De Martini, 4 Millionen Tote klagen an MEINEN NOTEN RKAMERADEN ZUM GELEITI Todeslager Auschwitz Über dieses Lager ist so wenig publiziert worden, daß es begrüßenswert ist, wenn ein Häftling hierüber der Öffentlichkeit Aufklärung erteilt, die sonst kaum zugängig ist. Ich habe das Buch gelesen und an meinem geistigen Auge gingen die Dinge vorüber, die ich selbst im Lager Auschwitz durchlebte. Dieses Dokument, das auch in jeder Beziehung der Wahrheit entspricht, möge dazu dienen, der Wahrheit die Ehre zu geben, der Toten in Ehre zu gedenken und den Überlebenden zur ewigen Mahnung. Dr. Philipp Auerbach Staatskommissar im bayerischen Innenministerium Häftling Auschwitz Nr. 188 869 Vorwort. Sinn und Zweck dieses vorliegenden Buches ist es, vor allem dem deutschen Volke einen Einblick in die Verhältnisse zu geben, die im KZ- Auschwitz herrschten und die ich selbst gesehen und erlebt habe und zwar so, daß ich mit gutem Gewissen sagen kann: ,, So war es einmal!" Ich glaube mich damit zum Dolmetsch aller ehemaligen politischen Häftlinge zu machen, die in den verschiedenen KZ- Lagern schmachteten, litten und starben. Das KZ- Auschwitz, in welchem ich drei Jahre als ,, Schutzhäftling" verbrachte, war eines der berüchtigsten KZ- Lager überhaupt und galt in eingeweihten, nationalsozialistischen Kreisen allgemein nur als Vernichtungslager! Die verantwortlichen Politiker der NSDAP. sind in ihrer Zeit niemals müde geworden, alles abzuleugnen und als Greuelmärchen zu bezeichnen, was hie und da über ähnliche Vorfälle in die Öffentlichkeit drang. Sie wußten alle genau, daß diese Dinge ihren schwungvollen Reden über deutsche Kultur, Moral und Ehre hohnsprachen. Der Name Auschwitz bleibt ein Beispiel dafür, was die Kulturvölker erwartet haben würde, wenn Deutschland den Krieg gewonnen hätte. Gesundheitlich schwer geschädigt wurde ich entlassen, nachdem mich die Lagerleitung schriftlich unter Androhung der Todesstrafe verpflichtet hatte, über alle Vorgänge und Beobachtungen im Lager strengstes Stillschweigen zu bewahren. Mit Ungeduld sah ich daher der Stunde entgegen, in der ich frei und offen über alle die bestialischen Grausamkeiten im KZ- Lager Auschwitz sprechen durfte. Das deutsche Volk hat nun durch Verschulden seiner Regierung nach dem totalen Zusammenbruch ein schweres und trauriges Erbe angetreten. Möge dieses Buch dazu beitragen, dieses unselige Erbe erträglicher zu gestalten in der Erkenntnis der großen Schuld, die seit dem Jahre 1933 an tausenden und abertausenden deutschen und fremden Volksangehörigen begangen wurde. August 1945. Der Verfasser. INHALTSANGABE 1. Vorwort. 2. Im Gestapo- Gefängnis ,, Monte Lubbich" Empfang im Lager Transport und 9 - Aufbau und Organisation des Lagers. 18 - Die ,, SK." Ein neuer Das Krematorium - Der erste 28 3. Lagerleben 4. Der erste Brief in die Heimat - Lagerführer trifft ein schwarze Tag von Auschwitz Weihnacht 1940. 5. Die Lagerkapelle - - - Das erstemal am Pfahl" Erschieẞungen in der Kiesgrube suchen das Lager. - 6. 150 Schwerkranke werden vergast Kriegsgefangene kommen ins Lager kenau - 27 - MassenKommissionen be10 000 russische Frauen- KZ. Bir7. Juden- Groẞtransporte aus dem Ausland treffen ein Tote auf dem Scheiterhaufen - nickschuẞ 5000 Tschechen werden eingeliefert - 55 35 45 Liquidierung durch Ge52 - Flüchtige 00 60 8. Vernehmungen auf der Politischen Abteilung Häftlinge Der Galgen im Lager. - 9. Der Krankenbau wird ,, ausgekämmt" - Phenolinjektionen auf Befehl des Lagerarztes Weihnachten und Neujahr 1942 im Lager- Die Entlassung 10. Finale 63 68 1 Karte - 2 Lagerskizzen 1 Buntdrucktafel - 10 Fotos. 3 2 Im Gefängnis ,, Monte Lubbich" Transport und Empfang im Lager Woche um Woche war nach meiner Festnahme durch die Gestapo in unruhiger und nervöser Spannung vergangen. Die kleine, etwa fünf Quadratmeter große Zelle des Krakauer Gestapogefängnisses ,, Monte Lubbich" bot uns acht Häftlingen kaum Platz. Das gesamte Mobiliar der Zelle bestand aus einem an der Wand festgeschraubten Tischchen und zwei, ebenfalls an der Wand befestigten, herabklappbaren Eisenbettstellen mit Strohsackeinlage. Eine Sitzgelegenheit war nicht vorhanden! Die Wände waren schmutzig- grau und verschmiert und in dem morschen Wandverputz nisteten ganze Heerscharen Wanzen... Wir hungerten alle, denn die Verpflegung war knapp und minderwertig. Jede an den Gefängnisaufseher gerichtete Frage erbrachte immer wieder den gleichen Bescheid: ,, Was wollt ihr denn eigentlich? Ihr seid politisch hier und habt abzuwarten, was weiter mit euch geschieht!" Tag für Tag hörten wir aus den anderen Zellen das Weinen und Schreien von Frauen und Männern, die bei den Verhören von den Gestapo- Beamten geschlagen und mißhandelt wurden. So erpreẞte man Geständnisse! Oft wurden wir nachts wach, wenn Kommandoworte über den Gefängnishof schallten, Karabinerschlösser rasselten und SS- Mannschaften Häftlinge abholten, die dann irgendwo in den Krakauer Sandbergen erschossen wurden. Uns alle überfiel jedesmal ein unheimliches Grauen, wenn in solchen Nächten Zellentüren zuschlugen und schwere Stiefel durch die Gefängniskorridore klapperten. Da rasselte in den frühen Morgenstunden des 19. Juli 1940 auch der Schlüssel in unserem Zellenschloß: Wir hielten den Atem an. Mein Name wurde mit aufgerufen: ,, Fertigmachen zum Transport!" 9 - - Etwa siebzig Häftlinge meist Polen und Oberschlesier wurden auf den Gefängnishof geführt. Lastkraftwagen standen bereit. Wir kletterten hinauf. Schupos mit schuẞbereitem Gewehr nahmen neben uns Platz. Dann setzte sich die ganze Kolonne in Bewegung, umschwirrt von Polizisten auf Motorrädern mit Maschinengewehren, immer bereit zum Feuern, falls doch einer von uns die Flucht wagen sollte. Endlos erschien diese Fahrt. Sooft wir eines der vielen kleinen Dörfer passierten, spähten die Einwohner verstört hinter den Fenstervorhängen nach unserer Kolonne. Keiner von uns wußte, wohin die Fahrt ging. Da erkannte endlich doch einer die Gegend: ,, Es geht nach Osvěčim( Auschwitz)!" Nach stundenlanger Fahrt kamen wir vor dem Lager an. Noch ahnten wir nicht, daß es sich um eines der später berüchtigtsten Konzentrationslager Hitler- Deutschlands handelte. Viele unter uns waren der Meinung, es sei ein Arbeitslager. In großen Buchstaben leuchteten uns die Worte entgegen: ,, Arbeit macht frei!" Ein vor dem Tor stehender SS- Mann begrüßte unseren Fahrer: ,, Na, Kamerad, bringste uns wieder neue W are?!" Ware! Hirn - dieses Wort brannte sich wie Feuer in mein es erinnerte mich unwillkürlich an die Zeiten des Sklavenhandels im vorigen Jahrhundert. - Wir sprangen von unseren Wagen, traten in Dreierreihen an und marschierten unter Bedeckung der Begleitschupos in das Lager ein. Dort wurden wir bereits von mehreren SS- Offizieren erwartet. Vollzählig übergab man uns dem Lagerführer. Kaum aber waren die Polizeileute wieder außer Sichtweite, brach der Sturm über uns los. دو , Vorwärts ihr Himmelhunde! fen? - Laufschritt- marsch!" - Los wollt ihr wohl lau- Und schon sausten auf unsere Köpfe Knüppel und Stöcke der herumstehenden SS- Mannschaften nieder, daß uns allen Hören und Sehen verging. Im Laufschritt wurden wir auf einen freien, mit Schotter bedeckten Platz gejagt. Dort traten wir nun in zwei Gliedern an. SS- Obersturmführer Meier schritt die Front seiner ,, Ware" ab. Sein Gesicht war von Haß und Bosheit entstellt. In kurzen Worten gab er uns seine Absichten bekannt und wir erkannten daraus un10 し Eger Berlin Elbe Dresden Eger Pilsen ode Moldau Prag Breslau Bromberg Weichsel Warschau Posen Brieg Görlitz Neisse Ziegen hals Jagem dorf Wien Elbe Brünn Oppeln Gleiwitz Beuthen Königshütte Lodz Kielca Oderberg Kattowitz Trzebinia Auschwitz. Karwin Dziedzice Krakau Weichsel Troppau Mhr. Ostrau Olmüte Preran Teschen Bielits Kalwaria Friedek Saybusch Radom N + S Posten W Gruben! Pasten 20 Hof zum BLOCK 11 Pumpe Sport. Appellplate Wassertrog KB 16 Bauhof 甲 Alte Baracken Pasten 19 18 17 Latrine Bauplatz Lagerstrasse Lager Poster § Arbeit Gelände Strasse macht frei ΤΟΥ 14 Bauplatz Abfall- Grube Lager strasse 10 9 8 9 6 5 4 3 BADO Latrinen Küche Postea Lageplan des Lagers 1940 Gründungsjahr Pumpe Pasten Posten 12 13 359 Posten De Martini es Krematorium schwer die Methoden, die uns gegenüber zur Anwendung gebracht werden sollten. - Das Lager Auschwitz befand sich damals noch im Aufbau. Die bereits vorhandenen Unterkünfte bestanden aus zehn Steinbaracken, die früher wohl zu einem militärischen Truppenübungsplatz gehört haben mochten. Überall arbeiteten Häftlinge alle im Laufschritt! Stockschläge der SS- Posten trieben sie zu immer schnellerem Arbeitstempo an. Rings um das Lager war Stacheldraht gezogen. An den vier Ecken des Platzes standen SS- Wachen mit auf uns gerichteten Maschinengewehren. Man wurde das Gefühl nicht los, jeden Moment erschossen zu werden. Zu den SS- Mannschaften gesellte sich nun auch der Lagerälteste Wiczorek. Wie ich später feststellte, ein Berliner. Er trug den grünen Winkel der Berufsverbrecher und verbüßte im Lager seine Sicherheitsverwahrung. Die Lagerleitung hatte ihn mit mehreren anderen Häftlingen aus dem KZ- Sachsenhausen nach Auschwitz gebracht, um da den Neuaufbau des Lagers mit zu organisieren. Obersturmführer Meier fluchte und wetterte vor unserer Front herum: - ,, Ihr Schweinehunde euch soll hier die nötige Raison schon beigebracht werden ihr sollt mich noch kennenlerihr Marxistenpack--!" nen - Der tiefere Sinn dieser drohenden Worte wurde uns in den nächsten Stunden verständlich. Trotzdem wir schon auf alles Mögliche gefaßt waren, ahnten wir doch noch nicht, was wir in der kommenden Zeit alles erdulden, erleben und mit ansehen sollten. Für den Außenstehenden ist dies kaum zu erfassen. - Auf Befehl des Lagerältesten Leo brachten Häftlinge Schubkarren herbei und stellten diese vor uns nieder. Wir entleerten unsere Taschen. Alles, was wir darin hatten, warfen wir in diese Karren. Ringe, Zigaretten, Feuerzeuge, Schlüssel, Bilder, auch Geld und Wertsachen dies alles häufte sich in diesen Karren zu kleinen Bergen. Begierig wühlten SS- Mannschaften darin herum und suchten sich das jeweils für sie Passende daraus hervor. Meine silberne, vergoldete Zigarettentabatière erweckte sofort das Wohlgefallen eines SS- Mannes, der sich nicht genierte, diese sofort samt den Zigaretten an sich zu nehmen. Nichts konnten wir verstecken, die Aufsicht und Kontrolle war zu streng. Wehe dem, der doch versuchte, irgendeinen 11 Gegenstand zu verbergen. Knüppelschläge, günstigstenfalls ein paar kräftige Ohrfeigen belehrten ihn schnell eines Besseren. Nachdem wir uns auch noch unserer Kleidung und Wäsche entledigt und diese mit einem Stück Draht zusammengebunden vor uns niedergelegt hatten, erhielt jeder eine Nummer zugeteilt. Auf mich entfiel die Nummer 1402 und so war ich von nun ab nur noch der Häftling 1402. Mein Name war damit bis auf weiteres ausgelöscht. Nachdem uns auch noch die Haare geschoren waren, jagte man uns splitternackt unter den johlenden Zurufen der SS und klatschenden Knüppelschlägen des Lagerältesten Leo über den Platz. In einer Ecke dieses Platzes stand ein Brunnen. In dem unter dem Wasserausflußrohr stehenden Holztrog wurden wir nun einer Badeprozedur unterzogen, die darin bestand, daß jeder sich in den Wassertrog legte und von dem Lagerältesten Leo mehreremale kräftig unter Wasser getaucht wurde. Prustend und schnaufend, nach Luft ringend, aus dem Wasser herauskletternd, bekam man dann noch einen empfindlichen Hieb Leos als Zugabe. Wartend standen wir dann wieder in der glühenden Hitze dieses Julitages 1940, bis der letzte Mann von uns gebadet war. Dann wurden wir in die blau- grau gestreifte KZ- Uniform eingekleidet. Strümpfe und Schuhe bekamen wir nicht. Auch das eigene Schuhwerk durfte nicht getragen werden, dieses kam mit unserer Zivilkleidung auf die Kleiderkammer. Nach erfolgter Einkleidung begann die personelle Aufnahme mit Fingerabdrücken, Nummer, Namen und allen sonstigen Angaben, wie sie sonst nur die Polizei von Verbrechern fordert. Als auch dieses vorüber war, hofften wir, endlich in eine der Unterkünfte wegtreten zu können. Doch war dieses Hoffen vergebens. Jetzt begannen erst die richtigen Quälereien - Wir trieben auf Kommando„ Lagersport" eine unbeschreibliche, satanische Quälerei. Stundenlang beugten wir Kniee, hüpften in Kniebeuge mit im Nacken verschränkten Armen und rollten auf dem Schotterplatz. Dann wieder drehten wir uns in schnellem Tempo und wurden zur Abwechslung von der SS- Meute im Laufschritt über den Platz gejagt ohne Pause, Stunde um Stunde in der glühenden Hitze, ohne daß einer der SS- Männer dieses wilden Treibens müde wurde. - 12 S a Da und dort brach der eine oder andere von uns zusammen. Zur Auffrischung wurde ihm ein Eimer eiskaltes Brunnenwasser über den Kopf gegossen. Mit Fußtritten und Faustschlägen jagte man die Zusammengebrochenen immer wieder auf, bis sie mit taumelnden Schritten unter dem Gejohle ihrer Peiniger weiter hasteten. So ging es den ganzen Vormittag über weiter. Mich nahm der Lagerälteste Leo besonders scharf auf's Korn. Er traktierte mich derart mit Schlägen, daß ich mehrere Male zusammenbrach und nur mit größter Anstrengung und äußerster Energie wieder auf die Beine kam. Doch es kam noch schlimmer. - Nach einigen Stunden dieses ,, Sporttreibens" gab es unter ein Mann uns das erste Todesopfer. Ein Jude aus Krakau von etwa dreißig Jahren, hatte dieses mörderische Tempo nicht durchgehalten, war wiederholt zusammengebrochen und da auch kein über ihn ausgegossenes Wasser es vermochte, ihn wieder hochzubringen, drückte, man ihn einfach in dem Wassertrog so lange unter das Wasser, bis er seinen Geist aufgab. Mit Fußtritten rollten die SS- Leute den Toten zur Seite ein Jude was galt der für einen echten deutschen SSwir Mann?! Die machten noch ihre rohen Witze darüber aber schauten mit stieren Blicken nach dem Leichnam.. Endlich durften wir wieder in einer Reihe antreten. ,, Stillgestanden!" - - - Keiner rührte sich. Irgendwo erklang der scheppernde Ton einer Glocke, sie kündigte die Mittagspause an. Alle atmeten doch in einem der wir auf in stiller Erwartung, endlich Wohnblöcke untergebracht zu werden. Doch war auch diesmal unsere Vorfreude vergebens. Wir standen, ohne uns rühren zu dürfen, die ganze Mittagszeit über in der brennenden Julisonne. Es gab für uns Neuzugänge weder ein Mittagessen, noch einen Schluck Wasser. Ausgesprochene Bitten um Wasser wurden mit schallenden Ohrfeigen beantwortet.... ,, Schutzhäftling 1402 bittet Herrn Scharführer gehorsamst, austreten zu dürfen!" Jede in dieser streng vorgeschriebenen Form ausgesprochene Bitte wurde mit unflätigen, nicht wiederzugebenden Worten abgewiesen. Einzelne unter uns konnten ihre Notdurft nicht mehr halten. Unter dem Eindruck des bisher Erlebten und der durchstandenen Aufregung beschmutzten sie ihre Kleidung. Nun wurden wir alle untersucht und diejeni13 gen, die ihre Kleider verunreinigt hatten, wurden von den SS- Männern gezwungen, ihre Hosen mit der Zunge vom eigenen Kot zu säubern. Es war dies einer der widerlichsten Momente der Lagerzeit, mit ansehen zu müssen, wie Menschen unter brutalem Zwang ihre eigenen Exkremente aufaßen. Sie bückten sich vornüber und erbrachen vor Ekel Schleim und Galle aus dem leeren Magen. Auch die anderen hielten nicht mehr an sich und würgten den Abscheu aus ihren sich stumpf aufbäumenden Leibern heraus Die Mittagspause von eineinhalb Stunden war zu Ende. Der blecherne Ton der Lagerglocke kündigte den Beginn der Arbeitszeit wieder an. Auch in unsere Reihe brachte man nun wieder Bewegung. Bewegung! Ohne die war ein nationalsozialistisches Konzentrationslager undenkbar. Sämtliche Außenarbeiten, gleich welcher Art, wurden stets im Laufschritt verrichtet. Ob mit vollen oder leeren Schubkarren, mit Zentnersäcken auf dem Rücken, immer ging es im Laufschritt von früh bis abends. Pausieren während der Arbeit war bei Lagerstrafe verboten. Die Freizeit erst brachte wieder ein normales Tempo in das Lagerleben. Der Nachmittag brachte für uns ,, Neue" die Fortsetzung des Lagersports. Wieder brachen mehrere infolge der physischen Überanstrengung unter den fortwährenden Box- und Knüppelhieben zusammen. Durch das ,, Rollen" auf dem Schotterboden waren meine Schultern bereits vollkommen wund. Die Kräfte ließen nach, ich blieb hilflos am Platze liegen. Ein Scharführer eilte auf mich zu. دو , Willst du Hund wohl rollen? Aber dalli!" Jede Anstrengung war vergebens, es gelang mir nicht mehr, meinen Körper in Bewegung zu bringen. Da rollte er mich mit brutalen Fußtritten einfach wie einen Baumstamm über den Platz, ab und zu mit seiner Pistole an meinem Kopf vorbei in den Boden schießend. Kaum störte mich noch das Aufbellen der Schüsse ich konnte nicht mehr. - Mit ausgetrocknetem Gaumen, Sand im Munde und nach Luft ringend, bat ich, mit einem gutgezielten Schuß dieser sinnlosen Quälerei ein Ende zu machen. Er lachte höhnisch auf: ,, Det könnte dir Aasstücke wohl so passen du Schweinehund - verrecken sollste-." " - Und weiter rollten mich seine genagelten Stiefel über den steinigen Boden. 