meraden Liebesgaben von draußen erhielt, so suchte man ihn möglichst im Block zu halten und vor Ver­setzung zu schützen. Kameraden, die entlassen wurden, bewog man mit Erfolg, auf den Inhalt nachträglich ein­gehender Pakete zugunsten der Block- oder Stuben­ältesten zu verzichten. Solche Spender wurden meist relativ gut behandelt und gewannen manchmal einen gewissen Einfluß auf die Blockgewaltigen, den sie in manchen Fällen zum Vorteil ihrer Kameraden aus­üben konnten. Ich hatte selbst Gelegenheit, auf diesem Gebiete persönliche Erfahrungen zu sammeln. Das war alles menschlich erklärlich und vollzog sich in der Re­gel auch in freundschaftlichen Formen.

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Etwa zehn Tage blieben wir im Block 68, ohne uns weiter von ihm entfernen zu können, als die schmale Straße reichte, die Blockreihe von Blockreihe trennte. Es war Quarantäne" über uns verhängt. Äußerlich mit sanitären Erwägungen begründet, war sie weiter nichts als eine Schikane, mit der das Lagerleben des Häftlings begann. Das einzige Mittel, mit der Welt der älteren Häftlinge in Verbindung zu kommen, bestand während dieser Zeit darin, das Essen in der Küche zu holen und die Gefäße dort wieder abzuliefern. Vor der Küche hatte sich seit langem schon eine Börse der öf­fentlichen Meinung gebildet. Unsere Essenträger brach­ten von dort die neuesten Nachrichten mit, die damals einen besonders aufregenden Charakter hatten. Die Heere der Westmächte stießen in raschem Tempo durch Frankreich vor. Die Rote Armee sammelte ihre Kraft zu neuen Vorstößen gegen die Streitkräfte Hitlers . Die Häftlinge, die nicht mehr in Quarantäne waren, hat­ten Gelegenheit, jeden Tag um 20 Uhr die beiden Lautsprecher zu hören, die an zwei Stellen des La­gers errichtet waren. Wir selbst konnten damals

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