Dasiß: S Göttlichen Segens / auß dem vierdten Buch Moſis / im ſechſten Capittel: erleuchte ſein Angeſicht vber dich / vnd ſey dir gndig. Der ꝓxRRhebe ſein Angeſicht auff dich / vnd geb dir Friede⸗ Item: Teutſche Kirchen Geſaͤng Eſuia dem Propheten das geſchach/c. Ein Kindt geboren zu Bethlehem / c. Chriſt iſt erſtanden /c. Auff dieſen Tag ſo dencken wir / daß Chriſtus gen Himmel gefahrennt⸗ Run bitten wir den heyligen Geiſt /c. Hohenlohe / Durch Hoſfpredigern vnd Superattendenten daſelbſten. Der Segen deß Hennn machet reich ohne Muͤhe. Cehret vnd vermahnet euch ſelbſt mit Pſalmen vnd Lobgeſaͤngen bnd Geiſtlichen lieblichen Liedern / vnd finget dem HRM in eu⸗ weren Hertzen. Den hrnhafften / Wol⸗ achtbarn / Erſamen / weiſen Herrn Kellern⸗ Buͤrgermeiſtern vnd Rahttverwandten/ auch einer Ehr⸗ baren Buͤrgerſchafft / vnd geſampter Chriſtlicher Gemein ! der Statt Weickersheim / ſenen keben Herren / Gevattern/ Nachbauwern / vnd anbefohlenen Pfarrkindern. Gnad ond rtede von Gott / durch Jeſum Ehriſtum. liebte im HERR Chriſto· Es wa⸗ en zur ðeit deß heyligen Apoſtels Pauli⸗ § Lehrer in der Statt Corinth⸗ ſo in Grie⸗ 22 chenlandt gelegen / welche (wie auß der erſten Epiſtel S. pauli an die Corinthier 3n verneinmend in ſelbiger Gemein / als SN vnter den Griechen⸗ gelehret / gebettet⸗ geſungen/ geſegnet / vnd jre Rirchen Ge⸗ chaͤfft verrichtet haben / nicht in Grie⸗ ſcher vnd alſo ſelbiger Gemein be⸗ tandrer / verſtanorlcher Wutter Sprach / ſonder in frembden / vnbe⸗ kandten / vielleicht hebræiſcher / Syriſcher oder Chaldæiſcher / Spra⸗ chen / Aber ſolches geſchahe von jnen / wie leichtlich zu erachten / ohne einige ſelbiger Gemein Erbawung vnd Beſſerung. Bann halt es ſich doch alſo in den Dingen / die da lauten / vnd doch nicht leben / es ſey eine pfeiffe oder eine Harpffe / wenn ſie nicht vn⸗ terſchiedliche Stim̃ von ſich geben / wie kan man wiſſen / was ge⸗ pfieffen oder geharpffet iſt? Vnd ſo die poſaune einen vndeutlichen CThon gibt / wer wil ſich zum Streit růſten?Alſo auch / wann die Leh⸗ ter mit ʒungen reden / ſoſie nicht ein deutliche Rede geben / wie kan 6 3 man Vorrede. man wiſſen / was geredt iſt ? Dann ſie werden in den Windt reden⸗ 1. Corinth·4. Darvmb vermahnet S.· Paulus G. Cor. 14. ) mit allem Ernſt/ vnd mit reichlichen Worten/ wann die Lehrer / in der Gemein Got⸗ tes / lehren /betten / pſalmen ſingen/ſegenen / daß ſie ſolches nitthun woͤllen in ʒungen / Vas iſt / in ſolchen Sprachenallein / ſo der Ge⸗ mein / deren ſie fürgeſetzt / vndeutlich vnd vnbekandt ſeyen / ſondern daß ſie woͤllen weiſſagen / das iſt / das ſenige / ſo in der d Schrifft mit ʒungen / oder in frembder vnbekandter Sprach begrieffen / der Ge⸗ mein Gottes dolmetſchen vnd außlegen / auff daß die Gemein da⸗ von gebeſſert werde. vunder iſt es / da doch der heylige Apoſtel Paulus /ſo lauter vnd rlar hievon geſchrieben / daß dannoch im Bapſtthumb ſolche Er⸗ jnnerung deß heyligen Apoſtels ſo gar nicht ſtatt gefunden / daß hin⸗ gegen das widerſpiel in denſelbigen Kirchen offentlich getrieben worden. Dann was haben doch die papiſtiſche Prieſter / für jhren Gemeinden nicht verrichtet mit Zungen ⸗ vnd alſo in frembder vn⸗ bekandter Sprach 2 Sie haben die Lectiones auß heyliger Schrifft / jhren Gemeinden in Teutſchen Landen furgeleſen / nicht in Teut⸗ ſcher / der Semein verſtaͤndtlicher Mutter Sprach / fonder in ʒun⸗ gen / das iſt / in Lateiniſcher Sprach. Sie haben jhre Tauff vnd A⸗ dern nur in ʒungen / das iſt / in Lateiniſcher Sprach: Sie haben jhre Sebett vnd Collect gerhan für jhren Gemeinden / ſie haben jhre Pſalmen vnd Hymnos geſungen / ſie haben jhre Danckſagung vnd Segen der Bemein fürgeſprochen / alles nicht in bekandter Teutſcher Sprach / ſonder in Zungẽ / das iſt / in Lateiniſcher Sprach: Allerdings / als hette S paulus nicht geſchrieben ( Cor. .) Wer mit der ʒungen redet⸗ der beſſert ſich ſelbſt: Wer aber weiſſaget / der beſſert die Gemeine/ꝛc Item / der da weiſſaget / iſi groͤſſer / dennder mit ʒungen redet: Es ſey dann / daß er auch außlege / c. Sondern / als hette S. Paulus das Wwiderſpiel geſchrieben / Nemlich: Wer weiſ⸗ ſaget / der beſſerr ſich ſelbſt: Wer aber mit Zungen redet / der beſſert die Gemein. Item: Wer mit ðungen redet / iſt groͤſſer / dañ der da weiſſa⸗ get / daer es ſchon nicht außleget. Darvmb ber zuc red ker 4 — Vorrede. Darvmb dann auch / da S paulus ſpricht i.Cor. 14. Ich wilin der Gemein lieber fünff Wort reden / mit meinem Sinn auffdaß ich auch andere vnterweiſe / denn ſonſt zehen tauſent Wort mit Zungen: Da wolten diepapiſtiſche Geiſtliche viel lieber zehen tauſendt Wort reden mit ʒungen (dadurch doch die Gemein vmb niches kondte vn⸗ terwieſen werden ddann nur fnff Wort mit jhrem Siñ / auffdaß ſie auch andere vnterweiſen hetten moͤgen. Demnach / da ſchon die Lehr / die Gebett / Pſalmen / Segen ⸗ vnnd Danckſagung im Bapſtthumb verrichtet worden weren⸗ ohn einigen menſchlichen Zuſat / allerdings vnd lauter auß vnd nach · Gottlicher Schrifft / doch in vnbekannter/lateiniſcher Sprach: was hette doch ſolches alles koͤnnen für Frucht ſchaffen / bey den armen vngelehrten Leyen ? Was kondte docher ſich darauß beſſern / erjn⸗ nern /tröſten ? Ware nicht ſolches alles (was den vngelehrten Leyen anbelangete) warhafftig in den Windt geſungen vnd geredt? Dann da ſchon die Prieſter hetten geſegnet im Geiſt / wie hat der / ſo anſtatt deß Leyen ſtundte / ſollen Amen ſagen auffjhre Danckſagung? Sin⸗ temaler nicht wuſte / was ſie ſagten / in der erſten Epiſtel an die Co⸗ rinthier am viertzehenden. Es hat die Geiſtliche im Bapſtthumb etwan nicht wenig ver⸗ ſchmaͤhet / da man von jnen geſagt vnd geſchrieben / ſie ſeyen mehrer⸗ theils nur geweſen Numerus& fruges conſumere nati, das iſt / Sie haben in den Stifften vnd Kloſtern nichts gethan / dann die Zahl erfůllet⸗ vnnd der Stifft / Rloſter oder Kirchen Güter verzehret: Es hat ſie nicht wenig geſchmertzet / da man ſie etwa genennet hat Inutilia pon- deraterræ das iſt / Solche Leut / die nicht viel nutz ſeyen. Werkan es a⸗ ber / mit der Weiß / billich zuͤrnen? Dieweil doch der heylige Apoſtel paulus ſelbſt alſo ſchreibet/1. Corinth. 1. Memlich: Wer zu der Gemein Gottes komme / vnd rede mit jhr in Zungen / vnd nicht durch Offenbarung / Erkànntnuß / Weiſſagung / Lehr / der ſeye in der Ge⸗ mein nichts nůtz. wiljetzo geſchweigen / da ſolche Papiſtiſche Geiſtliche fůr der Gemein jhre Meß hielten / jhre lntroitus, Antiphonas, Reſponſoria, Pſal- mos. Hy mnos lehreten / hre Gebett verlaſen / den Segen furſprachen ⸗ in lateiniſcher Sprach / daß jhrer viel der lateiniſchen Sprach vner⸗ s ij fahren ⸗ Vorrede. fahren / vñ den Verſtandt ſ olcher Woͤrter ſelbſt ſo wenig verſtunden⸗ als ein hſittacus oder papagey (wie das Sprichwort lautetfein xie⸗ derwegen ſie nit allein andere / ſondern auch ſich ſelbſt nichts darauß beſſern kondten. Wolte Gott aber / ſie weren nur in den jenigen Stuͤcken / darin⸗ nen ſie dem klaren Wort Gottes zuwider waren (als / da ſie jhre arme Leut in Gemein oder in ſonderheit auff jhren Abgott / nemlich auff das Chriſtlaͤſterliche Meßopffer / auffdas Vertrawen jhrer eygenen guten Werck / auffdie Ankuſin der verftorbenen deyligen / vnd an⸗ dere dergleichen vnzehlbare Papiſtiſche Grewel gewieſen) dem ar⸗ men Leyen Welſch vnnd Vnteutſch geweſen / ſolcher Geſtalt / daſie ſchon jhnen nichts weren nunz geweſen / hetten ſie doch jhnen auch nit ſo groſſen Seelen Schaden zugefůge. Gleichwol iſt nicht vbel zu errahten / wohin der leydige Teuffel fůrnemlich geſehen / daß er bey den Geiſtlichen im Bapſtthumb in jh⸗ ren Rirchen ſolche vnbekannte Sprach auffgebracht / vnd practicie⸗ ren laſſen. Dann dardurch / daß ſie die Lectiones heyliger Schrifft / die Tauff / das Abendemal / hre Gebett /Pſalmen / Segen / c jhren Ge⸗ meinen in lateiniſcher Sprach fůrgehalten/kondten ſolche Geiſtliche jhre arme Leyen deſto leichter vberreden / als wann alles jhr Thun in Verrichtung deß Gottesdienſts / dem Wort vnd Ordnung Gottes e⸗ ben durchauß gemůß weren: Wuſten alſo die armen Lent jren Geiſt⸗ lichen wol glauben / ſchwartz were weiß / vnnd weiß were ſchwartz⸗ Dann die Sprach / darinnen jhnen Gottes Wort fürgeleſen worden⸗ rondten die arme Leyen ſelbſtnicht verſtehen / viel weniger die Lehr auß Sottes Wort richten vñ vrtheilen: Wie hergegen / da die Lectio⸗ nes d. Schrifft / Tauff / Abendtmal / ꝛc. jhrer Gemein in verſtaͤnd⸗ licher Teutſcher oder Wutter Sprach weren fürgeleſen worden / die Geiſtliche in Sorgen ſtehen muſten / es moͤchten fromme verſtaͤndige Leut vnter den Leyen darauß vernemmen / wie weit fie in jhrer Lehr von dem Wort Sottes abgewichen / vnnd wie viel ſchrecklicher Irr⸗ thumb vnd Abgötterey / neben vnzehlbaren Wenſe chenſatzungen / ſie in die Rirch Gottes eyngefůhret haben · Demnach wir heutiges Tags billich vnſerm getrewen Gott im Zimmel von vertzen danckſagen ſollen / welcher vnſern Kirchen — E ———— — eG— — —— 8— B — Vorrede. t cher Teutſchen Wahlen ſo vůͤtterlich abgeholffen / vnnd vns andere getrewe Lehrer vnd irten zugeſendet hat / welche nicht allein die v.· Gottliche Schrifft (ſo origi naliter oder vrſpruͤnglich in ʒungen / nem⸗ lich in Hebraiſcher vnd Griechiſcher Sprach gefaſt Jin vnſere hoch⸗ teutſche Sprach auffdas allerbeſt verdolmerſchtdabey dann aller⸗ meiſt vnd getrewlicheſt gearbeitet der hoch theure Mañ vnd Werck⸗ ʒeug Gottes / D. Martinus Lutherus )daß nu ein ſeder Leye(ſo leſen kan die gantze d· Götrliche Schrifft daheim ſelbſtleſen / vñ di Worr an jhnen ſelbſt verſtehen kan / ſondern welche / in den Verſamlungen Chriſtlicher Gemein / auch weiter die Worter d. Schrifft / Teutſch⸗ verſtndiglich vnd geſchicklich erklaͤren vnd außlegen/ darvon mn⸗ niglich kan gebeſſert werden /ſie thun jhr Gebett/ſie ſingen die Pſai⸗ men / ſie ſprechen den Segen vor der Gemein in Teutſcher Sprach⸗ baß auchber gemeine Leye mit dem Mundt vnnd im Geiſt / mitbet⸗ ten / mitſingen / mitſegnen / vnnd das Amen auch darauff ſpre⸗ chen kan · In maſſen dann einemjeden getrewen eyfferigen Diener am Wort gebůhret / ſeine muͤhe vnd Arbeit allergetrewlicheſt vnd můglicheſt anzuwenden / daß neben der Lehr Gottes Worrs/ auch die Gebett⸗ ſalmen / Geiſtliche Lieder / Segen vnnd Danckſagung / nit nur von orten / ſondern auch an jhrem Verſtandt der Chriſtlichen Gemein⸗ gemein vnd bekannt gemacht werden . welcher Vrſachen auch von mir / als der geringſten Diener ei⸗ nem in der Rirchen Gottes / der gewoͤhnliche Segen Gotces (ſo von Wort zu Worrgeſchrieben ſtehet im vierdten Buch Moſis am ſech⸗ ſten Cap. nach ſeinen dreyen vnterſchiedlichen Verſiculn /zu dreyen vnterſchiedlichen Predigten zu erklaͤren fürgenommen worden. Wis ich dann eben ſolchen Teyt auch vor 14. Jaren in dem loͤblichen Fůr⸗ ſtenthumb Wirtemberg / in der Statt Bottwar / meinem damalen anbefohlenen lieben vnnd trewhertzigen pfart Volck / zur eintzigen Predigt kurt vnd einfãltig erklaͤrt hab / auch darvber (welches zujh⸗ rem Ruhm dieſes Orts billich gemeldet wirt) von etlichen auß jhrem itctel / andachtiger vnnd eyfferiger Meynung fleiſſig gebetten worden / dieweil dieſelbige predigt dem Volcklein durch Wirchung deß d. Geiſts / nit wenig zu Hertzen gegangen / daß ichjhnen ſolches Vorrede Setens Innhale/ Krafft vnnd Wirckung da er recht empfang wirt) Jãhrlich / damalen beſchehenermaſſenvngefůhrlich)zuer⸗ tzen fůhren vnd repetieren woͤlle. Welches gleichwol hernacher am ſelbigen Orth von mir verblieben: Dieweil Gott / durch deß (Wei⸗ Bi iandt Durchleuchtigen / Hochgebornen Fůrſten vnnd derrn / herrm e Ludwigen / dertzogen zu Wirtemberg vnd Teck / Graffen zu Mům⸗ 4 mi pelgart/ꝛc· meines gnaͤdigen Fůrſten vnd verrn / Chriſt / milt vnd ſe⸗ liger Gedůͤchtnuß / Herrn Rrchen RãhrmichCalsſhrer . G.Stipen⸗ he qurium )von dannen in dieſe lobliche Graffſchafft Hohenlohe / zu „ dem wolgebornen Grauen vnd Herrn / Derrn Wolffgangen / Graf⸗ fen von Hohenlohe/ vnd errnʒu Lantgenburg /ꝛc· vnſerm Gnodi⸗ 2 gen verrn / J· G. Voffpredicatur / vnnddie Superattendentz zu ver⸗ f walten / abgefordert vnnd geordnet hat. 2 Ebenmſſig ſind auß erzehlten Vrſachen / auch etliche Teutſche Geiſtliche Gefanglals / das Geſicht deß Heyligen Propheten Eſaie am ſechſten Capitel / ſo von derrn Luthero ſeligen / Geſangsweiß ver⸗ faſſet / vnd in vielen Rirchen / wie auch allhie zu Weickersheim / vnter dem Actu deß d. Abendtmals / Anfangs geſungen wirdt⸗ Item / das d gemeine weyhnacht Geſang Ein Rindt gebornzu Bethlehem / c. Weirer / das gewoͤhnliche Oſterliedt: Chriſt iſt erſtanden / ꝛc. Item ⸗ das Geſang am Aufffahrts Tag chriſti gebraͤuchlich: Auff dieſen Tag bedencken wir / c Vnd dann das wolbekannte: Nun bitten wir den d. Geiſt / ꝛc. n beſondern Predigten ⸗ verſchienen er ðeit von e mir auffs einfaltigſt außgelegt vnd erklaret worden. Dann ob wol ſolche Stuck alle / dem Leyen ( Gott Lob) ſo wol / als den Gelehrren / in reutſcher Sprach bebannt / vnd dem Buchſta⸗ ben nach / verſtaͤndtlich: Iſt doch vielleicht der Innhalt oder Ver⸗ ſtandt der Woͤrter/( vnd alſo der Sebrauch / nemlich / wo vnnd wie vns ſolche dienſtlich ſeyn mogen / zur Lehr / Troſt vnd Beſſerung)nit einem jeden vngelehrten / einfaͤlrigen Leyen / ſo lauter fur Augen vnd offenbar. Derenthalben ich mich vnterfangen / ſolche Stůcklein Cſo viel G O T T Gnad verliehen ) zuetlichen vnterſchiedlichen Predig⸗ 0 ten nohttuͤrfftiglich zu handlen / auch nicht geſcheuhet in offenen Truck zu geben⸗ § . e 5 ir 3 1 ie it d 5 iel g⸗ Porrede. Welche predigten icheuch / Ehrnhaffter / Ehrſame / Weiſe Her⸗ ren / Keller / Bůrgermeiſter vnnd Rahts Verwandte/ auch Ehrbare Buͤrger / vnndgantze Chriſtliche Gemein zu Weickersheim als mei⸗ ner von Chriſto / durch vnſere Gnaͤdige Herrſchafft / nun anbefohle⸗ nen liebenerdt (dieweil ewer Lieb zu gutem ⸗ ſolche Predigten von mir zugerichtet / auch fur E. L. in vnſerer Rirch allhie offentlich ge⸗ halten worden) dedicieren vnnd zuſchreiben woͤllen / auffdaß E. L. hiemit bey Handen hetten / auchetwan nach meinem Abſterben / ein offentliches / vnſterbliches / ewiges Zeugnuß /nicht allein der jenigen Lehr / ſo ich beyLebzeiten E. L.auß Gottes Wort / můglichſtes Fleiß / furgetragen /ſondern auch meiner trewhertzigen Liebe / vnd ſchuldi⸗ ger Sorgflrigkeit gegen vnd fůr euch alle. Verhoffe auch / dieweil man hierauß ſehen vnd lernen kan / was es für ein heylſames vnnd nohtwendiges Ding iſt / vmb die Empfa⸗ hung deß Goͤttlichen Segens / zu Endt der Predigten /es werde dar⸗ burch nicht allein E. L. als die nun Lebende / ſondern auch die liebe Nachkommene (dajhnen ſolche predigten aufferben / vnnd in jhre Handt ſtoſſen) vermittelſt der Gnaden Gottes deß heyligen Geiſts⸗ vahin bewegt werden / daß ſie die Predigten deſto fleiſſiger beſuchen⸗ vnnd nach vollendeten predigten mit ſonderer Andacht vnnd Be⸗ gierdt deß Segens erwarten / das Amen darzu ſprechen / vnnd alſo durch ſolches glaͤnbige Amen / den Segen mit ſich reichlich zu Hauß nemmen ſollen. Ich wil auch darein keinen ʒweiffel ſetzen / vnangeſehen / E. L. ſich in vnſerer Rirch allhie / vnſers Rirchen Geſangs biß daher mib ſonderlicher Anmuhtung angenommen / derma ſſen / daß wir Gott Lob) faſt alle vnſere Pſalmen vnd Geſaͤng ohne einiges Zuthun vn⸗ ſerer Schůler / nur vnnd allein durch das ʒuſammen ſtimmen der Ge⸗ mein(von hoch vnnd niders Standts Perſonen / Alten vnnd Jun⸗ gen / Wanns vnd wWeibs Bildernd ſo luſtig vnd wol hinaußbringen⸗ daß es offtermalen viel frembder Leut mit groſſer Verwunderun vñ Zertzen F̃rewd angehöret(welches von E. L. billich offentlich ge⸗ růhmpt vnd geprieſen wirdt / andern zum Exempel / welche E. L dieſes Falls billich gern nachfolgen ſollen) ſo doch Euwer Lieb Vorrede. Zieb hin fůro in vnſern pſalmen vnd Geiſtlichen Liedern / vnd alſo auch in dieſen Geſaͤngen (welcher Außlegung in dieſem Libell be⸗ grieffen) jhre Stimmen mit noch hertzlicherer Froͤlichkeit jhres Geiſts klingen laſſen / auff daß alſo Gottes Lob vnter vns ſchalle im Wort / vnd in pfalmen oder Geiſtlichen Liedern: Dardurch wir den Anfang machen werden der allerlieblichſten him̃liſchen Muſic / da wir dermalen eins zuſtimmen werden allen heyligen Engeln / für dem holdtſeligen Angeſicht Gottes / in vollkommener ewiger Fro⸗ lichkeit vnd Seligkeit / Amen. Datum Weickersheim / Anno 19̃. E. L. Prediger vnd Seelſorger M. Folan. eAſum. Lob — „ —— Segens / Auß dem a. Buch Ro⸗ ſis im 6. Gapitel. Wie hoch dieſer troͤſtliche Segen Gottes auch im Alten Seſtament geachtet / vnd mit ivas groſſer Reue⸗ rentz vnd Andacht ſie dieſen Segen haben pflegen zu empfan⸗ gen / bezeugt der liebe Syrach am ʒo. Cap. ſeines Buchs: mit dieſen ſchoͤnen nach⸗ folgenden Worten: Enn (ſpricht er) der Hoheprieſter vber die gantz Gemein die Handt außſtreckete / vnd gab SSz ſhn den Segen deß HERRN mit ſeinem Munde / nd wuͤndſchet jhnen Heyl in ſeinem Namen / da betteten ſie abermal / vnd namen den Segen von dem Hoͤchſten / vnd ſprachen: Nun dancket alle Gott / der groſſe Ding thut an allen Enden / der bns von Mutterleib an lebendig erhält/ vnd thut vns alles Guts. Er gebe vns ein froͤlich Hertz / vnd verleihe jmmerdar Friede zu vnſer Zeit in Iſrael / vnd daß ſeine Gnade ſtaͤtz bey vns bleibe / vnd erloͤſe vns / ſo lange wir leben· b ij Glet⸗ Gleiches Lob deß Gdttlichen Segens vnd Behuͤtens auß dem 12 Pſalmen Dauids. Serdic behuͤtet / ſchlaͤffet nicht. Sche / der Hüter Iſraelſchlafft noch ſchlummertnicht. Der HE behutet dich. Der HEꝗ iſt dein Schat⸗ ten vber deiner rechten Handt. ‧ Daß dich die Sonne deß Tags nicht ſteche / noch der Non Nachts. deß ebehůtedanendiußgan vndEyngang / von nun an biß in Eiwigkeit. * Dert auß dem vierdten Buch Roſis / im ſechſten Capitel: Nd der HERR redet mit Woſe S vnd ſprach: Sage Aaron vnd ſeinen Soͤh⸗ Snen /ondſprich Alſoſoltjhr ſagen zu den Kin⸗ dern Iſrael / wann jhr ſie ſegne: SSercR ſegne dich / vnd behuͤte dich: Der HeRR laſſe ſein Angeſicht leuchten vber dir / vnd ſey dir gnaͤdig. Der He RRhebe ſein Angeſicht vber dich / vnd gebe dir Frieden. Dann jhr ſolt meinen Namen auff die Kinder Iſraelle⸗ gen / daß J C H ſie ſegene. Die Erſte Predigt ober den erſtena Ver ſicul: Der HER ſegne dich / vnd behůte dich. Ir halten heut den Sontag (wie man ſhn nennet von Alters her) der heyligen Dreyfaltigkeit. Demnach ſich gebuͤren wil / E. L. auch etwas fuͤrzutragen in dieſer Pre⸗ digt / von der heyligen Dreyfaltigkeit. Dieweil nunzu ſol⸗ chem Fuͤrhaben yns gar gute Anletung gibt der gewoͤhnliche S ottes / I. III. 2 Die l. Predigt vom Segen Gottes Gotles! welchen man pfleget alle Tag zur Vollendung deß Gottes⸗ dienſtes / vber die Gemeine zu ſprechen / daß ſie darinnen vnd damit wi⸗ dervmb anheim gehen ſolle: So woͤllen wir ſolchen zu vnſerm Fuͤrha⸗ ben / dißmalen laſſen vnſern Text ſeyn. Vnd das ſo viel deſto lieber / die⸗ weil wir darauß zumal lernen werden / was der Vrſprung/ Innhalt oder Verſtandt / vnd die Krafft oder Wirckung ſolches Göttlichen Segens iſt. Dann da wir ſolches wol lernen werden / nemlich / daß es vmb ſolchen Segen nicht nur ein muͤſſige leere Ceremonia, ſondern ein guter kraͤfftiger Segen ſehe: Werden wir hinfuro noch ſo luſtig vnd begierig ſeyn als wir etwan biß daher geweſen / daß wir/ nach vollend⸗ tem andern Gottesdienſt / ſolches Segens auch erwarten / vnd ein jeder ſeinen Theil davon mit ſich heimtragen moge. Anfänglich aber wollen wir zu vnſerm gegenwaͤrtigen Fůrhaben / das 6o me — — — = — auß dem verleſenen Segen (wie auch auß andern Drten heyliger Schrifft) lehren vnd erweiſen / daß nur ein einiges Göttliches Weſen ſey / welchs einige Goͤttliche Weſen ſey gleichwol DRE vnterſchiedt⸗ liche Perſonen: Da wir dann fein hoͤren werden / wie einſeder Verſicul vnter dieſen dreyen nach einander/ ein beſondere PE RS MN deß hey⸗ ligen Gottlichen Weſens anzeiget / vnd wie ein jede Perſon deß heyli⸗ gen Göttlichen Weſens / in jhrem beſondern Verſicul mit ſich brin⸗ ge auchjhren beſonderen Segen. Zum andern / wollen wir hoͤren vnd lehren / wo vnd wann ſolcher dreyfaltig Goͤttliche Segen außgetheilet wirdt. Zum dritten / wie wir vns ſolches Göttlichen Segens koͤnnen vnd ſollen theilhafftig machen. Dieſes alles aber woͤllen wir nicht auff einmal / ſondern nach den dreyen vnterſchiedtlichen Verſieuln hand⸗ len / auch in dreyen vnterſchiedlichen Predigten / vñ demnach zu dieſem mal allein den erſten Verſicul fur die Handt nemmen. Der HR ge⸗ be den Segen ſeines heyligen Geiſts dazu / Amen. Die Heyden habenjhnen ſelbſt ertichtet ein groſſe menge Gotter: welches gnugſam beweiſet das eintzige Exempel der Gottloſen Konigin Iſabel(davon wir auß demi. Reg.i9. Capitelgehort haben)welche / als ſie dem heyligen Provheten Elir den Todt ſchwur / nicht ſprach: GTTthue mir diß vnd das / te ſondern die Gofterthun mir das / x — — — — — — — Auß dem . Capitel deß z. Buchs Moſis. 3 das jꝛc. So hatte nun Iſabel(ein geborne Heydin von Zidð. Reg.16.) geglaubet / es ſeyen BJE Gotter. Daher ſchreibet S. Paulus / 1. Corinth.8. Es ſeyen VJEl / die Goͤtter genennet werden / im Him⸗ mel vnd auff Erden. Bann es haben die Heyden die Sonne / den Mond die andere Planeten Ja das gantz him̃liſch Heer! Goͤtter ge⸗ nennet auch dafur verehret. Gleich wie nun die Stern am Himmel vn⸗ ʒahlbar / alſo waren auch der Heyden Goͤtter ein ſolche Anzahl / die man nit zehlen kundt. Nicht weniger haben ſie auff Erden die Menſchen / Ja auch wol die vierfuſſige vnd kriechende Thier fuͤr Goͤtter gehalten vnd angeruffen / wie der heylige Apoſtel Paulus ſchreibet/ Rom.. Cap. Die heylige Schrifft aber lehret vns in dem verleſenen Text / viel anderſt. Alo wie? Es ſtehet hie: Der HxR ¶eloua) redet mit Moſe. HxRaber vder Iehoua (wie der H ſelbſt bezeuget Exod. s. heiſt ſo vielals G OTT. Drumb dadie Schrifft ſpricht: Der HERRre⸗ det mit Moſe/ ꝛc. iſt es eben ſo viel / als ſpreche ſie: GOTT redet mit Moſe / c. Vnd ſagt die Schrifft nicht: Die Herren oder die Goͤtterre⸗ deten mit Moſe. Gleich wie auch hernacher folget: Der HERRſege⸗ ne dich / c. Der HxMRhebe ſein Antlit vber euch! ꝛc. Vnd ſpricht der Tertnicht: Die Herren ſegenen dich ꝛc. Die Herren heben jhre Ange⸗ ſichter vber euch. Alſo folget hernacher: Auff daß JC. ſie ſegene: Vnd ſpricht der Hs RRnicht: Auff daß Wir ſie ſegenen. Eben wie herna⸗ cher (Eyod.⁊o.)auch geſchrieben ſteht: Ich bin der HEdein Gott: Vnd nit: Wir ſind die Herren / deine Goͤtter. So ſind nun in Warheit nicht Viel (dem Weſen nachſonder nur ein Einiger HErrvnd Gott. Dergleichen Spruch ſtehen auch ſonſt in heyliger Schrifft viel:als: Deut.s. Höre Iſrael/ Gott iſt ein Einiger HErr. Eſa. 43. ſpricht der VeRx:Ich / Ich bin der HœMR vnd iſt auſſer mir kein Heylandt. nd hernacher am 44. Iſt auch ein Gott/ auſſer Mir? Es iſt kein Hort. Ich weiß ja keinen. Alſo ſchreibet auch Paulus . Cor. ð. Wir ha⸗ ben doch nur Einen Gott. Vnd an die Epheſer am 4. Es iſt ein HErr/ ein Glaub / ein Tauff / ein Gott vnd Vatter aller / c. der da iſt vber euch alle / vnd durch euch alle/ vnd in euch allen. Alſo ſprechen wir auch im erſten Artickel vnſers heyligen Chriſtlichen Glaubens: Ich glaube Aij an Gott. — 1 Die l. Predigt vom Segen Gottes an S lautet auch das Nicaniſch ꝙnbolum: Ich glaube an ei⸗ b Nachdem nun auß dem verleſenen Text vnd ſonſten auß heyliger v Goͤttlicher Schrifft biß dahero vielfaͤltig erwieſen / daß nur ein einiger d Gott iſt: Mochte jemandt weiter fragen / ob dann auchnurein einige „ Perſon deß H. Goͤttlichẽ Weſens gleich wie / dem Weſen nach / nurein n Gott iſt Hievon gibt die Schrifft auch hin vnd her lautern Bericht/ 6 vnd lehret! daß das einige Gottliche Weſen ſey drey vnterſchiedliche Perſonen. Alſo ſpricht Dauid /ꝛ. Sam. 3. Der Geiſt deß HERRN hat durch mich geredt: Es hat der Gott Iſrael zu mir geſprochen: Der Hort Iſrael hat geredt / der gerechte Herrſcher vnter den Menſchen. In dieſen Worten wirdt ja außtruͤcklich gedacht deß Geiſts deß HERRN. Darauß folget / daß ein anderer iſt der HERR / vnd ein anderer auch der Geiſt deß HERRN. Dieſer HERR/von welchem HERRN der Geiſt außgehet / iſt erſtlich (ſpricht Dauid) der Gott Iſrael/ darnach auch der HDRT vnd HERRSCHER Iſrael. Durch den Gott Iſraelwirt an dieſem Drt der Schrifft nicht vnrecht verſtanden Gott der BATTER: Der Hort oder Felß Iſrael / wirdte (ſonderlich von dem heyligen Apoſtel Paulo1. Corinth.10. )genennet Chriſtus / der Sohn Gottes. Eben dieſer (nemlich Chriſtus) iſt auch der gerechte Herrſcher. Dann er wirdt genennet ein Koͤnig / ein Gerech⸗ ter / ein Helffer / Zach.ↄ ein Herrſcher / Pfal.v2. verſ.s. vnd Pſal.uo. ver.2. Matth. ⁊1. So iſt nun (daß wirs zuſammk leſen)in dem H. Gött⸗ lichẽ Weſen / ein beſondere Perſon / welche heiſt der Gott Iſrael / welcher iſt Gott der Vatter:ein beſondere Perſon auch / welche heiſt der Horto⸗ der Felß / vnd der Herrſcher oder Koͤnig / welcher iſt Chriſtus / der Sohn Gottes: ein beſondere Perſon auch der Geiſt deß HERM / oder der Geiſt / ſo vom HErrn / dem Gott Iſrael / vnd deñ auch von dem ſtarcken Hort oder Felß Iſrael vñ dem gerechten Herrſcher vñ Koͤnig außgehet / welche iſt der H. Geiſi: Vñ demnach das einige heylige Gottliche We⸗ ſen / drey vnterſchiedene Perſonen / Vatter / Sohn / vnd heyliger Geiſt. Alſo / vnd noch klaͤrer / ſchreibet Dauid hievon / imz3. Pſalmen: Die Himmel ſeind durch das Woyt deß HE RRNgemacht / vnd ei Auß dem s. Capitel deß . Buchs Moſis. 6 Geiſt ſeines Munds alle ſeine Heerſcharen. In welchem Spruch Da⸗ uid außtrucklich den HERM / nemlich/ Gott den Vatter / vnd das Wort deß HERrn! nemlich den Sohn Gottes / Johan. 1. vnnd dann den Geiſt / welchen der HErr auß ſeinem Mundt ſpiriert / nemlich / den H. Geiſt / vnter ſich vnterſcheidet. Wie denn dieſe drey Perſonen deß ei⸗ nigen H. Gottlichen Weſens auch vnterſchiedlich erſchienen / vber der Tauff Chriſti/ Mat. 3. Auch mit Namen genennet werden von Chri⸗ ſto / Matth.⁊8. Vndvon dem heyligen Apoſtel Paulo2. Corinth. am letzten / da er ſchreibt: Die Gnade vnſers HErrn Jeſu Chriſti / die Lie⸗ be Gottes / vnnd die Gemeinſchafft deß heyligen Geiſtes / ſeye mit euch allen /Amen. Laſtvns aber weiter ſuchen ob wir ſolchen Vnterſcheidt der dreyen Perſonen deß H. Gottlichen Weſens auch in dem verleſenen Segen finden koͤndten? Es wirdt gleichwol Gott genennet der HERR / im er⸗ ſten / andern vndz. Verſ. deß verleſenen Segens: Eöb iſt aber dochzu mercken / daß der HE RReinen beſondernguſatz meldet im erſten Verſ. durch welchen Zuſatz der H E RR / von welchein der erſt Verſ. redet / gleichſam außgezeichnet wirdt/ als ein beſondere Perſon von den an⸗ dern zweyen Perſonen deß H. Gottlichen Weſens. Was iſt dann ſol⸗ cher Zuſatz ? Der HE RRgeſegne dich / vnd behůte dich. Hiemit wirt in dieſem erſten Verſ. vnterſchiedlich gemeynet vnnd verſtanden der jenige HERR im heyligen Göttlichen Weſen / welcher vns erſchaffen hat. Dann ja derjenige HE RR / welcher vns erſchaf⸗ fen / ſegnet auch ſein Geſchopff / vnnd behutet es in ſeinemerſchaffenen Weſen / wie hernacher ſoll erwieſen werden. Welcher iſt dann nun derjenige E R Rim heyligen Goͤttlichen Weſen / dem die Schrifft die Schopffung fuͤr andern zuſchreibet? Paulus ſchreibet an die Epheſ. 