Das eiserne Tor zur Hölle Buchenwald DEDEM DAS SEINE Viele gingen hinein wenige kamen heraus! Herausgeber: Provinzialverwaltung Sachsen, Halle( Saale), Kaiserstraße Sa; Abteilung: Informationsdienst, Presse, Film, Funk und Propaganda. Druck: Verlag der Volks- Zeitung", Halle( Saale). Große Ulrichstraße 16 ( Preis der Broschüre 0,50 Mk.) Vorwort. ,, Wenn uns auch Bruder und Schwester verlacht, uns geht die Sonne nicht unter", wie oft haben wir Konzentrationäre das Lied gesungen, in Stunden, wo die harte Fron und die Folterungen der SS- Schergen uns bald an den Rand der Verzweiflung trieben, Was weiß die Mitwelt von unseren körperlichen und seelischen Schmerzen! Daheim unsere Lieben, jahrelang von ihnen getrennt, von Weib und Kind, von Eltern und Geschwistern, nicht wissend, wirst du den heutigen Tag lebend überstehen, wirst du noch einmal die Hölle verlassen und den Tag der Freiheit erleben können? Aber immer wieder rissen wir uns zusammen, immer wieder schöpften wir in gegenseitiger Hilfe und echter Kameradschaft neuen Mut, um in der Anspannung aller Willenskraft unseren Kampf gegen die SS und den Faschismus weiterzuführen bis zu ihrer endgültigen Vernichtung. Wer von euch, liebe Leser, kann das empfinden, nein ermessen, was es bedeutet, in diesen unmenschlichen Verhältnissen noch die Kraft für unsere Ideale, für eine Lebensbejahung zu finden? ,, Kopf hoch"- war unsere Kampflosung. Immer wieder riefen wir uns zu, uns selbst und de großen Idee: Kampf für die Demokratie in Deutschland und Freiheit für die von Nazis unterjochten Völker, nicht untreu zu werden, selbst dann, wenn wir sterben mußten. Und wie viele wurden es, Tausende, Hunderttausende, nein Millionen, die die SS- Verbrecher zu Tode folterten oder brutal und skrupellos mordeten. Heute, wo wir dank der gewaltigen Blutopfer der Armeen der alliierten Mächte frei sind, gedenken wir unserer tapferen und aufrechten Leidensgenossen und Genossinnen, denen das Leben in den Konzentrationslagern geraubt wurde. Ihr Opfertod ist uns ein heiliges Vermächtnis und wir haben es uns geschworen, in rastloser Arbeit unsere Kraft einzusetzen, bis die Ueberreste des Nazismus und Militarismus in Deutschland völlig ausgerottet sind. Unser Haß wird sie bis in die entferntesten Schlupfwinkel der Welt verfolgen, bis ihre Verbrechen gesühnt sind. Je stärker der Terror und die Tyrannei in dem Konzentrationslager wurde, um so enger schlossen wir Häftlinge uns zusammen, ob Deutscher oder Ausländer, ob Intellektueller oder Arbeiter, zu einer Kampfgemeinschaft gegen den Faschismus, als Avantgarde der Antifaschisten. Heute gilt es, das große Werk fortzusetzen, deshalb richten wir den Appell an alle Deutschen, die in dem großen Konzentrationslager Deutschland gegen die Naziverbrecher im Kampf standen und jene, die es erst jetzt erkannten, wie sie durch die demagogische Propaganda der faschistischen Volksbetrüger betrogen wurden, sich fest zusammenzuschließen in der Einheitsfront aller Antifaschisten, Erst dann, wenn wir dieses Ziel erreichen, wird Deutschland in die Völkerfamilie aufgenommen und geachtet werden. Halle( Saale), den 7. September 1945. Fritz Lessig. lc neun We die f und zu e zubri Gehe volls geb dur den 2 Hölle Buchenwald. Ich bin der politische Häftling Karl Brauer aus Halle. Drei Jahre und neun Monate wurde ich in das Konzentrationslager Buchenwald bei Weimar eingesperrt; eine Zeit also, die bei weitem ausreicht, um all die furchtbaren Gewaltakte und Greueltaten, die an wehrlosen Deutschen und ausländischen Staatsangehörigen verübt wurden, mit wachen Sinnen zu erleben. Es gibt kaum Worte, diese Erlebnisse auch denen nahezubringen, die in den Jahren der Naziherrschaft vor dem Zugriff der Geheimen Staatspolizei bewahrt blieben. Denn nicht der beste, eindrucksvollste Wort- oder Bildbericht könnte die grausamen Folterungen wiederMit ihrem Schweiß und Blut mußten die Konzentrationäre den SS- ,, Herrenmenschen" solche Villen bauen geben, die die Schergen der SS in immer neuen Abwandlungen erfanden, durch die sie die Begriffe der Menschlichkeit mit Füßen traten und mit denen sie die Häftlinge zu Tausenden dem Tode überantworteten. 3 Mir fällt die Aufgabe zu, im Namen aller meiner einstigen Leidensgefährten, der Toten und der Ueberlebenden, an dieser Stelle zu sprechen. Ich will dabei nicht verhehlen, daß ich diese Pflicht nur mit einigem Widerstreben erfülle; denn bei jedem Gedanken an die vielen unmenschlichen Verbrechen und satanischen Grausamkeiten krampft sich mir noch nachträglich das Herz zusammen, selbst in der Mitte dieser Hölle gestanden zu haben. Ueber tausend Tage und Nächte gab es immer die gleichen Bilder der Qualen und des Schmerzes und über tausend Tage und Nächte die gleiche Furcht vor dem Ungewissen, das an die letzten Dinge rührt, dem Tode. Alles ist mir gegenwärtig geblieben, als ob es erst gestern geschehen wäre: die Verhaftung, die martervollen Vernehmungen, der Transport in das Lager, die ersten Peinigungen, die Greuel der nazistischen Henkersknechte, die eigenen höllischen Qualen ebenso wie die Leiden der Kameraden, die Gespräche mit den Gefährten kurz: jeder der Tage, die immer mit Furcht angefüllt waren und dennoch in der Hoffnung aufgingen, daß diese Schrecken einmal ein Ende nehmen und ihre Sühne finden würden. Dann ist dieses Ende gekommen! Ich bin weit entfernt, an Wunder zu glauben; daß es mir aber vergönnt war, als einer der Ueberlebenden die so lange ersehnte Freiheit und damit das Leben wiederzugewinnen, das erscheint mir so unfaẞbar und so jenseits der bisherigen grauenhaften Wirklichkeit zu liegen, daß ich es nur als Wunder begreifen kann. Wir ehemaligen KZ.- Häftlinge empfinden dabei die stolze Genugtuung, daß mit unserer Befreiung eine neue Zeit angebrochen ist, die das größte Kulturverbrechen aller Jahrhunderte auslöschen und die Verantwortlichen dem Urteilsspruch einer empörten Welt übergeben wird. Untersuchung: Das erste Martyrium. Der Darstellung des Folgenden möchte ich vorausschicken, daß es sich hierbei nur um einen knappen Aufriß meiner Erlebnisse aus dem Konzentrationslager Buchenwald handelt. Ich habe aus der Fülle der Tatsachen nur Einzelheiten, Streiflichter herausgegriffen, in dem Bestreben, hier nur das Wesentliche festzuhalten. Und das kann allenfalls andeutend, niemals aber erschöpfend geschehen. Es ist mir nicht gegeben, auch die nervenzerreißenden Kämpfe des Gewissens und die Folter der Seele zu schildern. Das bleibe einem anderen Leidensgefährten vorbehalten. Als ich in meiner Wohnung zusammen mit dem Sohn meiner Wirtin verhaftet wurde, wußte ich nicht, weshalb um fünf Uhr morgens drei Männer der Gestapo geschickt wurden, die meine Wirtin brutal zur Seite schoben, an mein Bett traten und riefen:„ Sofort mitkommen! Raus, raus!" Während ich mich anzog, durchsuchten die Gestapoleute mein Zimmer nach verbotenen politischen Druckschriften. Sie 4 fanden nichts, da nur einige politisch ganz belanglose Bücher vorhanden waren. Als sie mich aufforderten, den Raum zu verlassen und mitzukommen, bedeutete ich ihnen, daß ich mich erst waschen und mir die Zähne putzen müsse. Mit drohendem Gesichtsausdruck trat daraufhin einer der Beamten an mich heran und schrie: ,, Ihr Lumpen braucht euch nicht mehr zu waschen, das machen wir mit euch selber!" Ein kräftiger Tritt in das Gesäß beförderte mich auf die Treppen. Eine der vielen Mordarten der SS- Henker. Mit dem in der Ecke stehenden Holzklöppel wurde den Opfern noch die Schädeldecke zertrümmert Das war aber nur ein Vorgeschmack. Im Polizeipräsidium begann sogleich eine Vorvernehmung. Wir wurden beschuldigt, Beziehungen zum Ausland unterhalten zu haben. Eine völlig unsinnige Beschuldigung, da wir tatsächlich keinerlei Beziehungen dieser Art hatten. Ein Protokoll wurde zunächst nicht aufgesetzt. Statt dessen erhielt ich mit einem Gummiknüppel mehrere Schläge, sicherlich in der Annahme, mir dadurch ein Geständnis abzuzwingen. Da ich aber weiterhin irgendeine Schuld verneinte, führte man mich in eine Zelle. Dort