Reoibf Weinstock „Das wahre Gesicht Hitler-Deutschlands“ Häftling Nr. 59000 erzählt von dem Schicksal der 10000 Juden aus Baden, aus der Pfalz und aus dem Saargebiet in den Höllen von DACHAU, GURS-DRANCY, AUSCHWITZ, JAWISCHOWITZ, la | Ze V S BUCHENWALD. V Verlag: Volksverlag G.m.b.H. Singen(Hohentwiel). 1. Auflage 1- 5000 G2M7 ZERO: Visa No. 1241/P de la Direction de l’Education Publique Autorisation‘,Nr. 1080 de la Direction de U’Information Alle Rechte vorbehalten. Copyright 1948 by Volksverlag G.m.b.H. Singen /H, Druck: K. Hebel, Schwenningen a, N, ¡ H. VORWORT Mit diesem Buche möchte ich dem deutschen Volke und zugleich auch der ganzen Welt einen wahren Tatsachenbericht von den grauenhaften und systematischen Ausrottungsmethoden der SS. in den deutschen Konzentrationslagern geben, wie ich sie vom Tage meiner ersten Verhaffung im Zusammenhang mit den Pogromen am 9. 11. 1938 und meiner zweiten Verhaftung am 17. 10. 1940 bis zum Tage der Befreiung durch die 3. USA- Panzerarmee erlebt und gesehen habe. Möge dieses Buch dazu beitragen, dem deutschen Volke und der ganzen Welt die Augen darüber zu öffnen, was„ Hitlerund seine Genossen" waren und was sie bezweckten. Alles, was meine Leidensgenossen und ich erlitten und gelitten haben, wir wollen es hinnehmen, als seien wir vom Schicksal dazu wenn das deutsche Volk daraus die Lehren zieht, ausersehen,- -- die es ziehen muß. Muß ich diese hier aufzählen? Emmendingen/ Baden, Juni 1945. ROLF WEINSTOCK. 5 9. November 1938 Es war in einem kleinen Städtchen in der Rheinpfalz, an einem Tage, an dem der Himmel mit schwarzen Gewitterwolken bedeckt war. Die Nacht war schon hereingebrochen. Wie immer, wenn meine Arbeit beendet war, setzte ich mich in das Zimmer meines Chefs, um in aller Ruhe und Stille Radiomusik zu hören. Tiefe Stille herrschte. Die Lampe war erloschen, und nur der schwache Schein der Skalabeleuchtung verriet schattenhaft die Umrisse der Möbel. Nach einiger Zeit begann es zu regnen. Und wieder eine Weile später plätscherte der Regen recht lebhaft auf die Dächer der umliegenden Häuser. Da empfand ich erst, wie gemütlich es im warmen Zimmer war. Nach ernster Musik folgten heitere Weisen. Ich lauschte... plötzlich aber brach die Musik ab. Einige Minuten war es still. Schon glaubte ich, an meinem Radioapparat sei etwas nicht in Ordnung. Ich stand auf und besah den Apparat von allen Seiten. Da erscholl plötzlich eine scharfe Stimme am Radio:" Wir schalten um nach Berlin. In wenigen Minuten hören Sie eine Sondermeldung." Schnell setzte ich mich wieder an meinen Platz. Ich war gespannt, was da folgen sollte... Nun ging es auch schon los:" Achtung, Achtung, wir bringen für alle deutschen Sender eine Sondermeldung.-- In Paris ist heute in der Deutschen Botschaft ein Attentat auf den Legationsraf von Rath ausgeführt worden, bei dem derselbe schwer verletzt wurde. Der Attentäter konnte verhaftet werden. Es handelt sich um den polnischen Juden Herschel Grinspan. Die deutsche Presse nimmt einmütig Stellung gegen dieses von jüdischer Mörderhand verübte Attentat und das ganze deutsche Volk gedenkt mit Abscheu und Ekel des Täters. Für diese ruchlose Tat müssen scharfe Maßnahmen gegen alle Juden im Reich gefordert werden. Weiter erklärt die deutsche Presse, daß nun ein für allemal Schluß gemacht werden müsse mit der Humanitätsduselei. Einer unserer besten Männer ist in treuer Pflichterfüllung für Führer und Volk durch jüdische Mörderhand lebensgefährlich verletzt worden.-- Die Sondermeldung ist beendet. Wir setzen unser Konzert aus Berlin fort. п Wieder war es eine Weile still. Ich kann jetzt nicht mehr sagen, wie mir in jenem Augenblick zumute war. War ich erschreckt?... War es Angst, die mich plötzlich erfaßte? Ich weiß es nicht. Allerlei Gedanken gingen durch meinen Kopf. Eines aber wurde mir klar, wenn der Legationsraf von Rath seinen Verletzungen erliegen würde, dann müsse Ungeheuerliches passieren. Pressestimmen über Pressestimmen folgten. Der Ton verschärfte sich von Meldung zu Meldung. Gegen zehn Uhr abends kam eine neue Meldung: Der durch jüdische Mörderhand schwer verletzte Legationsrat der Deutschen Botschaft in Paris befindet sich im Zustand der Lebensgefahr." Ich hatte das Radio ausgeschaltet. Dann ging ich ins Bett. Ich wollte Ruhe finden, aber es war mir unmöglich. Immer und immer wieder gällten mir die Worte in den Ohren:„ Scharfe Maßnahmen gegen alle Juden im Reich müssen gefordert werden." Ich kannte die Nazis bereits und wußte, daß sie nie leere Drohungen ausgestoßen haben. Was würde nun kommen? 7 -- Nach Stunden schlief ich ein.- Als ich am andern Morgen erwachte, bleischwer waren meine Glieder, war der Himmel, wie am Tage zuvor, mit grauen Wolken bedeckt. Es folgten Regenschauer. Als ich einigermaßen zu mir gekommen war und meine Augen klar gerieben hatte, erklang wieder die Stimme des Radioansagers in meinen Ohren. Wie hypnotisiert stellte ich das Radio ein. Als wenn ich es erwartet hätte, ertönte schon nach wenigen Minuten eine Stimme:" Wir bringen eine Sondermeldung: Der durch jüdische Mörderhand schwer verletzte von Rath ist trotz Aufbietung aller ärztlichen Hilfe seinen Verletzungen in einem Pariser Krankenhaus erlegen." Dann erklang das Lied vom" Guten Kameraden". Eine Minute Funkstille zum Gedächtnis des Verstorbenen wurde angekündigt. Ich saf wie gebannt vor meinem Radioapparat und fragte mich immer wieder:" Was wird nun werden?" In der Folge wurden viele deutsche Pressestimmen verlesen, die alle die Forderung enthielten, nunmehr müsse schärfste Vergeltung einsetzen. Weiter wurde die Schließung aller jüdischen Geschäfte im Reich und die Verschickung der Juden nach Palästina gefordert. Milli erleg Di raste Welf schre Tro ging chen mein nur n Pogrome Während Dr. Goebbels auf der einen Seite durch Rundfunk und Presse diese Meldungen verkünden ließ, gab er im Geheimen den Befehl zum Losschlagen. Noch war mir nicht bekannt, wie sich das Losschlagen auswirken würde. Aber nach wenigen Stunden war ich um Vieles wissender. In ganz Deutschland wurden alle männlichen Juden im Alter von 16 bis 60 Jahren verhaftet. Die jüdischen Gotteshäuser wurden niedergebrannt und zerstört. Die Kirchenheiligtümer wurden geraubt. Zugleich vergriffen sich Mitglieder der SA. und SS., die Hauptverantwortlichen dieser Aktion, an den Toten. Die jüdischen Friedhöfe wurden verwüstet. Die Verfolgung der jüdischen Frauen und Kinder setzte ein. Und der Generalangriff auf die jüdischen Geschäfte und Wohnungen begann. Dann folgten Plünderungen und Grausamkeiten, die nicht wieder gutzumachen sind. Als die Geschäfte geleert und ein Teil der Geschäftseinrichtungen auf die Straße geworfen war, drang man auch in die Wohnungen der Juden ein, warf die Betten hinaus, schnitt die Federbetten entzwei, wodurch die Federn streckenweise wie Schnee die Straße bedeckten, man demolierte die Möbel und verga dabei auch nicht, Gold, Silber und sonstige Wertgegenstände mitzunehmen. Nach Beendigung dieser Gewaltmaßnahmen hatten die Nazis ihre bestialische Wut ausgetobt und Dr. Goebbels lief durch Presse und Rundfunk erklären:„ Wenn noch weitere Unruhen gegen die Juden stattfinden sollten, werden sofort polizeiliche Aktionen durchgeführt, und gegen jeden Ruhestörer wird mit aller Strenge des Gerichtes eingeschritten. Es darf kein Volksvermögen zerstört werden." Dies alles, nachdem von einst prachtvollen Synagogen in allen Städten des deutschen Reiches nur noch Ruinen vorhanden waren. Aber weiter ließ Goebbels energisch erklären:" Zur Wiederherstellung völliger Ruhe und Ordnung befehle ich, daß mit sofortiger Wirkung alle jüdischen Geschäfte zu schließen sind und daß ferner den jüdischen Einwohnern unseres deutschen Reiches eine Gesamtstrafe von einer roten Spey hinei fragte wir? dann derer derer ohne Dann zu 80 Zeit das S um u von i Als " Sie gab öffnet mehre aus e hinau Name Gesch Autos Aus d in ein waren Frage Die Tore sich g Die SS. wa guter Und Zum B 8 achte, or, mit ar geeinen wartet n eine n Rath einem Milliarde Reichsmark für das Attentat auf den Legationsrat von Rath auferlegt wird. Einzelaktionen haben jedoch zu unterbleiben." Die Welt war in Aufruhr. Meldungen über Meldungen in allen Sprachen rasten um den Erdball. Deutschland stand wieder einmal im Mittelpunkt des Weltgeschehens. Mit Empörung und Abscheu nahm die Welt von den schrecklichen Maßnahmen gegen die Juden Deutschlands Kenntnis. Kameangemmer utsche müsse schen rdert. resse Losürde. utschaftet. Kir- der - Die auen häfte eiten, f die ein, dern öbel ände stiaxerIten, uheolksllen vorderWirüdiiner Geheimbefehl Trotz dieses Appells und trotz der scharfen Befehle von Dr. Goebbels gingen die Verhaftungen der Juden indessen systematisch weiter. Am gleichen Tage, gegen sechs Uhr abends, ereilte auch mich das Schicksal. Auf meine Frage, wohin ich komme, erklärte mir der Gendarm:" Kommen Sie nur mit, es passiert Ihnen nichts, wir sind nicht so wie die Juden." In einem roten Mercedes- Auto wurde ich in das bereits überfüllte Gefängnis von Speyer am Rhein gebracht. Ich kam in eine voll gestopfte Zelle. Als ich hineingeführt wurde, sah ich nur angsterfüllte Gesichter. Mit den Augen fragten mich meine Leidensgenossen:„ Immer noch mehr? Wohin kommen wir? Was wird aus uns werden?" Stumm standen wir nebeneinander und dann begann ein Rafen. Der Reihe nach blickte ich in die Augen der anderen. Es war mir, als ob meine Fragen, die mich still bewegten, auch auf deren Lippen standen.„ Bleiben wir hier? Kommen wir weg?" So ging es ohne Worte hin und her. Nur hin und wieder hörte man leises Flüstern. Dann wieder Stille. Zusammengepfercht waren hier Menschen von 16 bis zu 80 Jahren. Alle harrten der Dinge, die da kommen sollten. Als eine kurze Zeit vergangen war, wurde auch mein Chef hereingeführt. Auch ihn hatte das Schicksal getroffen. Leise Seufzer umwogen uns. Gedanken und Sorge um unsere Angehörigen bereiteten uns große Qualen. Wir wußten ja nichts von ihnen, wir alle waren auseinandergerissen. Als es dunkel geworden war, öffnete man die Zellentüren und sagte uns: " Sie kommen weg!" Ein Fragen hub an:" Wohin, wohin?" Eine Antwort gab es nicht. Und wieder war eine Stunde vergangen, als sich die Pforten öffneten und wir hinausgeführt wurden. Vor dem Gefängnis mußten wir mehrere Lastkraftwagen besteigen. Es war Nacht. Wer den Lastwagen nicht aus eigener Kraft besteigen konnte, wurde von rohen Händen gefaßt und hinaufgeworfen. Scheinwerfer blitzten auf. Im Lichte dieser wurden unsere Namen aufgeschrieben. Als diese Arbeit beendet war, ging es in rasender Geschwindigkeit nach Ludwigshafen am Rhein. Wir fuhren an zahlreichen Autos vorüber und fanden noch viel mehr bereits in Ludwigshafen vor. Aus der ganzen Pfalz hatte man die Juden nach dort gebracht. Wir wurden in eine Halle getrieben", in welcher schon tausende von Juden versammelt waren. Dann folgten Stunden bangen Wartens. Und wieder tauchten die Fragen auf: Wohin kommen wir, wohin bringt man uns?" Die Uhr der Halle zeigte auf zwölf. Nach einiger Zeit öffneten sich die Tore und in Reihen zu Fünfen mußten wir hinausmarschieren. Das Bild hafte sich geändert. Die Bewachung war ausgewechselt. Andere Uniformen umgaben uns. Die SS. war erschienen. Nun wußten wir, daß wir Juden unter einem besonders " guten" Schutz standen. Und dann begann ein neuer Marsch. Durch die Hauptstraßen der Stadt. Zum Bahnhof. Menschenmassen standen auf den Bürgersteigen. Mitleidlos 9 und hohnlachend betrachtete man uns, faxierfe man uns ab wie„Schlacht- vieh". Wir wagten nicht, aufzublicken. Und doch spähte ich einmal nach rechts und einmal nach links. Als ob meine Blicke dorthin gezogen würden. Ich erkannte nichts. Meine Augen wurden geblendet von dem hellen Licht der Fackeln, die die SS. zum„Spalier” trug. Aber es war mir, als stünden dort im Dunkel auch einige Menschen, die sich fragten und wieder fragten:„Warum?"-- Es waren Gedanken, die mich durchzogen, Worte hörte ich nicht. Bangen, eine ganz kleine Hoffnung,-- und wieder Bangen erfüllten mein Herz. Sind die Menschen wirklich so schlecht? Was haben wir denn getan? i Ich war noch jung, und doch war mir, als lägen viele Jahre böser Er- kenntnis hinter mir. Die Straßen führten nach dem Bahnhot. Zu unserem„Empfang” war dort eine SS.-Kapelle angetreten. Sie spielte bei dem Näherkommen„unseres Fackelzuges” das Lied:„Ha'm Sie nicht den kleinen Chon geseh'n?” Weithin klangen die Töne in der Nacht. Als das Lied beendet war, klatschte die neugierige Menschenmenge Bei- fall. Lachen und Jubel erklang. Uns aber bespie man, rief„Pfui,-- pfui”, und stieß schwere Verwün- schungen aus.„Nieder mit den Juden,-- schlagt sie tot, wo Ihr sie trefft",-- so gellte es uns in den Ohren. Apathisch gingen wir dahin,-- und doch konnte ich in unseren Reihen viele Männer und Frauen sehen, die auf- rechten Ganges und mit stolzerhobenem Haupt alles über sich ergehen ließen, ohne auch nur einen Ton der Klage zu äußern. Ich gedenke dieser Stolzen und Aufrechten immer wieder, auch jetzt noch, mit gröhter Freude. Erlaßt es mir, liebe Mitmenschen, über die zu schreiben, die weinend und verzweifelnd in unseren Reihen waren,-- erlaßt es mir, die angsterfüll- ten Augen zu schildern, die unausgesprochen auf den Lippen hängenden Fragen,--„wo sind meine Kinder,-- wo ist meine Frau,-- mein Mann,-- meine Lieben?”-- Ich bitte Euch, erlakt es mir. Noch heute steht mir all das Grauen vor den Augen. Nur wenige sind noch am Leben, die dieses, nicht als Zuschauer, sondern als Gegeißelte erlebt haben. Auf dem Bahnhof standen Personenzüge bereit. Man„trieb” uns in die Abteile hinein. Und der„Antrie b” dazu er- folgte nicht nur mit scharfen verächtlichen Worten. Doch können Worte härtere Wunden schlagen als rohe Fäuste und Tritte mit schweren Stiefeln. Unter den Klängen antisemitischer Lieder setzte sich unser Zug nach zwei Stunden in Bewegung. Eng aneinander gepreßt sahen oder standen wir in den Abteilen. Wir konnten uns nicht rühren.-- Wir hatten nichts zu essen. Doch, wir dachten auch nicht daran. Wir durften keine Notdurft verrichten,-- wir hätten es auch nicht können, denn ein Ausgleichen unserer Körper, ein Verschieben, war nicht möglich. Die Fenster waren verhängt. Wir sollten nichts sehen und die Außenwelt sollte uns nicht sehen, Oft hielt der Zug auf freier Strecke. Dann hörten wir das Schreien und Wehklagen der geschlagenen Menschen. Nach Stunden, nach einer nervenzermürbenden Fahrt, hielt der Zug.-- Ein Ruck.-- Dann wurden die Türen aufgerissen. Peitschenbewaffnet stan- den SS.-Männer davor und trieben uns ins Freie. Viele von den älteren Leuten stürzten kopfüber auf den Bahnsteig. Blut floß. 10 N. ware Man Män Schlachtal nach würden. en Licht men, die die mich mung,-- öser Ere spielte Sie nicht cht. nge BeiVerwünrefft",-- nd doch die aufergehen ze dieser Freude. weinend gsterfüllngenden Mann,-- f mir all sondern dazu ern Worte Stiefeln. ach zwei ilen. Wir dachten hätten es schieben, ufenwelt eien und Zug.-- net stann älteren Man jagte uns über die Schienen. Auf einem künstlich hergestellten Sandhügel lagen SS.- Männer mit Maschinengewehren, deren Schußrichtung auf uns eingestellt war. Wir fielen übereinander, richteten uns auf, fielen wieder,-- und hasteten den anderen nach. Wir wollten den Gebrechlichen und Kranken unter uns helfen. Es wurde verboten. So konnte sich jeder nur selbst helfen.-- Nur fort aus der Schufrichtung. Es ging um das bifchen Leben. Um unser Leben. Hast Du, mein lieber Mitmensch, einmal vor dem Tod gestanden, dem Tod ins Auge gesehen?-- Dann wird auch Dich das Flehen erfaßt haben, nur leben, nur leben. Wenn wir gewußt hätten, was uns das Leben noch weiter bringen würde, viele von uns wären liegen geblieben.-- Aber die Hoffnung, es kann doch nicht sein, denn wir haben doch nichts getan.-- So liefen wir um das bifchen Leben. An der Bahnhofsmauer stand auf weißem Grunde in mächtigen schwarzen Buchstaben„ Da cha u". Wir sahen uns an,-- wir wollten sprechen,-- doch wir blieben stumm. Stumm wie die Toten. Da cha u", lasen wir noch einmal. Der Ort des Schreckens. Wir hatten schon viel davon gehört. Geheimnisvolle Berichte waren uns zugetragen. In" Dachau" hatte der Teufel seine Stellvertreter ausgesetzt. Und nun waren auch wir an diesem Ort des Schreckens. Hier herrschte der Tod. Einige Zivilisten, Bahnarbeiter und andere, sahen uns mitleidig an und schauten schnell wieder fort. Dann mußten wir Viehwagen besteigen.-- Besteigen?-- Wie fröhlich klingt das Wort. Man denkt dabei an Berge, an Höhen, die man„ besteigt". Wir aber? Mit Knüppeln schlug man auf uns ein. Es war ein Jammer. Und wenn ich heute an diesen Tag zurückdenke, an welchem ich die " Bestie Mensch" in ihrer besten Vollkommenheit kennen lernte, dann erinnere ich mich meines Unterbewußtseins und der schlummernden Fragen: Ist denn so etwas überhaupt möglich?-- Sind das Menschen?" Und ich erinnere mich ferner der Erzählung eines Leidensgenossen, dessen Frau während eines solchen Transportes ein Kind gebar, das unter den Schreien der Mutter zertreten wurde. Die Frau starb.-- Der Mann aber mußte weiter. An den Viehwagen standen Zahlen, die besagten, wieviel Menschen bzw. wieviel Pferde mit jedem Wagen befördert werden durften. Es waren kleine Zahlen. Wir aber waren achtzig Menschen. Die Türen wurden geschlossen. Langsam setzte sich der Zug in Bewegung. SS.- Mannschaften liefen neben dem Zuge her, damit niemand entfliehen konnte. Eine halbe Stunde verging. Und dann waren wir im Lager„ Da cha u". Konzentrationslager Dachau Noch bevor der Zug hielt, wurden die Türen aufgerissen. Kaum noch waren die Bremsen angezogen, kaum hielt der Zug, da stürzten die SS.Mannschaften wieder wie Tiere auf uns zu und trieben uns hinaus. Alte Männer von achtzig Jahren schmiß man kopfüber aus dem Wagen hinaus, 11 so da sie blutüberströmt auf den Nebengeleisen liegen blieben, man schlug auf sie ein, man trat sie ins Gesicht und in den Leib. Wir waren erst vor dem Lagertor, und schon waren die ersten Opfer zu beklagen. Zu dreien in einer Reihe wurden wir alsdann zum Tor getrieben.„Lau- fen”, ertönte der Befehl,„schneller" erklang es gleich hinterdrein. Und mitten im Laufen ein anderer Befehl: ‚Langsam gehen!" Die ersten zwei Reihen stoppten ab,-- die nachfolgenden Reihen ver- blieben im schnellen Lauf,-- die Menschen stolperten übereinander. Das aber nahmen die SS.-Banditen zum Anlaß, erneut auf uns unglückliche Opfer dreinzuschlagen. Sie lachten und jauchzten. Es waren Bestien, denen man ansah, daß ihnen unsere Qualen Freude bereiteten. Das Tor lag vor uns. „Abzählen zu fünfen!" Hintereinander gingen wir hindurch. „Wohin?-- Wenn wir das damals gewußt hätten! In großen eisernen Buchstaben stand über dem Tor:„Arbeitmacht frei”. Und weiter gings.-- Durch eine Barackenstraße hindurch. Wir waren alle, Alte und Junge zum Umfallen müde, Wir keuchten, unsere Herzen rasten. Wir aber wurden weiter gehetzt und getrieben. Endlich waren wir an Ort und Stelle. Viele von uns fielen um.„Ein Eimer Wasser hilft", hörte ich brüllen. Und schon wurden die Unglücklichen eimerweise mit Wasser überschüttet. Bei einigen gelang dieses Mittel nicht. Sie blieben liegen.-- Da schleifte man sie hinweg und niemand sah sie jemals wieder. Wir anderen aber mußten bis abends zehn Uhr stehen. Ohne Essen zu erhalten, trieb man uns dann zu je 500 Menschen zusam- men in einen Raum, der für höchstens 200 Platz bot. Wir lagen kreuz und quer übereinander. Es war eine schreckliche Situa- tion. Bevor das Licht erlosch, sagte man uns,„wer an das Fenster geht, wird erschossen!” Dann waren wir allein. Und das Stöhnen und Seufzen über die quälen- den Schmerzen der erhaltenen Wunden hub an. Jämmerlich klangen die Wehklagen durch den Raum. Es war kalt draußen. Dichter Nebel lag über dem Lager. Darum glaubten einige von uns, die an heftigen Atembeschwerden litten und sich auf die Fensterbänke gesetzt hatten, sie würden von den wachthabenden Posten nicht gesehen. Die Scheinwerfer der Postentürme aber durchdrangen den dicken Nebel. Fensterscheiben klirrten. Und gleich darauf fielen die Körper der Ver- trauenseligen tot zu Boden. Die SS.-Banditen schossen gut. Lange und unheimlich war die Nacht. Um fünf Uhr morgens trieb man uns wieder hinaus.-- Ohne Essen.-- Zitternd standen wir an dem breiten grünen Rasenstreifen, der die Lebens- grenze bedeutete. Von ihm aus waren es noch fünf Meter bis zu einem vier Meter tiefen und einen Meter breiten Wassergraben aus Beton, es folgte ein schmaler Rasenstreifen, dann ein Meter breite spanische Reiter und als letztes Wehr der acht Meter hohe mit 5000 Volt elekrisch geladene Stacheldraht. Wer auch nur den Rasen betrat, hatte sich sein Todesurteil selbst ge- sprochen. Er wurde ohne Gnade vom Postenturm aus erschossen. Wir waren Freiwild. Man wartete auf dem Anstand auf uns, daß wir in die Lichtung traten. 4 ’ 1,67 = n, man ■ Opfer „ Lauein. !" en verHer. Das ückliche denen eisernen en alle, ■ rasten. an Orf en. Und et. schleifte zusame Situaeht, wird quälengen die glaubten auf die ■ Posten Nebel. der VerNacht. Essen.-- Lebensu einem eton, es e Reiter eladene lbst geraten. Einkleidung und ärztliche Untersuchung Wir standen bis zum Mittag. Dann führte man uns zum Haarschneiden. Wir wurden kahl geschoren, und wir wurden fotografiert. Beides mit Methoden, die wahrhaft sadistische Hirne erdacht haben. Beim Fotografen setzte man sich auf einen Stuhl, der sich automatisch nach drei Richtungen drehte und jedes Mal eine Aufnahme auslöste. Nach der letzten Aufnahme entsprang dem Sitz eine fünf Zentimeter lange Nadel, die dem Häftling ins Gesäß drang. Erst dann hieß es:" Fertig. Der Nächste!" Der Stich hinterließ heftige Schmerzen. Ein besonders dazu angestellter Häftling mußte eingetretene Blutspuren entfernen, damit der Nächstfolgende nichts bemerkte. Diese Einrichtung war eine ganz besondere Grausamkeit für diejenigen Häftlinge, deren erste Aufnahmen nicht gelungen waren und sich nun dieser Folterung noch einmal unterziehen mußten. Es ist nicht nur einmal vorgekommen, daß es Häftlinge vorgezogen haben, sich von einem einmaligen Schlage der Starkstromleitung treffen zu lassen und damit ihr Leben zu beenden, als noch einmal auf dem Fotografierstuhl Platz zu nehmen. Nach dieser Quälerei kamen wir ins B a d". Wir freuten uns darauf. Aber, ach, wie sehr wurden wir enttäuscht. Es war nur eine neue Quälerei. Erdacht von wahrhaften Bestien in Menschengestalt. Neben einem großen Kessel stand ein sogenannter SS.- Arzt in weißem Kittel und mit einer Reitpeitsche. Der Kessel war mit kochendem Wasser gefüllt, das mit einem Desinfektionsmittel vermischt war. Diesen Kessel mußten wir passieren. Der Arzt achtete mit teuflischer Freude darauf. Kaum waren wir in dem Kessel, hagelten Peitschenhiebe auf unsere Köpfe, soda wir gezwungen waren, den Kopf unter Wasser" zu stecken. Viele von uns haben in diesem Kessel ihr letztes Bad genommen. Dann trieb man uns unter die Duschen, welchen in unregelmäßigen Abständen abwechselnd kochendes und eiskaltes Wasser entströmte. Zwischendurch aber kam der Befehl" Mund auf!" Kaum hatten wir den Mund geöffnet, da wurde uns auch schon ein dicker Schlauch in die Mundhöhle gesteckt. Wir glaubten, zu ersticken. Der Druck des so unverhofft und in gewaltiger Stärke in die Mundhöhle gespritzten Wassers warf mich um. Ich blieb einen Augenblick liegen. Durch die Schläge der SS.- Banditen kam ich wieder zu mir. Dann wurden wir mit Stöcken, an denen Nadeln befestigt waren, zur ärztlichen Untersuchung zusammengetrieben. Der Arzt war ein SS.- Sturmführer von ungefähr 30 Jahren. Dem Aussehen nach ein verwegener Verbrecher. Drei Meter von ihm entfernt war mit Kreide ein kleiner Kreis gezeichnet. Daneben standen zwei Krankenhelfer. Davon hatte der eine einen Vollgummischlauch in der Hand, der andere aber hielt seine Riesenhand zum Schlagen bereit. Einer nach dem anderen traten wir darauf in den kleinen Kreis. ,, Gesund oder krank?" fragte der Arzt. Ich beantwortete die Frage mit" Gesund", hatte dabei aber unbewußt mit dem Kopfe genickt, um meine Antwort zu bekräftigen. Das aber war verboten. Sofort hagelten schwere Schläge auf mich hernieder. Ich war einen Augenblick betäubt. Kaum aber hatte ich meine Besinnung wieder erlangt, da mußte ich erneut in den Kreis treten. Und wieder hagelte es Schläge. 13 Schläge erhielt jeder.-- Ganz gleich,-- ob die Antwort„ krank" oder gesund" lautete, ob man still stand oder sich unbewußt bewegte. Die Männer, die etwas beleibt waren, erhielten Knüppelhiebe über den Bauch, ja, man ging sogar so weit, mit satanischer Freude auf die Geschlechtsteile zu schlagen. Und das alles in Gegenwart des Arztes! Die ärztliche Untersuchung war beendet. Dann mußten wir alle völlig nackt, trotz starken Frostes, auf den Appellplatz marschieren. Wir sollten eingekleidet werden. Ein jeder erhielt einen leinenen Häftlingsanzug, ein kurzes Hemd, ein Paar Sommerstrümpfe, eine Mütze und ein Paar leichte Schuhe. Während unserer Einkleidung trafen neue Opfer der von RathAktion" im Lager ein. Darunter waren auch Juden aus meiner Heimat. Ich sah bekannte Gesichter. Nach Aufnahme unserer Personalien und nach Empfang der Lagernummer und des KZ- Winkels, dessen verschiedene Farben zur Bezeichnung des Inhaftierungsgrundes dienten, wurden wir auf verschiedene Blöcke verteilt. Zusammen mit Pfälzer und Wiener Leidensgenossen wurde ich dem Block 18 zugeteilt. Die Stube war für die Aufnahme von 50 Menschen eingerichtet. Holzpritschen waren aufgestellt. Wir wurden jedoch zu 200 in dieser Stube untergebracht. Erst jetzt, nachdem alles eingeteilt war, erhielten wir etwas zu essen und zwar 250 gr Brot und etwas kalten Tee. Wir waren hungrig. Wir aßen daher nicht,-- nein, wir schlangen gierig unsere Mahlzeit hinunter. Und wir taten recht daran, denn schon bald darauf ertönten schrille Pfiffe:„ Antreten zum Appell!" All eisige Minist zusam kannt führer komm jewo Am serem ferner Mitgli lächel vorge Zeiter Ma die m schwa Rec waren uns m Wir vertei regist Kei wir v nicht unsere Ode Ein uns to Appell Der Appell war das Gebet des Lagers. Dreimal täglich wurden solche Appelle abgehalten,-- Zählappelle,-- wozu alle Häftlinge anzutreten hatten. Kranke oder unabkömmlich bei der Lagerverwaltung beschäftigte Häftlinge wurden als kommandiert" gemeldet. Diese Appelle gehörten zu den verbrecherischsten Quälereien, die man mit uns vornahm. Wenn sie täglich zu bestimmten Zeiten angesetzt gewesen wären, so wäre dieses zur Gewohnheit geworden, und wir hätten es nicht anders gewußt, darum,-- um uns in ständigem Schrecken zu erhalten, um uns immer wieder zur Verzweiflung zu treiben,-- wurden diese Appelle Tag und Nacht zu immer wechselnder Zeit abgehalten. Mitten aus der sehr kurzen Dienstruhe, inmitten der Nacht, wenn wir unsere quälenden Gedanken eine kleine Weile zum Schlafen gebracht hatten, erscholl das Kommando:„ Antreten zum Appell!" -― Jeder Mensch wird einmal schon aus tiefstem Schlaf gerissen worden sein, dann weiß er auch, wie schwer es ist, die Gedanken zu sammeln. Doch, wenn es jede Nacht geschieht, einmal um 12 Uhr, einmal um 1 Uhr, zwei Nächte gar nicht, dafür aber die folgende Nacht dreimal hintereinander, in Unterbrechungen, daß du gerade wieder eingeschlafen bist, dann sind es keine Sicherungsmaßnahmen mehr, dann sind es Schurkereien sadistisch veranlagter Kreaturen. 14 Viel linge Herzlä RM. 6 Es v nur e Leiche Das So s uns die raum, denn für Ru halfen pel na Nach zumeis " oder -er den e. ie Gevöllig sollten ug, ein leichte RathHeimat. hummer ng des verteilt. m Block erichtet. r Stube sen und ceit hinschrille n solche zutreten chäftigte = gehörm. åren, so ders geum uns elle Tag enn wir gebracht en sein, ch, wenn i Nächte n Unteres keine n veranAlle, die wir zu diesem Leid vereint waren, mußten off stundenlang in eisiger Kälte stehen, ohne Rücksicht auf das Alter. Arbeiter und ehemaliger Minister standen in einer Reihe, Jude und Christ. Und wir alle waren hier zusammengetrieben, weil wir Antifaschisten waren. Unter uns waren bekannte Männer des öffentlichen Lebens, wie, um nur wenige Kategorien anzuführen, alle Mitglieder der letzten österreichischen Regierung, ehemalige kommunistische und sozialistische Abgeordnete und der Sohn des in Serajewo ermordeten Thronfolgers Franz Ferdinand, Prinz von Hohenlohe. Am interessantesten aber war, und dieses entlockte auch uns trotz unserem großen Leid ein kleines Schmunzeln, unter uns befanden sich ferner auch einige für die deutsche Oeffentlichkeit schon längst erschossene Mitglieder der Röhmaffäre". Wir konnten nur innerlich mit wehem Herzen lächeln über allen Schwindel, über alle Lügen, die dem deutschen Volke vorgegaukelt wurden, die dem satanischen Hirn dieses größten Lügners aller Zeiten, Dr. Goebbels, entsprangen. Π Machtlos waren wir der SS.- Bagage ausgeliefert, und die Grünen", die mit dem grünen Winkel,-- Spitze nach unten--, die Berufsverbrecher, schwangen über uns die Knüppel. Recht und Gesetze waren für uns erloschen, wir waren vogelfrei, wir waren samt und sonders der SS. und ihrer Willkür überantwortet, die mit uns machen konnte, was ihr gefiel. Wir hatten kein Recht: zu sprechen, uns gegen unwahre Anklagen zu verteidigen, wir waren lebende Tote, fressende Leichen,- oder nur noch registrierte Nummern. Kein Tier wird von seiner eigenen Gruppe so bestialisch behandelt, wie wir von Menschen" behandelt worden sind.-- Oder??-- Waren wir nicht Menschen, konnten wir nicht reden, denken, fühlen, sehen?-- Waren unsere Sinne nicht menschlich? Oder waren diese SS.- Kreaturen„ ent menschte" Tiere? Ein Strich im Register, im Lagerbuch,-- durch unsere Nummer,-- machte uns tot. Die Nummer war für eine neue Verwendung frei. Vielleicht, vielleicht bekamen die Angehörigen der verstorbenen Häftlinge dann eines Tages die Nachricht ,,... Ihr Sohn ist an den Folgen einer Herzlähmung gestorben. Die Asche steht Ihnen gegen Einsendung von RM. 6.50 zur Verfügung." Es war natürlich niemals die Asche der unglücklich Verstorbenen,-- nein, nur eine Schaufel Kohlenasche vom Schutthaufen, oder von verbrannten Leichen, deren Asche zusammengeworfen war. Das war die SS.- Pietät!-- Oder war es ein leichter Nebenverdienst? raum, Arbeit macht frei So stand es über dem Lagertor. Und unter diesem Motto begannen für uns die Tage. Um halb fünf Uhr wurde geweckt. Alles drängte in den Waschwovon in jedem Block einer zur Verfügung stand.-- Schnell, schnell, denn die Capos, so wurden die Oberhäftlinge genannt, hatten nicht nur für Ruhe, sondern auch für größte Eile zu sorgen. Um uns anzuspornen, halfen sie ein wenig" oder ein bißchen mehr" mit einem Knüppel nach. Die Capos hatten viele„ Freunde". Nachdem der Kaffee geholt und getrunken war, in aller Hast, im Stehen zumeist, begann der tägliche Kampf mit Eis und Kälte. 15 Mit den Säuberungsarbeiten wurde es immer sechs Uhr. Es war noch dunkel. Doch wir marschierten. Zunächst zum Appellplatz, dort wurden wir gezählt und nochmals gezählt. Es war inzwischen sieben Uhr geworden. Die SS.- Wachmannschaften, die uns zählen mußten, ob noch alle Nummern" vollzählig waren, hatten dicke, weiße Fellmäntel an und warme Handschuhe über die Hände gestreift,-- uns aber war es verboten, die Hände auch nur einen Augenblick in die Taschen zu stecken. Wurde jemand dennoch dabei ertappt, so wurden ihm die Taschen zugenäht, natürlich wurde er wegen Nichtachtung eines Befehls auch noch in anderer Weise, und zwar recht fühlbar" gestraft. Nur langsam verging die Zeit. Unsere steifgefrorenen Glieder spürfen wir nicht mehr. Wenn wir umzufallen drohten, wenn unsere Füße uns kaum noch halten konnten und unsere Körper schwankten, dann standen die SS.- Banditen zynisch lächelnd dabei und warteten nur darauf, daß einige Körper versagten. Dann sprangen sie zähnefletschend hinzu, um„ Hilfe" zu leisten.-- Für Ohnmächtige aber, deren Besinnung nicht wiederkommen wollte, wurde hilfreicher Weise" der zweiräderige„ Leichenkarren" herangerollt. Glaubten wir aber, es sei zu Ende, waren wir alle nochmals gezählt, faßte uns die große Freude, die das kleine Wort„ endlich" nach jeder Erwartung ausdrückt, dann wurde allzu oft durch den Lautsprecher verkündet: " Arbeitskommando abrücken, Juden stehen bleiben!" Und dann standen wir weitere zwei, drei und auch vier Stunden in der Kälte. Erst wenn mehr als die Hälfte von uns umgefallen waren, ließ man uns ,, marschieren". Mit Füßen, die wir nicht mehr bewegen konnten, mußfen wir„ marschieren".- Wir konnten die Füße nicht voreinander setzen, aber-- wir marschierten, denn die SS.- Mannschaften halfen" uns. Und ihre Hilfe ließ uns warm" werden. Es war grausam, es war mehr als grausam. An anderen Tagen wurde ein vierstündiger Sport mit uns getrieben.-- Fragt ihr, was für ein Sport? Ich weiß, ihr seid sportbegeistert.-- Um unseren Sport aber hättet ihr uns nicht beneidet. п Vorwärts, marsch,-- eins- zwei, eins- zwei", in immer schnellerer Gangart, dann laufen, springen und,-- um uns fröhlich zu machen-- singen, singen ,,, lauter,-- noch lauter", bis uns der Atem verging. -- Den Takt gaben die Peitschen und Knüppel der SS. an. Wie Schäferhunde ihre Herde umkreisten uns die SS.- Banditen. Die Peitschenhiebe glichen den Hundebissen. Wer umfiel, wurde solange geschlagen, bis er wieder aufstand. Wir mußten indessen in Kniebeuge" sitzen. War die SS. innerlich do ch feige? Glaubte sie, wir würden über sie herfallen? Es war grausam, es war aber auch grotesk. Eine Rotte waffenstarrender Kreaturen, Bestien, Mörder,-- und wir! Ja, und wer nicht wieder aufstand!?-- Na, der war fot. Der wurde abgeschleppt. Die Bestien brauchten Fett für Seife. Beim Laufen und Springen schauten wir erschöpffen Blickes immer wieder auf die Lageruhr, doch die Zeiger rückten nur langsam, ganz langsam weiter. Stand auch sie mit der SS. im Bunde? War denn in diesem Lager alles , bestialis ch"?-- Selbst die Zeiger der Uhr? Ein anderes muß ich noch erzählen. Wem es morgens nicht möglich gewesen war, seine Notdurft zu verrichten, oder wer an Durchfall lift, sich 16 aber wollte Bedür in der Hie fand, We und a bereits Ho ling g Und die K Die endlic faßte Doc Suppe nicht Wäh friedig oder zur Er Und Bis zur mannte In d keit" Ich Recht Wer sich au hatte, galt be Gesc der SS den ko Die Man e Auch dak di Dienste wurden an jede die da fuhr, u ma ch 2 rar noch den wir ‚worden. ;Num- | warme ten, die hen zu- noch in irten wir ns kaum den die ß einige ‚Hilte" kommen ichen- hit, fahte eder Er- rkündet: n in der ließ man „muß- einander en” uns. var mehr ieben.-- Um un- er Gang- - singen, ferhunde > glichen Wir muß- über sie tarrender er wurde mer wie- ; langsam ıger alles glich ge- litt, sich aber wegen der damit verbundenen Sondergefahren nicht krank melden wollte, der durfte während des Marschierens nicht melden, daß ihn ein Bedürfnis packte,-- dem blieb nichts anderes übrig, als seine Entleerung in der Hose vorzunehmen. Hierfür erhielt jeder Häftling bei der Kontrolle, die zwischendurch statt- fand, 20 bis 25 Hiebe auf den nackten Hintern. Wer aber meldete, daß--, dem wurde die Mütze vom Kopf gerissen und auf den schmalen Rasenteil geworfen. Auf den Rasenfeil, von dem ich bereits berichtet habe. „Hole zuerst Deine Mütze, dann kannst Du gehen”, so wurde dem Häft- ling gesagt. Und wer dann in der Hast und unbesonnen auf den Rasen trat, den streckte die Kugel eines Scharfschützen nieder. Die menschlichen Bedürfnisse nannte man„Sabotage”. Wie die Uhr endlich und„Iangsam teuflisch” auf die Mittagsstunde zurückte, er- fahte uns Freude, für einige Minuten in eine warme Stube zu kommen. Doch auch diese Freude wurde uns oft vergällt. Dann mußten wir unsere Suppe stehend im Freien essen, in bitterster Kälte. Und der Hunger war nicht gestillt. Während dieser Zeit raste häufig ein SS.-Mann vorbei, der uns zur Be- friedigung seiner sadistischen Machtgelüste in„Kniebeuge” gehen lieh, oder uns gar befahl, uns lang in den Schmutz zu legen, mit dem Gesicht zur Erde,-- bis zum erneuten Antreten, Und weiter verlief jeder Tag unter dem Motto:„Arbeitmachtfreil" Bis zum späten Abend, bis in die Nacht hinein, bis uns die Müdigkeit über- mannte! In der Nacht aber quälten uns Träume„grausamster Grausam- keit", Krankheit und Hygiene Ich könnte dieses Kapitel auch überschreiben:„Nur der Gesunde hat ein Recht zu leben!” Wer wirklich krank wurde und Aufnahme im Krankenbau fand, der war sich auch darüber klar, da er nur noch höchstens 24 Stunden zu leben hatte, denn ver dieser Zeit wurde niemand im Krankenbau eingeliefert. Das galt besonders für Lungenentzündungen und innere Krankheiten. Geschwüre, Erfrierungen und ähnliche Erkrankungen waren in den Augen der SS.-Leute nur unwichtige Angelegenheiten, die im„Freien” geheilt wer- den konnten.& Die Zahl der Kranken mit erfrorenen Gliedmaßen stieg von Tag zu Tag. Man entschloß sich endlich, einen besonderen Block für diese herzurichten. Auch ich befand mich einige Zeit in diesem Block. Wer nun aber denkt, daß diese Kranken, die„Invaliden” genannt wurden, eine gewisse Diensterleichterung erhielten, der irrt sich. Nichts wurde uns geschenkt. Wir wurden weiter wie die anderen Häftlinge im Lager herumgehetzt, mußten an jedem Appell teilnehmen und erhielten eine„Sonderver gütung", die darin bestand, da man mit kleinen Rädern in unseren Wunden herum- fuhr, um--, wie die SS.-Leute sagten, uns schnell wieder gesund zu nmachen”. 2 17 Sie schlugen auf unsere Wunden und lachten, wenn wir uns vor Schmerzen auf dem Boden herumwälzten. Und denjenigen, deren Schmerzen zu groß waren, gab man eine Beruhigungspille, die nach wenigen Stunden den Tod des Kranken herbeiführte. Fieber wurde wie Erfrierungen behandelt. Ins Revier zu kommen war nur möglich, wenn 41,5 Grad Temperatur nachgewiesen wurde. Einmal stand auch ich mit hohem Fieber unter den Häftlingen. Aber ich meldete mich nicht krank. Ich befürchtete, daß die Spritze, die man mir verordnen würde, nicht nur mein Fieber, sondern auch mein Leben beenden würde. Trotz der Ueberfüllung des Lagers wollte man uns„ Sauberkeit beibringen". Man sprach von" Hygiene". Hierzu sei gesagt, daß für je sechs Häftlinge ein Handtuch vorhanden war, hatten sich zwei Mann damit abgetrocknet, dann war es naß und schmutzig. Das nannte man Hygiene". Am Ende der Woche sollten diese Handtücher alsdann in saubere" umgewechselt werden. Fand man aber während der laufenden Woche schmutzige Handtücher, dann hagelte es wieder Strafen. Wir waren also gezwungen uns zusätzlich Handtücher in der Kantine zu kaufen. Natürlich zu übernormalen Preisen. Wir wurden jede Woche rasiert. Stundenlang mußten wir dazu anstehen. Als das Lager seinen Höchststand erreicht hatte, wurde die Rasierstube mit der Begründung geschlossen, eine Art Bartflechte sei ausgebrochen. Damit aber trotzdem jeder Häftling rasiert war, wurde angeordnet, daß binnen 24 Stunden Rasierapparate, Pinsel und Seife zu beschaffen seien.-- Sonst!? Und wieder die übliche Strafandrohung. Wann und wie aber sollten diese Gegenstände beschafft werden? Wann und wie aber sollten wir uns rasieren? Als wir uns alle mit Rasierapparaten versehen hatten, blieb nur die eine Möglichkeit, uns nachts zu rasieren. Eine Zeit lang ging dieses auch.-- Bis der Befehl kam:" Wer nachts im Waschraum ertappt wird, hat schwere Strafen zu erwarten!" Ja, sogar mit Erschießen wurde gedroht. Einige Häftlinge glaubten nicht an die Ausführung der Drohung. Sie rasierten sich weiter nachts im Waschraum und hatten dafür ihr Verbrechen" mit dem Leben zu bezahlen. Π Monate waren vergangen, Monate der Not und des Elends. Eine große Anzahl der mit mir zugleich eingelieferten Häftlinge waren dem Hunger, der Kälte und dem Sadismus der SS.- Banditen zum Opfer gefallen. Die Belegschaft des Lagers war kleiner geworden. Auch waren mehrere Häftlinge entlassen, einige davon in meine Heimat. Ich hatte meine Eltern grüßen lassen. Und nun lebte ich in der ständigen Erwartung, daß ich nach der Schreibstube bestellt würde, um dort-- auch meine Entlassung zu hören. Ich kann es nicht beschreiben, in welchem Taumel ich mich befand. Jedoch,- es verging ein Tag nach dem anderen. Nichts.-- War es heute nichts, dann vielleicht morgen, und ist es nicht morgen;-- dann übermorgen, so vertröstete ich mich von Tag zu Tag. Ich empfand den schwersten Dienst leicht, ich tat, was ich konnte, nur nicht auffallen. Täglich wurden durch den Lautsprecher Nummern" zur Entlassung aufgerufen. Ich aber war nicht dabei. -- -- -- Und doch hoffte ich weiter, denn alle un politischen" Häftlinge sollten ja entlassen werden,-- war ich nicht auch ein" Un politischer", wenn ich auch den Winkel eines Politisch e n" zu tragen hatte!? 18 Das denke pellpl Son Die S schie Ge man s führte gegeb überg Unt zer 2 Bibelf bei sta Nac sunge Und Neb Diese „ Wi sind D Das Es Wir w Im Heinric des Fi reisend ganzer In se der De Selb den,-- alle A ganger hoben. Mit damit glan Kein S dennHimm treffen figt, di jetzt a zeigte 2* Schmere Beruhibeiführte. ■ war nur Aber ich man mir eben beit beial für je nn damit ubere" n Woche aren also Natürlich anstehen. stube mit en. Damit - binnen Sonst!? Das Weihnachtsfest 1938 war herangekommen. Mit stiller Wehmut gedenke ich noch heute des armseligen Weihnachtsbaumes, der auf dem Appellplatz aufgestellt war. Sonst aber unterschieden sich die Festtage nicht viel von anderen Tagen. Die Strafkompanie arbeitete, und wir mußten marschieren, schieren". -- marGegen neun Uhr morgens, wie an gewöhnlichen Sonntagen auch, rief man sämtliche Pfarrer zum gemeinsamen Kirchgang". An diesem Tage führte man sie zum Gerätehaus. Dort wurden Schaufeln und Besen ausgegeben, auch einige zweiräderige kleine Wagen wurden den Pfarrern übergeben. Unter Führung der Häftlingsmusikkapelle, die das Lied Duschwarzer Zigeuner" spielte, ging es nach den Aborten. Kein Pfarrer und Bibelforscher hat sich dieser Arbeit entzogen, und doch wurden auch hierbei ständig Fußtritte oder Schläge ausgeteilt. Nach sorgfältiger Reinigung der Aborte wurden anfireligiöse Lieder gesungen. Und damit war der Kirchgang" beendet. Neben der Musikkapelle waren auch jüdische Sprechchöre aufgestellt. Diese Sprechchöre mußten verkünden: 11 , Wir haben die Schuld an der Ermordung des von Rath in Paris, wir sind Devisenschieber, wir sind Rassenschänder, wir sind Banditen!" Das alles aber gehörte zum„ Kirchgang". Es dürfte genug sein, unsere Qualen nur anzudeuten, die wir erlitten. Wir waren wehrlos der Hitler- Soldateska überliefert. n? Bis die eine ch. vere Strahung. Sie r Verne große Hunger, = n. mehrere ine Eltern 3 ich nach ssung zu ch befand. es heute ann überen schwerEntlassung inge sollischer", te!? Heinrich Himmler und Julius Streicher in Dachau Im Januar 1939 machte uns" der„ intriganteste Intrigant", Heinrich Himmler einen Besuch. Wie immer machte dieser verstockte Freund des Führers Hitler den Eindruck eines nicht allzu begabten Handlungsreisenden. Und in dieser verstockten Seele hatte sich die Bestialität der ganzen Welt vereinigt. In seiner Begleitung befand sich der Herausgeber des vom größten Teile der Deutschen abgelehnten Schundblattes„ Der Stürmer", Julius Streicher. Selbstverständlich war vorher eine Generalreinigung vorgenommen worden, wurde an diesem Tage eine bessere Suppe verabreicht,-- waren alle Anordnungen, die von der Lagerleitung aus eigener Vollmacht ergangen waren und gegen zentrale" Anordnungen verstießen, aufgehoben. Man kennt das ja! Mit unserem eigenen Geld mußten wir Beize und Wachs kaufen, um damit die Zimmer, die Böden und die Einrichtungsgegenstände auf„ Hochglanz" zu bringen. Ueberall waren Reinigungskommandos an der Arbeit. Kein Stroh- oder Grashälmchen durfte auf den Straßen zu finden sein, denn-- Himmler kam doch ganz unverhofft, unerwartet. Nach dem Eintreffen dieser beiden hohen Gäste" wurden die Wohnblocks besichtigt, die sich zuvor in einem total verwahrlosten Zustande befunden hatten, jetzt aber nicht wieder zu erkennen waren. Ganz besonderes Interesse zeigte Himmler für den Bettenbau. 2* 19 Ihr habt es ja besser wie meine SS.,-- und dann die prima Verpflegung", sagte Himmler mit zynischem Lächeln, wobei seine Augen hinter den dicken Brillengläsern verräterisch zuckten und schnell von einem Punkte zum andern wanderten. Was hätte dieser Mann auch anders sagen können. Diese Generalbestie, die von Hitler eigens für solche Zwecke ,. für die Vernichtung und Ermordung großer Volksteile,-- eingesetzt war. -- Indessen besichtigte Julius Streicher ein besonderes auf dem Appellplatz angetretenes Kommando. Er suchte einige Häftlinge heraus, die ihm für seine Schmierzeitung geeignet schienen,-- und ließ sie fotografieren. Bei dieser Besichtigung versäumte Streicher nicht, viele unmoralische, den sittlichen Tiefstand Streichers verratende Fragen zu stellen, die ich hier nicht wiedergeben will. Das war ein Besuchstag. Ein Tag der Erleichterung von bestialischer Behandlung, und deswegen ein Tag des Glücks für uns. Deswegen.-- Und weil wir wußten, die unterbrochenen Qualen und Leiden würden uns nun in der kommenden Zeit noch viel härter treffen, denn Himmler hatte ja alles gut" befunden. Also, dann konnte es die Hitler- Soldateska vielleicht noch besser machen! Wir rechneten damit. Himmler fuhr mit dem unschuldigsten Gesicht wieder ab.-- Es hatte alles geklappt. Der Stürmer" würde nur Gutes vom Lager und das Schlechteste von den Lagerinsassen berichten. 33 Mehr wollte man nicht. Und Himmler, dieser Zyniker, wußte, daß seine Befehle:" Vernichtet die Häftlinge", nun umso grausamer durchgeführt würden. uns he Widers strafen ren So einem Eine hiebe Abe Zun bis die Befehl Und Dan Grabe drei M Kam und g die SS Ersc nicht Phanta Am erhalte Die Es g schloss Wer Kräfte Scho „ Ei SS.- Glanzleistungen Sechs Wochen marschierten wir nun schon, das heißt: sechs Wochen wurden wir täglich in Schnee und Kälte herumgehetzt. Eine große Zahl der Häftlinge war ausgefallen, sie waren den Strapazen zum Opfer gefallen. Sie hatten den gesundheitsfördernden Außendienst" nicht ausgehalten. Es war Mitte Januar 1939, ein starker Schneefall hatte eingesetzt. Die " Marschierübungen" waren eingestellt. Trotz ihrer hohen Stiefel betraten die SS.- Mannschaften nur selten die Lagerwege. In diese Ruhe hinein dröhnte mit einem Male der Lautsprecher:„ Sofort den Schnee beseitigen, zunächst die Straßen. In einer Stunde muß alles beendet sein!" Die„ Capos", die Oberhäftlinge, welche für die sofortige Ausführung solcher Befehle verantwortlich waren, führten uns nach der Gerätekammer. Dort wurden Schaufeln und Schubkarren herausgegeben. Die Arbeit begann. Natürlich schon unter den Schlägen der Capos. Ein neuer Schneesturm setzte ein. Dann aber, es waren noch keine dreißig Minuten seit Beginn der Arbeit vergangen, begann die Hauptschlach t". Im Schutze des Schneesturmes und bekleidet mit weißen Mänteln, hatte sich eine Anzahl der SS.- Banditen an uns herangeschlichen. Ganz plötzlich sausten die Gummiknüppel auf 20 20 Da rann ü lief un unsere waren 11 Wo i Schran Im die SS wildes mit ro gewüt Sie brüllte Jede Darüb Ich Stunde daf al Sch vorbe Abe ganze Verpflen hinter Punkte albestie, und Erbellplatz ihm für ren. Bei den sittier nicht eswegen e unterden Zeif den. machen! affe alles Schlechichtet hen wurZahl der gefallen. st" nicht etzt. Die n Stiefel :„ Sofort muß alles usführung ekammer. rbeit beer Arbeit eesturmes -Banditen uns hernieder. Ich sage:" Es war eine Schlacht!" Gerade als ob wir Widerstand geleistet oder Sabotage getrieben hätten, als wenn man uns strafen müte", so schlug man auf uns ein. Mit den vollbeladenen, schweren Schubkarren hetzte man uns hin und her. Die Schubkarren wurden in einem vier Meter breiten Graben entleert. Einem Teil der geschwächten Häftlinge war es auch trotz der Knüppelhiebe und Fuftritte nicht möglich, die Arbeit zu verrichten. Aber die SS.- Leute erfanden Abhilfe. Zunächst schlug man auf die zusammengebrochenen Opfer solange ein, bis die letzten Atemzüge drohten, und dann erhielten die„ Capos" den Befehl, den bereits Halbtoten auf den Karren zu werfen. Und dann?- Und dann? Dann wurden diese unglückseligen Opfer mitsamt dem Schnee in den Graben geworfen, in einen Betongraben, der vier Meter tief und bis zu drei Meter mit Wasser gefüllt war. Dort mußten sie elend zugrunde gehen. Kam aber gar einer dieser Armen im kalten Wasser wieder zur Besinnung und gelang es ihm, sich kurze Zeit über Wasser zu halten, dann schossen die SS.- Banditen.-- Und ihre Kugeln trafen„ gut". Erschütternde Szenen spielten sich ab, deren ganze Wirkung und Tragik nicht wiedergegeben werden kann. Und ich glaube, auch die glühendste Phantasie vermag es sich nicht vorzustellen, was wir erlebten. Am Ende des Grabens waren einige Häftlinge aufgestellt, die den Befehl erhalten hatten, die angeschwemmten Leichen herauszufischen. Die weiße Erde war blutbefleckt. Es gab nur wenige Straßen, die keine Merkmale der noch nicht abgeschlossenen Schlacht aufwiesen. Die Schneeschlach f" ging weiter. Wer liegen blieb, wurde ins Wasser geworfen. Auch mich drohten meine Kräfte zu verlassen. Schon schimmerten alle Farben vor meinen Augen. Ein Regenbogen!" Da prasselte plötzlich ein großes Holzstück auf mich hernieder und Blut rann über mein Gesicht. Dieses geschah vor unserem Block. Der SS.- Bandit lief um die Ecke. Blitzartig,-- Ueberlegung hatte ich nicht,-- rannte ich in unsere Wohnbaracke hinein. Ich war kaum im Zimmer,-- Leidenskameraden waren herzugesprungen, mich vom Blut zu säubern,- da hörte ich Rufe. " Wo ist der Lump? Wo ist das Aas?" Schnell versteckte ich mich in einem Schrank. Im nächsten Moment aber ging die Tür auf und wie wilde Tiere sprangen die SS.- Banditen in den Raum hinein.-- Wie wilde Tiere?-- Ach, nein, ein wildes Tier kommt schleichend und spähend. Aber diese Banditen rannten mit rotunterlaufenen Augen herum.-- Der Teufel könnte nicht satanischer gewütet haben. Sie rissen die Betten herunter, schauten hinter und unter" die Schränke, brüllten, und schlugen auf jeden Häftling ein, der in ihre Nähe kam. Jede Minute konnten sie mich ertappen. Dann wäre es aus" gewesen. Darüber war ich mir klar. Nach einer Weile rannten sie wieder hinaus. Ich war vorläufig" gerettet.-- Jedoch, auf wie lange?! Nach zwei Stunden war die Arbeit beendet, war diese Schlacht vorbei. Man sagte mir, daf alle Häftlinge zum Zählen antreten müßten. Schnell rannte ich hinaus.-- Es fehlten viele Häftlinge. Eine Stunde ging vorbei, bis die Toten" gezählt waren. Aber auch dann fehlten noch verschiedene„ Nummern". Während dieser ganzen schauerlichen Zeit mußten wir in Kniebeuge" sitzen. ppel auf 21 Der Schneesturm hatte inzwischen aufgehört. Auf dem Rückweg vom Appellplatz marschierten wir an der Starkstromleitung vorbei.-- Und dann war das Rätsel gelöst.-- Hier hingen die„ Fehlenden". Ein Bild wüstester Grausamkeit. Es war ihnen gelungen, im Schutze des dichten Schneesturmes bis an den hochgeladenen Draht im Zaun heranzukommen. Ein Schlag nur! Und alles Elend,-- alles Leid, war vorüber. Vorbei waren Qualen, Hohn und Spott. Bevor sie sich von geilen SS.- Bandifen langsam und unter entsetzlichen Foltern morden ließen, hatten sie es vorgezogen, mutig ihr Leben zu enden. Stumm marschierten wir vorbei. Waren wir gefühllos?-- hatten wir schon jedes Gefühl verloren?-- Nein, das nicht! Aber es war doch so, daß uns morgen passieren konnte, was heute anderen Häftlingen geschehen war. Wir waren allesamt Todeskandidaten! Unser Leben galt nichts mehr. Das wußten wir.- Und doch-- und doch-- wir hofften. Ach, das dumme Herz, das bifchen Leben. Zwei volle Tage ließ man die Leichen dort liegen. Wir mußten zur Strafe mehrmals daran vorübergehen,--„ zur Strafe", denn so sagte der Lagerführer zu uns:" Ihr habt es gut im Lager, niemand braucht sich das Leben zu nehmen. Also, beachtet die Lagerordnung!". Strafe und warnendes Beispiel. Ungefähr zehn Häftlinge im Alter zwischen 40 und 60 Jahren lagen am Draht, einige davon waren noch kurz vor dem Draht von einer SS.- Scharfschützenkugel erreicht. Noch schlimmer war es, und das kam off genug vor, wenn ein Häftling nur angeschossen war. Man führte ihn zur Ambulanz, dort wurde er leicht verbunden. Und dann mußte der ganze Block auf dem Appellplatz antreten, um anzuschauen, wie dem Angeschossenen 25 Schläge auf den nackten Hinterteil verabfolgt wurden. Man band den Häftling in einer eigens für solche Strafen angefertigten Maschine fest, sodat er sich nicht mehr rühren konnte. In strammer Haltung mußten wir der Züchtigung des unglücklichen Häftlings beiwohnen. Dabei mußte der Häftling die Hiebe selbst zählen. Da er sich aber wegen der ungeheuren Schmerzen mehrmals verzählte, begann die Prozedur solange von vorn, bis die Fleischfetzen herunterhingen und der Geschlagene bewußtlos war. Alsdann folgte wieder die bereits mehrmals geschilderte Prozedur,-- ein Eimer mit Wasser,-- zwei Eimer,-- usw. Gelang aber dieser Wiederbesinnungs versuch nicht, blieb der so schwer Mißhandelte ohne Besinnung, so war ja das Krematorium da,-- der Verbrennungsofen brauchte Arbeit. Unnütz durften die Kohlen nicht verbrannt werden. Mit den Halbtoten machte man es ebenso. Man verbrannte sie bei lebendigem Leibe. Wem von uns bei diesen Folterqualen, beim Zusehen übel wurde, oder wer die Augen zukniff, um nichts zu sehen, dem ging es ebenso. Auch diese Armen wurden in die Foltermaschine gespannt. Je mehr Opfer vorhanden waren, desto größere Freude herrschte bei diesen blutgierigen Rohlingen. Und so mußten immer wieder Opfer geschaffen" werden. Am Ende jeder solcher in der ganzen Welt noch niemals dagewesener Martervorstellung sagte der eine SS.- Scharführer zu uns: ,, Keiner hat das Recht, bei dieser Angelegenheit die Augen zuzukneifen. Jeder von Euch soll sehen, wie Eure Kameraden für ihre Verbrechen büßen müssen. Wir wollen Euch nicht töten, das wißt Ihr, aber Strafe muß sein. Hart, aber gerecht!" 22 Muß ich diesen Worten noch etwas hinzufügen? Spre Ach, die Ze Dam Wel Lager herige gehe das ga Mit uns na 200 Ha in die dieses brachte Absi Ver dig ge weil w müht Wof Wer den B wiede Fehl dann j zur Er und w liche Fenste find Die Schuhe Also b Wu Juden ten ei spring Jede So zur Ru " Wi Ordnu Freihe torium g vom d dann wüsteSchneeSprechen sie nicht für sich selbst genug? Ach, ich mußte so off an die Zeit der Christenverfolgungen denken, an die Zeiten Neros. Damals wilde Tiere und jetzt vertierte Menschen. Hohn Fer ent- Leben - Nein, te, was hr. Das e Herz, en zur > sagte cht sich wischen or dem Häftling er leicht ntreten, nackten ens für rühren cklichen len. Da begann en und -,-- ein ederne Bebrauchte n Halbeibe. e, oder ch diese handen mlingen. wesener kneifen. n büfen uf sein. Einer für alle und alle für einen Welche Greuel geschahen unter diesem Motto der Nazis! Hatte einer im Lager etwas verbrochen",-- die lieben Leser werden aus den bisherigen Schilderungen erkannt haben, wie" Verbrechen" oder„ Vergehen" gemacht wurden,- so mußte der ganze Block,- oft sogar das ganze Lager für diesen einen büfen. -- Mit diesen Magnahmen wollte man uns mit Gewalt in die Knie zwingen, uns nach Nazimethoden erziehen. Es ist doch nur verständlich, daß sich unter 200 Häftlingen immer mal wieder der eine oder andere Häftling nicht ganz in die Ordnung„ fügte". Dazu bedurfte es nicht etwa des bösen Willens dieses oder jenes Häftlings,-- nein,-- die Schikanen der SS.- Banditen brachten ja immer wieder alles in Unordnung. Absichtlich oder aus Widersetzlichkeit hat sich niemals ein Häftling eines " Vergehens" und noch viel weniger eines Verbrechens" schuldig gemacht. Es dachte auch niemals einer daran, Sabotage zu treiben, weil wir alle viel zu sehr eine Leidensfamilie darstellten und immer bemüht waren, das Leid der Leidenskameraden mit zu tragen. Wofür aber mußten alle für einen büfen? Wenn z. B. einem Häffling übel wurde, und er spie sein Erbrechen auf den Boden, so mußten alle Blockangehörigen,-- trotzdem der Boden sofort wieder gesäubert wurde,-- dafür büßen. Fehlte eine Mütze,-- und merkwürdigerweise geschah das sehr off,-- dann jagte man uns hinaus und wir mußten zwei Stunden mit dem Gesicht zur Erde im Schlamm und Schmutz liegen. Wurde ein Schuh verwechselt, und wie leicht konnte dieses durch ein wenig Nachhelfen eines" freundlichen" SS.- Mannes geschehen, dann wurden 200 Paar Schuhe aus dem Fenster geschmissen. Barfuß mußten wir dann hinaus und unsere Schuhe " finden".-- Was aber war die Folge? Die meisten Schuhe waren jetzt verwechselt, dieser hatte zwei linke Schuhe und jener zwei rechte, ein anderer hatte große,-- kleine-- usw. Also begannen die Quälereien erneut. Wurde ein Häftling beim Beten erwischt, es waren viele glaubensstarke Juden unter uns, so erhielt er 25 Schläge. Die anderen Häftlinge aber mußten eine Stunde" Sport" treiben. Hinlegen, auf,-- hinlegen,-- auf,-- springen,-- singen. Und dabei die Peitschen- und Knüppelhiebe. Jeder" Sport" bestand überwiegend aus Schlagen und Treten. So war jeder Tag,-- jede Minute, mit Schreck geladen. Wir kamen nicht zur Ruhe. Und warum dieses alles?-- " Wir sollten uns selbst zu, anständigen' Menschen erziehen.-- Ordnung und Sauberkeit gehören zu dem Weg, der Euch wieder in die Freiheit führt", so sagte man uns. Der Weg aber führte stets am Kremaforium vorüber. Und viele Häftlinge kamen nicht daran vorbei. 23 gelung Alarm in Dachau Der 21. Januar 1939 wird jedem noch lebenden ehemaligen Häftling ein unvergeblicher Tag bleiben. Heftige Regenschauer, vermischt mit dicken Hagelkörnern prasselten auf die auf dem Appellplatz angetretenen 15000 Häftlinge hernieder. Völlig durchnäßt und wie im Schüttelfrost frierend standen wir da und harrten der kommenden Dinge. Welche Quälereien hatte man sich nun wieder ausgedacht? Etwas anderes gab es doch nicht! Die Zeit verging.-- Eine Stunde ,. zwei Stunden. Ganz plötzlich ertönte die Sirene. Es war inzwischen sechs Uhr geworden. Um uns kümmerte sich niemand. Verwundert und erregt schauten wir uns an. War Feuer ausgebrochen? -- Das war unser erster Gedanke. Unsinn! Dann würde man uns nicht hier stehen lassen.-- Oder doch? Indessen waren drei Stunden vergangen. Die Nacht war hereingebrochen. Von der Kommandantur erstrahlten helle Scheinwefer. Wir aber standen und standen im Scheinwerferlicht,-- bis um halb zwölf Uhr.-- Da öffneten sich mit einem Male die Tore zum Appellplatz und lautlos marschierten SS.- Abteilungen mit schwarzen Stahlhelmen und aufgepflanzten Bajonetten herein. Nach kurzem Kommando traten je acht SS.- Leute zu jedem aufmarschierten Block. Es war inzwischen zwölf Uhr nachts geworden. Schutzhäftlinge-- Stillgestanden!-- Mützen ab!-- Einen Meter Abstand nehmen!" So dröhnte jetzt eine scharfe Stimme durch den Lautsprecher. Wir standen mucksmäuschenstill. Nur einer ließ sich nicht gebieten.-- Der Regen. Er plätscherte unaufhörlich weiter auf uns herab.-- Das Wasser lief uns in die Augen. Wir wagten dennoch nicht, uns zu bewegen, denn jede Bewegung bedeutete den Tod. Langsam wurde das Stehen unerträglich. - Das gesamte Küchenpersonal, die Krankenpfleger, ja sogar selbst die Kranken aus dem Hospital, die nicht mehr lange leben konnten, mußten mit antreten. 15000 Häftlinge standen still. In Gedanken rieten wir:" Wozu?-- Weshalb?-- Was ist los?"-- Um ein Uhr nachts war das Rätsel gelöst. Ein erst wenige Tage sich im Lager befindlicher Häftling war entflohen.-- Darum diese ganze Aufregung.-- Und wie konnte dieses geschehen?- Wie konnte diese Flucht vor sich gehen? Oh Schande" über die SS.,-- daß so etwas möglich war. Dieser Häftling hatte beobachtet, daß ein Beamter der Gestapo täglich bei den Kameraden, die auf dem Felde arbeiteten, Vernehmungen ausführte. Der Beamte bediente sich eines Motorrades, das er auf dem Wege stehen ließ, und er legte stets seine Lederjacke auf den Motorradsitz.-- In einem unbemerkten Augenblick gelang es nun dem Häftling, an das Motorrad heranzukommen. Er zog schnell die Lederjacke an und fuhr dann unbehindert durch die Postenkette der SS. hindurch. Es war eine waghalsige Tat. Der Häftling hatte alles auf eine Karte gesetzt. Wäre auch nur der geringste Verdacht entstanden, der Häftling wäre ohne weiteres Urteil auf der Fluchterschossen" worden. Darum also Alarm in Da cha u". Darum wurde alles in Bewegung gesetzt. Wir freuten uns innerlich sehr, daß es wenigstens einem von uns 24 was etwas dieser Die stellen Und u ling g Es r Vor sere a Laf samme Wir lassen nicht fünf T So hatten Zählap Wa Toten Wir wiede Die Wir m Gliedr alle.- 24 Stu treten Wir eine H herein Geg Tromm blieb mand Das dete: Schein Dur kam d ihn wi versch Mit ge uns v Trom Π Und h Freude appara gesam zellen. ben, d ing ein dicken 15000 frierend anderes ertönte erte sich ns nicht prochen. standen öffneten chierten onetten arschierAbstand precher. eten.- -- Das wegen, men unbst die mußten -- Um n Lager ung.-- vor sich ch war. fäglich en aus■ Wege dsitz.-- an das hr dann der gelauf wegung von uns gelungen war, der überschlauen" und mit allen Wassern gewaschenen" SS. ein Schnippchen zu schlagen, wenngleich wir auch etwas vom Neid erfaßt waren.-- Aber, das dürfte verständlich sein, denn dieser Hölle zu entrinnen, war der sehnlichste Wunsch aller Häftlinge. Die gesamten Polizei- und Gendarmeriestationen, sowie die Gestapostellen waren auf der Suche. SS.- Hundesuchkommandos waren eingesetzt. Und uns drohte man, wir müßten solange stehen, bis der entflohene Häftling gefunden sei. Es regnete nicht mehr. Es war kalt. Alles war ruhig um uns. Vor uns lagen einige erfrorene alte Männer. Wir wollten sie hinter unsere angetretenen Reihen legen. Man verbot dieses. " Laßt sie liegen, die Hunde. Ihr kommt auch noch daran. Dann geht's zusammen ins Krematorium!", brüllte uns ein junger Oberscharführer an. Wir hielten es zunächst für unmöglich, daß man uns noch lange stehen lassen könne. Aber wir wurden eines Besseren belehrt. Bei der SS. war nichts unmöglich". Alte Häftlinge hatten uns erzählt, daß sie einmal fünf Tage ununterbrochen stehen mußten, weil ein Häftling entflohen war. So brach der neue Tag an. Wir standen noch immer. Die Toten um uns hatten sich vermehrt. Es war sechs Uhr in der Frühe. Das Kommando zum Zählappell ertönte. Der Lautsprecher meldete: , Während des Zählens durch die einzelnen Blockführer müssen sämtliche Toten aufgestellt werden. Wenn sie auch tot sind, sie werden mitgezählt." Wir stellten die Toten auf, stützten sie, und legten sie nach dem Zählen wieder auf die Erde, genau dorthin, wo sie gelegen hatten. Die Zählung war beendet, wir glaubten auch die Quälerei. Weit gefehlt. Wir mußten weiter stehen. Das Küchenpersonal, die Kranken mit erfrorenen Gliedmaßen, mit Verbänden, die an Lungenentzündung Erkrankten, alle-- alle. Die Zeit verging.-- Es wurde Mittag, und es wurde wieder Abend. 24 Stunden standen wir nun schon ohne Essen, ohne auch nur einmal austreten zu dürfen, im Anblick der Toten zu unseren Füßen. Wir bissen die Zähne aufeinander.-- Vielleicht-- vielleicht gab es noch eine Hoffnung auf Rettung. Es wurde wieder dunkel. Die neue Nacht brach herein. Wir standen. Noch mehr Tote lagen zwischen unseren Reihen. Gegen drei Uhr des nächsten Tages hörten wir aus der Ferne dumpfen Trommelschlag. Die Lichter des Lagers erloschen, nur das Licht im Lagerfor blieb brennen. Die Tore öffneten sich abermals, wir standen stumm, niemand rührte sich, niemand schaute sich um. Das dumpfe Trommeln kam näher und näher. Der Lautsprecher verkündete: Schutzhäftlinge- Augen links!" Wir schauten nach dem Tor. Ein Scheinwerfer blitzte auf. Der Trommelschlag erklang härter. Durch das Tor kam ein Mann herein.-- Wir sahen genauer hin.-- Wer kam da? Es war der entsprungene Häftling. Nach 32 Stunden hatte man ihn wieder erwischt. In Zivilkleidern, die er sich gleich nach seiner Flucht verschafft haben mußte, und mit einer umgehängten Trommel kam er herein. Mit geschwollenem Gesicht, blutbespritzt und hängendem Kopf ging er an uns vorbei.-- Er selbst mußte ununterbrochen die Trommel rühren. Trom-- from-- from." Schauerlich erklang das eintönige Trom-- from."-- Und hinter diesem lebenden Leichnam marschierten die„ Sieger". Voller Freude über diesen unter Aufbietung aller Kräfte und des gesamten Staatsapparates errungenen Sieg, marschierte die ganze Lagerleitung und die gesamte diensttuende SS. hinterdrein bis zum Bunker mit den Einzelfolterzellen. Dort ist unser mutiger Kamerad dann den grausamsten Tod gestorben, den man sich nur denken kann. 25 25 So hatten wir 32 Stunden gestanden. Wir marschierten ab. Auf dem Appellplatz lagen viele Tote. Ich selbst konnte nicht mehr gehen, ich konnte die Füße nicht mehr auseinanderbringen. Kameraden trugen mich in den Block. Die SS. hatte erneut bewiesen, daß sie mit allen Mitteln bestrebt war, dem Befehl zu folgen:„ Schlagt sie, wo Ihr sie trefft!" Diese und alle anderen Strafmaßnahmen der SS. ließen erkennen, daß es sich dabei nicht um augenblickliche Wutanfälle handelte, sondern um mit genauer Berechnung durchgeführte drakonische Maßnahmen, die den Hirnen der Hyänen in der deutschen Reichsregierung und der SS.- Banditen entstammten. Ordnung, Fleiß, Sauberkeit und Liebe zum Vaterland Die große Kälte war vorbei. Ab und zu zeigte sich sogar die Sonne am Himmel. Dazwischen aber gab es einige Tage, an welchen um vier Uhr nachmittags noch Eiszapfen an den Dachrinnen hingen. Mit dem Marschieren" hatte man Schluß gemacht. Jetzt sollten wir nach einem anderen Motto erzogen werden, bzw. uns selbst erziehen. Die Schreckenswochen" hatten wir hinter uns. Jetzt? Was hatte -- man nun für Qualen ausgeheckt?-- Es war doch nicht möglich, daß nun mit einem Male ein menschliches" Regiment einsetzen sollte! " Ordnung, Fleiß, Sauberkeit und Liebe zum Vaterland", so lautete der Erziehungsleitspruch. In einem Teil der Räume wurden die Pritschen entfernt, so daß nunmehr jedem Häftlingsblock ein Schlaf- und ein Tages- Aufenthaltsraum zur Verfügung stand. Fürwahr eine gewaltige Aenderung zum Guten. Doch, wer auch nur einen kleinen Hoffnungsanker zu erblicken geglaubt hatte, mußte seinen Irrtum bald erkennen. Die Erfahrenen unter uns, die den wahren Charakter der Nazibanditen schon immer erkannt hatten, behielten Recht. Es war nur eine Aenderung der angewandten Bestialität. Eine Aenderung der Art. Vielleicht waren uns die bisherigen Bestialitäten schon zu genau bekannt. Ununterbrochen und unter ständiger SS.- Bewachung mußten wir oft bis zu sechs Stunden am Tage die Fußböden bohnern, mit unseren Schuhbürsten. Im Anschluß daran mukten wir die Schränke mit Rasierapparaten abkratzen, säubern. Alle drei Stunden wurde eine Sonderkontrolle durchgeführt. Mit den Schuhen in der Hand, an deren Nägel kein Stäubchen sein durfte, erwarteten wir schreckerfüllt die Kontrollen. Keine Kontrolle ging ohne Strafen ab. War am Henkel eines Gefäßes auch nur ein winzig kleiner schwarzer Punkt zu sehen, so mußte der Verbrecher" zwei Stunden ohne Schuhe und Strümpfe mit hocherhobenem Gefäß draußen stehen, in der Sonne, im Regen, oder im Schnee. Es waren stets zwei Stunden voller Todesqualen, denn wenn der Häftling seine müde und schlapp gewordenen Arme auch nur für Sekunden senken wollte, dann erreichte ihn bestimmt eine Scharfschützenkugel. Wegen Insubordination, wegen Sabotage. Auch ich habe einmal mit Mühe und Not und unter Hangen und Bangen solche zwei Stunden überstanden. Fanden die SS.- Schreckgestalten nichts zu beanstanden, so schauten sie uns grimmig an. Und,-- wenn wir das Gesicht auch nur ein wenig ver26 zogen, auf uns gelacht Der ander, weißen Wir m Und Jede recht n Befa eine S Nach k andere Ihr Sau Augen jeder auf ein So g was ge putzen keine Schlafra gerisse Dann So w Dies Dachau sozusa ihrem Die zuschu so gut Verge 17 sie kle gegen Was Als Häftlin ein Stü Um folgen mit mi Schuhe fallen, mich a Numm selbst anderof war, n, daf um mit Hirnen n ent■ ne am er Uhr en wir ziehen. 5 hatte. nun mit ete der unmehr ur Vereglaubt ns, die en, be= tialität. alitäten bis zu ürsten. ratzen, rt. Mit -fte, erwarzer Schuhe Sonne, qualen, me auch ScharfBangen ■ ten sie ig verzogen, sich ein anderer Mundwinkel bildete, sofort hagelten Schläge auf uns hernieder. Dann wurde uns gesagt, wir hätten den Blockführer ausgelacht, gegrinst. Der Bettenbau gab stets zu Strafen Anlaß. Drei Betten standen übereinander, alle sollten zu gleicher Zeit fertig sein. Die Kissen waren mit blauweißen Karos versehen. Jede Seite mußte genau 32 Karos aufweisen.-- Wir mußten mit einem Zentimetermal arbeiten. Und immer Schläge und nochmals Schläge. Jeder SS.- Mann hatte seine Spezialitäten.-- Wir konnten es niemand recht machen. Befanden sich im Schrank noch kleine aufgesparte Essenreste, so rief die eine SS.- Bestie:" Ihr Säue, habt Ihr keinen Hunger? Freht das sofort auf." Nach kaum einer halben Stunde fand eine neue Schrankrevision durch eine andere dieser Bestien statt. Dann hieß es:„ Warum freßt Ihr denn alles auf, Ihr Sauhunde? Habt Ihr an der Lagerverpflegung nicht genug?" Im nächsten Augenblick erschien der Blockkantineneinkäufer und erklärte:„ Sofort hat jeder von Euch für 3 bis 4 Mark einzukaufen, und wenn Ihr wieder alles auf einmal auffreßt, dann sperre ich die Kantine für vier Wochen!" So ging es hin und her.-- Wir lebten in ständiger Furcht, etwas zu tun, was gegen die Anordnungen verstoßen hätte.-- Immer wieder Schuheputzen, Bettenbauen. Bis in die Nacht hinein. Und auch dann ließ man uns keine Ruhe. Häufig genug waren, wenn wir am späten Abend in den Schlafraum gingen, alle Betten durcheinandergeworfen, die Strohsäcke aufgerissen und das Stroh auf dem Boden verstreut. Dann ging die Arbeit erneut los. So wurde die neue Parole an uns erprobt. Lagerstrafen Diese Lagerstrafen waren ein besonderes Kapitel in der Geschichte von Dachau. Sie hatten nichts mit den täglichen Quälereien zu tun, sie waren sozusagen Zulagen". Tausende von Häftlingen sind diesen Strafen mit ihrem einzigartigen Sadismus zum Opfer gefallen. 17 Die Häftlinge ließen sich nur in den seltesten Fällen wirkliche Vergehen zuschulden kommen. Jeder fügte sich in sein Schicksal und versuchte, alles so gut zu machen, als es nur irgend ging. Jedem waren ja die Strafen für " Vergehen" bekannt! Das wußte die SS. sehr wohl, umsomehr versuchte sie kleine begangene Fehler in große Verbrechen gegen den Staat" oder gegen die SS. aufzubauschen, um uns auf jeden Fall quälen zu können. Was für Verbrechen waren das, wie sahen sie im einzelnen aus? Als größtes Verbrechen galt der Kameradendiebstahl". Stahl z. B. ein Häftling einem anderen in der grenzenlosen Not, in der wir immer lebten, ein Stück Brot, so bedeutete das seinen sofortigen Tod durch unsere Henker. Um den Tatbestand eines weiteren ähnlichen Vergehens und die ihm folgende Bestrafung zu schildern, will ich einen Fall darstellen, der sich mit mir selbst ereignete. Ich putzte einmal allein vor meinem„ Block" meine Schuhe. Plötzlich stand ein Blockführer hinter mir. Sofort ließ ich die Schuhe fallen, nahm die Mütze ab und stand stramm. Schon zu spät", brüllte er mich an und trat mich in den Bauch." Komm her, Du Schwein, gib mir Deine Nummer!" 27 Dann schrieb er meine Häftlingsnummer auf. Was wird nun wieder geschehen, dachte ich, und welche Strafe werde ich erhalten? Ich befand mich im Zustande höchster Nervosität.-- Ich wartete und wartete. Erst nach zwei Tagen wurde auch meine Nummer zur Bestrafung aufgerufen. Zitternd ging ich ans Tor, um mein Urteil entgegen zu nehmen. Zwei Stunden ließ man uns stehen. Und ohne Urteil konnten wir nach dieser Zeit wieder wegtreten". Fünf Tage hintereinander wurden wir ans Tor gerufen. Fünf Tage voll Angst und Schrecken. Dann stand ich vor dem Lagerführer. Sie haben die deutsche Uniform zu grüßen verweigert. Dafür werden Sie eine halbe Stunde hängen!" Kalf lief es mir über den Rücken, als ich die Treppe wieder hinunter ging und mich zu meinen Kameraden gesellte. Kurz darauf kam ein SS.- Blockführer und führte uns zwölf Häftlinge zum Hängen". Vorher wurden wir einem SS.- Arzt vorgeführt, der uns nach kurzer Untersuchung für hängefähig" erklärte. Auf einem kleinen Platz hinter der Häftlingsküche waren 12 Galgen aufgestellt. Jeder von uns wurde einem Galgen zugewiesen. Wir mußten unsere Hände auf den Rücken legen, und dann wurden wir mit dicken eisernen Ketten gefesselt. Unsere Hände bestanden nur noch aus Knochen. Die Ketten umspannten unsere Gelenke. Jeder Häftling mußte sich auf eine 40 cm hohe Kiste stellen, und dann wurden wir an den Händen langsam nach oben gezogen. Die Kisten wurden weggestoßen, und wir hingen frei. Es waren entsetzliche Schmerzen, die wir zu ertragen hatten. Ich denke noch heute mit Grausen und Schaudern daran, und es ist mir unmöglich, diese Qualen zu beschreiben. Der Lagerführer hatte einen Affen, der uns hin und her schaukeln mußte. Unsere Arme wurden immer weiter nach rückwärts gedreht.-- Schaurig, schaurig. Das Schreien und Stöhnen muß furchtbar gewesen sein. Aber während dieser 30 Minuten ging ein SS.- Blockführer zynisch lächelnd von einem zum andern und fragte uns nach unserem Befinden. ,, Na, Ihr Hunde, das ist besser als Geschäfte zu machen, was?!- Ihr verreckt ja doch alle. Kommt Ihr jetzt noch einmal darüber hinweg, so geht Ihr beim nächstenmal bestimmt kaputt!" Als man uns nach 30 Minuten abnahm, brachen wir bewußtlos zusammen. Nach den üblichen„ Kalt- Wasser- Behandlungen und noch anderen Quälereien, trugen uns einige Häftlinge in unseren Block. Mit Hilfe eines Häftlingsarztes wurde mein linker Arm wieder eingerenkt. Einige ältere Kameraden waren an der grausamen Behandlung gestorben. Eine besondere Spezialität war auch das stundenlange Tragen von schweren Steinen, bergauf, bergab,-- unter den andauernden Schlägen der SS.- Banditen, die uns alle 200 Meter befahlen, die Steine auf die Erde zu werfen, wieder aufzunehmen, auf die Schultern zu legen und im Laufschritt den Berg zu nehmen". Geradezu eine Spielerei war es, wenn die Helden" uns Häftlingen befahlen, die Mützen 50 mal ab- und wieder aufzusetzen, weil wir angeblich nicht vorschriftsmäßig gegrüßt hätten. Dabei kam es häufig vor, daß ein Bandit zum Schluß dem Häftling die Mütze herunterriß und auf den ,, Rasen" warf, von wo sie der Häftling unter Einbüßung seines Lebens wieder holen sollte. Es war ja nur ein" Spiel" mit Menschenleben. Und welches Spiel trieb man noch? Für starke Raucher war man sehr eingenommen. Sie waren nicht nur auf „ Essen" bedacht, sondern liefen auch ständig stummel"- oder„ kippe28 sucher gegen bis zu beoba der P Du hinunt Und solche tig, h Wo Auf sche pen a leid, Auge Es wa Wa Und die le Luder Am raden von R Graus Mo Mit fa tern,- der a der M Die so off Wü nein, Ge reien Lügne Mit alles, zurück kenne Kul Wi oder anzus wah die H wenn der gend mich aufgen. Zwei dieser Tor geUniform !" Kalt und ng ge zum nach ms en aufen undicken nochen. ■ uf eine angsam en frei. denke möglich, mußte. suchend" umher. Die SS.- Männer, bei welchen der Tabak nie ausging, waren gegen diese Häftlinge stets sehr nobel". Aus Mitleid warf man Stummel bis zur Größe einer halben Zigarette fort.-- Aus Mitleid!-- Ich habe off beobachtet, dah, wenn ein Häftling allein an einem Postenturm vorbeiging, der Posten dem Häftling zurief: " Du, pa auf, daß Dich niemand sieht, ich werfe jetzt eine Zigarette hinunter!" Und der Häftling, freudig bewegt über soviel Mensch I ich keit", über solche unverhoffte Freundschaft", war seiner Sinne nicht mehr mächtig, hatte im Augenblick alle Gefahren vergessen. Wohin aber wurden die Zigaretten geworfen?-- Auf den Rasen!-- Von den noblen" SS.- Leuten und von den„ menschenfreundlichen" Posten.-- Alle warfen die Stummel und Kippen auf den Rasen. Im Vertrauen auf die Worte, auf das geheuchelte Mitleid, stürzten sich die Häftlinge auf den Rasen und-- wurden im gleichen Augenblick von den Scharfschützen erschossen. Sie standen ja schon bereit. Es war ein Opfer gesucht worden. Warum so viele Worte über einen Toten?! Und im Postenturm hielt man sich den Bauch vor Lachen und machte die letzten Bewegungen des Toten nach.