3. Der Vatter vnſers HE Rrn Jeſu Chriſtiiſt der Vatter vber alles / was da Kinder heiſt / im Himmelvnnd auff Erden. Hie hoͤreſt du / daß der erſten Perſon deß heyligen Goͤttli⸗ chen Weſens / nemlich Gott dem Vatter / fur den andernzwehen Per⸗ ſonen / von S. Paulo ʒugelegt wirt/ daß er Vatter(welches eben ſo viel it / als Schoͤpffer) ſeye allerding im Himmelvnnd auff Erden. Alſo 5 6 ſchrei⸗ 6 Diel. Predigt vom Segen Gottes ſchreibet Paulus auch zun Rom.u. Daß von Gott dem Vatter ſeyen alle Ding. Alſo bekennen wir auch in vnſerm Chriſtlichen Glauben / nemlich / daß Gott der Vatter Schoͤpffer ſey deß Him̃els vñ der Erden / vnd das Nicæniſch Symbolum bekennet deßgleichen / daß Gott der Vat⸗ ter ſeye Factor, das iſt / Schopffer Himmels vnd der Erden. Dann ob wol auch der Sohn Gottes Schopffer iſt / als das Wort / durch welches (Joh. alles gemacht iſt / was gemacht iſt / vnd der jenige!/ durch welchen(Col.i.Jalles geſchaffen iſt / was da iſt / im Him̃el vnd auff Erden / das Sichtbare vnd das Vnſichtbare.( Dann dieweil der Sohn Gottes / ſampt Gott dem Vatter / ein einiges Goͤttliches Weſen / dar⸗ vmb kan ja Gott der Vatter nichts thun in den Geſchoͤpffen / welches nit auch zumalthut Gott der Son / wie Chriſtus ſelbſt ſpricht Joh..) Ob wol auch GDtt der H. Geiſt Schoͤpffer iſt / wie der z3. Pfalm be⸗ zeuget ( Daher man im alten Hymno zu ſingenpflegt: Veni Creator Spiritus, das iſt: Komme Gott Schopffer heyliger Geiſtyſchreibt doch die heylige Schrifft ſolchen Titul zu Gott dem Vatter fuͤr den andern zweyen Perſonen. Dann daß GOtt der Vatter Schopffer iſt / ſolches hat er micht von Gott dem Sohn oder H. Geiſt / ſonder von ſich ſelber. Daß aber Goti Sohn vnd heyliger Geiſt / jede dieſer ʒweyen Perſonen Schopffer iſt / ſolches hat Gott der Sohn vnd H. Geiſt nicht vonſich ſelber / ſondern Gott der Sohn hat es vom Vatter / oder daher / daß jhn Gott der Vatter in der Ewigkeit auß ſeinem Gottlichen Weſengezeu⸗ get hat: Gott der heylige Geiſt aber hat es von Gott Vattervnd Son/ daher / daß er von ſolchen beyden / oder vonjhrem heyligen / Goͤttlichen Weſen ewig außgehet. Dann gleich wie Gott der Vatter/ als er in der Ewigkeit inſich ſelber geſprochen / durch ſolches Sprechen ſein Sohn⸗ in ſich ſelber geʒeuget hat / alſo von ſolchem Sprechen Gottes deß Vat⸗ ters in der Ewigkeit (dardurch er ſeinen Sohn gezeuget) oder in dem von dem Vatter geſprochen wirdt / vnd alſo von GOtt Vatter vnnd Sohn / wardt auch als bald ſpiriert / vnndgieng zumal auß weſentlich Gott der heylige Geiſt. Darauß dann folget / gleich wie Gott Sohn vñ Gott . Geiſt ſeyndt von Gott dem Vatter / Alſo haben ſie auch von Gleich — — — — — — S — — — — —— — — — — — — — — — — — * Auß dem s. Capitel deß a· Buchs Moſis. 7 Gleich wie aber die Schrifft Gott dem Vatter fuͤrnemlich zuſchrei⸗ tet die Schoͤpffung / Alſo legt ſiejhm auch ſonderlich zu die Erhaltung der Geſchopff / oder(wievnſer erſter Ver. im verleſenen Segen ſpricht) Daß die Geſchoͤpff geſegnet vnd behuͤtet werden. Der Vatter ( ſpricht Chriſtus Johannis amfuͤnfften) wircket bißher/ vnnd ich wircke auch. Dann ob wol auch Goti der Sohnwircket / fowolals auch Got heyli⸗ ger Geiſt /(Geneſ.1. daß die Geſchoͤpff geſegnet vnd behuͤtet werden / eygenet doch ſolches der H E R R Chriſtus ſelbſt zum forderſten zu / Gott ſeinemhimmliſchen Vatter! als der allererſten Brunnquell der heyligen Gottheit vnd heyligen Goöttlichen Krafft vnd Allmaͤchtigkeit/ von welchem / als dem ewigen Prſprung her ruͤhret nicht allein / daß Gott Sohn vnd heyliger Geiſt iſt / vnnd Schoͤpffer iſt / ſondern auch daß dieſe beyde Perſonen der H. Gottheit / die Geſchopff ſampt Gott dem Vatter kraͤfftiglich vnd maͤchtiglich ſegnen vnd behuͤten. Vnd ſolle hierinnen niemandt jrr machen / daß Gott der Vatter in dieſem erſten Verſ. wie auchin beyden folgenden der HE RRgenennet wirdt. Da doch S. Paulus ſchreibti. Corinth.S. Wir haben nur einen HRMM Jeſum Chriſtum. Dann es wirdt hie Gott der Vatter der HERRgenennet in beſon⸗ derm Verſtandt / ſo wirt Gott der Son vom H. Apoſtel Paulo HErt genennet / auch in ſeinem beſonderen Verſtandt!/ Gott der Vatter wirt hie genennet / vndiſt der HErr als der Schoͤpffer / vnnd alſo folgendts auch vrſpruͤnglich der HE RR aller Ding. Ehriſtus aber wirt von S. Paulo genennet / vnnd iſt vnſer HErr/daher/ daß er vns mit ſeinem H. thewren Blut(i. Pet.1.)jhm zum Eygenthumb erkaufft hat. Auß dieſem erſten Verſ. (ehe wir in folgender Predigt zu dem an⸗ dern vnd dritten greiffen / vnd alſo auch der andern vnnd dritten Perſon im heyligen Göttlichen Weſen/ nachforſchen Mernen wir. Was ?uem⸗ lich: Nicht nur daß du biſt / nicht nur/ daß du ein vernuͤnfftige Crea⸗ tur biſt /fur den wilden Thieren / ſondern auch / daß du Leiblich geſeg⸗ net biſt: Dann in dieſem erſten Verſic. nicht eygentlich von dem Geiſtlichen Segen vnnd Schutz gehandelt wirdt. Darvon wir im an⸗ dern vnd drittin Verſic vb GDTT wilſboͤren woͤllen / ſondern von dem 3 Die I. Predigt von dem Segen Gottes demjenigen Segen vnd Schut / dardurch der Menſch / ſeiner Erſchaf⸗ fung nach/ vnd alſo deß Menſchen jrrdiſch/ naturlich Weſen / ſein Ver⸗ ſtandt/ Leib / Leben / Nahrung / Ehr vnd Gut geſegnetvnd behuͤtetwirt) Als: Daß du haſt einen geſunden / geraden / ftarcken Leib / daß du biſt ſchoͤner Geſtalt / hurtig vnd geſchwindt: Daß duhaſt einen feinen rich⸗ tigen / oder aucheinen hohen Verſtandt: Daß du haſteinen feinen ehr⸗ lichen Beruff Daß du in dein m Beruff mit beſonderer Geſchicklich⸗ keit begabt biſt / vnd deine Sachen fein vernuͤnfftig vund weißlich weif⸗ ſeſtanzugreiffen: Daß dir in deinem Beruffalles glůcklich vnd wol von ſtatten gehet: Daß du dardurch bey maͤnniglich angenem̃ / lieb vnnd wehrt gehalten biſt: Daß ein Handtwercksmann mit ſeinem Handt⸗ werck / ein Handelsmann mit ſeiner Handthierung ein gute Nahrung / ein Bawersmann auff ſeinem Feldtbauw viel guter Fruchten / ein Haͤ⸗ ckersmann in ſeinem Weinberg viel gutes Weins / erbawet / ꝛc. Dieſes alles hat man nicht von menſchlicher Arbeit vnd Geſchicklichkeit / ſon⸗ der es kompt her von dem E R RMN/der vns dermaſſen ſegnet: Was haſtu (ſpricht Paulus ]) das du nicht empfangen haſt? Vnnd (wie wir auß dem 146. Pfalmen / mit den Kindern fuͤr dem Tiſch betten) Aller Augen warten auff dich / H E RR / vnd du gibſtjhnen jhre Speiſe zu ſeiner Zejt / Duthuſt deine Handt auff / vnnd erfulleſt alles / was da le⸗ bet mit Wolgefallen. Der H E RR gibt (ſpricht Paulus / Act.14.) vom Himmel Regen vnd fruchtbare geit / vnnd Er iſts / der vnſere Her⸗ tzen erfullet mit Speiß vnd Frewden. Alſo (weiter) daß du bey dem zeitlichen Segen / als an Verſtandt / Geſchicklichkeit / an Leib / Ehr vnd Gut / beſtaͤndiglich fuͤr allem Vbel vnd Vnfall behuͤtet wirſt: Darfuͤr haſtu nicht fuͤrnemlich deiner Fůͤr⸗ ſichtigkeit / ſonder allermeiſt Gott dem E R RNzu dancken. Dann der HE RR iſts (wiewir auß dieſem erſten Verſ. horen )der dich nicht nur ſegnet / ſondern auch behuͤtet. Alſo bezeuget auch Dauid im . Pſalmen: Wo der H E R R nicht das Hauß bawet / ſo arbeiten vmb⸗ ſonſt / die daran bawen: Wo der HE RRnit die Statt behutet / ſo wa⸗ chet der Waͤchter vmbſonſt. Vnd zwar / daß der. H Err der jenige ſeye / der vns nicht nur ſegnet auff zu zeu — — —= — — — ₰ * —— — — 8 —— — — —= — — — Auß dems. Capitel deß . Buchs Moſi. 9 auff Erden an leiblichen Guͤtern / ſonder auch fuͤr Vnglůck behutet / be⸗ zeuget ſonderlich das Exempel deß frommen Jobs (Jobꝛ.welcher nit nur reich war / ſondern auch verwahret fuͤr allem Vbel. Dann der HERR(wie die Hiſtoria bezeuget) hette das Werck ſeiner Haͤndt ge⸗ ſegnet: Der HErr hatte jhn / ſein Hauß / vnnd alles was er hatte / behuͤ⸗ tet vnd verwahret. Solches alles ſpricht man vns wol taͤglich fur / ſo offt man zu End deß verrichteten Gottesdienſt den Segen ſpricht / nemlich Der HErr ſegnet dich vnd behůtet dich. Wie wenig aber ſeynd der jenigen / welche ſolches ernſtlich zu Hertzen fuͤhren⸗ Dann wie vielfaͤltig wirdt doch der leibliche / edele Gottes Segen wider Gott mißbraucht? Mancher / der mit hohem Verſtandtvon Gott geſegnet iſt / entwe⸗ der beginnet er darmit zu gruͤbeln/ ſeiner Vernunfft nach / wider Gott vnd ſein Wort(vnd dieſes iſt die Hoͤhe/⁊. Corinth. 10.welche ſich erhe⸗ betwider das Erkaͤntnuß Gottes oder aber/ er grubelt vnd ſinnet / wie er ſeinen Nutzen furdern / vnd ſeinen Nechſten verfortheilen moͤge / wel⸗ ches nit weniger auch wider Gott iſt. Iſt einer in ſeinein Beruffbegabt mit ſonderer Kunſt vnd Geſchicklichkeit: folcher vberhebt ſich etwã deſ⸗ ſen / gibt memandt guten Beſcheidt! macht ſich vnnůtz gegen maͤñiglich · Iſtjemandt ſtarck vnd gerad von Leib / ſolcher gibt (vmb ein gut Word einen Hadermann oder Balger: Iſtjemandt gezieret mit ſchoͤ⸗ ner Leibsgeſtalt / ſolcher beflecket ſich etwan mit Vnzucht / Schandt vnd Laſter. Wannes Handtwercksleuten / Handelsleuten wol gelingt auffjrem Handtwerck oder Handtthierung alſodem Bawers vnd Hackersmañ auffjremFeldtbaw: Dawirt man hoffertig / vbermuͤtig / trotzig / vnd wil keiner dem andern kein gut mehr thun:man mißbraucht ſich ſolchs Se⸗ gens Gottes zum Vberfluß: oder aber man laͤſt armen Leuten Man⸗ gel / vnd haͤltjn hinderſich auff einen Auffſchlag vnd Thewrung. Vnd wann vns der HErr etwan durch etliche Jar reichlich geſeg⸗ net hat / Wie wenigſind deren / welche gedencken / Wolan es iſt deß Se⸗ gens jetzo ſo viel nimmer / Gott kan jhn bald widervmb auß den Augen raumen: Oder / daß doch einer als dann von Hertzen zu Gottruffte:Ach B HERR/ 1 Die l. Predigt vom Segen Gottes H E RR/du haſt vns wol geſegnet/ Behute vns aber auch ben wir als dann mehrertheils / als hetten wir Gott den H feinem Segen allerdings eben im Sack verſtrickt / vnnd koͤndte er vns nimmermehr entgehen. Der. HErr Ach / wie vielfaͤlt HE Gottes vnter vns verzehrene einer ſeinem nechſten Menſch Segen Gottes? Darvmb gehet es auch ſovbelzu auff Erden / daß der HErr vmb vnſerer Sunden willen / ſchier nit mehr ſegnet vñ behutet. Wir muͤſſen ja alle vntereinander mir Seufftzen bekennen vnd kla⸗ gen: Es iſt ſchier kein Gluͤck noch Segen mehr auff Erden. Der Verſtandt bey den jeßtlebenden Leuten nimpt ab / fur lauterem Fuůrwitz geht die Welt ſchier in die Aberwitze. Der Leib wirt geplaget mit allerley vnerhoͤrten Kranckheiten. Die Handtwercksleut vnd · andelsleut köͤnnen es ſchier mit mehr erſchwingen: Der Bawersmañ vnd Haͤckersmañfuͤhrtgroſſen Koſte/ hat dabey viel Muͤhe vnnd Arbeit: Sihe / ſo kõmpt ein Froſt/ein Hagelſ ein Gewaͤſſer / vnd greifft an mit ſolchem Gewalt / da ß der Koſt vnd der Baw aller dahin geht vnd im Koht liegt. An andern Drten ſchlaͤgt darzu Krieg vnd Brandt / vnd nimpts al⸗ les hin / was Froſt / Hagel vnd Vngewitter vberlaͤſt. Summa / Wrr ſpůren den Fluch im Hauß / im Stall / auffdem A⸗ cker / im Weinberg / wann wir außgehen oder eyngehen. Dann wir haben den HErrn erzůrnet / welcher allein ſegnen vñ be⸗ hůten kan· Darvmb wil er auch nit mehr hůten: So kan es ja folgendts nicht beſſer ergehen / ſondern gleich wie / als der HErr ſein Hut von dem Nauß deß frommen Jobs abgezogen / der Teuffel als bald darinnen ge⸗ rumort / vnd vngeſtuͤm̃iglieh eins in das ander geworffen / biß der from⸗ mne Job an Leib vnd Gut ein armer Mann wirt/ alſo dieweil der HErr vmb vnſerer Suͤnden willen mit ſeiner gnaͤdigen Hut von vns gewi⸗ chen! da ſich ſchon ein Segen erzriget / vnnd ſehen laſt / iſt als e guffe Sihe / ſo le⸗ Wie viel Fluͤch vnnd Läſterung wirfft je Errn ſampt ſegnet vns vielfaltig vom Himmel herab auff Erden: ige Flůch vnnd Gottslaſterung jagen wir widerden rrn won der Erden hinauffgen Himmel biß wir ſolchen Segen en an den Halß auff Erden / bey dem edlen 17 che hbet — — — — — „ — „ Auß dem e. Capitel deß. Buchs Moſis. n Teuffel da (als der jenige / welcher ohn das hervmb gehet Tag vnnd Nacht / wie ein bruͤllender Loͤwe / vnd ſchawet / wen er verſchlinge )wel⸗ s cher ſolchen Segen auß Verhaͤngnuß Gottes verherrget vnnd verder⸗ bet / mit Froſt / Hagel / Fewer / Waſſer / Schwerdt / Kranckheitem /ꝛc. PVndiſt kein Zweiffel / es hat der Teuffel noch einen groͤſſeren Zorn fuͤr wider vns wo wir ſolchen nit zeitlich bey Gott abtragen werden. Was ſollen wir denn thun / auff daß ſolcher leiblicher Fluch von vns ſabgewendet / hergegen aber der edle Segen vnnd die gnadige HutGot⸗ 1I. eh ges vber vns komme vnd bey vns bleibee Darzu gehoͤret: Erſtlich vnnd n zůfoͤrderſten ein ernſtlicheErkantnuß vñ Rew vnſerer begangenẽ Sůn⸗ den. Alſo ſpricht der HErr Jer.i8. Plötzlich rede ich wider ein Volck vñ „ Roͤnigreich / daß ichs außrotten / zubrechen vnndverderbenwoͤlle. Wo ſſichs aber bekehrt von ſeiner Boßheit / darwider ich rede: So ſolle mich auch rewen das Vngluͤck / das ich jhn gedacht zu thun. Vnnd ploͤtzlich trede ich von einem Volck vnd Koͤnigreich / daß ichs bawen vndpflantzen wolle: So es aber Böſes thut fuͤr meinen Augen / daß es meiner Stiſũ nit gehorchet / ſo ſolle mich auch rewen das Gut / das ich verheiſſen hab zu thun. Demnach ſo laſtvns(liebe Chriſten) zum allererſten Bußthun vber vnſere begangene Suͤndt vnd Miſſethat / ſolche von Hertzen erken⸗ tnen / berewen / vnd hinfuͤro / ſo mmer muͤglich / abſtellen. . Zum andern: Es ſpricht der HRt im verleſenen Text zu Moſe: Wann Aaron vnd ſeine Sohne das Volck ſegnen /ꝛc. Hierauß gibt der HRzu verſtchen / daß die Prieſter im Alten Teſtament das Volck „ auch ſegnen koñten. Alſo leſen wir auch?z. Chron. 30. v. 27. als man zur Zeit. Hißkir das Oſterfeſt vollendet hatte / ſtunden auff die Prieſter vnd Leuiten / vnd ſegneten das Volck. Vnd deßgleichen Simon der Hohe⸗ prieſter( Syr 5o. v.⁊ꝛ.)wañ er wider vom Heyligthumb herab gienge! ſo recket er ſeine Handt auß vber die gantze Gemein der Kinder Iſrael / vnd er gabe jnen dẽ Segen deß HRRRmit ſeinem Mund / vnd wuͤnd⸗ ſchet jhnen Heyl in deß HERMMNamen. Koͤnnen aber ſolches auch die Prediger im Newen Teſtamente Der HæMR Chriſtus ſpricht zu ſeint Apoſteln / Mat.i0. Wojr in ein Hauß geht / ſo gruſſet(dz iſt / ſegnet)daſſelbige / vñ ſetzt der H ErrChriſtus hin⸗ B ij zu(wann — — Die I. Predigt von dem Segen Gottes * zu(wann der Maͤngel ſonſten nit ſeye / an denen / welche von den Apo⸗ ſteln gegruͤſſet vnnd geſegnet werden) es ſolle jhr Gruß oder Segen Fraͤfftig ſeyn / vnd der Fried(wie Chriſtus ſprichtauff ſie kommen. So koͤndten nun / es ſollen auch / laut deß Befehls Chriſti/ die Apoſtel vnnd alle rechtſchaffene Prediger deß Newen Teſtaments jre Zuhoͤrer auch / laut der Verheiſſung Gottes / kraͤfftiglich gruͤſſen / das iſ / ſegnen vnnd alle Wolfahrt vber fie bringen. Solches geſchihet aber von den Predigern heutigs Tags ſſonderlich wann ſie die Verrichtung deß Gottesdienſts auß dem verleſenen Teyt! mit dẽ Segen Gottes / welchẽ ſie vber die Gemein ſprechen / beſchlieſſen. Mochte nun jemandt ſagen: Seyndt denn die Wort ſolches Se⸗ gens an jnen ſelbſt ſo ſtarck vndkraͤfftig⸗ Oder kan der Prediger ſolchen 4 Worten auß ſich ſelber ſo viel Krafft geben / wann er ſpricht: Der HErt geſegne euch / vnd behuͤt euch /c daß jre Zuhoreralsbald an euſſerlichen⸗ leiblichen Guͤtern geſegnet ſeyn ſollens Nein: Sondern der HE RR ſpricht in dem verleſenen Text: Wañ die Prieſter fegnen/ ſo wil Ich ſie ſegnen. Alſo bezeuget auch die Hiſtoriaz. Chron. 30. Als die Prieſter das Volck geſegnet hatten / wirtjhre Stimm erhoͤrt(von Gott)vnd jhr Gebeit kam hinein fur ſein heylige Wohnung / hatſie alſo Gottgeſegnet durch den Mundt deß Prieſters. Alſo verſtehets auch der HErr Chri⸗ ſtus / Matth.io. Wañ ſeine Apoſtel vnd Prediger gruſſen / ſollejrFried auff vnd in Krafft ſeines Geiſts. So iſt nun der Segen deß Prieſters vnd Predigers / dener dẽ Volck gibt / kraͤfftig durch dieKrafft Gottes vñ Chriſti / welcher deß Predigers Stim̃ nũg erhort / wircken wil Wort vñ Befehl Gottes )grůͤſſet oder ſegnet. Dañenhero es auchrecht rieſters oder Predigers / fonder der Segen GDites. findt leyder der Leut viel / welche lernen ſprechen al⸗ n / ſolche Teufflerey auch tragen / fuͤ Hawen / Ste⸗ hen/ heiſt / nit deß P Wolan / man lerley Aberglaͤubiſche / Zaͤuberiſche Sege etwan an Halß hencken ! vder ſonſten bey ſich ſie kommen / durch Sein / nemlich deß HErrn Chriſti/ Wirckung / (wenn er den Segen vber das Volck ſpricht Anſ einer H. Woh⸗ vnndlaut ſeiner Verheiſſung / in Krafft ſeines Geiſtes / alſo bey dem Volck / wie der Prieſter oder Prediger (nach dem Auß dem s Capitel deß ⁊· Buchs Moſis. 3 chen fůͤrallerley boſen Zuſtandt: Oder/ was ſie nichtkondten⸗ ſo baldt ſe Schaden nemmen / am Leib / Viehe / flugs dem Segenſprecherʒu⸗ lauffen /Der ſolle ſegenen. Wann ſie was verlieren: flugs dem War⸗ nd ſagerzu /Er ſolle vns zumverlornẽ Segen widervmb helffen: Da doch Gottder Hnn / welcher allein heylſamlich ſegenen / vnd fuͤr Scha⸗ den behuͤten kan außtruckenlich dräuwet Leuit.⁊0. Wann ein Seel ſich ʒu den Warſaͤgern vnd Zeichendeutern wenden werde / daß ſie jhnen ſch nachhure: So woͤlle er ſein Antlitz wider ſolche Seel ſetzen / vnd ſie rot⸗ u ten auß ſhrem Volck. Ja es draͤuwet der HR noch viel ernſtlicher n durch ſeinen heyligen Apoſtel Paulum / daß die Zaͤuberer(vnd alſo auch Gal. hr Anhangnicht ſollen Theil haben am Himmelreich. hen Gleich wie nun das aberglaubiſche Teuffeliſche Segenſprechen / ſo n vielen (leyder) anmuͤhtig iſt: Atſo hergegen wann der allmaͤchtig kraͤff⸗ tig Gott vñ Schoͤpffer/zu Ende deß verrichteten Gottesdienſts/ durch 0 den Mundt deß Predigers / vns ſegenen vnd behuten wil / da ſich einje⸗ der viel billicher darvmb dringen ſolte daß er ſeinen Theil Gottliches Segens auch mit ſich heimbraͤchte: Da dringet man an vielen Brten zur Kirch Thuͤr hinauß / vnd fleucht der mehrertheil / auff daß er deß Segens Gottes nicht theilhafftig werde. Nicht alſo: Sondern / ſolieb vns vnſer Leib / Leben / Ehr vnd Gutiſt/ alſo! nach verrichtetem Got⸗ ſ tesdienſt / laſt vns ohne Verdruß / mit ſonderer Begierd! auch erwar⸗ ten deß guten kraͤfftigen Segens Gottes deß Vatters / welchen der Prediger auß Befelch / vnd nach der Verheiſſung Gottes vnd Chriſti vber vns ſpricht. et 3. Ligt es aber alles nur am Sprechen deß Predigers / vnd Hoͤren 1I. oh⸗ deß Volcks / es ſeye gleich der Zuhoͤrer / vber welchen der Segen geſpro⸗ lſ chen wirdt / im Hertzen beſchaffen / wie er woͤlle? Antwort: Es gehort em noch eins dazu / wann der Segen Gottes / welchen du hoͤreſt / auß dem cht Mundt deß Predigers / ſolle bey dir kraͤfftig ſeyn. Dann es ſpricht Chriſtus Matth. 10. Iſt das Hauß ſolches Gruſſes wehrt! ſo ſolle der 4 Fried vber ſie kommen. Somuß nun der Zuhorer auch recht darzu ch qualificiert ſeyn. Wie⸗ i Der Teuffel/ as ein Aff Gottes / hat vielarmer Leut vherredt/ es en efen Die l. Predigt von dem Segen Gottes helffen ſeine zauberiſche Teuffeliſche Segen nichts / ſie haben dann Glauben daran auff daß er alſo ſolche Leute verderben mochte / niche nur an jhrem Leib / ſondern auch an jhrer armen Seel. Wie dann auch ſein Nam heiſt / nicht Helffer / ſondern Hmicida Leut Mörder. Vertrauwe du jme nit / wie ſuͤß ers auch machet / ſondern widerſage jhm rundt / vnd allen ſeinen ʒauberiſchen Segen / Wercken vnd Weſen: Vnd gieich wie das Volck Iſrael den Segen / welchen der Hoheprie⸗ ſter vber ſie außgeſprochen / von dem Hochſten (mit Glauben) anname / Syr.po. verſ.3. Alſo glaube du auch dem jenigen Segen / welchen / durch den Mundt deß Predigers / Gott vber dich ſpricht / vnd erkenne alſo Gott den Vatter auch fuͤr deinen Vatter / welcher allein / dich vnd alle deine Guͤter ſegenen vnd behuͤten koͤnne vnd wolle / allerdings / wie du auß dem Mundt deß Predigers hoͤreſt: Dancke Gott fur ſolchen ſeinen angebottenen vnd empfangenen guten Segen / vnd vaͤtterliche Hut:gebrauche dich auch deß zeitlichen Segens zu Gottes Lob / vnd deines Nechſten Wolfahrt: Vnd gleich wie das Voick im Alten Teſta⸗ ment / nach empfangenem Segen / zu Gott betteten / abermal (Syr.po. verſ.23.) alſo bitte du auch zu Gott ſampt deinen Kindtlein taͤglich vñ andaͤchtiglich / daß er dich bey ſolchem ſeinem Goͤttlichen Segen / auch hinfuͤro vatterlich behuͤten woͤlle. Alſo wirdt dich der Hxſegnen vñ behuͤten / nach dem Wortvnd Wundſch deß Predigers / an allem / das du haſt / dermaſſen / da ſchon der Teuffel gern angreiffen thaͤte / er ſolle nicht koͤnnen / ſowenigj als erſt⸗ lich bey Job / wie droben angezeiget. Dann wie wil er fluchen / da der HERR nicht fluchet/ Num.⁊2. Der HERdein Huͤter ſchlaffet vnd ſchlummert nit: Der HER wirdt dich behuͤten / der HERRwirt dein Schatten ſeyn vber deiner Rechten / daß dich deß Tags die Sonn nit ſteche / Noch der Mond deß Nachts: Der HxM wirt dich behůten fůͤt Vbel/ Pſal.i. Vnd da ſchon im Fall der HæRR etwas dem Teuffel verhaͤngen wurde / vber dich oder vber deine Guͤter: Jedoch / gleich wie der HE den Job / als jn der Teuffelʒuvor(auß Verhaͤngnuß Got⸗ tes) verderbt hette / hernacher an Leib / Gut /Kinder / viel reichlicher vnd beſtaͤndiger dañ zuvor/ geſegnet vnd behůtet hat: Alſo r au — Auß dem 6 Capitel deß 4. Buchs Moſis. 6 auch dir das jenige / ſo dir / auß Verhaͤngnuß deß HErrn / der Teuffel etwan verwuͤſtet / doppelt widervmb bezahlen / ſegenen vnd behuͤten: biß daß er vns ſaͤmptlich dermalen eins auß dieſem Leben verandern / vnd ſegnenvollkommenlich mit allen him̃liſchen Guͤtern / vñ behuͤten wirt / vor allem Vbel / beſtaͤndiglich / im ewigen Leben: Darzu verhelffe vns allen Gott Vatter / Sohn vnd heyliger Geiſt / Amen. Die ander Predigt / vber den 2. Verſicul: Der HE erleuchte ſein Angeſicht vber euch / vnd ſey euch gnaͤdig. Ir haben auch dieſen Text verleſen am Sontag der H. Dreyfaltigkeit / vñ damalen ſo viel darauß gelernet / die⸗ weil nur ein HERR / vnd aber in der Schrifft HER ehuuab)ſo viel heiſt / als Gott / daß alſo folgendts auch nur ein Gott ſey. Weiter nach dem wir gehoͤrt / daß das heylige Göttliche Weſen drey vnterſchiedene Perſonen / haben wir erwieſen / daß der erſte Verſicul deß verleſenen Segens vns zu erkennen gebe vnterſchiedlich / die erſte Perſon deß heyligen Goͤttlichen Weſens / nemlich / Gott den Vatter: Vnd haben damalen ſolches daher geſchloſſen / dieweil der erſte Verſicul außtrucklich redet von einem ſolchen HxRM / welcher die Geſchoͤpff ſegnet vnd behuͤtet / welches / ſo wol als die Schoͤpffung / in heyliger Schrifft / fuͤrnemlich zugeſchrieben wirdt der erſten Perſon deß heyligen Goͤttlichen Weſens / nemlich / Gott dem Vatter. Nun woͤllen wir greiffen zu dem andern Verſicul / vñ nachforſchen / Erſtlich / wie ſolcher Verſicul vns andeute vnterſchiedlich die ander Perſon deß heyligen Gottlichen Weſens / nemlich / den Sohn Gottes: vnd was der Sohn Gottes auch vnterſchiedlich in ſolchem Verſicul / fur einen beſonderen Segen mit ſich bringe. Zum andern(vnſerer in der erſten Predigt fuͤrgeſchlagenen Ordnung nach) wo vnd wann ſolcher Goͤttlicher Segen deß Sohns Gottes vns ſonderlich fuͤrgetragen vnd angebotten werde. Zum drittẽ / vñ kurtzlich / wie wir ſolches Segens deß Sohns Gottes fraͤfftiglich theilhafftig werden. Der HæRgebe ſein Gnad dazu Amen. Es 6 Die 11. Predigt vom Segen Gottes Es lautet aber ſolcher ander Verſicul deß verleſenen Segens alſoꝛ Der HxR erleuchte ſein Angeſicht vber dir / oder der HEn laſſe ſein Angeſicht leuchten vber dir / vnd ſey dir gnadig. Durch den HERRM verſtehen wir hie nicht weniger / dann im er⸗ ſten Verſicul / die erſte Perſon in der heyligen Gottheit / nemlich / Gott den Vatter. Was aber durch das Angeſicht deß HxRRM zu verſtehen ſey / da iſt wol mit ſonderem Fleiß Nachdenckens zu haben. Iſt dann (moͤchte jemandt gedencken) der HxRRlals / nemlich / Gott der Vatter / an ſich ſelbſten beſchaffen wie ein Menſch / welcher ſein leiblich Angeſicht hat / vnd in ſeinem Angeſicht / ſeine vnterſchiedliche lneamemta/ vnd Glied⸗ maſſen / als / Augen / Bhren / Naſen / Mundtc Antwort: Gott iſt ein Geiſt / wie wir in der erſten Predigt auch gehoͤret haben. Darvmb dann das Angeſicht Gottes mit nichten kan beſchaffen ſeyn / als ein leiblich Angeſicht. Was iſt vnd heiſt dann hie Gottes Angeſichte Exod.3. ſpricht der Hg zu Moſe: Mein Angeſicht ſolle gehen / damit wil ich dichlei⸗ ten. Nun aber der heylige Apoſtel Paulus außtrucklich bezeugetſi. Cor. 10 Wie Chriſtus der Sohn Gottes der jenige ſey / welcher mitfolgete! vnd Moſen ſampt dem Volck leitete in der Wuſten / demnach hierauß zu vernemmen / daß der Sohn Gottes iſt das Angeſicht ottes. — Es ſpricht Chriſtus / Johan. 4. zu dem beyligen Apoſtel Philip⸗ po: Philippe / wer mich ſihetlder ſihet den Vatter. Nunweiß E. L. wann ein Sohn ſeinem Vatter gleich ſihet/ man ſpuͤret fuͤrnemlich ſolches am Angeſicht: Es iſt (ſpricht man)deß Vatters Angeſicht leibhafftig: Wer dieſen Sohn ſihet / der ſihetvor Augen auch ſeinen Vatter: uſ⸗ iſt Chriſtus Gott ſeinem him̃liſchen Vatter ſo gleich (Phitip.⁊.) Eriſt das lebendige Angeſicht ſeines hiſiliſ chen Vatters. Vndwer Chriſtum den Sohn Gottes ſihet / der ſihet ſeinen Vatter / Johan.14. Darvmb nennet jhn auch der Apoſtel an die Hebræer ami. Capitel / das Eben⸗ bildt deß Weſens / vnd den Glantz der Herrlichteit deß Vatters /xc. Als wolt er ſprechen: Wer das Weſen Gottes deß Vatters / vñ den einer —— — ₰— — — — —,— Auß dem . Capitel deß 4· Buchs Moſis. 