GELEITWORT Dieses Büchlein gibt uns ein leuchtendes Bild von den Lübecker Geistlichen, den drei katholischen Kaplänen Prassek, Lange und Müller, sowie dem evangelischen Pastor Stellbrink, die als Zeugen der Wahrheit Christi lebten und wirkten, stritten und litten, und voll Glauben und Starkmut, voll Friede und Freude für die Wahrheit Christi in den Tod gingen. Zwei Stunden in dem Leben der drei Lübecker Kapläne verbinden mich aufs innigste und auf immer mit ihnen. Die eine Stunde war im Dom in Osnabrück, als ich den jungen gottbegeisterten Diakonen die Hände bei der Priesterweihe auflegte und ihnen im Namen des Herrn die Vollmacht erteilen durfte, das heilige Opfer für Lebende und Abgestorbene darzubringen. Mit tiefer Andacht knieten sie vor dem Altare. Nun war der Wunsch und das Sehnen ihrer Jugend erfüllt, nun waren sie Priester nach der Ordnung des Melchisedech auf ewig; denn das Bild des Ewigen Hohen Priesters war ihrer Seele als ein unauslöschliches Merkmal eingeprägt. Sie durften nun sprechen: 7 ,, Ich will hintreten zum Altare Gottes, zu Gott, der meine Jugend erfreut." Das hl. Meßopfer war die übernatürliche Quelle, aus der sie den starken Glaubensmut in einer Zeit des Glaubenskampfes, die Heilandsliebe zu den unsterblichen von Christus erlösten Seelen, den heiligen Eifer in der apostolischen Arbeit im Gottesreich auf Erden schöpften. Was sie bei der Priesterweihe gelobt, haben sie in ihrem Leben gehalten und mit ihrem Tode besiegelt. Sie fürchteten sich nicht vor denen, die wohl den Leib, aber nicht die Seele töten können. Nichts konnte sie trennen von der Liebe und Treue zu Christus, nicht Trübsal und Not, nicht Verfolgung und Tod. Das wurde mir zur sicheren Gewißheit, als ich die drei Lübecker Kapläne bald nach ihrer Verurteilung zum Tode im Gefängnis in Hamburg besuchte. Es war eine ergreifende Stunde für den Bischof, als er jeden seiner drei Geistlichen Söhne in die Arme schloß und ihnen den Friedenskuẞ gab wie bei der Priesterweihe: ,, Der Friede sei mit Dir". Ein heiliger Friede strahlte mir aus ihren Augen entgegen. Friede mit Freude gepaart sprach aus ihren Worten. Christus hatten sie ihr Leben einst geweiht, für Christus hatten sie gewirkt, mit Christus zu sterben, waren sie bereit.„ Wir sind wunschlos glücklich, da wir Christus unserem König unser Leben zum Opfer bringen dürfen". Victimae et victores Christi! Opfer Christi und darum Sieger mit ihm! An ihnen geht in Erfüllung 8 das Wort ( 3,21): ,, W Throne si zu meiner Das ist un jungen P ja das Le neu gesta wallens i Heimat in Darum 11 loren hal wir sie Hieronyn und im und ein Christi sagen k kämpft, nun lieg die mir Tage ve allen, di So wird lichen r der Zwe breitung Osnabri zu Gott, opier war n starken skampfes, a Christus er aposto- schöpften, haben sie Tode be- lenen, die n können. und Treue ht Verfol- als ich die er Verur- mburg be- je für den hen Söhne jedenskuß ‚de sei mit aus ihren art sprach ihr Leben wirkt, mit Wir sind unserem 0 dürfen”. hristi und Erfüllung das Wort des Herrn in der Geheimen Offenbarung (3, 21):„Wer siegt, den lasse ich mit mir auf meinem Throne sitzen, wie auch ich gesiegt habe und mich zu meinem Vater auf den Thron setzen durfte”. Das ist unser Trost über den allzufrühen Tod dieser jungen Priester.„Deinen Gläubigen, Herr, kann ja das Leben nicht geraubt werden, es wird nur neu gestaltet; wenn diese Herberge ihres Erden- wallens in Staub zerfällt, steht ihnen eine ewige Heimat im Himmel bereit”(aus der Totenpräfation). Darum„wollen wir nicht trauern, daß wir sie ver- loren haben, sondern wir wollen uns freuen, daß wir sie gehabt haben und noch haben”(Hl. Hieronymus). Ihre Treue zum Heiland im Leben und im Tode soll uns allen unvergeßlich bleiben und ein Ansporn sein, diesen Zeugen der Wahrheit Christi nachzufolgen, daß auch wir einmal wie sie sagen können:„Ich habe den guten Kampf ge- kämpft, den Lauf vollendet, den Glauben bewahrt, nun liegt mir die Krone der Gerechtigkeit bereit, die mir der Herr als gerechter Richter an jenem Tage verleihen wird, aber nicht nur mir, sondern allen, die auf sein Erscheinen harren”(2. Tim. 4,7). So wird aus dem Opfertod der Lübecker Geist- lichen reicher Segen für viele erblühen. Das sei der Zweck dieses Büchleins, dem ich weiteste Ver- breitung wünsche, Osnabrück, den 10. Oktober 1946 Dr. Wilhelm Berning Bischofvon Osnabrück 9 Leben ward den Martyrern.. daß sie nicht, das Leben liebend, das Leben verleugneten, und, das Leben verleugnend, das Leben verlören. Und so geschah es, daß sie, die für das Leben die Wahrheit nicht verlassen wollten, durch ihr Sterben für die Wahrheit lebten, St. Augustinus in Ps. 118 Am 10.N Geistliche dieser Mär tiefen Eind die schon e Keine Sp kein verk Zügen, so königliche Es waren Prassek, H evangelisc Leben mi Sie sind d 110 die im Fri Schlage kirchliche Widersta vernichte über verä abschrec ZUR EINFÜHRUNG 8 Am 10. November 1943 wurden vier Lübecker Geistliche zur Hinrichtung geführt. Das Sterben dieser Männer machte auf die Umstehenden einen tiefen Eindruck. Sie gingen mit einer stillen Freude, die schon ein Abglanz des Himmels war, in den Tod. Keine Spur von Angst oder Verzweiflung, auch kein verkrampfter Fanatismus sprach aus ihren Zügen, sondern nur ein ruhiger Friede und eine königliche Freiheit. Es waren die drei katholischen Kapläne Johannes Prassek, Hermann Lange, Eduard Müller sowie der evangelisch- lutherische Pastor Stellbrink, die ihr Leben mit einem erhabenen Tode krönten, Sie sind das Opfer der kirchenfeindlichen Gestapo, die im Frühling des Jahres 1942 in Lübeck zu einem Schlage gegen die besonders aktiven Kräfte im kirchlichen Leben ausholte. Es lag ihr daran, den Widerstand gegen die neue Weltanschauung zu vernichten, die Geistlichen der Bevölkerung gegenüber verächtlich zu machen und durch harte Strafen abschreckend zu wirken. Das noch vorhandene 11 kirchliche Vereins- und Gruppenleben sollte end gültig zerstört werden. Zuerst wurde Pastor Stellbrink von der Luther kirche angeblich wegen einiger Predigten, beson ders wegen einer Predigt am Palmsonntag- den Morgen nach dem großen Fliegerangriff auf Lü beck verhaftet. Die ihm nachgewiesene Ver bindung zu katholischen Geistlichen führte an 28. Mai 1942 zur Verhaftung von Kaplan Prassek an der Herz- Jesu- Kirche. Es folgte die Festnahme einer Soldatengruppe, die Prassek leitete. Am 15. Juni 1942 wurde Hermann Lange, Vikar an der gleichen Kirche, festgenommen, der Gruppen männlicher Jugend leitete. Es folgte die Verh af tung eines Stabsfeldwebels am Bezirkskommando, der dort die angeblich staatsfeindlichen Predigten des Bischofs von Münster, Clemens August Kardi nals von Galen, und andere Flugschriften verviel fältigt hatte. Am 22. Juni 1942 wurde dann der Adjunkt Eduard Müller verhaftet und hierauf vom 31. Juli ab nacheinander ein größerer Teil der reli giösen Männergruppe, die Müller geführt hatte, so wie Jugendliche und Soldaten aus Langes Gruppen Allen Verhafteten wurde zu verstehen gegeben daß ein Kirchenaustritt oder ein Zeugnis gegen die Geistlichen zur Freiheit führe, Dieser Versuch zwischen Geistlichen und Laien eine Spaltung her beizuführen, mißlang. Es fand sich kein Judas unter den Festgenommenen. Lieber trugen sie die Last der Gefangenschaft, als daß sie Christus und die Kirche verrieten, 12 Die Namen treue im G A. G. 0. G. M. R. PHE P. H. F. Nach Jahr fanden zu Volksgeric geheim. N wurden z erschütter Frivolität schwerer Am 23. gegen Pra ausgefüllt klagten. gelegt, da Gerichte Der Vor zur Vorb Gerichts pause jed leben sollte end von der Luther Predigten, beson msonntag- den erangriff auf Li hgewiesene Ver ichen führte an Kaplan Prassek te die Festnahme ek leitete. ann Lange, Vikar men, der Gruppen olgte die Verhal Bezirkskommando dlichen Predigte as August Kardi schriften verviel wurde dann der t und hierauf von Berer Teil der reli geführt hatte, soLanges Gruppen erstehen gegeben Zeugnis gegen die Dieser Versuch eine Spaltung her sich kein Judas ber trugen sie die sie Christus und Die Namen derer, die länger wegen ihrer Glaubenstreue im Gefängnis gesessen, sind: A. Ehrtmann G. Bendix O. Grethe G. Heilmann M. Köhler R. Köster P. Kürle H. Lüken F. Mahn B. Nürnberg K. Olbrich H. Pfürtner H. Rohloff G. Schmidt R. Schröder A. Schubert H. Weber W. Wirth. Nach Jahresfrist, am 23., 24. und 25. Juni 1943 fanden zu Lübeck die Verhandlungen vor dem Volksgerichtshof statt. Die Sitzungen waren streng geheim. Nur ganz wenige unbeteiligte Beobachter wurden zugelassen, die aber alle auf das tiefste erschüttert waren über den Leichtsinn und die Frivolität, mit der sich ein höchster Gerichtshof schwerer Justizverbrechen schuldig machte, Am 23. Juni verhandelte man den ganzen Tag gegen Prassek, Lange und Müller. Der Tag war ausgefüllt mit der Vernehmung der drei Angeklagten. Auf Belastungszeugen wurde kein Wert gelegt, da die Geständnisse der Angeklagten dem Gerichte genügten. Der Vormittag des 24. Juni war der Verteidigung zur Vorbereitung ihrer Plädoyers überlassen. Der Gerichtshof benutzte diese kurze Verhandlungspause jedoch, um in den kurzen Vormittagsstunden 13 das gesamte Verfahren gegen Pfarrer Stellbrink abzuwickeln, das mit dem Todesurteil endete. Die Nachmittagsstunden brachten dann denselben Entscheid für Prassek, Lange und Müller. Zwar arbeitete die Verteidigung mit leidenschaftlicher Offenheit und hinreißender Beredsamkeit; sie lief sich auch durch schwere Beleidigungen seitens des Vorsitzenden nicht beirren. Aber sie kämpfte auf verlorenem Posten. Das Urteil stand offenbar schon fest. Der Tod der Angeklagten war längst beschlossene Sache. Die Verhandlung hatte ergeben, daß alles, was den drei Angeklagten zur Last gelegt wurde, nur als heiliger Eifer für die damals im schwersten Abwehrkampf stehende Kirche angesehen werden konnte. Die Urteilsbegründung unterschob den Angeklagten jedoch, daß sie mit ihren Hand lungen bewußt den äußeren Feind hätten begünstigen und die im Kampf stehende deutsche Wehrmacht hätten zersetzen wollen. Andere An geklagte erhielten längere Zuchthaus- bzw. Gefängnisstrafen. Am 25. Juni wurde gegen die beteiligten Jungmänner verhandelt. Noch einmal suchte man sie zu beeinflussen, daß sie sich von den Geistlichen abwendeten. Diese seien ,, Lumpen und Schufte", von denen sie verführt worden seien. Zum Teil wurden sie freigesprochen, zum Teil der Form halber zu( durch die Untersuchungshaft bereits verbüẞten) Gefängnisstrafen verurteilt und sofort auf 14 freien Fuß Für die zu verschiede Sie hatten Herr Bisch Reichsjusti licher Bes einer Beg Besprechu gesuch zu Antwort. harter Ha burg durc freien Fuß gesetzt. Keiner wurde der Kirche untreu, Für die zum Tode Verurteilten wurden von den verschiedensten Seiten Gnadengesuche eingereicht. Sie hatten alle keinen Erfolg. Der Hochwürdigste a Genschaftlich, Herr Bischof von Osnabrück begründete selbst im Sankt) zu Berlin in längerer münd- 5 l licher Besprechung die dringende Notwendigkeit Sie Kampile ai einer Begnadigung und faßte das Ergebnis dieser Besprechung in einem eindringlichen Gnaden- a war nit gesuch zusammen. Er erhielt nicht einmal eine Antwort. Am 10. November 1943, nach Monaten $, was da harter Haft, wurden die vier Verurteilten in Ham- ft wurde, nur dh burg durch das Fallbeil hingerichtet. 15 JOHANNES PRASSEK Die drei Kapläne, die alle im selben Pfarrhause wohnten, waren ein Herz und eine Seele. Aber als Führer galt doch Johannes Prassek. Am 13. August 1911 in Hamburg geboren, wurde er am 13. März 1937 zum Priester geweiht und kam im Jahre 1939 als Kaplan nach Lübeck. Hier war er wegen seiner Hilfsbereitschaft und seiner sonnigen Art bald allgemein beliebt. Überall, wo er auftauchte, erheiterte er mit seinem Witz und seinem Humor die gedrückten Menschen. Sein Bestreben, allen alles zu werden, brachte ihm wohl manche Schwierigkeit ein, aber er ging aufrecht seinen Weg. Es hat Stimmen gegeben, die ihm manchmal Unklugheit vorwarfen. Aber wer vermag die genaue Grenzlinie der Tugenden anzugeben? Die Klugheit ist gewiß eine Tugend, aber wer wüßte nicht, daß übertriebene Klugheit bedenklich in die Nähe der Feigheit rückt und allzu große Vorsicht viel Gutes ungetan läßt. Feig ist Johannes Prassek nicht gewesen. Seine mutige Offenheit und seine witzige Art gewannen ihm die Herzen, zumal der jungen Menschen. Die wenigsten ahnten, eine wie tiefe Innerlichkeit sich hinter seinem Wesen verbarg. Zum Kern seiner Persönlichkeit führen uns die Briefe, die er 16 all, wo er Witz und nen Sein e ihm wohl $ aufrecht n, die ihm r wer ver- den anzu- send, aber ‚gheit be- und allzu Feig ist ne mutige on ihm die Johannes Pras sek h- nerlici im Gefängnis geschrieben hat. Sie zeigen seine innige Verbundenheit mit Gott, lassen aber auch erkennen, daß bisweilen das Opfer der Freiheit und des guten Namens schwer auf ihm lastete. Dazu kamen innere Prüfungen, die der Herr keinem erspart, der nach Vollkommenheit ringt. Es wechselte hoher geistlicher Trost mit dem Gefühl, weit weg von Gott zu sein: 11. Nov. 1942 ,, Dieses Haus, in dem ich jetzt wohne, scheint mir so oftmals ein Haus, in dem immer alles in Fülle und Übermaẞ kommt, wenn es kommt: das Glück wie das Leid, die Freude wie der Schmerz, die Finsternis wie das Licht, ja, selbst Gott scheint sich hier bisweilen in diesen Extremen zu bieten oder zu entziehen: Tage gibt es, die ganz randvoll sind von Ihm, an denen es keinen Gedanken gibt, der nicht mit Ihm geladen ist, von Ihm herkommend oder zu Ihm hingehend, Tage, wo er jeden Augenblick in spürbarster Nähe ist, wo über einem jeden Augenblick wie eine lichte Sonne seine Freude ausgebreitet ist. Und dann auch wieder ganz andere Tage, wo er scheinbar so weit, weit weg von uns ganz andere Wege geht, als wir sie überhaupt gehen können, wo er so unmittelbar uns das zum Bewußtsein bringt, daß er doch immer der ganz andere ist, den wir niemals fassen können, ja, dem wir in solchen Augenblicken, wo wir Ihn glaubten gefaßt zu haben, in Wirklichkeit viel ferner waren, als dann, wenn wir uns weit 2 Schäfer 17 - weg von Ihm glaubten. Und das zeichnet sich dann alles viel tiefer, mit viel, viel mehr spürbaren Ecken und Kanten in das Tagewerk ein, das hier gefordert und geleistet wird, als das draußen jemals der Fall war oder jedenfalls empfunden wurde. Aber auf dem tiefsten Grund der Seele war doch ein stiller Friede. So heißt es in einem Briefe, den er am 1. Dez. 1942 geschrieben hat: 11... - ... Daß sie leicht waren, diese Monate? Nein, das kann ich nicht behaupten- und daß ich mir für die Zukunft nichts anderes wünsche? Auch das kann ich nicht sagen. Aber in all der Zeit war ein tiefer Friede mit Gott und eine Vertrautheit im Umgang mit Ihm in meiner Seele, die über alles Schwere hinweggeholfen." Wie er zu Seelen sprach, die er vom Gefängnis aus leitete, ersehen wir aus folgenden Briefen. Zunächst richtet er seine Worte an eine ringende Seele: licher, aber steht. -Achtzeh sie mir geb Kind Gottes dann werde einmal so f Händen das können wir das Leben ich aus dem das Leben anderer als viel Positiv im unschein gebrauchen zurichten, d Sie möchte blöde gen genug dav und viel m glaube, Sie Sie, ich we fach gezw Marstall- Gefängnis Lübeck, den 13. 12. 42 ,, Seien wir großmütig in unserem Schenken und Geben Gott gegenüber, Gott läßt sich von uns nicht übertreffen. Er ist immer noch viel großmütiger gegen uns. Ich habe Ihnen dieses früher schon gesagt. Damals geschah es vielleicht mehr oder weniger aus einer theoretischen Einsicht heraus. Wenn ich es Ihnen auch heute und von hier aus sage, dann dürfen Sie glauben, daß dahinter ein gutes Stück praktischer Erfahrung, oft schmerz18 Sie aber Leben so übereinstin nicht leich als die me Sie, Ob ic Sie. Was s eichnet sich hr spürbaren ein, das hier außen jemals es in einem ‚hrieben hat: te? Nein, das 8 ich mir für ? Auch das Zeit war ein rtrautheit im ie über alles m Gefängnis nden Briefen, eine ringende veck, den 13.1.2 Schenken und ‚von unS nicht | großmütiger iher schon ge“ ‚t mehr oder sicht heraus: R n hier aus dahinter ein t schmerz‘ licher, aber auch ganz beglückender Erfahrung steht. —„Achtzehn Jahre sind verflossen. Und was haben sie mir gebracht?”— So steht in Ihrem Brief! Kind Gottes, wenn Sie so zu Ihrem Leben stehen, dann werden Sie nach weiteren 18 Jahren wieder einmal so fragen können und mit genau so leeren Händen dastehen! Die Frage ist ganz falsch, die können wir gar nicht so stellen. Nicht: was hat das Leben mir gebracht?— sondern: Was habe ich aus dem Leben gemacht? Es ist in allem, was „das Leben”—(in Wirklichkeit ist das kein anderer als Gott selber),— bringt, so ungeheuer viel Positives darin, das wir, auch wenn es sich im unscheinbarsten Gewand bietet, zum Werkstoff gebrauchen können, um daraus ein Gebäude auf- zurichten, das auch den größten Ansprüchen genügt, Sie möchten mir Mut zusprechen und ich bin nicht blöde genug, um zu behaupten, ich hätte über- genug davon, Im Gegenteil, Sie müssen mir auch und viel mithelfen, daß alles„gut” geht! Aber ich glaube, Sie haben den Mut genau so nötig. Sehen Sie, ich werde, auch wenn ich es nicht wollte, ein- fach gezwungen, den Willen Gottes zu erfüllen. Sie aber sollen von sich aus jetzt freiwillig Ihr Leben so ausformen, daß es mit Gottes Willen übereinstimmt. Ich glaube, Ihre Aufgabe ist da nicht leichter— allerdings auch nicht schwerer— als die meine, Inzwischen bete ich und opfere für Sie. Ob ich noch immer an-Sie alle denke, fragen Sie. Was soll ich denn wohl anderes hier tun? Auch Ä 19 hier bleibt meine Aufgabe die gleiche wie draußen. Aber Sie dürfen, auch wenn ich schweigen werde, immer wissen, daß ich mit meinem Beten und Opfern bei Ihnen bin, so lange ich lebe, sicherlich, und von drüben aus dann vielleicht noch mehr... Sie sind, wenn ich das nebenbei erwähnen darf, in Anbetracht der Mühe, die ich mir mit Ihnen gegeben habe, und vor den kritischen Augen und Reden mancher Menschen, es auch mir schuldig, daß Sie sich vor Gott sehen lassen können. sagen, daß eigentlich wieder so was andere Gewiß mag man uns als teller erhö nicht so sc uns sagen. immer noc über uns u Besserung den 28. Jan. 1943 Seit März 1937 bin ich Priester und habe bis zum 28. Mai 1942 fast jeden Tag am Altar das hl. Opfer gefeiert. Jedesmal zu Anfang habe ich vor den Stufen des Altares mich tief verneigt und Gott und der Gemeinde gegenüber meine Schuld bekannt und mich als Sünder bezeichnet. Nach mir hat dann auch die Gemeinde, in der auch Sie sich oftmals fanden, ihre Schuld bekannt, Ich habe das niemals als eine bloße Zeremonie empfinden können, die man nur so tut ,, als ob". All dieses Tun in dem heiligen Schauspiel da vorne birgt in sich Geist aus der unendlichen Fülle Gottes des Geistes. Und es birgt Kraft in sich, die ins Leben einströmen und dort zur Wirkung kommen will. Wenn ich so selbst mich vor den Menschen als schuldig bekannt habe, soll ich es ihnen, wenn ich ehrlich bin, dann übel nehmen, wenn sie dieses mein Bekenntnis aufgreifen und nun auch ihrerseits 20 sudeln? I Das einzig selber, un Wenn die hätten, w sähe, dan aufzurege aber im keinen G ich allen sieht in Tatsächli Unrecht i tisch gel so ganz müssen Theorie Sie ist j sie ist G wie draußen. weigen werde, Beten und be, sicherlich, moch mehr... wähnen darf, mir mit Ihnen en Augen und mir schuldig, önnen. den 28. Jan. 1943 habe bis zum das hl. Opfer eich vor den und Gott und chuld bekannt Nach mir hat ch Sie sich oftBe Zeremonie tut als ob". spiel da vorne en Fülle Gottes m sich, die ins rkung kommen Menschen als hnen, wenn ich sie dieses mein auch ihrerseits sagen, daß ich es bin? Sind wir nicht recht eigentlich unkonsequent, wenn wir uns immer wieder so bis in das Innerste erschüttern lassen, was andere Menschen an Bösem über uns sagen? Gewiß mag es weh tun; es wäre uns lieber, wenn man uns als Muster und Vorbild auf den Präsentierteller erhöbe. Aber eigentlich sollte es uns gar nicht so schmerzen, ob die Menschen etwas über uns sagen. Vielmehr sollte es uns schmerzen, daß immer noch so viel Berechtigtes an ihrem Reden über uns und daß darum in uns noch so viel der Besserung Bedürftiges ist. Wer kann uns denn besudeln? Die Menschen? Höchstens von außen! Das einzig Wichtige, unser Inneres, verwalten wir selber, und das können wir selber nur besudeln, Wenn die anderen dann zufällig einmal Recht hätten, wenn es wirklich so ,, sudelig" in uns aussähe, dann hätte ich keinen Grund, mich darüber aufzuregen, denn sie sind ja im Recht. Wenn sie aber im Unrecht sind, dann habe ich erst recht keinen Grund, mich zu erregen, wohl aber habe ich allen Grund, mich zu freuen, daß es gut aussieht in mir. Ja? Ich weiß, Theorie und Praxis! Tatsächlich ist ja dieses Kapitel des Ertragens von Unrecht im außerchristlichen Raum nirgends praktisch gelöst, und bei uns kommen nur Koryphäen so ganz restlos dahinter. Aber so ein Weniges müssen doch auch wir immer wieder von der Theorie in unser Leben einzuführen versuchen, Sie ist ja nicht nur grau, diese Theorie, sondern sie ist Geist und Leben dem, der sie sich zu eigen 21 macht. Ist es so unmöglich, so ganz unmöglich, daß auch wir etwas an ihr teilhaben? Und wenn wir wieder auf unser Eigentliches, auf unser Verhältnis