wurde ich gefesselt und ans Bett angeschlossen. Mitten in der Nacht erfolgte die zweite Vernehmung. Wieder schlug man mit Gummiknüppeln und Rohrstock auf mich ein und rief mir zu: Mensch, mach deine Fresse endlich auf! Die anderen haben bereits gestanden, wir wissen alles!" Wer 5 diese„anderen“ sein sollten, war mir unbegreiflich, Da ich beharrlich weiter schwieg, kam ich wieder in die Zelle zurück, wo ich erneut ge- fesselt und angekettet wurde, Der dritte Tag. Man schickte mich in Dunkelhaft, weil ich mich wiederum zu keinem„Geständnis" bequemen konnte, Es war dies eine überheizte Zelle, Etwas Trinkbares gab es nicht. Hier erhielt ich die erste „Nahrung“, völlig versalzen und gepfeffert, um die Durstqualen zu ver- schlimmern. So ging das zehn Tage und Nächte hindurch! Ich war völlig erschöpft, Meine Gelenke schmerzten; sie waren durch die Fesselung er- heblich geschwollen. Am elften Tage— man glaubte mich wohl endlich „weich“ zu haben— wurde ich zur dritten Vernehmung geführt, Ich war sehr entkräftet und habe sicherlich einen bejammernswerten Anblick geboten. Das berührte jedoch die Gestapo-Beamten keineswegs, Im Gegenteill Eine neue Art der Folterung kam jetzt hinzu: mir und meinen Gefährten wurde frisches Wasser zum Trinken hingestellt, das wir aber nicht berühren durften, Um unsere Durstqualen weiter zu verschlimmern, tranken sie uns etwas vor, priesen dabei die Herrlichkeit eines frischen Trunkes und sagten;„Das könnt Ihr auch haben, wenn Ihr sofort ein Geständnis ablegt!" Aber wir hatten nichts zu gestehen, Nach etwa sechsstündiger Vernehmung wurden wir abermals in die Zelle zurück- geführt und dort den gleichen Fesselungen unterworfen wie vorher, 6 Auch zwei Tage später mußte die Vernehmung„ergebnislos"“ ab- gebrochen werden. Wir waren inzwischen völlig gleichgültig geworden: Unsere seelische und körperliche Spannkraft war nahezu ausgeschaltet, dazu war unser Durstgefühl unbeschreiblich, Wir waren glücklich wie Kinder zu Weihnachten, als am zwölften Tage unserer Inhaftierung sich ein Gefangenenwärter unserer erbarmte und uns Essen und Trinken ver- abreichte, Allerdings wurde die Fesselung bis zu unserer Einlieferung ins Untersuchungsgefängnis beibehalten, Diese Untersuchungshaft war zwar erträglicher, aber sie dauerte nicht weniger als zwei Jahre, Sechs Monate vor der Gerichtsverhandlung wurde ich erst- und letztmalig durch einen vom Volksgerichtshof in Berlin bestellten„Rechtsanwalt“ ver- nommen, 7.= x.ı In diesen Baracken wurden die Häftlinge zu Hunderten eingeplercht Freispruch- doch Abtransportnach Buchenwald! Der damalige„Volks"gerichtshof sprach mich von der Anklage wegen Vorbereitung zum Hochverrat frei, Ich durfte wieder hoffen, auf freien Fuß zu kommen, nachdem man mich zweieinhalb Jahre hindurch drang- saliert hatte, Aber diese Hoffnung war falsch, Ich erhielt nicht nur für die unschuldig verbüßte Untersuchungshaft keine Entschädigung, da es im Gerichtsbeschluß. hieß, daß„das Verfahren weder die Uuschuld des An- 7 geklagten ergeben noch dargetan hat, daß ein begründeter Verdacht gegen ihn nicht besteht",- mehr noch, viel schlimmer: ich kam wieder in Gewahrsam der Gestapo. Nach Verlassen der Anklagebank packte man mich an den Schultern und führte mich erneut ab. Zurück ins Polizeipräsidium. Der Gestapo- Beauftragte Nestler in Halle fuhr mich sogleich an: ,, Na, beim Termin hast Du ja reichlich die große Fresse gehabt, aber was wir Dir in einem Jahre nicht beweisen konnten, das werden wir jetzt beweisen. Wir haben ja Zelt! Du kommst in ein besonderes Lager!" Ich fuhr zusammen. Die umstehenden Gestapo- Leute beantworteten mein sichtliches Entsetzen mit Hohngelächter. Sie weideten sich an meinem Unglück. Als ich abgeführt wurde, spuckte mir einer von ihnen ins Gesicht. aber dahinter ein einziges Grauen! Wir wußten nicht, wo wir waren. Der Zug hielt, fuhr wieder an. Hielt wieder, zweimal, dreimal. In Weimar wurden wir ausgeladen. Wir waren zunächst froh, die enge Haft in dem Gefangenentransportwagen los zu sein, denn wir waren hundert Häftlinge. SS- Wachmannschaften nahmen uns in Empfang. Die erste„, Begrüßung" bestand darin, daß man uns auf der Stelle mit sogenannten Jagdhieben und Kolbenstößen traktierte. Ein Lastwagen nahm uns auf. Er war zum Brechen voll. Als wir die Ettersburger Chaussee hinauf zum Lager fuhren, blieben die Passanten stehen und blickten uns lange nach. Sie wußten, welcher Bestimmung wir entgegengeführt wurden. Buchenwald...! Wer von Erfurt nach Weimar fährt, gewahrt auf der Höhe des Ettersberges die langgestreckten Steingebäude des Lagers, die sich aus der Ferne wie mächtige Kasernen ausnehmen. Es sind aber nur zweistöckige Bauten, und der Platz, den das Lager einnimmt, umfaßt etwa einen Quadratkilometer. Den Ankömmling umfängt zunächst eine friedliche Stille. Sein Blick fällt vor dem Eintritt durch das Haupttor auf gepflegte Anlagen, die von Blumenbeeten umsäumt sind. Die Harmlosigkeit dieses Bildes wurde noch durch ein kleines Gehege mit Wölfen, Bären usw. erhöht. Ueber dem Haupttor, hinter dem sich ein freies Gelände, der sogenannte Appellplatz, befindet, prangen die Worte: ,, Recht oder Unrecht- mein Vaterland". Wie merkwürdig, denken wir, ein englisches Sprichwort über einem deutschen Konzentrationslager. Das Gelände geht in die Tiefe, da hier der Ettersberg in die Kölledaer Landschaft abfällt. Das Lager Buchenwald, das im Durchschnitt der letzten Jahre 70 000-80 000 Häftlinge in seinen Mauern und Holzbaracken aufnahm, wurde im Jahre 1937 errichtet. Später gliederte man noch einige Fabrikationshallen der ,, Sauckel- Werke" an, in denen die Häftlinge für die Kriegsrüstung arbeiten mußten. Es ist heute kein Geheimnis mehr, daß sie Teile für die mit so viel propagandistischem Aufwand in Szene gesetzten V- Waffen herstellten. Der ganze Komplex 8 war v abgesc letzter In Abs Wacht um et Lager genan linge An d selbst gewo verw aufge Gewe A Eine einze die B die N sogle (egen er In man ostler h die elsen Du teten h an Ihnen r al Wir n lob hmen soul f die anten yahr! war von der Außenwand durch elektrisch geladenen Hochspannungsdraht abgeschlossen— eine Vorrichtung, die* vielen Häftlingen, die in ihrer letzten Verzweiflung den Tod suchten, den Weg in das Nichts erleichterte, In Abständen von mehreren huridert Metern befand sich jeweils ein hoher Wachturm, der'mit Maschinengewehren und Scheinwerfern bestlickt war, um etwaige Fluchtversuche der Häftlinge zu verhindern. Vor ihnen, der Lagermitte zu, waren weitere drei Drahthindernisse,„Spanische Reiter" genannt, Es war alles so aufgebaut worden, um Beobachtung der Häft- linge durch die Wachmannschaften zu gewährleisten, Solange ich mich An diesen l.oren fronten die unglücklichen Häftlinge im Dauerlaul und unter den Schlägen der SS vom frühen Morgen bis zum späten Abend selbst im Lager befand, ist mir kein Fall einer geglückten Flucht bekannt- geworden, Mit Beginn des Krieges wurden die Scheinwerfer nicht mehr verwendet, dafür aber wurden zwischen den Wachtürmen weitere Posten aufgestellt, die die Häftlinge bei der geringsten Kleinigkeit mit ihren Gewehrkolben schlugen oder niederschossen. Auf dem Appellplatz wurde morgens und abends angetreten. Eine Lautsprecheranlage übermittelte den Häftlingen, die entweder zu einzelnen Arbeitskommandos oder in Blöcken zusammengefaßt waren, die Befehle der Lagerkommandantur, Oftmals kam es am Tage vor, daß die Nummer eines Häftlings aufgerufen wurde. Dieser hatte sich dann sogleich am Haupteingang einzufinden, dort wurden ihm die Gründe des 9 Aufrufs meist war es irgendein belangloses Vergehen, das entweder mit Prügelstrafe oder mit mehrtägiger ,, Bunkerhaft" entgolten wurde mitgeteilt. Rechts vom Haupteingang stand der berüchtigte, von den Häftlingen überaus gefürchtete ,,Bock". Hier vollzog die SS die Prügelstrafe. Der Häftling mußte sich über eine roh gezimmerte Vorrichtung bücken, wobei man ihm durch eine eiserne Klammer die Füße festschnallte. Durch eine Winde zog man dann Rücken und Gesäß etwas nach oben, worauf