Gewidmet meiner besten Kameradin, meiner Frau Vorbemerkung des Verfassers Möge dieses Buch Freunde und Anhänger finden, denen es verkünden soll, wie es vielen, vielen Menschen ums Herz ist, und dazu beitragen, den wahren Frieden zu verankern und zu erhalten. Für ewig sei verbannt die Rache; begrabt den Haß! SCHELOMO BAR ELJOKUM New York City, Sommer 1947 Karl Johannes Christian Weber, Professor der Rechtswissenschaft an der Marburger Universität, hatte den Bericht in der Morgenzeitung über die gestrige Gerichtssitzung noch nicht zu Ende gelesen, als er sie ärger- lich auf den Schreibtisch warf. Zu seiner Frau gewandt sagte er:„So kann und darf das nicht weitergehen mit diesen Gerichtsverhandlungen, in deren das gesamte deutsche Volk häufig unverdienten Vorwürfen ausgesetzt wird. Auffallend dabei ist, daß solche Kränkungen durchweg von Juristen ausgesprochen werden, die als Ehrenmänner gelten, welche ihrerseits davon überzeugt sind, nach bestem Wissen und Gewissen zu handeln. Liebe Erna, höre Dir nur mal an, was der polnische Staats- anwalt Dr. Ignaz Kreuschke als Vertreter der Anklage in dem gestrigen Termin sagte. Darf ich Dir das einmal vorlesen?“ „Aber gewiß.” „.. Es ist klar, daß der Angeklagte Hubert Müller sich mitschuldig gemacht hatte, als der SS-Scharführer Erwin Jungblut den polnischen Häftling Ilia Dombrowski im Lager Senne erscheß, weil dieser ver- säumte, die Ehrenbezeigung vorschriftsmäß'g und schnell genug zu er- weisen. Nach Angaben des Angeklagten stand dieser, als das Verbrechen verübt wurde, sozusagen in Tuchfühlung mit dem Täter. Für ihn wäre es demnach eine Leichtigkeit gewesen, Dombrowski zu retten. Ja, mit Waffengewalt hätte er den Mord verhindern müssen, wenn er in Aus- übung der Wachbestimmungen pflichtgemäß gehandelt haben wollie... Wichtig ist die Feststellung, daß der SS-Mann Müller dem Mörder an Körperkräften weitaus überlegen und schon dadurch in der Lage war, den SS-Scharführer Erwin Jungblut an der Ausführung des Mordes zu verhindern, es sei denn, er hätte als Nazibestie eine persönliche Freude am Abschlachten dieses Polen gehabt. Das Blutbad muß dem Ange- klagten geradezu Spaß gemacht haben; denn kurz nach der Untat gingen der Mörder Jungblut, sein Freund, der Lagerinspektor Anton Pfeil, zwei andere Wachtposten des Lagers Senne und der Angeklagte in die Lagerkantine, um, wie sie sagten, einen Frühschoppen zu heben. Bei dieser Zecherei, die zu einem Gelage ausartete, ergriff der Ange- klagte Hubert Müller das Wort:„Herr Scharführer, Sie sind ein groß- 9 artiger Schütze. Ihr Treffer mitten zwischen die Augen des Polacken beweist das. Das bezeugt auch, was für ein gutes Herz Sie haben; denn im umgekehrten Falle würde ein Pole einem der unsrigen sicherlich in den Bauch geknallt haben, so daß der Getroffene noch lange Zeit mit dem Tode hätte ringen müssen. Ja, wir deutschen Naticnalsozialisten sind wohl gefühlvoller als andere Menschen in der Welt, die uns dafür um so mehr hassen. Der Angeklagte war schon seit 1927 in der SS, gehörte somit zu einer Hitlertruppe, die, so unglaublich es auch klingen mag, Millionen und aber Millionen von unschuldigen Menschen ohne viel Federlesens umbrachte. Unterschiede zwischen Mann und Frau, Greis und Säugling, Kranken und Gesunden wurden nicht gemacht. Diese Mordrollkommandos leisteten überall, wo sie wirkten, sehr gründliche Arbeit. Sollte alles Vorhergesagte als Maßstab der Belastung noch nicht ausreichen, so bin ich der Ansicht, daß es schon genügte, Mitglied des deutschen Volkes zu sein, einer Gemeinschaft, die kollektiv an allen Vorkommnissen der Hitlerbarbarei mit verantwortlich und demnach mitschuldig ist. Der Mörder, SS- Scharführer Erwin Jungblut, wurde zum Tode durch den Strang verurteilt und hingerichtet. Jungblut hat gebüẞt, wenn man in einem solchen Falle überhaupt von einer Sühne sprechen kann. Des Rechtes wegen muß der heute vor Gericht stehende SS- Mann Hubert Müller wegen Duldung eines Mordes die verdiente Strafe erhalten. Ich beantrage daher gegen den Angeklagten zwanzig Jahre Zwangsarbeit; ferner Beschlagnahme seines beweglichen und unbeweglichen Besitzes zur Wiedergutmachung der in Not gekommenen Familie Dombrowski." ,, Siehst Du, Erna, mich empört an der Sache der Standpunkt Dr. Kreuschkes in Bezug auf die Kollektivschuldes genüge schon Mitglied des deutschen Volkes zu sein, usw. usw., sagt er. Wie, um alles in der Welt, kann ein angesehener Jurist so etwas Unzutreffendes behaupten? Ich fasse mir nur so an den Kopf." ,, Na, lieber Mann, nun ist es aber mehr als genug mit Deiner Aufregung. Du solltest nur einmal sehen, wie Du aussiehst! Außerdem, kannst Du daran etwas ändern? Und dann muß man das' Urteil und seine Begründung erst abwarten; denn schließlich ist ein Staatsanwalt noch lange kein Gerichtshof." ,, Frau, Du verstehst mich ja gar nicht. Ich spreche nicht von der Schuld oder Unschuld des angeklagten SS- Mannes Hubert Müller, oder wie er heißen mag, der zugegebenermaßen ein Unhold gewesen ist. Das, was der Staatsanwalt wegen der Kollektivschuld sagte, ist es, was mich so entrüstet. Ich lese es Dir noch einmal vor." 10 ,, Bitte." ,,... so bin ich der Ansicht, daß es schon genügte, Mitglied des deutschen Volkes zu sein, einer Gemeinschaft, die kollektiv an allen Vorkommnissen der Hitlerbarbarei mitverantwortlich und demnach mitschuldig ist. Was sagst Du nun dazu, liebe Frau?" ,, Was ich sage? Dieser polnische Staatsanwalt scheint ein verbitterter Deutschenhasser zu sein. Mich trifft das nicht. Ich habe nie dem Hitlersystem gedient. Unser einziges Kind, unser Sohn, ist gefallen. Wofür? Für wen? Und jetzt kommst Du und regst Dich auf.. Hast Du vergessen, daß Du schon am zweiten Tage nach der Machtergreifung durch Hitler aus Deinem Amte entlassen wurdest, dann im Jahre 1939 in ein Konzentrationslager kamst, wo sie Dich mehr als drei Jahre gefangen hielten, quälten und mißhandelten. Du weißt besser als ich, was Du gelitten hast, und ich weiß, was ich ausgestanden habe. Glaubst Du, lieber Karl, man könnte das je vergessen? So etwas setzt sich nicht in die Kleider. Ach, wie oft war ich bei der Gestapo, bat um Deine Freilassung oder um Besuchserlaubnis. Immer wurden meine Bitten abgelehnt. Einmal war ich so verzweifelt, daß ich mich auf die Knie warf, nicht vor Gott, das tat ich nur, wenn ich allein war- vor dem Gestapo- Oberst Strichling warf ich mich nieder... Laut schrie ich:, Gnade, Gnade, Herr Oberst, lassen Sie mich nur ein einziges Mal zu meinem Mann! Bedenken Sie doch, Herr Oberst, wenn Ihre Frau an meiner Stelle wäre.. Außerdem, tun Sie es bitte meines Sohnes wegen, des Fliegeroberleutnants Heinz Joachim Weber, den alle Zeitungen wegen seiner Tapferkeit vor dem Feinde loben. Bitte haben Sie doch Mitleid mit einer verzweifelten Gattin und Mutter!' Was tat dieser Teufel in Menschengestalt?! Er stand auf, half mir auf die Füße und sagte:, Frau Professor, daß Sie kommen und Ihren Mann zu sehen wünschen, lasse ich noch gelten; es mag menschlicher Schwäche entspringen. Meine Frau würde nicht so vorgehen, dessen bin ich sicher. Die hätte sich von mir scheiden lassen und somit wie eine echte deutsche Frau gehandelt. Daß Sie aber hier das Heldentum Ihres Sohnes ausbeuten wollen, ist einer deutschen Mutter unwürdig. Ich sehe also, daß auch Sie für unseren großen Führer nichts übrig haben, für den Ihr Sohn weiter nichts als seine Pflicht tut, weiter nichts, merken Sie sich das! Es sollte mich nicht wundern, wenn der Herr Oberleutnant Heinz Joachim Weber sich innerlich schon längst von seinen Eltern, bestimmt aber von seinem Vater, losgesagt hätte. Offiziere der sieggewohnten Armeen Adolf Hitlers können für Männer, selbst wenn diese ihre Väter sind, nichts übrig haben, die bedenkenlos das Bürgerrecht des Reiches Adolf Hitlers für die Idee 11 des Weltbürgertums aufgeben. Dieser Karl Weber nennt sich Weltbürger. Pfui Teufel, daß es noch Deutsche gibt wie Sie, die solche Vaterlandsverräter sehen wollen, beweist, daß Parteigenosse Dr. Joseph Goebbels doch wohl recht hatte, als er neulich sagte:. Das sind Deutsche nur dem Passe nach, diese sogenannten Weltbürger, diese Internationalen... -- So, Frau Weber, nun werden Sie endlich einsehen, daß Sie keine Erlaubnis zum Besuche Ihres Mannes bekommen können, wenigstens nicht, solange ich hier im Namen des Führers auf dem Posten bin. Es ist somit ganz zwecklcs, daß Sie sich jemals wieder hier sehen lassen." Zermalmt an Leib und Seele ging ich nach Hause. Ich weinte und lachte abwechselnd und war dem Wahnsinn nahe. Ich weiß besser als jeder Arzt uns sagen kann, wodurch ich meine Herzbeschwerden bekommen habe. Glaub' mir, lieber Mann, mehr als einmal habe ich den Tod herbeigewünscht. Nur meine große Liebe zu Dir und unserem Sohne sowie der Respekt vor mir selbst, hielten mich davon ab, Hand an mich zu legen, so verzweifelt war ich oft. Du weißt, daß ich niemals Menschen verdammte, aber die Nazis haßte ich mit meiner ganzen Seele. Ich wollte das ewig für mich behalten, nur ein einziges Mal kam ich in Versuchung, alles unserem gefallenen Sohn zu erzählen. Aber auch das konnte ich nicht. Ich konnte es einfach nicht übers Herz bringen; ich ließ ihn in seiner Ruhe. So merkwürdig es sich anhört, es ereignete sich am selben Tag, an dem Du aus dem Konzentrationslager kamst und so plötzlich vor mir standest. Da war unser zweiter Hochzeitstag Gott hielt die Trauung--Heinz Joachim war der Trauzeuge so kam mir das alles vor. Nachdem ich Dir manches erzählt habe, wirst Du, mein lieber Karl, einsehen, daß es Dinge gibt, die dem polnischen Staatsanwalt Dr. Kreuschke als Information fehlen. Was hat der für eine Ahnung von dem Herzweh so vieler, vieler deutscher Frauen und Mütter?! Er kennt das deutsche Volk ebenso wenig, wie ich das polnische kenne." - Professor Weber war ob all dieser gehörten Begebenheiten wie versteinert. Er blieb für die nächste Minute außerstande, auch nur ein einziges Wort zu sagen. ,, Was ist Dir?" fragte seine Frau ihn verängstigt. ,, Gelt, ich hätte es Dir doch nicht sagen sollen?" ,, Im Gegenteil liebe Frau, es ist gut, daß ich nun weiß, was ich manchmal ahnte. Aber bringt uns das alles auch nur einen Schatten der Kernfragelösung näher...?" ,, Welcher, Mann?" 12 ,, Der Behauptung Dr. Kreuschkes, der das gesamte deutsche Volk als Verbrecherbande mit den Nazis in einem Atemzuge nennt. Ein sonst rechtschaffener Jurist wie dieser Staatsanwalt sagt so etwas? Ich mag soviel darüber nachdenken, wie ich will, eine einleuchtende Antwort finde ich nicht. Ein Volk- ein ganzes Volk-- gemeinsam schuldig? Welch eine Wahnidee!" ,, Lieber Karl, jetzt laß uns aber aufhören mit dieser Debatte, wie oft sagte ich Dir schon, daß wir nichts daran ändern können. Außerdem haben wir beide Aufregungen genug gehabt. Ich würde Dir empfehlen, Zeitungsartikel solchen Inhalts gar nicht mehr zu lesen." ,, Aber Erna, ich soll derartige Artikel nicht mehr lesen? Bist Du noch bei Troste? Das ist es ja, was uns Deutsche politisch so unerfahren machte. Wir haben nur das gelesen, was uns paẞte, aber das, was uns gegen den Strich ging, von uns ferngehalten. Darum hat uns die Welt mit Recht ein politisch ungeschultes Volk genannt. Jetzt bekommen wir die Quittung für unsere eigene Gedankenfaulheit. Nein, das halte ich nicht mehr aus, ich trete offiziell zur Politik über." ,, Karl, Du mit Deinen fünfundsechzig Jahren willst noch zur Politik übertreten? Damit bin ich ganz und gar nicht einverstanden; daß Du mir das ja nicht antust..." ,, Frau, ich muß es einfach tun, und Du, Erna Weber, wirst die Stunde erleben, in welcher mir viele Leute in Deutschland noch dankbar sein werden. Aber jetzt muß ich doch gehen, sonst komme ich zu spät zu meiner Vorlesung. Auf Wiedersehen, wir sprechen ein anderes Mal davon." ,, Karl, es beginnt zu regnen, zieh' bitte die Gummischuhe an." ,, Ach Frau, wegen der paar Tropfen halte ich mich nicht mehr auf, ich bin ohnedies reichlich spät dran." ,, Mann, Du gehst mir nicht aus dem Hause chne die Gummischuhe, zumal Du noch obendrein etwas erkältet bist. Bitte, Karl, höre auf mich!" ,, Erkältet, ich? Wie kommst Du dazu, so etwas zu sagen? Du Angsthase! Weil ich heute Morgen ein paar Mal niesen mußte? Gott, was habe ich für eine vorsorgliche Frau!" ,, Ja, die hast Du auch..." ,, Meinetwegen, um des lieben Friedens Willen, her mit den Gummischuhen. Ach, wenn ich an das Leben im KZ denke und dann von Gummischuhen höre..." ,, Sei still, mach' daß Du fortkommst!" ,, Nochmals auf Wiedersehen und einen Abschiedskuẞ, den ich vorhin ganz vergaß..." 13 ,, Nicht zu grob!" ,, Auf Wiedersehen, Frau Weber!" Gerade um 9 Uhr 15, als die Vorlesung hätte beginnen sollen, erreichte Professor Weber die Universität. Der Rechtsgelehrte eilte die Treppen hinauf und war alsbald im Hörsaal. Die Studenten begrüßten den angesehenen Mann mit lautem Fußstampfen. Am Pult angelangt, wollte der Verspätete in Hut und Mantel beginnen, sah aber, daß etwas nicht stimmen mochte: ein allgemeines Gelächter sagte ihm das. ,, Ach so, Verzeihung." - Er legte ab und begann: ,, Meine Herren, das vorige Mal sprach ich zu Ihnen über das Besitzrecht der Römer in der Absicht, heute fortzusetzen. Inzwischen hat sich aber etwas ereignet, das mich nicht in Stimmung hält, die beabsichtigte Fortsetzung zu bringen. An ihrer Stelle lese ich Ihnen einen ganz kurzen Abschnitt aus der Zeitung vor, um anschließend über das Thema ,, Kollektivschuld" zu sprechen, die schon die ältesten Völker des Orients kannten. Natürlich auch unsere Römer. Na zum Teufel noch, wo steht denn dieser ,, erfreuliche" Artikel? Ach hier, auf Seite vier oben. Darf ich um Ihre Aufmerksamkeit bitten:, So bin ich der Ansicht, daß es schon genügte, Mitglied des deutschen Volkes zu sein, einer Gemeinschaft, die kollektiv an allen Vorkommnissen der Hitlerbarbarei mit verantwortlich und demnach mitschuldig ist." -- Das sind natürlich nicht meine Worte, sondern sie wurden gestern in einer Gerichtssitzung gegen SS- Männer, die wegen Kriegs- und anderer Verbrechen angeklagt sind, von einem polnischen Juristen angewandt, der dort des Amtes eines öffentlichen Anklägers waltete." Die Studenten brachen in Pfui- und andere Rufe aus, so daß ein ziemlicher Lärm entstand. Abwehrend rief der Professor: ,, Meine Herren, meine Herren, ich bitte um Ruhe!" Er mußte schreien, um sich Gehör zu verschaffen. ,, Meine Herren, die Welt ist nicht mehr so, wie sie gewesen ist, daher hat auch Ihr Studentenimpuls weder Sinn noch Geltung. Auch ich war einstmals Student und Hitzkopf. In der Jugend neigt man oft zu Handlungen, die man im reiferen Alter miẞbilligt. Deutschland ist in großer Not; wodurch und weshalb, sind nicht die Fragen, um die es jetzt geht. Seien Sie, meine Herren, dessen eingedenk mit mir." Da brachen die Studenten abermals in Rufe aus; einer von ihnen stimmte das Deutschlandlied an- ,, Über alles in der Welt." Unten auf der Straße ging eine Streife der USA Militärpolizei. Wieder bemühte sich der Gelehrte, Ruhe zu stiften; diesmal aber überhörten ihn die Studen14 ten, so daß er zornig Mantel und Hut nahm, den Hörsaal verließ und sich auf den Heimweg machte. ,, Für Studenten habe ich viel übrig, nichts aber für Studentenkoller. In den jetzigen Zeiten hat das alles keine Existenzberechtigung. Diese jungen Leute haben die Zeit noch nicht begriffen. Mit vaterländischen Gesängen ist Deutschland jetzt mehr geschadet als gedient." Etwa dreihundert Meter hatte er zurückgelegt, als er von drei keuchenden Studenten eingeholt wurde, die ihn um Verzeihung und Umkehr baten. Nach kurzer Auseinandersetzung ging der Professor mit der ,, Dreierabordnung" zum Hörsaal zurück. Ach, welches Fußstampfen der Bereuenden! Er ließ sie gewähren. Nachdem sich der Sturm gelegt hatte, sagte er: ,, Meine Herren, was auch immer der Grund Ihres Gesanges gewesen sein mag, mit schöpferischem Geist hat er keine Gemeinschaft." Großes Gelächter. ,, Lachen Sie nur; ich sehe zwar keinen Anlaß dazu. Patriotische Lieder sind in heutigen Zeiten nicht immer das Ersehnte. Nein, das Gegenteil trifft oft zu, besonders- ja, ich muß es sagen wenn sie jetzt von deutschen Studenten gesungen werden. Ich meine es nur ehrlich mit Ihnen und ganz Deutschland, dem mein ganzes Herz gehört." Großer Beifall. -- ,, Die Welt, die ganze Welt beobachtet uns, glauben Sie mir das, meine Herren. Warum? Weil sie sehr miẞtrauisch gegen uns ist. Ein Tor, den das erstaunt...! Die Hitlerzeit und ihre Folgen waren keinesfalls dazu angetan, das Vertrauen der Welt zu Deutschland zu vertiefen. Ich weiß da doch ein bißchen besser Bescheid, als viele unter Ihnen denken. Gewarnt seien die, die sich ein X für ein U vormachen. Nicht anders ergeht es ihnen als mit den Vorspiegelungen einer Fata Morgana in der Wüste. Sehen Sie, meine Herren, ich würde mich kaum wundern, wenn morgen in uns unfreundlich gesinnten ausländischen Zeitungen ihre Zahl ist leider viel größer als die der uns freundlich gesinnten deutschen Studenten- Protestversammlungen gegen dies und das, gegen bestehende und nicht bestehende Härten die Rede ist. Ja, ebensowenig würde ich sprachlos sein, wenn einige Blätter von ihren Berichterstattern die Mitteilung erhielten, daß es sich um eine ganz geheime Naziversammlung in der Aula der Marburger Universität gehandelt habe, bei der eine Reihe von Professoren in SS- und SA- Uniformen der Versammlung den, alten Rahmen' gegeben und zweitausend Studenten laut, Heil Hitler' ausgerufen haben sollen. Andere, ja die könnten es noch viel sensationeller melden und berichten, fünftausend Studenten riefen, Heil von großen 15 Rache'! und sangen die, Wacht am Rhein'. Die Militärverwaltungen, die auf Korrektheit bedacht sind, würden von ihren Regierungen Anfragen über Anfragen erhalten. Natürlich wissen diese Militärstellen sehr gut, daß es sich um weiter nichts als Zeitungsenten handelte. Am besten wäre es jedoch, zu keinerlei Klagen Anlaß zu geben. Darüber hinaus halten wir uns an das Motto:.Geh nit zum Ferscht, wenn De nit gerufe werscht!'" Wieder großer Beifall. - -- ,, Deutschland muß jetzt mit Gehirn und Händen mehr arbeiten als je zuvor. Vaterländische Gesänge wie oft soll ich das noch sagen sind weder die Hilfe, die unserem Lande nützt, noch sind sie im Sinne des Volkes in seiner verzweifelten Lage. Gewiß, mit der Zeit wächst über vieles Gras, und es wird der Tag kommen, da deutsche Studenten im Kreise ausländischer Studenten, ja im Ausland selbst, wieder schöne deutsche Heimatlieder singen können. Der Weg dahin mag ein hindernisreicher sein, aber er ist zu finden ja, wir haben ihn schon angetreten. Wir besitzen, Gott sei es gedankt, in der Welt auch Freunde. Überall, besonders in England und Amerika, natürlich auch in Frankreich, Holland, Belgien, den Oststaaten usw. sind sie zu Hause. Verscherzen wir uns ihre Freundschaft nicht, sondern lassen Sie uns durch unser Verhalten dazu beitragen, die Zahl der Freunde zu vergrößern und die der Feinde oder jener, die uns weniger kernen und uns mit Vorurteilen gegenüberstehen, zu vermindern. Ein zweites Mal soll die Welt nicht an uns zweifeln dürfen. Freundschaft kann man nicht erobern. Erwerben muß man sie am Erobern sind wir zugrunde gegangen!" Stürmischer Applaus. ,, Helfen Sie dabei mit, meine jungen Freunde! Was wir am nötigsten brauchen, ist, die ganze Welt davon zu überzeugen, daß zwischen den paar Millionen Nazis und der großen Masse der Reichsbevölkerung doch ein Unterschied bestand und besteht. Es ist dies ebenso wichtig wie Brot, ja fast noch wichtiger; denn davon hängt die Ehre unseres Landes ab. Ohne sie kann kein Volk in der Welt bestehen, auch das deutsche nicht. Man kann aber nur geachtet werden, wenn man achtbar ist. Wir Deutschen in unserer großen Mehrheit sind ein gläubiges und ehrbares Volk, das in seiner Mehrzahl mit den Hitlerbarbaren nichts zu tun haben wollte und auf Grund seines wahren Charakters nichts zu tun haben konnte. Verbrecher hat die ganze Welt! Daß wir zeitweise mehr als andere Völker hatten, weiß nicht nur die Welt-- allmählich erfahren wir es auch hier im eigenen Lande, wo die Nazibarbaren so unbeschreiblich hausten. Gott heile alle Kriegswunden der Völker! Sorgen wir dafür, 16 daẞ, soweit unsere Kräfte es vermögen, alles begangene Unrecht wieder gut gemacht wird.. Möge Gott uns Verstand geben, unsere Feinde von gestern zu überzeugen, daß wir mit allen Völkern der Erde in Frieden und Freundschaft leben wollen und uns reif fühlen, wieder in den großen Familienkreis der Nationen aufgenommen zu werden." Nicht endenwollender Applaus. Hochrufe für den Gelehrten bezeigten den Beifall der ganzen Studentenschaft. Einige von ihnen verschwanden und kamen nach kurzer Zeit mit Blumen zurück, um des Redners Pult damit zu schmücken. Ein Student sprang auf den Stuhl und rief: ,, Ums Wort, bitte!" Andere schrien: ,, Ruhe!" Wieder andere brachen erneut in Hochrufe aus. Es dauerte Minuten, bis der Studentenwortführer sich Gehör verschaffen konnte. ,, Hochverehrter Herr Professor, meine Herren. Der heutige Tag war ein Ereignis, wie wir es in Marburg seit Jahren nicht erleben durften. Es sprach nicht nur unser hochgeschätzter Professor Weber, sondern gewissermaßen unser Studentenvater, dessen Sinnen und Trachten dem Wohle unserer ganzen Heimat gilt und somit auch uns, die wir hier versammelt sind. Was das für uns alle bedeutet, verehrter Herr Lehrer und Freund, das läßt sich mit Worten nicht ausdrücken... Eigentlich können wir froh sein, daß sich heute alles so zutrug; denn wenn dies nicht der Fall gewesen wäre, so würde Herr Professor Weber keineswegs --so aus sich heraus gegangen sein. Meine Herren Studiengenossen; ich fordere Sie auf, mit mir einzustimmen:, Unser lieber Herr Professor Weber hoch hoch hoch!" - - - - Alle beteiligten sich. Dann stimmte einer das neue Studentenlied an: ,, Die Ketten sind gefallen, zu End' die Barbarei; weit soll die Kunde schallen, Deutschland.... Tyrannenfrei. D'rum Deutsche, hebt die Hand zum Schwur, daẞ niemals wieder Diktatur. Fortan das Volk es sei der Hort. daß frei der Geist und frei das Wort; beim Herrn laẞt's uns bezeugen, das Recht darf keiner beugen. D'rum Deutsche, hebt die Hand zum Schwur, daẞ niemals wieder Diktatur. 2 17 Ihr Brüder und Ihr Schwestern, was war es ist vorbei; -- denket nicht mehr an gestern, wie schmerzlich es auch sei. D'rum Deutsche, hebt die Hand zum Schwur, daẞ niemals wieder Diktatur. An Morgen laßt uns denken, Gott wird uns Beistand schenken; die Not gilt's zu bezwingen ans Werkes muß gelingen. D'rum Deutsche, hebt die Hand zum Schwur, daß niemals wieder Diktatur. Dreistimmig wurde das Lied gesungen. Mit Tränen in den Augen sang der Studentenvater mit.... Und darauf ergriff er wieder das Wort: ,, Meine Herren, tief bewegt mich alles hier Erlebte. Der Kern der deutschen Jugend ist gut. Nehmen Sie meinen herzlichsten Dank entgegen! Im Geiste reiche ich jedem von Ihnen meine alte Hand. So, jetzt müssen wir aber wieder an die Vorlesung denken. Ich habe Ihnen den Zeitungsartikel vorgelesen, aus dem hervorgeht, daß ein Staatsanwalt die Kollektivschuld eines ganzen Volkes anruft, um einen Angeklagten der strafbaren Handlung zu überführen. Was ist eine ,, Kollektivschuld"? Bevor wir uns mit dieser Frage auseinandersetzen, müssen wir uns erst einmal darüber im Klaren sein, was kollektiv überhaupt bedeutet. Ich möchte sagen ,,, kollektiv" heißt gemeinschaftlich, gemeinsam etwas besitzen, verwalten, bearbeiten, behüten. Allfällige Erfolge kommen der Gemeinschaft zugute, wie alle Verluste von ihr getragen werden. Auch bei der Arbeitsverrichtung herrscht der Geist der Gemeinschaft. Ein geeignetes Beispiel haben wir hier in unserer Gegend. Sie alle kennen zum großen Teil unsere Dörfer. Fast jedes Dorf besitzt Wald, den man Gemeinde- Wald nennt. Es gibt aber auch Wald und Weiden, die privat einer Gruppe von- sagen wir einmal-- vierzig Familien gehören. Die Anteile, die man auch Gemeindenutzen nennt, sind eingeteilt in viertel, einhalb, dreiviertel und ganze. Weil aber der einzelne Anteilbesitzer nur den soundsovielten Anteil besitzt, den er, sei es durch Erbschaft oder Kauf erworben hat, nennt man ihn Interessenten. Ein solcher kann stets seinen Anteil verkaufen, niemals aber den soundsovielten Besitz vom Ganzen. Zum Beispiel, die Gemeinde Bürgeln hat vierzig solcher Interessenten, die gemeinsam vierhundert Morgen Wald besitzen. 18 Darunter ist nun einer, - nennen wir ihn Georg Heimöller, der einen der vierzig Anteile besitzt. Heimöller braucht Geld, oder andere Gründe bestimmen ihn zum Verzicht auf seinen Anteil. Was nun? Kann er den vierzigsten Teil des Waldes losschlagen? Also zehn Morgen, Nein, das kann er keinesfalls. Nur seinen Anteil an der Kollektivität. denn etwas anderes ist es nicht kann er verkaufen. Mit anderen Worten, Heimöller tritt aus der Kollektivgenosser schaft aus, und der Anteilnachfolger tritt statt seiner ein. Daß es eine Sache des kollektiven Besitzes ist, geht schon daraus hervor, daß, wie wir weiter hören werden, alle Arbeiten je nach Anteilrecht gemeinschaftlich geleistet werden müssen. Wenn es sich zeigen sollte, daß eine Waldarbeit erforderlich ist, zu deren Bewältigung vierzig Arbeitskräfte notwendig sind, so ist es nicht so, daß jeder der vierzig Anteilbesitzer eine Arbeitskraft stellt, sondern die Arbeitskräfte werden im Verhältnis zum Besitzanteil gestellt. Wer einen ganzen Anteil sein Eigentum nennt, der stellt eine Arbeitskraft, derjenige welcher einen halben Anteil besitzt, stellt eine halbe Arbeitskraft, wem ein und ein viertel der Anteile gehören, der stellt eine und eine viertel Arbeitskraft. Glauben Sie mir, die Sache klappt immer. Sind da zwei Leute mit je einem viertel Anteil und einer mit einem halben, so stellen diese drei Leute zusammen eine Arbeitskraft. Wie sie das verwirklichen, ist ihre Sache. Oft entscheidet das Los, und der Betroffene wird von den anderen zwei im Verhältnis nach Tagelohn bezahlt. Gesetzt den Fall, diese vierzig Arbeitskräfte würden eines Tages im Walde arbeiten und mit dort anwesenden fremden Leuten einen heftigen Wortstreit bekommen, der in eine Schlägerei ausartet. Viele der Waldarbeiter gehen zornig mit Äxten, Stöcken usw. bewaf.net gegen die ortsfremden Streithähne vor. Die Schlägerei endet damit, daß einer der Fremden erschlagen wird. Die Gendarmerie stellt pflichtgemäß Strafanzeige bei der zuständigen Staatsanwaltschaft, die nun ihrerseits Anklage wegen gemeinsamen Mordes erhebt. Sachverständige stellten fest, daß der Getötete nur durch vier Axthiebe getroffen wurde, von denen jeder Hieb tödlich war. Es waren zwölf Männer mit Äxten ausgerüstet. Also muß zunächst einmal festgestellt werden, wer von den Arbeitern eine Axt besaß. Nachdem dies durch Zeugenaussagen geschah, ist man wohl insofern einen Schritt weitergekommen, als man weiß, wer eine Axt hatte und wer nicht. Es war dem Untersuchungsrichter aber nicht gelungen, den oder die Täter zu ermitteln. Der Tag der Schwurgerichtsverhandlung kommt. Denken Sie nun, daß die Geschworenen alle zwölf Axtträger kollektivschuldig finden und alle zwölf Angeklagten wegen Kollektivschuld verurteilen werden? Obgleich das sachverständige 29 19 ärztliche Gutachten feststellte, daß der Tod durch vier Axthiebe her- beigeführt wurde, von denen, wie bekannt, jeder einzelne Axthieb tödlich war. Acht Axtträger schlugen somit das Opfer überhaupt nicht. Nach meiner Ansicht kann eine Bestrafung in kollektivem Sinne überhaupt nicht in Frage kommen, selbst wenn die Tat nie gesühnt wird. Nach Ansicht des polnischen Staatsanwaltes müßten nicht nur die zwölf Axt- träger bestraft werden, sondern alle-vierzig Männer, und zwar wegen Kollektivverbrechens. Warum? Weil diese vierzig einer Sache dienten, für eine gemeinsame Kollektivität arbeiteten, usw. Waren sie doch ent- weder kommandierte, gewählte oder bezahlte Arbeitskräfte. So, für heute ist es reichlich spät geworden; daher breche ich meinen Vortrag ab, und morgen bringe ich die Fortsetzung. Guten Tag, meine Herren!“ „Heute kommst Du aber wieder ziemlich spät,“ sagte seine Frau, als er ins Haus trat.„Hast Du Dich unterwegs aufgehalten? Du bist sicher- lich sehr hungrig. Jetzt gebe ich Dir schnell einen Imbiß und dann richte ich Dein Mittagessen.“ „Alles gut, alles recht, den Imbiß nehme ich gerne; komm, ich gehe mit Dir in die Küche, damit Du nicht extra im Eßzimmer anrichten mußt.“ „Gott, oh Gott, was für einen ritterlichen Ehemann habe ich! Ich kenne Dich gar nicht wieder. Das ist das erste Mal in unserer Ehe, daß Du in der Küche essen willst. Was ist denn eigentlich los mit Dir?“ „Was mit mir los ist? Das willich Dir sagen. Ich bin in meinem Amte seit langem nicht so glücklich gewesen wie heute.“ „Wieso? Erzähle es mir doch.“ „Gedulde Dich bitte; erst muß ich etwas essen, sonst falle ich vor Hunger noch um.“ „Na, dann muß ich aber sofort in die Küche gehen!“ Sie nahm ihn bei der Hand und zog ihn mit sich in die Küche. Der Hungrige aß drei Butterbrote mit Wurst, Käse, aufgeschnittenen Eiern, trank zwei Gläser Milch dazu und nahm schließlich noch Apfelkompott als Nachtisch. Das war so reichlich, daß damit auch die Frage des Mit- tagessens erledigt war. „Das hat alles wundervoll geschmeckt. Wo hast Du nur den ‚Fang‘ gemacht? Warst Du hamstern?“ „Eigentlich wollte ich Dir das erst nach dem Mittagessen sagen. Frau Justus Schneider aus Anzefahr war schon heute früh gegen neun Uhr hier, gerade als Du das Haus verlassen hattest. Sie brachte uns all diese Raritäten.“ 20 ,, Frau Justus Schneider? Frau Justus Schneider? Ja, wer ist denn das?" ,, Was, Du weißt das nicht?- - Unser früheres Dienstmädchen, die Paula Gercke mehr als neun Jahre diente sie uns. Ach, wie sich inzwischen alles geändert hat; jetzt müssen wir ohne Hausmädchen auskommen." ,, Die Paula, die kenne ich so gut wie Du. Hättest Du gleich ihren Namen genannt, dann würde ich sofort gewußt haben, wen Du meintest. Aber Frau Justus Schneider ist für mich dasselbe wie die Sache mit den böhmischen Dörfern. Na, wie geht es ihr?" ,, Sie klagt weiter nicht, nur die sieben aus Schlesien Vertriebenen machen ihr keine Freude, weil sie bei der Landwirtschaft nicht mithelfen können, da sie alle keine Landwirte sind." ,, Es wäre natürlich besser, wenn die Flüchtlingsämter darauf achten wollten, daß man aufs Land nur Leute schickt, die von der Landwirtschaft etwas verstehen. Mir tun diese von Haus und Hof vertriebenen Leute wirklich leid. Sind sie nicht zu bedauern?" ,, Gewiß, jeder der seiner Heimat gewaltmäßig verlustig geht, ist stets zu bedauern. Eigentlich wünschte Paula Dich zu sprechen." ,, So, wollte sie was Besonderes von mir?" ,, Sie hat doch, wie Du Dich erinnerst, einen Bruder namens Heinrich.“ ,, Heinrich, ja natürlich, war er nicht in der Bäckerei Stolpe als Lehrling angestellt? Er hat immer so unter Heimweh gelitten. Ein ziemlich verwöhnter Knabe war er, ein Muttersöhnchen. Übrigens, wechselte er nicht seinen Beruf?" ,, Ja, das stimmt. Er brachte es zu einem Maschinenbautechniker." ,, Na, was ist denn los mit dem Heinrich?" ,, Kurze Zeit gehörte er zur SS. Man munkelt, er habe damals einen amerikanischen Flieger umgebracht, als dieser mit dem Fallschirm abgesprungen war." ,, Was heißt, man munkelt'?" ,, Soweit ich Paula verstanden habe, spielt da ein Mädel, das Heinrich heiraten will, eine Rolle." ,, Was hat denn die Heirat mit dem Amerikaner zu tun?" ,, Ja, die Braut will ihn erst heiraten, wenn sie sicher weiß, daß Gras über die Sache gewachsen ist." ,, Sagtest Du nicht, daß man über die Sache munkelt?" ,, Das ist es ja, deshalb ist Paula in solchen Ängsten um ihren Bruder." " , Warum hat sie nicht gewartet, bis ich zu Hause war?" 21 ,, Sie hatte nur eine Stunde Aufenthalt, weil sie von zu Hause zu wenig abkömmlich ist. Landwirte haben eben viel zu tun." ,, Schreibe ihr sofort, daß sie mit Heinrich am nächsten Sonntag zu uns kommen soll. Tue das aber bitte sogleich, damit sie den Brief noch rechtzeitig bekommt." ,, Jawohl Karl, ich schreibe sofort." ,, Frau, wie kann denn Paula mit Heinrich zusammenkommen, sie wohnt in Anzefahr und er in X- Burg?" ,, Lieber Karl, das ist deren Sache. Vielleicht fährt Heinrich Samstag schon nach Anzefahr." ,, Recht hast Du, das ist wirklich ihre Sache. So, nun erzähle ich Dir von meinen heutigen Erlebnissen." Das Paar ging ins Herrenzimmer; Frau Weber nahm in einem Sessel Platz, und der Erzähler legte sich auf das Sofa. Nachdem er alles berichtet hatte, eine Angeleger.heit, die seine Frau sehr interessierte, sagte sie: ,, Weil Du alles so brav berichtetest, will ich Dir auch etwas verraten...... 66 Er hob seinen Oberkörper, setzte sich in Positur, um besser zuhören zu können. Dabei bemerkte er: ,, Ich bin wirklich gespannt, was Du mir zu sagen hast." ,, Einen Augenblick, bitte. Ich beginne sogleich." Sie legte ihre Hand auf seine Stirn, drückte seinen Kopf aufs Kissen zurück und sagte: ,, Schlafen sollst Du, das ist alles, was ich Dir zu erzählen habe." Weil sie merkte, daß das heute Vorgefallene doch zuviel für seine Nerven war, holte sie ein Buch und las ihm solange vor, bis er einschlief. Es dauerte keine zehn Minuten, und sie hatte ihn in den Schlaf , gelesen'. Nach etwa zwei- einhalb Stunden erwachte er, ging noch ein bißchen , verdöst' ins Badezimmer, machte sich frisch und war dann wirklich ein ausgeschlafener Ehemann. Also ein genießbarer, im Gegensatz zu den nichtausgeschlafenen Ehemännern, die unsere Gattinnen fachmännisch ,, ungenießbare Partner...." zu nennen pflegen. Ob es stimmt? Wahrscheinlich, denn Frauen sind in manchen Dingen der Männerwelt überlegen. Im Herrenzimmer erwartete ihn seine Frau: ,, Was würdest Du dazu sagen, wenn wir zum Abendbrot ins Restaurant Metzler gingen und nachher zu Professor Eberlein und Frau?" ,, Die würden sich freuen, wenn wir kämen, und Du wärest froh, heute nicht kochen zu müssen.". 22 Sie überlegten sich's nicht lange und waren bald auf dem Wege. Im F b E Restaurant bekamen sie sofort einen Tisch für zwei Personen, man bestellte und ließ es sich gut schmecken. ,, Das war wirklich eine der besten Ideen, die Du seit langem hattest. Eigentlich könnten wir das öfters machen." ,, Ach Karl, Du und oft auswärts essen! Du Hauslamm." ,, Nur keine Herausforderungen, Frau, sonst gehen wir morgen abend wieder hierher," gab er scherzhaft zur Antwort. Er rief den Kellner, bezahlte, und dann machten sie sich beide auf den Weg zu ihren Freunden. ,, Ach, das ist aber nett, daß Sie uns heute abend besuchen," sagte Frau Eberlein. Diese Worte klangen ganz ehrlich gemeint. Die Damen waren Jugendfreundinnen und standen auf dem Duzfuß... Erst verweilten die vier im Lesezimmer. Nach etwa einer Viertelstunde gingen die Frauen nach oben, wo Frau Eberlein ihre Sammlung Meißener Porzellane des achtzehnten Jahrhunderts ihrer Freundin zeigte, für die aber Frau Weber anfänglich nichts übrig hatte. Als sie jedoch von Frau Eberlein über die Geschichte der Meißener Porzellane informiert wurde, besonders über den Modellmeister Kändler, den Porzellanmaler Hörold und den Beginn der Böttgerperiode, da änderte sie ihre Ansicht. Es war fast elf Uhr geworden, als die beiden Damen ins Lesezimmer zurückkamen. Die Herren hatten sich auch sehr angeregt unterhalten, so daß sie gar nicht bedachten, wie spät es geworden war. Man lachte und scherzte noch ein paar Minuten, dann verabschiedeten sich Webers. Unterwegs erzählten sie einander, worüber sie sich unterhalten hatten, und so verkürzte sich ihnen der Heimweg. - Der nächste Tag war ein Sonnabend; die Vorlesungen an der Universität fielen aus, also hatte Professor Weber Zeit, sich einmal richtig auszuschlafen. Das tat er auch. Allerdings, es sei gebeichtet, bis ein Uhr in der Früh, verbrachte er eifrig mit Lesen. Was er las? Schmöker, ganz gewöhnliche, gruselige Räuber- und Detektivgeschichten, den Stoff, man weiß nicht wieso und warum, den viele Männer, die geistig angestrengt arbeiten, gerne lesen, sofern sie sich unbeobachtet fühlen. Samstag zog sich der Rechtsgelehrte ins Herrenzimmer zurück, um hier in aller Ruhe seine Zeitungen zu lesen. Die Zeit verging wie im Fluge, die alte Wanduhr schlug gerade elf ein halb Uhr. ,, Höre bitte," sagte er zu seiner Frau, die eben ins Zimmer trat ,,, was hältst Du davon wenn, wir morgen einen Ausflug nach Bad Nauheim machen würden? Es ist weder sehr weit noch teuer...." 23 ,, Mann, hast Du denn schon vergessen, daß morgen Paula und ihr Bruder Heinrich kommen. Hast Du sie nicht bestellt?" ,, Ach, natürlich, zu dumm, daß ich das ganz und gar vergaß! Wie Du siehst, hat sich mein Gedächtnis anscheinend verschlechtert." ,, Solange ich Dich kenne, bist Du vergeßlich, und nicht erst in letzter Zeit." ,, Mach doch keine Witze!" ,, Mann, das ist allen unseren Freunden bekannt." ,, Meinetwegen. Also Paula und Heinrich kommen. Gut, da müssen wir eben zu Hause bleiben." Anschließend gingen beide zur Stadt. Gegen sieben Uhr kamen sie zurück. Am gleichen Abend hörten beide noch Radiomusik und einen Vortrag über Goethes Farbenlehre. ,, In solchen Zeiten sollte man von wichtigeren Dingen reden- als von Goethes Ansicht über Farben." ,, Warum denn, Mann? Ich finde das ganz interessant." ,, Ich auch, aber nicht jetzt. Man soll von Dingen sprechen, die dem Menschen über seine Verzweiflung hinweghelfen, zum Beispiel, wie der Wiederaufbau vor sich gehen sollte, usw. Das sind Themen, die das Volk interessieren und die zweckdienlich sind." ,, Du bist viel zu einseitig, Mann. Damit kommt man nicht weit und mit dieser Eigenschaft willst Du zur Politik übergehen? Ich hasse alles Politische. Du siehst ja, wohin das Deutschland brachte.." ,, Nun mach' aber einen Punkt, Frau. Solange die Welt besteht, wird politisiert.... Die Frage ist nur, was für eine Politik man betreibt." ,, Ja, das glaubst Du, aber mir geht es da anders. Ich weiß zwar nicht, wie ich mich ausdrücken soll. Manchmal habe ich das Gefühl, als wenn Politik und Geld sehr nahe Verwandte wären." " , Wieso?" ,, Ja, die einen kämpfen, um ihren Besitz zu erhalten, andere um Reichtum zu sammeln, jedoch die Mehrzahl ringt ums nackte Leben." ,, Das ist gut gesagt, mehr aber auch nicht. Soll man denn einfach alles laufen lassen, wie es läuft?" ,, Ich bin eine Frau und kümmere mich nicht um dieses häßliche Geschäft. Nur laß mich Dir noch sagen, Bismarcks Frau muß ähnlich gedacht haben wie ich., Lieber Otto, Du bist zu schade für die Politik', schrieb sie ihrem Manne, und Du, mein lieber Karl, bist auch zu schade für die Politik." ,, Das kommt alles erst einmal auf einen Versuch an. Von Bismarck war im allgemeinen ein ausgezeichneter Politiker. Ich sage bewußt im 24 allgemeinen. Na, die Zeiten sind längst vorbei, oder nicht? Ja, man kommt hie und da in Versuchung, leider' zu sagen.." ,, Das sagst Du." ,, Ja, das sage ich. Die Zeiten der Kaiserperiode waren mit all ihren Fehlern doch die glücklichsten für das deutsche Volk." ,, Lieber Mann, weißt Du überhaupt jetzt, was Du da sagst? Bist Du am Ende gar ein Monarchist....?" ,, Wenn Du mich so in die Enge treibst und dadurch erzwingst, daß ich darüber nachdenken muß, dann halte ich mich selbst für einen Monarchisten. Bewußt habe ich über solche Frage früher niemals nachgedacht. Natürlich bin ich kein Monarchist, indem ich alles blindlings gutheiẞe, was in aller Welt die früheren Kaiser und Könige sich anmaẞten. Jedoch eine Monarchie wie die englische, holländische dänische, schwedische, norwegische usw., würde ich sofort akzeptieren. Mit anderen Worten, eine Monarchie im Geiste echter und wahrer Demokratie. Nichts Besseres kann ich mir vorstellen für das deutsche Volk, bis die Menschheit zu Verstand gekommen ist, eine Weltregierung hat, so daß alle unter einen Hut kämen." ,, Karl, denkst Du vielleicht, daß man die Menschheit unter eine Regierung bringen kann?" ,, Lang ist der Weg, bis das erreicht sein wird. Wenn aber die Welt erst einmal die kommenden Kriege, ihre Not, Räubereien, die unausbleiblichen Folgen einer Mißwirtschaft, Armut usw. satt ist, dann kann es im Laufe der darauf folgenden Jahrzehnte oder Jahrhunderte möglich werden, daß die Völker zur Einsicht kommen und sich zu einer Weltregierung aufraffen, ohne daß die einzelnen Volksgemeinschaften ihre Religionen, Sitten, Gewohnheiten usw. aufgeben müßten." ,, Alles schöne Idealvorstellungen. Aber sprachst Du nicht davon, daß erst noch ein Krieg kommt, bevor eine Weltregierung möglich ist? Das wäre doch schrecklich, oder nicht?" ,, Liebe Frau, was ich in dieser Beziehung denke, ist, um mich klar auszudrücken, mit einem einzigen Wort zu erklären." ,, Und das wäre?" ,, Chaos!" ,, Um Gottes Willen, erkläre mir das." ,, Liebe Frau, es ist kein geeignetes Schlafmittel und würde Dich nur aufregen. An Aufregungen hast Du in den letzten vierzehn Jahren aber keinen Mangel gehabt." ,, Mann, ich verspreche Dir, mich nicht aufzuregen, bitte erzähle mir, wie Du das meinst." 25 ,, Wie ich es meine? Sehr einfach, wie ich es sage." ,, Damit ist mir nicht gedient, bitte erkläre mir das näher." 99 Was soll ich Dir erklären?" ,, Das Chaos, von dem Du sprachst." ,, Heute abend nicht mehr, aus den Gründen, die ich Dir sagte." ,, Damit tust Du mir nichts Gutes, lieber Karl; denn jetzt weiß ich, daß ich keinen Schlaf finde--, weil ich nachdenke über das, was Du mir an, Rohmaterial' auf den Gehirnherd gelegt hast, das ich aber mangels, Rezept' nicht kochen kann." ,, Ich ärgere mich, daß ich überhaupt so was gesagt habe. Erstens muß meine Ansicht keineswegs die richtige sein, und zweitens denke ich, Du interessierst Dich nicht für Politik." ,, Lieber Mann, das ist die Wahrheit, aber wenn Du einen so neugierig machst.....!" ,, Ja, es ist meine Schuld. Wenn Eheleute einer Meinung sind, dann ist es immer das Verdienst der Frau..... nach Ansicht der Alten'....“ ,, Karl, willst Du mich ärgern oder suchst Du nur nach einer Ausrede, um mir meinen Wunsch zu versagen?" ,, Erna, nun ist es aber genug für heute, deshalb mache ich Dir einen Vorschlag. Laß uns jetzt schlafen gehen. Morgen bin ich dazu bereit. Das Versprechen gebe ich Dir." Was blieb ihr anderes übrig als einzuwilligen? Ihr Mann sah wirklich sehr abgespannt aus...... Kein Wunder; ist er doch nahezu fünfundsechzig Jahre alt. Und dann, was dieser Mann während der Nazizeit alles an Leib, Seele und Geist erdulden mußte! ,, Gut Karl, Du hast wahrscheinlich recht. Ich habe mich wie ein junges Ding benommen. Entschuldige bitte!" Im Schlafzimmer angekommen, lachten beide und gestanden sich gegenseitig, daß sie gar nicht so müde waren, wie sie zu sein vorgaben.. ,, Lesen wir noch etwas, morgen ist doch Sonntag, da haben wir Zeit genug, uns auszuschlafen." ,, Lieber Mann, bedenke aber, daß wir uns vornahmen, diesen Sonntag in die Kirche zu gehen." ,, Ja, ich weiß, aber wir gehen nicht zum Frühgottesdienst." ,, Nein, das nicht; wir gehen gegen elf Uhr von zu Hause fort; denn die Andacht beginnt erst um viertel nach elf Uhr." 26 ,, So? Wer predigt denn morgen?" ,, Pfarrer Heppe." ,, Oh, das ist ein ausgezeichneter Redner." C Frau Weber nahm das Buch ,, Geschichte der Meißener Porzellane", das ihr Frau Eberlein geliehen hatte, mit zu Bett. Sie las nur wenige Zeilen über Böttger, den Erfinder des Porzellans, dann wurde sie vom Schlaf übermannt. Ganz anders erging es ihm, es machte ihn keineswegs miẞgestimmt, daß seine Frau so schnell einschlief... Im Gegenteil, jetzt konnte er so recht in seiner Schmökerwelt leben, so ganz mit ihnen , unter uns' sein; bis zwei Uhr früh speiste er Geist und Seele durch den Genuß der Schmökerkost. Herrlich war diese kitschige geistige Nahrung...... Dann befahl auch ihm die unerforschte Macht der Müdigkeit, die Augen zu schließen. Als er Sonntag gegen neun Uhr morgens erwachte, fand er das Bett seiner Frau bereits leer. Viel Zeit, um sich anzukleiden, brauchte er nicht; rasiert hatte er sich tags zuvor. Geschniegelt und gebügelt kam er zwanzig Minuten nach neun Uhr unten an, wo seine Frau ihn erwartete. ,, Was, schon so fix und fertig angezogen? Wir gehen doch erst um elf Uhr zur Kirche. Warum die Eile?" ,, Ich will noch schnell zum Bahnhof gehen, um die Zeitungen zu holen ,. weil es ja heute keine Post gibt." ,, Bleib' aber bitte nicht zu lange und bring' mir die, Illustrierte mit, wenn sie da ist." ,, Wird gemacht, aber nur, wenn sie da ist." ,, Du scheinst ja gut geschlafen zu haben!" ,, Stimmt. Aber Scherz beiseite, ich bin schnell zurück. Gehe ich nicht jetzt, dann bekommen wir heute keine Zeitung mehr. Der Gottesdienst dauert bis gegen ein Uhr und wenn wir dann beim Rückweg zum Zeitungsstand an den Bahnhof gehen, ist gewöhnlich keine Zeitung mehr zu haben. Das habe ich schon zweimal erlebt, ein drittes Mal passiert mir das nicht wieder." Er ging und kam nach zwanzig Minuten zurück. Das war keine besondere Marschleistung; denn der Bahnhof lag vom Weberhaus keine drei Minuten entfernt. Aber Professor Weber hatte auf dem Nachhausewege schon in der, Illustrierten Zeitung geblättert. ,, So, hast Du alles Gewünschte erhalten?" ,, Jawohl." Sie setzten sich nun an den Kaffeetisch und genossen in des Wortes wahrster Bedeutung das Frühstück, als hätte es weder Krieg noch Not gegeben. ,, Wem verdanken wir das alles? Unserem Führer?" ,, Sei ruhig, Karl, das verdanken wir einzig und allein unserer Paula." 27 ,, Stimmt auch. Aber den Genuß nach der Entbehrung verdanken wir - Adolf Hi Hi Hitler." dem - - ,, Da siehst Du, wie Dein Gedächtnis gelitten hat." ,, Nein, Frau, daran ist nicht mein schlechtes Gedächtnis schuld, sondern der Anfang der Unpopularität dieses Wüterichs. Nur in Nachschlagewerken wird man unter dem Buchstaben, H' Adolf Hitler namentlich festhalten; denn in verhältnismäßig kurzer Zeit, sagen wir drei Generationen, wird man von diesem schrecklichen Menschen fast kaum noch sprechen, und eines Tages wird er ganz vergessen sein." Bald war's so weit, sich auf den Weg zur Kirche zu machen. Die Glocken läuteten noch, als das Ehepaar Weber seinen Platz in der Kirche erreichte. Zuerst wurde ,, Allmächtiger Gott, gewähre uns Rat und Schutz" mehrstimmig unter Orgelbegleitung gesungen. Alt und Jung sang mit. Anschließend sprach Pfarrer Heppe in eindrucksvollen Worten zu den Gläubigen. Seine Predigt galt dem Thema:„ Vor Gott sind alle Menschen gleich." Gemeinschaftliche Gebete folgten. Zum Schluß sang die fromme Kirchengemeinde: ,, Der Wunden sind genug, oh Herr." Daraufhin verließen die Andächtigen unter Orgelklängen das Gotteshaus. Webers waren bald zu Hause. ,, Mein Lieber, leg' Dich eine halbe Stunde hin, damit Du ausgeruht bist. Nachher wird es möglicherweise noch sehr anstrengend für Dich.“ ,, Ich lege mich auf das Sofa und lese. Dabei ruhe ich ja auch gleichzeitig..... Nur möchte ich nicht gern, daß Du, wenn Paula und Heinrich kommen, irgend etwas über den Fall mit ihnen sprichst. Ich will es deshalb gerne vermeiden, weil ich Heinrich mit Fragen gewissermaßen wie aus heiterem Himmel überfallen möchte, so daß ihm keine Zeit zum Überlegen bleibt. Auch für den Juristen ist der erste Eindruck manchmal der beste." ,, Aber Karl, wenn sie nun davon anfangen?" ,, Dann sagst Du einfach:, Ach, erzählt alles meinem Mann; es wird ja nicht so heiß gegessen, wie gekocht!*** ,, Gut." Die Macht eines Bücherwurms hat ihre Grenzen, wenn sich die Müdigkeit einstellt. Er schlief mit der Zeitung in der Hand ein. Frau Professor sah auf die Wanduhr; es war kurz nach zwei:„ ,, Paula und ihr Bruder sind noch nicht da. Ob ich ihn jetzt wecke?" Sie entschloß sich, es zu unterlassen; denn der Schlaf erfrischte ihn stets.. Sie nahm die, Illustrierte“ und begann zu lesen. Die Bilder hatte sie schon alle angesehen; 28 die Rätsel wollte sie abends lösen, wenn die Gäste wieder fort waren. Auf die Seite des Humors blickte sie flüchtig, auch das hatte Zeit bis zum Abend. Etwa fünfzehn Minuten mochte sie in der, Illustrierten' gelesen haben, als sie gähnte, müde wurde und einschlief. Sie erwachte gegen halb vier Uhr, sah nach ihrem Mann, der sich damit beschäftigte einen, dicken Ast durchzusägen'. ,, Nun ist es aber genug," dachte sie, ging ans Sofa und erlöste ihn von der weiteren, Sägearbeit', indem sie ihn wach machte. " , Warum hast Du mich denn nicht früher geweckt? Sind Paula und ihr Bruder in der Küche?" ,, Ach, sie sind noch gar nicht eingetroffen. Erklärung dafür, Karl..." - - - Ich habe keine ,, Vielleicht hattest Du in Deinem Brief eine andere Zeit angegeben?" ,, Nein, Mann. Ich teilte ihnen mit, daß sie um zwei Uhr bei uns sein möchten, wie Du es wünschtest. Außerdem kommt der Zug Sonntags, soviel ich weiß, um ein Uhr fünfzig an." ,, Na, rufen wir einmal bei der Bahn an, ob der Zug pünktlich einlief." Frau Weber erfuhr am Telefon, daß der Zug fahrplanmäßig angekommen wäre. Der nächste käme erst um sechs Uhr zwölf. -- - Diese Nachrichten übermittelte sie ihrem Mann. ,, Sechs Uhr zwölf sechs Uhr zwölf- ich glaube kaum, daẞ sie so spät noch kommen werden. Warten wir also bis sechs Uhr zwölf. Wenn sie dann nicht ankommen, ist Dein Brief entweder verloren gegangen, oder es stimmt etwas nicht..." ..Was soll denn da nicht stimmen?" fragte Frau Weber ihren Mann. ,, Ja, wenn ich das wüßte, könnte ich es Dir ja sagen. Vielleicht ist ihr Kind krank, oder ihr Mann, oder sie selbst." ,, Karl, das glaube ich weniger. Paula hätte uns sicher verständigt." ,, Du hast recht... Geduld müssen wir aufbringen." Die Zeit verging. Es war nach fünf Uhr.... ,, Jetzt sollten sie bald eintreffen. Wir könnten sie vom Bahnhof abholen, dabei einen kleinen Spaziergang machen und brauchten nicht so ungeduldig zu Hause...." ,, Bist Du ungehalten über ihre Unpünktlichkeit?" ,, Frau, keineswegs. Wahrscheinlich ist ihnen im letzten Moment unvorhergesehen etwas dazwischengekommen, so daß sie den Ein- Uhrfünfzig- Zug unmöglich benutzen konnten." ,, Vielleicht hat sich Heinrich geweigert mitzukommen?" ,, Dann würde Paula doch telefoniert haben." 29 ,, Das halte ich für ausgeschlossen, Erna, weil ich vermute, daß die öffentliche Fernsprechstelle in dem kleinen Dorfe Anzefahr, Sonntags geschlossen ist." gen -- Kurz entschlossen, den Besuch abzuholen, gingen sie durch die Anlaein Umweg zum Bahnhof. Es war ein schöner kleiner Spaziergang. Die frische Luft tat ihnen wohl. Punkt sechs Uhr sieben standen sie am Bahnhof, an dem einzigen Ausgang, der um diese Zeit offen gehalten wurde. Der Zug lief rechtzeitig ein; alle Fahrgäste kamen durch die Sperre, nur Paula und Heinrich nicht. ,, Na, gehen wir nach Hause. Wenn morgen mit der ersten Post keine Nachricht da ist, dann läßt Du Paula an den öffentlichen Fernsprecher rufen und erkundigst Dich nach dem Grunde ihres Wegbleibens..... ,, Das ist eine gute Idee." Sie nahmen sich zum Heimweg Zeit und waren kurz nach halb sieben wieder in ihrer gemütlichen Wohnung. - ,, Spielen wir eine Partie Schach," bat er ,,, ich bin doch etwas zappelig." Frau Weber nahm den Vorschlag an..... Dann bemerkte sie: ,, Wir müssen unterbrechen, wenn ich noch etwas kochen soll." Nach dem Abendbrot wurde die Partie beendet, Frau Weber gewann -; sie war eine ausgezeichnete Schachspielerin. دو , Was fangen wir nun mit dem angebrochenen Abend an?" fragte er seine Frau. ,, Angebrochenen Abend nennst Du das? Es ist doch bald zehn Uhr." ,, Herrgott, wo ist nur die Zeit hingegangen? Zu Bett zu gehen-, habe ich noch keine Lust; dafür schlief ich heute viel zu viel. Wie steht's mit Dir, Erna?" ,, Ich bin auch nicht müde." ,, Um so besser. Ich versprach Dir gestern Abend, die Geschichte von den kommenden Ereignissen zu erklären... Ich meine, in Bezug auf das Chaos...... 66 ,, Mann, ich bin schon ganz gespannt darauf." - ,, Was ich Dir nunmehr sage, ist beileibe nicht mein Wissen; es hat auch mit Wissenschaft wenig zu tun, sondern mehr mit Empfinden. Die Menschheit.ist beinahe in das Bereich Gottes eingedrungen; ja, hie und da hat sie die Grenzen schon überschritten das ist aber nur eine Phantasie, die der Philosophie entspringt. Die Menschen sind sozusagen an zwei Wahlpunkten angelangt; nämlich zu wählen zwischen dem sicheren Untergang der ganzen Menschheit oder einer Reformation des zukünftigen menschlichen Werdeganges. Das heißt, die Menschen verschwinden von dem Planeten, oder sie kommen zu der Einsicht, daß 30 F g k 1 f a e C C - - -- - - zusammenihr Untergang nur durch eine Reformation ihrer Anschauungen zu verhüten ist..... Eine dritte Möglichkeit gibt es seit der Erfindung der Atombombe und deren Folgen nicht mehr. Wer da glaubt, daß diejenigen, welche die Atombombe haben und benutzen, endgültige Sieger sein werden, ist in einem gewaltigen Irrtum. Alles Grcẞe hat einmal klein begonnen. Das ist nicht nur bei den Menschen so, sondern auch in der Natur. Im allgemeinen haben wir nicht gleich Regenfälle, sondern für wenige Momente fallen erst ein paar Tropfen. Man hat nicht blitzartig Berge gehabt bei der Formung der Erde, sondern wahrscheinlich erst Hügelbildungen, dann größere Höhen und zuletzt die Hochgebirge. Sie sind nur durch die Verschiebung der Erdmasse entstanden. Auch durch den Rückgang der Meere kamen manche zum Vorschein. Bei solch eingetretenem Naturgeschehen waren sie Jahrtausende oder Millionen Jahre schon fertige Berge unter dem Meeresspiegel..... Nicht anders wenn ich mich so ausdrücken darf ist die, Geburt' der Atombombe verlaufen... Es nahm eine lange Zeit in Anspruch, bis der Mensch ihre Bestandteile die Gewächse der Natur sind zusetzen vermochte und sie der Zivilisation als Vernichtungswaffe anvertraute... Oh, Grauen, jetzt ist sie unter uns...... Täglich werden neue Versuche gemacht, die so geheim gehalten werden, daß keine Spionage die Sperrmauer durchdringt. Es sind nicht die Leistungen von gewöhnlichen Arbeitern, die es zu erkunden gilt, sondern Forschungsarbeiten von Gelehrten. Das trägt auf allen Seiten zum Anreiz bei, die höchstmögliche Explosionskraft zu erreichen. Inzwischen ziehen trübe politische Wolken über die Welt, und eines Tages wird ohne jede vorherige Warnung eine auf dem Gesetz der Atomkraft beruhende neue furchterregende Erfindung in der Praxis erprobt werden. Der Krieg hat begonnen. Die angeblichen oder wahren Gründe dafür werden später zu seiner Rechtfertigung in den Äther gesandt. Die Folgen der Bombardierungen sind entsetzlich, ihre Wirkungen erschreckend. Das ist aber noch nicht das Chaos, das mir vorschwebt. Täglich werden militärische Anlagen bombardiert..... Gar zu bald wird herausgefunden- oder phantasiert, daß die feindliche Seite auch eine solche oder ähnliche Waffe besitzt.... Nun hat die Stunde des totalen Krieges geschlagen..... Der Respekt vor dem Völkerrecht wird zur Lächerlichkeit. Der Tanz des Grauens beginnt. Jetzt hören wir, die Regierung- A habe beschlossen ab heutigen Tages - - - - das Land Z mit einer neuartigen Bombe anzugreifen, deren Wirkung beobachtet wird, und die man, soweit es militärische Gründe erlauben, bekanntmachen wird. Noch am selben Tage kommen die Kriegsnach31 richten der Armee A: ‚Unsere neue Waffe, die Saturnbombe, wurde heute mittels ferngelenkter Flugzeuge über Z abgeworfen, wobei, wie erwartet, alle Flugmaschinen———— vernichtet wurden. Sie waren automatisch so gesichert, daß sie im Falle des Nichtfunktionierens ihren Kurs nach dem Ozean VB nähmen und dort sich selbst ins Meer ver- senkten.‘ Der Heeresbericht meldet weiter: ‚Unsere Beobachtungsstellen berichteten, daß kein einziges unserer Angriffsflugzeuge über VB an- langte. Die zur Feststellung des angerichteten Schadens ausgesandten Beobachtungsflieger konnten die Gegend der Bombardierungen nicht anfliegen, aus Gründen, die vorerst noch als Geheimnis gewahrt werden müssen. Auch diese Tatsache läßt darauf schließen, daß der Erfolg ein absoluter gewesen sein muß. Ist das eingetreten, was die Heeresleitung vermutet, dann kann in den nächsten vierzehn Tagen kein Flugzeug ein brauchbares Resultat feststellen; unsere Flieger müßten aus Gründen ihrer eigenen Sicherheit über hunderttausend Meter hoch fliegen, eine Höhe, die zu erreichen, vorerst noch mit Schwierigkeiten verbunden ist.... Wenn der Erfolg nur halbwegs so ausfällt, wie die Heeresver- waltung annimmt, dann werden Gebiete im Lande Z als vernichtet an- zusehen sein, die vielen hunderttausend Quadratmetern gleichkommen.‘ ‚Wenn unsere Vermutungen zutreffen,‘ so meldet ein zweiter Bericht der Regierung— A—, ‚dann ist alles Lebendige mitvernichtet, und zwar so gründlich, daß keinerlei Reste verblieben sind, die sein früheres Da- sein bezeugen...‘ Die Spannung hält an! Endlich meldet der dritte Heeresbericht, daß für die nächsten drei Tage die Bombardierungen auf Z nicht mehr fortgesetzt werden, um der Regierung Z Gelegenheit zu geben, mit der Regierung A Friedensverhandlungen aufzunehmen. Die schwedische Regierung, so fährt der dritte Heeresbericht fort, wurde ersucht, dem Feind unsere Bedingungen zu übermitteln. Die drei Tage Frist waren noch nicht abgelaufen, als die Antwort über Schwe- den kam, daß Z abgelehnt habe. In derselben Nacht kamen von Z Ster- nenstrahlbomben, eine Waffe, die um ein Vielfaches zerstörender war als die der Armee A. Die Wirkung dieser Sternenstrahlbomben war so gewaltig, daß durch zwei solcher Bomben eine Provinz im Lande A auf einmal vernichtet wurde.“ „Siehst Du“, sprach ihr Mann weiter,„so geht das hin und her; immer mehr neue Waffen kommen zum Vorschein. Die wichtigsten jedoch wer- den, wie wir aus Erfahrung wissen, nicht vor, sondern während eines Krieges erfunden. Beide Länder, A und Z, bekämpfen sich solange, bis von ihrem Volksbestand wenige Millionen übrig bleiben. Dann wird der Friede wieder hergestellt! Wenn nun die anderen Völker von dem 32 a a, fe bed je Be Kriegsdrama etwas gelernt hätten, wäre es gut. Da aber Schlachten im Dienste des Friedens, der Harmonie und der Völkerfreundschaft absolut keine geeigneten Lehrmittel sind, darf es weiter kaum verwundern, daß der Erfindergeist für mörderische Waffen weiter blüht. Inzwischen sind nämlich noch gefährlichere Waffen erfunden worden, womit der jeweilige Besitzer die Welt leicht zu erobern hofft. Auf diese Weise geht es dann solange weiter, bis eines Tages eine Waffe in Anwendung gebracht wird, die sich keinesfalls nur gegen den Feind wendet, sondern unerklärbarerweise auch gegen den Besitzer, und darüber hinaus gegen alle Geschöpfe der Erde, ja, gegen den Planeten selbst. Daher bleibt der Menscheit, wenn sie weiterbestehen will, nichts anderes übrig, als die von mir gemeinte, Reformation' durchzuführen und mit der Zeit sich einer einzigen Weltregierung unterzuordnen. Eine andere Wahl( wie ich schon sagte) gibt es nicht. Gewiß wird sich das alles weder heute noch morgen ereignen, aber in einigen Generationen sind wir soweit. Da in der Weltgeschichte einige Jahrzehnte, ja sogar Jahrhunderte, keine Rolle spielen, mag, das gebe Gottes Fügung, der Geist die Verdammten dieser Erde mitsamt den Unverdammten zur Vernunft bringen, oder das All hat keinen Verlust, wenn das Grauen kommt, das Chaos." - ,, Um Gottes Willen, Mann, das, was Du sagst glaubst Du das?" ,, Ja, ich glaube es." ,, Dann hat ja das ganze Leben keinen Zweck mehr, oder?" ,, Na, ich sagte Dir ja, die Katastrophe wird weder heute noch morgen über uns hereinbrechen. Wenn aber die Völker nicht zur Vernunft gebracht werden- um auch das zu wiederholen, dann hat die Menschheit ausgespielt, laß mich noch dazu sagen: verdientermaßen." ,, Ach, Karl, jetzt verstehe ich, warum Du mir das gestern Abend nicht erzählt hast. Ich hätte sicherlich kein Auge zugetan..." ,, Ja, ja, Frau, was hielst Du jetzt davon, wenn wir ans Schlafen denken wollten?" ,, Ach, es ist ja gleich Mitternacht, schnell, schnell." Montag früh, ein viertel nach neun Uhr, ging Professor Weber zu seinem Pult und begann: - ,, Meine Herren, jetzt bringe ich die Fortsetzung meines gestrigen Vortrags über die Kollektivschuld eines ganzen Volkes. Dabei erspare ich mir Ihr Einverständnis voraussetzend- Besprochenes zu wiederholen... Gehen wir heute zu einem zweiten Beispiel über und suchen uns dazu eine Aufgabe aus, die Sie alle vom Hörensagen kennen a - - 33 und später—— warum auch nicht?—— in der Praxis zu lösen haben, die Ehe.“ Lautes Lachen.„Sie haben recht, lachen Sie nur. Allerdings mag es vielen unter Ihnen noch vergehen! Geben Sie bitte den Warner nicht preis. und verstehen Sie Spaß. Ja, die Ehe ist in gewissem Sinne eine Kollektivangelegenheit, und sofern es sich um eine glückliche handelt, wahrscheinlich das einzige wahre Kollektivunternehmen, das auf Gegen- seitigkeit aufgebaut ist, bei dem Hintergedanken am wenigsten Nähr- boden finden. Aber, gab es während der Tyrannengeltung 19331945 keine glücklichen Familien, die durch Verrat eines Kindes, wegen einer bedachten oder unbedachten Äußerung ins Unglück gestürzt wurden? Gab es nicht Ehen, in denen eine Hälfte die andere bei der Nazipartei anzeigte? Ihnen, meine Herren, ist das so gut bekannt wie mir. Sind deshalb die direkt oder indirekt Betroffenen, die nicht hingehen und solche Verräter anzeigen, Kollektivunterstützer der Naziidee? Ist es ihnen zu verargen, daß sie die Vorkommnisse, die ohnmächtige Duldung von einst, totschweigen wollen? Setzen sie heute durch Nichtanzeige dem Unrecht die Krone auf? Sollten die Verratenen letzten Endes, auch im Interesse von Sitte und Moral, die Verräter ohne Bedenken den jetzi- gen Behörden melden?... Nein, diese Leute können keinesfalls gegen ihre eigenen Familienangehörigen auftreten, auch dann nicht, wenn diese Verbrecher sind... Warum nicht? Das Interesse an der gesamten Familie in Bezug auf Schande und Scham verbot und verbietet jede Anzeige und zwingt sie, Gram, Leid und Herzweh auch weiter in sich zu tragen. Genau so ist es mit den großen und größten Teilen des deut- schen Volkes, welche unmöglich die Nazis aus der Bahn ihrer furcht- baren Verbrechen zu verdrängen vermochten, weil ihnen Courage sowie Waffen fehlten oder die Angst vor der Gestapo sie daran verhin- derte. Dabei will ich noch gelten lassen, daß einzelne Familien die Ver- räter aus ihrem Kreise hätten ausstoßen können. Das deutsche Volk aber war machtlos gegen Parteityrannei und Militärverantwortliche, die Hitler Gefolgschaft leisteten. Je mehr Dr. Goebbels sprach, desto weni- ger durfte das Volk den Mund auftun. Es mußte solange schweigen, bis die Nazipartei zerschmettert am Boden lag und die Armeen fremder Völker von allen Seiten in das so furchtbar verwundete Deutsche Reich einmarschierten, das wir nach wie vor unser liebes Vaterland nennen. Und da untersteht sich ein dem Richterstand angehörender Herr, wie Dr. Kreuschke, von der Kollektivschuld des gesamten deutschen Volkes zu sprechen?! Unhaltbar! Meine Herren Studenten, ich hatte einen Sohn, ein einziges Kind, das meiner Frau und mir so ans Herz gewach- 34 sen war, wie Sie Ihren Eltern. Der Krieg begann. Mein Sohn wurde eingezogen, brachte es bis zum Oberleutnant der Luftwaffe, während ich im Konzentrationslager gefangen gehalten wurde. Unser Sohn fiel im Kampfe nach seinem zweiundvierzigsten Siege, tat also seine Pflicht bis in den" hier kamen dem Professor die Tränen, und leise sagte er noch- - - ..Tod". 99 ,, Bedenken Sie, meine Herren, zur gleichen Zeit, in der ich, sein Vater, von der Regierung eingesperrt war, kämpfte er für dieselbe Obrigkeit und starb für sie. Kann ich ihn nun deshalb verdammen? Ihn der Kollektivität mit den Nazis verdächtigen, weil er als Soldat nichts anderes als seine Schuldigkeit tat? Ja, tat er diese...? Hätte er nicht meutern und zu seinem Vater eilen müssen, um ihn zu befreien? Nein, unser Sohn mußte gehorchen, wie alle anderen Söhne, auch unter den Gegnern Deutschlands, gehorchen sollten und gehorchten. So wie unser Sohn seinen Dienst versah, handelten Millionen und aber Millionen Söhne der ganzen Welt. In Deutschland, noch dazu Hunderttausende und aber Hunderttausende, deren Väter und Brüder in Konzentrationslagern mißhandelt wurden wie ich... Wir haben noch etwas Zeit, und da ich die Frage der Kollektivschuld auf breiter Basis behandeln möchte, so will ich noch ein drittes Beispiel zum Thema anführen. Angenommen, dreißig von Ihnen, meine Herren, machten eine Wagenpartie nach Kölbe; Sie sind in überaus guter Stimmung, um nicht zu sagen, in ausgelassener Laune. Gegen Mitternacht fahren Sie nach Marburg zurück. Wie das nun bei solchen Anlässen vorkommt, fängt einer von Ihnen zu singen an, andere fallen in den Gesang ein und schließlich singen alle, bis auf sieben Herren. Der Gesang wird zum Lärm. Ein Gendarm hält den Wagen im Dorfe an, um festzustellen, wer solchen Radau macht. Er bekommt keine Antwort, da kein Mensch sich selbst zu bezichtigen braucht. Natürlich schreibt er alle Namen auf und erstattet Anzeige. Es kommt zur Gerichtsverhandlung. Niemand will es gewesen sein. Der Gendarm als erster Zeuge bestätigt, die Ruhestörung gehört zu haben. Die Frage des Richters, ob er einzelne Sänger erkannt hätte, wurde verneint. Alle anderen Zeugen behaupteten übereinstimmend, durch den großen Spektakel um ihre Nachtruhe gekommen zu sein.... Der Richter fragte eine Reihe von Zeugen, wieviele Sänger es nach ihrer Ansicht gewesen sein mögen. Einer nannte die Zahl fünfzehn, der andere fünfzig und der dritte war sicher, daß es mindestens hundert gewesen sein müßten. Soviele Zeugen, soviele Meinungen. Der Richter bestrafte alle, pro Kopf zwei Mark' nach dem Gesichtspunkt, mitgefangen, mitgehangen'. Hatte der Richter gerecht gerichtet, als er diese Kollektivstrafe verhängte? 3* 35 Nein. Warum die Verneinung? Erstens: weil unbewiesen blieb, wer gesungen hatte; zweitens: weil sieben Herren darunter waren, die nicht mitsangen... Diese sieben hatten sich somit überhaupt nichts zu Schulden kommen lassen. Da der Richter trotzdem alle dreißig bestrafte, so ist sein Urteil ungerecht. Hätte das Gericht sich die Mühe genommen, die Ruhestörer festzustellen und als solche zu bestrafen, so wäre der Fall in Ordnung gewesen, selbst wenn man viele der Sänger mangels Beweises hätte freisprechen müssen. Nur der Überführte büßt für seine Tat; aber keinesfalls der Verdächtige.... Der Verdacht allein macht noch nicht strafbar. So will es das Gesetz. Was hat das mit der Idee des polnischen Staatsanwaltes zu tun, werden sich einige von Ihnen fragen? Alles, - denn er war es, der von einer Kollektivschuld der gesamten deutschen Bürger sprach und auf Grund dieser seiner Annahme das ganze Volk für schuldig hielt wie der Richter, von dem ich soeben erzählte, der alle dreißig Ausflügler kurz entschlossen schuldig fand und bestrafte. Daher wiederhole ich: Genau so unschuldig, wie mein gefallener Sohn war, weil er nicht meuterte, ebenso schuldlos wie die Nichtbeteiligten am Morde des Fremden im Interessentenwald sind, genau so unbelastet wie die sieben Studenten gelten sollten, die sich nicht an dem Lärm beteiligt hatten, so schuldfrei ist die Mehrzahl des deutschen Volkes. Somit kann von einer Kollektivschuld keine Rede sein. Die Welt mitsamt Herrn Dr. Kreuschke mag das endlich begreifen, wenn die sogenannte Göttin des Rechtes nicht zur Sklavin des Unrechts werden soll. Man kann, wie oft soll ich es wiederholen, von keiner Verbrecherschuld eines Volkes sprechen; um so weniger, wenn bewiesen ist, daß, wie zum Beispiel in ganz Deutschland, politische Gegensätze im Volke herrschten, die sich jedoch nach außen hin durch die furchtbare Gestapo, SS, SA und andere Organisationen der Nazipartei nicht geltend machen konnten. Ich würde dein Nazisystem zuviel Ehre antun, wenn ich alles sattsam Bekannte lange besprechen wollte. Diese Partei ist ausgelöscht, rühren wir nicht mehr an die Schlacken! Deutschland ist hart getroffen, ihm gilt unser Sinnen und Trachten, um den furchtbaren Wunden Heilung zu bringen... Damit schließe ich für heute. Das nächste Mal beenden wir das Kapitel , Besitzrecht der Römer" und wenn dann noch Zeit bleibt, werde ich das Thema, Anfechtung einer Willenserklärung' besprechen." 