich Wilde, merweise er. Belsen, nerhalb nthaltsescharuns an er oder erscheiprachen maten in n vom sehr in Bücher veil der en nach insbeUnternte ihr werden. für alle in drei terricht er vier Leute über Büchern oder Zeitungen zu finden. Die Frauen lasen meist Romane oder Liebesgeschichten. Die wirklichen ,, Intellektuellen" waren selten, obwohl ich mich eines jungen Mannes entsinne, der sich über eine deutsche Übersetzung der ,, Brüder Karamasow" hergemacht. hatte. Bald erkannten wir, daß der großen Masse der Befreiten Unterhaltung und Sport mehr zusagen würde als Bücher. Eva Stojowska, eine polnische Schauspielerin mit zehnjähriger Erfahrung am Warschauer Nationaltheater, schlug die Zusammenstellung eines internationalen Kabaretts vor. Die beiden Damen vom Roten Kreuz und ich suchten jedes der Internationalen Komitees auf und baten sie, den Versuch zu unternehmen, Bühnentalente für eine Vorstellung zu mobilisieren, die in der kommenden Woche gegeben werden sollte. Am 24. Mai gab dieses ,, Internationale Kabarett" seine erste Vorstellung im Speisesaal der Kantine 2 in Lager 3. Sie umfaßte polnische Tänze, einen entzückenden Chor von kleinen russischen Mädchen, die Partisanenlieder und Kinderweisen sangen, einen Chor jugoslawischer Partisaninnen, herb und amazonisch in blauen Hosen und weißen Pullovern, und Opernarien, gesungen von Eva Stojowska. Eine temperamentvolle, aber ziemlich hagere Ungarin spielte Csárdásmusik mit unerhörtem Tempo auf ihrer Geige. Sie hatte sich gerade vom Typhus erholt. Ihr Name war Lili Mathé, und sie hatte einmal auf Befehl Josef Kramers vor dem großen Krematorium in Auschwitz gespielt, während Lastwagenladungen von dem Untergang geweihter Männer und Frauen ins Lager rollten. Für das zweite dieser internationalen Unterhaltungsprogramme beschlossen wir, das Theaterzelt der Panzerausbildungsschule zu benutzen. Es war ein riesiges Zelt auf Aluminiumträgern und bot Platz für 800 Personen. Seine hervorragend ausgestattete Bühne, war mit Rampenlicht, Oberlicht und Kulissen versehen. Die Umkleideräume waren in Gestalt von Eisenbahnwagen gebaut und mit„ Kraft durch Freude" gestempelt. Denn dieses ungewöhnliche Theater war auf Befehl von Dr. Ley als Wanderbühne konstruiert worden, um abgelegene, Dorfgemeinden aufzusuchen, die keine Einrichtungen für dramatische Darbietungen hatten. Es war in der Zeppelin139 fabrik von Friedrichshafen hergestellt worden, und ähnelte in der Tat im Innern einem riesigen Luftschiff. Zu Beginn des Krieges war es der Wehrmacht übergeben und bei der Panzerausbildungsschule für die Unterhaltung der deutschen Truppen stationiert worden. Wir begannen mit den Proben auf der Kinobühne. Einige polnische Judenmädchen und Eva Stojowska versammelten sich um das Klavier. Da waren die verschiedenartigsten faszinierenden Begabungen, und Eva, die eine leidenschaftliche Theaterkünstlerin war, sah bald, wie man sie am besten verwerten und entfalten könne. Da war Jetta Janowska, eine polnische Jüdin, die 1939 eine kulturelle Organisation in Leningrad besucht hatte und einige entzückende russische Lieder sang. Da waren Bala und Rosa Selinger, zwei jüdische Schwestern aus Sosnowitz, die jüdische religiöse Lieder vortrugen; und dann war da Michla Golub, die kleine heimweherfüllte jiddische Lieder sang. Noch ehe es viele Proben gegeben hatte, war Eva Stojowska schon voller Ideen über Kostüme und Ausstattung. Ihre Freundin Irena Skarpinska, die eine Expertin in polnischer Volkskunst war, half ihr, und sie kamen zu mir mit Improvisationsvorschlägen für Kostüme. Sie wünschten für Eva selbst ein Bäuerinnenkostüm und eine Sichel, denn sie sollte den Kujawiak, einen polnischen Bauerntanz, tanzen. Für Michla Golubs Gettolieder wollten sie einen schwarzen Gettohut und einen schwarzen Anzug. Dann wünschten sie einen Ballettrock für eine Tänzerin namens Diana Rubin. Nancy Russel- Smith vom Britischen Roten Kreuz und ich fuhren in ihrem Ambulanzwagen durch das Lager auf der Jagd nach Material. Wir erhielten Wundgaze von der Apotheke, und wir plünderten die Haufen beschlagnahmter Kleidungsstücke im Lagerraum. Wir brachten Streifen gelben Stoffes mit, einen schwarzen Rock und einige Meter schwarzen Samt. Irena Skarpinska hatte uns um Farben und Pinsel gebeten, und wir erhielten diese vom Truppenbetreuungsoffizier, der davon für die Kinder zurückgelegt hatte. Aus der Wundgaze schneiderte Madame Skarpinska einen Ballettrock. Ein anderes Stück davon bemalte sie mit einem 140 hübschen M einen Baue und ein K stand. Sie auf der Pa gegebene B Eva Stoj sie mit Silb einen schw dem schwa Und so w Echo des ti wehkranker platz einer träumen la 1. Ouvert 2. II. Leid 3. Frl. Kr Herr O 4. Eva St 5. Lili M 6. Eva K 1. Tanza 8. Eva St 9. Eva St 10. Jetta 11. Die S elte in n- des anzeruppen Einige en sich szinieftliche besten a, eine Leninsang. western ; und dische owska Ihre nischer proviselbst e den hübschen Muster von gelben und grünen Blättern und machte einen Bauernrock daraus. Sie fügte eine gelbe Schürze dazu und ein Korallenhalsband, das aus gefärbten Makkaroni bestand. Sie war eine Expertin und hatte die Kleider für das auf der Pariser Weltausstellung 1937 im polnischen Pavillon gegebene Ballett entworfen. Eva Stojowska schnitt sich aus Pappe eine Sichel und bezog sie mit Silberpapier. Einige Näherinnen in Lager 4 machten einen schwarzen Anzug und eine schwarze Gettomütze aus dem schwarzen Rock und dem Streifen Samt. Und so wurde das NS- Gemeinschafts- Theater, das einst vom Echo des tiefen Gelächters deutscher Soldaten und dem heimwehkranken Refrain von„ Lili Marlen" erfüllt war, der Schauplatz einer Vorführung, von der seine Erbauer sich kaum haben träumen lassen. Dies war das Programm: 1. Ouvertüre Celler Lagerkapelle( Polen und Tschechen) 2. II. Leichte Feld- Ambulanz- Tanzkapelle 3. Frl. Kronenberg Herr Opastowskij. 4. Eva Stojowska. 5. Lili Mathé Tanz . Michla 6. Eva Kolska. ettohut Ballett7. Tanzquartett 8. Eva Steiner. nd ich Jagd Otheke, dungsStoffes Samt. ebeten, er, der einen. einem 9. Eva Stojowska. 10. Jetta Janowska. " ,, Mattinate"( italienisch) Ungarischer Csárdás ,, Geflüster" ,, Südlich der Grenze"( Solo) ,, Hokey Cokey" , Madame Butterfly", Arie der Rosina aus ,, Der Barbier von Sevilla"( Rossini), Lied der Vilja aus ,, Die lustige Witwe"( Lehár) Kujawiak( Worte von Christina Krahelsk, die im Warschauer Aufstand 1944 starb)( Sologesang und Tanz) Zwei russische Lieder( Donajewski) Solo 11. Die Schwestern Selinger Ha'beit m'schomajim" " ( ,, Hilf uns, Himmel") ,, Eli, Eli"( Duette) 141 12. Diana Rubin 13. Michla Golub 14. Celler Lagerkapelle دو , Valse François"( Tanz) ,, Noch einmal das Leben"( Solo) Der Tanz, den unser Programm als ,, Hokey Cokey" zu bezeichnen beliebte, war jener alte Lieblingstanz der britischen Truppen: ,, Erst streckst du dein linkes Bein, dann ziehst du's linke wieder ein." Die vier hübschen polnischen Judenmädchen, die ihn mit entsprechenden Gebärden in weißen Wolljacken und blauen Hosen tanzten, amüsierten sich großartig. Am Abend des 4. Juni kam uns der Gedanke, daß die Aufführung nicht genügend angekündigt worden sei, aber um 7 Uhr, eine Stunde vor Beginn, war das Zelt voll. Um halb acht standen die Leute in allen Gängen, Gruppen von Mädchen, die draußen standen, lehnten sich mit ihrem vollen Gewicht gegen die geschlossenen Türen, andere klatschten mit den Händen auf die Zeltwände. Es war wieder das unbeherrschte Betragen der Konzentrationslagertage. Eine Viertelstunde später füllte eine Gruppe von weiblichen Zuschauern die Kulissen, nachdem sie sich einen Zugang durch den Bühneneingang erzwungen hatten. Als ich sie ruhig hinauswies, waren sie beleidigt. دو , Wir sind nicht mehr unter der SS", sagte eine von ihnen. ,, Sie erwarten jede Rücksichtnahme und Höflichkeit", antwortete ich ,,, und dennoch macht es Ihnen nichts aus, den anderen den Abend zu verderben, indem Sie die Schauspieler behindern." Diese übertriebene Empfindlichkeit in Verbindung mit unsozialem Verhalten war typisch für Tausende von Frauen, die aus Belsen kamen. Sie war eines der Merkmale der ihnen von den Deutschen aufgezwungenen Demoralisierung. Das Programm wurde an vier Abenden vor vollem Saal gegeben. Der Elektriker, der die Beleuchtung besorgte, war Sergeant Watson vom Pionierkorps. Andere Soldaten der 225. Pionierabteilung standen als Türhüter unter schwierigen Verhältnissen ihren Mann. Wochen darauf noch wurde ,, Hokey Cokey" im ganzen Lager gesungen und gepfiffen. Einen Vorfall, der sich am ersten Abend ereignete, werde ich 142 . nie vergesse Hilfegebet а a h d 11.9 n H is Sie war ihrem langen und als sie sang, streckt lichen Worte hörte ich ein ein Ausbruch blickte, sah i deren Schul Nachbarin Weinen? Di Nach der der Bühne. ( Solo) zu ischen St du's dchen, jacken Aufer um - Um n von vollen en mit unbeViertelhauern ühnenwaren ihnen. ants, den spieler ng mit Frauen, r ihnen m Saal te, war en der wierigen wurde pfiffen. erde ich nie vergessen. Bala Selinger sang das furchtbare hebräische Hilfegebet ,, Eli, Eli": Eli! Eli! Warum hast du uns verlassen? Mit Feuer und mit Flammen haben sie uns verbrannt. Überall haben sie uns preisgegeben der Beschimpfung und dem Spott. Sie haben uns gezwungen, deinen Glauben zu verleugnen. Eli! Eli! Warum hast du uns verlassen? Bei Tag und bei Nacht sitze ich und denke, und ich weine. Können wir glauben an Gott und sein Gesetz? Errette uns! Rette uns! Rette uns! Lieber Gott, komm zu uns, höre meine Klage, höre meinen Schrei; denn kein Mensch will uns helfen, nur du, lieber Gott. Höre, o Israel, Gott unser Gott ist Einer. Sie war eine große Frau, vollbusig und mütterlich. In ihrem langen einfachen Kleid sah sie wie eine Priesterin aus, und als sie das verzweiflungsvolle, leidenschaftliche Gebet sang, streckte sie ihre Arme flehend aus. Nach den schrecklichen Worten ,, Mit feier und mit flamen hat man uns gebrent" hörte ich ein plötzliches Geräusch hinter mir. Es klang wie ein Ausbruch unbeherrschten Gelächters, aber als ich mich umblickte, sah ich ein Mädchen mit den Händen vor dem Gesicht, deren Schultern in leidenschaftlichem Gram bebten. Ihre Nachbarin wandte sich ihr zu und sagte: ,,, Was soll das Weinen? Die Transporte sind jetzt vorbei.". Nach der Vorführung gaben wir eine kleine Gesellschaft auf der Bühne. Der Wein war süß und nicht sehr stark, aber die 143 Künstlerinnen waren nach zwei Gläsern schon ein wenig beschwipst. Eva Kolska wies mich darauf hin, daß dies nicht verwunderlich sei. Schließlich war es ihre erste Gesellschaft. Sie war 22 Jahre alt, hatte aber seit ihrem 18. Lebensjahr im Konzentrationslager gelebt." Die kabarettistischen Darbietungen in den Lagern 3 und 4 gaben den Insassen Belsens das Gefühl, an Veranstaltungen teilzunehmen, die von ihren eigenen Freunden und Kameraden organisiert worden waren. Der Tanz im Freien war jedoch eine Form der Unterhaltung, die den jungen Leuten eine noch aktivere Teilnahme ermöglichte. Die großen Kasernenhöfe, die etwa 100 Meter im Geviert maßen, waren für die Abhaltung von Freilufttänzen wohl geeignet. Es war jetzt wie im Mittsommer. Junge Bäumchen wurden eigens um einen der Höfe gepflanzt, und eine hölzerne Tribüne mit einem Proszenium wurde für die Kapelle errichtet. Am 21. Mai fand der erste Tanz im Freien statt. Fahnen der Vereinten Nationen schmückten die Tribüne und wurden zwischen den Bäumen ausgespannt, und über den Platz wurden Lampions gereiht. Der Lautsprecherwagen wurde, mit Tannenzweigen und Fahnen bedeckt, in die Mitte gestellt, um die Musik von der Kapelle zu übertragen. Kurz bevor der Tanz begann, rief ich durch den Lautsprecher nach Freiwilligen, die Bänke aus den Kantinen auf den Platz tragen sollten, so daß die Alteren sitzen und dem Tanz zuschauen könnten. Gruppen von Männern sahen den Vorbereitungen aus allen Fenstern des Blocks zu. Keiner regte sich. Nur zwei polnische Jungen traten vor. Ich mußte in den Block gehen und jeden Mann einzeln ermuntern, herauszukommen und zu helfen, che sich Freiwillige fanden. Ich besprach dieses Erlebnis nachher mit einem ehemaligen politischen Gefangenen. ,, Was können Sie anderes erwarten?" fragte er.