EI NTAKTE Erzählung von ALFRED MÜHR Im Geiste Pater Victor Dillards geboren 25. XII. 1897 in Blois gestorben 6. I. 1945 in Dachau VERLAG SCHNELL& STEINER/ MÜNCHEN Alfred Mühr geboren 16. Januar 1903 in Berlin. Zehn Jahre Feuilletonredakteur, Theater- und Kunstkritiker. Zehn Jahre Theaterpraktiker. Heute freier Schriftsteller. Lebt in Zusmarshausen bei Augsburg I Sie un Sie WO be ten die rü tu sa K Classen 27006 620 Ge lar VO D au un ein 1. bis 5. Tausend Veröffentlicht 1948 unter Lizenz Nr. US- E- 153 der Nachrichtenkontrolle der Militärregierung( Dr. Hugo Schnell/ Dr. Johannes Steiner)/ Alle Rechte, insbesondere das der Übersetzung, vorbehalten Einband Erich Etzold München/ Gesamtherstellung Offizin der Erzabtei St. Ottilien Re bl R en ie Hand flog von der Leitung. Die Finger krampften, denn sie spürten den Schlag noch, sie wurden geschüttelt, zur Faust geballt, ausgestreckt und wieder gespreizt. Der Mann, zu dem diese Hand gehörte, betrachtete sie sich wie ein Maschinenteil, das aus der Bahn ge- worfen war. Er spürte den Schlag am Arm, trotzdem bewegte er ihn pendelartig. Auf das Gewirr von Dräh- ten sah er und es blitzte durch seinen Blick. Er hob die Hand mit dem Werkzeug und strich den Hand- rücken über die nasse Stirn und dann über das Ärmel- tuch. Auf die Drähte und auf die andere fühllose Hand sah er. Das Werkzeug ließ er fallen. Er sank auf die Knie und beugte sich tief. Die Hände faltete er zum Gebet über dem Werkzeug und verharrte so eine Zeit lang mitten in der großen Maschinenhalle, in der es vor Lärm toste. Als der Mann die Augen hob, hing das Gewirr von Drähten davor. Nach dem Werkzeug griff er, stand auf und begann behutsam das kupferne Gespinst zu untersuchen, riesigen Spinnweben gleich, die sich von- einander lösten. Diesmal traf ihn kein Schlag. Auch der Rest der Taubheit löste sich in der getroffenen Hand. Entlang den Drähten spürte er, ob sie Bruchstellen bloßlegten. Er prüfte die Isolation und die Kontakte. Ruhig ging es ihm von der Hand. Der Fehler blieb 5 EEE RETETERT geheimnisvoll. Selbst die schweren Klammerbügel hob der Mann und reinigte den Rest von den Innenflächen. Auch hier, wo sich die Drähte bündelten, griff er sicher zu. Schatten legten sich über die Hände des Arbeitenden. „Meko“, grüßte er den Kollegen, der sein Werkzeug auf der Schulter balancıerte. „Fertig oder nix?“ fragte der junge stämmige Arbei- ter den Mann an der Leitung und grinste. „Noch nicht, Meko“, erwiderte der Angesprochene und vertiefte sich in Handlungen. Wie ein Spielgewicht schwang der Arbeiter die Werkzeugkiste herunter und stellte sie ab. Es war ein sanfter Wurf. Er wählte einiges Gerät, ein paar Griffe an der Leitung, als wenn ein Mitwisser um den Zugang zum Labyrinth der Drähte wußte, und geringe Zutaten aus dem Handwerkskasten. Wenige Minuten dauerte es und der bisher rätselhafte Schaden war behoben. Zu dem Nebenmann drehte sich Meko um. In sei- nem breiten, kantigen Gesicht mit den tiefliegenden Augen stand das Lächeln wie ein Abendleuchten, das von dem Tage und der Erde Abschied nahm, so still und schön und ohne Absicht war es. „Ich danke dir“, sagte der Nebenmann.„Du bist mehr als ein Gehilfe“, fügte er mit warmer Betonung hinzu, die herausfühlen ließ, daß solche Hilfe schon oft geschehen war. „Doktor, was nun?“ fragte Meko in einer gebroche- nen deutschen Mundart, warf die Handwerkskiste wie eine Schleuder auf die Schulter zurück und schaukelte spähend davon. 6 ER PIECE> RE WERE hob chen. f er den. zeug rbeihene die r ein Griffe gang utaten auerte oben. seienden das still bist onung schon ochee wie ukelte Sie gingen zum nächsten Abschnitt der Leitung, die sich in dicken Schnüren an der Mauer der mächtigen Halle dahinwand. Meko sichtete das technische Gelände und sortierte die Arbeit. Die leichten Untersuchungen bot er dem Nebenmann an, er selber bewältigte die schwierigen Mängel an den Stromleitern. Schweigend arbeitete Meko, schweigend arbeitete der Nebenmann. Mit zärtlicher Sicherheit drang Meko in das Geheimnis einer Störung. Zögernd tastete der Nebenmann, seine Griffe waren richtig, doch ängstlich. Meko vertiefte sich mit den Händen, sein Kopf blieb wach und seine Augen spürten der Arbeit der Finger nach. Auch beobachtete er den Nebenmann, während dieser an seinem Platze mehr überlegte als handelte. Meko zauderte nicht, er packte zu. Meko half der Leitung, wieder zu sich zu kommen. Der Nebenmann besah sich den Schaden und blieb oft ratlos; seine Augen irrten umher wie die Griffe der Hände über das Metall. Mekos Gesicht blühte auf vor Energie und Klarheit. Die schweren Züge strafften sich, der Kopf bekam Form und Ausdruck. Hinter den dicken Lippen konnte ein heimlicher Sang der Freude über die Arbeit gelten, so vibrierte das Antlitz in allen Reizen. Das sah der Nebenmann und bewunderte die Befreiung eines Menschen mitten in Rauch und Lärm. Er sah zum Himmel hinauf, der über den blau gestrichenen Glasplatten des Hallendaches zu ahnen war, und milderte so die Schmerzen, die von seinem Rücken ausstrahlten. Er mußte sich zusammennehmen, doch tat er alles gelassen. ,, Doktor!" rief Meko und hielt zwei Feilen hinüber. 7 Der Nebenmann fühlte das kühle Metall, das in seinen Kasten gehörte, und er fühlte die warme Hand des Kollegen. Für einen Augenblick war er mit einem Menschen verbunden. Das war das kurze Leben in der Fabrik: Der Kumpel an der Seite, der Kollege, der half, der Mensch mit den Gebärden ohne viel Worte. Dieses Beieinandersein war Glück. Schmerzlich lächelte der Nebenmann in sich hinein. Er atmete tief und suchte mit neuem Willen an der unteren Leitung nach neuen Schäden, wie er es in der Vormittagsschicht gewohnt war zu tun. ,, Musjö", hörte der Nebenmann sich angeredet. Die Stimme war ihm bekannt in dem herablassenden Befehlston. Sein Blick streifte über die schwarze Uniform, während er mechanisch an dem Kontakt hantierte. Der Schädel über der Uniform wippte kurz hin und her und forderte den Mann auf, mitzukommen. Aus einem Mundwinkel stieß Rauch. Der Rest einer Zigarette wurde zerdrückt, fallen gelassen und mit den Schaftstiefeln breit getreten. Das waren protzige Handlungen. Der Mann sammelte das Handwerkszeug, stellte seine Kiste neben die Mekos, grüßte diesen ohne Worte und trat zur schwarzen Uniform. ,, Mitkommen, Musjö." Der Wachmann nickte leutselig und legte seine rechte Hand auf die schwarze blinkende Revolvertasche. Das war eine übliche Bewegung. Auf seine von Schmutz und Öl verschmierten Handflächen sah der Mann und streckte sie vor sich hin. 8 form nicht Si und nebe A sich gen. herr E in se kam grüf I den Sei Ges Ges Ha ZOS befa wis den sel zen daz fra bea nun eine as in Hand einem m der der orte. inein. der der Die Beform, te. in und - Aus Zigat den Handstellte Worte leutwarze e BeHand,, Macht nichts, Musjö," meinte die schwarze Uniform und drängte zum Abmarsch ,,, das dauert heute nicht lange." Sie durchquerten die Welt des Metalls, des Lärms und Rauchs. Klirrend trat der Polizist auf, der Mann neben ihm schlürfte in den Holzschuhen. Auf die Hand am Revolver sah der Mann und fühlte sich selbst auf einmal so frei, daß seine Arme schwangen. Dann schmiegte er die Hände in stummer Beherrschung ineinander. Er begegnete dem Kameraden am Schraubstock, der in seiner heiteren Miene erstarrte, als die beiden daherkamen. Aber der Mann neben der schwarzen Uniform grüßte ermunternd den stämmigen Gascogner. In der Ecke der Halle standen die Werkbänke, an denen fünfzig Kollegen arbeiteten. Der Mann an der Seite der schwarzen Uniform sah erst Köpfe, dann Gesichter, die sich ihm allmählich zuwandten. Helle Gesichter, dunkle Gesichter, blonde Haare, schwarze Haare. Menschen, Kameraden, Kumpels, ob es Franzosen, Russen, Polen oder Deutsche waren. Freunde befanden sich darunter. O, welche Seligkeit, darum zu wissen, auch um jenen jungen Bauernsohn dort, der den Karren mit den Kolben in die Halle schob und der seine zahlreichen Pakete aus der Bretagne bis vor kurzem nie geteilt hatte und auch heute noch sich schwer dazu entschloß. Aber seit einiger Zeit kam er und fragte, was Recht und Unrecht sei, was er zu tun beabsichtigte, damit es ihm schmeckte. Welche Hoffnung für andere Landsleute ruhte in diesem Beispiel einer gewandelten Gesinnung. 9 Die Sonne troff von erster Frühlingskraft. Sie blendete den Mann, der über vier Stunden unter dem blauen Glasdach gearbeitet hatte. Das schmale Erdstück zwischen den Hallen stand voller Pfützen, die Füße versanken in lehmigen Boden. ,, Doktor, Sie verraten mich nicht?" fragte die schwarze Uniform und führte die Hand von der Revolvertasche zum Arm des Mannes an der Seite hinüber, als wenn er ihn beschwichtigen wollte. ,, Verraten?" ,, Ich meine man nur so. Wir haben uns doch bisher ganz gut verstanden," polterte der Polizist in anbiederndem Ton herunter. ,, Ich kann nichts dafür, daß man Sie so oft holt, Doktor." Sie betraten die nächste Halle, die bedeutend kleiner war. Früher war sie ein Lagerraum gewesen. Jetzt saßen jüdische Mädchen und Frauen an kleinen Tischen und sortierten Draht. Wie Tauben hockten sie in Gruppen und drehten die Köpfe. - - Drei sieben neun Tische zählte der Mann im Arbeitsanzug, zwei Tische fehlten. Das waren acht Menschen. Ob sie wo anders arbeiteten? Ein alter Werkmeister prüfte gerade die Ergebnisse unter den Arbeiterinnen. Als der Polizist in Schwarz mit dem Mann an der Seite vorüberschritt, flogen. erst die Köpfe hoch, dann duckten sie sich. Nur schmale Rücken und Hände, die so flink wie Ameisen über den Tisch liefen und dabei Arbeit leisteten, sah der Mann in der Begleitung. Als sie die Halle verließen und über Wiesengelände dem hohen Drahtzaun zustrebten, der das Direktions10 gebäu schob erfäh Lipp De Kop in de Men „ S Kop Oste D inder بارو eine spre D Kan درو Zäh Er mor D des und tige H E in s Zig Sch isher dern- man leiner Jetzt ‚schen Grup- ın Im acht gebäude von den eigentlichen Fabrikanlagen absperrte, schob sich der Polizist an den Mann heran.„Von mir erfährt niemand etwas, Doktor,“ zischte er und die Lippen bewegten sich kaum.„Ist morgen Feiertag?” Der Mann an der Seite der Uniform schüttelte den Kopf, legte die Arme übereinander und barg die Hände in den weiten Ärmeln. Es war eine Bewegung, die den Menschen abschloß und das ‚Schweigen betonte. „Schicht also,“ sagte der Polizist und nahm das Kopfschütteln vom Nebenherschreitenden ab.„Aber Ostern?“ Der Mann an der Seite der Uniform bestätigte es. indem er nickte. „Sicherlich ÖOstermorgen?“ Der Polizist wartete einen Augenblick, dann klang ein gönnerhaftes Ver- sprechen:„Also abgemacht.“ Der Begleiter nickte und sagte:„Vielleicht auch Karsamstag.“ „Karsamstag?“ zog der Polizist das Wort durch die Zähne und wußte nichts mit dem Hinweis anzufangen. Er fragte:„Ist das jetzt Sonnabend vor Ostern? Über- morgen?“ Der Begleiter nickte. Ein Posten schloß das Gittertor auf. Auf die Order des Wachtmannes betraten sie den mit Blumen, Rasen und Kieswegen ausgestatteten Park, in dem hinter kräf- tigem Gesträuch die Verwaltung der Fabrik lag. Erneute Kontrolle am Nebeneingang, wo ein Pförtner in schwarzer Uniform mit geöffnetem Hemdkragen und Zigarette die Zeitung seiner politischen Abkunft las. Schmale Treppen bis zum zweiten Stock, schmale zwie- 11 lichtige Flure, die von langen, hohen Korridoren abgelöst wurden. Die Damen und Herren in Zivil, denen sie begegneten, bald eilends, bald schlendernd im Gespräch, scheuten meist oder sahen verlegen fort von dem Auftritt des Mannes im blauen Elektrikerkittel an der Seite der schwarzen Uniform. Im Hauptbüro der politischen Überwachung wurde die Vernehmung des Fremdarbeiters beim Betriebsführer mit Tag und Stunde registriert, in der Direktion wurde er angemeldet und in ein Nebenzimmer verwiesen, das nur einen Ausgang hatte. Die schwarze Uniform wurde unsichtbar abrufbereit stationiert. Ehe sich der Besucher setzte, wusch er sich in der Ecke des Wartezimmers die Hände in dem Becken, in das kaltes und warmes Wasser lief, Seife lag, und an dem sogar ein Handtuch bereit hing. An den runden Tisch in der Mitte des Zimmers trat der Mann in dem blauen Arbeitskittel, blätterte in Zeitschriften und Zeitungen, strich zärtlich um einige Stengel Osterglocken, die aus einem blauweiß gepunkteten Krug hervorstachen, und setzte sich mit dem Rücken in die Sonne auf einen blausilbern gemusterten Polstersessel am Fenster. Aus der Innentasche seiner Weste zog er ein Brevier und las. Er las lange. Manchmal hob er den Blick von den Seiten und sah durch das Zimmer. Er sah nicht die Bilder und nicht die Wände, er sah nicht die Gegenstände und nicht den Raum. Hinter seiner Stirn lagen die geoffenbarten Gedanken und leuchteten durch das Blut, die Knochen und die Haut. Er las und in seinem Antlitz verbreitete sich ruhige Erwartung, die aus der 12 innere auch rückt er sl des fand Di trat „ sprec und muß Gall che ,, Arb Seit ist ال دو lich, الدوو V lung neu Es keit als Eur sinn wer Ihr abgedenen m Gert von erkittel wurde triebsrektion wiesen, niform in der Becken, g, und ers trat in Zeite Stennkteten Rücken PolsterWeste von den icht die Gegenlagen rch das seinem aus der inneren Milde und Festigkeit die Kraft zog und die auch Demut genannt wird. Er las und seine Sinne rückten weit weg von dem Anlaß des Ortes, an dem er sich befand. Er las für sich inmitten einer Welt des Krieges, des Hasses und der Verfolgungen. Er fand für sich den Frieden in Augenblicken ohne Zeit. Die Tür ging auf. Die Chefsekretärin sah und trat herein. ,, O, Monsieur, ich höre eben erst, daß Sie den Chef sprechen," redete sie in ungezwungenem Französisch und setzte sich. ,, Erlauben Sie einen Augenblick. Ich muß mich wieder einmal mit dem schmerzlich geliebten Gallien verbünden, selbst wenn es nur in der Sprache ist." ,, O, Mademoiselle," erwiderte der Mann im blauen Arbeitsanzug und behielt zwei Finger zwischen den Seiten des zusammengeklappten Breviers ,,, die Sprache ist viel." ,, Ja, ich entbehre das Französische. Ich bin untröstlich, wenn die Zeitungen aus Paris sich verspäten." ,, Mademoiselle, wir entbehren die eigenen Zeitungen." Vielleicht überhörte die Chefsekretärin die Anspielung, denn sie fuhr fort: ,, Monsieur, ich sagte es Ihnen neulich schon. Ich liebe Frankreich, ich liebe Paris. Es ist für mich das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Man kommt als Heide auf die Welt und stirbt als Christ. Dirnen werden Heilige und jede Kurve Eures Schicksals hat Form und Zauber. Ob Äbtissinnen während der französischen Revolution Mütter werden, verfolgte Greise Ministerpräsidenten oder ob Ihr E. T. A. Hoffmannsche Phantasien als surrealisti13 sche Filme entdeckt. O, ich entbehre Frankreich. Zweimal bin ich jetzt drüben gewesen. 1940 und 41. Es war Paris geblieben, wie ich es kennengelernt hatte. Ich liebe Ihre Dome. Ich liebe Ihre Dichter. Ich liebe die Franzosen wie ein Backfisch. Monsieur, können Sie das verstehen?" ,, Ich liebe meine Landsleute," sagte der Mann im blauen Kittel,., deshalb bin ich bei ihnen." ,, O, Monsieur, das ist ein Wort. So ähnlich spricht mein alter Lehrer. Er ist Lektor der französischen Sprache an der Universität. Er stammt aus Arles. Er ist glücklich, wenn er die Brücken schlagen kann zwischen Frankreich und Deutschland." ,, Mademoiselle, das ist heute nicht leicht." ,, Ich weiß, ich weiß. Nun, Monsieur, hoffen wir. Ich hoffe, daß wir einmal eine halbe Stunde ohne Dienst plaudern können, wenn es recht ist." Die Chefsekretärin lächelte gewinnend und erhob sich. ,, Monsieur, ich wollte Sie nicht stören. Bitte, einen Augenblick, ich will sehen, was ich für Sie tun kann." Der Mann im blauen Kittel war ebenfalls aufgestanden. ,, Mademoiselle, ich danke für die Bemühungen. Die Tür schloß sich. Der Mann drehte sich zum Fenster. Sonne über dünnem grünem Rasen. Sonne in den Bäumen, die im ersten Flor schimmerten. Sonne auf den Wegen, die wie Wüstensand leuchteten, so gelb und spiegelnd und unwirklich. Afrika. wann war er dort gewesen? Nach Österreich. Nach 1932. Vor England war er in Afrika gewesen. Nein, hier war Deutschland 1943. Auf dem gelben Weg patroullierten schwarze Uniformen. 14 De silber las. A leiter aus der Wie d E Schr D anzu vor V der D men fran trieb an, bis دوو wie Pos Ann Bet grof deut stim ZweiEs war e. Ich liebe Können nn im spricht sischen es. Er n zwien wir. e ohne e Chef..MonAugengestanungen. " ch zum onne in . Sonne so gelb ann war 32. Vor er war ullierten Der Mann im Arbeitszimmer setzte sich in den blausilbern gestreiften Sessel, schlug das Brevier auf und las. Er las lange und war lange wieder für sich. Am frühen Nachmittag wurde er von dem Betriebsleiter verlangt. Die schwarze Uniform geleitete ihn aus dem Wartezimmer durch das Vorzimmer und Büro der Chefsekretärin, die ihm einen warmen Blick gönnte, in das Verhandlungszimmer. Ein riesiger Bau mit einem mächtigen Sonnenfenster wie ein Atelier. Stahlmöbel um einen langgezogenen Schreibtisch. Es war niemand anwesend. Die Uniform behielt Haltung. Der Mann im Arbeitsanzug sah die Sonne und die gärtnerische Landschaft vor dem Fenster. Von der Seite trat eine hohe Gestalt in das Licht der Fenster. Die schwarze Uniform schlug die Hacken zusammen, riß die Hand hoch und schnarrte: ,, Melde den französischen Fremdarbeiter zur Vernehmung beim Betriebsleiter." ,, Danke," nahm die hohe Gestalt die Meldung lässig an, ohne den politischen Gruß zu erwidern, wartete, bis der Wachtmann abgetreten war, setzte sich und wies auf den Stuhl für Besucher. Ein Blick auf die Postmappe mit Briefen, ein Blick auf einen Zettel mit Anmerkungen. Dann begann es. ,, Ich habe Sie hierher gebeten, Herr Gaillard," der Betriebsleiter hob erstmalig die Augen hinter dem großen dickglasigen Pincenez. ,, Sie sprechen doch deutsch?" fragte er. ,, Danke," quittierte er die Zustimmung des Mannes im Arbeitsanzug ,,, ich wollte 15 mit Ihnen einmal persönlich sprechen. Das ist sicherlich auch in Ihrem Sinne?" fragte der Betriebsleiter und gab eine Geste über den Schreibtisch, ohne die Einsicht in die Briefmappe zu unterbrechen. ,, Seit wann sind Sie bei uns?" fragte er und seine Augen hinter den Gläsern blickten unbestimmt auf. ,, Seit November." دو Vorigen Jahres? Ja, natürlich", bestätigte sich der Betriebsleiter selbst. ,, Und wo arbeiten Sie bei uns? Als was?" Wieder eine Pause, die von dem Mann im Arbeitsanzug nicht ausgefüllt wurde. ,, 66 ,, Rauchen Sie?" Eine geöffnete Porzellandose Zigaretten wurde dem Besucher zugeschoben, der dankend ablehnte... Als Elektriker sind Sie bei uns, nicht wahr? Wie lange sind Sie das schon? Ach, ich erinnere mich, unterbrach sich der Betriebsleiter und richtete sich von seiner lesenden Haltung auf und lehnte sich an den Sesselrücken. ,, Sie sind ja eigentlich Geistlicher, hat man mir erzählt. Stimmt's? Danke. Also Geistlicher... und Elektriker. Das ist gewissermaßen das dazugehörige irdische Handwerk. Nicht schlecht. Aber Arzt sind Sie doch auch?" Der Mann im Arbeitsanzug hatte die Arme übereinander gelegt und die Hände in die weiten Ärmel vergraben. Er sah vor sich den hohen schmalen Kopf mit dem schwarzen Haar und den Silberfäden, einen steinernen Schädel, und beobachtete, wie der Blick des Gegenübers flackerte. So antwortete er:„ Ich habe mich niemals der Ehre gerühmt, Arzt zu sein." 16 Ihre kran und gewi scha in I plöt 354 " hind ma D eige I trac Sie وو " " ten hab che der ( Ein vers . eina 2 vers sichersleiter ie EinI wann ter den ich der i uns? rbeitsZigaankend wahr? e mich," ich von an den er, hat cher... gehörirzt sind e überArmel Kopf , einen lick des ch habe ,, Nein, nein. So meine ich es auch nicht. Sie helfen Ihren Landsleuten mitunter, nicht wahr? Wenn einer krank ist, dann besuchen Sie ihn und sprechen mit ihm und sprechen auch mit unserem Betriebsarzt und werden gewissermaßen der Sprecher der französischen Belegschaft in medizinischen Angelegenheiten. Wieviel waren in Ihrer Weihnachtsmesse?" fragte der Betriebsleiter plötzlich. ,, Zweitausend Arbeiter." ,, Alles Franzosen?" ,, Jeder hatte Zutritt." ,, Anders wäre es auch nicht erlaubt." ,, Gottesdienste sollten in aller Welt frei und unbehindert sein." Der Betriebsleiter überflog einen Brief in der Postmappe und fuhr auf: ,, Was meinen Sie? Was sind Sie eigentlich für ein geistlicher Herr?" Der Mann im Arbeitsanzug hielt der prüfenden Betrachtung stand und blieb stumm. ,, Sind Sie Priester oder Mönch? Wie redet man Sie an?" ,, Pater Viktor nennt man mich in meiner Heimat." ,, Pater also. Interessant. Pater Viktor. Einen geweihten Arbeiter habe ich noch nie in meinem Betrieb gehabt," lachte der Betriebsleiter laut und setzte in gleicher Stärke fort: ,, Sie halten doch als Theologe besonders Recht und Unrecht in der Welt auseinander?" Ohne Veränderung blieb der Mann im Arbeitsanzug. Eine zustimmende Gebärde zum Betriebsleiter ließ die verschränkten Arme sich lösen und dann wieder aneinanderschließen und die Hände in die Ärmelfalten versinken. 2 Mühr, Kontakte 17 ,, Sie haben sich freiwillig zur Arbeit nach Deutschland gemeldet, Herr Gaillard", sprach der Betriebsleiter wie aus einem Bericht, ohne eine Antwort zu erwarten. ,, Wir haben Sie als Elektriker eingestellt. Sie arbeiten zufriedenstellend, wie man mir mitgeteilt hat. Daß Sie als Pater darüberhinaus eine Rolle spielen, geht uns nur so weit an, als Sie dem religiösen Bekenntnis Ihrer Landsleute in öffentlichen Gottesdiensten Ausdruck verleihen. Wenn Sie allerdings unsere Betriebsordnung kritisieren, Herr Gaillard, dann müssen wir uns das verbitten. Die Deutschen haben sie genau so zu erfüllen wie die Franzosen. Wenn Sie Ihre Landsleute gegen uns einnehmen, dann wehren wir uns. Das ist unser Recht, wo Sie Unrecht haben, Pater Victor." Die Worte wurden herausgeschleudert. Sie schallten mehr, als daß sie überzeugten. Es waren Trompetenstöße der Macht, darin schien die Absicht des Betriebsleiters zu liegen. Er blätterte in der Postmappe und beschäftigte sich für eine Weile so, als ob der Platz ihm gegenüber unbesetzt war. دو , Was haben Sie dagegen zu sagen, Herr Gaillard?" fragte der Betriebsleiter mit auffallend gedämpfter Stimme und verbesserte Textstellen in dem Brief vor sich. Sein Blick flackerte zu dem Mann im Arbeitsanzug hinüber. ,, Wie stellen Sie das eigentlich an, daß alle auf Sie hören? Sie machen einen unauffälligen Eindruck. Für welche Versprechungen halten die Menschen zu Ihnen? Der Zahltag in der Ewigkeit ist doch für alle unbestimmt und die Währung im Himmel unbekannt. Darauf gibt auch niemand Kredit im Dies18 seits." " „ Zunä müssen muß S schen stung u ment, nach Ihre C heilige Ich blauen band a wegter " W leiter tischp war d " W Direkt ..Im Herr sich( „ Ja ..D W wie Die serem lassen dunge und d 43 Deutschetriebsvort zu gestellt. itgeteilt le spieligiösen GottesS unsere n müsben sie Sie Ihre wir uns. Pater schallten ompetenBetriebsOpe und er Platz illard?" ämpfter Brief vor Arbeitsan, daß ffälligen ten die igkeit ist Himmel im Diesseits." Er änderte den Ton, wurde gemessen und spröde: ,, Zunächst haben wir den Krieg zu gewinnen und dafür müssen wir zusammenstehen. Anders geht es nicht. Ich muß Sie ersuchen, sich an die Vereinbarungen der deutschen und französischen Regierung zu halten. Die Leistung und Ordnung geht über das persönliche Ressentiment, sonst hätten Sie sich nicht freiwillig zur Arbeit nach Deutschland verpflichten brauchen. Oder soll Ihre Gegenwart, Pater Victor, etwa den Sozialismus heiligen?" ,, Ich bin für Gerechtigkeit," sagte der Mann im blauen Arbeitsanzug. Der Satz hob sich wie ein Spruchband auf einem schwarzen Fahnentuch über einer bewegten Volksmenge ab. ,, Wir kämpfen für den Sieg", nahm der Betriebsleiter den Mund voll und wiegte sich über die Schreibtischplatte seinem Gesprächspartner zu. Seine Haltung war demonstrativ, aber ohne Gewicht. ,, Wollen wir nicht die Menschenrechte retten, Herr Direktor?" ,, Im Kampf zwischen Leben und Tod? Glauben Sie, Herr Gaillard, daß die französischen Soldaten im Krieg sich Gedanken über die Menschenrechte machen?" ,, Ja, das glaube ich, Herr Direktor." ,, Dann überlassen Sie uns hier bitte die Gedanken, wie wir die Leistungsfähigkeit des Betriebes sichern. Die Gesundheit Ihrer Franzosen liegt genau so in unserem Interesse wie die aller anderen Arbeiter. Wir lassen es uns nicht gefallen, daß man unsere Entscheidungen abfällig beurteilt oder sich darüber hinwegsetzt und damit die Steigerung der Produktion verhindert." 2* 19 ,, Ich bin Franzose, Herr Direktor-" ,, Wir ziehen wohl an einem Strang, Herr Gaillard." ,, Solange es in Ihrer Fabrik kranke Franzosen gibt, deren Krankheit nicht von Ihrem Betriebsarzt anerkannt wird, werde ich weiter so handeln wie bisher." ,, Ich warne Sie, Pater Victor! In vier Fällen haben Sie uns schon zu schaffen gemacht. Das sehen wir uns nicht länger so an. Es ist das letzte Mal." Das war eine Fanfare, die zum Ernst aufrief. Der Betriebsleiter deckte jedoch den Blick ab, fuhr mit dem Finger über die Korrespondenz, blätterte in den Seiten und langte von ungefähr nach einem Schalter auf dem Telefontischchen neben sich. Das wird eine Abhörleitung sein, die ein- oder ausgeschaltet wird, sagte sich der Pater. ,, So kommen wir nicht weiter," sprach der Betriebsleiter vor sich her, schlug die Briefmappe zu und griff nach einem Bleistift, den er zwischen den Fingern schwang. ,, Sie sind ein gebildeter Mensch. Sie sprechen das Deutsche so gut wie wir. Wir sprechen gewissermaßen eine Sprache. Können wir uns da nicht verständigen?" Der Bleistift pendelte von der einen Hand in die andere. Der Betriebsleiter sah auf den blauen Arbeitskittel des Mannes und sagte: ,, Sie haben sich die Welt angesehen, Pater Victor. Sie werden doch erkennen, worum es heute geht." Der Bleistift pendelte in der Pause, die der Direktor machte und der sich dabei in das Gesicht des Mannes hineinsah. ,, Jeder von uns tut eine angestrengte Pflicht. Oder glauben Sie, ich säße nicht lieber in China oder Argentinien bei Geschäften? Mich hat der Krieg in Deutschland über20 rascht. Bleisti auch m waren glauber werden er mit mehr die Au die Fa in die über, wie ei vermo ,, M mit s Deuts alle f ben s stehen durch durch keit i Di sich das a R wohl haben und w aillard." sen gibt, merkannt en haben wir uns ief. Der mit dem en Seiten auf dem Abhörd, sagte Betriebsund griff Fingern sprechen gewissericht vermen Hand en blauen aben sich den doch pendelte der sich Jeder von uben Sie, n bei Geand über- rascht. Was wollen wir tun?" Wieder der pendelnde Bleistift in der abwartenden Stille. Sie haben sich auch mit der Wirtschaft beschäftigt, Pater Victor. Sie waren in Amerika, werden wir es schaffen? Oder glauben Sie, daß wir zwischen West und Ost erdrückt werden?" So leise sprach der Betriebsführer, als wenn er mit sich selber spräche. Die Worte konnten nicht mehr für die Abhörleitung bestimmt sein. Er schlug die Augen hoch. Sein Gegenüber, offenen Gesichtes, die Falten an den Augenwinkeln gruben sich wie Runen in die Haut und liefen in graublondes Schläfenhaar über, rührte sich nicht. Wie ein Zuschauer saß er da, wie ein Betrachter mit Wissen und Erfahrung, nur so vermochte er seine Verhaltenheit zu erneuern. ,, Man soll doch klar sehen," plauderte der Direktor mit sichtlichem Bemühen. ,, Was ist mit uns, mit den Deutschen? Lieben wir den Krieg besonders, da wir alle fünfzig Jahre nach den Waffen greifen. Jetzt haben sogar nur 25 Jahre dazwischen gelegen, und wir stehen schon wieder gegen eine Welt. Kommt das durch unsere Lage in der Mitte Europas? Kommt es durch Klima und durchschnittliche geringe Fruchtbarkeit in unserem Lande? Was denken Sie über uns?" Die Augen des Mannes im Arbeitsanzug weiteten sich auf den Betriebsleiter und er fragte:„ Darf man das aussprechen, was man denkt?" - ,, Reden Sie, Pater Victor. Vielleicht tut es Ihnen wohl und mir auch. Sie werden wenig Gelegenheit haben, Diskussionen zu führen," meinte der Direktor und warf den Bleistift als überflüssiges Requisit beiseite.. 21 Der andere bemerkte einfach: ,, Ich bin zu einer Vernehmung gekommen.' ,, Abgeschlossen, erledigt. Da hatte der Betriebsleiter mit einem Mitarbeiter ein Hühnchen zu rupfen. Das kommt in den besten Familien vor. Jetzt sprechen wir von Mensch zu Mensch." ,, Können wir das, Herr Direktor?" nehme in ein steller tion Frau, mich Ihnen 66 daritä Teiln zur T leon ,, Sagen Sie, was Sie wollen. Sprechen Sie sich aus. Der Angeredete zögerte nicht und sagte: ,, Die Blüte Frankreichs schweigt." دو , Warum?" ,, Sie arbeitet in Deutschland." ,, Besser als an hoffnungslosen Fronten zu fallen." ,, Jeder sucht in diesem Leben nach einem Sinn, Herr Direktor, selbst wenn es ein Umweg, ein Irrtum oder eine Sünde werden sollte. Das ist die Freiheit des Menschen." ,, Woran denken Sie, Pater Victor?" ,, An die Deportationen aus Frankreich." ,, Ein hartes Wort." ,, Ist es deutsch, die Dinge nicht beim rechten Namen zu nennen?" ,, Was würde der Engländer sagen?" Will gen ..P Völl des بوو D ihm platt sind Der ,, Er würde es anders tun." ,, Der Amerikaner?" ..Er würde unterhandeln." , Und der Russe?" 