99 Abends kamen Freunde zu Webers.... Man sprach über alles, nur nicht über Politik, auch, Nürnberg' blieb unerwähnt. Die Herren ,, trommelten" einen Skat; die Damen unterhielten sich über Probleme des Haushalts und wußten sich angeregt die Zeit zu vertreiben. Es war fast ein Uhr geworden, als man Abschied nahm. Frau Weber löschte die 36 Lichter noch et der Fis Amr der Rö klärung " We diese innerha weist, c niemals macher dem sa erbring ren W den m Willen von d mache Volkes Nac in der „ Ich Ding." ,, Na „ Pa fanger ,, W ,, Da ,, Ha Behör „ Ne „ Ma ,, Ka „ Du " W Fr ,, Ste „ De wer gelie nicht chulden e, so ist men, die Fall in eweises at; aber ch nicht nischen Alles,- en deuts ganze hlte, der afte. Dahn war, gten am stet wie beteiligt mit kann errn Dr. ttin des wie oft es sprein ganz jedoch ere Orwürde ekannte wir nicht It unser ingen... Kapitel ich das les, nur ,, tromme des var fast chte die Lichter aus. Da der Professor nicht gleich einschlafen konnte, wollte er noch etwas lesen. Aber was? Er wählte, Brehms Tierleben, das Leben der Fische. Am nächsten Morgen beendete er seinen Vortrag über das Besitzrecht der Römer. Dann sprach er zum Thema, Anfechtung einer Willenserklärung: ,, Wer bei der Abgabe einer Willenserklärung getäuscht wurde, kann diese Willenserklärung zu jeder Zeit anfechten, wenn die Anfechtung innerhalb der gesetzlichen Frist geschieht. Ferner, wer glaubhaft nachweist, daß er bei wahrer Würdigung der Sachlage seine Willenserklärung niemals abgegeben hätte, kann ebenfalls von der Anfechtung Gebrauch machen. Auch wer bei Abgabe einer Willenserklärung das Gegenteil von dem sagt, was er hatte sagen wollen und den glaubhaften Nachweis dafür erbringt, kann Einspruch erheben. Dabei sind auch Indizien zulässig, deren Wahrscheinlichkeitswert zu beurteilen dem Gericht überlassen werden muß. Mit Absicht wies ich auf die Möglichkeit der Anfechtung einer Willenserklärung hin, weil ich die Überzeugung habe, daß eine Unmenge von den Nazitrauben, wie ich die Mitläufer nenne, davon Gebrauch machen dürften, wenn es nach mir ginge. Wurden doch viele, viele des Volkes getäuscht und durch Lügen und Betrug in die Partei eingefangen." Nach zwölf Uhr war der Gelehrte wieder daheim. Seine Frau kam ihm in der Diele entgegen und berichtete, daß sie mit Paula gesprochen habe. ,, Ich konnte sie nur mangelhaft verstehen, so aufgeregt war das arme Ding." ,, Na, was war denn los, daß sie nicht kamen?" ,, Paula sagte mir, daß ihr Bruder verhaftet und als Untersuchungsgefangener in das Gefängnis in X- Burg eingeliefert worden sei." ,, Wer hat ihn verhaftet?" ,, Das weiß ich nicht." ,, Hat sie Dir nicht gesagt, ob ihn die Militär- oder die deutschen Behörden arretiert haben?" ,, Nein." ,, Machte sie gar keine Bemerkung darüber, Frau?" ,, Karl, ich erzählte Dir alles, was ich erfuhr." ,, Du bist aber reichlich nervös." Wenn Du es so nennen willst." " ,, Frau, ich will gar nichts. Ich stelle nur Tatsachen fest." ,, Stelle fest, was Dir beliebt, damit ist der armen Paula nicht geholfen." ,, Der armen Paula? Sie ist doch nicht eingesperrt." 37 37 ,, Ach, wie herzlos Du das sagst. Es handelt sich doch um ihren Bruder. Die armen Leute tun mir aufrichtig leid." Weil er mit der Information, die ihm seine Frau eben gab, nichts anzufangen wußte, beschloß er, Paula noch einmal anzurufen. Sie konnte ihm nichts Neues sagen, nur, daß Soldaten Heinrich geholt hatten, ermittelte der Gelehrte noch.... ,, Schreiben Sie mir bitte einen Brief, und teilen Sie mir vor allen Dingen mit, ob ich Heinrich besuchen darf.... Einverstanden; die Verteidigung will ich übernehmen...." Paula dankte ihm und versprach, sogleich zu schreiben. ,, Na, weißt Du jetzt mehr, als ich Dir sagte?" fragte seine Frau. ,, Nur, daß Soldaten ihn verhaftet haben", war seine Antwort. ,, Karl, ist das nicht egal- verhaftet-- ist verhaftet?" ,, In diesem Falle nicht." Wieso?" " ,, Weil er so vor ein Militärgericht kommt, Frau." bekäme deutsch ,, Ja, gerichts „ Bes chem L „ Mar und vo „ Das dem, w Militär: Besatz ,, Ist das weniger gut für ihn?" ,, Nein und ja." ,, Was heißt das?" ,, Sehr einfach, Frau. Wenn die deutschen Behörden ihn verhaftet hätten, käme er vor die Geschworenen. Da er von Soldaten festgenommen ist, kommt er, wie gesagt, vor ein Militärgericht." ,, Aber Mann, das sind doch auch Menschen!" - - ,, Gewiß. Sie sind mir manchmal noch lieber als Geschworene. Aber hier in dem Fall, wo ein SS- Mann einen amerikanischen Soldaten getötet hat... ich weiß nicht..." ,, Was weißt Du nicht?" ,, Wenn Du es genau wissen willst, die Militärgerichte gehen nach dem Buchstaben ihres Gesetzes." ,, Die Geschworenen- Gerichte nicht?" ,, Ach, was für einen Unsinn Du fragst... Entschuldige bitte den Ausdruck. Die Schwurgerichte sind zugänglicher in den Beweismitteln; das Militärgericht vernimmt Zeugen; steht fest, daß der Verdächtigte die Tat begangen hat, dann läßt es auf gar keinen Fall mehr mit sich reden, weil Belastungs- und Entlastungszeugen ihre Aussagen gemacht haben. Bei den Schwurgerichten kann man noch diese und jene Einwände machen und für mehr Gegenbeweise werben. Denke Dir einmal, die Franzosen hätten unseren Sohn über Frankreich zur Landung gezwungen. Dabei wäre er umgebracht worden und der oder die Täter 38 englisc „ Abe We klagter „ Gla „ Lie ich we Ich ka es gar irgend Heinri Falle ameri „ Ja, Mörde ..W handlu ,, De „ Im Bestir wolle ganze vorein Bruder. ts anzunte ihm rmittelte len DinWerteidiau. erhaftet genome. Aber ten gech dem en Auseln; das igte die reden. haben. wände bekämen zur Wahl gestellt, vor einem französischen Schwur- oder einem deutschen Militärgericht prozessiert zu werden...." ,, Ja, Karl, ich denke, in diesem Falle würden französische Schwurgerichtsbehörden vorgezogen." ,, Bestimmt, Frau. Mit Militärbehörden ist nicht zu spaßen, egal in welchem Lande." ,, Mann, amerikanische Militärgerichte sollen auch sehr human sein, und vor allem sehr gerecht." ,, Das weiß ich. Aber Militär- und Zivilgerichte sind zweierlei... Außerdem, vor einem deutschen Gericht spricht man deutsch; vor einem Militärgericht muß man sich der Sprache bedienen, die die jeweiligen Besatzungsbehörden sprechen. In diesem Falle englisch. Perfekt englisch spreche ich nicht..." " - ,, Aber Karl, man kann doch einen guten Dolmetsch nehmen, oder...?" , Wenn auch... Es bleibt unangenehm, denn Verteidiger und Angeklagter bekommen gewissermaßen alles aus zweiter Hand, geliefert..." ,, Glaubst Du, daß Heinrich hart bestraft oder gar hingerichtet wird?" ,, Liebe Frau, wie soll ich wissen, welche Strafe er zu erwarten hat; ich weiß noch nicht einmal, wessen man ihn in der Anklage beschuldigt. Ich kann jetzt kaum etwas anderes tun als abwarten. Außerdem kommt es ganz darauf an, was mir Paula in dem versprochenen Brief mitteilt; irgend etwas wird sie ja von ihren Eltern in X- Burg erfahren. Wenn Heinrich schuldig ist, sollte er ein Geständnis ablegen. Das ist in diesem Falle das beste, was ich ihm empfehlen kann... Das Verbrechen an dem amerikanischen Flieger muß Sühne finden..." ,, Ja, Mann, Du hast recht. Gott stehe seinen Eltern bei! Aber auch dem Mörder... Als gläubige Christin kann ich nicht anders sprechen." ,, Wenn ich die Verteidigung übernehme, muß ich während der Verhandlungstage Urlaub einreichen." ,, Denkst Du, daß sich dabei Schwierigkeiten ergeben könnten?" ,, Im allgemeinen ist das weniger der Fall, aber ich kenne die jetzigen Bestimmungen nur oberflächlich... Während der nächsten Stunden wollen wir mit keinem Wort mehr davon sprechen... Am liebsten den ganzen Tag nicht mehr. Je weiter ich davon Abstand nehme, desto unvoreingenommener stehe ich der Sache gegenüber, und das ist wichtig." mal, die ng geTäter 39 ,, Karl", rief am folgenden Morgen Frau Weber ,,, hier hast Du's!" ,, Was?" ,, In der„, Lahnpost" steht schon die Nachricht von Heinrichs Verhaftung." ,, Ach laß mich das bitte lesen!" 99... Vergangenen Sonntag wurde von der amerikanischen Militärpolizei in X- Burg der frühere SS- Mann Heinrich Gercke verhaftet. Nähere Mitteilungen liegen nicht vor. Wahrscheinlich handelt es sich um irgendein Verbrechen, das erst in den letzten Tagen ans Licht gekommen ist. Wir werden unsere Leser auf dem laufenden halten. Trotzdem wollen wir schon heute gesagt sein lassen, daß jede Schandtat dieser Nazibande selbstverständlich gesühnt werden muß. Dem Verhafteten, der, nachdem er in die Partei eintrat, ein guter Hi.lerdiener wurde, darf es nicht erspart bleiben, daß einmal gründlich in seine Nazierlebnisse hineingeleuchtet wird. Die Familie hatte, soweit wir informiert sind, nie Vorteile durch ihn gehabt. Das stellen wir mit Genugtuung fest, um so mehr, als der Vater dieses Nazibonzen mehr als fünfundzwanzig Jahre Vorsteher der Freiwilligen Feuerwehr X- Burgs war und sich redlich bemühte, allen Obliegenheiten gerecht zu werden. Was gegen ihn spricht, ist, daß er erst spät, im Jahre 1939, seinen Posten niederlegte; hätte er doch nach der Machtergreifung durch, Adolf den Schrecklichen' sofort sein Amt zur Verfügung stellen sollen..." ,, Frau, hör Dir nur die, Sachlichkeit dieses Käseblattes an! Man ist allerdings schon gewohnt, was Zeitungen dieser Art sich leisten. Wenn solche Blätter keine weiteren Tatsachen gegen die Gerckes ins Feld führen, als daß der Familienvater, zu spät' sein Amt bei der Feuerwehr niederlegte, dann ist, so glaube ich, nicht allzuviel verloren, wenn man solche Druckerzeugnisse abbestellt.... Schadenfreude, der Teufel buhlt um Dich." ,, Karl, nie hätte ich gedacht, daß Deutsche so gehässig sein können, so schadenfroh. Ich glaubte immer, nur Nazis in Reinkultur wären dazu fähig." ,, Mit Nationalität, liebe Frau, hat das nichts zu tun. Dummheit und Charakterschwäche ist die richtigere Bezeichnung dafür..." * Die Post brachte heute den erwarteten Brief von Paula: ,, Sehr geehrter Herr Professor! Meine Aufregung konnten Sie sicher merken, als Sie mit mir sprachen. Nachdem wir wissen, daß Sie die Verteidigung übernehmen, sind wir 40 doch rich b teile sagte ihm a meiste tun... hören und S ,, Sc riefe Er alle U „ H , Si „ Ic betra mit d „ Da sich r Marb „ V ,, K ,, Ic waru wollt An ältest weil aber, bezw schel schie Haup V er zu Nun stren „ G Dich 15 Ver. Militär.| et, Nä- Ommen wollen Zibande achdem Cht er. neinge- "orteile ehr, als rsteher e, allen daß er h nach mt zur fan ist Wenn > Feld rwehr n man | buhlt en, SO | dazu it und achen. d wir doch beruhigter, Herr Professor. Vorerst kann niemand von uns Hein- rich besuchen, und schreiben dürfen wir ihm auch nicht. Auf Ihre Anfrage teile ich Ihnen mit, daß der amerikanische Offizier zu meinem Vater sagte: Wenn der Marburger Professor etwas wissen wolle, möge er bei ihm anrufen. Weitere Auskünfte könne er nicht geben. Der Bürger- meister von X-Burg weigert sich, in der Sache meines Bruders etwas zu tun... Der Herr Landrat wollte noch nicht einmal meine Eltern an- hören. So sind wir alle hilflos und setzen unsere Hoffnung nur auf Gott und Sie.“ „So, da weiß ich genau so viel wie die Paula. Am besten wäre es, ich riefe in den nächsten Tagen in X-Burg an.“ Er änderte jedoch seinen Plan und rief die Kommandantur X-Burg, der alle Untersuchungsgefangenen unterstellt waren, sofort an... „Hier spricht Professor Karl Weber aus Marburg.“ „Sie wünschen?“ „Ich bin mit der Verteidigung des Untersuchungsgefangenen Gercke betraut. Der Zweck meines Anrufes ist, festzustellen, ob und wann ich mit dem früheren SS-Mann sprechen kann.“ „Das liegt leider außerhalb meines Bereiches. In dem Falle müssen Sie . sich mit dem amerikanischen Hauptquartier Marburg, Wettergasse 57 in Marburg, in Verbindung setzen. Die Abkürzung dafür ist AHM.“ „Vielen Dank.“ „Keine Ursache, Herr Professor.“ „Ich gehe gleich fort“, sagte er zu seiner Frau.und informierte sie, warum er zum Hauptquartier der amerikanischen Militärbehörde gehen wollte. An Ort und Stelle angelangt, wurde er sogleich vorgelassen. Der rang- älteste Offizier bedauerte, daß er ihm die Erlaubnis nicht geben konnte, weil er weder Akten noch Kenntnis von dem Fall habe. Er versprach aber, sein Möglichstes zu tun, um Professor Weber gefällig zu sein. Doch bezweifelte er, daß vor einer Woche irgend etwas in dieser Sache ge- schehen könnte. Mit vielem Dank für den freundlichen Empfang verab- schiedete sich Professor Weber von dem Offizier des amerikanischen Hauptquartiers Marburg und ging nach Hause. „Vor acht Tagen ist in dieser Sache überhaupt nichts zu hören“, sagte er zu seiner Frau.„Bitte schreibe das an Paula, damit sie im Bilde ist. Nun lege ich mich etwas nieder; der Fußweg hin und zurück war an- strengend für mich.... Ich bin zu rasch gegangen.“ „Gut, daß Du Dich hinlegst, ich habe jetzt ohnedies keine Zeit für Dich. Ich muß etwas flicken.“ 41 ,, Wenn ich nur das richtige Garn hätte; heutzutage ist es aber sehr - wie alles." rar, * Am anderen Morgen fühlte sich der Gelehrte nicht wohl. Der Arzt stellte eine Ermattung fest, die sowohl vom Dienst kommen konnte, wie auch mit dem Leiden im Konzentrationslager zusammenhängen mochte. Er müsse wenigstens vierzehn Tage ausspannen. Professor Weber wehrte sich zuerst dagegen, aber schließlich brachten ihn seine Frau, der Arzt und auch seine eigene Einsicht zur Vernunft. Er beantragte zwei Wochen Ferien.... Während der ersten Tage des Urlaubs ging es mit ihm noch halbwegs; aber dann wurde er geradezu eine Plage für Frau Weber. ,, Mann, sage mir bitte, warum Du in letzter Zeit so unzufrieden mit mir geworden bist?" ,, Ich?" ,, Jawohl, Karl." ,, Das ist doch nur eine fixe Idee von Dir." ,, Da hast Du's, Karl. Ich frage Dich liebevoll und Du wirst gleich so zornig... Womit habe ich das verdient?" ,, Entschuldige bitte. Es mag sein, daß mir das Eingesperrtsein nicht bekommt. Bedenke doch, daß ich heute schon den neunten Tag zu Hause bin, keine Arbeit verrichte, nur herumsitze oder schlafe, so daß ich dann halbe Nächte wach im Bett liege. Denkst Du, all diese Umstände würden meine Stimmung heben? Es beunruhigt mich auch sehr, daß ich von dem amerikanischen Hauptquartier noch immer nichts gehört habe...." ,, Ja, Mann, das verstehe ich; aber schließlich und endlich fühlst Du Dich gar nicht wohl, und der Arzt hat Dir doch strikte Ruhe verordnet." ,, Ach, der Doktor. Was wissen Ärzte im allgemeinen von der inneren Stimmung eines Menschen? Das kann nur der wissen, der das selbst schon einmal mitgemacht hat. Ich kann die Zeit kaum erwarten, bis ich wieder meinem Beruf nachgehen kann. Ich wollte, die vierzehn Tage wären schon vorüber." Zwei Tage später kam der Arzt wieder, um seinen Patienten zu sehen. Nach der Begrüßung setzten sich beide an den Ecktisch und unterhielten sich über nebensächliche Dinge, was der Arzt absichtlich wollte, bevor er mit seiner heutigen Untersuchung begann, die noch gründlicher sein sollte, als das vorige Mal. ,, Herr Professor, wie fühlen Sie sich?“ ,, Ausgezeichnet, weil ich so eingesperrt bin." 42 Dem ,, NL keine Nac و" besse nen S wech nenne geisti Gegen SOZUS Mens für de Wies muß möch ist, ganz niem , bren ware zum gehe ,, Ja Also, ,, H Spra ,, G „ N Na ihrem doch „ G doch -- nur etwas nervös bin ich wahrscheinlich, gung ,, Ic er sehr er Arzt te, wie mochte. Weber au, der e zwei bwegs; en mit eich so nicht Hause h dann vürden on dem 1st Du dnet." nneren selbst bis ich Tage sehen. hielten bevor er sein einlich, Der Arzt widersprach nicht, sagte aber: ,, Nun, wir wollen vorsichtshalber doch noch einmal nachsehen, ob keine anderen Ursachen Anlaß Ihrer Beschwerden sind..." Nach gründlicher Untersuchung meinte er: " Also, Herz sowie alle anderen Organe können keineswegs besser sein. Der Blutdruck ist wie bei einem Jüngling. Von mir aus können Sie die ganze Universität übernehmen. Es scheint, daß Sie jetzt Abwechslung brauchen, da Ihre Nervosität von dem, wie Sie das so schön nennen, Eingesperrtsein kommt. Man beobachtet oft bei Menschen mit geistig reger Beschäftigung, daß plötzliches Ausspannen anfänglich das Gegenteil bewirkt. Im allgemeinen weiß man aus Erfahrung, daß Ruhe, sozusagen richtiges Faulenzen, den Nerven am besten bekommt. Der Mensch ist auch in dieser Beziehung ein sonderbares Geschöpf; was sich für den einen nützlich zeigt, schlägt bei dem anderen ins Gegenteil um. Wieso und warum das so ist, vermag ich nicht zu sagen. Wahrscheinlich muß der, der es weiß, erst geboren werden. Doch eins, Herr Professor, möchte ich Ihnen raten: Übertreiben Sie nicht in Ihrem Beruf. Mit Ihnen ist, wie man so zu sagen pflegt alles in bester Butter. Sie sind ganz außerordentlich rüstig für Ihr Alter, das nebenbei bemerkt, Ihnen niemand ansieht. Lassen Sie sich aber gesagt sein, Sie müssen sich zu , bremsen' bemühen. Verstehen Sie? Als ich das erste Mal zu Ihnen kam, waren Sie sehr abgespannt. Es liegt nur an Ihnen, sich nicht zu viel zuzumuten. Wenn Ihre Studenten allmählich klug werden, wird es auch gehen. Die Praxis gilt im Leben, nicht die kalte Theorie"." - - ,, Ja, ja, mein lieber Doktor und Philosoph, Sie mögen recht haben. Also, ich darf mich als geheilt' entlassen betrachten, nicht wahr?" ,, Herr Professor, fügen wir lieber hinzu,-um in Ihrer juristischen Sprache zu sprechen mit Bewährungsfrist." - ,, Gut, senden Sie mir bitte die Rechnung." ,, Nur keine Angst, das wird geschehen, Herr Professor." Nachdem sich der Arzt verabschiedet hatte, sagte Frau Weber zu ihrem Mann: ,, Wenn er Dich auch für gesund erklärte, so darfst Du den Dienst doch nicht antreten, bevor Dein Urlaub abgelaufen ist." ,, Gut. Aber zum amerikanischen Oberkommando gehe ich morgen doch, das Warten wird mir allmählich zu dumm." ,, Morgen? Kann ich mit Dir kommen, ich habe ohne dies einige Besorgungen zu machen. Ich begleite Dich bis zum Haus." ,, Ich kenne kein Gesetz, das es verbietet." 43 ,, Weißt Du was, später gehen wir dann ins Kino und sehen uns den neuen Film an; in der Vorhalle treffen wir uns." " , Was wird gespielt?" ,, Die Macht des Nichts." ,, Na, wenn blcẞ Inhalt und Titel keine zu große Gemeinschaft haben. Die Götter des Lichtbilds sind verantwortlich..." Der gesund Befundene wollte noch spazieren gehen, aber die Wächterin seines Wohl und Weh ließ das nicht zu. Sie hielt es für richtiger, Bekannte zu bitten, den Abend bei Ihnen zu verbringen. Alle erschienen; es wurde wieder Skat, gekloppt', wie oft zuvor. Die Damen kamen auch auf ihre Rechnung; sie sprachen vergnügt von der schönen Jugendzeit. Gegen elf Uhr dreißig wurden Spiel und Unterhaltung abgebrochen. „ Ne jener züglic hätte. ganz ein M kenn „ He als me „ W " Am folgenden Tage machte sich das Ehepaar Weber schon frühzeitig auf den Weg zum AHM. Während ihr Mann verhandelte, erledigte sie alle Besorgungen. Die Nachricht, die Professor Weber bekam, war nur, daß man noch immer nichts gehört habe. Er möge sich noch weitere zwei Wochen gedulden; wenn er bis dahin keinen Bescheid hätte, dann solle er sich noch einmal hierher bemühen oder anrufen. Vorher sei zwecklos.... Norga mit sc eine ,, Da nächs nämli Main, ,, Sc „ D Sie sa bitter 99 Vielen Dank, Herr Hauptmann Morgan." ,, Mein Name ist nicht Morgan. Ich heiße Norgam." ,, Norgam.... Norgam?" ,, Was verwundert Sie so sehr, Herr Professor, wenn ich fragen darf?" ,, Unsinn." ,, Was meinen Sie mit dieser Bemerkung?" ― ,, Bitte hören Sie, Herr Hauptmann, vor vielen, vielen Jahren, ich war noch ein blutjunger Student an der Kopenhagener Universität,-- da lernte ich einen Studenten namens Norgam kennen. Wir wurden sehr gute Freunde. Später ging ich nach Paris, um dort weiter zu studieren, und all wöchentlich wechselten dieser Norgam und ich Briefe. Eines Tages hörte der Briefwechsel auf. Ich habe nie mehr etwas von ihm gehört." ,, Sind Sie sicher, daß er Norgam hieß?" ,, Ganz sicher! Warum?" ,, Mein Vater hat in Kopenhagen studiert. Er ist gebürtiger Däne. Später ging er nach den Vereinigten Staaten und wurde Amerikaner." ..Welchen Beruf hat. Ihr Herr Vater." ,, Er ist Farmer." 44 ,, M Freu „ N ihm H „ JE abrec Die der ..E kann Er daß e zu b das S ihn z Zu wied Ecke für d Uns den ' haben. Wäch- Chtiger, hienen: en auch Endzeit, en. ihzeitig igte sie ar nur, Te zwei ın solle Ier sei darf?“ -— ich :n sehr dieren, Eines on ihm Später „Nein, dann kann er nicht der Norgam sein, den ich im Sinne habe; jener studierte seinerzeit wie ich Rechtswissenschaft. Er war ein vor- züglich begabter Student, der nie seinen Beruf an den Nagel gehängt hätte. Sein Plan war, die Richterlaufbahn einzuschlagen, und er wäre ganz bestimmt ein ausgezeichneter Richter geworden. Mein Freund war ein Mann mit Herz und Verstand und besaß eine gründliche Menschen- kenninis.“ „Herr Professor, der Mann, von dem Sie sprechen, kann kein anderer als mein Vater sein.“ „Was? Sie sollten der Sohn meines alten verschollenen Freundes Norgam sein? Das kann ich kaum glauben! Woraus schließen Sie das mit solcher Selbstverständlichkeit, Herr Hauptmann?... Es kann doch eine Verwechslung vorliegen?!“ „Das glaube ich weniger, Herr Professor. Übrigens werden wir in den nächsten vierundzwanzig Stunden Klarheit bekommen. Ich erwarte nämlich morgen meine Eltern zu Besuch und fahre nach Frankfurt am Main, um sie dort auf dem Flugplatz abzuholen.“ „So ein Zufall! Wenn es nur kein Irrtum ist...“ „Das kann ich mir schlecht vorstellen, Herr Professor, weil alles, was Sie sagten, auf meinen Vater zutrifft. Darf ich um Ihre Telephonnummer bitten, damit ich Sie anrufen kann, sobald meine Eltern hier sind?“ „Meine Nummer ist 761. Ach, bin ich aufgeregt! Herr Hauptmann, vor Freude könnte ich heulen wie ein Kind.“ „Neugierig bin ich, was mein alter Herr sagen wird. Ich denke, es wird ihm kaum besser gehen als Ihnen, Herr Professor.“ „Jetzt muß ich aber gehen; denn meine Frau und ich haben eine Ver- abredung.“ Die Herren verabschiedeten sich; der Professor ging ins Kino, wo in der Vorhalle seine Frau auf ihn wartete. „Erna, ich bin so aufgeregt, daß ich am liebsten nach Hause ginge! Ich kann es immer noch nicht fassen....“ Er berichtete alles, was sich zugetragen hatte. Frau Weber sah ein, daß es unter diesen Umständen besser wäre, die Stimmung ihres Mannes zu berücksichtigen und mit ihm nach Hause zu gehen. Sie wollte sich das Stück keinesfalls allein ansehen. Ebensowenig kam für sie in Frage, ihn zu Hause sich selbst zu überlassen.... Zu Hause angekommen, drehte sie das Radio an, er aber drehte es bald wieder ab. Für diese Übertragung ‚Gespräche zwischen Goethe und Eckermann‘ hatte er jetzt keinen Sinn, die schienen ihm ganz unwichtig für die heutige Zeit.... 45 „Warum stellst Du das Radio ab, Karl?“ „Für literarisches Geschwätz habe ich momentan wenig Verständnis. Bekommen die Menschen dadurch Wohnung, Brot und Kleider....? Gibt es kein zeitgemäßeres Thema für das Volk? Ach, wir in Deutschland sind noch ärmer als ich dachte.“ „Mann, Mann, sei nur nicht so ungehalten. Viele, viele Menschen inter- essieren sich für solche Übertragungen, Du selbst auch, und wenn Du noch so dagegen wetterst.“ Er lachte und gab seiner Frau, welche die Situation völlig beherrschte, einen Kuß. Die Zeit verging, allmählich war es vier Uhr nachmittags ge- worden. „Wie wär’s, wenn wir jetzt doch noch ins Kino gingen?“ fragte er seine Frau. „Möchtest Du wirklich, Mann?“ „Warum nicht?“ „Wie der Doktor, will ich mich in ‚Deiner juristischen Sprache aus- drücken‘. Ich ‚verdächtige‘ Dich, daß Du nur meinetwegen ins Kino gehen willst.“ „Vielleicht ist dies unbewußt mein Grund. Also gehen wir!„Macht des Nichts“, mag gut sein oder schlecht, der Titel reizt jedenfalls.“ „Karl, halte mir aber später nicht vor, daß Du nur mir zuliebe ge- gangen bist; denn dann bleibe ich lieber zu Hause.“ „Nein, nein, Frau. Ich werde das bestimmt nicht sagen.“ Sie gingen und wurden reichlich belohnt. Das Stück war wirklich gut und von überraschend hohem philosophischen Wert. Marburger Kinos konnten sich das erlauben; denn etwa dreitausend Studenten und Fremde, die täglich in Marburg weilten, verbürgten immerhin ein ver- ständnisvolles und bereitwilliges Publikum. Webers kamen erst um viertel nach sieben nach Hause, drehten, an der Tür angelangt, sich wie- der um, weil sie abermals auswärts zu essen beschlossen... Sie gingen ins nahe Bahnhofsrestaurant, wo sie zwei bekannte Familien trafen, die dort auch ihr Abendessen einnehmen wollten. Die Kellner rückten klei- nere Tische zusammen, und so war die gemeinsame Tafel hergestellt. Sie hatten es wirklich gut getroffen, denn es gab Forellen, die alle sechs gerne aßen. Anschließend tranken sie Kaffee, die Herren rauchten Zigarren,„Taunusgewächs“, während die Damen sich Zigaretten an- steckten. Frau Weber erregte damit das Erstaunen ihres Gemahls, der sie seit Jahr und Tag nicht hatte rauchen sehen... „Frau, was ist los mit Dir?“ „Ja, in meinen alten Tagen beginne ich noch, leichtsinnig zu werden.“ 46 Ein Mal in „Bei gegen wurde „Na, Schl heiratt Alle seine plante denen gingen bei W Am in Or ander „0 „W Die „D früh: merk! tändnis, .? Gibt Schland N inter. enn Du "rschte, Ags ge- agte er r IE aus- $ Kino cht des be ge- ich gut Kinos n und n ver- st um h wie- gingen en, die n klei- estellt. Ein Kollege von ihm fragte, ob sie sich erinnere, wann sie das erste Mal in ihrem Leben leichtsinnig gewesen wäre. „Bestimmt“, sagte sie,„als Kind, als ich einmal erkältet zu Bett lag, gegen das Verbot meiner Mutter aufstand und dann um so kränker wurde..“ „Na, na, Frau“, neckte sie ihr Mann,„und sonst?“ Schlagfertig wie sie war, antwortete sie:„Oh doch,—— als ich Dich heiratete..“ Alle lachten. Natürlich er am lautesten; denn es war ja schließlich seine Frau, die den Witz gemacht hatte. Obzwar es kein vorher ge- planter bunter Abend sein sollte, so hatten alle gemütliche Stunden, in denen der Spaß ‚herrschte‘. Spät, es war schon fast zwölf Uhr,—— gingen die drei Ehepaare heim. Auch zu Hause hielt die gute Stimmung bei Webers noch an. * x* Am anderen Morgen sagte er zu seiner Frau, daß er die Bücherregale in Ordnung bringen wolle, weil alles wie Kraut und Rüben durchein- ander stehe. „Soll ich Dir helfen?“ „Wenn Du willst.“ Diese Arbeit erforderte mehr Zeit als man vorher gedacht hatte. „Daß der Hauptmann noch nicht angerufen hat... aber, es ist ja noch frih am Tage.... Wer weiß, ob sie sofort Zugverbindung bekamen“, be- merkte der Gelehrte zu seiner Frau. „Vermutlich wird er seine Eltern mit dem Auto abholen, Karl.“ „Das kann auch sein.“ Gegen zwei Uhr schrillte das Telefon. „Hier spricht Professor Weber——— Wer?—— Sie wünschen?“ „Kann ich erfahren, ob Sie die Sendung Schuhe bekommen haben, die Sie für diese Woche erwarteten?“ fragte die Dame.... Professor Weber ließ die Anruferin aussprechen und sagte, er habe keinen Schuhladen, sie sei falsch verbunden... „Warum sagten Sie das nicht gleich?“ „Entschuldigen Sie bitte, soweit ich mich erinnere, ließen Sie mich nicht zu Worte kommen.“ „Ach, Sie——— Er merkte nun, daß die ‚falsche Nummer‘ eingehängt hatte. Zu seiner Frau gewandt, meinte er: „Da siehst Du, sie ist falsch verbunden und ich soll daran schuld sein. Ach, diese F....“, Frauen wollte er sagen, aber er hatte noch Zeit, das 47 Da läutete es wieder. ,, Frau Professor Weber... ach Herr Hauptmann, einen Moment bitte!" Sie gab ihrem Mann den Hörer. Wort in falsche Verbindungen' umzuformen. Das war gut; wozu unnötige Verstimmungen!, Karl, jetzt warst Du vernünftig', sprach er zu sich selbst. - Drei Uhr; vier; fünf. Sechs Uhr noch immer kein Anruf. ,, Ach, es ist sicherlich nicht der richtige Norgam, Karl." ,, Na, der richtige war's schon, es fragt sich nur für wen; für den Sohn ganz bestimmt. Der Hauptmann ruft uns noch an. Er ist ein wchlerzogener Mensch und weiß, was sich gehört. Gehen wir jetzt noch etwas spazieren." Kaum hatten sie die Haustüre geschlossen,-- Schnell rannte Frau Weber wieder ins Haus, er hinterher. Am Apparat angelangt keine Antwort. - ,, Ob ich ihn anrufen sollte? Vielleicht war er's gar nicht", bemerkte der Professor. ,, Wo könntest Du ihn erreichen? Gehen wir jetzt, sonst wird es zu spät bis wir zurückkommen." Prof men w ..Wa " ,, Sie „ Kor „ Der Wäl ein hal mal, w Prrrrr, das Telefon. solch sehen! legen. nicht Der Hut: L „ Ka man ,, Guten Tag, Herr Hauptmann! Sind Ihre Eltern gekommen?" ,, Ja, mein Vater steht neben mir, er kann es kaum erwarten, Sie zu sprechen, Herr Professor." ,, Hallo Karl, hier ist Edgar Norgam, Dein alter Freund!" ,, Guten Tag, Edgar, willkommen in Marburg. Wir haben uns lange Jahre nicht gesehen und gesprochen. Was sagst Du zu dem Zufall?" ,, Ich bekam beinahe einen Schock vor freudiger Aufregung, als mir Eric die Sache erzählte. Morgen sehen wir uns hoffentlich. Heute ist es wahrscheinlich schon zu spät." ,, Nein, wo denkst Du hin? Ihr kommt heute Abend noch zu uns!" ,, Mein Sohn konnte noch kein geeignetes Zimmer für uns besorgen, so daß wir in seinem Zimmer übernachten müssen. Er muß selien, wo er bei einem Freunde unterkommen kann. Deshalb wird es wohl mit dem Besuch heute abend nichts werden." 99 ,, Edgar, ich bestehe darauf, daß Ihr heute abend noch zu uns kommt." , Warte einen Moment, Karl. Ich werde fragen, was Frau und Sohn dazu sagen.- Also, mein lieber Freund, wir kommen! Um acht Uhr sind wir bei Euch. Ich freue mich unbeschreiblich, Dich wiederzusehen." 48 ,, Edgar, das beruht auf Gegenseitigkeit...." uns w daß w Die Haup ohne mit a die en seitig Uman ser d Deuts Von hatte Lach schein „ Ich Er Edga Die stellt fielen ..Fr vozu unch er zu Hen Sohn chlerzoch etwas Telefon. Apparat erkte der rd es zu mt bitte!" , Sie zu ms lange all?" als mir te ist es ns!" rgen, so vo er bei dem Bekommt." nd Sohn Um acht iederzuProfessor Weber sagte seiner Frau, daß die Gäste um acht Uhr kommen wollten. ,, Was soll ich ihnen anbieten, Karl? Ich habe gar nichts gekocht." ,, Sie kommen sicher nicht zum Abendessen." ,, Kommt der Sohn auch mit?" ,, Denkst Du, er würde seine Eltern am ersten Abend allein lassen?" Während der nächsten halben Stunde fragte er seine Frau wenigstens ein halbes Dutzend Mal, wie spät es sei. Geduldig antwortete sie jedesmal, wußte sie doch, wie freudig erregt er war.... Kein Wunder,-- solch gute Freunde, und so viele Jahre hatten sie einander nicht gesehen!.... Nach der ersten Begegnung wird sich die Nervosität schon legen. Mittlerweile wurde es acht Uhr, die Gäste waren jedoch noch nicht da. Der Professor ging im Zimmer auf und ab. Frau Weber blieb auf ihrer Hut: Ihm nur jetzt keinen Anlaß zum Ärger geben, dachte sie. ,, Karl, sie sind sicher aufgehalten worden.... Nach einer Reise kann man unmöglich mit Pünktlichkeit auf die Minute rechnen... Du scheinst..... 66 ,, Ich bin bestimmt weniger nervös, Erna...." Er kam nicht mehr dazu, den Satz zu beenden. Die Türglocke läutete. Edgar Norgam, seine Frau und sein Sohn standen vor ihm....... Die Begrüßung der alten Freunde glich einer Feierlichkeit. Der Sohn stellte seine Mutter und sich selbst Frau Weber vor. Die beiden Freunde fielen sich wortlos in die Arme. Beide hatten Tränen in den Augen. ,, Frau Norgam," sagte Professor Weber: ,, Sie denken jetzt, daß wir uns wie Kinder benehmen. Tatsache ist, Edgar und ich sind so gerührt, daß wir selbst nicht wissen, was mit uns los ist." ,, Ja, ja genau so ist es", bestätigte Edgar seiner Frau. Die alten Norgams fühlten sich sofort wie zu Hause, und auch dem Hauptmann erging es kaum anders. Er war außerordentlich tief ergriffen, ohne eigentlich zu wissen warum. Sah er heute zum ersten Mal Deutsche mit anderen Augen als bisher. Vielleicht dachte er an die Schlachten, die er mitgemacht hatte, in denen Deutsche und Amerikaner sich gegenseitig töteten..... und nun: Sein eigener Vater in freundschaftlicher Umarmung mit einem Deutschen.. Wer konnte es erklären? War dieser deutsche Professor wirklich ein Freund seines Vaters? Können Deutsche überhaupt Freunde sein? Sind Deutsche Tränen wert?- von Männern wie sein wunderbarer Vater, den er nie in seinem Leben hatte weinen sehen, nie eine einzige Träne, es sei denn, solche des Lachens? Und dieser Mann benahm sich heute so. Sollte der Professor 49 eine Ausnahme sein? Warum fühle ich mich hier so zu Hause? Nur weil meine Eltern hier als Gäste sind? Das kann unmöglich der ganze Grund sein. Die Webers mögen vielleicht am Ende doch gute, brave Leute sein. Aber dann wäre es ein Unrecht, alle Deutschen unter eine Lupe zu nehmen, dachte der junge Hauptmann der U.S.Army. Frau Weber hatte die Bitte ausgesprochen, daß Frau Norgam etwas über das Leben in Amerika erzählen möge. Bevor Esther damit begann, entschuldigte sich der Professor wegen der Unterbrechung und zu seinem Freunde gewandt, sagte er: ,, Edgar komm! Wir zwei gehen hinauf, auf meine, Bude." Lachend meinte Edgar: ,, Weißt Du, Karl, daß ich das Wort, Bude' seit dreißig Jahren nicht mehr gehört habe." Oben angelangt, ergriff Edgar das Wort: ,, Also, einer von uns muẞ ja beginnen, seine Erlebnisse zu erzählen, so weit das möglich ist und den anderen interessiert. Weil ich nun derjenige bin, der den Briefwechsel unterbrach, so laß mich zuerst auf die, Anklagebank'. Ich nehme mein Tagebuch zur Hand, denn es ist eine lange Geschichte." ,, Gut", erwiderte Karl,„, aber nachher kommst Du wieder unters Publikum." Lachend sagte Edgar zu und begann: ,, Einige Zeit, nachdem Du nach Paris abreistest, ging ich eines Tages in eine Buchhandlung, um Bücher zu kaufen. Mit dem Geschäftsinhaber hatte ich mich länger als notwendig unterhalten. Als ich mich gerade zum Gehen anschickte, betrat eine junge Dame das Geschäft. Sie gefiel mir so gut, daß ich mich Hals über Kopf in sie verliebte und nach irgendeiner Ausrede suchte, um zu bleiben. Darum fragte ich nach einem halben Dutzend Büchern, die gar nicht existierten; dann sagte ich zu dem Verkäufer: Lassen Sie mich selbst einmal nachsehen, vielleicht finde ich in Ihrem Laden doch noch etwas, was mich interessiert. Ich sprach die Wahrheit. Natürlich dachte der Verkäufer nur an Bücher aber meinte das junge Mädel. Kein einziges Buch hatte ich mir angesehen, sondern ich hielt von der Seite her meinen Blick nur auf meine Auserwählte gerichtet. Vielleicht sollte es so sein sie merkte es und verließ den Laden so schnell, daß, als ich ihr eine Minute später folgte ich konnte doch nicht fluchtartig den Laden verlassen, wenn ich keinen Argwohn erwecken wollte- weit und breit nichts mehr von ihr zu sehen war. Ich eilte die Straße auf und ab, jedoch wie vom Erdboden blieb sie verschwunden." - - - umdreh etwas ich sie so laut: ich, wie unsere nahe a ich zur Aber a mich w sich va das wa Einig Ich wu , Hern Um verlobt rendar wort a , LaB dieser haft. N Est ,, Her gardez Randa und fr , Wie Ich ich Nac ner Fr so plo lächel ,, Einige Wochen später ging ich mit meiner Mutter ins Kino. Dort kaufte ich zwei Karten an der Kasse. Als ich mich zu meiner Mutter 50 nicht Esthe Am lange in der mit m use? Nur Her ganze te, brave inter eine am etwas It begann, d zu seiBude' seit uns muß hist und en Briefch nehme er unters es Tages tsinhaber h gerade Sie gefiel hirgendnem halzu dem cht finde ch sprach ich angeseuf meine merkte es te später erlassen, eit nichts doch wie ino. Dort r Mutter umdrehte, - wer stand hinter mir? Das Mädel. Nun murmelte ich etwas Unsinniges. Sie mußte meine Verlegenheit gemerkt haben, hörte ich sie doch am Schalter sagen:, Loge, erster Rang'. Warum sagte sie so laut: Erster Rang'? Wahrscheinlich sollte ich es hören, fantasierte ich, wie das zu einem bis über die Ohren Verliebten paßt. Wir hatten unsere Plätze vorn im Parterre genommen, weil meine Mutter gerne nahe an der Leinwand saẞ...... Unter irgendeinem Vorwand sagte ich zu meiner Mutter:, Angenehmer würden wir im ersten Rang sitzen.. Aber auch dort zeigte sich keine Spur von ihr. Ach, dachte ich, sie hat mich wahrscheinlich absichtlich irregeführt. Warum wohl? Fürchtet sie sich vor mir? Ich habe sie meines Wissens doch nur einmal gesehen; das war seinerzeit in dem Bücherladen. Einige Monate später besuchte ich einen Ball. Dort traf ich sie wieder. Ich wurde ihr vorgestellt: , Herr Edgar Norgam- Fräulein Esther Randau." Um es kurz zu machen, wir gewannen uns lieb und kurze Zeit darauf verlobten wir uns heimlich. Heiraten wollten wir erst nach meinem Referendarexamen. Sie bat mich nur, bei ihren Eltern offiziell um das Jawort anzuhalten. , Laß mir etwas Zeit dazu, mir fehlt es noch am nötigen Mut'. Bei dieser Antwort mußte ich ganz rot geworden sein; denn sie lachte herzhaft. Nach zwei Wochen verkündete ich ihr: , Esther, morgen ist der große Tag!!!.... ,, Herr Randau und ich spielten eine Partie Schach. Als er mir gerade gardez bot, nahm ich die Gelegenheit wahr und sagte zögernd:, Herr Randau, ich bitte um die Hand Ihrer Tochter.' Er nahm den Zug zurück und fragte: , Wie bitte?' Ich wiederholte. Nach der ersten Verblüffung meinte er:, Ich muß erst einmal mit meiner Frau sprechen und auch mit Esther. Solche Entschlüsse kann man so plötzlich nicht treffen. Als er sich wieder gefaßt hatte, fügte er lächelnd hinzu:, Viel Erfahrung auf diesem Gebiet scheinen Sie übrigens nicht zu haben, Herr Norgam.' Rot bis über die Ohren gestand ich: , Esther ist meine erste Liebe.' Am nächsten Abend--so galt es zwischen ihm und mir vereinbart sollte ich wiederkommen und die Antwort haben....... Solange mußte die Frage offen bleiben.... Ich verweilte noch eine Stunde, in der ich die Gelegenheit wahrnahm, Esther über alles, was ihr Vater mit mir besprochen hatte, zu informieren. 51 - Tags darauf ich war pünktlich öffnete mir Herr Randau die Auch V Haustüre und führte mich in sein Arbeitszimmer.... Juden.. .Gott ich das dinnen , Das , Hören Sie, mein lieber Herr Norgam', sprach er ernst ,, bevor ich auf Ihre Werbung eingehe, muß ich Ihnen etwas sagen, was nicht einmal Esther weiß. Bitte nehmen Sie hier, neben mir auf dem Sofa Platz.. Esther ist unser Kind nur dem Gesetze nach; wir haben sie als kaum sein.... zweijähriges Mädchen angenommen; ihre Mutter, eine Kopenhagener ter, we Jüdin, starb an gebrochenem Herzen, weil Esthers Vater, ein jüdischer Vater?" Student aus Polen, sich der Verantwortung durch die Flucht entzog. Meine Frau und ich fanden Gefallen an der kleinen Esther, nahmen sie aus dem Waisenhaus und adoptierten sie. Wir ließen sie taufen. Gewiß muß ich das alles noch Esther erzählen. Aber das hat Zeit. Für meine Pflicht habe ich's gehalten, Sie zu informieren... Da meine Frau und ich davon überzeugt sind, daß Sie unsere Esther glücklich machen, so geben wir Ihnen das Jawort....! Glauben Sie mir..... jetzt fühle ich mich erleichtert.....!' Ich erwiderte Herrn Randau, daß es für mich bedeutungslos sei, ob Esther jüdische oder andere Eltern gehabt hätte, ich heirate keine Religion, sondern eine Frau, und da ich nun sein Jawort habe, möchte ich ihm noch beichten, daß Esther und ich uns schon längst einig seien. Die Verlobung soll Pfingsten stattfinden..... Wir trafen die Damen im Eẞzimmer. Esther fiel mir um den Hals und weinte. Auch Frau Randau weinte und sogar ihr Gatte hatte Tränen in den Augen. Meine Eltern schliefen schon, als ich spät nach Hause kam., Bald werde ich sie mit meinem Heiratsplan erfreuen' dachte ich ,, vorerst sag' ich's den Schwestern, wenn wir uns morgen bei Hilde meine älteste Schwester -- treffen.' Ich s Johann: Ausruf Der bis ins Mein Geschw die Elt sei. Im über d waren Sch daraus , Edg Du ein das ist Ich Fräule jetzt m Ein In glücklichster Stimmung ging ich zu Bett. Ich malte mir aus, wie alle mein Glück mit mir teilen würden. Am anderen Abend ging ich zu meiner Schwester Hilde, die einen Arzt geheiratet hat. Dort traf ich meine beiden anderen Schwestern, Agnes und Irene, ohne ihre Männer( der eine ist Rechtsanwalt, der andere Professor der Chemie). Ich konnte es kaum erwarten, Hilde, Agnes und Irene alles zu erzählen, was mein Herz bewegte. , Eine Jüdin?' bemerkte Irene.-, Wenn das unsere Eltern hören, werden sie davon nicht so sehr erbaut sein. Du solltest Dir das noch einmal gründlich überlegen.... Deine Schwäger bringen erst recht kein Verständnis dafür auf; die sind doch alle drei etwas antisemitisch. 52 Vater. Morge bespre Bis Ich er weilte Ac wird nichts Candau die Auch Vater wird es mißbilligen... Wir sind eigentlich alle gegen die bevor ich nicht einJuden.... Schade, daß sie eine Jüdin ist.' , Gott', sagte meine Schwester Hilde,, so uneingeschränkt möchte ich das keinesfalls von mir behaupten...; ich habe viele jüdische Freundinnen und Freunde,.... aber verheiratet möchte ich mit keinem Juden sein...... Juden und Christen passen schwerlich zusammen, und später, wenn erst Kinder da sind, rächt sich das... Wer ist übrigens ihr jüdischer Vater?', Das weiß ich nicht', mußte ich gestehen. ofa Platz.. e als kaum enhagener ht entzog. ahmen sie en. Gewiß ere Esther auben Sie Os sei, ob eine Relimöchte ich nig seien. den Hals te Tränen am., Bald ,, vorerst - das ist aus, wie die einen hwestern, walt, der en, Hilde, ...... ern hören, das noch erst recht semitisch. .Das ist ja kaum zu glauben!..... Ich sagte zögernd:, Sie war ein uneheliches Kind. Ihre Mutter hieß Johanna Levi.' Das Schweigen, das folgte, wurde durch den höhnischen Ausruf von einer der drei Schwestern unterbrochen: Auch das noch aus dem Stamme Levi-- Gott oh Gott, ein schönes Gemisch Norgam Levi.' - Der Zorn packte mich. Eine erregte Auseinandersetzung folgte und, bis ins Innerste aufgewühlt, ging ich nach Hause. Meine Eltern erwarteten mich. Sie waren schon informiert. Meine Geschwister hatten inzwischen angerufen, weil sie in Ängsten waren, die Eltern würden sich mehr aufregen, als wegen der, Jüdin' notwendig sei. Im übrigen gaben sie zu verstehen, daß alle drei Schwiegersöhne über die Zumutung, eine Jüdin als Schwägerin zu akzeptieren, empört waren. , Schlag' Dir die Sache aus dem Kopf. Solange ich lebe, wird nichts daraus, sagte mein Vater kurz und bündig. , Edgar, was werden die Leute dazu sagen, wenn sie erfahren, daß Du eine getaufte Jüdin heiratest?' warf meine Mutter zaghaft ein. Ich wehrte ärgerlich ab:, Das geht niemanden etwas an! Ist übrigens Fräulein Randau durch die Taufe keine Christin geworden?' fragte ich jetzt noch. - - , Ein Jude bleibt ein Jude, getauft oder nicht erwiderte mein Vater., Ohne die Töchter und deren Männer wird nichts beschlossen. Morgen Abend, wenn wir alle beisammen sind, werden wir die Sache besprechen. Bis gegen vier Uhr früh wälzte ich mich schlaflos im Bett herum. Ich erwachte erst gegen Mittag. Da mein Vater bereits in seiner Fabrik weilte, war ich mit meiner Mutter allein. , Ach Edgar, fasse keine voreiligen Beschlüsse! Laß Dir Zeit, es wird sich schon ein Weg finden. Du wirst alles viel klarer sehen, tu' nichts gegen den Willen Deiner Familie! Wie viele gute, brave und liebe 53 Mädchen unserer Religion gibt es, unter denen Du sicher eine passende Frau finden könntest.' , Mutter, ich habe doch bereits ein solches Mädchen gefunden.. gab ich zur Antwort. , Edgar, heute Abend, wenn Deine Schwestern mit ihren Ehemännern kommen, besprechen wir das. Wir alle wollen Dein Glück." Der Abend kam. Die Familie war versammelt. Keiner sprach ein Wort, bis endlich meine Schwester Agnes das Eis brach:, Na, verliebtes Brüderlein, wie weit bist Du in Deinem Unverstand mit dieser Esther Levi gekommen? Hast Du Dir die Sache überlegt?" - Ich verbat mir jede anzügliche Bemerkung, ich würde sonst das Zimmer verlassen. Einer der Schwäger sagte, man wollte mich ja nicht verstimmen, aber schließlich müsse doch jemand zu sprechen anfangen. , Wenn es nach mir ginge', erwiderte ich ,, würde diese antisemitische Versammlung keineswegs stattfinden.' ,, Mein Vater lenkte ein, ich sollte nichts von dem, was gesagt werde, tragisch nehmen; denn wir wären keinesfalls zusammengekommen, um uns das Leben gegenseitig zu erschweren. Wir wollten gemeinsam nach einem Ausweg suchen, der es mir ermöglichen könnte, von dem Mädel lcszukommen. Wenn es etwas Geld koste, so wäre das weiter keine wichtige Sache... Vielleicht eine kleine Reise...?" Fuchsteufelswild wehrte ich entschieden ab: , Das kommt überhaupt nicht in Frage! Übrigens ist Esther Randau Christin; sie ist seit ihrem zweiten Lebensjahr getauft. Aber ich würde sie zu meiner Frau wählen, selbst wenn sie Jüdin wäre!" Hilde mischte sich in unser Gespräch:, Ich bin der Ansicht, daß man den Juden die Taufe verweigern sollte.' , Hilde, Du sagst das ernstlich?' Maria Hilde Nein Wen , Der Also , Edga zum CH Wel , Den , Als lichen Das Jaw ... Sei den H nur zu Edg setzen Das sichteWi mein , Da ihn di Feldh , Ab urteilt , Ge sich noch Dann bist Du auch gegen unseren Heiland Jesus Christus! Was anderes war er, als ein getaufter Jude?' , Edgar, das ist dummes Geschwätz!" Selbs Un Un , Nur für Dich und alle, die so denken wie Du, Hilde. Berechtigten Fragen weicht nur derjenige aus, der keine Antwort zu geben weiß oder feige ist. War Jesus ein Jude oder war er keiner......?' , Ja, aber Gott hatte ihn schon lange vor seiner Geburt als Gottessohn bezeichnet. Wie hieß seine Mutter?" Jesus Anza - h dann alle Freu , Jawohl! Wenn Du es noch einmal hören willst, dann wiederhole ich es. Ich bin absolut gegen getaufte Juden.' 54 Dassende| *funden,.| "Männern ein Wort, dies Bri. ther Leyj| rde sonst ‘Stimmen, emitische st werde, Imen, um sam nach m Mädel ter keine 'h würde daß man iederhole Christus! echtigten en weiß - ‚Maria.‘ ‚Hilde, war Maria eine Heidin?‘ ‚Nein... Um Gottes Willen, Edgar, was fällt Dir ein...?‘ ‚Wenn Maria keine Heidin war, welcher Religion gehörte sie dann an& Der... dus 2°.; jüdıselien.....: ‚Also war sie eine Jüdin.‘ ‚Edgar, aber durch die Vorsehung Gottes wurden doch viele Menschen zum Christentum bestimmt. ‚Welchen Gott meinst Du, Hilde?‘ ‚Den christlichen.....; ‚Als Jesus geboren wurde, gab es noch keinen sogenannten christ- lichen Gott. Damals war er nur der Gott der Juden. Ihr einziger Got ‚Das ist nur eine Spiegelfechterei, Edgar. Gott ist doch überall.‘ ‚Jawohl, aber Jesus wollte auf keinen Fall das Judentum auslöschen, ... Seine Absicht war, die jüdische Religion zu reformieren; bevor er den Heiden predigte, um ihnen die Lehre Gottes beizubringen, redete er nur zu dem Volke Israel.‘ ‚Edgar, ich habe wirklich keine Lust, das sinnlose Gespräch fortzu- setzen.‘ ‚Das glaube ich Dir. Du und Ihr alle werdet nie zugeben, daß Eure An- sichten dem Sinn der christlichen Lehre widersprechen.‘ ‚Wie dem auch sei, die Juden haben später Jesus ermordet‘, warf mein Schwager, der Arzt, ein. ‚Das ist eine Lüge. Die Juden haben ihn verurteilt, hingerichtet haben ihn die Römer. Wer Geschichte gelesen hat, weiß, daß Pilatus,— ein Feldherr Roms, und kein anderer Jesus an das Kreuz schlagen ließ.‘ ‚Aber Edgar, sagtest Du nicht selbst, daß die Juden ihn zum Tode ver- urteilten?‘ ‚Gewiß, das taten sie, in Befolgung ihrer damaligen Gesetze, die sie sich selbst, gar oft zu ihrem Schaden, falsch auslegten. Außerdem,— noch heute gibt es Völker, die sich der Blutrache bedienen.. Jawohl... Selbst in Europa noch.‘ ‚Und wer lästerte Jesus? Waren das vielleicht keine Juden.....?‘ ‚Unsinn.. Die römischen Soldaten lästerten, beleidigten und quälten Jesus zum Ergötzen des niederen Volkes. Die Juden, wenigstens eine Anzahl der Vornehmen unter ihnen, verehrten Jesus. Ja, hört gut zu— —_ hätte diese geringe Zahl nicht die Lehre Jesus’ weiterverbreitet, dann wäre keiner von Euch jemals im Leben ein Christ geworden. Ihr alle würdet noch im Stadium des Heidentums sein, oder Ihr wäret mit Freude im Judentum gelandet. Ihr seid arme Geschöpfe, die Gott vorzu- 55 - spiegeln versuchen, seine guten Kinder zu sein. Dabei aber entehrt Ihr durch Haß, Verachtung, Zorn, Neid, Gewalt das von Jesus gewollte heilige Christentum. Anstatt ihm mit Lob und Preis zu danken, verschanzt Ihr Euch durch unchristliches Benehmen hinter dem wahren Christentum. Nehmt die Masken ab! Ihr seid keine guten Christen. Gottes- und Christuslästerer seid Ihr, wobei ich mir nicht im Klaren bin, ob aus Bösartigkeit oder Mangel an Einsicht.... Ja, wenn Ihr so christlich sein möchtet, wie Ihr sonntäglich in der Kirche mit dem Gebetbuch in der Hand vor Gott heuchelt, dann wäret Ihr wahrlich fromme Christen. Solange Ihr aber auf dem Recht besteht, daß nur Ihr vollendete Geschöpfe Gottes seid, Euch auf Stammbaum und Rasse bezieht, bleibe ich felsenfest davon überzeugt, daß das Christentum auf Gottes Erde zugrunde gehen müßte, wenn es nicht durch Millionen und aber Millionen frommer Christen erhalten würde, die keinen Unterschied in der Bewertung des Menschen auf konfessioneller Basis zulassen und daran festhalten, daß der Mensch im Ebenbilde Gottes geschaffen ist.' , Es gibt eigentlich keinen Gott der Juden, der Christen, der Heiden- wie das viele Menschen glauben... Nur einer gilt.....! Der aber läßt sich von niemanden täuschen, von keinem Juden, von keinem Christen und von keinem Heiden, der keine andere Ahnung von dem wahren Gott haben kann, als die des unsicheren Gefühls, das er falsch auslegt und beim Gebet zu seinen Göttern, an die er glaubt, anwendet. Ich gehe zwar nicht so oft in die Kirche wie Ihr, aber dafür stelle ich mich weniger lügenhaft zu diesen Problemen. Ich verabscheue Heuchler aus tiefster Seele, die Gott und Jesus stets im Munde führen, aber teuflisch handeln. Wer die Schmach sät, wird die Schande ernten... Ehe es zu spät, denkt nach...... , Und nun zur Frage: Warum ich nach Eurer Ansicht Esther Randau nicht heiraten soll. Lieber Vater, sei so gut, und sag' mir Deine Gründe, ohne Dich dem Einflusse meiner Herren Schwäger zu unterwerfen, die sich später selbst äußern können.' , Ich will doch nur das Beste für Dich, Edgar, oder zweifelst Du daran?" , Lieber Vater, die Frage ist, bist Du gegen meine Heirat mit Fräulein Randau?..... Ja oder nein?' , Edgar, alles, was Du vorhin sagtest, war eine schöne Theorie; sie ist aber in der Praxis nicht anwendbar. Wir können uns nicht anders machen, als wir sind. Gewiß sind Juden und Heiden auch Menschen. Auch Katholiken und Protestanten sind Menschen. In Bezug auf Religion sind sie so verschieden, daß Ehen zwischen ihnen doch weniger vorkommen, als man denkt. Man muß den Andersgläubigen keineswegs hassen, auch 56 wenn m außerde hätte ni geschwe , Du ha geweser Edga Deinen Konsequ sonders von ihr! Siebe Mein Seite? , Ich k Kind, d Herr, 1: Seele', seid so Fleisch Vate vernün Einer Kind m und To Jüdin Z Die Schwe solidar Schein Verz Tags käufe zugetr und fra Wa Ja'. Ed Das ntehrt Ihr gewollte ken, ver1 wenn man ihn weder heiraten kann noch will. Bei den Juden spielt außerdem das Rasseproblem mit. Sie sind doch ganz anders als wir. Ich hätte nie in meinem Leben daran gedacht, eine Katholikin zu heiraten, wahren geschweige denn eine Jüdin.' Christen. laren bin, 50 christebetbuch me Chridete Get, bleibe Etes Erde Millionen Bewerran festHeidenaber läßt Christen wahren auslegt Ich gehe weniger tiefster handeln. t, denkt Randau Gründe, fen, die daran?' Fräulein ; sie ist ers man. Auch on sind Commen, n, auch .Du hättest also Mutter nicht gemocht, wenn sie keine Protestantin gewesen wäre?' , Edgar, diese Frage kommt Dir nicht zu! Auf der Stelle sprichst Du Deinen Verzicht aus, Fräulein Randau zu heiraten oder ich werde die Konsequenzen ziehen. Was das heißt, brauche ich Dir wohl nicht besonders zu erklären. Bitte beachte meinen väterlichen Rat und laẞ ab von ihr! Wer von der Familie meiner Ansicht ist, erhebe seine Hand.' Sieben Hände erhoben sich. Meine Schwester Irene wandte sich an Mutter:, Bist Du auf Edgar's Seite? Hast Du nicht mit abgestimmt!... -- , Ich kann einer solchen Abstimmung keine Folge leisten, weil ich ein Kind, das ich geboren habe, um dessentwillen ich zu Gott betete: , Herr, laß das Kind gedeihen mit gesunden Gliedern, normal an Leib und Seele', behalten will. Ich kann und will nichts anderes..... Ihr alle seid so rasch bei der Hand im Aufgeben eines Wesens, das vom selben Fleisch und Blute ist. Habt Ihr kein Herz?' Sie weinte und schwieg. Vater klopfte ihr begütigend auf die Schulter und sagte:, Edgar muß vernünftig sein..... Einer meiner Schwäger stand auf und erklärte ganz energisch:, Ein Kind muß geopfert werden; die Mutter hat die Wahl zwischen Sohn und Tochter, die meine Frau ist. Oder Edgar muß darauf verzichten, die Jüdin zu heiraten.' Die beiden anderen Schwäger stimmten ihm zu. Vater nickte. Die Schwestern umarmten ihre Männer, zum Zeichen, daß sie sich mit ihnen solidarisch erklärten. Das Urteil war gefällt..... Und keineswegs zum Scheine.... Verzweifelt verließ ich das Zimmer. Tags darauf ging ich zu Randaus. Esther war ausgegangen, um Einkäufe zu machen. Ich erzählte Herrn und Frau Randau alles, was sich zugetragen hatte. Als Esther zurückkehrte, begrüßte sie mich herzlich und fragte: , Waren Deine Eltern überrascht?" , Ja', erwiderte ich. , Edgar... auch glücklich..?" , Das wäre zuviel gesagt, Esther.' 57 Als sie an unseren Gesichtern das unruhige Spiel der Mienen gewahrte, da fragte sie Herrn Randau, ob etwas nicht stimme. , Der Stein ist im Rollen', sagte er zu Esther und klärte sie über alles auf. Auch darüber, was ich berichtet hatte. Es war gut; denn sonst wäre es ihr vermutlich durch andere Leute zugetragen worden. Meine Familie hätte bestimmt dafür gesorgt, der, Jüdin', die ihren Sohn, Bruder und Schwager entführen wollte, etwas am Zeug zu flicken.. Nachdem Herr Randau mit der Wiedergabe des Berichtes zu Ende war, schien Esther sehr gefaßt, äußerlich zumindest. Auf meine Zusicherung hin, daß mich das alles unbeeinflußt lasse, ergriff sie zärtlich meine Hand und sagte: , Edgar, ich werde Dich nie vergessen, aber nach dem, was vorgefallen ist, will ich Dich nicht heiraten. Meinetwegen sollst Du weder Vater noch Mutter aufgeben, auch keine Deiner drei Schwestern. Diese Liebe mußt Du mir erweisen. Gedanklich wollen wir eine hohe Mauer zwischen uns aufbauen, die weder von Dir noch von mir überstiegen werden soll., Verzicht' laß uns ihr den Namen geben!, Verzicht' schließen wir in unsere Gebete ein....., Verzicht' sollten wir denken, wenn wir uns niederlegen und wenn wir uns erheben.' Dann ging sie in ein Nebenzimmer, dort kniete sie nieder und betete laut: , König der Könige, ich rufe Dich an, erhöre meine Stimme. Durch Deine Allmacht kam ich in ein christliches Haus, wo Güte, Liebe und Frömmigkeit herrschen und wo ich im wahren christlichen Geiste erzogen wurde. Ich wußte nicht, daß ich von Geburt eine Jüdin bin. Nun, da ich es weiß, danke ich Dir, Allbarmherziger, aus tiefstem Herzen für das, was Du mir widerfahren ließest. Behüte meine Pflegeeltern, gib ihnen Gesundheit und Frieden; denn sie sind wunderbare Menschen und gute Christen. Weiter, o Allgütiger, bitte ich Dich um das Wohlergehen des Mannes, der mein Herz besitzt. Mache ihn stark, damit ihm der Verzicht auf mich leicht werde. Auch mir gewähre die Gnade, mit dem Verlust ohne Seelenstörungen fertig zu werden. Lasse Edgar eine andere Frau finden, die ihn glücklich macht. Vater der Welt, ich, die einst jüdische Waise, die jetzt als Christin zu Dir spricht, bittet Dich um das, blutenden Herzens. Amen." Zu uns, die sie in Tränen fand, kam sie gefaßt zurück... Keiner sprach ein Wort..... Nach einer Weile brach Esther das Schweigen:, Jetzt, da nun alles aufgeklärt ist, werden wir am besten tun, wie vernünftige Menschen zu handeln... Ich fie habe das meine B Esther Edgan liebevol dem D Schwör sen such deinetw brauche schluß, lung he Dara aus, eine Sc Dort ve Als C plagte ertrage milie, war, in New Dänen Brücke meiner Gründ mich i die Le schen sehr. stimm der al lust, s Dam der an den K transp rück. 58 gewahrte, Ich fiel ihr ins Wort:, Herr und Frau Randau, bitte helfen Sie uns! Ich habe das Gefühl, als wären Sie mir nahe verwandt. Meine Angehörigen, über alles meine Blutsverwandten habe ich in dieser Stunde aufgegeben." onst wäre Meine Fa, Bruder zu Ende lasse, erorgefallen Her Vater ese Liebe auer zwigen werschließen wenn wir nd betete e. Durch Liebe und Geiste erbin. Nun, erzen für tern, gib schen und Wohleramit ihm made, mit dgar eine ich, die ttet Dich er sprach nun alles schen zu Esther unterbrach mich: , Edgar, wenn Du mich liebevoll nanntest Deine Esther, wie Du mich immer so jemals geliebt hast, beweise es mir erneut, indem Du unser Haus verläßt und zu Deinen Leuten zurückkehrst. Schwöre mir, daß Du in Zukunft stark zu bleiben und mich zu vergessen suchst, mit Dir kämpfen willst..... Solltest Du jedoch, was ich deinetwegen nicht wünsche, zu irgendeiner Zeit als Kranker Pflege brauchen, so lasse mich rufen..... Ich komme..... Es ist mein Entschluß, Diakonissin zu werden, deren oberstes Gesetz.... Pflichterfüllung heißt. - Daraufhin verließ ich das Haus der Randaus. Jetzt lieh ich mir Geld aus, das ich erst nach einigen Jahren zurückerstatten konnte,- nahm eine Schiffskarte nach Amerika, wo ich am 16. Februar 1912 landete. Dort versuchte ich, alles zu vergessen. - Als Geschirrwäscher, Nachtwächter, Gartenarbeiter, Laufbursche.... plagte ich mich, meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Vieles habe ich ertragen und gar oft Not sowie Verzweiflung kennengelernt. Meine Familie, die inzwischen ermittelte, daß ich nach Amerika ausgewandert war, versuchte wenn auch vergebens- durch den dänischen Konsul in New York meine Adresse ausfindig zu machen. Von einem jungen Dänen, mit dem ich mich anfreundete, erfuhr ich es. Da ich aber alle Brücken mit Europa abgebrochen hatte, wollte ich, daß dort niemand meinen Aufenthalt erfahre... Das, mein lieber Karl, war einer der Gründe, warum ich Dir nicht mehr schrieb... Einige Jahre trieb ich mich im Lande umher. Mit der Zeit gewöhnt sich der Mensch auch an die Lebenshärte und Verbitterung. Ach, wie oft dachte ich:, Viele Menschen sind doch so glücklich; nur ich nicht. Auch unter Heimweh litt ich sehr. Trotzdem, der Stolz hielt mich aufrecht....! Meine Miẞstimmung wuchs noch, als ich eines Tages meinen Landsmann verlor, der als Lastkraftwagenführer tödlich verunglückte. Durch diesen Verlust, so schien es mir wenigstens, ging ein Stück Heimat von mir. - - Dann kam der erste Weltkrieg. Ich meldete mich 1917 freiwillig bei der amerikanischen Armee, in der ich bis zum Major avancierte. Bei den Kämpfen in Frankreich wurde ich schwer verwundet. Nachdem ich transportfähig war, brachte man mich nach den Vereinigten Staaten zurück. 59 - In den amerikanischen Verlustlisten,- die auch im dänischen Konsulat auslagen, fand man meinen Namen.... geboren am 19. September 1885. Auf Grund weiterer Nachforschungen stellten sie dort fest, daß der Verwundete und der Gesuchte ein und derselbe war.... Da ich aber verhindern wollte, daß meine Familie etwas von dem verschollenen Sohne erfahre, bevor Esther die Adresse hatte-- Krankenschwester, folgendes Telegramm aufzugeben: ,, ESTHER RANDAU-- GROININGEN 172 KOPENHAGEN DÄNEMARK. WENN DU DICH NOCH DEINES VERSPRECHENS ERINNERST, DANN KOMME ZU MIR. BIN SCHWER VERWUNDET, BRAUCHE DEINE PFLEGE. Esther kommer Kriegsre Meine ven beg Wenn bat ich die Tag L schlecht Eines Herr M ter; dem Wort den Arm Nach ARMY HOSPITAL, KEW GARDENS, L. I. N. Y." Eine Woche später traf die Antwort ein: ,, DEINE HART GEPRÜFTE IST WIEDER GLÜCKLICH. ABFAHRE SOBALD ALS MÖGLICH. NÄCHSTES SCHIFF FÄHRT VORAUSSICHTLICH IN ZEHN TAGEN. INNIGSTE WÜNSCHE Am selben Tage erhielt ich noch ein anderes Telegramm... Von einem Herrn, den ich früher einmal Schwager nannte: EDGAR NORGAM MAJOR gütiger Edga überwa Nachde ..So, hätte ic Ber erfüllte „ Am ESTHER." etwas stieß. Tag Esthers Bescheid machte mich wieder lebensfroh. Täglich telegraphierte ich ihr, weil Schreiben keinen großen Zweck hatte, da Briefe während des Krieges oft monatelang unterwegs blieben." ,, Und Deinem Schwager?" fragte jetzt der Professor. ,, Ihm sandte ich ein Telegramm etwa folgenden Inhalts:, Seit dem 1. Februar 1912, dem Tage meiner Einschiffung nach Amerika, habe ich jegliche Verwandtschaft aufgegeben, und dabei soll es in Zukunft bleiben. Danach habe ich alle die Jahre hindurch nichts mehr von meinen Leuten gehört. 60 sere ten n litten Ja, Ich la ,, WIR SIND STOLZ AUF UNSEREN AMERIKANISCHEN MAJOR. WÜNSCHEN BALDIGE GENESUNG UND VIEL GLÜCK. IM NAMEN ALLER Esth Kontal zähler PROFESSOR KNUT WALCH." mit. D Ableb wiede kanns Wi sie jen hen Kon19. Sepdort fest, ..Da ich erscholleat ich die ECHENS CHWER ORGAM OR CKLICH. CHSTES HN TASTHER." on einem ISCHEN G UND ALCH." telegraa Briefe t dem 1. habe ich nft bleimeinen Esther telegraphierte mir bald, daß sie Platz auf der ,, Furchtlos" bekommen habe, Tag und Stunde der Ankunft aber nicht angeben könne. Kriegsrecht verbot das in U.S.A. Meine Wunden machten mir allerhand zu schaffen, und meine Nerven begannen, mich im Stich zu lassen. Die Oberschwester scherzte: Wenn erst Fräulein Esther hier ist, wird es Ihnen viel besser ergehen." Tag um Tag verging, mein Zustand war manchmal besser, manchmal schlechter. Eines Tages kam die Krankenschwester an mein Bett und flüsterte: , Herr Major, für Sie ist Besuch hier, wenn Sie..." Sie sprach nicht weiter; denn der Besuch' trat inzwischen ins Krankenzimmer..... Esther! Worte können unser Wiedersehen nicht schildern. Wir lagen uns in den Armen. Die Krankenschwester verließ das Zimmer.... —-Nach langem Schweigen sagte Esther:, Edgar, Gott ist doch allgütiger, als der Mensch ahnen kann."" Edgar Norgam schien, obwohl dies Jahrzehnte zurücklag, von Gefühlen überwältigt, als er von diesem Wiedersehen sprach. Erst nach einigem Nachdenken meisterte er seine innere Aufwallung. ,, So, Karl, jetzt habe ich aber genug erzählt! Ohne mein Tagebuch hätte ich mich doch nicht mehr an alles so genau erinnern können." ,, Berichte doch weiter", bat Professor Weber... und der Amerikaner erfüllte seines Freundes Wunsch. ,, Am ersten Tag blieb sie ungefähr vier Stunden bei mir, dann täglich etwas länger was natürlich gegen die Spitalbestimmungen verstieß. Aber Not bricht Gesetze, und Not war's.--Herzensnot. Wochen Tage vergingen Esther war nach meiner Abreise nie mit meinen Leuten in irgendeinem Kontakt gewesen, darum konnte sie mir nichts von deren Geschick erzählen. Natürlich teilte sie ihnen auch kein Wort von ihrer Reise zu mir mit. Daß Esther ungefähr ein Jahr zuvor durch eine Zeitungsnotiz vom Ableben meiner Mutter erfahren hatte, sagte sie mir erst, als ich mich wieder kräftiger fühlte. Diese Nachricht gab mir, wie Du Dir denken kannst, einen gewaltigen Schock. Wir machten Pläne... und es galt als beschlossen, daß Esther, wenn sie jemals wieder nach Europa fahren sollte, so nur als meine Frau. Unsere Trauung fand vier Monate nach ihrer Ankunft statt. Randaus konnten nicht kommen, da Herr Randau kurz vorher einen Schlaganfall erlitten hatte, von dem er noch nicht genesen war. Ja, die Hochzeitsfeier hatten wir uns früher einmal anders vorgestellt. Ich lag bis Ende 1918 im Spital, dann wurde ich zur häuslichen Pflege 61 entlassen. Obgleich uns nur ein Zimmer zur Verfügung stand, lebten wir ,, Du ha doch glücklich und zufrieden. Wegen der damaligen Devisenbestimmun- habe stum gen durfte Esther nur einen kleinen Geldbetrag mitbringen. Ihren Schmuck wollten wir nicht verkaufen. So mußten wir mit unseren Ansprüchen sehr bescheiden sein. Trotzdem, der Welt hätte ich getauscht... Heute - mit keinem König in Edgar ,, Wer „ Das is Nach e Als ich vom Staat, anstatt einer Pension, eine Abfindung von vierzehn- waffe... tausend Dollar erhielt, pachtete ich eine Farm, die ich später käuflich erwarb und nach mehreren Jahren-- als man dort Ölquellen vermutete„ Dein S - mit beträchtlichem Gewinn wieder loss hlug. Am ersten Weihnachtstag des Jahres 1919 wurde unser Sohn Eric geboren... Damit bist Du sozusagen auf dem laufenden, Karl, und ich hoffe, Du wirst jetzt mein jahrelanges Schweigen verstehen und verzeihen." ,, Nein, Edgar, so leicht mache ich Dir's keinesfalls. Warum hast Du mir nicht einmal geschrieben, nachdem Deine Frau angekommen war?" ,, Um die Wahrheit zu sagen ich wollte gelöste Freundschaften nicht erneuern. Und ich muß noch etwas gestehen.... Ich habe damals die Deutschen wütend gehaßt... Karl, es ist unglaublich, was wir alles wegen der in Frankreich und Belgien begangenen deutschen Greueltaten zu hören und zu lesen bekamen." ,, Ich wundere mich, daß Leute wie Du so etwas glaubten, Edgar..... Die feindliche Presse hat Barbaren aus uns gemacht. Wir Deutschen sind........" ,, Karl... Karl..." ,, Edgar, Du läßt mich ja nicht aussprechen." ,, Ich schweige lieber, um kein trübes Bild aufkommen zu lassen Karl." ,, Die Wahrheit kannst Du ruhig sagen, mein Freund, ich vertrage sie." ,, Karl, hast Du vergessen, welche furchtbaren Greuel die Deutschen in der Hitlerzeit verübten? Ließen etwa Hitler und seine Trabanten alle Verbrechen durch wilde Menschen entlegener Inseln ausführen, oder waren es Deutsche, die zu Vollstreckern seiner höllischen Pläne wurden?" Betroffen schwieg der Gelehrte. Edgar Norgam bedauerte den Schmerz, den sein Freund empfand. Daher sagte er:„ ,, Karl, ich bin überzeugt, es gibt viele Millionen Deutsche, die so rechtschaffen und gütig sind wie Du.... Verallgemeinern, wäre abwegig...." leid, Kam „ Nein, tionslage Du w ..Drei ,, Ihr h „ Ich h zur AntFrau ans Nac ,, Scho Bleibe ,, Was ,, Also Frau Norgan Ihrer F wohner Frau geleger Nun wort g Norgan schriet nes Ma frau de - hat zu „ Ein ,, Ich bin froh, daß Du so denkst, Edgar.... Lasse uns nun zu unseren Frauen und zu Deinem Sohn hinuntergehen." 62 ist sof lebten wir ,, Du hast mir aber noch gar nichts von Dir erzählt, Karl!--- Ich estimmun- habe stundenlang nur von mir gesprochen." zen. Ihren seren AnKönig in vierzehn auflich ervermutete Eric gehoffe, Du en." ast Du mir war?" dschaften De damals wir alles reueltaten Edgar..... Deutschen sen Karl." rage sie." tschen in anten alle ren, oder en Pläne empfand. en Deuteinern,- unseren ,, Heute ist es zu spät geworden. Wir holen das ein anderes Mal nach." Edgar deutete auf eine Photographie an der Wand. 99 Wer ist das?" ,, Das ist ein Bild meines Sohnes. Er fiel als Offizier der deutschen Luftwaffe.... Wofür?...." Nach einigem Schweigen sagte Edgar Norgam aus tiefstem Mitgefühl: Dein Schn starb im Glauben, seine Pflicht getan zu haben. Mein Beileid, Karl....." ,, Nein, Edgar, er starb im Bewußtsein, daß sein Vater im Konzentrationslager mißhandelt wurde," erwidert Professor Weber verbittert. ,, Du warst im Konzentrationslager?" ,, Drei lange Jahre, mein lieber Edgar." ,, Ihr habt Euch aber lange unterhalten", sagte der junge Hauptmann. ,, Ich hätte ihm noch viel länger zuhören können", gab Professor Weber zur Antwort. Frau Norgam erhob sich: ,, Aber jetzt müssen wir, so leid es mir tut, ans Nachhauseġehen denken...." ,, Schon so zeitig, am allerersten Abend?" protestierte Frau Weber. ,, Bleiben Sie doch....." ,, Was meinst Du, Edgar?" ,, Also noch ein Viertelstündchen." Frau Weber warf einen Blick auf ihren Mann und sagte zu Edgar Norgam: ,, Sie sind doch ein Freund Karls.... Bitte, machen Sie uns mit Ihrer Frau die Freude, während Ihres Marburger Aufenthaltes bei uns zu wohnen." Frau Norgam wehrte höflich ab. ,, Das geht zu weit.... So viele Ungelegenheiten...." Nun griff Karl Weber ein: ,, Ich sehe schon--- ohne ein Machtwort geht es kaum ab." Mit markierter Amtsstimme sagte er:„, Edgar Norgam, der seinem guten Freunde Karl Weber seit 1912 nicht geschrieben hat, wird trotz mildernder Umstände verurteilt, während seines Marburger Aufenthalts bei Webers Wohnung zu nehmen. Die Ehefrau des Verurteilten, die das Vergehen ihres Gatten teilweise billigte, hat zur Strafe das Los ihres Gemahls zu teilen." ,, Eine Berufung gegen dieses Urteil gilt als ausgeschlossen. Die Strafe ist sofort anzutreten." 63 ,, Was sagst Du jetzt, Esther?" fragte Edgar schmunzelnd. ,, Ich weiß nicht, was ich sagen soll, Edgar." ,, Aber ich.... Wir nehmen die Strafe an." ,, Gut, dann werden wir morgen mit Sack und Pack erscheinen." ,, Oh, nein, Frau Norgam, Sie bleiben gleich hier." Am fol nicht wie Frau Nor Frau We Wir haben doch nicht einsie verhi Lächel unddreißi ,, Kar ,, Das s Männer!' Alle dr Ein Te ,, Wie sollen wir denn das machen?- mal einen Waschlappen mit..." ,, Den werden Sie bald bekommen, Frau Norgam. Herr Hauptmann", wandte sich Frau Weber an Norgam junior ,,, wollen Sie bitte die Güte haben ,, Sack und Pack' hierher zu bringen, damit es den Häftlingen an nichts mangelt." Eric Norgam fuhr nach Hause und tat, wie Frau Weber es ihm aufge- besonder tragen hatte. Das Schlafzimmer für die Gäste wurde hergerichtet. Frau Norgam ließ es sich nicht nehmen mitzuhelfen, so daß alsbald alles für die erste Nacht im Hause der Freunde bereit war. * ,, Das sind prächtige Menschen, Karl", sagte Frau Weber, nachdem Edgar und Esther den Gastgebern gute Nacht gewünscht hatten. ,, Das will ich meinen!" Nun erzählte er ihr im Wesentlichen, was Edgar ihm berichtet hatte. ,, Das klingt wie ein Roman... Ich bin so froh, daß sie unsere Gäste sind. Hoffentlich wird es ihnen gefallen.... Das hast Du aber fabelhaft gemacht... Eine wunderbare Idee, sie einfach zum Bleiben zu, verurlen'! Du Gesetzkenner, Du......" ,, Frau, bei uns haben sie es doch wirklich bequem; ich glaube, daẞ beide sehr gerne geblieben sind. Auch, daß Eric sein Zimmer behalten konnte, freute sie." ,, Nun bin ich aber sehr müde. Es ist fast ein Uhr. Zum Glück hast Du morgen keine Vorlesung... Erst in zwei Tagen wieder." ,, Na ja.