Meiner geliebten Frau und Kameradin URSULA RIEMER-ZOLLNER zugeeignet HERMANN E. RIEMER entstammt einer Handwerkerfamilie. Er wurde am 6. Mai 1903 in Nordhausen geboren, besuchte das Gymnasium seiner Vater- stadt und erlernte anschließend die Bildhauerei. Nach dem Besuch der Baugewerkschule in Erfurt widmete er sich in Nürnberg unter Gradl und Schiestl der Malerei, der er bis heute auch treu blieb. 1940 von der Gestapo in Haft genom- men, verbrachte er fünf Jahre in verschiedenen deutschen Kon- zentrationslagern und gewann so einen genauen Einblick in das Wesen dieser Vernichtungsanstalten. Seit der Befreiung widmet er sich ausschließlich künstlerischen Aufgaben und lebt jetzt als Maler und Schriftsteller in Traunstein in Oberbayern. von lic W ich St: H: he Vi Auftakt Gegen sieben Uhr abends erschien in meiner Woh- nung ein. Kriminalbeamter mit dem Ersuchen, ich möchte ihm zur Polizei folgen, um dort eine Unter- schrift abzugeben. Ich glaubte ihm nicht; wußte ich doch, daß man schon seit längerem auf eine Ge- legenheit wartete, mich mundtot zu machen. „Sie wollen mich also verhaften?‘“ fragte ich. Der gute Mann tat entrüstet. „Um Himmels willen!“ schwor er.„Wer spricht von Verhaftung! Es handelt sich tatsächlich um eine Unterschrift.“ „Nun, dann gestatten Sie wohl, daß ich zunächst noch zu Abend esse‘, antwortete ich, überhörte seinen leisen Protest und ließ mich nicht stören. Eine halbe Stunde später brachen wir auf. Der Beamte eskortierte mich sehr unauffällig durch die abendlich belebte Stadt, er hielt sich stets einige Schritte hinter mir und lieferte mich schließ- lich sichtlich erleichtert auf dem Polizeirevier ab. Wahrscheinlich hatte er doch einige Angst gehabt, ich könnte einen Fluchtversuch machen. Am Polizeirevier empfing man mich, da ich in der Stadt ziemlich bekannt war, mit beinahe freudigem Halloo Man hatte diesen Augenblick schon lange herbeigesehnt. Ich wurde sofort einer gründlichen Visitation unterzogen, mein persönlicher Besitz, die 7 Uhr, das Messer, Geld, Zigaretten, Feuerzeug" und Taschentücher wurde mir abgenommen. Sogar die Hosenträger. Ich verlangte eine Erklärung, weshalb man mich festnähme. „Das werden Sie schon noch erfahren‘, antwortete der Polizeimeister und winkte einen Beamten herbei. Ich wurde durch einen schmalen Gang in ein dunkles Loch geführt. Die Tür fiel ins Schloß, ein Schlüssel- bund klirrte, Riegel knallten zu— ich war gefangen. Die Zelle, die von nun an für lange neun Wochen mein Domizil sein sollte, war ein finsteres Verließ, das sein kümmerliches Licht durch ein kleines Dek- kenfenster erhielt. Da sich aber kaum fünf Meter davon der hohe Chor einer Kirche emporhob, der alle Helligkeit verschluckte, blieb es auch tagsüber so dunkel in der Zelle, daß man fast niemals lesen konnte. Selbstverständlich konnte ich auch nicht dar- an denken, mich in der Enge des Raumes zu bewegen. Vier Schritte in der Länge, zwei in der Breite— das war der Platz, der mir für meine Spaziergänge zur Verfügung stand. Die Verpflegung war eine recht üble Angelegenheit. Morgens erhielt ich einen Blech- napf mit Kaffee und ein Stück saftbeschmiertes Brot. Ich trank mit Widerwillen. Aber ich aß wenigstens, denn ich besaß noch Humor genug, mir durch die Ereignisse meinen Appetit nicht verderben zu lassen. Andererseits war ich, mit den Gepflogenheiten der Polizei lange genug vertraut, allzusehr Pessimist, um vom Mittagessen mehr als höchste Mittelgäßig- keit zu erwarten. Was ich erhielt, war ungenießbar. Wenigstens glaul in S] unte ner aus| Bitt: Ble der nic Ze glaubte ich das damals. Hätte ich gewußt, was ich in späteren Jahren mit wahrem Heißhunger hin- unterschlingen würde, ich wäre vielleicht zufriede- ner gewesen. So aber beantragte ich, mich selbst aus einem Restaurant verpflegen zu dürfen— meine Bitte wurde abgelehnt. Der Abend brachte dann wie- der einen Blechnapf Kaffee und ein Stück Brot, auf das ein wenig Margarine gekratzt worden war. Gleichwohl: Mich hungerte noch nicht, denn mein Körper besaß noch Kraftreserven. Aber ich litt furchtbar unter der Unmöglichkeit, mich geistig ab- zulenken. Zeitungen erhielt ich nicht, also bettelte ich mir täglich Klosettpapier und studierte diese arm- seligen Fetzen. Besondere Freude bereitete mir der Fund eines Bleistiftrestehens. Nun baute ich auf den freien Rän- dern des Klosettpapiers Kreuzworträtsel, und zwar nicht die schlechtesten. Ich hatte ja Zeit— So viel Zeit! Tag um Tag schlich dahin. Ab und zu machte ich einen Vorstoß, um den wahren Grund meiner Ver- haftung zu erfahren, aber ich rannte gegen stumme Masern. Die Polizeibeamten, denen meine Bewa- chung oblag, erklärten, sie wüßten von nichts, man würde es mir jedoch eines Tages schon mitteilen. Ich faßte mich in Geduld. Dann aber trat ein Ereignis ein, das mich doch ein wenig außer Fassung brachte. Man teilte mir, als handle es sich um irgendeine Belanglosigkeit, mit, mein Vater sei gestorben und die Beerdigung finde dann und dann statt. Ich war überrascht, denn ich hatte meinen Vater zwar etwas 9 S leidend, doch keineswegs an der Grenze des Lebens verlassen. Vielleicht hatte ihn die Erregung über, meine Verhaftung getötet. Nun— so ganz ruhig wollte ich die Sache nicht hinnehmen. Ich drängte darauf, sofort dem obersten Polizeibeamten vorge- führt zu werden, was schließlich auch geschah. „Herr Kriminalsekretär“, sagte ich,„mein Vater ist gestorben. Es wird da allerhand Dinge zu regeln geben. Ich bitte Sie deshalb, mich aus der Haft zu beurlauben. Ich erkläre Ihnen ehrenwörtlich, daß ich nach der Beerdigung freiwillig in die Haft zurück- kehre.‘‘ Breull fing schallend an zu lachen. „Wo denken Sie hin! Wir sind froh, daß wir Sie haben. Schlagen Sie sich den Gedanken aus dem Kopf!‘ Ich hätte mir selbst sagen müssen, daß man diese Bitte niemals erfüllen würde, trotzdem wurde ich wütend. Aber ich war machtlos. „Ihr Standpunkt ist zwar erbärmlich“, entgegnete ich ihm,„aber immerhin kann ich ihn noch ver- stehen. Sorgen Sie wenigstens dafür, daß ich— wenn auch unter polizeilicher Bedeckung— an der Beisetzung teilnehmen kann.“ Breull versprach, sich die Sache zu überlegen, und ich wurde in meine Zelle zurückgeführt. Ich muß ge- stehen, ich hatte einige Hoffnungen. Doch über- ‘ schätzte ich damals die menschlichen Empfindungs- möglichkeiten der deutschen Polizei. Im Laufe der Jahre mußte ich einsehen lernen, daß die Empfin- dungsskala von der Gleichgültigkeit bis zum blan- 10 E} ken Mord nur abwärts reichte, nach oben zu, wo die edleren menschlichen Regungen verzeichnet sind, das Mitleid, die Hilfsbereitschaft, der Anstand und die Menschenwürde, blieb sie leer. Der Tag der Beerdigung meines Vaters kam heran. Die Glocken begannen zu läuten. Die Schlüssel klirr- ten und Riegel wurden zurückgeschoben. „Kommen Sie!‘ Ich atmete auf. Ein Beamter in Zivil nahm mich in Empfang und wir betraten die Straße. Bekannte und Unbekannte in schwarzem Anzug und Zylinder oder in der Uniform der Kriegervereine, denen mein Vater angehört hatte, gingen nach dem Friedhof. Wir aber schlugen eine andere Richtung ein. „Wie? Gehen wir nicht zur Beerdigung?“ fragte ich. Mein Begleiter verneinte. „Wir müssen zum Reichsgesundheitsamt. Sie sollen untersucht werden!“ Ich fiel aus allen Wolken. Die bodenlose Gemein- heit dieser Maßnahme, die doch eine absichtliche Be- leidigung meiner Gefühle darstellte, empörte und verletzte mich tief. „Was fällt euch denn ein! Ich bin doch nicht krank! Weshalb soll ich denn untersucht werden? Führen Sie mich gefälligst nach dem Friedhofe!“ for- derte ich. Der Beamte, sonst ein ruhiger und friedsamer Mensch, wurde nun seinerseits ebenfalls böse. Sicher sah er die Unmöglichkeit der Situation ein und wußte sich nicht zu helfen. 11 „Machen Sie mir keine Schwierigkeiten!“ herrschte er mich an,„sonst muß ich Sie noch fesseln.“ Was sollte ich tun! Der Zorn trieb mir die Tränen in die Augen, aber ich war wehrlos. Die Polizei, das heißt der Kriminalkommissar, setzte also ihren Willen durch. Ich wurde zur Beerdigungsstunde mei- nes Vaters nicht nach dem Friedhofe, sondern zum Reichsgesundheitsamt transportiert. Als ich später in meine Zelle zurückgebracht wor- den war, schwor ich mir, Herrn Breull diese Gemein- heit einmal heimzuzahlen. Aber wie fast stets in meinem Leben hat mir die ausgleichende Gerechtig- keit des Schicksals selbst diese Arbeit fünf Jahre später abgenommen.— Woche um Woche verging. Einige der Beamten, die mir freundlich gesinnt waren, hatten mir insge- heim Zigaretten, mein Taschenmesser und einen Blei- stift zugesteckt. Überdies hatte ich erreicht, daß ich mich hin und wieder mit einem geliehenen Apparat rasieren durfte und beinahe täglich auf dem zwanzig Quadratmeter großen Hofe spazieren gehen konnte. Natürlich nur eine Viertelstunde lang. Sogar mit der unzureichenden und schlechten Verpflegung hatte ich mich abgefunden. Der Mensch ist tatsächlich ein Ge- wohnheitstier; und außerdem festigte sich in mir nach dem ersten Schock, unter dem jeder Gefangene leidet, die Überzeugung, daß ich einmal den Kopf wieder höher tragen dürfe. Ich war deshalb gar nicht erschüttert, als man mir eines Abends das Taschenmesser und den Rasier- apparat wieder abforderte und mir erklärte, daß ich 12 lade [=] Br. % am kommenden Morgen ins Konzentrationslager ab- transportiert würde. Zu Dritt war man in meiner Zelle erschienen. Wahrscheinlich befürchtete man, ich könnte einen Tobsuchtsanfall bekommen oder mir vielleicht das Leben nehmen. Jedenfalls hatte nie- mand meinen Gleichmut erwartet, und die drei Hel- den zogen sich kopfschüttelnd zurück. Möglicher- weise war ihnen die ganze Geschichte viel peinlicher als mir selber. Anderntags wurde ich gegen zehn Uhr in einem Lastauto zur Bahn gebracht und in einen Gefangenen- transportwagen, das heißt eine rollende Sammlung von Käfigen, mit Richtung Halle an der Saale ver- laden. Verpflegung erhielten wir nicht, aber das küm- merte mich wenig, denn die Fahrt war nicht ohne Reiz und ließ den knurrenden Magen leicht in Ver- gessenheit geraten. Der Wagen war übervoll mit Menschen und Menschenschicksalen beladen. Ein lebhaftes Fragen setzte ein. Wo gehst du hin— wo- hin du? Der eine wanderte ins Zuchthaus, der andere wurde zu einem Termin gebracht, ein Dritter fuhr ins Ungewisse— einen Leidensgefährten, der, wie ich, ins Konzentrationslager ging, fand ich vorerst noch nicht. Auf dem Bahnhof in Halle nahm uns eine starke Polizeieskorte in Empfang. Einige von uns, die be- sonders aufgerufen wurden und deren Transport- schein einen diesbezüglichen Vermerk zu tragen schien, wurden gefesselt, die Mehrzahl aber durch- schritt frei einen unterirdischen Tunnel, der auf einen Platz mündete, wo mehrere Polizeiwagen uns bereits 13 erwarteten. Eine Viertelstunde später befanden wir uns im Polizeigefängnis. Der ganze Transport, wohl fünfzig bis sechzig Mann stark, wurde in einen kleinen Raum getrieben, aus dem heraus wir einzeln eine Sperre passieren mußten, wo unsere Namen verzeichnet und uns Wertsachen, Rauchwaren und dergleichen Dinge abgenommen wurden. Danach verteilte man uns auf die Zellen. Natürlich hatte die Zeremonie soviel Zeit in Anspruch genommen, daß die festgelegte Mittagspause längst verstrichen war. Wir erhielten also nichts mehr zu essen. Ich geriet in eine Zelle von annähernd sechs mal sechs Metern, in der bereits dreißig Menschen versammelt sein mochten. Die Luft, die mir entgegenschlug, hätte man mit der Schippe herausschaufeln können. Die Fenster waren verschlossen, nur eine kleine Scheibe, nicht viel größer als eine Fotoplatte, konnte geöffnet werden und diente der Entlüftung. Hier fand ich nun auch den ersten Kameraden, der gleich mir den Weg ins Konzentrationslager antreten sollte. Der Mann war entschieden ein Optimist, denn er besaß die feste Überzeugung, daß wir es dort viel besser als in einem Gefängnis haben würden. Man dürfe dort rauchen, könne spazieren gehen innerhalb des Stacheldrahtes, es gäbe eine Kantine, in der man so ziemlich alles kaufen könne und so weiter. Er malte ein rosiges Bild... und eine Woche später war er bereits tot und verbrannt. Aktenmäßig. 14 Am Abend gab es eine leidlich genießbare Grützensuppe alter, s Arme Decke fen. N Quadra von un barn a es ging Ich schlaf nen, d Eigen so, da ein pa seinen leicht profar zu kö da. A duum ist nu weis nicht das W etwas Zeitu Ein a eine unser suppe und ein Stück Brot. Danach wurden ein Berg alter, schon vielfach zerfetzter Matratzen und einige Arme voll ebenso verbrauchter und zerschlissener Decken in die Zelle gebracht. Wir konnten schla- fen. Nun, es war ein Kunststück, die fünfunddreißig Quadratmeter Fußboden so aufzuteilen, daß ein jeder von uns notdürftig liegen konnte, ohne den Nach- barn auf den Kopf oder in den Bauch zu treten. Aber es ging. Es sollte ja noch schlimmer kommen. Ich war rechtschaffen müde und hätte gern ge- schlafen, doch mußte ich hier zum ersten Male erken- nen, daß ein Mensch in solcher Gemeinschaft keinen Eigenwillen besitzen darf. Es ist doch nun einmal so, daß jeder hin und wieder das Bedürfnis hat, für ein paar Minuten allein zu sein. Er möchte ungestört seinen Gedanken nachhängen können, er will viel- leicht beten, oder sei es auch nur— wie man recht profan sagt—, um ungesehen in der Nase bohren zu können: die Einsamkeitssehnsucht ist jedenfalls da. Aber sie wird niemehr gestillt, denn das Indivi- duum hat aufgehört zu existieren. Der Gefangene ist nurnoch das Partikelchen einer größeren zwangs- weisen Gemeinschaft, und sein Leben gehört ihm nicht mehr allein. Für viele, die meisten, ist dies das härteste Leiden während der ganzen Haftzeit. Wir schliefen also nicht. Irgendeiner hatte noch etwas Tabak durch die Kontrolle geschmuggelt. Mit Zeitungspapier wurden ein paar Zigaretten gedreht. Ein andrer besaß einen Feuerstein, etwas Lunte und eine Glasscherbe; wir rauchten also und begannen unsere Schicksale voreinander auszubreiten. 15 Und dann, als eine Stimme nach der anderen ver- stummte, kamen— die Wanzen. Es war meine erste Bekanntschaft mit ihnen, und sie war so gründlich, daß mich die späteren Begegnungen nicht mehr aus der Fassung bringen konnten. Am andern Morgen, nach einer schlaflosen Nacht, ging die Reise weiter. Wir erhielten die abgenom- menen Gegenstände zurück bis auf die Rauchwaren, für welche die Polizei eine andere Verwendung ge- funden haben mochte. Ein Gefangener brachte dar- | aufhin einen Protest an. Er erhielt ein paar Ohr- feigen und damit war der Fall erledigt. Danach emp- D fingen wir unsere Marschverpflegung. Ein großes Stück guter Leberwurst und einige Butterbrote. Es | war ein tröstlicher Abschied von der Stadt der Hal- | loren.; Berlin-Alexanderplatz Gegen Abend lief unser Zug in Berlin ein. Wie- der erwartete uns ein ungeheures Aufgebot von Po- lizisten, und jeder von uns kam an die Knebelkette. So wurden wir wie Schwerverbrecher durch die end- lose Gasse der Passanten zu den Polizeiwagen ge- leitet. Alexanderplatz... Er ging über Gänge und Stiegen in den Keller hinab. In einem langen Flur wurden unsere Namen verlesen, aber sonderbarerweise erfolgte keine Lei- | besvisitation. Seitwärts stand eine Reihe von Kes- seln, aus denen es appetitlich nach Erbsensuppe roch, 16 deren vermeine erste gründlich, mehr aus en Nacht, abgenomuchwaren, dung geachte darpaar Ohrnach empin großes brote. Es der Halin. Wiet von Poebelkette. h die endwagen geen Keller re Namen keine Leivon Kesuppe roch, und sogleich begannen sich bestimmte Hoffnungen emporzuranken. Sollte der Optimist recht behalten? Endlich wurde die Tür zu einem Saal geöffnet. Als ich den ersten flüchtigen Blick hineingeworfen hatte, suchten meine Augen über der Tür unwillkürlich jene Inschrift, welche Dante für den Eingang der Hölle erdacht hatte: ,,... laß alle Hoffnungen fahren." Der Raum, der uns aufnahm, war gewiß groß. Ringsum an den Wänden zogen sich in Kniehöhe hölzerne Pritschen hin, auf denen die unfreiwilligen Gäste wohl ihr Nachtquartier bereiten sollten. Man hätte vielleicht hundert Menschen notdürftig im Saale unterbringen können sechshundert befanden sich aber schon darin, und stündlich, wirklich stündlich, kamen neue Transporte hinzu. - Es gab folglich keine Möglichkeit, sich niederzusetzen. Man stand, man drängte sich, rauchte und schwatzte. Ein Stimmengewirr ohnegleichen erfüllte den Raum mit einer sonderbaren Musik, die an das Brausen des Meeres erinnerte. Ich fragte mich im Stillen, wie denn dieser Bienenschwarm eigentlich in der Nacht zur Ruhe kommen sollte- nun, ich habe es früh genug erfahren. - Wir befanden uns noch keine zehn Minuten im Saale, als eine eigenartige Betriebsamkeit einsetzte. Mancher von uns Zugängen war ja recht gut gekleidet; wenn man ihm die widerlichen Bartstoppeln abgenommen hätte, würde er vielleicht ohne Mühe vor den strengen Blicken eines Adlon- Portiers bestanden haben. Und diese, die Gutgekleideten, wurden nun zum Mittelpunkt einer wilden Börse. Da wurde ein 17 2 neuer Wintermantel gegen fünf Zigaretten verhandelt, ein guter Anzug gegen einen miserablen und zwanzig Mark vertauscht, Schuhe für eine Scheibe Brot gegeben, Uhren, Ringe, Zigarettenetuis wurden zu Geld, und zu recht wenig Geld gemacht. Denn die feisten, von langer wäßriger Haftkost aufgeschwemmten Gesichter der Käufer bürgten für die Brutalität des Geschäftes.... Wie schnell verliert der Mensch das bißchen Würde, mit dem er sich im bürgerlichen Leben umgibt! Die Erbsensuppe war wohl doch nicht für uns bestimmt, denn gegen sieben Uhr abends erhielten wir eine kleine Schüssel Kaffeebrühe und ein Stück Brot mit Marmelade. Man aß und trank und schluckte mit den wenigen Bissen alle Bedenken hinunter. Ästhetik und Hygiene schrumpften zu bedeutungslosen Begriffen zusammen. Und dann kam die Nacht. Ich habe sie fünfmal erlebt und erlitten. Die ,, Alten", also jene, die schon seit Wochen in diesem Verließ auf ihren Weitertransport warteten, erhielten einen Deckenfetzen, den ich damals noch mit keinem Finger berührt haben würde. Sie bekamen weiterhin einen Schlafplatz auf der Pritsche angewiesen, Mensch an Mensch, dichtgedrängt wie Heringe in der Tonne. Und der Rest, die übrigen fünfhundert Mann, wurden ihrem Schicksal überlassen. Es hätte auch niemand für sie etwas tun können, denn es war einfach unmöglich, ihnen eine Schlafgelegenheit zú verschaffen. 18 Ich selbst hatte noch Glück, denn ich ergatterte eine Ec den Bo Beine I Am z Bekannt dige Ge treffend geschor Anzüge lager. Nähe. ..Wo " Vier es daue " „ Wir Paderbo lager S eine. ,, Da mir etw dort?" Er 1 Wa " Augen „ Du w gens: junge? Acht Spitzel für die dem si eine Ecke, wo ich mich mit angezogenen Knieen auf den Boden hocken und wenigstens den Kopf auf die Beine legen konnte. Fünf lange Nächte hindurch. Am zweiten oder dritten Tage schloß ich die erste Bekanntschaft mit Konzentrationären. Zwei merkwür- dige Gestalten gelangten mit einem der laufend ein- treffenden Transporte in den Saal. Sie hatten kahl- geschorene Schädel und trugen grau-violett gestreifte Anzüge. Ich hörte, sie seien aus dem Konzentrations- lager. Mit etwas Ungeduld schob ich mich in ihre Nähe. „Woher seid ihr?“ fragte ich. Vier müde Augen streiften mich oberflächlich und es dauerte lange, ehe ich eine Antwort erhielt. „Wir kommen von einem Außenkommando bei Paderborn und gehen jetzt zurück ins Konzentrations- lager Sachsenhausen‘, antwortete schließlich der eine. „Da gehe ich auch hin“, sagte ich.„Bitte, erzähle mir etwas vom Konzentrationslager. Wie lebt man dort?“ Er lupfte die Schultern. „Was soll man da erzählen!“ meinte er. Und seine Augen schienen mich von Kopf zu Füßen zu prüfen. „Du wirst noch alles beizeiten erfahren. Und übri- gens: Bist du vielleicht auch so ein Achtgroschen- junge?“ Achtgroschenjungen— das waren die billigen Spitzel der Berliner Polizei, die in jedem Gefängnis für die Beschaffung von Material sorgen mußten, in- dem sie ihre angeblichen Kameraden aushorchten. DE 19 ME ons: eh 2 ER EEE er” { 5 | i E - ,, Nein ich werde mich hüten!" sagte schließlich meine neue Bekanntschaft. Ich hatte für drei Mark drei dünngedrehte Zigaretten gekauft, von denen ich noch eine besaß, die bot ich ihm an. ,, Du tust mir Unrecht", erwiderte ich. ,, Ich bin kein Spitzel, aber ich habe schon gehört, daß man sehr vorsichtig sein muß. Wirklich: ich wäre dir dankbar, wenn du mir einige Verhaltungsmaßregeln geben könntest. Hat man es dort schlecht?" ,, Nimm gleich, sobald du in Sachsenhausen aus dem Zug steigst, den Hut ab und sei flink. Den Rat will ich dir geben. Alles andere ist doch unnütz. Und außerdem: gut oder schlecht? Wie du es gerade triffst! Der eine hat es gut, dem andern geht es hundeelend, wie gerade dein Gesicht dem Blockältesten paßt. Was bist du denn von Beruf?" ,, Kunstmaler" antwortete ich. - ,, Na ja. Mein Gott, mancher lebt schon vier oder fünf Jahre darin, manch andrer ist schon nach vier Wochen eine Leiche und durch den Kamin. Man kann ja doch nichts machen, man kann nichts ändern. Du darfst nicht glauben, daß es so ist wie draußen im freien Leben, wo man sich sein Schicksal bauen kann. Du hast keinen Einfluß auf dein eigenes Dasein außer dem: du kannst dich aufhängen. Das ist aber auch alles. Du kommst in die Mühle und mußt froh sein, wenn du zwischen den Mühlsteinen nicht zermahlen wirst. Und nun- bitte, frag nicht weiter! Mehr werde ich dir nicht sagen und wir sind müde. Wir müssen schlafen." 20 Ich b lassen. när vera In die lizeipräs sich ma Mensch mit der Sie sch ohne M Minder Nati gründe zu Tat wahrsc zum B mußte mit Ar seiner nigkeit Brot d mitzie wann Ich tergu ,, Ich tionsl mand hat," Tatsa sein. Ich begriff: Er wollte sich nicht weiter ausholen lassen. Es gab eben Gründe, die einen Konzentratio- när veranlaßten, zu schweigen. In diesen zwei oder drei Tagen, die ich noch im Po- lizeipräsidium Alexanderplatz verbrachte, begann sich manches vor meinen Augen zu wandeln, Die Menschen, die mich umgaben, verloren die Hüllen, mit denen sie bisher ihre Seelen verkleidet hatten. Sie schienen gläsern zu werden, und ich lernte fast ohne Mühe, ihre Herzen erkennen. Leider war die Minderwertigkeit häufiger, als die Güte. Natürlich gibt es dafür tausend Entschuldigungs- gründe. Einmal war es der Hunger, der die Leute zu Taten trieb, die sie unter normalen Verhältnissen wahrscheinlich nie begangen hätten. So grassierte zum Beispiel der Diebstahl wie eine Seuche. Man mußte sein geringes Eigentum, sogar seine Taschen, mit Argusaugen bewachen, um nicht den letzten Rest seiner Habe einzubüßen, denn jede gestohlene Klei- nigkeit wurde gegen ein lächerlich geringes Stück Brot oder gegen die Erlaubnis, an einer Zigarette mitziehen zu dürfen, verkauft. Nackter Egoismus ge- wann die Oberhand. Ich sprach mit einem Juden, der vordem ein Rit- tergut in meiner Heimat bewirtschaftet hatte. „Ich werde sicher, ebenso wie Sie, ins Konzentra- tionslager gebracht werden, obwohl mir noch nie- mand den wahren Grund meiner Verhaftung gesagt hat,“ erzählte er.„Wahrscheinlich wird auch die Tatsache, daß ich Jude bin, die einzige Veranlassung sein. Nein, ich habe keine Hoffnung, jemals wieder 21 ein freier Mensch zu werden und meine Frau und meine Kinder wiederzusehen. Das ist schlimm. Und außerdem bedrückt es mich furchtbar, daß ich auch hier unter Leidensgefährten, immer wieder in die Ecke gedrückt werde. Ich bin nun schon fünf Wochen in diesem Kellerloch, aber niemandem fällt es ein, mir auch einmal einen Platz zum Schlafen einzuräumen und wenn es nur ein einziges Mal wäre! Sie können sich nicht vorstellen, wie sehr mich das ewige Wachsein erschöpft hat. Aber Sie wissen ja, wie das ist: man muß froh sein, wenn man bei der Essenausgabe als Letzter noch eine halbe Kelle erhält. Ich bin eben auch in ihren Augen Jude, soweit ist das Gift des Nationalsozialismus schon in diese Kreise eingedrungen. Mit mir gibt es keine Kameradschaft und ich möchte gern wissen, ob es im Lager ebenso ist..." Am sechsten Tage, morgens gegen vier Uhr, wurden neunundfünfzig Namen verlesen, darunter auch meiner. Neunundfünfzig Opfer für das Konzentrationslager Oranienburg/ Sachsenhausen. Wir erhielten noch eine Schale Kaffee und ein Stück Brot, dann wurden wir wieder in Autos verladen und nach dem Stettiner Bahnhof gebracht. Das Gesicht des Konzentrationslagers Der komplizierte innere Aufbau eines Konzentrationslagers macht es notwendig, ihm einen besonderen Abschnitt zu widmen, sollen die nachfolgenden Schilderungen nicht unter manchen Unverständlichkeiten leiden. 22 Es die ei die T wurde Häftl Arme bezirk Häftl erstre die A merk spric Male Tran richt oder Be ein v Mass ben b Vielz lauf mal B besa halb älte Men lösc groß alles Tau und Es gab in jedem Lager zwei Verwaltungskreise, die einander überschnitten und die keineswegs durch die Trennungslinie des Stacheldrahtzaunes getrennt wurden. So existierten eine SS-Verwaltung und eine Häftlingsverwaltung. Aber ebenso wie die langen Arme der SS-Verwaltung in den eigentlichen Lager- bezirk hineinreichten, endeten die Befugnisse der Häftlingsverwaltung durchaus nicht am Tor, sondern erstreckten sich weit hinaus auf die Arbeitsplätze, in die Außenkommandos, ja bis in andere Lager. So merkwürdig das Letztere klingen mag, so sehr ent- spricht es doch den Tatsachen, denn es ist unzählige Male vorgekommen, daß einen Häftling auf den Transport in ein anderes Lager eine geheime Nach- richt begleitete, die ihm dort ein angenehmes Leben oder den Tod sicherte. F Beginnen wir beim einzelnen Häftling. Er war nur ein winziges Teilchen jener grau-violett gestreiften Masse willenlos gemachter Arbeitssklaven. Sein Le- ben bedeutete nichts, sein Sterben noch weniger. Die Vielzahl der täglichen Toten wurde leicht durch die laufenden Zugänge ergänzt. Die Lager starben nie- mals aus, sie wuchsen trotz Mord und Hungertod. Bei seiner Aufnahme gab der Häftling alles ab, er besaß nichts mehr, Titel und Würden blieben außer- halb des Lagers und ich erinnere mich eines Lager- ältesten, dessen erstes Bestreben es war, auch die Menschenwürde der neu Zugegangenen sofort auszu- löschen. So wurde der Mensch zum Staubkorn im großen Getriebe des Konzentrationslagers, er verlor alles, was ihn mit dem Leben jenseits des Stachel- 23 drahtes verband. In dieser Entwurzelung lag wohl das wichtigste Prinzip eines Systems, das seine Gegner nicht einfach physisch vernichten wollte, sondern sie bis zum Ende ihrer oft gezählten Erdentage zu rechtlosen Arbeitstieren machte. Den Starken blieb nur eines: die Hoffnung. So geriet nun der neue Häftling in die erste Gemeinschaft: den Tisch. In allen Baracken gab es soundsoviele Tische, an denen jeder seinen meist genau bestimmten Platz einzunehmen hatte. Sein nächster Vorgesetzter war der Tischälteste, ein Kamerad, der sich durch Energie, oft aber auch nur durch besondere Roheit auszeichnete. Ihm oblag es, die kalten Essensportionen zu verteilen und für die Sauberkeit seines Bezirks zu sorgen, war er doch dem Stubenältesten dafür verantwortlich, daß nach jeder Mahlzeit der Tisch blütenweiß gescheuert wurde und daß in den Spinden, in die sich manchmal vier oder fünf Kameraden teilen mußten, eine bis ins Maẞlose gesteigerte Ordnung herrschte. War der Arbeitstag zu Ende, geriet der Häftling in den Machtkreis des Schlafsaalältesten, dem die Aufsicht über den Schlafraum anvertraut war. Er hatte dafür zu sorgen, daß jeder Häftling seine Kleidungsstücke im Lagerjargon Klamotten genannt vorschriftsmäßig aufbaute und am anderen Morgen seine Liegestatt so hinterließ, wie die Lagerordnung es verlangte. Ich werde auf den Bettenbau später noch zu sprechen kommen. Daß der Schlafsaalälteste mit Güte und Überredung nicht allzuweit kommen konnte, lag auf der Hand, denn es ist in der Tat keine Kleinigkeit, in einer knap24 - - pen M hunde halb n die ni ten Zi gung Bei tersta war d teiles und 9 Männ durch Aufhe bene ihnen ten u das an mehr das N der a entz Man tärz Kase g schw tär cour schw wurd der TEN pen Morgenstunde den fehlerfreien Bau von zwei- hundert und mehr Betten zu erreichen. Er war des- halb mit einer bestimmten Machtfülle ausgestattet, die nicht immer nur zur Erreichung des festgeleg- ten Zieles benutzt wurde, sondern oft auch der Sätti- gung eines persönlichen Rachegefühles diente. Beide nun, Tischälteste und Schlafsaalälteste, un- terstanden wieder dem Stubenältesten. Seine Sorge war die Verwaltung des ihm unterstellten Baracken- teiles, er war dem Blockältesten für Ruhe, Ordnung und Sauberkeit verantwortlich. Es hat hervorragende Männer auf diesem Posten gegeben, Menschen, die durch eine mit Energie durchsetzte Güte ohne viel Aufhebens das teils notwendige, teils vorgeschrie- bene Ziel erreichten. Und es gab auch Teufel unter ihnen, die ihre Machtstellung bis zur Neige auskoste- ten und durch böswillige und kleinliche Schikanen das an sich schon schwere Leben der Kameraden noch mehr belasteten. War der eine gerecht und verteilte das Mittagessen sorgfältig und gleichmäßig, so hatte der andere Feinde, denen er das Essen kürzte oder entzog, um es seinen Freunden zukommen zu lassen. Mancher meiner Leser wird sich dabei an seine Mili- tärzeit erinnern und in vielen Dingen mögen sich Kasernenhof und KZ. auch gleichen. Aber beim Mili- tär gab es immerhin noch die Möglichkeit der Be- schwerde und sie war oft nur eine Frage der Zivil- courage. Im Konzentrationslager war eine Be- schwerde unmöglich, denn der geringste Widerspruch wurde aus einem leicht zu verstehenden Prinzip von der nächsten Instanz niedergeknüppelt. Ein Be- 25 schwerdeführer konnte froh sein, wenn er nicht als Meuterer für immer zur Strecke gebracht wurde. Lautete doch der erste Satz der Lagerordnung: ,, Das KZ. ist eine Erziehungsanstalt besonderer Art." Die Besonderheit der Erziehung lag in der völligen und willenlosen Unterordnung. - - Zumeist bestand eine Baracke ein Block nach nationalsozialistischer Terminologie aus zwei Stuben und wurde von dem der SS gegenüber verantwortlichen Blockältesten geführt. Stuben- und Blockälteste rückten nicht zur Arbeit aus. Hatte nun der Stubenälteste immerhin noch einige Arbeit mit der Beaufsichtigung der Stubenreinigung, dem Portionenfassen, dem Wäscheempfang und dergleichen · Dingen, so bestand die Arbeit des Blockältesten eigentlich nur in der Vertretung des Blocks der SS gegenüber und im ordnungsmäßigen Aufmarsch des ihm anvertrauten Häufleins müder und kranker Häftlinge zum Appell. Unzählig viele Blockälteste führten im Lager ein Herrenleben, das sie in der Freiheit kaum je gekannt hatten. Zur Gruppe der Mächtigen gehörend, wurden sie von den leider überall zu findenden eklen Kriechern umworben, waren oft ebenso bestechlich wie brutal und dann alles andere als ein Vorbild, an dem sich Schwächere hätten aufrichten können. Ich muß es offen sagen: Die Zahl charakterfester Männer auf diesem gewiß schwierigen Posten zwischen den Interessen der SS und der Häftlinge war nicht allzu groß. Gepriesen aber seien die wenigen, die ihre Findigkeiten benutzten, die Anforderungen 26 der Kam ware Müh Hi sich über Seite den also und der beid ältes Ang Unte ihre Vera best älte esse und zu, I der gab ohn Er Ges feh seir nicht als t wurde. g: ,, Das rt." Die gen und ock nach wei Stuverantnd Blocknun der mit der ortionenThen Dinn eigentS gegendes ihm Häftlinge hrten im eit kaum en gehöu findenbenso bee als ein aufrichten kterfester sten zwilinge war wenigen, derungen der SS einzudämmen und die geringen Rechte ihrer Kameraden so oder so wahrzunehmen. Letzten Endes waren auch die Blockältesten nur Korn zwischen zwei Mühlsteinen. - Hier beobachteten wir nun zum ersten Male, wie sich die Interessensphären der SS und der Häftlinge überschneiden: die Blockältesten waren nach zwei Seiten hin verantwortlich. Einmal unterstanden sie den Weisungen des Lagerältesten, eines Häftlings also, der sich entweder durch besondere Intelligenz und Tatkraft oder durch besondere Liebdienerei bei der SS auszeichnete hin und wieder auch durch beides gleichzeitig. Andrerseits waren die Blockältesten die direkten Untergebenen der Blockführer, Angehöriger der SS, die zumeist im Range eines Unterscharführers standen. Diese wieder empfingen ihre Weisungen vom Rapport- oder Lagerführer. Die Verantwortung nach beiden Seiten hin zeigt am besten die Schwierigkeiten der Position eines Blockältesten auf, denn fast immer standen sich die Interessen der Häftlinge und der SS konträr gegenüber und es gehörte schon ein bedeutendes Geschick dazu, hier zu vermitteln. Ich sprach vom Lagerältesten. Er war das Haupt der sogenannten Selbstverwaltung der Häftlinge. Es gab innerhalb des Lagers schlechthin kein Ding, das ohne sein Wissen und seine Zustimmung geschah. Er war der unumschränkte Herrscher über Leben und Gesundheit von vielen tausend Menschen, seine Befehle wurden widerspruchslos befolgt. Sein Haẞ, seine Abneigung bedeuteten oft den sicheren Tod, 27 seine Freundschaft garantierte ein einigermaßen er- trägliches Leben. Von seiner Einstellung, von der Bildung seines Charakters, aber auch von seiner Klug- heit, seiner Geschicklichkeit hing das Wohl und Wehe von uns allen ab. Es gab Lagerälteste— ich erinnere an Christl K...., der diesen Posten einige Zeit in Natzweiler bekleidete und von dem später noch die Rede sein wird—, die nur ihr kleines Ich sahen und so zu bloßen Schergen im Dienste der SS herabsan- ken, Kreaturen im übelsten Sinne des Wörtes, denen das Leben von hundert Kameraden nichts galt, wenn sie sich damit nur ein warmes Mittagessen aus der Küche der SS erkaufen konnten. Und auf der an- deren‘Seite habe ich Männer auf diesem Posten ge- sehen von einer bewundernswürdigen Haltung, die zäh und eisern unter Einsatz ihres eigenen Lebens die wenigen Rechte ihrer Kameraden vor dem Komman- danten vertraten und durchsetzten. Karl Lorenz und Ferdinand Westerbarkley in Allach und andere rag- ten wie Felsen aus der Flut der Not heraus, Felsen, an die sich mancher Versinkende anklammerte.... Aber der Kreis der sogenannten Häftlingsselbst- verwaltung ist damit noch nicht ausgemessen. Es gab in jedem Lager noch eine Reihe von Dienst- stellen, die ausschließlich von Häftlingen versehen wurden und die nur zu einem Teil der Aufsicht der SS unterstanden. Zu den letzteren gehörte vor allem das Häftlingsrevier, das, von einem Revierkapo ge- leitet, wenigstens dem Namen nach vom Lagerarzt beaufsichtigt wurde. Ich habe allerdings in fünf La- gerjahren keinen SS-Arzt in den Krankenstuben ge- 28 Ben eron der KlugWehe innere Zeit in ch die en und absandenen , wenn aus der Her anten gemg, die ens die ommannz und re ragFelsen, te... selbsten. Es Dienstersehen icht der or allem apo gegerarzt ünf Laben ge- sehen, es sei denn, man wollte Experimente mit Häftlingen vornehmen. Allerdings fanden sich überall unter den Häftlingen medizinisch geschulte Kräfte, die ihre Zeit den erkrankten Kameraden widmeten. Aber so segensreich die oft aufreibende Tätigkeit dieser Männer gewesen sein mag ihre Wirkung litt doch zumeist darunter, daß sie in ihren Entschlüssen nicht immer frei waren, weil sie den medizinisch nicht vorgebildeten Revierkapos unterstanden und gegebenenfalls tun mußten, was diese befahlen. Und so ist denn mancher Häftling auf eine stille Weisung des Revierkapos oder eines anderen Lagermächtigen mit einer Benzinspritze in den Himmel befördert worden. Ohne Urteil und oft ohne vorheriges Wissen der SS... Eine weitere sehr wichtige Dienststelle war der Arbeitsdienst. Er wurde ebenfalls von einem Häftling geleitet, der seine Weisungen vom SS- Arbeitsdienstführer erhielt. Seine Aufgabe bestand darin, täglich die angeforderte Zahl von Arbeitskräften für die verschiedenen Kommandos zu stellen. Ein schwieriger Auftrag, denn es gab nur sehr wenige gute Arbeitskommandos und vor den schlechten suchte sich aus verständlichen Gründen immer ein gewisser Prozentsatz zu drücken. Wenn man daher in der Würdigung der Handhabung dieses Amtes gerecht sein will, darf man nicht vergessen, daß einmal der Arbeitsdienst unter dem unausweichlichen Zwang stand, die angeforderte Zahl von Sklaven zu liefern, andrerseits jeder Häftling bestrebt war, sein Leben und seine Gesundheit zu erhalten und folglich ver29 suchte, dem Arbeitsdienst ein Schnippchen zu schlagen. Das führte natürlich dazu, daß dieser oft zu harten Maßnahmen greifen mußte, um das befohlene Ziel zu erreichen. Es gehörte schon ein außergewöhnliches Maß von Menschenkenntnis dazu, Drückeberger von den wirklich Arbeitsunfähigen zu trennen und selbstverständlich gab es manchen Mißgriff. Soweit ich aber weiß, waren wohl alle mir auf diesem gefährlichen Posten bekannten Kameraden immer ehrlich bemüht, gerecht zu handeln: Männer, wie Georg B...., waren eben eine Ausnahme. Überdies habe ich ja nicht alle Konzentrationslager kennen gelernt. Die eigentliche Befehlsvermittlungsstelle zwischen SS- Lagerführung und Häftlingen war die Schreibstube. Mit ihr machte jeder Häftling schon am ersten Tage seines Lagerlebens eine meist für seine weitere Laufbahn entscheidende Bekanntschaft. Auch die Schreibstube wurde ausschließlich von Häftlingen verwaltet. Hier wurde der Zugang kartothekmäßig erfaßt, hier erhielt er seine Lagernummer, hier wurde die Farbe seines Winkels bestimmt, sein Beruf und seine Fähigkeiten wurden festgestellt, hier wurden die Transportlisten geschrieben, hier fand auch das Ende seines Erdenlebens noch einen sichtbaren Ausdruck, wenn hinter seinen Namen mit Rotstift das Kreuz gemalt wurde: Erschossen am... oder: Gestorben am... Der Ruf: ,, Nr.... zur Schreibstube!" war nicht beliebt, denn meist kam nichts Gutes dabei heraus. Wie oft hieß es dann: Du gehst morgen früh auf Transport nach Auschwitz oder Mauthausen 30 oder so die Ga ner de Daß si Opfer rechtig Ein die La einem dafür Feldm in erb eine A der H halten mühte all, w versch Dacha es ein hafte mera Porti mal durch die H Stell und Die F Ni Wo H oder sonstwohin. Und am unbekannten Ziel konnten die Gaskammer und der Tod lauern. Auch die Män- ner der Schreibstube hatten es nicht immer leicht. Daß sie oft einem schmerzlichen Schematismus zum Opfer fielen, der ewigen Quelle persönlicher Unge- rechtigkeiten, lag wieder im System begründet. Ein wohl immer begehrtes Arbeitskommando war die Lagerküche. Sie unterstand dem Namen nach einem Küchenchef, irgendeinem SS-Scharführer, der dafür ebensoviel Qualifikationen besaß, wie zum Feldmarschall, und der nicht selten seine Pflicht dar- in erblickte, die gelieferten Rationen noch auf irgend- eine Art zu kürzen. Und das alte Sprichwort:„Wie der Herr, so’s Gescherr‘“‘, hat auch hier Recht be- halten, denn die ihm unterstellten Häftlingsköche be- _mühten sich nicht selten, es ihm gleichzutun. Über- all, wohin mich das Schicksal im Laufe der Jahre verschlug, in Sachsenhausen, Natzweiler, Pelters, Dachau und Allach, wurde„geschoben“. Immer gab es einen Kreis von Kameraden, die zur Küche nahr- hafte Beziehungen unterhielten und die so ihre Ka- meraden um einen Teil der an sich schon kargen Portionen betrogen. Wurden die Beschwerden ein- mal gar zu laut, dann griff die SS-Verwaltung wohl durch, ein neuer Küchenchef erschien auf dem Plan, die Köche wurden abgelöst, neue traten an ihre Stelle; und wenn die wieder mit ihren Freunden rund und dick waren, wiederholte sich das Schauspiel. Die Personen wechselten, das Stück b!ieb das gleiche. Nicht viel anders war es auf der Häftlingskammer, wo Kleidung, Wäsche und Schuhwerk zur Ausgabe 31 und zum Umtausch gelangten. Nur sehr selten kümmerte sich die SS um die Vorgänge auf dieser Dienststelle, wußte sie doch nur allzu gut, daß Neid und Miẞgunst unter den Häftlingen schon dafür sorgen würden, daß die Bäume nicht in den Himmel wuchsen. Der gewöhnliche Sterbliche, das Arbeitstier, der Sklave ohne Rang und Beziehung, lief in zerfetzten Kleidungsstücken; Strümpfe und Schuhe waren in einem erbarmungswürdigen Zustand und gegen Ende des Krieges war die Lage geradezu katastrophal, obwohl in den Kammern genügend Kleidungsstücke lagerten. In jedem Lager gab es eine ganz bestimmte Schicht von Häftlingen, die immer wie aus dem Ei gepellt einherging und in vielen Fällen konnte man aus den jugendlichen Gesichtern die homosexuelle Brauchbarkeit lesen. Es war wie überall: für Brot, Butter und Zigaretten konnte man alles haben, der arme Teufel mochte zusehen, wie er für seine zerrissene Hose einen Ersatz bekam. - Es gab noch manche Dienststelle innerhalb des Stacheldrahtes, die nicht ohne Einfluß auf den Ablauf des Häftlingstages war um der Übersichtlichkeit willen, möchte ich aber darauf verzichten, sie alle zu nennen. Die Zusammenfassung der wichtigsten soll genügen, kam es doch nur darauf an, den Kreis der Häftlingsselbstverwaltung zu umreißen. Wir haben gesehen, wie vielfach, sich die Kompetenzen dieses Kreises mit dem der SS- Verwaltung berührten, ja sich manchmal untrennbar miteinander verbanden. Die Lagerverwaltung der SS ist leichter zu beschreiben, denn ihr Aufbau ist klarer. Natür32 lich ha gegebe unsere durch und si heblich hinder mit ein genüb Auch ten Gr Mens Macht Schule schen Der einer f Grausa pell al führer wurde aber derum wenn mung des R diese Papie strafe her di einhol 3 elten kümser DienstNeid und Für sorgen mel wuchtstier, der zerfetzten waren in egen Ende ophal, obsstücke labestimmte dem Ei geonnte man mosexuelle für Brot, haben, der seine zerrhalb des f den AbÜbersichtverzichten, der wichauf an, den mreißen. ie Kompe" erwaltung iteinander ist leichter er. Natürlich hat es auch dort Ungerechtigkeiten und Kämpfe gegeben, aus denen wir als Häftlinge hin und wieder unseren Nutzen zogen. Der kleine SS- Mann war durch seine Pflichten fast ebenso gebunden wie wir und sicher war der Kadavergehorsam dort noch erheblich ausgeprägter als in der Wehrmacht. Aber das hinderte nicht, daß auch schon ein Unterscharführer mit einer Autorität ausgestattet war, die ihn uns gegenüber zum Herren über Leben und Tod machte. Auch das gehörte wohl zu den sorgsam ausgeklügelten Grundsätzen dieses teuflischen Systems, daß man Menschen völlig untergeordneter Bedeutung eine Macht in die Hand gab, die sie, ohne Vorbild, ohne Schule und ohne Willen zum Guten nur zu sadistischen Quälereien anzuwenden wußten. Der SS- Blockführer unterstand dem Rapportführer, einer fast in allen Lagern wegen seiner Härte und Grausamkeit gefürchteten Person. Er nahm den Appell ab und empfing seine Weisungen vom Lagerführer, um sie rücksichtslos durchzusetzen. Wie oft wurde durch ihn das Unmögliche möglich gemacht, aber nie auf der guten Seite. Der Lagerführer wiederum war dem Kommandanten verantwortlich und wenn dieser auch offiziell Strafen nur mit Zustimmung des Verwaltungshauptamtes, beziehungsweise des Reichsführers SS verhängen durfte, so stand doch diese Vorschrift, wie so viele andere, nur auf dem Papier. In der Praxis wurden Leibes- und Lebensstrafen verhängt und vollzogen, ohne daß man vorher die Zustimmung der übergeordneten Dienststelle einholte. 