14 5 Eingang in das Lager Auschwitz (Links die Blockführerstube) Hunderttausende Häftlinge passierten dieses Tor täglich beim Aus- und Einrücken zur Arbeit Blick vom Postengang auf Block 11 des KL. Auschwitz Vordergrund links die hohe, das Lager nach außen abschließende Betonwand, Vordergrund elektrisch geladener Stacheldraht Dem Stande der Sonne nach mochte es wohl gegen drei Uhr nachmittag sein, als wir dann hinter den Block 16( siehe Skizze 1) geführt wurden. Wieder standen wir einer neben dem anderen. Ein Holzgerüst wurde herbeigeschleppt- der berüchtigte ,, Bock", mit dem wohl jeder Konzentrationär im Lager einmal Bekanntschaft gemacht hat. Es war dies ein aus Balken und Brettern erbautes Gestell, auf das man festgeschnallt wurde, um die fürchterlichen fünfundzwanzig Stockhiebe zu empfangen. Der Bau dieses Martergestells war derart raffiniert erdacht, daß das Hinterteil des Aufgeschnallten besonders hochgehoben wurde. " Ein ratloses:, Was will das werden?" schwebte unausgesprochen auf unseren fahlen Gesichtern, die sich langsam aus der Betäubung tiefer Apathie losrangen. Lagerführer Meier, der inzwischen wieder mit seinem Stabe erschienen war, wandte sich höhnisch grinsend an uns: ,, Im Lager wird alles, aber auch alles bestraft. Damit Ihr Neuzugänge von diesen Strafen einen Begriff bekommt, habe ich angeordnet, jedem von Euch eine Kostprobe zu erteilen. Angefangen!" Der erste aus unserer Reihe trat vor: ,, Schutzhäftling 1398 meldet sich zur Stelle." Er legte sich ungeschickt über den Bock, zwei SS- Männer zogen ihn vollends hinauf, streiften die Hosen ab und nun schlugen sie, weit ausholend, der eine von rechts, der andere von links abwechselnd, mit überdaumenstarken, in Salzwasser eingeweichten Weidenknüppeln fünfundzwanzigmal auf das Sitzfleisch des Festgeschnallten. Der so Geschlagene mußte außerdem jeden Hieb laut mitzählen: ,, Eins zwei drei vier— - - - Das Klatschen der Weidenknüppel mischte sich mit dem Stöhnen und Schreien des Mißhandelten zu einem schaurigen Dreiklang. Nach wenigen Schlägen schon platzte die Haut und das Blut rann die Beine herab. Kaum war der fünfundzwanzigste Hieb auf den Unglücklichen niedergeprasselt, wurde er losgebunden. Noch vor Schmerz taumelnd, mußte er in stramm militärischer Haltung dem Lagerführer melden: ,, Schutzhäftling 1398 meldet gehorsamst, fünfundzwanzig Stockschläge dankend erhalten!" Mit einem Fuẞtritt jagte dieser den Gezüchtigten an seinen Platz: ,, Weg du Schwein du-!" 2 de Martini, 4 Millionen 15 Einer nach dem anderen von uns kam an die Reihe. Vom Schlagen zerfaserte, blutige Weidenknüppelreste bedeckten bereits den Boden. Wer sich nicht sofort selbst über den „Bock” legte, wurde mit rohen Fäusten und Gewalt dazu ge- bracht. Abscheu und Grauen stieg in mir hoch. Die Gesichter meiner Leidensgefährten waren leichenblaß. Ich glaube, mein Aussehen war nicht im geringsten besser. Dann kam auch die Reihe an mich..... Hieb auf Hieb fiel auf mich nieder. Wie aus weiter Ferne hörte ich meine eigene Stimme zählen„Eins— zwei— drei ———” Noch hatte ich nicht bis fünfundzwanzig gezählt, da trat in den Kreis der herumstehenden SS-Männer jener Scharführer, der mich kurz vorher mit seinen Stiefeln über den Platz gerollt hatte. „Der Lange da kriegt fünfe mehr. Det Aasstücke hat mir beim Sport schon jeärgert!” Schon war mein blutender Körper fast gefühllös geschla- gen, als diese fünf zusätzlichen Hiebe mich trafen. Kaum fähig, auf den Füßen zu stehen, brachte ich meine„Dank- meldung” vor. Lagerführer Meier quittierte sie mit einem gut gezielten Boxhieb in den Magen: „Weg du Hund du!” Ich stürzte zu Boden und kroch mühsam auf meinen Platz in der Reihe der anderen. InzwischerPzählte schon wieder der nächste mit vor Schmerzen halberstickter Stimme: „Eins— zwei— drei— vier— fünf———.” Kaum hatte der Letzte von uns seine Prügel erhalten, wur- den unsere Wunden von herbeigerufenen Häftlingspflegern aus dem Krankenbau mit Jod eingepinselt. Dann eilten wir wieder im Laufschritt auf den Schotterplatz zurück. ' Der„Sport” nahm seinen Fortgang. Wäsche und Kleidung klebte am blutenden Körper. Wir hüpften‘und rollten und beugten wieder Kniee auf Kommandos: „Kniee beugt— eins und zwei und drei und vier und eins und zwei und drei und vier.” Dazu mußten wir jetzt auch noch singen! Lieber Leser, kannst du dir einen Begriff machen?——— Singen—! Das war im Lager überhaupt eine Sache für sich. Gesungen wurde immer. Beim Aus- und Einrücken der Ar- beitskommandos und wehe, der Gesang klappte nicht. Dann sorgten schmerzende Hiebe stets‘dafür, daß der Gesang wunschgemäß ausfiel. 16 Die| unter wurden den mi dem G: blick b aus ein Der seinem hatte,| den un um, mi ruhe b Der erschö} Stroh. Schme und h sah w schaft, Viel manch dieser m n n er n h e ei t, r r r Z 22 er Die Sonne stand schon tief am Horizont, als wir endlich unter Schlägen im Laufschritt in einen der Blocks gejagt wurden. Wundgeschlagen und ermattet fielen wir sofort auf den mit Stroh belegten Boden unserer Stube, glücklich bei dem Gedanken, von unseren Peinigern wenigstens im Augenblick befreit zu sein. Aber schon schreckten Schmerzensschreie aus einer anderen Stube alle wieder hoch. Der Lagerälteste Leo ging durch den Block und jagte mit seinem Knüppel jeden auf, der sich bereits zur Ruhe gelegt hatte. Hinlegen war vor der Schlafenszeit verboten! So standen und wankten wir völlig kraftlos vor unserem Block herum, mit Ungeduld den Moment herbeisehnend, der die Nachtruhe bringen sollte Der erste Tag im KZ.- Auschwitz war zu Ende. Vollkommen erschöpft legten wir uns beim Ertönen der Lagerglocke aufs Stroh. An ein Schlafen war aber infolge der körperlichen Schmerzen nicht zu denken. Wir wälzten uns unruhig hin und her. Die Gedanken eilten in die weite Ferne. Ein jeder sah wohl im Geiste das, was ihm Heimat war eine Landschaft, ein Haus, einen Garten, ein Bild. Viele der neben mir liegenden Polen sah ich beten und manches dieser Gebete mag wohl die Bitte um Erlösung aus dieser Qual und Pein in sich geschlossen haben. n r g d 200 S r, 2* 17 an ihre den Ra Als mando ,, Still Der appells „ Aug Der Ruf: ,, Der Lagerleben - Aufbau und Organisation des Lagers Vier Uhr dreißig Minuten früh-- Noch hatten die ersten Strahlen der aufgehenden Sonne den über dem Boden liegenden Morgennebel nicht durchdrungen, da ertönte das Glockenzeichen zum Wecken. Im gleichen Moment rast auch schon der Lagerälteste Leo brüllend durch unseren Block, alle von der Lagerstätte aufjagend und mit Schlägen ins Freie treibend. Am Badetrog von gestern wird sich mit entblößtem Oberkörper gewaschen; im Laufschritt geht es hin und zurück. Dem Einzelnen bleibt kaum Zeit, Hände und Gesicht mit Wasser zu benetzen. Es liegt Absicht und Methode in diesem Hetzen und Jagen, denn wer sich zu lange am Wassertrog aufhält, oder wer zu schnell von dort abgeht, erhält Hiebe. Fröstelnd eilten wir wieder in unseren Block zurück. - Dort tobt inzwischen der Blockälteste. Nichts geht ihm schnell genug, Ohrfeigen klatschen ins Gesicht. Unter uns Neuen breitet sich schon wieder ängstliche Nervosität aus, wodurch so manch einer erst unangenehm auffällt. Während mit Windeseile Stuben und Flur gesäubert und in Ordnung gebracht wurden, stellte jede Stube zwei Mann zum Kaffeeholen aus der Küche und bald darauf wurde aus großen Kesseln durch die Stubenältesten der Kaffee verteilt. Jeder erhielt etwa einen halben Liter dieser undefinierbaren Kaffeebrühe, die gierig getrunken wurde. Brot hatten wir nicht dazu, da wir am Vorabend keines mehr erhielten. Noch hatte der Letzte nicht seine Tasse gereinigt, läutete schon wieder die Lagerglocke zum Frühappell. Wieder begann das Jagen aus den Blöcken. Im Laufschritt eilten wir alle zum Appellplatz, dem gleichen, auf dem wir gestern hüpften und rollten. Blockweise wurde angetreten. Jede Unterhaltung war streng verboten. Die Blockältesten meldeten ihre Belegstärke 18 nen O Ausma Wir, nicht z am Ap Leo g brüchi Die sches ten si ab, un er ab war ..W " Un Mage Nach „ Spor Bru geräl hüpfe mach eime auf Di mind lend Durs zerka wurd 1 Ꮧ r t s S a S 1 e 1 d an ihre SS- Blockführer und diese gaben die Meldungen an den Rapportführer Palitsch weiter. Als dann der Schutzhaftlagerführer eintraf, hallten Kommandoworte über den Platz: ,, Stillgestanden! - Mützen ab!- Augen, rechts!" Der Schutzhaftlagerführer nahm die Meldung des Zählappells entgegen. ,, Augen geradeaus! - Mützen auf! - Rührt euch!" Der Zählappell war beendet und gleich darauf ertönte der Ruf: ,, Arbeitskommando formieren!" Der Schutzhaftlagerführer begab sich inzwischen mit seinen Offizieren zum Tor und beobachtete von dort aus den Ausmarsch der einzelnen Arbeitskommandos. Wir, die wir erst gestern angekommen waren, wurden noch nicht zur Arbeit den Außenkommandos zugeteilt. Wir blieben am Appellplatz stehen und lernten- Singen! Der Lagerälteste Leo gröhlte mit seiner rauhen, vom einstigen Alkoholgenuẞ brüchigen Stimme vor: ,, Im Wald, im grünen Walde. Da steht ein Försterhaus... "" Die meisten Polen unter uns verstanden kein einziges deutsches Wort. Ebensowenig den Sinn der Lieder. Trotzdem sollten sie aber deutsch singen! Horchend schritt Leo die Reihen ab, um sich zu überzeugen, daß auch jeder mitsinge. Entdeckte er aber einen, der nur zum Schein die Lippen bewegte, dann war der Teufel los: " , Willst du wohl singendu polnisches Schwein!" Und schon boxte er ihn mit einem Faustschlag gegen den Magen zu Boden. Alle fürchteten wir diese Boxhiebe von Leo. Nach ungefähr zweistündiger Gesangsübung wurde der ,, Sport" wie am Tage vorher fortgesetzt. -- - Brüllend jagte uns die SS- Meute gemeinsam mit dem Lagerältesten Leo wieder über den steinigen Platz: ,, Hüpfen hüpfen wollt ihr Hunde wohl hüpfen?" Viele von uns machten bald wieder schlapp und nur das über die Köpfe eimerweis gegossene kalte Brunnenwasser brachte sie wieder auf die Beine. Die Sonne brannte dazu beinahe wie am Äquator. Es waren mindestens vierzig Grad im Schatten. Der Durst wurde quälend. Wasser wurde uns verweigert. Da bekämpften wir unser Durstgefühl durch Grashalme, die wir langsam im Munde zerkauten. Aber wehe dem, der dabei beobachtet wurde, er wurde erbarmungslos geschlagen! 19 Die Mittagspause erlöste uns diesmal von dem wilden kräfteverzehrenden Sporttreiben. Erleichtert aufatmend kamen wir in unseren Block und die verabreichte Wassersuppe schmeckte uns trotz der wahnsinnig schmerzenden Glieder. Jeder erhielt einen dreiviertel Liter in einer Steingutschale, die wir nach dem Essen am Wassertrog reinigten und dem Stubenältesten zurückgaben. Am Nachmittag wurden wir nun auch zur Arbeit eingeteilt. Wir gruben anfangs mit Schaufel und Spaten rings um die Blöcke das Erdreich um. Wir arbeiteten wie Maschinen, ohne einmal nur auszusetzen. Mit dieser pausenlosen Arbeit begann bereits der reinste Raubbau an Körperkraft und Gesundheit. Der Lagerälteste kontrollierte das Arbeitstempo. Wenn er und die außerdem noch beaufsichtigenden SS- Männer außer Sicht waren, konnte man es wagen, für Sekunden nur zu verschnaufen. Immer trieben Ohrfeigen, und Stockschläge zu schnellem Arbeitstempo an. Wer dieses wahnsinnige Tempo nicht durchhielt und zusammenklappte, für den gab es Fuẞtritte mit den genagelten Stiefeln und Hiebe mit einem armstarken Knüppel. - Nie in meinem Leben hatte ich soviele Menschen mit Knüppeln bewaffnet herumlaufen sehen wie im Lager Auschwitz. Jeder Capo und Untercapo, jeder Block- und Stubenälteste trug als Attribut seiner Würde einen Holzknüppel ständig mit sich herum, um bei den nichtigsten Anlässen auf uns einzuschlagen. Wurde ein Häftling während der Arbeit oder in der Freizeit von einem SS- Mann angesprochen, hatte er schlagartig die Mütze abzuziehen und in stramm militärischer Haltung Rede und Antwort zu stehen. Dasselbe aber verlangte auch jeder Blockälteste und Capo, ja, sogar manch simpler Schreiber plusterte sich stolz auf, wenn einer die Mütze vor ihm zog. In der Regel erhielt der Häftling dann noch ein paar saftige Ohrfeigen für diese ,, Ehrenbezeugung", wenn sie nicht zackig genug ausgeführt und die Haltung infolge körperlicher Schwäche/ schlapp war. Gegen sieben Uhr abends wurden die Arbeiten eingestellt. Der Zählappell mit seinem ,, Mützen ab Mützen auf!" beschloß stets den Arbeitstag. - Die folgenden Tage und Wochen vergingen weiter mit schwerer Arbeit unter den üblichen Schikanen und Miẞhandlungen. Schreiberlaubnis an unsere Angehörigen erhielten wir noch immer nicht. Um die Haftart jedes Häftlings auch nach außen hin zu kennzeichnen, hatten wir zu unserer Nummer 20 auch no Brustse So trug kurz B waren Zigeune lette W gekennz einzelne war. Ich daß es alle pol leben leider tischen Blockä keit be ein e Doch derhei wirkli man a politis sierte salsge die Lage von in A Lage nister Karl nach Zusa tiona De vorw Beto mau tisch SS- V gewe mit and- wir nach ımer auch noch Winkel erhalten. Beide wurden auf der linken Brustseite der Jacke und am rechten Hosenbein festgenäht. So trugen wir politischen Häftlinge rote, die Kriminellen oder kurz BV:(Berufsverbrecher!) genannt, grüne, Asoziale(das waren Arbeitsverweigerer, Zuhälter und_Dirnen) schwarze, Zigeuner braune, Homosexuelle rosa und Bibelforscher vio- lette Winkel. Die Juden waren mit dem gelben Davidstern gekennzeichnet, der hin und wieder, je nach der Haftart des einzelnen, noch mit einem der vorgenannten Winkel gekreuzt war. Ich möchte hier auch gleich wahrheitsgemäß feststellen, daß es heute nicht immer angebracht erscheint, ausnahmslos alle politischen Häftlinge als die allein Anständigen im Lager- leben hinzustellen. Ich konnte im Laufe meiner Lagerzeit leider die Beobachtung machen, daß es auch unter uns poli- tischen Häftlingen Außenseiter gab, die, sofern sie Capo oder Blockälteste wurden, vor Hochmut alle Kameradschaftlich- keit beiseitestellten und mitunter genau so brutal wurden, wie ein einen grünen oder schwarzen Winkel tragender Capo. Doch blieben derartige Fälle glücklicherweise in der Min- derheit. Umgekehrt aber gab es unter den„Grünen” auch wirklich anständige Kameraden. Wie überall im Leben traf man äüuf gute und schlechte Charaktere. Die Mehrzahl der politischen Häftlinge blieb stets ihren Idealen treu, organi- sierte unter sich und gleichgesinnten ausländischen Schick- salsgefährten eine Widerstandshewegung gegen die SS und die alle Lagerpositionen innehabende„Grüne und Schwarze Lagerprominenz” und versuchte immer wieder Kameraden von uns an maßgebende Positionen gelangen zu lassen, was in Auschwitz auf den stärksten Widerstand des„grünen” Lagerältesten stieß. Besonders aktiv rege waren die Kommu- nisten und von‘diesen wiederum besonders der Karlsbader Karl Lill und der Westfale Peter Welsch, die unablässig da- nach strebten, den Gemeinschaftsgeist in kameradschaftlicher Zusammenarbeit mit den Vertrauensleuten der anderen Na- tionalitäten zu erhalten und zu fördern: Der Auf- und Ausbau des Lagers wurde mit größter Eile vorwärts getrieben. Rings um das Lager wurde an hohen Betonpfosten neuer Stacheldraht gezogen; eine hohe Beton- mauer schloß das Wohnlager bald von der Außenwelt herme- tisch ab. In etwa je fünfzig Meter Abstand wurden für die SS-Wachposten hohe Türme errichtet und mit Maschinen- gewehren und Scheinwerfern ausgerüstet. Nach Eintritt der 21 Dunkelheit leuchteten diese mit ihren Lichtkegeln gleich gespensterhaften Fingern durch das ganze Lager. Straßen waren nun überall im Bau. Eine große Grube in der Mitte des Lagers wurde zugeschüttet, um an ihrer Stelle einen neuen und größeren Appellplatz zu gewinnen. Vor dem Tor mit der verheißungsvollen Überschrift: ,, Arbeit macht frei" erstand eine Wohnbaracke, die zur Unterbringung der SS- Schreibstuben und des Wachlokals der Blockführer( Blockführerstube!) bestimmt war. Eine neue große Lagerküche war im Bau. Sie sollte künftig imstande sein, bis zu dreißigtausend Häftlinge zu verpflegen. Dicht außerhalb des Lagers, am sogenannten ,, Bauhof", der Bahngleisanschluß hatte, rollten fäglich Lastzüge mit den verschiedensten Materialien in größten Mengen an. Diese wurden von uns ausgeladen und in neu errichteten Magazinen gestapelt. Es war immer deutlicher zu merken: das Lager war auf eine lange Sicht geplant. Alte Baracken wurden abgerissen. Überall wurden Lichtund Wasserleitungen und Kanalisation durch die Häftlinge gelegt. Die bisherigen provisorischen und unangenehmen Latrinen verschwanden nach und nach. In den Blöcken wurden Waschräume und Klosettanlagen eingebaut. Bald grenzte auch ein elektrisch geladener Drahtzaun das Lager nach außenhin ab. Wir arbeiteten an allen Ecken und Enden vom frühen Morgen bis zum späten Abend immer im Laufschritt immer gehetzt und gejagt schleppten wir die schweren Baumaterialien zu den Arbeitsplätzen. - - Als nun die Grube, an deren Stelle der neue Appellplatz entstehen sollte, zugeschüttet war, begann man den Platz mit einer Riesenwalze, an die katholische Geistliche und Juden gespannt waren, einzuebnen. SS- Männer trieben die Ziehenden mit Peitschenhieben an. Mit vor Anstrengung hervorquellenden Augen und dicken Adersträngen an den Schläfen, das Gesicht mit blutunterlaufenen Striemen bedeckt, so zogen diese Unglücklichen die Walze über den Platz hin und her. Brach der eine oder der andere infolge der sengenden Sommerhitze und Entkräftung zusammen, so spielte das keine Rolle. Wir waren ja nur Nummern, die, wenn sie versagten, durch andere ersetzt wurden. Fast jeden Tag gellten irgendwo bei den Arbeitskommandos anhaltende Hilferufe auf da wurde wieder einmal einer ermordet! - der den 22 22 ‚om- eine sten, ndos iner Ein Schanddenkmal nazistischer„Kultur”, der„Bock”, auf dem an Tausenden von Häftlingen für den geringsten Verstoß gegen die Lagerordnung die Prügelstrafe vollzogen wurde Nun wenigstens war er von allen weiteren Quälereien erlöst. Täglich gingen welche auf solche Art ab. Wir nannten es Entlassung durch den Schornstein, dagegen konnte man nichts tun. Es gab ja für uns weder Recht noch Gesetz! Die SS- Posten und die Capos durften nach Herzenslust wehrlose Menschen martern und morden! ,, Hilfe! Hilfe!" - Still! Es gibt keine Hilfe. Warum also erst solche Worte rufen, die niedrigsten Instinkte der seelenlosen Peiniger noch aufstacheln? Es gibt keine Hilfe! Oder doch? Nein! Im Laufe kurzer Zeit hatte das Lager das Aussehen einer kleinen Stadt erhalten. Die Wohnblöcke waren um ein Stockwerk erhöht worden. Vor dem elektrisch geladenen Absperrdraht war eine ,, Neutrale Zone", ein etwa drei Meter breiter Grasstreifen angelegt. Bis an diesen Grasstreifen konnte man sich ungefährdet durch die Posten am Turm im Lager bewegen. Jedoch ein kleiner Schritt auf diesem Streifen Gras bedeutete den sicheren Tod. Die Posten auf den Türmen machten sofort von ihrer Schußwaffe Gebrauch, ein solcher Schritt wurde nach der Lagerordnung bereits als„, Fluchtversuch" bewertet. In der an dem Flüẞchen Sola liegenden Stadt Auschwitz, einer ehemals unter polnischer Herrschaft aufblühenden Industriestadt, hatte die SS alle Einwohner evakuiert und die Stadt selbst in den Lagerbereich mit einbezogen. Derselbe erstreckte sich um unser Wohnlager in einem Umkreis von mehr als zwanzig Kilometern. Alles, was einmal in diesem Gebiet an Zivilpersonen gewohnt hatte, war einfach ausgesiedelt und alle Wohn- und Wirtschaftsgebäude durch die SS beschlagnahmt worden. Die landwirtschaftlichen Arbeiten verrichteten nun die Konzentrationäre in eigens dazu aufgestellten Kommandos. Auf dem kilometerweiten Gelände wurden Rüstungswerke erbaut, unter anderen auch das ,, Buna- Werk" der I. G. Farbenindustrien und das DAW( Deutsches Ausrüstungs- Werk). In Birkenau und Rejsko begann man bereits Nebenlager für Juden zu errichten. Desgleichen in Jawischowitz, Monowitz und Golleschau. In den späteren Jahren 1942/45 gab es um Auschwitz herum etwa gegen 50 dieser kleineren Außenlager, meist in der Nähe von Rüstungsbetrieben und Kohlengruben 23 ( Jawischowitz!). Alle diese Nebenlager waren der KL.