“ ,, Was meinst Du damit, Karl?" ,, Laß mich nur erst mal selbst mit mir ins Reine kommen, Erna.... Du wirst dann die erste sein, mit der ich darüber spreche.... Aber nun frag' weiter nicht....." Trotz aller Eindrücke, die auf sie eingestürmt waren, schliefen beide sofort ein. * Seine Mu den Ans mit seine „ Gutem Bette sc „ So is Komm wir unse ,, Gut. „ Gern " Etwas gang du erst kam bethenki Sie besi Norgam drüben dem, vie Andere, mächtig Frau Sie s schlage die Syr die Gru „ Das doch sc 64 men." nicht einuptmann", e Am folgenden Morgen, nach dem Frühstück, las Professor Weber nicht wie sonst seine Zeitungen. Er unterhielt sich mit Edgar Norgam. Frau Norgam unterbrach die beiden Herren sie kam, um sich über Frau Weber zu beklagen, die sie aus der Küche gedrängt hatte, weil sie verhindern wollte, daß Esther sich abarbeite. Lächelnd sagte der Professor:., Oh, ich kenne meine Frau schon fünfunddreißig Jahre.... Sie duldet keine Widerrede...“ ,, Karl, glaubst Du, meine wäre nicht genau so?" ,, Das stimmt", fiel Frau Norgam scherzend ein, ,, Ihr armen, armen die Güte Männer!" tlingen an hm aufgeAlle drei lachten herzlich. Ein Telefonanruf: Eric Norgam erkundigte sich nach dem Wohle aller, besonders, wie seine Eltern die erste Nacht in Marburg verbrachten. Seine Mutter antwortete, daß sie wunderbar geschlafen hätten und von Orgam ließ den Anstrengungen der Reise erholt seien. Eric wollte nun auch noch rste Nacht mit seinem Vater sprechen ihm persönlich die Zeit bieten. ,, Guten Morgen, Eric, gelt, Du warst sehr froh, Daß Du in Deinem Bette schlafen konntest. Gesteh' es nur!" nachdem en. ,, So ist es. Wann kann ich Euch sehen?" ,, Komm sofort, wenn Du mit Deinem Dienst fertig bist. Dann machen , was Ed. wir unsere Pläne gemeinsam." ere Gäste - fabelhaft zu, veruraube, daß behalten ,, Gut. Bitte grüße Webers von mir." ,, Gerne, Eric..... Auf Wiedersehen!" Etwas später machte Professor Weber den Vorschlag, einen Rundgang durch die Stadt zu machen, um Norgams Marburg zu zeigen. Zuerst kamen sie zur Klinik, die fast gänzlich intakt war, dann zur Elisabethenkirche, die einige unbedeutende Schrammen abbekommen hatte. Sie besichtigten dieses alte Gotteshaus. Merkwürdig, dachte Esther Norgam, hier beteten deutsche Frauen zu demselben Gott, zu dem wir drüben beteten... Dieselben Gebete.... Gott erhörte Millionen. Trotzk hast Du dem, viele Väter, Söhne, Brüder, Verlobte usw. kamen nicht zurück... Andere, mit nicht heiler Haut... Warum wohl nicht? Er ist doch allmächtig.... Erna.... Aber nun fen beide Frau Weber, die sich ihr zugesellte, riß sie aus ihren Gedanken. Sie suchten Stadtteile auf, in denen der Krieg schwere Wunden geschlagen hatte, Wunden, die nicht leicht vernarben konnten. Da war die Synagoge ein Bild der Verwüstung: Niedergebrannt bis auf die Grundmauern. ,, Das ist doch eine Schande", sagte Edgar.„ Gotteshäuser hätte man doch schonen sollen!" 5 65 ,, Bomben lassen sich wahrscheinlich nicht so genau dirigieren", meinte Esther. ,, Wie denken Sie darüber, Frau Weber?" Erna W stellen. E Die Angeredete, die keine passende Antwort zu geben wußte, blickte Frau. Ich sichtlich verlegen zur Seite. Der Professor löste die Spannung, indem er sagte: Frau We „ Sie sin ,, Das hier ist nicht das Werk der Bomben. Es ist die Tat der Nazis, noch lern die im Jahre 1938 Deutschlands Synagogen in Schutt und Asche legten." ,, Warum?" fragte Esther. ,, Diese Frage kann ich nicht beantworten." ,, Wieso ist das Gebäude nie mehr aufgebaut worden? Wenigstens für Wohnzwecke...?" wollte Edgar wissen. ,, Lieber Edgar, da fragst Du ja dasselbe., Wieso, wieso?'- Denkst Du, die Nazis haben mich gefragt? Vielleicht geschah es, um der Nachwelt zu zeigen, wie ernst es dem Sprcẞ aus dem Hause Schickelgruber war, die Judenfrage zu erledigen." Das Schicksal der Juden... Jeder hing seinen eigenen Gedanken nach. Schweigend verließen sie die Stätte der, Kulturarbeit der Hitlerbarbaren. Sie gelangten zur Universität, die keinerlei Zerstörungen aufwies..... Die Fenster standen weit offen, und Studentengesang konnte man deutlich hören..... ,, Wie lustig die Burschen sind, wie froh sie singen!" bemerkte Esther, wie wenn sie selbst die Schwere der soeben erlebten Eindrücke abschütteln wollte. ,, Man muß solchen Gesang oft als eine Art Selbstbenebelung auslegen. Diese Stimmung ist keinesfalls immer echt; im Grunde sind die jungen Leute heutzutage gar nicht froh, Frau Norgam", meinte Professor Weber. ,, Wollen Sie damit sagen, daß sie sich und den anderen nur etwas vorspiegeln?" ..Ja und nein." ,, Wieso?" ,, Das werde ich Ihnen zu erklären versuchen, Frau Norgam....." ,, Ach, Karl", unterbrach hier Frau Weber ,,, wir sind schon viel zu spät dran! Herr Norgam sagte doch, daß er gewohnt sei, nach dem Mittagessen eine Viertelstunde zu ruhen....“ ,, Dann sprechen wir ein anderes Mal davon, Frau Norgam." „ So ju mehr.... „ Kein man mir mentema zentration „ Bitte gegen Si ,, Beder „ Ich? „ Ja, D ,, Jetzt „ Also „ Deine beide im „ Das wogegen feiert." Daß ni Frau Nach habe ich land zu z daß mein men sei, zu studie rung bel in Deuts gab mir Du S schaft s ,, Ja, ic bin ich nit Euc 66 n", meinte Erna Weber war eifrig dabei, das Mittagessen zeitgerecht fertigzustellen. Esther bemerkte zu Professor Weber: ,, Ich bewundere Ihre te, blickte Frau. Ich bin auch nicht gerade die Allerlangsamste, aber wie schnell der Nazis, e legten." Wenigstens es, um der SchickelGedanken der Hitler. ungen aufng konnte te Esther, Frau Weber alles zuwege bringt, bleibt mir unerklärlich." ,, Sie sind noch jung, Frau Norgam.... Mit der Zeit werden Sie das noch lernen." ,, So jung bin ich mit meinen dreiundfünfzig Jahren nun doch nicht mehr.... Ich danke Ihnen jedenfalls für das Kompliment..." ,, Kein Kompliment.... wehrte Professor Weber ab. ,, Alles kann man mir nachsagen-- aber wenn mich jemand als einen, Komplimentemacher' verdächtigt hätte, dann wäre ich sogar aus dem Konzentrationslager ausgebrochen durch allen Stacheldraht..." ,, Bitte um Entschuldigung, Herr Weber. Ich nehme meinen, Verdacht' gegen Sie sofort zurück." Bedenken Sie doch, meine Frau ist viel älter als Sie." ,, Ich? fragte Frau Weber, die ins Zimmer trat. ,, Ja, Dich meine ich, wenn Du nichts dagegen hast." ,, Jetzt kommt sicher wieder ein Professorenwitz." ,, Also schieß' los, Karl", drängte Edgar Norgam: ,, Deine Frau kann doch kaum viel älter sein als Esther. Sind sie nicht beide im Jahre 1894 geboren?" ,, Das schon, aber... Deine Frau wird erst dreiundfünfzig Jahre alt, rücke ab- wogegen meine, in sechs Monaten ihren vierundfünfzigsten Geburtstag auslegen. die jungen Professor feiert." Daẞ niemand darüber lachte, blieb ihm unverständlich.... Frau Weber hatte richtig vorausgesagt: ,, Professorenwitze.." Nach fünf Uhr kam Norgam junior. Strahlend berichtete er:„, Heute habe ich zwei Wochen Urlaub bekommen, um meinen Eltern Deutschnur etwas land zu zeigen... Ich hatte einen kleinen Trick angewandt gesagt, ......" on viel zu nach dem " daß mein Vater, ein Farmer, in Begleitung meiner Mutter hierhergekommen sei, um die deutsche Landwirtschaft im gegenwärtigen Zeitpunkt zu studieren und die gemachten Erfahrungen der amerikanischen Regierung bekanntzugeben, damit Mittel und Wege gefunden werden könnten, in Deutschland mehr Lebensmittel und rascher zu produzieren. Darauf gab mir der Stab zwei Wochen Urlaub." ,, Du Schwindler... Jetzt soll ich gar noch die deutsche Landwirtschaft studieren?" ,, Ja, ich bin ein Schwindler, und es ist gut, daß Du es weißt... Erfreut bin ich aber, daß ich den Urlaub habe; denn nun kann ich doch mehr mit Euch zusammen sein." 67 ,, Und was werden wir mit all der Zeit anfangen, mein Sohn?" ,, Ich will mir einen Plan zurechtlegen und Euch meine Vorschläge unterbreiten." Am nächsten Morgen kam Eric schon um zehn Uhr. „ So lan ihrem Bü „ Heute Profess Frau wen ,, Also laẞ' hören, was Du mit uns vorhast", fragte ihn sein Vater„ Ich ge voller Neugierde. ,, Paßt auf! Wir fahren heute los und machen eine Reise von zehn Tagen durch die amerikanische Zone in Deutschland, vielleicht auch durch die englische. In die französische und gar erst in die russische darf ich nicht, ohne vorher eine besondere Erlaubnis erhalten zu haben. Wenn überhaupt, dauert es Monate, bis man sie erwirkt." Als Eric seinen Plan in allen Einzelheiten mitgeteilt hatte, schlug seine Mutter Frau Weber vor, sie und ihr Gatte sollten doch mitkommen. Aus verschiedenen Gründen konnten Webers der Einladung nicht Folge leisten. Am selben Nachmittag reisten Norgams ab. Abends riefen sie an. Ganz begeistert berichteten sie von der schönen Fahrt und bedauerten nur, daß Webers nicht mitgekommen waren. Diese mußten hoch und heilig versprechen, bei Norgams nächster Autofahrt mitzufahren. An diesem Abend gingen Herr und Frau Weber schon ,, mit den Hühnern" schlafen. Sie waren das lange Aufbleiben nicht gewohnt. Frau Weber schlief bald ein; er lag noch lange wach. Es ging ihm allerhand durch den Kopf. Am anderen Morgen erkundigte sich Professor Weber telephonisch im Hauptquartier in der Wetterstraße, ob er im Falle Heinrich Gercke bald mit der Besuchsgenehmigung rechnen könne. Der diensthabende amerikanische Offizier, Captain Yerry, konnte ihm keine Auskunft geben, weil die Sache von einem Offizier bearbeitet wurde, der sich zur Zeit auf Urlaub befand. Professor Weber fragte:„, Ist das vielleicht Hauptmann Norgam, von dem Sie sprechen?" ,, Bedauere, ich kann weiter keine Auskunft geben, da dies gegen unsere Bestimmungen verstößt. Wenn Sie etwas Näheres erfahren wollen, müssen Sie sich persönlich hierherbemühen.... In Ihrem Falle ist das zur Zeit aber zwecklos, da, wie ich erwähnte, der mit dem Fall betraute Offizier Ferien hat." ,, Darf ich fragen, wann er zurückkommt?" ,, In ungefähr zwei Wochen." rück sein „ Jetzt „ Es da rasieren. „ Glaub „ Diese gens wei Er fuhr Minuten „ Mein ,, Haber „ Jawo „ Bitte sich leide Das m zeit für daß er s Seine Mitleid." „ Rech doch fü darüber Der C „ Das chen Si „ Herr Frage g gende A mich als g daß sic könnte. 68 hn?" Vorschläge sein Vater von zehn - vielleicht ,, So lange zu warten, halte ich für ausgeschlossen. Wann darf ich in ihrem Büro vorsprechen?" ..Heute sind Sprechstunden von elf bis drei Uhr." Professor Weber dankte, legte den Hörer auf und sagte, sich an seine Frau wendend: ,, Ich gehe jetzt ins Hauptquartier und werde in etwa zwei Stunden zurück sein..... gegen ein Uhr." ,, Jetzt ist es doch erst zehn Uhr." ,, Es dauert noch, bevor ich mich auf den Weg machen kann... die russi- rasieren.... die Post..... Vor elf komme ich nicht aus dem Hause." ,, Glaubst Du, daß es überhaupt Zweck hat hinzugehen?" erhalten zu wirkt." ,, Diese Frage kann ich erst beantworten, wenn ich zurück bin. Übrichlug seine gens weißt Du, daß ich im allgemeinen nicht so optimistisch bin...." Er fuhr mit der Straßenbahn zu seinem Bestimmungsort. Nach sieben nicht Folge Minuten Fahrt war er am Ziel und wurde sofort vorgelassen. mitkommen. en sie an. bedauerten hoch und hren. t den Hüh ohnt. Frau allerhand elephonisch ich Gercke msthabende e Auskunf e, der sich s vielleicht dies gegen Fahren wol m Falle ist em Fall be ,, Mein Name ist Weber. Ich komme in der Sache Heinrich Gercke." ,, Haben Sie heute morgen hier angerufen?" ,, Jawohl." ,, Bitte nehmen Sie Platz, Herr Professor. Ich befürchte, Sie haben sich leider vergeblich hierher bemüht." ,, Das mußte ich in Kauf nehmen, Herr Hauptmann. Wenigstens wollte ich zu erfahren versuchen, ob es keinerlei Möglichkeit gäbe, die Wartezeit für den Häftling zu verkürzen. Sie können sich wohl vorstellen, daß er sehr verzweifelt ist..." ,, Seine Verzweiflung rührt mich sehr wenig Nazis verdienen kein Mitleid." ,, Recht sollte doch auch für einen Nazi in Kurs sein, die Gesetze sind doch für alle gedacht... und, was das Mitleid anlangt, so mag jeder darüber denken, wie es ihm beliebt; denn...." Der Offizier unterbrach den Gelehrten: ,, Das kann einer halten wie er will, Herr Professor. Übrigens- sprechen Sie von deutschen Gesetzen oder von- wertvolleren?" ,, Herr Hauptmann, ich habe weder die Absicht noch die Macht, Ihre Frage geziemend zu beantworten. Ich möchte mich nur gegen beleidigende Äußerungen verwahren. Es kommt natürlich darauf an, ob man mich als Deutschen beleidigt, oder als Nazi....."( Blitzartig dachte er, daß sich diese Diskussion vielleicht nicht gut für Heinrich auswirken könnte.) 69 ,, Ich weiß, daß es Millionen und aber Millionen guter deutscher Bürger gibt. Aber hie und da kommt man in eine Lage, in der man keinen Unterschied zwischen Deutschen und Nazis machen soll." ,, Dann gehe ich unverrichteter Sache. Und im Falle Gercke werde „ Bei w „ In Ka ..Herr ..Keine ich warten, bis der in Frage kommende Offizier aus seinem Urlaub tur- und zurück ist....." ,, Das wäre am besten, Herr Professor." „ Herr malitäter „ ,, Das A von zwe Auf der Straße angelangt, sagte Professor Weber immer wieder vor sich hin,.... keinen Unterschied zwischen Deutschen und Nazis....." So laut sagte er das, daß die Leute stehen blieben und verwundert die Köpfe schüttelten. Er ging zur Universität und ließ sich bei dem Dekan Urhan melden. ,, Es freut mich, daß Sie wieder wohlauf sind, Herr Professor. Ich hoffe, Sie fühlen sich völlig hergestellt. Morgen halten Sie ja wieder Ihre erste Vorlesung..." ,, Herr Dekan-- ich komme heute,.... um meinen Abschied einzureichen....." - ,, Sie.... Herr Professor... einer der besten Kenner des in- und ausländischen Rechts? Sie wollen uns verlassen! Nein, das kann ich mir kaum vorstellen.... Damit bin ich gar nicht einverstanden. Schlagen Sie sich diese Idee aus dem Kopf! Sie versicherten mir gestern ( als wir telephonisch miteinander sprachen), wieder wohlauf zu sein.... Und wenn es nicht aus Gesundheitsgründen geschehen muß, dann kommt das keineswegs in Frage, Herr Professor Weber." ,, Herr Dekan, Sie erwähnten gerade, ich sei ein guter Kenner des Gesetzes....“ ,, Gewiß ist das meine Überzeugung, Herr Professor." ,, Somit berufe ich mich auf Paragraph 79 E des Besoldungsgesetzes, der mir das Recht gibt, um meine Pensionierung nachzusuchen." ,, Sind Sie fünfundsechzig Jahre alt?" ,, Jawohl, ich bin alt genug, um Pensionierung zu beanspruchen. Im Gesetz heißt es, wer im fünfundsechzigsten Lebensjahre steht, der kann ohne Angabe von Gründen seine Pensionierung beantragen." ,, Das ist richtig, aber das Gesetz besagt nicht, daß man dies tun muß." ,, Ja", sagte Professor Weber ,,, das stimmt, aber ich muß es tun." ,, Dann bleibt mir nichts anderes übrig, als Ihren Antrag zur Kenntnis zu nehmen. Sie wissen ja, daß eine derartige Angelegenheit schriftlich eingereicht werden muß... Die Entscheidung liegt bei der Regierung." 70 alles erle zu erreic hilft ein „ Das i hätten S halten. S es ist mi die mich Als Pr Urban d mal rech gerne m „ Das ..Mit fehlen m ,, Ich E werden Die b ging na Rosen E Blumen So w araerika Suchen. uicht s schwer Rosen. eine se Sie „ Er „ Ein scher Bürman keinen cke werde em Urlaub wieder vor n und Na. und vereß sich bei fessor. Ich vieder Ihre schied ein -und auss kann ich den. Schlamir gestern zu sein.... muß, dann Kenner des gsgesetzes, en." ruchen. Im , der kan stun muß." es tun." r Kenntnis schriftlich Regierung." ,, Bei welcher Regierung?" ..In Kassel?" ,, Herr Dekan,.... haben wir überhaupt noch eine Regierung?" ,, Keine solche, wie Sie meinen, aber die Regierungsstelle- Kultur- und Schulwesen besteht in Kassel noch." - ,, Herr Dekan, dann bitte ich Sie, mich bis zur Erledigung aller Formalitäten zu beurlauben." - ,, Das Äußerste, was ich tun kann, ist die Gewährung eines Urlaubs von zwei Monaten. Aber ich glaube, daß innerhalb dieses Zeitraums alles erledigt sein dürfte. Wenn nicht, empfehle ich Ihnen um etwas zu erreichen- persönlich nach Kassel zu fahren. In einem solchen Falle hilft ein derartiges Vorsprechen gewöhnlich...." ,, Das ist eine gute Idee.... Danke für diese Anregung.... Herr Dekan, hätten Sie noch etwas Zeit für mich? Ich werde Sie nicht zu lange aufhalten. Sie waren in all diesen Jahren ein wirklich guter Kollege, und es ist mir ein Bedürfnis, Ihnen etwas von den inneren Gründen zu sagen, die mich bewegen, um meine Pensionierung zu bitten." Als Professor Weber seinen Bericht beendet hatte, reichte ihm Dekan Urban die Hand und sprach: ,, Sie haben recht, Herr Professor, tausendmal recht! Leider bin ich erst achtundfünfzig Jahre alt, sonst würde ich gerne mitmachen." ,, Das können Sie trotzdem tun." ,, Mit welcher Begründung soll ich um Pensionierung nachsuchen? Es fehlen mir sieben Jahre..." ,, Ich bin überzeugt, es würde sich ein Ausweg finden lassen..... Wir werden Männer von Ihrem Schlage brauchen..." Die beiden Gelehrten nahmen voneinander Abschied. Professor Weber ging nach Hause, aber nicht, bevor er seiner Frau ein Dutzend rote Rosen gekauft hatte. Gegen ein Uhr kam er heim und überreichte ihr die Blumen. ,, So wundervolle Rosen... Ach, ich kann's mir denken, Du hast vom araerikanischen Hauptquartier die Erlaubnis bekommen, Heinrich zu besuchen.... Und vor lauter Freude..... Deswegen mußt Du mir doch aicht so viele Rosen kaufen, gleich ein ganzes Dutzend...... Du Verschwender, Du Taugenichts.... Ich freue mich mit Dir, auch ohne Rosen.... So viel Geld in der heutigen Zeit.... Aber Du hast mir doch eine sehr große Freude gemacht, Du alter Schwerenöter." Sie gab ihm sechs Küsse. ,, Erna, es sind zwölf Rosen...." ,, Ein Dutzend Küsse auf einmal, sind doch zuviel für einen Mann....." 71 Professor Weber schaltete den Sender Frankfurt ein. Leider war Professor Ixheimer aus Chicago- die Sendung wurde aus Amerika übertragen- gerade am Ende seiner Ausführungen über ,, Atomkraft und Zivilisation." ,,...... darum soll sich die denkende, Welt' gesagt sein lassen, daß derjenige, der diese und ähnliche Erfindungen in den Dienst der Zerstörung stellt, alles Leben auf Erden vernichten kann, den Planeten selbst miteinbegriffen. So bleibt der Menschheit nichts anderes übrig, als eine neue Art von Menschen zu zeugen..... für die derzeitigen Generationen ist es schon zu spät, wir könnnen nicht anders handeln, als unser Trieb uns lenkt...." - - - ,, Fried nicht law kaum gu gegensei einer de als Schu und Ele falls ver um sich scherter gibt. Jet nette Er seits zu finden D - als unser Trieb mehr au schon sa und flew Frau Weber meinte, daß der Vortrag Professor Ixheimers, soweit sie ihn noch hören konnten, sich mit der Ansicht ihres Mannes decke, als er ihr das, Chaos' erklärte. ,, Was wollte Professor Ixheimer damit sagen uns lenkt...'—?" ,, Soweit ich ihn verstanden habe, meinte er, daß die jetzigen Menschen gar nicht anders handeln können, als unter einem unbewußten Drange im Kampf ums Dasein. Daher soll der Mensch schon mit dem Vorsatz gezeugt werden, ihn von seiner Geburt ab nur im Geiste des Edelmuts zu erziehen, damit es ihm leicht werde, den Weg der Bosheit zu meiden und der Bestie im Menschen nicht zu verfallen. Mit der Zeit würde dann, wenn ich Professor Ixheimer richtig begriffen habe, die Menschheit nicht mehr um das bloße Dasein wetteifern, sondern um die Herzensgüte." ,, Wird das keine Verweichlichung des Menschengeschlechtes zur Folge haben?" ..Nicht unbedingt; - dem braven Menschen liegt weder Falschheit noch Bösartigkeit oder Neid. Und Kriegslust ekelt ihn sicher an. Die Kirchen aller Religionen würden das freudig begrüßen... Sein Vortrag hat mich sehr interessiert. Zu schade, daß wir zu spät kamen. Ich hätte zu gerne die ganze Übertragung gehört." ,, Ich begreife die Welt nicht mehr so richtig, Karl." ,, Hast Du sie überhaupt jemals gut verstanden? Oder irgendein anderer Sterblicher?" ,, Ach Mann, das war doch bloß eine Redensart... Es gibt doch soviele kluge Menschen! Daß diese keinen Blick dafür haben, wohin alles noch führt? Die sollten Maßnahmen ergreifen, damit endlich Friede auf Erden werde..." 72 unterge Frau chen, K ,, Frau mich er reits ge Antritt tun. Ich betreffe Frau Nach la „ Um vorher Dir nic ohne D dender leben? kaum überle heutig Pro geduld ,, Bis eider war s Amerika Atomkraft assen, daß der ZerPlaneten übrig, als gen Gene. shandeln, soweit sie decke, als nser Trieb Menschen en Drange m Vorsatz Edelmuts zu meiden g begriffen n, sondern zur Folge Falschheit er an. Die n Vortrag Ich hätte dein andech soviele alles noch auf Erden ,, Friede auf Erden sagst Du- bei den heutigen Menschen? Daß ich nicht laut lache! Bis jetzt haben sie sich in ihrem Drang nach Frieden kaum geändert. Im Gegenteil. Zuerst nahmen sie Steine, die sie sich gegenseitig an die Köpfe warfen. Dann erfanden sie die Keule, um damit einer den anderen tot zu schlagen, später kam die Lanze an die Reihe, als Schutz dagegen der Panzer... Eines Tages verwandten sie Pulver und Blei. Zu ihrer Sicherheit bauten sie Festungen, in die sie sich notfalls verkriechen konnten. Allmählich kam das Flugzeug zur Geltung; um sich zu schützen, rannten sie in die Luftschutzkeller; zuletzt bescherten sie der Welt die Atombombe, gegen die es fast keinen Schutz gibt. Jetzt werden sie noch die Strahlenkraft benutzen, dann noch andere nette Erfindungen machen, die zur Beschleunigung der Reise vom Diesseits zum Jenseits bei ragen werden. Und eines schönen Tages erfinden Deine friedfertigen Menschen etwas, wogegen sie kein Mittel mehr auszuprobieren brauchen, weil der Planet wie ich Dir neulich schon sagte aufgehört hat zu existieren, mit allem, was da kreucht und fleucht... so daß der letzte Sieger, seine Tat verfluchend mit untergeht..." -- - - - Frau Weber wehrte entsetzt ab: ,, Laẞ' uns von etwas anderem sprechen, Karl..." 1 ,, Frau ich habe meine Pensionierung beantragt, daß heißt, ich habe mich entschlossen, es heute noch schriftlich zu tun. Mündlich ist es bereits geschehen. Der Dekan hat mir zwei Monate Urlaub bei sofortigem Antritt zugebilligt. Mehr konnte er im Rahmen seiner Vollmachten nicht tun. Ich hoffe jedoch, daß innerhalb dieser Frist alle die Pensionsfrage betreffenden Formalitäten geregelt sein werden." Frau Weber saß, als wäre sie vom Schlage getroffen, starr im Sessel.. Nach längerem Schweigen fragte sie halblaut: ,, Um Gottes Willen, Mann, warum hast Du das getan? Und ohne es vorher mit mir zu besprechen! In all den Jahren unserer Ehe hast Du Dir nicht einmal ein Paar Schuhe gekauft ohne mich, und ich keinen Hut, ohne Dich um Deine Ansicht zu fragen... Und bei einem so entscheidenden Schritt... Karl, was ist in Dich gefahren? Wovon werden wir leben? Du weißt doch ganz genau, daß wir mit Deinem jetzigen Gehalt kaum auskommen können... Hast Du Dir auch nur für einen Augenblick überlegt, daß die Dir zustehende Pension keine siebzig Prozent Deines heutigen Einkommens beträgt?" Professor Weber ging nervös auf und ab. Seine Stimme verriet Ungeduld und Verdruß, als er fragte: ,, Bist Du nun fertig mit Deinem Gejammer, Erna?" 73 23 ,, Nein, noch lange nicht. Aber es scheint ja sinnlos zu sein, etwas dagegen zu sagen, nachdem die Sache bereits ihren amtlichen Weg geht." ,, Laẞ' mich Dir doch eine Erklärung geben." ,, Jetzt brauche ich von Dir keine mehr... Ich bin verzweifelt..." ,, Wenn Du keine andere Einstellung zu dieser Frage hast und Dich weigerst, meine Gründe anzuhören, dann werde ich das schriftliche Ansuchen um Pensionierung nicht einreichen. Nur den Dekan muß ich umgehend telefonisch verständigen... Aber das eine sage ich Dir: Du mußt Dich doch mit dem Gedanken vertraut machen über kurz oder lang mit einer staatlichen Pension auskommen zu müssen; denn ich ertrage das Leben, wie es jetzt ist, nicht mehr lange... Ich gehe daran zu Grunde...“ - Professor Webers Worte kamen scharf und abgehackt. Frau Weber horchte erschrocken auf. ,, Ich verstehe Dich nicht, Karl, was sagtest Du eben?" ,, Das ist gar nicht schwer zu verstehen... Ich dachte, ich hätte eine Frau, die wenn es sein müßte mit mir gegen Tod und Teufel gehen würde! Die notfalls willig wäre, mit mir zu hungern... Jetzt sehe ich, daß rein materielle Fragen Dich aus der Fassung bringen. Wieviel brauchen wir denn schon, um durchzukommen? Wenn wir uns wirklich ein wenig einschränken müßten, wäre das, an der Not des Volkes gemessen, so wichtig? Es scheint, die meisten Menschen haben nur Ideale, wenn sie satt sind, und der Hunger die anderen quält... Du bist besorgt, die Butter könnte ausgehen, und wir müßten manchmal ohne Fleisch auskommen... Haben wir nicht ein eigenes Haus, beinahe siebzigtausend Mark Bankguthaben, Grundstücke in Grünberg?... Und Du bist verzweifelt... Ist das all Deine Liebe, all Dein Verständnis für Deinen Mann, für den Du, um es mit Deinen eigenen Worten zu sagen, durch Feuer und Schwefel gehen wolltest...? Wo Du hingehst, da will ich auch hingehen, sang der Chor an unserem Hochzeitstage zu Grünberg vor nun fast dreiunddreißig Jahren... Du drücktest mir, die Hand zum Zeichen, daß Dir's aus der Seele kam... Du schautest mir in die Augen und dieser Blick... war er kein Schwur...?! Der Gelehrte fuhr sich mit seiner Hand über die Augen...: ,, Soll das alles in Vergessenheit geraten sein? Ein so wichtiger Lebensabschnitt..! War es nicht in all' den Jahren unserer Ehe, als hielten die Engel Wache...? Und heute, wenn es um meine Pensionierung geht, machst Du Schwierigkeiten... Du zweifelst an mir... Wenn jemand von uns beiden einen Grund zu zweifeln hat, dann bin ich's. Du weißt sehr gut, was ich durchgemacht habe... Und das nicht zuletzt für Dich... 74 - -- Glaub's seine Ha D ist es Politik z darüber liegt... Wo es Deutsch Sorgen, zu dene Du bist täusche „ Um damals Schlu ich mit auch hi Sie k ,, Erna nissen Neir wie he leidest hätte i beunru handel: still st kannst mit Di geben Unte „ Es „ Ne hat.. 995. „ Ge für e teiler etwas daWeg geht." elt..." und Dich chriftliche muß ich h Dir: Du kurz oder denn ich ehe daran au Weber hätte eine ufel gehen Jetzt sehe . Wieviel swirklich olkes ge mur Ideale, t besorgt, me Fleisch zigtausend bist verir Deinen gen, durch will ich Grünberg Hand zum die Augen „ Soll das schnitt..! die Engel ht, machst von uns weißt sehr r Dich... Glaub's nur!!! Du müßtest wissen, daß ich nicht der Mann bin, der seine Hände in den Schoß legen und müßig bleiben will... Ebensowenig ist es Dir fremd, daß ich nur in Pension gehen möchte, um mich der Politik zu widmen. Und dies keineswegs aus Langweile... Bist Du Dir darüber klar, wie sehr mir das Wohl des ganzen Volkes am Herzen liegt...? Des deutschen Volkes, zu dem Du und ich zählen... Jetzt, wo es gilt, ins Rad zu greifen, unter Beweis stellen, was ein guter Deutscher für sein Vaterland zu tun imstande ist, da jammerst Du über Sorgen, die Du nur vom Hörensagen kennst. Willst Du, daß man Dich zu denen rechnet, die Opferbereitschaft nur mit leeren Worten abtun...? Du bist mein angetrautes liebes Weib und darfst mich nicht enttäuschen..." ,, Um Gottes Willen, Mann, Mann, so war's ja nicht gemeint! Ich habe damals die Wahrheit gesagt..." Schluchzen schüttelte ihren Körper, während sie weitersprach ,,... als ich mit meinem Händedruck bekräftigte, wo Du hingehst, gehe ich auch hin... und wo Du stirbst, will ich auch begraben sein..."" Sie konnte kaum weitersprechen... ,, Erna, sollten all unsere Aufregungen eine Kette von Mißverständnissen sein?" ,, Nein, das würde ich nicht sagen, Karl. Aber hättest Du mir so klar wie heute gesagt, wie schwer Du unter dem Druck der heutigen Zeit leidest und Du deshalb Deine Pensionierung beantragen willst, dann hätte ich keinerlei Einwände dagegen erhoben. Um mich nicht zu beunruhigen, hast Du mir einfach alles verschwiegen... Und jetzt behandelst Du mich plötzlich auf eine Art und Weise, daß mir das Herz still steht. Du sprichst Dinge aus, an die Du selbst gar nicht glauben kannst. Du weißt ganz genau, daß ich nicht nur durch dick und dünn mit Dir gehe, sondern, wenn es sein muß, mein Leben für Dich hinzugeben bereit wäre." Unter bitterlichen Tränen: ,,... und wie mißhandelst Du meine Seele?" ,, Es ist nur Deine eigene Schuld, Frau." ,, Nein, das kommt davon, wenn man vor seiner Frau Geheimnisse hat..." ,,... um sie zu schonen! Ist das wirklich ein Vergehen, Erna?" ,, Gewiß nicht, Karl. Trotzdem, so wunderbar, verwöhnt zu werden, für eine Frau sein mag, mir wäre es lieber, alle Sorgen mit Dir zu teilen..." 75 75 Schluchzend: ,,... aber, wenn dann ein Tag kommt, an dem der Ehemann, der einen vorher nur verwöhnt hat, ein Stück Herz als Zoll erhebt... Ich will doch nur Dein Glück, Du... Du..." ,, Na, sag's nur, Frau!" ,, Du... Dummkopf!" - ,, Danke! Also, jetzt sind wir quitt, nicht wahr? Soll ich nun meine Pensionierung einreichen, oder was soll ich tun?" Frau Weber sagte ihm leise ins Ohr: ,, Lieber Karl, was immer Du tust ich halte zu Dir." - Ein ur Frau No nach Min Morgen absichtig „ Herr meinem ,, Ich w sagte m ,, Oh, Ich hatt ganz ve Können ich den Wenn Dienst ten, sic gerne L Herr Niemals vorher hatten die Eheleute Weber eine solche Auseinandersetzung; aber auch nie solch inneren Frieden wie durch die darauf folgende Versöhnung. Frau Weber wurde ihres Mannes Sekretärin. Sie lernte stenographieren und maschineschreiben, etwas, das sie als Gehilfin eines Mannes der Politik unbedingt brauchte. Professor Weber schrieb das Gesuch zwecks Pensionierung. Frau Weber war in die Stadt gegangen, um das Nötige wegen ihrer Stenographie- und Schreibmaschinenkurse zu veranlassen. Stenographieren hatte sie vor Jahren einmal gelernt und später verwendet. Sie schrieb bei Vorträgen oft mit, um ihm nachher alles besser erzählen zu können -wenn es vorkam, daß sie nicht gemeinsam zu einer Veranstaltung gehen konnten. Vor dem Stenographieren hatte sie also keine Angst; das Maschineschreiben hingegen war ganz neu für sie. Als Erna Weber heim kam, fragte sie ihren Mann, was er in der Sache Heinrichs bei der Behörde erreicht habe und wieso die Frage der Pensicnierung plötzlich so dringlich geworden sei. ,, Mundtot wurde ich gemacht... Und nur Ärger war mir beschert. Das mag vielleicht dazu beigetragen haben, daß ich spornstreichs zum Dekan ging..." Erst jetzt erzählte er seiner Frau von seinen Erlebnissen im amerikanischen Hauptquartier... وو , Was hast Du nun vor, Karl?" ,, Ich bin mir selbst noch nicht recht im klaren, aber geschehen muß etwas. Ich kann mich des Gefühls nicht erwehren, daß der beurlaubte Offizier, der Heinrichs Fall bearbeitet, kein anderer ist als Hauptmann Norgam." ,, Da kannst Du recht haben." * * ankomm „ Ja, erkläre kann ic anderer den Be möglich verstre Bitte einige „ Ge " ,, Dan „ Un „ Ich „ Es Heinri dräng Wenn riger beste 76 der Ehe. As Zoll un meine mer Du einander. 'e darauf aphieren ünes der ng. Frau T Steno- aphieren e schrieb u können nstaltung e Angst; er Sache der Pen- beschert. ichs zum amerika- hen muß >urlaubte uptmann Ein unverhoffter Anruf; Norgams waren am Apparat. Zuerst sprach Frau Norgam, dann Edgar und zuletzt ihr Sohn Eric... Auf dem Wege nach München wären sie, sagte er; es sei eine herrliche Fahrt gewesen. Morgen Abend würden sie wahrscheinlich nicht anrufen, weil sie be- absichtigten, ins Theater zu gehen. „Herr Professor, haben Sie in der Sache Ihres SS-Mannes etwas von meinem Büro gehört?“ „Ich war heute dort, wurde aber nicht allzu freundlich behandelt. Man sagte mir auch, der Offizier, der den Fall bearbeitet, sei auf Urlaub...“ „Oh, zum Teufel... Bitte vielmals um Entschuldigung, Herr Professor. Ich hatte vor, Hauptmann Yerry die Akten zu übergeben, habe es aber ganz vergessen... Meine Schuld ist's... Es ist mir furchtbar peinlich... Können Sie warten, bis ich zurückkomme, Herr Professor? Dann würde ich den Fall selbst erledigen. Soviel ich weiß, liegen die Akten bereit... Wenn es Sie aber ungeduldig und nervös macht, bis ich wieder im Dienst bin, dann will ich Herrn Hauptmann Yerry anrufen und ihn bit- ten, sich der Sache anzunehmen, obwohl ich's— offen gestanden— gerne vermeiden möchte...“ Herr Professor Weber meinte, es werde auf ein paar Tage nicht mehr ankommen.„Glauben Sie nicht auch, Herr Hauptmann?“ „Ja, ich denke, wir warten, bis ich zurück bin. Nun will ich Ihnen erklären, warum dies vorteilhafter ist. Da ich einen Stellvertreter habe, kann ich ihm während meines Urlaubs keine Befehle erteilen. Wenn Sie andererseits nun trotzdem mit ihm verhandeln und er es ablehnt, Ihnen den Besuch bei dem SS-Mann Gercke zu gestatten, so ist es mir un- möglich, gegen ihn zu entscheiden. Und weitere vier Wochen müßten verstreichen, bevor ihrerseits ein neuer Antrag gestellt werden könnte. Bitte abermals um Entschuldigung... Und ich hoffe, daß Sie noch einige Tage Geduld aufbringen können, Herr Professor.“ „Gewiß, Herr Hauptmann.“ „Danke vielmals... Einen Gruß an Ihre Bram „Unsere besten Empfehlungen an Ihre Eltern und alles Gute!“ „Ich werd’s bestellen... Auf Wiedersehen!“ *%** „Es ist so, wie ich dachte, Erna. Eric Norgam ist der Offizier, dem Heinrichs Sache untersteht. Ich glaube, es war besser, daß ich ihn nicht drängte, sich unterwegs damit zu befassen. Er hat vollkommen recht. Wenn sein Vertreter hier nein sagt, wird die Lage nur noch schwie- riger... In einer Woche ist der Hauptmann wieder hier. Norgams bestehen übrigens darauf— wenn wir nicht mit Gewalt ins Auto ge- 77 bracht werden wollten, daß Du und ich bei ihrer nächsten Fahrt freiwillig mitkommen... Das nenne ich noch Freunde!" ,, Das ließe sich jetzt leicht einrichten, da Du beurlaubt bist." ,, Vorerst will ich mich eingehend mit Heinrich Gercke befassen und alles, was mir möglich ist, für ihn ausfechten. Dann muß ich meine Abgangsrede vorbereiten und eine Anzahl beruflicher Abschiedsbesuche machen. Letzteres ginge auch ohne Dich. Wenn Du..." ,, Karl, daß Du's weißt, wenn Du nicht mitfährst, dann bleibe ich auch zu Hause..." ,, Du hast mein Versprechen, und ich werde es einlösen. Zwei Wochen Ferien sind für uns beide gut..." Am anderen Morgen brauchten sie nicht so zeitig aufzustehen, da der Rechtsgelehrte keine Vorlesungen mehr hielt, und seine Frau erst gegen zwei Uhr in der Handelsschule sein mußte. Sie hatte ihre Kurse um diese Zeit gewählt, weil ihr Mann dann entweder sein Nachmittagsschläfchen hielt oder arbeitete, so daß ihre Abwesenheit nicht viel zu sagen hatte. Pünktlich erschien sie in ihrer Klasse... Die Lehrerin erklärte ihr vorerst nur technische Fragen. Gegen halb vier kam sie wieder nach Hause. ,, Ich glaube, ich werde es schaffen", sagte sie lächelnd zu ihrem Mann, den ihre Zuversicht erfreute. Die Tage verliefen gleichmäßig. Norgams ließen täglich von sich hören. Sie waren immer noch in hellster Begeisterung über die Naturpracht und bedauerten nur, daß der Urlaub ihres Sohnes in zwei Tagen zu Ende ging. Professor Weber hatte gerade die Absicht auszugehen, als ein Auto vor dem Hause anhielt. Norgams kehrten zurück... ,, Wie gut, daß Sie nicht eine Minute später kamen... Ich wollte gerade fortgehen", sagte er zu dem jungen Hauptmann. Wo ist Ihre Frau?" fragte Frau Norgam. ,, Sie ist in der Stadt, kommt aber bald zurück." ,, Wollen wir nicht ins Haus gehen? Warum habt Ihr nicht angerufen, Edgar?" ,, Du hast recht, das hätten wir tun sollen. Wohin wolltest Du denn so eilig, Karl?" fragte Edgar. ,, Ich war im Begriffe, einen Block Schreibpapier aufzutreiben." ,, Den kann Eric leichter für Dich bekommen, als Du vermutest." Profes ging ber Norga erzählte, ner Pens schule b zur Poli Er rück Eric h angehalt „ Mir i hinzu: " So sw sichtlich Ihr M hat", be ,, War „ Das genau, „ Und War " ,, Sie hatte er Politik gen sine ,, Best gen, ic Sache ,, Er komme Nach viel zu Am Eric, überga Leut Profes Als de wünsc 78 ten Fahrt t." assen und ich meine sbesuche eich auch iWochen en, da der rst gegen um diese chläfchen gen hatte. klärte ihr eder nach em Mann, von sich ie Naturwei Tagen ein Auto te gerade ngerufen, denn so 1." est." Professor Weber zeigte Eric, was er brauchte, und der Hauptmann ging bereitwillig. Norgams machten es sich im Lesezimmer bequem... Der Gelehrte erzählte, was sich während ihrer Abwesenheit ereignet hatte: Von seiner Pensionierung, vom Streit mit seiner Frau und daß sie die Handelsschule besuche, um als Sekretärin bei ihm arbeiten zu können, wenn er zur Politik übergetreten sei, wie er sich das fest vorgenommen habe. Er rückte mit allem heraus... Eric hatte unterwegs Frau Weber auf der Straße gesehen, sein Auto angehalten, und sie aufgefordert, mit ihm zu kommen... ,, Mir ist, als wäre ich wieder zu Hause", sagte Esther, und Edgar fügte hinzu: ,,... ja und mir, als hätte ich immer hierher gehört..." ,, So soll es doch unter Freunden sein“, erwiderte Frau Weber mit sichtlicher Freude. ,, Ihr Mann erzählte uns, was sich in den wenigen Tagen abgespielt hat", bemerkte Esther. ,, Waren Sie nicht sehr überrascht, Frau Norgam?" - ,, Das schon! Ihr Mann davon sind wir alle überzeugt- weiß genau, was er tut!" ,, Und doch bin ich sehr besorgt..." ,, Warum denn, Frau Weber?" ,, Sie dürfen nicht vergessen, daß er nicht mehr der Jüngste ist. Bisher hatte er einen verhältnismäßig ruhigen Beruf, während man in der Politik nie weiß, was die nächste Stunde bringt ständige Aufregungen sind unvermeidlich, zumal heutzutage..." - ,, Bestimmt tut er's aus Überzeugung. Wollte man ihn davon abbringen, ich glaube, er würde das nicht überwinden. Sie sollten die ganze Sache leichter nehmen und ihn ruhig gewähren lassen." ,, Er hat Sie also auch schon ganz auf seine Seite gebracht. Ich alleine komme nicht gegen ihn an." Nachmittag und Abend vergingen sehr schnell... Norgams hatten viel zu erzählen. Am nächsten Morgen läutete das Telefon in aller Frühe. Es war nicht Eric, der sich meldete, seine Stimme hätte Frau Weber erkannt. Sie übergab den Hörer ihrem Mann. Leutnant Greenfield rief im Auftrag von Hauptmann Norgam an, um Professor Weber zu bitten, heute noch ins Hauptquartier zu kommen. Als der Professor fragte, weswegen der Hauptmann ihn zu sprechen wünsche, übernahm dieser persönlich das Gespräch: 79 ,, Herr Professor, in der Sache Heinrich Gercke muß ich Sie dringend sprechen. Könnten Sie um zwei Uhr bei mir sein?" Der Gelehrte sagte zu. Da ist bestimmt etwas nicht in Ordnung, dachte er und konnte kaum die Zeit abwarten, bis er Eric gegenüber saẞ. ,, Herr Professor, zu meinem größten Bedauern kann ich Ihnen die Erlaubnis zum Besuche des Untersuchungsgefangenen Heinrich Gercke nicht geben, weil Sie als Rechtsanwalt gar nicht zugelassen sind." ,, Scll das heißen, daß ich nicht die Berechtigung habe, als Verteidiger aufzutreten? Denken Sie, daß ich jemals diese Aufgabe übernommen hätte, hegte ich den geringsten Zweifel, daß mir das Recht zur Ausübung des Anwaltberufes fehlte?" ,, Aber Herr Professor, ich kann doch nicht den Bestimmungen zuwiderhandeln!" Professor Weber war sehr bestürzt über diese unerwartete Schwierigkeit. Hauptmann Norgam versuchte, ihn zu beruhigen. ,, Ich bin überzeugt, Herr Professor, es wird sich ein Ausweg finden lassen... Das Hindernis ist ja nur ein formales, und es steht einwandfrei fest, daß Sie die erforderliche Befähigung besitzen..." ,, Dann sollte mir aber die Genehmigung nicht versagt werden!" ,, Die militärbehördlichen Bestimmungen sind außerordentlich strikt und schreiben vor, daß nur Anwälte mit Untersuchungsgefangenen sprechen dürfen, und auch diese nur in Anwesenheit einer Überwachungsperson. Letztere Vorschrift ist in der Auslegung ganz und gar dem Sachbearbeiter überlassen das wäre nicht der springende Punkt..." , Was denn, Herr Hauptmann?" " ,, Wie ich Ihnen schon sagte, Herr Professor: das fehlende Anwaltspatent ist das Kernproblem." ,, Das könnte ich mir leicht beschaffen. Da ich alle Prüfungen abgelegt habe, ist dies mehr oder weniger nur eine Formsache." ,, Herr Professor, ich würde das nicht so ohne weiteres sagen. Die Militärbehörden müß.en erst die Genehmigung erteilen, was einige Monate dauern kann." ,, Dann bleibt kaum etwas anderes übrig, als daß ein anderer die Verteidigung übernimmt..." Man konnte sehen, es war ein harter Entschluß für den Rechtsgelehrten, das auszusprechen. ,, Herr Professor, nun werde ich Ihnen sagen, was ich, als ich Sie bat, mich aufzusuchen, noch im Sinne hatte. Ich hoffe, daß Sie mich verstehen und meinen Vorschlag richtig auslegen. Ich wollte Ihnen empfehlen, als Assessor in die Dienste eines Anwalts einzutreten und in dessen 80 Auftrag Genüge schwebt „ Das i lange me annehme ,, Das Was einem Ar und so w " Wenn Ihnen da ,, Das S „ Könn schlagen Der R Wohi 19 fortzuge selben V „ Ich m Nr. 37, a „ Darf ,, Dank den Kop Profes gezeichn Dr. Rum Am n erforder „ Nun Unterla ausstell Profe heit un Mor bericht We gemein Profes e dringend Auftrag die Verteidigung auszuüben. Damit wäre den Vorschriften Ordnung, nüber saß. Ihnen die ch Gercke nd." Werteidiger ernommen zur Ausungen zue Schwieveg finden einwanden!" lich strikt enen sprewachungsgar dem Punkt..." Anwaltsn abgelegt sagen. Die was einige er die Ver chtsgelehrch Sie bat mich veren empfeh Genüge getan. Merken Sie, Herr Professor, was mir als Ziel vorschwebt?" ,, Das ist eine ausgezeichnete Idee. Ich weiß zwar nicht, ob ich, solange meine Pensionsfrage noch unerledigt ist, einen solchen Posten annehmen darf. Aber das kommt erst in zweiter Linie." ,, Das müßte man feststellen. Nicht wahr?" ,, Was mir jetzt zu tun übrig bleibt, wäre, als Professor der Rechte zu einem Anwalt zu gehen und ihn zu bitten, mir eine Anstellung zu geben und so weiter...", sagte kopfschüttelnd Professor Weber. ,, Wenn Sie einem Menschen helfen wollen, so bin ich überzeugt, daß Ihnen das nicht schwer fällt, Herr Professor." ,, Das stimmt, Herr Hauptmann." ,, Könnten Sie sich morgen wieder hierherbemühen? Wenn ich vorschlagen darf, um dieselbe Zeit." Der Rechtsgelehrte willigte ein und verabschiedete sich. ,, Wohin gehen Sie jetzt, Herr Professor? Ich bin auch im Begriffe fortzugehen, um einige Einkäufe zu machen. Vielleicht haben wir denselben Weg." ,, Ich möchte den Rechtsanwalt und Notar Dr. Rumpf, Bahnhofstraße Nr. 37, aufsuchen..." ,, Darf ich Sie rasch mit meinem Wagen hinbringen?" ,, Danke. Ich gehe lieber zu Fuß; dabei will ich mir alles noch durch den Kopf gehen lassen." Professor Weber mußte zugeben: Hauptmann Norgam war ausgezeichnet informiert und hatte ihn gut beraten. Daher schloß er mit Dr. Rumpf ein Abkommen. Am nächsten Tage, zur vereinbarten Stunde, erschien er mit den erforderlichen Dokumenten ausgerüstet, wieder im Hauptquartier. ,, Nun ist alles in Ordnung", sagte der Hauptmann, nachdem er die Unterlagen geprüft hatte.„ Ich lasse Ihnen die Besuchserlaubnis sofort ausstellen." Professor Weber nahm den Besuchsschein mit sichtlicher Zufriedenheit und bedankte sich. ,, Morgen fahre ich schon nach X- Burg- darf ich Ihnen darüber berichten, Herr Hauptmann?" ,, Weil Sie den Fall verfechten, will ich ihn weiter verfolgen. Im allgemeinen habe ich nicht das geringste Interesse an SS- Leuten, Herr Professor." in dessen 81 Tags darauf fuhr Professor Weber als Bevollmächtigter des Rechtsanwalts Dr. Rumpf nach X- Burg. Nach einer Bahnfahrt von zwei Stunden am Ziele angekommen, erfragte er den Weg zum Gefängnis. Er wies bei der zuständigen Stelle seine Legitimationspapiere vor. Der Gefängnisbeamte interessierte sich nur für den vom amerikanischen Hauptquartier Marburg ausgestellten Ausweis und beachtete die anderen Dokumente überhaupt nicht. Da schr „ Ich will Man soll ,, Warur „ Mein H „ Solch' und herze Wir komm auf änder es dann bitte ich sein, daß stellen, SC „ Wozu Flieger e ,, Wünschen Sie den Gefangenen jetzt zu sehen oder erst nach dem Mittagessen? Die Mahlzeit wird um zwölf Uhr verabreicht, dann werden die Gefangenen in den Garten geführt." ,, Wollen Sie mir bitte Ihren Rat geben, Herr Vorsteher?" ,, Ich würde die Unterredung auf später verschieben. Gewöhnlich werden Häftlinge, wenn sie wissen, daß Besuch für sie da ist, nervös. Sie essen weniger und sind oft sehr schwer zu behandeln." ,, Vielen Dank, Herr Vorsteher. Ich warte bis ein Uhr." Der Häftling wurde vorgeführt. ,, Guten Tag. Heinrich", sagte der Professor. Er hatte sofort den Eindruck, daß der Untersuchungsgefangene an Zellenkoller litt. In geradezu väterlichem Tone sprach er weiter:„ Ich bin von Ihren Angehörigen gebeten worden, Ihre Verteidigung zu übernehmen. Sind Sie mit dieser Wahl einverstanden? Sie können Vertrauen zu mir haben Sie wissen doch, wer ich bin?" - Der Gefangene gab keine Antwort. ,, Warum sind Sie so schweigsam, Heinrich? Ihre Eltern und Geschwister wollen Ihr Bestes. Wenn Ihnen geholfen werden soll, müssen Sie auch etwas dazu beitragen. Sie wollen doch nicht, daß Ihre Leute sich in noch größerer Unruhe um Sie sorgen...?" Als der Arrestant immer noch schwieg, sagte der Professor:„ Dann nuß ich gehen... Ich bedauere, daß Ihre Leute die Ausgaben für meine Reise bestreiten müssen, ohne daß ich ihnen etwas Bestimmtes berichten kann. Das Geld aufzubringen, dürfte ihnen schwer fallen. Ihre arme Mutter tut mir besonders leid ihr wird das Herz brechen..." Verstockt blickte der Untersuchungsgefangene durch das vergitterte Fenster. - ,, Überlegen Sie sich alles noch einmal, Heinrich... Ich würde ja sehr gerne in einer Woche wiederkommen, aber mit Rücksicht auf die Unkosten, die Ihren Leuten erwachsen... Ist Ihnen bekannt, daß Ihre Großmutter schwer krank zu Bette liegt und jeder Groschen für Arzt und Apotheker dringend gebraucht wird?" 82 und desha „ Wolle wie sie Ihre Leu „ Nein, ihr nicht Waru „ Ich ha bleiben Schuldig „ Und Die h „ Gewi chen we einen an Nein. auch." " Wie ,, Sie I „ War Ja." Was Daß den wa „ Hat es RechtsDa schrie Heinrich, der ganz besonders an seiner Großmutter hing: wei Stun- Ich will keinen Verteidiger-- ich wünschte, ich wäre tot s. Er wies Man soll mich endlich in Ruhe lassen." er Gefäng en Haupte anderen nach dem dann wer,, Warum denn gleich sterben? Denken Sie nicht an Ihre Leute?" ,, Mein Herz ist versteinert..." ..Solch' harte Worte gegen Ihre guten Eltern- braven Geschwister und herzensgütige Großmutter sind keineswegs am Platze, Heinrich... Wir kommen so nicht weiter. Ihre Ansichten müssen Sie von Grund auf ändern. Noch einmal rate ich Ihnen, über alles nachzudenken. Wenn es dann Ihr Entschluß ist, daß ich die Verteidigung übernehmen soll, bitte ich um Unterzeichnung dieser Vollmacht. Sollte es aber Ihr Wunsch nlich wer sein, daß Ihnen die Militärbehörden einen Verteidiger zur Verfügung tervös. Sie stellen, so lassen Sie mich's wissen, damit ich das Nötige veranlasse.." ,, Wozu einen Verteidiger...! Ich bin beschuldigt, den amerikanischen Flieger erdclcht zu haben- weil es alle sagen, wird's wohl so sein und deshalb sind die vielen Fragen doch zwecklos..." t den Einm geradezu gehörigen mit dieser Sie wissen - ,, Wollen Sie, daß Ihre Mutter kommt-? Verhärmt und vergrämt, wie sie ist? Es würde Ihnen augenscheinlich machen, wie es um Ihre Leute steht..." - - ,, Nein, nur das nicht! Ach, meine gute Mutter ich kann und will ihr nicht mehr in die Augen schauen...!" ,, Warum plagen Sie sich so, Heinrich...?" ,, Ich habe meine Mutter von Herzen gern... Und ihr soll es erspart bleiben mich ihren einzigen Sohn, in einer Gefängniszelle zu sehen. à und Ge Schuldig oder nicht... Ich könnte es keinesfalls ertragen." oll, müssen Ihre Leute Gor: ,, Dann für meine tes berich Ihre arme ..." vergitterte rde ja sehr uf die Un daß Ihre en für Arzt - - ,, Und Ihre Braut?" ,, Die hat nichts damit zu tun. Das ist eine ganz andere Sache." ,, Gewiß, sie wird Ihr Bestes wollen- aber wenn Sie schuldig gesprochen werden, kann sie eines Tages vielleicht auf die Idee kommen, einen anderen zu heiraten." ,, Nein, das ist ausgeschlossen! Und wenn ich sterbe, dann stirbt sie auch." ,, Wie können Sie so etwas behaupten?" ,, Sie hat es mir gesagt, als mich die Amerikaner holten." ,, War ihr bekannt, warum man Sie verhaftete?" ,, Ja." ..Was wußte sie von der Tat?" ,, Daß der amerikanische Soldat mit meinem Messer erstochen worden war." ,, Hat Ihre Braut Sie hier schon besucht?" 83 83 ,, Nein. Ich darf keine Besuche empfangen, sonst wäre sie sicher schon hier gewesen." " , Wie lange kennen Sie das Mädel?" ,, Seit unserer Jugend." ,, Wann sind Sie in die Partei eingetreten?" ,, Im Jahre 1942." Nach E Gelehrte men, wur „ Ich ka nach dem ,, Was veranlaßte Sie so spät dazu?" Braut zu ,, Jawohl, nur die besten." ,, Waren nur die guten Deutschen in der Partei?" ,, Die Erfolge unseres Führers sagten mir, daß jeder gute Deutsche in die Partei gehöre." Heinrich stockte, dann wiederholte er die abgedroschene Redensart: „ Um ni Du Deine „ Die Le jemand v Hauptm über den Abschied ,, Dann sind wohl Ihre Eltern und Geschwister in Ihren Augen keine guten Bürger, denn sie standen, soviel ich weiß, den Nazis feindlich gegenüber." ,, Ach, die waren, um das zu begreifen, eher zu dumm und von der Kirche viel zu sehr beeinflußt." ,, Ich hoffe, daß das keinesfalls Ihre ehrliche Ansicht ist, Heinrich." Der frühere SS- Mann schweigt dazu. ,, Dachten Sie schon einmal darüber nach, welche Strafe Sie erwartet, wenn Sie der Täter sind, der Mörder?" ,, Ich kann nicht mehr richtig denken." ,, Hoffen Sie nicht auf Freispruch, oder erwarten Sie eine Freiheitsstrafe... spätere Begnadigung Heirat. Was schwebt Ihnen vor?" Eine hoffnungslose Geste des Untersuchungsgefangenen... Er schwieg. Professor Weber klopfte ihm auf die Schulter: ,, Heinrich, die Besuchszeit ist abgelaufen. Ich weiß nicht, wann ich Sie wieder besuchen darf, aber voraussichtlich werde ich noch einmal kommen. Sind Sie sich nun im klaren, ob Sie mich als Ihren Verteidiger wünschen?" ,, Nein, Herr Professor. Meine Eltern sind in so bedrängter finanzieller Lage, daß ich ihnen keinerlei Unkosten mehr machen will. Ein Anwalt, der mir von den Behörden zugewiesen wird, ist wahrscheinlich frei." ,, Und wenn ich ebenso, frei' sein würde?" ,, In diesem Falle möchte ich mich dem Wunsche meiner Leute fügen. Je eher alles vorbei ist, desto besser", antwortete der Gefangene. Er unterschrieb die Vollmacht. Wortlos reichte er Professor Weber zum Abschied die Hand. 84 stattfand Am nä „ Ich bi die ihm c „ Ach S meinen M „ Georg Herr C die Han schuldigt im Sonn Gelehrte Sie, als sehr ung „ Darf Glas se Hause Lande. „ Nein Auf der „ Herm Namen „ Wie Mutt icher schon Redensart: e Deutsche Nach Erledigung der verwaltungstechnischen Formalitäten fuhr der Gelehrte mit dem Abendzug nach Marburg zurück. Zu Hause angekommen, wurde er mit Fragen bestürmt. ,, Ich kann noch gar nichts sagen", wehrte er ab. ,, Vielleicht weiß ich nach dem zweiten Besuch mehr. Ich will, um mit den Eltern und der Braut zu sprechen, morgen nochmals nach X- Burg fahren." ,, Um nicht zu riskieren, vor verschlossene Türen zu kommen, solltest Du Deinen Besuch ankündigen, Karl", meinte Frau Weber. ,, Die Leute unnötig zu beunruhigen, möchte ich vermeiden. Irgendjemand von ihnen wird bestimmt zu Hause sein, die Mutter..." Hauptmann Norgam, der ursprünglich zu kommen beabsichtigte, um ugen keine über den Fall Gercke zu hören, sagte telefonisch ab. Er mußte an einer is feindlich Abschiedsfeier teilnehmen, die zu Ehren eines Offiziers seines Stabes stattfand, der nach den Vereinigten Staaten zurückkehren wollte. nd von der inrich." e erwartet e Freiheits en vor?" men... E , wann ich moch einma en Verteid finanzieller Ein Anwalt lich frei." Leute fügen gene. ssor Webe Am nächsten Morgen fuhr der Rechtsgelehrte wieder nach X- Burg. ,, Ich bin Professor Weber aus Marburg", sagte er zu Frau Gercke, die ihm die Tür öffnete. ,, Ach Sie, Herr Professor... Bitte nehmen Sie Platz. Ich muß sofort meinen Mann rufen... Er arbeitet im Garten." ,, Georg, komm' schnell, wir haben Besuch..." Herr Gercke kam in die Wohnstube, er konnte aber Professor Weber die Hand, die mit Gartenerde beschmutzt war, nicht geben. Er entschuldigte sich verlegen und ging dann nach oben, um nach einer Weile im Sonntagsanzug zurückzukommen. Inzwischen hatte der Marburger Gelehrte Gelegenheit, mit Heinrichs Mutter allein zu sprechen. Sowohl Sie, als auch der Vater, waren das sah man auf den ersten Blick sehr unglücklich. - ,, Darf ich Ihnen ein Glas Milch anbieten, Herr Professor? Oder ein Glas selbstgemachten Stachelbeerwein? Sonst habe ich nichts im Hause Sie wissen ja, wie es heutzutage ist. Überhaupt auf dem Lande..." - ,, Nein, danke, Frau Gercke. Ich möchte jetzt nichts zu mir nehmen... Auf dem Lande, sagten Sie, Frau Gercke...?" ,, Herr Professor, X- Burg ist wohl eine Kreisstadt, aber nur dem Namen nach. Im Grunde genommen, ist es ein großes Dorf." ,, Wie Sie sich wohl denken können, bin ich Ihres Sohnes wegen hier." Mutter Gercke begann zu weinen. 85 85 ,, Weinen Sie nicht, gute Frau", tröstete sie Professor Weber ,,, und verlieren Sie den Mut nicht! Ich will alles tun, was in meinen Kräften steht." ,, Herr Professor, wir vertrauen auf Gott", sagte Frau Gercke, sich die Tränen wischend ,,, wir sind arme Leute, und wir können nichts anderes tun, als zu ihm beten." ,, Gottvertrauen ist immer gut, wenn auch keineswegs alles damit getan ist... und nun: Wenn Sie irgend etwas in der Sache Ihres Sohnes erhoffen, dann müssen Sie mir alles sagen, was Sie wissen. Selbst was Ihnen unwichtig vorkommt, möchte ich erzählt haben. Sogar das, was gegen Ihren Sohn sprechen sollte, verheimlichen Sie bitte nicht. Als Verteidiger bin ich der Schweigepflicht unterworfen. Darüber können Sie unbesorgt sein..." ,, Ja, Herr Professor, wir wollen Ihrem Rate folgen. Aber kann denn niemand von uns Heinrich einmal besuchen?" fragte sie, ihre angstvollen Blicke auf den Besucher gerichtet. ,, Ich war gestern bei ihm, Frau Gercke." ,, Bei unserem Heinrich?... Sie...?" bemerkte die Mutter wie entgeistert. ,, In Jesus Christus Namen, Herr Professor, warum haben Sie mir das nicht gesagt?" ,, Wenn ich mit meinen Fragen zu Ende bin, will ich davon sprechen. Also jetzt zur Sache: Herr Gercke, ich bitte Sie, mir alles zu erzählen, dessen sie sich von seiner frühesten Jugend an bis zum Tage seiner Verhaftung erinnern... Krankheiten, Charakter, Religionsfragen usw., sogar über seine Bubenstreiche... Sollte Ihr Gedächtnis Sie im Stiche lassen, wodurch Sie etwas falsch darstellen, so bitte ich Sie, Mutter Gercke, um sofortige Richtigstellung." Der Bericht der Eltern zog sich bis gegen drei Uhr hin. Der Rechtsgelehrte hatte so ziemlich alles, was zu ermitteln war, erfahren. Jetzt wollte er etwas anderes wissen... Über die Braut des Sohnes wünschte er noch nähere Auskünfte zu erhalten. Bestimm sorgt. Ach, rina würde Bitte la „ Ich hole den Weg. Eine Stu Katharina könnte des „ Die Ba weit vom Endlich War si „ Oh doc Herrn Pro wehrte er holte sie habe sie n am ganze Das ar Man s sie stellt wie keine Profess aufsuchen Ein unn sich zu b anderes geregt se „ Keine an Sie ri ,, Wie heißt die Verlobte?" ,, Katharina Kohl." ,, Was ist ihr Vater von Beruf?" ,, Ein Bauer. Er besitzt sechzig Acker Land, dreißig Morgen Wiesen und zwei Gemeindenutzen." " , Wie weit entfernt wohnt das Mädchen von hier?" ,, Etwa eine viertel Stunde." 86 ,, Glauben Sie, daß sie hierher käme, wenn man sie rufen lieẞ'?" sich um Sahen Sie nahe Das bemerkt „ Glau „ Ause dem die Weber ,,, und nen Kräften Gercke, sich mnen nichts alles damit Thres Sohnes Selbst was ar das, was cht. Als Verkönnen Sie kann dem ihre angst. Her wie ent mhaben Sie on sprechen zu erzählen Tage seiner ragen usw. ie im Stiche Sie, Mutter Der Rechts Fahren. Jetz es wünschte gen Wiese ließ'?" ,, Bestimmt, Herr Professor. Sie ist um unseren Sohn doch sehr besorgt. Ach, wie oft kommt sie, um sich nach ihm zu erkundigen. Katharina würde für Heinrich alles tun." ..Bitte lassen Sie Fräulein Kohl kommen." ,, Ich hole sie gleich selber", sagte Georg Gercke und machte sich auf den Weg. Eine Stunde war bereits vergangen weder Herr Gercke noch Katharina Kohl kamen. Frau Gercke, die vermutete, der Professor könnte deswegen ungeduldig werden, erklärte ihm: ,, Die Bauern sind tagsüber viel auf dem Felde. Kohls Äcker liegen weit vom Ort entfernt. Vielleicht dauert es deswegen so lange...“ Endlich kam Herr Gercke zurück- jedoch ohne Katharina Kohl. ,, War sie nicht zu Hause?" fragte Frau Gercke. ,, Oh doch... Aber als ich sie bat, mit mir zu kommen, um mit dem Herrn Professor zu sprechen, geriet sie außer Rand und Band und wehrte entschieden ab., Das könnte Heinrich nichts nützen', wiederholte sie immer wieder. Katharina benahm sich so sonderbar... Ich habe sie noch niemals in einer solchen Verfassung gesehen. Sie zitterte am ganzen Körper und war nicht zu beruhigen." ,, Das arme Mädchen", sagte Professor Weber nachdenklich. ,, Man sollte es kaum für möglich halten", beteuerte Vater Gercke, ,, sie stellt sonst immer ihren Mann und arbeitet hart und unermüdlich wie keine andere..." Professor Weber überlegte nicht lange und sagte:„ Ich werde sie aufsuchen. Begleiten Sie mich bitte, Herr Gercke." Ein unruhiges Flackern war in Katharinas Blick. Viel Mühe hatte sie, sich zu beherrschen; das sah man ihr an. Sie bat Professor Weber, ein anderes Mal mit ihm sprechen zu dürfen, da sie im Augenblick so aufgeregt sei, daß sie keinen ruhigen Gedanken fassen könne. ,, Keine Angst, Fräulein Kohl; ich werde nur ganz einfache Fragen an Sie richten. Sie brauchen keinesfalls viel nachzudenken, es handelt sich um solche Punkte, die Ihnen bekannt sind... Sahen Sie, wie der amerikanische Flieger erdolcht wurde? Standen Sie nahe dabei?" ,, Das Messer, das in dem Körper des amerikanischen Fliegers steckte, bemerkte ich vorher an Heinrichs Koppel." ,, Glauben Sie nicht, daß ein anderer zugestoßen haben könnte?" ,, Ausgeschlossen, Herr Professor... Es war Heinrichs Messer, mit dem die Tat geschah..." 87 ,, Gestern habe ich ihn besucht; er sehnt sich sehr nach Ihnen. Ich werde versuchen, eine Besuchserlaubnis für Sie zu erwirken, Fräulein Kohl." Katharina wurde leichenblaß, als sie von dieser Möglichkeit hörte. Sie konnte erst kein Wort herausbringen, aber als ihr Professor Weber die Hand zum Abschied reichte, stammelte sie:„ Bitte, tun Sie nichts wegen einer Besuchserlaubnis, Herr Professor. Ich will keinesfalls, daß er mich jetzt zu sehen bekommt..." Sie stockte für einen Moment und, wie einer plötzlichen Eingebung folgend, sagte sie: ,, Ich ließ mir neulich einen Zahn ziehen, und bevor ich keinen Stiftzahn habe, möchte ich mich so vor Heinrich nicht zeigen." In Anbetracht der Lage etwas verblüfft über solche Eitelkeit meinte der Gelehrte: „ Von hie vor zirka Der Gel Zeit, seine Es war D „ Herr F getroffen, „ Nein, ic noch manc „ Gut, H Eine ha Daß die S Herren ein ,, Wir müssen jetzt alles an uns herankommen lassen", und ging mit Georg Gercke, der die ganze Unterredung wortlos mitangehört hatte. In Gedanken versunken, wartete er auf den nächsten Zug nach Marburg. Das Haus war dunkel und niemand erschien, um ihn zu begrüßen. Eine vorgefundene Notiz informierte ihn, daß alle ins Kino gegangen wären. Kaum waren die Kinobesucher zurückgekommen, als ihn seine Frau mit Fragen überfiel, was er über den Ausgang des Prozesses dächte. ,, Ich kann noch gar nichts sagen, liebe Frau... Ich will mir selbst erst einmal eine eigene Meinung bilden. Du mußt nur Geduld aufbringen." ,, Wann wirst Du etwas wissen, Karl?" ,, Sicher nach der Verhandlung!" ,, Du bist und bleibst ein, böser Strolch'." Am nächsten Morgen rief Professor Weber bei dem A.H.M. an, um zu hören, ob er in die Akten Gercke Einsicht nehmen dürfe. Hauptmann Norgam verneinte bedauernd; denn sie seien, da sie nur vorübergehend in seinem Büro benötigt wurden, wieder zurückgesandt worden. Soweit er sich erinnern könne, sei die Verhandlung auf den vierzehnten Mai angesetzt. ,, Das sind ja kaum noch drei Wochen, Herr Hauptmann! Und ich als Verteidiger habe kein einziges Mal die Akten zu Gesicht bekommen!" ,, Halten Sie dies im Falle Gercke wirklich für so wichtig, Herr Professor? Der Tatbestand liegt doch klar auf der Hand." ,, Nachdem ich die Verteidigung übernommen habe, will ich bis in den kleinsten Punkt informiert sein. Wo sind die Akten zur Zeit?" 88 beide nic den Stran Der Ge richs Elte das ihn s Dr. Rump Anwalt 2 Auslegung „ Nehme haben. W führung d ich nicht ,, Leider leicht kam der Ange ist dreize Nazilehre Sie in Demnach aufnahm ,, Wirk ihn ein? Nich haus he Nazis, H Ihnen. Ich ken, Fräu,, Von hier aus gelangten sie zurück an's Militärgericht. Das geschah vor zirka einer Woche, Herr Professor." Der Gelehrte dankte und legte den Hörer auf. Aber er hatte gar keine keit hörte. Zeit, seinem Ärger Ausdruck zu geben, denn das Telefon läutete... sor Weber Es war Dr. Rumpf: Sie nichts esfalls, daß oment und, mir neulich möchte ich Eitelkeit- nd ging mit ehört hatte. nach Marbegrüßen. O gegangen s ihn seine sses dächte. mir selbst ufbringen." M. an, um Hauptmann bergehend en. Soweit ehnten Mai Und ich als ekommen!" Herr Probis in den t?" ,, Herr Professor, die Prozeßakten Gercke sind soeben bei mir eingetroffen, soll ich sie Ihnen zuschicken?" ,, Nein, ich komme lieber zu Ihnen ins Büro. Vielleicht haben wir doch noch manches gemeinsam zu besprechen." ,, Gut, Herr Professor, ich erwarte Sie." Eine halbe Stunde später saß Professor Weber Dr. Rumpf gegenüber. Daß die Sache für Heinrich Gercke schlimm stehe, darüber waren die Herren einer Meinung. Wenn kein Wunder geschähe- an das sie aber beide nicht glaubten, war nur ein Urteil zu gewärtigen: Tod durch den Strang... Der Gelehrte berichtete Dr. Rumpf von seiner Unterredung mit Heinrichs Eltern, vor allem aber über das sonderbare Benehmen der Braut, das ihn so stutzig gemacht habe und ihm nicht aus dem Kopf gehe. Dr. Rumpf versuchte, ihr Verhalten als bloße Befangenheit vor einem Anwalt zu deuten. Professor Weber ließ sich durch eine so harmlose Auslegung nicht überzeugen. - ,, Nehmen Sie die Akten mit, Herr Professor? Sie werden viel Arbeit haben. Wie ich Ihnen schon sagte wenn keine Lücke in der Beweisführung der Anklage nachgewiesen und ausgewertet werden kann, gebe ich nicht einen roten Heller für den Kopf Ihres SS- Mannes Gercke." ,, Leider, leider muß ich Ihre Ansicht teilen, Herr Doktor... aber vielleicht kann man mildernde Umstände geltend machen. Schließlich war der Angeklagte erst zwölf Jahre alt, als Hitler zur Macht kam, und er ist dreizehn Jahre lang im eindrucksfähigsten Alter der vergiftenden Nazilehre ausgesetzt gewesen..." 66 ,, Sie irren, Herr Professor... Er gehörte erst seit 1942 der Partei an. Demnach war der Verhaftete einundzwanzig Jahre alt, als die SS ihn aufnahm." ,, Wirkten die Lehren der Nationalsozialisten nicht schon vorher auf ihn ein? Auf Schritt und Tritt...?" ,, Nicht in dem Ausmaß, wie Sie es anzunehmen scheinen. Im Elternhaus herrschte ein anderer Geist. Seine Leute waren alle gegen die Nazis, Herr Professor." 89 ,, Umso schlimmer blieb er außerhalb der Familie von der Naziidee Zwei ame umgarnt, bis er schließlich, wie seine Eltern das vermuten, hauptsäch- dessen Fan lich unter dem Einfluß einer Frau, die er liebte, ein SS- Mann wurde." ,, All das kann ihm niemals vor dem Gesetz von der Untat, einen Menschen niedergestochen zu haben, freisprechen- wobei erschwerend ins Gewicht fallen wird, daß der Ermordete ein Angehöriger der siegreichen Armeen war. Das amerikanische Militärgericht wird aufs Schärfste vorgehen, dessen bin ich sicher... Ich beneide Sie nicht um Ihr Amt, Herr Professor", fügte Dr. Rumpf noch allen Ernstes hinzu. Täglich beschäftigte sich der Professor einige Stunden mit dem Studium der Schriftstücke und führte dieserhalb eine ausgedehnte Korrespondenz im Namen der Kanzlei Dr. Rumpf. Er arbeitete fieberhaft, weil ihm nur noch zwei knappe Wochen Zeit zur Verfügung standen. Auch alle Gegenbeweise, die ihm nützlich schienen, mußte er überprüfen und sonst noch allem, was zur Vorbereitung eines solchen Prozesses notwendig ist, seine Aufmerksamkeit widmen. Abends, nach der Arbeit, sprach er ab und zu mit seiner Frau über den Heinrich- Prozeß, der Frau Weber sehr in Spannung hielt. Manchmal las er ihr auch aus den Akten vor. Aber mit keinem Sterbenswörtchen verriet er ihr oder irgend einem anderen, was er zu tun vorhatte... Nur Dr. Rumpf hielt er auf dem Laufenden. - Zum Beispiel hatte er einen Privatdetektiv damit betraut, über das Privatleben der Braut, Katharina Kohl, Ermittlungen anzustellen; besonders sollte der Beauftragte ausfindig machen, mit wem sie zusammenkäme, wie sie sich verhalte im allgemeinen und speziell wenn die Rede auf Heinrich Gercke und seine Verhaftung kommt. Professor Weber hatte keine direkten Anhaltspunkte für seinen Argwohn gegen Katharina, aber sein Verdacht, daß etwas nicht stimme, hielt ihn im Mißtrauensbann. Mit einer Braut, die ihren Bräutigam, den sie in Todesgefahr weiß, auf keinen Fall sehen wollte, muß es eine besondere Bewandtnis haben. Zwar ging sie täglich zu Heinrichs Eltern und tröstete sie... Trotzdem der Kreis der Gedanken darüber wollte und wollte sich nicht schließen... 1- Der Gerichtstag begann: Gegen neun Uhr eröffnete der Vorsitzende, Oberst Froley, die Verhandlung. Als Vertreter der Anklage wirkte Oberstleutnant O'dell. Das Militärgericht war aus sieben Offizieren gebildet. Nach Aufruf der Zeugen mußten diese den Saal vorerst wieder verlassen. 90 Zunächst Oberstleutr Bekanntgal elf Uhr dre Der Gas die Heiligk bei Zeuger zunächst s Protokoll gert mit de Als er di Was w „ Heinric der noch a in Uniform Bestan Machtgrup „ Ja,- mich erin Steinhägen das Lokal Lehrers W fand, zurü trank nich Die Ve gekomme „ Sehr sehr eng den würd Fiel e Gercke, darüber „ Nicht Wenn das dock Es g und Aug er Naziidee Zwei amerikanische Militärpolizisten bewachten den Angeklagten, von hauptsäch dessen Familie man nur die Eltern anwesend fand. wurde." einen Menschwerend er der sieg. wird aufs ie nicht um stes hinzu, m mit dem hnte Korre. erhaft, weil nden. Auch prüfen und zesses notZunächst wurden seine Personalien verlesen. Dann erhielt Herr Oberstleutnant O'dell als amtierender Staatsanwalt das Wort, der zur Bekanntgabe der Anklageschrift mehr als zwei Stunden benötigte. Um elf Uhr dreißig begann die Zeugenvernehmung. - Der Gastwirt Adam Spieß erschien als erster Zeuge. Nachdem er auf die Heiligkeit des Eides aufmerksam gemacht worden war, wie das bei Zeugen immer geschieht, mußte er diesen leisten. Auch er hatte zunächst seine Personalien hinsichtlich Alter, Religion und Familie zu Protokoll zu geben, ferner auszusagen, ob er verwandt oder verschwägert mit dem Angeklagten sei. Als er dies verneinte, begann die Vernehmung: ,, Was wissen Sie von dem Fall", fragte der Vorsitzende. ,, Heinrich Gercke kam mit Katharina Kohl in meine Wirtsstube, in der noch andere Gäste Platz genommen hatten; unter ihnen auch Leute in Uniform... Von der Wehrmacht, und von der Nazipartei." ,, Bestand nach Ihrer Ansicht ein Unterschied zwischen diesen beiden mswörtchen Machtgruppen, Herr Zeuge?" - Frau über Manchmal vorhatte... t, über das stellen; bezusammen-wenn die Professor wohn gegen mielt ihn im e in Todes e besondere rn und tro wollte und y, die Ver O'dell. Das uf der Zeu - ,, Ja,- ein gewaltiger", sagte der Zeuge und fuhr fort ,,, soweit ich mich erinnern kann, trank Heinrich Gercke mehrere Biere und einige Steinhäger. Fräulein Kohl nahm einen Steinhäger. Dann verließen beide das Lokal. Nach etwa einer Stunde kamen sie in Begleitung des früheren Lehrers Waldeck, der sich damals als SS- Truppführer auf Urlaub befand, zurück. Gercke und die Kohl zechten weiter; der SS- Truppführer trank nichts. Auf seinen Wink hörte auch die Kohl zu trinken auf." Die Verteidigung wollte wissen, wieso der Zeuge zu der Annahme gekommen sei, daß Fräulein Kohl einen solchen Wink bekommen habe. ,, Sehr einfach; ich becbachtete sie und den Truppführer, die früher sehr eng befreundet waren; jeder in X- Burg war der Meinung, die beiden würden einmal ein Paar." ,, Fiel es Ihnen nicht auf, Herr Zeuge, daß Fräulein Kohl Heinrich Gercke, ihren Verlobten, ruhig weiter trinken ließ? Haben Sie sich darüber nicht Ihre eigenen Gedanken gemacht?" ,, Nicht, daß ich wüßte." ,, Wenn Sie, wie Sie gerade sagten, Leute beobachteten, hätte Ihnen das doch auffallen müssen. Herr Zeuge." ,, Es geht soviel vor in einem Wirtszimmer, man muß seine Ohren und Augen überall haben...