3 33 In den Kreis der SS- Verwaltung gehören noch der SS- Lagerarzt, der Arbeitsdienstführer, die Führer der einzelnen Arbeitskommandos und andere weniger bedeutende Funktionäre, von denen hier nur der Verwaltungsführer, die Bauleiter der Waffen- SS, der Leiter der politischen Abteilung und der Kommandant der Wachtruppen genannt sein mögen. Von ihnen liefen die Fäden zum Verwaltungshauptamt in Berlin, das dem Obergruppenführer Oswald Pohl unterstellt war, und zum Reichssicherheitshauptamt, dessen Leiter nach dem Tode Heydrichs Ernst Kaltenbrunner wurde. Über beiden Behörden aber thronte der Mann, der seinen Namen mit blutigen Zeichen ins Buch der Weltgeschichte eingetragen hat: Heinrich Himmler. Konzentrationslager Sachsenhausen Einige dreißig Kilometer nördlich von Berlin liegt zwischen dürftigen Kiefernwäldern in einer Sandwüste das Konzentrationslager Sachsenhausen. Es ist großzügig angelegt, man war sich also schon bei der Planung im klaren darüber, wieviel tausend Menschen man hier der Sklaverei ausliefern wollte. Man betritt durch das schmiedeeiserne Tor des Befehlsgebäudes das Lager. Ein weiträumiger Appellplatz in der Form eines gewaltigen Halbkreises läßt den Blick frei über eine große Zahl von Häftlingsbaracken schweifen, deren Stirnseiten jene allen Konzentrationären bekannte Inschrift tragen: ,, Es gibt einen Weg in die Freiheit. Seine Meilensteine hei34 Ben: Ehr Fleiß, W zum Vate Diese B Befehlsge Baulichke Blick übe ren drei d ordnet, u den App von einer umgeben gebaute u türme erh nicht ein entzogen Sinn woh ins Lager den noch System v elektrisch Schnelldr sich den gehung j Aber alle können, Hinderni im Draht beendet. Die Ho den, war 3* ren noch der e Führer der weniger bemur der Verffen- SS, der er Kommanmögen. Von hauptamt in Oswald Pohl Ben: Ehrlichkeit, Sauberkeit, Ordnung, Disziplin, Fleiß, Wahrheitsliebe, Opfersinn und treue Liebe zum Vaterlande." Diese Baracken sind radial angeordnet, so daß vom Befehlsgebäude, oder vom Jourhaus, wie man sagt, alle Baulichkeiten und alle Wege zwischen ihnen mit einem Blick übersehen werden können. Zu meiner Zeit waren drei oder vier Barackenreihen hintereinander geordnet, ungefähr sechzig Unterkünfte mochten also itshauptamt, den Appellplatz umsäumen. Die ganze Anlage war s Ernst Kalhörden aber mit blutigen eingetragen hausen Berlin liegt einer Sandausen. Es ist schon bei der ausend Menwollte. me Tor des Bemiger Appell lbkreises läßt on Häftlings ene allen Konen: ,, Es gibt von einer vielleicht sieben Meter hohen Betonmauer umgeben, aus der sich in gewissen Abständen massiv gebaute und mit Maschinengewehren besetzte Wachtürme erhoben; in der Tat gab es im ganzen Lager nicht ein Fleckchen, das der Kontrolle der SS- Posten entzogen gewesen wäre. Aber die Betonmauer, deren Sinn wohl auch darin bestand, den Blick von außen ins Lager zu verhindern, genügte den schwarzen Helden noch lange nicht als Sicherung ihrer Opfer. Ein System von Stacheldrahtzäunen, die zum Teil noch elektrisch geladen waren, Stacheldrahtwalzen und Schnelldraht sollte den Häftlingen die Lust nehmen, sich den Weg in die Freiheit zu suchen unter Umgehung jener Forderungen an den Barackenwänden. Aber alle diese Maßnahmen haben nicht verhindern können, daß im Laufe der Jahre doch mancher die Hindernisse besiegte. Viele allerdings haben auch im Draht unter den Schüssen der Posten ihr Leben beendet. Die Holzbaracken, in denen wir untergebracht wurilensteine hei- den, waren eigentlich recht solide gebaut und ent3* 35 raum. hielten hygienische Einrichtungen, die schlechterdings vorbildlich waren. In der Mitte der Baracke befanden sich die Waschräume, die sogar mit einer Brause und Fußbadewannen ausgestattet waren. Daneben lagen die Klosetts. Rechts und links von diesem Kern befanden sich je ein Tages- und ein SchlafNormalerweise konnten zweihundertfünfzig Häftlinge untergebracht werden. Aber trotz der groBen Zahl der Unterkünfte waren schon damals, 1940, alle Baracken überbelegt. Als unser Zug auf dem Bahnhof Sachsenhausen hielt, war es gegen sieben Uhr. In den vergangenen Wochen hatte ich manches gesehen und vieles am eigenen Leibe erlebt, was mir früher untragbar erschienen wäre. Ich hatte mir auch keine Illusionen mehr über das Konzentrationslager gemacht, war auf Härte und Rücksichtslosigkeit gefaßt und mir bewußt, daß es alles andere als ein Erholungsheim sein würde. Was aber nun in der Minute unserer Ankunft geschah, glich der Hölle. Im gleichen Augenblick als die Bremsen knirschten, wurden die Waggontüren aufgerissen und eine Anzahl uniformierter Bestien trieb uns in Sekundenschnelle mit Fußtritten, Fausthieben und Kolbenschlägen auf den Bahnsteig. Wir fielen übereinander, wir krümmten uns vor Schmerzen, wir bluteten schon aus vielen Wunden I aber was half das! Der Minutenaufenthalt des Zuges war noch nicht verstrichen, da standen wir bereits in Fünferreihen angetreten und marschierten auf die zwei wartenden Transportautos zu. - Selbstverständlich hatte auch der Gemächlichste von uns keit und gen sch unbesch mal be bringen pfercht Wagen Tränen ich, mi so sch bereite den Bl Die Viell wieder ,, Rau Wir ,, Sch Schrift haftlag vor w den? mildes Wir links a nun, d zur Be gescha auf ach beweg 36 von uns längst begriffen, daß nur äußerste Schnellig- keit und Gewandtheit ihn vor weiteren Mißhandlun- gen schützen konnte. Dennoch wiederholte sich das unbeschreibliche Schauspiel des Bahnsteigs noch ein- mal beim Besteigen der Autos, die uns ins Lager bringen sollten. Als wir dann endlich dicht ge- pfercht mit klopfenden Herzen und ohne Atem die Wagen besetzt hatten, standen vielen von uns die Tränen in den Augen, und mancher wird, wie auch ich, mit dem Gedanken gespielt haben, diesem Leben so schnell als möglich durch den Freitod ein Ende zu bereiten. Welche Gnade des Schicksals, daß es uns den Blick in die Zukunft verwehrt! Die Wagen rollten. Vielleicht nach zehn Minuten wurden die Türen wieder aufgerissen. „Raus“ Wir flogen, wir sprangen, wir standen. „Schutzhaftlager Sachsenhausen‘ glänzte die Schrift über dem Tor in der Morgensonrie. Schutz- haftlager— welch tröstliches Wort eigentlich. Aber vor was, vor wem sollten wir denn geschützt wer- den? Und Haft? Nun, die Haft war ja bisher die mildeste Form der Freiheitsentziehung. Wir marsichierten durch das Tor, schwenkten nach links ab, machten noch einmal linksum und standen nun, den Appellplatz im Rücken, mit dem Gesicht zur Betonmauer. Kaum wagte man zu atmen. Aber es geschah nichts. Die Uhr am Dienstgebäude zeigte auf acht. Ich schielte hinauf, ohne dabei den Kopf zu bewegen. Langsam, ganz langsam wanderte der Zei- 37 ger. Neun Uhr. Zehn Uhr. Es passierte immer noch nichts. Wir wurden mutiger und begannen, im Flüsterton miteinander zu reden. Das Schwerste sei überstanden, meinten die Optimisten, das Schwerste sei immer der Empfang, alles andere sei dann halb so schlimm. Wenn man sich erst an das Lagerleben gewöhnt habe, ließe es sich schon aushalten. Die Pessimisten waren anderer Meinung. Abwarten, sagten sie, das dicke Ende kommt noch! Wenn das Konzentrationslager so eine einfache Sache wäre, würde man kein solches Geheimnis daraus machen. - Die Pessimisten sollten recht behalten. Gegen elf Uhr, nachdem wir also bei ziemlich strenger Kälte fast drei Stunden bewegungslos gestanden hatten, kamen aus dem Jourhaus einige chargierte SS- Männer auf uns zugeschritten. ,, Aufpassen! Wer verlesen wird, tritt links heraus!" Neunzehn Namen fielen, meine hallesche Bekannt-" schaft war dabei. Ihre Träger wurden wieder zum Tor hinausgeführt. Als ich Tage später einmal einen alten Lagerhasen fragte, was wohl aus ihnen geworden sein könne, meinte er gleichmütig: ,, Ach so die an der Mauer aufgerufen sind? Das. ist immer so. Es sind die, welche aktenmäßig zu beseitigen sind. Die kommen gleich nebenan in den Industriehof und werden dort erhängt oder erschossen." In der Tat ist mir keiner der Unglücklichen später wieder begegnet. Man hatte ihr Leben einfach ausgelöscht, ohne Urteil, ohne Recht...) 38 Wir weiter s merte. unter de ben aus in die B mal die hört, w ,, Ich meinem Erste. Fausti Nase ra Nächste ein paa auf und davon Gesicht mernd Uns misten einer besond welche straft Strafe nur ein noch i wurde fremde Ich Wir restlichen vierzig Mann blieben einstweilen weiter stehen, ohne daß sich jemand um uns küm- merte. Sicher hatten die neunzehn Kameraden längst eOpti- unter den Schüssen der SS oder am Galgen ihr Le- ang, alles ben ausgehaucht, als man uns endlich gegen ein Uhr man sich in die Badebaracke führte. Dort nahm uns noch ein- °&ssich mal die SS in Empfang. Wir wurden einzeln ver- hört, weshalb wir ins Lager gekommen seien. ng. Abwar-„Ich hatte noch alte kommunistische Flugblätter in CI: Wenn meinem Besitz—““ antwortete wahrheitsgemäß der >ache wäre, Erste. Der SS-Unterscharführer schlug ihm mit der S machen. Faust ins Gesicht, daß sofort das Blut aus Mund und Nase rann. Aber dann durfte der Mann abtreten. Der mlich Nächste, ein früherer Gewerkschaftsbeamter, erhielt slos ge- ein paar Fußtritte in die Geschlechtsteile. Er schrie secha- auf und krümmte sich vor Schmerzen, und die Folge davon war, daß ihn der nächste Fußtritt genau ins ‘s heraus“ Gesicht traf. Er taumelte und fiel schließlich jam- ° Bekannt- und winselnd auf den Fußboden. Uns erstarrte das Blut in den Adern und die Opti- misten mußten schnell ihre Meinung revidieren. Kaum einer von uns blieb von Mißhandlungen verschont, besonders aber hatten alle diejenigen zu leiden, sind? Das welche einmal wegen eines Sexualverbrechens be- enmäßig zu straft worden waren, und die nach Verbüßung ihrer Strafe unter Mißachtung des Grundsatzes, daß jeder jer e- nur einmal für seine Tat bestraft werden kann, nun noch ins Konzentrationslager gebracht wurden. Sie n später wurden meist so zugerichtet, daß sie den Raum ohne E, fremde Hilfe nicht mehr verlassen konnten. Ich selbst wurde ziemlich glimpflich behandelt. 39 Ein SS- Mann steckte mir einen Feuerhaken, mit dem er bisher die Schädel einiger Zugänge bearbeitet hatte, in den Hemdkragen und drehte mir langsam die Gurgel zu. ,, Es wird dir schon einfallen, weshalb du hier bist", meinte er zynisch. ,, Denke nur nach. Ich habe Zeit." Ich wußte es aber bis dahin selbst nicht und hätte auch nicht antworten können, denn ich bekam längst keine Luft mehr und war der Ohnmacht nahe. Wahrscheinlich aber war dem Herrn Blockführer der Fall nicht interessant genug. Der Mann ließ plötzlich los, gab mir einen Hieb gegen das Kinn, der aber nicht recht traf, und ließ mich laufen. Nacheinander mußten wir nun an einen Tisch treten, unsere Taschen entleeren und alles abgeben. Wertsachen wurden notiert, die ander n Gegenstände flogen auf den Boden, man konnte sich denken, daß man sie niemals wiedersehen würde. Es gab auch hier noch manche Ohrfeige, allein die Breite des Tisches verhinderte eine Fortsetzung der Exzesse. Im nächsten Raum mußten wir uns entkleiden. Anzug, Mantel, Wäsche, Hut und Strümpfe wurden in einen Papiersack geworfen, der eine Nummer erhielt. Die gleiche Nummer wurde uns ausgehändigt. Von nun an waren wir keine Menschen mehr, eine Nummer hatte unsere Namen ausgelöscht. 36 607.... Nun nahmen uns die Friseure in Empfang und schoren uns die Schädel kahl, daß wir uns nachher gegenseitig nicht wiedererkannten. Die Friseure waren natürlich Häftlinge, und von ihnen erhielten wir 40 den erste schauder Als ich Haare zu schnittlic ,, Ja dreißig h „ Ich draußen stens ei schult wird ma „ Es is strähnen im erste der Arb Rest wi Übrigens bernes( Ich w die den Nationa Wo " Geweh es Spez Eiserne heißen. den Ba Ich e ich mir “ 2 dem© den ersten Einblick in unser zukünftiges Leben. Uns arbeitet© schauderte. “agsam Als ich an der Reihe war, meine langen blonden Haare zu opfern, fragte ich, wieviel Jahre man durch- schnittlich in Lager bleibe. „Ja—“ meinte er,„wir sind fast alle seit vierund- dreißig hier. Sechs Jahre, fünf Jahre— je nachdem.“ „Ich dachte, oder vielmehr: man erzählte doch draußen, daß man meist nur sechs Monate oder höch- stens ein Jahr im Lager bleibe. Wenn man umge- schult und endlich Nationalsozialist geworden ist, wird man entlassen?“| u„Es ist alles Lüge“, sagte er und warf die Haar- As strähnen auf den Boden. ‚Die meisten sterben schon im ersten Jahre an Kummer, an Mißhandlungen, an der Arbeit, am Hunger oder sonstwie. Und vom Rest wird nur ganz, ganz selten jemand entlassen. Übrigens ist die Rederei von der Umschulung ein al- bernes Geschwätz. So etwas gibt es nicht.‘ Ich war erstaunt.„Wieso? Gibt es keine Vorträge, die den politisch Andersdenkenden allmählich dem Nationalsozialismus zuführen sollen?“ „Wo denkst du hin! Vorträge werden hier mit dem Gewehrkolben oder mit der Faust gehalten. Da gibt es Spezialisten, du wirst sie noch kennen lernen: den Eisernen Gustav, Knittler, Kaiser und wie sie alle nd heißen.— Weiter! Der Nächste! Geh gerade aus in er den Baderaum und halte die Ohren steif.“ scene W2- Ich erhob mich und ging ins Bad. Das Bild, das ienwir ich mir vom Konzentrationslager gemacht hatte, be- 41 gann sich umzuformen. Er verlor sein menschliches Gesicht. Wir badeten, erhielten unsere Zebrauniform, jene seltsam violett und hellgrau gestreifte Kleidung, die überall sofort ins Auge fiel und jeden Fluchtversuch unmöglich machen sollte. Dann wurden wir von den auf der Schreibstube beschäftigten Häftlingen auf Kartothekkarten erfaßt und traten schließlich vor der Baracke wieder an. Es war kalt und wir froren entsetzlich, denn die wenigsten von uns mochten daran gewohnt sein, in dünnem Leinenzeug ohne Unterwäsche bei Minustemperaturen herumzulaufen. Wir sehnten uns nach Wärme, nach etwas Eẞbarem oder nach einem Bett. Aber es vergingen Stunden, ehe wir auf die Baracken verteilt waren. Ich kam nach Block 10 in die Isolierung, eine besondere Abteilung des Lagers, die von der Allgemeinheit nochmals durch Stacheldraht getrennt war. Die Mehrzahl aber von uns vierzig Mann landete auf Block 11 in der Strafkompanie. Es waren die Todeskandidaten, und ich will gleich hier erwähnen, daß von ihnen allen- es mochten gegen fünfundzwanzig Mann sein nach einem Vierteljahr nur mehr ein einziger am Leben war. Später werde ich noch von der SK erzählen. Im Block ging die Schreiberei noch einmal von neuem los. Und außerdem wurde wieder geschlagen. Nur waren es jetzt keine SS- Männer, die uns grundlos quälten, sondern Häftlinge, Kameraden, die das gleiche Kleid trugen, das uns nun schmückte. Ich begriff es nicht, aber es fügte sich ein neues Mo42 saikstein Konzentr Inzwis wir nahm „ Alten" gegangen Ansprach ,, Ihr s ist kein wie ihr Erziehu Leben! keine R zwei Din daß ihr i fürchterl habt ihr Das Bro ihr dürft Augen d einem S nur unn In die Wir erh über de mir fest Teufeln ein Blo also, kl den Kn Wir Sliches saiksteinchen in das langsam wachsende Bild vom Konzentrationslager. Inzwischen rückten die Arbeitskommandos ein, und wir nahmen am ersten Appell teil. Am Abend, als die „Alten“ ihr Essen empfangen’und in den Schlafsaal gegangen waren, hielt uns der Blockälteste folgende Ansprache: „Ihr seid jetzt in einem Konzentrationslager. Das ist kein Gefängnis und kein Zuchthaus, sondern— wie ihr noch auf dem Anschlag lesen werdet— eine Erziehungsanstalt besonderer Art. Hier geht es ums Leben! Was ihr einmal draußen waret, spielt hier keine Rolle, ihr müßt es vergessen. Hier gibt es nur zwei Dinge: Arbeiten und Maul halten! Glaubt nicht, daß ihr irgendwelche Rechte hättet, ihr würdet eine fürchterliche Enttäuschung erleben. In Wahrheıt habt ihr keinerlei Ansprüche, nicht einmal auf Essen. Das Brot, das ihr erhaltet, ist ein Geschenk, denn ihr dürft euch nicht darüber täuschen, daß ihr in den Augen der SS weniger wert seid als ein Stein. Mit einem Stein kann man Straßen bauen— ihr aber seid nur unnütze, Fresser...‘“ In diesem Ton ging es noch zwanzig Minuten fort. Wir erhielten Maßregeln über unser Verhalten gegen- über der SS und gegenüber dem Blockpersonal. In mir festigte sich die Überzeugung, daß die SS nur aus Teufeln in Menschengestalt bestehen könne und daß ein Blockältester und ein Stubenältester, Häftlinge also, kleine Götter seien, denen man sich nur auf den Knieen nähern dürfe. Wir nähten uns noch unsere Winkel und Nummern 43 auf Rock und Hose, dann erhielten wir unser Bett zugewiesen und legten uns schlafen. Aus mancher Ecke klang noch lange ein unterdrücktes Schluchzen. Am andern Morgen wurde um vier Uhr geweckt. Zunächst hieß es einmal, sein Bett bauen. Wir schielten nach den Alten und versuchten, es ihnen gleichzutun. Aber so einfach war das nicht, denn selbst diese hatten eine volle Stunde zu tun und mußten dann noch manche Rüge und manche Ohrfeige vom Stubendienst einstecken. Unsere Betten blieben trotz aller Mühen vorläufig Fallen, die Alten schenkten uns Zugängen ein mitleidiges Lächeln, helfen konnten sie uns schon aus Zeitmangel nicht. Der Stubendienst, zwei Brüder übrigens, von denen einer schlechter war als der andere, ließ uns links liegen. Nach dem Waschen erhielten wir Kaffee, allerdings noch nichts zu essen. Immerhin waren wir dankbar für diesen Schluck, denn es war das Erste, das unser Magen seit vierundzwanzig Stunden bekam. Wenig später traten wir zum Appell an. Die Alten rückten zur Arbeit ab, wir Zugänge marschierten nach unserer Baracke zurück. Allerdings durften wir sie noch lange nicht betreten, gute drei Stunden standen wir vorerst mal mit klappernden Zähnen in der Morgenkälte. Endlich hatte der Stubendienst seine Arbeit beendet, das Blockpersonal hatte gefrühstückt und wir durften nähertreten, nachdem wir uns der Schuhe entledigt hatten. Wohlige Wärme empfing uns im Tagesraum. Der Blockälteste saß an seinem Tisch, ein Rest Bratkartoffeln auf dem Teller ließ unsere Begierde wach werden. Aber weder Wärme 44 noch Bra standen der Ding zündete war zuvi sichtslos sich zuen benältes gewürdi mustert Ich h brutaler nung ha ,, In d ten ja n für die Wir wol die Rec war die bendien ..Was " hier in marsch Wir und G Der B ,, Ha hier ü schri ich eig -In d IEZUL noch Bratkartoffeln waren für uns bestimmt. Wir standen unbeweglich in Reih und Glied und harrten der Dinge, die da kommen sollten. Der Blockälteste zündete sich gemächlich eine Zigarette an, aber es war zuviel Pose dabei, als daß die Sache hätte ab- sichtslos erscheinen können. Und dann vertiefte er sich zuerst noch in eine Unterhaltung mit dem Stu- benältesten, der uns bisher. überhaupt keines Blickes gewürdigt hatte. Schließlich erhob er sich und musterte uns schweigend und eingehend. Ich hatte das Empfinden, es miteinem schlechten, brutalen Menschen zu tun zu’'haben. Und meine Ah- nung hat mich nicht betrogen. „In den Schlafsaal!‘“ kommandierte er. Wir konn- ten ja nicht wissen, daß dieser Befehl das Stichwort für die beiden Brüder vom Stubendienst darstellte. Wir wollten in denSchlafsaal gehen— und hatten die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Denn kaum war. die Aufforderung an uns gerichtet, als der Stu- bendienst schon mit Knüppeln über uns herfiel. „Was, ihr Schweine! Denkt ihr vielleicht: ihr seid hier in einem Nervensanatorium? Zurück, marsch, marsch!“ Wir kehrten um und stellten uns wieder in Reih und Glied auf. Einigen lief das Blut vom Schädel. Der Blockälteste stieß ein heiseres Lachen aus. ‚„Habt ihr Mistbienen noch nicht gemerkt, daß es hier überhaupt kein Gehen, sondern nur Lauf- schritt gibt? Na, ihr werdetes noch Iernen und wenn ich eigenhändig die Hälfte von euch totschlagen soll! — In den Schlafsaal!“ 45 Wie schnell fünfzehn Mann durch eine enge Tür kommen können, habe ich dann erlebt. Jedenfalls fand im Augenblick der Stubendienst nicht viel Gelegenheit zum Zuschlagen. Wir sollten lernen, Betten bauen. Als wir nun aber in der Helle des Tageslichtes die Kunstwerke erblickten, welche die Alten hingelegt hatten, sank uns der Mut. Zunächst mußte der Strohsack in Zigarrenkistenform mit ganz scharfen Kanten gebracht, darüber dann das Bettlaken gezogen werden. Wir versuchten es einmal, zweimal, zehnmal. Waren wir fertig, dann stellte sich irgendein Mangel heraus. Entweder war die Bettfläche nicht genau eben, oder das Ganze war zu hoch oder zu niedrig im Verhältnis zu den Nachbarbetten. Ich will den Leser nicht langweilen mit einer genauen Beschreibung der ganzen Bettbauerei. Sie war eine Wissenschaft für sich und blieb während unseres Aufenthaltes in Sachsenhausen unser tägliches Sorgenkind. Wieviele Schläge, wieviel stille Tränen hat es in all den Jahren um den lieben Bettenbau gegeben! - Wir bauten und rissen wieder ein. Bis zum Mittagessen. Dann empfingen wir einen Liter Steckrüben, die übrigens verhältnismäßig anständig gekocht waren, und bauten weiter. Strohsack, Laken, Decken, Kopfkeil es war zum Verzweifeln. Und als es Abend wurde, hielten unsere Fallen noch lange keinen Vergleich mit den Betten der Alten aus- trotz Fuẞtritten und Faustschlägen, mit denen der Stubendienst uns reichlich bedachte. Und dabei hieß es: 46 Morgen nicht ord D pause. Ich wil mancher lungen sondern und mit nahm. essen. mals he konnter kamen Bettges aussah. Trotzde blieb, d und nich wieder Am beiten. und w zugete genap der La pause bliebe tagsüb ten e mußte Block Morgen früh geht es an die Arbeit. Wer sein Bett nicht ordnungsmäßig baut, lernt es in der Mittags- pause. Das Essen fällt flach. Ich will nun gleich hier erwähnen, daß in Zukunft mancher von uns, dem sein Bett einigermaßen ge- lungen war, es nachts lieber nicht mehr benutzte, sondern sich trotz der Kälte in seine Decke rollte und mit den harten Dielen unter dem Bett vorlieb nahm. So sicherte er sich wenigstens sein Mittag- essen. Um ein Vergnügen kamen wir allerdings nie- mals herum— das war der Sonntagsbettenbau. Da konnten nun alle Betten einwandfrei sein, Sonntags kamen die SS-Blockführer und warfen Betten und Bettgestelle durcheinander, so daß der Schlafraum aussah, als wenn eine Bombe eingeschlagen hätte. Trotzdem waren wir noch zufrieden, wenn es dabei blieb, daß wir nur wieder Ordnung schaffen mußten und nicht stundenlang durch die Fenster hinaus- und wieder hereingejagt wurden. Am nächsten Morgen sollten wir eigentlich ar- beiten. Doch aus irgendeinem«Grunde unterblieb es und wir wurden den sogenannten Stehkommandos zugeteilt. Das waren Kolonnen, die nach dem Mor- genappell nicht zur Arbeit ausrückten, und nun auf der Lagerstraße im Stillgestanden bis zur Mittags- pause und danach wieder bis zum Abendappell ver- blieben. Die Blockältesten duldeten von sich aus tagsüber das Betreten der Baracken nicht; sie konn- ten es auch nicht, denn die Unterkunftsräume mußten stets peinlich sauber bleiben, wollte das Blockpersonal nicht bei den Blockführern übel auf- 47 fallen und sich eventuell der Ablösung aussetzen. Dann hätte es arbeiten müssen und davor hatte man nun einmal eine Heidenangst. Ich habe nie im Leben faulere Drohnen kennen gelernt, als die sogenannte Lagerprominenz. - Der Tag verging. Wir standen, standen und froren. Am Nachmittag gab es eine Abwechslung. Irgendeiner von uns mußte sich bewegt haben, vielleicht hatte er ein menschliches Bedürfnis, das ja nicht befriedigt werden durfte. Das war tagsüber ebenfalls streng verboten. Wahrscheinlich hatte einer der Posten auf den Türmen davon Meldung gemacht, es konnte aber auch sein, daß den beiden Blockführern einfach die Zeit zu lang wurde kurz: sie ließen uns in die Kniebeuge gehen, die Hände mußten wir im Genick falten. Diese Stellung hieß der Sachsengruß. Niemand konnte mir sagen, weshalb. Die Sache sah in den ersten Minuten harmlos aus, aber nach einer Viertelstunde begannen die Beine, die Arme und das Genick zu schmerzen. Hin und wieder verlor einer das Gleichgewicht und fiel um. Und darauf hatten die Herren Blockführer gewartet. Sie stürzten über den Schwachgewordenen her und bearbeiteten ihn mit Händen und Füßen. Ihre Namen mögen hier verzeichnet stehen: es waren die SS- Unterscharführer Knittler und Kaiser. Jahre später, im Lager Natzweiler, hörte ich, beide wären mit ihren Bombenkommandos in die Luft gegangen. Sie gehörten in die endlos lange Reihe jener SS- Sadisten, die unzählige wehrlose Häftlinge auf dem Gewissen hatten. 48 Übrigens den Stehko forderten, Leute durf Lungenent annahm. A der Kälte, anderen, e unternahm Erfrierung amputiert ihr ganzes Am näc Schuhlauf bare Ange Lagerkomm sten Schik Schuhe ve sprach, un Man pro Sohleners nau Buch Appellpla eine Lauf aufwies. Asphaltd Kleinpfla ab. Und nachmitta die Sache gut auf Übrigens waren es gerade die harmlos erscheinen- den Stehkommandos, die eine hohe Zahl von Opfern forderten, vornehmlich in den Wintermonaten. Die Leute durften sich nicht bewegen, froren, bekamen Lungenentzündung und starben, da sich niemand ihrer annahm. Aber auch Füße und Hände litten sehr unter der Kälte, und manch einer hat einen Finger nach dem anderen, eine Zehe nach der anderen verloren. Man unternahm grundsätzlich erst dann etwas gegen diese Erfrierungserscheinungen, wenn das betroffene Glied amputiert werden mußte. Viele hundert sind so für ihr ganzes Leben zu Krüppeln gemacht worden. Am nächsten Tage wurde ich dem sogenannten Schuhlaufkommando zugeteilt. Das war eine sonder- bare Angelegenheit, aber es war eines der besten Lagerkommandos, denn man war dabei den wenig- sten Schikanen ausgesetzt. Jeder erhielt ein Paar Schuhe verpaßt, das seiner wirklichen Fußgröße ent- sprach, und diese Schuhe mußten„gelaufen‘‘ werden. Man probierte auf diese Art die verschiedensten Sohlenersatzstoffe aus, über jedes Paar wurde'ge- nau Buch geführt. Die Sache selbst wurde auf dem Appellplatz gestartet. Rings um den Platz zog sich eine Laufbahn, die sämtliche denkbaren Straßenarten aufwies. Kopfpflaster wurde abgelöst von einem Stück Asphaltdecke, Sandboden, Betonstraße, Kiesweg, Kleinpflaster und so weiter wechselten miteinander ab. Und auf dieser Bahn trudelten wir morgens und nachmittags je achtzehn Kilometer ab. Mir machte die Sache verhältnismäßig viel Spaß, denn ich war gut auf den Beinen und konnte dabei wenigstens 4 49 mit den Nachbarn etwas plaudern. Außerdem blieb man in Bewegung und empfand die Kälte nicht so sehr. Aber der Himmel meinte es noch viel besser mit mir. Nachdem ich ungefähr vierzehn Tage diesem Verein angehört hatte, wurde ich plötzlich abgelöst und mußte in der Baracke bleiben. Natürlich wagte ich weder den Block-, noch den Stubenältesten nach dem Grunde zu fragen, half dem Stubendienst bei der Reinigungsarbeit und wartete im übrigen auf die Dinge, die da kommen sollten. Ein gewisses Wurschtigkeitsgefühl hatte sich schon in mir herausgebildet. Im Laufe des Vormittags erschien dann der Blockführer Kaiser. ,, Kannst du Bernstein schnitzen?" fragte er mich. ,, Ich habe es noch nie gemacht, aber es ist möglich", antwortete ich in strammer Haltung. Er zeigte mir einige aus Bernstein hergestellte Schmuckgegenstände, die aber so primitiv in handwerklicher und künstlerischer Beziehung waren, daß ich ihm sagte, das könne ich auf alle Fälle und vielleicht noch etwas mehr. Vor allem erbot ich mich, zunächst einmal einige Entwürfe zu machen. Gut, ich durfte bleiben, konnte mich an den warmen Ofen setzen und sollte Bernstein schnitzen. Ich bat mir vom Stubenältesten etwas Papier und einen Bleistift aus und begann zu zeichnen. Das Ergebnis war helle Bewunderung; es bewies im Grunde genommen, mit welchen Primitivitäten man sich bisher zufrieden gegeben hatte. Ich war von Anfang an davon überzeugt, daß das Blockpersonal seinen 50 Vorteil würde nicht e schmei Gleich tagesse in der überha manch steinst den, u Schlän Briefb diese die sei von de rechne Inter Ich be Barack rend Schuhe Sandg Läng bildet: dann i Beste nanzge führer wissen vom B erdem blieb lte nicht so besser mit diesem Verbgelöst und h wagte ich en nach dem enst bei der igen auf die sses Wurschrausgebildet. der Blockgte er mich. es ist mögung. hergestellte itiv in handgwaren, daß ille und vielbot ich mich, machen. Gut, warmen Ofen as Papier und hnen. Das Eries im Grunde man sich bisvon Anfang personal seinen - Vorteil vom günstigen Ausfall meiner Arbeit haben würde auf die eine oder andere Art. Aber ich hatte nicht erwartet, daß man mich von Stund an so umschmeicheln würde. Ich kam mir recht kostbar vor. Gleich vom ersten Tage an erhielt ich doppeltes Mittagessen, durfte dann und wann rauchen, was sonst in der Isolierung streng verboten war, und wurde überhaupt mit einer Rücksichtnahme behandelt, die manchmal recht komisch war. Ich bekam rohe Bernsteinstücke geliefert, die sich im Sand der Heide fanden, und fertigte daraus mit Feilen, Glaspapier und Schlämmkreide, Anhänger, Broschen, Berlocken, Briefbeschwerer, Perlenketten und anderes. Und alle diese Dinge wanderten durch die Hände Kaisers in die seiner Kameraden und von dort zu den SS- Huren, von denen jeder, dem Schmuckverbrauch nach zu rechnen, mehrere haben mußte. Interessanter, auch für mich, war etwas anderes: Ich befand mich fortan den ganzen Tag über in der Baracke und sah nun, was sich dort abspielte, während meine Kameraden im Stehkommando froren, Schuhe einliefen oder im Klinkerwerk und in der Sandgrube schufteten und mißhandelt wurden. Längst hatte sich in mir der Grundsatz herausgebildet: Augen und Ohren auf, Mund zu! Er hat sich dann im Laufe von fünf langen Lagerjahren auf das Beste bewährt. Da waren zunächst einmal die Finanzgeschäfte zwischen Blockältesten und SS- Blockführer. Das Privatgeld der Häftlinge wurde in gewissen Abständen von der Lagerkasse erhoben und vom Blockältesten verwaltet. Er kaufte in der Kan4* 51 tine ein und schrieb die verwendeten Beträge vom Guthaben ab. Natürlich war es für ihn, der allein in die Kantine kam, ein Leichtes, höhere Summen in Anrechnung zu setzen, wer wollte ihn kontrollieren! Und die so erzielten Überschüsse wanderten gegen das Wochenende zu in die Hände der Blockführer, die dann mit dem Geld der Häftlinge ihre Orgien feierten. Ich will die Blockältesten wegen dieser Geschäfte nicht unbedingt verurteilen, sie waren eben Opfer eines Systems, das keinen sauberen und geraden Weg zuließ. Hätten sie den Blockführern diese oft bedeutenden Beträge nicht ausgehändigt, dann würde der ganze Block darunter gelitten haben. Und ich bin davon überzeugt, daß jeder Häftling lieber auf ein paar Mark verzichtet haben würde, wenn man ihn dafür nur in Ruhe ließ. Die SS wußte übrigens auch sonst recht gut, wie man zu Gelde kommt. Ich meine nicht einmal die ganz großen Aktionen, mit denen sie das deutsche und manch fremdes Volk betrog, die Deutschen Erdund Steinwerke etwa oder die Brunnenverwaltungen -ich will beim Kleinen bleiben. Beim Gemüsesalat beispielsweise. Hin und wieder konnte man Brot kaufen zu normalen Preisen. Aber die SS hätte dann nichts daran verdient und die Kameradschaftsabende wären mager ausgefallen. Man gab also Brot nur dann ab, wenn der Käufer gleichzeitig einen Becher Gemüsesalat nahm, ein übles, von den Tellern der SS- Männer in der Kantine zusammengekratztes Zeug, für das man eine Mark und mehr forderte. So wan-derte das Geld der Häftlinge auf ganz legalem Wege 52 in die Ta schäfte wu bestraft... Größere Art flüssig Zweck der SS man in der sicher sein von den m ker Angst zeichnet w denen man konnte, be einfach ei Geld einz Es gab man ein nete und noch kein Mir se je länger Bernstei das Mitl der Arb lungen Block de geliefert Margari teilt wur einen er in die Taschen der SS. Übrigens: Kopplungsge- schäfte wurden damals in Deutschland mit Zuchthaus bestraft... Größere Beträge allerdings wurden auf eine andere Art flüssig gemacht. Brauchte man für irgendeinen Zweck— sagen wir für die zahnärztliche Station der SS— fünfundzwanzigtausend Mark, dann legte man in den Judenbaracken eine Liste auf und durfte sicher sein, daß in einer knappen Stunde der Betrag von den meist vermögenden armen Teufeln aus blan- ker Angst von den sonst drohenden Repressalien ge- zeichnet worden war. Und für besondere Fälle, bei denen man den Verwendungszweck nicht gut angeben konnte, beschaffte man sich die Beträge, indem man einfach einige vermögende Juden umlegte und ihr Geld einzog. Es gab einmal eine Zeit in Deutschland, in der man ein solches Verfahren als Raubmord bezeich- nete und unter Strafe stellte. Jedoch: damals gab es noch keine SS. Mir selbst ging es also verhältnismäßig gut. Aber je länger ich in der Baracke blieb und an meinen Bernsteinstücken sägte und feilte, um so mehr wuchs das Mitleid mit meinen Kameraden, die draußen bei der Arbeit nicht nur den Schikanen und Mißhand- lungen der SS-Männer ausgesetzt, sondern auch im Block der Wilikür der Block- und Stubenältesten aus- geliefert waren. Wie oft habe ich bemerkt, daß die Margarine und die Wurstportionen, die am Abend ver- teilt wurden, zunächst einmal vom Blockältesten um einen erheblichen Teil zu dessen eigenen Gunsten ge- 53 kürzt wurden. Davon wurden dann Bratkartoffeln und Soßen hergestellt, an denen sich der Blockälteste gütlich tat. Er sah ja auch nicht schlecht aus. Damals war er gerade vier Jahre im Lager und man konnte wirklich nicht behaupten, daß diese Jahre ihm schlecht bekommen seien. Er war groß und breitschultrig und hatte einen Gang wie ein Waschbär. Ich kann nicht sagen, ob er wirklich stark war, denn alle die, welche seine Faust zu spüren bekamen, waren nicht in der Lage, sich zur Wehr zu setzen, wollten sie nicht als Meuterer ihr Leben verlieren. Und diese Situation hat er weidlich ausgenutzt. Er war von Beruf Arzt und das war für die meisten ihm Unterstellten geradezu ein Unglück, denn er verhinderte allzuoft, daß ein Kranker zum Sanitäter oder zum Arzt ins Revier kam. Man mußte schon ein ihm sympathisches Gesicht haben, wollte man das erreichen. Die Regel sah so aus: Meldete sich jemand krank, dann fühlte er ihm den Puls oder er besah sich die Wunde. Günstigenfalls meinte er dann: ,, Du bist ja verrückt! 390 Fieber und damit willst du zum Arzt? Wir sind mit 40° zur Arbeit ausgerückt. Hau ab!" Das waren die harmlosen Fälle. Zumeist endeten die Krankmeldungen damit, daß der Patient ein paar Ohrfeigen bekam und zur Arbeit taumelte, bis er irgendwo zusammenbrach und ins Revier oder auch gleich ins Krematorium getragen wurde. Auf Kameradschaftsdiebstahl stand nach einem ungeschriebenen Lagergesetz die Todesstrafe. Das war furchtbar hart, aber notwendig und letzten Endes 54 auch gerecht der stahl ih Leben Grundsatz: A un Diese Urt wußte, wurd Entweder h fach aus der waren die C Überführten ganz einwan fahren an, di heranreichter Im Winte dächtigte vo unter die Bra bis er in der gestand, de Dann brach ihn zur Eiss die Pferdel tot vor de später an Natürlich thode anw Blockältes Stubendien peln auf d Er wollte strich auf d Kreuz hint j"auch gerecht. Wer seinen Kameraden das Brot stahl, der stahl ihm bei der mangelhaften Ernährung das Leben— und es ging nach dem alten hebräischen Grundsatz: Auge um Auge, Zahn um Zahn. Diese Urteile, von denen die SS ja offiziell nichts wußte, wurden auf die verschiedenste Art vollstreckt. Entweder holte man die Delinquenten nachts ein- fach aus dem Schlafsaal und hängte sie auf. Das waren die Glücklichen, allerdings auch die restlos Überführten. Bei den anderen, deren Schuld nicht ganz einwandfrei feststand, wendete man andere Ver- fahren an, die zwar nicht ganz an den absoluten Mord heranreichten, dafür aber um so grausamer waren. Im Winter, bei strenger Kälte, wurde der Ver- dächtigte vollkommen bekleidet in den Baderaum unter die Brause geführt und dort so lange bewässert, bis er in der Not seines Herzens den Diebstahl ein- gestand, den er vielleicht gar nicht begangen hatte. Dann brachte man ihn auf die Lagerstraße und ließ ihn zur Eissäule erstarren. Nur wenige überstanden die Pferdekur, die meisten blieben entweder gleich tot vor der Baracke liegen oder verendeten wenig später an einer Lungen- oder Rippenfellentzündung. Natürlich mußte man im Sommer eine andere Me- thode anwenden— und sie war einfach genug: Der Blockälteste, der Stubenälteste und die Brüder vom Stubendienst schlugen so lange mit handfesten Knüp- peln auf dem armen Teufel herum, bis er verreckte. Er wollte meutern, hieß es dann einfach. Man durch- strich auf der Schreibstube eine Nummer, machte ein Kreuz hinter den Namen und der Fall war erledigt. 39 Vielleicht teilte man den Angehörigen noch mit, daß der also Ermordete leider an den Folgen einer Herzschwäche plötzlich verstorben sei. Leider... Nun war der Block 10, von dem ich bisher erzählte, innerhalb der Isolierung weder der beste, noch der schlechteste Block. Als vorbildlich galt der Block der Bibelforscher. Dort wurde nicht geschlagen, es gab keine bösen Worte und jeder versuchte, dem andern das traurige Los zu erleichtern. Obwohl nun die SS eigentlich die Bibelforscher immer besonders aufs Korn nahm, ließ man seltsamerweise ihren Block völlig in Ruhe. Es gab dort nie umgeworfene Betten, aufgerissene Strohsäcke und umgestürzte Spinde. Den Grund vermag ich nur zu ahnen: Wahrscheinlich stellten die Bibelforscher den Herren Blockführern am Wochenende ausreichende Beträge zur Verfügung. Übrigens waren sie, die aus Überzeugungsgründen den Waffendienst verweigerten und lieber eine jahrelange zermürbende Haft auf sich nahmen, gleichzeitig die Tapfersten im Lager. Es kam nur ganz selten vor, daß einer von ihnen den Mut verlor und den Revers unterschrieb, daß er seine Überzeugung aufgegeben habe. Sie verweigerten standhaft die Unterschrift und so geschah es dann hin und wieder, daß auf dem Appellplatz eine Sandsackbarrikade errichtet und einer von ihnen vor den eigens dazu angetretenen Lagerinsassen als warnendes Beispiel erschossen wurde. Doch um so getreuer blieben sie ihrem Glauben. 56 Dem Bibelforscherblock gegenüber lag der SKBlock, die unter Win Punkt an H schwarzes dem Tode Strafkomp Drei, höch die armen der Hunge hungernlas das field schweren Dort wa zahlreiche die plötzl in der Na muß ich sagten si Und so bei dreita die Reih glücklich allgeme Manc wenn w die tats Blockfü vorhin Blockäl ren. W lassen e, dem an- nun die ders auf: [7Zi0 Block völ- e Betten, pinde. Den her zur Verfü- | lieber nahmen, ind kam nur Mut verlor E Block, die Strafkompanie. Ihre Mitglieder trugen unter Winkel und Nummer noch einen schwarzen Punkt an Rock und Hose. Sie hätten ebenso gut ein schwarzes Kreuz tragen können, denn sie waren alle dem Tode geweiht. Nur wenige habe ich aus der Strafkompanie ins normale Lager zurückkehren sehen. Drei, höchstens sechs Monate langten fast immer, die armen Teufel ins Krematorium zu bringen. Was der Hunger bei ihnen nicht erreichte— und im Ver- hungernlassen war ihr Blockältester ein Meister—, das fiel den Quälereien bei der außerordentlich schweren Arbeit im Klinkerwerk zum Opfer. . Dort war buchstäblich die Hölle los und mir sind zahlreiche Fälle bekannt, mit denen sich Kameraden, die plötzlich in dieses Kommando versetzt wurden, in der Nacht vorher noch das Leben nahmen. Sterben muß ich sowieso; dann also einen schnellen Tod, sagten sie sich. Und‘ so fraß das Klinkerwerk in ganz kurzer Zeit bei dreitausend Menschen und immer wieder wurden die Reihen aufgefüllt, immer wieder kamen neue Un- glückliche ins Lager und wurden eingereiht in den allgemeinen Totentanz. Manchmal drohte uns das Herz stehen zu bleiben, wenn wir zusehen mußten, wie beispielsweise Leute, die tatsächlich krank waren, von den satanischen SS- Blockführern zu Tode gemartert wurden. Ich erzählte vorhin schon, daß es schwer war, die Sperre des Blockältesten bei einer Krankenmeldung zu passie- ren. Wer nun wirklich bis zum Lagersanitäter zuge- lassen wurde, der war auf jeden Fall lazarettfähig. 