17 ſeiner Herrlichkeit erkennen wil / der ſehe nur an den Sohn Gottes. Dañ er iſt allerdings deß Vatters Antlitz. Vnd wie ſolte der Sohn Gottes nicht das Angeſicht Gottes deß Vatters ſelber / vnd alſo dem Vatter / ſeinem Göttlichen Weſen nach / nicht durchauß gleich ſeyn / der doch mit Gott dem Vatter eins iſt oder ein einiges Weſen / Johan.io. Es iſt aber Gottes Sohn weiter auch daher das Angeſicht Got⸗ tes. Dann iſt jm nicht alſo? Von dem Angeſicht deß Menſchen nimpt mnan etwan das Augenmaß / was der Menſch vngefaͤhrlich / innwendig in ſeinem Gemuͤht geſinnet iſt / oder was er im Schildt fuͤhret. Es wirdt der Knab / Dauid / von Angeſicht mit Fleiß beſchrieben / Sam16. Er ware ein Knab von ſchoͤnen Augen / braͤunlicht / vnd ſchöner Geſtalt. Welches ja nicht vmbſonſt oder vngefaͤhr geſchehen: ſondern es wil der H. Geiſt am ſelbigen Vrt lehren / es habe das leiblich Angeſicht Dauids gleichſam bezeuget vnd zu erkennen gegeben / daß in dem Gemuht ſolches Knabens etwas dapffers verborgen ſey. Eben ſol⸗ cher Geſtalt heiſt vñ iſt der Sohn Gottes auch wol vndrecht das Ange⸗ ſicht Gottes deß Vatters:nemlich / gleich wie das Angeſicht eines Men⸗ ſchen ſonſt etlicher Maſſen offenbahret / was in ſeinem Gemuͤht ſtecket: Alſo gibt Chriſtus zu erkennen / was Gott der hĩliſch Vatter in ſei⸗ nem Hertzen drinnen geſinnet iſi. Daher ſchreibet Johannes in ſeinem Euangelio am erſten Capitel: Niemandt hat Gott je geſehen: Der Eingeborne Sohn (als das Angeſicht Gottes) der in deß Vatters Schoß ſitzet / hat es vns verkuͤndiget. Aber laſt vns weiter verſuchen / ob wir auch auß dieſem verleſenen andern Verſicul ſelbs erweiſen koͤndten / daß durch das Angeſicht deß HE RRM hie der Sohn Gottes verſtanden wirdt. Wolan es lautet der ander Verſicul alſo: Der HE RR laſſe ſein Angeſicht leuchten vber dir / vñ ſey dir gnaͤdig (verſtehe durch das Liecht ſeines Angeſichts) Nun iſt aber (vnwiderſprechlich) Chriſtus / oder der Sohn Gottes ALLEMſo voller Gnadẽ daß die Menſchẽ auch em⸗ pfangen von ſeiner Fuͤlle / fuͤr Gott dem Vatter/ Gnadvmb Gnad. Dañ gleich wie das Geſetz iſt durch Moſen gegeben: Alſo kompt die Gnad vnd Warheit durch Jeſum Chriſtum. C VPnd 15 Die 1l. Predigt vom Segen Gottes Vnd daher wirt Chriſtus (vñ alſo der Sohn Gottes) von S. Pau⸗ loRom.ʒ. genennetder Gnadẽſtul / vns furgeſtellet / von Gottvnſerm him̃liſchen Vatter: Wie dann auch die Vaͤtter im alten Teſtament ſe⸗ lig worden / durch die Gnad deß HxRRM Jeſu Chriſti / Act.. Dem⸗ nach wir alſo ſchlieſſen: Nach dem / laut dieſes andern Verſiculs / Gott / durch ſein Angeſicht / wil gnaͤdig ſeyn: Vnd aber Gott wil gnaͤdig ſeyn / allein durch ſeinen Sohn/ Jeſum Chriſtum: Muß ja das Angeſicht Gottes ſeyn der Sohn Gottes / oder Chriſtus / vnd widervmb der Sohn Gottes oder Chriſtus das Angeſicht Gottes / da fehlet es nim⸗ mermehr. Auß welchem nun leichtlich zu verſtehen / was vns der Sohn Got⸗ tes in dem verleſenen andern Verſicul fur einen beſondern Segen mit ſich bringet / nemlich / da Gott der him̃liſch Vatter / vmb vnſerer Suͤn⸗ den willen vns billich ſolte vngnaͤdig ſeyn: vmb C hriſtus willen / ſeines holdtſeligen Angeſichts / iſt ervns gnãdig. Dann es hat Chriſtus Gottes Sohn / durch Wirckung Gottes deß H. Geiſtes / vnſer Fleiſch vnd Blut angenommen: Vnd gleich wie / ob er wol ohne Suͤnd / vnd der einig Menſch in Gnaden (Rom.ʒ.) ware⸗ hat er doch vnſer Suͤnd auff ſich geladen / vnd an vnſer ſtatt alle Vn⸗ gnad / welche wir mit vnſern Suͤnden verdienet / außgeſtanden der⸗ maſſen / vr non qſer eigecien neg decur/ Das iſt / Er / der doch war das lieb⸗ lich Angeſicht Gottes / hatte damalen kein Geſtalt / nur wie ander Leut/ auch kein Anſehen / nur wie die Menſchen Kinder / Eſa.s3. Alſo nach dem er /durch ſeinen vollkommenen Gehorſam / fuͤr Gott ſeinem hiĩli⸗ ſchen Vatter / Gnad erlanget/ hat er ſolchen ſeinen Gehorſamvndver⸗ diente Gnad vns geſchencket: Alſo ſchreibet Paulus / Rom.. Gleich wie durch eines Menſchen Suͤnd die Verdammung vber alle Men⸗ ſchen kommen iſt: Alſo iſt auch durch eines Gerechtigkeit die Rechtfer⸗ tigung deß Lebens kommen vberalle Menſchen. Denn gleich wiedurch eines Menſchen Vngehorſam / viel Suͤnder worden ſind: Alſo auch durch eines Menſchen Gehorſam / werden vielgerecht. Dañ Chriſtus / der Sohn Gottes / iſt das Angeſicht Gottes. Gleich wie nun geleſen wirdt/ Exod· 34. daß Moſes yon der Klarheit geſichts —— N — — — * Luß dem 6 Capitel deß 4 Buchs Moſis 19 ʒeſichts Gottes dermaſſen erleuchtet worden! daß auch ſein eygen An⸗ geſicht hernacher glaͤntzet ſo hell vnd klar / daß ſich das Volck Iſrael forchte zu jhm zu nahen: Alſo wann Gott ſein Angeſicht (CHriſtum) vber vns leuchten laſt / davon glantzen auch wir / vnd gewinnen einen hellen Schein fuͤr dem Angeſicht Gottes: Vnd gleich wie die Sonn am Himmel / mitjhrem Glant auch dem Mondt ein Liecht gibt / vnd ſchaffet / daß auch dieſer glanzet / von jhrem Glantz: Alſo erleuchtet Criſtus (die Soñ der Gerechtigkeit! Malach..) mit ſeinem Glantz auch ſein H. Kirch / vnd verleihet daß auch ſie leuchtet gantz ſchoͤn vnd klar fuͤr den Augen Gottes. Dabey dann abzunemmen! daß es falſch iſt / da manim leydigen Bapſtthumb das Angeſicht der verſtorbenen Heyligen Gott fuͤrſtellet / daß ſie fuͤr vns fuͤr Gottes Angeſicht bitten ſollen/ damit vns der H gnadig ſey. Dann aller heyligen Menſchen Angeſicht / waren von Geſtalt vielzu vngeſtalt / daß ſie nur für ſich ſelbs Gott gefallen hetten moͤgen / wil geſchweigen / daß ſie vermoͤchten / durch jhr Holdtſe⸗ ligkeit / andere Leut mit ſich Gott angenem̃ zu machen. Allein CHri⸗ ſtus / als das Angeſicht Gottes deß HRnſelbs / iſt Gott ſo anmuͤh⸗ tig / wann wir ſolchen Gott dem HEMMM im Glauben fuͤrſtellen/ daß er in jhme / auch vns wil gnaͤdig ſeyn. Es ſcheuwen ſich die Papiſten auch wol nicht / mit jhrem eygenen Angeſicht fuͤr G Ott zu tretten / das iſt / mit jhren eygenen guten Wer⸗ cken für Gott ʒu prangen: gleich als ob ſie an jhnen ſelbs ſo ſchon vnd wolgeſtalt weren / wenn ſie Gott nur anſehe / daß er alsbald jhnen muͤ⸗ ſte holdt oder gnaͤdig ſeyn: Da doch alle vnſere Gerechtigkeit / vnd alſo vnſer Angeſicht / da es am allerklareſten fuͤr GOtt glantzet / wie ein vnſauber Tuch / welches man Ehren halber nicht nennen darff. Nicht alſo: Sondern allein GPttes Angeſicht (vnd alſo cHRISTV5) iſt der jenige Glantz / welcher vns durch ſeinen Schein fuͤr Gott ſo ferrn zieret vnnd erleuchtet/ daß vns GDtt wil gnädig ſeyn. No 5 8 Cheißt es) C 0 NE S T0 FA cTERVM, wir muͤſſen fuͤr GOtt von Angeſicht Schamrot ſte⸗ hen. Laſt vns demnach zu GD TT nuffen Cauß dem achtzigſten C ij Pſalmen) II. — 20 Die1 I. Predigt vom Segen Gottes Pſalmen) Gotttroͤſte vns: Laß dein Antlit leuchten vber vns ſogene⸗ ſenwir. Eo haben auch die Gottolaͤſterer vnter vns Chriſten / welche Chri⸗ ſtum freffentlich laͤſteren an ſeinem Leiden / Marter / Wunden / Creut/ Tauff / Sacramenten / ſich hiebey wolzu erjnnern / wie ſchwehrlich ſie ſich dardurch verſuͤndigen. Die Juͤden werden angefeindet / darvmb / daß ſie im Paſſion Chriſto / vnd alſo Gott ſelbs ins Angeſicht geſpeyet haben. Wolan vnſere Gottslaäſterliche Chriſten / heutiges Tags / ſeynd keins Haars beſſer/ denn ſie. Dann was iſt Chriſtus anders / wie wir hie hoͤren / denn das Angeſicht Gottes ? So ſpeyen ſie ja nicht weni⸗ ger / dann die Juͤden euſſerlicher Weiß gethan / ſoofftſie Chriſtum / ſein Creutz / Leiden / Wunden / Sacrament /x. laͤſtern / Geiſtlicher Weiß / Gottſelbs ins Angeſicht hineyn. Wirleſen imi. Buch der Koͤnige amzn. Capitel / ſo einer Gottvnd den Koͤnigſegenet / den ſolle man verſteinigen So mogen nun ſolche Gottslaͤß ererjhres Vrtheils auch erwarten. Dann dieweil ſie Gottin ſein Angeſicht ſpeyen:wirdt ſie Gott Zweiffels ohne / da ſie nicht Buß thun / noch viel haͤrter druͤber heimſuchen. Wo vnd wann wirdt dann das Gnadenreich Liecht deß Angeſichts Gottes vns furgetragen? Im Alten Teſtament lieſſe Gott ſein Ange⸗ ſicht leuchten / in Geſtalt einer Wolckenſeul / bey Tag / vñ in Geſtalt ei⸗ ner Feuwerſeul/ bey Nacht / Exod. iz welche fuͤr dem Volck Iſraelher gienge in der Wuͤſten: Vnd war ſolches ein Zeichen / daß das Volck Iſrael Gnad bey Gott gefunden hat / Exod.33. Heutiges Tages im Neuwen Teſtament / ſeynd gleichwol ſicht⸗ barliche Wolcken vnd Feuwerſeule nicht mehr fuͤrhanden: Es iſt aber das Gnadenreich Liecht deß Angeſichts Gottes darvmb nicht vnter vns außgeloſchen. Dann gleich wie Gott der HE RR im Alten Te⸗ ſtament ſein Antlitz leuchten laſſen vber das Volck Iſrael / vnter einer Wolcken: Alſo laͤſt er heutigs Tags im Neuwen Teſtament ſein An⸗ geſicht leuchten vber vns / durch das Mittel deß Waſſers / in der heyli⸗ gen Tauff. Dann gleich wie Chriſtus das Angeſicht Gottes / vermit⸗ telſt der heyligen Waſſer Tauff / in Kyafft ſeines Geiſtes / an — — 8 „— Vber da s. Capitel deß a. Buchs Moſis. 2 Glantz die Finſternuß vnſerer Hertzen außtilget / alſo zuͤndet er in vns als bald an / in Krafft ſeines Geiſtes / das Liecht deß Glaubens / darmit wir jhn ergreiffen / mit ſeiner Gerechtigkeit vnſer Suͤnd vnd Vngerech⸗ tigkeit fuͤr Gott bedecken / vnnd alſo ein gnaͤdigen Gott haben. Sinte⸗ mal wir als dann leuchten vnnd glaͤntzen in dem Liecht (das iſt / in der Gerechtigkeit vnnd Heyligkeit) C. RJS TI! nach dem Spruch deß H. Apoſtels Paulizun Galʒ. So viel ewer getaufft ſeynd / die ha⸗ ben Chriſtum angezogen. Vnnd gleich wie Gott der HERR im Alten Teſtament auch in Fewergeſtalt ſein Angeſicht leuchten laſſen vber das Volck Iſrael / auff daß das Voſck auch bey Nacht ſehe deß HERREN Angeſicht :Alſo läſt Gott der HE RRheutigs Tags auch weiter ſein Angeſicht(Chri⸗ ſtum) leuchten vber vns / in der Predigt deß heyligen Euangelij / vnnd in dem heyligen Abendtmal! auff daß / da auch gleich die Nacht eynfaͤl⸗ let / das iſt / in Truͤbſal vnnd Anfechtungen wir ſein Angeſicht ſehen! das iſt / vergewiſt ſeyn koͤndten / daß vns der H E R R durch Chriſtum guaͤdig iſt. Ja eslaͤſt der H E RR durch das Wort vnd die heylige Sacra⸗ menta ſein Angeſicht vber vns leu chten / nicht nur ſo ferrn / biß wir durch das Liecht ſeines Angeſichts / in Krafft ſeines Geiſtes ſehen vñ mercken / daß er vns vmb ſeines frewdenreichen Angeſichts / CHRJSTJ willen / gnadig iſt / ſonder noch mehr / vnd ſo ferrn / biß wir durch Wir⸗ ckung ſeines Geiſtes anfangen nahe vnnd nahe/ auch an vns ſelbſt/zu glaͤntzen von allerley guten / heyligen vnnd Gott wolgefaͤlligen Wer⸗ cken / oder nach dem Fuͤrbildt Chriſti ablegen die Werck der Finſterniß / vnd anziehen die Waffen deß Lieches / Rom.iz. Dieſes iſt / das Paulus ſchreibet⁊. Corinth. ʒ. Nun ſchawen wir alle deß HE RRN Klarheit / mit auffgedecktem Angeſicht / als in einem Spiegel / vnnd wir werden verklaͤret in daſſelbig Bildt / von einer Klarheit zur andern als vom GEJS T deß HE RRN. Siefer theure wehrte Schatz deß Worts vnd der heyligen Sacra⸗ menten deß Newen Teſtaments (darinnen vber vns leuchtet das gna- dige Angeſicht Gottes jzu vnſerm Troſtvnnd Beſſerung in das iij eben 1 Die 1I. Predigt vom Segen Gottes Leben ) wirdtvnter vns erhalten / durch das glaͤubig Gebett / ſondel lich aber auch / wann die Prediger zu Endt deß verrichteten Gottes⸗ dienſts / den Segen(davon wir jetzo handeln )vber das Volck ſprechen: Der HERRlaſſe ſein Angeſicht leuchten vber dir / vnd ſey dir gnaͤdig. Dañ ſolche Wort ſeynd auch ein Gebett / vñ bringen ebẽ ſo viel mit ſich / als wann der Prediger ʒu dem Volck ſpreche: Der allmaͤchtige / gůtige Gott vnd Vatter woͤlle ſein H. Wort / vnd ſeine heylige Sacramenta / nicht von euch hinnemmen / ſondern beſtaͤndiglich vnter euch erhalten / vnnd wol bewahren / auff daß jhr ſampt eweren lieben Kindern vnnd Kindtskindern durch ſolche Gottliche Mittel / Chriſtum erkennet / den einigen Gnadenſtul / in ewerem Glauben getroͤſtet / vnnd im Leben ge⸗ beſſert werdet. Solcher Wundſch oder Segen deß Predigers hat Verheiſſung / daß er nit ſolle leer abgehen / ſondern krafftiglich wircken. Dann gleich wie der HER ſpricht im verleſenen Tert: Wann die Prieſter ſeinen Na⸗ men legen auff das Volck / ſo woͤlle Er ſie ſegnen: Alſo verſpricht auch Chriſtus / Matth.io. Wann die Apoſtel / vnd alle rechtſchaffene Predi⸗ gerjhre Zuhoͤrer gruͤſſen / das iſt / ſegnen / ſo ſolle der Friede vber ſie kommen. Darvmb dann billich ein jeder Chriſt / ſo lieb jhm iſt Chriſtus Got⸗ tes Gnad / vnd das ewige Leben / Fleiß thun ſolte / daß er ſolchen Segen deß Predigers nicht weniger / als die Predigt ſelbſt / anhoͤrete / auff daß er alſo / vermittelſt ſolches Segens / durch Chriſtum / das Angeſicht GBttes / in Krafft deß H. Geiſtes erleuchtet wuͤrde / wie er zuvor in der Predigt gelehrt vnd erjnnert worden. Sihe / ſo pflegt man etwan / wann man den Segen ſprechen wil / der⸗ maſſen zur Thuͤr hinnauß zu dringen ! als wann er ein abſchewlicher/ ſchrecklicher Fluch were. Darvmb iſts auch kein Wunder / daß das Angeſicht deß HRRM (Chriſtus)in ſeinẽ . Wort vñ H. Sacramenten heutigs Tags durch ſo viefaͤltige Rottẽ vñ Secten ſovielfältig verdũckelt wirt: Es wer auch wolkein Wunder / wann ſchon Gott ſein klares Angeſicht von vns gar abwendet / vnnd lieſſe vns fallen widervmb in das alte Suſnt 6 eydi⸗ — „ — — — — — — „ — „ Auß dems. Capitel deß z· Buchs Moſis. 23 leydigen Bapſtthumbs / oder auch wol widervmb gar in ein Heydniſch Weſen: Dann den rechtſchaffenen Segen/ da Gott durch den Mund deß Predigers vns ſegnen wil / auff daß Chriſtus das Angeſicht deß H2 Rn vns leuchte ſtattigs vnd ohn vnterlaß / zur Gnade Gottes in das ewige Leben / Dieſen ſchlagen wir auß / wir verachten / verſau⸗ men jhn. Vnd mogen ſonderlich ſolche Veraͤchter deß Segens wol zuſehen / wann ſchon das Angeſicht deß HMM Chriſtus)nit vnter vns auß⸗ liſchet offentlich / daß es doch nicht etwan jnen mangele / ſo wol als dort den thörichten Jungfrawen / Matth. ⁊ an jhren Lampenſbey jrem letz⸗ ten Endt / zu jhrem ewigen Finſternuß · Gleichwol(zum Beſchluß Rſt wol zu mercken (wie in der vorgehen⸗ den Predigt auch angezeigt) gleich wie das heylige gepredigte Wort / da es ſchon gehoͤret wirdt / vnnd die heylige Sacramenta/ da ſie auch ſchon empfangen werden / doch nicht nůtzlich oder heylſam ſeyndt / ohne Glauben: Vnd gleich wie / da man ſchon bettet / wo das Gebett nicht geſchicht auß Glauben / ſolches Gebett auch zur Suͤndt wirdt fur pſu.4 Gott: Alſo / da wir ſchon ſtillſtehen / vnnd hoͤren zu / biß daß der Predi⸗ ger den Segen gibt / Jedoch wann wir ſolchen Segen nit mit Glauben empfangenſ ſo heiſt es ( Mat.ꝛ0.) Wir ſeynd ſeiner nicht wehrt. Demnach / da der Prediger ſegnet / ſo ſpriche du in deinem Hertzen mit Glauben das Amen darzu (wie Paulus andeutet /. Corinth. 14.) Vndzweiffele nicht / dann es werde Ja / Jaſeyn / vnnd alſo geſchehen. Als dann / gleich wie G tt der Vatter / nemlich die erſte Perſon im heyligen Göttlichen Weſen / vns leiblich ſegnen vnnd behuͤten wirdt/ darvon wir in der erſten Predigt gehoͤret haben: Alſo wirdt eben derſel⸗ bige HERR vns auch ſegnen Geiſtlich / vnd vber vns leuchten laſſen ſein gnaͤdig Angeſicht C H R J S T V M ſeinen Sohn/als die ander Perſon deß heyligen Goͤttlichen Weſens / durch die Mittel deß gepredigten Worts / vnnd der heyligen Sacramenten/ vnnd vns tröſten vnnd erleuchten / nahe vnnd nahe / (vnd alſo Stuͤcksweiß) hie in dieſem Leben zum Ebenbildt ſolches ſeines holdtſeligen Ange⸗ ſichts vnſers H E R R E R Jeſu Chriſti / biß daß einmal das Stuͤck⸗ III. 14 Die III. Predigt vom Segen Gottes Stuckwerck auffhoͤren wirt (i.Corinth.i4. vnd wir ſehen werden v⸗ ber vns leuchten das gnaͤdige Angeſicht deß HE RRN (nicht nur / wie hie auff Erden / als in einem Spiegel vnnd tunckeln Wort / ſondern) von Angeſicht zu Angeſicht / vnd jhn erkennen / wie wir von jhm erkañt ſeyndt. Das gebe vns baldt der allmaͤchtige guͤtige Gott vund Vat⸗ ter / durch ſein heyliges Angeſicht / JESVM CHRJSTVM Geiſt / welchen ſamptlich ſey Lob / Ehr vnd Preyß in Ewig⸗ eit/ Am n. Die dritte Predigt / vber den dritten Verſicul. Der H ER Rhebe ſein Angeſicht vber dir / vnd gebe dir Frieden. S Iß dahero haben wir gehoret die Außlegung der ween Verſ. in vnſerm gewoͤhnlichen Segen / vnd darin⸗ S nen gefunden zwo vnterſchiedliche Perſonen deß einigen/ v vnzertrennlichen / heyligen / Goͤttlichen Weſens nemlich Gott den Vatter / als den Schoͤpffer / welcher die Geſchopff in jhrem erſchaffenen Weſen ſegnet vnnd behuͤtet: Gott den Sohn / welcher iſt das Angeſicht oder Ebenbildt GOttes deß Vatters / durch welchen G D E T der Vatter vns armen Suͤndern wil gnaͤdig ſeyn · Noch iſt vberig der dritte Verſ. welchen wir jetzt fur die Handt nem⸗ men / vnd darinnen ſuchen woͤllen! wie er vns die dritte Perſondeß H· Goͤttlichen Weſens vnter Augen ſtelt / nemlich Gott den H. Geiſt / vnd was ſolche dritte Perſon deß heyligen Gottlichen Weſens / in dieſem dritten Verſ. fur einen beſondern Segen mit ſich bringe. Da wir nun ſolches gefunden / als dann (vnſerer Brdnung nachanruͤhren kuͤrtzlich (dieweil hievon in den zweyen vorgehenden Predigten / nach Nohtturfft gehandeltworden )wo vund wann ſolcher Segen Gottes , 6 ſi na — Auß dems. Capitel deß . Buchs Moſis. 26 Geiſtes außgetheilet / vnnd wie er nuͤtzlich vnnd hehlſamlich empfangen werde / vnd damit beſchlieſſen. Der HERgebe Gnad darzu / Amen. Der HxRR( Das iſt / Gott der Vatter)hebe ſein Angeſicht(das iſt/ ſeinen lieben Sohn Chriſtum vber dich / vnd gebe dir Frieden. Es iſt Chriſtus das Angeſicht Gottes auffzweyerley Weiſe. Dañ nach ſeiner Goͤttlichen Natur iſt Chriſtus das naturlich / weſentlich An⸗ geſicht oder Ebenbildi Gottes / Gott ſeinem Vatter durchauß ſo gleich / daß er mit Gott ſeinem himmliſchen Vatter iſt ein einiges / Gottliches Weſen. Dieſes ſein Angeſicht behaͤlt er fur ſich / vnd gibt es keinem an⸗ dern / Eſa. 44. Darnach iſt Chriſtus das Angeſicht oder Ebenbildt Gottes / auch nach ſeiner angenom̃ienen menſchlichen Natur. Dañ er iſt ein Menſch ohne Suͤndt / nach Gott / oder nach dem Bildt Gottes geſchaffen / in Heyligkeit vnd Gerechtigkeit. Dieſes Goͤttliche Bildt oder Angeſicht Gottes / nemlich ſein vollkommene Heyligkeit vnd Gerechtigkeit / ſchen⸗ eket Chriſtus vns / als ſuͤndigen / heßlichen Menſchen / vnd hat er hinwi⸗ dervmb ein zeitlang hie auff Erden / vnſere heßliche Laruen angezogen / auff daß er den Vnwillen / welchen Gott auff vns geworffen hat / von ons hinweg vber ſich nemme ! hergegen aber Gott vns / durch jhn gnaͤ⸗ dig were. Vnd gleich wie dort Jacob / als er in ſeines Bruders Eſau Kleyder Zeſchloffen / in ſolchen Kleidern ſeines Bruders / Eſau / Segen von ſei⸗ tnem alten Vatter Iſaac empfangen hat: Alſo muͤſſen wir Eſauiten / das iſt / arme Suͤnder / verkleidet werden in die Heyligkeit vnd Gerech⸗ nigkeit deß Herrſchers auß Jacob( Num. ⁊4. nemlich Chriſti / da an⸗ derſt von Gott der Segen Chriſti vber vns kommenſolte. Woher nem̃en wir aber ſo vie Geſchicklichkeit / daß wir ſolches Kleid Chrriſti anziehen / das iſt / wer wircket in vns / daß wir glaͤuben / G OTT woͤlle vns durch Chriſtum ſegnen oder gnaͤdig ſeyn? Dann ob wol Chriſtus vns fuͤr Gott Gnad erworben hat: Kan doch kein Menſch ſol⸗ ches glaͤuben / auß oder von ſich ſelber / ſondern es iſt jm vielmehr an ſich ſelber ein Thorheit /i. Cor.i. Wo man nun nicht glaͤuben kan / daß vns Chriſtus widervmb einen gnaͤdigen Gott erworben kan (weiter) das 5 Die 1II. Predigt von dem Segen Gottes das Hertz vnd Gewiſſen / ſonderlich in Anfechtungen nimmer zu frie⸗ den oder froͤlich ſeyn / ſondern es muß ſich ein ſolcher Menſch ſtaͤttigs fuͤrchten(wie nach dem Fall / die erſten Eltern / Adam vnd Eua/ im Pa⸗ radieß)ja zittern vnd zagen . An dieſem Stuͤck / nemlich / daß ein jeder fur ſich glaͤuben koͤnne / er habe durch Chriſtum einen gnaͤdigen Goit / vnnd demnach bey ſich zu frieden vñ froͤlich ſey / kompt vns zu Hilff die dritte Perſon deß heyligen Goͤttlichen Weſens / darauff vns dieſer dritte Verſic. Andeutung thut / nemlich G D T T heyliger Geiſt. Dann der heylige Geiſt iſts / welcher in dem Hertzen der Außerwehlten den Glauben vnnd 2 auff den Verdienſt Chriſti pflantzet / mehret vnnd pa t. Daher wirt der heylige Geiſt / Epheſ.x. genennet der Geiſt der Weiß⸗ heit / vnd der Bffenbarung zur Erkaͤnntnuß Gottes / welcher koͤnne die Augen vnſers Verſtandts erleuchten / daß ſie erkennen moͤgen / welches da ſey die Hoffnung vnſers Beruffs / vnd der Reichthumb ſeines herr⸗ tichen Erbs. Erkennen nun vnd hoffen / daß wir beruffen ſeyn zum Erb deß ewigen Lebens / iſt ja nichts wenigers / dann Glauben· Wie dañ hin⸗ widervmb nichts anders iſt / Glauben / dann erkennen / daß wir zu hoffen haben das ewige Leben. Daher wirdt der H. Geiſt auch genennet der Geiſt / der da heyliget) Rom.. Dann wir werden ja geheyliget vnd gereiniget / hie in dieſem Le⸗ ben fuͤr Gott / allein durch den Glauben an Chriſtum / Act. 15. vnndas. Darauß erfolgt / daß der H. Geiſt dẽ Glauben wircken muß / durchwel⸗ chen wir fuͤr Gott fromb vnd heylig ſeyn · Alſo ſpricht Paulus / Rom.s. Der H. Geiſt gibt geugnuß vnſerm Geiſt / daß wir Gottes Kind ſeyn. Vñ Gal. 4. Weil wir nu Kind ſeynd/ ſchicket Gott den Geiſt ſeines Sons in vnſere Hertzen / daß wir ſchreyẽ⸗ Abba /lieber Vatter. Was iſt aber ſolches anders / dann daß der heylige Geiſt in vnſern Hertzen wircket den Glauben / daß wir ein kindtlich Vertrawen zu Gott haben / durch Chriſtum / vnnd vns in Chriſto zu Gott aller Gnad vnd Trew verſehen koͤnnen / wie ein Kindt zu ſeinem natůͤrlichen / leiblichen Vattere Dieſen — 6. d/ E 6 ch Auß dem s. Capitel deß a. Buchs Moſis. 27 Dieſen Glauben wircket Gott der heylige Geiſt erſtlich in der H. Tauff / dann darvmb nennet Sanct Paulus Tit. z. die heylige Tauff ein Badt der Widergeburt vnd Ernewerung deß heyligen Geiſtes / die⸗ weil der heylige Geiſt in der Tauff/ vermittelſt deß Waſſers / wirckt die Widergeburt vnd Ernewerung. Nu iſt aber ſolcher Widergeburtoder Erneuwerung fuͤrnembſtes Stuck der Glaub. Darvmb ja in der Wi⸗ dergeburt oder Ernewerung deß Menſchen / der heylige Geiſt den Glau⸗ bẽ wircken wirt / oder ſchaffen / daß der Getauffte glaube / daß Gott durch Chriſtum ſein gnadiger G Ott wolle ſeyn. Dieſes iſts / das Paulus ſchreibet zun Galat. amz. So viel jhrer getaufft ſeyndt / die haben Chriſtum angezogen / das iſt / ſie empfangen durch Wirckung Gottes deß heyligen Geiſts / ſo viel Gnad/ daß ſie glauben / die Heyligkeitvnnd Gerechtigkeit Chriſti werde von Gott jhnen zugerechnet. Demnach ſo wircket jà der heylige Geiſt den Glauben / vermittelſt der heyligen Tauff. Dieſer Glaub wirdt in vns erhalten / vermittelſt deß gepredigten Worts / durch den H. Getſt / daher dann die Predigt deß Euangelij ge⸗ nennet wirt das Ampt deß Geiſis Gottes / vnnd ein Geruch deß Lebens zum Leben /1. Cor.3. 2. Corinth.z. Dieſen Glauben vermehret vnd beſtaͤttiget auch Gott der H. Geiſt in vns / durch die wirdige Nieſſung deß Fleiſchs vnd Bluts Chriſti / im heyligen Abendtmal. Vnd dieſes iſts / das Paulus ſchreibeti. Cor. u. Wir werden alle ʒu einem Geiſt getraͤncket: Nemlich / dieweil Chriſtus in Krafft ſeines Geiſts / durch die wirdige Nieſſung ſeines Fleiſchs vnd Bluts / vermittelſt Brots vnd Weins in Krafft deß heyligen Geiſtes / ſo viel wircken wil / gleich wie Er / der Menſch Chriſtus / einen feſten Glauben vñ ein recht kindtlich Vertrawen getragen hie auffErden / zu Gott ſeinem hĩliſchen Vatter / daß alſo auch in vns ein ſolch ſtarck vñ vngezweiffelt kindtlich Vertrauwen gewircket vnd fortgepflantzet / vnd erhalten werde. Welcher nun an Gott durch den heyligen Geiſt ein ſolchen lebendi⸗ gen Glauben hat / der hat ſchon allbereit / vnnd zumal auch durch die Krafft Gottes deß.. Geiſtes Frieden. Davon / als von dem beſondern D Segen * 2 Die III. Predigt von dem Segen Gottes Segen Gottes deß heyligen Geiſts / dieſer dritte Verſ. fuͤrnemlich re⸗ det: Das iſt / Er kan in Krafft deß heyligen Geiſtes ſein Hertz gegẽ Gott zu frieden ſtellen / auch in Truͤbſal vnnd Anfechtungen. Dann wer da glaͤubet / der iſt / laut der Schrifft / gerechtfuͤr G Ott: Wer aber weiß / daß er auch fuͤr Gottjuſt iſt: Wie kan er nit in ſeinem Hertzen am aller⸗ beſten zu frieden ſeyn e Nun wir dann ſeynd gerecht worden (ſpricht Paulus zun Roͤmern am fuͤnfften) ſo haben wir Friede mit GDtt / durch vnſern HEMRM Jeſum Chriſtum / durch welchen wir auch ei⸗ nen Zugang haben im Glauben ) zu dieſer Gnad / darinnen wir ſtehen vnd ruͤhmen vns der Hoffnungderʒukuͤnfftigen Herrlichkeit / die Gott geben ſolle. Dann nach dem Gott ſo wol mit vns zu frieden iſt in Chri⸗ ſto: Wer wil wider vns ſeyn⸗ Rom.8. Dieſer Fried iſt freylich mehr dann Aurea padas iſt / mehr dann ein guldenerFried. Cain hattejũen einẽ groſſen Theil der gantzt Welt/ dan⸗ noch als er in ſeinem Gewiſſen dieſen Geiſtlichen Frieden nicht hatte / vmb ſeines Bruder Mordts willen / wirdt jhm die weite Weltzu eng. Saul war ein maͤchtiger Koͤnig in Iſrael: Aber was kan jhn frewen all ſein Herrlichkeit? Nichts vberal. Dann da ſchon alle ſeine euſſerliche Feind Friede mit jhm hielten / ſo hat er noch in ſeinem eygenen Buſen ſtecken feinen aͤrgſten Feindt / nemlich ein boſes / vnrůhiges Gewiſſen/ ſolches ließ jn nit zu frieden / bey Tag / bey Nacht / daher er endtlich auch Vrſach nimpt / vnd in ſein eygen Schwerdt faͤlt. Ahitophel hatte wol einen gnaͤdigen Herrn an Abſolon / aber darbey ein vngnaͤdiges Gewiſ⸗ ſen. Judas der Verraͤhter hatte wol einen ſchwehren Beutel / darneben aberauch ein ſchwehres Hertz. Darvmb kondt auch weder Fried / Frewd oder Muht bey jhnen ſeyn / biß endtlich dieſe beyde fuͤr Ohnmuht ſich ſelbſt erhenckt haben. Summa / ſolche Leut můſſen ſich fuͤrchten / da nichts zu fuͤrchten iſt / Pſal.i4. Vnd erſchrecken fuͤr einemrauſchenden Blat. Welche aber dieſen Frieden / den Frieden / nemlich GBttes deß H. Geiſtes im Hertzen haben: O ſelig ſeyndt dieſe Leut. Sie koͤnnen ſich ruͤhmen auch der Truͤbſal / Tom.ꝝ. Die heyligen Apoſtel / nach dem ſie am Pfingſtag den H. Geiſt em⸗ pfangen / — — — —— — *— — — — — — Auß dem 6Fapitel deß 4· Buchs Moſi. 29 pfangen /fuhleten / in Krafft ſolches Geiſts / bey jhnen ſolchen Gottli⸗ chen Frieden. Darvmb / da manſie hernacher vmb Chriſti willen ſchon gekaͤrckert vnd geſtaͤupt hat: kondten ſie dannoch noch froͤlich ſtehen zu At.. Jeruſalem fur deß Rahts Angeſicht. Ja es kondten ſolche Leut mit Freuden gehen / auch in den bittern Todt hineyn. Der heylig Maͤrterer Stephanus / war froͤlich vnd ge⸗ troſt / da man jhn ſchon allbereit verſteinigen wolt / Act.