“ 91 16 ,, Das glaube ich", sagte der Verteidiger. ,, Aber Sie sahen doch selbst, wie Katharina Kohl die Warnung erhielt..." Der Vertreter der Anklage unterbrach hier und sagte, es wäre zwecklos und unnütze Zeitverschwendung, bei diesem belanglosen Punkte zu verweilen. ,, Dessen bin ich weniger sicher", meinte Professor Weber. ,, Darf ich dem Zeugen weitere Fragen stellen?" Der Vorsitzende bejahte. „ Ich da gewesen sein; denn ein Messe nur so be SS- Trupp ich auch Nu durch Der Sta war, frag „ Herr warum ha abreichen „ Ja, da „ Warum „ Herr ,, Herr Zeuge, haben die Kohl und der SS- Truppführer überhaupt nichts mehr getrunken?" ,, Als ich an dem Tische des Truppführers Waldeck vorbeikam, wies er mich an, ihm und der Kohl nur noch Limonade einzuschenken, aber keinen Tropfen Alkohol mehr." ,, Taten Sie das?" ,, Jawohl." ,, Soweit ich verstehe: Die Katharina Kohl und der SS- Truppführer tranken Limonade, der Angeklagte hingegen Alkohol! Ist das richtig?" ,, So und nicht anders war es." ,, Hat der Angeklagte viel getrunken?" ,, Mehr als genug." ,, Was verstehen Sie unter, mehr als genug‘?" ,, Er war so betrunken, daß er kaum noch gehen konnte. Plötzlich schrie jemand:, Feindliche Flieger springen ab!' Im Nu war die Wirtsstube leer. Was sich dann draußen abgespielt hat, habe ich nur gehört, aber nicht gesehen." ,, Was haben Sie vernommen?" 99 Wirt SAdarauf an Sie diese Großes Der Ve „ Ist de „ Ich ha ,, Daß Heinrich Gercke den Amerikaner erstochen hätte." ,, Von wem haben Sie das gehört?" ,, Das weiß ich nicht mehr. Alle Leute sprachen davon." , Glaubten es auch alle?" دو Nach einiger Überlegung:„ So etwas entzieht sich völlig der Beurteilung des einzelnen." ,, Herr Zeuge, Sie drücken sich ja sehr gewählt aus. Haben Sie nur das Gastwirtschaftsgewerbe erlernt?" ,, Ursprünglich wollte ich Arzt werden, aber meinem Vater ging das Geld aus. Daher mußte ich das Studium an den Nagel hängen... Später übernahm ich das Gasthaus." ,, Herr Zeuge, bitte achten Sie jetzt genau auf meine Frage. Was waren Ihre ersten Gedanken, als Sie hörten, daß Heinrich Gercke den amerikanischen Soldaten erdolcht habe?" 92 der Fluc „ Wisse Da ke setzen. Nächs „ Konr „ Beru ,, Brief ,, Habe „ Jaw Herr Gercke „ Ohn „ Wie dere M „ Am mit ein Hoch selbst, es wäre ..Ich dachte, der amerikanische Flieger muß nicht nur betrunken gewesen sondern dem Angeklagten sozusagen ins Messer gefallen sein; denn es schien mir, daß Gercke kaum sich selbst, geschweige denn - belanglosen ein Messer halten konnte... Dann sagte ich mir, vielleicht hatte er sich nur so betrunken gestellt, um seine Braut, die so freundlich mit dem . ,, Darf ich SS- Truppführer tat-, besser beobachten zu können. Irgendwo glaube überhaupt ikam, wies enken, aber Truppführer s richtig?" e. Plötzlich die Wirts nur gehört, der BeurDen Sie nur er ging das ... Später rage. Was Gercke den ich auch einmal gelesen oder gehört zu haben, daß ein Betrunkener im Nu durch einen plötzlichen Schock wieder nüchtern werden kann..." Der Staatsanwalt, auf dessen Antrag Herr Spieß vorgeladen worden war, fragte jetzt: ,, Herr Zeuge, wenn Ihnen der Angeklagte total betrunken schien, warum haben Sie sich nicht geweigert, ihm noch mehr Alkohol zu verabreichen? Mußten Sie das, dem Gesetze nach, nicht tun?" ,, Ja, das Gesetz sieht dies vor." ,, Warum haben Sie der gesetzlichen Vorschrift keine Folge geleistet?" ,, Herr Anklagevertreter, wenn Sie während des Hitlerregimes als Wirt SA- und SS- Männer als Gäste dulden mußten und obendrein noch darauf angewiesen waren, Ihr Wirtshaus zu behalten dann hätten Sie diese Frage bestimmt nicht gestellt." Großes Gelächter im Gerichtssaal. Der Verteidiger fragte den Zeugen noch: ,, Ist der SS- Truppführer hier im Saale?" ,, Ich habe ihn nicht gesehen. Soweit mir bekannt ist, soll er sich auf der Flucht befinden." ,, Wissen Sie die Ursache seiner Flucht, Herr Zeuge?"- ,, Nein." Da keine weiteren Fragen gestellt wurden, konnte sich der Zeuge setzen. Nächster Zeuge:„ Ihren Namen bitte?" ,, Konrad Wagner." ,, Beruf?" ,, Briefträger." ,, Haben Sie das Messer im Rücken des Amerikaners gesehen?" ..Jawohl." ,, Herr Zeuge, erkannten Sie es als Eigentum des früheren SS- Mannes Gercke?" ,, Ohne Zweifel. Auf zehn Meter weit weg konnte ich das schon sehen.“ ,, Wie ist das zu erklären? Auf solche Entfernung? Hatte es besondere Merkmale?" ,, Am Heftknopf erkannte ich's. Nur Heinrich Gercke hatte ein Messer mit einem roten Knopf." 93 ,, Ist das richtig, Herr Angeklagter?" ,, Jawohl, das stimmt." Nachdem der Zeuge zu der Tat im Wesentlichen nichts mehr aussagen konnte, nahm er auf der Zeugenbank Platz... - - alle Zeugen vernom... Nach neun Stunden waren bis auf drei men. Die Verhandlung wurde auf den nächsten Morgen vertagt. Professor Weber fuhr nach Hause. Trctz der späten Stunde hatte er Dr. Rumpf noch zu sich gebeten. Er berichtete ihm genau über den Stand des Prozesses, und Dr. Rumpf versprach, mit Professor Weber am nächsten Morgen gemeinsam zur Verhandlung zu fahren. Sie verabredeten, sich am Bahnhof zu treffen. Gegen neun Uhr betraten beide den Gerichtssaal. Alle Zeugen, auch die bereits vernommenen, sah man wieder. Kopf an Kopf standen die Zuhörer im überfüllten Saale. Nächster Zeuge. ,, Name?" ,, Katharina Kohl." ,, Alter?" ,, Dreiundzwanzig Jahre." ,, Religion?" ,, Keine mehr." ,, Verheiratet?" ,, Nein." ,, Kinder?" Die Zeugin schwieg. Nochmalige Frage: ,, Kinder?... Hören Sie nicht, Zeugin? Haben Sie Kinder?" ,, Ja." , Wieviele?" ,, Einen Sohn... Er ist tot." Heinrich Gercke sprang auf und tobte. Da er sich nicht beruhigen ließ, veranlaẞ.e der Vorsitzende die Entfernung des Angeklagten aus dem Gerichtssaale. Professor Weber, der, während der Angeklagte abgeführt wurde, ein sehr wichtiges Gespräch mit Dr. Rumpf und dem Privatdetektiv hatte, meldete sich zu Wort: ,, Ich frage die Zeugin, ob sie sich damit einverstanden erklärt, daß ihr Bräutigam den Gerichtssaal verlassen mußte.?" 94 „ Diese F nicht Sache als Jurist b „ Aber ic Herr Vorsi „ Ich spre „ Fühlen behindert, Staatsanwa Jawchl „ Nun", s von der S schwere S Ich kam Seit wa Es ist r „ Leiden „ Nein." Dann E für Sie, w „ Ich we „ Zum le Die Gerec Wahrheit Soldaten „ Ich gla Haben Nein, c „ Herr sagen mit brechend Seinem Gercke w men, bat Vorsitz abspielte „ An je Adam S zu tief in sichtigte hr aussagen en vernomertagt. ProMe hatte er über den sor Weber en. Sie vereugen, auch standen die Haben Sie uhigen ließ, n aus dem wurde, ein ektiv hatte, erklärt, daß ,, Diese Frage ist unangebracht", bemerkte der Vorsitzende. ,, Es ist nicht Sache der Zeugin, eine Entscheidung zu treffen. Das sollte Ihnen als Jurist bekannt sein." ,, Aber ich lege besonderen Wert darauf, daß die Zeugin antwortet, Herr Vorsitzender, und bitte diese Frage zuzulassen..." ,, Ich spreche leichter in Heinrichs Abwesenheit", sagte Katharina Kohl. ,, Fühlen Sie sich durch die Lage, in der sich Ihr Bräutigam befindet, behindert, Ihre Aussagen in seiner Anwesenheit zu machen?" fragte der Staatsanwalt. ,, Jawchl, er tut mir so leid." ,, Nun", sagte der Vorsitzende zur Zeugin ,,, erzählen Sie uns, was Sie von der Sache wissen. Verschweigen und entstellen Sie nichts; daß schwere Strafen auf Meineid stehen, ist Ihnen bekannt." ,, Ich kann mich nicht mehr an alles erinnern." ,, Seit wann?" fragte der Vorsitzende mißtrauisch. ,, Es ist mir im Moment entfallen." ,, Leiden Sie an Gedächtnisschwäche?" ,, Nein." ,, Dann bitte ich Sie, Ihre Aussagen zu machen. Oder ist es leichter für Sie, wenn einzelne Fragen an Sie gestellt werden?" ,, Ich weiß es selbst nicht." ,, Zum letzten Male fordere ich Sie auf, mit Ihrer Aussage zu beginnen. Die Gerechtigkeit verlangt die reine Wahrheit, und nichts als die reine Wahrheit... Hat Ihr Bräutigam Heinrich Gercke den amerikanischen Soldaten erstochen?" ,, Ich glaube." ,, Haben Sie gesehen, wie er zustach?" ,, Nein, das nicht... aber..." ,, Herr Vorsitzender, ich bitte, den Angeklagten diese wichtigen Aussagen mitanhören zu lassen", sagte Professor Weber, die Zeugin unterbrechend. Seinem Antrag wurde stattgegeben. In wenigen Minuten saẞ Heinrich Gercke wieder auf der Anklagebank. Um sich Notizen machen zu können, bat er um Papier und Bleistift... Vorsitzender: ,, Zeugin Kohl, erzählen Sie noch einmal, wie sich alles abspielte." ,, An jenem Tage ging ich mit Hei... Hei... Heinrich in das Gasthaus Adam Spieß. Wir waren in guter Stimmung und haben vielleicht etwas zu tief ins Glas geguckt. Lange hielten wir uns nicht auf, denn wir beabsichtigten, in die Turnhalle zu gehen, um Streicher zu hören. Auf unse95 rem Wege trafen wir SS- Truppführer Max Waldeck, den sowohl Heinrich als auch ich seit vielen Monaten nicht gesehen hatten. Waldeck fragte uns, was wir vorhätten. Auf unsere Antwort bat er, in unserer Gesellschaft bleiben zu dürfen. Dagegen sollten wir unseren Plan aufgeben und diesen Schwätzer nicht anhören, der den Leuten seit Jahr und Tag immer denselben Unsinn vorsetzt, nichts als Schlagworte und Lügen sagte er und schlug vor, zu Spieß zu gehen, um einen guten Tropfen zu Gemüte zu führen, das wäre bestimmt vernünftiger. Obwohl ich Heinrich am Ärmel zupfte, um ihm zu bedeuten, auf den Vorschlag Waldecks nicht einzugehen, stimmte er zu... So landeten wir wieder bei Spieß und tranken ein Gläschen nach dem anderen." ,, Wieviele mögen es gewesen sein?" Wann', beka eine Viertels Ich hatte An en kann! K darauf weite Antwort, m kommt und Als wir in Menschen a en uns dure ich zuerst fi „ Warum „ Weil er Hört doch a - Bist Du brecher bist ,, Ich habe keine Ahnung. Aber ich merkte, daß Heinrich mehr getrunken hatte, als ihm bekömmlich war. Das sagte ich ihm auch und wollte ihn dazu bewegen, nach Hause zu gehen. Er wurde ärgerlich und schrie mich an:, Du kannst ja gehen, ich bleib' noch da!' Weil ich jedoch unsere Frau fürchtete, daß er dann etwas Unvernünftiges anstellen könnte, blieb ich er.... Ich b an seiner Seite. Ob der Herr SS- Truppführer auch viel trank, ist mir nicht in Erinnerung. Das war ja für mich von geringerem Interesse als das, was mein Bräutigam tat. In meiner Verzweiflung bat ich den Gastwirt, Heinrich keinen Alkohol mehr zu verabfolgen. Spieß pfiff mich an, er bewirte seine Gäste so lange als diese bezahlen. Ich flehte:, Adam, tu' es mir zuliebe, bring ihm lieber eine Tasse Kaffee... Er lachte: , Kaffee...? Dem Burschen ist jetzt kaum nach Kaffee zumute.' Als all mein Bemühen umsonst schien, wandte ich mich an SS- Truppführer Waldeck und ersuchte ihn, dem Wirt ein Machtwort zu sagen. Er kam aber nicht mehr dazu, denn von der Straße her erscholl der Ruf: Feindliche Flieger! Feindliche Flieger! Alle liefen hinaus, auch Heinrich und ich. Zu meinem Erstaunen schien Heinrich wieder nüchtern zu sein. Er rannte schneller als ich, blieb aber plötzlich stehen und rief mir zornig zu, daß ich mich beeilen sollte. Den.SS- Truppführer hatten wir bis nach dem Morde nicht mehr gesehen. Dann kam er mit meinem Schwager Hermann, der mit meiner ältesten Schwester verheiratet ist." ,, Erzählen Sie, was geschah, als Heinrich Gercke zornig auf Sie wartete", unterbrach der Vorsitzende. ,, Ich erwiderte Heinrich, daß ich nicht so schnell laufen könnte. In übrigen sah ich weder Flugzeuge noch Flieger. Als wir ein Stück weiter auf eine Wiese kamen, riefen einige Leute, es wären eine Menge Flieger mit Waffen gelandet. Mein Bräutigam erkundigte sich, wo?, In der 96 er sich vom sich um ein gerade erho -ehe ich dann war's Und dan "... dan „ Fahren „ Ich sch Was?'- an und grif begreifen, Und nun weggenom Nahmen „ Nur ein Wie w wie der A Nein, a Wesen se schon era Amerikan owohl Hein- Wann', bekam er zur Antwort. Das ist der Name einer Wiese, die zirka en. Waldeck eine Viertelstunde vom Ort entfernt liegt. Ich wollte nicht mehr mit. , in unserer ich hatte Angst., Heinrich', sagte ich ,, bleib hier. Wer weiß, was passieen Plan auf ren kann! Komm', wir gehen zurück! Aber wie versessen bestand er en seit Jahr darauf weiterzugehen., Wenn feindliche Flieger da sind', gab er zur Schlagworte Antwort ,, müssen wir sie in Schach halten, bis Militär aus Marburg n, um einen kommt und sie unschädlich macht.... - - vernünftiger. Als wir in der, Wann' anlangten, waren sicher schon mehrere hundert ten, auf den Menschen anwesend. Heinrich faßte mich an der Hand, und wir drängSo landeten ten uns durch... Ganz unerwartet standen wir vor einem Flieger, den ich zuerst für einen Russen hielt." anderen." mehr getrun th und wollte h und schrie ich jedoch te, blieb ich rank, ist mir Interesse als ch den Gast fiff mich an ehte:, Adam Er lachte nute. SS- Trupp rt zu sagen erscholl der hinaus, aud او 9 Warum für einen Russen?" fragte der Vorsitzende. - Weil er eine Pelzmütze trug. Er rief laut in deutscher Sprache: Hört doch auf, mich zu schlagen! Ich bin ein Soldat wie die Eurigen.... Bist Du Jude?', Nein.' , Nein.', Du Hund, kommst hierher und wirfst unsere Frauen und Kinder tot!', Ich tat ja nur meine Pflicht', betonte er..., Ich bin ein Amerikaner.'-, Was? Ein ganz gewöhnlicher Verbrecher bist Du!'... Schlag auf Schlag fiel auf ihn nieder; kaum erhob er sich vom Boden. so wurde er wieder niedergeprügelt. Obzwar es sich um einen Feind handelte, tat er mir leid. Der Flieger hatte sich gerade erhoben und war einige Schritte zurückgetaumelt, als Heinrich ehe ich es verhindern konnte sich von mir losriẞ- und dann dann war's geschehen der Amerikaner lag erstochen auf dem Rasen." ,, Und dann?" fragte der Vorsitzende. 91040 - -- dann... dann..." ,, Fahren Sie mit Ihrer Aussage fort!" ,, Ich schrie verzweifelt., Heinrich, warum hast Du das getan?' Was?', Den armen Soldaten erstochen... Verlegen schaute er mich wieder nüch an und griff nach seinem Messer... Er tat so, als schiene er nicht zu tzlich stehet begreifen, wieso nur die leere Lederhülle an seinem Koppel hing... -Truppführer Und nun wurde der tote Amerikaner durchsucht alles wurde ihm kam er mit weggenommen- jeder wollte ein Andenken haben." wester ver auf Sie war könnte. In Stück weiter enge Fliege wo? In de ,, Nahmen auch Sie sich etwas?" ,, Nur eine ganze Kleinigkeit, eine Vorstecknadel..." ,, Wie war das doch gleich, behaupteten Sie nicht, gesehen zu haben, wie der Angeklagte mit dem Dolch zustach?" ,, Nein, das habe ich nicht gesagt. Aber es kann gar nicht anders gewesen sein. Er riß sich doch von mir los und wie ich's vorhin schon erzählte so war's- sein Messer steckte im Rücken des Amerikaners." 97 ,, Zeugin Katharina Kohl", rief der Verteidiger ,,, es geht um den Kopf Ihres Bräutigams, beachten Sie meine Frage: Haben Sie gesehen, wie Heinrich Gercke den Dolchstoẞ vollzog- ja oder nein?" ,, Ich soll doch nur das berichten, was ich noch weiß, und da möchte ich sagen, es kann gar kein anderer gewesen sein." ,, Ich verzichte auf Ihre Schlußfolgerungen. Antworten Sie auf meine Frage klipp und klar- ja oder nein?" - ,, Wieso ni „ Ich kann camaligen T ,, Was la Da mit m Nord gesch ihr losriß u glauben ma ger führte. artiges nie bar leid. Ich des amerik: ,, Der Staatsanwalt unterbrach: ,, Aber sieht denn der Herr Verteidiger nicht ein, wie schwer es der Zeugin wird, gegen ihren Verlobten aufzutreten... Es ist ja begreiflich; sie wehrt sich, die nackte Tatsache zu gestehen:, Mein Verlobter... ist der Mörder"." Die Aussage Katharina Kohls war beendet. Nachmittags wurden die beiden anderen Zeugen vernommen, die aber aus eigener Wahrnehmung nichts aussagen konnten, das zur Sache gehörte sondern nur wiederholten, was andere Leute ihnen zugetragen hatten. - Da zu diesem Zeitpunkt der Verhandlungen weder der Vertreter der Anklage noch die Verteidigung weitere Fragen zu stellen hatten, ergriff ersterer das Wort. Mit unerbittlicher Schärfe sprach er etwa drei Stunden lang. Als er um sieben Uhr abends noch nicht zu Ende gekommen war, vertagte der Vorsitzende die Sitzung auf den nächsten Morgen. Dr. Rumpf und Professor Weber fuhren mit dem Abendzug nach Marburg. Um ungestörter zu sein, nahmen sie Fahrkarten erster Klasse. Unterwegs überlegten sie ihre Verhandlungstaktik. Dr. Rumpf versprach, am nächsten Tag-gegen vier Uhr nachmittags wieder in X- Burg zu sein. Er hatte vorher noch eine wichtige Aufgabe zu erledigen, deren Problem die beiden Herren gemeinsam während ihrer Rückfahrt von X- Burg nach Marburg besprachen... - diesen Wor Professor Seit 1942 „ Warum Schweige „ Angekla Wieder k Ein Schre zurief: He Der Ange auf und klarer Stim „ Ich hatt meine Leut er ans Rud Freunde gin ablehnte, m Jahre verg Tags darauf setzte der Staatsanwalt seine Rede in derselben schar- Zusammens fen Tonart fort. Den ganzen Vormittag hindurch sprach er. Zuletzt beantragte er die Todesstrafe.- ,, Das Gesetz verlangt Sühne Bestien wie diese müssen hingerichtet werden... Tod für den Mörder - durch den Strang." SSDer Vorsitzende wandte sich an den Angeklagten:„, Haben Sie verstanden, was der Herr Vertreter der Anklage beantragte? Bekennen Sie sich schuldig?" ,, Ich glaube." ,, Warum glauben Sie es- wissen Sie es denn nicht?" ,, Nein." Eines Ta se und fra Antwort. Judenknec ch- ein weißt ganz Terderben men Strau 98 m den Kop gesehen og- j da möcht e auf mein err Verteidi n Verlobter te Tatsach ommen, di s zur Sach men zugetra Wertreter de atten, ergrif wa drei Stun egekomme 99 Wieso nicht?" ,, Ich kann mich weder an die Tat selbst, noch an die Geschehnisse des damaligen Tages erinnern." ,, Was läßt Sie dann annehmen, daß Sie schuldig sind?" ,, Da mit meinem Messer, das im Rücken des Amerikaners steckte, der Mord geschah... Ferner, weil meine Braut bezeugte, daß ich mich von ihr losriẞ und es dann geschehen sei. Das ist es ja, was mich selber glauben macht, daß ich es bin, der den tödlichen Stich gegen den Flieger führte. Eines ist sicher: Bei klaren Sinnen hätte ich etwas Derartiges nie getan, auch nicht als SS- Mann. Meine Eltern tun mir unsagbar leid. Ich bitte alle um Verzeihung, besonders die Angehörigen des amerikanischen Fliegeroffizieres..." Der Angeklagte weinte bei diesen Worten. - Professor Weber fragte: ,, Wie lange sind Sie in der Partei?" ,, Seit 1942." ,, Warum sind Sie nicht früher Parteimitglied geworden?" Schweigen. ,, Angeklagter, haben Sie die Frage überhört?" Wieder keine Antwort. Ein Schrei aus dem Zuhörerraum- es war seine alte Mutter, die ihm n Morgen. zurief: ,, Heinrich! Heinrich! Antworte sag' alles!" - -- sprach er mit endzug nac Der Angeklagte sackte in sich zusammen. Plötzlich richtete er sich rster Klasse auf und als ginge ihn die ganze Sache nichts an Rumpf ver klarer Stimme: - - -wieder i ,, Ich hatte vorher einen Ekel vor den Nazis... Zu Hause wetterten be zu erled meine Leute gegen Hitler und alles, was mit ihm zusammenhing. Als ihrer Rück er ans Ruder kam, war ich ein Kind von zwölf Jahren. Manche meiner Freunde gingen zur Hitlerjugend, andere blieben ihr fern. Es gab viele selben scha Zusammenstöße in der darauf folgenden Zeit weil ich es beharrlich 1er. Zuletz ablehnte, mich umstimmen zu lassen, so oft es jemand versuchte... SS Jahre vergingen...! ühne den Mörde ben Sie ver e? Bekenne - - Eines Tages im Juni 1941 traf ich Katharina Kohl. Ich begrüßte sie und fragte, wie es ihr ginge., Mit Dir spreche ich nicht', gab sie zur Antwort., Warum nicht?', Weil Du kein Deutscher bist- Du Judenknecht, und mit einem solchen will ich nichts zu tun haben.'- , lch ein Judenknecht? Wie kannst Du so etwas behaupten?'-, Du weißt ganz genau, daß unser Führer sagt, die Juden sind Deutschlands Verderben, und Du Du arbeitest noch immer für das Judenunternehmen Strauß& Strauß., Diese Firma ist längst in arischen Händen- - 99 - - das ist Dir doch bekannt, Katharina. Der Betrieb beschäftigt zweitau- hn wäre, h send Mann in Deinen Augen zweitausend Judenknechte...? Denkst stehen lasse Du wirklich, daß es in Deutschland heute noch einen Betrieb gibt, der Der Staa Waffen herstellt und in jüdischem Besitz ist? Aber damit Du's kagten das weißt, auch wenn es ein Judenbetrieb wäre, würde ich keinen Anstoß tun habe. - daran nehmen und dort arbeiten. Die Firma die Chefs zeigten sich Der Vors immer anständig und haben mich sowohl als guten Arbeiter wie auch Der Ange als Mensch behandelt. Es waren nicht immer Juden, die ihre Leute war so net ausbeuteten und nicht gut behandelten... Laß' Dir das gesagt sein. ertzweit ha Mein Vater hat über fünfunddreißig Jahre bei Strauß& Strauß gearbei- rina? Ich d tet Du solltest einmal hören, wie er diese Leute heute noch lobt und ein!... I schätzt... Übrigens, ich will mit Politik nichts zu tun haben. Ich bei der SS ,, schenk" Dir Deinen Adolf und alle, die mit ihm das Volk so furchtbar el sie mir belogen und betrogen haben.' Katharina wurde kreideweiß vor Wut. schon, was , Du Verräter, ich werde Dich anzeigen, Dich mitsamt Deinem Vater, aufspielen schrie sie mich an. Als ich meinen Vater bedroht wußte, konnte ich sehr gut, mich nicht mehr beherrschen. Zornig packte ich zu und schüttelte sie: warnte ich , Wenn Du irgend jemandem von meiner Familie oder mir selbst Schwie- sonst witte rigkeiten machst, dann bring' ich Dich um! Darauf kannst Du Dich verlassen! Ich ließ sie stehen-sprachlos, wie sie war und ging meines Weges. Aber ich konnte mich eines sonderbar beklemmenden Gefühles nicht erwehren... - - 1 Pfingsten 1941 fand im Bahnhofshotel ein Ball statt, den ich besuchte Kaum hatte ich den Saal betreten, da kamen Katharina und der Lehrer Waldeck, der SS- Uniform trug, auf mich zu..." Kater ist g Wir stab jenem Abe wollte sie sie sollte sie: Nein, mir zu:, G Vorsitzender unterbrechend: ,, Sind Sie kein Soldat gewesen? Es auf sie und war doch schon Krieg!" ,, Ich wurde als Spezialarbeiter von der Fabrik reklamiert und deshalb vom Militärdienst zurückgestellt. Erst im Mai 1943 zog man mich ein. Später diente ich bei der Panzertruppe Rommel in Afrika. Dort wurde ich schwer verwundet. Als man mich transportfähig erklärt hatte, kam ich ins Spital... heim, nach X- Burg... ... Katharina fragte mich: Willst Du nicht einmal mit mir tanzen? Nachdem, was zwischen uns vorgefallen war, kam mir ihre Frage ganz unerwartet. Da ich kein Aufsehen erregen wollte und mir nicht viel Zeit zum Überlegen blieb, sagte ich, ja', und wir tanzten zusammen. Beim Ausweichen ihrer fragenden Blicke flüsterte sie:, Weißt Du, warum ich Dich seiner Zeit nicht anzeigte? Heinrich, schau' mich doch an! Ich hab' mich in Dich verliebt... Damals, als Du mich so fest anpacktest... und ich Deine Kraft spürte. Ich weiß nicht, was gesche100 - - - Ein Son ren Bursch mir den H Eines A Herr Ko sprechen, Tür. Kath vermitteln will in die Der alte gegangen Tags d ich das R tigt zweita hen wäre, hättest Du mir nicht den Rücken zugekehrt und mich einfach ...? Denk stehen lassen... Ich glaube, daß ich zu allem fähig gewesen wäre."" Der Staatsanwalt unterbrach und bat den Vorsitzenden, dem Angerieb gibt, de damit D. klagten das Wort zu entziehen, weil das alles mit dem Mord nichts zu einen Anst tun habe. - zeigten si ter wie au e ihre Leu gesagt sei rauß gearb: och lobt u in haben. I so furchth Der Vorsitzende leistete diesem Antrag keine Folge. Der Angeklagte sprach weiter: ,, Sie schmiegte sich eng an mich und war so nett zu mir, daß auch ich mich in sie verliebte. Alles, was uns entzweit hatte, vergaß ich und fragte sie:, Bist Du denn noch frei, Katharina? Ich dachte, Du wärest mit dem Lehrer verlobt.'-, Was fällt Dir -, Was ein!... Mit einem solchen Jammerlappen!-, Aber Waldeck ist doch bei der SS- Diese Leute sind doch bekanntermaßen... Laut lachend fiel sie mir ins Wort:, Sei doch nicht wie ein Kind, Heinrich! Du weißt eiß vor Wi schon, was ich meine. Die SS- Kerle sind keineswegs so, wie sie sich einem Vate aufspielen- spaßig spaßig sie schieben alles auf den Dienst... Ich weiß -konnte i sehr gut, was ich von diesem, Dienst zu halten habe'- Katharina, warnte ich', jetzt müssen wir aber aufhören, miteinander zu tanzen, sonst wittert der Lehrer noch etwas.'-, Sei unbesorgt, der verliebte Kater ist ganz zahm... schüttelte si elbst Schwi Du Dich ve dging mein mden Gefühl - Wir stahlen uns aus dem Saal und gingen in den nahen Wald. Seit jenem Abend trafen wir uns oft dort. Weil ich keine Uniform trug, wollte sie sich nirgends anders mit mir sehen lassen. So oft ich ihr sagte, ich besucht sie sollte ihre dummen Voreingenommenheiten aufgeben, antwortete nd der Lehr sie:, Nein, nicht bevor Du in Uniform bist!... Immer wieder redete sie mir zu:, Geh' zur SS, ein Kerl, gebaut wie Du!' Ich hörte nicht wesen-? auf sie und blieb zu Hause. rt und desha man mich e a. Dort wur ärt hatte, k mir tanze re Frage g mir nicht w en zusamm Weißt Du, hau' mich d u mich so t t, was gesch - - · Ein Sonntag nach dem anderen verging. Ich wußte, daß sie mit anderen Burschen tanzte. Eifersucht packte mich. Gegen meine Familie, die mir den Haẞ gegen die Nazis eingeflößt hatte, ergriff mich die Wut... Eines Abends ging ich auf Kohls Gut. Herr Kohl fragte mich, was ich wollte. Ich müsse mit seiner Tochter sprechen, gab ich zur Antwort. Er beschimpfte mich und wies mir die Tür. Katharina, durch sein lautes Reden aufmerksam geworden, trat vermittelnd dazwischen: Hör' ihn doch erst einmal an, Vater!'..., Ich will in die Partei eintreten, mich zur SS melden', sprach ich verlegen. Der alte Kohl musterte mich kritisch:, Na, ist Dir endlich ein Licht aufgegangen?! Lange genug hat's gedauert'... Tags darauf beantragte ich die Aufnahme in die Partei. Jetzt hatte ich das Recht, Uniform zu tragen, die ich vorerst bei Katharina in Ver101 wahrung ließ. Wenn ich sie anzog, wechselte ich die Kleider auf dem gemacht. Im Gute. auf der List Katharina Daß ich der Partei beigetreten war, konnte ich natürlich meinen An- ich, daß P gehörigen nicht lange verheimlichen. Es kam zu Auseinandersetzungen Die Herbeig mit meinen Eltern. Ich verließ das Haus und mietete mich bei fremden und absolute Menschen ein. Meine Beziehungen zu Katharina gestalteten sich immer inniger, die zu meinen Leuten immer schlechter. Ein Pfarrer, der zwi- fen. Meine schen meiner Familie und mir vermitteln wollte, kam, von Katharinas mich um ne Vetter unter irgendeinem Vorwand angezeigt, in ein Konzentrations Du ein Chr lager, in dem er viel auszustehen hatte. - meine Will Seit diese Im Jahre 1943 wurde ich wie ich schon vorhin sagte eingezogen. weinte mit Anfangs schrieb mir Katharina jede Woche zweimal. Sie sandte mir auch Pakete. Gegen Ende 1943 wurde beides viel spärlicher; dann blie- wiederholte ben sie ganz aus. Meine Vermutung, daß ihr etwas zugestoßen sei, Ausflüchte. quälte mich ohne Unterlaẞ. Alles Schreckliche, das geschehen sein konnte ich" konnte, stellte ich mir vor. Der Gedanke, daß Katharina mir untreu geworden sein sollte, wäre mir nicht im entferntesten eingefallen; so groß war mein Vertrauen zu ihr. Obwohl ich einen Brief nach dem anderen schrieb, erhielt ich keine Antwort von ihr. Ich stand vor einem Rätsel - oft der Verzweiflung nahe. Als ich verwundet in X- Burg eingeliefert war, erfuhr ich, was sich abgespielt hatte. Während ich in Afrika kämpfte-, war sie die Geliebte des SS- Truppführers Waldeck geworden... Da ich in der heutigen Verhandlung durch ihre eigenen Aussagen hörte, daß sie ein Kind zur Welt brachte, wäre es für mich wichtig festzustellen, wann es geboren wurde und wie der Vater heißt." Der Vorsitzende gab diesem Antrag bedingt statt und rief Katharina Kohl auf, nochmals vorzutreten. Er erklärte ihr, daß das Gesetz es ihr freistelle, die Namensnennung des Zeugers zu unterlassen. Hingegen forderte er sie auf auszusagen, welchen Datums ihr Säugling geboren sei und starb. Katharina unterließ, den Namen des Kindesvaters anzugeben. ,, Mein Sohn wurde am 2. November 1944 in der Frauenklinik zu Marburg geboren und starb dort am selben Tage", sagte sie. Die Todesursache sei ihr unbekannt geblieben. Nachdem die Zeugin wieder Platz genommen hatte, sprach der Angeklagte weiter: - - ,, Eines Tages das war schon nach dem Einmarsch der amerikanischen Armee besuchte sie mich ganz unerwartet im Hospital. Noch deutlich habe ich ihre Worte im Ohr: Mit Waldeck habe ich Schluß 102 wollte heir um Monat Amerikaner dem sollte Professo „ Vieles i ich einfach in mir, sie „ Was w „ Daß Ka „ Glaube amerikanis „ Mit me betrunken Profess verhandlu „ Ich bit ... Der Ich ko Zeugin w gelehrte „ Katl Heinri der auf der gemacht.' Im übrigen sei er geflüchtet, weil er als ein Kriegsverbrecher auf der Liste stehe. Sie bat mich um Verzeihung und weinte so bittermeinen Arlich, daß Pflegerinnen angelaufen kamen, um Katharina zu beruhigen. Hersetzunge Die Herbeigeeilten wiesen darauf hin, daß ich schwer verwundet sei bei fremde und absolute Ruhe brauche. sich imme Katharina bat, nur noch ein Weilchen bei mir am Bett sitzen zu dürer, der zwi fen. Meine Verbitterung schien sie verzweifelt zu stimmen. Sie bettelte Katharina mich um neue Freundschaft an..., Sei gnädig mit mir, Heinrich, wenn nzentrations Du ein Christ bist', flüsterte sie, kniefällg vor meinem Bette. Da war meine Willenskraft zu Ende wir fielen uns in die Arme, und ich - eingezoger weinte mit ihr. esandte mi - Seit dieser Stunde kam sie täglich zu mir ins Hospital. Auf meine r; dann blie wiederholten Vorschläge, uns trauen zu lassen, machte sie stets andere gestoßen se Ausflüchte. Jetzt weiß ich allerdings, was der Grund war. Damals chehen sei konnte ich's mir nicht erklären. Ihr Verhalten ärgerte mich, denn ich ir untreu gewollte heiraten, sobald ich aus dem Hospital entlassen wäre. Monat llen; so gro. um Monat verging-. Schließlich sagte sie, bevor der Mord an dem dem andere Amerikaner nicht geklärt sei, wollte sie keine Hochzeit machen. Außereinem Rätse dem sollte ich erst für eine Existenz als Maschinentechniker sorgen." Professor Weber fragte:„ ,, Warum haben Sie das nie erzählt?" ch, was sic Vieles ist mir erst heute klar geworden und darüber hinaus wollte - die Geliebt ich einfach das, was ich ahnte, nicht wahr haben. Es sträubte sich etwas meutigen Ver ind zur Wel boren wurd ief Katharina Gesetz es ih en. Hingeger ling geboren eben. linik zu Ma Die Todes in mir, sie aufzugeben..." ,, Was wollten Sie nicht wahr haben?" ,, Daß Katharina einen anderen liebte." ,, Glauben Sie immer noch", fragte ihn der Vorsitzende ,,, daß Sie den amerikanischen Soldaten erdolcht haben?" ,, Mit meinem Messer geschah doch die Tat... Ich war wahrscheinlich betrunken... In nüchternem Zustand hätte ich's nie getan... Nie!" Professor Weber unterbrach hier, die Gepflogenheiten einer Gerichtsverhandlung beachtend: ,, Ich bitte um nochmalige Vernehmung der Braut." ... Der Militärgerichtsvorsitzende willigte ein. ,, Ich komme nunmehr zu einer Frage, zu deren Beantwortung die rach der A Zeugin weder Überlegung noch Zeit benötigt", bemerkte der Rechtser amerikar Hospital. No De ich Schl gelehrte und fuhr fort: ,, Katharina Kohl, wünschen Sie den Angeklagten, Heinrich Gercke, aus dem Wege?" 103 Da sprang der Staatsanwalt von seinem Sitze hoch und protestierte Dr. Run heftig gegen die Zulassung einer solchen Frage. Das Gericht ließ die gab ihm e Frage des Verteidigers nicht zu. Unbeirrt von diesem Mißerfolg fragte Professor Weber eindringlich: ,, Zeugin, wann haben Sie Waldeck zuletzt gesehen?" ,, Vor zwei Jahren." ,, Seither nicht mehr?" ,, Nein." zufrieden „ Ausgez gen verurs Die Her geklagten Wissen Sie, wo er sich zur Zeit aufhält?" " ,, Ich habe keine Ahnung." Sie, Herr werden de Der Re ,, Haben Sie eine Vermutung, wo er sein könnte?" ,, Auch das nicht." ,, Wenn Sie wüßten, wo er ist und er bäte Sie um Schutz, würden Sie ihm diesen gewähren?" ,, Als gute Christin müßte ich das selbstverständlich tun." ,, Sind Sie eine gute Christin?" ,, Ja, das bin ich, so wahr mir Gott helfe!" Professor Weber, sich dem Gericht zuwendend:„ Ich bitte festzustellen, daß die Zeugin heute morgen, als sie nach ihrer Religion gefragt wurde ,, keine mehr zur Antwort gab." - Der Vorsitzende forderte die Kohl auf, diesen Widerspruch zu erklären. ,, Seitdem ich hier bin im Verlauf des Verhörs habe ich meine Ansicht über Gott wieder geändert... Ich bin zum wahren Christentum des Friedens und der Liebe zurückgekehrt..." ,, Zeugin Kohl, ist das die Wahrheit?" Jammernd antwortete sie:„ ,, Die volle Wahrheit." Mittlerweile war es vier Uhr nachmittags geworden... ,, Wieviel Zeit werden Sie zu Ihrer Verteidigungsrede benötigen, Herr Professor? Wenn Sie lange zu sprechen gedenken, würde ich vorschlagen, die Verhandlung auf morgen zu vertagen; dånn könnten wir den Fall übermorgen zu Ende führen." ,, Ich habe nichts dagegen einzuwenden, Herr Vorsitzender", antwortete der Rechtsgelehrte. Gercke, g ans Hänge Frau G in die Ki schweifte Der Vate Allmächt an unsere Tags d Verhandl leitenden Profess Hoher dienen; C anklage Ich- de spruch. I - noch Das E Worte keinesfal Gesetzes Feststell händer Diese T Was ich Angekla Professor Weber erblickte Dr. Rumpf im Zuhörerraum. Rasch ging er auf ihn zu: ,, Ich fürchtete, Sie hätten den Zug versäumt, oder es sei sonst etwas nicht in Ordnung." daß der wird. 104 protestierte Dr. Rumpf berichtete dem Gelehrten, was er erreicht hatte und übericht ließ die gab ihm einige Schriftstücke. Der Professor nahm diese und rieb sich eindringlich würden Sie bitte festzuligion gefragt h zu erklären be ich meine Christentum nötigen, Her rde ich vor könnten wi zender", ant Rasch ging t, oder es se zufrieden die Hände. ,, Ausgezeichnet!" sagte er ,,, morgen werden wir große Überraschungen verursachen." Die Herren wurden unterbrochen. Frau Gercke, die Mutter des Angeklagten, kam auf den Verteidiger zu und fragte unter Tränen: ,, Glauben Sie, Herr Professor, daß er mit Zuchthaus davonkommt? Gelt, Sie werden doch nicht zulassen, daß unser Junge gehängt wird...!" Der Rechtsgelehrte klopfte ihr beruhigend auf die Schulter: ,, Mutter Gercke, gehen Sie getrost nach Hause. Mehr will ich nicht sagen; aber ans Hängen brauchen wir keinesfalls mehr zu denken." Frau Gercke und ihr Mann gingen nicht direkt nach Hause, sondern in die Kirche, in der gerade die Abendmesse begann. Mitleidsvoll schweiften die Blicke der Anwesenden auf das hart geprüfte Elternpaar. Der Vater betete im Stillen. Die Mutter sprach ein inbrünstiges Gebet ,, Allmächtiger Vater im Himmel da oben, steh' uns bei. Laß' Deine Gnade an unserem Heinrich walten..." Tags darauf, zur festgesetzten Stunde, eröffnete der Vorsitzende die Verhandlung in der Strafsache Heinrich Gercke. Nach ein paar einleitenden Worten erteilte er dem Verteidiger das Wort. Professor Weber erhob sich und begann: - - ..Hoher Gerichtshof- Seit Tagen ringen wir hier, um dem Recht zu dienen; der eine kämpft, um den Schuldnachweis im Sinne der Strafanklage zu erbringen. Den Kopf des Angeklagten fordert er als Sühne. Ich der andere fordere im Namen desselben Rechtes den Freispruch. Ich bitte Sie weder um Berücksichtigung mildernder Umstände noch flehe ich um Gnade", mit erhobener Stimme fortfahrend...: ,, Das Recht im wahrsten und tiefsten Sinne des Wortes walten zu lassen, verlange ich. Mein Standpunkt ist auch keinesfalls aus dem Gestrüpp der Paragraphen erklügelt, die ich von Gesetzes wegen heranziehen könnte. Nicht einmal bei der wichtigen Feststellung will ich verweilen, daß der tödliche Stich von einem Linkshänder ausgeführt wurde, während der Angeklagte rechtshändig ist. Diese Tatsache allein wäre ausreichend, einen Freispruch zu erwirken. Was ich dem Gericht vor Augen führen will, ist die Schuldlosigkeit des Angeklagten Heinrich Gercke. Ferner wünsche ich dazu beizutragen, daß der Name des wirklichen Mörders diesem Gericht preisgegeben wird. 105 Der Angeklagte haßte die Nationalsozialisten, hat sie immer gehaẞt - auch noch, als er seinen Zorn gegen sie verbarg, aus Angst, eine Frau zu verlieren, die er liebte, der er sexuell hörig war... Dem Wunsche dieser Kohl, er solle Parteimitglied werden, fügte er sich aus Furcht, es nicht überleben zu können, wenn sie das Weib eines anderen würde.. Seine Erlebnisse mit ihr im nahen Walde lockten unwiderstehlich. Das mag dumm sein ja, es kann sogar krankhaft sein aber, es ist menschlich! - - Die Kohl wußte ihn zu überzeugen, daß nur der Eintritt in die Partei das Band zwischen ihr und ihm haltbar machen könnte. Eine Kluft der Entfremdung mit seiner Familie öffnete sich. Er wurde Mitglied der Nationalsozialistischen Partei. So ist er der Hörigkeit erlegen... Katharina Kohl ließ ihm gar keine andere Wahl. Als Spielball in ihren Händen behandelte sie ihn wie einen Hampelmann." Nach längerer Rede kam der Gelehrte zum Schluß: - Der M sühnt w treffer Klar ur „ Meine und Rieg und ließ Kriminal fängnisin einigten ebenfalls geprüfter Herr C ,, Hoher Gerichtshof ich bringe nunmehr folgendes zur Kenntnis des Gerichtes: Nicht Heinrich Gercke hat den verhängnisvollen Dolchstoß geführt, sondern der SS- Truppführer Waldeck, der Liebhaber der Katharina Kohl... Sie war es, die, den entstandenen Wirrwarr ausnützend, den Dolch aus der Koppeltasche des Angeklagten riß und dem SS- Truppführer reichte. Ob das mit Vorbedacht geschah, entzieht sich meiner Kenntnis. Ich überreiche hiermit die Akten des SS- Truppführers Waldeck, der wegen anderer Naziverbrechen seit etwa drei Monaten im Untersuchungsgefängnis zu Heidelberg eingeliefert ist..." Bestürzung im Saale... ,, Ferner bringe ich zur Kenntnis des hohen Gerichtshofes, daß Katharina Kohl sich mehrere Male des Meineids schuldig gemacht hat. Sie sagte unter Eid aus, daß sie Waldeck seit zwei Jahren nicht gesehen habe. Das ist unwahr! Ich habe einwandfrei festgestellt, daß sie ihn täglich auf dem Gute ihres Vaters sah, wo sie ihn verborgen hielt, bis ihm der Boden unter den Füßen zu heiß wurde und er floh. Die Schilderung der Zeugin betreffs der Vorgänge im Lokal Spieß ist auch erlogen... Bedenken Sie weiter die erbärmliche Handlungsweise dieser Katharina Kohl: Monatelang, während der Angeklagte in Untersuchungshaft sitzt, heuchelte sie den durch Gram gebrochenen Eltern Interesse und Anteilnahme vor, wobei sie in ihrem Innersten Heinrich Gerckes Verderben wünschte, um den Verdacht von dem wirklichen Mörder, ihrem Liebhaber Max Waldeck, abzulenken. 106 geht hie Ich b ten H lassun Atemle seiner R Der V mals als „ Kenn „ Jawa „ Habe Katha gesagt habe da wollte, ihr verl Amerika Späte droht, seine M Das in Ans Vorsitz D aus mer gehaßt t, eine Frau m Wunsche aus Furcht, en würde.. ehlich. Das aber, es ist ch. die Partei ist er der ndere Wahl. mpelmann." ur Kenntnis Ollen Dolch ebhaber der rrwarr ausriß und dem entzieht sich Truppführers rei Monaten daß Kathacht hat. Sie icht gesehen daß sie ihn gen hielt, bis kal Spieß ist Der Mord an dem unschuldigen amerikanischen Soldaten muß gesühnt werden. Aber die Strafe darf nur den Täter treffen!" Klar und gemessen klangen Professor Webers Worte im Saal. ,, Meine Herren Richter! Der wahre Mörder sitzt hinter Schloß und Riegel. Der Herr SS- Truppführer Waldeck benahm sich recht eitel und ließ sich sehr oft photographieren... So konnte unsere Marburger Kriminalpolizei, unterstützt von den Besatzungsbehörden, ihn als Gefängnisinsassen rasch feststellen. Das von der Militärbehörde der Vereinigten Staaten beglaubigte Geständnis des Mörders Waldeck, das ich ebenfalls überreiche, macht es dem hohen Gerichtshof leicht, den schwergeprüften Eltern ihren einzigen Sohn wiederzugeben... Herr Gerichtsvorsitzender, meine Herren Richter! Die Wortschlacht geht hier zu Ende... Ich beantrage völligen Freispruch des Angeklagten Heinrich Gercke und seine sofortige Freilassung!" Atemlose Spannung herrschte im Saale, als der Rechtsgelehrte mit seiner Rede zu Ende kam und Platz nahm. Der Vorsitzende brach das Schweigen. Er rief Katharina Kohl nochmals als Zeugin auf. Auf eine Photographie weisend, fragte er: ,, Kennen Sie diesen Mann?" ,, Jawohl, das ist der SS- Truppführer Waldeck." ,, Haben Sie sonst noch etwas zu sagen?" Katharina Kohl erklärte weinend, daß alles, was sie bei Gericht ausgesagt hätte, ein von Waldeck ausgeheckter Plan gewesen wäre. Sie habe damals nicht geahnt, daß er den amerikanischen Flieger töten wollte, als er in der allgemeinen Aufregung den Dolch Heinrichs von ihr verlangte. In Wirklichkeit habe sie gedacht, Waldeck wollte dem Amerikaner nur Angst einjagen. Später hätte ihr aber der SS- Scharführer Waldeck immer damit gedroht, daß es auch ihren Kopf kosten würde, wenn sie nicht mithelfe, seine Mordtat zu verwischen. er Katharina mgshaft sitzt sse und An Gerckes Ver örder, ihrem Das Gericht zog sich zur Beratung zurück. Es nahm nicht lange Zeit in Anspruch, bis die Herren Richter wieder im Saale erschienen und der Vorsitzende das Urteil verkündete: ,, Das Strafverfahren gegen den früheren SS- Mann Heinrich Gercke aus X- Burg wird niedergeschlagen. Das Gericht hat sich von der 107 völligen Schuldlosigkeit des Angeklagten überzeugt. Er ist keinesfalls der Mörder des amerikanischen Fliegers. Der Freigesprochene wird sofort aus der Untersuchungshaft entlassen." Anschließend gab er noch bekannt, daß die Katharina Kohl aus X- Burg wegen Meineids, Verdachtes auf Mordbeihilfe, Irreführung der Militärbehörden und Beraubung eines durch ruchlose Hand getöteten amerikanischen Soldaten sogleich in Haft zu nehmen und in das Staatsgefängnis X- Burg einzuliefern sei. Die Aufregung im Saale wuchs zum, Siedepunkt'. In Gruppen standen die Leute beisammen und diskutierten. Es war, als schiene es ihnen schwer zu fallen, den Gerichtssaal zu verlassen, in dem von einem ausländischen Militärgericht Recht gesprochen wurde. ... Recht, das man während der Tyrannenzeit Adolf Hitlers in ganz Deutschland nicht gekannt hatte. Professor Weber verabschiedete sich von Heinrich Gercke und dessen Eltern, die vor Erregung den Dank vergaßen... Profess wenn der geboten e „ Herr „ ich weiß kann nic niemande Er seufzt lieben he verfolgt. Der Ge so gut Si Schlimme Paula zu „ Leide Kind..." Mit de nach X- E Der G Professor Weber war glücklich über den Ausgang des Prozesses und mit ihm seine Frau. Gegen zehn Uhr abends beendete schrilles Telefonläuten ihre Unterhaltung... Georg Gercke, außer sich vor Aufregung, meldete, daß sein Sohn Heinrich abermals verhaftet worden sei... Vom deutschen Gericht in X- Burg... Warum? das konnte er nicht sagen. Der Professor beruhigte ihn und versprach, auch diesen Fall zu übernehmen. ,, Kopf hoch, Herr Gercke, so schnell lassen wir uns nicht ins Bockshorn jagen... Jetzt nur die Ruhe nicht verlieren! Bitte geben Sie mir, sobald Sie können, die Amtsstelle bekannt, die sich mit dem Fall Ihres Sohnes befaßt..." ,, Nun haben ihn die deutschen Behörden am Wickel", sagte er zu seiner Frau, als er den Hörer aufgelegt hatte. ,, Damit hatte ich nicht gerechnet..." Früh am nächsten Morgen telefonierte Heinrichs Vater, daß der Sohn nicht in Einzelhaft, sondern mit noch vier anderen Häftlingen in einer Zelle untergebracht sei. Die Adresse des Untersuchungsrichters gab er auch an: ,, Dr. Arnold Schildwächter, Zimmer 14, Telefonnummer 148 X- Burg." 108 wurde s sprechem „ Aus Sie sind „ Sie k „ Ich v sind da Professo „ Könn rich Ge prozeß wurde? Der Entnazi „ Dam wieder wir he mende saube haben keinesfalls chene wird aus X- Burg Her Militären amerikatsgefängnis men standen e es ihnen von einem ers in ganz und dessen zesses und ihre Untersein Sohn Gericht in all zu überns nicht ins e geben Sie mit dem Fall sagte er zu te ich nicht er, daß der Häftlingen in ungsrichters 14, TelefonProfessor Weber versprach, Dr. Schildwächter sofort anzurufen, und, wenn der erhaltene Bescheid seine persönliche Anwesenheit in X- Burg geboten erscheinen lasse, werde er noch am selben Tag hinfahren. ,, Herr Professor", klagte Vater Gercke in seiner Trostbedürftigkeit, ,, ich weiß mir keinen Rat mehr mit meiner Frau. Sie liegt im Bett und kann nicht so viel Kraft aufbringen, aufzustehen. Sie ißt nicht, will niemanden sehen und fällt von einem Weinkrampf in den anderen..." Er seufzte. ,, Sind wir kleinen Leute denn, Freiwild', das man nach Belieben hetzen kann? Wir sind doch keine Verbrecher, daß man uns so verfolgt... Weiß der Himmel, was das noch geben soll." Der Gelehrte unterbrach ihn: ,, Beruhigen Sie Ihre Frau inzwischen, so gut Sie können. Sagen Sie Ihr bitte, daß keine Veranlassung vorliege, Schlimmes zu befürchten. Es wäre vielleicht eine gute Idee, Ihre Tochter Paula zu bitten, für ein paar Tage zu Ihnen herüber zu kommen..." ,, Leider geht das nicht, Herr Professor: Sie erwartet doch ihr drittes Kind..." Mit dem Versprechen des Professors, auf jeden Fall in kürzester Zeit nach X- Burg zu kommen, beendeten die beiden das Gespräch. Der Gelehrte meldete sofort X- Burg Nummer 148 an. Die Verbindung wurde schnell hergestellt. Als Dr. Schildwächter erfuhr, wer ihn zu sprechen wünschte, war er sogleich bereit, das Gespräch anzunehmen. ,, Aus Marburg... selbstverständlich, Herr Professor, weiß ich wer Sie sind... Sogar an Ihrer Stimme erkenne ich Sie wieder." ,, Sie kennen mich, Herr Doktor?" ,, Ich war als Student in Marburg einer Ihrer Hörer. Sechzehn Jahre sind das her... Was verschafît mir die Ehre Ihres Anrufes, Herr Professor?" ,, Können Sie mir darüber Auskunft geben, Herr Doktor, warum Heinrich Gercke, für den ich gestern in einem gegen ihn schwebenden Mordprozeß einen Freispruch erwirkte, am gleichen Abend wieder verhaftet wurde? Dieses Mal von den deutschen Behörden in X- Burg..." ,, Der Fall ist mir bekannt... Ich führe ihn. Gercke kommt vor eine Entnazifizierungskammer." ,, Dann wissen Sie auch, was gegen ihn vorliegt? Warum kam er wieder in Untersuchungshaft?" ,,... Nicht in Untersuchungshaft. Er gehört zu jenen Arrestanten, die wir heutzutage als, schmutzige Wäsche' bezeichnen. Die in Frage Kommenden werden entweder im Verlaufe einer Gerichtsverhandlung als , sauber erklärt, oder sie gelangen, wenn sie etwas auf dem Kerbholz haben, in die, Wäscherei', das heißt: man bestraft sie." - - 109 ,, Wann ist voraussichtlich der Tag, an welchem die Entnazifizierungskammer ihren, Waschtag' halten wird, um festzustellen, ob Gercke als, sauber' oder, schmutzig' gilt?" Dr. Schildwächter, etwas ärgerlich über diese Bewitzelung, erwiderte: ,, In Ihrer Ausdrucksweise sollten Sie etwas vorsichtiger sein, Herr Professor. Ich glaube kaum, daß Mitglieder solcher Gerichte davon erbaut sein werden." ,, Aber mein lieber Herr Doktor, ich habe ja nur Spaß gemacht... immerhin... Sie haben doch damit begonnen! Außerdem bin ich schon bestraft genug, daß ich den Namen, Entnazifizierungskammer' aussprechen muß... Dreiundzwanzig Buchstaben keine Kleinigkeit." ,, Vergessen wir das, Herr Professor. Am besten wäre es, wenn Sie hierher kommen wollten. An Hand der Akten könnten wir dann alles besprechen. Im übrigen würde ich mich freuen, meinen früheren Lehrer des Rechts wiederzusehen." Die Herren vereinbarten eine beiden genehme Zeit für den nächsten Tag. geben... bis ins ,, Ja, ja, und erlebe „ Ich we aber was nicht zu fi Rückweg scheinlich Ansicht ü nicht am Frau G ruhigter z Profess wächter Nach e Heinrich die berei vielen Sc Um vor seiner Unterredung mit Dr. Schildwächter noch die Eltern Heinrichs aufsuchen zu können, wie er das dem alten Gercke am Telefon versprochen hatte, fuhr der Rechtsgelehrte mit dem ersten Frühzug na h X- Burg. Frau Gercke, noch immer zu Bett, stand sofort auf, als sie hörte, wer gekommen war. Professor Weber sprach der armen, vergrämten Mutter begütigend zu. In leicht verständlichen Worten erklärte er ihr, daß das viele Weinen ihren Augen sehr schade und ihre Nahrungsverweigerung sie weniger widerstandsfähig mache... Frau Gercke meinte dazu: - ,, Aber Herr Professor, wir kommen ja gar nicht mehr aus den Aufregungen raus! Erst den Sohn in der Nazipartei zu wissen, dann seine schwere Verwundung in Afrika seine Verhaftung, monatelanges Bangen um ihn bis zum Freispruch... und kaum haben wir ihn zurück, wird er wieder eingesperrt. Dann die Entlarvung der Katharina Kohl... So etwas wirft einen aus dem Geleise..." ,, Glauben Sie mir, Frau Gercke, ich kann Ihre Lage voll und ganz verstehen... Trotzdem dürfen Sie nicht verzweifeln. Nach wie vor bin ich bereit, Ihrem Sohne zur Verfügung zu stehen. Aber Sie müssen mir versprechen, alles zu tun, um sich für ihn gesund zu erhalten. Denken Sie daran, was der Junge durchzumachen hatte! Er wird viel Liebe und Güte notwendig haben... Nur seine eigenen Leute können ihm Kraft 110 zur Verfü machte n ,, Wer H Wer kan fertigen, dem ents wurde? machung giösen B tumsrech ihrer Feu Finden S erforder Der U die Antw „ Herr sich ver zur Rec Gerade sellen f die Eltern m Telefon ihzug na h L« ie hörte, yerütigend le Weinen e weniger ; den Auf- geben... Ganz besonders seine Mutter. Mutterliebe— Mutterpflichten .E His ins tiefe Grab...“ „Ja, ja, Herr Professor, alles schön und gut; aber das alles mitmachen und erleben; das Herz verkrampft sich mehr als einmal...“ „Ich weiß noch nicht, was Ihrem Sohn jetzt zur Last gelegt wird— aber was immer es auch sein mag, um seinen Kopf haben wir diesmal nicht zu fürchten... Von hier aus gehe ich zum Gericht, und auf meinem Rückweg will ich Sie noch einmal aufsuchen. Dann kann ich Ihnen wahr- scheinlich schon sagen, was man Ihrem Sohn vorwirft und Ihnen meine Ansicht über den Fall unterbreiten... Jedenfalls— Verzweiflung ist nicht am Platze!“ Frau Gercke schüttelte ihm dankbar die Hand. Sie schien viel be- ruhigter zu sein. %** Ey Professor Weber ließ sich bei dem Untersuchungsrichter Dr. Schild- wächter anmelden. Nach einer privaten Unterhaltung kamen die Herren auf den Fall Heinrich Gercke zu sprechen. Dr. Schildwächter übergab dem Professor die bereilliegenden Akten zur Einsicht. Letzterer vertiefte sich in die vielen Schriftstücke und wartete dann, bis Dr. Schildwächter ihm wieder zur Verfügung stehen konnte. Der Gelehrte war sichtlich empört. Er machte nicht einmal den Versuch, seinen Unwillen zu verbergen. „Wer hat die Stirn, zu verantworten, was hier geschah, Herr Doktor? Wer kann die Verhaftung auf Grund solcher Beschuldigungen recht- iertigen,— die Festnahme eines Menschen, der am gleichen Tage von dem entsetzlichen Verdacht einer Mordtat einstimmig freigesprochen wurde? Verhaftet,— weil er sich angeblich als SS-Mann der Lächerlich- machung der Kirche schuldig gemacht und dadurch das Gefühl des reli- giösen Bürgers verletzt hätte... Ferner habe er sich gegen das Eigen- tumsrecht der Stadt X-Burg vergangen, indem er widerrechtlich einen ihrer Feuerwehrhelme nahm? Äußern Sie sich doch selbst, Herr Doktor! Finden Sie, daß es sich hier um Gründe handelt, die diese Verhaftung erforderlich machten?“ Der Untersuchungsrichter räusperte sich mehrmals, als schiene ihm die Antwort im Halse zu würgen. Dann erwiderte er: „Herr Professor, muß ich Ihnen beweisen, wie diese SS und SA usw. sich vergingen, daß es geradezu eine Schande wäre, wenn man sie nicht zur Rechenschaft zöge, wo und wann man ihrer habhaft werden kann. Gerade dieser Fall Gercke zeigt uns, zu welchen Rohheiten diese Ge- sellen fähig waren. Ich war nie ein Politiker und will auch nie einer 111 werden... Aber Gotteshäuser zur Zielscheibe des Spottes zu machen und dadurch das religiöse Empfinden frommer Leute zu verletzen... Das darf nicht unbestraft bleiben!" - ,, Bedenken Sie doch, Herr Professor: Eines Sonntags morgens erin der schienen sieben SS- Männer- Gercke war einer von ihnen Kirche. Der Kirchendiener machte sie darauf aufmerksam, daß der Gottesdienst erst um elf Uhr beginne und sie zwei Stunden zu früh gekommen wären. Als er sie bat, die Kirche wieder zu verlassen, drückten ihn die Rohlinge in eine Ecke, verprügelten ihn und drohten, ihn zu erschießen, wenn er nicht sofort verschwinde., Du schwarzes Hirtenlamm, weißt Du nicht, daß die Zeiten Jesus im Reiche Adolf Hitlers ein für alle Mal vorbei sind? Scher' Dich zum Teufel und komm' erst wieder, wenn Dir das Licht aufgegangen ist, daß nur ein Mitglied der deutschen Reichskirche das Richtige für Deutschland will, wenn es die aus dem Orient stammende Lehre des Predigers aus dem Hause David nicht mehr duldet. - Jesus war weder Preuße, Bayer, Sachse noch Hesse usw.; also deutsch kann er nicht empfunden haben. Du alter Betbruder weißt eben noch nicht, daß nur am deutschen Wesen die ganze Welt genesen kann und wird. Das war die Sprache, die diese Gesellen führten. Haben Sie denn die Aussagen des Kirchendieners Theis nicht gelesen?" Ohne die Erwiderung des Professors abzuwarten, setzte Dr. Schildwächter mit Empörung seine Erklärung fort: ,, Dann gingen die Gotteslästerer daran, alle Holzfiguren mit Farbe zu beschmieren... Dem Heiland am Kreuz hängten sie überdies noch einen Zettel um mit der Aufschrift:, Wotan ist unsere Parole! Heil Hitler!" Auf allen religiösen Figuren fand man Hakenkreuze in roter Farbe und anderes mehr, es tat einem in der Seele weh, das zu sehen. Eine Ungehörigkeit ohnegleichen...! Und das ist lange noch nicht alles. Lesen Sie nur die Aussagen des Kirchendieners- Ekel wird Sie erfassen, Ekel... - - Als die Gläubigen zur Andacht kamen, die Verunglimpfungen sahen und sich darüber entsetzten, brüllten die Täter in der Kirche vor Lachen so laut, daß der Gottesdienst beinahe hätte abgebrochen werden müssen, die Wotanwenn keine beherzten Männer, unter ihnen der Pfarrer huldiger zum sofortigen Verlassen der Kirche bewogen hätten... Am anderen Tage wurde der Kirchendiener wieder verprügelt. Die Täter waren nicht zu ermitteln-; natürlich nicht...! Der von der Kirchgemeinde hochgeschätzte Pfarrer wurde bald darauf wegen angeblich abfälliger Äußerungen über den nationalsozialistischen Staat Adolf Hitl später uml Weit und Kirchensch Und so Was der Bagatelle. Signale für alles soll a muß erfal Deutschlan Seelen hei Er übers Nun wiss haben, un Erschöp Professo zugewinne Bevor suchungsr stanten ei ,, In mei Heinrich „ Na, He gegen Sie „ Jawoh Was is Zuerst „ Das ga den in d werden. Unter all jubelte, e der Anw auf dem trennten Vater de zurückbm Um de den Hel 112 zu machen Adolf Hitlers in ein Konzentrationslager gebracht, wo er ein Jahr erletzen... später umkam. Weit und breit waren die gläubigen Gemeinden wegen der ruchlosen morgens er. Kirchenschändung zutiefst empört... n- in der m, daß der zu früh ge. en, drückten ten, ihn zu zes Hirten f Hitlers ein m' erst wie. ed der deut Und so etwas, Herr Professor, sollte ungesühnt bleiben...? Was den Feuerwehrhelm anlangt, stimme ich Ihnen zu. Das ist eine Bagatelle. Nichtsdestoweniger, solche Kleinigkeiten sind gewöhnlich Signale für größere Untaten, die ans Tageslicht kommen. Alles, jawohl alles soll angeprangert und gebrandmarkt werden! Das deutche Volk muß erfahren, daß die Nationalsozialisten Deutschlands Schmach, Deutschlands Ruin gewesen sind. Gift waren sie, Gift, das Millionen Seelen heimsuchte... Eine verheerende Pest...!" Er übersteigerte sich immer mehr. Atemholend, sagte er schließlich: ..Nun wissen Sie, Herr Professor, warum wir Heinrich Gercke verhaftet ause David haben, und jetzt sind Sie auch im Bilde, wie ich darüber denke." Erschöpft schwieg er. usw.; also weißt eben enesen kann - m. Haben Sen?" Dr. Schild mit Farbe zu S noch einen Heil Hitler! r Farbe und sehen. Eine nicht alles wird Sie er ungen sahe evor Lachen den müssen die Wotan ten... rprügelt. Die Der von der fwegen an ischen Staat Professor Weber ließ Dr. Schildwächter Zeit, seine Fassung wiederzugewinnen... Erst nach geraumer Weile meinte er: ,, Bevor ich mich zu dem, was Sie gesagt haben, äußere, Herr Untersuchungsrichter, möchte ich mir die Frage gestatten, ob ich den Arrestanten einmal sprechen kann?" ,, In meiner Anwesenheit ist nichts dagegen einzuwenden." Heinrich Gercke wurde vorgeführt. ,, Na, Heinrich, da wären wir ja wieder beisammen! Wissen Sie, was gegen Sie vorliegt?" ,, Jawohl, Herr Professor." ,, Was ist Ihnen noch alles in Erinnerung? Zuerst erzählen Sie die Sache mit dem Feuerwehrhelm..." ,, Das ganze war ein dummer Scherz. Eines Tages kam ich mit Freunden in das Gebäude, wo die Geräte der Feuerwehr untergebracht werden. Ich erblickte den Helm meines Vaters und setzte ihn mir auf. Unter allgemeinem Gelächter nahm ich den Beifall, den man mir zujubelte, entgegen und sagte schließlich im Einklang mit der Stimmung der Anwesenden:, Wenn er mir so gut paẞt, behalte ich ihn!' Den Helm auf dem Kopfe, verließ ich unter Zustimmung aller das Gebäude. Wir trennten uns. Jeder ging seines Weges; ich eilte nach Hause. Als mein Vater den Helm zu Gesicht bekam, verlangte er, daß ich ihn wieder zurückbringen sollte, da er Eigentum der Stadt X- Burg sei. Um dem Wunsche meines Vaters zu entsprechen, nahm ich mir vor, den Helm am nächsten Abend zurückzubringen. Als ich ausging, nahm 113 ich ihn mit. Unterwegs traf ich ein paar Freunde. Bei unserer Bierreise gelangten wir zur Wirtschaft Spieß. Dort wurde viel getrunken und gelacht. Einer der Anwesenden machte den Vorschlag, nach Ludwigshütte zu fahren, wo der Wirt Schlachtfest habe. Ich ließ mich dazu überreden. Weil ar wurden so Hospital b „ Das wä Den Helm kann ich auch einen Tag später abliefern, dachte ich und gab bemerkte „ Zeugen „ Jawohl direktor A Pletsch. D ihn Adam Spieß in Verwahrung. Als ich ihn am nächsten Abend abholen wollte, war er unauffindbar. Spieß, der selbst ein Mitglied der Feuerwehr ist, beruhigte mich und versprach, er werde die Sache in Ordnung bringen. Seit jenem Abend habe ich nichts mehr davon gehört. Meinem Vater verschwieg ich den ganzen Vorfall. Ich wußte, er würde sich sehr darüber aufregen, und das wollte ich ihm ja ersparen; außer- u veranla dem suchte ich zu vermeiden, daß meine Leute von der Fahrt nach Ludwigshütte etwas erfahren sollten." ,, Warum hat der Wirt die Sache nicht ins Reine gebracht?" fragte Dr. Schildwächter. ,, Das weiß ich nicht. Wie ich schon bemerkte, wurde der Helm nie mehr, auch nur mit einem Worte erwähnt, sonst hätte ich mich, schon meines Vaters wegen, bemüht, die Sache auf irgendeine Weise in Ordnung zu bringen." Im Einvernehmen mit Professor Weber rief Dr. Schildwächter Adam Spieß telephonisch in sein Büro... Befragt, was er über die Helmgegeschichte wisse, bestätigte der Gerufene Heinrichs Angaben voll und ganz und bemerkte abschließend noch, daß es sein alleiniges Verschulden gewesen sei, die Sache nicht geregelt zu haben, wie er es Heinrich versprochen hätte. Er erklärte sich zur Wiedergutmachung bereit. Spieß' Anwesenheit war nicht mehr erforderlich. Und der Strafakt punkto Helmdiebstahl wurde sofort aus den Belastungsstücken gestrichen. ,, Erzählen Sie nun, Heinrich, was sich in der Kirche abspielte!" Dr. Schi varen alle „ Herr D fagte der „ Natürli Warum " Dann wär gekommen veisen, w Achenback Die Ze Währen Vorgehen Profess in Gefahr sozialistem bonzen au sie zu ben zuerhalte Der Be ,, Ich bin unbeteiligt!" wiederholte Heinrich. ,, Wie können Sie Ihre Behauptung beweisen?" ,, Sie behaupten, nicht dabei gewesen zu sein?" fragte Dr. Schildwächter, Heinrich scharf musternd. ,, Ich weiß davon nur vom Hörensagen. Zu Hause haben wir alle den Mißbrauc Vorfall sehr bedauerlich gefunden und verurteilt." gegangen Geist Leider blick für ,, An jenem Sonntagmorgen war ich in der Fabrik beschäftigt." ,, Wie können Sie nach so langer Zeit noch bestimmt wissen, daß Sie gerade an jenem Sonntag in der Fabrik gearbeitet haben!" Freiheit Doktor." ein Prob geben w 114 rer Bierreis nken und ge 99 Weil an diesem Sonntag in der Fabrik ein Kessel platzte. Drei Mann wurden so schwer verletzt, daß wir sie gegen zehn Uhr morgens ins Ludwigshütt Hospital beförderten." zu überrede ,, Das wäre ja Anlaß genug, den Tag genau in Erinnerung zu behalten", eich und gabemerkte Dr. Schildwächter. bend abhole er Feuerweh in Ordnum gehört. Bte, er würd Daren; außer r Fahrt nad Zeugen?" fragte Professor Weber kurz. ,, Jawohl, Herr Professor. Ich kann zwei Personen nennen: Fabrikdirektor Achenbach und die Oberschwester vom Krankenhaus, Anna Pletsch. Die Namen der Verunglückten weiß ich nicht mehr." Dr. Schildwächter war bereit, die Vernehmung der genannten Zeugen zu veranlassen. Heinrich Gercke wurde abgeführt. Die beiden Juristen waren allein. ,, Herr Doktor, sollen wir die Angelegenheit weiter besprechen?" acht?" frag fragte der Rechtsgelehrte. der Helm n hmich, scho Weise in Ord wächter Adar die Helmge aben voll un s Verschulde Heinrich ver ereit. I der Strafal gsstücken ge pielte!" mwir alle de ,, Natürlich, Herr Professor." 99 Warum wurde die Sache nicht vorher untersucht? Unter uns gesagt: Dann wäre es wahrscheinlich niemals zur Verhaftung dieses Mannes gekommen. Im übrigen würden Sie mir einen persönlichen Gefallen erweisen, wenn Sie, da ich nun einmal hier bin, sowohl den Direktor Achenbach als auch die Oberschwester Anna Pletsch vernähmen." Die Zeugen wurden telephonisch vorgeladen. - Während man auf sie wartete, suchte Dr. Schildwächter das amtliche Vorgehen im Interesse der wahren Demokratie' zu rechtfertigen. Professor Weber hingegen führte ihm vor Augen, daß die Demokratie in Gefahr käme, wenn man die kleinen Leute unter den Nationalsozialisten maßregele-, andererseits die weit gefährlicheren Oberbonzen auf ihren Posten lasse-, mit der fadenscheinigen Begründung, sie zu benötigen, um den Wirtschafts- und Verwaltungsapparat aufrechtzuerhalten. Solche Fälle höre ich täglich... Der Begriff, Demokratie' darf nicht mißbraucht werden. Es ist auch Mißbrauch, so zu tun, als ob in Deutschland heute demokratischer vorgegangen werde als in irgendeinem anderen Lande. Im politischen Leben te Dr. Schild ist alles wie auf Sand gebaut, wenn es nicht vom wahren demokratischen häftigt." wissen, daß S Geist durchdrungen ist. Leider, leider gibt es auch heute noch viele Menschen, die es im Augenblick für geraten halten, sich ein Mäntelchen umzuhängen... Das ist ein Problem für sich, das noch viel zu denken und noch mehr zu handeln geben wird... Geheuchelte Demokratie ist der Tod der politischen Freiheit und Wegbahner für die Diktatur... Glauben Sie mir das, Herr Doktor." 115 Inzwischen waren die Vorgeladenen angekommen. Direktor Achenbach und die Oberschwester Pletsch bestätigten beide, was Heinrich Gercke geltend gemacht hatte. Die Formalitäten waren bald erledigt. Heinrich Gercke wurde, sauber aus der Haft entlassen. Ein zweites Mal brachte Professor Weber den „ Du glau nächsten d schreiben „ Sehen Sohn heim. Das Glück, das aus den Augen der alten Eltern strahlte, wenn Karl ließ ihn alle Mühsal vergessen. Wieder einmal diente das Schicksal als Wegweiser. Die Presse besprach den Fall ausführlich. Professor Weber war in jedem Bericht rühmlich erwähnt, was man von den enthüllten Praktiken mancher Entnazifizierungskammern keineswegs behaupten konnte. „ Frau W schehen un „ Ich ken schreiben. Stimmt Sie einig Weber bes sofort noc Am Abend kamen Freunde aus dem engeren Kreise Webers, um den , Sieger von X- Burg' zu feiern. Norgams rückten mit allerlei amerikanischen Leckerbissen, sowie Zigarren und Zigaretten an, die sie noch in ihren Koffern verstaut gehabt hatten. Frau Weber holte die letzten drei Flaschen Schwarze Katze' aus ihrem Weinkeller. Alle waren in sehr angeregter Stimmung. Es wurde ein Toast nach dem anderen ausgebracht. Erst gegen zwei Uhr früh dachten die Gäste ans Heimgehen. Frau Weber, die im stillen mit Edgar Norgams Unterstützung rechnete, sagte ihrem Gatten:„ Bevor wir uns trennen, will ich noch ein Machtwort sprechen, dem sich der Held des Tages fügen soll. Er muß mir in Ihrer Gegenwart versprechen, in den nächsten drei Tagen keinen Finger zu rühren, nichts, aber auch gar nichts zu tun, als sich auszuruhen!" - Edgar Norgam pflichtete Frau Weber aus Überzeugung bei: anderes Norgams. Auch in zu seinem hätte und So wurd beendet. Die Tag flüge sorg In der z schrieb d ,, Deine Frau hat recht, Karl! Du mußt jetzt ausspannen. Alles hat zu erkund seine Grenzen..." ,, Ihr habt Euch also verbündet, um mich armen, wehrlosen Mann zu überfallen! Was bleibt mir da anderes übrig, als ja und amen zu sagen? Halt...! Nur drei Tage? Nein, die nächsten drei Wochen, und wenn es mir in den Sinn kommt, noch viel länger..." brüstete sich der Gelehrte. ,, Bravo, mein Freund! Das ist ein rühmlicher Vorsatz, dem Du treu bleiben mußt!" Frau Weber schaute skeptisch drein. Sie traute dem, Landesfrieden' nicht, kannte sie doch ihren Mann. Professor Weber, der sie beobachtete, wiederholte gutmütig schmunzelnd: 116 seinem A Woche d Sofort Briefes.. Dann Trotz all „ Wenn Sager sprecher Einve „Du glaubst mir nicht? Ich verspreche feierlich, daß ich während der nächsten drei Wochen ausruhen und höchstens ab und zu ein paar Briefe schreiben werde.“ „Sehen Sie, Herr Norgam! Habe ich nicht recht, skeptisch zu sein, wenn Karl verspricht...“ „Frau Weber“, begütigte Edgar,„ein paar Briefe— das ist bald ge- schehen und strengt nicht an...!“ „Ich kenne meinen Karl besser; er wird den ganzen Tag Briefe schreiben...“ „Stimmt das, Karl?“ Sie einigten sich auf durchschnittlich drei Briefe täglich, und Professor Weber besiegelte dieses Versprechen mit einem Kuß. Da rückte sie aber sofort noch mit einer zweiten Forderung heraus. Karl habe noch ein ınderes Versprechen einzulösen: Die gemeinsame Autoreise mit Norgams... Auch in diesem Falle beteuerte der ‚besiegte‘ Sieger, daß er bereit sei, zu seinem gegebenen Wort zu stehen, sobald Eric Norgam wieder Urlaub hätte und das Chauffieren übernehmen könnte. So wurde dieser bedeutsame Tag spät, aber in glücklicher Stimmung, beendet. Die Tage verflogen im Nu. Konzerte, Vorträge, Theater, kleine Aus- llüge sorgten für Abwechslung. Es blieb keine Zeit für Langweile. In der zweiten Hälfte der dritten Woche nach dem ‚Sieg von X-Burg‘ schrieb der Professor nach Kassel, um sich nach seiner Pensionierung zu erkundigen. Einige Tage später kam die erfreuliche Mitteilung, daß seinem Antrag stattgegeben worden sei; die Urkunde würde er in einer Woche durch die Universität Marburg erhalten. Sofort verständigte er den Dekan telefonisch von dem Inhalt des Biefes... „Dann müßten wir eigentlich einmal Ihre Abschiedsfeier besprechen... Trotz allem, es ist schade, daß wir eine Kraft wie Sie verlieren!“ „Wenn es Ihnen recht ist, besuche ich Sie heute noch, Herr Dekan.“ „Sagen wir, gegen drei Uhr; ich habe auch etwas mit Ihnen zu be- sprechen, Herr Professor.“ „Einverstanden. Von drei bis fünf Uhr stehe ich zu ihrer Verfügung.“ x*” 117 ,, Zuächst meine Gratulation zur Pensionierung", sagte der Dekan, als Schergen d Professor Weber zu ihm kam. ,, Was sollen wir nun zuerst vornehmen; das Thema der Abschiedsfeier oder das, was mir am Herzen liegt?" ,, Über das erstere bedarf es keiner großen Unterhaltung, Herr Dekan. Büchern ge „ Das wa Seligmanns schmachtet Wir müssen nur Tag und Stunde festsetzenschließlich will ich ja aus ron Karl A - meinem Abgang kein welthistorisches Ereignis machen... Ich schlage vor, jetzt Ihre Sache zu besprechen, und, wenn es dann noch die Zeit erlaubt, reden wir über die Angelegenheit des geplanten Abschiedsabends. Sollte es heute zu spät werden, komme ich zu diesem Zweck gern ein anderes Mal zu Ihnen." - - - relten. Dar Ich bin ein den Armen Gaudi und telle. Ach niemand ö selbst hab Ich ging richten ko Mehr als oder Ges schreiben Mein li Knochen; We „ Ja, ja, Arbeiter, auch die hatte, wa ,, Erinnern Sie sich noch, Herr Professor, daß ich mich anfangs entschieden gegen Ihre Pensionierung aussprach. Ihre Gründe hatten mich jedoch so überzeugt, daß ich wie Ihnen noch im Gedächtnis sein wird alsbald Ihre Ansicht teilte. Inzwischen sind einige Wochen vergangen, in denen der Entschluß in mir reifte, mit Ihnen noch einmal über alles zu sprechen. Seither ist nämlich vieles in mir vorgegangen... Durch Ihr zielbewußtes Auftreten kam ich zu der Überzeugung, daß im deutschen Volke noch mehr Kräfte mobil gemacht werden sollten, die sich dagegen auflehnen, daß die Ehre unserer Bürger angegriffen wird - wie das leider im Falle Dr. Kreuschke zutrifft... Herr Professor, ich fessor W bin Ihnen dankbar! Wie konnte ich mich je fragen( denn ich muß gestehen, ich war später doch etwas verstimmt Ihretwegen) was will denn dieser Professor Weber eigentlich mit seinem Groll gegen die fanden sie Verdächtigung des deutschen Volkes? Warum regt es ihn so auf, wenn er von der Kollektivschuld hört? Wann wird er sich davon überzeugen, daß man daran doch nichts ändern kann? Heute schäme ich mich vor mir selbst, daß ich so einsichtslos und feige war. Und, daß etwas geschehen müsse, ist mir in diesen Wochen recht klar geworden. Ich kam endgültig zu der Erkenntnis, daß Ihre, Saat' auf fruchtbaren Boden fallen muß. Tag aus, Tag ein grübelte und grübelte ich darüber nach... Plötzlich kam mir der Einfall: Ohnmächtig sollten wir gegen solche Anschuldigungen sein?