zu Ihm sehen wollen: Was sind das für Möglichkeiten, die sich uns da auftun! Ob wir Ihm so gar nichts abzubitten haben? Und ob wir Ihm nicht einen Ersatz für vieles, das wir Ihm nicht wieder gut machen können, dieses unser stilles Dulden und Tragen, schenken wollen! Muẞte Er sich nicht und muß Er nicht noch immer sich so vieles von uns gefallen lassen, was Er doch wahrhaftig nicht verdient hat? Und warten nicht viele Menschen auf uns, die solche Dinge von uns nötig haben? Wie wollen wir ,, volle" und ,, schwere" Jahre aufweisen, wenn wir das, womit wir sie füllen könnten, nicht annehmen? - Sagen wir doch nicht, daß wir es nicht tragen können. Das gerade hat Er ja zum Zeichen seiner Jüngerschaft gemacht, davon hat Er seine Seligpreisungen ausgesagt: ,, Wenn wir nur die lieben, die uns lieben, was ist das dann Besonderes? Tun das nicht auch die Heiden?" In der jungen Kirche damals hatte man was davon verstanden, die Christen damals wurden dadurch zum Schauspiel für die Menschen. Sollten wir heute nicht mehr die Kraft dazu aufbringen? Aber was wissen denn die Menschen davon! Gewiß, Sie haben ihnen nichts Böses getan, und doch reden sie. Ob ich diesen gleichen Menschen wohl etwas Böses getan habe? Und doch reden sie auch über mich. Es hilft uns da gar nichts 22 anderes al empfindsam Ihn noch n dann mögl bin hinter Zuvor hat nachtsfreu Satz von schadet, fi unerfüllte ihrem drei unserer K dem dürfe ist unbedi noch nich der Arbe morgen s handen s in dem Zweifel b zeugung sind. De und es gi mutlos w stellt, de suchen, und dann Wille ist wollen, uns nehr Königsw amöglich, daß Ind wenn wir ser Verhältnis für Möglich I haben? Und eles, das wir 1, dieses unser wollen! Mußte immer sich so Er doch wahr- ten nicht viele ın uns nötig " „schwere vomit wir sie ; nicht tragen 'r seine Selig- ur die lieben, ungen Kirche ‚standen, die ‚m Schauspiel te nicht mehr ‚schen davon! os getan, und hen Menschen „d doch reden da gar nichts anderes als dieses: Wenn unsere Wunden noch empfindsam sind und wir können den Schmerz für Ihn noch nicht in vollem Umfang tragen, daß wir dann möglichst für Schonung selber sorgen. Ich bin hinter meinen dicken Mauern gut geschützt. Zuvor hat mir Ihr froher Brief damals die Weih- nachtsfreude nachgeliefert, denn er brachte in dem Satz von der Einsamkeit, die Ihnen nicht mehr schadet, für mich ein Geschenk, um das ich die unerfüllte Sehnsucht der drei Weihnachtstage mit ihrem dreimaligen schrecklichen Glockenläuten von unserer Kirche gerne hingenommen habe, Trotz- dem dürfen wir uns nicht täuschen. Der gute Wille ist unbedingte Voraussetzung; aber mit ihm ist ja noch nicht alles geschafft. Mut und Freude bei der Arbeit sind recht und gut, aber sie können morgen schon so sehr fehlen, wie sie heute vor- handen sind. Trotzdem wollen wir gehen, wollen in dem Schweren, was sich uns bietet, keine Zweifel bekommen, sondern erst recht unsere Über- zeugung stärken, daß wir auf dem rechten Wege sind, Denn Wege nach oben kosten stets Mühe und es gibt viele tote Punkte zu überwinden. Nicht mutlos werden! Je mehr sich uns in den Weg stellt, desto weniger brauchen wir nach Dingen zu suchen, bei denen wir den Anfang machen sollen, und dann: Eristinallem dabei! Und Sein Wille ist in allem zu finden, wenn wir ihn nur sehen wollen, und dann den Nacken beugen und ihn auf uns nehmen. Und Ihm entgegen und Ihm nach den Königsweg des Kreuzes! Alle, denen Er etwas zu- 23 traut, läßt er diesen Weg gehen. Die anderen, die Unfähigen, die Wertlosen, dürfen die jauchzenden Straßen der Freude und der Freiheit gehen. Seine Gnadenkinder und Seine Lieblinge dürfen mit Ihm gehen in den Ölgarten und unter das Kreuz. Ob wir das immer verstehen? Aber wir wollen wenigstens versuchen, Ihm nicht böse zu sein, wenn Er uns Seine Liebe schenkt. - In dem, was ich Ihnen hier schreibe, habe ich in den 8 Monaten heute sind es genau 8 Monate -244 Tage- meines Hierseins, täglich wohl 10mal versagt. Aber das ist gar nicht das Wichtigste. Wenn wir nur immer wieder den Mut haben, mit all unserem Bruch und all unseren Scherben zu Ihm hinzugehen und immer wieder neu anzufangen. Er hat immer Geduld! Wenn wir nur mit uns selber welche haben, auch dann noch, wenn uns alles immer wieder daneben geht. Und dann noch etwas: Es klingt so dumm, wenn ich als Verbrecher so sage, aber es ist darum doch so: Vergessen wir die Not und die Schmerzen und die Opfer, das Blut und den Tod so vieler Menschen unseres Volkes in den heutigen Tagen nicht! Dagegen dürfen wir mit dem Unsrigen gar nicht antreten. Und alles Große und alles Gute in der Zukunft unseres Volkes ist nicht nur und zuerst in die Hände von Menschen gelegt, sondern ist Gnade! Gnade aber will erbetet und eropfert sein. Sollen wir nicht mit unseren täglichen Dingen diese Gnade erbitten helfen? Ob uns das Bewußtsein, dadurch zu nützen, nicht doch noch wieder froh machen kann? 24 Bildhauer Got nur ganz besc daß wir es vi dem Er mit Bildes, das E beitet hat, e können wir es froh darüber Menschen un Haben Sie k sprüngen ber eine Leistung Am 6. Jan. 19 falles einen deren Wahr Himmel sind nicht fern, s Lebzeiten. ..... Wenn i weil Ihre lie Nachricht he Sie werden erwarten. O habt, gerade Bedrängnis rade darum ders weh t mit dem Ab Christen be ben, und d Bildhauer Gott, schlag zu!? Ach ja: Wir können nur ganz bescheiden um den großen Vorzug bitten, daß wir es vielleicht nach langer Zeit und, nach- dem Er mit hartem Meißel manche Linie jenes Bildes, das Er von uns in sich trägt, herausgear- beitet hat, einmal sagen können. Noch aber können wir es nicht. Sonst wären wir ja jetzt schon froh darüber, wenn Er es zuläßt, daß die Menschen uns wehe tun! Haben Sie keine Bange. Es geht nicht in Riesen- sprüngen bergauf, und wenn es stürmt, ist es schon eine Leistung, die Stellung gehalten zu haben.“ Am 6. Jan. 1943 schreibt er aus Anlaß eines Todes- falles einen Trostbrief, in dem er Worte findet, deren Wahrheit wir nun, da die Blutzeugen im Himmel sind, an uns erfahren: Die Toten sind uns nicht fern, sie helfen uns jetzt mehr als zu ihren Lebzeiten. 6. Januar 1943 22. Wenn ich Ihnen heute schreibe, dann deshalb, weil Ihre liebe Mutter nun tot ist. Ich fand die Nachricht heute in der Zeitung. Sie werden von mir am wenigsten eine Trauerrede erwarten, Gewiß, Sie haben Ihre Mutter lieb ge- habt, gerade deswegen haben Sie sie trotz eigener Bedrängnis bis zur letzten Stunde hin umsorgt, ge- rade darum wird Ihnen jetzt der Abschied beson- ders weh tun, Aber Sie wissen ja auch, daß das mit dem Abschied noch nicht alles ist, Für uns als Christen beginnt das Leben ja erst mit dem Ster- ben, und deshalb liegt für uns über jedes christ- 25 liche Sterben trotz allen Leides zugleich ein ganz tiefer Friede ausgegossen. Gott selber steht da mit der Unendlichkeit und der Fülle Seiner Liebe, um einen Menschen an der Hand zu nehmen und ihm Seinen Frieden zu schenken. Und dann... wenn Sie Ihre Mutter wirklich lieb haben, dann werden Sie ihr den Frieden und das Glück, das sie jetzt bei Gott hat, gönnen und sich damit trösten, daß jetzt alles Leid von ihr genommen ist. Und Sie haben dazu noch einen Menschen bei Gott, der sicher nicht aufhören wird, für Sie zu beten, damit der liebe Gott Ihnen hilft, in all dem, was Sie bedrückt. Das ist ja auch etwas aus unserem herrlichen christlichen Wissen: Unsere Toten sind uns gar nicht fern, nicht im Sein und nicht im Denken, sondern sie sind uns näher, als sie es auf der Erde jemals hätten sein können; und auch ihr Wille und ihre Macht, uns zu schützen und weiterzuhelfen, ist größer als jemals. Daß ich Ihre Mutter mit in mein Beten einschließe, brauche ich Ihnen nicht besonders zu sagen. Ich segne Euch und ich grüße Euch in der Hoffnung auf Christus trotz allem: Euer ,, Langer". Kaplan Prassek war von großer, hagerer Statur, darum schließt er seinen Brief mit den Worten: Euer Langer. Ein Brief üb . ,, So sind d leicht und sch denken und m wo alles so he und Wahrheite zünden, wenn lich ist, daß ke Ihm aufkomme daß er als bana mir einmal jen gleich, mit we Jetzt aber de unterhalte mi menhängen. U finde, darum meines Zimm Es sind Zeite gibt, wenn E will sammeln setzungen. erleben darf, Johannes an und Worte de mit Ihm taus nie mehr ver Sehnsucht u halten bleibt denen man jene unsagba 26 2 ein ganz eit und der n der Hand schenken, rklich lieb n und das a und sich n ihr ge- noch einen noren wird Ihnen hilft, r Statur, Ein Brief über das Wagnis im Glauben! Gefängnis, den 27. Jan. 1943 >.„So sind die Menschen nun einmal: Es ist so leicht und schön, Ihm zu folgen und mit Ihm zu denken und mit Ihm zu sprechen in den Zeiten, wo alles so hell und klar ist. Wenn Seine Worte und Wahrheiten Feuerbrände in unserer Seele ent- zünden, wenn alles so sicher und selbstverständ- lich ist, daß kein anderer Gedanke an Ihn und von Ihm aufkommen kann oder wenigstens nicht, ohne daß er als banal störend empfunden wird. Es schrieb mir einmal jemand so ähnlich: Früher war es mir gleich, mit wem ich umging und mich unterhielt. Jetzt aber denke ich am liebsten Gedanken und unterhalte mich über Dinge, die mit Ihm zusam- menhängen. Und weil ich dazu so wenig Menschen finde, darum gehe ich am liebsten in die Stille meines Zimmers... Es sind Zeiten, wie Gott sie einem jeden von uns gibt, wenn Er uns vorbereiten will und uns Kräfte will sammeln lassen für kommende Auseinander- setzungen.— Es ist so schön, wenn man Zeiten erleben darf, in denen man gleichsam wie ein Johannes an der Brust des Meisters ausruhen darl und Worte der Liebe und des innigsten Verstehens mit Ihm tauschen darf, Zeiten sind das, die man nie mehr vergißt, an die immer eine kleine, große Sehnsucht und ein schmerzendes Wünschen er- halten bleibt, wenn die Zeiten gekommen sind, in denen man nur noch aus der Erinnerung lebt an jene unsagbar strahlende Vergangenheit. Ob wir 27 wohl immer wissen, daß das alles uns von Gott gegeben wurde, damit wir nicht mutlos werden in den Tagen, wo es dunkel geworden ist in unserer Seele, wo Gott schweigt, wo das Empfinden Seiner beseligenden Gegenwart vielleicht einer Gleichgültigkeit oder einem schmerzlich empfundenen Abscheu gewichen ist. Wenn gar nicht mehr die alte Sicherheit da ist, sondern aus den dunklen Untergründen unseres Ich oder, von den Menschen oder Dingen an uns herangetragen, Zweifel aufsteigen wollen an Ihm und Seiner Liebe und Seinen Wahrheiten. Denn daran hängt ja im Kampf mit Ihm und um Ihn alles: Daß wir nur nicht nachlassen, daß wir nur nicht mutlos werden, daß wir uns nur nicht irgendwann einbilden, wir hätten auch nur je ein Recht, zu sagen: Der Kampf scheint nun endgültig verloren zu sein! Das gibt es gar nicht; der Kampf geht nicht verloren ohne mich und ohne meinen Willen. Mag er auch tausendmal verloren scheinen, solange noch mein Wille da ist und auf der Seite Gottes steht, so lange ist nichts, aber auch restlos gar nichts verloren, im Gegenteil, es ist alles gewonnen. Ob ich das weiß und spüre, oder ob ich keine Ahnung davon habe und unsicher bin, das ist ja gleich. Wenn Er es nur weiß. Erst dann ist etwas verloren, wenn ich nicht mehr mitmache und nicht mehr will! Darum gab er uns jene Zeiten der Vorbereitung in Seiner Nähe und in Seiner Liebe, daß ich nun, scheinbar allein gelassen und auf meine eigenen Füße gestellt, nun doch nicht nachlasse und mich zu schwach halte. 28 - - Er bleibt ja dab er hält sich nu empfinden. Vi Seinen großen Zweifel haben weg, auf dem finden. Ist den weg weiß ode und Er weiß i heiten nicht g nicht durchdri halte. Wenn ich nu Erkennen hin trauen. Was bedeuter seien es die w Sie sind nich Ja, aber, ob H heiten finde? - Er ist für Tod gegangen treuen-. Alle, w haften Erke unserem Tun Und alles sch Erkennen, d und falsch. Darum gibt anders! wen s uns von Gott autlos werden in ist in unserer plinden Seiner ıt einer Gleich- & empfundenen * nicht mehr die us den dunklen ı den Menschen Liebe und Seinen a im Kampf mit nur nicht nach- verden, daß wir den, wir hätten er Kampf scheint - Das gibt es gar ren ohne mich auch tausendmal nein Wille da ist lange ist nichts, ren, im Gegen- h das weiß und ung davon habe Wenn Er es nur , wenn ich nicht 11_ Darum gab 4 in Seiner Nähe scheinbar allein ße gestellt, nun u schwach halte, 7.r 1, Zweilel auf-° Er bleibt ja dabei! Er ist ja gar nicht fern von uns, er hält sich nur verborgen, so daß wir Ihn nicht empfinden. Vielleicht hat Er uns sogar eine von Seinen großen Wahrheiten verborgen, läßt uns Zweifel haben daran, und wir sehen keinen Aus- weg, auf dem wir wieder aus dem Zweifel heraus- finden. Ist denn das wichtig, daß ich nur den Aus- weg weiß oder ihn finde? Wenn Er ihn nur weiß, und Er weiß ihn! Dadurch werden ja Seine Wahr- heiten nicht geringer oder gar falsch, daß ic h sie nicht durchdringe, daß ich sie vielleicht für falsch halte. Wenn ich nur den Mut behalte, auch über mein Erkennen hinweg einfach Seinen Worten zu ver- trauen. Was bedeuten mir Menschen und ihr Denken? Und seien es die wertvollsten und klügsten! Sie sind nichts gegen Ihn.— Ja, aber, obEr es denn ist, den ich in diesen Wahr- heiten finde?— —_ Er ist für die Wahrheit Seiner Lehre in den Tod gegangen und nach Ihm noch viele Seiner Ge- treuen—. ‚.. Alle, wenn auch scheinbar noch so zweifel- haften Erkenntnisse, die aber geeignet sind, in unserem Tun uns Gott näher zu bringen, sind gut! Und alles scheinbar noch so gesicherte und richtige Erkennen, das uns von Gott fortführt, ist schlecht und falsch. Darum gibt es kein berechtigtes: Ich kann nicht anders! wenn es sich um Erkenntnisse handelt, die 29 vertraut hat. V Autorität des wenn das Eige Wenn wir doc wird sich dari in praktischer Durchführung mich von Gott fort- schwerste Opfe führen. Das will es heißen, wenn wir beten: ,, Nimm an meine ganze Freiheit, mein Gedächtnis, ten; nur dies meinen Verstand und all meinen Willen," Gott entgegenb In Demut bet' ich dich, verborgne Gottheit, an, ob Denn darin best auch mein schwacher Geist dich nicht entdecken wir ohne Siche kann!- Wenn es keine Geheimnisse mehr gäbe in Gott, wie unsagbar klein wäre Er dann! Kleiner als wir Menschen, die sich selber nicht erkennen. Und wenn es niemals Zweifel geben könnte an Seinen Wahrheiten, was wäre dann Großes an unserem Glauben? Es ist ja so einfach, mich in Abgründe zu stürzen, wenn ich ganz sicher in mir die Überzeugung trage, daß ich unbeschädigt aufgefangen werde, Aber das Gleiche zu tun, wenn nichts mehr aus mir für diese Überzeugung spricht, wenn ich mich ganz einzig auf Sein Wort, von dem mir sogar zweifelhaft geworden ist, ob es stimmt, -in solche Abgründe stürze, das stellt Anforderungen! Von den ,, Abenteuern des Lebens" spricht P. Lippert einmal und nennt dabei auch dieses. Und doch sind das alles nur scheinbare Abenteuer, nur für unser Denken und Empfinden ist der Ausgang unsicher. In Wahrheit ist da unbedingte Sicherheit; denn da ist Gott. ,, Ich weiß, wem ich meinen Glauben geschenkt habe!" sagt der heilige Paulus, als er alle menschlichen Sicherheiten aufgegeben und sich ganz der Führung Gottes im Glauben an Ihn, selbst über das 30 von uns. Gew mal kunterbur wir nichts. Al deln uns davo - Wir könne recht nicht au lassen eine Z wenn Er dan uns wieder f strengen Lieb uns einfach t das einzig Wi Am 21. Febr. Hingabe an .. Man ka Gelegenheit z inhalt des D Wahrheit, da wir als Men immer wieder Ihm überlasse ı von Gott fort- wir beten: nein Gedächtnis, nen Willen,— Gottheit, an, ob nicht entdecken sse mehr gäbe in r dann! Kleiner nicht erkennen, ın, wenn nichts ugung spricht, n Wort, von dem t, ob es stimmt, s stellt Anforde- in Und doch ist der Ausgang ‚herheit; denn da „uben geschenkt . er alle mensch- 4 sich ganz der selbst über das spricht P, Lip- schwerste Opfer des Verstandes hinweg, Ihm an- vertraut hat. Wenn wir es nur immer erst wag- ten; nur dieses erste Quäntchen von Vertrauen Gott entgegenbrächten, dann würde es bald klar. Denn darin besteht ja eigentlich das Vertrauen, daß wir ohne Sicherheit aus Eigenem uns nur auf die Autorität des anderen verlassen und erst recht, wenn das Eigene alles anders sagt. Wenn wir doch diese Großmut aufbrächten; Gott wird sich darin bestimmt nicht übertreffen lassen von uns. Gewiß, daß es in unserem Innern manch- mal kunterbunt durcheinandergeht, dafür können wir nichts, Aber dafür, daß wir in unserem Han- deln uns davon bestimmen lassen,— _ Wir können Seiner Liebe nie entlaufen! Erst recht nicht aus ihr herausfallen. Er kann uns gehen lassen eine Zeitlang, scheinbar unbeachtet. Aber wenn Er dann das Ziel erkannt hat, dann wird Er uns wieder fassen mit Seiner sanften oder auch strengen Liebe, die sich bisweilen auch nicht scheut, uns einfach total zusammenzuschlagen, damit wir das einzig Wichtige, Ihn, nur nicht verlieren.”— Am 21. Febr. 1943 brachte Joh, Prassek seine volle Hingabe an Gott zum Ausdruck: w.. Man kann diese Zeiten als ausgezeichnete Gelegenheit zu Exerzitien benutzen.. Als Haupt- inhalt des Denkens und Betens fungiert da die Wahrheit, daß Gott ja alles weiß und lenkt, daß wir als Menschen nur das eine, uns allerdings immer wieder so Unbegreifliche zu tun haben: Uns Ihm überlassen, bedingungslos, kompromißlos, ohne 31 volles verloren verzichten, ja, alle menschlich- natürlichen Sicherungen und Wenn Wir brauchen und Aber, uns einfach in das große Abenteuer auf der Seite G ,, Gott" fallen lassen, auch, wenn es ungewohnt, auch, wenn es würdelos, auch wenn es Wahnsinn scheint; und alles das mit unerschütterlicher Sicher. heit und kindlich vertrauender Selbstverständlichkeit.." Sein heiliger Stolz und seine christliche Siegeszuversicht sprechen aus folgendem Brief, den er am gleichen Tage geschrieben hat: tuplum accipiet erhalten. Je m dazu versteher hinwegzugehen ganze Fülle u Liebens und S monie, göttlich Erbarmens, Ve Weisheit in all im Weltgesche uns übergehen sein Jünger vo ich bin ein sü Wann, wo un Weile und ma Sein Wollen ... ,, In diesem Falle ist es Größe, anders zu sein als unsere Zeit, ,, unmodern, rückständig, lebensfeindlich, weltflüchtig" und wie die komischen Reklameworte einer verirrten modernen Weltanschauung heute heißen. Wir wissen, daß wir in diesen unseren Ideen, in diesen unseren ,, Dogmen" die Sicherheit und Wohlfahrt der Menschheit beschlossen tragen, wissen, daß in diesen unseren Ideen die Naturgesetze und Gott auf unserer Seite stehen; das gibt uns unsere Sicherheit, das gibt uns auch den Mut, unter Umständen auch einer übermächtigen Gegenwart immer wieder ein Nein entgegenzurufen, selbst wenn wir als Einzelne dann vielleicht von dieser Gegenwart erdrückt würden. Gott, und das allein ist wichtig, hat uns in alledem schon Recht gegeben, die Menschen werden es tun müssen, wenn sie entweder am Tag der Gnade sich gleichfalls unter Ihn beugen, freiwillig, oder, wenn Er am Tag des ,, Zornes sie zu Boden Ihm, der den schleudert und zerschlägt wie der Töpfer sein Ge- die Einsamke - schirr." machen, dann uns für einand Mut haben, es wenn ,, Gott Schweigen." E zu viel von da gebracht werd Schweigen die bat das Opfer 32 3 Schäfer - rungen und Wenn Wir brauchen nie und nimmer zu fürchten, daß uns große Abenteuer auf der Seite Gottes auch nur irgend etwas Wertnes ungewohnt, volles verloren geht. Wir werden auf manches enn es Wahnsinn verzichten, ja, aber, Er selber hat es gesagt: Cenlterlicher Sicher. tuplum accipietis!- um es hundertfach wiederzuelbstverständlich erhalten. Je mehr und je eher wir uns bereitwillig dazu verstehen, auf Ihn ein- und über anderes istliche Siegeszu- hinwegzugehen, desto mehr und eher wird uns die Brief, den er am ganze Fülle und der ganze Reichtum göttlichen Liebens und Sorgens, göttlicher Schönheit, HarBe, anders zu sein monie, göttlicher Wahrheit, göttlichen Schenkens, ckständig, lebens- Erbarmens, Verstehens, göttlicher Allmacht und e die komischen Weisheit in allem und jedem, im Persönlichen wie modernen Weltan- im Weltgeschehen aufgehen. Die Augen werden issen, daß wir in uns übergehen, und wir werden vielleicht auch wie anseren ,, Dogmen" sein Jünger vor Ihm niederknien: Geh' weg von mir, er Menschheit be- ich bin ein sündiger Mensch.