„, Fünf Jahre lang bewahrten wir unser Leben, indem wir der Arbeit aus dem Wege gingen und so unsere Kräfte erhielten." Der heiter beleuchtete Platz unter dem bestirnten Junihimmel wirkte wie eine sommerliche Strandpromenade in England, als die Scharen junger Mädchen, die so kürzlich der 144 Vernicht und mit tanzten. neunzehn Einheit k „ Gott" man sich Juni und und die Gepräge. Kasim Bergwerk aufrüttel gesungen Eröffnun 10 Sington ig benicht schaft. ahr im und 4 tungen eraden jedoch noch Geviert a wohl mchen Fölzerne elle erstatt. ne und er den rwagen e Mitte Lautmen auf nd dem men den Keiner mußte rn, herfanden. maligen ,, Fünf r Arbeit " en Juninade in zlich der Vernichtung entkommen waren, mit ihren jungen Männern und mit den britischen Soldaten zur Musik einer RAF- Kapelle tanzten. Als wir den Platz verließen, machte Paula, das neunzehnjährige jüdische Mädchen aus Radom, das für meine Einheit kochte, die Bemerkung, die wir erhofft hatten.. ,, Gott", sagte sie, indem sie tief Atem holte ,,, wie kann man sich jetzt des Lebens freuen!" Während der Monate Juni und Juli gaben die Kabarettveranstaltungen wöchentlich und die Freilufttänze vierzehntäglich dem Belsener Leben ihr Gepräge. Kasimir Timinskid, ein begabter Pianist, der einstmals Bergwerksingenieur in Polen gewesen war, komponierte, ein aufrüttelndes ,, Befreiungslied", das eine Zeitlang von allen gesungen wurde. Es bildete den Abschluß der dritten und den Eröffnungschor der vierten Kabarettveranstaltung. 10 Sington Die bösen Tage sind vorbei, im Sonnenschein erstrahlt die ganze Welt, und Glück und Freude sind in unseren Herzen. Laẞt die Tränen nicht wieder strömen, laßt die Schauer der Furcht entschwinden, daß unsere Jugend verschont werde. Wir ziehen in die Welt mit einem Lied hinaus, jede Blume bringt uns Glück. Wir spotten der Trauer des Todes und leben mit einem Lied auf den Lippen. Lächelt, ihr alle, Refrain: lächelt mit uns, freudig mit uns, denn die Welt ist unser, alles ringsum ist voller Freude. Vergiß, daß du ein Bettler bist, vergiß, daß deine Taschen leer. Die Welt ist unser, unser das Lied und das Lächeln, drum lachet froh. 145 Am 22. Juni zogen die Kinder des Lagers, indem sie dieses sangen, zu einer Freiluft- Sportveranstaltung durchs Lager: Lied f Fine " Refrain Für die dritte und vierte Aufführung im Zelttheater wurden\ ein Ziehharmonikaspieler namens Bolek und der Trompeter Gitler gefunden. Eine neue Lagerkapelle mußte gebildet werden als Ersatz für die 90. Swingtet der 11. Leichten Feldambulanz, die mit soviel Frohsinn und Liebenswürdigkeit zu dem neuen Leben in Belsen beigetragen hatten, jetzt aber zum Juli abrücken mußten. Bolek hatte früher im Effektenlager neben dem Krematorium in Birkenau gearbeitet, und er fertigte für mich Skizzen der Gaskammern und Verbrennungsöfen an. Zwei Jahre lang hatte er ein Doppelleben geführt, indem er an der Technischen Hochschule in Lemberg studierte und zu Hause Pässe fälschte und Mitgliedern einer Spionagegruppe, die auf dem Funkwege Informationen nach London gab, Geld übermittelte. 146 1942 mußte und dann mit seiner N verhaftet. Lemberg ein Mutter und Schreiber im der in die kompletten sachen wurd Hälfte wurd Außer Bo Kabarettver eine munter sang. Wenig und Kasimi datenbetreu für das Bel seine einzig Mitte Jun Lager 4 er der Geschich den Aprilt kannte die ein echtes I hatte die F Anordnung zwecke frei Dieses G Prinzipien britannien, St. Hellier. körperlicher verfolgt w Räume in d ein Theater Ich reiste einen Aufr 10* dieses Lager: H wurden mpeter ebildet FeldKeit zu er zum Kremakizzen e lang nischen Fälschte Funkmittelte. 1942 mußte er auf vier Monate nach Krakau verschwinden, und dann wurde er eines Morgens im Juni 1943 zusammen mit seiner Mutter und seinem Bruder von vier Gestapoleuten verhaftet. Drei Monate waren sie im Lonsky- Gefängnis in Lemberg eingekerkert und dann nach Birkenau übergeführt, wo Mutter und Bruder umkamen. Bolek selbst arbeitete als Schreiber im Effektenlager. Er erklärte, daß von der Kleidung der in die Gaskammern geschickten Männer und Frauen die kompletten Anzüge in das SS- Lager kamen; von den Wertsachen wurde die Hälfte vom SS- Personal behalten, die andere Hälfte wurde an eine Breslauer Bank gesandt. Außer Bolek und Gitler gehörte zu den für die späteren Kabarettveranstaltungen entdeckten Talenten Helena Pitel, eine muntere Jüdin, die ,, leichtfertige" Lieder auf polnisch sang. Wenige Wochen später unterzeichneten sie, Eva Stojowska und Kasimir Timinski, Dauerkontrakte für die britische Soldatenbetreuung. Ihr Ausscheiden bedeutete einen ernsten Schlag für das Belsener Theater, das dadurch seinen Pianisten und seine einzige Berufsschauspielerin verlor. Mitte Juni wurde Major Berney zum Kommandanten von Lager 4 ernannt. Das war eine der besten Ernennungen in der Geschichte der britischen Verwaltung Belsens. Er hatte in den Apriltagen im Konzentrationslager mitgearbeitet und kannte die Hölle, aus der die Überlebenden kamen. Er hatte ein echtes Interesse an ihrem Wohlergehen genommen, und er hatte die Fähigkeit, alles dafür zu tun. Eine seiner ersten Anordnungen war, daß ein Block in Lager 4 für Geselligkeitszwecke frei gemacht wurde. Dieses Gemeinschaftshaus wurde nach genau den gleichen Prinzipien organisiert wie die modernen Siedlungen in Großbritannien, wie zum Beispiel Wythenshawe, Downham und St. Hellier. Die Absicht war, einen Mittelpunkt geistiger und körperlicher Erholung zu schaffen, wo auch kulturelle Ziele verfolgt werden konnten. Es befanden sich etwa zwanzig Räume in dem Block, aber kein Platz für eine Turnhalle oder ein Theater. Ich reiste nach Hannover und wies den Bürgermeister an, einen Aufruf zur Abgabe von Klavieren, Grammophonen, 10* 147 Büchern, Musikinstrumenten, Spielkarten und Nähmaschinen zu machen. Er ließ gedruckte Aufrufe anschlagen, in denen er die Einwohner aufforderte ,,, ihren Abscheu vor dem Nationalsozialismus dadurch zu zeigen, daß sie zur Unterstützung der Opfer von Belsen beitragen". Das gleiche geschah in Uelzén, Soltau und Celle. Zehn Tage später wurden sechs Klaviere in Dreitonnen- Lastwagen abgeholt. Stephen Green fuhr mit seinem Ambulanzwagen nach Hannover und kam mit Nähmaschinen, einer Anzahl Grammophone( einige davon unreparierbar), Gitarren, Mundharmonikas, Schach- und' Damespielen, Spielkarten und Büchern zurück. Uelzen, Soltau und Celle leisteten ebenfalls ihren Beitrag. " Lady Abrahams vom Britischen Roten Kreuz baute das, Gemeinschaftszentrum auf. Sie konnte ein Musikzimmer, ein Spiel- und ein Billardzimmer, eine Bücherei, einen Lesesaal mit Zeitungen und ein Studio einrichten. Im ersten Stock waren ein Friseur und eine Friseuse und vier kleine Werkstätten, die wir gern in viel größerem Maßstabe aufgebaut hätten ein Schuhmacher, ein Hutmacher, ein Schneider und eine Schneiderin. - Diese hätten die Keimzelle einer Selbstversorgergemeinschaft sein können, wie sie in idealer Weise von den gesunden Überlebenden Belsens bis zur Möglichkeit einer Heimkehr oder Auswanderung hätte gebildet werden sollen. Dieses Gemeinschaftszentrum in Lager 4 verwaltete sich teilweise selbst mit Bibliothekaren, Wirtschafterinnen und einem kleinen Abhördienst aus den Reihen der gebildeten und unternehmungslustigen jungen Leute des Lagers. An einigen Wänden entstanden Malereien von Straßenszenen. Auf den Lesetischen des Zeitungszimmers häuften sich bald die Ausschnitte aus der Presse; ferner wurde ein Nachrichtendienst in polnischer Sprache nach Meldungen des BBC ausgelegt. Auch waren dort Exemplare polnischer und tschechischer Zeitungen und des Nachrichtenbulletins der 21. Armeegruppe verfügbar. Als ich einmal in das Musikzimmer kam, fragte ich den Mann, der dort auf dem Klavier Mozart spielte, ob er Berufspianist gewesen sei. Er antwortete, er sei Maschinenweber in einer 148 Fabrik in L lebende eine Brüder und umgekomme Der Hutn jüdische Ha Werkstatt i Der Schuhm hilfen gehab in Lodz bes gewesen und Gaskammern Diese Mär in dem aus e Lager 4. 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Der Schuhmacher kam aus Petrikau, wo er vier oder fünf Gehilfen gehabt hatte; der Schneider hatte ein kleines Geschäft in Lodz besessen. Jeder von ihnen war fünf Jahre gefangen gewesen und hatte seine Eltern, Brüder und Schwestern in den Gaskammern von Treblinka verloren. Diese Männer hatten das Monopol für ihren Gewerbezweig in dem aus einer Gemeinschaft von 5000 Menschen bestehenden Lager 4. Sie erhielten für ihren Einsatz bessere Verpflegung und die paar Zigaretten wöchentlich, die auch den Dolmetschern, Köchen und anderen ,, Spezialarbeitern" als Entgelt zugeteilt wurden. Im Juli wurden englische Linguaphon- Kurse eingeführt, und gegen Mitte August lernten 100 Teilnehmer in Lager 4 nach dieser Methode Englisch, überwacht von Mitgliedern der Pfadfinderinnengruppe, die während des Sommers nach Belsen gekommen waren. Ein griechisches Mädchen gab Klavierstunden, und eine polnische Krankenschwester gab Kurse von 20 Stunden in Erster Hilfe. Die Bemühungen um eine Erwachsenenfortbildung blieben nicht auf das Gemeinschaftszentrum des Lagers 4 beschränkt. Bereits im Mai gab Sergeant H., der von Beruf Lehrer war, einer Klasse von 30 Teilnehmern in der improvisierten Bücherei des Lagers 3 Englisch- Unterricht.. Am interessantesten von allen Bildungsversuchen war jedoch die Elementarschule für Kinder, die auf Initiative des Betreuungsoffiziers Leutnant Hodges eingerichtet wurde. Als Klassenraum verwendete er einen Teil von Block GB 5( Geschäftsbaracke 5), in dem unter den Deutschen Unterricht in Panzertaktik erteilt worden war. Als wir im April Belsen besetzten, befanden sich im sogenannten Kinderheim ungefähr 300 überlebende Kinder. Eine Russin namens Luba betreute sie und hatte ihnen sehr 149 geholfen. Es befanden sich unter ihnen holländische und belgische jüdische Kinder, die nach den Razzien in Brüssel, Amsterdam und anderen holländischen und belgischen Städten nach Deutschland gebracht worden waren, ferner russische Kinder, die mit ihren Eltern deportiert worden waren, und tschechische und slowakische Mädchen und Jungen. Viele waren. tuberkulös oder zeigten starke Spuren der Unterernährung- spindeldürre Arme und Beine-, und viele starben. Die Elementarschule war für die Überlebenden bestimmt. Zuerst fürchteten wir, daß die Kinder nach Jahren ohne Unterricht und geistige Förderung abgestumpft oder zurückgeblieben sein würden, aber das Gegenteil war wahr. Die furchtbare Schule des Konzentrationslagers hatte ihre geistigen Fähigkeiten geschärft, wie es wahrscheinlich keine andere Schule getan haben könnte. Die Mehrzahl von ihnen war unnatürlich frühreif. Das kleine zehnjährige belgische jüdische Mädchen, das, als ich es am 24. April aus dem Konzentrationslager holte, seine kranke Mutter getröstet hatte, als sei ihr Verhältnis umgekehrt, und meine Fragen mit solcher Schnelligkeit und Klarheit beantwortet hatte, als sei es dreimal so alt, war keine. Ausnahme. Eine tschechische Gefangene erzählte mir, daß sie einmal mit einem elfjährigen Jungen Lebensmittel gegen Betttücher getauscht hatte. Er hatte wie ein Erwachsener gehandelt ' und wollte sich von seinen Laken erst trennen, als sie ihm mehrere Dosen Lebensmittel ausgehändigt hatte. Solche Kinder erwiesen sich als außerordentlich geschickt, wenn es sich darum handelte, Lebensmittel und Medikamente für ihre Eltern zu ,, organisieren". Diese Frühreife war nicht unbedingt vom Übel, wenn es sich darum handelte, sich ihrer Ausbildung.zu widmen. Hatte man sie einmal so weit, daß sie stillsaßen und sich konzentrierten, so erwiesen sie sich als intelligent und interessiert. Sergeant H., der in der GB5- Schule Turnunterricht erteilte, machte die Beobachtung, daß die Kinder die englischen Kommandoworte sehr bald erfaßten, wenn man sie die ersten Male mit entsprechenden Gesten verdeutlicht hatte. Die meisten Lehrerinnen der Grundschule waren junge ehemalige Insassinnen des Konzentrations150 lagers. I Mangel wischen H Im Jun kanadisch Gruppe, ausflüge Und d Erfahrung nen von Lagern ge ren, das, für meine wurde wi tiefe Schw Gesicht in ihre Mutt war, und Empörung es ab, von entsetzlich Neben in Block C Perry, ein Studentin Einige O unter den schriebene kommand genen, ein tion" von - Zweifel - das T trum, die tung der den Über bei weite Unterhalt and belBrüssel, Städten russische en, und ren der nd viele mden been ohne zurückhr. Die geistigen re Schule natürlich Mädchen, ger holte, erhältnis keit und war keine , daß sie gen Bettgehandelt 5 sie ihm me Kinder ch darum Eltern zu enn es sich Hatte man entrierten, rgeant H die BeobWorte sehr prechenden er Grundentrationslagers. Ihre größte Schwierigkeit bestand in dem völligen Mangel an polnischen, tschechischen, ungarischen und jugoslawischen Büchern. Im Juni veranstaltete Geschwaderführer Ted Aplin von der kanadischen Luftwaffe mit einigen seiner Freunde in der 84. Gruppe, die in der Nähe von Celle stationiert war, Sonntagsausflüge für die Belsener Kinder. Und dennoch: trotz ihrer Regsamkeit, ihrer Findigkeit und Erfahrung waren die Seelen einiger dieser kindlichen Gefangenen von den Jahren des Terrors und der Übergriffe in den Lagern geprägt worden. Ein rumänisches Mädchen von 15 Jahren, das, als wir Belsen betraten, ernstlich krank war und später für meine Einheit arbeitete, nahm schnell Gewicht auf und wurde wieder gesund. Aber von Zeit zu Zeit fiel sie abends in tiefe Schwermut und saß dann vielleicht eine Stunde lang, das Gesicht in den Händen vergraben. 