ꝰ. Dann er war voll heyliges Geiſtes / vnd alſo voll Friedens deß heyligen Geiſts. Da⸗ her er auch / voll deß Friedens vñ der Freud deß heyligen Geiſis / ſpricht: Ich ſeheden Himmeloffen / vnd Jeſum ſtehen zur Rechten Gottes. Der heylig Mann Job war auch begabt vom heyligen Geiſt / mit ſol⸗ chem Göttlichen Frieden Darvmbjn kein Widerwaͤrtigkeit / Ja auch der Todt ſelbs nicht zu beharrlicher Kleinmuͤtigkeit aͤngſten kondte. Dann (ſpricht eri9. Cap.) Ich weiß / daß mein Erloͤſer lebet / vnd er wirdt mich hernach auß der Erden aufferwecken. Vnd ich werde dar⸗ nach mit dieſer meiner Haut vmbgeben werden / vnd Ich werde in mei⸗ nem Fleiſch Gott ſehen / vnd meine Augen werden jhn ſchauwen/ vnd kein Frembder. Deralte fromme Simeon hatte ſich in Krafft deß hey⸗ ligen Geiſts / mit ſolchem Frieden verſehen / darvmber/ daer auch ſter⸗ ben ſolte / im Frieden / oder mit Fried vnd Freudt dahin gefahren iſt. Der heylig Apoſtel Paulus als er ſich mit dieſem Gottlichen Frieden imheyligen Geiſt verſichert weiß/ Begeret auffgeloͤſt zu werden / oder zu ſterben/ Philip. vnd bey Chriſto zuſeyn: Sowol! als er lehret alle fromme Chriſten / daß ſie in ſolchem Frieden deß hehligen Geiſts / deß Todts vnd der Hellen noch dazu ſpotten / vnd ſprechen ſollen: Todt / wo iſt dein Stachel⸗ Hell / wo iſt dein Siegi. Cor.i. Vnd alſo wirdt erfuͤllet / das der HErr Chriſtus zugeſagt / Joh.14. Meinen Frieden gebe ich euch: Meinen Frieden laſſe ich euch:Nicht ge⸗ be ich euch / wie die Welt gibt/ꝛc. Dann die Chriſtglaubigen / wann ſie in der Welt nirgendt keinen Frieden haben:als dañ fuhlen ſie bey ſich ſelbs amallerkraͤfftigſten / Fried vnd Freud im heyligen Geiſt. Dieſer Fried deß heyligen Geiſts iſt der jenige / welchen der 5. vnd der us. Pſalm nennet / den Frieden vber Iſrael das iſt / den jenigen D ij Frrieden! 30 Die III. Predigt vom Segen Gottes Frieden / welchen allein die wahre Iſraeliten (Gal..) das iſt / Chriſt⸗ glaͤubige / in Krafft deß heyligen Geiſts / fuhlen / mit vnaußſprechlicher Suͤſſigkeit vnd Frölichkeit. Ein edler Fried der / wann gute vertrawte Freundt / nur ein kleine Zeit bey einander ſitzen vber einer Mahlzeit / da gibt es gemeiniglich al⸗ lerley Freudt. Was muß dann der Fried deß Hertzens vnd Gewiſſens im heyligen Geiſt/fuͤr ein Froͤlichkeit ſeyn? Welche iſt / wie Salomon ſpricht / Prouerb.;. iuge C0NMM ein ſtaͤttige Mahlzeit oder Wolleben. Wañ vber einer ſtattlichen Mahlzeit ein treffenliche Muſic gehal⸗ ten wirt: man ſingt lieblich von allerley vnterſchiedtlichen Stimmen / man laͤſt dazu abgehen allerley liebliche Inſtrumenta / Orgeln / Poſau⸗ nen / Harpffen / Lauten / c.ſolche Muſie gibt gemeiniglich demſenigen / ſo ʒuhoͤret / ein hertzlich Freud / wann er ſonſten nicht ſonderlich hoch be⸗ truͤbt iſt. Da aber ſein Hertz innwendig verletzet vnd traurig iſt / da hiffft kein euſſerliche Freud / Prouer.14. Wolan / ſo laß du mir noch ein mal den Frieden Gottes deß heyligen Geiſts / im Hertzen vnd Gewiſſeni ein Muſic vñ harmmiamn ſeyn / weit vber ſieben Lauten / wieman ſpricht. Dann da iſt kein Leydt ſo groß / welches einen ſolchen Menſchen betruͤ⸗ ben koͤndte: Wann auch gleich die Berg in das Meer fielen / oder die Welt gar vntergienge / da foͤrcht man ſich nit. Jawann euſſerlichauch gleich Leib vnd Seelverſchmachteten: dafragt man nicht nach. Dann Gott iſt vnſer Zuverſicht vnd Staͤrcke/ Gott iſt alleʒeitvnſers Hertzen Troſt/vnd vnſer Theil / wie der heylig Geiſtkraͤfftig troͤſtet/ Pſal. 46. vnd. verſ.⁊6. Summa / es iſt der Fried Gottes deß heyligen Geiſts hie auff Erden / weit vber alle Vernunfft / zun Philip. am vierdten Ca⸗ pitel vndgleichſam ein Vorgeſchmack ( Hebr. amſechſten Cap.oder Stuck deß him̃liſchen ewigen Lebens: Wie denn das ewige Leben ja nichts anders iſt / denn Fried vnd Freud im heyligen Geiſt / Rom. 14. leich wie aber Gott der heylig Geiſt wircket den innwendigen Frieden in vnſern Hertzen vnd Gewiſſen: Alſo der euſſerliche Fried vnd Einhelligken in der Kirch! in den Policeyen / im Haußl iſt auch nit Es weniger ein Werck Gottes deß heyligen Geiſts. Auß dem 6. Capitel deß 4. Buchs Moſis. 31. Es vermeynen wol offt die Menſchen auß ſich ſelber / Fried vnd Wuͤndtnuſſen vnter ſich auffzurichten vnd zu beſtaͤttigen / durch Bluts⸗ freundtſchafft/ Heyraten vnd Schwaͤgerſchafften: Aber man findt es / wo der heylig Geiſt ſolchen Fried vnd Freundtſchafft nicht zuſammen hält / ſo halten ſie nicht: fallen auch wol ſelbs in einander: wie Daniel s ſchreibt amz. Capitel. n Dann rechtſchaffene / hertzliche Liebe/ dadurch Fried erhalten wirt / tiſt ein Gab Gottes deß heyligen Geiſts / Gal.s. Alſo liſet man von den heyligen Apoſteln / als ſie den heyligen Geiſt empfangen / Actor.3. vnd 4 daß alsbald der Menge der Glaubigen ware ein Hertz vnd ein Seel: auch keiner ſagte von ſeinen Guůtern / daß ſie ſein weren / ſondern es ware hn nalles gemein. n Nun iſt es ja ein guͤlden Werck / auch vmb dieſen euſſerlichen Frie⸗ „den / den Gott der heylige Geiſt wircket. Dann ſihe nur an das Gegen⸗ ſſpiel⸗Erſtlich / wann die Lehrer vnd Prediger im Geiſtlichen Regiment „wider einander ſeynd: Was folget drauß für Ergernuß / vnd Vnord⸗ nung: Alſo / wañ ein weltlicher Potentat dem andern den Frieden auff⸗ kuͤndiget / was Jammers erfolgt darauß Es gehetvber Weib / Kinder / „Leib / Leben / Haab vnd Gut. i Aber was ſagt man viel von groſſen Landt Kriegen? Wann doch nr zwe Ehegemaͤcht vneinig / wann Eltern vnd Kinder/ Bluts⸗ freundt ein Nachbawer mit dem andern nitzu frieden: Was iſt es fuͤr ein arm langweilig Ding Es iſt auch weder Gluͤck noch Segen dabey. 6. Hergegen aber ſchauwe du zu/ wie fein vnd lieblich iſt es / wann s (urch Wirckung Gottes deß heyligen Geiſts) Bruͤder friedlich oder „einig ſeyn: Dagibt der HRR Segenvnd Leben jmmer vnnd ewig⸗ r lich / Pſat. i33. Selig ſeynd“ ſpricht Chriſtus / die Sanfftmuͤtigen das iſt/ die ſo Fried halten/gern nachgeben / ꝛc. Dann ſie werden das Erdt⸗ . reichbeſitzen. n Dieſen jnnerlichen vnnd euſſerlichen Frieden gibt GOtt vns zu 5 gutem / wenn er zuvor (welches wol zu mercken: wie droben zu An⸗ NB. ü fangdieſer Predigt auch angeruͤßret) ſein Angeſicht (das iſt Chri⸗ ſtum) vber vns hebet. Dann nach dem wir an vns elende uͤnder: II. 32 Die III. Predigt vom Segen Gottes Sůnder: iſt gewiß / daß ſolcher Geſtalt wir keines Friedens nimmer⸗ mehrwehrt. Darvmb muͤſſen die Prieſter vnd Prediger ſprechen / daß Gott ſein Angeſicht / das iſt/ C. Hriſtum vber das Volck decken / vndes anſehen wolle/ in Chriſto. Alſo / nemlichſdurch Criſtum / wil Gott / in Krafft ſeines Geiſts / Frieden geben. Dieſes iſts auch / das Paulus ſchreibet / Tit. z. Gott hat ſeinen heyligen Geiſt außgegoſſen vber vns / durch Jeſum Chriſtum. Dann daß vns Gott ſeines Geiſts wirdiget / ſolches hat vns Chriſtus bey Gott erworben. Alſo ſchreibet auch Pau⸗ lus/i.Cor.s. Ihr ſeydt abgewaſchen / hr ſeydt gerechtfertiget / jhr ſeydt geheyliget / durch den Namen vnſers HEMRN Jeſu Chriſti⸗ vñ durch den Geiſt vnſers Gottes. Dann gleich wie Chriſtus der jenige iſt / wel⸗ cker vns / durch ſeinen Verdienſt / fuͤr Gott gerecht machet: Alſo iſter auch der jenige / ſo vns den heyligen Geiſt erworben / durch welches Krafft vnd Wirckung vns ſolcher Verdienſi Chriſti/ im Glauben / zu Troſt vnd Fried vnſers Gewiſſens / wie auch zu euſſerlichem Frieden vnd Einigkeit / heylſam vnd nůtzlich iſt. Ob nun wol das gepredigte Wort vnd die heylige Sacramenta / fuͤrnemlich das Mittel ſeyn / dardurch Gott der heylig Geiſt ſeinen Geiſtlichen Frieden in vnſern Hertzen wircket: Jedoch gleich wie das Gebett auch viel thut / ʒu Erhaltung vnter vns ſ olcher heylſamen Wir⸗ ckungen deß heyligen Geiſtes (daher Chriſtus vns befohlen zu betten: Hæ R/Zukomme vns dein Reich: Welches eben ſo vitl geſagt iſt / als ſprechen wir: HERR wircke in vnſern Hertzen Gerechtigkeit / Fried vnd Freud deines heyligen Geiſts / Rom.14. So hat auch der H ERR verheiſſen / den heyligen Geiſt zu geben / denen / die jhn darvmb bitten / Luc. u.) Alſo wirdt folche heilſame Krafft Gottes deß heyligen Gei⸗ ſtes auch außgetheilet vnd empfangen / wann der Prediger/ nach voll⸗ endtem Gottesdienſt / vber das Volck den Segen ſpricht. Dann da der Prediger ſpricht: Der HMRR hebe ſein Angeſicht vber dir / vnd gebe dir Frieden iſt anders nichts / denn ein Gebett / vnd hat dieſen Verſtandt: Der allmãchtig guͤtig Gott gebe euch / durch ſei⸗ nen geliebten Sohn Jeſum Chriſtum / ſeinen heyligen Geiſt / durch welches Krafft vnd Wirckung jhr in euwerem Hertzen fuhlen tt⸗ — — —— — — — — — — — — — — — — — — — Auß dems. Kapitel deß Buchs Moſis. 3 Söttlichen Frieden Fre wdvnd Troſt: Er gebe auch vnter euch Brůͤ⸗ derliche hertzliche Liebeſauff daß jr auch euſſerlich Fried haltet. Daß nun Gottder HxRgewißlich alſo wircken woͤlle / wie der Prediger ſpricht oder ſegnet: Davon iſt in den vorgehenden Predigten nach Nohtturfft gehandelt. Dann gleich wie Gott zugeſagt hat im Al⸗ ten Teſtament / wañ die Prieſter ſeinen Namen auff das Volck Iſrael legen ſowolleerſie ſegnen: Aſoverſpricht Chriſtus im Newen Teſta⸗ ment / Mat. am 10. Wann die Apoſtel vnd Prediger jemandt gruͤſſen / ſo ſolle der Friedvber ſie kommen: Alleini daß ſie ſolches Friedens auch wehrt ſeyen. Als dann aber ſeynd wir ſolches Friedens wehrtꝭ wannwir ſeiner mit Gottſeligem Verlangen erwarten vnd nach empfangenen Segen mit glaͤubigem Hertzen betten. (Wie das Volck / Syr.ʒo. v.2. Der xn gebe vns ein frlich Hert/ vnnd verleyhe jmmerdar Friede zu vnſer Zeit / vnd daß ſein Gnad ſtats bey vns bleibe / vnnd erloͤſe vns ſo langwir leben / ꝛc. Vnnd alſo vngezweiffelter Hoffnung ſeyn / wie der Prediger ſegnet / alſo werde es fuͤr GO T T durch Chriſtumja vnd Amen ſeyn. Sihe / ſo ſeyndt wir zum Theil ſolche Leut / gleich wie wir ʒu ver⸗ achten yflegen das gepredigte Wort / vnd die heylige Sacramenta:Alſo ſchlagen wir auch in den Windt den Segen oder Frieden / welchen der Prediger außtheilet: Wir lauffen in groſſer Anzahl hinauß / ehe man den Segen gibt / vnnd wer ſchon bleibet vnd jhn anhoͤret / der hoͤret eins Theils ohne Andacht / vnd vhne hertzlichen Glauben. Darvmb iſt auch ſchier kein jnnerlicher oder euſſerlicher Friedtmehr in der Welt. Dann wie viel hoͤret man (leyderdzu dieſen letzten Zeiten ſchreckli⸗ cher Exempel der jenigen / welche auß Verzweiffelung jhnen ſelbſt den Todt anthun / allein daher / daß ſie jhr Hert in Geiſtlichen Anfech⸗ tungen nicht koͤnnen zu frieden ſtellen Wann vns die Papiſten nur ein wenig ſchrecken / man findet baldt vnter vns die ſich bewegen / vnnd zum leydigen Abfall bringen laſſen / allein vmb euſſerlichen Friedens willen. Das macht / es mangelt jhnen am jnnwendigen Frieden oder Frewdigkeit Gottes deß heyligen Geiſtes. Wenn man ſonſt hoͤret von E Kriegs⸗ 34 Die II. Predigt vom Segen Gottes /x. Kriegsgeſchrey / von Sterbſeuchten / von Thewrung:wann (alſo zure⸗ den) nur ein ſchwartzes Wolcklein daher gehet / da iſt kein Fried / noch Troſt mehr bey den Leuten / ſondern lauter Furcht/ Angſt/ Ziitern/ Kla⸗ gen / Zagen / vnd ſchier Verzagen. Es iſt auch ſchier kein euſferlicher Fried mehr in der Welt: ſondern die Liebe iſt erkaltet / Mann vnd Weib / Eltern vnd Kinder / Schweſter vnd Bruͤder ſje eins iſt wider das ander. Vnd / dawir nicht thun werden / was zum Frieden dienet / wirdt auch noch wol endtlich vber vns kom⸗ men ewiger Vnfried / deſſen Wurm nicht ſtirbt/ Marcio. Demnach (vnd zum Beſchluß)gleich wie wir glauben ſollen / daß nur ein einiges Gottliches Weſen / aber drey vnterſchiedliche Perſonen / inmaſſen wir in der erſten Predigt gelernet haben: Alſo / wann dieſer ei⸗ nige Gott in dreyen Perſonen / vns / nach verrichtetem Gottesdienſt/ durch den Prediger ſegnen wil /laſt vns alsdann deſſen mit Begierd er⸗ warten:ein jeder inſonderheit hebe ſein Schoß / das iſt / ſein Hert auff im Glauben / damit er ſeinen Theil auch mit ſich heimtrage: Solcher Geſtalt werden alle drey Perſonen / jede infonderheit / jhren Schatz auffthun / vnd ſolchen vnter vns theilen: Gott der Vatter / als der Scchopffer / wirdt ſeine Geſi choͤpff / Himmel vnd Erden / ſegnen / vnd wirdt den Segen behuͤten / zu vnſerer Leibs Notturfft: Chriſtus / der Sohn Gottes / als das Angeſicht Gottes / wirdt vber vns leuchten mit ſeinem Verdienſt / daß vns Gott der Vatter wirdt die Suͤnd verzeihen / vnd gnaͤdig ſeyn: Gott der heylig Geiſt / wirdt vmb Chriſtus willen / in vnſern Hertzen / wircken lautern lebendigen Troſt / Fried vnd Freud / in Lieb vnd Leydt / in Leben vnd in Sterben: Er wirdt auch verleihen vnd befoͤrdern den euſſerlichen Frieden / hie auff Erden / ſo viel ſeiner heyli⸗ gen Kirchen wirdt nůtz vnd gut ſeyn: biß er vns einmal erfullen wirdt allerdings vollkommenlich / mit ſeinem hĩliſchen Segen / Göttlichen Gnad / ewigen Frieden / vnd vnaußſprechlicher Freud / im Him⸗ melreich: Dazu verhelffe vns allen Gott Vat⸗ ter / Sohn vnd heyliger Geiſt/ AMEN * Die 35 „Die vierdte Predigt vber das Sncu oder ge⸗ a⸗ woͤhnliche Geſang / auß dem H. Propheten Eſaia / ams. Cap. gezogen / welches Anfang alſo lautet: er Jeſaia dem Propheten das geſchahe / daß er im n Geiſt den HeRRE Nſitzen ſahe /ꝛc. Im Text deß heyligen Propheten n lautet es von Wort zu Wort alſo: SEſ Jars / da der Koͤnig Vſia ſtarb / ſahe ich den HEM ſitzen auff einem hohen Fond erhabenen Stul / vnd ſein Saum fuͤllet den Lempel. Seraphim ſtunden vber jhm / ein — jeglicher hatt ſechs Fluͤgel / Mit zweyen deckten ſie jhr Antlitz / mitzweyen deckten ſie jre Füſſe / vnd mitzweyen i flogen ſie. Vnd einer rieff zum andern / vnd ſprach: Heylig / helig heylig iſtder HERR Zebaoth / Alle Landt ſind ſeiner „ Ehren voll / Daß die Vberſchwellen bebeten von der Stim̃ thres Ruffens / vnd das Hauß ward voll Raucht. e Siſt in vnſerer Kirchen allhie / wie auch bey vielen S andern Chriſtlichen Verſam̃lungen / ein lang hergebrach⸗ er Brauch / daß man / wann man das heylig Abendtmal halten thut / gleich im Anfang ſolches Adu, ſampt der Ge⸗ meine zu ſingen pfleget das verleſene Geſieht deß heyligen Propheten Eſai / auß ſeinem ſechſten Capitel. Nun iſt vnſerm lieben HERMMR vnd Gott nicht gedienet / wann wir gleich viel Geiſtlicher Pſalmen vnd Geiſtlicher . ſingen / da . wi 36 Die 1 1II. Predigt vber das Sanctus, wir nicht verſtehen / was der Innhalt deß jenigen iſt / das wir ſin z wie etwa ein vngelehrte Nonn / im Bapſtthumb / den Lateiniſchen Pſal⸗ terfzujhren gezehleten Stunden / zu leſen oder ʒu ſingen pfleget. Dann es iſt Gott ein Geiſt / Johan. am 4. Darvmb / die jhn anbetten / muͤſſen jhn im Geiſt vnd in der Warheit anbetten das iſt / es ſolle vnſer Geſang vnd Gebett alles von Hertzen gehen. Wie kan aber vnſer Geſang vns rechtſchaffen zu Hertzen gehen / wann wir die Wort / diewir ſingen/ ſo wenig verſtehen / als ein Pfeiff oder Harpff / welche auch ein Stim̃ 6 gibt / aber doch ſelbs nit verſtehet / was gepfeiffet oder geharpf⸗ et iſt? Paulus ſpricht 1. Corinth 14. Wann man lang in vnbekandter Sprach Pſalmen ſingt: Wie kan das Volck Amen dazu ſprechen / welches ſolche Sprach nicht verſtehet? Wie kan es darauß gebeſſert werden? Eben alſo! da wir ſchon in bekandter teutſcher Sprach / Pſalmen oder Lieder ſingen / wann wir nicht wiſſen / was der Verſtandt ſolcher Wort iſt / die wir ſingen / wir koͤnnen vns doch ja nichts darauß beſſern? Daß alſo / da wir ſchon ſingen / vnd doch den Geſang nicht ver⸗ ſtehen / dardurch weder Goit / noch vns ſelbs / mit ſolchem Geſangge⸗ dienet iſt. Dieweil nun dieſes Euwer Lieb verleſene Kirchengeſang etwas tun⸗ ckels / vnd einen ziemlichen ſchwehren Verſtandt / welcher vielleicht vielen vnter vns vnbekandt / welche ſolches biß daher viel vnd offtge⸗ ſungen haben: So woͤllen wirs zu dieſem mal fuͤr die Handt nemmen / vnd erklären / auff daß wir hinfuͤro verſtehen vnd wiſſen / was wir in ſol⸗ chem Geſang ſingen / vnd alſo noch ſo viel deſto luſtiger vnd hertzlicher mitſingen. . Erſtlich aber woͤllen wir lernen / wer der jenige ſey / ſo dem heyligen Propheten Eſai im Geſicht erſchienen. Zum andern / wie oder in was Geſtalt ſolcherjhme erſchienen. Zum dritten / wozu er alſo erſchienen. Zum vierdten / weſſen ſich ein jeder Chriſt verhalten ſolle / auff daß erjhme auch zu gutem alſo erſcheine. Wir woͤllen kurtz hindurch gehen. Der Hx R gebe die Gnad ſeines heyligen Geiſtes dazu / Amen. Der — — 2 Auß dems. Capitel Eſaiæ. 37 Der heylig Prophet Eſaias ſchreibt am ſechſten Capitel / laut vn⸗I. ſers Geſangs / er habe geſehen den HERRMC jehnua) Vnd weiter: Die zween Seraphim ſtunden vber jhm / vnd ſchryen dem HERM zu: Heylig iſt der HRRl EMord. Nun iſt vnd heiſt die gantze heylige Dreyfaltigkeit (vnd alſo alle drey Perſonen deß heyligen Goͤttlichen Weſens ſamptlich) der heylig HoA. Alſo leſenwir / Exodiam ſechſten Capitel/ Gott redet mit Moſe vnd ſprach: Ich binder He NR vnd bin erſchienen Abraham / Iſaac vnd Jacob / daß ich jhr allmaͤchti⸗ ger Gott ſeyn wolte: Aber mein Nam/ Ve d (Iebuua) iſt jhnen nicht offenbahret worden. Dann dieweil die dreh Perſonen der heyligen Gottheit ein einiges Goͤttliches Weſen / vmb ſolcher Einigkeit willen deß heyligen Gottlichen Weſens / iſt vnter ſolchen dreyen/ jede Perſon inſonderheit auch der warhafftige IEMoA oder HæR. Alſo bezeu⸗ get auch das mnbolum Arhanaſi: Der Vatter iſt der HERRder Sohn iſt der Hñ / der heylig Geiſt iſt der HRR: vnd ſind doch nicht drey HERRMſondern es iſt ein HER. Demnach iſt nun die Frag / welchen Hx RRR der Prophet E⸗ ſaias hie verſtehe / da er ſpricht Erhabe den HEMRM geſehen: Ober geſehen habe die gantze heylige Dreyfaltigkeit/ vnd alſo alle drey Per⸗ ſonen ſaͤmptlich / doch vnterſchiedtlich Bder ob er nur eine Perſon in⸗ ſonderheit geſehen habe deß heyligen Goͤttlichen Weſens? Vnd da er nur eine Perſon der heyligen Gottheit geſehen / ob er geſehen habe den HR) den Vatter / oder den HERRN/ den Sohn oder den HRn ) den heyligen Geiſte So wir nunden Tertbeſehen / findet ſich / daß der Prophet von dem HERRRwelchen er geſehen / redet/ wie von eiem Menſchen: Als /erhab jhn geſchen ſitzen auff einem hohen vnd erhabenen Stul. Nun leſen wir Johannis am erſten Capitel⸗ daß das Wort (vndalſo die Ander Perſon deß heyligen Göttlichen Weſens / nemlich der Sohn Gottes) Fleiſch oder Menſchworden. Alſo ſchreibet Danielimꝰ. Ca⸗ pitel von dem Sohn Gottes den er geſehen habe / als die Stul geſest waren / in einem Geſicht deß Nachts / kommen in deß Himmels Wol⸗ cken als eines Menſchen Sohnbiß zu dem Altẽ / der gabejme Gewalt! E iij Ehr * 35 Die! III. Predigt vber das Sanctus, Ehrvnd Reich /daß jhmalle Volcket /Leut vnd Zungen dienen ſolten Sein Gewalt iſt ewig /xc. Es ſchreibt auch Eſaias weiter / daß der HæR / welchen er geſehẽ/ angezogen ſeye geweſen/ mit einem langen Talar oder Kleyd. Nun ſt⸗ het ſonſten geſchrieben / Gen. 49. Daß Jacob / da er von dem kuͤnfftigen Siloh weiſſaget / vnter anderm auch gedeucket / wie ſolcher Suloh wer⸗ de mit einem Mantel bekleidet ſeyn / vnd ſolchen ſeinen Mantel eyntau⸗ chen in Weinbeer Blut. Vnnd weiſſaget daſelbſten Jacob von der an⸗ dern Perſon der heyligen Gottheit / nemlich von dem Sohn Gottes / welcher ſich werde verkleyden in vnſer Fleiſch / vnnd ſolches Kleyd / mitt⸗ lerzeit roht faͤrben / nemlich in ſeinem eygenen Blut / an ſeinem bittern Leyden vnd Sterben. Demnach / da wir Schrifft gegen Schrifft halten / finden wir biß daher ſo viel / daß der Prophet Eſaias / als er den HxR bekleidet / oder in eines Menſchen Geſtaltgeſehen / in ſolchem Geſicht die ander Perſon imheyligen Goͤttlichen Weſen geſehen habe / nemlich den Son GD TTES / nicht aber bloß oder nur allein in ſeiner Gott⸗ heit / ſondern in ſeinem Rock / den er angezogen / das iſt / ſolcher Ge⸗ ſtalt / wie er ſich mittler Zeit in vnſer Fleiſch vnnd Blut verkley⸗ det hat. Sonderlich aber haben wir ſolcher vnſer Außlegung einen vnver⸗ werfflichen Zeugen/ im Neuwen Teſtament / nemlich Johannem den heyligen Euangeliſten / welcher dieſen Text Eſaix lauter vnd klar auß⸗ gelegt hat von Chriſto / Gottes vnd deß Menſchen Sohn / Johannis amzwoͤlfften. Dann als Johannes daſelbſten einen langen Spruch auß dem verleſenen Txt vnſers Propheten Eſais am ſechſten Capitel angezogen / hat er es endtlich daſelbſt beſchloſſen mit dieſen Worten: Solches ſaget Eſaias / daer ſein(nemlich Chriſti) Herrlichkeit ſahe / vñ redet von jhm. So haben wir nun hiermit einen klaren Spruch hey⸗ liger Schrifft / daß der Prophet Eſaias an dieſem Ort habe im Geiſt geſehen den HERRo Ehriſtum / Gottes vnnd deß Menſchen Sohn! vnd alſo vnſern HERRE Rli. Corinth. 8. Der vns erkaufft hat/ ꝛ. Petriz. Vnd — Auß dem s. Capitel Eſai. 39 Vnd ſolle vns hieran nichts hindern / daß die Seraphim ſolchem Hn / laut deß Teyts / zu dreyenmal zugeruffen: Heylig / heylig / heylig iſt der HRRZebaoth. Welches bey jemandt ein Anſehen haben mochte / als ob derjenige HR / welchen der Prophet Eſaias hie im Geiſt geſehen / nit nur die eine Perſon deß H. Göttlichen Weſens / nem⸗ lich der Sohn Gottes oder Chriſtus / ſonder alle drey Perſonen ſampt⸗ lich geweſen were. Dann ob wol Chriſtus nur iſt eine beſondere Perſon deß heyligen Gottlichen Weſens / ſo iſt doch Chriſtus nach ſeiner Goͤtt⸗ lichen Natur mit den zweyen andern Perſonen der heyligen Gottheit / nemlich mit Gott dem Vatter / vnd Gott dem heyligen Geiſt / ein eini⸗ ges vnzertrenntes Gottliches Weſen. Demnach der Sohn Gottes nit kan geehret werden / es werden zumal auch ſampt jhm geehret / Gott der Vatter vnd Gott heyliger Geiſt. Vnd ob wol allein Chriſtus / vnd nicht zumal auch Gott der Vat⸗ ter vnnd Gott heyliger Geiſt vnſer Kleyd angezogen vnd Menſch wor⸗ den: So hat doch Gott Vatter vnd Gott heyliger Geiſt mitgewircket / biß daß Chriſtus Gottes Sohn / vnſern Rock / das iſt / vnſer Fleiſch vnnd Blut angezogen / zu vnſerer Erloͤſung. Dann es hat Gott der Vatter den Sohn darzu geſandt: So iſt er durch Wirckung Got⸗ tes deß heyligen Geiſtes / in der Jungfrauwen Leib / Fleiſch vnnd der Heylig worden: Daß alſo ja billich in C H R J S T D nicht nur der Sohn Gottes / ſondern in Chriſto / Gott Batter auch vnnd Gott heyliger Geiſt / vnnd alſo alle drey Perſonen ſamptlich von den Seraphim / fur den heyligen H E R R E N/ gelobet vnnd geprie⸗ ſen werden. So ſchreibet auch der heylige Apoſtel Paulus außtrucklich / Co⸗ loſſ.⁊. Daß in Chriſto wohne alle Fuͤlle der Gottheit Leibhafftig / vnnd demnach ſolcher Geſtalt / daß / welcher nun Gott den HRRNvnnd alſo Gott den Vatter / vnd Gott den H. Geiſt nicht weniger / als Gott den Sohn) ſuchen vnd finden ſolle / ſolcher Gott / den HErrn / nu nicht auſſer Chriſto / ſonder in Chriſto ſuchen vnd finden muß. Darvmb dañ die heylige Seraphim freylich recht thun / daß ſie hie das Sanctus drey⸗ mal repetiern vnd widerholen / vber dem HErrn Chriſto. Dañ ſie Sur inhri⸗ 11. 40 DielII I. Predigt vber das Sanctus, in Chriſto/ dem Sohn Gottes / auch zumal G tt dem Vatter / vnnd Gott H. Geiſt. nd dieſes iſt die Vrſach / damanin dieſem Geſang dieſen Pun⸗ cten ſinget / nemlich: Heylig / heylig heylig iſt Gott der ERR Pe⸗ oth / daß die Gemein/ ſonderlich vnſer Jugendt / uffſhre Knienider⸗ faͤllet. Dann wir ehren als dann mit den heyligen Engeln oder Sera⸗ phim hie in dẽ HRRN Chriſto / auch zumal den HERRñ / den Vat⸗ ter / vnd den HxR den heyligen Geiſt / vnnd alſo die gantze heylige Dreyfaltigkeit. In was Form vnd Geſtalt aber iſt der Hæ MR Chriſtus dem heyli⸗ gen Propheten Eſaiæ allhie erſchienen? Nicht in Knechtsgeſtalt / wie er hie auff Erden von ſeiner Menſchwerdung an biß in ſeinen Todt / ſchlechtvnd vcracht erſchienen vnd vmbgewandelt Sondern es iſt der HRChriſtus hie dem Propheten Eſaiæ erſchienen wie er ſitzet auff einem hohen vnnd erhabeuen Stul. Was iſt denn der Stul/ darauff Eſaias Chriſtum ſitzen geſchen⸗ Da ſoll jhm keiner eynbilden den hohen Stul Salomonis/ welcher hat ſechs Stuffen . Reg. 10. Als wann Chriſtus ſaͤſſe auff einem ſolchen materialiſchen / leiblichen Stul: Sondern es iſt durch dieſen hohen Stul / darauff Eſaias den HxMRM Chriſtum im Geiſtgeſehen fuͤr⸗ gebildet / der jenige Sitz / darvon wir in vnſerm Chriſtlichen lauben bekennen: Erſitzet zur Rechten Gottes ſeines himmliſchen Vatters! der jenige Sitz / welcher heiſt / Luc.⁊ꝛ. vnnd Matth. 26.) die Rechte der Krafft Gottes: Die Rechte der Majeſtaͤtt in der Hoͤhe/ Heb.i. Es iſt fuͤrgebildet der Stul/ welcher genennet wirdt( Heb.8.der Stul der Majeſtaͤttim Himmel. Freylich ja iſt ſolcher Stul ein hoher vnnd erhabener Stul. Dann er reichet weit vber alle Fuͤrſtenthumb / Macht! Gzewalt / Herrſchafft vnd vber alles / das da kan genennetwerden! nicht allein in dieſer / ſonder auch in der zukuͤnfftigen Welt Epheſ.. Eriſt der Stul / welcher reichet vber alle Himmel/ Epheſ. 4. Heb. 7. Dann er iſt der Stul Gottes deß Allerhoͤchſten ſelbſt Heb.u. — Darvmb ſpricht Johannes der Euangeliſtu. Capit.) Sin der S ro⸗ — — — — — 5 t Auß dems. ayitel Eſaie 31 „ rophet habeden HERRM Chriſtum geſehen in ſeiner Herrhchteit. hatjhn geſehen in der jenigen Herrlichkeit/ in welche er nach ſeinem angenommenen Fleiſch / als er ſich ʒuvvr ernidriget hat / auffge⸗ nommenwordenſn. Timoth.z. Welche Herrlichkeit iſt die Herrlichkeit Gottes deß Vatters/ Philip.⁊. Darinnen er jetzt muß regieren vnnd herrſchenſ. Corʒ · Gieich wie er zuvor leyden vnd ſterben muſte/Lucæ am vier vnd ʒwantzigſten. 