ihn zurück. ,, Ich weiß nicht, wo mein Handgepäck geblieben ist, und was wird aus meinem Koffer?" ,, Ihr Handgepäck habe ich in die Verwaltungsbaracke bringen lassen, wegen des Koffers werde ich mit dem Gestapo - Inspektor sprechen." Damit verließ er mich endgültig. Stumpf setzte ich mich auf eine Bank und wartete, was weiter werden würde.
Nach einer Weile kam Stahl wieder heraus, begleitet von Dr. Spahn, einem unserer Aerzte, der mich freundlich begrüßte. ,, Gehen Sie vor zu meinem Auto, das vor dem Tor wartet", sagte Stahl ,,, Ihr Gepäck bringen wir mit. Wir kommen gleich nach." Ich ging. Am Torhaus hielt mich die Gestapowache an. ,, Wo wollen Sie hin?" rief mir der Wachhabende zu ,,, Sie dürfen hier nicht einfach fortgehen." ,, Ich will ja gar nicht fortgehen“, schleuderte ich ihm entgegen ,,, ich werde ja dazu gezwungen." Kopfschüttelnd sah mich der Mann an; er hielt mich sicher für nicht ganz normal, was ich wohl auch nicht war. Doch da kam Dr. Spahn mit Stahl, er sagte der Wache das Nötige, sie gab uns den Weg frei. Nicht weit vor dem Tor hielt ein Auto, Stahl half mir beim Einsteigen. Kurz ging mir durch den Kopf, wie widersinnig es doch sei, daß Stahl und unsere Aerzte zwar keine Straßenbahn benutzen, aber mit einem Mietauto fahren durften. Die beiden waren nach mir eingestiegen, mein Handgepäck war beim Chauffeur verstaut, der Wagen setzte sich in Bewegung. Aus dem überheißen, drückenden Nachmittag war ein schöner, klarer Vorfrühlingsabend mit einem grünlich schimmernden Himmel geworden. Wie verzaubert saß ich in dem bequemen Sitz des gut federnden Autos. War das Wirklichkeit, daß ich nach den Tagen im Schmutz, der fürchterlichen Enge und dem schrecklichen Lärm der Baracke nun in einem schönen, leise durch die Straße gleitenden Wagen saß? Wie wunderbar war das alles! Das Bild der frühlingshaften Stadt, durch die wir stumm dahinfuhren, die allmählich mir bekannt werdenden Straßen, von denen ich vor zweieinhalb Tagen
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