- In diesen unseren auf unserer Seite cherheit, das gibt inden auch einer wieder ein Nein 11 Wann, wo und wie? Warte nur noch eine kleine Weile und mache Dich inzwischen daran, Ihn und Sein Wollen ganz kompromißlos Dir zu eigen zu machen, dann wirst Du das auch erleben. Laẞ uns für einander beten, daß es so wird, daß wir den als Einzelne dann Mut haben, es noch eine Zeitlang auf uns zu nehmen, erdrückt würden. wenn Gott uns als Antwort gibt sein größtes atig, hat uns in Schweigen." Es muß noch viel stiller in uns werden, ie Menschen wer- zu viel von da draußen muß noch in uns zur Ruhe weder am Tag der gebracht werden, bis wir in diesem scheinbaren beugen, freiwillig, Schweigen die gewaltige Stimme Gottes hören.". nes sie zu Boden Ihm, der den Umgang mit Menschen so liebte, mag er Töpfer sein Ge- die Einsamkeit schwer geworden sein. Aber er hat das Opfer für andere gebracht: 3 Schäfer 33 denker ,, Das ist einer der großen tragenden und beglücken- Nur ein paar Tro den Gedanken meines jetzigen Daseins, daß ich chen Hostie, dan mit all meinem Alleinsein, mit meiner Einsamkeit, Ich danke Ihnen mit der Unbequemlichkeit im Körperlichen und etwas Seelischen, mit Hunger und Kälte und Schmerz Ich werde Sie be schließlich doch nicht zur Untätigkeit und Sinn- Wenn Sie mir losigkeit im Dienste am Reich Gottes verurteilt Sie dann wieder bin, sondern daß gerade dadurch so viele Kräfte Hostien? Die F frei werden, die Gott dann anderen Menschen gut verschlosser wieder zur Verfügung stellt. Wenn Gott mich als nehmen; denn d sein Werkzeug draußen in der Freiheit gebrauchen will, dann wird er mich holen, und ich bin bereit. Wenn Er aber lieber will, daß ich hier in der Stille und der Abgeschiedenheit leben und wirken soll, dann ist auch das gut." Ein erschütterndes Dokument seiner Not, aber auch seiner eucharistischen Freude ist ein kleiner Zettel, den er auf illegalem Wege hinausgelangen ließ. Bis Anfang Dezember 1942 war ihm der Trost des heiligsten Sakramentes versagt geblieben, nun es ihm möglich, das heilige Opfer in aller Heimlichkeit zu feiern: war ,, Wenn Sie wüßten, wie ich mich gefreut habe! Über die Nahrung, ja, aber erst über Hostien und Wein. Ich habe geheult wie ein kleines Kind vor Freude. Jetzt feiere ich jeden Morgen hier das heilige wie der süße, de Schweigen Leben Sie wohl lassen Sie uns in Ich grüße Sie b Er hat mit se Christus geleb Christi sterber Ob wir uns wie einst vor Das ist auch nur dies: Daß brechen, es in Schon hatte er und sein Geist Vergiß auch I Es geht alles v Opfer, so einfach, wie es selbst in den Katakomben Gott, und d wohl nicht einfacher ging: Ein Salznäpfchen ist der In der Woche Kelch, ein Taschentuch das Korporale. 34 Fürchtet euc s en und beglücken- Nur ein paar Tropfen Wein und ein kleines StückDaseins, daß ich chen Hostie, damit beides für viele Male reicht. einer Einsamkeit, Ich danke Ihnen, daß Sie den Mut hatten, an so Körperlichen und etwas zu denken. lte und Schmerz Ich werde Sie beim heiligen Opfer nicht vergessen. tigkeit und Sinn- Wenn Sie mir nächstens Wäsche bringen, denken Gottes verurteilt Sie dann wieder an so ein Fläschchen und einige h so viele Kräfte Hostien? Die Flasche darf nicht größer sein, aber anderen Menschen gut verschlossen. Und immer ganz frischen Wein enn Gott mich als nehmen; denn dieser saure hält sich nicht so lange reiheit gebrauchen wie der süße, den wir vor dem Kriege hatten. Und und ich bin bereit. Schweigen!!!—... hier in der Stille Leben Sie wohl, vielleicht viele lange Jahre. Aber und wirken soll, lassen Sie uns immer für einander beten und opfern. Ich grüße Sie herzlich Ihr früherer Kaplan." seiner Not, aber Er hat mit seinem Tode gerechnet; wie er für ude ist ein kleiner Christus gelebt hat, so wollte er auch im Dienste ge hinausgelangen Christi sterben: 42 war ihm der Ob wir uns wiedersehen? Frei und glücklich ntes versagt ge- wie einst vor unendlichen Zeiten? Wer weiß? glich, das heilige Das ist auch das Wichtigste nicht. Wichtig ist nur dies: Daß, wo wir auch einmal zusammenFeiern: ch gefreut habe! brechen, es in Seinem Dienste geschieht!" über Hostien und Schon hatte er sich innerlich vom Irdischen gelöst und sein Geist weilte im Himmlischen: Kind vor Freude. Vergiß auch Du nicht: hier das heilige Es geht alles vorbei und dann kommt nur noch in den Katakomben Gott, und das ist unendlich schön." alznäpfchen ist der In der Woche vor Weihnachten schrieb er: rporale. Fürchtet euch nicht: Fünf Tage noch, dann 35 - kommt zu euch Gott unser Herr! So habe ich im Brevier heute gebetet, und das ganz allein, losgelöst von aller irdisch- natürlichen Weihnachtsstimmung, wird mich dieses Jahr ausfüllen, und wird mich so ausfüllen, daß ich ganz restlos glücklich bin." Als er das Todesurteil vernommen hatte, trug er in sein Neues Testament die Worte ein: ,, Der Name des Herrn sei gelobt! Heute wurde ich zum Tode verurteilt." nach freudenarm behrungsreichen er 1937 das Zi Sehnsucht erreic Dienst Gottes u dürfen, An dies Es ist sicher, daß Kaplan Prassek an seinem Todestage Abschiedsbriefe geschrieben hat, die aber niemals ihren Bestimmungsort erreichten. Damit sind uns wertvolle Worte verloren gegangen, die uns gewiß einen Blick hätten tun lassen in eine Heldenseele, die mit Ruhe und Freude dem blutigen Tod entgegensah und alle, welche das Blutgerüst umstanden, mit Bewunderung erfüllte. Zum Charakterbild. die Jemand, der Johannes Prassek recht nahe stand, zeichnet ein treffendes Bild seiner Persönlichkeit: ,, Wenn man über sein Leben und Sterben etwas sagen will, muß man über die Liebe sprechen- seine Liebe seine glühende, opferbereite - ganzen Begeister von dem Feuer ihrer Reinheit u auserwählten K Nicht achtendo lichen Ruf und den einmal als öfterer gutgeme Sicherheit. Wer ihn erlebt auf der Kanze hatte, ihm als weiß von dem machte. Uner Nationalsozialis Polenseelsorge Keiner ging u seine Hilfe su und Liebe folg seines Wirkens Christusliebe und aus dieser herauswachsend stehen seines h - - die Liebe zu seinen Mitmenschen, besonders zu allen Kranken, Schwachen, Unglücklichen und Unterdrückten. Aus engen Großstadtverhältnissen 36 stammend, kos scheinende nicht erspart b der seinem re achtete und s das ganz allein, hen Weihnachts- r ausfüllen, und Anz restlos glück- on 1+ en hatte, trug er orte ein: Heute wurde ssek an seinem hrieben hat, die gsort erreichten, rte verloren ge- Blick hätten tun 2 mit Ruhe und egensah und die standen, mit Be- ld. recht nahe stand, er Persönlichkeit: nd Sterben etwas ‚iebe sprechen— ‚de, opferbereite f herauswachsend schen, besonders cklichen und stammend, So habe ich us ach freudenarmer Kindheit und schweren, ent- behrungsreichen Jugend- und Studienjahren, hatte er 1937 das Ziel seiner heißen Wünsche und Sehnsucht erreicht, als Priester sein Leben in den Dienst Gottes und seiner Mitmenschen stellen zu dürfen, An diese Aufgabe ging er heran mit der fanzen Begeisterung seiner Jugend, durchdrungen von dem Feuer der Gottesliebe, wie sie uns in ihrer Reinheit und Kompromißlosigkeit nur in den auserwählten Kindern Gottes entgegentritt. Nicht achtend der Gefahren, die seinem persön- lichen Ruf und seiner Sicherheit drohten, ging er den einmal als richtig erkannten Weg, trotz öfterer gutgemeinter Warnungen, mit unbeirrbarer Sicherheit. Wer ihn erlebt hat als Priester am Krankenbett, auf der Kanzel, im Beichtstuhl, wer das Glück hatte, ihm als Mensch und Freund nahezustehen, weiß von dem Segen, der seinen Weg fruchtbar machte, Unermüdlich setzte er sich in der vom Nationalsozialismus fast gänzlich verbotenen Polenseelsorge schwersten Gefahren aus. Keiner ging ungetröstet und unbeschenkt, der seine Hilfe suchte. Ein Strom von Dankbarkeit und Liebe folgte ihm schon in der kurzen Zeit ‚seines Wirkens; obgleich ihm auch durch Mißver- stehen seines harmlos fröhlichen, oft sogar burschi- kos scheinenden äußeren Wesens bittere Stunden nicht erspart blieben, die er aber mit Optimismus, der seinem reinen Wollen entsprang, wenig be- achtete und schnell überwand. Er war froh mit 37 den Fröhlichen und er litt mit den Leidenden. des Wandels z Wer ihn näher kannte, konnte es erleben, daß er Tränen vergoß über die Not gequälter und irrender Seelen. Allein von diesem Gesichtspunkt aus kann man sein Handeln, das er mit dem Leben bezahlte, erst richtig verstehen und bewerten, Diesem Mitfühlen und Mitleiden entsprang seine Ablehnung des Nationalsozialismus, dessen teuflischen Charakter, der sich den meisten Menschen erst jetzt in seinem ganzen Umfang offenbart, er damals schon fühlte und erkannte. Er glaubte es mit seinem Gewissen nicht vereinbaren zu können, schweigend nebenherzuleben. Bewußt, und mit ganzer Überzeugung setzte er sein Leben aufs Spiel. Ein tragischer Irrtum, der seinen Leidensweg noch unendlich schwerer machte, war ihm dabei unterlaufen: Er hatte geglaubt, mit dem Einsatz seines Lebens die Andern, die ihm gefolgt waren, decken zu können, dabei aber die Bosheit der Machthaber, in deren Hände er fiel, unterschätzt. Es blieb ihm nichts erspart. Unendliches körperliches und seelisches Leiden brachte ihm die fast eineinhalbjährige Einzelhaft. Durch ein chronisches Magenleiden verstärkt, wurde ihm das Hungern zu unerträglicher körperlicher Qual, während es ihn zutiefst verwundete, daß die von der Gestapo äußerst geschickt verbreiteten Verleumdungen sogar bis in die eigenen Reihen hinein Glauben fanden. Besonders bitter mußte das ihn treffen, dem unbedingte Reinheit 38 ja, Lebensbedü ohne ein Wor bereitschaft. N terung seines diente unerm Priester anver gen und Den Einsamkeit, d stende, aufm noch aus sein Das Todesurt Schlag:„ Der wurde ich zu diesem Tag. freudiger Ber letzten Gang seiner Absc mehrere sch und Bewund Anwalt sein gleichbleiben Nun ist er Tausende de birgt kein G Aber alle di die unendlic setzen mitl Leidensweg er vollendet und Demut d. den Leidenden erleben, daß er ‘er und irrender aus kann man -n bezahlte, erst Diesem Mit- seine Ableh- ssen teuflischen Menschen erst ffenbart, er da- Er glaubte es aren 1 zu können, wußt, und mit in Leben aufs seinen Leidens- achte, war ihm aubt, mit dem die ihm gefolgt ber die Bosheit er fiel, unter- ‚lisches Leiden ‚ige Einzelhaft, jen verstärkt, slicher körper- ist verwundete, geschickt ver- in die eigenen ssonders bitter dingte Reinheit des Wandels zutiefst bejahte sittliche Forderung, ja, Lebensbedürfnis war. Aber auch das trug er ohne ein Wort der Klage mit freudiger Opfer- bereitschaft. Nichts erbat er für sich zur Erleich- Sein Beten und Opfern ihm als terung seines Loses. diente unermüdlich weiter denen, die Priester anvertraut waren, Keinen ließ sein Sor- gen und Denken aus in den langen Zeiten der Einsamkeit, die er durchlebte, und manches trö- stende, aufmunternde und helfende Wort fand noch aus seiner Zelle den Weg in die Welt. Das Todesurteil traf ihn nicht als vernichtender Schlag:„Der Name des Herrn sei gelobt. Heute wurde ich zum Tode verurteilt,” schrieb er an diesem Tag. Fünf Monate später trat er mit freudiger Bereitschaft und lächelnden Auges seinen letzten Gang an, Leider gelangte nicht einer seiner Abschiedsbriefe, nachweislich mehrere schrieb, an seine Adresse, Mit Staunen und Bewunderung erlebte sein nicht katholischer Anwalt seine vom ersten bis zum letzten Tage gleichbleibende seelische Bereitschaft. Nun ist er uns hier ganz entschwunden. Wie Tausende der vor ihm und nach ihm Gemordeten birgt kein Grab seine irdischen Überreste für uns. Aber alle die, denen er Priester und Freund war, die unendlich viel in ihm verloren, die voll Ent- setzen mitleidend, bangend und hilflos seinen Leidensweg miterlebten, sehen ihm jetzt, nachdem er vollendet hat, voller Ehrfurcht, voller Stolz und Demut zugleich nach in die Ewigkeit.” deren er 39 HERMANN LANGE Dem Naturell nach ganz anders geartet war Her- mann Lange, der am 16. April 1912 zu Leer in Ost- friesland geboren wurde und am 17. Dezember 1938 die Priesterweihe erhielt. Von ihm werden nicht so viele lustige Streiche erzählt wie von Johannes Prassek und doch, trotz seines mehr stillen Charakters, verstand er sich gut mit ihm. Vikar Lange war ein beliebter Beichtvater und die Gläubigen sahen ihn gern am Altare, da er so er- baulich die heilige Messe feierte. Gern beschäftigte er sich mit Kunst und Literatur. Dies ersehen wir auch aus einem Brief vom 11. Juli 1943, den er aus dem Hamburger Gefängnis geschrieben hat und in dem er aus dem Gedächtnis F, W. Weber zitiert: .„Ich persönlich bin ganz ruhig und sehe fest dem Kommenden entgegen. Wenn man wirklich die ganze Hingabe an den Willen Gottes vollzogen hat, dann gibt das eine wunderbare Ruhe und das Bewußtsein unbedingter Geborgenheit. Der Drei- zehnlindendichter sagt einmal; „Starke, die sich Treiber dünken, Werden doch nur selbst getrieben, Heergeräte eines Stärkern, Die, gebraucht, verbraucht zerstieben.” 40 GE artet war Herzu Leer in OstDezember 1938 m werden nicht e von Johannes mehr stillen mit ihm. chtvater und die re, da er so erern beschäftigte ies ersehen wir 1943, den er aus eben hat und in Weber zitiert: und sehe fest man wirklich Gottes vollzogen e Ruhe und das heit. Der Dreiinken, rieben, Hermann Lange erstieben." Is es nicht so? Menschen sind doch nur Werkuge in Gottes Hand. Wenn Gott also meinen Tod will,- es geschehe Sein Wille. Für mich ist danm eben das Leben in diesem Jammertal beendet, und es nimmt dasjenige seinen Anfang, von dem der Apostel sagt: ,, Kein Auge hat es gesehen, kein Ohr hat es gehört, in keines Menschen Herz ist es gedrungen, was Gott denen bereitet hat, die Ihn lieb en." Der Tod bedeutet doch Heimkehr! Das, was uns dann geschenkt wird, ist so unvorstellbar groß, daß alle menschlichen Freuden dagegen verblassen, und das Bittere des Todes als solchen- was er auch für unsere menschliche Natur an Dunklem an sich hat dadurch gänzlich überwunden wird...." - Die furchtbaren Fliegerangriffe auf Hamburg hat Vikar Lange in der Gefängniszelle erlebt: Meine Lieben! Hamburg, den 25. Juli 1943 Mit klapperndem Gebein lag ich vorletzte Nacht in meiner Zelle, als es ringsherum krachte, platzte und herumspektakelte. Da nützten alle Befehle und Kommandos nichts, die Natur gehorchte nicht dern Willen des Geistes. Erst das Bewußtsein, daß vir gerade auch in solcher Gefahr in Gottes Hand sin d, gab wieder Ruhe und Sicherheit, Aber in lülbeck, wo es noch ganz anders herging damals, lalbe ich das gar nicht gekannt. Da wurde der Geist durch das Helfen und das Sichbekümmern 41 - um andere abgelenkt, während man hier still lag und die Phantasie sich einbildete, daß jeder Einschlag in nächster Nähe geschähe, wenn das auch gar nicht der Fall war, Noch ist die Luft voller Qualm und rötlich schimmert die Sonne aus unendlichen Fernen. Die Häuser sind geschwärzt von Rauch und der Boden mit einer starken Aschenschicht bedeckt. Das war wieder einmal wie ein Vorspiel des letzten Gerichtes. Alles Irdische ist nur ein Gleichnis!" sagt Goethe. Wir können es wohl verstehen, daß dann die Menschen sich verkriechen und ängstlich rufen. ,, Ihr Hügel, bedecket uns, ihr Berge, fallet über uns!"... Ich schreibe unter der Begleitmusik der vorbeikommenden Maschinen und dem Donnern der Flakgeschütze!"... Das gemeinsam ertragene Leid der letzten Jahre hat die beiden christlichen Kirchen einander näher gebracht. Ein Symbol dieser Leidensgemeinschaft, aber auch der Annäherung, ist die gemeinsame Haft des katholischen und evangelischen Geistlichen: Hamburg, den 14. August 1943 ,, Ich liege jetzt hier mit dem evangelischen Pfarrer Stellbrink zusammen. Anregende Gespräche und gemeinsames Tun verkürzen uns die Tage, die ja so langsam dahinschleichen und doch wieder so schnell entschwinden".... Ein großer Trost war es für Vikar Lange, daß er in Hamburg wieder an der heiligen Messe teilnehmen durfte: Gerade beginn legenen Kirche Und morgen Messe teilnehr sorgender Pfar briert. Da sind land- Was wird!" Die irdische V himmlischen: ,, Wie froh und meine kleinen legen konnte Wir sind imme den des gütig denn sorgen! selbst." ,, Des Vaters Wie froh hat Vater, den D gespendet has licher Beschl gewesen, eb meines Primi nend aufs H Kurz bevor schrieb er, n bezüglich de der Beinwun 42 man hier still lag Gerade beginnen die Glocken der in der Nähe gedaß jeder Einwenn das auch st die Luft voller e Sonne aus un geschwärzt von starken Ascheneinmal wie ein Alles Irdische ist Wir können es nschen sich verHügel, bedecket .. Ich schreibe kommenden Makgeschütze!".. er letzten Jahre einander näher ensgemeinschaft, die gemeinsame gelischen Geistden 14. August 1943 elischen Pfarrer Gespräche und die Tage, die ja doch wieder so Lange, daß er gen Messe teil19 - legenen Kirche zu läuten O, wie schön ist das! Und morgen dürfen wir drei an der heiligen Messe teilnehmen, die unser lieber und so treu sorgender Pfarrer B. in der Anstaltskirche zelebriert. Da sind dann nur wir vier und der Heiland! Was meint Ihr, was das für ein Erlebnis wird!" - Die irdische Vaterliebe ist ihm ein Gleichnis der himmlischen: ,, Wie froh und geborgen war ich früher, wenn ich meine kleinen Patschhändchen in Vaters ,, Pranken" legen konnte das ist nur ein kleiner Vergleich! Wir sind immer, so oder so, geborgen in den Händen des gütigen Vatergottes, warum sollen wir denn sorgen! Er meint es besser mit uns als wir selbst." Hamburg, den 17. Oktober 1943 ,, Des Vaters Segen baut den Kindern Häuser..." Wie froh hat mich doch der Segen gemacht, lieber Vater, den Du mir am Schlusse Deines Besuches gespendet hast! Das ist ein mir einfach unvergeẞlicher Beschluß jenes so schönen Zusammenseins gewesen, ebenso unvergeßlich wie der Abend meines Primiztages, da sich Deine Hände mir segnend aufs Haupt legten!" Kurz bevor er zum Blutgerüst geführt wurde, schrieb er, nicht ohne eine humorvolle Bemerkung bezüglich des Apfels, den er noch gegessen und der Beinwunde, die nun bald geheilt sei: 43 Hamburg, den 10. Nov. 1943 Liebe Angela, liebe Maria, lieber Hans! Als erster von uns fünf Kindern lege ich nun mein irdisches Leben in die Hände Gottes zurück. Ich weiß, auch Euch wird mehr oder weniger hart dieser Schlag treffen. Es liegt nicht in meiner Macht, irgend etwas an dem Gang der Dinge zu ändern. Ich kann Euch nur um eines bitten: Seid stark und sucht Euch Kraft bei dem, der in allem Leid uns allein letzte Kraft zu geben vermag. Falsch wäre eine Selbsterstarrung in Schmerz". ,, In aller schweren Heimsuchung will Gott uns heimsuchen zu Ihm, dem Anfang und Ende aller Dinge. Darum sollen wir im Unglück aufhören, mit uns selbst zu reden, woraus nur Zwangsgedanken hervorgehen..., sondern reden mit Gott; denn er ist immer größer als unser Herz und er kennt alles." Diese Worte aus einer schönen Broschüre, die ich neulich las, möchte ich Euch auf die Seele binden. Sie können Euch viel geben.- Ich danke Euch für all Eure Liebe, die Ihr mir geschenkt habt und bitte Euch, daß Ihr nun all diese Liebe auf Vater und Mutter häufen sollt. Das ist die Aufgabe, die ich Euch stelle, sie froh zu machen. Trauert nicht um mich, denn ich gehe jetzt in das Land, wo es keine Tränen mehr gibt! Und dann bitte ich Euch, Euer künftiges Leben so innerlich zu führen, stark in Glaube, Hoffnung und Liebe, daß wir einst, wenn auch Eure Stunde schlägt, uns oben vereint wiederfinden! .. Eben habe ich den letzten schönen Apfel ge44 gessen und mei auch bald gehei So, und nun em was ich an Lie Seid nicht traur von oben he Hans, auch Pau In inniger, brüd Wir tun einen wenn wir den vor seinem To bar nachdem ein paar Stund Schreiben entn mit welcher E Wir erkennen und seine Ver Kinde Jesu, Vaterhaus ein 11 Wenn Ihr die nicht mehr u seit vielen N wieder besch wollte, wird leid, daß ich warte, nun do seits ist es j diesen Tagen doch gegense , den 10. Nov. 1943 wer Hans! e ich nun mein es zurück. Ich - weniger hart icht in meiner der Dinge zu es bitten: Seid m, der in allem geben vermag. in Schmerz". will Gott uns nd Ende aller lück aufhören, nur Zwangseden mit Gott; Herz und er schönen Broich Euch auf viel geben.- 2, die Ihr mir B Ihr nun all häufen sollt stelle, sie froh denn ich gehe men mehr gibt! tiges Leben so Hoffnung und Eure Stunde en!- nen Apfel gegessen und meine Beinwunde ist dank der Salbe auch bald geheilt!!! So, und nun empfangt meinen letzten Gruß! Alles, was ich an Liebe besitze, lege ich in ihn hinein. Seid nicht traurig, daß ich nicht mehr bei Euch bin von oben her, bin ich immer bei Euch. Hans, auch Päule meinen herzlich frohen Gruß! In inniger, brüderlicher Liebe umfange ich Euch alle Euer Hermann. - Wir tun einen Blick in seine reiche Innenwelt, wenn wir den Abschiedsbrief lesen, den er kurz vor seinem Tod an die Eltern schrieb, unmittelbar nachdem man ihm eröffnet hatte, daß er in ein paar Stunden hingerichtet würde. Aus diesem Schreiben entnehmen wir, mit welcher Freude und mit welcher Erwartung er in die Ewigkeit ging. Wir erkennen seine zarte Liebe zur Gottesmutter und seine Verehrung der heiligen Theresia vom Kinde Jesu, an deren Hand er ins himmlische Vaterhaus eintreten will, Er schreibt: ,, Wenn Ihr diesen Brief in Händen habt, weile ich nicht mehr unter den Lebenden! Das, was nun seit vielen Monaten unsere Gedanken immer wieder beschäftigte und nicht mehr loslassen wollte, wird nun eintreffen. Es tut mir äußerst leid, daß ich P., den ich heute ganz bestimmt erwarte, nun doch nicht mehr gesehen habe. Andererseits ist es ja wirklich schön, daß er gerade in diesen Tagen zu Hause ist, so könnt Ihr Euch doch gegenseitig trösten. Wenn Ihr mich fragt, 45 wie mir zu Mute ist, kann ich Euch nur antworten: Ich bin 1. froh bewegt, 2. voll großer Spannung! Zu 1. Für mich ist mit dem heutigen Tage alles Leid, aller Erdenjammer vorbei- und ,, Gott wird abwischen jede Träne von ihren Augen!" Welcher Trost, welche wunderbare Kraft geht doch aus vom Glauben an Christus, der uns im Tod vorangegangen ist. An Ihn habe ich geglaubt und gerade heute glaube ich fester an Ihn und ich werde nicht zuschanden werden. Wie schon so oft möchte ich Euch auch jetzt noch einmal hinweisen auf Paulus. Schlagt doch die folgenden Stellen einmal auf: I. Kor. 15, 43 f. 55! Röm. 14, 8, Ach, schaut doch hin, wo immer Ihr wollt, überall begegnet uns der Jubel über die Gnade der Gotteskindschaft. Was kann einem Gotteskinde schon geschehen? Wovor sollte ich mich denn wohl fürchten? Im Gegenteil: Freuet Euch, nochmals sage ich Euch, freuet Euch! Und 2. Heute kommt die größte Stunde meines Lebens! Alles, was ich bis jetzt getan, erstrebt und gewirkt habe, es war letztlich doch alles hinbezogen auf dieses eine Ziel, dessen Band heute durchrissen wird. Was kein Auge gesehen, was kein Ohr gehört hat und was in keines Menschen Herz gedrungen ist, hat Gott denen bereitet, die ihn lieben."