versprochen hast, daß du diesen törichten Entschluß, den ich deiner Aufregung zuschreibe, nicht ausführen wirst." Da brach er zusammen. Ich ließ ihn ein Weilchen weinen, ich wußte, diese Tränen lösten die entsetzliche Spannung, die ihn gepackt hielt. Dann legte ich ihm die Hand auf die Schulter. ,, Nun, Werner?" fragte ich. ,, Wenn Sie mir versprechen, daß meine Eltern nichts von dem erfahren, was ich Ihnen gesagt habe, gebe ich Ihnen die Hand darauf, daß ich mir nichts antue." ,, Selbstverständlich erfahren deine Eltern nichts davon", sagte ich ruhig. Dankbar sah er mich an und drückte meine Hand so kräftig, daß es wehtat. Dann gab ich ihm den Weg frei.
Dies kleine Erlebnis hatte mich befreit von dem Allzulastenden der letzten Stunde. Aber als ich Stahl über den Platz auf mich zukommen sah, stieg meine Empörung über die plötzliche Wendung der Dinge von neuem so heftig in mir auf, daß ich ihn anfuhr: ,, Hätten Sie sich nicht früher überlegen können, was Sie mit mir vorhaben? Glauben Sie, ich kann mich ohne jede Mühe einmal für die Deportation vorbereiten, und wenn innerlich und äußerlich alles dafür bereit ist, mich gleichmütig dem Befehl fügen: ach nein, wir haben uns die Sache inzwischen anders überlegt, Sie bleiben hier?" Ruhig unterbrach er mich: ,, Ich werde Ihnen alles erklären, wenn wir in Ruhe daheim sind, bis dahin müssen Sie sich noch gedulden. Dann dürfen Sie auch tüchtig weiterschimpfen, wenn Ihnen danach zu Mute ist", schloß er mit feinem Lächeln. ,, Aber wo soll ich jetzt hin?" fragte ich ein bißchen ruhiger. ,, Sie kommen zunächst mit mir nach Hause", antwortete er. ,, Meine Frau ist schon benachrichtigt und läßt Ihnen sagen, sie freue sich auf Sie. Meine Cousine ist unter den Fortgehenden, ihr Bett im Zimmer von Fräulein Friedenthal ist also frei und wird für Sie gerichtet. Wir können dann ganz in Ruhe alles weitere miteinander besprechen, wenn Sie sich ein wenig ausgeruht und erholt haben." Er nickte mir freundlich zu und ging in die Verwaltungsbaracke. Noch einmal rief ich
174