--" So ist er gerannt, das dumme Luder, hahaha!" chaurig, er wähnd von - Ihr so geht ammen. Quälees HäftKameschween der Erde zu ufschritt ftlingen angebor, daß uf den wieder el trieb nur auf kippeDas Werk der SS. Am 1. Mai 1939 öffneten sich auch für mich mit noch sechs anderen Kameraden die Tore der Hölle von Dachau. Wir waren die letzten Häftlinge der von Rath- Aktion. Hinter diesen Toren hatten wir das Schrecklichste und Grausamste erlebt, was Menschen je erleben können. Mord, Todschlag und feige Hinterlist hatten im Lager Dachau regiert. Mit fanatischer Begeisterung war die SS. an der Arbeit gewesen, zu folfern, zu morden, verhungern zu lassen. Stolz hatte sie auf die Haufen der aufgestapelten Leichen geschaut,-- zynisch lächelnd, wenn uns anderen der Mut sinken, wenn uns die Verzweiflung niederschmettern wollte. Die unglaubhaftesten Erlebnisse lagen hinter uns. Wir fragten uns selbst so oft: wie ist es nur möglich gewesen, alle Quälereien zu überstehen? Würde man uns glauben, wenn wir daheim erzählen würden?-- Nein, nein, so antworteten wir. Gerade darum hatten diese Kreaturen ja solche unglaubhaften Quälereien erdacht! Man sollte uns nicht glauben können. Wir sollten als Lügner erscheinen. Mit dem Ausdruck tiefster Abscheu und noch tieferer Verbissenheit gegen alles, was Nationalsozialismus heißt, kehrten wir in unsere Heimatorte zurück. Dort aber lernten wir dann die Propaganda für dieses herrliche Regime kennen und erfuhren, daf Adolf Hitler der Schöpfer der deutschen Kultur" sei! Schande über Schande! Wie konnte sich ein Mensch Schöpfer der deutschen Kultur" bezeichnen oder bezeichnen lassen, der als Gründer der„ vertierten Bestialität" anzusehen war. Aber hinter all dieser Verherrlichung der Partei stand ,,, da s wahre Gesicht Hitler- Deutschlands", das Konzentrationslager, die Hölle von Dachau, und grinste uns an.-- Und ließ uns noch erschrecken, wenn wir nur davon hörten. Wir aber mußten schweigen! 22 29 II. Teil Judenausrottung. 59000 Häftlingsnummer 59000 Champ de Curs Es unser berei Flurfü " W außer Groß Krematorium Ja G nehm zu es Me Doch, Frage 50 Mi Da schred und s mutte Verbrennungsöfen Ein sollen meine alles wußte beko Me lager. packte wie g des L Sie P einem fand nunge Inz geno diese genos uns ge sonde gebli 3 Verhaftung im Zuge der Judenausroffung 17. Oktober 1940 rium Es war ein kalter, unfreundlicher Herbstmorgen, als gegen sieben Uhr unsere Flurfürglocke ertönte. Meine Mutter, die schon den Morgenkaffee bereiten wollte, schrak zusammen. Dann ging sie schnell hinaus. Als sie die Flurtür geöffnet hatte, stand vor ihr eine große hagere Gestalt, ein Gendarm. " Wohnt hier ein Rolf Weinstock?", fragte er mit scharfen Worten. Und außerdem hatte er die Namen meiner Mutter und meiner achtzigjährigen Großmutter genannt. " Ja", hatte meine Mutter mit unsicherer Stimme geantwortet. " Gut. Ich habe den Befehl, Sie alle drei in spätestens 50 Minuten mitzunehmen. Packen Sie das Nötigste zusammen und nehmen Sie für 14 Tage zu essen mit." Meiner Mutter zitterten die Knie. Sie stand und wollte noch etwas fragen. Doch, es kam kein Wort heraus. Der Beamte schnitt auch jede weitere Frage mit dem kurzen Bemerken ab:„ Beeilen Sie sich, Sie haben nur 50 Minuten Zeit." Da war meine Mutter aus ihrer Erstarrung erwacht. Angstverzerrt und mit schreckerfüllten Augen trat sie an mein Bett, rüttelte mich aus dem Schlaf und sprach: Steh schnell auf, Rolf. Wir müssen alle weg. Ich wecke Großmutter. Und dann müssen wir schnell noch das Nötigste zusammenpacken!" Einen Augenblick starrte ich meiner hinauseilenden Mutter nach.„ Wir sollen weg?"--" Wohin?" Aber dann,-- greuliche Bilder standen vor meinen Augen,-- ein Bedauern um Mutter und Großmutter faßte mich,-- alles geschah blitzartig,-- war ich mit einem Sprung aus dem Bett. Ich wußte ja, was es heißt, nachts oder zu jeder anderen Zeit den Befehl zu bekommen: Schnell, schnell!" Mein inneres Gefühl sagte mir, es gehe wieder in ein Konzentrationslager. Während ich in völliger Verwirrung meine wenigen Habseligkeiten packte, rannte meine Mutter geschäftig hin und her. Ich war verwundert, wie gefaßt sie wieder war.-- Meine liebe, gute Mutter, sie war in der Zeit des Leidens immer die Schützende, immer die Helfende, stets die Sorgende. Sie packte, sie zog meine Großmutter an, sie beruhigte mich, als ich in einem Augenblick des größten Jammers den Gashahn öffnen wollte.-- Sie fand in der größten Hetze noch Zeit zu liebevollen Worten und Ermahnungen:" Willst Du uns allein lassen, Rolf?" Inzwischen hatte der Gendarm den Schlüssel für den Gashahn an sich genommen. Er drängte zur Eile.„ Schnell, schnell!" Ach, ich kannte diese Worte ja so gut. Ich half packen.-- Und, wie es allen Leidensgenossen erging, so auch uns,-- wir packten zumeist Nichtigkeiten,-- was uns gerade in die Hände fiel und uns feuer und wertvoll schien. Was aber besonders notwendig war, wir bemerkten es erst später, das war daheim geblieben. 3 nungsöfen 33 An Lebensmitteln waren vorhanden: 1 Brot, etwas Butter, eine Thermosflasche mit Kaffee und noch einige winzige andere Sachen.-- Was sollten wir auch haben? Die Zeit war herum. Wir waren aber auch fertig. Der Gendarm, wohl eine bessere Seele unter rauher Schale, legte meiner Mutter ein Papier zur Unterschrift vor, das sie nach kurzem Durchlesen unterschrieb. Zu überlegen war ja nichts. Der Inhalt war: Ich bescheinige hiermit, daß ich mein Wohnungsinventar zurücklasse und es in treue Obhut der jüdischen Reichsvereinigung Berlin gebe." Alsdann versiegelte der Gendarm die Tür und klebte einen Zettel daran: " Amtlich versiegelt. Beschädigung verboten. Geheime Staatspolizei." п Es war acht Uhr geworden. Mit schweren Schritten traten wir den Weg in das Wohin?" an. Die Koffer in den Händen, 100 Mark in der Tasche,-- mehr durften wir nicht mitnehmen,-- stiegen wir die Stufen hinab. Meine Mutter stützte meine alte, leise weinende Großmutter. Auf der Straße blieben wir einen Augenblick stehen und warfen einen Blick zurück. Wir verlieben unser Heim, in welchem wir lange Jahre glücklich und in Frieden gelebt hatten.„ Ade, du liebes, trautes Heim!"-- Und wohin ging es nun? Auf der Straße lärmten und lachten einige Kinder. Die Erwachsenen, die aus dem Fenster geschaut hatten, waren zurückgetreten. Mit vielen der Nachbarn hatte uns aufrichtige Freundschaft verbunden.-- Sie schwiegen. Unser Herz war so schwer. Und der Himmel hing voller Sorgen. Mutter und Großmutter gingen voraus, Ich ging hinterdrein. Wir hätten heulen, schreien mögen. Langsam folgte der Gendarm. Er nahm Rücksicht auf das Alter meiner Großmutter. Woher kommt uns Hilfe?", fragte ich mich." Wo sind die Freunde?"-- " Ach", kicherte dann ein Kobold in meinem Hirn, und es schmerzte mich tief, ,, in der Not-- sind alle Freunde tot!" -- Wir wurden nach einer Garage geführt. Dort waren schon viele Juden aus unserer Stadt versammelt. Männer und Frauen, Kinder und Greise. Aller Augen waren schmerzerfüllt. Wie aus Scham wagten wir nicht aufzuschauen.-- Doch,- warum Scham?!-- Wofür?-- Weswegen?-- Nach und nach hoben sich die Blicke. Wir schaufen uns an und fragten ohne Worte immer wieder:" Wohin?-- Wohin wird es gehen?" Gegen zwölf Uhr mittags kamen drei große Omnibusse mit je zehn Mann Bewachung. „ Alles einsteigen! Wer versucht, zu entfliehen, wird erschossen!" brüllte ein alter Wachtmeister. Langsam setzten sich die Wagen in Bewegung. Nach kurzer Zeit erkannten wir, es geht in Richtung Freiburg vorwärts. Es ging durch schmale Nebenstraßen auf Umwegen, nach dem Freiburger Güterbahnhof. Dort hielten die Wagen. Wir mußten aussteigen und uns zu den bereits versammelten Juden aus Freiburg und Umgegend gesellen. Diese bestürmten uns sofort mit Fragen nach dem" Wohin?" Doch auch wir wußten ja nichts. Wie ein dichter Schleier umgab uns das Geheimnis-- geht es nach Osten oder nach Westen? Zunächst wurden wir in eine öde und kalte Halle geführt, in welcher einige wenige Bänke Sitzgelegenheit boten. Wir anderen legten uns auf den dünn mit Stroh belegten Steinfußboden. Die ersten Züge rollten durch den Bahnhof. Sie waren überfüllt mit Juden aus Mannheim und Umgebung. Wir riefen hinüber:" Wohin?"-- Ein vielfältiges Achselzucken war die Antwort. Streng und ergebungsvoll starrten uns die vielen Augen an. Man sagte uns, wir müßten immer bereit sein zum Abtransport, es könne heute, morgen oder auch erst am über34 nächs stellt De Bank Wie nahm Una Mens Als in tol kensta Erinne Na heiß Wir s sechs schütt der B schein Bahnh Do SS.- Le das G Ma sonen vonsta wir hi W sich d verbo Imn Ich damal Die Räder Rn Π W Die Abfah starrte Stern Rmta mend Wir als gi das R Zweig 3* hermossollten ohl eine bier zur u überücklasse 17 I daran: i." Weg in asche,-- . Meine he blieWir verFrieden es nun? nen, die elen der wiegen. ir hätten m Rücknde?"-- zte mich e Juden Greise. nt aufzuach und e Worte hn Mann brüllte ng. Nach Es ging r Güter5 zu den = n. Diese r wußten geht es welcher uns auf füllt mit ohin?"-- bungsvoll er bereit am übernächsten Tage weitergehen.-- Eben, sobald entsprechende Züge bereitgestellt seien. Wir wollten schlafen. Der Hunger war uns vergangen. Meine Großmutter hatten wir auf eine Bank gesetzt. Die alte Frau hatte sich in diesen Stunden sehr verändert. Wie von einem Schlag getroffen, saß sie steif und starr und schaute teilnahmslos geradeaus. Meine Mutter war sehr besorgt um sie. Unaufhörlich rollten die Züge. Die ganze Nacht. Verjagte, heimatlose Menschen, ohne Ruhe und ohne Ziel. -- Als der neue Tag anbrach, lagen Männer und Frauen, Greise und Kinder, in tollem Durcheinander auf dem Boden.-- Ein neuer Tag. Wie alle Schrekkenstage, werde ich auch diesen Tag niemals vergessen, niemals aus meinen Erinnerungen verwischen können. Was sollte er uns bringen? Nach zwei Tagen endlich verabreichte man uns etwas Suppe. Sie war heiß und erwärmte uns. Etwas Besseres konnte man über sie nicht sagen. Wir stürzten sie hinunter, denn wir hatten großen Hunger. Es war gegen sechs Uhr. Da kam der Befehl:„ Fertig machen!" Ausgerechnet jetzt.-- So schütteten viele von uns ihre Suppe fort.-- Und nach zehn Minuten wurde der Befehl widerrufen.-- Wieder hieß es warten!" Es war den, Herren" scheinbar noch zu hell, denn viele Schaulustige" hatten sich am Bahnhof eingefunden.-. Doch gegen zehn Uhr kamen unsere besonderen" Freunde, die SS.- Leute und brüllten:„ Los, los,-- Tempo, Tempo, schnell in die Abteile, das Gepäck mitnehmen!" Man stieß uns in die kleinen, dunklen Abteile der vorgefahrenen Personenzüge. Es sollte alles recht schnell und nach Möglichkeit unbemerkt vonstatten gehen. Immer zehn Personen kamen in ein Abteil. Kaum waren wir hineingetrieben, knallten die Türen zu. Die Fensterscheiben klirrten. -- " Wer die Tür öffnet, läuft Gefahr, erschossen zu werden!"-- Und, als sich die Züge endlich in Bewegung setzten:„ Das Oeffnen der Fenster ist verboten. Zuwiderhandeln wird mit Erschießen bestraft." Immer erschießen",-- immer morden". Ich wurde an meine hinter mir liegende Schreckenszeit erinnert. Auch damals hieß jedes zweite Wort erschießen-- erschossen". Die Frage nach dem" Wohin?" flammte erneut auf. Wir fuhren.-- Die Räder rollten. -- Rmtata,-- rmtata,-- rmtata", ging es im eintönigen Rhythmus. " Wohin?"- Schicksalsfahrt 18. Oktober 1940 Die SS. war im letzten Wagen eingestiegen. Ein schriller Pfiff hatte die Abfahrt verkündet. Langsam und schwer fuhr der Zug durch die Nacht. Wir starrten durch die Fenster in das undurchdringliche Dunkel hinein. Kein Stern stand am Himmel. Niemand sprach ein Wort. Außer dem eintönigen Rmtata,-- rmtata,-- rmtata" und den aus dem Dunkel der Abteile kommenden Seufzern herrschte Stille. Wir waren zu vielen und doch war uns allen unheimlich. Mir kam es vor, als ginge ich als Kind durch einen dunklen Wald,-- als hörte ich wieder das Rauschen der Blätter und das Knacken der herabfallenden trockenen Zweige. 3* 35 Ein Schauer überrann mich. Ab und zu leuchteten in der Ferne einzelne Lichter auf, oder wir fuhren rauschend an kleinen Stationen vorbei. An den Stationsnamen hatten wir festgestellt, daß wir in westlicher Richtung fuhren. Wir fühlten uns erleichtert. Wir waren alle der Meinung, daß wir vom Osten nichts" Gutes" zu erwarten hätten. Diese Ansicht hatte sich so herauskristallisiert, ohne daß wir Bestimmtes wußten. Wir fühlten uns aber erleichtert. " Rmtata, rmtata,-- rmtata!" Der Zug fuhr langsamer. Die Rädermusik hatte sich verändert. rmtata." Rmtata,---- rmtata, Wir waren am Rhein. Ganz langsam fuhr der Zug über die feilweise zerstörte und deshalb gefährdete Brücke. Unter uns schillerte silbern das Wasser. Trotz der Dunkelheit konnten wir das am Ufer anschlagende, in helle Spritzer zerstäubende Wasser erkennen. In weiter Ferne zuckten Lichter auf und verlöschten. Die SS. war ausgestiegen und lief neben dem Zuge über die festen Bohlen. Einzelne SS.- Leute standen auf den Trittbrettern und schauten in die Fenster.-- Dann lag die Brücke hinter uns. Die SS. war wieder eingestiegen. Es schaute niemand mehr ins Fenster hinein. Der Zug nahm sein altes Tempo wieder auf. Rmtata,-- rmtata,-- rmtata!" Und in diesem Einerlei verrauschten unsere Gedanken. Schwer waren unsere Herzen. Nach drei Stunden.-- Ein kleiner Bahnhof.-- Mit einem Ruck hielt der Zug. Unser Gepäck fiel durcheinander. Die Türen waren aufgerissen und ein Lautsprecher verkündete dumpf und rasselnd:" Wer den Zug verläßt, wird erschossen!,-- Wieder einmal erschossen". Wir hatten ja auch seit einigen Stunden nichts mehr davon gehört. Darauf gingen SS.- Leute mit Waschkörben an unseren Abteilen vorbei, vor jeder Abteiltür griffen sie in die Körbe hinein und warfen uns Brot zu.-- 100 bis 150 Gramm.-- Wahllos und gleich wieviel Menschen in den Abteilen waren. Die Türen knallten wieder zu. Der größte Teil der Brotrationen war zertreten. Es gab ja kein Licht. Am anderen Morgen, das Tageslicht graute, fanden wir noch vier Rationen, die wir ehrlich teilten. Vielleicht gibt es auf dem nächsten Bahnhof eine Suppe", war der hoffnungsfrohe Gedanke meiner Mutter. " Ich aber, der ich ja meine Erfahrungen hatte, antwortete nichts, ich wollte den Glauben nicht zerstören, und die Stimmung nicht noch schwerer machen, als sie bereits war. Unser Essen, für Mutter, Großmutter und mich, reichte noch für zwei Tage. Unentwegt rollte der Zug durch die Landschaft, dem Süden entgegen. Dörfer und Städte zogen an unseren Augen vorüber. Hie und da einige Zivilisten. Auf den Straßen hin und wieder deutsche Militärautos.-- Feld und Wiesen, Busch und Wald. Wie gerne reisen die Menschen! Wie zieht es uns alle in die Weite, in die Welt! Wie froh wird das Herz dabei! Wir aber hatten keinen Sinn für Baum und Strauch. Die blühendste Wiese, der schönste Rosenstock,-- sie erschienen uns kahl und grau. Wir saßen aneinandergepreßt, müde, matt und voll von schweren Gedanken. Städtenamen zogen an unseren Augen vorbei. Kolmar, Mülhausen, Besancon! Es geht in die Berge. Schnaubend schlängelt sich der Zug hinauf. Und an den Bergabhängen herrliche Weiden mit prachtvollem Vieh. Ich hätte 36 gern raun Di wir f zu fu über Es aufge trat mit deuts deuts Wied Also, ern Be Geld knall Ein auf Frand Inz das ging Um hielt Lichte spran alle SS.- P „ K durch Wüte mutte A Ruhig der H Mund Das meine Wi stets ihr o Mit e Un tönter Trittb Zuge Der kein bäude We genos einzelne = i. cher Richung, daf Echt hatte ir fühlten veise zerdas Was, in helle ie festen hauten in iegen. Es es Tempo hielt der issen und g verläßt, n ja auch -Leute mit Ffen sie in -- Wahlwar zerht graute, gibt es auf Gedanke ich wollte er machen, zwei Tage. entgegen. da einige Feld s. Weite, in ste Wiese, Wir saken n. nauf. Und Ich hätte gerne ein Fenster geöffnet. Aber-- steht Erschießen,-- wird erschossen", raunten mir die Räder zu. Die Zeit vergeht am Tage viel schneller als in der dunklen Nacht. Ob wir für die Landschaft Sinn haben oder nicht, unsere Augen haben am Tage zu tun. Und sei es auch nur, um die schmerzerfüllten Züge unseres Gegenübers zu betrachten.-- Es war gegen sechs Uhr abends. Wieder hielt der Zug. Die Tür wurde aufgerissen, und ein junger blonder, ungefähr neunzehnjähriger SS.- Held trat herein. Er gab uns brüllend den Befehl:„ Sofort eine Liste anfertigen mit den Namen aller Insassen des Abteils. Dabei ist anzugeben, wieviel deutsches Geld ein jeder mit sich führt. Wer bei der Kontrolle noch mit deutschem Geld erwischt wird, wird, s fandrechtlich' erschossen!-- Wieder erschossen". Zum ersten Male aber" Standrechtlich".- Also, wenn auch nach Banditenrecht in unserem Falle, so doch aber nicht , ermordet". Bei dem trüben Bahnhofslicht wurde die Liste angefertigt. Das deutsche Geld wurde dem SS.- Mann ausgehändigt. Der„ Held" ging und die Tür knallte zu. Eine halbe Stunde war vergangen, da rif derselbe" Held" die Tür wieder auf und warf das gewechselte Geld, für jeden von uns 2000 französische Francs, in das dunkle Abteil hinein. Inzwischen war der Mond aufgegangen. Bei seinem Schein suchten wir das Geld zusammen und feilfen. Wir waren vermögen d". Weiter ging es. Um drei Uhr morgens des nächsten Tages, es war der 20. Oktober 1940, hielt der Zug abermals. Vor einem Bahnhof.-- Diesmal ein anderes Bild. Lichter blitzten auf. Kurze Kommandos hallten durch die Nacht. Nervös sprangen die SS.- Mannschaften um den Zug herum. Auf einen Pfiff wurden alle Türen zur gleichen Zeit aufgerissen. Vor jedem Abteil standen zwei SS.- Posten mit erhobenen Revolvern. " Kontrolle. Gepäck aufmachen!" brüllte man uns zu. Dann wurde alles durcheinandergeworfen. Sie suchten und suchten, doch fanden sie nichts. Wütend griffen sie in unsere Taschen, aber auch nichts. Meine alte Großmutter saf in der Ecke. Sie wurde zuletzt untersucht. ,, Aha, die Alte hat sicher etwas", brüllte einer der bewaffneten Helden. Ruhig erwiderte Großmutter: Nein, ich habe nichts!" Da schlug der eine der Helden die alte Frau mit roher Faust ins Gesicht, daß das Blut aus Mund und Nase flok." Mistsau" sagte er dabei. Das Blut befriedigte die Helden. Sie verschwanden unter rohen und gemeinen Schimpfworten. Sie hätten sich gern noch bereichert. Wir befanden uns in großer Erregung. Nur meine liebe Mutter hatte wie stets ihre Ruhe" behalten. Sie war unser guter Geist. Ein fester Blick von ihr oder ein stilles Streicheln unserer Hände machte uns ruhig und hoffend. Mit einem Hemd wischten wir das Blut aus dem Gesicht der alten Frau. 17 Und wieder setzte sich der Zug langsam in Bewegung. Kommandos ertönten. Weg von den Fenstern!" Drohend lief die SS.- Mannschaft auf den Trittbrettern herum. Sie sprangen ab und liefen eine Strecke neben dem Zuge her. Dann blieben sie mehr und mehr zurück. Der Zug war in den Bahnhof eingefahren. Es brannte kein Licht. Es war kein Mensch zu sehen. Oede wie ein Friedhof, verlassen standen die Gebäude da. Weiter ging die Fahrt. Nach und nach waren meine anderen Abteilgenossen eingeschlafen. Auch ich wurde müde. Und schlief ein. 37 Als ich erwachte, war es heller Tag. Ich hatfe nach meiner Mutter hinüber- geschaut. Sie sak, den Kopf nach hintenüber gelegt, und schlief. Um ihre Mundwinkel standen schräge Falten.-- Sorge!-- Im Schlaf schien die sonst von ihr ausströmende Ruhe von ihr gewichen zu sein. Träumte sie?-- Ein Zucken lief über ihr Gesicht.-- Arme, liebe Mutter!-- Sorgte sie sich auch im Schlaf um uns? Auf den Wiesen lag noch dichter Nebel. „Rmtata,-- rmtata,-- rmtata”, sprachen die Räder in einem fort. Weiter ging die Fahrt. Wieder ein Bahnhof.-- Lachende Menschen winkten uns zu. Das erste menschliche Lächeln nach vielen schrecklichen Stunden. Und dort drüben? 200 Meter von uns entfernt befanden sich französische Sol- daten. Auch sie winkten uns zu. Wir aber standen hinter den Fenstern,-- wir winkten nicht zurück. Sollte dieses ein neues Mittel werden, uns zu drangsalieren? Nein, wir wollten der blutgierigen SS. keine Veranlassung geben! Aber die Menschen winkten weiter. Sie riefen uns Worte zu, die wir nicht verstanden. Da erfahte mich ein unbeschreiblicher Drang. Ich öffnete das Fenster, ich beugte mich hinaus. Auch aus den andern Abteilfenstern schauten Menschen hinaus. Alles geriet in größte Aufregung. Ein Leidensgenosse winkte mit den Händen. Er legte die Hände an den Mund,-- zum Trichter-- und rief:„Rolf, schau, der Dienstwagen ist fort. Die SS.-Banditen sind ver- schwunden!” Ich kann die Freude nicht beschreiben, die uns nun erfahte. Alles war außer Rand und Band. Die Augen meiner Mutter strahlten.„Rolf", sagte sie nur und ergriff meine Hand. Meine alte Großmutter saß in der Ecke und weinte. Das alte, verwitterte Gesicht war wieder schön.-- Wir umarmten uns untereinander. Wir lachten und schluchzten zugleich. „Ist es denn wirklich wahr?”, fragten einige Zweifelnde. Sie wurden von unserer Freude angesteckt. Und trotzdem fragten auch wir uns:„Ist denn so etwas möglich?” Hunger und Müdigkeit waren vergessen. Weiß schimmerten unsere Augen aus den schmutzigen, verrusten Gesichtern. Und,-- wo die Tränen herunter- gelaufen waren, zeigten sich helle Streifen. Wir lachten und jauchzten. Nach schweren acht Jahren frei. Frei von Sorgen um das bifschen Leben! Wir waren arm,-- und wir waren doch so reich!-- So reich jetzt! Fenster auf,-- Luft herein! Die Sorgen hinaus. Jetzt freuten wir uns über die Landschaft, über die Wiesen und Felder. Menschen winkten uns zu.-- Wir winkten zurück.-- Häuser und Fa- briken.-- Frieden. Wir waren auf dem Boden des unbesetzten Frankreichs.-- Wir waren freil Unbeseitztes Frankreich Nach Stunden glücklicher Fahrt hielt der Zug. Menschen kamen in un- sere Abfteile, sprachen zu uns.-- Wir aber verstanden sie nicht. Doch dann ward uns Hilfe. Eine Frau, die Deutsch verstand, vermittelte. Wir stellten immer wieder die Frage:„Wohin?"-- Niemand wuhte es. Aber wir er- fuhren, daß seit Tagen endlose Züge vorüberrollten.„Ja”, sagte der Bahn- hofsvorsteher mit verbissener Miene:„Hitler, der Schrecken der Welt.-- Ich 38 weih fahre: Die die h inner Die t so se Wi wir d die K nebe: letzte Heim: Ende Es dasse Am Bahn! ten u Recht wir d In uns L vergii so ve ang auf d Vie öffne: terun: triebe Krank es be und\ word In hinüberUm ihre die sonst ?-- Ein Lich auch Weiter xten uns en. Und che Solnstern,-- Nein, wir wir nicht mster, ich Menschen nkte mit r-- und ind verAlles war f", sagte Ecke und marmten den von Ist denn re Augen herunterzten. n Leben! uns über und Faaren frei! en in unoch dann ir stellten r wir erder Bahnelt.-- Ich weit auch nichts. Es ist ein Geheimnis, wohin die Züge aus Deutschland fahren!" Die Menschen brachten uns Wasser und waren gut zu uns. Güte,-- ja, die hatten wir lange genug entbehrt. Es ist ja stets so im Leben, man erinnert sich später mit Freude der guten Tage, die uns das Leben schenkte. Die bösen Tage und Zeiten werden sehr leicht vergessen. Es soll wohl so sein! Wir wußten nun, daß wir uns im unbesetzten Frankreich befanden, dak wir die Demarkationslinie überschritten hatten. Und damit klärte sich auch die Kontrolle auf und das eigenartige Verhalten der SS.- Banditen, als sie neben dem Zuge herliefen und immer mehr zurückblieben. Das waren die letzten Minuten unter der SS.- Bewachung. Seitdem fuhren wir ins Schwarze. Heimatlos,- herrenlos! Auch zukunftslos? Der Tag neigte sich seinem Ende zu. -- Es ging immer noch weiter. Ab und zu hielt der Zug. Wir hörten immer dasselbe. Aber wir hörten freundliche" Worte. Am vierten Tage trafen wir gegen sieben Uhr in Lyon ein. Der große Bahnhof war leer. Nur einige Polizisten waren da. Krankenschwestern brachten uns Wasser, nichts mehr. Wir waren hungrig. Der Körper verlangte sein Recht. Die Freude und unser Lachen hatten ihn rebellisch gemacht.-- Wenn wir doch nur etwas Brot gehabt hätten. Aber es gab nichts. In Richtung Toulouse ging es weiter. Das herrliche Rhonetal erquickte uns und schenkte uns neuen Mut. Nacht und Tag und noch eine Nacht vergingen. Die Tage schnell,-- aber die Nächte, als wenn es Jahre seien, so vergingen die Stunden. Doch als dann der neue Tag graute, lasen wir an großen Fabrikschornsteinen„ Toulouse". Kurz darauf langten wir auf dem Bahnhof an. Viel Militär und auch einige„ Rote- Kreuz- Schwestern" waren da. Wir öffneten die Fenster. Alle wollten wissen, was mit uns los sei. Mit Erbitterung hörten die französischen Soldaten, daß wir aus Deutschland vertrieben wären. Essen konnte man uns nicht geben. Man gab den Alten und Kranken etwas Tee. Den ersten Transporten, die Toulouse passierten, war es besser ergangen, so sagten die Schwestern. Ihnen hätte man noch Brot und Wurst geben können. Der Zug sei aber erst vor kurzer Zeit gemeldet worden. So konnte nichts mehr hergerichtet werden. In Toulouse erfuhren wir mehr. Nach Gurs ging es. Was ist Gurs?-- Ein Lager, ein Dorf, eine Stadt? Nun war die Frage nach dem" Wohin?", die uns so lange gequält und bedrückt hatte, endlich beantwortet. Nach Gurs. Was ist Gurs? Wo liegt Gurs?-- Es waren neue Fragen. Die guten Franzosen mögen nicht böse sein, daß wir immer und immer wieder gefragt haben. Gurs ist ein großes Lager, 80 Kilometer von der spanischen Grenze entfernt. Darin waren die spanischen Freiheitskämpfer, die aus Spanien fliehen mußten, untergebracht. Gurs! Auf allen Lippen lag das Wort. Weiter ging die Fahrt. Dem Ziel entgegen. Mühselig kletterte unser Zug ins Gebirge. Das Wetter hatte sich geändert. Schwere Wolken hingen am Himmel. So fief herab, als wollten sie dem unter Gestöhne und Schnaufen aufsteigenden Zuge, und damit uns, den Weg versperren. Als wollten sie uns warnen. Es dauerte auch nicht lange. Dann öffnete sich die Schleuße des Himmels. Und dazu ein orkanartiger Sturm. Das Rauschen der Bäume und das Plätschern des Regens übertönten das Zuggestampfe. 39 " Tschsch, tschsch-- tschsch", ging es dazwischen in einem fort. Der Qualm der Lokomotive drang durch alle Ritzen und Fugen. Obwohl wir die Fenster geschlossen hatten, roch es nach Ruf. -- Alles, Ru, Regen, Sturm und die Melodie des Wetters pakten zu unserer Stimmung. In uns stürmte und tobte es. Die Freude hatte sich beruhigt. Flammende Blitze zuckten,-- Donner rollten,-- dazwischen Hagel, wir merkten es an dem Rauschen auf unseren Wagendächern. Es war dunkel geworden. Wir sahen nichts mehr. Mit einem Male aber wurden wir durcheinandergerüttelt. Wir bogen mit einer großen Kurve ab von der Hauptstraße.-- Eingleisig. Die Bahnstrecke war schmäler geworden. Rechts und links hohe, sich hin- und herneigende Bäume. Ueber uns der zuckende Himmel. In weiter Ferne sahen wir, als der Wald durchfahren war, Lichter voraus. Es mußte ein Bahnhof sein. Wir packten unsere Koffer. Die Lichter kamen näher. Sie wurden größer. Die Bahngleise verzweigten sich. Der Zug hatte sein Tempo verlangsamt. Die schwerste Steigung war überwunden. Tschsch, tschsch,- tschsch", machte die Lokomotive. Und nach einer Weile langten wir an. -- „ Oloron St. Marie", verkündeten große schwarze Buchstaben auf weiß überstrichenen Mauerteilen. Der Zug hielt. Französische Gendarmen öffneten die Türen und wiesen uns an, auf die andere Seite des Bahnhofes zu gehen. Dort standen Autos. Wir nahmen Großmuttter in die Mitte und hatten bald darauf eines der offenen Autos bestiegen. Viele Männer und Frauen waren zu schwach, sie mußten getragen werden. Eine kurze Zeit hatte der Regen nachgelassen. Es wütete nur ein langsamer" Sturm. Aber nicht lange.-- Dann ging es von neuem los.-- Blitze, Donner, Sturm, Regen und Hagel. Dicht zusmmengedrängt standen wir auf den offenen Wagen. Spanier,-- bewacht von Gendarmen,-- brachten uns ins Lager. Wir waren in wenigen Minuten bis auf die Haut durchnäht, nichts bot uns Schutz gegen den strömenden Regen. Auch mußten wir uns gegenseitig festhalten. Wir wurden durchgerüttelt, denn die Wagen wurden in einem Tempo gefahren, als wollten die Fahrer ein Rennen gewinnen. Aber,-- es war wohl gut gemeint. Man wollte uns schnell in trockenen Schutz bringen. Die befahrene Straße stieg und fiel wieder ab. Es ging durch enge Strahen eines Dorfes. Der Regen hatte mal wieder aufgehört. In einiger Entfernung vor uns lag das Lager. Wie ein Negerdorf in der Wüste." Ohne Baum und Strauch, auf einer großen Ebene. Lange Holzbaracken mit schwarzen Dächern. Baracke an Baracke. Wir waren am Ziel. Die Fragen nach dem" Wohin" waren gelöst. Aus großen Steinen waren die Buchstaben zusammengesetzt: Camp de Gurs 1935." Als öffnet Seite. zoger mann Die Wir k fruge Die Gend und Das Bar Die B ten. E Ich Jede schma Gend z. B. In hoch Ange gereg das B und Ja, es Uns M meine zu la Die V fahre zend Tau sich a Elend mutte Mi Fünf volle Tage hatte Camp de Gurs diese Elendsfahrt gedauert. Fünf Tage der härtesten Entbehrung waren vergangen, Tage, wie sie kaum ein Mensch erlebt hat. Und wie hatte das Wohin?" gequält.-- Jetzt aber, wo wir am Ziel waren, machte uns der trostlose Anblick des riesigen Lagers wieder traurig. 40 " 1 De abge dreiz ler, n Als eine Ein mein bene rt. Der ohl wir ich zu unbeHagel, gen mit Bahnnd hervoraus. kamen er Zug wunden. h einer uf weiß en öffnhofes tte und her und ze Zeit Sturm. , Sturm, offenen ager.-- bot uns erüttelt, - Fahrer llte uns ge Straf in der e Holzöst. Als wir nahe an das Lager herangekommen waren, wurde das Tor geöffnet. Zwei französische Gendarmen standen zur rechten und zur linken Seite. Gleich hinter dem Tor standen schöne, mit Aluminiumpapier überzogene Baracken. Dahinter andere, die für die Beamten und Bewachungsmannschaften erbaut waren. Die Autos rollten auf einer langen, breiten Lagerstraße weiter dahin. Wir kamen an Hospitalbaracken, die das Zeichen des„ Roten Kreuzes" trugen, und an Lebensmittelverkaufs- und Werkstatt- Baracken vorüber. Die Mitte des Lagers war durch einen Sperrbalken gekennzeichnet. Ein Gendarm hob diesen Balken an einer entsprechenden Vorrichtung hoch, und weiter ging die Fahrt. Das Bild hatte sich geändert. Baracke an Baracke. Alt, schwarz.-- Und mit Pappe überzogene Dächer. Die Baracken wiesen kleine Klappen auf, die wohl als Fenster dienen sollten. Einige Klappen waren geöffnet. Ich hatte im Vorüberfahren vom Sperrbalken ab 30 Baracken gezählt. Jede war mit einem doppelten Stacheldraht umgeben. In der Mitte war ein schmaler Eingang, daneben stand ein Schildwachhäuschen und davor ein Gendarm. Eine große Tafel verriet die Bezeichnung des Barackenblocks, z. B. A, B, C usw. In den zu beiden Seiten der Straße ausgehobenen Gräben lagen bergehoch nasse, beschmutzte und geöffnete Gepäckstücke.-- Das Gepäck der Angekommenen. Zwischen diesen Bergen irrten Menschen herum, die aufgeregt und verzweifelt ihr Gepäck, ihre letzte Habe suchten. Trostlos war das Bild, wenn man sah, daß Menschen ihr letztes Gut aus dem Schlamm und dem Wasser hervorzerrten. Der kalte Wind pfiff durch die Lagerstraße. Ja, es war trostlos, die weinenden Menschen zu sehen. Unser Wagen hielt an der Baracke" G". ,, Männer aussteigen und Koffer liegen lassen", befahl man uns. Ich nahm meinen Koffer mit, und ich warnte auch meine Mutter, ihren Koffer liegen zu lassen. Ein kurzer Händedruck trennte mich von Mutter und Großmutter. Die Wagen fuhren weiter. Ich schaute meinen Lieben lange nach, um zu erfahren, wohin sie kamen. Doch bald war der Wagen durch andere kreuzende und entgegenkommende Wagen meinen Blicken entschwunden. Tausend Gedanken gingen mir durch den Kopf. Neue Sorgen meldeten sich an.-- Neue Qualen! Mein Herz prefte sich zusammen, als ich auf das Elend schaute." Ob meine liebe Mutter fest bleibt?" fragte ich mich., Großmutter sah sehr schlecht aus. Ob ich sie noch einmal wiedersehe?" Mit solchen Gedanken an meine Lieben betrat ich die Baracke" G". er härteh erlebt am Ziel traurig. Jlot„ G" Baracke 13 Der französische Posten, der vor jedem Jlot stand, so nannte man die abgeschlossenen, großen Plätze mit den Baracken,- führte uns nach Baracke dreizehn. Ringsherum war Schlamm und Wasser. Es war glitschig. Ein schmaler, mit Steinen bepflasterter Weg führte von Baracke zu Baracke. Als ich die Nummer 13 an der Baracke las, fragte ich mich still:" Ist es eine Glücks- oder eine Unglückszahl?" Ein anderer Posten öffnete die Tür der Baracke und sagte dabei:„ Hier, meine Herren, ist Ihre Baracke. Wir bedauern sehr, Sie unter den gegebenen Umständen hier unterbringen zu müssen. Aber die Deutschen haben 41 uns erst vor vier Stunden das Eintreffen von on ca. 10000 Menschen angekündigt. Sie werden verstehen, in was für einer Lage wir uns befinden." Wir horchten auf.-- Welche Worte!-- Was für freundliche Worte! War es Ironie? Ich schaute dem Posten ins Gesicht. Nein, das waren Worte ehrlichsten Mitgefühls. In diesen Augen war nichts von dem Sadismus der SS.- Banditen zu erblicken. Wir waren gerührt. Und ich hatte das Bedürfnis, dem Posten stumm die Hand zu drücken. Er fühlte mit uns, was es heißt, von Haus und Hof verjagt zu werden, heimatlos zu sein. Ich machte den ersten Schritt in die Baracke. Es war draußen schon fast dunkel. In der Baracke aber konnte man nichts mehr erkennen. Fenster waren, wie ich bereits gesagt habe, nicht vorhanden. Nur die kleinen, hochzuschlagenden Klappen. Kein Stroh keine Decken.-- Nur der nackte Holzfußbode. Wir hatten die Klappen einen Augenblick geöffnet, doch der einströmende Regen zwang uns, sie sofort wieder zu schließen. So blieb uns nichts anderes übrig, um wenigstens ein klein wenig Licht zu haben, als die Tür offen zu halten. Wie zusammengetriebenes Vieh standen wir sechzig Männer in der kalten Baracke und sahen uns an. Wir waren verzweifelt. Da betrat plötzlich ein französischer Leutnant den Raum, leuchtete uns mit seiner Taschenlampe ins Gesicht und schüttelte den Kopf. Es war alles still. Und,- als seine Stimme erklang, die jeder metallischen Schärfe entbehrte, die so freundlich klang, da war es uns, als hätten wir uns zu einem Gebet vereint. Er sagte:„ Meine Herren! Im Namen der französischen Lagerleitung habe ich Ihnen mitzuteilen, daß uns die deutsche Kommission erst vor wenigen Stunden von Ihrem Eintreffen in Kenntnis setzte. Wir stehen vor einem Nichts. Es war uns in dieser kurzen Zeit nicht möglich, irgendwelche Vorbereitungen zu treffen. Die Lagerleitung hat volles Verständnis für Ihre Lage und will alles tun, Ihnen zu helfen." Wir waren wieder Herre n". Wir konnten uns wieder als Menschen fühlen, und wir waren keine Nummern mehr. Stolz erfaßte uns, für uns sebst,- aber auch auf die Franzosen, die so mit uns sprachen. Ist es denn nicht auch verständlich, zu frohlocken,-- wieder Mensch" zu sein?! -- Inzwischen war noch ein anderer Offizier zu uns getreten, der sich uns als Jlot- Chef" vorstellte und sagte, er würde alles Notwendige veranlassen. Wir waren todmüde. Jeder suchte sich einen Platz. Ich legte mich in die Nähe der Tür. Dort war es wohl kalt, aber ich konnte wenigstens etwas sehen. Und dann sagte ich mir:" Hier werden wir ja nicht mitten in der Nacht zum, Marschiere n' kommandiert." Sonst hätte ich müssen in allen Sachen der Erste sein. Wir wünschten uns eine„ Gute Nacht", deckten uns mit unseren Mänteln zu und kuschelten uns eng zusammen, um warm zu liegen. Gegen Mitternacht wurde ich wach. Wasser tropfte auf mich herab. Im Dach war ein Loch. Der Sturm peitschte den Regen gegen die Holzverschalung. Ich zog meinen Mantel über das Gesicht und schlief bald wieder ein. Gegen acht Uhr am anderen Morgen standen wir auf. Durch das harte Lager waren wir nicht gerade erquickt,-- aber unsere Nerven hatten sich beruhigt. Durch die geöffnete Tür drang belebende frische Luft herein. Aber was für ein Bild bot sich uns, als wir hinausschaufen! Ringsherum Wasser. Wir glaubten, uns in einer" Arche Noah" zu befinden. Es war unmöglich, die Baracken zu verlassen. Hätte der Regen noch einige Zeit angehalten, so wäre das Wasser in unsere Baracke gedrungen. Es war ein frostl solch Na Werk wate verga die d De ihn z Zeme eine offen Barad Mi solch Bei von Na nutzte begin Nach einen Inz Um 1 erseh und imme gab Liter häufi Na zwun oder über Au nur L Sof meine keine unter Sie a raume Sch mutte Vielle meine werd 222 42 n angefinden.' Wortel ar nichts art. Und Er fühlte eimatlos hon fast Fenster , hochnackte och der o blieb ben, als r kalten lich ein mpe ins Stimme klang, " Meine mitzuen von Es war gen zu will alles enschen für uns es denn ! uns als nlassen. n in die s etwas in der ■ ssen in deckten varm zu ■ herab. Holzverwieder as harte en sich herein. gsherum war unZeit anwar ein frostloser Ausblick. Und es schien uns unglaubhaft, daß man uns in eine solche Lage gebracht hatte. Nach einigem Ueberlegen schritten wir zur Selbsthilfe. Mit organisierten Werkzeugen bauten wir tiefe Abzugsgräben. Ohne Strümpfe und Schuhe watete ein Teil von uns im dicken Schlamm herum. Einige Stunden waren vergangen, bis wir es geschafft hatten, daß wir uns auf den großen Steinen, die die Wege darstellten, fortbewegen konnten. Der Abort lag zehn Meter von unserer Baracke entfernt. Es lohnt sich, ihn zu beschreiben. Es war ein ca. zwei Meter hoher und drei Meter breiter Zementsockel, in dem sich acht Löcher befanden. An der Hinterseite war eine Wand befestigt. Aber an den Querseiten, von welchen die eine einen offenen Blick nach der Lagerstraße bot und die andere den Blick nach den Baracken freigab, waren ohne Schutzwand. Mit aufgespanntem Regenschirm, d. h. wer glücklicher Besitzer eines solchen Schutzes war, sah man die Menschen dort sitzen. Bei Sturm oder Regen war es also nicht gerade angenehm, dort zu sitzen, von dem Anblick gar nicht zu reden. Nach einiger Zeit hatte sich der Himmel erschöpft. Es wurde heller. Wir nutzten die Trockenheit von oben aus, mit dem Aufbau einer Küche zu beginnen. Fünf Kessel und einige alte Holzlöffel waren die erste Einrichtung. Nach der Lagerstraße zu wurde die Küche mit einer Wand aus Blech und einem Blechdach ausgestattet. -- Inzwischen waren von der Lagerverwaltung Erbsen angeliefert worden. Um 1 Uhr am Mittag gab es dann endlich das bereits seit Tagen langersehnte erste warme Essen. Es war eine heiße Wasserbrühe, in der hin und wieder einige harte Erbsen schwammen.- Kläglich, gewiß.-- Aber immerhin ein gewaltiger Fortschritt zur Besserung unserer Lage. Am Abend gab es für jeden Mann 200 g Brot, 40 g Marmelade und nochmals ein halb Liter Suppe. Manchmal gab es auch zwei kleine Heringe, doch waren diese häufig ungenießbar. Alles zusammen war recht wenig. Nach einigen Tagen wurde eine Kantine eröffnet. Wir sahen uns gezwungen, etwas hinzuzukaufen. Einmal einige Aepfel, etwas Dattelbrot oder Marmelade.-- Von unserem wenigen Geld.-- Aber, wir kamen so über den größten Hunger hinweg. Auch ein Postamt wurde im Jlot eröffnet, doch konnte man hier zunächst nur Lagerpost aufgeben. Die Suche nach meinen Angehörigen Sofort nach Eröffnung des Postamtes hatte ich an meine Mutter und an meine Großmutter verschiedene Briefe geschickt. Ich konnte allerdings keine Blocknummer angeben, wußte ich doch nicht, in welchem Block sie untergebracht waren. Das aber konnten meine Leidensgenossen auch nicht. Sie aber hatten Nachricht von ihren Angehörigen, und zwar schon seit geraumer Zeit. Ich aber erhielt nichts. Es war zum Verzweifeln. Schon schlich die Angst wieder um mich herum. Sollten Mutter und Großmuffer weiter transportiert worden sein,-- etwa in ein anderes Lager?-- Vielleicht unserer alten Großmutter wegen,- und sollte deshalb auch meine Mutter?-- Gedanken über Gedanken kamen und gingen.-- Wo werden sie sein? -- 43 Tagelang, ganz gleich, ob die Sonne schien oder ob es regnete,-- stand ich am Stacheldrahtzaun unseres Jlots und fragte jeden Vorübergehenden nach dem Verbleib meiner Lieben. Kalt und halb erfroren kehrte ich täglich in unsere kalte Baracke zurück, um mich zum Schlafen auf den Fußboden zu legen, ohne etwas erfahren zu haben. Immer hoffte ich auf den nächsten Tag. Da, endlich, eines Tages ging ein kleines Mädchen an unserem Stacheldraht vorüber. Sie trug, um gut durch den Schlamm zu kommen, Gummistiefel, die bis an die Knie reichten. Ich fragte sie nach dem Buchstaben ihres Jlots, und als sie mir geantwortet hatte:" L", fragte ich sie weiter nach meinen Angehörigen. Mit hellen Worten, als freue sie sich mit mir, gab sie zur Antwort:„ Die liegen neben mir in Baracke 22, Jlot" L". Bei uns ist alles überschwemmt. Die Erde ist aufgewühlt. Wir müssen in den Baracken bleiben, weil wir sonst im Schlamm versinken!" Wenn uns der Stacheldraht nicht getrennt hätte, ich hätte das kleine Mädchen umarmt. Ach,-- ich war so glücklich.-- Wer kann es ermessen, was es heißt, von seinen letzten Angehörigen getrennt zu werden,-- ganz allein zu sein,-- ohne Vater, Mutter, Bruder und Schwester,-- ganz allein? Der Stacheldraht schien mir mit einem Male etwas ganz anderes zu sein!-- Mein Herz war fröhlich und in mir klangen Glocken durcheinander. Ich gab dem kleinen Mädchen einige Aepfel und ein kleines Briefchen mit. Auch die Sorge, daß Mutter und Großmutter in ein anderes, entfernteres Lager gekommen seien, war gebannt. Aber, wie es immer ist, der Mensch ist nie zufrieden. Kaum war das kleine Mädchen fort, da wurde ich unglücklich darüber, daß ich unser Jlot nicht verlassen durfte. Jetzt fielen mir alle die Worte des kleinen Mädchens wieder ein, daß im Jlot" L" furchtbare Zustände herrschten, daß es sich um ein ehemaliges Strafilot handelte, daß alles kaputt sei und überhaupt keine Wege vorhanden wären. Immer und immer wieder mußte ich an Mutter und Großmutter denken, ach, daran, was mit meiner Großmutter geschehen würde, wenn sie einmal ernstlich erkrankte,-- denn sie war alt,-- sehr alt sogar. Die Sehnsucht quälte mich. Ihr, liebe Leser, wenn Ihr Euch im Leben einmal in gleicher Lage befunden habt, oder wenn Euch die Bomben des Krieges Eure Lieben fortgerissen haben, werdet mich verstehen. Vier Wochen dauerte dieser qualvolle Zustand. Endlich war der Tag gekommen, an dem ich meine Lieben besuchen konnte. Tagelang hatte ich davon gesprochen, nächtelang hatte ich in bösen Träumen phantasiert. Einmal war ich ganz nahe bei ihnen, und dann wieder rückten sie in weite Fernen. So wechselten meine Träume. Herzkrämpfe plagten mich. Ich hörte meine Lieben schreien, nach mir rufen, es war die Sehnsucht meiner lieben Mutter, die mich quälte. Wieviele Nächte wird sie schlaflos neben Großmutter gewacht und an mich gedacht haben! Sie riefen mich bei Tag und in der Nacht.-- Nun aber war der Tag gekommen. Hinter einem Wagen herlaufend verließ ich unbemerkt das Jlot. Ich war noch ca. 100 Meter von dem Jlot" L" entfernt, da sah ich schon die Frauen und Mädchen im tiefen Schlamm am Stacheldraht stehen, ja, ich hörte sie die Vorübergehenden schreiend nach ihren Männern und Verwandten fragen. Es war ein Bild des Jammers! Die Klagen über das Verlassensein" und die Zerrissenheit der Familien" waren entsetzlich. Es vergingen noch weiter Wochen, bis jeder Lagerinsasse von seinen Angehörigen Nachricht hatte. 44 11 Lan zu wa beach öffnet wenig frieren ten K Verka Sch herrsc Aber auch meine Großn blickte wöhnt In die fakte Sie weinte Sie ha sagte broche und d leise Wie mutter Heima waren wandt waren fen w Mei viele Humo Der wager Mutte mir n konnte Dan Jlot IT Es i So ha vollen Aussic waren ete,-- rüberkehrte uf den ch auf rachelummistaben weiter :„ Die emmt. eil wir kleine essen, en,-- -ter,-- z andurchleines deres, ar das er Jlot chens es sich rhaupt ich an er gealt,- uch im omben ag gebösen wieder ämpfe ar die ird sie riefen h. ch war Frauen rte sie en frasenetzlich. seinen Langsam betraf ich das Jlof" L". Es war nicht so leicht, durch den Schlamm zu waten. Aber die Freude der Erwartung ließ mich dieses Uebel gar nicht beachten. Einige Minuten später stand ich vor der Baracke 22. Vorsichtig öffnete ich die Tür. In der Baracke herrschte Halbdunkel. Es waren nur wenige Klappen geöffnet. In Mäntel gehüllt lagen die Frauen und Mädchen frierend am Boden. Das Bild erschütterte mich. Die gerettete Habe, die letzten Kleider hingen an der Wand. Das Ganze machte den Eindruck eines Verkaufsladens mit mehreren Abteilungen. Schritt für Schritt ging ich links und rechts schauend meinen Weg. In der herrschenden Dämmerung war es nicht leicht, die Menschen zu erkennen. Aber dennoch, ich schaute ja nicht nur mit scharfen Augen, sondern auch mit Augen der Liebe umher. Und so hatte ich denn auch bald darauf meine Mutter entdeckt. In der Mitte der Baracke saf sie auf dem Bett der Großmutter. Ich war stehen geblieben und beobachtete sie einige Augenblickte. Tränen liefen mir über die Wangen, als ich meine mit Liebe verwöhnte Mutter in dieser schwatzenden und lärmenden Menge erblickt hatte. In diesem Durcheinander. Dann aber unterdrückte ich meine Wehmut. Ich fate Mut. Nach wenigen Schritten stand ich vor meiner Mutter. Sie rief laut:„ Mein Junge!" Und dann fiel sie mir um den Hals und weinte. Sie schluchzte. Ich drückte sie fest an mich und ließ sie weinen.-- Sie hatte mich gerufen. Meine Träume waren ihre Qualen.„ Mein Junge!" sagte sie noch einmal. Auch Großmutter freute sich. Die alten, bereits gebrochenen Augen begannen noch einmal zu strahlen. Sie nahm meine Hände und drückte sie. Und aus dem zahnlosen Munde klangen unverständliche, leise gesprochene Worte.„ Bist Du da, Rolf?", fragte sie immer wieder. Wie auf einer vom Sturm umwogten Insel safen wir drei nun auf Großmutters Bett und sprachen von diesem und jenem, wir sprachen von der Heimat, den guten Menschen, die trotz Naziterror immer mit uns zusammen waren, wir sprachen von der Freiheit, und wir gedachten unserer Verwandten, die glücklich noch vor dem Naziterror ins Ausland entkommen waren. Wir lachten, wir waren glücklich und froh. Und immer wieder schaufen wir uns an. Meine liebe Mutter hatte es ganz gewiß nicht leicht, alte Frauen haben viele Wünsche. Aber jetzt, nachdem sie mich wieder gefunden hatte, war ihr Humor wieder da. Ich freute mich. Es waren herrliche Stunden. Der Abschied fiel uns schwer. Aber, es mußte sein. Ich durfte es nicht wagen, von einer Lagerstraßenkontrolle angehalten zu werden. Meine Mutter bat mich, recht bald einmal wieder zu kommen. Dann drückte sie mir noch einmal die Hände und sagte:„ Mein Junge, behalte Mut!" Ich konnte die Tränen nicht unterdrücken. Dann ging ich schnell fort. Und ohne Kontrolle langte ich wieder im Jlot„ G" an. Amerika und die Schweiz als Reffer Es ist eine altbekannte Tatsache, daß sich der Mensch an alles gewöhnt. So hatten auch wir uns, wenn auch nicht leichten Herzens, mit diesem qualvollen Leben abgefunden. Es war eben vorläufig nichts daran zu ändern. Aussicht auf Besserung bestand nicht. Ein Tag folgte dem anderen. Wir waren alle recht trüber Stimmung, wozu auch der Himmel mit seinen ständig 45 dräuenden Wolken erheblich beitrug. Immer noch lebten wir unser einsames Leben in den dunklen Baracken. Einige Lagerinsassen hatten allerdings schon Pakete und Briefe aus Frankreich erhalten. Hierdurch waren diese Vermittler zwischen dem Draußen und unserer Eintönigkeit geworden. Aus den Briefen erfuhren wir, daß die Welt erschüttert sei über die grausame Verschleppung der 10000 Badener-, Pfälzer- und saarländischen Juden, von denen Hitler in einem Abkommen mit Marschall Pétain lügnerisch erklärt hatte, es handle sich um Elsässer, die er nicht im Elsah behalten wolle. Wir erfuhren zu unserer Freude aber auch, daß sich Hilfsorganisationen bildeten, die sich unseres Lagers annehmen wollten. So zog, wenn auch langsam, die Hoffnung wieder bei uns ein. Wo aber die Hoffnung einmal Fuß gefaßt hat, da greift sie, durch allerhand Gerüchte unterstützt, schnell weiter um sich. Dieses ganze Aufleben wurde noch durch die Errichtung der schweizerischen Einrichtung Secours Suisse" unterstützt. 11 Wir fühlten uns jetzt nicht mehr allein, von aller Welt abgeschnitten, wir wußten nunmehr, daß es Menschen gab, die uns nicht umkommen lassen wollten. Der erste greifbare Erfolg dieser auch von vielen anderen Staaten unterstützten Hilfsaktion, war die gründliche Untersuchung der Jugendlichen. Die Bedürftigen, es war der größte Teil der untersuchten Jugendlichen, erhielten eine Essenzulage verordnet. Auch ich gehörte dazu. Für diese Speisung war eine eigene Baracke eingerichtet. Die Zulage bestand täglich aus: Ein drittel Liter Pudermilch, 30 g Marmelade und einigen Keksen. An Abwechslung fehlte es nicht. Als einige Zeit vergangen war, erhielten wir ab und zu Schweizer Käse, Dörrobst oder Oliven und ferner staff Milch öfter eine dicke Gemüsesuppe. Die Ausgabe fand jeden Morgen um 9 Uhr statt. Noch heute gedenke ich in lebendigem Dank der Schweizer Schwester Elsbeth, die die Ausgabe leitete, persönlich die Milch zuteilte und trotz ihrer anstrengenden Tätigkeit immer noch nette Worte für uns fand. ,, Bitte, Schwester Elsbeth,- ach bitte- Schwester Elsbeth", dazu die vielen, vielen Fragen. So drang es von allen Seiten auf sie ein. Jedem erteilte sie Raf, gab Auskünfte, machte sich Notizen. Und jeder hatte sie in sein Herz geschlossen. Schwester Elsbeth war eine viel geliebte Frau.-- Unbewußt war sie das. Nach jeder Speisung sangen wir noch einige frohe Lieder. Diese machten unser Herz frei und empfänglich. Nur ungern frennten wir uns. Schwester Elsbeth war aber nicht nur für uns da. Sie war wirklich aufopferungsbereit, und es ist nicht übertrieben, zu sagen, daß sie Tausenden das Leben gerettet hat. Tag und Nacht, bei Wind und Wetter, war sie unterwegs. Sie brachte den Kranken das Essen in die Baracken und half, überall da, wo Hilfe nottat. Sie hatte mit ihren Baracken inmitten der Wüste eine Insel des Glücks geschaffen. Ich hörte sie einmal auf eine an sie gestellte Frage, wie sie das alles schaffen könne, antworten:" Mein Leben ist dazu da, um den Armen zu helfen". Aber bei diesen Worten war mir dennoch, als hätte sich eine wehmütige Falte um Schwester Elsbeths Mundwinkel gebildet. Trug auch sie inneres Leid? Einige Zeit später, als besonders der Gesundheitszustand der Alten stark in Mitleidenschaft gezogen war, wurde auch noch die amerikanische Hilfsorganisation Quäker" errichtet. Sie verteilte an die Aelteren täglich ein drittel Liter Hülsenfrüchtesuppe und einige Kekse. Meine Mutter und 46 46 Großr alle d den H ten un von u Masse Not, a „ Al getan Das an di die L jeder lich, grübe geöffn Was Bekan Zellop und v teile a Das in der Fenste inzwis rerer ich als noch Barack mußte den v danke Nac stern ich au Sie re Koche Holz n deren angefe Freude Kaffee gonne ging. die ich zusam bekam ser eins FrankDraußen dafs die adener-, kommen Elsässer, de aber gers anGroßmutter wurden auch von dieser Hilfsorganisation befreut. Wir waren alle darüber sehr erfreut. Und wenn diese Zulagen auch nicht ausreichten, den Hunger ganz zu stillen, so ward doch unsere Seele gestillt. Wir fühlfen uns nicht mehr ganz verlassen. Wir erkannten, daß die Welt da draußen von unserer Unschuld überzeugt war, zumindest von der Unschuld der Masse. Wenn Einzelne von uns mitschuldig geworden sein sollten an aller Not, an allem Elend der Zeit, so stand es uns nicht zu, darüber zu richten. ,, Alle und aller Schuld rächt sich auf Erden". Was man uns Unschuldigen getan hatte, das multe sich rächen.-- Einmal bestimmt.-- Aber wann? Vo aber Gerüchte ch durch " unterten, wir n lassen n unterndlichen. chen, erür diese täglich sen. An elten wir tt Milch m 9 Uhr chwester nd trotz d. e vielen, teilte sie ein Herz nbewußt = Lieder. nten wir lich aufusenden war sie und half, er Wüste das alles rmen zu ine wehten stark the Hilfstäglich fter und Selbsthilfe Das ständige Herumsitzen und die immer wiederkehrenden Gedanken an die Zukunft waren zwecklos. Sie schufen nur Unfrieden. Die Ruhe und die Langeweile machten uns nervös. Aus diesem Grunde versuchte ein jeder von uns, zu einer Beschäftigung zu kommen. Es war einfach unmöglich, den lieben langen Tag in einer dunklen Baracke zu sitzen und zu grübeln. Ein Teil der Lagerinsassen schrieb Briefe. Das aber konnte nur bei geöffneter Tür geschehen. Draußen jedoch war es kalt. Also opponierten wir. Was tun? Die Antwort kam ganz von selbst. Eines Tages erhielt ein Bekannter ein Paket. Darin befanden sich Nudeln, die aber noch einmal in Zellophanpapier eingeschlagen waren. Ich ließ mir dieses Papier geben und versuchte nun, indem ich entsprechend der Größe des Papiers Holzteile aus den Wänden entfernte, ein Fenster zu machen. Das war mir nach kurzer und geringer Mühe gelungen, und es herrschte in der Baracke große Freude darüber. Dieser Erfolg trieb mich an, weitere Fenster zu bauen. Ich veschaffte mir das notwendige Werkzeug und hatte inzwischen auch Drahtglas besorgt. So konnte ich doch die Insassen mehrerer Baracken beglücken und fröhlich machen. Die Frauenbaracke hatte ich als erste damit versehen. Für meine Arbeit erhielt ich Geld, und was noch wichtiger war, auch Essen. In der Folge hatte ich aus leerstehenden Baracken Holz organisiert und nun auch Tische und Stühle angefertigt. Man mußte sich zu helfen wissen. Mit diesen Arbeiten waren meine Tagesstunden voll und ganz ausgefüllt, und ich hatte nicht mehr Zeit für trübe Gedanken, die mich sonst während der Langeweile stets gequält hatten. Nach und nach wurde ich im Lager bekannt. Als die Baracken mit Fenstern versehen waren, die Tischlerkonkurrenz auch zu groß wurde, begann ich aus Konservendosen kleine Oefen zu fertigen, kleine Miniaturöfen. Sie reichten aus, um ein wenig Kaffee oder Suppe warm zu machen. Diese Kocherei war allerdings nicht ganz mühelos, denn das zu verwendende Holz mußte winzig klein gespalten werden. Meiner Mutter und einigen anderen Leidensgenossen hatte ich solch einen Ofen aus einer 5- kg- Dose angefertigt. Sie waren also wesentlich größer als die anderen Oefen. Die Freude meiner Mutter war groß. Ferner hatte ich mit der Herstellung von Kaffeesieben, Reibeisen, und noch einigen anderen Gegenständen beIch war beschäftigt, und, was ich erreichen wollte, die Zeit verging. Ja, jetzt verging sie mit einem Male zu schnell. Mit kalten Fingern, die ich oft kaum bewegen konnte, zimmerte ich mühselig meine Arbeiten zusammen. Und was erhielt ich dafür?-- Für das Einsetzen eines Fensters bekam ich 5 frs., gleich 25 Pfennig. Ein Kaffeesieb kostete 2 bis 3 frs. und gonnen.- -- 47 andere Gegenstände kosteten der Größe entsprechend mehr oder weniger. Viel Geld konnte ich nicht verlangen, die Menschen waren ja alle arm und hatten nichts mehr. Und es gab nur wenige Glückliche, die von Verwandten unterstützt wurden. Und nun die Gegenfrage. Was konnte ich für mein Geld kaufen? In der Kantine gab es meistens nur Dattelbrot. Das war 80 g schwer und kostete 2.50 frs. Nährwert hatte es kaum. Wollte ich mir etwas Richtiges" kaufen, so mußte ich hohe Preise bezahlen, weil ja alle Waren auf geheimen Wegen ins Lager kamen. Einmal organisierte" ich,--" Organisieren" wurde in unserem Lager groß geschrieben- 1 kg weiße Bohnen und mußte dafür 60 frs. bezahlen. Für einen solchen Betrag mußte ich eine ganze Woche arbeiten. Aber, das tat ich gern und freudig. Wußte ich doch, daß ich mit meinen Arbeiten meiner Mutter gute Hilfe leisten konnte. Inzwischen war es Dezember geworden. Und auch dieser rückte seinem Ende entgegen. Die Nächte waren kälter denn je, aber dafür waren die Tage manchmal unerträglich heiß. Es herrschte also ein echtes südländisches Klima. Die herrlichen Tage machten uns unser Elend vergessen. Die strahlende Sonne, der hellblaue Himmel und in der Ferne die schneebedeckten Berge der Pyrenäen, darunter der„ Pic du Midi". Es war ein herrlicher Blick , durch den Stacheldraht". So kam Weihnachten heran, das Fest der Liebe, der Familie und der Kinder. Anders als sonst wurde das Fest in diesem Jahre gefeiert. An Geschenke war nicht zu denken. Dafür wanderten die Gedanken zurück in die vergangenen Jahre. Und alle Geschenke standen mir noch einmal vor Augen. Bei diesem Denken aber erkannte ich mit einem Male,-- wie sehr und reichlich war ich stets beschenkt worden, und wie wenig hatte ich geschenkt. Ich nahm mir vor, mich bei meiner Mutter zu diesem Fest ganz besonders zu bedanken für alle Liebe. An den Festtagen safen meine Mutter, die Großmutter, mein Onkel, den wir nach langer Zeit hier gefunden hatten, und ich zusammen, sangen Lieder und waren fröhlich. Auch das Essen, das besser wie an anderen Tagen war, trug viel zu einer guten Stimmung bei. Eine besondere Bitte hatten wir alle zusammen: die baldige Freiheit.- Von einer Heimat" konnten wir ja nicht mehr sprechen.-- Das Neujahrsfest hatten wir in gleicher Weise begangen. Und wieder waren Monate dahin! -- Gegen Anfang Mai des Jahres 1941 wurden die Familien mit Kindern auf Veranlassung der französischen Verwaltung in andere Lager geschickt. Diese Aktion wurde trotz des Widerstandes der deutschen Kommission" durchgeführt. Nach dem Abtransport der ca. 1500 Personen nach dem Lager ,, Centre d'Accenil" Rivesaltes in den Pyrenäen-- Orientales, wurde das Jlot G" aufgelöst und der Rest der Lagerinsassen auf andere Jlots verteilt. Ich kam nach dem Jlot„ D". In diesem Jlot" befanden sich bereits viele Menschen, die im Jahre 1933 aus Deutschland verjagt waren, oder sich ihrer Verhaftung entzogen hatten und in Frankreich eine neue Heimat zu finden hofften. Jetzt, nachdem die Deutschen halb Frankreich besetzt hatten, waren sie gezwungen, erneut zu flüchten, und auch das neue Heim, das sie sich geschaffen oder aufgebaut hatten, wieder zu verlassen. Alle waren in die unbesetzte Zone geflüchtet, oder sie waren in Viehwagen von Belgien, Holland oder Nordfrankreich in die freie" Zone verschickt. Unter diesen Menschen befanden sich viele Antifaschisten und Juden, Vertreter der deutschen Wissenschaften und der Kultur, die nun mit uns das gleiche erbärmliche Leben im Lager Gurs führen mußten. Männer und Frauen von Rang und Ruf waren darunter. $ 48 Wen über ni gerin d Leonha des W rinnen Von charakte Einig erheiter ja so k stalten. dichte i aber w wurde Program Diese lich in d zu i m Belustig mich in Mut daz An ei mein D Auf e Rednerp schien i dem Ha höhnend wurde. ständlich Am S Program die Unif die Stim Von d Alle Jloi hielt dat betreffen racken d und bat Reparatu mir wöch Sonderzu Morgen arbeitete fertigte k mandatu mich ber ohne Fu dringend Uebera häufig m 4 weniger. arm und wandten ? In der kostete s" kaueheimen " wurde te dafür Woche ich mit = seinem aren die ndisches ie strahedeckten her Blick und der An Geck in die vor Auwie sehr e ich geest ganz kel, den gen Lieen Tagen e hatten konnten er Weise Kindern geschickt. mission" em Lager s, wurde Ulots verhre 1933 en hatten ndem die erneut zu ufgebaut eflüchtet, Frankreich den sich aften und ger Gurs nter. Wenn ich jetzt nur einige aufzähle, so mögen mir bitte die übrigen darüber nicht gram sein. Ich nenne: den Komponisten Mayrowitsch, die Sängerin der Berliner Staatsoper Maria Fuchs, den Wiener Filmkomponisten Leonhard Märker, den Zauberkünstler Farini und den ersten Konzertmeister des Wiener Burgtheaters, Brunner. Viele bekannte Künstler und Künstlerinnen aus der Konzert- und Theaterwelt weilten unter uns. Von diesen Künstlern lernte ich mehrere persönlich als hervorragende charaktervolle Menschen kennen. Einige Zeit später faßten wir den Entschluß, uns das Leben im Lager zu erheitern. Was sollten wir auch immer jammern und klagen. Das Leben ist ja so kurz. Zunächst wollten wir alle Sonntage ein kleines Konzert veranstalten. Das geschah. Später traten Dichter auf, die eigene Werke und Gedichte über das Lagerleben vortrugen. Teils ernst, teils heiter. Wir anderen aber waren immer ein dankbares, beifallsfreudiges Publikum. Eines Tages wurde sogar angeregt, einen Wettbewerb über die beste Nummer des Programms zu veranstalten. Jeder konnte sich beteiligen. Dieser Vorschlag ließ mich nicht zur Ruhe kommen. Ich hatte mich nämlich in dieser Zeit mit dem Gedanken herumgetragen, eine Reichstagssitzung zu imitieren". Meine Leidensgenossen, denen ich hin und wieder zur Belustigung einige Proben meines Könnens vorgetragen hatte, ermunterten mich in meinem Vorhaben und redeten mir gut zu. Immerhin hatte ich wohl Mut dazu, doch der Mut war gepaart mit„ Lampenfieber". An einem Sonntag, die deutsche Kommission" war nicht anwesend, stieg mein Debut". Auf einer mit den Fahnen der Nazis geschmückten Tribüne, auf der ein Rednerpult mit dem Adler des fausendjährigen Reiches errichtet war, erschien ich unter dem Jubel der Anwesenden in der braunen Uniform und dem Haarschnitt Hitlers. Zwei ganze Stunden lang hielt ich dann eine verhöhnende Ansprache, die immer wieder von Beifallstürmen unterbrochen wurde. Goebbels und Göring erschienen als nächste Redner. Selbstverständlich hatte ich mich genau wie diese beiden Herren" zurecht gemacht. Am Schluß des Abends erklärte man meinen Vortrag als die beste" Programmnummer, ich erhielt den ersten Preis. Aber nicht nur darum, weil die Uniformen formgetreu gefertigt waren, sondern auch deswegen, daß die Stimmennachahmung gut gelungen war. Von diesem Tage ab wurde ich im Lager bekannt wie ein bunter Hund. Alle Jlot- Chefs verlangten die Wiederholung meiner Aufführung. Ich erhielt dafür Geld. Und von meinen Einnahmen stellte ich jedes Mal der betreffenden Jlot- Kasse 25 Prozent zur Verfügung. Als ich durch alle Baracken durch war, bestellte mich eines Tages der Jlot- Chef" D" in sein Büro und bat mich, die Leitung der Jlot- Schreinerei zu übernehmen, welche die Reparaturen für das Lager auszuführen hatte. Für diese Tätigkeit wurden mir wöchentlich 20 frs. in Aussicht gestellt und außerdem erhielt ich als Sonderzulage täglich 50 g Brot und ein halb Liter Suppe. Vom frühen Morgen bis zum späten Abend hatte ich jetzt genug zu tun. Aber dennoch arbeitete ich nach Feierabend weiter, reparierte Koffer und Stühle und fertigte Koffergriffe aus Eisen. Oft mußte ich auch für die französische Kommandatur arbeiten. Nach einiger Zeit erhielt ich sogar einen Ausweis, der mich berechtigte, alle Gebäude des Lagers zu betreten, so konnte ich auch ohne Furcht vor Unannehmlichkeiten die Frauen- Jlots besuchen, wo ich dringende Arbeiten zu erledigen hatte. Ueberall erhielt ich kleine Zuwendungen. Nach Arbeitsschluß besuchte ich häufig meine Lieben und teilte mit ihnen die erhaltenen Lebensmittel. 4 49 Unser Leben gestaltete sich dadurch den Verhältnissen entsprechend annehmbar.-- Den Verhältnissen entsprechend. Die Zeit verstrich und unsere Hoffnung auf ein baldiges Kriegsende schwand mehr und mehr. In den zensierten Zeitungen, die wir erhielten, war immer nur von abgeschlagenen Angriffen die Rede. " Abgeschlagen und vernichtet", so begrüßten wir uns untereinander. Inzwischen war der Sommer gekommen. Es war wärmer geworden. Regen wechselte mit Sonnenschein. Alte Lagerinsassen hatten uns vorausgesagt, daß die Monate September bis Dezember erst das bessere Wetter brächten. Zu dieser Zeit war es noch recht wetterwendisch. Unser Aufenthaltsgebiet gehörte zu den schlechtesten Gegenden Frankreichs. Aus diesem Grunde nannten die alten Lagerinsassen unser Lager Pissoir de France". Die Bauern dieses Landteils waren sehr arm. Ihre Hauptnahrung bestand aus Rüben und Kürbissen. Fett und Fleisch gab es sehr wenig. Und das wenige Gemüse, das angebaut war, wurde zum Abtransport nach Deutschland beschlagnahmt. Also bestand auch unsere Nahrung zu 90 Prozent aus Wasser. Es konnte daher nicht wundern, daß viele Lagerinsassen mit geschwollenen Gesichtern und dicken Füßen umherliefen. Trotz der großzügigen Hilfsaktion wurde der Gesundheitszustand besonders der Alten, von Tag zu Tag schlechter. Ja, viele, die nichts hinzu organisieren konnten, starben. Am arztes die ga für die unsere Auf Dort w sie mit ihr nich sterben jammer sprach Boden unzähli Metzele Lasse Mutte Wind ü Dann h Mutters Die S Nur Krankheiten und Seuchen Die Zahl der Kranken hatte sich zusehends vermehrt. Und mit großer Besorgnis sahen wir der Zukunft entgegen. Der Mangel an entsprechenden Vitaminen ließ die Kranken elendiglich dahinsiechen. Vielen sollte mit doppeltem Zusatz geholfen werden, doch,-- es war bei den meisten schon zu spät. Infektionskrankheiten brachen aus, die rasch um sich griffen. Die alten Leute, die verständlicherweise besonders anfällig waren, wurden in abseits gelegene Baracken verlegt. Hier aber waren die Alten, von denen sich ein großer Teil nicht mehr allein waschen konnte, ganz verlassen. Die Läuseverbreitung nahm überhand. Die Lagerverwaltung ordnete die Desinfektion aller Baracken an, außerdem fanden tägliche Läusekontrollen statt. Es half alles nichts. In Massen spazierten die Läuse auf den Rücken der Lagerinsassen herum. -- Und die alten Frauen und Männer, die sich kaum noch bewegen konnten, waren, wenn sich nicht Angehörige oder Bekannte ihrer annahmen, Dem Schicksal, von den Läusen einem entsetzlichen Schicksal überlassen. aufgefressen zu werden. Der Anblick eines so zu Tode gekommenen Menschen war grauenerregend. Die Gefahr der Ansteckung war schließlich so groß, daß es jedem Lagerinsassen verboten war, eine andere als seine eigene Baracke zu betreten. Es war Mitte Mai, ich war gerade mit einer Dachreparatur beschäftigt, da wurde ich plötzlich zu meiner Mutter gerufen. Ich beeilte mich, in das Jlof meiner Mutter zu kommen. Dort erfuhr ich, daß meine Großmutter gestürzt sei und sich dabei einen Oberschenkelbruch zugezogen hatte. Wir transportierten sie sofort nach dem Lagerkrankenhaus. Dort erhielt sie eine gute Behandlung. Aber Großmutter war schon zu schwach. Sie konnte nichts mehr überstehen. 50 Mutte zu halte Jlot unt sehr me der Sor liche He bis spät wenn ic verabsch Was reiten d Meine mußte e ich denn Rauchwa den sch toffeln u mir der Doch nein,-- treffen, stimmten waren in zurückde dabei ge Aber end aniegsende erhielten, nder. n. Regen usgesagt, er brächen Frankser Lager sehr arm. eisch gab urde zum ch unsere dern, daf üßen umitszustand chts hinzu Am 22. August 1941 schloß sie in Gegenwart des französischen Militärarztes ihre Augen für immer. Sie schloß ihre Augen zu einer Zeit, in der die ganze Welt im Kampfe gegen das verbrecherische Nazisystem stand, für die Freiheit der Menschen und gegen die wahnsinnige Rassenidee. Auch unsere Großmutter war ein Opfer dieser Wahnsinnsidee geworden. Auf einer kleinen Anhöhe inmitten des Lagers befand sich der Friedhof. Dort wurde unsere liebe Großmutter zur letzten Ruhe gebettet. Dort ruht sie mit vielen anderen Opfern des Nazisystems in geheiligter Erde. Es war ihr nicht vergönnt, in die Heimat zurückzukehren.-- Sie wußte, daß sie sterben mußte.-- Aber, sie wollte nicht allein bleiben.-- Sie hat nicht gejammert, da sie starb, nein, sie starb im Frieden,-- aber ihr letzter Blick sprach noch ohne Worte:„ Nehmt mich mit!" Es gibt auf europäischem Boden viele Stätten, klein sind sie alle nicht, aber groß und größer, wo unzählige Opfer schlafen.-- Opfer!-- Opfer einer Barbarei und einer Metzelei, wie sie-- ach, schweigen wir. Lassen wir die Toten ruhen! Mutter und ich trafen uns häufig an diesem Hügel.-- Abends, wenn der Wind über das Lager brauste,-- wenn die Seelen miteinander sprachen. Dann hörten wir das Raunen. Dann ballte sich oftmals meine Rechte. Aber Mutters Ruf: Rolf!" machte mich wieder ruhig. Die Sonne sank. Alles war still. Nur das wispernde Raunen blieb. mit großer rechenden sollte mit sten schon riffen. Die , wurden von denen assen. Die an, auferIn Massen gen konnannahmen, den Läusen ar grauenHem Lageru betreten. chäftigt, da in das Jlot er gestürzt Wir transe eine gute nnte nichts Organisation und Ausklang des Jahres 1941 Mutter und ich waren nun allein. Wir hatten uns gelobt, immer zusammen zu halten. Nachdem meine Großmutter tot war und meine Mutter in ihrem Jlot unter vielen, vielen Frauen doch ganz allein war, merkte ich erst, wie sehr meine Mutter durch die täglichen Hilfeleistungen für die alte Frau von der Sorge um mich abgelenkt war. Jetzt aber trat diese Sorge, dieses fägliche Herzeleid, ganz besonders in Erscheinung. Ihre Gedanken von früh bis spät bewegten sich um mich. Ich sah es an ihren Augen, die strahlten, wenn ich kam, und ich bemerkte es an ihrem Händezittern, wenn ich mich verabschiedete. Was muß doch eine Mutter leiden! Und wieviel Sorgen, und Leid bereiten die Kinder ihren Müttern unbewußt und ungewollt! Meine Mutter war sehr mager geworden. Ich hatte Angst um sie. Es mußte etwas geschehen. Ich mußte Nahrung herbeischaffen. Und so ging ich denn daran, einen Mann zu finden, der mir als Gegenleistung für meine Rauchwaren Lebensmittel gab. Dieser Mann war bald gefunden. Wir wurden schnell einig. Er versprach mir, für meine Monatsration Tabak, Kartoffeln und Hülsenfrüchte zu liefern. In verschiedenen Abständen brachte mir der Mann was ich haben wollte. Doch ging das nicht so einfach, wie ich es hier gesagt habe.-- Nein,-- nein, ganz und gar nicht. Das Schwierigste war immer, diesen Mann zu treffen, denn er wohnte nicht im Lager. Wir verabredeten uns an bestimmten Tagen und zu ganz bestimmten Stunden. Die geeignetste Zeit waren immer die Nachtstunden, wenn alles schlief. Wenn ich heute daran zurückdenke, so muß ich sagen, ich habe immer mehr riskiert, als ich je dabei gewinnen konnte. Aber ich tat es ja für meine Mutter. 51 Dreimal in der Woche waren wir verabredet. Ob es regnete oder ob es eine sternklare Nacht war, das spielte keine Rolle. Ich wartete off zwei bis drei Stunden unter dem Stacheldraht oder in einem Wassergraben. Off aber mußte ich der Verabredung fernbleiben, weil gerade Kontrolle war, und noch öfter blieb der Mann aus,-- oder, wenn er reichlich verspätet dennoch kam, brachte er nur zwei oder drei Kartoffeln. Wäre ich bei diesem nächtlichen Organisieren, von dem ich der Mutter ja nichts sagen durfte, erwischt worden, so hätte ich mit schweren Strafen rechnen können. Meiner Mutter sagte ich immer nur, es handle sich um Extrarationen. Auf jeden Fall aber half jedes kleine Stückchen zur Verlängerung ihres Lebens. In dieser Zeit hatte die„ Gestapo" die gesamten Eisenvorräte im unbesetzten Teil Frankreichs beschlagnahmt. So war auch in meiner Werkstatt das Material ausgegangen, und neue Sachen konnten nicht beschafft werden. Die Arbeit,-- sagen wir lieber das Herumlungern,-- machte mir daher keinen Spaß mehr. Da fragte mich eines Tages der Sekretär der„ Secours- Suisse", ob ich nicht einige Monate in der Gärtnerei arbeiten wolle. Als besonderes Lockmittel sagte er, ich bekäme ein fabelhaftes Essen. Sofort dachte ich an meine Mutter. Ich sprach mit dem Jlot- Chef. Und nachdem ich ihm einen Schlossermeister besorgt hatte, der nun statt meiner die Werkstatt führen mußte, konnte ich in der Gärtnerei arbeiten. Trotzdem ging ich abends immer noch in die Werkstatt, denn ich wollte überall Anschluß behalten. Die Arbeit in der Gärtnerei war nicht schwer. Das Essen war gut und ausreichend. Und ich vergaß bei dieser Arbeit in Luft und Sonne den Stacheldraht, der uns umgab. Inzwischen hatte sich, wir befanden uns bereits seit über einem Jahre im Lager, doch so manches geändert. Die Stacheldrähte zwischen und vor den einzelnen Jlots waren entfernt. Andere Wachmannschaften waren eingetroffen. Jetzt wurden wir von Elsässern und Lothringern bewacht, die keine„ Nazis" werden wollten und deshalb auf Hitler'sche Anordnung aus ihrer Heimat vertrieben wurden. Es waren durchweg gute Menschen, die das gleiche Elend, dieselbe Not und auch das gleiche Leid vereint hatten. Sie trugen blaue Uniformen mit einer weißen Binde und wurden„ Civil- Gardien" genannt. Die Straßen und Wege waren von Freiwilligen instandgesetzt. So war es möglich, auch bei starkem Regen durch das Lager zu gehen. Die Arbeit in der Gärtnerei ging ihrem Ende entgegen. Das Weihnachtsfest, das zweite, das wir in diesem Lager feierten, rückte heran. Ich half in der Küche der„ Secours- Suisse" und gab die Milch in den Krankenbaracken aus. Wenn ich bisher schon vie! Elend kennengelernt hatte, so erblickte ich hier aber erst das größte Elend. Hier lernte ich die Aermsten der Armen kennen und kam hier erst zu der Erkenntnis, wie glücklich man sich fühlen soll, wenn man gesund ist. Diese armen kranken Menschen konnten teils weder sitzen noch laufen, ja, manche von ihnen waren so schwach, daß sie kaum sprechen konnten. Wenn wir mit den Milcheimern kamen, spielten sich häufig rührende Szenen ab. An den Festtagen waren meine Mutter und ich allein. Wir gedachten der Toten des vergangenen Jahres und hielten Rückschau über die überstandenen Leiden. So feierten wir in aller Stille. Auch das Neujahrsfest ging vorüber. Gleich darauf änderte sich ganz plötzlich das Klima. Die eingebrochene starke Kälte erfüllte uns mit trüben Hoffnungen für das neue Jahr. Ja, durch diese Kältewelle trat eine neue Sterbeepidemie auf. Die Kälte war so stark, daß alle Wasserleitungen eingefroren waren, und der Frost s feln ko Nach hatte a Schrein durchzu hatte d meine nicht vi rissen Wir H übersta kleidun 1941/42 grimmi teln be die kei und ich Schre Winter ausgew eingese wir die vorkam den die lassen. 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Jedoch,-- meine in bester Absicht für die Lagerinsassen ausgeführten Arbeiten hatten nicht viel Erfolg. Schon einige Tage später waren die Bretter wieder abgerissen und zum Feuern verwendet. Rückblick auf den Winter 1941/42 Wir hatten zum zweiten Male den Kampf gegen den General" Winter" überstanden. Einen Kampf ohne Waffen, aber auch ohne zureichende Bekleidung und mit leeren Mägen. Die härtesten Tage und Monate des Jahres 1941/42 lagen hinter uns. Mit leichtem Gruseln dachten wir an die Tage der grimmigsten Kälte zurück, an welchen wir frierend und nur mit dünnen Mänteln bedeckt, in den Betten lagen. Es gab nur wenige Menschen im Lager, die keine Anzeichen irgendwelcher Erfrierungen trugen. Auch meine Mutter und ich hatten tiefe Löcher an den Füßen. Schrecklich war es, daran zu denken, wie wir unsere Leichen in diesem Winter bestattet hatten. Einmal war der Boden so hart, daß keine Löcher ausgeworfen werden konnten, dann wieder hatte unverhofft starker Regen eingesetzt, der die ausgeworfenen Löcher mit Wasser füllte. Dann mußten wir die Särge in diese Wassergräben hinablassen, oder aber, was off genug vorkam, das eingelaufene Wasser war inzwischen zu Eis erstarrt, dann wurden die Särge auf das Eis gesetzt und alles weitere wurde der Zeit überlassen. Der Friedhof hatte sich inzwischen zu einem ansehnlichen Gottesacker erweitert. Menschen aller Nationen und aller Religionen hatten dort ihre letzte Ruhe gefunden. Alles Opfer barbarischer Grausamkeiten. Unter den ersten Hügeln lagen Kämpfer spanischer Nationalität. Es waren Helden des spanischen Bürgerkrieges, der 1938 beendet war. Diese Helden waren über die Grenzen ihrer Heimat in dieses Lager getrieben worden. Ihr Lager war es ja,„ Camp de Gurs". Für sie hatte Frankreich dieses Lager errichtet, für die Kämpfer gegen den Faschismus in Spanien. Wir hatten sie uns zum Vorbild genommen, ihr Kampf war auch unser Kampf, ihr Glaube an die Freiheit und an die Befreiung war auch unser Glaube. Die Tage des Frühlings waren gekommen. Im Glanze der Sonne lagen die ewig schneebedeckten Berge der Pyrenäen und die Heimat unserer spanischen Kameraden. Optimismus und Pessimismus Das Wetter ist bei vielen Menschen maßgebend für ihre Stimmung. Mehr als sonst aber traf dieses in unserem Lager zu. Wir lebten abgeschlossen von der Welt. Wir hatten keine Bücher, kaum Zeitungen und kein Radio. 