- Verwaltung von Auschwitz unterstellt. Die Organisation des Lagers, dessen Verwaltung in den Händen der Häftlinge lag, sei hier kurz zusammengefaßt: An der Spitze stand der Lagerälteste( LÄ I) und dessen Stellvertreter( LÄ II). Derselbe hatte für Ordnung, Sauberkeit und Lagerdisziplin zu sorgen und war der Schutzhaftlagerführung gegenüber für alle Vorkommnisse im Lager verantwortlich. Der in jedem Block eingesetzte Block älteste wurde stets vom LÄ I dem Lagerführer vorgeschlagen und von diesem bestätigt oder abgelehnt. In jedem Block fungierte außerdem der Vertreter des Blockältesten und das Blockpersonal, das sich aus dem Blockschreiber, Dolmetsch, Blockfriseur und dem Stubendienst zusammensetzte. Fast jeder dieser großen ,, Herren" hatte einen jungen, adretten und meist auch gut gekleideten Putzer ein Kommentar hierzu erübrigt sich gewiß. Die Arbeitskommandos, die je nach Art der Arbeit aus 20 bis 100 und oft noch mehr Häftlingen bestanden, wurden von einem Capo geleitet. Diese Capos wurden vom Schutzhaftlagerführer ernannt und waren meist langjährige deutsche oder volksdeutsche Konzentrationäre. In späterer Zeit wurden auch Polen als Capos eingesetzt. Die ersten dieser Capos hatte die Lagerführung aus dem KL- Sachsenhausen nach Auschwitz gebracht. Jeder von ihnen war für sein Kommando und dessen Arbeitsleistung verantwortlich, woraus sich wohl auch das rabiate Antreiben zur Arbeit einigermaßen erklärt. In großen Kommandos gab es außerdem noch Untercapos, die die Stelle eines Vorarbeiters inne hatten. -- Blockälteste und Capos trugen in Auschwitz meist grüne oder schwarze Winkel, zählten zu den Prominenten des Lagers und gaben an Brutalität den SS- Leuten wenig nach, oft übertrafen sie diese noch an Gemeinheit. Wahrscheinlich glaubten sie sich damit bei der Lagerführung ein besseres Ansehen zu verschaffen. Wir Häftlinge mußten diese ,, Hohen Herren" mit ,, Sie" und„ Herr" ansprechen und genau so stramm und zackig grüßen wie die SS- Blockführer, andernfalls regnete es Schläge und Strafmeldungen. Es gab die ersten Jahre im Lager Auschwitz wenig Blockälteste und Capos, die einen anständigen Charakter erkennen ließen und bei den Häftlingen beliebt und geachtet waren. LÄ I und LÄ II sowie der 1. Lagerschreiber trugen als Kennzeichen ihrer Würde schwarze Armbinden mit weißer Aufschrift. Die Blockältesten wiederum rote Armbinden mit schwarz rend Ca schwarz gewisse stand d im Häf viele V aufzuwe zu den mandie oftmals Eines teilung Blockäl stens s reichlic dies gla ihren bei jed Pakete Wer versta treffer nisato riges, Da reibe auf e ten F als Sp der H die A oft d zur H Einz Ei mac zuga sam Tode Cap gerl 24 -Verden t: An llverund rung tlich. vom tätigt Veraus Sturren" deten ewiß. us 20 von ageroder auch te die tz geessen hdas roßen Stelle grüne s La, oft nlich seres Cohen u so Hernrsten S, die den als eißer mit schwarzer Aufschrift und der Nummer ihres Blockes, während Capos gelbe und Untercapos weiße Armbinden mit dem schwarzen Aufdruck ,, Capo" trugen. Das Krankenrevier hatte gewissermaßen eine Ausnahmestellung im Lager, es unterstand direkt dem ,, Leitenden Arzt KL" oder Lagerarzt. Das im Häftlings- Krankenbau arbeitende Pflegerpersonal hatte viele Vorteile für sich, die andere Kommandos nicht immer aufzuweisen hatten. Zum Beispiel brauchten Pfleger nicht zu den täglichen Appellen antreten, sie waren immer kommandiert, jeder hatte sein Bett für sich, während im Lager oftmals zwei und drei Häftlinge ihre Liegestatt teilen mußten. Eines der traurigsten Kapitel im Lager war auch die Verteilung der Lebensmittelrationen im Block. Dabei blieb vom Blockältesten angefangen bis herab zum Blockfriseur meistens soviel hängen, daß diese bis zur nächsten Verteilung reichlich versehen waren. Bei der ohnehin knappen Kost war dies glatter Diebstahl! Es gab aber auch Blockälteste, die noch ihren Blockführer an diesem Raub teilhaben ließen und ihm bei jeder Portionsausgabe auf Kosten der Häftlinge 4 bis 5 Pakete Margarine zusteckten. Wer eben gut zu organisieren, auf gut deutsch: zu stehlen verstand, kam gut durchs Lager. Allerdings spielte der Betreffende mit seinem Leben. Einmal fiel auch der beste Organisator herein und dann nahm die ganze Herrlichkeit ein trauriges, rasches Ende. Das Leben auf den Blocks war an und für sich nervenaufreibend. Durch das Zusammendrängen so vieler Menschen auf einen kleinen Raum kam es immer wieder zu ungewollten Reibereien unter den Häftlingen selbst. Kam man abends als spätes Kommando eingerückt, konnte es vorkommen, daß der Blockälteste oder einer seiner Trabanten vergessen hatte, die Abendportion zurückzulegen. Leider vergaßen" sie sehr oft darauf, und dann legte man sich mit knurrendem Magen zur Ruhe. Das war eben Lagerleben, damit mußte sich jeder Einzelne so oder so abfinden. دو Ein Beschwerde recht in solchen Fällen gab es wohl, doch machte höchstens ein der Verhältnisse unkundiger Neuzugang davon Gebrauch mit dem Erfolg, daß die eisern zusammenhaltende Lager- Prominenz ihn in kürzester Zeit zu Tode gehetzt und gejagt hatte. Wer es wagte, gegen einen Capo oder Blockältesten Beschwerde zu führen, ging unweigerlich ,, durch den Kamin". 25 Ein besonders schwieriges Problem bildete die Sexualnot der Häftlinge. Lehnten auch starke Charaktere im Lager jede widernatürliche Betätigung des Sexualtriebes ab, kam es doch häufig genug vor, daß Willensschwache in Beziehungen zu Jugendlichen traten. Kamen derartige Fälle zur Kenntnis des Lagerführers, so war sofortige Entmannung beider Häftlinge unter dem Deckmantel der ,, Freiwilligkeit" die Folge. In einem späteren Kapitel komme ich hierauf noch zurück. und zu ga der Einze wir wied 300 Gram marmelad oder Käs Das Ge Wie oft Küchena nach alle - Inzwischen war ich nun dem Arbeitskommando Bauhof zugeteilt worden. Ich schleppte mit den anderen Leidensgefährten Zementsäcke, Steine, Ziegel, Bretter und Balken, arbeitete beim Abbruch alter Baracken und bei Straßenbau. Ob Sonnenschein oder Regen immer barfuß! Kein Wunder, wenn die Füße infolge kleiner, nicht immer beachteter Verletzungen zu schwellen und zu eitern begannen. Auf solche Dinge nahm man aber keine Rücksicht. Meldete sich einer von uns zum Arzt, so mußte er sich nach dem Morgenappell erst beim Lagerältesten vorstellen. Der überprüfte die Sache: Du hast wohl' nen Vogel wat? Icke werd' Dir helfen, krank sind. Biste noch nich wech?!" Eine drohende Gebärde half diesen Worten nach und um Miẞhandlungen zu entgehen, meldete sich der Kranke schleunigst wieder zu seinem Arbeitskommando zurück. - Waaas? " - Krank biste? - Die wenigen aber, denen der Weg zur Ambulanz freigegeben wurde, erhielten dort, der Krankheit entsprechend, eine Aspirintablette oder einen Papierverband, der durch seine Primitivität bald wieder durch das Barfußlaufen oder eintretendes Regenwetter von der wunden Stelle abfiel. Wir griffen daher zur Selbsthilfe und umwickelten unsere Wunden mit alten Lappen und Stoffetzen. Diese Art Verbände waren dauerhafter als die der Ambulanz, hatten dafür aber wieder den Nachteil, daß diese Art der Wundbehandlung zu einer Verschlimmerung des Leidens führen konnte. Kranksein im Lager war eben stets eine gefährliche Angelegenheit. In Anbetracht der schweren körperlichen Arbeit erwies sich bald die Tagesverpflegung als zu gering und minderwertig. Sie bestand zum Frühstück aus einem knappen halben Liter Kaffeewasser oder ,, Deutschen Tee" mittags aus einem knappen dreiviertel Liter dünner Suppe, die in der späteren Zeit stets nur noch aus Sauerkraut gekocht war. Ab 26 - In man trieb sta Heimat blieben ihrer Kr Wir m rück ins Tritt. Ohne den Sch Opfer si jede doch zu tnis äft- olge. L zu- fähr- Itete on: venn Zun- Dinge [2] uns beim und zu gab es auch Pellkartöffeln. Doch waren diese klein und der Einzelne erhielt vier bis fünf Stück. Am Abend bekamen wir wieder Suppe oder Tee, dazu die Tagesration von etwa 300 Gramm Brot und in gewissen Zeitabständen etwas Rüben- marmelade, Margarine oder auch ein kleines Stückchen Wurst oder Käse. Das Gespenst des Hungers nistete sich im Lager überall ein. Wie oft sah ich dürre, zitternde gierige Finger unter den Küchenabfällen auf dem Komposthaufen grausam wühlen nach allem, was noch irgendwie eßbar erschien——— In manchen von uns prägte sich daher der Selbsterhaltungs- trieb stark aus. Die Sehnsucht nach den Angehörigen in der Heimat war die einzige Kraft, die noch in uns lebendig ge- blieben war, die die verfallenden Skelettkörper über das Maß ihrer Kräfte hinaustrieb. Wir marschierten weiter singend zur Arbeit, singend zu- rück ins Lager, lose die Knie, oft ungleich vor Schwäche im Tritt. Ohne daß wir es empfanden, schritt der Tod mit klappern- den Schenkeln neben uns her— grinste lautlos und seiner Opfer sieher...... Post ver der Hein Der erste Brief in die Heimat - Die ,, SK" Ein neuer Lagerführer trifft ein- Das Krematorium Der erste schwarze Tag im Lager Weihnacht 1940 Wiederum waren Wochen vergangen und eines Tages erhielten wir endlich die so heiß ersehnte Schreiberlaubnis. Bisher waren ja unsere Angehörigen zum Großteil über unseren Aufenthalt völlig im Unklaren geblieben. Wahrheiten über die Zustände im Lager durften allerdings nicht geschrieben werden. Selbst Kranke mußten schreiben, sie seien gesund und es schrieb dies später so mancher Schwerkranke, der bereits verstorben war, wenn sein Brief bei den Angehörigen ankam. Der gesamte Briefverkehr wurde durch die Poststelle überwacht und unterlag strengster Zensur. Wir durften nur die vorgeschriebenen Briefumschläge, die wir in der Kantine kaufen konnten und denen genaue Anweisungen für den Schriftverkehr mit den Gefangenen aufgedruckt waren, verwenden. Der erste Brief wurde uns durch einen Blockführer diktiert; wir schrieben also... daß wir uns im KL. Auschwitz befänden, daß es uns gut gehe, die Verpflegung gut und reichlich sei und die Arbeit leicht. In der Lagerkantine könnten wir uns alles kaufen, sofern wir Geld hätten...." Der letzte Satz sollte für die Angehörigen ein Wink sein, Geld zu senden, direkt Geld anfordern war bei Strafe verboten. Da die Kantine durch die SS bewirtschaftet wurde, hatte diese natürlich das größte Interesse daran, ihre minderwertige Ware unter den Häftlingen abzusetzen. Es war aber außer Sauerkraut und Zigaretten, höchstens ab und zu einmal sauren Gurken, nichts zu haben. Der Krieg und die damit verbundene Zwangsbewirtschaftung aller Nahrungsund Genuẞmittel machte sich da besonders bemerkbar. " Wieder gingen Wochen dahin, dann kam auch der Tag, an dem der Blockälteste nach dem Appell die eingegangene 28 ein Brief oftmals Nachrich die Brief Täglic zum Tei waren ta sports" geteilt v gar wied beiten m befindlic auszukra Die Za stammer von den bildeten In die strafwei In de taler, di ger. Die 1940/4 Birkena Der wegen war ein appell beuge mehre linge Alles einem invali von D We dieser der so ort in Im die b S erBisseren über ieben esund r berigen stelle nnur antine r den -, verFührer KL. egung agerhätWink Strafe urde, minwar nd zu d die ungsTag, gene Post verteilte; waren auch die persönlichen Nachrichten aus der Heimat der Zensurvorschrift entsprechend kurz gehalten, ein Brief durfte 15 Zeilen nicht überschreiten und hatte auch oftmals noch der Zensor aus den an und für sich spärlichen Nachrichten einzelne Zeilen herausgeschnitten, so wurden die Briefe doch immer und immer wieder gelesen. Täglich trafen kleinere Transporte im Lager ein. Die bisher zum Teil leeren Blöcke füllten sich rasch. Alle Neuzugänge waren tagelang den Schikanen und Quälereien des ,, Lagersports" ausgesetzt, bevor sie einem Arbeitskommando zugeteilt wurden. Nichtstun war undenkbar, kam es doch sogar wiederholt vor, daß wir an den Sonntag- Vormittagen arbeiten mußten und sei es auch nur, um das auf den im Bau befindlichen Straßen wuchernde Gras mit bloßen Händen herauszukratzen. Die Zahl der Juden, bisher meist aus Oberschlesien und Polen stammend, war gestiegen und so wurden diese nun getrennt von den anderen Häftlingen, im Block 11 untergebracht und bildeten sofort das Strafkommando oder kurz ,, SK" genannt. In dieses Kommando verlegte man aber auch Häftlinge strafweise, die gegen die Lagervorschriften verstoßen hatten. In der ,, SK" war die Behandlung der Häftlinge noch brutaler, die Verpflegung quantitativ geringer und minderwertiger. Die Arbeit am schwersten! 1940/41 lag die ,, SK" im Block 11, später wurde sie nach Birkenau bei Auschwitz verlegt. Der damalige Blockälteste des Blockes 11, Krankemann, ein wegen Mordes lebenslänglich verurteilter Friseur aus Berlin, war ein ausgesprochener Sadist. Zwei Stunden vor dem Frühappell ließ er seine ,, SK" vor dem Block antreten und in Kniebeuge bis zum Appell verbringen. Fast täglich hatte sein Block mehrere Tote. Krankemann war der Schrecken aller Häftlinge und im ganzen Lager eine der gefürchtetsten Personen. Alles atmete auf, als im Frühjahr 1941 Krankemann mit einem Transport von über zweihundert arbeitsunfähigen und invaliden Häftlingen nach Sonnenstein bei Pirna, in der Nähe von Dresden, abging. Wenige Wochen später sickerte die Nachricht durch, daß dieser Transport einschließlich dem gefürchteten Krankemann, der so manches Leben auf dem Gewissen hatte, am Ankunftsort in einer Gaskammer sein Ende gefunden.... Im Block 11 wurden nun auch alle Lagerstrafen vollzogen, die berüchtigten ,, Fünfundzwanzig", wie auch das gefürch29 tete ,, An den Pfahl hängen". Der Keller dieses Blockes war in kleine, fast licht- und luftlose Zellen eingeteilt. In diese ,, Bunker" sperrte man die Häftlinge strafweise oder um von ihnen Geständnisse zu erpressen! Wurde ein Häftling in die ,, SK" verlegt, ging der Verlegung meist ein tage- wenn nicht wochenlanger Bunkeraufenthalt voraus. Die gefürchteten Stehbunker befanden sich gleichfalls in diesem Keller. Es waren dies kleine, schmale, kleiderschrankähnliche und fensterlose Zellen, in denen ein Mann gerade aufrecht stehen konnte, ein Bewegen oder Umdrehen war unmöglich. Nur in der Tür befand sich ein kleines Luftloch. Stehend schlaflos mußte der Bestrafte darin die Nächte verbringen, am Tage jedoch wie jeder andere arbeiten. ,, Stehbunkerstrafen" erstreckten sich oft bis zu drei Wochen und hatten den vollkommenen seelischen wie auch körperlichen Zusammenbruch des Häftlings zur Folge.. Der Herbst 1940 brachte den ersten großen Massentransport aus Warschau. Zweitausend Häftlinge aller Berufe und Schichten der polnischen Bevölkerung, vor allem fast sämtliche Gymnasial- und Hochschulprofessoren kamen durch die Gestapo nach dem KL.- Auschwitz. Einen großen Prozentsatz der Neuzugänge bildete auch die polnische katholische Geistlichkeit. Staatsbeamte und Ärzte. Es schien, als sollte die gesamte polnische Intelligenz ausgerottet werden. In diese Zeit fiel meine erste Erkrankung. Hatte schon die übermäßige Überanstrengung in den verschiedensten Arbeitskommandos meine Gesundheit untergraben, so setzte nun eine hinzukommende Nierenentzündung meiner bisherigen Arbeit im Lager ein Ende. Füße, Beine, ja der ganze Körper waren furchtbar angeschwollen. Zehn Nächte ,, Stehbunker", die ich wegen eines bei mir während der Arbeit vorgefundenen Zigarettenstummels. erhalten hatte, ließen als Nachwirkung in den Beinen Lähmungen auftreten, die mir ein Gehen unmöglich machten. Die Beine versagten einfach ihren Dienst. Dazu gesellte sich noch eine widerliche, wochenlang anhaltende Diarrhoe, die bald einen ruhrähnlichen Charakter annahm und die letzten Kraftreserven aus dem zum Skelett bereits abgezehrten Körper nahm. Gleich mir erging es bereits hunderten und es war ein Glück zu nennen, daß eines Tages beim Appell befohlen wurde, daß sich alle Fuß- und Beinkranken sofort im ,, Schonungsblock", der dem Krankenbau angegliedert. war, zu melden hätten. 30 Tag und Krematcrium des KL. Auschwitz Tag und Nacht schlugen aus den Schornstein en die Flammen als Ge Wahrzeichen des Todeslagers von Auschwitz der ich- mte Jer- ter- ıng bei 7 j EN, KL. Auschwitz 5 Außen-Arbeitskommando im Winter So lag ich denn für die nächsten Wochen im Krankenbau, nicht fähig, mich allein vom Lager zu erheben. Kameraden mußten mich stützen und tragen.... Allmählich trat in mein Befinden wieder eine Besserung ein. Doch noch immer konnte ich mich nur mit größter Anstrengung bewegen. Glücklicherweise nahm der damalige Lagerarzt SS- Obersturmführer Popirsch von uns Kranken soviel wie keine Notiz. Lediglich die polnischen Häftlingsärzte bemühten sich mit aller Sorgfalt um uns. Aber auch die rastlose Tätigkeit und Fürsorge des Krankenbau- Lager ältesten Hans Bock, eines Reichsdeutschen aus Westfalen, wurde von uns allen dankbar empfunden. Bock mißhandelte nie einen Häftling, für jeden hatte er ein Wort des Trostes und war immer freundlich und hilfsbereit. Es ist bedauerlich, daß gerade er, der seit dem Jahre 1933 in mehreren Lagern seine Haftzeit verbringen mußte, darunter auch in Esterwege und Oranienburg( Sachsenhausen), im Jahre 1944 am Fleckfieber im Lager starb.... Während meines Aufenthaltes im Krankenbau hatte auch die Lagerführung gewechselt. Obersturmführer Meier war versetzt worden und sein Nachfolger SS- Hauptsturmführer Fritsch gab seinem Vorgänger an Strenge, Unmenschlichkeit und Brutalität nichts nach. Besonders liebte er es, an den freien Sonntag- Vormittagen ,, Sport" anzuordnen, dem er dann mit dem zweiten Lagerführer Schwarz als Zuschauer beiwohnte. Während seiner Dienstzeit in Auschwitz stiegen die Lagerstrafen ins Unermeßliche. Auf dem Dache der Lagerküche ließ er in großen Lettern den Spruch anbringen: ,, Es gibt nur einen Weg zur Freiheit. Seine Meilensteine heißen: Gehorsamkeit Fleiß - - Sauberkeit - Ehrlichkeit Wahrhaftigkeit- Opfersinn Und Liebe zum Vaterlande!" Diesen Spruch mußten wir lernen und oft wurden wir überraschend auf Kenntnis desselben geprüft. Wer ihn nicht flieBend hersagen konnte, wurde bestraft. Nur den Juden und fremdvölkischen Häftlingen war es verboten, die letzten Worte von der ,, Liebe zum Vaterlande" auszusprechen. Fritsch war es auch, der im Herbst 1940 den Befehl herausgab: ,, Bis zum Abendappell muß Auschwitz judenfrei sein!" Dieser Befehl brachte den ersten schwarzen Tag von Auschwitz. 