1944 hatte sie gesehen, wie ihre Mutter in die Gaskammer von Auschwitz geführt worden war, und sie wurde nun wer weiß von welchen Gedanken der Empörung und des Schmerzes verfolgt. Andere Kinder lehnten es ab, von ihren Eltern zu sprechen, und verdrängten offenbar entsetzliche Erinnerungen. Neben dieser Schule für die überlebenden Kinder befand sich in Block GB5 ein Malatelier, das im Juni und Juli von Daphne Perry, einer Mitarbeiterin des Roten Kreuzes und ehemaligen Studentin der Chelsea Kunst- Akademie, eingerichtet wurde. Einige Ölgemälde mit Szenen aus den Konzentrationslagern unter den Deutschen stellten lebhafter dar als irgendeine geschriebene Schilderung, die ich gelesen habe: ein Arbeitskommando unter SS- Peitschen, die Erhängung von 10 Gefangenen, eine Erschießung am Umzäunungsdraht und eine ,, Selektion" von Opfern für die Gaskammer von Auschwitz. - - Zweifellos trugen alle die neuen Annehmlichkeiten in Belsen das Theater, die Kunst- Akademie, das Gemeinschaftszentrum, die Freiluft- Tänze, die Schule viel zur Freizeitgestaltung der Intelligenten, der Ehrgeizigen und der Gesunden unter den Überlebenden bei. Dennoch war die Lage im Herbst 1945 bei weitem noch nicht befriedigend. Die Einrichtungen für Unterhaltung, Sport und vor allem für Arbeit bestanden in 151 einem viel zu kleinen Maßstabe. Ein Theater mit 800 Sitzplätzen, das an sechs oder acht Abenden innerhalb vierzehn Tagen geöffnet war, reichte nicht hin für eine Gemeinschaft von 12000. Um ein Kino besuchen zu können, mußte ein Insasse von Belsen mit einem britischen Soldaten befreundet oder ein Spezialarbeiter sein, wie z. B. Krankenschwester oder Köchin.¹ Und das Gemeinschaftszentrum mit seinen zwanzig kleinen Räumen konnte nicht mehr als ein paar hundert Leute unterbringen. Aber vor allem fehlte es an produktiver Arbeit. Die winzigen Einmann- Werkstätten im Gemeinschaftszentrum hatten nur embryonale Bedeutung, und überall im Lager herrschte in jenem August eine Atmosphäre der Unruhe und Depression, wie sie sich unter solchen Bedingungen der Massenarbeitslosigkeit bildet. Und in der Tat herrschten hier die Bedingungen der Massenarbeitslosigkeit. Zehntausend Menschen, von denen viele zu jung waren, um einen Beruf erlernt zu haben, lebten hier ohne jede Möglichkeit produktiver Arbeit oder Ausbildung. Viele von ihnen hatten nicht die geringste Vorstellung, welche Möglichkeiten sich für ihre Zukunft ergeben könnten. Sie fühlten sich abhängig und sahen keine Aufstiegsmöglichkeiten. Den meisten standen Schwierigkeiten bezüglich ihrer Repatriierung im Wege, viele wünschten aus guten Gründen auszuwandern, und viele andere mußten mit einer Wartezeit von vielen Monaten rechnen, ehe eine Heimführung möglich sein würde. Was für die Zwischenzeit not tat, war ein kühn konzipierter Plan der industriellen Ausbildung und Produktion- vielleicht eine kleine Textil- oder Konfektionsfabrik, um die Frauen anzulernen und zu beschäftigen, oder eine Musterfarm. Die Verwirklichung jedes dieser Pläne forderte jedoch Maschinen, Werkzeuge und Rohstoffe, außerdem, aber auch eine industrielle Initiative auf breiterer Basis als diejenige, die in unseren ersten Monaten in Belsen entfaltet worden war. 1) Abgesehen von einigen wenigen Gelegenheiten, wenn das Kino ausschließlich Lagerinsassen zur Verfügung gestellt wurde, wie z. B. am 21. Juli, als wir 1200 Besuchern den ,, Von D- Tag bis Paris" polnisch synchronisiert zeigten. 152 Damit ic sollte, die Terrors zu wiesen, daf zentrations und sogar Eines Mo des Lagers „ Spreche nehmen si tschechische Er war s Nach a sie sich au lassen!" Ich ging jüdisches N was gesche Als sie hof überqu ihrem Kle " rufen: W niedergebe zurück, in Das zweit wagen, so geändert mich anrü Das ers jugoslawis keiten. epatri- auszu- eit von ch sein konzi- tion— um die erfarm. ch Ma- ıch eine ‚die in VIII. KAPITEL Mahnzeichen ‘ en ich in jenem Sommer in Belsen nicht versucht sein sollte, die gerade beendigten Jahre der Unterdrückung und des Terrors zu vergessen, ereigneten sich zwei Vorfälle, die be- wiesen, daß die teuflischen Ideen, aus denen die deutschen Kon- zentrationslager hervorgegangen, immer noch lebendig waren und sogar unverhüllten Ausdruck fanden. Eines Morgens rief mich der britische Offizier, der die Küche 2 „des Lagers 3 beaufsichtigte, vom Küchenfenster aus an: „Sprechen Sie Deutsch? Falls ja, kommen Sie doch bitte und nehmen sich eine der deutschen Arbeiterinnen vor,.die die tschechischen jüdischen Mädchen hier beleidigt hat.“ Er war sehr erzürnt.| „Nach allem, was sie durchgemacht haben“, sagte er,„sollen sie sich auch noch die Unverschämtheiten dieser Frau bieten lassen!“ Ich ging'in den Speisesaal der Kantine, und ein tschechisches jüdisches Mädchen kam aus der Küche, um mir zu berichten, was geschehen war.; Als sie und ein anderes tchechisches Mädchen den Kasernen- hof überquerten, trafen sie die Deutsche, die eine rote Rose an ihrem Kleid trug. Das erste tschechische Mädchen hatte ausge- rufen:„Was für eine hübsche Blume Sie tragen!“ und sich niedergebeugt, um an der Rose zu riechen. Die Deutsche trat zurück, indem sie sagte:„Keine Jüdin hat mich anzurühren!“ Das zweite tschechische Mädchen fiel ein:„Wie können Sie wagen, so etwas zu sagen! Wissen Sie nicht, daß die Zeiten sich geändert haben?“„Ich verbitte mir, daß solch ein- Mistvolk mich anrührt“, war die Antwort der deutschen-Frau. Das erste tschechische Mädchen hatte sich sofort bei dem jugoslawischen Hauptkoch beschwert. Die Beschwerde wurde i in 153 f an den diensttuenden britischen Korporal weitergeleitet, der dem Jugoslawen sagte, er solle den Namen der Deutschen feststellen. Sie gab ihm einen falschen Namen an. Ich ließ nach der deutschen Frau schicken. Sie kam in ihrem Arbeitszeug in die Kantine, indem sie sich auf die Lippen biẞ, um ein Lächeln zu unterdrücken. Ich ließ sie strammstehen und geradeaus blicken. Dann bat ich das tschechische Mädchen, mir genau zu zeigen, was geschehen war. Sie ging auf die Deutsche zu, und indem sie den obersten Knopf ihres Overalls ergriff, senkte sie ihren Kopf darauf. Die Deutsche warf den Kopf zurück, versteifte ihre Haltung und trat einen Schritt zurück. Ich rief: ,, Stillgestanden!" ,, Nun zeigen Sie mir noch einmal genau, was passiert ist", sagte ich. Die Deutsche warf mir einen herausfordernden Blick zu. Die Tschechin wiederholte ihre Bewegung. Die Deutsche wurde steif, rührte sich aber nicht. Ich ließ das tschechische Mädchen den Vorgang noch dreimal wiederholen. Als sie zum dritten Male berührt wurde, war das Verhalten der Deutschen fast normal. Während ich ihr sagte, daß Beleidigungen von Angehörigen einer verbündeten Nation nicht geduldet würden und strafbar seien, warf sie den Kopf zurück und starrte an die Decke. ,, Nun laufen Sie sechsmal um die Kantinentische", sagte ich. Als sie damit fertig war, war sie außer Atem und nicht mehr imstande, sich weiter herausfordernd zu gebärden. Ich verlangte eine Erklärung von ihr, warum sie dem Hauptkoch einen falschen Namen angegeben hatte. دو Sie antwortete: Weil ich glaubte, daß ich zur Strafe zu Extraarbeit am Abend eingesetzt werden würde, wenn ich meinen richtigen Namen nannte." Sie wurde festgenommen und eingesperrt. Drei Tage darauf wurde sie angeklagt wegen Beleidigung einer Angehörigen der Vereinten Nationen. Zehn ihrer Kolleginnen wurden mit ins Gericht genommen, um bei der Verhandlung zugegen- zu sein. 154 Die Fr fordernd. länder de genossen fühlen. Auf die der Nazi genosse g „ Sympa Bruders o Die De „ Meine Die De als Indiv gäbe gut schlechte ich ihr vo Offenba das Geric Glaubens Sie ko Gefängni Im Ju in Belsen der Apri unterstüt tischen F bildungss den Her Klaviert machen, lung gew sich als ,, Herren Am 1 Stock w geschlage Tier. U tet, der en festkam in ich auf Ich ließ bat ich vas geObersten darauf. Haltung ert ist", dernden Deutsche echische sie zum eutschen ehörigen strafbar ke. agte ich. d nicht 1. sie dem rafe zu enn ich eidigung ommen, Die Frau war auch während der Verhandlung herausfordernd. Sie biß sich auf die Lippen, umklammerte das Geländer der Anklagebank und warf Blicke zu ihren Volksgenossen hinüber. Sie schien sich als politische Märtyrerin zu fühlen. Auf die Frage des Anklägers erwiderte sie, daß sie nie in der Nazipartei gewesen, daß aber ihr Bruder ein Parteigenosse gewesen sei. ,, Sympathisierten Sie mit der politischen Meinung Ihres Bruders oder stimmten Sie ihr zu?" fragte der Ankläger. Die Deutsche bejahte. ,, Meinen Sie, daß ein Jude ebenso gut ist wie ein Deutscher?" Die Deutsche erklärte, das täte sie, sie betrachte die Juden als Individuen, die individuell beurteilt werden müßten. Es gäbe gute und schlechte Juden, ebenso wie es gute und schlechte Deutsche gäbe. Dies war fast genau das gleiche, was ich ihr vor drei Tagen in der Kantine gesagt hatte. Offenbar hatte ihr Wunsch, einen günstigen Eindruck auf das Gericht zu machen, über ihren Ehrgeiz, Märtyrerin ihres Glaubens zu werden, den Sieg davongetragen. Sie konnte von Glück sagen, daß sie mit sieben Tagen Gefängnis davonkam. Im Juni und Juli sprachen meine Freunde und Bekannten in Belsen von den Taten des ungarischen Regiments während der Aprilwoche, als es die SS bei der Bewachung des Lagers unterstützte. Die ungarische Truppe wurde von dem britischen Befehlshaber als Arbeitsabteilung in der Panzerausbildungsschule zurückgehalten und übte diese Funktion bis in den Herbst aus. Sie konnte sich mit körperlicher Arbeit, wie Klaviertransport und Reinmachen der Kantinen, nützlich machen, und diese Art Arbeit muß eine eindrucksvolle Abwechslung gewesen sein gegenüber der Herrenvolk- Betätigung, der sie sich als Gehilfen Kramers und seiner Handlanger vom ,, Herren volk" gewidmet hatten! Am 16. April hatte ich einem ungarischen Soldaten einen Stock weggenommen, mit dem er einen Insassen des Lagers geschlagen hatte. Er benahm sich wie ein kleines knurrendes Tier. Und sie waren fast alle kleine, primitive und bedin155 gungslos gehorsame Geschöpfe, diese ungarischen Soldaten. Die meisten ihrer Offiziere machten einen geschmeidigen Eindruck mit wohlpomadisiertem Haar und hübschen, aber unintelligenten Gesichtern. Sie waren, wie ich später feststellte, die Exponenten einer der grausamsten und primitivsten Formen des Faschismus in ganz Europa und beeinflußten in diesem Sinne ihre halbanalphabetischen Soldaten. Den Berichten zufolge, die ich hörte, werden die 15 000 Männer, die aus Dora, dem bei Nordhausen gelegenen Konzentrationslager, 1945 nach Belsen kamen, dieses ungarische Regiment nie vergessen. Während ihrer sieben Tage Dienst war es die Aufgabe dieser Truppe gewesen, die Küche zu ,, bewachen". Bis die Doragefangenen das Ausweichlager in der Panzerausbildungsschule erreicht hatten, waren sie fünf Tage ohne Nahrung unterwegs gewesen, wenn man von dem absieht, was sie von den Feldern auflasen, wenn die SS gerade nicht hinblickte. Als sie endlich in Belsen ankamen, waren sie halb wahnsinnig vor Hunger. Einige hatten vor den Küchen gelauert und darauf gewartet, daß die Kartoffelschale in die Ascheimer geschüttet wurde. Dann hatten sie einen Armvoll davon weggetragen und unter ihren Matratzen versteckt. Andere entdeckten die Fenster des Keller- Lagerraums, der sich unter der Erdoberfläche befand, legten sich auf den Boden und langten durch die Fenster nach den Kartoffeln. Josef Rosensaft, der später Präsident des Komitees polnischer Juden in Belsen wurde, schilderte die Methoden der ungarischen Truppen zu dieser Zeit. Sie pflegten in dreißig Metern Entfernung auf dem Sandweg des Kasernenhofes zu stehen und aufs Geratewohl mit ihren Gewehren dazwischenzuschießen. Auf diese Weise töteten die Dutzende der verhungernden Gefangenen. Die Richtlinien, die die ungarischen Patrouillen im Hauptlager von ihren Offizieren erhalten hatten, waren ebenso brutal und rücksichtslos wie die im Ausweichlager befolgten. Das rumänische Mädchen, das später in meiner Einheit arbeitete, lag am Tage unserer Ankunft todkrank in einem der überfüllten, verpesteten Blocks. Sie berichtete, daß an jenem Tage eine Gruppe ihrer Kameradinnen freudig winkend an das Fenster lief, als 156 sie einige Streifen, Fenster b wurde u Mädchens Eine K ihren Tru Rosensaft einige vo Bemerkun nahe der eine Mah ihrem Kl es ihm, u umgebrac Jahre bei wird wie kämpfen. Doch e Barbarei, als diese Scheuerfr still, abe genannt. Drei J Kriegsge jenseits Wäldern riesiger ich den Taschenl einen we zäunen e an einen rassen u russische seite des kiesbestr t des e die legten ernen- n da- zende [aupt- brutal rumä- ag am hy vel- ruppe ef, als sie, einige Soldaten in Khaki sah. Es waren jedoch ungarische Streifen, die die Jubelrufe der Mädchen mit einer Salve ins Fenster beantworteten, wobei eine Frau in den Kopf getroffen wurde und ihre Gehirnmasse die Decke des rumänischen Mädchens überspritzte. Eine Kostprobe von den Ideen, die die ungarischen Offiziere ihren Truppen eingeimpft hatten, erhielt ich am 6. Juni. Josef Rosensaft brachte mir ein polnisches jüdisches Mädchen, das einige von einem ungarischen Soldaten ihm gegenüber gemachte Bemerkungen ‚melden wollte. Es war in einer Waldlichtung nahe der Lagerumzäunung auf ihn gestoßen, als er sich gerade eine Mahlzeit zubereitete. Er hatte auf den Davidstern an ihrem Kleid gewiesen und gefragt, was er bedeute. Sie sagte es ihm, und er antwortete:„Es müssen noch viel mehr Juden umgebracht werden.