53 Und zu all unserer Vereinsamung dieses stimmungsdrückende Wetter. Es war, als ob die Stimmung das Glück von uns fern hielt. War aber einmal einer der Lagerinsassen durch einen Brief oder durch einen anderen erfreulichen Umstand in eine fröhliche, ja glückliche Stimmung versetzt, so hoffte gleich das ganze Lager, denn mit Windeseile wurden alle Worte weitergetragen. War es dann aber nichts, warteten die Menschen einen oder zwei Tage vergeblich,-- auf was,-- das wußten sie selbst nicht,-- dann kehrte sofort wieder die Hoffnungslosigkeit ein. Und alles Lachen war dahin. So stieg die Stimmung und fiel sie auch wieder. Wir Lagerinsassen, die arbeiten konnten, suchten uns Beschäftigung und erhielten uns damit unsere Hoffnung, daß es einmal wieder anders werden müsse. Aber die Kranken oder die Lagerinsassen, die einfach zu keiner praktischen Tätigkeit fähig waren, die waren zu bedauern, sie gingen hoffnungslos dem Verfall entgegen, denn der Pessimismus frift die Menschen auf. Diese armen Menschen wurden menschenscheu, sie mieden Luft und Sonne und suchten das Dunkel. Ich sehe sie noch heute auf den Bettkanten sitzen und trübsinnig vor sich hinblicken. Sie hörten und sahen nichts, sie waren an allen Sachen unbeteiligt, und sie wünschten den Tod herbei. Und zu diesen Menschen zählten überwiegend die Angehörigen der geistigen Berufe wie Lehrer, Professoren, Aerzte und Wissenschaftler aller Arten. Sie waren es, die sich nicht in die Situation finden konnten und schnell alle Kultur verloren. Sie wuschen sich nicht mehr, sie sanken herab. Wie Wahnsinnige, mit stieren Blicken, gingen sie umher. Ich und einige Leidensgenossen, wir bemühten uns auf jede Weise, ihren Lebensmut neu zu entfachen. Wir erinnerten sie an ihre Leistungen, die sie bereits vollbracht hatten, wir packten sie mit der Ehre,-- sie hätten der Welt noch viel zu geben. Es war alles vergeblich. So gingen Männer von ehemals hohem Rang elend zu Grunde. Auf verlausten Strohsäcken, auf welchen schon viele Tote gelegen hatten, sind sie elend verhungert. Ohne Kampf sind sie aus dieser Welt der Tyrannei gegangen. Aber auch sonst lernten wir in unserem Lager mancherlei Menschen kennen. Von den Glücklichen, die hin und wieder Pakete bekamen und den Inhalt mit Bekannten teilten, will ich nur kurz sprechen. Es war ja nur Menschenpflicht, nur Leidenskameradschaft. Aber gerade, weil von dieser Sorte Menschen nur wenige vorhanden waren, sei ihrer mit Dank gedacht. Doch die anderen, die jede gute Mitteilung geheim hielten, ihre Leidensgenossen nicht teilnehmen ließen an Glück und Freude, ihre Pakete verbargen und es vermieden, darnach gefragt zu werden, sie förderten den Neid und den Streit, die Gedanken an die Ungerechtigkeiten dieses Lebens. Wie häßlich hörte sich das Rascheln von Papier an, wenn die Paketempfänger in der Nacht die Tüten öffneten und aßen. Welchen Glauben aber hatte meine Mutter! Im April erkrankte sie. Die Schmerzen des Rheumatismus quälten sie Tag und Nacht. Heiße Lehmbeutel verminderten die Schmerzen. Aber sie war und blieb geduldig und immer hoffnungsfroh. Wie oft muß ich daran denken, wenn sie ihr Haupt an meine Brust lehnte und, indem sie zart über meine Haare strich, dabei sagte: " Ich bin glücklich trotz allem Leid, weil wir zusammen sind. Wer weiß, wie lange wir dieses Leid noch ertragen müssen. Aber dennoch, ich will stark und fest bleiben, denn ich will meine Kinder wieder um mich haben." Sie glaubte und machte auch mich immer wieder stark. Es w chen, die Vä des D Schrein kamen erklärte Ges Weinst Station ein Sp hoffe, Station mitgeg behebe einige lasse i Auswe und au werde. Dann so übe so schn Fragen komme wir uns ein we sere A Doch Mutter. sie sich Alsd „ Eine ter jet erfreut Der gings. ten, du dem La aufsi Die und in ber un über ei hindur bedeck Uns Wir wa gespro da.-- 54 etter. Es - einmal eren ersetzt, so - Worte n einen nicht,-- hen war ung und werden keiner en hoffenschen Luft und ttkanten chts, sie bei. gen der Fler aller schnell ab. Wie se, ihren , die sie tten der ner von ken, auf rt. 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Der bisherige Chef, ein Spanier, wird Ihnen die erforderlichen Instruktionen geben, und ich hoffe, daß Sie sich in kurzer Zeit mit den Einzelheiten der automatischen Station bekannt gemacht haben. Ihr Kollege wird Ihnen zur Unterstützung mitgegeben. Sollten Reparaturen notwendig werden, die Sie nicht selbst beheben können, so rufen Sie bei mir an. Ich werde Ihnen dann sofort einige Leute schicken. Und nun machen Sie sich fertig. In zwei Stunden lasse ich Sie hinüberfahren. Sie erhalten als einzige Lagerinsassen einen Ausweis, der Sie berechtigt, zu jeder Tag- und Nacht- Zeit im Lager einund auszugehen. Erfüllen Sie Ihre Pflicht. Ich hoffe, daß ich nicht enttäuscht werde." Dann reichte er uns die Hand und lächelte. Wir gingen hinaus. Wir waren so überrascht, daß wir kein Wort des Dankes gefunden hatten. Es ging alles so schnell. Die ganze Angelegenheit kam uns vor wie ein Traum. Allerhand Fragen gingen uns durch den Kopf.-- Wir sollten in die Freiheit" kommen? Wir sollten außerhalb des Stacheldrahtes leben?-- Können wir uns denn verständigen?-- Ich beherrschte die französische Sprache nur ein wenig, und mein Kollege verstand kein Wort davon. Was sagen unsere Angehörigen dazu? Doch wir hatten nicht viel Zeit. Schnell sprang ich in die Baracke meiner Mutter. Sie war hocherfreut. Tränen standen in ihren Augen, so sehr fühlte sie sich über das mir zugewiesene Amt geehrt.-- Alsdann packte ich meine Koffer. Dabei ließ mich der Gedanke nicht los: " Eine Mutter denkt doch an sich selbst zuletzt!"-- Obwohl ich meine Mutter jetzt nicht mehr zu jeder Zeit besuchen konnte, hatte sie mich hocherfreut fortgeschickt. 17 Der Wagen kam. Wir luden unsere wenigen Habseligkeiten auf und fort gings. An den Posten vorbei, die uns freudig grüßten und uns Glück" wünschten, durch die Sperren, unter dem aufgezogenen Schlagbaum hinweg, aus dem Lager hinaus. Wir befanden uns in Freiheit, in einer allerdings beaufsichtigten" Freiheit. Wir waren aber außerhalb des Stacheldrahtes. Die Sonne schien mit einem Male viel heller. Die Vögel sangen lauter und inniger. Wir sahen Wald, Wiesen und Gärten, und wir fuhren an sauber und gutgekleideten Menschen vorüber. Das Auto fuhr schnell. Es ging über eine große Brücke, unter der sich der reißende Gave de Oloron" hindurchschlängelte. Unser Blick fiel auf zwei kleine mit Aluminiumplatten bedeckte Baracken. Das Auto hielt.-- Die Pumpstation. Wir waren angelangt. Uns zweien war, als seien wir aus der Hölle in den Himmel gekommen. Wir waren sprachlos. Wie oft hatten wir in den dumpfen Baracken darüber gesprochen, wie off davon geschwärmt.-- Und nun war es ganz plötzlich da. Freiheit, Gärten, Wiesen und Wald. Ein spanischer Zivilarbeiter kam 55 uns beim Betreten der Baracke entgegen. Er zeigte uns unsere Räume. Die erste Baracke bestand aus einem Wohn- und einem Schlafzimmer. Die Küche lag neben der Baracke. Die zweite Baracke enthielt drei automatische Pumpen, zwei kleine und eine große. Dann erklärte er uns unsere Arbeit. Diese war nicht schwer, mußte aber mit großer Sorgfalt ausgeführt werden. Durch einen falschen Griff konnte die ganze Anlage beschädigt werden. Zu unseren täglichen Arbeiten gehörte auch das Reinigen der Pumpen und die Filtrierung des Wassers durch Zuschütten von Desinfektionsmitteln. Mein Kollege, der zu kochen verstand, übernahm die Küchenarbeiten. Ich übernahm das„ Organisieren", da ich mich mit den Leuten verständigen konnte. In allen anderen Arbeiten wechselten wir uns ab. Heimat Zwei Tage waren vergangen. Zwei Tage lebten mein Kollege und ich außerhalb des Stacheldrahtes,-- und immer noch war uns, als sei alles ein Traum. Die ersten Schritte aus der neuen Wohnung, frei und unbewacht, führten mich in das einen Kilometer entfernte Dorf Dognen". Als ich mich von meinem Kollegen verabschiedet hatte, durchdrang mich ein Gefühl, als müsse mir dieser Tag ein besonderes Erlebnis bringen. Wir hatten solange im Lager gelebt, daß ich den Sinn für eine andere menschliche Gemeinschaft fast verloren hatte. Mit einem Wörterbuch bewaffnet, dessen Inhalt ich auf meinem Wege studierte, schlenderte ich durch den schönen Tag. Und als ich das Dorf erreicht hatte, erfaßte mich die Sehnsucht nach der Heimat. Ich wähnte mich in einem Dorfe daheim, weit fort von hier, ich sah Menschen, die ich kannte und die mich freundlich fragten: Wie geht's?" Die Hühner und Gänse, es waren die gleichen wie daheim, und die Kühe und Ochsen schauten mich ebenso blöd an wie daheim. Eine Katze lief miauend über den Weg. Die Hähne krähten, die Gänse schnafterten.-- Alles wie daheim!-- Und doch fremd!-- Wohl kamen mir Menschen entgegen.-- Doch sie gingen ohne Worte vorüber. Sie trieben das Vieh auf die Weide.-- Still und stumm. Andere Menschen trieben Ochsen an, die einen zweirädrigen mit Obst beladenen Wagen zogen. Die Peitschen knallten. Die Leute sahen mich an, weiter nichts.-- Und es war so ein schöner Tag! Mit einem Male wurde ich aus meinen Sinnen gerissen.-- Ich erschrak.-- Ein junges Mädchen sprach mich an:„ Bon jour, monsieur!" Das junge Mädchen lächelte, als ich sprachlos vor ihm stand und zuerst keine Worte fand. So verträumt und versunken war ich die Straße dahingegangen. Jetzt verschwand ganz jäh mein Traum,-- ich war ja nicht daheim, ich war ja weif fort von meiner Heimat,- es waren ja fremde, unbekannte Menschen, die mir entgegenkamen.-- Und nun? ,, Bon jour, monsieur", hörte ich noch einmal sagen, oder war es nur der Widerhall in meinen Ohren? Ich nickte.-- Dann sprach das junge Mädchen weiter. Ich aber verstand sie nur schwer, denn sie sprach einen besonderen Dialekt, der sich wohl stark an die spanische Sprache anlehnte. Doch,-- junge Menschen verstehen sich schon. Wo die Worte fehlten, setzten Fingerzeichen und Handbewegungen ein. So verstanden wir uns schon bald. Als ich dem jungen Mädchen klar gemacht hatte, daß ich aus dem Lager„ Gurs" käme und warum und weshalb ich und noch so viele Leidensgenossen im 56 56 Lager sie mi Eltern den M mich a Als Meter ist uns den S rückt gericht waren. stand wieder rend i „ einen und h verglic Freu am Fe bis Ful Langsa und er wollte. Augen! Ich e laut. Meinun ich mic Gestap wäre!" so schö drückt In ei genübe Stimme großen Zimmer 17 Hifle melschr zum Un Wir gutes M Menge Körper kamen eine Re Nacho deren S zum Do mehrma Mein verbring ■ me. Die e Küche he Pumit. Diese n. Durch Zu unund die eiten. Ich ändigen und ich alles ein führten mich von fühl, als solange Gemeinm Wege Dorf ernte mich h kannte -änse, es ten mich Weg. Die Doch sie .-- Still rädrigen te sahen chrak.-- ge Mädrte fand. etzt verja weit chen, die nur der Mädchen conderen Doch,-- Fingerbald. Als r, Gurs" Ossen im Lager wären, da hatte sich ihr frisches Gesicht verfärbt. Stumm betrachtete sie mich einen Augenblick und dann forderte sie mich auf, mit zu ihren Eltern zu gehen. Langsam erzählend gingen wir dahin. Die uns begegnenden Menschen blieben neugierig stehen. Doch das junge Mädchen führte mich an ihnen vorüber. Sie sagte nur das eine Wort: Campo!"-- Lager! Als wir die Mitte des Dorfes erreicht hatten, deutete sie auf ein fünf Meter von der Kirche entfernt stehendes großes Bauernhaus und sagte:„ Das ist unser Haus." Etwas beklommen stieg ich die wenigen zur Haustür führenden Stufen hinan und hatte wieder ein Gefühl, als wenn ich der Erde entrückt wäre. Einen Augenblick darauf befand ich mich in einem einfach eingerichteten Zimmer, dessen Wände, Stühle und Tische blau- weiß gestrichen waren. Das ganze Zimmer duftete nach Sauberkeit. Um ein offenes Feuer stand eine Bank, an einem Nagel hing der Blasebalg, um die Glut immer wieder von neuem entfachen zu können.-- Wie ein„ Märchen". Während ich noch im Zimmer umherblickte,-- das junge Mädchen hatte mich ,, einen Moment" allein gelassen,-- und dieses einfache aber freundliche und helle Zimmer mit unseren dumpfen und schmutzigen Lagerbaracken verglich, öffnete sich die Tür, und das Mädchen trat mit Vater und Mutter ein. Freudig und mit entsprechendem Hinweis forderte mich die Mutter auf, am Feuer Platz zu nehmen. Der alte Mann aber musterte mich erst von Kopf bis Fuf, bis auch er Platz nahm. Dann aber erzählte ich mein Schicksal.-- Langsam und stockend, nach Worten suchend. Alle hörten aufmerksam zu und ergänzten meinen Bericht, wenn ich mein Wörterbuch zu Hilfe nehmen wollte. Nachdem ich meinen Schicksalsbericht beendet hatte, herrschte einen Augenblick fiefes Schweigen. Dann aber begann der Alte zu schimpfen. Ich erschrak. Er schimpfte laut auf Hitler und seine Banditen.-- Er schimpfte lauf. Das war ich nicht gewöhnt. Jahrelang hatten wir unsere" Meinung nur im Flüsterton von uns geben können. Unwillkürlich hatte ich mich wohl ängstlich umgeschaut. Der Alte lachte darüber. Hier ist keine Gestapo!" sagte er und fuhr fort:" Wenn der Krieg nur bald zu Ende wäre!" Ich freute mich, daß ich meinem Herzen Luft machen konnte. Es war so schön, einmal unverblümt sagen zu dürfen, was das Herz so lange bedrückt hatte. In einer Pause meiner weiteren Erzählung drang auf einmal aus der gegenüberliegenden dunklen Zimmerecke eine tiefe Stimme. Es war die Stimme des alten Großvaters, der dort drüben pfeiferauchend in einem großen Lehnstuhl saf. Ich hatte ihn nicht gesehen. Ich war von dem ins Zimmer hereinflutenden Sonnenlicht geblendet worden. " " Hitler muß den Krieg verlieren, mein Junge", sagte er, denn das himmelschreiende Unrecht und das ganze heraufbeschworene Elend müssen zum Untergang führen." Wir unterhielten uns noch eine ganze Weile, dann aber erhielt ich ein gutes Mittagessen. Und Wein dazu. Es fiel mir nicht leicht, die angebotene Menge zu vertilgen, denn ich war nichts mehr gewöhnt. Wie würde mein Körper auf das Fett reagieren? Und bei dieser Frage, die ich mir stellte, kamen mir die Worte in Erinnerung:„ Nichts ist schwerer zu ertragen, als eine Reihe von guten Tagen!" Nachdem ich gegessen und nachdem meine Tasche mit Gemüse und anderen Sachen vollgestopft war, brachte mich das junge Mädchen noch bis zum Dorfausgang. Die alten Leute standen in der Haustür. Ich schaute mich mehrmals um und sagte immer wieder:„ Ich danke auch schön!" Mein Gefühl am frühen Morgen, ich würde einen ereignisreichen Tag verbringen, hatte mich nicht betrogen. 57 Villa„ Frieden" So hatten wir unsere Baracke genannt. Und es konnte kein besserer Name dafür gefunden werden. Eine kleine Gartenlaube zierte unseren Vorhof, den wir angelegt und mit Sträuchern ausgeschmückt hatten. Wir badeten alle Tage, denn wir befanden uns ja auf einer kleinen Insel. Auf der einen Seite floß der reifende Strom dahin, und auf der anderen Seite erging sich mit zierlichem Plätschern ein schmales Flüchen. Eine Brücke verband uns mit dem„ Festland". Doch war auch ein kleines Boot vorhanden. Von unserem Garten aus hatten wir nach allen Seiten einen herrlichen Ausblick über grüne, saftige Wiesen, auf denen viel schönes Vieh weidete. Die blühenden Bäume, das Gezwitscher der Vögel und das in stetem Rhythmus plätschernde Wasser,-- es war alles so voller Romantik. Es herrschte so tiefer Frieden". Es war unmöglich, sich dieses Fleckchen Erde vom Krieg umbrandet vorzustellen. Wir erhielten off Besuch aus dem Dorf. Auch der 400 Meter von uns entfernt wohnende Mühlenbesitzer zählte zu diesen Besuchern. Er brachte uns Milch, denn, so sagte er:„ Kaffee ohne Milch könne man doch nicht trinken!" Wir aber hatten im Stillen gedacht:„ Wenn Du wüßtest, was wir schon alles trinken und auch essen haben müssen!" In meiner Freizeit beschäftigte ich mich damit, für meine Mutter, deren Geburtstag mit Ende Juli heranrückte, einen Holzkoffer zu fertigen. Außerdem hatte ich zur Unterstützung unserer Küche einen Gemüsegarten angelegt, der viel Mühen erforderte. Der Garten umfaßte immerhin eine Fläche von 250 qm. Wenn ich die Pflanzen in aller Frühe morgens go, dann dachte ich immer, ob wir wohl noch ernten? Oder sollte dann gar schon Friede" sein? So verging die Zeit. Jede Woche gingen mein Kollege und ich abwechselnd zwei- bis dreimal ins Lager. Und immer wieder trennten wir uns schweren Herzens von unseren Angehörigen. Unsere Bitte, einmal in der Woche unsere Lieben in der Station empfangen zu dürfen, hatte man bedauerlicherweise abgeschlagen. Außerdem standen wir täglich mit dem Lager in telefonischer Verbindung und erfuhren dadurch alle Neuigkeiten. Es ging alles seinen Weg. Und die Listen, die immer wieder angefertigt werden mußten, beunruhigten uns schon nicht mehr. Einmal wurde nach dem Namen gefragt, einmal nach dem erlernten Beruf, nach dem Geburtstag und nach allen möglichen anderen Dingen. Und ein anderes Mal wollte man wissen, ob wir gesund oder krank seien. Es mute ja Krieg geführt werden. Und wenn es sich auch nur um einen Papierkrieg handelte. Ratio gebra Am am H auf, s Liste mach Als sonst. Grup altbel derun deten um si Das schen alte L Optim amte, es los Ich worte Frage W Verwa die Jl Auf ständr Nun w mäßig In der war g " Wir ich mi dem richtet Gan besser Auf kehr. Falle Wir k könnte anzuru Wollen Sie zusammen fahren? Unter den vielen Geschenken, die meine Mutter zum Geburstag erhalten hatte, befanden sich einige Gaben, die von ganz besonderer Liebe zeugten. Mein großer, selbstgefertigter Koffer, der viel Platz beanspruchte und der, wie ich meiner Mutter gesagt hatte, nur für die„ Heimfahrt" benutzt werden sollte, verschwand trotz seiner Größe gegen so manche kleine Gabe, die den Geburtstagstisch zierte. Wie rührend war es, als eine Leidensgenossin eine Scheibe Brot auf den Tisch legte, oder eine andere ihre 58 Am Männe würde Lagers franzö bleibt Trot lich in schlief r Name Vorhof, badeten r einen ing sich and uns en Ausveidete. Rhytherrschte de vom uns entchte uns cht trinwir schon r, deren - Außerrten anmin eine ens go, ann gar abwechwir uns al in der man bemit dem igkeiten. ngefertigt rde nach Geburtsal wollte um einen g erhalten ebe zeuguchte und hrt" beche kleine eine Leindere ihre Ration Marmelade. Es war mir, als ob selbst die aus meiner„ Freiheit" gebrachten Blumen aus Neid erblatten. -- Am andern Tage, es war der 1. August und die Sonne stand schon hoch am Himmel, läutete der Fernsprecher. Eine aufgeregte Stimme forderte uns auf, sofort, nacheinander,- ins Lager zu kommen. Es müßte eine neue Liste aufgestellt werden, doch könnten die Angaben nicht telefonisch gemacht werden, weil die Verwaltung unsere Unterschrift benötige. Als erster ging ich. Das Lager sah, als ich dort eintraf, anders aus wie sonst. Ueberall standen kleine, teils laut,-- teils still debattierende Gruppen von Menschen herum. Doch störte mich dieses nicht. Es war eine altbekannte Tatsache, daß die Pessimisten des Lagers nach jeder Anforderung einer neuen Liste ihre Wahrscheinlichkeitsberechnungen" verkündeten und dann immer eine Reihe von unklaren, hoffnungslosen Menschen um sich versammelten. " Das Lagerbüro bot das gleiche Bild. Auch hier überall aufgeregte Menschen in dichten Gruppen beeinander. Doch waren es hier überwiegend alte Lagerinsassen, die wieder größtenteils zu den immer gut aufgelegten Optimisten zählten. Neugierig trat ich an den Schalter, dort sagte der Beamte, ein ehemaliger Spanienkämpfer, zu mir:„ Na, Weinstock, jetzt geht es los!" " Ich habe hier eine Heimat gefunden. Ich bleibe für immer hier!" antwortete ich lächelnd. Hierauf legte er mir einen Bogen vor, auf dem die Frage gestellt war: " Wollen Sie allein fahren oder mit Ihren im Lager befindlichen Eltern, Verwandten oder Bekannten? Gegebenenfalls geben Sie sofort die Namen, die Jlots und die Baracke dieser Angehörigen an!" Außerdem wurde jedem Lagerinsassen aufgegeben, sofort das Einverständnis der Angehörigen usw. zur gemeinsamen Abfahrt herbeizuschaffen. Nun wurde auch ich unruhig. Es kam mir alles so geheimnisvoll, so gestapomäßig vor. Schnell ging ich zu meiner Mutter, um mich mit ihr zu beraten. In der Baracke saben alle Frauen aufgeregt beieinander. Nur meine Mutter war guten Mutes. Auf meine Frage antwortete sie sofort klipp und klar: " Wir fahren zusammen, Rolf, mag kommen, was will!" Nur schwer konnte ich mich wieder aus dieser Baracke entfernen, weil mich die Frauen alle in dem Glauben, ich wisse mehr, umringten und Fragen über Fragen an mich richteten, die ich nicht beantworten konnte. Ganz allgemein herrschte belebend die Meinung vor, wir kämen in ein besseres Lager. Auf der Station wartete mein Kollege schon in Spannung auf meine Rückkehr. Schnell klärte ich ihn auf. Wir berieten noch in aller Eile, ob es im Falle eines Abtransportes geraten sei, zu fliehen oder uns zu verstecken. Wir kamen zu dem Entschluß, daß eine Flucht uns keine Vorteile bringen könnte. Dann ging er ins Lager. Der Lagertelefonist war gebeten, uns sofort anzurufen, wenn etwas Neues im Lager bekannt würde. Am darauffolgenden Tage wurde mir gesagt, daß alle Frauen, deren Männer oder Söhne in französischen Diensten ständen, nicht abtransportiert würden. Sicherheitshalber sprach ich noch einmal mit dem Direktor des Lagers. Er sagte mir, ich hätte nichts zu befürchten, mein Bruder stände in französischen Diensten, also würde meiner Mutter nichts geschehen.„ Sie bleibt hier!" sagte er mir. Trotzdem hatte ich meiner Mutter geraten, ihre Sachen so gut wie möglich in Ordnung zu bringen, denn man konnte ja„ nie wissen". Und schließlich hatte ich ja bereits genügend Erfahrungen gesammelt. Kaum 59 hatte meine Mutter mit diesen Arbeiten begonnen, da richteten auch die übrigen Frauen ihre Sachen. Alles bereitete sich für einen plötzlichen Befehl vor. Bevor ich in die Station zurückging, traf ich noch einmal in das Lagerbüro ein. Neue Meldungen lagen jedoch nicht vor. Die nächsten Tage besorgte ich den Garten und machte weitere Einkäufe im Dorf. Dort aber fragte man mich immer wieder, was denn eigentlich los sei. Die im Dorf wohnenden Wachmannschaften hätten erzählt, das Lager würde aufgelöst. Viele Dorfeinwohner fühlten mit uns und hätten gern geholfen. Hier erkannte ich wieder, daß es doch Menschen gab, deren Gedanken sich voller Sorge und Mitleid mit uns beschäftigten. in Aber die im Lager und die im Dorfe lebten in getrennten Welten, zwei Welten, die durch doppelte Stacheldrahtsperren getrennt waren. Und darüber gingen die sorgenden Gedanken wohl hinweg, doch die schaffende Liebe nicht hindurch. Ueb for in Stimm die St War matlos Me war d Lied b versch SS. W war e Totenk neue raten genug Verstin auf un Die und g Gewitterwolken über Gurs Am 5. August, abends, wurde ich zur üblichen Lagerbesprechung bestellt. Vor Beginn dieser Sitzung sprang ich schnell noch in die Baracke meiner Mutter hinein. Ich wollte ihr noch einige freundliche Worte sagen. Aber,-- ich fand meine Mutter, wie immer, sehr ruhig und gefaßt. Sie ließ sich von allen umherschwirrenden Nachrichten nicht beeinflussen. Nur drückte sie den Wunsch aus:„ Es wäre schön, wenn wir in ein besseres Lager kommen würden, denn noch einen Winter in diesen kalten Baracken!!-- Ich darf gar nicht daran denken!" In der Lagerbesprechung, die ungefähr eine Stunde dauerte, wurde der Plan zu einer neuen Wasserleitung vorgelegt. Anschließend fand, das war schon zu einer Regelmäßigkeit geworden, ein gemütliches Beisammesein statt. Zwei Meister der Musik und eine Sängerin unterhielten uns mit herrlichen Sachen. Auf meinen Wunsch wurde auch mein Lieblingslied Vergimeinnich t" vorgetragen. Tiefe Stille herrschte. Alle hörten bewegt und ergriffen zu. Alle dachten schon an das Auseinandergehen". Da wurde ganz plötzlich die Tür aufgerissen. Wir schauten uns überrascht um. Die Sängerin brach ab. Mit erschreckten und flackernden Blicken stand sie vor uns und deutete mit ihrer ausgestreckten rechten Hand nach der Tür. Dort dort", sagte sie geistesabwesend.-- Und was war? " An der Tür standen zwei Männer, bekleidet mit neuen schwarzen Uniformen. Der eine dieser Männer hatte eine dicke silberne Kordel über die Schulter hängen. Mit scharf fixierenden Augen schauten sie über uns hinweg. Ein Menetekel!--„ SS.?" fragten wir uns.-- Nur mit den Augen.-- Die Lippen waren fest geschlossen. Verwegen schaufen die Männer aus.-- Gedrungene, schwere Gestalten. Wie sprungbereite Tiere standen sie da. Ich dachte an den Roman" Ben Hur". Und ich sah die um ihren Glauben ringende Christenschar in der Arena versammelt, zusammengetrieben,-- und mir war, als wären soeben die Türen von den Käfigen der blutgierigen als müsse sich im nächsten und hungrigen wilden Tiere hochgezogen,- Augenblick ein furchtbares Gemetzel ergeben. Als wartete die Stimmen nur darauf, zu schreien, zu brüllen.-- 60 Doch, es blieb alles stumm. Zu dre Der H Wir mußte verlief Aber, geblie Hamm mierte posten Unsi Als Ihr ko konnte neuang ginger Alle Jlots z Immer aber k Müh lich, m ein ve Wir ve Tränen Als sie Nun te wie ve sich ei lichen jamme Nach Die Au ich die en BeLagerinkäufe lich los = Lager ern geen Gen,-- in en. Und affende bestellt. meiner Aber,-- sich von sie den -en würdarf gar arde der das war mmesein mit herr„ Verbewegt ehen". berrascht en stand mach der zen Uniüber die uns hinugen.-- er aus.-- n sie da. Glauben ieben,-- Hgierigen nächsten Stimmen Ueber die Schultern der beiden Uniformierten hinweg schaute der Direkfor in unser Zimmer hinein und sagte:„ Weitermachen!" Mit zitternder Stimme beendete die Sängerin das unterbrochene Lied.--, Wann kommt die Stunde, die uns den Abschied bringt?"- War sie schon da?-- Die Stunde?- Hief es wieder weiter?"-- Heimatlos, schutzlos-- irgend wohin? Menetekel!-- Du geheimnisvoll warnendes Zeichen. Die Stimmung war dahin. Die Gemütlichkeit war verschwunden. Die Sängerin hatte ihr Lied beendet.-- Sie hatte gesungen.-- Hatten wir noch zugehört?-- Dann verschwanden die Uniformierten mit dem Direktor. Tiefe Stille herrschte.-- , SS. war es nicht!", hörte ich mit einem Male zu meiner Rechten.-- Was war es denn? An den Uniformen waren weder die SS.- Runen noch die Totenkopf- Abzeichen befestigt. Darüber waren wir uns klar.-- War es eine neue Wehrmachtsuniform, oder war es eine" getarnte" SS. Das Rätselraten war zwecklos. Ein alter Lagerinsasse rief:" Wir werden es schon früh genug erfahren. Laßt das Grübeln. Setzt andere Mienen auf. Laft Euch Eure Verstimmung nicht anmerken, denn gerade jetzt achten unsere Kameraden auf unsere Mienen. Und geht ruhig heim!" Die Worte wirkten wie ein Zauber. In aller Ruhe verabschiedeten wir uns und gingen auseinander. Nach rechts,-- nach links-- und links und rechts. Zu dreien, zweien und einzeln.-- Draußen war es schon dunkel geworden. Der Himmel hatte sich wieder bezogen. Es war zehn Uhr. Wir hatten erst wenige Schritte in das Dunkel hinein getan. Die Augen mußten sich erst an die Veränderung gewöhnen. Wenn wir die Lagerbaracke verließen, fiel unser erster Blick auf den Stacheldraht. So auch jetzt!-- Aber, was erblickten wir?!-- Wie auf Kommando waren wir stehen" geblieben. Unsere Hände zitterten. Und unsere Herzen klopften wie ein Hammer. Ungefähr 20 Meter hinter dem Stacheldraht waren schwarzuniformierte Männer dabei, eine dichte Postenkette zu ziehen. Die alten Lagerposten waren eingezogen. Vor jedem Jlot standen neue Doppelposten. Unsicherheit hatte uns erfaßt. Wir waren entsetzt! Als wir das Jlot verlassen wollten, flüsterte uns ein alter Wachtposten zu: Ihr kommt alle weg!" Doch auf weitere Fragen gab er keine Antwort oder konnte sie auch nicht geben. Nur eines konnte er uns noch sagen, daß die neuangekommenen Soldaten der Garde mobile" angehörten. Schnell gingen wir weiter. Alle Baracken waren leer. Die Insassen hatten sich an den Drähten der Jlots zusammengefunden. Aufgeregte Stimmen schwirrten durcheinander. Immer wieder wurden wir gefragt:„ SS.,-- ja?-- Kommen wir weg?" Wir aber konnten nur mit den Achseln zucken.-- Wir wußten ja auch nichts. Mühselig drang ich bis zu meiner Mutter vor. Doch war es mir nicht möglich, mit ihr ein Wort unter vier Augen zu sprechen. Ich konnte ihr nur durch ein verstohlenes Augenzwinkern zu verstehen geben:„ Abtransport!"-- Wir verstanden uns. In den Augen meiner Mutter standen silberglänzende Tränen. Die Frauen und Männer dieses Jlots hatten uns genau beobachtet. Als sie nun sahen, daß meine Mutter Tränen vergof,-- verstanden sie. Nun teilte sich der Schwarm. Und wieder war es interessant, zu beobachten, wie verschieden die Menschen auf diese Erkenntnis reagierten. Während sich ein Teil der Frauen in aller Ruhe entfernte und sofort die erforderlichen Maßnahmen ergriff, rannten andere Frauen kreischend und laut jammernd davon. Nach einiger Zeit wurden sämtliche Jlot- Chefs zum Lagerdirektor gerufen. Die Aufregung ging von neuem los. 61 Es war inzwischen ganz finster geworden. Die Straßenlampen brannten schon. Kurz darauf flammten auch die Lichter in den Baracken auf. Die Posten hatten Befehl erhalten, die Leute in die Baracken zu schicken. Barackensperre war angeordnet. Eine ganz besondere Maßnahme, zu der nur in ganz dringenden Fällen gegriffen wurde. Jetzt versammelten sich die Menschen auf den Aborten, wohin sie allerdings nur mit Genehmigung der Barackenchefs gehen durften. Je länger die Jlot- Chefs fortblieben, desto mehr steigerte sich die Nervosität. Wenn ich auch davon nicht besonders beeindruckt wurde, denn ich kannte ja solche Zustände von Dachau, so überlief mich doch ein leichtes Frösteln. Dann kam der Jlot- Chef zurück. Jetzt wurden die Barackenvorsteherinnen gerufen. Die Entscheidung stand bevor.-- Was folgte?-- Abtransport?-- Darüber waren sich alle klar.-- Aber wohin? Und wer?-- Einzeln? Oder mit Familie!-- Mit Gepäck-- oder ohne?-- Fragen über Fragen.-- Und immer wieder dieselben. Da öffnete sich die Tür. Die Barackenvorsteherin traf wieder ein. Alles war verstummt. Man hörte deutlich die schweren Seufzer. Die Augen blickten gespannt geradeaus. Die Barackenvorsteherin entfaltete ein Papier. Ihr Mund öffnete sich.-- Zögerte sie?- Wollte sie die Spannung vergrößern?-- Warum sprach sie nicht? Dann aber merkte ich, auch sie war so ergriffen, daß sie erst einiger Zeit der Sammlung bedurfte. Auch in ihren Augen standen Tränen. Langsam und unter Zucken begann sie zu sprechen:„ Die Personen, die ich jetzt aufrufe, haben sich zu morgen mittag 12 Uhr zum Abtransport bereit zu halten. Die Verpflegung stellt das Lager. An Gepäck kann jeder mitnehmen, soviel er will. Jedoch müssen alle Gegenstände in Kisten, Koffern oder Säcken gut verpackt sein.-- Bitte, aufmerksam zuhören!" Und nun folgte Name auf Name. In alphabetischer Reihenfolge. Für den ersten Transport wurden nur Personen vorgelesen, deren Anfangsbuchstaben A- M waren. Also W war noch nicht dabei. Auch hatte ich festgestellt, dah die Frauen oder Männer, deren Angehörige in französischen Diensten standen, nicht aufgerufen waren. Das beruhigte mich sehr. Die Unruhe ging natürlich weiter. An Schlafen war nicht zu denken. Ein Teil der Menschen war am Packen. Die anderen aber safen und starrten in die Luft. Es war spät geworden. Ich entschloß mich, zu gehen. Kein Stern stand am Himmel. Ganz allein ging ich durch das Lager, dem Ausgang entgegen. Ich fragte im Vorübergehen noch im Büro nach neuen Meldungen. Dort sagte man mir, mein Kollege sei ins Büro bestellt, er wäre wohl schon auf dem Wege. Als ich die Lagerkontrolle durchschritt, stand dort der alte Zivilposten, der mir, als ich das erste Mal nach der Pumpstation fuhr,„ viel Glück" gewünscht hatte. Wie ein Vater drückte er mir zärtlich die Hand. ,, Na", sagte ich zu ihm, jetzt sind wir soweit.-- Wissen Sie nicht, wohin es geht?"-- Als Antwort schüttelte er den Kopf und legte eine Hand auf meine Schulter, doch, nach einem Augenblick sprach er:„ Ja, das ist alles Hitler. Und ich glaube, nun will er die Intelligenz vernichten." Ich schaute ihn groß an, das Wort vernichten" ging mir im Kopf herum. Wenn ich bisher aus dem Lager heraus war, so faßte mich das Gefühl: „ Ich bin frei!"-- Heute aber mußte ich an zahlreichen Posten vorüber. Ich stand also erneut unter Kontrolle. Auf halbem Wege traf ich meinen Kol62 leger verstä der S Ich nicht Ve zuvor sieren Morg kannt traf ic mittel diese hatte diese Polen Sell schwie Tag g wenn von q freund Berlin biet F Die sen u Sekun tration schen. nur no Ich Barack es wa ich vo Gesich Erst n stoßer denn? Kau über sind w began men v glaubs mir ni Wie rend brannten auf. Die ken. Bader nur sich die ung der n, desto esonders legen, bewacht von einem Posten. Er war festgehalten, weil er sich nicht verständigen konnte, und auf die Frage, was er zu so später Stunde auf der Straße zu tun hätte, nichts zu sagen wußte. Ich nahm ihn mit zurück, denn auch er kam ja für den ersten Transport nicht in Frage. Chau, so erinnen sport?-- nzeln?. agen. lles war blickten sich.-- rach sie einiger Langsam etzt aufereit zu nehmen, -rn oder Für den chstaben ellt, dal en stanken. Ein arrfen in n stand ntgegen. en. Dort chon auf ilposten, Glück" cht, wof meine es Hitler. im Kopf Gefühl: ber. Ich en KolGurs in Panik Verständlicherweise war mein Kollege sehr beunruhigt, weil er am Abend zuvor nicht ins Lager gekommen war. Er begann, in der Nacht zu phantasieren, wodurch auch ich nicht zum Schlafen kam. In aller Frühe des nächsten Morgens ging ich darum noch einmal ins Lager. Die Straßenkontrollen erkannten mich noch und ließen mich ungehindert passieren. Ganz zufällig traf ich auch den Mann, der mir lange Monate für meine Rauchwaren Lebensmittel verschafft hatte. Die Mitteilungen, die ich in der früheren Zeit von diesem Mann erhalten hatte, hatten sich alle als richtig herausgestellt. So hatte ich auch keinen Anlaß, an der Mitteilung zu zweifeln, die er mir an diesem Morgen vertraulich zuflüsterte und die lautete:„ Sie kommen nach Polen!" Selbstverständlich war mir diese Mitteilung unter dem Siegel der Verschwiegenheit gemacht worden. Der zweite Transport sollte am nächsten Tag gegen Abend abgehen. Es wird den Lesern verständlich erscheinen, wenn ich nach allen Erfahrungen, die die Juden in Polen gemacht hatten, von dem Wort„ Polen" wie vom Blitz getroffen war. Er beriet mich noch freundschaftlich und warnte mich, nicht zu fliehen. Es sei ein Befehl von Berlin gekommen, alle Lager zu räumen und auch die im unbesetzten Gebiet Frankreichs befindlichen Juden abzutransportieren. Die Bäume an der Straße waren mit einem Male verschwunden. Die Wiesen und Gärten waren nicht mehr da. Alles erschien mir öde und grau. In Sekundengeschwindigkeit erlebte ich noch einmal meine Zeit im Konzentrationslager Dachau. Ich sah vor mir die gemarterten und getöteten Menschen. Und ich war mir klar darüber, daß, wenn wir nach Polen kämen, es nur noch schlimmer werden müsse. Ich weiß heute nicht mehr, wie ich an diesem Tage ins Lager und in die Baracke meiner Mutter gekommen bin. Ich war eben ganz plötzlich da und es war mir, als sei ich eben aus dem Schlafe erwacht. Wie überrascht stand ich vor meiner Mutter. Sie fragte mich:" Rolf, was machst Du für ein böses Gesicht?" Ich vermochte nicht gleich, ihr darauf eine Antwort zu geben. Erst nach einigen Minuten, in welchen mich meine Mutter mehrmals angestoßen und gefragt hatte: Rolf, was ist denn mir Dir? Rolf, wo bist Du denn?", konnte ich leise flüsternd antworten:„ Polen". Kaum hatte meine Mutter dieses Wort vernommen, da schlug sie die Hände über dem Kopf zusammen und sprach, mit Tränen in den Augen:„ Dann sind wir verloren". Eine Weile standen wir uns stumm gegenüber. Dann begann meine Mutter erneut:„ Wenn wir nach Polen kommen, dann kommen wir doch nur in Ghettos. Anderes habe ich noch nicht gehört. Aber glaubst Du denn wirklich, Rolf, daß man uns alle töten will? Ich kann es mir nicht denken." Wieder herrschte eine Weile tiefe Stille. Meine Mutter streichelte während dieser Zeit über meine Haare und klatschte leise auf meine Hände. 63 Ich habe so ein Gefühl, daß Du alles gut überstehst. Wenn ich als alte Frau vielleicht auch sterben muß, Dich wird das Schicksal erhalten." Im Lager sah es jämmerlich aus. Schon stundenlang warteten die Menschen auf den Abtransport. Berge von Koffern und Säcken lagen auf der Straße. Die Menschen waren über Nacht grau und alt geworden. Am schrecklichsten waren sie von der Mitteilung getroffen, daß die Familien auseinandergerissen wurden. Man trennte die Frau vom Mann und die Kinder von der Mutter. Die entsetzten und gequälten Gesichter waren kaum zu ertragen. Aber ich wußte ja, es war die alte Taktik der SS.- Banditen und Hitler- Schergen, das entsetzliche Leid, was uns getroffen hatte, noch ins Unermeßliche zu steigern. Ueberall hörte man Klagen. Dann auch wurden Männer, deren Zuname mit dem Buchstaben" M" begann und mit dem ersten Transport fahren sollten, ganz plötzlich für den zweiten Transport eingeteilt. So riß man mit Bosheit alles auseinander. Die letzte Hoffnung auf ein bißchen Liebe schwand dahin. Dazu noch die Frage Wohin?" In der Zwischenzeit waren Gerüchte durch das Lager gegangen, die als Ziel unserer Reise Deutschland, Polen, Frankreich und sogar Nordafrika angaben. Ein Gerücht folgte dem andern. Doch fand die Meldung, es ginge nach Polen, im Laufe des Tages immer mehr Anhänger. Ich persönlich war vollkommen davon überzeugt, daß kein anderer Bestimmungsort als ein Orf in Polen für uns in Frage käme. Dann aber würde es auch die letzte Fahrt sein, die wir in unserem Leben machten. 17 In unserem Lager waren noch ungefähr 6000 Juden vorhanden, nachdem zuvor 1200 in andere Lager übergeführt und ungefähr 950 auf dem Friedhof in Gurs zur letzten Ruhe bestattet waren. Von dieser Zahl safen nun 2500 Menschen auf ihren letzten Habseligkeiten. Junge und Alte, Frauen, Männer und Kinder schleppten ihre Koffer und Säcke mühselig nach dem Ort, wo die Gepäckstücke gesammelt wurden. Am Lagertor wurden nochmals alle Lagerinsassen, die für diesen Transport vorgesehen waren, aufgerufen. Jeder bekam von der„ Secours Suisse" und von den„ Quäkern" etwas Suppe und Obst. Das war das Letzte, was die Hilfsorganisationen den leidenden Menschen geben konnten. Lastkraftwagen standen bereit. Abermals wurde eine Trennung, und zwar diesmal nach Geschlechtern durchgeführt. Jeder Lastwagen wurde von zwei Posten bewacht. In rasender Fahrt ging es aus dem Lager hinaus und ins Ungewisse hinein. Fünfzehn Kraftwagen fuhren hin und her und brachten die Menschen nach dem Bahnhof. Es hatten sich am Tage zuvor viele Lagerinsassen versteckt. Sofort war eine große Suchaktion durchgeführt worden. Man fand sie alle. Nach und nach kamen sie alle ans Tageslicht. Für einige Wenige aber, denen entweder die Flucht gelungen war, oder die sich ein Versteck gesucht hatten, in dem sie noch nicht gefunden waren, mußten andere Lagerinsassen einspringen, die willkürlich aus der wartenden und zuschauenden Menge herausgenommen wurden. Tief erschüttert von meinen Eindrücken kehrte ich in die Baracke zu meiner Mutter zurück. Hier waren neue, herzerschütternde Szenen eingetreten, nachdem die armen Menschen von dem Auseinanderreißen der Familien Kenntnis erhalten hatten. Es drohte eine Selbstmordepidemie auszubrechen. Alle sahen den Untergang vor Augen. Niemand wollte in das Ungewisse hinein. Lieber den Tod vor Augen, als entsetzliche neue Qualen. In wenigen Stunden war das Hospital von Menschen überfüllt, die versucht hatten, sich Hals- oder Pulsschlagadern zu öffnen, und die nur im letzten Augenblick noch vor dem 64 Verblute nommen entsetzli Diese treten, d " Rolf" nicht hie Ich hab über me Nun I zu spen Ich bin und zer Vielleich ich weiß Ich ah Pumpsta machen Mensche noch ei Ueberal! die Hitl Ausdruc Es wa nentage es recht über. D Rauchsch Die U Habselig Posten es sei d doch hi man mi sehen w Vor d der List nahmslo wartet H station. nicht fas kleine H im stille zerstört. 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Nun lag es an mir, meine Mutter zu beruhigen, ihr immer wieder Trost zu spenden und zu sagen:" Mutter, wir bleiben zusammen. Bleibe ruhig. Ich bin morgen wieder bei Dir." Und dann ging ich über allerlei Lumpen und zerrissene Koffer hinweg aus dem Lager hinaus. Nach der Pumpstation. Vielleicht zum letzten Male. Trübe Gedanken umgaben, quälten mich. Und ich weiß es auch heute nicht mehr, wie ich in der Station angelangt bin. Der Tag der Entscheidung Ich ahnte es, daß ich die letzten Stunden in unserer herrlich gelegenen Pumpstation verbrachte. Es war mir klar, daß man um mich keine Ausnahme machen würde. Darum ging ich noch einmal ins Dorf, um mich von den Menschen, die mir lieb geworden waren, zu verabschieden, aber auch, um noch einige Kleinigkeiten einzukaufen, die ich für die Fahrt gebrauchte. Ueberall sagte man mir freundliche Worte und gab seinem Abscheu über die Hitler- Schergen und alle durch sie veranlaßten Maßnahmen offenen Ausdruck. Es war der 7. August. Der Tag erschien mir anders als die übrigen Sonnentage. Die Sonne stand schon recht hoch am Himmel. Aber dennoch war es recht frisch. Von den Weiden klang das Glockengeklirre der Kühe herüber. Die Vögel zwitscherten. Trotzdem aber zogen leichte Nebel wie Rauchschwaden dahin. Die Unruhe trieb mich ins Lager. Meinen kleinen Koffer, in dem ich meine Habseligkeiten schon verpackt hatte, ließ ich noch zurück. Gleich der erste Posten am Tor sagte mir, dat niemand das Lager mehr verlassen dürfe, es sei denn,-- mit einem Sonderbefehl der Garde mobile". Ich ging doch hinein. Es zog mich zu meiner Mutter. Auch war es mir bewußt, dak man mich doch holen würde, wenn ich für den zweiten Transport vorgesehen war. 11 Vor dem Lagerbüro standen viele Menschen, die auf die Bekanntgabe der Liste des zweiten Transportes warteten. Verhärmte Gesichter.-- Teilnahmslos. Mit flackernden, unsteten Blicken. Als ich zwei Stunden gewartet hatte, kam der Direktor. Er übergab mir die Liste für die Pumpstation. Darauf war nur mein Name verzeichnet. Ich konnte dieses zuerst nicht fassen.-- Also doch fort! Ganz im stillen hatte ich immer noch eine kleine Hoffnung gehegt, mit meiner Mutter hier bleiben zu können.-- Ganz im stillen. Entgegen aller Vernunft. Nun aber war auch diese Hoffnung zerstört. Der Direktor beruhigte mich und sagte:" Ihr kommt ja alle fort. Das ganze Lager wird geräumt!-- Holen Sie Ihren Koffer. Ihr Transport geht heute abend um 6 Uhr." Da ich das Lager nicht mehr allein verlassen durfte, gab man mir einen Posten mit. Zuerst aber ging ich noch einmal zu meiner Muffer. Auch dort 5 65 waren die Listen des nächsten Transportes bereits verlesen. Meine Mutter war nicht mit aufgerufen.-- Also wurden auch wir getrennt. Sogleich schrieb ich einen Bittbrief an den Direktor, er möge mich bis zum nächsten Transport oder ganz hier lassen. Ich faßte neue Hoffnung!-- Ach, wenn ich doch hier bleiben könnte! Und meine Mutter mit mir!-- Wenn wir zwei auf der Station zusammen leben könnten!-- Mein Kollege erwartete mich bereits. Er stand am Fenster und sah uns kommen. Verzweifelt lief er hin und her. Auch ihm war die letzte Hoffnung zerschlagen. Dann ergriff er den Fernsprechhörer. Er verlangte seinen Bruder. Und dann riet er diesem, er solle sich verstecken. Damit sie mit dem dritten Transport zusammen fahren könnten. Als der Posten aus dem Dorfe zurückkam, er hatte noch zwei Brote für mich geholt,-- die Fahrt war vielleicht sehr lang,-- legte ich meinen Koffer auf sein Rad. Schwer fiel mir der Abschied von meinem Kollegen. Wir waren gute Freunde geworden. Wir hatten gehofft, zusammen zu bleiben. Und dennoch,-- wir sind ja alle ringende Menschen, hatte jeder von uns noch einen ganz geheimen, inneren Wunsch gehegt. Einen Brotbeutel, den ich mit einigen Kartoffeln, rohen, weißen Bohnen und einem Gefäß mit Marmelade gefüllt hatte, hing ich mir über die Schulter. Und dann gings los.-- Mein Herz war so schwer. Und meine Augen nahmen noch einmal alles auf. Die ganze Schönheit dieses Erdenwinkels. Langsam setzte ich Schritt vor Schritt. Doch bald tauchte das Wahrzeichen des Lagers auf. Die vier Wasserfürme, die zu füllen meine Aufgabe gewesen war,-- die Station lag weit zurück. Und bald darauf war sie durch einen kleinen Hügel verdeckt, war sie meinen Blick en entschwunden.-- Vorbei! doch z komme versted eben sten A zerstob Sie sch Sollt Vers Leiden komme wir uns doch w Vor Gepäc Auf geliefe vor ihn verstan Man h zu verl andere Das Brot, se dem M die auf Als i den. U geworf Stunden des Abschieds Mein Gepäck hatte ich im Lagerbüro abgestellt. Dann ging ich in die Baracke meiner Mutter, wo ich die Entscheidung auf mein Bittgesuch abwarten wollte. Langsam krochen die Stunden dahin. Mir war so weh ums Herz. Und doch wollte ich die Hoffnung auf einen günstigen Bescheid, daß ich mit meiner Mutter zusammen bleiben konnte, nicht aufgeben. Ich hatte woh! allerhand Unsinn geschwatzt, um meine wahre Stimmung zu verbergen, und ich glaubte, damit meine Mutter täuschen zu können. Wie töricht war ich. Als ob einem Mutterherzen etwas verborgen bleiben könnte! Wir sprachen und sprachen.-- Und ich bemerkte gar nicht, wie mich meine Mutter beobachtete. Jeder Händedruck sollte ein Trost sein. Es ist schwer, einer Mutter das Leid zu verbergen. Endlich, um 1 Uhr mittags, wurde ich auf das Lagerbüro gerufen. Dort eröffnete mir der Direktor, daß die deutsche Kommission" meine Bitte abgelehnt hätte. Also, war endgültig alles aus, also mußte ich fort. Wie konnte ich auch bei der Deutschen Kommission" auf Verständnis rechnen! Deren Absicht war es doch nicht, unser Leid zu verringern, sondern nur zu vergrößern. Statt Familien zu erhalten, war es doch deren teuflischer Plan, alle Familienbande zu zerstören. Doch, ich hatte viel von meiner Mutter. In diesem Augenblick, wo vielleicht andere in großen Jammer ausbrachen, war ich gefaßt. Als ich zu meiner Mutter zurückgekehrt war, teilte ich ihr sogleich die Antwort des Direktors mit, klagte aber nicht, sondern machte ihr Vorschläge, wie wir 66 Tause Siche ich wie Dann keninsa Bewußt aufzusc mich. A sie auf Gar Dann über m Ich w des Ab zusamm umarmt " mehr. T Als i Knieen ten sich Auf Dann waren 5* eine Mutter ge mich bis Hoffnung!-- mit mir!-- und sah uns He Hoffnung ngte seinen amit sie mit ei Brote für ich meinen m Kollegen. men zu bleihatte jeder en Bohnen er die Schuleine Augen rdenwinkels. Vassertürme, weit zurück. ckt, war sie g ich in die fgesuch abeh ums Herz. eid, daß ich h hatte wohl rbergen, und icht war ich. nt, wie mich sein. Es ist erufen. Dort ion" meine ußte ich fort. Händnis rechern, sondern en teuflischer lick, wo viel. Als ich zu Antwort des ge, wie wir doch zusammen bleiben könnten. Unterwegs waren mir die Gedanken gekommen, mich unter den Brettern der Baracke oder in einem Abortkübel zu verstecken. Ich war äußerlich ruhig und doch tobte in mir alles. War ich eben von dem Gelingen meines Planes überzeugt, so hatten mich im nächsten Augenblick schon wieder andere Gedanken erfaßt.-- Und auch diese zerstoben wieder wie Seifenblasen. So sah ich mit meiner Mutter zusammen. Sie schwieg, und ich sprach. Ich redete in einem fort. Sollte ich fliehen?-- Unmöglich! Verstecken? Wo?-- Es gab kein Versteck, wo man nicht schon andere Leidensgenossen gesucht hatte!-- Wir konnten zu keiner Entscheidung kommen. Unter einem kleinen Tisch hindurch, an dem wir sagen, drückten wir uns die Hände. Wir waren verkettet! Ich war ruhig und ergeben,-- und doch wieder voller Unruhe!-- Alles unmöglich,-- alles vergeblich. Vor der Baracke hupte ein Auto. Es war der Lastkraftwagen, der unser Gepäck aufnehmen sollte. Ich ging schnell hinaus und gab meine Koffer ab. Auf dem Wagen befand sich wieder der Mann, der mir lange Zeit Essen geliefert hatte. Ergriffen gab er mir die Hand und sagte, als ich wortlos vor ihm stand und nur zu ihm aufschaute,-- als ob er mich auch ohne Worte verstanden hätte: Fliehen hat keinen Zweck. Die Bewachung ist zu scharf. Man hat auch schon damit begonnen, die Ausländer, die noch frei waren, zu verhaffen. Wegen Ihrer Mutter seien Sie ohne Sorge. Sie kommt in ein anderes französisches Lager." Das Auto rückte an und fuhr weiter. Schnell reichte er mir noch ein Stück Brot, sein Vesperbrot, und rief mir viel Glück und Mut" zu. Ich winkte dem Manne noch. Das Auto aber bahnte sich langsam seinen Weg. Durch die auf der Lagerstraße hin- und herflutende Menge. Als ich in die Baracke zurück kam, lag meine Mutter ohnmächtig am Boden. Unweit von ihrem Bett entfernt. Zwischen alten Papieren und weggeworfenen, schmutzigen Kleidern. Ich war allein mit ihr. Tausend Gedanken schwirrten durch meinen Kopf. Sicher wollte sie mich zurückhalten. Ich war ja ihr Junge. Zunächst war ich wie vom Schlage getroffen. Dann aber stürzte ich nach Wasser. Inzwischen waren auch einige Barakkeninsassen zurückgekommen. Sie halfen mir, meine Mutter wieder zum Bewußtsein zu bringen. Ganz langsam begann sie zu atmen, die Augen aufzuschlagen. Wie verklärt schaute sie uns an, die Leidensgenossen und mich. Als meine Mutter einigermaßen zu sich gekommen war, hoben wir sie auf ihr Bett. Ich streichelte und beruhigte sie. Sprich nicht, liebe Mutter!" " Ganz ruhig, Mutter!" Dann aber sagte sie doch zu mir:„ Ich war immer tapfer. Viel hatte ich über mich ergehen lassen. Aber einmal wird es doch zu viel sein." Ich warf einen Blick auf die Uhr. Es war 5 Uhr und 5 Minuten. Die Stunde des Abschieds war gekommen. Ich erhob mich und nahm all meinen Mut zusammen. Zwei Frauen führten meine Mutter bis zum Jlot- Ausgang. Dort umarmten wir uns noch einmal und drückten uns. Worte fanden wir nicht mehr. Tränen rollfen über unsere bleichen Wangen. Als ich mich von meiner Mutter loslöste, sank sie auf die Erde herab. Knieend erhob sie die Hände und betete.-- Und rings um uns herum spielten sich ähnliche ergreifende Szenen ab. " Auf Wiedersehen", flüsterte ich leise. Dann ging ich. Doch ich kam nur schwer vorwärts. Meine Füße und Beine waren so schwer, als ob Zentnerlasten daran hingen. 5° 67 Am Lagertor erhielten wir die„ Henkersmahlzeit". Stunden vergingen mit Warten. Um 9 Uhr abends wurde ich aufgerufen. Es war dunkel. Nur hin und wieder blitzten Scheinwerfer auf. Ich bestieg das Auto. Im letzten Moment, bevor der Wagen abfuhr, sah ich, wie man den Bruder meines Kollegen, der sich versteckt hatte, heranbrachte, und ihn ohne jedes Gepäck den Wagen besteigen ließ. Auch ihm war es also unmöglich gemacht, gemeinsam mit seinem Bruder zu fahren. -- Dann setzte sich das Auto in Bewegung. Und schnell entschwand das Lager unseren Blicken. Wie vor 22 Monaten, als wir hier ankamen, sausten die Wagen bergauf, bergab, die Straße entlang. Ich war in Gedanken bei meiner Mutter. Wie würde sie den Abschied erleben?-- Arme Mutter! Wie, als ob man uns einen Abschiedsgruß senden wollte, so leuchteten die Lampen des Lagers in den dunklen Himmel hinein. Eng zusammengeprekt sahen wir auf dem Wagen nebeneinander,-- wie zu einer stillen Andacht zusammengerufen. Am Straßenrand aber stand ein kleiner Junge und sang das Lied von Gurs: Schön ist die Welt für viele, Bei ihnen geht alles glatt, Doch daneben gibt's auch and're, Die haben ihr Leben satt. In den Basses- Pyrenäen gibt's einen Ort, Dort stehen Baracken, aber kein Baum steht dort, In dieses Lager muß der hinein, Der kein Recht hat, Mensch zu sein. Im Rattern des Autos gingen die Töne unter. Aber sie klangen in uns nach. Der kein Recht hat, Mensch zu sein!" Als v jetzt re eine g hörten, sollten zur Tür Wagen Geleise schen a Ware bereits densge wurden dann e schen D anders! Rufe Doch, Schnaul Dann deutlich Sofort Und, Sie win ich dur hier bir Mir s war mi hatte ic liebe M immer Die V Räder rollen zum Ziel Die Autos stoppten. Gleich darauf war die Fahrt beendet.„ Alles aussteigen", erschallten Rufe. Die Männer in den schwarzen Uniformen hatten den ganzen Platz um uns abgesperrt. Einige schwache Lampen brannten. Ein Zug stand bereit.-- Viehwagen!-- Viehwagen! Noch einmal wurden wir aufgerufen. Und dann mußten wir über kleine Leitern die Waggons besteigen. An einer Seite meines Waggons standen zwei Kisten als Sitzplätze für die Posten. Auf dem Boden lag Stroh. Die dreißig Menschen, die in jeden Waggon kamen, wollten alle einen Platz an den Wänden haben, für eine Rückenlehne. Schon gab es Streit. Stoßen und Schieben setzte ein. Die Menschen brüllten sich an. Um acht Uhr früh gab man uns statt Suppe Brot, die Reiseverpflegung für zwei Tage.-- Es war kühl.-- Nach einiger Zeit ertönte ein schriller Pfiff. Zwei Posten bestiegen den Wagen. Und gleich darauf setzte sich der Zug in Bewegung. Wir waren glücklich, daß nun endlich die Räder rollten, denn es gibt nichts Schrecklicheres, als stundenlang auf Bahnhöfen zu warten. Fährt der Zug, dann sehen die Augen immer wieder etwas anderes, die Sinne arbeiten, die Menschen sind beschäftigt. Aber untätig an einen Ort gefesselt zu sein,-- das ist furchtbar. An Wiesen und Wäldern ging es vorbei. Ueber Höhen hinweg und durch Täler.- Die Räder rollten. 68 unverm wieder wurde über Br Ins Ein G als wir ben, da Hitler u hatten nicht el nichtet wieder diese R und fuh wir nac rergingen I. Nur hin zten Mo- ines Kol- s Gepäck ‚m Bruder wand das n, sausten anken bei utter! leuchteten usammen- ner stillen von Gurs: Äh, jen in uns ‚Alles aus- nen haften brannten. ber kleine ns standen Stroh. Die >inen Platz eit. Stoßen erpflegung in schriller te sich der der rollten, en zu wär- as anderes, g an einen und durch Als wir in Toulouse ankamen, stellten wir abermals die Frage:„Geht es jetzt rechts oder links?" Antwort wurde uns nicht. Auf dem Bahnhof stand eine große Anzahl Soldaten mit aufgepflanzten Seitengewehren. Wie wir hörten, war dieses ein Befehl von Berlin. Wir warteten zwei Stunden. Es sollten noch einige Waggons angehängt werden. Ich sireckte meinen Kopf zur Tür hinaus. Da sah ich, daß eine Lokomotive in langsamer Fahrt sechs Wagen heranbrachte. Sie fuhren vorbei und kamen auf einem anderen Geleise zurück.-- Aber dann sah ich weiter, daß in den Waggons Men- schen aus Gurs waren. Auch sie streckten die Köpfe zu den Türen hinaus. Waren es Menschen, die in ein anderes Lager kamen, oder kamen sie bereits aus einem anderen Lager? Gehörten diese Menschen zu jenen Lei- densgenossen, die wir, als sie vor einiger Zeit aus Gurs abtransportiert wurden, im stillen beneidet hatten? Ich sah scharfen Blickes hinaus.-- Aber dann erkannte ich Frauen und Männer, deren Angehörige sich in französi- schen Diensten befanden.-- Also, kamen auch sie fort, entgegen allen anderslautenden Versprechungen? Rufe schallten hinüber und herüber. Die Menschen winkten und schrien. Doch, wir konnten nichts verstehen. Der Lärm um mich herum, dazu das Schnauben und Pusten der Lokomotive. Alle Rufe verhallten. Dann aber,-- hatte dieser jenes und jener ein anderes Wort klar und deutlich verstanden. Nun wuhßten wir es bestimmt, es sind Leute aus Gurs. Sofort dachte ich an meine Mutter. Und,-- noch nicht ausgedacht,-- da erblickte ich sie im letzten Waggon. Sie winkte mit dem Taschentuch. Sie sah mich. Und klar und deutlich hörte ich durch allen Lärm, durch allen Krach, die Stimme meiner Mutter:„Rolf, hier bin ich,-- Ich bin da!" Mir stand das Herz einen Augenblick still. Ich drohte, zu, versinken. Es war mir, als würde sich eine Wasserflut über mich ergießen. Aber,-- dann hafte ich mich wieder.-- Ich winkte zurück. Schon lange hatte ich meine liebe Mutter nicht so freudig gesehen. Wie ein junges Mädchen rief sie immer wieder:„Rolf!-- Rolfl”-- Ich aber flüsterte nur:„Mutter!" Die Waggons wurden an unseren Zug angehängt, Die Gespräche gingen unvermindert weiter. In mir aber war alles still. Ich war mit meiner Mutter wieder zusammen!-- Hatte ich diese Worte gesprochen?-- Nach und nach wurde es ruhig. Die Menschen schliefen. Die Räder aber rollten. Es ging über Brücken,-- durch Wälder und Städte, Ins„besetzte Frankreich” hinein. Besetztes Frankreich Ein Grauen, ein Entsetzen läuft mit einem Male durch den ganzen Zug, als wir hören„Deutsches Gebiet". Wir konnten und wollten es nicht glau- ben, daß wir wieder zurücksollten in die Hände der Barbaren, zurück zu Hitler und seinen Banditen. Wenn auch Deutschland unsere Heimat war, so hatten wir uns doch jetzt alle der Hoffnung hingegeben, deutschen Boden nicht eher wieder betreten zu müssen, bis Deutschland frei und Hitler ver- nichtet sei. Paradox erschien es uns, daß man uns zuerst verjagte und jetzt wieder holte, Wie eine Fahrt aus der Hölle in die Hölle zurück, kam uns diese Reise vor. Weiter rollten die Züge, blieben auf einem Bahnhof stehen, und fuhren nach Kohleneinnahme wieder weiter, Auf einem Bahnhof sahen wir nach langer Zeit die ersten schwarzuniformierten Soldaten, deren Müt- 69 zen das Totenkopfzeichen trugen. Für uns ein schaudernder Anblick. Die Verbrecher der SS. waren wieder da. Erst jetzt erkannten wir den Unterschied der schwarzen Unifom unserer Posten zu der Uniform der SS. Nach Stunden qualvoller Fahrt trafen wir in Orleans ein. Es ging auf die Metropole Frankreichs, auf Paris zu. So hatten uns auch unsere Posten gesagt. Nur kurz war der Aufenthalt in Orleans. Dann ging es wieder weiter. Abermals war unsere Annahme, wohin wir kämen, schwankend geworden. Dorf um Dorf und Stadt um Stadt zogen an unseren Augen vorüber. Wir fuhren weiter durch Wälder und Felder, an Wiesen und Gärten vorbei. In weiter Ferne sahen wir Sperrballone. Ein Zeichen des Krieges, ein Schutz gegen Fliegerangriffe. Immer näher kamen wir Paris... Die Vorstädte rückten heran. Haus an Haus war zu sehen. Schwarze Dächer, große Schornsteine, alle Anzeichen einer Großstadt nahmen unsere Blicke gefangen. Das Wahrzeichen von Paris, der Eifelturm, wurde sichtbar. Die Trikolore Frankreichs war eingezogen. Dann fuhren wir in einen Bahnhof hinein, in dem mehrere hundert Gleise ein Schienenmeer bildeten. Wagen über Wagen, die nach allen Himmelsrichtungen fahren sollten, standen dort. Auf einer großen Tafel lasen wir in schwarzen Buchstaben:„ Drancy- Le Bourget". Hier befand sich auch der Flugplatz„ Le Bourget", auf welchem in früherer Zeit Minister aller Länder und hohe Staatsmänner mit ihren Maschinen landeten, um Verhandlungen für Frieden und Völkerverständigung zu führen. Jetzt aber landeten dort nur jene Maschinen, die der Welt Elend, Tod, Untergang und Barbarei gebracht hatten. Die Bremsen quietschten, aus den Achsen stieg Dampf auf, denn Schmiermittel waren ja kaum vorhanden. Gespannt harrten wir der Dinge, die da kommen sollten. Pariser Polizei hatte den Bahnhof abgesperrt. Große Verkehrsomnibusse standen zum Weiterfahren bereit. Nach den üblichen Anordnungen„ Aussteigen! Aussteigen!" standen wir zusammengeschart. Um uns herum liefen Zivilisten, die Listen in ihren Händen hin- und herschwangen und uns, deutsch sprechend schnell, schnell", anbrüllten. Je 25 Menschen mußten einen Omnibus besteigen. Die Zivilisten, die uns drängten und stießen, trugen, wie ich feststellen konnte, das Parteiabzeichen der NSDAP auf der Brust. Es waren die Unterhändler der SS. und der Gestapo. Es waren die Beamten, die für„ Führer, Volk und Vaterland" ihre Pflicht tun mukten. Omnibus um Omnibus rollte davon. Den Parisern schien dieses ein alltäglicher Anblick zu sein. Sie beachteten uns nicht und gingen ruhig ihres Weges. Zeitungen wurden ausgeschrieen, doch die Pariser drängten sich nicht, diese Zeitungen zu kaufen. Waren es doch nur Zeitungen, die von glorreichen deutschen Siegen der Nazis sprachen. Beim Hinausschauen durch die Fenster erblickten wir auch Angehörige anderer Wehrmachtsteile. Aber entgegen allen Meldungen, die man auch uns so oft erzählt hatte, konnte ich keine Freude der deutschen Soldaten über ihre Anwesenheit in Paris erkennen. Ganz plötzlich sahen wir große Fabrikanlagen vor uns. Die Autos bogen um eine Ecke. Und gerade während einer Schichtablösung fuhren wir auf den Hof des Konzentrationslagers„ Drancy". Zwei 9. 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Die Tore des Lagers waren geöffnet. Hohe, fünfstöckige Steinbauten standen rings um den großen Hof herum. Alt und grau waren die Häuser und in ihren Mauern schien Elend und Verderben geherrscht zu haben. Immer wieder die Kommandos der Helden der Gestapo, während Auto um Auto heranrollte. Immer mehr Menschen füllten den großen Platz. Bergehoch lagen die durcheinandergeworfenen Koffer und Kisten, die mit Lastwagenkolonnen vom Bahnhof herangebracht wurden. Die alten Lagerinsassen drängten sich an uns heran und wollten Neues wissen. In allen Sprachen stellten sie ihre Fragen. Viele baten uns„Arme um Brot. Schrecklich war es für uns, als uns kleine Kinder um Lebensmittel baten, weil man ihnen gesagt hatte, wir brächten ihnen etwas mit. Unter den alten Lagerinsassen waren viele, die hier ihr kärgliches Dasein seit dem Tage der Besetzung von Paris fristefen. Es waren Franzosen, sie hatten Widerstand gegen deutsche Anordnungen geleistet, oder sie waren mit Juden freundlich gewesen, das waren die Gründe für ihr Hiersein. Schon die kleinste Unbotmäßigkeit, der zahmste Blick des Widerstandes, hatten genügt, um diese Leute von ihrer Familie zu entführen. Andere erzählten uns, daf sie Geiseln seien. Wenn ein deutscher Soldat in Paris erschossen war, so wurde sofort die betreffende Straße abgeriegelt. Und alle Menschen, die sich gerade vollkommen unschuldig und harmlos in dieser Straße befanden, wurden dann verhaftet und ins Lager Drancy überführt. Diese Geiseln erzählten uns weiter, daß für jeden erschossenen deutschen Soldaten, zwanzig Franzosen standrechtlich erschossen würden. Die übrigen aber, denn es wurden ja stets viel mehr Leute verhaftet, wur- den auf Transporte geschickt. Niemals habe man mehr etwas von ihnen ge- hört. Französische Industrielle und Wissenschaftler, auch Ausländer, hielt man hier fest, weil sie verdächtig seien, die„öffentliche Ruhe" zu stören. Die deutschen Juden, die seit dem Beginn des Nazi-Regimes nach Frank- reich ausgewandert waren, hatte man alle nach hier gebracht. Inzwischen waren auch die Frauen angekommen. Ich versuchte nun, an die Autobusse heranzukommen, weil es mich zu meiner Multer zog. Jedoch gelang es mir nicht, meinen sehnlichsten Wunsch zu erfüllen, da abermals die Namen aufgerufen wurden. Mit vielen anderen Leidensgenossen wurde mir ein Schlafraum im fünften Stock eines der hohen Gebäude zugewiesen. Mit Herzklopfen stieg ich die fünf Etagen hinauf. Niemand von uns war das Treppensteigen mehr gewöhnt. Auch machte sich jetzt unsere grobe Schwäche bemerkbar. Auf dem Boden unserer Schlafsäle lagen Strohsäcke. Riesige Fenster verschafften uns Licht. In den anderen, anschließenden Wohnräumen befand sich auch eine Wasserleitung mit Waschgefäßen. Kaum hatte ich mir einen Platz gesucht und meine Sachen abgelegt, trat ich an eines der Fenster, um immer und immer wieder nach meiner Mutter Aus- schau zu halten. Ich kann die Bilder nicht beschreiben, die sich meinen Augen boten. Tief unter uns Menschen über Menschen. Vor uns ein Häuser- meer. Die Berge der Koffer und Kisten vermehrten sich. Immer neue Last- kraftwagen brachten Gepäck heran. ‚Eine halbe Stunde hatte ich so aus dem Fenster geschaut, als ich mit einem Male meine Mutter erblickte. Ich verfolgte sie und merkte mir genau die Tür, in der sie verschwunden war. Ein Kamerad nahm meine Sachen in 71 Obhut, und ich ging sofort hinunter. Es dauerte nicht lange, dann hatte ich meine Mutter getunden. Die Freude war unbeschreiblich. Sie hatte die Fahrt besser überstanden, als ich geglaubt hatte. Sie erzählte mir dann, dak wenige Stunden nach meinem Abtransport auch alle übrigen Frauen und Männer weggekommen seien. Man hatte ihr erklärt, daß ich in die französische Armee für Indochina eingereiht worden sei. Indochina gehöre aber nicht zu Frankreich. Aiso habe sie auch kein Recht, sich auf eine solche Vergünstigung zu stützen. Dieser Schwingel war ein neuer Beweis dafür, daß man es mit allen Mitteln versuchte, die Insassen aus dem Lager Gurs hinauszubringen. Der Saal, in den meine Mutter eingewiesen war, hatte sich inzwischen mit Frauen und Männern getüllt. Ein Herr, der sich als Stubenäitester vorstellte, bat für einige Minuten um Ruhe. Er trug auf dem Rücken seiner Kleidung einen geiben Streiten, auf dem in französischer Sprache„ Judenfreund" vermerkt war. Dieser Mann sagte uns, daß wir morgen weitergeschickt würden. Um zehn Uhr müßten wir zur Kontrolle bereitstehen. Die Männer dürften dazu mitnehmen: einen Anzug, ein Hemd, zwei Unterhosen, 2 Paar Strümpfe und ein Paar Schuhe. Außer diesen Gegenständen Kleinigkeiten, die wir zum Leben benötigten. Verboten war es jedoch, Uhren, Nadeln, Rasierapparate, Gabeln und Scheren, wie auch andere spitze Gegenstände mitzunehmen. Zu den erlaubten Gegenständen wurde jedoch eine Decke gezählt. Mühselig hatten wir unser Gepäck aus dem Lager Gurs nach hier gebracht. Und nun sollte uns auch das Letzte noch genommen werden. Langsam begann man uns zu morden. Wir waren uns alle klar darüber, was diese Maßnahmen bezweckten. Erst wollte man uns ausrauben und dann, wenn wir aller Mittel bar waren, noch töten. Ich ging dann in meinen Schiafsaal zurück. Ich war müde zum Umfallen. Kreuz und quer lagen Frauen und Männer, Greise und Kinder durcheinander. Vielleicht vielleicht war es die letzte Nacht unseres Lebens. Wir schwankten hin und her, ob uns alles egal sein solle, oder ob wir mit zusammengebissenen Zähnen diesem Terror gegenüberstehen sollten. Mitten in der Nacht begann eine Sirene zu heulen.„ Fliegeralarm!" Ich ging zum Fenster und schaute hinaus. Vor mir lagen die Dächer von Paris. Dahinter das gigantische Bauwerk des Eifelturms und am dunkelroten Himmel, wie Geisterspuk, standen die hochgelassenen Sperrballone als Schützer von Paris. Bereits im Jahre 1935 war ich einmal in Paris und war zu dieser Zeit von meinem Aufenthalt sehr begeistert. Damals war alles ruhig, es herrschte Frieden, und Paris weinte und lachte, wie es nur die Weltstadt Paris tun konnte. Der Alarm war beendet. Es war ein falscher Alarm. Langsam ging ich nach meinem Schlafplatz zurück und es dauerte auch nicht lange, dann war ich eingeschlafen. Im Traum sah ich noch das Paris von einst, träumte ich noch von Tagen des Glanzes und des Glücks. In Wirklichkeit aber lag ich in einem kleinen Winkel, in einer Ecke, umgeben von vielen Leidensgenossen, im Schlafsaal des Konzentrationslagers von Drancy. Nach schrei nicht Koffer diese die H Zyr stand sich d imme Kisten könne ten, aber Je In ma brann Kartor Es wa Nac und m um d unsere ander bare, Sortie Raume Um denn hatten durfte wie w Nich Quale Wir gehör denn Verlus Es reich. lacher Um Reif Kau und wiese befest worfe Die Gestapo an der Arbeit Es war gegen vier Uhr am andern Morgen, die Sterne standen noch am Himmel, da wurde laut gepfiffen. Der Tageskampf hatte erneut begonnen. 72 ten w nach die al Um den. n hatte ich hatte die mir dann, gen Frauen ich in die ina gehöre h auf eine allen Mitn. Der Saal, Frauen und te, bat für dung einen d" vermerkt vürden. Um ürften dazu rümpfe und ie wir zum ierapparate, itzunehmen. ählt. ch hier gerden. Langarüber, was und dann, m Umfallen. er durcheinLebens. Wir wir mit zuIten. = ralarm!" Ich er von Paris. elroten Himals Schützer ser Zeit von es herrschte dt Paris tun am ging ich ge, dann war träumte ich aber lag ich en Leidensden noch am ut begonnen. Nach dem Kaffeetrinken begann die Suche nach unseren Koffern. Unbeschreiblich war dieses Bild. Es kann nicht wiedergegeben werden, auch nicht annähernd. Ein jeder der Leidensgenossen stürzte sich auf einen der Kofferberge. Es waren ziemliche Berge. Zu einer festgesetzten Zeit mußte diese Arbeit beendet sein. Also stürzten alle Leidensgenossen, kaum waren die Haustüren geöffnet, hinaus. Zynisch lächelnd, die Hände in den Taschen, dicke Zigarren im Munde, standen die Banditen der Gestapo im Hofe und freuten sich darüber, wie sich die Menschen um ihre Koffer balgten. Es war eine richtige Kofferschlacht. immer wieder fielen die Berge durch das Hinauszerren von Koffern und Kisten durcheinander, glaubten wir, unseren Koffer zu erblicken, fassen zu können, war er wieder verschwunden. Es war entsetzlich. Die Männer brüllten, rempelten sich gegenseitig an und schlugen sich sogar, die Frauen aber weinten. Sie standen der brutalen Kraft in der Not hilflos gegenüber. Jeder war nervös. Jeder wollte sein geringes Hab und Gut retten. In manchen Koffern befanden sich noch Lebensmittel. Um diese Koffer entbrannte der Kampf am heftigsten. Dabei fielen die nur mühselig verpackten Kartons, die defekten Koffer und Kisten zusammen, und der Inhalt versank. Es war einfach entsetzlich. Nach einer Stunde mühevollen Suchens hatte ich endlich meiner Mutter und mein Gepäck gefunden. Schnell trug ich dasselbe in meinen Schlafraum, um die notwendigsten Sachen herauszunehmen. In kurzer Zeit sah es in unserem Schlafraum wie auf einem Schlachtfelde aus. Alles lag durcheinander. Jeder warf seine Sachen auf den Boden, jeder suchte. Die unersetzbare, einst so teure Wäsche, lag zerrissen umher. Es war ein Suchen,-- ein Sortieren. Eine Lumpensammlerei war geordneter als die Sachen in unserem Raume. Und so ging es überall zu. Um zehn Uhr war unsere Arbeit beendet, sie mußte ja beendet sein, denn man hatte befohlen". Und getreu den erteilten Anweisungen hatten wir nur die Sachen zum Mitnehmen eingepackt, die wir mitnehmen durften. Da gab die Gestapo den Befehl aus, wir dürften soviel mitnehmen, wie wir wollten. Nichts wie Schikane, alles nur, um sich an unserer Angst, an unseren Qualen zu weiden. Wir suchten von neuem, wir rissen dem und jenem etwas weg, was uns gehörte, man zerrte an unseren Stücken. Man nahm, man stahl einfach,-- denn alles war durcheinander geworfen ,. und jeder wollte sich für seinen Verlust entschädigen.-- Wie Du mir, so ich Dir. -- Es war ja noch nicht genug zerrissen. Das arme Deutschland war ja so reich. Und alles dieses geschah unter der Aufsicht der höhnisch und lüstern lachenden Gestapo. Um elf Uhr hatten wir alle Nadeln und sonstigen Stich- oder Reißwaffen" fortgeworfen. Kaum war auch diese Arbeit beendet,-- wir waren alo wirklich" waffenund wehrlose Geschöpfe", da erhielten wir Judensterne" zugewiesen, die die Aufschrift Juif" trugen und die wir an unserer Kleidung befestigen sollten." Juif" heißt Jude". Wir hatten die Nadeln fortgeworfen. Wir hatten kein Garn und keinen Faden mehr.- Also, was hatten wir zu tun?!-- Erneut suchen. Liebe Leser, stellen Sie sich bitte vor, nach Nadeln suchen, nach kleinen Rollen Garn,-- und das zwischen Haufen, die alles bergen. -- Um 12 Uhr war Kontrolle. Die Koffer und Kartons mußten geöffnet werden. Die Gestapo zerrte alles heraus. Sie bestrafte,-- sie nahm,-- sie be73 strafte. Strafen am laufenden Band. Einer armen Frau nahm man alles, weil sie drei Nadeln an ihrem Kleide hatte. Weinend fiel sie um. Meinen Füllfederhalter schenkte ich einem alten Insassen des Lagers, einem Franzosen. Die 500 Franken, die ich noch hatte, verbarg ich im Mund. Es ging gut. Ich passierte die Kontrolle. Auch meine Mutter hatte Glück. Ich hatte ihr Geld in ihrem Schuhabsatz versteckt, den ich vorher entfernt und dann wieder befestigt hatte. Nachdem die Kontrolle beendet war, wurden wir wieder getrennt. Männer und Frauen für sich. So lange es ging, behielt ich meine Mutter im Auge. Doch bald war sie meinen Blicken entschwunden. Es spielte sich alles in Blitzesschnelle ab, ich konnte keinen Gedanken fassen. Eine Schikane folgte der anderen. Ja, wir befanden uns im besetzten Gebiet. Wir genossen den Schutz und die Liebe" der Gestapo. Wir standen wieder unter ,, deutschen" Gesetzen, unter Gesetzen, die die Gesetze der Welt werden sollten. Ein Lichtblick ging mir auf, ein Rätsel war gelöst, als angeordnet wurde, den Männern den Kopf zu scheren.-- Die erste Maßnahme für das K.L.-- Ich schwieg, denn hätte ich gesprochen, eine neue Panik der Angst, des Schreckens wäre ausgebrochen. Die Greuel von Dachau standen vor meinen Augen. Zum zweiten Male unter die Fuchtel der SS.? Ich fragte mich:" Was will man mit den vielen alten Menschen machen? Sollen die auch noch arbeiten?" Es schien mir unglaublich, es schien mir einfach unmöglich, daß man tausende von Menschen töten wollte. Denn ein Gesetz der Hitler- Schergen lautete doch:" Wer nicht mehr arbeiten kann, wer alt und schwach ist, hat das Recht zum Leben verwirkt." Gibt es nicht einen Gott?-- Und wenn es ihn gibt, man hat es uns doch gelehrt, kann denn Gott soviel Elend, soviel Greuel zulassen? Ich wußte nicht mehr ein noch aus. Ich war erschüttert. Was sollte mir das Leben noch bringen? Ein kurzes„ Auf Wiedersehen" hatte mich von meiner Mutter getrennt. Ich hatte mich zusammengerissen und zu ihr gesagt, daß wir bestimmt im nächsten Lager wieder zusammenkämen, sie solle nicht weinen und sich nicht sorgen. Sie sollte sich nur auf den Herrgott verlassen. Wir hatten uns fest und klar in die Augen gesehen. Weinen konnten wir nicht. Die Tränen meiner Mutter waren versiegt, sie hatte, wenn sie allein war, zuviel geweint, und meine Tränen waren erstickt. Im Tempo-- Tempo" wurden wir auf wartende Autos verladen. Die Tore des Lagers Drancy öffneten sich. Durch die Straßen von Paris fuhren wir nach dem Bahnhof Drancy- Le Bourget". Dort hatte sich das Bild geändert. Die Uniformen waren ausgewechselt. Die SS.- Mörder waren erschienen. Gestapo und SS.- Banditen Hand in Hand. Viehwagen, ohne Stroh, und nur mit kleinen 20 cm hohen und 50 cm langen Luftlöchern, waren vorgefahren. Auf dem Zettel, wo sonst die Anzahl des zu befördernden Viehes vermerkt war, stand die Zahl 50. Der Vorgeschmack, der uns bevorstand, war gegeben. Von ihrer Wichtigkeit überzeugt, schrien uns die SS.- Banditen an und stießen uns. Besonders geschmackvoll erschien diesen Sadisten die Anordnung, in jeden Viehwagen 25 junge Mädchen und 25 alte Männer, oder umgekehrt, hinein zu stoßen. Sie lachten darüber. Wir aber setzten uns über solche Scherze hinweg. Als alle Waggons belegt waren, erhielten wir für zwei Tag Lebensmittel und für fünfzig Personen einen Eimer mit 20 Liter Wasser. Dann wurden die 74 Wago und In 24 al hinein Und Dich Ein A druck beschl herge Es i Ebe apathi wir un Auger rührun Mitf broche Lichtst wir no Es e wir es Eine das in noch, der L Das i diese vermo unmer ich sa ratet Reih durch sagen, dafAbe daf w stapel Auf e andere hief e Dur Ich er noch denn mit de alles, weil s Lagers, im Mund. te Glück. r entfernt f. Männer Waggons verschlossen und versiegelt. Wir waren eingesperrt. Auf Gedeih und Verderb waren wir uns überlassen. In dem Wagen, in dem ich mich befand, waren 25 junge Männer und 24 alte Frauen untergebracht. Ferner war ein 22 jähriges Mädchen mit hineingeschlüpft.-- Aus Versehen hineingestoken. Und dann ging der„ Vieh"-Transport ab. im Auge. alles in ane folgte Ossen den der unter Welt weret wurde, as K.L.-Angst, des or meinen ich:" Was auch noch dak man -Schergen ch ist, hat uns doch Ich wußte eben noch getrennt. estimmt im und sich hatten uns Die Tränen zuviel ge. Die Tore Fuhren wir ewechselt. d in Hand. nd 50 cm st die Anl 50. Der Wichtigkeit onders geViehwagen zu stolen. weg. bensmittel wurden die Vernichtungsfahrt Dichtgedrängt standen wir nebeneinander. Wir konnten uns nicht rühren. Ein Auge starrte in des anderen Auge. Unsere Gesichter trugen den Ausdruck von Geistesgestörten. Wenn der Zug sein Tempo verringerte oder beschleunigte, oder wenn wir durch Kurven fuhren, wurden wir hin- und hergeworfen. Wir nahmen alles gleichgültig hin Es ist doch merkwürdig, wie wir Menschen uns ändern können. Eben noch waren wir aufgeregt, ja verzweifelt, und jetzt waren wir apathisch. Lief uns etwa der Viehwagen jedes Gefühl vergessen? Hatten wir unseren Verstand verloren? Schaufen wir nur noch instinktmäßig in die Augen unseres Gegenübers? War es nur das Tastgefühl, das uns die Berührung empfinden lief? Mitten in die geisterhafte Stille hinein, durch das Dunkel,-- nur unterbrochen durch das gleichmäßige Rattern des Zuges und durch gelegentliche Lichtstrahlen,-- ertönte mit einem Male die Stimme einer alten Frau:„ Leben wir noch, oder sind wir schon tot?" Es erfolgte keine Antwort. Es war, als ob wir wirklich tot waren, als wenn wir es nur noch nicht wüßten! Eine andere Stimme fragte leise:" Ist das die Humanität Deutschlands, das im Namen der Kultur die Welt erobern will?" Die Töne schwangen noch, da erfaßte mich plötzlich der ganze Jammer,-- als sei der Jammer der Leidensgenossen in mir allein vereint ,. da brüllte ich als Antwort: 17 Das ist das wahre Gesicht Hitler- Deutschlands!"