die Schläge von den Himmler- Schergen in äußerst schmerzhafter Weise verabfolgt wurden. In der Mitte des Platzes, wie ein grauenhaftes Mahnmal des Todes, steht das Krematorium. Immer standen seine Oefen unter Feuer, und immer schwelte der widerwärtige Geruch verbrannten Menschenfleisches über dem Gelände. Unvorstellbar groß war die Zahl der Toten, die hier Tag für Tag eingeliefert wurden. Aber nicht nur Tote waren es, In einer besonderen Kammer im Kellergeschoß wurden entkräftete und sleche Häftlinge aus den Krankenrevieren untergebracht, die mit verzweifelten Gesichtern an den vergitterten Fenstern hingen. Viele von ihnen riefen in ihrer Todesangst nach ihren Frauen und Müttern. Ihre Schreie wurden überall gehört, im Lager und in dessen näherer Umgebung. Sie lähmten den Verstand, ließen den Pulsschlag stocken und erhöhten in jedem einzelnen die Furcht, vielleicht in den nächsten Stunden den gleichen Weg wie diese Unglücklichen gehen zu müssen. Welcher Gegensatz zwischen der friedvollen, rasenumsäumten Fassade, die für den Ankömmling fast etwas Versöhnliches hatte, und den grenzenlos erschütternden Greueln im Innern! Schläge und Prügel auf dem Bock. Im Vorhof. Links die Wohnräume für die SS- Kommandanten, rechts die Politische Abteilung. Bevor wir die bekannte blau- grau gestreifte, mit einer Nummer versehene Häftlingskleidung empfingen, mußten wir in den Gängen des Kammergebäudes zwischen höhnenden SS- Männern ein martervolles Spießrutenlaufen über uns ergehen lassen. Damit nicht genug, wurden wir mit dem Gesicht gewaltsam an die Wand gedrückt. Ich konnte es vor körperlichen Qualen kaum aushalten. Mir war, als wolle mein Kopf zerspringen, die Ohren begannen zu sausen. Plötzlich fühlte ich, daß Blut aus ihnen heraustrat, auch aus der Nase. Aber das war bei unserer kurzen Einweisung" in das Lager nicht die einzige Drangsal. Obgleich wir alle von den Schmerzen sehr benommen waren, mußten wir noch über aufgestellte Tische springen. Nur sehr wenige brachten das fertig. Die übrigen erhielten erneute Schläge, diesmal mit der Peitsches Auf dem Appellplatz war gerade Prügeltag angesetzt. Ich habe bereits den gefürchteten Bock erwähnt. Wir lernten sehr schnell seine grausame Funktion aus eigener Anschauung kennen. Es ist Abend geworden. Die Häftlinge, von den Arbeitsstellen zurück, umstanden im großen Geviert den Platz. Ein noch junger Mensch wurde mit entblößtem Rücken auf den - - Bock geschnallt. Etwas abseits stand eine aus Leidensgefährten zusammengestellte Kapelle, die den Marsch ,, Alte Kameraden" intonierte. Nach den Takten der Marschmusik wurde nun der ,, Verurteilte" von zwei SS- Wachposten geprügelt. Eins... zwei... eins... zwei klatschten die Peitschenhiebe auf Rücken und Gesäß, die sich in eine blutige Masse verwandelten. Unser Herz stockte ob dieses Anblicks und der fürchterlichen Schreie des Gemarterten, die schließlich in ein Wimmern übergingen, wenn er die Besinnung verloren hatte. 25 Schläge waren ausgesetzt gewesen. Plötzlich hielt der eine der SS- Schergen inne und rief:„, Halt, wir haben uns verzählt! Fangen wir also von vorne an!" Und nun es mochten bereits zehn oder zwölf Schläge gefallen sein- begannen die entsetzlichen Peitschenhiebe wieder von neuem. Eins... zwei... eins... zwei... Ich selbst bin dieser Marter in den folgenden Jahren nur mit Mühe entgangen. Aber ich habe als späterer Revierhäftling, da ich Sanitätsdienst zu machen hatte, ihre Folgen nur um so schrecklicher und eindringlicher kennengelernt. Es war einfach unvorstellbar! Die Geprügelten, die aus vielen Wunden bluteten, benötigten sofortige Hilfe; von ihrer Arbeitsunfähigkeit ganz zu schweigen. Das einzige Mittel, das ihnen„ verordnet" wurde, bestand in etwa 50 Kniebeugen, durch die der Blutkreislauf wieder geordnet und gefördert und verhindert werden sollte, daß das von den Schlägen befallene Muskelgewebe der Zerstörung oder Zersetzung durch fäulniserregende Stoffe anheimfiel. Die Schmerzen begannen also von neuem aber der Häftling mußte trotz allem in die Kniebeuge gehen, da sonst über kurz oder lang der Tod eingetreten wäre. Oftmals halfen auch Kniebeugen nichts; das waren die Bls unter den Dachgiebel lagen die Häftlinge zu drei bis vier Personen auf Holzpritschen 11 Fälle, in denen die Häftlinge später das abgestorbene Gewebe aus den Rückenpartien oder den Armen rissen, weil sonst lebensgefährliche Trombosen das Ende herbeigeführt hätten. Das Verhalten der Kommandeure verriet während dieser fürchterlichen Prügelfolterungen nicht die geringste Spur menschlichen Empfindens. Die ganze Greulichkeit der Vorgänge berührte sie nicht im mindesten. In ihren straffsitzenden grauen SS- Uniformen standen sie rauchend und plaudernd dabei oder sie klatschten Beifall, wenn die Wirkung ihren Befehlen entsprach. Das ganze entsetzliche Schauspiel bereitete ihnen offensichtlich einen wahrhaft sadistischen Genuß. Nicht selten war während dieser Prügelszenen eine kurze, zynische Ansprache des Lagerkommandanten oder eines seiner Unterführer fällig. Meist wurde sie mit folgenden Worten eingeleitet: ,, Ihr Mist vögel, ich empfehle Euch den elektrisch geladenen Draht oder Euch aufzuhängen! Wer sich nicht meinen Befehlen fügt, wird erschossen!" Eine Grausamkeit überbot die andere. Der Fälle sind es zu viele, bei denen von den SS- Henkern die scheußlichsten, jede Vorstellung überbietenden Grausamkeiten begangen wurden. Ich will nur einige von ihnen herausgreifen, die wert sind, als Zeugnisse eines unmenschlichen Vernichtungswillens der Nachwelt überliefert zu werden. Nachdem ich zwei Jahre lang als sogenannter Rückfälliger" geführt worden war, weil ich bereits durch verschiedene Vernehmungen der Berliner Gestapo bekannt war, kam ich in das Krankenrevier. Hier lernte ich die Folgen der grausamen Verbrechen an Leib und Leben der Häftlinge von Grund auf kennen und zugleich die vielfältigen Todesarten meiner Leidensgefährten, die alles in allem eine furchtbare, nie wiedergutzumachende Anklage gegen das nationalsozialistische Regime und seine vertierten Handlanger darstellen. Aus der Fülle meiner Erlebnisse verdient besonders die Kastration ( Entmannung) von Häftlingen hervorgehoben zu werden, ein operativer Eingriff, bei dem die Geschlechtsdrüsen nicht- wie bei der Sterillsierung ihrer natürlichen Funktion beraubt, sondern völlig ausgeräumt werden. Diese Kastration wurde nun nicht etwa von einem Arzt, sondern von einem Häftling vorgenommen, der in diesem Verfahren einigermaßen geschult" worden war. Die willkürlich ausgesuchten Opfer mußten zuvor eine Erklärung des Inhalts unterzeichnen, daß die Kastration ,, freiwillig", also mit ihrem vollen Einverständnis, vorgenommen wurde. Häftlinge, die sich gegen eine solche barbarische Zumutung auflehnten, wurden auf Befehl solange geprügelt, bis sie einwilligten. Die Operation wurde dann bei vollem Bewußtsein der Häftlinge durchgeführt. Einer der Leidensgefährten, der nicht unterschreiben wollte, wurde sofort im Bunker totgeschlagen. 