3 Es iſt auch weiter wol ʒu mercken / daß er / Chriſtus / laut deß Texts in vnſerm Propheten Eſaia/nicht nur als wahrer Gott / vnd alſo auſſer vnd ohn ſeine angenommene Menſchheit / ſondern in ſeinem Kleyd / vnd alſo in vnſerm angenommenen Fleiſch den Tempel fuͤllet. Durch den Vempel verſteht der H. Prophet Eſaias nicht nurden euſſerlichen zu Jeruſalem(wiewol Chriſtus / vnd alſo Gottes Sohn in ſeinem angenommenen Fleiſch / dieſen auch erfuͤllet hat /nicht allein ſolcher Geſtalt / daß er darinnen leibhafftig gegenwaͤrtig gewe⸗ ſen / ſondern / daß er ſolchen auch mit ſeinen gewaltigen Predigten vnd herriichen Wunderzeichen kraͤfftiglich erfullet)auchnicht nur das Juͤ⸗ diſche Landt vnd Volck ſonder den gantzen Geiſtlichen Tempel / wel⸗ cher iſt ſein heylige Chriſtlicheirch /außgebreitet vnnd ʒuſtrewet in die gantze weite Welt. Vnd dieſen Verſtandt bringet mit ſich / daß die H. Seraphim im verleſenen Text Chriſto zuſchreyen / daß ſeiner Herrlich⸗ keit voll ſey / nit nur der Tempelzu Jeruſalem / vder das Juͤdiſche Land/ ſondern die gantze Welt. Dann es ſolle niemandt gedencken / als wann Chriſtus nicht ſelbſt perſonlich der gantzen Weltgegenwaͤrtig were/gleich als wann nur die Herrlichkeit E H R J S TJ die gantze Welterfullete! Chriſtus aber ſelbſt Perſoͤnlich allerdings ſchlecht vnnd ohn Vnterſcheidt von der Welt abweſendt were: Gleich wie etwan eines groſſen weltlichen Potentaten Gewalt oder Herrlichkeit ſchier die ganbe Welt erfuͤllet / oder in aller Welt bekannt iſt / da ſchon er ſelbſt fuͤr ſein Perſon dar⸗ vmbnicht zumal in aller Welt / ſondern zumalweiter nicht dann an ei⸗ nem gewiſſen kleinen Brtlein der Welt gegenwaͤrtig iſt: Sondern die Herrlichkeit Chriſti / darvon hie der Prophet redet / verſtehen von einer 412 Die 1III. Predigt vber dazanctus, riner ſolchen Herrlichkeit/ wo die liebe Apoſteln predigten in der gan⸗ tzen weiten Welt / daß alldaChriſtus / Gott vnd Menſchenicht aber nach ſeiner menſchlichen Natur / weſentlichen / Eygenſchafften / ſondern in Krafft der vnd durch die ewige Herrlichkeit Gottes) ſelbſt perſoͤnlich ge⸗ genwaͤrtig were / vnd durch der Apoſtel Dienſtin Krafft deß H. Geiſtes gegenwaͤrtig wirckete / in der Menſchen Hertzen. Al ſo ſchreibet Marcus amis. Cap. Sie giengen auß vnd predigten an allen Brtern / vnnd der HErr wircket mit jhnen / vnnd bekraͤfftiget jhr Wort durch mitfolgen⸗ de Zeichen. Dieſes heiſt/ was hie der Prophet ſagt von Chriſto / Deß Hæn Saum fuͤllet den Tempel / vnd alle Landt ſeynd ſeiner Ehr voll: Nicht in dieſem Verſtandt / daß Chriſtus mit ſeinem Kleyd oder Saum / das iſij mit ſeinem angenommenen Fleiſch / ſeine Kirche vnnSlaͤubige / oder ſeine Apoſtel vnd Zuhorer erfulle grober/ leiblicher Weiſe / oder ſeinem vmbſchriebenen Wefen vnd Vbi nach / mit Haut / Haar vnd Gebein /tc. ſondern daß auch das Kleyd oder der Saum Chriſti / das iſt / ſein ange⸗ nommenes Fleiſch ( ob es wol ſeinem vmbſchriebenen / menſchlichen Weſen vnd Eygenſchafften nachjetzo im Himmel / vnd ſolcher Geſtalt nicht auff Erden) Jedoch in Gott / vnd durch Gott / mit welchem es ein Perſon/ vnnd alſo nach Art der Herrlichkeit vnd Krafft Gottes den Tempel / die Apoſtel vnnd Glaͤubige / vnd alle Landt / ja die gantze Wele gegenwaͤrtig habe ſolcher Geſtalt auch widervmb jhnen gegenwartig ſeye / in jhnen durch Krafftdeß H. Geiſtes gegenwaͤrtig wircke / vnd alſo ſeineKirch vnd Glaͤubige(ſonderlich)in allen Lande gegenwaͤrtig erful⸗ le durch ſeinen perſoͤnlich vereinigten / vnerſchaffenen / Gottlicht Geiſi mit allerley heylſamen Gaben /zujrer Beſſerungvnd Seligkeit. Von dieſer Erfuͤllung haben wir Verheiſſung von Chriſto ſelbſt / Matthæi am achtzehenden: Wo zween oder drey in meinem Na⸗ men verſammlet ſeyn / bin ich mitten vnter jhnen: Vnd Matthæi am acht vnnd zwantigſten: Sihe / ich bin bey euch allezeit / biß zu Ende der Welt. Von dieſer Erfuͤllung ſchreibet auch Paulus zun Epheſ.am4. Einem jeglichen vnter vns iſt gegeben die Gnad / nach dem Vah — — — — — — — — —— —— Auß dem s. Capitel Eſaiæ. ₰. Gab Chriſti. Darvmb ſpricht er: Er iſt auffgefahren in die Hohe / vnd hat das Gefaͤngnuß gefangen gefuͤhrt / vnd hat den Menſchen Gaben egeben. 2 Dann gleich wie er / der hinvnter gefahren iſt / derſelbige iſt / der auff⸗ gefahren iſt vber alle Himmll / auff daß er alles erfuͤlle: Alſo hat er(ſon⸗ derlich) etlichedurch ſeine Gaben) zu Apoſteln geſetzt / etliche aber zu Propheten /etliche zu Euangeliſten / etliche zu Hirten vnd Lehrern!/ auff daß die Heyligen ʒugericht werdẽ zum Werck deß Ampts dadurch der Leib Chriſti erbauwetwerde. 2 Daß aber der heylige Prophet Eſaias / da er von der angenom̃e⸗ nen Menſchheit Chriſti redet / nit ſpricht: Sein Kleyd fůllet den Tem⸗ pel/ſondern nur: Seines Kleydes Saum fuͤllet den Tempel: Iſt da⸗ hin nicht zu verſt hen / als wann Chriſtus nur mit den euſſerſten Glie⸗ dern ſeines Fleiſches den Tempel fuͤllet / vnd die vbrigen Glieder ſeines Fleiſches weren auſſerhalb deß Tempels ( Dann es laͤſt ſich Chriſtus dieſes Falls niergendt theilen) Sondern es hat ſeinen beſondern fei⸗ nen Verſtandt. Wir woͤllen hievon reden / ſo gut wirs verſtehn / vnd woͤllen doch dar⸗ vmb durch Gottes Gnad nichts reden / welches H. Goͤttlicher Schrifft vnd vnſerm Chriſtlichen Glauben zu wider ſeyn moͤchte. Esweiß E. L. wann einer nach dem andern greiffet / er ergreifft o⸗ der erwiſchet yhn am aller bequemeſten bey einem Saum oder Zipffel ſeines Kleyds. Alſo leſen wir Lucæ am achten: Als das arm kranck Weiblein da⸗ ſelbſten Chriſtum erwiſchet / daß es jhn bey ſeines Kleydes Saum er⸗ wiſchet hat. Demnach / da hie der Prophet Eſaias bezeuget / er habe geſehen / wie Chriſtus mit ſeines Kleids Saũ den Tempel erfullet hab / hiemit gibt er zu verſtehn / daß Chriſtus ſeiner Kirch woͤlle nit nur ſchlecht gegẽwaͤrtig / ſonder alſo gegenwaͤrtig ſeyn: Er wolle dariñen ein Saum ſeines Kleids darbieten / bey demſelben woͤlle er ſich erwiſchen laſſen / auff daß / da wir jhn alſo bey ſeinem Kleid halten / wir dabey gewiß ſeyn koͤnnen / wir ha⸗ ben jn hey vns mit allen Gnaden. 5 1 Was 44 Die IIII. Predigt vber das Sanctus, Was iſt dann nun das jenige in ſeinem Tempel oder vnter ſeinen Glaͤubigen / dazu er ſich mit dem Saum ſeines Kleids verbunden daß wirjn daſelbſt erwiſchen moͤgen: Es iſt nemlich ſein heyliges gepredig⸗ tes Wort / vnd ſein H. Sacramenta. 8e6 gep Dann in der. Tauff iſt Chriſtus nit nur gegenwaͤrtig / ſonderner ſt auch da / als mit ſeines Kleides Saum / vnd wil ſich darbey erwiſchen laſſen. Es gibt ja Chriſtus inder . Tauff durch das Mittel deß Waſ⸗ ſers / den Getaufften den H. Geiſt / durchwelches Krafft vñ Wirckung ſie jn nemlich Chriſtum)mit Glauben ergreiffen vnd erwiſchen köſen. Dieſes iſts / das Paulus ſchreibt Gal ʒ. So vielewer getaufft ſeyn / die haben Chriſtum angezogen. Alſo iſt Chriſtus bey der Predigt ſeines Worts / nit nur gegenwaͤr⸗ tig / ſondern er iſt auch da / mit ſeines Kleydes Saum / vnnd wilſich / ver⸗ mittelſt ſolches /in Krafft ſeines Geiſtes / von den Zuhorern dermaſſen ergreiffen laſſen / daß er dardurch injhnen wircken / vnd das jenige fort⸗ wil / was er in der hehligen Tauff zu jhrer Seligkeit angefan⸗ gen hat. . Es iſt auch Chriſtus dem geſegneten Brot vnnd Wein im heyligen Abendtmalgegenwaͤrtig / in Krafft ſeiner Gottlichen Herrlichkeit mit ſeines Kleides Saum (wie dann Chriſtus in der Eynſaͤtzung deß H. A⸗ bendtmals ſein Kleyd mit Namen nennet / da er ſpricht: Das iſt mein Leib / Das iſt mein Blut)vñ wilſich allda / vermittelſt Brots vñ Weins / erwiſchen / nemmen eſſen vnd trincken laſſen. Vnd darvmbpfleget man auch diß Geſicht deß heyligen Prophe⸗ ten Eſaię in vnſer Chriſtlichen Gemein zu ſingen / bey der Haltungdeß heyligen Abendtmals / dieweil ſich Chriſtus im heyligen Abendtmal ſonderlich darbietet vnnd erwiſchen laͤſt / vnd wil / vermittelſt Brots vnnd Weins / durch ſeines Kleydes Saum / Das iſt / durch ſein Fleiſch vnnd Blut / in Krafft ſeines Geiſtes in vns heylſamlich wircken. Daß alſo ein jeder / welcher die heylige Tauffempfangen / oder das Wort Gottes mit Andacht gehoͤret / oder das heylige Abendtmal 6 — — c ——,——— Auß dem 6. Capitel Eſaiæ. 45 digempfangen / warhafftig ſprechen kan: Jetzo hab ich mein HRMN Chriſtum recht erwiſchet⸗ gleich wie ein Kindt / welches ſ einem Vatter nach laufft / vnd jhn bey dem Rock erwiſchet / zu dem Vatter ſpricht: Jetzo hab ich dichſæc. Welches alles (nemlich / nicht allein daß Chriſtus im Tempel ge⸗ genwaͤrtig / ſondern in ſeines Kleydes Saum gegenwaͤrtig / vnd mit den euſſerlichen Elementen oder Mitteln / in Krafft ſeines Geiſts / vereini⸗ get iſt / vnd ſich dabey von ſeinen Glaubigen/ zum Heyl vnd Troſtſ er⸗ wiſchen laſt) das Kleydt / das iſt / das Fleiſch vnd Blut Chriſti nicht leyſtet /oder wircket / ſeiner eygen Natur nach / oder an vnd fuͤr ſich ſelbs⸗ ſondern daher / daß es (wie droben der Prophet bezeuget hat) ſo hoch geſetzt vnd erhaben iſt / oder/in Krafft deß Sohns Gottes mit welchem es perſonlich vereiniget iſt/ welcher ſolches wircket/ in Krafft ſeines Geiſts / In/ Mit / vnd Durch ſein angenommen Kleydt / das iſt / durch ſein angenommenes Fleiſch vnd Blut. Wozu erſcheinet aber Chriſtus ſ olcher Geſtalt / in ſeinem Tempell III. oder vnter ſeinen Glaubigen/ oder was fuͤr Gnad wil er beyjhnen wir⸗ cken vnd außrichten? Die Seraphim ſchrepen dem HEMRM Chriſto zu / als er mit ſeines Kleydes Saumden Tempelerfuͤllet hatt: Heylig! heylig / heylig iſt Gott der HERR Zebaoth. Esiſtja Chriſtus heylig ja der allerheyligſte (Dan o.) dann eriſt Gott ſelbs. Es iſt auch Chriſtus der Heylig ſeinem Kleydt nach/ das iſtl nach ſeinem angenommenen Fleiſch. Dann erit / nach feinem Fleiſch! mit dem heyligen Geiſt geſalbet ohne Maß. Es muſte auch Chriſtus! nach ſeinem Fleiſch / heylig ſeyn / auff daß er koͤndte vnſer Hoherprie⸗ ſter ſeyn. Dann alſo ſchreibet der Apoſtel Heb.7. Einen ſolchen Ho⸗ henprieſter ſolten wir haben / der dawere Heylig / vnſchuldig / vnbefleckt/ von den Suͤndern abgeſondert / dem nicht täglich noht were / Dpfferzu thun / erſtlich fur ſeine eygene Suͤnde / darnach fur deß Volcks Suͤnde. Es erfůllet aber Criſtus mit ſeines Kleydes Saum ſeinen Tem⸗ pel / nicht fuͤrnemlich darvmb/ daß er allda nur fur ſich prangte mit ſei⸗ ner Heyligkeit / ſondern daß er andere Leut / vnd alſo Alle die jenige! wel⸗ che jhn bey ſeines Kleydes Saum mi Glauben heyligen wil iij mit 46 Die III. Predigt vber das Sanctus, mit ſeiner Heyligkeit / auff daß wir alſo von ſeiner Fuͤlle / wie Gnad vmb Gynad / alſo auch ſein Heyligkeit vmb Gnad (oder auß Gnaden) empfangen. Alſo ſchreibet Paulusi.Cor.i. C Hriſtus iſt vns von Gott gemacht zur Heyligung. Vnd dazu bietet er ſich vns dar / dazu wil er ſich erwiſchen laſſen / erſtlich in der heyligen Tauff / nemlich / daß er vns jhme d 4 d ein Gemein / die heylig ſeye vnd vnſtraͤfflich. Darnach bietet er ſich vns auch dar ʒu ſolchem Endt in dem gepre⸗ digten Wort ſeines heyligen Euangelij / als der jenige / welcher ſich ſelbs fur vns Gott ſeinem Vatter geheyliget / Johan. amm. Cap. auff daß wir alſo / vermittelſt deß Euangelij/ein Dpffer wurden / Gott ange⸗ nem̃ / vnd auch geheyliget durch den heyligen Geiſt / Rom. 1. Dazu bietet erſich auch dar / vndlaſt ſich erwiſchen im heyligen A⸗ bendtmal / auff daß wir nemlich mit jhm / zu einem Geiſt / getraͤncket werden / das iſt / auff daß er / vermittelſt Brots vnd Weins / durch ſein Fleiſch vnd Blutj in Krafft ſeines Geiſts/ vns nahe vnd nahejhm noch gleichfoͤrmiger / vnd alſo (nach der Maß / Rom.x. Epheſ.4.) hey⸗ IIII. lig mache / gleich wie er heylig iſt. So dann C Hriſtus alſo iſt in ſeinem Tempel / daß er ſich wil erwi⸗ ſchen laſſen zu vnſerer Heyligung: Wie ſollen dann wir vns halten / daß wir jhn vns alſo zueignen vnd applicieren / damit auch wir durch jhn geheyliget werden? Eſaias ſchreibet weiter in dem verleſenen Teyt: ais die Seraphim dem Hx RRN Chriſto das Saniu zugeſchryen! daß die Vberſchwellen deß Tempels bebeten von der Stim̃ jhres Ruffens: vnd das Hauß wurde voll Rauchs. Zur Zeit deß Alten Teſtaments / wann ſich GOtt hat hoͤren laſ⸗ ſen durch eine Stĩ in einerbeſondern Offenbahrung: da hat ſich von ſeiner Stim̃ beweget etwa eine oder andere Creatur / daß ſie erbebeten: Wo er ſich aber hat ſehen laſſen / durch ein ſonderlich Geſicht: geſchahe ſolches gemeiniglich in einem Nebel oder Wolcken / vnd alſogleichſam in ejnem Rauch. Alſo (Exodi am neuntzehenden Capitel) als ſich der HEn auff dem Berg Sinai/ mit Vbergebung derzwo Taffeln ſei⸗ ner Gebott hoͤren vnd ſehen lieſſe: Der gantz Berg Sinai rauchete⸗ darvmb / — — du ſe ſ vn —₰ d 0 t e Auß dem . Capitel Eſaie. 47 darvmb / daß der Hæ RRherab fuhre auff den Berg mit Feuwer / vnd ſein Rauch gienge auff/ wie ein Rauch vom Bfen / daß der gantz Berg ſehr bebete / vnd der Poſaunen Thon warejmmer ſtaͤrcker / Moſe redet / vnd G O T T antwortet jhme laut/ Exod. 40. verſ.34. Da der HE RR wolt durch ein beſondere Offenbahrung zum erſtenmal wei⸗ hen die Hutten deß Stiffts: bedecket ein Wolck die Huͤtte deß Stiffts / vnd die Herrlichkeit deß HERRn fuͤllet die Wohnung / dermaſſen / daß Moſe damalen nicht kondte gehen in die Huͤtte deß Stiffts Derglei⸗ chen Offenbahrung Gottes hat ſich auch gefunden bey der erſten Eyn⸗ weyhung deß Tempels Salomonis / Reg. g. verſeo· Es erfuͤllet ein Wolcke das Hauß deß HE RM) dermaſſen daß die Prieſter nicht ſtehen kondten / vnd Ampts pflegen fuͤr der Wolcken. Dann die Hert⸗ lichkeit deß Hn erfuͤllet das Hauß deß HRRkc⸗ Es wirdt aber in dieſem Geſicht durch ſolches Erbeben der Vberſchwellen vnd den Rauch im Hauß / ꝛc. erſtlich ʒu verſichen gegeben / daß durch die Stim̃ deß Euangelij von Chriſto / die Hertzen der Menſchen kraͤfftig⸗ lich beweget / vnd in denſelbigen entſtehen werde ein Erleuchtung von der Erkaͤnntnuß der Klarheit deß gnaͤdigen Gottes in dem Angeſicht Jeſu Chriſti (wie Paulus davon redet 2. Corinth. 4.) gleichwol werde ſolcher Gnaden Glantz Gottes in den Hertzen der Menſchen (ſo lang wir im Hauß Gottes wohnen hie auff Erden) nur leuchten / als durch einen Rauch vnd Nebel / oder (wie Paulus anderswo ſagt) als in einem Spiegel oder tunckeln Wort:biß das Stuͤckwerck auffhoͤren wirt / vnd wir jhn ſehen werden (im Hauß Gottes im Himmel)wie er iſt / von An⸗ geſicht ʒu Angeſicht /i. Cor.i. ver.10. ⁊. Cor.3. ver.18. 1. Joh.3. vñn. Gleichwol (zum andern) laͤſt es ſich etwas anſehen auß den folgen⸗ den Worten dieſes Capitels verſ.o. (wie auch auß dem Euangeliſten Joßanne Cap.u. ver.39. Jals wolte der HMMhiemit auch andeuteni wie es mit dem Juͤdiſchen Gottesdienſt vnd dem Juͤdiſchen Volck ſon⸗ derlich ergehen werde/ im Hauß Gottes auff Erdẽ / zur Zeit der Offen⸗ barung deß Euãgelij von Chriſto /nẽlich / daß zur Zeit Chriſti / wañ man dʒ Euangelium von Chriſto in aller Welt außruffen vñpredigen werde / als dañ von ſolchẽ Schall / nit ebẽ das euſſerlich Gebaͤw deß Judiſchen Tempyels 43 Die IIII. Predigt vber das Sanctus, Tempels zu Jeruſalem / ſondernvielmehr die Vpffer vnd der gante Juͤdiſche Gottesdienſt deß Altẽ Teſtaments erbeben / vber einen Hauf⸗ fen fallen / vnd zu ſcheittern gehen werde. Dieſes hat nun vor langeſt ſein Endtgewonnen. . Eswere aber ſolches dem Juͤdiſchen Volck noch ein geringes / wenn es dabey bleiben ſolt. Sihe / ſo ſetzet Eſaias noch ein ſchweres hinzu dem S ſpricht: Das Hauß auch gantz voll Rauchs vnd Nebelwar. Vnd weiſſaget hiemit der Prophet Eſaias / es werde das Juͤdiſche Volck ʒur Zeit Ehriſti vnd der Apoſtel / durch die Predigt von Chriſto mehrertheils nicht erleuchtet/ ſondern nur verblendet werden: Dieſes iſt jhrenthalben ja freylich erſt das allerſchreckenlichſt. . Vrſach ſolcher Verblendung iſt dieſe. Dann ob wol Chriſtus der HERRſelbs jhnen von ſeiner Herrlichkeit vnd Verdienſt geprediget ſolche ſeine Predigten fur jhren Augen mit herrlichen Wunderzeichen beſtattiget / vnd alſo ſich / mit ſeines Kleydes Saum jhnen/ daß ſie jhn darbey erwiſchen / hertzlich dargebotten hat: wolten ſie doch ſeiner Pre⸗ digten nicht / als deß ordentlichen Mittels / dardurch Chriſtus injhnen wircken wollen / daß ſie hetten köͤnnen an jhn glauben / vnd alſo nach hm greiffen / daß ſie jhn erwiſcheten (inmaſſen Chriſtus ſelbs vber ſie kla⸗ get / Matth. ⁊3. Wie offt hab ich wollen deine Kinder verſ am̃len / wie ein Hennjhre Kuͤchlin: aber du wolteſt nicht / ꝛc.) ſondern ſie haben Chri⸗ ſtum durch Vnglauben/ Schandt/ Schmach vnd Lãſterung von ſich geſtoſſen / vnd ſich alſo ſelbs deß ewigen Lebens vnwirdig gemacht / Act. 3. daruͤber verhaͤnget Gott / da ſchon Chriſtus den Juͤden geprediget worden/ daß doch dem mehrertheil vnter jhnen der Rauch vnd Nebel ¶davon hie Eſaias Meldungthuſ fur dem Geſicht geſchwebet / vnd ſie es nit ſehen noch glauben kondten: Dder (wie hernacher in dieſem ſech⸗ ſien Capitel Eſaiæ der HMR hievon jhnen weiter redet / vnd Johan⸗ nes auß dieſem Capitel / in ſeinem Euangelio amu. ſchreibet) jhre Au⸗ gen waren verblendet / vnd jhre Hertzen verſtocket / daß ſie mit den Au⸗ gen nicht ſehen / noch mit den Hertzen vernemmen kondten. Esware hnen (als denen / welche verlohren werden) das Euangelium verdecket / wie f⸗ n in 1 he ſo ( t . in 1 t. e ſi h⸗ 1 1 1 it 1 Auß dems. Capitel Eſaiæ. 49 wie Paulus ſagt/⁊. Cor. 4. welchen / auß Verhaͤngnuß Gottes / der Goit dieſer Weltljhre Sinn verblendet hat daß ſie nicht ſahen das hel⸗ le Liecht deß Euangelij von der Klarheit Chriſti / ja dardurch auch nur aͤrger worden ſeyndt:wie dann eben dahero Paulus das heylig Euan⸗ gelium nennetein Ergernuß den Jůden / vnd ein Geſchmack deß Todts zum Todtſ. Corinth.i.⁊. Cvrinth.⁊. Wir vnſers Theils (als nicht Juůden / ſondern Chriſten) dieweil ſich Chriſtus vns ſo freundtlich vnd holdtſelig offenbahret vnd darbie⸗ tet in ſeinem Wort vnd heyligen Sacramenten / ſollen billich ſolche Mittel nicht / wie die halßſtarrige Jůden⸗ muhtwillig von vns ſtoſſen / verſaumenvndverachten: Sondern mit hoͤchſtem Fleiß vnd Andacht beſuchen / auff daß wir dardurch / in Krafft deß heyligen Geiſts/ er⸗ leuchtet / erſtlich vnſere Suͤnd demutiglich erkennen vnd hertzlich be⸗ reuwen / vnd dann mit Begierd vnnd Freuden nach C riſto greif⸗ fen / vnnd jhn recht erwiſchen / nemlich / mit rechtem wahrem Glauben. Dann Chriſtus ſpricht von der heyligen Tauff / Marci am letzten: Wer glaubet vnd getaufft wirdt / der wirdt ſelig. Alſo wil Chriſtus auch in dem gepredigten Wort ergrieffen ſeyn! nemlich mit rechtem wahrem Glauben. Dann das Euangelium iſt ein Krafft GOttes/ ſelig zu machen / denen! die daran glauben / zun Roͤ⸗ mern am erſten Capitel. Gleicher Geſtalt muß Chriſtus zu vnſerm Heyl / auch im heyligen Abendtmal ergrieffen werden / nemlich! im Glauben. Es pruffe ſich ſelbs zuvor der Menſch (ſpricht Paulus in der erſten Epiſtel zun Corinthern am eylfften Capitel) vnd alſo eſſe er von dieſem Brot / vnnd trincke von dieſem Kelch. Er ſolle ſich aber pruͤffen/ erſtlich darinnen / nemlich / ob er ernſtliche Reuw vnd Leydt habein ſeinem Hertzen vber ſeine Suͤnd. Darnach ſolle er ſich auch pruͤffen (in der andern Epiſtel zun Corinthern am dreytzehenden Cap.) ob er im Glauben ſey. Solches lehren vns auch die heyligen Engel oder Seraphim hie/ mit jhrem Exempel/ da ſie (wie Eſaias hie ſchreibet) mit zweyen Fluͤgeln jhr Antlitz bedeckten / vnnd mit andern zweyen — . jhre ——— —— 50 Die IIII. Predigt vber das Sanctus, jhre Fůß. Dann es weiß Euwer Leib / wann ſich einer ſehr ſchaͤmet / ſo bedeckt er ſein Angeſicht / vnd darff ſich nicht ſehen laſſen: Alſo bedecken die Seraphim hie jhre Angeſichter fuͤr dem Hn / ſie (wie heylig ſie auch ſeyn / an jhnen ſelbs) muͤſſen ſich doch ſchaͤmen fuͤr der Vn⸗ endtlichen Heyligkeit deß HxRRMChriſti. Da ſich nun die heylige Seraphim oder Engel Gottes (welche doch allerdings ohne Sůnd vnd heylig) ſich ſchmen muͤſſen gegen der oder fůr der Heyligkeit deß H gRRM Chriſti: Wieviel mehr / wann Chriſtus ſich Vns darbietet in ſeinem Wort vnd heyligen Sacramen⸗ ren /ſollen Wir erkennen vnſer Vnwirdigkeit / vns fur jhm / als dem al⸗ lerheyligſten / hertzlich ſchaͤmen / vnd ſprechen mit dem heyligen Pro⸗ pheten im neundten Capitel: Tibi Domine gloria, Nobis autem con- FAc1RvM DuH gx biſt gerecht: Wir aber muͤſſen vns aͤmen. Wir haben vnſere Jůß / das iſt / vnſern Wandel / mit mancherley ſchwehren Suͤnden beflecket. Darvmb dann wir viel bi llicher / dann die heylige Seraphim / vber vnſere heßliche Fůß / die Flugel hencken / das iſt / hertzlich vns bekuͤmmern ſollen. Die Seraphim (ſchreibet Eſaias) breyteten noch andere zween Flugel auß / vnd flogen daher / fuͤr dem Angeſicht deß HERM Chri⸗ ſti: Alſo laſt vns auch / nach dem wir vnſere Suͤnde erkandt / vnſere Fluͤgel / das iſt/ die Haͤnde vnſerer Hertzen außſtrecken / vnd damit CRJ S TV M ewiſchen bey feinem heyligen Kleydt / vnd mit ſolchem ſeinem Kleydt / das iſt / mit ſeiner Heyligkeit vnd Gerechtigkeit / vnſer ſchaͤndtlich Antlitz vnd Fůͤß / fuͤr Gott bedecken. Als dann / gleich wie er (der HxRR CHriſtus) bey den verkeh⸗ rreten Juͤden verkehret iſt / das iſt / er verhaͤnget / daß die verkehrete Juͤ⸗ den (wann ſie horen den Schall deß Euangelij) vmb jhrer vnbußfer⸗ ttigen Hertzen willen / durch Wirckung deß Satans / nur je laͤnger je verkehrter werden: Alſo wirdt er beh vns ſeinen Heyligen / heylig ſeyn das iſt / vns je laͤnger je kraͤfftiger heyligen / durch ſeinen heyligen Geiſt / vnter ſeinen Fluͤgeln erwaͤrmen / vnd ſo wol außbruͤten / daß wir auch an vns ſelbs Jeddern gewinnen / fuͤrk werden / vnd anfan⸗ gen Auß dem s. Capitel Eſaiæ. 55 gen ſollen vber ſich zu fliegen / vnd zu ſtreben nach dem jenigen / was droben iſt / nemlich / nach einem Goͤttlichen Leben vnd Wandel / als die jenige / ſo nun gewaſchen / gerechtfertiget vnd geheyliget ſeyn / durch den Namen vnſers HERRR lesv CRRISTI, vnd durch den Geiſt vnſers G Ottes / in der erſten Epiſtel zun Corinthern am ſechſten Ca⸗ pitel: Biß daß er vns dermalen eins wirdt mit ſeinem Geiſt erfuͤllen allerdings vollkommenlich / welches alsdann geſchehen wirdt: Wann gleich wie hie Eſaias im Geiſt / alſo wir von Angeſicht zu Angeſicht ſe⸗ hen werden den HEMRM Jeſum Chriſtum / kommen vnd ſitzen auff dem Stul ſeiner Herrlichkeit / jhme auch entgegen fliegen / oder (wie Paulus ſchreibet in der erſten Epiſtel zun Theſſalonichern am vierd⸗ ten Capitel) entgegen geruckt in den Wolcken / vnd bey dem HERM bleiben werden jmmerdar: Da wir dann mit den heyligen Seraphim zu ſtimmen / jhme fuͤr ſeine vnauß ſprechliche Wolthaten lobſingen / vnd mit heller Stim̃ ruffen werden / Heylig / Heylig / Heylig iſt Gott der HæRR Zebaoth: Darzu helffe vns bald allen Gott Vatter / Sohn vnd heyliger Geiſt / Amen. Ein kurtze Predigt vber das gewoͤhnliche Weihenacht Geſang. Ein Kindt geboren zu Bethlehem / x. S Jeſes verleſene Geſang iſt ein gemein Weihenacht Geſang / vnd (Gott Lob)ſogemein / daß es ſingen können nicht nur die erlebte gemeine Leyen / ſondern auch das kleine Kindt auff der Gaſſen. Auff daß vns nun ſampt den Wor⸗ ten vnd der Melodey / der Verſtandt vnd Innhalt ſolches Geſangs auch gemein vnd bekandt werde: Darvmb wollen wir es den Ein⸗ faͤltigen zu gutem kurtz erklaͤren: Vnnd darauß drey Stuͤcklein ler⸗ nen: Erſtlich / Wer das jenige Kindt ſey / davon wir in dieſem Lied ſingen / da wir dann hoͤren werden / daß es „ nicht nur ein war⸗ I.Vorſi. 52 Die V. Predigt pafftiger Menſch] ſondern auch zumal der wahrhafftige GOtt. Zum andern warvmb dieſes Kindtlein GOtt e — den / vnd wozu vns ſolches nutz vnd gut ſey. Zum dritten / wie wir jhm danckbar ſeyn ſollen: Der HxR gebe ſein Gnad dazuſ Anfaͤnglich ſingen wir von dieſem Kindt / daß es ſey ! ein Kindt ge⸗ boren zu Bethlehem. Von ſolcher ſeiner Geburts Statt hat der Prophet Micheas lang zuvor geweiſſaget amfuͤnfften Capitel / da er ſpricht: Vnd du Bethle⸗ hem Ephrata / die du klein biſt / vnter den tauſendten in Juda: Auß dir ſoll mir der kommen / der in Iſrael. HERRſey. Inmaſſen auch ſolches erfullet worden / kaut der Euangeliſchen Hiſtorien / Lucæ amꝛ. Cap. So iſt nun ſolches Kindt in der eit / auß ſeiner Mutter Leib/ in der Statt Beihlehemgeboren / vnd demnachein warhafftiger Menſch. Vber diefes Kindes Geburt erfreuwet ſich Jeruſalem. Durch Jeruſalem wirdt hie micht verſtanden eben das euſſerliche Jeruſalem. Dann (wiewirleſen Matth·⁊.) das euſſerliche Jeruſalem ſich der Geburt Chriſti ſo gar nicht gefreuwet hat / daß als ſolche Ge⸗ burt ʒu Jeruſalem / durch die Weiſen (Matth. ⁊. verkuͤndiget worden! alsbald mit dem König Herodes das gantze Jeruſalem ſehr darüber erſchrocken: Sondern es wirdt hie eygentlich verſtanden das Geiſtliche vnd hiliſche Jeruſalem (davon Paulus ſchreibet / Gal. 4. vnd der Apoſtel an die Hebræer amzwolfften Capitel) nemlich die Glaubige⸗ oder das Volck Gottes. So muß nun dieſes Kindt was beſonders vnd hoͤhers / dañ ſonſten ein gemeiner Menſch ſeyn / dieweil ſeiner die Glau⸗ bigen ſo hoch erfreuwetwerden· . Wer iſt es denn⸗ Hie ligt es in dem Krippelein: Ebenmaͤſſig meldet die Hiſtoria von dieſem Kindtlein / Luc· am ⁊. Cap. Maria gebat jren er⸗ ſten Sohn / vndwickeltjhn in Windeln / vnd leget jhn in ein Krippen. Dann ſie hetten ſonſt keinen Raum in der Herberg ſꝛc. Ware alſo das Krippelein im Stall ſein Wigelein. . Sprichſtu: Ich hab vermeyntdu wolleſt mir ein ohe⸗ eit †⸗ 16 e⸗ it ( 1 Pber das gewöhnliche Weyhnachten Geſang. 53 keit weiſen an dieſem Kindtlein: ſo ſagſtu mir erſt võ ſ einer Armuht wie es in einem Stall geboren worden / in der Krippen gelegen ſeye ꝛc. Eine ſolche Herrlichkeit kan noch wol einem jeden Bettler zu theil werden? Antwort. Hoͤr weiter: D ⁰ kleine arme Kindtlein ein groſſer maͤchtiger Hx R vnd zwar ſo groß! ob er wol nach ſ einemFleiſch mit einem Krippe ſeiner Herrlichkeit nach Bethlehem! Jeruſalem! das gantze Juͤdiſche Landt /der gantz Erdbodem der Himmel! ja auch wol aller Himmel Himmel vielzu eng ſhn zu faſſ en vnndzu begreiffen · Dann es iſt dieſes Kindtlein zumal der Sohn Gottes vnd alſo der vnendtliche Gott / vnd der jenige HERR vonwelches Göttlicher! vnendtlicher Herrſ chafft der König Salomon ſpricht/1 Reg. S. Der immelvnnd aller Him⸗ mel Himmel moͤgen jhn nicht verſorgen: Er iſt der jenige HxRRwel⸗ cher ſelber ſpricht/ Eſa. 66. Der Himmel iſt mein Stul / vnd die Erde mein Fußbanck. Es iſt derjenige HErr / welcher ſpricht Jerem az· Ich fulle Himmel vnd Erden. Dann ob woldieſes Kindtlein nach Artvnnd Eygenſchafft ſeiner menſchlichen Natur mit der Krippen raumlich vmbſchrieben: War doch ſeiner menſchlichen Natur in dem vnvmbſchriebenen Sohn Got⸗ tes (mit welchem ſie perſoͤnlich vereiniget) vnd alſo auſſer Ende vnnd Drth! Goͤttlicher Weiß ʒumal gegenwaͤrtig nicht nur der Stall / die Krippe / ſondern alles /Wwas da iſt im Himmel vnnd auff Erden: Db wol ſolche Gegenwaͤrtigkeit allen Creaturen der menſ chlichen Natur! damalen / durch den Sohn Gottes noch nicht offenbar ware! wie nun geſ chihet nemlich nach der Aufferſichungund Himmelfahrt al⸗ Chri⸗ ſtus nach ſolcher ſeiner nenſchlichen Naturzur Kechten Gottes das iſt/ in den volligen Gebrauch ſolcher vnendtlichen / Goͤttlichen Herrſchafft eyngeſetzt worden: Da dann nun ſeinem Fleiſ chvnd Blut au ſſer Raum vnd Ort / in Gottlalle Creaturen / vnd es jhnen gleicher Geſtalt / wider⸗ vmb zu aller Zeit nicht allein allernechſt gegenwaͤrtig iſt: Sondernda auch nun Goͤtt In / Mit vnd Durch ſolches ſein angenommen Fleiſch vnd Blut alle Ereaturen regieret im Himmelvnd auff Erden. Hicher gehoyen folgende Zeugnuß heyliger Sottlicher Schrifft! G iij darin⸗ Verſz. Die V. Predigt dorinnen von der vnendtlichen Herrſchafft dieſes Kindtleins klar vnd p lauter geredt vnd gehandelt wirdt / Als da der achte Pfalm ſprichtꝛ Was iſt der Menſch / daß du ſein gedenckeſt/ vnd deß Menſchen K daß du dich ſein annimpſt⸗ ꝛc. Du wirſt jhn zum HERREM machen vber deiner Haͤnde Werck. Alles haſtuvnter ſeine Fůß gethan. Vnnd da der H. Apoſtel Paulus ſchreibt / Eph.i. Gott hat Chriſtum von den Todten aufferweckt vnnd geſetzt zu ſeiner Rechten im Himmel / vber alle Fuͤrſtenthumb / Macht Gewalt Herrſchafft vnndalles / was ge⸗ nennetmag werden / nicht allein in dieſer Welt / ſondern auch in der zu⸗ künfftigen. Vndi. Corinth. 