-- War ich es wirklich, der diese Worte gebrüllt hatte?-- Ich blickte mich um, soweit ich das überhaupt vermochte. Es mußte wohl so sein, denn die Menschen nickten mir zu,-- unmerklich, sie schlossen zustimmend die Augenlider. Und darauf wollte ich sagen:„ Das dürft Ihr nicht tun. Ihr müßt mir nicht zustimmen. Ihr verratet Euch ja!"-- Das Lager Dachau stand vor meinen Augen, ich stand in Reih und Glied. Ich sah die mißhandelten Kameraden,-- die,-- weil sie durch eine kleine Bewegung ihren Abscheu verraten hatten. Ich wollte es sagen, aber ich schwieg! Ich hielt es für besser. Es konnte doch sein, dafAber durch meine Worte war eine Bewegung entstanden! Wir wußten, dah wir noch lebten. Und damit setzte unser Denken wieder ein. Wir stapelten unser Gepäck. Wir setzten uns darauf. So gewannen wir Platz. Auf einer Seite des Wagens befanden sich nun die Frauen und auf der anderen Seite die Männer. Vielleicht währte die Fahrt mehrere Tage. Da hief es" haushalten" mit den uns noch verbliebenen Kräften. Durch die immer schlechter gewordene Luft bekam eine Frau Herzanfälle. Ich erkannte in ihr eine Frau aus meiner Heimatstadt.-- Konnte ich denn noch von einer Heimat sprechen?-- Helfen konnten wir der Frau nicht, denn uns standen weder Arzneimittel zur Verfügung, noch konnten wir mit dem Wasser verschwenderisch umgehen. Nach und nach erkrankten noch 75 mehrere Leidensgenossen. Unsere einzige Hilfe bestand in tröstenden Worten, in ermunterndem Zuspruch. Seit zwei Tagen waren wir schon unterwegs. Niemand kümmerte sich um uns. Wir erhielten kein Wasser und keine Verpflegung. Und unsere geringe Reiseverpflegung war schon längst dahin. In Frankfurt am Main war es. Der Zug hielt. In einer Entfernung von einem Meter von uns stand ein Brunnen. Ich stand an der Luftklappe. Ein älterer SS.- Bewachungsmann ging vorüber. Da bat ich, ob er mir nicht ein wenig Wasser geben wolle, für die Kranken, und auch für uns. Was aber fat er? Er brüllte mich an:" Geh zurück, Du Sauhund, oder ich schieße! Verreckt ohne Wasser, das ist gescheiter!" Wie ein Wahnsinniger gebärdete sich der SS.- Bandit dabei. Mehrere Frauen und Männer versuchten, mich zurückzuziehen. Sie waren ängstlich. Ich aber war von diesen Worten gar nicht betroffen, denn ich kannte die„ Herren" ja.-- Die„ Herrenmenschen",- wenn sie mit Gewehr und Revolver, mit Gummiknüppel und Dolch ausgerüstet waren. Der Zug fuhr weiter in Richtung Osten". Wir redeten von Polen, als wäre uns allen Polen gut bekannt. Die Luft wurde immer schlechter. Das Fürchterliche an dieser Fahrt aber war die Verrichtung menschlicher Bedürfnisse. Hieran denke ich immer mit Ekel zurück. Wir mußten jede Scham fallen lassen,-- eine solche Empfindung" konnten wir uns nicht mehr leisten. Was konnten wir, was" mutten" wir tun?- Wir mußten den Kübel, in dem sich unser Trinkwasser befunden hatte, als Abort benützen und mußten ihn in die Mitte des Wagens stellen, damit er von jedem erreichbar war. п Ich schreibe diese Zeilen voll Abscheu und Ekel. Aber, ich muß sie schrei-. ben. Sie müssen der Nachwelt als die„ Kultur der Nazis" erhalten bleiben. Es ist wirklich nicht Sadismus zur Schweinerei, was mich zum Schreiben dieser Zeilen zwingt. Es ist nicht nur ein Wille,-- Gerechtigkeit zu fordern. Wir konnten den Kübel aber auch nicht ausleeren. Als dann jedoch der Gestank immer entsetzlicher wurde, da nahmen wir ein Kochgeschirr, das ein Leidensgenosse zur Verfügung gestellt hatte,-- leerten den Kübel wohl in der Annahme, er bedürfe seiner nicht mehr,- und dann das Kochgeschirr durch die schmalen Luftklappen. Es geschah off genug, daß der Wind den Inhalt wieder zurück warf. -- Die Zustände wurden immer schrecklicher, immer himmelschreiender, wähnach Osten! rend unser Zug unaufhaltsam vorwärts rollte, Schon befanden sich zwei Tote unter uns. Wir mußten sie sitzen lassen, wie sie gestorben waren. Zum Ausstrecken der Leichen war kein Platz vorhanden. Eine alte Frau war irrsinnig geworden. Die machte das Elend noch größer. Sie setzte sich auf den Abort- Kübel", holte den Kot heraus und beschmierte sich damit Gesicht und Kleider. Wir aber hatten kein Wasser, sie zu waschen. Drei Tage dauerte die Fahrt bereits. Der Zug hielt. Es war in der Gegend von Leipzig. Ein jüngerer SS.- Held ging an unserem Wagen vorbei. Es war ein Unterscharführer. Ihm sagte ich, daß wir zwei Tote und eine Verrückte im Wagen hätten, und ich bat ihn, den Wagen zu öffnen. Höhnisch lächelnd erwiderte er mir:„ Eine Verrückte?-- Schlagt sie doch tot!-- Und wegen zwei Leichen mache ich den Wagen nicht auf. Wenn einmal die Hälfte von Euch tot ist, dann läßt sich darüber sprechen!" Was sollten wir dazu sagen?-- Sollten?-- Durften wir überhaupt etwas sagen? 76 Der Z Es war hinausg Die b immer e Je me wenige steter K ein, wir Räder a Unterga Am v hatten leidend Mann h nach ein Glaub Klingen Und wollte, es würd Acht mit vor Wir e Teil des dazwisc fesseln. 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Es war ein steter Kampf um diese Plätze an den Klappen. Wir sogen die kalte Luft ein, wir füllten uns voll. Wir lebten von Sauerstoff und Kohlensäure. Die Räder aber rollten. Sie rollten für den Untergang und führten uns dem Untergang entgegen. Am vierten Tage hatten wir weitere sechs Tote zu beklagen, zwei davon hatten einen Herzschlag erlitten, drei andere Leidensgenossen, Asthmaleidende, waren im wahrsten Sinne des Wortes erstick t", ein junger Mann hatte heftige Schmerzen am Blinddarm bekommen. Und auch er war nach einer Stunde unter fürchterlichen Qualen verschieden. Glaubt Ihr mir denn, liebe Leser?-- Klingt es nicht wie ein Greuelroman? Klingen meine Worte nicht unglaublich?-- Und doch ist es nur die reine Wahrheit! Ach, wenn ich alles so schreiben wollte, wie ich es erlebt habe, wie es meine Leidensgenossen erlebt hatten, es würde ein Roman in vielen Fortsetzungen werden. Acht Tote saken zwischen uns Lebenden. Stumm und starr, stierten uns mit vorwurfsvollen Blicken an,-- und hielten die Lippen geschlossen. Wir entschlossen uns, die Toten aufeinanderzustapeln. Wir machten einen Teil des Wagens dafür frei. Die Verrückte schrie und schlug unaufhörlich dazwischen. So sahen wir uns gezwungen, sie an Händen und Füßen zu fesseln. Langsam nur schwanden die Stunden. Die Nächte aber wollten überhaupt kein Ende nehmen. Der fünfte Tag unserer Vernichtungsfahrt war herangekommen. An den Bahnhofsschildern lasen wir polnische Namen. Also befanden wir uns auf polnischem Boden. Der Zug hielt jetzt oft bis zu zwei Stunden. Schrecklich war das Warten. Die Stunden verstrichen wie Tage.- Es war gegen zehn Uhr abends. Die meisten Wageninsassen waren vor Erschöpfung eingeschlafen. Auch ich. Da wurde ich plötzlich von einem Schrei wach:" Ich glaube, da drüben ist das Lager!" Im Nu war ich auf, ich schaute durch das Guckloch und rief: Ja, das ist das Lager!" Der Himmel war hell von Scheinwerfern. Außerdem erstrahlten viele Lampen, die an weißen Betonstangen angebracht waren. Und darunter verkündete silbern glitzernd der Stacheldraht die Grenze des Lagers. Ich empfahl meinen Leidensgenossen, alles zum Aussteigen fertig zu machen, und,-- wenn sich die Waggontüren öffneten, sofort hinauszuspringen. Ich hatte meine Erfahrungen. Ich wußte Bescheid von Dachau her. Und, wie ich gedacht!-- Kurz darauf verringerte der Zug sein Tempo. Schon wurden die Plomben an den Türen entfernt.-- Der Zug hielt. Ein schriller Pfiff hallte durch die Nacht. Die Türen wurden aufgerissen. 77 Konzentrationslager Auschwitz" Ankunft Wie ich erwartet hatte, so geschah es. Die SS.- Banditen sprangen wie Tierbändiger mit Peitschen und Vollgummikabel in die Waggons. Mit ohrenbetäubendem Gebrüll schlugen sie im Dunkel auf uns Wehrlose ein. Zugleich stießen sie uns mit den Füßen aus dem Waggon hinaus. Die Schreie der Frauen und Männer vermischten sich mit dem Klatschen der Schläge. In diesem Tumult traten einige Wageninsassen daneben, sie fielen kopfüber auf die Gleise und blieben tot liegen. Es waren die ersten Opfer der Begrüßung". Unerbittlich schlugen diese SS.- Bestien weiter auf Frauen und Männer ein. Schreien, Heulen, Rufe. Es war an unserer Ausladestelle dunkel. Wir wurden ja nicht an einer Rampe ausgeladen. Dazwischen hörten wir Gewehrschüsse. Einige Meter hinter uns lagen Scharfschützen im Anschlag. Ganz plötzlich ertönte ein Lautsprecher. Für wenige Sekunden herrschte Totenstille. Wie„ Waffenruhe!" „ Alle Koffer liegen lassen. Die Mäntel ausziehen!" verkündete eine höhnisch klingende Stimme. Vor meinen Augen stand wie im Nebel eine grinsende Fratze,-- bestialische Augen schauten mich an. Kaum aber war dieser Befehl verkündet, wir waren noch dabei, die Mäntel auszuziehen, da hagelten erneut Schläge auf uns herab. Wollt Ihr die Mäntel ausziehen!", brüllten die Bestien. Und immer wieder Schläge und dazwischen das Knattern der Gewehre. * In Fünfer- Reihen aufstellen. Frauen rechts. Männer links!" ertönte es wieder durch den Lautsprecher. Männer und Frauen rannten durcheinander, stießen sich, fielen hin, standen wieder auf.-- Und rannten weiter, um sich aufzustellen. „ Ja, steht Ihr noch nicht?", erscholl es nach kaum zwei Minuten. Ihr Mistvolk! Ihr Kriegsverbrecher!" Diesen Ruf aus dem Lautsprecher benützten die SS.- Banditen, um„ be- fehlsgemä" jeden der armen Leidensgenossen zur Eile" anzutreiben. Wie? Erlaßt es mir, das zu beschreiben.-- Ueberall blutbeschmutzte Gesichter und Hände,-- schlaff herunterhängende Arme und baumelnde Beine. Während dieses Gemetzels standen sicherlich die Kommando- Stellen am Lautsprecher und poltierten noch über zu große Milde", über , viel zu viel Entgegenkommen". Die Geschlagenen brüllten. Von Schreien konnte man nicht mehr sprechen. Auch mich hatte es erwischt. Ein Vollgummikabel prasselte auf meinen Kopf, und einige Streifschläge landeten auf meinem Rücken. Ich glaubte, mein Schädel sei gespalten. Ich stolperte und drohte, zu fallen. Aber ich bik auf die Zähne und rif mich erneut zusammen, denn ich wußte, hinzufallen bedeutete den Tod. Dann standen wir in„ Fünfer- Reihen". Frauen links, Männer rechts. Um uns herum Tote. Die Armen, die sich vor Schmerzen noch lebend auf dem Boden herumwältzten, erhielten die letzten schweren Schläge. Unbewußt übten die SS.- Bestien Gnade aus, indem sie die, no ch" Lebenden töteten. Für manchen Leidensgenossen war es eine Gnade, diesem Leben zu entgehen. Aber von ihrer Gnade" waren die SS.- Bestien nicht erschüttert, nicht seelisch erfaßt von ihrem Tun, sondern sie lachten darüber. Die Gnade 78 geht hä Aufstellu Der Her Ein A Wir hör Ganz unser Se dieser Z schmaler Voller S wunde Wievi Brustseit Mann?- ein jung fen in fie sichtig Zur Be Die Za den. Es werden. , evakuie auch hin Tote b durften hundert fahren. E Wir ware heben und im zum Him ließen e strahlte ben, übe machten Der La ren und genannte schon sti schlug m sie riefen diese Ju reits ein ander. S und dem Mit ein gen wie † ohrenein. ZuSchreie Schläge. en kopfgeht häufig merkwürdige Wege. Dann war mit einem Male alles ruhig. Die Aufstellung war gelungen. Das„ Vieh" präsentierte sich in Reih und Glied. Der Herr Oberkommandierende konnte kommen. Ein Auto rauschte heran.-- Der Motor setzte aus.-- Das Auto hielt.-- Wir hörten das Zuschlagen einer Tür. nner ein. kel. Wir wir Gechlag. herrschte ne höhne grindie Män+ Ihr die age und Hönte es in, stanIhr Mistm, beutreiben. tzte Gede Beine. o- Stellen e", über prechen. meinen glaubte, Aber ich e, hinzuchts. Um auf dem noch" ade, die-schüttert, ie Gnade Todesurteil oder Versklavung Ganz plötzlich raubte uns ein riesiger Scheinwerfer einen Augenblick unser Sehvermögen. In demselben Moment wurden wir gezählt. Während dieser Zählung betraten ein dicker, rotbackiger, großer und ein blasser, schmaler, kleiner SS.- Mann, die unter dem Scheinwerfer befindliche Tribüne. Voller Stolz standen die beiden dort oben und lieben ihre Orden„ be- wundern". -- Wieviel Menschen mußten wohl getötet worden sein, um diese, die ganze Brustseite bedeckende Anzahl von Orden zu erhalten?-- Was war der Mann?-- Schlächtermeister en gros?-- Die Zählung war beendet. Da sprang ein junger Unterscharführer auf die Tribüne und meldete,-- die Hacken hatten in tiefster Unterwürfigkeit geknallt--" Ich melde gehorsamst, zur„ B e- sichtigung angetreten 1200 Häftlinge, 800 Männer, 400 Frauen". Zur Besichtigung oder zur Abtaxierung?" Die Zahl war um vieles geringer gegenüber der Abtransportzahl geworden. Es war ja auch nicht anders möglich. Es mußten Tote„ gemacht" werden. Das Lager war schon übervoll. Wo sollte man mit den vielen , evakuierten und aus Sicherheitsgründen zusammengetriebenen Menschen" auch hin? Tote brauchten nicht gezählt zu werden. Sie aben nichts mehr und bedurften auch keiner Behandlung mehr. Wir standen auf einer Wiese, einige hundert Meter vom Lager entfernt. Der Zug war inzwischen wieder abgefahren. Er hatte Platz gemacht für neue Transporte. Der Scheinwerfer strahlte. Wir waren für die Häuptlinge des Lagers, Aumeier und Schwarz, ein„ erhebendes" Bild. Hier standen 1200 rechtlose Menschen ohne Nichts,-- und im Lager dort drüben schleuderten drei riesige Oefen ihre Flammen zum Himmel. Schwarze Rauchwolken durchzogen die laue Sommernacht und liegen einen Geruch nach verbrannten Knochen zurück. Der Scheinwerfer strahlte und unter ihm standen die grausamsten Richter über Tod und Leben, über Freiheit oder Sklaverei. Die Richter warfen sich in Positur,-- sie machten sich bereit, Urteile zu fällen. Der Lautsprecher ertönte:" Sämtliche männlichen Personen bis zu 18 Jahren und über 50 Jahre links heraustreten!" Ein Durcheinander trat ein. Die genannten Jahrgänge schoben sich nach links hinaus. Ein Pfiff ertönte. Und schon stürzte die blutgierige SS.- Soldateska auf die Herausgetretenen und schlug mit Peitschen darauf ein. Ich sah Jungen im Alter von 8 und 9 Jahren, sie riefen:„ Mama, - Papa!" Auch auf sie hieben die Bestien ein. Man trieb diese Jungen und Männer nach einem kleinen Platz auf der Wiese, wo bereits eine Anzahl Männer und Kinder lagen. Tote und Lebende durcheinander. Sie schienen sich schon seit Tagen dort zu befinden.-- Dem Tode und dem Verderben ausgeliefert. -- Mit einem erneuten Pfiff stellte die SS. ihre belebende" Tätigkeit ein. 79 Lächelnd, eine Hand in der Tasche, in der anderen Hand eine Zigarette, so standen die beiden Häuptlinge, die Millionen von Menschen auf dem Gewissen haben,-- wahre Verbrechergestalten,-- vor uns. „ In Fünfer- Reihen vortreten", brüllte es durch den Lautsprecher. Jetzt begann die Arbeit der Häuptlinge. Sie traten zu uns heran und fragten jeden Einzelnen in rascher Folge:" Wie alt?-- Gesund oder krank?" Alle Leidensgenossen, die ein Gebrechen hatten, oder wirklich krank waren und sich im Glauben, in Behandlung zu kommen,„ krank" bezeichnet hatten, wurden zu den Alten, auf dem Wiesenboden liegenden Leidensgenossen geschickt, nachdem man ihnen zuvor noch einen Schlag mit der Peitsche über den Kopf gegeben hatte. Die„ gesund" geantwortet hatten, wurden mit kurzem Fingerzeig und einem Trift ins Gesäß nach rechts" geschickt. Gleich zu Beginn wurde ich gefragt.„ Gesund", brüllte ich zurück und lief sogleich rechts hinaus. Dennoch erhielt ich einen derart heftigen Tritt in den Hintern, daß ich vier Tage lang nicht imstande war, meine Bedürfnisse zu verrichten. Tretend, schlagend und brüllend stellte man uns wieder zu „ Fünfen" auf. Darnach kamen die Frauen an die Reihe. Die unter 18 Jahre und über 50 Jahre alten Frauen mußten rechts" heraustreten und wurden gleich auf einen bereitstehenden Lastwagen verladen. Selbstverständlich unter entsprechender Belebung der SS. In diesem neu entstandenen Rummel erblickte ich plötzlich, als sei mir ein schützender Engel erschienen, fünf Meter von mir entfernt,-- im Lichte des Scheinwerfers,-- meine Mutter. Die Beschützerin meines Lebens. Mit anderen Frauen ging sie Arm in Arm, hocherhobenen Hauptes, an mir vorüber. Beim Besteigen des Wagens hatte sie mich erblickt. Sogleich hob sie ihren Arm und mit geballter Faust, die sie unter das Kinn hielt, rief sie: Rolf, Kopf hoch!"-- Unter Tränen, die mir aufstiegen, meine Mutter so schutzlos der Roheit überliefert zu sehen, mußte ich lächeln.-- п Kennt Ihr ein solches Lächeln, ein Lächeln im Schmerz? Ja, liebe Mutter", flüsterte ich,„ Kopf hoch!" Dann verschwand sie im Gewühl der auf den Wagen geworfenen Frauen.-- Und trotz aller Wehmut war ich glücklich. Ich hatte meine Mutter noch einmal gesehen. Es war mir ein gutes Zeichen, als wollte mir der Himmel sagen:„ Behalte Mut". In diesen fürchterlichen Minuten, die über Tod und Leben entschieden, war sie ein Bote des Glücks im tiefsten Elend. Und ihre Worte wurden mein Gelöbnis. Rolf, Kopf hoch!"-- Ja, komme, was kommen mag,--„ Kopf hoch!" Als ich diese Zeilen schrieb, waren es gerade drei Jahre her, daß ich von meiner Mutter getrennt wurde. Nicht ahnend, was uns bevorstand. Aber ich sehe sie noch heute vor mir, ich sehe ihre Lippen, das schmerzerfüllte Lächeln, das plötzlich aufstrahlende Auge. Und ich höre ihre Worte, die mir Gelöbnis wurden. Die Wagen mit den Frauen fuhren ab. Die Besichtigung", oder besser gesagt„ Taxierung", ging weiter. Bei den Frauen hatte man nicht so genau geschauf und taxiert. Ganz egal, ob gesund oder krank, waren sie später auf leerstehende Wagen gedrängt. Wir wurden noch einmal gezählt. " Mützen ab!", ertönte ein neuer Befehl. Es war, als ob jedes Wort verhallend durch die schwere nach verbrannten Knochen riechende Luft walle. Und nochmals wurden die gesunden Männer und die noch ganz gesunden" Frauen, die zurückgeblieben waren, gezählt. Den beiden Häuptlingen wurde abermals Meldung erstattet:„ Herr Hauptstandartenführer, ich 80 60 melde ins Lag Dami deten s fergebe geleiste Darau tete ste hieben, gesund Es wa erprobt uns,- beim G schen u seinen S tödliche Nur n wurden obachte lung vo unserer Ein z Gequält wahr ist gen, um dann ei Wir w uns. Der lampen Lagerpf Dachau Und j sation, Gewalt uns als begann abgenor Im La herrsche der NSV stände a Und was Leiche sten von verlasser den der 6 Ligarette, auf dem er. Jetzt fragten k?" Alle k waren ezeichnet Leidensmit der artet hatrechts" I und lief tt in den fnisse zu ieder zu und über gleich auf nter ents sei mir im Lichte bens. Mit mir vorhob sie rief sie: Mutter so melde gehorsamst: ins Lager". 233 Männer und 80 Fauen angetreten zum Abmarsch Damit war die„ Besichtigung" beendet. Die Massenmörder verabschiedeten sich mit einem Händedruck unter höhnischem Lachen von ihren Unfergebenen, nachdem sie diesen zuvor ihren gönnerhaften Dank" für die geleistete Arbeit ausgesprochen hatten und stiegen in ihr Auto. Darauf ein neuer, schriller Pfiff. Wir zuckten zusammen. Ein Pfiff bedeutete stets den Beginn neuer Mißhandlungen. Und richtig. Unter Peitschenhieben, Triften und Schlägen marschierten wir unter Vorantritt der„ ganz gesunden" Frauen ins Lager. uns,- -- Es war dieselbe Methode wie bei meiner Einlieferung in Dachau. Genau erprobt. Nach vorher erfolgter programmatischer Einstudierung. Man jagte man hieß uns langsam" gehen. Man schlug uns beim Laufen und beim Gehen. Und die schwarzen Banditen sprangen wie wilde Tiere zwischen uns herum. Ein Leidenskamerad, der aus der Reihe getreten war, um seinen Schuhsenkel neu zu binden, erhielt wegen Fluchtverdacht" die tödliche Kugel. Lautlos sank er zusammen. 11 Nur noch 800 Meter frennten uns vom Lager. Wir liefen, wir gingen. Wir wurden geschlagen und getreten. Wie manches Mal hatte ich als Kind beobachtet, wenn Tiere zum Schlachthof geführt wurden! Ach, diese Behandlung von damals glich einer übertriebenen„ Humanität" gegenüber unserer„ Belebung". Ein zweiter Schuß.-- Ein dritter Schuß. Und jeder Schuß raubte einem Gequälten das Leben. Wieder entschwebten zwei Seelen. Ach, wenn es wahr ist, daß sich die Seelen der Verstorbenen zu einem Konvent vereinigen, um über ihr Leben Bericht zu erstatten,-- wieviel Vergeltung müßte dann einmal gefordert werden! d sie im ler Wehn. Es war Ite Mut". eden, war mein Gepf hoch!" ■ ich von Aber ich erzerfüllte Worte, die r. Bei den al, ob geEngt. Wort verLuft walle. anz geen Häuptnführer, ich Einkleidung und Registrierung Wir waren im Lager. Scheinwerfer strahlten uns entgegen. Sie blendeten uns. Der mit 5000 Volt geladene Stacheldraht schillerte silbern. Die Kontrolllampen verkündeten, daß die Höchstspannung eingeschaltet war. Ueber der Lagerpforte stand in großen Buchstaben:" Arbeit macht frei!"-- Wie in Dachau auch. Und jetzt, innerhalb des Lagers, befanden wir uns jenseits aller Zivilisation, waren wir von allen Menschenrechten erledigt. Hier ging die rohe Gewalt ständig um uns herum.-- Wir marschierten nach einem Block, der uns als Wohnung" zugewiesen worden war. Gleich nach dem Eintreffen begann die Plünderung". Den Verheirateten wurden sogar die Eheringe abgenommen, was man in Dachau nicht getan hatte. Im Lager Auschwitz schien also eine größere Gier nach Edelmetallen zu herrschen. Wie später verkündet wurde, sollten die Gold- und Silbersachen der NSV. zur Verfügung gestellt werden, um von dem Erlös dieser Gegenstände alten Frauen und Männern eine Sonderunterstützung zu geben. Und was war es in Wirklichkeit?-- Nennen wir es beim richtigen Namen. Leichenfledderei!-- Nichts als gemeine Leichenfledderei, denn den meisten von uns war es klar, daß wir dieses Lager lebend nicht wieder verlassen würden. Und wieviel kostbare Wertgegenstände sind in den Händen der SS.- Banditen geblieben? 6 81 Staff eines Bades erhielten wir Schläge. Unter den Tritten der SS.,-- wozu sich die spitzen Marschstiefel ganz besonders eigneten,-- mußten wir unsere Kleider abgeben und bekamen dafür die blauweißgestreiften Häftlingsanzüge. Drei Stunden hatten wir nackt auf die Häftlingskleidung und Schuhe warten müssen. Darauf wurden wir in dunkle Baracken geführt. Hier bot sich den SS.- Bestien erneut Gelegenheit, ihre Hand- und Fußstärke zu beweisen. Man trat und schlug uns, bis das Blut strömte". Die Roheit ging soweit, die hingefallenen Kameraden ins Gesicht zu treten. Taschenlampen, die aufflackerten, ließen uns lange Holzgestelle erkennen, die an Kaninchenställe erinnerten. Jeweils vier solcher Ställe befanden sich übereinander, sie waren 1 Meter breit und 80 Zentimeter hoch und besaßen eine Tiefe von 1.80 Meter. In diese Ställe stief" man uns hinein und rief dabei:„ Immer fünf Schweine in einen Stall!" Wir stießen uns, wir lagen zusammengepreßt,-- ohne Stroh, ohne Decke. Aus Schwäche von dem Blutverlust schlief ich ein. Kaum eingeschlafen, es war gegen vier Uhr morgens, wurden wir mit Hundepeitschen aus den Ställen herausgetrieben. Wir erhielten den üblichen Lagermorgengruß: Schläge. Wir mußten uns an den Holzgestellen festhalten, um nicht zusammenzubrechen. , Appell!", schrien die Banditen. In wenigen Minuten waren wir zählbereit angetreten. Unser Block war der sogenannte„ Zugangsblock". Jetzt ging es zum Schreib block". Dort wurden unsere Personalien aufgenommen, wobei man sich ganz besonders nach Adressen von Angehörigen im Ausland erkundigte, um diesen Angehörigen„ eintretendenfalls" unseren Tod mitteilen zu können. So sagte man uns und lachte dabei zynisch. In Wirklichkeit wollten diese Bestien, deren Auftrag von Hitler und Himmler ja war, uns Juden zu vernichten, nur die Adressen haben. Gleich nach Kenntnis solcher Anschriften wurden die geheimen Gestapo"-Beamten dieser Länder zum Bericht über wie, wo oder was aufgefordert. Und es währte nicht lange, dann befanden sich auch diese Angehörigen in einem Vernichtungslager". 17 " Zwei Stunden mußte ich warten. Dann kam auch an mich die Reihe. Ich nannte keine Angehörigen. Ich erhielt die Häftlingsnummer 59000. Durch Tätowierung wurde diese Nummer auf meinem linken Unterarm festgehalten. Unbarmherzig roh stach man in den Arm hinein. Dann go man ein klein wenig Benzin darüber,--„ zur Desinfektion" sagte man. Als meine Tätowierung beendet war, sagte ein neben mir stehender Oberscharführer zu mir:„ Na, Du Schweinehund, Du hast vielleicht Glück mit dieser geraden Zahl. Vielleicht kommst Du noch einmal aus dem Lager heraus!"- Vielleicht, dachte ich.-- Dann aber versetzte er mir einen heftigen Tritt. Meine Personalien waren damit aufgenommen. Als ich mich wieder draußen bei meinen Kameraden aufgestellt hatte, kam ein kleiner Junge zu uns, von denen man nur wenige zu Läuferdiensten am Leben lief. Dieser Junge war ein tschechischer Jude. Er sah älter aus, als er es sein konnte. Auch in dieses Kindergesicht waren schon die Runzeln eingezeichnet. Ein Kind mit dem Gesicht eines Greises. Der Junge fragte uns, ob wir denn wüßten, wo unsere Eltern und die kranken Kameraden seien. „ Nein", antworteten sogleich viele durcheinander," wir wissen ja noch nicht einmal, in welchem Lager wir uns befinden." Π Da sah uns der Junge groß an und sagte: Ihr befindet Euch hier im Vernichtungslager Auschwitz. Dieser Teil heißt Birkenau. Und dort drüben", 82 dabei ze Baracken Verni Lager he tungslage Und m fort: Un lieben G menden Wir wa Junge ge mit dem gleichen ausgebro Ich bin s Also h von Schm dachten an unsere so lange man doch Und gest sie lebter hörte ich Ich star mit einem In mein mir, als v meiner M Worte hi Sie soll Sie war i mir werde gen.„ Au Ein gan ein ganz klammert. Ich sah de die zwisch tönte flott Das sin Menschen den wiede Der Junge Kind noch Seher, ein ein Kind weich sein brutal mu solcher Ru ohne Fur Lebensmu 6* SS.,-- womußten wir eiften Häftsidung und eführt. Hier ufstärke zu Die Roheit n. Taschenmen, die an sich übernd besaßen ein und rief ohne Decke. schlafen, es en aus den orgengruf: icht zusamr zählbereit o ck". Jetzt aufgenomehörigen im Is" unseren zynisch. In nd Himmler Gleich nach o"-Beamten erf. Und es en in einem e Reihe. Ich 9000. 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Der aber nickte nur mit dem Kopfe.-- Und erst nach einer Weile, als sich bei uns bereits die gleichen Verzweiflungsszenen abspielten, die bei unserer Abfahrt von Paris ausgebrochen waren, sagte der kleine Junge:" Es ist wahr, was ich sage. Ich bin schon lange hier". Also hier wütete der Tod!-- Hier ging das Verderben um! Wir waren von Schmerz erstarrt. Und doch liefen uns Tränen die Wangen hinab. Wir dachten nicht daran, was also uns bevorstand,-- nein, wir dachten zuerst an unsere Angehörigen, denn wir lebten ja noch.-- Und vielleicht!-- Ach, so lange man nur einen Funken Lebensmut in sich verspürt, so lange hofft man doch. Aber unsere Angehörigen, die sollten jetzt schon tot sein?-- Und gestern lebten sie noch!-- Sie lebten, aber es war kein Leben, das sie lebten. Auch meine Mutter?-- Sollte auch sie?-- Rolf, Kopf hoch!", hörte ich sie wieder sagen. П Ich starrte zum Himmel.-- Ich sah in den dicken schwarzen Rauch. Und mit einem Male verspürte ich wieder den ekelhaften, widerlichen Geruch. In meinem Schmerz hörte ich nicht, was um mich herum vorging. Es war mir, als wäre ich mitten in der Welt ganz allein, und als ob ich leise mit meiner Mutter spräche, als ob uns der Wind verbände und ihre und meine Worte hin- und hertrüge. Sie sollte tot sein?-- Das war doch unmöglich! Ich brauchte meine Mutter. Sie war immer meine Beschirmerin gewesen.-- Was sollte denn dann aus mir werden?-- Aus mir? Dick und fett standen die Worte vor meinen Augen. ,, Aus mir!" Dann war ich ja jetzt ganz allein! Ein ganz feiner Windzug strich an meinen Ohren vorüber. Ich vernahm ein ganz leises Säuseln. Meine Tränen liefen. Ein Kamerad hatte mich umklammert. Ach, Rolf", sagte er nur. Aber diese zwei Worte weckten mich. Ich sah den kleinen Jungen an. Der aber deutete auf die kleinen Häuschen, die zwischen den hohen Schornsteinen hervorlugten. Von dort herüber ertönte flotte Marschmusik. " Das sind die Gaskammern", sagte der Junge, dort hinein führt man die Menschen. Und dann kommen sie ins Krematorium. Eben gerade jetzt werden wieder viele Menschen hineingeführt, denn wenn die Musik spielt--". Der Junge brach ab. Hatte denn der Junge diese Worte gesprochen, dieses Kind noch? Wohnte in diesem Kinde der Geist eines Alten? War er ein Seher, ein Verkünder?--„ denn wenn die Musik spielt-- 1" Wenn schon ein Kind die Roheit empfindet, die Bestialität verspürt.-- Und fein und weich seine Worte unterbricht, um uns nicht zu quälen.-- Wie roh und brutal mußten die SS.- Bestien mit dem Jungen umgegangen sein, daß er mit solcher Ruhe und solchem Empfinden sprach. Und überhaupt mit uns sprach, ohne Furcht zu empfinden! Hatte denn auch dieser Knabe schon allen Lebensmut ver! oren? Ich schaute noch einmal in seine großen, trüben Augen, 6* 83 ich sah die welken Züge um Mund und Nase.-- Armes Kind!-- Als Kind schon ein wissender Greis! Der Junge ging fort. Die Musik spielte weiter. Kerzengerade stieg der dunkle Rauch zum Himmel empor. Verwesungsgeruch lag in der Luft. Wir konnten die Worte nicht fassen. Unser Hirn war zu klein.-- Wir standen verzweifelt zusammen. Warum aber kam jetzt keine SS.- Bestie und vertrieb uns unseren Schmerz? Waren wir denn nicht beobachtet? Was war denn los? Es hagelten doch sonst bei jedem Weheruf Schläge auf uns herab. War dieses eine neue Art der Quälerei? Weideten sich diese Hitler- Bestien an unseren Blicken,-- dem Rauche nach? War der Junge beauftragt, uns dieses Leid zuzufügen? Nein! Das konnte nicht sein. Ich glaubte doch an Gott. Und Gott kann doch solches Leid nicht zulassen. Aber! Frühe genug, kurze Zeit später, wurde ich Zeuge dessen, was uns der Junge erzählt hatte. Und dann wußte ich es bestimmt, daß wir uns im Vernichtungslager" Auschwitz befanden. Gaskammern, Massengräber und Krematorium Die Todesfabriken Im vorletzten Kapitel schrieb ich, daß die bis zu 18 Jahre und über 50 Jahre alten Männer und Frauen und diejenigen Leidensgenossen, die sich als„ krank" gemeldet hatten, rechts und links aus den Fünferreihen heraustreten mußten. Jetzt will ich beschreiben, was mit diesen Menschen geschah. Die auf die Autos geworfenen Frauen, was später auch mit den„ ausrangierten" Männern geschah, wurden im Lager in einem„ Spezialblock" zusammengelegt. Jeder mußte die üblichen Fragen nach Namen, Geburt usw. beantworten und wurde ganz besonders nach Anschriften seiner im Auslande lebenden Angehörigen befragt, um, im Falle--. Na, es ist schon bekannt. Die Häftlinge erhielten Nummern, doch wurden weder deren Personalien noch deren Nummern irgendwie verzeichnet. Dann wurden sie zum„ Baden" geführt. Ganz natürlich freute sich jeder Häftling auf ein Bad, denn nach der langen Bahnfahrt war ein Bad dringend erforderlich. Jeder Häftling, so geschah es wenigstens am Anfang, erhielt ein Handtuch und ein Stück Seife. Und dann wurden sie in einen großen Duschraum geführt. Diese Duschräume waren 20 Meter im Quadrat und waren mit vielen Brausen versehen. Hier hinein wurden 400 bis 450 Häfflinge getrieben. Es gab auch Badekabinen für je 5 Personen, doch diese kamen für gewöhnliche Sterbliche" nicht in Frage. Wie schön paßt dieses Wort, so brutal es auch klingen mag, hierher. Also 400 bis 450 Häftlinge wurden in einen Duschraum zusammengetrieben. Und damit dieses schnell ging, nahmen die SS.- Bestien die Gewehrkolben zu Hilfe. So geschah es, daß die ersten, die in den Raum hineingingen, von den Nachfolgenden erdrückt wurden,-- und die letzten, die 84 nicht meh dem Gew sagten die Freudes SS.- Helder teten die Mit quä dieser Hit werden, u Male ein kein Laut um aber d Statt de zischendes Sieben Mi der Unglü waren einf kein Platz sichtern zu Wer so verzerrung durch die Sensible F müssen sta Wenn d derkomma Namen H ling war d erkennen ihres Le konnten si Dann aber lingen ist leben, nich sie wollte sie alle ein Dann öf Raumes. Z waffnet mi Opfern das Es gab noch nicht des schwer den Mund Andere Haare wur sollte aus Die näch chen sich n Edelmetallz Dabei al biolog biologische -- Als Kind Verwesungslein.-- Wir .- Bestie und et? Was war ■ f uns herab. itler- Bestien auftragt, uns Gott kann dessen, was daß wir uns re und über enossen, die Fünferreihen en Menschen den ausSpezialmach Namen, hriften seiner -. 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Statt des erfrischenden Wassers drang aus den Brausen ein ganz feines, zischendes Geräusch.-- Ganz leise. Schschschsch!-- Das totbringende Gas. Sieben Minuten lang.-- Dann war alles Leben dahin. Aber bis das Leben der Unglücklichen beendet war, es dauerte" nur" sieben Minuten,-- es waren einfach unbeschreibliche, entsetzliche Qualen. Obwohl zum Umfallen kein Platz mehr war, brachen die Opfer nach und nach mit verzerrten Gesichtern zusammen. Ein Todeskampf.-- Aber jeweils ein Heldenkampf. Wer so etwas erlebt hat, gesehen hat, kann die Zuckungen, die Angstverzerrung, das Atemholen, nicht vergessen. Die SS.- Bestien aber schauten durch die Gucklöcher und weideten sich, lachten und scherzten dabei. Sensible Frauen sollten sich so etwas nicht ausmalen. Und auch die Männer müssen stark sein, wenn sie so etwas erlebt haben und sich erinnern". Wenn das„ B a den" beendet war, begann die Arbeit der zu einem Sonderkommando zusammengestellten Häftlinge. Dieses Kommando trug den Namen„ Himmelkommando". Jedem hierzu herangezogenen Häftling war die Lagernummer auf die Stirn tätowiert", damit er sogleich zu erkennen war. Diese erhielten die beste Verpflegung für die Dauer ihres Lebens".-- Für vier bis sechs Wochen. Mit dieser Lebenszeit konnten sie nach Eingruppierung in das„ Himmelkommando" rechnen.-- Dann aber wurden auch sie gebadet-- vergast". Von diesen Häftlingen ist niemand mehr am Leben. Sie sollten" nicht mehr länger leben, nicht später davon zeugen können, aber ich bin mir darüber klar, sie wollten" auch nicht mehr leben. Es wäre anzunehmen gewesen, dak sie alle einmal in geistige Umnachtung gefallen wären. " Dann öffnete das Himmelkommando' die schwere Tür des„ Dusch"- Raumes. Zwei Häftlinge holten die Leichen heraus. Ein Dritter stand bewaffnet mit einer schweren Holzkeule bereit, den etwa noch zuckenden Opfern das Hirn zu zerschmettern. Es gab Leidensgenossen, die auch nach sieben Minuten der Vergasung noch nicht ganz" tof waren, die sich heldenhaft gegen die Einatmung des schweren Giftes gewehrt hatten. Es wäre besser gewesen, sie hätten den Mund sofort weit geöffnet. Andere Häftlinge griffen die Leichen und schnitten die Haare ab. Diese Haare wurden sofort in Säcke verpackt und nach Berlin geschickt. Dort sollte aus den Haaren neues Gift verfertigt werden. Die nächsten Häftlinge wieder hatten die Aufgabe, die Finger, an welchen sich noch Ringe befanden, abzuschneiden, und die Gold- und anderen Edelmetallzähne mit Zangen aus dem Gebiß zu entfernen. Dabei aber stand ein Häftlingsarzt, der darauf zu achten hatte, daß biologisch wertvolle" Leichen, wie Krüppel usw., dem rassenbiologischen Institut in Auschwitz zugeführt wurden. 85 Waren alle diese Arbeiten beendet, dann trat das„ Rollkommando" an. Die Leichen wurden je zu 20 bis 30 auf bereitstehende Loren geworfen, die im Laufen auf Schienen ins Feld geschoben wurden. Dort hatten Unterkommandos in schwerer Tag- und Nachtarbeit unaufhaltsam Gräber ausgeworfen, die häufig eine Länge bis zu 500 Meter und eine Breite bis zu 100 Meter aufwiesen. Die Loren wurden an die Löcher herangefahren, dorf wurden sie umgekippt. Auf Brettern rutschten alsdann die Leichen wie Ziegelsteine hinab. In den Löchern aber standen Häftlinge, die sich die Leichen in rascher Folge zuwarfen, bis sie zu dem Schichter kamen. Der aber stapelte dann eine Leiche auf die andere, oft so hoch, daß sie nach dem Zuwerfen der Gruben nur von 20 Zentimeter Erde bedeckt waren. Das Feststampfen der Erde wurde mit dem Ueberfahren durch schwere Lastkraftwagen ausgeführt. Hierdurch aber wurden die Leichen an vielen Stellen wieder aus dem Boden herausgedrängt. Dann fuhren die SS.- Banditen darüber hinweg. Die Leichen wurden zerrissen und die Erde wurde buchstäblich mit Blut getränkt. Unzählige Fliegen sammelten sich an. Das Wasser war verseucht. Es konnte nur noch abgekochtes Wasser getrunken werden. Off auch wurden die Gruben nicht gleich wieder zugeschüttet, weil nicht genügend Leichen vorhanden waren. Man wartete auf neue Transporte". Dann brachen, übermittelt durch die Aasfliegen, Infektionskrankheiten aus. Die Lagerverwaltung aber wußte sich zu helfen. Die Kranken erhielten ein Brausebad". So waren einmal in einem kleinen Unterlager von 1200 Häftlingen 150 an Fleckfieber erkrankt. Sofort ließ man alle 1200 Häftlinge vergasen. Das Lager aber wurde noch am gleichen Tage mit neuen Häftlingen belegt. Menschen spielten ja keine Rolle, und eine„ Epidemie" war bald geschaffen. Es war im Monat August. Transporte rollten am laufenden Bande heran. Wöchentlich 3 bis 4, und jeder Transport brachte 2000 bis 3000 Menschen herbei. Darunter 95 Prozent Juden mit Familien aus allen europäischen Ländern. Alle Baracken waren belegt. Es war kein Platz mehr. Noch nicht einmal zur Bestattung der Leichen war Platz,-- und um das Lager herum war auch nicht ein Fleckchen Erde mehr frei. Menschen aller Nationen und aller Religionen wurden hier verscharrt. Blutgetränkt war die Erde. Aber, es" mute" weitergemordet werden. Die Menschen mußten" verschwinden.-- Also, was fun? Da kamen die Helden von Auschwitz, Aumaier, Kramer und Schwarz, auf einen genialen" Gedanken. Sie„ mukten" doch Herr der Lage bleiben. Die Transporte rollten. Unter dauernden Schlägen der SS.- Banditen mußten die Häftlinge in wenigen Wochen vier Krematorien, drei„ Dusch"-Räume, zwei Vergasungsräume mit Gasanlage und einen Vergasungsraum für Gasbomben bauen. Jetzt konnten die Transporte kommen. Die Hochsaison konnte beginnen. Es standen ja 5 Krematorien und 3 Vergasungsräume bereit. " Jetzt sind wir gerüstet", sagten die Bestien. Nur 200 Meter von dem Frauenlager entfernt stand eine Vergasungszelle. Und,-- damit die Frauen auch nicht den geringsten Schrei vernahmen, wie zart und rücksichtsvoll diese Meisterbestien sein konnten.-- Darum mußte die Kapelle liebliche Lieder spielen. Es war alles auf das Modernste eingerichtet. Und es war alles zusammen. Bahnhof, Vergasungszellen, Krematorien und eine Chemische Fabrik. Die zur Vergasung bestimmten Menschen kamen vom Bahnhof unmittelbar in die Vergasungskammern. Die früheren Umwege über das Lager, die Aufnahme der Personalien, die überaus lästige Verpflegung,-- alles fiel 86 weg,-- Elektrisc sie fuhre Häftling gleiten. Die H und sein her zu werden. Neber kesseln. Zusatz fen", L Das w weil sie gleich, die nich Ja, Au zig Pro jedem heimen Element Transpo anderen schen K Ein L seine M Vaterlan Auschwi Ausch der früh von der lager un waren m arbeiten Werk" werk", w und Aus samte B in mehre dieses V schaft hi Die D trug run Frauenla die Met den we jedoch, mando" geworfen, Hen Unterper ausgebis zu 100 ren, dorf ichen wie e sich die . 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Dort hinein wurde die Asche geschüttet. Und so gewann man unter Zusatz der erforderlichen chemischen Mittel wohlriechende Seifen", Leim und Düngemittel. Das war das Ende von vielen, vielen Menschen. So endeten Menschen, weil sie Juden waren, Antifaschisten, Pfarrer oder Bibelforscher,-- ganz gleich, welcher Nation sie angehörten.-- Sie alle waren„ Saboteure", die nicht in die nazistische Front pakten. Ja, Auschwitz war das Vernichtungslager der Juden. Hier sind rund neunzig Prozent der vernichteten Juden überhaupt ermordet worden. Nach jedem Ueberfall auf ein fremdes Land war es die erste Arbeit der geheimen Gestapo" und der SS.- Bestien, die Juden und andere feindliche Elemente zu verhaften. Und wenige Tage darauf rollten Transporte über Transporte heran. So geschah es in Italien, Griechenland, Ungarn und in anderen Ländern. 1943 rollten auch Transporte von Zigeunern und russischen Kriegsgefangenen an. Umschulungsunterricht im Männerlager Ein Leitspruch Himmlers lautetet:„ Es gibt einen Weg in die Freiheit, seine Meilensteine heißen: Fleiß, Gerechtigkeit, Disziplin und Liebe zum Vaterland." Dieser Leitspruch war, wie in allen anderen Lagern, auch in Auschwitz in großen Steinbuchstaben zu lesen. Auschwitz liegt 40 Kilometer von der Stadt Kattowitz entfernt. Unweif der früheren polnisch- deutschen Grenze. Das Lager selbst war 10 Kilometer von der Stadt Auschwitz entfernt. Zum Hauptlager zählten noch 12 Zweiglager und fünf Grubenlager. Weitere Lager, die zum Hauptlager zählten, waren mit Häftlingen belegt, die bei Baufirmen oder in Rüstungsbetrieben arbeiten mußten. Der größte Betrieb für solche Zwecke war das, BunaWerk", in dem synthetischer Gummi erzeugt wurde. Es war ein„ Prachtwerk", wofür Hunderttausende von Häftlingen ihr Leben lassen mußten. Inund Ausländer waren mit dem Bau des Werkes beschäftigt worden. Die gesamte Bauzeit hatte zehn Jahre umfaßt. Die amerikanische Luftwaffe hatte in mehreren Angriffen das Werk zerstört. Somit war der Traum der Nazis, dieses Werk als eine der gewaltigsten Leistungen der nazistischen Herrschaft hinzustellen, ausgeträumt. Die Durchschnittsbelegschaft des Lagers Auschwitz mit Nebenlagern befrug rund 180 000 Frauen und Männer. Wohl waren die Männer- und Frauenlager von einander getrennt, aber man hatte doch genug Gelegenheit, die Methoden der weiblichen SS.- Wachmannschaften mitanzusehen, die an den wehrlosen weiblichen Häftlingen verübt wurden. Unmöglich war es jedoch, irgendein Gespräch mit einem weiblichen Häftling zu führen, oder 87 gar mit einer weiblichen Angehörigen aus dem Frauenlager zusammenzukommen. An dem Tage, von dem ich eben schrieb, waren von ehemals 800 männlichen Ankömmlingen noch 230 arbeitsfähige" Häftlinge angetreten. Die anderen waren bereits durch„ nazistische Hilfe" zur ewigen Ruhe abberufen worden. 230 Häftlinge hatten also noch ein Recht auf Leben und auf Arbeit. Bevor wir jedoch endgültig in ein Arbeitskommando eingereiht wurden, mußten wir einige Zeit auf Probe arbeiten, um den Beweis zu erbringen, ob wir fähig seien, für den deutschen Sieg" zu arbeiten. Wieder begann ein Tag. Es war vier Uhr morgens. Ein schriller Pfiff hallte durch das Lager. Und schon stürzt die SS., bewaffnet mit allerlei Schlaginstrumenten, auf unsere Betten und brüllte:" Was? Ihr Hunde seid noch nicht aus den Betten? Glaubt Ihr denn, hier wäre ein Sanatorium?" Das war unsere Morgenbegrüßung. Aengstlich sprangen wir hin und her, denn wir wußten ja nicht, was wir fun sollten. So standen wir uns immer nur selbst im Wege. Waschen konnten wir uns nicht, weil das Wasser durch die umherliegenden Leichen völlig verseucht war. Wir warteten alle auf die kommenden Befehle. Ich sagte, wir warteten darauf, denn die Zeit ohne an uns erteilte Aufträge wurde von den SS.- Bestien ja nur als Schlagezeit betrachtet. Im Laufschritt, dabei mußten wir singen, ging es unter starker SS.- Bewachung an die Arbeit. Jeder SS.- Sturm hatte seinen Scharführer". Und diese waren nun mit der Aufgabe betreut, uns zu arbeitsfähigen Menschen" zu erziehen. Wir mußten tiefe Wassergräben ziehen, Kabel legen, Kanalarbeiten oder Straßenbauten ausführen. Andere wieder mußten Häuser oder Baracken bauen und im Wald Holz fällen. Die Arbeit teilte sich in ca. 30 Arbeitskommandos ein. Jedes Kommando hatte seinen Häftlings- Vorarbeiter, einen Capo und einen Kommandoschreiber. Ringsherum um jedes Arbeitskommando liefen die SS.- Banditen, um uns zu bewachen. Schubkarren oder ähnliche Transportmöglichkeiten waren nicht vorhanden. Es mußte alles mit den Händen getragen werden. Mußte daher z. B. jemand Zement tragen, dann zog er seine Jacke aus, kehrte sie um, schüttete den Zement hinein und trug ihn so von einer Stelle zur andern. Selbstverständlich ging keine Arbeit schnell genug. Immer wieder setzte die„ Belebung" ein. Wie ich schon so off geschildert habe, und es auch weiter wie ein roter Faden durch diese Darstellung gehen wird, wurde wahllos zwischen uns geschlagen, und niemand konnte sich den Schlägen entziehen. Dabei war es ganz egal, ob man viel oder wenig arbeitete, schnelll oder langsam. Als ginge es gegen den Feind, so stürzten die SS.- Bestien brüllend und wie wahnsinnig auf uns zu. Es war ja in jedem Falle ein leichter Sieg, denn Widerstand gab es nicht. War jemand von einem Schlag zu Boden gefallen und zuckte dabei mit den Händen, so wurde dieses als Widerstand gegen die SS. angesehen. Und was war die Folge? Entweder sofort erschossen oder zu Tode geprügelt zu werden. Als wir durch unsere Erfahrungen klug geworden waren, hielten wir immer die Hände fest an den Hosen, um nicht in den Verdacht des Widerstandes zu geraten. Ob Tote auf unserem Platz lagen, das war egal, die Arbeit ging dennoch weiter. Nun muß man sich einmal vorstellen, was für ein übler Geruch entsteht, wenn Tote einen ganzen Tag lang der brütenden Sonnenhitze ausgesetzt sind. Waren wir z. B. dazu kommandiert, Gruben auszuheben und lag an der Stelle, wo ein einzelner Häftling graben sollte, ein Toter, so stieß der Häftling diesen Toten mit dem Fuß weiter, und so ging der Tote den ganzen Tag der Arbeit des Häftlings voraus. Es dürfte erklärlich sein, daß man eingedenk solcher vor 88 einem ei hatte. War e Vorgeset figen. Fre kungen führer- Be feln den das Ersch die Freud zwar die Meldung Aufgab Arbeit zu jeder Häf erteilen m eine ca. 1 genug ge essen, da diese Bes nick. Dam strahlende führer die Wir war und an je derhaftes vor mir, d Holzkeule Die Ver auch belol tene Quot Urlaub haben. W wie ein W ihre Quote Die Qua können. Ei der Vater zwang man Schlag ins ja seinen S Szenen s lebt. Und daran den Verbrechen man auf zu im Somme Zigaretten zu bringen Ich entsin SS.- Schütze drei Monat fördert wur ammenO männen. Die berufen auf Ariht wurbringen, eder beurch das menten, aus den = re Morukten ja i Wege. egenden den Beerteilte chtet. Im wachung mit der erziearbeiten Baracken Arbeitser, einen eitskomen oder alles mit - tragen, nt hinein ng keine Wie ich en durch gen, und egal, ob es gegen auf uns gab es te dabei 5. angezu Tode eworden t in den z lagen, n einmal zen Tag B. dazu einzelner oten mit beit des cher vor einem einherrollender Toter auch sehr viel eigene Gedanken um den Tod hatte. War es elf Uhr morgens geworden, dann kam der Scharführer, also der Vorgesetzte eines jeden SS.- Sturmes, um die geleistete Arbeit zu besichtigen. Freudestrahlend sah er dann auf die Opfer, die in den letzten Zukkungen lagen und auf die Toten herab. Es gab dabei besondere Scharführer- Bestien, die den im Sterben liegenden Häfflingen mit spitzen Stiefeln den Mund und das Gesicht zertraten. Man sollte es nicht glauben, dah das Erscheinen der Scharführer auch eine gewisse Freude hervorrief. Es war die Freude, für wenige Sekunden nur in Ruhe gelassen zu werden, und zwar die Sekunden, in denen ein SS.- Bandit dem kommenden Scharführer Meldung erstattete. Aufgabe des Scharführers war es, wie ich bereits sagte, die geleistete Arbeit zu kontrollieren. Und diese Kontrolle wurde derart ausgeführt, dal jeder Häftling vor den Scharführer hintreten und Auskunft über seine Arbeit erteilen mußte. Neben dem Scharführer stand dann jeweils ein Häftling, der eine ca. 1,5 Meter lange Holzkeule zu tragen hatte. Hatte ein Häftling nicht genug gearbeitet, oder war er gerade dabei, ein kleines Krümchen Brot zu essen, dann mußte der Häftling dem Scharführer die Holzkeule reichen und diese Bestie schlug die Keule mit voller Wucht dem Unglücklichen ins Genick. Damit war das Verbrechen des unglücklichen Häftlings gesühnt. Mit strahlendem Gesicht, oft aber auch schweißbedeckt, gab der Herr Scharführer die Holzkeule dann an den Häftling zurück. Wir waren eben, wie zu allen Zeiten, immer darauf gefaßt, an jedem Ort und an jeder Stelle getötet zu werden. Einmal hatte ich Glück, ein schauderhaftes und bedauerliches Glück, in dem ein Arbeitskamerad, der letzte vor mir, die Arbeitsquote des Scharführers erfüllte und den Schlag mit der Holzkeule erhielt. Sonst wäre ich der Unglückliche gewesen. Die Verbrechen der SS.- Bestien wurden natürlich von der Lagerleitung auch belohnt. Aber zuvor mußte jede einzelne Bestie eine geheim gehaltene Quote erfüllt haben. Wollte z. B. ein SS.- Mann einen Tag SonderUrlaub haben, dann mußte er nachweisen, fünf Tote herbeigeführt zu haben. Wenn daher eine der SS.- Bestien ganz besonders wütete und sich wie ein Wahnsinniger auf uns stürzte, dann wußten wir, diese Bestie wollte ihre Quote für einen Sonderurlaub erfüllen. 17 Die Quälereien waren so entsetzlich, daß sie kaum geschildert werden können. Einmal sollte z. B. ein Vater seinen eigenen Sohn totschlagen. Als der Vater zögerte, schlug man den Vater vor dem Sohn blutig und dann zwang man den Vater dennoch, den Sohn mit einer Holzkeule durch einen Schlag ins Genick zu töten. Gleich darauf aber wurde der Vater, weil er ja seinen Sohn getötet hatte", wiederum von einer anderen Bestie getötet. Szenen solcher Art habe ich nicht nur einmal, sondern hunderte Male erlebt. Und ich muß immer und immer wieder mit Schrecken und Grausen daran denken, wie die Banditen ihrer Freude über derartige sadistische Verbrechen Ausdruck gaben. Es war immer so, erst wenn Blut flok, hörte man auf zu schlagen. Eine besondere Spezialität mancher SS.- Bestien war es im Sommer, wenn wir ohne Hemden arbeiten mußten, ihre glühenden Zigaretten langsam auf unseren Rücken zu zerdrücken und zum Auslöschen zu bringen. Ich entsinne mich hierbei eines etwa 25 jährigen, blonden, gewöhnlichen SS.- Schützen, der mehrere Schmisse im Gesicht hatte und der innerhalb drei Monaten vom gewöhnlichen SS.- Schützen zum SS.- Oberscharführer befördert wurde. Er war einer derjenigen SS.- Helden, die geradezu akro89 batische Kunststücke mit Häftlingen vollführten. Eines Tages hatte er ein Baumfällerkommando unter sich. Er fragte die Häftlinge, wer gut singen könne. Sofort meldete sich einer. Darauf erhielt der Unglückliche den Befehl, auf den Baum hinauf zu klettern. Ging dies nicht schnell genug, so schlug der SS.- Held auf den Häftling ein mit der Hundepeitsche. Immer schneller mußte der Häftling den Baum erklettern, wobei dieser SS.- Schütze zahlreiche Schüsse rechts und links von dem den Baum erkletternden Häftling abgab. In Todesangst kletterte dieser also den Stamm hinauf. War der Häftling oben angekommen, dann befahl die SS.- Bestie, der Häftling solle das Lied singen:„ Alle Vögel sind schon da!" Unter dessen aber mußten zwei Häftlinge mit dem Absägen des Baumes beginnen. Mit zynisch lachendem Gesicht sagte der SS.- Schütze alsdann:„ Damit der arme Kerl da oben nicht tot ist, wenn der Baum umfällt, so stellt ihr vier euch hier auf und fangt den Baum." Legte sich alsdann der schwere Baum zur Seite und fiel um, dann waren die vier Häftlinge von dem schweren Baumstamm erschlagen, und von dem guten Sänger fand man nur noch einzelne Körperteile. Eines Tages, es war gegen zehn Uhr morgens, war ich Zeuge einer ganz besonders grauenvollen Tat. Wir hörten aus der Ferne schon Kindergeschrei. Ein Arbeitskommando rückte heran, in dessen Mitte einige Häftlinge, wie immer im Laufschritt, auf mehreren Brettern viele kleine Kinder trugen, die fröhlich schreiend und strampelnd, völlig unwissend ihrem Schicksal entgegen gingen. Zuschauen und die Arbeit unterbrechen war selbstverständlich strengstens verboten. So blickten wir bei der Arbeit zwischen unseren Beinen hindurch einem grauenhaften Verbrechen zu. Höhnisch grinsend, die Zigarette im Mund, die linke Hand in der Tasche, nahm der Herr Scharführer eines der Babys nach dem andern, hob es an den Füßen hoch und warf es lebendig in die soeben von uns ausgehobene Grube hinein. Nach einer Stunde erhielten wir Häftlinge den Befehl, über diese armen kleinen Kinder Benzin zu schütten. War dieses geschehen, dann nahm der Scharführer eigenhändig ein Streichholz, entzündete es und warf es auf die benzinübergossenen Babys. Als er dann mit seinem Arbeitskommando an uns vorüberzog, sagte er, indem er freudig in die Hände klatschte:„ Ich habe es doch immer gesagt, die Kleinen brennen besser wie die Alten". Alle solche Taten wirkten ermutigend auf die einfachen SS.- Leute ein. Und es waren immer die Vorzeichen zu neuen Schlägen auf unsere Köpfe und Körper. Während dieser Zeit hörte ich den Helden von Auschwitz zu einem andern seiner Kameraden- Bestien sagen, daß es sich bei diesen 200 Säuglingen um Kinder handle, die man in einem Pariser Säuglingsheim gefunden hätte, deren Mütter aber schon längst durch die Oefen gegangen seien. Um fünf Uhr nachmittags war Arbeitsschluß. Dann ertönte das Kommando: " Tote zusammentragen!" Wir beeilten uns, die mit Blut und Schmutz verkrusteten Toten auf einen Haufen zu legen. War dieser Befehl ausgeführt, mußte jeder Häftling einen Toten tragen,-- off aber waren am Abend mehr Tote wie Lebende vorhanden, dann wurden die Toten einfach auf die noch Lebenden verteilt. Kein Tag verging ohne Tote, kein Kommando kam ohne Tote zurück. Mit letzten Kräften, selbst blutübergossen, mit zerrissenen Kleidern und Schuhen, schleppten die Häftlinge ihre Toten heim. Diese täglich zurückkehrenden Arbeitskommandos boten ein furchtbares Bild. Unter den Klängen der Hätlingskapelle rückten wir wieder in das Lager ein. Auf einem mit einem weißen Strich abgegrenzten Quadrat auf dem Appellplatz wurden die Toten immer zehn neben- und zehn aufeinander zusammengeschichtet. Nach Beendigung dieser Arbeit lief der Blockführer abzähle tragen. über un Toten h in die V Als Z kärgliche War a die Bret sport od nung sta schließer Wenn?! trolle, d Begleitur fen" in wähnen, 40 Cap schlug " 1 Die ande War e treten. V Knöpfe suchte. W pende So Hatte e Zwecke" wegen" 1 bestehen Im Geg artigst siedender Geständn Zellen, b werdende ten nach Der„ C linge mit Häftling d nager vo spieligste drei norm Essen. Er " Waffe mengeball schenschlä So verg Wir wurde Häftlinge stehen ko Disziplin u " Wegin Es ist so 90 e er ein † singen den Beenug, so e. Immer -Schütze Hen HäftWar der ing solle mußten n lachenda oben auf und nn waren von dem ner ganz rgeschrei. nge, wie ugen, die cksal entverständn unseren send, die err Scharhoch und ein. Nach en kleinen der Schars auf die mando an chte:„ Ich ie Alten". e ein. Und Köpfe und zu einem 200 Säugeim gefungen seien. ommando: mutz verausgeführt, am Abend einfach auf Kommando n, mit zeroten heim. bares Bild. das Lager t auf dem ufeinander Blockführer abzählen. Eine neue„ Bestandszahl" wurde gemeldet und eingetragen. Und wieder erklang Musik. Während dem aber zog dichter Rauch über uns hinweg. Dann mußten alle Häftlinge um die aufgeschichteten Toten herummarschieren und erhielten off genug noch vor dem Einrücken in die Wohnblocks zwei bis drei Stunden Strafstehen" zudiktiert. Als Zugabe zu der am Schluß dieser Abend feiern" verausgabten kärglichen Suppe erhielten wir schallende Ohrfeigen. War auch das Essen" beendet, dann trieb man uns mit Peitschen auf die Bretter zum Schlafen, wenn nicht, was ja täglich möglich war, noch Strafsport oder öffentliche Prügelung auf dem Prügelblock auf der Tagesordnung stand. Wie glücklich" waren wir, wenn wir endlich die Augen schließen konnten. Auf diesen Augenblick freuten wir uns schon am Morgen. Wenn?! Off aber auch begann die Nachtarbeit der SS.,-- die Nachtkontrolle, die Suche nach" Waffen" und" Stich gegenständen". In Begleitung der SS. kamen die„ Capos", um die gefundenen Waffen" in Empfang zu nehmen. Hinsichtlich der" Capos" muß ich ehrend erwähnen, da es sich bei diesen im Jahre 1942 im Lager noch vorhandenen 40 Capos" um russische Kriegsgefangene handelte, die uns nicht schlugen. Diese 40, Capos" waren der Rest von 15000 Kriegsgefangenen. Die andern hatte man elend verhungern lassen, oder sie waren erfroren. War eine solche Suchaktion, dann mußten wir vor unserem Block antreten. Wir hatten nichts mehr. Die Hosentaschen waren zugenäht. Alle Knöpfe fehlten. Wir hatten nicht einmal ein Taschentuch.- Aber man suchte. Wir trugen ein kurzes Hemd, einen Häfflingsanzug, zu große, schlappende Schuhe und kleine Fußlappen. Was sollte man bei uns wohl finden? Hatte einer der Häftlinge eine Stückchen Zeitungspapier für„ hinterlistige Zwecke" verborgen,-- achtlos bei sich,-- dann verurteilte man denselben wegen Besitz von Geheimdokumenten" in den aus dunklen Einzelzellen bestehenden Bunker, wo der Häftling einen grausamen Tod erleiden mußte. Im Gegensatz von Da cha u befanden sich in diesem Bunker die neuartigsten nationalsozialistischen Folterwerkzeuge. Mit einströmendem, siedendem Dampf und mit dem Inkettenlegen der Häftlinge erprete man Geständnisse. Man ließ aber auch zahlreiche Mäuse und Ratten in die Zellen, band die Häftlinge an die Wand und ließ einzelne, immer stärker werdende Tropfen auf die Köpfe der Häftlinge fallen. Diese Tropfen wirkten nach einiger Zeit wie Hammerschläge. Der Capo", der in diesem Bunker seines Amtes waltete und die Häftlinge mit Essen" zu versorgen hatte, war der prominenteste" Häftling des Lagers. Es war der im unbesetzten Frankreich verhaftete Manager von Max Schmeling.-- Es war Walter Schmidt. Er war der kostspieligste Häftling. Um einen Häftlingsanzug für ihn zu fertigen, mußten drei normale Häftlingskleider zerschnitten werden. Schmidt bekam gutes Essen. Er erteilte der SS. Boxunterricht. Schmidt war gefüchtet, er war doch " Waffenträger". In seinen Fäusten war eine mächtige Kraft zusammengeballt. Und diese Fäuste fürchteten selbst die gefährlichsten SS.- Menschenschlächter. So vergingen die Tage,-- es vergingen so Wochen, Monate und Jahre. Wir wurden gequält, getreten, gefolfert, gewürgt und gehängt. Die meisten Häftlinge starben, bevor sie die Abschlußprüfung ihrer Umschulung bestehen konnten, sie blieben auf den Meilensteinen„ Fleiß, Gerechtigkeit, Disziplin und Liebe zum Vaterlande" sitzen, sie kamen nicht zum Ziel, zum " Weg in die Freiheit". Es ist so bitter, und es schmerzt, an diese Umschulung zu denken. 91 Appell und Exekutionen In einem vorangegangenen Kapitel habe ich einmal gesagt, der Appell sei das tägliche Gebet des Lagers. Das konnte man vom Lager Auschwitz nicht sagen. Von einem„ Gebet", wenn man solche als Litaneien betrachtet, war keine Rede. Hier handelte es sich um tägliche Entscheidungen über Tod und Leben. Nicht nur einzelne Häftlinge verwirkten hier täglich ihr Leben, nein, ganze Kommandos waren plötzlich verschwunden. Nur der„ Capo" war geblieben. Er erhielt neue Häftlinge zugewiesen. Und damit war die Sache abgetan. Wahllos suchten die Lagerführer die Todeskandidaten heraus. Mit„ besonderer Liebe" half Josef Kramer dabei mit. Wenn ihm auffiel, daß sich ein so schoß er ihn auf der Häftling zurückdrängen wollte,-- verstecken,- Stelle nieder. -- Fiel ein Häftling wegen besonderer Abmagerung auf, so wurde er herausgestellt. Dann wurden die übrigen Häftlinge mit dem elenden Häftling verglichen, und jeder, der diesem glich, mußte sich dazustellen. In wenigen Minuten standen Hunderte" zusammen, sie marschierten ab, und wir sahen sie niemals wieder. п Die starken Häftlinge dagegen hatten Aussicht, zum Himmelskommando" kommandiert zu werden. Dieses aber wurde wiederum, wie schon gesagt, alle 4 bis 6 Wochen neu" aufgestellt. So bestanden für alle Häftlinge, ob schwach oder stark, täglich Aussichten, ,, a us" dem Leben befördert zu werden.-- Exekutiert zu werden. Die Methoden der SS. und ihrer Trabanten waren so abwegig von aller Norm, daß ich gern glaube, ein Außenstehender hält entweder die ausführenden Bestien, oder mich als Schilderer der Wahrheit, für wahnsinnig.-- Ja, ich kann es verstehen.-- Dieser Teil des zwanzigsten Jahrhunderts muß als die Zeit der gemeinsten Greueltaten in die Weltgeschichte eingehen, und sollten meine Ausführungen dazu beitragen, die Wahrheit aufzudecken, so würde ich mich glücklich fühlen. Und ich würde gern alle erlittenen Qualen, alle gesehenen Scheußlichkeiten damit überdecken. Wie die Wissenschaft im bisher verlaufenen zwanzigsten Jahrhundert Unvorstellbares geleistet hat, so aber auch waren den sadistischen Hirnen der Nazis unausdenkbare Grausamkeiten entsprungen, Scheußlichkeiten, wie sie von einfachen Menschen nicht verstanden werden können, daß-- so etwas überhaupt möglich sein kann. Die Abendappelle waren die Sensation des Tages". Sie waren die Höhepunkte des Tagesprogrammes. Erschießungen fanden hierbei nur wenige statt, denn einmal waren die Häftlinge keine Kugel wert, und zum anderen boten die erschossenen Häftlinge ja kein Theater. Sie fielen um und waren tot.-- Man wollte doch aber sein Vergnügen haben und uns Vergnügen bieten. Eine zeitlang wurde täglich aufgehängt", so daß wir auch hieran gewöhnt wurden. Ich schreibe das so ruhig, und die erschütterten Leser werden meine ruhigen Worte als Roheit bezeichnen, werden sagen, ich sei gefühllos. Ach, liebe Leser, ich habe viel zu viel Gefühl, ich bin von meiner Niederschrift häufig so erschüttert, daß ich mich" tot" fühle, daß ich mich ekle. Glaubt mir nur, ich bin genau so Mensch, wie Ihr auch. Aber dennoch, es muß geschrieben werden, die Nachwelt muß vor Wiederholungen solcher Bestien geschützt werden. Die ganze Welt,-- die Menschheit muß es wissen. 92 Eine fünf Ki geflohe Bei de auf de Wie die für lich wa Frauen. Die B lichen I ausgest wie bei gen wa setzlichs Das Frauen, zu sorg Auch erhielte Schläge hetzt. I Es ga Einteilur Frauen und ein einem S zunächst Und da heiratete Die K trugen Die für waren n strafweis Die der, war Mädchen Ach, we Aber, we „ miffiele vergast. Alle Dokto der Ges mehr he Appell schwitz ien beidungen m, ganze blieben. abgetan. ,, besonsich ein Eines Tages wurde eine siebenköpfige polnische Familie, Mann, Frau und fünf Kinder, im Alter von 8 bis zu 17 Jahren, aufgehängt, weil sie einem geflohenen Häftling für einen Tag Obdach und Verpflegung gewährt hatten. Bei dem Hängen wurde das Kommando" Mützen ab" erteilt. Wir mußten auf den Galgen schauen. Dazu aber spielte die Musik. auf der er herHäftling schierten mando" ■ gesagt, ussichten, von aller die aussinnig.-- erts muß eingehen, cudecken, erlittenen ndert UnFirnen der n, wie sie so etwas Sie waren erbei nur und zum fielen um en und ch hieran eine ruhiOS. er Niedermich ekle. ennoch, es en solcher es wissen. Sklavinnen und Todeskontrolle Frauen lager Wie bei uns im Männerlager, so war es auch im Frauenlager. Die„ Capos", die für die Kleiderkammer und andere Lagerverwaltungsstellen verantwortlich waren, berichteten uns grauenvolle Mihhandlungen von unschuldigen Frauen. Die Bewachung bestand aus weiblicher SS., die ebenso wie ihre männlichen Kollegen mit Maschinenpistolen, Reitpeitschen und Vollgummikabel ausgestattet waren. Die Behandlungen und Mißhandlungen waren dieselben wie bei uns. Auch die weiblichen SS.- Bestien, genannt SS.- Helferinnen, schlugen wahllos auf ihre Opfer ein, waren im Ersinnen neuer Quälereien, entsetzlichster Grausamkeiten, ganz groß. Das Erschütterndste war, daß Frauen solche Bestien sein konnten, Frauen, die zu lieben geschaffen sind, zu schützen, zu pflegen, zu hüten und zu sorgen, denen alles Böse fremd sein sollte. Auch die weiblichen Häftlinge wurden auf einen Holzbock gespannt und erhielten von den weiblichen Bestien" 25, 50,-- ja manchmal 75 Schläge über die entblößten Körper. Hunde wurden auf die Häftlinge gehetzt. Ich habe so vieles gesehen.-- Entsetzlich. -- Es gab im Frauenlager auch die gleichen Kommandos,- Einteilungen. Auch das„ Himmelkommando" war vorhanden.- die gleichen Frauen mußten Häuser, Kanäle und Straßen bauen, sie mußten Holz fällen, Die und einige waren zu einem Sonderkommando zusammengestellt.- einem Sonderkommando für die SS. Diese zuletzt genannten Frauen waren Zu zunächst auf ihre Gesundheit und auf ihre Standhaftigkeit geprüft worden. Und dann kamen sie ins Freudenhaus. Ganz gleich, ob es sich um verheiratete Frauen oder um junge Mädchen handelte. -- Die Kleidung war verschieden. Frauen, die im Außendienst arbeiteten, trugen Häftlingskleider. Ihnen waren die Haare vollkommen geschnitten. Die für die Innenkommandos eingeteilten Frauen trugen Zivilkleidung und waren nur halb geschoren. Off sah man aber auch Frauen, deren Haare strafweise kreuz und quer geschnitten waren. Die Freudenhaus"-Frauen dagegen trugen elegante, seidene Kleider, waren geschminkt und erhielten stets gutes Essen. Viele Frauen und Mädchen dieses Kommandos glaubten ihr Leben, ihre Zukunft gesichert. Ach, weit gefehlt! Gewiß, sie erhielten eine wirklich gute Verpflegung. Aber, wenn sie nicht mehr gefielen, wenn sie von einem Tag zum anderen " mißfielen", dann wurden auch diese unglücklichen Frauen und Mädchen vergast. Alle vier Wochen wurden durch SS.- Dirnen", die sich„ Fräulein Doktor" nennen ließen, Gesundheitskontrollen durchgeführt. Und,-- da der Gesundheitszustand der Frauen immer mehr sank, die Frauen immer mehr herabkamen, war fast genau auszurechnen, wenn sie dem Himmelп 93 kommando” überantwortet wurden. Diese Gesundheitskontrollen wurden daher zuTodeskontrollen. Die Frauen hatten sich bei diesen Kontrollen entkleidet auf dem Appellplatz einzustellen. Die sogenannte Aerztin gab alsdann einem Häft- ling die Nummern der zu vergasenden Frauen und Mädchen an. Die Ver- gasung erfolgte aber erst einen oder gar mehrere Tage später. So kam es, daß viele Frauen ihrem Leben durch Berühren der Starkstromleitung selbst ein Ende machten, wenn sie nicht einer Scharfschützenkugel zum Opfer fielen. Einmal, es war im Jahre 1943, wurden 500 Frauen unmittelbar vom Bahn- hof nach den Gaskammrn geführt. Als sich die Gaskammern geöffnet hatten, rissen die Frauen aus. Eine Panik entstand, die ein furchtbares Blutbad aus- löste. In wenigen Minuten waren die Frauen mit Maschinengewehren nie- dergestreckt. In anderen Fällen hatte man die Frauen mit Hunden in die Gaskammern gehetzt. So war es in allen Lagern. Ueberall fragten sich Frauen, wie Männer:„Wann werde ich getötet?" In Krankheitsfällen standen auch hier weder Medikamente noch Verbands- material zur Verfügung. Dagegen luden die Gaskammern und die Ver- brennungsanstalten jederzeit„[reundl!ich" zu einem nur einmaligen Be- suche ein. Die weiblichen Häftlinge verrichteten ihre Arbeit auf„Zeit”. Sie waren nur vorübergehend beschäftigt. Und dazwischen wüteten weibliche Bestien herum, wie sie das Leben als ewige Abschreckung nur einmal hervorbringen kann. Kinderfabrik Zu den interessantesten Einrichtungen des Frauenlagers gehörte ein Zel- lenbau, wie er auch in dem Frauenkonzentrationslager Ravensbrück vor- handen war, die sogenannte„Kinderfabrik". Was sich dort abspielte, steht außer aller Sittlichkeit des Lebens. Und es ist schwer zu beschreiben und kaum auszudenken, da Angehörige eines so hochkultivierten Volkes auf eine solch niedrige Stufe herabsinken können. Ich schäme mich, das, was ich in diesem Kapitel niederzuschreiben ge- denke, kundzutun, aber wie ich bereits im vorigen Kapitel erwähnt habe, ich tue es nur aus dem Grunde, um damit der Welt ein Wahrheitsdokument zu geben. Wozu war dieser Zellenbau? Von Zeit zu Zeit wurden alle reichsdeutschen Frauen und Mädchen einer besonders eingehenden ärztlichen Kontrolle unterzogen. Die völlig ent- blößten Häftlinge wurden vor einen sogenannten Arzt geführt und von demselben auf Stärke und Ausdauervermögen geprüft. War ein guter Be- fund zustandegekommen, so wurden die Frauen auch weiter unbekleidet in ein anderes Zimmer geschickt. Dort saßen einige vollgefressene SS.-Män- ner, die sich am Anblick der unglücklichen Frauen ergötzten und eine nach der andern fragten:„Sind Sie bereit, dem Führer ein Kind zu schenken?” Die Frauen, an welche diese Frage gerichtet wurde, wuhten, daf sie sich in einer sehr schweren Lage befanden. Die Verneinung der Frage hätte selbstverständlich die sofortige Vergasung zur Folge gehabt, oder, was auch häufig geschah, hatten die Frauen 25 Schläge mit einem vorher durch Wasser geschmeidig gemachten Ochsenschwanz auf das nackte Hinterfteil erhalten, 94 Na fin aus wä de wu auf Eig sch4 und Die urden dem HäftVeram es, selbst fielen. Bahnhatten, d ausn niein die tötet?" bandse Veren BeZeit". en als in Zelck vorspielte, reiben Volkes Die Frauen aber, die die Frage bejaht hatten, führte man in den Zellenbau. Dort befanden sich viele kleine Kabinen, in welchen ein Bett mit einem Strohsack aufgestellt war. Die Frauen wurden auf die Kabinen verteilt. Waren die Kabinen alle besetzt, dann erschien eine vom Rassenpolitischen Amt für die Volksvermehrung besonders zugelassene SS.- Einheit, der die Aufgabe zufiel, über die wehrlosen Opfer herzufallen und auf diese Weise ,, dem Führer ein Kind zu schenken". Das Furchtbarste hatten die Frauen zu erleiden, die trotz Bejahung der an sie gestellten Frage im letzten Augenblick Angst oder Gewissensbisse bekamen und sich gegen die Vergewaltigung weigerten. Drei SS.- Zuchtstiere fielen dann über die wehrlose Frau her, banden sie an Händen und Füßen am Bett fest und vergewaltigten die Frau einer nach dem andern. Waren so mehrere Zeugungsakte vorüber, dann mußte die Frau oder das Mädchen im Zellenbau verbleiben. Sie durfte nicht mehr geschlagen werden, und sie brauchte nur noch leichte Arbeit zu verrichten. Auch besseres Essen bekamen sie. Das war die Gegenleistung für die an reichsdeutschen Frauen und Mädchen vorgenommenen Vergewaltigungen. Mehrere Kontrollen mußten nun die Empfängnis beweisen. War die Empfängnis festgestellt, so wurden die unglücklichen Opfer in das meist neben dem Lager befindliche Entbindungsheim gebracht. Und kam das Kind zur Welt, so verfiel es dem Staat, es wurde der Mutter weggenommen und sie hatte kein Recht, nach ihrem Kind zu fragen. So wurden dem Führer Kinder geschenkt". Und er ließ sich damit beglücken. Läßt sich noch ein weiterer Tiefstand der Moral eines Volkes denken? Hitler hatte also anscheinend die Absicht, mit seinen Führerkindern das tausendjährige Reich aufzubauen. Da diese Kinder späterhin alle der SS. überwiesen wurden, so hätte es in einigen Jahrzehnten nur noch Führerkinder und SS.- Leute gegeben. Hitler hatte einmal erklärt: Nur ein Volk mit einer gesunden Rasse kann und muß den Sieg erringen." Er war also der Meinung, hier eine eigene Rasse zu züchten. Derselbe Hitler, der Millionen von Juden vernichten lassen hatte, zeigte hier den tiefsten Stand seiner Moral in Anordnungen, die seine Soldateska auszuführen hatte. en geabe, ich ment zu -n einer ig entnd von ter Beekleidet S.- Mänme nach enken?" sie sich e hätte er, was er durch interteil Versuchsinstitut Auschwitz Das Versuchsinstitut gehörte zu den Einrichtungen der verbrecherischsten Nazi- Wissenschaften. Nirgends in der Welt wird man eine solche Einrichtung finden können und nirgendwo wird man von Versuchen wissen, die hier ausgeführt wurden. Daf Menschen keine Rolle spielten, das habe ich schon mehrmals erwähnt. Aber hier zeigte sich die zusammengeballte Roheit, mit der studierte deutsche SS.- Männer ihre Arbeit im Institut verrichteten. In diesem Institut wurden verschiedene Köpfe modelliert, die die einzelnen Rassenmerkmale aufwiesen. Und dann begann man mit dem Studium der verschiedenen Eigenarten einer jeden Rasse. Man ließ Kinder zur Welt kommen und stellte schon kurz nach der Geburt den Grad ihrer Vererbung von ihren Eltern und Vorfahren fest. Auch ließ man anormale Menschen Kinder gebären. Diese Kinder wurden nach den vorgenommenen Versuchen wieder ver95 nichtet. Der Höhepunkt eines solchen Versuches war die künstliche Befruchtung. Waren diese durch künstliche Befruchtung geborenen Kinder zur Welt gekommen, so wurden sie in den meisten Fällen vor den Augen der Mutter mit dem Kopf auf die Tischkante geschlagen, damit der sofortige Tod eintrat. Mit diesem Versuch wollte man erforschen, ob es möglich sei, daß, im Falle einer bevorstehenden Entbindung, die gebärende Frau durch den erlittenen Schreck in Ohnmacht fällt oder gar stirbt. In diesem Institut wurden wahllos Frauen auf Operationstische gelegt, so wurden ohne Betäubung Kaiserschnitt- und auch sonstige Unterleibsoperationen durchgeführt. In allen diesen Fällen versuchte man neue Heilmittel und neue Narkosen. Zu den bekanntesten Operationen gehörte die Sieben- Schnitt- Operation. Diese Operation wurde auch an Männern probiert. Es handelte sich darum, sieben Knochen ohne Betäubung aus dem Körper und den einzelnen Gliedern des Menschen zu entfernen. Entfernt wurden: eine Rippe, ein Finger, eine Zehe, ein Stück Knochen aus dem Bein, aus der Hand, aus dem Arm und dem Rücken. Diese Versuche wiederum sollten den Beweis erbringen, ob ein Soldat, der an der Front schwer verletzt worden ist, am Leben erhalten werden kann. Wieviele Häftlinge haben ihr Leben für diese Versuche lassen müssen, ohne den gewollten Erfolg zu erzielen. Auch hier muß ich sagen, erlaßt es mir, zu berichten, unter welchen entsetzlichen Qualen diese Menschen starben. Die scharfen Arzneien, die in die Gedärme gespritzt und gegossen wurden, verursachten unerträgliche Brandschmerzen. Nur wenige Häftlinge haben diese an ihnen vorgenommenen Versuche überstanden. Zu den weiteren verbrecherischsten Erfindungen der Nazis gehörte auch die Benzinspritze. Mit dieser sollte die Verbrennungsgeschwindigkeit eines Menschen festgestellt werden. Bei lebendigem Leibe brachte man den Häftling durch künstliche Bestrahlung in einen bestimmten Hitzegrad. Und er erhielt dann die Bezinspritze. Dieser festgestellte Hitzegrad brachte das eingespritzte Benzin zur Entzündung. Unter entsetzlichen Schmerzen mußte der unglückliche Mensch also verbrennen. Für diese schmerzhaftesten Versuche wurden hauptsächlich Juden und Ausländer herangezogen, während für Operationen, die die Bevölkerungspolitik der Nazis erforschen sollten, Deutsche den Hyänen ihre Körper zur Verfügung stellen mußten. Zur Vergasung Es war morgens sieben Uhr, die Sonne warf über die mit entblößten Häuptern auf dem Appellplatz stehenden Häftlinge ihre Strahlen. Der Himmel war blau wie immer. Nur eines war quälend, der entsetzliche Geruch von verbrannten Knochen, der uns immer an unsere Zukunft erinnerte. Der Appell war zu Ende. Die Todeskontrolle begann. Ein Kommando nach dem andern rückte ab, teils zur Arbeit, teils zur Vergasung, niemand wußte ja wohin. Mit einem Male kam der Lagerführer auf das Kommando zugeschritten, dem ich zugeteilt war. Mit verbissener Miene und den Zügen eines Massenmörders stellte er sich vor uns auf. Wir waren noch 200 Häftlinge. Eingehend schaute er jeden einzelnen an, der Massenmörder von Auschwitz, der Herr 96 Hauptstar und wir w gingen w begleitete mit dem Wir gla mehr den den ande ging es in allen and durch Wä verborger stände. W Erschiefer Man ste Dieses Bil mit seinen linge dort Mit ein und dann mattet vor vorwärts. Durst war aus und s Ununter durch Stra anscheiner weiter Fer Wir kan 10 Kilome größerer keiner sch Gestalten. fährer Mitt Menschen wechsel. D es sich um am Ausga Und wir e Es war diesem Au gasung ge Ich wollt dern, wie Es war e sich am Au Zeit waren 7 Befruchzur Welt Mutter eintrat. im Falle rlittenen gelegt, terleibsue Heilörte die probiert. Körper wurden: aus der Soldal, werden müssen, erlaßt es Menschen gegossen Häftlinge örte auch < eit eines man den grad. Und achte das en mußte uden und Slkerungsörper zur entblößten Der Himme Geruch merte. Commando , niemand geschritten, es MassenEingehend , der Herr Hauptstandartenführer Aumaier. Wir wußten, daß ein Fingerzeig genügte, und wir wurden abgeführt. Es herrschte Totenstille. Mit gesenkten Häuptern gingen wir zwischen der SS. hindurch, die uns mit aufgepflanzten Bajonetten begleitete. Begleiten hieß, daß sie neben uns her lief und hin und wieder mit dem Bajonett auf uns einschlug. Wir glaubten, man führe uns nach den Gaskammern. Wir konnten nichts mehr denken. Alles war so geheimnisvoll. Keiner wußte etwas. Jeder schaute den andern fragend an, ohne aber die Lippen zu verziehen. Im Laufschritt ging es in unseren großen, schlappenden Schuhen dahin. Im Gegensatz zu allen anderen Marschbewegungen wurden wir diesmal lautlos über Wiesen, durch Wälder geführt. Mit einem Male erblickten wir, tief unter Bäumen verborgen, ein Häuschen. Dort hieß es" Half!" Wir erblickten Schießstände. Wir wurden blah, denn nun war es uns klar, daß die Minute des Erschießens gekommen war. Man stellte uns an die Bäume und hielt die Gewehrläufe auf uns gerichtet. Dieses Bild kann nicht wiedergegeben werden. Ein jeder von uns hatte mit seinem Leben abgeschlossen. Aengstlich und zitternd standen die Häftlinge dort. Mit einem Male begannen die SS.