( I. Kor. 2, 9.) Jetzt wird für mich der Glaube übergehen in Schauen, die Hoffnung in Besitz und für immer werde ich Anteil haben an dem, der die Liebe ist! Da sollte ich nicht voller Spannung sein? Wie mag alles 46 91 sein? Das, wor darf ich dann sch nisse und quäle mich hinkuschen Erden Mutter un Theresia vom Freundin, nimmt ist die große H sollte ich nicht Und dann werde mir hier auf Erd Das einzige, wa das Leid seiner um sie zu tröst ,, Nun zu Euch! Wenn ich an schwer. Die La Euren Schulter Ende ist noch H da ist... Ihr a Ihr dieses Lei katholische Ch zu dem, der für Leid durchkos tragen. Seht, ander verbind durchschnitter beten, und da für den es jet schränkung m Euch nur ant- sein? Das, worüber ich bisher predigen durfte, 2. voll großer darf ich dann schauen! Da gibt es keine Geheimdem heutigen nisse und quälenden Rätsel mehr. Da darf ich - vorbei- und mich hinkuschen zu Füßen derer, die mir hier auf ne von ihren Erden Mutter und Führerin war! Und die heilige e wunderbare Ihn habe ich ich fester an Theresia vom Kinde Jesu, meine besondere n Christus, der Freundin, nimmt mich dann an die Hand. Heute ist die große Heimkehr ins Vaterhaus, und da sollte ich nicht froh und voller Spannung sein? werden. Wie Und dann werde ich auch all die wiedersehen, die jetzt noch eindoch die fol15, 43£ 55! wo immer Ihr ubel über die n geschehen? fürchten? Im age ich Euch, mt die größte ich bis jetzt war letztlich e Ziel, dessen as kein Auge und was in ist, hat Gott r.2, 9.) Jetzt in Schauen, er werde ich st! Da sollte Tie mag alles mir hier auf Erden lieb waren und nahe standen!" Das einzige, was ihn mit Schmerz erfüllte, war das Leid seiner Eltern. Er findet rührende Worte, um sie zu trösten: ,, Nun zu Euch! Wie Euch ums Herz ist, weiß ich. Wenn ich an Euch denke, wird mir das Herz schwer. Die Last, die in den letzten Monaten auf Euren Schultern drückte, war hart, und dieses Ende ist noch härter. Es ist nur gut, daß P. jetzt da ist... Ihr alle tut mir die größte Freude, wenn Ihr dieses Leid mannhaft und stark als ganze katholische Christen tragt. Tragt doch alles hin zu dem, der für uns gelitten hat und das schwerste Leid durchkostet hat. In Ihm können wir alles tragen. Seht, die Bande der Liebe, die uns miteinander verbinden, werden mit dem Tode ja nicht durchschnitten. Ihr denkt an mich in Euren Gebeten, und daß ich allezeit bei Euch sein werde, für den es jetzt keine zeitliche und räumliche Beschränkung mehr gibt, das ist ja klar! 47 Auch über dieses Euer Leid wird die schnellebige Zeit hinweggehen. Vater und Mutter bitte ich inständigst, grübelt nicht und reißt Euch los von allen trübsinnigen Gedanken. Vergeßt nicht, daß Ihr noch mehr Kinder habt, die auch Anspruch auf Euch haben. Ich habe von Anfang an alles in Gottes Hand gelegt. Wenn er nun dieses Ende von mir fordert gut, es geschehe sein Wille." Es folgt nun ein Gedicht, das die Ergebung in den Willen Gottes besingt: - ,, Ganz der Wille Gottes." IM ANDEN Ein Mitglied Lange im Gefä Kürle, erzählt Nachdem wir sessen hatten Posten, bei des freiheit hatte Schicksalsgend 99 , Wenn der Tag sich neigt, wenn des Lebens Sonne nur noch mattes Glänzen zeigt, wenn sie tiefer sinkend, nah' dem Untergehn, ganz der Wille Gottes soll auch dann geschehn! Ganz der Wille Gottes! ob nach kurzem Piad, ob nach langem Wandern diese Stunde naht, Freunde oder Feinde mich dann sterben sehen, ganz der Wille Gottes lich, mit unse sprechen und heimlicherweis Meßwein und Der Meßwein stimmter Zeit fähr 14 Tag Lübecker Pfa packt, waren Zuerst wußte was er mach geklärt hatte arbeitender Beamten dar soll auch da geschehen!" Freudige Hoffnung spricht aus den letzten Worten, die er schreibt: ,, Auf Wiedersehen oben beim Vater des Lichtes! Euer glücklicher Hermann." leiten, kamer zur Zelle des Er hat dann Heimlichkeit Ein besonde 4 Schäfer 48 | die schnellebige ‘ter bitte ich in- st Euch los von ergeßt nicht, daß ch Anspruch auf ‘ang an alles in ‚ dieses Ende von ein Wille,“ Ergebung in den letzten Worten, ‚er des Lichtes! F .„ er Hermann. Er IM ANDENKEN DER JUNGEN FREUNDE Ein Mitglied der Jugendgruppe, der mit Vikar Lange im Gefängnis zu Lübeck gelitten hat, Peter Kürle, erzählt aus der Gefangenschaft folgendes: „Nachdem wir einige Wochen in Schutzhaft ge- sessen hatten, bekam ich im Gefängnis einen Posten, bei dessen Ausübung ich mehr Bewegungs- freiheit hatte als meine anderen katholischen Schicksalsgenossen,— So war es mir auch mög- lich, mit unserem Vikar Lange des öfteren zu sprechen und auch dafür zu sorgen, daß ihm der heimlicherweise ins Gefängnis hineingeschmuggelte Meßwein und die Hostien zugewiesen wurden. Der Meßwein und die Hostien ka\en zu be- stimmter Zeit— etwa in Abständen von unge- fähr 14 Tagen mit einem Wäschepaket vom Lübecker Pfarrhaus, und in der Wäsche, gut ver- packt, waren Meßwein und Hostien versteckt. Zuerst wußte der aufsichtführende Beamte nicht, was er machen sollte, aber nachdem ich ihn auf- geklärt hatte, und noch ein ebenfalls mit mir arbeitender Schicksalsgenosse(Franz Mahn) den Beamten darum bat, er möge die Dinge weiter- leiten, kamen diese dann auch zum rechten Ort, zur Zelle des Vikars Lange.— Er hat dann regelmäßig jeden Morgen in aller Heimlichkeit die heilige Messe gefeiert. Ein besonderer Trost war ihm das Neue Testa- 4 Schäfer 49 ment, das ihm von der Gestapo bewilligt worden war, Er sagte einmal zu mir: ,, Wenn die Gestapo wüßte, welch eine große Kraft und welchen Glauben ich aus den Worten der Heiligen Schrift empfange, so hätten sie mir bestimmt das Buch nicht bewilligt." - Er hat viel in seiner Zelle gebetet und hat die ganze Zeit in Lauerhof geistliche Betrachtungen angestellt. Eine sehr große Freude bereitete ihm auch der Brief des hochw. Herrn Bischofs, aus dem er viel Mut und Hoffnung schöpfte.- Er sagte unter anderem zu mir: ,, Peter, was hat dich doch die Gestapo angelogen, daß sich unser Bischof von uns abgewendet hätte; denn ich habe einen Brief von ihm bekommen, in welchem er mir schreibt, daß er sich voll und ganz für uns alle einsetzt." Kummer bereitete ihm, daß wir Jugendlichen auch von der Gestapo verhaftet worden waren. Aber immer wieder versuchte er, uns zu trösten. Er selber rechnete damals immer mit einer Zuchthausstrafe von mehreren Jahren, nicht aber mit der Todesstrafe. Ein andermal sagte er mir: - ,, Peter, das ist aber auch ein schlechtes Zeichen, daẞ drei Gefangene, mit denen ich die Zelle teilte, alle drei zum Tode verurteilt worden waren ich werde doch wohl nicht der vierte sein?" Mehrmals versuchte er des Sonntags, sich unter die anderen Gefangenen zu schmuggeln, um auch einmal in die Messe gehen zu können, aber leider 50 - gelang es ihm alle in Gefäng Nun möchte i sprechen, das geführt haben. same Glaube lassen. So m Marienlieder und am hl. W Nacht hinein sungen. Bei kleine Krippe Stunden wurde So manchen S meraden geme betet, da es m vier im Gefän Ein Feiertag Kaplan Westh Auf Umwegen und am Sonn seinem kleine lich, wenn de Generalabsolu Freude, wenn fängnis gebra gebacken, wie fühlte sich gl empfangen du des Glückes u einem Ort des willigt worden die Gestapo und welchen eiligen Schrift mt das Buch und hat die Betrachtungen ade bereitete Bischofs, aus möpfte.- Er was hat dich sich unser enn ich habe welchem er ganz für uns ihm, daß wir po verhaftet versuchte er, damals immer reren Jahren, chtes Zeichen, ie Zelle teilte, en waren... te sein?" gs, sich unter geln, um auch en, aber leider gelang es ihm niemals, da er Zivil trug und wir alle in Gefängniskleidung gingen. Nun möchte ich noch von dem religiösen Leben sprechen, das wir während der Gefängniszeit geführt haben. Ich muß schon sagen, der gemeinsame Glaube hat uns alles Leid leichter werden lassen. So manchen Abend wurden gemeinsam Marienlieder und andere Kirchenlieder gesungen und am hl. Weihnachtsfest wurde bis spät in die Nacht hinein alles, was in diese Zeit paẞte, gesungen. Bei meiner Arbeitsstätte hatte ich eine kleine Krippe aufgestellt und in arbeitsfreien Stunden wurden an derselben Andachten gehalten. So manchen Sonntag habe ich mit mehreren Kameraden gemeinsam die Vesper bzw. Komplet gebetet, da es mir vergönnt war, ein deutsches Brevier im Gefängnis zu besitzen, Ein Feiertag war es stets für uns, wenn es hieß, Kaplan Westholt kommt zur Generalabsolution. Auf Umwegen wurde es einem jeden bekannt, und am Sonntag nachmittag schaute jeder aus seinem kleinen Fenster und ein jeder war glücklich, wenn der Herr Kaplan kam und uns die Generalabsolution erteilte. Und dann erst die Freude, wenn heimlich die hl. Kommunion ins Gefängnis gebracht wurde. Heimlich, in Brot eingebacken, wie in der Urchristenzeit! Ein jeder fühlte sich glücklich, wenn er das Himmelsbrot empfangen durfte. Das waren dann die Stunden des Glückes und der Freude in einer Zeit und an einem Ort des Elends und der Verlassenheit.-" 51 Gedächtnis- Predigt des Gefängnispfarrers, Prälat B. Behnen am 23. Juni 1946 in Leer( Ostfriesland). Christliche Zuhörer! Für diese Gedächtnispredigt laßt uns zuvor die Hilfe Gottes anrufen durch ein ,, Vater Unser" und ,, Gegrüßet seist Du, Maria." Ihr habt soeben das Lied ,, Beim letzten Abendmahle...." gesungen. Es hat mich so ergriffen, daß ich glaube, kaum sprechen zu können, denn dieses Lied war es gerade, das in den verschiedensten Weisen in unseren Herzen erklang, als der teure Verstorbene von mir die heilige Wegzehrung für die Reise in die Ewigkeit empfing. Jetzt endlich habt Ihr die sterblichen Überreste Eures geistlichen Mitbruders und Landsmannes bei Euch. Gestern sind sie von Hamburg nach hier gekommen und aufgebahrt worden auf dem Chor Eurer Pfarrkirche. Ich rechne es mir zu großer Ehre an, sie auf ihrer Rückkehr in die Heimat begleitet zu haben. Nachher werden sie auf Eurem Friedhofe beigesetzt, wo sie warten sollen, bis der Herrgott, ihr Schöpfer, sie ruft zur Auferstehung des Fleisches und zur Teilnahme am ewigen Leben. Wir stehen nun alle unter dem Eindrucke, daß der Tote vom Sarge her mit den Worten der heiligen Schrift uns sagt: ,, Ein Toter bin ich geworden, aber siehe, lebendig bin ich in alle Ewigkeit A. I. 18." - Ja, so ist e mann, ist ni uns nieman den Worter Leben, wer wenn er ge Und kann licher an Verstorben dieses Gla dung über wankte nic in der la qualvollste auch dann amtlich die für Jesus sterben so unser Her ein Toter Pfarrkirch größten u dem uns i Unser H Ewigkeit Aber er l lebt auch uns ein s Das gilt für uns Priesterw 52 B. Behnen friesland). uns zuvor die er Unser" und tzten Abendso ergriffen, können, denn in den verrzen erklang, ir die heilige gkeit empfing, men Überreste Landsmannes Hamburg nach orden auf dem une es mir zu ickkehr in die er werden sie wo sie warten er, sie ruft zur zur Teilnahme drucke, daß der en der heiligen ich geworden, le Ewigkeit. - Ja, so ist es, unser Mitbruder, unser lieber Hermann, ist nicht tot, sondern er lebt. Das verbürgt uns niemand anders als Jesus Christus selber mit den Worten: ,, Ich bin die Auferstehung und das Leben, wer an mich glaubt, wird leben, auch dann, Johs. 11, 24." wenn er gestorben ist Und kann wohl jemand fester und unerschütterlicher an Jesus Christus glauben, als der teure Verstorbene glaubte. Er glaubte, trotzdem um dieses Glaubens willen Haß, Lüge und Verleumdung über ihn ausgegossen wurden, er glaubte und wankte nicht in diesem Glauben, als sein Glaube in der langen Kerkerzeit den schwersten und Er blieb qualvollsten Prüfungen ausgesetzt war. auch dann noch fest und unerschütterlich, als ihm amtlich die Stunde mitgeteilt wurde, in welcher er für Jesus Christus das Blutgerüst besteigen und sterben sollte. Muß es deshalb nicht so sein, daß unser Hermann lebt, auch wenn er dem Leibe nach ein Toter ist! Und darum haben auch wohl Eure Pfarrkirche, der Kirchhof und die Straßen ihren größten und schönsten Festschmuck angelegt, aus dem uns immer von neuem wieder entgegenklingt: ,, Unser Hermann ist nicht tot, nein, er lebt in der Ewigkeit bei Gott und allen Engeln und Heiligen". Aber er lebt nicht nur in der Ewigkeit, sondern er lebt auch hier auf Erden unter uns weiter, weil er uns ein so ehrenvolles Andenken hinterlassen hat, Das gilt zunächst für seine geistlichen Mitbrüder, für uns Priester. Wir Priester sind seit der Priesterweihe eine brüderliche Gemeinschaft, Glie53 - der eines Leibes, dessen Haupt Christus ist. Wir sind täglich bei ihm zu Tisch und dürfen essen von seinem Fleische und trinken von seinem Blute. Es ist etwas Schönes, so etwas Herrliches und Himmlisches, so etwas Einmaliges im Himmel und auf Erden, daß der Psalmist, der Jahrtausende vorher das schauen darf, vor Entzücken ausruft: ,, Ecce, quam bonum et quam jucundum habitare fratres in unum Siehe, wie gut und angenehm ist es, wenn Brüder eines Sinnes sind und zusammen wohnen Ps. 132" Glücklich, aber auch übermenschlich stark muẞ darum jeder Priester sein, solange er mit Geist und Herz mitten in diesem brüderlich- priesterlichen Zusammenleben steht! Das habe ich erfahren und immer tiefer miterlebt, solange ich Hermann in seiner Haftzeit zu betreuen hatte. Am 17. April 1943 abends war ich noch spät in der Untersuchungshaftanstalt. Es ist eine offenkundige Fügung Gottes gewesen, wie es oft zu sein pflegt. Ich wollte herausgehen, als mir gesagt wurde, es seien kurz vorher katholische Priester eingeliefert worden, aber sie dürften nicht besucht werden, doch auch hier machte es die Vorsehung Gottes möglich, daß ich auf Umwegen zu ihnen kam. Es gibt, das wiẞt Ihr, Erlebnisse, von denen man meint, daß sie ewig unvergeßlich wären. So war es auch bei dieser ersten Begegnung. Ich kam in die Zelle Eures Vikars Lange. Ich hatte kaum die Zellentür aufgeschlossen, als 54 mich der V standesmäßi tief innerlic tecum, der vom Kinde mir geholfe bruder zu aus der Ze Kann es w geben, als seinen Mit CH Könnt Ihr ersten Beg Es war da dete Zusa teure Vers Deshalb ko wenn ihn suchte. Des der Dech seinen H und zu sp liches Fü zum Ausb konnte, se Osnabrück kam, er mußte dal dem ich d stus ist. Wir dürfen essen von seinem was Herrliches es im Himmel Jahrtausende icken ausruft: dum habitare and angenehm sind und zuh stark muß er mit Geist lich- priesterhabe ich er, solange ich euen hatte. noch spät in st eine offenwie es oft zu n. als mir gekatholische dürften nicht machte es die auf Umwegen ar, Erlebnisse, unvergeßlich ersten Begeg Lange. Ich chlossen, als mich der Vikar ruhig und würdevoll, seiner verstandesmäßigen Veranlagung entsprechend, aber tief innerlich bewegt umarmte und sagte:„, Pax tecum, der Friede sei mir Dir! Die heilige Theresia vom Kinde Jesu, meine Vertraute im Himmel, hat mir geholfen. Sie hat veranlaßt, daß ein Mitbruder zu mir kommt, nach welchem ich mich aus der Zelle heraus so sehr gesehnt habe." ,, Kann es wohl eine größere Qual für einen Priester geben, als wenn er monatelang gewaltsam von seinen Mitbrüdern getrennt gehalten wird!" Christliche Zuhörer! Zusammengehörigkeitsgefühl, wovon Könnt Ihr wohl erraten, was mich bei dieser ersten Begegnung am meisten ans Herz packte? Es war das echt brüderliche in Christus begründer dete teure Verstorbene erfüllt und durchdrungen war. Deshalb konnte er sich auch so von Herzen freuen, wenn ihn während der Haftzeit ein Priester besuchte. Deshalb freute er sich auch, als sein Pastor, der Dechant Bültel, eines Tages kam, um seinen Hilfsgeistlichen noch einmal zu sehen und zu sprechen. Und dieses sein echt priesterliches Fühlen und Empfinden kam erst recht zum Ausbruch, als ich ihm eines Tages sagen konnte, sein Bischof, der hochwürdigste Herr von Osnabrück, hätte vor, ihn zu besuchen. Der Bischof kam, er kam sogar zu ihm in seine Zelle. Ich mußte dabei sein. Ja, christliche Zuhörer, trotzdem ich dabei war, vermag ich diese Augenblicke 55 nicht zu schildern. Der Bischof weinte, der Vikar weinte. Der Bischof wohl, weil er so väterlich und brüderlich fühlte und empfand. Der Vikar, weil sein kindliches Herz dem Bischof, seinem Vater und Bruder, entgegenschlug. Meine lieben Mitbrüder! Was somit Vikar Lange uns vorgelebt und hinterlassen hat, soll auch in uns lebendig bleiben, unter uns und in uns. Das geloben wir in dieser heiligen Stunde zu Füßen der sterblichen Überreste des Toten. Möge er durch seine Fürbitte den Segen Gottes dazu erflehen! Dann kann in Zukunft kommen was will, keine Macht der Welt und Hölle wird uns, ebensowenig wie den Toten, aus der priesterlichen Gemeinschaft herausreißen können. Und das ist unser aller Sieg! Christliche Zuhörer! Und nun wende ich mich an Euch, die Ihr uns Priestern von Christus anvertraut seid. Es liegt für Euch so nahe, zu meinen, wir würden und könnten uns Eurer nicht mehr so annehmen, wie es sein muß, wenn wir Priester so zueinander halten und füreinander sorgen. Aber dem ist nicht SO. Vielmehr wächst aus der priesterlichen Einheit, aus unserer gegenseitigen Liebe und Opferbereitschaft die wahre Sorge und Liebe Euch gegenüber hervor. Christus betete daher auch im Abendmahlssaale zunächst für die Jünger, seine von ihm geweihten Priester: ,,... Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen, den du mir gegeben 56 hast, auf dann fügte kennen, Mitmensch cf. Joh. 17 Vikar La vertrauter Liebe an Darum w Sorge um so sagte und Jung weil sie i keinen S gerne au verzichte mir anve ten." E Vorwurf Männer in das U der größ hätte aud geschwie daß er v gewesen Irrtümer Rücksich diese sei größere sein Leb , der Vikar so väterlich Der Vikar, hof, seinem und hintereiben, unter ser heiligen erreste des den Segen in Zukunft Welt und ten, aus der Ben können. die Ihr uns id. Es liegt würden und mehmen, wie zueinander Hem ist nicht erlichen Einund OpferLiebe Euch daher auch Jünger, seine iliger Vater, mir gegeben hast, auf daß sie eins seien, so wie wir." Und dann fügte er hinzu: ,, Daran wird die Welt erkennen, ob ihr euch wahrhaft liebt, daß ihr eure Mitmenschen, eure Seelsorgkinder, liebt!" cf. Joh. 17, 11. - Vikar Lange war voll Sorge um seine ihm anvertrauten Seelsorgkinder. Er hing mit der größten Liebe an seinen Verwandten und Landsleuten. Darum war das Erste, um was er mich bat, die Sorge um seine Seelsorgkinder. ,, O, Herr Pfarrer," so sagte er ,,, nehmen Sie sich doch der Männer und Jungmänner an, die mit mir verhaftet sind, weil sie in meine Seelsorgstunde kamen, damit sie keinen Schaden leiden an ihrer Seele. Ich will gerne auf Vorteile, die Sie mir bieten können, verzichten, wenn Sie dann besser dem Wohle der mir anvertrauten Menschenkinder dienen könnten." Er hatte gehört, es würde ihm wohl zum Vorwurf gemacht, seine Seelsorgkinder, seine Männer und Jungmänner, durch Unvorsichtigkeit. in das Unglück gebracht zu haben. Das ist eine der größten Seelenqualen für ihn gewesen. Er hätte auch schweigen können, wie andere Priester geschwiegen haben, aber er war sich klar darüber, daß er vor Gott und seinem Gewissen verpflichtet gewesen sei, die ihm anvertraute Jugend vor den Irrtümern der letzten Jahre zu bewahren und ohne Rücksicht auf sein eigenes Leben hat er deshalb diese seine heilige und ernste Pflicht erfüllt. ,, Eine größere Liebe hat niemand, als die ist, daß jemand sein Leben für seine Freunde hingibt." Joh. 15, 13. 57 Und wie liebte er seine Eltern und Geschwister! Es war immer ein hoher Festtag für ihn, wenn sein Vater oder seine Geschwister ihn besuchten. Sein Bruder, an dem er so hing, den er seit längerer Zeit nicht mehr gesehen hatte, wollte schon lange kommen. Wie sehnsüchtig hat er auf ihn gewartet, wie es nur zwischen Brüdern sein kann, die sich von ganzem Herzen lieben. Ich komme nachher noch darauf zurück. Wie tief in seinem Herzen war seine Liebe zu Euch, seinen Landsleuten hier in Leer, verwurzelt. Darum sprach er so gerne mit mir darüber, wie es in Leer sei, wie der Krieg sich dort auswirke, ob die Einwohner sehr zu leiden hätten, ob sie unerschütterlich fest hielten in ihrem Glauben an Gott. Ja, das war Euer Hermann, der Euch liebte, der Euch gehörte und darum auch Euer bleiben soll für Zeit und Ewigkeit. Seine große Liebe uns Priestern gegenüber und seine tatkräftige Liebe zu den ihm anvertrauten Menschenkindern schöpfte er ununterbrochen aus der Urquelle aller wahren Liebe, aus dem Erlöserherzen. Ja, Jesus war sein ein und alles! Christliche Zuhörer! Jeder von uns, der in dem Buche seines eigenen Lebens zu lesen versteht, weiß, daß Jesus uns auf Ereignisse vorbereitet, die uns schwer treffen, aber uns auch groß und heldenhaft machen können und sollen. So war es auch nach meinem Dafürhalten im Leben unseres Vikars Hermann Lange. 