- Wehrlos? Nein, das sind wir keinesfalls! Wenigstens nicht wir Mitglieder der Liga der Menschenrechte... An letztere müssen wir appellieren! Sie können wir um Schutz anrufen... Eifrig durchsuchte ich meine Bücherregale nach den Statuten der Liga der Menschenrechte, bis mich meine Frau erinnerte, daß sie sich unter den Schriftstücken befänden, die wir, um sie nicht Beute der Gestapo werden zu lassen, im Keller versteckt hielten. Tatsächlich hatten die 118 - len wir S Es war Verabre Besprech „ Sie ha Sie die einmal Der R erklärte sen wa fortgesc men, sc Eigentu er Dekan, a Schergen damals nichts, was ihnen verdächtig erschien, unter meinen er Abschieds Herr Dekan vill ich ja a . Ich schlag noch die Z n Abschied liesem Zwed anfangs ent e hatten mid edächtnis se Wochen ver noch einm rgegangen.. gung, daß i en sollten, d gegriffen wi Professor, it ( denn ich m egen)- W2 roll gegen d Büchern gefunden. Das war zur Zeit", schaltete er ein ,,, als die Verhaftung Professor Seligmanns soviel Staub aufwirbelte und Sie im Konzentrationslager schmachteten. Die Nazis fanden anläßlich einer Haussuchung die Werke von Karl Marx bei ihm, worauf sie ihn erst einmal furchtbar verprügelten. Dann hängten sie ihrem Opfer einen Zettel mit der Aufschrift Ich bin ein marxistisches Judenschwein' um den Hals und schleiften den Armen, der nur gerade die notdürftigste Unterkleidung trug, zum Gaudi und Hohngelächter des Mobs, durch die Straßen zur, Sammelstelle. Acht Tage später kam die Todesnachricht... Den Sarg durfte niemand öffnen... Aber derartiges muß ich Ihnen nicht erzählen. Sie selbst haben genug erlebt... Ich ging in den Keller, sah aber bald ein, daß ich allein nichts ausrichten konnte. Die Bücher waren zu tief unter den Kohlen vergraben. Mehr als einmal guckte ich mich unwillkürlich um, ob kein SS-, SAoder Gestapomann irgendwo stand und mich beobachtete... Dabei schreiben wir doch das Jahr 1947..." ,, Mein lieber Herr Dekan, so leicht geht die Hitlerzeit nicht aus den Knochen; ich weiß Bescheid, verlassen Sie sich darauf", bemerkte Professor Weber verständnisvoll. ,, Ja, ja, da haben Sie wirklich recht, Herr Professor. Ich bestellte drei Arbeiter, um die Kohlen wegschaufeln zu lassen... Nach geraumer Zeit fanden sie die Blechdosen mit den verborgenen Schriften, unter ihnen auch die Ligastatuten. Die Arbeiter schüttelten die Köpfe... Aber ich n überzeuge hatte, was ich brauchte.- Hier sind die Statuten, Herr Professor. Wollen wir sie gemeinsam prüfen?" so auf, wer e ich mich vo daß etwas ge orden. Ich ka tbaren Bode rüber nach.. gegen solch wir keinesfall mrechte... A utz anrufen.. atuten der Lip sie sich unte e der Gestap ich hatten& Es war zu spät geworden. Der Professor mußte aufbrechen, um eine Verabredung einzuhalten. Daher vereinbarten sie, zu einer weiteren Besprechung am nächsten Tag um elf Uhr wieder zusammenzukommen. ,, Sie haben doch Ihre eigenen Ligastatuten, Herr Professor. Studieren Sie die, und lassen Sie mir meine hier, damit ich sie heute Abend noch einmal durchlesen und wichtige Punkte ankreuzen kann." Der Rechtsgelehrte, der in Hut und Mantel zum Abschied bereit stand, erklärte dem Dekan, daß, während er im Konzentrationslager gewesen war, die Gestapo seine gesamte Bibliothek beschlagnahmt und fortgeschafft habe. Sogar die Bücher des Sohnes hätten sie mitgenommen, so daß dieser, selbst als Offizier der Luftwaffe, Last hatte, sein Eigentum zurückzuerhalten. 119 ,, Herr Professor, weilten wir eigentlich unter Menschen oder Bestien?" ,, Menschenbestien", gab der Gefragte zur Antwort. ,, Und das machte diese Kreaturen umso gefährlicher; denn letzten Endes hatten sie menschlichen Verstand, den sie in den Dienst ihrer Barbarensucht stellten." Tritt ein angehör desverb Endlich den kann gerrecht worten. Die Autofahrt war wirklich recht vergnügt und eine gute Entspannung für den Professor. Nahe an einem Dorfteich rasteten sie und bewunderten den Sonnenuntergang. Bauern, die mit vollbeladenen Erntewagen vorbeifuhren, erregten das Interesse des Landwirts in Edgar Norgam. ,, Ist die Gerste schon reif?" erkundigte er sich, einen Halm erhaschend. ,, Was verstehen Sie von der Landwirtschaft?" stellte einer von ihnen die Gegenfrage. ,, Ich bin ein Farmer, wenn auch weit weg von hier, aber das weiß ich so gut wie Sie." ,, Farmer? Was ist denn das?" Professor Weber erklärte den Dörflern, daß ein Farmer in Amerika, ebenso wie sie hier, seine Felder bebaue also auch Bauer sei, und dieselben Sorgen, Freuden und Interessen habe. Sie sprachen über die Ernte und die Preise hüben und drüben und nahmen schließlich Abschied voneinander. Für die Bauern war es höchste Zeit, heimzugehen und das Vieh zu füttern. Für den Hauptpr aus eine Beide M zuleitende ung der „ Haben waren do „ Nein, Sind I „ Möglic Dekan." Der An nicht in B fessor Jo Fenner, Zeit in U mit dene „ Fenne „ Leide gend Pro Am nächsten Morgen beschäftigten sich die beiden Gelehrten mit dem ich für ih Studium der Ligastatuten und diskutierten diejenigen Stellen, die der Dekan schon vorher als besonders wichtig gekennzeichnet hatte. Schließlich einigten sie sich darüber, welche Punkte sie ins Treffen führen wollten, um den Beistand der Liga der Menschenrechte zu erlangen. Von allen kam der Paragraph Nr. 17 in Betracht: ,, Die Liga darf zum Schutze der Ehre angerufen werden, wenn eines ihrer Mitglieder von einem ausländischen Staatsbeamten beleidigt wird und jede Möglichkeit ausgeschlossen ist, die eigene Landesregierung damit zu befassen. Die Kränkung darf ein Ligaangehöriger auch dann auf sich beziehen, wenn der Beleidigende das gesamte Volk meint, zu dem der sich betroffen Fühlende als Bürger zählt. 120 Obernaz Warr Das uns ja in eine Rei Barbare Sind Gedächt „ Ich H ber chen oder denn letzten Dienst ihrer nd bewunderTritt ein solcher Fall ein, so soll der Ortsverein, dem der Beleidigte angehört, den Antrag unterschreiben. Auch der Vorsitzende des Landesverbandes hat die Eingabe zu unterzeichnen. Endlich muß, bevor einem derartigen Ansuchen stattgegeben werden kann, der Ligavereinsvorsitzende desjenigen Landes, dessen Bürgerrecht der angeschuldigte Staatsbeamte besitzt, das Gesuch befürworten. Für den Fall, daß letztere Bedingung unerfüllbar ist, bleibt es dem e Entspannung Hauptpräsidenten der Liga der Menschenrechte überlassen, von sich aus eine Entscheidung zu treffen, gegen die es keine Berufung gibt." Beide Männer besprachen ferner die bei der Besatzungsbehörde einzuleitenden Schritte, um die Erlaubnis zur ersten Mitgliederversammlung der Marburger Liga zu erhalten. n Erntewagen Edgar Norgam, m erhaschend iner von ihnen er das weiß ich er in Amerika ,, Haben Sie noch irgendeine Liste der Mitglieder, Herr Professor? Sie waren doch Schriftführer der Liga?" ,, Nein, ich habe gar nichts mehr..." ,, Sind Ihnen vielleicht einige Namen erinnerlich, Herr Professor?" ,, Möglicherweise werden mir nach und nach ein paar einfallen, Herr Dekan." Bauer sei, und Der Angeredete konnte sich nur an drei Mitglieder erinnern, die aber achen über die nicht in Betracht kamen: Professor Sobernheim wurde vergast, ProBlich Abschied fessor Johannes Kirschner war ins Ausland geflüchtet, und Professor Fenner, der Gesinnung und Freunde gewechselt hatte, befand sich zur Zeit in Untersuchungshaft. Diese Männer waren somit keine Aktiven, mit denen man etwas anfangen konnte. d das Vieh ehrten mit der Stellen, die de eichnet hatte ms Treffen fül te zu erlange en, wenn eine - „ Fenner wer hätte das je von ihm erwartet?! Meine Hand hätte ich für ihn ins Feuer gelegt", meinte Professor Weber nachdenklich. ,, Leider ist das kein vereinzelter Fall. Wie Sie wissen, gab es genügend Professoren der deutschen Universitäten, die sich als begeisterte Obernazibonzen erwiesen haben..." ,, Warum sagen Sie nicht Gehirnlumpen, Herr Dekan?" ,, Das ist nur ein unwesentlicher Gradunterschied! Darüber sind wir uns ja im klaren, Herr Professor. Wiederum gab es auch unter ihnen beleidigt win eine Reihe, die nur Mitläufer waren. Ja, viele gingen aus Angst vor den andesregierung sich beziehe dem der sid Barbaren zu diesen über..." ,, Sind Ihnen inzwischen Namen von ehemaligen Ligamitgliedern ins Gedächtnis gekommen?" ,, Ich kenne nur noch die Professoren Eberlein und Langut von damals her Dr. Schirmer, Dr. Rumpf und Dr. Werle." 121 ,, Ich bin davon überzeugt, daß sie uns in unserem Bemühen unterstützen werden glauben Sie nicht auch, Herr Professor? Wollen Sie versuchen, die militäramtliche Erlaubnis zur Einberufung einer Sitzung einzuholen? Dann könnten wir die erste Zusammenkunft stattfinden lassen und sozusagen die Fühler ausstrecken." ,, Offen gestanden, Herr Dekan, wäre es mir lieber, wenn Sie diese Aufgabe übernehmen würden, und zwar aus folgendem Grunde: Ich bin mit den Eltern des amerikanischen Offiziers, der das hiesige Büro leitet, sehr befreundet. Und auch mit ihm selbst. Unser Vorhaben soll seinen offiziellen Charakter bewahren. Ich halte dies im Interesse der Sache aus verschiedenen Gründen für besser." Soweit Hauptmann Erinner Jawohl Profess hden, wei Zum Fortb Der Dek tin hatte, roch in all einen teler er Hauptm Gespräch im einige „ Einen vorden; Rasch dann stell ander vor „ Leutna bitte mich Der De mit ihm sächliche ,, In diesem Falle gehe ich selbstverständlich, Herr Professor." ,, Wenn es die Lage erfordert, können Sie mich als Referenz angeben." ,, Danke, Herr Professor. Sie hören heute noch von mir, was ich ausgerichtet habe." Der Dekan saß alsbald dem Marburger Chef der amerikanischen Militärbehörde gegenüber. ,, Womit kann ich Ihnen dienen, Herr Dekan? fragte Hauptmann Norgam, nachdem sich die Herren einander vorgestellt hatten. Dekan Urhan trug sein Anliegen vor. Nach einiger Überlegung fragte der Hauptmann: ,, Ist die, Liga' als Verein angemeldet?" ,, Seit fünfundzwanzig Jahren, Herr Hauptmann." ,, Ich meine jetzt, bei den Militärbehörden, Herr Dekan? Sie wissen doch, daß laut Verordnung der Besatzungsbehörde vom zwölften Dezember 1945, die in den Zeitungen veröffentlicht war, alle Vereine als aufgelöst gelten und Neugründungen nur mit Erlaubnis der Militärbehörde zugelassen sind. Das gilt sogar für religiöse Vereine." ,, Herr Hauptmann, das wußte ich nicht." Gerade w Ich bin Formverl Als der vorkomm „ Kann Dekan?" ,, Sind Sie der Vorsitzende, Herr Dekan?" ,, Nein, Herr Hauptmann. Der Vorsitzende unserer Marburger Liga wurde vor vier oder fünf Jahren von den Nationalsozialisten vergast... Der berühmte Professor Sobernheim... Er war Jude.". ,, Und was geschah mit seinem Stellvertreter?" „ Wenn beraten! Ich wäre Aber ,, Professor Waldemar Fenner." ,, Wie heißt dieser, edle' Mann?" ,, Der sitzt zur Zeit wegen Verbrechen gegen die Menschheit in Untersuchungshaft..." behörde einer M nicht er Ihre Gr ,, Wieviele Mitglieder hatte die Liga in Marburg, Herr Dekan?" tei hatt 122 mühen unter Wollen Sie einer Sitzung it stattfinden nn Sie diese unde: Ich bi e Büro leitet en soll seinen essor." Soweit mir bekannt ist, waren es einhundertzweiundvierzig, Herr Hauptmann." ,, Erinnern Sie sich noch an den Namen des Schriftführers?" ,, Jawohl, Universitätsprofessor Karl Weber." Professor Weber- den kenne ich ja sehr gut... Ich werde ihn vorladen, weil nicht formell, der Verfügung entsprechend, um die Erlaubnis zum Fortbestand der, Liga' nachgesucht worden ist." Der Dekan, der bisher noch nichts mit amerikanischen Behörden zu tun hatte, dem aber die Methoden der nationalsozialistischen Beamten se der Sach noch in allzufrischer Erinnerung waren, atmete auf, als der Hauptmann einen telephonischen Anruf erhielt. Jetzt konnte er sich überlegen, wie er Hauptmann Norgam das Versehen erklären sollte. Als letzterer sein Gespräch beendet hatte, schritt ein Leutnant auf ihn zu und überreichte ihm einige Akten. enz angeben was ich aus anischen Mili „ Einen Augenblick bitte, Herr Leutnant. Ich bin soeben abberufen worden; übernehmen Sie bitte diese Sache." Rasch informierte er seinen Kameraden über den Sachverhalt und dann stellte er die Herren: Dekan Urhan Leutnant Greenfeld", einuptmann Nor ander vor. ,, Leutnant Greenfeld wird sich Ihrer Sache annehmen, Herr Dekan; legung fragt bitte mich zu entschuldigen..." m? Sie wisse ölften Dezem ereine als auf Militärbehörd arburger Lig ten vergast... hheit in Unter Dekan?" Der Dekan konnte es kaum fassen, daß, von Amts wegen' so höflich mit ihm gesprochen wurde, zumal der Militärbehörde gegenüber tatsächlich eine Unterlassung vorlag. Wenn er die Naziart damit verglich.. Gerade wollte er etwas sprechen, als Leutnant Greenfeld ihm zuvorkam: ,, Ich bin vollständig im Bilde, Herr Dekan. Es handelt sich hier um eine Formverletzung, die unter die gestern erlassene Amnestie fällt." Als der Gelehrte für diese Information dankte, sagte der Offizier zuvorkommend: ,, Kann ich Ihnen noch in irgendeiner Weise dienlich sein, Herr Dekan?" „ Wenn ich einen weiteren Wunsch äußern darf, Herr Leutnant, dann beraten Sie mich bitte, was wir bezüglich der neuen, Liga' tun müssen. Ich wäre Ihnen dafür sehr dankbar." ,, Aber. Herr Dekan, das ist sehr einfach. Sie reichen bei der Militärbehörde ein Gesuch ein, unter Angabe Ihrer Wünsche und Beifügung einer Mitgliederliste. Ich sehe keinen Grund, warum die Genehmigung nicht erteilt werden sollte, nachdem ich als sicher annehmen kann, daß Ihre Gruppe keinerlei Verbindung mit der Nationalsozialistischen Partei hatte." 123 ,, Von wem hängt die Entscheidung ab, Herr Leutnant?" ,, In Ihrem Falle bin ich dafür zuständig, Herr Dekan." ,, Darf ich noch eine Frage stellen, Herr Leutnant?" ,, Bitte sehr, Herr Dekan." ,, Wir beabsichtigen für morgen Abend eine Versammlung einzuberufen; würden Sie uns dazu die Erlaubnis erteilen?" ,, Leider geht das nicht. Erst muß die Neugründung der Liga Marburg bewilligt sein. Sonst geraten Sie ja wieder in dieselbe Sackgasse, aus der Ihnen die Amnestie gerade herausgeholfen hat. Amnestien kommen nicht alle Tage... Eine Woche früher oder später sollte doch keine große Rolle spielen." Der Dekan versuchte zu erklären, worin die Schwierigkeit bestehe: ,, Es ist keine Mitgliederliste mehr vorhanden, die wir dem Gesuch zur Neugründung beifügen könnten. Andererseits ist es verboten, Mitglieder vor der Genehmigung aufzunehmen. Wie sollen wir die Sache in die Wege leiten, Herr Leutnant?" ,, Ich verstehe, Herr Dekan. Ich würde Ihnen raten, darauf hinzuweisen, daß Sie das Namensverzeichnis der Mitglieder nach der ersten Versammlung beibringen wollen. Ich werde die Sache vertreten. So unerbittlich, hartherzig und Haarspaltereien nachjagend sind wir Amerikaner doch nicht...", fügte er hinzu und verabschiedete sich mit verbindlichem Lächeln. Der Dek men. Dann dem nation gedachte. Ligamitglie auf die hol Ferner E Der Dekan rief Professor Weber nicht an, sondern suchte ihn persönlich auf, um ihm über den Verlauf seiner Unterredung im A.H.M. zu berichten. Kaum waren die beiden im Gespräch, läutete das Telefon. Edgar Norgam verständigte seinen Freund, daß er mit Esther in das Lahnkino gehen wolle, in dem gerade der Film ,, Die Förster von Treisbach" laufe. Webers sollten keineswegs mit dem Nachtessen warten... Der Professor war wegen dieser Nachricht nicht miẞgestimmt; denn nun konnten die beiden Gelehrten alle Maßnahmen ungestört besprechen, die zu treffen sie für richtig hielten. Das Gesuch an die Militärbehörde wurde noch am gleichen Abend geschrieben. Zur Freude der Wissenschaftler traf sechs Tage später die schriftliche Genehmigung zur Neugründung der Marburger, Liga' ein mit gleichzeitiger Bewilligung zur Einberufung der Gründungsversammlung. Zwei Tage darauf fand das erste Zusammentreffen im Hotel, Hessischer Hof statt. Außer den beiden Gelehrten waren vierzehn Herren, über deren Gesinnung und Charakter die Veranstalter keinen Zweifel hatten, anwesend. 124 ger Liga sammlung das den B lich beant Mitte der sitzender, Dekan -der lee einstimmig Er dankt Zwecken Dr. Rum Eberlein sönlichen zu nehme bekannt g Bevor noch einm mentritt, sten Vers Die zw im Hotel derselbe gestellt w jahr, eing sen war. die Beg Seeleng Leben S retten. konnte, Der Dekan eröffnete die Sitzung und hieß die Erschienenen willkom- men. Dann erteilte er Dr. Rumpf das Wort, der in einem Nachruf aller dem nationalsozialistischen Terror zum Opfer gefallenen Ligafreunde gedachte. Er sprach über die schwere Zeit, welche die überlebenden Ligamitglieder in Deutschland durchzumachen hatten und kam dabei auf die hohen Ideale der Liga der Menschenrechte zu sprechen. Ferner berichtete er über die genehmigte Neugründung der Marbur- ger Liga und erklärte schließlich den unmittelbaren Zweck der Ver- sammlung. Weiter führte er aus, warum jeder der Anwesenden— wie das den Besatzungsvorschriften entspräche— seine Aufnahme schrift- lich beantragen müsse. Zum Schluß gab er noch bekannt, daß aus der Mitte der Versammlung der verantwortliche Ligavorstand, wie: Vor- sitzender, Schriftführer, Kassierer, usw. zu wählen sei. Dekan Urhan war mit fünfzehn Stimmen bei einer Stimmenthaltung __ der leere Stimmzettel war von ihm selbst abgegeben worden— also - einstimmig, zum Vorsitzenden der Marburger Liga gewählt worden. Er dankte für das ihm bewiesene Vertrauen und versprach, den Zwecken der Lira der Menschenrechte nach bestem Können zu dienen. Dr. Rumpf wurde zum zweiten Vorsitzenden und Kassierer, Professor Eberlein zum Schriftführer gewählt. Professor Weber hatte aus per- sönlichen Gründen, die Versammlung ersucht von seiner Wahl Abstand zu nehmen. Den Anlaß dafür wollte er zu einem späteren Zeitpunkt bekannt geben... Bevor die Herren sich an diesem Abend trennten, ergriff der Dekan noch einmal das Wort und forderte alle auf, zum kommenden Zusam- mentritt, neue, würdige Mitglieder zu werben. Das Datum der näch- sten Versammlung würde noch schriftlich bekanntgegeben. *** Die zweite Versammlung fand einige Wochen später statt; diesmal im Hotel Ritter. Neunzehn Anträge auf Neuaufnahme lagen vor. Einer derselben mußte abschlägig beschieden werden. Er war von einem Arzt sestellt worden, der, wenn auch nur für einige Monate im letzten Kriegs- jahr, eingeschriebenes Mitglied der Nationalsozialistischen Partei gewe- sen war. Professor Eberlein hatte sich für die Aufnahme eingesetzt und die Begleitumstände geschildert, unter denen sich der Bewerber mit Seelenqualen zu seinem Übertritt zu den Nazis entschließen mußte. Das Leben seiner Frau, das von den Nazis bedroht war, galt es damals zu retten. Er sah jedoch ein, daß man diesem Antrag nicht stattgeben Konnte, um Schwierigkeiten mit der amerikanischen Militärbehörde zu 125 vermeiden, die der Ligasache soviel Verständnis und Entgegenkommen bewiesen hatte. Nach der zweiten Sitzung hatte die Marburger Liga vierunddreißig Mitglieder. Bevor die Herren aufbrachen, kündigte der Dekan noch an, daß die dritte Zusammenkunft, eine Vollversammlung, in genau einer Woche, am gleichen Ort und zur selben Stunde, stattfinden werde. Auf die Tagesordnung kämen, wichtige Beschlüsse', die nicht nur ihren kleinen Kreis beträfen, sondern ganz Deutschland. ,, Erscheinen ist Pflicht!" waren seine Abschiedsworte. In diesen Tagen kam ein Brief aus Kopenhagen. Edgars älteste Schwester war hoffnungslos erkrankt und dem Sterben nahe. Der Brief stammte von einem Priester, der Edgars Adresse durch einen sonderbaren Zufall erhalten hatte. ,,... Ihre Schwester Hilde, die Witwe des Arztes Dr. Westruock, bittet Sie und Ihre Frau um Vergebung. Es ist ihr letzter Wunsch, Sie beide noch einmal zu sehen. Die Ärzte glauben, daß sie eine Woche kaum überleben dürfte... Ihre beiden anderen Schwestern und deren Ehemänner sitzen als Nazianhänger im Gefängnis..." Sein Brief schloß mit den Worten: ,, Als Priester hielt ich es für meine Pflicht, Ihnen von dem letzten Wunsch der Sterbenden Mitteilung zu machen. Kommen Sie sofort, wenn Sie ihn erfüllen wollen..." Als Edgar Norgam diesen Brief las, spiegelte sich Betroffenheit, aber auch Bitterkeit in seinen Zügen. ,, Nein, ich fahre nicht... Meine Schwester hat länger als dreißig Jahre ohne mich leben wollen... Mag sie, wenn es Gottes Wille ist, friedlich sterben. Ich habe dort nichts zu tun..." ,, Aber ich", sagte Esther." Deine Schwester ist auch meine Schwester. Was sie getan hat, mag sie mit sich und ihrem eigenen Gewissen abmachen. Wenn ein Mensch in höchster Seelennot auf dem Sterbebette ruft, dann gibt es nur eines: Diesem Ruf folgen! Edgar, ich bitte Dich inständigst; laß uns hinfahren, heute noch, vielleicht ist es morgen schon zu spät." Edgar war wieder einmal von der Herzensgüte seines braven Weibes überwältigt. Seine scheinbare Härte und Bitterkeit schmolzen... Wortlos streichelte ihm Esther das Haar. Drei Stunden später bestiegen sie in Frankfurt ein Flugzeug und landeten nach zwei Flugstunden in Kopenhagen. Sie fuhren sofort ins 126 Krankenhau her verschi Edgar un ziehen. Von dem Gefängniss Edgars- einem Mor jene die Na Untergrun den war. T lingen von Spenders Anlaßlich ber seiner des Erlebn Am näch am Main Die dritt schenrech Tagesordr Um des Redne Sehr g Rückbli heute beh land kein sprach. W zu werde Leben.von der Z liebes De war. Das Adolf Hi verlasse Interess denn die sind die der Erin Entgegenkom ierunddreiß ekan noch an genau einer Krankenhaus. Leider kamen sie zu spät. Die Schwester war kurz vorher verschieden. Edgar und Esther küßten die Stirn der Toten; sie hatten Hilde verziehen. Von dem Priester erfuhren sie, daß der nächste Besuchstag in den en werde. At Gefängnissen, in denen Agnes und Irene- die beiden Schwestern cht nur ihre Edgars und ihre Ehemänner, die Strafe verbüßten, erst wieder in Erscheinen ist dgars älteste ahe. Der Bri einen sonder Westruock -Wunsch, Si e eine Woch ern und dere - einem Monat wäre. Der Seelsorger erzählte auf. Befragen, wie eifrig jene die Nazis unterstützt hatten, und daß mancher dänische Patriot der Untergrundbewegung, von ihnen der Hitlergestapo ausgeliefert worden war. Trotzdem gab ihm Edgar einen Geldbetrag, damit er den Häftlingen von Zeit zu Zeit etwas zukommen lasse, ohne den Namen des Spenders bekanntzugeben. Anläßlich der Beerdigung Hildes besuchten Edgar und Esther die Gräber seiner Eltern und diejenigen von Randaus. Das war ein erschütterndes Erlebnis für beide... Am nächsten Tag brachte sie das Flugzeug wieder nach Frankfurt am Main zurück. - Die dritte Tagung die erste Vollversammlung der Liga der Menth es für mein schenrechte, Verein Marburg, war eröffnet. Dekan Urhan verlas die Tagesordnung. Hierauf erteilte er Professor Weber das Wort. Mitteilung z ..." offenheit, abe dreißig Jahr le ist, friedlid ine Schweste Gewissen ab m Sterbebet ich bitte Did st es morge Draven Weibe lzen... Work gzeug und las ren sofort in " Um die Ehre des deutschen Volkes" war das Thema des Redners, das mit großer Spannung erwartet wurde. ,, Sehr geehrte Herren, liebe Ligafreunde: - Rückblickend auf die Zeit von 1933 bis tief in das Jahr 1945, darf man heute behaupten, daß es viele Jahre dauerte, in denen man in Deutschland kein freies Wort öffentlich sprechen durfte, das der Naziidee widersprach. Wer es dennoch versuchte, riskierte, erbarmungslos gemartert zu werden, und gar mancher deutsche Bürger büßte das mit seinem Leben. Keineswegs will ich den heutigen Abend damit verbringen, von der Zeit des Tyrannen Hitler zu sprechen, die so unheilvoll für unser liebes Deutschland, ja für ganz Europa und darüberhinaus die Welt, war. Das hebe ich mir für ein anderes Mal auf. Es wird dem Mörder Adolf Hitler und seinen Gehilfen nicht erspart, darauf können Sie sich verlassen. Viel seelischer Bereitschaft wird es bedürfen, um unsere Interessen wieder in eine sagen wir normale Bahn zu lenken; denn die Mehrzahl unter uns, die mit dem Leben davongekommen ist, sind die Leidtragenden des Geschehens, das uns allen noch zu frisch in der Erinnerung haftet. In der Barbarenzeit, die uns die Nazis bescherten, - 127 war der größte Teil des deutschen Volkes in der eigenen Heimat gefangen. Daher müssen viele von uns, wahrscheinlich die meisten, wieder lernen, als freie Bürger zu leben; denn so schwer es uns wurde, unter der Knute zu atmen, so unverhofft kam das Ungewohnte, wonach wir alle lechzten, zurück: Die Freiheit! Die Freiheit! Der Welt und uns selbst gegenüber haben wir eine große Aufgabe zu erfüllen: Des deutschen Volkes Ehre zu verteidigen! Warum? Ein groBer Teil der Menschheit auf dieser Erde vertritt die Ansicht, daß das ganze deutsche Volk mitschuldig sei an allen von den Nazibarbaren begangenen Verbrechen Einerlei, ob es sich um Morde, Christenund Judenverfolgungen oder Greueltaten in Konzentrationslagern handelte. - -- Anschließ Cebnis war Erster Vo Zweiter Dr. Rump ankdirekto Die näch Wochen spä Vor Aufhe on Profes Marburger endvierhum Für die u tun. Oh Unterschiede zwischen Nazis und Deutschen wollen die vorher Gemeinten einfach nicht gelten lassen. Sogar, am zweiten Weltkrieg sollen Hitler und seine Berater nicht allein schuldig sein ja, das ganze chnell ges deutsche Volk bekommt die Verantwortung dafür in die Schuhe ge- chrieben, schoben! Unter dem Sammelwort, Kollektivschuld' rückt man uns auf roßer Beg den Leib. Jeder Deutsche ist somit als Verbrecher gebrandmarkt. Da- Anzahl Bri gegen müssen wir uns zur Wehr setzen, wenn wir dem Begriff, Ehre en Fällen nicht untreu werden wollen..." Stürmische Beifallskundgebungen waren der Ausdruck der Zustimmung. Über zwei Stunden sprach der Gelehrte, dann kam er zu seinen Schlußworten: densweg im Berlin kam Ligalandes Var eine w ,, Wir glauben, einen Weg gefunden zu haben, auf dem man Gerech- var. tigkeit für das deutsche Volk erlangen kann. Dieser Weg zwingt uns, Professo die Liga der Menschenrechte um Beistand anzurufen. Von ihr, vor der Versammlu wir das gleiche Recht das Recht als Mensch-- haben, wie alle mit der La - anderen, lassen Sie uns Inschutznahme erbitten. Die Liga der Men- wortete p schenrechte wird unsere Sache zu der ihrigen machen und uns beistehen. Davon, meine lieben Freunde, bin ich überzeugt... Nunmehr beantrage ich, eine Kommission zu wählen, deren Aufgabe es sein soll, alles Nötige in die Wege zu leiten, um das, was aus meinen Worten hervorgeht, zu vollenden. Damit meine ich, die Verhandlung mit dem Präsidium der Liga der Menschenrechte aufzunehmen, die ihren Hauptsitz in London hat. Die Welt muß davon überzeugt werden, - daß die Majorität des deutschen Volkes nicht verantwortlich gemacht werden darf, für, Fehler', an denen ein größerer Teil der politischen Welt mehr Schuld trägt als die Mehrzahl der Reichsbevölkerung. Liebe Freunde, ich bin mir klar darüber, was ich sage. Die Welt mag auch das zur Kenntnis nehmen..." 128 Vereins un Zu gründe Nach U Dekan Ur Am Sch für die va dessen R Anschli die Anwe worden nahmege s Heimat gefan eisten, wieder Anschließend wurde die Kommission gebilligt und gewählt. Das Ergebnis war: wurde, unter Erster Vorsitzender: Dekan Urhan. wonach wi Zweiter Vorsitzender: Professor Weber. Be Aufgabe z bankdirektor a. D. Dr. Kniese bekam das Kassiereramt. Dr. Rumpf und Dr. Werle erhielten die Schriftführerposten, und Reichsum? Ein gro sicht, daß das Wochen später stattfinden. Die nächste und entscheidende Versammlung sollte zwei bis drei Nazibarbarer Vor Aufhebung der heutigen Sitzung veranstaltete man auf Vorschlag de, Christen von Professor Heinrich Steller eine Geldsammlung zur Stärkung der nslagern han. Marburger Ligakasse. Die vierunddreißig Mitglieder spendeten eintausendvierhundertundzwanzig Mark. Das war ein erfreuliches Resultat! ie vorher Ge Für die beiden Schriftführer gab es in den kommenden Wochen viel Weltkrieg sol zu tun. Ohne Inanspruchnahme ihrer Bürokräfte hätten sie es nicht so ja, das ganze schnell geschafft. An alle bekannten Ligafreunde im Reiche wurde geie Schuhe geschrieben, und diese zur Gründung von Ligavereinen aufgefordert. Mit t man uns au großer Begeisterung folgten viele der Anregung. Leider kam eine große andmarkt. Da Anzahl Briefe mit dem Vermerk, Aufenthalt unbekannt' zurück. In andeBegriff, Ehre ren Fällen schrieben Angehörige herzergreifende Berichte von dem Leidensweg ihrer den Hitlerbarbaren zum Opfer gefallenen Lieben.... Aus k der Zustim Berlin kam die Nachricht, daß Dr. Christoph Hauck, der ehemalige mer zu seiner Ligalandespräsident für Deutschland, jetzt in Gießen ansässig sei. Das war eine wichtige Nachricht, da dieser als einflußreicher Mann bekannt war. man Gerech eg zwingt uns - - Professor Weber schrieb ihm sofort und bat ihn, an der nächsten on ihr, vor der Versammlung in Marburg teilzunehmen. Im Geiste sah er ihn wieder aben, wie alle mit der Landespräsidentschaft Sitz Berlin betraut. Dr. Hauck antLiga der Men wortete postwendend. Er gratulierte zu dem Erfolg des Marburger uns beistehen. Vereins und teilte mit, daß er im Begriffe sei, die Liga in Gießen neu zu gründen. deren Aufgal was aus meine Nach Überwindung vieler technischer Schwierigkeiten, eröffnete Dekan Urhan die vorgesehene Sondersitzung der Liga Marburg... e Verhandlu zunehmen, Am Schlusse seiner Ausführungen dankte er den beiden Schriftführern rzeugt werde für die von ihnen geleisteten Arbeiten und erteilte Dr. Rumpf das Wort, ortlich gemad dessen Rede großen Beifall fand. der politische Slkerung. Lie Welt mag aut Anschließend erstattete Dr. Kniese den Kassenbericht und informierte die Anwesenden, daß eine Spende von fünftausend Mark eingezahlt worden sei. Zwar wäre der Spender noch kein Mitglied, aber sein Aufna hmegesuch sei bereits eingetroffen. 129 ,, Er ist ein Bruder von Herrn Professor Sisenopp", hob er hervor. ,, Bis 1933 war der Stifter selbst Ligavorsitzender in Jena gewesen. Die Herren Professoren Konrad Köhler und Friedrich Waldmann gibt er als Referenz an. Ich glaube, empfehlen zu müssen, das Geld anzunehmen, woran wir sowieso keinen Überfluß haben." Die Versammlung gab ihre Einwilligung. In Frankf Deutschlan Worstandes" Von neuer wieder als Witglieder 2 Im Vergle Als nächster Redner ergriff Professor Weber das Wort. Er wies auf das bisher Getane hin und erklärte wiederholend den Sachverhalt, der scheidene es erforderlich mache, die Weltliga um Beistand anzugehen. Hieraufach wie vo verlas er den Wortlaut eines Briefes an Professor Nathan Sabowski in Warschau, den Vorsitzenden der Liga der Menschenrechte, Landesgruppe Polen. In diesem Schreiben wurde, um den Bestimmungen des Paragraphen Nr. 17 der Ligastatuten gerecht zu werden, der polnische Gelehrte gebeten, das beigefügte Gesuch zu befürworten, weil wie erinnerlich- Dr. Kreuschke, der das deutsche Volk der Kollektivschuld bezichtigte, ein Pole sei. Erst wenn man die Befürwortung schriftlich habe, sollte die Eingabe an Lord Roberts, den Hauptpräsidenten der Liga, abgesandt werden. Der Inhalt des Briefes nach Warschau wurde von allen Mitgliedern gutgeheißen. Mit zitter chauer Bri Schreiben w Lmg. Nicht or Weber inbarten, s ler Unterre Kurz dara Las Warsch Sehr ge Anbei sem ürwortung Belege und ,, Was denken Sie, Herr Professor, wann wir von Warschau Bescheid haben können?" fragte Dr. Jungheim auf dem Wege nach Hause. ,, Wie kann ich das wissen, Herr Doktor. Ich glaube, es wäre amrit Dr. Kr besten, wenn wir für die nächsten Wochen die ganze Sache auf sich beruhen ließen. Das hilft zwar nicht, die Wartezeit verkürzen, aber es bewahrt uns wenigstens davor, nach jeder Postbestellung enttäuscht zu sein..." Standpunkt Professon den er mit Staunt darü einen Jud Dr. Obgleich die Herren über diesen Vorschlag lachten, waren sie doch der Ansicht, daß es sich um eine ausgezeichnete Idee handle, die man I. Kreusc zur Selbsttäuschung immerhin anwenden könnte. „ Ob erfolgreich, das steht auf einem anderen Blatt", bemerkte Pro- se... fessor Kurtz, bevor sich alle gute Nacht wünschten. rühre... E das Schick lionen and det worde weisen.. er es sich Während der kommenden Wochen wurden in den meisten Städten getrost eir des Reiches Zweigstellen der Liga gegründet. Die Zonenmächte erteiltigkeit kö ten bereitwilligst die Genehmigung dazu. In der amerikanischen Zone gab man der Liga alle Versammlungsräume frei, die sie, bevor Hitler ihre Tätigkeit unterdrückte, benutzt hatten... 130 sche unte er hervor. Jena gewesen Deutschland" mit der Tagesordnung ,, Wahl des LigalandesverbandsWaldmann gyorstandes". Als Vorsitzender wurde Dr. Hauck einstimmig gewählt. In Frankfurt am Main tagte die erste Versammlung der Ligagruppe as Geld anz t. Er wies an achverhalt, der gehen. Hiera n Sabowski echte, Lande s Paragraphe Gelehrte gebe erinnerlichld bezichtig Von neuem war die Liga in Deutschland erstanden und wählte Berlin wieder als Hauptsitz. Bereits achttausendvierhundertdreiundneunzig Mitglieder zählte der Verein. Im Vergleich zu der Vorhitlerzeit, als es 189 654 gewesen waren, eine bescheidene Zahl. Die Hauptsorge der verantwortlichen Männer blieb nach wie vor der Bescheid von Professor Sabowski... * * Mit zitternder Hand hielt Dekan Urhan den lang erwarteten Warschauer Brief, ehe er das Kuvert öffnete. Es enthielt außer einem langen Schreiben von Professor Sabowski den Antrag mit seiner Befürwortung. Nicht einmal das Begleitschreiben hatte er gelesen, als er Professor Weber vom Erhalt des Briefes in Kenntnis setzte. Die Herren vereinbarten, sofort zusammenzukommen. Auch Dr. Rumpf baten sie, an der Unterredung teilzunehmen. Ite die Einga Kurz darauf saßen sich die drei Herren gegenüber, Dr. Rumpf verlas andt werden. en Mitgliede schau Besche h Hause. e, es wäre Sache auf Kürzen, aber ung enttäus waren sie d handle, die das Warschauer Schreiben: ,, Sehr geehrter Herr Dekan! Anbei sende ich Ihnen den mir eingereichten Antrag mit meiner Befürwortung versehen zurück. Ich habe nicht nur die nach hier gesandten Belege und Schriftstücke eingehend studiert, sondern mich auch direkt mit Dr. Kreuschke in Verbindung gesetzt, der nach wie vor auf seinem Standpunkt beharrt..." - Professor Sabowski befaßte sich längere Zeit mit einem Briefwechsel, den er mit Dr. Kreuschke geführt hatte. Der Staatsanwalt sei sehr erstaunt darüber, daß sich Deutsche im Kampf um ihre Rechtfertigung an einen Juden gewandt hätten... Von sich selber könnte er Dr. Kreuschke nur sagen, daß er keinen Finger für einen Deutschen rühre... Er wolle nicht von sich behaupten, daß er ein frommer Kathobemerkte Pr lik sei... In diesem Zusammenhang habe Dr. Kreuschke ihn auch an das Schicksal der jüdischen Familie Sabowski erinnert und an die Millionen anderer Opfer, die von den Deutschen ohne Bedenken hingemordet worden waren... Die Liga möge bei der polnischen Regierung meisten Städ getrost einen Antrag gegen ihn einreichen. Das ließe ihn kalt. Mit Leichenmächte ert tigkeit könnte er, was die Deutschen auf dem Kerbholz haben, nachkanischen Zweisen... Weiterhin sagte Dr. Kreuschke in seinem Briefe noch, daß ie, bevor Hier es sich zweimal überlege, ehe er irgendeine Befürwortung für Deutsche unterzeichne usw. usw.... 131 Zum Schluß schrieb Professor Sabowski: Tags dar aß er nun labe. Nun ichts mehr ,, Ich muß gestehen, der Brief Dr. Kreuschkes, der ein anerkannt guter und ehrbarer Jurist ist, hat mir viel zu denken gegeben. Aber nach reiflicher Überlegung bin ich zu der Ansicht gekommen, daß es im Sinne meines Schöpfers( der aller Menschen Gott ist) sein muß, Ihre Sache Als die durch meine Unterschrift zu unterstützen, wenn der Bibelspruch:, Verre telegra gebt Euern Feinden... kein leeres Geschwätz werden soll..." ,, Dieser Mann ist von einer Seelengröße ersten Ranges", sprach Dr. Rumpf, nachdem er den Brief zu Ende gelesen hatte. chef, wer w Der bin Gestern ,, Das sollen sich die verdammten Menschenhasser, die erbärmlichen Professor." Antisemiten, hinter die Ohren schreiben. Ich bin kein Antisemit- Christ bin ich, Christ", wetterte der Dekan. „ Aber Herr Dekan, waren unsere Nazis keine Christen? Gingen sie nicht in dieselben Kirchen, in die wir gegangen sind und noch gehen?" - ich spreche ,, Nein, Herr Professor, die wirklichen Nazibonzen- nicht von der Masse der Mitläufer gingen im allgemeinen nie in die Kirche. Sie verwünschten Jesus als Juden und machten ihre Witze über Gott. Ja, sie zeigten sich vielleicht in der Kirche, um mit ihren Uniformen zu protzen, aber niemals, um zu beten. Und Feiertage waren nur ein guter Vorwand zum Saufen und anderen Ausschwei.ungen Gott hatten die nichts zu tun, glauben Sie mir das. Fragen Sie einmal die Geistlichkeit, die kann Ihnen ein Lied davon singen." - Mit Die Herren beschlossen, Professor Sabowski vorläufig brieflich zu danken und erwogen, ob man ihm später den Titel eines Ehrendoktors der Universität Marburg verleihen könnte. Das Gesuch wurde nun mit allen Belegen versehen und zur Unterschrift an den Ligalandespräsidenten für Deutschland, Dr. Christoph Hauck, nach Berlin gesandt mit der Bitte, es von dort direkt nach London weiterzuleiten. ,, Nun haben wir unfreiwillige Ferien und können in dieser Sache nichts tun, bevor die Antwort aus London eintrifft", bemerkte der Dekan. ,, Das einzige, das uns zu tun übrig bleibt, ist zu warten", sagte Professor Weber lächelnd. Dr. Rumpf verabschiedete sich. Die beiden Gelehrten machten einen kleinen Spaziergang am Lahnufer. „ Für mic Leider austellen." Kurz da Tummer 27 vorden se Ach, da doch an!" Minuten Hier D denn...?" „ Grüß C vie geht e „ Danke, sind und „ Ja, es heim, ist Gester daß unser Potzta Wir sc bei der L Schrei Das h Wie „ Dann Jawo Besteller mahlin." 132 Tags darauf erschien freudestrahlend der Hauptmann und berichtete, nerkannt gu daß er nunmehr seinen regulären dreiwöchentlichen Urlaub bekommen Aber nach re tabe. Nun stand der zweiten Autoreise, die Norgams geplant hatten, B es im Sin nichts mehr im Wege. Wie abgesprochen, fuhren Webers mit. uB, Ihre Sad Als die Touristen ins Hotel, König Georg' in Hannover kamen, um elspruch:, Ve ihre telegraphisch bestellten Zimmer zu beziehen, fragte der Empfangssoll..." anges", spra e erbärmlich Antisemit en? Gingen d noch gehen - ich spred einen nie in d hre Witze üb it ihren Unifo age waren eilungen- agen Sie ein 1." fig brieflich es Ehrendokt und zur Unte , Dr. Christo direkt nach L in dieser Sad werkte der Dek ten", sagte P m machten ein chef, wer von den Herren Professor Weber aus Marburg sei? Der bin ich", erwiderte der Gelehrte. ,, Gestern war ein Telephonanruf mit Voranmeldung für Sie da, Herr Professor." ,, Für mich? Wer kann denn das gewesen sein? Wissen Sie das nicht?" Leider nein, Herr Professor; aber ich werde versuchen, es festzustellen." Kurz darauf erhielt der Professor Bescheid, daß von der Telefonnummer 274 in Marburg an der Lahn das besagte Gespräch angemeldet worden sei. ,, Ach, das war der Herr Dekan", sagte Frau Weber sofort. ,, Rufe ihn doch an!" Minuten später: ,, Hier Dekan Urhan... Guten Tag, Herr Professor. Wo stecken Sie denn...?" ,, Grüß Gott, mein lieber Herr Dekan; wo Sie mich suchten. Übrigens, wie geht es Ihnen?" ,, Danke, soweit ganz gut. Ich hoffe, daß Sie mit Ihrer Reise zufrieden sind und sich gut erholen." ,, Ja, es waren wirklich schöne Tage, die wir hatten; trotzdem: Daheim, ist daheim. Was gibt es Neues, Herr Dekan?" ,, Gestern ist die Nachricht von Lord Roberts aus London eingetroffen, daß unserem Antrag stattgegeben worden ist!" ,, Potztausend, das ist ja großartig, Herr Dekan!" ,, Wir sollen eine Delegation bilden. In sechs Wochen käme unser Fall bei der Ligatagung in Genf zur Sprache." ,, Schreibt der Lord sonst noch was Wichtiges?" ,, Das hat Zeit, bis Sie hier sind, Herr Professor." ,, Wie die denken. Voraussichtlich sind wir Sonntag zu Hause." Dann sehen wir uns ja hoffentlich bald, Herr Professor." Jawohl, Herr Dekan. Wenn nichts dazwischenkommt, am Montag. Bestellen Sie bitte viele Grüße an alle, besonders an Ihre Frau Gemahlin." 133 Samstag fuhren sie von Hannover ab und kamen gegen zehn Uhr abends in Kassel an, wo sie zu übernachten beabsichtigten. Dort konn-| ten sie aber weder Hotel- noch Privatzimmer auftreiben, so furchtbar]| | war die schöne Hauptstadt Hessen-Nassaus durch Bomben zerstört] | Über siebzig Prozent der Gebäude lagen in Schutt und Asche. Es blieb IN den Reisenden keine andere Wahl, als nach Fritzlar zu fahren, wo sie gegen ein Uhr früh eintrafen und Unterkunft fanden. Montag Morgen um elf Uhr kam Dr. Rumpf, um Professor Weber abzuholen. Beide machten sich auf den Weg zu Dekan Urhan... „Das ist aber eine erfreuliche Nachricht, Herr Dekan. Lord Roberts scheint sich unserer Sache sehr angenommen zu haben.“ „Jawohl, das kann man getrost behaupten. Bitte nehmen Sie Platz, pen komm meine Herren.“ FE ‚Estw Nachdem auch Professor Weber den Brief gelesen hatte, sagte er: ninte Ihr „So, nun lassen Sie uns die Reisekoffer packen, es ging alles viel] Die Zeit rascher, als ich gedacht hatte. Herr Dr. Rumpf, besorgen Sie bitte die] Pässe!“ „Woher bekommen wir Schweizer Franken?“ fragte der Dekan.„wen „Keine Sorgen! Ich borge bei meinem Freunde Norgam für jeden von] dieReise: uns tausend Schweizerfranken... Damit müssen wir doch auskom-| Eigr zu men...“, erwiderte der Professor. 5 Dekan| „Wie werden wir nur das Darlehen zurückbezahlen?“ wollte} | Dr. Rumpf wissen, der kein Freund von Kreditaufnahmen in fremden | Währungen war. „Darüber beunruhigen Sie sich bitte nicht. Herr Norgam kann auch | Mark gebrauchen, denn er bleibt mit seiner Frau noch fünf bis sechs | Monate hier. Außerdem beabsichtigt er, von Herrn Geheimrat Kahl ein | Ölgemälde zu kaufen: ‚Die Taufe‘— das wenigstens anderthalbmal so- viel kosten wird, wie die viertausend Schweizerfranken an Gegenwert | ausmachen. Wir bezahlen ganz einfach für Rechnung von Herrn Nor- .gam an Geheimrät Kahl unser Darlehen in Mark, und der Fall ist | erledigt.“ „Haben Sie eine Ahnung, wieviel auf jeden von uns entfallen wird?“ „Das, Herr Dekan, kann ich Ihnen nicht auf den Pfennig angeben. Meiner unverbindlichen Schätzung nach, dürfte jeder von uns zirka| " zweitausendfünihundert Mark zu bezahlen haben.“ Häusern „Na, das wäre ja einigermaßen erschwinglich. Außerdem glaube ich,|" ts | daß Sie mit tausend Franken mehr als reichlich der Vorsorge Rechnung|7‘reicht, trugen, Herr Professor. Ich bin davon überzeugt, wir kommen mit weni-| il(: ger als fünfzig Franken täglich pro Person aus“, bemerkte Dr. Rumpf.|‘hat l« & 4 gen zehn Ur Das Gleiche habe ich angenommen", erklärte der Dekan, der dabei en. Dort kom mit zwei Wochen Aufenthalt in der Schweiz rechnete, wogegen , so furchtbe Dr. Rumpf nur an acht bis zehn Tage gedacht hatte. mben zerstör ,, Umso besser für Sie, meine Herren. Mich hingegen, kostet es doppelt Asche. Es blieb so viel; denn meine Frau begleitet mich", schloß Professor Weber die fahren, wo sie Gelddebatte. ofessor Weber rhan... Edgar Norgam gab das Darlehen sehr gerne. 39 Wenn's sein muß, Karl, kannst Du noch mehr haben." Ich mache den Vorschlag. daß die drei Norgams sich der Schweizer Lord Rober Reise anschließen", erklärte Esther. „ Ein großartiger Einfall! Wir fahren mit dem Auto voraus, die andemen Sie Plat ren kommen mit der Bahn", sagte Frau Weber. atte, sagte ging alles vi ,, Erst will ich mit den Herren sprechen, ob sie das nicht übel nehmen", meinte ihr Mann. Die Zeit ging schnell dahin. Der Sonntag, an dem die erste Versammn Sie bittelung der Liga der Menschenrechte in Genf anberaumt war, stand vor der Tür... Heute war Montag. der Dekan. m für jeden v doch auskon hlen?" wol men in fremde gam kann au fünf bis sed eimrat Kahl Herthalbmal s an Gegenwe on Herrn No d der Fall ntfallen wird? ennig angebe von uns zik Hem glaube id orge Rechnum men mit wen kte Dr. Rum Wenn Ihr Eure Pässe hättet, würde ich vorschlagen, schon Mittwoch die Reise anzutreten, die Schweiz soll sehr schön sein...", bemerkte Edgar zu seinem Freunde Karl. Dekan Urhan, Dr. Rumpf und Dr. Werle hatten nichts dagegen, daß Webers mit Norgams vorausfuhren... Nur müsse man ihnen den, Draht' hierlassen... Dr. Rumpf brachte die deutschen Reisepässe für Herrn und Frau Professor Weber. - ,, Nun aber nichts, wie Gott gedankt", meinte der Rechtsgelehrte. ,, So schnell geht es nicht erst muß die Militärbehörde noch, Ja und Amen' stempeln, wenn Sie ins Ausland reisen wollen", wandte Dr. Rumpf ein, der sich in Paẞfragen auskannte. ,, Der Einfachheit halber geben Sie mir die Dinger her. Morgen bringe ich sie wieder zurück, natürlich mit dem amtlichen, Ja und Amen' versehen!", erbot sich Hauptmann Norgam. Mittwoch fuhren Webers und Norgams nach der Schweiz. Um drei Uhr nachmittags kamen sie durch das stark zerschossene Frankfurt am Main. Ebenfalls durch Darmstadt mit seinen zerfetzten Häusern ging die Fahrt, die nicht unterbrochen wurde, weil man am ersten Reisetage möglichst weit kommen wollte. Bald wurde Mannheim erreicht. Auch diese Stadt war entsetzlich zerstört. Mehr als die Hälfte aller Gebäude waren dem Erdboden gleichgemacht. Die Reisegesellschaft machte noch nicht einmal den Versuch, nach Unterkunft zu fra135 gen. Sie übernachteten im Hotel ,, Europäischer Hof" in Heidelberg, der Neckarstadt, die von Kriegszerstörungen verschont geblieben war. Donnerstag begann ihr zweiter Reisetag. In flotter Fahrt erreichten sie am frühen Nachmittag die Reichsgrenze, an der deutsche Zollbeamte ihren Dienst versahen. Französische Truppen waren anwesend, aber mit der Verzollung hatten sie nichts zu tun. Dagegen unterlag ihnen die Paßkontrolle. Mit Webers Pässen ging alles glatt, auch die Eltern Erics hatten keine Schwierigkeiten. Jedoch der junge amerikanische Hauptmann, der in Zivil war, bekam Scherereien. Sein für die Schweiz gültiger Urlaubsschein war ohne Photographie. Das verstieß gegen die französischen Besatzungsbestimmungen in Bezug auf Grenzüberschreitungen. Darüber ungehalten, sagte Eric Norgam zu dem Soldaten: ,, Wo sind Sie denn gewesen, als wir Amerikaner in Frankreich landeten, um Ihre Heimat von den Nazis zu befreien?" ,, Ihre Aufregung verstehe ich nicht, Herr Hauptmann. Ich tue doch nur meine Pflicht und sonst nichts. Anstatt mir Vorwürfe zu machen, sollten Sie wissen, daß Dienst Dienst ist. Ich kann Sie unmöglich weiterfahren lassen!" Etwas ironisch setzte der französische Korporal noch hinzu: ,, Und wenn es Sie beruhigt, ich diente fast vier Jahre hindurch im Untergrund gegen unseren gemeinsamen Feind... Verlassen Sie sich darauf, Herr Hauptmann, auch ich habe meinen Mann gestanden! Dann noch die Fünfte Kclonne gegen uns, Franzosen gegen Franzosen das tat doppelt weh! Frankreich blieb nichts erspart..." - Gerade kam ein Kraftwagen mit französischen Offizieren angefahren, die nach Karlsruhe wollten. Eric stellte sich vor, und nach kurzer kameradschaftlicher Unterhaltung genehmigte der Rangälteste, ein Major, seine Weiterfahrt. Nicht ohne sich bei dem Korporal entschuldigt zu haben, bestieg der Amerikaner das Auto. Noch zehn Minuten, dann kafn die Schweizer Grenze. Unter den Füßen ausländischer Boden: ,, Ist das der Schweizer Himmel?" fragte, seinen Finger hebend, Professor Weber die anderen... ,, Er ist nicht blauer als der deutsche, aber wie verschieden sind doch die Geschicke der beiden Nachbarvölker! Auch hier, die Äcker und Wiesen, die wir sehen, unterscheiden sich nicht von denen jenseits dieser Grenze in Deutschland. Oder sollten am Ende gar jene Blumen, die dort zwischen dem Gras wachsen, einen Qualitätsunterschied zu ihren 136 - Artverwar Differenz Wohlstand den Hokus sie tragen Einer de von dem nen, wenr gestiegen „ Wer ha in englisch „ Mit mi beamte zu Eric mi ... Da Ansicht a würde da bestimmt Diesen Zollbeamt legen zur „ Du la Hitleranh „ Ich? V pathisiert Beide F „ Herr günstige Das tu liches Be Menschen Acker ch „ Leide der ganz sehr viel weit me Sorge wachs rings un Eidelberg, de eben war Artverwandten grenzienseits, auf deutscher Erde, aufweisen, gleich der Differenz beider Landeswährungen, die Zeugnis ablegt von Armut und Wohlstand? Tausendmal nein! Es sind nur die Menschen selber, die sich den Hokus-Pokus vormachen. Natürlich liegt es an den Regierungen, sie tragen die Verantwortung vor Gott und der Welt...!“ Einer der schweizer Zöllner sagte zu Edgar Norgam:„Das Geschick, von dem der Herr da spricht, hätten sich die Deu:schen ersparen kön- nen, wenn ihnen der Glaube, ein Herrenvolk zu sein, nicht in den Kopf gestiegen wäre.“ „Wer hat Sie denn um Ihre Ansicht gebeten?“ bemerkte Edgar Norgam in englischer Sprache. „Mit mir müssen Sie schon schweizer Deutsch reden“, gab der Zoll- beamte zur Antwort. Eric mischte sich nun ein: „... Das ist mein Vater. Er sagte Ihnen, daß kein Mensch Sie um Ihre Ansicht angegangen habe. Wenn Sie etwas höflicher sein wollten, so würde das dem guten Eindruck eines Amerikaners von den Schweizern bestimmt keinen Abbruch tun... schäm...“ Diesen Satz konnte er nicht mehr beenden, da zwei ältere schweizer Zollbeamte, die das Gespräch mitangehört hatten, ihren jüngeren Kol- legen zur Ordnung riefen: is s die| Cie Reich, lerigkeiten I war, bekar in war oh {zungsbestin. je sich daral at Das ai„Du laß’ Deinen Mund nicht so lose fahren, warst Du nicht selbst ein Hitleranhänger?‘“ „Ich? Wo denkt Ihr nur hin? Daß ich mit unseren Frondisten sym- pathisierte, geht Euch nichts an!“ Beide Beamten entschuldigten sich gewissermaßen: „Herr Professor, Sie dürfen eines solchen Rüpels wegen keine un- günstige Meinung über das schweizer Volk aufkommen lassen...“ „Das tue ich keinesfalls und danke Ihnen, meine Herren, für Ihr freund- liches Benehmen. Im übrigen— trösten Sie sich; an ungeschlilfenen Menschen hat jedes Land seinen Teil abbekommen. Es gibt keinen Acker ohne Unkraut...“ „Leider haben Sie recht, Herr Professor. Aber es ist ein Glück, daß der ganze Hitlerspuk zu Ende ist. Bei uns in der Schweiz hatte er bei sehr vielen Leuten— ohne Unterschied von Stand und Geschlecht— weit mehr um sich gegriffen, als in der Welt bekannt wurde.“ jenseits dies!„Sorgen Sie sich nicht; in allen Ländern Europas hat das Nazige- „Blumen© wächs leider Wurzeln geschlagen. Ja, wenn man genau hinsieht— chied ai Kings um die Erde!“ 137 - ,, Das stimmt auch, Herr Professor. Aber wenn unsere schweizerischen Vorfahren vom Geiste dieses, unseres jüngeren Kollegen beseelt gewesen wären, so würde ob Sie es glauben oder nicht der Rüttlischwur niemals zustande gekommen sein, und einen, schweizer' Tell hätte es höchstwahrscheinlich nicht gegeben." - - 1871 abge trachtet, i „ Bitte e Weg." Das Au Die Reise „ Karl, E „ Frau, denn, mar Gut, M Gottes pr Dieser Nahe a fuhren sie Basel war bald erreicht. Im Hotel Euler, einem der besten Hotels der Schweiz, stiegen sie ab. Freitag vormittag sahen sich die fünf Reisenden die Stadt Basel an. Vor fast jedem Laden blieben Webers stehen; gab es doch so viele Sachen zu kaufen, an denen sie Mangel litten! Gegen elf Uhr fuhren sie nach Luzern. Gerade vor dem Hotel Schweizer Hof, das so herrlich am Vierwaldstättersee gelegen ist, stiegen sie aus. Heute war die Aussicht besonders klar, so daß sich die Berge gut abhoben. ,, Das sind die Alpen", sagte der Hauptmann zu den vier anderen, die zum ersten Male in der Schweiz weilten. der Haup Genferse - von In dies ,, Hier links von uns liegt der Rigi, da hinten, fast in der Mitte unserem Standorte aussehen wir das Stanzerhorn und rechts von uns, das ist der Pilatus. Auf der Rückreise machen wir wieder in Luzern Halt, und dann fahren wir einmal über die Axenstraße nach Flüelen und weiter nach Altdorf, wo Wilhelm Tell, der große schweizer Patriot, geboren sein soll. Unterwegs zeige ich den, Allesbewunderern' noch die Kapelle und die Tellspalte. Es ist die Stelle, an der Wilhelm Tell aus dem Rettungsboote des Landvogts Geßler sprang, wie uns das Schiller so nett erzählte..." ,, Erna, so etwas Herrliches wie diese Alpenlandschaft haben wir beide vorher nie gesehen... Gott muß uns doch gern haben, daß er uns das in unseren alten Tagen noch sehen läßt. Wo lebten wir denn all die Jahre?" ,, Aber Herr Professor, Alpen haben Sie in Deutschland doch auch!" ,, Gewiß, Herr Hauptmann, aber die schweizerischen Berge heben sozusagen meine Stimmung, während die unserigen heutzutage das Gegenteil bewirken. Ob die traurige Lage meiner Heimat damit etwas zu tun hat? Gott weiß es." ,, Herr Professor, ich verstehe, aber jetzt möchte ich den Herrschaften noch den Gletschergarten zeigen..." Alle waren froh, das reizvolle Wunder der Natur gesehen zu haben. Auch das Panorama, in dem nur ein einziges Bild zu sehen ist, wurde noch schnell besichtigt. Es stellt den Übertritt eines Teiles der französischen Armee über die schweizer Grenze dar, wie er sich im Jahre in was fü gehalten Jetzt w Mondlich Genferse nahen A ginnende singt nie Fremden mischt d In der kc Wird es ist die F Schon nicht me weckt w den Ger Schrei n Was Karl Er ka Nun entschu 138 1871 abgespielt haben soll. Vom künstlerischen Standpunkt aus be- trachtet, ist es ein Meisterwerk und einzig in seiner Art. „Bitte einsteigen“, sagte Eric Norgam,„bis Genf ist noch ein weiter Weg.“ Das Auto rollte durch das mit Naturpracht begnadete Schweizerland. Die Reisegesellschaft kam von einem Erstaunen in das andere. „Karl, hier müssen doch nur zufriedene Menschen wohnen...“ „Frau, ein Land mit nur zufriedenen Menschen gibt es nicht, es sei denn, man würde es noch entdecken.“ „Gut, Mann, aber wenn alle Leute so zufrieden wären, wie die Natur Gottes prächtig ist, dann hätten wir auf Erden das wahre Paradies.“ Dieser Ansicht wurde allgemein zugestimmt. Nahe an einem Eichenwäldchen machten sie ihre letzte Rast. Dann fuhren sie, ohne anzuhalten, bis nach Genf. Im Hotel Beaurivage, in dem der Hauptmann drei Zimmer im dritten Stockwerk mit Aussicht auf den Geniersee bestellt hatte, nahmen sie Wohnung. In dieser Nacht beherbergte Genf zwei Menschen, die nicht wußten, in was für einem Trancezustand sie während der Tyrannenzeit Hitlers gehalten wurden. Jetzt waren die mehr als zwölf Jahre lang Gehetzten ‚nur‘ müde... Mondlicht und Sterne sorgten für Dämmerstimmung. Das Wasser des Genfersees plätscherte sozusagen das Wiegenlied. In den Bäumen der nahen Anlagen schliefen Singvögel. Ob sie durch ihr in der Früh’ be- ginnendes Konzert das Ehepaar Weber willkommen heißen? Der Vogel singt nie den Nationen, nur dem Gemüt gilt sein Gesang. ‚Ruht aus, ihr Fremden von der Lahn, ihr habt’s verdient. Die Macht der Vorsehung mischt die Karten. Ziehe eine, ziehe eine, niemand entgeht ihrem Los. Inder kommenden Woche ist das ‚Schicksalsspiel‘ des deutschen Volkes. Wird es vom Zufall des Glückes abhängig sein oder vom Recht? Das ist die Frage!‘ Schon frühzeitig am Samstagmorgen erwachte Frau Weber. War sie nicht mehr müde, oder ist sie durch das Gefühl wohltuender Ruhe ge- weckt worden. Sie ging zum Fenster. Der Eindruck der Aussicht auf den Genfersee mit seinem Panorama war so gewaltig, daß sie einen Schrei nicht unterdrücken konnte, wodurch ihr Mann erwachte. „Was ist denn los?“ fragte der Gatte noch ganz schlaftrunken. „Karl, komme doch bitte einmal schnell ans Fenster.“ Er kam und starrte nur so auf alles, was seine Augen sahen. „Nun wirst Du, mein lieber Mann, meinen Aufschrei verstehen und entschuldigen, nicht wahr?“ d rechts von der in Luzern ,, Frau, mir ist es, als käme von den Bergen jenseits des Sees das Gefühl der Erleichterung über mich, mit einem meiner Seele wohlgemeinten, befehlenden Zuruf:, Karl Weber, Karl Weber, es ist an der Zeit, daß Du Deine Nervosität abstreifst, deren Gefangener Du schon vierzehn Jahre lang bist." ,, Ja, mein Lieber, mir ergeht es fast genau so. Sicherlich kommt das alles durch die Naturpracht, die uns beide so beeindruckt. Seit Jahr und Tag fühle ich mich nicht so ausgeglichen, ich meine so entspannt..." ,, Seitdem der Tyrann Adolf Hitler zu existieren aufgehört hat, ist der Druck von mir gewichen... Aber so frei wie ich mir jetzt vorkomme, war ich wirklich schon sehr lange nicht..." ,, Karl, kann es sein, daß der Gedanke, mal wieder unbehindert im Auslande weilen zu können, zu unserer Gefühlsstimmung beiträgt?" ,, Natürlich spielt das eine Rolle." ,, Wir müssen Gott dafür danken, der alles so lenkte. Karl, daran lasse uns stets denken!" Weil sie den herrlichen Blick auf den See noch genießen wollten, beschlossen sie, das Frühstück auf ihr Zimmer zu bestellen. ,, Denkst Du, daß es jetzt noch zu früh ist, die anderen Marburger im Hotel Schweizerhof anzurufen?" ,, Versuch's doch, Karl; da steht ja der Apparat." Die Telephonistin des Schweizerhofs antwortete, daß vor elf Uhr dreißig die Herrschaften keinesfalls zu sprechen wären, wie dieselben ausdrücklich bei ihrer späten Ankunft angeordnet hätten. Der Del stuck bere Nachdem treffen, wi schiedeten ihr Besuch Marburger Ich las halb ein U „ Einver „ Alle A Telefon z speisen, an „ Na, st nicht", ull „ Wir Dr. Werle Ach, r alle Sorg denke, es sein, Küc was gut „ Die C Norgams waren schon in der Hotelhalle, als Webers dort ankamen. Auch sie waren begeistert... bereit!" „ Aber ,, So, jetzt haben wir noch eine knappe Stunde Zeit." ,, Karl, was meinst Du damit?" fragte Edgar. ,, Um elf Uhr dreißig muß ich die anderen Marburger im Hotel Schweizerhof anrufen oder aufsuchen. Wir haben noch vieles zu besprechen. Wahrscheinlich müssen wir vier der Marburger- Kommission auch den Ligapräsidenten Lord Roberts besuchen." ,, Wohnt er nicht ständig in England?" ,, Soweit ich informiert bin, hat er auch eine Villa hier, die ganz wundervoll am Genfersee gelegen sein soll." Etwas später bemerkte Frau Weber: hört... kriegeris menschla Lachen Auto, da das Emp aufs her: Robert fessor a versität ,, Mein lieber Freund und Gemahl, jetzt wird es aber langsam Zeit, daß Du Dich auf den Weg machst. Sieh mal auf die Uhr." ,, Wiẞt Ihr was? Ihr vier begleitet mich; wir gehen dann noch am Pierre E Profess versität See entlang spazieren..." 140 Basel. Sees das Ge Feele wohlge es ist an der Der Dekan und die beiden anderen Herren waren mit ihrem Frühstück bereits fertig, als der Professor und seine Begleitung ankamen. Nachdem man beschlossen hatte, sich abends im Hotel Beaurivage zu ner Du schon treffen, wünschten Norgams und Frau Weber guten Erfolg und verabch kommt das Seit Jahr und tspannt..." rt hat, ist der zt vorkomme, indert im Austrägt?" l, daran lasse eBen wollten en. Marburger im vor elf Uhr wie dieselber 1. ort ankamen Hotel Schweiu besprechen. sion auch den die ganz wunlangsam Zeit Hann noch an schiedeten sich. Der Dekan rief Lord Roberts an, um zu hören, wann ihm ihr Besuch genehm sei. Vereinbart wurde ein Uhr nachmittags; denn die Marburger sollten unter allen Umständen seine Gäste sein. ,, Ich lasse Sie in Ihrem Hotel abholen. Mein Wagen wird so gegen halb ein Uhr bei Ihnen sein, Herr Dekan." ,, Einverstanden, Eure Lordschaft, und vielen Dank im Voraus." ,, Alle Ausreden halfen mir nichts", sagte der Dekan, als er vom Telefon zurückkam, ,, ich mußte die Einladung, mit ihm gemeinsam zu speisen, annehmen, denn der Lord begann schon ärgerlich zu werden..." ,, Na, streiten wollen wir aber mit dem Lord am ersten Tage noch nicht", ulkte Dr. Rumpf. ,, Wir gehen eben hin; wer weiß, wofür es gut ist?" bemerkte Dr. Werle. ,, Ach, meine Herren", wandte jetzt Professor Weber ein ,,, wenn das alle Sorgen sind, die Sie haben, dann meine herzlichste Gratulation! Ich denke, es wird weder unserem Trink- noch Appetitgelüste schädlich sein, Küche und Keller eines Lords zu prüfen, der sicherlich selbst weiß, was gut schmeckt." ,, Die Gaumenschlacht mag nun entbrennen, das Natron halten wir bereit!" ,, Aber Herr Dr. Rumpf, das kann böses Blut setzen, wenn's jemand hört... Bedenken Sie doch, daß wir Deutsche in der ganzen Welt als kriegerisches Volk verschrien sind, und da führen Sie Worte wie, Gaumenschlacht' im Munde..." Lachend stiegen die vier Herren in das inzwischen eingetroffene Auto, das sie zur Villa Sonnenschein brachte. Ein Diener führte sie in das Empfangszimmer, wo sie von Lord und Lady Roberts nebst Tochter aufs herzlichste willkommen geheißen wurden. Hier trafen sie Professor Robert F. Groomann von der Yale Universität, William B. Smith, Professor an der Harvard Universität, Professor Tang Fu von der Universität Peking, Professor Ilya Grokow von der Universität Moskau, Pierre Bamaut, Professor der Pariser Universität, Martin van Bralda, Professor an der Universität Leyden, Professor Namura von der Universität Tokio und Professor Urban D. Zoerner von der Universität Basel. 