5% Und der Lagersanitäter, damals ein durchaus anständiger Mensch, siebte nochmals, um die Leute vor allen möglichen Mißhandlungen zu schützen. Simulanten hatten gar keine Aussicht, den SS- Blockführern vorgestellt zu werden. Der Sanitäter brachte also die zweifellos Kranken zu den Blockführern, die entscheiden sollten, wer zur Behandlung ins Revier gebracht werden durfte. Wehe dem, der das Unglück hatte, ein inneres Leiden nennen zu müssen! Er wurde erbarmungslos zusammengeschlagen, und was die Blockführer vielleicht nicht ganz schafften, vollendete dann der Blockälteste an dem ,, Simulanten", denn er fühlte sich von ihm betrogen. Aber auch Häftlinge mit sichtbaren und schweren Verletzungen, mit erfrorenen Händen, an denen die Finger abzufallen begannen, hatten nur selten das Glück, von den Gewaltigen ins Revier gelassen zu werden. Eine Ausnahme bildeten die TBC- Verdächtigen. Sie wurden anstandslos ins Revier geschickt und kamen dann nie wieder. Eine Himmelfahrtsspritze setzte ihrem Dasein ein baldiges Ziel... So lebten wir ein trostloses Leben, in das nur dann und wann ein kümmerlicher Hoffnungsstrahl fiel und der trog dann meist auch noch. Da wurden zum Beispiel Bombenkommandos zusammengestellt, zu denen man sich melden konnte. Wer fünfundzwanzig Bomben mit ausgraben half, hieß es, wird entlassen. Die damit verbundene Lebensgefahr wurde von niemandem beachtet, denn man sagte sich mit Recht, daß man im Lager ja auch täglich in Gefahr sei. Also meldeten sich mehr als man brauchen konnte, in der Hoffnung, s dienen zu k Leben bei di Die SS vers der Lüge au Konz Ich schnit übel. Wenn mitteln hatte ger geplagt zu sein. Schien... In all den racke verbra Verbrechen an den Häf Tages unbe der Bedar würde. Da Zeugen, d nahm, der stecken lie nete, würd Nun wa zen, aber Tages hiel für ein Ko mich. Bloc einem kran 58 s anstänLeute vor m. SimuBlockfüh- brachte rern, die s Revier das Unmüssen! gen, und schafften, Simulanen. Aber ren Verdie Finas Glück, werden. gen. Sie d kamen ze setzte nur dann fiel und zum Beizu denen zig Bomsen. Die niemanecht, daß ei. Also ce, in der Hoffnung, sich früher oder später die Freiheit verdienen zu können. Wie mancher Kamerad ließ sein Leben bei dieser Arbeit entlassen wurde niemand. Die SS versprach mit dem Betrug im Herzen und der Lüge auf den Lippen. Konzentrationslager Natzweiler Ich schnitzte Bernstein und mir ging es nicht so übel. Wenn ich auch keinen Überfluß an Nahrungsmitteln hatte, so wurde ich doch auch nicht vom Hunger geplagt. Und mein Leben schien nicht bedroht zu sein. Schien... In all den Monaten, die ich arbeitend in der Baracke verbrachte, war ich Augenzeuge von so vielen Verbrechen geworden, die seitens des Blockpersonals an den Häftlingen begangen wurden, daß ich eines Tages unbequem werden mußte, nämlich dann, wenn der Bedarf an an Bernsteinschmuck gedeckt sein würde. Dann war mein Ende besiegelt, denn einen Zeugen, der niemals am Nahrungsmittelraub teilnahm, der sich einfach keinen Schmutz in die Tasche stecken ließ, wie man das im Lagerjargon bezeichnete, würde man eines schönen Tages beseitigen. Nun war es nicht leicht, diese Pläne zu durchkreuzen, aber das Glück blieb auf meiner Seite. Eines Tages hieß es, es würden dreihundert Freiwillige für ein Kommando im Elsaß gesucht. Ich meldete mich. Block- und Stubenältester redeten mir zu wie einem kranken Gaul. Man wisse nicht, was dort los 59 sei und ich habe es hier doch gut usw. Ich ließ mich jedoch nicht beirren. Wenige Tage später waren wir dreihundert Mann auf dem Appellplatz angetreten. Noch einmal trat der ,, Eiserne Gustav", der Rapportführer, ein wüster Totschläger, in Aktion. د, Wer von euch glaubt, keine schwere Arbeit verrichten zu können, der trete vor." Einige wenige Unerfahrene, die es auf einmal mit der Angst vor schwerer Arbeit zu tun bekamen, folgten dem Befehl. Und der ,, Eiserne Gustav" lächelte. Er hatte wieder ein paar Opfer gefunden. دو Was fehlt dir?" schritt er auf den ersten Unglückswurm zu. ,, Ich hatte den Arm gebrochen, Herr Rapportführer, und die Sache ist noch nicht völlig ausgeheilt. Man hat mir gesagt, daß ich als Schreiber-" Ein fürchterlicher Magenhieb, des ,, Eisernen" Spezialität, traf ihn, ein Faustschlag ins Gesicht ließ das Blut spritzen und vollendete das Werk. Gekrümmt wankte der Unglückselige ins Glied zurück. Und so ging es die Reihe fort. Zum Schluß gingen alle mit, nicht ein einziger war für schwere Arbeit ungeeignet. Und dann erschien unser neuer Kommandant*) auf dem Plan. Er blickte zwar ein bißchen wild und verbissen in die Welt, aber als er zu uns redete, träufelten die Worte wie Honig von seinen Lippen und *) Kramer. Im Belsen- Prozeß zum Tode verurteilt und hingerichtet. wir glaubte haben. „ Jungs", Natzweiler so öde Sa unterernäh dern. Ihr ständig ve Backen be gen ein n tigen Kap Gott, d schien es Nun wu erste Hau Sachsenha am andere den wir a halb fünf Reihen. ,, Setzt ,, ihr mül Ach, dieser N wir uns lichkeit. Nähe ein welches eine See Wir h 60 t*) auf d und ver- te, tra open und 1 d wir glaubten, Fortunas Gewandsaum erwischt zu haben. „Jungs“, sagte er,„ich nehme euch jetzt mit nach Natzweiler ins Elsaß. Dort ist es wunderschön, keine so öde Sandbüchse wie hier. Ihr seht alle etwas unterernährt aus— na ja, das werden wir dort än- dern. Ihr müßt arbeiten, aber ihr sollt auch alle an- ständig verpflegt werden, damit ihr erst einmal rote Backen bekommt. Wir bauen dort oben in den Ber- gen ein neues Lager, und ihr werdet meine zukünf- tigen Kapos sein. Also los dann!“ Gott, die Sache sah ja nicht übel aus, der Mann schien es nicht schlecht mit uns zu meinen. Nun wurde der Transport erst einmal geteilt. Der erste Haufe marschierte sofort nach dem Bahnhof Sachsenhausen ab, ich war dabei. Der Rest sollte am anderen Tage nachkommen. Gegen drei Uhr stan- den wir auf dem Bahnsteig. Der Zug fuhr erst um halb fünf Uhr ab. Der Kommandant ging durch die Reihen. „Setzt euch nur ruhig hin“, sagte er freundlich, „ihr müßt noch oft genug stehen.“ Ach, hätten wir damals geahnt, wie bitter ernst dieser Nachsatz gemeint war! Aber vorerst setzten wir uns einmal und waren gerührt von soviel Mensch- lichkeit. Wo gab es das jemals, daß Häftlinge in der Nähe eines Offiziers sitzen durften! Es war unerhört, welches Glück wir hatten! Ein solcher Kommandant, eine Seele von Mensch! Wir hockten in der Mittagssonne, rauchten, freu- 61 ten uns und warteten auf unseren Zug. Und als er endlich einlief, wurden wir abermals auf das Angenehmste berührt. Wir hatten damit gerechnet, den Transport in Viehwagen zu verleben, unsere Minderwertigkeitskomplexe ließen eine andere Hoffnung gar nicht zu. Jetzt aber bestiegen wir D- Zugwagen zweiter und dritter Klasse. Wir waren die Herren der Welt... Den Abend, die Nacht und den ganzen anderen Tag reisten wir quer durch Deutschland nach dem Elsaß. Die Fahrt war schön und wir wurden unterwegs aus mitgenommenen Vorräten reichlich verpflegt. Gegen neun Uhr abends langten wir in Rotau, einer kleinen Bahnstation auf der Strecke Straßburg - St. Dié, an. Es begann zu dunkeln. Wir wurden auf Lastwagen verladen und steil bergan in unsere neue Heimat gebracht. Die Straßen waren schlecht und sehr schmal. Manchmal gerieten die Wagen ins Schwanken und drohten, mit ihrer lebenden Fracht die Abhänge hinabzustürzen. Aber es ging doch alles gut. Unser vorläufiges Quartier waren der Tanzsaal und der Heuboden einer ehemaligen Gastwirtschaft. Man hatte dort Bettpritschen hineingezimmert, die den ganzen Raum in Anspruch nahmen, obgleich sie dreifach übereinander angeordnet waren. Sehr behaglich schien unsere Unterkunft also nicht zu sein, aber sie hatte ihre Vorteile, denn jeder einigermaßen erfahrene Konzentrationär erkannte auf den ersten Blick: hier gibt es keinen Bettenbau, hier gibt es auch keinen peinlich sauberen Stubendienst, das ist unmöglich. 62 Und im übr mäßige Un Um uns n zusöhnen u zu lassen, e volle Schü großen Fle zes Kommi frieden sei getroffen z Andernta Was eine s wer Tag f um vier UH sieben Uh ausgegebe gebung in rung geg Große, bli Ferne gru ein Kuro Das La tur- Appe den Wie Grenze, durchaus über lag das nun die SS- K zum grö hofe unt Und im übrigen sollte es sich ja nur um eine behelfs- mäßige Unterkunft handeln. Um uns nun völlig mit den kleinen Mißständen aus- zusöhnen und keine Hoffnungslosigkeit aufkommen zu lassen, erhielten wir noch am gleichen Abend eine volle Schüssel dick gekochter Graupen mit faust- großen Fleischfetzen darin und jeder Mann ein gan- zes Kommißbrot. Wenn das so blieb, konnten wir zu- frieden sein, wir schienen es wirklich nicht schlecht getroffen zu haben. Anderntags ließ man uns erst einmal ausschlafen. Was eine solche Geste bedeutet, kann nur ermessen, wer Tag für Tag Jahre hindurch an jedem Morgen um vier Uhr von seinem Strohsack gejagt wurde. Um sieben Uhr war Wecken, heißer, guter Kaffee wurde ausgegeben. Und danach begannen wir, unsere Um- gebung in Augenschein zu nehmen. Welche Verände- rung gegen die Sandwüste von Sachsenhausen! Große, blühende Wiesen ringsum, Wälder, und in der Ferne grüßte der hohe Rücken des Donon herüber— ein Kurort konnte keine schönere Lage haben. Das Lager selbst war allerdings klein. Der Minia- tur-Appellplatz befand sich auf einer sanft ansteigen- den Wiese, ein einfacher Stacheldrahtzaun bildete die Grenze, die beiden primitiven Wachtürme reichten durchaus, die gesamte Anlage zu überblicken. Gegen- über lag das Gebäude der ehemaligen Gastw irtschaft, das nun der Lagerverwaltung diente und außerdem die SS-Küche enthielt. Die kleine Wachtruppe war zum größten Teile in einem nahegelegenen Bauern- hofe untergebracht. 63 jeder suchte Wir begannen nun zunächst einmal damit, uns Sitzgelegenheiten zu schaffen und unsere eigene Küche in Ordnung zu bringen. Da in den Unterkunftsräumen kein Platz war, zimmerten wir im Freien Tische und Bänke. Bald traf auch die zweite Hälfte des Transportes ein, und nun herrschte eine fürchterliche Enge. Aber wir waren ja alle an Kummer gewöhnt und dann söhnte uns das reichliche und gutgekochte Essen mit manchen Mißständen aus. In den ersten acht Tagen ließ man uns von seiten der SS fast völlig in Ruhe und wir hatten Zeit genug, unsere eigenen Angelegenheiten zu erledigen. Ich muß gestehen, daß ich oft über den Eifer meiner Kameraden in Verwunderung geriet. Bänke wurden gezimmert, Fenster abgedichtet, Regale und Tische gebaut sich so häuslich als möglich einzurichten. Allgemeine Heiterkeit erregte ein Vorfall, der sich in den ersten Tagen zutrug. Ein paar Mann sollten im Verwaltungsgebäude einen Keller ausräumen. Da das Grundstück, wie gesagt, bisher Restaurationszwecken gedient hatte, fand sich dort natürlich Wein. Und zwei dieser Helden konnten begreiflicherweise der Versuchung nicht widerstehen und betranken sich. Die Sache fiel auf, sie wurden dem Kommandanten vorgeführt, bestritten aber wankend und schwankend, getrunken zu haben. Wir alle, Kommandant, Scharführer, SS- Männer und Häftlinge haben schallend gelacht. Die Strafe fiel recht gelinde aus: Die Säufer mußten bis zum Dunkelwerden am Tor stehen. Das war billig genug und der Rausch hatte sich eigentlich gelohnt. Aber in Zukunft war man vorsichtiger. 64 and Alkoholt fer Bewachun S$ getäuscht Flasche Wein Ich möchte haupt jede G ein Schnippch Strafe hielt bei der Harm getraut hätte war zum Be den ,, König sondern ein g konnte. Er b das gehörte produkte. In darauf, Fotog sich dabei sei rigen, die ke Dingen hatte werken und mals war die versehen un einem einzig nähren und Außerdem b Spiritus. U Und dann la Bank und so chadete sell wei Jahre h 5 ınd Alkoholtransporte wurden nur noch unter schar- jer Bewachung durchgeführt. Trotzdem wurde die 5S getäuscht und hin und wieder fand doch eine Flasche Wein oder Kognak den Weg ins Lager. Ich möchte gleich hier erwähnen, daß wir über- haupt jede Gelegenheit benutzten, unseren Peinigern tin Schnippchen zu schlagen und keine Gefahr, keine Strafe hielt uns davon ab. Mancher, dem man es hei der Harmlosigkeit seines Gesichtes gar nicht zu- getraut hätte, entwickelte dabei geniale Gaben. Da var zum Beispiel Hans B. Wir nannten ihn später ten„König der Lüge“. Er war keineswegs schlecht, sondern ein guter Kamerad, von dem man alles haben konnte. Er behauptete, Kunstmaler zu sein, aber auch das gehörte schon halb ins Bereich seiner Fantasie- produkte. Immerhin verstand er sich nicht schlecht darauf, Fotographien zu vergrößern, und er wußte sich dabei seinen Vorteil zu sichern. Die SS-Angehö- ngen, die keinen blassen Dunst von künstlerischen Dingen hatten, waren begeistert von seinen Mach- verken und lieferten blindlings, was B. forderte. Da- mals war die Truppe noch reichlich mit Verpflegung ersehen und unser Hans brachte es fertig, sich an iinem einzigen Auftrag mindestens vierzehn Tage zu ihren und sich mit Rauchmaterial zu versehen. Außerdem brauchte er zum Fixieren der Zeichnungen Spiritus. Unter zwei bis drei Litern tat er es nicht. Und dann lag er friedlich schnarchend hinter seiner fark und schlief seinen Rausch aus. Seiner Kehle shadete selbst der Brennspiritus nicht mehr. Fast wei Jahre hindurch gelang es ihm, alle Klippen zu 5’ 65 umschiffen und an der Arbeit vorbeizukommen. Aber dann erwischte ihn das Schicksal. Er fiel aus irgendeinem Grunde in Ungnade, kam in die Strafkompanie und ging ein. Einer von vielen... Langsam lief nun die Arbeit an. Baumaterial und Arbeitsgerät wurde herangefahren und wir begannen damit, gegenüber dem Lager erst einmal einige Baracken für Truppenzwecke zu bauen. Selbstverständlich wollten wir unsererseits nicht das Arbeitstempo von Sachsenhausen einführen, und dachten nicht daran, alles im Laufschritt zu tun. Aber siehe da: auf einmal legte die SS die Maske der Gutmütigkeit ab, die sie seit dem Abmarsch von Sachsenhausen getragen hatte, und der Knüppel trat wieder in Tätigkeit. Und gleichzeitig wurde das Essen schlechter und weniger. Zwei oder drei Tage später mußten wir den ersten Sarg zimmern. Der Mann starb zwar an Lungenentzündung, wäre aber zu retten gewesen, wenn man ihn beizeiten auf seinem Strohsack unserer Pflege überlassen hätte. So aber mußte er bis zum Eintritt der Lethargie arbeiten. Er war der Erste in Natzweiler, das erste von zahllosen Gliedern einer Kette. Die graue Hoffnungslosigkeit senkte sich wieder über uns herab. Gewiß tat der Arbeitsdienst, ein Häftling, dem die Einteilung des Arbeitskommandos oblag, alles, um jedem die Beschäftigung zuzuweisen, die er körperlich leisten konnte, aber immer war das eben nicht möglich. Und außerdem hatte er nicht die Macht, Mißhandlungen seitens der Truppe auszu66 schalten. V Arbeitswill das Gesicht verdankt m Kasselaner nes Lebens Die Bara und dann be tende Lage weit höher gelegenen H erst einmal werde ich s ins dunkelst weiler. Vorerst v teilt. Ein R hieß, er sei Meßgeräte zwei Seiten vorläufig n strüpp, Se waren. Da vermessen an, die kl finden und unser SS- B wir gänzli hinausgerie Lage, mit kel festzus 5* Commen. Aber schalten. Was nützten alle Bemühungen, wenn trotz el aus irgend Arbeitswilligkeit diesem oder jenem SS- Scharführer Strafkompanie material und d wir began das Gesicht eines Häftlings nicht paßte! Dennoch verdankt mancher von uns dem Arbeitsdienst, einem Kasselaner namens Georg Brätz, die Erhaltung seines Lebens. Die Baracken wurden also im Carracho aufgestellt einmal einige und dann begann der Straßenbau. Das neu zu errichen. Selbstver t das Arbeits , und dachter m. Aber siehe ske der Gut von Sachsen el trat wieder e das Essen ei Tage später m. Der Mann e aber zu ret en auf seinem mätte. So aber rgie arbeiten. erste von zahl tende Lager Natzweiler sollte seinen Platz an einer weit höher und zirka sechshundert Meter entfernt gelegenen Berglehne bekommen. Dorthin mußte also erst einmal eine Straße gebaut werden. Doch davon werde ich später berichten. Der Straßenbau gehört ins dunkelste Kapitel des Konzentrationslagers Natzweiler. Vorerst wurde ich dem Vermessungstrupp zugeteilt. Ein Rottenführer der SS hatte die Leitung; es hieß, er sei Baufachmann. Wir schulterten also die Meßgeräte und zogen los. Die Berglehne, die an zwei Seiten von Waldstücken abgegrenzt wurde, glich vorläufig noch einer Wildnis, in der Felsbrocken, Gestrüpp, Senken und Buckel friedlich beieinander waren. Das Lager war bei der Planung bereits vorvermessen worden, und es kam eigentlich nur darauf an, die kleinen Orientierungspfähle wieder aufzufinden und geringfügige Fehler auszumerzen. Aber unser SS- Baufachmann vermaß sich so gründlich, daß mg zuzuweisen, wir gänzlich aus dem vorgesehenen Lagerbereich hinausgerieten. Der gute Mann war nicht in der Lage, mit Hilfe des Winkelspiegels einen 90°-Winkel festzustellen, und als wir einmal 45° brauchten, te sich wieder eitsdienst, ein itskommandos immer war das tte er nicht die Truppe ausz 5* 67 war er absolut hilflos. Ich ließ ihn eine Zeitlang ruhig gewähren, solange nämlich, bis er selbst dahinter kam, daß hier irgend etwas nicht stimmen konnte. Ratlos blickte er von einem zum andern. Und dann, als er sich vor uns Häftlingen genügend blamiert hatte, korrigierte ich ihm den Fehler und die Arbeit konnte weitergehen. An ähnlichen Fachleuten besaß die SS einen Überfluß und man kann behaupten, daß alle brauchbare Arbeit in den Lagern ausschließlich von Häftlingen geleistet worden ist. In den Verwaltungen so gut wie in den Bauleitungen. Unternahm die SS wirklich einmal etwas ohne unsere Hilfe, dann durfte man fast sicher sein, daß die Sache schief ging und wenig später wieder abgerissen wurde. Aber das war ja nicht schlimm, denn das Geld spielte keine Rolle. Es ist unvorstellbar, welche Summen, die doch schließlich vom Volk in Form von Steuern und Abgaben aufgebracht werden mußten, auf das Leichtfertigste verschleudert wurden. Ein Beispiel: In der Nähe des geplanten Lagers befand sich das Sommerhaus eines elsässischen Textilfabrikanten. Das gesamte Grundstück mochte einen Wert von zwanzig- bis zweiundzwanzigtausend Mark haben. Nun sollte es zum Kommandantendienstgebäude umgestaltet werden, und dafür wurde ein Betrag von fünfunddreißigtausend Mark in Berlin angefordert und auch bereitgestellt. Tatsächlich verbraucht wurde übrigens noch mehr, nur weiß ich die Summe nicht genau. Aber das Gebäude hätte man auch ohne jede Veränderung in Benutzung nehmen 68 können, führte z Als nu war, daß erreicher in einem wurde e aufbau. Konzent so kurz ausschl uns ne Alles hieß uns mußte e uns getr unter no arbeiter Zentner rohr au Es war den zu Knüpp Mit kl ohne A und mu neue La von mo kelheit, pause, hinunte können, doch der Repräsentationsfimmel der SS führte zu solchen Verschwendungen. Als nun das erste Straßenstück soweit gediehen war, daß man den Lagerkomplex wenigstens zu Fuß erreichen konnte— die eigentliche Fahrstraße führte in einem weiten Bogen um den Bergsattel herum und wurde erst später vollendet—, begann der Lager- aufbau. Er gehört zu den traurigsten Kapiteln meines Konzentrationslagerlebens und ich will mich dabei so kurz als möglich fassen, um dieses Buch nicht ausschließlich mit den Leiden zu füllen, die wir auf uns nehmen mußten. Alles Baumaterial wurde bis auf den Struthof, so hieß unser provisorisches Lager, gefahren. Von dort mußte es sechshundert Meter weit steil bergan von uns getragen werden. Das war eine Arbeit, die schon unter normalen Verhältnissen, sagen wir für Zivil- arbeiter, seine Schwierigkeiten hatte. Man bekam einen Zentnersack Zement oder ein noch schwereres Ton- rohr auf die Schulter gelegt und los ging die Jagd. Es war unmöglich, unterwegs auch nur für Sekun- den zu verschnaufen, sofort begannen die Posten mit Knüppeln und Gewehrkolben unter uns zu wüten. Mit klopfendem, schmerzendem Herzen kam man ohne Atem auf dem Berge an, warf seine Last ab und mußte sofort den Rückmarsch antreten, um eine neue Last zu empfangen. So ging es tagaus, tagein von morgens fünf Uhr bis zum Einbruch der Dun- kelheit, mit Ausnahme der halbstündigen Mittags- pause, in der man das schlechte und knappe Essen hinunterschlang. 69 Einer nach dem anderen starb dahin und man konnte sich selbst bald ausrechnen, wann man daran war. Die Reihen lichteten sich und bedurften dringend einer Auffüllung, sollte das Arbeitsprogramm erledigt werden. Im August standen die ersten Baracken. Wir konnten das neue Lager beziehen und bekamen auch sogleich vierhundert Mann Zuwachs aus dem Konzentrationslager Buchenwald. Nun lebten wir erst recht unter widerwärtigen Verhältnissen. Zwar hatten wir Baracken, aber das war auch alles. Kein Bett, kein Spind, kein Schemel und kein Tisch war vorhanden. Wir hockten wie die Türken auf dem Fußboden und schliefen zum Teil auf den blanken Dielen, denn die vorhandenen Strohsäcke reichten nicht aus. Die wenigen Stunden, die einem für die Nachtruhe blieben, schlief man schlecht oder gar nicht, und im Morgengrauen begann die Schinderei von neuem. Die buchenwälder Zugänge wurden sofort in den Prozeß mit eingespannt. Sei es nun, daß sie, an besseres Essen gewöhnt, bei unserer mangelhaften Ernährung zusammenklappten, sei es, daß ihnen das Höhenklima nicht bekam es war kaum ein Vierteljahr vergangen, da hatte sich ihre Zahl bereits um die Hälfte verringert. - Längst schon konnte man die Leichen nicht mehr ins Krematorium nach Straßburg schicken, dort hätte die ungeheure Sterblichkeitsziffer Aufsehen erregt. Die Verwaltung hatte deshalb ein transportables Krematorium beschafft, das unweit des Struthofes aufgestellt wurde und alsbald seine Tätigkeit begann. 70 Tag für T einen bes Eine B den, eine stellt, un Der Her ter seine wir in fa vervollst racken. gekocht noch nic allesamt essen, u schon an Wie oft Schnee Löffel w Wer dad uns der hatte! gar nich Über eine de Alle N Lagerle Zeit be chig und dungsm losophi zumeist Tag für Tag rauchte der Schornstein und verbreitete einen bestialischen Gestank. Eine Baracke nach der anderen wuchs aus dem Bo- den, eine Terrassenach der anderen wurde fertigge- stellt, und das Lager bekam allmählich ein Gesicht. Der Herbst kam und schließlich breitete der Win- ter seinen weißen Mantel über den Berg, auf dem wir in fast tausend Meter Höhe hausten. Langsam vervollständigte sich auch die Einrichtung der Ba- racken. Aber immer noch wurde auf dem Struthofe sekocht, denn der Küchenblock im neuen Lager war noch nicht fertig. So marschierten wir also mittags allesamt ins Tal, empfingen unser karges Mittag- essen, und mußten es, weil die alte Unterkunft lange schon anderen Zwecken diente, im Freien einnehmen. Wie oft standen wir bis an die Oberschenkel im Schnee und waren noch froh, wenigstens ein paar Löffel warmer Suppe in den Magen zu bekommen. Wer dachte noch an die schönen Versprechungen, die uns der Kommandant einst in Sachsenhausen gemacht hatte! Wir waren stumpf geworden, wir mochten gar nicht mehr nachdenken. Überhaupt war die Metamorphose des Häftlings eine der interessantesten Erscheinungen im Lager. Alle Neuzugänge waren in den ersten Tagen ihres Lagerlebens ängstlich und unsicher. Nach einiger Zeit begannen sie dann aufzutauen, wurden gesprä- chig und man konnte mit ihnen— sofern sie dazu bil- dungsmäßig in der Lage waren— über Kunst, Phi- losophie und andere Dinge reden. Aber lange hielt zumeist auch dieser Zustand nicht an, dann begann 71 Und je schneller die Fettpartikelchen unter der Haut verschwanden, um so mehr kamen die unzulänglichen Charaktereigenschaften ans Tageslicht. Nur wenige bewahrten ihre Haltung und vergaßen nicht ganz, was sie draußen einmal gewesen waren. Der eine schlich heimlich an die Mülltonnen, kramte sich die schmutzigen Abfälle heraus und aß sie. Der andere, der früher sicher nichts angerührt haben würde, was ihm nicht gehörte, begann zu stehlen und Neid und Hunger führten zu den ärgsten Beschimpfungen und Verdächtigungen, wenn ein anderer einmal’eine etwas größer geratene Portion erhielt. Die Tischältesten und Stubenältesten hatten oft einen schweren Stand. Selbst da, wo man es kaum annehmen sollte, ver-| schwanden alle anderen Interessen vor der einen| Frage: Wo bekomme ich etwas Eßbares her? Für ein Stückchen Brot hat mancher einst stolze Akademiker wochenlang den Klosettreinigungsdienst eines ande-| ren Kameraden übernommen. Für einen Zigaretten- stummel wurden die albernsten, niemals zu erfüllen- den Versprechungen gemacht. Im Lagerjargon hießen diese Unglückseligen„Berber‘. Sie begaben sich aller Achtung, schafften sich durch ihre ewige Bette- lei Feinde über Feinde und fielen als erste, wenn der große Mäher Tod durch unsere Reihen schritt, denn niemand wollte ihnen mehr helfen, weil fast jeder von ihnen schon einmal betrogen worden war. Es ist im Leben draußen schließlich nicht viel an- ders. Nur vollzog sich im Lager diese Verwandlung viel schneller, krasser und viel sichtbarer. Wer stol- 72 der Hunger sein Zerstörungswerk an Leib und Seele,| perte, der fiel. Und wer fiel, blieb auf der Strecke liegen; so oder so ereilte ihn sein Schicksal.— Nun war der Lageraufbau natürlich nur Mittel zum Zweck. Je mehr Baracken vollendet wurden, um so mehr Zugänge erhielten wir aus allen möglichen an- deren Lagern. Diese Zugänge konnten nicht sämt- lich zum Aufbau verwendet werden. Und darauf wartete die Firma DEST, die Deutschen Erd- und Steinwerke, ein SS-Unternehmen, das die Häft- linge der brutalsten Ausnutzung in Steinbrüchen unterwarf. Vielleicht einen Kilometer vom Lager entfernt wurde ein Felsengelände eingezäunt und rings mit Wachtürmen versehen, Geleise verlegt, Werkstätten errichtet— die Arbeit konnte beginnen. Zum Glück wurde als Hauptkapo ein Häftling be- stimmt, der genügend menschliches Empfinden be- saß, die ihm Unterstellten wenigstens vor Mißhand- lungen durch eigene Kameraden zu schützen. Natür- lich reichte sein Einfluß nicht aus, die SS an Aus- schreitungen zu hindern. Aber man kann wenigstens sagen, daß in den drei Jahren bis zum Zusammen- bruch in Frankreich kein Häftling im Steinbruch er- schlagen worden ist, die Mordtaten der SS sind dabei natürlich ausgenommen. Trotzdem war das Arbeits- tempo dort auch scharf und forderte infolge Unter- ernährung zahllose Opfer. Aber das nahmen wir ja als natürlich hin. Wie bereits weiter oben erwähnt, wurden die rei- nen Häftlingsangelegenheiten, die Unterbringung, der Arbeitseinsatz, die Revierbehandlung und der- 73 gleichen in allen Lagern in sogenannter Selbstverwaltung erledigt. Dieses von der SS klug gewählte System bewirkte, daß der Lagerälteste und seine engeren Mitarbeiter in der Schreibstube eine verhältnismäßig große Macht in der Hand hielten, die nicht immer zum Besten der Häftlinge benutzt wurde. So war es jedenfalls bei uns. Eine bestimmte, aus Sachsenhausen mitgekommene Clique benutzte diese Machtstellung, um jeden ihr Mißliebigen beiseite zu schaffen. Dabei trieb sie selbst eine Miẞwirtschaft, die zum Himmel schrie. Lebensmittel wurden in groBem Maßstabe unterschlagen und zu Freßorgien verwendet, während tausend andere kaum die notwendigste Ernährung hatten. Außerdem verbreitete sich von oben herab die Homosexualität wie eine Seuche, so daß sogar die SS, die sich sonst gern dieser Kreaturen bediente, glaubte eingreifen zu müssen. Eines Tages nun wehte ein frischer Wind. Wir erhielten Zugänge aus dem Konzentrationslager Dachau, unsere Prominenz wurde plötzlich ihres Postens enthoben und die Dachauer traten die Regierung an. Im Anfang ging alles glatt. Aber als sie im Laufe der Monate Boden unter ihren Füßen fühlten, begannen sie genau so schlecht zu handeln wie ihre Vorgänger und sind schließlich ebenfalls gestürzt worden. Hierher gehört nun das Kapitel Sametdinger. Sametdinger war aus Dachau mitgekommen und erhielt als Kapo das Straßenbaukommando. Er war eine der feigsten Kreaturen, die mir je begegnet sind, ein käufliches Subjekt niedrigster Gesinnung 74 und ein allein tr von ung hundert leiseste Differe anlasse lich he ihm er gen. viellei verteil vom L schen, keinen nist na soweit war ni seine Metho Hatte auf ih einma eisenb pen o Und Mißha konnte steine pelhie drei er und ein Massenmörder grauenvollsten Ausmaßes. Ihn allein trifft die Schuld, wenn auf einem Straßenstück von ungefähr achthundert Metern mindestens vier- hundert Ermordete liegenblieben. Es genügte der leiseste Wink der SS, es reichte die geringfügigste urde. So Differenz im Lager aus, ihn zum Morden zu ver- S Sach- anlassen. Eine unvorstellbare Wut trieb diesen gänz- 'e diese lich herzlosen bayerischen Holzknecht dazu, jeden seite zu ihm erreichbaren Intelligenzler zur Strecke zu brin- rtschaft, gen. Aber auch jeden anderen armen Teufel, der n in grO- vielleicht sein betrügerisches System der Portions- gien ver- verteilung durchschaut haben mochte, brachte er notwen- vom Leben zum Tode. Er hat fürchterlich unter Deut- tete sich schen, Polen und Russen gewütet. Sein Haß hatte Seuche, keinen politischen Grund. Obwohl er sich Kommu- er Krea- nist nannte, war er sicher vom Kommunismus eben- soweit entfernt als seine Auftraggeber der SS. Er nd. Wir war nichts als ein blutgieriges Tier, das jeden Tag nslager seine Opfer haben mußte. Und folglich waren die ahres Methoden, die er anwandte, brutal und geistlos. e Re- Hatte jemand sein Mißfallen erregt, dann stürzte er Aber als auf ihn zu, schlug ihn mit einem Hackenstiel erst 1 Füßen einmal nieder und trat ihn mit seinen schweren, eisenbeschlagenen Stiefeln in den Bauch, in die Rip- pen oder ins Gesicht. Angeblich wegen Faulheit. Und dann bekam das arme Opfer, das infolge der Mißhandlungen, sich kaum noch aufrecht halten konnte, eine Schubkarre mit zwei Zentnern Bruch- ; ınd = a: steinen vollgepackt und mußte— immer unter Knüp- g u pelhieben— die Last durch oft kniehohen Schlamm m drei- oder vierhundert Meter weit im Laufschritt 75 transportieren. Nur die Wenigsten erlebten den Abend, den zweiten oder dritten Tag durchstand keiner. Darüber hinaus war diese Kreatur auch noch ein abgefeimter gewissenloser Betrüger. Es gab damals für alle Beschäftigten die sogenannte Schwerarbeiterzulage. Sie wurde im Laufe des Vormittags ausgegeben und bestand in einer Scheibe Brot und einem schmalen Stückchen Wurst. Natürlich empfing Sametdinger in der Küche nur soviel Portionen, als die Kopfzahl seines Kommandos betrug, und auch er selbst hätte sich damit begnügen müssen. Aber er wußte sich zugunsten seines eigenen Magens zu helfen, indem er einfach zehn oder zwanzig hungernden und schwer schuftenden Kameraden wegen angeblicher Faulheit die Portionen entzog und für sich und seine Freunde verwendete. Selbstverständlich war diese Maßnahme streng verboten, aber obgleich seine Handlungsweise sowohl dem jeweiligen Kommandoführer wie auch dem Kommandanten selbst bekannt war, hat niemand etwas dagegen unternommen. Wagte es etwa ein Häftling, gegen diesen Betrug Front zu machen und das taten nur unerfahrene Neulinge, dann durfte er sicher sein, daß seine Leiche am nächsten Abend im Krematorium lag. - Sametdinger stand nicht allein. Er hatte einen Gehilfen, der ihn treulich unterstützte und der, wie er, schuldig ist an der Ermordung zahlloser Häftlinge. Aber die ausgleichende Gerechtigkeit des Schicksals hat dafür gesorgt, daß auch dieser seinen Lohn empfing, als es an der Zeit war: Köppke wurde 76 im Somm such" ers wissers en Sametd Wie es h noch lebt entgehen Auch i bittere N dicht da teilen. Augenbl rück. E die blei Mensche Zu Be perlich s malerei. hof, ich merader lichter merte. ich mu goldene des ,, A Herzen abzuge und mit jede Kl den m im Sommer 1944 in Metz bei einem„Fluchtver- such‘ erschossen— die SS hatte sich eines Mit- wissers entledigt. noch Sametdinger wurde im Spätherbst 1943 entlassen. Es gab Wie es hieß, zur Wehrmacht. Ich wünsche, daß er Schw noch lebt, dann wird er der gerechten Strafe nicht entgehen. Auch ich habe in seinem Kommando schwere und bittere Monate verlebt und mehr als einmal war ich dicht daran, das Schicksal der vielen Ermordeten zu teilen. Aber immer wieder riß mich im letzten Augenblick eine gütige Vorsehung vom Abgrund zu- Magens u rück. Ein paar eingetretene Rippen sind allerdings ern die bleibende Erinnerung an diesen übelsten aller Menschen, die mir je begegnet sind... Zu Beginn des Jahres 1943, als ich krank und kör- perlich sehr herunter war, kam ich in die Schriften- malerei. Meine Werkstatt befand sich auf dem Strut- hof, ich teilte sie für einige Monate mit einem Ka- meraden, dessen Güte und Menschlichkeit wie ein Lichter Stern das Dunkel unserer Tage durchschim- merte. Heinz Kissel war gebürtiger Frankfurter und ich muß sagen,‚.daß ich fast immer Frankfurter mit goldenem Humor getroffen habe. Ob das eine Folge des„Äppelwoi’s“ ist? Er hatte wirklich Sonne im Herzen und wußte allen Situationen die beste Seite abzugewinnen. Außerdem war er klug, umsichtig und mit Lagererfahrungen vollgepfropft, die ihn um jede Klippe trugen. Wir haben wirklich schöne Stun- den miteinander verbracht, Stunden, in denen wir zer Kr ERRn unser Leid vergaßen und uns wieder als Menschen fühlten. Er besaß ein außerordentlich fein ausgebildetes Ge. fühl für Lagersituationen und wußte genau, daß seine Tage auf dem Posten, den er innehatte, gezählt waren, weil die andauernden kleinen Differenzen mit dem Bauleiter einmal zu seinem Sturz führen mußten. Dem kam er zuvor, indem er mir freiwillig seine Stellung überließ und eine andere Arbeit übernahm, wo er den Angriffen des Baugewaltigen weniger ausgesetzt war. Von nun an arbeitete ich allein. Aber ich war bei Heinz Kissel in eine gute Schule gegangen, und das lohnte sich jetzt. Täglich hatte ich für das Offiziers- und Unteroffizierskasino die Speisetafel zu schreiben, kam also ebenso oft in die Küche. Wenngleich mir der SSKüchenchef auch nicht gewogen war, so erhielt ich doch hin und wieder vom ersten Koch, einem Häftling, der sich auf sein Fach wirklich verstand, etwas Essen zugeschoben, was allerdings streng verboten war. Diese Manipulation vollzog sich folgendermaßen: Ich besaß einen Margarinekarton, in dem sich eine Blechschüssel befand. Den Karton stellte ich harmlos im Vorraum nieder, nahm die Speisetafel ab und verschwand damit. Nach einer halben Stunde hängte ich die mit dem neuen Speiseplan versehene Tafel wieder auf, klemmte den Margarinekarton recht harmlos unter den Arm und wanderte in meine Werkstatt, um erst einmal ausgiebig zu dinieren. Eines Tages nun fand ich an meinem Platz schon einen Margarinekarton und glaubte zuerst, ich hätte einen 78 Konkurre essen be abheben Margari meinen d und zog mein Be klappte men, wo Wir ab Brotauf Das tags un senden die viele Diese K und mit ich in m Einmal Transpo giertes tragen. hielt fi Milch, zwei R Werkst hofkom Haferf Ich n der. V sche an Baugewal- in arbeitete eine gute yen Stunde versehene arton recht eine Werk- en. Eines yon einen tfe einen Konkurrenten, der sich auf die gleiche Weise Mittag- essen beschaffte. Vorsichtig wollte ich den Deckel abheben— siehe da: der Karton enthielt wirklich Margarine. Ich besann mich nicht lange, stellte den meinen daneben, nahm die Margarine unter den Arm und zog mich unauffällig in mein Atelier zurück, um mein Beutegut in Sicherheit zu bringen. Die Sache klappte vorzüglich und niemand ist dahinter gekom- men, wo der Karton Margarine geblieben sein könnte. Wir aber hatten für einige Wochen ausreichenden Brotaufstrich. Das Mittagessen für die Truppe mußten wir mit- tags und abends in großen blauen, fünfzig Liter fas- senden Kesseln ins Lager hochtragen, eine Arbeit, die viele Schweißtropfen und manchen Fluch kostete. Diese Kessel wurden von Zeit zu Zeit neu gestrichen und mit Aufschriften versehen. Es gab Tage, an denen ich in meiner Werkstatt eine Kesselsammlung besaß. Einmal nun fand ich auf der Rampe, wo sie für den Transport bereitgestellt wurden, ein ziemlich deran- giertes Exemplar und wollte es in meine Werkstatt tragen. Aber der Kessel war zu schwer, denn er ent- hielt fünfzig Liter dicke, süße Haferflocken mit Milch, begehrenswerte süße Haferflocken. Ich rief zwei Russenhäftlinge herbei und ließ ihn in meine Werkstatt tragen. Und dann erhielt das ganze Strut- hofkommando, einer nach dem andern, einen Liter Haferflocken. Die Sache ist nie aufgefallen:... Ich malte weniger Schriftschilder, als vielmehr Bil- der. Vornehmlich der Bauleiter hatte dauernd Wün- sche an mich, an deren Erfüllung ich mich nicht vor- 79 beidrücken konnte, wollte ich den ruhigen. Posten behalten. Der Bauleiter war eng befreundet mit dem Verwaltungsführer und diese beiden Blüten der SS haben manche gemeinsame Auto- oder Motorradfahrt gemacht, die meist ihr Ende in einer Weiberorgie fand. Diese hielt der Verwaltungsführer dann in einer Art illustriertem Tagebuch fest. Die Illustrationen zu zeichnen gehörte ebenfalls zu meinen Obliegenheiten, und so wurde ich unfreiwilliger Zeuge von allerhand Schweinereien, deren sich dieser Mensch rühmte. Einen guten Freund hatte ich aber doch bei der SS, nämlich den Truppenfurier. Der gute Mann, ein Kölner, der nur Hannes gerufen wurde, war zwangsweise zur SS eingezogen, die er als strenggläubiger Katholik bis in den tiefsten Grund seines Herzens haßte. Er tat auch alles, ihr Schaden zuzufügen. Wie oft kam Hannes in meine Werkstatt: ,, Ich stell min Aktentäsch her, paß op, daß mir keiner dranjeht." Das hieß: nimm dir heraus, was drin ist! Einmal war sie voll Zucker, ein andermal enthielt sie eine Wurst, ein Kommißbrot oder Margarine leer war sie nie. Selbstverständlich brauchte er ab und zu ein Bildchen und das habe ich ihm herzlich gern gemalt. Möge ihm der Himmel sein Leben erhalten haben, er war ein grundgütiger Mensch und hat nie an Miẞhandlungen teilgenommen. In diesem Jahr ging es mir also recht gut. Ich war den Willkürakten der SS- Männer entrückt und auch im Lager selbst hatte ich nicht viel zu leiden. 80 Das S rung d Ende. Kreatu viel Sc gen, w hielt e verstan und G bürger Natzw Obhut ehrung bittere ein un gegent daran, mehr schien revisio umges - die dann f W Und " nen e ,, Icke drück sind F zum T Das Schreckensregiment der Dachauer unter Anfüh- rung der Gutmann und Knoll*) fand ein plötzliches Ende. Unser deutsch-tschechischer Blockältester, eine Kreatur wie sein Stubenältester, die beide reichlich viel Schuld an dem Tod unzähliger Kameraden tru- gen, wurden ebenfalls abgelöst und den Block 3 er- hielt ein Berliner,-ein wirklicher Kommunist, der es verstand, Ordnung zu halten ohne Schläge, Fußtritte und Gummiknüppel. Wir nannten ihn„Icke‘“, sein bürgerlicher Name war Franz Mels. Jeder ehemalige Natzweiler, der einmal das Glück hatte, unter seiner Obhut zu stehen, wird seiner in Dankbarkeit und Ver- ehrung gedenken. Er tat alles, seinen Kameraden das bittere Los zu erleichtern, und er besaß vor allem ein unglaubliches Talent, sich den SS-Blockführern gegenüber durchzusetzen. Dabei dachte er gar nicht daran, ihnen etwa zu schmeicheln, er warf ihnen viel- mehr seine Meinung schonungslos an den Kopf. Er- schien der Blockführer zu einer angeblichen Spind- revision, die doch meist damit endete, daß die Spinde umgestürzt und der Inhalt zum Teil gestohlen wurde, — die SS nannte das allerdings„beschlagnahmt“—, dann fragte er sofort: „Wieviel Zigaretten brauchen Sie?“ Und ehe der Blockführer sich von seinem Erstau- nen erholt hatte und eine Antwort fand, hatte ihm „Icke“ schon ein paar Packungen in die Hand ge- drückt und damit die Revision verhindert. Niemals sind Portionen so reell verteilt worden als unter ihm, *) Knoll wurde im ersten Dachauer Kriegsverbrecherprozeß zum Tode verurteilt. 6 81 er nahm für sich nicht mehr in Anspruch, als allen anderen auch zustand. Dennoch lebte er nicht schlecht, denn jeder, der irgend etwas organisiert hatte, brachte ihm seinen Anteil. So gut nun das Jahr für mich persönlich verlief, so schlecht war es für das Lager. Ich muß, um verständlich zu bleiben, etwas zurückgreifen. Im Jahre vorher hatten vier Häftlinge einen kühnen und raffinierten Fluchtplan ausgearbeitet und durchgeführt. Es war ihnen gelungen, sich SS- Offiziersuniformen zu verschaffen. In einem unbewachten Augenblick stahlen sie aus der Garage den Dienstwagen des Verwaltungsführers und fuhren am salutierenden Posten vorbei in die Freiheit. Drei von ihnen sind durchgekommen, den vierten, einen gewissen Christmann, hat die Polizei wieder eingefangen und ins Lager zurückgebracht. Christmann erhielt zunächst einmal seine fünfzig oder hundert Stockhiebe und kam dann in die Strafkompanie. Er sollte eingehen, aber er blieb standhaft, und da er ein guter Kamerad gewesen war, fand er so viel geheime Unterstützung von allen Seiten, daß er mit dem Leben davongekommen wäre. Die Untersuchung des Falles zog sich in die Länge. Man vernahm den Flüchtling alle Augenblicke, man setzte ihn den gemeinsten Torturen und Folterungen aus- Christmann schwieg. Wir bewunderten ihn. Fast ein Jahr verging. Eines Tages war er innerhalb des Lagers beschäftigt und ich konnte unbeobachtet mit ihm reden. Er bat mich um eine Zigarette. 