12 In die gleiche Reihe furchtbarer Behandlungsmethoden gehört die ,, Heilung" von Tuberkulosekranken. Deren Zahl ging in die Abertausende, da praktisch nichts gegen auftretende Anzeichen von Lungenschwindsucht unternommen wurde. Die Ausbreitung der Erreger wurde vor allem durch die einseitige vitaminarme Ernährung gefördert. Machte sich bei einem Erkrankten ein zunehmender Verfall der Körperkräfte bemerkbar, dann erst bequemte sich der Lagerarzt, Dr. Eiseler, den bereits weit vorgeschrittenen Fall zu untersuchen. Dieser Mann, der seine Tätigkeit als Arzt außerhalb jeder sittlichen Verpflichtung ausübte, war allgemein als der Henker" bekannt. Er machte sich nicht die geringste Mühe, die schwer an Lungentuberkulose Erkrankten auch nur in eine besondere Lagerstation einzuliefern, sondern verabreichte ihnen in der Regel und ,, der Einfachheit halber" eine hochdosierte Lösung Evipan, die meist innerhalb weniger Stunden zum Tode führte. Mit dem Blick auf das Krematorium zitierte dieser Unmensch dann das alte Wort: Die Axt im Hause erspart den Zimmermann! Bald häuften sich die Fälle von Fleckfiebererkrankungen. Nur noch Haut und Knochen, außerdem tuberkulös Die Lagerärzte mußten sich, um die Möglichkeit einer weit um sich greifenden Seuche zu unterbinden, notgedrungen einschalten. Da ihre primitiven Bekämpfungsmethoden aber nicht ausreichten, wurde im Januar 1942 im Lager Buchenwald eine Fleckfieber- Versuchsstation durch das SS- Sanitätshauptamt in Berlin eingerichtet, und zwar in dem für diese Zwecke besonders bereitgestellten Isolierbau Nr. 42. Hier wurden jedoch künftig nicht nur Erkrankte eingeliefert, sondern auch jene Häftlinge, die bei der Lagerkommandantur als ,, aufrührerisch" galten. Für gewöhnlich waren in dem Isolierbau 150 Häftlinge untergebracht, 13 bei denen von vornherein feststand, daß mit ihrem baldigen Ende zu rechnen war. Das ,, Heilverfahren" bestand darin, daß die Häftlinge als Versuchsobjekte herhalten mußten. Sie wurden mit auf Eigelb gezüchteten Fleckfieberbakterien, also ausgesprochenen Reinkulturen, künstlich krank gemacht, soweit sie es noch nicht waren, und zwar erhielt jedes der Opfer einen halben Kubikzentimeter in die Blutbahn eingespritzt. Die Bakterien wurden aus den Krankheitsüberträgern, meist Läusen, gewonnen, die zu diesem Zweck ausgequetscht wurden. Einige der Häftlinge wurden zwar sofort mit einem als Gegenmittel zu erprobenden Serum behandelt, dann aber erneut infiziert, um so die Wirkung des Krankheitserregers am lebenden menschlichen Organismus überprüfen zu können. In diese Versuche schalteten sich auch Wissenschaftler von Rang ein, darunter der nähru es lag pflegu jetzt schaft niedri die L träch wurd lager invali nächs einige Buch wiede Gefal ver W recht befür Exze bega Häftl vege meis ausg wurd schla das So hausten dle SS- Schergen in den Häftlingsbaracken und warfen alles durcheinander bekannte Bakteriologe Professor Gildemeister, Berlin. Keiner der Aerzte und Forscher unternahm irgend etwas gegen diese, jeder ärztlichen Regel und Tradition hohnsprechenden Untersuchungs- und ,, Heil" methode. Vielleicht wagten sie es auch nicht. Gildenmeister jedenfalls legte es darauf an, das von ihm entwickelte Mittel zur Fleckfieberbekämpfung hier in Buchenwald ohne Rücksicht auf das Versuchsobjekt auf seinen möglichen Erfolg hin zu überprüfen. Im ersten Kriegsjahr erhielt das Lagerrevier Befehl, alle Häftlinge, die wegen Erkrankungen zu oft eingeliefert wurden, zu notieren. Die Er14 noch bis die Sogl tuun schr D auf Win revi muß auf Rev sch e zu er der ichen thode. te es e als teten Krank Opfer erien Sie zu zwar dann sam Ver r der hier mög e, die e Er nährung des deutschen Volkes hatte inzwischen Kürzungen erfahren, und es lag auf der Hand, daß auch die bis dahin in Buchenwald üblichen Verpflegungssätze verringert werden mußten. Der Kommandantur kam es jetzt darauf an, durch ,, Ausmerzungen" von Häftlingen die Gesamtbelegschaft zu verringern. Das war nicht nur ein bequemer Weg, den ohnehin niedrigen Lebensstandard der Häftlinge zu halten, sondern zugleich auch die Lebensmittelvorräte der Kommandanten und Wachmannschaften beträchtlich aufzufüllen. Es wurden über tausend Häftlinge notiert. Sie wurden zu einem Transport in das bekannte bayrische Konzentrationslager Dacha u zusammengestellt. In Dachau, hieß es, habe man für die invaliden Häftlinge eine ,, besondere" Verwendung. Niemand glaubte zunächst, daß hierbei eine der hinterhältigsten Teufeleien vorlag. Als jedoch einige Wochen später ein ähnlicher Transport von Dachau in das Lager Buchenwald eingeliefert wurde, um nach wenigen Tagen auf Nimmerwiedersehen ,, weiterbefördert" zu werden, da wußten wir alle, daß unsere Gefährten auf Todesfahrt gegangen waren: sie waren sämtlich vergast und dann verbrannt worden. Todesorgien betrunkener SS- Schergen. Wie oft waren die Wachmannschaften betrunken! Tagsüber und erst recht abends. Wir wußten dann allemal, daß für uns das Schlimmste zu befürchten war; denn im Alkoholrausch fanden die ohnehin unvorstellbaren Exzesse auf dem Gebiete der Menschenschinderei und des kaltlächelnd begangenen Mordes immer noch ihre Steigerung. Wehrlos standen wir Häftlinge den SS- Mördern gegenüber; in der steten Furcht dahinvegetierend, selbst eines Tages das Opfer ihrer Mordlust zu werden. Zumeist begann die Kette der Grausamkeiten damit, daß bestimmte, hierfür ausgesuchte Häftlinge stundenlang strammstehen mußten. Wer sich rührte, wurde sofort mit einem etwa anderthalb Meter langen Bambusstock geschlagen oder unbarmherzig in das Gesäß getreten. Blindwütig, durch das Schreien und Wimmern der Geschlagenen in ihrem Sadismus nur noch aufgestachelt, hieben die vertierten Wachleute auf die Häftlinge ein, bis die meisten von ihnen leblos zusammenbrachen. Nun machten sich die gröhlenden Unmenschen jedoch nicht etwa die Mühe, die Leichen sogleich wegschaffen zu lassen. Es bereitete ihnen vielmehr eine Genugtuung, sie als besondere Schauobjekte auszustellen, damit eine„, abschreckende Wirkung" erzielt würde. Die Zahl der Toten bei diesen Trunkenheitsauswüchsen belief sich oft auf 30, ja sogar 40, die dann zum letzten Appell' getragen wurden. Im Winter 1939/40 war es geradezu eine Tageserscheinung, daß das Krankenrevier ausschließlich für Opfer dieser nächtlichen SS- Gelage offenstehen mußte. Die Geschundenen, Gemarterten und Gepeinigten standen sämtlich auf der Grenze zwischen Leben und Tod. Sie wurden auf dem Flur des Reviers nebeneinandergeschichtet, wie Bücklinge in einer Kiste. Das Erschütternde waren nicht so sehr ihre Wunden, nicht ihre Schmerzen, 15 sondern ihre furchtbaren Schreie, die mir noch heute in den Ohren gellen. Es war der verzweifelte Ruf nach der Mutter oder der Frau, die irgendwo noch am Leben war, aber nicht wissen konnte, daß hier in diesen Mauern das Teuerste, was sie besaß, der Sohn oder der Gatte, unter so entsetzlichen Qualen verendete. Denn es war kein Tod mehr, dem irgendein stilles Gedenken gefolgt wäre, sondern Mord, was hier tagtäglich geschah. Viehischer, grausamer Mord. Nie werde ich den Tag vergessen ,. an dem ein junger polnischer Häftling seinen alten Vater auf den Schultern in das Krankenrevier trug. Er tat es mit letzter Kraft, denn seine Augen waren bereits vom Schatten des Todes umdunkelt. Der Vater war bewußtlos, wie es schien, aus körperlicher Erschöpfung. Seine Backenknochen stachen förmlich durch die ausgehöhlten Wangen, während seine Arme leblos herabhingen. Der Junge rief in gebrochenem Deutsch: ,, Helft, helft! Ich glaube, mein Vater stirbt! Aber er muß leben, leben, sage ich! Was soll meine Mutter machen? Ein Bruder ist schon verreckt, und zu Hause sind noch vier Geschwister. Meine Mutter wird verrückt, wenn sie das alles erfährt!" Er konnte dann nicht weitersprechen. Die Erregung hatte ihn völlig übermannt. Eine Hilfe gab es für beide nicht mehr; sie waren durch tagelangen Nahrungsentzug wegen eines höchst unbedeutenden ,, Vergehens" ganz ausgezehrt. Am anderen Morgen brachten wir beide in die Leichenkammer des Krematoriums... Einst waren sie blühende Menschen, Jetzt nur noch Skelette Das Ende von Pfarrer Schneider. Er war Häftling wie wir. Seine hochgewachsene Gestalt und das kluge, hagere Gesicht verliehen ihm das Aussehen eines Aristrokraten. Er war es 16 gew Eins der der wal Hiti sein and zub Kra Stir sons hint von D Kör Selm anzu fiel schin ellen. ndwo auern setzndeln chah. den dem HaftVater das Er Kraft, varen gewesen, der aus seinem religiösen Bekenntnis keinen Hehl machte und seine Einstellung gegen die herrschende nationalsozialistische Kirchenpolitik, die aus der Pfarrerschaft Diener des Naziregimes zu machen suchte, mehrfach von der Kanzel herab bekundet hatte. Unter seinen Leidensgefährten in Buchenwald fand er bald Freunde, mit denen er in Gesprächen die Barbarei des Hitlerismus auf jede Gefahr hin verurteilte. Zunächst wurden die SS- Schergen seiner nicht habhaft. Einmal war es aber doch so weit. Bis zu seinem Tode, anderthalb Jahre lang, mußte er bei kümmerlicher Ernährung in