58 Ich glau ist, daß vom Kin ihm wo als die Liebe zu Der Vo schreibe katholis Eltern i lebten. Der gö schreibe Kommu großer Nachde Martyri war, du Es ist zum Er nicht S stehen Aber I sehen. haftung durchm seiner die Son freiges 'schwister! | tın, wenn q desuchten, "Der seit tte, wollte üdern sein eben. ; Liebe zu liebte, der leiben soll nüber und Ich glaube, daß es Gottes weise Fügung gewesen ist, daß der Verstorbene die kleine heilige Theresia vom Kinde Jesu so lieben lernte. Denn wer hätte ihm wohl mehr Liebe zu Jesus abgeben können, als die heilige Theresia von ihrer überfließenden Liebe zu Jesus. Der Vorsehung Gottes ist es auch wohl zuzu- schreiben, daß der Verstorbene in einem so echt katholischen Hause erzogen wurde und daß seine Eltern ihm ein gesundes, christliches Leben vor- lebten. Der göttlichen Vorsehung ist es ferner zuzu- schreiben, daß er so gediegen für die erste heilige Kommunion vorbereitet wurde, von der er mit so großer Begeisterung sprach. Nachdem er so ausgerüstet war, konnte er das Martyrium, das ihm von Ewigkeit her zugedacht war, durchmachen. Christliche Zuhörer! Es ist schwer, eine Kerkerhaft von Anfang bis zum Ende durchmachen zu müssen. Ihr könnt es nicht so leicht verstehen, weil es nur einer ver- stehen kann, der selber an diesem Leid teilnimmt. Aber Ihr werdet es einstens in der Ewigkeit ein- sehen, was Euer Vikar Lange von seiner Ver- haftung an bis zum Tode auf dem Schafott hat durchmachen müssen. Gewiß, in die Monate vor seiner Verurteilung zum Tode schien in sein Leid die Sonne der Hoffnung hinein, er könne doch noch freigesprochen werden, und als die Todesstrafe 59 herausgekommen war, hoffte er immer noch auf Begnadigung und Entlassung. Darum war die Enttäuschung auch so groß, das Leid so bitter, als ihm am 10. November 1943, mittags 1 Uhr, verkündet wurde, daß das Todesurteil abends um 6 Uhr vollstreckt würde. Ich hatte versucht, weil ich die Zeit des Todes schon früher wußte, ihn mit der Vollstreckung vertraut zu machen. Und das war gut gewesen. Ich ging sofort zu ihm in die Todeszelle. Er saß am Tische mit dem Kopfe in den Händen. Er sah sich um, sah mich und kam mir sofort entgegen. Sein Antlitz war leichenblaß und seine Arme und Knie zitterten. Es ist nämlich etwas anderes, ob man durch Krankheit geschwächt und entkräftet den Tod als Erlösung herbeisehnt, oder der Tod herannaht zur Vernichtung eines gesunden Lebens. Es ist etwas anderes, ob man sanft einschläft und unbewußt stirbt, oder ob man das Schwert sieht, das das Haupt vom Rumpfe trennen soll. Im letzten Falle kommen Gedanken, Erwägungen und Vorstellungen, die quälen und foltern, ja bis in die tiefste Tiefe der Seele eindringen. Der böse Feind, der Widersacher, nutzt diese Augenblicke aus, um, wie ich den Eindruck gehabt habe, alles aufzubieten, um im letzten Augenblick so eine kostbare Priesterseele zur Verzweiflung zu bringen. Ist das nicht eine Seelenqual, eine Folter von unermeßlichem Ausmaße! Die Folge davon ist, daß jeder, dem die Vollstreckung des Todesurteils verkündigt wird, zunächst leichenblaß wird und an60 fängt zu bei unse Todesze Ich habe an mein harrten Die Her unserem Er faßte sagte e schied! Bruder und an mich Der lie aber se Wie g Augenb Todesc mel ko bringer ergehe gehen Weise Es hat seines mußte den T fertig möge seinen noch auf r die Entbitter, als Uhr, verbends um ucht, weil e, ihn mit Und das hm in die Kopfe in und kam leichenen. Es ist Krankheit Erlösung Vernichs anderes, tirbt, oder Haupt vom ekommen ungen, die Tiefe der wer Widerm, wie ich bieten, um Priesterer von unon ist, daß urteils verd und anfängt zu zittern und zu beben, und so war es auch bei unserem Vikar Lange, als ich zu ihm in die Todeszelle kam. " Ich habe ihn sofort in meine Arme genommen und an mein Herz gedrückt. Einige Augenblicke verharrten wir in aller Stille, ohne etwas zu sagen. Die Herzen sprachen zueinander von dem, was in unserem Innern vor sich ging. Dann beteten wir. Er faßte sich und fing an zu sprechen. Zunächst sagte er: Was ist es doch für ein großer Unterschied! Heute wollte gerade mein langersehnter Bruder kommen, den ich von ganzem Herzen liebe, und an seiner Stelle ist der Tod gekommen, der mich nachher mitnehmen will in die Ewigkeit. Der liebe Gott hat meinen Wunsch nicht erfüllt, aber sein Wille soll auch hier in Erfüllung gehen." Wie groß mögen wohl seine Qualen in diesem Augenblick gewesen sein! Wenn der Heiland von Todesqualen spricht, ja wenn ein Engel vom Himmel kommen mußte, um ihm Kraft und Stärke zu bringen, kann es dann einem Menschen anders ergehen, der in derselben Weise nach Golgatha gehen muß, um in schmachvoller und ungerechter Weise zu sterben. Es hat mir leid getan, ihm die letzten Stunden seines Lebens nicht ganz gehören zu können. Ich mußte noch sieben andere an diesem Abend auf den Tod vorbereiten. Er konnte auch schon allein fertig werden. Nachdem ich ihm gesagt hatte, er möge in meiner Abwesenheit seinem Bischof, seinen Eltern und seinem Dechanten schreiben, 61 sein Testament schriftlich niederlegen, und daß ich rechtzeitig wiederkommen würde, verließ ich ihn. Es wurde bald 6 Uhr. Ich ging wieder zu ihm, um ihm die heilige Wegzehrung zu reichen. Vor dem Empfange der heiligen Kommunion bat ich ihn, er möge unmittelbar nach dem Empfange der heiligen Kommunion mit Jesus eines Herzens und eines Sinnes beten: ,, Vater, vergib ihnen, sie wuẞten nicht, was für ein Unrecht sie mir zufügten." Er hat es gebetet. Und wie hat er es gebetet! Ich glaube, so könnte es auch Jesus gebetet haben am Ölberg! 11 Dann wurde er seiner Kleider entblößt, die Hände wurden auf dem Rücken gefesselt und so wurde er zum Schafott geführt. Währenddessen reichte ich ihm das Kreuz zum Kusse. Er bat um das Bild der heiligen Theresia vom Kinde Jesu, das er auf seiner Zelle gehabt hatte. Ich reichte es ihm. Er schaute so vertrauensvoll auf dieses Bild und betete sein letztes Gebet: Heilige Theresia vom Kinde Jesu, Du hast mir so viel Gnade erfleht vom Himmel. Wenn mir in Lübeck Menschen begegneten, besonders Jungmänner, die sich von Gott entfernt hatten, dann hast Du mir so oft durch Deine Fürbitte geholfen, sie wieder in das Vaterhaus unserer heiligen Kirche zurückzubringen. Heilige Theresia, wie Du siehst, bin ich jetzt selbst elend und hilfsbedürftig, hilf mir jetzt ganz besonders durch Deine Fürbitte und hole mich zu Dir hinauf ins himmlische Vaterhaus." Dann gingen wir Seite an Seite hin zur Richtstätte. 62 - Er bete Seine sicht fi klären, frohes gott. A lieben Auf de einer d war, in wenn mal et gelesen des Vo hier d lieber Christl eine sp Nürnbe als uns hingeri unter die uns Unter ..Wer Christ Ewigk daß ich ich ihn. zu ihm, en. Vor bat ich nge der ens und sie wußfügten." gebetet! t haben Hände wurde reichte um das esu, das ichte es ses Bild Theresia ade erMendie sich so oft in das rückzubin ich Er betete zum Heiland und zur heiligen Theresia. Seine letzten Worte vor seinem Sterben, sein Gesicht fing dabei an zu leuchten und sich zu verklären, waren: ,, Herr Pfarrer, auf ein baldiges frohes Wiedersehen im Himmel bei unserem Herrgott. Aber grüßen Sie doch vor allem noch meine lieben Landsleute in Leer." Ich tue es hiermit. Auf dem Wege vom Schafott zurück flüsterte mir einer der Aufsichtsbeamten, der nicht katholisch war, ins Ohr: ,, Herr Pfarrer, so muß es wohl sein, wenn ein Held und Heiliger stirbt, worüber ich mal etwas in Ihrem Buche ,, Helden und Heilige" gelesen habe." Vox populi, vox Dei die Stimme des Volkes ist die Stimme Gottes! Sollte auch hier der Herrgott gesprochen haben, daß unser lieber Hermann ein Held und Heiliger ist! Christliche Zuhörer! Im Augenblicke kommt mir eine spontane Vision. Ich sehe die Männer in Nürnberg vor dem Weltgerichtshofe. Sie regierten, als unser Vikar Lange zum Tode verurteilt und hingerichtet wurde. Ich sehe auch und stehe ganz unter diesem Eindruck, die triumphale Ehrung, die unserm Vikar Hermann Lange hier zuteil wird. Unter dieses Bild möchte ich die Worte schreiben: ,, Wer gegen Christus ist, geht unter, wer mit Christus ist, lebt mit Christus von Ewigkeit zu Ewigkeit." Amen! mir jetzt and hole aus." tstätte. 63 EDUARD MÜLLER Eduard Müller, ein großer Freund der Natur, wurde am 20. August 1911 in Neumünster geboren und erst verhältnismäßig spät, am 25. Juli 1940, zum Priester geweiht. Zuerst war er Tischler und verdiente sich unter großen Opfern das Geld zum Studium. Nach seiner Priesterweihe kam er nach Lübeck und eroberte sich bald die Herzen der Jugend. Ein Kennzeichen seines Wesens war die Liebe zur Natur, die er als das Werk des göttlichen Künstlers anschaute. Er liebte die weite Welt und unternahm in seinen Ferien Großfahrten durch Europa, ja selbst bis Afrika. Eine besondere Vorliebe hatte er für Singvögel. In seinen freien Stunden betrieb er mit großem Erfolg eine Zucht dieser gefiederten Sänger. Es ist sehr merkwürdig, daß zur selben Stunde, da er in Hamburg hingerichtet wurde, in Lübeck sein Lieblingsvogel, ein Zeisig, starb. Nur knapp zwei Jahre durfte Müller in der Seelsorge arbeiten, dann wurde er verhaftet. In den Augen der Welt war dieses Leben eine Sinnlosigkeit: Jahrelang hatte er die größten Hindernisse überwunden, um zum Priestertum zu gelangen, und nun, da er das Ziel erreicht hat, muß er ins Ge64 er Natur, er geboren Juli 1940, sich unter m. Nach beck und Fend. Ein Liebe zur en KünstWelt und ten durch Singvögel mit großem änger. en Stunde, in Lübeck er Seelsorge den Augen nlosigkeit: misse überangen, und er ins GeEduard Müller fängnis. Es ist ihm nicht leicht geworden, sich von seiner geliebten Seelsorgsarbeit zu trennen, wie wir aus einem Briefe entnehmen, den er kurz vor seiner Verhaftung geschrieben hat: Lübeck, den 19. Juni 1942 Herzliche Grüße aus Lübeck! Heute muß ich Ihnen etwas weniger Schönes schreiben, Wie Sie schon erfahren haben, ist unser Kaplan seit drei Wochen verhaftet und unser Vikar seit Montag. Da auch ich wohl damit rechnen muß als dritter Geistlicher, habe ich noch verschiedene An- liegen. Zuerst danke ich Ihnen noch einmal von ganzem Herzen für alles Gute und Ihre treue Hilfe während der ganzen Jahre. { Mit Freude und Liebe habe ich als Priester hier in ) Lübeck gearbeitet, und ich muß mich mit Gewalt zusammenreißen, wenn ich daran denke, daß es mit dieser Arbeit aus sein soll, Und.ich danke dem Herrgott, daß ich so manchem Jungen während seiner schwersten Jahre helfen konnte. Sollte der Herrgott jetzt etwas anderes von mir verlangen, so wird er mir auch die Gnade geben, das durch- zuhalten. Sie werden es ja irgendwie erfahren, wenn ich auch nicht mehr hier bin. Dann vergessen Sie mich bitte nicht! Beten Sie für mich und auch Ihre Mitschwestern und teilen Sie bitte dann alles meinen Geschwistern mit. Von dem Brief machen Sie bitte vorher noch & keinen Gebrauch... 5 Schäfer Grüßen Sie alle lieben Bekannten von mir und laẞt uns zusammenhalten im Gebete. Alles für Christus und Christus für Deutschland! Mit herzlichen Grüßen verbleibe ich in Dankbarkeit Ihr gez. Eduard Drei Tage, nachdem er diesen Brief geschrieben hatte, brachte man ihn ins Gefängnis. Dort hat er sicher bittere Stunden durchgemacht; denn er rechnete bis zuletzt damit, freigelassen zu werden, weil er am wenigsten von allen Geistlichen ,, belastet" war. Aber auch er wurde zum Tode verurteilt und seine Begnadigung abgelehnt. Nach schweren inneren Kämpfen hat er sich zur Ergebung in den göttlichen Willen durchgerungen. Die Gedanken, die ihn damals beschäftigten, kommen gut in einem Brief zum Ausdruck, den er an einen jungen Soldaten schrieb: ,, Nur zu deutlich haben sich an uns die Worte erfüllt: Gottes Wege sind nicht die Wege der Menschen. Der Mensch denkt und macht seine Pläne, aber der Herrgott hat auch noch ein Wort mitzureden! So hat der Herrgott Dich herausgeführt aus Deinem normalen Schulbetrieb, hinaus an die Front.. Und mich hat er hinausgeführt aus meinem Seelsorgebezirk, in dem ich mit großer Liebe gearbeitet habe für Christus und sein Reich und mich hineingeführt in die Gefangenschaft. Wir werden wohl in diesem Leben nie vollkommen begreifen, warum der Herrgott all das schickt oder 66 zuläßt. Pflicht Und so ständlich wissenh füllen g Deutsch Etwa ei eines M klagt un Zuchtha W heiligen uns die verstehe auch w Jesus C uns Men zu trage Herr un daß uns gegange geworde Einschra rühmen, alles W früher in Heiden reitscha Heute b mir und chland! nkbarkeit Eduard schrieben Dort hat ; denn er u werden, chen„be- Tode ver- nt. Nach h zur Er- erungen. chäftigten, Iruck, den# die Worte Wege der acht seine ‚ ein Won herausge- eb, hinaus seführt aus > mit großer sein Reich 7 z Pe schaft, Wir zuläßt. Für uns heißt es, an der Stelle unsere Pflicht ganz zu erfüllen, an die wir gestellt sind, Und so weiß ich, daß es auch für Dich selbstver- ständlich sein wird, an der Front treu und ge- wissenhaft bis zum letzten Deine Pflicht zu er- füllen gemäß unserer alten Parole:„Alles für Deutschland und Deutschland für Christus!” Etwa einen Monat später schrieb er an die Familie eines Mannes(A. Ehrtmann), der mit ihm ange- klagt und verhaftet war, und der später zu längeren Zuchthausstrafen verurteilt wurde: ı-. Wir wollen besonders in dieser gnadenvollen heiligen Fastenzeit den Herrn bitten, er möge doch uns die Gnade geben, daß wir wenigstens etwas verstehen von dem Geheimnis des Kreuzes, damit auch wir„uns rühmen im Kreuz unseres Herrn Jesus Christus”, wie ein heiliger Paulus. Wenn es uns Menschen von heute so schwer fällt, unser Leid zu tragen, unser Kreuz auf uns zu nehmen, das der Herr uns schickt, so liegt doch der Grund darin, daß uns der Sinn des Kreuzes und Leides verloren- gegangen ist, Das alles ist für uns bloße Theorie geworden; in der Praxis machen wir nur zu schnell Einschränkungen, Denn sonst würden auch wir uns rühmen, für Christus zu leiden und bereitwilligst alles Widerwärtige auf uns zu nehmen, Ich habe früher immer wieder mich ergreifen lassen von den Heiden unserer heiligen Kirche, von ihrer Opferbe- teitschaft und vollkommenen Hingabe an Christus, i Heute beginne ich erst, ihre Größe zu ahnen und E 67 stehe voll Bewunderung vor ihrem Heroismus, der durch nichts übertroffen wird! Wie weit sind wir doch von einer solchen Haltung entfernt! Und nun nimmt uns unser Herr und Meister in seine harte Schule; jetzt läßt er uns ein klein wenig spüren, was es heißt: Christusnachfolge! Und wir sollen uns durchringen, Ihm noch dafür von ganzem Herzen zu danken! Wir wollen weiterhin gemeinsam beten und opfern, daß wir uns zu dieser Haltung aufraffen können." Bezeichnend für Eduard Müller ist seine ganz große Wertung des Priestertums, wie sie immer wieder aus seinen Schriften hervorleuchtet. Den folgenden Brief hat er vor dem Allerheiligsten in seiner Zelle geschrieben: Untersuchungsstrafanstalt Hamburg- Stadt Hamburg 36, Holstenglacis 3 Hamburg, den 11. Juli 1943 ,, So halte man uns für Diener Christi und Verwalter der Geheimnisse Gottes. Von Verwaltern fordert man nur, daß sie treu befunden werden!" I. Kor. 4, 1-2. Liebe Schwester Guda! Wenn ich heute, in Gegenwart des eucharistischen Heilandes, versuche, das, was ich auf dem Herzen habe, in wenigen Worten darzulegen, so gelten diese Zeilen nicht nur Ihnen, sondern auch Ihren lieben Mitschwestern und allen in diesem Briefe Genannten und Ungenannten, die meiner gedenken und denen ich leider nicht schreiben kann. 68 - Zuerst gelts G Sorge Feste d ( 25. Ju zum dr 0, wie verholf lieben an Kar schließ bekann Nur zw arbeite die Fre Freude der Pr ich hel das g lieben und si licher heilige streuer Herrlic trauen 25. Ju bolisch Und n 2. Tim smus, der sind wir Und nun ine harte g spüren, sollen uns m Herzen sam beten tung aufeine ganz sie immer tet. Den ligsten in t 11. Juli 1943 und VerVerwaltern werden!" aristischen em Herzen so gelten auch Ihren sem Briefe gedenken ann. Zuerst möchte ich Ihnen allen ein herzliches ,, Vergelts Gott!" zurufen für Ihre treue und liebevolle Sorge auf meinem Wege zum Priestertum. Am Feste des heiligen Apostels und Märtyrers Jakobus ( 25. Juli), also heute in zwei Wochen, jährt sich zum dritten Male dieser größte Tag meines Lebens. O, wie danke ich Ihnen allen, daß Sie mir dazu verholfen haben. Ich denke an Sie alle, meine lieben Schwestern, an unsern lieben Dr. Schräder, an Karres, Kaufmann, Meurers, Groger, Gerke und schließlich an alle anderen Ungenannten und Unbekannten! Allen innigsten Dank! Nur zwei Jahre durfte ich im Weinberg des Herrn arbeiten, glückliche Zeit! Denn wer erkennt wohl die Freuden des Altares? Wer weiß um die vielen Freuden des verschwiegenen Beichtstuhles? Nur der Priester selbst. Wie vielen Menschen durfte ich helfen, ihnen wieder als Stellvertreter Christi das göttliche Leben geben! Unzählige meiner lieben Jungens durfte ich Helfer und Führer sein, und sie alle stehen gerade jetzt in unerschütterlicher Treue und Liebe zu Christus und Seiner heiligen Kirche. Ich durfte die Gottessaat ausstreuen, ein anderer wird ernten. Ja, es ist etwas Herrliches um Treue, Liebe, Glauben und Vertrauen! Das Meßgewand, das der Bischof mir am 25. Juli 1940 umlegte, trug die rote Farbe! Symbolischer konnte es nicht sein! Und nun lesen Sie einmal ganz langsam die Stelle 2. Tim. 4, 1-8! Das sollen meine Abschiedsworte 69 sein! In heiliger Christusliebe grüße ich Sie alle und gebe allen aus tiefstem Priesterherzen meinen Segen. Noch eine Bitte: Vergeßt mich nicht, solange ich auf dieser Erde weile... Vergeßt mich auch nicht, wenn der ewige Hohepriester mich heimgeholt hat; muß ich doch für viele Rechenschaft ablegen... Und nun wollen wir ein bereitwilliges, tapferes, wenn auch unter Tränen lächelndes ,, Fiat voluntas Tua" sprechen! Lebt wohl! Es ist ja nur ein vorübergehender Abschied, In der Liebe unseres großen Königs grüßt Sie alle in ewiger Liebe, Dankbarkeit und Treue H Es ist Stunde könne nächst Nachfo mir di Gottes heilige Der Herr hat ihm die Gnade der Ergebung gegeben, wie wir auch aus diesen Worten entnehmen: ,, Herr, hier sind meine Hände, Dann und Ih Ihr Eduard. jährig Ihnen mich Jahre am A Gotte helfen lieber Und Grüße Kelle Eller Und leg' darauf, was Du willst, nimm hinweg, was Du willst, führe mich, wohin Du willst, in allem geschehe Dein Wille!" Gott verlangte von ihm das Opfer seines jungen Lebens. Am 10. November war sein Sterbetag. Bevor er das Blutgerüst bestieg, schrieb er seine ergreifenden Abschiedsbriefe, zunächst an seinen Bischof: nach soll z Noch In de 70 70 von g Sie alle en meinen plange ich uch nicht, eholt hat; legen... tapferes, t voluntas nur ein De unseres ger Liebe, Eduard g gegeben, " men: nes jungen rbetag. Beb er seine an seinen BRIEF AN DEN BISCHOF Hochwürdigster Herr! Hamburg, den 10. Nov. 1943 Es ist mir eine große Freude, in meiner letzten Stunde Ihnen noch einige Zeilen schreiben zu können. Von ganzem Herzen danke ich Ihnen zunächst für das größte Geschenk, das Sie mir als Nachfolger der Apostel gegeben haben, als Sie mir die Hände auflegten und mich zum Priester Gottes weihten. Haben Sie Dank für dieses große, heilige Geschenk! Dann gilt aber auch mein Dank für Ihr treues Gebet und Ihre treue Hilfe während meiner fast eineinhalbjährigen Gefangenschaft. Hoffentlich kann ich es Ihnen von oben reichlich vergelten. Vergessen Sie mich bitte nicht beim heiligen Opfer. Knapp zwei Jahre durfte ich als Priester Ihrer Diözese helfen am Aufbau des Reiches Gottes. Und wenn ich an Gottes Thron stehen darf, dann werde ich auch dort helfen am Aufbau des Reiches Gottes in unserem lieben Vaterland und besonders in Ihrer Diözese. Und nun, Hochwürdigster Herr, leben Sie wohl. Grüßen Sie bitte besonders noch Herrn Regens Keller und Herrn Dompastor Gartmann sowie Herrn Ellermann von mir. - - Und nun wollen wir den der menschlichen Natur nach schweren Weg gehen, der uns hinführen soll zu Ihm, dem wir als Priester gedient haben. Noch einmal herzlichen Dank für alles. In der Liebe Christi grüßt Sie, Hochwürdigster Herr, von ganzem Herzen Ihr Priester Eduard Müller. 71 Die letzten Zeilen von dieser Erde galten seiner leiblichen Schwester, die als Ordensfrau vom armen Kinde Jesu in Holland lebte. Der ihr zugedachte Rosenkranz, den der Blutzeuge bis unmittelbar vor dem Schafott in seinen gefesselten Händen gehalten hatte, ist leider auf dem Postwege verlorengegangen. Aber die Schwester braucht ihn nicht mehr, denn sie ist im Juli 1945 ihrem Priesterbruder in die Ewigkeit gefolgt. Hamburg, den 10. Nov. 1943 Meine liebe, liebe Lisbeth! Jetzt ist es soweit! In wenigen Stunden habe ich meinen Lebensweg vollendet. Der Herr über Leben und Tod, Christus, mein König, holt mich heim zu sich. Die letzten Zeilen von dieser Erde sollst Du haben. Was soll ich Dir noch sagen, da ich in wenigen Stunden vor Seinem Richterstuhl erscheinen muẞ!? Vergiß mich nicht in Deinem Gebet; denn auch für alle mir einst Anvertrauten muß ich Rechenschaft ablegen. Noch einmal, zum letzten Mal, grüße ich Dich aus innerstem Priesterherzen. Grüße auch alle Deine lieben Mitschwestern. Ebenso bitte ich Dich, alle lieben Geschwister und Verwandten in meinem Namen zu grüßen, und schreibe allen, daß es mein innigster Wunsch ist, daß wir uns alle im Himmel wiedersehen. Nun, Gleich Brots ich, v Als k habe währ schaf Nun liche Leid Lisbe wied Mein ewig Zum „ Ge Das In s sein gele Wie Ich werde keinen oben vergessen und vergesset auch mich nicht! den sch Mögen sie doch alle den Weg zum Heiland zurückfinden! tung bere 72 Q seiner au vom r ihr zu- bis un- fesselten em Post- chwester Juli 1945 olgt, 10. Nov. 196 habe ich er Leben heim zu sollst Du la ich in | erschei- enn auch Rechen- ten Mal, rzen. rn, Eben- und Ver- | schreibe ‚ daß wir vergessel d zurück- Nun, meine liebe Schwester Lisbeth, lebe wohl. Gleich kommt noch einmal mein Heiland unter der Brotsgestalt zu mir und dann darf ich Ihn, so hoffe ich, von Angesicht zu Angesicht schauen.