82 " 1 Was m Campe, de angesproch immer noc bißchen na denken? C hängen we Ich rede ihn zu trös es war am sal dennoc auf der z Nun mußt Hinrichtun mehreren zum Galg Manchmal Augen der Schließlich Rapportfü mandant Mundwink alle, daß Flucht zu wir fang Und jeder lassen, da ob es sich handelt." Er gab lichen W 6* r innef- . unbe- sine Zi- „Was meinst du?‘ fragte er mich,„Hermann Campe, der Schutzhaftlagerführer, hat mich vorhin angesprochen.— Na, Christmann, hat er gesagt, immer noch am Leben? Da müssen wir wohl ein bißchen nachhelfen, wie?— Was soll ich nun davon denken? Ob sie mich’jetzt, nach so langer Zeit, noch hängen werden?‘“ Ich redete ihm den Gedanken aus und versuchte ihn zu trösten. Aber wenige Tage später, ich glaube, es war am 8. November, vollendete sich sein Schick- sal dennoch. Wir rückten zum Appell ein und fanden ‚auf der zweiten Terrasse einen Galgen aufgebaut. Nun mußte das ganze Lager mit dem Blick auf die Hinrichtungsstätte antreten. Christmann, der aus mehreren Wunden am Kopfe blutete, wurde gefesselt zum Galgen geführt. Er war bleich, aber ruhig. Manchmal lächelte er sogar. Kühl streiften seine Augen den Sarg, neben den man ihn gestellt hatte. Schließlich erschienen der Kommandant, der Arzt, Rapportführer und andere SS-Chargen. Der Kom- mandant nahm die unvermeidliche Zigarre aus dem Mundwinkel und hielt folgende Ansprache:„Ihr wißt alle, daß es verboten ist, sich der Haft durch die Flucht zu entziehen. Außerdem ist es sinnlos, denn wir fangen jeden wieder ein, früher oder später. Und jeder verliert sein Leben. Ich habe euch antreten lassen, damit ihr seht, daß wir keinen Spaß kennen, ob es sich um Deutsche, Russen, Polen oder andere handelt.“ S Er gab dem Henker, einem zu diesem fürchter- lichen Werke gepreßten Häftling, einen Wink und 83 Christmann kletterte seelenruhig auf den Kasten, der mit einer Fallklappe versehen war. Aber ehe der Henker dem Delinquenten noch den Strick um den Hals legen konnte, klappte der Boden nach unten und Christmann stand lächelnd bis zum Bauch in der Kiste. Man holte ihn heraus und die Prozedur wiederholte sich. Als er endlich die Schlinge richtig am Halse hatte, fragte der Kommandant höhnisch: ,, Na, Christmann, wie fühlen Sie sich jetzt?" ,, Ihr seid erbärmliche Mörder, ich habe mit euch-" Weiter kam er nicht. Der Kommandant hatte seine Pistole gezogen und unterbrach ihn. ,, Halt das Maul", schrie er erbost ,,, sonst schieß' ich dich noch zusammen!" ,, Das wär was rechtes!" lachte der Todeskandidat. Und: ,, Lebt wohl, Kameraden!" rief er noch. Dann fiel die Klappe und Adolf Christmann hatte ausgelitten... Ich habe diesen Fall so ausführlich geschildert, weil er sich nun laufend wiederholte. Die Hinrichtung Christmanns war nur das erste Glied einer endlosen Kette, die erst am 5. oder 6. September 1944 abriẞ, als die amerikanischen Truppen in bedrohlicher Nähe standen und das Lager fluchtartig verlassen wurde. Jetzt ist es angezeigt, einmal von den offiziellen Lagerstrafen zu sprechen, mit denen die SS die Häftlinge glaubte quälen zu müssen. Da war zunächst einmal die SK, die Strafkompanie. Sie war in allen Lagern vorhanden und auch in Natzweiler wohl aus84 gebildet nahmen mußte n bekam d drei Mo und hat der SKstand fü ihn verh Wenn nismäßig daran be stand, d anständi Essen v gerführ deutsche Russen Im S zellen. in dene nackte vor der nichts a lassen einem Vier W fähigste man do Eines zu erz tte seine t schieß’ andidat. h. Dann e ausge- schildert, Hinrich- iner end- ber 1944 ı bedroh- artig Vel- fiziellen die Häft- zunächst rin allen wohl aus” gebildet. Ihr Sinn war— wie der aller Strafmaß- nahmen— die Dezimierung der Häftlinge. Die SK mußte noch mehr und schwerer schuften als wir alle, bekam dafür aber weniger zu essen, durfte nur alle drei Monate einen Brief schreiben und empfangen und hatte Rauchverbot. In normalen Fällen konnte der SK-Mann mit dem Leben abschließen, es be- stand für ihn keine Aussicht, die ein oder zwei über ihn verhängten Strafjahre zu überstehen. Wenn trotzdem die SK in Natzweiler eine verhält- nismäßig geringe Totenziffer aufwies, so hat die SS daran bestimmt kein Verdienst, sondern nur der Um- stand, daß der Blockälteste der Strafkompanie ein anständiger Kerl war, der seinen Leuten heimlich Essen verschaffte und so die Mordabsichten der La- gerführung sabotierte. Außerdem sorgten wir Reichs- deutschen für unsere unglücklichen Kameraden, die Russen und Polen für die ihren. Im SK-Block befanden sich weiterhin die Arrest- zellen. Es waren kleine, dunkle und luftlose Löcher, in denen es weder Pritschen noch Decken gab. Der nackte Betonboden diente als Lagerstatt; als Schutz vor der winterlichen Kälte besaß der Verurteilte nichts als seine Kleidung— wenn man sie ihm be- lassen hatte. Im Sommer glichen die Zellen dafür einem Glutofen, in dem man kaum atmen konnte. Vier Wochen Arrest brachten auch den Widerstands- fähigsten an den Rand des Grabes. Natürlich trug man dort„zum eigenen Schutz‘ Handfesseln. Eines der beliebtesten Mittel der SS, Aussagen zu erzwingen, war der Pfahl. Dem Auserwählten 85 wurden die Hände auf dem Rücken mit einer Kette oder mit Riemen gefesselt und daran wurde er an einem Pfahl so aufgehängt, daß der Körper frei schwebte und die Fußspitzen den Boden nicht berühren konnten. Dabei renkten sich natürlich die Schultergelenke aus, was fürchterliche Schmerzen verursachte. Aber diese mittelalterliche Tortur reichte noch nicht, den Sadismus der SS zu befriedigen. Man schlug den Häftling nun noch und stieß ihn hin und her und so steigerten sich die Schmerzen ins Unerträgliche. Die Mehrzahl hat dann Dinge zugegeben, die sie nie verbrochen hat, nur um vorerst dieser entsetzlichen Quälerei zu entrinnen. Und die SS hatte ihre Aussagen und damit den Schein des Rechtes für ihre Urteile. Ein anderes Torturinstrument war der Bock. Er diente zum Vollzug der Prügelstrafe. Auf eine etwas hohl ausgerundete Pritsche wurde der Oberkörper geschnallt, so daß das Hinterteil frei in die Luft ragte, während die Füße in einen zuschiebbaren Kasten kamen, damit der Delinquent sich nicht bewegen konnte. Die Strafe selbst wurde in den einzelnen Lagern verschieden vollstreckt. Im allgemeinen nahmen zwei entsprechend veranlagte SSMänner hinter dem Bock Aufstellung und begannen, den Häftling mit Knüppeln, Ochsenziemern oder ledernen, stahldurchflochtenen Peitschen zu bearbeiten. Fünfzig Hiebe wurden also stets zu hundert, aber manchmal vollführte man auch ein Theater, indem man untereinander angeblich über die Zahl der verabreichten Hiebe in Streit geriet. Um 86 die einfa oder auf ten Besi der B nur fleis wurd Arres den wenn Die dest All mand streck nalbe dama Töne zu 6 Fü nur 6 Brau fang der S Best noss ande Stre T Kette - eran 3er frei cht be- ich die Imerzen reichte n. Man hin und S Uner- 'egeben, t dieser die SS 25 Rech- ock. Er eine et- )berkör- die Luft ebbaren icht be- den ein- m allge- ‚ge SS- und be- nziemern en ZU be- zu hun- ein The- über die riet. Um die Sache aus der Welt zu schaffen, fing man dann einfach noch einmal von vorn an. Nach dem fünften oder sechsten Doppelhieb platzte zumeist die Haut auf und das Blut lief in Strömen. Nach dem zehn- ten oder zwölften verloren die meisten schon die Besinnung. Nach Beendigung der Exekution wurde der Bestrafte zur Behandlung ins Revier geführt, die nur allzuoft darin bestand, daß das blutende, zer- fleischte Gesäß mit Salz oder Essig eingerieben wurde. War dem Häftling nun nicht anschließend Arrest verordnet, so ging er am nächsten, Tage unter den tollsten Schmerzen zur Arbeit und wehe ihm, wenn er sein Pensum nicht planmäßig absolvierte! Die nächsten fünfzig Hiebe waren ihm dann zumin- dest wegen Arbeitsverweigerung gewiß. Alle diese Strafen wurden in Gegenwart des Kom- mandanten und des Schutzhaftlagerführers voll- streckt. Dieser Kommandant, ein ehemaliger Krimi- nalbeamter aus Augsburg, namens Josef Kramer, der damals in Sachsenhausen so milde und menschliche Töne angeschlagen, wuchs sich im Laufe der Zeit zu einem Ungeheuer teuflischen Ausmaßes aus. Für die Beurteilung eines Häftlings gab es für ihn nur einen Unterschied: brauchbar oder unbrauchbar. Brauchbar war nach seiner Auffassung nur der Ge- fangene, dessen Bereitschaft feststand, im Auftrage der SS als Mörder an seinen Kameraden zu fungieren. Bestien vom Schlage Sametdinger und Köppke ge- nossen seinen Schutz und seine Unterstützung. Alles andere war Freiwild, das er langsam aber sicher zur Strecke bringen ließ. Ich glaube nicht, daß er 87 - klug war, wenngleich er sich durch rechtzeitiges Schweigen den Anschein geistiger Überlegenheit zu geben suchte. Dafür aber war er ein Zyniker besonderen Formates und ein Poseur lächerlichster Art. Er hatte zum Beispiel die Gründung einer Lagerkapelle erlaubt, die jeweils auf seinen Befehl musizieren durfte. So ließ er sich dann wenige Minuten vor einer Hinrichtung das Ave Maria und das Largo von Händel vorspielen er, in dessen Herzen weder ein Funken Religion noch Menschlichkeit lebte. Sein Egoismus war so grenzenlos wie sein Barbarentum. Er bewohnte in Rotau eine Villa, die wir nach seinem Geschmack einrichten mußten. Damals hatte ich noch keine Verbindung zur Bauleitung, und ich kann deshalb nicht sagen, welche Summen dafür verwendet wurden. Da aber alles auf das Kostbarste gemacht wurde, glaube ich, daß für die Renovierung ein Betrag verschwendet worden ist, der zwei oder drei Arbeiterfamilien ein schönes Eigenheim verschafft hätte. Der Schatten dieses erbarmungslosen Kommandanten war der Schutzhaftlagerführer SS- Untersturmführer Hermann Campe. Wir alten Sachsenhauser kannten ihn bereits, denn als Scharführer hatte er dort schon eine wenig rühmliche Rolle gespielt und tausende von Häftlingen auf den Bock, an den Pfahl und an den Galgen gebracht. Er war die verkörperte Heimtücke und sein Gehirn schien sich kaum mit anderen Gedanken zu befassen als: wie kann ich den hereinlegen, wie bringe ich jenen in die SK? Wir waren deshalb wenig entzückt, als Hermann eines schönen Tages als Untersturmführer in Natzweiler 88 auftauchte den nieder hetabließ, Wandlung ließ er dur sich gleich versetzt un der Strafe sein. So sehr lingsunifo hoffnungs war, so w schildern, erging, un Darstellu Gefahr suchten. Bevölkeru dersbach, mögen. der Wold der span unter den noch meh und der Auf de burger Dokumen das Elsa endgültig mman- rsturm- ıhauser ‚atte er elt und n Pfahl rperie mit all- ich den (> Wir n eineS zweiler auftauchte. Wenn er sich nun auch nicht mehr zu den niederen Diensten des Unterscharführerstandes hetabließ, so hatte seine Gesinnung dennoch keine Wandlung erfahren. Was er nicht mehr selbst tat, ließ er durch andere ausführen— die Methode blieb sich gleich. Später, im Herbst 1943, wurde er wieder versetzt und ich weiß nicht, wo er gelandet ist. Aber der Strafe des Himmels wird auch er nicht entgangen sein. So sehr wir nun diesem Abschaum in SS- und Häft- lingsuniform ausgeliefert waren und so dunkel und hoffnungslos das allgemeine Leben in Natzweiler war, so will ich doch nicht vergessen, die Tage zu schildern, an denen es einzelnen. Kommandos besser erging, und ich will vor allem die Menschen in meine Darstellung einbeziehen, die uns— oft unter größter Gefahr— das Dasein zu erhalten und zu erleichtern suchten. Ich meine dabei vor allem die elsässische Bevölkerung des schönen Breuschtales in Rotau, Wil- dersbach, Wackenbach und wie die Orte alle heißen mögen. Damals standen die deutschen Truppen an der Wolga, in Hammerfest, vor Alexandria und an der spanischen Grenze. Fast ganz Europa ächzte unter den Tritten des deutschen Kommißstiefels und noch mehr unter der Willkürherrschaft der Gestapo und der Waffen-SS. Auf den rötlich schimmernden Türmen des Straß- burger Münsters wehte die Hakenkreuzflagge als Dokumentation jener Überheblichkeit: Wir werden das Elsaß niemals wieder räumen! Man glaubte, den endgültigen Sieg in der Tasche zu haben, und die 89 tapferen SS- Männer, die ihren Mut weniger an der lebensgefährlichen Front, sondern lieber an wehrlosen Häftlingen bewiesen, begannen damit, sich häuslich einzurichten. Im Elsaß standen ja zahlreiche Wohnungen leer. Die ,, deutsche Bevölkerung" dieses gesegneten Landes hatte eben zum Teil vor ihren Landsleuten die Flucht ergriffen. Diese Wohnungen wurden nun durch Häftlinge hergerichtet und sollten von SSChargierten mit Frauen und Kindern bezogen werden. Alle verfügbaren Handwerker unter uns wurden in Bewegung gesetzt, Maurer, Zimmerleute, Maler, Dachdecker usw. Dabei blieb es natürlich nicht aus, daß wir mit Zivilisten zusammenkamen, ein Fall, den sonst strenge Verbote ausschlossen. Aber hier ging das gar nicht anders. Ich wurde, während ich gleichzeitig Schriftenmaler blieb, zeitweise einem Malerkommando zugeteilt oder bekam auch hin und wieder ein selbständiges Kommando. Es kam nun ganz darauf an, wer uns als Postenführer zugewiesen wurde. War der Mann vernünftig oder egoistisch genug, ein oder vielleicht auch beide Augen zuzudrücken, dann hatten wir bestimmt einen guten Tag. Die Bevölkerung beobachtete uns ganz genau und wartete nur auf unser Zeichen, um uns mit Weißbrot, Speck, warmem Essen, Zigaretten und Wein zu versorgen. Natürlich gaben wir an den Postenführer und seine Wachmannschaften ab, damit sie ruhig blieben. Es war rührend, wie sich Frauen und Kinder bemühten, uns ihre Sympathie und Hilfsbereitschaft zu beweisen, wie sie oft, 90 wenn den, u chen e gesser echter pirsch jünger verwi Lei schön zahler Wä verbra nahe Trag Im kamm die G unter langt würd deru den u ten s Lage türli sond hatte zu r trete Ein \ e 5 1 der wenn unser Zeichen ausblieb, es dennoch verstan- wehr- den, uns etwas zuzustecken. Das hübsche Töchter- » Sich chen einer Familie in Wildersbach werde ich nie ver- gessen, das unter persönlicher Gefahr wie ein wasch- U leer,© echter Indianer sich an das Kellerfenster heran- 1 Lan- pirschte und mir ihre Gabe brachte, während die en die jüngeren Geschwister den Posten in ein Gespräch 1 nun verwickelten und ablenkten. n SS- Leider haben viele dieser Frauen und Mädchen ihre 1 Wer- schöne Menschlichkeit später mit ihrem Leben be- > WUr- zahlen müssen.. Davon wird noch zu reden sein. e, Ma- Während wir nun so im Breuschtal einige Wochen 1 nicht verbrachten, die uns unser furchtbares Schicksal bei- n, ein nahe vergessen ließen, vollzog sich im Lager eine Aber*° Tragödie nach der anderen. Im Frühjahr hatte man mit dem Bau einer Gas- ımaler kammer auf dem Struthof begonnen, angeblich, um Itoder die Gasmasken der Truppe einer ständigen Kontrolle Kom-- unterziehen zu können. Und fast gleichzeitig damit ns als langte. ein Transport im Lager an, der seiner merk- In Ver- würdigen Zusammensetzung wegen unsere Verwun- leicht} derunghervorrief: er bestand aus neunundfünfzig Ju- wir be- den und siebenundzwanzig Jüdinnen. Eshieß, sie soll- :obach- tensichnachden schlechten Zeiten, die sie inanderen er Zei- Lagern verlebt hätten, hier erst einmal erholen. Na- Essen,} türlich wurden die Jüdinnen isoliert hinter einem be- gaben} sonderen Stacheldrahtzaun untergebracht, dennoch nschaf- hatten wir hin und wieder die Möglichkeit, mit ihnen 1d, wie I zu reden. Unter ihnen waren alle Altersklassen ver- - treten, Fünfzehnjährige so gut wie Fünfzigjährige. sie’oft, Ein Teil von ihnen war recht hübsch, einige sogar 91 schön. Vor allem aber waren sie alle sehr fröhlich und glücklich darüber, daß sie es nun etwas besser haben sollten. Die Sache hatte ja auch ganz den An- schein. Beide Geschlechter brauchten nicht zu ar- beiten, lagen in ihren Baracken und schliefen oder sonnten sich. Wohl bereitete ihnen das erlittene Schicksal noch manchen Schmerz und sig klagten oft über die Härte, mit der man sie von ihren Angehöri- gen getrennt hatte, aber der Umstand, daß ihr persön- liches Los sich nun wandeln sollte, ließ doch bald die Wunden vernarben.. Ein paar Monate verstrichen und inzwischen wurde die Gaskammer fertiggestellt— das grausige Werk konnte beginnen. Bald verbreitete sich die Nach- richt, daß die Juden weiter in ein anderes Lager transportiert werden sollten, wo sie es noch besser haben würden. Tatsächlich hat niemand von uns in diesem Augenblick an die Gaskammer gedacht. Eines abends nach dem Appell wurden die ersten dreißig Juden in ein Auto verpackt und aus demLager gefahren. Es gab ein freudiges Winken und ein ‚hoff- nungsvolles„Auf Wiedersehen! Auf Wiedersehen!“ Doch die Fahrt dauerte nicht lange. Sechshundert Meter weiter, auf dem Struthof, hieß es: Alles aus- steigen! Ihr sollt noch gründlich desinfiziert werden, damit ihr um Himmels willen kein Ungeziefer in euer neues Heim mitbringt. Kleidet euch aus und geht in den Desinfektionsraum. Und dann fiel die Tür zu und wurde verriegelt... Am anderen Morgen mußten wir die übrig geblie- 92 benen auto warel die B hatte der| Reich tersu Leich Zw verla ahnu Lage sei D Wir ihne ihne ırde /erk ach- ger amit eules den und benen Kleidungsstücke beiseiteschaffen und ein Last- / auto von den Blutspuren reinigen. Wahrscheinlich waren den Sterbenden die Lungen zerrissen, denn die Blutlachen waren hell und blasig. Die Leichen hatte man nach Straßburg ins medizinische Institut der Universität gebracht, wo der im Auftrag des Reichsführers SS arbeitende Professor H. seine Un- tersuchungen an den auf diese Weise beschafften Leichen vornahm, Zwei Abende später wurde der Rest der Juden verladen. Und auch sie schieden hoffnungsfroh und ahnungslos. Selbstverständlich wußte nun das ganze Lager, welches Schicksal ihnen bevorstand, aber Gott sei Dank hat niemand ihnen eine Andeutung gemacht. Wir hätten ihr Los doch nicht ändern können und ihnen nur Sorgen gemacht und Schrecken unter ihnen verbreitet. Ein paar Tage verstrichen. Mein Weg führte mich am Block der Jüdinnen vorbei und ein junges Mädel, mit dem ich schon hin und wieder ein paar Worte ge- sprochen hatte, rief mich an. „Sagen Sie mir die Wahrheit‘, bat sie,„wohin sind unsere Glaubensgenossen gekommen?“ „Ich weiß es nicht—“ antwortete ich und schickte mich an, die Unterhaltung abzubrechen.„O— bitte, ; bleiben Sie noch“ fuhr die Jüdin fort.„Es kann ja sein, daß Sie es nicht wissen. Aber glauben Sie daran, daß man sie wirklich in ein anderes Lager gebracht hat?“ „Ja— was solliich sonst glauben?“ entgegnete ich. „Ich binfestüberzeugt, daßsichalle wohlauf befinden.“ 93 Tränen glänzten in ihren Augen und ich empfand ein grenzenloses Mitleid mit den armen zum Sterben verurteilten Geschöpfen. Dennoch ließ ich mir nichts merken und versuchte, ihr den Gedanken auszureden; doch die Überzeugung, daß das Ende bevorstehe, war zu tief in ihr verankert. Als wir voneinander schieden, sagte sie mir: ,, Ich weiß, Sie meinen es gewiß gut. Verlassen Sie sich darauf: man wird uns töten, wie so viele von uns getötet worden sind." Sie trug bei dieser Unterredung ein rotes Kopftuch. Ich fand es am Morgen nach ihrem Abtransport zwischen den anderen Frauenkleidern vor der Gaskammer, nahm es als Andenken an mich und habe es aufbewahrt, bis ich nach Pelters kam. Auf diese Art und Weise sind viele tausend unglücklicher Menschen ermordet worden, deren einzige Schuld es war, daß sie infolge ihrer Geburt in der Rassentheorie des Nationalsozialismus auf der Minusseite standen und also ausgebucht werden mußten. Was in Natzweiler im kleinen Maßstabe betrieben wurde, geschah in anderen Lagern, in Auschwitz, Lublin, Buchenwald und so weiter in größtem Ausmaẞe. Ein deutscher Zigeuner, dem ich später im Lager Allach begegnete, und der auf Grund seiner sonstigen Lebensführung durchaus glaubwürdig war, erzählte mir, daß man in Auschwitz innerhalb von vier Monaten ungefähr zweihundertfünfzigtausend nein, es ist kein Druckfehler: zweihundertfünfzigtausend! Balkanjuden durch die Gaskammer ge.94 - - jagt und samtheit keit nich daß durc Augen d Die C noch and richten, den SSAls S Hauptst der vor konzentr Dieses n trage d suche an vorgeno schaften mandan sunde I wie imm Die A dort un mit ihne hindurc braucht verpfleg glaubte begann Teil be verschi Ster- ı mir alls- @ be- von- assen viele Kopf- trans- r der habe d un- ı ein- ırt in f der erden rieben hwitz, 1 Aus- er im seiner g war, b von infzig- er g&- jagt und verbrannt habe! Es ist sicher, daß die Ge- samtheit des deutschen Volkes von dieser Ruchlosig- keit nichts gewußt hat, aber ebenso fest steht auch, daß durch diesen Wahnsinn das ganze Volk in den Augen der Welt diffamiert worden ist. Die Gaskammer in Natzweiler diente natürlich noch anderen Zwecken, und auch davon muß ich be- richten, um das ausgeklügelte System der führen- den SS-Clique ins rechte Licht zu rücken. Als‘ SS-Arzt zog eines Tages in Natzweiler der Hauptsturmführer Dr. Sch...... ki ein, ein Mann, der vordem sein Unwesen im großen Frauen- konzentrationslager Ravensbrück getrieben hatte. Dieses medizinische Ungeheuer begann nun im Auf- trage der IG-Farbenindustrie mit Häftlingen Ver- suche anzustellen, die nicht einmal am lebenden Tier vorgenommen werden durften. Die Blockbeleg- schaften mußten antreten und auf Weisung des Kom- mandanten wurden ungefähr hundert kräftige, ge- sunde Leute herausgesucht. Eine Weigerung war, wie immer, unmöglich. Die Ausgewählten wurden ins Revier geführt und dort unter strenger Klausur gehalten. Jeder Verkehr mit ihnen wurde unter Strafe gestellt. Einige Wochen hindurch gehörten sie zu den Beneideten, denn sie brauchten nicht zu arbeiten und erhielten Truppen- verpflegung. Dann aber, als Herr Sch...... ki glaubte, normal ernährte Menschen vor sich zu haben, begann er mit seinen mörderischen Versuchen. Ein Teil bekam Spritzen, andere wieder wurden an den verschiedensten Körperstellen mit einem Präparat 95. eingerieben. Ich bin kein Mediziner und kann daher nicht beurteilen, welchen Zwecken diese Versuche dienten und worin ihr Sinn eigentlich bestand. Die Wirkung der Versuche war furchtbar. Je nachdem, mit welchem Präparat die Unglücklichen behandelt waren, begannen sie nun teilweise zu erblinden, ihre Gliedmaßen schwollen an und vereiterten, die inneren Organe verweigerten den Dienst und nicht wenige starben unter unbeschreiblichen Qualen dahin, ohne daß jemand ihre Schmerzen linderte, denn man wollte ja die Wirkung beobachten. Ein Teil nun, bei dem keine äußeren Erscheinungen sichtbar waren, wurde in die Gaskammer geführt, und mußte dort, selbstverständlich eingeschlossen und durch ein Fenster beobachtet, Ampullen zerschlagen, deren Inhalt sich unter Einwirkung der Luft in Giftgas verwandelte. Erst kurz vor Eintritt des Todes wurden die Leute aus der Gaskammer herausgeholt. Einige starben später. Alle jene aber, welche die Versuchsperiode überstanden und mit dem Leben davonkamen, hatten schwere, dauernde Schäden erlitten, an denen sie immer zu tragen haben werden. Die Liste der Schrecken ist damit keineswegs erschöpft, aber man kann nicht alles erzählen, weil die Feder sich sträubt und im Leser schließlich der Eindruck des Ekels und Abscheus erweckt würde, Empfindungen, die ihn veranlassen könnten, das Buch halbgelesen fortzulegen. Ich möchte aber, daß man es bis zur letzten Seite liest und die Nutzanwendung daraus zieht, daß sich eine solche Tragödie in un96 serem welche Den schwei gerlebe Da s Es mö die au schen bruchk send Poster diese heitsm täglich lich d Mann sind. lang und au letzun ursach All werde schen auf M das H Ka mord setzli iert. daher rsuche d. Die chdem, andelt m, ihre e inneht wedahin, n man un, bei waren, e dort, ch ein eren Inas verwurden Einige e überhatten nen sie wegs erweil die der Eine, Empas Buch aß man wendung e in unserem Vaterlande niemals wiederholen darf, unter welchem Vorzeichen es auch immer sei. Denn es gibt noch einige Dinge, die ich nicht verschweigen kann, ohne daß ein falsches Bild vom Lagerleben entsteht. Da sind einmal die Schäferhunde von Natzweiler. Es mögen an die vierzig Stück gewesen sein, Tiere, die ausschließlich darauf abgerichtet waren, Menschen in Zebrakleidung zu zerfleischen. Das Steinbruchkommando war im Laufe der Zeit bis auf tausend Mann angewachsen und eine große Anzahl Posten war notwendig, sie zu bewachen. Doch auch diese Zahl reichte nach Meinung der SS als Sicherheitsmaßnahme noch nicht aus und deshalb wurden täglich noch die Hunde mitgeführt. Selbstverständlich dauert es nun immer einige Zeit, ehe tausend Mann zum Zählappell oder zum Abrücken angetreten sind. Wenn diese Spanne den Kommandoführern zu lang erschien, dann wurden die Hunde losgelassen und auf die Häftlinge gehetzt. Die fürchterlichen Verletzungen, welche die scharfen Gebisse der Tiere verursachten, lassen sich nicht beschreiben. Alle, deren Augen über diese Zeilen schweifen, werden verstehen, daß wir Konzentrationäre wünschen, niemals mögen in Deutschland wieder Hunde auf Menschen abgerichtet werden. Wir sehen darin das Höchstmaß der Menschenunwürdigkeit. Kaum ein Tag verging, an dem im Lager nicht gemordet wurde. Und hatte man wirklich keinen ,, gesetzlichen" Grund dazu, dann wurde einer konstruiert. So war es auch mit der Russenrevolte. Eines 7 979 Tages hieß es nämlich, vierzig Russen vom Steinbruchkommando hätten an einer weniger übersichtlichen Stelle die Posten überrennen und erschlagen wollen, um ungehindert fliehen zu können. Man legte zuerst einmal fünf sogenannte Rädelsführer in Ketten und stellte sie acht Tage lang ohne Nahrung auf die Lagerstraße. Inzwischen begannen die Verhöre, bei denen der Knüppel und der Pfahl die Hauptrolle spielten. Das Ergebnis läßt sich leicht ausrechnen: Die Gefolterten gestanden all das, was die SS zur Konstruktion einer Massenmeuterei brauchen konnte. Dabei war jedem, der die Situation im Steinbruch kannte, klar, daß hier ein Ausbruchsversuch absolut aussichtslos war. Allein darauf kam es nicht an, sondern darauf, daß man nach Berlin wieder über eine Heldentat berichten und damit seine Unabkömmlichkeit für den gefährlichen ,, Frontdienst" beweisen konnte. Einer der fünf Rädelsführer starb, das heißt, er verhungerte, die anderen vier wurden erhängt. Die Methoden der Dezimierung wechselten allerdings und ich will der SS gern das Zugeständnis machen, daß sie bei aller Geistesarmut darin wenigstens erfindungsreich war. Wenn man Leute erhängen oder erschießen wollte, wurde dazu mindestens der Schein des Rechtes gebraucht; doch so konnte die Mordlust nicht befriedigt werden. Es ging ja auch anders. Zum Beispiel so: An einem sehr kalten und windigen Dezembertage war es wieder einem geglückt, seinen Peinigern zu entfliehen. Die Arbeitskommandos rückten daraufhin ein und blieben 98 auf den den un den no zu Eis und ga streifte Die Kä -der H uns nu Jacken ren w eisiger Stunde zuziehe die Sch Wind willen nichts gab ni die H keit. schlafe Quale leicht Gebra matori folgen zündu legsch Ich ohne m Steinbersichtschlagen en. Man führer in Nahrung die Vere HauptI ausrechas die SS brauchen im Steinersuch abes nicht eder über me Unabenst" berer starb, wurden erten allergeständnis rin wenigute erhänmindestens so konnte Es ging ja sehr kalten der einem 1. Die Arand blieben - - - auf dem Appellplatz stehen. Eine Stunde, zwei Stunden und noch länger. Es wurde dunkel wir standen noch immer und unsere Füße wurden allmählich zu Eisklumpen. Endlich erschien der Kommandant und gab den Befehl, die Mäntel auszuziehen. Wir streiften sie also ab und packten sie vor uns hin. Die Kälte kroch in uns hoch und machte uns zittern der Kommandant lächelte befriedigt. Nachdem wir uns nun gründlich abgekühlt hatten, kam der Befehl: Jacken aus! Wir entledigten uns der Jacken und froren weiter. Es waren immerhin 160 und ein eisiger Wind fegte über die Bergkuppe. Eine halbe Stunde später befahl man uns, auch die Hemden auszuziehen. Wir waren schon vollkommen willenlos, die Schutzlosigkeit, mit der wir der Kälte und dem Wind ausgesetzt waren, hatte bereits jeden Lebenswillen in uns abgetötet, überdies hätten wir doch nichts gegen diese Maßnahme ausrichten können. Es gab nie einen größeren Irrtum der SS gegenüber als die Hoffnung auf Einsicht, Gnade und Barmherzigkeit. Gegen Mitternacht, als der Herr Kommandant schlafen gehen wollte und sich genügend an unseren Qualen geweidet hatte, durften wir abrücken. Vielleicht genügte ihm auch die Zahl der zur Strecke Gebrachten: Wir trugen vierundzwanzig Tote ins Krematorium, ein Teil büßte sein Leben in den darauffolgenden Tagen durch Lungen- und Rippenfellentzündung ein. Und damals hatte das Lager eine Belegschaft von kaum tausend Mann. Ich möchte dieses traurige Kapitel nicht schließen, ohne derer zu gedenken, die keine Häftlinge waren 7* 99 - - und dennoch dort ihr Leben verloren: Zahllose Zivilisten, zahllose Kriegsgefangene wurden ins Lager gebracht und erschossen. Vor allem jene dreizehn Elsässer verdienten unser Mitleid, die sich aus Überzeugungsgründen nicht zum Waffendienst in die deutsche Armee pressen lassen wollten, und, an der Schweizer Grenze gestellt, nach Natzweiler gebracht wurden und sogleich ihr Leben in der Kiesgrube aushauchten. Was könnte dieser blutgetränkte Boden erzählen erzählen vor allem von den Genickschüssen des SS- Unterscharführers Fuchs, der sich nur zu gern die drei Tage ,, Erholungsurlaub" verdiente, die jeder SS- Mann für den Abschuß eines Häftlings ,, zur Drei Wiederherstellung seiner Nerven" erhielt. Tage das war schon ein Menschenleben wert! Im Herbst 1943 war nun auch das neue Krematorium fertiggestellt und konnte seine Tätigkeit beginnen. Daß wir fortan den bestialischen Gestank brennenden Fleisches einzuatmen hatten, nahmen wir gern in Kauf, brauchten wir doch die schweren Leichenkisten von Särgen kann man da nicht gut reden, in denen oft zwei oder drei Leichen lagen, nicht mehr nach dem Struthof zu schleppen. Der Tod war einfacher geworden, umstandsloser und ohne Feierlichkeit. In Zukunft wurde kein Galgen mehr aufgebaut und die Belegschaft trat zu Hinrichwann hätten wir sonst artungen nicht mehr an beiten sollen? Im Krematorium wurde das Urteil formloser vollzogen, ein eiserner Träger hatte den Galgen abgelöst. - - Das Krematorium bekam Arbeit in Hülle und Fülle. 100 Gegen Franzos die nun ... es Doppel hilflose allen K beiten ernst n nicht zu Nach w Hälfte ersten sie immer. Es w daß die Belgien derstan der Ho Es wa des La Wei Mohr leiter gelöst mir ni Verfas kaum se Zi- Lager eizehn Über- n die an der bracht Je AUS- Boden schüs- nur zu ıte, die gs„zur Drei wert! Krema- eit be- jestank nen wir en Ler gut re- ı lagen, n. Der ser und Galgen Hinrich- onst al- Urteil ‚tte den „d Fülle. & 8 & Gegen Ende des Sommers hatte man einige hundert Franzosen ins Lager gebracht, angeblich Partisanen, die nun hier ihr Urteil erwarten sollten. Partisanen . es waren in Wirklichkeit geruhsame Bürger mit Doppelkinn, Weinnasen und soliden Bäuchen. Kleine, hilflose Spießbürger, denen die Harmlosigkeit aus allen Knopflöchern schaute. Natürlich mußten sie ar- beiten und obwohl man sie allgemein nicht ganz ernst nahm und ihnen eine Schwerarbeit auch gar nicht zumutete, starben sie doch hin wie die Fliegen. Nach wenigen Wochen war ihre Kopfzahl auf die Hälfte herabgesunken und als ich Natzweiler in den ersten Januartagen des Jahres 1944 verließ, starben sie— inzwischen immer wieder aufgefüllt— noch immer. Es war überhaupt eine merkwürdige Erscheinung, daß die Angehörigen mancher Nationen, Franzosen, Belgier, Holländer und Norweger, die wenigste Wi- derstandskraft aufbrachten und am schnellsten vor der Hoffnungslosigkeit ihrer Situation kapitulierten. Es waren gute, anständige Menschen, den Härten des Lagerlebens waren sie nicht gewachsen. Weihnachten fiel ich nach dem alten Wort„der Mohr hat seine Schuldigkeit getan...‘“ bei dem Bau- leiter in Ungnade. Die Schriftenmalerei wurde auf- gelöst und ich mußte wieder Straßen bauen. Es fiel mir nicht schwer, denn ich war körperlich in besserer Verfassung als die meisten meiner Kameraden. Und kaum acht Tage später wurde ich abkommandiert... Außenkommando Pelters Zehn Mann traten marschbereit vor der Schreibstube an. Mein Zeichenmaterial hatte ich mit einiger List durch die Gepäckrevision geschmuggelt. Wir wurden auf ein Lastauto verladen und die Reise ging los; es hieß nach Metz. Drei meiner Kameraden waren Deutsche, die anderen Russen. Natürlich wurden unterwegs die verschiedensten Ansichten über unser neues Kommando ausgetauscht, der eine hatte dieses gehört, der andere jenes. Mancher sah sich schon in der Küche der Nachrichtenschule Metz und also an den Fleischtöpfen Ägyptens. Nun ich wußte so wenig, wie die anderen auch und schwieg; denn eine lange Lagererfahrung sagte mir, daß man sich niemals irgendwelchen Hoffnungen hingeben durfte. Am besten war es, man lebte als Fatalist in den Tag hinein und nahm die Dinge wie sie kamen. - Es war kalt auf dem Wagen, dennoch hatte die Fahrt über die Vogesen, am Donon vorbei, ihre Schönheiten und ich versuchte, meine Lage zu vergessen und mich ganz der Freude an der verschneiten Landschaft hinzugeben. Aber es gelang nicht ganz. Immer wieder wanderten die Gedanken zurück zu den Freunden im Lager Natzweiler, mit denen ich nun schon über zwei Jahre Lust und Leid geteilt hatte. Mancher war darunter, dem ich Hilfe und Unterstützung in schwierigen Situationen verdankte, mancher auch, dem ich das traurige Schicksal erleichtern half. Und viele, allzuviele, deren Leib längst zu Asche geworden war. 102 Gege an, in auf eine mit Git gericht der Ar den bei hielten kohl. wir se und au Natzw nahme vor. I raum, trauen haltsr einge lich p nomm mach Frist zubra allzus schw gert, droh leich die tions und hreib- miger Wir ging varen On un- unser dieses schon 1 also Bte so n eine h nie- e. Am ı Tag te die ‚ Ihre u ver- neiten ganz. zu den 'h nun hatte. erstüt- ancher n half. ‚he ge- Gegen Abend langten wir in einem Dorf bei Metz an, in Pelters, dem ehemaligen Peltre. Wir wurden auf einen Gutshof gebracht, in dem man einige Räume mit Gittern versehen und als Häftlingsunterkunft her- gerichtet hatte. Das Kommando befand sich noch auf der Arbeitsstelle, wir wurden vom Küchenchef und den beiden Häftlingsköchen empfangen. Zunächst er- hielten wir eine Schüssel Pellkartoffeln und Blau- kohl. Wir aßen mit Andacht, denn einmal hatten wir seit dem frühen Morgen nichts mehr genossen und außerdem war das Essen erheblich besser als in Natzweiler. Nachdem wir uns gewaschen hatten, nahmen wir eine Besichtigung unseres neuen Heimes vor. Die Räume waren eng und niedrig, der Schlaf- raum, ein ehemaliger Pferdestall, sah wenig ver- trauenerweckend aus. Dafür aber waren die Aufent- haltsräume recht sauber und einigermaßen wohnlich eingerichtet, wenn auch Bänke und Tische einen ziem- lich primitiven Eindruck machten. Alles in allem ge- nommen schienen wir aber keinen üblen Tausch ge- macht zu haben. Und wenn ich jetzt, nach so langer Frist, an die Monate zurückdenke, die wir in Pelters zubrachten, muß ich gestehen, daß es uns dort nicht allzuschlecht ergangen ist. Wir haben manchmal schwer schuften müssen, wir haben oft auch gehun- gert, aber unser Leben war eigentlich niemals be- droht und das bedeutete eine unvergleichliche Er- leichterung für uns. Ich gehe deshalb freudig an die Schilderung dieses Kapitels meines Konzentra- tionslagerlebens. Es enthält wenig trübe Stunden und gibt mir die Gelegenheit, dem Leser auch ein- 103 mal die heiteren Zwischenfälle zu schildern, ohne welche ich das alles vielleicht nicht ertragen hätte. Wir haben manch tollen Streich verübt, um zu irgendetwas zu gelangen, in Natzweiler wäre dergleichen entsetzlich hart bestraft worden oder einfach unmöglich gewesen. Nach gewissen Hungerperioden verbrachten wir wieder Tage, an denen unser Magen reichlich gefüllt wurde und uns eigentlich nichts fehlte als die Freiheit. Zunächst machte ich erst einmal ein recht dummes Gesicht. Ich war als Maler nach Pelters kommandiert, muẞte aber mit dem Gros ausrücken und einige Wochen lang schweren, zähen Lehmboden schippen. Es war kalt, der Lehmbrei lief uns von oben in die Schuhe und Regen und Schnee erschwerten uns erheblich das Dasein. Wir fluchten und schimpften, aber es half alles nichts, die Arbeit mußte getan werden. Man hatte einen größeren Gutshof außerhalb des Ortes zu einem Remonteamt gemacht und nun hieß es, Gelände planieren, Pfahlroste einschlagen und Baracken zur Aufnahme von Pferden zu errichten. Dazwischen mußten noch die Wege hergestellt und das Grundstück entwässert werden. Es war eine Riesenarbeit und das Kommando nur fünfzig Köpfe stark. Überdies lag wohl auch dem Unterscharführer, der uns befehligte, daran, recht schnell aus diesem toten Winkel herauszukommen und er drückte auf das Arbeitstempo. Einige Wochen später änderte sich mein Los. Einer von den beiden Malern wurde nach Natzweiler zurückgerufen, er sollte zum Waffendienst eingezogen werden. Propach beit aus Malerar die Hä Organis beizusc Abortba uns self barer N führer, suchten hinein, kannte, wir mi bungen mußter An Erf uns nie Die ren zie über d denn Deuts Heima der B mit Le uns be nahme benöt bring 104 ‚ ohne hätte, Tgend- eichen nmög- n Vver- Magen nichts immes ndiert, e Wo- en. Es in die ins er- ıpften, n wer- erhalb ıd nun hlagen ichten. IIt und ne Rie- Köpfe harfüh- us die- rückte ‚ Einer ler zu- ezogen werden. Fortan rückte ich mit meinem Kameraden Propach, einem Rheinländer aus Langenberg, zur Ar- beit aus— zwei Häftlinge, ein Posten. Eigentliche Malerarbeiten leisteten’wir verhältnismäßig wenig, die Hälfte des Tages verbrachten wir zumeist für Organisierungsfahrten, um Tabak und Eßwaren her- beizuschaffen. Unsere Werkstatt befand sich in der Abortbaracke des Remonteamtes, aber dort sah man uns selten, denn das Kommando arbeitete in unmittel- barer Nähe und ebenso nah war dann der Kommando- führer, mit dem wir so wenig Berührung wie möglich suchten. Er redete uns zwar niemals in unsere Arbeit hinein, weil er, wie er selbst gestand, davon nichts kannte, aber er war doch scharf dahinter her, daß wir mit der Truppe oder mit Zivilisten keine Schie- bungen machten. Doch davon lebten wir und folglich mußten wir seinen Argusaugen möglichst entgehen. An Erfindungsgabe, dies ztı bewerkstelligen, hat es uns nie gefehlt. 