99 ,, Schweigt und handelt." , Und der Franzose, Pater Victor?" دو ,, Wenn Sie mich fragen, Herr Direktor, so sitze ich bei Ihnen, um an den Leiden der Arbeiter teilzuum vor, Sie man oder schl посн 22 mer Verebsleiter en. Das chen wir ch aus." ie Blüte fallen." n, Herr cum oder heit des Namen so sitze er teilzunehmen. Es ist die schlimmste Prüfung unserer Jugend, in einem anderen Lande Waffen und Munition herzustellen und nicht zu wissen, ob diese Waffen und Munition nicht eines Tages unsere Landsleute, die eigene Frau, die Kinder oder die Eltern treffen. Wenn Sie mich fragen, was Frankreich denkt, dann sage ich Ihnen, es gibt für uns eine Wahrheit. Das ist die Solidarität des Lebensgefühls, der Lebensfreude und der Teilnahme aller daran. Vielleicht führt dieser Krieg zur Tötung des Krieges, den wir Franzosen seit Napoleon für uns geächtet haben. Dreimal sind wir wider Willen in den Krieg gezogen." " ,, Pater Victor, vergessen Sie nicht den hundertjährigen Krieg zwischen Frankreich und England. Alle Völker haben Kriege geführt." ,, Seit hundertfünfzig Jahren selten mit der Dämonie des Eroberers und Unterdrückers." Der Betriebsleiter griff zum Bleistift, pendelte mit ihm und zeichnete einen Kreis auf der Schreibtischplatte, er sagte dazu: ,, Das mag ein Herz sein, Pater Victor. Darum herum sind die Organe, die Muskeln, das Blut, das Fleisch." Der Bleistift tippte mit jeder Bezeichnung in Bezirke um den vorgestellten Kreis.., Stellen Sie sich einmal vor, der Körper nimmt an Gewicht zu oder ab, wie Sie wollen. Was soll mit dem Herzen geschehen, wenn man es in seiner Lage bedrängt? Organe setzen Fett an oder vergrößern sich ungebührlich. Oder Muskeln erschlaffen, das Blut wird dünner. Wie soll das Herz noch richtig funktionieren?" 23 Der Pater antwortete:„ Das Herz kann sich verlagern und sich dem neuen körperlichen Zustand anpassen. 66 ,, Gibt es dann nicht Störungen des Allgemeinbefindens, Schocks oder sogar Herzkrämpfe?" ,, Es kann der Tod eintreten ,, Sehen Sie, Pater Victor." ,, Bitte,-es kann zum Sterben führen. Aber das Herz, das Sie schildern, Herr Direktor, zuckt und schlägt so heftig, daß viele Organe davon angesteckt werden und vor ihm absterben. Dieses Herz hat nämlich eine Absonderung. Es ist das Gift des Hochmutes. der das Herz erfüllt, das weiterschlagen will um jeden Preis, auch um den Preis der künstlichen Ernährung und damit der Vernichtung anderer Organe. Man stirbt nicht immer am Herzen, Herr Direktor. Auch die Organe beeinflussen den Körper und siechen dahin." Die hohe Gestalt des Betriebsleiters war zusammengedrängt. Zwischen den Händen ruhte der Bleistift wie eine kleine Barriere, auf die der Direktor herabblickte, als wenn er von den schmalen Seiten den Text eines Gedankens, einer Frage oder Antwort ablesen könnte. Es konnte auch eine Schranke zwischen hüben und drüben sein. وو Was soll werden, mit diesem Land im Herzen Europas?" fragte er mit ungewissem Tone und blieb mit den Augen am Bleistift. ,, Sich auf sich selbst besinnen." ,, Bei all den ungestümen Mächten in sich und um sich? Wer kann aus seiner Haut?" Wer sagte: zu hel He wie ein ,, Ma ,, So es, al mal m Es wa straffe die nic lagen sich H gewöl sage. " Victo Spann „ Z₁ De Züge Betrie in de و" W S ,, W ,, U W ,, Si ,, K SK 24 ch verand aninbefinber das ckt und gesteckt at nämhmutes, m jeden nährung an stirbt uch die dahin." ammenstift wie blickte, xt eines könnte. und drüHerzen and blieb und um Wer kann aus seiner Uniform? dachte der Pater und sagte: ,, Es gibt keine wahre Macht, als die Macht zu helfen." ,, Helfen", wiederholte der Betriebsleiter das Wort wie eine Vokabel.., Helfen. Man tut, was man kann." ,, Man muß mehr tun." ..So?" erstaunte der Direktor und dem Pater war es, als würde das Gesicht des Betriebsleiters einmal nur kurz ohne die Maske der Konvention sein. Es war ein Ausdruck der Verwunderung in diesem straffen Antlitz, voll verborgenen Gefühls, mit Energie, die nicht Entschlossenheit sein brauchte. Um die Augen lagen Schatten, die aus der rosigen Fülle der Wangen sich herauszogen. Die Lippen waren leidenschaftlich gewölbt und spitzten sich zu einer unmittelbaren Aussage. Lag das am Sinn oder am Klang? ,, Was würden Sie an meiner Stelle tun, Pater Victor?" fragte der Direktor und behielt sein vor Spannung offenes Antlitz. ,, Zurücktreten." Den Blick abgedeckt hinter den Augengläsern, die Züge gestrafft, die Gestalt hoch geschlossen, so saß der Betriebsleiter an seinem Platz. In Gedanken und auch in der Stimme pürschend, fragte er: ,, Wem helfe ich damit?" ,, Sich selbst." ..Wozu?" دو د, Um nicht tiefer mitschuldig zu werden." Was ändert sich dann?" ,, Sie ändern sich." ,, Kommt es darauf an?" 25 ,, Es kommt auf unser Bestes in der Welt an, auf jeden einzelnen." 99 Was ist unser Bestes, Pater Victor?" ,, Das Herz genau so rein zu halten wie die Hände." ,, Und die Millionen, die Hunderttausende, die weitermarschieren, weiterbluten und weiterhoffen auf den Sieg oder auf das Ende? Mit und ohne Glauben, mit und ohne Menschlichkeit, mit und ohne Mut, mit und ohne Zukunft? Und die Fabrik hier, die produziert? Wieviele solcher Werke produzieren weiter? Was kommt's auf mich an?" Wenn Sie die falsche und schlechte Situation hier einsehen, dann dürfen Sie nicht zaudern-" Der Betriebsleiter warf eine Hand auf, als wenn er damit den Rest des Satzes auffangen wollte und wiederholte schnell: ,, Oder?" ,, Oder Sie handeln gewissenlos. Sie sind dabei und sind es eigentlich nicht mehr." Der Betriebsleiter stand auf und stieß den Stuhl zurück. Zum Fenster wandte er sich und sah durch die Scheiben. Der Pater sah mit hinaus in den sonnigen Tag, in dieses geheimnisvolle Wachsen und Werden der Triebe und Blätter und das zauberische Gefunkel der Natur unter und vor dem Himmel. ,, Wie alt sind Sie, Pater Victor?" fragte es vom Fenster her. 26 ,, Sechsundvierzig." د, Wann haben Sie das Noviziat begonnen?" ,, Nach dem ersten Weltkrieg. 1921." ,, Da waren Sie dreiundzwanzig Jahre." Ein des F ließ a tische D trag ..S Lippe Si Sie si man ausge legt. Chris Heil Wir e und mir men Zim ware zeige lage men 354 وو Nun sche tigke liche Kop an, auf Hände." e weiterden Sieg mit und and ohne t? Wiekommt's tion hier wenn er wiederabei und en Stuhl urch die Tag, in er Triebe er Natur e es vom Ein Flügel des Fensters wurde geöffnet, der Atem des Frühlings drang wie eine kräftige Brise herein und ließ auch den Mann an der Gegenseite des Schreibtisches den starken Geruch von Erde aufnehmen. ,, Dreiundzwanzig Jahre haben Sie den gleichen Auftrag und die gleiche Aussage." ,, So wahr mir Gott helfe," bewegte der Pater die Lippen. ,, Sie sind ein Mönch und stehen mitten in der Welt. Sie sind ein Geistlicher und halten zu den Arbeitern, die man gottlos nennt. Sie haben den Anzug des Bürgers ausgezogen und die Tracht des Ordensmannes angelegt. Sie sind ein Mann von Bildung und glauben an das Christkind und alle Wunderdinge des Himmels und der Heiligen. Sie sind Franzose und sprechen deutsch, wie wir es nicht besser können. Sie kommen zur Vernehmung und stellen schließlich ein Ultimatum. Was haben Sie mir nicht alles für Gedanken zugeworfen. Woher nehmen Sie den Mut?" Der Direktor kehrte sich ins Zimmer um, schloß das Fenster und kam näher. ,, Das waren alles Ketzereien. Ich müßte Sie eigentlich anzeigen." Hinter seinem Stuhl stand der Direktor und lagerte die Arme auf der hohen Rückenlehne. ,, Wo kämen wir denn hin, wenn jeder solche Sprache riskierte?" ,, Zur Vernunft," sagte der Pater. 99 Wann hat die Vernunft jemals die Welt regiert? Nun sagen Sie mal selbst. Sie stellen sich ein romantisches Paradies vor mit Frieden, Wahrheit und Gerechtigkeit und all den anderen Begriffen für unverbesserliche Idealisten. Sie werden sich dabei noch um den Kopf reden." 27 Der Mann im Arbeitsanzug sagte:„Das haben die zu verantworten, die den Kopf fordern.“ „Ist Ihnen der Tod so leicht, Pater Victor?” „Die Mörder würden zeit ihres Lebens vor Gericht eh Die Ansicht wehrte der Betriebsleiter mit einer zwei- felnden Bewegung ab und schlug die Hände über der Stuhllehne hart aneinander, daß es klatschte.„Nun wol- len wir Schluß machen, Herr Gaillard, sonst werden Sie übermütig. Ich habe Sie gewarnt. Eines Tages könnten solche Gespräche nicht mehr stattfinden.“ „Ich weiß um die heimlichen Transporte.“ „Was wissen Sie?“ fragte der Betriebsleiter und sein Staunen wurde zum Spiel der Maske, ohne daß es lebhaft wurde. „Daß Menschen in Deutschland verschleppt werden,“ nannte der Pater die Tatsache. „Verräter gehören eingesperrt, hier wie anderswo.“ „Auch Frauen und Kranke, Herr Direktor?“ „In Ihrer Kirche besteht ein Index für rebellische Geisteserzeugnisse. Die Ketzer en sogar öffent- lich verbrannt.“ „Kinder und Halbwüchsige, glaube a gehören nicht in „Allerdings nicht.“ „Dann fragen Sie bitte einmal die Mädchen in der Halle fünf, die mit dem gelben Stern auf den Kleidern. Sie warten täglich auf den Abtransport.“ „Ich weiß nicht mehr, was Sie wollen, Herr Gaillard.“ „Das menschliche Gewissen aufrufen.“ 28 Ein\ Stimr Gall De schol übere über den; Dam Auge Mut Sohi hein lich sich Flü Zin end sch auf Ko an 2" die zu Gericht er zweiber der un wolwerden Tages en. " und sein daß es werden," " Herswo. ?" Sellische - öffentren nicht en in der Kleidern. m, Herr ,, Verbindlichen Dank! Das pflege ich selbst zu tun." Ein Klingelknopf wurde nachhaltig eingedrückt, und die Stimme erklang dazu förmlich und abweisend: ,, Herr Gaillard, Sie wissen Bescheid." Der Mann im Arbeitsanzug erhob sich. Seine Hände schoben sich aus den weiten Ärmeln und fanden sich übereinander. ,, Ich werde für Sie beten," kam es sanft über die Lippen des Paters. Der Bleistift, der im Stehen geführt wurde und der den aufgeschlagenen Brieftext kontrollierte, hielt inne. Damit klopfte der Direktor auf den Schreibtisch, seine Augenlider flackerten, als er sagte: ,, Das hat meine Mutter schon vergeblich getan, ich bleibe der verlorene Sohn." ,, Einmal ist der verlorene Sohn aufgebrochen und heimgekehrt." ,, Ich werde an Sie denken, Pater Victor." ,, Wir sind Gott auch im letzten Winkel verantwortlich." ,, Nein, das wäre" Der Betriebsleiter unterbrach sich und sah auf die eingetretene schwarze Uniform. Flüchtig zeigte er auf den Mann, der in der Mitte des Zimmers wartete und sagte: ,, Die Vernehmung ist beendet." ,, Heil Hitler!" Der Wachtmann hob den Arm und schlug die Hacken zusammen. Der Franzose verbeugte sich, wandte sich und schritt auf zur Tür. Sie schritten durch die hohen Flure, durch die engen Korridore, die schmalen Treppen hinab, an den Posten an dem Eingang vorbei, hinaus in den eingezäunten 29 Park. Vorbei an dem Wachtmann des Gittertores. Sie befanden sich wieder auf dem eigentlichen Industriegelände und schritten über gelbgrünes Gras und glitschigen Lehm. ,, Das war eine der längsten Sitzungen, der ich jemals beigewohnt habe," sagte der Polizist in Schwarz und kam dichter an den Mann im blauen Arbeitsanzug heran. , Beigewohnt?" دو دو War von mir nicht die Rede, Doktor," fragte die Uniform lauernd. Ein wenig, beinahe verwundert, schüttelte der Pater den Kopf. ,, Wirklich nicht?" beharrte der Nebengänger auf eine Antwort. ,, Nein." ,, Großartig," freute sich der Polizist und schlenkerte mit den Armen. Er nahm Abschied von dem Franzosen und fügte dabei hinzu: ,, Dann bleibt es bei Sonnabend und Sonntag." Schweigend stimmte der Pater zu. ,, Wo laufen wir denn hin?" rumorte eine gute Laune in dem Wachtmann. ,, Sie haben ja längst Feierabend, dann gehe ich in die Halle und Sie, Doktor, in die Baracke. Guten Fraß, Musjö," wünschte er auf seine Weise. Quer über das Feld stakte der Pater: In den weichen Boden sank er ein und setzte über die Pfützen, er suchte nach festen Inseln auf dem Pfad und sprang von Festland zu Festland inmitten der von Frühlingskräften treibenden Fläche. Seine Holzschuhe klebten wie Gummi an der schlüpfrigen Erde oder wurden schwer wie Bleigewichte. Oftmals schabte er die Sohlen an Feldsteinen ab, um den Schritt geläufiger zu machen. 30 Die sich a öffnet lung i glänzt blitzte um vo wolke Au stachl tene aus. dabei den sein An stand herun Brief er eb hielt. Resp der Al nach Di fühlt einer Fran ausge Holz tes, Sie Ydustrie- ind glit- 1 jemals arz und ig heran, agte die t, schüt- beharrte lenkerte ranzosen e Laune erabend, in die uf seine weichen itzen, er d sprang rühlings- he kleb- r W urden e Sohlen ‚ machen. Die Baracken für die französischen Arbeiter lehnten sich an einen Hügel. Auf der Höhe hinter der Halle öffnete sich ein Feld, hinter der langgestreckten Sied- lung im Grund breiteten sich neue Felder, dazwischen glänzten Schienenstränge, die wie silberne Bänder auf- blitzten. Ein dünner Waldstreifen säumte die Erde ein, um von einem Himmel mit aufgesetzten weißßen Sonnen- wolken eingeschlossen zu werden. Auf der- Höhe richteten sich die Pfähle mit den stachligen Bändern gegen den Horizont wie abgeschnit- tene Telegraphenstangen mit widerborstigen Leitungen aus. Der Pater mußte um das Karr& herumgehen und dabei die Höhe verlassen, begleitet von heraufwehen- den Melodieen, auch singende Stimmen umflatterten sein Ohr. Am Durchgang der Baracke auf dem Fabrikgelände stand ein Häuschen mit einem spitzen Dach, das soweit heruntergezogen war, daß der Pförtner darauf einen Brief oder sonst eine Mitteilung schreiben konnte, was er eben tat, während er sich mit einem Kollegen unter- hielt. Den Mann im blauen Arbeitsanzug grüßte er mit Respekt, und ließ ihn ohne Kontrolle passieren, auch der Kollege zog die blaue Baskenmütze. Als der Pater weiterschritt, liefen ihm ein paar Worte nach, die die beiden am Pförtnerhaus wechselten. Die geliebte Sprache. Wieder in dem eigenen Kreis fühlte sich der Pater. Die französische Welt inmitten einer anderen. Und wenn es Baracken waren, in denen Franzosen wohnten. Ein Kreis inmitten einer Welt, ausgespart in diesen Flecken, zusammengepfercht hinter Holz, auf Pritschen und harten Lagern mit Stroh- 31 säcken. Drei Mann in einer Kammer, sechs Mann in einer Stube. Dicht gedrängt, aufeinander angewiesen in jedem Augenblick, wo sie Freizeit hatten, nach der Arbeit meistens schliefen, Briefe schrieben oder debattierten, was an Fragen oder Gefühlen aus der Heimat sie quälte. Mit den Gesichtern der französischen Landschaft, mit den Temperamenten des Südens und Nordens. Mit dem herrlichen Lachen und mit den sprudelnden Worten. Mit den Akzenten der raschen Laune und jähen Leidenschaft und im Schweigen aus Herkunft oder Not. دو , Bon soir, Père Victor." ,, Guten Abend, Kinder", grüßte der Mann drei Mädchen, die untergehakt den Weg vor den Baracken entlang schlenderten. Wie waren diese jungen Dinger angezogen. Wie saß der Körper in den bunten Hüllen. Bunt die Gesichter, bunt ihre Phantasie. Die Reise nach Deutschland war ihnen voller Abenteuer. Ihre Augen blitzten wie ihre Zähne und die Beine schwangen wie Klöppel in bebendem Takt. Sie fürchteten kein Debakel, denn ihre Augen, Lippen und Brüste beherrschten auch die andere Welt. Nach allen Seiten verschenkte der Pater Grüße und gute Worte. Sein Wesen waren ebenso aufgeschlossen wie innerlich bestimmt. Hinter seiner Stirn lagen soviel Gedanken wie in seinen Gebärden soviel Wärme und Herzlichkeit, die er freudig weitergab. Seine Kammer lag in der letzten Baracke, die quer gestellt war und den Platz wie einen Hof abschloß. Als er sich dem Eingang näherte, hörte er von der 32 32 Rückseite draht wa Mundhar Tische u dem Fen die Antw prasselter die selbs zaubrisch Der P Kammer der dritt des Gas winkte h einen S seine H Bratpfa durch d standen, sassen N und han rend die sein lief Der wenigst scharfe großen „ Bös winkel druck Der a 3 Mühr Mann in ewiesen in nach der Her debater Heimat men Landund NorsprudelnLaune und Herkunft drei Mädacken entWie saf Gesichter, hland war wie ihre in bebendenn ihre die andere Grüße und geschlossen agen soviel Wärme und e, die quer abschloß er von der Rückseite, da, wo nur einige Meter bis zum Stacheldraht waren, heitere Rufe und lustige Weisen auf der Mundharmonika. Er sah um die Ecke. Da hatte man Tische und Bänke an die Barackenwand gestellt. Aus dem Fenster einer Kammer flogen die Worte, während die Antworten von den im Freien Lagernden zurückprasselten. Die meisten lagen ausgestreckt in der Sonne, die selbst an dem Nachmittag linde Lüfte und ein zaubrisches Aroma der Erde entlockte. Der Pater betrat den schmalen Gang, an dem die Kammern wie große Kästen nebeneinander lagen. An der dritten Tür macht er halt. Das war die Kammer des Gascogners. Der sah den Schatten an der Tür, winkte herein, schmachtete und walzte zur gleichen Zeit einen Schlager nach der Harmonika. Dabei zupften seine Hände an grünen Blättern, dirigierte er eine große Bratpfanne und wirbelte wie ein entfesselter Tänzer durch den kleinen Raum, in dem eigentlich vier Betten standen, die tags über aufgeklappt waren und den Insassen Möglichkeiten zur Bewegung gaben. Jetzt sprang und hantierte nur der Gascogner in der Kammer, während die drei Schlafkollegen es sich an der Sonne wohl sein ließen. Der Pater blieb an der Tür stehen, so war er am wenigsten von draußen zu sehen. Der Gascogner sandte scharfe Witze ins Freie und rührte klappernd in einem großen Topf. ,, Böse?" fragte der Gascogner aus einem Mundwinkel den Pater und legte die Schöpfkelle mit Nachdruck ab, um sein Wort zu übertönen. Der Pater schüttelte den Kopf. 3 Mühr, Kontakte 33 ,, Gefahr?" fragte der Gascogner und begann einen flotten Gesangstext mit Steppschritten zu begleiten, während seine Finger grüne Blätter sortierten und in einer Wasserschale baden ließen. Der Pater hielt seine Gebärde in der Schwebe zwischen Ja und Nein. In den Mundwinkeln nistete sich ein Lächeln ein über die seltsame Art sich auszusprechen. ,, Alle hatten Angst", gab der Gascogner ein schnelles Wort zur Tür und fügte an, nachdem er die zweite Strophe des Tanzliedchens abgesungen hatte:„ Es dauerte solange." Von draußen setzten Mundharmonika und ein Chor ein, der den Sologesang des Gascogners unauffällig entbehren ließ. ,, Ein Neuer ist da, aus Paris," berichtete der Gascogner und wischte den Rand einer Konserve ab und setzte den Büchsenöffner an. ,, Ein Unheimlicher. Sie bleiben doch bei uns, Pater Victor?" Dieser wollte eigentlich in seine Kammer gehen. ,, Sie haben sicherlich nichts gegessen," redete ihm der Gascogner zu ,,, ich bereite ein Frühlingsdiner a la Picknick des Friedens." Er ließ den Pater an der geöffneten Konserve riechen. Es duftete nach Krebsschwänzen. ,, Zuerst Röstbrot mit Kaninchenragout," begann er seine Speisekarte aufzusagen und zeigte auf eine Paste. ,, Eine Spende von 14." Das war die Stubenzahl. ,, Sonntagsarbeit," erklärte der Gascogner und meinte einen Hasenfang. ,, Dann Salat erste Sonne." Auf eine halbvolle Schüssel mit Löwenzahn wies er, neben der eine kleine, angebrauchte Flasche mit Öl stand. ,, Aus der eigenen 34 4 Sammlung, gestrigen A Das Öl ha geschickt be schwänzen geraspelte tung aller dem elektr rauchgefäß Draußer solo, das Strichen a 99 Wie ge Pater in wenn es f beren Hä und erinn der Direk Ja, es Ist er „ Davon „ Ich se ,, Pater blauen A sicht, bes Victor? Wir war vertreiben Wortlo Gang. Se len wie 3* I 1 chnelles zweite „Es ın Chor uffällig ET Gas- ab und “ Sie Ww ollte sicher- Sammlung,“ erläuterte der Gascogner und dachte an den gestrigen Ausflug, wo er die ersten Kräuter entdeckte. Das Öl hatte er mit dem letzten Paket von zu Hause geschickt bekommen.„Als Hauptgang gebackene Krebs- schwänze mit falscher Remuladensauce. Zum Abschluß geraspelte Schokolade aus heimatlichen Beständen. Stif- tung aller Teilnehmer.“ Er nahm die Bratpfanne von dem elektrischen Kocher und schwang sie wie ein Weih- rauchgefäß. Draußen wechselte der Gesang mit einem Geigen- solo, das eine französische Weise mit sentimentalen Strichen ausdehnte. „Wie geht es Pierre? Hat er gearbeitet? fragte der Pater in seinem Französisch, das so weich klang, als wenn es für etwas werben sollte. Er fühlte seine sau- beren Hände, als er den Gascogner sich waschen sah, und erinnerte sich an die Gelegenheit im Wartezimmer der Direktion. „Ja, es geht ihm nicht gut.“ „Ist er massiert worden?“ „Davon sagte er nichts.“ „Ich sehe nach ihm.“ „Pater Victor.“ Der Gascogner faßte nach dem blauen Ärmel des Davoneilenden und warnte:„Vor- sicht, besonders heute. Sie kommen doch wieder, Pater Victor? In einer halben Stunde ist das Essen bereit. Wir warten auf Sie. Wir wollen den Winter endgültig vertreiben und die Ängste um Sie auch.“ Wortlos dankte der Pater und trat eilends auf den Gang. Seine schweren Schuhe klapperten auf den Boh- len wie Hufe. Pierre war 21. Die Kammer lag am 3%* 35 äußersten Ende des Ganges, der in der Mitte kaum erhellt war. Von beiden Ausgängen drang das Licht durch die Schächte der geöffneten Türen und blieb an den Rändern hängen. Da blinkte der spärliche Rasen herein und leuchtete vor einem Rest des Himmels. 19, 20, 21. Der Pater blickte durch den Gardinenschlitz des Glases oberhalb der Tür. Es schien niemand anwesend. Drei Betten standen übereinander. Das Fenster zum Feld hinaus war angelehnt. Eine sehnsüchtige Melodie auf dem Schifferklavier flog gerade herein. In der Kammer sah der Pater, daß das zweite Bett belegt war. Das war Pierre. Er hatte sich der Wand zugekehrt und rührte sich nicht. Näher trat der Pater und rief leise den jungen Bauern an, der bewegte sich nicht. Von Medizin, Salben oder Tabletten konnte der Pater nichts entdecken. „Pierre,“ rief er dringlich und schüttelte sanft den Körper unter einem Haufen Decken.„Ich bin es, Pater Victor. Auf einen Augenblick bitte.” Der Mensch auf der Bettstatt blieb abgewandt. Nicht einmal sein Atem wurde hörbar. „Wie geht es dir, Pierre?“ fragte der Pater und lehnte das Fenster an. Keine Antwort, keine Bewegung in der zweiten Etage der Lagerstatt. „Pierre, warst du heute oder gestern beim Arzt?“ Der Pater stieg auf einen Schemel, um der Höhe des Bettes näher zu kommen.„Ich wollte mit dir eine Zigarette rauchen." Von der Wand her brummte es. 36 „Es sin ‚Woher Etage der „Seit w ‚Ich brı ‚Seit w „Haben beides. „Wozu „Seit h Der P: Pierres N „Gut, ersten Zi kaum. „Hast „Qual wälzte s von drau „Beide „An b „Schlis „An h Körper.‘ Der F Lagerst; Der} „War sah in d „De} Wand h e kaum s Licht blieb an > Rasen als. 19, litz des Iwesend. ter zum Melodie site Bett r Wand n Bauern ben oder anft den os, Pater It. Nicht ater und ten Etage ‚ Arzt? Jöhe des dir eine „Es sind gute Zigaretten.“ „Woher haben Sie sie?‘ fragte es von der zweiten Etage der Kammer. „Seit wann bist du neugierig?” „Ich brauche Zigaretten.“ „Seit wann rauchst du stark?” „Haben Sie kein Opium? Am besten brauchte ich beides“. „Wozu brauchst du das?” „Seit heute.“ Der Pater rauchte eine Zigarette an und suchte nach Pierres Mund, um sie ihm zuzustecken. „Gut“, lobte Pierre die Zigarette und paffte die ersten Züge. Er veränderte seine Lage an der Wand kaum. „Hast Du Schmerzen?“ „Qualen!“ stieß Pierre eine Fontäne Rauch aus, wälzte sich an der Wand und ächzte und knurrte, als von draußen wehmütige Geigentöne vorbeizogen. „Beide Füße? Pierre?” „An beiden Gehirnen.“ „Schlimmes Kopfweh?“ „An beiden Herzen. An allen Sinnen. Am ganzen Körper.“ Der Pater schwang sich auf den Rand von Pierres Lagerstatt und ließ die Beine baumeln. Der Kranke rauchte und atmete tief ein und aus. „Warst du heute beim Arzt?“ fragte der Pater und sah in die enge Tiefe der Kammer hinab. „Sie rauchen ja nicht,“ kam es ärgerlich von der Wand her. 37 MA 66 ,, Ich habe noch nicht gegessen." ,, In meinem Kasten liegt Zwieback," bot Pierre an und stöhnte, als er sich bewegte. ,, Der zweite Schrank ist es." ,, Hast Du ein Stück Brot?" ,, Auch im Kasten. Ich habe bloß nichts zu schmieren, nicht mal Marmelade." ,, Ich bin für das Brot dankbar," sagte der Pater und stieg herab, um sich ein Stück abzubrechen. Das begann er dann auf Pierres Lagerstatt zu verzehren, langsam, in kleinen Stücken, nicht ohne vorher das Kreuz über das Brot zu schlagen. Es war scharfgebacken und hatte lange Zeiten hinter sich. ,, Hast Du Medizin?" ,, Medizin?" wiederholte der Liegende höhnisch. ,, Für mich gibt es keine." ,, Sagt das der Arzt?" ,, Nein." sprach de ten Bisse Das g ,, Nun, Pierre, d ,, Das H ,, Und ,, Mütte bei. Wir treten vie ..Pierr in guten schwende ,, Das Notschr bin ich stützte Wand ,, Wer?" Mensch ich mir ,, Ich." Sacht schob der Pater ein Stück Brot in den Mund. Er zerkaute und schmeckte es wie Biskuit, denn es war Bauernbrot aus der Heimat. Warum gibt es für Dich keine Medizin?" fragte der Pater und seine Augen hingen an dem Grün, das vor der Baracke in Büscheln sproß und durch das Fenster hereingrüßte. ,, Ich bin tot," hörte er von der Wand die merkwürdige Aussage. ,, Und nun bist du unglücklich, weil du nicht weißt, ob du in den Himmel oder in die Hölle kommst,' nur schö Jedes V schrieb. ich kan Leben. Auch s mehr ne höre ih Zigaret Stütze tete er. 38 Pierre an Schrank chmieren, Pater und Das beren, langas Kreuz cken und sch. ,, Für en Mund. denn es ?" fragte Grün, das durch das rkwürdige cht weißt, kommst, sprach der Pater mit leisem Humor und legte den letzten Bissen zwischen die Lippen. ,, Das geht mich nichts an," kam es von der Wand her. ,, Nun, ob einer selig gesprochen oder verdammt wird, Pierre, das ist doch ein großer Unterschied." ,, Das hat mir meine Mutter auch immer gesagt." ,, Und sie tat recht daran, Pierre." ,, Mütter verschwenden soviel und sind glücklich dabei. Wir Kinder haben das Nachsehen, denn wir zertreten viel, was um uns gedeiht. So sind wir traurig." ,, Pierre, du kannst dich genau so wie deine Mutter in guten Gefühlen und reinen Empfindungen verschwenden." ,, Das habe ich, Pater Victor!" drang es wie ein Notschrei von der Wand. ,, Das habe ich und daran bin ich gestorben." Pierre legte sich etwas herum und stützte sich schwer auf einen Ellenbogen. Er blieb zur Wand geneigt. ,, Tot bin ich, weil ich zu gut zu einem Menschen war. Nur Schönes und Herrliches konnte ich mir mit diesem Menschen vorstellen. Er war nicht nur schön, sondern alles, was er tat, war für mich schön. Jedes Wort, was er sagte, jeder Buchstabe, den er schrieb. Jetzt ist er über Nacht häßlich geworden, und ich kann ihm nicht helfen. Da bin ich doch nicht am Leben, wenn ich kein Wort mehr mit ihm reden kann? Auch seine Hand fühle ich nicht mehr. Ich gehe nicht mehr neben ihm, ich laufe ihm nicht mehr entgegen. Ich höre ihn nicht mehr. Ich bin tot." Pierre warf den Zigarettenrest im Bogen auf die Diele herunter, ließ die Stütze des Ellenbogens fallen und auch den Kopf bettete er. Erleichtert atmete er auf. 39 MA وو , Woran ist dieser Mensch über Nacht häßlich geworden?" sagte der Pater. ,, Ach, das verstehen Sie nicht," wehrte der andere ungnädig ab. ,, Warum nicht?" ... Pater Victor, Sie haben immer unter Männern gelebt. Sie wissen nichts von Mädchen und ihrer Schönheit für uns und von dem Kampf untereinander, wer die Schönheit schließlich behalten darf." ,, Ist sie hier?" fragte der Pater. ,, Nein!" brüllte Pierre und wälzte sich vor Hilflosigkeit und wohl auch vor körperlichen Schmerzen über eine ungestüme Bewegung. ,, Sie ist in Frankreich. Sie lebt in einem Nachbardorf, unweit von Orleans. Wenn ich sie sehen, wenn ich sie sprechen könnte, dann wäre alles halb so schlimm. Dann könnte sie über Nacht wieder schön werden. Für mich. So wie ich sie mir den Krieg über schön erhielt. Aber wann werde ich sie wiedersehen? Ohne Urlaub. Ohne Kriegsende. Ich kann ja nicht einmal laufen. Ach, Pater Victor, Sie können mir nicht helfen," rief er und warf wie ein Ertrinkender die Hände in die Höhe und ließ sie auf die Decke fallen...Niemand kann mir helfen! Ich bin tot." Und er drehte sich ab und blieb reglos und stumm an der Wand. Nach geraumer Zeit sagte der Pater: ,, Vielleicht kann ich dir helfen. Wie oft hast du im Lager an deinem Fuß gelitten?" ,, Dreimal ist er aufgebrochen. Wenn eine Liebe nur einmal aufbricht, dann ist es meistens aus. 66 unserem Und d ,, Niema H Mein Ma nur einma nach sech Hat d ,, Zum selber ma wäre ein müßte ma erst in zw Mutter v meinem ,, Wo ,, In H Wan ,, Früh ,, Was Moto Der P herunter Weste s boden s sieben das sind zur Unt Zettel m die Plat und abge 40 lich geandere nern geer Schönwer die filflosigzen über eich. Sie s. Wenn ann wäre r Nacht sie mir erde ich ende. Ich ctor, Sie wie ein 5 sie auf Ich bin nd stumm Vielleicht Lager an Liebe nur ,, Und du hast das nie in Frankreich gehabt?" ,, Niemals und dabei habe ich schwer gearbeitet auf unserem Hof. Aber das will der Arzt nicht wahr haben. Mein Mädchen will es auch nicht wahr haben, daß ich nur einmal Urlaub bekomme im Jahr und dann erst nach sechs Monaten." ,, Hat dir der Arzt Medizin verschrieben?" ,, Zum Einreiben, ich kriege sie morgen. Ich soll mich selber massieren. Was ich brauchte, Pater Victor, das wäre ein Herzschlag über tausend Kilometer, dazu müßte man wohl ein Radioherz haben und das gibt's erst in zwanzig Jahren. Dann ist meine Schönheit längst Mutter von fünf Kindern, und ich bin ausgemistet mit meinem morschen Bein auf dem Schindanger." ,, Wo arbeitest du?" 99 ,, In Halle III." ,, Wann hast du morgen Schicht?" ,, Frühschicht." ..Was hast du zu tun?" ,, Motorreparatur an der Rollbrücke." Der Pater stieg von der Bettkante auf den Schemel herunter und faßte nach seinem Notizbuch, das in der Weste stak. Nach dem kleinen Sprung auf den Fußboden sagte er: ,, Du gehst morgen früh, gleich um sieben Uhr, ins Sankt Josephs Krankenhaus, Pierre, das sind zwanzig Minuten von hier, und meldest dich zur Untersuchung. Ich gebe dir für den Arzt einen Zettel mit." Der Pater setzte sich an den Platz, wo die Platte von der Wand hochgehoben werden mußte und abgestützt, damit ein Tisch entstand. Dort schrieb 41 er ein paar Zeilen und wies Pierre an: ,, Du erzählst genau, wie es dir bisher gegangen ist und daß du bis heute nicht krank geschrieben bist. Kein Wort mehr und kein Wort weniger, als der Wahrheit entspricht. Wollen sie dich dabehalten, dann überlasse alles andere der Leitung des Krankenhauses." ..Und dann?" Pierre richtete sich auf und drehte sich zu dem Schreibenden. Es war ein Kopf mit dichtem dunklen Haar, das nach allen Seiten auseinanderfiel. Pierre mochte Anfang zwanzig sein und sein Gesicht wurde von Röte beherrscht, als wenn es von einem Feuerstrahl getroffen worden wäre. Die Augen unter schwarzen Brauen leuchteten im jähen Licht, wie seine Mienen gespannt waren von Fieber und wilden Gedanken in die Ferne. Der Pater überlas die Zeilen an den Arzt und steckte sie in den kleinen Umschlag, den er beschriftete und dann schloß. ,, Geht es dir wirklich schlimm, Pierre, wirst du arbeitsuntauglich, dann kommst du in kurzer Zeit in die Heimat zurück." ,, Und wenn es mißlingt, Pater Victor? Ich bin ein Pechvogel, wenn es darauf ankommt." ,, Dann bist du eine Zeit lang aus der Tretmühle und kannst dich kurieren." , Und mein Mädchen?" 