“ Dann fügte er hinzu:„Ich habe drei Jahre bei den Deutschen mitgekämpft. Hit]er ist nicht tot. Er wird wiederkommen, und wir werden wieder Seite an Seite kämpfen.“ Doch, es gab bei Belsen eine viel ernstere Erinnerung an die Barbarei, die die alliierten Armeen niedergeschlagen hatten, als diese Außerungen des Rassenhasses seitens einer deutschen Scheuerfrau und eines ungarischen einfachen Soldaten. Sie war still, aber monumental und wurde„der Russenfriedhof“ genannt. Drei Jahre vor seiner Besetzung war das Lager Belsen ein Kriegsgefangenenlager für Russen gewesen. Und drei Kilometer jenseits des Westtores der Panzerausbildungsschule, in den Wäldern an der Straße nach Fallingbostel, befand sich ein riesiger gartenähnlicher Friedhof. Zum erstenmal besichtigte ich den„Russenfriedhof“ bei Nacht, indem ich mich mit der Taschenlampe hindurchleuchtete. Um einzutreten, mußte man einen weißen Schlagbaum heben, dann ging es zwischen Latten- zäunen einen Weg entlang. Auf diesem gelangte man schließlich an einen großen quadratischen Erdhügel mit ansteigenden Ter- rassen und einem großen grauen Steinblock oben drauf. Einige russische Schriftzeichen waren in weißen Steinen auf der Front- seite des Erdhügels abgesetzt, der in der Mitte einer weiten, kiesbestreuten Straße zwischen Birken stand. 157 In Abständen führten Seitenwege von dieser Allee durch die Tannen. Sie waren von einem aus Birkenzweigen gefertigten Gitter flankiert, hinter dem Reihe an Reihe flache Erhöhungen von heidebedeckter Erde lagen, deren jede 15 Meter lang und acht Meter breit war. Ich ging jeden Pfad entlang; schließlich führte mich einer zu Hunderten von kleinen Holzkreuzen, von denen jedes einen italienischen Namen trug. In der Mitte dieser Kreuze stand ein hohes Holzkreuz, das die Aufschrift ,, Cimitero Italiano" trug. Ich zählte 114 der kleinen Erdhügel und erfuhr später, daß jeder von ihnen ein Massengrab bedeckte. Die im Sommer angelegten enthielten je 250 Leichen, die im Winter ausgehobenen, wenn die Erde gefroren war und den Spaten widerstand, 150 Tote. An der Ostseite des Friedhofs stand eine hölzerne Tribüne, die sich etwa drei Meter über den Boden erhob. Sie war mit Brombeeren überwuchert und hätte eine Plattform sein können, von der aus der Arbeitsaufseher das Graben der Tausenden versklavter Russen überwachte, wobei er sich vielleicht gelegentlich einen„ schnappte", der weniger fleißig war als die anderen, so daß er mit den übrigen seiner toten Gefährten, die dem Hunger, der Peitsche, der Kugel oder Krankheit früher erlegen waren, in die Grube geschaufelt werden konnte. - - Schon einmal es war in dem leeren Konzentrationslager Vught in Holland im November 1944 hatte ich, diese teuflische Kombination der Anmut eines Gartens mit den Folgen von Gemetzel und Verbrechen gesehen. Auch in Vught hatte es umzäunte Wege, kiesbestreute Alleen und junge Bäumchen gegeben, die sich um Baracken mit Kinderbildern an den Wänden zogen, aber in einer Ecke waren Krematorium, Galgen und ein verschimmelter Haufe hebräischer Bibeln, Erzählungen und Liederbücher, die das Feuer nicht verzehrt hatte. Auseinan Eines Nach vor einem d auskam, wa bringen, ver halfen mir, waren zwei kommen wa verließ, fras physischer S males Intere reagieren. Beide erk gewichts als Schicksal vo Diese Be Schwestern, beherrschte lebenden de Nachrichten Nachspiel fü unter schre waren. Die deuts oder Geisels starke Band einander ge ob die Tre oder nach Arbeitszimm und unverge 158 ch die tigten ungen g und eßlich , von dieser IX. KAPITEL Auseinandergerissene Familien und Heimatlose mitero erfuhr Die im Winter Spaten d eine Boden e eine er das wobei weniger seiner el oder haufelt mslager e teufFolgen atte es men geWänden en und en und Eines Nachmittags gegen Mitte Mai ließ ich meinen Wagen vor einem der Lazarettblocks stehen, doch als ich wieder herauskam, waren alle Bemühungen, ihn wieder in Gang zu bringen, vergeblich. Zwei junge Leute in blauer Uniform halfen mir, ihn vor eine Reparaturwerkstätte zu schieben. Es waren zwei der hundert belgischen Medizinstudenten, die gekommen waren, um im Lazarett zu arbeiten. Bevor ich sie verließ, fragte ich sie, was, abgesehen von Krankheit und physischer Schwäche, die Rekonvaleszenten hindere, ein normales Interesse am Leben zu nehmen oder normal darauf zu reagieren. Beide erklärten: ,, Erstens Störung des seelischen Gleichgewichts als Folge des Typhus und zweitens die Sorge um das Schicksal von Angehörigen." Diese Beschäftigung mit dem Schicksal von Brüdern, Schwestern, Müttern, Vätern, Gatten, Frauen und Kindern beherrschte das Leben der Mehrheit der in Belsen Überlebenden den ganzen Sommer hindurch. Das Verlangen nach Nachrichten und Wiedervereinigung war ein natürliches Nachspiel für lange vereinigt gewesene Familienmitglieder, die unter schrecklichen Umständen auseinandergerissen worden waren. Die deutschen Deportationen zur Tötung, Zwangsarbeit oder Geiselstellung hatten Männer und Frauen, die durch starke Bande der Familie, Freundschaft oder Zuneigung aneinander gefesselt waren, grausam auseinandergerissen. Und ob die Trennung im Viehwagen, in den Stacheldrahthöfen oder nach der schnellen Durchsuchung eines Schlaf- oder Arbeitszimmers erfolgte in jedem Falle muß sie erschütternd und unvergeßlich gewesen sein. - 159 2Die Umstände, unter denen die Menschen einander aus den Augen verloren hatten, waren zahllos, doch gab es eine Reihe typischer Fälle. Für die nichtjüdischen politischen Gefangenen und Geiseln war die Trennung meist in vertrauter Umgebung erfolgt, nachts, wenn die Gestapo an der Tür schellte oder hämmerte. Für die Tausenden von Juden in Belsen kam die Trennung jedoch viel später. Als ganze Familien waren sie in die Vernichtungslager nach Polen transportiert worden. Aus den Gettos von Lublin, Sosnowitz und Radom wurden sie, 25000 gleichzeitig, von Maschinengewehrkompanien hin- ausgejagt. Aus: Brüssel und Amsterdam wurden sie in kleineren Gruppen mit Lastwagen verschleppt. Aber fast immer hatte man die Familien beisammengelassen. Später erfolgte die Trennung auf mancherlei Art. Männer und Ehefrauen, Brüder und Schwestern, Väter und Kinder kamen bald auseinander. Als die Viehwagen‘vor Auschwitz hielten, wurden Männer und Frauen sofort in verschiedene Gruppen eingeteilt, noch ehe sie, um sich vielleicht nie wieder zu sehen, ins Lager getrieben wurden. Mütter und Töchter blieben oft länger beisammen, aber nach dem Sauckel-Erlaß von 1944, der die Juden für die Arbeit im Reich freistellte, wurden viele der jüngeren und gesünderen Frauen herausgesucht und von ihren weniger arbeitsfähigen Müttern getrennt in die Fabriklager geschafft. Das gleiche Verfahren trennte Väter und Söhne. Jüdische Schwestern scheinen am längsten beisammenge- blieben zu sein. Es gab in Belsen nach der Befreiung ver- schiedene Gruppen von vier oder fünf Schwestern, die eine Trennung hatten, vermeiden‘können. Wenn solche Schwestern in den Lagern getrennt wurden, so war dies oft anscheinend darauf zurückzuführen, daß es einer von ihnen schwerfiel, sich zu entscheiden.. Wenn zum Beispiel aus Auschwitz eine begrenzte Anzahl junger Frauen in ein Fabriklager übergeführt wurde, so geschah es, daß eine der Schwestern sich entschloß, mit der Mutter im Todeslager zurückzubleiben, vielleicht war sie auch so gut bei einem Lagerältesten angeschrieben, daß sie Sonderrationen bekam, und zog es daher vor, selbst im Schatten des Krematoriums und der Gaskammern zu leben, 160 anstatt= der beider Kinder in jih mit 1 nung der| Dann war Mädcen ı oder Lage Botendiens Jießen sie( gegangen Städten So gesc Hungers u danken Ta zu hoffen verlorenen aus, daß d von Brief wurde, Gl die nah funden ha April dur verlesen,} mich eines 1 Bel aus den e Reihe angenen mgebung te oder Kam die n sie in Aus den en sie, n hinleineren er hatte Männer Kinder schwitz chiedene e wieder en, aber für die ren und weniger geschafft. mmengeng verdie eine hwestern cheinend Chwerfiel, vitz eine ergeführt ntschloß, eicht war daß sie selbst im zu leben, anstatt einer unbekannten Bestimmung entgegenzugehen. Kinder beider Geschlechter, die den Abschlächtereien jüdischer Kinder in den Gettos entgangen waren, wurden gewöhnlich mit ihren Müttern im Lager gelassen, so daß die Trennung der Geschlechter sie automatisch von den Vätern trennte. Dann waren da die Fälle von zwölf- bis vierzehnjährigen Mädchen und Knaben, die zu Lieblingen eines Küchenkapos oder Lagerältesten wurden. Diese Günstlinge wurden für Botendienste verwendet und verhätschelt, und ihre Mütter ließen sie oft willig in den Händen solcher Gönner in der Hoffnung, daß sie so überleben könnten. Neben denjenigen, die zu Hause oder im Lager von ihren Familien fortgerissen worden waren, enthielt Belsen Tausende, deren Verwandte vor längerer Zeit nach England, den USA oder Palästina geflohen waren, um der Verfolgung zu entkommen. Da waren Tschechinnen, deren Brüder sich der tschechischen Brigade in England angeschlossen hatten, deutsche Jüdinnen, deren Väter oder Onkel vor Ausbruch des Krieges nach Amerika ausgewandert waren, und die Verwandten polnischer Juden, die vor zehn Jahren nach Palästina gegangen waren, um dem Gettoleben in den polnischen Städten zu entkommen. So geschah es, daß im Sommer 1945, als die Schrecken des Hungers und der Gaskammern von Belsen gewichen, die Gedanken Tausender von Überlebenden, die gesund genug waren zu hoffen und nachzudenken, sich in Gedanken den Frauen oder Schwestern, Eltern oder Kindern zuwandten, die ihnen vor Monaten oder sogar Jahren entrissen worden waren. Das erste Anzeichen dieses Bedürfnisses, die Verbindung mit verlorenen Angehörigen wiederherzustellen, wirkte sich darin aus, daß das britische Personal mit Bitten um die Beförderung von Briefen nach Amerika, Palästina und England bestürmt wurde. Gleichzeitig kamen fast täglich Besucher nach Belsen, die nach Verwandten suchten, die sich zuletzt in Belsen befunden haben sollten. Immer, wenn der Lautsprecherwagen im April durch das Lager fuhr, wurden Namenslisten Gesuchter yerlesen. Manchmal hatten die Aufrufe Erfolg, und ich entsinne mich eines jungen französischen Offiziers, der gerade aus einem 11 Belsen 161 Kriegsgefangenenlager befreit worden war und seine Frau eine Stunde nach seiner Ankunft am 18. April im kleinen Frauenlager fand. Aber für Dutzende von Suchenden wurden die Namen vergeblich aufgerufen. In der Panzerausbildungsschule wurde es bald klar, daß das Problem der gesuchten Verwandten von größter Bedeutung war. Anfangs wurden die eingehenden Anfragen vom Lautsprecherwagen in allen Lagern ausgerufen. Dann wurde mit der Aufstellung einer Zentralkartei begonnen. Im Juni wurden allwöchentlich Omnibusse mit Besuchern von der amerikanischen Militärbehörde in Buchenwald nach Belsen geschickt. Diese Besuche schwollen lawinenartig an. Ein Mann aus Buchenwald, der seinen Bruder in Belsen besuchte, brachte Nachrichten von den Verwandten anderer Leute und wurde eine Art Informationszentrum. Und die Leute, denen er die guten Neuigkeiten gebracht, wollten dann selbst nach Buchenwald gehen. Bald wurden auch Omnibusfahrten von