3 de Martini, 4 Millionen 31 Die ,, SK", die damals aus etwa 300 Juden bestand, arbeitete in der Kiesgrube, dicht außerhalb des Lagers. Kaum war der Befehl Hauptsturmführers Fritsch ausgegeben, befanden sich die Posten der Kiesgrube in flammender Vibration. Gleich reißenden Tieren sprangen sie auf die Juden los, schleuderten Steine, schlugen mit Gewehrkolben und armstarken Knüppeln auf sie ein und zertraten mit ihren Stiefeln Augen, Nieren und Hoden ihrer wehrlosen Opfer, die unter größten Schmerzen einen qualvollen Tod fanden. Die Raserei wurde zur blinden Tobsucht. Die Kiesgrube glich der reinsten Hölle. Taumelnd griffen die Juden mit zuckenden Händen nach ihren Wunden. Immer wieder schlugen Steinbrocken auf die Unglücklichen ein. Das triumphierende Johlen der vertierten SS- Horden mischte sich mit den gellenden Hilferufen und verzweifelten Schmerzensschreien der Getroffenen. Zwischen dröhnenden, dumpfen Knüppelschlägen klang immer wieder das Stöhnen und Todesröcheln Sterbender auf.. Kurz vor dem Abendappell brachte man dann die Leichen der Juden ins Lager. Sie waren bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt. Die Köpfe zertrümmert, teilweise fehlte die halbe Hirnschale, blutüberströmt jeder einzelne Tote. Die Gesichter zertreten, zerstampft, die Knochen zerbrochen - - Stolz meldete Rapportführer Palitsch dem Lagerführer: ,, Auschwitz ist heute judenfrei!" Das in nächster Nähe des Lagers liegende Krematorium bekam nun immer mehr Arbeit. Die Zahl der Toten nahm weiter zu. Hatten anfangs Leichenträger- Kommandos täglich in langem Zuge die Holzkisten, in denen jeweils zwei Tote lagen, vom Keller des Häftlings- Krankenbaues über die Hauptlagerstraße zum Krematorium getragen, wurde nun ein Plattenwagen, von Häftlingen gezogen, eingesetzt. Aber schon in den folgenden Wochen mußte dieser durch einen Lastkraftwagen ersetzt werden. Dabei aber waren die meisten aller Todesfälle noch immer auf natürliche Ursachen, vor allem auf Entkräftung und Körperschwäche zurückzuführen. Abgesehen von jenen Fällen, wo der eine oder andere Häftling teils aus Leichtsinn, teils aus Verzweiflung die ,, Neutrale Zone" überschritt und durch den Wachtposten auf dem Turm ,, auf der Flucht erschossen" wurde. Der 20. November 1940 brachte das zweite große Massensterben in Auschwitz. Die ersten Fröste hatten mit ziemlicher Stärke eingesetzt. Während eines Appells wurde zum ersten32 mal das vergeben Lager di Ohne sich mometer den Steh dies nich men. Am bau, wo s Skelette Nach k verstorbe wagen ge Leichen Der be ganze Ka aufgefund ger Umna bestimmte sich gesch Die übe zwanzig werden, Der Wi seinen Ei Schnee, u erstmalig Strümp merhin v wir doch matsch zu dünn wa ging es n fand der Außenko zum App baum ge ten mit empor. nachtsba Der N tage war der Häft 3* der ken nd ren die Die Das ich ens- fen es- hen ver- albe ter jum ahm lich Tote die ‚ ein -hon raft- aller ‚auf chen ‚ aus iber- der ssen- icher sten- mal das Fehlen eines Häftlings festgestellt; alles Suchen war vergebens, er blieb unauffindbar. Strafweise mußte das ganze Lager die Nacht und den folgenden Tag im Freien stehen. Ohne sich zu rühren und das— noch dazu barfuß! Das Ther- mometer sank zehn Grad unter Null. Der Frost verbrannte den Stehenden die Haut. Die unterernährten Körper hielten dies nicht mehr aus. Hunderte brachen, halb erfroren, zusam- men. Am Morgen brachte man die Erstarrten in den Kranken- bau, wo sie auf jedem nur erdenkbar freien Platz herumlagen. Skelette in Kleiderbündeln! Nach kaum zwölf Stunden waren die meisten von ihnen verstorben. Sie wurden entkleidet und wie Steine auf Last- wagen geworfen— hoch türmten sich auf den Wagen die Leichen— dann fuhr man sie ins Krematorium...! Der beim Appell abgängige Häftling, dessen Fehlen diese ganze Katastrophe verursacht hatte, war am nächsten Tage aufgefunden worden. Er hatte sich in einem Anfall von geisti- ger Umnachtung in einer der zum Einzeltransport von Toten bestimmten Holzkisten versteckt und den Kistendeckel über sich geschlossen. Die über ihn verhängte Lagerstrafe von„dreimal fünfund- zwanzig Stockhieben” konnte an ihm nie ganz vollstreckt werden,— nach vierzig Hieben lebte er nicht mehr———. Der Winter hatte nun auch in Auschwitz mit Eis und Schnee seinen Einzug gehalten. Von früh bis abends schippten wir Schnee, um die Lagerstraßen frei zu halten. Dazu hatten wir erstmalig Holzschuhe, sogenannte„Holländer” erhalten. Strümpfe trugen wir allerdings auch jetzt noch nicht, im- merhin waren wir froh, Holzschuhe zu besitzen, brauchten wir doch nicht mehr barfuß durch den Schnee oder Regen- matsch zu laufen. Auch Mäntel hatten wir gefaßt, die aber so dünn waren, daß die Kälte empfindlich hindurch drang. So ging es nun dem Weihnachtsfest entgegen. Am Heiligen Abend fand der Schlußappell bereits am Mittag statt. Die bei den Außenkommandos„Auf der Flucht Erschossenen” hatte. man zum Appell ins Lager gebracht und unter den Weihnachts- baum gelegt. Dort lagen sie nun zum letzten Appell und starr- ten mit verglasten Augen zum wolkenverhangenen Himmel empor. Der Anblick der blutigen Toten unter dem Weih- nachtsbaum rief in uns ein unsagbar wehes Gefühl hervor.... Der Nachmittag und die beiden folgenden Weihnachtsfeier- tage waren arbeitsfrei. Lagerführer Fritsch hatte für manchen der Häftlinge noch eine besondere Überraschung vorbereitet: 33 Er ließ bisher noch nicht vollzogene Lagerstrafen ausgerechnet am Heiligen Abend zur Durchführung bringen und so geschah es, daß mehr als dreißig von uns über den ,, Bock" gehen mußten und mehr als hundert an den ,, Pfahl" kamen. Unseren Stuben hatten wir mit Hilfe organisierter Tannenreiser ein etwas festliches Aussehen verliehen. Trotz unserer gedrückten Stimmung oder gerade darum sangen wir Weihnachtslieder und ließen unsere Gedanken in die ferne Heimat eilen, hoffend, daß das kommende Jahr eine Wendung zu unseren Gunsten bringen möchte.... 34 Unse Mass Der Ne Es schien unter sein Räumkom Schneema Sport" a wurden w hüpften u machte, v endigung Blaugef der in uns von uns; s starben n Als die der wärm schlaf er Arbeitsko deten Lag Ein ob ster, hatte gerufen. konnte, d der etwa mente ve Die M Sie durft Arbeit b den Lage echgeehen menerer eihimat unUnsere Lagerkapelle- Das erstemal am ,, Pfahl" Massen- Erschießungen in der Kiesgrube- Kommissionen besuchen das Lager Der Neujahrstag 1941 brachte weiteren starken Schneefall. Es schien, als wollte der Wettergott Auschwitz für immer unter seinem weißen Leichentuch begraben. Die eingesetzten Räumkommandos konnten die Straßen von den gewaltigen Schneemassen kaum freihalten. Da setzte Lagerführer Fritsch ,, Sport" an. Wir mußten uns bis aufs Hemd entkleiden, dann wurden wir in den tiefen Schnee gejagt. Zwei volle Stunden hüpften und rollten wir zähneklappernd herum. Wer schlapp machte, wurde in Schnee eingepackt und blieb bis zur Beendigung des Sporttreibens im Schnee liegen. Blaugefroren und vor Kälte zitternd kamen wir dann wieder in unsere Blöcke zurück. Am Abend fieberten bereits viele von uns; sie hatten sich eine Lungenentzündung zugezogen und starben nach kurzer Agonie.. Als die Tage wieder länger wurden und die ersten Strahlen der wärmenden Frühlingssonne die Natur aus ihrem Winterschlaf erweckte, erklangen beim Aus- und Einmarsch der Arbeitskommandos am Tor die flotten Weisen einer neugebildeten Lagerkapelle. Ein oberschlesischer Häftling, im Berufsleben Kapellmeister, hatte diese mit Genehmigung der Lagerführung ins Leben gerufen. Wer von uns Häftlingen ein Instrument spielen konnte, durfte sich dasselbe von daheim schicken lassen. Unter der etwa siebzig Mann starken Kapelle waren alle Instrumente vertreten. Die Musiker genossen im Lager eine Art Sonderstellung. Sie durften nicht in den Außenkommandos oder mit schwerer Arbeit beschäftigt werden und mußten jederzeit schnell für den Lagerführer erreichbar sein, wenn er ihrer bedurfte. 35 Es bot oft einen schaurig- grotesken Anblick, wenn am Abend unter heiteren Marsch- oder Walzerklängen die Kommandos mit ihren müden und abgezehrten Gestalten einrückten, am Schluß die Häftlinge der ,, SK", ihre Schubkarren vor sich herschiebend und auf jedem dieser Karren einen Halbtoten oder Toten fahrend. Den Blick starr geradeaus oder auf den Boden geheftet, so stolperte die ,, SK" dahin. Manche brachen kraftlos zusammen, wurden geschlagen, rafften sich mit letzter Kraft wieder auf ein zur Vernichtung bestimmter Menschenhaufen Marschmusik! - - dazu Solche, jeder Moral und Menschlichkeit hohnsprechenden Gegensätze waren nur in einem nationalsozialistischen Konzentrationslager denkbar! Jeden Sonntag fand nun bei günstiger Witterung im Lager Platzmusik statt, der wir mit mehr oder weniger guter Stimmung zuhörten. Innerhalb des Lagers hatten auch wieder verschiedene Veränderungen stattgefunden. An Stelle des bisherigen Strohlagers am Fußboden waren nun dreistöckige Holzbetten mit Strohsackeinlagen aufgestellt worden. Dies bot wieder eine neue Möglichkeit, uns zu drangsalieren. Die Betten mußten genau einheitlich nach Vorschrift ,, gebaut" werden. - Wir bauten daher unsere Betten mit Richtschnur und Zentimetermaß.- eines wie das andere! Wehe aber, wenn schlieẞlich doch der Blockälteste noch etwas auszusetzen fand Dann riß er die Betten alle einfach wieder auseinander und wir mußten in unserer Freizeit strafweise stundenlang Betten ,, bauen". Oft lauschten wir dabei den fernen Klängen der übenden Lagerkapelle, während der Knüppel des Blockältestén auf unseren Rücken und Köpfen den Takt dazu schlug... Die Verschönerung des Lagers hatte im Laufe der Zeit ebenfalls Fortschritte gemacht. Vor den Blöcken wurde Gras gesät, Grünflächen geschaffen, Sträucher und Bäumchen angepflanzt. Ja, sogar Blumen aus der Gärtnerei schmückten in Kästen manches Blockfenster. Die Zahl der Häftlinge hatte dreißigtausend bereits weit überschritten. Dem Häftlings- Krankenbau waren zwei weitere Blöcke angegliedert worden, wovon der eine als ,, Durchfallstation" eingerichtet wurde, denn die Ruhrfälle nahmen täglich weiter zu. Die Kranken auf dieser Station boten einen schauderhaften Anblick. Vollkommen zum Skelett abgemagert, nur noch mit Haut überzogene Knochengerippe, starben sie 36 haufenw Schmutz Behandl gerkost Meine ich es zu Außena nungskr ältesten kurzer 2 tigten D tochlowi ten. Im dem sch kurzweg leiden. Dummh suchten. KL. Sad größtes bärentat Nase qu Tage zu sadistisc schweig recht. Eines nis, hus hier, bü dem dro wälzen harten, Da Mein Seku Aufge aus auf Stuben ,, Ich auf den Kuretz holzes Gestalt am m- ckor lbSO en, auf zu en onger m- erohmit ine ten eneßund ten der lte.... Zeit Gras anin weit tere Falltägnen gert, sie haufenweise. Sie wälzten sich fiebernd im eigenen Kot und Schmutz auf faulendem Stroh, bis der Tod sie erlöste. Die Behandlung dieser Kranken bestand nur aus Kohle und ,, Hungerkost", es fehlte an den erforderlichen Medikamenten Meinem immer noch nicht ausgeheilten Beinleiden hatte ich es zu verdanken, daß ich noch nicht wieder der schweren Außenarbeit zugeteilt worden war. So wurde ich als ,, Schonungskranker" als Hilfskraft des Blockschreibers dem Blockältesten Kuretzki( aus Stargard i. Pommern) zugeteilt. In kurzer Zeit hatte ich mich mit dem gleichfalls dort beschäftigten Dolmetscher Kulik, einem Oberschlesier aus Schwientochlowitz, befreundet. Wir halfen einander, wo wir nur konnten. Im übrigen hatte ich es nicht gerade gut getroffen. Unter dem schwarzen Winkel tragenden Blockältesten Kuretzki, kurzweg unter uns nur ,, Paule" genannt, hatten wir viel zu leiden. Er gehörte zu jener Sorte von Menschen, die ihre Dummheit und Geistesarmut unter Roheiten zu verstecken suchten. Er war, wie viele andere, als deutscher Capo aus dem KL. Sachsenhausen nach Auschwitz gebracht worden. Sein größtes Vergnügen war, wenn er einen von uns mit seinen bärentatzenähnlichen Händen die Ohren umdrehte oder die Nase quetschte, bis sie blutete. So wurden oft die einzelnen Tage zur Qual, wenn ,, Paule" mit lächelndem Gesicht seinen sadistischen Trieben fröhnte. Wir mußten dies alles stillschweigend ertragen, für uns gab es ja keinerlei Beschwerderecht. Eines Nachts, der Block lag verdunkelt in tiefster Finsternis, huschte lautlos ein Schatten durch die Stuben, bückt sich hier, bückt sich dort, taucht wieder auf und verschwindet in dem drohenden Schwarz der Nacht. Ruhelos, oft aufstöhnend wälzen sich die Körper der schlafenden Häftlinge auf ihrem harten, modrigen Strohlager. - Da plötzlich ein Aufschrei! ,, Mein Brot! Ein Dieb! Haltet ihn!" Sekundenlange Stille, dann fällt eine Tür ins Schloß. Aufgeschreckt springen einige auf und eilen zur Tür hinaus auf den dunklen Flur. Kurz darauf ein lauter Fluch des Stubenältesten, begleitet von einem dumpfen Schlag und Fall: ,, Ich hab' ihn", schreit er. Wir übrigen eilen aus der Stube auf den Flur. Der Lärm hat nun auch unseren Blockältesten Kuretzki geweckt. Im Schein seines aufflammenden Streichholzes sehen wir am Boden eine langhingestreckte, leblose Gestalt. ,, Paule" entzündet einen Kerzenstumpf, den er einem 37 - Häftling zum Hälten reicht. Keiner von uns kennt den am Boden Liegenden. Einer der Umstehenden liest laut die auf die Brust mit Kopierstift aufgeschriebene Nummer ab- da erlischt der Lichtstumpf wieder herrscht undurchdringliches Dunkel im Flur. Als ,, Paule" das Licht wieder entzündet, ist der scheinbar Tote vom Boden verschwunden. Wir sehen uns alle verdutzt an. Kuretzki schlägt dem neben ihm stehenden Stubenältesten die Faust ins Gesicht: ,, Blöde Drecksau, warum haste nich festgehalten!" Der Geschlagene antwortet nicht und wischt sich mit dem Ärmel die blutende Nase. Der etwas abseits stehende Blockschreiber blättert in seiner Blockliste herum. Bald hat er den Gesuchten an Hand der erkannten Nummer festgestellt, es ist ein Zugang aus Stube vier, vor drei Tagen erst in den Block verlegt worden. Nun drängt alles nach der Stube vier. Stickige Luft schlägt uns entgegen, lautes Schnarchen und tiefes Atmen, nichts deutet darauf hin, daß hier einer wach gewesen ist. Unruhig flackert das Kerzenlicht in der Hand des Blockschreibers, auf die getünchten Wände groteske Schatten werfend. ,, Alles aufstehen!" brüllt ,, Paule" los und wie von einer Tarantel gestochen fahren die Schlafenden in die Höhe. ,, Brust frei!" Nun prüft Paule die darauf geschriebenen Nummern. Bald hat er die gesuchte Nummer entdeckt und zerrt den Häftling durch die Stube auf den Flur. ,, Die anderen sofort wieder hinlegen", schreit er noch, sich rückwärts wendend in die Stube, dann schlägt er die Tür hinter sich krachend zu. ,, So, Bürschchen, hab'n wir dich endlich? Warum haste jeklaut, he?" ,, Nierozumim." Klatsch! Schon schlägt Kuretzkis Faust dem abgezehrten Körper in die Rippen. دو - Du Dreckpolack!" , Willste woll reden ,, Nierozumim panie Blockové!"( ,, Verstehe nicht, Herr Blockältester.") Abermals ein Hieb Kuretzkis, der Geschlagene sackt wimmernd zusammen. Da greift der Blockdolmetsch ein, der Befragte leugnet, schwört bei allen Heiligen, nicht der Gesuchte zu sein. ,, Paule" läßt aus seiner Stube einen Stuhl bringen, legt den Skelettkörper darüber und schlägt wütend drauf los, daß man glaubt, das Krachen zerberstender Knochen zu hören. 