99 ,, Ach, Pierre," seufzte der Pater, verwahrte das Notizbuch und den Federhalter und reichte dem jungen Mann den Brief hinauf ,,, Pierre, dann war es eine falsche Liebe. Das soll auch vorkommen. Die wahre Liebe hält nämlich stand über Raum und Zeit." 42 Gibt e irrten in Gewitter. Pierre und strec hinauf ,,, sam einste Ja, P jungen M fragte: Zurüc deine Sac Und die?" ,, Der, dem jun ,, Pate aus nac sprechen Ja, F Es wa Bettstat ,, Ged folg wil ,, In all Es w Gascog Runde i W einander und Sch erzählst 6 du bis mehr und ht. Wols andere zu dem dunklen 1. Pierre wurde von strahl geen Brauen gespannt lie Ferne. nd steckte Eftete und m, Pierre, in kurzer ch bin ein mühle und ahrte das em jungen ar es eine Die wahre Zeit." ,, Gibt es so etwas?" überlegte Pierre und seine Blicke irrten in der Kammer umher wie Schwalben vor einem Gewitter. ,, Pierre, niemand etwas sagen," verlangte der Pater und streckte dem Kranken auf der Lagerstatt die Hand hinauf ,,, auch den Kumpels hier nicht. Den Brief sorgsam einstecken und morgen früh nicht vergessen, Pierre." ,, Ja, Pater Victor." An dem glühenden Gesicht des jungen Mannes zuckte es von Überlegungen und er fragte: ,, Und was tut sich hier, wenn ich fort bin?" ,, Zurück kommst du auf jeden Fall. Du holst dir deine Sachen für das Krankenhaus und meldest dich ab." ,, Und in der Zwischenzeit? Die Arbeit, wer macht die?" ,, Der, der dir helfen will," sagte der Pater, schüttelte dem jungen Mann die Hand und ging zur Tür. ,, Pater Victor!" rief der Kranke von der Bettstatt aus nach ,,, morgen ist Karfreitag, ist der Arzt da zu sprechen?" ,, Ja, Pierre.". Es war schon Zweifel in der Stimme, als es von der Bettstatt fragte: ,, Ob es gelingt?" ,, Geduld ist unsere beste Helferin, Pierre. Der Erfolg will gelernt und oft versucht sein," sagte der Pater. ,, In allem. Sogar mit Schönheiten, Pierre. A dieu." Es war später geworden, als sich der Pater und der Gascogner verabredet hatten. Er fand die wartende Runde im Freien um einen langen Tisch, der aus nebeneinander gelegten Brettern entstanden war. Schüsseln und Schalen ruhten auf Unterlagen aus Gras und Moos, 43 das die Franzosen in den Wäldern gesammelt hatten. Zwei Biergläser mit Blumen schmückten den Tisch. Der Pater wurde gebeten, die Spitze der kleinen Tafel zu übernehmen. Alle saßen in Zivil vor den einfachen Gedecken. Nur der Pater im blauen Arbeitsanzug, was niemandem auffiel. ,, Henri, was stehst du herum? Setz dich," forderte der Gascogner auf, der als letzter Platz nehmen wollte. ,, Oder willst du deine Jungfernrede halten?" Alle musterten den hoch gewachsenen, breitschultrigen Pariser, der im blauen Anzug mit weiten Hosen wie ein entlassener Mariner aussah. Abwehr und Nüchternheit standen unter blonden Haaren. Die Augen huschten über die Tafel und die Köpfe und suchten nach einem Haltepunkt, den er sich seltsamerweise an der Ecke des Daches ausmachte. Seine breiten Hände rieben an den Schenkeln, und er fand schwer die Worte: ,, Ich weiß nicht, ob ich hier recht bin." Einige lachten. Der Gascogner vermittelte in der Runde und sagte: ,, Das kann schon richtig sein, daß wir hier alle nicht zurecht sind." ,, Ihr feiert." Der Pariser zeigte auf den gedeckten Tisch und blickte zur Ecke vom Dach. 99 Wir begrüßen den Frühling," erklärte der Gascogner. ,, Nimm Platz und hilf uns, seine ersten Gaben z'ı vertilgen." 44 Wieder Lachen und Verwunderung am Tisch. ,, Wir sind in Deutschland-" 66 ,, Wir möchten zu Haus' sein," warf ein Franzose ein. Hattes Flucht?" hohen Be Zwischenn werfende portation, im Ernst. nicht will niemanden ist faul." Ein w Gascogne einladen Die br des Paris Vögel un chieren, ,, Braud Platz zu wachsen Haare." nächst li die Nade alten Sc Der und star ,, Sei der Spit dir und a dessen H It hatten. n Tisch kleinen vor den Arbeitsforderte en wollte. eitschulten Hosen nd Nüche Augen suchten merweise In, und er ich hier te in der , daß wir gedeckten r Gascogen Gaben sch. anzose ein. ., Hattest du nicht die Wahl zwischen Transport oder Flucht?" fragte der Pariser, wiegte sich auf seinen hohen Beinen wie ein Seemann und taxierte den Zwischenrufer, für dessen Wunsch er nur eine wegwerfende Handbewegung übrig hatte. ,, Ich weiß, Deportation," sprach er das Wort schreckhaft aus.., Aber im Ernst, Kumpels, wer kriegt mich denn, wenn ich nicht will?" Sein Blick kreiste die Runde. Er sah niemanden, aber alle sahen auf ihn. ,, Nachher reden ist faul." Und er warf beide Hände fort. ,, Ein wunderschönes Tischgespräch, Henri," fiel der Gascogner ein. ,, Bitte laß dich nochmals freundlichst einladen und erzähle uns, was du denkst." Die breiten Hände lösten sich von den Schenkeln des Parisers und flatterten wie aufgeschreckte schwere Vögel um einen Baum. ,, Ich kann mich nicht revanchieren, Kumpels." ,, Brauchst du nicht. Wir teilen gern. Bitte, Henri, Platz zu nehmen," forderte der Gascogner auf ,,, sonst wachsen unserem Koch die nächsten tausend grauen Haare." Er tippte auf seinen Schädel, langte nach dem nächst liegenden Fensterbrett der Baracke und stellte die Nadel eines Kofferapparates auf die erste Rille der alten Schallplatte ,, Über den Dächern von Paris". Der lange Pariser ließ sich auf den Schemel fallen und starrte auf den Teller. " ,, Sei herzlich willkommen," grüßte der Pater von der Spitze der kleinen Tafel. Das Du gilt mir und dir und allen," sprach er und ging zu dem Neuen, ergriff dessen Hand. ,, Ich heiße Victor." 45 Der Pariser schien überrascht und abwesend, er nickte und sah nicht auf. ,, Ich heiße Henri," antwortete er den Gegengruß und behielt die Hand des Paters länger als üblich. Die Fortsetzung der Unterhaltung übernahm der Gascogner mit Laune und wechselnden Einfällen. Schmunzelnd wurden die kleinen Leckerbissen nach französischer Art verspeist. Mit Behagen kostete man von dem Salat und schmeckte den Frühling in jungen Kräutern. Nur der Pariser stocherte auf seinem Teller herum, doch aß er die kleinen Proben mit Zungenschlag. Auch wurde er bald eingeschlossen von der aufgeräumten Stimmung der Landsleute und beteiligte sich sparsam an Witz und Pointen der Stunde, ohne das ernste Thema der ersten Augenblicke vor dem Essen nachzuholen. Es war schon ein sinkender Nachmittag, der sommerliche Wärme mitführte und südliche Temperaturen ahnen ließ, die der Franzose so liebt und unter denen er aufblüht zu enthusiastischer Lust und Freude. Nur manchmal hoben sich scheue Blicke von den Tellern, die Bestecke hielten inne und die Augen drängten flüchtig durch den Stacheldraht, der hier wenige Meter entfernt war, über die Felder nach dem Schienenstrang, auf dem Fernzüge rollten. Nach dem Westen. Nach Frankreich. Nach der Heimat. Wann würde das sein? Und die Blicke der Franzosen wanderten zu dem Horizont, in dem sich Bläue und Dunst lösten, vielleicht auch über den Dächern von Paris. Als der Pater aufbrach, reichte er jedem Kumpel die Hand. Bei dem Neuen weilte er länger. Kommst du aus Paris?" fragte er. Wie ein in dem M Hände auf Zum erste des Rieser auf die F ,, Du bis Pater den In dem Hinter de die er für ,, Du lie Pater auf wenig. " Der Ri lehnung u Luft." S die Blaue ,, Als A Wie ei Und wa Schenkel, Pater, we setzt mit sah der Mann na War das ein Pater in Deuts So erz bin Bret 46 er nickte wortete er Wie eine schiefe Säule stand der hochgebaute Mann in dem Marineanzug vor dem Pater und stützte die ers länger Hände auf die Hüften, so daß die Finger sich spreizten. Zum ersten Mal sah der Pater in die großen Augen des Riesen, der auch ihn unerschrocken annahm und auf die Frage stumm nickte. der GasSchmunfranzösivon dem Kräutern. er herum, ag. Auch geräumten sparsam ste Thema chzuholen. sommeruren ahnen en er aufur manchllern, die n flüchtig er entfernt g, auf dem rankreich. Und die auch über ,, Du bist doch kein geborener Pariser," taxierte der Pater den harten bäuerlichen Schlag vor ihm. In dem Blick des Neuen hellte es sich kurz auf. Hinter dem geschlossenen Mund formten sich Worte, die er für sich behielt. ,, Du liebst die Freiheit und frische Luft," drang der Pater auf ihn ein ,,, die gibt es doch in der Großstadt wenig." 66 Der Riese schaukelte den ganzen Körper vor Ablehnung und triumphierte: ,, Die gibt es schon, die frische Luft." Seine Augen stiegen zum Himmel und holten die Bläue im Spiegel des Blickes herab. ,, Als Arbeiter? Bist du denn einer?" Wie ein Kind lachte der Pariser aus vollem Halse: Und was für einer!" Und er schlug sich auf die Schenkel, und seine Blicke fraßen vor Wonne an dem Pater, welcher vor ihm stand, kaum mittelgroß, untersetzt mit festen Knochen und festen Gebärden. Das sah der Pariser und es lockte ihn, diesem seltsamen orizont, in Mann näher zu kommen, den sie mit Pater anredeten. War das sein Spitzname oder ein Titel? Was wollte ein Pater in der Fabrik, unter französischen Arbeitern in Deutschland? in Kumpel So erzählte der Pariser schwer und spröde:„ Ich bin Bretone. Das zehnte Kind eines Häuslers. Was 47 soll auf dem Lande mit uns werden? Ich ging in die Provinz, nach den Niederlanden, durch Frankreich. nach Belgien. Als Erdarbeiter. Verstehst du? Erde mußte es schon sein. So war ich in Paris. Bis zuletzt. Nun weißt du es." Die Augen des Neuen verengten sich und sahen auf den Mann im blauen Arbeitsanzug und auf die Kumpels, von denen einige am Tisch saßen, andere in kleinen Gruppen herumstanden. ,, Und wer bist du?" fragte der Pariser mehr mit einer Kopfbewegung als mit Worten. Sein Blick nahm das Gesicht des Paters genau so auf wie seine Erscheinung, die Schultern, die Hände. Aber das Gesicht war ihm Mittelpunkt und Ziel. ,, Du bist kein Arbeiter," sagte er und in seinen Mienen stand die Spannung, was der andere dazu sagen würde. ,, Ich gehöre zu euch," bekannte der Pater. Was machst du hier?" ,, Ich bin Elektriker." د, voll Zärt Kumpels, kann?" Der Pa rechts. ..Messie sprach de sich in ein er aus, ein junger als er zu den gibt es hi Gascogner Stirn und und die W die Zuku an uns. " Was ,, Richtig oder falsch?" Und der Pariser zwinkerte vor Neugier, Zweifel und Ironie. ,, Ich habe es gelernt." ,, Kannst du es?" ,, Er kann mehr als wir," sprach der Gascogner dazwischen, der sich zu den beiden stellte. Wenn du es sagst," meinte der Pariser nicht ganz ernst und wiegte seinen Körper vor Spaß, einer Spur nachgekommen zu sein, und fügte an: ,, Dann wird es stimmen. Sagt mal," der Pariser beugte sich vor und legte seine Fangarme um die Schultern des Paters und des Gascogners, er hing sich förmlich an sie, lächelte 48 fang des Neuen he ,, Vielle eine Leid wandte si " Glaub Vielle nicht feie ten über leeren Sc Das Gascogne waren un 4 Mühr, ging in die voll Zärtlichkeit und Kraft und fragte:„ Wißt ihr, Frankreich. Kumpels, wo man das Wasser im Freien abschlagen du? Erde kann?" Bis zuletzt sahen auf e Kumpels, in kleinen Der Pater zeigte nach links, der Gascogner nach rechts. ,, Messieurs, schönen Dank, ich werde mich teilen," sprach der Pariser wie ein Beschenkter und trollte sich in eine Gegend. Er stoppte. In seiner Länge sah er aus, als wenn ein Flitzbogen gespannt würde. Wie mehr mit ein junger Hund, der auf seinen Herrn zuspringt, kehrte Blick nahm er zu den beiden zurück und fragte: ,, Messieurs, Wein seine Er gibt es hier nicht irgendwo?" Als der Pater und der Has Gesicht Gascogner verneinten, tippte sich der Pariser an seine Arbeiter," Stirn und sagte: ,, Dachte ich mir gleich, Paris ist weit annung, was und die Weinstuben geschlossen. Prosit, Messieurs, auf die Zukunft und was wir noch alles entdecken werden an uns." Er trollte sich endgültig in eine Gegend. ,, Was meinte er mit dem scharfen Prolog zum Anfang des Diners?" fragte der Gascogner hinter dem zwinkerte Neuen her. scogner da,, Vielleicht, - daß man sich sehenden Auges für eine Leidenszeit entscheiden soll," sagte der Pater und wandte sich zum Gehen. ,, Glauben Sie?" ,, Vielleicht auch, daß man während der Leidenszeit nicht ganz nicht feiert," sagte der Pater und seine Augen wandereiner Spur ten über den Tisch mit den abgegessenen Tellern und ann wird es leeren Schüsseln. Fich vor und ,, Das waren alles eigene Produkte," erregte sich der Paters und Gascogner. ,, Wir essen nicht auf fremde Kosten. Wir sie, lächelte waren unter uns, Pater Victor, das sollten wir öfters Mühr, Kontakte 49 tun. Alle sollten es tun, damit sie auf bessere Gedanken kommen." ,, Vielleicht bedrängte ihn noch etwas anderes." ,, Gegen uns?" ,, Das hoffe ich zu erfahren." ,, Also doch ein Unheimlicher." ,, Das sind wir uns alle, solange wir nichts voneinander wissen." Der Pater grüßte den Rest der Runde, verabredete sich mit dem Gascogner für den Abend und suchte die Baracke auf. Am Anfang des Ganges lag seine Kammer. Sie war so schmal, daß das Bettgestell tagsüber hochgeschlagen werden mußte. Eine Bretterwand war nur dreiviertel hochgezogen. Darüber sah man in die andere Seite der Kammer, von der ein Ofenrohr herüberkam und den kleinen Raum im Winter erwärmt hatte. Ein Blick durch den Spalt in der Wand am Ofenrohr, drüben war niemand. Den Klapptisch, der nicht viel größer war als die Unterlage eines Brettspiels, schlug der Pater herunter. Aus dem Kistenschrank griff er nach privater Kleidung, Wäsche und Unterzeug entnahm er einem Handkoffer. Zunächst ging er mit der Waschschüssel und dem Handtuch in den Vorraum der Toilette am Ende des Ganges und reinigte sich. - In dem Hauptraum der Toilette knallte eine Tür zu. Kräftiges Pfeifen begleitete langsame Schritte. ,, O, Monsieur Gaillard! Unser Pater Victor und Kumpel aller Gnaden," erscholl ein begeisterter Gruß. 50 So spät Erscheinu gener Kra sich die H geordneter der Wirk abhob... carde ,,, s Wer von dünne Ich w und steck ist das ri die Junge schlagen man über das Wer ,, Das ungebrate nicht dar ,, Um Augenwi Wo ,, Char beobacht sich dem in Halle laut und mittag, Ultimat e Gedan leres." chts vonerabredete suchte die Sie war geschlagen dreiviertel Seite der und den am Ofenoptisch, der mes Brettm Kistenäsche und Zunächst andtuch in Ganges und eine Tür Schritte. Victor und erter Gruß, ,, So spät?" wunderte sich der Picarde, eine sehnige Erscheinung voll frühlingshaften Geblütes mit gedrungener Kraft und abenteuerlicher Lebenslust. Er gürtete sich die Hose fest. Eine kleine Bürste sorgte für einen geordneten Schnurrbart im Spiegel, der sich auch in der Wirklichkeit wie eine kecke Leiste von den Lippen abhob. ,, Bleiben Sie uns erhalten," wünschte der Picarde ,,, sonst gibt es Mord und Totschlag." وو , Wer will dich töten?" fragte der Pater, triefend von dünnem Seifenschaum. ,, Ich wehre mich schon," sagte der Picarde eifrig und steckte sich eine Zigarette schwungvoll an. ,, Aber ist das richtig, wenn wir unter uns böse sind? Da sind die Jungen heil durch den Krieg gekommen und jetzt schlagen sie sich wegen eines roten Mundes. Den findet man überall. Haben Sie das gehört, Pater Victor, daß das Werk verlegt werden soll?" ,, Das ist in meiner Zeit die dritte Ente, die man ungebraten auf den Tisch der Baracke liefert. Ich glaube nicht daran." ,, Um so besser." Der Picarde säuberte sich die Augenwinkel. ,, Nicht wahr, Pater, Sie bleiben bei uns?" ,, Wo sollte ich anders hin?" - , Charles, Sie kennen ihn, Pater," der Picarde beobachtete seine Bewegungen im Spiegel und drehte sich dementsprechend auffallend ,,, er arbeitet neben mir in Halle IV und haust neben uns in 17,- er ist immer laut und weiß alles besser. Charles sagte heute Nachmittag, er hätte gehört, daß die Direktion an Sie ein Ultimatum gestellt." - 4* 51 MA دو Wie freundlich von der Direktion," sagte der Pater und trocknete sich das Gesicht, rieb sich den Hals und die Ohren. ,, Ja, es soll über die Gestapo gekommen sein. Entweder Schweigen oder Ausweisung nach Frankreich für Sie." Der Pater trocknete sich die Hände und spülte die Waschschüssel aus. ,, Wie köstlich, daß man jetzt so freundlich mit uns umgeht. Und was sagt Charles dazu?" ,, Charles war immer gegen Sie. Das wissen Sie, Pater. Charles behauptet, wenn Sie nicht bei uns wären, würde es uns besser gehen." ,, Und was sagst du?" Der Picarde verschönte sein Bild, indem er die Mütze aufsetzte. ,, Ich sage, daß die ersten von uns unter Kreuzen liegen würden, wenn Sie nicht für uns sprächen." ,, Gegen Unfälle und Krankheiten kann man oft nichts machen." ,, Sie tun mehr für uns, Pater." ,, Ich lasse Euch nicht allein." ,, Darf ich das sagen, daß Sie bei uns bleiben, wenn die Sprache auf Sie kommt, auch Charles gegenüber?" ,, Sage, was du denkst, aber nicht zuviel. Du weißt, wir lieben keine Propaganda." ,, Bravo!" rief der Picarde und grüßte sich im Spiegel und dann den Pater, dem er die Tür öffnete und den Vortritt ließ. In seiner Kammer zog der Pater den schwarzen Anzug an, schlug dann das Liegegestell herunter, setzte sich auf das nackte Holz dicht am Fenster und las in 52 seinem B und den Es klop Herr deutsch a „ Für e ob ich sp Der Pa Der B braunen K von dener Wange n meinte di Pater schlagene Werd " Der P ,, Abge ,, Ich feiertage ,, Es h Sie nach der Deu Zusamm sie etwa ,, Ich Passion Der I mit eine Ton lie Hälfte der Pater Hals und sein. Entkreich für spülte die jetzt so es dazu?" ssen Sie, ins wären, die Mütze mter Kreusprächen." oft nichts ben, wenn genüber?" Du weißt, im Spiegel te und den schwarzen nter, setzte und las in seinem Brevier. Wieder fand er für sich die Besinnung und den Frieden in Augenblicken ohne Zeit... Es klopfte. ..Herr Schmidt?" redete der Pater den Eintretenden deutsch an. ,, Für einen Augenblick, bitte. Ich weiß nämlich nicht, ob ich später kommen kann." Der Pater wies auf den Platz neben sich. Der Besucher, hager, die Glatze mit einem graubraunen Käppi verdeckt, mit Augen in dunklen Höhlen, von denen es auf der einen Seite herunterzuckte und die Wange nervös erregte, zeigte auf die Bretterwand und meinte die andere Seite. Pater Victor behielt die Finger zwischen dem aufgeschlagenen Brevier und sagte: ,, Wir sind allein." ,, Werden Sie morgen frei sein?" fragte der Deutsche. Der Pater schüttelte den Kopf. ,, Abgelehnt?" ,, Ich habe es nicht versucht, um nicht die Osterfeiertage zu gefährden." ,, Es hätte sich sicherlich jemand gefunden, der für Sie nachgearbeitet hätte, Pater Victor," wunderte sich der Deutsche und schlug die Hände zwischen den Knien zusammen. ,, So helfen sich die Arbeiter aus, wenn sie etwas vorhaben." ,, Ich bin dankbar, daß es so geht. Das Erlebnis der Passion besteht immer." Der Deutsche stimmte zu und sprach vor sich her mit einer Zurückhaltung, die dem Wort mühsam den Ton lieh. ,, In meiner Abteilung fehlt ab heute die Hälfte der jüdischen Arbeiter. Keine Nachricht, keine 53 Abmeldung. Sie fehlen. Fürchterlich, die Menschen verschwinden zu sehen und nichts dagegen tun zu können! Die Abholkommandos grassieren hemmungslos. Ob Männer oder Frauen, Greise oder Kinder, es ist gleich." " Der Pater schien davon zu wissen. , Wie lange soll das so weitergehen?" sprach der Deutsche und sah den Pater wie eine Verkörperung nächster praktischer Hilfeleistung an. 99 , Wir haben es alle zu erdulden," sagte der Pater und legte das Brevier auf die Platte am Fenster, die er als Tischchen hochklappte, um darauf auch eine kleine elektrische Lampe zu setzen, die bisher unter dem Bett abgestellt war. ,, Alle sehen es und alle schweigen, müssen schweigen," packte den Deutschen innere Heftigkeit. ,, Völker werden selten zu Märtyrern," sagte der Pater. ,, Und die einzelnen Opfer bleiben ohne Wirkung. Wie lange wird Gott zusehen, daß Millionen sterben oder fallen? Was haben sie Schlechtes getan? Was hat mein Schulfreund Böses getan, daß er vor zwei Monaten in ein Sammellager geschleppt und dann fortgeschickt wurde auf die große Reise? Er war zu anständig, um sich rechtzeitig zu drücken, weil er Familie hatte. Er sah die Gefahr seit langem kommen und er blieb. Er liebte das Deutschtum, er liebte unsere Dichter. Und er war ein Jude, ein Fremdstämmiger. Er sprach nur deutsch. Nun sind sie alle fort, er, die Frau, die beiden Kinder. Was sagt Gott dazu, wenn wir Menschen schon schweigen?" 54 " Wir " finden," a „ Auch Werk Ich ve sich der D ich verste das an m samen Me Menschen einen Sin Menschen mit Waff sicht, ein dann aus begreife Peinigers seinen Z lieferung wendbare mord nic diesem i Der P Rücken das von stunden schen vo nicht an Aber willkürl Menschen un zu kön mmungslos. der, es ist sprach der rkörperung der Pater enster, die auch eine Fisher unter en schweieit. e der Pater. Wirkung men sterben etan? Was vor zwei dann fortwar zu aner Familie men und er msere Dich mmiger. Er port, er, die dazu, wenn Wir müssen uns im Labyrinth der Erde zurecht finden," antwortete der Pater. ,, Auch ohne Schuld?" ,, Wer kann das von sich sagen?" ,, Ich verstehe die Welt manchmal nicht mehr," fühlte sich der Deutsche genötigt so zu reden ,,, ich sage Ihnen, ich verstehe Gott nicht mehr. Ich fühle ihn nicht. Liegt das an mir oder an der grausamen Zeit, die von grausamen Menschen beherrscht wird? Oder an Gott? Wenn Menschen im Kriege fallen, dann kann ich vielleicht einen Sinn darin sehen. genau, wie wenn sich zwei Menschen zu Tode raufen. Aber nichts zu tun, weder mit Waffen noch mit Sabotagen, nur ein anderes Gesicht, eine andere Nase, andere Haare zu haben und dann ausgerottet zu werden, das begreife ich nicht. Ich begreife Gott nicht, daß er den erhobenen Arm des Peinigers nicht züchtigt. Ich fühle Gott nicht, weder seinen Zorn noch seine Milde. Ich sehe nur die Auslieferung der menschlichen Kreatur an etwas Unabwendbares. Und sagen Sie, Pater Victor, ist der Selbstmord nicht die eigentliche Erlösung des Menschen von diesem irdischen Jammertal?" Der Pater hatte die Arme aufeinander gelegt und den Rücken an die Fensterwand geschoben. Er betrachtete das von seelischer Not, geistiger Bedrängnis, von Überstunden und Nachtarbeit verzehrte Gesicht des Deutschen von der Seite und sagte: ,, Dem Christen steht es nicht an, den Tod zu suchen." ,, Aber dem Menschen steht es an, anderes Leben willkürlich zu verkürzen. Womit haben das Hundert55 - tausende, Millionen Juden verdient, daß sie umgebracht werden? und wodurch sind die, die das Gemetzel und den Krieg überleben, besser, denn sie leben, Pater Victor? Leben, das gibt es für uns nur einmal, soweit ich Verstand habe. Unfall, Tod durch Bomben, durch ausströmendes Gas, das alles wäre verständlich. Aber durch nichts anderes schuldig und vogelfrei werden als durch das Dasein, das ist wie schleichende Pest!" ,, Man muß dem Ungewöhnlichen einen höheren Sinn abgewinnen," bemerkte der Pater. ,, Als Trostpreis und Notlösung?" ,, Unsere Rätsel sind Gottes Weisheit, lernte ich in meiner Jugend." ,, Und wenn ich am Rätsel zugrunde gehe, Pater Victor?" دو Wir sterben alle im Rätsel." ,, Weil sich mein Leben dem Ende neigt, nicht, weil es abgeholzt wird und zerschlagen." ,, Ohne Unterlaß hat der Vater den Menschensohn geboren, heißt es. Wir leben mit allen weiter, auch mit den Opfern, mit den Toten." ,, Soll das einen Sinn abgeben?" ,, Vielleicht die letzte Aufgabe des christlichen Menschen: wir tragen alle einen Wald von Kreuzen, um das Leben hinter uns zu bringen und Gott vor uns zu fühlen." ,, Wie arm ist der Mensch! Wie wenig bleibt übrig, Pater Victor!" ,, Beten war niemals wenig, denn es lehrt uns die Furcht zu überwinden und Gott näher zu kommen. Gott ist die Allmacht, auch wenn wir verzweifeln." 56 ,, Das V jeden Fal das Leber Das L eigentliche immer hab die Schlec denen erge den sie sic sie in sich wenn er in Das sa Christen u ,, Sagen Ruhe, als Pater besonders Anfall vo " Waru Die le streckte s sich wie f Sie tu zusammen viel." Meh Aber wen Arbeit na Tages au dann, wi die Kind umgebracht metzel und ben, Pater mal, soweit aben, durch Hlich. Aber werden als e Pest!" Sheren Sinn emte ich in ehe, Pater nicht, weil enschensohn er, auch mit Lichen Menzen, um das zu fühlen." bleibt übrig. ,, Das Verzweifeln, Pater Victor, das lernen wir auf jeden Fall in diesen Zeiten, bei unserem Experiment, das Leben zu erhalten." ..Das Leidenkönnen und das Leidenstillen ist unsere eigentliche menschliche Aufgabe. Vergessen Sie nicht, immer haben sich die Besten für die Vielen und für die Schlechten geopfert. Was wissen wir denn, wie es denen ergeht, die dieses Scharmützel überstehen? Werden sie sich wandeln? Werden sie sich bessern? Werden sie in sich hineinschauen und auch den Bruder lieben, wenn er in Not ist?" ,, Das sagen sie einmal der Welt, den 770 Millionen Christen und den Übrigen!" ,, Sagen?" wiederholte der Pater und blieb in der Ruhe, als er sagte: ,, Leben! Es muß gelebt werden." ,, Pater Victor," redete der Deutsche den Franzosen besonders feierlich an ,,, ich kam in einem scheußlichen Anfall von Hilflosigkeit zu Ihnen." ,, Warum, Herr Schmidt?" " der Deutsche ,, Die leeren Hände, Pater Victor streckte seine Hände aus, ließ sie fallen und besah sie sich wie fremde Geräte ,,, Hände, die nichts tun können." ,, Sie tun viel, Herr Schmidt, sonst wären wir nicht zusammen. Schon die Probleme zu empfinden, bedeutet viel." ,, Mehr will ich tun. Helfen, bewahren, heilen, retten. Aber wer bin ich denn? Ich gehe morgen früh von der Arbeit nach Hause, lege mich schlafen, bekomme eines Tages auch einen Gestellungsbefehl. Gut, man weiß u kommen. dann, wie man sich benimmt. Die Frau wird weinen, erzweifeln." die Kinder verstehen nichts von Abschied, wohl ihnen! hrt uns die 57 Aber hinausgetrieben zu werden wie Vieh und abgeschlachtet-" der Deutsche schüttelte sich, stand auf und sah den Pater an. ,, Lieber Pater Victor, darf ich Sie so anreden? Ich kam verzweifelt zu Ihnen und nun nach einer halben Stunde gehe ich von Ihnen fort mit dem Gefühl, mich erneut zurecht zu finden. Das ist sehr viel, glauben Sie mir, in diesen Jahren völligen Alleinseins. Oftmals fangen wir Deutschen dann so tief an zu grübeln, daß wir darüber das Leben verlieren und die Bewährung darin. Ich danke Ihnen, Pater Victor, für alle guten und helfenden Worte." ,, Sehe ich Sie noch, lieber Herr Schmidt?" 99 Wäre noch Dringliches?" fragte der Deutsche bereitwillig. ,, Ich hoffe zum Schluß der Abendpause." ,, Es könnte etwas sein." 66 ,, Ich komme auf jeden Fall." ,, Dank, wenn Sie es einrichten." Der Händedruck, der mehr enthielt, als eine Geste zeitweiliger Verabschiedung. Ein unwillkürlicher Blick zu der Wand, hinüber zu dem anderen Raum. Der Pater winkte bedenkenlos ab. Nickte dem Deutschen freundlich nach, griff zum Brevier. Er war schon vertieft, als die Klinke seiner Kammertür von draußen eingeklemmt wurde. Die Augenblicke rannen erneut in gröBere Zeiträume hinüber, und ein Mensch kehrt aus seinem Schicksal in eine Lesung über die Ewigkeit ein. Zum Beginn der ersten Abendpause im Werk erschien der Gascogner. Die Zeit war so verabredet, um verschiedenen Helfern, die Schicht hatten, den Besuch zu ermöglichen. Der Gascogner schloß die Fensterläden der Kammer. 58 Ich will Pater. Geht es i S ,, Er soll Geben Sie für Pierre ein „ Das solls „ Ich werde ihm hinüber. ,, Bleib, bit schlossenen Kumpels bei exponieren. S dem Gascog nannte ihn ei Ich lasse beharrte der Der Pater ich es anstel Klopfen a der Pater da in seinem Lä Bis zum einem überbe die Uhr und wortlos und Der Gasco in verschied plätzen leist beachten, a ersten Stun ne(este ner Blic „Ich will morgen für Pierre arbeiten, sagte der Pater. „Geht es ihm so schlecht?“ „Er soll sich schonen!“ „Geben Sie auf sich acht, Pater Victor. Ich werde für Pierre einspringen. „Das sollst du nicht.“ „Ich werde mit Gaston tauschen. Ich gehe gleich zu ihm hinüber. Gaston tut das, ohne zu fragen." „Bleib, bitte,“ beschwichtigte der Pater den ent- schlossenen Gascogner.„Ich brauche dich, um die Kumpels beieinander zu halten. Du sollst dich nicht exponieren. Schau nicht so düster!“ Der Pater fuhr dem Gascogner mit der Hand durch den Blick und nannte ihn einen Schwarzseher. „Ich lasse mich lieber zum Weißseher bekehren,“ beharrte der Gascogner auf seiner Mahnung. Der Pater blieb unbeirrbar.