Dunkelhaft zubringen. Man lieferte ihn es war September des Jahres 1938 in das Krankenrevier ein. Er glich einem Skelett und der Tod war ihm bereits auf die Stirn geschrieben. Es wurde für ihn ein heißes Bad angeordnet, und auch sonst behandelte ihn die SS sehr rücksichtsvoll. Aber wir wußten, was sich hinter dieser ,, menschenfreundlichen" Geste verbarg. des Der , wie rperSeine chen auswäheblos Junge enem ! Ich tirbt! eben, Was chen? ver sind ister. veralles dann Eine sehrt. Juge, ar es des Das berüchtigte und gefürchtete Krematorium" von außen Der bis zum Skelett ausgemergelte Pfarrer erhielt zunächst Injektionen von Traubenzucker und Vitamin C, eines wichtigen Aufbaustoffes; denn sein Körper wies blutige Striemen auf, die von schweren Schlägen herrührten. Seine Wunden wurden sorgfältig mit Heißluft behandelt, um die Blutzirkulation anzuregen. Doch alle diese Vorkehrungen halfen nicht mehr. Der Kranke fiel von einer Bewußtlosigkeit in die andere. In wachen Augenblicken schimmerte in seinen tief in den Höhlen liegenden Augen noch ein matter 17 Glanz, und er sagte dann mit leiser Stimme: ,, Ach, nun glaube ich, daß ich endlich entlassen werde. Wiẞt Ihr, was das heißt, wenn man nach langer, langer Nacht wieder in die Freiheit zurückkehren kann?" Ja, sicher, das wußten wir, aber nachdem wir seinen Puls befühlt und seine körperliche Konstitution kontrolliert hatten, mußten wir erkennen, daß die fast achttägige Behandlung mit Traubenzucker und Vitamin C, dazu eine entsprechende Diät, nicht zum Erfolg geführt hatte. Der Tod saß bereits zu tief in seiner körperlichen Hülle, als daß die Wiederherstellung der Kräfte möglich gewesen wäre. Obgleich wir durch die jahrelangen Folterungen und durch den täglichen Anblick der Toten abgestumpft waren, traten mir und meinen Gefährten im Revier doch die Tränen in die Augen; denn ein Mensch ging hinüber, der sein ganzes Leben in den Dienst der Liebe und Gerechtigkeit, der menschlichen Würde und der Freiheit des Denkens gestellt hatte." Ja", fuhr er zwischendurch fort ,,, der Herrgott hat meine Gebete nun endlich erhört! Nun träume ich jede Nacht, wie ich daheim bei meiner Familie sitze und mich mit ihr darüber freue, daß alle Leiden, all'e Qualen ein Ende haben." Dann überfiel ihn wieder die Bewußtlosigkeit, und nach einiger Zeit stellte ich hohes Fieber fest. Ich gab ihm, so wie ich es gelernt hatte, ein Linderungsmittel. Es war der letzte Dienst, den ich Pfarrer Schneider, der unser aller Freund gewesen war, erweisen sollte. Vier Stunden später war er tot. Seine Leiden hattén in der Tat ein Ende gefunden; aber die von ihm und uns so sehnlichst erwartete Freiheit durfte er nicht mehr erleben. Als seine Angehörigen zur Ueberführung des Leichnams im Lager erschienen, drückte ihnen ,, im Namen der Kommandantur" SS- Sturmbannführer Rödel mit heuchlerischer Geste das Beileid aus. Um diese Schamlosigkeit zu erhöhen, hatte die SS den Sarg sorgfältig aufgebahrt und mit Blumen geschmückt. Massenmord an polnischen Kriegsgefangenen. Die Konzentrationslager waren nicht nur für deutsche Volksangehörige gedacht, die in irgendeiner Form den Verdacht ,, staatsfeindlicher Umtriebe" erregt hatten, sondern im wesentlichen auch für jüdische und ausländische Staatsbürger, darunter vor allem Kriegsgefangene. Gegenüber diesen Schichten von Lagerinsassen tobte sich die Mordlust der SS- Männer nur um so hemmungsloser aus. Das trifft vor allem für polnische Kriegsgefangene zu, die im Oktober und November 1939, nach dem Polenfeldzug, eingeliefert wurden, weil es der Hitlerbande darauf ankam, die polnische Führungsschicht auszurotten. Der Transport bestand aus etwa 2000 Kriegsgefangenen, Offizieren und Mannschaften. Für sie wurden eigens drei Zelte Im Lagergelände errichtet. Sie schliefen zum Teil auf der Erde, zum Teil in primitiven Holzgestellen. Der Zug selbst bot ein Bild des Grauens, denn er bestand aus völlig zerlumpten und abgezehrten Gestalten, die kaum noch gehen konnten. In ihrer Mitte führten sie einige Tote mit; es waren die sterblichen Ueberreste jener Männer, die unterwegs vor Erschöpfung umgekommen waren. 18 Die sch son mit der völl Sie stän stat Hch krä Mel war well betr nah Die durc ch, as In wir, ution gige entS ZU afte und und ensch keit Ja", ersitze ben." e ich ungsaller Seine IS SO T erFührer igkeit umen Die meisten der Eingelieferten waren infolge der voraufgegangenen Strapazen schwer erkrankt. Sie wurden jedoch nicht in das bekannte Revier eingeliefert, sondern mußten weiter im ,, Polenlager"( so nannten wir diese kleine Zeltstadt mitten in unserem Gehege) verbleiben. Dem deutschen Sanitätspersonal war der Zutritt streng untersagt worden. Die Folge war, daß die ausgemergelten, völlig zusammengebrochenen Polenhäftlinge in großer Zahl dahinstarben. Sie wurden massenweise ins Krematorium gebracht. mörige riebe" dische dlesen ur um egsenfeld. nische KriegsZelte Tell in menn er gehen blichen waren. Hier vegetierten die eingesperrten Opfer der Nazisten Als die Leichenträger immer wieder berichteten, daß die hygienischen Zustände im Lager einfach grauenhaft seien, wurde dem Sanitätspersonal gestattet, wöchentlich zweimal Visite zu machen. Ihm bot sich ein unbeschreiblicher Anblick. Diejenigen der polnischen Insassen, die infolge ihrer Entkräftung keine Toilette mehr aufsuchen konnten, entleerten an Ort und Stelle. Meist diente ein Eẞnapf zur Verrichtung ihrer Notdurft; ein anderes Gefäß war nicht zur Stelle. Hinzu kam eine in diesen Wochen anhaltende Kältewelle. Die Sterbeziffer erhöhte sich auf Grund der auftretenden Erfrierungen beträchtlich. Das Sanitätspersonal mußte sich mehrfach zur Amputation( Abnahme) von erfrorenen Gliedmaßen entschließen, meist Armen und Zehen. Die Operationen wurden sämtlich bei vollem Bewußtsein der Betroffenen durchgeführt, ohne jegliches Betäubungsmittel. Die inzwischen aufgetretene Ruhr forderte immer mehr Opfer. Als die 19 Epiklemie einen solchen Grad angenommen hatte, daß sogar die SS-Wach- mannschaften davon befallen wurden, schien es, als ob die Lagerverwaltung endlich für Abhilfe sorgen wollte. Aber es war schon zu spät. Nur noch etwa tausend Mann befanden sich am Leben; die Durchschnittszahl an Toten betrug täglich 50 bis 60. Als die Seuche endlich mit Mühe eingedämmt worden war, lebter von den eingelieferten 2000 polnischen Kriegsgefangenen nur noch fünf- bis sechshundert. Ihre Verpflegung spottete jeder Beschreibung. Sie war derart kümmierlich, daß die Häftlinge auf kaum vorstellbare Auswege verfielen, um nicht ganz zu verhungern. So kam es oft vor, daß zwei der Kriegsgefangenen zum Empfang des Mittagessens einen toten Kameraden mitschleppten, damit sie in den Genuß einer weiteren Portion gelangten. Selbstverständiich wurde dieser traurige„Trick“ sofort entdeckt. Die Betreffenden wurden dann auf der Stelle durchgeprügelt. Weiter wurde ihnen für eine bestimmte Anzahl von Tagen die Nahrung entzogen. Ueberhaupt erhielten nur diejenigen ihre Ration zugeteilt, die zum Empfang”erschlenen waren. Die Mehrzahl der Schwerkranken bekam dadurch nichts und war trotz gelegentlicher Kame- tadenhilfe dem Verhungem rettungslos preisgegeben. Judenfoltern vertierter Sadisten. Die Nazis hatten sich vor allem die Aufgabe gestellt, die jüdischen deutschen Staatsangehörigen mit Hilfe einer besonderen„Aktion“ zu liqui- dieren. Soweit diese Unglücklichen nicht in entlegenen Konzentrationslagern des Ostens untergebracht waren, kamen sie in größeren Transporten nach Mittel- und Süddeutschland. So erhielt das Lager Buchenwald im November 1938 emen Zuzug von rund 10000 jüdischen Häftlingen, die vother in den Städten, zum Teil auch auf dem Lande,„ausgekämmt" worden waret. Viele von ihnen hatten bereits mehrere Jahre in Untersuchingshaft zugebracht. Ihre Ankunft bot ein trostloses, erschitterndes Bild, das mit der vorhin ge- schilderten Finlteferung der polnischen Kriegsgefangenen zu vergleichen war. Bei der Behandlung der jüdischen Leidensgefährten feierte der vertierte Sadis- mus der nazistischen