- Banditen zu lachen, laut zu lachen und dann jagten sie uns im Laufschritt weiter. Mit klopfenden Herzen, ermattet von den quälenden Gedanken unseres Todes, kamen wir kaum mehr vorwärts. Wir zogen die Strümpfe aus und weiter ging der Marsch. Der Durst war entsetzlich. Vom Straßenrand rissen wir im Laufen Grashälmchen aus und steckten sie in den Mund. Ununterbrochen ging der Marsch weiter über Felder, durch Wälder und durch Straßen. Hier und da sahen wir einige mit Stroh bedeckte Hütten, anscheinend polnische Bauernhäuser, Zivilisten waren nicht zu sehen. In weiter Ferne erblickten wir nur einige weibliche Häftlinge beim Häuserbau. Wir kamen an einem Straßenschild vorüber, das uns verkündete, noch 10 Kilometer bis zum Ort Jawischowitz. Wir kamen dort an. Es war ein größerer Ort. Wir sahen Arbeiter, aber keiner von ihnen blieb stehen, keiner schaute uns nach. Wir sahen in ihnen nur abgearbeitete, vergrämte Gestalten. Als wir durch das Dorf marschierten, entdeckten wir in ungefährer Mitte des Dorfes eine Grube, deren Förderturm in Betrieb war. Viele Menschen strömten aus der Grube. Es war anscheinend gerade Schichtwechsel. Die Berge von Kohlen, die ringsherum lagen, verrieten uns, daß es sich um eine Kohlengrube handelte. Es ging weiter. Schon waren wir am Ausgang des Dorfes. Da hieß es ganz plötzlich abermals„ Half!" Und wir erblickten ein Barackenlager mit dem üblichen Draht darum her. Es war nur ein Ausflug, den wir machten, aber welche Qualen wir bei diesem Ausflug erlitten, in der Annahme, nun würden auch wir zur Vergasung geführt, kann ich nicht beschreiben. Ich wollte mit diesem nur eine weitere Bestialität der SS.- Banditen schildern, wie man uns auf jede Art und Weise zu quälen versuchte. Konzentrationslager Jawischowitz Es war ein Zweiglager des Konzentrationslagers Auschwitz und befand sich am Ausgang des Dorfes Jawischowitz. Das Lager war im Aufbau. Zur Zeit waren nur die Baracken vorhanden. Die Wege waren abgesteckt und 7 97 mit Kohlenschlacke belegt. Gewöhnlicher Einfriedigungsdraht zog eine Grenze zwischen dem Lager und der übrigen Länderei. Vor dem Betreten des Lagers mußten wir die Schuhe ausziehen und mit bloßen Füßen im Laufschritt fünfmal über die spitzen Kohlenschlacken laufen. Wir erlitten entsetzliche Schmerzen. Sollte ich im Zweifel sein, ob diese Anordnung eine neue sadistische Quälerei darstellte oder nur die Schonung der Ledersohlen bezweckte, so möge der geneigte Leser selbst entscheiden. Gleich darauf fand ein Appell statt. 200 Häftlinge standen zur Abnahme bereit. In diesem Augenblick kamen die Menschenschlächter von Auschwitz, Aumeier und Schwarz, mit zwei Zivilisten in einem eleganten„ Mercedes"-Wagen angefahren. Die beiden vollgefressenen„ Nazi bonzenZivilisten" ließen sich uns Häftlinge einzeln nacheinander, und zwar nackt vorführen. Auf der Straße standen die Dorfbewohner. Aber, das war uns egal. Wir kannten keine Scham mehr. Wenn sich die Dorfbewohner nicht schämten. In einem Abstand von fünf Meter traten wir einzeln heran. Meine beiden Freunde und ich gehörten zu den letzten. Als ungefähr 100 Häftlinge geprüff" waren, hörte ich, wie der eine Bonze zum anderen sagte:„ Jetzt brauche ich noch 50.-- Die genügen. Wenn sie„ ka puff" sind, können wir uns ja neue holen". Sofort sprang ich zu meinen Freunden und sagte ihnen, wir wollten uns vordrängen. Das tat ich zum ersten Male in meinem Leben. Ich tat es sogar, indem ich mich unter Zuhilfenahme meiner Ellenbogen vordrängte. Es gelang mir und meinen beiden Freunden auch. Der eine der beiden Zivilisten fragte mich:„ Können Sie füchtig arbeiten, wenn Sie gutes Essen erhalten?" Laut brüllte ich„ Ja!" Ich wurde angenommen und in ein richtiges" Bad geschickt. Noch größer war meine Freude, als ich nach dem Bade erfuhr, daß auch meine beiden Freunde angenommen waren. Wir erhielten neue Anzüge und Holzschuhe. Und mußten sogleich zu einem neuen Musterungsappell antreten. Die nicht angenommenen Kameraden wurden als nicht arbeitsfähig ins Hauptlager zurückgeschickt. Sie sind den Weg derer gegangen, die als nicht arbeitsfähig für unnütz erklärt wurden. Angetreten blickten unsere Augen geradeaus. Vor uns stand ein ungefähr 30 jähriger blonder Unterscharführer. Derb und verwegen war sein Gesichtsausdruck. Seine blauen Augen waren hart und streng. Sie sagten uns alles. Sein Anblick lief uns erschrecken. Er war ein ehemaliger Kattowitzer Grubenarbeiter mit Namen„ Kowel". Seine süßen" Worte lieben uns viel erwarten. Nach fünf Minuten war der Appell zu Ende. Doch mußten wir noch zwei Stunden stehen. Die Füße brannten. Und jede kleine Bewegung verursachte heftige Schmerzen. Mit einem Male ertönte wieder die Stimme des Unterscharführers:„ Häftlinge, das eine sage ich Euch. Wenn Ihr hier nicht arbeiten wollt, dann wit Ihr, was mit Euch geschieht. Die Kamine von Auschwitz kennt Ihr ja. Wir brauchen hier arbeitsfreudige Menschen, denn wir müssen siegen."-- Wir wußten, was seine Worte zu bedeuten hatten. Und wir wollten arbeiten. Die neuen, sauberen Baracken lachten uns so freudig an. Wir freuten uns auf die Nacht. Vor dem Schlafengehen wurde Grubenwäsche ausgegeben. Dann wurden alle Gegenstände desinfiziert und endlich-- durften wir schlafen. Wir lagen auf neuen Strohsäcken, hatten jeder zwei neue blaue Decken, auf denen der Stempel RHG( Reichswerke Hermann Göring) stand. Wir schliefen herrlich. 98 Um vi war Früh Drohung ten. A allerding ging. 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Der Lagerführer warnte uns erneut und sprach allerhand Drohungen aus, was mit uns geschehen würde, wenn wir nicht arbeiten woll- ten.-- Aber wir wollten jal-- Dann mußten wir die Baracke putzen, was allerdings nicht ohne Schläge der neu eingetroffenen Blockführer vor sich ging. Ein Teil der Häftlinge war schon mit dem Ziehen des hohen Drahtes, durch den 5000 Volt gejagt werden sollten, beschäftigt, da ertönte mit einem Male ein schriller Pfiff. Wir rannten zum Appellplatz. Da waren die beiden Zivilisten, die uns gestern„besichtigt” hatten. Kaum waren wir angetreten, da stellte sich der kleine dicke Herr vor uns hin und sprach:„Meine Herren! Ich stelle mich Ihnen vor als Direktor der Oberschlesischen Bergwerksgesellschaften, der Reichswerke Hermann Göring. Ich habe„die Ehre”, Sie mit den Vor- schriften der Bergwerksgesellschaft bekannt zu machen. Morgen werden Sie als erste Häftlinge Deutschlands die Kohlengruben betreten. Ich hoffe, daf Sie mit Lust und Liebe arbeiten werden. Sie werden in diesem Lager nicht als Häftlinge, sondern als Zivilarbeiter behandelt und verpflegt. Tun Sie Ihre Pflicht und handeln Sie im Interesse unseres Vaterlandes, dann garan- tiere ich Ihnen, daß Sie nach einem deuischen Siege, als Dank für die von Ihnen geleistete Arbeit ein Einfamilienhaus erhalten. Sie befinden sich hier in einem Arbeitslager und nicht in einem Konzentrationslager.” Der„Herr Direktor” hatte gesprochen. Und wir hatten es schwei- gend vernommen. Nachdem der Direktor noch einige Worte mit dem grinsend dabeistehen- den Lagerführer gesprochen hatte, verabschiedete er sich. Die Tore schlossen sich hinter seinem Wagen. Uns aber begann man als„Zivilarbeiter” zu behandeln. Im Laufschritt muhten wir über die spitzen Schlacken hinweg, und dann mußten wir singen, laut,-- lauter singen, damit der abfahrende Direktor unsere Freude vernahm.. Am Mittag wurden wir in Arbeitsschichten eingeteilt. Meine beiden Freunde und ich kamen in die Nachtschicht, und erhielten wir die Gruben- nummern 75, 76 und 77. Nach zwei Tagen kamen einige Capos aus dem Hauptlager, die uns zusammen mit der SS. nach beendeter Grubenarbeit nationalsozialistisch„schulen” sollten. Der eine Capo war ein 15 mal vor- bestrafter Berufsverbrecher, der zweite ein„asoziales" Element, und der dritte war ein ehemaliger Soldat der Luftwaffe, der im Rausch ein Flugzeug zerstört hatte und dafür schon zwei Jahre als Häftling im Lager war. Wir nannten diese drei„das Kleeblatt” Um 10 Uhr abends fuhren wir„ein”, Kohlengrubenhölle von Brzeze „ 150 Häftlinge waren für den Grubendienst angenommen. Also waren für jede Schicht 50 Männer eingeteilt. Als wir abends um 10 Uhr unseren Marsch zur Einfahrt antraten, trugen wir uns mit allerhand Gedanken. Wenn wir auch für ihren Sieg arbeiten mußten, so sagten wir uns doch immer wieder, daf jedes Stück Kohle, welches wir für Deutschland zutage fördern mußten, ein kleiner Schritt zur Vernichtung der Nationalsozialisten sei. Wir waren eben der Ansicht, dak, je länger der Krieg dauere, umso radikaler die deut- sche Kriegsmaschine vernichtet würde, ya 99 Zwei Schichten zu je 50 Mann waren vom Lager Jawischowitz abmarschiert. Unterwegs trennten sich diese Schichten, da wir nach der Kohlengrube von Brzeze bestimmt waren. Von weitem schon sahen wir zwei hohe Schornsteine, die hoch über die kleinen Häuser des Dorfes hinausragten. Daneben erblickten wir auch den Turm der Förderkörbe, dessen Räder sich langsam drehten. Als wir im Fabrikhof angekommen waren, erhielten wir nach unseren Nummern die Grubenlampen ausgehändigt. Diese Grubenlampen waren für uns als Häftlinge mit einem besonderen roten Streifen gekennzeichnet. Sie wogen vier Kilogramm, waren elektrisch geladen und sehr stabil. Wurde eine Lampe beschädigt, so wurde dem Häftling, dem diese Lampe übergeben war, Sabotage vorgeworfen, und er wurde deshalb bestraft. Wir gingen einige Treppen zum Förderturm hinauf. Dort wartete schon eine größere Anzahl von Zivilisten auf die Einfahrt. Schmutzig und zerrissen standen die Zivilisten dort, auch ihnen hatte der Krieg alles geraubt. Sie trugen einen Lederhelm auf dem Kopf und waren mit Werkzeugen umhängt. Alte und junge Männer standen dort. Alle machten einen sehr abgearbeiteten Eindruck. Bevor uns die Förderkörbe aufnahmen, mußten wir noch einige Minuten warten. In diesen Minuten zeigten sich die saubergekleideten SS.- Bewachungsleute sehr unruhig, denn Schmutz und Staub konnten sie nicht vertragen. Unterdessen aber rasselten die Förderkörbe voll mit Kohlen beladen hinauf. Die Kohlen wurden auf einer Halde ausgeschüttet und leer gingen die Förderkörbe wieder hinab. Einige alte Arbeiter allerdings, denen das Warten am Förderturm zu lange dauerte, hatten sich auf die leeren Förderwagen gesetzt und rasten so in die Tiefe hinab. Während all dieser Zeit blitzten Signale auf. So ging es Tag und Nacht. Am Eingang zur Grube mahnte uns ein großes Schild:„ Räder rollen für den Sieg". Dann war auch unsere Zeit zur Einfahrt gekommen. Zwei rofe Lampen an der Signaltafel blitzten auf. Das Zeichen zur Einfahrt war gegeben. Je acht Häftlinge mußten immer einen Korb besteigen. In rasender Fahrt ging es bis zur Sole von 230 Meter hinab. Alles war dunkel. Nur die Lampen waren unsere treuen Begleiter, die uns in dieser dunklen Welt noch Verbindung mit unseren Kameraden verschafften. Bange Fragen tauchten auf. Was wird uns da unten begegnen? Ungeheuer waren die Temperaturunterschiede. Es wurde immer wärmer. Wir konnten kaum noch schnaufen. Als wir auf Sole 230 Meter angekommen waren, erblickten wir eine große Menge schwarzer Männer. Dagegen wirkten wir in weiß- blau- gestreiffen Anzügen wie ein Kontrast. Beim Ausrücken aus dem Lager hatte uns der Lagerführer lächelnd gesagt, wir sollten uns vorsehen und unsere Kleidung nicht schwarz machen. Wie auf einem Bahnhof ging es dort unten zu. Ueberall elektrische Lampen und weihe Tafeln an den Wänden. Eben ganz genau so, wie in einer modernen Bahnhofshalle. Ueber uns große Bogen. Lokomotiven kamen und brachten Kohlen. Andere wieder fuhren leere Wagen zurück. Ein ungeheurer Lärm herrschte. Das Rollen der Wagen und das Raffern der Motoren war nahezu ohrenbetäubend. Wir gewannen schnell einen kleinen Einblick in unsere neue Welt. Vorbeigehende Zivilisten wollten sich mit uns in ein Gespräch einlassen. Aber nein, fiel es mir ein," nein". Vielleicht wurden wir beobachtet, und ich wußte ja, dah auch auf dem geringsten Vergehen der Tod stand. Andere Zivilisten wollten uns Brot geben. Sie gaben es uns nicht persönlich, sondern 100 warfen e wir taten Als wir einem Ma gesicht h mich, Fal wenn Ihr Schädel e Er leuc abschlief ein, denn beiten kä Währen eine Benz und sucht meine be stellt zu Bergarbei ein Rev schwunde zogen wi Polen und steiger de den, wen Zwanzig Gänge ge wurden di Finsternis der Hand jetzt. Bev schon vers sehen auf die Kohle Schnaub serem Arb pen der A sollten, nu schienen u zeit erinne auf der Er sehen, daf teten die Kohlen he Die Koh schicht saf war es uns Wir sahen schauen un und Rutsch aber blieb Stückchen men. Mein indem er s rschiert. be von Schornaneben angsam ach unlampen gekennnd sehr m diese deshalb re schon zerrissen ubt. Sie gen umsehr abten wir sauberd Staub den hingen die das WarFördereser Zeit ar Grube mpen an ■. Je acht ging es en waren rbindung Was wird hiede. Es ne große eiffen Aner Lagerung nicht sche Lame in einer amen und geheurer Horen war inblick in einlassen. et, und ich d. Andere n, sondern warfen es in den Papierkorb, wir sollten es uns dort herausnehmen. Aber wir taten es nicht, wir hatten Furcht vor einer geheimen Kontrolle. Als wir eine kurze Weile gestanden und uns umgeschaut hatten, kam mit einem Male ein junger, dicker Mann auf uns zu, der ein richtiges Verbrechergesicht hatte. Er sagte zu uns:„ Ich bin der Chef unter Tage und Sie haben mich, Fahrsteiger' zu nennen. Und wenn Ihr das nicht macht, und mich, wenn Ihr mich seht, nicht mit, Glück auf' begrüßt, so schlage ich Euch den Schädel ein." Er leuchtete jedem einzelnen mit dem Scheinwerfer ins Gesicht und sagte abschließend:" Und nun sage ich Euch noch, laft Euch nicht mit den Polen ein, denn das sind alles Verbrecher. Zeigt den Polen, daß Ihr besser arbeiten könnt als sie." Während dieser Worte war ein älterer Pole zu uns herangetreten, der eine Benzinlampe trug. Nun packte der Fahrsteiger uns einzein im Genick und suchte nach seinem Wunsch Arbeitskräfte heraus. Auch diesmal hatten meine beiden Freunde und ich das Glück, zu ein und derselben Rotte bestellt zu werden. Wir waren sechs Häftlinge. Der angekommene polnische Bergarbeiter musterte uns und ging dann mit uns davon. Dieser Pole war ein Reviersteiger". Kaum waren wir den Blicken des Fahrsteigers entschwunden, so begann der Zivilist mit uns zu sprechen. Lange dunkie Wege zogen wir dahin. Der Zivilist erzählte uns von den Barbareien der SS. in Polen und sagte uns ferner, daß jeder polnische Rottenführer oder Reviersteiger den Befehl bekommen hätte, sofort jeden einzelnen von uns zu melden, wenn er unter dem vorgeschriebenen Arbeitsquantum verbleibe. Zwanzig Minuten waren wir bereits hintereinander durch die dunklen Gänge gegangen. Es ging hinauf und hinunter. Immer niederer und schmäler wurden die Wege. Ort stolperten wir. Wir mußten uns erst einmal an diese Finsternis gewöhnen. Gebückten Körpers und mit der schweren Lampe in der Hand, liefen wir dem Steiger nach. Der Rücken schmerzte uns schon jetzt. Bevor wir an unseren eigentlichen Arbeitsplatz kamen, hatten wir schon verschiedene blutende Wunden am Kopf. Nichts als Steine waren zu sehen auf dem Boden und an der Decke, während an den Seitenwänden die Kohle herausschaute. Schnaubend und schwitzend waren wir endlich nach 45 Minuten in unserem Arbeitsrevier angekommen. Aus der Ferne sahen wir schon die Lampen der Arbeiter aufblitzen. Hier waren die Gänge, in welchen wir arbeiten sollten, nur noch 80 Zentimeter hoch. Diese schmalen, niedrigen Gänge erschienen uns zunächst als Kinderwinkel. Und wir wurden an unsere Kinderzeit erinnert, als wir uns Höhlen gebaut hatten und darin auf Knieschonern auf der Erde herumrutschten. Je näher wir kamen, je mehr mußten wir einsehen, daß dieses keine Spielgegend war. Es war harter Ernst. Dort arbeiteten die Menschen täglich acht Stunden und holten mit den Schaufeln Kohlen heraus. Die Kohlenförderung war noch nicht beendet. Die Arbeiter der Nachtschicht sagen an der Seite und warteten auf ihren Arbeitsbeginn. Zunächst war es unsere Aufgabe, die zweieinhalb Meter langen Rutschen zu verlegen. Wir sahen die Zivilisten in große, dicke Brote beißen. Wir aber mußten zuschauen und hatten nichts. Keiner sprach zu uns. Das Geratter der Motoren und Rutschen machte uns taub. Einige Zivilisten waren eingeschlafen. Wir aber blieben wach, denn wir lebten in der Hoffnung, vielleicht ein kleines Stückchen Brot zu erben. Wieder einmal war mir dieser Gedanke gekommen. Mein Hunger hatte sich verstärkt. Da reichte mir ein junger Bursche, indem er sich ängstlich umschaute und mir mit der Hand einen Wink gab, 101 ein Stück Brot.„ Stecke es in die Tasche", sagte er, aber der Hunger quälte mich so sehr, daß ich nach und nach ein Stückchen nach dem andern in der Tasche abbrach und langsam in den Mund führte. Auch die andern Häftlinge hatten von den Bergarbeitern Brot bekommen. Manche sogar Brot, das mit Butter beschmiert war. Wir waren noch am Essen, als mit einem Male eine Lampe vor uns aufblendete. Wir waren in der ersten Minute blind. Im gleichen Moment klatschte es auf unsere Backen. Die Zivilisten aber sprangen auf, um rasch zu verschwinden. Mit einem Stock jagte uns der Aufpasser, den wir in der Dunkelheit nicht erkennen konnten, durch den Gang." Schnell, schnell, schnell", trieb er uns fortwährend an. Er raste von einem Häftling zum andern. Dieser Antreiber war ein deutscher Reviersteiger, der in seinem ganzen Leben vorher noch nie eine Grube gesehen hatte. Er war eben nur Reviersteiger geworden, weil er alter Parteigenosse war, guf brüllen und gut schlagen konnte. Technische Grubenkenntnisse brauchte er nicht zu haben. Die Spezialarbeiten wurden ja durchgängig von Polen erledigt. Die einzige Aufgabe, die der Antreiber hatte, bestand.darin, auf uns aufzupassen, uns anzubrüllen und uns zu schlagen. Dieser Antreiber hie Sperling, er war Schullehrer und stammte aus dem Rheinland. Er hatte sich freiwillig dazu gemeldet, an einem Schnellkursus für Grubensteiger teilzunehmen. Und schon war er eben Steiger geworden. Die Rutschen waren schwer. Das fortwährende Bücken erschwerte die Arbeit und schaffte uns große Schmerzen. Scharfe Kommandos durchbrachen die Stille. Alles ging militärisch zu. Hautabschürfungen und Wunden, die durch die herabfallenden Steine verursacht wurden, blieben unbeachtet. Es wurde weitergearbeitet. Wir trugen nur unsere dünnen Häftlingsmützen. Lederhelme, wie sie die Zivilisten bekommen hatten, waren an uns nicht ausgehändigt worden. Am andern Morgen gegen sechs Uhr war die erste Schicht beendet. Müde, hungrig und schwarz wie die Neger, traten wir den langen Rückweg zum Schacht, d. h. zum Förderkorb an. Wir freuten uns darauf, in das Lager zu kommen und zu schlafen. Schon trafen wir die Kameraden der Frühschicht. Sie sagten uns, wir sollten uns beeilen, es sei schon sehr spät. Wir mußten springen, um nicht die letzten zu sein, denn wiederum standen SS.- Aufseher bereit, die letzten mit Stöcken über Steine, über Hölzer und über Schienen zu jagen. Eine Lampe nach der andern erlosch. Wir mußten langsamer gehen, wenn wir zusammen bleiben wollten. Als wir am Förderkorb ankamen, standen schon alle andern Häftlinge zur Abfahrt bereit. Wir schilderten uns unsere Eindrücke und unsere Arbeit, unterdessen uns der„ Capó" zählte, ob noch alle da seien. Wir fuhren nach oben. Langsam wurde die Luft wieder frischer. Der Förderkorb hielt und schnell sprangen wir hinaus. Alles mußte ja in Sekundengeschwindigkeit gehen. Noch als wir aus dem Förderkorb heraussprangen, wurden wir schon von den auf uns wartenden SS.- Leuten mit Schlägen auf Kopf und Körper als Dank für die schwere Arbeit begrüßt. Leise mit dem Kopf schüttelnd standen die polnischen Zivilisten dabei. Aber sie durften nichts sagen und sie wagten es auch nicht. Wir gaben die Lampen ab und dann traten wir stumm und schweigsam den Heimweg an. Unsere die Luft, d terschied u viele Zivili uns getäus brüllte uns wir sollten unter den Bestien, zv hernieder. singen, lau Wir ware leitete uns Einmarsch Seife und dem Schutz ins Bad hin Baden muf besichtigt, Baden und selbstverstä säubert hab schen Quäl dem Appe ander von gezogen se Inzwische und die Sch unsere Anz schon gab Ein schril den Band. Sätze zum wenn ich H habt genug an, die ihm Häftlinge z die Häftling an: Sie lü aus unserer von mehrer den Appell Wir erhie und hofften Wir hatte wir wußten Schreie. Wi gen wir auf 102 quälte in der Siftlinge das mit le eine m gleirangen fpasser, Schnell, Häftling seinem se war, rauchte n Polen auf uns er hiek atte sich - teilzudie Arbrachen en, die chtet. Es mützen. ns nicht ie erste wir den ten uns e Kameei schon wiederne, über erlosch. ten. Als zur Abt, unterDer FörkundenOrangen, gen auf dabei. weigsam Grubenhäftlinge ziehen ins Lager zurück Nachtschicht Unsere schönen blau- weißen Anzüge, sie waren einmal sauber. Kalt war die Luft, die wir einatmeten. Und wir empfanden jetzt den gewaltigen Unterschied umsomehr. Wir glaubten, da wir auf der Straße marschierten, wo viele Zivilisten gingen, die SS. würde uns in Ruhe lassen. Aber wir hatten uns getäuscht. Es ging auch hier, wie es uns alle Tage ergangen war. Man brüllte uns an, man stieß uns, man schlug uns, wir sollten aufrecht gehen, wir sollten in gerader Linie gehen, ein Befehl überholte den andern. Und unter den Augen der Zivilbevölkerung schlug die SS.- Wachmannschaft, diese Bestien, zwischen uns hinein. Gewehrkolben rasselten auf unsere Köpfe hernieder. Aber während dieser bestialischen Tätigkeit der SS. mußten wir singen, laut singen. Wir waren müde und abgespannt. Uns war alles egal. Nur ein Gedanke leitete uns, schlafen... schlafen. Endlich kamen wir im Lager an. Vor dem Einmarsch ins Lager mußten wir die Mützen abnehmen. Dann holten wir Seife und Handtuch und rannten ins Bad. Aber auch dort standen wir unter dem Schutz der„ Capos" und der„ SS.- Bestien". Schlagend trieb man uns ins Bad hinein und schlagend holte man uns aus dem Bad heraus. Nach dem Baden mußten wir uns vor unseren SS.- Beglückern aufstellen. Wir wurden besichtigt, ob wir sauber seien. Zwei Minuten hatte jeder Zeit gehabt zum Baden und dabei waren wir hin- und hergetrieben worden. So war es selbstverständlich, daß wir uns in dieser kurzen Zeit nicht ordentlich gesäubert haben konnten. So war auch dieses ein Grund, uns erneuten sadistischen Quälereien auszusetzen. Bis zu zwei Stunden mußten wir nackt auf dem Appellplatz stehen. Dann zählten die SS.- Banditen schnell hintereinander von eins bis fünfzig. Wir aber sollten in dieser Zeit fix und fertig angezogen sein. Inzwischen hatten unsere SS.- ,, Freunde" selbstverständlich unsere Anzüge und die Schuhe durcheinander geworfen. Bevor wir also unsere Schuhe und unsere Anzüge hatten, hatten die SS.- Banditen mehrmals bis 50 gezählt und schon gab es wieder Schläge. Ein schriller Pfiff." Appell". Drohungen und Strafmaßnahmen am laufenden Band. Der Herr Lagerführer hielt eine Rede, aus welcher ich einige Sätze zum besten gebe." Ich lasse Euch den Magen auspumpen, Ihr Schweine, wenn ich höre, daß Ihr von den Zivilisten Essen angenommen habt. Ihr habt genug zu essen, viel mehr wie die Zivilisten." Dann sah er seine Capos an, die ihm sicherlich schon einige Meldungen erstattet hatten, trat auf einige Häftlinge zu und beschuldigte sie, in der Grube geschlafen zu haben. Als die Häftlinge" nein" antworteten, was gestattet war zu sagen, brüllte er sie an:„ Sie lügen!" Und schon knallte es auf die armen Opfer, die er wahllos aus unseren Reihen heraustreten ließ, herab. Ein Laufschritt, unterbrochen von mehreren Auf und Nieder, rund um den Appellplatz herum, beendete den Appell. Wir erhielten Essen, und dann krochen wir unter unsere RHG.- Decken und hofften, bis zum abendlichen Abmarsch schlafen zu können... Wir hatten fest geschlafen. Stunden waren inzwischen vergangen. Aber wir wußten nicht, wie spät es war. Da erschallten mit einem Male laute Schreie. Wir vernahmen ein heftiges Gepolter. Rufe ertönten. Schnell sprangen wir auf. Zu Fünfen mußten wir uns in einer Reihe vor unserem Block 103 aufstellen. Mit Spaten und Schaufeln bewaffnet wurden wir angewiesen, im Lager Gräben zu ziehen. Verstohlen schauten wir nach der Lageruhr. Es war ein Uhr. Und wir hatten geglaubt, einen Tag in stiller Ruhe verbracht zu haben. Umso schlimmer erfaßte es uns jetzt. Ohne Unterbrechung mußten wir schaufeln und schaufeln. Die treuen SS.- Wächter und die ausgebildeten Capos- Schläger waren dauernd um uns herum. Alles lief programmgemäß ab. Weil wir in der Grube nichts geschafft hätten, so rief man uns drohend zu, darum müßten wir jetzt als Strafe im Lager noch arbeiten. Und man sagte hinterher:" Wenn Ihr Eure Arbeit schafft, lassen wir Euch zufrieden". Inzwischen war es vier Uhr nachmittags geworden. Die Suppe wurde vom Hauptlager geliefert. Sie war etwas dicker als die, die wir im Hauptlager erhalten hatten. Kaum hatten wir unser Mahl beendet, die Sonne brannte auf unsere Schädel herab, hieß es:" Weiterarbeiten". Erst am Abend um acht Uhr war die Lagerarbeit beendet. Gleich darauf ging es zum Empfang des Abendessens. Wir sollten verwöhnt werden, wir erhielten einen halben Liter Tee, 1000 gr Brot und ca. 40 gr Käse. Damit wir aber von diesem guten Essen nicht krank würden, wurde uns ab halb neun Uhr abends noch eine Gymnastik verordnet. Singend und mit offenen Wunden an den Füßen sprangen wir über die spitzen Schlacken. Dieser Sport dauerte bis halb zehn Uhr abends. Anschließend begann der Abmarsch nach der Grube. Jeder Häftling hatte zuvor noch ein Schichtenbrot ausgehändigt bekommen, denn der Herr Direktor hatte doch gesagt:„ Meine Häftlinge müssen etwas zu essen haben". Wir standen angetreten zum Abmarsch bereit, als das Kommando ertönte: „ Knie beugt!" Fünf lange Minuten mußten wir in dieser schwierigen Stellung verharren. Kurze Zeit darauf aber ertönte das Kommando:" Abmarsch!" Es ging einer neuen Schicht entgegen. Achtung! Häftling Nr. X ist geflohen Die Arbeit wurde von Tag zu Tag schwerer. Wir fanden keine Ruhe und keinen Schlaf. Ja, wir kamen oft nicht einmal zum Essen. Mit Schlägen in die Grube hinein, mit Schlägen heraus. Dazu das Brüllen. Es gehörten Nerven dazu, eiserne Nerven. Wir hatten nicht nur einen Kampf mit körperlichen Kräften zu bestehen, sondern wir wurden auch seelisch zermürbt. , Langsam verrecken ist besser als plötzlich sterben", so lautete die Parole der SS.- Bestien, die man an uns durchführte. 11 Eines Tages fragte mich ein Unterscharführer:" Wie lange bist Du Schweinehund, schon im Lager?" Ich stand still, nahm die Mütze ab und erwiderte: Zweieinhalb Jahre, Herr Blockführer!--" Was?", schrie er darauf, ,, und Du Bestie lebst noch? Weißt Du nicht, daß ein anständiger Häftling in sechs Monaten zu verrecken hat?"-- Schaum vor dem Munde, versetzte er mir einen Tritt, daß ich hinfiel. Nur wenige Zentimeter vom Starkstrom entfernt. Dieser SS.- Bandit hief Traschner, er war ein rumänischer Freiwilliger und zählte zu den Gefürchtetsten des Lagers Jawischowitz. Nach 14 Tagen waren die ersten Toten zu beklagen. Opfer des Typhus. Diese armen Häftlinge wurden sofort zur Vergasung ins Hauptlager geschickt. Aelteren Leuten fiel die Arbeit zu schwer, andere wieder konnten die Luft nicht vertragen. Sie wurden lebensmüde. Der Starkstrom oder die Scharfschützenkugel befreiten sie von ihren Qualen. Es herrschte eine SelbstmordEpidemie, wie sie ärger nicht auftreten konnte. 104 Wieder Kamerade dem wir Eines N herab, die in gebück man uns: B steiger, d und für si Alarm!- fern, durfte einDie Zivilis seinem Ar Und auch Selbst d Ihr Schw Suchkom Es ging rissen sein er sein,-- alles schad war ein H wurden wi von nichts. und voller man mit un Die Schi korb getrie dabei. Eine Scheinwerfe Dunkelheit mieden die Dann wu bedeckung Häftling hä Wir gabe alles ruhig. Sie kamen ruhig dahin Aber dar abredung, ein. Wir wa netten trieb quälten ers vorbei. Die begleit andauernd Als wir d Verlassen d zu erlebend Wir mußt verhört. Jed esen, im r. 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Die Reviersteiger, der Fahrsteiger, alle fragten, brüllten, schrieen in dem schon an und für sich ohrenbetäubenden Lärm:" Wo ist Häftling X?" Alarm! Glocken schlugen an. Lichter flammten auf.-- Dazwischen Ratfern,-- Brüllen,-- Schreie. Alle Ausgänge wurden besetzt.-- Niemand durfte ein- noch ausfahren. Die SS. tobte und gebärdete sich wie irrsinnig. Die Zivilisten wurden befragt. Nun erfuhren wir, daß ein Häftling nicht an seinem Arbeitsplatz erschienen war.-- Daneben ging die Arbeit hurtig fort. Und auch das Schlagen. Selbst der Lagerführer bemühte sich in die Grube. Ihr Hunde!-- Ihr Schweinel" Suchkommandos Unter- und Uebertage. Alles wurde durchsucht. Es ging um die Wacht- Ehre der SS. Ein Häftling soll ausgerissen sein.-- Daher Hochalarm I-- Es darf nicht sein.- Tot darf er sein,- verunglückt darf der Häftling in einem Stollen liegen,-- das alles schadet nichts, wenn man ihn nur findet. Aber fort, entflohen?-- Es war ein Häftling" unseres" Reviers, das war unser" Schaden. Dafür wurden wir ganz besonders freundlich" behandelt.-- Und wir wußten von nichts. Niemand von uns hatte den gesuchten Häftling gesehen. Zitternd und voller Furcht sahen wir dem Ende unserer Schicht entgegen. Was wird man mit uns machen?-- Die Schicht war zu Ende. Unter Schlägen wurden wir nach dem Förderkorb getrieben. Am Schacht wurden wir wohl fünfzig Mal gezählt.-- Es blieb dabei. Einer fehlte.-- Der Häftling X fehlte.-- Scheinwerfer flammten auf, Scheinwerfer flammten ab. Man glaubte immer noch, er würde sich in der Dunkelheit wieder zu uns gesellen.-- Aber er fehlte.-- Selbst die Zivilisten mieden die Auffahrt, auch sie fürchteten Schläge. Dann wurde die Ausfahrt freigegeben. Alle Zivilisten mußten ohne Kopfbedeckung am Lagerführer vorüber. Jetzt vermutete man, der gesuchte Häftling hätte sich Zivilkleidung verschafft.-- Der Häftling fehlte. Wir gaben die Lampen ab. Wir traten den Heimweg an. Zunächst blieb alles ruhig. Bei jeder Schichtablösung waren viele Menschen auf den Straßen. Sie kamen und gingen.-- Es war die Ruhe vor dem Sturm.-- Wir schritten ruhig dahin. Aber dann,-- ganz plötzlich, mit einem Male, wie auf vorherige Verabredung, begann ein wahnsinniges Wüten. Man schlug wie nie auf uns ein. Wir waren unseres Lebens nicht mehr sicher. Mit aufgepflanzten Bajonetten trieb man uns dahin. Die Zivilisten waren von den Schreien der Gequälten erschüttert. Die Frauen gingen mit Tränen in den Augen an uns vorbei. Die Männer aber ballten die Fäuste in der Tasche. Der Lagerführer " begleitete" uns. Wie betrunken rannte er neben uns her und scho andauernd mit erhobenem Revolver in die Luft. Als wir die Lagertore erblickten, wußten wir, daß das, was wir seit dem Verlassen der Grube erlebt hatten, nur ein kleiner Kosthappen der noch zu erlebenden Genüsse sein konnte. Wir mußten schnell baden. Anschließend wurden wir vom Lagerführer verhört. Jeder einzeln. Nach dem Verhör rif man uns die Hosen herunter, 105 spannte uns über einen Bock und zehn feste Hiebe mit dicken Gummiknüppeln prasselten auf unser nacktes Hinterteil hernieder. Wir erlitten wahnsinnige Schmerzen. Doch es kam noch schlimmer. Wer gedacht und sich darauf gefreut hatte, endlich schlafen zu können, der hatte sich sehr getäuscht. Die anderen Reviere erhielten Schlafbefehl. Unser Revier nicht. Wir durften nicht schlafen, erhielten aber auch keine Arbeit zugewiesen. Etwas Unglaubhaftes folgte. Sieben Stunden mußten wir in Kniebeugestellung auf dem Appellplatz verbringen. Es waren Stunden entsetzlichster Qualen. Nach jeder Stunde erhielten wir als Labemittel" einen Eimer kaltes Wasser über den Kopf. Fiel ein Häftling um, dann schlug man ihn nieder. Die Haut des Hinterteils war aufgeplatzt. Schmerzen über Schmerzen. Aber,- wir mußten aushalten. Als sieben Stunden vorüber waren, hiek man uns„ Aufstehen!" Dazu war aber niemand in der Lage. Kameraden trugen uns in unsere Blocks. Eine halbe Stunde darauf gab es Essen und kurz danach ging es zur neuen Schicht in die Grube. Wir wurden dem besonderen Schutz der SS. anvertraut. Wir mußten am Ende des Zuges laufen. In der Grube.-- Arbeiten konnten wir nicht, denn die Glieder rissen, und die Wunden schmerzten zu sehr. Die Zivil- Arbeiter ließen uns auf die Seite sitzen. Doch,-- wenn ein Scheinwerfer aufflammte, dann griffen wir schnell nach Hacke oder Spaten. Noch tagelang empfanden wir Schmerzen und waren gehbehindert. Neun Tage waren seit der Flucht des Häftlings X vergangen. Neun lange Tage war er für uns verschwunden, mußten wir für seine Flucht büfen. Und nur neun kurze Tage befand sich der Häftling X in Freiheit. Am zehnten Tage war er wieder da. Ungefähr 100 Kilometer von Auschwitz entfernt, hatte ihn die Gestapo aufgegriffen. Er mußte uns erzählen, wie er seine Flucht durchgeführt habe. Als er in die Grube eingefahren war, zog er sich einen dort bereitliegenden Zivilanzug an, setzte sich einen Lederhelm auf, machte sich schwarz und fuhr sofort wieder nach oben, an der SS. vorbei, unerkannt an der Lampenausgabe vorbei und huschte zum Tor hinaus. Eine polnische Familie, die einige Zeit später dafür gehenkt wurde, gewährte ihm zwei Tage Unterkunft. Und von dort ging er nächtlich fort und weiter. Immer nur nachts. Er wollte nach Warschau. Dort stammte er her und dort glaubte er, sich vor den Schergen der Nazis verbergen zu können. Ganze Abteilungen der SS. und der Gestapo waren aufgeboten gewesen, den Häftling, koste es, was es wolle, wieder zu ergreifen. Sein Leben war verwirkt. Aber wir, die Kameraden aus seinem Revier, wir waren die Leidtragenden. Wir büßten schwer. Wäre dem Häftling die Flucht gelungen, dann, so wußten wir, hätte dieser von den viehischen Milhandlungen berichtet.-- Aber, wer wollte uns helfen?-- Halb Europa war von den Nazibanden besetzt. Woher sollte uns denn überhaupt Hilfe kommen? Von diesem Tage an wurden auch die Zivilarbeiter täglich genau kontrolliert. Ohne Kopfbedeckung mußten sie an der SS.- Kontrolle vorbei. Wer keine Haare auf dem Kopfe hatte, oder seine Haare kurz geschoren frug, mußte sich einen Ausweis verschaffen, der bestätigte, daß--. Wir Häftlinge mußten Arm in Arm nach Hause gehen, damit sollte jede Flucht unmöglich gemacht werden. Die beiden Außenleute einer jeden Reihe waren dafür verantwortlich, daß niemand entsprang. 106 Es schie mußte tern tr russisc gehen Der P Schief sollten eines Durch Kornfe entgeg Unte lagen herbei unter Im L einer B Arm g Geweh Es fo Es erfo Da f schone dige in Der jeder A Dem Dieser schickt. Es ga Der K spürten und ge für uns Nazis 11 sonst w ben, de vergase Ja, de Die Z Die Z Viele w Lebens Als lingen a mmilitten und sehr Wir esen. estelchster Eimer n ihn erzen. hief raden und en am rissen, uf die en wir merzen. lange . Und ehnten tfernt, seine iegenchwarz an der e, ge-rt und er her önnen. wesen, Revier, ng die n Mißpa war Hilfe ontroli. Wer n trug, e jede Reihe Es war in der Zeit, als das Korn reif auf den Feldern stand. Wir marschierten" heim. Wir hatten die Schicht gewechselt Es war dunkel. Wir mußten unsere Schuhe als Strafe für eine Schuhverwechslung auf den Schultern tragen. Wir gingen an den Kornfeldern vorbei.-- Plötzlich sprang ein russischer Häftling aus seiner Reihe heraus, warf dem seitwärts vor ihm gehenden SS.- Posten die Schuhe ins Kreuz und verschwand im hohen Korn. Der Posten ihm nach.-- Wir warfen uns zur Erde. Es begann eine wilde Schießerei in das Getreidefeld hinein. Leuchtspurkugeln stiegen auf. Sie sollten den anderen marschierenden" Kolonnen Kenntnis von der Flucht eines Häftlings geben. Gleich darauf setzte das Feuer von allen Seiten ein. Durch das Hin und Her verirrt, sprang der Russe an der anderen Seite des Kornfeldes heraus und rannte einer„ zum Schacht" marschierenden Kolonne entgegen. Nach wenigen Augenblicken war der Russe eingefangen. Unterdessen hatten wir ganz unbemerkt unsere Reihen verschoben. Wir lagen noch am Boden. Wir waren mäuschenstill. Der durch die Schießerei herbeigeeilte Lagerführer befahl die Erschießung beider Außenreihen. Darunter war auch ich. Im Lager angekommen, wurden wir herausgezogen und an die Wand einer Baracke gestellt. Man fragte noch einmal, wer den Russen aus seinem Arm gelassen hätte. Niemand antwortete. Da erhoben die SS.- Schützen ihre Gewehre und richteten die Läufe auf uns. Es folgte ein Schuß in die Luft. Wir sollten weich" gemacht werden. Es erfolgte neue Befragung.-- Eine Antwort kam nicht. Alles blieb stumm. Da trat der Russe vor und bat, man möge ihn erschießen, man möge uns schonen. Er war gerührt von unserem Verhalten. Dat lieber zehn Unschuldige in den Tod gehen wollten, als einen Kameraden zu verraten. Der Lagerführer nahm den Befehl zum„ Erschießen" zurück. Dafür erhielt jeder Außenmann fünf Peitschenhiebe auf den Hintern. Dem Russen aber wurde auf Brust, Rücken und Hose ein Kreis genäht. Dieser Kreis bedeutete Fluchtgefahr". Er wurde ins Hauptlager geschickt. Sein Leben war beendet. Es gab ja genügend Menschen. Versprechungen und ihre Auswirkungen Der Krieg ging langsam" weiter. Von großen Erfolgen der Nazis verspürten wir nichts mehr. Die Zivilisten ließen hin und wieder verstohlen und geheimnisvoll durchblicken,-- es ginge rückwärts". War das gut für uns, oder schlecht? Bald waren wir uns auch darüber klar. Wenn die Nazis zurück" gingen, dann mußte der Krieg schnell" beendet sein, sonst waren wir verloren, sonst würde kein Häftling mehr am Leben bleiben, denn-- ehe die Nazis uns zurück ließen, eher würden sie uns alle vergasen. Ja, der Krieg ging langsam weiter. Die Zeit aber verlief viel zu schnell. Die Zahl der Häftlingsgrubenarbeiter war wesentlich geringer geworden. Viele waren getötet, andere hatten sich selbst gemordet, sie waren des Lebens müde geworden. Als Zivilarbeiter" waren wir eingestellt und von den anderen Häftlingen abgesondert.-- Als Zivilarbeiter". 11 107 Neue Transporte rollten an. Es waren Juden aus dem besetzten und unbesetzten Frankreich. Bei der Ankunft wechselten Freude und Leid. Off sahen sich Väter und Söhne wieder, off trafen sich Leidenskameraden, die sich vor Jahren,- vor Jahren kennengelernt hatten. Dann herrschte eine kurze Zeit Freude, aber-- bald darauf übernahmen Leid und Qualen wieder das Regiment. Immer wieder kamen Bekannte aus früherer Zeit. So traf ich auch einmal eines Tages meinen Kollegen aus Gurs, der mit mir auf der Pumpstation war. Auch hölländische und belgische Juden trafen ein. Wir fragten sie:„ Was macht die englisch- amerikanische Luftwaffe?" Und dann berichteten sie uns von den furchtbaren, Tag und Nacht währenden Bombardements.„ Lange dauert es nicht mehr", sagten sie. Die Neuankömmlinge schickte man teils in die Grube, teils stellte man aus ihnen ein Uebertagekommando, das den Namen Schachtkommando" erhielt, zusammen. Wir waren über die Einrichtung sehr erfreut, denn man hatte uns gesagt, während der Zeit, in der das Schachtkommando das Lager aufbaute, könnten wir dann schlafen. Warum freuten wir uns eigentlich? Wir hätten doch wissen müssen, daß alles nur leere Worte waren, daß diesen Bestien kein Wort heilig war! Und richtig. Zwei Tage waren vergangen.-- Da war alles vergessen. Es wurde noch schlimmer, noch quälender! Die Arbeit wurde noch härter,-- und das Brot wurde schlecht und schlechter. Es war manchmal geradezu ungenießbar. Dadurch kam es, daß wir unser Brot liegen ließen. Und dieses wiederum hatte den Befehl zur Folge:„ Die Brotration wird auf die Hälfte herabgesetzt. Die Lagerinsassen haben keinen Hunger, draußen aber betteln hunderttausende von Zivilisten um ein kleines Stück Brot!" , Wartet Ihr Hunde", schrie der Lagerführer nach Bekanntgabe dieses Befehls, ich werde Euch schon zahm bekommen!" " Alles war Lug und Trug. Alles Schwindel. Immer nur leere Worte.-- Warum glaubten wir eigentlich immer wieder?- Weil wir dumme Menschen waren, die immer wieder, trotz der vielen erlebten Greuel, an das Gute im" Menschen glaubten. Wie dumm waren wir doch! Und wir glaubten an den Tag der Befreiung. Wir hofften von Ost und West. Der Gesundheitszustand der Häftlinge verschlechterte sich von Tag zu Tag. Die Neuangekommenen wurden krank. Ein wenig Fieber genügte, sie für arbeitsunfähig" erklären zu lassen.-- Und damit... Der Herr Direktor ließ sich nicht mehr sehen. Niemand kümmerte sich um uns„ Zivilarbeiter". Obwohl in der Grubenkantine täglich ungefähr zweihundert Liter Suppe übrig blieben, wir erhielten nichts davon. Man gab die Suppe lieber den Schweinen. Ja,-- aber warum? Wir waren doch auch nur Schweine, wir zählten doch auch zu den Tieren! Die holländischen Häftlinge magerten am schnellsten ab, denn sie kamen aus dem Lande, in dem Milch und Honig flot!" Jetzt aber? Viele kamen ins Hauptlager zurück!-- Dann ging es an die Italiener. Sie waren der schweren Arbeit nicht gewachsen und konnten außerdem die Kälte am Tage nicht vertragen. Wir dagegen, die wir schon eineinhalb Jahre hungerten und deren Mägen keine Ueppigkeiten mehr kannten, wir waren abgehärtet. Uns machte eine Verschlechterung nichts mehr aus. So wechselte das Bild des Lagers. Zugänge Abgänge. Freude, Leid und Schmerz. Je kürzer die Freude war, je mehr sprach man von ihr. ,, Es ist nichts schwerer zu ertragen, als eine Reihe von guten Tagen." In k und G Schilde ärztlich unfähi hande Auch Die U durchg uns an ginger oder g einen Sah der SS schon schen Worte ging u wir sol pfleger Trotz die Gr Hauptla Der H Auschw Somme wurden zogen. 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Die Untersuchungen wurden von einem SS.- Arzt aus dem Lager Auschwitz durchgeführt. Wir Häftlinge mußten vor ihn hintreten und der Arzt schaute uns an. Wir brauchten uns dabei nicht auszuziehen. Die Untersuchungen gingen sehr schnell vor sich. Wer einen abgemagerten Eindruck machte, oder gar der SS.- Arzt- Bestie unsympathisch war, wurde unbemerkt durch einen Häftlingspfleger aufgeschrieben. Sah einer von uns Häftlingen als zu schwach und mager aus, so sagte der SS.- Arzt zu ihm, indem er ihm auf die Schulter klopffe:„ Sie haben schon genug gearbeitet, Sie brauchen Erholung, damit Sie wieder mit frischen Kräften für den Sieg arbeiten können." Höhnischer konnten keine Worte gesprochen werden. Dieses in Worten ausgedrückte Wohlwollen ging uns durch und durch. Wie Eiswasser lief es uns über den Körper, wenn wir solche Worte hörten. Inzwischen war dieser Häftling von dem Häfflingspfleger auf die Liste der„ Erholungsbedürftigen" gesetzt. Trotzdem aber wurden diese Erholungsbedürftigen ohne Unterbrechung in die Grube geschickt und erst nach einigen Tagen zurückbehalten, wenn das Hauptlager Auschwitz den Bericht des Arztes zur Kenntnis genommen hatte. Der Herr Lagerführer schickte darauf einen zweistöckigen Viehwagen nach Auschwitz, in welchen die Häftlinge ohne Kleidung, ganz gleich ob es Sommer oder Winter war, nach dem Aufruf ihrer Namen hineingestoßen wurden. Dieser zweistöckige Viehwagen war hoch mit Stacheldraht überzogen. Er war schnell von Erholungsbedürftigen gefüllt. Und zur letzten Füllung, Leichen waren ja immer da, wurden die in den letzten Stunden verstorbenen Häftlinge noch hinaufgeladen. Es kam häufig vor, daß die Toten einfach auf die Schwachen, auf dem Wagenboden liegenden erholungsbedürftigen Häftlinge geworfen wurden. War auch dann noch Platz vorhanden, so kamen noch einige Kranke hinzu, die nur kurze Zeit zur völligen Wiederherstellung ihrer Gesundheit" in das Hospital kommen sollten, die jedoch nie wieder zurückkehrten. Sobald die erkrankten und erholungsbedürftigen Häftlinge das Lager Jawischowitz verlassen hatten, wurde die Kleidung der Abgegangenen desinfiziert und bereits neu eingetroffenen Häftlingen wieder zugeteilt. Mit strahlendem Lächeln standen die SS.- Bestien dabei, wenn dieser Viehwagen mit den Kranken und Schwachen das Lager verlief. Schrecklich war der Anblick, wie man Menschen wie Vieh zur Verladung brachte. Alle diese erholungsbedürftigen Häftlinge tauchten nie wieder auf, denn wie wir erst später erfuhren, hatten auch diese bereits eine Stunde nach ihrem Abtransport ihr Leben in den Gaskammern von Auschwitz ausgehaucht. Auch ich wurde einmal unbemerkt bei einer solchen Untersuchung aufgeschrieben. Aufgeregt kam am nächsten Tage ein Kamerad aus dem Häftlingskrankenbau zu mir und sagte:„ Weißt Du, daß Du auf der Liste zur Vergasung stehst?" Ich muß wohl kreideweiß geworden sein und ich drohte, in Ohnmacht zu fallen. Tränen liefen mir über die Wangen. Ich konnte es 109 mir nicht vorstellen, da so etwas möglich sei. Als mir dieser Kamerad aber die Liste zeigte, worauf mein Name verzeichnet war, da mußte ich jeden Zweifel schwinden lassen. Knieend bat ich ihn, er möge mir helfen. Ich versprach ihm, wenn wir aus diesem Lager herauskämen und er würde einmal in Not geraten, daß auch ich ihm helfen würde, wie ich könnte. Was also fat mein Kamerad? Er verübte eine Fälschung. Und wie? Es war ein schauderhaftes Glück, aber für mich war es ein Glück. Zur selben Zeit, als wir nach dem Hauptlager abtransportiert werden sollten, war ein Toter im Totenkeller eingeliefert worden. Der Kamerad radierte nun meine Lagernummer auf der Liste aus und setzte die des Toten hinein. Als Bemerkung stand dahinter der inzwischen verstorben ist". Es klappte alles. Ich war noch einmal gerettet. Aber was ich für seelische Qualen in diesen Stunden durchgemacht habe, das kann ich niemandem beschreiben. Was ist es schon, geschlagen zu werden, getreten zu werden, gegen die Angst, zu wissen, in einer Stunde tot zu sein. Von dieser Minute ab erkannte ich erst die Greueltaten der SS. in ihrer vollsten Erfüllung. Ich wurde hart. Und, ich muß es zu meinem Bedauern bekennen, es machte mir später nichts mehr aus, Kameraden scheiden zu sehen, denn was in dieser Minute jenem passierte, konnte schon in der nächsten Minute mir selbst passieren. Das Leben in Auschwitz und seinen Zweiglagern bot keinen Wert mehr. Häftlings- Krankenbau Jawischowitz Das Lager hatte sich von Monat zu Monat vergrößert. Kranke waren unausbleiblich. Und so entschloß sich die Lagerleitung eines guten Tages, für die Grubenarbeiter einen Krankenbau zu errichten. Diese Absicht war nun nicht etwa eine Umstellung auf menschliche Gefühle, sondern entsprang lediglich der Tatsache, daß viele Häftlinge in der Grube zu Spezialisten ausgebildet waren und an diesen Spezialisten Mangel herrschte. Man sah sich daher gezwungen, alle derartigen Grubenarbeiter nach Möglichkeit am Leben zu erhalten, um die Kohlenförderung nicht zu gefährden. Allerdings konnte in diesem Krankenbau niemand länger als acht Tage bleiben. Wer nach acht Tagen noch nicht wiederhergestellt war, kam, wie alle übrigen Kranken, zur„ völligen Heilung" nach dem Hauptlager Auschwitz. Die beste Aussicht, im Krankenbau aufgenommen zu werden, hatten die Häftlinge, die während ihrer Grubenarbeit einen Unfall erlitten. Wer durch Schläge mit dem Bajonett oder mit Gummiknüppeln arg verwundet war, der hatte dagegen kein Anrecht auf Heilung. Die im Krankenbau aufgenommenen Häftlinge hatten nebenbei im Lager leichte Arbeiten" zu verrichten. Denn jedem Kranken wurde ja gesagt,„ dies ist ein Arbeitslager, aber kein Krankenlager!" Und worin bestand nun die leichte Arbeit? Der Häftling mußte um fünf Uhr morgens aufstehen und z. B. im Winter bis abends um fünf Uhr im kalten Keller sitzen und ununterbrochen Kartoffeln schälen. Natürlich unter Bewachung, denn man befürchtete, daß sich die hungrigen Häftlinge an den rohen Kartoffeln satt äßen. Andere mußten, sofern sie gehen konnten, in der eisigsten Kälte den Appellplatz säubern. So und ähnlich wurden die schonungsbedürftigen Häftlinge zur Arbeit herangezogen. Die Folgen aber, die durch diese Art Krankenbehandlung eintraten, waren, daß die Wunden nicht heilten und der neunte Tag der Krankenbehandlung 110 schnelle linge i wie Vi den, di Tod fü in den Lagerfü Warun Euch. 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Wenn durch diese Qualen immer wieder Häftlinge in den erlösenden Starkstromdraht getrieben wurden, dann sagte der Herr Lagerführer mit freundlich lächelnden Augen und süß klingenden Worten: Warum geht Ihr immer wieder an den Draht? Wir wollen ja gar nichts von Euch. Ihr wift doch, daß wir in Auschwitz ein gutes Krankenhaus haben und daf Ihr dort geheilt werdet." In seinen Worten war aber eine ganz andere Absicht verborgen. Je mehr Menschen im Lager starben, oder sich selbst mordeten, umso weniger konnte der Herr Lagerführer zur Vergasung schicken. Er erfüllte alsdann das vorgeschriebene Pensum nicht und ihm gingen damit allerlei Vergünstigungen verloren. Es war im Monat Oktober 1943. Die Sirenen heulten und mahnten uns, dafs eine Explosion stattgefunden hatte. Die SS.- Bestien erinnerten uns daran, daß in diesen Augenblicken viele unserer besten Kameraden dem Tod und dem Verderben ausgesetzt seien. Die Frauen und Angehörigen der Zivilgrubenarbeiter rannten nach der Grube, um zu sehen und zu hören, was passiert sei. Ob sich auch ihre Angehörigen in Todesgefahr befänden. Kaum war eine halbe Stunde vergangen, da kamen die Rettungszüge mit Toten und Schwerverletzten aus der Grube angefahren. Schon wenige Minuten nach der Explosion waren die ersten Toten geborgen und ans Tageslicht befördert. Vier Stunden lang fuhr das Sanitätsauto hin und her, um leichtoder schwerverletzte Häftlinge in das Lager zurückzubringen. Einfach entsetzlich war der Anblick der Verletzten. Schwarz vom Kohlenstaub und viele Gesichter bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. An Händen und Beinen hingen die Fleischstücke herab. Leblos lagen viele auf den Bahren und noch nicht einmal die eintätowierten Häftlingsnummern waren zu erkennen. Die Schmerzensrufe und das Stöhnen waren schrecklich anzuhören. Es stellte sich dann später heraus, daß die Explosion durch Unvorsichtigkeit eines Schießmeisters verursacht war. Dieser hatte trotz Verbots, da Gas in diesem Stollen war und seine Benzinlampe die Gefahr angekündigt hatte, geschossen. Die Funken hatten im Nu eine Stichflamme von einer Länge von 150 Meter hervorgerufen, die vielen Zivilisten und zwanzig Häftlingen das Leben nahm. Als alle Häftlinge geborgen waren, kam der Herr Direktor, drückte jedem der Verwundeten die Hand, soweit sie bei Besinnung waren und versprach ihnen, nach ihrer Genesung leichte Arbeit in der Grube zu geben. Dabei verga er ganz, daß er erst einige Tage vorher gesagt hatte, in der Grube gäbe es nur schwere Arbeit. Kaum hatte der Direktor, der ja selbst ein Nazi und über die Vorkommnisse im Lager genauestens informiert war, das Lager verlassen, da erschien auch schon ein Auto, um die Verunglückten in ein„ Hospital" zu überführen. Ausdrücklich wurde dabei gesagt, sie kämen nicht nach Auschwitz. Nach acht Tagen aber erzählten uns Neuankömmlinge, daß sie gesehen hätten, wie Häftlinge an Händen und Gesichtern schwarz, in die Gaskammern transportiert worden seien. Man log also und schwindelte das Blaue vom Himmel herunter, und man schämte sich nicht darüber. Ich möchte in diesem Kapitel noch etwas anderes erzählen. Zu Direktionsbeamten, die die Kontrolle in der Grube ausführten, hatten sich Häftlinge einmal geäußert, daß man die verletzten Menschen nach Auschwitz zur 111 Vergasung schickte. Gleich am darauffolgenden Sonntag wurde alsdann eine Generaluntersuchung eingesetzt. Bei dieser Untersuchung wurden 400 Häftlinge erholungsbedürftig" geschrieben. Zwei Baracken mußten geräumt werden. Je zwei gesunde Häftlinge mußten in einem Bett schlafen. Die erholungsbedürftigen" Häftlinge aber verlegte man in diese Baracken. Sie bekamen dort etwas mehr Brot, etwas mehr Margarine und auch mehr Wurst. Diese Mehrrationen für die Kranken wurden uns abgezogen. Jeder Kranke erhielt sogar täglich ein halb Liter Milch. So etwas hatte es in den Jahren meines Lageraufenthalts nie gegeben. Vier Wochen waren vergangen. Die Kranken hatten sich wieder herausgepäppelt. Man hatte sie nicht arbeiten lassen. Sie brauchten nicht einmal den Appellplatz zu reinigen. In der fünften Woche erzählte man den Kranken, sie kämen nicht mehr in die Grube zurück, weil der Arzt festgestellt hätte, daß sie die Grubenluft nicht vertragen könnten.-- Und was geschah weiter? Wenige Tage später kam der bekannte Viehwagen und alle diese Häftlinge wurden, diesmal aber mit Kleidern, auf den Viehwagen verladen. Man ließ durch Neuankömmlinge erzählen, daß die Häftlinge, die sich wieder erholt hätten, in ein schöneres Lager verlegt worden seien. Die Wahrheit aber war, auch diese Häftlinge waren in Auschwitz vergast". Mit Wehmuf denke ich immer wieder an diesen Transport zurück, weil sich hierunter auch einige meiner Freunde befanden. Sie hatten mir noch beim Abschied gesagt:„ Na, wenigstens werden wir nicht vergast". Seit dieser Zeit habe ich mich von allen Untersuchungen gedrückt. Ich hatte mich in Aborten, unter Betten, und selbst zwischen den Kartoffeln verborgen, aber immer erst dann, wenn die Zählung beendet war. Durch dieses Verbergen bin ich bestimmt dem auch für mich vorgesehenen Tode entgangen. Die Humanität der SS.- Aerzte Wie human" wir Häftlinge behandelt wurden, dafür mögen die beiden Dokumente zeugen, die hierunter abgedruckt werden. Aus diesen an Reichsdeutsch e" gerichteten Schreiben geht die Höflichkeit" hervor, die den Außenstehenden gezeigt wurde. Man konnte so und man konnte anders. Dieses Buch aber trägt den Titel„ Das wahre Gesicht HitlerDeutschlands". Und darum muß die Lüge nachgewiesen werden. 112 Waffen- SS. Konzentrationslager Lublin Kommandantur Sehr geehrter Herr...! Ihr Bruder meldete sich am 7. 1.44 krank und wurde daraufhin unter Aufnahme im Krankenhaus in ärztliche Behandlung genommen. Es wurde ihm die bestmöglichste medikamentöse und pflegerische Behandlung zufeil. Trotz aller angewendeten ärztlichen Bemühungen gelang es nicht, der Krankheit Herr zu werden. Ich spreche Ihnen zu diesem Verluste mein Beileid aus. Ihr Bruder hat keine letzten Wünsche geäußert. wie Wa Kon Kon ve TH = 100 D G der nung Auch i Tag. Scho arbeit ei ziert. Es leben, di ten. Das Der Vif mußten o hatten. W fallenen H acht Tage unfähig". zu dem brechung Obwohl mit„ Energ den krank In der transportb der würde blick still fernen. Da tage. Was unter den R gelang es blick aber kleinen Fin Voller F Tritt und sa 8 sdann en 400 eräumt n. Die en. Sie mehr en.-- tte es erauseinmal Kranestellt eschah e diese -laden. h wieWahr, weil r noch 7. Seif ■ hatte Ich habe die Gefangeneneigentumsverwaltung meines Lagers angewiesen, den Nachlaß an Ihre Anschrift zu senden. Waffen- SS. Konzentrationslager Lublin Kommandantur ( Unterschrift) SS.- Obersturmbannführer und Lagerkommandant Ihr Bruder... geb.... ist am 31. 1. 44 an den Folgen von Gefäßverkalkung im hiesigen Krankenhaus verstorben. Die Leiche wurde am 3. 2. 44 im staatlichen Krematorium eingeäschert. Gegen die Ausfolgung der Urne bestehen, wenn eine Bescheinigung der örtlichen Friedhofsverwaltung beigebracht wird, daß für die ordnungsmäßige Beisetzung Sorge getragen ist, keine Bedenken. ( Unterschrift) SS.- Obersturmführer und Lagerkommandant orgen, vorgeie beisen an keit" d man Hitlern unter erische = nicht, Vitaminmangel und seine Folgen Auch in unserem Arbeitslager" stieg die Häftlingszahl von Tag zu Tag. Schon waren es 1500 geworden. Davon waren 1000 für die Grubenarbeit eingeteilt. Die zugeteilten Lebensmittel waren auf die Hälfte reduziert. Es hatten also nur die Häftlinge die Möglichkeit einigermaßen zu leben, die während ihrer Grubenarbeit zuzüglich etwas organisieren konnten. Das aber waren nur wenige. Der Vitaminmangel zeigte sich auf verschiedene Weisen. Viele Häftlinge mußten operiert werden, weil sich Geschwulste an ihrem Körper gebildet hatten. Wir nannten diese Erkrankungen„ Phlegmona!" Die davon überfallenen Häftlinge liften arge Schmerzen. Aber auch sie mußten" binnen acht Tagen wieder gesund sein, anderenfalls drohte die Erklärung„ arbeitsunfähig". Also gings mit einem Papierverband erneut in die Grube oder zu dem sonstigen früheren Arbeitsplatz. Eine derartige Krankheitsunterbrechung führte zu ständigen Neuerkrankungen. Obwohl ich mich bemühte, nicht„ krank" zu werden und jeden Schmerz mit Energie" überwand, hatte auch ich einmal Pech, ohne mein Verschulden krank zu werden, einen Unfall zu erleiden. In der Grube war ein ca. zwei Zentner schwerer Stein auf das Gummitransportband gefallen. Zuerst hatte mich der stille Wunsch erfaßt, die Bänder würden von dem großen Gewicht zerreißen. So stand ich einen Augenblick still daneben.-- Ich konnte aber auch den Stein allein garnicht entfernen. Da kam der Reviersteiger heran und beschuldigte mich der Sabotage. Was dieser Vorwurf zur Folge hatte, wußte ich. Also bemühte ich mich unter den Fuftritten des Steigers den Stein zu entfernen. Unter größter Mühe gelang es mir, den schweren Stein herumzureißen. In demselben Augenblick aber kam auf dem Band ein anderer Stein herangerutscht, der mir den kleinen Finger abquetschte. Voller Freude sah der Steiger das Blut rinnen. Dann gab er mir einen Tritt und sagte:„ Geh weg, du Saboteur!" 8 113 Mit Zeitungspapier verband ich meinen Finger. Ein kleines Stück Holz hielt den Verband zusammen. Das Blut rann weiter. Fünf Stunden mußte ich in der Grube warten. Erst nach Beendigung der Schicht konnte ich mich in Behandlung begeben. Acht Tage war ich im Revier. Die Wunde war noch offen, als ich wieder in die Grube mußte. Da ich aber bereits ein alter" Grubenarbeiter war, so gelang es mir, bis zur Wiederherstellung meines Fingers eine etwas leichtere Arbeit zu erhalten. Somit entging ich dieses Mal dem Transport mit dem„ Viehwagen". Auch verschiedene Zahnkrankheiten traten durch den Vitaminmangel ein. Um hierauf behandelt zu werden, mußten die Häftlinge acht Tage vorher angemeldet sein. Und, um in den Krankenbau hineinzukommen, mußte man stundenlang, ohne Schuhe und Strümpfe, auch im Winter, im Freien warten, bis man an die Reihe kam. Zwei Aerzte waren vorhanden. Ein SS.- Arzt,- eine Bestie,- und ein Häftlingsarzt. Hatte der Häftling das Pech, in die Behandlung des SS.- Arztes zu kommen, so ging es ihm schlecht. Es war ein„ Launenarzt". Hielt diese Bestie den Zahn für gesund, und die angegebenen Schmerzen für erfunden, dann ballte dieser Arzt seine Hand zur Faust zusammen und schlug dem Häftling mit voller Wucht in die Zähne. Dabei flog häufig nicht nur der schwere Behandlungsstuhl um, sondern es flogen auch noch gesunde Zähne aus dem Munde heraus. Der Häftling aber wurde wegen Abgabe falscher Krankheitsmerkmale" und wegen Beschädigung des Krankenstuhles, mit Schlägen und Tritten bestraft. Man mußte schon mit der Behandlungszeit genau bekannt sein, um nicht in die Hände des SS.- Zahnarztes zu fallen. Freizeit im Kohlengrubenlager Mittagsschicht „ Freizeit".-- Wie schön klingt das Wort!-- Ach, jedes Wort klingt schön, in dem die Silbe ,, frei" vorkommt. Wir hatten nicht vergessen, daß wir uns in einem Konzentrationslager befanden und nicht in einem Sanatorium. Aber wir waren doch Zivilarbeiter. Da hätte doch der 5000 VoltStarkstromdraht entfernt werden können. " Nein", sagte man zu uns, das geht nicht, der Starkstromdraht muß sein. Der gehört zu jedem Lager. Aber, der ist doch garnicht gegen Euch gerichtet." Zu unserem Schutz war veranlagt worden, daß noch ein zweifer,„ ungeladener" Draht gezogen wurde, damit wir nicht in die Starkstromleitung rannten und uns etwa gar verletzten oder dabei sogar zu Grunde gingen. Ferner hatte man Außenposten, und zwar„ Doppel"-Posten aufgestellt, die sollten den Feind oder böse Menschen abwehren, die uns etwas tun wollten". Die Lagerleitung war in dieser Beziehung sehr um uns bemüht. Es ist nicht nur Ironie, wenn ich solche Sätze schreibe. Nein,-- Worte solchen Inhalts wurden uns tatsächlich gesagt. Und oft mit ernstem Gesicht. Hielt man uns nun schon für„ Totalidioten", oder waren die SS.- Männer, die uns solche Kindereien erzählten, gehirnschwach? Wann hatten wir nun eigentlich Freizeit? Ich war inzwischen in die Mittagsschicht gekommen, deren Einfahrt um zwei Uhr mittags und Ausfahrt um halb elf Uhr abends stattfand. 114 Einma deutete um uns " Marsch Wir geri dafür al Dann hi mal nich Unter de griffen wir weni Waren getriebe lichen Sp Erst w stehen", Und daz Zum Sch meinscha In Sek Blutübers Lagerführ sollte die Aber,- erschrake sagte:„ V Qualen uns doch. An and daran gin Weil di Häftlinge des Lager Grube ei Schnaps d tionen ab. Nachden hatten, far ertönte da Hände, un mußten wi Kleidungss Gefunde Folge: Le Einmal v Sacharin g einen Zett morgen um einer Prüg Der neue seine Spez bewiesen H C Holz e ich ch in noch mir, it zu gen". ein. orher man arten, zt,-- n die war angedzur ähne. dern ffling n Benicht klingt , dak SanaVoltsein. h ge ungeeitung Engen. It, die stun Worte esicht. -Mänrf um Einmal in der Woche holte uns der Lagerführer persönlich ab. Das bedeutete Alarm, denn er kam doch nicht aus Fürsorge für uns, sondern nur, um uns zu quälen. Wir sollten dann im Gleichschritt marschieren. Es hieß " Marsch!"-- Bei diesem Wort aber traten uns die SS.- Bestien auf die Hacken. Wir gerieten ins Stolpern. Wir hatten also den Befehl absichtlich„ sabotiert", dafür aber mußten" wir bestraft werden. Also verdiente Schläge.-- Dann hieß es" Singen". Wir sangen. Aber einmal nicht laut genug, einmal nicht schön, einmal nicht alle zugleich.-- Also, mußten wir es lernen. Unter den Reitpeitschen der SS.- Bestien sangen wir dann nach unseren Begriffen von Musik und Melodik garnicht schön, aber für die SS. sangen wir wenigstens einheitlich und laut. Manche Häftlinge schrien sogar. -- Waren wir endlich auf dem Appellplatz angekommen, dann wurde ,, Sport" getrieben. Der Herr Lagerführer, die Zigarette im Mund, sah dem herrlichen Spiele", so nannte er es, zu und erteilte die Kommandos zum Beginn. Erst wurde der Laufschrift geübt, unterbrochen von Hinlegen" und" Aufstehen", dann kam Knie beugt" daran, damit wir geschmeidig wurden. Und dazwischen wurden ununterbrochen Köpfe, Beine und Arme„ massiert". Zum Schluß mußten wir rollen". Hierbei traten die Füße der SS. in Gemeinschaftsarbeit in Erscheinung. Dazwischen erscholl ein schriller Pfiff. In Sekundengeschwindigkeit standen wir in„ Zehner- Reihen" angetreten. Blutüberströmt, schwitzend, zitternd. Ein SS.- Held trat vor und meldete dem Lagerführer: Strafsport ausgeführt!"-- Wir atmeten auf. Wieder einmal sollte diese Folterung beendet sein! Aber, wir mußten zumindest alle vierzehn Tage damit rechnen,-- wie erschraken wir, wenn der Lagerführer noch einmal den Mund öffnete und sagte: Weitermachen!-- Bis sie verrecken, die Hunde!" Qualen über Qualen.-- Und es sollte doch nur Fürsorge sein. Man liebte uns doch. Man fat alles zu unserem Besten! An andern, Tagen„ exerzierte" man mit uns im Bade. Und im Anschluß daran ging es bei zwanzig Grad Kälte nackt auf den Appellplatz hinaus. Weil die Ernährungslage immer noch schlechter wurde, verkauften" die Häftlinge ihre Hemden in der Grube gegen Brot. Das SS.- Küchenpersonal des Lagers gab uns Wurst und Margarine, um diese gegen Schnaps in der Grube einzutauschen. Selbstverständlich frank das Küchenpersonal den Schnaps ohne uns und zog auch Wurst und Margarine von unseren Rationen ab. Nachdem diese Tauschereien einen ziemlichen Umfang angenommen hatten, fanden überraschend Kontrollen statt. Beim Einmarsch ins Lager" ertönte dann ganz plötzlich der Ruf:" Hände hoch!"- Wir erhoben die Hände, und nun war es niemand mehr möglich, etwas wegzuwerfen. Häufig mußten wir bei diesen unverhofften Kontrollen die Kleider ausziehen. Jedes Kleidungsstück wurde dann einzeln untersucht. Gefunden wurde immer etwas. Und war es auch nur ein wenig Salz. Folge: Leichter Sport! Einmal waren alle Schichten kontrolliert. Bei mir hatte man 10 Tabletten Sacharin gefunden. Am darauffolgenden Sonntag erhielten wir 40 Opfer je einen Zettel mit folgendem Inhalt:„ Häftling Nr....! Sie haben sich heute morgen um neun Uhr, frisch rasiert und sauber angezogen, zwecks Empfang einer Prügelstrafe auf der Häftlingsschreibstube einzufinden!" Der neue Lagerführer, ein bekannter SS.- Bandit und roher Schläger, der seine Spezialkenntnisse bereits in den Lagern Dachau und Sachsenhausen bewiesen hatte, leitete die Aktion persönlich. Remmele, hieß diese Bestie, C 115 ein Bayer mit roten Haaren, der achtunddreißig Jahre alt war und hohe Posten eingenommen hatte. Die Prügelstrafe war nach der Höhe des Weries der eingeschmuggelten Ware festgesetzt, auch die Zahl der Schläge. Einer nach dem andern wurden wir auf den Bock geschnallt. Fünf SS.- Helden und drei Capos mit aufgekrempelten Hemdärmeln erwarteten uns. Wir erlitten entsetzliche Schmerzen und brüllten wie die Ochsen. Ein Häftling bekam 25 Schläge, weil er das Bild seiner Frau bei sich gehabt hatte. Für das Sacharin bekam ich 10 Schläge zugeteilt. Abwechselnd schlugen die acht Bestien, damit ihre Kraft nicht erlahmte. Und der Lagerführer haute zwischendurch auch zu. Nach Beendigung dieser son ntäglichen Prügelei mußten wir mit unseren schmerzenden Gliedern noch 15 Minuten in Kniebeuge sitzen. Dabei durften wir uns nicht rühren. Es waren entsetzlich quälende Minuten. Die gespannte Haut sprang auf und das Blut lief an den Beinen entlang und tropfte auf die Erde. Häftlinge, die Tabak bei sich hatten, wurden wegen„ Sabotage" ins Hauptlager verschickt, denn„ Rauchen in der Grube" war streng verboten. Dieses Verbot war uns bekannt, und es hat auch niemals ein Häftling oder ein Zivilist in der Grube geraucht, denn wir waren uns der Gefahren wohl bewußt, die durch offenes Feuer heraufbeschworen werden konnten. Im Monat erhielten wir fünf bis zehn Zigaretten. Vorausgesetzt, daß diese nicht von der SS. beschlagnahmt" oder unterschlagen wurden. Bestimmte Rauchzeiten waren festgesetzt. Wurde ein Häftling außer dieser Zeit,-- kurz bevor oder kurz nachher,-- beim Rauchen erwischt, so erhielt er Rauchverbot. So und ähnlich verging der erste Teil unserer Freizeit". Immer aber unter unmenschlicher Quälerei. Der zweite Teil bestand im Schlafen. Wir schliefen auf Brettern. Durch die immer weiter ansteigende Häfflingszahl waren die Betten verschwunden. Ein Strohsack und zwei inzwischen auch schmutzig gewordene Decken bildeten unser Nachtlager. Frühestens um zwei Uhr in der Nacht kamen wir zum Schlaf. Fanden jedoch Sondervorstellungen statt, wie Strohsackzählen,-- Deckenzählen,-- Läusekontrolle ,. dann wurde es häufig auch morgens vier Uhr. Aufstehen aber mußten wir immer um sieben Uhr. Weitere fünf Stunden, Freizeit" standen uns noch zur Verfügung. Um halb 8 Uhr gab es Kaffee und Brot. Das Brot mußten wir einteilen für die Schicht, denn das Schichtenbrot war schon lange fortgefallen. Dann wurden wir zur Arbeit eingeteilt, denn wir mußten ja immer arbeiten.-- Waschküche, Abortreinigung, Speisesaalreinigung, Kartoffeln schälen und das Lager reinigen. Die Arbeit dauerte bis zum Mittagessen. Mußten wir in der Waschküche arbeiten, so liefen wir Gefahr, von Capos, unter Anleitung des SS.- Waschküchenchefs, heiße Wäsche ins Gesicht geschleudert zu bekommen. Brandsalbe oder andere Linderungsmittel waren nicht vorhanden, nicht für uns Häftlinge.-- Darum ja gerade! Beim Speisesaaldienst waren die Böden und die Efschalen zu reinigen. Wurde hier ein Häftling dabei erwischt, daß er eine Eschale mit dem Finger ausleckte, dann warf man ihm 200 bis 300 Ekschalen an den Kopf. Und er erhielt mittags keine Suppe, denn er hatte sich ja saft geleck f". Auch ich habe alle anfallenden Arbeiten verrichtet. Ich habe heiße Wäsche ins Gesicht, ich habe 300 Ekschalen an den Kopf erhalten, ich habe mich im Kartoffelkeller an rohen Kartoffeln satt gegessen, ich habe die Aborte gereinigt.... Hinein in die Sch...!" Bei all diesen Arbeitsverrichtungen erhielt ich Schläge, wie sie auch die anderen Häftlinge bekamen. Als die 116 Kontro beim Schnee Um de wahrli Kontro SS.- He Wäh Ich wu Tisch n keit ei zuteilu die ärg Als nicht g dem ic ich eini zum St ich wa ganz u schuher Reitpeit chen, s Traf heit: B wider Lageror stets H Ich w und Qu geschwu Arbeit b ausruhe Man ein Rud Spiel K Und w kennen so nahm war auch meiste Z täglich v und and Capo, de Liter Sup Die Ar nährungs lich auf ich, wie s liefe, da Leben zu beschaffe gingen m hohe elten wuraufmern geselnd agerägnoch n. Es und " ins ■ oten. oder wohl diese mmte eit,-- elt er aber Wir gszahl auch S um Orstellle,-- en wir noch teilen Dann en.-- n und Capos, ht gewaren peisee hier eckte, It mitVäsche ich im He geen erIs die Kontrollen im Kartoffelkeller zu stark wurden, versuchte ich es einmal, mich beim Schneeschippkommando zu betätigen. Hier wurde man nach dem Schneeschippen in den hohen Schnee geworfen, bis man quietschenah war. Um den Posten des Abortreinigers stritten sich die Häftlinge sogar. Es war wahrlich keine schöne Arbeit. Aber wir standen dort nicht so sehr unter der Kontrolle der SS.- Bestien, denn für diese recht anrüchige Arbeit hatten die SS.- Helden wenig Sinn. Während dieser Zeit hatte ich den Schneider des Lagers kennen gelernt. Ich wurde zu ihm zur Arbeit kommandiert. Dort mußte ich mich unter den Tisch neben den Ofen setzen und arbeiten. Hierbei schlief ich oft vor Müdigkeit ein. Ich gab dem Schneider meine Zigaretten und durch diese Sonderzuteilung, die er durch mich erhielt, war es mir zwei Monate lang möglich, die ärgste Kälte des Winters zu überstehen. Als der Schneider einen Wink bekam, daß man meine Arbeit bei ihm nicht gut heiße, mußte ich verschwinden. Was sollte ich nun beginnen? Nachdem ich bereits alle Arbeitsdienstleistungen verrichtet hatte. Zunächst mußte ich einige Tage die Straße reinigen. Dann wurde ich durch einen Bekannten zum Stubendienst herangezogen. Warm war es in dieser Stube nicht, aber ich war wenigstens in einem überdachten Block. Aber auch hier fanden ganz unverhoffte Kontrollen durch die SS.- Bestien statt. Mit weißen Handschuhen und pickfein angezogen kamen die„ Herren", bewappnet mit der Reitpeitsche, ganz plötzlich herein. Fanden sie auch nur das kleinste Stäubchen, so jagte man uns zum Sport auf den Appellplatz. Π Trat einmal ein Blockführer herein, und man meldete aus alter Gewohnheit: Block X belegt mit 50 Mann", dann krachte es schon, denn auch diese wider Willen ausgesprochene Falschmeldung war ein Verstoß gegen die Lagerordnung. Niemals auch durfte man, 50 Mann" melden, sondern mußte stets Häftlinge" sagen. Ich war nun alle Arbeiten durch und hatte erkannt, daß überall Schikanen und Quälereien an der Tagesordnung waren. Die Peitschen wurden überall geschwungen, und wir hatten wirklich keine ruhige Minute. Hatten wir eine Arbeit beendet, dann wurden wir wieder gezählt und mußten in Kniebeuge " ausruhen", bis wir zu einer anderen Arbeit herangeholt wurden. Man jagte uns aus einem Block heraus und in den andern hinein. Wie ein Rudel Wölfe rannten die SS.- Bestien hinter uns her und nannten dieses Spiel Katz und Maus" spielen. Und wieder einige Zeit später hatte ich den Capo von der Kleiderkammer kennen gelernt. Einige Kameraden hatten gut über mich gesprochen und so nahm mich dieser Capo für die Arbeit in der Kleiderkammer an. Dort war auch ein SS.- Kammerchef. Doch er war nicht oft zu sehen, denn die meiste Zeit verbrachte er mit Schwarzhandel". In der Kammer hatte ich täglich vier bis fünf Stunden Kleider zu sortieren, den Boden zu putzen und andere anfallende Arbeiten zu verrichten. Hierfür erhielt ich von dem Capo, der wiederum seine Beziehungen zur Küche ausnutzte, einen halben Liter Suppe und jeden zweiten Tag eine Ration Brot extra. Die Arbeit in der Grube wurde immer schwerer. Durch die schlechte Ernährungslage wurden wir von Tag zu Tag schlapper. So kam auch ich endlich auf den Gedanken, etwas nebenbei zu„ organisieren". Wohl wußte ich, wie schwer dieses war, und ich wußte andererseits auch, daß ich Gefahr liefe, dabei der Sabotage verdächtig gesprochen zu werden und mein Leben zu verlieren. Aber dennoch, ich wagte es, ich mußte nebenbei etwas beschaffen, sonst wäre auch ich vor Schwäche zusammengebrochen. Wir gingen mit offenen Schuhen und ohne Strümpfe betraten wir die Kammer. 117 Verschwand der Capo nur mal einen Augenblick auf den Abort, so zogen wir uns schnell zwei bis drei Paar Strümpfe an. Off auch kamen wir ohne Hemden und nahmen uns in diesem Augenblick schnell ein neues. Diese Hemden waren allerdings blau- weiß gestreift, aber dennoch fanden wir hierfür bei den Zivilisten in der Grube ständig reißenden Absatz. Die polnischen Zivilarbeiter waren uns sogar dankbar dafür, denn sie bekamen keine Kleiderkarten. Auch Seife hatten wir in der Kammer. Diese wurde in der Hose versteckt, die, weil ja alle Hosen zu lang waren, einfach unten zugebunden waren. Gefährlich war diese Sache immer, und ich weiß, daß ich unrecht gehandelt habe. Aber was ich tat, tat ich doch den Nazis, die uns armen Menschen viel mehr Böses zufügten. Wir standen immer riesige Angst aus, ertappt zu werden. Was uns alsdann blühte, war uns klar. Am meisten aber schwitzten wir vor Angst, wenn ganz plötzlich zwischen unserem Organisieren" das Kleiderauto von Auschwitz kam. Dieses mußte auf Kommando ausgeladen werden. Π Auf den Aborts wurden diese Sachen an polnisch sprechende Häftlinge abgegeben, die dann den Tausch mit den polnischen Zivilisten durchführten und die größte Gefahr liefen. Aber, wenn wir leben wollten, dann mußten wir etwas tun. Man zwang uns ja zu solchen verbotenen Maßnahmen. Meine Leidensgenossen hatten ja keinen Schaden dadurch. Wir schädigten nur die SS.- Banditen, die selbst alles verschoben, was nur verschoben werden konnte. So verliefen unsere Freizeiten". Drei bis fünf Stunden Schlaf. Und sonst arbeiten,-- arbeiten,-- arbeiten. Ohne Unterbrechung!-- Und dazu Schläge, Tritte und sonstige Quälereien am laufenden Band. Kohlenvernichtungsrevier No. 2 Sohle: 230 Meter Immer müde, hungrig und matt, hatten wir täglich bis zu 16 Stunden furchtbarste Sklavenarbeit zu erledigen. Wir wußten niemals, wenn wir in die Grube einfuhren, ob wir das Tageslicht noch einmal erblicken würden. So ging es den Zivilarbeitern auch.-- Gewiß.-- Auch sie lebten in dieser ständigen Unsicherheit. Während diese aber nur dem Kampf der Naturkräfte ausgesetzt waren,- Explosionen, schlagenden Wettern,-- Gasvergiftungen-- und den täglich eintretenden Unglücksfällen,-- waren wir Häftlings- Zivilarbeiter" noch den Schlägen und Tritten der uns bewachenden Bestien überlassen. Und diese Mißhandlungen für erdichtete Sabotagen" führten off genug zum Tode. 11 Die Häftlingszahl war weiter gestiegen. Die Verpflegung gesunken. Mit Hochdruck und jedem verfügbaren Antrieb wurde gearbeitet. Mit jedem Antrieb, mit Knüppeln, mit Gummiringen und mit Gewehrkolben. Die Parole hieß„ Kohle". -- Alle verfügbaren Kräfte wurden in die großen Reviere geworfen. Zuerst mußten die älteren" Grubenarbeiter daran glauben. Der ehemalige Schullehrer,-- der Jugendbildner",-- der gebildete Herr" trieb uns mit Schlä118 gen über Gäng Vo wir a Revie Zue Zivilis stahls Sch zur Be war n Wir In der Ueber Hier aus d Wasse einein Zentne förd baut" Es w zu we polnis Er spr den Sa Hiel zeigte genan arbeite der Po Schw maschi zwei H wurde die Bol gung d eine Be sich ein zur Exp den St Erne War mußte Die Z ständig und da der aus Nach In nasse von de zogen * ohne Diese an wir ie pol- kamen ırde in unten gehan- ı Men- ns als- |, wenn Ausch- iftlinge durch- zwang hatten . selbst beiten. lereien tunden wir in würden. ı dieser aren,-- an täg- r" noch N. Und ıg zum en. Mit em An- ‚ Zuerst > Schul- t Schlä- gen und Tritten aus dem alten Revier hinaus,-- über$ieine und Kohlen, über Schienen und Hölzer hinweg, kriechend durch die 80 Zentimeter hohen Gänge. Die arme Jugend, die diesem„Vieh” überantworiet war. Vom knieenden Kohlenabbau hatten wir genug erfahren. Nun sollten wir auch die andere Seite des Abbaus kennen lernen. Wir waren im neuen Revier angelangt. Der Stollen war 1.80 Meter hoch und 350 Meter lang. Zuerst mußten wir uns Schaufeln besorgen, wir mußten die Verstecke der Zivilisten suchen. Wurden wir dabei ertappt, dann wurden wir des Dieb- stahls bezichtigt und.... Scheinwerfer flammten auf. Die Steiger des neuen Reviers„stürzten”" uns zur Begrüßung entgegen und teilten Schläge und Fußtritte aus. Doch, das war nichts neues. Das war ja immer so. Wir befanden uns jetzt im größten Revier der Grube,-- im Revier 2. In den Stollen konnten wir aufrecht stehen. Aber uns bot sich eine andere Ueberraschung.