2 Die Mannschaftsbaracken des Remonteamtes wa- ren ziemlich lüftig gebaut und die Leute klagten sehr über die Kälte, die sie besonders empfindlich traf, denn sie waren zumeist Deutsch-Rumänen oder Deutsch-Ungarn und an das wärmere Klima ihrer Heimat gewöhnt. Nach langem Palaver hatte also der Bauleiter angeordnet, daß Wände und Decken mit Leichtbauplatten verkleidet werden sollten und uns beiden Malern wurde die Arbeit übertragen. Wir nahmen uns Zeit. Die ersten beiden Arbeitsstunden benötigten wir, um ein gründliches Rauchopfer zu bringen oder mit dem Begleitposten dessen nächt- 105 - liche Erlebnisse mit den Schönen von Pelters durchzusprechen. Dann spuckten wir in die Hände, trugen zwei, drei solcher Bauplatten in die Mannschaftsbaracken, richteten alles für die Arbeit her und machten Pause. Das heißt, einer von uns bezog einen Beobachtungsposten, damit uns der Kommandoführer nicht überraschen konnte, der andere begab sich auf Organisationstour in die Zimmer und besorgte Tabak, Speck, Marmelade und Brot. Nachdem wir dann ausgiebig gefrühstückt hatten, zogen wir uns ins Dorf zurück, angeblich um Material oder Werkzeug zu beschaffen. Meist fielen wir zunächst beim Bauleiter ein. Selten habe ich einen so gutmütigen Menschen getroffen. Er ließ sich von uns alles gefallen. Wir taten, was wir wollten. Entweder veranstalteten wir mit ihm ein Schwätzchen, das sich dann bis zur Mittagspause ausdehnte, oder wir rissen ihm sämtliche Fenster und Türen auf und begannen auszukehren- und dann ergriff er die Flucht. Wenige Augenblicke später stand alles wieder an seinem Platz und wir kochten uns auf dem kleinen Elektroherd von seinem Kaffeevorrat unser Morgengetränk. Selbstverständlich zog sich diese Kaffeepause dann bis Mittag hin. Pünktlich zwölf Uhr rückten wir zum Essen ein und ebenso pünktlich, dreiviertel ein Uhr, trat das Kommando wieder zur Arbeit an. Wir Maler marschierten zunächst nach unserem Magazin, das sich in einem Nebengebäude bei der Schreibstube der Truppe befand. Von dort konnten wir durch ein weinlaubbewachsenes Fenster ungesehen die Dorfstraße über106 blicken altes, zu Posten z wir döste guten B sierten u die dam auch ihr lichen R honig, n sere Tas um die und har eingezo tun hat erträgli tags zo nagelte der au weiß G Natü in den dann w erhielt des Sc Verbin schon als de gische der, reich, blicken und waren vor Überraschungen sicher. Ein altes, zusammenlegbares Feldbett diente hier dem Posten zur Abhaltung seines Mittagschlafes und auch wir dösten ein bißchen. Nebenher nutzten wir unsere guten Beziehungen zu den Schreibern aus, organi- sierten uns von ihnen Seife und Rasierseife, Dinge, die damals ‚recht knapp und kostbar waren. Aber auch ihre Spinde wurden von uns oft einer gründ- lichen Revision unterzogen; mancher Würfel Kunst- honig, manches Stück Kommißbrot wanderte in un- sere Taschen, ganz zu schweigen von den Zigaretten, um die wir sie ärmer machten. Es waren gutmütige und harmlose Leute, die, zwangsweise zur Waffen-SS eingezogen, mit dem Konzentrationslager nichts zu tun hatten und uns bereitwillig ‚halfen, unser Los erträglicher zu gestalten. Im Laufe des Nachmit- tags zogen wir dann noch einmal zum Remonteamt, nagelten ein paar Platten an die Wände, räumten wie- der auf und machten Feierabend. Wir haben uns weiß Gott nicht totgearbeitet. Natürlich gab es auch hin und wieder Perioden, in denen wir wirklich geschafft haben, doch auch dann wußten wir uns unseren Vorteil zu sichern. So erhielten wir einmal den Auftrag, das Klassenzimmer des Schulgebäudes auszumalen und kamen dadurch in Verbindung mit der Familie des Lehrers. Er hatte schon vielen Herren gedient. Vor dem Weltkriege als deutscher Lehrer war er bemüht, aus der lothrin- gischen Jugend gute Deutsche zu machen, dann wie- der, nach der Annektion Lothringens durch Frank- reich, gute Franzosen. Als 1940 neuerdings die 107 deutschen Truppen einrückten, war er evakuiert worden, das heißt, man hatte ihn und seine Frau zwangsweise in ein sudetendeutsches Auffanglager gebracht, wo er das bittere Schicksal des seiner Freiheit Beraubten einige Monate erduldete. Endlich wurde er wieder in sein Amt gesetzt; als er aber nach Pelters zurückkehrte, fand er von seinem Eigentum fast nichts mehr. Nun begann er aufs Neue, aus lothringischen Kindern deutsche zu machen, aber die Erfahrung lehrt, daß die Sprache des Herzens sich nicht von der Sprache der Lippen unterscheidet. Wer französisch spricht, kann nicht deutsch denken. Und in der Metzer Ecke wurde allgemein französisch geredet oder vielmehr das sogenannte Patois. Der Lehrer und seine Gattin kannten also das Leid des Unfreien aus eigener Anschauung. Was Wunder, wenn sie nun alles taten, unsere Lage zu bessern und das zaghafte Veto unseres ängstlichen Postens einfach übergingen. Wie manche Hand voll Tabak wurde uns zugesteckt, wieviel Weißbrot, Margarine und besonders für uns gekochte Marmelade fand den Weg in unseren ewig hungrigen Magen. Wir haben diesen beiden guten und hilfsbereiten Menschen viel zu danken. Ein paar hundert Meter von der Schule begann der Ortsteil Crépy mit dem sogenannten Unterhof. Dort befand sich die Tischlerei der Waffen- SS. Der Betrieb gehörte eigentlich einem ortsansässigen Handwerksmeister, war aber beschlagnahmt und der Inhaber hatte nur das Recht, als bezahlter Arbeiter unter Aufsicht der SS zu schaffen. Auch ihm und 108 seiner F stützung den neu die nur Widersp vasion d fuhren in Paris pen wuf gemeinh Zwisc Verkehr die Schl fizierski lich bes dem so Suppent meine w Die SS Kamera heit au Die Rolle gehung verwalt Bad Ov derer in kein F eigentli Stuben als wi Leid /un- sern tens abak ırine den aben viel ı der Dort Be- and- eiter und seiner Frau haben wir zu danken für Hilfe und Unter- stützung. Und vor allem wurden wir dort stets mit den neuesten Nachrichten von der Front versorgt, die nur allzuoft mit den Heeresberichten im krassen Widerspruch standen. Als am 6. Juni 1944 die In- vasion der Amerikaner und Engländer begann, er- fuhren wir es beinahe zur Stunde. Vom Aufstand in Paris und der Räumung durch die deutschen Trup- pen wußten wir um gut acht Tage früher als die All- gemeinheit. Zwischen Cr&py und der Schule lagen, durch die Verkehrsstraße voneinander getrennt, das Schloß und die Schloßgärtnerei. Im ersteren befand sich die Of- fiziersküche und das Kasino. Es wurde dort erheb- “ lich besser gekocht als für die Mannschaften; mit dem so viel und so laut gepriesenen gemeinsamen Suppentopf für Offiziere, Unteroffiziere und Ge- meine war es, wie in Natzweiler auch, nicht weit her. Die SS-Offiziere dachten nicht daran, die auf den Kameradschaftsabenden so laut gepredigte Gleich- heit auch am Eßtisch zu beweisen. Die Gärtnerei hat in unserem Leben eine große Rolle gespielt; ohne sie hätten wir manchmal arg gehungert. Sie wurde von einem Oberscharführer_ verwaltet, der im Zivilberuf Stadtgartenarchitekt in Bad Oynhausen gewesen war. Er war, wie manch an- derer in reifen Jahren zur Waffen-SS gepreßte Mann kein Freund der SS und hatte für uns Häftlinge eigentlich immer eine offene Hand. Wir haben seine Stuben recht nett ausgemalt und dabei mehr getan, als wir tun durften. Aber wir machten das gern, 109 - lieferte er doch als Belohnung für unsere Küche Spinat, Möhren, Spargel und Blumenkohl. So zog das ganze Kommando den Nutzen aus unserem guten Verhältnis zu ihm. Und so schön das alles war das Wichtigste blieb doch, daß er Tabak besaß. Er kaufte aus einer Zigarettenfabrik in Metz Tabakstaub zur Herstellung von Nikotinláuge, die in Gärtnereien viel gebraucht wird. Diesen Staub siebten wir erst einmal durch und erhielten so nicht unbedeutende Mengen Rauchtabak, in dem sich auch noch viele leicht beschädigte Zigaretten fanden. Das gesamte Kommando hat Monate hindurch seinen Rauchbedarf auf diese Weise gedeckt. Das Bild allerdings, das wir dem Oberscharführer für sein Zimmer versprochen hatten, bekam er nie. Aber daran waren die Amerikaner schuld, die uns so plötzlich aus Pelters vertrieben... Neben der Gärtnerei befand sich die Hühnerfarm und wir hatten schon Monate hindurch nach einer Möglichkeit gesucht, ihr einen Besuch abzustatten. Da sie jedoch direkt an der Straße lag, erhoben sich bedeutende Schwierigkeiten, dies illegal zu tun. Da kam uns wieder einmal der Zufall zu Hilfe. Eines Tages erhielten wir den Auftrag, die Hühnerställe mit grüner Tarnfarbe zu streichen, und wir gingen mit einer seltenen Arbeitsfreudigkeit ans Werk. Die Farm wurde von einer Polin verwaltet, einem nicht unschönen Mädchen, das aber für Häftlinge nicht viel übrig hatte, weil es ein Offiziersliebchen war. Immerhin war die Maid taktvoll genug, uns nicht allzusehr auf die Finger zu sehen, so daß wir einen ganzen Sack 110 Eier Eile a mußte merhi serem gekoc Am Reinfa Hals kocht das g auch eben lebte gespa zwisc tig au oft H Wirk Köch Esser Die Küch teilu leidi schlo die Sp men. unte Glü che Spi- Zog das ten Ver. — das T kaufte aub zur >jen viel -TSt ein- le Men- 'e leicht 'e Kom- hbedarf 1gs, das jer- ver- ı waren aus Pel- nerfarm -h einer ıstatten. ben sich tun. Da e, Eines 1erställe gingen erk. Die ‚m nicht icht viel Immer- Ilzusehr zen Sack Eier organisieren konnten. Leider hatte ich in der Eile auch das Gehege einer Glucke erwischt und wir mußten dann viele angebrütete Eier fortwerfen. Im- merhin— wir aßen uns einmal gemeinsam mit un- serem Posten an den auf des Bauleiters Elektroherd gekochten Eiern satt. Am nächsten Tage hielten wir uns dann für den Reinfall schadlos, indem wir einigen Hähnchen den Hals umdrehten und eine fabelhafte Hühnersuppe kochten. Natürlich konnte an diesen Genüssen nicht das gesamte Kommando teilnehmen, so gern wir das auch gesehen hätten; in solchen Sonderfällen war eben die Gefahr des Verrates zu groß. Zu dieser Zeit lebte ich nämlich mit unserem Küchenchef auf sehr gespanntem Fuße; er tat alles, mir einen Knüppel zwischen die Beine zu werfen, und ich mußte gewal- tig auf der Hut sein. Der Grund war lächerlich, aber oft haben ja die kleinsten Ursachen die größten Wirkungen. Ich hatte mich eines Abends mit unseren Köchen ganz harmlos darüber unterhalten, daß das Essen geschmacklos und ohne Gewürz gekocht sei. Die Leute wußten nichts anderes zu tun, als dem Küchenchef recht schnell von dieser Unterredung Mit- teilung zu machen und der Mann empfand das als Be- leidigung. Er drohte, mich zusammenzuschießen und schloß mich von jedem Nachschlag aus. Ich nahm die Sache nicht tragisch, aber ich war gewarnt. Später ist es jedoch zu einer Aussöhnung gekom- men. Die Sache war so grotesk, daß ich sie nicht unterschlagen möchte. Er brauchte eines Tages eine Glückwunschkarte für seine alte Mutter, an der er 111 - sehr hing. So etwas gab es längst nicht mehr zu kaufen, überdies hätte ein gedrucktes Kärtchen auch nicht den Zweck erfüllt und wäre ihm kalt und herzlos erschienen. Ich hatte nun dergleichen Karten schon für manchen anderen gezeichnet. Natürlich wußte mein Mann ganz genau, daß ich die Anfertigung für ihn unter Angabe irgendwelcher Gründe unmöglich machen würde. Er fiel deshalb auf den recht primitiven Ausweg, den stellvertretenden Kommandoführer vorzuschicken, beging aber den Fehler, den Text selbst aufzuschreiben und die Handschrift kannte ich. Also hatte ich kein Papier. Mein Küchenchef kochte- diesmal vor Wut, aber anhaben konnte er mir nichts. Einige Zeit später brachte mir der Rottenführer ein Stück Zeichenpapier. Nun könne ich ja die Karte machen, meinte er. Darauf hatte ich ja nur gewartet: Ich hatte jetzt keine Tusche und keine Farben. Der Küchenchef fraß mich vor Zorn mit den Augen und hätte er die geringste Unregelmäßigkeit gemerkt, würde er mich schonungslos beim Kommandoführer angeschwärzt haben. Doch ich war auf der Hut. Wieder verstrich eine Woche, und wir waren gerade damit beschäftigt, unserer eigenen Behausung einen neuen Anstrich zu geben, da kam er aus der Küche herüber und warf mir ein halbes Kommißbrot zu. Natürlich wußte er längst, daß ich seinen Umweg über den Rottenführer kannte. ,, Nun machen Sie mir aber meine Karte!" rief er. ,, Sie kommt sonst nicht mehr rechtzeitig in meine Heimat." Ich legte das Brot beiseite, als wäre ich absolut nicht auf Geschenke angewiesen und fragte ge112 lassen: 기 Die Sach Nachschl an hungr buße doc wollte si „ Na ja Karte, un So ges Zu die gewisse eingeräu machen. Köche si Schadenf die Trup man suc ihnen, d durchgek er einen erkennen ber in N Verwirru entstand Unser selbstver konnten. der nach hielten S kunft un lich aber 8 lassen:„Ja— wie ist es aber mit dem Nachschlag?“ Die Sache war mir deshalb wichtig, weil ich den Nachschlag, zuweilen auch das Mittagessen selbst, an hungrige Kameraden verteilte, für die solche Zu- buße doch immerhin eine kleine Hilfe bedeutete, Ich wollte sie ihnen gern wiederbeschaffen. „Na ja—“ antwortete er,„machen Sie mir die Karte, und Sie bekommen wieder Nachschlag“. So geschah es dann auch. Zu dieser Zeit passierte es nun, daß beide Köche gewisse Freiheiten, die ihnen der Kommandoführer eingeräumt hatte, benutzten, sich selbständig zu machen. Am Pfingstmorgen hieß es plötzlich, die - Köche sind weg! Bestürzung auf der einen, lächelnde Schadenfreude auf der anderen Seite. Die Posten, die Truppe des Remonteamtes wurden alarmiert und man suchte die Gegend ab— umsonst. Einer von ihnen, der mit den Verhältnissen vertraut war, ist durchgekommen und niemals gefaßt worden, obwohl er einen unübersehbaren Buckel hatte und leicht zu erkennen war. Den anderen habe ich Anfang Septem- ber in Natzweiler wiedergefunden; die allgemeine Verwirrung, die durch den Anmarsch der Amerikaner entstanden war, hatte ihn vor dem Galgen bewahrt. Unser Kommando war so klein, daß wir uns selbstverständlich kein eigenes Krankenrevier leisten konnten. Ursprünglich wurden schwerere Fälle wie- der nach Natzweiler transportiert, Leichterkrankte er- hielten Schönung, blieben ein paar Tage in der Unter- kunft und mußten sich selbst auskurieren. Allmäh- lich aber wurden die Fahrten nach dem Stammlager 8 113 wegen Benzin- und Reifenmangels unmöglich. Und nun wurden unsere Kranken von den Ärzten des Reservelazaretts Metz II, das sich im Kloster Pelters befand, betreut. Merkwürdigerweise mehrten sich von jetzt ab die Krankheitsfälle geradezu auffallend. Schließlich sagten wir Maler uns, daß da irgendetwas nicht stimmen könne und beschlossen, der Angelegenheit auf den Grund zu gehen. Es war ja möglich, daẞ irgendwo eine Quelle rieselte, von der wir nichts wußten. Wir meldeten uns krank. Und siehe da, des Rätsels Lösung war recht einfach: Die katholischen Ordensschwestern, welche die Verwundeten und Kranken betreuten, sammelten fleißig alle Zigarettenreste und pflegten sie den von ihnen besonders bemitleideten Häftlingen in die Hand zu drücken. Unser Weg sollte uns noch oft ins Lazarett führen. Dort war seitens der Lazarettverwaltung ein Zivilist als Maler für die in einem so großen Betriebe laufenden Arbeiten beschäftigt, natürlich ein Lothringer. Dem Mann fehlte es nun oft an Material, während wir in unserem Magazin Bleiweiß, Öle und Lacke in solcher Fülle besaßen, daß nicht einmal der Bauleiter einen Überblick über die Bestände hatte. Das nutzten wir weidlich aus. Ein Kübel Lack oder Firnis nach dem anderen wanderte hinüber ins Lazarett und verwandelte sich in Tabak und Zigaretten. Und in die freundschaftliche Zuneigung des Stabszahlmeisters. Eines Tages nun, als unser Küchenchef wieder einmal nicht wußte, mit was er fünfzig hungrige Mägen füllen sollte, beschlossen wir, uns wegen Abgabe der im Lazarett stets anfallenden Brot114 reste a lohnte der SS mando: das zw aber se So h quellen richtes erzähle wecken Fürsorg was wir Einma um eine rechnete mißbrot einhund mandos von. Jed Kamera All d nicht ein keit ebe fahrenhe und als wollte, war. M noch nic mal in S sationst 8* Und s Rers bech von llend. etwas egenglich, nichts la, des Fischen und rettenrs beühren. Civilist e lauringer. ährend acke in Baue. Das er Firazarett 1. Und bszahlmenchef g hungns weBrotreste an den Stabszahlmeister zu wenden. Und jetzt lohnte sich die Großzügigkeit, mit der wir die Farben der SS bewirtschaftet hatten, für das gesamte Kommando: Wir erhielten einige Tragekörbe voll Brot, das zwar ein klein wenig nach Karbol schmeckte, aber seinen Zweck erfüllte. So hat es uns in Pelters eigentlich nie an Hilfsquellen gefehlt. Es würde den Rahmen dieses Berichtes sprengen, wollte ich hier alle Einzelheiten erzählen, vor allem aber könnte es den Eindruck erwecken, als wenn wir Maler von kameradschaftlicher Fürsorge getrieft hätten. Das war nicht ganz so, denn was wir taten, dankten wir ja meist dem Zufall. Einmal hatte uns der Stabsfeldwebel der Truppe um eine geringfügige Gefälligkeit gebeten und wir rechneten damit, daß wir dafür vielleicht ein Kommißbrot erhalten würden. In der Tat lieferte er uns einhundertfünfzig Brote und jeder Mann des Kommandos empfing strahlenden Gesichtes drei Stück davon. Jedenfalls hatten wir oft Gelegenheit, unseren Kameraden eine Zubuße zu verschaffen. All das wäre aber unmöglich gewesen, hätten wir nicht einen Begleitposten gehabt, dessen Bestechlichkeit ebenso groß war wie seine Dummheit und Unerfahrenheit. Er wurde von uns glattweg eingewickelt und als er einmal aufmuckte und energisch werden wollte, merkte er erst, wie verstrickt er in unser Netz war. Mit seinen achtzehn Jahren hatte er wirklich noch nichts vom Leben kennen gelernt. Als wir einmal in Streit gerieten und er mir irgendeine Organisationstour verbieten wollte, sagte ich ihm auf den 8* 115 eine Kopf zu, daß er nur vom Küchenchef gegen mich aufgehetzt sei und er übrigens erst da einmal hinriechen solle, wo ich schon hinge........ hätte. Der Jüngling explodierte, legte seine Knarre an und schrie, er würde mich auf der Stelle erschießen. Ich lachte ihn aus; er warf wütend sein Schießeisen in die Ecke und begann zu heulen. Wir holten von unseren Schreibstubenfreunden Brot, Butter und Honig und trösteten ihn damit, denn er hatte genau wie wir - einen ewig hungrigen Magen. - - Und einmal war er völlig in Verzweiflung. Wir saßen eines Nachmittags gemütlich in der Bauleitung und tranken Kaffee. Unser Adolf hatte Langeweile und begann, sein Gewehr auseinander zu montieren. Er nahm das Schloß heraus und bekam es nicht wieder hinein. Eine halbe Stunde lang mühte er sich mit rotem Kopf vergebens und der Zeitpunkt des Einrückens kam näher. Wir hatten seine Not wohl bemerkt, lächelten uns still zu, sagten aber nichts. Es wurde dreiviertel sechs Uhr und um sechs war Appell. Adolf begann zu fluchen, alle Heiligen seiner rumänischen Heimat mußten herhalten. Aber davon wanderte das Schloß nicht wieder in die Kammer. Und schließlich verlegte er sich aufs Bitten, er könne doch nicht, das Gewehr in der einen, das Schloß in der anderen Hand, mit uns einrücken. Acht Tage ,, Strenger" seien ihm doch sonst gewiß, wenn nicht mehr. Wir stellten uns dumm. Wir seien keine Soldaten, sagten wir, und hätten von solchen Kriegsinstrumenten keine Ahnung. Jetzt rannen ihm die Tränen herab; er bat, flehte wir ließen ihn noch 116 - in On Nu berich Ansch holun Allge Kame große Leben denno mand wenig verlan pensur Hitze abends irgend wir sta mit dr gewor in Myn sich na Ende. treiber ben Si Seit de Tag zu Bereic englis ganner mich hinDer und Ich die eren und e wir Wir Stung weile eren. nicht sich t des wohl ichts. Swar iligen Aber KamBitten, n, das . Acht wenn keine Kriegsm die n noch eine Weile zappeln, brachten ihm dann die Geschichte in Ordnung und rückten im Laufschritt ein. - Nun ich habe in diesem Kapitel von dem Leben berichtet, das wir Maler führten und das könnte den Anschein erwecken, als wenn Pelters so eine Art Erholungsheim gewesen wäre. Leider traf das für die Allgemeinheit nicht zu. Die anderen achtundvierzig Kameraden mußten schwer arbeiten und wenn sie im großen und ganzen auch vor Schlägen und direkten Lebensbedrohungen geschützt waren, so blieb ihr Los dennoch keineswegs beneidenswert. Unser Kommandoführer kannte den Begriff Rücksichtnahme so wenig wie seine Kameraden in anderen Lagern. Er verlangte das von ihm sehr hoch angesetzte Arbeitspensum, ob zwanzig Grad Kälte oder dreißig Grad Hitze herrschten. Und oft mußten die Leute noch abends nach dem Appell bis zum Sonnenuntergang irgendeine Sonderarbeit erledigen. Dazu kam, daß wir ständig weniger Schlaf fanden. Zwar waren wir mit drakonischen Maßnahmen der Läuseplage Herr geworden, aber dafür überfielen uns nun die Flöhe in Myriaden. Fünfzig Mann juckten sich und kratzten sich nachts im Schlafsaal und des Fluchens war kein Ende. Wir haben alles versucht, das Viehzeug zu vertreiben die Flöhe waren stärker als wir und blieben Sieger. Darüber hinaus gab es viel Fliegeralarm. Seit dem Beginn der Invasion rückte ja die Front von Tag zu Tag näher und die Festung Metz, an deren Bereich wir grenzten, wurde immer öfter das Ziel englischer und amerikanischer Angriffe. Wir begannen, während der Freizeit im Gutsgarten Splitter- 117 A gräben auszuheben. Aber benutzt worden sind sie nie, schon deshalb nicht, weil unsere Posten bei einem Angriff zuerst ihr eigenes Leben in Sicherheit brachten und folglich niemals genug vorhanden waren, uns ordnungsgemäß zu bewachen. Noch übler für uns alle waren die Angriffe der Tiefflieger. Fast täglich war ein Arbeitskommando an der Bahn mit dem Entladen der Waggons beschäftigt. Da hieß es nun auf der Hut zu sein. Die reisende Bevölkerung mußte, in den Zügen eingepfercht, manchen Verlust hinnehmen, während es unseren Leuten noch immer gelang, rechtzeitig in Deckung zu gehen. Wir hatten keine Ausfälle, aber viele klopfende Herzen... Es war August geworden. Unsere Arbeit neigte sich ihrem Ende zu. Ein Stück Wasserleitung sollte noch gelegt und eine letzte Baracke gebaut werden. Die SS war mit Blindheit geschlagen. Wir wußten längst über den Lehrer und den Tischlermeister, daß die Front kaum noch hundert Kilometer entfernt war und täglich näher rückte. Hin und wieder wagten wir es schon auszusprechen, daß der Krieg zu Ende gehe, aber alles, was Totenköpfe an der Mütze und SS- Runen am Kragenspiegel trug, lachte uns aus: Nie werden sie kommen! Und so dämmerte der letzte Tag in Pelters. Eines morgens kam der Befehl, daß die begonnene Baracke bis sechs Uhr abends fertig sein müsse, außerdem seien einige Waggons an der Bahn zu beladen. Das Kommando wurde geteilt. Es war warm, die Sommersonne brannte unbarmherzig das aufgerissene Land 118 aus und allen P uns rett den aus Schnaps schöpft, tag hatte feldern wenn ma mung de mehr fü Truppen und be Schnaps nächster Aber Um n Sein Ge dem übe listen, e Sofo das Kon Remont Und d ,, Ihr sagte e täuscht, Von eu raden e ner stift weiler. d sie bei erheit wae der mando s be.Die eingend es tig in , aber neigte sollte erden. wußten er, daß nt war wagten Ende ze und us: Nie Eines Baracke Berdem en. Das ommere Land - aus und trieb unseren Kameraden den Schweiß aus allen Poren. Gegen Abend war der eine Teil von uns rettungslos betrunken, denn die Waggons wurden aus den Beständen des Schlosses mit Wein und Schnaps beladen der andere Teil war restlos erschöpft, denn die Baracke stand tatsächlich. Seit Mittag hatten wir aus dem Westen, von den alten Kampffeldern um Verdun, Kanonendonner vernommen. Und wenn man es auch nicht wahr haben wollte: Die Stimmung der SS war schon nervös und unsicher. Immer mehr füllten sich die Straßen mit zurückgehenden Truppeneinheiten. Wir verzehrten unser Abendessen und beschäftigten uns damit, den gestohlenen Schnaps zu vertilgen und die Lage zu beraten. Die nächsten Tage würden die Entscheidung bringen. Aber es ging alles viel schneller. Um neun Uhr abends kam der Kommandoführer. Sein Gesicht war kreideblaß, man merkte, daß ihm, dem überzeugten hundertprozentigen Nationalsozialisten, eine Welt zusammengebrochen war. ,, Sofort alles fertigmachen. Um Mitternacht rückt das Kommando ab. Zu Fuß. Wir schließen uns dem Remonteamt an." Und dann rief er uns Maler heraus. ,, Ihr beiden habt immer mein Vertrauen gehabt", sagte er ,,, und ihr habt mich eigentlich nicht enttäuscht, wenn ich auch weiß, daß ihr alte Füchse seid. Von euch erwarte ich nun, daß ihr auf eure Kameraden einwirkt, damit mir alles ruhig bleibt und keiner stiften geht. Ich bringe euch wieder nach Natzweiler. Und jetzt gehen wir in meine Wohnung, dort 119 packt ihr mein Zeug zusammen, das allermeiste wird wohl zurückbleiben müssen." Wir zogen los. Die abendlichen Straßen waren vollgepfropft mit Autos, Lastwagen, Panzerwagen, Geschirren und marschierenden Truppen. Es war kaum durchzukommen. Wir packten. Und nun sahen wir zum ersten Male, welch Ehrenmann unser Kommandoführer war, er, der sich immer den Anschein eines überaus korrekten Menschen zu geben wußte. Da stand in zahllosen Paketen das Suppenmehl, das für die Häftlingsküche bestimmt war, Butter und Margarine, Zucker, den wir nie zu sehen bekamen, Marmelade und andere Dinge. Wir blickten uns an und blickten den Kommandoführer an. Er mußte wohl gefühlt haben, was wir damit sagen wollten, doch eine Erklärung fand er nicht. Vielleicht dämmerte in ihm auch die Überzeugung, daß wir ihm nichts mehr glauben würden. Er sagte, er müsse noch einmal in die Unterkunft, damit seine Kaninchen geschlachtet würden, wir möchten nur weiterpacken, dann ließ er uns allein. Wie oft haben wir uns in den folgenden Monaten kummervoll angeschaut und uns gegenseitig den Vorwurf unserer Dummheit gemacht, die uns damals hinderte, Packen Packen sein zu lassen und das Weite und die Freiheit zu suchen. Keinem Menschen wäre es in diesem Durcheinander möglich gewesen, nach uns zu fahnden. Aber wir glaubten ,,, anständig" sein zu müssen... Um auf den der Stra Hupen dazwisc Rückma „ Mit geschla Dr. La mann d vorsang ,, Ob ich in d antwor „ Nie Ehe w Tomm my, al führer Stimm ,, He die w Stich germa worde 120 euch niema Von 6 Stich wird waren agen, > war sahen Kom- schein yußte, l, das r und amen, ins an mußte llten, däm- r ihm e noch en ge- acken, in den 1d uns macht, ein zu chen. nander er wir Flucht Um Mitternacht stand das’ Kommando vollzählig auf dem Hof angetreten. Es war stockdunkel. Von der Straße her tönte das Rollen der Lastwagen, das Hupen der Pkw’s, das Knattern der Motorräder und dazwischen dominierend das Rasseln der Panzer. Rückmarsch, Auflösung, Flucht, Ende. „Mit Mann und Roß und Wagen hat sie der Herr geschlagen—“ rezitierte neben mir unser Kamerad Dr. Laub. Ich nickte und mußte an den Evangeli- mann denken, aus dem er uns so gern das ‚Rezitativ vorsang. Und was würde nun kommen? „Ob wir je Natzweiler erreichen werden?“ fragte ich in die Dunkelheit hinein. Ein Chor von Stimmen antwortete: „Nie, nie! Sieh dir das doch an auf der Straße! Ehe wir nach Natzweiler kommen, hat uns der Tommy.“ Nun ja— wir hofften es. Lieber der Tom- my, als die SS. Endlich erschien der Kommando- führer. Er zählte ab und dann tönte seine harte Stimme noch einmal durch die Nacht. „Herhören! Ich habe euch in den vielen Monaten, die wir hier in Pelters gearbeitet haben, nicht im Stich gelassen. Ich habe dafür gesorgt, daß ihr eini- germaßen anständig zu essen hattet und mißhandelt worden ist auch keiner von euch. Jetzt führe ich euch ins Lager nach Natzweiler zurück, dahin wird niemals ein Amerikaner oder Engländer kommen. Von euch erwarte ich nun, daß ihr mich nicht im Stich laßt. Wir werden möglichst nachts marschie- 121 ren und am Tage schlafen. Ich möchte aber mit allen fünfzig Mann dort oben ankommen. Täuscht euch nicht: ich lasse keinesfalls die Zügel locker. Bei jedem Fluchtversuch wird sofort scharf geschossen und eventuelle Meutereien werden im Keim erstickt. Die Deutschen auf den rechten Flügel... Wir marschieren mit Gesang zum Dorfe hinaus! Rechts um! Im Gleichschritt marsch!" Willi Propach stimmte an. Das alte, vor vielen bitteren Jahren einst in Esterwegen entstandene Lied der Konzentrationäre: ,, Wir sind Kameraden..." Eine seltsame Fröhlichkeit hatte uns alle ergriffen, irgendwie mußte jetzt auch für uns die Erlösung komWir marschierten zum Tor hinaus an einer haltenden Wagenkolonne vorbei zum Remonteamt hinauf. Noch einmal glitt unser Blick über die nachtschwarzen Silhouetten der Häuser. Im dunklen Rahmen der Tore standen die Einwohner und beobachteten den nächtlichen Spuk. Sie kannten ja unsere Gesänge von so manchem Ausmarsch her, und wenn sie uns sonst schweigend passieren lassen mußten und nicht zeigen durften, daß sie mit uns sympathisierten und Mitleid empfanden im Angesicht des Zusammenbruchs lösten sich ihre Zungen und herzliche Abschiedsworte klangen zu uns herüber. - - ,, Lebt wohl lebt wohl! Bald seid ihr frei!" Oberhalb des Dorfes stießen wir auf das marschbereite Remonteamt. Hunderte von Pferden wurden weggeführt, eine Unzahl von Fahrzeugen verstopfte die Straße, es war ein wildes Durcheinander. Auf 122 dem let glück un „ Ja, j gekomm alles im Minute Ganz schlosse trennter montear nach de Unse die Ges der Ho schieren Blick schlepp lichen 2 die man sere V schafte die Po marsch Stellve eine W ich pla - es Gelieb sich d jetzt b mit uscht ocker. fgeKeim el... naus! wielen dene iffen, komeiner teamt nachtRahbachnsere wenn ußten pathit des herzarschurden topfte . Auf dem letzten Wagen hockte wie ein Häufchen Unglück unser Bauleiter. ,, Ja, ja," sagte er traurig ,,, nun ist es doch so gekommen, wie ihr gesagt habt. Und ich mußte alles im Stich lassen, man hat mir erst in der letzten Minute Bescheid gegeben...“ Ganz langsam kam die Kolonne ins Rollen. Wir schlossen auf, aber an der nächsten Straßenkreuzung trennten sich unsere Wege schon wieder. Das Remonteamt sollte nach Saarbrücken und wir mußten nach dem Süden, wieder in ein Lager... Unsere Leute waren müde. Allmählich schliefen die Gespräche ein und nur das monotone Klappern der Holzsohlen auf dem Asphalt verriet den marschierenden Trupp. Ich wendete mich und warf einen Blick über die vermummten, ihre Habseligkeiten schleppenden Kameraden. Den Schluß des nächtlichen Zuges bildeten einige abenteuerliche Gefährte, die man noch irgendwo requiriert hatte auf denen unsere Verpflegung und das Gepäck der Wachmannschaften transportiert wurde. Gähnend stolperten die Posten am Straßenrande neben uns her. Voran marschierte, sein Fahrrad an der Hand, mit seinem Stellvertreter unser Kommandoführer. Als ich beide eine Weile aus dem Auge gelassen hatte, bemerkte ich plötzlich drei Personen, die den Zug anführten es war die Sportlehrerin, im Dorf längst als die Geliebte des Kommandoführers bekannt, welche sich dazu gesellt hatte. Selbstverständlich flogen jetzt böse Witze wie bunte Vögel aus unseren Reihen - 123 und belebten die Stimmung. Selbst die Posten lachten. Von fern klang das Heulen der Alarmsirenen herüber, und als wir wenig später auf einer der Höhen anlangten, die sich südlich Metz nach den Vogesen zu hinziehen, leuchteten die gewaltigen Brände durch die Nacht, welche das Bombardement verursacht hatte. Im Westen konnten wir den ungefähren Verlauf der Front an den aufsteigenden Leuchtkugeln und dem Aufblitzen der Geschütze erkennen. Wir marschierten mit wenigen, ganz kurzen Ruhepausen die Nacht hindurch und noch einige Morgenstunden bis nach Delmen. Eine feuchte Wiese abseits des Ortes wurde unser erster Lagerplatz. Ohne etwas Warmes zu bekommen, würgten wir ein paar Bissen trockenen Brotes hinunter, aber unsere Stimmung blieb dennoch heiter, denn wir hatten unterwegs schon soviel Auflösungserscheinungen bemerkt, daß die Hoffnung wuchs, der Feind würde uns bald einholen und aus den Klauen unserer Peiniger befreien. Der Kommandoführer stand seitwärts im eifrigen Gespräch mit seinem Stellvertreter, dem Rottenführer und der Sportlehrerin. Ich konnte nicht verstehen, was sie redeten, jedenfalls aber war die Aussprache recht lebhaft, denn der Kommandoführer ruderte mit beiden Armen in der Luft und das tat er stets, wenn ihm etwas gegen den Strich ging. Plötzlich hob sich seine Stimme noch höher zum Befehlston, der Rottenführer nahm Haltung an und 124 dann fu von. E Wir Gege nun ant lich nah treten säumter von seit nieman leicht b den, wa SS- Ma zu fall Nach Wieder pflaste samer serer fahren mit ne Ein T Schult Die Straße Poren ausein uns, d voll r gehen und osten herHöhen gesen durch sacht Verugeln Ruheorgense abOhne paar Stimuntermerkt, s bald er befrigen enfüht verAusFührer as tat ging. m Bemund dann fuhr unser Häuptling mit seiner Geliebten davon. Er ließ uns allein... Wir legten uns lang und schliefen. Gegen zwei Uhr gab der Rottenführer, der uns nun anführte, den Befehl abzumarschieren. Natürlich nahmen wir uns mit der Packerei und dem Antreten jetzt Zeit, denn jede halbe Stunde, die wir säumten, brachte uns ja der Freiheit näher. Es gab von seiten der Posten Flüche und viel Geschrei, aber niemand wagte mehr zu schlagen, die Angst, vielleicht bald von uns zur Rechenschaft gezogen zu werden, war zumindest genau so groß wie die Furcht, als SS- Mann den Soldaten der Alliierten in die Hände zu fallen. Nach einer Stunde waren wir endlich so weit. Wieder klapperten die Holzsohlen auf dem Straßenpflaster, aber das Tempo war doch erheblich langsamer geworden. Überdies hatten sich einige unserer Kameraden trotz der Warnung durch die Erfahrenen aus den in Pelters vorhandenen Beständen mit neuen Schuhen versehen und waren nun fußkrank. Ein Teil der Russen hängte die Schuhe über die Schultern und lief barfuß. Die Sonne glühte am Firmament, der Asphalt der Straße klebte und der Schweiß drang uns aus allen Poren. Die Kilometersteine schienen immer weiter auseinanderzurücken. Da war es denn ein Glück für uns, daß die Obstbäume am Straßenrande brechend voll reifender Äpfel hingen. Sie wurden im Vorbeigehen geplündert. Auf den Wiesen, die sich rechts und links dehnten, weideten tausende von Kühen. 125 Sie brüllten vor Schmerzen, denn sie wären wohl schon seit Tagen nicht mehr abgemolken, die Euter hingen ihnen wie platzende Säcke am Bauch. Waren wir nun bisher über eine Hochebene marschiert, über endlos gerade Straßen, immer mit dem Blick auf die fernen blauen Vogesen, so nahm uns jetzt eine Hügellandschaft auf, deren stetiger Wechsel wenigstens unseren Augen eine Erholung bot. Gegen Abend, als eine matte Sonne sich im Westen hinter die Berge senkte, organisierten wir von einer Weide ein Pferd. Wir hofften, auch noch einen Wagen zu finden, dann wollten wir unsere Gepäckkarren, die bisher mühselig gezogen werden mußten, entladen und stolz mit einem Fuhrwerk durchs Land fahren. Vorerst diente der Gaul abwechselnd unserem Führer und seinen Kameraden als Reitpferd. Die Schatten wurden länger, wir trotteten gedankenlos vorwärts und sehnten uns danach, einmal richtig ausschlafen zu können. Wieder senkte sich der Abend über das Land und gegen Mitternacht legten wir eine größere Marschpause ein. Fern grollte das Donnern der Geschütze, auf der Hauptstraße rasselten Panzer nach vorn und Lastwagen zurück. Die Nacht war pechschwarz. Unsere Posten hatten Angst, es könnte jemand die Dunkelheit ausnützen und auf eigene Faust losmarschieren. Sie drängten uns am Rande einer Koppel zusammen, aber sie waren selbst so müde, daß die meisten von ihnen bald einschliefen. Der Rottenführer, der Ängstlichste von allen, rief sie hin und wieder bei ihren Namen und ein verschlafenes ,, Hier" klang dann fast klagend durch die 126 Nacht. ob er w zu bring Wer " 1 ja hin " Ja", Der hat und hat was wo schen j tungen an, daß würden Er so „ Übr plötzlic raschen noch zu weiter Ach ,, Ich versteh „ Der ohne d Hände ,, So Schuld zu zitte vor eu früher seren en wohl e Euter ch. ne marmit dem hm uns Wechng bot. Westen on einer men Wakkarren, , entlas Land d unseferd. gedanmal richsich der t legten llte das e rasselck. Die Angst, und auf uns am n selbst chliefen. en, rief erschlarch die Nacht. Als er an mir vorüberging fragte ich ihn, ob er wirklich daran glaube, uns heil nach Natzweiler zu bringen. ,, Wer weiß es!" antwortete er. ,, Aber wir müssen ja hin-." ,, Ja", sagte ich ,,, der Kommandoführer war schlau. Der hat sich mit seinem Mädel in Sicherheit gebracht und hat Ihnen die Verantwortung überlassen. Aber was wollen Sie denn machen, wenn die fünfzig Menschen jetzt aufstehen und nach allen Himmelsrichtungen davonlaufen? Sie nehmen doch im Ernst nicht an, daß Ihre Leute bei dieser Finsternis etwas treffen würden es müßte denn Zufall sein." - Er schwieg. ,, Übrigens: was würden Sie denn tun, wenn uns plötzlich der Amerikaner oder Engländer überraschen sollte? Natürlich würden Sie uns schnell noch zusammenschießen lassen, wie?" setzte ich ihm weiter zu. ,, Ach nein", meinte er ,,, das würde ich nicht tun". ,, Ich möchte es Ihnen auch nicht raten. Der Tommy versteht keinen Spaß." ,, Der Tommy, ja" sagte er nachdenklich. ,, Auch ohne das dürfen wir SS- Männer ihm nicht in die Hände fallen-." ,, So" entgegnete ich lächelnd ,,, ihr kennt euer Schuldkonto ganz genau, wie? Und nun fangt ihr an zu zittern, nun wird euch auf einmal angst und bange vor eurer eigenen Courage! Das hättet ihr euch aber früher überlegen sollen, bevor ihr tausende von unseren Kameraden hingemordet habt. Es wird wohl 127 jetzt etwas zu spät sein. Denkt doch nicht, daß ihr noch irgendwie an der Verantwortung vorbeikommt. So oder so, das Ende ist nahe, und für euch wird es der Beginn einer bitteren Verantwortung sein." Er zündete sich vorsichtig eine Beruhigungszigarette an. ,, Glauben Sie denn auch, daß wir den Krieg verlieren?" fragte er recht kindlich. ,, Wenn ich es nicht seit jeher glaubte, dann lebte ich heute längst nicht mehr", antwortete ich. ,, Wer über den unüberwindlichen Atlantikwall gekommen ist, der kommt auch über den Rhein und über jeden anderen deutschen Strom. Und eines Tages wird man euch zwischen den Amerikanern und den Russen zerquetschen, das ist sicher!" ,, Nein, nein!" wehrte er sich. ,, Man darf ja nicht vergessen, daß uns der Franzose verraten und überall den Invasionisten Vorschub geleistet hat-." ,, Sicher ist das so", gab ich zu. ,, Und sicher wird es in Deutschland nicht anders sein. Das deutsche Volk hat von eurer Herrschaft die Nase gründlich voll. Es wartet auf den Tag, an dem es euch abschütteln kann." Deutlicher konnte ich ja nun nicht mehr werden. Das beifällige Murmeln meiner Kameraden steigerte seine Unsicherheit und er versuchte, sich aus der Schlinge zu ziehen. ,, Das könnt doch ihr nicht beurteilen", behauptete er ,,, ihr seid jahrelang nicht draußen gewesen-". ,, Sie aber auch nicht", antwortete ich gelassen. ,, Sie sind Ungar und kennen das deutsche Volk überhaupt 128 nicht, so mus, mit Da wa Ich lehnt Lager be schlafen. Um elf an. Auf und besc tagessen Küchenbu schlachte einen gr geschlepp sorgten w rote Feue geben, ei sen hatte viertel ei Aber d den Stra An unser Rüstern terdache gen park kunft er ger am gebung die Baur tagssonn lich erfo 9 daß ihr kommt. wird es n." Er ette an. eg vern lebte . ,, Wer Commen r jeden ird man Sen zera nicht d überat-." er wird eutsche ündlich uch abwerden. teigerte aus der auptete en-" en. ,, Sie erhaupt nicht, sondern nur die Lehren des Nationalsozialismus, mit denen es vergiftet werden soll." Da warf er wütend seine Zigarette fort und ging. Ich lehnte mich an die Weide, unter der ich mein Lager bereitet hatte und versuchte ein wenig zu schlafen. Um elf Uhr morgens langten wir in Château- Salins an. Auf einer Wiese vor dem Ort machten wir Rast und beschlossen, zunächst einmal ein warmes Mittagessen für unsere Kameraden herzustellen. Unsere Küchenbullen waren ja im Besitz der dreißig geschlachteten Kaninchen des Kommandoführers, und einen großen Kessel hatten wir für alle Fälle mitgeschleppt. Während die Mehrzahl schlief, besorgten wir Wasser und Holz und bald knisterte das rote Feuer. Gegen ein Uhr sollte es Reis mit Fleisch geben, eine Sache, die wir im Lager niemals genossen hatten. Und auf jeden Mann würden fast Dreiviertel eines Kaninchens entfallen! Aber der Mensch denkt und der Kutscher fährt in den Straßengraben. Es sollte ganz anders kommen. An unserem Lagerplatz vorbei führte eine mit hohen Rüstern besandene Allee, unter deren dichtem Blätterdach eine gedrängte Kolonne von Heeresfahrzeugen parkte. Ungefähr eine Stunde nach unserer Ankunft erschien nun ein Rudel amerikanischer Flieger am Himmel und begann, den Ort und die Umgebung abzusuchen. Doch die Kolonne war durch die Baumkronen und den tiefen Schatten der Mittagssonne so gut gedeckt, daß die Jabos wahrscheinlich erfolglos abgeflogen wären, hätten nicht ein 9 129 paar MG- Mannschaften den unklugen Mut besessen, auf einzelne tieffliegende Maschinen das Feuer zu eröffnen. Sicher hatten die Jabos nur darauf gewartet, daß die Kolonne ihre Position verraten würde. Im Augenblick hatten sie sich gesammelt und setzten nacheinander zum Tiefangriff an. Die Geschosse klatschten auf die Wiese, auf die Straße und in die Rüsterstämme. Ich beobachtete unseren Rottenführer, denn ich war gespannt, was er jetzt tun würde. Er zitterte am ganzen Leibe und war kreidebleich geworden. Hilflos blickte er nach den feindlichen Jägern, die immer wieder anflogen. Endlich schien er sich bewußt zu werden, daß er so die beste Zielscheibe bot, lief nach dem Straßengraben und warf sich hin. ,, Alles hierher! Alles in Deckung hierher!" Unsere Leute rasten nun ebenfalls über die Wiese und suchten an der befohlenen Stelle Schutz. zwischen flogen die Jabos ab, um sich zu neuem Angriff zu sammeln. Propach und ich gingen zu unserem Helden hin und versuchten ihm klar zu machen, daß der Graben jetzt die schlechteste Deckung sei, die sich denken lasse, direkt neben der Kolonne, die der Amerikaner nun entdeckt habe. Die Einschüsse lägen ja direkt auf der Straße und ein Wagen stände bereits in Flammen. InDer Rottenführer hob das Gesicht von der Erde. ,, Ja, aber wo sollen wir hin?", fragte er hilflos. ,, In den Garten dort, abseits der Straße", schlugen wir vor. ,, Unter den Büschen sind wir nicht auszumachen und da liegt auch das Feuer nicht." 