Und was konnte mein Rat auch dem jungen Lernau helfen? Ich wußte im vorhinein, daß er nicht darauf hören würde. Er war auf Erfolg aus, und den fand er gerade auf dem Wege, den er jetzt ging als ,, schreitender Kämpfer". Er war bekannt, fand immer gute, häufig überschwängliche Kritiken. Die ersten Strahlen des Ruhmes berührten ihn mit verheißungsvollem Licht.
Von mir aber hatte man schon früher nie viel gesprochen, und damals war ich bereits so gut wie vergessen.
So war es Lernau, der mir zusetzte: ,, Du hockst hier in deinem Stübchen und versauerst! Draußen geht die Welt ihren Lauf!"
An diesem Tage war er besonders beharrlich, wohl weil er auf Steffie damit Eindruck machen wollte. Mich ärgerte, daß ich die Rolle spielen mußte, die er mir durch sein Verhalten vorschrieb. Denn da ich das Entscheidende nicht aussprechen konnte, mußte ich meine Zuflucht zu allerlei Ausreden nehmen.
,, Laß die Welt ihren Lauf nehmen", sagte ich. ,, Mein Geschäft ist es, Bilder zu malen. Mit anderen Dingen habe ich mich lange genug befassen müssen. Erst habe ich Jura studiert, weil mein Vater es so wollte. Als er starb und ich dachte, ich sei nun frei, da kam der Krieg. Vier lange Jahre! Nach dem Kriege mußte ich erst in einer Bank arbeiten, denn ich hatte kein Geld. So wurde ich zweiunddreißig, bevor ich anfangen konnte zu malen. Ich habe viel nachzuholen. Soll die Welt ihren Lauf nehmen, ich male!"
Lernau lachte und deklamierte:
,, Ich möchte einen Schrebergarten haben Und eine Laube, um darin zu weilen, Es ist so schön, Radieschen auszugraben. Behüt dich Gott, es hat nicht sollen sein."
Diesmal endete unser Gespräch nicht wie sonst im üb
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