Henkersknechte seine scheußlichsten Triumphe; eine Tatsache, die bereits durch den Empfang im Lager offenkundig wurde. Mit Gummiknüppeln und Peitschen schlug man auf die Häftlinge ein, bis unter fauten Flüchen und Schreien der SS-Mannschaften ihre„Aufnahme“ voll- zogen war. Die ersten Tage nach ihrer Ankunft mußten sämtliche Juden(man stelle sich die ungeheure Zahl vor!) über zwölt Stunden auf dem Appellplatz sitzen — ohne daß Ihnen gestattet wurde, einmal aufzustehen und ihre Notdurft zu verrichten. Von Essen und Trinken war keine Rede. Die Lagerkommandantur hatte es von vornherein darauf abgesehen, die jüdischen Häftlinge besonders scharf anzupacken. Als diese endlich in fünf Holzbaracken eingeptercht worden waren, blieben auf dem Platz mehrere Tote zurück. Das Leben in den Baracken war unerträglich. Nicht tur, daß infolge der entsetzlichen Stang der hier untergebrachten Häftlinge einfach ekelerregende % 20 achtung etwa etrug war, fünfrlich, nicht zum urde 7 auf zahl thre der amehen LiquiFagern nach ember 1 den Viele racht. ngewar. Sadiseine Mit unter vollstelle sitzen rft zu dantur onders ofercht ze der gende Zustände herrschten, auch die Zahl der Krankheits- und Todesfälle stieg immer mehr an. Infolge der Enge drückten sich die Häftlinge förmlich zu Tode. Es kam aber noch schlimmer. 60 Häftlinge litten bald an Tobsuchtsanfällen und lang anhaltenden Schreikrämpfen. So gut es ging, wurden diese Kranken aus der Baracke herausgezerrt und in der ehemaligen alten Küche eingesperrt, einem kleinen Gebäude, das wie ein Gefängnis eingerichtet war. Merkwürdig berührte von vornherein die Tatsache, daß die SS- Leute statt der in solchen Fällen sonst üblichen Erschießungen eine Ausnahme machten. Die Wahnsinnigen wurden lediglich mit einem tief in die Gelenke einschneidenden Draht aneinandergefesselt. Ihre Bewacher führten die Unglücklichen zu jedem Morgen- und Abendappell auf den Platz, wo sie ein Bild entsetzlicher Verwahrlosung abgaben. Es war, als ob der leibhaftige Tod seine Helfer auf die Erde geschickt hätte, um in einem gespenstischen Wahnsinnstanz die abgestorbenen Seelen um sich zu versammeln. Damit aber nicht genug, hieben die Wachmannschaften mit Knüppeln und Peitschen auf die Unglücklichen ein. Die Häftlingskappelle mußte dazu aufspielen. Durch die Schläge traten Gehirnblutungen und der Tod ein. Die Leichenträger waren fortwährend damit beschäftigt, die Toten zunächst auf einen Haufen zu legen. Sie wußten bald nicht mehr, wie oft sie schon den Weg vom Judenlager zum Krematoriumi gegangen waren. Ich habe versucht, von meinen Erlebnissen in Buchenwald nur einen knappen Abriß zu geben. Ich muß gestehen, daß meine Zeilen gegenüber der Wirklichkeit verblassen, einer Wirklichkeit, die die Greuel der entmenschten SS- Tyrannen zu einer blutigen Hölle werden ließ. Nichts kann Ihre Verbrechen ungeschehen machen. Sie prägen sich der ganzen Kulturwelt wie Brandmale in das Gewissen. Sie sind der Ausdruck eines Systems des Grauens, das die Freiheit der Persönlichkeit mit den brutalsten Gewaltmitteln unterdrückte und Millionen unter seine unmenschlichen Blutbefehle zwang. Alle politischen Konzentrationäre und Häftlinge, sowie die Hinterbliebenen der Naziopfer melden sich sofort bei der örtlichen Polizeibehörde unter Angabe der Bestrafung und des politischen Deliktes. Im Zusammenwirken der örtlichen Selbstverwaltung und dem Antifaschistischen Ausschuß der demokratischen Parteien sind die Meldungen weiterzuleiten an die: Provinzialverwaltung Sachsen, Halle( Saale), Kaiserstr. 7. Abteilung ,, Opfer des Faschismus". Es soll und muß eine restlose Erfassung obig Genannter erfolgen, an der die Behördenstellen der Städte und Kreise mitzuarbeiten haben, um alle Vorbereitungen des Wiedergutmachungswerkes treffen zu können. 21 Die Verantwortlichen. Sie vollstreckten die Mordbefehle. Der Erlebnisbericht des Häftlings Kurt Beyer aus Halle Die Frage nach den Schuldigen der im Konzentrationslager Buchenwald verübten Greuel, die auch ich drei Jahre lang am eigenen Leibe erlebt habe, ist eigentlich überflüssig. Schuld ist im allgemeinen das verbrecherische Gewaltsystem des Nationalsozialismus, gegen das sich die furchtbarste Anklage aller Zeiten richtet. Im besondern aber wird die Vergeltung diejenigen treffen, die sich als willfährige Vollstrecker seiner Mordbefehle erwiesen haben. Der Hinweis mancher Einfältigen, daß diese ,, nur ausführende Organe" Hitlers und seiner SS- Führerschicht gewesen seien, verdient schärfste Zurückweisung. Denn so, wie stets nach einem Verbrechen der Mörder, nicht aber sein Anstifter in eine härtere Strafe genommen wird, werden jetzt die Grausamkeiten der Himmlerbestien mit der gleichen Erbarmungslosigkeit gesühnt werden. Sie waren es, deren sadistischer Vernichtungswille sich täglich an Maßlosigkeit überbot und- bel den sterblichen Ueberresten der oft grauenhaft verstümmelten Häftlinge blutige Orgien feierte. Kein Wort kann deshalb zu anklagend und kein Gedanke zu haßerfüllt sein, um die Gewaltakte dieser Männer, die uns Tag für Tag das Leben zur Hölle machten, für immer anzuprangern. Lampenschirm aus Menschenhaut. Als ich damals es war gerade Hitlers Geburtstag, der 20. April 1938- von der Straße wegverhaftet wurde, um dann einem unglaublichen Verhör unterzogen zu werden, da ahnte ich nicht, welche Schrecknisse mich einmal erwarten sollten. Zwar bestanden diese Verhöre vor der Gestapo ebenfalls aus einer Kette nervenzerreißender Quälereien. Noch immer ist mir, als ob mich der greffe Schein der Nachtlampe über meiner Pritsche blendete- doch war das gegenüber allen späteren Peinigungen noch die mildeste. Wenn es Dinge gibt, von denen sich unsere Schulweisheit nichts träumen läßt, dann habe ich sie im Konzentrationslager Buchenwald in voller Wirklichkeit erlebt. Jeden dieser erschütternden Vorfälle habe ich noch in der Erinnerung. Ich beginne bei den ,, Taten" eines Mannes, der mir als Sadist größten Ausmaßes bekannt geworden ist. Er galt als führender Kopf der verbrecherischen SS- Wachmannschaften. Ein Wink genügte, um seine vertierten Unterführer auf die wehrlosen Lagerinsassen zu jagen. Wenn es ihm in den Sinn kam, wurde eine Massenerschießung angesetzt, bei der sich dann die Leichen zu Bergen türmten. Mir ist hier vor allem ein Fall im Gedächtnis geblieben, bei dem sich die brutale Gewalttätigkeit dieses Unmenschen- es war der Lagerkommandant, SS- Standartenführer Koch in der scheuß22 La wie mi Un wa ges ku de ko er da Da PANER 2821 lich ar ve 乾 生 食 素 se SC 7" vald abe, sche Angen ben. lichsten Weise offenbarte. Er entdeckte einmal bei einem seiner nächtlichen Lagerrundgänge einen Häftling, dessen Körper über und über mit Tätowierungen bedeckt war. Er winkte den Mann zu sich und befahl ihm, sofort mitzukommen. Nach einigen Tagen erfuhren wir von seinem Tode. Die Umstände, unter denen er„, verstorben" war, waren sehr geheimnisvoll. Er war zunächst in den für ,, schwere Fälle" besonders hergerichteten Bunker gesperrt worden, wo man ihn durch lebensgefährliche Injektionen innerhalb kurzer Zeit zum Tode beförderte. Das hätte jedoch wenig Aufsehen erregt, denn Todesfälle ereigneten sich täglich in unvorstellbarer Zahl. Aber Lagerkommandant Koch hatte mit diesem Mord eine besondere Absicht verfolgt; er ließ die tätowierte Haut des Unglücklichen sachkundig präparieren und sie dann über den in seinem ,, Arbeits" zimmer hängenden Lampenschirm spannen! Das galt unter den SS- Leuten als ,, besonders origineller Einfall". ers ung. Aniten den. keit elten und uns 8- rhör mal falls s ob doch an es habe rlebt Ausschen Chrer kam, die chtnis es eußDie Villa des Massenmörders von Buchenwald, SS- Standartenführer Koch Die Feder sträubt sich, wenn ich weiter berichte, daß Koch in einem anderen Fall eine große Menschenzehe als Lichtschalter im gleichen Raum verwendete. Diese und andere Scheußlichkeiten nahmen seine Untergebenen immer mit der Bemerkung auf: ,, Ein Pfundskerl, der Kommandant!" Kochs ,, Liebhabereien" fanden immer neue Opfer. So erweckte