130 Er st längst n Also Es wa begann das Bell Straße. wo wir die Läng zu erwa würden. vorüber serer De dann abe Buschwe sich, unt Hexenke ein Mun los. San die Opf wurde in quetscht fluchten Auf d Stück S hatten. der Ges im Grab wäre di gangen. Schlin 9* besessen, er zu ergewartet, ürde. Im dsetzten Geschosse nd in die ottenfühvürde. Er ch geworn Jägern, -n er sich elscheibe sich hin. er!" die Wiese hutz. Ineuem Anzu unsemachen, kung sei, onne, die Einschüsse en stände der Erde. er hilflos. schlugen cht auszu" Er stotterte etwas von Posten, aber die waren längst nicht mehr zu sehen. ,, Also los!" befahl er endlich. Es war aber auch die höchste Zeit, denn soeben begann die erste Maschine wieder herabzuheulen und das Bellen der Bordkanonen übertönte den Lärm der Straße. Wir verteilten uns unter dem Buschwerk, wo wir relativ sicher waren, denn die Jabos flogen die Längsrichtung der Straße an und es war nicht zu erwarten, daß ihre Geschosse den Garten treffen würden. So ließen wir in aller Ruhe das Theater vorüberrauschen. Die Straße konnten wir aus unserer Deckung nicht beobachten; als die Maschinen dann aber endgültig abgeflogen waren und wir aus dem Buschwerk wieder herausgekrochen, sahen wir, daß sich, unter dem Ansturm der Jabos ein ganz schöner Hexenkessel gebildet hatte. Einige LKW's brannten, ein Munitionswagen verpuffte seinen Inhalt zwecklos. Sanitätswagen fuhren hupend heran und nahmen die Opfer des Angriffs in Empfang, ein Landser wurde in der Eile zwischen zwei Wagen zu Tode gequetscht, Offiziere schrieen ihre Befehle, Soldaten fluchten es war ein böses Durcheinander. - Auf dem Rückweg zur Wiese passierten wir jenes Stück Straßengraben, in dem wir zuerst gelegen hatten. Ich zeigte dem Rottenführer die Einschläge der Geschosse am Fuß der Baumstämme und mitten im Graben. Wären wir dort liegen geblieben, dann wäre die Sache nicht ohne Verlust für uns abgegangen. Schlimm war zunächst, daß es unseren Kochkessel 9* 131 erwischt hatte. Das Wasser war herausgeflossen und hatte das Feuer ausgelöscht- unser frugales Mittagessen war zur Illusion geworden. Aber deshalb wollten wir auf ein warmes Essen nicht verzichten und setzten dem Rottenführer solange zu, bis er uns erlaubte, in Château- Salins einen anderen Kessel zu organisieren. Natürlich in Begleitung eines Postens. Der Ort war von der Zivilbevölkerung bis auf wenige Ausnahmen schon verlassen, die meisten Türen waren verschlossen oder vernagelt, die Schaufenster der Geschäfte mit Bretterwänden versehen. Aber in den Straßen herrschte eine Geschäftigkeit, die sicher die Friedensverhältnisse bei bei weitem übertraf. Schwestern des Roten Kreuzes waren beim Packen, die Gendarmerie räumte, die NSV. verließ ihren Wirkungskreis. Und dazwischen schoben sich die Wagen der fliehenden Zivilbevölkerung, zurückflutende Truppentransporte, Kradmelder, Hitlerjungen, die unendlich wichtig taten, Stäbe mit ihren Funkwagen kurz: es zeichnete sich bereits das Bild einer geschlagenen Armee ab. Die Wir fanden zunächst einen neuen zweirädrigen, gummibereiften Handwagen und wenig später einen ebenfalls zweirädrigen Pferdewagen. Zivilisten, die das Getriebe beobachtend in der Nähe standen, antworteten auf unsere Fragen, wem die Dinge gehörten: niemand. Nehmt euch ruhig, was ihr braucht. Und sie beschafften uns sogar noch Pferdegeschirr. Als sie nun noch erfuhren, daß wir einen Kochkessel suchten, wiesen sie uns in die Unterstadt in eine ehemalige Schule, wo sich eine Großküche der Deut132 schen A ten, übe küche s sein und Mehl, N wendun Regale wir hat chen im eilten z platz m Die mü mal du hochgel ihren R Pferde Städtch Im G Adolf H auch da derer, war de nige M vierzig sich in gab es dem A bereite mann e immer Möglic n und ittagwollmund ns ersel zu stens. wenige waren er Gen den er die Die Packen, ihren ch die urückHitlert ihren its das drigen, r einen zen, die en, antgehörbraucht. eschirr. chkessel ine eheDeut- schen Arbeitsfront befände. Was wir dort entdeckten, übertraf die kühnsten Erwartungen. Diese Großküche schien soeben fluchtartig verlassen worden zu sein und alle Vorräte waren zurückgeblieben. Zucker, Mehl, Nudeln harrten in Zweizentnersäcken der Verwendung, unzählige Kartons Margarine füllten die Regale nur Fleisch war nicht vorhanden. Aber wir hatten ja noch dreißig halbgar gekochte Kaninchen im durchschossenen Kessel auf der Wiese. Wir eilten zurück, nahmen die beiden Wagen vom Marktplatz mit und erstatteten dem Rottenführer Meldung. Die müden Schläfer auf der Wiese, die sich nicht einmal durch das noch immer anhaltende Knattern der hochgehenden Munition abhalten ließen, Morpheus ihren Respekt zu beweisen, wurden aufgestellt, der Pferdewagen bespannt und mit Hallo ging es ins Städtchen. Im Gemeinschaftsraum hing noch immer das Bild Adolf Hitlers, von Hakenkreuzfahnen umrahmt, aber auch das war kein Grund für unsere erschöpften Wanderer, auf den Schlaf zu verzichten. Im Augenblick war der Raum zum Nachtlager hergerichtet und wenige Minuten später rasselte der Schnarchton von vierzig Männern durch den Saal. Der Rest machte sich in der Küche zu schaffen. Drei Stunden später gab es dann wirklich das erste warme Essen seit dem Abmarsch aus Pelters: dicke, mit viel Butter bereitete Makkaroni und Kaninchenfleisch. Jedermann erhielt gute zwei Liter und wenn er dann noch immer Hunger verspürte, konnte er nachfassen, eine Möglichkeit, die von unseren russischen Kameraden 133 gründlichst beim Schopf genommen wurde. Wir gönnten es ihnen und freuten uns, daß ihnen das Fett von den Mundwinkeln träufelte. Sie hatten ja lange genug gedarbt und wer wußte außerdem, was die nächsten Stunden bringen würden! Darüber kam der Abend und es wurde nochmals ,, Bettruhe" bis Mitternacht angeordnet; dann sollte der Marsch fortgesetzt werden. Befriedigt und mit vollen Bäuchen schlief die Kohorte wieder ein... Als wir gegen ein Uhr abmarschierten, rieselte ein feiner Regen vom nächtlichen Himmel. Langsam saugte sich unsere Kleidung voll, die über die Brust gerollten Decken wurden schwerer und schwerer. Und nun, da wir mit einem Pferdefuhrwerk an der Spitze durch die lichtlose Landschaft pilgerten, wuchs auch die Zahl der Fußkranken, die auf eine bequemere Fahrgelegenheit spekulierten. Von fern begleitete uns das Grollen der Geschütze an der nachrükkenden Front. Es wurde kalt, je mehr es auf die Morgenstunden zuging. Und unaufhörlich rieselte der Regen, mit jedem Tropfen fiel unser Stimmungsbarometer. Das Tempo verringerte sich wieder, wir marschierten nicht mehr, wir krochen, und die Sohlen von fünfzig Paar Holzschuhen schlürften über das Pflaster. Immer öfter ertönte der Ruf: Halt machen! Marschpause! Der Rottenführer wurde nervös, er begann zu fluchen und zu drohen, aber es nutzte nichts, denn einmal wollten bei der Mehrzahl die Füße wirklich nicht mehr mittun und darüber hinaus hatten wir kein Interesse daran, der Front davonzulaufen. So schafften wir in der Stunde kaum noch zwei Kilo134 meter. A der Him wir bald schlichen Unser B längere gen vorb Gegen durch ke leicht ha mensche Viehstall versucht etwas Ru pathisch klang: S nach un die bei gannen. 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Kaum aber war etwas Ruhe eingetreten, als ein außerordentlich sympathisches Grunzen und Quieken an unsere Ohren klang: Schweine! Wir gingen den lieblichen Tönen nach und fanden im Koben ein paar Borstentiere, die bei unserem Eintritt einen Mordsspektakel begannen. Sicher hatten sie schon vierundzwanzig Stunden lang nichts zu fressen bekommen und hofften nun, ihren Trog bald nahrhaft gefüllt zu sehen. Wir mußten die armen Tiere bitter enttäuschen. Eine knappe Viertelstunde später hingen sie ausgeschlachtet an der Wand und in der Bauernküche prasselte das Feuer unter dem Kessel. Zunächst sollte einmal jeder ein anständiges Stück Wellfleisch bekommen, zum Mittagessen wollten wir Schweinebraten herrichten, Fett sollte ausgelassen werden und Bratwürste auf den Tisch kommen. Angesichts dieser fetten Hoffnungen ließ sich sogar unser Rottenführer breitschlagen, den ganzen 135 Tag als Marschpause zu erklären. Schließlich besaẞ ja auch er wie seine Posten einen begehrlichen Magen und Schweinebraten und Bratwürste waren bei der Wachtruppe in Pelters ebenfalls seltene Dinge gewesen. Wir hatten jedoch wieder einmal die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Unsere Köche und ihre Gehilfen arbeiteten im Schweiße ihres Angesichts in der dampfenden Küche, schnitten Fleisch, und ließen in Riesenpfannen den handhohen Speck zergehen, säuberten Därme und schufteten in der Tat, als hätten sie im eigenen Hause ein Schlachtfest. Selbstverständlich wurde der Brodem in der Küche bald unerträglich und der Rottenführer gab bald die Erlaubnis, die Fenster zu öffnen. Das war keine Selbstverständlichkeit, denn die Vorschrift wollte, daß vor offenen Türen und Fenstern Posten stünden, um jede Fluchtmöglichkeit auszuschalten. Draußen aber goẞ es in Strömen und die Posten dachten außerdem gar nicht daran, den Befehlen des Rottenführers ebenso widerspruchslos nachzukommen, wie denen des Kommandoführers. Die Disziplin hatte sich schon erheblich gelockert, überdies standen einige Posten dem Rottenführer im Range gleich und alle mit ihm auf dem Duzfuß. Trotzdem nun die Küchenfenster auf die Dorfstraße hinausgingen, blieben sie unbewacht und so konnte es geschehen, daß unser Kommandoführer, der tatsächlich Natzweiler per Rad erreicht hatte, mit zwei Lastwagen vorbeifuhr, ohne zunächst etwas von unserer Anwesenheit zu bemerken. Er ist dann bis nach Delmen hinaufgereist, 136 wo er u Die Zo graste sere Pa Posten ergriffe besten lassen setzen komma begreif fahrt v Küchen geister er vom schen Stück V ,, In Wir uns e Herze töpfen die W den w festge gelass auf, w leben hof an werde Betro lich be. arlichen - Waren € Dinge -chnung Ihre Ge- ichts in d ließen gehen, 's hätten :|bstver- Id uner- laubnis, |bstver- ) vor of- um jede ber goß dem gar ; ebenso jes Kom- chon er- Posten mit ihm ‚fenster je unbe- er Kom- per Rad hr, ohne zu be- gereist, I wo er uns verlassen hatte und suchte uns vergeblich. Die Zomesadern schwollen ihm. Auf der Rückfahrt graste er jeden’Ort ab, stellte in Chäteau-Salins un- sere Passage fest und glaubte bereits, Rottenführer, Posten und Häftlinge hätten gemeinsam die Flucht ergriffen. Er, der ja ohne Befehl, wenn auch in der besten Absicht, eigenmächtig sein Kommando ver- lassen hatte, sah sich schon nach den strengen Ge- setzen der SS. vor den Flintenläufen des Exekutions- kommandos stehen. Man kann daher die Stimmung begreifen, in der er sich befand, als er auf der Rück- fahrt von der ergebnislosen Suche durch die offenen Küchenfenster die Zebrauniform unserer Küchen- geister erblickte. Mit einem gewaltigen Satz sprang er vom Wagen und fuhr wie der Leibhaftige zwi- schen uns, die wir gerade dabei waren, das erste Stück Wellfleisch zwischen den Kiefern zu zermalmen. „In fünf Minuten ist alles auf den Wagen!“ Wir kannten den Gewaltigen zu genau, als daß wir uns eine Verzögerung geleistet hätten. Blutenden Herzens nahmen wir Abschied von den Fleisch- töpfen dieses namenlosen Dorfes und kletterten auf die Wagen. Inzwischen hatte der Kommandoführer den wahren Grund unserer Marschunterbrechung festgestellt und ließ nun das Fleisch und das aus- gelassene Fett noch verstauen. Wir freuten uns dar- auf, wenigstens im Lager ein paar fette Tage ver- leben zu können. Als wir dann aber auf dem Strut- hof ankamen, mußte alles der SS-Küche abgeliefert werden. Wie immer, waren wir auch jetzt wieder die Betrogenen. 137 Vom Augenblick an, da wir den Autos entstiegen, umwehte uns wieder ein scharfer Wind. Kommandoführer und Posten, die uns bisher recht sanft und rücksichtsvoll behandelt hatten, begannen ihre alte gewohnte Tonart anzunehmen. Sie fühlten sich sicher. Die grauen Schatten des Abends hingen schon in den Tälern, als wir, von den Posten mit Flüchen und Püffen angetrieben, bergan ins Lager trabten. Der Weg nach Dachau Im Lager hatten sich während der Monate meiner Abwesenheit große Veränderungen vollzogen. Von den alten SS- Mannschaften waren nur noch wenige vorhanden, man sagte, sie seien an die Front gekommen. Das mag für einzelne stimmen, nämlich für die, deren Anständigkeit den Häftlingen gegenüber bekannt war. Ihre Zahl war sehr gering. Die anderen aber versetzte meine in so vielen Jahren anerzogene Skepsis in rückwärtige Lager, nach Schönberg, Dachau, Buchenwald, Flossenbürg und andere. Wie sehr berechtigt meine Annahme war, bewiesen die späteren Erfahrungen. Als ich im Januar Natzweiler verlassen hatte, trug der letzte Zugang eine Lagernummer bei siebentausend herum. Jetzt, in den ersten Septembertagen war man schon bei neunundzwanzigtausend angelangt. Zweiundzwanzigtausend Häftlinge hatten also in acht Monaten das Lager passiert und dabei sind alle jene nicht mitgezählt, die man gar nicht erst registriert hatte, weil sie doch am näch138 sten ode gehen s zigtause schickt w in der Z stein de Das K Es wa Über de rote Lo Glocke Freunde Seit e Frauen zeln na hängt fort ver Partisa unschul zum To Art ein waren Natzwe sem A wurde ten sic würdig ihr Mi Hilfsb es den Elsäss iegen, mandoEt und e alte sicher. on in üchen ten. meiner . Von wenige ekomir die, er bederen ogene nberg, e. Wie en die hatte, er bei SepanzigHäftassiert e man nächsten oder übernächsten Tage durch die Gaskammer gehen sollten. Gewiß sind von den neunundzwanzigtausend Mann viele auf Außenkommandos geschickt worden, der größte Teil von ihnen wird aber in der Zwischenzeit das Lager nur durch den Schornstein des Krematoriums verlassen haben. Das Krematorium... Es war fast dunkel, als wir das Lager betraten. Über der hohen Esse des Krematoriums stand eine rote Lohe, die sich schaurig von der nächtlichen Glocke des Himmels abhob. Ich suchte ein paar alte Freunde auf und erfuhr nun folgendes: Seit einigen Tagen kamen stündlich Lastwagen mit Frauen und Mädchen aus dem Breuschtal, die einzeln nach dem Krematorium geführt und dort erhängt oder durch Spritzen vergiftet und dann sofort verbrannt wurden. Angeblich sollte es sich um Partisanen handeln, in Wirklichkeit aber waren es unschuldige Geschöpfe, die nur deshalb vom Leben zum Tode befördert wurden, weil sie auf irgendeine Art einmal mit Häftlingen in Berührung gekommen waren und nun vielleicht vom Konzentrationslager Natzweiler hätten erzählen können. Die bis zu diesem Augenblick hingeschlachtete Zahl der Opfer wurde auf drei- bis vierhundert geschätzt. Mir sträubten sich die Haare. Ich mußte an alle jene liebenswürdigen Geschöpfe elsässischen Blutes denken, die ihr Mitleid mit dem Los der Gefangenen und ihre Hilfsbereitschaft nun mit dem Leben bezahlten. Hieß es denn nicht noch vor wenigen Monaten, daß die Elsässer glücklich wären, unter deutscher Herrschaft 139 . leben zu können, daß sie die besten Deutschen seien? In mir wehrte sich etwas dagegen, dieses Grauenhafte zu glauben und ich äußerte meinen Kameraden gegenüber auch meine Bedenken. دو Komm", sagten sie ,,, du kannst dir das selbst anschauen!" Wir suchten uns einen etwas gedeckten Beobachtungsplatz, von dem aus wir den Weg nach dem Krematorium unter den Augen hatten. Und das Unfaẞbare wurde mir nun zur Gewißheit: pünktlich alle zehn Minuten wurde solch ein armes Geschöpf, von zwei SS- Männern eskortiert, nach der Hinrichtungsstätte geführt. Es gab keinen Zweifel mehr, hier wurden auf höhere Weisung gänzlich Unschuldige getötet. Und das taten dieselben, die wochenlang mit ihren Berichten von Bromberg und Katyn die Welt in Spannung zu halten suchten. Wir waren bald nach unserem Einmarsch geschlossen nach dem Block 12 geleitet und dort untergebracht worden. Solch ein Block faßte normal zweihundertfünfzig Menschen; als wir ankamen, bewohnten ihn bereits siebenhundertfünfzig Mann und unwillkürlich tauchte in mir das Bild auf, das der Alexanderplatz in Berlin einmal geboten. Es gab längst keine Unterschiede mehr zwischen Deutschen, Russen, Polen, Franzosen, Holländern und all den anderen Völkern, die ihre Angehörigen unfreiwillig in deutsche Konzentrationslager gesandt hatten. Drei oder vier Mann mußten sich in eine Bettstatt teilen, nicht wenige zogen es vor, einfach auf dem Fußboden zu schlafen. Natürlich herrschte im Tagesraum dränge, d Hinrichtu Man wir in den F doch wa ten, woll stank br matorium Von d wiederzu schaften dern de Hier wiederg gibt, da übertrie andere, seinen Victo 1943 v sich nie Verbred aus de ren, Un Lothrin den, un Ma Hause nehme bracht 140 utschen dieses nen Kalbst anBeobch dem das Unlich alle 5pf, von chtungshr, hier huldige menlang yn die sch get unteral zweiewohnund undas der Es gab utschen, all den eiwillig hatten. Bettstatt Luf dem im Tagesraum und im Schlafsaal ein fürchterliches Gedränge, denn es war mit Rücksicht auf die laufenden Hinrichtungen verboten, die Baracken zu verlassen. Man wird sich leicht die Luft vorstellen können, die und in den Räumen wie stickiger Nebel hing doch war es unmöglich, die Fenster geöffnet zu halten, wollten wir nicht dauernd den widerlichen Gestank brennenden Fleisches einatmen, der vom Krematorium herüberwehte. 7 - Von den alten Kameraden waren nur noch wenige wiederzufinden, dafür schlossen wir neue Bekanntschaften mit Leidensgefährten aus beinahe allen Ländern der Welt. Hier möchte ich die Erzählung eines Kameraden wiedergeben, dessen Charakter die Gewähr dafür gibt, daß keines seiner Worte erfunden oder auch nur übertrieben sei. Übrigens bestätigten auch einige andere, die das gleiche Schicksal erlitten hatten, seinen Bericht. Victor Titeux war aus Metz gebürtig und im Jahre 1943 von der Gestapo verhaftet worden, obwohl er sich niemals politisch betätigt hatte. Sein einziges Verbrechen bestand darin, daß er Landsleuten, die aus deutscher Kriegsgefangenschaft entwichen waren, Unterschlupf gewährt hatte. Nun war allerdings Lothringen zum deutschen Reichsgebiet erklärt worden, und so wurde aus seiner Tat Landesverrat. ,, Man hatte mich mitten in der Nacht aus dem Hause geholt", erzählte er. ,, Ich durfte nichts mitnehmen. Im Polizeipräsidium, wohin man mich gebracht hatte, fand ich bereits eine Anzahl von Leidens141 genossen, von denen einige entsetzlich zugerichtet waren, fast alle bluteten aus irgendeiner Wunde. Es waren meist ältere, ehrsame Bürger, die nie in ihrem Leben mit der Polizei zu tun gehabt, und von denen viele als deutsche Soldaten am Weltkriege 1914/18 teilgenommen und mit Auszeichnung gefochten hatten. Aber selbst das Bändchen des eisernen Kreuzes im Knopfloch bildete keinen Schutz vor den wüsten Miẞhandlungen der Gestapomänner. Etlichen rannen vor Schmerz und Empörung die Tränen über die Wangen, einer hatte sich sogar mit einer Rasierklinge die Pulsader durchschnitten und wurde erst fortgebracht als er schon fast verblutet war und keine Aussicht mehr bestand, ihn am Leben zu erhalten. Ich mußte ungefähr zwei Stunden warten, bis mein Name aufgerufen und ich zum Verhör geführt wurde. Das Verhör läßt sich kaum schildern, es war eigentlich nur eine wilde Folge von irrsinnigen Behauptungen, Drohungen, Schlägen und Fausthieben. Man fragte mich irgendetwas, aber ehe ich noch dan Mund zu einer Antwort öffnen konnte, schlug m schon von hinten ein Gestapomann den Revolvergriff auf den Schädel und verabreichte mir einen Fußtritt ins Kreuz. So ging es fast eine Stunde lang, die letzten Minuten, als alle meine Kräfte erschöpft waren, lag ich nur noch schmerzverkrümmt und blutend auf dem Boden. Dann rissen mich ein paar derbe Fäuste hoch und ich wurde buchstäblich auf den Gang hinausgeworfen. Zwei oder drei Tage später wurden uns die Hände gefesselt und die Augen verbunden. Dann transpor142 tierte den T seien die Au Nac stieger das w sollten unser eine f Nat ich es Händ kamer wurde tritte Und an un s' in, 1er A ' er od vieler ließ Licht das So los s Post tene hatte ob e erichtet ande. Es n ihrem denen 1914/18 fochten n Kreuwor den Etlichen en über Rasier-de erst nd keine rhalten. is mein wurde. eigentauptun1. Man ch den ug m'vergriff Fußtritt die letzwaren, end auf Fäuste ng hinHände ansportierte man uns abwir glaubten alle, es ginge in den Tod und die letzten Minuten unseres Lebens seien angebrochen. Wozu verband man uns sonst die Augen? Nach einer halben Stunde hielten die Wagen, wir stiegen aus und wurden über ein Gelände geführt, das wir erst volle vier Monate später kennen lernen sollten. Es ging Stufen hoch und Stufen hinab und unser Schritt hallte durch Gänge, aus denen uns eine feuchte Moderluft entgegenschlug. Natürlich geschah das alles nicht so harmlos, wie ich es hier erzähle. Wir hatten ja nicht einmal die Hände frei, konnten uns also nur vorwärtstasten, kamen folglich hin und wieder vom Wege ab und wurden ganz einfach durch Kolbenhiebe und Fußtritte zurechtgetrieben. Schließlich hieß es: ,, Setzen!" Und wir fühlten eine Bank unter uns und eine Wand an unserem Rücken. Der Raum schien sehr eng zu s' in, denn wir mußten dicht aneinanderrücken. Mei1er Ansicht nach konnten wir uns nur in einem Kel' er oder vielleicht in der Kasematte irgendeines der vielen Forts, die Metz umgeben, befinden. Leider ließ die schwarze Augenbinde nicht den geringsten Lichtschimmer durch und niemand von uns wagte es, das Tuch ein wenig zu lüften. So blieben wir die ersten Stunden völlig regungslos sitzen und außer den geflüsterten Worten der Posten waren nur unsere Atemzüge und das verhaltene Schluchzen einzelner Kameraden zu hören. Ich hatte jedes Gefühl für Zeit verloren und wußte nicht, ob es Tag war oder Nacht. Endlich fragte einer, 143 ob er mal austreten dürfe. Der Posten ging zu ihm hin und ich hörte ein paar klatschende Schläge, die den Ärmsten wohl ins Gesicht trafen. ,, Heute ist Samstag, vor Montag gibt es kein Austreten!" schrie der Posten wütend. ,, Ihr habt Zeit genug dazu gehabt. Scheißt in die Hosen, ihr Schweine! Überhaupt will ich euch gleich etwas sagen: ausgetreten wird grundsätzlich nur alle zwei Tage, richtet euch danach! Zu fressen kriegt ihr sowieso nur soviel, daß ihr nicht gerade eingeht. Und das ist noch zuviel für euch Lumpenpack. Man sollte euch lieber an die Wand stellen na, es wird auch noch' so kommen! Gesprochen wird hier überhaupt nicht, merkt euch das, sonst wird euch das Maul mit dem Gewehrkolben gestopft. Und bei jeder Bewegung knallt es sofort. Wer sich bewegen will, hat vorher um Erlaubnis zu fragen!" - Mich schauderte. Ein paar Stunden, oder war es ein Tag oder eine Nacht lang, grübelte ich darüber nach, wie ich dieser Hölle entfliehen könne und fand doch nur den einen Weg: aufstehen und mich zusammenschießen lassen. Jedenfalls wollte ich das Entsetzliche keinesfalls Wochen oder Monate hindurch ertragen. Natürlich ist so etwas viel leichter gesagt und gedacht, denn der Wille zum Leben ist zäh und überwindet oft Hindernisse, die zunächst unüberwindlich erscheinen. Ich stand jedenfalls in der ersten Woche nicht auf, in der nächsten auch nicht, und dann war das Grauenvolle schon so zur Gewohnheit geworden, daß uns das Unmenschliche unserer Lage kaum noch zum Bewußtsein kam. Wir 144 lebten vegetie Jeder paßte, mal un Mann i lieren. genomm herunte mattenz Frauen Und w in dem Licht d Kleist, Wie Einm wer dr Hände schlech und na Unterh ben be Haupts nau, ob der Hi tier ein Die Nacht ohne scheinl 10 zu ihm ge, die in Aus- bt Zeit 1, ihr etwas le zwei ihr so- it, Und 1 sollte 'd auch erhaupt ; Maul ler Be- n will, war e$ larüber ıd fand ich zu- ich das te hin- leichter ben ist nächst falls in n auch so zur ‚chliche m, Wir % lebten nicht, wir dachten nicht, hofften nicht— wir vegetierten, stumpfer als jedes Tier. Jeden zweiten Tag, wenn es aber dem Posten nicht paßte, auch erst jeden dritten Tag gingen wir ein- mal unsere Bedürfnisse zu verrichten. Immer zwei Mann in engster Tuchfühlung, um uns nicht zu ver- lieren. Die Fesseln wurden uns auch jetzt nicht ab- genommen und einer allein hätte seine Hose nicht heruntergebracht. Dabei kamen wir an einer Kase- mattenzelle vorbei, aus der gedämpftes Gespräch von Frauen klang. Also auch Frauen teilten’unser Los. Und wir waren doch im Kulturstaat Deutschland, in dem Land, von dem tatsächlich einst das geistige Licht der Welt ausging: Goethe, Herder, Schiller, Kleist, Lessing, Dürer, Beethoven, Siemens... Wie sollte man das begreifen! Einmal am Tage bekamen wir zu essen. Irgend- wer drückte uns einen Blechnapf in die gefesselten Hände und wir schlürften das im übrigen nicht allzu- schlechte Essen wie die Hunde aus dem Napf. Nach und nach erfuhren wir aus den halblaut geführten Unterhaltungen der Posten, daß wir uns im Fort Gö- ben bei Metz befanden, dessen Kommandant der Hauptsturmführer Hempen sei. Ich weiß nicht ge- nau, ob ich den Namen richtig verstanden habe, aber der Himmel mag geben, daß es gelingt, dieses Un- tier einmal zur Verantwortung zu ziehen. Die Zeit schlich dahin. Den Wechsel von Tag und Nacht verspürten wir nicht, wir hätten ihn sicher auch ohne Augenbinden kaum empfunden, denn wahr- scheinlich war die Kasematte unterirdisch angelegt Io 145 und künstlich beleuchtet. Dennoch vermochten wir gelegentlich den Ablauf der Zeit festzustellen, nämlich alle zehn Tage, wenn die Posten ihren Sold erhielten. Dann erzählten sie sich gegenseitig, wieviel Schnaps und Bier und Wein sie am vorhergehenden Abend gesoffen und mit welchen Weibern sie die Nacht verbracht hatten. Es mußten noch recht junge Posten gewesen sein, denn ihr Amüsement war von einer recht primitiven und manchmal kindischen Art. Einmal war die Erzählung so albern, daß ich mich wohl eines Lächelns nicht erwehren konnte. Der Erfolg war weniger erfreulich für mich: ich bekam ein paar derbe Fäuste auf Nase und Kinn gesetzt, daß mir das Blut über das Gesicht lief. Ich konnte es nicht einmal abwischen, denn dann hätte ich den Posten erst wieder um die Erlaubnis dazu fragen müssen und wäre sicher wiederum geschlagen worden. So saßen wir stunden-, tage- und wochenlang unbeweglich mit gefesselten Händen und verbundenen Augen auf unserer Bank, die Glieder schmerzten uns und- was das Allerschlimmste war das Ungeziefer begann, uns lebendigen Leibes aufzufressen. Die Wanzen peinigten uns unaufhörlich und die Läuse fielen in Myriaden über uns her. Aber nicht einmal jucken durften wir uns. Die Plage war so groß, daß ich beschloß, auf jede Gefahr hin um Abhilfe zu bitten. Ich wartete damit aber, bis ich an der Stimme einen Posten erkannte, von dem ich wußte, daß er nicht bei jeder Kleinigkeit dazwischenschlagen würde. 146 „ Pos einmal bar ver reden." Ein H „ Mer Was m land ha „ Nur دوو dete ich Ach Urteil H grab, di nach H Da v verstoh Wanzer gnügen Übrig nur noc men au Wir kar die uns dernd, Weg g die To hoben kein Sc vatter T wünsch 10* ten wir , näm- Sold er- Ig, wie. vorher- Weibern en noch Amüse- anchmal g so al- icht er- rireulich uf Nase Gesicht n, denn die Er- wieder- lang un- undenen rzten uns as Unge- ufressen. und die ber nicht e war SO n um Ab- ich an der hi wußte, schlagen | \ | | 1 | | | „Posten‘, sagte ich,„ist es nicht möglich, daß wir einmal desinfiziert werden? Wir sind allesamt furcht- bar verlaust, von den Wanzen wollen wir gar nicht reden.‘ Ein heiseres Lachen ertönte. „Mensch, Wanzen haben wirselber. Und Läuse—? Was meinst du, wieviel Läuse die draußen in Ruß- land haben!“ „Nun— es ist ja auch eine Gefahr für Sie“, wen- dete ich ein.„Wie leicht können Sie sich anstecken.“ „Ach, die paar Tage noch! Bald werdet ihr euer Urteil haben, dann wandert der eine Teil ins Massen- grab, die andern ins Konzentrationslager oder wieder nach Hause. Es geht alles vorüber.“ Da war also nichts zu machen. Wir juckten uns ‘ verstohlen weiter, bekamen unsere Hiebe dafür und Wanzen und Läuse hatten auch fürderhin ihr Ver- gnügen. Übrigens behielt der Posten recht. Es konnten nur noch wenige Tage vergangen sein, als einige Na- men aufgerufen und ihre Träger weggeführt wurden. Wir kannten ja gegenseitig so ziemlich alle Vergehen, die uns zur Last gelegt wurden und ahnten schau- dernd, daß diese Unglücklichen nun ihren letzten Weg gingen. Es herrschte eine atemlose Stille, als die Todgeweihten sich nun von ihren Plätzen er- hoben und zur Tür tappten. Kein Abschiedsgruß, kein Schluchzen wurde laut. Schweigend nahm Ge- vatter Tod seine Brüder in die Arme. Und ich selbst wünschte im Augenblick nur, ihren Weg mitgehen 10* 147 zu dürfen, ich war müde am Leben, das doch kein Leben mehr war. Aber auch unser Elend hatte ein Ende. Eines Tages hieß es: Hände ausstrecken! Schlüssel knackten und die Fesseln fielen, hernach die Binden von unseren Augen. Natürlich vermochten wir nichts zu erkennen, denn unsere Augen waren einmal des Lichtes entwöhnt und außerdem völlig mit einer eitrigen, stinkenden Kruste verklebt. Die Handgelenke zeigten ebenfalls dort, wo die Fesseln gesessen hatten, einen Ring aus rohem, eitrigen Fleisch. Wir durften uns waschen, wurden entlaust und bekamen frische Wäsche. Unsere Kleidungsstücke wurden desinfiziert und dann zurückgeliefert. Mühsam las ich auf einem Kalenderblatt das Datum und erschrak: volle vier Monate hatten wir im Mauergrab der Kasematte zugebracht. Volle vier Monate..." Soweit die Erzählung meines Kameraden Titeux. Wir haben später, als wir in Dachau die Qualen der Hölle erdulden mußten, noch manchmal über diese Monate im Fort Göben gesprochen. Sicher gehören sie zu dem Schwersten, was ein Mensch ertragen konnte. Vier Tage blieben wir in Natzweiler. Dann hieß es abermals das Ränzel schnüren, denn der Amerikaner rückte näher und näher. Zu den ersten zweitausend Mann, die das Lager verließen, gehörte auch das ehemalige Außenkommandos Pelters. Wir erhielten ein Stück Brot, etwas Margarine und zu fünf Mann eine Büchse Cornedbeaf. Leider war die Organisation so schlecht, daß einer das Brot, der andere die Margar Büchse Bei d auf die wurden Die De die Aus lieb nel chen schnell besond wagen Die F keiten durch wir re Bahnho angriff alles z einiger kamen in leid K Der lager ich ha Die b beson halb مه 148 och kein es Tages kten und. | Unseren zu erken- s Lichtes eitrigen, nke zeig- .n hatten, st und be- ücke wur- Mühsam n und er- lauergrab nate....." n Titeux. ;e Qualen ımal über Sicher ge- lensch er- Dann hieß jer Ameri- sten zwei- hörte auch s, Wir er- nd zu fünf jie Organi- andere die Margarine und der dritte, der Glücklichste, die Büchse Fleisch besaß. Bei der Austeilung wurde nämlich keine Rücksicht‘ auf die Nationalitäten genommen, am Bahnhof aber wurden die Deutschen von den Ausländern getrennt. Die Deutschen wurden in Personenwagen verladen, die Ausländer dagegen mußten mit Güterwagen vor- lieb nehmen. Findige Köpfe, die vielleicht schon man- chen Transport mitgemacht hatten, organisierten schnell noch ein paar alte Marmeladeeimer... für besondere Zwecke. Toiletten gab es ja in den Güter- wagen nicht. Die Fahrt nach Dachau war mit einigen Schwierig- keiten verknüpft, denn etliche Bahnlinien waren durch Bombenangriffe unbefahrbar geworden und wir reisten ein bißchen kreuz und quer. Auf dem Bahnhof in Karlsruhe hatten wir sogar einen Nacht- angriff zu überstehen. Letzten Endes ging aber doch alles ziemlich glatt vonstatten, und wenn ich von einigen unvermeidlichen Transporttoten absehe, kamen wir zwar reichlich ausgehungert, doch sonst in leidlicher Verfassung in Dachau an. Konzentrationslager Dachau/Allach Der erste Eindruck, den ich vom Konzentrations- lager Dachau gewann, war nicht besonders günstig, ich hatte mir eine andere Vorstellung davon gemacht. Die bauliche Anlage erweckte nicht den Eindruck besonderer Großzügigkeit, vielmehr den einer nur halb gelungenen Improvisation. Die Gebäude waren 149 herabgewirtschaftet, die Baracken entbehrten fast des Anstrichs und vor allem fiel der Mangel an Sauberkeit auf. Mag sein, daß das einmal anders war und daß man jetzt, wo es auf das Ende des Krieges zuzugehen schien, die Flügel hängen ließ einen Vergleich mit Sachsenhausen, einem gleichgroßen Lager, hielt Dachau nicht aus. - Wir marschierten nun zunächst einmal auf den Appellplatz. Man hatte dort eine Reihe von Tischen aufgestellt, die wir passieren mußten. Als wir den letzten erreicht hatten, besaßen wir außer einem kleinen weißen Zettel mit der neuen Lagernummer nichts mehr, wir standen pudelnackt im kühlen Septemberwind und froren erbärmlich. Zähneklappernd ließen wir die Prozedur der Entlausung über uns ergehen und hockten dann stundenlang im Windschatten einer Baracke. Endlich wurden wir in den Baderaum geführt, wuschen den letzten Staub von Natzweiler ab, empfingen Wäsche, Kleidung und Schuhwerk und wurden schließlich in unsere Baracke geführt. Nein, erst einmal vor die Baracke auf den schmalen Raum, der von zwei Gebäuden eingeengt wurde und so eine Art Windkanal darstellte. Langsam, ganz langsam sickerte dann der Haufen, listenmäßig aufgerufen, durch die schmalen Türen in den warmen Tagesraum. Gewiß, man hatte uns nicht zuviel erzählt, wenn man sagte, daß in Dachau seitens des Blockpersonals nicht geschlagen wurde. Ich habe nicht einmal ein böses Wort gehört. Lag es daran, daß die österreichischen Block- und Stubenältesten die Sache mit jener Wiener Nonchalance behandelten, die von jeher de Grenzp auch waren Natzwe - Dad gerstat säcke a verhält normal aus, de nähern eine L Abhilf sämtli Es belnde müsse Räume die je suchte als die umgal Da sames hatte; desse ich m same schen baren 150 ten fast an Sauders war Krieges - einen chgroßen den Apchen aufden letzm kleinen er nichts ptembernd ließen sergehen ten einer raum geveiler ab, verk und art. Nein, en Raum, nd so eine langsam ufgerufen, agesraum. wenn man personals inmal ein die österSache mit ie von jeher den Verkehrston jenseits der rot- weiß- roten Grenzpfähle bestimmte? Das Tempo war allerdings auch recht österreichisch: erst gegen Mitternacht waren wir endlich aus dem Windkanal verschwunden. Natzweiler war bis an den Rand gefüllt gewesen - Dachau lief über. Unzählige erhielten keine Lagerstatt und auch keine Decken. Man verteilte Schlafsäcke aus Papier, in denen man zwar hart, aber doch verhältnismäßig warm ruhte. Natürlich reichten die normalen Entlüftungsanlagen in den Baracken nicht aus, denn wo statt zweihundertfünfzig Männern annähernd tausend atmen und schwitzen, herrscht bald eine Luft von geradezu greifbarer Dicke, so daß eine Abhilfe geschaffen werden muß. Wir hängten einfach sämtliche Fenster aus. Es war wirklich kein Vergnügen, in diesem wibbelnden und kribbelnden Ameisenhaufen leben zu müssen, tagsüber im Windkanal, nachts in den engen Räumen der Baracke. Aber ich gehörte zu jenen, die jeder Situation die beste Seite abzugewinnen suchten. Was konnte man hier Besseres anfangen, als die Leute studieren, die einen in so reichem Maße umgaben!- Da war ein Fotograf aus Bochum, den ein seltsames Schicksal quer durch die halbe Welt gejagt hatte; dort ein österreichischer Schauspieler, auf dessen Mitwirkung bei den Salzburger Festspielen ich mich entsinnen konnte. Wir fanden viele gemeinsame Bekannte. Bald hockte ich mit einem rheinischen Jungen zusammen, der durch seinen unversiegbaren Humor die graue Welt dieser Tage vergoldete, 151 bald rauchte ich gemeinsam mit einem ehemaligen SA- Führer eine Zigarette, der kurz nach der Machtübernahme das Spiel seiner Parteifreunde durchschaut und ihnen den Rücken gewendet hatte. Nun büßte er für die Ehrlichkeit seiner Einsicht im Konzentrationslager. So kam ich, nachdem ich mich während des Aufenthaltes in Pelters von der Masse etwas emanzipiert hatte, was damals ja in der Natur der Dinge lag, nun wieder auf engsten Raum mit Leidensgefährten aus allen Schichten zusammen, mit Arbeitern, Bauern, Beamten und Künstlern. Das vielfarbige Kaleidoskop des Konzentrationslagers begann sich wieder zu drehen und es war bunter geworden. Natürlich verlief das äußere Leben in den wenigen Tagen, die wir dort zwischen Baracke und Windkanal verbrachten, genau so gleichmäßig und stupide wie in jedem anderen Lager. Frühmorgens Schlangestehen nach Kaffee, mittags Schlangestehen nach Essen, abends Schlangestehen nach Brot... Man nahm soviel Rücksicht aufeinander als möglich war, dennoch blieben bei der Beschränktheit des Raumes und der ewig drohenden Zuchtrute des Hungers Reibereien nicht aus, vor allem ging den polnischen Kameraden oft das Temperament durch. Aber ganz frei von Miẞstimmung war wohl, keiner von uns. Gott sei Dank blieben diese Tage für einen großen Teil nur ein Übergang. An einem Montag wurde ein Transport von zweitausend Mann zusammengestellt, der fast ausschließlich aus ehemaligen Natzweilern bestand. Nach endlosen Zählereien und Umgrup152 pierun lich na legene Ich mir no als zul in Ka lei auf als ich schuhe fender dahint die Ve Zuku viel Bäum merhi uns d Die an. Parti Schli Auch Atem Ich und nicht der Natz sam Die -maligen t Macht- ° durch- tte. Nun im Kon- ; Aufent- anzipiert lag, nun rten aus ern, Be- skopdes u drehen rlief das wir dort 71, genau anderen Kaffee, abends jel Rück- h blieben der ewig ;jen nicht raden oft von Miß- on großen wurde ein gestellt, ‚tzweilern Umgrup- pierungen auf dem Appellplatz marschierten wir end- lich nach dem einige Kilometer weiter südlich ge- legenen Zweiglager Allach ab. Ich wanderte dabei durch Dörfer, deren Gesicht mir noch vertraut war, seit ich vor langen Jahren. als zukunftssicherer Malersmann im Dachauer Moos, in Karlsfeld und an anderen Stätten meine Staffe- lei aufgebaut hatte. Welch wehmütiges Rückerinnern als ich jetzt in Zebrauniform, mit schweren Holz- schuhen an den Füßen, eskortiert von ewig schimp- fenden SS-Männern die wohlbekannte Landstraße dahintappte! Ich mußte mich zusammenreißen. Laß die Vergangenheit ruhen!, befahl ich mir, blick in die Zukunft! Ja, im bürgerlichen Leben ist das alles viel leichter, wenn auch wilde Stürme das grüne Bäumchen Hoffnung schütteln mögen, man ist im- merhin Herr seiner Entschlüsse. Wo aber lag für uns die Zukunft? Die Stoiker waren wieder einmal am besten dar- an.