38 KL. Auschwitz Blick aus dem Lager zum Turm der Blockführerstube. (Rechts das Tor) Heulend und wimmernd gesteht der Geprügelte den Diebstahl, begangen aus Hunger und er verrät bei dieser ,, schlagenden" Vernehmung drei seiner weiteren Kumpane, die nun ebenfalls aus ihren Stuben herbeigeschleppt werden. Beim Anblick der mageren, vor Angst schlotternden Gestalten bittet der Blockschreiber Kulik den Blockältesten um Nachsicht. Doch dieser hört gar nicht hin, er ist mittendrin im Verhör und legt einen wie den anderen der Übeltäter über den Stuhl, wild drauf einschlagend. Nach langem Hin und Her glaubt er zwei der Hauptschuldigen, die von den anderen als die Anstifter zu den Diebstählen bezeichnet werden, festgestellt zu haben. Die Befragung durch den Dolmetscher ergibt weiter, daß diese beiden mit dem gestohlenen Brot Handel trieben und schon seit langen Nächten die schlafenden Kameraden ihres Brotes beraubten. Kuretzki schickt die zwei scheinbar weniger Schuldigen auf ihre Stube, jagt uns alle vom Flur auf unser Lager zurück und schleppt die beiden so schwer Belasteten allein in den Waschraum. Was hat er dort vor-——? - Im Block herrscht wieder Stille, nur aus dem Waschraum hört man Wasserplätschern und dumpfes Gurgeln.... die beiden Diebe Am nächsten Morgen sahen wir's: waren tot! Ihre Bäuche waren wie Fußbälle aufgeschwollen. ,, Paule" hatte eigene Justiz geübt und den Unglücklichen einen Wasserschlauch in den Hals gestopft, den Wasserhahn aufgedreht und so beide ermordet. Die Toten meldete er beim Frühappell als ,, im Block während der Nacht verstorben". Kein Mensch fragte in solchen Fällen nach der Todesursache ein Menschenleben stand ja so niedrig im Kurs, nach Toten fragte die Lagerleitung nicht mehr.... - - So rabiat Kuretzki im allgemeinen sein konnte, so feige war er wiederum, wenn er in einer eigenen Sache vor dem Lagerführer sich verantworten sollte. So kam es eines Tages auch, daß er sich eine Kleinigkeit gegen die Lagerdisziplin hatte zuschulden kommen lassen. Dies hatte eine Meldung beim Lagerführer nach sich gezogen. Er drehte und wand sich beim Strafrapport mit allen möglichen Ausreden, so daß der Lagerführer der vielen Rederei überdrüssig geworden, einfach bestimmte, daß dann eben der Block und für diesen wiederum der Blockdolmetsch und Hilfsschreiber an den Pfahl zu hängen seien und dies waren Kulik und ich. An einem Freitag fand im Block 11 der Strafvollzug statt: 39 ,, Eine Stunde Pfahl und anschließend Strafversetzung zum Arbeitskommando Gleisbau!" Das erste, was wir im Block 11 sahen, waren hohe, freistehende Pfosten. In etwa zwei Meter Höhe waren starke Eisenhaken eingeschlagen. Unsere Arme wurden nach rückwärts gebogen und die Handgelenke mit einer eisernen Kette zusammengeschnürt. Mit dem an der Kette befindlichen Ring hing man uns dann an den Eisenhaken auf. Frei hingen wir am Pfahl. Der nach unten ziehende Körper dehnte bzw. kugelte durch seine Schwere die Schultergelenke so stark aus, daß manch einer vor Schmerz das Bewußtsein verlor. Es war keine Seltenheit, daß oft der eine oder andere am Pfahl verstarb. Diese erste Stunde Pfahl war ein wahres Höllenmartyrium! Unheimlich klang das Stöhnen und Schreien der Hängenden. Dem SS- Posten machte es besonderen Spaß, die Schreienden noch hin und her zu schaukeln, um ihre Schmerzen zu erhöhen. Die Kette am Handgelenk schnürte die Blutzirkulation ab, unsere Hände liefen blauschwarz an. Minuten wurden zu Ewigkeiten. Der rasende Schmerz in den Schultergelenken nahm uns fast die Sinne. Mit zusammengebissenen Zähnen und blutleeren Lippen, tanzende Feuerräder vor den Augen, so hingen wir am Pfahl! Um uns das andauernde krampfhafte Stöhnen und Wimmern der anderen ebenso Verurteilten. Da peitschte glühende Pein rettungsloser Verzweiflung unsere Seelen zu einem letzten, starken Gefühl auf: zu vernichtendem Haß gegen unsere Henkersknechte, die mit teuflischer Gelassenheit, Zigaretten rauchend und lachend, diese Bestrafung zu Folterqualen grausamster, unerträglichster Art steigerten. Und dieser Haẞ wurde eins mit dem Haß unserer Ohnmacht gegenüber dem Schicksal Als wir vom Pfahl abgenommen wurden, massierten wir lange gegenseitig unsere Hände, um die Blutzirkulation wieder in Gang zu bringen. Es kam aber auch vor, daß alle derartigen Bemühungen erfolglos blieben und die abgestorbenen Gliedmaßen nekrotisierten und amputiert werden mußten. Mit Schaudern und Grauen denke ich heute noch zurück an diese Art ,, Strafen", die mich und vielen anderen durch ihre Nachwirkungen einen Großteil einstmals fester Gesundheit gekostet haben. Der Pfahl wurde von der Politischen Abteilung auch häufig zur Erpressung von Geständnissen angewendet. Um durch verstärkte Zugkraft nach unten die Schmerzen des Hängen40 den zu erhöhen, erhielt dieser noch Eisenstücke an seine Füße gebunden. Es wird mir immer ein Rätsel bleiben, wie deutsche Men- ‚schen, die daheim ja auch eine Mutter, Frau und Kinder be- saßen, solche mörderische Strafmethoden ersinnen und soiche Grausamkeiten ausführen konnten. Es ist leider eine nicht wegzuleugnende Tatsache, daß das deutsche Volk, einstmals in aller Welt das„Volk der Dichter und Denker” genannt, sich durch den Nazismus ein schauriges Denkmal als Volk der „Henker ünd Mörder” gesetzt hat. Wieder waren unter Qualen Wochen in größter Hoffnungs- losigkeit vergangen. Jeden Tag, wenn früh die Lagerglocke zum Wecken ertönte, quälte uns der Gedanke, wird der Tag ohne Strafmeldung zu Ende gehen? Wird man den kommen- den Abend nöch unter den Lebenden weilen? Diese seelische Belastung kann nur der verstehen und be- greifen, der selbst unter gleichen Umständen in einem Kon- zentrationslager untergebracht war. Seit jener Stunde am Pfahl arbeitete ich wieder im Außen- kommando von früh bis abends, bei Regen und Sonnenschein. Das Pfingstfest kam heran. Alle Düfte des Frühlings wehten zu uns ins Lager. Da wurden am Pfingstsonnabend nach dem Abendappell siebzig polnische Häftlinge aufgerufen und sofort in die Bun- ker des Blockes 11 gebracht. Was sollte das bedeuten? Eine nervöse, unruhige Spannung lastete auf uns allen. - Nicht lange blieben wir im Unklaren. Bald sahen wir die Abgeführten wieder zurückkommen. Sie waren durch eine lange Kette aneinander gefesselt! Posten führten sie zur Kies- grube, wo sie in sieben Gruppen zu je zehn Mann geteilt wur- den. Ein SS-Kommando mit Karabinern.rückte an.... „Abteilung Halt!— Gewehr ab!” Laut schallte das Kommando durch die pfingstblühende Na- tur. Uns allen stand das Herz still. Die ersten zehn nahmen nun in einer Reihe vor dem Exekutionskommando Aufstel- lung. Keine Klage, kein Weinen wurde laut. Fest preßten sich ihre Lippen zusammen. Die Erkenntnis des rettungslosen Ver- lorenseins im Tod und in der Fremde erstickte wohl jeden Laut in stiller, innerer Verzweiflung. Dann wurden die Gewehre angelegt— ein kurzes Komman- dowort zerflatterte in der Luft— die erste Salve krachte— ‚die zehn Häftlinge brachen blutüberströmt zusammen...- 4 - Die anderen hatten diese Exekution mit ansehen müssen. Dann traten immer die nächsten zehn vor- wieder erschüt-. terte das Krachen der Salven den stillen Abend, bis auch der Letzte der Siebzig lautlos in den Sand sank. Lange, nachdem das SS- Kommando die Richtstatt verlassen hatte, bellten in kurzen Zwischenräumen immer wieder hell und kurz Schüsse auf. Hauptscharführer Palitsch schritt mit dem Lagerarzt die Reihen der Erschossenen ab, jeden, bei dem sich noch Leben bemerkbar machte, mit seiner Pistole den Gnadenschuß gebend. Zum Léichentransport kommandierte Häftlinge schafften die Gemordeten in das Krematorium, siebzig Menschen hatten ohne gesetzmäßigen Urteilsspruch ihren Tod gefunden.... Dieser Pfingstsonnabend ließ noch lange die Erregung in uns nachzittern. Die arbeitsfreien Feiertage waren uns gründlichst verdorben. Be el in di ba k d L e น P ท M e I Н Die warme Jahreszeit ließ die Läuseplage wieder in verstärktem Maße auftreten. Wir litten alle unbeschreiblich darunter. Im Block 26 war eine Brauseanlage mit Warmwasserheizung eingebaut worden. Jede Woche wurden wir blockweise zum Baden geführt, trotzdem verlausten wir und das Lager immer mehr. Wiederholt an uns und in den Blöcken durchgeführte Entlausungen erbrachten keinen dauernden Erfolg. Jeden Sonntag nach dem Mittagsappell blieben wir alle am Platz stehen zur Läusekontrolle. Häftlingspfleger aus dem Krankenbau durchschritten unsere Reihen und durchsuchten Körper und Wäsche nach Läusen. Trotzdem unterlagen wir im Kampfe gegen die Läuse. Nach außen hin verbarg die Lagerführung alle Miẞzustände unter dem Deckmantel der Sauberkeit und Ordnung. Das Lager besuchende ausländische Kommissionen wurden belogen und betrogen, wo es immer nur möglich war. Kaum hatte sich eine derartige Kommission angemeldet, wurde auf besonderen Befehl im ganzen Lager geputzt, geschrubbt und möglichst auch noch mit der aus Magazinen organisierten Farbe gemalt. Nicht ein Strohhalm, nicht ein vom Baum gefallenes Blatt durfte auf den Lagerstraßen liegen bleiben. Alle körperschwachen Häftlinge, die ,, Muselmänner", verschwanden aus dem Arbeitskommando und von den Stra42 ßen und wurden im Keller eines abseits gelegenen Blockes eingesperrt versteckt gehalten. Solange sich eine Kommission im Lager aufhielt, blieben sie unsichtbar. Die Totenkisten, die gewöhnlich hinter dem Block 28 aufgestapelt standen, ver- barg man auf dem Boden des Blockes. Sogar der Leichen- keller wurde abgeschlossen und an der Tür ein Schild mit der Aufschrift„Vorsicht! Infektionsgefahr!” befestigt. Im Lager würden nur kräftig aussehende Häftlinge zur Arbeit eingesetzt, die man für diese Zeit aus der Küche, Magazinen und ähnlichen guten Arbeitsplätzen herholte. Einmal erschienen Vertreter der neutralen ausländischen Presse, das andere Mal wieder war es eine Militärkommission mit einem hohen General an der Spitze. Wieder ein anderes Mal Parteifunktionäre vom Ortsgruppenleiter aufwärts oder eine Abordnung von HJ.-Führern. Ja selbst Himmler und der Inspekteur aller Konzentrationslager, SS-Obergruppenführer Pohl inspizierten das Lager. Die Lagerkapelle empfing solche Besucher stets- mit klin- gendem Spiel am Tor. Der Schutzhaftlagerführer mit seinen Offizieren begleitete sie im Rundgang durch das Lager, immer nur das zeigend und erklärend, was er für gut befand, nicht was die anderen interessierte. Doch konnte man an dem sar- kastischen Lächeln deutscher Kommissionsmitglieder un- schwer auf das Einverständnis zwischen Lagerführung und Besucher schließen. Obwohl man die Not und das Elend im Lager nicht öffentlich zur Schau stellte, wußten sie alle, wie es in Wirklichkeit aussah. Kam da einmal eine Kommission, bestehend aus Parteiführern und Pressevertretern gerade in dem Moment ins Lager, als Geld ausgezahlt wurde. Das war aber keine Lohnzahlung, denn für die von uns verrichtete Ar- beit gab es keine Entlohnung. Jeder von uns, mit Ausnahme der Juden, durfte sich von seinen Angehörigen Geld über-; weisen lassen, das auf ein Konto gutgeschrieben wurde und von dem er jeden Monat einmal, je nach der Höhe seines Gut- habens, bis zu zwanzig Reichsmark ausgezahlt erhielt. Da- durch hatten wir die Möglichkeit, in der Häftlingskantine Zi- garetten, Gemüsesalat oder Sauerkraut zu kaufen.' Etwas an- deres gab es ja nicht. Die Kommission sah den Auszahlungen eine Weile schwei- gend zu, dann stellte einer dem Lagerführer die Frage: „Warum erhalten die Häftlinge nicht alle gleiche Beträge?” Der Lagerführer gab bereitwilligst Auskunft: 43 ,, Sehen Sie, meine Herren, das ist hier so: Häftlinge, die ihr Arbeitspensum erfüllen und sich auch sonst im Lager gebessert haben, erhalten zwanzig Mark Löhnung. Die anderen, die noch immer glauben, uns sabotieren zu können und bei der Arbeit versagen, bekommen weniger- je nach Leistung! Die übrigen aber, die gar nichts erhalten, das sind die unverbesserlichen Volksschädlinge, die einfach nicht arbeiten wollen. Alle unsere Bemühungen, sie zur Volksgemeinschaft zu erziehen, sind vergebens!" Befriedigt mit dieser Auskunft gingen die Mitglieder der Kommission weiter, ohne zu ahnen, daß gerade diejenigen, die kein Geld ausgezahlt erhielten, entweder zu den Ärmsten der Armen gehörten, oder keine Angehörigen besaßen, die ihnen Geld hätten schicken können Einmal sah ich an der Seite des Lagerkommandanten und seiner Offiziere eine alte, häßliche Frau in Schwesterntracht durch das Lager gehen. Wir waren alle überrascht, erstens von so viel Häßlichkeit und zweitens, daß eine Frau überhaupt zu uns ins. Lager kam. Ein Kamerad, der mit einem Transport aus dem KZ.- Lager Dachau zu uns verlegt worden war, erzählte, daß dies die Schwester Pia sei, die im November 1923 den Marsch zur Feldherrnhalle in München mitgemacht habe. Sie sei Blutordensträgerin und stehe im Range eines SS- Oberführers. Er erzählte die tollsten Dinge über diese Schwester Pia, die im Lager Dachau ein eigenes Kommando, bestehend aus vier Mann habe, allerdings nicht zur Arbeit, sondern als Bettgenossen und daß sie jeden Häftling, der ihr gefalle, einfach sich zukommandieren lasse. Wer sich verweigere, den ließ sie kaltblütig in den Bunker abführen. Wir waren wirklich heilfroh, als diese alte, perverse Blutordensträgerin das Lager wieder verlassen hatte. Die abgemagerten Häftlinge im Lager Auschwitz hatten scheinbar bei ihr kein Wohlgefallen erweckt. el G da W G C W g W d A V น S g 44 6 150 Kranke werden„vergast”— 10 000 russische Kriegsgefangene kommen ins Lager— Frauen- KZ. Birkenau Über die Vorgänge draußen in der Welt drangen nur ver- einzelt und meist die Tatsachen nicht richtig wiedergebende Gerüchte an unser Ohr. Neuzugänge brachten selten aktuelle Nachrichten mit in das Lager, da sie ja vor ihrer Einlieferung in das KZ. bereits Wochen, wenn nicht Monate in irgendeinem Gefängnis der Gestapo gesessen hatten. Obzwar im Lager politische Gesprä- che jeder Art strengstens verboten waren, wurden sie doch, wenn auch in engstem Kreise, in äußerst vorsichtiger Form geführt. Der von Hitler am 22. Juni 1941 begonnene Angriffskrieg gegen die Sowjet-Union gab uns allen wieder neuen Mut. Wir waren davon überzeugt, daß dieser-der Anfang vom Ende des Nationalsozialismus und damit auch das Ende von Auschwitz und aller anderen Schreckenslager bedeutete. Es war alles nur eine Frage der Zeit, die durchzuhalten eben - unsere letzten Energien verlangte..... Strategische und politische Komplikationen Hitlers wirkten sich im Lager immer durch Massen-Erschießungen und Ver- gasungen, vor allem an den Juden und fremdvölkischen Häft- lingen aus. In der Lagerführung war auch schon wieder eine Änderung eingetreten. Hauptsturmführer Fritsch war nach einem Er- holungsaufenthalt in Karlsbad nach dem KZ. Flossenbürg in Bayern versetzt worden. Sein Nachfolger Hauptsturmführer Aumeier setzte die unmenschliche Tradition seines.Vorgängers in gleicher Weise fort....= Jeder Block beherbergte nun bereits gegen eintausend Häft- linge. Die Zugänge nahmen von Tag zu Tag größeren Umfang an. Entlassungen fanden keine statt. Längst war der neu- 45 erstellte Appellplatz mit einstöckigen Wohnblöcken bebaut worden. Zum Zählappell traten wir vor unseren Blöcken an. Der Lagerälteste Leo war abgelöst und hatte unter dem Obersturmführer Schwarz das Männerlager in Birkenau übernommen. Sein Nachfolger Bruno Brodniewicz war wohl weniger brutal, dafür aber brachte er jede Kleinigkeit dem Lagerführer sofort zur Meldung. Diese Meldungen zogen stets schwere Lagerstrafen nach sich. Im Krankenbau war die Chirurgische Station überfüllt. Die dort liegenden Kranken wiesen außer Knochenbrüchen riesige Phlegmonen, Ulcusse und Abszesse auf. Eiternde Geschwüre, in denen es oftmals von Würmern wimmelte, fraßen an ihren Körpern. SS- Lagerarzt Dr. Schwela ließ sich nun eines Tages alle diese Kranken vorführen. Einhundertfünfzig von ihnen bestimmte er zur Verlegung nach dem Block 11. Es war sonderbar, daß er gerade diesen Block ausgesucht hatte, doch sprach man davon, daß dort ein Sammeltransport in einen neuen Krankenbau nach Birkenau zusammengestellt werden sollte. Vor dem Abendappell führten Pfleger die Verlegung durch. Geheimnisvoll erzählten sie dann, daß alle Kranken in die engen, schmalen Bunkerzellen hineingezwängt worden seien, dann habe man die in den Keller führende Tür abgedichtet. Der Oberstock des Blockes 11 war bereits am Nachmittag geräumt und die dort bisher untergebrachte ,, SK." nach Birkenau verlegt worden. Am nächsten Morgen lief die Schreckenskunde durch das ganze Lager: ,, Block 11 steht unter Gas!" Wir waren auf das Tiefste erschüttert. Um das Ungeziefer in dem Block zu vernichten, hatte man den Block unter Blaugas gesetzt und auf Befehl Dr. Schwelas alle im Keller eingeschlossenen Kranken mit vergast Als nach drei Tagen der Block entgast und der Keller geöffnet wurde, bot sich ein grauenerregender Anblick. Die Sterbenden hatten sich im Todeskampf gegenseitig verbissen und verkrampft, nur mit größter Mühe brachte man die erstarrten Leichen auseinander, deren blauschwarz angelaufene Körper bereits anfingen, zu verwesen. Lastkraftwagen fuhren die Toten ins Krematorium. Dort brannten jetzt Tag und Nacht die Öfen. In jedem wurden gleichzeitig vier Leichen verbrannt. Ein Sonderkommando 46 fer au- ge Die sen ene ren Toreinfahrt zum KL. Auschwitz-Birkenau Transporte mit Tausenden von Häftlingen(vor allem Juden) fuhren über die Gleise in das Lager Birkenau und endeten dort in den Gaskammern KL. Auschwitz Mittelweg durch das KZ.-Lager Birkenau (Links Teil eines Wachturmes, Trostlosigkeit spricht aus dem Bilde) von Juden mußte die Einäscherungen durchführen. Die Asche der Verbrannten diente zum Düngen der Felder. Bevor jedoch die Leichen in die Verbrennungsöfen kamen, wurden sie im Auftrage der Schutzhaftlagerführung auf eventuell vorhandene Goldzähne oder Gebisse untersucht. Wurden Goldzähne festgestellt, so wurden diese dem Toten herausgebrochen und an die Lagerleitung abgeliefert. Das im Krematorium arbeitende Sonderkommando wurde von Zeit zu Zeit liquidiert und durch ein neues ersetzt. Dadurch sollte verhindert werden, daß über die Vorgänge im Krematorium etwas an die Öffentlichkeit gelangte. Trotzdem blieb aber die Wahrheit nicht verborgen. Kam es aber doch einmal vor, daß die Hinterbliebenen eines im Lager Eingeäscherten bei der Verwaltung des KL. Auschwitz die Aschenreste anforderten, so erhielten sie nach Zahlung einer Gebühr, ich glaube von 24 Mark, eine Urne mit den angeblichen Überresten zugesandt. Die Tötung von Menschen durch Gas wurde nun nach dem ersten Versuch Dr. Schwelas in Auschwitz zur Regel. Sie fand aber nicht mehr im Lager statt, sondern in der Folgezeit gleich in der Leichenkammer des Krematoriums und später dann in den Gaskammern von Auschwitz- Birkenau. Mit Erstaunen bemerkten wir eines Tages, daß vier Blöcke durch Stacheldraht vom übrigen Lager abgegrenzt wurden. Bald darauf brachte die SS zehntausend russische Kriegsgefangene in diese geräumten Blocks. Es waren dies durchwegs gut genährte und kräftige Gestalten. Die Russen waren in der Gegend von Smolensk in deutsche Gefangenschaft geraten. Die SS setzte das Gerücht in Umlauf, es seien russische Kommissare. Die Behandlung dieser Gefangenen spottete jeder Beschreibung, von früh bis spät in die Nacht hinein. wurden sie geprügelt. Strafweise kürzte man ihre Rationen und ließ sie dabei aber noch die schwersten Arbeiten verrichten. Beim Einrücken ihrer Arbeitskommandos führten sie stets zehn und mehr Tote mit sich. In wenigen Wochen boten sie einen erbarmungswürdigen grauenhaften Anblick. Kiefer und Backenknochen traten stark hervor, umspannt von grauer, verdorbener Haut, die sich in den Backenhöhlen zu kleinen Falten zusammenknitterte. In ihren tief in den Höhlen liegenden Augen brannte ein unstetes Feuer. Nichts erinnerte mehr an ihnen an die einst bei ihrer Ankunft kräftigen Gestalten. In entsetzlicher Mager4 de Martini, 4 Millionen 47 keit und geknickt vor Schwäche schoben’sie ihre Glieder vor- wärts. Das Fleckfieber wütete unter ihnen. Ärztliche Behandlung erhielten sie so gut wie gar keine. In knapp drei Monaten war fast keiner mehr am Leben. Wer vom Fleckfieber verschont geblieben war, der hatte, halb verhungert, unter den Knüp- peln der SS sein Leben lassen müssen oder war durch Phenol- injektionen beseitigt worden. Der Stacheldraht verschwand und die Blöcke wurden wieder von uns belegt..... In der Krankenbau-Schreibstube klapperten” die Schreib- maschinen Tag und Nacht. Dort wurden die Totenpapiere aus- gefertigt. Auf Anordnung der Lagerärzte wurden in die Toten- papiere der Erschossenen, Vergasten oder sonst auf eine Art Ermordeten normale Todesursachen eingetragen. So. ver- suchte man die heimtückischen Morde den Hinterbliebenen und der Außenwelt gegenüber zu vertuschen. Viele von uns trieb das nervenzerrüttende Leben und die ewigen Mißhandlungen aus Verzweiflung zum Selbstmord. Diese stille, drohende Schar der Selbstmörder nahm von Tag zu Tag zu. Erhängen, Öffnen der Pulsadern und freiwilliges „In den Draht laufen” waren keine Seltenheiten. Wir Leben- den beneideten oft die Toten.