-- Im Stollen stand Wasser. Die Wände glitzerten silbern. Hier wurde im„Akkord” gearbeitet. Schaufel um Schaufel Kohle wurde aus der Wand geholt. Schweißbedeckt und total schwarz standen wir im Wasser. Immer ein Zivilist und ein Häftling. Je zwei solcher Arbeiter hatten eineinhalb Meter Kohle abzubauen, das waren täglich sechs Tonnen-- 120 Zentner. Aber die Kohle war nicht nur abzubauen, sie mußte auch„ge- fördert" werden. Außerdem muhte jede Stelle nach ihrem Abbau„ver- baut” werden, damit die Erde nicht nachrutschte, nicht nachgab. Es war allein schon eine Heidenarbeit, die Kohle auf das laufende Band zu werfen. Die Arme wurden müde. Das Kreuz schmerzte entsetzlich. Der polnische Zivilarbeiter, ein stark gebauter Mann, arbeitete ununterbrochen. Er sprach kein Wort.-- Akkordarbeit-- Mordarbeit, Ab und zu spie er den Saft seines Kautabaks aus.-- Nichts weiter. Hielt das Laufband einen Augenblick an, dann brüllte er polnisch und zeigte auf die neben dem Laufband liegenden Hölzer, die„Stempel" genannt wurden. Keine Minute durfte pausiert werden. Arbeiten,-- immer arbeiten. Die Stempel mußten gesägt werden. Und in dieser Zeit verbaute der Pole die Decken, um jeden Einsturz unmöglich zu machen. Schwieg der Bandmotor, dann dröhnten umso furchibarer die Schramm- maschinen und die Bohrmaschinen. Die Schrammaschine teilte die Kohle in zwei Hälften, die untere Hälfte hieß„die Bank”, und die obere Hälfte wurde„Oberteil” genannt. War diese Teilung durchgeführt, dann setzte die Bohrmaschine ein. Mit ihr wurden die Löcher für die Munition zur Spren- gung der Kohle gebohrt. Und dann begann der Schiekmeister, der stets eine Benzinlampe trug, die Sprengkapseln in die Löcher zu stopfen, zog sich einige Meter zurück und brachte die Ladung mit einer Sprengmaschine zur Explosion. Mit fürchterlichem Krach fiel die Kohle auseinander und füllte den Stollen bis zur Decke aus. Erneut hie es schaufeln,-- schaufeln,-- schaufeln. War die Kohle schlecht geschossen, nicht ganz auseinander gefallen, dann mußte die Sprengung wiederholt werden. Die Zeit verging wie im Fluge. Aber es war ein ständiger Kampf,-- ein ständiger Kampf um die Kohle. Ebenso anstrengend wie das Zerhacken und das Schaufeln der Kohle auf das Laufband, war auch die Entfernung der aus den Wänden herausstehenden Kohlenstücke, Nach schwerster Arbeit ging immer auch diese Schicht einmal zu Ende. In nasser Kleidung kamen wir aus der Grube heraus, und mit der gleichen, von der Nässe erstarrten Kleidung fuhren wir wieder ein. 119 Es war eine Sklavenarbeit. Aber wir, die wir am längsten zusammengehalten hatten, die wir Leid und Qualen in gleicher Weise über uns ergehen ließen, wir schwuren uns:" Wir wollen durchhalten!" Wir geschla Hund und a Die Au widers General Hunger Das Hauptgesprächsthema eines jeden Häftlings im Lager war die Essensfrage. Wohl ganz natürlich. Es war ja das einzige, womit wir unser Leben erhalten konnten. Wir wollten leben,-- es war unser sehnlichster Wunsch, den Nationalsozialismus zu überleben. Wir wollten erleben, ob es eine Gerechtigkeit auf Erden gibt. Und so müssen die lieben Leser schon entschuldigen, wenn ich auch einmal den General Hunger" hier zitiere, zu einer Zeit, wo sich der größte Teil aller Deutschen in einer durch die Verhältnisse bedingten Notlage befindet wie nie zuvor. Die Frage Hunger ist jetzt eine allgemeine Frage geworden, jedem Deutschen verständlich. Aber ich muß dennoch darüber schreiben, denn unsere Qualen und unser Leben wäre nicht restlos dargestellt, wenn ich diese Frage, die zu unserer Zeit nur uns betraf, hier übergehen würde. Beim Aufstehen schauten wir uns an und fragten, es bedurfte dazu keiner Worte mehr, wir hatten uns eine Art„ Zwecksprache" zugelegt,-- gibt es alies oder frisches Brot?-- Gibt es heute Margarine oder gibt es nichts?-- Was gibt es überhaupt? Es waren die gleichen Fragen, die sich heute jede Hausfrau zehnmal am Tage und mehr stellt. Gibt es Krauf oder Rüben, mit viel Wasser oder wenig? Die lieben Leser werden meinen, das seien alles so belanglose Fragen, diese Fragen könnten einen so geistigen Tiefstand verraten, denn der Mensch hätte doch sicherlich noch anderes zu denken, er dürfte sich nicht ganz zum Vieh herabwürdigen, das vom frühesten Morgen bis zum späten Abend nichts anderes sucht als Futter.-- Richtig!-- Ich stimme mit den Lesern vollkommen überein. Aber, bedenkt doch einmal! Was waren wir Häftlinge denn? Standen wir denn nicht noch unter dem Vieh? Die Tiere, sie wurden ausgewertet, nach der Arbeit schonte man sie, man pflegte sie, man tätscheite und liebkoste sie. Die Menschen wußten, was sie von ihrem Vieh" zu erwarten hatten. Wohl nutzten die Menschen die Tiere aus, aber nur soweit, daß es mit dem Daseinszweck der Tiere übereinstimmte.-- Und wir? Erfüllen wir einen Daseinszweck? Waren wir nicht von der Welt und von Gott verlassen und vertierten menschlichen Bestien zur Befriedigung ihrer sadistischen Wollust überlassen? 11 Hatte man in uns nicht alles Geistige getötet? Mußten wir nicht immer wieder schweigen? Ein Hund beißt, wenn er ungerecht bestraft wird, ein Pferd verweigert die Arbeit, wenn es brutal behandelt wird,-- und alles Nutzvieh, das unserer Ernährung dient, rächt sich gegen schlechte menschliche Behandlung dadurch, daß es seinen Daseinszweck garnicht, oder nur recht mangelhaft erfüllt. Und wir? Wir wurden angeschrien, angebrüllt, wir waren Nummern, wir hatten keinen Namen mehr. Jedes Pferd, jeder Hund, jedes Stück Großvieh im Stall, hat einen Namen. Man gibt den Tieren einen Namen, den die menschliche Zuneigung eingibt, man legt in den Namen Freude hinein, Liebe, Güte,-- obwohl das Tier nur seinen„ Art"-Namen hatte, als es zur Welt kam. 120 Und Verteid Aufflam Also, I Wenn jeder S wert" wenn n lebend den H Wen werk. U plätzen Einmal kräftigst Andere der Arb empfan und sie Fleisch' Auf j nach de der SS.linge d Der Kan Der Hur Und ich liche Or sehr sie ten, sch dem lee Die SS Aber,-- uns hatte „ leeren" SS. durd der Sess War dann spr Kampf. der Esse Stücke B Kaum ha erneutes Freude d zu verhu arbeiten. engegehen ssensLeben unsch, e Getschulre, zu e VerDeutunsere diese keiner ibt es nts?-- e jede n, mit ragen, n der nicht späten it den en wir Tiere, te sie, , ihrem , aber nte.-- n der en zur immer weigert , das ndlung gelhaft mmern, Großen die ninein, es zur - - Wir aber hatten einen Namen. Er wurde ausgelöscht.-- Wir wurden geschlagen, getreten, gepeinigt, gequält und mußten schweigen. Ein Hund gibt durch Knurren, ein Pferd durch Wiehern, eine Kuh durch Blöken, und andere Tiere mit ihren Lauten,-- seinen und ihren Unwillen kund. Die Augen der Tiere flammen auf, wenn sie Gefahr erkennen. Die Tiere widersetzen sich und machen sich angriffs- und abwehrbereit. Und wir? Wir konnten nichts fun!-- Jedes Worf der Entgegnung, der Verteidigung, zur Wahrung der menschlichen Ehre, jedes Händezucken, Aufflammen der Augen, alles war Sabotage.-- Und wer sabotierte, der--! Also, liebe Leser, sowohl ich Sie verstehe, so verstehen Sie auch uns. Wenn alles im menschlichen Innern erstickt ist, jede Regung, jede Freude, jeder Schmerz, wenn man gegen jedes menschliche Gewissen zum„ Unwert" degradiert wird, zu etwas, was der Welt nur lästig und übel ist, wenn man sich selbst überflüssig fühlt,-- dann wird man ein seelenloses lebendes Wesen, das nur eines kennt, wozu es seine Organe treiben, den Hunger". -- Wenn die Mittagszeit herangekommen war, dann läutete ein Klingelwerk. Und dann stürmten die Häftlinge aus allen Ecken, von allen Arbeitsplätzen zu ihren Blocks zurück. Jeder rannte, als ginge es um sein Leben. Einmal darum, weil die Suppe, so meinte ein Teil der Häftlinge, oben am kräftigsten sei, denn„ Fett" schwimmt oben, und weil sie schnell erkaltete. Andere Häftlinge aber rannten wohl schnell zu ihrem Block zurück, um von der Arbeit wegzukommen, beeilten sich aber nicht allzusehr mit dem Essenempfang, weil sie behaupteten, die Suppe sei unten im Kessel am dicksten und sie würden mit dieser Suppe hin und wieder noch zu einem„ Stück Fleisch" kommen.-- Wer war der Klügere? Auf jeden Fall stand eines fest, daß sich der größte Teil der Häftlinge nach der dicken" Suppe drängte. Natürlich fand die Essenausgabe unter der SS.- Kontrolle statt. Nach dem Empfang der Suppe erhielten wir Häfflinge die Nachtisch zulage", einen Peitschenhieb über den Kopf. Der Kampf um das Essen, um den Teller Suppe, war jedenfalls schrecklich. Der Hunger machte auch die ruhigsten Menschen zu gefährlichen Bestien. Und ich muß es ehrlich eingestehen, der General„ Hunger" trieb schauerliche Orgien. Man mußte sich häufig seiner Leidensgenossen schämen, wie sehr sie jedes kleinste Anstandsgefühl verloren und sich gegenseitig drängten, schubsten oder schlugen, nur um nach beendeter Essenausgabe nach dem leeren Kessel zu kommen und diesen mit„ auslecken" zu können. -- Die SS.- Bestien standen dabei und lachten. Es war vielmehr zum Weinen. Aber, was sollte man machen? Hiergegen war nichts zu tun. Das Tier in uns hatte vom„ Menschen" Besitz ergriffen. Die Gruppe Häftlinge, die den leeren" Kessel erwischte, erobert hatte,-- die sich trotz der Schläge der SS. durchgesetzt hatte, trug den Kessel zum Abort.-- Und dort wurde der Sessel ausgeschleckt". War der letzte Löffel der Mittags- Wassersuppe zum Munde geführt, dann sprach man schon vom Abendbrot. Und am Abend begann der gleiche Kampf. Wer erhält das größte Brot?-- Die Augen luxten nach den Händen der Essenausgeber.-- Drängen, Schubsen, Schlagen.-- Off wurden größere Stücke Brot auf den Tisch gelegt, dann warteten" die Häftlinge, bis--. Kaum hatten die Verteiler nach diesen" größeren" Stücken gegriffen, erneutes Schubsen, Schlagen unter sich.-- Und dazwischen klatschten voller Freude die Peitschenhiebe der SS. hernieder. Alles geschah aus Angst,-- zu verhungern. Nicht arbeitsunfähig" zu werden.-- Nein, lieber leben und arbeiten. 11 121 Selbst beim Kaffee- oder Tee- Empfang spielten sich solche Szenen ab, obwohl es sich hier doch nur um gefärbtes warmes Wasser" handelte. Zweimal in der Woche sollte es Kartoffeln geben. Kartoffeln aber konnten den General„ Hunger" am besten besänftigen. Also, Kampf um die Kartoffeln gegen den Hunger. Das übliche Kraut, woraus die tägliche Suppe gebraut wurde, die Rüben und die Kartoffeln, wurden mit einem Lastkraftwagen vom Hauptlager herangefahren. Kam dieser Wagen heran, dann stürzten sich die Häftlinge von allen Seiten auf den Wagen, um zu helfen, um abzuladen, um sich einige rohe Kartoffeln oder eine Rübe aneignen zu können. Trotz schwerster Schläge der SS.- Banditen war diesem Uebel, diesem dem Hunger entsprungenen Uebel, nicht beizukommen. Die schwersten Angriffe aber wurden gegen den Lastkraftwagen geführt, der das verschimmelte und steinharte Brot aus dem Hauptlager als Schweinefutter heranbrachte. Es waren geradezu strategisch geführte Angriffe. Hinter dem Lastkraftwagen stürmten die Russen heran, von einer Seite die Polen und von der anderen Seite Häftlinge aller Nationen. Im Nu war der Wagen leer. Die SS.- Banditen schossen dazwischen. Diese Angriffe wurden als ,, Sabotage" ausgelegt. Es wurde nämlich behauptet, die Angriffe verfolgten den Zweck, die Schweine" verhungern zu lassen. Π " Magere" Schweine aber verletzten in gleicher Weise das Ehrgefühl der SS. wie entflohene" Häftlinge. Von„ mageren" Schweinen waren keine Festbraten zu machen, also mußten" die Schweine fett sein, und also multe auf die anstürmenden hungernden Häftlinge geschossen werden. War es den Häftlingen gelungen, den Wagen leer zu rauben, dann wurde als Gegenmaßnahme die zugewiesene Brotration auf die Hälfte herabgesetzt, denn,- auf jeden Fall mußten die Schweine" zu ihrem Recht kommen. Ein beliebter Sammelplatz der Häftlinge waren die Müllgruben. Diese wurden nach Kartoffel- und Rübenschalen durchwühlt. Häufig brachen hierdurch Krankheiten aus, denn die bereits in Fäulnis übergegangenen Lebensmittelabfälle, vermengt mit menschlichem Kot, waren schwere Bakterienträger. Die Häftlinge wurden bestraft.-- Mit Recht bestraft.-- Aber wie merkwürdig. Im Gegenteil. Hatte man bei einer Kontrolle bei einem Häftling eine Rübe oder eine rohe Kartoffel gefunden, die dieser in die Grube mitnehmen wollte, dann wurden diese Häftlinge angewiesen, die Rübe oder die Kartoffel in das Klosett zu werfen, mit den Händen wieder herauszuholen und die mit Kot bedeckte Rübe oder Kartoffel vor versammelter Kolonne zu essen. Wurde dem Häftling übel, so schlug man ihn solange, bis die Rübe gegessen oder der Häftling tot war. Wo blieb da die Frau " Gerechtigkeit"? Um uns satt zu machen, griff man auch zu anderen Mitteln. Da wir keine Taschentücher hatten, sahen wir uns gezwungen, den Auswurf auf die Wege zu speien. Da kam der„ Herr Lagerführer" auf den Gedanken, diese„ vitaminhaltigen" Auswürfe nicht umkommen zu lassen. Wir mußten sie vor seinen Augen von der Straße aufschlecken. 11 Wir führten den Kampf gegen den General Hunger". Und nun, liebe Leser, werden Sie mich verstehen, daß es doch etwas anderes ist„ hungrig zu sein", oder ängstlich zu sein, zu verhungern". Die Grube sam g uns in versor Fahr sicht S ch l volksd semit schere schind In d trieb. Dazwis klirrten An die he Ein- To fernmü Fiel die Hä Die ohne dert w beitslei Erholur entbran Schwei ist Sab tete ei nieder Scho gann. wechse Steiger auf uns schnell, Die N trieben zwische Nach waltige seinen Noch Jünema stern un über St sich an 122 en ab, te. onnten e Kar- Rüben heran- je von einige werster ar ent- yeführt, \weine- ‚ Hinter : Polen Wagen len als folgten rgefühl | waren in, und werden. ı wurde erabge- n Recht . Diese an hier- Lebens- kterien- > merk- ler eine e, dann das Klo- mit Kot Wurde en oder ir keine e Wege se„Vita- sie vor n, liebe hung- Der Kampf um das„Gold” Deutschlands Die Steiger, die wie Heerführer im Wahn für den Sieg im Dunkel der Grube herrschten und regierten, hatten uns immer wieder darauf aufmerk- sam gemacht, daß die Kohle das„GoId" Deutschlands sei, und daß bei uns in der Grube eine zweite Front errichtet wäre, die die erste Linie zu versorgen hätte. Fahrsteiger Jünemann, ein 35 jähriger blonder Nazibandit, dessen Ge- sicht den Ausdruck eines gemeinen Verbrechers widerspiegelte, war der „Schlächter" von Brzeze. Er und seine beiden Adjutanten, die beiden volksdeutschen Steiger Rubel, ein ehemaliger Friseur und glühender Anti- semit aus Auschwitz, und der Grubenspezialist Bestron, ein noch fanati- scherer Antisemit, waren die Gewaltigen unserers Reviers. Bessere Menschen- schinder konnten nicht gefunden werden. In der Grube herrschte ein unbeschreiblicher, menschenaufreibender Be- trieb. Signale über Signale. Leise Lichtsignale und lautes Sirenengeheul. Dazwischen hämmerten die Maschinen, die Motoren ratterten. Die Schaufeln klirrten. Ein Chaos von Tönen. An der Verladestation stand der Fahrsteiger und starrte stundenlang auf die heranrückende Kohle, die sich vom Laufband wie ein Wasserfall in die Ein-Tonnen-Wagen stürzte. Ständig wurde die Anzahl der gefüllten Wagen fernmündlich an die Direktion gemeldet. Fiel ein Stück Kohle daneben, dann schlug der Fahrsteiger wie wild auf die Häftlinge oder auf den in seiner Nähe stehenden Zivilisten ein. Die Motoren, die Maschinen und Rutschen liefen schon seit Monaten fast ohne Schmiermittel. Sie quietschten jämmerlich. Aber,-- es muhte geför- dert werden. Fahrsteiger Jünemann konnte am laufenden Band jede Ar- beitsleistung kontrollieren. Sobald das Band nur wenig oder in einer kleinen Erholungspause gar keine Kohlen heranbrachte, dann stürzte er sich wut- entbrannt, Schaum vor dem Munde, auf uns zu und überschrie sich:„Ihr Schweinehunde, Ihr Saujuden, Ihr verfluchten Polen, Ihr Banditen,-- das ist Sabotage!"-- Kaum noch konnte er sprechen. Ein junger Pole antwor- tete einmal:„Das Band ist gerissen!"-- Da schlug ihn der Fahrsteiger nieder und rief:„Halt die Schnauze, du Hund!” Schon kamen die Nähmaschinen heran. Der Kampf um die Sekunde be- gann. Wie bei einem Autorennen in Sekundenschnelle die Reifen ge- wechselt werden müssen, so mußten hier die Bänder geflickt werden. Die Steiger standen hinter uns, sie brüllten und schlugen mit schweren Stöcken auf unsere Köpfe, als ob diese Schläge uns ermuntern würden.„Schnell, schnell, schnell,-- wir brauchen Kohle.” Die Näherei war beendet. Das Band lief wieder. Jetzt wurden wir ange- trieben, das Versäumte nachzuholen. Wie Irrsinnige sprangen die Steiger zwischen uns herum.„Schaufeln, schaufeln!”, ertönte es überall. Nach zehn Minuten war das Band erneut gerissen. Jünemann, der Ge- waltige von Brzeze, war außer sich. Er warf sich auf die Kohlen, wühlte in seinen Haaren und sprang wieder auf. Noch einmal war der Schaden bald behoben. Doch der SS.-Gewaltige Jünemann rief:„Meine Kohle, meine Kohle, fünf Tonnen weniger als ge- stern um diese Zeit!" Er hielt die Uhr in der Hand. Der Schweiß rann ihm über Stirn und Augen. War es ausbrechender Wahnsinn?-- Müde hielt er sich an einem Stempel fest, den Kopf nach unten gerichtet. 123 Mit einem Male flammten seine Augen auf, tierisch, wild und sprühend. Dann begann er erneut zu toben.-- Brüllen,-- Schreien! Das Laufband funktionierte immer noch nicht richtig. Und dann ergriff er ganz plötzlich eine Schaufel und spaltete damit einem neunzehnjährigen holländischen Häftling den Schädel auseinander. Auflechzend stand er vor seinem Opfer. Das Bluf rann über die schwarzen Kohlen. Die beiden anderen Steiger ergriffen das unglückliche Opfer und warfen es wie auf Kommando auf das Laufband. Das Band hatte ein " Opfer" gefordert. Jetzt war alles still. Das Band lief. Inzwischen war der Fahrsteiger Jünemann über die Kohlen nach der Verladestation gerannt. Der Direktion mußte doch gemeldet werden, daß ein Häftling durch Steinschlag tödlich verunglückt sei. Drei Kilometer mußte die Leiche über Kreuzungsbänder hinweg. An der Verladestation angekommen, stellte ein Häftling das Laufband ab, um seinen toten Kameraden herabzuziehen, um zu verhüten, daß die Leiche in den Kohlenwagen fiel. Zwei Minuten nur stand das Band, da sprang auch schon der Fahrsteiger heran. Zitternd stand der Häftling am Motor. Blutunterlaufen waren die Augen des Steigers.-- Sein Opfer?„ Steh auf, du Hund", brüllte er und erinnerte sich erst einen Augenblick später, dah sein Opfer ja„ tot" ist. Der Häftling am Motor spürte,-- es passiert etwas. Angstverzerrt schaute dieser den Steiger an. Dann wurde der Häftling vom Motor fortgestoken. Und der Steiger nahm den Toten und warf ihn wieder auf das rollende Band. Kurz darauf fiel die Leiche in einen Kohlenwagen, der Kohle nach oben beförderte. Der Häftling sah es. Aber er sah noch etwas anderes. Er schaute voraus. Er schaute aus dem Leben ins Nichts. Und dann geschah es. Der vom Blut berauschte Fahrsteiger, diese menschliche Bestie, ergriff den Häftling mit einem schnellen und kurzen Griff und warf auch ihn auf das Band. Ein schwerer Stein, ein kurzer Schrei, der Häftling fiel.- Sein Leben war ausgehaucht. Das Band war zerrissen. Die Gestelle darunter waren in Stücke zerbrochen. Ein ohrenbetäubendes Getöse brach aus. Stein um Stein fiel von der Decke herab.-- Was war das?-- Der letzte Wunsch des Häftlings,- die Grube möge versinken? „ Einbruch auf der Bandstrecke im Revier 2", wurde nach oben gemeldet. Die Bandstrecke fiel auf 30 Meter aus. Für Stunden ruhte der Betrieb. Die ganze Direktion erschien. Die zweite" Front versagte. Mit Poltern und Krachen fielen immer neue Steine herab. Mit langen Gesichtern standen die Direktoren dabei. Wollten sich die Opfer" rächen? 11 Eine gefährliche Arbeit begann. Sintflutartig stürzte das Wasser aus der Decke herab. Mit Hacken und Schaufeln waren alle verfügbaren Kräfte dabei, wieder Ordnung zu schaffen, die Stützarbeiten zu verrichten. Wir standen in ständiger Gefahr, vom Wasser erstickt, oder von einem schweren Stein erschlagen zu werden. Die Direktion aber hatte sich außer Gefahr begeben". Zwischen dem Geplätscher des Wassers ertönten die Schreie, der mit Schlägen angetriebenen Häftlinge. Mit einem Male ein furchtbares neues Geröll. Wir wollten wegspringen. Zu spät. Das Wasser hatte die Steine beiseite gedrückt. Naturgewalt stand gegen Naturgewalt. Neue Steinmassen fielen herab. Wir waren eingeschlossen, wir waren verschüttet. Zehn Häftlinge waren abgeschlossen vom Leben. Drohend hingen die Steine über uns, als wollten sie uns erdrücken. 124 Wir d wieder mitgeriss konnten anderge Mit ei rutschter kaum ho ein. H neuer E krochen, und der deutsche Zwei Lampe h raden e Förderur großen S getriebe umher. Aber ,, Einbruc Wie m Werkzeu es. Jetzt abgeba sich jetzt Brüllen beiden l Als da dickwams Garant d Alles v bauten a stunden Waren land zu b Wir wu Wir wu Verhältnis fielen we der techn an, denn Es gab brochen während Von 25 die Neua Kamerade Im Okt aus, aber alle Deck die Schu n Ghend. fband ötzlich ischen chwarOpfer -te ein ar der erannt. SteinAn der b, um Leiche sprang Motor. ch auf, er, daf chaute stoken. llende e nach res. Er enschiff und ei, der en. Die es Gedas?-- meldet. 5. Poltern n stanus der Kräfte n. Wir weren Gefahr Her mit ringen. gewalt en einhlossen uns erWir drängten uns zusammen. Wir klammerten uns aneinander.-- Da,-- wieder ein Rollen und Stoßen. Neue Steinmassen. Zwei Kameraden waren mitgerissen. Von Steinen begraben. Nun waren wir nur noch acht. Wir konnten uns nicht mehr rühren. Auf Hilfe wartend, standen wir eng aneinandergepreßt. Lebend begraben.-- Es konnten Stunden vergehen. -- -- Mit einem Male merkten wir, daß sich die Decke über uns senkte. Schnell rutschten wir einer nach dem anderen in ein sich bildendes Loch. Und, kaum hockten wir dort, erneutes Prasseln.-- Die Decke senkte sich, sie fiel ein.- Helles Licht erfaßte uns.-- Gerettet! Schnell hinaus.-- Bevor ein neuer Einsturz folgte. Erschöpft,-- noch ohne Luft, waren wir herausgekrochen, wir waren umgefallen,-- da schlugen schon Jünemann, Sperling und der Schrecken der ganzen Grube, der Betriebsführer Woitek, ein Volksdeutscher, mit harten Schlägen auf uns ein, daß wir bewußtlos liegen blieben. Zwei Stunden später wachten wir auf. Vollkommen nah, die schwere Lampe hinter uns herziehend, krochen wir auf den Knien vorwärts. Kameraden entdeckten uns und trugen uns zum Schacht. Vier Tage stand die Förderung still. 3000 Tonnen Kohle konnten nicht gefördert werden. Nach großen Schwierigkeiten wurde die Einbruchstelle beseitigt. Wir wurden angetrieben, das Versäumte nachzuholen. Die Steiger sprangen wie wild umher. Aber nur zwei Tage währte die Freude, und wieder erfönte das Signal: „ Einbruch in der Wand". Wie mit den Menschen Raubbau getrieben war, so war auch mit allen Werkzeugen Schindluder getrieben worden.-- Fördern,-- Fördern!" hieß es. Jetzt aber streikten zuerst die Bänder und Motoren. Es war zuviel Kohle abgebaut" worden,--, verbaut" und abgesteift" aber wenig. Das rächte sich jetzt. Einbruch auf Einbruch folgte. Hier nützte kein Schimpfen und Brüllen der SS.- Bestien mehr. Die Naturgewalten widersetzten sich. Die beiden letzten Toten forderten Rache. Als dann endlich die Reparaturen fertig waren, kam eines Tages der dickwamstige Direktor Heine und sagte:„ Die Kohle ist der einzige ⚫ Garant des Sieges, das einzige Produkt, das die Front speist". Alles war jedoch immer nur für kurze Zeit. Wir schaufelten, schaufelten, bauten ab, steiften ab,-- förderten Kohlen, wir mußten weitere Ueberstunden leisten.-- Und die Bänder rissen weiter. Waren die polnischen Zivilisten daran beteiligt? Halfen sie, ihr Vaterland zu befreien? Wir wußten es nicht. Die Polen schwiegen. -- Wir wurden gequält und geschlagen.-- Die Bänder rissen doch.-- Die Verhältnisse wurden täglich schlechter. Die Häftlinge wechselten. Viele fielen wegen Krankheit und Schwäche aus. Sie kamen nach Auschwitz. Und der technische Direktor, Dr. Nagel, sagte:„ Es kommt ja auf einige garnicht an, denn von diesem Mistzeug gibt es noch genug im Lager!" Es gab weder Sonntage noch Feiertage mehr. Die Arbeit ging ununterbrochen weiter. Wir sahen nur noch Kohle um uns. Am Tage und auch während der wenigen Stunden Schlaf. Von 25 Häftlingen in unserem Revier waren wir nur noch fünf. Nicht nur die Neuankömmlinge hatten wir eingebüßt, nein, auch unsere besten Kameraden. Im Oktober 1944 holte man die letzten Kohlen aus diesem Revier heraus, aber nicht darum, weil keine Kohlen mehr da waren, sondern weil alle Decken eingestürzt waren. Die Häftlinge und die Polen wurden als die Schuldträger" bezeichnet, wir hätten die Stempel und die sonstige n 125 Versteifung ohne Sorgfalt angebracht. Wir trugen die Schuld. Darum bekamen wir eine Prügelstrafe zudiktiert. 25 Schläge.-- Die SS.- Bestien führten diese Strafe, wie jede andere, mit Wollust durch. -- Wir hatten Schuld.-- Und die Wahrheit?-- Die Direktion glaubte selbst nicht mehr an einen Sieg ihres Führers". Befehlsgemäß war abgebaut worden. Fördern,-- fördern. Kohle ist Gold, ist Gold". Um dem Führer noch etwas vorzugaukeln, wurden Rekordziffern gemeldet.-- Zwecklos.-- Es bröckelte überall im„ Deutschen Bau". Häftlingsrevier No. 2 Sohle 430 Meter Um ständig Kohle zu fördern und keine Unterbrechung in dem Abtransport eintreten zu lassen, mußten die technischen Beamten der Grube darauf bedacht sein, immer wieder neue Reviere zum Abbau zu erschließen. Unser Revier, in dem wir Häftlinge bisher gearbeitet hatten, war nahezu erschöpft. So mußte auch jetzt ein neues Revier geschaffen werden, die Bohrmaschinen traten in Tätigkeit. Das Quitschen und Bohren verursachte schreckliche Geräusche. Die Ausbauhölzer wurden herangeschleppt und kurz darauf begann die Schrammaschine, die Kohle zu trennen. Den Wünschen der Nazidirektoren und Steiger entsprechend, wurde dieses neue Revier nur mit Häftlingen besetzt. Häftlings- Spezialisten und Neuankömmlinge, alles war vertreten. Da ich im Revier 2 als einziger Häftling übrig geblieben war, die anderen fünf Leidensgenossen hatte man anderen Revieren zugewiesen, wurde ich zu dem Verantwortlichen", zum HäftlingsSteiger, ernannt. 17 Ich erhielt damit eine sehr undankbare Aufgabe zugewiesen. Ein deutscher Steiger und ein polnischer Steiger kontrollierten die Arbeiten. Erneut begannen die Doppelschichten, weil die Häftlinge nach Aussagen der deutschen Bergbeamten nur die Hälfte Kohlen förderten als die Zivilisten. So mußten eben die Häftlinge in zwei Schichten dasselbe Pensum schaffen, was die Zivilisten in einer Schicht machten. Arbeiteten also die Zivilisten acht Stunden, dann mußten wir sechzehn Stunden arbeiten. Dreißig Mal in jeder Schicht rannte ich das Revier hinauf und wieder hinunter und stieß mich jedesmal an die im Stollen liegenden Hölzer und Kohlen. Ich mußte bei meiner Arbeit jederzeit in der Lage sein, anzugeben, wie viel Kohle abgebaut worden war. Wir waren ein wahres Todeskommando. Der Verbrauch an Häftlingen war wesentlich größer als bei allen früheren Doppelschichten. Der Hunger nahm zu, der Mißmut stieg, denn auch für diese Doppelschicht bekamen wir keinerlei Zulage im Essen, außer ein halb Liter Rübensunpe. Wohl hatte man uns versprochen, uns eine Kantinensuppe zu liefern und hohe Prämien für die anstrengende Arbeit auszuzahlen. Aber, es blieb nur bei dem Versprechen. Was aber war auch eine Prämie? Eine Prämie war ein Stück Papier, auf dem in klaren Worten kundgegeben war, daß dieses Stück Papier den Wert von zwei bis drei Mark hatte. Mit diesem Zettel konnten wir nach der Kantine gehen, um etwas zu kaufen. Aber was gab es da? Diese Kantine war in wahrhaft nationalsozialistischem Sadismus und als Hohn für die ausgegebene Prämie aufgezogen. 126 Im Wi Sommer Kamerad kämen, p denn ich Und was „ Damil wollen, möchten. eines SS Förderun Rif eir Ich erhie Steiger, wohl ich des deuts In 16 st pflegung vor und brannte zum Gla Es war ausgerau so machte gelegten sitzen, w weil übe den ware Fahrsteig jetzt aber lang sitze Als Gr seien Ve müßte ve läuten ge auf den Die Gr waren zu Armee au geändert. allerdings Lächeln ander vo " Gut", na uns, mit e Lächeln z mittel, vo Sie tate traf einma wieder üb " Gut, gut liefen, R meine Fre beFührelbst baut hrer -S.-- ransdarßen. hezu die achte und Wünneue 5mmGbrig Reingsdeutrneut deutisten. affen, listen ieder - und eben, komallen denn außer und nur e war dieses Zettel 5 gab s und Im Winter konnten wir Sprudel, Mottenpulver und Fliegenfänger, und im Sommer Hühneraugenpflaster und Fußpuder kaufen. Weil auch ich meinen Kameraden versprochen hatte, daß sie für die Prämienscheine Ehwaren bekämen, protestierte ich einmal gegen die Handhabung der Prämienausgabe, denn ich wollte mein Gewissen nicht mit diesem Schwindel belasten.-- Und was antwortete man mir? „ Damit haben Sie nichts zu tun, und wenn Sie etwas damit zu tun haben wollen, dann gibt es in Auschwitz genügend Häftlinge, die Steiger werden möchten." Man setzte uns einen neuen Kontrollbeamten in der Gestalt eines SS.- Unterscharführers vor, und dieser sorgte pünktlich dafür, daß die Förderungen normal beendet wurden. Rif einmal das Laufband so trug ich für alle Folgen die Verantwortung. Ich erhielt als Begleitmusik von dem SS.- Mann und von dem deutschen Steiger, der natürlich nicht untätig dabeistehen wollte, Schläge, denn, obwohl ich Steiger war, so war ich doch in den Augen des SS.- Mannes und des deutschen Steigers, immer nur ein Sklave der Arbeit. In 16 stündiger Arbeit, mit knapp zwei Stunden Schlaf, mit einfacher Verpflegung mußten wir 1500 Tonnen Kohle pro Schicht fördern, und während, vor und nach dieser Arbeit, gab es immer wieder Schläge. Trotz allem aber brannte in unseren Herzen der unentwegte Wille zum Durchhalten und zum Glauben an den Untergang des Naziregimes. Es war im Dezember des Jahres 1944. Die Reviere wurden nach wie vor ausgeraubt. Wenn auch noch genug Kohle zum Abbau in der Erde war, so machten sich jetzt doch die Spuren des Krieges, die Spuren der zurückgelegten Front bemerkbar. Stundenlang konnten wir jetzt in der Grube sitzen, weil die Laufbänder still lagen. Diese aber lagen nur darum still, weil über Tage kaum noch Waggons zum Abtransport der Kohle vorhanden waren. So hatte sich vieles geändert. Noch vor kurzer Zeit tobte der Fahrsteiger wie ein Irrer, wenn ein Stück Kohle vom Laufband herunterfiel, jetzt aber konnten die Schichten Stunden, ja zu unserer Freude sogar tagelang sitzen, ohne Kohle zu fördern. Als Grund für diesen eigenartigen Dienstbetrieb erklärte man uns, es seien Verkehrsschwierigkeiten eingetreten. Sobald diese behoben wären, müßte verstärkt weitergeschafft werden. Wir aber hatten andere Glocken läuten gehört, lächelten darum ganz verstohlen nur nach innen und hofften auf den Tag, der uns von dieser Sklavenarbeit befreien würde. Die Grube gehörte jetzt den Häftlingen, denn 90 Prozent der Zivilisten waren zu Schanzarbeiten geprekt worden, um den Vormarsch der Roten Armee aufzuhalten. Es lag etwas in der Luft. Die Zeit hatte sich gewaltig geändert. Die deutschen Steiger haften aufgehört zu schlagen. Dafür setzte allerdings die SS. ihre Arbeit verstärkt fort. Die Polen trugen ein leises Lächeln zur Schau, das erste Mal seit fünf Jahren. Wenn zwei Polen aneinander vorüber gingen, dann sahen sie sich voll in die Augen und sagfen " Gut", natürlich in polnisch. Auch die Zivilisten waren ganz anders gegen uns, mit einem Male, ganz plötzlich, nicht nur, daß sie uns ein freundliches Lächeln zeigten, nein, sie gaben uns jetzt auch Brot und sonstige Lebensmittel, von denen sie abgeben konnten. Sie faten dieses, ohne Angst zu zeigen, dabei erwischt zu werden. Ich traf einmal einen alten polnischen Steiger, mit dem ich mich schon hin und wieder über Politik unterhalten hatte. Ich fragte ihn:" Was gibt es Neues?" " Gut, gut", antwortete er, wobei ihm die Tränen die Wangen herunterliefen, Russki Offensiva!"- Und dann ging er weiter. Auch ich mußte meine Freude verbergen, denn die SS.- Kontrolle stand hinter mir. In weni-- 127 gen Minuten hatte ich meine Kameraden informiert. Die Folge war, daß keiner mehr Müdigkeit, keiner mehr Hunger verspürte. Die Freude war riesengrof. Sollte endlich die Zeit gekommen sein, auf die wir schon seit Jahren warteten? Sollte es endlich dazu kommen, daß wir aus dieser Gefahrenhölle befreit und der unsäglichen Quälereien durch die SS.- Banditen noch einmal entrinnen würden. Es hieß, die Augen offen zu halten, denn das Ende konnte schnell kommen. Es konnte gut sein, aber es hätte können auch schnell und schrecklich verlaufen. Wir sagten uns, daß wir, die wir diese qualvollen Jahre überstanden hatten, nun auch ein Recht zum Leben besaßen. Schon kamen uns die Gedanken, daß einmal die verantwortlichen Nazi- Banditen und deren Trabanten auf den Anklagebänken sitzen müßten. Und wir wollten dann als Zeugen berichten, wie die Menschheit gequälf worden war. Wetterleuchten am östlichen Horizont Seif Monaten standen die Roten Armeen nur noch 80 Kilometer von uns entfernt, am Baranow- Brückenkopf. Seit Monaten warteten wir auf die Offensive, und lange Zeit schon warteten wir auf den Tag der Freiheit. Wir gerieten immer wieder aus der Hoffnung, aus dem felsenfesten Glauben, in Zweifel. Nur wer unschuldig hinter Gittern gelebt hat, abgeschnitten von der Welt, Verbote, Verbote, Verbote, gefesselt und im Wort geknebelt, kann unsere wechselnde Stimmung verstehen. -- -- Die Polen schwiegen. Wir erfuhren nichts Bestimmtes, immer nur Brocken, die uns zufielen. Aus absichtlich oder nur so nebenbei uns zugeworfenen Blicken schöpften wir Hoffnung oder kamen zum Zweifeln. Wir wollten doch leben, wir wollten doch nicht in letzter Minute noch sterben. Ich war doch noch so jung. Am Morgen des 13. Januar 1945, es war kalt, und es lag hoch Schnee, da sagte uns der Lagerführer:„ Die russische Großoffensive haf begonnen!"-- Er schaute bei seinen Worten von einem Häftling zum andern. Ob er wohl eine freudige Miene, einen Hoffnungsschimmer erblicken könne. Aber wir waren schon lange auf diesen Moment gefaßt. Wir verrieten uns nicht. Wer so zur Beherrschung geschult wurde, wie wir, der hat sich in der Gewalt. Jetzt aber ging es um das Letzte. Als er uns alle gemustert hatte, ein zynisches Lächeln lag in seinen Mundwinkeln, und er zeigte seine grausamen Zähne, da fuhr er fort:„ Aber diese Offensive wird nicht lange dauern. Wir werden die Russen schon zurückschlagen!" Und wieder schaute er von einem zum andern. Ob er Zweifel erkennen wollte? Zweifelte er gar schon selbst an allem weiteren Beginnen? War die Unruhe der Naziregierung, war das verzweifelte Tun schon bis in die unteren Schichten der SS. gedrungen? Sahen sie sich am Ende ihrer Gewalttaten? Die Auschwitzer Lagerleitung, diese Hauptverbrecher, hatten befohlen, daß ab sofort alle kriegswichtigen Arbeiten einzustellen seien. Auch das Schachtkommando mußte aufgelöst werden, die hierzu kommandierten Häftlinge wurden zu Lagerarbeiten herangezogen. In den Kohlengruben wurde weitergearbeitet. Die Behandlung durch die SS.- Banditen nahm Formen an, die klar die Absicht erkennen ließen, uns Häftlinge zu vernichten. Wir waren jetzt des Lebens nicht eine Minute mehr sicher. Bluthunde hetzte 128 man au Stücker Unters dem an schlager grausam nichtet wurde den hoh schaff w Eine Befehl, Ersatz fo fragen. Erfahrun bracht, w dieser A kammern Entsetz Gaskamm Salven c Welch Nebenla anstalten ums Herz gastwerd endet se Neue Im Ha handen. getötet v Aber glaube? Welch tö dann wo Oder H Reich nac Die SS weckt. Si auf die v vernichtet Wir tra waren lei Russen. U nicht meh Bestien d nichten,- Wir mu gons zum viel, um Jetzt bega förderten unentweg 9 dab war seit Ge- diten kom- klich nden Ge- ıban- Zeu- ı uns die , Wir ıben, ı von | ge- cken, 'enen doch doch e, da 1"-- wohl r wir Wer >walt. zyni- amen iuern. :nnen War n die Ge »hlen, h das Häft- vurde n an, . Wir 1etzte man auf uns. Und ich habe gesehen, wie diese Bluthunde Häftlinge in Stücke rissen. Untersuchungen fanden am laufenden Band statt. Ein Transport folgte dem anderen. Das Hauptlager wurde mit abgemagerten und halbtodge- schlagenen Häftlingen gespeist. Dort herrschte Hochbetrieb. Die Zeugen der grausamsten Behandlung, die jemals Menschen erlitten hatten, mußten ver- nichteft werden. Das große Schweigen sollte erzielt werden. Die Sprache wurde getötet, die Ankläger. Dicke, schwarze Rauchwolken stiegen aus den hohen Schornsteinen noch weiter zum Himmel empor. Die weiße Land- schaft wurde mit Ruß bedeckt. Eine Sonderverfügung erging an alle Capos. Jeder Capo erhielt den Befehl, aus seinem Kommando täglich Juden zu töten. Es sollte ständiger Ersatz folgen. Die SS.-Banditen begannen, den Capos das Morden zu über- tragen. Wegen Nichtbefolgung des erteilten Befehls, es wurden nach unserer Erfahrung von den Capos täglich 10 Prozent der geforderten Toten beige- bracht, wurden die Capos mit 25 festen Hieben bestraft. Die weitere Folge dieser Anordnung war, dak man ganze Kommandos von Juden in die Gas- kammern trieb. Entsetzliche Szenen spielten sich ab. Einige Häftlinge versuchten, vor den Gaskammern zu entfliehen. Vergeblich.-- Die SS.-Banditen feuerten MG.- Salven dazwischen, und alles war im Nu vorbei. Welche Freude aber herrschte mit einem Male im Hauptlager und allen Nebenlagern, als bekannt wurde, die Gaskammern und die Verbrennungs- anstalten sollten niedergerissen werden. Uns war plötzlich so leicht, so froh ums Herz.-- Das schreckliche, seit Jahren auf uns lastende Gefühl des Ver- gastwerdens, es sollte uns genommen werden?! Eine Gefahr sollte be- endet sein?! Neue Hoffnung erfaßte uns. Im Hauptlager und den Nebenlagern waren noch 40000 Menschen vor- handen. Ohne Gaskammern konnte diese Anzahl Menschen nicht so schnell getötet werden.-- Vielleicht,-- vielleicht,-- blieben wir am Leben! Aber warum vernichtete man die Gaskammern? War das der Sieges- glaube? Hegte man Angst und Furcht? Wollte man Beweise vernichten? Welch törichte Gedanken, die Beweise lebten in uns. Blieben wir am Leben, dann wollten wir schon bezeugen. Wir brauchten nicht zu lügen! Oder hatte man sich wirklich damit abgefunden, daß das tausendjährige Reich nach zwölf schrecklichen Jahren beendet sei? Die SS.-Führer-Bestien waren nervös geworden. Ihr Gewissen war ge- weckt. Sie ahnten Schreckliches. Mit kummervollen Gesichtern schaufen sie auf die von ihnen errichteten grausamsten Folterkammern, die jetzt wieder vernichtet wurden.: i Wir traten erneut den Marsch nach der Grube an. Aber unsere Schritte waren leichter. Die Polen unterrichteten uns jetzt von dem Vormarsch der Russen. Und es lebte in uns der feste Glaube, dieser Vormarsch würde nicht mehr gestoppt werden können, denn warum vernichteten die Nazi- Bestien die Beweise ihrer Greueltaten, wenn nicht darum, um alles zu ver- nichten,-- aus Furcht vor der Vergeltung? Wir mußten Kohle fördern und wir förderten sie, wenn auch keine Wag- gons zum Abfransport zu Verfügung standen. Wir arbeiteten gern und viel, um uns nicht zu verraten. Die Kohle wurde bergehoch aufgeschüttet. Jetzt begann ein neuer Kampf. Es ging nicht mehr um die Kohle. Die Kohle förderten wir, weil wir arbeiten mußten. Jetzt waren wir abwechselnd jedoch unentwegt dabei, Zerstörungen am Kabel, an den Leuchtsignalen, Motoren, 9 129 Transportbändern und Werkzeugen zu verüben. Oftmals zerschlugen wir mit Hämmern die Zahnräder, oder wir versteckten die Nähmaschinen. So wurden jetzt täglich nur 100 Tonnen Kohle gefördert. Wir setzten eben alles aufs Spiel, weil wir in wenigen Tagen auf unsere Befreiung rechneten. Es war am 17. Januar 1945, als wir mittags um vier Uhr wieder in die Grube einfuhren, um bis zum andern Morgen um sechs Uhr zu schaffen. Mit Mühe hatten wir uns durch hohen Schnee den Weg nach der Grube gebahnt. Frischer Neuschnee.-- Herrlich war die Winterlandschaft. Jetzt hatten wir wieder Sinn dafür. Friedlich und still lag alles in tiefem Schlaf. Auf dem Wege dorthin aber trafen wir eine ganze Anzahl mit schweren Koffern bepackte Menschen, die, trotz ihres vielen Gepäcks, eilig zum Bahnhof gingen. Nervös war ihr Benehmen. Ihre Augen glühten von Aufregung. Auch einige ganz bekannte Gesichter tauchten auf. Einige der Gewaltigen" aus der Grube. Sie glaubten, sich ihrem Schicksal durch die Flucht entziehen zu können. Sie waren" furchtlos" gegen waffenlose, entkräftete und kranke Menschen, jetzt aber, jetzt aber, wo der Feind heranrückte, der sie mit Waffen züchtigen würde, der nicht wehrlos" war, da bekamen sie es mit der Angst zu tun, da flohen sie, trotz Revolver, MG.- Pistolen und anderen Waffen. Jetzt flohen sie, die Herren der Welf! Die Grube war erreicht. In Sekundenschnelle fuhren wir auf Sohle 430 Meter hinab. Wir trauten unseren Augen nicht, als wir unten eintrafen und keinen deutschen Steiger oder Kontrollbeamten mehr vorfanden. Die polnischen Zivilisten und wir wenigen Häftlinge waren Herren der Grube. Jetzt wollten wir für die Alliierten arbeiten. Mit großer Freude gingen wir ans Werk, um unseren Befreiern zu helfen. Mit unseren abgemagerten und Wir wollten es. schwachen Körpern wollten wir arbeiten und arbeiten. Aber es war unmöglich.-- Alle Wagen waren fort. Nichts stand uns mehr zur Verfügung. -- -- So setzten wir uns denn hin und plauderten. Es waren zunächst nur allWerden die Russen bald hier gemeine Fragen:" Was wird werden? sein?"-- Unsere Herzen wurden immer bewegter. Wir sprachen freudig und erregt. Wir lebten ja! Wir sprachen von der Zukunft.-- Zukunft?-- Zukunft? Da wurden wir still. Wir wußten ja nichts, es war alles so unklar und unbestimmt. Doch nach einer Weile waren wir wieder mitten im Durcheinandergespräch. Einer von uns hatte begonnen:„ Und was haben wir nicht alles erlebt!" Da fiel diesem jenes, und jenem dieses ein, da fiel uns alles wieder ein. Im Gedankenwirbel erlebten wir die zurückliegenden Jahre noch einmal. Alles Leid und alle Qualen. Als wir vor 30 Monaten zum ersten Male in die Grube fuhren, waren wir 150 Leidensgenossen. Davon waren nur noch acht übrig geblieben. Namen klangen wieder. Wir erzählten von den vergangenen Tagen und von dem Ergehen der einzelnen. Wie oft hatten wir die Zähne zusammenbeißen müssen, wie off wollten wir verzagen,- wie off waren wir im Begriff gewesen, in den Draht zu laufen, in den Tod.- Wie oft, wie off! Die ganze Schicht verbrachten wir so mit Plaudern. -― Als wir zur vorgesehenen Zeit den Rückweg zum Schacht antraten, fiel uns wieder das Ungewöhnliche unserer Lage auf. Es ging alles in Ruhe vor sich. Es schlug uns kein deutscher Steiger ins Gesicht, niemand rannte wie irr neben uns her. Wir waren die letzte Schichtablösung. Weder Zivilisten noch Häftlinge fuhren mehr ein. Wir überlegten, ob es ratsam sei, uns zu versted überha gingen vielleic wir Kin lichkeit Viell Schn Häftling glaubte die rus Gefang alles s Im L " Was nichts s die An sind di Lagerfü marsch Reisev gern g erst for lief wa Wir fre zu orga Ich h Von de macht. fiefen S Es w schlafer Schlaftr und her wollte: stand m wir we wegbrin die SS. " Mac rück, e SS. ist die Här Währ geben Raum h Kammer Magazin terwäsch 04 130 r mit eben eten. ı die . Mit . ge- Jetzt chlaf. yeren 3ahn- jung. gen" iehen ranke > mit s mit Jeren > 430 ı und : pol- ‚rube. 'n wir n und n es. mehr ur all- | hier eudig ntt?-- ‚o un- en im haben wieder h ein- waren ieben. n und vollten aht zu achten .n, fiel he vor te wie vilisten uns ZU verstecken.-- Würde man uns suchen? War noch Zeit dazu?-- Würde man überhaupt ein Interesse daran haben, uns zu suchen? Fragen kamen und gingen.-- Doch, dann siegte die Vernunft. Wenn man uns suchen würde,-- vielleicht würde man sogar Bluthunde auf unsere Spur setzen, dann waren wir Kinder des Todes.-- Bestimmt. So aber bestand doch noch eine Mög- lichkeit, mit dem Leben davon zu kommen. Vielleicht waren auch die Russen schon dal Schneller als sonst begaben wir uns zum Lager zurück. Wir trafen keine Häftlinge. Arbeitskommandos waren nicht zu sehen. Alles war ruhig. Immer glaubten wir, im nächsten Augenblick müßten aus irgend einem Winkel die russischen Panzer hervorbrechen, sie würden uns überholen, uns zu Gefangenen machen, und wir,-- wir würden jubeln!-- Wir stellten uns alles so einfach vor. Im Lager herrschte große Nervosität. Wir wurden mit Fragen bestürmt: „Was wißt Ihr? Haben Euch die Polen etwas erzählt?”-- Doch, wir konnten nichts sagen. Wir konnten nur unsere Eindrücke wiedergeben. Der SS, war die Angst anzumerken, in Gefangenschaft zu geraten.„Sechzig Kilometer sind die Russen nur noch von hier entfernt”, sagte ein SS.-Schütze zum Lagerführer, Nervös zuckte dieser zusammen und gab den Befehl zum Ab- marsch der SS. Für sich selbst ließ der Herr Hauptscharführer Remmele alle Reisevorbereitungen treffen. Häftlinge mußten ihm helfen. Die Hilfe wurde gern geleistet. In unseren Herzen klang und jubilierte es:„Wenn sie nur erst fort wären!" Wir aber ließen uns nichts anmerken.„Herr" Remmele ließ warme Reisedecken, viel Proviant und viel Benzin vor das Tor bringen. Wir freuten uns. Wir sagten uns, es sei viel zu spät, um unseren Abtransport zu organisieren. Ich hatte mich auf mein Lager gelegt, denn ich war rechtschaffen müde.-- Von der Arbeit nicht, doch,-- auch mich hatte die Aufregung müde ge- macht. Trotz allem Lärm, der um mich herrschte, versank ich bald in einen tiefen Schlaf, Signal zum Finale Es war gegen zwölf Uhr am Mittag, ich hatte nur wenige Stunden ge- schlafen, als ich von lauftem Gepolter und Krach in der Baracke wach wurde. Schlaftrunken rieb ich meine Augen. Wie im Nebel sah ich Menschen hin- und herlaufen. Und wie ich gerade klar wurde und einen Kameraden fragen wollte:„Was ist denn los? Was rennt Ihr denn so durcheinander?”, da stand mein Freund vor mir und sagte:„Steh’ auf! In drei Stunden kommen wir weg!” Ich wollte es nicht glauben.-- Wer sollte uns denn von hier wegbringen? Hatten meine Kameraden Angst vor den Russen?-- Oder, war die SS. noch nicht fort? „Mache mir doch nichts weiß”, antwortete ich.„Nein, nein”, kam es zu- rück,„es ist wahr. Mach’ schnell und besorge Dir noch warme Kleider. Die SS. ist noch da. Es ist der Befehl gegeben worden, kein Häftling dürfe in die Hände der Feinde kommen.” Währenddem ich mich noch aus meinem Traum in die Wirklichkeit be- geben wollte, wurde die Tür aufgerissen und ein Blockführer schrie in den Raum hinein:„Fertig machen zum Abmarsch. Warmes Zeug wird auf der Kammer ausgegeben!”-- So, jetzt wußte ich's.-- Also hoch.-- Ich lief zum Magazin. Dort besorgte ich für meine Kameraden und für mich warme Un- terwäsche.-- Monatelang hatten wir in dünnem Zeug entsetzlich frieren 6 $; 131 müssen, monatelang hatten wir weder Strümpfe noch Schuhe erhalten. Jetzt wurde alles ausgegeben. Eine volle Stunde warfen wir den ganzen Bestand des Magazins zum Fenster hinaus. Jeder nahm sich, was er brauchte. Aber mehr wie zwei Hemden und zwei Anzüge konnten wir nicht anziehen. Seife, die uns immer vorenthalten war, davon mußten wir 50 Kisten mit je 2000 Stück zurücklassen. Inzwischen waren nahezu drei Stunden vergangen. Dann wurde der Befehl erteilt, die Ausgabe der Bekleidung sei sofort einzustellen, die Russen rückten immer schneller heran. Sollten wir weinen, sollten wir uns freuen? Da erblickten wir mit einem Male lange Kolonnen von Häftlingen. Sie kamen aus dem Hauptlager Auschwitz. Mit zerrissenen Kleidern und zerrissenen Schuhen, in ihren dünnen blauweißgestreiften Häfflingsanzügen zogen sie an unserem Lager vorüber. Viel Männer, aber auch alte Frauen und junge Mädchen dazwischen. Sie riefen uns zu und fragten:" Wo seid Ihr her?"- Für diese Fragen erhielten sie Schläge von den SS.- Bestien. Wir antworteten: Kopf hoch!"-- Ganz plötzlich erfönten die Worte in mir noch einmal wieder. Nebelhaft stand meine Mutter vor mir:" Kopf hoch, Rolf!" hörte ich eine leise Stimme. Ungefähr 500 junge Mädchen zogen auch vorbei. Wir winkten und riefen in allen Sprachen. Aber wir erhielten keine Antwort. Dann fragte ein kleiner Ungar. Und sofort erschallte es zurück:" Aus Ungarn". Sie waren seit vier bis fünf Monaten in Auschwitz. ,, Wo sind die anderen Frauen?", fragten wir. Sie wiesen zum Himmel. Wir erhielten den Befehl, uns dem Zuge anzuschließen. Im ersten Augenblick brach eine Panik aus. Schnell wurden die vorhandenen Ehvorräte ausgeteilt. Jeder Häftling erhielt 1 kg Brot, 500 gr Margarine, 250 gr Wurst und 32 Stück Zucker. Der Marsch, den wir vorhatten, sollte 12 Tage dauern. Die Kranken mußten zurückbleiben. Wir verabschiedeten uns von ihnen. Sie hatten mit uns gelitten und bis jetzt mit uns durchgehalten. Sollten sie jetzt noch mit uns ermordet werden? Während wir der Befreiung entgegen gingen? Todesmarsch 18.1.1945 Der Himmel war sternenklar, die Nacht war kalt und hoher Neuschnee war gefallen. Das Lager lag still neben dem Dorf Jawischowitz. Auf den Straßen regte sich nichts. Nach stundenlangem Kommandobrüllen und den durch den Schnee knirschenden Schritten von Tausenden von Menschen ist alles still geworden, als wäre fiefster Friede. Da ertönte plötzlich tiefes Gebrumm von Flugzeugen. Dieses erinnerte uns daran, daß ja Krieg sei. Die Stille war durchbrochen, alle Hoffnungen auf eine Befreiung waren zerschlagen. Was würden uns die nächsten Stunden bringen? Die Flugzeuge brummten. Würden die Russen eher da sein, als unser Abmarsch begann, oder sollten wir weiter in eine neue Station der Tyrannei verfrachtet werden? Die Minute der Entscheidung war gekommen. Die Lagerfore öffneten sich. Ca. 2500 Kameraden traten den Marsch in den Tod oder in die Freiheit an. Vor uns marschierten die schwer bewaffneten SS.- Banditen, und hinter uns und über uns dröhnten die Flugzeugmotoren der siegreichen Rofen Armee. Ueber 132 uns d Erde, gefun 250 K 16 Jah zu de waren Der gehen Alle A russisc Stunde ken u zwei k blauw Unterg SS.- Be Eisig des S Anzüg wachu Straße Erde u hellen klange Wir w in die einen wenige freit z war zu Wirklic Drei SS.- Bes wenige Wald des Tr Fünfzig wir zu erschos gericht SS.- Bar ein. Im sitzen. 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Alle Augenblicke schauten wir uns um, ob wir nicht schon die Spitzen der russischen Armee erblicken könnten. Die Lageruhr verkündete die sechste Stunde. Verlassen lagen alle Wachttürme da. Zurück blieben nur die Kranken und unsere Gedanken waren bei ihnen. Unsere Kolonne streckte sich zwei Kilometer lang dahin. Zwei Kilometer lang marschierten Menschen in blauweißgestreiften Anzügen, verjagt von der Heimat, ohne Recht, dem Untergang oder der Verzweiflung entgegen. Um uns herum rannten die SS.- Bestien mit ihren Bluthunden. Stundenlang mußten wir marschieren. Eisig fegte der Wind über die Landstraßen Polens, über die Straßen des Sieges", wie sie einst Hitler nannte. Wir froren in unseren dünnen Anzügen, aber lautlos marschierten wir. Nur die Peitschenknalle der Bewachung pfiffen durch die Nacht. In den Gräben zu beiden Seiten der Straße lagen Häftlingsleichen auf dem weißen Schnee. Blut sickerte in die Erde und zeigte rote Rinnsale an. Erschütternd war der Anblick in dieser hellen Mondnacht. Während wir diesen Eindruck noch in uns aufnahmen, klangen am Ende der Kolonne Gewehrschüsse, dazwischen MG.- Salven. Wir wurden schneller nach vorn getrieben. Und dann hörten wir, daß die SS. in die Reihen der marschierenden Häftlinge geschossen hatte. Wir hatten einen Augenblick gedacht, die Russen seien uns schon so nah. Wenn wir wenige Stunden uns in der freudigen Hoffnung befunden hatten, bald befreit zu werden, so waren wir jetzt wieder völlig apathisch geworden. Es war zu schwer für uns, aus unseren Gedanken gerissen zu sein, da nun die Wirklichkeit ganz anders aussah als unsere Träume. Dreißig Kilometer waren wir bereits marschiert. Aus den Gesprächen der SS.- Bestien vernahmen wir, daß einmal Halt gemacht werden solle. Nach wenigen Minuten, wir befanden uns auf freier Landstraße, kein schützender Wald war weit und breit zu sehen, jagte man uns plötzlich auf ein Signal des Truppführers auf eine große Wiese in einem engen Raum zusammen. Fünfzig Zentimeter lag der Schnee dort hoch. Wie eine Schafherde waren wir zusammengetrieben. Einen Augenblick glaubten wir, wir sollten alle erschossen werden, denn die SS.- Bestien hatten ihre Gewehrläufe auf uns gerichtet. Als dann aber der Befehl ertönte" Hinlegen", stürzten sich die SS.- Banditen mit Gummiknüppeln auf uns und schlugen bestialisch auf uns ein. Immer enger trieb man uns zusammen, wir konnten weder stehen noch sitzen. Das Schreien der Häftlinge war entsetzlich. Als die Hilferufe und das Schreien kein Ende nehmen wollten, feuerte die SS. mit MG. wahllos in die zusammengeballte Masse hinein. Auch durch meinen Mantel war ein Schuß gegangen. Es war eine Blutnacht, die sich die SS. geleistet hatte. Lebende, Halbtote und Tote lagen durch- und übereinander. Ganz plötzlich setzte ein orkanartiger Schneesturm ein, der uns fast mit Schnee bedeckte. Die SS. hatte sich während dieser Zeit in ein sicheres Versteck begeben und bewachte uns von weitem. Wir hatten uns mit unseren Mänteln zugedeckt, aber auch diese bildeten nur ungenügenden Schutz gegen die furchtbare Kälte. Wir 133 spürten unsere Glieder kaum mehr. Wir waren alle wie betäubt. Als wir nach einiger Zeit aufstehen sollten, zum Weitermarsch antreten, waren viele der Häftlinge erfroren, besonders von denjenigen, die unten im Schnee lagen. Weiter ging der Marsch. Ich war mit meinen zwei Kameraden, mit welchen ich seit dem ersten Tage der Gefangenschaft zusammen war, an die Spitze gegangen. An die Letzten der Kolonne wurden die meisten Schläge ausgeteilt, weil die SS.- Bestien uns ja unaufhörlich weitertrieben aus Angst um ihr Leben. Wir marschierten einen ganzen Tag über Wiesen, durch Wälder, durch Dörfer und kleine Städte. Kein Mensch war auf der Straße zu sehen. Ueberall war es totenstill. Nur wenige Zivilisten blickten bei unserem Marsch verstohlen aus ihren Fenstern heraus. Inzwischen hatten wir auch Kanonendonner vernommen. Dieses Geräusch war die einzige Bekundung der näherrückenden Russen. Die SS. wurde wild. Man trieb uns in einen Wald. Erneut wurde, Halt" befohlen. Als meine Freunde und ich uns umblickten, sahen wir eine große Anzahl von Häftlingen, die weit in den Wald hineingetrieben wurden. Sie liefen mit erhobenen Händen. Plötzlich dumpfes Maschinengewehrgeknatter. Ein Kamerad nach dem andern sank getroffen zur Erde. Sie waren tot. 11 Neben uns stand ein alter Volkssturmsoldat. Er war vielleicht 60 Jahre alt. Ergriffen blickte er uns an und sagte zu uns: Wenn wir jetzt hier so stehen, und hinter uns die Kameraden fallen, so sollten wir in stiller Andacht zu Gott beten, daß wir den Marsch überstehen, denn es besteht der Befehl, daß der, der nicht mehr mitkommt, erschossen werden soll. Ich werde nicht auf Euch schießen, denn ich weiß, daß Ihr dieselben Menschen seid wie wir." Rührend klangen diese Worte des alten Mannes. Im Wald jedoch erklangen noch ununterbrochen Gewehrschüsse. Die tröstenden Worte hallten in uns nach und gaben uns erneut Muf zum Durchhalten. Drei Tage und drei Nächte marschierten wir nun schon. Die beim Abmarsch zwei Kilometer lang gewesene Kolonne war wesentlich kleiner geworden. Wir befanden uns auf der Straße nach Teschen. Plötzlich kam ein Wehrmachtsmeldefahrer, der den Befehl überbrachte, wir sollten sofort den nächsten Bahnhof anlaufen, sonst würden uns die Russen einkreisen. Als wir diesen Befehl vernahmen, sandten wir Stoßseufzer zum Himmel:" Wenn uns die Russen doch nur einkreisen wollten!" 25 Kilometer war der nächste Bahnhof entfernt. Bis dahin mußte etwas geschehen sein. Die Angst der SS.- Banditen wurde größer und größer. Sie trieben uns mit der Peitsche an. Dieses verstärkte Antreiben war der Beweis ihrer Angst. Je weiter wir marschierten, je mehr waren die Gräben an den Seiten mit erschossenen Häftlingen angefüllt. Auch für uns vorn wurde die Situation durch das dauernde Antreiben immer unerträglicher. Auch wir konnten kaum noch laufen. Dazu kam der Hunger. Unsere Reserven waren aufgebraucht. Sonst aber war kein Essen ausgegeben worden. Arm in Arm marschierten wir dahin. Jeder zog und schleppte den andern mit. Nach einer abermaligen Rast auf dem eisigen Schnee, der durch die starke Kälte hart gefroren war, setzten wir unseren Marsch zum nächsten Bahnhof fort. Der Himmel hatte sich blutrot gefärbt. Der Kanonendonner war deutlicher hörbar geworden. Flugzeuge warfen ohne Unterlab auf die Bahnhöfe Bomben herab. Die brennenden Häuser und das Feuer der einschlagenden Bomben erhellte die Nacht. Wenn die Flugzeuge mit ihren födlichen Bomben über uns hinwegflogen, trat für uns eine kurze Ruhepause ein. Da mußten wir uns auf die Erde legen. Der Einschlag der Bomben ließ die Erde erschüttern. Wir hofften immer mehr, daß nun die Zeit für un gerala worde menge Hoffnu würde den R unsere zögern Immer Verlus gezäh war di beim Gan einer war zu Leben mehr straße nicht End manu storbe lag, d Wir d Durch waren ging, andern uns ei sches Mensc merlich sendjä Vier T Marga Weiter verhall Dörfer die un und d Wir noch w Die self. H wechse vorübe lasen Wie lands, Konze 134 s wir viele ‚hnee wel- n die hläge Angst Wäl- je zu i un- n wir ekun- ns in h uns ı den tzlich sarık re alt. ehen, ht zu efehl, nicht ] wie adoch - e und meter anden ahrer, anlau- »rnah- h nur dahin r und n war n die ir uns .rträg- )nsere | wor- > den 'h die chsten lonner uf die r ein- ihren Ruhe- Bom- e Zeit für uns gekommen sei. Viele Kameraden waren auch im Schutze des Flie- geralarms geflohen. Nur wenige waren erkannt und wieder eingefangen worden, um sofort erschossen zu werden. Mit geballter Faust und zusam- mengebissenen Zähnen ging es weiter, die letzten zehn Kilometer. Unsere Hoffnung, daß uns die Russen noch vor Erreichen des Bahnhofs einkreisen würden, war wieder entschwunden. Jetzt hofften wir, auf dem Bahnhof von den Russen erreicht zu werden. Wir marschierten langsamer, es ging mit unseren Kräften zu Ende, Wir glaubten aber auch, daß wir durch unser Ver- zögern die„Russen zum beschleunigten Eintreffen herbeirufen würden. Immer mehr waren von uns zurückgefallen, immer größer waren unsere Verluste geworden. Von einer Kolonne Frauen, die ehemals 600 Köpfe gezählt hatte, waren nur noch knapp 50 übrig geblieben. In gleicher Weise war die Zahl der männlichen Häftlinge gesunken. Von ungefähr 35000, die beim Abmarsch gezählt waren, waren jetzt noch ca. 20000 vorhanden. Ganz plötzlich standen wir im Dunkel der Nacht vor einem Bahnhof. Auf einer weißen Tafel entzifferten wir die Buchstaben:„Loslau”. Der Marsch war zu Ende. Der Todesmarsch, der vielen Tausenden von Häftlingen das Leben gekostet hatte. Tausende lagen in den Wäldern Polens und noch mehr haiten ihre letzte Ruhe in den Gräben zu beiden Seiten der Land- straße gefunden. Wir ermahnten uns, weiter durchzuhalten, wir woliten nicht dem gleichen Schicksal verfallen. Endlich waren wir glücklich in die Waggons gekommen. Viel weiter hätte man uns nicht mehr treiben können, dann wären wir alle unterwegs„ge- storben”, In jeden Waggon, in welchem der Schnee 40 Zentimeter hoch lag, der noch dazu gefroren war, wurden 60 Häftlinge hineingetrieben. Wir drängten uns zusammen, so gut es ging. Einer wärmte den andern. Durch unsere Wärme begannen Eis und Schnee zu schmelzen, die Kleider waren hart gefroren. Ermattet und völlig erschöpft lagen wir, so gut es ging, neben- und übereinander. Es kümmerte sich auch niemand um den andern. Wir waren still geworden. Und wir verspürten nicht mehr, ob neben uns ein Toter oder ein Lebender lag. In den schweren Tagen dieses Mar- sches waren wir abgemagert, und es war fast nicht zu glauben, daß sich Menschen in wenigen Tagen so verändern können. Mitten in unserem jäm- merlichen Kreise saß mit aufgepflanztem Bajonett ein„Beschützer des Tau- sendjährigen Reiches”. Der herrlichste Verbrechertyp eines SS.-Banditen. Vier Tage waren seit dem Abmarsch vergangen. Wir hatten nur Brot, etwas Margarine und Wurst bekommen, aber immer noch kein warmes Essen. Weiter rollten die Züge nach Deutschland hinein. Der Kanonendonner war verhallt und der Glaube an eine Befreiung war verschwunden. Städte und Dörfer zogen an uns vorbei. Niemand kannte unser Ziel. Die Menschen, die unsere Züge an sich vorüberfahren ließen, konnten das mahlose Leid und das große Elend der transportierten Menschen nicht erkennen, Wir passierten Breslau, Liegnitz und Weimar im Schnellzugstempo. Immer noch wurden wir von dem Gedanken gequält, wohin es gehen möge. Die Bremsen quietschten. Der Zug hielt, Die Lokomotive wurde gewech- selt. Herrlicher Sonnenschein lag über dem Bahnhof. Als die Maschine ge- wechselt war, ging es auf einem Nebengleis weiter. Ein Zug kam an uns vorüber. Auf einem Schild, der an einem der Waggons angebracht war, lasen wir:„Pendelverkehr Weimar—Buchenwald”, Wie ein Stich ging es uns durchs Herz. Wir waren im Herzen Deutsch- lands, in Thüringen. Wir waren auf dem Wege zu dem berüchtigsten aller Konzentrationslager„Buchenwald”. 135 Wir schauten uns an. Ob es in Buchenwald auch Gaskammern gibt? Wir fragten uns ohne Worte. Unsere Augen flackerten. Soll dort unser Leben beendet sein? Wenn es in Buchenwald noch Gaskammern gibt, dann wäre die Lösung gegeben. Eine halbe Stunde fuhr der Zug bergauf. Die Natur lag in tiefem Schnee. Von den Spitzen der Bäume fielen Tropfen herab. ungefä waren zum O Haft Durf Wir drückte " Ja" der ve Da r Konzentrationslager Buchenwald Das Lager des Hungers Am Donnerstag, den 25. Januar 1945, hatten wir das Ziel erreicht.-- Bahnhof Buchenwald". Rechts befand sich das Lager, darunter die Stätte der Grausamkeit, die Stätte der sadistischesten Methoden. Und links waren Ruinen. Ruinen, die von einem Luftangriff herrührten. Etwas weiter ab lagen große Maschinenhallen, aus welchen das Gebrumm der Maschinen und das Hämmern der Arbeiter herübertönte. Kaum hielt der Zug, wurden die Türen aufgerissen. Die SS. empfing uns. Aber ganz anders als sonst. Ohne Schläge. Wir wunderten uns. Wir waren erstaunt und fragten uns, was bedeutet das? Kaum bewegungsfähig entstiegen wir dem Wagen. Wir hatten vier. Tage nichts gegessen und waren daher völlig erschöpft. Den im Wagen verbliebenen Kameraden riefen wir zu:„ Steht doch auf, sonst schlägt uns die SS. noch!" Als sie auch dann noch keine Anstalten machten, aufzustehen, gingen einige Häftlinge in die Waggons zurück, um zu helfen. Da aber bemerkten wir erst, daß sich nur noch Tote in den Waggons befanden. Verhungert und erfroren. Auch ich selbst war so schwach, daß ich nicht einmal meinen Namen mehr sagen konnte. Wenn sich nicht einige Freunde meiner angenommen hätten, so hätte auch ich das Lager von Buchenwald nicht mehr betreten. Fest aneinandergeklammert traten wir den Weg ins Lager an. Auf einer breiten Asphalt- Straße ging es dahin. Rings um uns nichts wie Wald. Wir bogen in eine große Linkskurve ein, an deren Ende ein holzgemeifelter Wegweiser stand. Auf einem Brett waren einige Häftlinge eingemeißelt, die laufend Schaufel und Pickel über der Schulter trugen. Darunter stand zu lesen:„ C a ra cho- Weg". Etwas weiter unten waren einige Noten eingemeißelt, die den Text zu dem Liede verrieten:... und stets ein frohes Lied erklingt!" Die Tore des Lagers lagen vor uns. Durch diese Tore waren Tausende von Häftlingen hinein-, aber niemals wieder herausmarschiert. Eine große Uhr verkündete die Zeit: 12 Uhr und 30 Minuten. Die Schicksalstore" öffneten sich. Was mir bei jedem Lager ganz besonders ins Auge gefallen war, das waren nicht die geradezu ins Auge springenden Lagerfürme, sondern die an jedem Lagertor angebrachten Sprüche. Hier gab es keine schmiedeeisernen Buchstaben, hier verriet eine dunkle Holztafel die„ Bedeutung" des Lagers. ,, Recht oder Unrecht, mein Vaterland!", so las ich. Wir durchschritten die Tore und lasen einen weiteren Spruch:„ Jedem das Seine!" Wir wurden gezählt. Als wir vor Tagen den Marsch vom Lager Jawischowitz antraten, wurden noch 2500 Häftlinge gezählt, jetzt waren wir nur noch 136 Die Ich sell Tore w Wir konnte mit min schwar Man tr bei mi Man kurzes mehr d Die dagege streckt Turnsch Als i ich mir, hätte i diese e Einig Wie ei Backen Aber anders Bandite Alsda antrete ihm ein gänger Armee. Dann Turnsch warten Und an Hol Lager" Wir eben wäre Natur ungefähr 1250. Also hatten wir rund die Hälfte abermals verloren, also waren wiederum 1250 Häftlinge den Genickschüssen der Henkersknechte zum Opfer gefallen. Hatten wir noch Hoffnung? Durften wir noch Hoffnung haben? Wir drei Freunde schauten uns an. Und der eine von meinen Freunden drückte mir die Hand." Wir wollten durchhalten, Rolf!" " Ja", flüsterte ich schmerzerstickt. Und wieder hörte ich aus den Wipfeln der verschneiten Buchen die leisen Worte:" Kopf hoch, Rolf!"-- Da riß ich mich zusammen. Ein rechtes Wort zu rechter Zeit. ht.-- - die links weiter ninen uns. Wir fähig und aden auch linge gons mehr ätten, t anreiten ogen Weg, die d zu ingerohes ende große re" , das n die iede■ ng" n die schonoch Einkleidung Die Tore des Lagers von Buchenwald hatten sich hinter uns geschlossen. Ich selbst befand mich nunmehr im sechsten Lager. Fünfmal waren mir die Tore wieder geöffnet worden.-- Was würde jetzt werden? Wir wurden zum Baden geführt. Zwei Stunden mußten wir stehen. Ich konnte mich kaum mehr auf den Beinen halten, so erschöpft war ich. Und mit mir 1249 andere Häftlinge. Das Bad erfrischte uns. Aber doch wurde mir schwarz vor den Augen, als ich endlich fertig war. Ich brach zusammen. Man trug mich nach der Kleiderkammer. Meine beiden Freunde blieben bei mir, denn ich war nicht in der Lage, mich allein anzuziehen. Man hatte uns eine dünne Hose und eine Jacke, blauweißgestreift, ein kurzes Hemd, Fuklappen und einen großen Zivilhut,-- andere waren nicht mehr da, zugeteilt. Die anderen Häftlinge hatten Schuhe aus Leder oder Holz erhalten, ich dagegen nur Turnschuhe aus dünnem Segeltuch. Als mir die Schuhe zugestreckt wurden, hörte ich, wie der eine Verteiler zum anderen sagte:„ Gib Turnschuhe, in drei Tagen ist er doch tot!" Als ich diese Worte vernahm, stieg es heiß in mir empor.„ Nein", sagte ich mir, ich will leben. Ich will durchhalten.-- Jetzt sterben?-- Nein!-- Das hätte ich vor Jahren schon haben können. Warum habe ich dann erst alle diese entsetzlichen Qualen überstanden und mit Geduld ertragen?" Einige Minuten später erblickte ich mich in einem Fenster. Ich erschrak. Wie ein abgezehrter Mann von 60 Jahren sah ich aus. Die hervortretenden Backenknochen, die langen Haare im Gesicht, ich sah zum Fürchten aus. Aber nicht nur mir ging es so. Die anderen Kameraden schaufen nicht anders aus. Wir mußten trotz allem Entsetzen leise lächeln.-- Waren wir Banditen, Räuber?-- " Alsdann mußten wir zur Eintragung in das Goldene Lagerbuch" antreten. Jeder gab seinen Namen und seine Personalien an. Dafür wurde ihm eine Nummer zugewiesen. Ich erhielt die Nr. 118 021.-- 118 020 Vorgänger hatte ich also. Eine ungeheure Anzahl Menschen.-- Das war eine Armee. Dann wurden wir blockweise zusammengestellt. Ich fror in meinen dünnen Turnschuhen, in denen ich über eine Stunde im tiefen Schnee stehen und warten mußte. Und als noch eine weitere Stunde vergangen war, da führte man uns an Holzbaracken vorbei, an Steinhäusern vorüber,-- durch das Große Lager" nach dem„ Kleinen Lager". 137 wir un Das„ Kleine Lager" Das Kleine Lager" gehörte zu den Ausrottungsinstituten der nationalsozialistischen Massenmörder. Die Vergasung der Menschen in den Gaskammern von Auschwitz mußte als" human" bezeichnet werden gegenüber der Aushungerungsmethode, die hier ausgeübt wurde. Das Lager lag im Bereiche des 5000 Volt Starkstromes und war von dem Großen Lager" nur durch einen einfachen Stacheldraht getrennt. Der Uebertritt von einem zum andern Lager war verboten und wurde nur in ganz seltenen Fällen gestattet. 11 Es war ein jämmerliches Lager. Straßen gab es nicht. Hingeworfene große und flache Steine vermittelten das Durchwaten des Schlammes und des Schneewassers. Als wir die Blocks betraten, die aus einigen Baracken bestanden und die auch untereinander durch Stacheldraht in sich abgeschlossen waren, erhielten wir einen wunderbaren Eindruck". Wir glaubten, in einem Stall" gelandet zu sein. Die Baracke war 24 Meter lang und 7 Meter breit. An beiden Seiten befanden sich die von mir bereits einmal beschriebenen Holzgestelle, die wiederum in übereinanderliegende Boxen eingeteilt waren. In jede Boxe kamen fünf Häftlinge. Decken und Strohsäcke waren nicht vorhanden. 1500-2000 Häftlinge waren hier Sommer und Winter zusammengepfercht. Die stickige Luft war unerträglich. Trotz allen Bedrücktseins wurde ich an das Wort eines Freundes erinnert, der immer sagte: Warmer Mif ist besser wie kalter Ozon". Wir ausgemerkelten, völlig unterernährten Häftlinge froren ja immer. Wir konnten Wärme gebrauchen. Aber dennoch,-- diese dicke Luft legte sich auf Augen und Herzen. Um fünf Uhr morgens wurden wir geweckt. Arbeit war nicht vorhanden. Nach dem Appell mußten wir zurück in unsere Boxen. Dort nahmen wir unser Frühstück" entgegen, das aus 250 gr Brot täglich bestand. Zweimal in der Woche gab es 10 gr Margarine, und einmal in der Woche wurden 1 Kaffeelöffel weißer Käse, ein kleiner Löffel Marmelade und sonntags 20 gr Wurst ausgegeben. Abends gegen 5 Uhr erhielten wir noch einen Teller Kohl- oder Rübensuppe. Die Essenausgabe war furchtbar. Oft mußten wir stundenlang in Nässe und Kälte warten. Nach einigen Tagen war den SS.- Banditen unser Herumlungern in den Baracken leid geworden,- Arbeit aber war nicht vorhanden,-- also trieb man uns nach dem Frühstück" in die Kälte und Nässe hinaus. Bis nachmittags um 4 Uhr, zu dieser Stunde wurde täglich der Appell abgehalten, mußten wir uns frierend und hungernd herumtreiben. Die Appelle zogen sich auch oft bis abends um 8 oder 9 Uhr hin. Es war oft zum Verzweifeln. Mit nassen Füßen lange Stunden der Kälte ausgesetzt zu sein, war eine entsetzliche Qual. Wir ehemaligen Grubenarbeiter liften ganz besonders unter diesem " Nichtstun". Das Lager füllte sich immer mehr. Aus Angst vor dem russischen Vormarsch wurden alle östlich liegenden Lager aufgelöst und die Häftlinge dieser Lager nach Buchenwald transportiert". Bald befanden sich 40 000 Häftlinge im Kleinen Lager". Die Zustände wurden immer unerträglicher. Man wollte uns scheinbar hier vernichten. Die Zahl der " Hungeropfer" wurde immer größer. Auch die Zahl der„ Kälteopfer". Systematisch mordete man uns. Bei stärkstem Schneetreiben mußten 138 währen geschü oder in Ueb Der über e wir na nicht h Barack SS.- Bes zählten In e und er Schreie Todesn der Ba dann t Wah sie, sic komma Neben kroche komme Zeit fü Meine der Ha mit ein Es ta lange zusamn Teil de verkro Mein A zum Si Häftl SS.- Bes lehnt w ich blie noch 5 zwei S gerückt nem V dachte Am a Der wa schen aber a Freien Woche ganz g besser, OnalGasgenlag ger" inem ällen roke des d die rhielinem Meter chrieingesäcke und allen mmer -. Wir legte nden. n wir eimal urden 20 gr Teller n wir n den trieb nachalten, n sich . Mit e entiesem Vortlinge sich immer lder lteukten wir uns außerhalb der Baracken aufhalten. Die Türen der Baracken blieben während des ganzen Tages geöffnet. Wir suchten an allen einigermaßen geschützten Stellen Unterschlupf, standen unter tropfenden Regendächern oder in den überfüllten Aborten herum. Ueberall frierende und hungernde Menschen. Der tägliche Neuschnee bedeckte viele Leichen. Wie oft stolperte man über einen toten Kameraden. Stündlich, ja in Minutenunterbrechung fragten wir nach der Zeit. Und die Zeit, die es sonst so bitter eilig hat, sie ging nicht herum. War aber endlich der Appell vorüber, so drängte alles in die Baracken. Täglich wurden Leidensgenossen erdrückt. Einmal, als uns die SS.- Bestien mit Stöcken und Knüppeln am Abend in die Baracken trieben, zählten wir 20 Todesopfer. In einer Nacht, kurz nach unserer Einlieferung, wir lagen dichtgedrängt und eng beieinander, keiner konnte sich rühren, wurden wir durch laute Schreie geweckt. Die SS.- Bestien schlugen auf die noch immer von dem Todesmarsch geschwächten und müden Häftlinge ein. Ich lag am Eingang der Baracke. Also erhielt auch ich meine Schläge. Wir sprangen auf. Und dann trieb man uns in der Mitte der Baracke zusammen. Wahllos griff man Häftlinge heraus, gab diesen eine Ration Brot und hieß sie, sich vor dem Block aufzustellen. Ich hatte gehört, daß ein Transportkommando von 1000 Häftlingen zusammengestellt werden sollte, für ein Nebenlager von Buchenwald. Unbemerkt hatte ich mich nach hinten verkrochen. Viele Häftlinge meldeten sich freiwillig, um ein Stück Brot zu bekommen. Ich aber fühlte mich zu schwach,-- ich wollte nicht nach kurzer Zeit für arbeitsunfähig" geschrieben werden. Ich konnte kaum gehen. Meine beiden Freunde hatte ich gewarnt, doch sie hatten sich vom Taumel der Häftlinge mitreißen lassen. Und schon waren sie für den Transport mit eingeteilt. Es tat mir leid, von meinen Freunden getrennt zu werden. Wir hatten lange Zeit alles Leid und jede Not gemeinsam getragen. Wir hatten immer zusammengehalten. Aber jetzt erschien mir die Selbsterhaltung der bessere Teil der Tapferkeit. Durch den Trubel der Häftlinge abermals unbemerkt, verkroch ich mich in einen kleinen Schrank. Ich hatte keine andere Wahl. Mein Aufenthalt in diesem Schrank war eine Qual. Ich hatte kaum Platz zum Sitzen. Häftlinge stießen mit Krach an den Schrank, andere wurden von den SS.- Bestien dagegen geworfen, weil sie für das Arbeitskommando abgelehnt wurden. Ich wurde geschüttelt und gerüttelt in meinem Schrank. Aber, ich blieb sitzen.-- Ich hörte in meinem Versteck, daß man noch 50, noch 10, noch 5 Häftlinge,-- und dann nur noch einen Häftling benötige. Ganze zwei Stunden verblieb ich noch in meinem Schrank. Bis der Transport abgerückt war, bis die Lampen gelöscht waren. Dann erst kroch ich aus meinem Versteck hervor und legte mich zum Schlafen nieder. Noch lange dachte ich an meine Freunde. Π Am andern Tage war die Baracke ziemlich leer. Jetzt war es noch kälter. Der warme Mif" war fort und blieb aus. Jetzt hatte ich für keinen Menschen mehr zu sorgen, meine beiden Freunde waren fort. Ich war allein, aber auch ganz allein auf mich angewiesen. Um nicht den ganzen Tag im Freien zu sein, drückte ich mich mit noch einigen anderen Häftlingen drei Wochen lang unter den„ Betten" herum, den sogenannten Betten. Es war ganz gewiß nicht angenehm, den ganzen Tag auf der Erde zu liegen, aber besser, als draußen in der Kälte zu frieren. 139 Hatte ich ein Bedürfnis zu verrichten, so griff ich nach Schaufel und Besen, um den Anschein zu erwecken, daß ich„ Stubendienst" hatte. Auch bei Kontrollen mimte ich den Stubendienst" und hatte damit immer Glück. Die Kameraden, die in der Nacht gestorben waren, schob man einfach unter die Boxen, unter die„ Betten". Niemand wollte sie anrühren. So lagen wir Stubendiensthabenden" immer mit Leichen im trauten Verein unter den„ Betten". Oft lagen die Toten tagelang dort, gingen schon in Verwesung über. Widerlich war der Gestank.