alt. Die schmuckvollen farbigen Stickereien und Verzierun­gen, die klingenden, goldenen Ringlein am Gürtel, die Mütze mit der wehenden Pfauenfeder beglückten mich. Ich entglitt der Umarmung meines hageren, stattlichen Großvaters und schlüpfte durch das Seitenpförtchen auf den Hof, wo sich der Pferdestall und der Hühnerhof befanden. Georg war auch ge­rade eingetroffen und begann die Pferde auszuspannen. Eine ganze Weile mochte ich wohl schüchtern an der Wand gestan­den haben, bis er mich freundlich lächelnd entdeckte, die Pfauenfedermütze zurechtschob und mich anredete:

..Nun, komm nur her, kleines Fräuleinchen."

Ich ging auf ihn zu. Die Pferde hatten im Pferdestall schon ihr Heufutter bekommen, und Georg setzte sich auf einen Baumstumpf, um mit mir zu plaudern. Er fragte mich, wie alt ich sei, wie ich heiße, ob ich Pferde gern hätte, ob mir auch seine Krakauer Tracht gefalle. Auf alle seine Fragen antwor­tete ich ohne Scheu, und so wurden wir sehr bald gute Freunde. Plötzlich kam am blauen, durchsichtigen Himmel ein Schwarm weißer Tauben angeflogen. Georg sprang auf, fing auf ganz eigene Art zu pfeifen an, mit der Mütze zu schwenken und siehe, die Tauben begannen über unseren Köpfen zu kreisen. Das muß ein besonders wirkungsvolles Bild gewesen sein, denn ich sehe es heute noch so lebendig vor mir, als ob ich es mir eben auf einer Photographie be­trachtet hätte.

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,, Hast du Tauben gern, Kleine?"

,.Sehr gern."

,, Dann will ich dir mal ein Pärchen mitbringen."

,, Lebendige?"

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