Belsen nach Buchenwald organisiert. Schließlich aber überstieg die Zahl der Belsen- Insassen, die verlorene Verwandte entdeckt hatten, alle Transportmöglichkeiten, um sie zusammenzuführen. Eines Morgens, ich wollte gerade nach Hannover fahren, hielt ich mit meinem Wagen in einem der Kasernenhöfe. In wenigen Minuten hatte sich die Nachricht von meiner Reise verbreitet. Als ich aus dem Büro der Militärbehörde herauskam, stand eine Gruppe von Leuten mit Rucksäcken und Bündeln bei meinem Wagen. ,, Herr Leutnant, mein Bruder befindet sich in einem Krankenhaus in Hannover", sagte ein junger Mann ,,, und mir wurde gesagt, daß er morgen verlegt werde. Soll ich nun diese Gelegenheit, ihn zu sehen, verpassen, nachdem ich ihn nun nach all diesen Jahren gefunden habe?" ,, Herr Leutnant, meine Schwester in Hannover ist krank", sagte ein Mädchen ,,, wenn ich sie nur besuchen könnte, würde es ihr schon besser gehen." ,, Herr Leutnant, könnten Sie mich nicht mit nach Hannover nehmen? Von dort aus könnte ich vielleicht eine Reisemöglichkeit nach Hildesheim finden. Dort lebt meine Tante, und sie ist 162 die einzige mein Man Als der ich ab nach Abgeseh Besuch vo Lagern be Familienan Fluß befin häufigsten Verwandte auf diese geführt wo kleinen Ju hatte. Nad Stunde aus kannten, d Aber wa Verbindun hatten, suc denklichen Juli war Suchdienst und Leben eingeholt Aber ei zwischen und inoffiz Lager sch Amerika, Emigrante trafen, bra britannien Whitehead lager an d sassen von und Salzw Exemplare 11* au eine Frauenden die Haß das Heutung Lautmit der ern von Belsen Mann brachte wurde enen er st nach ten von Sberstieg dte entsammenen, hielt wenigen erbreitet. and eine meinem Krankenir wurde Gelegennach all krank" e, würde Hannover emöglichund sie ist die einzige Verwandte, die mir geblieben ist. Meine Eltern und mein Mann wurden von den Deutschen erschossen." Als der Wagen mit Menschen und Bündeln gefüllt war, fuhr ich ab nach Hannover. Abgesehen davon, daß täglich Transportmöglichkeiten zum Besuch von Verwandten in anderen deutschen Städten und Lagern beantragt wurden, gingen im Lager selbst manchmal Familienangehörige verloren. Das war bei einer ständig im Fluß befindlichen Insassenzahl von 20 000 begreiflich. Am häufigsten geschah es dadurch, daß jemand ohne Wissen seiner Verwandten ins Lazarett kam. Einmal verlor eine Slowakin auf diese Weise ihre beiden Kinder. Sie war ins Lazarett übergeführt worden, und während sie dort war, wurden ihre beiden kleinen Jungen aus dem Block verlegt, wo sie sie verlassen hatte. Nachdem der Lautsprecherwagen ihren Namen über eine Stunde ausgerufen hatte, brachten einige andere Kinder, die sie kannten, die beiden zu ihrer Mutter. Aber während Hunderte von Menschen in Belsen versuchten, Verbindung mit Verwandten aufzunehmen, die sie gefunden hatten, suchten Tausende weitere immer noch, durch alle erdenklichen Kanäle Nachrichten zu erhalten. Gegen Mitte Juli war és klargeworden, daß für jede Zone ein zentraler Suchdienst eingerichtet werden mußte, bei dem Nachrichten und Lebenszeichen zusammenliefen und bei dem Auskünfte eingeholt werden konnten. Aber ein solcher Suchdienst bestand noch nicht. Und inzwischen wurden improvisierte und oft nur isolierte offizielle und inoffizielle Methoden angewandt. Das britische Personal im Lager schrieb Briefe an Agenturen und Organisationen in Amerika, Palästina und London, um nach Lebenszeichen von Emigranten zu fragen. Tschechische Offiziere, die in Belsen eintrafen, brachten Listen aller tschechischen Flüchtlinge in Großbritannien mit. Ein Beamter des Britischen Roten Kreuzes, Mr. Whitehead, reiste nach Mauthausen, dem früheren Vernichtungslager an der Donau, und brachte Listen aller überlebenden Insassen von zwanzig Lagern mit, darunter Ebensee, Eggerfelder und Salzwedel. Von diesen Listen wurden in Belsen hundert Exemplare gedruckt und dort und in' anderen Lagern verbreitet. 11* 163 Gleichzeitig setzte sich auch das neu gebildete Jüdische Komitee in Belsen dafür ein, die auseinandergerissenen Familien wieder zu vereinen. Das Komitee bestand aus einigen der fähigsten und energischsten unter den polnischen, ungarischen und rumänischen Juden. Zuerst benutzten sie einen kleinen Raum in L 11( Leutnantsbaracke) in Lager 4 als Zentrale; später erhielten sie das halbe Erdgeschoß von L 5. Der kleine Raum in Lager 4 wurde bald ein Informationszentrum. Eine Kartei der jüdischen Insassen von Lager 3 und 4, die ungefähr 8000 zählte, wurde in diesem Raum untergebracht, und den ganzen Tag über wimmelte es von Suchenden. Jüdische Männer und Frauen wanderten von Dachau und Lübeck, Hannover und Hamburg, um mit dem Belsener jüdischen Komitee Fühlung zu nehmen, und brachten Listen oder Nachrichten. Einés Abends trafen zwei Vertreter aus München bei Block L 5 ein und brachten gedruckte Listen mehrerer tausend Juden aus dem Münchener Gebiet mit. Das Belsener jüdische Komitee leistete andererseits wertvolle Dienste, wenn es galt, einzelne Juden in Belsen ausfindig zy machen. Einmal kam ein Brief von einer jüdischen Familie aus Moss Side, Manchester. Sie hatten ihre Mutter auf einem Zeitungsphoto vom Innern eines der entsetzlichen Blocks im Konzentrationslager wiedererkannt. Auf dem Bilde war sie eine kauernde, zusammengeschrumpfte und abgemagerte Gestalt, die unter Hunderten von Frauen auf dem überfüllten Flur hockte. Obwohl das Photo Belsen einen Monat nach der Niederbrennung des altén Lagers erreichte und Wochen, nachdem die Frau auf dem Bild gestorben war, konnten die Mitglieder des Jüdischen Komitees sich mit ihrem Vetter in Verbindung setzen, der in einem der Blocks der Panzerausbildungsschule wohnte. Der aktive und wirksame Beitrag des Belsener jüdischen Komitees bei der Wiedervereinigung auseinandergerissener jüdischer Familien beruhte auf einem starken Gemeinschaftsgefühl und dem Stolz auf eine Kultur und ein Volk, das gerade eine der schwersten Prüfungen der Geschichte erlebt hatte. Das Komitee wurde gebildet und geleitet von dem tatkräftigen Josef Rosensaft. 164 Die G Aufständ kämpferis Eisengieß Juden in in meiner er zwei versicht zustellen. In Ben 40 000 T führendes mit der Weichselb den Fluß aber er w Ufer. Au angehalte Rosensaft durch die Rosens drei Wo Juden du tene und befanden Auschwit er in das 21 Uhr a von eine Währe saft, aus verfügba Bendsbu jüdischer einer Str den Wa hatte se funden, Koni- imilien fähis- ınd= aum in hielten Lager 4 dischen wurde g über Frayen mburg, chmen, i Block | Juden ertvolle dig zy ilie aus m Zei- ıks im war sie Gestalt, en Flur Nieder- dem die :der des bindung gsschule üdischen erissener schafts- olk, das e erlebt jem tat- - Die Geschichte Josef Rosensafts ist die eines jüdischen Aufständischen. Es fällt mir schwer, mir diesen kleinen, . kämpferischen, übersensiblen Mann als den Besitzer einer Eisengießerei vorzustellen, der er vor der„Aktion“ gegen die Juden in Polen war. So sehr verbindet: sich seine Erscheinung in meinem Geiste mit der unmenschlichen Mißhandlung, die er zwei Jahre ertragen, und mit seinen Bemühungen, die Zu-, versicht der wenigen Überlebenden seiner Rasse wieder her- ‚zustellen. In Bendsburg,. der. polnischen Stadt, darin er lebte, hatte es 40000 Juden gegeben, und am 22. Juni 1943 war er als führendes Mitglied der jüdischen Gemeinde festgenommen und mit der Bahn abtransportiert worden. Als der Zug eine Weichselbrücke überquerte, war er von seinem Wagen aus in den Fluß gesprungen. Eine Maschinengewehrsalve folgte ihm, aber er wurde nur an der Hand getroffen und schwamm an das Ufer. Aus Furcht vor. einer Massenflucht war der Zug nicht angehalten worden, aber am 1. August, sechs Wochen nach Rosensafts Rückkehr nach Bendsburg, wurde die ganze Stadt durch die Deutschen von Juden gesäubert. Rosensaft war nach Wartenau entkommen. Hier wurde er drei Wochen später bei einer Massenverhaftung von 3000 Juden durch SA-Männer und Gestapo, bei denen sich berit- tene und mit Maschinengewehren ausgerüstete Abteilungen befanden, festgenommen. In einem Viehwagen kam er nach Auschwitz-Birkenau. Nach zwei Monaten Steintragens wurde er in das Arbeitslager Lagischer übergeführt, wo er von 6 bis 21 Uhr als Zementmischer arbeiten mußte bei einer Tagesration von’einem halben Pfund Brot und etwas Steckrübensuppe. Während der Außenarbeit im Mai 1944 gelang es Rosen- saft, aus Lagischer zu entkommen.- Da Hunde im Lager nicht verfügbar waren, konnte er das vier Kilometer entfernte Bendsburg erreichen. Sechs Wochen lebte er bei einer nicht- jüdischefi Familie'versteckt, dann wurde er am 17. Juni in einer Straßenbahn aufs neue verhaftet. Ein Gestapomann, der den Wagen nach einem anderen Verfolgten durchsuchte, hatte seinen Arm untersucht und die tätowierte Nummer ge- funden, die das Zeichen der Auschwitz-Gefangenen war. 165 Von diesem Tage an war Rosensaft dàs Opfer jeglicher Strafe und Tortur. In Lagischer eingeliefert, kam er vier Tage ohne Verpflegung in die Strafzelle und wurde mit Spitzhackenstielen geschlagen. Dann wurde er nach Auschwitz geführt, um verhört zu werden, wer ihn nach seiner Flucht versteckt habe. Er wurde vier Monate lang in eine 2 mal 3 Meter große Steinzelle gesperrt, wo seine Finger unter einer elektrischen Presse versengt wurden, um ihn zum Reden zu bringen. Bevor er zur Sklavenarbeit nach Birkenau zurückgesandt wurde, erhielt er hundert Schläge mit der Lederpeitsche. Nachdem er drei Wochen Steine an einen Wasserlauf hinuntergetragen hatte( wo er viele Stunden bis zu den Hüften im Wasser arbeiten mußte) und sechs Wochen in einer Flugzeugfabrik in Langensalza gearbeitet hatte, wurde Rosensaft in eine Strafkompanie geschickt, die in einer unterirdischen Anlage bei Dora, Nordhausen, arbeiten mußte, wo V1- Waffen hergestellt wurden. Hier schufteten die Arbeitssklaven bei einer Tagesration von einem Napf Suppe und drei Kartoffeln. Diejenigen, die zu schwach wurden, um zu arbeiten, wurden unten als ,, Saboteure" gehängt. Auf diese Weise wurden täglich Dutzende von Russen hingerichtet. Als die amerikanischen Streitkräfte sich am 4. April Dora näherten, war Rosensaft unter den viertausend Männern, die fortgeschickt werden sollten. Nach einem Marsch von fünf Tagen trafen die Überlebenden dieses Transportes in Belsen ein und wurden eine Woche vor Eintreffen der britischen Truppen im Ausweichlager untergebracht. Bald nach Einrichtung der beiden Ruhelager in der Panzerausbildungsschule trat Rosensaft als der tatkräftigste und aktivste der polnischen Juden hervor und bildete das Jüdische Komitee. Es wurde von einer großen Anzahl polnischer und von einigen der ungarischen und rumänischen Juden gebildet. Das Jüdische Komitee und auch das polnische, ungarische und tschechische Komitee in Belsen leisteten wertvolle Hilfe, indem sie nicht allein bei der Wiedervereinigung von Familien mitwirkten, sondern auch ihre Auseinanderreißung verhinderten. Denn Ende Juni wurde es ein besonderes Problem, die Familien beisammenzuhalten. 166 Im Rah dische Reg Belsens au kamen. A bettlägerig Lübeck. gestellt, Belsen ha mieden u Sollten d einanderg In Über Militärreg Wege gele Grades" Verwand Brüder od sich leichte Zunächs Kranken Verwand und Serge den nächs Patienten Schwierig waren, w viele der am nächs Schließ Verwand halten SO auf und Abend a Verwand Aber d den Ver im Verg Grades glicher i &® mit Chwitz it Ver- Meter - ringen, esandt /f hin- Tüften ' Flug- sensaft en An- Waffen en bei toffeln. wurden wurden | Dora rn, die »n fünf Belsen itischen Panzer- te und füdische er und rebildet. garische > Hilfe, , Fami- ng NeI- roblem, L vier ı, C 4 Im Rahmen eines großen Hilfsprogramms hatte die schwe- dische Regierung veranlaßt, daß 7000 von den 10 000 Kranken Belsens auf sechs Monate zur Kur in schwedische Sanatotien kamen. Am 19. Juni fuhr der erste Rote-Kreuz-Zug mit 350 bettlägerigen und 50 sitzfähigen Kranken von Belsen- nach Lübeck. Erst als dieser Zug abgefahren war, wurde fest- gestellt, daß viele dieser Kranken gesunde Verwandte in. Belsen hatten, die eine Trennung im Konzentrationslager ver- mieden und für sie gesorgt und ihnen geholfen hatten. Sollten diese Familien. jetzt noch nach der Befreiung aus- einandergerissen werden? In Übereinstimmung mit der offiziellen Politik der britischen Militärregierung. wurde beschlossen, daß Maßnahmen in die Wege geleitet werden müßten, um gesunde Verwandte„ersten Grades“ mit den Kranken nach Schweden zu, schicken. Mit Verwandten„ersten Grades“ waren Mütter, Väter, Kinder, Brüder oder Schwestern gemeint. Aber eine solche Politik ließ sich leichter festlegen als durchführen. Zunächst war da die Schwierigkeit festzustellen, welcher der Kranken gesunde Verwandte in Belsen hatte; dann galt es, diese Verwandten zu ermitteln. Jeden Nachmittag gingen Sergeant C. und Sergeant H. durch die Krankenzimmer und fragten die für den nächsten Tag zur Abreise nach Schweden vorgesehenen Patienten, wo sich etwaige Verwandte im Lager befänden. Schwierig war es bei den leichteren Fällen, die oft unterwegs waren, wenn die Sergeanten bei ihnen vorfragten. Und auch viele der gesunden Verwandten waren nicht aufzufinden, wenn am nächsten Morgen die Zeit der Abreise kam.