— Als kleines Andenken von Deinem Priesterbruder habe ich Dir meinen Rosenkranz zugedacht, der während meiner etwa eineinhalbjährigen Gefangen- schaft mein treuer Begleiter gewesen ist,— Nun wollen wir den schweren Gang— der mensch- lichen Natur nach— gehen, und dann ist es aus mit Leid und Schmach, mit Kämpfen und Ringen, Lisbeth, lebe wohl! Im Himmel sehen wir uns wieder. Mein letztes Wort:„Christus, unserem König, ewige Treue!”— Zum letzten Mal grüßt Dich in der Liebe Christi Dein Priesterbruder Eduard. „Gerade eben erhalte ich Deinen Brief vom 24. Okt. Das ist nun der letzte. Lebe wohl in Christus.” In seinem Testament gedenkt er, der selbst in. seiner Jugend die Härte des Lebens kennen- gelernt hatte, wiederholt der Armen, Wie die übrigen Geistlichen, verzeiht auch er denen, die ihn in den Tod gebracht haben; dann schreitet er mit freudiger Zuversicht zur Hinrich- tung, ohne Angst, ohne Bitterkeit, umflossen. bereits vom Abglanz des Himmelslichtes. 73 ZWEI RELIGIONSSTUNDEN BEI KAPLAN. MÜLLER Eine ehemalige Schülerin, die ausführlich über den Religionsunterricht des Kaplans Prassek spricht (der Aufsatz wird demnächst veröffentlicht), hat auch zwei Religionsstunden bei dem vertretenden Kaplan Müller beschrieben: „Weil es ein stiller, sonniger Abend war, saßen wir auf dem Balkon an der Rückseite des Pfarr- hauses. Ringsum sangen die Vögel und es duftete nach Blüten. Wir waren besonders guter Dinge. Da kam Kaplan Müller:„Es hat wohl wenig Zweck, daß ich in eurem Stoff fortfahre, Ich halte euch einen Vortrag über Askese und Mönchstum. Ich mußte nämlich gerade ein Referat darüber schrei- ben, deshalb sind mir die Gedanken noch so ge- läufig.“ Wir Mädchen reagierten mit einem„hu“ in allen Tonarten. Die Jungen grinsten. Er sah uns erstaunt an. Dann sagte er mit einem kleinen versteckten Lachen in den Augenwinkeln:„Das Thema ist gerade richtig für euch. Wartet, ich hole mein Material. Als er wiederkam, stellte er nur eine Schale mit Konfekt auf den Tisch. Dafür erntete er lauten Jubel.„Was sollen wir außer- dem tun?" fragte er.„Was Schönes,” meinten wir. „Soll ich euch von einer Reise als Student auf dem Balkan erzählen?” ,„O, ja!" An Hand eines sauber geführten Tagebuches mit sehr feinen Photographien(er war leidenschaft- licher Amateurphotograph) folgten wir mit be- 74 ber den spricht ht), hat etenden , saßen Pfarrduftete Dinge. Zweck, te euch um. Ich schreiso geem ,, hu" sah uns kleinen :„ Das ich hole e er nur Dafür außerten wir, geisterter Aufmerksamkeit seinen bunten Erzählungen von Land und Meer und fremdem Volk. Ganz beschwingt gingen wir diesen Abend nach Hause. Am Montag darauf war wieder schönes Wetter. Wieder saßen wir auf dem Balkon. Da sagte Jutta: ,, Ich glaube, er wollte uns vorige Woche wirklich gern über Askese und Mönchstum erzählen." Ja, den Eindruck hatten wir auch. Wißt ihr was, wir bitten ihn drum." Da kam er. ,, Herr Kaplan, wir wünschen uns was!" Beinahe erschrocken fragte er: ,, Was wollt Ihr denn nun schon wieder?" ,, Den Vortrag über Askese und Mönchstum!" 11 Er sah uns ungläubig an. Wir nickten. - Da lächelte er ganz fein und hielt den Vortrag. Der gefiel uns so gut, daß wir ganz still aufbrachen und noch auf dem Heimweg darüber sprachen." auf dem ches mit enschaftmit be75 KARL FRIEDRICH STELLBRINK Unter den vier Lübecker Geistlichen, die ihre Treue mit dem Tode besiegelt haben, befand sich ein evangelischer Pfarrer: Karl Friedrich Stellbrink. Er war zusammen mit den katholischen Kaplänen angeklagt, teilte eine Zeitlang mit einem von ihnen( H. Lange) die Gefängniszelle und wurde zusammen mit ihnen hingerichtet. Ist diese Tatsache des gemeinsamen Leidens und des gemeinsamen Sterbens nicht ein bedeutender Beitrag zur Überwindung der konfessionellen Fremdheit? Der evangelische Propst Stoldt, ein Freund des Blutzeugen, widmet ihm folgenden Nachruf: Der Pastor Karl Friedrich Stellbrink, der zusammen mit drei katholischen Geistlichen am 10. Nov., also am Geburtstage Martin Luthers, von den Schergen des Nationalsozialismus hingerichtet wurde, entstammte dem westfälischen Land und wurde in Münster am 28. Okt. 1894 als zweites Kind des Oberzollsekretärs Karl Stellbrink und seiner Gattin Helene, geborene Kirchhoff, geboren. Nach Absolvierung des humanistischen Gymnasiums zu Detmold in Lippe, wo die Eltern ein eigenes Haus mit Garten hatten, trat er Ostern 1913 in das Landeskirchliche Diasporaseminar ein. 76 die ihre fand sich ı Stell- 'holischen mit einem elle und Ist diese 1 des ge- nder Bei- n Fremd- eund des ıruf: zusammen Nov., also Schergen ırde, ent- wurde in Kind des ner Gattin ch Absol- s zu Det- Haus mit s Landes- Karl Friedrich Stellbrink Als junger Mann von 20 Jahren wurde er 1915, während des ersten großen Weltkrieges, Soldat und wurde 1917 in der Somme- Schlacht verwundet, Da seine linke Hand erheblich verkrüppelt war, galt er als 50% kriegsversehrt. Schon damals hatten ihn die furchtbaren Erlebnisse der Materialschlachten des ersten Weltkrieges seelisch stark beeindruckt und ihn hineinschauen lassen in das namenlose Grauen und Elend, das ein Krieg mit sich bringt. Nach Bestehen der Abschlußprüfung auf dem Landeskirchlichen Diasporaseminar im Jahre 1920 wurde er am 14. Februar 1921 auf Grund des Erlasses des Evangelischen Oberkirchenrates in Berlin- Charlottenburg in der Johanneskirche zu Witten an der Ruhr für das geistliche Amt des überseeischen Auslandsdienstes der evangelischen Landeskirche Preußens ordiniert, nachdem er zuvor dreiviertel Jahr Vikar in Barkhausen, Synode Minden, gewesen war. Am 5. März 1921 schloß er die Ehe mit Hildegard Stellbrink, geborene Dieckmeyer und trat dann am 20. April 1921 die Ausreise nach Brasilien an. Etwa acht Jahre lang diente er dort deutschen Siedlern in Arroio do Padre II bei Pelotas und in Mont'Alverne bei Santa Cruz. Am 29. März 1929 kehrte er mit seiner Frau und seinen drei Kindern Gerhard, Gisela und Waltraut nach Deutschland zurück und verbrachte ein halbes Jahr Erholungsurlaub in der Heimat. Nach einem in Eisenach bestandenen Colloquium wurde er mit der Pfarrstelle in Steinsdorf bei Weida in Thüringen betraut, in der er bis Mai 1934 seines Amtes 77 waltete, um dann zum 1. Juni 1934 an die Lutherkirche nach Lübeck berufen zu werden. Am 7. April 1942 wurde er von der Gestapo verhaftet und bis zum 23. Juni 1943 in Lübeck- Lauerhof, mit Unterbrechung von 4 Wochen in HamburgFuhlsbüttel, in Untersuchungshaft gehalten und dann vom zweiten Senat des Volksgerichtshofes wegen angeblicher ,, Vorbereitung zum Hochverrat" und Rundfunkverbrechens"( Abhören ausländischer Sender) mit drei Kaplänen der katholischen Kirche gemeinsam zum Tode verurteilt. Nach monatelanger Haftzeit im Untersuchungsgefängnis in Hamburg- Holstenglacis und nach Ablehnung mehrerer Gnadengesuche wurden alle vier am 10. November 1943 durch das Fallbeil hingerichtet. Es gibt Menschen, in deren Leben Träume, Ahnungen und Visionen eine eigenartige Rolle spielen. Zu diesen Menschen gehörte Karl Friedrich Stellbrink. Kurz vor der Ankunft in der deutschen Heimat auf der Rückkehr von Brasilien, als seine Frau mit vielen anderen Passagieren an der Reling des Schiffes stand, um das Heimatland zu begrüßen, saß er in der Kajüte auf seinem Gepäck und antwortete auf die erstaunte Frage seiner Frau, warum er so traurig aussähe: ,, Was haben wir getan, daß wir zurückgegangen sind nach Deutschland! Ich sehe ganz, ganz düster in die Zukunft!"- Ein anderes Mal erzählte er morgens beim Erwachen seinen schweren Traum: Er sterbe eines unnatürlichen Todes. Seine Frau erinnerte ihn daran, daß er 120 Jahre alt werden wolle, wie er oftmals im 78 Scherze Traum a werden v Arbeitsd auf seine kräftiges Karl Fr weiter, t ahnende miker, w und Kult Wissen u Studium meinem sammen als er d ließ ihr sehnte Freiheit bunden nach d ihm don nichts der Fre Reich je lich aus zu eine nierter gehörte abseher beliebt Scherze zu sagen pflegte, und versuchte, ihm den Traum aus dem Kopfe zu schlagen. Daß er so alt werden wollte, war auf seinen großen Lebens- und Arbeitsdrang und seine große Lebensfreude sowie auf seine völlige organische Gesundheit und sein kräftiges Herz zurückzuführen. Karl Friedrich Stellbrink war ein Mensch mit weiter, tiefer Schau des Lebens und der Dinge und ahnender Seele. Obwohl kein eigentlicher Akade- miker, war er doch ein Mann von hoher Bildung und Kultur, voll sprühendem Geist und von reichem Wissen und vielen Amtsbrüdern mit akademischem Studium geistig weit überlegen. Wenn wir in meinem Landpfarrhaus oder bei ihm gemütlich bei- sammen saßen, erzählte er so gern aus der Zeit, als er den Siedlern in Brasilien diente. Diese Zeit ließ ihn reiche Lebenserfahrungen sammeln. Er sehnte sich oft zurück nach der Sonne und der Freiheit jenes gesegneten Landes, nach der Unge- bundenheit des dortigen Lebens und Schaffens, nach der Größe und Weite des Raumes, der ihm dort für seine Wirksamkeit offenstand. Denn nichts war ihm verhaßter, als die Beschneidung der Freiheit in Wort und Tat, wie sie im Dritten Reich je länger desto mehr geschah und sich schließ- lich auswuchs zu einer Tyrannei des Geistes und zu einer Knechtschaft der Seelen, wie sie raffi- nierter und widerwärtiger kaum denkbar war, Er gehörte auch nicht zu jenen Pflarrern, die es darauf absehen, sich bei Gemeinde und Kirchenbehörde beliebt zu machen, jedermann freundlich und 19 liebenswürdig nach dem Munde reden und weder nach oben noch nach unten auffallen wollen. Er war ein ausgesprochener Wahrheitsfanatiker, der es liebte, möglichst den Nagel auf den Kopf zu treffen und geradeheraus zu sagen, was er meint. Er war ein praktischer Mann, der überall hinpaßte und sich in alles hineinfinden konnte, nur nicht in das Dritte Reich. Deswegen mußten auch seine anfänglichen Versuche, sich. diesem Reiche anzupassen oder es gar zu unterstützen und zu fördern, kläglich scheitern. Er hatte, wie so viele andere deutschbewußte und nationale Männer, wohl von der Persönlichkeit Hitlers für das Herauskommen aus der Arbeitslosenmisere und für den wirtschaftlichen Wiederaufbau Deutschlands etwas erhofft, hat aber bald erkannt, daß der Führer ein Verführer und sein Weg nicht aufwärts, sondern in den Abgrund führte. Und so konnte es gar nicht anders sein, es mußte einmal Zeit und Stunde kommen, in der die Agenten der Gestapo begannen, sich für ihn zu interessieren. Oft saßen wir gemeinsam am Rundfunk und hörten den verschiedensten Auslandssendern zu, um deren Nachrichten mit den unsrigen zu vergleichen und uns ein einigermaßen wahrheitsgetreues Bild von der Kriegslage zu verschaffen. Diese für jeden Kulturmenschen des 20. Jahrhunderts auch in den kriegführenden Ländern ganz selbstverständliche Freiheit war im Dritten Reich bekanntlich ein todeswürdiges Verbrechen. Schon im Jahre 1939 war es Pastor Stellbrink klar, daß der Krieg nicht nur nicht gewonnen werden könnte, sondern daß 80 er das F Ihn blend fangserfo bereitete aus Real listischen bringen u Er war und, obv kein eige Ihn inte Ahnenfor sehr wi Kinder hielt sie keit und allem w manden ließ er lernen: Vor all laß nie Seine g Drang n sein Le ( 2 zu 3 Verurtei In den schier die kör Wasser Schäfer weder Twar er es effen ar ein ich in Dritte chen esgar itern. e und hkeit osenfbau annt, nicht nd so inmal n der ren. örten deren und von jeden n den dliche ein 1939 nicht n daẞ er das Ende des Deutschen Reiches bedeutete. Ihn blendeten nicht, wie so viele andere, die Anfangserfolge des glänzend ausgerüsteten und vorbereiteten deutschen Heeres. Stellbrink war durchaus Realist und ließ sich durch keine nationalistischen Phrasen von der Wirklichkeit des Lebens bringen und den klaren Blick in die Zukunft trüben. Er war kein weltfremder Sinnierer und Träumer und, obwohl er sehr viel las und studierte, doch kein eigentlicher Bücherwurm und Stubenhocker. Ihn interessierte das Eigenheim ebenso wie die Ahnenforschung, der Obst- und Gemüsebau ebensosehr wie pädagogische Fragen. Er erzog seine Kinder in einem frisch- fröhlichen Christentum, hielt sie an zur Abhärtung, Einfachheit, Sparsamkeit und Liebe zur Wahrheit und Offenheit. In allem war er seinen Kindern und seinen Konfirmanden ein Vorbild. In der Konfirmandenstunde ließ er als erstes das Gedicht von R. Reinicke lernen: ,, Deutscher Rat", das bekanntlich lautet: ,, Vor allem eins, mein Kind, sei treu und wahr, laẞ nie die Lüge deinen Mund entweihen..." Seine große Freiheitsliebe, sein unbezähmbarer Drang nach Wahrheit und Wahrhaftigkeit muẞte sein Leiden in der Haftzeit in einer Einzelzelle ( 2 zu 3 Meter), die 114 Jahr währte bis zu seiner Verurteilung, für ihn besonders hart werden lassen. In den ersten Wochen der Haftzeit kamen zu den schier untragbaren seelischen Qualen auch noch die körperlichen: sehr starke Abmagerung und Wasser in den Gliedern. Als seine Frau und eines • Schäfer 81 seiner Kinder ihn besuchten, waren seine Augen düster und umschattet mit tiefen schwarzen Ringen und sein Gesicht verhärmt und vergrämt. Später empfand er mehr Freude über das wenn auch sehr kurze Glück des Vereintseins mit seinen Lieben. Dann lag ein Glanz in seinen Augen wie nie zuvor, als ob ihm die größte Freude seines Lebens zuteil würde. Seine liebe Frau und seine von ihm so wohlerzogenen und über alles geliebten Kinder hatten bei ihren Besuchen je länger desto mehr das Gefühl, als seien alle menschlichen Fehler und Mängel während der endlosen, einsamen Haftzeit von ihm abgefallen und als sei er der Ewigkeit und dem Reiche Gottes viel, viel näher als sie selbst. Obwohl ihm bangte um das Schicksal der geliebten Frau und seiner drei Kinder, war er ungebeugten Mutes und ging getröstet in seinem Gott und erfüllt vom christlichen Glauben und ewiger Hoffnung in den Tod. In der ersten Zeit seiner Gefangenschaft hoffte er noch auf baldige Heimkehr; so schrieb er: ,, Gott schütze Euch und führe uns bald wieder alle zusammen in friedlichere Zeiten neuen Aufbauens." Es wurde ihm aber bald klar, daß seine Haft noch lange dauern würde; und so schrieb er oft an seine Kinder: ,, Ich hörte von Mutter mit Freuden von Euer aller Ergehen und daß ihr der Mutter so lieb und treu zur Seite steht und die Hoffnungen erfüllen wollt, die wir Eltern auf Euch in solchen Zeiten setzen können. Glaubt mir, diese Freude ist meine Kraft und stärkste Hilfe jetzt; weiß ich doch, daß meine 82 Worte be Wahrlich, eine Gem meinschaf ist. Notze Nun ist si Den beide Militär un schrieb er Nicht gri Hoch übe Gesche Sonnenho Unsere G Sonnensic Gott ist g Freund, d Seine geli wies sie t " Wills Dir De Lerne bes Wie D So wir Ich grüße Es ist, als wolle er bereiten, Urteilsspr Augen Ringen Später ch sehr Lieben. zuvor, szuteil ihm so Kinder mehr er und Haftzeit wigkeit als sie sal der er unseinem en und en Zeit baldige uch und lichere Der bald würde; ch hörte Ergehen ur Seite die wir können. aft und 3 meine Worte bei Euch nicht vergeblich gewesen sind. Wahrlich, es gibt nichts Höheres auf Erden, als eine Gemeinschaft des Blutes, die zugleich Gemeinschaft des Glaubens, der Treue und der Liebe ist. Notzeiten aber können erst die Probe bringen. Nun ist sie erbracht. Dafür danke ich Gott." Den beiden ältesten Kindern, die seinerzeit zum Militär und Arbeitsdienst aus dem Hause gingen, schrieb er: ,, Nicht grübeln! glauben! - Hoch über Hadern und Hassen, hoch über allem Geschehen, Sonnenhoch über dem, was wir leben und sehen, Unsere Gedanken nicht fassen, Sonnensicher bleibt eines bestehen: Gott ist gut! Freund, das darf keiner uns rauben!" Seine geliebte Gattin munterte er immer auf und wies sie tröstend hin auf das Leid anderer: ,, Willst Du, eignes Leid zu tragen, Dir Dein Herze kräftigen, Lerne mit der andern Klagen edel Dich beschäftigen! Wie Dein Blick dadurch erweitert, So wird auch Dein Herz erheitert. Ich grüße Euch mit 2. Kor. 1, 3-12 und Mk. 5, 36." Es ist, als ahne er sein künftiges Schicksal und als wolle er die Seinen auf das Kommende vorbereiten, wenn er von Hamburg aus, noch vor dem Urteilsspruch, seinen Brief beschließt: 83 ,, Wem Zeit ist wie Ewigkeit und Ewigkeit wie Zeit, der ist befreit von allem Leid." Nach der Verurteilung zum Tode tröstete er die Gattin und weist sie hin auf die Unvergänglichkeit der Liebe: ,, Und nun sollte das alles vorbei sein?( Die Gemeinschaft in der Familie). O, nein, liebe Hildegard, die Treue steht zuerst, zuletzt im Himmel und auf Erden." ,, O Ewigkeit, du schöne, mein Herz an dich gewöhne, mein Heim ist nicht in dieser Zeit. Wahrlich. keiner kann seine Lebensgrenze bestimmen. Gott aber sei Dank, daß unser Leben in seiner Hand stehen darf: Er hat's gesagt und darauf wagt mein Herz es froh und unverzagt und läßt sich gar nicht grauen! 1. Kor. 15, 19 und Joh. II, 25, 26." Etwas später: ,,... in Deiner Hand steht meine Zeit, laß Du mich nur Barmherzigkeit vor Deinem Throne finden." ,, Er hat noch niemals was versehn in Seinem Regiment. Nein, was Er tut und läßt geschehn, das nimmt ein gutes End'." Im letzten Brief vom 31. Oktober klingt der Gedanke der Freude an, der ja auch in dem Abschiedsbrief des Vikars Lange eine so große Rolle spielt: ,, Gott hat mir bisher geholfen, weil eure Gebete mich trugen. O, was würde das für eine Gemeinschaft werden, wenn wir wieder zusammenkämen!! Aber sei gewiß: Sie kommt; wenn nicht in dieser unendlich kurzen Erdenzeit, so bestimmt dort in der Ewigkeit. Und das ist doch wahrlich die Haupt84 sache! D nichts! F Für die H fangensch Trostes u sagte er: Wie sch Ewigkeit sondern machte: euch zur Ganz ge und vor fühlt woh und doc Vollstrec ,, Er stark Mit Ka beckisch überaus tenem A furchtlos und Fre der der wurde. zusamme den Sol Zersetzu geklagt Glaube Christer wie er die chkeit e GeHildeFimmel wöhne, keiner Der sei mdarf: es froh rauen! später: mich den." Seinem chehn, edanke chiedsspielt: Gebete emeinämen!! dieser dort in Hauptsache! Darum: Freuet Euch und sorgt Euch um nichts! Phil, 14, 4-7." Für die Familie waren die Besuche in seiner Gefangenschaft Feierstunden, in denen nur Worte des Trostes und der Liebe gesprochen wurden. Einmal sagte er: ,, Wie schön muß es doch sein, wenn die Tore der Ewigkeit sich öffnen!" Nicht an sich dachte er, sondern nur an seine Lieben, als er die Bemerkung machte: Sterben ist nicht schwer, aber daß ich euch zurücklassen muß, das ist schwer." Ganz gewiß wurde ihm das Scheiden vom Leben und vor allem von den Seinen nicht leicht, und er fühlt wohl die Härte und Schwere des Todesopfers, und doch sagte der Anstaltsgeistliche nach der Vollstreckung des Urteils: ,, Er starb wie ein Held!" Mit Karl Friedrich Stellbrink verlor die Lübeckische Landeskirche nicht nur einen treuen und überaus tapferen Mann, einen Menschen von seltenem Adel des Geistes und Charakters, einen furchtlosen Kämpfer für Recht und Gerechtigkeit und Freiheit, sondern auch den einzigen Pfarrer, der der Märtyrerkrone teilhaftig und gewürdigt wurde. Wenn er Briefe des Bischofs von Galen zusammen mit seinen katholischen Amtsbrüdern den Soldaten in das Feld sandte und darum der Zersetzung der Wehrkraft, ja des Hochverrats angeklagt wurde, so war das eine Tat, die ihm Glaube und Gewissen gebot, und die uns als Christen aufs innigste mit ihm verbindet. Das 85 deutsche Volk verlor in ihm einen seiner besten Söhne, einen wirklichen und wahrhaftigen Helden. im edelsten und tiefsten Sinne dieses Wortes, seine Familie einen vorbildlichen Familienvater und ich selber, das darf ich wohl mit Recht sagen, einen sehr lieben Freund. Wenn seine Gattin mir schrieb: ,, Sie sind vielleicht der einzige der Amtsbrüder, der meinen Mann in seinem Wollen und Streben ganz verstand. Weil mein Mann das wußte, darum gerade ließ er Sie in sein Inneres schauen. Ich werde unsere schönen, gemütlichen Zusammenkünfte, da es sich so deutlich zeigte, wie wir eines Sinnes waren, nicht vergessen."- so bin ich besonders dankbar, daß ich Karl Friedrich Stellbrinks durch diese Zeilen in Treue, Ehrfurcht und Dankbarkeit gedenken darf. Trotz zahlloser Verhöre hat er in seiner grenzenlosen Treue den Freund nicht verraten und ist den Weg zum Schafott allein gegangen. 66 Zusammen mit Gattin und Kindern beklage ich seinen frühen und überaus tragischen Tod. Alle, die ihn wirklich kannten, liebten ihn in seiner großen Wahrhaftigkeit und Treue und werden ihn nie vergessen. Propst i. R. Stoldt. ,, Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein, wenn es aber stirbt, so bringt es viele Frucht." Joh. 12, 24. 