-- Dann stieß man die Leichen mit den Füßen immer weiter, bis zum Blockende,-- zur Tür hinaus. Und dort lagen sie wiederum oft tagelang, bis sie abgeholt wurden. Das Krematorium hatte viel" zu tun. Schrecklich war es in der Nacht, wenn man zum Abort mußte. Wir hatten dann das Gefühl, als gingen wir über ein Leichenfeld. Noch schlimmer, wenn die erstarrten Augen, die blut- und kotbedeckten Gesichter uns anschauten, oder die starren Hände zum Himmel zeigten. Der Hunger griff um sich. Ihm folgten Auswirkungen, die unbeschreiblich sind. Oft fand man morgens Leichen unter den„ Betten" oder vor den Baracken, aus deren Oberschenkel große Stücke Fleisch geschnitten waren. Die Menschen wurden zu Tieren. Bei der Essenausgabe ging es immer schrecklicher zu. Die SS. sah feils untätig zu, wie sich die Häftlinge schlugen, bissen und kratzten, teils aber auch konnte sie der Gier", die sich der Häftlinge bemächtigt hatte, nicht mehr Herr werden. " „ Die Geister, die ich rief--." Und wenn die SS. noch so sehr dazwischen schlug, immer wieder wurden die Kranken und Schwachen zurückgedrängt. So wurden, damit jeder Häftling zu seinem Essen kam, Essenmarken eingeführt. Bei dem Appell wurde jeder Häftling namentlich" aufgerufen und dann wurde ihm eine Marke ausgehändigt, die ihn berechtigte, in der Kinohalle einmal Suppe und Brot mit Zulage zu holen. Mit dieser Maßnahme jedoch wurde das Gegenteil erreicht, was erreicht werden sollte. Turbulante Szenen spielten sich ab, an denen die SS.- Banditen ihre Freude hatten. Den Schwachen wurden die Marken aus den Händen gerissen. Aber, es wurde noch schlimmer. Eine wahre Mörderkompanie hatte sich gebildet. Beim Zählappell des Morgens entdeckte man abgemagerte Menschen, ausgeraubt, mit Stricken um den Hals oder mit Tüchern im Mund, tot auf ihren Brettern liegen. Wir erstatteten Meldung an die SS. und an die Lagerleitung. Aber es kümmerte sich niemand darum. Es gab keine Stelle im Lager, die ein Interesse an der Aufklärung solcher Morde zeigte. Wir stellten Geheimabteilungen auf. Einige Häftlinge, die bei Verübung solcher entsetzlichen Taten erwischt wurden, waren nach einer Stunde tot. Und doch wurde es immer schlimmer.-- Immer schlimmer! Ich hatte keine Ruhe mehr.-- Ich war allein. Als ich hörte, daß im Kleinen Lager" Transporte für die Transportblocks 13 und 19 des„ Großen Lagers" zusammengestellt wurden, versuchte ich, dort hineinzukommen. Ich ließ mich durch einen Bekannten rasieren, um nicht zu alt zu erscheinen, und stellte mich mit auf. Da kam ein SS.- Bandit auf mich zu und schrie mich an:" Hau ab, Du altes Schwein,-- Du sollst doch hier verrecken!" Dabei trat er mich mit seinen spitzen Stiefeln gegen den Unterleib. Ich fiel um und wälzte mich vor Schmerzen auf dem Boden hin und konnte Ich ko es, daß Mühs port zus freiben Es dunk Nieman Langs port für die Bon Aber, So zo Im National fischen Persone Wie mi herrscht. alles rul älteste f der Lag Zum Un und hoh weißen arbeitete Posten i reicht, d ten hera einen G auf die gewisse alliierter Ich w herrschte grünen war abe Auch in ander " Großer zu je 6 200 Häf zwei, ja nen" un Um 5 ten und 140 sen, hin und her. Niemand kümmerte sich um mich. Nach zwei Stunden erst bei konnte ich mich wieder erheben. Ich konnte und ich wollte nicht mehr im„Kleinen Lager” bleiben. Ich ahnte fach es, daß ich hier sterben oder den Mördern zum Opfer fallen würde. gen Mühselig schleppte ich mich zu einem Block, wo gerade ein neuer Trans- nter port zusammengestellt wurde. Zu meinem Glück setzte ein heffiges Schnee- 'we- treiben ein. Bei solchem Wetter hatten es die Banditen immer recht eilig. mit Es dunkelte auch bereits. Unbemerkt stellte ich mich mit an.-- Es gelang. dort Niemand hatte mein Tun oder mich selbst beachtet. ‚ma- Langsam setzte sich der Zug in Bewegung. Ich wußte, daß unser Trans- port für Arbeiten in kriegswichtigen Betrieben eingesetzt werden sollte,-- ıtten die Bombenangriffen ausgesetzt waren. ‚enn Aber, so dachte ich, eine jede Bombe trifft ja nicht. hau- So zog ich ins„Große Lager” ein. olich Ba-@ ren.; Das„Große Lager teils Im„Großen Lager" waren Häftlinge aller politischen Richtungen und aber Nationalitäten vertreten. Hier fristeten bekannte Persönlichkeiten der poli- nicht tischen und der religiösen Kreise ihr kümmerliches Dasein. Hier wurden Personen festgehalten, die vor Hitlers Machtantritt Weltruf genossen hatten. Wie mir erzählt wurde, hatte auch in diesem Lager einmal„Sturm” ge- wur herrscht. Jetzt aber, da die SS.-Bewachung geringer geworden war, ging Saar alles ruhiger zu. Auf Anordnung der Lagerverwalftung waren drei Lager- älteste für einen sogenannten„Lagerschutz” eingesetzt. Die Aufgabe Hat der Lagerältesten war, Ruhe und Ordnung im Lager aufrecht zu erhalten. halle Zum Unterschied von uns Häftlingen trug dieser Lagerschutz grüne Mäntel und hohe Stiefel. Außerdem waren sie mit einer schwarzen Binde, die in eicht weißen Buchstaben die Aufschrift trug„Lagerschutz”, ausgestattet. Diese Ban- arbeiteten mit viel Geschick. Mit der Zeit gelang es ihnen, die wichtigsten Hän- Posten im Lager mit Häftlingen besetzen zu lassen. So hatten sie auch er- an reicht, daß alte politische Häftlinge auf der Kommandantur zu Schreibarbei- bge- ten herangezogen wurden. Diese aber wiederum haften in unserem Interesse Han einen Geheimauftrag erhalten, und zwar den, Gespräche zu belauschen, die auf die Vernichtung des Lagers und einzelner Häftlinge hinzielten, wie auch gewisse Maßnahmen zu erforschen, die im Falle einer Besetzung durch die n= alliierten Truppen durchgeführt werden mußten. Bi Ich war dem Transportblock Nr. 13 zugewiesen, wo ein„Grüner” er herrschte. Die„Grünen” waren bekanntlich die Häftlinge, die mit dem Taten grünen Winkel- Berufsverbrecher- gekennzeichnet waren. Dieser„Grüne” Russ war aber ein guter Kerl. Er fat für uns, was er fun konnte. Auch die ganzen Verhältnisse im„Großen Lager” waren anders wie die in anderen Lagern. Trotz des ewig hungernden Magens fühlte man sich im locks„Großen Lager" mehr als Mensch. Wir waren in normalen Lagerbaracken > ich, zu je 60 Häftlingen untergebracht. Allerdings wurden in diese Baracken ‚ um 200 Häftlinge hineingepreßt. So kam es, daß die schmalen Betten je von andit zwei, ja oft sogar von drei Häftlingen belegt waren. Zwischen dem„Klei- sollst nen" und dem„Großen Lager” bestand ein großer Unterschied. Be Um 5 Uhr morgens mußten wir aufstehen. Gleich darauf wurden die Bet- ode ten und die Zimmer gemacht. Dann gab es Kaffee. Nach dem Morgenappell, Er 141 der vor der Baracke, die eingezäunt war, stattfand, mußten wir uns in den Tagesraum begeben. Dort saßen dann an einem fünf Meter langen Tisch dreißig Menschen den ganzen Tag zusammen und tauschten ihre Erinnerungen aus. Hier erst fand ich genug Zeit, mich an alles zu erinnern, was hinter mir lag. Wir ließen in Gesprächen noch einmal alle die längst gestorbenen Kameraden an uns vorüberziehen. Wir dachten an die Todeskontrollen und vergaßen auch nicht, uns der vielen Greueltaten und Grausamkeiten der SS.- Bestien zu erinnern. Wenn es auch nicht gerade schön war, und auch nicht leicht, einen ganzen Tag sitzend im Zimmer am Tisch zu verbringen, so saßen wir doch warm und wurden nicht drangsaliert. Waren Frühstück, Mittag- und Abendessen vorüber, dann folgte der Abendappell. Die Hauptsache jedoch, woran wir immer dachten, war das Schlafen. Aber gerade den Schlaf schien man uns nicht zu gönnen. Wenn wir den ganzen Tag gesessen hatten, nicht arbeiten durften und auch nicht schlafen, dann hofften wir zumindest, nun in der Nacht ausreichenden Schlaf finden zu können. Aber hier setzte die Tätigkeit der SS. ein. Mitten in der Nacht begann die Läusekontrolle. Fand man bei einem der Häftlinge einige der kleinen Tierchen, so mußte dieser Häftling in der kalten Waschbaracke schlafen. Am nächsten Tag wurde er zur Desinfektion geführt. Selbstverständlich war es immer so, daß, wenn ersi einmal ein Häftling verlaust war, im Nu auch die ganze Baracke verseucht war. Dann setzte eine Generalreinigung ein. Alle Decken und Kleider wurden desinfiziert. Nackt mußten wir stundenlang warten bis die Desinfektion vorüber war. In den kalten Nächten hatten sich viele der Häftlinge schwere Lungenentzündungen zugezogen und waren daran gestorben. Kam aber während des Läuseappells plötzlich Fliegeralarm, so mußten wir, ob anoder ausgezogen, bis zum Ende des Fliegeralarms still an den Tischen sitzen. Sobald die Desinfektion beendet war und die Decken wieder ausgeliefert wurden, begann in jedem einzelnen Falle ein Kampf um die Decken. Jeder wollte gute Decken haben. Was uns ganz besonders erfreute, war ein Radio, wovon es in jedem Block einen Apparat gab. Obwohl wir wußten, daß die deutschen Nachrichten gefärbt" waren, erfreuten wir uns doch daran, denn es waren Meldungen, die von außerhalb ins Lager kamen. Trotzdem ließen wir uns durch die gefärbten Meldungen nicht beirren. Wollte der Rundfunk aber einmal Meldungen wiedergeben, die den Wünschen der Lagerleitung nicht entsprachen, dann mußten die Apparate abgestellt werden, oder es wurden Lagermeldungen durchgegeben, wodurch uns die Radiomeldungen entgingen. Durch das System der auf der Kommandantur arbeitenden Häftlinge erhielten wir aber trotzdem in jedem einzelnen Falle genaue Nachrichten. Der Vormarsch der alliierten Armeen im Osten und Westen erfüllte uns stets mit großer Freude. Es war ja unser Glaube an eine Rettung, die wir diesen Meldungen zugrunde legten. Der Transportblock Nr. 13 war jetzt nicht mehr so überfüllt, weil ein großer Teil der Häftlinge auf Transport gekommen war. Ich schwankte in meinen Gefühlen hin und her, ob es besser sei, in ein Zweiglager zu kommen, oder im Hauptlager zu verbleiben. Im„ Großen Lager" war mehr Sicherheit vorhanden, dagegen gab es in den kleinen Zweiglagern mehr zu essen. Eines Morgens wurde der Rest der noch im Block 13 verbliebenen Häftlinge nach Nationalitäten zusammengestellt. Ich wurde mit einigen anderen Kameraden dem Block 28 zugewiesen, der als drifter Judenblock" eingerichtet war. Damit war es mit meinem Traum nach der Verschickung in ein kleines Lager aus. Ich lief dem Schicksal seinen Lauf. Meine besten Freunde 142 waren w Transpo des Jah und in Wir w oder S halten w der Gev Befund noch ni Zwei Arbeitsk Dieses schuhen Holzsäg schwere mer ver gemeins Nacho bemerkt einfach lich, we genüger Werkze lang mi verbring aber wa aus und hinführte Wiede Nach zw verschw gens bis natürlich geweser die Ab kam es wurde, noch me wir schw und auf wurde u mando Durch mandos mal in d sem Ko Stück Br ich doch die schw war eine für Fahr und wa len sch mevas geesauzen arm sen wir uns fen der Higman äftzur ersi cht vurtion vere ber anzen. efert eder dio, die enn ßen den rate WOder dem heen inser ein e in r zu mehr mehr Häfferen ngen ein unde waren weg. Wir waren jetzt nur noch ungefähr 20 Kameraden vom ersten Transport übrig geblieben. Wir bildeten den Rest von den ca. 10000 Juden des Jahres 1940, die aus Baden, der Pfalz und dem Saargebiet verhaftet und in Konzentrationslager verschleppt wurden. Wir wurden erneut untersucht, diesmal jedoch von Häftlingsärzten.„ Gut" oder schlecht" lautete das Ergebnis, das auf einem Bogen Papier festgehalten war. Als ich an die Reihe kam und auf der Waage stand, da zeigte der Gewichtszeiger mein Gewicht mit 40 Kilogramm an. Also erhielt ich den Befund schlecht". Jedoch war ich mir der Folgen eines solchen Befundes noch nicht bewußt. Zwei Tage darauf erhielt ich eine Karte, auf der mir die Einteilung in ein Arbeitskommando mitgeteilt wurde." Holzhof" stand kurz darauf vermerkt. Dieses Wort konnte mir nichts Näheres verraten. Mit zerrissenen Turnschuhen, defekten Fußlappen und Hosen mußte ich meine Arbeit, die aus Holzsägen bestand, in tiefem Schnee verrichten. Diese Arbeit fiel mir umso schwerer, nachdem ich jetzt eine ganze Zeit täglich sitzend im warmen Zimmer verbracht hatte. Ich freute mich jetzt immer mit den anderen Häftlingen gemeinsam auf den Abend, um dann in einen warmen Block zu kommen. Nachdem ich einige Tage in dem Kommando" Holzhof" verbracht hatte, bemerkte ich mit einem Male, daß mehrere Häftlinge ihre Kommandokarte einfach bei dem Vorarbeiter auf dem Appellplatz abgaben. Dies war möglich, weil dem Kommando zuviel Häftlinge zugewiesen waren, aber nicht genügend Arbeit vorhanden war, auch nicht die entsprechende Menge Werkzeuge. Ich versuchte also, auch meine Karte abzugeben, und es gelang mir. Ich ging zurück in meinen Block und wollte dort den ganzen Tag verbringen und meine Karte gegen Arbeitsschluß wieder abholen. Dieses aber war mir nicht gelungen. Der Blockälteste meines Blocks warf mich hinaus und übergab mich dem Lagerschutz, der mich nach der Arbeitsstätte hinführte. Wieder wartete ich einige Tage, um andere Gelegenheiten zu erforschen. Nach zwei Tagen gab ich meine Karte wieder auf dem Appellplatz ab und verschwand. Dieses Mal aber drückte ich mich vierzehn Tage lang von morgens bis abends von einem Abort auf dem andern herum. Dabei lief ich natürlich stets Gefahr, erwischt zu werden. Schwere Strafen wären mir sicher gewesen. Mit der Zeit füllten sich die Aborte derart, daß die Häfflinge, die die Aborte wirklich benutzen mußten, keinen Platz mehr bekamen. So kam es zu Beschwerden. Bei einer Razzia, die andern Tags durchgeführt wurde, hatte ich das Pech, erwischt zu werden. Strafweise kamen ich und noch mehrere Häftlinge in das Kommando Steinbruch". Hier mußten wir schwerste Arbeit verrichten. Im Laufschritt mußten wir Loren schieben und auf dem Rücken schwere Steine schleppen. Als besondere Strafmaßnahme wurde uns die Essenszulage, die es sonst für Arbeiten bei diesem Kommando gab, nicht gewährt. Statt dessen erhielten wir Schläge. Durch Bekannte hörte ich dann einige Tage später, daß es im Lager Kommandos gäbe, bei denen man wohl schwer arbeiten müsse, aber auch dreimal in der Woche eine Zulage von 250 gr Brot erhielt. Ich ließ mich zu diesem Kommando heranziehen und organisierte mir nach kurzer Zeit für ein Stück Brot ein Paar Holzschuhe. Wenn sie auch viel zu groß waren, so hatte ich doch in diesen Holzschuhen keine kalten Füße mehr. Allerdings hatten die schweren Holzschuhe für meinen schwachen Körper auch Nachteile. Es war eine äußerst schwere Arbeit, die wir in diesem Kommando„ Holzfäller für Fahrbereitschaft" zu verrichten hatten. Wir arbeiteten draußen im Wald und waren zusammen 30 Kameraden. Unsere Arbeit lag innerhalb der 143 Postenkette. Um halb 7 Uhr morgens standen wir auf dem Appellplatz, um Punkt 7 Uhr unter den Weisen der Häftlingskapelle zur Arbeit zu marschieren. Am Tor stand, mit der Peitsche in der Hand, der Rapportführer und zählte seine Opfer. Wir hatten Bäume bis zu 20 Meter Länge zu fällen, die Aeste mußten abgehackt und weggetragen werden, die Stämme wurden auf Meterlänge geschnitten und wurden dann unter andauerndem Treiben der SS.- Banditen zum Zerkleinern nach der Fahrbereitschaft geschleppt. Wenn ich heute an diese Zeit zurückdenke, erfaßt mich ein Jammer darüber, wie wir häufig stundenlang bei hohem Schnee in der Kälte arbeiten mußten, und zwar in unseren dünnen Sommeranzügen. Es war eine Sklavenarbeit. Und uns erfaßte die Verzweiflung. Aber als die Stimmung am schlechtesten war, kam uns wieder Hilfe. Ein Freund hatte sich unser angenommen. Wir waren stolz auf ihn und warteten jeden Morgen mit großer Freude auf sein Kommen. Auf die Minute konnten wir mit seinem Eintreffen rechnen. Wift Ihr, wer dieser Freund war? Es waren die englischen und amerikanischen Flieger, die jeden Morgen über uns hinwegbrausten. Die Sirenen ertönten und wir rannten wie wild ins Lager zurück. Die SS. zog Doppelposten auf, damit im Falle einer Bombardierung des Lagers kein Häftling flüchten konnte. Glücklich waren wir darüber, wenn die alliierten Flieger stundenlang über unser Lager hin- und herflogen. Dann saben wir eng zusammengeschart in unserem Zimmer. Dann lächelten wir über die Worte der SS.:„ Wir haben die Luft erobert!" Bei schönem Wetter war es ein besonderes Vergnügen, die Flugzeuge wie silberne Vögel am blauen Horizont auftauchen zu sehen. Oft aber auch sahen wir Rauch und Flammen zum Himmel emporlodern, wenn irgendwo in dem acht Kilometer entfernten Weimar ein kriegswichtiger Betrieb getroffen war. Dann brüllte die SS.- Soldateska, dann schrie es der Radio in die Welt hinaus: Kulturschänder"--„ Kulturschänder". Nach jedem Alarm war die SS. besonders scharf. Mit Reitpeitschen trieb man uns an die Arbeitsplätze zurück. In beschleunigtem Tempo ging die Arbeit weiter, denn das Tagespensum mukte geschafft werden. Recht mühsam mußten wir unsere Essenszulage verdienen. In diesem Kommando erfuhr ich von anderen Kameraden, daß sie Holz zum Verbrennen in die Blöcke verkauften. Auch ich beteiligte mich an diesem Geschäft. Auf einen bestimmten Platz warf ich während der Arbeitszeit gesammeltes Holz zusammen, band dieses mit Draht aneinander, schleppte es ins Lager und verkaufte es dort. Jedoch ist diese Arbeit nicht leicht gewesen, ich mußte mich häufig mit meinem Holz von einem Block zum andern schleppen, ehe ich es los geworden war. Ich erhielt ja nicht viel dafür, aber es war doch immer etwas. Einmal sprang mir bei diesem Holzverkauf ein alter Häftling nach und bat mich, ich möchte ihm das Holz geben. Er fragte garnicht nach dem Preise, sondern drückte mir gleich eine ganze Ration Brot in die Hand. Zugleich beauftragte er mich, ihm doch jede Woche Holz zu bringen. Später erfuhr ich, daß dieser alte Häftling ein ehemaliger thüringischer Landtagsabgeordneter war und nur acht Kilometer vom Lager entfernt, in Weimar, beheimatet war. Inzwischen hatte die Riesenoffensive im Westen begonnen. Dazwischen erfolgten die Massendurchbrüche der Roten Armee. Wir waren uns wieder einmal einig darüber, daß unsere Befreiung nur noch eine Frage von Monaten, vielleicht nur noch von Wochen, ja von Tagen, sein könne. Mif Spannung verfolgten wir die Meldungen über den Vormarsch. Und wir wünschten oft, die Armeen von Ost und West möchten sich in Buchenwald vereinigen. Aber trotz des Vormarsches ging die Arbeit im Lager unver144 mindert Baukomm keine Min abreiken. andere Z abgerissen d. h. das kam dara Es war da schweren setzte, so konnten n auch in ke die Bäum sogar steh immer wie hielten au Am vie eigener M eine Stun Arbeitsste kommand Stimmung Allerhand seren Köp Die Aug der alliier von der F Als wir Evakuieru den zurüc des graue Schreckl schleppt z Wir hat im schnell Schnellste dennoch h viel schnel ligkeit. Au Landung gerettet. S lingen be Sein od Zusamm langten w da komme 10 um jar- rer en, ur- rein pt. lar- ten als atte \or- mit die hin- ger ung enn ann wir tter am ern, 'ich- Nelt SS. ZU- ges- ens- den, igte der der, nicht lock nicht sem Holz eine jede ehe- jeter chen eder Mo- Mit wir wald ıver- mindert weiter. Wichtige Arbeiten waren kaum zu erledigen. Auch das Baukommando bestand nur noch, um die Häftlinge zu quälen und ihnen keine Minute Ruhe zu lassen. Man ließ Mauern errichten und sie wieder abreien. Man schaute nicht nach, oder fragte nicht ob die Baustoffe für andere Zwecke wichtiger seien. Die Mauern mußten erbaut und wieder abgerissen werden. Auch in meinem Kommando war die Arbeit beendet, d.h. das Stück Wald, das abgeholzt werden sollte, war verschwunden. Ich kam darauf in ein vier Kilometer vom Lager enfferntes Auenkommando. Es war das„Eisenbahnkommando E 7”. Der Weg dorthin war weit. Und die schweren Holzschuhe machten mir viel zu schaffen. Wenn Fliegeralarm ein- setzte, so war dieses für die Aukenkommandos ein wahrer Mord, denn wir konnten nicht ins Lager zurück. Der Weg war zu weit und wir konnten uns auch in keiner Hütte unterkriechen. Wir mußten uns dann in den Wald unter die Bäume legen. War es aber naß, oder lag Schnee, dann mukten wir sogar stehen. Dieser Aufenthalt im Wald war nicht ganz ungefährlich, denn immer wieder fielen Brandfackeln zwischen den Bäumen hernieder. So er- hielten auch wir unser Teil von dem Kriegsgeschehen mit ab. Nervosität in Buchenwald Am vierten Tage, nachdem das Arbeitskommando, dem ich mich„aus eigener Machtvollkommenheit” selbst zugeteilt hatte, die Arbeit ungefähr eine Stunde aufgenommen hatte, kam ein SS.-Meldefahrer nach unserer Arbeitsstelle und befahl die sofortige Rückkehr der gesamten Außen- kommandos. Die Bewachungs-SS. wurde nervös. Ganz plötzlich war die Stimmung umgeschlagen. Im Eiltempo verließen wir unseren Wirkungsort. Allerhand Gedanken schwirrten, wie stets nach„Sofortbefehlen”, in un- seren Köpfen umher. Die Augen zum Himmel gerichtet,-- wir glaubten an eine Luftlandung der alliierten Truppen,-- legten wir die vier Kilometer lange Entfernung von der Fabrik nach dem Lager in kurzer Zeit zurück. Als wir immer noch keine Flugzeuge erblickten, befürchteten wir eine Evakuierung, einen neuen Todesmarsch. Ich hatte Fürchterliches erlebt in all den zurückliegenden Jahren, doch mit Schrecken und Grausen gedachte ich des grauenvollen Marsches von Jawischowitz nach Loslau. i Schrecklicheres konnte es nicht geben, als unter den Knuten der SS. ver- schleppt zu werden. Wir hatten leise tuschelnd vernommen, daf die amerikanischen Truppen im schnellen Vormarsch wären. Aber-- die Russen haffen sich auch im „schnellsten Vormarsch” befunden, wir hatten die Kanonen gehört, und dennoch hatten sie uns nicht erreicht, dennoch hatte uns die SS.-Soldateska viel schneller fortgetrieben. Wir hatten unsere eigenen Begriffe von Schnel- ligkeit. Aus diesem Grunde setzten wir unsere ganze Hoffnung auf eine Landung amerikanischer Fallschirmjäger. Dann,-- vielleicht,-- wären wir gerettet, Sonst stand immer noch die Ermordung von Tausenden von Häft- lingen bevor, und dazu konnte jeder von uns zählen. Sein oder Nichtsein,-- rumorte es in unseren Köpfen. Zusammen mit vielen anderen auch zurückgerufenen Außenkommandos langten wir vor den Toren unseres Lagers an. Wir harrten der Dinge, die da kommen sollten. Doch nichts geschah. 10 145 Flugzeuge waren immer noch nicht zu erblicken. Im Lager herrschte größte Nervosität. Alles rannte umher. Nach einiger Zeit wurden wir zu unwichtigen Aufräumungsarbeiten herangezogen. Enttäuschung erfaßte uns. Wir hatten zu viel erwartet. Geradezu innerlich murrend, verrichteten wir unsere Arbeiten. Wir wurden auch nicht sonderlich angetrieben, obwohl wir auch bei diesen Arbeiten von den Posten unseres Außenkommandos bewacht wurden. Die Posten waren, maft und müde". Ihr Schlagen hatte merklich nachgelassen. Wir konnten unsere Posten verstohlen anschauen. Und was erblickten wir, was erkannten wir? Angst,- entsetzliche Angst! Die Augen der SS.- Bestien flackerten. Ihre Hände schienen zu zittern. Um ihre Mundwinkel stand ein leises Lächeln, ein eigenartiges Lächeln,-- doch frei von Schadenfreude und Zynismus. So war es immer gewesen. Wir dachten an unsere Grubenarbeit in Jawischowitz. Sobald diese Helden" einmal selbst dem Tode gegenüber stehen sollten, dann schlotterten ihre Beine. Sie waren nur so lange mutig, so lange sie, wehrlosen" Opfern gegenüberstanden, die sich nicht verteidigen konnten und nicht verantworten durften. Auch die SS.- Banditen wurden von Gedanken gepeinigt. Aber,-- trotz aller Gefahren, denen wir noch entgegen gehen konnten,-- uns war in unserer Haut viel viel wohler. Wir weideten uns an der Angst dieser„ Helden". Und wir arbeiteten. Am tagsst Kaser Tote serner Angrif die in wurde dabei Breits Tochte Bez Häftlin bekun wald war. Thälma gehalt torium Thälma macht, darunt Otto, Zeh Luffangriff auf das Konzentrationslager Buchenwald! Haf tatsächlich ein Luftangriff auf das„ Lager Buchenwald" stattgefunden? Das ist eine Frage, die viele Deutsche beschäftigt hat. Die Oeffentlichkeit wurde ja durch die Goebbels- Presse, durch die Organe des abgefeimtesten Schwindlers der Welt, durch die Zeitungen dieses Teufels mit dem Klauenful, durch den Rundfunk, belogen und betrogen. Und so ist die Oeffentlichkeit auch hinsichtlich des Fliegerangriffes auf Buchenwald wissentlich getäuscht worden, um die„ Unmenschlichkeit" der alliierten Truppen den Deutschen vor Augen zu führen, um die Kriegsmüdigkeit zu unterdrücken, um--. Was nützt es, hier alle, um" aufzuführen, mit denen das deutsche Volk zum Durchhalten", zum„ Aushalten" geprekt wurde, um einzig und allein das Leben der Führerbestien" zu schützen. Eine Antwort auf die von mir oben gestellte Frage können nur die Häfflinge geben, die während dieser Tage im Lager Buchenwald waren. Sie haben gesehen, wohin die Bomben gefallen sind. Sie können davon berichten. Und die Wahrheit muf ans Licht. Der verlogene Wehrmachtsbericht, der am 29. August 1944 ausgegeben wurde, lautete: „ Am 28. August bombardierten amerikanische Terrorflieger das Konzentrationslager Buchenwald. Diesem Angriff fielen zum Opfer: Der ehemalige Reichstagsabgeordnete Rudolf Breitscheid mit seiner Frau und der ehemalige Kommunistenführer Ernst Thälmann." Und die Wahrheit!-- Wie sieht sie aus? Am 28. August hat überhaupt kein Luftangriff auf Buchenwald staffgefunden. Ernst Thälmann ist daher auch nicht einem Luftangriff der amerikanischen Flieger zum Opfer gefallen. 146. zwei Z blick, seiner Pistole forium den sa Am man in Tasche Regel verbra Das über d 17 Die Lagern den" Behand So h Jahren wir ge gefloss umgek Den und de 10* röhte tigen atten > Ar- auch wacht rklich | was 1. Um In,-- Jawi- tehen lange nnten trotz var in „Hel- inden? ichkeit testen lauen- effent- ch ge- ‚ Deut- um--. : Volk allein > Häft- B davon ‚geben er das Opfer: seiner statfge- ameri- Am 24. August bombardierten amerikanische Flugzeuge in den Mit- tagsstunden die ein Kilometer vom Konzentrationslager entfernt liegenden Kasernen der dort stationierten Verbände der Waffen-SS., der Standarte „Totenkopf" und die Gustloffhütten. In vierzehn Minuten wurden diese Ka- sernenfabriken in einen einzigen Trümmerhaufen umgewandelt. Bei diesem Angriff kamen 400 SS.-Bestien ums Leben. Leider wurden auch 300 Häftlinge, die in den neben den Kasernen befindlichen Munitionsfabriken beschäftigt wurden und trotz„Alarm" weiterarbeiten mußten, getötet. Ferner kamen dabei tatsächlich ums Leben der ehemalige Reichstagsabgeordnete Rudolf Breitscheid und seine Frau, die die Haft mit ihm teilte, sowie die älteste Tochter des Königs von Italien„Prinzessin Mafalda”. Bezüglich des Todes von Ernst Thälmann liegen Aussagen von mehreren Häftlingen des Konzentrationslagers Buchenwald vor, die übereinstimmend bekundeten, dak am 28. August überhaupt kein Fliegerangriff auf Buchen- wald stattgefunden hat und Thälmann niemals als Häftling in Buchenwald war. Der tschechoslowakische Staatsangehörige Ladislav Stisar erklärte, Thälmann sei bis Mitte August 1944 im Gefängnis von Bauzen in Einzelhaft gehalten worden. Der Pole Marian Zgoda, der im Buchenwalder Krema- torium als Leichenträger Dienst tun mußte, berichtete über die Ermordung Thälmanns. Durch ungewöhnliche Vorbereitungen der SS. aufmerksam ge- macht, habe er in der Nacht vomi 28. auf den 29. August acht SS.-Männer, darunter den Adjutanten Hans Schmidt und den Stabsscharführer Wolfgang Otto, beobachtet, wie sie das Krematorium betrafen. Zehn Minuten nach Mitternacht sei ein Personenwagen angekommen, den zwei Zivilisten verließen, die eine dritte Person bewachten. In dem Augen- blick, als die bewachte Person das Wachgitter passierte, hörte Zgoda nach seiner Schilderung drei Schüsse und drei Minuten später einen vierten Pistolenschuß. 20 oder 25 Minuten später hätten die SS.-Männer das Krema- torium verlassen, wobei der versteckt liegende Zeuge einen Vorübergehen- den sagen hörte:„Das war Thälmann”, Am nächsten Morgen, so fuhr Zgoda in seiner Darstellung fort, habe man in dem Ofen des Krematoriums außer der Asche nur eine ausgeglühte Taschenuhr gefunden. Aus der Farbe der Asche, die dunkler als in der Regel gewesen sei, habe man festgestellt, da der Tote in seiner Kleidung verbrannt worden sei, Das ist die Wahrheit über den Luftangriff auf das Lager Buchenwald und über den Tod Ernst Thälmanns. sS.-Bewährungsdivision Dirlewanger „Die Häftlinge”, so hatte Himmler einmal gesagt,„werden in meinen Lagern zu ehrlichen, anständigen, fleikigen und„vaterlandslieben- den” Menschen erzogen”.--- Und ein anderesmal hatte er gesagt:„Die Behandlung ist hart--- aber gerecht”. So hatten auch die SS.-Banditen gesprochen, die uns in den vergangenen Jahren behandelt hatten. Ihre süßen Worte, die zu Taten wurden, hatten wir genug verspürt. Genug Blut war durch diese„gerechte Behandlung” geflossen, und Tausende von Häftlingen waren durch die„Gerechtigkeit” umgekommen. Den Gangstern von Berlin war es doch nur darum zu fun, alle unbequemen und der nationalsozialistischen Gewalttheorie entgegenstehenden Menschen 10° 147 zu töten. Auf jede Art!-. Auf welche Art?--- Darnach wurde nicht gefragt. Sofern mit allen Methoden Häftlinge grausam aus dem Leben ins Jenseits befördert werden konnten, so lange waren diese Methoden " gut und gerecht". Und nun zu der„ Bewährungsdivision" Dirlewanger. Auch diese war eine Institution ganz besonderer Art. Bevor der Krieg begann, wurden bereits zahlreiche Deutsche zur Umschulung„ verhaftet". Mit dem Ausbruch des ,, Kanonenfutter". Jetzt konnKrieges aber wurden Menschen gebraucht,-- fen die Menschen, die Gegner der nazistischen Methoden gewesen waren", die„ umgeschult" waren, ihre wahre Gesinnung beweisen. Und so hatte man diese Häftlinge gefragt, ob sie bereit seien, in die deutsche Volksgemeinschaft aufgenommen zu werden. „ Ich gebe Euch noch einmal Gelegenheit, die Freiheit wieder zu erlangen, zurückzukehren in die" Groß- Deutsche- Gemeinschaft". Häftlinge, ich gebe Euch die letzte Gelegenheit, Euren Starrsinn zu widerrufen. Vergeßt alles, was Euch von uns getrennt hat. Seid bereit, mit Eurem Blute für Deutschland einzustehen. Beweist, daß Ihr Deutschland liebt. Dann erlaube ich Euch, in die SS.- Division Dirlewanger einzutreten". So hatte Himmler gesprochen, und so war diese Division zwangsweise",---- aus Freiwilligen mit kleinem Nachdruck" entstanden. Eine ausschließliche Häftlingsdivision. Jeden Monat wurde diese Aufforderung an die Reichsdeutschen wiederholt. Ganz freiwillig meldeten sich nur recht wenige. Und diese Wenigen nicht darum, weil sie den Glauben an das Nazi- Deutschland in ihren Herzen trugen, nein, sie wollten frei" werden, sie waren nur von dem einen Gedanken besessen, im geeigneten Augenblick zum Feinde überlaufen zu können. Ueberwiegend bestand die Division Dirlewanger aus Berufsverbrechern. Diesen Berufsverbrechern war gesagt worden, daß ihnen bei Bewährung ein großer Teil ihrer Strafjahre oder gar die ganze Strafe geschenkt würde, und da sie bei entsprechender Führung nach Beendigung des Krieges als vollwertige Staatsbürger betrachtet würden. So wurden ihnen für den ersten mitgemachten Sturmangriff zwei Jahre, für den zweiten Sturmangriff drei Jahre und in entsprechender Erhöhung weitere Strafjahre geschenkt. Ein Schwerverbrecher mit 12 bis 15 Jahren Gefängnis oder Zuchthaus konnte also, wenn er„ sturmeinsatzfreudig", aber auch gerissen genug war, sein Leben zu schonen, nach mehreren Sturmangriffen als„ straffrei" gelten,--und,--- er konnte nach Beendigung des Krieges sein„ Gewerbe" fortsetzen. Die politischen Häftlinge, die in die Bewährungsdivision Dirlewanger eintraten, waren entweder niemals überzeugte Politiker einer anderen Richfung gewesen, oder sie waren" Waschlappen", die sich mit den versprochenen Eisernen Kreuzen" ködern lassen hatten. --So stand es mit der Division Dirlewanger. Mit allen möglichen Versprewurden sie in den chungen wurden Menschen gelockt, sich zu melden,- Tod getrieben. Auch als Bandenkämpfer wurden die Mitglieder dieser Division ausgebildet. Damit immer neuer Ersatz angelockt werden konnte, brachte man nach einigen Wochen eine Anzahl Schwerverletzter in unser Lager zurück, die erzählen mußten, wie wunderbar" draußen alles sei, welche Kameradschaft herrsche, wie sie behandelt und verpflegt worden seien,--- und, daß sie nun einmal Pech gehabt hätten. Nach wenigen Tagen aber waren diese Schwerverwundeten wieder fort,- sie hatten ihre Schuldigkeit getan.-- Sie hatten gelockt". 148 So war Al W volle habe diese erfal Häftl Krieg führu Lage Ban Un Ei App Spez in de Arzt Ab, Di extra gewi Mek aber matis vorri zuma sehe diese auch Im die i Krem Ni groß richtu Gran Kom trieb Arbe kont hatte der Fern für d n- Ir te K5- an, be es, nnd in en, em ler- icht tru- 3e- zu ern. ung (de, als sten drei Ein ınte sein zen. nger Rich- pro- ‚pre- den ijeser nach ‚ die ‚chaft ß sie diese So wurden auch auf diese Weise viele Häftlinge„gemordet”, denn was war es anders als„Mord". Alle Kriegsenifacher sind„Verbrecher”, sind„Mörder”. Sitreiflichter über Buchenwald Wenn man heute einen Blick über das Gelände wirft, wo einmal pracht- volle mit allem Komfort ausgestattete Kasernen der SS.-Banditen gestanden haben, dann sieht man in weiter Ferne eine lange hohe Baracke stehen. Bei diesem Anblick wird ein jeder unwillkürlich von Schrecken und von Leid erfaßt. In dieser Baracke, die„Pferdestall” genannt wurde, hatte ein von den Häftlingen„Bambus" benannter Oberscharführer der SS., 7000 russische Kriegsgefangene ermordet oder ermorden lassen. Vierzehn Tage nach Aus- führung dieser Heldentat erschien„Bambus”, der während dieser Zeit das Lager nicht verlassen hatte, beim Morgenappell mit dem EK. I auf der Brust. „Bambus” war ein Held. Und wie hatte er die 7000 Russen getötet? Eines Tages kam ein Transport russischer Kriegsgefangener. Auf dem Appellplatze suchte„Bambus" alle Ukrainer heraus und schickte sie in Spezialblocks. Die übrigen russischen Offiziere und Mannschaften wurden in den„Pferdestall" gebracht, wo jeder ahnungslos und entkleidet vor den Arzt treten mußte. Bei jedem Gefangenen sprach der amtierende SS.-Arzt: „Ab, der Nächste”. Die Gefangenen wurden einige Meter weiter getrieben und in einen extra luftdicht abgeschlossenen und mit dicken Mauern versehenen Raum gewiesen. Dort wurden die Unglücklichen an die Wand gestellt, unter eine Meßlatte, Die Gefangenen wurden gemessen. In dem gleichen Moment aber, wo die Me&latte den Kopf des Gefangenen berührte, erfolgte auto- mafisch der Genickschuß durch eine hinter der Meblatte eingebaute Schuß- vorrichtung. Heute noch sind als ewige Erinnerung an die nie wieder gut- zumachenden Verbrechen die Einschußlöcher an Decken und Wänden zu sehen. Es waren aber nicht allein die russischen Kriegsgefangenen, die auf diese gemeine und hinterlistige Art ihr Leben lassen muften, nein, es waren auch Gefangene aller anderen Nationen. Im Januar 1945, als man 34 englische und kanadische Fallschirmabspringer, die in Not geraten waren, ins Lager brachte, wurden sie in den Keller des Krematoriums getrieben und dort nach grauenhaften Folterungen erhängt. Nicht weit entfernt vom Pferdestall erblicken die Augen einige lange große Hallen. Es sind Maschinenhallen. In diesen Hallen stellte man Ein- richtungsgegenstände für SS.-Wohnungen her, sowie auch Einzelteile für Granaten und für die„siegreiche" Panzerfaust, Neben der Arbeit in diesen Kommandos wurde auch sonst eine systematische Vernichtungspolitik be- trieben. Wie in Auschwitz, so hatte auch hier jeder SS,-Scharführer seine Arbeitsquote, 20 bis 30 Tote täglich zu liefern, zu erfüllen. Der Scharführer kontrollierte die Arbeit. Gefiel ihm die Arbeit eines Häftlings nicht, oder hatte der Häftling die Arbeit nicht zur gewünschten Zeit fertig, so wurde der Name des Häftlings aufgeschrieben. Häftlingsnummer und Blocknummer. Ferner wurden die Häftlinge aufgeschrieben, die auf eigene Gefahr Holz für die SS.-Banditen gestohlen hatten, um daraus Möbel herzustellen. Wur- 149 den Häftlinge während der Arbeitszeit dabei ertappt, so wurden auch sie aufgeschrieben. Ging nun der Tag seinem Ende zu und hatte der Scharführer seine Zahl noch nicht ganz erreicht, so befahl er, dal bis 6 Uhr sämtliche Werkzeuge abgeliefert sein müßten. Dafür gab er zehn Minuten Zeit. In dieser kurzen Zeit sollten alsdann 200 Häftlinge ihre Werkzeuge am Schalter abgegeben haben. Es ist selbstverständlich, daß durch diese Anordnung ein ungeheures Gedränge und ständige Schlägereien entstanden. Wenigstens zehn Häftlinge waren es immer, die nicht pünktlich um sechs Uhr zum Appell angetreten waren. Also wurden diese zehn Häftlinge zur Erreichung der Arbeitsquote aufgeschrieben. Am darauffolgenden Morgen erhielten die meisten Häftlinge einen Zettel mit folgendem Vermerk:„ Der Häftling Nr.... hat sich sofort nach dem Frühappell, frisch rasiert und sauber angezogen, zwecks ärztlicher Untersuchung im Häftlingskrankenbau zu melden". Der Häftling wurde dann dem SS.- Chefarzt Dr. Hofen vorgeführt. Dieser gab dem Häftling eine Spritze und nach einer halben Stunde war das Leben des Häftlings entflohen. Wie in Auschwitz, so bestand auch in Buchenwald für SS.- Angehörige die Sonderurlaubszulage. Für je fünf Tote, die die SS.- Angehörigen täglich über ihr Arbeitspensum ablieferten, erhielten sie zwei Tage Sonderurlaub. Unweit des Krankenbaues ragte zwischen den kleinen Holzbaracken ein mächtiger Steinblock hervor. Es war der Block Nr. 46, der Block des Todes. Von jenem Block ist ein besonderes Lied zu singen, denn hierin waren die verbrecherischsten Nazieinrichtungen vorhanden. Es war der sogenannte " Versuchsblock". Dort wurden gesunde Menschen eingeliefert, die als Versuchstiere verwendet wurden. Man infizierte sie mit Fleckfieberbazillen und unternahm Versuche an ihnen, die bisher nur mit Kaninchen vorgenommen worden waren. Der Chefarzt, ein„ intelligenter" SS.- Bandit, hielt die Kaninchen für solche Zwecke für zu schade. Er zog die Versuche an Menschen, an Häftlingen vor. Zahllose Menschen fielen in diesem Block den Wahnsinnsmethoden der Nazis zum Opfer. Immer wieder wandern meine Gedanken nach hier zurück. Und immer wieder gedenke ich auch der rothaarigen Frau des Lagerkommandanten Koch, die unzählige Menschenopfer auf ihrem Gewissen trägt. Warum aber gerade die Frau des Lagerkommandanten?--- Zählte sie zu den Verbrechern? Diese rothaarige 23 jährige Dirne, die sich Frau Kommandant Koch nannte, mit weitem Blusenausschnitt und ohne Schlüpfer auf dem Pferd die Kommandos besuchte, oder auf dem Turm der Lagerleitung die Häftlinge durch ein Fernglas beaufsichtigte, hatte ein besonderes Steckenpferd. Sie liebte die Tätowierungen, die viele Häftlinge auf der Brust oder auf den Armen hatten, besonders hatte sie starkes Interesse an solchen Tätowierungen, die Männer- und Frauenköpfe, fliegende Adler und Landschaften darstellten. Sie wollte diese Tätowierungen bei sich haben und sammeln. Da sie aber die Häftlinge nicht immer vor sich haben konnte, verfiel sie auf eine geradezu grausame Idee. Häftlinge, die Tätowierungen aufwiesen, die der Frau des Kommandanten gefielen, mußten ihre Nummern angeben und wurden notiert. Der Herr Kommandant erfüllte natürlich mit großer Freude die Wünsche seiner lieben" Frau, damit diese ihre Andenken sammeln konnte. Also bekam der aufgeschriebene Häftling am andern Morgen einen Zettel, der lautete:„ Sie haben sich sofort nach dem Frühappell auf dem Häftlingskrankenbau einzufinden". Jeder Häftling wußte nun, was ihm bevorstand.- Der Tod. Im Auftrage der Frau des Kommandanten gab die SS.- Bestie Dr. Hofen dem Häftling alsdann die tödliche Spritze. War der 150 Häftling einem ben ha Hauttei gestellt Mit gehren alle Hä derte d deuse, wierung die He entzieh blickte kannte, sich die Viele nehmer Gelüste Spezial lingen tischen derer S Auch zu leid einschla im Tag um die same A kurzen Uebe der Sch brocher heute i nur mö haben Als i Male d liche R sie Jär- mt- eit. An- len. .chs zur gen Der au- zu ıhrt. war rige lich ıub. ein des. die ınte Ver- und men hen, ahn- mer nten aber Ver- ınte, ‚om- lurch ebte men ‚ die Iten. aber ge- der und eude mein inen dem | be- , die - der Häftling tot, dann wurde der Leiche die tätowierte Haut abgezogen und einem Block überwiesen, wo fachkundige Häftlinge die Hauffeile zu ger- ben hatten. Nach Beendigung der Gerbearbeiten wurden die einzelnen sie für Handtaschen, Lampenschirme und Briefmappen zusammen- gestellt. Mit der Zeit hatten die Häftlinge diese lasterhafte Dirne und ihr Be- gehren erkannt. War diese nur irgendwie zu erblicken, so versteckten sich alle Häftlinge, die Tätowierungen auf der Brust hatten. Trotzdem aber for- derte diese Bestie immer neue Opfer. SS.-Banditen verrieten der Komman- deuse, um sich bei ihr beliebt zu machen, Häftlinge, bei denen sie Täto- wierungen gesehen hatten. Bei dem nächsten Appell mußten alle Häftlinge die Hemden ausziehen und jetzt konnte sich keiner mehr seinem Schicksal entziehen. Die Kommandeuse stand auf dem Turm der Kommandantur und blickte von hier mit einem Fernglas herab. Sobald sie eine Zeichnung er- kannte, die ihr besonders gefiel, wurde der Häftling ans Tor gerufen, damit sich die Kommandeuse die Tätowierung auch in der Nähe betrachten konnte. Viele Häftlinge zogen es vor, sich das Leben durch den Starkstrom zu nehmen. Aber nicht nur die Frau des Kommandanten hatte solche grausamen Gelüste. Es gab auch genügend SS.-Offiziere, die besondere sadistische Spezialitäten„liebten”. Z.B. wurden Totenschädel und Gebeine von Häft- lingen ausgearbeitet und bemalt. Später standen sie dann auf den Schreib- tischen und in den Privatwohnungen der SS. und fanden dort als beson- derer Schmuck großen Beifall. Auch unter der Trunkenheit der SS.-Banditen hatten wir Häftlinge viel zu leiden. Häufig kamen die betrunkenen Horden, wie Wahnsinnige auf uns einschlagend, in die Baracken und jagten uns aus den Betten. Man trieb uns im Tagesraum zusammen, und dort begannen sie uns zu jagen. Immer rings um die Tische herum, und auch hier kam zum Schluß immer das gemein- same Antreten vor dem Block, ohne Schuhe und ohne Strümpfe, nur mit kurzen Hemden bekleidet. Ueber all den„denkwürdigen" Blocks, Plätzen und Hallen ragte jedoch der Schornstein des Krematoriums hervor, der häufig tagelang und ununter- brochen seine Flammen zum Himmel emporschickte. Kalt läuft es mir noch heute über den Rücken, wenn ich an all dieses denke. Wie war so etwas nur möglich? Es ist nichts erträumt. Es ist alles reine Wahrheit. Tausende haben dasselbe Leid, dasselbe Elend ertragen müssen. Als ich so eines guten Tages wieder im Sinnen war, brüllte mit einem Male der Rapportführer durch den Lautsprecher:„Achtung! Achtung! Sämt- liche Reichsdeutschen sofort in die Kinohalle”. 151 Ill. Teil Befreiungskampf. Die erreich von el samte manns manda teils d Es w Die liche F deutsch Buchen mörder Pfister hatte e stellten Häf Der dringt unterst teres U sen, da bis der sönli das La können mittel Die Verant deren Der„ B Die Lagerfü Arbeit. Die S Drücker herrsch Alles e Frei Am lich,-- Buchen fragien zuversic 4, SS.- Hauptsturmführer Pfister spricht Die Spitzen der alliierten Armeen hatten die Grenzen von Thüringen erreicht. Im Lager wurde es unruhig. Aber nicht nur die Häftlinge waren von einer nicht zu beschreibenden Unruhe erfaßt,--- nein, auch die gesamte SS.--- Vom Kommandanten herab bis zur vertiertesten Wachtmannsbestie,- und vom Wachtmann herauf bis zum" Ungeheuer" Kommandanten. Alles befand sich in gedrückter Stimmung. Teils dieserhalb,-- teils dessentwegen. Es war, als ob schwere Gewitterwolken vor einer Entladung stünden. Die Stimmung hatte den Siedepunkt erreicht, als der Lagerführer sämtliche Reichsdeutschen in die Kinohalle bestellte. Kaum waren die reichsdeutschen Häftlinge versammelt, da erschien auch schon der Bandit von Buchenwald, der kleine dicke und rotbackige Lagerführer und Massenmörder Pfister. Was noch niemals vorgekommen war, jetzt geschah es. Pfister richtete persönliche Worte an die reichsdeutschen Häftlinge. Bisher hatte er nur vom sicheren Ort aus Befehle erteilt, die alsdann die unterstellten vertierten Bestien ausführen ließen. " Häftlinge!" ,, Der Feind steht vor den Toren unseres Gaues Thüringen. Unaufhaltsam dringt er vor. Ich weiß, daß in der ganzen Welt viel Kritik über das mir unterstellte Lager geübt worden ist. Ich will nicht zulassen, daß noch weiteres Unheil angerichtet wird. Aus diesem Grunde habe ich mich entschlossen, das Lager Buchenwald nicht zu evakuieren. Ich werde hier bleiben, bis der Feind kommt, und dann werde ich dem Feind das Lager persönlich" übergeben. Wenn mir Ihre Lagerältesten die Garantie geben, das Lager bis zum Eintreffen des Feindes in Ruhe und Ordnung halten zu können, dann werde ich meine SS. abrücken lassen und dem Lager Lebensmittel übergeben, die für 10 Tage ausreichen". Die Lagerältesten erklärten sofort und voller Freude, daß sie die volle Verantwortung übernähmen. Sie baten, ihnen die Aufstellung eines besonderen Korps zu genehmigen, mit welchem sie Ordnung halten könnten. Der Bergungstrupp" wurde genehmigt. Die letzten Worte waren gesprochen. Sie klangen noch lange nach. Der Lagerführer verließ die Halle. Und die Häftlinge gingen wieder an ihre Arbeit. Die Stimmung war umgeschlagen. Alles Düstere war verschwunden, alles Drückende war von uns abgefallen. Wo eben noch Schatten oder Dunkel herrschte, war jetzt hellster Sonnenschein. Die Luft war leicht und milde. Alles erschien uns rosenrot. Unsere Augen leuchteten. Wir lachten uns an. ,, Freiheit,--- frei sein,--- frei sein!" Am nächsten Tage schon hatte sich vieles im Lager geändert. Unaufhörlich, Zug um Zug,-- trafen Häftlingstransporte aus den Zweiglagern Buchenwalds ein. Abgemagert, zerfetzt,--- trafen sie bei uns ein. Neugierig fragten wir sie und sie uns. Auch bei den Neuankömmlingen herrschte der zuversichtliche Glaube, nur noch einige Tage,--- 10, 8, 6,-- 5,-- und alles sei vorbei. Ueberall Freude über das Vordringen der alli4,-- 155 ierten Truppen. Ueberall strahlende Augen in abgezehrten Gesichtern und tiefliegenden Augenhöhlen. Das Lager war bald überfüllt. 60 000 Häftlinge waren nach kurzer Zeit in unserem Lager versammelt. Aber dennoch trafen immer weitere Transporte ein. Die Lagerältesten beschlossen, die Ankömmlinge in Juden und Arier zu trennen. So wurden die ankommenden jüdischen Häftlinge in den großen und leeren Hallen der DAW.( Deutsche Ausrüstungs- Werke) untergebracht. Die Arier kamen ins Lager. Diese Maßnahme rief eine neue Unruhewelle hervor. Man ließ Zweifel Die Entrüstung auftauchen.--- Warum diese Trennung?--- Warum? wuchs. Und sie drang bis zu den Ohren des Lagerführers. Dieser entschlof sich zu einer erneuten Rede.--- Im allerdings kleinen Kreise. Während dieser Rede wiederholte er sein Versprechen. ,, Ich versichere nochmals, daß das Lager nicht evakuiert wird. Von heute an handle ich in eigener Verantwortung. Sollten Sie sich durch das immer weitere Heranrücken des Feindes bedroht fühlen, so bin ich bereit, Ihnen zu Ihrem Schutze Waffen und Munition zur Verfügung zu stellen. Und immer weitere Transporte rollten heran. Die Lagerältesten hatten eine riesige Arbeitslast zu tragen. Es war nicht leicht, in diesem Wirrwarr von Menschen Ordnung und Ruhe aufrecht zu erhalten. Alle Arbeiten waren eingestellt. Nur die„ lebensnotwendigen" Kommandos setzten ihre Arbeit fort. Auf den Straßen und Plätzen des Lagers rotteten sich große Häftlingsmassen zusammen. Ueberall waren heftige Debatten im Gange. Was wird?- Der Ettersberg in Aufruhr Die Einwohner von Weimar wußten nicht, welch schicksalsschwere Stunden wir Häftlinge auf dem Ettersberg verlebten. Sie kannten unser Lager nicht, sie wußten nichts von den Methoden, die hier regierten" oder regiert hatten". Tage, Stunden, Minuten vergingen.-- Langsam, viel zu langsam.--Es war nicht wie in Jawischowitz, wo wir den Kanonendonner immer deutlicher vernahmen, wo wir den heranrückenden Feind verspürten. Hier tagte eine Völkerkundgebung. Hier waren jetzt Häftlinge aller Nationen vertreten. Ein Durcheinander von Sprachen lief durch die Straßen des Lagers. Während Zehntausende von Häftlingen auf den Straßen herumstanden, lagen weitere Tausende krank und sterbend in den Blocks. Ganz plötzlich ertönte der Lautsprecher. Eine Stimme rief 46 politische Häftlinge auf, ehemalige nazigegnerische Parteifunktionäre, die sich schon 10 bis 12 Jahre im Lager befanden. Diese aufgerufenen Häftlinge sollten Was war los?--- sich sofort" am Lagertor einfinden. Alle horchten auf.- Während wir noch rieten, was diese Forderung bedeuten sollte, hatte der Lagerälteste befohlen, die aufgerufenen Häftlinge zu verstecken. Dieser Befehl wurde mit größter Freude erfüllt. In Abortkübeln, auf Dachböden,--ja sogar eingegraben in der Erde, waren die Häftlinge versteckt.--- Was wird werden? Spannung lag über dem Lager. 156 Nicht gemeld Zwei Eine he aber da Wied uns in nung de Die Sp Lagerfül sproche Wir w Der Spr das Leb Als d ihm aut Gestapo andernf 46 Häft Waffeng Der Häftling hielten Eine ling ger die 46H durch d Auch nach de eine wi Wir w Und sie wir eini funden, so wollt Die Z Noch in Eine ne knackte Die Stra hastete sie such Strafakti Alles griff". H Man ha geholf passierb Die U und zu wöhnlic die Ster ein, wa 'htern Zeit [rans- ı und ı den ınter- weifel istung schloß hrend heute immer Ihnen “ nicht cht zu nman- rotte- batten - Lager oder T m.--- * deut- er Na- traken anden, litische schon sollten 05?--- tte der Dieser en,--- .- Was Nicht einer von den aufgerufenen 46 Häftlingen hatte sich am Lagertor gemeldet. Zwei Stunden waren vergangen. Da ertönte abermals der Lautsprecher. Eine herrische Stimme fragte:„Ja, wo stecken denn die 46 Häftlinge? Jetzt aber dalli im Laufschritt zum Tor!” Wieder verging eine Zeit. Nicht ein Häftling meldete sich. Wir befanden uns in einer eigenartigen Situation. Zum ersten Male wurde einer Anord- nung des Lagerführers Widerstand geleistet, wurde ihr zuwider gehandelt, Die Spannung erreichte ihren Höhepunkt, als sich der Lagerälteste zum Lagerführer begab, um denselben darauf hinzuweisen, daß er doch ver- sprochen hatte, niemand zu evakuieren. Wir warteten auf die Rückkehr unseres Lagerältesten.--- Gespannt.--- Der Spruch machte uns mutig:„Wer sich das Leben nicht erkämpft, ist das Leben nicht wert!” Als der Lagerälteste zurückkam, erzählte er uns, der Lagerführer habe ihm auf seine Erinnerung nervös hin- und herlaufend, gesagt, dak die Gestapo in Weimar die„sofortige” Auslieferung der 46 Häftlinge fordere, andernfalls wolle die Gestapo ihn erschießen.„Bringen Sie mir sofort die 46 Häftlinge”, so habe der Lagerführer gebrüllt,„sonst lasse ich sie mit Waffengewalt holen!” Der Lagerälteste hatte daraufhin versprochen, nach den aufgerufenen Häftlingen suchen zu lassen. Die Bergungstrupps und der Lagerschutz er- hielten auch sofort den Befehl, zu„suchen”. Eine weitere Stunde war vergangen. Noch immer hatte sich kein Häft- ling gemeldet. Da brüllte der Lagerführer durch den Lautsprecher:„Wenn die 46 Häftlinge nicht binnen 15 Minuten am Lagertor sind, so lasse ich sie durch die SS. suchen!” Auch diese 15 Minuten waren vorüber. Wir schauten erwartungsvoll nach dem Lagertor. Jeden Augenblick mußte durch dieses Tor die SS. wie eine wilde Horde hereingestürzt kommen.--- Jeden Augenblick Wir waren alle einig. Diese 46 Häftlinge waren die Besten, die Treuesten. Und sie sollten kurz vor der Befreiung ihr Leben lassen?--- Darum waren wir einig darin,--- sie durften nicht gefunden werden! Würden sie ge- funden, dann würden sie auch bestimmt erschossen. Das wuhten wir. Und so wollten wir unsere Kameradschaft beweisen und sie nicht finden. Die Zeit verging. Die Nacht brach herein. Noch immer horchten wir auf. Noch immer schauten große Massen von Häftlingen nach dem Lagertor. Eine nervöse Stille herrschte, eine„unheimliche” Stille. Mit einem Male knackte es im Lautsprecher. Kurz darauf wurde„Blocksperre” angeordnet.: Die Straßen und Plätze des Lagers leerten sich schnell, Alles eilte und hastete in die Blöcke. Gerüchte schwirrten umher. Was nun?--- Wird man sie suchen?--- Wird man sie finden?--- Und was dann?--- Und welche Strafaktion wird durchgeführt? Alles wartete auf die Maßnahmen der SS.--- Wir erwarteten den„An- griff”, Hungrig schauten wir aus den Fenstern. Brot hatte es nicht gegeben. Man hatte uns gesagt, die Straßen von und nach Apolda, woher das Brot geholt wurde, seien gesperrt, sie seien nur noch für Wehrmachtsangehörige passierbar. Die Uhr verkündete die achte Stunde am Abend, Nichts war zu hören und zu sehen. Ruhe!--- Die Ruhe vor dem Sturm? Es war alles so unge- wöhnlich.--- Kein Fliegeralarm!--- Aus dem dunklen Himmel leuchteten die Sterne herab. Nach den Tagen des Lärmens bis in die tiefe Nacht hin- ein, war es außergewöhnlich still. 157: Da, ganz plötzlich wieder der Lautsprecher. Es knackte. Wir horchten. „ Achtung, Achtung! Sämtliche Juden ans Tor!" * Zwei Minuten tiefster Stille.--- Und dann brach die Erregung los.--- Gemeinheit!--- Die SS. hatte Angst. Man fürchtete uns 60 000 Häftlinge. Die Waffengewalt blieb aus.--- Jetzt forderte man die Juden auf, ans Tor zu kommen. Wollte man Verräter pressen? Wollte man die Juden noch im letzten Augenblick morden oder verschleppen? Von den Juden erwartete man, daß sie bestimmt ans Tor kommen würden. Aber! Was aber"?--- Es hieß handeln. ----" Jeder Jude mußte auf eigenes Risiko handeln. Es gab im Großen Lager" drei Judenblöcke, Nr. 22, 23 und 28. Im„ Kleinen Lager" dagegen befanden sich 70 Prozent. Es folgten die gleichen Maßnahmen, es entstand dasselbe Hin und Her, die gleiche Situation wie bei dem Befehl, die 46 Häftlinge sollten sich melden. Niemand wollte sich den Händen der SS.- Bestien überantworten. Alle Juden versteckten sich.--- Ich legte mich in eine Abfalltonne. Andere Häftlinge bedeckten mich mit Asche und sonstigem Schmutz. Niemand konnte unter diesem Schuff einen Häftling vermuten. Mit aufeinandergebissenen Zähnen und geballten Fäusten saß ich dort drei lange Stunden und rührte mich nicht. Aus den Worten der vorübergehenden Häftlinge entnahm ich, daß sich nicht ein einziger Jude am Lagerfor eingefunden hatte. Um sich Respekt zu verschaffen, hatte man alsdann die kranken Juden aus dem„ Kleinen Lager" ans Tor geschleppt. Mit Gewalt hatte man diese Kranken auf dem Appellplatz zusammengetrieben. Dort waren einige SS.- Besfien und Capos mit grünem Winkel" erschienen, um die Kranken in der früheren" Weise zu empfangen. Um halb 12 Uhr nachts schrie es durch den Lautsprecher:" Sämtliche Juden sofort im Laufschritt in die Blocks zurück!" Ich wartete noch eine Stunde. Dann kroch ich langsam und leise aus meiner Tonne heraus und in meinen Block zurück. Mit Kleidern und Stiefeln legte ich mich auf einem verlausten Strohsack nieder. Ich konnte nicht schlafen,--- ich war zu unruhig, jede Minute war mit einer plötzlichen Kontrolle der SS. zu rechnen. Dann aber mußte ich" wach" sein, darum mußte ich jetzt, wachsam" sein. Es war doch damit zu rechnen, daß jeder erwischte Jude" mitgenommen" würde. Wollte mich aber der Schlaf überlisten, dann halfen mir die im Strohsack wimmelnden kleinen Tiere", den Schlaf zu überwinden. Die ganze Nacht hindurch wurden leise Gespräche geführt. Ein Wispern und Raunen ging hin und her. Die Nacht verging.--- Nichts geschah.-. Der 7. April brach an. es, Um V wuf kom Sied war such erw in f Blo auch höri So Ang aufg In Lage nera Di es z sam der groß linge ment Es w Lüfte Grau W Zusa war schne schei chen Da Besti linge Wied Tor!" ware Peits Tor. schau bewa den 7 General- Appell Der 7. April war da. Es war 5 Uhr am Morgen. Nichts hatte sich geändert. Mit Sorge schauten wir nach wie vor in die Zukunft. Der Kaffee wurde ausgeteilt, der Block wurde gereinigt, alles ging seinen gewohnten Gang. Da neue Gerüchte in der Nacht nicht aufgetaucht waren, war auch kein besonderer Gesprächsstoff gegeben. Ruhig und still saben wir im Schlaf- und Tagesraum zusammen. Am Radio begann es zu knacken. Wir horchten auf. In Kürze stand eine Meldung bevor. Und richtig, wie gedacht, so geschah 158 ruhr wohl danke Was Dann dere für Sc hten. inge. 5 Tor uden n erger" nden dasHäftstien Abigem dort beragerdann Geben. enen, liche aus Stienicht chen arum eder berden pern dert. aus. Da sonund auf. chah es. Mit einem Male klang es durch den Lautsprecher:„ Achtung, Achtung! Um 7 Uhr ist Generalappell. Ab sofort ist Blocksperre!" Wir waren uns des Ernstes unserer Lage klar, besonders wir Juden. Wir wußten, dah jetzt die Stunde der Entscheidung über unser Schicksal gekommen war. Nun gab es kein Entrinnen mehr. Jetzt ging es nur noch um Sieg oder Untergang. Das Verstecken war zwecklos geworden, denn wir waren uns dessen bewußt, daß während des Appells eine Generaluntersuchung sämtlicher Blockswohnungen durchgeführt würde. Wer dann aber erwischt wurde, der war auch seines Todes sicher. Alle Häftlinge, die sich in fremden Blocks versteckt gehalten hatten, sprangen in ihre eigenen Blocks zurück. Mit dem Unterkriechen in einen fremden Block hätten wir auch das Leben derer gefährdet, die uns Obdach gewährt hätten. Angehörige des Lagerschutzes und der Bergungstrupps umstellten die Blocks. So konnte keiner mehr ein noch aus. Auch das„ Kleine Lager" war von Angehörigen der genannten Organisationen umgeben. Doppelposten waren aufgestellt. Inmitten dieser fieberhaften Abriegelung der Blocks und des„ Kleinen Lagers" ertönte wiederum der Lautsprecher:„ Achtung, Achtung! Zum Generalappell aufmarschieren!" Die Blocktüren öffneten sich. Wir traten in Fünfereihen an. Vielleicht war es zum letzten Male. Unsere Augen schauten trübe in die Zukunft. Langsam marschierten wir nach dem Appellplatz, zu dem entscheidensten Appell der ganzen schrecklichen Jahre. Blockweise, wie stets, waren wir auf dem großen Appellplatz angetreten. Unruhig und nervös starrten 60 000 Häftlinge nach dem Lagertor. Jedes Knacken im Lautsprecher ließ uns zusammenfahren. Gespannter denn je war die Lage. Kein Lauf war zu vernehmen. Es war uns, als wenn auch die Vögel vermieden, ihr gewohntes Lied in die Lüfte zu senden. Nur die Sonne sendete ihre Strahlen über die Stätte des Grauens. Wir waren den SS.- Bestien auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. An ein Zusammenhalten war nicht mehr zu denken. In den kommenden Minuten war jeder einzelne seinem Schicksal überlassen. Die Minuten vergingen schnell und noch schneller. Sekunden konnten uns nur noch von der Entscheidung frennen. Wir drückten die Hände kraftvoll zusammen und sprachen zu uns selbst: Aufpassen, Augen auf und Mund zu!" Dann kam der Augenblick heran. Die Stimme der SS.- Blockführer, dieser Bestien, ertönte: Achtung, Achtung! Häftlinge stillgestanden! 60 000 Häftlinge schlugen die Hacken zusammen, den Blick auf das Mikrophon gerichtet. Wieder erklang eine Stimme:" Sämtliche Judenblock Nr. 22, 23 und 28 zum Tor!" Jetzt mußte die Entscheidung fallen. Jetzt hieß es handeln. Kaum waren die Worte gesprochen, da standen auch schon die Blockführer, mit Peitschen und Revolvern bewaffnet, hinter uns. Man frieb uns Juden zum Tor. Während dieser Zeit mußten die anderen Blocks stillstehen. Ernst schauten sie uns nach. Sie konnten uns nicht helfen. Die Uebermacht der bewaffneten SS.- Bestien war zu groß. 60 000 unbewaffnete Häftlinge standen 7 000 in Waffen starrenden SS.- Bestien gegenüber, bereit, jeden Aufruhr mit aller Gewalt niederzuschlagen. Ich glaube sagen zu dürfen, daß wohl jeder meiner Kameraden sich während dieser Minuten mit dem Gedanken um die Errettung seines Lebens geplagt hat. Was konnten wir fun? Was konnte geschehen? Wegspringen? Würden wir dabei erwischt?--Dann war auch alles aus. In Sekundengeschwindigkeit rasten diese und andere Gedanken durch meinen Kopf. Blaf und zitternd machte ich Schrift für Schritt, 159 www Jetzt?-- Nein, noch nicht.--- Jetzt?- Immer wieder glaubte ich, den richtigen Augenblick verpakt zu haben. Wertvolle Sekunden waren vergangen. Zwei Meter trennten uns noch von dem letzten Block, bevor wir den freien Platz erreichten, von dem alsdann ein Entspringen unmöglich war. Jetzt oder nie, dachte ich. Leben oder Tod! Die Sekunde meines Entschlusses war da. Gerade lief ein Blockführer vor mir her. Ich mußte mich entschließen. Ich faßte Mut, biß die Zähne zusammen und in einem gewaltigen Satz sprang ich in den letzten angetretenen Block. An den Flügel, wo statt zehn Häftlingen nur sechs standen. Einige Kameraden, die sich ebenso wie ich in Sicherheit bringen wollten, sprangen mir nach. Doch schon setzte das Feuer der Massenmörder ein. Der Angriff begann. Wie wild schlug man auf die geflüchteten Häftlinge ein. Ein wahres Blutbad begann. Wahllos schoß man in die Menge der Juden hinein. Unter den Schlägen der sich wie wahnsinnig gebärdenden SS.- Bestien sprang alles auseinander. Die Kugeln pfiffen über den freien Platz hinweg. Entsetzlich war das Bild. Meine Beine zitterten. Weiß wie der Tod stand ich in einem fremden Block. Die Sekunden vergingen wie Stunden. Ich wußte, wenn jetzt erneut gezählt würde, dann war ich zuviel da. Jetzt kamen zwei Blockführer, sie gingen die Reihen des Blocks auf und ab. In diesem Augenblick der größten Gefahr für mich sprang der Blockälteste zum Blockführer und meldete:„ Block 40 mit 287 Häftlingen angetreten! Keine Juden versteckt", sagte er noch dazu. Dann lief der Blockälteste den Block ab. Aber es wirke erlösend auf mich, er rannte nur flüchtig an uns vorüber, er zählte nicht. Am liebsten wäre ich dem Blockältesten vor Freude um den Hals gefallen. Aber ich mußte ja stillstehen. Noch war die Gefahr nicht vorbei. Immer noch weiter schwebte ich zwischen Tod und Leben. Inzwischen waren die Judenblocks vom Appellplatz verschwunden. Man hatte sie in die DAW.- Hallen getrieben. In der Ferne erklangen Schüsse. Anscheinend hatte man noch einige Juden in den durchsuchten Blocks aufgefunden. Auf dem Appellplatz blieb alles ruhig. Nur das Brüllen der SS.- Bestien war zu hören. Wieder ertönte der Lautsprecher: Achtung, Achtung! Sämtliche Blockältesten die Stärke der Blocks feststellen und darauf achten, daß keine Juden versteckt sind!" Von neuem begann die Jagd. Ich sah auf die Uhr. Abermals wurden Sekunden zu Stunden, ja, schienen sie mir wie Tage lang zu werden. Wieder hieß es, die Nerven zusammenreißen, denn wieder stand ich zwischen Sein und Nichtsein. Der Blockälteste kam zu mir, stieß mich unbemerkt an und deutete mit dem Finger auf einen zwei Reihen hinter mir stehenden Häftling, der einen großen Mantel trug. Schnell und unbemerkt entfernte ich mich. Ich verbarg mich unter dem großen Mantel. Das war Kameradschaft. Ich war freudig und doch schmerzlich bewegt. Ich hätte danken mögen und konnte es nicht. Einig standen die Häftlinge zusammen. Hier war der Beweis erbracht, daß jeder Häftling dem andern helfen wollte, ja sein Leben für andere zu opfern bereit war. Auch der Häftling mit dem großen Mantel wäre seines Lebens ledig gewesen, wenn man mich erwischt hätte. Minuten vergingen. Dann kam der Blockführer. Er zählte die Blocks ab. Wehe, wenn er die Reihen durchlaufen würde, dann wäre alles aus gewesen. Einzeln prüfte er die Reihen, immer näher kam er, immer näher sahen wir beiden Häftlinge, die unter einem Mantel waren, dem Tod ins Auge. Meine Kniee schmerzten, kaum konnte ich mich noch halten. Aber 160. die Besch Jel um Es w Der B schne weite rannt den schlin die, stehe imme sener Das man anzus Die Ergrif den. auf, d Die fahren rück. A ja gar mehr! so hät Jude Die kein 11 ich wa Da f gebrac nach d lungen sich ge Der Blocks, Ich erz sich de auf. Au Ich a Zwei warnun Jetzt eine n statt? V 11 die Gefahr machte Beschützer, Jetzt stand der Blockführer hinter mir. Krampthaft klammerte ich die Hände um die Beine meines mich beschützenden Kameraden. Ich atmete kaum. Es war die Sekunde der größten Gefahr, Aber dann geschah ein Wunder. mich iodesmufig. Und wie mir, so erging es meinem Der Blockführer machte einen Schritt weiter, noch einen, und dann ging er schnell fort, die andern angetrefenen Blocks zu kontrollieren. Ich mubte weiter still sitzen. Aber die größte Gefahr war vorüber. Andauernd noch rannten die Blockführer wild umherstürmend vorüber. Zwei Stunden stan- den wir schon auf dem Appellplatz. Aber diese zwei Stunden haben zu den schlimmsten meines Lebens gezählt. Was waren gegen diese zwei Stunden die, die ich in den langen Jahren im kalten Winter auf dem Appellplatz stehen mußte?--- Schrei auf Schrei ertönte aus der Ferne herüber. Noch immer waren Schüsse zu vernehmen. Niemand zweifelte mehr an der Mas- senerschießung der Juden. Das„Kleine Lager" wurde geleert. Kranke und gesunde Häftlinge trieb man unter furchtbaren Schlägen in die Hallen der DAW. Entsetzlich war es anzusehen, wie die Kranken zum Gehen gezwungen wurden. Die Uhr zeigte bereits aut halb 10 Uhr und noch immer standen wir da. Ergriffen und erschüttert von den dramatischen Erlebnissen der letzten Stun- den. Beschienen von strahlender Sonne, heulte ganz plötzlich die Sirene auf, die„Fliegeralarm” verkündete. Keine Heimat, kein Vaterland, keinen Block! Die Sirenen waren verklungen. Nach den Stunden der Aengste und Ge- fahren sprang alles, ohne einen Befehl dazu abzuwarten, in die Blocks zu- rück. Auch ich rannte fort.--- Da,--- fiel mir ganz plötzlich ein:„Ich habe ja gar keinen Block mehr!"--- In Buchenwald gibt es doch keine Juden mehr! Wenn ich aber nach meinem alten Block Nr. 28 zurückgegangen wäre, so hätte das eine große Gefahr bedeutet.--- Ich hätte mich ja dadurch als Jude bekannt, und dieses Bekenntnis wäre mein sicherer Tod gewesen. Die Straßen leerten sich. Ich aber irrte umher. Ich haite nun keinen Block, kein„Zuhause” mehr. Auch Essen konnte ich nicht mehr verlangen, denn ich war ja gar nicht mehr da, ich lebte ja gar nicht mehr. Da fiel mir mit einem Male der alte Häftling ein, dem ich im Winter Holz gebracht hatte. Es war kein Häftling mehr auf der Straße, Schnell sprang ich nach dem Block 40, wo ich noch andere Juden traf, denen es wie mir ge- lungen war, dem Tode zu entgehen, die ein Engel geführt hatte,--- die sich gerettet haften. Schweigend gingen wir aneinander vorüber, Der alte, in den 60er Jahren stehende Häftling saß in der Ecke des Blocks, auf einer Bank, wie immer,--- immer arbeitend, immer denkend. Ich erzählte ihm, wie es mir ginge. Sofort antwortete er mir, daß ich, bis sich der Sturm gelegt habe, bei ihm bleiben könne,--- sofort nahm er mich auf. Auch gab er mir sogleich ein Stück Brot, das er sich aufgespart hatte, Ich aber war glücklich, leicht und froh. Ich fühlte mich geborgen.--- Zwei Stunden waren vergangen. Wieder heulte die Sirene.--- Ent- warnung.--- Der Himmel war frei, Jetzt aber quälten mich neue Gedanken. Was nun?--- Was tun, wenn eine neue Kontrolle durchgeführt wurde?--- Findet ein neuer Appell sta? Welche Maßnahmen ergreift man jetzt? 2 161 Außer den Angehörigen des Lagerschutzes und der Bergungstrupps, die nach Beendigung des Alarms ihren Dienst sofort wieder aufgenommen hatten und durch die Straßen schlenderten, sah man einzelne Häftlinge vor den Blocks in der Sonne sitzen. Hatten sie keine Sorgen? keine Nerven? War es erzwungene Ruhe?-- Hatten sie Nach und nach wurden die Straßen und Plätze wieder belebt. Alles lief in alter Weise. Ich hörte, die in den DAW.- Hallen zusammengetriebenen Juden sollten in einigen Stunden abtransportiert werden. Ich erfuhr auch, daß man im Kleinen Lager" noch Unterschlupf finden konnte. Wenngleich ich nicht sonderlich interessiert war, in das„ Kleine Lager", das ich noch so trieb es mich doch dortvom Winter her kannte, zurückzukommen. hin. Ich wollte dem alten Häftling nicht zur Last fallen und ihm den letzten Bissen wegnehmen. Der Alte warnte mich, er sah in meinem Vorhaben nichts Gutes. Er kannte das Lager, hauste er doch schon 7 Jahre auf dem Ettersberg.- Aber dennoch ging ich,- ich wollte wissen, was eigentlich los war. N Au angel Ich hier z Die blieb einer aber imme lange Freihe Stund Ge erwac an de fen, d eine z mich, deren Tage und Nächte des Schreckens Ungefähr fünf Stunden nach dem ersten Transport der noch in letzter Minute zur Verschleppung vorgesehenen 5 000 Juden, betraf ich zum zweiten Male seit meiner Anwesenheit in Buchenwald das„ Kleine Lager". Welches Bild bot sich mir da? Vor jedem Block, kreuz und quer auf einem Haufen zusammengeworfen, lagen Tote. Abgemagerte, entkleidete, erwürgte, erschossene und zu Tode geprügelte Häftlinge. Grauenhaff war der Anblick. Ueberall Blut und nochmals Blut. Unmenschlich hatte man hier gehaust. In der Zwischenzeit waren auch die Kranken, die man zum Tor geschleppt hatte, wieder zurückgekommen. Dadurch hatte sich das grauenhafte Bild noch verschlimmert. Entkräftet fielen viele Häftlinge zur Erde und schon nach wenigen Minuten verhauchten sie ihr Leben. Andere kranke Häftlinge suchten in den Taschen der Toten, ob sie vielleicht noch etwas zu essen darin finden würden. Auch mich quälte der Hunger. Damit ich doch wenigstens etwas Suppe bekam, meldete ich mich in dem sogenannten„ Krankenblock" an, wo gerade alle Häftlinge wieder neu verzeichnet wurden. Viele Jahre der Tyrannei lagen hinter uns. Viel hatte ich in diesen Jahren gesehen und erlebt. Aber, was sich hier vor meinen Augen abspielte, etwas Grauenhafteres und Unmenschlicheres hatte ich noch nicht erblickt. Im Krankenblock Kranke und Tote, alles nebeneinander. In allen Ecken lagen Haufen von Leichen. Der Gestank von den schon in Verwesung übergegangenen Häftlingen ließ mich übel werden. Die Baracke war dunkel. Kohlen waren nicht mehr da. Das Krematorium hatte seine Tätigkeit seit Tagen eingestellt. Die Leichen konnten also nicht mehr verbrannt werden. Aber auch die Häftlinge weigerten sich, die Leichen wegzutragen, obwohl die Leichen nur unnötig Platz wegnahmen. Zu all diesem furchtbaren Elend kam hinzu, daß die an Durchfall erkrankten Häftlinge auf Befehl der SS.- Banditen in den obersten der fünf aufeinander liegenden Boxen schlafen mußten. Der Kot von diesen Erkrankten sickerte durch die Bretter von einer Boxe in die andere. Schwache, Tuberkulöse, Herz- und Nierenkranke, alle lagen neben- und übereinander. 162 vergin waren am M Ung verpfl ich au daraus immer ,, Klein ich ein Ansam aus de würde. folgte ich me Ich ungem der in toffelrannte ich na mich abgab. Auch Transp mich g sesmal einem damit lei Ver die Au einen nicht m 11° tzter zwei- Wel- rfen, Tode noch- varen kom- räftet chten oten, uppe > ge- ahren etwas Kran- Hau- jenen waren stellt, Häft- n nur ll er- r fünf krank- vache, ander. Auf dem Dach der Baracke war aber, wie zum Hohn, das„Rote Kreuz” angebracht. Ich hatte mich angemeldet, und jetzt blieb mir keine andere Wahl, als hier zu bleiben, denn dieser Krankenblock bot mir die größte Sicherheit. Die Nacht brach herein. Ich mußte mir einen Schlafplatz suchen, Was blieb mir übrig, als mich zwischen die Toten und Halbtoten zu legen. In einer Ecke entdeckte ich noch einen freien Platz, ringsherum um diesen Platz aber waren nur Tote. Ich wähnte mich zwischen Toten am sichersten. Und immer wieder schützte mich der Gedanke, ich müsse versuchen, mich so- lange wie möglich hier herumzudrücken, um Zeit zu gewinnen, Von der Freiheit konnten uns nur noch wenige Tage, vielleicht nur noch wenige Stunden trennen, Gegen Mitternacht spürte ich plötzlich ein Zerren an meinen Füßen. Ich erwachte,. Im Halbdiunkel der Baracke erkannte ich zwei Häftlinge, die mich an den Füßen wegziehen wollten. Als diese beiden Häftlinge jedoch merk- ten, daf ich mich noch bewegte, ließen sie mich schnell fallen, wobei der eine zum andern sagte:„Laß ihn liegen, der lebt ja noch”. Ich bemühte mich, weiter zu schlafen. Vorher jedoch erkannte ich, daß man die Toten, deren Zahl sich stündlich vermehrte, aus der Baracke schaffte, Die Nacht verging, wie schon so viele schreckliche Nächte vergangen waren. Die Toten waren hinausgefragen. Ich lag noch allein in meiner Ecke. So erwachte ich am Morgen des 8, April. Ungewönlich früh bekamen wir unsere Suppe. Das sollte unsere Tages- verpflegung sein. Brot war nicht mehr vorhanden. Mit offenen Augen blickte ich auf alles. Ich wollte jede Veränderung sofort in mich aufnehmen, um daraus meine Lehren zu ziehen. So bemerkte ich, daß sich nach und nach immer mehr Häftlinge des Lagerschutzes und der Bergungstruppe um das „Kleine Lager” scharten. Unter den Angehörigen des Lagerschutzes erblickte ich einen alten Bekannten. Auf diesen lief ich zu, um zu fragen, was die Ansammlung der Schutzorganisation zu bedeuten hätte, Er sagte mir, dak aus dem„Kleinen Lager” ein Transport zur Verschleppung zusammengestellt würde. Ich sollte mich beeilen, ins„Große Lager” zurückzukehren. Schnell folgte ich dem Rat. Unbemerkt kam ich in den Block 40 zurück. Dort erzählte ich meine Erlebnisse aus dem Krankenblock. i Ich schaute durchs Fenster der Blockbaracke. Der Hunger quälte mich ungemein, Ich mußte warten, denn das nächste Essen würde es ja erst wie- der in 24 Stunden geben. Da sah ich, wie gerade der Müllwagen mit Kar- toffel- und Rübenschalen vorbeifuhr. Ich lief aus dem Block hinaus und rannte dem Wagen nach. So kam ich zu Kartoffel- und Rübenschalen. Als ich nach einiger Zeit wieder in den Block 40 zurück kam, kochte der alte mich beschützende Häftling Kartoffeln, von welchen er mir auch einige abgab. Auch der Tag ging vorüber. Aus dem„Kleinen Lager” waren mehrere Transporte abgegangen. Um wieder zu einer Suppe zu kommen, sah ich mich gezwungen, noch einmal in das„Kleine Lager” zurückzukehren. Die- sesmal hatte ich mich nicht vor der Krankenbaracke aufgestellt, sondern vor einem anderen Block. Ich wurde abermals in Block 63 registriert und war damit gleichzeitig vom Krankenblock abgemeldet. Da es abends ja keiner- lei Verpflegung mehr gab, und die gemeldete Blockstärke des morgens für die Ausgabe der Suppe des nächsten Tages maßgebend war, ich auch einen Nachttransport fürchtete, flüchtete ich unter dem Stacheldraht, der nicht mehr geladen war, in das„Große Lager”, nach Block 40, zurück. 11% 163 Der Alles schlief. Nur das Almen der Häftlinge war zu vernehmen. Ich nahm eine Leiter, mittels der ich den niederen Dachboden des Steinhauses erkletterte. Dort versteckte ich mich unter Heu. Als der 9. April anbrach, kroch ich unbemerkt aus meinem Versteck hervor. Auf der Lagerstraße herrschte schon Leben. Ich ging sofort ins„ Kleine Lager", um meine Essensmarken in Empfang zu nehmen. Alles ging seinen normalen Gang und nichts lieb auf die Zusammenstellung eines neuen Transportes schließen. Harmlos empfing ich meine Suppe. Doch, als ich aus der Tür wieder hinaus wollte, da mußte ich zu meinem Entsetzen feststellen, daß man alle Häftlinge, die Suppe empfangen hatten, zurück behielt. So sa ich wieder in der Falle. Als wir ca. 1 000 Häftlinge waren, brachte uns ein Bergungstrupp zum Tor. Wieder stand ich zwischen Sein und Nichtsein. Hier gab es kein Herausspringen aus den Reihen. Wäre ich aber erst auf dem Appellplatz angekommen, dann, so war mir klar, war jedes Enfrinnen unmöglich. Wir setzten uns in Bewegung, schwere Gedanken quälten mich. Doch, als ich gerade noch in aller Verzweiflung mir Selbstvorwürfe machte, noch einmal ins ,, Kleine Lager" gegangen zu sein, sah ich einen Moment zum Flüchten gegeben. Auf beiden Seiten der Straße standen viele Häftlinge. Ich überlegte abermals--- jetzt?--- Sollte es mir abermals gelingen?