einmal ein Häftling seinen besonderen Gefallen, weil er sich durch edle Gesichtszüge und eine schöne Kopfform auszeichnete. Ihm wurde das gleiche Schicksal wie dem 23 Tätowierten" beschieden. Noch heute höre ich die Schreie des Häftlings, der von den SS- Wächtern furchtbar zugerichtet und schließlich hingemordet wurde. Als man seine Leiche in die Kammer des Krematoriums einlieferte, war der Kopf vom Rumpfe getrennt. Er war von Koch zurückbehalten worden. Nach einiger Zeit stellte sich heraus, daß man den Schädel ebenfalls dem Präparanten übergeben hatte, und bald darauf konnte man ihn auf dem Schreibtisch dieses vertierten Mörders stehen sehen. Die Verbrennungsöfen zur Aufnahme neuer Opfer bereit Unter den Verantwortlichen dieser Greuel befand sich eine weibliche Person. Es war die Frau des Lagerkommandanten, eine kräftige und sehr anmaßend auftretende Person. Ihre Mußestunden vertrieb sie sich mit Spaziergängen nach den außerhalb des Lagers gelegenen Arbeitsplätzen der Häftlinge. Es waren Schnüffelvisiten der gemeinsten Art. Wer sich von den Häftlingen während der Arbeit einmal aufrichtete oder es gar wagte, die ,, Frau Lagerkommandant" anzusehen, dem rief sie auf der Stelle zu: ,, Na warte, du Faulenzer; heute abend gibt es den Arsch voll!" Dabei schrieb sie sich die Nummer des Betreffenden auf, um ihren Mann in Kenntnis zu setzen. Nach Feierabend, wenn dann die ausgemergelten Häftlinge hungernd und erschöpft ins Lager rückten, wurden die Gemeldeten ausgepeitscht. Unzählige Male hat dieses Weib, dem Sadismus ihres Mannes in keiner Weise nachstehend, die Häftlinge den SS- Leuten in die Hände ge24 Peranchernge. sich gte, zu: sch ren elten eten Fines geder det erte, ten alls auf spielt. Sie war es auch, die sehr oft das überaus schmerzhafte Hängen" im angrenzenden Waldgelände veranlaßte. Das ging in der Weise vor sich, daß die Häftlinge an ihren auf dem Rücken zusammengebundenen Händen an einem Baumast hochgezogen wurden. Den Opfern bereitete man damit stundenlang fürchterliche Qualen; denn Arm- und Schultergelenke wurden ausgerenkt, und oft verloren die Gemarterten die Besinnung. Die Schreie waren kilometerweit zu hören, hielten aber die Wachmannschaften niemals davon ab, diese schrecklichen Folterungen nach Belieben auszudehnen. Wer sich nicht mehr in das Lager zurückschleppen konnte, wurde liegengelassen. Hilfsbereite Kameraden zwang man unter vorgehaltenem Revolver, von den Unglücklichen abzulassen. Juden als lebende Zielscheiben. Der SS- Hauptscharführer Blank zeichnete sich durch seine kurzen ,, Mordprozesse" aus. Darin glich er ganz seinem Vorgesetzten, wenn er auch nicht dessen ,, originelle Einfälle" hatte. Sein Vernichtungswille richtete sich vornehmlich gegen jüdische Konzentrationäre, die ohnehin beispiellose Leiden über sich ergehen lassen mußten. Eines Tages ließ Blank die Juden vor ihrer Baracke antreten und suchte sich seine Opfer aus. Er befahl dann der von ihm ausgewählten Gruppe, zum unweit gelegenen Steinbruch zu laufen. Dort ließ er sie erneut antreten und erteilte den SS- Posten Feuerbefehl! Im nächsten Augenblick brachen nicht weniger als 28 jüdische Häftlinge zusammen. Ein besonderes Kommando mußte sie aufladen und in die Verbrennungsöfen schleppen. Ein Außenkommando wird liquidiert. Blanks Spießgeselle war der SS- Oberscharführer Abraham, der gleichfalls eine Vorliebe für die ,, Behandlung" jüdischer Häftlinge hatte. Er war verantwortlich für die Liquidierung des Außenkommandos Perlstedt, das ausnahmslos aus Juden bestand. Es zählte insgesamt 34 Häftlinge. Eines Tages ließ er das Kommando antreten, winkte einen der Häftlinge heraus und befahl ihm, aus einer Wasserlache zu trinken. Als sich der Jude bückte, stieß ihm Abraham seinen Reitstiefel in den Nacken und tauchte ihn solange unter, bis der Unglückliche kein Lebenszeichen mehr gab. Anschließend befahl Abraham, die restlichen 33 Angehörigen des Außenkommandos zu ,, liquidieren". Man führte sie aus dem Lager und schoß sie im freien Gelände ab. Immer wieder: Bestien in Menschengestalt. Wer als Häftling täglich die Greueltaten der SS- Wachleute miterleben mußte, empfand zwar einen brennenden Haß gegen diese Bestien, aber all das Schreckliche hatte uns doch derart gelähmt, daß wir gegen unser Schicksal nicht anzukämpfen vermochten. Ganz abgesehen davon, daß dies auch gar 25 nicht möglich war. Dieses Gefühl der Lähmung überfiel uns besonders immer in dem Augenblick, wenn die Lautsprecher den Befehl übertrugen: Häftling Nr.... bei Oberscharführer Sommer melden!" Wir wußten, daß dieser SS- Henker zu den Grausamsten gehörte; er betrieb den Mord im großen. Schon ein einziger Lagerrundgang Sommers hatte eine Reihe von Blutopfern zur Folge, sei es, daß er Häftlinge auf der Stelle niederstreckte, oder daß er sie zum Haupteingang des Lagers dirigierte, wo sich dann ihr Schicksal lautlos vollzog. Mit einer Schußwunde im Kopf, die gebrochenen Augen zum Himmel gerichtet, wurden sie dann aufgefunden und zum Krematorium geschleppt. Wassergüsse bei 20° Kälte. Im Prinzip waren sich die Verantwortlichen des Lagers Buchenwald ausnahmslos einig; sie unterschieden sich nur in der Methode. Wenn es auch ein bestimmtes System gab, war dieses doch keinesfalls für alle verbindlich. Jeder der SS- Wachleute war auf seine Art erfinderisch und bemüht, auf dem Gebiete krimineller Ausschreitungen möglichst vielseitig zu sein und seinen urlaub Ausga wurde Kopf hatten zogen eine V daß s denn schme E er wa Intelle Das T lingen stram dauer überz mensc Zuletz Das ist die Wahrheit! Noch befinden sich Ueberreste der verbrannten Häftlinge in den Oefen Spießgesellen den Rang abzulaufen. Ein besonderer Anreiz dazu war, daß beispielsweise die Scharführer der Postenkette einen zweiwöchigen Sonder26 eine E daß ondermer ling eser Ben. fern 3 er auturlaub erhielten, wenn sie sich durch besondere Brutalitäten mit tödlichem Ausgang hervorgetan hatten. Das galt als besondere Bewährung. Es wurden etwa den dafür eigens ausersehenen Opfern die Mützen derart vom Kopf geschlagen. daß sie außerhalb der Postenkette fielen. Die Häftlinge hatten sie befehlsgemäß zurückzuholen. Dadurch übertraten sie aber die gezum geausauch Mich. dem einen Der Steinbruch von Buchenwald, die Stätte der Massenerschießungen zogene Grenzlinie und wurden nun wie Wild abgeschossen, das nichtsahnend eine Waldschneise überquert. Solche Fälle haben sich sehr oft ereignet, ohne daß sie unter den Lagerinsassen noch besonderes Aufsehen erregt hätten; denn von allen Todesarten war diese die angenehmste, schnellste und schmerzloseste. Eine besondere Methode hatte SS- Scharführer Kubitz sich ausgedacht; er war Spezialist für die Wintermonate. Eines Tages ließ er zwel jüdische Intellektuelle rufen. Es waren schon ältere Männer, ein Arzt und ein Jurist. Das Thermometer zeigte minus 20 Grad Celsius. Er befahl den beiden Häftlingen, sich völlig zu entkleiden. Daraufhin übergoß er sie, die unausgesetzt stramme Haltung einnehmen mußten, mit mehreren Eimern Wasser! Es dauerte nur wenige Minuten, bis ihre Haut vollkommen mit einer Eiskruste überzogen war und nicht mehr atmen konnte. Trotzdem verlangte der Unmensch Kubitz von den Umsinkenden, daß sie weiterhin Haltung einnahmen. Zuletzt gab er den Besinnungslosen noch zwei Fußtritte. Starr gefroren wie eine Eissäule fielen die Opfer tot um. 27 Als einmal ein Häftling beim Appell fehlte, befahl Kubitz dem Stubendienst: ,, Sofort suchen!" Man fand den Gesuchten am meist elektrisch geladenen Umfassungsdraht. Er sah seine Mithäftlinge verstört an und sagte tonlos: ,, Schade, der Draht ist heute nicht geladen!" Er wollte Selbstmord begehen, sich selbst von den Schrecknissen erlösen. Kubitz mußte Meldung gemacht werden. Er geriet in Wut und schrie den an sich schon völlig Niedergebrochenen an: ,, Wenn du Schwein nicht parierst, lasse ich den Hund auf dich los!" Kurze Zeit später lag ein blutiger, total zerrissener Menschenleib auf dem Hofe. Die Entlassung. Wir erfahren alles!" hatte die Gestapo seinerzeit