„Es fragt sich nur, wie ich es anstelle,“ sagte er nachdenklich. Klopfen an der Tür, die erst geöffnet wurde, als der Pater dazu aufgefordert hatte. Mit einer Frage, die in seinem Lächeln stand, sah Meko herein: „Bis zum Ende der Pause,“ sprach der Pater in einem überbetonten Deutsch zu dem Russen, zeigte ıhm die Uhr und ließ ihn die Stunde ablesen. Meko verstand wortlos und verschwand. Der Gascogner überlegte, wie der Pater Doppelarbeit in verschiedenen Hallen und an verschiedenen Arbeits- plätzen leisten könnte. Auch die Aufsichtsfrage war zu beachten, allerdings wurde die Morgenschicht in den ersten Stunden nicht so kontrolliert. Der Nachtschicht 59 stand nur ein Werkmeister in jeder Halle vor und die Bewachung durch die schwarzen Uniformen war während Luftgefahr in besonderer Bereitschaft, sonst unsichtbar. Wie kam man zu einem Arbeitsaustausch? Es kam mehr auf die Person als auf die Qualität an, denn Meko würde auf bewährte Weise die Arbeit dazu leisten. Recht ger chen wir einer Der kleine stellung wie noch mehr ,, Schade." „ Ich wollte Klopfen und zögerndes Öffnen. Ein dunkler Kopf auf französis mit einer Hornbrille zeigte sich vorsichtig. " , Verzeihen Sie, Herr Pater, wir mußten noch eine Störung beseitigen, sonst wäre ich pünktlich." Der kleine Mann, dem die Monteurkluft um die Glieder schlotterte, Anfang dreißig, mit einer schwarzen Riesenmähne, trat näher und behielt die Hand des Paters länger als es üblich war. Er redete auf deutsch weiter: ,, Ich bin so froh, daß Sie da sind. Heute jagten sich wieder die Gerüchte. Man erzählte mir beim Umziehen. Sie seien abgeführt. Da traf ich Josef, den kleinen Polen, der hatte Sie nachmittags in die Baracke gehen sehen." Eine warme Welle der Teilnahme und Besorgnis strömte aus diesen Worten auf den Pater ein. Er zog einen Schemel unter dem Bett für den dritten Gast hervor. Daraufhin setzte sich der kleine Mann behutsam, umflattert von Stoff, so umfangreich war ihm der verschlissene, farblos gewordene Arbeitsanzug. ,, Bleibt es bei Bach?" fragte er mit einem Gesicht. in dem die Melancholie mit der Aufgewecktheit eines künstlerischen Temperamentes um den beherrschenden Ausdruck stritt. 60 einzuschließe verstand. ,, Vorher ü der Gascogn und war so gesprochen ,, Das ist des kleinen N schicht. Ans zu Ihrer Ar Herr Hi ,, Warum jeden Fall vo ich nach ein wohl nieman gegangen ist Bereitwillig verständliche Der Pater auch Harmo Instrument Arbeiter be messe. Es vor und men war ft, sonst stausch? lität an peit dazu er Kopf och eine Der kleine rschlot Riesens Paters h weiter: gten sich mziehen kleinen ke gehen Besorgnis a. Er zog ten Gast war behut Ganzug. ihm Gesicht heit eines ,, Recht gern, Herr Hirsch, nur zur Ostermesse brauchen wir einen anderen Schluß- Karfreitag fällt aus." Der kleine Mann auf dem Hocker nahm die Umstellung wie eine persönliche Enttäuschung auf, sackte noch mehr in den Stoffbehang hinein und sagte: Schade." ,, Ich wollte den Feiertag retten," erklärte der Pater auf französisch, um den Gascogner in das Gespräch einzuschließen, weil der dritte ebenfalls die Sprache verstand. " Vorher übt er sich aber in Doppelschicht," spielte der Gascogner auf des Paters Hilfe für Pierre an und war so die Veranlassung, daß davon ausführlich gesprochen wurde. ,, Das ist leicht, meine Herren," war die Ansicht des kleinen Mannes auf dem Schemel,..ich habe Nachtschicht. Anschließend treffe ich Meko und wir gehen zu Ihrer Arbeitsstätte, Herr Pater." ,, Herr Hirsch- ,, 66 Warum denn nicht, meine Herren. Da Pierre auf jeden Fall vom Arzt mit Bescheid zurückkommt, werde ich nach einigen Stunden abgelöst. Es soll ja auch wohl niemand wissen, wann Pierre zur Untersuchung gegangen ist," sprach der kleine Mann, ohne aus seiner Bereitwilligkeit mehr zu machen, als daß es eine selbstverständliche Freundlichkeit war. Der Pater und Hirsch, der von Beruf Pianist war, auch Harmonium spielte und seit längerer Zeit dieses Instrument bei den Gottesdiensten der französischen rschenden Arbeiter bediente, sprachen über die Musik zur Ostermesse. Es blieb bei französisch, wenn auch der Gas61 Abteilung ge der Kluft ab diensttuende klar werden, da Pierres A Läme selten e gab noch ein p da wurde di Meko gab cogner mehr zuhörte als verstand, was die beiden Männer über das musikalische Programm redeten und welche Stücke sie zum Feiertag auszuwählen gedachten. Pater( chsen herun Victor wünschte gern einen Teil der Karfreitagsmesse und dann w musikalisch in die Ostermesse hinübergeleitet, um mit einem ernsten Thema zu intonieren. Bach sollte bleiben. Worauf der Musiker den Vorschlag machte, eine Haydnmesse für den zweiten Teil der Feier anzusetzen. Bach im ersten Gefolge seines musikalischen Evangeliums, Haydn in der Fröhlichkeit und im Jubel für Gottes Reich und diese Welt, die auch im letzten Abgrund den Zauber des Unendlichen entfaltet. Hirsch selbst empfand seinen Vorschlag als kühn, glaubte jedoch seine eigenen Bedenken zerstreuen zu können durch den Hinweis auf die Ungewöhnlichkeit des Anlasses, eine Ostermesse für Franzosen in einer Maschinenhalle in Deutschland stattfinden zu lassen, ähnlich wie es schon zu Weihnachten und an hohen Festtagen gepflegt worden war. Es kam auf die Auswirkung gleich beend der Feierstunde und auf den Zusammenklang von Karfreitag und Ostern in einer Messe an. Klopfen an der Tür. Herr Schmidt trat ein, der dem Gascogner und dem Musiker bekannt war. Er wurde von Pater Victor um Rat gefragt, ob er wüßte, wer in Halle III, da wo Pierre arbeitete, Werkmeister der Morgenschicht und wer Polizist vom Dienst war. Schmidt sprach im Gegensatz zu seinen bohrenden Untersuchungen im früheren Gespräch mit dem Pater jetzt mit einer Knappheit ohnegleichen und erbot sich, mit dem Werkmeister zu reden. Erst neulich hätte dieser zu den Juden seiner Schmidt g leuchteten G noch mit M zu verabrede das aus vers hall fand. Es war bal Der Schen das Strohkis kleine Lamp Pater Vic er seinem F terte darin. Versen hatt In der K im Schloß. das Licht a m Marscht 62 den Män Abteilung gesagt:„, Kinder, macht das Sternchen von nd welche der Kluft ab! Wir laufen hier nicht wie die Pfingstten. Pater ochsen herum oder ich müßte mich auch schmücken tagsmesse und dann wäre der Kladderadatsch da!" Über die et, um mit diensttuende schwarze Uniform konnte man sich nicht te bleiben. klar werden, doch Schmidt wies auf die geringe Gefahr, chte, eine da Pierres Arbeit dicht unter dem Dach wäre. Dahin nzusetzen. käme selten eine schwarze Uniform zur Inspektion. Er Evange. gab noch ein paar technische Hinweise für Pater Victor, Jubel für da wurde die Unterhaltung unterbrochen. etzten Abet. Hirsch Meko gab dringende Zeichen an der Tür. Schmidt grüßte und verschwand auf dem kaum beglaubte je leuchteten Gang, rasch folgte der Musiker, um sich zu können noch mit Meko für die morgendliche Ersatzschicht it des An zu verabreden. Der Gascogner trällerte ein Liedchen. einer Ma das aus verschiedenen Kammern vergnügten Widerassen, ähn hall fand. ohen Fest Es war bald neun Uhr. Die Werkpause wäre sowieso uswirkung gleich beendet gewesen. von Kar r und dem Victor um II, da wo chicht und ch im Ge im frühe Der Schemel wurde beiseite gestellt, die Decken und das Strohkissen für das Nachtlager ausgelegt und die kleine Lampe herangerückt. Pater Victor kniete zum Gebet nieder. Dann entnahm er seinem Brevier ein schmales Heftchen und blätterte darin. Gedanken, Sprüche in Prosa, Gebete in Versen hatte er dort eingetragen. In der Kammer nebenan drehte sich der Schlüssel Knappheit im Schloß. Die Tür wurde auf- und zugestoßen und das Licht angeknipst. Tritte von Schaftstiefeln, Pfeifen im Marschtakt. Sachen wurden abgeworfen, ein Koppel meister zu den seiner 63 schlug klirrend auf. Lautes Gähnen. Eine Schranktür knarrte. Schritte hin und Schritte her. ,, Musjö?" fragte es herüber ,,, sind Sie da, Doktor?" ,, Bitte?" 99 ,, Ach, Sie sind da. Ich sah Licht und da ich niemanden hörte, dachte ich, fragst mal. Kann ja nicht schaden." Pausen mit Gähnen und Schritten. ,, Alles klar mit Sonnabend, Sonntag, auch Montag. Früh Dienst. Abends, was der Mensch braucht. Nun, Musjö, hinein in die nächste französische Nacht." In der Nac stimmung ve die grünende hallen, um d Ritzen, hinei Drüben knarrte und quietschte das Bett. Ein Streichholz wurde angestrichen. Bald darauf wehte Zigarettenrauch hinüber in die Kammer des Paters. den Dachspit Trägern, Stu Auf der äu lard den Mo Der lag im Bett und las in den Notizen über seinen Abschied von Frankreich im Herbst 1943. war er durchf ,, Keine Schwierigkeiten dem Tod gegenüber. Ich sehe nichts, von dem ich mich loslösen müßte. Ich habe ein für alle Mal mein Leben dahingegeben. Wurde es mir noch nicht genommen, so ist es Zufall oder vielmehr Gnade. All Zeit zur Verfügung 66 er winzige S nicht weiche fühlte nicht d fühlte er kau und er sah seine Anstre zwungen wer Alle Auge sich die Hän er wieder hi holen, ein W nur Ablenku dann peitsch ganzen Kör steigen, um Hann konnte hätte er au Mühr, Kon chranktür II Doktor?" iemanden Schaden." In der Nacht hatte kalter Wind die linde Frühlingsstimmung verjagt. Wie eine Eisfontäne stob es über klar mit die grünenden Felder und prasselte auf die FabrikDienst. hallen, um die Ecken, an die Fenster und durch die jö, hinein Ritzen, hinein in die Hallen und wirbelnd hinauf zu den Dachspitzen und hin und her zwischen den eisernen Streich Trägern, Stützen und Nagelbindern. igarettenDer seinen Ich sehe Auf der äußeren Rollbrücke reparierte Victor Gaillard den Motor. Eine Stunde arbeitete er, eine Stunde war er durchfroren. Mit Daumen und Zeigefinger mußte er winzige Schrauben lösen. Die Schrauben wollten nicht weichen. Er fühlte nicht mehr die Finger, er fühlte nicht die Arme, selbst den Körper auf den Füßen fühlte er kaum. Er sah über die blauen Finger hinweg, vielmehr und er sah die Köpfe der kleinen Schrauben, denen seine Anstrengung galt, wie winzige Erdteile, die bezwungen werden mußten. habe ein de es mir Alle Augenblicke stieg er von der Leiter und wärmte sich die Hände an einem Kohlenbecken. Dann kletterte er wieder hinauf zur Rollbrücke. Es war ein Atemholen, ein Wechsel der Bewegungen, keine Linderung, nur Ablenkung. Kaum stand er wieder vor dem Motor, dann peitschte die Kälte seine Hände, seine Arme, den ganzen Körper. Er hatte es erst vermieden, hinabzusteigen, um nicht aufzufallen in der fremden Halle, dann konnte er nicht anders, er mußte es tun, sonst hätte er aufschreien mögen. 5 Mühr, Kontakte 65 Als er wieder an dem Kohlenbecken sich die Hände rieb und sie über dem heißen Wrasen* wendete, tauchte Meko auf und setzte seinen Werkzeugkasten ab. Der Pater sah auf den mächtigen Russen gegenüber und sah, wie er die Hände dem Rand des Wärmespenders näherte. ,, Nix gut," sagte Meko vor sich hin und spreizte die Finger. Sein Blick blieb über dem Kohlenbecken. Der Pater suchte in Mekos Gesicht. Was meinte er? Hatte sich drüben etwas ereignet? ,, Hand schlecht," sprach der Gehilfe, bewegte wenig die Lippen, zog die Finger vom Kohlenbecken ab und stampfte mit den Füßen. Er schien sich den Frost vom Körper abzuschütteln. ,, Hände gut," sagte Meko. Wie Flügel breitete er die Arme und stieß die Finger einer Hand mehrmals durch seine dichten Haare. Auch die andere Hand vollführte die Prozedur. ,, Doktor verstehen?" fragte Meko, stampfte mit den Füßen und tat so, als ob er sich weiterwärmte. Der Pater verstand. Er trat von dem Kohlenbecken zurück und fuhr sich mit den Fingern durch die Haare. Merkwürdig, so einfach der Vorgang, so schnell war die Wirkung. Ein Strom an Wärme ergoß sich in die Finger des Paters und belebte die Glieder und ihre verscheuchte Energie. ,, Sonst nix," sagte Meko, stampfte hin und her und sah sich nach seinem Werkzeugkasten um. Er grüßte kaum, als er sich umdrehte und verschwand. Der Pater klomm zur Rollbrücke empor. Wie Klammern legten sich Daumen und Zeigefinger um die winzigen Schra kerung. Sch löste sich u starren drob die Kälte u konnte bis z Er zögert er mied die Nebenausga kehrte zu e ein, die die konnte er ei mädchen an Pater zählte lassene Spi Mädchen a Die Sich der Pater. erscheinen, der schwar Vom Bal heiseres Ja fältige Wei sträuch das unsichtbare Der Pat warm. Die hüpfte und Arme in erstarrt wa legung bra 66 * Wrasen( niederdeutsch) = Brodem, wallender Dampf. 5* Hände tauchte b. egenüber Wärmespreizte mbecken. einte er? te wenig ab und en Frost ete er die als durch ollführte e. mit den enbecken e Haare nell war ch in die und ihre her und zigen Schrauben. Er fühlte den Druck und die Lokkerung. Schraube für Schraube, Erdteil für Erdteil löste sich unter der Kraft. Wenn die Finger zu erstarren drohten, fuhren sie durch die Haare und es wich die Kälte und Leblosigkeit. So hielt der Pater aus und konnte bis zur ersten Pause auf der Rollbrücke bleiben. Er zögerte nicht, den Arbeitsplatz zu verlassen, aber er mied die Kantine, auch wenn ihn fror. An einem Nebenausgang der Halle stand der Pater und sein Blick kehrte zu einem nebligen Dunst zwischen den Feldern ein, die die Sonne fahl anschien. In die nächste Halle konnte er einsehen, in jenen Lagerraum mit den Judenmädchen an den Tischen. Die Plätze waren leer, der Pater zählte die Tische, es waren noch neun. Wie verlassene Spieltische für Kinder sahen sie aus, da die Mädchen auch Pause machten. Die Sicht mit der Halle auf die Rollbrücke behielt der Pater. Pierre mußte bald von seinem Arztbesuch erscheinen, das war wichtig, ehe die Morgenkontrollen der schwarzen Uniformen begannen. Vom Bahngeleise herüber stieß eine Lokomotive ein heiseres Jauchzen in den Morgen; den Vögel auf vielfältige Weise begrüßten. Da kein Baum und wenig Gesträuch das Gelände schmückte, hatten sie sich zu einem unsichtbaren Chor versammelt. Der Pater schlug sich den Körper mit den Händen warm. Die Kälte wich nicht aus seinen Gliedern. Er Er grüßte hüpfte und tanzte in kleinen Schritten, er warf die Arme in die Höhe. Er fühlte die Gelenke kaum, so erstarrt war alles an ihm. Keine Kraft und keine Überlegung brauchte er jetzt, um in die Materie, um in ihr ie Klam die win ander Dampf 5* 67 Leben, in ihre Melodie und ihr Geheimnis einzudringen. Es galt nicht, den lebendigen Leib der Arbeit zu formen wie in den Stunden vorher und trotzdem bebte es in ihm in stummer Qual. Keine Energie, die ihn durchströmte. Keine Empfindung, die ihn beseelte. Keine Besinnung, die ihn tröstete. Er konnte keinen Gedanken fassen. Sein Dasein war ein gefrosteter Block Fleisch. Über sein Antlitz rannen Tränen. Er wollte sie abschütteln, aber er vermochte es nicht. Auf einmal empfand er Wärme. Er fühlte seine Wangen wieder und seine Hände hoben sich und tasteten danach. Der warme Quell seiner Augen drang als Labung in die Poren und benetzte die Landschaft des Gesichtes. Der Pater fühlte sich wieder wenn auch nur in der kleinen Fläche zwischen Stirn und Kinn. Angelehnt an einen Pfosten hielt er die Hände in seinem Haar und legte sie an die Wangen. Legte sie zusammen und faltete sie. Durch Tränen und Qual stießen die ersten Gedanken vorwärts. Seine Augen nahmen vom Himmel den Glanz und die Feierlichkeit des Morgens aus der Welt, die den Schlaf in nebligen Strömen ausstieẞ. schiffer, sei abgeschieden länder der stieg er hina Wunder, da wurde. Der' Pater wankte und hielt sich an der Wand. Das Signal für das Ende der Pause hörte er wie ein fernes Zeichen jüngsten Gerichtes. Er sah in die Halle, in der er arbeitete, und sie enthüllte in ihrer Leere Verdammnis. Material und Werkzeuge lagen verlassen und tot wie Gerippe der Arbeit. Als der Pater mühsam den Weg zur Rollbrücke nahm, da stieß durch sein Bewußtsein die Phantasie, daß er Charon, der Toten68 Am Absa beitsanzug. Kohlenbeck sich dazu. Pierre sc der Kohler andere. Es sein Gesich ,, Pater ,, Vierzehn Rückbeförd schwangen Ich habe arzt. Ich w mich abmel Der Pat Kohlenbec liche Wärm Ich bin Die Aug spuren wie Rollbrücke Motor." Komm fragte Pien ringen. Formen = es in Emplie ihn in Dan Antaber er Värme. ehoben seiner tzte die wieder n Stirn e in selegte sie d Qual Augen lichkeit nebligen nd. Das n fernes Halle, in ere Ver ssen und mühsam rch sein Totenschiffer, sei, der hier in der großen leeren Halle nach abgeschiedenen Seelen fahnde. Er fühlte nicht das Geländer der Treppe, er fühlte nicht die Stufen. Schwer stieg er hinauf, doch es war ihm, als schwebte er. Kein Wunder, daß er sich kaum umsah, als er angerufen wurde. Am Absatz der Treppe stand Pierre in seinem Arbeitsanzug. Lächelnd nickte er hinauf und trat zum Kohlenbecken. Der Pater kletterte herunter und stellte sich dazu. Pierre schwang die Fäuste über dem feurigen Atem der Kohlen und humpelte von einem Bein auf das andere. Es loderte in seinem Körper vor Freude, wie sein Gesicht in guter Laune schwelgte. ,, Pater Victor, Sie haben geholfen," rühmte er. ,, Vierzehn Tage Beobachtung im Krankenhaus, dann Rückbeförderung in die Heimat." Die jungen Fäuste schwangen wie Paukenschlegel über dem Kohlenbecken. ,, Ich habe alle Belege mitbekommen für den Betriebsarzt. Ich werde bis Mittag Schicht machen und dann mich abmelden." Der Pater sah auf die jubelnden Fäuste über dem Kohlenbecken und dachte an Meko, der ihm die natürliche Wärmeerzeugung während der Arbeit gezeigt hatte. ,, Ich bin Ihnen so dankbar, Pater Victor." Die Augen des Mannes, in dessen Gesicht die Tränenspuren wie trockene Rinnsale auflagen, hoben sich zur Rollbrücke, und er sagte: ,, Dein Werkzeug liegt beim Motor." ,, Kommen Sie mich im Krankenhaus besuchen?" fragte Pierre und die Erwartung einer Zusage drängte aus 69 seinem Körper in Bewegung. ,, Ich bin ja so glücklich." Der Pater nickte und holte vom Fuß der Treppe seinen Werkzeugkasten. Er nahm ihn zärtlich wie eine Behausung, die viel Gutes barg, unter den Arm und sagte im Vorbeigehen zu Pierre: ,, Schreibe von deinem Glück nach Orleans." ,, Das tue ich heute nachmittag, Pater Victor." ,, Auch an die Mutter, Pierre." ,, Danke, Pater Victor," nahm der Bauernsohn aus dem Departement Orleans den Hinweis an und klomm die Leiter zur Rollbrücke hinauf, langsam. Stufe für Stufe, das kranke Bein nachziehend, den Blick hinter dem Pater hersendend. Der Mann mit dem Werkzeugkasten unter dem Arm verließ die Halle durch die Nebentür, an der er während der Pause gestanden und vor Kälte und Erschöpfung mit sich gekämpft hatte. Die Sonne stach wie ein Brennglas auf den Arbeitsanzug, auf den Kopf, auf die Hände des Paters. Wohlig durchrieselte es ihn. Die Tische im Lagerraum waren besetzt. Die Köpfe der Mädchen nickten wie Tauben, die sich in Gruppen niedergelassen hatten, um im nächsten Augenblick aufgescheucht zu werden. Mit festen Schritten, denen seine Gedanken voranliefen, ging der Pater auf seine Halle zu und entdeckte Meko und den kleinen Hirsch in einer Ecke, unweit der Drehbänke, wo die fünfzig Kollegen arbeiteten. Unauffällig ging der Platzwechsel vor sich. Hirsch schlenderte davon. Der Pater ließ sich in die Materie einweisen, was Meko mit dem verklärten Lächeln des 70 erfahrenen fachen Me Nebenmann da gerne hi Kurz vor nung, die forderte. D standen Ma standen die Alarme lan Man stand unterirdisch konnte ma Fenstersch wänden ge Fliegerges Luftschutz rend die D sie die a Russen, U nahmen ge Himmelss hinaus, de formen un ten. Sie v schwander oder Ohn Mit de drückend. meln, das den Fens klich." reppe ie eine m und Heinem hn aus klomm fe für hinter m Arm er währschöpwie ein auf die hn. Köpfe Gruppen ck aufvorantdeckte unweit beiteten. Hirsch Materie meln des erfahrenen Arbeiters und der Behutsamkeit des einfachen Menschen vornahm, der die Gültigkeit des Nebenmannes auf anderem Gebiet respektiert und ihm da gerne hilft, wo er der Unterstützung bedarf. Kurz vor der Mittagspause gab es die erste Luftwarnung, die zum Aufsuchen der Luftschutzräume aufforderte. Das waren die Keller unter den Hallen. Dort standen Maschinen und lagerte Material und dazwischen standen die Menschen und kauerten Frauen, wenn die Alarme lange dauerten. Sitzgelegenheiten gab es nicht. Man stand nebeneinander wie das Vieh in einem unterirdischen Pferch. Auf mitgebrachte Klappstühle konnte man sich setzen. Durch die lang gezogenen Fensterscheiben, die tagsüber nicht einmal mit Holzwänden geschützt wurden, sah man die heranziehenden Fliegergeschwader auf einem Himmelstreifen. Hier im Luftschutzraum trafen alle Völker zusammen. Während die Disposition der Arbeit sie noch trennte, schloß sie die allgemeine Gefahr zusammen. Franzosen, Russen, Ukrainer, Polen, Juden, Deutsche, sie alle nahmen gemeinsame Deckung vor den heranbrausenden Himmelsstürmern. Niemand durfte während des Alarms hinaus, denn vor den Türen standen die schwarzen Uniformen und die Luftschutzwarte und rauchten Zigaretten. Sie waren die ersten, die nach dem Angriff verschwanden, ohne sich um Hilfe oder Geleit für Kranke oder Ohnmächtige unter den Kellerinsassen zu kümmern. Mit der Zeit wurde die Luft in den niedrigen Kellern drückend. Die Menschen schwatzten in leisem Murmeln, das unterbrochen wurde, wenn die Männer an den Fenstern herannahende Flieger meldeten. Dann 71 neigten sich die Köpfe, die Körper duckten sich und krochen in sich zusammen vor der lastenden, körperlich spürbaren Gefahr. Dröhnte die Maschine in der Nähe, hörte man sie förmlich über sich, dann stöhnte oder wehklagte mancher Mensch über das ausgelieferte Dasein halb unter Tage. Der Pater stand unter der Gruppe seiner Franzosen, in die sich deutsche Arbeiter und Arbeiterinnen mengten. Einige Franzosen spielten Schach auf Pappbrettchen, die sich in der Größe einer Postkarte ausbreiteten, auf der sich Figuren aus Papier bewegten und je nach ihrer Position in Schlitze eingesteckt wurden. Die Umstehenden verfolgten den Ausgang der Partieen mit schweigendem Eifer. Die Frauen, ob Deutsche, Französinnen, Russinnen, Ukrainerinnen oder Jüdinnen, redeten wenig, dafür strickten oder nähten sie. Ihr Gefühl war ganz auf die Aufnahme der bekannten Motorengeräusche in der Luft gerichtet und manche Gesichter verzerrten sich vor Nervosität und Angst. Die Deutschen verhielten sich wie Zuschauer. Neugierig betrachteten sie die Ausländer, jede lebhafte Bewegung an ihnen war interessant. Tiefschwarzes Haar, rote oder weißblonde Strähnen nahmen sie wie Seltsamkeiten aus einem fernen Lande auf. Ihre Ohren füllten sie mit französischen, polnischen oder russischen Lauten, ohne die Reden zu verstehen, während die anderen Sinne der Luftgefahr entgegenspürten. ,, Achtung, Flieger über uns!" schrie es in den Keller hinein. Man hätte die Herzen schlagen hören können. wenn nicht der Flieger mit der dunklen Sprache seiner 72 Maschine di hören, nu zu Gesenkter falten vers Arbeitsanzu seines Bew undurchdrin Stimme sei über die M war seine Sein Gehör an der Stim bestimmen Während er häufig a achtet und aus der Tie Wirklichke Wie oft aufgesucht, war im erst ten. Den F Selbst im sals. Dam reiste, wo landete un mußte er liche Tage der Haus vordranger Ein Sc ch und perlich Nähe e oder te Dazosen, engten. ettchen. eiteten, e nach e Umen mit Franmen, reGefühl otorenesichter - Neuebhafte warzes sie wie Ohren -russiwährend ten. Keller können. seiner Maschine die Situation beherrscht hätte. Flak war nicht zu hören, nur der Flieger von der anderen Seite. Gesenkten Blickes, die Arme in die weiten Ärmelfalten verschränkt, stand der Pater in dem blauen Arbeitsanzug. Es war, als lebte er in drei Schichten seines Bewußtseins. Sein Gesicht ruhte in Tiefen, die undurchdringlich blieben für die vielen. Das war die Stimme seines Inneren. Sein Blick stieg von unten her über die Menschen und zu den Fenstern hinüber. Das war seine Teilnahme an dem Schicksal der Nächsten. Sein Gehör vernahm die Maschine in der Luft. Er glaubte an der Stimme des Motors die Größe des Flugzeuges bestimmen zu können. Das war die Erinnerung. Während seine Augen durch den Raum glitten, traf er häufig auf den Pariser. Der Pater fühlte sich beobachtet und blieb ohne Zwang und Unruhe. Die Stimme aus der Tiefe war mächtiger als eine Musterung in der Wirklichkeit. Wie oft hatte der Pater in Frankreich einen Keller aufgesucht, um den Fliegerangriffen zu entgehen. Das war im ersten Weltkrieg genau so gewesen wie im zweiten. Den Fliegern begegnete er häufig in seinem Leben. Selbst im Frieden waren sie Gefährten seines Schicksals. Damals, als er zum zweiten Mal durch Amerika reiste, wo die Maschine am Rande des Urwaldes notlandete und dabei das Fahrgestell zerbarst. Zwei Tage mußte er in einem Farmerfleck kampieren, zwei herrliche Tage mit einfachen Menschen inmitten der Prärie, der Haustiere und Wildtiere, die bis zum Hofgatter vordrangen... Ein Schrei! 73 Eine Woge von Schrecken und wilder Bewegung im Keller. Die Masse stob auseinander. In der Furt zwischen den Leibern lag ein Mensch und wälzte sich. Hilferufe und Abscheu unter den Nächsten. Eine Frau langte unzulänglich hin, aber die Kranke ließ sich nicht anfassen. Mit den Fäusten schlug sie auf den Boden, strampelte, selbst der Kopf traf die Erde. Der Pater ruderte durch die Menschenmassen. Es war nicht leicht durch das Gewoge vorwärts zu kommen. Die Nachbarn äußerten mehr Neugier als Teilnahme. Endlich durchbrach er den Wall sperrender Leiber. Als er sich zu dem Mädchen hinabbeugte, hörte er die Stimme des Parisers neben sich. Dieser fragte: ,, Wo ist die erste Hilfe?" 99 ,, Das bist du," sagte der Pater und sprach sogleich auf deutsch, französisch und polnisch zu der Menge. Man möchte an dem Seitenfenster Platz machen, damit die Kranke dort abgelegt, frische Luft einatmen und behandelt werden könnte. Die Stimme des Paters bekam jenen festen Klang, der die Worte mit dem gültigen Ton der Überzeugung zu füllen vermochte. Auch bat der Pater um Ruhe im Keller, die Flieger seien längst vorüber. Die Kranke krümmte sich auf dem Steinboden und der Kopf kegelte umher. Als der Pater und der Pariser den gepeinigten Körper anhoben, wehrte er sich heftig, aber die Träger ließen nicht los. Die hohe breite Gestalt des Parisers mit dem Rücken gegen die Abdrängenden schob die hinderliche Menge wie eine Walze voran und beiseite. 74 Schreie, tobte. Aus Kraft. Die biß in die einschüchter Am Seite öffnet war, einen schma die Jacke a Die Kranke hockten Ste Arme und H Der Pate polnische V Wie eine und wehrte willenlos, Leuchtturm die Menge Soll ich Danke, tete der Pa strich über dem leider ,, Achtun Der Pa spürte, wie und benutz zu vergröß So zutra der Parise gung im art zwi e sich, ne Frau ch nicht Boden sen. Es zu koms Teil errender te, hörte fragte: sogleich n, Menge, damit nen und s bekam gen Ton bat der mlängst den und Pariser h heftig, Gestalt ängenden oran und Schreie, Heulen, Stöhnen - der kranke Körper tobte. Aus Abgründen entfesselte er herrschsüchtige Kraft. Die Kranke riß sich los mit einer Hand und biß in die Arme des Paters, der seinen Willen nicht einschüchtern ließ. Am Seitenfenster, welches schon ein wenig geöffnet war, drückten sich die Menschen beiseite, um einen schmalen Raum frei zu geben. Der Pariser zog die Jacke aus und rollte sie zu einer Kopfunterlage. Die Kranke warf sich umher, bis sie sich in einer angehockten Stellung, das Gesicht an den Boden gedrückt, Arme und Beine angezogen, zusammenkauerte. Der Pater kniete bei der Kranken und sprach leise polnische Worte. Wie eine Wand stand der Pariser vor dem Lager und wehrte der anbrandenden Woge, die, neugierig und willenlos, sich hin und her schieben ließ. Wie ein Leuchtturm schickte er Signale in die Umgebung, um die Menge zu beruhigen. ,, Soll ich Wasser holen?" fragte er. ,, Danke, ich habe das Notwendige bei mir," antwortete der Pater und sprach behutsam zu dem Mädchen, strich über die Haare und die Schultern und rückte zu dem leidenden Geschöpf heran. ,, Achtung, Flieger über uns!" brüllte es in den Keller. Der Pariser sah auf die Hockenden unter sich. Er spürte, wie die Menge von den Fenstern zurückdrängte und benutzte die Erleichterung, um den Raum um sich zu vergrößern. Das Paar am Boden blieb ohne Störung. So zutraulich sprach der Pater zu der Kranken, daß der Pariser beobachtete, wie diese scheu den Kopf zur 75 Seite hob und blitzschnell den Sprechenden musterte. Dann warf sie sich in die Kauerstellung zurück und sperrte sich knurrend wie ein Tier. Der Pariser fragte: ,, Gibt es keinen Nebenraum für Kranke?" ,, Den, den du schaffst," antwortete der Pater ohne Sorge und zäunte den Quadratmeter um sich mit Blikken ein. Der Pariser ballte die Fäuste und grollte: ,, Teufel noch mal." ,, Der hilft am allerwenigsten," sagte der Pater und begann erneut, der Polin zuzureden. 99 Was quälst du mich?" stieß es aus dem Inneren der Menschenhöhle, die sich aus Gebein und Fleisch und einem kranken Willen zwangvoll bildete. دو Was tut dir weh?" ,, Alles." ,, Hast du Schmerzen?" ,, Das Leben, es ekelt mich." ,, Du bist so jung." ,, Die Zeit, die Menschen, jeder Komm, 1 Das Mädd du von mir? Du solls Die Men Sie schüttel ab und ihr „ Dich su jungen Men und legte ei die Jacke a Es wird me des Par Der Pate an das geöf ten es sein. Erkundu zuckte mit Ausgang, d - du tust mir weh." sich die wo das war n Über das chen. Als d das anrege die Hand bei horchte Warum?" 99 99 Weil du mich fragst." ,, Sollen wir dich liegen lassen?" ,, Ja!" ,, Was wird dann aus dir?" Schrill lachte es und keifte: ,, Wer fragt danach?" ,, Das Kind, das du haben wirst." Jäh richtete sich das Mädchen auf, es warf den Kopf hoch und zur Seite, sah prüfend auf den Mann und erlahmte. 76 Dumpf Spannung, Fast eine niedrigen plante für musterte Fuck und aum für ,, Komm, leg dich um," sagte der Pater in gutem Ton. Das Mädchen schauderte und wimmerte: ,, Was willst du von mir?" ,, Du sollst dich beruhigen." 99 —- ,, Die Menschen, die suchen mich, du suchst mich." ter ohne Sie schüttelte mit den Händen unsichtbare Gewalten ab und ihr Kopf sank tief. mit Blik ,, Teufel ,, Dich sucht niemand." Sanft drückte der Pater den jungen Menschenkörper von der Seite auf den Rücken und legte ein Tuch über das Gesicht. Er zog ebenfalls ater und die Jacke aus und bedeckte damit die Liegende. eren der isch und mir weh." Hanach?" Hen Kopf Mann und ,, Es wird ungemütlich," hörte er die vorsichtige Stimme des Parisers. Der Pater horchte in die Weite, er brachte sein Ohr an das geöffnete Fenster. Zwei, drei Maschinen konnten es sein. Sie flogen sehr hoch. ,, Erkundungsflüge," sagte er zum Pariser hinauf, der zuckte mit den Achseln und maß die Entfernung zum Ausgang, dem sie sich entgegengesetzt befanden. Vor sich die wogende stauende Menge und hier die Kranke. das war nicht günstig. Über das Mundtuch hielt der Pater ein Riechfläschchen. Als das Mädchen den Kopf zur Seite bog, tropfte das anregende Elixier auf das Tuch. Der Pater hielt die Hand der Kranken und beobachtete den Puls. Dabei horchte er nach draußen. Dumpf lastete im Keller die Stille und drückende Spannung, wie sich der Fliegerangriff auswirken würde. Fast eine Stunde dauerte er. Schwül war es in dem niedrigen Raum mit den vielen Menschen. Der Pariser plante für einen Ernstfall den Ausstieg aus dem Fen77 ster, das breiter als hoch war und durch das man sich hindurchzwängen konnte. Die Kranke würde man schon hinaufschaffen. ,, Bist du ein Deutscher?" fragte das Mädchen in deutscher Sprache. ,, Nein," antwortete der Pater auf polnisch und bat, die Verständigung so zu belassen. 