——— Wieder mußten eines Tages Unterkünfte geräumt werden. Diesmal waren es die Blöcke 1 his 10, die sogar durch eine hohe Mauer vom übrigen Lager getrennt wurden. Einige tausend Frauen und Mädchen aller Altersklassen, vor allem Jüdinnen, hielten nun dort Einzug. Sie kamen alle aus dem Frauen-KZ. Ravensbrück. Mit ihren kahlgeschorenen Köpfen boten diese halbverhun- gerten Gestalten einen bedauernswerten Anblick. Sie wurden meist in Außenkommandos der Landwirtschaft und in indu- striellen Betrieben, wie Weberei, Näherei usw., beschäftigt. Auch sie trugen Winkel in den bereits genannten Farben und Nummern wie wir. Das uniformierte weibliche Bewachungspersonal gab den SS-Leuten an Grausamkeit und Herzlosigkeit nichts nach. Die Aufseherinnen hetzten oftmals ihre großen Bluthunde grund- los auf ihre weiblichen Gefangenen. Gleichgültig sahen sie dann zu, wenn die Hunde die Wehrlosen ansprangen und zer- fleischten. Aber auch mit der Schußwaffe verstanden diese Hitler- Amazonen umzugehen. Die täglich„Auf der Flucht Erschos- senen” weiblichen Häftlinge bewiesen dies..... 48 SB zug a a [>03 god m een m 2 Lagerstrafen wurden bei den Frauen auf die gleiche Art vollzogen wie bei uns. Nur der„Pfahl” war bei ihnen nicht üblich. Wurde eine Lagerstrafe an einem weiblichen Häftling vollzogen, so waren bei der Prügelei stets der Lagerführer mit seinem Stabe, ja oft sogar der Lagerkommandant Sturm- bannführer Heßler als Zuschauer zugegen. Moralische Hem- mungen waren ihnen fremd. Nach wenigen Monaten wurde dieses provisorische Lager aufgelöst.... Die-Mauer wurde wieder abgetragen, die Blöcke nach Reinigung wieder unserem Lager eingegliedert, die Frauen kamen nach Birkenau bei Auschwitz. Die hygienischen Verhältnisse im Lager Birkenau waren katastrophal. Es gab anfangs kein Licht, keine Wasserleitung, ja nicht einmal Latrinen waren vorhanden. Die Frauen ver- richteten ihre Notdurft vor den Blöcken. Dieser Mangel an Sauberkeit leistete der schnellen Ausbreitung des Fleckfiebers geradezu Vorschub. Diese heimtückische, durch Kleiderläuse übertragbare Krankheit aus dem Osten grassierte in allen Lagern von Auschwitz. Da erhielt der Lagerälteste des Häftlingskranken- _ hauses, Hans Bock, den Befehl, in Birkenau einen Kranken- bau einzurichten. Mit seinen Pflegern war er dort Tag für Tag tätig. Allmählich brachte er etwas Ordnung in das Chaos, das im Frauenlager herrschte. Auch in unserem Lager wüteten die Infektionskrankheiten Fleckfieber und Bauchtyphus(Typhus abdominalis!) in er- barmungsloser und gräßlicher Form. Die Aufnahmen in die Isolierstation häuften sich. Diese wurde anfangs von dem Häftlingsarzt Dr. Suliborsky aus Warschau geleitet. Er war es auch, der als Erster das Fleckfieber, dnexanthematicusPetechialtyphus, erkannte. Die SS-Aerzte standen dieser Seuche vollkommen unwissend und ratlos gegenüber. Nachdem die Diagnose die- ser geheimnisvollen Krankheit feststand, waren die Erkrank- ten nur noch das Material, mit dessen Hilfe sie versuchten, ihre ungenügenden und mangelhaften. medizinischen Kennt- nisse zu ergänzen. Sie kamen zur Isolierstation, angefangen vom Sturmbannführer bis herab zum Untersturmführer und ließen sich die Kranken vorführen, bestaunten das Exanthem, stellten Fragen, hüteten sich aber, aus Angst vor Ansteckung, auch nur einen der Kranken selbst zu berühren und zu unter- suchen. Zu Beginn des Jahres 1942 wurde nun eine Fleckfieber- Versuchs-Station eingerichtet. In der ersten Zeit versuchte man aus dem Blut von Pferden, die durch fleckfieberbazillen- tragende Kleiderläuse infiziert worden waren, indem man sie in: verlauste Decken eingehüllt hatte, ein Serum gegen die Krankheit zu gewinnen. Der Tierversuch schlug aber fehl. Nun ging man systematisch dazu über, Fleckfieberkranke und gesunde jüdische Häftlinge nackt, nur in total verlauste Dek- ken eingewickelt, in abgelegene Bunkerzellen zu sperren, um nach einigen Tagen, nach der Methode Weigl, aus den Läuse- därmen, in denen der Erreger des Flecktyphus, ein Mikro- organismus, das Bakterium Rickettsia Prawozeki lebt, das Weigl’sche Serum in größerer Menge zu gewinnen. Die ge- wissermaßen als„Nährboden”-für die Läusezucht komman- dierten Juden starben restlos in Ermangelung jeder ärztlichen Betreuung. Es dürften dies im Laufe der Zeit einige hundert gewesen sein, bis man auch diese Art der Serumgewinnung wieder aufgab und sich anderen Methoden zuwandte. Das ge- wonnene Weigl’sche Serum diente in erster Linie zur Schutz- impfung der SS-Wachtruppe. Besonders der damalige Lagerarzt, Obersturmführer Dr. Vetter, sah in allen Fleckfieberkranken nur seine mensch- lichen Versuchsobjekte und er schämte sich nicht im gering- sten, die vom Häftlingsarzt Dr. Suliborsky und anderen pol- nischen Ärzten schriftlich niedergelegten Erkenntnisse bei :höheren Reichsstellen als die seinen auszugeben. Dr. Vetter, der auf Grund seiner angeblichen„Forschungen auf dem Ge- biet des Fleckfiebers” zum Obersturmführer befördert wor- den war, wurde später versetzt, angeblich nach Wan wahr- scheinlich nach Buchenwald. In der, dem Häftlingskrankenbau angegliederten Pathologi- schen Abteilung, der gleichzeitig auch der Sektionsraum im Krematorium unterstand, wurden von an Fleckfieber Ver- storbenen pathologische Präparate angefertigt, die dann meist an das Hygienische Institut der Waffen-SS nach Berlin oder an andere Forschungsstellen versandt wurden. Obzwar für Selbstmörder, ‚„Auf-der-Flucht-Erschossene” und alle un- natürlich zu Tode Gekommenen ein Sektionszwang bestand, wurden Leichenschau- und Sektionsprotokolle nur papier- mäßig in der Krankenbauschreibstube hergestellt, von den Lagerärzten unterschrieben und den Totenpapieren beigefügt. Wer hätte diese Unmenge von Toten auch sezieren sollen? Die im Sektionsraum arbeitenden Häftlinge waren alles andere 50 nur keine Anatomen und Mediziner und die Lagerärzte selbst befaßten sich mit Sektionen nur in„ganz besonders inter- essanten Fällen!” Trotzdem der Kräfteverfall bei allen Häftlingen in er- schreckendem Maße zunahm, gebrauchte man sie dessen- ungeachtet, soweit sie noch gesund waren, eines Tages als Blutspender. Besonders jüdischen Häftlingen, Frauen wie Män- nern, wurde mehrfach ein halbes Liter Blut entnommen, kon- serviert versandt, um zu Bluttransfusionen bei schwerverletz- ten deutschen Frontsoldaten verwendet zu werden. So rück- sichtslos die Judenverfolgungen im Reichsgebiet und in allen von deutschen Truppen besetzten Ländern durchgeführt wur- den, scheute man sich doch nicht, im Gegensatz zu dem Nürn- berger Blutschutzgesetz, das den Juden zum Art- und Rasse- fremden stempelte, jüdisches Blut zur Errettung deutscher Sol- daten zu verwenden. Wer kann heute noch sagen, ob es nicht gerade jüdisches Blut war, das einem an der Front schwer- verletzten„echten deutschen SS-Mann” das Leben rettete? Wo blieb da der von den Nationalsozialisten täglich und stünd- lich gepredigte Rassenunterschied? Diese einwandfreien Tat- sachen müßten heute jedem Antisemiten die Augen öffnen und ihn zu einer Revision seiner Denkungsart veranlassen. Juden- Großtransporte aus dem Ausland treffen ein Tote auf dem ,, Scheiterhaufen" Liqui- - dierung durch Genickschuß 5000 Tschechen - kommen ins Lager Auf dem Bauhof trafen Züge um Züge mit Juden aus Norwegen, Belgien, Frankreich, Ungarn, der Slowakei und aus allen von Deutschland besetzten und kontrollierten Ländern Europas ein. Wie sie erzählten, war ihnen in ihrer Heimat durch das Arbeitsamt mitgeteilt worden, sie sollten sich zum Aufbau nach dem Osten Deutschlands melden. Dort könnten sie auch mit ihren Familien angesiedelt werden. Kein Wunder, daß zehntausende mit Frauen und Kindern sich meldeten und unter Mitnahme von etwa 60 Kilo Gepäck, meist Kleidung und Hausrat, die Reise in geschlossenem Transport antraten. So kamen sie nach tagelanger Fahrt in Auschwitz an. Die aus Holland kommenden Juden schleppten ganze Vermögenswerte mit sich. Gold, Edelsteine und ausländische Banknoten. Kaum war der Transportzug auf dem Abstellgleis des Bauhofes eingelaufen, stürzte sich die SS- Meute auf, die Juden. Ein Geheul wie von tausend Hyänen erschütterte die Luft. Männer wurden sofort von ihren Frauen und Kindern getrennt! Müttern riẞ man roh den Säugling von der Brust. Alle Wertgegenstände wurden den Juden abgenommen. In großen Körben häuften sich Uhren, Banknoten aus aller Herren Länder, Ringe und Brillanten. Auch Kleidungsstücke und Hausrat türmten sich zu Bergen. Waggonweise wurden diese Dinge später an das Reichssicherheits- Hauptamt nach Berlin verfrachtet. Es konnte naturgemäß nicht ausbleiben, daß von den zu Haufen getürmten Gebrauchsgegenständen, Juwelen, Uhren wie auch Lebensmitteln und anderen wertvollen Dingen, die SS- Posten und Blockführer mit Hilfe willfähriger Häftlinge, 52 f r- us rn r- ch mit. n- er nd Die s- en. auen. gelle ler cke Sen ach zu ren die nge, - die in einem besonderen Kommando, das den Namen ,, Kanaan" führte( wohl als Spotthinweis auf das biblische Kanaan der Israeliten!) die Aufräumungsarbeiten verrichteten, für sich organisierten, was sie eben brauchen konnten. Und brauchen konnten sie alles vom Golddollar angefangen bis zu den bei Ankunft eines Judentransportes konfiszierten, ausländischen Zigaretten! Fast täglich sandten SS- Leute, trotz bestehenden Verbots, an ihre Familien Pakete mit von Juden geraubten und für das Reichssicherheitshauptamt bestimmten Gegenständen ab. Die in diesem Kommando arbeitenden Häftlinge wurden am Abend beim Einrücken in das Lager stets am Tor von Blockführern gründlichst untersucht und wehe demjenigen, bei dem vielleicht eine Rippe Schokolade oder gar eine Konserve gefunden wurde. Der Unglückliche erhielt sofort vor dem Appell fünfzig Stockhiebe und wanderte anschließend in den Bunker. Er konnte noch von Glück sagen, wenn er nicht schon an einem der nächsten Tage öffentlich gehenkt wurde. - ,, Wer sich derartiges Gut aneignet, begeht Diebstahl am deutschen Volksvermögen und wird mit dem Tode bestraft", verkündete einmal während eines Appells Lagerführer Aumeier. Und trotzdem gelangte doch so manches in das Lager. Wiederholt durch Blockführer überraschend durchgeführte Blockrevisionen brachten so manchen grünen oder schwarzen Häftling, bei dem ausländische Geldsorten oder sonstige Wertsachen gefunden wurden, unweigerlich an den Galgen. Politische Häftlinge, gleich welcher Nationalität, lehnten es solidarisch strikte ab, sich an diesen, Juden geraubten, Sachen zu vergreifen. Wurden aber zufällig bei einer Paketkontrolle der SS irgendwelche Gegenstände, die aus dem Arbeitskommando ,, Kanaan" herrührten, aufgefunden, so schob der ertappte SS- Mann stets die Hauptschuld auf denjenigen Häftling, der erst in seinem Auftrag für ihn organisiert hatte. Während der SS- Mann mit einem Verweis und schlimmstenfalls mit einigen Wochen Arrest wegkam, wanderte der Häftling wegen Verführung eines SS- Angehörigen zum Diebstahl" nach Empfang seiner fünfzig Stockhiebe in den Bunker und von dort bald darauf als Toter in das Krematorium. Man beseitigte solche Häftlinge, die Mitwisser eines Vergehens eines SS- Angehörigen waren, gleich im Bunker, um zu verhindern, daß sie im Lager erst noch durch Erzählen die korrupte SS- Mann" 53 53 schaft kompromittieren konnten. Für uns alle war aber die Korruption innerhalb der gesamten SS ein offenes Geheimnis und so manchesmal zogen wir zu Gunsten eines unserer Kameraden unseren Vorteil daraus. Bevor neuangekommene Frauen und Mädchen nach dem Lager Birkenau gebracht wurden, ließ manchesmal der Lagerkommandant Heẞler alle nackt an sich vorüberziehen. Mit wollüstigen Blicken taxierte er jeden Körper ab. Wer ihm nicht zusagte, wurde beiseite gestellt und kam statt ins Lager Birkenau in die Gaskammern Birkenaus. Dies traf vor allem ohne Ausnahme jede schwangere Frau! - Ähnliche Musterung wurde aber auch unter den männlichen Juden gehalten. Hier wurden vor allem die Facharbeiter, Mechaniker, Tischler, Schlosser usw. herausgesucht, die in den Rüstungswerken sofort zur Arbeit eingesetzt werden konnten. Alle übrigen bestiegen dann nackt wartende Lastwagen und unter der Vorspiegelung, zum Baden gebracht zu werden fuhr man diese Ahnungslosen ebenfalls in die Gaskammern. - Knaben im Alter von 10-14 Jahren hielt man einige Zeit im Lager. Da sie für die allgemeine schwere Arbeit in den Kommandos nicht geeignet waren, beschäftigten sie die Blockältesten im Block mit Fensterputzen und ähnlichen Verrichtungen. Doch bald erklärte der Schutzhaftlagerführer, es sei unmoralisch und unsittlich, Kinder mit Erwachsenen gemeinsam in gleichen Schlafräumen unterzubringen. Da es für Kinder keinen eigenen Block gab, half sich die Lagerführung damit, daß man diese Knaben einfach durch Phenolinjektionen umbrachte. Damit war die nazistische Moral wieder gerettet! Die zur Aufnahme in das Lager bestimmten Juden wurden am linken Unterarm mit der Häftlingsnummer tätowiert. Diese Nummer galt als ,, Totennummer", durch die der Häftling identifiziert wurde, wenn er gestorben war. Derartige Tätowierungen fanden meines Wissens nach nur in Auschwitz statt und wurden auch nur an Juden und Zigeunern vorgenommen. Die übrigen Häftlinge trugen ihre Nummer mit Kopierstift auf die Brust geschrieben. Schreiberlaubnis erhielten die ausländischen Juden meines Wissens nur einmal. Da wurde ihnen befohlen, an die jüdische Kultusgemeinde ihrer Heimat kurz zu berichten, daß sie in einem Arbeitslager in Ostdeutschland angesiedelt seien, daß es ihnen gut ginge und sie mußten ihre noch in der Heimat verbliebenen, skeptischen Glaubensgenossen auffordern, bald 54 S j- ie B at KL. Auschwitz: Todesblock 11 Auf dessen Hof fanden die Exekutionen statt. Bis zum Jahre 1941 war in diesem Block die„SK” untergebracht KL. Auschwitz: Blick auf den Hof des Blockes 11 Hier mordete Hauptscharführer Palitsch die Häftlinge mittels Genickschuß. Im Hintergrund die schwarzgestrichene Holzwand als Kugelfang. Rechts an der Hauswand Luftschächte zu den Arrest- zellen(Bunkern) nachzukommen. Und die anderen kamen mit Gepäck in Mengen, Transport um Transport. traf ein und endete in den > Auschwitzer Gaskammern. Die Zustände im Krematorium waren nun unhaltbar geworden. Tagelang lagen die Leichen aufeinander geschichtet in der Leichenkammer herum. Die acht Öfen reichten zur Einäscherung nicht mehr aus. Die Leichen verwesten! In dicken Wolken umlagerte der Verwesungsgeruch die Umekler Weihrauch des Todes. ' gebung des Krematoriums - Nasen und Mundhöhlen wurden davon voll! Da hob man in Rejsko an einer abgelegenen und streng durch eine Postenkette abgesperrten Stelle große Gruben aus. In diese wurden die Leichen geworfen, mit Benzin übergossen und verbrannt. In der ganzen Umgebung war der widerliche Geruch verbrannten Menschenfleisches wahrnehmbar. Vor einer dieser brennenden Gruben ließ einmal SS- Sturmbannführer Kramer einige hundert jüdische Häftlinge antreten. Bei sich hatte er mehrere große Bluthunde, die er auf die Häftlinge hetzte. Diesen Gehetzten blieb nur die Wahl, sich zerfleischen zu lassen oder in das Feuer der Grube zu springen. Die übrigen schoß Kramer dann mit einem Maschinengewehr zusammen. Bei diesen Scheiterhaufen arbeiteten ebenfalls nur Juden; ab und zu löste man diese ab, brachte sie nach Auschwitz in das Stammlager und tötete sie durch Phenolinjektionen. Mitwisser über die Vorgänge bei den Scheiterhaufen sollten dadurch für immer beiseite geräumt werden. Erschießungen wurden nun auch nicht mehr durch ein SSKommando vorgenommen. Diese öffentlichen Exekutionen hatten doch wohl zuviel Nervosität im Lager nach sich ge' zogen. Daher war auf dem abgesperrten Hofe des Blockes 13 ( früherer Block 11!) eine schwarzgestrichene Holzwand als Kugelfang errichtet worden. Zum Erschießen bestimmte Häftlinge kamen gleich von ihrem Arbeitskommando in die Bunker des Blockes 13. Entkleidet mußten sie dann auf dem Hof mit dem Gesicht zur Holzwand Aufstellung nehmen und Hauptscharführer Palitsch erschoß sie von rückwärts mit einem kleinkalibrigen Karabiner, dem ein Schalldämpfer aufgesetzt war. Das leise Klatschen des Schusses war kaum in der nächsten Umgebung des Hofes zu hören. Sobald Palitsch mit umgehängtem Karabiner durch das Lager kam, wußte jeder, daß dieser Menschenschlächter in der 5 55 nächsten halben Stunde wieder eine Anzahl Menschen morden würde. د, Auch Zivilisten, darunter oftmals Frauen und Kinder, brachte die Gestapo einigemale mit dem Polizeiwagen, der , Grünen Minna", nach dem Block 13. Dort wurden sie ebenfalls durch Palitsch mittels Genickschuß liquidiert. Totenpapiere wurden für sie nicht ausgefertigt, sie waren für immer für die Außenwelt verschollen und unauffindbar... Ich erinnere mich immer wieder eines wundervollen Sommertages, an dem die ,, Grüne Minna" vor dem Block 13 stand und ihr wieder einmal mehrere Zivilisten, darunter auch einige junge Mädchen im Alter von 14 bis 18 Jahren, entstiegen. Eines dieser Mädchen schaute sorglos lachend um sich und machte ihre Kameradinnen auf irgendetwas im Lager aufmerksam. In ihrer unbeschwerten Jugend erkannten diese Mädchen nicht, welch tragisches Geschick ihrer harrte. Lachend überschritten sie die Schwelle des Blockes 13. Die Tür schlug hinter ihnen zu, der Schlüssel des begleitenden Blockführers rasselte im Schloß. Eine Stunde später brachten die Leichenträger alle, auf einen Karren geladen, stumm und still wieder heraus. Die schöne Unbekannte lächelte nicht mehr. Ihre weitgeöffneten, glanzlosen Augen starrten ausdruckslos ins Leere. Aus einer Wunde im Nacken sickerte Blut, das goldblonde Haar schmutzigrot färbend. Ihr letzter Weg führte ins Krematorium. Hatte Palitsch seine Mordarbeit beendet, wurden die Toten wie immer auf einem LKW. abtransportiert. Während der ganzen Fahrt zur Einäscherungsstelle tropfte das Blut der Erschossenen vom Wagen. Wir mußten dann hinterhergehend die Straßen mittels aufgeschütteltem Sand wieder reinigen. Durch Genickschuß fanden im Jahre 1942 unter vielen anderen auch der bekannte Chirurg Dr. med. Türrschmidt aus Tarnow und der bekannte junge, lebensfrohe Arzt Dr. Zabicki aus Dombrowa( Oberschlesien) den Tod. Beides waren prachtvolle, jederzeit hilfsbereite Menschen, mit denen mich gute Freundschaft verband.... Die Politische Abteilung meldete täglich neun Uhr vormittags durch Funkspruch Nummer und Namen aller Toten an das Reichssicherheitshauptamt( Hauptquartier der Gestapo!) nach Berlin. Von dort erhielt vermutlich auch die Kommandantur ihre Weisungen zur Erhöhung der Totenzahl. Diese betrug in der Mitte des Jahres 1942 durchschnittlich täglich dreihundert! 