„Na ja“, meinte Titeux, der auch mit von der Partie war,„irgendetwas wird schon kommen. Schlimmer als im Fort Göben kann es auch nicht sein. Auch die Gaskammer ist nicht ärger— ein kurzer Atemzug und alles ist vorbei—“. Ich antwortete nicht. Ich dachte an meine Kinder und an meine alte Mutter, die ich so viele Jahre nicht gesehen hatte. Aber ich erinnerte mich auch der schweren Tage, die ich in Sachsenhausen und Natzweiler verbringen mußte und biß die Zähne zu- sammen. Weit konnte das Ende nicht mehr sein. Die Amerikaner standen an der Westgrenze des Rei- 153 ches, und wer über den Atlantikwall gekommen war, würde wohl auch eines Tages über den Rhein seine Brücken schlagen. Es kam nur darauf an, die letzte Stunde zu überstehen, in der Tod und Freiheit nahe beieinander sein würden. Aber wieviel Millionen standen täglich an den Grenzpfählen des Lebens, ohne sich der grauen Hoffnungslosigkeit überlassen zu dürfen! Um die Mittagszeit marschierten wir in das Lager Allach ein und zwar zunächst in die Quarantäne, einen Komplex von fünf aus Beton erbauten Baracken, die vom übrigen Lager durch den üblichen elektrisch geladenen Stacheldrahtzaun getrennt waren. Nebenan befand sich das Judenlager, über dessen Abgrenzung hinweg sich bald ein lebhafter Tauschhandel um Tabak und Bekleidungsstücke entwickelte. Mich erinnerte die ganze Geschichte ein bißchen an das Geschäftsgebaren in den Judengassen von Lodz und anderen polnischen Städten. Verständlich war aber die Sache durchaus, denn unsere Kameraden hatten seit langer Zeit nichts mehr zu rauchen bekommen, und drüben die ungarischen Juden waren in der Tat recht mangelhaft bekleidet und der Winter stand vor der Tür. Im übrigen hielten sich die gegenseitig geforderten Preise auf einem recht vernünftigen Niveau. Jedenfalls bot sich keineswegs das Bild jener wilden Börse des Alexanderplatzes in Berlin. Aber ich bin etwas zu weit vorausgeeilt in meiner Erzählung. Bei unserem Einzug ins Lager Allach wurden wir erneut einer gründlichen Revision unterworfen u gebracht Seife un uns abge sauberes sich beh Schmerz Auch mi skripte oftmals Hunger meinem Die stigen merlich gesamte mußten wenn n Habsel mehr a muß. I leidlich Wenn Person versch satt ge war, g und d tionen unde wurde 154 -n war, seine letzte it nahe llionen Lebens, lassen Lager , einen en, die sch geebenan enzung m Tach eras Gez und r aber hatten mmen, er Tat nd vor seitig nftigen s Bild es in meiner Allach unterworfen und dabei fast alle um den Rest unserer Habe gebracht. Sämtliche Rasierapparate, Taschenmesser, Seife und sonstigen Toilettengegenstände wurden uns abgenommen. Von Glück konnte reden, wer ein sauberes Taschentuch am Ende der Untersuchung für sich behielt. Nun, die Alten von uns kannten den Schmerz und wußten sich auf ihre Art zu helfen. Auch mir gelang es, meine Zeichenhefte und Manuskripte dem Zugriff der Fledderer zu entziehen und oftmals habe ich in den späteren Monaten, als der Hunger einen nach dem andern von uns hinwegraffte, meinem Schicksal dafür gedankt. Die Betonbaracken, die von außen einen so günstigen Eindruck machten, besaßen eine recht kümmerliche Einrichtung: einige Bund Stroh stellten das gesamte Inventar vor, mit dem wir uns begnügen mußten. Das hört sich leicht an, aber es ist hart, wenn niemand ein Fleckchen besitzt, an dem er seine Habseligkeiten niederlegen kann, wenn er sie vielmehr auf Schritt und Tritt bei sich herumschleppen muß. Die Verpflegung war in den ersten Tagen noch leidlich gut. Zumeist gab es Pellkartoffeln mit Kohl. Wenn nicht unsere neuen Blockältesten mit ihrem Personal so unendlich viel davon unterschlagen und verschoben hätten, wäre jeder von uns notdürftig satt geworden. Aber so wie es mit dem Mittagessen war, geschah es auch mit dem Brot, der Margarine und den an sich schon geringfügigen Wurstportionen. Als die Sache schließlich zum Himmel stank und eine plötzliche Untersuchung vorgenommen -wurde, stellte man fest, daß ein einziger Blockältester 155 seinen fünfhundert Leuten nicht weniger als siebenunddreißig Brote und zweiundzwanzig Würfel Margarine unterschlagen hatte. Selbstverständlich wurde er sofort abgelöst und erhielt eine Tracht Prügel, die ihm das Gemeine seiner Handlungsweise deutlich zum Bewußtsein brachte, aber an der Sache selbst änderte sich deshalb noch nichts, denn sein Nachfolger wandelte in seinen Fußstapfen. Die Portionen wurden kleiner und kleiner und das Mittagessen von Tag zu Tag schlechter und weniger. Gleichwohl bedeuteten die wenigen Wochen, welche wir in der Quarantäne verbrachten, für die meisten meiner Kameraden eine Art Erholungsurlaub, denn wir brauchten nicht zu arbeiten, lagen stundenlang in der schönen Herbstsonne, gingen spazieren, plauderten und rauchten. Damit etwas Abwechslung in unser Leben kam, veranstaltete der Arbeitseinsatz des Hauptlagers so ziemlich täglich einen Appell, bei dem dann drei oder vier Stunden verflossen. Einmal wurden die Berufsgruppen sortiert, dann die Nationalitäten, einmal die Haftarten, dann die Haftdauer also für Unterbrechung des langweiligen Dahindösens war reichlich gesorgt. So vergingen die Tage. Aber die Nächte! Da lagen fünfhundert Menschen auf engstem Raume im Stroh zusammengepackt, daß sich der Einzelne nicht einmal im Schlaf umwenden konnte. Wen nachts ein menschliches Bedürfnis von seinem Platze trieb, der durfte sicher sein, diesen bei der Rückkehr besetzt zu finden, und es blieb dann meist nichts anderes übrig, als den Rest der Ruhezeit im Gang hockend zuzubringen, dürftigen das einer gel eing Hin un Baracke die engl Münche nahmen. Verwirr wegen durfte, von fü schreier Kaum stand ei eiserner Luft er schwan Granat müt k Aber die Ge Grüße mittelb herunt Spreng Satz z ihr Le Gesan rissen 156 Dahin- 1 lagen ‚ Stroh ht ein- ıt5 ein >b, der etzt zul übrig, | zuzu- bringen, wollte man nicht mit dem ausdehnungsbe- dürftigen Nachbarn ein nächtliches Palaver beginnen, das einem vielleicht noch obendrein eine Tracht Prü- gel eingetragen hätte. Hin und wieder gab es dann Nächte, in denen die Baracke einem Tollhause glich, dann nämlich, wenn die englischen Bombengeschwader ihre Angriffe auf München und die Bayerischen Motorenwerke unter- nahmen. Brachten schon Tagangriffe eine heillose Verwirrung in die zusammengeballte Menge, die wegen der Spittergefahr die Baracken nicht verlassen durfte, so machten die Nachtangriffe aus einer Schar von fünfhundert Männern fünfhundert jammernde, schreiende und tobende Bestien. Kaum zweihundert Meter von der Baracke entfernt stand eine schwere Flakbatterie, die unaufhörlich ihre eisernen Grüße in den Nachthimmel schickte. Die Luft erzitterte, die Erde bebte und die Baracke schwankte. Pausenlos prasselten die Splitter der Granaten auf die Betondächer— ein ängstliches Ge- müt konnte schon glauben, die Welt gehe unter. Aber das mochte noch angehen. Schlimmer wurde die Geschichte, wenn die Engländer die nächtlichen Grüße der Flak erwiderten. Dann heulten in un- mittelbarer Nähe unserer Unterkunft die Bomben herunter und rissen in den Kiesboden gewaltige Sprengtrichter. Jedesmal schien die Baracke einen Satz zu machen und das Echo von fünfhundert um ihr Leben bangender Häftlinge mischte sich mit dem Gesang der Splitter und der dem Leib der Erde ent- rissenen Kieselsteine. Die Besonnenen unter uns or hatten aber bald heraus, daß trotz der scheinbaren Gefahr die Geschichte ziemlich harmlos war. Die fremden Geschwader wurden stets in der Längsrichtung des Lagers angesetzt, so daß es nach menschlichem Ermessen unmöglich war, die Baracken zu treffen. Tatsächlich ist auch bis zum Schluß keine einzige Bombe im Lager Allach niedergegangen. So schlichen vierzehn Tage ins Land und allmählich begann sich die Langeweile im Lager auszubreiten wie eine Seuche. Und mit der Langeweile kam die Nervosität. Wir erhielten ja in der Quarantäne weder Einkauf noch Rauchwaren. Wer nun einmal, sei es beim Militär oder sonstwo, erlebt hat, was der Tabakmangel aus einer größeren Gemeinschaft von Männern macht, wird sich vorstellen können, wie übel die Stimmung war, die uns damals beherrschte. Gute Freunde trennten sich unter den albernsten Beschimpfungen, und sogar mein alter treuer Kamerad Propach kündigte mir für einige Zeit die Freundschaft, weil ich ein Stück Kautabak besaß und ihn dabei übergangen hatte. Lange hing die Gewitterwolke natürlich nicht an unserem Malerhimmel. Dazu hatten wir zuviel gemeinsame Erlebnisse in Pelters gehabt. Wie gesagt, es war höchste Zeit, daß wir irgendeine Arbeit bekamen, die unsere Gedanken von der Beschäftigung mit dem lieben Ich ablenkte. Einige Vernünftige hatten sich schon Hacken und Schippen besorgt und begannen, die moorige Wildnis, in der unsere Baracken standen, einzuebnen und Wege anzulegen. Da kam für den größten Teil die Verle158 gung in Übrigble Friedrich teilt. Arbeit mehr als die natio der Arbe Aussicht weckte i für die noch die zu einer tigkeitsg mung ei nichts zu ständige sein Ant lich der dann o wußte Besen Wied mit leic deren B alten B es gab wurde gab au merade waren. inbaren ar. Die gsrichmenschken zu B keine gen. allmähauszugeweile Quaraner nun ebt hat, Gemeinen könals beer den n alter ge Zeit besaß ng die MalerErlebirgendon der Einige chippen in der ege anVerlegung in das Hauptlager Allach dazwischen. Die Übrigbleibenden wurden auf Außenkommandos in Friedrichshafen, Rosenheim und anderen Orten verteilt. - Arbeit ist eine Gnade, für den Gefangenen noch mehr als für den Freien. Wenngleich wir nun nicht die nationalsozialistische Anschauung vom ,, Ethos der Arbeit" zur unsrigen machten allein schon die Aussicht auf eine etwas reichlichere Verpflegung erweckte in uns den Wunsch nach Beschäftigung. Aber für die erste Zeit mußten wir unserem Arbeitseifer noch die Zügel anlegen. Wir kamen nach Block 3 zu einem Blockältesten, dessen Ruhe und Gerechtigkeitsgefühl wohltuend auf unsere gereizte Stimmung einwirkte. Jakob war dick und rund und durch nichts zu erschüttern; konnte er außerdem einen anständigen Priem auf die Backe schieben, dann strahlte sein Antlitz von Glückseligkeit. Und wenn nun wirklich der Betrieb in der Baracke einmal gar zu toll war, dann ordnete Jakob ein Großreinemachen an. Er wußte genau, wie beruhigend die Beschäftigung mit Besen und Wassereimer auf die Gemüter wirkt. Wieder verstrich so eine Reihe von Tagen, die wir mit leichtem Stubendienst und mit Besuchen auf anderen Blocks ausfüllten. Da fanden wir denn manch alten Bekannten von Natzweiler und Sachsenhausen, es gab ein freudiges Begrüßen und das Wiedersehen wurde zumeist bei einer Zigarette gefeiert. Aber es gab auch ein wehmütiges Erinnern an alle die Kameraden, die im Laufe der Jahre von uns gegangen waren. Ihre Zahl war endlos. Wie viele Mütter, 159 - wie manche Braut, wie manche Frau würde mit ihren Kindern vergeblich warten! Nicht alle waren ermordet, erschlagen und vergiftet worden viele hätten am Leben bleiben können, wenn ihr innerer Mensch stärker gewesen wäre und den Nöten und Anfechtungen des Lagerlebens einen härteren Widerstand entgegengesetzt hätte... Ich Eines Abends wurde ich zum Arbeitseinsatz befohlen. Natürlich war ich in den vergangenen Tagen nicht untätig gewesen, hatte vom Jakob und anderen alten Freunden Porträts gezeichnet und so etwas spricht sich in einem Lager, wo es an sich an Gesprächsstoffen mangelt, sehr schnell herum. nahm deshalb an, ich würde nun einen ähnlichen Posten bekommen wie in Natzweiler. Doch diesmal hatte ich mich geirrt. Ich wurde zusammen mit einem an Jahren älteren Häftling einem Arbeitskommando in den Bayerischen Motorenwerken zugewiesen. Nun, ich war dennoch zufrieden, denn es ist immer ein großes Glück, wenn man für den größten Teil des Tages aus dem Lager verschwinden kann, wo man doch nur den ewigen Schikanen der SSBlockführer ausgesetzt ist und sich, ehe man sich dessen versieht, eine Lagerstrafe zuzieht. Anderntags trat ich dann bei einem wohl zweitausend Köpfe zählenden Kommando an. Vom Lager bis zur BMW. war ein Stacheldrahtschlauch gebaut, durch den wir zu unserer Arbeitsstätte getrieben wurden wie Schafe in den Pferch. Schon damals, als ich meine Arbeit in diesem Rüstungswerk begann, lagen zahlreiche Werkhallen in Schutt und 160 Asche, d fenster d man hatt lich kein leuchtung dig mach pell antr beitsstätt erst ende den vers schicht d seren A lassen. Sonnenst vortäusch mir unm von eine sein Don Weise k viel and Dann m Abend e gehende schicht 1 den Schl nen kon Wurst o bei blie denn jed eine Zu bald in it ihren ermorhätten Mensch Anfecherstand atz beTagen nderen etwas an Gem. Ich nlichen diesmal en mit itskomgewiees ist größten kann, er SSan sich zweiom Lauch gegetrieon dagswerk utt und Asche, dennoch lief der Betrieb weiter. Die Glasfenster der Shetdächer waren längst herausgerissen, man hatte sie durch Schalbretter ersetzt, die natürlich kein Licht durchließen und eine künstliche Beleuchtung der Werkshallen auch tagsüber notwendig machten. Da wir nun schon sehr früh zum Appell antraten und vor dem Morgengrauen zur Arbeitsstätte geführt wurden, unser Tagewerk aber erst endete, wenn die liebe Sonne schon seit Stunden versunken war, geschah es, daß wir bei Tagschicht das Gestirn wochenlang nicht erblickten. Unseren Arbeitsplatz durften wir ja keinesfalls verlassen. Oft aber war meine Sehnsucht nach einem Sonnenstrahl so groß, daß ich dem Kommandoführer vortäuschte, ich litte unter Magenkrämpfen, die es mir unmöglich machten, zu arbeiten. Dann wurde ich von einem Posten zum Werksanitäter geführt, der sein Domizil in einer anderen Halle hatte. Auf diese Weise kam ich also einmal ans Tageslicht. Nicht viel anders war es natürlich bei Nachtschicht. Dann mußten wir am Tage schlafen und erst gegen Abend erhaschten wir noch einen Strahl der untergehenden Sonne. Immerhin war mir die Nachtschicht lieber, weil ich mir dann doch ein paar Stunden Schlaf abstehlen und ab und zu ein Porträt zeichnen konnte, für das ich ein Stück Brot, ein bißchen Wurst oder eine Handvoll Kartoffeln kassierte. Dabei blieb ich keineswegs eine Einzelerscheinung, denn jeder, der am Leben bleiben wollte, mußte sich eine Zulage verdienen, sonst hätte ihn der Hunger bald in die Knie gezwungen. Es wurde daher mit II 161 allen möglichen Dingen gehandelt. Der Eine stellte Zigarettenspitzen her, die oft so kunstvoll gearbeitet waren, daß man sie draußen nur zu recht hohen Preisen hätte erstehen können. Ein Anderer wieder fertigte Zigarettenetuis oder Tabakschachteln, ein Dritter Ringe. Zeigten nun unsere russischen Kameraden für diese Metallarbeiten besonderes Geschick, so waren es auf einem anderen Gebiet die polnischen Häftlinge die wahre Wunderwerke zustande brachten: Die BMW. hatten vor dem Kriege Automobile gebaut und es befand sich dort noch immer ein reiches Lager an Gummiplatten, Haarfilzen und Autoleder. Auf irgendeine Art und Weise brachten sich nun unsere Polen in den Besitz dieser Dinge und fertigten daraus prächtige Hausschuhe, die das helle Entzücken der im Werk beschäftigten Zivilisten hervorriefen, denn dergleichen gab es in dem nach sechs Kriegsjahren arm gewordenen Deutschland nicht mehr zu kaufen. Und so verwandelten sich denn die Hausschuhe alsbald in Brot, Selchfleisch, Kartoffeln und Tabak. Natürlich darf man daraus nicht etwa schließen, daß es uns allen gut ging. Der Kreis der handwerklich Begabten war immer klein und die Selbstlosigkeit, welche die Voraussetzung für ein kameradschaftliches Teilen bildet, ist nun einmal dünn gesät. Die große Mehrzahl hungerte nach wie vor. In den BMW. wurden während des Krieges fast ausschließlich Flugzeugmotoren hergestellt und zwar vom Rohstück an. Alle Arbeitsvorgänge waren so weit als irgendmöglich, mechanisiert, so daß die 162 Beschäft Die Gefa Gebiet, kommen. Ich sel sen. Da die aus d zer Zeit dort kam beschickt elektrisc erhitzt w versinker interessa halb, we den das auf kipp falls elel undvierz geschah des Umla klemmte ausriß u notwend Ofen da Vorrat a geordnet So we fall zu a bezahlen das Ung II* e stellte arbeitet en Prei- der fer- in Drit- Kamera- jeschick, ° polni- ustande '@ Auto- ı immer zen und jrachten * Dinge die das ivilisten m nach tschland ten sich fleisch, daraus ng. Der er klein setzung nun ein- rte nach ses fast It und eW are dab die Beschäftigung eigentlich nicht besonders schwer war. Die Gefahr lag für uns Häftlinge auf einem anderen Gebiet, und ich werde darauf noch zu sprechen kommen. Ich selbst arbeitete in der Abteilung Zylinderbuch- sen. Da standen einige vollautomatische Drehbänke, die aus den stählernen Rohlingen in unglaublich kur- zer Zeit die vorgeformten Rohbuchsen machten. Von dort kamen sie über ein Förderband zu mir und ich beschickte mit ihnen den gähnenden Rachen eines elektrisch geheizten Drehrohrofens, wo sie auf 9000 erhitzt wurden, um anschließend in einem Ölbad zu versinken. Der weitere Herstellungsgang ist un- interessant und den Ofen erwähne ich auch nur des- halb, weil seine Existenz mehrere meiner Kamera- den das Leben kostete. Die Zylinder ruhten im Ofen auf kippbaren Böcken und wurden durch eine eben- falls elektrische Steuermaschine im Laufe von acht- undvierzig Minuten durch die Glut transportiert. Nun geschah es hin und wieder, daß ein Zylinder während des Umlaufs vom Bock fiel, sich dann irgendwo fest- klemmte, vielleicht sogar noch die Heizspiralen her- ausriß und dann machte sich eine teure Reparatur notwendig. Noch schlimmer war aber, daß der Ofen dann für einige Tage ausfiel und, wenn kein Vorrat an Zylinderbuchsen vorhanden war, die nach- geordnete Produktion ins Stocken geriet. So wenig nun auch ein Häftling an solchem Un- fall zu ändern vermochte, so teuer mußte er dafür bezahlen. Zweien meiner Vorgänger am Ofen war das Unglück mit den Zylindern passiert. Zunächst 163 hatten sie wohl infolge ihrer technischen Unkenntnis den Fehler nicht bemerkt und dann, als sie ihn erkannten, vielleicht nicht den Mut besessen, sofort eine Meldung zu machen. Der Meister, dem die Abteilung unterstand, erstattete daraufhin eine Anzeige wegen Sabotage und beide wurden in unserem Lager öffentlich gehängt, nachdem schon früher, wie ich bei dieser Gelegenheit erfuhr, einen französischen Kameraden das gleiche Schicksal ereilt hatte. Natürlich war mir mein eigener Kopf mehr wert als die Produktionsziffer des Meisters, und ich beschloß, auf der Hut zu sein. Es lag durchaus nicht in meiner Macht, Fehlschläge dieser Art am Ofen zu verhindern. Ich konnte also leicht dasselbe Los ziehen. Nun liefen alle Meldungen über den Kommandoführer, einen Sudetenländer, dessen Einstellung uns zur Genüge bekannt war. Er schlug, wo er schlagen konnte. Dennoch brachte ich ihn recht schnell auf meine Seite, indem ich ihn gegen Dell ausspielte und ihn einmal fragte, ob er sich etwa von einem Zivilisten das Szepter aus der Hand nehmen lassen wolle. Damit hatte ich seinen Stolz geweckt und fortan stand er zu mir. In den ersten Wochen ging alles glatt, aber dann passierte mir dasselbe, was meinem toten russischen Kameraden geschehen war. Ich ging sofort zum Kommandoführer und sagte ihm, daß an der Maschine wieder ein Schaden eingetreten sei und ich nicht weiterarbeiten könne und wolle, bevor hier nicht gründlicher Wandel geschaffen wäre. Erst dann erstattete ich beim Abteilun Arbeit f ihm, da würde. und ande beirren. gegen m wurde st Selbstve nis zu I auch als oder and satz me Nach Beziehu unter de einmal hatte, d dung, d Verteidi gen bes an dem Gedulds genwart mordun dafür, spreche Damit konnte kuliert. Frechh 164 nntnis ie ihn n, sodem n eine in unschon einen ereilt r wert d ich rchaus Art am asselbe er den n Einschlug, ch ihn gegen er sich - Hand Stolz ersten te mir eraden mandoder ein rbeiten Wanh beim Abteilungsmeister Anzeige. Dell kam und befahl, die Arbeit fortzusetzen. Ich weigerte mich und erklärte ihm, daß ich meinen Kopf nicht aufs Spiel setzen würde. Dell tobte, redete von Arbeitsverweigerung und anderen schönen Dingen, aber ich ließ mich nicht beirren. Da der Kommandoführer keine Meldung gegen mich annahm, war Dell machtlos. Der Ofen wurde stillgelegt und ich hatte ein paar ruhige Tage. Selbstverständlich war von Stund an mein Verhältnis zu Dell recht gespannt, wußte er doch, daß ich auch als Häftling keinesfalls gesonnen war, von ihm oder anderen ein Spiel treiben zu lassen, dessen Einsatz mein Leben war. Nach außen hin schien es, als wenn sich unsere Beziehungen im Laufe der Monate besserten, aber unter der Decke ging der Kampf weiter, und als ich einmal während der Nachtschicht einen Kabelbrand hatte, drohte er mir wieder mit einer Sabotagemeldung, die mir, weil ein Häftling niemals zu seiner Verteidigung gehört wurde, ohne weiteres den Galgen beschert hätte, obgleich ich absolut unschuldig an dem Zwischenfall war. Da riß mir endgültig der Geduldsfaden. Ich sagte ihm klipp und klar in Gegenwart des Kommandoführers, daß er an der Ermordung von drei Kameraden schuld sei und daß er dafür, wenn die Geschichte einmal schief gehe, entsprechend zur Rechenschaft gezogen werden würde. Damit wagte ich viel, aber so oder so: ein Leben konnte ich nur verlieren. Doch ich hatte richtig kalkuliert. Mein Freund murmelte noch etwas von Frechheiten, die er sich von einem Häftling bieten 165 lassen müsse, aber er zog ab. Eine Meldung wagte er nicht zu machen und ich hatte fortan Ruhe. Es liegt auf der Hand, daß sich beinahe alle deutschen Häftlinge auf ähnliche Art der Übergriffe ihrer Abteilungsmeister erwehrten, waren wir doch durch die zahllosen im Werk tätigen ausländischen Zivilarbeiter über den wahren Stand der Dinge genügend unterrichtet und ließen uns durch die Lügenmeldungen des Rundfunks und der Nazipresse nicht mehr beirren. Nicht ganz so gut waren unsere polnischen, russischen, griechischen, französischen, belgischen und holländischen Kameraden daran. Sie konnten sich kaum mit ihren Meistern verständigen und schon ganz und gar nicht verteidigen. Der Tag war lang und die Verpflegung schlecht genug für die verlangte Arbeitsleistung. Da mehrten sich denn die Fälle, wo die Leute an den Maschinen vor Hunger zusammenklappten. Sprang nun nicht gleich ein Kamerad hilfreich ein, und brachte die Maschine zum Stillstand, so konnte es geschehen, daß das Werkstück verdorben wurde und der Häftling dann prompt von einem miẞgünstig gesinnten Meister eine Sabotagemeldung erhielt der letzte Akt der Tragödie spielte sich dann am Galgen ab. Und mit den nichtdeutschen Kameraden machte man schon gar kein Federlesen. - . Freilich waren nicht alle Meister der BMW. Menschenschinder. Manch einer war darunter, der mit dem Herzen auf unserer Seite stand, wenn er sich auch nach außen hin nichts merken lassen durfte. Wie oft mußte ein Augenzwinkern genügen, unser 166 gegenseitig manche Zi im Geheim Dann un Zigaretten hafter Han geber der k zösischen Z kundschaft und bekam ten noch i vor allen war der H wer sich v vertreter, e nat, erwisc Ware los, Tracht Prü dung. Für oder drei Neid und Charakterl Kommando men Hand Ware aufs muß ich fe worden is Lieferanter Strafe in Vom ebe etwas erzä wagte he. e deutrgriffe r doch ischen ge geLügene nicht re poln, beln. Sie ndigen er Tag ug für h denn -Hunich ein e zum Werkprompt Saboagödie nichtr kein Mener mit er sich durfte. unser gegenseitiges Einverständnis zu bestätigen. Und manche Zigarette, manches Stück Brot reichte uns im Geheimen eine wohlmeinende Hand. Dann und wann erhielten wir ja aus der Kantine Zigaretten geliefert, mit denen im Werk ein schwunghafter Handel getrieben wurde, wobei der Auftraggeber der knurrende Magen war. Vor allem die französischen Zivilarbeiter rechneten zu unserer Stammkundschaft. Sie rauchten fast alle gern und stark und bekamen nur wenig zugeteilt. Aber sie konnten noch immer in ihrer Kantine Brot kaufen und vor allen Dingen hatten sie Kartoffeln. Natürlich war der Handelsverkehr mit ihnen streng verboten, wer sich vom Kommandoführer oder dessen Stellvertreter, einem recht grünen Jungen aus dem Banat, erwischen ließ, war nicht nur die eingehandelte Ware los, sondern bezog außerdem eine gewaltige Tracht Prügel und bekam auch noch eine Strafmeldung. Fünfundzwanzig Stockhiebe auf dem Bock oder drei Tage Stehbunker waren ihm dann sicher. Neid und Miẞgunst machen nun in aller Welt den Charakterlosen zum Verräter. So geschah es oft, daß Kommandoführer durch Verrat solch einem geheimen Handel auf die Spur kamen und die versteckte Ware aufstöberten. Aber zur Ehre der Entdeckten muß ich feststellen, daß mir kein Fall bekannt geworden ist, bei dem der Betroffene jemals seinen Lieferanten preisgegeben hätte. Lieber nahm er die Strafe in Kauf. Vom eben erwähnten Stehbunker möchte ich noch etwas erzählen; denn diese Methode der Häftlings167 quälerei gehört mit zu den grausamsten Gliedern in der Kette der Verbrechen, deren sich die SS schuldig gemacht hat. Noch bis in die letzten Tage hinein hat der Lagerführer Jarolin Stehbunker bauen lassen. Man stelle sich einen Betonkasten von fünfundfünfzig mal fünfundfünfzig Zentimeter im Geviert vor und nicht ganz so hoch, daß ein Erwachsener aufgerichtet darin stehen kann, an der Tür einen Briefkastenschlitz, der als Luftzu- und ableitung ausreichen soll. Der Unglückselige, der mit dieser Marterkammer Bekanntschaft machte, hatte nun das Vergnügen, gesenkten Hauptes tagelang in dem Kasten stehen zu dürfen, konnte sich niemals setzen und nicht drehen" und wenden. Da sich außerdem kein Mensch um ihn kümmerte, bevor nicht die Straffrist abgelaufen war und er folglich keine Bedürfnisse verrichten konnte und seine Kleidung beschmutzen mußte, kann man sich wohl ein Bild von der Qual machen, welche der Bestrafte auszustehen hatte. Kam er dann endlich noch lebend aus dem Miniaturgefängnis, dann war oft das Fleisch am Gesäß und den Schenkeln von Kot und Urin angefressen im Revier konnte man ihm aber auch nicht helfen, denn in den letzten Monaten gab es kaum noch Salben, Verbandsstoffe oder Medikamente... - Als ich meinem Arbeitskommando zugeteilt wurde, zog ich gleichzeitig von Block 3 nach Block 8 um. Der Blockälteste, ein gebürtiger Straßburger und früherer Rotspanienkämpfer war ein alter Bekannter von Natzweiler her. Die Mehrzahl kannte ihn nur als schweigsam und kurz angebunden, aber er 168 hatte Qu waren. V und es eine Ung beschwe Mensche fühlte, w Stube s wesen Sache, j leben, stufe zu die vers lassen. gegen s ten eine samer g Blockäl daß au eine W mit ihm deutsch daß ic verscha Guten und Ko stimmu sen. Vo Kohle abhäng Tat so Gliedern S schule hinein m lassen. dfünfzig vor und gerichtet fkastenhen soll. kammer gen, getehen zu t drehen um ihn fen war konnte ann man welche ann endis, dann chenkeln konnte letzten dsstoffe t wurde, k 8 um. ger und Bekannnnte ihn aber er hatte Qualitäten, die nicht hoch genug einzuschätzen waren. Vor allen Dingen blieb er stets streng korrekt und es gab auf Block 8 niemanden, der sich über eine Ungerechtigkeit bei der Verpflegsausgabe hätte beschweren können. Daß er darüber hinaus ein Menschenverächter war, der sich am glücklichsten fühlte, wenn alles im Bett lag und er allein in seiner Stube saß, dürfte eine Folge des Lagerlebens gewesen sein. Es ist nun einmal nicht jedermanns Sache, jahrelang unter tausenden von Menschen zu leben, deren ungleiche Bildungs- und Herkunftsstufe zu Reibereien Anlaß gibt, die in ihrem Ablauf die verschiedenen Charaktere deutlich zutage treten lassen. Mancher Menschenfreund ist da langsam und gegen seinen Willen zum Menschenfeind und inmitten einer großen Schar von Kameraden ständig einsamer geworden. Als ich Rolf Scherer nun hier als Blockältesten erneut begegnete, erkannte ich wohl, daß auch mit ihm seit den Tagen von Natzweiler eine Wandlung vorgegangen war, aber ich kam gut mit ihm aus. Er vertraute mir die Stube der Reichsdeutschen als Stubenältester an. So war es möglich, daß ich meinen Kameraden manche Erleichterung verschaffen konnte, die ihre Lage doch erheblich zum Guten veränderte. Vor allem gelang es uns, Holz und Kohlen zu organisieren, und das wäre ohne Zustimmung des Blockältesten niemals möglich gewesen. Von ein paar Stückchen Holz oder einer Schaufel Kohle konnte aber das Leben manches Kameraden abhängen. Das klingt seltsam, doch- war es in der Tat so: wir bekamen nur in sehr großen Abstän169 den unsere Wäsche getauscht und stets war sie voller Läuse. Da blieb uns denn nichts anderes übrig, als das strenge Heizverbot zu durchbrechen und die frisch erhaltene Wäsche erst einmal auszukochen. So ergab sich jedesmal eine recht grotesk anmutende Situation. Der Blockälteste war einerseits dafür verantwortlich, daß nicht geheizt wurde und andererseits ebenso haftbar dafür, daß durch Läuse keine Krankheiten übertragen wurden. Überall hingen ja die Schilder ,, Eine Laus kann Dein Tod sein!" Wir befanden uns fast immer in einer Zwickmühle. Aber auch zu anderen Zwecken mußten wir heizen. Ich erwähnte weiter oben schon, daß wir unsere Tabakoder Zigarettenzuteilung im Werk bei den Zivilarbeitern und kriegsgefangenen Franzosen gegen Brot und Kartoffeln eintauschten. Diese Kartoffeln wurden nun auf die raffinierteste Art und Weise ins Lager gebracht, heimlich auf den Stuben gekocht und schmunzelnd verzehrt. Solch ein Kartoffelessen bedeutete dann immer einen Festtag, denn unsere Verpflegung war inzwischen immer schlechter geworden und bestand beinahe nur noch aus warmem Wasser, in dem ein paar Rübenschnitzel oder ein Kohlstrunk schwammen, und einer armseligen Scheibe Brot. Gelang es nun einem von uns, noch ein Stückchen Margarine aufzutreiben oder etwa eine Scheibe Speck, dann wurden Bratkartoffeln gemacht und ein Festtag allerersten Ranges war angebrochen. Das zu diesem Zweck notwendige Heizmaterial gehörte zu unseren Sorgen. An sich war es erlaubt, aus dem Werk Abfallholz mitzunehmen, aber unser 170 Kommando uns das H landete da lich nicht d anderes üb den Hosen Kontrollen material ni gen, noch wurden all der Barack und aus d Nacht und verstaut. gekommen Ich muß gelegentlic einen klein tenden H wir, vieler tern, aber es stets E einem and konnte ich schweren. zusammen lautstarke kam, dan Gewitter, Spannung wird es im Voller ig, als nd die en, So utende Ur ver- erseits Krank- ja die /Ir be- ‚ Aber n. Ich Tabak- Zivil- gegen offeln se ins Kommandoführer duldete es trotzdem nicht und ließ uns das Holz am Lagertor wieder abnehmen. Es landete dann in den SS-Baracken. Das war natür- lich nicht der Zweck der Übung. Es blieb also nichts anderes übrig, als daß sich jeder ein Stück Holz in den Hosenbund steckte und es durch die täglichen Kontrollen schmuggelte. Trotzdem reichte das Brenn- material nicht hin und her, und wir waren gezwun- gen, noch an anderen Stellen zu organisieren. Da wurden alle nicht unbedingt notwendigen Holzteile der Barackenkonstruktion nach und nach abmontiert und aus den Luftschutzbunkern die Holzpfähle bei Nacht und Nebel gestohlen, schnellstens zersägt und verstaut. Wehe uns, wenn die SS einmal dahinter gekommen wäre! Ich muß aber auch hier wieder betonen, daß diese gelegentlichen Zubußen an Eßbarem immer nur einen kleinen Kreis erfaßten und daß das Gros wü- tenden Hunger litt. Selbstverständlich versuchten wir, vielen Kameraden das bittere Los zu erleich- tern, aber das war nicht immer leicht. Überdies gab es stets Egoisten, die gar nicht daran dachten, mit einem anderen zu. teilen. Im großen und ganzen - konnte ich mich jedoch über meine Stube nicht be- schweren. Das gemeinsame Schicksal schmiedete uns zusammen und wenn es auch hin und wieder zu einer lautstarken und wortreichen Auseinandersetzung kam, dann erblickte ich darin nur ein reinigendes Gewitter, das die Atmosphäre von aufgespeicherten Spannungen wohltuend reinigte. Und Spannungen wird es immer da geben, wo Menschen unter äuße- za rem Druck, obendrein mit eigenen Sorgen schwer beladen, auf engsten Raum zusammenleben müssen. Ich nahm dergleichen Zwischenfälle nie tragisch und erledigte sie zumeist durch einen Witz. Am besten bewährte sich die Kameradschaft, wenn die SS- Blockführer plötzlich im Lager erschienen und auf der Suche nach verbotenen Dingen die Baracken auf den Kopf stellten Dann wurden sie schon in der Stube des Blockältesten solange aufgehalten, bis in den anderen Räumen die corpora delicti so verstaut waren, daß nichts mehr gefunden werden konnte. Bratpfannen, Messer, elektrische Kocher, Lampen, illegale Briefe verschwanden mit einer Schnelligkeit, die an Zauberei grenzte. Das schützte uns zwar nicht davor, daß alle Betten auseinandergerissen, der Inhalt der Spinde in die Stube gestreut und auch sonst jede nur mögliche Unordnung angerichtet wurde, aber in die Hände fiel den mit Intelligenz sowieso nicht allzureich begabten Blockführern nur sehr selten etwas. Einmal allerdings fiel ich selber auf. Ich war im Besitz einer Reihe von Fotografien, deren Eigentümer Zivilarbeiter im Werk waren und nach denen ich Porträts zeichnen sollte. Bisher hatte man mein Zeichenmaterial eigentlich unberührt gelassen und ich war infolgedessen ein wenig leichtsinnig geworden und hatte die Fotos nicht besonders verborgen. So gerieten sie, als der Blockführer einmal das Zeichenmaterial revidierte, in die Hände der SS. Die Sache wurde dem anwesenden Rapportführer gemeldet und er verlangte nun von mir die Preisgabe der 172 Namen der Verkehrs wären und anziehen n Namen zu Bestrafung ,, Herr will gar einigen Zi mir nun n ein Deuts wenn Sie Sie auf ke Wesha Rapportfu " ist!" ,, Weil viel Häft gehen. I Kinder zu Er blic dann reic ,, Lasser Meine ihm auch poniert. man muf ich späte das End Kopf nic Ich sagte | Schwer müssen, isch und ft, wenn Schienen die Ba- ie schon rehalten, 1 SO ver- werden Kocher, it einer schützte ausein- e Stube Unord- fiel den jegabten war im ı Eigen- h denen an mein sen und ' gewol- rborgen nal das SS, Die r gemel- abe der Namen der Auftraggeber, die dann wegen verbotenen Verkehrs mit Häftlingen schwer bestraft worden wären und unter Umständen die Zebrauniform hätten anziehen müssen. Natürlich weigerte ich mich, ihre Namen zu nennen, ich selbst kam so oder so um eine Bestrafung nicht herum. „Herr Rapportführer‘“, sagte ich gelassen,„ich will gar nicht bestreiten, daß ich die Bilder von einigen Zivilisten bekommen habe. Aber Sie sollten mir nun nicht zumuten, daß ich die Leute verrate, ein Deutscher ist kein Verräter. Bestrafen Sie mich, wenn Sie es für notwendig halten, erfahren werden Sie auf keinen Fall etwas.“ „Weshalb machen Sie die Bilder?“ forschte der Rapportführer.„Sie wissen doch, daß es verboten ist!“ „Weil ich Hunger habe. Sie wissen selbst, wie- viel Häftlinge hier täglich an Hunger zugrunde gehen. Ich will aber noch leben, denn ich habe vier Kinder zu Hause.“ Er blickte mir eine Weile stumm in die Augen, dann reichte er mir die Fotos zurück. „Lassen Sie die Dinger verschwinden!“ Meine Frechheit hatte gesiegt. Vielleicht hatte ihm auch die unbedingte Offenheit der Antwort im- poniert. Er war überhaupt nicht der Schlechteste, man mußte ihn nur richtig zu nehmen wissen. Als ich später, gegen Ostern, der Überzeugung war, daß das Ende unmittelbar bevorstehe, ließ ich mir den Kopf nicht mehr scheren. Er stellte mich zur Rede. Ich sagte ihm klipp und klar, daß ich an die baldige 173 Befreiung glaube und nicht mit einem kahlgeschorenen Schädel in die Freiheit hinausgehen wolle. ,, Sie sind verrückt!" meinte er zwar und schickte mich in die Friseurstube. Ich ging auch hin, palaverte mit dem Friseurkapo eine Viertelstunde und die keimenden Haarsprossen blieben auf dem Kopf. - - - Das letzte Weihnachtsfest kam heran. Mochten auch alle anderen Tage des Jahres im Kampf um die Erhaltung des eigenen Lebens dahingehen und das ewige Aufderhutseinmüssen oft die Gedanken an Verwandte und Freunde draußen in der Freiheit überdecken am Weihnachtstage wanderten doch aller Unglücklichen Herzen in die Heimat und horchten auf ein Echo. Kein Weihnachtsfest stand je so unter den Sternen der Hoffnung, wie das des Jahres 1944. Das Ende des Krieges lag fast greifbar nahe und damit auch wurden wir nicht noch vorher Opfer eines Massenmordes unsere Befreiung. Ich wußte nun aus Erfahrung, daß Weihnachtstage gleichzeitig Krisentage waren, an denen die Kurve der Selbstmorde unheimlich in die Höhe schnellte, und beschloß daher, das Fest für meine Kameraden so zu gestalten, daß alle den Geist einer brüderlichen Liebe und den Hauch der Heimat verspürten. Die schmerzlichen Erinnerungen konnte ich freilich nicht bannen. Wenige Tage vor dem Fest wurde ein englisches Kampfflugzeug zum unfreiwilligen Weihnachtsmann, indem es einen ganzen Ballen feingeschnittener Staniolstreifen direkt auf die Lagerstraße fallen ließ. Ich hatte Lametta. Nun hieß es noch den Christbaum zu beschaffen. Selbstverständlich war es nicht 174 möglich, lände de durchsch len und Mantel u mit Hilfe Einer uns beschäfti ich selbe dazu, ind Kerzen u fertig. Wir ha schaffen, einer wa tergott H schen un den Schr Leider eines We sik, denn merkte, Unterhal dem and derte, al im Aug eine ku klarmac hoffnun und Sch zahl gin hlgeschowolle. schickte min, palande und em Kopf. Mochten ampf uni ehen und anken an meit überoch aller horchten so unter res 1944. ahe und er Opfer ch wußte ichzeitig - Selbstund been so zu en Liebe schmerzbannen. glisches mtsmann, ener Stalen ließ. Christes nicht möglich, auf gewöhnliche Art eine Tanne vom Gelände der BMW. ins Lager zu transportieren. Wir durchschnitten also das Bäumchen an den Astquirlen und banden uns die einzelnen Teile unter dem Mantel um den Leib. Im Lager setzten wir es dann mit Hilfe von Metallmanschetten wieder zusammen. Einer unserer Kameraden, der als Elektriker im Werk beschäftigt war, besorgte kleine Glühlämpchen und ich selber tat im bescheidensten Maße das Meinige dazu, indem ich aus Draht und weißem Zeichenpapier Kerzen und Sterne herstellte: unser Tannenbaum war fertig. Wir hatten uns einen Vorrat an Brennmaterial geschaffen, so daß wir wenigstens die Feiertage über in einer warmen Stube sitzen konnten. Auch der Wettergott hatte sich besonnen und ließ nach stürmischen und regnerischen Tagen die Erde frieren und den Schnee herabrieseln. Leider fehlten uns die anderen üblichen Attribute eines Weihnachtsfestes, gutes Essen und schöne Musik, dennoch war die Stimmung nicht übel und als ich merkte, daß eine Trübung eintreten wollte, als die Unterhaltung einzuschlafen drohte und einer nach dem andern mit seinen Gedanken in die Heimat wanderte, als ich hier und da eine verstohlene Träne im Auge blitzen sah, hielt ich meinen Kameraden eine kurze Weihnachtsansprache, in der ich ihnen klarmachte, daß wir allen Grund hätten, froh und hoffnungsvoll zu sein, denn die Zeit unserer Qual und Schmach neige sich dem Ende zu. Die Mehrzahl ging mit. Einer aber, von dem ich es am wenig175 sten erwartet habe, schlich sich hinaus und kam nicht wieder. Er hatte seinem Leben ein Ziel gesetzt. Es war der Letzte, der der Hoffnungslosigkeit unserer Lage durch den Freitod entfloh... Immer öfter folgten die Arbeitspausen aufeinander, welche die BMW. wegen Bombenschadens und Materialmangels einlegen mußte. Wir saßen manchmal eine ganze Woche lang ohne Beschäftigung in den Baracken und spürten den Hunger mehr denn je, weil uns einmal der Mangel an Ablenkung genügend Zeit ließ, an die Magenfrage zu denken, darüber hinaus aber auch die Möglichkeiten immer geringer wurden, im Werk etwas Eẞbares zu organisieren. Die Unzufriedenheit wuchs, die gereizte Stimmung stieg oft ins Untragbare. Da mußte unter allen Umständen Abhilfe geschaffen werden und wir erblickten den besten Weg darin, daß wir die Kameraden durch irgendeine Beschäftigung von ihren trüben Gedanken ablenkten. Natürlich konnte ihnen allen keine schwerere körperliche Arbeit mehr zugemutet werden, denn sie waren schon allzusehr Schemen des Hungers, denen jede Bewegung schwer fiel. Aber wir hielten täglich Lausappelle ab, kochten Wäsche, desinfizierten die Baracke, gingen auf Wanzenjagd und was weiter so harmlose Vergnügen sind, die keine Körperanstrengung erfordern. Und mancher, dem die Zeit gar zu lang wurde und dessen Magen infolge irgendwelcher guten Beziehungen noch nicht in den allgemeinen Schrumpfungsprozeß hineingeraten war, kam auf dumme Gedanken und fuhr ins Hauptlager nach Dachau ins 176 - Bordell. lich so: d in Dachau ein Häftli Gefangene unter meh nen der g wurden. unmoralis strich, ind Bordells d der Homo damit doc nie habe i ren sehen Die Ge Mädchen, hört nich pitel der gelockt, damit der sich die einzige w der Körp lieferte dem Kre Nach d Lagerins schen, be meraden mittlung 12 am nicht setzt. Es unserer einander, und Maanchmal g in den denn je, enügend Fiber hingeringer nisieren. timmung len Umerblickmeraden ben Geen allen gemutet men des 1. Aber Wäsche, zenjagd ind, die arde und eziehunpfungsGedan- ins - Bordell. Ja, es war merkwürdig, aber es war wirklich so: die SS fungierte als Zuhälter. Man hatte in Dachau wie auch in anderen großen Lagern ein Häftlingsbordell eingerichtet, in dem weibliche Gefangene aus dem Konzentrationslager Ravensbrück unter mehr oder minder großem Zwang zu Dienerinnen der gesetzlich sanktionierten Unzucht erniedrigt wurden. Nach außen hin bekam natürlich auch diese unmoralische Angelegenheit ihren moralischen Anstrich, indem man vorgab, durch die Einrichtung des Bordells der sich ständig weiter ausbreitenden Seuche der Homosexualität zu begegnen. Aber man steuerte damit doch nur am Kern des Problems vorbei, denn nie habe ich einen Homosexuellen nach Dachau fahren sehen. Die Geschichte dieser unglücklichen Frauen und Mädchen, die so für ihr Leben verdorben wurden, ge-. hört nicht hierher. Sie bildet ein interessantes Kapitel der Sittenforschung. Durch das Versprechen gelockt, nach drei Monaten entlassen zu werden und damit dem Hunger und dem Tode zu entrinnen, hat sich die Mehrzahl dazu hergegeben. Aber nicht eine einzige wurde entlassen. Hatte sie ausgedient, war der Körper ausgemergelt und zerstört, dann überlieferte man die Unglückliche der Giftspritze und dem Krematorium. Nach dem Weihnachtsfest brach für einen Teil der Lagerinsassen eine bessere Zeit an. Die französischen, belgischen, holländischen und polnischen Kameraden erhielten aus ihrem Vaterlande durch Vermittlung des Internationalen Roten Kreuzes Pakete 12 177 mit Lebensmitteln und Kleidungsstücken. Selbstverständlich konnten diese Leute, die viel seltener als deutsche Häftlinge die Möglichkeit hatten, sich etwas Genießbares zu verschaffen, nun nicht den gesamten Inhalt verteilen, die Zahl der hungrigen Anwärter wäre sowieso zu groß gewesen. Aber zu ihrer Ehre muß gesagt werden, daß sie viel an uns taten. Mancher Kamerad, der schon auf dem Aussterbeetat stand, hat es ihrer Unterstützung zu verdanken, wenn er wieder etwas auf die Beine kam und so das Ende des Konzentrationslagers erlebte. Der Vorteil bei diesen Paketsendungen lag vor allem darin, daß sie auf der Poststelle nicht geöffnet werden durften und so der gesamte Inhalt in die Hände der Empfänger kam, während alle anderen Pakete von der SS aufgerissen und zum Teil ausgeplündert wurden. Ich weiß zahllose Fälle von Natzweiler und Dachau- Allach, wo die Häftlinge von ihren 5 Kilo schweren Paketen kaum ein Kilo erhielten. Und davon war oft vieles ungenießbar geworden, weil die SS- Männer nicht davor zurückschreckten, das mitgesandte Salz in die Marmelade zu streuen und den Tabak mit den zerschnittenen Küchenresten zu vermengen. Vieler meiner Kameraden haben ihre Angehörigen gebeten, keine weiteren Pakete zu senden, denn der Zorn über die Gemeinheit der SS war größer als die Freude an den Dingen, die sich sorgende Herzen doch am Munde abgespart hatten. Dazu kam noch, daß manches Paket infolge der Luftangriffe und der damit zusammenhängenden. Bahnsperren seinen Empfänger nie erreichte. 178 Die g Freuden oder ei zeugt, w russisch nales R mehr z stand wa herab ge zunehme auszuso Dachau werden ein gro Kremato bei uns wiederg auf die mir übe Die Jeden T am Rev zur Ein ungestö flogen ten Tag nahmen Augens Der Hu Opfer seine B 12* selbstver- tener als ‚ Sich et- t den ge- gen An- T zu ihrer ins taten. ussterbe- ar= erdanken, 1 und so 10 vor al- geöffnet It in die anderen il ausge- von Natz- nge von lo erhiel- Ir GEWOr- kschreck- lade zu 'enen Kü- eraden teren Pa- emeinheit ı Dingen, abgespart et infolge ängenden hte. | | | Die große Masse blieb also von diesen kleinen Freuden, die ein Stückchen Kuchen, eine Ölsardine oder ein Würfelchen gepreßter Fruchtextrakt er- zeugt, wie immer ausgeschlossen. Vor allem unsere russischen Kameraden, um die sich kein‘ Internatio- nales Rotes Kreuz kümmerte, fielen von Tag zu Tag mehr zusammen. Der allgemeine Gesundheitszu- stand war schon so schlecht, daß man sich von oben herab gezwungen sah, ärztliche Untersuchungen vor- zunehmen und die absolut nicht mehr Arbeitsfähigen auszusortieren. Sie sollten ins Hauptlager nach Dachau auf sogenannte Invalidenblocks gebracht werden— ich bin aber fest davon überzeugt, daß ein großer Teil von ihnen über die Gaskammer ins Krematorium gewandert ist. Jedenfalls habe ich bei unserem Auszug am 2.April keinen von ihnen wiedergesehen, obwohl man doch rücksichtslos alles auf die Straße getrieben hatte, und niemand konnte mir über ihren Verbleib eine Auskunft geben. Die Sterblichkeitskurve im Lager stieg steil an. Jeden Tag lag eine lange Reihe entkleideter Toter am Revier und wartete auf die Lastwagen, die sie zur Einäscherung nach Dachau bringen sollten. Und ungestört von der nahe dabei stehenden Flak um- logen in kaum fünfzig Meter Höhe am hellen lich- ten Tage die amerikanischen Tiefflieger das Lager, nahmen die ständig wachsenden Totenreihen in Augenschein und haben sie wohl auch fotografiert. Der Hungertod ging durch das Lager und holte sich Opfer um Opfer und wir waren zu machtlos, ihm seine Beute abjagen zu können. 