-- Moment war gekommen. Im Tumult und durch das Geschrei der wehrlosen Häftlinge begünstigt, durch das Hin- und Hergeschiebe, sprang ich mit einem Satz zwischen die an den Seiten stehenden Häftlinge, lief in einen der nächsten Blocks und brachte mich dort in Sicherheit. Kaum war dieser für die Verschleppung vorgesehene Transport auf dem Appellplatz angekommen, setzten die Sirenen ein und verkündeten Fliegeralarm". Alle Häftlinge mußten sich in ihre Blocks begeben, nur die auf dem Appellplatz stehenden Häftlinge mußten dort verbleiben. Wir waren über den neuen Alarm glücklich. Wertvolle Stunden gewannen wir dadurch. Dieses Mal waren es dreieinhalb Stunden, die weitere Verschleppungen verzögerten. ⚫ Wir sabotierten alles, was nur möglich war, um Zeit zu gewinnen. Hervorragend arbeitete der Lagerschutz. Er führte alle Anordnungen so langsam wie möglich durch, damit nur so wenig wie möglich Häftlinge verschleppt werden konnten. Als der Alarm beendet war, ging ich wieder nach Block 40 zurück. Kaum aber war ich dort, setzte neuer Alarm ein. Wütend rannten die SS.- Bestien umher, wütend darüber, daß sie die Verschleppung des gesamten Lagers Buchenwald nicht planmäßig durchführen konnten. Alarm folgte auf Alarm. Die Stimmung im Lager stieg und fiel und stieg wiederum. Es war gegen 6 Uhr abends, nachdem Flugzeuge der englischen und amerikanischen Luftwaffe stundenlang in großer Höhe über unser Lager hinflogen. Es war der vierte Alarm. Plötzlich stießen vier amerikanische Flugzeuge aus dem Himmel auf das Lager herab. Was hatte dieses zu bedeuten? Wir winkten und riefen. Niemand ließ sich mehr halten, als wir die Sterne der amerikanischen Flagge deutlich erkennen konnfen. Fünfmal umkreisten sie unser Lager. Die Piloten waren gut erkennbar. Sie winkten uns zurück. Es war ein eigenartiges Gefühl, das uns in diesem Augenblick erfaßte. Wir befanden uns noch in den Banden der SS.- Bestien, über uns aber waren schon die Befreier. Welches Nichtigkeitsgefühl mußte die SS. erfaßt haben, als sie die amerikanischen Flieger über uns dahinkreisen sah. Machtlos standen die SS.Banditen in unserem Kreise. In der Zwischenzeit war das„ Kleine Lager" vollkommen geleert. Ich sah mich gezwungen, abermals unter dem Dach des Blocks 40 zu schlafen. Essen konnte ich nun auch keines mehr empfangen. Von einem Freund hatte ich ein halbes Pfund Malzkaffee geschenkt 164 bekon ich ni nachd suchu immer all, w ser U suchte ander bracht Der meine Gegen kunde bewaf sprang den B Häftlin dem s Schüss ken d krachte zur Er Schn Lager" Lagerf waren, am Qu Ich hervor rascht. im Lag wurde portier Lagert Das ihren hörten uns di meldur fernt se die all Schicks Die bot sid lagen lagen die ers nach hi verlasse Einrück Lang Retter ahm s errach, traße sensnichts rmlos ollte, , die Falle. 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Unruhig blieb ich noch einige Stunden liegen. Gegen 8 Uhr öffnete ich vorsichtig das Dachfenster, um die Lage zu erkunden. Als ich einige Minuten hinausgeschaut hatte, sah ich SS.- Bestien, bewaffnet mit Maschinenpistolen, ins Lager kommen. Wie wilde Tiere sprangen sie in die einzelnen Blocks und trieben die Häftlinge heraus. Vor den Blocks standen andere SS.- Banditen, die auf die herausstürmenden Häftlinge einfielen. Viele Häftlinge versuchten sich dadurch zu retten, in dem sie aus den seitwärts gelegenen Fenstern sprangen. Alles vergeblich. Schüsse auf Schüsse krachten. Der Kampf ging weiter. Die SS.- Bestien lieben die Häftlinge ruhig erst aus dem Fenster springen, dann aber auch krachten schon die Schüsse und wie leblose Puppen fielen die Häftlinge zur Erde. Was war los?--Schnell wurde mir klar, die letzte Aktion begann. Auch das" Große Lager" sollte geräumt werden. Das war das gegebene Versprechen des Lagerführers Pfister. Obwohl schon Tausende von SS.- Banditen abgezogen waren, waren immer noch genügend Bestien vorhanden, die ihrer Freude am Quälen der Menschen Ausdruck geben wollten. Ich hielt meine Lage für aussichtslos. So kam ich aus meinem Versteck hervor. Ein Kamerad, der schon lange auf mich gewartet hatte, war überrascht. Er hatte geglaubt, ich sei verschwunden. Große Mistimmung herrschte im Lager. Alles packte die letzten wenigen Habseligkeiten zusammen. Es wurde gesagt, daß wir noch heute, spätestens am nächsten Tage abtransportiert würden. In langen Zügen marschierten die Verschleppten durchs Lagertor, der Vernichtung entgegen. Das Große Lager" war bereits zur Hälfte geräumt. Die Nervosität hatte ihren Höhepunkt erreicht. Es war alles ruhig. Aber in unserer Einbildung hörten wir Kanonendonner näher und näher. Es waren unsere Nerven, die uns diese Geräusche vorgaukelten. Nach den letzten gefärbten" Radiomeldungen sollten die Amerikaner noch 70 Kilometer von Buchenwald entfernt sein. Wir schüttelten unsere Köpfe. Konnte es denn möglich sein, daß die alliierten Truppen noch soweit von uns entfernt waren? Dann war das Schicksal von Tausenden von Häftlingen besiegelt. " Die meisten Baracken des Großen Lagers" waren schon leer. Auch hier bot sich dasselbe Bild, was ich im Kleinen Lager" erblickt hatte. Tole lagen hier und dort. Weggeworfene Decken und alte Kleider lagen überall zerstreut im Lager umher. Die russischen Kriegsgefangenen, die erst einige Tage zuvor aus dem Konzentrationslager Sachsenhausen nach hier gebracht waren, gehörten zu den ersten, die das Große Lager" verlassen mußten. Die SS. befürchtete von diesen Gefangenen noch vor dem Einrücken der alliierten Truppen eine Revolte. " Langsam wurde es dunkel. Noch einmal heulten die Sirenen auf, die Retter in der höchsten Not. Noch einmal erschienen im Halbdunkel der 165 Nacht die Flugzeuge der alliierten Armeen. Wir winkten ihnen mit Tränen in den Augen zu. Dann verschwanden die Flugzeuge hinter dem Waldrand. Kommen die alliierten Truppen noch diese Nacht? Kommen sie gleich? Oder müssen wir noch einen Tag warten? Es ging um unser Leben, um unser Schicksal. Wir wußten, daß unser Leben am seidenen Faden hing. Werden wir gerettet oder werden wir verschleppt? Es mußte am morgigen Tage geschehen, sonst war alles verloren. Nachdem der Fliegeralarm beendet war, legte ich mich wieder schlafen. Hangend und bangend, was die Nacht und der kommende Tag bringen würde. heim wie wied Wir eilig V kam bern Lage zu e 1 hatte trete war ande Der Kampf um die Minute Es war am 11. April. Am frühen Morgen. Noch funkelten die letzten Sterne am Himmel. Nach und nach erloschen die Lampen des Lagers. Leichter Nebel lag über dem Boden. Die Lageruhr verkündete die sechste Stunde. Wir befanden uns in einer Stimmung, als wenn es in ein Gefecht ginge. In Erwartung der Befehle, in ernster Stimmung standen wir bereit. Jeder der Häftlinge versuchte, sich noch ein Paar Schuhe und gute Kleidung zu beschaffen. Niemand wußte ja, wohin wir verschleppt würden, und wie lange der Marsch dauern würde. Eine dünne Suppe wurde ausgegeben. Mit dem Mittagessen war nicht mehr gerechnet. Die Küche hatte bereits den Räumungsbefehl bekommen. Nun war es klar, daß wir noch alle fortkamen. Die letzten vorhandenen Reste von Margarine und Marmelade waren ausgegeben. Gleich nach dem Empfang waren diese kleinen Reste verzehrt. Es war 8 Uhr morgens, als der Lautsprecher verkündete, daß der erste Transport um 12 Uhr und der zweite, also der letzte, um 4 Uhr am Nachmittag abgehen würde.-- Es war 9 Uhr geworden. Die Sonne stand schon hoch am Himmel. Im Lager herrschte namenloses Elend. Die SS.- Bestien waren wiederum, mit Maschinengewehren bewaffnet, ins Lager eingedrungen. Eine neue Schlacht begann. Eine Hand in der Hosentasche, und mit der andern Hand das M.G. bedienend, feuerten die SS.- Banditen Schüsse auf Schüsse ab. Abermals fühlten sich diese Helden als Sieger über wehrlose und versklavte Menschen. Von neuem stürmten sie in die Baracken. Und schon erhielten wir den Befehl, zum Appellplatz zu laufen, als ein neuer Befehl kam, nicht anzutreten, weil sich im Zigeunerblock einige Häftlinge versteckt halten sollten. Sofort wurde die SS. mit dem Ausräuchern dieses Blocks eingesetzt. Wir sahen ein, daß es zwecklos war, sich zu verstecken. Im Zigeunerblock war ein Blutbad angerichtet worden. Weitere zwei Stunden waren vergangen. Es war inzwischen 11 Uhr geworden. Die Zeit zum Abmarsch des ersten Transportes rückte näher heran. Tausende von Häftlingen aller Nationen und aller Religionen umsäumten den Appellplatz. Unter ihnen waren ca. 900 Kinder im Alter von 6 bis 16 Jahren, polnische und jüdische Waisen, deren Eltern in den Gaskammern von Auschwitz den Tod gefunden hatten, oder vor den Augen der Kinder ermordet waren. --Aber gerade, wo 12 Uhr. Die Stunde des Abmarsches war da.-- bereits die Tore geöffnet werden sollten, heulten am heutigen Tage zum ersten Male die Sirenen auf. Wie eine Erlösung empfanden wir das un166 den Plötz erst gen. erke hera ertör aber hand sage den, und 1 und die Aug einig eilte spre tatsä In Häftl die führe Ach zurü linge ja in nicht Es span schei sämt änen Waldeich? um ing. igen afen. ngen ferne chter unde. inge. r der beange nicht men. enen dem erste Nachschon estien -ingeund diten Sieger n die aufen, -block Aus, sich ar gemeran. umten Dis 16 mmern Kinder e, wo e zum as unheimliche Geheule. Schnell bezogen die SS.- Außenposten ihre Stellungen, wie sie bei Fliegeralarm immer bezogen wurden. Die Tore schlossen sich wieder. Und wie immer mußten die Häftlinge auf dem Appellplatz bleiben. Wir aber, die wir nicht zum ersten Transport gehörten, verschwanden eiligst in den Blocks. Von weitem hörten wir das Gebrumme der schweren Bomber. Näher kam das Geheul der Motoren.--- Dann konnten wir sie sehen, die silbernen Vögel der alliierten Armee. Ruhig und sicher überflogen sie unser Lager. Geschwader folgte auf Geschwader. Sie flogen über uns dahin wie zu einer Parade. 1 Uhr.-. Eine ganze Stunde schon dauerte der Alarm. Der Abmarsch hatte sich verzögert. Es war wiederum etwas zu unseren Gunsten eingetreten. Die Fluggeschwader waren vorüber. In der nächsten halben Stunde war nichts zu hören. Alles blieb ruhig und still. Der Himmel war frei. Zu anderen Zeiten war gewöhnlich ein deutsches Flugzeug aufgestiegen und den Fluggeschwadern nachgeeilt. Heute war auch dieses nicht zu sehen. Plötzlich hörten wir wieder näher und näher kommendes Gebrumme. Zuerst glaubten wir, das deutsche Flugzeug sei dennoch verspätet aufgestiegen. Aber nein, die Sterne der amerikanischen Flaggen waren von uns zu erkennen. Tief kreuzte das Flugzeug über dem Lager. Der Pilot schaute herab, als wollte er uns etwas zurufen. Dann ließ der Flieger eine Sirene ertönen. Wir verstanden nicht, was dieses bedeuten solle, dachten uns aber, daß uns der Flieger ein Zeichen geben wolle. Wieder tauchten allerhand Vermutungen auf. Einige Häftlinge sagten, der Flieger habe uns sagen wollen, daß die Panzerspitzen bereits dicht vor unserem Lager ständen, und noch allerhand andere Gerüchte schwirrten umher. Wir rieten und rieten. 1 Uhr und 30 Minuten.-- Nervös lief der Lagerführer am Lagertor hin und her. Er, der Zehntausende von Häftlingen gegen sein Versprechen auf die Straße des Todes jagte, war nervös geworden. Er stierte mit seinen Augen auf den Platz, als wollte er uns mit seinen Blicken vernichten. Nach einigen Minuten verschwand er in das Kommandanturgebäude. Ihm nach eilten die hohen SS.- Offiziere der Verbrecherclique. Wollten sie neue Besprechungen führen, wie man uns anderweit beseitigen konnte?-. War es tatsächlich die letze Minute? Die letzte Schlacht In hellem Sonnenglanze lag das Lager. Es war 2 Uhr geworden. Die Häftlinge warteten, wie schon so off, besonders in den letzten Tagen, auf die Entscheidung. Am Lautsprecher knarrte es, die Stimme des Rapportführers ließ sich, dieses Mal aber in sehr gedämpftem Tone, vernehmen: " Achtung, Achtung! Sämtliche Häftlinge vom Appellplatz sofort in die Blocks zurück!" Wie von einer Fessel losgelassen, sprangen Tausende von Häfflingen zurück. Ernst und verbissen waren ihre Gesichter. Sie befanden sich ja immer noch in den Händen der Bestien, und immer noch hatten diese nicht zum letzten Schlage ausgeholt. Es war 2 Uhr und 30 Minuten. Abermals ertönte der Lautsprecher. Gespannt horchten wir auf. Mit jeder Minute warteten wir ja auf die Entscheidung, warteten wir auf unsere Befreier." Achtung, Achtung! Sofort sämtliche SS.- Angehörige aus dem Lager!" 167 Dieser rätselhafte Befehl wurde zweimal wiederholt. Was sollte dieses bedeuten? In Eile verließen die Banditen das Lager. Unsere Aufregung hatte sich verstärkt. Auch waren alle Häftlinge, die bei der Kommandantur in Arbeit standen, weggeschickt worden. Fieberhafte Vorbereitungen der SS. schienen uns auf eine Vernichtung des Lagers hinzuzielen. 2 Uhr und 50 Minuten. Wiederum ertönte der Lautsprecher:„ Achtung, Achtung! Sofort sämtliche Blockältesten im Laufschritt ans Tor!" Als befänden sie sich in einem Wettrennen, so sprangen die Aeltesten ans Tor, während wir nervös und neugierig hinter den Fenstern auf die Rückkehr warteten. Jeder wollte zuerst sehen, wann die Aeltesten zurückkamen. Andere Häftlinge standen unter der Tür, um schnellstens zu erfahren, was angeordnet worden sei. 3 Uhr. Wieder waren zehn Minuten gespanntester Erwartung vergangen. Die Gefahr, unser Leben noch in letzter Stunde zu verlieren, faßte uns immer stärker. Der Blockälteste war zurückgekommen. In ernsten Worten teilte er uns mit, dafs wir evtl. zur Selbsverteidigung bereit sein sollten. Wörtlich sagie er:„ Kameraden! Der Lagerführer hat uns soeben folgende Erklärung abgegeben: Gehen Sie zurück in Ihre Blocks und sagen Sie den Häftlingen, daf in wenigen Minuten starke Detonationen erfolgen werden. Ermahnen Sie die Häftlinge, tapfer zu sein, wie sie es in der ganzen Zeit ihrer Gefangenschaft gewesen sind. Achten Sie auf Ordnung und Disziplin. Sollten die Baracken einstürzen, so halten Sie die Häftlinge in den Baracken zusammen, damit keine Panik hervorgerufen wird. Bei Verletzungen müssen Sie sich gegenseitig helfen". Der Blockälteste fuhr dann fort:„ Kameraden, die letzte Stunde hat geschlagen. In wenigen Minuten muß es sich entschieden haben, ob wir weiterleben dürfen, oder sterben müssen. Ich weiß mir selbst keinen Rat, und kann auch Euch darum keinen Raf erteilen. Jeder muß sich selbst zu helfen wissen. Möge Gott uns helfen in diesen schweren Minuten der höchsten Gefahr und uns vor dem Sterben retten". Die Worte waren verklungen. Atemlos hatten wir diesen Worten gelauscht. Eng saßen wir in den Blocks zusammen. Keiner durfte hinaus. Es beherrschte uns ein Gefühl, als säßen wir auf einem Pulverfaß, welches in wenigen Minuten explodieren müßte. Grauenhaft, ja direkt unbeschreiblich war die Situation, in der wir uns befanden. Wir waren ohne Recht. Und wir konnten uns nicht wehren, daß auch diese letzte Maßnahme gegen uns durchgeführt wurde. Obwohl wir Tausende von Häftlingen waren. 3 Uhr und 10 Minuten. Alles war ruhig. Jeder beschäftigte sich mit sei.nen eigenen Gedanken. Es tauchten Wufgedanken und Gedanken der Verzweiflung auf. Dazwischen immer die Wünsche auf das baldige Eintreffen der Befreier. 3 Uhr und 15 Minuten. Einzig und allein der Lagerschutz und die Angehörigen der Bergungstrupps befanden sich noch auf den Straßen und Plätzen des Lagers. In der Kommandantur befand sich niemand mehr. Nicht nur die bisher dorthin kommandierten Häftlinge, sondern auch die SS.- Banditen hatten das Kommandanturgebäude verlassen. Die Angehörigen des Lagerschutzes gaben ununterbrochen Meldungen nach den einzelnen Baracken, um die Häftlinge über jede Bewegung der SS. auf dem Laufenden zu halten. Wir sahen, wie mit Panzerfäusten bewaffnete SS.- Banditen in einer Stärke von ca. 60 Mann ums Lager schlichen. Wir erkannten, dak sie Kisten schleppten. Eine Sprengung des Lagers stand also bevor. In wenigen Minuten waren diese SS.- Mannschaften den Berg des Lagers hin168 unte mar 3 stern war scha M.G ware Wal niem zu u sehe 3 im K Mens Male nicht sahe lacht Es hallte uns, zwei Anrü ware mehr 21 00 wie waffn Wach Panze besef stellt. Ja, e lings! gelte Pech. Erde war i 4 U Fahne der S Fahne rollte Die Lager auf d gerol hatter war d Toren diene Panze eses ung tur der ng, änTor, Lehr Anangen. imeilte -lich ung gen, nen Geten Zusen hlaben ann sen. fahr geEs 5 in -lich wir uns seiVerffen Anund ehr. die örieindem BanHen, . In hinuntergegangen und waren hinter dem Waldrand der Straße, die von Weimar nach Apolda führte, verschwunden. 3 Uhr und 30 Minuten. Immer mehr Häftlinge hatten sich an den Fenstern der Baracken zusammengedrängt. Aus dem Fenster des Blocks 40 war die einzige Aussicht nach der Straße Weimar- Apolda gegeben. Wir schauten durch eine Waldschneide hindurch. Mit einem Male hörten wir M.G.- Feuer, das sich von Sekunde zu Sekunde verstärkte. Die Postentürme waren noch immer besetzt. Unaufhörlich hallte das M.G.- Feuer durch den Wald. Wir machten uns auf eine Beschießung des Lagers gefaßt. Es war niemand zu sehen. Nur das unaufhaltsame Knattern der M.G.- Salven klang zu uns herüber. Voller Aufmerksamkeit starrten wir nach der Straße. Zu sehen war jedoch nichts. 3 Uhr und 50 Minuten. Schon volle zwanzig Minuten befanden wir uns im Kampfe um Sein oder Nichtsein. Was sind zwanzig Minuten in einem Menschenleben? Was aber waren zwanzig Minuten für uns? Mit einem Male hörten wir Autos auf der Straße rollen. Sehen konnten wir jedoch nichts. Das Maschinengewehrfeuer war verhallt. Es war alles ruhig. Plötzlich sahen wir Panzer auf Panzer den Berg heraufrollen. Die Frühlingssonne lachte. Wir erkannten amerikanische Panzer. Es war, als ob wir alle wahnsinnig geworden seien." Wir sind frei!", hallte es von einer Baracke nach der andern. Wir umarmien und küften uns, wir waren außer uns. Immer noch waren Skeptiker vorhanden, die zweifelten. Jeder wollte durchs Fernglas schauen und sich selbst von dem Anrücken der amerikanischen Panzer überzeugen. Nur noch einen Kilometer waren die Panzer der USA.- Armee von uns entfernt. Jetzt war niemand mehr zu halten. Alle Kommandos der Lagerältesten wurden überhört.--- 21 000 Häftlinge strömten tränenüberflutet aus den Blocks heraus. Wir sahen, wie die Häftlinge des Lagerschutzes, mit Gewehren und Panzerfäusten bewaffnet, zum Lagertor stürzten. Im gleichen Moment aber verließen die Wachtposten die Türme, um sich für die Uebergabe bereit zu halten. Die Panzer rollten näher und näher. Die Kommandantur war durch die Häftlinge besetzt. Der mit 5000 Volt Starksłom geladene Stacheldraht war kalt gestellt. Die SS.- Posten ließen sich ohne jeden Widerstand gefangen nehmen. Ja, einige SS.- Leute hatten sich nicht gescheuf, unter der SS.- Uniform Häftlingskleider zu tragen, ihre SS.- Uniform abzuwerfen und jetzt als Häftling gelten zu wollen. Der Wachtposten im Turm am Eingang des Lagerfors hatte Pech. Er rannte aus dem Turm hinaus, warf das Maschinengewehr auf die Erde und lief in Häftlingskleidern davon, als ob gar nichts wäre. Sein Leben war im Augenblick entschieden. 4 Uhr. Auf die Minute der vollen Stunde ging die weiße Fahne auf dem Fahnenmast empor. Am gleichen Mast, der zwölf Jahre lang das Banner der SS. getragen hatte. Ein Deutscher und ein Spanier hatten die weiße Fahne unter dem Jubel der überlebenden Häftlinge gehift. Unterdessen rollte Panzer auf Panzer der 3. USA.- Panzerarmee am Lager vorbei. Die Häftlinge hatten den Schutz des Lagers übernommen. Obwohl im Lager selbst noch kein Panzer erschienen war, waren die Häftlinge bereits auf der Jagd nach den SS.- Banditen. Auf dem ersten Panzer, der hereingerollt war, safen einige SS.- Helden mit sehr verängstigten Gesichtern. Sie hatten sich bereits nach den ersten Schüssen gefangen gegeben. Entsetzlich war der Anblick der Kisten mit Munition und Sprengmaterial, die vor den Toren des Lagers gefunden wurden. Der Inhalt dieser Kisten sollte dazu dienen, das Lager und uns in die Luft zu sprengen. Inzwischen rollte ein Panzer nach dem andern vorbei. Sie rollten weiter, denn für sie war die 169 Arbeit noch nicht beendet. Wohl war Buchenwald befreit, aber noch war der endgültige Sieg nicht errungen. Es ist inzwischen 4 Uhr und 30 Minuten geworden. Nach den Minuten des Jubels, der Begrükung und der gegenseitigen Umarmung war es still geworden, nur die entsetzlich hämmernden Motoren der stählernen Panzer- kolosse waren zu hören. Wieder knackte es im Lautsprecher. Dieses Mal aber erklang eine andere Stimme wie einst. „Achtung, Achtung! Hier spricht der neue Lagerkommandant des be- freiten Buchenwald. Kameraden, die Nazi-Banditen sind verjagt. Es leben die Befreier, es leben die alliierten Armeen”. Der jetzt einsetzende Orkan der Begeisterung bleibt für immer unbeschreiblich. 21 000 ehemalige Häft- linge brüllten durcheinander, ließen die alliierten Armeen hochleben, riefen und schrien den durchfahrenden Panzern zu. Der’Krawall wollte kein Ende nehmen. Der Appellplatz war gerammelt voll von Häftlingen. Alle wollten die Stunde der Befreiung gemeinsam erleben. Alle drängten sich zum Tor. Auch ich befand mich darunter. Ich wollte mit dabei sein, wenn der erste alliierte Soldat das Lager betrat. 21 000 ‚Menschen warteien auf diese schicksalhafte Minute. Stark war das Tor von bewaffneten Kameraden aller Länder be- wacht. Die Waffen waren nicht etwa gegen die alliierten Armeen gerichtet, sondern sie galten unserer überschwenglichen Begeisterung, die zu solchen Mafnahmen Veranlassung gab. Die Tore gingen auf. Laute Pfui-Rufe ertönten.„Ehemalige” Häftlinge brachten die ersten Gefangenen ein. Es waren SS.-Schützen und einige uns ganz besonders gut bekannte SS.-Ober- und Unterscharführer. Nicht mehr mit lachender und sieghafter Miene betraten sie das Lager, sondern verzweifelt. Wir schauten sie an. Die SS.-Leute waren alt geworden. Ihr Kopf war gebeugt, ihre Uniform zerrissen. 21 000 Häftlinge brüllten„Mützen ab!" Ohne Kopfbedeckung marschierten diese Gefangenen an ihren frü- heren Opfern vorbei. Sie kamen in den Block 17. Dieser Block war extra für die Aufnahme von Gefangenen vorbereitet. Die Baracke füllte sich immer mehr. Bis zur Unkenntlichkeit hatten sich die SS.-Banditen verändert. Sie waren von einer Postenkette umgeben. Hin und wieder gelang es einer Anzahl Häftlingen, die Postenkeite zu durchbrechen, um einigen der SS.- Banditen einen Fuktritt oder einen Schlag ins Gesicht zu versetzen. Wir fragten nicht, ob wir ein Recht zu dieser Rache hätten. Wir taten nur, wozu uns unser Gefühl zwang. Aber schon mit einem Fausthieb war unser Gefühl der Vergeltung zunächst erledigt. Mehr taten wir ihnen nicht. Wir wollten uns nicht mit diesen vertierten Bestien auf gleiche Stufe stellen las- sen. Wir wollten unsere Hände nicht an diesen Banditen beschmutzen. Nach kurzer Zeit war die Baracke überfüllt. Alle Ecken des Lagers waren nach SS.-Banditen abgesucht worden. Und nun standen sie unter der Be- wachung des Lagerschutzes. Und wir haben doch gesiegt Am Nazi-Ehrenmal in München waren die Worte eingemeißelt:„Und wir haben doch gesiegt!" Diese Worte hatten wir nun für uns übernommen. Ja, wir haben gesiegt! Gesiegt über eine Clique von Menschen, die im Namen der Kultur kämpfen wollte, tatsächlich aber nur Mord und Verbrechen ausgestreut hat. Unbeschreibliches Elend hat ihre Wege gekennzeichnet. 170 vers imm .gen der wan das übe der Een 0,00, 0000 0 J wir - im ‚chen 2% | | | Während wir in diesem Geiste auf dem Appellplatz angeirefen waren, öffneten sich die Tore zum Einmarsch der alliierten Soldaten. Dem ersten Panzer entstieg ein junger blonder amerikanischer Offizier. Ohne Waffen betrat er die einstige Hölle von Buchenwald, als sei er zu einem Besuch gekommen. Ringsum lag Munition, die noch gegen uns verwendet werden sollte. 21 000 Häftlinge standen zum Empfang bereit. Bevor der junge Offizier das Tor durchschritt, blieb er noch einen Augenblick stehen. Sein Blick lag auf der holzgeschnitzten Tafel mit der Inschrift: „Recht oder Unrecht, mein Vaterland!” Kopfschüttelnd kam er weiter auf uns zu.: Inzwischen waren auch die amerikanischen Panzerkolosse herangekommen. Hochrufe auf die USA.-Armee setzten ein.--- Auf die solange herbei- gesehnten Befreier. Der erste Soldat der alliierten Armee betrat den seit zwölf Jahren durch die SS.-Bestien mit Blut getränkten Boden. Wir vermochten uns nicht zu bezwingen. Wir liefen dem Offizier entgegen. Wir weinten. Wir drückten und küßten ihn. Ich selbst bemächtigte mich seines Armes und hängte mich an ihn.--- Und immer wieder Hochrufe.--- Alles lief durch- einander.--- Wie Ameisen rannten wir hierhin und dorthin. Unsere Freude zwang uns, etwas zu fun, was der Verstand nicht verstand. Ein Freudentaumel hatte eingesetzt. Stimmengeschwirre.--- Schreie.--- Hysterische Klagen und viele Tränen. „It was a long way, but jou are comming”. So schallte es dem jungen Offi- zier von allen Seiten entgegen. Wir waren befreit.--- Wir lachten, scherzten, jauchzten, umarmten und küßten uns,--- und fragten doch immer wieder. „Ist es denn möglich?--- Ist es nicht nur ein Traum?--- Ist es gar eine neue Meihode der SS.-Banditen, uns aufjauchzen und dann töten zu lassen?” Der Jubel kannte keine Grenzen. Freude und Schmerz beherrschten uns. Der junge Offizier hatte das Lager besichtigt. Wieder stand er am Tor. Doch,--- jetzt lächelte er nicht mehr, Schmerzerfüllt war sein Gesicht, Jetzt stand er am Tor zwischen hohen amerikanischen Offizieren sowie Presse- und Filmleuten, die noch eingetroffen waren. Er sprach.--- Wir verstanden nichfs.--- Aber wir merkten es ihm an, wie sehr er vom Abscheu geschüttelt wurde von dem, was er in unserem Lager gesehen hatte. Besichtigung der Hölle von Buchenwald Die grauen Uniformen der SS., die Mützen mit den Totenköpfen waren verschwunden. Der Traum eines„Tausendjährigen Reiches” war vorbei, für immer vorbei. Freundlich lächelnde Menschen standen vor uns, offen sahen uns ihre Au- ‚gen an. Wir brauchten uns nicht mehr zu fürchten vor den grausamen Blicken der SS.-Bestien. Schmucke grüne Uniformen belebten das Lager. Unerkannt wandelte unter ihnen der siegreiche General Patton, der Befehlshaber der 3. USA.-Panzerarmee. Die Generäle und anderen Offiziere besichtigten dann das Lager, um sich mit eigenen Augen von den Greueln der SS.-Bestien zu überzeugen, um zu erkennen, was die SS.-Bestien freiwillig oder auf Befehl der„herrschenden Männer” in Berlin vollführt hatten. 171 Die Tore des Krematoriums waren geöffnet. Erschüttert blieben die Männer stehen. Sie nahmen die Helme ab, um einige Sekunden in größter Stille der vielen Toten zu gedenken. Fast zehn Minuten verweilten sie im Vorhof des Krematoriums, wo die ausgemergelten Leichen zu einem Haufen von ungefähr 5 Meter Höhe und 25 Meter Länge zusammengeworfen waren. Außerdem standen dort noch eine Anzahl Lastkraftwagen, die mit Leichen vollbedeckt waren. Die Todesursache ließ sich nicht verheimlichen. Erschlagene, erwürgle, erhängte, erschossene Menschen. Hier war die Arbeit der SS.- Helden zu erkennen. Weiter ging der Weg. Ein kleiner Zwischenhof wurde betreten. Dort befand sich ein 3 Meter hoher Haufen mit Menschenasche, und in einem weiteren Raum war ein doppelt so hoher Haufen. Das war die Asche von ca. 7 000 Antifaschisten. Allein im Monat Februar waren rund 5 400 Antifaschisten an Hunger und Kälte gestorben. Aber weiter ging es.- Immer weiter. Die Amerikaner standen vor den Oefen des Krematoriums. Wieder nahmen sie die Helme zur stillen Andacht ab. Ein Entsetzen ging über die Züge der Herren, als sie die halbverkohlten Leichen auf den Rösten der großen Oefen sahen. Seit Tagen waren die Kohlen ausgegangen. Es hatte nicht einmal mehr gereicht, die in den Ofen geworfenen Leichen ganz zu verbrennen. Kopfschüttelnd, doch schweigend, schritten die Offiziere und Mannschaften weiter, betraten sie die Keller, in welchen sich die Folterkammern befanden. Immer wieder blieben sie erschüttert stehen. Auch vor dem Eingang des Kleinen Lagers" standen Offiziere und Mannschaften, die Augen starr auf die Blockhäuser gerichtet. 20 bis 30 Leichen lagen vor jedem Block kreuz und quer übereinander. In den Blocks dasselbe Bild. Den schlimmsten Anblick erhielten die Offiziere und Soldaten jedoch beim Betreten der Krankenblocks. Hier herrschten einfach unbeschreibliche Zustände. In den Boxen lagen Tote und Lebende neben- und übereinander. Menschen, die keinem Menschen mehr ähnelten. Füße, Arme und Hände ragten heraus, die den Gliedern von Kindern glichen. Skelette lagen herum, die den Gräbern entstiegen schienen. Menschen, die kaum noch sprechen konnten, erhoben ihre Arme. Leise Worte ertönten:„ Helft uns!" Die Offiziere und Soldaten schüttelten sich vor Grauen. Immer wieder wendeten sie sich ab,--- und schauten dann doch wieder auf die Toten und die anderen, die mehr tot wie lebend waren, um den Eindruck festzuhalten. Ganz besonders wurden die Amerikaner von einem Häftling ergriffen, der, als er die amerikanischen Uniformen erblickt hatte, die Uniformen der Befreier,--- der, als er englische Laute vernahm, sich mit seinen letzten Kräften von den auf ihm liegenden Toten befreite, und dem alsdann ein feines Lächeln über die eingefallenen Wangen lief. Er versuchte, sich weiter zu schleppen. Aber es ging nicht. Noch einmal schaute er mit großen Augen die Befreier an, lächelte, legte sich auf die Seite und starb.- Er hatte die Befreiung noch erlebt. Den Eindruck, den die Soldaten hier gewannen, den werden sie niemals wieder vergessen. Nun wußten die Offiziere und Soldaten, wogegen und wofür sie gekämpft hatten, warum sie nach Europa geschickt waren. Bevor die Besichtigung abgebrochen wurde, lenkten die Befreier ihre Schritte noch nach dem Häftlingskrankenbau. Hier hatte der Massenmörder, der SS.- Hauptscharführer Dr. Hofen, regiert. Die Besichtigung war beendet. 172 E der füh " 1 etw Lag Ich น frei N mal ling den Buc lung Ihm 17 Saa wor beg Ver zer Her des Liqu gef lebe D schü ame den wor nen lass W das das alle D Flud Lag dem meh den übe alles derr wür mer der es JeerIlArErschüttert standen Offiziere und Mannschaften beieinander. Als sie wieder am Haupttor angelangt waren, sagte General Patton dem Häftlingslagerführer: „ Ich bin Soldat, und ich habe schon vieles gesehen und erlebt. Aber so etwas noch nicht.-. Ich ordne daher an, daß die Häftlinge erst dann das Lager verlassen dürfen, wenn sie wieder zu Kräften gekommen sind.--- Ich werde helfen!" Unfer unseren Hoch- und Dankesrufen verließen die Amerikaner das befreite Buchenwald. beeica. en en cht en ohgeen' en. n- en be im Zuer. de m, en endie en. er, Beren LäepBeng als pft re er, Geheimbefehl Himmlers Nun begann die Arbeit für die Freiheit und das Wohlergehen der ehemaligen" Häftlinge. Verhandlungen setzten ein. Aus den ehemaligen Häftlingen hatte sich ein internationales Komitee gebildet, das alle aufkommenden Fragen mit den Amerikanern besprach. Langsam ging die Sonne über Buchenwald unter. In allen Sprachen schwirrten Worte über den Verhandlungstisch, als plötzlich das Telefon läutete. Ein Häftling nahm den Hörer ab. Ihm zur Seite standen amerikanische Offiziere. " ,, Hallo, hier ist der Stadtkommandant von Weimar", dröhnte es durch den Saal, kann ich den Lagerführer Pfister sprechen?" Geistesgegenwärtig antwortete der Häftling: Ja, der bin ich". Es entstand eine kleine Pause. Dann begann die seltsame Stimme von neuem zu fragen: Was ist los, geht die Verschleppung planmäßig weiter. Wissen Sie nicht, daß amerikanische Panzer im Anmarsch auf das Lager sind? Weimar ist umgangen. Ich mache Sie, Herr Hauptsturmführer, darauf aufmerksam, daß es in dem Geheimbefehl des Chefs Himmler heißt: Kein Häftling darf in die Hände der Feinde fallen. Liquidieren Sie sofort das Lager. Handeln Sie als Deutscher und SS.- Mann, gefreu dem Fahneneid, den Sie dem Führer gegeben haben. Heil Hitler! Es lebe Deutschland!" Das waren die letzten Worte. Das Telefongespräch war beendet. Kopfschüttelnd standen die ehemaligen Häftlinge und die Angehörigen der amerikanischen Armee nebeneinander. Wie ein kalter Strahl war es uns über den Rücken gelaufen. Erschrocken schauten wir uns an. Wir waren blak geworden. Jetzt haben wir die Gewißheit erhalten, daß unser Leben am seidenen Faden hing, daß man keinen Häftling in die Hände der Feinde fallen lassen wollte. Wir hatten uns in einer furchtbaren Gefahr befunden. Wäre es den Massenmördern von Buchenwald gelungen, die Munition und das Sprengmaterial, das bergehoch vor die Tore des Lagers und rings um das Lager herum zerstreut war, zur Explosion zu bringen, dann wäre von uns allen nicht viel übrig geblieben. Die SS.- Banditen hatten sich als wahre Helden erwiesen. Sie hatten die Flucht vorgezogen." Immer voran", wie es bei diesen Helden hieß. Auch der Lagerführer, der so hochtönende Worte gesprochen hatte, er wolle das Lager dem Feinde übergeben, und er wolle keine weiteren Schandmaßnahmen mehr durchführen, auch er war als einer der ersten verschwunden. Noch vor den Toren des Lagers hatten sie ihre Uniformen weggeworfen. Diese lagen überall zerstreut umher. Da ein Rock, dort eine Hose, dort Mütze, Koppel, alles durcheinander. Aber auch dieses würde nichts an einer Vergeltung ändern. Schon jetzt hatte man viele der SS.- Banditen erwischt. Auch die andern würden gefunden werden, wohin sie sich auch verkriechen wollten. Wir 173 1 wußten, daß die Zeit kommen würde, in der die SS.- Bandifen freiwillig wieder aus ihren Schlupfwinkeln hervorkriechen würden. Sie hatten den Hunger noch nicht kennen gelernt, doch sie würden ihn kennen lernen. Wahrhaft schandhaft, wahrhaft feige rückten diese gewissenlosen Bestien als Gefangene in das Lager ein. Von allem Heldensinn, von allen Worten, sie würden es den Feinden schon beweisen, war ihnen nichts mehr anzumerken. Stumm und ängstlich standen sie da und wurden bewacht. Diese Kreaturen eines Henkers und Massenmörders. Di kräft eine Ich Grub Wie fen, saff. quäl Di zur Das amerikanische Sanitätskorps bei der Arbeit Schon einige Stunden nach unserer Befreiung trafen amerikanische Sanitätsoffiziere mit einem Stab Personal im Lager ein. Sofort wurde eine großzügige Hilfsaktion in die Wege geleitet. Die erste Sorge galt den 900 zum übergroßen Teile verwaisten Kindern. Auch die zum größten Teil unterernährten Häftlinge wurden von dieser Hilfsaktion erfaßt. Das amerikanische Sanitätskorps wurde von Oberst William befehligt. Auf schnellstem Wege wurden alle erforderlichen Arzneien und die dringend benötigten Verbandsmittel herbeigeschafft, um zunächst einmal so schnell wie möglich die Sterbeziffer zu erniedrigen. Dieses letztere war selbstverständlich trotz aller Hilfsmagnahmen nicht so rasch, wie man es wünschte, zu erreichen. Es befanden sich eben schon viel zu viel Häftlinge in einem Zustand der Hoffnungslosigkeit. Es gab ja in unserem Kreise Häftlinge im Alter von 30 bis 50 Jahren, die nur noch ein Gewicht von ca. 25 Kilogramm aufwiesen. Für diese Menschen bestand natürlich keine Hoffnung mehr, sie am Leben zu erhalten. Nur ein geringer Trost war es, der diesen armen Menschen noch Freude gab, den Tag der Befreiung erlebt zu haben. Aber auch für die sogenannten„ Gesunden" wurde gesorgt. Eine allgemeine Entlausung wurde durchgeführt. Jeder mußte baden und dann wurde jeder einzeln gewogen. Die sich ergebenden Gewichtszahlen waren geradezu erschütternd. Ich wog noch 38 Kilogramm. Auch für mich war es also höchste Zeit gewesen, von den SS.- Bestien befreit zu werden, denn ich war bis zum Skelett abgemagert. Jeder Häftling bekam neue Wäsche, die aus den in Weimar erbeuteten Wehrmachtsmagazinen stammte. Außerhalb des ehemals mit 5 000 Volt geladenen Stacheldrahtes, in der Nähe der ehemaligen SS.- Kasernen, waren drei Baracken mit neuen Mänteln, Hosen und Jacken bis unter die Decke gefüllt. Im Winter hatte man Tausende von Häftlingen mit den Worten erfrieren lassen, es seien keine Anzüge und Mäntel da, und mit einem Male fand man Anzüge und Mäntel in Hülle und Fülle. Auch dieses Verhalten dürfte beweisen, daß die SS.- Soldateska mit Absicht die Ausrottung der Häftlinge erstrebte. In einer weiteren Baracke waren bis oben hin seidene und wollene Damenkleider aufgestapelt, die von Auschwitz mit nach Buchenwald gebracht waren. Es handelte sich bei diesen Kleidern um die Kleider von Vergasten. Aus diesen Kleidern hätte man uns Fußlappen anfertigen lassen können. Mit Handschuhen, die jetzt vorgefunden wurden, hätte man ein ganzes Warenhaus ausstatten können. Wie hatten wir uns im Winter gegen die bittere Kälte schützen müssen. Wir wußten nicht, wie wir die Finger rühren konnten. Unsere Finger waren dick geschwollen. Und hier lagen Handschuhe in allen Größen, für Männer und Frauen, zu Tausenden von Paaren in einer Baracke. 174 Buch Di Freu den rade mit Die amer M abho dem Na war Supp Wir Stück W vorra erste bega wir ja d des ja b gang Zeit den es a noch Di von dem Ta Verb das sei. ben den mate Di würd der jer en N; -U= se ni- 5 um er- ge dIs- )e- Ifs- len ig- Jie jen ein len 3e7 Je- Iso var en ye- ren Je- er- ale ten der ne en- der yen nan en. ren ner Die Zeit des ewigen Hungers war mit dem Einzug der alliierten Streit- kräfte vorüber. Wir erhielten in den ersten Tagen Margarine und Brot in einer Menge geliefert, die uns ermöglichte, dick beschmierte Brote zu essen. Ich gedachte in diesen Tagen auch wieder meiner schweren Arbeit in den Gruben von Jawischowitz, wo ich vor Hunger kaum mehr arbeiten konnte. Wie sehr hatte ich es damals gewünscht, einmal so viel Suppe essen zu dür- fen, wie ich wollte, bis ich satt sei. Jetzt war es möglich. Jetzt war ich wieder satt, Es waren Träume aus den dunkelsten Zeiten des Lagerlebens, die mich quälten. Die von den Amerikanern erbeuteten Lebensmittelmagazine standen uns zur Verfügung. Lastwagen auf Lastwagen rollte durch die Tore des befreiten Buchenwald. In der Küche war ein Hochbetrieb, wie noch nie. Die dort tätigen ehemaligen Häftlinge trugen weiße Anzüge, Mit großer Freude standen sie hinter den Kesseln, feuerten, rührten und versuchten, den Kameraden ein gutes Essen zu bereiten. Jetzt waren es unsere Kame- raden, die in weißen Schürzen hier ein und aus gingen und nicht mehr die mit Revolvern bewaffneten SS.-Bestien, die brüllten, traten und schlugen. Die Küche und die anderen Einrichtungen des Lagers wurden häufig von den amerikanischen Soldaten besichtigt. Mehr als sonst verkündete der Lautsprecher:„Achtung, Achtung! Essen abholen!” In fünf Sprachen wurden diese Meldungen durchgegeben. Nach dem Aufruf eilten die Blockältesten mit ihren Körben in die Küche. Nach den Tagen der langen Trauer und des nicht endenwollenden Leidens war es uns, als sei jetzt ein ständiger Feiertag. Margarine, Butter, Brot, Wurst, Suppe, Fleisch und sogar Schokolade und Keks kam in großen Mengen an. Wir brauchten uns nicht mehr um einen Löffel Suppe oder um das gröhere Stück Brot zu streiten. Diese Tage gehörten der Vergangenheit an. Wie eigenartig uns die SS.-Bestien bei der Verteilung der Lebensmittel- vorräte bedacht hatten, möge folgendes erhellen: Einige Tage, bevor die erste Verschleppung aus diesem Lager kurz vor Eintreffen der Amerikaner begann, gab es im Lager nur verschimmeltes Brot. Die SS. af frisches Brot, wir Häftlinge zu jener Zeit aber mußten das verschimmelte Brot essen, weil ja die„Zufuhr abgesperrt" war. In Wahrheit fanden wir in einem Magazin des Lagers 5 000 Laib Brot vor, die allerdings bei ihrem Auffinden, es waren ja bereits seit der Einlieferung dieser Brote wiederum mehrere Tage ver- gangen, auch schon zu schimmeln begannen. Wäre dieses Brot zur richtigen Zeit ausgegeben worden, dann hätten unsere Rationen nicht verkürzt zu wer- den brauchen, Tausende von Flaschen Wein wurden vorgefunden. Meist war es alter Wein, der schon jahrelang gelagert hatte, Reis, Hülsenfrüchte und noch andere Lebensmittel fand man in großen Mengen vor. Die Frage der Fleischbelieferung war im Lager selbst gelöst worden, denn von der Lagerverwaltung wurden 700 Schweine gemästet. Es wurden aufßer- dem noch 1200 Kaninchen vorgefunden. Tagelang mußten die erkrankten ehemaligen Häftlinge mit stinkenden Verbänden über eitrigen Wunden herumlaufen, weil, wie die SS.-Aerzte und das Sanitätspersonal mitgeteilt hatten, Verbandsmaterial nicht vorhanden sei. Auch darin hatte die SS. uns belogen und betrogen und nur zum Ster- ben von zahlreichen Häftlingen beigetragen. Außerhalb des Lagers befan- den sich in Magazinen große Mengen von Binden und sonstigem Verbands- material, welches den ehemaligen Häftlingen jetzt sofort bereitgestellt wurde. Die Einrichtungen und Unterkünfte im Lager wurden in einen menschen- würdigen Zustand versetzt. Auch die beschädigte Wasserleitung wurde wie- der hergestellt, Die Schwerkranken wurden in die ehemalige neue SS.-Ka- 175 serne verlegt. Dort erhielten sie nicht nur entsprechende Behandlung für ihre Krankheit bzw. für ihre Wunden, sondern sie erhielten nun auch besondere Kost zugeteilt. Kurz nach dem Einmarsch der Befreier sank die tägliche Todesziffer wesentlich herab, einmal dadurch bedingt, daß nunmehr genügend Lebensmittel vorhanden waren, andererseits starben auch sehr viele ehemalige Häftlinge noch an dem weitverbreiteten Durchfall. Dieser Durchfall war die Folge der zugeteilten Lebensmittel. Die ehemaligen Häftlinge konnten sich einfach nicht beherrschen, sie aßen und aßen und vergaßen dabei ganz, daß sich ihr Körper erst langsam wieder an die größere Zufuhr von Lebensmitteln gewöhnen müsse. Mit der Zeit verschwanden auch all die anderen Unschönheiten des Lagers und ein einigermaßen normales Leben setzte ein. ihne dig" W ihre aber Es täfel kem Fußt über O ken? herrl zimm pen, Vi Woh nich SS.- Siedlung ,, Klein- Obringen" 11 Vier Kilometer von der Hölle Buchenwald" entfernt, standen auf einer kleinen Anhöhe eine Anzahl Siedlungshäuser. Aeußerlich sahen sie genau wie die Häuschen einer Arbeitersiedlung aus.--- Schmuck und sauber.- Doch, wenn man sich diese Häuser genauer betrachtete, so erkannte man doch einen gewaltigen Unterschied zu allen anderen Siedlungsbauten. Noch mehr aber fiel der Unterschied ins Auge, wenn man das Innere der Häuser betraf.- Es waren die Häuser der SS.- Banditen. Hier hatten sie in Pracht und Wohlstand acht Jahre lang mit ihren Familien gehaust. Hier hatten sie ein Leben in Saus und Braus gelebt.--- Viele von ihnen hatten nie zuvor daran gedacht, einmal in einem solchen Häuschen leben zu können. Hier hatten sie geschwelgt, Orgien gefeiert, Schnaps, Wein und Sekt getrunken,--- Würste, Schinken und Fleisch in Hülle und Fülle gegessen. Gegessen?--- Gefressen! Und nur vier Kilometer entfernt hatte das größte Elend geherrscht, waren täglich Menschen an Hunger und Entkräftung gestorben, waren täglich viele Menschen erhängt, erwürgt, erschossen und ermordet worden. Eine gute Nachbarschaft. Ein herrlicher ,, sozialer Ausgleich" des Tausendjährigen Reiches. Hier praten die Menschen, dort verhungerten sie, hier lebten sie und hatten von allem in Ueberfluß, dort„ mußten" sie sterben. Mit dem Blute der armen Häftlinge wurden diese Häuser erbaut. Die Frauen der SS.- Mörder konnten die Zeit nicht erwarten, die Häuser beziehen zu können. Mit Steinen hatten die SS.- Frauen die Häftlinge zur Eile angetrieben, damit sie nur schnell ihr Herrenleben" beginnen konnten. In diesen Häusern wohnten die SS.- Führer einträchtig" beieinander und suchten hier nach der anstrengenden Tagesarbeit" Erholung und ihr Glück. Ob sie,- die Mörder, hier beides fanden? ----" 1 Schon wenige Stunden nach unserer Befreiung waren diese" Villen" in unserer Hand. Wir fanden nur Frauen und Kinder vor. Die Frauen, die uns bis in die letzte Zeit hinein gequält hatten, sie waren in unserer Hand. Wir wollten ihnen nichts tun, uns war gar nicht der Sinn darnach, wir wollten ihre Männer haben. Jetzt aber baten und winselten die Frauen, schrieen und weinten, rutschten sie auf den Knieen vor uns her, barmten und flehten sie, wir sollten An ange Lage besti diger In sichts Fraue zwing sie si nie e Kilom Au wurd an de klärte ich na ten. V Im sione diese unser kanis erzäh Die glied ihnen sichtig 12 176 für -onentittel nge der icht Körnen gers iner nau ihnen doch ihre Männer wiedergeben,--- ihre Männer, die doch unschuldig" seien und gar nichts" gemacht hätten. Wir kannten diesen Frauen gegenüber kein Erbarmen. Wir lieben ihnen ihre Kleider und noch andere Gegenstände, die sie benötigten. Die„ Villen" aber mußten sie verlassen. 17 Es war den Frauen nicht leicht, diese Reiche" zu verlassen, die weißgetäfelten Küchen mit eingebauten Schränken, mit Wasserspülbecken aus weihem Porzellan, die Möbel zu lassen, die die Häftlinge unter Schlägen und Fuftritten gefertigt hatten. In den Küchen stand ferner ein kleiner, mit Leder überzogener Tisch, den vier Stühle umgaben. --an die Ob die Frauen dieser SS.- Bestien immer noch an ihre Schlafzimmer denken? An die dunkelbraun polierten wunderbaren Bettstellen, herrlichen Schalenlampen?--- Und an ihre einzigartig eingerichteten Wohnzimmer, die mit wundervollen Bildern geschmückt waren?- An die Lampen, die aus der Haut von Häftlingen gefertigt waren? Vier Kilometer nur trennte die Todesstätte, die Stätte des Grauens, von den Wohnungen der Männer und Frauen, die ganz unschuldig" waren, die nichts getan" hatten und die keinem Wurm etwas zuleide tun konnten". man Hoch user lien von chen Vein Fülle aren viele und Die ehen ngeund lück. un5 bis wollihre Ilten Zwangsbesichtigung Am 12. April 1945 hatte der Kommandierende der amerikanischen Truppen angeordnet, daß sämtliche Weimarer Einwohner zwangsweise durch das Lager geführt würden, um diese Einwohner als Zeugen aufzurufen für die bestialischen Verbrechen, die die SS.- Banditen zwölf Jahre lang an unschuldigen Menschen verübt hatten. --In Militärlastwagen wurden Frauen und Männer herangebracht. Angesichts der Scheußlichkeiten, die ihren Augen geboten wurden, schrien die Frauen auf, einige fielen in Ohnmacht,- aber auch die Männer mußten sich zwingen, ihre Gefühle zusammenzuhalten. Immer und immer wieder fragten sie sich und schauten sich an:" Wie ist so etwas möglich? Warum haben wir nie etwas davon erfahren?- Wie konnte so etwas geschehen,-- acht Kilometer von Weimar entfernt?" " 1 Auch der Vater und die Schwester des Reichsjugendverführers" v. Schirach wurden durch das Lager geführt. Nach der Führung durch das Lager, vorbei an den einzelnen Marterstellen, vorüber an Knochen- und Leichenteilen, erklärte die Schwester Schirachs:" Was ich heute gesehen habe, das hätte ich nach Erzählungen niemals geglaubt und auch niemals für möglich gehalten. Wir sind ja in das grausamste Mittelalter zurückgefallen!" M Im Anschluß an diese Zwangsbesichtigungen wurden ganze USA.- Divisionen durch das Lager geführt. Die heftigen Worte, die die Amerikaner bei dieser Gelegenheit gegen die SS.- Bestien aussprachen, waren Balsam für unsere wunden Seelen. Diese Greuel und Grausamkeiten wurden den amerikanischen Soldaten gezeigt, damit sie nach ihrer Rückkehr in die Heimat erzählen konnten, wofür sie kämpften. Die Chefs der alliierten Regierungen schickten Sonderkommissionen. Mitglieder des englischen Parlaments haben es sich nicht nehmen lassen, die ihnen mitgeteilten Folter- und Mordinstrumente mit eigenen Augen zu besichtigen, Menschen über Menschen strömten durch das Lager. 12 177 Und alle waren zum Schluß erschüttert. Vielen standen Tränen in den Augen. Wir Häftlinge wurden off gefragt, wir mußten noch manche Dinge erklären. Aber auch so mancher verstehende und mitfühlende Blick traf uns. Ganz besonders waren die Mitglieder des englischen Parlaments über die aus Menschenhaut gefertigten und zur Schau gestellten Lampenschirme, Handtaschen und andere Gegenstände erbost. Sie waren von dieser gemeinen Schinderei so beeindruckt, daß sie beschlossen, die Gegenstände im englischen Parlament auszustellen. Zwöl Band gen einen überg zufüh Buche Kar terte ameri demje setzt Freiheits- Appell Herrliches Frühlingswetter herrschte am 13. April. Durch den Lautsprecher wurden uns allerhand frohe Weisen zum Morgengruß entboten. Die Häftlingsmusikkapelle spielte ununterbrochen. Um 9 Uhr, so war verkündet, sollte der erste Freiheits- Appell" auf dem Appellplatz stattfinden. Wir hatten uns schmuck gemacht, denn es war ja für uns der langersehnte Feiertag. Der Feiertag für die Ueberlebenden der SS.- Barbarei. Die Häftlinge hatten sich nach Nationen geordnet. Unter den Fahnen ihrer Nation marschierten die Häftlinge im festen Gleichschritt nach dem festlich geschmückten Appellplatz. Was für ein herrliches Bild! Auf diesem Platz, wo einmal der Tod und das Grauen regierten, die Fahnen der Nationen flattern zu sehen! Auf dem Kommandoturm wehten im Glanze der Frühlingssonne die Fahnen der alliierten Armeen. Die antifaschistischen Kämpfer von 18 Nationen waren aufmarschiert vor einem Ehrenmal, dessen Transparente die Fahnen Amerikas, Englands und der Sowjetunion zeigten. Bilder zeigten die Köpfe der„ drei Großen", Roosevelt, Churchill und Stalin. Darunter befand sich eine noch verdeckte Platte. Trommelwirbel setzte ein,--- Fanfaren ertönten. Die Tore des Lagers öffneten sich. Die Vertreter der Armeen der alliierten Staaten Amerika, England, Frankreich und Rußland betraten den Appellplatz. Ihnen voraus wurde eine großer Lorbeerkranz getragen, dessen Grün von Schleifen mit der Aufschrift, Den Toten" umschlungen war. Das Ehrenmal war erreicht. Die Abordnung stand. Ein kurzes Kommando ertönte: Mützen ab zum Gebet". Während alle diesem Befehl nachkamen und ruhig und ergriffen dastanden, wurde die dem Ehrenmal verliehene Inschrift enthüllt. , 51 000 Tote", lasen wir. Die Soldaten legten den Kranz nieder. Die Kapelle spielte den Trauermarsch von Beethoven. Ergriffen standen wir. Tiefe Stille. Die Sonne lachte. Und die Fahnen senkten sich zur Ehrung der Toten.-- Dann trat der amerikanische Kommandant vor das Mikrophon. Alle Augen waren auf ihn gerichtet. In deutscher Sprache erklangen die Worte: " Antifaschisten Buchenwalds! Amerika grüßt Euch und Amerika bewundert Euch. Wir werden Euch die allergrößte Hilfe zuteil werden lassen!" Nach diesen Begrüßungsworten wurde eine von den Vertreten des internationalen Lagerkomitees gemeinsam verfaßte Ansprache verlesen, die in fünf Sprachen übersetzt wurde. Sie lautete: " Antifaschisten von Buchenwald! Kameraden! Ihr seid hier aufmarschiert zum großen Freiheits- Appell. Unter uns die Soldaten der alliierten Armeen. 178 lager gange Welt. er un Fra Kan Bed listisch mena teiligt Wir faschis von B Alle serer Wie Auch Wäl Hymn innere Das wald. Nac eingel ersten zuviel früchte Lang norma und Z Tasche Jahren so etw Zum 12° Auerdie me, gede ther äftllte uns Der hrer lich das nen vor und osette. gers ika, aus mit ndo men Zwölf Jahre fürchterlichen Ringens und des Widerstandes gegen die SS.Banditen sind vorüber. Nie werden sie wiederkehren. Ein zwölfjähriges Ringen hinter Stacheldraht und unter Bajonetten liegt hinter uns. Wir haben einen Teil dieser Tyrannen in unseren Händen. Wir haben sie den Alliierten übergeben. Sie werden nun über sie richten und sie der gerechten Strafe zuführen. Sie gehören zu den Mitverantwortlichen für die 51 000 Toten von Buchenwald. Kameraden! 51 000 Tote! 51 000 Ermordete, Erschossene, Erhängte, Gefolterte und Verhungerte. Das ist das Werk der SS. und ihrer Helfershelfer. Die amerikanische Armee hat uns befreit, wir grüßen sie. Leider war es aber demjenigen Mann, der so siegreich seine Armeen gegen Deutschland eingesetzt hat, nicht mehr gegönnt, die Befreiung der deutschen Konzentrationslager mit zu erleben. Franklin Roosevelt, er ist für immer von uns allen gegangen. Sein Name wird eingehen für alle Ewigkeit in die Geschichte der Welt. Sein Name wird eingehen in das Finale der Konzentrationslager, denn er und seine stolzen Armeen waren unsere Befreier. Franklin Roosevelt war Demokrat und Antifaschist. Kameraden, Antifaschisten Buchenwalds! Bedenkt, da deutsche Antifaschisten die ersten Opfer der nationalsozialistischen Konzentrationslager waren, und daß sie in internationaler Zusammenarbeit mit den Antifaschisten aller Länder aktiv an der Befreiung beteiligt waren. Wir senken die Fahnen zur Ehre und dem Gedächtnis des großen Antifaschisten Franklin Roosevelt. Wir senken die Fahnen für die 51 000 Toten von Buchenwald. Wir schwören ihnen: Tod dem Faschismus". Alles blieb stumm. Ergriffen waren wir. In stiller Andacht gedachten wir unserer verblichenen Angehörigen. --Wie schön wäre es, wenn sie unter uns weilen würden.-- Leider.-- Auch sie zählen zu den Millionen, die SS.- Bestialität gemordet hat. Während dieser Feier kreisten amerikanische Flugzeuge über uns. Die Hymnen der Nationen erklangen. Ein Feiertag.--- Ein wahrer Tag der inneren Freude und des Friedens. Das war der erste Freiheits- Appell" in der einstigen Hölle von Buchenwald. --Inden nne gen dert tere in miert een. Die Tore der Hölle von Buchenwald öffnen sich Nach den Jahren der Stürme waren die Tage des Friedens und der Ruhe eingekehrt. Langsam erholten wir uns. Nach den bösen Erfahrungen der ersten Tage, an welchen sich viele ehemalige Häftlinge der Guten Sachen" zuviel vornahmen, wurden wir jetzt systematisch zum Essen erzogen. Hülsenfrüchte, Eier, Butter und andere Sachen waren jetzt alle wieder da. Π Langsam gewöhnten wir uns wieder an die Kultur, langsam ergriff das normale Leben wieder Besitz von uns. Wir erhielten Betten, Zahnbürsten und Zahnputzmittel, Kämme, Löffel, Gabel, Messer, Unterhosen, Strümpfe, Taschentücher, Klosettpapier. Wir erhielten alle die Dinge, an die wir seit Jahren nicht, niemals mehr gedacht hatten, wir wußten kaum noch, daß es so etwas gibt. 12° Zum Beispiel ein Taschentuch! 179 Als nach einigen Tagen alle Schlupfwinkel der SS. aufgestöbert und diese Banditen unschädlich gemacht worden waren, gingen wir hinaus aufs Land. Auch das 8 Kilometer vom Lager entfernte Weimar suchten wir auf. Der Scharfmacher Goebbels hatte durch Radio verkünden lassen, Weimar sei von den„Kulturschändern” zerstört worden. So schwer aber getroffen wor- den war Weimar nicht. Soldaten, ehemalige Häftlinge und wenige Zivilisten belebten die Straßen. Vereinzelt sah man amerikanische Soldaten verdächtige Personen abführen. Dazwischen wieder erblickte man frühere SS.-Offiziere, die von ehemaligen Häftlingen in ihren Wohnungen aufgefunden waren. Diese Strolche hatten es sich,--- Zivil angetan,--- in ihren Wohnungen gemütlich gemacht. Warum auch nicht?! Die SS.-Offiziere waren doch„unschuldig". Wenn wirklich Greueltaten und Grausamkeiten verübt worden waren, dann doch aber niemals von den Offizieren!--- Nein, diese wukten ja überhaupt nicht, was in den Lagern vor sich gegangen war! Nur unter Protest und in voller Entrüstung hatten sich diese„Henker”" abführen lassen. Es bedurfte in manchen Fällen eines ziemlich„deutlichen” Beweises, eines„fühlbaren", ehe die„Offiziere" sich bequemten. Die Weimarer Stadtverwaltung hatte auch von nichts gewußt, sie sprach ihr Bedauern aus über die geradezu zum Himmel schreienden Bestialitäten, die man an unschuldigen Häftlingen verübt hatte, man bot uns für 8 Tage Be- herbergung und freies Essen. Acht Kilometer trennten Weimar von Buchen- wald. Aber in Weimar hatte man nichts vernommen. Dort hatte man mehr über„zerstörte Kulturstätten” zu sprechen. Schnell gingen die Tage dahin. Am 15. Mai erhielten wir unsere amerikanischen Entlassungspapiere. Und, nachdem die für unseren Abtransport angeforderten Omnibusse angelangt waren.--- fuhren wir als freie Menschen und als Sieger über die nazistische Barbarei in die Heimat. Wir ehemalign Häftlinge aus dem Bezirk„Baden- Pfalz” waren am 23. Mai 1945 an der Reihe. 70 ehemalige politische, rassische und religiöse Häftlinge waren wir noch. In zwei großen mit Transparenten und Blumen geschmückten Omnibussen verliefen wir die Stätte der ewigen Schande. Jahrelang hatten wir keine Stadt und kein Dorf mehr gesehen, jahrelang hatten viele von uns mit keinem Zivilisten mehr gesprochen. Es war 4 Uhr nachmittags, als wir mit einem unbeschreiblichen Glücksge- fühl,--- es schwindelte uns förmlich,--- durch die Lagertore fuhren. Immer leichter wurde uns, je mehr uns die Türme und die Tore entschwanden.--- Wir passierten viele Dörfer. Ueberall standen die Menschen und schauten auf unsere Transparente. Sie schienen sich auch jetzt noch im Unglauben zu befinden. Die Nazi-Propaganda,--- die Lügen und die Schwindelmeldungen dieses geradezu teuflischen Lügenerfinders Goebbels saßen noch in den Ge- hirnen der Menschen. Zwölf Jahre lang hatten sie nichts weiter gehört.--- Und nun sollte mit einem Male alles Lüge sein!? Wir fuhren in die Heimat. Wir kümmerten uns nicht um die erstaunten Blicke. Auf unseren Transparenten,--- roter Untergrund,--- stand in großen weißen Buchstaben: „Tod dem Faschismus!” Und weiter hieh es: „Und mögen sie wimmern,--- bleibt einig,--- kalt, denkt an die 51 000 Toten--- von Buchenwald!" ich ı tore se 1d. )er sei or- fen en. jen ten ten len ern ten nes sich ihr die Be- en- ehr Ind, nngt che len- che ten gen en, ge- mer ıten ) zu gen Ge cke. hen Wenn wir einmal mit unserem Omnibus nicht weiter kommen konnten, halten mußten, dann sammelte sich um unseren Wagen gleich eine Menschen- menge, die alles Erdenkliche wissen wollte. Sie freuten sich mit uns, daf wir gerettet waren. Viele Menschen fragten uns, ob wir den bekannten Fliegerhelden Möl- ders in unserem Lager gekannt hätten. Sie wollten eben alles wissen in ihrer Erregung über den jetzt aufgedeckten Nazischwindel.„Ja", mußten wir ihnen antworten,„sowohl Mölders und Galland waren im Februar 1945 im Lager Buchenwald”. Weiter ging die Fahrt, Wir wurden umjubelt von Menschen, die seit Jahren auf den Zusammen- bruch des Hitler-Regimes warteten. Den Höhepunkt des Jubels erlebten wir in Mannheim. Dort war auf einem mit Fahnen und Transparenten geschmückten Platz die Arbeiterschaft ver- sammelt, Begrüßungsansprachen wurden gehalten, eine Resolution wurde zur Verlesung gebracht. Die Feier endete mit einem Festessen in einem Be- triebe auf der Friesheimer Insel. Ergreifend war es, wenn ehemalige Häftlinge ihre Angehörigen wieder sahen. Wir freuten uns mit ihnen,--- und wir mußten uns doch abwenden, denn---„wer wird denn weinen, wenn man sich wiedersieht”. Ebenso er- schütternd aber auch waren die Blicke, die Fragen der Menschen, die ver- geblich auf ihre Angehörigen warteten, weil sie entweder im Lager einerseits oder durch Kriegseinwirkungen andererseits umgekommen waren. Wie schwer war es für uns, zu sagen,--- verhungert,--- erschossen,--- er- hängt,--- erwürgt.--- Wir sagten nur einfach:„Er ist nicht mehr!"--- Wir sagien es stockend und schwer. „Er ist nicht mehr?---?" Und dann sahen wir starre Blicke. Oft auch wie irre freudeglänzende Au- gen,--- irre,--- abwesend. Das waren die Augen, die den größten Schmerz verrieten. Langsam gingen diese Menschen fort. Unbeachtet.--- und doch beachtet. Wir gingen in Gedanken eine Strecke Weges zurück. Es war schmerzlich, in unserer Freude, bei allem Jubel--- Trauer zu erleben. In Mannheim trennien wir uns von den Kameraden, die nach der Pfalz fahren mußten. Wir drückten uns die Hände, wir schauten uns an. Uns hatte„treue” Kameradschaft verbunden. Wir waren in der„N ot" Freunde geworden. Wir wollten es bleiben!--- Jetzt erst recht. Hatte man uns durch Not und Qualen nicht trennen können, so sollte man uns nicht trennen können in der „Freiheit”. Wir woliten„einig" bleiben,„einer" Meinung sein. Die Kräfte der gefallenen Nazi-Opfer sollten sich in uns zusammenballen. Zu einer „Gemeinschaft”. Wir schwuren uns Treue. Wir wollen, wenn einmal die Arbeiter wieder uneins sind, die Mahner werden.„Seid einig!"--- Bedenkt die Gefahren! Dann ging es weiter. Ueber Berge und durch Täler der Heimat zu. Und wie wird es in der Heimat sein? Ankunft in der Heimat Am 5. Juni 1945, mittags 1 Uhr, die Sonne stand hoch am Himmel, betrat ich nach langen Jahren den Boden meiner Heimatstadt. Ueber den Stadt- toren meiner Heimat wehte die Trikolore Frankreichs, nicht mehr die Nazi- Bi 181 fahne, unter welcher wir am 22. Oktober 1940 Haus und Hof und die Heimat verlassen mußten. Wir waren damals zusammen 70 Juden. Niemand erkannte mich, als ich schnellen Schrittes nach unserer einstigen Wohnung ging. Ein eigenartiges Gefühl hatte mich erfaßt. Es war alles so traut und lieb, wie es einst gewesen war, und doch war alles ganz anders. Die Hauptstraße unserer kleinen Heimatstadt zeigte nur wenig Spuren des Krieges. Es war alles wie damals, und doch so ganz anders. Ich kam mir wie der wiedergekommene einstige verlorene Sohn vor. Mein Herz schlug, und die Gedanken drängten sich in- und umeinander. Immer mehr näherte ich mich unserer ehemaligen Wohnung. Ich weiß nicht, ob alle Leserinnen und Leser dieses Buches meine Gefühle zu würdigen wissen, die den Menschen erfassen, wenn er jahrelang gewaltsam von der Heimat ferngehalten worden ist und nun ganz plötzlich die Heimat wieder betritt, ohne zu wissen, wer von den lieben Angehörigen und guten Bekannten noch am Leben ist. Fragen über Fragen klangen in mir wieder. Lebt dieser noch? Lebt jener noch? Oder sind alle, die ich einst gekannt habe, Opfer des Naziterrors und der Bestialität geworden? Ich war etwas ruhiger geworden. Von weitem sah ich unser früheres Wohnhaus, dem Spuren des Krieges anzusehen waren.--- Jetzt stand ich vor dem Haus. Einige Minuten wartete ich, ehe ich die Haustür öffnete. Ich mußte zunächst verschnaufen. Mir war so beklommen. Das Blut drang mir zu Kopfe. Und meine Kniee zitterten. Dann aber faßte ich Mut und betrat das Haus. Schwer atmend stieg ich Stufe um Stufe hinauf. Beim Hinaufgehen entdeckte ich an der Stelle, wo einst unser Briefkasten befestigt war, noch eine kleine Inschrift, die unseren Namen anzeigte und die Schrift meiner Mutter frug. Es wurde mir heiß, als ich dieses sah. Wie ein Stich ging es mir durchs Herz. Ich mußte mich am Treppengeländer festhalten, so sehr erfaßte mich ganz plötzlich die Erkenntnis des schweren Verlustes meiner Mutter. Im Geist stand sie vor mir. Ich sah sie mit erhobenen Armen, wie sie sich zum ersten Male von mir verabschiedete und mir weinend„ Auf Wiedersehen und Gottes Segen" wünschte. Ich sah sie im Lager, wie sie unsere alte liebe Großmutter behütete und beschützte, ich sah sie die Lippen bewegen und mir zurufen:" Rolf, Kopf hoch!"--- Als ob ein Geist die Treppe herab schwebe, so umwehte mich ein leiser Luftzug. Die Luft war frisch und feucht, so schien es mir wenigstens, als sei es Luft von Frankreich oder aus dem kalten Jawischowitz. Und ich sah sie dann ferner, wie sie ohnmächtig zusammengebrochen war, als ich aus Frankreich abtransportiert wurde, die liebe Mutter aber noch zurückbleiben mußte. Als letztes Bild erschien mir aber, als wir uns auf dem Abtransport aus Frankreich befanden und sie mir aus dem Waggon des letzten Transportzuges zurief:" Rolf, hier bin ich, Rolf, hier bin ich!"- Jetzt war mir, als sei meine Mutter bei mir. Als ob ich eine schwere Last zu tragen hätte, so schritt ich jetzt die weiteren Stufen hinauf. Dann stand ich vor der Tür der Wohnung, in der ich mit meinen Lieben gelebt hatte, und in der ich glückliche Stunden verbrachte. Nach langen Jahren aus der Sklaverei zurück. Zitternd stand ich vor der Tür, vor der vor viereinhalb Jahren ein Gendarmeriebeamter stand, um uns abzuholen für die Vernichtung. Ich faßte Herz. Ich klopfte an. Und nach einigen Minuten öffnete sich die Tür. Vor mir stand eine fremde Frau. Sie schaute mich fragend an, sagte aber zunächst nichts. Wortlos stand ich vor ihr. Sie mußte wohl bemerkt haben, daß ich erschüttert sei, daß ich irgend etwas Schweres zu tragen hätte, denn ihre Worte klangen lieb und mild, als sie mich nach meinem Begehren fragte. 182 Sto die Die Mü E zim mei mei Sie gela N bars mir ben Dan Dan kan das Wis Ich der spre und schl ben die gefu N mei sere die ihne so b V wied ich die verü mich der V ich 9 Sc M zimm zähl War 1" und Herz den unfä setz mat gen SO ers. des wie und ich und hen den wer FraOch? der hndie men. = ich auf. sten die ein ten, stes men, Auf sie Lipdie war eich ohn-tiert erden hier st zu ich und SklaGenHerz. aber ben, denn agte. Stockend und leise bat ich, ob sie mir einmal die Wohnung zeigen wolle, die meine Mutter und ich mit meiner Großmutter vor Jahren verlassen hätten. Die Frau war sofort bereit und öffnete mir die Tür. Ein Schütteln überlief mich. Aschgrau muf mein Gesicht geworden sein. Mühsam schleppte ich mich an den Wänden entlang in unser früheres Wohnzimmer hinein. Weiter konnte ich nicht. Ich hatte das Gefühl, als zerbreche mein Herz, als hörte ich Scherben klirren, und es war mir, als liefe Blut an meinem Körper entlang. Ich brach in Tränen aus. Die Frau ließ mich allein. Sie war überrascht, vielleicht aber auch verängstigt. Nun war sie schnell fortgelaufen, um Nachbaren heranzuholen. Nach wenigen Minuten umringten mich mehrere Bekannte aus der Nachbarschaft. Alle freuten sich und fragten, drückten mir die Hände, streichelten mir das Gesicht, drückten mich immer wieder auf den Stuhl zurück und gaben immer und immer wieder ihrer Freude, mich wieder zu sehen, Ausdruck. Dann aber trat ein Schweigen ein. Alle schauten mich an, groß und starr. Dann schauten sie wieder fort.--- Aber schließlich fakte doch eine der Bekannten Mut. Ich hatte es bereits erwartet. Und jetzt erklang die Frage durch das Zimmer:" Wo ist die Mutter?" Ich blickte zu Boden. Und wie ein leises Wispern drang es dann an meine Ohren:" Und die alte Großmutter?"-- Ich vermochte nicht zu antworten. Wie ein gebrochener alter Mann stand ich, der ich doch noch jung war, vor diesen guten alten Bekannten. Als wenn ich sprechen lernen müßte, ballte sich in mir die Kraft zum Sprechen zusammen, und doch brachte ich keine Worte hervor. Erst nach Minuten konnte ich schluchzend und zitternd erzählen, daß meine liebe alte Großmutter gestorben sei, meine herzensgute Mutter vergast wäre und wohl auch alle anderen, die den Weg des Schicksals mit uns gegangen seien, zu 95 Prozent den Tod gefunden hätten. Niemand vermochte mehr zu fragen. Alle waren zu ergriffen. Sie hatten meine Hand gefaßt. Und so standen wir in einem Kreis zusammen in unserem früheren Wohnzimmer. Stille ringsum. Ich weiß, daß in dieser Stunde die Bekannten sich selbst viele Vorwürfe gemacht haben. Und daß auch in ihnen immer wieder die Fragen erklangen:„ Ist das möglich?--- Sollten wir so belogen und betrogen worden sein?" Von ca. 10 000 Juden waren bis zu dem Tage meiner Rückkehr nur zwei wieder in der Heimat angelangt. So war es mir in diesem Augenblick, als sei ich von der Vorsehung dazu bestimmt, über die Schandtaten der Nazibestien, die in den Konzentrationslagern an guten deutschen Männern und Frauen verübt worden waren, zu berichten. Nur bei dem Wort Vorsehung" faßte mich ein erneutes gewaltiges Schütteln, als mich der Gedanke erfaßte, auch der große Führer" Hitler hatte sich stets auf die Vorsehung berufen. Von 150 Grubenarbeitern waren noch 9 am Leben geblieben, davon war ich der einzige aus Baden, die übrigen 8 waren aus Oesterreich. 9 Häftlinge, 9 Schicksale, 9 verschiedenartige Leben, aber alle mußten einen Gang gehen. Mit tränenumflorten Augen standen die in unserem ehemaligen Wohnzimmer versammelten Menschen um mich herum. Ich sollte erzählen und erzählen. Aber ich konnte nicht. Von neuem rannen mir die Tränen über die Wangen. Ich glaubte, daß ich jeden Augenblick zusammenbrechen würde. ,, Ich kann nicht mehr,--- ich kann nicht mehr", so sagte ich zu mir selbst und prefte die Lippen zusammen: Ich hatte ein Gefühl, als wenn man mein Herz mit Messern zerschneide, als wenn mich Ameisen überfallen hätten, um den Rest meines Blutes auszusaugen. Die Leute merkten es mir an, daß ich unfähig war, weiter zu erzählen. Und so ließen sie mich dann in Ruhe. Man setzte mich in die Ecke eines Sofas und ließ mich dort zur Ruhe kommen. Als 183 ich die Augen schloß und meinen Kopf in die Hände stützte, sah ich vor den geschlossenen Lidern Flammen tanzen, ich sah meine alte Großmutter zu Grabe tragen, und ich sah über allem das fröhliche Gesicht meiner lieben Mutter leuchten. die Lieb halt scha trag Aus W Lan Dan Besinnung Die Jahre der Tyrannei liegen hinter mir. Hinter mir liegen alle die Nächte und die Tage des Quälens, der ununterbrochenen Greuel und aller Schändlichkeiten, die sich ein Menschenhirn nur ausdenken kann. Wir haben in diesen Jahren nicht eine Minute dazu verwenden können, eine stille Besinnung zu halten. Wie oft und wie gern hätten wir mit unseren Gedanken bei unseren Eltern, bei den Geschwistern und Bekannten verweilt. Immer war unser Leben gefährdet, immer mußten wir daran denken:„ Mund zu und Augen auf", damit wir über alles gut hinwegkommen konnten. In Stille, abseits vom lauten Leben, sitze ich jetzt allein für mich und denke an die Jahre des Elends zurück. Jetzt erst bin ich ganz erschüttert über das, was Menschen an Menschen verübten. Tiefer Schmerz erfaßt mich, wenn ich daran denke, an jene Minute, wo man mir meine liebe gute Mutter entriß. Sie war stets mein höchstes Glück. Ihre Liebe hatte mich begleitet, wohin ich auch ging, und wo ich auch war. Und alles mußte ihr und uns nur geschehen, weil wir Juden waren. Deswegen schickte man auch meine liebe Mutter in die Gaskammer von Auschwitz. Es sind schwere Gedanken, die nur solche Menschen vollkommen verstehen werden, die schwere Kriegsopfer gebracht haben, die ihre Väter, Söhne, Kinder verloren und alles Hab und Gut dazu. Nur solche Menschen können den Schmerz ermessen, den man empfindet, wenn man Rückschau hält, was hätte sein können und was jetzt ist. Was haben wir getan, um ein solches Schicksal aufgebürdet zu erhalten? Welche Macht ist so grausam, die Menschen zum teuflischsten aller Werke zu zwingen und zu benutzen? Gehört nicht zum teuflischsten aller Satanswerke auch der Krieg? Sind nicht außer den vielen unschuldigen Opfern, die durch den Naziterror vernichtet wurden, auch Millionen von Menschen diesem Satanswerke zum Opfer gefallen? Sind nicht Mütter von ihren Kindern gerissen? Haben nicht Bomben Vater und Mutter getrennt? Irrten nicht unzählige Kinder elternlos auf den Landstraßen umher? Waren nicht Unzählige hangend und bangend dem Ungewissen überantwortet? Nie aber auch dürfen die vergessen werden, die als Versuchstiere" galten und unter viehischsten Qualen zu Tode gemartert wurden. Alles was hinter uns liegt, es waren bis aufs Feinste ausgearbeitete Methoden und Pläne der sadistischen Nazis. Männer und Frauen waren Schüler und Schülerinnen des gefährlichsten Sadisten auf lange Zeit hinaus. Männer und Frauen waren theoretisch ausgebildet in den Ordensburgen der Nazis, um später ihre Kenntnisse praktisch in den Konzentrationslagern zu verwerten. Es ist zum Glück alles anders gekommen, als es sich die Barbaren erträumt haben. Wir hätten auch den Glauben an jede Schicksalsführung verlieren müssen, wenn ein solches Regime für längere Zeit bestanden hätte, wenn sich gegen eine solche Gewaltregierung nicht die ganze Welt erhoben hätte. Der Krieg ist zu Ende. Wir sind wieder zur Besinnung gekommen. Wir müssen aufbauen. Wir müssen uns ein neues Leben gestalten. Alles, was gut in uns verblieben ist, muß wieder wuchern. Die Liebe zu unserem Volke und 184 sal wied U nich ich ten U Wir In In In In A und die Liebe zur gesamten Menschheit muß wieder um sich greifen. Unsere Liebe muß über alle Grenzen hinaus gehen. Sie darf nicht an Grenzpfählen haltmachen und andere Nationen und andere Rassen von unserer Liebe aus- schalten. Wir sind Menschen. Wir alle haben im Leben eine Aufgabe über- tragen erhalten. An dieser Aufgabe zu arbeiten, muß unsere Pflicht sein. Aus dem Trümmerhaufen Europa muß ein neues Land der Liebe erstehen. Wenn ich mit meinem Buche und in meiner„Besinnung” zur Gründung des Landes der Liebe beigetragen haben sollte, dann wäre ich höchst erfreut. Dann wühte ich, daf; ich meine Lebensaufgabe, so weit sie mir vom Schick- sal zugewiesen ist, erfüllt habe und dazu beitragen konnte, die Menschheit wieder zusammen zu führen. Bilanz Und nun zum Schluß. Die Namen der Bestien sind bekannt. Darum hier nichts davon. Alles, was geschehen muß,--- wird geschehen. Dessen bin ich gewiß. Und das muß sein. Es hieße, die Gerechtigkeit untergraben, woll- ten die, die zu richten berufen sind, nicht darüber richten. Uns war es nicht möglich„Auge um Auge, Zahn um Zahn” zu kämpfen. Wir lagen in Fesseln und Banden. Und jetzt die rohen, die brutalen Zahlen. Juden: In Deutschland waren am 30.1.1933 rund 525 000 Juden vorhanden. In Oesterreich vor der Besetzung im Jahre 1938 rund 180 000 Juden. In Polen vor der Besetzung im Jahre 1939 rund 3/s Millionen Juden. Verschleppt und gemordet wurden rund 90 Prozent. Juden und Nichtjuden aller Nationalitäten: Im Konzentrationslager(Vernichtungslager) Auschwitz sind rund 3!/a Millionen Menschen vernichtet worden, davon an Frauen 1!/» Millionen und an Männern 2 Millionen. Das Konzentrationslager Buchenwald forderte rund 51 000 Tote. Alle übrigen Konzentrationslager, Arbeitslager, Zuchthäuser, Gefängnisse und sonstige Strafanstalten hatten rund 15 Millionen Tote aufzuweisen. Ende. INHALTSVERZEICHNIS I. Teil: Pogrome und ihre Auswirkungen 9. November 1938 Pogrome Geheimbefehl Konzentrationslager Dachau Einkleidung und ärztliche Untersuchung Appell Arbeit macht frei Krankheit und Hygiene Heinrich Himmler und Julius Streicher in Dachau SS.- Glanzleistungen Einer für alle und alle für einen Alarm in Dachau Ordnung, Fleiß, Sauberkeit und Liebe zum Vaterland Lagerstrafen Das Werk der SS. II. Teil: Judenausroffung 26 27 29 789134570022 222 11 Verhaftung im Zuge der Judenausrottung 17. Oktober 1940 Schicksalsfahrt 18. Oktober 1940 Unbesetztes Frankreich Camp de Gurs. Jlot G Baracke 13 - Die Suche nach meinen Angehörigen Amerika und die Schweiz als Retter Selbsthilfe 41 Krankheiten und Seuchen Organisation und Ausklang des Jahres 1941 SUARAAN www 33 35 38 40 43 45 47 50 51 Rückblick auf den Winter 1941/42 Optimismus und Pessimismus Wasserpumpstation" Doquen" Heimat Villa Frieden" Wollen Sie zusammen fahren? Gewitterwolken über Gurs Gurs in Panik Der Tag der Entscheidung Stunden des Abschieds Räder rollen zum Ziel Besetztes Frankreich Konzentrationslager Drancy Die Gestapo an der Arbeit Vernichtungsfahrt Konzentrationslager Auschwitz Todesurteil oder Versklavung - Ankunft Einkleidung und Registrierung 81 Gaskammern, Massengräber und Krematorium Die Todesfabriken Umschulungsunterricht im Männerlager Appell und Exekutionen. Sklavinnen und Todeskontrolle Frauenlager Kinderfabrik.. Versuchsinstitut Auschwitz Zur Vergasung? Konzentrationslager Jawischowitz Kohlengrubenhölle von Brzeze 69 33558803466672102 222222222 79 84 87 92 93 94 95 96 97 99 Grubenhäftlinge ziehen ins Lager zurück Nachtschicht 103 Achtung! Häftling" X" ist entflohen Versprechungen und ihre Auswirkungen Aerztliche Untersuchung mit Erholungsurlaub. Häftlings- Krankenbau Jawischowitz Die Humanität der SS.- Aerzte Freizeit im Kohlengrubenlager- Mittagsschicht 114 Vitaminmangel und seine Folgen Kohlenvernichtungsrevier Nr. 2 Sohle 230 m 118 General Hunger 120 123 126 128 Der Kampf um das„ Gold" Deutschlands Häftlingsrevier Nr. 2- Sohle 430 m Wetterleuchten am östlichen Horizont 104 107 109 110 112 113 Signal zum Finale 131 Todesmarsch - 18.1.1945 132 Konzentrationslager Buchenwald" Das Lager des Hungers Einkleidung Das„ Kleine Lager" Das Große Lager" 17 H Nervosität in Buchenwald Luftangriff auf das Konzentrationslager Buchenwald SS.- Bewährungsdivision Dirlewanger Streiflichter über Buchenwald 136 137 138 141 145 146 • 147 149 11. Teil: Befreiungskampf SS.- Hauptstandartenführer Pfister spricht Der Ettersberg in Aufruhr General- Appell Keine Heimat, kein Vaterland, kein Block Tage und Nächte des Schreckens Der Kampf um die Minute 155 " 156 158 161 162 166 Die letzte Schlacht. 167 Und wir haben doch gesiegł 170 Besichtigung der Hölle von Buchenwald 171 Geheimbefehl Himmlers. 173 Das amerikanische Sanitätskorps bei der Arbeit 174 SS.- Siedlung Klein- Obringen 176 Zwangsbesichtigung 177 Freiheits- Appell 178 Die Tore der Hölle von Buchenwald öffnen sich 179 Ankunft in der Heimat 181 Besinnung 184 Bilanz 185 Alle Rechte der Wiedergabe, der Bearbeitung und Uebersetzung für alle Länder, einschließlich der UdSSR. vorbehalten!