bei meiner Verhaftung erklärt. Wenn nicht, dann werden wir zu Tieren, zu Henkersknechten, zu Bestien!" Nun, sie haben Wort gehalten. Die Drohung wurde bis zum Letzten wahrgemacht. Als ich eines Morgens mit fünf anderen Leidensgefährten zum Haupttor befohlen wurde, schloß ich wie so oft schon vorher wieder einmal mit dem Leben ab. Doch was war das? Man drückte mir den„, Entlassungsschein" in die Hand. - Ich konnte es nicht fassen. Entlassen? - Ohne Bev lehrung dem L gefäl Euch Wi drauße kaum, lichkeit drohun War d So tu Wir ersten Winkel noch el Wer zweifelt angesichts dieser Leichenberge noch an dem Massenmord der Nazis? Keine Drangsalierungen, keine Folterungen, keine Schrecknisse, keine Hoffnungslosigkeit mehr? Leben? Wieder ein freier Mensch in freier Luft? 28 eine el halb de seln, ni durften wir selb Lagers enst: enen los: bedung ederich zer einer ren, Ohne Stacheldraht und Appell? Ohne Peitschenhiebe, Todesspritzen, Hasenjagden? Wirklich leben dürfen? Ohne an die Launen und„ Späße" der SS- Henker ausgeliefert zu sein? Unfaßbar! Mir schwindelte. Bevor wir aber unsere Zivilsachen holen durften, setzte es noch eine ,, Belehrung": ,, Ihr seid doch nun geheilt? Was? Oder"- Handbewegung nach dem Lager- ,, wollt Ihr nochmals da hinein? Wie? Also nehmt Euch gefälligst zusammen, sonst wiẞt Ihr Schweine ja, was Euch passiert!" Wir hörten kaum noch hin. Wir waren mit unseren Gedanken längst draußen, auf dem sonnenüberglänzten Hang des Ettersberges. Wir wußten kaum, ob wir träumten oder ob dies alles Wirklichkeit war. Greifbare Wirklichkeit. Den Menschen zurückgegeben! Wieder leben! Ohne ständige Bedrohung, Schikane, Mißhandlung, Todesangst! Gab es das überhaupt noch? War das möglich? Wir sollten leben! wahr. zum r ein. „ Ent Nazis? keine Luft? So türmten sich täglich die Leichen in dem Konzentrationslager Buchenwald Wir fühlten uns wirklich, wahrhaftig wie eben neu geboren! Als wir die ersten Menschen sahen, die keine blaugraue Lagerkleidung mit dem roten Winkel trugen, da drohten uns vor Freude, Glücksgefühl, Freiheitsdürsten noch einmal die Kräfte zu versagen. Es war freilich nur eine sehr bedingte, eine eingeschränkte und arg eingeengte Freiheit, die uns im Leben außerhalb des Lagers erwartete. Aber immerhin: wir durften wieder Menschen sein, nicht nur Willkürobjekte mit einer beliebigen Sträflingsnummer. Wir durften wieder zu unseren Familien! In unsere Heime! Wir waren wieder wir selbst, und nicht mehr ein Glied im zynisch- sadistischen Organismus des Lagers und seiner brutalen entmenschten SS- Gewaltigen. 29 Noch war allerdings das Regime des Hitlerismus da, noch saßen Hunderttausende in den Konzentrationslagern, wo sie Tag für Tag den Bestialitäten ihrer Fronvögte ausgeliefert waren. Es war das dritte Kriegsjahr. Noch lebte das deutsche Volk in einer Sklaverei ohnegleichen. Noch gelang es Hitler, Millionen zu immer neuen Siegeshoffnungen aufzupeitschen. Heute nun ist der grauenhafte Spuk des Naziterrors für immer ausgelöscht. Wir fangen an, unter der Parole des Antifaschismus all das wieder aufzubauen, wofür wir unterdrückt und gemartert worden sind. Der eine zwölf Jahre, der andere kürzere Zeit, viele bis zu ihrem, zumeist widernatürlichen Tod. Unser Kampf und unsere Leiden waren doch nicht umsonst! An und WI Masse Leiden wollen Foltern dulden Mit den vorliegenden Berichten zweier ehemaliger KZ.- Häftlinge wird dem deutschen Volke ein wahrheitsgetreues Bild von den Verhältnissen in Buchenwald gegeben. Was hier geschehen ist, das gilt auch für die vielen anderen KZ.- Lager in Deutschland. Wir haben bereits in diesen kurzen Ausschnitten denn mehr sind diese Berichte nicht- das ganze Ausmaß der Verbrechen des Hitlersysteins kennengelernt. Wir haben erkannt, daß das Naziregime mit Gewalt und Vernichtung die natürliche Entwicklung der menschlichen Persönlichkeit zu verhindern suchte. Eine solche Ideologie sollte mit Hilfe des jüngst abgeschlossenen Krieges der Menschheit aufgezwungen werden. Aber in einem sechsjährigen blutigen Ringen haben die Kräfte des Friedens den dunklen Machtanspruch des Faschismus zerschlagen. Nun gilt es, daß sich das deutsche Volk besinnt, daß es den Weg zu seinen ursprünglichen Werten zurückfindet und in einem starken, geeinten, antifaschistischen Block die Ueberreste des verbrecherischen Nazismus ausrottet und in steter Bereitschaft den Wiederaufbau Deutschlands tatkräftigst durchführt. Hitler Sei Gescha Welt. taten unsere Das Wi auch al Erlebn system oder A kampa entreiß Helft Hin mundto die A ohne H Leiden Zwangs In den 30 30 Ber verschi Landw andere möglich einer R ‚An alle politischen Konzentrationäre _ und Häftlinge! ET TEE OLE TEC EEETETENT ] ! j : Wir sind freil Vorüber ist die Zeit der viehischen Quälerei und des durch die Naziverbrecher, Aber niemals werden wir die Leidenstage und-jahre vergessen. Nicht nur das; mit feurigen Zungen wollen wir der ganzen Welt verkünden, welche Grausamkeiten und Foltern wir und unsere gemordeten Kameraden und Kameradinnen er- dulden mußten. Hitler ist der Nero des XX. Jahrhunderts! Seine Schergen sind die sadistischsten Sklavenhalter aller Zeiten, Geschändet und entehrt ist der Name Deutschland vor dem Forum der Welt, Noch gibt es Hunderttausende in unserem Vaterland, die die Schand- taten der Nazis, veröffentlicht in den Zeitungen und Rundfunksendungen unserer Befreier, nicht glauben wollen, Das Lügengift der Nazis gilt es auszurotten. Wir haben eine große geschichtliche Mission zu erfüllen. Alle, aber auch alle sollen die volle Wahrheit über die Nazityrannei erfahren. Unsere Erlebnisberichte sollen die letzten Zweifel über die Verbrechen des Hitler- systems beseitigen. Nicht ruhen und rasten wollen wir, ob Intellektuelle oder Arbeiter, aber auch alle, um durch eine gewaltige Aufklärungs- kampagne den letzten Deutschen aus den Klauen der Naziideologie zu entreißen, Helft mit an dem Gelingen des großen Werkes! Hinter Stacheldraht und Kerkermauern ‚wollte der Faschismus uns i mundtot machen, heute, im demokratischen Deutschland werden die„Angeklagten“ von einst zu den Massen sprechen. Darum berichtet ohne Hemmungen, Einschränkungen und Humanitätsduselei über Eure } Leiden und Folterungen bei Vernehmungen der Gestapo, in den Polizei- und Untersuchungsgefängnissen, in den Strafanstalten, Konzentrations- und |- Zwangsarbeitslagern, in den Wehrmachtsgefängnissen und Strafkompanien, in den Erziehungsbataillonen usw. Berichtet von den Schikanen und der Terrorisierung der zwangs- verschickten Fremdarbeiter und-arbeiterinnen in den Betrieben und der Landwirtschaft, kurzum, über alles, wo die SS-Verbrecher, Nazis und ] andere, Menschen peinigten und kaltblütig mordeten, Wichtig ist, wenn möglich, alle Tyrannen namentlich zu benennen. Das Material wird in „einer Reihe weiterer Broschüren veröffentlicht. 3 Deutschland war unter der Hitler- Aera ein großes Konzentrationslager. Dank der Blutopfer der Vereinten Nationen wurden wir befreit. Deutschland ist frei vom Nazijoch, Das wollen und können wir nie vergessen, und dieser großen Tat müssen wir uns würdig erweisen. Jetzt gilt es, alle die politischen Häftlinge und die Hinterbliebenen der von den Nazisten in Gefängnissen, Zuchthäusern und Konzentrationslagern gemordeten Antifaschisten in der Provinz Sachsen zu erfassen. Es wird ein Heer von Anklägern gegen das Nazisystem werden, aber auch gleichzeitig die eiserne Phalanx für die antifaschistisch- demokratische Republik. Unsere Jugend ist für diese große Idee zu mobilisieren, daß sie nicht wieder ein Spielball in den Händen verbrecherischer Militaristen wird. Die letzte Fahrt der grausam ermordeten Häftlinge nach den Verbrennungsöfen. Keinen Pardon den Nazisten, Militaristen und Reaktionären Werdet Mitarbeiter und schickt Eure Berichte an die: Provinzialverwaltung Sachsen, Halle( Saale), Kaiserstr. 6a, Abteilung: Informationsdienst, Presse, Film, Funk und Propaganda. Laßt uns Künder und Baumeister eines neuen und freien, eines antifaschistisch- demokratischen Deutschland werden. 32