} Schließlich arbeiteten wir ein Verfahren aus, um die gesunden Verwandten zu veranlassen, daß sie sich in ihren Blocks bereit halten sollten. Wir stellten Listen nach Nationalitätengruppen auf und händigten sie jedem Nationalkomitee am frühen Abend aus, so daß sie Melder ausschicken konnten, um die Verwandten zu benachrichtigen. Dieses Verfahren bewährte sich. Aber die mit der Feststellung und Benachrichtigung der gesun- den Verwandten verbundenen Schwierigkeiten waren minimal im Vergleich mit der Aufgabe, die echten Verwandten ersten Grades von den unechten zu unterscheiden. Hier muß daran v 167 erinnert werden, daß die Belsener keine anderen als die von den Engländern ausgestellten Ausweispapiere hatten, und bezüglich der Lebensläufe der Tausende von Insassen mußten wir uns auf die Berichte verlassen, die sie uns selbst gegeben. Es war nicht etwa so, daß große Zahlen Gesunder, die keiner- lei Bindungen zu den abreisenden Kranken hatten, sich bemüh- ten, unter irreführenden Vorwänden nach Schweden zu kommen. Aber viele der Kranken hatten Tanten oder Kusinen im Lager und viele hatten Kameraden, die ihnen so ergeben waren, wie es nur eine Schwester oder ein Bruder hätte sein können. Da waren Freundinnen, die Jahre hindurch in der Gefangenschaft zusammengehalten hatten. In der Terminologie des Lagers hießen sie„Lagerschwestern“. Aber die beschränkten Unter- bringungsmöglichkeiten auf den Rote-Kreuz-Zügen machten es selbst diesen engen Freunden und entfernteren Verwandten unmöglich, die Kranken zu begleiten. Neben diesen Freunden und Verwandten, denen wir die Reisegenehmigung zu unserem Bedauern versagen mußten, gab es noch eine kleine Anzahl Gesunder, die in der Hoffnung auf einen Ferienaufenthalt in Schweden vorgaben, Verwandte zu, sein, obwohl sie. keinerlei Verbindung mit irgendeinem Kranken hatten.| Wir benutzten den Speisesaal einer Kantine als Sammelpunkt. Zwei freiwillige Mitarbeiterinnen, ein deutsche Jüdin und eine Tschechin, saßen am Tisch und gaben Fahrkarten aus. Am zwei- ten Morgen, als ich die Zusammenstellung überwachte, näherte sich ein junger Mann in einer Tuchmütze und sagte, daß sein kranker Bruder am Vortage nach Schweden abgereist sei. „Wir ‚wissen genau, wer nach Schweden abgereist ist‘, sagte ich,„und Sie wissen, daß es Ihr Freund und nicht Ihr Bruder war.‘ Er protestierte schwach und ging hinaus.: Wie um zu zeigen, daß er nicht das Gefühl habe, ungerecht behandelt worden zu sein, sprach mich der junge Mann am nächsten Morgen auf dem Kasernenhof an.„Hätten Sie Lust, sich die Haare schneiden zu lassen?“ fragte er.„Ich habe gerade einen Friseurladen eröffnet.“ Komplizierter war der Fall des Lagerfriseurs von Lager 3. Eines Morgens kam er in der Versammlungshalle an und 168 kunde mit sich ein R Er mad diese Mög Wie ich sondern t Frau zule Gaskamm wann sol erfahren? Eine Verwandt volle Ang daß der Lauf lie gewesen Ihrer Ve Hochzeit Schwächu fung ode auch das in Betrac Eines BE Schwederl WIE sie er e von ) und tußten geben, {einer- emüh- Mmen. Lager“ n, wie en, Da schaft Lagers Unter- ten es' andten ir die 20, gab ng auf ıdte zu-, deinem |punkt. nd eine n zwei- näherte aß sein |. “, sagte Bruder gerecht ann am je Lust, » gerade aser 3, „4 an und erklärte, daß er mit seiner kranken Schwester nach Schweden ‘gehen wolle. Wir stellten fest, daß seine Schwester in der Tat reisen sollte. Aber er wollte auch seine gesunde Frau mit- nehmen.® „Wann heirateten Sie?“ fragte ich. „Hier im Lager“, antwortete er ausweichend. „Wer traute Sie?“ „Wir machten es miteinander aus.“ i Ich sagte ihm, daß wir, so gern wir es auch täten, Verlobte nicht miteinander reisen lassen könnten, denn es wäre unrecht, ihnen auf Kosten der echten Verwandten ersten Grades den beschränkten Zugplatz zur Verfügung zu stellen. „Sie können mit Ihrer Frau nach Vorlegung_der Heiratsur- kunde mit jedem späteren Zug fahren“, sagte ich.„Es befindet sich ein Rabbiner im Lager.“\ Er machte ein bekümmertes Gesicht und ging fort, um über diese Möglichkeit nachzudenken. Wie ich später feststellte, war sein Dilemma nicht komisch, sondern tragisch. Er war bereits verheiratet, hatte aber seine Frau zuletzt in Auschwitz-Birkenau gesehen. Wenn sie der Gaskammer entronnen war, so plante er Bigamie! Wie und wann sollte er aber etwas über das Schicksal seiner Frau erfahren? Eine besondere Schwierigkeit bei der Nachprüfung von eVerwandtschaftsansprüchen bestand. darin, daß widerspruchs- volle Angaben nicht in jedem Falle ein Beweis dafür waren, ‚daß der Betreffende, der sie machte, seiner Phantasie freien Lauf ließ. Menschen, die seit Jahren im Konzentrationslager gewesen waren, vergaßen in der Tat selbst Grundtatsachen ihrer Vergangenheit, wie zum Beispiel den Geburts- oder Hochzeitstag. Vielleicht war dies zurückzuführen auf die Schwächung des Gedächtnisses durch jahrelange Unterernäh- rung oder Typhus. In allen zweifelhaften Fällen mußten wir auch das Gesamtauftreten der von uns befragten Personen in Betracht ziehen._ Eines Tages beantragte eine Jüdin eine Fahrkarte nach Schweden,"um ihre kranke Tochter zu begleiten, mit der sie, wie sie erklärte, seit Juli 1944 in Auschwitz und Belsen ge- 169 12 Sington دو wesen war. Als sie nach dem Hochzeitstag ihrer Tochter gefragt wurde, antwortete sie: Weihnachten 1944." Sie wurde darauf hingewiesen, daß dies besage, ihre Tochter hätte in Auschwitz geheiratet. ,, Ich kann mich an keine Daten mehr erinnern!" sagte sie und begann bitterlich zu weinen. Es war ganz klar, daß sie Weihnachten 1943 meinte. Diese genaue Nachprüfung war durchaus notwendig und gerecht, denn in jedem Zuge war lediglich Platz für sechzig Verwandte. Und wenn echte nahe Verwandte am Fahrkartentisch erschienen, war es klar, daß jede Anstrengung gerechtfertigt war, die darauf hinausging, Freunde und Ferienreisende. daran zu hindern, den knappen Raum mit Beschlag zu belegen. Eines Morgens stellte sich ein bleiches polnisches Mädchen mit einem Schal um den Kopf und einem Bündel in der Hand mit vor dem Fahrkartentisch an. Sie sagte, daß ihr Gatte im Zuge sei und zeigte einen Personalausweis vor, um es zu beweisen. Als ich ihr sagte, sie werde warten müssen, um erst am folgenden Tage zu fahren, weinte sie. ,, Er hat so furchtbare Lungenblutungen", sagte sie ,,, und ich muß mit ihm reisen, um ihm zu helfen." Ich gab ihr eine Fahrkarte, damit sie gleich mitfahren könne. Am Nachmittag ging ich nach der Station Bergen, um den Zug abfahren zu sehen. Das polnische Mädchen eilte den Bahnsteig entlang und ich fragte sie, ob alles in Ordnung sei. ,, Mein Mann hat eine Blutung", sagte sie ,,, und ich versuche Hilfe zu finden. Er befindet sich in einem Wagen, wo geraucht wird, und seine Lungen werden das nicht aushalten." Ich begleitete sie zu ihrem Gatten. Er saß in einem Stuhl auf der Plattform zwischen zwei Wagen. Er war ein gut aussehender junger Mann mit dem blassen ätherischen Aussehen und der eingefallenen Brust der Schwindsüchtigen. Er würgte ein wenig. Ich ging den Zug weiter hinunter in einen anderen Wagen und fragte die dort liegenden Männer, ob einer von ihnen rauche. دو , Wir sind alle Raucher", kam die Antwort. ,, Aber wir haben nichts zu rauchen." 170 Ich sagt müsse und war dank bei einer Deutschlan Einer d nach Schw gemacht. saal der K Da ste und deute ,, Könne „ Ich ha Kleiderka Als ich der bezei war er nic Zwei T Soldat wi Ich fand einer der Kriegsgefa hoffte. Die Be wurde du gewöhnt Zulassung Morgen, Ausgabe Frauen u standen, Tisch une Schreiber, erheben, stemmten Eines N für dieser von fünf 12* "ochter Sie Tochter 1pte sie daß sie und ge- ig Ver- tentisch tfertigt eisende, legen. [ädchen t Hand atte im zu be- erst am und ich ı könne, um den n Bahn- 8 versuche geraucht m Stuhl gut aus- \ussehen - würgte Wagen n ihnen ir haben Ich sagte einem jüngeren Mann, daß er seinen Platz wechseln müsse und brachte den Schwindsüchtigen, herbei. Seine Frau war dankbar. Er war Arbeiter in einer Gießerei gewesen und bei einer Razzia in seinem polnischen Heimatdorf nach Deutschland verschleppt worden, um dort zu arbeiten. Einer der unerwartetsten Versuche, sich in die Schlange der nach Schweden Reisenden einzuschleichen, wurde am 9. Juli gemacht. Am Morgen kam ein Rumäne zu mir in den: Speise- saal der Kantine. “„Da steht ein ungarischer Soldat in der Schlange“, sagte er, und deutete auf einen jungen Mann in grauem Anzug. „Können Sie ihn mit Sicherheit identifizieren?“ „Ich habe ihn oft in ungarischer Uniform in einer der Kleiderkammern arbeiten gesehen.“ Als ich mir durch den Speisesaal meinen Weg bahnte, glitt der bezeichnete junge Mann aus der Tür. Als ich heraustrat, war er nicht mehr zu sehen. eh Zwei Tage später meldete der Rumäne, daß dieser ungarische Soldat wieder in der Kleiderkammer arbeite.- Ich fand ihn dort und brachte ihn zur Militärpolizei. Er war einer der früheren Wächter des’ Konzentrationslagers, ein Kriegsgefangener also, der auf diese Weise zu entkommen hoffte. Die Befragung dieser Dutzende von Leuten jeden Morgen wurde durch die Hysterie erschwert, an die wir uns inzwischen gewöhnt hatten. Die Leute waren geradezu wild darauf, sich Zulassungspapiere für den‘Zug zu sichern. Und an jedem Morgen, wenn die beiden freiwilligen Schreibkräfte mit der Ausgabe der Fahrkarten begannen, drängten sich Männer und Frauen um den Tisch und wurden von denen,.die hinten standen, noch weiter herangedrängt. Einige kletterten über den Tisch und lehnten sich, Pässe fordernd, über die Schultern der Schreiber, während andere versuchten, sich über die Menge zu erheben, indem sie sich auf die Schultern der sie Umgebenden. stemmten. Eines Morgens erklärte ich, daß die Ausgahe von Fahrkarten für diesen Tag eingestellt werden würde, falls nicht innerhalb von fünf Minuten eine ordentliche Schlange gebildet würde. 171 12* Das Ergebnis war befremdend. Zwei Minuten lang rührte sich niemand. Dann ergriffen zwei Männer in der Mitte der Menge die sie Umstehenden und stießen sie heftig zurück, in der Bemühung, sie in eine Reihe zu zwingen. Ein Mädchen schlug dem einen der Männer ins Gesicht. Nachdem ich dem Tumult ein Ende gemacht hatte, trat ich hinter die Menge und befahl allen dort Stehenden, sich fünfzig Schritt zurückzubegeben, damit die vor ihnen Stehenden ordentlich anschließen könnten. Nach einigen Minuten war eine Art Schlange gebildet. Der Rote- Kreuz- Zug, der die Patienten nebst Verwandten nach Lübeck transportierte, kam nicht immer pünktlich, und verschiedentlich hatten wir die gesunden Verwandten bereits reisefertig versammelt, wenn die Nachricht kam, daß der Zug an diesem Tage nicht mehr fahren würde. Einmal hatten wir fünfzig Personen versammelt und dann wieder nach Hause geschickt, nur um gegen 17 Uhr zu erfahren, daß der Zug dennoch um 20 Uhr fahren würde. Es war ein strahlend schöner Nachmittag und die Gesunden und Genesenden, die abreisen sollten, waren unterwegs oder besuchten Freunde. Die einzige Möglichkeit, ihrer wieder habhaft zu werden, war der Aufruf durch den Lautsprecherwagen. So fuhren wir durch beide Lager rund um das deutsche Militärlazarett und kündigten auf polnisch, ungarisch und deutsch an, daß die für die Abreise fälligen Leute sofort zu ihren Blocks zurückkehren und dort warten sollten, bis sie mit dem Wagen abgeholt würden. Als wir den abfallenden Weg zwischen dem Kino und der Offiziersherberge hinunterfuhren, kam ein kleiner Mann in schwarzem Anzug atemlos und blaß auf den Wagen zugeeilt. ,, Ich war im Kino", keuchte er ,,, und man sagte mir, daß der Lausprecher die Leute aufrufe, die nach Schweden sollen." ,, Schon richtig, Sie kommen zur rechten Zeit", sagte ich. ,, Ich weiß nicht, ob ich noch in meinen Block zurückkomme", antwortete er,. ,, die Ankündigung gab mir einen solchen Schock, daß ich einen Herzanfall bekam." Wir brachten ihn in sein Quartier in der Offiziersherberge, warteten, bis er sein kleines Bündel gepackt hatte und fuhren ihn nach der Station. Er war sehr nervös. Auf