56 Durch die fortwährenden Vergasungen( allein am jüdischen Versöhnungstage 25 000 Juden!), Erschießungen und Giftinjektionen war Auschwitz in Kürze zum Todeslager geworden.... Hin und wieder fanden zwischen Auschwitz und den Konzentrationslagern Flossenbürg( Bayern), Buchenwald( bei Weimar) und Mauthausen( Oberösterreich) Austauschtransporte statt. Lagerführer Aumeier begann sich scheinbar zu langweilen, denn ohne erkennbare Ursache schnüffelte er plötzlich alle Akten nach früheren sittlichen Verfehlungen besonders der rosa Winkel tragenden Häftlinge durch. Entdeckte er im aktenmäßig festgehaltenen Vorleben eines Häftlings einen dunklen Punkt, ließ er sich den ,, Sittenstrolch", wie er solche Leute nannte, vorführen. Um seine Mundwinkel legte sich ein feiges, lüsternes, scheinheiliges Lächeln: ,, Sie wollen doch bald nachhause gehen, nicht wahr," begann er die Unterredung. - ,, Jawohl, Herr Schutzhaftlagerführer!" ,, Also sehen Sie, diese, wenn auch bereits viele Jahre zurückliegende Sache hindert Ihre Entlassung. Unterschreiben Sie, daß Sie sich freiwillig zur Entmannung bereit erklären, dann will ich Ihre Entlassung befürworten Weigerte sich der Betreffende, dann wurde Aumeier wild und tobte: - ,, So Sie wollen nicht! Ah da schaut's diesen Sittenstrolch! Glauben Sie nur ja nicht, daß Sie noch einmal hier herauskommen. Dafür werd' ich aber sorgen." Unterschrieb der Häftling, daß er freiwillig um die ihn entmannende Operation nachsuche, wurde diese zwar auf entlassen wurde er Befehl Aumeiers durchgeführt, aber trotzdem nicht. - Ein Warschauer Häftlingsarzt, Dr. Deering, führte alle vorkommenden Operationen mit Sachkenntnis im Krankenbau aus. Die SS- Ärzte hatten ja im allgemeinen wenig oder gar keine Ahnung von chirurgischen Eingriffen und benutzten daher jede Gelegenheit, ihr Wissen und Können zu bereichern. Hatten Entmannungsoperationen stattgefunden, kam verschiedentlich vor, daß SS- Leute sich aus der Haut der abgetrennten Hoden Tabaksbeutel gerben ließen. Konnte da noch von deutscher Kultur die Rede sein--? Auch im Frauenlager Birkenau mußten absonderliche Dinge vor sich gehen. Die Gerüchte nahmen zu, daß dort an jungen 57 Jüdinnen und Juden lebensgefährliche Experimente vorge- “ nommen wurden. Bald erfuhr ich aus eingeweihten Kreisen Näheres: War da aus Berlin der Professor Elauberg mit seinen Assi- stenten in Birkenau erschienen und hatte ein menschliches Versuchslaboratorium eingerichtet! Er befaßte sich mit den Problemen der Sterilisation und der künstlichen Befruchtung! Junge, jüdische Mädchen und Jünglinge im Alter von sech- zehn bis zwanzig Jahren dienten ihm als lebende Versuchs- objekte!! Um seine weiteren Versuche ungestört unter Aus- schluß aller Nichtbeteiligten durchführen zu können, wurde in unserem Lager der Block 10 geräumt, entlaust, gereinigt und mit jungen Judenmädchen aus Birkenau belegt. Dieser Block war nun stets verschlossen, die Fenster durch Holzblenden verdeckt. Von außen konnte man keinerlei Ein- blick über die Vorgänge im Innern gewinnen. Wie weit diese„Forschungen’” dieses Berliner. Professors gediehen, welchen Erfolg sie erbrachten und wieviele Todes- opfer seine Experimente forderten, habe ich leider nie er- fahren können....! Im Reich hatten wieder einmal Desonde Ereignisse die Gestapo und SS in Nervosität und Unruhe versetzt. Auf den verhaßten Reichsprotektor von Böhmen und Mähren, Rein- hard Heydrich, war auf einer Autofahrt am 27. Mai 1942 in der Nähe des tschechischen Dorfes Lidice ein Attentat verübt worden. Heydrich war an!der Schußverletzung verstorben. Von nationalsozialistischer Seite wurde der Attentäter nie er- mittelt. Am 10. Juni 1942 wurde das Dorf Lidice von SS-Truppen umstellt. Die gesamte männliche Bevölkerung des, Dorfes wurde erschossen. Die Frauen von Lidice wurden in Konzen- trationslager gebracht, die Kinder zur Germanisierung ver- schleppt. Das Dorf selbst vollständig zerstört und nieder- gebrannt. Während die Nationalsozialisten die Tatsache der Massenausrottung von Hunderttausenden von Menschen in den Konzentrationslagern geheimzuhalten und zu vertuschen suchten, gaben sie die Massenausrottung der Männer von Li- dice und die Zerstörung der Ortschaft durch Rundfunk und Presse der ganzen Welt bekannt. Die Gestapo hatte im gesamten tschechischen Protektorate- gebiet Massenverhaftungen vorgenommen. Die Verhafteten wurden in die verschiedensten Konzentrationslager verbracht. Nach Auschwitz allein brachte man im Sommer 1942 fünf- 58 \ tausend Tschechen, die mit der ganzen Affaire nicht das geringste zu tun hatten. Den Tschechen war keinerlei Schuld nachweisbar! Trotzdem hatten sie alle in der ersten Zeit im Lager furchtbar unter Mißhandlungen zu leiden. Zu Hunderten starben sie an Körperschwäche vor Hunger Der Tod hielt reiche Ernte. Tschechen und Polen hatten viele ihrer Prominenten zu beklagen. So starben im Lager Auschwitz unter anderen auch der bekannte polnische Fürst Mirsky und der in internationalen Sportkreisen bekannte Tennisspieler Graf Barbarowsky....! 59 Vernehmungen auf der Politischen Abteilung Flüchtige Häftlinge - Der Galgen im Lager Eine der gefürchtetsten Stellen im Lager Auschwitz war die Politische Abteilung. Die Leitung derselben lag in den Händen des Kriminalsekretärs und Untersturmführers Maximilian Grabner. Aber auch seine Trabanten Wosnitza, Lachmann, Kirchner und Dylewski waren gefürchtet und verhaẞt. Jeder von uns zitterte, wenn er zu einer Vernehmung nach , Vorne" gerufen wurde. "" Mit den brutalsten Mitteln wurde dort versucht, Geständnisse zu erpressen. Man schlug mit dem Koppel oder mit Ochsenziemern, an denen Eisenkugeln befestigt waren. Wollte der Häftling dann noch immer nicht die erwartete Aussage machen, sperrte man ihn kurzerhand in die Bunker des Blockes 13 und entzog ihm Nahrung und Wasser, um ihn auf diese Weise mürbe und gefügig zu machen. Half auch das nicht, so wandte man in den abgelegenen Kellern richtige Foltermethoden an. Es gab Fälle, wo dem Verhörten die Knochen zerbrochen und er dann nach Vernehmung im Bunker einfach niedergeschossen wurde- wer fragte darnach, wenn einer tot war-? Daher kam es sehr oft vor, daß Häftlinge bei diesen unmenschlichen Verhören alles zugaben und jede gewünschte Aussage machten, nur um dadurch weitere Quälereien von sich abzuwenden. Häufig wurde der Betreffende dann durch Genickschuẞ liquidiert, um zu verhindern, daß er im Lager über die angewendeten Methoden sprach. Die Leichen solcher Häftlinge aber redeten mit ihren sichtbaren Verletzungen eine deutliche Sprache! Ich erinnere mich eines besonders krassen Falles: Wurde da eines Morgens ein Häftling zur Politischen Abteilung gerufen. Am Nachmittag brachte man ihn in den Kran60 kenbau. Sein Gesicht war bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. Die Kieferknochen standen an den Wangen frei. Sprechen konnte der Schwerverletzte nicht mehr, er machte sich nur noch durch Schriftzeichen verständlich. So erfuhr man, daß er auf der Politischen Abteilung während der Vernehmung mit dem Gesicht in einen mit glühenden Koks gefüllten Behälter gedrückt worden war, um ihn zum Reden zu bringen. Nach wenigen Stunden verschied er an seinen Verletzungen. Selbst unter den Häftlingen hatte die Politische Abteilung ein Spitzelsystem aufgezogen. Ihre Konfidenten schnüffelten und horchten überall herum. Besonders gefährlich war es daher, politische Gespräche zu führen. Doch wehe dem, der als Zuträger der Abteilung erkannt wurde. Er hing am. nächsten Morgen an irgendeinem Dachsparren der Arzt konnte nur noch einen Selbstmord feststellen. Die Lagerjustiz war in solchen Fällen streng. - Viele Häftlinge versuchten durch Flucht dem Lager und allen damit verbundenen Gefahren zu entrinnen. Meist flüchteten sie während der Arbeit von den Außenkommandos. Mitunter begünstigte auch die Witterung solche Fluchtvorhaben durch starken Bodennebel. Daher wurden an nebligen Tagen alle Außenarbeiten eingestellt und die Kommandos innerhalb des Lagers beschäftigt. Es kam aber fast nie einer lebend durch die wachsame Postenkette. Kurz und hart bellten Schüsse auf und vor dem Einrücken brachte dann das Totenauto die ,, Auf der Flucht Erschossenen" ins Lager zurück, wo sie dann manchmal als abschreckendes Beispiel am Tor zur Schau gestellt wurden und wir an ihnen vorüber marschieren mußten. Die Wunden dieser Erschossenen waren furchtbar anzusehen, allem Anschein nach waren sie auf Explosiv- oder Dum- Dum- Geschosse zurückzuführen. Ab und zu aber gelang doch dem einen oder anderen die Flucht. Wurde dann sein Fehlen beim Zählappell festgestellt, so standen wir alle strafweise ohne Rücksicht auf Jahreszeit oder Witterung die ganze Nacht im Freien. Sirenen heulten schaurig auf und gaben von der Flucht Kenntnis. Allzuweit aber kam der Flüchtling im allgemeinen nicht. Das weitverzweigte Netz der Polizei und des SD fing ihn bald wieder ein und er wurde zurückgebracht. Ein Posten führte ihn dann durchs Lager, eine große Trommel vor dem Bauch gebunden, in der linken Hand ein auf einer Stange befestigtes Plakat mit der Aufschrift: 61 „Hurra— ich bin wieder da!” in der anderen Hand den Paukenschlägel, mit dem er dumpf die Trommel schlug. Dann wurde er vor dem Appell über den„Bock’” gelegt und empfing seine Prügelstrafe. Inzwischen war vor der Lagerküche ein Galgen aufgestellt worden; unter diesem stand er dann bis zur Beendigung des Appells. Dann band ihm der Lagerälteste Bruno Hände und Füße zusammen, legte ihm die Schlinge um den Hals und— vor unseren Augen wurde er gehängt. Seine abenteuerliche Flucht hatte damit ihr vorzeitiges Ende gefunden...... Mehrere Stunden blieb der Gehenkte als abschreckendes Beispiel am Galgen. . Die Drohung des Lagerführers, die Angehörigen eines Ge- flüchteten zur Rechenschaft zu ziehen und die ganze Familie zu erschießen, half wenig. Die Fluchtfälle nahmen zu. Tatsächlich brachte man auch einigemale Angehörige Ent- flohener, Frau, Kinder und Eltern, in das Lager und erschoß sie im Block 13. Da ließen die Fluchtfälle einige Zeit nach, um trotzdem später wieder in erhöhter Zahl einzusetzen.... Der Krankenbau wird ,, ausgekämmt" - Phenolinjektionen auf Befehl der Lagerärzte Weih- nacht und Sylvester 1942- Die Entlassung Im Krankenbau fand jede Woche durch die Lagerärzte eine Visite statt. Auf allen Stationen mußten die Kranken aus ihren Betten heraus und an den Ärzten vorübergehen. Wer nicht gehen konnte, wurde von den Pflegern getragen. Nur schwerste, hoffnungslose Fälle blieben in ihren Betten. Die Lagerärzte machten sich Notizen; alle jene, die langwierige Erkrankungen erkennen ließen, wurden zur Vergasung für die folgenden Tage vorgemerkt. Man nannte solche Visiten ,, Auskämmen". Dieses ,, Auskämmen" trat besonders stark auf der Isolierabteilung in Erscheinung, wo statt der Bakterien tragenden Läuse gleich die vom Fleckfieber Befallenen der Gaskammer überliefert wurden. Die zur Vergasung notierten Häftlinge wurden mit Nummer und Namen auch der Politischen Abteilung zur Kenntnisnahme gemeldet. Doch wurde von dieser nie eine Einwendung erhoben, höchstens dann, wenn sich einer ihrer Spitzel darunter befand. Nach solchen Visiten fuhren einige Tage später große LKW. am Krankenbau vor. Die Straßen wurden abgesperrt und die von den Lagerärzten ausgesuchten Kranken nackt verladen. Roh und herzlos drängten SS- Männer oft noch mit Stockschlägen die Ärmsten auf dem Wagen zusammen. Die einen beteten laut oder schrieen auf vor Schmerz bei Berührung ihrer Wunden, andere versuchten in ihrem Fieberwahn wieder vom Wagen zu springen. Die meisten starrten mit irren oder gleichgültigen Blicken auf das Treiben um sie her. Dann fuhren die Wagen mit ihrer vom Tode gezeichneten Menschenfracht ab -- Noch waren die Wagen auf der Fahrt zu den Gaskammern, noch lebten die Opfer, da begannen schon in der Krankenbau5 de Martini, 4 Millionen 63 Schreibstube die Maschinen zu klappern und tippten im voraus in eintönigem Rhythmus gefälschte Todesursachen( Lungen- und Nierenentzündung, Grippe, Gehirnschlag, Herzschwäche, Sepsis u. a. und Sterbestunden auf die Totenscheine. Durch derartige ,, Visiten" wurde der Krankenstand, der in den drei Krankenblöcken im Jahre 1943 oft bis zu zweitausendfünfhundert betrug, jedesmal auf etwa sechzehn- bis achtzehnhundert reduziert. دو Auch bei Krankmeldung in der Ambulanz bestimmte der jeweilige SS- Arzt viele zur Beseitigung. Sogar nach dem Appell wurden Häftlinge, deren Beine stark geschwollen waren, von den SS- Blockführern herausgesucht und dem Krankenbau zum, Wegimpfen" überstellt. Um nach außen hin die Form zu wahren, nahm man sie zur stationären Behandlung in den Krankenbau auf, badete sie und verlegte sie dann vollkommen nackt auf den Block 20( Isolierstation). Dort standen oder lagen diese Kranken dann stundenlang im Waschraum des Blockes hilflos umher. Die meisten ahnten wohl, was ihnen bevorstand, denn viele baten herzerweichend um ihre Entlassung in das Lager, sie seien ja nicht schwer krank, nur etwas schwach und sie wollten ja wieder arbeiten manche baten direkt um ihr Leben. - 6 1 H j E n d h d S - ja, U R K S a f W V Während sie, in ihr Schicksal ergeben, warteten, traf inzwischen in dem kleinen Verbandsraum dieses Blockes 20 der SS- Unterscharführer und SDG.( Sanitätsdienstgrad) Klähr mit zwei Häftlings- Leichenträgern seine Vorbereitungen. Einzeln wurden dann die im Waschraum wartenden ,, Muselmänner" in den Verbandsraum gerufen. Klähr hielt bei ihrem Eintritt bereits die Injektionsspritze in der Hand. Seine Gehilfen hielten den Kranken auf einem Stuhl fest und der Unterscharführer stieß die lange, starke Kanüle der Spritze direkt in das Herz des Sitzenden. Die in der Spritze enthaltenen 10 ccm Phenol taten im Augenblick ihre Wirkung: ein kurzes, dumpfes Aufstöhnen, ein Aufbäumen des Körpers und alles war vorüber. Nur ein der Medizin Kundiger konnte nachträglich an der unscheinbaren Stichwunde in der Herzgegend die Todesursache erkennen. Die Leichen kamen dann in einen gegenüber liegenden Raum, wo sie, pietätlos aufeinandergeworfen, bis zu ihrem Abtransport am späten Abend liegen blieben. - So wurden täglich zwanzig bis fünfzig, oftmals auch noch mehr kranke und schwache Häftlinge auf Befehl der Lagerärzte getötet, auf deren Anordnung in die Totenpapiere der น W k b C h I 8.9 S 64 5 Ik; ji- \er IN- tze em ick aU- e- ren en. 1m, NS” och jeT- der so„Abgespritzten” auch normale Todesursachen eingetragen wurden. Über. diese Morde drang manches unklare Gerücht unter die Häftlinge und viele unterließen daher aus instinktmäßiger Angst und Furcht, ohne aber die Wahrheit erraten zu haben, eine Krankmeldung und arbeiteten so lange in ihren Kom- mandos, bis sie zusammenbrachen. Dieser Vernichtung durch die SS-Ärzte konnte der eine oder andere nur entgehen, wenn es ihm gelang, im Häftlings- krankenbau unterzutauchen, das heißt, wenn.er dorthin ver- legt wurde und die Häftlingspfleger ihn als Kranken versteckt hielten. Dieses Verstecken war stets ein großes Risiko, denn der- jenige, der dazu behilflich war, spielte selbst mit seinem Leben. Eine hundertprozentige Lebensversicherung aber war es auch nicht. Immerhin gelang es aber doch verschiedentlich, auf diese Art so manchem politischen Häftling das Leben zu er- halten. Unter den rote Winkel tragenden Häftlings-Pflegern des KL. Auschwitz, die in der Mehrzahl Polen waren, befand sich in solchen Fällen nie ein Verräter. Im gemeinsamen Leid und illegalen Widerstand gegen die SS-Willkür gab es keine Rassen-, Partei- oder Nationalitätenfrage— es gab nur Kameraden! Wieder einmal ging es dem Weihnachtsfest entgegen. Der Schutzhaftlagerführer Aumeier hatte diesesmal zu unserer angenehmen Überraschung einige kleine Tannenbäumchen für die Blöcke in das Lager bringen lassen. Viele von uns waren daher in der Freizeit emsig mit Vorbereitungen zum Weihnachtsfest beschäftigt. Aus Papier wurden Ketten, Sterne und verschiedenartigster Christbaumschmuck hergestellt. Ja —- sogar Kerzen hatten einige besonders Schlaue von irgend- woher organisiert. Am Heiligen Abend erstrahlte nicht nur vor der Lager- küche der Riesen-Weihnachtsbaum im Glanze seiner Glüh- birnen, auch in unseren Blöcken schimmerten Christbäum- chen im. Schmucke ihres mühselig von uns hergestellten Be- hanges.- Draußen fiel der Schnee in großen Flocken zur Erde, im Lager war alles ruhig und still, nur aus den Blöcken ertönte gedämpft Gesang: „Stille Nacht, Heilige Nacht....” Weihnachten im KZ.!