99 99 Warum?" fragte das Mädchen. ,, Ist das nicht deine Muttersprache?" ,, Pah. Wie lange ist das her?" ,, Nicht so lange, als daß du sie vergessen hast." ..Was machst du hier?" kam es nach einer Weile auf polnisch zu dem Pater hinüber. ,, Ich arbeite im Werk." ,, Ich kenne dich ja nicht." ,, In Halle VI bin ich." ,, Als Aufseher?" ,, Als Elektriker." ,, Manche sagen als Agent." 66 Bist du d sen abhält?" Mann an ihr Warst du وو Wir erfa „ Es wird Sonntags Sie bedeckte Wie ein der neu and Fe quer am Verließ mit mit zugedec tel des Ho kniete der N nannten. Du bist Bestätigung die eigene ,, Du kennst mich?" 66 ..Du verstehst soviel, sagen sie." ,, Ist das schlimm?" ,, Unheimlich." Von ferne grummelte die Flak. Es mußte im Vorfeld der großen Stadt sein. Nach dem Schall zu urteilen, schossen weittragende Geschütze. Abwehr gegen Erkundungsflugzeuge, wie der Pater es angenommen hatte. Im Keller flackerten Gespräche auf. Französische Laute mischten sich mit deutschen und polnischen. Ein Lachen durchflog den Keller wie ein verirrter Vogel. 78 lichen Stof Der Pate Das Mä unter das ein wenig. Was w Mann. Ich hab Mädchen 31 Wenn sagte der Ich ka man sich an schon chen in und bat ,, Bist du der Priester, der im Lager die großen Messen abhält?" fragte das Mädchen und blinzelte zu dem Mann an ihrer Seite.., Wie stellst du das an?" 99 Warst du noch bei keiner dabei?" ..Wir erfahren es so spät." د, ,, Es wird überall angeschlagen." ,, Sonntags," seufzte sie ,,, da bin ich immer auswärts." Sie bedeckte ihr Gesicht mit dem Tuch. Wie ein schiefer Turm hielt sich der Pariser vor der neu andringenden Menschenwoge. Er stützte sich quer am Fensterbord und sah hinab zu dem seltsamen mast." Verließ mit dem Paar am Boden. Das Mädchen lag Weile auf mit zugedecktem Gesicht ausgestreckt, den blauen KitVorfeld urteilen, n Erkunen hatte. nzösische chen. Ein er Vogel tel des Hockenden als wärmenden Umhang. Daneben kniete der Mann, den sie Pater oder Doktor im Lager nannten. ,, Du bist der Priester?" verlangte das Mädchen die Bestätigung, schob das Tuch von den Augen und legte die eigene Hand auf seinen Arm, der in einer gelblichen Stoffbluse steckte. Der Pater nickte. Das Mädchen schüttelte sich und schob den Kopf unter das Tuch. Ihr Atem hob und senkte das Tuch ein wenig. وو Was willst du mir sagen?" fragte der hockende Mann. ,, Ich habe eine große Sünde begangen," sprach das Mädchen zögernd unter dem Tuch. ,, Wenn du sie bereust, kann dir verziehen werden," sagte der Pater so schlicht wie möglich. ,, Ich kann es nicht bereuen." " 79 72 Fenster wu durch harm Das Mädchen lehnte jeden Zuspruch ab und erregte sich, so daß das Tuch vom Gesicht fiel. Große glänzende Augen im Kranz dichter schwarzer Wimpern, Handlungen ein dunkel gerötetes Gesicht, dem die schwarzen Haare gestriegelt anlagen. In einem frischen gesunden Leben loderte ein vertanes Gefühl und brannte Enttäuschung, Kopfschläg Gram und Schmerzen ein. ,, Vor dem Kind rettet mich kein Priester," stieß das Mädchen heftig heraus, nachdem es das Tuch über das Gesicht geworfen hatte. ,, Ich verstehe deine Sorge." 66 ..Das Kind der Sünde bleibt." دو ,, Das Kind der Liebe." Auf der den roten b tasche und auf den Da Stirn der L geschehen, Vorentwa Tönen über ten zur Tü ,, Das sagen Sie heute. Morgen bin ich ein gefallenes Pariser ko Mädchen." ,, Morgen bist du eine kleine Mutter, die am Nest ihres Kindes baut." ,, Auch wenn das Kind vom Feind ist?" دو War es dein Feind?" ,, Unser aller Feind. Deshalb sind wir gefangen. Damit kann man doch nicht leben, Hochwürden. Da muß man fort. Ich gehe ins Wasser." ,, Dann wirst du noch mehr schuldig." , Das sagt sich immer so leicht, wenn einer ohne Schuld und ohne Qual ist." ,, Ich bin bei dir, Mädchen." Der Pater horchte durch das Fenster in die Weite. Draußen war alles still geworden, im Keller Gemurmel und Gebrumm. Da die Gefahr abgezogen schien, regte sich wieder der Einzelne wie die Menge. Die 80 Geht es Der Pat Wo mu Pariser. Das Mä Entwarn gestoßen u tessellos, die Fenste Schritte, H Wir W Pater zu zupfte. S könne sch gut, auch es ihr im rücktes an 6 Mühr, K H erregte Be glän Vimpern, en Haare Fenster wurden aufgesperrt. Man vertrieb sich die Zeit durch harmlose Spielereien in Worten und kleinen Handlungen. Auf der Stirn des Mädchens erkannte der Pater an en Leben den roten beuligen Flecken die ersten Wirkungen der auschung, Kopfschläge auf den Fußboden. Er griff in die Westentasche und holte eine Tube hervor, deren Paste er sich stieß das auf den Daumen schmierte, den er massierend über die uch über Stirn der Lagernden strich. Das Mädchen ließ es sich geschehen, auch wenn es schmerzte. Vorentwarnung summte in auf- und abschwellenden Tönen über die Erde. Die Menschen im Keller drängten zur Tür. Es wurde mehr Platz in der Ecke. Der efallenes Pariser konnte gerade stehen. am Nest gen. Da Da muß iner ohne ie Weite ,, Geht es ihr besser?" fragte er. Der Pater nickte. دو , Wo muß sie hin? In welche Baracke?" fragte der Pariser. Das Mädchen schüttelte den Kopf. Entwarnung. Die schwere breite Kellertür wurde aufgestoßen und heraus fluteten die Menschen, heiter und fessellos, dem Leben über Tage zurückgegeben. Durch die Fenster sah man befreite Bewegungen, befreite Schritte, befreite Menschen auseinanderstieben. د, Wir werden dich zur Baracke bringen," sprach der Pater zu dem Mädchen, das ihn sogleich am Arm zupfte. Sie möchte nicht auffallen, erklärte sie, sie könne schon allein gehen. Nur manchmal sei ihr nicht gut, auch würde sie übertrieben haben. Auf einmal hätte es ihr im Schädel gebrannt und sie hätte etwas Verenge. Di rücktes anstellen müssen, dann sei ihr das Bewußtsein Gemur en schien, 6 Mühr, Kontakte 81 verloren gegangen. Erst, als der Kopf mehrmals auf und nahm i den Boden schlug, wäre sie zu sich gekommen. Der Pater bat den Pariser um ein Glas Wasser für das Mädchen. Auf den Wasserhahn vor den Fenstern zeigte er, zog aus der Tasche einen Aluminiumbecher. der aus Ringen zusammengesetzt wurde und den er zu füllen bat. ,, Pater Victor," fand das Mädchen den Namen so selbstverständlich, als sie für den Augenblick im Keller allein waren ,,, ich habe es nicht gewußt, daß er ein Feind war. Er sprach polnisch, und er sprach viel von der Heimat und dann sehe ich ihn plötzlich drüben in Werk III in Uniform. Er sah mich nicht, aber ich glaubte, ich müßte tot umsinken. Darum geht es, Pater Victor. Nicht um das Kind." ,, Hast du mit ihm gesprochen?" fragte der Pater und schüttelte aus einer Schachtel einige Tabletten auf seine Handfläche. ..Ich kann ihn nicht sehen," stöhnte das Mädchen vor Sehnsucht und Angst. ,, Liebst du ihn?" Das Mädchen richtete sich auf und stierte in den Raum mit den Maschinen an den Wänden und dem aufgestapelten Material, der kahl und leblos wirkte. Sie fragte: ,, Ist das schlimm?" 99 ,, Das ist die Hoffnung, Mädchen. Für alles," redete der Pater aus der Tiefe seines Herzens.., Für dein Kind. Für dich. Für uns. Wir müssen unsere Feinde lieben, sonst bleiben sie die unerkannten Brüder. Und wir wollen doch alle gerettet werden, Mädchen, du, ich, mein Kollege," er wies auf den eintretenden Pariser. 82 Geschöpf di Unsere Va Die Mensch Sie schlu horcht, aber Ach, Pate Das ist als uns selb Und we Schweig rrung auf d sein. Torkelnd Stimmungen den Pater ,, Nun ha Zeit aufgeh suchte einig Was so te, den Ke Der Pat Ihn sprech „ Und we sondern de an Blick, gen in das Leben und Der Pa wissens." " mals auf und nahm ihm dankend den Becher ab und bot dem 1. Geschöpf die Tabletten und den Trunk. Und er sagte: asser für Unsere Völker wollen leben, die Deutschen, Europa. Die Menschheit will leben." Fenster mbecher. 39 Sie schluckte an den Pillen wie ein Kind, das geHen er zu horcht, aber darunter leidet, dann sprach sie schwer: ,, Ach, Pater Victor, wann wird das sein?" Namen SO m Keller ß er ein viel von drüben in aber ich es, Pater Pater und auf seine ,, Das ist schon, wenn wir den Nächsten mehr lieben als uns selbst." ,, Und wenn er uns wehe tut?" ,, Schweigen wir und helfen dem anderen aus der Verirrung auf den geraden Weg. So groß muß unsere Liebe sein. 66 Torkelnd erhob sie sich und scheuchte unwirsche Stimmungen von ihrer Stirn. Sie lehnte sich leicht an den Pater und setzte den Fuß unsicher auf. ,, Nun habe ich geschwatzt und euch beide die ganze Zeit aufgehalten." Sie sah von einem zum andern, verdchen vor suchte einige Schritte lächelnden Gesichtes. ,, Was soll ich tun?" fragte das Mädchen und zögerte in den te, den Kellerraum zu verlassen. dem auf wirkte. Sie " es," redete Für den re Feind uder. Und en, du, ich in Pariser 99 Der Pater zog die Jacke über und knöpfte sie zu. ,, Ihn sprechen," sagte er ,,, ihn aufklären, ihn mäßigen." , Und wenn er dabei bleibt? Wenn er mir nicht folgt, sondern dem Befehl?" Ihre Augen hingen an seinem Blick, an seinen Lippen, an seinem Gesicht. Sie drangen in das Innere des anderen Lebens, das über ihr Leben und ihre Zukunft aussagte. Der Pater sprach: ,, Es gibt nur den Befehl des Ge" wissens." 6* 83 ,, Die Stimme Gottes ist bei keinem Menschen tot, forderte die sie schweigt höchstens oder wird überlärmt." ,, Aber sein Befehl! Wenn er dem mehr glaubt!" ,, Dann ist er unmenschlich. Dann trifft er dich, Mäd,, Gewissen? Was sage ich ihm, was das Gewissen und erhebt ih ist?" ,, Die Stimme Gottes in uns. 66 , Und wenn er auf die nicht hört? Wenn die tot ist in ihm?" Und wen wurde die St Nahe am A ser hielt sich Alarm auf. Jedes Wo Paters ab. sie etwas ve ihr mit dem Das Mäd chen." ,, Ob ich ihm so viel wert bin wie das Reich, von dem sie immer sprechen?" ,, Wenn du ihn mehr liebst, als ihn das Reich Lieben nicht so sieh kann, dann gewinnst du ihn dir." Wie soll ich das tun?" " ,, Du tust es schon. Du schenkst ihm ein Kind." ..Und das Reich-?" ,, Bietet ihm vielleicht Orden und Rang und Fahnen und Trompeten und dahinter steht der Tod, der Krieg. der Kampf aller gegen alle. Aber kein Herz, das für ihn schlägt. Kein Kind, das ihm die Arme entgegenstreckt." ,, Ob er das alles auch so sehen wird?" ,, Du wirst es ihn fühlen lassen, Mädchen." Dann ge hr. ,, Dann denken." Auch nic Auch ni Dann leb Ja, klein Sie griff So zu dank würden, we men bekom Wann d Sie woll und strich n sich vor ih wohlsein u und faltete Gelobt ,, Und wenn nicht, Pater Victor?" 99 , Wenn sich ein Mann mit dem Leben einläßt, muß er die Verantwortung tragen. 66 ,, Ach, Hochwürden, sagt man sich das alles, wenn man sich liebt?" ,, Das sollte man sich sagen, Mädchen. Darum liebt man. Sonst verletzt man den Nächsten. Zerstört ihn 84 Kind.” ıd Fahne der Krieg; 7, das fü entgegen und erhebt ihn nicht ‚zu einem gemeinsamen Glück.“ „Und wenn nicht, Pater Victor?” Immer drängender wurde die Stimme der Polin. Nahe am Ausgang des Kellers standen sie. Der Pari- ser hielt sich abseits im Flur. Über das Werk hinweg forderte die Sirene zum Anfang der Arbeit nach dem Alarm auf. Jedes Wort nahm das Mädchen von dem Munde des Paters ab. Hastig gab sie die Antworten, als könnte sie etwas verpassen oder verlieren von dem Sinn, der ihr mit dem nächsten Wort offenbart wurde. Das Mädchen fragte nochmals:„Wenn er das alles nicht so sieht, Pater Victor?“| „Dann gehört dir das Kind allein,“ sagte es neben ihr.„Dann brauchst du an nichts anderes mehr zu denken.“ „Auch nicht an die Sünde?“ „Auch nicht an den Feind, Mädchen.“ „Dann lebe ich für mein Kind.“ „Ja, kleine Mutter.“ Sie griff nach der Hand des Paters.„Ich habe Ihnen so zu danken. Darf ich Sie wieder sprechen, Ehr- würden, wenn ich meine Gedanken nicht mehr zusam- men bekomme?“ „Wann du willst, Mädchen.“ Sie wollte seine Hand küssen. Er entzog sie ihr und strich mit dem Handrücken über ihre Stirn. Sie ließ sich vor ihm fallen, er glaubte an ein neuerliches Un- wohlsein und wollte helfen. Da kniete das Mädchen und faltete die Hände: „Gelobt sei Jesus Christus.“ 86 98 ,, In Ewigkeit, Amen," sprach der Pater und schlug das Kreuz über dem Kopf der Polin und verharrte einen Augenblick in der Besinnung. Er war dem Mädchen behilflich aufzustehen und verließ festen Schrittes den Luftschutzkeller. Langsam ging die Polin ihrer Baracke zu. Nach drei Schritten machte sie halt und kehrte um. Sie blickte in das Gesicht des Paters wie in ein Orakel. ,, Nun, Mädchen, es ist wohl besser, wir begleiten dich?" 99 Die Polin schüttelte den Kopf. ,, Ich habe noch etwas," suchte sie nach Worten, die sie vielleicht von seinen Mienen ablesen wollte. ,, Sieht man das eigentlich sehr, daß ich..." eine Handbewegung sollte eine Wölbung des Leibes andeuten. Schneller fuhr sie fort: .. Ich ,, Daß Sie es sehen, ja... Aber andere... möchte noch hier bleiben, müssen Sie verstehen. Solange es geht. Ich brauche das Geld. Und ich brauche vor allem ihn. Er soll es nicht wissen. Ich will es ihm schenken. Er soll sich freuen und nicht treulos werden wie andere. Ja, Pater Victor, das ist es, was ich fragen wollte." Ihr Blick umflatterte den Pater wie ein Schwarm aufgeschreckter Geister, die sich auf seine Schulter oder sonstwohin setzen wollten. ,, Benutze die Zeit, Mädchen," sagte der Pater liebenswürdig. ,, Ich wußte es ja, Sie sehen tiefer als andere," jubelte sie und küẞte dem Pater die Hand, ehe er es wehren konnte, und verschwand eilends. دو Wunderliches Volk," meinte der Pariser über dem Tumult der Polin zwischen Ohnmacht und Lebhaftigkeit und ke hrer Halle Der Rest In der Kan sonst. Beim der Pater, lebhaft und dagegen sal Blick m einem Toa Sieger gefe bemerken auch beim Nun, sie wa Als der hatte und g ihm seine ihm. Ruhig in den dun! ihm beide Es ble wissem Li Der Pa über die 2 Hirsch Fäuste an seinen Gl schwarzen eines Kör teten in W des Arbei r nd schlug rrte einer Mädchen rittes de Nach dre blickte in begleiten abe noch eicht vo as eigent sollte eine sie fort: ... Ich ehen. So h brauche ch will es ht treulos st es, was Pater wie auf seine Her Pate e," jubelt es wehrer über dem Lebhaftig keit und kehrte mit dem Pater zu den Arbeitsplätzen ihrer Halle zurück. Der Rest der Schicht verlief ohne Unterbrechungen. In der Kantine gab es ein Essen, das besser war als sonst. Beim Verlassen des Speiseraumes beobachtete der Pater, wie manche Kollegen aus Frankreich ihn lebhaft und mit spontanem Händedruck grüßten, einige dagegen sahen weg, sie wollten selbst eine Begegnung im Blick meiden. Vom Tisch der Polen wurde er mit einem Toast angerufen und wie ein heimkehrender Sieger gefeiert. Pierre war beim Essen nicht mehr zu bemerken gewesen. Der Gascogner blieb unsichtbar, auch beim Alarm hatte ihn der Pater nicht gesehen. Nun, sie waren ja für den Abend verabredet. Als der Pater sich in seiner Kammer umgezogen hatte und gerade die Briefe aus Frankreich öffnete, die ihm seine Angehörigen schickten, da stand Hirsch vor ihm. Ruhig, ein wenig verlegen, mit wehmütigem Lächeln in den dunklen Augen sah er auf den Pater und streckte ihm beide Hände entgegen. ,, Es bleibt doch bei Ostern?" fragte er mit ungewissem Licht im Blick. Der Pater bat, Platz zu nehmen und wunderte sich über die Zweifel an dem besprochenen Termin. Hirsch setzte sich auf den Bettrand und ballte die Fäuste aneinander. Der kleine Mann rückte in allen seinen Gliedern zusammen. Nur sein Schädel mit dem schwarzen Schopf hob sich plastisch von dem Häuflein eines Körpers ab. Das Gesicht und die Hände leuchteten in Weiß, während die Gestalt im farblosen Nichts des Arbeitsanzuges versank. 87 ,, Ich bringe immer Hiobsnachrichten, Herr Pater," bedauerte Hirsch ,,, die Sie dann mit einer Handbewegung auflösen. Glücklicher Mensch. Das möchte ich auch einmal." Ein sanftes, demütiges Lächeln strahlte dem Pater entgegen. ,, Die Ostermesse wäre abgesagt, hieß es. Sie sollen Sprechverbot haben," berichtete er. ,, Sie würden bald hinter Schloß und Riegel sein." ,, Warum so unfreundlich?" ,, Fragt man danach heute?" Der kleine Mann zog ein Notenpapier aus der Tasche des Monteurkittels. ,, Sie sollen dem Betriebsarzt ein neues Opfer entrissen haben. Das lieẞe man sich nicht gefallen." ..Und wenn es wahr wäre?" ,, Ich wünschte, auch einmal für andere etwas tun zu können." die nächsten Sie ja, Pate auf den K zweiten Fei spielen." Mozart? Wand seine Errgegung Was hil wenn das V oder schon den Gesang erfühlen. W über?" ,, An wel ,, An die ,, Vielleicht," meinte der kleine Mann und rollte das Notenpapier auseinander, wellte es und drückte leichte Kniffe heraus und rollte es zusammen. Wand, hint Sie, Herr F beginnt und Mozart. J ,, Sie helfen mit Ihrer Musik." ,, Ich habe selten Bach so spielen hören wie von Ihnen." Hirsch horchte sich in den Klang der Worte hinein. ,, Sie sind sehr gütig. Bach kann es leider nicht bestätigen. Ich wünschte dem lieben Gott nach seiner Partitur spielen zu können. Ich möchte die Musik zum Mysterium erhöhen. Ich wünschte die Erlösung des Menschen für Augenblicke auch hier auf Erden. Verrückte Gedanken." Hirsch kroch noch enger in die Häute, die sein Dasein umgaben. Nur sein Gesicht blieb frei und wie ein Schild offen und leuchtend. ,, Wird am Ostermontag Messe sein?" fragte er und 88 andere und Das kö Instrument Mit all Mann, wed Leider m selbst wen ziere. Das Menschen inhalt." „ Verges Pater," andbeweSchte ich strahlte abgesagt, Chtete er. sein," " Mann zog urkittels. entrissen as tun zu rollte das te leichte wie von te hinein nicht bech seiner usik zum sung des den. Verer in die Gesicht Leuchtend te er und die nächsten Gedanken purzelten heraus: ,, Ach, sagen Sie ja, Pater Victor. Es muß Ihnen gelingen! Da Sie auf den Karfreitag verzichtet haben, wird man den zweiten Feiertag schon genehmigen. Ich möchte Mozart spielen." ,, Mozart?" staunte der Pater, der den Kopf an die Wand seiner Bettstatt lehnte und die wachsende innere Errgegung bei Hirsch zu enträtseln suchte. د, Was hilft den Menschen denn sonst darüber hinweg. wenn das Wort Gottes noch nicht angestimmt worden oder schon verklungen ist? Wir Menschen brauchen den Gesang der Sphären. Wir müssen den höheren Sinn erfühlen. Wie kommen wir sonst über die Wand herüber?" ,, An welche Wand denken Sie?" ,, An die Wand, die Unsinn und Sinn trennt. An die Wand, hinter der das ewige Licht leuchtet, verstehen Sie, Herr Pater. An die Wand, hinter der die Wahrheit beginnt und das himmlische Orchester spielt. Das ist Mozart. Jeden Tag möchte ich so musizieren. Für andere und für mich." ,, Das können Sie doch, Herr Hirsch. Wo Ihnen das Instrument ohne Ausnahme zur Verfügung steht." ,, Mit allen Ausnahmen, Herr Pater," sagte der kleine Mann, wedelte mit seinen Noten und legte die Rolle ab. ,, Leider mit allen Ausnahmen. Es kommt niemand, selbst wenn es erlaubt wäre, daß ich öffentlich musiziere. Das ist auch das Furchtbare an den modernen Menschen. Musik ist ihnen Ausstattung, selten Lebensinhalt." ,, Vergessen Sie bitte nicht, wo wir sind!" 89 ,, Gerade deshalb, Herr Pater. Ich sehe, daß die Musik, die ich liebe, die schläfernden, leidenden Menschen nicht aufruft. Aber ein Tango tut es, ein Valse Blues. Bei jedem Schlager zuckt es in den Gliedern. Wozu dann noch Bach?" Der Pater wollte etwas erwidern. Da der Pariser in die Kammer sah, stutzte er, als er den Besuch merkte und verschwand ohne ein Wort. Der Pater schwieg zunächst. ,, Ich spiele und ich dringe nicht in die Gemüter ein. Ich glaube es jedenfalls nicht. Sie, Herr Pater, Sie spüren es, er zeigte mit den Noten auf den Pater im Winkel und dann in der Kammer umher. ,, Sie spüren es, auch wenn Sie für fünf Menschen die Messe lesen. Auf Sie horcht die Gemeinde. Ihnen öffnen sich die Herzen und die Seelen. Ich hole vielleicht Musik vom Himmel und sie fällt in Abgründe. Ich spiele wie für mich. Die Tasten sind manchmal bereiter als die Menschen, die zuhören. Es ist eine Tragik um die Mittlerrolle der Kunst. Manch einer gibt das Letzte und weiß nicht, ob es ihm abgenommen wird.". ,, Herr Hirsch, wir sind alle Mittler eines Höheren und wissen nicht um das Echo. Wir wissen nur um unser Bemühen und vielleicht um unsere reine Absicht. Wir sind oft selbst das einzige Publikum. Ist das so schlimm?" ,, Dürfen wir uns damit begnügen, wo täglich tausende am Rande des Lebens stehen? In jeder Stunde kann uns selbst die Ohnmacht überkommen." ,, Für diesen Augenblick haben wir die Menschen zu rüsten uns auch. Wir haben uns selbst zu trösten. 90 - Gott streut wieviel ge aber die W am Kreuz. Dieses Sinn abtro lebhaft, w versteifte größer und flügelte. " verschwind Jeder Sie hab Das verze Die Rolle seines Kit ausdrucks voller En die zaubri kellen, die „ Jeder Herr Pat merung de Satz auss ihm nah, mich Ihne seiner St von mir, wichtig i lagern b Ich brau daß die en Men in Valse Gliedern er, als er Wort. Der müter ein. " ater, Sie Pater im ie spüren sse lesen sich die Musik vom Le wie für die Mene Mittlerund weiß Höheren rum unser Absicht. Ist das so htausende unde kann enschen zu zu trösten Gott streut unzählige Samenkörner auf die Erde, wieviel gehen davon auf? Seine Gnade ist vielfältig, aber die Weihe ist für jeden einmalig wie das Opfer am Kreuz." ..Dieses furchtbare Leben, dem muß ich doch einen Sinn abtrotzen," wurde der kleine Mann widerwillig lebhaft, wie ihn der Pater noch nie gesehen. Hirsch versteifte sich in eine Haltung, in die er hineinwuchs, größer und stattlicher werdend, da der Geist ihn beflügelte. ,, Wir können doch hier nicht warten, bis wir verschwinden. " ,, Jeder hat seine Aufgabe zu erfüllen." ,, Sie haben Ihre, Herr Pater. Ich,... suche danach. Das verzehrt mich." Hirsch sank in sich zusammen. Die Rolle Noten hatte er längst zwischen die Knöpfe seines Kittels gesteckt. Seine langen, schmalen Hände, ausdrucksvoll und zart im einzelnen, von geheimnisvoller Energie, aber nicht für die realen, sondern für die zaubrischen Dinge auf der Welt, lagen wie Schöpfkellen, die vor einem unsichtbaren Brunnen ruhten. ,, Jeder hat seine Aufgabe zu erfüllen, sagen Sie. Herr Pater," sprach Hirsch in die allmähliche Dämmerung der Kammer. Wie eine Sehnsucht ließ er den Satz ausschwingen und drehte sich zum Pater. Er kam ihm nah, hielt jedoch den Blick gesenkt. ,, Kann ich mich Ihnen nicht anschließen?" fragte er und im Klang seiner Stimme drang ein Bitten durch. ,, Verlangen Sie von mir, was Sie wollen. Ich weiß, daß heute alles wichtig ist. Ich könnte Nachrichten zu den Nachbarlagern bringen, ich könnte Kurierdienst übernehmen. Ich brauchte nichts Schriftliches. Ich will auch nichts 91 wissen, Herr Pater. Ich beherrsche das Französische so, daß ich mich verständigen kann. Machen Sie mit mir, was Sie wollen, nur lassen Sie mich teilnehmen an Ihrer Organisation." ,, Herr Hirsch," unterbrach ihn der Pater gelinde, ,, ich habe keine Organisation." ,, Nennen Sie es, wie Sie wollen," fuhr der kleine Mann auf und setzte sich sogleich wieder, näher als vorher an Pater Victor heran ,,, ich weiß, das war nicht das richtige Wort für das, was Sie tun. Lassen Sie mich teilnehmen an dem, was nötig ist, was Sie für richtig halten!" ,, Sie tun schon viel, Herr Hirsch." ,, Mehr muß ich tun, wissen, daß es ein Ziel gibt." 66 zuckten. als er au ,, Ich b ,, Das ,, Das Ja, w verzeiher „ Dock Deutsch vorbereit denken ,, Das Ziel liegt in uns." ,, Ja, ja, das auch." ,, Ganz allein, Herr Hirsch." ,, Aber nicht für solch eine Bewegung, wie Sie sie leiten." ,, Ich leite keine Bewegung." schränke abends s beiter au sich son das viel mit eini ,, Kan ,, Sie ,, Eng möchte vier Wo ist ein das nic 66 ,, Mit lich de taten, u ,, Helfen Sie mir, das rechte Wort zu finden, Sie wissen, was ich meine. Ich will mich Ihnen anschließen." ,, Das ist sehr freundlich von Ihnen." ,, Nein, Herr Pater." ,, Doch, Herr Hirsch. Sie sind sehr tapfer, aber- ,, Sie können mich nicht brauchen? Sie miẞtrauen mir? Ich bin auch kein Landsmann von Ihnen. Ich verstehe." ,, Lieber Herr Hirsch, Sie irren sich leider in allem." Der kleine Mann an der Seite des Paters war zusammengesackt. Er schloß die Augen, als wenn er die Wirklichkeit nicht mehr ertragen könnte. Seine Hände 92 das ist „ Ode Ihren müßten mit men nde, icht Sie > sie Sie ul Jen. zuckten. Es kam wie aus einem Untergrund des Lebens, als er aufseufzte:„Das hätte ich nicht gedacht.“ „Ich bin ganz allein, Herr Hirsch.“ „Das verstehe ich nicht.“ „Das bekenne ich Ihnen.“ „Ja, wie wollen Sie denn.... dann habe ich Sie.... verzeihen Sie mir. Das ist nicht möglich.“ „Doch, Herr Hirsch. Ich habe mir das Leben ın Deutschland anders’ vorgestellt. Ich war nicht darauf vorbereitet, daß es so hart ist, härter als man es sich denken kann. Ich mußte mich in meiner Tätigkeit ein- schränken. Der Arbeiter, der von morgens sechs bis abends sechs schafft, sehnt sich nach Ruhe. Viele Ar- beiter aus meiner Heimat finden nicht einmal den Mut, sich sonntags anzuziehen und auszugehen. Sie werden das vielleicht selbst beobachtet haben. Ich kann nur mit einigen Überzeugten in kleinen Kreisen arbeiten.” „Kann ich da nicht wenigstens teilnehmen.“ „Sie gehören zu unserem Kreis, Herr Hirsch.“ „Enger, Herr Pater, ernsthafter und mühevoller möchte ich mich beteiligen. Alle vierzehn Tage oder vier Wochen für eine Messe die Musik zu machen, das ist ein armes Leben und geringes Beten. Würden Sie das nicht sagen, Herr Pater?“ „Mit Musik zu helfen und darüber hinaus persön- lich dem Nächsten zu helfen, wie Sie es heute früh taten, um Pierres Weg zum Krankenhaus zu sichern. das ist nicht arm und gering, Herr Hirsch.“ „Oder was würden Sie tun, wenn Sie sich heute von Ihren Eltern auf Nimmerwiedersehen verabschieden müßten?“ 95 Pater Victor begegnete dem düsteren Beispiel des Pianisten mit bedachtsamer Aussage: ,, Das habe ich zweimal in meinem Leben getan. Im ersten und im zweiten Weltkrieg." ,, Mit der Chance, die Eltern zweimal wiederzusehen. Ich habe keine Chance." Hirsch zog die Beine dicht an sich, daß es ihm weh tun mußte, so drückte er sie an den hölzernen Rand der Lagerstatt. Die Hände drückte er an die Schenkel. Er wollte sein Fleisch spüren, er wollte sich seines Lebens vergewissern: ,, Bei mir ist die Welt seit heute in zwei Teile zerfallen, und beide Teile sind Höllen. Drüben sind meine Eltern. Das ist das Niemandsland ohne Grenze. Hier bin ich mit Abruf. Mit Hoffnungen, die so albern und nicht zu erzählen sind wie Kinderträume. Wo wird sich nun das wahre Kreuz aufrichten, Herr Pater? Bei meinen Eltern oder bei mir? Und warum bin ich hier? Warum trennnt uns das Schicksal auf so läppische Weise? Warum trifft es die greisen Eltern und nicht mich zuerst? Nur, weil ich in einem anderen Stadtteil wohne? Was konnte ich tun, um ihr Los zu mildern? Was habe ich versäumt? Ich kann doch nichts anderes blieb meine Musik? Ich konnte nicht auf dem Tisch, den sie meinen Eltern belassen haben, Klavier spielen, denn die Ohren meiner Eltern waren schon lange auf die Häscher eingestellt. Aber seit Wochen horchten sie auf eine Musik, nicht auf meine Musik, sondern auf einen höheren Klang. Warum konnte ich ihnen diesen nicht geben? Verstehen Sie, Herr Pater, die Eltern horchten auf den Ruf von oben. Sie bereiteten sich mit Bedacht auf den letzten Weg vor. Sie sahen in ihrem 94 WO Unglück Leute, al so gefaßt Jahre zu ist keine müßte m zwischen würden d was uns Seligkeit, man in klagen, n es bezwa aus der An de Hirsch s mütig zu und Kra scheidene Hirsch s dichten in Büsch „ Ich Augenau ..Darf sagte de Hirsc Decke, tippte d war also Der F | ım hen. tan e an ickte 1,er r ist ide $ ist 1 er- ı das einen eise? h zu- hne? habe - wo isch, ielen, e auf chten Tı auf liesen tern h mit ihrem Unglück eine Sendung. Sie wurden ganz still, die alten Leute, als das Schicksal immer näher kam. Sie waren so gefaßt, wie ich einmal gefaßt sein möchte. Siebzig Jahre zu sein und auf den rettenden Tod zu warten, das ist keine Kleinigkeit. Sehen Sie, Herr Pater, das müßte man musizieren. Das könnte auch die Wand zwischen Unsinn und Sinn abtragen helfen. Vielleicht würden dann auch mehr Leute Musik hören. Alles, was uns umgibt. Die Schrecken und die stumme Seligkeit, die Ängste und das Hosianna, das müßte man in die Musik hineinbringen. Nicht nur die An- klagen, nicht nur die Proteste, sondern so, wie einzelne es bezwangen, wie sie es überwanden, das wäre Musik aus der Seele und dem Glauben dieser Zeit.