141 Nach dem Mittagessen, das ganz ausgezeichnet schmeckte, wurde die Tafel aufgehoben und der Mokka im Herrenzimmer serviert. Auch für Rauchwaren war aufs beste gesorgt, so daß es an nichts fehlte. Lady Roberts und ihre Tochter verabschiedeten sich bald darauf, was wohl zwischen ihnen und dem Lord so verabredet sein mochte. Jetzt lenkte Professor Ilya Grokow das Gespräch auf die schöne Schweiz und warf die Frage auf, ob sich die Mehrheit des schweizer Volkes darüber klar sei, wie herrlich ihre Heimat ist. Der Baseler Professor Zoerner wünschte Aufklärung darüber, was damit gesagt sein sollte. ,, Nach dem alten Spruch, daß der Prophet in seinem Lande nichts gilt", gab lächelnd Professor Grokow zur Antwort. ,, Aber, Herr Kollege Grokow, seit wann sprechen die Russen wieder von den Propheten?" fragte ziemlich verschmitzt Professor Bamaut, ein Pariser. ,, Ach, seitdem wir uns bei Stalingrad mit der Kriegskunst des Schlachtendummkopfs Adolf Hitler befaßten und dadurch die Ehre hatten, den Kampf um Frankreich auf russische Art zu führen, Herr Kollege Bamaut." ,, Waren es nicht Amerikaner und Engländer, die gemeinsam die Schlacht um Frankreich führten, Herr Kollege Grokow?" bemerkte scherzend Professor Smith aus Boston, USA. ,, I bewahre, Herr Kollege Smith, damals waren die Amerikaner und Engländer noch damit beschäftigt, die Pläne der zweiten Front zu studieren nicht wahr?" - ,, Hier irren Sie, Herr Kollege Grokow, denn zu der Zeit als wir uns damit beschäftigten, da befand sich die russische Armee noch auf ihrem siegreichen Rückmarsch...", - „ In erste Entgegenk „ Aber, is Ich tat es statuten." „ Jawohl wenigstens Welt führt ,, Der geschah nur aus Gründen der Strategie, Herr Kollege Smith!" ,, Gewiß, gewiß, Herr Kollege Grokow, aber viele Leute zweifelten daran..." ,, Und was glauben Sie, Herr Kollege Smith, wenn ich fragen darf?" ,, Ich denke, daß sowohl Rußland als auch Amerika, ja alle unsere Alliierten ihre Pflicht und Schuldigkeit getan haben. War es doch keine leichte Aufgabe, die deutsche Armee zu bezwingen!" ,, Ganz bestimmt nicht, und leider mußten viele, viele brave Soldaten ihr Leben dafür lassen", sagte darauf Professor Tang Fu. Mit Ausnahme der vier Herren aus Marburg verließen alle Gäste um fünf Uhr Lord Roberts. ,, Meine Herren, bis jetzt hatten Sie noch keine Gelegenheit, mit mir allein zu sprechen", meinte der Lord. „ Das ka Professo Richtlinien Was w Ob wir befleißiger Völkern in Keines nicht ande oder bei s alle Freur geduldet. Dagegen beobachte was die L wird, entz Entscheid jetzt sind denken kö Ansicht Zwei Uhr Am and schmückt dene Fla Vereines Nachde in seiner Freun kommen internatio 142 te, wurde die Fiert. Auch für fehlte. bald darauf, ein mochte. uf die schöne Hes schweizer Baseler Prot gesagt sein ,, In erster Linie möchten wir Eurer Lordschaft unseren Dank für alles Entgegenkommen, das man uns gewährte, abstatten..." ,, Aber, ich bitte Sie, Herr Dekan, das ist doch nicht der Rede wert. Ich tat es ja gern. Außerdem mußte ich's tun, Sie kennen doch die Ligastatuten." ,, Jawohl. Aber wir deutschen Ligaveteranen sind glücklich, daß es wenigstens noch eine brauchbare Brücke für unser Volk gibt, die zur Welt führt... Die Liga der Menschenrechte!" ,, Das kann ich begreifen, Herr Dekan. Nur Mut!" Professor Weber fragte nun, ob die Marburger Delegation spezielle Lande nichts Richtlinien zu befolgen hätte. Pussen wieder ssor Bamaut, t des Schlach e hatten, den lege Bamaut emeinsam die ?" bemerkte 1 merikaner und iten Front zu it als wir uns och auf ihrem ollege Smith! ute zweifelten fragen darf? a alle unsere es doch keine rave Soldate alle Gäste un nheit, mit mir ,, Was wollen Sie damit sagen, Herr Professor?" ,, Ob wir uns während der Ligasitzungen irgendwelcher Zurückhaltung befleißigen sollen, weil die hinter uns liegenden Ereignisse bei allen Völkern in noch zu frischer Erinnerung sind..." ,, Keinesfalls, Herr Professor. Bei dieser Ligazusammenkunft ist es nicht anders als bei allen Ligatagungen, die früher stattgefunden haben, oder bei solchen, die in Zukunft vor sich gehen werden. Wir sind doch alle Freunde... Unterschiede wurden nie gemacht und werden nicht geduldet... Und der Haß gegen Deutschland verliert sich eines Tages... Dagegen habe ich den Eindruck, daß Sie, meine Herren, sich mehr beobachtet fühlen, als man Ihnen Aufmerksamkeit schenkt... Allerdings, was die Liga der Menschenrechte betreffs Ihres Antrages beschließen. wird, entzieht sich meiner Kenntnis genau so gut wie den Ihren. Die Entscheidung darüber bleibt einzig und allein der Liga überlassen! Bis jetzt sind schon zweiundvierzig Länder vertreten. Sie werden sich denken können, daß jeder Vertreter eines Landesverbandes seine eigene Ansicht mitbringt. Warten wir getrost bis morgen nachmittag um zwei Uhr." Am anderen Tage versammelten sich die Ligafreunde im festlich geschmückten Saale des alten Völkerbundbaues. Achtundvierzig verschiedene Flaggen kennzeichneten die internationale Brüderlichkeit dieses Vereines von Weltruf. Nachdem die Delegierten Platz genommen hatten, ergriff Lord Roberts in seiner Eigenschaft als Präsident der Liga, das Wort: ,, Freunde aus aller Welt! Auf das Herzlichste rufe ich Ihnen Willkommen zu. Lange Jahre haben wir keine Gelegenheit gehabt, eine internationale Tagung abzuhalten. Das ist nicht unsere Schuld. Der 143 zweite Weltkrieg war der Hinderungsgrund. Nun, da das Morden zum Stillstand gekommen, wünsche ich nichts Sehnlicheres, als daß sich alle Menschen der Erde von Tag zu Tag näher kommen und verträglicher werden, damit in Zukunft der Friede als so gesichert gilt, daß er durch keinen Krieg mehr in Gefahr kommt..." Tosender Beifall. wegen die H Dr. Werle in Sechs Uhr Nummer fünf ständnissen g vielen Debatt man im Voran Jetzt erhob Liebe Lig Sitzung sprec eins Marburg igentlich ha haben, mit de Als auch d ,, Ich hoffe, meine Worte werden von den mächtigen Führern der Wirtschaft und der Politik mitangehört, die nicht nur das Recht haben, in Amt und Würden zu erscheinen, sondern auch die Pflicht, zum Wohle der Menschheit zu walten..." Gesteigerter Beifall. ,, Lassen Sie, meine Freunde, uns geloben, von nun an wieder regelmäßig die Ligaversammlungen zu besuchen. Daß die heute beginnende in diesem historischen Saale des alten Völkerbundgebäudes stattfinden kann, verdanken wir in erster Linie der schweizer Regierung, die uns in großzügiger Weise behilflich war. Daher sage ich von dieser Stelle aus: Regierung des schweizer Volkes, die Liga der Menschenrechte entbietet nochmals ihren herzlichsten Dank. Anerkennung schulden wir ferner der Stadtverwaltung und den Einwohnern Genfs, die uns durch reichlichen Flaggenschmuck den Beweis ihrer Gastfreundschaft gaben. Ja, jedem, der am Zustandekommen unserer Tagung Anteil hat, gilt unsere Dankbarkeit. Nunmehr eröffne ich die erste Sitzung nach dem zweiten Weltkriege!" Sobald die Pressephotographen ihre Aufnahmen beendet hatten, sprach der Lord weiter: ,, Die heutige Versammlung beschränkt sich auf interne Fragen der Liga. Unser erster Sekretär, Herr Peter A. Ingersoll, wird mit der Verlesung der Tagesordnung beginnen, aus der wir entnehmen werden, welche riesige Arbeit zu bewältigen ist." In ausgezeichneter Weise waltete der Ligasekretär seines Amtes. Mit klarer Stimme verlas er die Tagesordnung, die sich von Punkt eins bis vier hauptsächlich mit den Wahlangelegenheiten und dem Geschäftsbericht der Liga befaßte. Punkt fünf betraf die Ligastatuten, die vorgelesen wurden. Den Punkt sechs hob er besonders hervor, indem er sagte: ,, Meine Herren, es handelt sich hier um die Abgabe einer Erklärung des Ligapräsidenten Lord Roberts in Bezug auf Deutschland, das heißt, den Verein Liga der Menschenrechte in Marburg an der Lahn." Die Blicke richteten sich nun auf die Marburger Delegation, da manche unter den Versammlungsteilnehmern bereits informiert waren, wes144 weiter: Meine se Gebzehn uns Marburger A Liga der M Wenn wir d Genfer Tagu assen." Nachdem schloß er mit Deshalb um zwei Uh den Marbur Zeit in Ans schriftlich ei nehmen un Es sich um e lenswert, m Sammlung is Anschließe Ligadelegier Am nächs die zweite Z Die Debat Sammelten a rden zum 3 sich alle Dr. Werle in Genf weilten. wegen die Herren Professor Urhan, Professor Weber, Dr. Rumpf und träglicher Ber durch hrern der cht haben, um Wohle Sechs Uhr war es bereits geworden, als alle Punkte einschließlich Nummer fünf erledigt waren. Nicht, daß es zu irgendwelchen Miẞverständnissen gekommen wäre, die die Zeit so in Anspruch nahmen. Die vielen Debatten, Fragen und Gegenfragen dehnten sich länger aus, als man im Voraus vermuten konnte. Jetzt erhob sich Lord Roberts von neuem und sagte: ,, Liebe Ligafreunde, bevor ich zu Punkt sechs unserer heutigen Sitzung spreche, lasse ich den schriftlich eingereichten Antrag des Vereins Marburg verlesen, damit Sie alle im Bilde sind, worum es sich der regel eigentlich handelt. Herr Ingersoll, wollen Sie bitte die Freundlichkeit eginnende haben, mit dem Verlesen zu beginnen." stattfinden g, die uns eser Stelle echte ent ulden wir uns durch aft gaben. il hat, gilt nach dem Als auch diese Arbeit aufs beste durchgeführt war, sprach der Lord weiter: ,, Meine sehr verehrten Freunde, Sie alle kennen den Paragraphen siebzehn unserer Ligastatuten, dessen Inhalt in dem soeben verlesenen Marburger Antrage wiederholt ist. Von diesem Paragraphen hat die Liga der Menschenrechte des Vereins Marburg Gebrauch gemacht. Wenn wir dem Geiste der Liga treu bleiben wollen, dann bleibt der Genfer Tagung gar nichts anderes übrig, als sich mit der Sache zu befassen." Nachdem er die Anwesenden ausführlich in Kenntnis gesetzt hatte, et hatten schloß er mit folgenden Worten: ragen der t der Verm werden, Amtes. Mit kt eins bis Geschäftsdie vorgemer sagte: Erklärung das heißt hn." da manche aren, wes ,, Deshalb soll es der zweiten Versammlung, die morgen Nachmittag um zwei Uhr stattfindet, vorbehalten sein, Beschlüsse zu fassen, die auf den Marburger Antrag Bezug haben. Damit die Sache nicht allzuviel Zeit in Anspruch nimmt, erkläre ich hiermit meine Bereitwilligkeit, schriftlich eingereichte Vorschläge, schon vor den Debatten entgegenzunehmen und durch den ersten Sekretär bekanntgeben zu lassen. Da es sich um eine wirklich ernste Angelegenheit handelt, wäre es begrüBenswert, meine Herren, wenn keiner von Ihnen fehlte. Die erste Versammlung ist hiermit aufgehoben..." Anschließend begrüßten die Marburger den Lord, der ihnen viele der Ligadelegierten vorstellte. Am nächsten Tage, um zwei Uhr nachmittags, eröffnete Lord Roberts die zweite Zusammenkunft der Ligamitglieder. Die Debatten waren heute etwas gereizter, weil sich einige der Versammelten ziemlich verbittert gegen alles, was die deutschen Belange 10 145 betraf, aussprachen. Vorschläge über Vorschläge wurden eingebracht und lang und breit debattiert. Drei davon kamen in engere Wahl und der des Vertreters Chinas wurde in einer darauf stattfindenden Abstimmung angenommen und anschließend noch einmal vorgelesen: Schiedsg ausschu dessen F den Ver Achter undvierz Kaum w als der La „ Freund schusses. wenn sie sen notiere ,, Erstens: Der Verein Liga der Menschenrechte in Marburg an der Lahn, dessen Mitglieder sich durch die Äußerungen eines ausländischen Staatsbeamten in ihrer Ehre gekränkt fühlen, hat, wie es den Vorschriften der Ligastatuten entspricht, von dem Paragraph siebzehn Gebrauch gemacht, indem er das Präsidium der Liga der Menschenrechte um Beistand ersuchte. Aus Gründen, die unerörtert bleiben sollen, verzichtet die Liga darauf, gegen den in Frage kommenden Staatsbeamten, der die beleidigenden Äußerungen gemacht haben soll, bei dessen Regierung Beschwerde einzulegen. Um das Ziel, welches dem Marburger Antrage zugrunde liegt, doch zu erreichen, nämlich die Feststellung, ob das gesamte deutsche Volk an allen Naziverbrechen kollektivschuldig ist oder nicht, beschließt die zur Zeit in Genf tagende Hauptversammlung der Liga, Anklage gegen das deutsche Volk zu erheben. Mit der Durchführung dieser Prozeßaufgabe wird ein Schiedsgericht der Liga betraut, das keinerlei amtlichen Charakter besitzen und nur symbolischen Wert haben soll. Zweitens: Mit dem Amte des Anklägers betraue man tunlichst einen Juristen, der bei den Kriegsverbrecherprozessen in Deutschland mitwirkte. Drittens: Für den Fall, daß das unter Punkt zwei Vorgeschlagene nicht durchführbar ist, muß ein für dieses Amt geeigneter Jurist aus den in Frage kommenden Ligakreisen als Ersatzmann gewählt werden. Viertens: Es gelten die Herren Professor Urhan, Professor Weber, Dr. Rumpf und Dr. Werle symbolisch als das deutsche Volk. Fünftens: Wenn irgend möglich, sollen Zeugen vernommen werden, die sowohl aus den Ländern kommen, welche von Hitler mit Krieg überzogen wurden, als auch solche, die deutsche Bürger sind, aber während der Hitlerzeit nicht weniger als acht Jahre in Deutschland gewohnt haben. Ob sich diese Zeugen als Nazis bekennen oder nicht, spielt keine Rolle. Sechstens: Als Verteidiger kann nur ein Jurist aus der Mitte der Liga bestellt werden. Siebentens: Zur Durchführung aller vorgeschlagenen Punkte mag die Hauptversammlung in Genf einen aus siebzehn Herren bes ehenden Hauptausschuß wählen, der alles in die Wege leiten soll, um dem 146 Nach w Ende. Für sammlung Arbeiten. siebzehn E sollte der ihn am and Zwar war die Ligav Gegen vie getan. Zur fest dritten V de Virgel „ Meine gestrigen zur Durch währten. Präsident Hauptauss Versamm ist, daß di die Veran mißverste Für den F nehmen k Ersatzma eingebracht ters Chinas men und an burg an der sländischen es den Vor ph siebzehn - Menschen. tert bleiben kommender t haben soll Ciel, welches nämlich die iverbrecher Genf tagend che Volk z ein Schieds ter besitze lichst eine schland mit geschlagen er Jurist aus ählt werden ssor Weber blk. men werden er mit Krie er sind, aber Deutschland oder nicht er Mitte der Punkte ma bes eherden oll, um den Schiedsgericht eine ungestörte Tagung zu ermöglichen. Dieser Hauptausschuß soll ferner das aus elf Juristen zu bildende Schiedsgericht, dessen Präsidenten sowie Anklagevertreter nebst Stellvertreter und den Verteidiger wählen. Achtens: Das Schiedsgerichtsurteil darf keinesfalls später als achtundvierzig Stunden nach seinem Beschlusse verkündet werden." Kaum war die Verlesung des angenommenen Vorschlages beendet, als der Lord abermals das Wort ergriff: ,, Freunde, nunmehr schreiten wir zur Wahl des Siebzehner- Ausschusses. Ich wäre den Herren, soweit sie Juristen sind, sehr dankbar, wenn sie sich von ihren Plätzen erheben wollten, damit ich ihre Adressen notieren lasse." Nach weiteren drei Stunden war der zweite Versammlungstag zu Ende. Für Dienstagnachmittag zur gleichen Zeit wurde die dritte Versammlung anberaumt. Der Hauptausschuß begann sofort mit seinen Arbeiten. Zuerst wurde eine Namensliste aufgestellt, dann wählten die siebzehn Herren einen Hauptausschußpräsidenten. Trotz vieler Mühe sollte der schriftliche Text noch heute fertiggestellt werden, weil man ihn am anderen Tage der Ligavollversammlung vorzulegen beabsichtigte. Zwar war das nicht notwendig, aber der Hauptausschuß wünschte, daß die Ligaversammlung das von ihm aufgestellte Programm gutheiẞe. Gegen vier Uhr in der Nacht von Montag auf Dienstag war die Arbeit getan. Zur festgesetzten Stunde verkündete Lord Roberts den Beginn des dritten Versammlungstages und erteilte sogleich Herrn Professor de Virgell das Wort, der zu sprechen anhob: ,, Meine lieben Freunde der Menschenrechte! Sie haben uns mit der gestrigen Wahl das größte Vertrauen entgegengebracht, indem Sie uns zur Durchführung der gestellten Aufgaben volle Handlungsfreiheit gewährten. Dafür danke ich Ihnen im Namen des Hauptausschusses, dessen Präsident zu sein ich die Ehre habe, nochmals aufs herzlichste. Der Hauptausschuß bittet, daß der von ihm aufgestellte Plan der heutigen Versammlung zur Genehmigung unterbreitet wird, weil er der Ansicht ist, daß die Ligaversammlung und nicht nur wir siebzehn Männer- die Verantwortung dafür tragen sollte. Ich hoffe, daß man mich nicht mißversteht... Ferner werden die gewählten Herren bekanntgegeben. Für den Fall, daß Herr Dr. Kreuschke die Anklagevertretung nicht annehmen kann oder darf, wurde aus Gründen der Vorsorglichkeit ein Ersatzmann vorgeschlagen. 10* - 147 Liebe Freunde, nunmehr beehre ich mich, das vom Siebzehner- Hauptausschuß aufgestellte Programm zu verlesen und bitte um Ihre werte Aufmerksamkeit: Erstens: Das Thema der Tagung lautet: Deutsche Kollektivschuldfrage'. berichten des jeweili geflogen. Achtens falls bis m sagt hat. Neunten sehen und mittags an Damit, me lesung angel Wieder en Liebe Fr das von He Zweitens: Folgende Herren werden als Schiedsrichter gewählt: a Herr E. O. Lallement, Professor der Rechtswissenschaft, Paris, als Präsident des Schiedsgerichtes. b - - Herr Dr. iur. Erwin L. Bögeli, Rechtsanwalt, Bern. C Herr Dr. iur. Ralph O. Seerat, Rechtsanwalt, Amsterdam. Herr Dr. iur. Stanislas Kalinka, Rechtsanwalt, Warschau. d e f g 13 h i j k 1 - - 1 Herr Dr. iur. Michael W. Immich, Bundesrichter a. D., Wien. Herr Fo Jamara, Professor des Internationalen Rechts, Peking. Herr Peter O. Walch, Stadtrichter a. D., Chicago. Herr John J. Bleygoot, Lordrichter, London. Herr Ivan Sarowski, Professor der Rechtswissenschaft, Moskau. Herr R. P. Hachra, Professor der Rechtswissenschaft, Prag. Herr Umberto T. Kragitha, Professor der Rechtswissenschaft, Mexico City. Drittens: Herrn Isaak Jehuda Loewenstein, Professor der Rechtswissenschaft, Jerusalem, ist die Verteidigung des angeklagten deutschen Volkes übertragen worden. Viertens: Mit der Übernahme des Anklageamtes wurde Herr Staatsanwalt Dr. E. K. Kreuschke aus Warschau betraut, der zur Zeit bei den alliierten Gerichten in Nürnberg tätig ist. Fünftens: Herr Dr. iur. Eduard Zimmerli, Rechtsanwalt, Basel, wurde als Anklagestellvertreter gewählt. Sechstens: Das deutsche Volk ist als angeklagte Partei vorgeladen. In diesem Falle gelten die vier Herren aus Marburg symbolisch als das angeklagte Volk. Sie erhalten die Namen: Angeklagter Eins, Zwei, Drei und Vier. Die Regelung bleibt Ihnen überlassen. Siebtens: Als Zeugen sind Leute aus Ländern vorgesehen, die von Hitler mit Krieg überzogen wurden. Ihre Zahl dürfte sich auf zweiundachtzig belaufen. Ferner sind deutsche Kriegsgefangene aus den Lägern London, Paris und Moskau zu erwarten. Weiter rechnen wir mit dem Erscheinen deutscher Zivilisten, soweit sie jetzt im Auslande leben, oder die Erlaubnis erhalten, das Reich zu verlassen. Wir haben bereits eine Unterkommission nach Deutschland entsandt, die an Ort und Stelle ihre Eindrücke sammeln und dem Schiedsgericht darüber 148 mag sich me das Program Keiner wi geheißen. Je mit Ausnahm Wahl annäh ten, sich vo Niemand, Roberts rea „ Herr Pr deutschen V die Güte ha wiß, eine P Ich sehe u lassen", Aufstehen h die Verteid twanzig St egen kann Mit erhol „ Vergess zehn Jahren beantragte die mich et trachten. S ner- Haupt Ihre werte ktivschuld gewählt: chaft, Paris terdam. schau. a. D., Wien hts, Peking schaft, aft, Prag. wissenschaft berichten soll. Das geschieht mit der ausdrücklichen Genehmigung des jeweiligen Zonenhauptquartiers. Alle Zeugen werden nach Genf geflogen. Achtens: Herr Dr. Zimmerli soll die Anklageschrift vorbereiten, falls bis morgen Abend Herr Dr. Kreuschke nicht telegraphisch zugesagt hat. Neuntens: Als erster Gerichtstag ist der kommende Freitag vorgesehen und der Beginn der Prozeßverhandlung auf zwei Uhr nachmittags anberaumt. Damit, meine lieben Freunde, bin ich am Ende der Programmverlesung angelangt." Wieder ertönte die Glocke des Ligapräsidenten. ,, Liebe Freunde, wer von Ihnen der Ansicht ist, irgendetwas gegen das von Herrn Professor de Virgell Vorgetragene sagen zu müssen, mag sich melden. Wenn das nicht geschieht, so muß ich annehmen, daß das Programm Ihren Beifall findet." - Keiner widersprach und somit war die Genehmigung einstimmig gutgeheißen. Jetzt stellte der Lord an alle gewählten Herren die Frage- mit Ausnahme von Dr. Kreuschke, der abwesend war ob sie die Wahl annähmen und bat diejenigen, die die Wahl nicht annehmen wollder Rechts ten, sich von ihren Plätzen zu erheben. agten deut Herr Staatszur Zeit be walt, Basel, vorgelade mbolisch als r Eins, Zwe hen, die vo ch auf zwe ene aus de rechnen w im Ausland n. Wir habe t, die an Or richt darübe Niemand, außer Professor Löwenstein, erhob sich, worauf Lord Roberts reagierte: ,, Herr Professor Löwenstein, Sie haben die Wahl als Verteidiger des deutschen Volkes abgelehnt. Das ist Ihr gutes Recht. Aber würden Sie die Güte haben, der Versammlung Ihre Gründe bekannt zu geben? Gewiß, eine Pflicht dazu besteht Ihrerseits nicht..." ,, Ich sehe keinen Grund, die Frage Eurer Lordschaft unbeantwortet zu lassen", erwiderte Professor Löwenstein und erklärte: ,, Durch mein Aufstehen habe ich noch lange nicht sagen wollen, daß ich mich weigere, die Verteidigung zu übernehmen. Ich bitte Sie lediglich, mir vierundzwanzig Stunden Zeit zu lassen, damit ich mir die Angelegenheit überlegen kann...“ Mit erhobener Stimme sprach er weiter: ,, Vergessen Sie bitte nicht, daß ich ein Jude bin, den man vor vierzehn Jahren noch einen Deutschen nannte... Verweigert man mir die beantragte Bedenkzeit, dann bitte ich Sie, die auf mich entfallene Wahl, die mich ebenso sprachlos macht wie sie mich ehrt, als abgelehnt zu betrachten. Stimmt man aber zu, so verspreche ich, bis spätestens morgen 149 Nachmittag um diese Zeit Herrn Professor de Virgell meine Zu- oder Absage mitzuteilen." Die Versammlung gewährte ihm daraufhin die gewünschte Bedenkzeit mit dem Ersuchen, daß, falls er die Verteidigung nicht selbst übernähme, er einen anderen Juristen für dieses Amt namhaft machen solle, der das Amt eines Verteidigers zu übernehmen habe, sofern keiner der Anwesenden schon jetzt erkläre, die Ernennung nicht auf sich übertragen zu lassen. Keiner erhob einen Einwand, auch Professor Löwenstein nicht. Damit war der dritte Verhandlungstag vorüber und alle Arbeiten, soweit sie die Ligatagungen direkt angingen, beendet. Noch bevor das mitgeteilt wurde, gab der Ligapräsident bekannt, daß, falls es unmöglich sei, den ersten Schiedsgerichtstag wie vorgesehen am Freitag stattfinden zu lassen, ein neuer Termin durch Radioübertragung des Genfer Senders am Donnerstag zwischen fünf und sechs Uhr nachmittags dreimal hintereinander bekannt gemacht werde. - Die vier Marburger wollten heute keinerlei Besprechung mehr... Sie waren nicht nur abgespannt, sondern auch darüber aufgebracht, daß Professor Löwenstein sich eine Bedenkzeit erbat. ,, Er galt mir als einer meiner besten Freunde während meiner Berliner Studentenzeit", erwähnte Professor Weber auf dem Nachhauseweg. ,, Warum haben Sie ihn nicht angesprochen?" fragte Dr. Rumpf. ,, In der Versammlung wollte ich ihn auf gar keinen Fall beeinflussen", erwiderte Professor Weber. ,, Aber morgen können Sie doch mit ihm sprechen", meinte der Dekan. ,, Ja, ich denke, das werde ich auch tun..." Am nächsten Vormittag machte sich Professor Weber auf den Weg zu seinem Freund Löwenstein, mit dem er eine Unterredung für elf Uhr dreißig telefonisch vereinbart hatte. Die Begrüßung war ebenso freundschaftlich wie herzlich. Sie sprachen von gemeinsamen Erlebnissen vergangener Tage. Dann begann Professor Löwenstein: ,, Mein lieber Freund Weber, bist Du nur gekommen, um mir Guten Tag zu wünschen, oder sind noch andere Gründe vorhanden?" ,, Lieber Löwenstein, sollen wir uns gegenseitig etwas vormachen? Ich kam, um Dich zu bi.ten, die Verteidigung des deutschen Volkes zu übernehmen. Du bist der einzige Rechtswissenschaftler hier in Genf, der mir persönlich bekannt ist, und ich hoffe, daß Du meine Bitte nicht als aufdringlich ansehen wirst." Mein liel das erinner mir den Gef ohne jeglich sehr harte Es gibt Pro Die Verteid „ Gut, mei Aber darf keinen Bez „ Alles, w Ja, altem mich selbst das irdische Wieso? Bevor P Fragen, die wurden. Jetzt erz Machtergre in einem K tert, als se Unterredur lehrten. Inzwisch Seiten kar Mittwoch könnte. Di zum Bahn gerliche Z Donnersta in Aussicht aus Moska Rußland in Frankreic Deutschlar friedenstel Zonenver teilung wa 150 e Zu- oder te Bedenk elbst überachen solle, keiner der sich übermicht. e Arbeiten bevor das Sunmöglich eitag statt des Genfer hmittagsng mehr... bracht, dal meiner Ber Nachhause Rumpf. einflussen der Dekan uf den Weg für elf U enso freund Onissen ver mir Guten 24 wormachen? Volkes zu in Genf, der tte nicht als ,, Mein lieber Weber, was die Verteidigung anlangt, muß ich Dich an das erinnern, was ich der gestrigen Versammlung unterbreitete. Tue mir den Gefallen und dränge nicht weiter. Lasse mich meine Entschlüsse ohne jegliche Beeinflussung fassen. Verlasse Dich darauf, ich habe eine sehr harte Nuß zu knacken. So ratlos wie heute, war ich selten zuvor Es gibt Probleme im Leben, die uns Menschen als unlösbar erscheinen. Die Verteidigungsfrage gehört dazu..." ,, Gut, mein lieber Löwenstein, ich werde Deine Worte respektieren... Aber darf ich noch etwas fragen, was auf das Thema Verteidigung keinen Bezug hat?" ,, Alles, was Du auf dem Herzen hast, mein lieber Weber." ,, Ja, alter Studiengenosse, auf dem Herzen habe ich soviel, daß ich mich selbst mehr als einmal frage: Wielange wird's noch dauern, bis das irdische, Webergebäude' zusammenbricht?" ,, Wieso?" fragte der Jerusalemer. Bevor Professcr Weber darauf einging, stellte er erst noch seine Fragen, die von Professor Löwenstein, so gut er konnte, beantwortet wurden. Jetzt erzählte der Marburger alle seine Erlebnisse, die er nach der Machtergreifung Hitlers durchzumachen hatte, auch von seinem Leben in einem Konzentrationslager. Professor Löwensein war ganz erschüttert, als sein Freund mit seinem Bericht aufgehört hatte. Nach einer Unterredung von mehr als einer Stunde verabschiedeten sich die Gelehrten. Inzwischen war es beim Hauptausschuß hoch hergegangen. Von allen Seiten kamen Telegramme. Staatsanwalt Dr. Kreuschke wollte schon Mittwoch in Genf eintreffen, wenn man für seine Unterkunft sorgen. könnte. Diese Frage wurde sofort erledigt, indem man ihm im, Hotel zum Bahnhof ein Zimmer bestellte. Zum Teil hatten auch schon bürgerliche Zeugen ihr Erscheinen zugesagt. Einige von ihnen gedachten, Donnerstag anzukommen, wogegen andere ihre Ankunft erst für Freitag in Aussicht stellten. Wegen der Zeugen, die als deutsche Kriegsgefangene aus Moskau, London und Paris erwartet wurden, hatten England und Rußland ihre Zusagen telegraphisch übermittelt, während die Antwort Frankreichs noch ausstand. Auch von der Unterkommission, die in Deutschland arbeitete, waren Berichte eingetroffen. Sie bestätigte, zufriedenstellende Fortschritte zu machen, und ferner, daß ihr alle vier Zonenverwaltungen mit Rat und Tat zur Seite ständen. Letztere Mitteilung war besonders wichtig: denn erstens wurde das Erscheinen der 151 Unterkommission jetzt fast halbamtlich, und zweitens war der Beweis erbracht, daß zwischen der Liga der Menschenrechte und allen vier Zonenmächten ein gutes Einvernehmen herrschte. Mit Ausnahme der noch nicht eingetroffenen französischen Antwort war somit alles wie am Schnürchen verlaufen. Mal wollten in ein Land brauchten. M die Traufe, gungen in d Dort, wo sein. Daher Nachkomme verdiente. M rigigkeit ge sie sich mi eröffneten s führte. Kaum war der Marburger Rechtsgelehrte fortgegangen, setzte Professor Löwenstein sein Aufundabgehen in dem Hotelzimmer fort. Mal wandte er seine Arme rückwärts, mal kreuzte er sie über seiner Brust, mal legte er seine Hände ineinander, mal drehte er seine Daumen. Hie und da setzte er sich auf einen Stuhl, beide Ellenbogen auf den Knien, die Hände am Kinn, den Kopf stützend. Sollte er die Verteidigung übernehmen oder nicht? Das war die Frage, die den Gelehrten nicht zur Ruhe kommen ließ. So ging das schon seit heute früh um sechs Uhr. Bei im Flüsterton gehaltenem Selbstgespräch führte er aus: ,, Mit allen meinen Betrachtungen will ich noch einmal von vorn beginnen... Seit dem Jahre 1445 ist meine Familie in Deutschland ansässig. Die Urkunden, die ich habe, beweisen, daß der am vierten des Monats Tamus geborene Moses Levy als kaum sechzehnjähriger Jüngling, aus Spanien kommend, einwanderte. Von diesem Moses Levy stamme ich ab. Moses kam nach Worms, wo er seinen Wohnsitz nahm. Da aber bald darauf die Wormser Juden vertrieben und viele von ihnen auf Scheiterhaufen verbrannt wurden, flüchtete Moses Levy. Nach sehr beschwerlicher Wanderschaft, die zum großen Teil nur nachts ausführbar war, weil er sich tagsüber im Walde verborgen halten mußte, kam er nach Köln am Rhein. Hier blieb er, wurde Gerber und ehelichte später Rifke, die Tochter des Salomon Herz. Aus dieser Ehe stammten vier Töchter und sieben Söhne, von denen der älteste den Namen Aron hatte. Zweiundachtzig Jahre alt, starb Moses Levy am neunzehnten Adar des Jahres 1511. Mit Genehmigung des Bischofs von Köln, übernahm Aron Moses die väterliche Gerberei. Wegen Judenhetze konnte Aron nicht mehr lange in Köln bleiben. Mit seinem Weibe und zwei Kindern begab er sich auf die Flucht und kam nach schrecklichen Verfolgungen, aller seiner Habe beraubt, nach Frankfurt am Main, wo seine Nachkommen bis um die Mitte des siebzehnten Jahrhunderts seẞhaft blieben. Wieder mußten meine Vorfahren flüchten, denn jetzt war es zu ganz argen Ausschreitungen gegen die Frankfurter Juden gekommen. Dieses 152 Im Jahre Geschäft, d Jahre 1871 Mein Brude Webschule brachte es Fast zwan sität inne. vom Kaise heimrat noc noch länger Monarchist Im Jahre Jahre späte lichen Jude meinen Ahm wischen ilm steht. Also Jahren ihre Wo ist de uns Schutz Rufe: Komm uns schütz Anwendung werden wi semitische Von den allen vie der Bewei Mal wollten die Bedrängten Ruhe haben, und deshalb beschlossen sie, in ein Land zu ziehen, in dem Israeliten um ihr Leben nicht zu bangen brauchten. Nach Sachsen ging die Reise... Vom Regen kamen sie in die Traufe, denn nach fünfzigjähriger Pause entbrannten Judenverfolgungen in diesem Lande... nahme de it alles wie setzte Pro er fort. Ma einer Brust aumen. Hie den Knien r die Frage s schon seit stgespräch on vorn be. schland anvierten des riger Jüng Moses Levy nsitz nahm. e von ihnen Nach sehr machts ausIten mußte, d ehelichte e stammten amen Aron eunzehnten Köln, über etze konnte e und zwei lichen Ver in, wo seine erts seBhaf es zu ganz men. Dieses Dort, wo der Große Kurfürst herrschte, sollte es für Juden sicher' sein. Daher wanderte um die Jahrhundertwende Isaak Gutkind, ein Nachkomme von Moses Levy, nach Berlin, wo er als Küfer sein Brot verdiente. Nachdem der erste Preußenkönig den Juden etwas Freizügigkeit gewährt hatte, erging es auch meinen Leuten besser, so daß sie sich mit Stoffhandel beschäftigen konnten. Viele Jahre später eröffneten sie ein Ladengeschäft, das den Namen Aron Löwenstein führte. Im Jahre 1844 übernahm mein Großvater, Josua Löwenstein, dieses Geschäft, das mit dem Schluß des deutsch- französischen Krieges im Jahre 1871 auf meinen Vater Nathan Löwenstein übertragen wurde. Mein Bruder Felix trat in das väterliche Geschäft ein, nachdem er die Webschule besucht hatte. Ich, der jüngste Sohn, studierte Jura und brachte es zum Professor der Rechtswissenschaft. Fast zwanzig Jahre hatte ich einen Lehrstuhl an der Berliner Universität inne. Als Rechtsberater der deutschen Regierung wurde ich oft vom Kaiser in Audienz empfangen und bekam außer dem Titel Geheimrat noch den Adlerorden. Bis zum Herbst 1918- und sogar noch länger war ich meinem kaiserlichen Herrn treu ergeben, ein Monarchist... Im Jahre 1933 kam der Tyrann Adolf Hitler an die Macht und einige Jahre später war die Reihe an mir, die Flucht zu ergreifen. Die fürchterlichen Judenverfolgungen in Deutschland zwangen mich dazu, wie sie meinen Ahnen im fünfzehnten Jahrhundert gezwungen hatten, so daß zwischen ihm und mir in punkto Judenverfolgung kein Unterschied besteht. Also stelle ich fest, daß meine Familie seit mehr als fünfhundert Jahren ihres Glaubens wegen verfolgt wird... Wo ist derjenige, der ernstlich für uns Partei ergreift? Wer gewährt uns Schutz und Recht? Wen treibt menschliches Empfinden zu dem Rufe: Komm Jude, laß uns Brüder sein-? Gewiß, es gibt Gesetze, die uns schützen sollen. Gnade uns Gott, wenn es soweit ist, daß sie in Anwendung gebracht werden müssen. Papier ist stumm! Die Juden werden wie die Hasen gejagt. Bei dieser Jagd gibt es stets mehr antisemitische Jäger als Juden. Von den Treibern, die uns mißhandeln, ganz zu schweigen... 153 Bedenke man das wirkliche Wild genießt einen Jagdschutz- Wir Juden aber werden zu jeder Jahreszeit gejagt... Tiere der Natur... Scll ich, ein Jude, Euch beneiden?!! Nein, die Verteidigung kann ich nicht übernehmen! Das wäre eine Sünde gegen Moses Levy und seine Nachkommen. Heute Nachmittag werde ich den Hauptausschuß von meiner Entscheidung in Kenntnis setzen..." Müde legte er sich auf das Bett und schlief bald ein. Im Traume erlebte er die Zeiten der Judenverfolgungen in Spanien, Frankreich, Eng. land, Italien, Holland, der Schweiz, Rußland, Polen, Österreich, Ungarn, der Türkei, im Elsaß, Portugal und so weiter... Nachdem er alle diese schrecklichen Bilder gesehen hatte, erwachte der Gelehrte schweißgebadet... - ,, Stimmt denn das, was ich da geträumt habe?" fragte er sich. ,, Gewiß, es ist die reine Wahrheit! Hassen die heutigen Juden in der Welt deshalb noch die Länder, in denen vor vielen Generationen ihre Glaubensgenossen ermordet wurden wie sie jetzt Deutschland hassen? Oder hassen die englischen Juden England, die französischen Frankreich, die russischen Rußland, die schweizerischen die Schweiz und so weiter, weil in allen diesen Ländern in der Vergangenheit Judenverfolgungen vorgekommen sind? Auf diese Frage mußte er sich ,, nein" zur Antwort geben. ,, Im Gegenteil", rief er aus ,,, Patrioten wurden und blieben sie. Ja, war ich nicht selbst ein großer deutscher Patriot, ohne auch nur je an meinen Ahnen Moses Levy zu denken? Hat das etwas mit Ehre und Charakter zu tun?" Lange noch ging Professor Löwenstein mit sich zu Rate. Dann kam er zu folgender Ansicht: Schon von alters her wurden wir Juden verfolgt. Das kommt daher, weil das jüdische Volk seines Heimatlandes verlustig ging. Wenn in der großen Welt ein selbständiger jüdischer Staat bestände, dann geriet der ganze Haß gegen uns ins Wanken. Wären die Juden nie aus Palästina vertrieben worden, so hätte der Antisemitismus noch nicht einmal dem Namen nach existiert... Das hat aber weder etwas mit Rasse noch mit Religion oder Sprache zu tun... Die wahre Quelle des Übels ist die Mißgunst! Man will dem, Fremdling' von vornherein die Möglichkeit zur Anpassung verwehren! Und da man im voraus Angst hat, daß der, Eindringling' die, Einheimischen' schädigen könnte, so befürchten letztere zunächst alles... Ein Gefühl der Unruhe entsteht... von ihr kommt der Zweifel die Basis der Furcht. Sie wiederum erweckt den Haß, die Brutstätte der Brutalität, die jedem Antisemiten eigen ist. 154 Mit dem W mit ihr ist di daß sich die de Gewohnh Gebiet sie se Eschen, russ Wenn num Menschen za ndere Ursa man deshalb hieße ja, num wenn ein ein alle Juden d Volke haber Order zu par Furcht, Ver: Manche h Deutschen m unter uns ha er noch lebt ist und selb denkt er im Mitleidhaber en leid. Al Angst vor c Familie, doc in gegen je der Gleichg Mit der 2 ichts änder Held, de aufzutun un aber keine burch öffen Gehe mit D daß zwisch ist. Vielleic värst Du e Fuß hat... chutz- Wi er Natur.. s wäre ein Nachmitta in Kenntni Traume er kreich, Eng erreich, Un hdem er all Mit dem Wechsel der Generaticnen gerät vieles in Vergessenheit und mit ihr ist die Gleichgültigkeit groß geworden. Daher mag es kommen, daß sich die Juden so seẞhaft und verwurzelt fühlten und immer mehr die Gewohnheiten und die Charaktereigenschaften der Völker, in deren Gebiet sie seẞhaft wurden, annahmen, so daß man von typischenglischen, russischen, französischen, deutschen usw. Juden spricht. - Wenn nun ein Volk wie das deutsche siebenundsechzig Millionen Menschen zählt, unter denen sich durch Veranlagung, Hitlereinfluß und andere Ursachen, einige Millionen Verbrecher befinden mögen, kann man deshalb das ganze deutsche Volk verantwortlich machen? Dies hicẞe ja, nur das Rezept der teuflischen Antisemiten befolgen, die, wenn ein einziger Jude sich irgendetwas zuschulden kommen läßt, sofort alle Juden dafür haftbar machen. Mitleid sollte man mit dem deutschen uden in de Volke haben, weil es von Räubern in Naziuniform gezwungen wurde, Order zu parieren oder sich der Gefahr auszusetzen, die für so viele Not, Furcht, Verzweiflung und Tod bedeutete... er Gelehrt = er sich. ationen ihr schland has ranzösische die Schwei nheit Juden „ Im Gegen war ich nicht einen Ahner ter zu tun?" e. Dann kam Juden verHeimatlandes ger jüdischer ins Wanken itte der Ant Das hat aber u tun... Die emdling' vo d da man i en' schädige I der Unruhe Furcht. S it, die jeder Manche höre ich jetzt sagen:, Alles schön und gut, aber haben die Deutschen mit uns Mitgefühl gehabt, als die Nazibestien so furchtbar unter uns hausten?' Was würde mein seliger Vater gesagt haben, wenn er noch lebte...? Isaak, sobald der Mensch in einer sehr großen Not ist und selber genug mit sich und seiner traurigen Lage zu tun hat, denkt er im allgemeinen nur an das, was ihn persönlich bedrückt. Zum Mitleidhaben steht ihm gar nicht der Kopf. Gewiß tun ihm die Betroffenen leid. Aber das dauernde Unterdruckgehaltensein, sowie die ewige Angst vor der Gestapo, auch die Idee, daß er oder ein anderer seiner Familie, doch mal etwas über die Nazis gesagt haben könnten, stumpfte ihn gegen jede Anteilnahme ab. Ungewollte Charakterschwäche leistete der Gleichgültigkeit Vorschub! Mit der Zeit gelangte er zu der Überzeugung, daß er selbst daran nichts ändern könnte, und man alles nehmen mußte, wie's kam... Nur ein Held, der den Tod nicht fürchtete, konnte sich trauen, seinen Mund aufzutun und gegen die Nazis sprechen... Die meisten Menschen sind aber keine Helden... Hättest Du, mein Sohn Isaak, an ihrer Stelle durch öffentliches Auftreten Deinen Unwillen zum Ausdruck gebracht? Gehe mit Dir selbst ins Gespräch, und Du findest die Antwort. Ich weiß, daß zwischen bloßem Reden und der Tat ein himmelweiter Unterschied ist. Vielleicht hättest Du Deinen Kopf riskiert, vielleicht... Aber dann wärst Du einer jener Helden gewesen, an denen die Welt keinen Überfluß hat... Wahrscheinlicher ist, daß auch Du nur im geheimen Deine 155 Miẞbilligung zu zeigen vermocht und nachher in ständiger Angst gelebt Dann wi hättest, daß Dich- gute Freunde verraten...! - Alles ist viel leichter gesagt als getan! Nur derjenige sollte seinen Mund über das deutsche Volk aufreißen, der mitten unter den wilden Nazibestien zu atmen gezwungen war. Wer aber nur Kritik übt, weil zur Zeit fast die ganze Welt an dem deutschen Volk herumnörgelt- ohne dabei das Für und Wider abzuwägen, ist ein dummer Schwätzer, und sonst nichts! Stelle Dir einmal vor, eine Dynamitfabrik brenne. Glaubst Du wirklich, mein Sohn, daß es viele Leute gäbe, die in das in Flammen stehende Gebäude eindrängen, um Menschen, die noch in der Fabrik sind, zu retten? Ich glaube das nicht. Die weitaus größte Zahl der Zuschauer hätte Angst, daß sie sich verbrennen könnte, oder daß es zur Explosion käme... Mut läßt sich viel leichter predigen als vollbringen.... erste Schied „ Bestimm ich bin froh ist sehr wic Inzwische Weber wur er damit et „ Es ist ni Herr Profes denn die Sa Frau We fessor Löwe brach. So ungefähr würde mein seliger Vater gesprochen haben. Kann ich nach all der Überzeugung, die ich gewonnen habe, die Verteidigung weiterhin ablehnen? Um keine Haaresbreite wäre ich besser als die sogenannten Rechtsbeisteher in Nazideutschland, die Menschen, nur weil sie Juden waren, vor keinem Gericht des Dritten Reiches vertreten wollten. Feigheit ist die Frucht des schlechten Gewissens und gedeiht am besten durch die Charakterschwäche! Deshalb handelte Isaak Jehuda Löwenstein als Mensch und Jurist. Er ließ die Verbindung mit dem Hauptausschuß herstellen und benachrichtigte Professor de Virgell, daß er die Verteidigung übernähme. ,, Vielen Dank, Herr Kollege Löwenstein, Sie sind ein edler und gerecht denkender Mensch. Der Kreis der Judenhasser mag sich schämen. Viele Antisemiten werden zu der Einsicht kommen, daß Religions-, Rassenund Menschenhaẞ verwerflich sind!..." ,, Herr Kollege de Virgell, nicht einen Augenblick habe ich daran gedacht, zu den Antisemiten der Welt zu sprechen. Wohin Judenverfolgung zuguterletzt führt, haben die Antisemiten aller Länder zur Genüge erfahren, erst jetzt wieder in Deutschland! Ich verteidige jenen Teil des deutschen Volkes, der selbst zwölf Jahre lang wie eingekerkert war und viel Leid und Herzweh durch die Nazis erdulden mußte... Die Mehrzahl war's..." Professor de Virgell verständigte Lord Roberts von allem, was sich zugetragen hatte. Der Lord, sehr erfreut über diese Information, meinte: 156 Bei dem Zusage be konnte es l Alle Zeug den sollter in großer Z zugelassen. vertreten. betrieb in Immer n Staatsan uordnen, Professo Erst wa meine Eind Tu sagen Das war Norgams urück zu den bei de Ereignisse labrik sind *T Zuschauer es vertreten und gedelt ı und Jurit nähme, r und gere! men. Vie: „Dann wird ja alles programmgemäß verlaufen, so daß Freitag der erste Schiedsgerichtstag abgehalten werden kann.“ „Bestimmt“, erwiderte Professor de Virgell und fügte noch hinzu, „ich bin froh, daß Dr. Kreuschke die Wahl angenommen hat, denn das ist sehr wichtig. Kennt er doch das Anklagematerial aus dem FF...“ *** Inzwischen brauchte man im Hotel Beaurivage den Arzt: Professor Weber wurde von einer Herzattacke befallen. Nie in seinem Leben hatte er damit etwas zu tun gehabt. „Es ist nichts Ernstliches“, meinte der Arzt. In zwei Tagen sei der Herr Professor wieder auf den Beinen; natürlich müsse er sich schonen, denn die Sache käme nur von Aufregungen. Frau Weber wußte die Ursache. Die freudige Nachricht über Pro- fessor Löwensteins Entschluß hatte ihn so aufgeregt, daß er zusammen- brach. Bei dem Siebzehner-Ausschuß war inzwischen auch die französische Zusage betreiis der deutschen Kriegsgefangenen eingetroffen. Nun konnte es losgehen. Alle Zeugen wurden im Hotel Alpenhof untergebracht, mit Ausnahme der deutschen Kriegsgefangenen, die dem Roten Kreuz anvertraut wer- den sollten. Zeitungskorrespondenten des In- und Auslandes waren in großer Zahl erschienen; auch Deutsche aus allen vier Zonen wurden zugelassen. Die jüdische und arabische Presse war besonders zahlreich vertreten. So sandte fast die ganze Welt Berichterstatter. Es war Hoch- betrieb in Genf. Immer näher rückte der erste Schiedsgerichtstag. Staatsanwalt Kreuschke hatte alle Hände voll zu tun, um die Akten zu ordnen, die er von Nürnberg mitgebracht hatte... Professor Löwenstein präparierte sich nicht. „Erst warte ich den Gang der Verhandlung ab. Dabei sammele ich meine Eindrücke und zur gegebenen Zeit werde ich schon das Richtige zu sagen wissen...“ Das waren die Worte, die er zu sich selbst sprach. Norgams reisten in der Absicht, Freitag Vormittag gegen zehn Uhr Zurück zu sein, drei Tage durch’s Land. Sie wollten unter allen Umstän- den bei der ersten Verhandlung dabei sein. Erstens handelte es sich um Ereignisse, die ihren guten Freund Weber angingen, und zweitens 157 wünschten sie auch, einmal einen amerikanischen Juristen im Auslande in Funktion zu sehen. Dr. Kreus gegen fünf L Die Berichterstatter an den Pressetischen behaupteten, so etwas Bewältigung hätte man seit den Völkerbundstagungen in Genf nicht mehr gesehen. Es herrschte allgemein der Eindruck, daß es hier um Probleme ginge, die für das Ansehen des deutschen Volkes von außerordentlicher Trag weite werden könnten. Da es zu emehmung vurde auf z Samstag, dent die zw Punkt zwei Uhr ertönte die Glocke des Schiedsgerichtspräsidenten mahnte en E. O. Lallemant. Tiefe Stille herrschte, als er begann: ,, Die Aufgabe, die diesem aus elf verschiedenen Ländern gewählten Schiedsgericht der internationalen Liga der Menschenrechte gestellt wurde, ist eine verantwortungsreiche vor Gott und der Welt. Ich bin davon überzeugt, daß Sie, meine Herren Kollegen, mit mir den festen Willen haben, nach bestem Wissen und Gewissen zu richten. Lassen wir uns durch nichts irritieren, was immer es auch sein möge. Mit Sympathie oder Animosität von Seiten dieses Gerichtes hat das angeklagte deutsche Volk nicht zu rechnen. Es gilt festzustellen, ob die gesamte Reichsbevölkerung kollektiv an den von der Hitlerregierung und ihren Trabanten begangenen Verbrechen mit schuldig ist oder nicht." Zu den vier Marburgern gewandt, sagte er: ,, Während der ganzen Prozeßdauer gelten Sie symbolisch als die angeklagte Bevölkerung Ihres Landes... Mit allen Rechten und Pflichten... Der erste Gerichtstag ist hiermit eröffnet." Die Zeugenverlesung nahm nahezu drei Stunden in Anspruch. Obzwar nicht alle, die zugesagt hatten, eingetroffen waren, befanden sich doch einundvierzig, unter ihnen neun deutsche Kriegsgefangene, im Saal. Letztere sollten nach Beendigung der Schiedsgerichtstagungen von Genf aus in ihre deutsche Heimat entlassen werden. Nach der Verlesung führte man sie in einen Nebenraum und unterstellte sie der Obhut des Roten Kreuzes. Sie hatten alle Bequemlichkeiten, konnten rauchen, schreiben, lesen, essen und alkoholfreie Getränke haben. Nur von der Außenwelt blieben sie ferngehalten, wie das den internationalen Abmachungen des Roten Kreuzes entsprach. Die übrigen Zeugen konnten sich aufhalten, wo es ihnen beliebte. 158 Wen So bleibt ei wird." Und weit der Moral Der erste Ihren Na „ Oskar v Alter, W „ Ich bin reich der N Sind Sie „ Ich bin Ihren B „ Ich bin „ Ist der Nein, ich Antwort. Damit w Jetzt wa Herr Z erinnern marschiert Zwei T heim, geme verhafteter Waren Schiedsrich Einige bluten." im Auslande , so etwas ehr gesehen. bleme ging, tlicher TragDr. Kreuschke, der das Amt des Staatsanwaltes versah, konnte erst gegen fünf Uhr nachmittags mit seiner Anklagerede beginnen, zu deren Bewältigung er über sechs Stunden benötigte. Da es zu spät geworden war, wollte man heute mit den Zeugenvernehmungen nicht mehr anfangen. Die Fortsetzung des Prozesses wurde auf zehn Uhr vormittags des folgenden Tages anberaumt. Samstag, zur festgesetzten Zeit, eröffnete der Schiedsgerichtspräsident die zweite Verhandlung. Bevor die Zeugen vernommen wurden, tspräsidente ermahnte er diese, nur die reine Wahrheit zu sagen und fügte hinzu: Wenn auch dieser Prozeß keinen amtlichen Charakter besitzt, so bleibt ein falscher Eid doch ein Meineid, egal, wo er geschworen wird." n gewählte echte gestel Welt. Ich bi ir den feste ten. ch sein möge chtes hat da zustellen, d Hitlerregi schuldig is lisch als di Rechten un nspruch. O befanden sid efangene, in ichtstagungen Nach der Ver e sie der Ob konnten rau ben. Nur von ternationale Zeugen kom 994. Und weiter warnte er: ,, Vergessen Sie nicht, daß ein Schwur Sache der Moral ist, ohne die unsere Zivilisation nicht bestehen kann." Der erste Vorgeladene wurde auf den Zeugenstand gerufen. ,, Ihren Namen, bitte." ..Oskar van Straaten heiße ich." ,, Alter, Wohnsitz und Religion." ,, Ich bin Katholik, vierzig Jahre alt und wohne in Arnheim, im Königreich der Niederlanden." ,, Sind Sie, Herr Zeuge, verheiratet, und wie groß ist Ihre Familie?" ,, Ich bin verheiratet. Meine Ehe ist kinderlos." ,, Ihren Beruf, bitte?" ,, Ich bin Lehrer der französischen Sprache." ,, Ist der Herr Zeuge Franzose?" ,, Nein, ich bin Holländer", gab der Gefragte mit sichtlichem Stolz zur Antwort. Damit war die Personalienfrage zu Ende. Jetzt wandte sich der Präsident an ihn: - - ,, Herr Zeuge, erzählen Sie uns dcch einmal, woran Sie sich noch erinnern von dem Augenblick an, als die Deutschen in Arnheim einmarschierten soweit Sie Gewalttätigkeiten mitangesehen haben." ,, Zwei Tage nach dem deutschen Einmarsch sah ich Nazis aus Arnheim, gemeinsam mit der Hitlergestapo, in die Häuser gehen und mit verhafteten Holländern zurückkommen." ,, Waren die Verhafteten mißhandelt worden?" unterbrach einer der Schiedsrichter. ,, Einige von ihnen bestimmt, denn ich sah sie aus vielen Wunden bluten." 159 ,, Wer hat die Leute mißhandelt", fragte der Präsident. ,, Wer sie in den Häusern mißhandelte, habe ich nicht gesehen, aber als sie auf der Straße weggeführt wurden, sah ich mehr als einmal, daß Arnheimer Nazis wie wild drauflosschlugen, ohne daß ich den Grund dafür erkennen konnte.. Die Verhafteten waren viel zu verängstigt, als daß sie sich widersetzt hätten." 99 , Woran erkannten Sie, Herr Zeuge, daß es sich um Nazis aus Arnheim handelte? Trugen sie denn nicht dieselben Uniformen wie die Reichsnazis?" ,, Oh nein, die Arnheimer Nazis trugen ihre eigenen Uniformen." ,, Das glaube ich Ihnen. Was mich interessiert ist, ob sie deutsche oder holländische Naziuniformen getragen haben." ,, Die Arnheimer Nazis trugen holländische Uniformen, die, was Schnitt und Farbe anlangt, von den deutschen Naziuniformen abwichen." ,, Wurde auch geplündert?" ,, Jawohl, aber unsere holländischen Nazis nannten das, requirieren'. Sie taten es fast ausschließlich zur Nachtzeit." ,, Bei wem?" ,, Bei Juden und Christen, es war ihnen egal. Natürlich nur bei solchen Leuten, die sie, wie ich annehme, nicht besonders gut leiden mochten. Bei Juden machten sie überhaupt keinen Unterschied, da nahmen sie gleich, was ihnen gut schien." ,, Sind bei solchen Beschlagnahmungen auch Leute ums Leben gekommen?" ,, Jawohl, viele Leute." ,, Haben Angehörige der deutschen Armee auch solches, Handwerk' getrieben?" Jetzt kam Nachdem tokoll und e „ Ich sah Straßen vo schnell gen hatte zu ge Getöteten i Sind Sie rer Ersch „ Das wei Nazikomma Ein Vet „ Nein, da Nazis unter ,, Mit and Königs von chen zu be So war „ Was ha „ Persön Was Si ,, Wie ich gesehen. I der mir na notorische Kloster." ,, Nein, soviel ich sah und hörte, haben sich die Soldaten gut benommen. Nur die Himmlergestapo- Männer stahlen wie die Raben." ,, Wo sind die Arnheimer Nazis jetzt?" ,, Soweit sie etwas auf dem Kerbholz haben, wozu auch der Dienst in der deutschen Armee gehört, sitzen sie in Untersuchungshaft oder im Zuchthaus. Einige von ihnen wurden hingerichtet, andere begnadigt." Als zweiter Zeuge wurde Felix Branut aus Luxemburg aufgerufen. Es stellte sich heraus, daß ein ganz anderer gleichen Namens gemeint war. Somit konnte Herr Branut sofort zurückreisen. 160 Was w „ Als die Als vier Nach Auf präsident: Wissen rend der Ihren eige „ Das ka „ Wieso Es wa sträubt, m Bitte e sehen, aber einmal, daß den Grund Jetzt kam G. Starlou aus Brüssel an die Reihe. Nachdem er den Eid geleistet hatte, gab er seine Personalien zu Protokoll und erzählte: ,, Ich sah Hitlers SS eine große Anzahl belgischer Bürger durch die Straßen von Brüssel treiben. Wer nicht mitkam, das heißt, wer nicht sich wider schnell genug laufen konnte denn es ging alles im Laufschritt- hatte zu gewärtigen, erschossen zu werden. Ich selbst sah elf solcher Getöteten in den Straßen liegen." is aus Arnen wie die rmen." utsche oder was Schnitt ichen." - ,, Sind Sie, Herr Zeuge, sicher, daß nur das langsame Tempo der Grund ihrer Erschießung gewesen ist?" ,, Das weiß ich genau, denn ein Vetter von mir war ja selbst bei dem Nazikommando." ,, Ein Vetter von Ihnen? Sind Sie Deutscher?" ,, Nein, das nicht, aber die deutsche SS wurde von den belgischen Nazis unterstützt." ,, Mit anderen Worten meint der Herr Zeuge, daß Untertanen des requirieren. Königs von Belgien der deutschen SS und Gestapo halfen, die Verbrechen zu begehen?" bei solchen en mochten. nahmen sie Leben geHandwerk ten gut be der Dienst gshaft oder ufgerufen. Namens ge ,, So war es leider, Herr Schiedsgerichtspräsident." 99 , Was haben Sie, Herr Zeuge, noch gesehen?" ,, Persönlich nichts mehr, aber umso mehr gehört." ,, Was Sie vom Hörensagen wissen, interessiert uns jetzt nicht." ,, Wie ich bereits sagte, mit eigenen Augen habe ich weiter nichts mehr gesehen. Ich mußte vor meinem eigenen Vetter die Flucht ergreifen, der mir nach dem Leben trachtete, weil ich ihm gesagt hatte, daß er ein notorischer Lump sei... Und jahrelang verbarg ich mich in einem Kloster." ,, Was wurde denn aus dem, Ehrenmann', Ihrem Vetter, Herr Zeuge?" ,, Als die Deutschen aus Belgien abmarschierten, erhängte er sich." Als vierter kam Dr. Sadorowski aus Warschau zur Vernehmung. Nach Aufnahme seiner Personalien fragte ihn der Schiedsgerichtspräsident: ,, Wissen Sie, Herr Zeuge, etwas davon zu berichten, was sich während der Besetzung in Ihrer Heimat zugetragen hat, soweit Sie es mit Ihren eigenen Augen gesehen haben?" ,, Das kann ich mit Worten gar nicht wiedergeben." ,, Wieso nicht?" ,, Es war alles so schrecklich, daß sich mein Erinnerungsvermögen sträubt, mir zu Hilfe zu kommen." ,, Bitte erzählen Sie, so gut Sie können...". 161 ,, Eines Tages ergab es sich, daß ich beruflich in der Nähe des Ghettos zu tun hatte. Ich war schon im Begriff, meinen Heimweg anzutreten, als ich plötzlich, durch Gewehrfeuer und Hilferufe erschrocken, aufhorchte. Ehe ich mich versah, war ich von Hitler- SS umringt. Zu meinem Erstaunen kam mein eigener Chauffeur ein Pole der mehr als zehn Jahre in meinen Diensten stand, in polnischer Naziuniform auf mich zu. Er faßte mich am Rockkragen und stellte mich den anderen zum Gaudi vor: - - , Das ist Dr. Sadorowski, ein gläubiger Katholik, der alle jüdischen Mädchen Warschaus wegen Herzkrankheiten, behandelt. Ein Rasseverleugner, wie er im Buche steht! Gelt, Sie Judenfreund, jetzt bleibt Ihnen die Spucke weg, daß ich so unverhofft vor Ihnen auftauche und obendrein noch als Nazi.' Einer der SS- Offiziere fragte mich: , Sind Sie Jude oder jüdischer Abstammung?" ,, Beides nicht", gab ich zur Antwort ,,, ich bin ein Christ!' ,, Halten Sie gefälligst Ihre polnische Schnauze!' schrie er mich an, , soviel habe ich Sie gar nicht gefragt. Wozu treiben Sie sich in dem Judenviertel umher?' Auf meine Erwiderung, daß ich Krankenbesuche mache, bekam ich mit der Reitpeitsche eine links und rechts ins Gesicht geschlagen. Dann gingen die deutschen und polnischen Nazis, mich mit sich führend, zum Ghetto. Wenn ich bitten darf, erspare man mir, die dort erlebte Tragödie zu erzählen. Ich hatte seinerzeit viele Monate keinen Schlaf gefunden und befürchte, daß sich das wiederholt. Ändern können meine Aussagen heute auch nichts mehr daran." ,, Herr Doktor, etwas möchten wir aber doch hören, denn letzten Endes sind Sie ohne jeden Zwang hier erschienen, nicht wahr?" ,, Das gebe ich zu, Herr Präsident, aber als ich meine Zeugenbereitschaft erklärte, da war ich von dem Gedanken durchdrungen, daß ich mich nach meinen Aussagen erleichtert fühlen würde. Ich sehe ein, daß ich mich irrte, denn ich bin jetzt so aufgeregt, wie zuvor!..." ,, Herr Zeuge, Ihre Aufregung verstehe ich voll und ganz, jedoch, wenn Sie sich etwas zusammenreißen und Ihre Erklärungen fortsetzen könnten ich glaube zuletzt würde es Ihnen und dem Schiedsgericht dienlich sein..." - - ,, Ich sah Erwachsene und Kinder durch Flammenwerfer getötet - manche bis zur Unkenntlichkeit verkohlt. Alte Juden mit eingeschlagenen Schädeln, den Gebetriemen noch um Kopf und Hand, stehen mir noch vor Augen. Ich fand junge Mädchen erdolcht in ihren Zimmern liegen, in e war... Die junger Jud Gesicht." „ Herr Ze ,, Weil ich zur Antwo ,, Beruhig Erleichteru „ Gott ge ,, Bergew an der Mo „ Herr Ze „ Ich hab Arzt, der ihm eines hen, schor Leben erha binden der „ Herr Z alle Ghette „ Ich me zur Seite bis aufs le ,, Haben „ Oh dow legen, die ,, Herr Z fen; Sie ga der Deuts ,, Genaus freiem Ful wollte, ve ich pro T Folge leis roten Hell Was b ,, Meiner Nächste „ Ihren 162 11* Ghettos utreten, en, aufZu meier mehr orm auf anderen dischen Rassezt bleibt che und mich an, in dem ekam ich en. Dann end, zum ebte TraSchlaf geen meine m letzten -?" genbereit, daß ich e ein, daß 44 z, jedoch, fortsetzen Schiedsfer getötet eingeschla stehen mir Zimmern - liegen, in einer Lage, die mir als Arzt sofort sagte, was hier geschehen war... Die Welt soll es erfahren" schrie der Zeuge- ,, hunderte junger Juden, die aufs furchtbarste verstümmelt waren, bekam ich zu Gesicht." ,, Herr Zeuge, warum schreien Sie eigentlich?" ,, Weil ich mich nicht beherrschen kann", gab der Befragte aufgeregt zur Antwort. ,, Beruhigen Sie sich bitte, nachher wird Ihnen Ihre Aussage doch Erleichterung bringen." ,, Gott gebe es", sagte der Zeuge und fuhr fort: ,, Berge von Judenleichen, mehr als vierzigtausend an der Zahl, lagen an der Mordstätte..." ,, Herr Zeuge, wie konnten Sie die alle zählen?" ,, Ich habe bereits dem Gericht unterbreitet, daß mich ein Warschauer Arzt, der als polnischer Nazi in Hitlerdiensten stand, rettete, weil ich ihm eines Tages sein Kind, das er, vom ärztlichen Standpunkt aus gesehen, schon aufgegeben hatte, durch eine geglückte Herzoperation am Leben erhalten konnte... Er gab mir die Ziffern, als ich ihm beim Verbinden der Verwundeten half." - ,, Herr Zeuge, Sie sprechen von Verwundeten wurden denn nicht alle Ghettoinsassen ermordet?"- warf der Staatsanwalt ein. ,, Ich meine die polnischen Nazis, die den Hitlerbestien beim Kampf zur Seite standen. Alles Leben in dem Ghetto wurde ohne Erbarmen bis aufs letzte ausgelöscht." ,, Haben die Juden nicht gekämpft, sich nicht gewehrt?" ,, Oh doch, tagelang! Aber die Zahl der Angreifer war so sehr überlegen, die Waffen zu ungleich...". ,, Herr Zeuge, warum mußten Sie als Christ und Arzt im Ghetto helfen; Sie galten doch als Privatperson und standen keinesfalls im Dienste der Deutschen?" bemerkte der Verteidiger. ,, Genauso ist es, aber Gestapobeamte sagten mir, daß man mich auf freiem Fuße ließe, wenn ich meinen Warschauer Kollegen täglich helfen wollte, verwundete polnische Nazis zu behandeln; außerdem bekäme ich pro Tag RM 50.- ausbezahlt... Sollte ich diesem Ersuchen keine Folge leisten, dann bräuchte ich zu meinem Lebensunterhalt keinen roten Heller mehr. Ich wußte, was das besagte." 11* 99 , Was bedeutete das nach Ihrer Ansicht, Herr Zeuge?" ,, Meinen Tod..." Nächster Zeuge. ,, Ihren Namen, bitte?" 163 ,, Anton Kraushaar." ,, Welcher Nationalität?" ,, Ich bin Deutscher." ,, Auf wessen Veranlassung kamen Sie hierher?" ,, Durch die Liga der Menschenrechte, Zweigverein Genf." ,, Hatten Sie den Eindruck, daß Sie als Zeuge erscheinen mußten?" ,, Nein, auf die Idee kam ich nicht. Der Herr, der bei mir war, sagte ausdrücklich, daß ich nur kommen sollte, wenn ich das freiwillig tun wollte... Und ich tat es gern." ,, Wie alt sind Sie, Herr Zeuge?" ,, Ich bin sechsundfünfzig Jahre alt." ,, Welcher Religion gehören Sie an?" ,, Der Evangelischen." ..Wo wohnen Sie?" " ,, In Genf." ,, Seit wann?" ,, Vom 3. Juli 1944 ab." ,, Wie he teidiger wi stockend: " 1 „ M... m glied der H Warum ihre Gärtr „ Die sol gefangens nicht mehr zentration Schwester Der Ver „ Herr 2 „ Meine ,, Sie spr ,, Und vor dieser Zeit?" ,, In Deutschland." ,, Konnte man von dort aus so einfach ins Ausland reisen?" ,, Mich haben die Nazibestimmungen wenig gestört..." ,, Waren Sie Parteimitglied?" ,, Niemals." ,, Will der Zeuge sagen, daß er mit Wissen und Willen der Hitlerbehörde die Erlaubnis bekam, in die Schweiz zu reisen, um dort bleiben zu können?" ,, Das sei fern von mir, aber die Wahrheit muß ich doch sagen." ..Natürlich müssen Sie das. Waren Sie im Interesse der Partei in der Schweiz?" ,, Nein." ,, Können Sie uns den Grund Ihrer Schweizer Reise angeben, Herr Zeuge?" ,, In Karlsruhe hatte ich eine Großgärtnerei. Im Jahre 1942 zählten zu meiner Kundschaft noch zwei jüdische Familien, gegen hundertundsieben vor der Hitlerzeit. Eines Tages befahl mir die SS, die Lieferungen einzustellen. Trotz dieser Warnung lieferte ich im Geheimen doch noch weiter, und deswegen wurde ich in das Konzentrationslager Buchenwald eingeliefert, aus dem ich während eines Fliegerangriffs entwich. Über Österreich und das Fürstentum Liechtenstein flüchtete ich zu meiner Schwester nach Genf, die auch eine Gärtnerei besitzt und Witwe ist." 164 „ Einer er sich ga Tochter s „ Herr Z ,, Wir w schließen. „ Aber ,, Nur de Haber bringen?" „ Ach, fen nicht Von da a packte, " Was ,, Sie be Konzentr stand vie „ Aber ten Sie kehren k „ Bekel in Deutsc sende vo en?" , sagte llig tun Hitlerort bleiei in der en, Herr ählten zu ndsieben ngen einoch noch Buchenentwich. h zu meiitwe ist." ,, Wie heißt der Verräter, der Sie der SS preisgab?" wollte der Verteidiger wissen. Nach anfänglichem Sträuben erwiderte der Zeuge stockend: ,, M... m... mein eigener Sohn! Er war sechzehn Jahre alt und Mitglied der Hitlerjugend." ,, Warum, Herr Zeuge, gehen Sie nicht nach Deutschland zurück, um ihre Gärtnerei weiterzubetreiben?" ,, Die soll mein ältester Sohn übernehmen, wenn er aus der Kriegsgefangenschaft zurückkommt. Jetzt ist sie verpachtet. Ich selbst will nicht mehr nach Karlsruhe. Meine Frau starb dort, während ich im Konzentrationslager gefangen gehalten wurde. Hier in Genf habe ich meine Schwester, die mich sehr nötig braucht." Der Verteidiger Löwenstein hatte noch einige Fragen: ,, Herr Zeuge, wie groß ist Ihre Familie gewesen?" ,, Meine Frau, eine Tochter, drei Söhne und ich." ,, Sie sprachen aber nur von zwei Söhnen." ,, Einer von ihnen wurde von den Nazis enthauptet. Als Student soll er sich gar ungünstig über die deutsche Kriegslage geäußert haben. Die Tochter starb in ihrem ersten Wochenbett." ,, Herr Zeuge, warum sind Sie kein Parteimitglied geworden?" ,, Wir waren viel zu gute Christen, um uns dieser Heidensorte anzuschließen." ,, Aber Herr Zeuge,... Ihre Söhne?" ,, Nur der Jüngste, der mich verriet, war ein Nazi." ,, Haben Sie nie den Versuch gemacht, ihn von seinen Ideen abzubringen?" ,, Ach, mein Gott im Himmel, mehr als hundertmal. Auch Schläge halfen nichts. Ja, eines Tages drohte er, uns alle der Partei zu melden.. Von da ab schwiegen wir und ließen ihn gewähren, weil uns die Angst packte, das zu erleben, was so vielen Leuten passierte." ,, Was geschah denen?" ,, Sie bekamen den Erbhof abgenommen, und wenn man sie nicht ins Konzentraticnslager sperrte, hatten sie Glück. Noch viel Schlimmeres stand vielen in Aussicht." ,, Aber als ein frommer Christ, wie Sie sich selbst bezeichneten, konnten Sie doch den Pfarrer zu Rate ziehen. Er hätte doch den Sohn bekehren können." ,, Bekehren? Ja, um Himmels Willen, weiß denn der Herr nicht, daß in Deutschland und im Auslande, wo die Nazibarbaren herrschten, Tausende von Pfarrern an der, Bekehrung zu Grunde gingen? Allein in 165 Deutschland wurden zweitausend und noch mehr umgebracht, weil sie gegen die Hitleridee gepredigt haben sollten. Diese geistlichen Herren blieben furchtlos. Ihr Glaube an Gott saß tiefer als ihre Angst vor den Nazis. Von Gott sprachen sie mit Verehrung, von den Nazis mit Verachtung..." Zeugen bis einschließlich Nummer dreißig sagten dann noch aus. Am Montag eröffnete der Schiedsgerichtspräsident die dritte Verhandlung. Nachdem die zwei letzten Zivilisten ihre Aussagen gemacht hatten, betrat der erste deutsche Kriegsgefangene den Zeugenstand: ,, Ihren Namen, bitte? ,, Hugo Schmidt." ,, Alter und Religion?" ,, Ich bin einundzwanzig Jahre alt und evangelischer Religion." ,, Ihre Wohngemeinde?" ,, Hatzbach, Kreis Kirchhain, Bezirk Kassel, Preußen." ,, Der Staat Preußen besteht nicht mehr", bemerkte der Vertreter der Anklage. ,, Das ist mir neu", erwiderte der Zeuge. ,, Dann wissen Sie es jetzt", entgegnete der Staatsanwalt. ,, Ich weiß nur, daß ich Heimweh habe und nach Hause will. Was sonst auf der Landkarte los ist, interessiert mich nicht. Preußen wird aus der Versenkung auftauchen, und wenn es neunhundertundneunundneunzig Jahre dauern sollte... Der Spruch, Noch ist Polen nicht verloren... läßt sich auch ins Preußische übersetzen." ,, Ich verbitte mir diese freche Bemerkung", sprach der Vertreter der Anklage, der ein Pole war, zornig. Der Präsident sagte aufbrausend: ,, Herr Zeuge, bitte sprechen Sie zur Sache. Geographie und Geschichtsstunde wollen wir hier nicht einführen... Wie lange sind Sie Soldat?" ,, Einschließlich meiner Kriegsgefangenschaft bin ich mehr als vier Jahre in der Armee." " , Was sind Sie von Beruf?" ,, Ich besuchte das Seminar, weil ich Lehrer werden wollte." ,, Wo haben Sie gekämpft?" ,, Ich gehörte der Fliegerabteilung, Reichsadler' an, die dem Afrikakorps unterstellt war." ,, Hatten S zugehen?" „ Nur, wen ,, Sonst ni ,, Nein", g Abermals ,, Ist zwis etwas vorg Kam es nic schuldige K man, um in Häuser gep „ Meines gekommen Das war ga uns. Das F schen Arm „ Sind Si gewesen?" ... Jawohl wäre ich obgleich n unsrigen ..Wollen empfander ter der Ar „ Ein Spaß am Vergnügen sah ich en hatten wi Der Kri Kaum w bildete si ein Epilep Der hinz Überführu sagen die Der dri ,, Ihren 166 veil sie Herren IT den t Ver. ie Ver- hatten, eter der as sonst aus der meunzig ‘ Ten... -ikakorpS „Hatten Sie, d. h. Ihre Truppe, Befehl gegen die Zivilbevölkerung vor- zugehen?“ „Nur, wenn sich diese feindlich gegen uns benehmen sollte.“ „Sonst nicht?“ fragte einer der Schiedsrichter. „Nein“, gab der Zeuge zur Antwort. Abermals mischte sich der Vertreter der Anklage ein: „Ist zwischen den deutschen Soldaten und der Zivilbevölkerung nie etwas vorgefallen? Sind keine Privatpersonen umgebracht worden? Kam es nicht ein einziges Mal vor, daß Frauen vergewaltigt und un- schuldige Kinder mißhandelt wurden? Allein wieviel Juden Afrikas hat man, um in der Nazisprache zu sprechen,— ‚umgelegt‘? Wieviele Häuser geplündert?“ „Meines Wissens ist etwas derartiges in unserer Abteilung nie vor- gekommen... und von Frauenvergewaltigungen habe ich nichts gehört. Das war gar nicht nötig. Gewiß, Juden kamen zu Tode, aber nicht durch uns. Das Handwerk des Mordes vollzog, zum Ekel der regulären deut- schen Armee, die Gestapo und SS.“ „Sind Sie, Herr Zeuge, jemals aktives Mitglied der Hitlerbewegung gewesen?“ „Jawohl, ich gehörte der Hitlerjugend an; denn, ohne ihr beizutreten, wäre ich unmöglich in ein deutsches Seminar aufgenommen worden, obgleich mehr als achtzig Prozent der Lehrerschaft— wenigstens der unsrigen— im Antinazilager standen.“ „Wollen Sie damit behaupten, daß Sie keine Sympathie für die Partei empfanden?“ fragte der Präsident, der gleichzeitig damit dem Vertre- ter der Anklage das Wort entzog. „Ein überzeugter Nazi war ich nie. Mir gefiel die Uniform. Ich hatte Spaß am Sportleben in der Hitlerjugend. Sogar die Disziplin machte mir Vergnügen, und die Mädels von den BDM-Organisationen und anderen sah ich erst recht gern. Mit Politik habe ich mich nicht befaßt. Dazu hatten wir Jungen viel zu viel andere Sachen im Kopf...“ Der Kriegsgefangene Adam Schröder kam zur Vernehmung. Kaum war die Aufnahme seiner Personalien zu Ende gegangen, da bildete sich Schaum vor seinem Mund, und er fiel zu Boden. Er war ein Epileptiker, die im allgemeinen in keiner Armee Aufnahme finden. Der hinzugerufene Arzt erklärte ihn für krank und veranlaßte seine Überführung in ein Hospital. Das Gericht beschloß, auf weitere Aus- sagen dieses Zeugen zu verzichten. Der dritte deutsche Gefangene mußte nun aussagen: „Ihren Namen, bitte?“ 167 ,, Johann Friedrich Schneider." ,, Beruf und Alter?" ,, Ich bin Ingenieur und vierunddreißig Jahre alt." ..Ihren Wohnsitz?" ,, In Stettin bin ich zu Hause." ,, Sind Sie verheiratet, und welcher Religion gehören Sie an?" ,, Ich bin neun Jahre verheiratet, habe zwei Kinder und bin Katholik." 99 , Wie lange sind Sie Soldat?" ,, Seit dem 20. August 1939. Zuletzt als Oberfeldwebel in einem Infanterieregiment." ,, Wo und wie lange waren Sie in Kriegsgefangenschaft?" ,, In Rußland, seit 1942." ,, Sie haben sicher im Osten gekämpft", bemerkte der Schiedsgerichtspräsident. ,, Jawohl, Herr Präsident, nur im Osten." ,, So, dann erzählen Sie uns doch einmal, woran Sie sich noch erinnern." ,, Im August 1939 mußte ich eine zweiwöchige militärische Übung machen. Kurz bevor die Übungszeit zu Ende ging, hatten wir eines Abends wieder Alarm. Mit Sack und Pack sind wir auf dem Stettiner Güterbahnhof verladen worden. Niemand wußte, was los war. In noch stockfinsterer Nacht wurden wir an der polnischen Grenze noch auf deutschem Boden ausgeladen. Während einer kurzen Rast sagte unser Hauptmann, um den wir einen Kreis bilden mußten: aber , Mal herhören! Die Polen haben gestern Abend die Reichsgrenze überschritten. Daraufhin hat unser Führer die richtige Entscheidung getroffen. Er gab der Armee den Befehl, sofort mit aller zur Verfügung stehenden militärischen Macht den Feind zurückzuschlagen und ihm auf polnischem Gebiet nachzudrängen... Soldaten!... Das heißt Krieg. Jeder von uns muß nun seine Pflicht erfüllen! Mit Gott- für Adolf Hitler und das Reich. Hurrah, Hurrah, Hurrah!" Beim Abmarsch bildete meine Kompagnie die Vorhut des Regiments. Nach einer Stunde Marschzeit erreichte die Patrouille, deren Führung ich hatte, das erste polnische Dorf. Am Straßenrande, abseits des Ortes, sahen wir etwa dreißig tote Männer, die in Uniformen polnischer Freischärler gekleidet waren. Dorfbewohner gaben an, nicht einen einzigen polnischen Soldaten gesehen zu haben. Nur zwei polnische Zollbeamte, die durch Angehörige des Reichsheeres abgeführt wurden, waren an der Grenze gewesen. 168 Auf die keine poln einzige, wa bin ich nic Zwirnsfade Träger auf , Wer sin Gefragte spreche di Nachdem die Patrou Dort trafe auch den der Ansic Schwindel schärler' H ihnen ein haben, de schärler b trationslag daß sie Deutschla zu tun bra legenheit der Freihe willig; da SS- Männ politische und hörte sei ein C Feuereins Regiment Herr Leu Narrense und Jude sen haben können. weichen. gestern A ken verse tholik.* | Infan- Y Übung ir eines tettiner Führung ss Ortes, 1er Frei- einzigen |beamte, fl an der Auf die Toten hinweisend, fragte ich: ‚Sind diese Freischärler etwa keine polnischen Kämpfer?‘ Darauf erwiderte ein älterer Pole: ‚Das einzige, was an diesen Leichen polnisch ist, sind die Uniformen. Dabei bin ich nicht sicher‘— so fügte er noch hinzu— ‚daß Knöpfe und Zwirnsfaden die polnische Republik je gesehen haben, bevor sie deren Träger auf dem Leibe herbrachten.‘ ‚Wer sind Sie?‘ stellte ich den Sprecher zur Rede. Freundlich gab der Gefragte zur Antwort: ‚Ich bin der Pfarrer von diesem Dorfe und spreche die deutsche Sprache so gut wie die polnische.‘ Nachdem mein Regiment aufrückte, setzte ich mit meinem Halbzug die Patrouillenaufgabe fort. Zum nächsten Dorfe wars kein weiter Weg. Dort trafen wir deutsche Kameraden vom Infanterieregiment 147, das auch den Namen ‚Hindenburg‘ führte. Diese ‚Hindenburger‘ neigten zu der Ansicht, daß es mit dem angeblichen polnischen Grenzüberfall Schwindel sein muß:e; sie wären dabei gewesen. Die ‚polnischen Frei- schärler‘ hätten ausgezeichnet deutsch gesprochen und nur wenige von ihnen ein paar Brocken polnisch. Alle sollen ihren Unwillen gezeigt haben, denn es sei ihnen versprochen worden— so hätten die Frei- schärler behauptet, bemerkte der Erzähler— daß sie aus dem Konzen- trationslager entlassen würden, wenn sie den Beweis erbracht hätten, daß sie dem Führer dienstwillig sind... Ein Probeüberfall sei auf Deutschland manövermäßig durchzuführen, bei dem sie weiter nichts zu tun brauchten, als angreifende Polen zu markieren. Die ganze Ange- legenheit nähme nur ganz kurze Zeit in Anspruch. Dann habe die Stunde der Freiheit geschlagen... Dreihundertachtzig Mann meldeten sich frei- willig; darunter waren 87 Juden, 64 ehemalige SA-Leute, 29 frühere SS-Männer, 91 Kommunisten, 67 Sozialdemokraten und 42 andere politische Häftlinge. ‚Zunächst waren wir doch verblüift über das Ganze und hörten auf zu schießen‘,— so berichtete der 147iger weiter. Dann sei ein Gestapooberst gekommen, der sich nach den Gründen der Feuereinstellung erkundigt habe. ‚Unser Leutnant‘, so erzählte der vom Regiment Hindenburg, ‚klärte den Oberst auf.‘ Darauf erwidert dieser: ‚Herr Leutnant, daß Sie sich von dem Saupack der Pollaken so am Narrenseil führen lassen, ist sehr bedauerlich.... Natürlich sind das Polen und Juden, die niemals in einem deutschen Konzentrationslager geses- sen haben. Diese Schweine behaupten das nur, um nachher flüchten zu können. Nur Zeit wollen sie gewinnen, sonst nichts. Keiner darf ent- weichen. Gefangene dürfen nicht gemacht werden. Die Saubande hat gestern Abend die Bevölkerung von Maggrabowa in Angst und Schrek- ken versetzt. Dreiundvierzig friedliche Bürger dieser Kleinstadt haben 169 1 ' sie gehängt und vierzehn erschossen. Darum keine Gnade! Verstehen Sie? Jetzt geht es um Großdeutschland! Verstanden? Also auf, für Adolf Hitler und das große deutsche Reich! Heil Hitler!" - Einer von den, polnischen Freischärlern' ging auf den Gestapooberst zu so berichteten die Hindenburger und sprach:, Herr Oberst, mein Name ist Ernst Oberbauer, ich bin aus Eisenach. Weil ich mich geweigert habe, Kommunisten zu verprügeln, wurde ich aus der SA ausgestoßen und in ein Konzentrationslager gebracht; aber ein Pole bin ich keinesfalls!'-, Was fällt Dir dreckigem Pollaken eigentlich ein? Du wagst es, einen Offizier der Elitegarde Adolf Hitlers zu belügen?' - Der Schuß krachte, und Oberbauer brach tot zusammen. Nach Angaben der Erzähler wurde kein Pardon gegeben; alle wurden erschossen. Nachher hörten wir, daß die Kameraden vom Regiment 147 die volle Wahrheit gesagt hatten. Es ist später ans Tageslicht gekommen, daß die als, polnische Freischärler Erschossenen, nichts anderes als deutsche Bürger gewesen sind, die im Konzentrationslager als Gefangene eingesperrt waren." Der Verteidiger fragte jetzt: ,, Herr Zeuge, glaubten Sie damals, daß es sich bei den Leichen, die Sie abseits des ersten polnischen Dorfes fanden, wirklich um Polen handelte? Sie sprachen von etwa dreißig solcher gefallenen, Feinde'." ,, Der Soldat hat, statt zu glauben, nur zu gehorchen!" Bewegung im Zuhörerraum. ,, Auch dann, wenn er friedliche Bürger erschießt?" fragte der Verteidiger weiter. ,, Jawohl, auch dann", betonte der Zeuge. Die Bewegung im Saale steigerte sich.- ,, Herr Zeuge, wenn Ihnen jemand sagt: Schießen Sie den Rabbiner A tot oder den Pfarrer Z, würden Sie so etwas vollbringen?-" Diplomaten und Militärs hörten gespannt zu. " , Wenn mein Vorgesetzter mir den Auftrag dazu gibt, dann schieße ich. Befehl ist Befehl." Die Spannung wächst- Zeitungsreporter ziehen die Stirn in Falten... ,, Wie mir scheint, sind Sie ein alter Soldat und haben, gemäß Ihren Personalien, eine Frau und zwei Kinder. Wenn nun ein Vorgesetzter zu einem Soldaten sagt:, Schießen Sie die Ehefrau des Feldwebels Schneider mitsamt den Kindern über den Haufen... was würden Sie dann sagen, Herr Zeuge?" Die Spannung hält an. 170 ,, In diese ausführen, den Haufen den vorsch zu erschieß aus!" ,, Herr Ze Jetzt läß heblich nac ,, Nein", e In unserer Daraufhi „ Dann w mitglied?" , 0, doch Der Prä hätte der Z käme er p angehörten „ Herr Z ,, Herr P bin ich no hineingere auszurede Auseinand keinesweg ,, Gut, H Ihre Auss gericht all Präsident einen Sch ,, Meine Leben wa Pest. Auc nicht nac waren w davon ve war so g sonders kränklich tehen I, für berst berst, mich T SA Pole 1 ein? gen?‘ urden nt 147 ekom- ıderes Is Ge- 21, die Polen ii“ inde‘. Vertei- piner A schieße ß Ihren tzter zU Schnei- ‚je dann „In diesem Falle dürfte kein deutscher Heeresangehöriger den Befehl ausführen, der keiner wäre, weil es ein Kommando: ‚Schieß den über den Haufen...‘ im deutschen Heere nicht gibt. Wenn aber der Soldat den vorschriftsmäßigen Befehl bekommt, mein Weib und unsere Kinder zu erschießen, dann muß er den Befehl ausführen.— Und er führt ihn aus!“ „Herr Zeuge, waren Sie in der Nazipartei?“— Jetzt läßt die Spannung bei einigen Diplomaten und Presseleuten er- heblich nach. „Nein“, erwiderte der Zeuge Schneider.„Ich gehörte zu keiner Partei. In unserer Familie haßten wir die Nazis.“ Daraufhin meinte der Verteidiger: „Dann war sicherlich auch keiner Ihrer Familienangehörigen Partei- mitglied?“ „O, doch. Drei Brüder von mir.