dem Bahnsteig 172 entschuldi habe und seien, als Namen ic Er war liegenden nachdem kesseln hi Abgemage röcken da den Zebr und bedr Wagentür gelegt. Am let ich jeden betrat. K Ansturm. und Koffe daß an d einzeln v Als ich di wieder vo der Frau wartete j wurde da Selbstbeh Henry leistete be Er war e dienst de Er hatte Gefangen Im Jah eingetrete Nachricht ecken od Empfang te sich Menge er Beschlug Cumult befahl geben, Snnten. andten h, und bereits er Zug dann fahren, ar ein enesenSuchten aft zu en. So Militärsch an, Blocks Wagen und der ann in ugeeilt. ir, daß llen." ch. omme", Schock, erberge, fuhren ahnsteig entschuldigte er sich, daß er uns solche Umstände verursacht habe und erklärte, daß ihm die Rippen eingeschlagen worden seien, als er mit einem Arbeitskommando eines Lagers, dessen Namen ich vergessen habe, in einem Sumpf arbeitete. Er war nicht der einzige ernstlich Kranke unter den nicht liegenden Passagieren. Es war ein heißer Nachmittag, und nachdem ich durch die Küchenwagen mit ihren großen Kupferkesseln hindurchgegangen war, betrat ich einen der Wagen. Abgemagerte Frauen, von denen einige nur in ihren Unterröcken dasaßen, andere in dünnen Röcken und ein paar in den Zebrakleidern des Konzentrationslagers saßen keuchend und bedrückt in der Hitze, während ein Mädchen an der Wagentür stand, die Hand auf das schmerzende' Herz gelegt. Am letzten Tage der Evakuierung nach Schweden prüfte ich jeden einzelnen Paß, bevor sein Inhaber den Lastwagen betrat. Kaum senkte sich die Klappe, so erfolgte der übliche Ansturm. Leute drängten sich vor und warfen ihre Rucksäcke und Koffer in den Wagen. Ich schloß die Klappe und erklärte, daß an diesem Tage niemand reisen würde, wenn nicht jeder einzeln vorträte und auf die Prüfung seines Passes wartete. Als ich die Klappe ein zweites Mal herunterließ, stürmten sie wieder vor also schloß ich sie wieder. Dann lächelten einige der Frauen. Ich versuchte es ein drittes Mal, und diesmal wartete jeder in der Gruppe, bis er an der Reihe war. So wurde das Problem gelöst, automatische Reflexe durch bewußte Selbstbeherrschung zu ersetzen. Henryk Forster, ein Mitglied des Polnischen Komitees, leistete bei der Organisation der Evakuierung wertvolle Hilfe. Er war ein ehemaliger polnischer Offizier, der im Nachrichtendienst der polnischen Widerstandsbewegung gearbeitet hatte. Er hatte die typischen Erfahrungen eines polnischen politischen Gefangenen in deutschen Händen gemacht. Im Jahre 1941. war er in die polnische Widerstandsbewegung eingetreten und hatte drei Monate lang in Krakau illegales Nachrichtenmaterial verteilt, das er in Paketen an den Straßenecken oder während des Gottesdienstes im Kirchenschiff in Empfang nahm. Dann hatte er ein Jahr lang Nachrichten über 173 ' den deutschen Militärverkehr auf polnischen Landstraßen und Eisenbahnen in Richtung auf Rußland gesammelt. Im September 1942 zeigte ein anonymer Brief Forster bei der Gestapo an. Er hörte davon zur rechten Zeit und ging von Krakau nach Jaslo, wo er Nachrichtenoffizier einer Widerstandsgruppe wurde. Seine Tätigkeit in Jaslo bestand darin, Informationen über die Organisation, Bewaffnung und Bewegungen der deutschen Polizei zu sammeln, so daß man Leute, die in Gefahr waren, verhaftet zu werden, warnen konnte. In Jaslo traf Forster einen Studenten, den er als Angehörigen der Widerstandsbewegung in Krakau kannte. Eines Abends lud dieser Mann Forster' ein, ihn in einem Café zu treffen, und als er kam, saß der Student dort mit einem Gestapobeamten. Als sie gegen ein Uhr morgens ihren letzten Schnaps tranken, erschien der Gestapochef von Jaslo mit zweien seiner Männer in Zivil und verhaftete Forster, weil er nach der Ausgangssperre unterwegs war. Er wurde acht Tage lang verhört. Als er keine Auskunft über seine Widerstandsgruppe geben wollte, wurde er mit gefesselten Händen über einen Tisch gelegt und über Beine und Rücken gepeitscht. Dann wurde er mit fünfzig anderen Männern in einem Viehwagen nach Auschwitz- Birkenau transportiert. In Birkenau schleppte er drei Wochen barfuß Sand für den Straßenbau. Am 23. Oktober wurde er nach Buchenwald gebracht und weiter nach Düsseldorf geschickt, wo er in einer Fabrik für Gasbehälter arbeitete, in der er während der fast allnächtlichen Angriffe alliierter Bomber schlafen mußte. Nach einer langen Krankheit, während der er von einem französischer Arzt und einer französischen Pflegerin betreut wurde, kam Forster im Juli 1944 nach Miesburg bei Hannover, um an der Wiederherstellung der Rohrleitungen der zerbombten Ölleitungen zu arbeiten. Als die amerikanischen Streitkräfte sich acht Monate später Miesburg näherten, wurde er nach Belsen gebracht. Seine Erfahrungen bei Untersuchungen und seine ausgeprägte Fähigkeit der Charakterbeurteilung, die vertieft worden waren in den zwei Jahren des Kampfes in der polnischen Untergrundbewegung, machten ihn zu einem wertvollen Mit174 arbeiter b mit krank reisen wol Die He Abreise d den ganze 1100 tsche Lager in dann, am Roten Kre Lastwagen bestand, der tschec stand aus der tschec dieser Zei halben Ta Aber be fuhren vi heim. Vo von Prag der Militä geführt, d slowakei kamen, Vielen ge ausfindig sie gewö irgend m In de Männer u heit ware Lager wa mit einer Winkel Unter mädchen, Tage im N und ter bei ging Wider. darin, 1d Be- Leute, nnte, Yörigen Abends n, und amten, anken, Männer sgangs- ıskunft er mit r Beine ınderen | trans- ß Sand Zuchen- oerin' end der mußte. nufran- wurde, ‚um an ten OJ- fte sich ‚ Belsen j ausge- worden Inischen en Mit- arbeiter bei der Überprüfung der Angaben vieler Belsener, die mit kranken Angehörigen im Juni und Juli nach Schweden reisen wollten. Die Heimführung der Gesunden begann im Mai mit der Abreise der Franzosen, Belgier und Holländer und dauerte den ganzen Sommer hindurch an. Am 8. Mai wurden etwa 1100 tschechische Frauen von Belsen nach einem tschechischen Lager in dem etwa 25 km entfernten Celle übergeführt. Und dann, am 7. Juli, führt Dr. Collis, der Arzt des Britischen Roten Kreuzes, einen Transport, der.aus einem Omnibus, einem Lastwagen und mehreren Ambulanzen voll tschechischer Kinder bestand, nach Prag. Am folgenden Tage verließ der größte der tschechischen Heimkehrerzüge die Station Belsen. Er be- stand aus 52 Wagen und führte 1200 Männer und Frauen nach der tschechischen Hauptstadt. Der Eisenbahnverkehr war zu dieser Zeit langsam und die Reise dauerte fünf und einen "halben Tag.® Aber bevor diese Züge und Transporte nach Prag abfuhren, fuhren viele andere Gruppen von Tschechen und Slowaken heim. Von Zeit zu Zeit hielten Wagen, die die lange Reise von Prag gemacht hatten, auf dem Platz vor dem Gebäude der Militärregierung. Im allgemeinen wurden sie von Männern geführt, die bereits von anderen Lagern nach der Tschecho- slowakei heimgekehrt waren und nun nach Belsen. zurück- kamen, um nach ihren weiblichen Verwandten zu suchen. Vielen gelang es auf diese Weise, ihre Frauen und Schwestern ausfindig zu machen. Nach ihrer Wiedervereinigung nahmen sie gewöhnlich so viele Tschechen mit in den Wagen wie irgend möglich.und fuhren ab. In den ersten Augusttagen kehrten die jugoMawischen Männer und Frauen Belsens in ihre Heimat zurück. Die Mehr- heit waren Frauen, die sich als Partisanen betätigt hatten. Im Lager waren sie a ihren blauen Feldmützen erkennbar, die mit einem kleinen roten Stern geschmückt in einem flotten Winkel getragen wurden.; Unter ihnen befand sich Vera Nemarnik, ein Bauern- mädchen, das bei unserem Einrücken sich einen Monat und drei ' Tage im Konzentrationslager befunden hatte. In der Hingabe a- 175 - - an die tion in R dieses Schulmädchens denn sie war kaum älter Sache der Partisanen und Titos lag etwas Rührendes. Vera Nemarniks Mutter hatte einen Hof von 50 Morgen in Istrien besessen, und ihr Bruder war der Organisator der Partisanenhilfe unter den Bauern gewesen. Sie selbst hatte als Schreibkraft mitgeholfen. Sie wanderten von Dorf zu Dorf oder schliefen in Erdlöchern in den Wäldern, aber eines Tages im November 1944 wurden sie von den deutschen Truppen im Dorfe Montona gestellt, und ihr Bruder wurde erschossen, als er die Dorfstraße hinunterlief. Vera Nemarnik war in einem Viehwagen mit 150 anderen Partisanenmädchen aus den istrischen Dörfern nach Ravensbrück gebracht worden. Wegen der Luftangriffe dauerte die Reise 17 Tage, und während der ganzen Zeit erhielt das Mädchen zwei Pfund Brot und vier Näpfe Suppe.( War es zu verwundern, daß sich, in Belsen lebende Skelette befanden?) Als die russischen Armeen sich Ravensbrück im März 1945 näherten, wurden 150 jugoslawische Frauen von der istrischen Verhaftungsaktion nach Belsen übergeführt, wo etwa die Hälfte von ihnen an Krankheit und Hunger zugrunde ging. Vera Nemarnik war immer noch vom lyphus entkräftet, als ich im Juli 1945 zum erstenmal mit ihr sprach. Nach der Abreise der Jugoslawen im August blieben von den ursprünglichen Gefangenen des Konzentrationslagers hauptsächlich die Polen, die Ungarn und die Rumänen; und im September wurden die meisten Ungarn und Rumänen repatriiert. Die Mehrheit der ehemaligen Konzentrationslagerinsassen, die über den Winter in Belsen zurückgelassen wurden, bestanden also aus Polen und polnischen Juden. Sie waren Verbannte ihres Landes aus eigenem Willen. Es war nicht schwer zu verstehen, warum die Juden aus Polen, die von Himmler entwurzelt und hierher verschleppt worden waren, wenig geneigt waren, zurückzukehren, denn unglücklicherweise hatten Benachteiligungen der jüdischen Bevölkerungen, die in einigen Städten in offene Verfolgung ausarteten, schon stattgefunden, ehe noch Hitlers Armeen das Land 1939 niederwarfen. Eines der jüdischen Mädchen, das freiwillig in meiner Einheit arbeitete, hatte vor der Deporta176 laden bes semiten a Ladenfens Juden!" Ein and sprecherw daß in de anderen g ,, wurde i gefragt, o mir gesag zurückkeh Ähnlich und Krak und Frau reien in in ein La schen Inva Im Ma in das Las aus Polen oder in e Grenze ge Lager für Fehlbener rechte, wa keit von Die Wah Lager wa weniger Belsen, s plötzliche Bird, der einem hö an der V wurde ei neigt war an die ta Ne- ien be- enhilfe ft mit- fen in vember ° Mon- > Dorf- Iwagen Yörfern ingriffe erhielt (War te be- n März on der 0 etwa de ging. kräftet, umänen nsassen, en, be- en Ver- den„aus schleppt n, denn üdischen folgung ‚een das 1en, das )eporta- > tion in Radom gewohnt, wo ihr Vater einen kleinen Schuh- laden besaß. Sie sagte, daß sie von Banden polnischer Anti- semiten aus dem ‚Geschäft getrieben worden waren, die das Ladenfenster mit der Parole„Kauft nicht bei dreckigen Juden!“ überklebt hatten. Ein anderes jüdisches Mädchen aus Kattowitz, das im Laut- sprecherwagen als Ankündigerin mitgearbeitet hatte, erklärte, daß in der Schule, die sie besucht, jüdische Mädchen von den anderen getrennt wurden.„Als ich größer wurde“, sagte sie, „wurde ich oft beim Betreten eines Kabaretts oder Restaurants gefragt, ob ich Jüdin sei, und wenn ich sagte:„Ja“, so wurde mir gesagt, es sei kein Platz. Warum soll ich in ein Land zurückkehren, wo ich so behandelt wurde?“ Ähnliche Erlebnisse wurden mir von Juden aus Lodz, Lublin und Krakau mitgeteilt. Und ist es verwunderlich, daß Männer und Frauen, die wie durch ein Wunder die Massenschlächte- reien in Auschwitz überlebt hatten, wenig Neigung zeigten, in ein Land zurückzukehren, wo sie schon lange vor der deut- schen Invasion im Schatten des Rassenhasses gelebt hatten? Im Mai, als die ersten Polengruppen Belsen verließen, um in’ das Lager nach Bardowiek überzusiedeln, wurden die Juden aus Polen aufgefördert, sich zu entscheiden, ob sie mit ihnen oder in ein Lager bei Lingen in der Nähe der holländischen Grenze gehen wollten. Es wurde ihnen gesagt, daß Lingen ein Lager für„Staatenlose“ sei. Tatsächlich ist„staatenlos“ eine Fehlbenennung, denn es. bedeutet den Verlust aller Bürger- rechte, während diesen polnischen Juden ihre Staatsangehörig- keit von keiner polnischen Regierung geraubt wurde. Die Wahl zwischen„Staatenlosigkeit“ und einem polnischen, Lager war schwierig und hart, insbesondere weil sie innerhalb weniger Stunden getroffen werden sollte. Viele Juden in Belsen, sowohl Männer als Frauen, wurden angesichts dieser plötzlichen Alternative nervös und beunruhigt. Da griff-Oberst, Bird, der Garnisonkommandeur, ein. Auf einer Sitzung, die von einem höheren Offizier der Militärbehörde präsidiert wurde und an der Vertreter des Belsener Jüdischen Komitees teilnahmen, wurde eine Erklärung aufgesetzt, um denjenigen, die nicht ge- neigt waren, nach Hause zurückzukehren, ihre Lage klarzumachen. 