“ An der Tür klopfte es. Der Gascogner trat herein. Hirsch stand auf, ruhig, ein wenig verlegen und weh- mütig zulächelnd dem Franzosen, dessen Gesundheit und Kraft in so krassem Gegensatz zu dem eigenen be- scheidenen Habitus stand. Der Pater bat zu bleiben. Hirsch schüttelte verwirrt sein Haupt und ordnete die dichten Haare, die während seines erregten Sprechens in Büschel auseinandergefallen waren. „Ich habe noch zu üben,“ sagte er mit leuchtendem Augenaufschlag unter einer trüben Stirn. „Darf ich Sie an die morgige Frühmesse erinnern?” sagte der Pater. Hirsch sah wie abwesend auf die Wände, an die Decke, auf das Fenster und auf den Fußboden und tippte dann mit dem Zeigefinger in den Raum. Hier war also wieder Messe? Der Pater nickte. ,, Verzeihen Sie..." sagte Hirsch und entgegnete den Händedruck des Paters lange. ,, Ich hoffte auf neue Arbeit in der Musik und habe Sie, Herr Pater, ganz mit persönlichen und irdischen Dingen aufgehalten." ,, Die Ordnung der Welt ist auch unsere Aufgabe," erwiderte der Pater. Wodurch und wielange, meinen Sie, Herr Pater?" fragte Hirsch schnell von der Tür zurück. دو ,, Durch uns selber. Bis unsere letzte Stunde gekommen ist," sagte der Pater und verschränkte die Arme in die Falten seines dunklen Rockes. Hirsch horchte sich in den Sinn der Worte hinein, dann verbeugte er sich ungelenk und verschwand flüchtig, wie er aufgetreten war. Für einen Augenblick witterte der Gascogner hinter der Spur des Pianisten her, wunderte sich und schwieg, denn er war ernste Überraschungen bei Begegnungen im Werk gewöhnt. Dann wandte er sich, das Auge an den Ofenschlitz der Kammer haltend, um den Nebenraum genau zu inspizieren, an den Pater. Er sprach leise, mit wenigen Gesten. Er ging zur Tür und kehrte zum Pater zurück. Er beschwor ihn, vorsichtig zu sein. Pierre wäre wohl frei gekommen, aber es hätte während des Alarms in der Kantine einen Zusammenstoß gegeben. An der Tür klopfte es. Der Gascogner trällerte ein Lied und stand harmlos an den Kistenschrank gelehnt. Meko meldete sich. Es war die Zeit für das Treffen der Befreundeten des Lagers. Meko patroullierte zwischen den Ausgängen der Baracke. 96 In der lichen W Gascogne hätte eine hätten ge Uniforme zugehen. fen und zu einer nicht ver abgeführt Alarmes Durch Parisers sollte da er nicht Mit de den Pari mutet. worden. vier aufg könne ni er wund habe er Pate mäßig t vorsicht lockerte die Sich ,, Seit und hell 7 Mühr, In der Kantine hatte es Wermuth gegeben, abscheu- neue lichen Wermuth, süß, dünn und ohne Aroma. Der ganz Gascogner schüttelte sich, als er davon erzählte. Pierre ten,“ hätte eine Runde nach der anderen ausgegeben und sie he hätten gesungen. Dann sei die Streife der schwarzen Uniformen gekommen. Pierre hatte sich geweigert, mit- zugehen. Die schwarzen Uniformen hätten durchgegrif- fen und die Peitschen geschwungen. Es wäre beinahe zu einer Schlägerei gekommen, wenn der Gascogner kon- nicht vermittelt hätte. Ein Wunder, daß Pierre nicht Arme abgeführt worden sei. Und das alles während des Alarmes! inein, Durch den Türspalt sah der Pater den Kopf des flüch- Parisers hereinschauen und schnell verschwinden. Was sollte das? Wünschte der Pariser etwas? Warum trat hinter er nıcht näher? wieg, Mit dem stimme es auch nicht, meinte der Gascogner ungen den Pariser. Der sei überall da, wo man ihn nicht ver- Auge mutet. Im Lager III sei er gestern Abend geschen ı den worden. Was suche er dort? Heute morgen sei er um r. Er vier aufgestanden und angeblich ins Freie gegangen. Er - Tür könne nicht mehr schlafen, er brauche frische Luft und , vor- er wundere sich, daß sie es alle hier so aushielten, ‚ aber habe er zu den Kumpels geäußert. N,„Pater Victor, wir dürfen uns auch nicht mehr regel- mäßig treffen,‘“ warnte der Gascogner und behielt seine vorsichtige Art zu sprechen bei. Er öffnete das Fenster, lockerte die Läden, sicherte ins Freie und verschloß die Sicht, während der Pater seine Lampe anknipste. „Seit wann sind Besuche verboten?“ fragte der Pater und hellte den Blick heiter auf. rie eu oJehnt. retten & zwI- 7 Mühr, Kontakte 97| ,, Die Regelmäßigkeit fällt auf." ,, Wir tun es nicht ohne Sicherung," bemerkte der Pater und dachte an Mekos Zuverlässigkeit und schien unbekümmert. 99 Wollen wir wenigstens für eine Weile die Zusammenkünfte unterbrechen," warb der Gascogner für seinen Standpunkt hartnäckig und fuhr fort: ,, Pierre hätte ruhig noch zehn Tage zur Arbeit gehen können, wenn er sich öffentlich betrinkt. Das ist beim Militär auch nicht anders gewesen. وو , Wir sind nicht mehr beim Militär." ,, Diese Jungen verdienen nichts anderes, als hart angepackt zu werden. Die Zwischenfälle kommen von Flausen." 66 ,, Von Schmerzen, die der Arzt bestätigt. Meko gab Zeichen an der Tür. Der Gascogner verschwand singend in eine der nächsten Kammern. Der Pater griff nach den Briefen aus der Heimat. Es klopfte unbeholfen. Der Pater bat auf französisch näher zu treten. Es klopfte noch einmal. Der Pater forderte in deutscher Sprache auf. Eine Luftschutzwache stand im Türrahmen. Älter als die schwarze Uniform von nebenan, schäbiger in der Kleidung, verwittert, grämig und mit menschlicher Unmittelbarkeit in Gesicht und Haltung. ,, Sie sollen mitkommen," sagte die Luftschutzwache und wurde unruhig vor dem Blick des Franzosen. ,, Ich soll Sie holen," wurde der Mann deutlicher und versuchte eine anspornende Bewegung. 98 Die Briefe aus Frankreich steckte der Pater zu sich, schaltete di teten Gang ,, Hier gl teren Ausg form niema Sie ging lang. Die dem vielfa steuerte hi von Stache Tür. Steil am Masche Eine park Zwergkiefe Steingarten Kiesstreu, schloß. Da die Direkt stapo. Am Hin die Zeitun Treppen u Echo bein politischen tionsbüro. klopfte an Zeit zurüc Im Direk Bank nebe und Zeitu schutzwack der °hien sam- * sel hätte wenn.' auch f Ver- Der deut- Älter ger IN Jicher wache „Ich d ver- u sich, schaltete die Lampe aus und trat auf den kaum beleuch- teten Gang der Baracke. „Hier gleich,“ nötigte die Luftschutzwache zum hin- teren Ausgang und ging voran, was die schwarze Uni- form niemals tat. Sie gingen den breiten Weg vor den Baracken ent- lang. Die Luftschutzwache trottete neben dem Pater, dem vielfache Grüße galten. Die Luftschutzwache steuerte hinter der Baracke II auf einen Nebenweg, der von Stacheldraht abgeschlossen wurde. Hier war eine Tür. Steil stieg ein schmaler Feldweg zur Anhöhe, wo am Maschendraht eine neue Gittertür aufgesperrt wurde. Eine parkähnliche Anpflanzung erstreckte sich mit Zwergkiefern, Lärchen, Moospolstern und Stauden im Steingarten! Der Zickzackweg geleitete zu einer breiten Kiesstreu, die sanft anstieg und eine neue Ebene ab- schloß. Da lag wieder das Verwaltungsgebäude, in dem die Direktion genau so untergebracht war wie die Ge- stapo. Am Hintereingang saß eine Luftschutzwache und las die Zeitung wie sonst die schwarze Uniform. Auf den Treppen und Korridoren hallten die Schritte wie ein Echo beinerner Trommelwirbel. Am Hauptbüro der politischen Überwachung ging es vorbei zum Direk- tionsbüro. Die Luftschutzwache hieß den Pater warten, klopfte an eine Tür, verschwand und kam nach einiger Zeit zurück, um zum gemeinsamen Eintritt aufzufordern. Im Direktionsbüro konnte der Pater auf der langen Bank neben den kleinen Tischen mit den Zeitschriften und Zeitungen Platz nehmen. Lässig, ging die Luft- schutzwache auf und ab und spähte nach den Arbeits- Tk 99 plätzen hinter den Glaswänden wie nach Inseln im Weltmeer, zu denen er einmal ein Schiff zu rüsten hoffte. Über der dunkelbraunen Ledertür leuchtete ein gelbes Licht auf, nachdem ein rotes bisher gebrannt hatte. Die Luftschutzwache klopfte an die Ledertür. Da keine Antwort erscholl, suchte die Wache die Tür ohne Klinke aufzusperren. Es mißlang. Das gelbe Licht erlosch und die Tür sperrte von selbst auf. Die Luftschutzwache nahm Haltung an wie das Mitglied eines Kriegervereins und schnarrte Worte herunter, die von der Chefsekretärin abgefangen wurden. Der Pater hörte ihre Stimme: ,, Schönen Dank, Herr Schulz. Nehmen Sie nur ich rufe dann.- Hoffentlich kriegen wir keinen Alarm. Halten Sie beide Daumen." - - Der Rücken der Luftschutzwache drückte die Ledertür völlig auf. Drüben im hell erleuchteten Zimmer legte die Chefsekretärin verschiedene Mappen auf dem Schreibtisch zusammen und trat dem Pater unbefangen entgegen. Die Ledertür schloß sich. Der Pater blieb stehen. Die Chefsekretärin hatte auf einen Sessel gewiesen und stellte Zigaretten bereit. Der Pater zögerte, Platz zu nehmen. · ,, Herr Gaillard, ich weiß nicht, ob es unpassend ist, plauderte die Chefsekreträin französisch und wies auf die Trainingshosen, die sie anhatte ,,, es geht leider nicht anders. Ich habe Luftschutzdienst, da muß ich mich kostümieren. Bitte, nehmen Sie Platz!" Der Pater setzte sich in den blausilber gepolsterten Sessel und verschränkte die Arme. 100 ,, Sie erla rette und ge schutzdienst an Feiertag Abend zen wenn es de zugeht." D eine Speise und lese bi zwischen k ihren Schre geschlagen deutsch be denken Sie Der Pat einer gerad wie sie der und deshal winnen, bi stand ein Finden tärin. ,, Wi dem. Imme Lessing, d verwies un mußte. W deutscher tue ich Ih Die Ch zösisch, a zu sein. S eln im rüsten te ein brannt dertür. die Tür e Licht as Mit te her vurden. , Herr - Hof e beide LederZimmer auf dem efangen er blieb gewiezögerte end ist," wies auf at leider muß ich olsterter ,, Sie erlauben." Die Chefsekretärin wählte eine Zigarette und genoß die ersten Züge. ,, Ich habe stets Luftschutzdienst, wenn die andern nicht mögen. Das ist so an Feiertagen. Wenn man Glück hat, ist man einen ganzen Abend allein. Wissen Sie, darin liegt auch ein Reiz, wenn es den Tag über im Büro wie im Taubenhaus zugeht." Die Chefsekretärin schmeckte den Rauch wie eine Speise in Wolken. ,, Ich bringe mir Lektüre mit und lese bis in die Nacht hinein, wenn kein Alarm dazwischen kommt. Ich bin gerade bei Montherlant." Auf ihren Schreibtisch hinüber zeigte sie, wo ein Buch aufgeschlagen lag. ,, Ich war schon glücklich, als ich ihn deutsch bekam. Jetzt lese ich ihn französisch. Was denken Sie über ihn, Herr Gaillard?" Der Pater erinnerte sich an den ersten Besuch bei einer gerade flügge gewordenen Nichte, die nicht wußte, wie sie den Onkel im geistlichen Kleid anreden sollte und deshalb von tausend Dingen sprach, um Zeit zu gewinnen, bis die Mama dazu kam. Hinter seiner Stirn stand ein Lächeln, das auch diese Begegnung betraf. ,, Finden Sie uns komisch?" fragte die Chefsekretärin. ,, Wir bekriegen eine Nation und lieben sie trotzdem. Immer wieder. Wir kommen nicht davon los, wie Lessing, der die Vorliebe für das französische Drama verwies und selbst seine Minna mit Riccaut ausstatten mußte. Wenn man nicht sagen will, daß sein Geist deutscher Esprit oder Esprit du coeur ist. Ja? Oder tue ich Ihnen unrecht, Herr Gaillard?" Die Chefsekretärin sprach in einem mühelosen Französisch, auch die Überlegungen schienen ihr geläufig zu sein. Sie sprach ohne zu akzentuieren und ohne sich 101 zu übernehmen, was der Pater bei der gestrigen und bei früheren Begegnungen mit ihr im Wartezimmer der Direktion glaubte bemerkt zu haben. Vielleicht war sie sonst vom Dienstwirbel echauffiert gewesen. ,, Unrecht?" wiederholte der Pater, der in dem dunklen Anzug privat aussah und sich beinahe privat fühlte in der Ecke mit dem runden Tischchen und den Blumen darauf. Wieder Osterglocken, wie gestern. An den Wänden Stilleben in van Goghs Art, Winter- und Frühlingsaufnahmen aus den Bergen. د, , Was nützt eine Liebe, bei der der andere verblutet?" fragte der Pater. ,, Napoleon und Ludwig XIV. waren für uns auch keine Helden aus Schäferspielen, Herr Gaillard." Der Pater sah über das Tischdeckchen, das in der Mitte über Glasplatten lag, unter denen zwei Reproduktionen nach graphischen Blättern von Dürer und Altdorfer ihre Ansicht durchscheinen ließen. Diese Wiedergaben paßten sich an den Rand des Tisches. Dürers ,, Ritter, Tod und Teufel" stand auf dem Kopf zur Perspektive des Betrachters, Altdorfers ,, Landschaft" mit ihrem Tannendickicht drängte sich auf gespenstische Weise in den Blick des Paters hinein. ,, Müssen, wir immer abrechnen?" fragte der Pater verhalten und sandte einen guten betrachtenden Blick hinüber. Die Chefsekretärin mußte Anfang dreißig sein. In ihrem Antlitz standen Lebendigkeit und Resignation und eine wechselvolle Entschlußkraft, die sicherlich öfters in Form gezwungen werden mußte. Ihre Augen träumten, während sich auf ihrer Stirn die Wirklichkeit spiegelte. Umgekehrt wäre es der Frau bekömm102 licher ge Betrachtu Schaf fragte di Ineina leicht. Wort der Frau ,, Tut Gelegenh und dran Verwalt ,, Verz ser für und erho Kochtop geschirr Gebäck Was Verha abend? Chefsek vorgehen Der H Armelfa einer ne schließe tik, mit saß er dringlic n und er der yar sie dunk- fühlte lumen n den I Früh. utet?" s auch a in der roduk- d Alt- > Wie- Dürers pf zur schaft. ;pensti- - Pater 1 Blick g sein, gnation -herlich Augen irklich 2kömm- licher gewesen, meinte der Pater, aber er vertrieb die Betrachtung. „Schaffen Auseinandersetzungen keine Klärung?” fragte die Chefsekretärin. „Ineinandersetzungen bauen auf,“ parierte der Pater leicht. „Wortspiele oder tiefere Bedeutung?“ war die Frage der Frau „Tut man das noch in dieser Zeit und bei solchen Gelegenheiten?“ setzte der Pater die Frage daneben und drang auf Auskunft über seinen Aufenthalt in der Verwaltung der Rüstungsfabrik. „Verzeihen Sie, Herr Gaillard, ich vergaß das Was- ser für den Tee aufzusetzen,‘ sagte die Chefsekretärin und erhob sich, um an der elektrischen Leitung einen Kochtopf anzuschließen. Eine Teekanne und Trink- geschirr war zum Gebrauch vorbereitet, ein Teller mit Gebäck gehörte dazu. Was sollte das? Verhandlung im Verwaltungsgebäude am Karfreitag- abend? Zunächst improvisierte Unterhaltung mit der Chefsekretärin, dazu Tee und Imbiß. Was sollte später vorgehen? Der Pater hatte die Hände auf seine Weise in die Ärmelfalten gesteckt und erwartete die Entwicklung einer neuerlichen Vernehmung, die sich offiziell an- schließen würde. Ohne Voreingenommenheit, ohne Tak- tik, mit der Offenheit seiner Denk- und Sprechweise sald er am Tisch und beobachtete, mit welchem unauf- dringlichen Geschick angerichtet wurde. 103 Die Chefsekretärin sprach in ihre Hantierungen hin- ein:„Wir sind auf dem Wege der Verständigung.“ „Wer?“ Auf sah die Chefsekretärin von dem Teeservice, das sie ordnend verteilte. Eine Tasse klirrte. Die Frau blieb auf ihrer Gedankenspur. „Nur ein Franzose als Marschall vermochte so menschlich zu handeln wie Petain, indem er den aus- sichtslosen Krieg abbrach und Frankreich weitere Blut- opfer ersparte. „Dafür ist er heute der Springer eines anderen Königs,“ wählte der Pater einen Vergleich aus dem Schachspiel und blieb undurchdringlich wie ein Partner am Brett. „Schließen Sie Frieden, Herr Gaillard!“ „Mit wem?“ Der Blick der Frau wurde ungewiß vor dieser kur- zen Frage. Sie ging zu dem Abstelltisch, auf dem das Teewasser kochte und sagte:„Ist Deutschland kein Partner?“ „Sind Sie eine Partnerin?“ „Herr Gaillard, auf mich kommt es gar nicht an. Das entscheidet die hohe Politik ganz allein.“ „Sehen Sie, mein Fräulein, das höre ich überall ın Deutschland. Was ist nun Deutschland und wer ver- tritt seine hohe Politik?“ _ Das Fräulein trug die Teekanne an den runden Tisch. Weißes Porzellan in dünner feiner Ausgabe mit chine- sischen Zeichen unter der Tülle entlang. Ob der Pater die Schrift noch lesen konnte? Er hatte chinesisch stu- 104 diert, zwe nach Aus Die zw mehr aus erwartete Zügen. „Sie$] „Frieden Frankrei wir uns\ „Her offene H „Soll „Dopp „ja s „Was „Die] „Und Chefsekı segnung „Eine Richt vie wechsel Der 7 ind Zu Tisches das Get „Ach, wollen. Wie aus „Wir D das "rau 50 aus- Zlut- jeren dem riner diert, zwei Jahre vor dem Krieg, als er über Amerika nach Australien, China und Indien reisen wollte. Die zweite Zigarette wurde von der Chefsekretärin mehr aus Beschäftigung als aus Genuß gewählt. Sie erwartete wohl eine Äußerung und rauchte in langen Zügen. „Sie sprachen vom Frieden,“ setzte der Pater fort. „Frieden können nur versöhnte Geister schließen. Ist Frankreich Herr seiner Entschlüsse? Mit wem sollen wir uns versöhnen?“ „Herr Gaillard, hat unsere Regierung nicht häufig die offene Hand angeboten?“ „Soll die Niederlage uns doppelt treffen?“ „Doppelt?“ „Ja, sollen wir zweimal alles verlieren?” „Was haben Sie ohne uns, Herr Gaillard?“ „Die Hoffnung auf die Freiheit.“ „Und was wird aus uns..... beiden?“ lächelte die Chefsekretärin sparsam.„Ich habe mich so auf die Be- gegnung gefreut.“ „Eine Partie ohne Gewinn und Verlust,— ist das nicht viel?‘ antwortete der Pater und fand den Rede- wechsel der Frau aktiver als er im Anfang erwartet. Der Tee wurde eingeschenkt, auf eine Dose Milch und Zucker verwiesen, das Gebäck in die Mitte des Tisches gerückt und dem Pater angeboten, dem allein das Getränk schon eine Gabe bedeutete. „Ach, Herr Gaillard, ich weiß alles, was Sie sagen wollen. Ich fühle es lange,“ sprach die Chefsekretärin wie aus einem dumpfen dunklen Grund ihres Lebens. „Wir Deutschen wollen Gutes und verursachen Übles, 105 weil wir zu heftig sind. Niemand mag uns in Norwegen, Dänemark oder Schweden, aber wir werben um den nordischen Menschen und wollen ihn neu in die Welt setzen. Wir propagieren die Achse und verlieren uns an geschichtlichen Ideologien der Hohenstaufen, die vor siebenhundert Jahren Wirklichkeit waren und die nie wieder entstehen. Heute ist jede Frau bei uns stolz, wenn ihr Mann aus Frankreich Stoffe, Parfüms oder Konfekt mitbringt, und keiner überlegt, daß die Besiegten das produzieren, was die vermeintlichen Sieger entbehren. Bitte,- greifen Sie doch zu," forderte die Chefsekretärin auf und gab eine werbende Bewegung hinüber. Alles heimische Produkte. Sie brauchen nicht وو an Import zu denken. Mit Mütterchens Hilfe ausgestattet und für das Fest zubereitet. Kennen Sie übrigens Brezelgebäck zu Gründonnerstag?" Der Pater nickte. ,, Das sind kleine Stücke davon, um das herrliche Ungetüm nicht im Ganzen aufzutragen." Die Chefsekretärin bot nochmals Kuchen an und griff selbst zu. Der Pater wählte auch jetzt kein Stück. Befragt über sein Zögern, gedachte er der Not des Herrn und der Nachfolge aller, von denen jeder sein Kreuz aufzunehmen und es zu seiner Schädelstätte zu schleppen trachten müßte. Da hieß es sich besinnen und fasten. ,, Ich komme mir manchmal auch wie im Gefängnis sagte das Fräulein in dem dunkelblauen vor و. 66 Trainingsanzug. ,, Das sagen Sie mir?" ,, Ja, Herr Gaillard. Ich mußte Sie heute sehen," bekannte die Chefsekretärin und legte das Kuchenstück ebenso H mußte m daß ich um zu n men. Ich Der H halten, Auf e unanfech etwas a Mann. H sche vo frei und augenbli ,, Ich b Der H Dürers tete die Wozu b Land, d sprach? Wegen, Augenb Stetigke Morgen Nacht " Wa Ihnen? Ich kür." 106 vegen, 2 den Welt n uns 1, die 1d die stolz, ; oder esieg- r ent- te die! fegung n nicht ausge- rigens rrliche Chef-" bstzu, efragt m und| z auf-| leppen fasten, fängnis blauen [7 sehen, onstück ebenso beiseite wie die angerauchte Zigarstte.„Ich mußte mit Ihnen sprechen. Ich bin so in der Tretmühle, daß ich vor lauter Arbeit nicht den Kopf herausstecke, um zu mir selber und'zu eigenen Gedanken zu kom- men. Ich darf mich Ihnen doch aussprechen?“ Der Pater wunderte sich.„Wie Sie es für richtig halten, mein Fräulein,“ sagte er verbindlich. Auf einmal war die mächtige Chefsekretärin in der unanfechtbaren dienstlichen Haltung ein Mädchen, das etwas auf dem Herzen hatte. Eine Frau vor einem Mann. Eine Deutsche vor dem Franzosen. Die Deut- sche vor dem Pater aus Frankreich, der gar nicht so frei und unbehindert war, um einer Vertreterin der augenblicklichen Siegermacht zu raten. „Ich beobachte, wie Sie für Ihre Landsleute kämpfen.“ Der Pater sah über die Landschaft von Altdorfer zu Dürers„Ritter, Tod und Teufel“ hinüber. Was bedeu- tete die Rede der Frau? Steckte eine Absicht dahinter? Wozu brauchte das Fräulein den Ritter aus dem andern Land, das sie so liebte und dessen Sprache sie so gut sprach? Oder war sie eine Teufelin auf diplomatischen Wegen, die ihm den Tod bringen konnte? Für einen Augenblick dachte der Pater so, dann überkam ihn jene Stetigkeit, mit der die Sterne ihre Bahn ziehen, jeder Morgen das Gesicht der Erde entschleiert oder die Nacht ihre Dunkelheit darüber ausschüttet. „Was nützt es, Herr Gaillard? Dankt man es Ihnen?“ fragte die Chefsekretärin. „Ich verteidige den hilflosen Kranken gegen Will- kür.“ 107 „Ja, im einzelnen, da mögen Sie recht haben. Aber im allgemeinen? Soll ich Ihnen sagen, wieviele anonyme Briefe wir aus dem Lager bekommen? Was die Ob- leute uns für Klatsch und Intrigen zutragen? Nicht die Gestapo,— Ihre Landsleute, so daß ich mich manch- mal frage, ob das auch bei uns so wäre, wenn wir— entschuldigen Sie, Herr Gaillard!“ „Bitte, mein Fräulein. Ich weiß um solche Ver- irrung. „Sie wissen, und trotzdem...?“ „Es gibt überall Menschen, die wankelmütig werden. Besonders in Zeiten der Auflösung. Das war immer so. Bedenken Sie bitte: Nach vier Jahren Krieg immer noch Stacheldraht, immer noch Lager, immer noch ohne Heimat. Ohne Beruf und ohne Zukunft. Wissen Sie, was das für eine Jugend bedeutet?“ „Auch Ältere schreiben...“ Der Pater schüttelte den Inhalt der Tasse auf dem Grunde um und trank den Rest in kleinen Schlucken. „Ich kenne die Franzosen,“ sagte der Pater einfach. „Ich bin auch ihrer Mutter Kind, mit allem, was gut und was falsch ist. Ich liebe sie auch in der Ver- irrung, denn sie leiden.“ „Entschuldigen Sie, Herr Gaillard, das sollte durch- aus keine Kritik sein.“ „Ich verstehe Ihr Bemühen,“ sprach der Pater liebens- würdig und dankte für einen neuen Teeaufguß, auf den er mit freundlicher Miene verzichtete. Es war durch- aus nichts Gezwungenes an ihm. Auf die Landschaft Altdorfers sah er und auf den Spiegel seiner Hände in dem Glas auf dem Tisch. Angestrengte Hände, 108 krustig. Energie Prüfung und ste liebste „Ich sekretät währen: Distanz ren Ist, „Hei gestand tisch,/ sie an „Wo humorv Die als we „Ma suchte tigen. Die streckt Gaillaı Der mich” „Nu bein korb,| „Me „Ja, Aber nyme Obt die anchir Vererden. er so. mmer ohne Sie, f dem icken. nfach. as gut Verdurchebensuf den durchschaft Hände Hände, krustig von Schwielen und Rissen, aber Hände voller Energie, auch jetzt am Abend, wo der Tag noch eine Prüfung anbot. Der Pater verschränkte seine Arme und steckte sie in die Ärmelfalten. Das war seine liebste Haltung, in sich ruhend und zu allem bereit. ,, Ich spreche, wie ich es fühle," sagte die Chefsekretärin. Erregte Gedanken zogen über ihre Stirn, während ihre Augen scheu aufflammten und von jener Distanz blieben, die die Eigenart reflektierender Naturen ist. ,, Herr Gaillard, ich möchte Ihnen etwas zeigen," gestand die Chefsekretärin und eilte an den Schreibtisch. Aus einem Fach zog sie zwei Briefe hervor, die sie an den runden Tisch brachte. دو , Wollen Sie indiskret sein?" mahnte der Pater in humorvoller Beschwörung. Die Chefsekretärin riß die Hand von den Briefen, als wenn es darunter schwelte. ..Man behält nicht nur Liebesbriefe für sich," versuchte der Pater den Ernst des Vorganges zu besänftigen. Die Chefsekretärin nahm die Briefe an sich und streckte sie ihm dann entgegen: ,, Lektüre für Sie, Herr Gaillard." Der Pater staunte, ohne die Post anzunehmen: ,, Für mich?" ,, Nur für Sie. Hier kennt niemand die Briefe. Was bei uns an solcher Post einläuft, versinkt im Papierkorb. Nur ich habe sie gelesen. Sie müssen es wissen." ,, Mein Fräulein?" ,, Ja, Herr Gaillard. Das geht Sie an." 109 ,, Wenn Sie nicht so freundlich wären, wüßte ich auch nichts davon." ,, Nehmen Sie," forderte die Chefsekretärin auf und legte die Briefe neben den Teller des Gastes. ,, Ich mußte etwas tun." ,, Etwas?" ,, Für Sie... und für Frankreich." دو , Mein Fräulein, ich schätze Ihre Haltung." ,, Nein, Herr Gaillard, so dürfen Sie nicht mit mir sprechen. Mir ist es sehr ernst." ,, Das bemerke ich." ,, Bitte, lesen Sie die Briefe wenigstens." ,, Mein Fräulein, ich bedaure." Schamröte überstürzte ihr Gesicht. In den Augen wetterleuchtete es. Sie stand auf, wischte sich die Wangen, über die Tränen tropften. وو , Wenn man schon etwas tut, dann nehmt ihr es nicht an. Dann ist es auf einmal nichts wert," sammelte sie Vorwürfe. ,, O, mein Fräulein, Ihr Bemühen ist mehr wert, als die Kenntnis aller Inhalte dieser Briefe." Der Pater suchte nach mehr Ausdruck, um den Respekt vor dem Fräulein zu bezeugen. Er begleitete seine Worte mit schwingend erhobenen Händen, als wollte er die Rede würdig ausstatten und sie erhöhen. Wie für sich sagte er: ,, Bitte, verstehen Sie meine Situation." 66 ,, Ja, ja, ich verstehe. Wir sollen immer verstehen, schwärmte die Chefsekretärin auf hilflose Weise und ging in schnellem Schritt auf und ab. Sie trocknete sich die Augen, schneuzte sich und wehrte alle anstürmenden Wir soll Grunde geh was man w wir nichts, kehrte deut Nein, ei der Begegn Er sah auf dorfers und Chefsekreta Ich tra allein. Ihne Frankreich wie ein Ba die Briefe Der Pate heit bekam schwangen sprach die Mein F „ Hören sekretärin Das w heiterer K Der Ko ruhe, den sie fragte: Ich bit aus dem 110 eich stürmenden Empfindungen, die sie trotzdem befielen. fund ,, Ich it mir Augen Wans nicht te sie rt, als en Reseine wollte meine ehen, " se und cknete le an..Wir sollen andere verstehen und darüber selbst zu Grunde gehen," bemerkte sie heftig. ,, Mit uns tut man, was man will. Tun wir etwas, ist es nicht recht. Tun wir nichts, wirft man es uns vor. O, welch eine verkehrte deutsche Position." ,, Nein, ein Deutschland, das mich versöhnt... nach. der Begegnung mit Ihnen." Auch der Pater stand auf. Er sah auf den Tisch, nicht auf die Briefe, auf Altdorfers und Dürers Blätter sah er und dann auf die Chefsekretärin. ,, Ich trage den Konflikt aus, Herr Gaillard. Ich allein. Ihnen soll geholfen werden, sonst würde ich Frankreich nicht lieben, sondern nur darüber schwatzen wie ein Backfisch. Bitte, darf ich Ihnen wenigstens die Briefe vorlesen? Erlauben Sie es.' 66 Der Pater trat zu dem Fräulein. Seine Entschlossenheit bekam einen milden Glanz. Seine Bewegungen schwangen in zärtlicher Rücksicht. Aus seinen Augen sprach die Güte. ,, Mein Fräulein, ich danke Ihnen sehr." ,, Hören Sie auf," brach es schrill aus der Chefsekretärin und sie wandte sich ab. ,, Das war nicht französisch," sagte der Pater mit heiterer Kritik. Der Kopf der Chefsekretärin stieß hoch aus der Unruhe, den Tränen und dem vergeblichen Bemühen und sie fragte: ,, Wieso, Herr Gaillard?" ,, Ich bitte, daß Sie aufhören, sagen wir, wenn wir aus dem Turnierfeld in die Schranken zurücktreten." 111 ,, Ach, Herr Gaillard," das Fräulein lächelte schmerzlich ,,, ich wollte gar nicht kämpfen. Ich bin doch eine Deutsche. Wir tun immer das, was wir nicht sollen." دو Wohl Ihnen, daß Sie darum wissen." ,, Nein. Hin- und hergerissen zwischen Deutschland und Frankreich entschließe ich mich zu einer Tat, die niemanden wehetut. Ihnen aber nützen kann, auf die Spur der Denunzianten zu kommen. Und was richte ich an?" ,, Einen abendlichen Teetisch," wollte der Pater vom Ernst ablenken und wies auf den Platz in der Ecke. ,, Eine triste Situation," vergröberte das Fräulein den Eindruck und zupfte an dem Taschentuch. ,, Sie sind sehr entschlossen." - Das Fräulein schüttelte den Kopf: ,, Nein, mein Herr, sonst wäre ich nicht mehr hier." ,, O, lala," übertrieb der Pater seine Verwunderung beinahe scherzhaft und war gespannt, was nun noch folgen würde. ,, Ja, der nächste Schritt wäre eigentlich die Flucht aus diesem eingebildeten Paradies. Aber wohin? In die nächste Rüstungsfabrik und die nächste Pflichtjacke? In den nächsten Luxus einer Frau, die immer danebensteht. Danebensteht, Herr Gaillard!" ,, Kind," sagte der Pater mit vollem Bedacht ,,, Ihre Absicht war schon eine gute Tat. Sie fühlten ja das Problem. Das ist mehr als mancher Mann tut und wenn er sich noch so praktisch gebärdet. Vielleicht helfen Sie an Ihrem Platz mehr, als wenn Sie abtreten. Wer will das ohne weiteres sagen? Je bedeutender eine Position, um so ertragreicher, ich meine für 112 den guten sam. Das Ihnen wü schen Ge Die Ch Mann vo Sprache, liebte. Si nes, der und sage ,, Herr ,, Ja, m Ich v Der F wenn er Hand un ,, Ich h ,, Sie h ,, Ihnen ,, Daẞ die Barr wir mit schreiten War ,, Erha Ehrfurch uns viel neue W Ja, H Hand?" Mühr, chmerzch eine sollen." schland Tat, die auf die srichte ter vom r Ecke. lein den n, mein nderung un noch Flucht hin? In Pflichte immer mt ,,, Ihre ja das tut und ielleicht Sie abe bedeumeine für den guten Zweck, den Sie verfolgen. Bleiben Sie wachsam. Das ist das Einzige und das Höchste, was ich Ihnen wünschen kann. Es ist die Tradition besten deutschen Geistes." Die Chefsekretärin sah auf den kleinen untersetzten Mann vor ihr, der so herzliche Worte fand, in der Sprache, die sie neben ihrer Muttersprache über alles liebte. Sie sah in die großen klugen Augen des Mannes, der bescheiden dastand und für vieles eine Aussage und auch einen Ausweg bereit hatte. ,, Herr Gaillard?" ,, Ja, mein Fräulein?" ,, Ich wollte Sie nicht beleidigen." Der Pater hielt seine Hand vor ihren Mund, als wenn er ihn zu schließen beabsichtigte. Er nahm ihre Hand und sagte: ,, Ich danke Ihnen wirklich." ,, Ich habe doch nichts getan, Herr Gaillard." ,, Sie haben mir Mut gemacht zu glauben." ,, Ihnen?" ,, Daß es Menschen in Deutschland gibt, die uns über die Barriere der Politik die Hand reichen, selbst wenn wir mit ihnen noch keinen gemeinsamen Weg beschreiten." دو Warum nicht, Herr Gaillard?" ,, Erhalten Sie sich die Ehrfurcht, liebes Kind. Die Ehrfurcht vor den Menschen. Es ist das Einzige, was uns vielleicht aus dem Lavafeld dieses Krieges eine neue Welt aufbauen hilft." ,, Ja, Herr Gaillard. Aber warum verwehren Sie Ihre Hand?" 8 Mühr, Kontakte 113 ,, Kind, muß ich es Ihnen sagen, daß nichts schlimmer ist, als zwischen den Fronten zu stehen? Bleiben Sie uns freundlich gesinnt, mein Fräulein!" Der Pater verbeugte sich wie ein Kavalier alter Schule. ,, Vielleicht kann ich Ihnen einmal aus Frankreich die Hand wiederreichen zum letzten Bunde der Zivilisation. Auch das wird nicht ohne Tränen, ohne Schmerzen gehen. Aber es ist die letzte Hoffnung für uns und für Europa. Es könnte nämlich sein, daß sich dann die Vorzeichen für das Schicksal unserer beiden Länder geändert haben." ,, Herr Gaillard...!" Die Chefsekretärin schloß die Augen und krampfte die Hände. Sie überließ sich der Trauer und einer bangen Stille. Bewegten Sinnes lehnte sie sich an den Schreibtisch. Sie nahm den Klingelknopf wie ein Requisit des Schicksals in die Hände und gab das Zeichen weiter. Ihr Blick wanderte durch das Zimmer und hielt in der Ecke, wo sie Tee getrunken hatten, ihre Augen verschärften sich, sie sah die Briefe liegen und ging hinüber, um sie an sich zu nehmen. Ehe die Luftschutzwache auftrat, waren die Papiere in der Schreibtischschublade verschwunden. Als sich der Pater verabschiedete, erkannte er das gewohnte Gesicht der Chefsekretärin wieder, die aufgeklärte Stirn, die ruhigen Augen mit dem leisen Verzicht und die verbindliche Haltung. In ihrem Grußwort auf deutsch splitterte es wie Glas, das in einem überspannten Rahmen gehangen hatte. Durch die langen, leeren Flure mit wenig Licht ging es hinab. Schmale Treppen mit blauen Nachtlampen. die den Weg unwirklich machten. 