1p. Chriſtus muß herrſchen / biß daß er alle ſeine Feindt vnter ſeine Fuͤſſe lege: Vndzun Epheſernam vierdten: Er ſtauffgefahren vber alle Himmel auff daß er alles erfuͤllet. Biß daher von der vnendtlichen Herrſchafft Chriſti. Solche vnendtliche Gottliche Herrlichkeit wirt erkandt an dieſem Kindtlein (laut deß dritten Verſ. in dieſem G eſang)von dem Bcholein vnd dem Eſelein / oder / Das Ochoslein vnd das Eſelein / erkannten Gott den HERnſein. Wie muß mã das verſtehn Wir haben ʒuvor geßort / wie der Hauß⸗ wirth zu Bethlehem das Kindtlein ( C hriſtum )in Mutterleib darin⸗ nenlauß der Herberg getrieben habe in den Stall/ vnnd in die Krippen / darinnen ohn Zweiffel / das Viehe / Ochſen vnd Eſel / jr Herberg vndjr Fuder hatten. Daß alſo / da der Haußwirthl der doch ein Menſch)das Kindtlein Chriſtum nit erkannt / vnd jhm nit Raum gegeben in ſeiner Herberg / ſondern es in ſeiner Mutter Leib / wie einen andern Hundt / oder wie ein Viehe auß der Herberg in den Stall hinauß geſtoſſen hat⸗ te / die Bchſen vnnd Eſeln / das iſt / das vnvernuͤnfftige Viehe / hn beſſer erkannt / in dem es in jhrer Herberg jhme Raum gegeben hatte. Eo kan auch wol geſchehen ſey / gleich wie die Eſelin Bileams Num.⁊2. )den Engel deß HErrn im Weg geſehen / vnd erkannt / vnd darvmb auß dem Weg gewichen / welchen doch Bileam (ein Menſch) weder geſehen noch erkannt / Daß alſo vnnd gleicher Geſtalt durch ein beſonder Anruͤhren Goites / das Ochslein vnd das Eſelein im Stallzu Beth⸗ ſen lch d t: nd eh er e⸗ F Vber das gewoͤhnliche Weyhnacht Geſang. 55 Bethlehem dieſes Kindtlein nach jhrer Weiß fuͤr jhren Schoͤpffer er⸗ kennt / vnd ſich fuͤrjm entſetzt / welches noch von den Menſchen zu Beth⸗ lehem mehrertheils vnerkannt vnd vnverehret geblieben iſt. Aber wir woͤllen noch einen andern Verſtandtdieſer Worterfor⸗ ſchen auß heyliger Schrifft / welcher ſich etwas beſſer zu vnſerm Fuͤr⸗ haben ſchicken / vnndzu verſtehen geben wirdt / wie beydes / das Ochslein vnd das Eſelein / Chriſtum das newgeborne Kindtlein / nicht allein fuͤr ren HErrn / ſonder auch fuͤr jhren Heylandtvnd Seligmacher erkeñt vnd angenommen haben. Wir leſen / Deut. az. Daß der HErt verbietet: Du ſolt nit ackern zugleich mit einem Bchſen vñ Eſel. Dieſe Wort warẽ nit nur nach dem Buchſtaben zu verſtehen / ſondern ſie hatten auch ein Geiſtliche Be⸗ deutung. . es war ein Ochs / im Alten Teſtament / ein reines / ein Eſel aber ein vnreines Thier / Leuit. n. So hat es nun dieſen Geiſtlichen Verſtandt: Das Juͤdiſche Volck / (ſo durch den Bchſen bedeutet wor⸗ den) als das rein / heylige Volck Gottes / ſolle nicht(wie es Paulus auß⸗ leget /i.Cor..an einem Jochziehen mit den Eſeln / das iſt / mit den vn⸗ reinen Heyden oder Vnglaͤubigen. Wann wir nun dieſe Außlegung bringen auch in dieſen Verſic.ſo gibt es einen feinen herrlichen vnnd richtigen Verſtandt / nemlich⸗ daß nicht allein der Ochs / das iſt / das Juͤdiſche Volck / ſondern auch der E⸗ ſel / das iſt / die Heyden / vnnd alſo das Ocholein vnnd das Eſelein Chriſtum erkennt haben fur jhren H E R RN vnnd Seligmacher. Dann ob wol Chriſtus fuͤrnemlich kommen vmb deß Ochſen / das iſt/ vmb der verlohrnen Schafe willen im Hauß Iſrael Matthri am fuͤnfftzehenden: Iſt er doch nicht kommen / nur vnnd allein vmb deß Ochſens willen / ſondern daß er ſampt dem Bchſen auch den Eſel vnd alſo beydes das Ocholein vnd das Eſelein / ſo in den Brumnen gefallen/ widervmb auß dem Brunnen zoge / Lut.am4. Er hat ( ſpricht Pau⸗ lus Epheſ.a. die Schiedwandt (dardurch die Heyden vonden Juͤden zuvor abgeſcheiden worden)zubrochen / vnnd auß ſolchen zweyen Voͤl⸗ ckern eins gemacht. Jaer 4.Verſ. Die V. Predigt Ja er hatt den Ochſen / das iſt / das Juͤdiſche Volck / vmb ſeines Vn⸗ glaubens willen / oder daß er mehrertheils Chriſtum nicht erkeůen wolt fuͤr Gott ſeinen HErren / mehrertheils verworffen / vnd hat den Eſelzu Gnaden angenommen / oder wie Paulus ſpricht / die Heyden / als den wilden Belbaum in die Wuͤrtzel vnd Safftim Delbaum eyngepfropf⸗ fet /Rom. u. Das iſts auch / davon wir weiter ſingen im vierdten Verſ. Die Ko⸗ nig auß Sabba kamen dar / Goldt/ Weyrauch/ Mirrhen brachten ſie dar. Dieſer Verſ. iſt gezogen auß demso. Capitel deß heyligen Pro⸗ pheten Efair / da alſo geſchrieben ſtehet· Die Heyden werdenin deinem Liecht wandeln / vnnd die Koͤnige im Glantz / der vber dir auffgehet / . Sie werden auß Sabba alle kommen / Goldt vnd Weyrauch bringen vnd deß HErrn Lob verkuͤndigen. Welches ʒuverſtehen / nicht nurvon den Weiſen auß Morgenlandt/ welche den HErrn Ehriſto ʒu Bethle⸗ hem / Goldt / Weyrauch vnnd Mirrhen geopffert (von welchen vnge⸗ wiß / ob ſie eben Koͤnig geweſen / oder nicht) ſondern es wil der HERR durch den Prophetẽ in gemein zu verſtehn geben / daß auch groſſe.Herrn vnd Haäupter der Welt / auß der Heydenſchafft mittler Zeit bekehrt / vnd Chriſtum furjhren HErrn vnd Gott erkennen werden / vder (wie er Eſ. am 4. Capitel ſagt:) Es werden Mittler geit auch Koͤnige auß der Heydenſchafft Pfleger vnd Seugammen ſeyn deß HErrn Chriſti/ nit zwar an ſeiner ehgenen Perſon / aber doch an ſeinen Gliedern. Dann welcher dem Geringſien vnterden Glaͤubigẽ etwas darbringt / der brin⸗ gets vnd gibt es Chriſto ſelbſt / wie er bezeuget Matthæi am fuͤnff vnnd zwantzigſten Cap. Welches im Werck erfuͤllet worden/ nicht allein (Act..) Als der Kaͤmmerling der Konigin Candaces in Morenlandt⸗ ein gewaltiger vñ groſſer Herr/ durch die Predigt deß heyligen Apoſtels Philippiauß dem heyligen Propheten Efaia bekehret worden / vnnd Chriſtum fur ſeinen Gott vnd HErrnerkennet hat / ſondern da hernacher viel Heydniſcher Koͤnige vnd Keyſer zum Chriſtlichen Glauben getretten / Chriſtum fuͤr jbren HErrnvnd Gott erkennt / vnd jhm zu Ehren nicht allein euſſerli⸗ cher Weiſe / Goldt / Weyrauchvnnd Mirrhen geopffert / das iſt Gelts 56 h t it n d er i e ſö Vber das gewoͤhnliche Weyhnacht Geſang. 5 Gelts vnnd Guts / vnd groſſen Koſten auff die Erhaltung deß reynen Gottesdienſts / vnd Vnterhaltung der armen Chriſten auffgewendet! ſonder vnd ſonderlich auff Geiſtliche Weiß mit Goldt / Weyhrauch vñ Mirrhen / das iſt / auß rechtem Glauben / mit andaͤchtigẽ Gebett / Chri⸗ ſto/ als jhrem HErrnvnd Gott / Ehr gethan vnd gedienet / vnd vmb ſei⸗ net willen das bitter Creutz auch gedultig erlitten / vnnd vberwunden haben. — hat vns dieſer Geſang biß daher die Göottliche Herrlichkeit deß Kindtleins Chriſtt erklaͤret: Nun faͤhret er fort / vnd erklaͤret vns Chri⸗ ſtum weiter / auch nach ſeiner Menſchheit / vnnd zeiget an / wie zwi⸗ ſchen Chriſto vnd andern Menſchen ein groſſ er Vnterſcheidt ſey /nicht nur dahero / daß er(wie biß daher erklaͤret) zumal der allmaͤchtig HErr vnd ewige vnendtliche Gott iſt / ſondern auch nach ſeinem angenomme⸗ nen Fleiſch. Be da ſonſten alle Kinder vonjhren Muͤttern geboren werden / nach gemeinem Lauff der Natur / durch Manns Samen / iſt dieſes Kin⸗ des Mutter (wie vnſer Geſang meldet) ein reine Magdt / nicht zwar in ſolchem Verſtandt / als were Maria die Mutter Chriſti fuͤr jhre Per⸗ ſon / ohne Suͤnde / allerdings rein vnd heylig empfangen vnd geboren/ wie die Papiſten tichten: Dann alles / was auß Fleiſch geboren wirt / das iſi Fleiſch / Johan.. ſonder ſie iſt eine reine Magd an jhrer Jungfraw⸗ ſchafft (inmaſſen wir auch bekennen in vnſerm Chriſtlichen Glauben: Chriſtus ſeye geboren auß Maria der Jungfrawen ) dieweil ſie ohn ein Mann geboren hat / vnd Chriſtum empfangen ohne natuͤrliche Mittel / nur vnd allein durch das Vberſchatten GOttes deß heyligen Geiſtes / Luc.1. Dahero dann auch / da alle andere Menſchen Kinder durch die Schlang / das iſt / den Teuffel / mit Suͤnden vergifftet ſeynd in dem Au⸗ genblick / dariñen ſie gezeuget vnd empfangen werden / Pſalʒi.(Durch einen Menſchen / ſpricht Paulus Roman. ð. iſt die Suͤnde kommen in die Welt) die Schlang (der Satan) dieſes Kindtlein nicht vergifften kondt / Welches iſt worden vnſer Blut ohn Suͤndt / oder(wie der folgen⸗ de ſiebende Verſ. ſpricht) Ob er wol vns gar gleich dem 0 a6 Verſ. . Verſ. 6. Verſ. 7. II. 3. Verſ. 58 Die V. Predigt Das iſt / was das Weſen eines warhafftigen Menſcht anbelanget / nem⸗ lich Leib vnnd Seel ( Dann wie die Kinder Fleiſch vnnd Blut haben / iſt ers gleichermaſſen theilhafftig worden / Heb. ⁊. iſt er doch der Sun⸗ den nach vns nicht gleich. Dann es hatjhn GDTder heylige Geiſt von den Sůndern abgeſondert / in dem erjn an ſeinem Fleiſch in Mut⸗ terleib von allen Suͤnden gereiniget vnd geheyliget hat / zun Hebræern am ſiebenden. Gleichwol iſt Chriſtus nach ſeinem Zleiſch / vb er wol der Suͤnden nach vns nicht gleich worden ( dieweil er fůr ſein Perſon von keiner Suůnd wuſteh. Cor.3.) doch auff ein andere Weiſe / vns etlichermaſſen gleich worden / auch der Suͤnden nach / in dem er frembde / nemlich vnſe⸗ re / Sůndt auff ſich geladen hat / vnnd von Gott fuͤr vns zur Suͤndege⸗ macht worden iſtl⁊. Cor.ʒ. Daher der 40. Pfalm in der Perfon Chri⸗ ſti ſpricht: Es haben mich meine Sůnde ergrieffen / daß ich nicht ſehen kan: Ihr iſt mehr dann Haar auff meinem Haͤupt / vnd mein Hertz hat mich verlaſſen. Dann ob wol Chriſtus keine eygene Suͤnde an ſich gehabt: Hat er doch vnfere Suͤndtzu ſeinen Sůnden gemacht. Dieſes iſts / das Pau⸗ lus ſchreibet Rom. 8. Gott ſandte ſeinen Sohn Similitudine carnis Peccati, das iſt / in der Geſtalt deß ſůͤndtlichen Fleiſches. Darvmb er auch / wie ein anders armes Suͤnden Kindt / in Armuht / in einem Stall geboren worden / vnd in einer Krippe auffdem Vnwehrt liegen: Wie er dann hernacher auch / als were er ein Ertzbub / mitten vnter ʒween Moͤr⸗ S ans Creutz gehencket werden muſt: Dann er truge vnfere Sunde⸗ ſa. 3. Warvmb iſt aber Gottes Sohn vns gleichfoͤrmig vnd ein Menſch worden/ Gar nicht ſeiner Nohtturfft halber / ſonder vmb vnſert willen / Deſſen frewet ſich(wie wir droben geſungen haben) Jeruſalem. Oder: Auff daß er vnsllaut deß achten Berſiculs )jhm machet gleich. Es iſt Chriſtus ein vnſchuldiges Kind / wir aber ſeyndt aller Suͤnden ſchuldig: Sihe / ſo hat Chriſtus in ſeinẽ angenom̃enen Fleiſch vns ſchuldige / auch vnſchuldig gemacht. Dañ in dem er in vnſerm angenommenen Fleiſch vnnd Blut vnſchuldigfuͤrynſere Suͤndtgelittenhatynd geſtorben iſt dat⸗ — —— 1 t 1 Vber das gewohnliche Weyhnachten Geſang. 69 dardurch hat er vnſer Suͤndt hingenom̃en(Joh.i.) auffgehaben vnnd vertilget / daß ſie vns fur Gott nicht ʒugerechnet werden. In dem er aber zumalſich fur vns / vnter das Geſetz gethan / vnd an vnſer ſtatt / den vollkommenen Gehorſam geleiſtet Gott ſeinem himm⸗ liſchen Vatter: Durch ſolchen ſeinen Gehorſam hat er vns auch fur Gott jhm etlicher maſſen gleich in der Gerechtigkeit / oder gerecht ge⸗ macht / Rom.ʒ. Dieweil aber beydes / nemlich das Leyden vnd der Gehorſam Chri⸗ ſti / vns zugerechnet wirdt / einig vnd allein durch den Glauben / welcher nicht in vns waͤchſt auß vnſern eygenen Kraͤfften / ſondern ein Werck Gottes iſt / zun Romern am zwölfften: So hatvns Chriſtus durch ſein Leyden / Sterben / vnnd fuͤr vns erwieſ enen / vollkommenen Gehorſam bey ſeinem Vatter eri. orben Gott den heyligen Geiſt (Titum am drit⸗ ten )welcher durch die Mittel deß gepredigten Worts / vnnd der heyli⸗ gen Sacramenten / den Glauben in vns wircketvnd fortpflantzet / durch welchen wir den Gehorſam vnd Verdienſt Chriſtiergreiffen vnnd vns zueygnen / Chriſtum anziehen / vnd alſo (wievnſer Geſang lautet) fur Gott durch den Glauben jhm gleich gemacht werden. Eben (daß wir deſſen ein grobes Gleichnuß geben )wie dort Jacob ( Geneſ. 37. ſei⸗ nem Bruder Eſau /fur ſeinem alten Vatter Ifaac etlicher maſſen gleich worden / als er deß Eſaus Kleyder angezogen hat. In dieſem Verſtandt ſpricht die Schrifft / daß wir werden durch den Glauben kil/ Dei, (zun Galatern am dritten Capitel) Das iſt / Got⸗ tes Kinder / dieweil vns durch den Glauben der Gehorſam vnd Ver⸗ dienſt Chriſti deß Sohns G D T T E S vnd alſo / auch F IAT0 die Kindtſchafft geſchenckt vnd geben wirt / dardurch wir mit Chriſto FTE TI, das iſt / auß Gnaden angenommene Kinder Got⸗ tes / vñ alſo Chriſto dem naturlichen Son Gottes etlicher maſſen gleich gemacht werden. Ja es hat vns Chriſtus nicht nur erworben / daß wir jhm gleich ge⸗ macht werden in Heyligkeit vñ Gerechtigkeit / durch ſeine vns imGlau⸗ ben zugerechnete / vollkom̃ene Heyligkeit vnd Gerechtigkeit / ſondern er hat vns noch weiter erworben / daß vns der . Geiſt durch die Mittel deß H 3 Worts III. Verſ.9. 60 Die V. Predigt Worts vnd der heyligen Sacramenten/ auch anvns ſelber widergebe⸗ renvnd erneuwern / die Suͤndein vns nahe vnd nahetoͤdten / vnnd vns pflantzen wil nach dem Bildt Gottes zur Heyligkeit vnd Gerechtigkeit/ auff daß gleich wie Chriſtus ein Menſch ohne Suͤnde / alſo wir / an vns ſelber auchjm nahevnd nahe gleich gemacht / vnnd verkläͤret werdenin ſein Bildt / von einer Klarheit ʒur andern/ꝛ. C orinth. 3. Darmit er vns alſo mit ſich braͤchtewie wir weiterſingenʒu Gottes Reichlauff daß er vns auchan dieſem Stuͤck jm gleich machte / nach ſeiner Bitt / Joh. w. Vatter / Ich wil / daß / woich bin/auch die ſeyen / die du mir gegeden haſt) Darinnen ererſt / durch die Fuͤlle ſeines Geiſtes / was er hie auff Erden in vns anfanget / volloͤmmlich außrichten / vnnd vns an leiblicher vnnd Geiſtlicher Klarheitjhm gleichfoͤrmig machen wirdt. Davon ſchreibet Paulus / Philip.z. Vnſ er Buͤrgerſchafft iſtim Himmel / von dannen wil auch warten deß Heylandts Jeſu Chriſti deß HEM/ welcher vnſern nichtigen Leib verklaͤren wirdt / daß er ehnlich werde ſeinem ver⸗ klaͤrten Leibe / nach der Wirckung / damit er kan auch alle Dingjhm vn⸗ terthaͤnig machen / vnd Johannes in ſeiner erſten Epiſtelam ʒ. Capitel alſo: Meine Liebe / wir ſeynd nu Gottes Kinder / vnd iſt noch nit erſchie⸗ nen / was wir ſeyn werden:wir wiſſen aber / wann es erſcheinen wird / daß wir jhm gleich werden ſeyn. Zum Beſchluß / Wie ſollen wir vns dann gegen Gott vnnd dem Kindtlein Chriſto hinwidervmb danckbar erzeigene Solches lehrt vns vnſer Geſang / in dem es vns zu Endt eines jeden Verſiculs furbildet / Halleluia / das iſt /Lobet den HERRM: Sonderlich aber in dem neund⸗ ten vnd letzten Verſ. welcher alſo lautet: Fuͤr ſolche Gnadenreiche Zeit (darinnen nemlich Chriſtus Menſch worden / vnd vns dardurch / daß er vns gleich worden /jhm gleich gemacht / vnd in dem er ſich in vnſer Elend hervntergelaſſen / dadurch vns mit ſich in ſeines Vatters Reich erhabẽ) darfur ſey Gott gelobt in Ewigkeit. Vnndzwar warvmb wolten wir jhn nicht billich dafur loben? Es hat ſich ja deſſen Jeruſalem / das iſt / alle Chriſtglaͤubigeʒu frewen / bil⸗ ich ſollenj hm auch Jeruſalem / das iſt / alle Chriſten / darfuͤr Lob vnnd Danck ſagen. Vnd —— — — — — „ Vber das gewoͤhnliche Weihenacht Geſang. 6 Wnd dieweil nicht allein das Ochßlein / das iſt / etliche auß dem Ju⸗ diſchen Volck ſondern auch das Eſelin / das iſt / wir Heyden / durch die Gnad Gottes deß heyligen Geiſts / vns durch Chriſtum erworben / nun Chriſtum erkennen fur vnſern Gott vnd HxMMwelcher vns / durch ſein ehgen Blut / von der Bberkeit der Finſternuß jhme ſelbs zum Ey⸗ genthumb(Tit.3. Pet.⁊. erkaufft hat/æ. Pet.⁊. Warvmb wolten wir nicht billich / jhn / als vnſern HRRMdafuͤr hertzlich lieben / loben vnd preiſen / vnd jhme opffern das Lobopffer / die Frucht der Lippen / Heb.13. Die Koͤnig auß Saba / vnd (wie Matthæus ſchreibet ⁊. Cap.) die Weiſen auß Morgenlandt brachten jhm dar / das leibliche Goldt⸗ Weyrauch vnd Mirrhen. Dann es ware damalen Chriſtus noch im Standt ſeiner Ernidrigung / vnd bedorffte nach ſeinem angenomme⸗ nen Fleiſch / damalen noch Gelts vnd Geltswehrt zu ſeiner Leibs Nah⸗ rung vnd natuͤrlichen Vnterhaltung. Nun aber / nach dem er zur Rech⸗ ten Gottes erhaben worden / vnd ſeinem Leib nach verklaͤret iſt in einen him̃liſchen Menſchen: bedarffe er fuͤr ſein Perſon nit mehr vnſers euſ⸗ ſerlichen Goldts oder deſſen Geltswehrt / welcher nun vns vom Him⸗ mel herab allerley gute Gaben reichlich gibt vnd mittheilet / Fpheſt 4. 1. Tim.s. Demnach laſt vns jhme nun fuͤrnemlich opffern / vnſere Geiſtliche Lobopffer /1. Pet.2. Begebet euwere Leib (ſpricht Paulus Rom n.) zum Dpffer / das da lebendig / heylig vnd Gott wolgefaͤllig ſey: welches geſchihet / da wir vnſere Leiber begeben vnd machen jhmezu Tempel vnd heyligen Wohnungen (Epheſ.z.) durch den Glauben. jhm angenemmer / dann jrrdiſch Silber vnd Goldt / 1. Pet.1. Da wir aber je jhm mit den Weiſen auch das jrrdiſche Goldt zum Lob vnd Danckopffer ʒu opffern geſinnet ſeyn: So opffere ein jeder ge⸗ trewlich vnd williglich / von ſeinem Silber vnd Goldt / dem Armen vnd Duͤrfftigen. Alſo vermahnet der heylige Apoſtel / Heb. 13. Wolzu thun vnd mitzutheilen vergeſſet nicht. Dann ſolche Bpffer gefallen Gott wol. Vnd ʒwar es wil der HE Chriſtus jhm ſolche Dpffer ſo wol gefallen laſſen / als weren ſie jhme ſelbs perſoͤnlich geopffert worden / wie er ſelbs bezeuget / Matth a. H i Durch e Die VI. Predigt Durch ſolche jrrdiſche Lobopffer werden hernacher die arme duͤrff⸗ tige verorſachet / daß ſie Gott dancken (.Cor.8.) vnd alſo dafuͤr Gote auch bezahlen das Geiſtliche Lobopffer. Ebenmaͤſſig laſt vns jhme nun opffern auch den Geiſtlichen Wey⸗ rauch / das iſt / vnſer andaͤchtiges Gebett / welchs als ein ſuſſer Geruch / dringet durch die Wolcken / fuͤr das Angeſicht Gottes / Syr. 24. vnd 35. Vnd dann auch Geiſtlicher Weiß die bittere Mirrhen: daß wir nicht allein mit Glauben erkennen vnd annemmen / daß er fuͤr vns am Creutz den bittern Todt erlitten hat / ſondern (da es jhme alſo wol⸗ gefaͤllig) bereit vnd wilfaͤhrtig ſeyn / Ihme zu Ehren vnd zu Lob auch ſelbs zu verſuchen die AMurrham das iſt / das bitter Creutz / Matth. 10. 1. Pet.4. p Wann wir dann jetzt erzehlter Geſtalt / in rechtſchaffenem Glau⸗ hen / das Haleluia jhme zu Ehren anfangen werden zu ſingen / hie auff Erden: So werden wirs im Himmel mit allen Engeln froͤlich hin⸗ auß bringen: Gelobet ſey Gott Vatter / Gott Sohn / vñ Gott heyliger Geiſt / von Ewigkeit zu Ewigkeit / Amen. Ein Predigt vber das gewoͤhnliche Oſterlied: Chriſi iſt erſtanden / u. S iſ dieſes verleſene Geſang / als ein Oſierliches 35 Freudengeſang vnter vns Chriſtẽ / ſonderlich vñ dermaſſen Eberuͤhmbt waf man etwan wil ʒu verſtehen geben / wie man Br yher einem Dingfrolocken vndjubiliren wolle / daß man im Sprichwortpflegt zu ſagen: Wirwollen / Chriſtiſt erſtanden/ ſingen. Damit wir nu verſtehen / warvmb wir vns dieſes Geſangs billich mit hertzlichẽ Freuden zu gebrauchen haben / ſowoͤllen wires dißmalẽ kurtz fuͤr die Handt nemmen E. Lieb erklaͤren / vnd vmb beſſeret Ordnung willen Erſtlich auß H. Schrifft hoͤren vnd lernen⸗ daß(ſaut dieſes Ge⸗ ſangs gleich Anfangs) Chriſt vder Chriſtus warhafftig — Vber das gewoͤhnliche Oſterlied. 63 Zum andern / was das Chriſt iſt erſtanden / vder die Aufferſtehũg Chri⸗ ſti fur groſſe Freuden mit ſich bringe. Zum dritten / wie wir vns dafuͤr danckbar erzeigen ſollen. Der Hx gebe die Gnad ſeines heyligen Geiſts dazu / Amen. Es faͤnget ſich aber dieſer Geſang an mit ſolchen Worten: Chriſt I. oder Chriſtus iſt erſtanden von der Marter alle. Wir haben gehoret auß der Hiſtoria deß Paſſions / was der HErr Chriſtus fuͤr Marter außgeſtanden: Man hat jn gemartert mit Bãdt / Schandt / Schmach / Hohn vnd Spott / mit Streichen / man hatjhm ſein heyliges Haupt ʒumartert mit einer doͤrnen Kron / man hat jhn ge⸗ martert am Holtz deß Creutzes / biß man jn eben zu todt gemartert:man hat jhn auch noch nach dem Todt gemartert / als der Hauptmann mit cinem Speer in ſeine Seitẽ geſtochen hat: Vnd ſolches alles waren nur leibliche Marter. Noch vbeler vnd ſchaͤrpffer iſt der HEM Chriſtus gemartertwor⸗ den an ſeinem Geiſt vnd Innwendig / da er am Belberg mit dem Todt range / welche hertzleydige Marter jhm den blutigen Schweiß außge⸗ trieben: Sonderlich aber am Creutz / kurtz vor ſeinem Abſterben / als nicht allein Sonn vnnd Mon / euſſerlich jhren Schein vber jhm außgeleſcht / der Erdtbodem erzittert / die Felſen zerriſſen: Sondern auch / da GDtt ſein him̃liſcher Vatter ſeinen vaͤtterlichen lieblichen Gnadenglantz für jhm verborgen Geiſtlich / ſeinen Zorn aber haͤuffig vber jhn außgeſchuͤttet / vnnd ſich gegen jhm nicht anderſt geſtellet hat / als hette er jhn verlaſſen: Welches dem HEMREM Chriſto die allerſchwehreſte bitterſte Marter ware / vnd nicht das geringſte Stuͤck der Hellenfahrt Chriſti. Gleich wie nun vber dieſer Marter vnd Todt Chriſti / die heylige Apoſtel vnd Juͤnger Chriſti hertzlich getrauret vnd geweynet haben / Marc. i6. Dann ſie nicht anderſt vermeynt / weder es were nun mit Chriſto gar auß / alſo frolockten hergegen daruͤber die Juͤden vnd andere Widerwaͤrtige deß HxRRxEMChriſti:Er ligt (gedachten ſie) pſu 4 Nun ſolle er nicht wider auffſtehen. Ja nicht nur die boͤſe Men⸗ ſchen; ſondern auch die alte Schlang / der Teuffel ſelhs / ſo jhn . erſen * Die VI predig Ferſen gebiſſen / frolockte vber der Marter vnd Todt Chriſti / ver⸗ hoffende / ſie hette jhme nun den Garauß gemacht. Aber es hat ſich weit anderſterfunden. Dann am dritten Tag (laut der Euangeliſchen Hiſtoria / Matth. ⁊8. Mar6. Luc.24. Joh. ⁊0. vnd lautvnſers Chriſtlichen Glaubens) iſt CHriſt oder C Hriſtus wider erſtanden von der Marter alle / leiblichen vnd Geiſtlichen. Vnd ob er wol in einem herrlichen verklaͤrten Leib erſtanden / vnd demnach wol / da er gewolt / nicht auff Erden erſcheinen / ſondern als er aufferwecket worden / als bald zumal allerdings gen Himmel auff⸗ fahren / vnd allda/ nemlich / nur indem Himmel vnter den heyligen Engeln vnnd ſeligen Menſchen ſich offenbahren koͤnnen / ſo wol / als daß Moſes von dem Grab alsbald in das him̃liſche Weſen verſetzet worden:hat er doch zuvor hie auff Erden / zu vnterſchiedlichen Zeiten / woͤllen vielen erſcheinen auff Erden / zumoffentlichen Zeugnuß ſeiner Aufferſtehung: als Marie Magdalenæ (Johan.20.) Petro(i. Cor. 16.) den zweyen Juͤngern / welche nach Emahus reyſeten / Luc.a4. den zehen / vnd dann den eylff Juͤngern / Joh. 20. hernacher widervmb am Meer bey Tyberias / alsPetrus / Thomas / Nathanael/Johannes / Ja⸗ cobus / vnd andere zween ſeiner Juͤnger beyſammen waren: vnd ſonſten mehr / wie wir leſeni. Cor.iᷓ. Vnd gleich wie Chriſtus nach ſeiner Aufferſtehung / ſichtbarlich erſchienen / vnd damit bezeuget hat / daß er / welcher zuvor an ſeinem Leib Todt vnd Marter gelitten / nun an ſeinem Leib verklaͤret / vñ warhafftig aufferſtanden ſey: Alſo haben auch die heylige Apoſtel hernacher das Chriſt iſt erſtanden / frolich in alle Welt geprediget: wie zu finden / Act. 2.3.4.10.25.26. Rom. 6.1. Cor.1. 1. Theſ. 4.1c. Inmaſſen dann Pe⸗ trus ſich vnd andere MitApoſtel genennet Zeugen ſeiner Aufferſte⸗ hung / Act.i. Was iſt dann ʒum andern ſo hohes gelegen an der Aufferſtehung Chriſtis Iſis ſo groß / daß Chriſtus erſtanden iſt? Antwort: Were er nicht erftanden: Sowere (laut dieſes Geſangs) die Welt zugangen. Welt heiſt in der Schrifft nicht allwegen Himmelvnd Erden / vnd alle Creaturen / ſondern es heiſt in der Schrifft offt nur ſo viel / als das ganße Vber das gewoͤhnliche Oſterlied. 6 gantze menſchliche Geſchlecht: Als Johan. ʒ. dader HE Chriſtus ſpricht: Alſo hat Gott die Welt geliebet /ꝛc. Vnd hernacher: Gott hat ſeinen Sohn nicht geſandt daß er die Welt richte / ſondern daß die Welt durch jn ſelg werde. So hat es nu (wañdʒ Wort/ Welt hie auch ſoviel heiſt / als menſchlich Geſchlecht) dieſe Meynũg: Were Chriſt oder Chri⸗ ſtus nit erſtanden / ſo were das gantze menſchliche Geſchlecht zergangen. Dann es hatt Chriſtus auff ſich genommen Johan.1.) die Suͤnde der Welt: Demnach / was jhme deßhalber begegnet / ſolches alles vber die gantze Welt / das iſt / vber alle Menſchen ergangen were. Gleich wie nun da xꝛin ſchmertzlicher Marter geſtorben / vnd in die Hell ge⸗ fahren: Damit lauter vnd klar bezeugetworden / daß die Welt / das iſt / das gantze menſchliche Geſchlecht/ Ihrem Verſchulden nach ! in deß Todts vnd der Hellen vnaußſprechlichen ewigen Marter/ hette zerge⸗ hen vnd verderben ſollen: Alſoda er in deß Todts vnd der Hellen Mar⸗ ter zergangen vnd vberwunden worden were darauff were vnfehlbar erfolget / daß Gott nach ſeiner Gerechtigkeit gleicher Geſtalt die Welt / das iſt / das gantze menſchliche Geſchlecht in jhren Suͤnden hette verge⸗ hen laſſen / beydes leiblich vnd Seiſtlich. Leiblich. Dann / daß dort Noah ſampt den Seinen (als ſonſten die gantze Welt in der Suͤndflut zergangen / Gen.7.) in der Arch erhalten worden / ſolches iſt geſchehen durch jhren Glauben an den Todt vnd Aufferſtehung deß kuͤnfftigen Meſſiæ oder Chriſti / Heb.n. Wie herge⸗ gen / da Chriſtus (damalen kuͤnfftig) nicht von dem Todt erſtanden / ge⸗ wißlich Noah vnd die Seinige mit andern Leuten / vnd alſo die gantze Welt / das iſt / alle Menſchen zumal im Waſſer vergangenweren. Ja es were vergangen leiblich / da Chriſtus nit vom Todt erſtanden / nicht nur das gantze menſchliche Geſchlecht: ſondern es were die gantze Welt vñ alſo ſampt dem Menſchen auch andere Creaturen dieſer Welt (ſonderlich weil ſie fuͤrnemlich dem Menſchen zu gutem erſchaffen ʒu⸗ malzu ſcheittern gangen. Zum Exempel: Als Gott der HER dem Satan verhaͤngetvber den frommen Job: wie Augenblicklich iſt jhmeʒergangen ſamptſeinen Kindern ſein Viehe / vnd alles ſein Vermoͤgen⸗ Jobꝛ.vndz. Nun iſt ge⸗ 8. wiß / 66 Die VI. Predigt wiß / wo Chriſtus nicht vom Todt erſtanden / ſo weren wir alle noch in vnſern Suͤnden / vnd hette alſo der Satan Vrſach vnd Gewaltvber alles Fleiſch von wegen vnſerer Suͤnden / ſo wol als er Gewalt hatte von Gott vber Job vñ die Seinigen ohne Vrſach / Jobꝛ. Wie ſchreck⸗ lich aber hette er wol alles vnter vns vber einen Hauffen geſtuͤrtzt Au⸗ genblickliche Denn da Gott dem Satan nur ein Sturmwetter ver⸗ hengen thut: wie ſchrecklich hauſiert er etwa mit den Creaturene er zu⸗ ſchlaͤgt vnd zerreiſt vnd verderbt ſie durch Hagel / Windt / Feuwer vnd Waſſer / daß ſchier in einem Augenblick zugehet / alles / was zuvor da ware / daß alſo / da Chriſtus nicht erſtanden / ja zergangen were (auch leiblich) die Welt / das iſt / das menſchliche Geſchlecht / ſampt allen Creaturen dieſer Welt. Sonderlich aber were die Welt / das iſt / das Menſchliche Geſchlecht ¶ da Chriſtus nicht erſtanden) ʒergangen Geiſtlicher Weiß / in jhren Suͤnden / im Abgrundt der Hellen. Denn da ſchon die Menſchen nicht zergangen weren in der Hellen ſolcher Geſtalt / daß ſie allerdings in nilulum redigiert / vnd vergangen weren: Jedoch / dieweil ſie vmb jrer Suͤnden willen / in der Hellen Glut vhne einigen Goͤttlichen Troſt hetten muͤſſen verſchmachten ewiglich / ſolcher Geſtalt / nemlich / Troſt vnd Erquickung halber / weren ſie drinnen nur ſo vergangen: Eben wie Cain / Saul / Ahitophel/ Judas (¶dieweil ſie nicht an die Aufferſtehung Chriſti geglaubt) in jren Suͤn⸗ den hie auff Erden vergangen vnd verſchmachtet ſeynd / vnd in dem Helliſchen Feuwer dort gequelet werden ewiglich. Hergegen aber / vnd nach dem nun Chriſt oder Chriſtus (welcher fuͤr der Welt Suͤnd geſtorben ) iſt erſtanden / frey vñ ledig von Suͤnd / Todt / Teuffel vnd Hell: Darvmb ſolle billich alle Welt ſingen: Chriſt iſt erſtanden von der Marter alle / deſſen ſollen wir alle froͤlich ſeyn. Sintemal alſo zumal mit Chriſto vnd durch Chriſtum auch einjeder Chriſt fur ſich erſtanden iſt / beydes Geiſtlich vnd Leiblich. Dann was vnſere Geiſtliche Aufferſtehung anbelangen thut / ſo iſt Chriſtus (wie Paulus ſpricht) vmb vnſerer Gerechtigkeit willen aufferweckt / zun Roͤmern am vjerdten Capitel / das iſt / Es iſt erſtehung — — Vber das gewoͤhnliche Oſierlied. 