86 Gisela, di setzt ihre schönes D Heute, am begann d der Sonn man schr schon jah heute mo inneren A in dem m als müsse Eine Sch ich nie in ein ne Morgen a noch bra Lübeck. die ganz hatte sic senen un unser N hinein u jammern Ich weiß willen b er seine wühlt vo esten elden seine and ich MEIN VATER Gisela, die Tochter des Märtyrers der Wahrheit, setzt ihrem Vater mit folgenden Worten ein schönes Denkmal: einen vielmeinen stand. eß er nsere s sich waren, kbar, diese it geer in t verin gee ich Alle, seiner en ihn oldt. 12,24. Lübeck, den 14. April 1946 Heute, am Sonntag Palmarum, genau vor 4 Jahren, begann der Leidensweg meines Vaters. Nur fiel der Sonntag damals nicht in den April, sondern man schrieb den 29. März 1942. Das, was nun schon jahrelang hinter mir liegt, stand plötzlich heute morgen wieder klar und frisch vor meinem inneren Auge, als ich erwachte von einem Traum, in dem mir mein Vater erschienen war. Mir war, als müsse ich seiner heute besonders gedenken. Eine Schreckensnacht lag damals hinter uns, die ich nie vergessen werde, besonders, da sie mich in ein neues Lebensjahr hineinführte. Ich sah den Morgen aufdämmern aus Dunst, Rauch und Asche; noch brannte unsere Stadt, unser geliebtes, schönes Lübeck. Mein Vater war stark und ruhig geblieben die ganze Nacht hindurch, Der Schein des Feuers hatte sich wiedergespiegelt in seinen entschlossenen und zuversichtlich blickenden Augen. Als unser Nachbarhaus lichterloh brannte, sprang er hinein und entriß den Flammen das, wonach die jammernden Menschen schrien, ihr Hab und Gut. Ich weiß noch, daß alle ihn um seines großen Mutes willen bewunderten. Am andern Morgen segnete er seine Konfirmanden ein. Übernächtigt, aufgewühlt von dem erschütternden Erleben, mit über87 wachen Nerven sprach er von der Kanzel zu den Menschen, die sich trotz dieser Nacht im Gottes- hause eingefunden hatten und wies sie auf Gott hin, der in mächtiger Sprache zu uns Menschen geredet hatte. Wie ein Lauffeuer aber verbreitete sich das Wort„Gottesgericht'' und wurde der An- laß zur Gefangennahme meines Vaters. Er selbst hatte das Wort„Gottesgericht‘ nicht ausge- sprochen, wie er uns später sagte, jedoch die Menge faßte den Sinn seiner Rede in diesem einen Worte zusammen und trug es fort von Mensch zu Mensch. Noch ehe es aber zu uns selber drang, war über uns das Unglück bereits hereingebrochen. Meiner Mutter drohten die Knie zu versagen und das Herz stillzustehen, als sie das gefürchtete und verhaßte Wort„Gestapo” hörte und gleich- zeitig die Verkündigung, daß man ihren Mann ab- holen wolle. Es war dies am Karfreitag, mein Vater lag mit hoher Temperatur zu Bett; die Reaktion von jener Nacht vom 28. zum 29. März war nicht ausgeblieben. Kaum aber genesen, trieb ihn innere Unruhe und ein schuldlos-reines Gewissen in die Hände der Gestapoleute, um sich Klarheit zu ver- schaffen. Da ward ihm grausamste Gewißheit! Lange noch saßen wir am 7. April mit bangen, ahnungsschweren Herzen vorm Fenster und war- teten auf unseres Vaters Rückkehr, jedoch ver- geblich. Es wurde Nacht und wieder Tag. Er kehrte nicht heim. Es war gut, daß wir damals noch nicht wußten, wie lange wir so auf ihn warten. sollten, immer noch Hoffnung im Herzen tragend 88 auf ein gl Jetzte Hol dem Tage Erschütte im Gefän mitkomm! im Lauer Langes W bitterer es so we Dumpfe, Schaurig sich um dend, Hi dieser fi Kerkerlu hinter C 2zu3 N gegeben Gedanke sucht un sah ich| bleichen Augen b zu seher samer V sein Aus härmt, n schwarz, ihm gefr Beute fo u den sottes- ! Gott ischen reitete er Än- selbst ausge- h die ‚einen sch zu drang, ochen, n und chtete sleich- nn ab- ‚ Vater aktion r nicht innere in die u Ver- it! jangen, d war- auf ein glückliches Ende,— bis Gott uns auch die letzte Hoffnung nahm mit dem 10. November 1943, dem Tage seiner Hinrichtung. Erschütternd waren für uns Kinder die Besuche im Gefängnis. Nur einer von uns durfte immer mitkommen. Ich denke an meinen ersten Besuch im Lauerhof zu Lübeck. Langes Warten vorher mit klopfendem Herzen und bitterer Wiedersehensfreude. Dann endlich war es so weit. Man führte uns durch lange Gänge. Dumpfe, modrige Kerkerluft schlug uns entgegen. Schaurig überlief es mich, ein eiskalter Ring legte sich um meine Brust, fest und immer fester wer- dend. Hier mußte mein Vater leben! Mein Vater, dieser freiheitsdürstende, lichthungrige Mensch! Kerkerluft atmen,— sich sehnen nach Sonne hinter Gittern,— in einer winzigen Zelle von 2 zu 3 Metern,— allein,— Tag und Nacht preis- gegeben der zermürbenden Macht und Gewalt der Gedanken, die sich doch in übermenschlicher Sehn- sucht und Raserei verlieren mußten! Und dann sah ich ihn im dunklen Gang. Der Schein seines bleichen Gesichtes durchdrang das Dunkel, seine Augen blitzten sekundenlang auf vor Freude, uns zu sehen nach der langen Trennungszeit in ein- samer Verlassenheit. Aber wie erschrak ich über sein Aussehen! Elend, bleich, abgemagert und ver- härmt, mit geschwollenen Augenlidern und tiefen, schwarzen Schatten darunter. Das Leid hatte an ihm gefressen und fraß weiter, unbarmherzig seine Beute fordernd. Nicht das äußere Leid vernichtete 89 ihn, dazu war er innerlich zu stark und gefestigt, nein, das Wissen um die verlorengegangene Ehre und Freiheit drohte ihn umzuwerfen. Und nicht zuletzt war es die tiefe Trauer um sein Volk, das er rettungslos dem Abgrund entgegensteuern sah. Das war nun mein Vater! Im gestreiften Sträflingsanzug und schweren Holzpantoffeln saß er vor uns, den Kopf in beide Hände gestützt, düster, ja beinahe mit schwarz- dunklem Blick vor sich hinstarrend ,,, Fragt nicht nach meinem Ergehen", war sein erstes Wort an uns. Wut und Haß gegen die Menschen, die dieses verschuldeten, ergriff mich. Doch was half mir mein Fäusteballen, mir, die ich machtlos und stumm dies Unrecht mitansehen mußte?! Nie vergesse ich den Augenblick, da uns der Wärter allein ließ und da mich mein Vater fragte: Wie steht es mit Deutschland? Hat es sich noch nicht erhoben, um die Fesseln der Knechtschaft von sich zu werfen?" Was hätte ich da drum geben mögen, ihm antworten zu können: Ja, Deutschland ist erwacht, es wird sich und damit Dich befreien!" So aber mußte ich verneinend den Kopf schütteln. Da erschrak ich vor der abgrundtiefen Trauer und Enttäuschung in seinem verdüsterten Auge. Und zum ersten Male in meinem Leben tauchte mir die Frage auf: War es dies Volk überhaupt wert, daß sich das geliebte Leben meines Vaters dafür zu Grunde richtete? In meiner Not wollte ich ihm zureden: Leugne doch und widerrufe! Doch da kam der Beamte zurück, und mein Mund schloß sich wieder. 90 Es war gu feigen Ge Mein Vat rief nicht, als daß e für wurde Ich war jahr 1943 es war f meinen meinen A schaft vo gekerker Im Arbei fürchtete näher zu worden, hatte. E bevor m wurde, d sollte A mir, als sein. Ich immer, und zu krieg he war von urteil tr daran so Fesseln Vorwurf Es war gut so, denn später schämte ich mich dieses feigen Gedankens. Mein Vater aber leugnete auch nicht und wider- rief nicht. Er hat die Wahrheit viel zu sehr geliebt, als daß er sie jemals verraten haben könnte. Da- für wurde er am 23. Juni 1943 zum Tode verurteilt. Ich war zu der Zeit im Arbeitsdienst. Im Früh- jahr 1943 hatte ich mein Abitur bestanden, und es war für uns ein heimlicher Triumph und für meinen Vater eine Freude, daß ich als einzige meinen Abituraufsatz vor versammelter Zuhörer- schaft vorlesen mußte, ich, die Tochter des ein- gekerkerten„politischen Verbrechers"! Im Arbeitsdienst stand ich oft allein, da man sich fürchtete, mit der Tochter des Pastor Stellbrink näher zu verkehren. Mein Fall war bekannt ge- worden, da ich meine Führerin um Urlaub gebeten hatte, Es wurde ein trauriger Urlaub. Einen Tag, bevor mein Vater nach Hamburg„abtransportiert” wurde, durfte ich ihn noch einmal besuchen. Ich sollte Abschied nehmen für immer, doch war es mir, als könnte dies der letzte Abschied noch nicht sein, Ich fand meinen Vater ruhig und gefaßt, wie immer, wenn einer von uns Kindern mitkam, Ab und zu rieb er sich sein linkes, vom ersten Welt- krieg her verstümmeltes Handgelenk, das gerötet war von den Fesseln, die er seit seinem Todes- urteil tragen mußte. Schon der bloße Gedanke daran schmerzte uns gewiß ebensosehr wie ihn die Fesseln schmerzen mußten. Er spürte den leisen Vorwurf in meinen Augen und die brennende, 91 jedoch unausgesprochene Frage: Mußte das alles sein?! ,, Ja, Kind, ich konnte nicht anders, verzeiht mir, wenn ich Euch solchen Kummer bereite." Und dann erinnerte er mich an das Lied Paul Gerhardt's: Befiehl du deine Wege und was dein Herze kränkt der allertreusten Pflege des, der den Himmel lenkt--" und ließ mich davon die - 7. Strophe aufsagen: ,, Auf, auf gib deinem Schmerze und Sorgen gute Nacht, laẞ fahren, was das Herze betrübt und traurig macht; bist du doch nicht Regente, der alles führen soll, - Gott sitzt im Regimente und führet alles wohl." In den wenigen Minuten, die uns noch übrig blieben, ließ mein Vater uns einen Blick in seine Welt tun, und wir standen erschüttert. Ich hörte ihn von Gott sprechen, hörte ihn eine Reihe der schönsten Bibelstellen sagen und Worte aus Goethes ,, Faust", den er von Anfang bis zu Ende auswendig konnte! Das war seine Welt, in der er lebte und die ihn hielt und stärkte. Jesus muẞte wohl bei ihm in seiner Zelle gewohnt haben all' die Zeit über und ihn getröstet und bewahrt haben vor dem Wahnsinn in seiner Einsamkeit. Im Oktober 1943 wurde ich vom Arbeitsdienst entlassen. Mein erster Gang galt meinem Vater in Hamburg. Dort traf ich mich mit meiner Mutter. Es war Vaters 49. Geburtstag, der 28. Oktober 1943. Nach langer Zeit sah ich meinen Vater wieder. Diesmal 92 erschrak tiefe Ruhe Herz, ver Wundern Vaters A sein Blick und Ang zum erst der Erlös wieder b Geburtst seinen W trösten v eure Mu haben, w aber bin meinem euch all ,, Es gibt umschlin als ich mich b Leuchte ich dur Fragen stummte Die Gra Ich mul Liebling empfun wohl" übrig seine hörte ıe der > aus Ende in der mußte on all haben m Ok- lassen, mburg. s war ‚Nach jesmal erschrak ich nicht vor seinem Aussehen. Eine tiefe Ruhe senkte sich, von ihm ausgehend, in mein Herz, vermischt mit ehrfürchtigem Staunen und Wundern. Während ich erzählte, ruhten meines Vaters Augen mit warmem Glanz auf mir, so daß sein Blick ganz allmählich die Eisesstarre der Not und Angst um ihn zum Schmelzen brachte und zum ersten Male wieder nach langer Zeit Tränen der Erlösung und Entspannung hervorriefen. Immer wieder betrachtete er mein Bild, das ich ihm zum Geburtstag geschenkt hatte, und Stolz klang aus seinen Worten, mit denen er meine Mutter zu trösten versuchte:„Wie eine Mauer müßt ihr um eure Mutter stehen und sie schützen und lieb haben, wenn ich nicht mehr sein werde. Im Geiste aber bin ich immer bei euch, bitte für euch bei meinem Vater, blicke auf euch herab und sehe euch allezeit.—— „Es gibt keine Trennung, ein ewiges, heiliges Band umschlingt uns alle.” Die Tränen versiegten, und als ich meinem Vater ins Gesicht schaute, blendete mich beinahe das verhaltene aber sieghafte Leuchten in seinen Augen, und mir war, als sähe ich durch sie den Anfang der Ewigkeit. Alles Fragen nach dem unergründlichen„Warum“ ver- stummte, und nur noch eines erfüllte mich ganz: Die Größe der Stunde.——— Ich mußte der unendlich schönen Worte meines Lieblingsdichters Walter Flex gedenken: „——— Nicht, daß ich's in jener Stunde klar empfunden hätte, aber als Keim senkte es sich 93 damals in meine Seele, der in später Erinnerung hell und heller aufblühte. Großen Seelen ist der Tod das größte Erleben. Wenn der Erdentag zur Rüste geht, und sich die Fenster der Seele, die farbenfrohen Menschenaugen verdunkeln wie Kirchenfenster am Abend, blüht in dem verdämmernden Gottestempel des sterbenden Leibes die Seele auf und füllt sich mit dem tiefen Glanze der Ewigkeit. Dann haben Menschenstimmen zu schweigen. Auch Freundesstimmen - darum forscht und sehnt euch nicht nach letzten Worten! Wer mit Gott spricht, redet nicht mehr mit Menschen." Da kam es wie ein Schwur über meine Lippen: ,, Vater, ich werde mich Deiner niemals zu schämen haben und du sollst auch dich meiner nicht schämen." Ich fühlte meines Vaters Hände über mir: Er segnete mich zum letzten Male. Dann schloßẞ er mich noch einmal in die Arme, sein Blick umfaẞte mich mit ganzer väterlicher Liebe. Die Tür fiel hinter mir ins Schloß, ich stand wieder draußen in der Welt, der irdischen Welt, die mit neuen Anforderungen und Aufgaben an mich herantrat. Ein innerer Friede aber war über mich gekommen und gab mir Kraft, die mir gestellten Aufgaben zu meistern. Der evan berichtet 10. Nov Um 6 U gerichtet erstemal sterben, ganz bes der Kan den Tod genug se ihres Le sie nicht Im Kell einander kniet vo erhoben Hände i hat jetz Augen. zu über Kaplan wir uns trägt mi herzlich die letz In der und er schönen von sei 94 erung t der g zur , die wie dams die lanze en zu arum Orten! - mit ppen: ämen nicht segchloß umwieder ie mit mich mich ellten 10. NOVEMBER 1943 Der evangelische Gefängnisgeistliche, Pastor Eske, berichtet über die Vollstreckung des Todesurteils: 10. Nov. 1943 15 Min. vor 6 Uhr abends. Um 6 Uhr sollen die 4 Lübecker Geistlichen hingerichtet werden. Da es in dieser Anstalt das erstemal ist, daß Geistliche auf dem Schafott sterben, achten die kirchenfeindlichen Beamten ganz besonders darauf, wie ,, diese Pfaffen", die auf der Kanzel ja so leicht schöne Worte finden, in den Tod gehen werden. Wird ihr Glaube stark genug sein, diese letzten schweren 15 Minuten ihres Lebens aufrecht zu bestehen, oder werden sie nicht doch jammern und wehleidig werden? Im Kellergeschoß sind die 4 Todeszellen nebeneinander. Da ist zuerst der Kaplan Prassek. Er kniet vor dem Kruzifix. Als er sich vom Gebet erhoben hat, reichen wir uns zum Abschied die Hände im festen Druck. Er, der so gern lachte, hat jetzt das Leuchten einer anderen Welt in den Augen. Er bittet, den andern seine letzten Grüße zu überbringen. Kaplan Müllers Augen sind ganz still und tief, als wir uns voneinander verabschieden. Kaplan Lange trägt mir beim Verlassen der Zelle einen besonders herzlichen Gruß an Pastor Stellbrink, mit dem er die letzten Monate die Zelle geteilt hat, auf. In der Todeszelle sitzt Pastor Stellbrink am Tisch und erzählt mit glänzenden Augen von den schönen Jahren in Brasilien, von seiner Familie, von seiner Tätigkeit im geistlichen Amt. 95 Es tut mir leid, ihn unterbrechen zu müssen. Leise frage ich ihn: ,, Es ist so weit, sind Sie bereit, den letzten Gang anzutreten?" Mit einem klaren, festen ,, Ja" antwortet er. Wie wir uns vor einer Stunde im heiligen Abendmahl vereinigt haben, vereinen wir uns nun in einem letzten gemeinsamen Gebet: , Wenn müde unsere Füße, den letzten Weg zu gehn, mit Deiner Kraft uns grüße, laẞ Deine Klarheit sehn; Und wenn der Sinn verwirrt, das Herz so bang zerquält, gib Sehnsucht, die nicht irrt, gib Segen, der uns stählt. Wenn mir am allerbängsten wird um das Herze sein, so reiß mich aus den Ängsten kraft Deiner Angst und Pein." Mit Jesu Kreuzeswort legen wir Seele und Leib in Gottes Hände: ,, Vater, in Deine Hände befehle ich meinen Geist!" Dann wird der Befehl durchgegeben: ,, Fertigmachen zur Hinrichtung." - Als die Hände auf dem Rücken gefesselt werden, steigt die Qual dieser letzten Demütigung in die Augen: Muß das sein? Wie ein Verbrecher gefesselt?! Kann ich nicht wie ein freier Mann sterben?" Auch diese Qual wird überwunden, ohne Klage, stark und fest. Diese letzten Minuten des War96 tens, ang Angst, las sein. En Pastor Ste die Zelle tut. So im Innern werden s quälende denen ab Dann bed suche in Frau und innigsten Worten i Antlitz, des Her steht. Die Hinr wenn da zusamme Nun we Pastor L zwischen Du kan führen u Wieder Kaplan I Und jetz Stellbrin -WO 1 Schäfer Leise , den laren, bendun in Leib in Geist!" Fertigerden, in die er geMann Klage, War- tens, angefüllt mit der furchtbarsten Not und Angst, lassen die Nerven zum Zerreißen gespannt sein. Endlos dehnen sie sich, diese Minuten! Pastor Stellbrink macht noch einige Schritte durch die Zelle die letzten, die er aus freiem Willen tut. So ruhig er äußerlich auch erscheinen mag, im Innern erreicht die Erregung die Grenze. Worte werden stockend gesprochen, arme Worte, die das quälende Warten abkürzen sollen, Worte, hinter denen aber doch all' die Not der Sorgen steht. Dann bedankt sich Pastor Stellbrink für die Besuche in der Zelle. Zuletzt: ,, Grüßen Sie meine Frau und die Kinder, sagen Sie ihnen meinen innigsten Dank für alle Liebe!" Es zuckt bei diesen Worten in seinem Gesicht- dies blasse zuckende Antlitz, in dem neben all' der Qual die Kraft des Herzens und der seligen Christenhoffnung steht. - Die Hinrichtungen haben begonnen; jedesmal, wenn das Fallbeil dumpf aufschlägt, zucken wir zusammen, - Nun werden in der Nebenzelle Schritte laut. Pastor Lange wird abgeführt. Aufrecht geht er zwischen den Beamten die Augen geschlossen. ,, Du kannst durch des Todes Türen träumend führen und machst uns mit einmal frei!" Wieder schlägt das Fallbeil dumpf auf. Also ist Kaplan Lange erlöst! Und jetzt- - - ich muß in das Gesicht von Pastor Stellbrink schauen, auf den Hals - WO in den nächsten Minuten 7 Schäfer - 97 auf die Stelle --! - Nein! nicht denken das Grauen schüttelt mich. Es - ist gut, daß Pastor Stellbrink nicht weiß, wie ,, es" vor sich geht. Noch einmal reiche ich ihm die Hand, trotz der Fesselung auf dem Rücken fassen sich unsere Hände in einem festen Druck, der mehr als Worte sagt. Dann lege ich meine Hand auf seine entblößte Schulter; unsere Augen tauchen tief ineinander: ,, Auf Wiedersehen im Himmel!" Langsam wiederholt er diese Worte. Ein Licht blitzt auf - - das Zeichen, daß jetzt Pastor Stellbrink den schweren, schweren letzten Gang antreten soll. Zu beiden Seiten die Beamten, langsam, mit schweren Füßen gehen wir den langen. düsteren Gang entlang. Unheimlich hallen unsere Schritte wider. Kein Wort der Klage, kein Seufzer, kein Stöhnen, Pastor Stellbrink ist völlig still und ruhig. An der Tür wendet er mir noch einmal sein Gesicht zu dies weiße, zuckende Gesicht in einem langen gequälten Blick grüßen seine Augen zum letzten Mal! Da packen die Fäuste der Henkersmächte zu- das Fallbeil schlägt auf! - - - Pastor Stellbrink ist heimgekehrt in die Heimat der Seelen droben im Licht, des Gef in de Für diese rufen die Tote sin wir in all uns die t vollen Stu die Wuch empfunde sammense selben St Seelsorge rischem H zu Euch Erinnerun Gottesha lebten un Christlich sungen h Nacht v schiedena Eure See Schafott 98 Sakramen sehen, wi Es es" z der nsere Worte blößte ander: ngsam zt auf den soll. , mit steren chritte , kein ill und einmal Gesicht seine zu 20 Heimat Gedächtnis- Predigt des Gefängnispfarrers, Prälat B. Behnen am 16. April 1946 in der Herz- Jesu- Kirche zu Lübeck. Christliche Zuhörer! Für diese Gedächnispredigt laßt uns zuvor anrufen die Hilfe Gottes! ,, Tote sind wir geworden, doch seht, lebendig sind wir in alle Ewigkeit!" cf. Offenb. I. 18. Das sagen uns die teuren Toten, deren wir in dieser weihevollen Stunde gedenken. Nie zuvor habe ich mehr die Wucht der Wahrheit dieser göttlichen Worte empfunden, als unter dem Eindruck unseres Zusammenseins hier; denn ich stehe hier an derselben Stelle, von welcher aus Eure verstorbenen Seelsorger mit jugendfrischem und seelsorgerischem Eifer, mit inniger Liebe und Treue so oft zu Euch gesprochen haben. Kommt es uns in der Erinnerung an ihre Worte und Taten in diesem Gotteshause nicht so vor, als wenn sie wieder lebten und mit uns hier vereinigt wären! Christliche Zuhörer! Das Lied, das Ihr soeben gesungen habt: ,, Beim letzten Abendmahle, die Nacht vor seinem Tod" erklang in den verschiedenartigsten Weisen in unseren Herzen, als Eure Seelsorger unmittelbar vor ihrem Gange zum Schafott und zum Sterben von mir die heiligen Sakramente empfingen. Daraus könnt Ihr ersehen, wie uns zu Mute war. 7° 99 Ich habe Hunderte von Männern und Frauen im Laufe der letzten Jahre für die Hinrichtung vorbereitet und zum Schafott begleitet. Jeder solcher Vorgang, glaubt es mir, war physisch fast unerträglich und seelisch über alle Maßen schmerzvoll. Aber dieses bittere Weh wurde himmlisch verklärt durch die große Freude darüber, daß alle diese Hunderte ohne Ausnahme tiefgläubig sich auf den Tod vorbereiteten und auch tiefgläubig gestorben sind. Ich habe nicht nur die Hoffnung, sondern auch die feste Überzeugung, daß sie einmal bei dem frohen Wiedersehen, das sie mir beim Abschied wünschten, ein ,, Deo gratias" singen werden in alle Ewigkeit, weil sie mit Hilfe der Gnade Gottes und auf die Fürbitte der Heiligen so tiefgläubig und selig sterben durften. Christliche Zuhörer! Doch viel tiefer, im Innersten aufgewühlt, und erschüttert war ich, als ich meine lieben Mitbrüder und Eure Seelsorger in derselben Weise betreuen mußte. Könnt Ihr mir das nachfühlen? Stellt Euch einmal vor, was es hieße, ein Priester solle seinen eigenen Bruder zum Blutgerüst begleiten und ihn darauf sterben sehen. Müßte sich dann nicht wiederholen, was wir bei dem Liede empfinden: ,, Christi Mutter stand in Schmerzen bei dem Kreuz und weint von Herzen, als ihr lieber Sohn da hing!" Ja, christliche Zuhörer, so war mir ums Herz vom ersten Augenblicke an, in welchem ich mit Euren Seelsorgern nach ihrer 100 Verhaftun welcher i trennt wu Denn wiß dann kan der ich daß wir blutsmäßi Glieder e ist, Jesu und von ununterb unsere P jeden Ta des Got trinken. eine Brü Gott her Dieses