114 ,, Alles nenden F „ Ja," Werd Pater be " Sterne hörte. At anfing u eine Sch als dunk Blitzer Uniform eine Stat das Wer Russen, Die L risse so gräber a Gräber Deutsche Wortl wache v len Gan Im N Der F seine Sa Neber hatte B würde la Auf s spielte n schlimBleiben Pater ,, VielHand Auch gehen. Europa. hen für maben." rampfte einer an den ein ReZeichen nd hielt Augen nd ging LuftSchreiber das die aufen Verrußwort em übercht ging lampen. ,, Alles ruhig?" fragte die Luftschutzwache den gähnenden Pförtner in der gleichen Uniform. ,, Ja," erwiderte dieser. ,, Du kannst dich einpacken." Werde ich tun," freute sich die Wache, die den Pater begleitete, mäßig. وو Sternenhimmel. Milde Luft, die dem Frühling gehörte. Atem der Erde, die sich bräutlich zu schmücken anfing und den zauberischen Duft ihres Leibes wie eine Schleppe um sich und nach sich zog. Thujabäume als dunkle Gestalten, die im Stelldichein verharrten. Blitzender Stacheldraht. Dahinter stand eine schwarze Uniform mit Stahlhelm und geschultertem Gewehr wie eine Statue aus versunkenen Regionen. Die Wache für das Werk und die Arbeit. Wache für die Franzosen, Russen, Polen und Wache für die Deutschen. Die Luftschutzgräben an den Baracken, deren Umrisse so hell schienen, sahen wie ausgehobene Massengräber aus, die auf ihre schweigsame Fracht warteten. Gräber für Franzosen, Russen, Polen. Gräber für die Deutschen. Gräber für alle und für eine lange Zeit. Wortlos ging die Verabschiedung der Luftschutzwache vor sich. Der Pater tastete sich durch den dunklen Gang in seine Kammer. Im Nebenraum brannten die beiden Lampen. Der Pater entbehrte des Lichtes. Er fand im Gebet seine Sammlung. Nebenan knallte ein Propfen. Die schwarze Uniform hatte Besuch, der eigentlich verboten war. Nun, das würde laut werden und lange dauern. Auf seine Lagerstatt streckte sich der Pater. Drüben spielte man Katz und Maus um klingende Gläser. 8* 115 Karfreitag. Das Leiden Christi war auf dem Höhepunkt und die Flucht der Menschen vor Gott. In Gedanken sprach der Pater: " , Und er trug sein Kreuz und ging hinaus zur Stätte. die da heißet Schädelstätte... 66 Der P belief di große G stand. Es räusche, Mit ei perliche Hatte sich die Tür geöffnet? War jemand ins Zimmer getreten? Der Pater horchte, aufgescheucht von Schlaf und Traum. Nebenan war es still. Bewegte sich etwas? Er empfing eine Welle unbekannter Kraft. Sacht drehte der Pater das Handgelenk und schob dabei den Arm aus dem Hemd, um das Zifferblatt der Uhr zu erkennen. Ein Uhr zwanzig. Fast drei Stunden hatte er geschlafen. Waren Phantasien zu leibhaftigen Bildern und Albdrücken geworden, daß er vermeinte, etwas zu hören? Nochmals sah er auf die Uhr. Die Zeit stimmte. Nebenan blieb es still. Man ruhte dort eine zeitlang. Die Gedanken des Paters befreiten sich aus der Dämmerung des Geistes. Seine Sinne waren rege wie am Morgen. Er horchte und fühlte, er spürte. Die Tür war geschlossen. In der Kammer bewegte sich etwas. Es kam näher. Die Hand des Paters tastete nach dem Knopf der elektrischen Lampe, ohne daß das Leuchtzifferblatt der Armbanduhr nach oben schien. ,, Kein Licht," flüsterte es auf Französisch. 116 am Lage kam ganz Entso Ich hab scheußlic sonst bi davon." Seltsa Originell Warum War er häufig a Warum Sie." ,, Ich H habe aud Der F Hand g sich die ,, Dich fertig si Dan oberen HöheStätte. af und e unbeschob latt der Stunden nd Albte. hören? zeitlang. aus der ege wie n näher. nopf der fferblatt Der Pater erkannte den Pariser an der Stimme und beließ die Hand an der Lampe. Er fühlte, wie die große Gestalt näher kam, heranrückte und am Bett stand. Es waren Lüfte, die bewegt wurden, keine Geräusche, die aufkamen. Mit einem starken Luftzug nahm der Pater die körperliche Wärme des anderen auf; der hatte sich wohl am Lager niedergelassen. Das Gesicht des Parisers kam ganz dicht. Der Pater spürte den fremden Atem. ,, Entschuldigen Sie," flüsterte es. Nach einer Weile: ,, Ich habe dringende Fragen." Pause.„ Ich finde es scheußlich im Lager."... ,, Ich muß mich orientieren, sonst bin ich lieber morgen als übermorgen auf und davon." Seltsamer Anfang eines Gespräches nach Mitternacht. Origineller Einfall, den Partner am Bett aufzusuchen. Warum hatte sich der Pariser nicht angemeldet? War er deshalb den ganzen Abend über so merkwürdig häufig aufgetaucht und immer wieder verschwunden? Warum hatte er nichts gesagt? ,, Ich habe Fragen aufgeschrieben," flüsterte es. ,, Ich habe auch eine Taschenlaterne mitgebracht. Bitte, lesen Sie." Der Pater fühlte, wie er einen Block Papier in seine Hand gesteckt bekam und die kühle Blechhülle, in der sich die Batterie der Taschenlampe befand. ,, Dicht am Papier halten," flüsterte es. ,, Wenn Sie fertig sind, bitte auslöschen." ,, Danke," flüsterte der Pater und griff nach dem oberen Ende des Blockes, wo vermutlich die erste 117 Frage stand. Der kleine Scheinwerfer beschien eine ungelenk geschriebene Zeile, deren Text lautete: ,, Ist jeder Soldat ein Mörder?" Darunter war ein Raum für die Antwort frei gelassen. Das war auch so bei den nächsten Fragen angeordnet. Der Pater schrieb: ,, Nein, wenn er sich und die Hilflosen verteidigt." Das letzte Wort unterstrich der Pater und fuhr fort: ,, Ja, wenn er ohne diesen Grund ein Leben vernichtet." Die nächste Frage hieß: " , Wer ist schuld am Kriege? Eine Regierung oder das Volk?" ,, Beide," schrieb der Pater darunter. Die nächste Frage: ,, Ist die Kirche für oder gegen den Krieg?" Die Antwort: ,, Gegen." Die Frage: ,, Warum schweigt die Kirche während des Krieges?" ,, Sie schweigt nicht. Sie tröstet," lautete die Antwort. Die Frage: ,, Ist Gott bei den Siegern oder den Besiegten?" ..Bei den Geläuterten," lautete die Antwort. Die Frage: 99 Warum ziehen Priester in den Krieg und segnen die Waffen?" Die Antwort: ,, Nicht die Waffen, sondern Leben und Sterben." Das war die letzte Frage und ihre Antwort gewesen. Der Pater drückte das Licht der Taschenlampe aus und reichte sie mit dem Block an den Pariser. Der las 118 die Ant der Ent auf die des Kri verstand An da schrieb Texte. Problem konnte. bewegte Dutzend ihm ger Block, des Pa die Bat Beim erste F Wa " wesen? Die Die ,, Wa Die die W Die ..Gl Ant Die ,, Gla Ant N cine Tel ge- F ragen eidigt.“ ar Fort: ichtet.“ ng oder | segnen ı Leben gewesen. mpe aus Der las die Antworten nochmals, nachdem er sie schon bei der Entstehung verfolgt und begriffen hatte. Er tippte auf die Frage:„Warum schweigt die Kirche während des Krieges?“ und schien mit der Antwort nicht ein- verstanden zu sein. An das Bett gekniet, den Block auf die Kante gelest, schrieb der Pariser in seiner schweren Schrift neue Texte. Oftmals sah er in die Luft, als wenn er die Probleme von einem unsichtbaren Band abnehmen konnte. Als er fertig war, überlas er die Fragen und bewegte die Lippen. Es war sicherlich ein halbes Dutzend Fragen, wie es dem Pater schien. Als sie ihm gereicht wurden, erlosch das Licht. Er fühlte den Block, den Bleistift, der an einem Ende von der Hand des Parisers erwärmt war, wie die Blechhülle, in der die Batterie der Taschenlampe steckte. Beim neuen Schein des Lichtes las der Pater die erste Frage: „Warum sind Sie als Hauptmann an der Front ge- wesen? Die Antwort hieß:„Um Frankreich zu verteidigen.“ Die zweite Frage: „Was haben Sie für den Frieden getan?“ Die Antwort lautete:„Ich habe die Selbstsucht als die Wurzel aller Kriege wie den Teufel bekämpft.” Die dritte Frage: „Glauben Sie an den Frieden?“ Antwort:„Ja.“ Die vierte Frage: „Glauben Sie an den ewigen Frieden?“ Antwort:„Ja, in Gottes Reich.“ Die fünfte Frage: „Was muß der Arbeiter für den Frieden tun?“ Antwort:„Die Internationale nicht singen, sondern leben. Wenn alle Fäuste in der Welt friedliche Arbeit leisten, dann ist der Dienst an den Werkzeugen des Todes zu Ende.“ Als der Pater diese Sätze geschrieben hatte, konnte sich der Pariser nicht schnell genug des Blattes be- mächtigen. Er las den Text und seine Lippen bewegten sich mit. Langsam reiften in ihm die Gedanken zum Verständnis, daher schwieg er. Auch schrieb er keine neue Zeile. In der Kammer blieb es dunkel. Der Pater lag auf seiner Bettstatt, der Pariser hockte daneben auf dem Boden. Nach einer Weile leuchtete das Licht auf dem Schreibblock und der Bleistift des Parisers notierte: „Sind Sie als Priester oder als Arbeiter in Deutsch- land?“ „Beides,“ schrieb der Pater unter die Notiz des Parisers, als dieser sie ihm entgegenhielt und sich dabei in das bleiche Antlitz des Geistlichen einsah. Der Pariser zögerte. Er mußte sorgsam überlegen, um zu einem Ergebnis zu kommen. Darauf kam es ihm vor allem an. Was steckte hinter diesem Pater. Doktor, ehemaligen Hauptmann und Reisenden um die Welt, der jetzt im Lager zwangsverschickter Arbeiter mitschaffte? „Warum?“ schrieb der Pariser auf den Notizblock. „Um an der Seite unserer Arbeiterschaft zu stehen,“ antwortete der Pater auf dem Papier. 120 Der| Wort,| Bleistift Tascheı „Wa: „Dal werden. „Une strich< „Wir Eilig sie hin, die Ha Hand: „We „Da: „Hal „Ja. „Wa „We „Wi „We sein L; „Wa „Du in der lungen „W: „Wa Der Antwo SH sondern Arbeit jen des konnte tes be- wegten en zum r keine r Pater laneben ıf dem otierte: Jeutsch- tiz des -h dabei erlegen, kam es Pater, um die Arbeiter izblock. stehen,“ Der Pariser blätterte die Blockseite um, schrieb ein Wort, ließ das Licht erlöschen, tippte sich mit dem Bleistift auf die Zunge, drückte auf den Knopf der Taschenlampe und fand Wort für Wort der Frage: „Was haben Sie davon?“ „Daß die Leiden französischer Arbeiter gemildert werden.“ „Und Sie?“ fragte der Pariser nochmals und unter- strich die Anrede. „Wir sind auf der Welt, um einander zu helfen.“ Eilig schrieb der Pariser die nächste Frage und hielt sie hin, während er dem Pater die Taschenlampe in die Hand gab. Der Bleistift wanderte geschwind von Hand zu Hand wie das Papier und die Fragen. „Wer hat Ihnen geholfen, als Sie verzweifelt waren?“ „Das Gebet.“ „Half das immer?“ Ja.ı „Warum?“ „Weil ich Hilfe fand durch Gottes Gnade.“ „Wie bekommt die ein Mensch?“ „Wenn er nichts in sich ungenützt läßt— wenn er sein Leben in Sünde und Wahrheit trennt.“ „Was ist Wahrheit?“ „Du— ich, jeder von uns in seinem Ursprung und in der Übereinstimmung seiner Absichten und Hand- lungen vor Gott und den Menschen.“ „Was ist Sünde?“ „Was mich entwürdigt und dem Nächsten schadet.“ Der Pariser griff nach dem Block, las die letzte Antwort, setzte den Bleistift an, unterbrach, winkte zum 221 Pater, damit dieser das Licht ausschaltete und hockte sich auf den Fußboden. Es dauerte nicht lange, so raschelte es, die Lampe blitzte auf und der Bleistift malte die Zeichen der Schrift zur Frage auf: „Wer ist reich? Die Antwort lautete:„Wer mit Wenigem zufrie- den ist.“ „Wer ist arm?“ „Wer viele Dinge braucht,“ lautete die Antwort. „Wieviel Geld verdienen Sie?“ „Wie die französischen Arbeiter.“ „Welches Vermögen besitzen Sie?“ Der Pater lächelte kurz und schloß mit einer Be- wegung die Kammer und ihre kleinen Gegenstände ein, dann schrieb er auf: „Das Leben ist mein einziger Besitz.“ Der Pariser fragte: „Warum sind Sie nicht in Amerika geblieben, als . der Krieg ausbrach?“ Der Pater antwortete:„Weil ich Franzose bin und meine Heimat liebe.“ Die Frage: „Weshalb sind Sie in Deutschland?” Die Antwort: „Wenn wir Priester an der schweren Prüfung der Arbeiterklasse, deportiert zu sein, nicht teilnehmen, werden uns später die Arbeiter vorwerfen, wir hätten sie fallen gelassen. Wir werden nicht mehr imstande sein, diese jungen Arbeiter, die ohne uns unter außer- gewöhnlichen Umständen gelitten haben, zu verstehen.” 122 Von d entstehen an sich durch di mensetzt Der I Pater un um, des Er las ı ein neue „Ich bin auch sind, wi für düm) Ich hab Lektion. Hinül Wirkun; Unter Die T faßte n Drüb, Uniforr „Soll Ein$ „Hin „Geh „Gut der Pa, zum A hockte ge, so leistift zufrieort. er Bede ein, en, als bin und ung der nehmen, hätten mstande außerstehen." Von der Seite aus hatte der Pariser wieder den Text entstehen sehen und ihn mitgelesen. Er nahm den Block an sich und fuhr mit dem Finger über die Worte, durch die Zeilen, zu den Sätzen, deren Sinn er zusammensetzte und wiederholte. Der Pariser sah auf das Papier und sah auf den Pater und seine Lagerstatt. Er sah sich in dem Raum um, dessen Enge er mehr fühlte, als wiedererkannte. Er las den Text der letzten Antwort und schrieb auf ein neues Blatt lange und mühevoll: ..Ich verstehe nicht alles, was Sie schreiben. Ich bin auch nicht Ihrer Meinung in allem. Ihre Antworten sind, wie es sich gehört. Manche Priester halten uns für dümmer. Sie waren ein Rätsel. Sie sind ein Mensch. Ich habe viele Fragen nicht heute. Ich danke für die Lektion." - Hinüber reichte er das Papier und beobachtete seine Wirkung. Der Pater nickte. Unterdrückter Jubel von nebenan. Die Taschenlampe in der Kammer erlosch. Der Pater faßte nach dem Arm des Parisers. Drüben bettelte die heisere Stimme der schwarzen Uniform. Eine Flasche fiel um. Das Mädchen lockte. ,, Soll ich Licht machen?" fragte es ohne Atem. Ein Sirenenruf war die Antwort. ,, Himmel und Hölle," flüsterte der Pariser. ,, Geh, bitte," flüsterte der Pater. ,, Gute Nacht kann ich nicht wünschen." flüsterte der Pariser. ,, Entschuldigen Sie, bitte," war sein Gruß zum Abschied. 123 Das Dunkel blieb. Kein Geräusch, nur strudelnde Luft. Der Pater fühlte den Pariser weiter neben sich. Als sich drüben sentimentale Worte und Handlungen ausbreiteten, entzündete der Pariser ein Feuerzeug unter der Lagerstatt, dessen kleine Flamme er mit seinen riesigen Händen verdeckte. Zettel für Zettel wurde in das winzige Feuer gesteckt. Wurde es größer, dann zerdrückten die Finger des Parisers das brennende Papier. So tilgte er das Gespräch der Nacht vor dem Partner. Drüben atmeten zwei Menschen des Leibes Lust und Vergehen aus. Der seltsame Besuch des Paters entschwand ohne Spur, auch die Kammertür blieb ohne Geräusch. Der Pater streckte sich und fühlte die Blechhülle der Taschenlaterne in seiner Hand. Die hatte der Pariser mit oder ohne Absicht zurückgelassen. Auf dem Tischchen neben sich griff der Pater nach seinem Merkbuch, schlug es irgendwo auf und beleuchtete den Text: ,, Gott, sei mir gnädig, und tilge meine Sünden nach Deiner großen Barmherzigkeit. Wasche mich wohl von meiner Missetat und reinige mich von meiner Sünde. denn ich erkenne meine Missetat und meine Sündə ist immer vor mir." Heil Die s sammen, ,, Alle Ostereie an den den glä Welt de maschin lände, Die Seiten " Gute her vom chen de die blin Sie tru auf den „ Kan ihr entg heute a in die stehen Die auf, nä einer delnde h. Als N aus- ) unter seinen wurde , dann nnende or dem Lust d ohne ch. chhülle te der uf dem ‚Merk- n Text: n nach ohl von Sünde, nda ıst „Heil Hitler und guten Morgen.“ Die schwarzen Schaftstiefel schlugen so laut zu- sammen, daß das Schließen der Tür unhörbar blieb. „Alles ausgestorben? Holla! Sucht Ihr alle schon Ostereier?“ lärmte eine schwarze Uniform, stützte sich an den Büroschalter mit den dicken Glasscheiben und den glänzenden Metalleinfassungen und sah über die Welt der leeren Schreibtische, der verhüllten Schreil- maschinen und unbesetzten Stühle wie über ein Ge- lände, das ihr fremd und überflüssig vorkam. Die schwarze Uniform stützte die Fäuste in die Seiten und stolzierte im Schalterraum auf und ab. „Guten Morgen, Herr Leutnant,“ klang es hinter ıhm her vom Zimmer der Chefsekretärin, die mit dem Päck- chen der morgendlichen Utensilien, das Handtuch um die blinkende Seifenbüchse gewickelt, ausgerüstet war. Sie trug noch den Luftschutzanzug.„So früh schon auf den Beinen?“ fragte sie. „Kann ich Sie auch fragen, Fräulein,“ schnarrte es ihr entgegen.„Schlechter Einfall vom Osterhasen, mich heute aufzuschrecken. Dachte mir eine ruhige Einkehr in die Feiertage. Ohne Alarm und ohne Dienst. Nun stehen wir hier. Hat sich Ihr Chef schon gemeldet?” Die Chefsekretärin forderte die schwarze Uniform auf, näher zu treten und verstaute das Waschzeug ın einer Schublade des Schreibtisches. 125 Die schwarze Uniform schnarrte weitere Sätze ab. ,, Er will doch immer wissen, wenn was los ist. Er muß es schon gestern Abend erfahren haben." ,, Was, bitte?" ,, Na, irgend ein Gallier muß hinter Schloß und Riegel. Dauernde Scherereien mit dem Ausländerpack. Sie halten nicht Ruhe, nicht mal zu Ostern." Die schwarze Uniform verließ den Standpunkt in der Mitte des Zimmers, stapfte auf und ab, griff nach den Zigaretten, bot davon dem Fräulein an, die ablehnte, und rauchte sich selbst eine an, deren Qualm vom blausilbern gemusterten Sessel in wehenden Kreisen emporstieg. Die Chefsekretärin schloß ein Fach auf, dem sie die Personalliste für ausländische Arbeiter entnahm und fragte:„ Um wen handelt es sich?" ,, Um einen gewerbsmäßigen Störenfried aus Paris. Um einen christlichen Saboteur. Um diesen Dunkelmann, der sich eingeschlichen hat," zählte die schwarze Uniform auf und sah auf die blinkenden Fußspitzen, die auf- und abwippten. 99 99 Untersuchung oder Haft, Herr Leutnant?" , Weg damit!" rief die schwarze Uniform und knipste die Asche von der Zigarette. ,, Wir haben schon genug von den Pfaffen im eigenen Lande, viel weniger brauchen wir noch die geistlichen Herrn aus Frankreich." Wer ist es?" fragte die Chefsekretärin und schlug die Abteilung für französische Arbeiter auf. دو 66 ,, Sie kennen ihn sicherlich, Fräulein," meinte die schwarze Uniform und drehte den Krug, in dem die Osterglocken standen, als sollten die Blumen in die 126 rechte Si Trost fü regelmäß appell na wundert, Holz nag Himmels Die C entlang u form. Si die Wor dem s an geredet H „ Wen ,, Richt sich dies und ein den Haf und war Kerl eig auf die Victo Die C einer K die sich Wie Uniform über das er den A wie eine | tze ab, muß| N und erpack, unkt in ff nach die ab- Qualm ı Krei- ‚sie die hm und Paris. Dunkel- -hwarze spitzen, | knıpste| n genug or brau-| kreich.“| | schlug.| inte die dem die ] ın die rechte Sicht gebracht werden.„Das ist der, der soviel Trost fürs Jenseits verspricht. Dazu versammelt er regelmäßig zweitausend Seelen und hält einen Jesus- appell nach dem andern ab. Ich habe mich schon ge- wundert, wielange man das duldet. Wie ein Wurm im Holz nagt der Kerl und dünkt sich wahrscheinlich als Himmelsführer. Prost Mahlzeit.“ Die Chefsekretärin las die Namen auf der Seite entlang und hörte auf die Reden der schwarzen Uni- form. Sie las nicht die Namen und verstand kaum die Worte, die von dem runden Tisch herüberkamen, an dem sie gestern Abend gesessen, Tee getrunken und geredet hatte. „Wen meinen Sie?“ fragte die Chefsekretärin. „Richtig, ich muß Ihnen ja die Papiere geben,“ rief sich die schwarze Uniform selbst zu und zog eine Karte und ein Schriftstück aus der Rocktasche. Er brachte den Haftbefehl und die Anweisung an die Werkleitung und warf sie auf den Schreibtisch.„Wie heißt der Kerl eigentlich?“ Er zeigte auf den Namen und sah auf die braun schimmernden Haare des Fräuleins. „Victor Gaillard,“ stand zu lesen. Die Chefsekretärin nahm die Buchstaben wie Glieder einer Kette auf, die sich zu dem Namen schloß und - die sich um sie selber schloß und sie fesselte. „Wie spricht sich das aus?“ wollte die schwarze Uniform wissen und strich mit dem Daumen mehrfach über das Papier und unter den Namen. Dabei berührte er den Arm der Chefsekretärin. Er roch auch Parfüm wie einen Duft auf, den er brauchte. 127 ,, Victor Gaillard," sprach das Fräulein den Namen französisch vor sich her. ,, So heißt er wohl," stimmte die schwarze Uniform beiläufig zu, kehrte sich um und stieß den Rauch wie eine vergehende Fahne durch das Zimmer aus: ,, Pater nennt er sich wohl auch, dieser schwere Junge. Er war immer gegen uns. Im ersten Weltkrieg wie im zweiten. Und jetzt auch noch. Unverbesserlich mit seinem Heiligenschein." Die schwarze Uniform setzte sich an den runden Tisch und schlug die Beine über. ,, Sie sind doch ein gebildeter Mensch, Fräulein. Was ist ein Jesuit?" In den Seiten ihrer Liste blätterte die Chefsekretärin und hörte für sich die Stimme des Paters Victor Gaillard von dem Tisch herüber. Sie nahm seine Gedanken auf und gab sie zu dem Tisch zurück, an dem jetzt die schwarze Uniform saẞ. Sie sagte: ,, Das sind nicht nur fromme Christen, das sind Wagemutige, die weder die Gefahr, noch den. Tod fürchten." ,, Das scheint mir auch so," war die Antwort von drüben. ,, Höllische Gespenster, die uns das Leben schwer machen." Die Chefsekretärin sah hinüber zu dem runden Tisch und sah den Kopf des Paters Victor an seinem Platz, an dem er gestern Abend gesessen hatte. Sie sah ihn freundlich zu ihr hinüberblicken, nahm von seinen Lippen die Worte ab, die sie nun zu der schwarzen Uniform hinüberschickte:., Sie sind immer bereit, ihr Leben hinzugeben." Dan nur mit lischen die schw sekretär ..Täus Wor ,, Morge malt, so Die zu. ,, Sie War " ,, Ich ,, Net neugieri auch ein Die die Kl ihren M ,, Ich ken," sa Fingern Fräulei zunehm „ Wie Mit ein runden blaß, b viel Zu jetzt in 128 9 Mühr hi \amen form ch wie ‚Pater “r war veiten, ı Hei- an den e sind st ein retärin - Gail- danken n jetzt} on, das 'h den rt von Leben 1 Tisch ı Platz, sah ihn n Lip- a Un - Leben „Dann ist also dieser Pfaffe ein Kollege von uns, nur mit dem anderen Vorzeichen— von dem himm- lischen Bataillon. Das ist ja riesig interessant,‘ sagte die schwarze Uniform und wunderte sich, als die Chef- sekretärin aufstand und ihn fragte: „Jäuschen Sie sich auch nicht, Herr Leutnant?“ „Worin? In der Zeit?” Er lachte aufdringlich: „Morgen ist Ostern. Heute werden die Geschenke be- malt, so man welche hat. Haben Sie welche?“ Die Chefsekretärin trat auf die schwarze Uniform zu.„Sie entschuldigen mich.“ „Warum? Haben Sie keine Ostereier?“ „Ich muß mich umziehen.“ „Nett von Ihnen,“ schmunzelte die schwarze Uniform neugierig und griff zur nächsten Zigarette.„Das kann auch eine Überraschung sein, Fräulein.“ Die Chefsekretärin ging an den Schrank und entnahm die Kleidungsstücke für ıhr ziviles Leben, die sie in ihren Mantel einhüllte. „Ich bin gespannt, wie Sie sich zu Ostern schmük- ken,“ sagte die schwarze Uniform und knipste mit den Fingern nach der Chefsekretärin an der Tür.„Holla, Fräulein, Sie vergessen die wichtigsten Antworten mit- zunehmen.“ „Wie bitte?“ Die Chefsekretärin erschrak innerlich. Mit einem gezwungenen Lächeln wandte sie sich zu dem runden Tisch in der Ecke. Da saß Pater Victor, schmal, blaß, bescheiden, von jener inneren Festigkeit, dis so- viel Zuversicht und Kraft ausstrahlte,— auch auf sie jetzt in der unruhvollen Planung einer Unternehmung. 9 Mühr, Kontakte 129 99 Worin sollte ich mich täuschen?" fragte die schwarze Uniform zurück und lächelte mit gespannten Wangen, die sich zu den Augen hochschoben. ,, Holen Sie Victor Gaillard oder-?" - ,, Ja, wenn der Jesuitenpfaffe so heißt ich kann nichts dafür. Sind Sie dagegen?" lachte die schwarze Uniform. Wie eine Zentnerlast fühlte die Chefsekretärin ihre Sachen auf dem Arm und sah auf den runden Tisch. Sie fühlte die leibliche Gegenwart des Paters und ihre Worte kamen so bestimmt, als wenn er sie sprechen würde: - ,, Jeder hat seine Pflicht auf der Welt zu erfüllen. Jeder auf seine Weise, nur muß er damit vor allen Dingen dem Nächsten helfen." Sprach's und verließ das Zimmer. Draußen beschleunigte sie die Schritte und suchte die Toilette auf, in der sie einen verschlossenen Raum aufsperrte und die Kleidungsstücke an den Nagel hing. Den Mantel warf sie über, der Handtasche entnahm sie ein Etui mit den Ausweisen für die Durchgänge im Werk. Dann eilte sie die Flure und Gänge entlang und lief die Treppe hinab. Sie lief nicht, sie sprang die Stufen hinunter. Es war noch früh, kurz nach sieben Uhr. Da war im Verwaltungsgebäude kaum ein Mensch; die Reinemachefrauen kamen erst Sonnabend Mittag. Am Pförtner vorbei, der kaum von seiner Zeitung aufsah. Durch den Garten, quer über den Rasen. Die Luft war so sanft an diesem vorfestlichen Frühlings130 tag. Am über dem Die C Lebensba um den k winden w passieren war, ging als sie v genomme mußte ja wollte. B bärden in Die B in morge Schichtw fen scho Auf d sekretäri zwischen schenlam Eingänge schritt de Es wa stand da Atem un von drin Klinke In der Pater V Abend a chwarze Wangen, ch kann chwarze rin ihre m Tisch. und ihre Sprechen erfüllen. wor allen verließ d suchte en Raum gel hing. entnahm rchgänge e entlang nter. Es im VermemacheZeitung asen. Die Frühlingstag. Am Himmel hingen wenige Wolken als Hauch über dem strahlenden Blau. Die Chefsekretärin stieg von der Anhöhe mit den Lebensbäumen und den Kuscheln herunter. Sie wußte um den kürzesten Weg, wo nur eine Kontrolle zu überwinden war. Ihre Ausweise ließen sie ohne Aufenthalt passieren. Solange sie in Sicht der schwarzen Uniform war, ging sie forschen, nicht hastigen Schrittes. Erst als sie von den Gassen zwischen den Baracken aufgenommen wurde, beschleunigte sie das Tempo. Sie mußte ja eilen, wenn sie noch rechtzeitig eintreffen wollte. Es jagten sich Gedanken und Schritte und Gebärden ins Ungewisse. Die Baracke, wo Victor Gaillard stationiert war, lag in morgendlicher Versunkenheit und Öde. Längst hatte Schichtwechsel stattgefunden. Die Abgelösten schliefen schon. Auf dem dämmrigen Gang tastete sich die Chefsekretärin mühsam vorwärts. Als sie sich in der Mitte zwischen den Ausgängen befand, blendete sie die Taschenlampe auf und stellte an den Nummern über den Eingängen fest, daß sie zu weit gegangen war. Sie schritt den Gang zurück. Es war gleich die erste Kammer. Die Chefsekretärin stand davor und hielt sich das Herz. Sie holte tief Atem und klopfte an die Tür. Kein Laut, kein Wort von drinnen. Sie klopfte nochmals und drückte die Klinke herunter. Die Tür ließ sich öffnen. In der Kammer knieten Menschen. Dazwischen stand Pater Victor im schwarzen Rock, den er auch gestern Abend angehabt hatte, mit einer schmalen Stola um, 9* 131 und legte den Gläubigen die heilige Hostie auf die Zunge. Dazu sprach er jedesmal: ,, Der Leib unseres Herrn Jesu Christi bewahre deine Seele zum ewigen Leben!" Gebannt stand die Chefsekretärin an der Tür. Sie sah auf den wandelnden Priester und sie sah auf die Beter. Als sie eintrat, glaubte sie, daß der Priester sie bemerkt haben würde. Als er dem dritten, dem vierten Beter die Hostie gab, da wußte sie nicht, was sie tun sollte. Sie mußte stören, doch sie rührte sich nicht vom Platz. Sie wollte sich bemerkbar machen, aber sie bekam kein Wort über die Lippen. Der winzige Raum der Kammer, die fünf Beter und der Priester, der Frühlingsmorgen vor dem Fenster und in diese Stille hinein die leise Stimme des Paters, der zusammen mit den Gläubigen den Heiland in den Herzen begrüßte. Der letzte Gläubige hatte die Hostie empfangen, der Priester die Worte dazu gegeben. Er wandelte an seinen Platz zurück, der dicht am Fenster war. Und er sprach: Wer mein Fleisch ißt und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm." د, Der Chefsekretärin rannen die Tränen über das Gesicht. Sie trat einen Schritt vor und verhielt. Der Priester erhob seine Hände über die Anwesenden und sprach: ,, Es segne uns der allmächtige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen." Die Gläubigen bezeichneten sich mit dem Zeichen des Kreuzes und sprachen zu sich in ihren Herzen. 