67 erſtehung Chriſti ein vnfehlbares Zeichen / daß durch ſeinen Todt / die gantze Welt / das iſt / alle Menſchen / nun widervmb auffrecht ſte⸗ hen / das iſt / mit Gott verſoͤhnet / vnd jhnenwidervmb fur Gott erwor⸗ ben ſeye Gerechtigkeit / in der andern Epiſtel zun Corinthern am fuͤnfftenCapitel. Dann / wann man ſonſten in der Welt / an ſtatt deß Schuldtners nach dem Buͤrgen greifft / man laͤſt jhn ja nicht von handen / biß daß er fur den Schuldtner gnug gethan vnd bezahlet hat: Alſo hat GDtt der hiiliſch Vatter/ an vnſer ſtatt den HERREN Chriſtum / als vnſern Buͤrgen / im Todt gehalten / dieſer Meynung / er ſolle nicht le⸗ dig gelaſſen werden / biß daß er fuͤr vns gnug gethan vnd bezahlet hat: Nachdem dann nun Gvott der hiliſch Vatter den Bůͤrgen Chriſtum widervmb ledig gelaſſen (dann Chriſt iſt erſtanden/ von der Marter alle nc.)ſo muß ja dem hiliſchen Vatter / durch Chriſtum / anvnſer ſtatt / nun alle volle Gnůge widerfahren / vnd demnach wir durch jhn nunwidervmbfuͤr Gott Juſtvnd Auffrecht ſtehen. Demnach da dich hinfuͤro der Teuffel vmb deiner Suͤnde wil⸗ len betruͤben wil:ſinge du jhm hingegen / vnter Angeſicht / froͤlich daran das Chriſt iſt erſtanden/xc. Chriſtus der erſtandene wil nun vnſer Troſt ſeyn / wider Suͤnd / Todt / Teuffel vnd Hell. Dann gleich wie / da Chri⸗ ſtus deß Streits darnider gelegen / all vnſer ewiges Heyl mit jhm dar⸗ nider gelegen were: Alſo / da er nun widervmb erſtanden/hat er mit ſich widervmb auffgerichtet ʒumal all vnſer ewiges Heyl: Dieſes iſis / das Paulus ſpricht / Rom.s. Wer wilverdammen / Chriſius iſt da/ der ge⸗ ſtorben iſt / Ja viel mehr / der auch aufferweckt iſt / vnd vertritt vns. Vnd Ephef.a. Gott / der da reich iſt von Barmhertzigkeit / durch ſeine groſſe Liebe / damit er vns geliebet hat / da wir todt waren in den Sůn⸗ den / hat er vns ſampt Chriſto lebendig gemacht (dann auß Gnaden ſeydt jhr ſelig worden) vnd hat vns ſampt jhm aufferweckt / vnd ſampt jhm in das hĩliſche Weſen geſetzt / in Chriſto Jeſu. Was dann vnſere leibliche Aufferſtehung anbelangen thut: Obwol vnſer Leib leiblich zergehet zu Staub vnd Aſchen: Jedoch / gleich wie Chriſtus mit ſeinem verſtorbenen Leib gleichwol vnter die Erden Jij gelegt ẽs Die VI. Predigt gelegt worden / aber die Verweſung nicht geſehen hat / Pſal.i6. Act.2. Sondern dardurch fur ſeinen naturlichen jrrdiſchen eines clarificierten him̃liſchen Leibs theilhafftig worden: Alſo hat Chriſtus durch ſein hey⸗ lige Aufferſtehung erworben auch ſeinen Chriſten / daß ſie durch den Todt /ja auch durch die Verweſung / nicht allerdings vertilget / ſondern dardurch noch wol in einen beſſern vnd herrlichern Standt verwandelt werden: gleicher Geſtalt / wie das Weitzen Koͤrnlein / durch ſein Ver⸗ weſung / viel eine ſchoͤnere Geſtalt gewinnet / dann die vorige ware / dar⸗ innen es iſt außgeſaͤet worden. Vnd davon redet Chriſtus auch / Johan. n. Die Zeit iſt kommen / daß deß Menſchen Sohn verklaͤret werde. Warlich / warlich / ich ſage euch:Es ſey dann/ daß das Weitzenkorn in die Erden falle / vnd erſterbe / ſo bleibts allein. Wo es aber erſtirbet: ſo bringts viel Frucht. Vnd Pau⸗ lus1. Cor.ið. Moͤchte aber jemandt ſagen: Wie werden die Todtẽ auff⸗ erſtehen⸗ vnd mit welcherley Leib werden ſiekommen Du Narr / das du ſaͤeſt/ iſt ja nicht der Leib / der werden ſolle / ſondern ein bloß Korn / nem⸗ lich / Weitzen / oder der andern eins. Gott aber gibt jhme einen Leib / wie er wil / vnd einem jeglichen von dem Samen ſeinen eygenen Leib: Alſo auch (ſpricht Paulus hernacher) die Aufferſtehung der Todten. Es wirdtgeſaͤet verweßlich: vnd wirdt aufferſtehen vnverweßlich. Es wirdt geſaͤet in Vnehr / vnd wirdt aufferſtehen in Herrlichkeit. Es wirdt geſaͤet in Schwachheit:vnd wirdt aufferſtehn in Krafft. Es wirdt geſaͤet ein naturlicher Leib: vnd wirdt aufferſtehen ein Geiſtlicher Leib. Vnd zun Philippern am dritten Capitel: Der HER Jeſus wirdt Leib verklaͤren / daß er aͤhnlich werde ſeinem verklaͤr⸗ ten Leib. Demnach da dich auch gleich der leibliche bittere Todt aͤngſten wil: ſo ſing du mit Freuden / das / Chriſt iſt erſtanden / xe Dann dieweil mit Chriſto auch zumal erſtanden ſeyn auch leiblich alle Chriſten / vnd demnach Chriſtus vnſer Leben iſt: So muß ja Sterben nur vnſer Ge⸗ win ſeyn / Philip.1. Summa / gleich wie der Hxoti Chriſtus erſtanden / vnd obgeſieget hat ſeiner Marter alle: Alſo hat er durch ſein ſieghaffte ge on zu V tze 1. —————— Vber das gewoͤhnliche Oſterliedt. 69 ſtehung erworben / da auch wir Chriſten in aller vnſer Marter obſie⸗ gen vnnd vberwinden ſollen. Daher ſpricht Paulus Rom. 8. Werwil vns ſcheiden von der Liebe Gottes⸗ Truͤbſal oder Angſt / oder Verfol⸗ gung / oder Hunger / oder Bloͤſe / oder Faͤhrlichkeit / oder Schwerdte Wie geſchriebenſteht: Vmb deinenwillen werdenwir getoͤdtet den gan⸗ nen Tag / wir ſeynd geachtet fur Schlachtſchafe. Aber in dem allemv⸗ terwinden wir weit / vmb deſſen willen / der vns geliebet hat / ꝛc. Vnnd 1. Cvꝛinth.1. Der Todt iſt verſchlungen in den Sieg. Todt / wo iſt dem Stachel? ell / wo iſt dein Sieg Gott aber ſey Danck (ſpricht Pau⸗ lus weiter ) der vns den Sieg gegeben hat / durch vnſern HErrn Je⸗ ſum Chriſtum jꝛc. Auff daß wir alſodem HErrn Chriſto gleichfoͤrmig werden / nicht nur an der Marter / ſonder auch an der Herrlichkeit. Dañ wann wir mit leyden (ſpricht Paulus Rom. 8.) Sowerden wir auch mit ʒur Herrlichkeit erhaben werden. Vndz. Tim. ⁊. Dasiſt je gewiß⸗ ich war: Sterben wir mit / ſo werden wir auch mit leben: Duldenwir / ſo werden wir mithertſchen. Es muß aber dieſes / ſo nun von Chriſto erzehlet / alles mit wahrem Glauben ergrieffen ſeyn / Alſo ſchreibet Paulus zun Roͤmern am ze⸗ henden: So du mit deinem Mundt bekenneſt/ Jeſum / daß er der HErr ſey / vnd glaͤubeſt in deinem Hertzen / daß jhn Gott von Todten auffer⸗ wecket habe / ſo wirſt du ſelig. Wo nemmenwir aber ſolchen Glauben her⸗Dann für vnſerm natuͤrlichen Verſtandt ſcheinet es lauter Thor⸗ heit / erkan es nicht faſſen noch annemmen /i. Cor. ⁊. Antwort. Darzu dienet vns auch / das froliche / Chriſt iſt erſtanden / c. Dann wir auch an dieſem Stuͤck mit Chriſto von Todten erſtanden ſeyen. Sintemal der HErr Chriſtus durch ſein ſelige Aufferſtehungvns fuͤr ſeinem himmliſchen Vatter / den heyligen Geiſt erworben hat / wel⸗ cher durch die Predigt deß heyligen Euangelij / vnnd den wuͤrdigen Ge⸗ brauch der heyligen Sacramenten / vnſere von Natur im Vnglauben erſtorbene Hertzen Geiſtlich aufferweckt / vnnd vns den Glauben eyn⸗ pflantzet / Durch welchen wir vns der zuvor erzehlten Wolthaten Chri⸗ ſtikoͤndten froͤlich annemmenvndtroͤſten. Alſo ſchreibet der heylige Apoſtel Paulus / von der heyligen Tauff! J iij Coloſſ.a. III. 70 Die VI. Predigt Coloſſ.⁊. In Chriſto feyd jhr beſchnitten / mit der Beſchneidung ohne Haͤndt / durch Ablegung deß ſuͤndtlichen Leibs im Fleiſch / nemlich der Ge Beſchneidung Chriſti / in dem / daß jhr mit jhm begraben ſeyd / durch die fol Tauff / inwelchemſhr auch ſeyd aufferſtanden / durch den Glaubenden den Gott wircket / welcher jhn aufferwecket hat von den Todten / vnd daher vn nennet Petrus (i. Pet.3. die heylige Tauffeinen Bundteines guten li Gewiſſens mit Gott / durch die Aufferſtehung Chriſti / nichtallein daß C G Dtt in der H. Tauff vns die Wolthaten der Aufferſtehung Chriſti q anbietet / ſondern daß er auch zumal / vermittelſt deß Waſſers / vmb der l Aufferſtehůg Chriſtiwillen / iKrafft deß H. Geiſtes in vns den Glaubi erwecket / damit wir ſolche froͤlich annemmen / vnd vnsderſelbentroſten. Gleich wie aber der aufferſtandene Chriſtus in der H. Tauff / in Krafft deß heyligen Geiſtes / vns einen lebendigen Glauben eynpflan⸗ zet /alſo wiler auch durch ſein Leben vñ Aufferſtehung in vns das Leben deſſelben Glaubens erhalten / vermehren vnd ſtaͤrcken in Krafft deß H. Geiſtes / vermittelſt deß gepredigten Worts / vnd deß heyligen Abendt⸗ mals / nach dem Spruch Pauli Gal.⁊. Ich lebe aber doch nun / nit ich / ſondern Chriſtus lebet in mir/ welcher iſt nicht nur der Anfaͤnger / ſonder auch der Vollender vnſers Glaubens / Heb. i. n Billich ſollen wir nun(ʒzum dritten vnd letzten) fůr ſolche him̃liſche Wolthaten gegen Gott vnd Chriſto vns danckbar erʒeigen/ vnnd im Werck erfullen / wie wir weiter ſingen: Seit daß ererſtandeniſt ſoloben wir den HErren Jeſum Chriſt / vnd demnach von Hertzen ſingen / vnd offtermalenwiderholen Halleluia/ Halleluia/welches auff Teutſch ſo viel heiſt: Laſt vns dem HErrn darfur Lob vnd Danck ſagen. war was das Wort / alleluia/anlangt! ſolches wirt zu Vſterlicher Zeit offt vñ viel gnug in vnſern gewohnlichen Kirchengeſaͤngen geſun⸗ gen vnd widerholet / dermaſſen / daß man auch ein Sprichwort darvon gemacht / wann ein Ding ſonſten gar gemein worden vnter dem Volck / daß man ſpricht es ſey ſo gemein / als das Halleluia am Oſtertag. Wañ man aber vnſer Leben vnd vnſern Wandel anſihet: da iſt das Halleluia gleich ſelzam bey vns / ſo wolzur Oſtern / als zur andern Zeit. Dann nach demwir durch den Glauben / mit Chriſto nun ve eiſt⸗ — — — —— — — e —.——— — e ie en ten iſ de b (. i h e H d. h M ſ et 7 on af ſ d 0f Pber dasgeioͤhnliche Ofierliedt. 7 Geiſtlich aufferſtanden ſolten wir billich dem Exempel Chriſti nu nach⸗ folgen / vnd / gleich wie Chriſtus / nach dem er einmal von Todten erſtan⸗ den / nit mehr ſtirbt(zun Roͤmern am ſechſten Alſo wir auch nu beſtehen vnd beharren im Geiſtlichen Leben / welches fuͤr Gott were das allerlieb⸗ lichſte vnd angenembſte Halleluia. Sihe / ſo iſt es mit vielen vnter vns Chriſten ( leyder) dermaſſen beſchaffen / da man ſchon etwan von man⸗ chem ein Weil ſingen kan / das Chriſt iſterſtanden / Halleluia / das iſt/ Es hat etwan in Warheit dieſe Geſtalt / daß ein Chriſt (welcher nach em⸗ pfangener Tauff darinnen er lebendig worden / widervmb ein zeitlang Beiſtlich geſtorben war) hat Buß gethan er hat das heylige Nachtmal darauff empfangen / iſt widervmb erſtanden / daß er alſo anfangt fein zu ſingen das Halleluia mit andern Chriſten / ſo hat doch ſolches Liedt in die Laͤnge bey vielen nicht Beſtandt: Wann wir am Oſtertag erſtanden ſeynd / am Bſtermontag oder Troͤglingstag ſterbẽ wir eins theils flugs widervmb / in dem wir zuſammen ſitzen /freſſen vnd ſauffen / vndetwan ſonſten auch treiben allerley Leichtfertigkeit / dardurch dann beydes das Chriſt iſt erſtanden / vñ das Halleluia mit einander widervmb in Brun⸗ nen fallt. Vnd thaͤte demnach ſchier noht!/ gleich wie wir am Bſtertag das Frewdenliedt geſungen haben: Als dieſer Chriſt iſt erſtanden / Hal⸗ leluia: Daß wir bald am Dſtermontag widervmb das Trawerliedt an die Handt nemmen vnnd ſingen: Dieſer oderjener Chriſt iſt widervmb geſtorben /Kyrieleiſon. icht alſo: ſonder laſt vns folgen der Vermahnung deß H. Apoſtels Pauli Rõ.ð. Wir wiſſen / daß Chriſtus von den Todtẽ erweckt / hinfurt nit ſtirbet / der Todt wirt hinfurt vberjn nicht herrſchen. Dañ daß er ge⸗ ſtorben iſt / das iſt er der Suͤnden geſtorben zu einẽ mal: Daß er aber le⸗ bet / das lebt er Gott. Alſo auch jr/ haltet euch dafuͤr / daß jr der Suͤnden geſtorben ſeyd / vnd lebet Gott in Chriſto Jeſu vnſerm HErrn. So laſt nun die Suͤndt nicht herrſchen in ewerm ſterblichen Leib / jm Gehorſam zu leiſten in ſeinen Luſten / auch begebet nicht der Suͤnden ewre Glieder zu Waffen der Vngerechtigkeit / Sondern begebet euch ſelbſt Gott / als die da auß den Todten lebendig ſeynd / c. Vnndi. Cor.ʒ. Feget den alten Sawerteig auß / auff daß jhr ein nwer Teig ſeyd / gleich wiejbr vngeſaͤw⸗ 52 Die VII. Predigt vngeſãwert ſeyd. Dann wir haben auchein Oſterlamb / das iſChriſtus/ fuͤr vns geopffert. Darvmb laſt vns Bſtern halten / nit im alten Sau⸗ werteig der Boßheit vnd Schalckheit / ſondern in dem Suͤſſenteigder Lauterkeit vnd Warheit. Vnd Gal. s. Sowir im Geiſt leben / ſo laſt vns auch im Geiſt wandeln. Da wir das Halleluia ſingen wuͤrden / nemlich / daß alles vnſer Thun vnd Laſſen ein Halleluia/oder ʒu Gottes Lob vnd Ehr angerichtetwere/ vder(wie Paulus vermahnet / Col.⁊.) alles was wir thun mit Worten oder mit Wercken / ſolchs alles thaͤten in dem Namen deß HErrn Jeſu ⸗ vnd danckten Gottvnd dem Vatter durch jhn: Daswere das Hallelu⸗ ia recht geſungen / vnd ein Anfang deß Engeliſchen / himmliſchen Lob⸗ geſangs / dawir dermalen eins mit allen Engeln vnd Außerwehlten ſin⸗ gen werden ewiglich / Halleluia: Lobet vnſern Gott alle ſeine Knechte!/ vnd die jhn furchten / beyde klein vnd groß. Dann der allmaͤchtig GOtt hat das Reich eyngenommen: Laſſet vns frewen vnd froͤlich ſeyn / vndjm die Ehr geben. Dann die Hochzeit deß Lambs iſt kommen / vñ ſein Weib hat ſich bereitet/ꝛc. Apoc.i. Darzu verhelffe vns allen / Gott Vatter / C Sohn vnd H. Geiſt / Amen. Zwo Predigten vber das Chriſtliche Kirchen⸗ Geſang / welches gebraͤuchlich am Tag der Him⸗ melfahrt Chriſti. Auff dieſen Tag bedencken wir / daß Chriſius/u. S vermahnet der heylige Apoſtel Paulus / Col.3. v. 16. Lehret vnd vermahnet euch ſelbſt mit Pſalmen vnnd Lobgeſãängen / vnd Geiſtlichen lieblichen Liedern / vnd ſinget S dem HE M in ewrem Hertzen. So thun wir nun wolvñ Chriſtlich daran / daß wir in vnſern Kirchen ſingen Geiſtliche Lobge⸗ ſaͤng vnnd Lieder / dadurch wir vntereinander zur Gottſeligen Andacht ermahnet werden. Allein (ſpricht S. Paulus )ſolle nicht ſingen nur der Mundt / ſondern auch vnſere Hertzen. Sollen wir nun ſingen tzen: ſo Am Tag der Himmelfahrt Chriſti. 77 zen: ſo muß das Hert auch verſtehen / was es ſinget. Derhalben / dar⸗ mit wir dieſes Ewer Lieb verleſene Geiſtliche Geſang verſtehn nach ſei⸗ nem Jñhalt/ vnd zumal mit Mundtvnd Hertzenſingen mogen / ſo wöl⸗ len wir ſolches auff das heutige Feſt / an ſtatt deß verordneten Euange⸗ uij fur die Handt nemmenvnnd erklaͤren. Zum allererſten aber woͤllen wir auß Anleitung deß erſten Verſiculs j etwas reden von der Him⸗ melfahrt Chriſti: Item / warvmb vnnd wie wir ſolchen Tag fey⸗ ren ſollen. Zuni andern: Wozu vns die Himmelfahrt Chriſti nůͤtzlich vnd gut ſeye. Zum dritten: Wie wir vns verhalten ſollen / daß wir anfa⸗ hen dem HErrn Chriſto nachzufahren in den Himmel / weil wir noch leben hievnten auff Erden / auff daß wir mit jhme dermalen eins auch im Hunmel der himmliſchen Herrlichkeit vnd Seligkeit genieſen mo⸗ gen. Von dieſen allen dreyen Puncten zu dieſem malzu handeln wuͤrde zu lang. Demnach wir allein die zwekn erſten dieſesmal abhandeln / vnnd den dritten ſparen wollen auff kuͤnfftigen Sontag (wil Gott) Der H E R NR verleyhe die Gewalt ſeines heyligen Geiſtes darzu / Amen. Auff dieſen Tagl nemlich auff den heutigen/als den 40. Tag nach der Aufferſtehung Chriſti/bedencken wir / oder wir halten die Gedaͤcht⸗ nuß der Hiſtoria / daß CH R J S TVS gen Himmel ge⸗ ahren. Dann ob wol Chriſtus nach ſeinet angenom̃enen menſchlichen Na⸗ tur/ biß in ſein Creut vnd Todt hie auff Erden gewandelt / wie ein an⸗ der naturlicher Menſchꝛ iſter doch nach ſeiner menſchlichen Natur / zu ſeiner Zeitgen Himmelgefahren. Was iſt aber der jenige Himmel / in welchen Chriſtus nach ſei⸗ ner menſchlichen Natur auffgefahrene Es iſt Chriſtus mit ſeinem Leib gleichwol am viertzigſten Tag nach ſeiner Aufferſtehung / gegen dem euſſerlichen / ſichtbarlichen Himmel / Raumvnnd Ort nach / von einer Stell zur andern/warhafftig auffgefahren. Dann alſo ſchreiben die heyligen Euangeliſten/ Marc.i6. v. 19. Er ward auffgehaben gen Himmel. Luc.⁊4. v.ʒ1. Er ſchied von jhnen / vnd fuhre auff gen Hin⸗ mel. Actor. 1. v. 9. Er wardt auffgehaben zuſehens / vnnd ein Wolck name Die VI. Predigt vber das Kirchen Geſang name jhn auff von jhren Augen weg. Welches alles nach dem Buchſta⸗ ben zu verſtehen iſt. Wann man aber fraget / Was derjenige Himmel iſt / darinnen Chri⸗ ſtus nach ſeiner menſchlichen Natur / Weſen vnd Eygenſehafften nun iſt vnd lebet: Da ſolle jhm niemandt eynbilden widervmb die blauwe Buͤnen / oder den ſichtbarlichen Himmel / ſowir mit Augen ſehen vber vns ſchweben / an welchem ſtehen Sonne / Mon vnnd Sterne / gegen welchem Chriſtus iſt zuſehens am 40. Tag von dem Belberg auffge⸗ fahren. Dann es wird dieſer euſſerliche / ſichtbarliche Himmel durch das Wort Gottes geſparet / daß er amjuͤngſten Tag durchs Fewer ver⸗ zehret werde / vnnd alſo zergehe mit groſſem Krachen / 2. Pet. 3. v.7. vndio. Der Himmel aber / darinnen nun Chriſtus iſt vnnd lebet nach ſeiner menſchlichen Natur / wirdt ſo gar nicht zugehen am Juͤngſten Tag / daß vielmehr Chriſtus als dann erſt ſeine Außerwehleten / auff vnndvnterder Erden / zu ſich verſammlen wirt in denſelben Himmel⸗ da er iſt/ Matth. 5. v. 34. 1. Theſſal. 4. v. 17. Iſt demnach der Himmel! darinnen nun iſt vnnd lebet C H R J S T VS nach Eygenſchafften ſeiner menſchlichen Natur / anders nichts/ dann himmliſche Glori / Herrlichkeit vnd Seligkeit / dergleichen kein Aug nie geſehen / kein Ohr nie gehoͤret / vnd auff Erden in keines Menſchen Hert nie kommen iſt. Wann iſt dann Chriſtus nach ſeiner menſchlichen Natur gen Him⸗ melgefahren Es iſt zwar Chriſtus gegen dẽ euſſerlichen / ſichtbarlichen Himmei / Raum vnd Ort nachſzuſehens auffgefahren / vnnd von einer Wolcken auffgenommen worden / erſt am 40. Tag nach ſeiner Auffer⸗ ſtehunginmaſſen die Hiſtoriẽ der H. Euangeliſten mit ſich bringẽ. Es iſt aber Chriſtus nach ſeiner menſchlichen Natur auß demjrrdiſchen in das himmliſch Weſen himmliſcher Herrlichkeit verendert worden! nit allererſt am 40. Tag nach ſeiner Aufferſtehung. Dañ ſo viel die mẽſch⸗ liche Seel Chriſti belangt ſolche iſt ja durch den TodtChriſtiam Creutz als bald gefahren in das him̃liſche Paradiß / in maſſen Chriſtus ſelbſt beʒeuget zu dem Schaͤcher am Creutz/Lut.⁊z. v. 4 Heut wirſtu mit mir im Paradiß ſeyn. So viel dann den Leib Chriſẽi betuifft / iſt dieſer ja vn⸗ „ — — Am Zag der Himmelfahrt Chriſti. 76 ſavnlaͤugbar auß einem jrrdiſchen in einen himmliſchen Leib verwan⸗ delt vnd alſo verklaͤret worden am H. Bſtertag / in dem Augenblick / da⸗ rinnen er von Todten wurde aufferweckt / ehe daß er hernacher erſt am Belberg ſichtbarlich gen Himmel auffgefahren iſt. Sprichſtu: Wie iſt es dann zu verſtehn / daß wir bekennen in den Au⸗ eickeln vnſers Chriſtlichen Glaubens / daß Chriſtus nach ſeiner menſch⸗ lichen Natur / erſt nach ſeiner Aufferſtehung / nicht nur gegen dem ſichtbarlichen Himmel / ſondern auch in das Geiſtliche himmliſche Weſen auffgefahren ſeye Antwort / Ob wol Chriſtus nach ſeiner an⸗ genommenen menſchlichen Natur mit himmliſcher Klarheit vnd Se⸗ ligkeit gezieret geweſen /fůͤr ſeiner ſichtbarlichen Himmelfahrt / hat doch Chriſtus die himmliſche Klarheit ſeines Leibs damalen nicht als baldt vollkommenlich geoffenbahret. Es hetten auch ſeine Juͤnger / vnter welchen erbiß in 40. Tagwandeln vnd wohnen wöllen / ſolche Klarheit nicht koͤnnen faſſen noch begreiffen. Daun da ſie nicht habenkoͤnnen be⸗ greiffen die Herrlichkeit Chriſti / wie er ſolche nur ad partem oder Stuͤckweiß hatte ſehen laſſen auff dem Berg Thabor / darvber fie der⸗ maſſen beſtuͤrtzt worden / daß ſie nit wuſten / was ſie redten / Mar. 9. v.2. vnds. Wie ſolten ſie dañ nu jhn haben koͤnnen anſchawen in ſeines Leibs vollkommener / himliſcher Klarheit? Es kan kein Menſch auff Erden mit vollem Geſicht anſchauwen den pollen Glantz der hellen liechten Soñen. Nach dem dann nur die pur lautere / ſelige Menſchen im Him⸗ melleuchten werden / wie die Sonne / vnd alſo in ſolcher Klarheit / welche vns jrrdiſchen Menſchen vnbegreifflich iſtwie ſolten dann die Juͤnger haben koͤnnen begreiffen hie auff Erden den vollkommenen Glantz des Herrlichkeit deß Leibs Chriſti / welcher GOttvnnd Menſch iſt / von welchem doch andere jhren Glantz haben / wie der Mon ſein Liecht hat von der lieben Sonnen Sonder es hat ſich Chriſtus nach ſeinem Leib / biß an den 40 Tag vnter ſein Juͤngern geoffenbahrt / wie ſie jn begreif⸗ fen kondten: Wie er dann auch damalen / ſeinem vmbſchriebenen Weſen nach / ſein gewiſſes / vmbſchriebenes Vbi hatte auff Erden / etzs da / dann dort. Am 4o. Tagaber nach ſeiner Aufferſtehung / nach dẽ er gegen dem ſichtbarlichẽ Him̃elzuſehẽs auffgefahren / vñjn auffgenom⸗ 5 wen 56 Die VII. Predigt vber den Kirchengeſang men hatte / von da aniſt Chriſtus auch vollfoͤmmlich gefahren in das him̃liſche Weſen / daun es leuchtetnun Chriſtus im Himmel an ſeinem Leib fürallen heyligen vnd ſeligen Engeln vnnd Menſchen in vollkom⸗ mener himmliſcher Herrlichkeit / iſt auch ſeinem menſchlichen / vmb⸗ ſchriebenen ꝰlvnd Eygenſchafft nach / nun nit mehr auff Erden / ſicht⸗ barer vnd vnſichtbarer Weiſe ſondernſi olcher Geſtalt im Himmel oder im himmliſchen Weſen. Sprichſtu / So horeich woljes iſt Chriſti Leib nun nach ſeiner Him⸗ melfahrt dermaſſen von vns abgeſcheiden auff Erden / daß wederwir ſeiner menſchlichen Natur / noch ſeine menſchliche Natur vns mehr ge⸗ genwaͤrtig / ſondern allerding abweſendt iſt: Warvmb bitten wir dann ſhnllaut vnſers Geſangs in folgenden Wortẽ)er wolle vns arme Suͤn⸗ der hie auff Erden bewahren⸗ Antwort: Es iſt Chriſtus ſeiner angenommen menſchlicher Na⸗ tur Eygenſchafften nach nun im Himmel durchauß gleich allen andern heyligen Menſchen Gleich wie nuwarha fftig kan geſagtwerdẽ / Elias / Enoch iſt ſeinem vmbſchriebenen / menſchlichen Weſen nach nun im Himmel / vnd nicht auff Erden: Er höret vnd weiß vns nit / er kan vns auch nicht helffen / Alſo iſt auch die menſchliche Natur Chriſtiyhrem vmbſchriebenen / menſchlichen Weſenvnnd Eygenſchafft nachnun im Himmel / vnd nicht auff Erdeni ſolcher Grſtalt allein/ nemlich (mer⸗ cke es wol )jhrem vmſchriebenen menſchlichen Weſen vnnd Eygen⸗ ſchafften nach / koͤnne vns auch die menſchliche Natur E R J⸗ S T Iawir ſchon bitten wuͤrden/ hie auff Erden nichterhoren / viel weniger bewahren. Esiſt aber Chriſius nach ſeiner menſchlichen Natur nit nur in den Himmel gefahren / ſondern(wie Paulus ſchreibet in der Epiſtel an die NB Epheſer am vierdten! vey 10. auch auffgefahren vber alle Himmel: Welcher Geſtalt er iſt hoͤher worden denn der Himmel / zun Hebreern am ſiebenden / verſ26. Solches iſt aber nicht geſchehen erſtam vier⸗ bigſten Tagnach ſeiner Aufferſtehung / auch nicht durch ſein Auffer⸗ ſehung / ſondern in dem Puncten/ als der Sohn Gottes in dem Leib Maria iſi leiſch worden / vnd alſo der Sohn GO TTES welcher ja bo⸗ Am Tage der Himmelfahrt Shriſti 17 ja hoͤher iſt denn der Himmel (Jobu. ver.8.) menſchliche Natur in Emigkeit ſeiner Perſon angenommen hat. Welche Goͤttliche Herr⸗ lichkeit ob ſie wol auch geblicket hat in der angenommenen menſchli⸗ chen Naturals Chriſtus noch war im Standt der Ernidrigůg: leuch⸗ tet ſie doch erſt vollkom̃lich in der vnd durch die angenommene menſch⸗ liche Natur / nach dem Chriſtus nun aufferſtanden vnd gen Himmel auffgenommen worden derma ſſen / daß nun die angenommene menſchliche Natur Chriſti / jhrem vmbſchriebenen 7u vnd Eygen⸗ ſchafften nach im Himmelbleibende/ nichts deſto weniger ober allen Himmeln / nemlich / in dem Allerhoͤchſten Sohn Gottes (vonwelchem NB. ſie Perſonlich angenommewauſſer Raumvnd Drt / den Erdtbodem! vnd alles was auff Erden iſt vnd geſchihet / vnd alſo auch vns bittende arme Sunder hie auff Erdtallernch gegenwaͤrtig hat ſolcher Ge⸗⸗ ſtalt auch vns wideromb allernaͤchſt gegenwaͤrtig iſt: ſolcher Geſtalt erhoͤret vns bittende / vnd weiß all vnſer Noht hie auff Erden / auch die angenommene menſchliche Natur Chriſti / nemlich / dieweil jhr der Sohn Gottes / durch ſeinen Goͤttlichen Geiſt / in einem NVNvnd Augenblick alles offenbahret: ſolcher Geſtalt / nemlich durch die Krafft deß Sohns G Bttes kan ſie vns auch bewahren. Dann / nach dem Chriſtus gen Himmel gefabren/ wircket nun der Sohn Got⸗ tes alles im Himmelvnd auff Erden/ In / Mit / vnd Durch ſein an⸗ genommene menſchliche Natur / als durch ſein angenommenes 07⸗ ganm. * Dieſes vnd nichts anders iſts / das ſonſt die Schrifft / wie auch vn⸗ ſer Chriſtlicher Glaub ſpricht/ Chriſtus / nach dem ergen Himmelge⸗ fahren / ſitze nun / nach ſeiner menſchlichen Natur zur Rechten Gottes deß allmaͤchtigen Vatters oder zur Rechten der Majtſtaͤtt vnd Krafft Gottes deß allmaͤchtigen Vatters Heb.. ver.3. Luc. ax. ver. g. Vnd Paulus Epheſ.. ver.20. vndaz. daß Chriſtus von Todten aufferſtan⸗ den vnd geſett zur Rechten Gottes im Himmel / nun alles in allen er⸗ fulle vnd Epheſ.4. ver10. Er ſey auffgefahren vber alle Himmel! auff daß er alles erfuͤlle. Solches nun (nemlich ! daß Chriſtus gen Himmelgefahren) be⸗«. K iij dencken —“k.—— — 7 D VII Predigt vber den Kirchen Geſang dencken wir (laut vnſers Geſangs) auff dieſen heutigen Tag. Denn gleich wie / vb wol im Alten Teſtament das Volck Ifrael billich ʒu al⸗ ſen Zeiten durch das ganze Jahr / bebencken ſollen die Wolthat Got⸗ tes / wie er / nemlich / jhre Erſtgeborne in Egypten / fuͤr dem Verderber aß er fůͤruͤber gienge) wunderlich behůtet hat / vnd doch Gott der HRjhnen einen beſondern Tag im Jahr/ nemlich / den Bſtertag / darzu ernennethat! anwelcheinſie ſonderlich dirſelbige Hiſtoriamer⸗ zehlen vnd wol betrachten ſollen: Alſo / vb wol vns Chriſten gebuͤret die heylſame Himmeffahrt Chriſti (wie auch andere ſeine Wolthaten) nimmer in Vergeßzu ſtellen / ſonder fleiſſig zu bedencken / allezeit durch das gantze Jahr: So iſt es doch in der Chriſtlichen Kirch / vmbguter Drdnungwillen / wol angeſehen / daß man den heutigen Tag dazu be⸗ ſtumpt hat / an welchem die Hiſtoria von der Himmelfahrt Chri⸗ ſti ſonderlich verleſen / vnd fleiſſig eyngebildet vnd bedacht werden olle. k Iſt demnach dieſes Feſt nicht dazu auffgerichtet worden / nur / daß wir auff dieſen Tag von den taͤglichen Geſchafften einmal ein Feyer⸗ tag haben / vnd muͤſſig / oder etwan nach Mittag zum Wein gehen ſol⸗ len / fondern daß wir durch die Erklaͤrung vnd Betrachtung der Him⸗ melfahrt Chriſti auffgemundert (laut vnſers Geſangs) Gott (von „welchem Chriſtus iſt auffgenommen worden in die Herrlichkeit) dan⸗ „cken ſollen: nicht aber ſchlaͤfferiger /oder gleichſam (als vom Prediger „oder der Bbrigkeit)gezwungener Weiß / ſondernuß hoͤchſter Begierd: ein jeder ſoll ſelbs ein hertzlich Begierd vnd Freud dazu haben / daß er doch Gott einmal gnug dafuͤr dancken moͤchte: Du ſolt dich ſelbs dazu treiben / vnd auß hertzlicher Inbruͤnſtigkeit ſprechen mit Dauid / Pſal. 103. v.. Lobe den Hx M mein Seel/ vnd alles was in mir iſt/ſeinen hehligen Namen. Alſo / da der Koͤniglich Prophet Dauid im Geiſt ſa⸗ he die kůͤnfftige Himmelfahrt deß Meſſiæ / dancket er dafuͤr G OTT⸗ nicht allein fur ſich ſelbs / ſondern auß hoͤchſter Begierdt ſpricht er zu⸗ auch ſeiner ganken Gemein / ja gllen Voͤlckern / im 47. Pſalmv. 