12* 179 Es ging zu Ende... - Welch ein Hohn geradezu, als im März der Block 18 plötzlich geräumt wurde und eines Tages Kinovorstellungen stattfanden. Wir blickten uns zunächst ungläubig an, obwohl wir wußten, daß in größeren Lagern seit langem regelmäßig Kinovorstellungen gegeben wurden. Aber jetzt? Nun, wir nahmen die Sache so wie sie war: vor dem Draht bekam man es auf einmal mit der Angst zu tun und suchte nun die immer grimmiger werdende Stimmung der Häftlinge aufzupulvern. Wir gingen also ins Kino; die Filme, die man uns zeigte, waren nicht schlecht, boten eine Unterhaltung und vor allem einen Gesprächsstoff. Und nichts war im Augenblick notwendiger für die Masse unserer Kameraden als eine Ablenkung von den Gedanken an das uns drohende Schicksal des Hungertodes. Aus dem gleichen Grunde organisierten wir auch Konzerte einer bald zusammengestellten Lagerkapelle, die zwar keinen Anspruch auf künstlerisches Niveau erheben konnten, aber doch mithalfen, den Lebenswillen aufrecht zu halten. Höher und höher stieg die Sonne über den Horizont. Schon war es möglich, ihre steigende Wärme zu einem Sonnenbade auszuru zen und dabei das Hemd einer genauen Durchsicht auf Kleinsttiere zu unterziehen. Der Schnee schmolz weg und das junge Gras sproẞ grün und saftig auf den Rabatten. Und dann bot sich eines Tages ein Anblick, so lächerlich und doch so grauenvoll, daß manchem von uns das Herz stehen blieb: auf dem jungen Rasen lagen 180 unsere H aßen de wenn sie Soweit Es wa zugehen als woll bißchen ihnen ei Löwenza Spinat Krankhe richtet v fruchtba nachahm auch üb leitete, Doch noch an entschie gleich i gehörte Kamera Postpal stens n Die Sa Banden die We die Üb ziehen. organis tz der ages— uns zu- daß in vorstel- un, wir ı Draht tun und Immung also ins n nicht meinen ick not- als eine rohende rleichen ver bald r keinen konnten, recht ZU 'n Hori- Wärme as Hemd u unter- ;s junge efl. Und icherlich uns das Jagen P- unsere halbverhungerten russischen Kameraden und aßen den frischen Löwenzahn, die Schafgarbe und wenn sie sich ganz unbeobachtet fühlten— das Gras! Soweit waren wir also. Es war schwer, mit Vernunftgründen dagegen an- zugehen, wir begegneten nur vorwurfsvollen Blicken, als wollten sie sagen: gönnt auch ihr uns nun das bißchen Gras nicht mehr? Und wieder zeigten wir ihnen einen Weg aus dem Dilemma, indem wir selbst Löwenzahn und Schafgarbe pflückten und daraus Spinat kochten. So konnten doch wenigstens keine Krankheiten entstehen und nicht viel Schäden ange- richtet werden. Bei manchen fiel diese Anregung auf fruchtbaren Boden, speziell der Russe ist ja sehr nachahmungsbedürftig. Aber eine große Zahl blieb auch übrig, die der ewig knurrende Magen dazu ver- leitete, bei der Rohkost zu bleiben... Doch der ewig quälende Hunger zeitigte leider noch andere Erscheinungen, die gefährlich und ganz entschieden auch verdammenswert waren, wenn- gleich ihr Urgrund schon verständlich blieb. Dazu gehörten vor allem die abendlichen Überfälle auf die Kameraden, welche eben glückliche Besitzer eines Postpaketes geworden waren und zum Schluß höch- stens noch einen leeren Karton in der Hand hielten. Die Sache war regelrecht organisiert, es hatten sich Banden gebildet, die einen Überfall so geschickt in die Wege leiteten, daß es nur sehr selten gelang, “ die Übeltäter zu stellen und zur Rechenschaft zu ziehen. Ebenso verwerflich waren die gleichfalls organisierten Überfälle auf die Lastwagen, welche 181 - - das Brot aus Dachau brachten. Wir bekamen ja an sich nur ganz wenig zugeteilt 8 bis 10 Mann ein Brot von 1200 Gramm und das geraubte Gut mußte die Brotstelle der Allgemeinheit wieder abziehen, weil für sie gar keine andere Möglichkeit bestand. Was nutzte es nun, wenn man Paketmarder und Brotdiebe am schwarzen Brett an den Pranger stellte, man hätte das Übel bei der Wurzel packen und den Leuten genügend zu essen geben sollen. Aber das war wohl auch nicht mehr möglich. In den letzten Wochen des März und April hatten wir viele Arbeitspausen, es kam kein Material mehr heran. Waren wir dennoch einmal ein paar Tage im Werk, dann saßen wir die meiste Zeit im Luftschutzbunker. Auf dem Werkgelände war eine sogenannte Bunkerhalle erbaut, die mit ihrer 6,80 Meter dicken Stahlbetondecke ziemlichen Schutz bot. Dort waren die meisten kostbaren und nicht mehr zu ersetzenden Maschinen untergebracht, so diente sie einerseits der Erhaltung der Betriebswerte, zum anderen der gesamten Gefolgschaft, auch Häftlingen und Kriegsgefangenen, zum Schutz bei Luftangriffen. Glücklicherweise hat die Bunkerhalle niemals einen Treffer bekommen und wir hatten keine Verluste mehr. Wir schrieben den fünfzehnten April. Seit längerer Zeit wurde ein Transport aus dem KZ. Buchenwald erwartet, statt dessen waren aber Transporte von weiblichen Konzentrationslagerhäftlingen eingetroffen. Wo die Buchenwälder blieben, war unklar. Die Frauen und Mädchen kamen in einem bedauerns182 werten werk un wickelt. pflegt s Quarant Erinner zerlump peinlich telweibe lichen L Da w ihnen g Verbote men, un Sadismu auch vo nun sel ten, ver erleicht durch d Aufleud schönst noch je abgezel und bit Stück B am Ste möglich die Mu Und Lager: nja an Mann ote Gut der ablichkeit ketmarPranpacken sollen. h. hatten al mehr r Tage m Lufteine so80 Metz bot. mehr zu ente sie zum anftlingen tangrifniemals ne Verängerer menwald rte von angetroflar. Die Hauernswerten Zustande an. Die Mehrzahl besaß kein Schuhwerk und hatte sich alte Fetzen um die Füße gewickelt. Müde, erschöpft, ausgehungert und ungepflegt schlichen sie an uns vorüber in unser früheres Quarantänelager, das nun ihre Heimstatt sein sollte. Erinnern wir uns, welch üblen Eindruck einst ein zerlumpter Bettler auf uns machte, um wie vieles peinlicher ist der Anblick eines zerschlissenen Bettelweibes. Wir schämten uns direkt unserer weiblichen Leidensgefährten. Da wir ja nur durch einen Stacheldrahtzaun von ihnen getrennt lebten, war es bald trotz strengen Verbotes möglich, mit ihnen in Verbindung zu kommen, und wir konnten nur wieder feststellen, daß der Sadismus der größenwahnsinnigen SS- Kamarilla auch vor der Frau nicht Halt machte. Obwohl wir nun selbst in recht bedrängten Verhältnissen lebten, versuchten wir dennoch, ihnen ihr Schicksal zu erleichtern. Brot, Tabak und Schuhwerk wanderten durch die Luft ins Frauenlager und manch dankbares Aufleuchten in stumpfgewordenen Augen war der schönste Lohn. Mit Erschütterung erinnere ich mich noch jenes Augenblickes, als eine hübsche, wenn auch abgezehrte Jüdin sich an den Stacheldraht klammerte und bittend rief, wir möchten ihr doch ein kleines Stück Brot für ihre alte Mutter geben, die schon fast am Sterben sei. Aber an diesem Tage war es unmöglich, ihr zu helfen, und am nächsten Tage war die Mutter tot... Und plötzlich eilte es wie ein Lauffeuer durch das Lager: die Buchenwälder kommen! Ich ging mit Pro183 pach ans Tor, um zu sehen, ob nicht vielleicht alte Bekannte darunter seien. Aber selbst wenn das der Fall gewesen wäre, wir hätten niemanden wiedererkennen können. Ich hatte in fünf Jahren viel Not und Elend gesehen, war abgehärtet und abgestumpft gegen alles Grauenhafte, aber was hier meine Augen erblickten, überstieg so das Maß alles menschlichen Vorstellungsvermögens, war dermaßen grauenvoll, daß ich die Stunden dieses Elendsmarsches nie in meinem Leben vergessen werde. Nein, es war gar kein Marsch. Em Ende ihrer Kräfte angelangt, wankten und schwankten sie daher, einzeln, zu zweien oder dreien aneinandergelehnt, Gerippe, deren Knochen mit Pergament überspannt schienen, Schemen des Hungers, gegen welche die Darstellungen einer Käte Kollwitz harmlose Karikaturen waren, Todgeweihte, die kaum noch die Kraft besaßen, Fuß vor Fuß zu setzen. Die Bilder, die uns mit Pinsel und Feder die großen Meister vom Rückzug der napoleonischen Armeen aus dem kälteklirrenden russischen Winter 1812 entworfen haben, verblassen vor der Wucht dieses Erlebens. Und diese armen, an der Grenze des Lebens taumelnden Geschöpfe wurden noch mit Kolbenhieben von ihren Begleitmannschaften angetrieben! Wir waren so empört, daß wir darüber unsere eigene Situation vergaßen und ihnen über den Zaun zuriefen, daß wir sie alle aufhängen würden, sollten wir noch einmal frei werden. Ein Hohngelächter antwortete uns... aber es ist vierzehn Tage später in den Wäldern am Tegernsee im Blut erstickt. 184 Eintau stark, dr zurück u den Lage zu erfass bekannt starben stellt w torium i tigen un chen in Fall, de den Läg Die 7 Zehn wälder Lager. der We man, da nomme Nähe d in die an, und ander, war. Ü Mehrza Friseur Pforter Eintausendfünfhundert Mann war der Transport stark, dreihundert Tote blieben gleich am Bahnhof zurück und vom Rest starben täglich so viele, daß es den Lagerschreibern unmöglich war, sie namentlich zu erfassen. Die genaue Transportziffer ist niemals bekannt geworden, weil täglich hunderte unerkannt starben und weder Name noch Nationalität festge- stellt werden konnten. Nicht einmal das Krema- torium in Dachau vermochte die Arbeit zu bewäl- tigen und es blieb nichts anderes übrig, als die Lei- chen in großen Gruben der Erde zu übergeben; ein Fall, der seit der Einrichtung der Verbrennungen in den Lägern einmalig dastand. Die Tragödie näherte sich ihrem Ende. Der Todesmarsch Zehn Tage nach dem Elendsmarsch der Buchen- wälder schwirrten die tollsten Gerüchte durch das Lager. Einmal hieß es, die Lager seien von der SS der Wehrmacht übergeben, dann wieder erzählte man, das Internationale Rote Kreuz habe sie über- nommen, endlich, das ganze Lager werde wegen der Nähe der amerikanischen Panzerspitzen geräumt und in die Alpen verlegt. Ein eifriges Disputieren hob an, und in wenigen Stunden entstand ein Durchein- ander, daß unser Lager nicht mehr wiederzuerkennen war. Überall standen Gruppen und Grüppchen, die Mehrzahl begann bereits ihre Sachen zu packen, die Friseurstube löste sich auf, das Revier schloß seine Pforten. Aber als der Abend kam, waren wir alle 185 nicht viel klüger als vordem. Nur das Gerücht, daß das Internationale Rote Kreuz seine Hand im Spiele habe, hielt sich hartnäckig. Nach einer schlaflosen Nacht, deren Endlosigkeit übrigens noch durch zwei Fliegeralarme unterbrochen wurde, brachte die zehnte Morgenstunde des kommenden Tages wenigstens Klarheit: Das Rote Kreuz übernahm die Lager, aber alle Deutschen und Russen mußten es sofort verlassen. Eilends wurde nun die geringfügige Habe zusammengeschnürt und dann ging es an ein Abschiednehmen von den ausländischen Kameraden, mit denen wir so lange das bittere Los der Gefangenschaft geteilt hatten. Manche Träne glänzte in den Augen. Doch es wurde Mittag, ehe der ganz klare Befehl erging: Deutsche und Russen stehen um sechzehn Uhr marschbereit auf der Lagerstraße. Es wird zu Fuß marschiert. Möglichst kein Gepäck mitnehmen. Verpflegung für sieben Tage wird beim Abmarsch ausgegeben. Das Ziel unseres Marsches wurde uns offiziell nicht mitgeteilt. Lagerparolen, die ja stets als billige Münze gehandelt wurden, sprachen von Innsbruck. Ich hatte wohl die richtige Ahnung, als ich auf die erste Seite eines Manuskriptheftes, das ich mitnehmen wollte, schrieb, man möchte dieses Heft meiner Tochter schicken, wir seien am 26. April 1945 aus dem Lager geführt und dann irgendwo ermordet worden. Ich sagte mir, daß man uns ja im Lager lassen könne, wenn man nichts Schlechtes mit uns vorhabe. Selbst dann, wenn das Rote Kreuz uns nicht' ver186 pflegt hä stens nich Amerikan sich dan gedacht die baye digen. Streitkrä dert und Leben g Pünkt marschb blauer H rern erla zu nehm von Tief Uhr ver dem er hatte: e und ein saß nic schierte Die S letzten Dorf A Pasing schuhe stummt sen Sch Reichso ,, Lager pflegt hätte, wären wir nicht umgekommen, wenig- stens nicht in den paar Tagen, die bis zur Ankunft der Amerikaner noch verstreichen konnten. Später hat sich dann herausgestellt, daß ich ganz folgerichtig gedacht hatte, denn es bestand die Absicht, uns in die bayerischen Berge zu führen und dort zu erle- digen. Und nur der schnelle Vorstoß der alliierten Streitkräfte hat die Ausführung des Planes verhin- dert und wenigstens noch einem Teil von uns das Leben gerettet. Pünktlich zur befohlenen Stunde standen wir marschbereit. Über uns wölbte sich ein fleckenlos blauer Himmel, der es den amerikanischen Aufklä- rern erlaubte, den ganzen Auszug mühelos zur Notiz zu nehmen. Tatsächlich ist dann unser Marsch täglich von Tieffliegern kontrolliert worden. Gegen sieben Uhr verließ der erste Marschtrupp das Lager, nach- dem er die„Siebentage“-Verpflegung empfangen hatte: eine Scheibe Brot, ein Stückchen Margarine und einen kleinen Würfel Käse. Die Mehrzahl be- saß nichts mehr davon, als sie durch das Tor mar- schierten. Die Schatten des Abends senkten sich, als wir zum letzten Male durch das Werk wanderten und das Dorf Allach passierten. Es war schon dunkel, als wir Pasing erreichten. Eintönig klapperten unsere Holz- schuhe über das Pflaster, die Gespräche waren ver- stummt. Müde schlichen wir dahin, einem ungewis- sen Schicksal entgegen. Man hatte an die meisten Reichsdeutschen weiße Armbinden mit der Aufschrift „Lagerpolizei‘‘ ausgegeben und uns eingeschärft, daß 187 wir eventuelle Fluchtversuche unserer russischen Kameraden zu verhindern hätten. Aber wir kamen uns recht überflüssig vor, denn einmal marschierten bei vierhundert Wachmannschaften an unserer Seite, schwer mit Karabinern, Pistolen, Maschinenpistolen und Handgranaten bewaffnet, zum anderen spähten wir selber nach Fluchtmöglichkeiten aus und hatten kein Interesse daran, die Freiheitssehnsucht unsegar rer Kameraden zu beschränken. An eine offene Meuterei war leider infolge der starken Bewachung im Augenblick nicht zu denken. Vorsichtig begannen wir die Stimmung der Posten zu sondieren, sie war sehr unterschiedlich. Der eine sagte, es sei ihm ganz gleichgültig, ob wir davonliefen oder nicht, er dächte nicht daran, uns die Knochen kaputtzuschießen; der andere wieder lehnte jede Verständigung ab und betonte, daß er seine Pflicht als SS- Mann bis zur letzten Minute erfüllen würde. Nur über eines waren sich alle plötzlich einig: daß es zu Ende gehe. Willi Propach, mein alter Gefährte, marschierte neben mir. Wir waren uns ohne viele Worte klar darüber, daß wir bei jeder passenden Gelegenheit einen Fluchtversuch unternehmen würden. Längst lag Pasing hinter uns, im Osfen färbte sich der Himmel, der, kalte Morgen kroch in uns hoch. Ganz sachte begann es zu regnen und zwischendurch ein bischen zu schneien. Wir trotteten mißmutig und hungrig weiter, dem Süden zu. Ich erwischte einen Oberscharführer, der einmal in Natzweiler für einige Tage mein Kommandoführer gewesen war und zog ihn ins Gespräch. 188 ,, Sagen tiert werd Er lach O, ihr Ich hatte Wäre lassen, od " ihr hättet Er sch ,, Das i wird kein verloren. Amerika sie euch schied z Deutsche ,, Das Propach „ Mit euc danken können ... gäbe falsch eu Quat Irgen nicht fe des Zug ter daru Langs der, häß zu sein schierte rte klar senheit Jimmel, hte be- hen zu weiter, führer, 1 K)M- spräch, „Sagen Sie mir wenigstens, wohin wir transpor- tiert werden,‘ bat ich. Er lachte heiser... „O, ihr kommt in die Alpen in ein schönes Lager.“ Ich hatte sofort das Empfinden, daß er log. „Wäre es nicht besser, ihr hättet uns im Lager ge- lassen, oder— wenn ihr uns schon hinmachen wollt, ihr hättet es gleich im Lager getan?“ Er schwieg eine Weile.’ „Das ist ja alles Unsinn“, sagte er endlich.„Es wird keiner ermordet. Der Krieg ist noch lange nicht verloren. Oder aber— glaubt ihr etwa, wenn die Amerikaner oder die Franzosen euch erwischen, daß sie euch laufen lassen, daß sie überhaupt einen Unter- schied zwischen euch und uns machen? Ihr seid Deutsche und da gibt es keine Gnade.“' „Das glaube ich nicht“, antwortete ich und stieß Propach heftig in die Seite, der laut aufgelacht hatte. „Mit euch— na ja, darüber mögt ihr euch selbst Ge- danken machen. Uns wird niemand etwas tun, dessen können Sie versichert sein. Und wenn es so wäre ... gäbe es einen besseren Beweis dafür, wie grund- falsch eure Politik dem Auslande gegenüber war?“ „Quatsch“, murmelte er und ging weiter nach vorn. Irgendwo fielein Schuß. Man konnte im Augenblick nicht feststellen, ob es an der Spitze oder am Ende des Zuges war. Wir kümmerten uns auch nicht wei- ter darum. Jetzt trug jeder sein eigenes Schicksal. Langsam wanderte der Tag über das Land, ein mü- der, häßlicher Morgen, der mit sich selbst nicht eins zu sein schien. Aber er paßte so recht zur Verdros- 189, senheit unserer Stimmung. Von rückwärts rief jemand: ,, Marschpause!" Es mußte wohl ein Kamerad gewesen sein, denn die Spitze marschierte weiter. Ein Wunsch nur, kein Befehl. Niemand dachte daran, daß wir in unseren schweren Holzschuhen schon längst fußmüde sein mußten. Solange die Posten noch willig neben uns hertrotteten, gab es keinen Aufenthalt. Die Bedürfnisse wurden während des Marschierens verrichtet. Gegen zehn Uhr brach eine schwache Sonne durch den grauen Schleier, der aus Himmel und Erde eine Einheit machte. Meiner Schätzung nach mußten wir bald in Gauting sein. Ich hatte noch ein Stück Brot. Es war hart, aber das war gut, so hatte ich für meine Zähne Beschäftigung. Propach bat mich um einen Bissen. Ich brach es durch und reichte ihm seinen Teil. Was bedeutet doch so ein Stückchen Brot oder eine Zigarette in solcher Lage! Wir marschierten auf einer Waldstraße, links neben uns rauschte die Würm durch ihr steiniges Bett. Kraftwagen mit höheren SS- Führern überholten uns, über und über mit Koffern und Kisten beladen. ,, Die Herren fahren in die Sommerfrische nach Tegernsee", sagte jemand und alle lachten. - „ Ja- die Herren bringen ihr Fell in Sicherheit", meinte neben mir ein Posten. ,, Und was wird aus uns werden?" ,, Mensch!" sagte ich ,,, schmeiß doch die Knarre in den Dreck und geh nach Hause. Wir brauchen euch nicht. Wir wollen auch nach Hause und uns nicht in der Weltgeschichte herumschleppen lassen". 190 Eine Ke blickte bes ,, Keine nichts. Die Ja- i schön wär wie wir b Gefangene Er stöh ,, Mensc an den H meiner Fa mit, ob i Tages sch Wand!" Die Spi Brücke ü von Dach Offiziere bogen ein Stück be führt. Marsch Es war kühl und das jung Einige sa Feuer. A seren La gorische Eine Kette Jabos zog über uns dahin. Der Posten blickte besorgt in den Himmel. „Keine Angst‘, tröstete ich ihn.„Die tun uns nichts. Die wollen nur wissen, wo wir stecken“, „Ja— ich glaube es auch. Die Knarre wegwerfen... schön wär das schon. Aber ihr habt ja keine Ahnung, wie wir bespitzelt werden. Wir sind doch genau so Gefangene wie ihr“. Er stöhnte auf. „Mensch—“ fuhr er fort,„wenn du wüßtest! Bis an den Hals steht mir die Geschichte. Ich will zu meiner Familie, ich habe Kinder... und hier muß ich mit, ob ich will oder nicht... und eines schönen Tages schnappen uns die Amys und stellen uns an die Wand!“ Die Spitze hielt, wir schlossen auf. Vorn, an einer Brücke über die Würm sah ich den Kommandanten von Dachau in erregter Unterhaltung mit einigen SS- Offizieren. Schließlich fuhr der Wagen seitab. Wir bogen ein, überquerten das Flüßchen und wurden ein Stück bergwärts in einen leichten Buchenwald ge- führt. Marschpause. _ Es war gegen Mittag, aber die Luft war noch recht kühl und wir dankten jedem Sonnenstrahl, der durch das junge Laub der hochstämmigen Buchen fiel. Einige sammelten sofort trockenes Holz und machten Feuer. Als jedoch wieder einige Jaboketten über un- seren Lagerplatz zogen, erscholl sogleich der kathe- gorische Befehl„Feuer aus!“ Da raffte ich feuchtes 191 Laub zusammen, baute mir ein Lager und schlief bald den Schlaf des Gerechten. Einige Stunden mochten verstrichen sein, als ich durch Schüsse und Schreie geweckt wurde. ,, Karl ist getürmt!" sagte mein Nachbar. Karl war der Werkselektriker, der uns Weihnachten die Glühbirnen für den Tannenbaum verschafft hatte. Ich habe ihn nicht wiedergesehen und weiß nicht, ob ihm die Flucht gelungen oder ob er erschossen worden ist. In meinem Gepäck fand ich noch ein Paket Pfefferminztee, den ich mir einmal organisiert hatte. Ich nahm meinen Eẞnapf, ging zum Kommandoführer und bat um die Erlaubnis, mir aus dem Fluß Wasser holen zu dürfen. Allerdings lag der Fluß außerhalb der Postenkette. Der Kommandoführer maß mich von> Kopf bis Fuß, dann nickte er stumm. Ich lief den Berghang hinab und rief dem nächststehenden Posten zu, daß ich mit Erlaubnis etwas Wasser holen wolle. Aber im letzten Augenblick gewahrte ich, daß drei oder vier andere ihre Karabiner entsicherten. Da machte ich kehrt und stieg wieder den Wald hinauf, ich wollte mir doch nicht in der letzten Minute noch eine Kugel holen... Wenig später erscholl dann der Ruf: ,, Die Dachauer kommen!" Und tatsächlich sahen wir hinter dem Ufergebüsch die graue Schlange der Kolonnen sich langsam heranschieben, und kurz darauf wimmelte der Berghang von Zebras, als wäre er nur ein großer Ameisenhaufen, den eine störende Hand in Unruhe versetzt hatte. 192 Doch war es nicht möglich, mit den Dachauern in Verbindung einem Gru Postenkett ten wir aus denen wir gemeinsam Am spa Marschkol schierten sturmmänn uns mit Sc stohlen, di An einem an die Pos Schale dav des vergan ken. Ein darüber, Rechte ha auf eine S tempo wu Stunde zu katholisch Gesichtern ten und ha Marschier ,, Wir k " den bald Da löst „ 0- mutig. Di 13 lief bald , als ich Karl war die GlühIch habe ihm die rden ist. t Pfefferatte. Ich doführer Wasser ußerhalb mich von lief den n Posten en wolle. daß drei erten. Da Id hinauf, mute noch Dachauer mter dem nen sich wimmelte in großer Unruhe mauern in Verbindung zu kommen, man hielt uns aus irgendeinem Grunde streng getrennt und hatte eine starke Postenkette zwischen uns geschoben. Immerhin konnten wir aus der Ferne einige Bekannte begrüßen, mit denen wir einst in Sachsenhausen oder Natzweiler gemeinsames Leid getragen hatten. Am späten Nachmittag hieß es dann wieder: Marschkolonnen formieren. Im Abenddämmern marschierten wir durch Starnberg. Die ersten Volkssturmmänner begegneten uns. Die einen bedachten uns mit Schimpfworten, die anderen grüßten uns verstohlen, die Haltung war also auch hier uneinheitlich. An einem Landhause verteilten die Bewohner Wasser an die Posten. Natürlich versuchte ich ebenfalls eine Schale davon zu erhalten, denn seit dem Nachmittage des vergangenen Tages hatte ich nichts mehr getrunken. Ein Kolbenhieb ins Kreuz belehrte mich aber darüber, daß Häftlinge auch jetzt noch keinerlei Rechte hatten und keinesfalls mit anderen Lebewesen auf eine Stufe gestellt werden durften. Das Marschtempo wurde schärfer und unsere Kräfte sanken von Stunde zu Stunde. Am Tor eines Lazaretts standen katholische Schwestern, die mit schreckensbleichen Gesichtern auf unseren Elendszug blickten. Sie winkten und haben, wie ich später erfuhr, den hinter uns Marschierenden auch Butterbrote zugeworfen. دو Wir kommen bald wieder! Alle Ihre Betten werden bald belegt sein!" rief ich ihnen zu. Da löste sich ihre Erstarrung. „ O - kommt nur, kommt, nur!" antworteten sie mutig. Die letzten Häuser lagen hinter uns, als wieder 13 193 eine Reihe von Schüssen fiel. Ich wendete mich, konnte aber nicht feststellen, was los war. Dabei entdeckte mich der Rapportführer, der mir in Allach die Fotos zurückgegeben hatte. دو دو ,, Gehen Sie ans Ende unserer Marschkolonne und passen Sie auf, daß keiner zurückbleibt", sagte er. Wer nachhängt, wird erschossen. Ich kann es nicht ändern." Ich kramte meine Lagerpolizei- Binde wieder aus der Tasche, streifte sie über und ließ den Zug passieren. Natürlich traf ich am Schluß Kameraden, denen die Kräfte zu versagen drohten. Irgendwie mußte ich sie dem grausamen Schicksal entreißen, hier an offener Straße über den Haufen geschossen zu werden und dann wie ein verreckter Hund im Straßengraben liegen zu bleiben. Zunächst einmal redete ich ihnen gut zu und stellte ihnen ihr Los vor Augen. Obwohl es Russen waren, verstanden sie mich recht gut und für die nächste Viertelstunde nahmen sie alle Kraft zusammen, schlossen auf und blieben bei der Kolonne. Bald aber verließ sie wieder alle Energie und jener Nitschewo- Zustand, der besonders leicht den Russen überfällt und manchmal das nationale Unglück des ganzen Volkes geworden ist, drohte die Oberhand zu gewinnen. Da wurde ich energisch, faßte sie hart an und wenn sie auch schimpften und räsonnierten vor der Kugel blieben sie doch fürs erste bewahrt. Als ich dann merkte, daß es wirklich nicht mehr ging, holte ich mir aus den letzten Marschreihen ein paar ihrer Kameraden, die sich noch leidlich bei Kräften befanden und ließ sie führen. Leider aber war deren Kameradschaft nicht von langer 194 - Dauer, d Posten v holen, H Schicksa wo am Wunde sickerte Endlo des Star lich bog eine küh seit wir worden. Nachtvo auf. So sal erge dern. D in der I konnte scheide den Pis Dasein Im M Trotz a hinschle Ende il fiel nas Schuhe Der Au mochte wenige 13* Dauer, denn als ich einmal für einige Minuten meinen Posten verließ, um mir von Propach eine Zigarette zu holen, hatten sie die Erschöpften einfach ihrem Schicksal überlassen. Ich fand sie nicht mehr. Irgend- wo am Straßenrande lagen sie mit einer kleinen Wunde am Hinterkopf, aus der langsam das Blut sickerte... Endlos dehnte sich die Straße, die an der Ostseite des Starnberger Sees nach dem Süden führte. Schließ- lich bogen wir nach Südosten ab. Längst war wieder eine kühle feuchte Nacht hereingebrochen, die zweite seit wir das Lager verließen. Wir waren stumm ge- worden. Selten nur noch flackerte wie ein müder Nachtvogel eine kurze Unterhaltung in den Reihen auf. So trotteten wir dahin, stumpf in unser Schick- sal ergeben, zu schwach und zu machtlos, es zu än- dern. Dann und wann fielen Schüsse, die vielleicht in der Dunkelheit nicht alle ihr Ziel erreichten. Man konnte genau zwischen den Gewehrschüssen unter- scheiden, die man den Flüchtenden nachschickte und den Pistolenschüssen, mit denen man das armselige Dasein der Erschöpften beendete. Im Morgengrauen passierten wir Wolfratshausen. Trotz aller Antreiberei war aus dem Marsch ein Da- hinschleichen geworden, die Mehrzahl befand sich am Ende ihrer Kräfte. Es regnete wieder, zwischendurch fiel nasser Schnee, der sich an die Holzsohlen unserer Schuhe klebte und das Gehen noch mehr erschwerte., Der Augenblick der Katastrophe rückte näher. Das mochte man auch bei der Führung erkennen, denn wenige Kilometer hinter Wolfratshausen wurde ganz 13* 195 plötzlich eine Marschpause befohlen. Wir wurden in einen verlassenen Steinbruch gedrängt, der allerdings bald einer riesigen Kloake glich. Da niemand die Postenkette verlassen durfte, um seine Notdurft zu verrichten, hockte sich jeder dahin, wo er stand und fünf Minuten später gab es nicht ein einziges Fleckchen mehr, wo man sich hätte hinsetzen können. Und dabei hatte der Himmel nun vollends seine Schleusen geöffnet und der Regen drang uns bis auf die Haut. Um einen schmalen Streifen vor der Nässe schützender Dachkante entstand zwischen den Russen ein Streit. Als ich ihn schlichten wollte, hatte ich plötzlich beide Parteien gegen mich, ich gab es also auf. Es war gut, daß wir alsbald unseren Marsch fortsetzen mußten, denn in dem engen Steinbruch, in dem sich eine große Zahl drängte und in dem man bei jedem Schritt in die Kloake trat, gab es nur Auswüchse der Nervosität: Schimpfworte, Flüche, Püffe und sogar Schläge. . Wir marschierten bis gegen Mittag. Jabos folgten unserem Wege und trotz der Schüsse, die so oft fielen, dem Leben der Nachzügler ein Ziel setzend, trotz der Kolbenhiebe, mit denen man uns in Reih und Glied brachte, trotz aller Schimpfereien winkten wir ihnen mit weißen Tüchern zu. Eine Waldstraße nahm uns auf. ,, Das Ganze halt! Biwack! Feuermachen ist erlaubt!" Wir breiteten uns rechts und links der Straße aus, ein wenig Sonne brach durch und erlaubte es uns, auf der noch feuchten Wiese eine Lagerstatt zu suchen. Das Brechen von Ästen klang auf und bald prasselten zwischen den Fichtenstämmen die qualmende wieder gend u Wiese suchte wohl s fand, für die schwa Wiese eine e Fichte doch mert, fuhr z in der weiße meine vorge unger ser t Nach nigte ohne verm grad ausb den als d durf wär 196 IU ı menden Feuer. Erst spät am Nachmittage wachte ich wieder auf, ein quälendes Gefühl in der Magenge- gend und auch der Durst plagte mich. Am Rand der Wiese tropfte eine kümmerliche Quelle. Wieder ver- suchte ich Wasser zum Teekochen zu holen. Aber ob- wohl sich die Quelle innerhalb\der Postenkette be- fand, wurde ich zurückgetrieben. Das Wasser sei nur für die SS bestimmt. Die Nacht legte bedächtig ihren schwarzen Schleier über die unwirtliche Erde, die Wiese mußte geräumt werden und wir suchten uns eine etwas geschützte Stelle unter einer Gruppe hoher Fichten, wo wir zu schlafen gedachten. Viel wurde je- doch nicht daraus, denn kaum waren wir eingeschlum- mert, als eine wilde Schießerei anhob. Eine Kugel fuhr zischend wenige Zentimeter über meinem Kopf in den Fichtenstamm und riß die Borke auf, daß das . weiße Fleisch des Baumes leuchtete. Ich rutschte mit meinem Schlafkameraden ein wenig tiefer in einen vorgelagerten Graben, aber dort war es sehr naß und ungemütlich. Auf der Grabensohle rieselte das Was- ser talwärts. So verbrachten wir eine unruhvolle Nacht. Wir froren erbärmlich und der Hunger pei- nigte uns. Immer wieder flackerte die Schießerei auf, ohne daß wir den wahren Grund dafür festzustellen vermochten. Wahrscheinlich waren die Posten hoch- gradig nervös und befürchteten einen Massenaus- ausbruch. Nun schossen sie auf jeden Schattenfleck, den das Mondlicht bildete. Jedenfalls waren wir froh, als der Morgen dämmerte, wir wiederFeuer anzünden durften und uns wenigstens äußerlich notdürftig er- wärmehund unserenassenKleider trocknen konnten. 197 Ein grauer Tag verrann. In der Nacht war manches geschehen, was wir nun erfuhren. Ein Jude war erstochen, mehrere erschossen worden und außerdem hatten einige Banditen die Dunkelheit ausgenutzt, ihre Kameraden zu bestehlen. Der Kommandoführer gab daher den Befehl, daß die Russen von allen anderen Häftlingen zu trennen seien. Ihnen wurde das größere Waldstück rechts der Straße mit der Wiese zugeschrieben, wir erhielten den ins Tal abfallenden kleineren Teil. Auf der Straße patroullierten SSPosten, und Deutsche und Russen gründeten eine eigene Ordnungspolizei, die dafür zu sorgen hatte, daẞ niemand die trennende Straße überschritt, um allen Zwischenfällen vorzubeugen. Die Lage war bedauerlicherweise sehr gespannt und der Grund lag nur darin, daß unsere russischen Kameraden die Bitterkeit ihrer Gefühle, die sie gegen manchen deutschen Capo hegten, der sie früher geschlagen und mißhandelt hatte, ohne weitere Kritik einfach auf alle Deutschen übertrugen. Auf diese Weise wurde mein getreuer Michael Ewdokimow, der so lange Zeit im Lager in rührender Anhänglichkeit für mich gesorgt hatte, von mir getrennt und alle Versuche, ihn zur deutschen Seite herüberzuholen, scheiterten. Ich weiß nicht, welches Schicksal er erlitten hat. Die zweite Nacht verlief ruhiger. Aber es war sehr kalt, und da nachts kein Feuer unterhalten werden durfte, um den Jabos keine Möglichkeit zu geben, uns auszumachen, froren wir in unseren nassen Kleidern entsetzlich. Als der Morgen graute, lag ein großer Teil völlig apathisch unter den Tannen, von 198 den An Grabes Erscho dem b ließ. K denn Lagerp wird d fallen Geg schrei Straße mann etwas der R fort n würde die K Weh Köni Aufn abwa und lich Seel D er v spro aller Zwe wen den Anstrengungen des Marsches an den Rand des Grabes gebracht. Sie wurden mit den in dieser Nacht Erschossenen in eine Hütte getragen, wo man sie auf dem blanken feuchten Boden ihrem Schicksal über- ließ. Keiner von ihnen dürfte den Abend erlebt haben, denn wer wirklich am Nachmittage, als wir den Lagerplatz verließen, noch geatmet haben mag, wird den Genickschüssen der SS zum Opfer ge- fallen sein. Gegen Mittag erhob sich plötzlich ein großes Ge- schrei und alles, Deutsche und Russen, lief auf der Straße zusammen, wo von einem Lastauto ein Haupt- mann der Wehrmacht eine Ansprache hielt. Ich kam etwas zu spät dorthin und vernahm nur den Schluß der Rede. Alle mangelhaft Bekleideten sollten so- fort neu eingekleidet werden, Anzüge und Schuhwerk würden herantransportiert. Und im übrigen würden die KZ-Häftlinge von nun an unter den Schutz der Wehrmacht gestellt und sollten in einem Lager bei Königsdorf untergebracht werden, wo alles schon zur Aufnahme bereit sei und wo wir das Ende des Krieges abwarten sollten. Ein ungeheurer Jubel brandete auf, und nun, wo das Leben gesichert schien, waren plötz- lich Deutsche und Russen wieder ein Herz und eine Seele. Der Gedanke war ja auch bestechend schön und da er von einem Angehörigen der Wehrmacht ausge- sprochen wurde, deren SS-feindliche Gesinnung uns allen bekannt war, hegte die Mehrzahl auch keinen Zweifel an seiner Ausführbarkeit. Tatsächlich wurde wenig später ein Lastwagen herangefahren und feld- 199 graues Drillichzeug an alle verteilt, die in Lumpen herumliefen. Gegen fünf Uhr formierten wir die Marschblocks. Aber ehe wir abmarschierten gab es noch einen Zwischenfall, der meine deutschen Kameraden und mich bedenklich stimmte. Die gesamte ausländische Waffen- SS wurde entwaffnet, weil sie angeblich mit den Russen paktiert hätte. Deutsche Polizei, die man auf irgendeine Art schnell herbeigezogen hatte, trat an ihre Stelle. Und diese befleißigte sich uns gegenüber einer Tonart, die jener aus den Jahren 1940 oder 1941 recht verwandt war. Von nun an fielen die Genickschüsse in immer schnellere Reihenfolge und die Kolbenhiebe hagelten nur so auf uns herab. Wir marschierten eine Straße zwischen der Würm und der dort laufenden Bahnlinie entlang. Es gab eine Stockung, die Führer der Marschblocks radelten nach vorn und als sie zurückkamen, hieß es: Alles kehrt! Die Straße ist gesperrt, der Amerikaner ist bereits durchgebrochen! Durch dieses Manöver ging natürlich einige Zeit verloren, und da zum Überfluß noch die fünf Jabos über uns dahinbrausten und die Geschichte inspizierten, bemächtigte sich unserer Wachmannschaften eine gewaltige Erregung. Wir bogen nach rechts ab und überquerten den Fluẞ auf einer Brücke, die über und über mit Sprengstoffkisten beladen war. Die Zündkabel waren fertig gelegt. Man trieb uns gewaltig an. Da aber am jenseitigen Ufer der Weg steil bergan führte und wir die Gepäckkarren nur mit Mühe die schmale, schlüpfrige 200 Schluc um ins hatten spreng geweh ein pa MG.s Nachr komm in die sen bl fach meng Vo nigsd den H gefüh man f An di das H jagte, stere mir. daß Bluth uns liche Wah Mass nicht deni Schlucht hochziehen konnten, geriet der Zug wieder- um ins Stocken. Als wir endlich die Höhe erreicht hatten, vernahmen wir die Detonation der Brücken- sprengung und danach das Rasseln von Maschinen- gewehren. Zunächst glaubten wir, die‘ Jabos hätten ein paar Bomben fallen lassen und würden durch MG.s abgewehrt. Später lief dann von hinten die Nachricht durch die Marschblocks, daß die SS voll- kommen die Nerven verloren und die Brücke voreilig in die Luft gejagt hatte. Ungefähr dreitausend Rus- sen blieben am anderen Ufer zurück. Sie wurden ein- fach mit Maschinengewehren und-pistolen zusam- mengeschossen. Von da an glaubte ich nicht mehr an das Lager Kö- nigsdorf und an irgendeine menschliche Regung in den Herzen der SS-Bestien. Wir wurden in den Tod geführt und es kam nur noch darauf an, welche Stelle man für geeignet hielt, uns den Garaus zu machen. An diesem Abend, an dem ein eiskalter Wind über das Hochland pfiff und nassen Schnee über uns dahin- jagte, wurden wir durch dichtes Gebüsch in eine fin- stere Schlucht hinabgetrieben. Propach hielt sich bei mir. Wir waren in jedem Augenblick gefaßt darauf, daß man jetzt mit Handgranaten ein fürchterliches Blutbad unter uns anrichten würde, und hielten uns bereit, durch einen Sprung in das nächt- liche schwarze Dickicht dem Massaker zu entrinnen. Wahrscheinlich aber hatte die Führung die für einen Massenmord so außerordentlich günstige Situation nicht erkannt und es unterlassen, einen entsprechen- den Befehl zu erteilen. Immerhin wurde genügend 201 geschossen, doch daran waren wir gewöhnt. Das Todesröcheln eines Gemordeten hatte für unsere Ohren schon seit langem seinen Schrecken verloren, waren wir doch zumeist selbst schon so weit, uns einen schnellen Tod herbeizuwünschen. Die Schlucht tönte von einem vielstimmigen Gewirr, aus dem deutlich die hellen Schreckensrufe von Frauen hervorklangen, die offenbar vor uns dorthin getrieben worden waren, denn außer den wenigen Mädchen aus dem Dachauer Lagerbordell führten wir keine Frauen mit. Es war unmöglich, in der Finsternis und im Gewimmel der vieltausend tappenden Figuren einen brauchbaren Lagerplatz zu finden. Die Schluchtsohle war schmal und fast völlig von einem Bach eingenommen und auch sonst gab es kaum einen trockenen Fleck, denn der nasse Schnee war auch durch die Nadelschirme der Fichten gedrungen. Wir legten uns also hin, wo wir einmal standen und schliefen trotz aller Schießerei und trotz der Schreie der Getroffenen bald vor Ermattung ein. Propach reichte mir noch die Hand und sagte: ,, Falls wir uns nicht mehr lebend wiedersehen sollten." In keinem von uns allen glühte noch ein Hoffnungsfunken. Noch im Morgengrauen wurden wir wieder aufgejagt, und da das Sammeln den Wachmannschaften nicht schnell genug ging, begann aufs Neue eine tolle Schießerei, an der die Polizeimannschaften besonders hervorragend beteiligt waren. Unsere Glieder waren vor Kälte und Nässe erstarrt, wir vermochten kaum, den Berghang zu erklimmen. Zahllose blieben im Talkessel tot oder verwundet liegen. Unser letzter 202 Marsc graue gige L reichte waren Auger schred auf da stufen denen sich n Stadt zu To hieb diese hung getrie war schm ten. Schn Es w Grup zusar Na hört war weld die sons Kam Marschtag war angebrochen. Mühselig kroch die graue endlose Schlange der Häftlinge über das ber- gige Land. Immer wieder fielen Schüsse. Endlich er- reichten wir Bad Tölz. Unsere Wachmannschaften waren jetzt so nervös, daß sie nicht einmal unter den Augen der Bürger vor dem kalten Mord zurück- schreckten. Unsere Kameraden fielen völlig erschöpft auf das Pflaster, auf den Bürgersteig, auf die Treppen- stufen vor den Häusern. Und die herzlosen Mörder, denen wir noch immer ausgeliefert waren, scheuten sich nicht, mitten in den Straßen der überaus belebten Stadt ihre Genickschüsse anzubringen oder den armen zu Tode erschöpften Kameraden durch einen Kolben- hieb den Schädel zu zerschmettern... Am Abend dieses Tages, an dem wir große Ausfälle durch Ver- hungerte hatten, wurden wir wieder in ein Waldtal getrieben, in dem der Schnee fußhoch lag. Aber es war wenigstens groß genug, unseren zusammenge- schmolzenen Reihen Raum für ein Nachtlager zu bie- ten. Wir rissen Zweige von den Tannen, fegten den Schnee beiseite und bereiteten uns eine Lagerstätte. Es war kalt und immer noch rieselte der Schnee. In Gruppen zu fünf oder sechs Mann rückten wir eng zusammen, um uns gegenseitig ein wenig zu wärmen. Nach Mitternacht war es sehr still geworden. Man hörte keine Schüsse und keine Flüche mehr. Aber es war so dunkel, daß wir nicht ausmachen konnten, welchen Grund diese plötzliche Stille haben mochte, die mehr an unseren Nerven fraß und zerrte, als die sonst übliche Schießerei. Trotz der Warnung meiner Kameraden erhob ich mich im Morgengrauen, um den 203 Dingen auf den Grund zu gehen. Natürlich mußte ich damit rechnen, zusammengeschossen zu werden, doch ich war so sehr am Ende meiner Kräfte, war durch den beginnenden Paratyphus schon dermaßen mitgenommen, daß ich entweder die Freiheit oder die erlösende Kugel herbeisehnte. Als ich mich umschaute, glaubte ich meinen Augen nicht zu trauen: von einer Postenkette war nichts mehr zu sehen, ein älterer SS- Mann, einer von denen, die man in den letzten Tagen in den Dienst der Waffen- SS gepreßt hatte, trat hinter einer Tanne hervor und winkte, ich möge näherkommen. So einfach war das nun nicht, denn allzuoft wurden so Häftlinge herbeigerufen und dann, fielen sie darauf herein, niedergeschossen. Zunächst blieb ich also einmal stehen und sagte ihm, er solle zuerst sein Schießeisen beiseite tun. Lächelnd lehnte er dann den Karabiner gegen einen Baumstamm und kam auf mich zu. Und nun erhielt ich die schönste Botschaft meines Lebens: fast die gesamte Waffen- SS, unsere Peiniger durch fünf lange harte Jahre, hatte uns gegen Mitternacht verlassen und es vorgezogen, den nachdrängenden Amerikanern das Feld zu räumen. Nur einige alte SS- Männer waren bei uns geblieben und bereit, lieber in amerikanische Gefangenschaft zu gehen, als den aussichtslosen Kampf für ein Regime zu kämpfen, das ihr Verstand und ihr Herz sowieso ablehnte. Alsbald hatten wir alle Kameraden auf die Beine gestellt und nach dem nächsten Dorf in Marsch gesetzt, nach Waakirchen. Gleich am Eingang des Ortes fanden 204 wir ein längst frierend denen konnte Kopf u konnte lagen j komme Plöt scholl Freie, Da Panze sich i Freud grüße rück u habt I Das wir einige große, von den durchziehenden Truppen längst leer geplünderte Scheunen, in denen wir die frierenden und hungernden, völlig kraftlos gewor- denen Gestalten erst einmal notdürftig unterbringen konnten. So hatten alle zunächst ein Dach über dem Kopf und eine Strohschütte, auf die sie sich betten konnten. Die Spannung war auf dem Höhepunkt. Wir lagen ja jetzt zwischen zwei Fronten. Was würde nun kommen? Die Stunden schlichen dahin. Plötzlich, nachmittags gegen halb drei Uhr, er- scholl ein vielstimmiger Jubelschrei, alles stürzte ins Freie,„Sie kommen! Sie kommen!“ Da rollten sie aus dem Wald heraus, Panzer an Panzer und unsere armen kranken Kameraden fielen sich in die Arme und weinten und‘ schluchzten vor Freude. Und dann gab es ein Grüßen und Wieder- grüßen, die Amerikaner winkten und wir winkten zu- rück und riefen ihnen unter Tränen zu:„Habt Dank, habt Dank!“ Das Leben hatte uns wieder, wir waren frei... Auftakt. Berlin- Alexanderplatz. INHALT Seite 7 16 Das Gesicht des Konzentrationslagers Konzentrationslager Sachsenhausen Konzentrationslager Natzweiler Außenkommando Pelters 22 34 59 102 Flucht 121 Der Weg nach Dachau 138 Konzentrationslager Dachau/ Allach 149 Der Todesmarsch 185