“ Der Präsident meinte*dazu, daß es doch ein Widerspruch sei; erst hätte der Zeuge gesagt, die ganze Familie habe die Nazis gehaßt und nun käme er plötzlich damit raus, daß sogar drei seiner Brüder der Partei angehörten. „Herr Zeuge, sind Sie sich über diesen Widerspruch im klaren?“ „Herr Präsident, obwohl ich bereits zwei Stunden vernommen werde, bin ich noch Herr meiner Sinne. Ich habe mich in keinen Widerspruch hineingeredet, und deshalb brauche ich mich auch mit keinem Wort her- auszureden. Hätte man mich aussprechen lassen, dann wäre die ganze Auseinandersetzung erspart geblieben, da ich mit meinem Bericht noch keineswegs fertig war.“ „Gut, Herr Zeuge, was nicht ist, kann noch werden. Setzen Sie bitte Ihre Aussage fort. Gespannt darf ich doch sein, wie Sie dem Schieds- ‘gericht alles erklären werden. Nur keinen Groll!“— bemerkte noch der Präsident, zum ersten Mal während der ganzen Verhandlungsdauer, einen Scherz machend. „Meine Brüder gingen aus Not zur Nazipartei über, ohne jemals im Leben wahre Nazis gewesen zu sein. Sie haßten die Hitlerianer wie die Pest. Auch nachdem sie in die Partei eingetreten waren, ließ ihr Zorn nicht nach— im Gegenteil!— Er verschärfte sich!— Im Jahre 1932 waren wir Brüder— es sind unser fünf— ohne Beschäftigung— drei davon verheiratet— und hatten Kinder. Die Arbeitslosenunterstützung war so gering, daß es ganz unmöglich schien, damit auszukommen. Be- sonders deshalb nicht, weil zwei Ehefrauen wegen Unterernährung kränklich wurden. Eines Tages gingen wir fünf an einer Wirtschaft vor- 171 bei, in der ein Bekannter am Fenster saß, der uns ins Lokal winkte. Er war in SA- Uniform, worüber wir lachten. Darauf sagte er ganz ruhigen Tones: ,, Lacht nur. Ihr Narren bekommt pro Woche RM 12.50 Stempelgeld pro Mann, und ich erhalte pro Tag RM 5.- von der Partei. Im übrigen bin ich genauso wenig ein Nazi wie Ihr Spötter." Er klärte uns auf. Einer meiner Brüder fragte ihn, was er denn für diese tägliche Entlohnung von fünf Mark leisten müßte.„ Ach, nur sonntags Aufmärsche machen und hie und da bei der besseren Bürgerschaft Fensterscheiben einwerfen, ein Dreh, der immer mit Erfolg den Kommunisten in die Schuhe geschoben wird. Manchmal auch in Reichsbanneruniform verkleidet auf den Straßen Radau verursachen, damit die Nachbarschaft ärgerlich wird. Alles leichtere Arbeit als Ihr denkt..." Zwei Wochen später waren meine Brüder SA- Männer. Durch Vermittlung der Industrie- und Handelskammer bekamen alle drei als Auslandsmonteure bei einer Stettiner Maschinenfabrik einträgliche Posten. Sie wurden nach China beordert und konnten ihre Familien mitnehmen. Da sie nach dem Krieg als selbständige Unternehmer dort bleiben durften, so nehme ich an, daß sie sich nie politisch betätigt haben, denn sonst wären sie bestimmt des Landes verwiesen worden." Damit war die Vernehmung des Zeugen Schneider zu Ende. Jetzt kam der vierte deutsche Kriegsgefangene an die Reihe. ,, Bitte um Angabe von Namen, Alter, Religion, Wohnort, ob verheiratet und gegebenenfalls, wieviele Kinder Sie haben, ihres Berufes, sowie des Namens der Truppe, der Sie angehörten, und in welchem Lande der Alliierten Sie kriegsgefangen waren." ,, Ich heiße Johann Heinrich Peter Lehnheißer, bin dreißig Jahre alt, evangelischer Religion, verheiratet und Vater zweier Kinder. Beheimatet bin ich in Arolsen, Waldeck. Von Beruf bin ich Buchdrucker. Als Soldat gehörte ich zum Infanterieregiment Nummer 82, das in Göt.ingen seinen Friedensstandort hatte. Seit 1943 befand ich mich in russischer Kriegsgefangenschaft." ,, Wo wurde der Zeuge gefangengenommen?" fragte der Präsident. ,, Im Osten", gab der Gefragte zur Antwort. ,, Der Osten ist groß. Wo kämpften Sie?" ,, Bei Warschau erhielt ich die Feuertaufe, später..." Hier unterbrach ihn der Präsident mit den Worten: ,, Das genügt vollständig. Sind Sie auch in der Stadt Warschau gewesen, so daß Sie uns von diesem Abschnitt etwas berichten können?" ,, Jawohl, Herr Präsident, wir lagen etwa drei Wochen in der Stadt Warschau im Quartier." 172 „ Kam es ,, Damit und der G „ Hat de Gestapofo Der Zeu Warum Präsident " 1 „ Ich we doch kein gleichkäm „ Das is nicht in W , Ich hab einer mein den eigen August S wie die C dieser ein Zigarette , Was sich führen w sie uns z Er hatte ,, Glaub ,, Nein. „ Waru „ Bei w ,, Bei II Lachen Einer konnte." ,, Kam ,, Mand „ Wie wissen. ,, Jedem solche. saßen. S schaften te, Er i Uhigen' empel. tei. Im te uns le Ent- lärsche -heiben in die m ver. schaft Nochen rt Indu- ure bei .n nach ch dem ime ich sie be- verhei- ıfes, SO- m Lande ihre alt, , Behei- ‚ker. Als ‚terbrach chau g6- cönnen?" jer Stadt „Kam es zu irgendwelchen Zwischenfällen?“ „Damit hatten wir nichts zu tun. Das war eine Angelegenheit der SS und der Gestapo.“ „Hat der Zeuge gesehen, wie polnische Zivilisten von den SS- oder Gestapoformationen mißhandelt oder gar umgebracht wurden?“ Der Zeuge— sichtlich nervös— suchte einer Antwort auszuweichen. „Warum beantworten Sie meine Frage nicht“, fragte mahnend der Präsident. „Ich weiß nicht, ob ich diese Frage beantworten soll, denn ich möchte doch keine Aussagen machen, die einem Verrat an meinem Vaterland gleichkämen.“ „Das ist brav gedacht, Herr Zeuge. Nur keine Angst, wir werden Sie nicht in Verlegenheit bringen.“ ‚Ich habe schreckliche Morde gesehen, aber ändern konnten ich, oder einer meiner Kameraden das nicht, wenn man keine Gefahr laufen wollte, den eigenen Kopf zu verlieren.— Da war zum Beispiel ein Unteroffizier August Schnabel aus Elberfeld, der eines Tages mit angesehen hatte, wie die Gestapo einen Polen auf der Straße in Warschau erschoß, weil dieser einem anderen Polen, den sie als Gefangenen mit sich führten, Zigaretten zuwarf. Zornig darüber, sagte Schnabel zu einem Feldwebel: ‚Was sich die Gestapo erlaubt, rächt sich noch! Gegen Privatpersonen führen wir doch keinen Krieg, daß wir sie sofort niederschießen, wenn sie uns zu Gesicht kommen...‘ Eine Stunde später war er gestorben. Er hatte sich aus dem vierten Stock der Kaserne gestürzt.“ „Glaubten Sie, Herr Zeuge, an den Sturz?“ „Nein. Es war ein ‚Gestaposprung‘...“ „Warum wurde dagegen nichts unternommen?“ „Bei wem?“ „Bei Ihrem Kompagniechef“, sagte der Präsident. Lachend erwiderte der Zeuge: „Einer traute ja dem anderen nicht einmal soweit, wie er ihn sehen konnte.“ „Kam es niemals vor, daß sich Soldaten politisch unterhielten?“ „Manchmal ja, aber dann wurde meistens nur gelogen.“ „Wie ist das zu verstehen: ‚nur gelogen‘?“ wollte der Präsident wissen. „Jeder hielt jeden für einen Spitzel. In allen Kompagnien gab es solche. Meistens waren es die, welche die schönsten Druckposten be- saßen. Solche Kerle hatten von den Nationalsozialistischen Frauen- schaften sogar Mädels zur Verfügung, die eigens für Spitzeldienste ge- 173 - schult waren. Wenn man einem Soldaten politisch mißtraute, dann lernte er eines Tages so ganz zufällig ein schönes Mädchen kennen, ohne zu wissen, daß das bestellte Arbeit war. Zeigte er sich als ein ,, Harmloser, dann bekam sie plötzlich einen Brief, daß ihre Mutter sehr krank geworden sei, und sie deshalb sofort nach Hause mußte. War einer in die Falle gegangen, dann reiste sie auch wieder ab; er aber fuhr in den Himmel. Einmal kam es vor, daß sich eine Spitzelin tatsächlich in ihr Opfer verliebte. Die Sache kam raus. In Untersuchungshaft erhängten sich beide, was natürlich keiner glaubte." ,, Hat denn niemand von den Familien der Opfer, von denen Sie sprachen, Erkundigungen eingezogen, Herr Zeuge?" wollte der Staatsanwalt wissen. ,, Ach, das war ebenso unnötig wie gefährlich, da der ,, Doppelselbstmord" doch, amtlich' bekannt gemacht worden war." Nun kam der fünfte deutsche Soldat zu Wort. Der Gerichtsschreiber forderte ihn auf, seine Personalien anzugeben. ..Mein Name ist Werner Wegemann, ich bin verheiratet, habe zwei Kinder und gehöre der evangelischen Kirche an. Von Beruf bin ich Landmesser, mein Heimatort ist Jena. Am 4. Oktober 1913 bin ich dort geboren. Einschließlich meiner russischen Kriegsgefangenschaft stehe ich sechs Jahre im Heere." Nach längerer Vernehmung fragte der Verteidiger: ,, Herr Zeuge, wie oft waren Sie während des Krieges in Urlaub?" "..Viermal." ,, Was sprachen die Leute so untereinander?" ,, Das erste Mal sagten viele der Hitlergegner:, Im ersten Weltkrieg haben wir uns auch totgesiegt', andere meinten:, Der Führer weiß schon, was er will', wieder andere, wozu auch der Pfarrer zählte, sagten: , Die Nazilügenbrut hat nicht das letzte Wort... Viele hofften auf einen Verständigungsfrieden, wogegen manche auf das Wunder der neuen geheimen Waffe warteten. Einige waren der Ansicht: Hätten wir im ersten Weltkrieg die Juden nicht gehabt, dann wären wir damals Sieger geblieben. Das zweite Mal wehte schon ein anderer Wind, das dritte Mal war Sturm der Unzufriedenen- das vierte Mal herrschte fast eine Katastrophenstimmung." Der Verteidiger fragte weiter: ,, Fanden Sie, Herr Zeuge, die Meinung der Nazis geändert?" ,, Jawohl, vielen sogenannten Nazimitläufern fiel allmählich das Herz in die Hosen. Sie wollten nie rechte Hitleranhänger gewesen sein. Andere wiederum bekamen Wutanfälle und dachten nur an die Erhaltung ihrer im Dritten spiel." „ Sind Si „ Ich war folge hat w er sonst s schen Füh Spiel mit zahl..." „ Hielten richtig?" ,, Ich hie die Behan paragraph ausreden zu den F gestellt ha tausend ju tausend ju tausend C sein. Ich Löb erzäl Truppe E erhielt. E Ludendor ihn verw ,, Waru für die jü der deuts Deutschla beraubte etwas zu ,, Darau General „ Was „ Dazu „ Bitte Manc Riefe 174 e zwei ı Land- h dort t stehe eltkrieg a d schon, ıs dritte fast eine las Herz ‚Andere ıng ihrer im Dritten Reich„gesammelten“ Güter. Volksaussauger— ohne Bei- spiel.“ „Sind Sie Parteimitglied gewesen?“ fragte der Staatsanwalt. „Ich war kein Mitglied, aber ich dachte, ein Mann, der so große Er- folge hat wie der Adolf, muß doch ein tüchtiger Kerl sein, denn wie konnte er sonst solche Resultate erzielen? Oder ich sagte mir, die ausländi- schen Führer scheinen solche Dummköpfe zu sein, daß Hitler leichtes Spiel mit ihnen hatte. Fürwahr, ich meine nicht alle— aber die Mehr- zahlax.* „Hielten Sie, Herr Zeuge, die Handlungsweise der Hitlerpartei für richtig?“ „Ich hielt fast alles für falsch, was die Nazis in die Wege leiteten. Auch die Behandlung der Juden bleibt ein Verbrechen. Wenn Hitler den Arier- paragraphen nicht eingeführt hätte, dann— das lasse ich mir von keinem ausreden— würden sich Tausende und Zehntausende Juden freiwillig zu den Fahnen gemeldet und ihre Tapferkeit genauso unter Beweis gestellt haben, wie das im ersten Weltkrieg der Fall war, in dem zwölf- tausend jüdische Soldaten für Deutschland gefallen sind. Über hundert- tausend jüdische Soldaten taten ihren Dienst, unter ihnen etwa zwei- tausend Offiziere und, bei Gott, es sollen nicht die schlechtesten gewesen sein. Ich erinnere mich noch, wie oft mein Vater von einen Major Aron Löb erzählte, der trotz viermaliger Verwundung im Gefecht bei seiner Truppe blieb und wegen Tapferkeit das Eiserne Kreuz erster Klasse erhielt. Er erschoß sich an dem Tage, an dem im Heere— auf Befehl Ludendorfis— eine allgemeine Judenzählung stattfand. ‚Der Feind hatte ihn verwundet, der ‚Freund‘ verschuldete seinen Tod'...“ „Warum traten die deutschen Generäle während der Hitlerzeit nicht für die jüdischen Veteranen aus dem ersten Weltkrieg ein? Was sagte der deutsche Generalstab dazu, wie man diese ehemaligen Kämpfer für Deutschland behandelte, indem man sie vergaste, erschoß, vertrieb, beraubte und im KZ. marterte? Vermag der Herr Zeuge uns darüber etwas zu erzählen?“ „Darauf kann ich keine Antwort geben, mit mir hat sich weder ein General noch ein Offizier des Stabes darüber unterhalten.“ „Was sagte das deutsche Volk...?“ „Dazu kann ich eher Stellung nehmen.“ „Bitte, tun Sie das.“ „Manche sagten: ‚Pfui Teufel‘, andere: ‚Bravo‘...!” „Riefen mehr ‚bravo‘ oder sagten mehr ‚pfui‘?“ ,, Diejenigen, die, bravo' schrien, waren in der Mehrzahl, weil die Pfuisager ein großes Risiko eingingen. Die Majorität des Volkes blieb von der Nazimethode angeekelt. Ja, es gab sogar viele unter den Nazimitläufern, die mit ihrer Abneigung gegen die Judenbehandlungen nicht hinter dem Berge hielten; aber ändern konnten auch sie nichts daran. Die Spitzel und Angeber waren leider so gut auf dem Posten, daß in vielen Familien der Vater dem Sohne, der Bruder dem Bruder, der Ehemann seiner Frau, usw. nicht über den Weg trauen konnten. Ich kenne Fälle, in welchen Söhne ihre Väter der Gestapo auslieferten. Die Väter wurden enthauptet, die Söhne avancierten in der Partei. Einen Fall weiß ich, da hatte die Ehefrau ihren Mann verraten. Ihn brachte man in ein Konzentrationslager, sie bekam zwei Kinder vom Kreisleiter. Ach, wieviele Fälle gab es, in denen die Pfarrer wegen eines unüberlegten Wortes angegeben wurden und dafür leiden mußten..." ,, Was sagen denn die Leute heute in Ihrem Heimatort?". ,, Mehr als vier Jahre befand ich mich in russischer Kriegsgefangenschaft, und jetzt bin ich auf dem Wege zur Heimat, zu Weib und Kindern. Daher kann ich diese Frage leider nicht beantworten." Die drei nächsten Zeugen machten ganz unerhebliche Aussagen. Sie sind bei ihrem ersten Flug über Frankreich zu einer Zeit abgeschossen worden, als der Krieg schon seinem Ende entgegenging. Mit Ausnahme des letzten deutschen Kriegsgefangenen hatten alle anderen ihre Aussagen gemacht. ,, Ihren Namen bitte!" ,, Peter Dickhaut." ,, Wie alt sind Sie, und wie ist der Name Ihrer Heimatgemeinde?" ,, Ich bin dreiundzwanzig Jahre alt und in Pirna in Sachsen geboren." ,, Welche Religion haben Sie?" ,, Religion? Religion? Damit befasse ich mich nicht...!" ,, Was sind Sie von Beruf?" ,, Soldat, im Range eines Stabsfeldwebels." ,, Sind Sie verheiratet?" ,, Verheiratet bin ich zwar nicht, trotzdem habe ich sieben Kinder in die deutsche Welt gesetzt." ,, Wielange sind Sie Soldat?" ,, Seit dem Sommer 1941." ,, Natürlich Teufel. And Tapferkeit Der Staat es der deuts „ Gewiß, jüdisch vers ,, Wenn de ich mit sein Lachen in Nunmehr „ Herr Ze „ Das will Wie lan " ,, Im Jahr Jahre alt. M „ Fand de sie geschalm ,, Und wie ,, Auch di Judenverfo SS? Ja, de viele offene ger, die mi kamen?" ,, Jawohl, nichts Unre rottet werd Die Kirchem kirche ist ei Christentur jüdischer Deutschlan Krieg über Schwächli Es ist ja b ,, Waren Sie gerne Soldat, Herr Zeuge?" ,, Mit Leib und Seele", gab der Gefragte zur Antwort. ,, Hat sich der Zeuge freiwillig zur Front gemeldet oder wurde er dazu kommandiert?" fragte der Verteidiger. Wo gehobe nigkeit." „ Herr Ze sind Sie un 176 eil die s blieb Nazinicht daran. daß in r Ehekenne Väter lweiß in ein h, wierlegten angenindern. en. Sie chossen snahme re Ausde?" boren." inder in er dazu ,, Natürlich freiwillig... Ein echter Deutscher fürchtet weder Tod noch Teufel. Andere Völker haben ja auch ganz gute Truppen, aber an die Tapferkeit des deutschen Heeres kann keine Armee der Welt tippen." Der Staatsanwalt wollte wissen, ob der Zeuge nie gehört habe, wie es der deutschen Armee bei Stalingrad ergangen sei. ,, Gewiß, weiß ich das... Aber an jener deutschen Niederlage sind die jüdisch versippten Generäle schuld." 99 Wenn der Herr Zeuge damit die russischen Generäle meint, dann bin ich mit seiner Behauptung sehr zufrieden..." Lachen im Gerichtssaale und in den Logen. - Nunmehr stellte der Präsident die nächste Frage: ,, Herr Zeuge, waren Sie ein überzeugter Nationalsozialist?" ,, Das will ich meinen!" ,, Wie lange war der Zeuge in der Hitlerpartei?" ,, Im Jahre 1936 trat ich der Hitlerjugend bei. Damals war ich zwölf Jahre alt. Mit vierzehn Jahren war ich ein überzeugter Nationalsozialist." ,, Fand der Herr Zeuge alles in Ordnung, was in der Partei und durch sie geschah?" ,, Und wie!" ,, Auch die Morde in den Konzentrationslagern? Die Christen- und Judenverfolgungen? Die Methode der Gestapo? Das Mordsystem der SS? Ja, den Krieg selbst, in dem die Nachbarländer überfallen und so viele offene Städte mit Bomben belegt wurden, so daß unschuldige Bürger, die mit dem Krieg nichts zu tun hatten, zu Tausenden ums Leben kamen?" ,, Jawohl, alles was der Führer anordnete, war richtig. Er konnte gar nichts Unrechtes tun, und irren tat er sich nie. Die Juden mußten ausgerottet werden, sie trugen die Schuld am Verlust des ersten Weltkrieges. Die Kirchen waren von innen heraus faul. Nur der Christ der Einheitskirche ist ein guter und zuverlässiger Deutscher. Diejenigen, die dem alten Christentum dienen, vergaßen, daß Jesus von Nazareth ein Orientale jüdischer Abstammung war. Alles, was von Juden stammt, ist für Deutschland nicht gut. Daß die Nachbarländer von Adolf Hitler mit Krieg überzogen werden mußten, ist klar. Warum haben sich diese Schwächlinge überhaupt gegen die stärkste Armee der Welt gewehrt? Es ist ja bedauerlich, daß offene Städte bombardiert werden mußten. Wo gehobelt wird, fallen Späne, und der deutsche Hobel ist keine Kleinigkeit." ,, Herr Zeuge, Sie rühmen sich einer siebenfachen Vaterschaft, dabei sind Sie unverheiratet... Liegt diesem Erfolg Politik zu Grunde?" 12 177 ,, Wir, die deutsche Jugend, erkannten, daß das Dritte Reich viele Kräfte verlor, und es galt, diese Menschenverluste wieder aufzufüllen. Somit war es eine Ehrenpflicht für Mitglieder des BDM, sich bereitzufinden, Kinder zu gebären, und ein echtes deutsches Mädel hat bestimmt sein Kind, sofern es der Einheitskirche angehörte. Die Sache mit dem , Unehelich ist Quatsch... Kinder brauchte der Staat Adolf Hitlers, Lizenzen für komplizierte Eheangelegenheiten benötigte man nicht. Die Natur kennt auch keine Lizenzen, das ist eine Erfindung Roms, eine langweilige Sache." Staatsanwalt: ,, Dachten viele Deutsche so wie Sie?" ,, Mit Ausnahme der jüdisch versippten Kreaturen, der Kommunisten und der Juden, die ja, wie ich hoffe, endlich ausgemerzt sind, waren alle dieser Ansicht!" ,, Woher wissen Sie das?" ,, Ja, wer Deutschland in den Wogen Adolf Hitlers sah, weiß das und fragt nicht lange." ,, Meinen Sie, daß die Schuld, wenn man von einer solchen sprechen kann, das ganze deutsche Volk trifft?" ,, Ein Nationalsozialist ist nie schuldig, das steht ein für alle Mal fest. Deutsche Menschen sind tapfer und ohne Tadel, mit Ausnahme derer, welche von Juden verführt wurden. Kein Volk unter der Sonne hat mehr Treue zu seinem Führer bewiesen als wir. Wir Deutschen sind das Salz der Erde, und damit muß sich die Welt abfinden." ,, Wo war der Zeuge in Kriegsgefangenschaft?" wollte ein Schiedsrichter wissen. ,, In England." ,, Kannten die Engländer Ihre wahre Gesinnung?" ,, Gesinnung? Nein, die habe ich stets für mich behalten, weil ich von der Idee durchdrungen war, nach Hause zu eilen. Ich hörte, daß die Linke sich wieder muckst, auch die Juden. Überhaupt gehe alles drunter und drüber, so daß es höchste Zeit sei, dem Pack mal wieder unter die Nase zu reiben, was Deutsche dulden und was nicht. Ganz Deutschland stimmte früher dem Führer zu und nun wollen die Außenseiter regieren? Das kommt keinesfalls in Frage. Hat doch das deutsche Volk Erfahrung im Ausmerzen der Hitlergegner. Warum nicht noch einmal den Versuch machen mit..." Weiter kam er nicht. Die vier symbolisch Angeklagten sprangen von ihren Sitzen auf und schrien:„, Unerhört, unglaublich!" - Sie wurden von dem Schiedsgerichtspräsidenten sowie von dem Verteidiger beruhigt. „ Ich bir merkte d Deutschla seiter und merzt... mir aus Landsleut noch mit Tasche un Reich' rän , Vierte R Demokra kriechen. Der S klagten- ,, Numm zugeben? ,, Nein, ,, Numm ,, Dasses ,, Nunm Präsiden ,, Tiefbe Werle w ,, Beleid Kreuschk ,, Der werden". ,, Da ha existiert. Haben di der Gesc Arme de Kehlen m genug de „ Wir vorentha 1 „ Habe Hißtage Aberm 178 ch viele zufüllen. mereitzuestimmt mit dem Hitlers, cht. Die ne langmunisten aren alle das und sprechen Mal fest. me derer, hat mehr das Salz Schiedseil ich von B die Linke runter und er die Nase eutschland Lußenseiter tsche Volk och einmal rangen von e von dem ,, Ich bin anderer Meinung, wenn der Zeuge die Wahrheit sagt", bemerkte der Staatsanwalt ,,, lassen wir ihn ruhig ausreden... Ganz Deutschland stimmte dem Führer zu, sagte er... Nur ein paar Außenseiter und jüdisch Versippte waren dagegen, aber die wurden ausgemerzt... Ich habe keinerlei Fragen mehr an den Zeugen zu stellen. Von mir aus kann er mit dem Hitlergruß in der Tasche direkt zu seinen Landsleuten fahren. Man mag ihn sehr willkommen heißen. Vorläufig noch mit Vorsicht, allmählich aber kommt die Hand wieder aus der Tasche und wenn dereinst die Besatzungsarmeen das ehemalige, Dritte Reich räumen, dann wird, wenn die Welt nichts hinzugelernt hat, das , Vierte Reich' mit, Heil Hitler' von neuem erstehen. Ich befürchte, alle Demokraten werden dem Herrengeblüt noch einmal auf den Leim kriechen." Der Schiedsgerichtspräsident wandte sich nun an die vier Angeklagten-: ,, Nummer eins: wollen Sie die Kollektivschuld des deutschen Volkes zugeben?" ,, Nein, eine solche Schuld besteht nicht", erwiderte der Dekan. ,, Nummer zwei soll sich erklären!" ,, Dasselbe habe ich zu sagen..."- es war Dr. Rumpf. ,, Nunmehr richte ich dieselbe Frage an Nummer drei", bemerkte der Präsident. - ,, Tiefbeleidigt, aber keineswegs schuldig", gab der Gefragte Dr. Werle war's zur Antwort. - ,, Beleidigt? Ein Deutscher und beleidigt? Weshalb?" betonte Dr. Kreuschke, der Vertreter der Anklage. ,, Der vielen Lügen wegen, die über das deutsche Volk verbreitet werden", setzte Nummer drei seine Erwiderung fort. ,, Da hört sich aber doch alles auf. Hat in der Welt jemals ein Volk existiert, das der Lüge mehr huldigte als das Volk der Deutschen? Haben die Angeklagten vergessen, wie Dr. Goebbels, der größte Lügner der Geschichte, den Jubelruf der Reichsbürgerschaft entgegennahm? Die Arme der Heil- Hitlerrufer waren wahrlich lange genug in der Luft, die Kehlen mehr als einmal trocken und ihre Stimmbänder versagten oft genug den Dienst. Was taten sie gegen diese Lügenapostel?" ,, Wir waren zum Schweigen verdammt, und jedes Recht blieb uns vorenthalten..." ,, Haben Sie nicht alle leichter Hand die Naziflagge gezeigt, wenn Hiẞtage waren?" 12* Abermals antwortete Nummer drei- Dr. Werle-: 179 ,, Jawohl, das war Gesetz. Mit leichter Hand mögen wir gehiẞt haben, aber bestimmt mit schwer bedrücktem Herzen. Millionen und Millionen Deutscher, in deren Inneres niemand sah..." ,, Wenn die Wahrheit ein Übel ist und sonst nichts, dann bin ich stolz darauf, ein Übeltäter zu sein, Herr Angeklagter Nummer drei", bemerkte der Staatsanwalt ganz ärgerlich. Professor Weber, der Nummer vier hatte, verneinte ebenfalls die Kollektivschuld durch Abgabe einer längeren Erklärung. Der Staatsanwalt schwieg dazu. Es war fast Mitternacht, als der Schiedsgerichtspräsident die dritte Verhandlung aufhob und die vierte für Dienstagmorgen zehn Uhr dreißig anberaumte. Auf dem Nachhauseweg meinte Professor Weber: ,, Wir haben einen schweren Stand." ,, Das Recht ist auf unserer Seite", betonte Dr. Rumpf. ,, Ja", sagte der Dekan ,,, der Schein ist aber gegen uns." Dr. Werle schloß: ,, Der Schein ist leider die ganze Welt..." - wie festgesetzt eröffnete der Präsident die Dienstagmorgen vierte Sitzung und unmittelbar darauf erhielt der Vertreter der Anklage das Wort: ,, Der Wahrheit will ich dienen, das waren meine gestrigen letzten Worte. Ihr diene ich, wenn ich sage, daß das Volk der Deutschen in seiner Gemeinschaft mitschuldig ist an den Verbrechen der Hitlerpartei, der Regierung, Polizei und so weiter... Die Welt ist während ihrer kurzen oder auch langen Existenz, soweit Menschen eine Rolle spielen, schon oft Zeugin verruchter Schurkenschandtaten gewesen- aber das, was die Deutschen an Verbrechen und Greueltaten begingen, stellt alles bisher Erlebte in den Schatten. Die Geschichte der Völker hat etwas derartiges nicht aufzuweisen. Die Angeklagten bestehen darauf, unschuldig zu sein. Wer hat denn dem Barbarentum, so gut zum deutschen Milieu passend, zur Macht verholfen? Zwangen etwa fremde Völker die Deutschen, Adolf Hitler und seine Anhänger zu wählen? Nein, das Volk der Deutschen hat sich aus freien Stücken dazu hergegeben, diese Tyrannen als Meister und Regenten zu rufen. Wo blieben die ungezählten Massen, die allsonntäglich ihrem Führer huldigten? Wo sind die Millionen, die den Radioübertragungen des Führers mehr Ehre zukommen ließen als Gott? Der lief ihnen nicht weg, den hatten sie ja auf ihrem Koppelschloß stehen ,, Gott mit uns". Aber der Schöpfer muß doch 180 1 ein Haar in und Denk schlagen. Kontinente Deutschen Sie mir nu schen, die unsere AL feststellen liegen die und Kinde hinkamen sich diese Waren Waren Waren annektier Waren überzogen Waren Waren Waren und Verd Waren antaten? Waren und Schr Waren waltigtem Waren Asche leg land kam fräßen? Waren bareien p Waren einfach v Warem Sklaven - Pfu haben, llionen ch stolz merkte alls die Staatse dritte dreißig dent die Anklage letzten schen in erpartei, end ihrer e spielen, aber das, tellt alles mat etwas rauf, undeutschen Wölker die das Volk se Tyrangezählten die Milzukommen auf ihrem muß doch ein Haar in der Suppe des lieben, braven, fleißigen Volkes der Dichter und Denker gefunden haben, als er beschloß, Deutschland zu zerschlagen. Sein Wille geschah, zum Glück Europas, ja, zum Segen aller Kontinente... Meine Herren vom Schiedsgericht: Daß das Volk der Deutschen kollektiv schuldig ist, kann leicht bewiesen werden. Folgen Sie mir nur ein einziges Mal in die zerstörte Welt unschuldiger Menschen, die als Sklaven in Deutschland umgebracht wurden. Wenn wir unsere Augen nicht verschließen wollen, dann werden wir unschwer feststellen, was Deutsche getan haben. Aber nicht nur in Deutschland liegen die zerfetzten Leiber derer, die man einstmals Männer, Frauen und Kinder nannte. Alle Länder ohne Unterschied wo die Barbaren hinkamen, haben solche Legitimationen. Es ekelt einen an, wenn man sich dieser... Kulturarbeit, wie es die Herrenrasse nannte, erinnert..." Waren es nicht Deutsche, die Fememörder verhätschelten? Waren es nicht Deutsche, die Adolf Hitler als Führer wählten? Waren es nicht Deutsche, die in Oesterreich einmarschierten, es annektierten und Bürger des Landes ermordeten? - - Waren es nicht Deutsche, welche die Tschechoslowakei mit Krieg überzogen? Waren es nicht Deutsche, die Polen mitten im Frieden überfielen? Waren es nicht Deutsche, die die Neutralität Dänemarks brachen? Waren es nicht Deutsche, die in Norwegen eindrangen, dem Volk Tod und Verderben brachten? Waren es nicht Deutsche, die Estland, Lettland und Litauen Gewalt antaten? Waren es nicht Deutsche, die Belgien durch Krieg brandschatzten, Not und Schrecken hinterließen? Waren es nicht Deutsche, die das Königreich der Niederlande vergewaltigten, es so fürchterlich bedrückten? Waren es nicht Deutsche, die große Teile von England in Schutt und Asche legten und dann später, als die englische Vergeltung über Deutschland kam, so taten, als ob sie Lämmer Gottes wären, die nur Gras fräßen? Ihr Raubtiergebiẞ wußten sie immer gut zu verbergen! Waren es nicht Deutsche, die einen großen Teil Rußlands durch Barbareien planmäßig vernichteten? Ich betone: ,, planmäßig!" Waren es nicht Deutsche, die das kleine Großherzogtum Luxemburg einfach von der Landkarte strichen? dem Reich einverleibten! - Waren es nicht Deutsche, die Millionen von fremden Menschen als Sklaven benutzten und Hunderttausende von ihnen umbrachten?" - Pfuirufe - 181 ,, Waren es nicht Deutsche, die in Konzentrationslagern Menschen für nichts und wieder nichts quälten und ermordeten?" Unruhe im Gerichtssaal ,, Waren es nicht Deutsche, die fünf Millionen Menschen jüdischer Religion bestialisch abschlachteten?" Die Unruhe im Saale steigert sich ..Waren " schen als Waren Zinksärgen zusandten, Weil die E konnte... - ,, Waren es nicht Deutsche, die den von ihnen Ermordeten goldenes Geschmeide raubten? Waren es nicht Deutsche, die ihren Opfern die Gebisse, soweit aus Gold angefertigt, ausbrachen, und damit den Schatz der Reichsbank vergrößerten? Herrn Funk hatte das nicht gestört. Waren es nicht Deutsche, die ermordeten Frauen und Mädchen die Haare abschnitten und diese in deutschen Fabriken verarbeiteten? Mein Sprachschatz ist zu arm, die richtigen Worte zu finden." Große Unruhe im Saal. Auch Pfuirufe ,, Waren es nicht Deutsche, die Menschenhaut zu Lederarbeiten verwandten? Nur bei den Menschenfressern kam das noch vor." 97 Lang andauernde Pfuirufe unterbrachen den Redner.- , Waren es nicht Deutsche, die ihren Opfern Kleider, Schuhe und Wäsche abnahmen und nach Deutschland verfrachteten? Diesem Raub gab man den Namen ,, Deutsches Hilfswerk". Waren es nicht Deutsche, die Männer und Frauen, Mädchen und Jungen, darunter sogar Säuglinge, ohne jedes Erbarmen in Gaskammern umbrachten, während im, Dritten Reich' das Volk tanzte! Waren es nicht Deutsche, die Männerkörper in eiskaltem Wasser zum Erfrieren brachten und meist vergeblich versuchten, sie an nackten Frauenkörpern zum Leben zurückzubringen? Das Ganze nannten die Barbaren Studienzweck". Waren es nicht Deutsche, die Gotteshäuser in Flammen aufgehen ließen? Waren es nicht Deutsche, die Bücher der Wissenschaft öffentlich verbrannten? Waren es nicht Deutsche, die in den von ihnen besetzten Ländern nach Herzenslust plünderten? Waren es nicht Deutsche, die Kinder den Eltern wegnahmen, weil ein Elternteil als nichtarisch zählte? Waren es nicht Deutsche, die ganze Orte wie Lidice- dem Erdboden gleichmachten, Männer und Knaben töteten, Mädchen und Frauen verschleppten? Deutsche haben das vollbracht-, Deutsche! Deutsche!" Deutschfeindliche Bemerkungen im Saale - - Waren er mit de man nicht Waren ersten W dem zu de ist ungew hängten. Waren walt zur nung übe Waren und die C Waren Waren Waren Da wa sind? Ei brechen scnst w kollektiv Daher Deutsche gemeinsa im Nam sklavten innerung nicht nu brandma Damit hatte er 182 en Ver- „Waren es nicht Deutsche, die fremde Regierungen zwangen, Men- schen als Sklavenarbeiter zu liefern? Waren es nicht Deutsche, die viele der von ihnen Ermordeten— in Zinksärgen verlötet— den Angehörigen gegen Nachnahme von RM 30,— zusandten, mit dem Bemerken: Nicht zu öffnen... Warum nicht öffnen? Weil die Ermordeten so entsiellt waren, daß man das Gruseln lernen konnte... Waren es nicht Deutsche, die manchen Flieger der Alliierten, wenn er mit dem Fallschirm abgesprungen war, bestialisch erschlugen, wie man nicht einmal einen tollwütigen Hund erschlägt? Waren es nicht Deutsche, die ihren jüdischen Kriegsveteranen des ersten Weltkrieges gesetzliche Erleichterungen zusagten, später, unter dem zu den Deutschen gut passenden Motto: ‚Der Dank des Vaterlandes ist ungewiß‘, diese alten Soldaten erschlugen, vergasten, erschossen, hängten... Waren es nicht Deutsche, die Mischehen unter Anwendung von Ge- walt zur Trennung zwangen? Die politische Welt ging zur Tagesord- nung über. Waren es nicht Deutsche, die auf jüdischen Friedhöfen Orgien feierten und die Gräber schändeten? Waren es nicht Deutsche———? Waren es nicht Deutsche———? Waren es nicht Deutsche———? Da wagt man noch zu bestreiten, daß die Deutschen kollektiv schuldig sind? Ein Volk, das scIche Taten vollbrackte, egal, ob es die Ver- brechen durch eine Partei, Armee, Polizei, SS, SA, oder wer es auch scnst war, ausführen ließ, handelt in Gemeinschaft. So ein Volk ist kollektiv schuldig und strafbar. Daher beantrage ich, den Beschluß zu fassen, das ganze Volk der Deutschen zur Rechenschaft zu ziehen, anzuerkennen, daß dieses Volk gemeinsam Schuld trägt an allen Naziverbrechen. Das Recht verlangt im Namen der Ermordeten und Mißhandelten, Beraubten und Ver- sklavten, daß endlich ein Urteil verkündet wird. Der Nachwelt zur Er- innerung, daß in diesen Zeiten auch Menschen lebten, die die Barbaren nicht nur besiegten, sondern sie auch vor aller Welt als Verbrecher brandmarkten.“ Damit schloß der Staatsanwalt seine Anklagerede; das Schlußwort hatte er jedoch noch nicht gesprochen. * %* Jetzt wandte sich der Präsident wieder an die Angeklagten:„ Sie haben den Ausführungen des Herrn Staatsanwaltes zugehört haben Sie zu erwidern?" Angeklagter Nummer eins: Staatsan - was frage, br näher an heit? Nei dienen se geprüftes Vaterlane Heimat m er einspe trationsla ,, Nach wie vor bin ich der Überzeugung: die Kollektivschuld besteht nicht." Angeklagter zwei: ,, Auch ich gab bereits kund:, völlig schuldlos'... Und das antworte ich, so oft ich gefragt werde." Angeklagter drei: ,, Wenn ich erkläre, nur beleidigt zu sein, mich sonst aber völlig frei von Schuld zu fühlen, so kann ich das nur wiederholen. Füge aber noch hinzu, daß die Ausführungen des Herrn Staatsanwaltes mir erneut klar zeigen, wie tief das Ansehen des deutschen Volkes untergraben ist." Dr. Kreuschke: ,, Jedes Wort des Angeklagten Nummer drei ist nichts anderes als eine Verdrehung der Tatsachen, ein nach Goebbels'scher Art und Schule aalglattes Sich- aus- der- Schlinge- ziehen- wollen. Das ist es ja, was die Welt zu spät erkannte, am sogenannten, deutschen Wesen'." Der Verteidiger mischte sich ein: Herr Staatsanwalt, wenn ich während Ihres ganzen Plaidoyers kein einziges Wort sagte, so soll das nicht heißen, daß mir die Sprache verschlagen ist. Jedoch finde ich Ihre Worte, die Sie gegen den Angeklagten drei anwandten, von einer Härte, die der Sache nicht dient und unnötig ist. Bitte beleidigen Sie den Angeklagten nicht mehr. Den Herrn Schiedsgerichtspräsidenten möchte ich höflichst ersuchen, solche Ehrverletzungen zu unterbinden. Bisher ist die Schuld nur für den Herrn Staatsanwalt erwiesen. Das Urteil ist noch nicht gesprochen, und solange das in der Schwebe ist, sind diese vier Männer Angeklagte, aber keine Schuldigen..." Der Präsident wies den Antrag ab, indem er sagte: ,, Ich kann in den Ausführungen des Herrn Anklagevertreters keinerlei Ehrverletzung erblicken. Er hat nur scharf gesprochen." Der Angeklagte Nummer vier kam zu Wort: ,, Bisher vollzog sich dieser Prozeß in dem Rahmen, in dem sich solche oder ähnliche Prozesse im allgemeinen vollziehen. Das soll jedoch weniger heißen, daß der Staatsanwalt sich an Worte halten muß, die nichts mit Schärfe zu tun haben. Aber was der Herr Anklagevertreter dieses Schiedsgerichts ins Feld führt, geht über alle Grenzen des Erträglichen hinaus. Daß wir unter uns Verbrecher hatten und noch haben, ist weiter nichts als ganz natürlich. Welches Volk hat keine? Der Herr 184 zum Tro konnten nen Inlä Staatsan deutsche der Erde Mensche Staats „ Unve schen ve selbst Fa Deutsch ans Wer der Deut haben, d dagegen Verräter die Erde und sie An de als er d „ Ich w ich bin Darau Das alle Häfe Mannsch eingedem Der V m: ,, Sie -was besteht ntworte llig frei er noch eut klar ist." st nichts els'scher Das ist eutschen ch wähdas nicht ich Ihre er Härte, en Angechte ich Fisher ist Urteil ist nd diese keinerlei ch solche jedoch muß, die vertreter des Erch haben, Der Herr Staatsanwalt macht aber aus allen Deutschen Bestien, so daß ich mich frage, bringen seine kränkenden Worte uns auch nur einen Schritt näher an die Kernfragen, um die es geht, nämlich: Klarheit und Wahrheit? Nein, seine Gefühlsausbrüche haben damit nichts zu tun! Höchstens dienen seine Angriffe dazu, die Welt noch mehr gegen unser schwer geprüftes Vaterland aufzuhetzen. Jawohl, auch Deutsche haben ein Vaterland, das sie lieben, wie jeder Patriot das Land liebt, das er seine Heimat nennt. Hitler vermochte uns alles zu nehmen, auch jeden konnte er einsperren lassen, wie mich, der ich selbst über drei Jahre im Konzentrationslager gefangen gehalten und mißhandelt wurde... Aber allem zum Trotz, meinen Glauben an Gott und meine Liebe zu Deutschland konnten mir weder dieser Ausländer Hitler noch die mit ihm verbundenen Inländer nehmen... Nur vom Volk der Verbrecher beliebt der Herr Staatsanwalt zu sprechen, von siebenundsechzig Millionen! Nein, das deutsche Volk ist ebensowenig eine Verbrecherbande, wie alle Völker der Erde das sind. Wir erheben Anspruch darauf, zu den anständigen Menschen der Welt zu zählen." Staatsanwalt, wieder in Aktion: ,, Unverbesserlich! Es würde mich nicht wundern, wenn diese Deutschen versuchten, aus mir den Angeklagten zu machen, während sie selbst Richter und Anklagevertreter spielten. Man muß wie ich die Deutschen kennen. Der Angeklagte Nummer vier geht noch viel schlauer ans Werk als Nummer drei. Er appelliert an das Herz. Eine Spezialität der Deutschblüter. Wenn diese Helden des Wotanvolkes die Oberhand haben, dann gnade Gott ihren Gegnern! Sind diese Walhalla- Gläubigen dagegen die Unterlegenen, dann werden sie zu Feiglingen, gegenseitigen Verrätern und stellen sich als die harmlosesten Geschöpfe hin, die jemals die Erde bevölkerten... Hitler war der richtige Mann für die Barbaren, und sie die dienenden Gläubigen für diesen Götzen." An dem Mienenspiel des Verteidigers sah man, daß er verärgert war, als er den Anklagevertreter unterbrach: ,, Ich weiß zwar nicht, wohin der Herr Staatsanwalt steuern will, aber ich bin glücklich, keinen Sitz in seinem Boote zu haben..." Darauf antwortete der Staatsanwalt: ,, Das beruht auf Gegenseitigkeit, Herr Verteidiger. Mein Boot kann alle Häfen der Welt anlaufen, das Ihrige kaum. Sie sind der Kapitän einer Mannschaft, die von jeder Hafenpolizei verfolgt wird. Seien Sie bitte eingedenk: Ihre Nazis galten als Welträuber." Der Verteidiger führte den Gegenhieb: 185 ,, Was will der Herr Staatsanwalt damit gesagt haben? Mich etwa als einen Nazi hinstellen? Ich habe nichts dagegen..." Der Staatsanwalt: ,, Als einen Nazi kann ich den Herrn Verteidiger unmöglich bezeichnen, es sei denn als einen verhinderten..." Fast zornig reagierte jetzt der Verteidiger: ,, Ihre Kinderstube mag eine gute gewesen sein, Herr Staatsanwalt, bitte beweisen Sie das auch hier." Der Staatsanwalt erhob sich: ,, Charakter und Ehrbegriff sind Ihnen so gut bekannt wie mir. Wenn Sie, Herr Verteidiger, aber glauben, eine besondere Auszeichnung zu verdienen, weil Sie die Verteidigung übernommen haben, dann kreuzen sich unsere Ansichten auch hier. Hätten diese Horden von einer Nazibande auch Sie verteidigt? Nein, höchstens vergast! Mir scheint, Sie, Herr Professor Löwenstein, waren gerade in Ferien oder sonstwo in einem verborgenen Weltwinkel, in dem Zeitungen und Radioübertragungen nicht zugelassen waren, als man in Europa fünf Millionen Ihrer Glaubensgenossen..." Hier unterbrach der Präsident: ,, Meine Herren, meine Herren, bitte unterlassen Sie beide die persönlichen Vorwürfe, als etwas anderes kann ich das nicht bezeichnen. Wo soll das hinführen?" Der Verteidiger, der während der ganzen Gerichtssitzung die Ruhe bewahrt hatte, spielte das erste Mal nervös mit seinen Fingern. Plötzlich wandte er sich an den Schiedsgerichtspräsidenten und sagte: ,, Nunmehr beantrage ich die Vernehmung des Herrn Dr. Kreuschke als Zeugen." * * Die Überraschung war eine allgemeine. Nach kurzer Beratung gab das Gericht bekannt, daß dem Antrag stattgegeben sei, falls der als Zeuge Aufgerufene sein Einverständnis erklären würde, weil keiner gezwungen werden kann, vor der Liga für Menschenrechte auszusagen. Herr Dr. Kreuschke gab seine Einwilligung. ,, Jetzt", so fuhr der Gerichtspräsident fort ,,, bitte ich den Herrn Staatsanwalt, den Zeugenstand zu betreten. Herr Dr. Eduard Zimmerli soll währenddessen als Anklagevertreter seines Amtes walten. Nach Vernehmung des Herrn Dr. Kreuschke tritt dieser sein Amt wieder an." Weiter verkündete er, daß der aufgerufene Vertreter der Anklage über Dinge, die irgend einen Bezug auf die Prozeßverhandlungen in Nürnberg haben, nicht gefragt werden darf. 186 Nun beg „ Herr 2 außerhalb „ In Fran Wie la „ Drei J ,, Wievie „ Zwei ,, Wenn er von s sechs Ma ,, Jawoh ,, Wo in „ In He zur Antw " Wann „ Genau war es v ,, Herr „ Die d „ Die U nicht wen ..Nein, „, Herr nehme ic muß. In discher „ Ich h in Berüh schen." „ Danm Familien sowie an ,, Natü „ Herr cherban Ankla sen, den wa als chnen, nwalt. Wenn ung zu reuzen Nazint, Sie, two in bertraen Ihrer persönen. Wo e: e Ruhe Plötzeuschke ung gab der als il keiner zusagen. m Staatsmerli soll ach Verer an." Anklage lungen in Nun begann der Verteidiger mit seinen Fragen: ,, Herr Zeuge, welche Universitäten haben Sie besucht, soweit Sie außerhalb Ihres Heimatlandes studierten?" ,, In Frankreich, England und Deutschland", antwortete Dr. Kreuschke. ,, Wie lange studierte der Zeuge im Ausland?" ,, Drei Jahre." ,, Wieviele Jahre hiervon in Deutschland, Herr Zeuge?" ,, Zwei ein halb Jahre.". ,, Wenn ich den Herrn Zeugen richtig verstanden habe, so studierte er von sechsunddreißig Monaten dreißig in Deutschland, die anderen sechs Monate in Frankreich und England. Stimmt das, Herr Zeuge?" ..Jawohl." ,, Wo in Deutschland hat der Herr Zeuge studiert?" ,, In Heidelberg, Würzburg, Erlangen und Berlin", gab Dr. Kreuschke zur Antwort. ,, Wann war das, ich meine, in welchem Jahre?" ,, Genau kann ich das nicht mehr sagen. Wenn ich mich recht erinnere, war es von Oktober 1910 bis April 1913." ,, Herr Zeuge, warum studierten Sie so lange in Deutschland?" ,, Die deutschen Universitäten hatten Weltruf." ,, Die Universitäten in England, Frankreich usw. sind ganz bestimmt nicht weniger berühmt, Herr Zeuge. Hatte es keinen anderen Grund...?" ,, Nein, nein", erwiderte der Gefragte. ,, Herr Zeuge, wenn Sie so lange in Deutschland studiert haben, so nehme ich an, daß Ihnen die Bevölkerung des Landes zugesagt haben muß. In einem Land, dessen Bürger man nicht mag, studiert ein ausländischer Student im allgemeinen ungern." ,, Ich hatte nichts gegen das deutsche Volk. Die Leute, mit denen ich in Berührung kam, galten als freundschaftliche und anständige Menschen." ,, Dann dürfte, wie anzunehmen ist, der Herr Zeuge oft bei deutschen Familien als Gast geweilt und gemeinsam Hausbälle, Theater, Konzerte, sowie andere Veranstaltungen besucht haben?" ,, Natürlich kam das vor." ,, Herr Zeuge, hielten Sie damals das deutsche Volk für eine Verbrecherbande?" Anklagevertreter Dr. Zimmerli: ,, Ich bitte diese Frage nicht zuzulassen, denn in Nürnberg kamen ähnliche auf's Tapet." 187 ,, Darüber machte ich keine Notizen; wenn ich schätzen darf, würde ich einige hundert sagen." Verteidiger: ,, Fragen, deren Probleme so lange zurückliegen, wurden in Nürnberg überhaupt nicht gestellt. Daher bitte ich um Abweisung des Antrages des Herrn Anklagestellvertreters." Der Schiedsgerichtspräsident ließ die Frage des Verteidigers zu. ,, Nein", erwiderte der Zeuge auf die vorher gestellte Frage. ,, Haßten Sie, Herr Zeuge, damals das deutsche Volk?" ,, Dazu hatte ich alles andere als einen Grund..." ,, Wieviel Deutsche mögen es gewesen sein, die Sie, Herr Zeuge, während Ihres Studiums in Deutschland kennen lernten?" Schieds Damit w und No sollten. Der Worter Seit überfüll der kei Nicht hatten ,, Waren Ihres Wissens darunter auch Verbrecher?" Deutsc ,, Verbrecher?- Mit solchen Elementen hatte ich keinen privaten Kurz g Verkehr." Von ,, Ist der Herr Zeuge nach seinem Studium in Deutschland gewesen?" ,, Jawohl, jährlich zwei- bis dreimal." Löwen Gelehr ,, Auch während der Hitlerzeit, Herr Zeuge?" Deutsc ,, Nicht mehr so oft, zuletzt im Frühjahr 1939." beraub Der Verteidiger bedankte sich, er hatte keine Fragen mehr. in der eine C genhei Der Präsident erklärte die vierte Schiedsgerichtssitzung für aufgehoben. Gleichzeitig verkündete er die Eröffnung der fünften Verhandlung für Mittwoch früh zehn Uhr. Tagesordnung:-, Worterteilung an die Verteidigung." Die vier Kollektivschuldangeklagten gingen sofort in ihre Hotels.. Ihnen war nicht wohl zumut. Ob das richtig war, daß der Verteidiger den Staatsanwalt als Zeugen aufgerufen hatte, ob das kein böses Blut machen würde? ,, Ach, wenn doch alles erst vorbei wäre", dachte der Dekan ,,, lange halte ich das sowieso nicht mehr aus." ,, Was wird werden, was wird werden?" fragte sich Dr. Rumpf. Er war ein Jurist, den solche Vorkommnisse zwischen Verteidiger und Staatsanwalt nicht erfreuten. Diese Nacht schliefen die vier Herren aus Marburg weniger gut, allerhand Gedanken beschäftigten sie, wie sie sich am nächsten Morgen eingestanden. Rechtzeitig machten sie sich auf den Weg zum 188 wird in Dort Kirche daß er Die G Nazi, verspu Die wie h Noc ander Deine Heu nen. Israel gen u wurden ng des zu. Zeuge, würde rivaten wesen?" aufgehoandlung gan die e Hotels.. rteidiger ses Blut ,,, lange pf. erteidiger niger gut, ten MorWeg zum Schiedsgericht. Frau Weber beabsichtigte, mit Norgams nachzukommen. Damit war ihr Mann nicht einverstanden. Er wünschte, daß seine Frau und Norgams den Anfang der Verteidigungsrede keinesfalls versäumen sollten. Der Mittwoch, an dem Professor Isaak Jehuda Löwenstein mit der Worterteilung rechnete, war gekommen. Seit neun Uhr früh strömten Neugierige in den Zuschauerraum und überfüllten ihn so, daß niemandem mehr Einlaß gewährt werden konnte, der keine Platzkarte besaß. Nicht nur ausländische Gesandte, Konsuln und andere Diplomaten hatten sich eingefunden, sondern auch Herren der vier Militärzonen Deutschlands, sogar Mitglieder fürstlicher Häuser waren erschienen. Kurz gesagt: die Welt war vertreten... Von überall her kamen Menschen, um den Verteidiger Isaak Jehuda Löwenstein zu hören. Das muß man erleben! Ein so weltberühmter Gelehrter, der selbst als ein Jude zu den Verfolgten zählte, die, von den Deutschen an Leib und Seele geschädigt, der Güter und des Rechts beraubt waren spricht heute für das gleiche Volk... Ja, gab es das in der Geschichte schon einmal? Ist das von dem jüdischen Gelehrten eine Charakterschwäche oder-stärke? Die Menschheit bekommt Gelegenheit, sich ihre Meinung zu bilden! Der Verlauf der Verteidigungsrede wird in der ganzen Welt übertragen- also auch in Deutschland! - Dort herrschte geradezu Fieberstimmung... War es doch, als ob die Kirchenglocken riefen: kommt alle, die ihr gläubig seid... Betet zu Gott, daß er das deutsche Volk befreie von dem Verdacht der Kollektivschuld. Die Gläubigen kamen, alt und jung, reich und arm. Unter ihnen mancher Nazi, der den Glauben an Gott wiedergefunden hatte und ehrliche Reue verspürte. Die Kirchen waren seit Menschengedenken nicht so überfüllt gewesen wie heute. Noch zu später Nachtstunde hörte man fromme Kirchenlieder, unter anderem den Choral:„ Verstoße uns nicht, oh Herr, auch wir sind Deine Kinder." Heute war Professor Löwenstein nicht, wie sonst, im Talar erschienen. Er hatte sich das weiße Judenkleid zu beschaffen gewußt, das Israeliten nur an den allerhöchsten jüdischen Feiertagen zu tragen pflegen und in dem fromme Juden beerdigt werden. 189 Mit wohlüberlegter Absicht tat er das, denn ihm lag daran, in aller Öffentlichkeit kundzutun, daß er ein Jude sei und bleiben wollte. In seinem ganzen Leben war es das erste Mal, daß er solche Gedanken hatte und durchführte. Punkt zehn Uhr ertönte die Glocke des Schiedsgerichtspräsidenten E. O. Lallemant, der sich mit folgenden Worten an den Verteidiger wandte: ,, Herr Professor Löwenstein, Sie haben die Verteidigung des Deutschen Reiches angeklagter Bürger übernommen. Bitte walten Sie Ihres Amtes; das Wort sei Ihnen hiermit erteilt." ,, Herr Präsident, meine Herren Richter! Im Geschehen des Alls sind die Menschen nicht so wichtig, wie sie sich vorkommen. Diese Tatsache ist leider den meisten Mitgliedern der Menschheit unbekannt, und es besteht die Befürchtung, daß sich daran vorerst nichts ändert., Vorerst', sage ich; ja, haben wir einen Anlaß, der uns zu der Hoffnung berechtigt, daß der Mensch überhaupt von seiner, auch in dieser Beziehung wollüstigen Einbildung geheilt werden kann? Solange die Funktion unseres Gehirnes so bleibt, wie sie heute ist und wahrscheinlich seit der Existenz der ersten wirklichen Menschen auch immer war muß damit gerechnet werden, daß eine Veränderung kaum zu erwarten ist. Der Mensch ist durch seine Gehirnfunktion in die Lage versetzt, Gedanken zu entwickeln, die er ausspricht, und solche, die er nicht ausspricht. Die ausgesprochenen Gedanken bilden die Sprache, derer wir uns in erster Linie zum gegenseitigen Verstehen bedienen. Die unausgesprochenen nennt man Einfälle, Ideen und öfters auch Hintergedanken. Solche Gedankenentwicklungen sind viel zu zahlreich, als daß man sie alle aussprechen könnte. Demnach besitzen wir gewissermaßen eine Überproduktion unausgesprochener Gedanken. Ob das nach dem Gesetz des Lebens zur Inbetriebhaltung des Gehirnapparates notwendig ist, mag ein anderer beantworten. Wie immer wir zu denken von Natur aus befähigt sind, der Normale wird seiner Umgebung stets nur das sagen, was ihm beliebt. Selbstverständlich kommt es im Traume vor, daß wir Worte aussprechen, die unserer Kontrolle völlig entzogen sind. Auch durch andere Beeinflussungen, sei es Angst, Hypnose, Alkohol, Schrecken usw. kann ohne jeden Zweifel der Mensch die Herrschaft über seine Wortschaffung vorübergehend verlieren, hie und da sogar auf die Dauer. Wie dem aber auch sei, was die Folgen der technischen Vorgänge unserer Verstandeseinrichtung anlangt. so haben sie 190 weder m Bei jed Kräfte a dankene sprache Wache fliehen. hirnstat Denkert sie in al Arbeit. technik Denkap Funktio unausg strafba man di kein N Gesetz Auch Gering reits e Fehl s Stein. Wen unsere ist er Gewoh Welt, wird s bewol stimm flüchte Eine tausen auf G Ahnen zwisch Regeln ten.. in aller llte. In danken identen teidiger s Deutie Ihres wie sie Hern der ch daran m Anlaß, upt von werden sie heute en Mencine VerGehirner ausenen Gem gegencers auch zahlreich, ir gewisOb das apparates zu denken Umgebung mt es im wolle völlig Hypnose, die Herrie und da der techhaben sie - weder mit einer guten noch bösen Gedankenentwicklung etwas zu tun. Bei jedem menschlichen Wesen, dessen Gehirn in Ordnung ist, sind Kräfte am Werk, die sozusagen eine Art Oberaufsicht über seine Gedankenernte haben. Nur sie entscheiden, welche Gedanken zur Aussprache zugelassen werden. Dabei mag es vorkommen, daß dieser .Wache' Worte entschlüpfen, wie der Polizei manchmal Gefangene entfliehen. Natürlich herrscht im allgemeinen doch Ordnung in unserer Gehirnstation. Dennoch- gestehen wir es mutig ein eine Fülle unserer Denkerfolge würde uns gefängnis- oder irrenhausreif machen, wenn wir sie in aller Öffentlichkeit aussprächen. Die Naturkräfte allein sind an der Arbeit. Wer der Ansicht ist, daß Umgang und Erziehung unsere Gehirntechnik regeln helfen, muß sich damit abfinden, daß er sich irrt. Den Denkapparat helfen sie speisen, jedoch an seiner Technik und ihrer Funktion sind sie unbeteiligt. Ich wiederhole! Wäre der Mensch ob seiner unausgesprochenen Gedanken in Bezug auf Vergehen oder Verbrechen strafbar, wahrlich außer Gehirnkranken und Unmündigen müßte man die gesamte Menschheit einsperren. Unter der Sonne Gottes lebt kein Normaler, der sich gedanklich nicht des öfteren schon gegen die Gesetze vergangen hätte. - Auch in Bezug auf Sitte und Moral haben meine Worte Geltung. Kein Geringerer als Jesus, der Stifter der christlichen Religion, muß das bereits erkannt haben, wenn seine Bemerkung, daß derjenige, der ohne Fehl sei, den Stein werfen sollte, einen Sinn hat. Niemand warf den Stein... Es gab und gibt keine Unfehlbaren in dieser Welt!!! - Wenngleich der Mensch allen anderen Geschöpfen wenigstens auf unserem Planeten- an Intelligenz weitaus überlegen zu sein scheint, ist er unvollkommen... Seit seiner frühesten Primitivität haben sich Gewohnheiten herausgeschält, die von der sogenannten kultivierten Welt, Zivilisation' genannt werden. Noch ist diese nicht beendet, und sie wird so lange im Fluß bleiben, wie das Menschengeschlecht unsere Erde bewohnt. In unserer Urzeit deren Zeitpunkt bis heute keiner mit Bestimmtheit anzugeben vermochte, der nicht in das Gebiet der Phantasie flüchtete herrschte der Starke. - - Eine Tatsache, die sich im Verlaufe der Jahrtausende, Jahrhunderttausende oder Jahrmillicnen fortsetzte. Der Schwache war dem Starken auf Gedeih und Verderb ausgeliefert... Vermutlich erkannten unsere Ahnen im Wandel der Generationen erst ganz allmählich den Unterschied zwischen Recht und Unrecht, so daß sie mit der Zeit allgemein gültige Regeln aufstellten, aus denen sich die Anfänge der Gesetze entwickelten... 191 Mit dem Fortschritt der Zivilisation bemühen sich die Menschen mehr und mehr, gesetzlich festzulegen, was erlaubt und was verboten sein soll. Ob das aus gegenseitiger Zuneigung geschieht, möchte ich bezweifeln. Vielmehr nehme ich an, daß es bedingt ist durch den Zwang der Notwendigkeit, die Existenz des Menschengeschlechtes zu erhalten, wobei es ganz nebensächlich bleibt, ob sich das auf Grund einer wohl durchdachten Überlegung abspielt oder auf Anordnung des menschlichen Instinktes. Zur Erhaltung der unvollkommenen Menschen, zu denen wir alle zählen, ist es unerläßlich, daß eine Übertretung der bestehenden Gesetze bestraft werden muß, sofern dem Gesetzmiẞachter keine Bedingungen zur Verfügung stehen, die ihn straffrei erklären. Jeder Mensch ist so, wie ihn sein Schicksalsstern führt. Was nun für das einzelne Individuum zutrifft, gilt für alle Völker des Erdballs- ein Recht, das auch dem deutschen Volk nicht streitig gemacht werden darf... Wer in der Dämmerung sucht, benötigt Licht. Wir aber suchen in der Finsternis, die mit der Machtergreifung durch Hitler seit dem Jahre 1933 über das Reich und sein Volk hereinbrach. Um vergleichsweise zu sprechen: Millionen Kerzen elektrischer Lichtstärke wären erforderlich, wenn man nur einigermaßen in all das furchtbare Geschehen der Hitlertyrannenzeit hineinleuchten wollte, auf dem die Kollektivschuldanklage beruht, die dem deutschen Volke vorwirft, sich in seiner Gesamtheit, also Männer und Frauen, Jugend und Greise, mitschuldig gemacht zu haben an allem in Deutschland und in der Welt begangenen Barbarismus. Verbrechen, für die die Bezeichnung, Bestialität' wie eine Schmeichelei klingt. Mit zunächst vier Fragepunkten wollen wir dem Schuldausmaß der Anklage entgegentreten: Erste Frage: Haben sich von der Siebenundsechzigmillionenbevölkerung des Reiches alle, soweit sie dem Kindesalter als entrückt galten, persönlich, d. h. unter Einsatz ihrer eigenen Person, an den Naziverbrechen beteiligt? Waren alle erwachsenen Bürger dieses Volkes Henker, Vergaser, Erschießer, Räuber, Brandstifter, Plünderer, Betrüger, Kriegsanzettler, Gotteslästerer usw.? Nein! Die große Mehrheit hatte mit den Naziverbrechen absolut nichts zu tun, sie war ja selbst wie in einem Käfig gefangen gehalten und in steter Gefahr, jederzeit, zu der es den Nazibestien paßte, zu Opfern an Gut und Blut vergewaltigt zu werden. Zweite Frage: Hat die Masse von den siebenundsechzig Millionen deutscher Menschen natürlich meine ich auch hier nur die Erwachsenen S beteiligt ermunte Überzeu Antrieb, Ich, jede kenntnis cherpra: Dritte wählten Krieg ge der Naz land he Krieg. Weil i gehen präside Reichs Diktato Wissen Leben Was Kommu der uns betrog. Wo die bes daß de Krieg, daß de an, dar werden endlich genom Führen unser fünften mache Dich s daß de 13 192 mehr en sein ezweiang der rhalten, er wohl menschvir alle Gesetze gungen nun für s- ein werden n in der hre 1933 zu sprerderlich, er Hitlerdanklage Samtheit, macht zu arismus. SchmeiSmaß der bevölkekt galten, Naziverkes HenBetrüger, hatte mit e in einem er es den u werden. Millionen Erwachsenen soweit sie an den Ausführungen der Verbrechen körperlich unbeteiligt blieb, vielleicht doch die Schurken zu deren Untaten verführt, ermuntert, gezwungen usw.? Auch in diesem Falle sage ich aus voller Überzeugung: Nein! Die bösen Nazischinderhannese brauchten keinen Antrieb, sie lernten und lehrten durch ihr unbeschreibliches bestialisches Ich, jede verruchte Tat zu vollbringen und erweiterten ihre Halunkenkenntnisse unter Zuhilfenahme der Wissenschaft, so daß ihre Verbrecherpraxis immer größer und unmenschlicher wurde! Dritte Frage: Haben die Deutschen dadurch, daß sie die Hitlerpartei wählten, die Nazimörder bewußt gerufen oder mit ihrer Wahl den Krieg gewünscht? Keinesfalls hatte das deutsche Volk in seiner Mehrheit der Nazipartei zur Macht verholfen, um Massenmorde im In- und Ausland hervorzurufen. Ebensowenig wollte die deutsche Majorität den Krieg. Was sagte denn der deutschnationale Zeuge Heinrich Trömner? , Weil ich befürchtete, daß in Deutschland alles drunter und drüber gehen würde, wählte ich Adolf Hitler, der sich doch unter der Reichspräsidentenschaft des Feldmarschalls von Hindenburg an die bestehende Reichsverfassung halten mußte. Hätte ich nur geahnt, daß er sich als Diktator entpuppen würde und so unglaubliche Verbrechen mit seinem Wissen und Willen geschehen konnten, dann würde ich ihm nie im Leben meine Stimme gegeben haben. Was gestand der Zeuge Oskar Heiligenwald?, Damals war ich ein Kommunist, änderte aber meine politische Ansicht, wählte Adolf Hitler, der uns viel versprach, aber kein Wort hielt und uns alle so schändlich betrog. - - Wo sind Ihre Zeugen, so frage ich den Herrn Vertreter der Anklage, die beschwören, mit ihren eigenen Ohren gehört zu haben: erstens, daß deutsche Ehefrauen gerufen haben:, Führer, beschere uns den Krieg, damit unsere Ehemänner auf dem Schlachtfelde fallen' zweitens, daß deutsche Kinder in den Ruf einstimmten:, Führer, fange den Krieg an, damit unsere Väter und Brüder von feindlichen Geschossen zerrissen werden', drittens, daß deutsche Eltern gesagt haben:, Führer, beginne endlich den Krieg, damit unsere Söhne getötet, verwundet oder gefangen genommen werden können', viertens, daß die Deutschen verkündeten: , Führer, lasse es zum Krieg kommen, damit die Möglichkeit besteht, daß unser schönes Deutschland in Schutt und Asche gelegt werden kann',- fünftens, daß die deutsche Arbeiterschaft den Wunsch aussprach:, Führer, mache Krieg, oder wir streiken, denn wir wollen lieber als Soldaten für Dich sterben, als noch länger für unsere Familien sorgen', sechstens, daß deutsche Seelsorger beteten: Herr über Leben und Tod, laẞ Adolf 13 - 193 Hitler, des deutschen Volkes Führer, uns in einen Krieg verwickeln, der erzieherischer ist, als alle Andacht in den Kirchen es je zu sein vermag.' Gewiß, riefen vielen:, Führer, wir folgen Dir!' Als solche Rufer galten Verführte und andere, die verführen wollten. Ich würde die völlige Unwahrheit sagen, wenn ich behauptete, daß es nur wenige gewesen wären. Weit gefehlt! Ich richte mich an jene Kreise, die mich einer solchen Dummheit für fähig halten. Gewaltige Massen waren es, die eingestimmt haben. Tausende, Zehntausende, Hunderttausende, ja sogar Millionen. Aber, gemessen an der Gesamtzahl des deutschen Volkes, waren es noch nicht einmal zwanzig Prozent. Unter ihnen war bestimmt ein großer Teil, den man als Mitläufer bezeichnen darf. Andere wiederum würden sicher einer kommunistischen Regierung genauso ergeben gefolgt sein wie einer deutsch- nationalen. Sogar einer jüdischen Verwaltung hätten sie gedient, wenn die Vorteile dementsprechend gewesen wären und dazu die Uniformen prächtig. - Verstand anwenden, das wollten sie doch nicht. Warum sich mit Dingen belasten, zu denen man das haben muß, woran es den meisten fehlte: Geist! Was kann man von so haltlosen Schwächlingen verlangen, von denen jedes Volk mehr als genug hat! Dabei gehe ich sogar so weit, zu sagen, daß auch ein sehr großer Teil der Mitläufer aus irgendwelchen Gründen in die Nazipartei eingetreten ist, nur nicht aus politischen. Viele der Füllnummern suchten sogar das tägliche Brot über den Weg der Hitlerpartei. Was verriet uns der Zeuge Daniel Oppermann?, Ich war ohne Stellung, als meine Frau das sechste Kind erwartete. Zu dieser Zeit bekam ich monatlich RM 72,35 als Arbeitslosenunterstützung ausbezahlt, die noch nicht einmal ausreichten, Miete, Brot, Kartoffeln und Milch zu bezahlen. Ich war so verzweifelt, daß ich mehr als einmal die Absicht hatte, Selbstmord zu begehen. Nur die Ungewißheit, was aus meiner Familie werden sollte, hielt mich davon ab. Für einen Familienvater ist das, was ich durchgemacht habe, so ziemlich das Allerschrecklichste. Nur derjenige Ehemann und Vater, der persönlich das erlebt hat, wird verstehen, was ich damit meine., Hunger', schrien meine fünf Kinder sehr oft. In meiner unbeschreiblichen Notlage ging ich zu dem mit Gefängnis bereits öfters vorbestraften früheren Friseur August Schwemminger, der schon seit Jahren einen sehr hohen Posten bei der SS bekleidete. Mit einem Anstellungsvertrag in der Tasche, der mir ein Monatsgehalt von dreihundert Mark zusicherte, kam ich wieder nach Hause. Vcn da an war ich nicht nur Chauffeur, sondern auch SS- Mann. Allerdings verlor ich meine allerbesten Freunde, aber dafür gewann ich die Überzeugung, daß 194 man un ihnen. An de denn sie Mission Hilfe an zugefüg Rufer! tiv sch Nachred Groß Zuhören kein Ar der Lig Ernen Nach weiter: zum Sc Gericht Arbeit in mein bist au rechts und ve Aber Den „ Ich zu Ges Prof „ Der pflichte Heute der St War „ Mei sagte stens 2 Der sie als wende 13 keln, der vermag. er galten lige Unn wären. solchen gestimmt Millionen. n es noch Ber Teil, en sicher sein wie mätten sie und dazu mit Dinn meisten werlangen, r so weit, dwelchen hen. Viele Weg der e Stellung, bekam ich , die noch bezahlen. tte, Selbstlie werden s, was ich r derjenige t. tehen, was Gefängnis minger, der leidete. Mit sgehalt von n da an war s verlor ich eugung, daß man unter guten Freunden zwar leben kann, jedoch keineswegs von ihnen.' An der Aussage dieses Zeugen dürften wir nicht achtlos vorbeigehen, denn sie ist viel wichtiger, als es zunächst den Anschein hat... Wer die Mission eines Verteidigers übernimmt, hat die Pflicht, das Recht als Hilfe anzurufen, wenn für seine Partei die Gefahr besteht, daß ihr Unrecht zugefügt werden könnte. Weil diese Gefahr vorhanden ist, so bin ich der Rufer! Das gesamte deutsche Volk ist der steten Verdächtigung, kollektiv schuldig zu sein, unterworfen. Da dieses Volk eine so unerhörte Nachrede keineswegs verdient, muß der Vorwurf gebannt werden." Großer Beifallssturm... Der Präsident drohte mit der Räumung des Zuhörerraumes, weil, wie er sagte, in diesem Saale für Applaus heute kein Anlaß vorliege. Neutralität sei das Diadem in der Gewissenskrone der Liga der Menschenrechte. Erneuter großer Beifall, aber diesmal zu seinen Gunsten. Nachdem die Ruhe wiederhergestellt war, sprach der Verteidiger weiter: ,, Auf Applaus habe ich nie Wert gelegt, besonders, wenn es sich zum Schaden der Klienten auswirken kann, was ich jedoch bei diesem Gericht nicht annehme. Wenn aber ein solcher Applaus keine bestellte Arbeit ist ich habe keinen Auftrag dazu erteilt dann zuckt es mir, in meiner Eigenschaft als Verteidiger, durch mein Gehirn: Anwalt, Du bist auf dem richtigen Wege; marschiere weiter, ohne nach links oder rechts zu schauen; dabei sei eingedenk, daß das Volk oft einen gesunden und vernünftigen Instinkt unter Beweis stellt." - Abermaliges Händeklatschen. - Den Verteidiger unterbrechend, bemerkte Staatsanwalt Dr. Kreuschke: ,, Ich protestiere gegen solche abwegigen Tricks, die den Nazis gut zu Gesicht standen!" Professor Löwenstein blieb darauf die Antwort nicht schuldig: ,, Dem Herrn Anklagevertreter wäre ich außerordentlich zu Dank verpflichtet, wenn er mich in Zukunft keinesfalls mehr unterbrechen würde. Heute geht es um die Ehre eines ganzen Volkes und um keine Prüfung der Stimmbandstärke." Warnend griff der Präsident jetzt ein: ,, Meine Herren, unterlassen Sie bitte Ihre gegenseitigen Angriffe. Ich sagte Ihnen doch schon gestern, daß das zu nichts führen kann als höchstens zu zwei Verweisen." Der Verteidiger fortfahrend: ,, Es gibt Menschen, die, ohne daß man sie als Nazis bezeichnen kann und darf, trotzdem deren Gebräuche anwenden; damit meine ich solche, die sich auf das Recht berufen, dabei 13* 195 aber nur an die Rache denken. Hüten wir uns vor ihr, denn sie ist eine schlechte Ratgeberin und eine sehr nahe Verwandte der Dummheit, die ich noch für schlimmer halte als ein Vergehen, gegen das wenigstens die Sühne geschaffen wurde, die oft heilend wirkt. Nunmehr komme ich zum vierten Punkte: Sollten sich die Deutschen zum Aufstand gegen Hitler aufraffen, Bürgerkrieg und anderes mehr entfachen, um ihn durch Gewalt zu beseitigen? Waren sie dazu überhaupt in der Lage? Weil sie wenig oder nichts unternahmen, haben sie deshalb die Hitlerverbrechen herbeigewünscht oder gutgeheißen? Niemand konnte gegen eine solche, bis ins feinste organisierte Verbrecherbande auftreten, auch dann nicht, wenn in Deutschland nur tapfere Menschen gelebt hätten, die von dem Mute eines Staatsanwaltes beseelt gewesen wären. Bevor ich darauf eingehe, möchte ich meine unmaßgebliche Ansicht wiedergeben, die ich in bezug auf eine deutsche Untergrundbewegung habe. Angenommen, ein Anschlag auf das Leben Adolf Hitlers hätte erfolgreich durchgeführt werden können; die Folgen davon wären schwerlich auszudenken gewesen. Überall hätten die Naziallgewaltigen dem Volk vorgelogen:, Ja, würde der Führer nicht umgebracht worden sein, dann hätte er durch seine Genialität den Sieg über alle Feinde errungen.' Gott der Allmächtige wußte, was er tat, als er die Ermordung Hitlers nicht zuließ. Zum Wohle Deutschlands verschwand der Tyrann, in jeder Beziehung geschlagen. In der Welt hinterließ er Zorn und Verachtung gegen alles Deutsche. Mit der Zeit, so hoffe ich, wird dieselbe Welt zur Einsicht kommen, daß die Mehrheit des deutschen Volkes keinen Haß verdient! Der Bevölkerung des Reiches bescherte Adolf Hitler enorme Land- und Menschenverluste, Hunger und Armut, ausgebombte Städte und Dörfer, vernichteten Außenhandel und lahmgelegte Industrie, Verzweiflung, Mißmut und Trauer. Das Volk war machtlos, das zu verhüten. Wer die Verhältnisse kennt und sich den Tatsachen nicht verschließt, weiß sehr wohl, daß im Dritten Reiche Aufstand oder Bürgerkrieg verlorene Mühe bleiben mußte... Wann sollte man damit beginnen? 