177 N ® Sie erfuhren, daß kein Angehöriger der Vereinten Nationen gegen seinen Willen in seine Heimat zurückgeschickt werden würde; daß eine Entscheidung gegen die Rückkehr nicht das Recht einer späteren Heimkehr beeinträchtige, und daß über die Zukunft derjenigen, die nicht in ihre Heimatländer zurückkehren wollten, von einer internationalen Organisation entschieden werden würde. Diese Erklärung galt auch für die Stellung der jüdischen und nichtjüdischen Polen, die im Oktober 1945 in Belsen zurückblieben, weil sie nicht geneigt waren, nach Polen zu gehen. Es waren ihrer 8000. Unter ihnen befanden sich tapfere polnische Jüdinnen, die kurzatmig und mit geschwächtem Herzen als Nachwirkungen des Typhus die Kranken in den verpesteten Blocks des alten Lagers betreut hatten, nichtjüdische polnische Offiziere, die unermüdlich gearbeitet hatten, um in den schrecklichen Tagen des Lazaretts in der SS- Apotheke Hilfe für die Zusammenbrechenden und Sterbenden zu improvisieren; hübsche polnische jüdische Mädchen, die im Zelttheater gesungen und getanzt hatten, Polen und Juden, die einander mieden, und Polen und Juden, die wie das Ensemble unserer ersten ,, Internationalen Kabaretts" als Freunde zusammenwirkten alle diese Entwurzelten waren voll Furcht und Mißtrauen gegenüber dem, was sie in Polen erwartete. - Aber jeder von ihnen wünschte geordnete Verhältnisse und Arbeit. Alle wollten sie ein neues Leben anfangen als Hausfrauen oder Studenten, Schuhmacher oder Bauern, Ladenbesitzer oder Ärzte, wie sie in jenen Tagen getan, bevor. die Männer in graugrünen Uniformen mit ihren Wagen kamen und an die Türen hämmerten. Sie waren durch das Lagerleben in ihrer Lebensweise behindert und demoralisiert. Ihre völlige wirtschaftliche Abhängigkeit von den britischen Behörden war demütigend für diese Männer und Frauen, die offiziell für frei erklärt wurden. Ihr Zustand ähnelte allzu sehr demjenigen von Mittellosen in einem Armenhause. Ist es daher zu verwundern, daß diese 8000 polnischen und jüdischen Verbannten in Belsen dem Winter 1945 mit Trauer entgegensahen? 178 Drei Ja kamen. A worden. D und Karto SS- Kantin türme und schwunden Lichtung a und einige Stelle an, Eine Ar Maß von hatten das Aber viele sind sich Krankenh voll mit keit der d jemals im schütteln, kammer Angehörig Viele gelitten, Einige w die Tragö von einer etwas hör wie die Gaskamm Mütter b liegen wi tionen werden ht das 3 über urückn entFür die m Okgeneigt en, die chwirBlocks Offklichen Zusamme polgetanzt en und onalen e Entr dem, se und Hausdenbevor, die men und ise beAbhänir diese en. Ihr n einem men und Trauer Schlußwort Hamburg, März 1948 Drei Jahre sind vergangen seit die Engländer nach Belsen kamen. Aus den SS- Blocks ist heute eine deutsche Siedlung geworden. Die Siedler bepflanzen den Boden mit Bohnen, Kohl und Kartoffeln, und an einer langen Leine vor der früheren SS- Kantine hängt Wäsche zum Trocknen. Die hölzernen Wachtürme und der Drahtzaun des Konzentrationslagers sind verschwunden und der Wald dringt schnell wieder vor. In der Lichtung an der Südwestecke zeigen ein weißes Steindenkmal und einige Holztafeln, jede, mit einer Nummer versehen, die Stelle an, wo so viele tausend Tote unter dem Sand liegen. Eine Anzahl der Überlebenden aus Belsen hat ein gewisses Maß von Gesundheit und Stärke zurückgewonnen. Etliche hatten das Glück, Mutter, Schwester oder Kind wiederzufinden. Aber viele Tausende siechen an den Folgen langsam dahin und sind sich dessen bewußt, daß sie nicht alt werden können. Krankenhäuser in Paris, Amsterdam, Prag sind noch immer voll mit physischen Opfern der unvergeßlichen Unmenschlichkeit der deutschen SS. Und wie viele Hunderttausende werden jemals imstande sein, den Alpdruck des Augenblicks abzuschütteln, als die Mutter, der Vater oder das Kind zur Gaskammer geschleppt wurde oder als man die Leiche eines nahen Angehörigen auf einem Haufen verwesender Toten erkannte? Viele Deutsche haben während der drei Jahre seit 1945 gelitten, sie haben Not, Kälte und Hunger kennengelernt. Einige waren auch nahe am Verhungern. Tausende erfuhren die Tragödie eines verlorenen Heimes oder der Zwangstrennung von einem Verwandten und Freunde, von dem sie nie mehr etwas hörten. Hat aber einer von ihnen etwas Gleiches erlebt wie die Söhne, die zuschauen mußten, wie ihre Mütter zur Gaskammer geschleppt wurden und die wußten, daß diese Mütter bald in der Mitte eines Haufens verunstalteter Leichen liegen würden, während Männer ihre Goldzähne entfernten 179 und ihr Haar abrasierten? Ich bezweifle es. Trotzdem war das das Schicksal von 4000000 jüdischer Männer, Frauen und Kinder in deutschen Händen. Der Vergleich zwischen den drei Jahren der Bedrängnis des deutschen ‚Volkes, besonders der Flüchtlinge, und den Leiden der viel größeren Zahl Juden und Anti-Nazis(Deutsche und Juden einbegriffen), welche während zwölf Jahre vom national- sozialistischen Deutschland ermordet und zu Krüppeln gemacht wurden, soll die jetzige Not des deutschen Volkes nicht recht- fertigen. Denn Bestrafung eines Volkes kann zwischen einzelnen nicht unterscheiden. Auch Zehntausende von Deutschen starben im Kampf gegen Hitler, während viele andere auf eine schwächere Art ihr Bestes taten, dem Gewaltglauben und der Terrorpropaganda entgegenzuwirken. Aus den Geschehnissen in Belsen‘aber Sollten recht viele Deutsche die tiefere Einsicht gewinnen, weshalb sie ihre Heime und ihren Besitz verloren und weshalb es ihnen an Kleidern und Nahrung mangelt. Es sollte sie auch verstehen lehren, weshalb die Welt diejenigen Deutschen nicht bedauern kann, die sich allzu laut beklagen, daß sie Opfer einer ‚schrecklichen Ungerechtigkeit“ seien. Viele Tausende von Männern und Frauen in allen Ländern der Welt wollen bei der Wieder- erstehung Deutschlands als friedliches und gedeihendes Land mithelfen. Aber es gibt sehr wenige unter ihnen, die durch jene Deutsche, die einen Groll gegen die Welt hegen, nicht gelähmt werden. Wenn schon Groll, so scheint uns die übrige Welt, besonders die Völker Europas und Rußlands mehr Be- rechtigung zu haben, ihn zu empfinden. Aber solch ein Groll ist in jedem Fall unkonstruktiv. Es gibt viele Deutsche— nicht nur unter den alten Anti-Nazis, auch unter den Jungen—, die sich danach sehnen, ein neues Kapitel deutscher Geschichte zu beginnen. Die Kenntnis dessen, was in Belsen geschah, sollte ihnen helfen, ihre Landsleute zu über- zeugen, die jetzige Zeit der Not und Sorgen ohne Verbitterung durchzuhalten. Diese Kenntnis sollte auch ihre Entschlossenheit stärken, nie mehr Männern, deren politische Ziele auf Gewalt, Schrecken und Grausamkeit aufgebaut sind, zu erlauben, sich die Macht über das deutsche Volk anzueignen. 180, DS: Dienst waren NI war das auen und Engnis des en Leiden tsche und nationalm gemacht icht rechteinzelnen en starben auf eine und der echt viele mre Heime Kleidern en lehren, ern kann, recklichen nern und Wiederndes Land die durch gen, nicht die übrige mehr Beiv. Es gibt Nazis, auch es Kapitel sen, was in e zu übererbitterung chlossenheit uf Gewalt, auben, sich ANHANG A Dienstgrade der SS und der Amtsträger in einem deutschen Konzentrationslager ( Die Dienstgrade des SS- Personals waren nicht in allen Konzentrationslagern die gleichen) SS Lagerführer( Rang: Hauptsturmführer) Rapportführer( Rang: Scharführer) Arbeitseinsatzführer Lagerarzt( Rang: Hauptsturmführer) Kommandoführer( Rang: SS- Mann, Gemeiner) Blockführer( Rang: SS- Mann, Gemeiner, verantwortlich für drei bis sechs Blöcke) Amtsträger ( unter den Insassen) Lager- Ältester( oft ein Berufs- Verbrecher) Arbeitseinsatz Ein Häftlingsarzt( Oberarzt) Kapo( Führer einer Arbeitsabteilung, oft ein Krimineller) Blockältester( für jeden Block einen, oft Kriminelle) Lagerschreiber Revierschreiber Blockarzt Blockältesterstellvertreter Schreiber( für jeden Block einen) Stubendienst( auf etwa 20 Gefangene einen) D. S. .181 Überblick ANHANG B Die Kennzeichen der Häftlinge in deutschen Konzentrationslagern Sämtliche Häftlingsgruppen im KL mußten äußere Kennzeichen tragen, die ihrer Kleidung aufgenäht wurden, und zwar eine Nummer und einen farbigen Dreieckswinkel an der linken Brustseite, sowie am rechten Hosenbein. In Auschwitz wurden die Nummern den Häftlingen am linken Vorderarm eintätowiert. - Rot war die Farbe der Politischen. Zweitmalig Eingelieferte, sogenannte Rückfällige, erhielten einen gleichfarbigen Querstreifen über den oberen Winkelrand. Die übrigen Farben und Bezeichnungen waren wie folgt: Grün für Kriminelle mit einem aufgedruckten ,, S" für Sicherungsverwahrte woraus die Bezeichnung ,, Schwerverbrecher" entstanden ist, Violett für Bibelforscher, Schwarz für Asoziale-, Blau für Emigranten Rosa für die mit Sittlichkeitsdelikten( hauptsächlich Homosexuelle!) Eingelieferten, zeitweise Braun für die Zigeuner und in bestimmten Aktionen eingelieferte Asoziale. Die Juden trugen unter ihrer roten, grünen, schwarzen und sonstigen Markierung ein querstehendes gelbes Dreieck, so daß ein sechszackiger Stern entstand. Die sogenannten Rassenschänder, Juden und Nichtjuden, die das Nürnberger Blutschutzgesetz übertreten hatten, erhielten über dem gelben oder grünen Dreieck einen querstehenden schwarzen Dreiecksrand. Bei den Ausländern wurden die Anfangsbuchstaben ihrer Nationalitätsbezeichnung dem Winkel aufgedruckt: Ein ,, F" für die Franzosen, ein ,, T" für die Tschechen, ein ,, N" für die Niederländer und so fort. Deutsche politische Schutzhäftlinge, die zu Beginn des Krieges wegen angenommener Unzuverlässigkeit in die KL verbracht wurden, trugen als sogenannte ,, Aktionshäftlinge" die Nummer quer durch den Winkel, 182 543 V SAW 418 ennzeichen Immer und am rechten nam linken sogenannte ‚den oberen ı wie folgt: Sicherungs- ‘ entstanden —, Blau für auptsächlich igeuner und» nd sonstigen echszackiger Nichtjuden, en über dem reiecksrand, Vationalitäts- anzosen, ein > fort. rieges wert rden, trugen den Winkel, Überblick über die Kennzeichen der Häftlinge Deutscher politischer Schutzhäftling Französischer politischer Schutzhäftling Spanischer politischer Schutzhäftling Jüdischer politischer Schutzhäftling Bibelforscher Emigrant Aktionshäftling (in Massenaktionen wegen politischer Unzuverlässig- keit eingeliefert) Jüdischer Emigrant Krimineller(Befristete Vorbeugungshaft= BV) Sicherheitsverwahrter Krimineller(noch in Straf- haft) Jüdischer BVer Asozialer Jüdischer Asozialer Arbeitserziehungshäftling Jüdischer ‚„Rassenschänder‘‘ Zigeuner Homosexueller Sonder-Abteilung- Wehrmacht Politischer Schutzhäftling der Strafkompanie Polizeihäftling (noch in Untersuchung), jedoch wegen Überfüllung der Polizei-Arreste ins KL überwiesen. während sie sonst zwei Finger breit unterhalb der Winkelspitze angebracht wurde. Gleichfalls ab Kriegsbeginn wurden als ,, Kriegsverbrecher" Häftlinge eingeliefert, denen auf dem Winkel ein ,, K" aufgedruckt wurde. Sogenannte ,, Arbeitserziehungshäftlinge" erhielten auf den schwarzen Winkel ein weißes ,, A". Angehörige der Straf kompanien hatten zwischen unterer Winkelspitze und Nummer einen schwarzen talergroßen Punkt. Der querstehende rote Winkel mit einem eingedruckten SAW zeigte an, daß es sich bei seinem Träger um einen Angehörigen der ,,, Sonder- Abteilung Wehrmacht" handelte. Fluchtverdächtigen wurden auf Brust und - Rücken eine weiß- rote Zielscheibe aufgenäht oder aufgemalt. - Solche meist politischen Häftlinge, die wegen Überfüllung der Polizeiarreste vor Abschluß ihrer Untersuchung in ein KL überstellt wurden, trugen bis zur Aburteilung den gelben Winkel, der später dann entsprechend durch einen roten bzw. anderen ersetzt wurde. ,, Todeskandidaten", die nicht außerhalb der Lager beschäftigt werden durften, trugen keinen Winkel, sondern eine Armbinde mit dem Aufdruck ,, Torsperre". Sie waren überdies gekennzeichnet durch halben Haarschnitt. Die eine Hälfte der Kopfhaut war rasiert. 183 DAS- IST DAS LAGER WOHLBEKANNTE CONZ BELSEN BERGEN Befreit Von Der Zweiten Britischen Armee Den 15 april 1945. 10,000 UNBEGRABENE LEICHEN WURDEN HIER GEFUNDEN, ANDERE 13,000 SIND SEITDEM GESTORBEN ALS OPFER DER NEUEN DEUTSCHEN ORDNUNG IN EUROPA UND ALS BEI SPIEL DER NAZI KULTUR. Ein Leichenhaufen auf dem Erdboden des Lagers SS- Frauen befördern die Leichen nach der Befreiung ins Massengrab Deutsche Amtspersonen aus Celle schauen entsetzt und ergriffen auf das Massengrab Eine der entsetzlichen Unterkünfte im Lager Die Holzschuhe der Toten dienten den Internierten zum Essenkochen Josef Kramer, der deutsche Lagerleiter von Belsen for