— Trotz Lieder und aller Kamerad- schaft beschlich einen doch ein wehmütiges Gefühl und so 65 manchem alten ,, Lagerfuchs" rollten im Dämmerlicht des Christabends die hellen Tränen über die abgezehrten, bleichen Wangen Mit kleinen, selbstgefertigten Bastelarbeiten, die trotz ihrer Primitivität große Freude hervorriefen, beschenkten wir uns gegenseitig. Ohne besondere Zwischenfälle verbrachten wir dann die Feiertage und den Sylvesterabend. Am Neujahrsmorgen begrüßten wir uns mit einem hoffnungsvollen ,, Prost Neujahr", ohne zu ahnen, was das neue Jahr für eine Überraschung bringen sollte. Miẞmutig stapften wir in den ersten Tagen des Januar 1943 durch den tiefen Schnee zur Arbeit. Eintönig wie immer gingen die Tage dahin Neuzugänge kamen, Tote fuhr man hinaus.. Da wurden eines Morgens drei Oberschlesier und ich zur Entlassung aufgerufen. Es schien uns unfaẞbar. Da noch immer Fleck- und Bauchtyphus im Lager herrschte, mußten wir noch vier Wochen in Quarantäne verbleiben. Dann kam der Tag, an dem ich mit den anderen Schicksalsgefährten die Häftlingsuniform mit der Zivilkleidung wieder vertauschte. Rasch nahmen wir noch Abschied von den Zurückbleibenden, dann führte uns ein Posten zur SS- Schreibstube. Dort legte uns Hauptscharführer Palitsch ein Schriftstück zur Unterschrift vor, in welchem wir uns verpflichten mußten, über die Organisation, Aufbau und Vorgänge im Lager strengstes Stillschweigen zu bewahren, andernfalls wir wieder eingeliefert und unsere Erzählungen als Greuelpropaganda gewertet würden, was den sicheren Tod für jeden von uns zur Folge hätte. Natürlich unterschrieben wir, froh, endlich das Todeslager Auschwitz hoffentlich für immer verlassen zu können. Ein Unterscharführer brachte uns durch das weite Lagergelände an den Posten vorbei zum Bahnhof Auschwitz. In dichtem Schneetreiben standen wir vier auf dem Bahnsteig. Noch einmal flogen unsere Gedanken zu den zurückgebliebenen Kameraden zurück, da fuhr zischend und fauchend der Zug ein. ,, Einsteigen!" Ein greller Pfiff der Lokomotive und langsam, dann immer. schneller werdend, setzte sich der Zug in Bewegung. Bald war das unheimliche Auschwitz unseren Blicken entschwunden. Die Schreckensbilder in uns aber wollten nicht verblassen. 66 Der bei der Entlassung erteilten Auflage nach mußten wir uns bei dem für das Lager Auschwitz zuständigen SD- Kommandeur in Krakau, Pomorska 2, melden. Der Empfang dort durch einen Obersturmführer der SS wird uns vier Entlassenen wohl ebenfalls immer in Erinnerung bleiben. Er stellte unter anderem die Frage an uns, was wir wohl nun zu tun gedächten, und als er hörte, daß wir wieder arbeiten wollten, brüllte er mit krebsrotem Gesicht los: دو - Das kommt für Waaaaas?- Arbeiten wollt Ihr? Euch gar nicht mehr in Frage! Ihr werdet jetzt Soldat und geht ins Feld, dort könnt Ihr dann gut machen, was Ihr gesündigt habt! Unser Führer braucht Soldaten!" Nachdem mir nach allen überstandenen Leiden durch die Gestapo auch noch eröffnet worden war, daß mein Vermögen, Mobiliar und Presse- Kameras wegen ,, staatsfeindlicher Betätigung zu Gunsten des Reiches eingezogen würden", verließen wir in Gedanken Goethes Götz zitierend den tobenden Obersturmführer beim SD.- Kommandeur. Es kam auch so, wie es kommen mußte. Kaum in der Heimat nach endloser Fahrt gelandet, war auch schon der Einberufungsbefehl zur deutschen Wehrmacht da, der ich dann, nicht wie es der SD- Kommandeur gewünscht, im Felde, sondern im Heimatgebiet trotz mehrmaliger Versetzung zu Marschkompanien bis zum endgültigen Zusammenbruch der Kriegsmaschinerie Hitlers, angehörte. Noch lange Zeit stand ich, die Gefahr nicht achtend, auf illegalem Wege mit den im Lager zurückverbliebenen alten Kameraden im Briefwechsel. Anfang des Jahres 1945 wurden durch Bomben der Royal- Air- Force die zum KL. Auschwitz gehörenden Rüstungsbetriebe ,, Buna- Werk", ,, DAW" ( Deutsche Ausrüstungs- Werke!) und andere zerstört, die Gaskammern und Krematorien von der abziehenden SS gesprengt, nachdem vorher noch Massenvergasungen durchgeführt worden waren. Der Rest der Häftlinge wurde in wochenlangen Fußmärschen durch das winterliche, froststarrende Land in andere Lager übergeführt. Damit hatte das Todeslager Auschwitz aufgehört, als solches zu bestehen - ! Heute noch packt mich das Grauen, wenn ich den Namen Auschwitz höre und es klingt mir immer wieder der Schrei in den Ohren von tausenden und abertausenden unglücklicher Leidenskameraden, die dort Entsetzliches und den Kulturvölkern Unfaẞbares erlitten. 67 68 88 Finale Hunderttausende unschuldige Menschen aller Nationen haben bis zum endgültigen Zusammenbruch des Nationalsozialismus in den Konzentrationslagern Gesundheit und Leben lassen müssen. Die Zahl der Toten allein in Auschwitz beträgt über vier Millionen! Sie alle fielen der Mordgier und dem Sadismus der Gestapo und SS zum Opfer. Als im April 1945 die Alliierten Streitkräfte immer näher und näher rückten, evakuierte man die Häftlinge und überführte sie zum Teil in andere, der Front ferner gelegene Lager. Wer die wochenlangen Gewaltmärsche infolge Unterernährung und Schwäche nicht aushalten konnte und auf dem Marsch zusammenbrach, wurde durch die SS- Begleitmannschaften am Wegrand niedergeschossen, en kleidet und an Ort und Stelle eingescharrt.... Viele fanden auf diese Art noch den Tod auf der Landstraße. Das in den letzten Zügen liegende Hitler- Regime tobte sich noch einmal in all seiner Barbarei und Bestialität aus. Nun ist der Spuk zu Ende! Die Schatten der Toten aller Konzentrationslager aber stehen anklagend vor uns nach Vergeltung rufend! Von allen Seiten stürzen dem deutschen Volke die Anklagen entgegen: ,, Ihr alle seid schuld Ihr habt alles stillschweigend geduldet und mitangesehen!" Kann man daher also wirklich von einer Kollektivschuld des deutschen Volkes sprechen? - - Wenn auch der Terror, der 12 Jahre lang in schärfster Form auf dem deutschen Volke lastete, groß war, so haben doch tausende aufrechter Antifaschisten unter Hintansetzung ihrer Existenz und Familie durch Taten und Opfer bewiesen, daß es auch gegen den schlimmsten Terror eine Widerstandsmöglichkeit gibt und dieser Widerstand hätte sicherlich an enormer Kraft gewonnen, wenn der Großteil des Volkes überhaupt die Absicht und den Willen gehabt hätte, Widerstand zu leisten! Aber wer wollte denn Widerstand leisten? War es nicht um des eigenen Vorteils willen angenehmer, sich lieber bei allen pompös aufgezogenen Massenkundgebungen in den Vordergrund zu drängen und allen Reden des ,, Führers" und seiner Trabanten zuzujubeln? Es gibt heute nichts Beschämenderes für einen Deutschen, als immer wieder zu behaupten, von all diesen Greueln nichts geahnt zu haben. Es ist dies genau die gleiche feige Haltung wie sie von jenen eingenommen wird, die einst aus mehr oder weniger materiellen Gründen der NSDAP. oder deren Gliederungen beitraten und die heute erklären wollen ,,, nur gezwungen dabei gewesen zu sein!" Man muß daher einmal offen die Frage aufwerfen: ,, Was wußte der deutsche Bürger über all diese Zustände und Vorgänge in den Konzentrationslagern, Kriegsgefangenenlagern, Krankenhäusern und Heilanstalten?" Es sei zugegeben, den ganzen Umfang dieser scheußlichen Grausamkeiten und Massenmorde haben nur wenige gekannt. Doch flüsterten sich viele im Volke grausige Dinge zu über Maßnahmen zur Lebensvernichtung Geistesschwacher und Körperbehinderter in den Heil- und Pflegeanstalten von Grafeneck, Hadamar, Kaufbeuren und anderen. Das Mißbehagen im Volke machte sich zwar manchmal in der Öffentlichkeit durch Klagen und Kritisieren Luft, soweit es das verzweigte, raffinierte Spitzelsystem der Polizei zuließ. Im Großen und Ganzen aber verharrte das Volk in voller Gleichgültigkeit und kannte nur ein Bestreben, möglichst nicht selbst in das Rädergetriebe der Gestapo zu kommen. Es wußte auch jeder einzelne Deutsche, Jung wie Alt, Mann wie Frau, um die Existenz der Konzentrationslager. Aber für die Vorgänge in ihnen interessierte man sich nicht weiter. Was ausländische Sender während des Krieges über Massenmorde in den Konzentrationlagern meldeten, erweckte wohl in manchen, der verstohlen hinter verschlossener Tür diese Sendungen abhörte, ein leichtes Gruseln, doch solange keine Gefahr für das eigene, liebe Ich bestand, wurde alles nach echt Göbbelscher Manier als Greuelmärchen zurückgewiesen. Nur nicht denken, nicht das Gewissen mit solchen Dingen belasten! Die Masse des Volkes ahnte und wußte wohl vieles, doch sie betrog sich immer wieder selbst, indem sie sich einredete, es sei alles doch gar nicht so schlimm. Selbst heute noch treffe ich immer wieder auf deutsche Menschen, die einfach nicht 69 glauben wollen, was über die verübten Greueltaten und Morde in den KZs. durch Gerichtsverhandlungen und Presse bekannt geworden ist. Ja,' viele wollen heute noch den um sich gezogenen Schutzmantel der Denkfaulheit nicht aufgeben und erklären alles für eine Propaganda der Alliierten. Fest steht jedenfalls auch, daß es im 3. Reich keinen einzigen Deutschen gab, der nicht Angst vor einem Konzentrationslager gehabt hätte. Und warum hatte man denn Angst...? Wären die KZs. wirklich nur die harmlosen ,, Umschulungslager", als die sie oftmals behördlicherseits bezeichnet wurden, gewesen, so glaube ich, hätte keiner Angst bei dem Gedanken empfunden, unter Umständen selbst in ein KZ. zu kommen. Allen im Lande war auch die rücksichtslose Verfolgung der Juden bekannt. Sie sahen der Enteignung ihrer Geschäfte und der Niederbrennung der Synagogen in allen Städten des Reiches stillschweigend und gleichgültig zu. Wenige nur gab es im Volk, die in den ausländischen Zwangsarbeitern, Zwangsarbeiterinnen und Kriegsgefangenen den Menschen sahen. Der Großteil des Volkes sah in allen Ausländern nur den minderwertigen Arbeitssklaven und blähte sich bei jeder Gelegenheit vor falschem Stolz, Angehöriger der ,, Herren- Nation" zu sein. ".. ... Es soll daher nun keiner mehr mit der Ausrede kommen von alledem habe er nichts gewußt oder geahnt" ,. oder ,,.... das alles wollte die Staatsführung gar nicht, dies alles könnten doch nur Übergriffe untergeordneter Dienststellen gewesen sein." Es waren keine Übergriffe! Es war planmäßig angeordnete und durchgeführte Ausrottung aller Gegner des Nationalsozialismus und aller, dem Nationalsozialismus nicht mehr genügend produktiv erscheinende Personen mit den brutalsten Methoden des Mittelalters. Diese Ausrottungsaktionen hatten schon den Rang einer Staatseinrichtung angenommen, die sich nur durch Terror behaupten und weiter verbreiten konnte. Denjenigen nun, die heute noch immer den völlig ,, Ahnungslosen" spielen wollen, seien am Schluß dieses Buches einige Aussprüche führender, nationalsozialistischer Politiker aus den Jahren des Dritten Reiches ins Gedächtnis gerufen, aus denen eindeutig und klar der Vernichtungswille erkenntlich war und die trotzdem oft mit tosendem Beifall vom Großteil des Volkes aufgenommen wurden: 70 „we... Landes- und Volksverrat sollen künftig mit bar- barischer Rücksichtslosigkeit verfolgt werden.” Adolf Hitler, 24. 3. 1933. * # „Es gilt die Gefangenen zu züchtigen!” Hauptmann Bruck, Leiter des Heuberger K2. zum Berichterstatter der Zeitung„Politiken”. * „Es ist nicht schlimm, wenn einige zehntausend marxisti- sche Funktionäre zu Schaden kommen.” Reichsminister Dr. Frick, 1933. * „Ich habe keine Gerechtigkeit zu üben, sondern zu vernichten und auszurotten.” Görings Rede; Vossische Zeitung vom 4. 3. 1933. * „Es gibt noch genug deutsche Eichen, um jeden daran auf- zuhängen, der sich uns entgegenstellt. Es gibt keine Greuel, und es gibt keinen Tschekakeller in Dachau. Wer dort Prügelbekommt, erhält sie zu Recht!” Dachauer Kommandant, SS-Oberführer Eicke-Dachau. * „Gewiß ist der Jude auch ein Mensch..... aber der Floh ist auch ein Tier— nur kein angenehmes.... vor uns und unserem Gewissen haben wir die Pflicht..... ihn un- schädlich zumachen.” Dr. Goebbels. * „ Wer politisiert, wird kraft revolutionären Rechtes auf- gehängt.” Anschlag zur Reichstagswahl November 1933 in Dachau. E3 „Wir werden die Marxisten und Zentrumsleute am Gal- gen den Raben zum Fraße geben.” Röver, Ministerpräsident von Oldenburg. * „Wir werden der Hanfindustrie zu verdienen geben.” Stöhr, Vizepräsident des Reichstages. 71 ,, Wir bejahen die blonde Barbarenrasse, deren Blut in uns allen ist, und für die das ganze Leben vom ersten bis zum letzten Atemzuge Kampf ist: Kampf mit der Natur, Kampf mit dem eigenen Ich, Kampf mit den Menschen und Kampf mit Gott und dem Schicksal." Thilo von Trotha, in ,, Sendung der Jugend", Februar 1933. * ,, Das Volk verlangt, daß künftig sei, der letzte Jude vogelfrei!" Kinderverse aus dem ,, Stürmer". ,, Die restlose Ausrottung des inneren Feindes gehört zur Wiederherstellung der deutschen Ehre. An ihr kann der deutsche Strafrichter durch großzügige Auslegung des Strafgesetzbuches teilnehmen." Landgerichtspräsident Dr. Dietrich, Juni 1933. ,, Bestrafung muß in einem Leiden bestehen. Totsein aber ist kein Leiden, also ist die Tötung auch keine Strafe. Nicht einmal der Akt der Hinrichtung selbst bietet ein Leiden. Zahnarzt ist in diesem Zusammenhang- schlimmer als Guillotine." دو - Professor Hoche, Universität in Freiburg. - , Wir sind nicht und wollen nicht sein das Land Goethes und Einsteins. Eben gerade das nicht!" Hussong, im ,, Berliner Lokal- Anzeiger" vom 7. 5. 1933. * ,, Polizeibeamte, die von der Schußwaffe Gebrauch machen, werden ohne Rücksicht auf die Folgen des Schußwaffengebrauches von mir gedeckt, wer in falscher Rücksichtnahme versagt, hat dienststrafrechtliche Folgen zu gewärtigen." Görings Schießerlaß vom 21. 2. 1933. ,, Wer meinen ehrlichen Willen anzweifelt, kriegt einen Tritt und kann Backenzähne spucken." Pfarrer Eckert, in ,, Junge Kirche", 1933. 22 72 „Würde man nicht wilde Tiere, die Menschen fressen, sofort töten, auch wenn sie menschenähnlich wären? Und sind denn die Juden etwas anderes als Menschenfresser?” „Dietwart’”, amtliches Organ der deutschen Reichssportführung, Juli 1935. „Wer kann nun noch mit der faulen Ausrede kommen, ».... von all dem habe er nichts geahnt! Er sei ein Opfer der Nazi-Propaganda geworden, die ihn belogen und betrogen habe!” 5 Jeder, der sehen wollte, der sich nicht aus Feigheit oder verstocktem Schuldbewußtsein vor der Wahrheit verschloß, dem mußten allmählich die Augen aufgehen. Eine® geknebelten Presse aber, die schon in ihrer ganzen Tonart den Stempel frecher Verlogenheit auf der Stirn trug, kritiklos Glauben schenken, das hieß eine Instinktlosigkeit und geistige Verblödung offenbaren, die nichts anderes ver- diente, als das Opfer eines politischen Rattenfängers zu wer- den. Niemand kann sich an den furchtbaren Konsequenzen vor- bei drücken, die diese Todeslager für Deutschland haben. Erst dann, wenn die für diese Verbrechen Verantwortlichen durch ordentliche Gerichte zur Verantwortung gezogen und die heute noch Unbelehrbaren ihre Mitschuld erkannt und dies durch ihr jetziges Handeln und Verhalten unter Beweis ge- stellt haben, wenn das deutsche Volk sich durch friedlichen Wiederaufbau und Wiedergutmachung das Vertrauen der Welt und einen Platz unter den freiheitsliebenden, demokrati- schen Völkern erworben hat, dann erst wird der Schandfleck der Konzentrationslager ausgelöscht sein.....! „Vier Millionen Tote klagen an.... und sie tragen die Verantwortung....!” SS-Sturmbannführer Rudolf Höß, Adjutant des Lager- kommandanten, SS-Sturmbannführer Kramer, Lagerkommandant, SS-Sturmbannführer Hesseler, Lagerkommandant, SS-Obersturmführer Meier(genannt„Der wilde Meier”), Schutzhaftlagerführer 1940, SS--Hauptsturmführ er Fritsch, Schutzhaftlagerführer 1940/42, SS-Obersturmführer Joh. Schwarzhuber, Arbeits- dienstführer 1941/42,: SS- Obersturmführer Siegfried Seidel, 2. Seaulzuai ER führer 1941/42, SS-Hauptsturmführer Aumeier, Schutzhaftlagerführer 1942/43,\ SS-Obersturmführer Schöttle(genannt„Der Löwe von Buna’”), Schutzhaftlagerführer„Buna-Werk”, SS-Obersturmführer Schwarz, Schutzhaftlagerführer in Birkenau 1943, SS-Hauptsturmführer Dr. med. Wirths, Standort- und Lagerarzt 1942, SS-Hauptsturmführer Dr. med. Uhlenbroo je Standort- und Lagerarzt 1942, SS-Hauptsturmführer Dr. med. Schwela, Lagerarzt 1941, SS-Obersturmführer Dr. med. Vetter, Lagerarzt 1942, SS-Obersturmführer Dr. med. Klein, Lagerarzt 1941/42, SS-Obersturmführer Dr.med.Endreß, Lagerarzt 1942/43, SS-Untersturmführer Maximilian Grabner(Kriminal- Sekretär), Leiter d. Politischen Abt. im KZ. Auschwitz, SS-Untersturmführer Wosnitzä, Referent d. Polit. Abt. im KL. Auschwitz, SS-Hauptscharführer Palitsch, Rapportführer 1940/43, SS-Oberscharführer Moll, Leiter des Krematoriums von Auschwitz und Birkenau, SS-Unterscharführer Lachmann, Mitarbeiter bei der Polit. Abt. Auschwitz, SS-Unterscharführer Josef Klähr, SDG.(Sanitätsdienst- grad 1942/43), SS-Sturmmann Georg Pfordtner aus Sirmitz, Wach- mannschaft, und andere....! * = Der Verfasser wurde 1902 in Johann- Georgenstadt geboren. Nach Abschluß seiner Studien an einer Gewerbeschule war er im Pressefach tätig und bis zum Jahre 1933 Mitarbeiter verschiedener Unterhaltungszeitschriften. Seiner Feder entstammen u. a. die Romane ,, Herzensgluten", ,, Der alte Fluch" und ,, Hochstapler". Wegen seiner sozialistischen Haltung 1933 politischen Verfolgungen ausgesetzt, ging er in das Ausland. Im Jahre 1940 wurde er als politischer Häftling in das Konzentrationslager Auschwitz verbracht. Zur Zeit lebt er als freischaffender Schriftsteller in Nürnberg. 75 1402 1509 T 48070 Deutscher politischer Schutzhäftling Polnischer politischer Schutzhäftling Tschechischer politischer Schutzhäftling 364 16032 Politischer Schutzhäftling zum 2. Mal im KZ. - Krimineller( BV IBV) ( Berufsverbrecher) 40596 Asozialer Häftling ( Zuhälter, Dirnen usw.) 370 Bibelforscher S 3200 Krimineller Sicherheitsverwahrung 60333 Zigeuner Zeichnung: de Martini Kennzeichnung der Häftlinge im KL- Auschwitz Nummer und Winkel wurden auf der linken Brustseite und dem rechten Hosenbein getragen 238640 Jude: politisch 128170 Jude: asozial 93306 Jude: kriminell 11568 Deutsche und Österreicher: Emigranten Links: „Zielpunkt’” bei Fluchtverdacht. (Kennzeichnung mit dem roten Punkt auf Rücken und Herzgegend) Rechts: Jüdischer ‚.Rassenschänder” „ST— Strafkommando’” (Schwarzer Punkt SK-Zeichen) 65902 Jude: Emigrant 1836 Homosexueller($ 175)