1933, 1934 und 1935 waren die Jahre der Gleichschaltungen, der Aufmärsche, der Friedensheucheleien Hitlers, der Volksbenebelung mittels ungesunder Arbeitsbeschaffungspläne, begünstigt durch enorme militärische Aufrüstungen. Eine Scheinblüte zog durch ganz Deutschland. Gegen wen sollte man Revolution machen? Gegen die Scheinblüte vielleicht? Einige Dutzend Männer erkannten die Situation, sie schwiegen aber vor Angst. Sie trauten sich nicht, öffentlich zu reden, denn ihre 196 politische trationsla in gefahr in den Ja herigen ü die Nazip lief. Nun nicht meh Der Kr zu jener ländische ter noch stern, da will, daß gehabt h Es wä sende ers aber wär Wo so wäre de geradez Volk, da dern auf Söhne S Hitler lu alle deu sinn der Die W gaden s sich sein Volk w Welt ve res übri fackelt. Will ratsam, Vorhitle werden ermögli Volk in ist eine meit, die tens die en, Bürzu beig oder erbeigebis ins wenn in te eines eingehe, n bezug e erfolgwerlich em Volk in, dann en.' Hitlers in jeder rachtung Kommen, Der Bend Menfer, ver, Mißmut die Vereiß sehr werlorene der Aufg mittels me militschland. plüte vielchwiegen denn ihre politische Parteizugehörigkeit der Vorhitlerzeit warnte sie. Die Konzentrationslager waren überall zu nahe und das Spitzelwesen schon längst in gefahrvollem Schwung gegen den anständigen deutschen Bürger. Erst in den Jahren 1935-1939, als noch viel größere Aufrüstungen die bisherigen übertrafen, bemerkte die Bevölkerung, trotz Verdummung durch die Nazipartei und deren gleichgeschalteter Presse, wohin der Karren lief. Nun war es aber zu spät für das Volk, denn jetzt kam es überhaupt nicht mehr zur Besinnung. Der Krieg war ausgebrochen! Sollte es sich jetzt erheben? Wenn es zu jener Zeit der polnischen, französischen, englischen, belgischen, holländischen, jugoslavischen, tschechoslovakischen, norwegis hen und später noch der russischen Armee versagt blieb, die Hitlerheere zu meistern, dann frage ich, ist jemand hier im Gerichtssaale, der mir beweisen will, daß das deutsche Volk auch nur den Schatten einer Erfolgsaussicht gehabt hätte. Es wäre wahrscheinlich gewesen, daß man Zehn- oder Hunderttausende erschossener deutscher Bürger hätte beerdigen müssen. Im übrigen aber wäre die ganze Aufstandsbewegung im Sande verlaufen. Wo so vieler Völker Heere zunächst nichts ausrichten konnten, da wäre der Versuch der Zivilisten, die Waffe gegen die Nazis zu erheben, geradezu ein Wahnsinn gewesen. Andererseits, wo in der Welt ist das Volk, das gegen seine eigene Armee kämpft, die sich in fremden Ländern auf siegreichem Vormarsche befindet, deren Soldaten seine eigenen Söhne sind, wie das im Dritten Reich der Fall war, als man Adolf Hitler lügenhafterweise als den großen Strategen hinstellte, dem alleine alle deutschen Siege zu verdanken wären. Mit Fleiß wurde solcher Unsinn dem deutschen Volke vorgespiegelt. Die Welt war jedoch genau informiert, daß der Henker von Berchtesgaden strategische Kenntnisse überhaupt nicht besaß, und oft lachten sich seinetwegen deutsche Generalstäbler ins Fäustchen. Das deutsche Volk wollte den Krieg nicht, wenn es auch von noch so vielen in der Welt verdächtigt wird... Wurde es gefragt? Ihm blieb gar nichts anderes übrig, als zu gehorchen. Bei den Diktatoren wird nicht lange gefackelt. Will man sich sorgfältig mit dem Naziunkraut befassen, so ist es ratsam, den Scheinwerfer ein wenig in das politische, Treibhaus' des Vorhitlerdeutschlands zu lenken, in dem, wie wir später noch hören werden, die Saat gelegt wurde, die der Tyrannenpartei das Wachstum ermöglichte... Nach dem ersten Weltkrieg versetzte man das deutsche Volk in den Glauben, daß durch die Miẞwirtschaft der Vorkriegsregie197 rungen unter Beeinflussungen der regierenden Fürsten besonders des damaligen Kaisers Wilhelm II- das Deutsche Reich den Weltkrieg 1914-1918 verloren habe und in aller Welt das gute Ansehen des Volkes dahin sei. Aber man verkündet sozusagen im gleichen Atemzuge, daß durch die stattgefundene Revolution,( die weder im Freien noch im Saale in Erscheinung trat) die Lage wiederhergestellt worden sei, so daß nunmehr alle Deutschen ein Volk von Brüdern und Schwestern zu sein sich rühmen sollten... Die Verantwortlichen zogen sich unverantwortlich und feige zurück, während die bisher Unverantwortlichen die Verantwortung der Regierungsgeschäfte übernahmen. Der Fachmann spielte den Gekränkten, und der Laie wurde Minister. Es kam, wie es kommen mußte. Eine Blütezeit für viele Engelsparteien stand bevor. Jetzt saßen diejenigen am Ruder, die bisher miẞverstanden wurden, von denen die weitaus größere Mehrzahl ihrem neuen Beruf nicht gewachsen war. Dumme Schlagworte von Volksund Staatsinteressen wurde täglich gefaselt; in Wahrheit stellte man jedoch oft Parteiinteressen über das Wohl des Volkes. Ohne jede Ausnahme meine ich alle früheren Parteien! - Die meisten der Verantwortlichen zeigten sich, ohne daß sie es wuẞten, als Schwächlinge und Schwätzer. Auch das trug dazu bei, Hitler zur Macht zu verhelfen. So wurden sie schließlich und endlich zu Mördern ihrer eigenen Parteien, wobei ihnen die Sorgen der Parteibeerdigungen erspart blieben, weil diese Arbeit in großzügiger Weise von Adolf Hitler übernommen und durchgeführt wurde. Ohne Unterschied waren sie alle politischer Eifersucht krankhaft verfallen, ganz egal, ob sie rechts oder links standen, von der sammetweichen Mitte erst gar nicht zu sprechen. Lag die Rechte im Rennen, so tobte die Linke im Grollwinkel, war die Linke am Ruder, so schmollte die Rechte. Anstatt das baufällige Gebäude gemeinsam in Ordnung zu bringen, riẞ die eine Partei nieder, was die andere hergestellt hatte. Dummheit, Gemeinheit, Unfähigkeit, Charakterlosigkeit waren die Schimpfworte der einen Partei für die andere, wenn diese gerade am Regierungstische Platz genommen hatte. Kam die Zeit, in der die Schreier ans Regierungsruder gelangten, dann hat man die dem Gegner vorgeworfenen Fehler nicht abgestellt, im Gegenteil! Jetzt wurden sie noch erheblich vergrößert, und die Folgen dem deutschen Volke aufgehalst. Im Narrenhaus hätte das nicht passieren können, da wären wenigstens Ärzte und Pfleger eingeschritten. Die sogenannten Volksvertreter und Regierungsfachleute logen von Demokratie, während 198 schon ma verbarg. sesseln, höchsteig Zum B selbst im anschaul Reichspr Voraus Stimmer daß sie in ten stim tigkeit i feinden, tat erst deuten: Die S und zuc tischen wollten So gi Reichst Sozia selbst, Hitlers immer zu eine nomme Flucht Die und die heit an und ihr daß ih Helden Hurra Kriege Nach gesung sie un Onders krieg Volkes se, daß Engels- er miß- | ihrem Volks- te man de Aus- 5 wuß- ‚, Hitler llich zu ‚Partei- - Weise Unter- n, ganz n Mitte bte die Rechte. bringen, mmheit, fworte rgeWwor- m deut- können, nannten +1 hrend Wal schon mancher von ihnen das Naziabzeichen unter seinem Rockkragen verbarg. Andere wieder fühlten sich sehr wohl in ihren Regierungs- sesseln, in denen sie über manches nachdachten, nur nicht über ihre höchsteigenen Unfähigkeiten. Zum Beispiel, die Linke: Anstatt zusammenzustehen, lag sie mit sich selbst im Kampf. Die Kommunisten gingen mit Rücksicht auf ihre Welt- anschauung, an der sie stur festhielten, ihre Wege. Sie stellten bei Reichspräsidentenwahlen ihren eigenen Kandidaten auf, obschon sie im voraus wissen mußten, daß dieser in Ermangelung der notwendigen Stimmen nicht auf den Sieg hoffen konnte. Mehr als einmal kam es vor, daß sie im Reichstag mit den Nazis zusammen gegen die Sozialdemokra- ten stimmten. Das taten sie iedoch keineswegs, weil sie von der Rich- tigkeit ihrer Handlung überzeugt waren, auch weniger, um ihren Tod- feinden, den Hitlerleuten gefällig zu sein; sie vollbrachten diese ‚Helden- tat‘ erstens, um die Parteien zu verwirren, und zweitens, um anzu- deuten: ‚Wir gehen auch mit Euch, wenn Ihr mit uns geht!... Die Sozialdemokraten wollten mit aller Gewalt ‚salonfähig‘ werden und zuckten die Achseln, wenn die Kommunisten einmal klaren poli- tischen Verstand bewiesen und dies und jenes mit ihnen diskutieren wollten... So ging das hin und her, bis es nicht mehr gehen konnte und der Reichstag in Flammen stand, die von den Nazis entfacht waren. Sozialdemokraten sowie Kommunisten hielten sich für so klug, daß sie, selbst, nachdem sie durch ihre eigene Dummheit schon längst als Opfer Hitlers wie Schnee im Sonnenschein am Verschwinden waren, sich immer noch gegenseitig die Schuld in die Schuhe schoben, und das noch zu einer Zeit, zu der bereits viele von ihnen in die Nazipartei au’ge- nommen oder im Konzentrationslager verprügelt, ja sogar auf der Flucht erschossen wurden. Die Mitte— oft das Zünglein an der Waage— schielte nach links und dienerte nach rechts, bis ihr ‚politischer‘ Redefluß der Vergangen- heit angehörte, so daß ihnen Sehen und Hören verging. Die Völkischen und ihre Gehirnverwandten schlugen sich so kräftig an ihre Männerbrust, daß ihnen ganz schwindlig wurde, dann redeten sie, ihrem angeborenen Heldendünkel zu Ehren, von Antisemitismus, Dolchstoßschwindel, Hurrapatriotismus; und mancher ‚Maulheld‘ unter ihnen ließ sich im Kriege als ‚unabkömmlich‘ reklamieren...! Nachdem sie ihren Choral ‚Siegreich wollen wir Frankreich schlagen‘ gesungen hatten, gingen sie mit Kling Klang Gloria zu Hitler über, den sie unter sich ‚böhmischen Gefreiten‘ nannten. 199 Addiere ich alle diese politischen Wirrnisse und multipliziere das Ergebnis mit Unfähigkeit, so haben Sie immer noch nicht das klare Bild, auf das es ankommt. Erst wenn man das Resultat der vorherigen Rechenaufgabe durch die unerhörte Gleichgültigkeit der damaligen politischen Welt verdoppelt, kommen wir ohne große Schwierigkeiten Adolf Hitler aus Braunau... zu dem wirklichen Ergebnis: 1933Deutschlands Verderb! So war die Partei der Reichszerstörer zum Leben gekommen: Die Linke spielte die Mutter, die Rechte den Vater, und die Mitte versah Hebammendienste. Natürlich... über Nacht kam die Nazipartei nicht zur Macht. Sie wurde gewissermaßen in den Sattel gehoben. Steigbügelhalter bewußt oder unbewußt- waren viele Gescheite, ganze Gescheite, Obergegescheite, Dreimalgescheite und Nichtrechtgescheite. Die letzteren waren zum Schaden Deutschlands und dessen Volk leider in der Mehrzahl. Wühler unterwühlten das Volk; Lügner belogen das Volk; Betrüger betrogen das Volk; Verräter verrieten das Volk, so daß das alles zu keinem guten Ende führen konnte." * was Pro Sache s reden h dem Ste ,, Wiss nicht vi schickte Dr. F „ Her liegt ge eine Kr „ Na, Tage H „ Das „ So, Doktor Jetzt ertönte die Glocke des Schiedsgerichtspräsidenten, der sich an den Redner wandte: ,.Herr Verteidiger, es ist bereits nach Mitternacht. Sollten wir heute nicht Schluß machen und morgen fortsetzen?" ,, Herr Präsident, ich bitte um Entschuldigung, ich hatte keine Ahnung, daß es schon so spät ist." Anschließend wurde die Sitzung aufgehoben und die neue für Donnerstag elf Uhr vormittags angesetzt. ,, Nei Jetzt „ Gut Mich in mich, Übertr nahm, Dr. ,, Her leicht , Habe des he Die vier Marburger empfanden weniger Müdigkeit, aber umso mehr Hunger und Durst. Nachdem Gaumen und Magen in einem nahen Restaurant auf's beste zu ihrem Recht gekommen waren, ergriff Dr. Rumpf das Wort: ,, Was für ein Meister der Rede ist doch dieser Herr Löwenstein. Ich könnte ihm tagelang zuhören. Mir kommt es manchmal vor, als sei er dem deutschen Volk geradezu von Gott gesandt worden." Professor Weber meinte dazu: ,, Ich habe in meinem Leben schon viele gute Juristen gehört, ja, ich bilde mir sogar selbst ein, nicht zu den schlechtesten zu zählen. Aber, 200 ner de dieser ,, W " W gut.. ,, Pf hier, Nazis Pro ,, Ic alles Die M Has Ere Bild, merigen maligen gkeiten nau... en: Die versah ht. Sie bewußt Obergeen waehrzahl. etrüger alles zu sich an r heute Ahnung, Gir Donso mehr Restau- Rumpf tein. Ich s sei er , ja, ich n. Aber, was Professor Löwenstein anlangt, so habe ich einen solchen klar zur Sache sprechenden, die Materie beherrschenden Verteidiger nie zuvor reden hören. Für mich war es direkt ein Genuß, diesem Manne, der aus dem Stegreif spricht, zu lauschen." ,, Wissen Sie, meine Herren", sprach jetzt der Dekan ,,, ich verstehe nicht viel von der Juristerei, aber, wie er den Staatsanwalt nach Hause schickte, das machte mir so richtigen Spaß." Dr. Rumpf sagte darauf: ,, Herr Dekan, so etwas will unter Anwälten gar nicht viel heißen. Das liegt gewissermaßen im Beruf, nach dem ungeschriebenen Gesetz, daß eine Krähe der anderen kein Auge aushackt..." ,, Na, na, Herr Dr. Rumpf, warum waren Sie denn so nervös, als dieser Tage Herr Löwenstein den Dr. Kreuschke auf den Zeugenstand rief?" ,, Das ist eine ganz andere Sache; die ging ins Privatleben." ,, So, das hätte dann mit dem Krähengesetz nichts zu tun, Herr Doktor?" ,, Nein, Herr Dekan", erwiderte lachend Dr. Rumpf. Jetzt kam Dr. Werle zu Wort: ,, Gut oder nicht gut, ich wollte, wir alle wären ein paar Tage älter. Mich interessiert nur das Urteil. Was auch immer sein mag, so frage ich mich, ob da in Deutschland einer von den Obernazis existiert, der die Übertragung mitanhörte und nicht vor Scham rot wurde, als er vernahm, wie dieser Professor Löwenstein heute für Deutschland sprach?" Dr. Rumpf zog die Stirn in Falten und erwiderte: ,, Herr Dr. Werle, das glauben Sie doch ebensowenig wie ich. Vielleicht hat der Obernazi, den Sie sich im Geiste vorstellen, gedacht: , Habe Dank, Du Vorsehung meines Führers Adolf Hitler, daß der Inhalt des herrlichen Liedes, das wir, die dem Führer so treu ergebenen Männer der Bewegung, so oft und so gern gesungen haben, wenigstens bei diesem Jud Löwenstein nicht in die Praxis umgesetzt wurde..." 99 , Was für ein Lied meinen Sie?" fragte der Professor. ,, Wenn's Judenblut vom Messer spritzt, dann geht's nochmal so gut..." ,, Pfui Spinne", sagte der Dekan ganz zornig ,,, ist denn kein Spiegel hier, in den man einmal unsere Schamröte über diese Halunken von Nazisängern mit eigenen Augen sehen kann?!" Professor Weber beruhigte den Dekan und sagte: ,, Ich denke, daß sehr viele Nazis ihre Ansicht geändert haben und alles verurteilen, was sie in den Hitlerjahren für gut und richtig hielten. Die Masse der Mitläufer ist weder Fisch noch Fleisch, weder kalt noch 201 warm, wogegen die Obernazis schwerlich zur Einsicht zu bringen sind. Es sei denn, daß man mit ihnen genauso verfährt, wie sie mit den Antinazis verfahren sind. Heute haben diese Obernazis noch Herzklopfen, und dabei denken sie im Stillen wieder an morgen..." Dr. Rumpf, abwehrend: ,, Das nehme ich weniger an; wenn diese Verbrecher überhaupt denken, dann nur an gestern: an die verlorenen Fleischtöpfe, Naziuniformen, Rang, Weiber und an die Niederlage." ,, Wahrscheinlich auch an die Rache", meinte der Dekan. ,, Sehen Sie, meine Herren, wenn es nach mir ginge, so wollte ich den Nazis, soweit sie unverbesserlich sind, etwas zeigen. Wissen Sie, was ich unternähme? Zunächst müßte man ein für alle Mal den Mitläufern, soweit sie nichts verbrochen haben, Pardon geben. Kommt Ihr Verführten, würde ich sagen, wir vergeben Euch; nun zeigt, daß Ihr die Freundschaft des deutschen Volkes wieder wert seid. Dann wünschte ich, daß sie wirklich in Ruhe gelassen würden, und damit basta! Den unverbesserlichen Nazis möchte ich sagen:, Mit Hut und Handschuhen werdet Ihr Vernichter Deutschlands aus dem Lande geprügelt, wenn Ihr Euch politisch auch nur noch ein einziges Mal muckst. Dabei schrecken wir nicht davor zurück, Euere eigenen Lehren anzuwenden, indem wir Euch fortjagen, ohne daß Ihr auch nur einen Heller mitnehmen dürft. Was immer auch sein mag, meiden wir die Obernazis, und behalten sie doch stets im Auge, denn sie dürfen sich nie wieder unbeobachtet fühlen. Ferner hielte ich es noch für sehr ratsam, an allen Enden und Ecken des deutschen Reiches geheime Überwachungsstellen einzurichten, die weiter nichts zu tun hätten, als die unverbesserlichen Nazis Tag und Nacht zu, beschatten'. Wenn einer dieser Kerle auch nur irgendetwas machte, das gegen die Gesetze verstieße, dann würde ich nicht viele Worte verlieren und ihn mit aller Härte bestrafen. Wenn's nicht anders geht, sollte man ihn für sein ganzes Leben einsperren, ja sogar hinrichten lassen, wenn er es verdient. Das wäre nun noch alles, was uns fehlte, wenn wir mit diesen Kreaturen nicht fertig werden könnten. Verlassen Sie sich darauf, meine Herren, wenn man diesen Oberbonzen nicht im voraus klaren Wein einschenkt, was sie zu erwarten haben, dann werden sie eines schönen Tages abermals Mätzchen machen. Mit den Juden wird es wieder anfangen und dieses Mal sogar mit allen Christen enden..." ,, Ich bin anderer Ansicht", wandte jetzt Dr. Rumpf ein ,,, man soll den Mitläufern vergeben, wie das soeben Herr Dekan Urhan gesagt hat; aber den unverbesserlichen Nazis würde ich nicht einmal ein Warnungszeichen zukommen lassen. Diese Burschen wissen aus ihrer großen 202 Praxis, w Opfer ge Einschre schaftlich Wenn si ohne jed unschuld ist ein fü „ Alles Dr. Wen die Obe in der Ü nahmen" Ihnen w reguläre Kriege g ,, Da s nur die ,, Sie „ Ja“, Donn dent: zweite 33 ,, Hern Im R so tüch schon g der ges Hintme einen M muß. E nerei w langte gen die Preisst und ka Weil d Kräftes sind. Antiopfen, t denormen, en Sie, Soweit ihme? nichts de ich s deutirklich rlichen r Verolitisch davor tjagen, er auch ets im hielte tschen nichts zu, bete, das te vert, sollte lassen, enn wir Sie sich voraus den sie wird es ..." soll den agt hat: rnungsgroßen Praxis, wie es gemacht wird. Haben sie lange gewartet oder gar ihre Opfer gewarnt? Benehmen sie sich dagegen so, daß kein Grund zum Einschreiten gegen sie vorliegt, umso besser für sie. Trotzdem... gesellschaftlichen Verkehr möchte ich mit diesen, Ausbünden' keinen haben! Wenn sie aber nur irgendwel he Zicken machen, dann würde ich ihnen, ohne jede Gnade, ihre eigene Medizin verschreiben, die sie so vielen unschuldigen Menschen zu schlucken gaben. Das Spiel ihrer Frechheit ist ein für alle Male aus." ,, Alles, was hier am Tische gesagt wurde, halte ich für unnötig", gab Dr. Werle seiner Meinung Ausdruck. ,, Glauben Sie mir, meine Herren, die Obernazis haben die Hosen voll... Sie spielten Helden, wenn sie in der Überzahl schwer bewaffnet, Gefangene, die wehrlos waren ,, vernahmen. Sonst waren diese Nazis so feige wie nur etwas. Wer von Ihnen wettet mit mir, daß im Verhältnis zu den Offiziersverlusten der regulären deutschen Armee keine zwei Prozent Obernazibonzen im. Kriege gefallen sind?" ,, Da stimme ich mit Ihnen überein", sagte der Dekan ,,, die bewachten nur die Heimatfront und lebten sozusagen wie ein Gott in Frankreich." ,, Sie hatten auch noch andere Sächelchen in ihrem Kopfe." ,, Ja", schloß Dr. Rumpf die Debatte ,,, sie führten solche auch aus..." Donnerstag vormittag um elf Uhr erklärte der Schiedsgerichtspräsident: ,, Heute treten wir in den sechsten Verhandlungstag ein. Es ist der zweite Tag für den Herrn Verteidiger, dem ich hiermit das Wort erteile: ,, Herr Schiedsgerichtspräsident, meine Herren Schiedsrichter! Im Reich galt der politische Wagen als verfahren. Trotz einer noch so tüchtigen Beamtenschaft blieb durch Versagen der Kräfte, auf die ich schon gestern hinwies, wenig oder gar keine Aussicht auf eine Besserung der gesamten Lage am innerpolitischen und wirtschaftlichen deutschen , Hinfmel'. Jetzt kam ein neuer Feind in Gestalt der Inflation, die, auf einen Nenner gebracht, die Zeit der Volksverarmung genannt werden muẞ. Ein Pfund Butter kostete eine Milliarde Mark. Ein einziges Hühnerei wurde mit zehn Millionen Mark bezahlt. Für ein Paar Schuhe verlangte der Verkäufer zwanzig bis dreißig Milliarden Mark. Später stiegen die Preise noch... Eigentlich ist es geradezu lächerlich, von einer Preissteigerung zu reden, die Logik stand auf dem Kopfe; Wahnsinn und kaum etwas anderes, wäre die bessere Bezeichnung dafür. Warum? Weil das Eingetretene, das durch Menschen verursacht wurde, mit dem Kräftespiel der Natur nicht im Einklang stand. Die Natur kennt weder 203 ein Zahlungsmittel, noch besitzt sie ein Bankkonto. Bewußte Kräfte hatten die Inflation aus der Taufe gehoben; als sie erst im Rollen war, konnte sie in dem Wirrwarr, der nun folgte, nicht mehr gestoppt werden. Interessenlosigkeit, Depression, Arbeitsunlust, Mutlosigkeit und so weiter befielen Millionen und Millionen deutscher Bürger. Eine Starre beschlich die meisten Menschen. Was tat nun die jeweils am Regierungsruder befindliche Macht? Im allgemeinen erließ sie unwichtige Verordnungen, die man auch Notverordnungen nannte, ohne daß man gleich erkannte, ob es sich um die Not des Volkes handelte, oder ob die Nöte gemeint waren, in denen jene Obrigkeit pendelte. Waren da Fachleute an der Spitze? Mehr als einmal fragte man sich:, wer hat diese Null aus dem Zahlensystem des deutschen Volkes Schicksal gerissen und auf einen so wichtigen Posten gesetzt?' Hätte man sie an ihren Postensesseln gehängt, dann wären später die Sorgen erspart geblieben, herauszufinden, ob Parteibuch oder gute Beziehungen nach, oben' Stellenvermittlerdienste versahen. Wenn ich von, aufgehängt' sprach, so kann nur der Böse den Strick meinen, ich aber nahm, im Bild gerahmt' an, weil das, nach meiner Ansicht, vollständig genügt hätte... Mit den Beziehungen nach, oben' meinte ich die höheren Amtsstellen, beileibe dachte ich nicht an den Himmel, denn dafür standen viele von ihnen zu weit links oder zu weit rechts. Das Zentrum brauchten sie, aber sie mochten es nicht. Alle schworen auf ihre eigenen Fahnen- hie und da auch auf die Fahne schwarz- rot- gold. Ein großer Irrtum! Man sollte besser bei schwarz- weiß- rot geblieben sein, woran viele gewohnt waren. Durch solche Änderungen entsteht oft nichts Gutes. Die links und rechts vom Zentrum stehenden Parteien hatten keine allzugute Kinderstube, als sie das Zentrum als die„ Schwarzen" beschimpften. Aber ungestraft ließ die Zentrumspartei das nicht vorbeigehen. Im Reichstag nützte sie die Redefreiheit aus und rief, gegen die Rechte gewandt:, Osthilfe' in den Sitzungssaal... Jetzt wurde der Rechten ganz trübe ums Herz, so daß sie ganz blaẞ wurde. Die Linke, die an die Folgen im Auslande dachte, wollte vermitteln. Sie schrie so laut, daß sie ganz rot anlief. Ist der, Anlauf' vergangen...? Alle schwatzten, das gesamte Wohl und Wehe des deutschen Volkes stehe auf dem Spiel, aber Maßnahmen, die notwendig gewesen wären, das Übel abzustellen, unterblieben. So brachte die Inflation nicht nur Not, Hunger und Verzweiflung, Selbstmord, usw. in die Reihen vieler guter Bürger, sie zwang auch Hunderttausende von Familien, ihre Habe zu verkaufen, und zwar ihre 204 allerletzt Armut z Nicht zu Wieder mehr die für den der Naz Die g ausgeni Rechnu ausscha nebst d , Es m Spruch, Deutsch neuer Regieru auch; H Den Michel an, daE ja schli man ih gleichz Weil daß di und vo die es Feuer waltig Nun schon die Re Wo Jawoh es an sinner schöns zerstö bauen Kräfte n war, estoppt eit und Starre erungse Vergleich e Nöte chleute Se Null und auf Postenen, herStellenSo kann hmtMit den beileibe nen zu auf die ser bei Durch en keine en" bevorbeiegen die rde der rmitteln. gen...? Volkes wären, veiflung, ng auch war ihre allerletzte. Ja, sogar viele ehrbare Frauen und Mädchen waren, um ihrer Armut zu steuern, gezwungen, ihre Körper auf den Markt zu bringen... Nicht zuletzt dadurch wurde der Grundstein zur Gottlosigkeit gelegt. Wieder war ein Meilenstein mehr für die Nazipartei erobert, denn, je mehr die Unzufriedenheit im Volke wuchs, desto rascher reifte die Ernte für den Banditen Adolf Hitler. Das merkten sogar die Allerdümmsten der Nazipartei; was morgen erst die Klugen gedacht haben? Die goldene Zeit der Hitlerbewegung war gekommen; das sollte nicht ausgenützt werden? Der gutgläubige deutsche Michel machte seine Rechnung ohne den, Wirt' Dr. Joseph Goebbels, der weniger für Alkoholausschank übrig hatte, dafür aber umsomehr Herrn und Frau Michel nebst den jungen Michelchen durch gemeine Lügen benebelte. , Es muß anders werden, so kann es nicht weitergehen', das war der Spruch, den er solange unter das Volk verbreiten ließ, bis Millionen Deutscher ihn täglich nachsprachen. Nachdem das nun saß, wurde ein neuer Trick auf die Allgemeinheit angewandt:, Ja, wenn erst Hitler am Regierungsruder ist, dann wird alles anders werden... Der Schuß saẞ auch; konnte er überhaupt fehlgehen? Den Arbeitern versprach man höhere Löhne, und weil sie mit dem Michel verwandt waren, so vertraute man ihnen noch das Geheimnis an, daß die Lebensmittelpreise sinken würden. Da die Landbevölkerung ja schließlich auch keine Stiefgeschwister vom Michel waren, garantierte man ihr Erhöhung der Preise für alle landwirtschaftlichen Produkte und gleichzeitig noch eine Steuererleichterung. Weil deutsche Kinder gern Märchen hören, so erzählte man auch noch, daß die Zinssätze für Hypotheken bedeutend ermäßigt werden sollten, und von da ab glaubten viele an die Geschichte der Zinsknechtschaft, die es zu zermalmen gelte. Auch für die Beamtenschaft lag ein Eisen im Feuer... Ihr gelobte man, die Gehälter zu erhöhen und die Mieten gewaltig herabzusetzen. Nun ist es nicht so, daß die Nazis kein Wort gehalten hätten. Wie ich schon sagte, verbreitete Dr. Goebbels das Gerücht, wenn erst Hitler die Regierungsgeschäfte übernommen hat, wird's anders in Deutschland." Wo ist der Narr, der den Nazis den vollen Erfolg absprechen kann? Jawohl, Hitler kam, und verlassen wir uns darauf, in Deutschland wurde es anders! Tüchtige Leute waren die Parteigenossen- und Genossinnen, denn in kaum zwölf Jahren ist es ihnen gelungen, eines der schönsten Länder der Erde das Deutsche Reich- so fürchterlich zu zerstören, daß Generaticnen nötig sein werden, um es wieder aufzubauen, wofür der deutsche Michel die Rechnung zu zahlen hat... Das - - 205 kommt daher, weil er schlief; jetzt, nachdem er wachgerüttelt ist, wird er ein zweites Mal nicht mehr auf solche Nazilügen hereinfallen. Waren es nicht Deutsche? Waren es nicht Deutsche? fragte einige Dutzend Male der Herr Vertreter der Anklage. Jawohl, Herr Staatsanwalt, es waren Deutsche! Aber von den siebenundsechzig Millionen deutscher Bürger blieben noch nach dem Machtantritt durch Adolf Hitler mehr als fünfzig Prozent der Wahlberechtigten standhaft und verweigerten mit ihrem Stimmzettel der Nazipartei die Gefolgschaft. Erst durch die Hugenberger hatte Hitler eine knappe Majorität erhalten. Wie die Wahlen in den späteren Jahren der Regierung Adolf Hitlers ausgefallen sein sollen, spielt gar keine Rolle, denn ungültig waren sie auf alle Fälle. Wenn somit bewiesen ist, daß nach der Machtergreifung die schon damals unter Druck stehende Mehrheit der Wähler gegen Hitler stimmte, wie kann da jemand auf den Gedanken kommen, daß das ganze deutsche Volk kollektiv schuldig sei? Darf ich bei dieser Gelegenheit darauf hinweisen, daß keine Regierung in der Welt Zuchthäuser bauen läßt, um den Fremdenverkehr zu heben.. Nein, des Verbrechertums wegen werden sie erstellt. Auch das deutsche Reich hatte ganz gemeine, gewissenlose Bösewichte, die man Verbrecher zu nennen berechtigt ist. Zu allen Zeiten ist es vorgekommen, daß solche Teufel der Dunkelheit, wenn sie ans Ruder kamen, ihre Macht gegen Gott und die Welt mißbrauchten. Hat das aber etwas mit dem Charakter eines Volkes zu tun? Nein und abermals nein, sage ich. Kam es nicht vor, daß in einer Familie zehn Kinder lebten, von denen neun wunderbare Menschen wurden, während ein einziges unter ihnen sich zu einem ganz ungewöhnlich gemeinen Verbrecher entwickelte. Was nun? Darf sich jemand gerecht dünken, wenn er, weil ein Kind der Familie so aus der Art geschlagen war, alle anderen, dessen Brüder und Schwestern als Gesindel bezeichnet oder sie als kollektivschuldig , stempelt'? Je zahlreicher ein Volk ist, desto mehr besteht die Gefahr, daß solche Tunichtgute unter ihm leben oder, wie das Sprichwort sagt: Keine Herde ohne reudige Schafe. - Das deutsche Volk in seiner Mehrzahl ist um keinen Preis besser als andere Völker der zivilisierten Welt, aber es ist auch um keinen Schatten schlechter... Daher kann man das gesamte deutsche Volk für die Naziverbrechen keineswegs verantwortlich machen und von einem solchen Unsinn, wie seiner Kollektiv schuld sprechen. In einem Lande, wo die Diktatur regiert, ist das Volk nicht mehr souverän. Es hat aufgehört zu bestimmen. Beherrscht wird es und hat jede Freiheit, die mit wahrer Demokratie zusammenhängt, völlig ver206 loren. In in Herd an dess Tieren der Ve zugrund Die D die Ret Mehrhe die Hä alles in Gottes anlangt wollte Wer jenigen schen fremde den Ve zu den Was Was Was Was Was Was Was Wa Was WaWa Wa Wa Wa Wa Was Was Wa Wa Wa , wird einige atsanllionen Adolf nd verFt. Erst n. Wie ausgesie auf ng die Hitler s ganze gierung eben.. eutsche brecher solche gegen arakter denen ihnen ickelte. ind der Brüder chuldig Gefahr, rt sagt: sser als Schatfür die em solat mehr und hat loren. In einem solchen Diktaturstaat leben die Menschen sozusagen wie in Herden. Jede von ihnen folgt ihrem Leithammel in der Überzeugung an dessen Führertalent. Bringt nun eine derartige Führung auch bei Tieren ist das so die Gefolgschaft ins Verderben, so geht- sofern der Verführer nicht rechtzeitig ausgestoßen wird die ganze Herde zugrunde... - - Die Deutschen haben die Volksverderber nicht abgeschüttelt. Erst als die Rettung von außen kam, erwachten sie aus ihrer Starre. Ist die Mehrheit dieses Volkes deshalb zu verurteilen, weil sie Verbrechern in die Hände fiel, aus deren Klauen es kein Entrinnen gab? Wohin, um alles in der Welt, sollte es führen, wenn man, was Liebe, Treue, Haß, Gottesfurcht, Verleumdung, Ehrlichkeit, Untreue, Neid, Sitte und Moral anlangt, von einem einzelnen Menschen auf alle anderen schließen wollte? Wer das dennoch tut, mag sich einmal der Männer erinnern wie derjenigen der deutschen Wissenschaft, der deutschen Technik, der deutschen Musik usw., auch solcher, die von deutschen Eltern geboren, fremder Staaten ausgezeichnete Bürger wurden. Blicken wir nur nach den Vereinigten Staaten von Nordamerika, wo das deutsche Element mit zu den allerbesten Bürgern dieses Landes zählt. Was ist ein Adolf Hitler gegen einen Kant? Was ist ein Goebbels gegen einen Goethe? Was ist ein Himmler gegen einen Schiller? Was ist ein Göring gegen einen Bach? Was ist ein Heß gegen einen Wagner? Was ist ein Rosenberg gegen einen Beethoven? Was ist ein Saukel gegen einen Schopenhauer? Was ist ein Streicher gegen einen Nietzsche? Was ist ein Dr. Best gegen einen Dürer? Was ist ein Robert Ley gegen einen Schliemann? Was ist ein Bormann gegen einen Max Plank? Was ist ein Darré gegen einen Robert Koch? Was ist ein Dr. Freisler gegen einen Wöhler? Was ist ein Walter Funk gegen einen Behring? Was ist ein Schierach gegen einen Röntgen? Was ist ein Röhm gegen einen Leibnitz? Was ist ein Heydrich gegen einen Fechner? Was ist ein Frank gegen einen Lessing? Was ist ein Abetz gegen einen Virchow? Was ist ein Frick gegen einen Schumann? lig ver207 Was ist ein Ernst gegen einen Wund? Wenn d durch ihr Was ist ein Heines gegen einen Veit Stoẞ? Was ist ein Milch gegen einen Schlüter? Meine Fragen könnte ich noch sehr lange fortsetzen, jedoch in einen Topf mit den Hitlerbarbaren kann man diese Männer unmöglich werfen. Die Nazis suchten die Herrschaft über die Welt und dienten der Teufelei, wobei sie vor keinem Verbrechen zurückschreckten. Aber die schöpferischen deutschen Männer dienten der Menschheit und dem Recht. Das Recht verzichtet auf Lob!" Großer Beifall... ,, Ist die politische Welt nicht mitschuldig am Großwerden der HihubaHitler, Hunnen, Barbaren...? Jawohl, sie war mehr Schuld an dem Emporstieg seiner ,, Exzellenz" Adolf Hitler als die Mehrzahl des deutschen Volkes. - Vieler Länder verantwortliche Staatsmänner sollten sich was in München geschah, nur einmal in Erinnerung zurückrufen... Der englische Ministerpräsident Chamberlain, der Verkünder des Märchens vom Frieden in unserer Zeit, sagte nur, was er selbst glaubte. Wie aber hatte ihn Hitler belogen, betrogen, eingewickelt und so fürchterlich geblufft... Wenn sich ein so kluger, weitblickender, erfahrener Staatsmann so begaunern ließ, dann müßte von Rechts wegen der Herr Vertreter der Anklage dem deutschen Volk zugute halten, daß es auch betrogen und geblufft wurde. - Es kleidet die Welt nicht gut, wenn sie sich naiver stellt, als sie überhaupt sein kann. Genügend Warner riefen ihr Vorsicht zu, aber da war Dr. Goebbels, der rückte der Menschheit auf die Pelle. Greuelpropaganda, Emigrantenlügen, das waren die Worte, die er in den Ä her hinausfunkte. Die ganze Welt lieh ihm ihr Ohr. Erfolg der Lüge! Erfolg! Erfolg! Viele auswärtige Minister und Staatsbeamte trösteten die Warner, andere wieder darunter manche der starken Völker trauten den Emigrantén weniger, aber dafür machten sie den Nazis Komplimente und Bücklinge in der Überzeugung: ja uns meint man nicht! So ging das jahrelang, bis des deutschen Volkes Verführer, Adolf Hitler, Tag und Stunde bestimmte, um das Grauen zu beginnen. Gewiß waren die schwachen Diplomaten der politischen Welt keine Kriegsverbrecher, aber daß viele unter ihnen durch Leichtgläubigkeit, um nicht Leichtfertigkeit zu sagen, des Vergehens gegen den Frieden sich schuldig machten, unterliegt nicht dem Schatten eines Zweifels. 208 da von rung ve kam? Bevor kann, m vor dem sen nich kern vo Tschech burg, Le lich an ten, als reiches brachtem Wer bin ich Genau von des mordet tausend fünf Mi Staatsa fragte, beziehe für den Ware Hitler z gegense gedacht Ware Berlin wesenh diese, an wurde rungsm haben? rung, de alle Ma 14 meinen verfen. eufelei, chöpfecht. ihuban dem sdeutwas in er des glaubte. fürchann so ter der zen und e überda war lpropan Ä.her Erfolg! Warner, ten den limente , Adolf lt keine bigkeit, Frieden weifels. Wenn das deutsche Volk jahraus, jahrein sah, wie auswärtige Völker durch ihre Minister und Gesandten das Hitlersystem bejahten, wer durfte da von diesem Volke verlangen, daß es von Anfang an die Hitlerregierung verneinen sollte, die unter einem von Hindenburg an die Macht kam? Bevor das deutsche Volk dafür zur Rechenschaft gezogen werden kann, müßte zuerst eine große Anzahl ausländischer Regierungsmänner vor dem Tribunal eines Weltgerichts erscheinen, wenn das Weltgewissen nicht ganz auf das Recht verzichten soll. Darf man den braven Völkern von Holland, Belgien, Frankreich, Griechenland, Rußland, der Tschechoslowakei, Jugoslawien, Polen, Norwegen, Dänemark, Luxemburg, Lettland und Litauen zurufen: ,, Ihr alle seid kollektiv verantwortlich an den Verbrechen, deren Eure eigenen Nazis sich schuldig machten, als sie Bürger Eures Landes ermordeten und der Gestapo des Hitlerreiches Helferdienste leisteten, sowie Euch alle durch Verrat in Gefahr brachten!" Wer an das Recht glaubt, wird sich dazu niemals hergeben. Davon bin ich überzeugt! Genau so wenig darf man die Mehrzahl des deutschen Volkes belasten, von dessen Bürgern viele Hunderttausende in Konzentrationslagern ermordet wurden. Hören Sie bitte, Herr Anklagevertreter, viele hunderttausend Christen beider Richtungen wurden umgebracht, von den fünf Millionen jüdischer Leichen ganz zu schweigen... Weil der Herr Staatsanwalt, wie ich das schon erwähnte, mehrere Dutzend Male fragte, waren das nicht Deutsche? waren das nicht Deutsche?-, so beziehe ich mich auf das Sprichwort:, Was für den einen recht ist, ist für den andern billig und deshalb stelle ich meine Gegenfragen: - Waren es nicht hohe kirchliche Würdenträger, die sich mit Adolf Hitler zusammen photographieren ließen in dem Moment, als sie sich gegenseitig tief voreinander verbeugten? Was einer von dem anderen gedacht hatte, steht hier nicht zur Debatte. Waren es nicht Vertreter der damaligen polnischen Regierung, die in Berlin eine polnische Ausstellung eröffneten, wobei sie sich der Anwesenheit von Hitler, Göring, Goebbels und Himmler erfreuten? Auch diese, an die Adresse der Naziopfer gerichtete große Geschmacklosigkeit, wurde im Bild festgehalten. Waren nicht Minister und andere Regierungsmänner Polens sehr stolz darauf, Göring als ihren Jagdgast zu haben? War es nicht ein Vertreter einer mächtigen ausländischen Regierung, der eines Tages ein dickes Buch schrieb, in dem er Göring über alle Maßen lobte? 14 209 Wann das war?- Während des zweiten Weltkrieges!! Um kein Miẞverständnis aufkommen zu lassen, wiederhole ich: Während des zweiten Weltkrieges schrieb dieser Diplomat sein Buch. Wenn der Herr Anklagevertreter das nicht wissen sollte, so bin ich gern bereit, ihm ein solches Buch zur Verfügung zu stellen. Henderson, ist der Name des Autors. Er stand in Englands Diensten, dessen Volk so unbeschreiblich unter dem zweiten Weltkrieg zu leiden hatte... Waren es keine Diplomaten fremder Mächte, die alljährlich zu den Nürnberger Tagungen der Hitlerpartei reisten und durch ihre Anwesenheit die ganze Nazibewegung besonders ehrten? Große Auflagen damaliger Aufnahmen, die heute Wert als Dokumente besitzen, halten das photographisch fest." - Große Bewegung im Saale. ,, Waren es nicht anderer Länder Söhne, die an den internationalen Sportveranstaltungen in Berlin teilnahmen und erkämpfte Auszeichnungen von Hitler persönlich empfingen... von ihm dem Minderwer- tigen, der sich anmaßte, über Rassen zu Gericht zu sitzen...! Waren es nicht fremde Völker, die von Göring beleidigt wurden, indem er behauptete, sie hätten Dreck in ihrem Kopf? Wenn es als eine Vergeltung anzusehen ist, daß in diesem oder jenem Lande den Nazis erlaubt wurde, Hitlervereine zu gründen, dann ist das Dritte Reich sehr hart bestraft worden." 99 Lachen im Saale. - Waren es nicht ausländische Regierungen, die ihre eigenen höheren Beamten, zuweilen sogar Minister, bei Staatsempfängen fernhielten, wenn der Empfang Hitlers Minister oder ihm seibst galt? Warum das möglich gewesen ist? Weil die vom Empfang Ferngehaltenen ein Rechenproblem bildeten, nämlich Viertel- bis ganze Juden waren." - 99 Großes Gelächter.- , Waren es nicht Kaiser und Könige, Landespräsidenten und andere hohe Staatsbeamte, die den zwanzigsten April, den Geburtstag Adolf Hitlers, um keinen Preis vergessen wollten? Große Mengen von Glückwunschtelegramm sandte die ganze Welt an diesem Tage, obzwar zu gleicher Zeit Bürger und Untertanen der Gratulanten in Hitlers Konzentrationslagern gefangen gehalten und nach Gestapoart, bewirtet' wurden. Die Naziverbrecher versetzten gar viele von denen in die Lage, sich wegen der Rückreise in ihre Heimat keine Sorgen zu machen der Einfachheit halber wurden sie ermordet..." - Pfuirufe im Saale. - ,, War aller H Untersc weg we In Eh Ware ach, wi ihrer K Ware Nazigr in den K von St oder ga Wie, Glauber ser info - Br Ware , pstman si die Naz turblatt diese a Ware von ihr stellten Daß de Wetter was sie ihr Geh Ware ob ihre land ve Wer denn da Goebbe vieles German würde 210 zur Zei 14* : Wäh- 1. din ich derson, Volk so zu den ‚wesen- | dama- ten das tionalen ichnun- derwer- den, in- als eine n Nazis ich sehr höheren ielten, rum das ein Re- | andere 1g Adolf n Glück- zwar ZU Konzen- jet‘ WUl- lie Lage, on n— 0 EEE VE U ——— „Waren es nicht Damen der sogenannten vornehmen Gesellschaft aus aller Herren Ländern, die Adolf Hitler um sein Bild mit eigenhändiger Unterschrift geradezu anbettelten? Manche unter ihnen über den Um- weg weltberühmter Diplomaten... In Ehren stand die Schande! Waren es nicht ausländische Künstler und Künstlerinnen, die sich— ach, wie gern— zur Verfügung stellten, um den Führer in den Genuß ihrer Künste zu bringen? Waren es nicht ausländische Regierungsmänner, die sich von den Nazigrößen bei Sekt und Gelagen feiern ließen, während zu gleicher Zeit in den Konzentrationslagern Tausende von Gefangenen ohne Unterschied von Staatsangehörigkeit und Religion auf bestialische Weise gequält oder gar umgebracht wurden? Wie, das wäre diesen Regierungsmännern nicht bekannt gewesen? Glauben Sie mir, diese Leute waren durch ihren Geheimdienst viel bes- ser informiert, als der größte Teil des deutschen Volkes!“ — Brausender Beifall.— Waren es nicht fremde Regierungen, die über-die-Hitleraufrüstungen ‚pst— pst‘ zuriefen, nicht so scharf gegen die Nazis zu schreiben, weil man sie keinesfalls verärgern wollte? Zu gleicher Zeit aber schrieben die Naziblätter vom Schlage des ‚Völkischen Beobachters‘ und das Kul- turblatt ‚Der Stürmer‘ die allerpöbelhaftesten Verleumdungen gegen diese ausländischen Regierungen und deren Bürger. Waren es nicht fremde Regierungen, die über die Hitleraufrüstungen von ihrem Sricnagedienst aufs beste unterrichtet waren, sich aber taub stellten, weil sie die Windrichtung nach der anderen Seite erwarteten? Daß der Wind sich drehen könnte, war ihnen unbekannt, dern politische Wetterkunde hatten sie nie studiert. Im übrigen glaubten sie nur an das, was sie wünschten und zeigten Verlegenheit, wenn es anders kam, als ihr Gehirn im voraus ausdenken konnte. Waren es nicht arische Spanier, Italiener, Franzosen und andere, die ob ihres jüdischen Aussehens anläßlich ihres Aufenthaltes in Deutsch- land verprügelt wurden? Wer erlaubte diese planmäßigen Überfälle?— Die Hitlerregierung, denn das war nach dem Geschmack der großen Germanen Dr. Joseph Goebbels, Saukel, Streicher und anderer Nazigewaltiger, denen man vieles nachsagen kann, aber keinesfalls, daß sie eine Ähnlichkeit mit dem Germanen Hermann dem Cherusker gehabt haben. Der Cheruskerfürst würde sich sonst im Grabe gedreht haben. Ein Glück ist es, daß sie nicht zur Zeit des Ritters Götz von Berlichingen lebten. Der würde ein so un- 14* 211 miẞverständliches Deutsch mit ihnen gesprochen haben, daß er dafür eine Belagerung seiner Ritterburg in Kauf genommen hätte... Waren es nicht ausländische Regierungsmänner und Finanziers, die Hitler durch verkappte Geldquellen halfen, seine Aufrüstungen durchzuführen? Die Mehrzahl dieser Genies lebt noch. Wenn sie dereinst mit dem Tode ringen ihr Gewissen wird ihnen keinen Beistand leisten. Sie hatten schon keines zu Lebzeiten. Der Reue und Scham gingen sie stets aus dem Wege. Der Schande dienten sie: Adolf Hitler! - Waren es nicht ausländische Regierungen, die den in ihrem Hoheitsgebiet an Emigranten durch die Gestapo verübten Morden Sühne angedeihen ließen, indem sie der Naziregierung nach Berlin einen Finger machten und je nach der Schwere des Falles noch, Du, Du Böser' hinzusetzten?" - Großes Gelächter. ,, Waren es nicht Ausländer, die während ihres Aufenthaltes in Deutschland den Hitlergruß in, Figur' und Wort nachäfften? Diese meine Fragen könnte ich mit Leichtigkeit noch um ein Vielfaches vermehren. Ich verzichte aber darauf, weil ich den Fragerekord des Herrn Vertreters der Anklage nicht zu brechen verpflichtet bin. Was nützen aber schließlich alle meine Fragen, wenn wir keine richtige Antwort darauf hören? Diese Antwort liegt einzig und allein bei dem Schiedsgericht der Liga der Menschenrechte. Um meine Schuldigkeit zu tun, will ich nunmehr die Gesamtrechnung offen auf den Tisch legen... Wenn das Weltgewissen die Verantwortung dafür trägt, daß meine Gegenfragen, die auf reine Tatsachen hinweisen, nicht zur Lächerlichkeit werden sollen, dann steht doch fest, daß schon auf Grund der durch mich vorgetragenen wahren Berichte das deutsche Volk sich sagen durfte:, Mit der Hitlerregierung scheint doch alles in Ordnung zu sein, sonst würden sich fremde Regierungen keinesfalls dazu hergeben, dem Ansehen. Hitlers Vorschub zu leisten." Seien Sie gewiß, meine Herren vom Schiedsgericht, daß es mir fernliegt, einer der in meinen Fragen gemeinten Dame oder einem dieser Herrn etwa nachsagen zu wollen, sie hätten die Kanaille Hitler stets erkannt, wozu doch außer einem, bei ihnen nicht immer vorhandenen Willen etwas Intelligenz gehört haben würde. Wenn man aber, wie ich schon öfters sagte, Hitler als den größten Betrüger und Volksverführer bezeichnen darf, dem es gelang, fast alle ausländischen Regierungen zu überlisten, dann kann ich auf keinen Fall einsehen, warum der Durch212 schnittsh jenigen, Besteh sche Sta beste Di Der D nach An von der Somit sche Vol - teiligt w sondern En ,, Bei a man ihm lichter l machte nung po sondern Erst a marschi Trocken fügen da wurde, der Mut er irgen oder ga Gesicht mal er Wenn ihn nach Herr Ve hat das Zum Souverä gegen C darauf Teilen C Wir h Dr. Kre dafür ers, die durchereinst leisten. gen sie oheitsne anFinger hinzualtes in elfaches ord des ne richlein bei chuldigen Tisch B meine cherlicher durch ch sagen zu sein, pen, dem mir fernm dieser tler stets mandenen , wie ich verführer ungen zu er Durchschnittsbürger, wenn er ein Deutscher ist, gescheiter sein muß, als diejenigen, denen meine Fragen gelten. Besteht irgendein internationales Abkommen, das besagt, der deutsche Staatsbürger macht sich strafbar, wenn er weniger klug ist als der beste Diplomat des Auslands, ganz gleich, wer jener auch sein mag? Der Diplomat durfte sich, irren', dem deutschen Volke aber war es nach Ansicht der Herrn Vertreters der Anklage bei Strafe verboten, sich von der Hitlerpartei betrügen zu lassen. Somit hatte auch das Ausland seinen Teil dazu beigetragen, das deutsche Volk irrezuführen. Wenn jemand an der Verführung einer Frau beteiligt war und ihr später, Dirne' zuruft, so ist das nicht nur Unrecht, sondern auch ungehörig." · Enormer Beifall.- ..Bei allen Nazibelangen handelte es sich wie um ein Irrlicht; je näher man ihm kommt, desto mehr gerät man in den Sumpf, von dem die Irrlichter leuchten. Der ganze Regierungs- An- und-Verlauf Adolf Hitlers machte aus Deutschland nichts anderes als ein Sumpfgebiet erster Ordnung politischer Natur. Das Volk geriet nicht nur bis zum Knie hinein, sondern bis an den Hals. Erst als die siegreichen Armeen der Alliierten in Deutschland einmarschierten und der Bandit weggefegt war, da wurde es wieder auf's Trockene gezogen. So war es und nicht anders, wobei ich noch hinzufügen darf, daß, sofern Hitler nicht durch Martin Bormann erschossen wurde, ich an seinen Tod nicht glauben kann, weil solchen Tyrannen der Mut zum Selbstmord fehlt. Ich würde mich weniger wundern, wenn er irgendwo in der Welt als christliche oder jüdische Krankenschwester oder gar als Nonne sich verbirgt. Den Schnurbart weggedacht, und sein Gesicht wäre kein Hindernis mehr, die Maskerade durchzuführen, zumal er außergewöhnliche Talente eines Schauspielers besaẞ. Wenn man einen aus dem Sumpf gezogenen Menschen nur rettet, um ihn nachher wegen seines Unfalles zu beleidigen, dann ist das, was der Herr Vertreter der Anklage vertritt richtig. Aber wahrlich mit Recht hat das nichts zu tun. - Zum zweiten Male weise ich darauf hin, daß das deutsche Volk seiner Souveränität beraubt war, so daß es zur Tatenlosigkeit verdammt blieb, gegen die Tyrannei mit Erfolg aufzutreten. Es gehört auch zur Sache, darauf hinzuweisen, daß vor der Hitlerzeit das deutsche Volk in allen Teilen der weiten Welt nicht weniger als andere Völker angesehen war. Wir hörten hier in Genf keinen besseren Zeugen dafür als Herrn Dr. Kreuschke; daß er in dieser Beziehung nur die Deutschen der Vor213 hitlerperiode meinte, spielt gar keine Rolle. Die Zeit des Tyrannen dauerte trotz aller Schrecknisse, die sie brachte, nicht einmal ein und ein halbes Jahrzehnt. Was aber bedeutet in der Geschichte des deutschen Volkes eine so verhältnismäßig kurze Zeitspanne? Hitler kam, Hitler verschwand, das deutsche Volk aber blieb. Mit keinem Wort hat der Herr Vertreter der Anklage diejenigen des deutschen Adels und der Bürgerschaft erwähnt, die im Untergrund gegen das Barbarensystem kämpften und mutig starben... Wieviele solcher Helden gab es? Wieviele Heldinnen? Wer führte deren Namenslisten? Nicht einmal offiziell beweint durften sie werden, es sei denn in stiller dunkler Kammer. Auch jüdische Menschen wurden sehr oft von christlichen Bürgern verborgen gehalten und verpflegt. Daß das unter Lebensgefahr für die Retter geschah, brauche ich nicht lange zu betonen. Was hörten wir von der Zeugin Bernstein? , Eines Tages kam der Nachbar Fritz Pfeffer ganz aufgeregt, um mir mitzuteilen, daß in der kommenden Nacht alle Juden verhaftet und deportiert werden sollten. Nach Anbruch der Dunkelheit kommen Sie mit Ihren zwei Buben zu uns. Als die Nacht kam, ging ich mit meinen Kindern zu Pfeffers. Vier Jahre haben uns diese guten Leute versteckt gehalten. Dann brach die Partei der Mörder zusammen, und meine Kinder und ich waren gerettet. In jedes Gebet schließe ich seitdem meine christlichen Retter ein... - Überlegen sie sich bitte, vier lange Jahre verbargen Pfeffers- trotz ständiger Lebensgefahr die dem sicheren Tode geweihten Juden. Solche Fälle sind zahlreicher vorgekommen, als viele Deutschenhasser wahi haben wollen, denen auch nachfolgender Tatsachenbericht zur Kenntnis gebracht werden soll: In Berlin Nord- West, Heidestraße Nummer 54, lebte der deutsche Gelehrte Professor Walter Arnd. Ein Mann von Weltruf! Am 4. September 1943 traf er seine und seiner Schwester beste Freundin, eine gewisse Frau Mehlhausen. Er unterhielt sich mit ihr über die Bombenangriffe auf Deutschland:, Du wirst sehen, in nicht allzu ferner Zeit ist die Tyrannei in unserem Lande vorbei, und dann kommt die Periode, in der alle Naziverbrecher zur Rechenschaft gezogen werden. Auch wegen der Christen- und Judenverfolgungen wird man noch ein Wort mit der Mörderbande zu sprechen haben. Bedenke doch, einige Millionen jüdischer Menschen haben sie umgebracht! Tausende von guten Christen starben ihres Glaubens wegen unter denen sich mehr als zweitausend katholische und evangelische Geistliche befanden. Vor Gott und der Welt ist so etwas nicht zu rechtfertigen. Gelt, Du bist doch der gleichen Ansicht wie ich?" 214 fragte Wovon des, ve aller W Dr. Fr deutsch führers Kelch der En Soll zeiche - und si -C „ An So wi Mehrz durch Verwi samke We sind m zähle, Waru Schiff Gewi bei d kaum Wi menb uns. mals gewo ahnum Tod grant stapa gesto Gewi sie, m finde en dauund ein utschen b. Mit s deutgegen solcher slisten? mstiller christLebensmen. um mir tet und men Sie meinen ersteckt ine Kinn meine - trotz Juden. enhasser icht zur sche Geptember gewisse griffe auf Tyrannei alle NaziHer ChriMörderher Menben ihres ische und so etwas wie ich? fragte der Gelehrte. Frau Mehlmann, die seit 1935 Parteimitglied war, wovon der Professor keine Ahnung hatte, bejahte die Frage des Freundes, verabschiedete sich von ihm und erstattete Anzeige gegen den in aller Welt geachteten deutschen Wissenschaftler. Von der Mordinstanz Dr. Freisler, einem der berüchtigsten Blutrichter der Erde, wurde der deutsche Gelehrte am 11. Mai 1944 unter Mitwirkung des SS- Obersturmführers Wittmer, des SS- Oberführers Hell und des Ortsgruppenleiters Kelch zum Tode verurteilt. Der 26. Juni des Jahres 1944 war der Tag der Enthauptung. Sollte jemand meinen Bericht anzweifeln, so kann er unter Aktenzeichen 5/ J- 728/ 44 die heute noch vorhandenen Prozeßakten einsehen und sich von der traurigen Wahrheit überzeugen." - Große Bewegung im Schiedsgerichtssaale. - ,, An solchen Beispielen sehen wir, was sich im Dritten Reich abspielte. So wie dieser Fritz Pfeffer und der Gelehrte Walter Arnd dachte die Mehrzahl des deutschen Volkes. Daß sie nicht alle so handelten, war durch menschliche Schwäche, Angst, Erschrockenheit, Mutlosigkeit, Verwirrung, Verzweiflung und Gemütsschock verursacht. Die Schweigsamkeit war über den anständig denkenden Deutschen gekommen! Wenn es anders gewesen wäre, dann frage ich vor aller Welt, warum sind nicht alle Hitlergegner, einschließlich der Juden, zu denen ich mich zähle, schon in den Jahren 1933 bis 1936 aus Deutschland geflüchtet? Warum warteten soviele mit der Flucht, wie ich es tat? Fehlte es an Schiffskarten und Visa, oder blieben die Auslandsgrenzen unerreichbar? Gewiß, bei sehr vielen mag das eine wichtige Rolle gespielt haben, aber bei denen, die so dachten wie ich- ihre Zahl ist enorm traf das kaum zu. - - Wir waren fest davon überzeugt, daß das ganze Hitlersystem zusammenbrechen würde. Wir haben recht behalten, nur im Datum irrten wir uns. Dagegen konnten wir die Barbarenfähigkeiten der Nazibande damals ganz unmöglich in Rechnung stellen. Es sind genug Fälle bekannt geworden, daß sogar Menschen, die im Auslande in Sicherheit weilten, ahnungslos wieder nach Deutschland kamen und somit in den sicheren Tod gingen. Auch ist es vorgekommen, daß fremde Regierungen Emigranten wieder an die deutsche Grenze bringen ließen, um sie der Gestapo zu übergeben, wodurch sie ohne jedes Erbarmen in den Untergang gestoßen wurden. Ob diese Barbarendiener irgendeinen persönlichen Gewinn davon hatten, will ich zu deren Gunsten nicht annehmen. Daß sie, mit schwerem Gewissensdruck belastet, Tag und Nacht keine Ruhe finden, hoffe ich sehr. Sollten diese erbärmlichen Zeitgenossen den Ver215 such wagen, ihre Qual durch Zuspruch von Alkohol zu verscheuchen, so werden sie, bevor ihnen der seelische Befreiungsschluck gelingt, an Delirium zu Grunde gehen!" - Große Unruhe im Gerichtssaale. ,, Meine Herren Schiedsrichter! - - Nunmehr ist es Sache dieses von der Liga der Menschenrechte ins Leben gerufenen Schiedsgerichts mit dazu beizutragen, daß die heiligsten Güter der Menschheit die Menschenrechte auch für das deutsche Volk volle Geltung behalten. Der Weg hierzu ist, die Deutschen von der Kollektivschuld völlig freizusprechen. In Ihrer Hand, meine Herren Richter, liegt es, ihnen eine Straße zu bauen, auf der sie wieder zur Völkerfamilie gelangen können! - Der Krieg ist, technisch gesehen, schon längst vorbei, es besteht somit kein Grund mehr, das Versprechen der siegreichen Alliierten durch den Mund ihrer Regierungschefs verbrieft nicht zu erfüllen, nämlich das deutsche Volk von der Würgerpartei zu befreien, wozu in allererster Linie gehört, daß im allgemeinen ein Unterschied gemacht werden muß, zwischen der anständigen Bevölkerung und den Naziverbrechern. Sie, meine Herren, stehen sozusagen als Pioniere des Rechts im Dienste der Menschheit; also der Menschenrechte, auf die die Reichsbevölkerung genauso gut Anspruch erheben darf wie irgendein anderes Volk der Welt. - - - Daher bauen Sie nicht nur die Straße, von der ich vorhin sprach, sondern zeigen Sie sich auch als Brückenbauer zwischen allen Völkern der Erde, von denen man kann es gar nicht genug sagen das deutsche Volk nicht ausgeschlossen werden kann und darf, sofern die Göttin des - das Symbol der Gerechtigkeit Rechts ihrer Augenbinde nicht verlustig erklärt werden soll. Tränen und Herzeleid brachte der Tyrann Adolf Hitler mehr als genug über Deutschland und die Welt. Tragen Sie durch Ihr Urteil, das nur auf Freispruch lauten kann, dazu bei, daß die Zeiten des Friedens und der Eintracht ohne Unterschied für alle Völker wiederkehren. Darum bitte ich Sie nicht nur als Mensch, darum bitte ich Sie nicht nur als Verteidiger, sondern auch als Jude bitte ich Sie, der für Deutschland spricht. Gott ist mein Zeuge! Die Me fallsstürm Jehuda L Es dau der Schie ,, Da es das letzt Angeklag an allen regierung Tiefbe „ Herr mit einer zahl haß Dr. W ..Herr schreibli niger; da Profes „ Mein der Wis wer die Naziherm sage de schuld d zu viele Desweg viel zu w zu viele Wissens meine A Profe Volkes nicht n Mehrza ,, Mein den Bes gläubig heit, Elm kern des 216 men, so gt, an hte ins heiligs deuttschen meine wieder eht soten erfüllen, vozu in emacht Nazichts im Reichsanderes ch, sonern der eutsche ttin des - nicht s genug nur auf und der Sie nicht DeutschDie Menge im Zuhörerraum und in den Logen brach in wahre Beifallsstürme und Sympathiekundgebungen für den Verteidiger Isaak Jehuda Löwenstein aus. Es dauerte eine Weile, bis die Begeisterung verebbte... Dann ergriff der Schiedsgerichtspräsident wieder das Wort: ,, Da es zu den Gepflogenheiten jedes Gerichts gehört, den Angeklagten das letzte Wort zu erteilen, so frage ich hiermit die vier symbolisch Angeklagten zum letzten Male: Bekennen Sie, daß das deutsche Volk an allen geschehenen Verbrechen, die mit Willen und Wissen der Hitlerregierung begangen wurden, kollektiv schuldig ist?" Tiefbewegt sagte Dr. Rumpf: ,, Herr Präsident, ich kann die schon oft an mich gerichtete Frage nur mit einem klaren, Nein' beantworten; das deutsche Volk in seiner Mehrzahl haẞte die Nazis." Dr. Werle erwiderte: ,, Herr Schiedsgerichtspräsident, die Welt hat durch die Nazis unbeschreibliches Elend erdulden müssen, aber das deutsche Volk nicht weniger; daher kann von einer Kollektivschuld keine Rede sein." Professor Urhan, Dekan der Universität Marburg, antwortete: ,, Meine Herren Schiedsrichter, seit mehr als dreißig Jahren diene ich der Wissenschaft, mit Politik hatte ich überhaupt nichts zu tun. Aber wer die Geschehnisse in Deutschland von 1933 bis zum Untergange der Naziherrschaft beobachtete, wie ich das tat, muß, wann er an der Aussage der Wahrheit nicht behindert wird, sagen, daß von einer Kollektivschuld des deutschen Volkes gar keine Rede sein kann. Dafür sind viel zu viele deutsche Bürger von den Nazis verfolgt und umgebracht worden. Deswegen haben viel zu viele Deutsche Tränen vergossen... Dazu sind viel zu viele Geistliche aller Religionen getötet worden... Dazu sind viel zu viele Deutsche freiwillig ins Exil gegangen, worunter sich die besten Wissenschaftler der Welt befanden. Wer meine Einwände bejaht, muß meine Ansicht teilen und die Frage der Kollektivschuld verneinen." Professor Weber, der abermals die Kollektivschuld des deutschen Volkes bestritt, erklärte noch, daß alles, was der Verteidiger gesagt habe, nicht nur seine persönliche Meinung darstelle sondern auch die der Mehrzahl des deutschen Volkes. ,, Meine Herren Richter, die Majorität wollte ganz bestimmt nichts mit den Bestialitäten der Obernazis zu tun haben. Dafür ist es ein viel zu gläubiges Volk, das in Bezug auf Fleiß, Gastfreundschaft, Rechtschaffenheit, Ehrbarkeit, Sauberkeit und Familier.sinn es mit allen anderen Völkern der Erde aufnehmen kann. Im Namen jener Deutschen bitte ich Sie, 217 mir zu glauben und dieses so furchtbar heimgesuchte Volk von der Anklage der Kollektivschuld freizusprechen." Zum letzten Male bekam jetzt der Vertreter der Anklage, Dr. Kreuschke, das Wort erteilt: ,, Meine Herren Richter, ich habe Gelegenheit gehabt, vieles zu erfahren, was sich bisher meiner Kenntnis entzog. Ich will zugeben, daß das Ansehen des Volkes der Deutschen in aller Welt als gut zu bezeichnen war; ferner weiß ich, daß die Pflege der deutschen Wissenschaft, Kunst, Technik und Musik usw. auf ausgezeichneter Höhe stand... Aber, man darf keinesfalls übersehen, daß das alles vor der Hitlerregierungszeit gewesen ist, die sich die Reichsbürger nicht nur herbeiwünschten, sondern selbst mit Freude und Genugtuung zurechtzimmerten. Wenn zum Beispiel ein Mensch, der sich sein ganzes Leben lang gut geführt hatte, eines Tages hingeht und einen Raubmord ausführt und so zum Räuber und Mörder wurde, sollte man ihn dann keiner gerechten Bestrafung zuführen, weil sein Anwalt darauf aufmerksam macht, daß der Raubmörder bis zur Begehung seines Verbrechens ein so braver Mann gewesen sei, der noch nicht einmal eine Fliege an der Wand hätte töten können? Meine Herren Schiedsrichter, ebenso wenig, wie man einen derartigen Verbrecher unschuldig erklären wird, kann man die Deutschen freisprechen, weil sie gemeinsam die Verantwortung für alle Naziverbrechen zu tragen haben, solche wünschten, duldeten und ausführten. Daher bitte ich Sie noch einmal, gemäß meiner Anträge zu handeln und das Barbarenvolk zu verurteilen." Damit war die Aufgabe des Anklagevertreters Dr. Kreuschke erledigt. Jetzt bekam die Verteidigung das Schlußwort: ,, Sehr geehrter Herr Präsident, meine Herren Richter! So wie der wahrhaft Fromme den Teufel niemals fürchtet, hätte die politische Welt den Satan Adolf Hitler auch nicht fürchten sollen. Es lag nicht an den Religionen, daß dieser Unhold so glaubenswidrig hauste. Sie bildeten nur einen Vorwand. Das Mißtrauen aller gegen alle war der Keimträger der Naziseuche, die dem deutschen Volke als eine politische Epidemie aufgezwungen wurde. Die Verantwortlichen im politischen Weltgeschehen zeigten sich alle viel zu nachgiebig gegen das Ungetüm Adolf Hitler. Unter ihnen gab es auch solche Staatsgrößen, die von Hintergedanken gesättigt, den Verderber in der Hoffnung gewähren ließen, ihre eigenen Pläne durchführen zu können, die von schändlichem Egoismus geschwängert waren. Die Mehrzahl der Demokratien rasselte nur mit den Ketten, fangen wollten sie den bissigen Hund erst dann, wenn die 218 gesetzlich gewisser ausfahren stifter Ad nicht ein rüstet se großen S lich ihre den wir krieg fes Zirka den sich Mehr al lassen, durch di Welt, m ist siche schüttel Wenn ich das ich nich Wie Feststel regierun aus, da schücht Mehrhe konnte lassen. das höc Souver und wu Wie einer s Gesetz beauftr Geselle zu alle wissen des de der AnAnklage, zu erfahdaß das zeichnen t, Kunst, ber, man ungszeit ten, sonenn zum art hatte, Räuber estrafung er RaubMann gette töten erartigen freisprerbrechen m. Daher und das erledigt. hätte die en. Es lag auste. Sie war der politische olitischen Ungetüm von Hinen ließen, em EgoisEsselte nur wenn die gesetzliche Handhabe dafür gegeben war. So handelten die Weltmächte gewissermaßen als die Feuerwehren, die erst dann zur Brandlöschung ausfahren, nachdem das Feuer ausgebrochen ist. Als aber der Brandstifter Adolf Hitler das Haus anzündete, da hatten diese Feuerwehren nicht einmal genug Feuerwehrspritzen. Daß sie besser hätten ausgerüstet sein müssen, um den Schaden zu verhüten, merkten sie zu ihrem großen Schrecken erst, als es zu spät war und alle Häuser, einschließlich ihrer eigenen, in hellen Flammen standen. So kam der Weltbrand, den wir in unserer Gehirnregistratur unter dem Namen, der zweite Weltkrieg' festhalten... Zirka fünfzig Millionen Männer und Frauen der alliierten Welt befanden sich in Uniform und Bewegung, um der Hi.lerflamme Herr zu werden. Mehr als fünfzehn Millionen mußten bei den Löscharbeiten ihr Leben lassen, ohne die Zuschauer, Zivilisten genannt, von denen, nicht zuletzt durch die unentschuldbare Gleichgültigkeit der politisch verantwortlichen Welt, mehr als zehn Millionen auf den Brandherden liegen blieben. Eines ist sicher: die Generationen, die nach uns kommen, werden die Köpfe schütteln. Wenn sie die Verantwortlichen abfällig verurteilen würden, so könnte ich das verstehen; denn, daß die heutige Welt so etwas zuließ, bezeichne ich nicht nur als einen Fehler, sondern als eine Schmach!! Wie war es nun um die Bevölkerung des Dritten Reiches bestellt? Feststeht, daß der größere Teil des deutschen Volkes mit der Tyrannenregierung nicht einverstanden gewesen ist. Ich setze als bewiesen voraus, daß große Massen der Bevölkerung gequält, unterdrückt, eingeschüchtert, eingesperrt und getötet wurden. Ganz bestimmt war die Mehrheit des Volkes sehr unglücklich. Ein einziges unbedachtes Wort konnte den Kopf kosten. Tausende von Bürgern mußten so ihr Leben lassen. Zum dritten und zum letzten Male sage ich, die Deutschen hatten das höchste Gut, das ein Volk überhaupt besitzen kann, verloren: die Souveränität. Sie blieben ohne Schutz und Recht, hatten nichts zu sagen und wurden um nichts gefragt. Wie benahm sich der Hitlerreichstag, solange er am Ruder war? Hat einer seiner Abgeordneten auch nur ein einziges Mal gegen irgendeine Gesetzesvorlage Einspruch erhoben? Hat jemals einer dieser ,, Volksbeauftragten" gegen die begangenen Verbrechen gewettert? Nein, diese Gesellen zeigten sich erbärmlich feige, denn sie gaben ihr Einverständnis zu allem, was verlangt wurde... Und die Mehrzahl von ihnen war gewissenlos! Das Ausland hatte ein ganz falsches Bild von der Majorität des deutschen Volkes. Es sah wohl die gewaltigen Aufmärsche, die alle 219 befohlen waren, aber in die traurigen Herzen konnte keiner Einsicht bekommen, auch das Ausland nicht. Die meisten Berichte über das deutsche Volk waren unzutreffend, weil man zwischen Nazis und Deutschen überhaupt keinen Unterschied machte. Zudem, wer hätte die Berichte korrigieren sollen? Wer von den Deutschen konnte wagen, das zu tun, solange er noch in Deutschland ansässig war oder Angehörige dort hinterließ, während er ins Ausland flüchtete? Die Ohnmacht, untätig zusehen zu müssen, den Mund zu halten und zu gehorchen, war zur Gewohnheit geworden. Auch diese Tatsache, meine Herren Schiedsrichter, trägt dazu bei, daß ich, von meiner innersten Überzeugung ausgehend, die Mehrzahl der Reichsbürger für unschuldig halte. Das Märchen von der Kollektivschuld des deutschen Volkes muß begraben werden. Es ist ein Lügengewebe ein Hirngespinst! - Darum bitte ich zum letzten Male um Freispruch!" Damit war der Verteidiger Isaak Jehuda Löwenstein mit seiner Rede zu Ende. Andere gessen edle Ta einige, chen w nennen sind eir schen s Gewiss Freit und Zu die Glo „ Das zehn S auch d hört, d Nun ergriff der Schiedsgerichtspräsident abermals das Wort, das diesmal mehr an die Öffentlichkeit gerichtet war als an das Schiedsgericht selbst. Nach kurzem Applaus, der ihm dargebracht wurde, begann er: ,, Wir nähern uns nunmehr der Verkündung des Urteils darüber, ob die Frage einer Kollektivschuld des gesamten deutschen Volkes zu bejahen oder zu verneinen ist. Möge der Allmächtige uns Schiedsrichtern den richtigen Weg zeigen, ein gerechtes Urteil zu finden und uns beistehen, daß wir es auch in die Tat umsetzen. Das Schiedsgericht wird sofort mit der Beratung beginnen, und morgen um 15 Uhr werde ich die Ehre haben, das Urteil bekanntzugeben." Der Saal leerte sich allmählich. Auf der Straße hörte man noch lange Debatten über das zu erwartende Urteil. Viele prophezeiten Freispruch, andere glaubten an Schuldigsprechung... In der kommenden Nacht schlief der Dekan sehr schlecht; es war allerhöchste Zeit, daß die ganze Schiedsgerichtsangelegenheit so oder so zu Ende kam, denn seine Nerven versagten nahezu. Für Professor Löwenstein waren aus aller Welt Dutzende von Telegrammen eingetroffen. Juden, Christen und Angehörige anderer Religionen waren die Absender. Viele seiner Glaubensgenossen machten ihm große Vorwürfe, weil er sich so für die Deutschen ins Zeug lege. mit elf Das allen organi da sich stein in Bez Die ausge rechte Verein des H Ich haben We Löwe einem schrei Dar ameri hatte wußt 220 Einsicht as deututschen Berichte zu tun, ort hinzusehen wohnheit bei, daß zahl der OllektivLügener Rede as diessgericht T: r, ob die bejahen tern den eistehen, ofort mit die Ehre ch lange eispruch, es war oder so on Telerer Relimachten eug lege. Andere fragten ihn, ob er denn die fünf Millionen ermordeter Juden vergessen habe. Wieder andere Juden telegraphierten ihm ,, bravo" ,,, eine edle Tat" ,,, das Menschliche im Menschen"! Dagegen drahteten auch einige, daß das ganze keinen Eindruck auf die antisemitische Welt machen würde. Ali Ben Tamara aus Jerusalem kabelte:„ Von heute ab nennen Sie mich Ihren Freund." König Ibn Simcho telegraphierte: ,, Sie sind ein wahrer Freund der Menschheit; zu schade, daß nicht alle Menschen so sind wie Sie." Ihm antwortete der Gelehrte: ,, Ich tat, was mein Gewissen mir befahl, Gott schütze Eure Majestät." * Freitag, lange bevor das Urteil verkündet werden sollte, waren Logen und Zuhörerraum bis auf den letzten Platz besetzt. Punkt drei ertönte die Glocke. Der Präsident, Herr E. O. Lallemant, ergriff das Wort: ,, Das Schiedsgericht der Liga der Menschenrechte hat nach mehr als zehn Stunden Beratung, unter Inrechnungsstellung aller Momente, wozu auch der Bericht der nach Deutschland gesandten Spezialkommission gehört, die gestern zu später Abendstunde wieder zu uns zurückkehrte, mit elf Stimmen, das heißt also einstimmig, folgendes Urteil gefällt: , Das deutsche Volk wird von dem Verdacht der Kollektivschuld an allen durch die Hitlerregierung, ihrer Gestapo und wie immer die Naziorganisationen heißen mögen, verübten Verbrechen, freigesprochen, da sich dieses Schiedsgericht der Ansicht des Herrn Verteidigers Löwenstein voll und ganz anschloß und Punkt für Punkt dessen Behauptungen in Bezug auf die Mehrheit des deutschen Volkes bejahte.' Die ausführliche Urteilsbegründung wird in zweifacher Ausführung ausgefertigt. Eine davon erhält das Präsidium der Liga der Menschenrechte in London. Die zweite bekommt das deutsche Volk durch den Verein Liga der Menschenrechte in Marburg an der Lahn, zu Händen des Herrn Professor Urhan, Dekan der Universität Marburg, zugestellt. Ich danke allen, die bei diesem Schiedsgerichtsverfahren mitgewirkt haben." Wenn schon nach der Hauptverteidigungsrede des Herrn Professor Löwenstein der Applaus ein ganz gewaltiger war, so glich der jetzige einem Orkan. Vorstellen kann man sich das ebenso wenig wie beschreiben. Erlebt muß man es haben... Dann geschah etwas, das die Aufmerksamkeit aller hervorrief. Der amerikanische Hauptmann Eric Norgam, der Freund der Eheleute Weber, hatte eine Radioübertragung von Deutschland in die Wege zu leiten gewußt, die durch Lautsprecher im Sitzungssaale mitangehört wurde. Es 221 handelte sich um die Übertragung des Eindrucks des Genfer Urteils in Deutschland. Gottesdienste in überfüllten Kirchen, noch feierlicher als die vom letzten Mittwoch, dem ersten Tage der Verteidigungsrede, fanden statt. Die Geistlichen sprachen in herzergreifenden Worten zu den Gläubigen. Kirchenlieder und Orgelmusik hoben die feierliche Stimmung. Während des Choralgesanges- ,, Habe Dank, Du Meister der Geschicke" hörte man deutliches Schluchzen weinender Männer und Frauen. In allen vier Zonen beteten die Gläubigen. So glücklich wie heute waren die Deutschen seit langer Zeit nicht mehr... Im Genfer Saale verabschiedeten sich die Versammelten. Professor Weber reichte als letzter dem Verteidiger des deutschen Volkes die Hand: ,, Komm Freund, gehe mit zurück in das Land, aus dem man Dich vertrieb. In die alte Heimat, wo Deine Wiege stand und Deine Glaubensgenossen seit mehr als 1600 Jahre lebten und begraben wurden, will ich Dich zurückführen. Was mein ist, soll fortan Dir gehören; komm Freund, komm mit nach Deutschland!" Jetzt ergriff Professor Löwenstein noch die andere Hand seines Studienfreundes und sagte:„ ,, Lieber Karl Weber, jawohl, in Deutschland stand meine Wiege. Es war ein herrliches Land, in welchem ich mich bis zum Jahre 1933 glücklich, zufrieden und daheim fühlte. Aber es gibt noch ein zweites Land, wo eine Wiege von mir stand, nämlich das meines jüdischen Glaubens. Palästina ist sein Name! Dort lebe ich jetzt und zu diesem Stückchen Erde kehre ich zurück, von dem schon von alters her durch den Gesang verkündet wird: Matauwu Auholecho Jakauw Mischknausecho Jisroel( Wie schön sind Deine Zelte Jakob, ach, und wie herrlich sind Deine Wohnplätze, Israel). Lebe wohl, Karl Weber, lebe wohl!" ,, Gott sei mit Dir, Isaak Jehuda Löwenstein, Kämpfer des Rechtes. Nie werde ich Dich vergessen. Du hast dazu beigetragen, daß das Volk Deutschlands wieder hoffen kann..." 222