E Christus Freund u darüber jeder Pri Und we Eure S ihres Le Am 17. der Unt kundige en im , vor- cher uner- merz- nlisch ß alle $ sich läubig Inung, e ein- e mir ratias' t Hilfe e der urften. ınd er- brüder treuen Stellt r solle gleiten h dann Liede merzen als ihr örer, 50 cke ad -h ihrer Verhaftung zusammenkam bis zu jener Stunde, in welcher ihr Haupt gewaltsam vom Rumpfe ge- trennt wurde. Denn wißt Ihr wohl, und wenn Ihr das nicht wißt, dann kann es Euch niemand besser sagen als ich, der ich es erfahren, erlebt und gefühlt habe, daß wir katholischen Priester viel mehr noch als blutsmäßig miteinander verbunden sind. Wir sind Glieder eines Leibes, dessen Haupt Jesus Christus ist, Jesus Christus ist das Herz dieser Einheit und von diesem göttlichen Herzen ergießt sich ununterbrochen das Blut des Gottessohnes in unsere Priesterseelen, solange wir Priester würdig jeden Tag in der heiligen Messe von dem Fleische des Gottessohnes essen und von seinem Blute trinken. Ja, somit entsteht ein Herz, eine Seele, eine Brüderlichkeit, eine Einheit, wie sie nur von Gott hervorgerufen werden kann, Christliche Zuhörer! Dieses Einssein der katholischen Priester in Jesus Christus ist so etwas Himmlisch- Schönes, daß Freund-und Feind nur mit Ehrfurcht daran denken, darüber schreiben und sprechen. Glücklich muß jeder Priester sein, der sich dessen bewußt ist! Und wer war sich dessen wohl mehr bewußt als Eure Seelsorger während ihres Priesterlebens, ihres Leidens und Sterbens! Am 17. April 1943, abends, war ich noch spät in der Untersuchungshaftanstalt. Es ist eine offen- kundige Fügung Gottes gewesen, wie es oft zu 101 - sein pflegt. Ich wollte herausgehen, als mir gesagt wurde, es seien kurz vorher katholische Priester eingeliefert worden, aber sie dürften nicht besucht werden; doch auch hier machte es die Vorsehung Gottes möglich, daß ich auf Umwegen zu ihnen kam. Es gibt, das wißt Ihr, Erlebnisse, von denen man meint, daß sie ewig unvergeßlich wären. So war es auch bei dieser ersten Begegnung. Zuerst kam ich in die Zelle Eures Kaplans Prassek. Ich hatte kaum die Zellentür aufgeschlossen, ich stand noch in der halbgeöffneten Tür, als der Kaplan mir entgegeneilte, in die Arme fiel, in Tränen ausbrach und sagte: ,, Benedictus, ,, Deo gratias, qui venit in nomine Domini!" Gott sei Dank dafür, nach so langer Zeit wieder mit einem Mitbruder zusammen sein zu dürfen, einen katholischen Priester wieder bei sich zu haben!" Nachdem ihn die Freude des brüderlichen Wiedersehens wie trunken gemacht hatte, faßte er sich wieder und bat mich, ihm am anderen Morgen die heiligen Sakramente zu spenden. Dann besuchte ich Vikar Lange. Er empfing mich seiner verstandesmäßigen Veranlagung gemäß ruhig, aber innerlich ganz bewegt mit den Worten: Die heilige Theresia vom Kinde Jesu, meine Vertraute im Himmel, hat es veranlaßt, mir einen Mitbruder zu senden, nach welchem ich mich aus der Zelle heraus so lange und so sehr gesehnt habe. Kann es wohl eine größere Qual für einen Priester geben, als wenn er monatelang von seinen Mitbrüdern gewaltsam getrennt ge102 halten wir so schnell Adjunkt Zelle trat Darf ich Wie M in aller F grüße ich Glück ha können, Lebensgef wie die Sakramen zu lesen. ,, Ja, wie in meiner vertraut spät aber vielmehr Herrgott unserer D ständen sorger! landes, i Abendma eins sein Und wer liegt nah nen. Ein seine Hi vor ihre mir geholische en nicht die Voregen zu sse, von wären. mung. Kaplans tür auföffneten ie Arme medictus, gratias, wieder dürfen, sich zu brüderht hatte, anderen nden. empfing gung gemit den de Jesu, laßt, mir chem ich so sehr ere Qual Onatelang rennt gehalten wird!" Er bat um die heiligen Sakramente so schnell wie möglich. Adjunkt Müller sagte mir, als ich in seine Zelle trat und er mich einige Augenblicke ansah: ,, Darf ich Ihnen sagen, was ich jetzt empfinde? Wie Maria Magdalena Jesus am Ostermorgen in aller Frühe begrüßte, so von Herzen froh begrüße ich Sie, mein lieber Confrater; ein größeres Glück hätte der Himmel mir nicht bescheren können, als wieder einen Mitbruder täglich als Lebensgefährten zu haben." Auch er wünschte, wie die anderen, möglichst bald die heiligen Sakramente zu empfangen oder die heilige Messe zu lesen. ,, Ja, wie schön und wie gut ist es, so klang es auf in meinem Herzen, wenn Priester so innig und so vertraut eine Gemeinschaft bilden!" Und als ich spät abends nach Hause ging, stieg der Wunsch, vielmehr das Gebet aus meinem Herzen zum Herrgott empor:„ O, daß doch alle Priester unserer Diözese, ja, der ganzen Welt so zusammenständen und zusammenhielten, wie diese Seelsorger! War das nicht auch der Wunsch des Heilandes, indem er in Gegenwart seiner Apostel im Abendmahlssaale betete:„ O Vater gib, daß Alle eins sein, wie ich mit Dir eins bin!" Und wenn das Folgende auch später geschah, es liegt nahe, in diesem Zusammenhange es zu erwähnen. Eines Tages kam Herr Dechant Bültel, um seine Hilfsgeistlichen noch einmal zu sehen und vor ihrem Tode noch einmal zu sprechen. Der 103 Reihe nach wurden sie einzeln ihm zugeführt. Nach dem Besuche waren sie so glücklich, als wenn sie begnadigt wären. ,, Seht, wie sie sich liebten!" Und als ich ihnen später, es war kurz vor der Hinrichtung, sagen konnte, der Hochwürdigste Herr Bischof würde sie besuchen, war die Freude noch viel größer. Der Bischof kam, und es wurde ihm erlaubt, seine Geistlichen der Reihe nach einzeln auf der Zelle zu besuchen. Was sich da abspielte, kann ich nicht schildern. Inniger, vertraulicher und teilnahmsvoller hätte ein Besuch zwischen Vater und Sohn nicht sein können. Ist es nicht so, daß wir Katholiken stolz darauf sein können, daß unser Herr Jesus Christus so ein Priestertum hinterlassen hat! Ihr könnt dem Heilande am besten Euren Dank dafür abstatten, daß Ihr immer wieder darum betet, daß dieser Geist der Brüderlichkeit und Einheit in dem Priestertum der Katholischen Kirche erhalten bleiben möge bis zum Ende der Tage. Es ist meine heiligste Pflicht, in diesem Zusammenhange auch des Pastors der evangelischen Kirche, des lieben Mit- und Amtsbruders Stellbrink zu gedenken. Obwohl er nicht zu uns gehörte und ich ihn nicht zu betreuen hatte, baten mich der Kaplan, der Vikar und der Adjunkt sogleich bei unserem ersten Zusammentreffen aus einem weiten, echt priesterlichen Herzen, ich möchte doch auch Stellbrink besuchen. Ich habe ihn besucht, und je öfter ich ihn besuchte, um so näher ist er mir gekommen. 104 Was mu muß doc mal in e Mensch ist so, je Worte h Sorge un So war dachten Wehe a Das äuß nung, si in jener doch de Seelsorg mit sie wollen durch männer Männer fahr zu sollte, d hätten bereite schwei Seelend Grunde darübe wissen Gott a geführt. ich, als ie sich ar kurz Hochen, war of kam, men der suchen. hildern. hätte cht sein en stolz Christus - könnt : für abtet, daß in dem erhalten ammenKirche, brink gehörte en mich sogleich s einem möchte ihn beo näher Christliche Zuhörer! Was muß doch unser Leben Heiliges sein, was muß doch unsere Seele Köstliches sein, las ich mal in einem Buche von Röck, daß Jesus dafür Mensch geworden ist, leidet und stirbt! Ja, das ist so, je mehr man sich in die Wahrheit dieser Worte hineinversenkt, um so größer wird die Sorge um die uns anvertrauten Menschenkinder. So war es auch bei Euren Seelsorgern, deshalb dachten sie an nichts mehr, als an das Wohl und Wehe all derjenigen, die ihnen anvertraut waren. Das äußerte sich sogleich bei der ersten Begegnung, sie sprachen, der eine in dieser, der andere in jener Weise: ,, O, Herr Pfarrer, nehmen Sie sich doch der Männer und Jungmänner an, die aus der Seelsorgstunde heraus mit uns verhaftet sind, damit sie nicht Schaden leiden an ihrer Seele. Wir wollen gerne auf Vorteile verzichten, wenn dadurch dem Wohle der uns anvertrauten Jungmänner gedient wird." Das Wohl und Wehe dieser Männer schien ihnen ihrer Meinung nach in Gefahr zu sein, da in Lübeck gesagt worden sein sollte, die Seelsorger hätten unklug gehandelt, sie hätten darum sich und anderen dieses Unglück bereitet, sie hätten auch wie die anderen Priester schweigen sollen. Das ist wohl eine ihrer größten Seelenqualen gewesen. Sie wußten, aus welchem Grunde sie so gehandelt hatten. Sie waren sich darüber klar, dass sie vor Gott und ihrem Gewissen verpflichtet gewesen waren, die ihnen von Gott anvertraute Jugend vor den Irrtümern der 105 letzten Jahre zu bewahren. Ohne Rücksicht auf ihr eigenes Leben haben sie ihre heilige und ernste Pflicht erfüllt. Christliche Zuhörer! Und Große Geisteslehrer sprechen in ihrer religiösen Sprache von einer Passio amara und einer Passio beata, von einem bitteren Leid, aber auch von einem beseligenden und glücklichen Leid. eine Passio amara, ein bitteres Leid, haben Eure Seelsorger gehabt während ihrer ganzen Haftzeit. Ihr könnt es nicht verstehen, weil es nur einer mitfühlen kann, der selber in diesem Leid ist. Aber Ihr werdet es einstens in der Ewigkeit einsehen, was Eure Seelsorger haben durchmachen müssen von ihrer Verhaftung bis zum Tode auf dem Schafott, Gewiß, die Monate vor ihrer Verurteilung zum Tode schien in ihr Leid die Sonne der Hoffnung hinein, daß sie doch noch freigesprochen würden, und als die Todesstrafe herausgekommen war, hatten sie die Hoffnung, besonders der Adjunkt, auf Begnadigung und Entlassung, denn wir dürfen nicht vergessen, daß sie aus Haẞ, Verleumdung und Boshaftigkeit heraus zum Tode verurteilt worden waren. Darum war die Enttäuschung auch so groß, das Leid so bitter, als ihnen am 10. Nov. 1943, mittags 1 Uhr, verkündigt wurde, daß das Todesurteil abends um 6 Uhr vollstreckt würde. Ich hatte versucht, sie, so gut es ging, mit der Todesstrafe und mit der Vollstreckung vertraut zu machen. Es war auch gut gewesen. 106 Ich ging Müller darunter heiter en blaß und nur für k Ich hatte und an verharrt sagen, d was in u wir, bis So, nur meinem und Hei an seine Augenbl nicht m Dann b zu Vika Es ist einzelne auch hi der Hei Engel und St Mensch den W schmac Das wa Seelsor assung, s Haß, ı Tode e Ent- er, als ündigt ır voll- es ging, eckung wesen, Ich ging zuerst in die Todeszelle des Adjunkten Müller, weilich annahm, er würde am meisten darunter leiden. Er kam mir aber verklärt und heiter entgegen. Gewiß, sein Antlitz war leichen- blaß und seine Arme und Kniee zitterten, aber nur für kurze Zeit. Ich hatte ihn sofort in meine Arme genommen und an mein Herz gedrückt. Einige Augenblicke verharrten wir in aller Stille, ohne etwas zu sagen, die Herzen sprachen zueinander von dem, was in unserem Innern vor sich ging. Dann beteten wir, bis der Adjunkt sich mit den Worten erhob: „So, nun bin ich gerüstet, ich hoffe kurz vor meinem Tode noch zum letzten Male meinen Herrn und Heiland empfangen zu dürfen und werde dann an seiner Seite den Gang machen.” Von diesem Augenblick an verließ ihn die Ruhe und Heiterkeit nicht mehr. Dann bin ich zu den Anderen gegangen, zunächst zu Vikar Lange, darauf zu Kaplan Prassek, Es ist nicht notwendig, zu schildern, was wir im einzelnen miteinander erlebt haben. Es waren auch hier Todesnöte zu überwinden. Und wenn der Heiland von Todesqualen spricht, ja wenn ein Engel vom Himmel kommen mußte, um ihm Kraft und Stärke zu bringen, kann es dann einem Menschen anders ergehen, der in derselben Weise den Weg nach Golgatha gehen muß, um in schmachvoller und ungerechter Weise zu sterben! Das war die Passio amara, das bittere Weh Eurer Seelsorger in ihren letzten Stunden des Lebens. 107 Nach dieser ersten Begegnung mit Euren See!- Da begann sorgern kam die himmlische Ruhe. die Passio amara, das bittere Weh, sich in die Passio beata, in das beseligende Leiden und Sterben zu verwandeln. Dieses glücklich machende Leiden die Passio beata tut sich so wunderbar kund in den Abschiedsbriefen Eurer Seelsorger, vor allem in dem Briefe, den der Vikar Lange an seine Eltern geschrieben hat. - So haben wir die letzten Stunden vor ihrer Hinrichtung zusammen verbracht mit solcher Innigkeit, solcher Brüderlichkeit, solcher Freude und Verklärung, daß die ganze Umgebung meinte, wie ein andersgläubiger Aufsichtsbeamter sagte, die Zelle wäre in einen Himmel verwandelt worden. Dann kam der Augenblick, in dem sie zum letzten Male die heiligen Sakramente empfingen. Es waren heilige Augenblicke, wie es gewesen sein muß beim letzten Abendmahle im Abendmahlssaale. Unmittelbar vor dem Empfang der heiligen Sakramente sagte ich einem jeden von ihnen, er möge doch versuchen, nach dem Empfang der heiligen Kommunion tief aus der Seele heraus mit allen Kräften des Geistes und der Seele, gemeinsam mit dem Heiland zu sagen: ,, Vater, vergib ihnen, sie wußten nicht, was für ein Unrecht sie mir zufügten." Und alle drei haben gebetet, wie es gebetet werden muß, wenn es christkatholisch und Gott wohlgefällig sein soll: ,, Vater, vergib ihnen, sie wußten nicht, was für ein Unrecht sie mir zufügten." Und so zu beten und so 108 ohne Ha Erden, Frieden zehrung das wuß bis jetzt ihre Fei Es wurd Stelle m machen. wurden Wir gin wegs be schenke Maria u kampfe meine dem Sc an mich frohes Sie noc die ich So stir innere Ich bin zu hole wir be bitte d Jesu, hatte auf se ohne Haß im Herzen gegen irgend etwas auf Erden, ausgenommen die Sünde, im tiefsten Frieden mit Gott und allen Menschen die Weg- zehrung zu empfangen, war ihnen nicht schwer, das wußte ich, denn vom Anfang ihrer Haftzeit bis jetzt waren sie von dieser Liebe auch gegen ihre Feinde erfüllt gewesen. Es wurde allmählich 6 Uhr abends. An erster Stelle mußte der Adjunkt Müller den letzten Gang machen. Nachdem man ihn ausgezogen hatte, wurden ihm die Arme auf dem Rücken gefesselt. Wir gingen Seite an Seite zum Schafott. Unter- wegs betete er:„Jesus, Maria und Josef, Euch schenke ich meinen Leib und meine Seele, Jesus, Maria und Josef, steht mir bei im letzten Todes- kampfe, Jesus, Maria und Josef, mit Euch möge meine Seele in Frieden ruhen!” Unmittelbar vor dem Schafott lehnte er sich so gut wie er konnte an mich und dann sagte er:„Herr Pfarrer, auf ein frohes Wiedersehen im Himmel! Aber grüßen Sie noch aufs herzlichste meine lieben Lübecker, die ich nie vergessen werde!” So stirbt ein heiligmäßiger Priester, sagte meine innere Stimme! Ich bin dann zurückgegangen, um Vikar Lange zu holen. Ich reichte ihm das Kreuz zum Kusse, wir beteten und dann sagte er:„Geben Sie mir bitte das Bild der heiligen Theresia vom Kinde Jesu, die ich immer besonders verehrte.“ Ich hatte ihm während seiner Haftzeit dieses Bild auf seinen Wunsch hin besorgt, das Bild der 109 heiligen Theresia vom Kinde Jesu, das auch hier in Eurer Kirche hängt. Er schaute so vertrauensvoll auf dieses Bild und betete sein letztes Gebet: ,, Heilige Theresia vom Kinde Jesu, Du hast mir soviel Gnade erfleht vom Himmel. Wenn mir in Lübeck Menschen begegneten, besonders Jungmänner, die sich von Gott entfernt hatten, dann hast Du mir so oft durch Deine Fürbitte geholfen, sie wieder in das Vaterhaus unserer heiligen Kirche zurückzubringen. Heilige Theresia, wie Du siehst, bin ich jetzt selbst elend und hilfsbedürftig, hilf mir jetzt ganz besonders durch Deine Fürbitte und hole mich zu Dir hinauf ins himmlische Vaterhaus!" Dann gingen wir Seite an Seite hin zur Richtstätte. Er betete zum Heiland und zur heiligen Theresia. Seine letzten Worte vor seinem Sterben waren: Herr Pfarrer, auf ein baldiges frohes Wiedersehen im Himmel bei unserem Herrgott. Aber grüßen Sie doch noch meine teuren Lübecker!" Darauf mußte ich Kaplan Prassek heimführen. Auf diesem Gange eilten meine Gedanken zurück durch seine nun vorübergegangene Haftzeit. Er hatte sein Leid besonders mutig vom Anfang bis zum Ende getragen. Was ihm auferlegt wurde, hat er stets tapfer auf sich genommen. Seine Leidensgenossen erzählten so oft davon, wie er sie immer aufgerichtet habe, wenn das Leid groß war. Die Wege von Hamburg nach Lübeck, wo die Gerichtsverhandlung stattfand, und von Lübeck nach Hamburg, als sie zum Tode verurteilt waren, 110 mußten einer, so immer w nämlich habe ihn Todesno machen er sich Seelsorg christka eingeset als wen aber er Jesus C und wa selbst Er bat Schafot und er gingen komme das Sch Ellenbo befohle schauun sichtlic bis wir darauf doch ja daß ich in alle mußten furchtbar und quälend gewesen sein. Aber einer, so sagten seine Leidensgenossen, hat uns immer wieder mit Mut erfüllt und mit fortgerissen, nämlich unser lieber Mitbruder Prassek. Ich habe ihn nie traurig gesehen. Er hat auch schwere Todesnöte und innere Seelenkämpfe durch- machen müssen. Er litt besonders darunter, daß er sich vielleicht schuldig gemacht habe, in der Seelsorgstunde sich für christkatholische Sitte und christkatholischen Glauben so offen und furchtlos eingesetzt zu haben. Es schien mir auch oft so, als wenn der Teufel ihm da besonders zusetzte, aber er'war so tief und fest in dem Glauben an Jesus Christus verwurzelt, daß er nicht schwankte und wankte, nie verzagt und nie mutlos wurde, selbst nicht in der letzten Stunde seines Lebens. Er bat um das Kreuz, als er für den Gang zum Schafott fertig war. Ich reichte ihm das Kreuz und er küßte es mit der größten Innigkeit. Dann gingen wir, und als wir nahe bei der Tür ange- kommen waren, die in den Raum führte, wo sich das Schafott befand, berührte er mich mit seinem Ellenbogen und sagte:„Herr Pfarrer, nun Gott befohlen, ich bin überzeugt, daß ich in die An- schauung Gottes gehe, darum sterbe ich zuver- sichtlich. Ich werde auch für Sie unablässig beten, bis wir uns im Himmel die Hand gereicht haben, darauf können Sie sich verlassen, aber daß Sie doch ja nicht vergessen, den Lübeckern zu sagen, daß ich in echt priesterlicher Weise an sie denke in alle Ewigkeit, 111 Pastor Stellbrink, der als letzter das Schafott besteigen mußte, ließ mich bitten, zu ihm zu kommen. Wir hatten uns oft begrüßt, besonders als er die letzten Wochen vor seinem Tode mit Kaplan Lange in einer Zelle zusammen war. Seine Bewunderung war immer groß, wenn er sich über die tiefe Religiösität in der Katholischen Kirche und über die Einheit des kirchlichen Lebens äußerte. Er war immer ergriffen, wenn er sah, daß die Lübecker Katholiken so unerschütterlich zu ihren Seelsorgern hielten, auch in den Tagen und Wochen, als ihre Seelsorger so verächtlich gemacht wurden. Er verabschiedete sich von mir mit den Worten: ,, Herr Pfarrer, haben Sie Dank für alles Gute, das Sie mir erwiesen haben. Ich weiß, wie mächtig und gewaltig das Gebet eines katholischen Priesters ist, und darum bitte ich Sie herzlichst, beten Sie für meine Frau und meine Kinder. Beten Sie auch für meine Frau, daß sie nicht zusammenbricht unter der Heimsuchung, die über sie gekommen ist, beten Sie doch vor allem, daß meine Frau und meine Kinder so leben, daß wir uns wiedersehen in der Anschauung Gottes, in die ich nun hoffe einzugehen." Christliche Zuhörer! Was würden Eure Seelsorger Euch wohl aus der Ewigkeit her sagen, Eure Seelsorger, die Euch liebten, Eure Seelsorger, die bis zu ihrem Tode Euch die Treue gehalten haben und diese Treue mit dem Tode besiegelten? 112 Ich bin t Es ist vi kommen, Hand an, wir wisse Sinne Ch letzten A Ewigkeit und aller Ewigkeit. 8 Schäfer en Sie haben, Gebet ı bitte u und u, daß ‚chung, ch vor leben, nauung Ich bin überzeugt,’ daß sie Euch sagen würden: „Es ist viel Leid und bitteres Weh über Euch ge- kommen, aber nehmt es bereitwillig aus Gottes Hand an, dann macht es Euch glücklich und selig, wir wissen es. Wir beten für Euch, daß Ihr im Sinne Christi lebt als treue Katholiken bis zum letzten Atemzuge, denn wir wollen uns in der Ewigkeit wiedersehen in Gemeinschaft mit Gott und allen Engeln und Heiligen von Ewigkeit zu Ewigkeit” Amen! 8 Schäfer WO SEINE ZEUGEN STERBEN IST SEIN REICH Die Fessel löst sich nicht, Ich muß ertragen. Doch steh’ ich nicht im irdischen Streite mehr. Ein andrer König rief mich in Sein Heer Und gab mir Macht, der Erde zu entsagen. Ich seh’ Sein Reich in heiliger Ferne tagen Und bin Sein Herold ohne Schutz und Wehr. Schwer drückt die Schmach, und das Gebet drückt schwer Um deren Frieden, die mir Wunden schlagen. Doch bin ich's kaum mehr, den die Pfeile brennen, Und den das Seil umschnürt. Ein andrer beugt Sich in mir schützend unterm Todesstreich. Mit allen Wunden will ich Ihn bekennen, Des Leidens stummes Bild, das Ihn bezeugt. Wo Seine Zeugen sterben, ist Sein Reich. Reinhold Schneider. Die Welt lebt von dem Opfer ihrer edelsten und reinsten Söhne und Töchter, und das Christentum wächst auf dem Acker der Verfolgungen. „Ein Same ist das Blut der Christen” schreibt Tertullian im Jahre 197. Wundern wir uns, wenn wir ein Aufblühen des Gottesreiches wahrnehmen dort, „Wo Seine Zeugen starben?” INHALT Seite Geleitwort Zur Einführung • Johannes Prassek, Briefe Zum Charakterbild Hermann Lange, Briefe. Im Andenken der jungen Freunde Gedächtnispredigt in Leer Eduard Müller, Briefe. " Brief an seinen Bischof. Zwei Religionsstunden bei Kaplan Müller Karl Friedrich Stellbrink, Lebensbild. Mein Vater 10. November 1943. . . . 7 11 16 . . 36 40 49 52 64 .. 71 74 14 . 76 . 87 . 95 Gedächtnispredigt in Lübeck. 99 Allen, die durch Überlassung von Briefen oder auf andere Weise das Zustandekommen dieser Schrift ermöglicht haben, sagt der Herausgeber herzlichen Dank.