132 ,, Pate Der löste se Schwebe morgen Chefsek an der über die ,, Nun und ver sicht w Die an die Dampf ,, Pate Was " Wärme ,, Pate sich im " tor, w holt sie Die F tete sic Der löste d Hand des Fra Wirklic Ma als wol uf die inseres ewigen ur. Sie auf die ster sie vierten sie tun cht vom per sie Raum er, der Stille men mit ẞte. gen, der an selUnd er kt, der Has Genwesenater und chen des ,, Pater Victor!" rief es von der Tür her. Der Gascogner fuhr auf. Der Geistliche am Fenster löste seine gefalteten Hände und hielt sie in der Schwebe, als wollte er etwas empfangen. Er sah heute morgen noch blasser aus als gestern abend, fiel der Chefsekretärin auf. Sie trat näher. Sie zwängte sich an der Wand der Kammer entlang. Ihr Blick huschte über die gesenkten Köpfe. ,, Nun, meine Tochter?" begrüßte sie Pater Victor und verschränkte die Arme nach seiner Art. Sein Gesicht war aus einer seligen Entrücktheit erwacht. Die Chefsekretärin senkte die Augen, sie lehnte sich an die Wand. Ihr Atem zischte geheimnisvoll wie der Dampf kochenden Wassers. ,, Pater Victor," begann sie. ,, Was führt Sie zu mir?" fragte der Pater voller Wärme und Aufgeschlossenheit. ,, Pater Victor!" rief die Chefsekretärin und hielt sich im nächsten Augenblick den Mund zu. ,, Pater Victor," wiederholte sie leiser ,,, sie kommen gleich. Man holt sie, Pater Victor." Die Beter hatten sich erhoben. Ihre Erwartung richtete sich auf den Geistlichen und auf das Fräulein. Der Pater sah auf die erregte Chefsekretärin und löste die Arme aus der Verschränkung. Er legte eine Hand auf die um ein Taschentuch verkrampften Hände des Fräuleins und sagte ruhig: ,, Wir sind immer in der Wirklichkeit Jesus Christus." ,, Man wird Sie verhaften!" rief die Sekretärin aus, als wollte sie den Pater aus seiner gläubigen Gelassen133 heit aufschrecken. ,, Jeden Moment können sie hier sein." Der Gascogner veranlaßte die Versammelten, die Kammer zu verlassen. ,, Ach, Pater Victor." Die Chefsekretärin sah aus verweinten Augen und aus leidvollem Gefühl auf den Priester und sah auf das heilige Band, das ihn wie ein Wimpel der Hoffnung schmückte. Ein Gedanke stieg ihr durch den Kopf. Ihre Augen wurden groß und starr. Sie griff nach dem Arm des Paters und umschloß ihn. Wie ein Sturzbach folgten die Worte hintereinander. Französische Worte, gellende Worte. Worte der Klarheit und Worte der Menschlichkeit. Worte der Nähe und Worte des Abschieds. - ,, Pater Victor, ich mußte herkommen. Ich weiß, daß es zwecklos ist. Soeben habe ich es erfahren. Pater Wenn ich es gestern Abend gewußt hätte, Victor, nicht wahr, Sie glauben mir, daß ich es nicht gewußt habe? Bitte, glauben Sie es mir. Sagen Sie es mir. Ich schwöre Ihnen bei allem, was mir heilig ist, daß ich nichts davon gewußt habe." Der Pater sah auf die Chefsekreträin und sah auf den Gascogner, der im Hintergrund Zeichen machte. ,, Mein Fräulein, ich glaube Ihnen," sagte Pater Victor in seiner Muttersprache und behielt die verkrampften Hände der Chefsekretärin wie ein Unterpfand der Gewißheit und Bestätigung. دو Wirklich?" fragte sie voller Unruhe und ihre Augen flohen über die schmale Lagerstatt. ,, Kann ich etwas für Sie tun?" drängte die Chefsekretärin und ihre Hände flatterten wie aufgeschreckte Vögel, die nach einem neuen Platz suchten. 134 Ja, me Das wär leisten," Pater un Die A cogner z forderung an. Stum sie. Sie k und vor hinaus. Hoffnun Ein B dann spr daß sein Sie vorbereit Sie sich Lager oh Den We benachri begleiter Ohne cogner a Der H die er i Fenster Zöger rührende geschmo gen ents sein." en, die ah aus auf den wie ein e stieg d starr. mschloß ntereinWorte Worte weiß, fahren. - Pater es nicht gen Sie ir heilig sah auf machte. e Pater die verUntere Augen e Chef chreckte ..Ja, mein Fräulein, gehen Sie, so schnell wie möglich. Das wäre der beste Dienst, den Sie Pater Victor leisten," sagte der Gascogner und trat zwischen den Pater und das Fräulein. Die Augen der Chefsekretärin suchten von dem Gascogner zu dem Priester und wieder zurück. Die Aufforderung des Franzosen klang in ihr nach und trieb sie an. Stumm nickte sie. Nach der Hand des Paters griff sie. Sie knixste. Es konnte ein Neigen vor dem Priester und vor dem Menschen sein. Sie wandte sich und ging hinaus. Es waren Schritte voller Schwere und ohne Hoffnung. Ein Blick vom Gascogner auf die geschlossene Tür, dann sprach er eilends, doch ohne Erregung und ohne, daß seine Aussage an Bedeutung verlor. ,, Sie müssen fliehen, Pater Victor. Ich habe alles vorbereitet. Kommen Sie nach Baracke IV. Ziehen Sie sich dort um. Ich weiß den einzigen Weg aus dem Lager ohne Kontrolle. Auch die Unsern erfahren nichts. Den Weg bin ich oft gegangen, wenn die Nachbarlager benachrichtigt werden mußten. Nur Meko muß uns begleiten. Ich hole ihn." Ohne eine Erwiderung abzuwarten, stieß der Gascogner aus der Kammer. Der Pater war allein. Sachte legte er die Stola ab, die er in seinen kleinen Koffer legte. Er blickte zum Fenster hinaus. Er faltete die Hände und betete. Zögerndes Klopfen. Hirsch schnellte herein. Seine rührende Art war in eine bebende Wachsamkeit umgeschmolzen. Sein Kopf war gespannt, seine Bewegungen entschieden. 135 ,, Herr Pater ich muß Ihnen danken. Sie haben - mich gerettet. Ja, Herr Pater, so weit war ich gestern. Heute bin ich weiter, morgen über alle Berge, wenn Sie nicht zurückkehren. Dann gehe ich fort. Irgend wohin. Mal sehen, ob wir uns für das nächste Leben bewahren, Herr Pater." ,, Und für die Aufgabe," ergänzte der Geistliche und schlug in die Hand des Juden ein. ,, Ich habe einen Talisman, Herr Pater. Seit fünf Generationen in unserer Familie. Er half aus allen Gefahren. Wenn ich Ihnen das Stück anbieten darf,- verzeihen Sie," unterbrach sich Hirsch, als er die sanfte Ablehnung des Paters beobachtete ,,, ich weiß, daß Sie so etwas nicht brauchen. Oder darf ich Ihnen das Stück zur Erinnerung geben?" Er nestelte an seiner Weste, seine Finger blieben in der Tasche. Seine aufgerissenen Augen nahmen noch einmal den Pater, seine Gestalt und sein Wesen auf. In diesen Blick hinein fuhr das Stück, das er der Westentasche entzogen hatte. Es war eine Stimmgabel. Hirsch klopfte an den Schrank. Der dünne, feine Ton holte ein Echo aus einer anderen Welt. ,, Nehmen Sie das Stück auf Ihren Weg mit, Herr Hirsch. Es gehört zu Ihrer Welt und zu Ihrer Zukunft," sagte der Pater und es war wie eine segnende Gebärde, mit der er auch die Stimmgabel einhüllte und entließ. Der kleine Mann senkte den Kopf, als er das Instrument einsteckte. ,, Herr Pater, leben Sie wohl," sagte er und sein Kopf neigte sich zur Seite mit einem wehen Lächeln um die dunklen Augen, ein wenig verlegen dem er diesen Sein Paters für si ,, Di sonder Den sah in und a in den längst tischc lassen Nest, Fleck größe Juden Dank mal d der e Kl ,, Is auf De Al Gasc schaf cogne 136 haben estern. wenn Irgend Leben me und fünf allen rf,- sanfte ß Sie Stück Weste, fgerisseine hinein hatte. n den o aus Herr er Zugnende hüllte as Inwohl," einem g verlegen und doch voller Entschluß. Beide Hände streckte er dem Pater entgegen. ,, Haben Sie Dank für alles in diesen Monaten," flüsterte er. Seinen abgehenden Schritten nach folgten Worte des Paters. Es konnte auch sein, daß er seine Gedanken für sich aussprach: ,, Die letzte Entscheidung liegt nicht in der Welt, sondern bei Gott." Der Mann im schwarzen Rock war wieder allein. Er sah in die Kammer, an die Wände, auf den Boden und an die Decke, auch hinüber zu dem Nachbarn in der schwarzen Uniform ging sein Sinnen. Der war längst im Dienst. Auf die Lagerstatt und das Klapptischchen sah der Priester. Wie ein Heim, das er verlassen mußte, kam ihm der kleine Raum vor, wie ein Nest, aus dem er vertrieben werden sollte. Wie ein Fleckchen Heimat. Die Heimat Frankreich und die größere Heimat mit den Russen, den Deutschen, den Juden und Polen, die er als Gefährten gewonnen hatte. Dankerfüllt faltete er die Hände und nahm noch einmal die Kammer wie seine Welt und wie einen Abglanz der ewigen Räume zu sich hinein. Klopfen. Der Gascogner und Meko. ,, Ist es Ihnen recht, wenn Meko einen Augenblick auf Posten geht, bis wir fertig sind?" Der Pater nickte. Als sie zu zweit in der Kammer waren und der Gascogner sich an den Habseligkeiten des Paters zu schaffen machte, wehrte ihm der Geistliche. Der Gascogner ließ sich nicht beirren. Es waren vielleicht nur 137 Minuten zu gewinnen, aber die genügten. Erst Baracke VI, dort umziehen, dann den abgedeckten Weg zwischen den Kuscheln hinüber zur Ecke des Lagers, dann waren sie schon drüben, dann war der Pater gerettet. ,, Das ist sehr lieb von dir, was du für mich vorbereitet hast," sagte der Pater und griff zärtlich nach den Schultern des Hockenden ,,, aber ich muß meinen Weg gehen. Ich kann nicht vor mir selber fliehen." ,, Sie fliehen in die Freiheit." ..Tausende Franzosen bleiben hinter Stacheldraht." ,, Denen helfen Sie draußen mehr als in der Zelle." ,, Ach, Guter, mach es mir nicht zu schwer, daß ich dir jetzt noch etwas abschlagen muß." ,, Sie müssen fort," bestand der Gascogner auf seinen Vorschlag und ließ nicht nach, die wenigen Sachen des Paters zu sortieren. ,, Sie sind mehr wert als Tausende von uns." ,, Ich glaube, daß Tausende mehr wert sind, als einer." ,, Wenn der eine fehlt, der sie zusammenhält?" 66 Pate ners w mehr La Ferner Der Rauch Aug Kein Nu Der einem Da ihm. Seiten ,, Ich Die Kaste In kleine das geht nun schon hat n gebra schm mutte ,, Es geschieht immer, was Gott will.". - ,, Und wenn keiner mehr hilft, Jahre hindurch. Alles schweigt um uns, die ganze Welt und auch der Himmel." ,, Es ist immer einer da," sagte der Pater und wandte sich zum Fenster und sah in den Frühling über der kargen Landschaft. Meko rief eine Warnung ins Zimmer. Der Gascogner erhob sich langsam und sah auf den Pater. Mit einem Satz sprang er zu ihm und packte dessen Hand. Er wollte ihn mitzerren. 138 einen er," so et ,, I ,, Z tete draht.“ Zelle.“ jaß ich seinen Sachen s Tau- einer. 1a 1 schon gWelt wandte yer der scogner } einem nd. Er Pater Victor löste sich aus dem Griff des Gascog- ners wie eine Schraube aus dem Gewinde, das nicht mehr festhält. Sanft schüttelte er den Gascogner ab. „Laß mich bitte allein,“ sagte der Pater wie aus Fernen. Der Gascogner küßte ihm die Hand und war wie Rauch verschwunden, den der Wind forttrieb. Augenblicke des Wartens. Keine Tür öffnete sich. Kein Schritt wurde hörbar. Nur eine Stimme:„Ich bin’s nochmal.“ Der Pariser, wußte der Pater und drehte sich wie einem alten Bekannten zu. Da stand der Hüne von einem Landsmann dicht vor ihm, warf schnell einen Blick durch den Schlitz der Seitenwand zur Nachbarkammer hinüber und sagte: „Ich vergaß etwas heute Nacht.“ Die Taschenlampe, dachte der Pater und wollte den Kasten zu seinem kleinen Tisch aufziehen. In einer Mulde der riesigen Handfläche lag ein kleines Pistol.„Nehmen Sie,“ bot der Pariser an.“Bis hat mich bis hier her begleitet. Sie können es jetzt gebrauchen. Pater. Wenn mal Schluß sein muß.“ Mit schmeichelndem Blick umwarb der Pariser das Perl- mutter besetzte Pistol. Schnell faßte er sich und zog einen Gurt aus der Tasche.„‚Ein Bruchband,“ erklärte er, ‚in diese Falte stecken Sie das Pistol. Man sucht _» so etwas nicht bei einem Pater. Nehmen Sie.“ „Ich danke dir.“ „Zu viel, zu viel,‘“ wehrte der Pariser ab und brei- tete das Bruchband mit der kleinen Tasche wie eine 139 Girlande aus, die er zur Ausschmückung hochhielt. Er wartete, um dem Pater behilflich zu sein. Der Geistliche sagte: ,, Heilsamen Leiden darf man nicht ausweichen." ,, Sie werden nicht dieser Bagage ,, Ich werde mich ihnen stellen." Der Pariser ließ den Gurt von der einen Hand fallen. Auf der Hand blieb das Pistol liegen wie ein verlorener Rest aus Holz, Metall und blinkenden Schuppen. - ,, Schade," sagte er mit zärtlicher Betonung zu dem Stück und zu dem Menschen vor ihm ,,, ich dachte für den Ernstfall. Nun, Sie stehen ja mit dem Höheren in besserem Kontakt als Unsereiner. Ich würde mich nicht ohne solch ein Lieberchen den Deutschen ausliefern. Wollen sehen, Pater, wer übrig bleibt. Ihr Glaube oder das Leben." ,, Das ewige Leben," sagte Pater Victor Gaillard. Grüßend tippte der Pariser an die Schläfe, Gurt und Pistol waren wie eine Zauberei verschwunden. Mit wenigen großen Schritten, schunkelnd wie ein Seemann, wuchtig und zugleich gemütlich, war er zur Tür hinaus. Kein Geräusch in den Angeln, kein Laut im Schloß. Kein Schritt auf dem Gang. Aber der Pater war nur für einen Augenblick für sich. Der Gascogner drang in die Kammer. Unter seinem Arm ein Bündel Sachen, die in Papier eingeschlagen waren. ,, Hat er Sie verraten?" fragte er düster und meinte den Pariser. Er breitete ein blaues Jackett eine helle Hose und einen Staubmantel vor dem Pater aus. Ohne auf Antwort zu warten, erklärte er: ,, Ich habe gleich alles mitgebracht. Wir brauchen nicht erst 140 in die A zur Der allein W " ,, Ich lassen eine k ,, Mit Mit der P tische den S ,, V Grund jede K De fragte „, 0 ,, M W ,, In Aber gleich traue mich Me De Händ Ineina elt. Er rf man fallen. erloremuppen. zu dem hte für öheren e mich en ausSt. Ihr aillard. urt und m. Mit emann, hinaus. Schloß. ick für ter seieschlater und Jackett Pater : ,, Ich cht erst in die Baracke. Das spart Zeit." Wie ein Schneider zur Anprobe hielt der Gascogner die Sachen bereit. Der Pater mußte lächeln. ,, Du mußt mich schon allein gehen lassen," bat er. Wohin Sie wollen," antwortete der Gascogner eifrig. ..Ich dachte, Sie werden schnellstens die Stadt verlassen. Hier sind die Züge nach dem Westen." Er zog eine kleine Tabelle vor und einen Fahrscheinausweis. ,, Mit diesem Ausweis können Sie überall hinfahren." Mit sichtlicher Verwunderung und Bewunderung sah der Pater auf den Landsmann, der ihn mit soviel praktischen Vorbereitungen überraschte und immer noch mit den Sachen wartete. ,, Verstehst du mich, wenn ich dir sage, daß mein Grund Gottes Grund ist und daß ich aus seinem Grund jede Kraft finde, auch die Kraft, in die Haft zu gehen." Dem Gascogner entfiel die Garderobe. ,, Und wir?" fragte er. ,, Was soll ich allein?" ,, In unserem Sinne weiterarbeiten." ,, Ohne Sie, Pater Victor?" ,, Mit mir.' 99 66 Wenn Sie nicht-" ,, Immer werde ich bei Euch sein. Zu jeder Stunde. Aber verstehst du, es muß meine Stunde sein, die zugleich Gottes Stunde ist. Ich kann mich nur ihm vertrauen. Er hat mich hingestellt in dieses Leben, er wird mich auch weiterbegleiten." Meko gab heftige Zeichen an der Tür. Der Gascogner raffte die Sachen zusammen. Ein Händedruck, Augen, die so versanken wie die Hände ineinander. 141 ,, Pater Victor," sprach der Gascogner den Namen mit aller Liebe und Verhaltenheit. Er verschwand, abgewandten Blickes, wie vom Sturm gepeitscht. - Der Pater stand in der Kammer, wie ein Gespenst schob sich Meko herein, schnell, lautlos und voll ungeheurer Wucht. Seine Gestalt wuchs ins Riesige. Er hatte die Hände geballt, in seinen Augen blitzte es von drohenden Niederschlägen. Er hob die Fäuste. ,, Doktor," kam es wie ein Röcheln aus Mekos Kehle, und er schob die Faust als unwiderstehliche Klammer um die Kehlen vorgestellter Gegner. Seine Augen funkelten der Gefahr entgegen, die sich drohend näherte. Sanft schüttelte der Pater den Kopf und schritt Meko entgegen. In seinen Bewegungen wogte Zärtlichkeit und Nähe für den Arbeiter, mit dem er die Tage und Stunden der Schicht geteilt hatte und der darüber hinaus ein Wächter der kleinen abendlichen Zusammenkünfte gewesen war. Der Pater legte beide Hände auf Mekos Schultern. Es war eine Gebärde brüderlichen Gefühls, Dank für die Bereitschaft und Verzicht auf die Tat, Dank für das Bekenntnis und Abschied. Mekos Fäuste fielen wie Gewichte ohne Inhalte von ihm ab. Sein Gesicht entblätterte sich von Krampf und Ungestüm und seine Augen brannten sich in die des Menschen vor ihm ein. Sein schwerer Kopf fiel auf eine Schulter, auf die Hand des Paters. Dort ruhte Mekos Schädel für einen Augenblick, dann riẞ er den Kopf hoch, horchte auf den Gang und trat ein, zwei Schritte zur Tür. Wie ein Gespenst entschwand er, schnell, lautlos, die Wucht seines Körpers auf die Flucht mitnehmend. 142 Stille die Sonn Hände z Seine A leuchtung mäßig w die Wor Dahin SS Wad ten wie lich. 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Das sah Pater Victor wie eine abgründige Zeremonie. Um so lichter wurden seine Gedanken, um so heller sein Bewußtsein und um so fester wurden seine Schritte, als er den schwarzen Uniformen entgegenschritt. Wortlos, gebärdenlos, voll geheimen Feuers im geweihten Grund seiner priesterlichen Seele... Es war nur eine Weile vergangen, als der Deutsche Schmidt zu Pater Victor in die Kammer gehen wollte. Er fand sie verschlossen. Auch der Gascogner oder sonst ein bekanntes Gesicht aus der Runde um den französischen Priester war nicht zu sehen. Schmidt wartete einen Augenblick in dem Gang. Er konnte sich nicht erklären, wo der Pater war. Heute Morgen sollte eine Messe stattfinden. Die erste Pause hatte auch noch nicht begonnen. Ab Mittag war für den Pater Schicht, damit er sich den Ostermorgen für die große Messe freihalten konnte. 143 Niemand zu sehen. Niemand zu hören. Auch nichts Auffälliges zu bemerken. Die SS Lagerwache schien im Dienst; deren Kammer war verschlossen. Der Deutsche verließ die Baracke. Er fand sich verlassen in der Frühe dieses Karsamstags. Für fünf Q und oh über d Wie bewege Staub. Halbk des St ling u sehen, Knosp Wie Jeden Blick es war Wänd Nicht lassen aussch Sch Ecke Entde liche Vo achtun 10 M Für eine Stunde ohne Zelle. Wieder Bewegung über fünf Quadratmeter hinaus. Wieder Schritte ohne Wand und ohne Gitter. Wieder Handlungen über den Tisch, über den Stuhl hinaus ins Freie der Gänge. Wieder Fegen und Schreiten, Säubern und Sich- ‘ bewegen. Der Besen flog wie ein Ruder durch den Staub. Im kurzen Bogen des Flurs öffnete sich ein Halbkreis mit Licht und Sonne. Die oberen Fenster des Stockwerkes waren. geöffnet. Es roch nach Früh- ling und erstem Blühen. Auf die Bäume konnte man sehen, auf die Äste mit den jungen Blättern, die als Knospen am Holz saßen. Wieder Schreiten und Fegen, Fegen und Genießen. Jeden Schritt genießen. Jede Bewegung erleben. Jeden Blick auskosten, auch wenn er nur Wände traf, aber es waren fließende Wände und fließender Boden. Keine Wände, die stillstanden, kein Boden, der begrenzt war. Nicht nur den Kopf frei haben und die Sinne schwingen lassen, sondern den Körper frei haben und die Glieder ausschwingen. Schreiten und Fegen. Fegen und Genießen. Jede Ecke wurde zum Eiland der Arbeit, jeder Winkel zur Entdeckung von Freiheit und Bewegung. O, diese herr- liche Mühe! Vorüber an der schmalen Zellentür mit dem kleinen Be- achtungsfenster für den Wachhabenden auf dem Flur. 10 Mühr, Kontakte 145 Der Mitgefangene saß auf der Pritsche der Zelle. Er fühlte nicht die Sonne, die schräg einfiel. Er fühlte nicht den Morgen, der auch vor seinem Gitterfenster stand. Er fühlte nicht den neuen Tag, denn er war ohne Aufgabe. Er wartete in der Zelle. Fegen und Schreiten, Säubern und sich Bewegen. Jede Ritze, jede Kante wurde zur Einkehr von Arbeit und Bewegung. Vor der nächsten Zellentür wischte der Besen wie ein Wedel und hielt plötzlich an. Auf der anderen Seite des Beobachtungsfensters drückte sich ein Gesicht an die Tür, so dicht, daß das Fleisch sich in die Gitter hineinpreßte. Aufgerissene Augen, verkniffene Lippen. Die Nase hing in dem Gitternetz, wie die Wangen, die sich an den Drähten striemten. Der Pater nickte dem Mitgefangenen zu. Dieser stöhnte und rieb sich das Gesicht an dem Gitter. Dann spie er den Pater an. Der Rest des Auswurfs hing an dem Draht wie Gewebe. Der Pater fegte. 99 Warum schimpfst du nicht?" brüllte es aus der Zelle. Das Gesicht verzerrte sich vor' Wut. ,, Warum bist du nicht im Käfig? Warum gehst du frei umher?" Der Gefangene trat gegen die Zellentür. ,, Ich würde gerne mit dir tauschen," sagte der Pater leise. Der Gefangene barst vor Hohn. ,, Ich werde heute noch den Gefängnisdirektor darum bitten," sprach der Pater nachdrücklich und fegte. Mit Fäusten schlug der Gefangene an die Tür. Dann beobachtete er den Pater. Seine Augen winkten dem Kehrer auf dem Gang zu. Er rief ihn mit dem Kopf 146 zurück. gefange Wa وو " ..We Hil Hinte " Wa Der Auge z aus der Fege Besen dem K Meter. der Ze Am winkte. grauer rasierte beet un Der den Pa pen kli waren. ebenen Pförtn rufe 00 in die verwies Dor ZW das 10* Zelle. ! fühlte fenster er war wegen, Arbeit hte der ensters aß, das rissene n dem Jrähten Dieser . Dann hing an us der Warum nher?” r Pater - darum gte. . Dann > dem 1 Kopf zurück. Der Pater kam bis vor die Zelle des Mit- gefangenen, der noch einmal spie. „Warum tust du das?“ fragte der Pater. „Weil ich will.“ „Hilft es dir?“ Hinter der Tür lärmte es böse:„Hilfst du mir?“ „Was ich helfen kann. Wir sind Brüder.“ Der Mitgefangene hinter dem Gitterfenster kniff ein Auge zu, schob die Gesichtshälfte mit hoch und spuckte aus der Ecke des Mundes dem Pater nach. Fegen und Schreiten. Säubern und Sichbewegen. Der Besen tanzte über den Boden, wie die Hände sich von dem Körper lösten. Schritt für Schritt, Meter für Meter. Ein unendlicher Weg für einen, der sonst in der Zelle hauste. Am Ende des Ganges tauchte der Wächter auf und winkte. Aus dem Feldwebel von einst war ein maus- grauer Sonderling in Uniform geworden. Sein schlecht rasiertes Gesicht breitete sich wie ein zerfasertes Moos- beet unter der Mütze aus.| Der Wachtmann tippte auf die Lippen und forderte den Pater auf mitzukommen. Auf den schmalen Trep- pen klirrten die Tritte wie Hufe, die stumpf geworden waren. Sie stiegen die zwei halben Treppen bis zur ebenen Erde hinab. Der Wachhabende suchte seine Pförtnerloge auf, sah nach dem Signalkasten für An- rufe oder Übermittlungen und öffnete eine andere Tür, in die er den Pater mit einer Kopfbewegung hinein- verwies. Dort warteten der Gascogner und Hirsch. Es war das zweite Mal, daß die Freunde hier vordrangen. Der 10* 147 Wachhabende befahl äußerste Ruhe und Kürze und wandte sich brummend ab. ,, Alle lassen grüßen," sprach der Gascogner und reichte Liebesgaben. Hirsch streckte in stummer Freundschaft eine Hand entgegen, die der Pater behielt. ,, Es kann sein, daß wir fortkommen," sprach der Gascogner. ,, Wohin?" fragte der Pater und sah in die leuchtenden Augen der Gefährten, die seinen Sträflingsanzug kaum beachteten, aber in seinem Gesicht jeden Ausdruck verfolgten. ,, Nach Österreich," sagte der Gascogner. وو Wie geht es Euch?" Beide Hände breitete der Gascogner aus und legts sie an die Brust und breitete sie wieder aus, als wenn er mit seinem Herzen den Pater umschließen wollte. ,, Viel Arbeit?" fragte der Priester. Der Gascogner nickte. ,, Viel Sorge?" Der Gascogner verneinte. ,, Viel Transporte?" Der Gascogner ließ die Auskunft unbestimmt. Hirsch, den Kopf ein wenig gesenkt, abwartend und doch von innerster Teilnahme und Wachsamkeit, bekam ein starres Antlitz. Der Gascogner fragte:„ Und wie geht es Ihnen, Pater Victor?" Der Priester im Sträflingsanzug antwortete: ,, Gut." Staunen und Ungläubigkeit drang aus dem Gesicht des Gascogners hervor. ,, Gut?" wiederholte er zweifelnd. 148 ..Ja „ A Gasco einen ,, Ic eine Melo Auger beiter und De zeiche De „ D cogne förm Hi einem Di Schr den. und Anon nach Tür D der Gru So Näh Wid ze und er und Hand ch der uchten- ‚sanzug 1 Aus- Hirsch, ch von in star- Ihnen, ‚Gut.‘ icht des eifelnd. „Ja, ıch arbeite,“ sagte der Pater. „Arbeiten.“ Das Wort verdarb auf den Lippen des Gascogners und sein Blick fuhr über den Boden in einen Winkel der Kammer. „Ich schreibe,“ flüsterte der Pater und es klang wie eine Verkündung aus Welten, in denen das Wispern Melodie war. Über sein Antlitz zog ein strahlender Augenblick auf:„Ich schreibe— über die Ehre, Ar- beiter zu sein. Über das, was ich unter Euch erlebt und für Euch auszusagen habe.“ Der Wachhabende trat hinzu und gab das Schluß- zeichen. Der Pater umarmte den Bruder aus Frankreich. „Dank für alles, Pater Victor,“ flüsterte der Gas- cogner über die Schulter des Priesters und hing sich förmlich an ihn. Hirsch gab die Hand, fest und ohne Worte, mit einem schmerzlichen Lächeln über die Trennung. Die Drei verließen den kleinen Raum, in dem Besen, Schrubber und Eimer für gewöhnlich abgestellt wur- den. Der Wachhabende legte den Finger an den Mund und in seinen Äuglein blitzte es vor Spannung, ob seiner Anordnung auch nachgekommen würde. Er konnte auch nach der Treppe, nach den Gängen oder nach der Tür horchen. Der Pater bot dem Gascogner nochmals die Hand, der spürte Papier an seinen Fingern und erwiderte den Gruß wie eine Klammer. Schweigender Abschied stand in sechs Augen. Alle Nähe und Entschlossenheit waren darin, über Mauern. Widerstände, Fesseln und Grenzen hinweg. Aber das 149 Maß der inneren Ordnung, das der Pater vertrat und von seinen Gefährten wünschte, blieb unangetastet. So gingen sie auseinander. Pater Victor und der Wachhabende stiegen die Treppen hinauf. Die Füße klirrten auf dem Eisen wie Fesseln. ,, Ich möchte die Sachen verteilen," sagte der Pater zu dem Mann neben sich. Die graue Uniform nickte. ,, Sie nehmen sich eine Dose-" ,, Ich habe schon." دو ,, Nehmen Sie bitte noch eine." Der graue Mann nickte. Dann ,, für Zelle 16, 18, 19 und 20 je eine Dose." ,, Auch dem Krakeeler?" Das war der Mitgefangene, der den Pater bespieen. Der Geistliche nickte, der Wachhabende schüttelte vor Unverständnis den Kopf und fragte: ,, Und Sie?" stand durch ,, Es Gesch schreil Werde cogner EBEKH Hi seine hüllen ..B 66 Freih Da Ratlo ,, Ich freue mich, wenn es andern einmal besser geht, sagte der Pater, griff nach seinem Besen und kehrte den Gang des Gefängnisses, was ihm als Vergünstigung gewährt worden war. Der Franzose und der deutsche Jude gingen die Straße an dem Gefängnis entlang. Sie flohen den unheimlichen grauen Häuserblock mit den winzigen Fenstern und Gittern davor, Zelle an Zelle, Mensch an Mensch, Schicksal an Schicksal. Als sie sich von dem gefürchteten Terrain entfernt hatten, schlenderte der Gascogner auf behagliche Weise und sagte in seiner Muttersprache: ,, Er sieht wohl blaß aus, aber nicht schlecht, der Pater." fährs Papie zog e dete, Di auf zurüc winzi den H durch ZWISC 150 Dose.“ Ingene, e, der Kopf geht, L 1 kehrte stigung >n die len un- n Fen- sch an ntfernt Weise it, der „Er hat mich neulich vor manchem bewahrt,“ ge- stand Hirsch und blickte scheu durch die Straßen und durch die Menschen hindurch, denen sie begegneten. „Es ist eine lange Reihe Überlebender bei uns, seine Geschöpfe, seine Kinder, wenn Sie wollen. Und nun schreibt er sogar im Kerker, um uns weiter zu helfen... Werden Sie uns heute verlassen?“ fragte der Gas- cogner den Begleiter. „Es war nur noch der Gang zu Herm Pater.“ „Brauchen Sie etwas?“ „Ein wenig Milde vom Schicksal oder Verständnis.“ „Kann ich Ihnen helfen?“ Hirsch senkte den Kopf nachdenklich, etwas lächelnd, seine Entschlußkraft mehr durchschimmernd als ent- hüllend. Dazu sagte er: „Bleiben Sie so gütig, auch wenn wir uns in der Freiheit begegnen.“ Das war ein zu hohes Wort für den Gascogner. Ratlos hob er die Schultern und tastete wie von unge- fähr seinen Rock ab. Dann faßte er in die Tasche. Das Papier des Paters knisterte zwischen den Fingern. Er zog es hervor. Er erkannte die dünne, klare, ausgebil- dete, selbst im letzten Schnörkel geprägte Handschrift. Die beiden auf der Straße sahen sich an und sahen auf das Papier. Im nächsten Augenblick sahen sie zurück nach dem unheimlichen grauen Block mit den winzigen Fenstern und den Gittern davor. Sie sahen auf den Eingang und die hohe Milchglasscheibe, die sich durch Stockwerke zog und wie ein blinder Spiegel zwischen den Mauern hing. Der Franzose und sein 151 Gefährte sahen über die Straße und die Häuser hinweg und trafen in Gedanken Pater Victor. Mitten auf der Straße lasen der Franzose und der Deutsche, den man einen Juden nannte, auf dem Papier: ,, Liebe Kameraden! Mancher unter Euch, glaube ich, mag mich für einen mehr oder minder übergeschnappten Kerl gehalten haben, der den schrullenhaften Gedanken hatte, in Eure Abteilung zu kommen, um zu sehen, wie es dort zugeht. Andere mögen einen politischen Hintergrund in meinem hiesigen Aufenthalt vermutet haben. In Wirklichkeit war dies mein Gedanke: derweil anderthalb Millionen unserer schönsten Jugend nach Deutschland verschleppt wurden, hatte ich nicht das Recht, ruhig am Kaminfeuer sitzen zu bleiben und Predigten für alte, fromme Frauen niederzuschreiben. Auch dachte ich, daß ich Euch behilflich sein könnte in den Tagen, wo Euch das Heimweh packen wird. Und dann fühlte ich, daß ich Euch eine Menge Dinge zu sagen und nahe zu bringen hatte, und daß, dies vielleicht die Gelegenheit dazu sein könnte. Dem echten christlichen Leben sind viele von Euch ganz nahe durch ihre Großmütigkeit, ihren Kameradschaftsgeist, durch ihre Reaktion gegenüber der in uns verletzten Menschenwürde und Freiheit. Dies ist der Geist, der unser Leben als zugleich christliches, soziales und revolutionäres Ideal regieren sollte. Christus lebte dieses Ideal, und die ersten Christen haben für ein siegreiches Ende dieser Revolution ihr Leben gelassen. Wißt Ihr, Kameraden, dieses Ideal verlangt 152 von E aufopf In d unweg ıd der apier: be ich, mapp- n Ge- um zu politi- lt ver- erweil | nach ht das d Pre- L. könnte d. Und nge zu leicht ı Euch merad- in uns ist der sozIa- hristus on für en ge erlangt von Euch einen wahren Edelmut, der bis zur Selbst- aufopferung geht. In diesem Sinne grüßt Euch, liebe Kameraden, Euer Pater Victor.“ PATER VICTOR DILLARD dessen Lebensspur in der vorstehenden Erzählung an einem Schnittpunkt gleichnishaft nachgefolgt worden ist, diente in Gebeten, Zuspruch und Taten. Der Pater war der Meinung, daß nichts den unmittelbaren Umgang mit Menschen und Dingen ersetzen könnte. So verlangte er von den Teilnehmern an den von ihm eingerichteten Jugendlagern, daß sie sich nicht damit begnügten, durch Vorträge mit dem Leben des Arbeiters bekannt zu werden, sondern daß sie vierzehn Tage als Handlanger in einer Grube des Loire- Beckens arbeiteten. In diesem Sinne meldete sich der Pater nach dem Zusammenbruch 1940 und während des politischen Experimentes in Frankreich als freiwilliger Arbeiter nach Deutschland. Nur auf diese Weise konnte er der von ihm gefühlten Verpflichtung zu seelsorgerlichem Kontakte mit französischen Arbeitern in Deutschland nachkommen. Er wurde im Herbst 1943 als Elektriker Victor Dillard den Reparaturwerkstätten einer großen Kugellagerfabrik in Wuppertal zugewiesen. Fünf Monate arbeitete er unter den deportierten Franzosen und Ausländern. Hier beginnt das Gleichnis der Erzählung. Von der Gestapo verhaftet, ins Wuppertaler Gefängnis abgeführt, nach Dachau transportiert, wurde dort Block 17 Pater Victor Dillards letzte Station, Eine Geschwulst am Knie wurde lebensgefährlich- ,, das Herz ist besser," sagte er zu einem Leidensgefährten und fügte hinzu: ,, Sollte ich aber mein Leben lassen, so war dies bei meinem Aufbruch schon vorgesehen, es war für die Kirche, für die Arbeiterklasse dargebracht." Quelle: ,, Dokumente." Internationale Beiträge zu kulturellensozialen- wirtschaftlichen Fragen, Nr. 5, Februar 1946.