1.6. . Frolocket mit Haͤnden alle Voͤlcker/ vnd jauchtzet GOtt mit froͤ⸗ lichem Schall. GDtt faͤhret auff mit Jauchtzen: vnd der HRR mit Am Tage der Himmelfahrt Ehriſti. 79 mit heller Poſaunen. Lobſinget / Lobſinget Gott: Lobſinget /Lobfinget cuwerem Koͤnig. Gleich wie wir aber auff dieſen Tag fur die Himmelfahrt Chriſti Gott / vnd alſo auch Chriſto (in welchem wohnet alle Fuͤlle der Gott⸗ heit leibhafftig / Coloſ.a. v· ↄ.) dancken ſollen. Alſo ſollen wir weiter auch auff diefen Tag / Gott / vnd alſo folgendts Chriſtum bitten (aut vnſers Pſalmens) oder anruffen. Dann ob wol die angenommene menſchliche Natur Chriſti ein Geſchoͤpff iſt: Jedoch weil ſie mit Gott dem Schoͤpffer perſoͤnlich ver⸗ einiget: Darvmb ſo man Chriſtum anbettet / ſolle man alsdann bil⸗ lich nicht (auch nur in Gedancken) die menſchliche Natur abſondern von der Goͤttlichen Natur / vnnd alſo anbetten in Mriſto nur den Sohn Gottes / ſondern zumal den ganßen Chriſtum / vnd alſo in Chri⸗ ſto / ſampt dem Sohn Gottes zumal auch das perſoͤnlich angenomme⸗ neFleiſch: Vnd ſo viel deſto mehr / dieweil Gott Chriſtum / nach demer nun gen Himmel gefahren / nach ſeiner angenommenen menſchlichen Natur dermaſſen erhohet hat (wie Paulus ſchreibet Philip·⁊.v. .) daß im Namen Jeſu ſich beugen ſollen alle Knie / deren / ſo im Himmel/ auff Erden vnd vnter der Erden ſeynd. Was ſollen dann wir von jhme bitten? Erwoͤlle bewahren / vns ar⸗⸗ me Suͤnder hie auff Erdt / die wir von wegen mancher Gefahrd/ohne⸗ Hoffnung han kein Troſte. Es iſt Chriſtus im Himmel / wir aber“ ſeynd hie auff Erden: Chriſtus iſt im Himmel in vollkommener him̃li⸗ ſcher Herrlichkeit vnd Seligkeit / wir aber hie auff Erdt ſeynd in man⸗ cher Gefaͤhrd oder Gefaͤhrlichkeit. Dann ſo lang wir ſeynd hie auff Erdt das iſt / ſo lang wir auff Erden leben / ſeynd wir (¶aut vnſers Ge⸗ ſangs ) arme Suͤnder / daß alſo in vns / das iſt / in vnſerm Fleiſch / nichts Guts wohnet / Roman. am ſiebenden Capit. verſ. 1s. Dar⸗ vmb ſtehn wir ſtaͤts in Gefahr / daß nicht etwa die Suͤnde herrſche in vnſerm ſterblichen Leib / Roman. am ſechſten Cap. ver.u. zu vnſerm ewigen Verdam̃inuß: da vns der Teuffel zur Suͤnde treibt / ſtehen wir in Gefahr / daß er vns nicht hernacher etwan vervrſache wei⸗ ter auch zur Verzweiffelung / wie Cain vnnd Judas. So ſeynd wir so Die V II. Predigt ober den Kirchengeſang wir ja alle nach dem Leib ſterblich / vmb der Suͤndenwillen: muͤſſen demnach in Gefahr ſtehen / ob ſchon vnſer Seelvnſterblich / daß ſie nit etwa in Todes Noht dermaſſen durch den Teuffel geaͤngſtiget vnd ge⸗ quelet werde / daß ſie darvnter verſchmachte / vñ alſo Leib vnd Seel ewig verlohren werde Wiljetzt geſchweigen der mannigfaltigen / javnzaͤhl⸗ baren euſſerlichen Gefaͤhrden / darinnen wir allbereit vñjmmerdar ſte⸗ hen hie auff Erden: daß alſo Chriſtus (Matth.io.v.i6. ſeine Juͤnger vnd Glaubige nit vbel vergleichet den Schaͤflein / ſo außgeſandt ſeyn mitten vnter die Woͤfff: Daromb / daß ſie(wie ſolche Schaͤfleinſtehen hie auff Erden in tauſendt Gefaͤhrden. . „ Dawir nun in ſo mancher Gefaͤhrden weren allerdings ohne Hoff⸗ nung / nemlich / daß vns Chriſtus / ob erwolgen Himmelgefahren / doch darvnter nicht koͤndte vnd wolte hie auff Erden bewahren: Weren wir doch ja allerdings Leut / die Caut vnſers Geſangs) kein Troſt hetten. Dann wir ſeind hie auff Erdt die Statt / ſo ohne Mauwer iſt (ach. a. v. 4.vnd alſo allen Feinden / ſie zu vberfallen / zu pluͤndern / zu berau⸗ ben /frey vndoffen ſtehet. Dieweil wir aber dieſes Falls nicht ſeyn ohne Hoffnung / ſondern Chriſtus iſt vnſer Hoffnungfür Gott/ 1. Theſa. v1. Tim. v.1. Darvmb laſt vns zu jhmegetroſt bitten / daß ervns arme Suͤnder hie auff Erdt / bewahren woͤlle in mancher Gefaͤhrd. lſo leſen wir! Luc.⁊4. v.52. als Chriſtus von ſeinen Juͤngern gen Himmelgefahren / daß ſie jhn auch haben angebettet/ ohne Zweiffel darvmb / daß er ſie auff Erden / vonwegen mancher Gefaͤhrd / getrew⸗ lchwolle bewahren. Alſo der heylige Maͤrterer Stephanus / daerwar hie auff Erdt / in groſſer Gefaͤhrdt / vnd mit geſuudem Hertzen vnter feinen Feinden ſterben muſt bittet auch zu Chriſto/ daß er jhmeſein Seelwolle bewahren: HERR Jeſu nim̃ meinen Geiſt auff / Act.. ver.Sv. Da wir ſn nun in Gefährden hie auff Erden bitten So haben wir den Troſt / daß er vns wolwirdt bewahren. Er kaus doch/ ſintemal er ſitzt zur Rechten Gottes / vnd ſeyndjhmalle ſeine Feindt vnter ſeinen Fůſſen / Pſal. uo.v.i· Erwil es auch / dann der nunals er noch ware im Standt der Ernidrigung / zu Gott ſeinem hiſiliſchen Vatter ſo ge⸗ trewꝛich fur vns gebetten / daß er vns woͤlle bewahren Am Lage der Himmelfahrt Shriſt. Johan.i7.v.. Wie ſolte er es nun nicht ſelbs thun / da wir jhn dar⸗ vmb bitten / der es doch nunwol vermag / durch die Rechte der Krafft Gottes ſeines Vatters ? Erharverheiſſen / Johan. 14. v. is. Erwoͤlle vns nicht Waiſen laſſen. Darvmb wirdt er auch ſo getreuw vnd war⸗ hafftig ſeyn / vnd vns hie auff Erden ſtaͤrcken vñ bewahren fuͤr dem Ar⸗ gen / inmaſſen auch Paulus ſchreibet /ꝛ. Theſ.3. Cap. verſ.3. Zum andern/ dieweil wir dann Gott vnd Chriſto ſchüldig ſeynd 1 fur ſein Himmelfahrt zu dancken / wie wir droben gehoͤrt: Was hüffft es dannyns / daß Chriſtus iſt gen Himmel eEs iſt zwar (. Reg. x.auch der Prophet Elias im feuwrigen Wagen gen Himmel ge⸗ fahren: Aber durch ſolche ſein Himmelfahrt wurde niemandts nichts Beholffen / denn nur jhme ſelber. Chriſti Himmelfahrt aber iſt viel an⸗ ders beſchaffen / dann Eliæ Himmelfahrt. Dann alſo lautetvnſer Ge⸗ ſang: Darvmb ſey Gott Lob / der Weg iſt (verſtehe auch VNS) ge⸗⸗ macht / vnd ſtehet der Himmel (verſtehe auch V NSyoffen. Chri⸗⸗ ſtus ſchleußt (nemlichi auch VNS Jauff mit groſſem Pracht / vor⸗⸗ hin wars alles (vns) verſchloſſen. Welches wir dieſer Geſtaltverſte⸗ hen ſollen. Gileich wie vnſern erſten Eltern (ehe ſie ſeynd in die Suͤnde gefal⸗ len) vnd alſoin jhnen zumal dem gantzen menſchlichen Geſchlecht/ of⸗ fen ſtunde/nicht allein das jrrdiſche Paradiß / daß ſie folches bewoh⸗ nenſpflantzen j vnd (außgenommen deß Baums deß Wiſſens Gutes vnd Boſes) ſonſten von allerley Fruͤchten deſſelben ſich erquicken mochten/ſondern es ſtunde jnen auch offen zumal das himñliſche Para⸗ diß / oderder Himmel ſelber dermaſſen / daß / da ſie den Periodum oder Lauff jhres natůͤrlichen Lebens auff Erden hetten vollendet / ſie / ohne einigen Schmerzen / augenblicklich verrucktvnd eyngangen weren auß demjrrdiſchen in das him̃liſche Leben: Alſo nach dem der erſte Menſch !/ vnd in jhme zumal das gantze menſchliche Geſchlecht von Gott ab / vnd / durch Betrug deß Teuffels /nach jhrem Willen / in die Sunde ge⸗ fallen Darvmb iſt der Menſch getrieben worden / erſtlich / auß dem jrr⸗ diſchen Paradiß / vnd laͤgerte Gott fuͤr den Garten den Cherubim mit einẽ bloſſen hawenden Schwerdt / zu bewahren den Wegzu dem Baum deß „ Die V11. Predigt vber den Kirchengeſang deß Lebens / Gen ʒ. v.4. Ward alſo dem armen ſuͤndigen Menſchen von Gott verſehloſſen / vmb der Suͤnden willen / die Thuͤr in das jrrdi⸗ ſche Paradiß. Sonderlich aber (weiter) ware dem Menſchen / vmb der Sůn⸗ den willen / verſchloſſen von Gott das him̃liſche Paradiß oder Him⸗ melreich / alſo/ daß gleich wie der Menſch nicht mehr wehrtware / daß einige gute vollkommene Gabevberjhn kommen ſollen von oben oder vom Himmel herab: alſo ware er auch nit wehrt / daß er ſolte mehr von der Erden hinauff fahren oder auffgenommen werden ins Himmel⸗ reich. Chriſtus gibt hievon ein kurtzen Sententz / Johan.3.v.iʒ. Nie⸗ mandt faͤhret gen Himmel/ denn der vom Himmel kommen iſt/ nemlich / deß Menſchen Sohn / der im Himmel iſt: anzuzeigen / daß al⸗ lein dem Menſchen Chriſto (¶dieweil er vom heyligen Geiſt empfan⸗ gen / vnd alſo rein vnd vnbefleckt geboren worden) der Himmeloffen ſtche: Den andern Menſchen allen (Niemandt außgenommen) ſeyl vmbjhrer Suͤnden willen, das Himmelreich verſchloſſen. Paulus ſthreibet Epheſ.z. v.z. Wir ſind alle von Natur Kinder deß Zorns oder der Vngnad Gottes. Darvmb gleichwie es hie auff Erden be⸗ ſchaffen / da ein Kindt bey ſeinem Vatter kompt in groſſe Vngnad / der Vatter verbietet vnd verſchlieſt jhm das Hauß ! es ſolle jhm nimmen⸗ mehr in ſein Hauß vndvnter Augen kommen /iumaſſen wir hievonein Exempel haben an Dauid dem Vatter ! vnd ſeinem Sohn Abſalon/ 2. Sam. 14. v.24.Alſo vnd viel mehr / nach dem wir ſeynd durch vnſere Suͤnde gefallen in Gottes Vngnad ! iſt vns billich verſchloſſen wor⸗ den der Himmel / vnd das gnaͤdige Angeſicht G Ottes. Dagegen aber ſtehet vns offen / vmb der Suͤnde willen / der Hellen Rachen / wel⸗ che nicht allein vber vns von vnten herauff auß ſchuͤtten folte allen⸗ ley greuwliche Plagen / ſondern auch vns ſampt allen Teuffeln / hie⸗ oben von der Erden vnterſich verſchlingen lzu dem andernvnd ewigen Todt: Das Vrtheil (ſpricht Paulus Rom.ʒ. v.1ß.) iſt kommen auß einer Suͤnd zur Verdamnuß. Vnd Rom. s.verſ.23. Der Todt iſt der „Sünden Soldt. Summales ware alle Gnad / bey Gott vndzu Gottl „alleslalles / war verſchloſſen. 3 Sihet Am Zage der Himmelfahrt Chrißi. 83 Sihe / Chriſtus Gottes vnd Marie Sohn / ſchleußt (Lautvnſers * Geſangs )wider auff· Wie Er! der es doch nicht verſchuldet hat / die⸗ weil er von keiner Suͤndenie nichts gewuſtſa. Corinth.ð.v. ⁊1. hat jhme ein ʒeitlang / an vnſer ſtattvvmb vnſert willẽ / den Himmelverſchlieſ⸗ ſen laſſen (in dem er vnſere Suͤnde vber ſich genommen )dermaſſen / daß / ob er wol am Belberg vnnd am Creutz heulete zu Gott ſeinem him̃liſchen Vatter / ware doch ſein Huͤlff ferrne: Deß Tags rufft er⸗ vnd deß Nachis ſchwieg er auch nicht / aber Gott ſein him̃liſcher Vat⸗ terantwortet jhm nicht / Pſal.⁊2. v.i.⁊. Es ware jhm bey Gott ſeinem Vatier alles verſchloſſen / oder (wie der 8. Pſalm ſagt / v.ʒ.) er muſte ein kleine Zeit von GOtt verlaſſen ſeyn: Dagegen aber hat ſich der Hellen Rachen zumallergrauſamſten gegen jmeauffgethan / der Hel⸗ len Bandt vmbſfiengen jhn / Pſal. 18. verſ.y. Solcher Geſtalt aber hat Criſtus vns die Hell zugeſchloſſen / vnd iſt deß Todtes Gifft/ vnd der Hellen Peſtilentz worden / Dſeæ am dreytzehenden Capitel ver. 14. Gleich wie aber vnſere Suͤnde (welche er hat vber jhm liegen) gleichſam das Thor waren / damit Chriſto der Himmel einzeitlang zugeſperretgeweſen: Alſo / nach dem Chriſtus / durch ſein vnſchuͤldi⸗ ges Leiden vnd Sterben ) fuͤr vnſere Sůnde hat gnug gethan (inmaſ⸗ ſen mit ſich bringet ſein froͤliche Aufferſtehung) ſolcher Geſtalt hae er die Suͤnde! ſo jhme den Himmel ein zeitlang verſchloſſen hat / auß dem Weggeraͤumpt / vnd gleichſam das Thor abgehebt / daß jhme nun der Himmel widervmb offen ſtehet. Vnd hat C. Hriſtus den Himmel auffgeſchloſſen (laut vnſers ⸗ Geſangs)mit groſſem Pracht. Dauid hat ſolchen Pracht im Geiſt geſehen lang zuvor / Darvmb ruͤhmpt er jhn auch im ſieben vnd vier⸗ sigften Pſalmen / vnd ſpricht: G OTT fuhre auff mit Jauchßen / vnd der H RR mit heller Poſaunen. Welches gleichwol nicht weltlich / ſondern Geiſtlich zu verſtehen. Dañ gleich wie / da ein Kriegs⸗ Vberſter ein Statt eroͤbert hat/ alsdann erdaſelbſt pflegt eynzuziehen mit groſſem Pracht / mit Paucken / mit Poſaunt / mit frolichem Jauch⸗ keu / vnd fuͤhret mit ſich / bey ſolchem Triumph / dieGefangenc /c. Aſſo/ 1j nach Die VII. Predigt vber das Kirchen Geſang nachdem Chriſtus den Himmel widervmb erobert hat! zog ereyn mit groſſerm Pracht da frolockten vnd jubilierten mitjhme vber alle maſ⸗ ſen alle Engeliſche him̃liſche Heerſcharen / dafuͤhreter mit ſich gefau⸗ gen das Gefängnuß Pſal. o8v.is. Epheſ4· v.) Er hat außgezo⸗ gen die Furſtenthumb vnd die Gewaltigen / vndſie Schaum getragen oͤffentlich / vnd einen Triumph außjhnen gemacht / durch ſich ſelbs / Coloſ.⁊.v15. 1 Dieweller aber (welches wol ʒu mercken) nicht fur ſeine / ſondern fur Vnſere Suͤnde gelitten vnd bezahlet hat: ſolcher Geſtalt hat er nit Ihme ſelbs allein/ ſondern zumalauch Vns / das Thor (dadurchvns der Himmel verſchloſſen ware)weggeraumpt / vder (als der Geiſtliche Samſon) ſolches Thor hinweg getragen vnd auß dem Mittel ge⸗ than / daß alſo nicht jhme allein / ſondern auch vns / ja (ſoviel den Ver⸗ dienſt Chriſti betrifft) allen Menſchen nun alle Stundt vnd Augen⸗ blick der Himmel Angelweit offen ſtehet. Es ſtehet vns der Him⸗ meloffen / daß nun vnſer Gebett dringen ſoll biß in den Himmel fur Gottes Angeſicht: Es ſtehet vns der Himmel offen / daß num Gott / durch Chriſtum / Erhorung ſchicken / vnd allerley gute Gabengeben wil vom Himmel herab: Es ſiehet vns der Himmel offen / daß nun die liebe heylige Engel GDttes vnter vns auff vnd abſteigen ſollen / (wie es Jacob im Traumgeſehen / Geneſ.amas. Cap.) vns auff Er⸗ den zu bewahren: Es ſiehet vns der Himmel offen / daß vns GBtt (ſonderlich) vom Himmel herab ſenden wil ſeinen heyligen Geiſt / vnd durch dieſen allerley Geiſtliche Gaben / als Glauben / Liebe / Hoffnung / Gedult / ins ewige Leben: Es ſolle vns / in Krafft deß heyli⸗ gen Geiſtes / der Himmel offen ſtehen / auch wie Stephano / daß wir! durch Wirckung deß heyligen Geiſts / hie in dieſem Leben ſchon (ſon⸗ derlich zur Zeit der Truͤbſal vnd in Todtonohten) im Geiſt einen Blick hineyn thun / vnd die Herrlichkeit Gottes vnd Chriſtum zur Rechten Gottes ſehen / vñ gleichſam einen Vorgeſchmack haben ſollen der hiliſchen Gaben / vnd der Kraͤfften der zukuͤnfftigen Welt / Heb. 6. v. 4. vnd5. Endtlich ſtehet vns der Himmel offen: Dann er wil vns nun / vmb C. Hriſtus willen / wann wir geſtorben ſeynd / 2 zu ſich Am Tagder Himmelfahrt Ghriſti. 85 zu ſich in Himmel / daß wir ſeyen (in maſſen Chriſtus fuͤr vns gebetten / Joh.7.v4.)beyjmdaer iſt vnd ſeine Herrlichkeit ſehen / die jhm der Vatter gegebenhat. Zuti n Wirdt alſo Chriſtus durch den Propheten Micham ( Cap.⁊.v.13.) recht genennet der Durchbrecher / dieweil er / da der Himmel verſchloſ⸗ ſer war / in Krafft ſeinet vnſchuldigen Leydens vnd Sterbens/ Riegel vnd Thordurchgebrochen vndvns allen(ſ o viel an jm) auß dem Him⸗ melreich nun hat ein offen Hauß gemacht: Eriſtfreylich die Leyter (ſo Jacob dort im Traumgeſehen Gen. 28. welchereichet von der Er⸗ den biß un den Himmel / auffwelcher wir nun widervmb hinauff ley⸗ tern inden Himmel: Er hat ſich ſelbſt recht genenuet die Thuͤr in das Himmelreich Joh.io·v. g.) Sintemalvns durch jhn nun Thůr vnd Thoroffen ſtehtins Himmetreich· Wol heiſt erder Weg / Joh.i4. v5. Sintemal durch jhn der Weg iſt gemacht(lautvnſers Geſangs) vnnd gleich wie niemandt kompt ʒum Vatter/ denn durch jhnlalſo haben wir nun durch jhn widervmb einen freyen Zutrittzum Vatter / Rom.ᷓ. v. Epheſ.⁊. v. 18. i Dieſts iſts auch / das der Apoſtel ſchretbet Heb. va4 Chriſtus iſt nicht eyngegangen in das Heylige / ſo mit Haͤnden gemacht iſt(welches iſtein Gegenbildt der Rechtſ chaffenen ſondern inden Himmel ſelbſti nun zů erſcheinen fuͤr dem Angeſicht Gottes füͤrvns. Dann gleich wie⸗ wann ſonſt ein Fuͤrſt oder Herr / der vor ſeinem Geſindt eintzig eynreiteti vnd erſcheinet für einem andern Fůͤrſten vnd Hertnin deſſelben Haußl ob er wol damalen allein erſcheinet / erſcheinet er doch nit nur vnd allein fur ſich / ſondern auch fůr ſeine hernachfolgende Diener vnnd Geſind/ daß ſie auch Herberg finden mögen daſ elbſten / wo eriſt: Es geſchiehet auch gemeinlich / waͤnn ſolcher Herr ein lieber Gaſt iſt / daß auch ſeine Diener mit jhm liebevnndangenemm Gaͤſte ſcyn. Alſo iſt gleichwol Chriſtus / der Herhog vnſers Hryls (Heb. 2. v. 10.)eintzigvns vorgl⸗ fahren / vnd erſcheinetnu im Hinmeljnicht aber nur vnd allein fur ſichi ſonder vnd ſonderlich fuͤrvns / er iſthin gegangen / vns die Staͤtt zu be⸗ reiten / vnnd wil vns auchzu ſich nemmen / daß wir ſeyn ſollen / woer iſtl Johan. i4. v..3. Gleich wie nun Chriſtus Sott ſeinem himmliſchen 4 iüj Vatter — ss Die VII. Predigt vber den Kirchengeſang Vatter(alſo ʒu redemein lieber Gaſtiſt: Alſo ſollenwirnun jhmauch liebe Gaͤſt ſeyn / in feinem Geliebten( Epha.v.ð.)derma — wie er vns hat mit Chriſto lebendig gemacht / alſo hater vns auch ſampt Chriſto ſchon allbereit ehugeſet tin das himmliſche Weſen / Epheſ.s. Wolan/ Es hielte es Abſalon fůn ein groſſes Creus / daß jhm ein zeitlang der Weg verſchloſſen war in das Hauß vnd für das Angeſicht Dauids ſeines Vatters: Iſt ein Miſſethatanmir(ſpricht er zu Joab) ſo todte du mich⸗ Wolt alſo Abſalon liebercodt ſeyn / daß ſolcher Geſtalt lebenæ· Sam.14· v32. Widenvmb aber hielt es Abſalon fůn ein beſon⸗ dere Wolthãt / daß jm Joab durchſeint Vorbitt das Hauß Dauids ſei⸗ nes Vatters widervm̃ auffgeſchloſſen / vñden Weg dermaſſen gemacht hat / daß jn ſein Vatter Dauid widervmbvmbfanget vnd kůſſet/a. Sa⸗ muel. 4. v. 33 . Wie viel groöſſers Creutz ware es / daß vmb vnſerer Suͤnden willen / vns der Weg in den Himmeli fuͤr das gnaͤdige Ange⸗ ſicht Gottes / verſchloſſen ware. Dann gleich wie das Anſchawen deß gnaͤdigen Angeſichts Gottes mit ſich bringet ewiges Leben / alſo / da vns der Weg verſperret geblieben were / fuͤr das Angeſicht Gottes / ſolches were geweſen vnſer ewiger Todt. Wieviel eingroſſere Wolthat iſt es dann jetzo widervmb / daß vns Chriſtus durch ſeinen Verdienſt dermaſ⸗ ſen widervmb hat verſoͤhnet bey G Ott ſeinn himmliſchen Vatter/ daß vns nun der Himmelvnd der Wegfuͤr das gnaͤdige Angeſicht Got⸗ tes / nit allein widervmb frey offen ſtehet / ſondern Gott der himmliſche Vatter / vmb Chriſtus willen / vns widervmb wil an ſein Hertz druͤcken vnd kuͤſſen / Luc.i5.v. x0. ioie Wann die Tuffel in der Hell ſolchen Troſthabenkoͤndten / nemlichſ daß ſie dermal eins durch Chriſtumwidervmbkoͤndten auß der Heller⸗ lediget werden / vnd gen Himmelfahrenihilff Goit / wie wuͤrden ſie dar⸗ vber frolocken / vnd gern leyden woͤllen dil heiliſche Qual viel tauſendt maltauſendi Jardaß ſie nur hoffenfoͤndten ſie wuͤrden einmal darauß entnommen vnd in den Himmel verſeßet werden. Aber da ſeynd ſie ohn offnung / vnd habenkein Troſt / ſondern es iſt vnd bleibtjnen der Him⸗ mel vndalle Gnad verſchloſſen in Ewigkeit. Dann gleich wie S — — — — Am ⁊ag der Himmelfahrt Chriſit. 37 nicht Engel / ſonder menſchliche Natur angenomen hat alſo hat er auch den Himmel auffgeſchloſſen / nit den verdampten Engeln / ſonder Men⸗ ſchen. Darvmb ſollen ſie billich erʒittern(Jac.⁊.v.19. Dagegen aber ſingen wir billich: Vnſer Hertz iſt Frewden voll: Vnd da ſie Gott haſ⸗ ſen vnd laſtern / ſingen wir billich: Darvmb ſey Gott Lob / vnd widerho⸗ len alſo recht das Halleluia zum offtermalen / welches ſo viel heiſſet lals: Lobet den HErrn. Ihm(nemlich Chriſto / dervns den Himmel auffge⸗ ſchloſſen) ſampt Gott dem Vatter (welcher Chriſtum ſeinen Son da⸗ zu geſandt hat) vnnd heyligem Geiſt(welcher Chriſtum darzu geſalbt hat) als dem einigen / wahren/cwigen Gott ſeye dafuͤr Lob / Ehr vnnd Preyß in Ewigkeit / Amen. Die ander Predigt / vber das Ktrchen⸗ Geſang von der Himmelfahrt Chriſti. K2 Etiebte im HeRRN Chriſto / Wir haben naͤher⸗ ſe. mals auß dem verleſenẽ Geſangvon der Hĩelfahrt Chri⸗ pe ſtigehort zwey Sruͤcklein. Erſtlich haben wir etwas geredt S von der Himmelfahrt Chriſti wie ſolche zu verſtehn. Item Warvmb vnd wiewir ſolches Feſt Chriſtlich begehen vnd feyren ſollen. gum andern Was vns Chriſtus durch ſein Himmelfahrt erworben habi Nun iſt noch bevor / vnnd folget nun der dritte Theil ſolches Ge⸗ fangs / wie wir vns nemlich verhalten ſollen / daß wir anfangen Chriſto nachzufahrenin den Himmel / weil wir noch ſeyndt vnnd leben hie auff Erden biß wir jhm dort im Himmel allerdings werden gleich ſeyn. Darvonwollen wir zu dieſem malreden vnd horen. Vnſer. HErrvnnd Heylandt Chriſtus / ſo vns den Himmelauffgeſchloſſen / ſchlieſſe vns auff beyderſetts durch ſeinen H. Geiſt / Mundt vnd Hertzendamit wir hievon was fruchtbarlich reden / vnd behalten moͤgen zu ſeiner Ehrlvnd vnſerer Beſſerung ins Himmelreich / Amen. Nach dem vnſer Kirchen Geſang gelehret hat / wie Chriſius vns den Himmel widervmb auffgeſchloſſen habe / Folget nun ein S arbey ss Die VIII. Predigt vber den Kirchengeſang Darbey man ſich doch ruͤſten ſolle/ dem HErrn nach ʒu folgen. Hiemit werden wir erjnnert / vb wol Chriſtus durch ſein Himmelfahrt vns den Himmel widervmb eroͤffnet / daß vns doch gebůͤhre hie in dieſem Leben vns zu růſten / auff daß wir wuͤrdig ſeyen / jm dermal eins ins ander ewi⸗ ge ie muß man ſich dann růſten auff Erden e Die Phariſæervnnd Schrifftgelehrten zurgeit Chriſti/ſchmuckten ſich genen / guten Wercken / vnnd vermaſſen ſich derſelben ſo hoch (Luc.is. v.v. daß ſie vermeynten / ſolcher Geſtalt außbundig herauß geruͤſtet ſeyn / ſie ſterben wann ſie wolten / daß ſie nur alſo warm hinein fahren wolten / Chriſto nach / ins Hĩelreich. Aber es ſpricht Chriſtus / Mat⸗ thæi amꝛz. v. 8. dieweil ſie nur außwendig fromb ſcheinten / innwen⸗ dig aber waren voll Heuchlerey vnd Vntugendr / Darvinb wuͤrde es jhnen fehlen: vnnd nennet ſie eben im ſelbigen Capit, v. 15.) Kinder der Hellen. Demnach es ſey dann / daß vnſer Gerechtigkeit beſſer ſeye / denn der Phariſrer vnnd Schrifftgelehrten / koͤnnen wir nicht in das Him⸗ melreich kommen / Wie C H RJ S TVS ſutſn⸗ thai am.v. 20. 85 z Die Papiſten habenetwan gelehrt/wir ſollen hie auff Erden Chri⸗ ſio allerdings nachfolgen / beydes im Thun vnnd im Leyden / als danii werden wir jhm auch dermal eins nachfahren ins Himmelreich· Daher ſie die Werck ſolches Gehorſams genennet haben Alas, Das iſt / Fiù gel / damit ein Menſch Chriſto koͤnne gleichſam nachflichen ins Him⸗ Vnnd ʒwar / weniget iſtes nicht / es vermahnetvns auch Petrus G. Pet.⁊.v.⁊1. Dieweil Chriſtus habfur vns gelittẽ / vñ vns ein Fůͤrbild gelaſſen / ſo ſollen wir nachfolgen ſeinen Fußſtapffen. Daran nu iſt kein weiffel. 5 . Dieſes allein iſt hie die Frag: Ob wir hie auffErden vermoͤgen dem HErrn Chriſto im Thun vnd Leyden vollkoͤmmlich nach zu folgen / vñ alſo durch ſolches vnſer Thun ſo viel zu erlangen / daß wir mit Chriſto aufffliehen moͤgen ins Himmelreich e Solches aber iſt vns hie auff Er⸗ den ſo vnmuglich / wie vnmůglich vns iſt / daß wir hie auff Erden mit ern Am Tag der Himmelfahrt Chriſti. 59 ſern Haͤnden den euſſerlichen Hĩel erlangen moͤgen. Sintemal Chri⸗ ſtus / neben dem / daß er ware der ewige Sohn Gottes / iſt / nach ſeinem Fleiſch/ empfangẽ worden võ.H. Geiſt / vnd alſo abgeſondertallerdings von den Suͤndern / heylig vnd vnbefleckt / Heb.y. v. 26. Darvmb koñte er ſeinem Vatter vollkommenlich gehorſam ſeyn / vnnd alſo dardurch verdienen das Him̃elreich. Wir aber ſeynd(leyder) Fleiſch vomFleiſch Joh.3. v.. Vñ da wir nach vnſerer Widergeburt bey vns ſchon befin⸗ den das Wollen/ koͤñen wir doch bey vns nit finden das Vollbringen / (Rom..v. 18.ſondern fuͤhlen vielmehr (v. 23.) ein ander Geſetz in vnſern Gliedern / das dawiderſtrebet dem Geſetz in vnſerm Gemuͤht / vnd nimpt vns gefangen in der Suͤnden Geſetz. Demnach vns vnmug⸗ lich iſt / daß wir in dieſem Leben wandeln moͤgẽ in ſolcher Vollkommen⸗ heit / wie Chriſtus gewandelt hat / vnd demnach auch vnmuglich / Chri⸗ ſto nachzufolgen / durch vnſere Werck ins Himmelreich. Haben alſo die Papiſten hiemit die arme Leut bereden woͤllen / daß ſie ſich vntorſtehn ſollen zu fliehen gen Himmel / doch ohne Feddern. Ja wann man die gute Werck / ſo wir vollbringen (nach dem wir nun widergeborn ſeyndt) auß Trieb deß heyligen Geiſts / hie auff Er⸗ den / ſo hoch wil anbringen / daß wir vns vnterſtehen ſolten / durch Ver⸗ dienſt derſelbigen / zu fahren in das Himmelreich / ſo mag manwolzuſe⸗ hen daß vns darneben nicht ergehe / wie jenem / mit Namen Dedalo / vonwelchem man lieſet / daß er jhm ſelbſt habe auß Wachs Fluͤgel zuge⸗ e ſo kuͤnſtlich / daß er ſchon angefangen / ſich damit zu erſchwingen ei die Hoͤhe: Als er aber der Sonnen zu nahe geflogen / ſeyen jhm ſei⸗ ne Fluͤgelfuͤr der Sonnen Hitz zuſchmoltzen / vnd er hervnter geſtuͤrtzt in den Abgrundt deß tieffen Meers: Alſo / da wir vns wolten mit den Pa⸗ piſten vnterſtehen / durch Verdienſt vnſers angefangenen / vnvollkom⸗ menen Gehorſams / Chriſto nach zu flichen ins Himmelreich / wann wir damit erſcheinen wuͤrden fur dem Angeſicht Gottes / wuͤrden fuͤr dem Fewer der geſtrengen Gerechtigkeit Gottes / als baldt zuſchmeltzen vnd zu Waſſer werden alle vnſere gute Werck / von wegen jrer Vnvollkom⸗ menheit / wir aber darvmb / daß wir mit ſolcher vnſerer eygenen Ge⸗ rechtigkeit welche doch iſt fuͤr Gott / wie ein vns do Die VII. Predigt vber den Kirchengeſang vns ſo vielvermeſſen / doͤrffen geſtuͤrtzt werden in den Abgrundtj nicht nur deß Meers / ſondern der Hellen. Vnd auff dieſe Meynung ſpricht Ehriſtus / Luc.i8. v.14. Wer ſich ſelbſt erhoͤhet / der wirdt ernidriget werden. Demnach / welcher ſich ruͤſtet / dem HRMn Chriſto nach⸗ zufo 6. durch Verdienſt ſeiner eygenen guten Werck / ſolcher iſtvbes geruͤſtet. Vielvbeler aber wer den wir geruͤſtet ſeyn / Chriſto nachzufahren ins Himmelreich / wenn wir vnſers Fleiſches Willen vollbringen hie auff Erden. Dann alſo folget in vnſerm Geſang: Wer nit folget / vnd ſeinen(eygenen) Willen thut: Dem iſt nicht Ernſtzum HErrn. Dann er wirdt auch fuͤr Fleiſch vnnd Blut / ſein Himmelreich verſperren. Welches nichts anders iſt / dann was auch Paulus ſchreibet / Rom. 8. v. . Die da Fleiſchlich ſeyndt / moͤgen Gott nicht gefallen. Vnd herna⸗ cher v. 3. Wozhr nach dem Fleiſch lebet / ſo werdet jhr ſterben. Vnnd Gal.. v.19Pffenbar ſeynd die Werck deß Fleiſches /als da feynd Ehe⸗ bruch / Hurerey / Vnreinigkeit / Vnzucht/ Abgotterey / Zaͤubercy / Feindſchafft / Hadder / Neydt / gorn / Zanck / Zwytracht / Rotten / Haſſz/ Mordt / Sauffen / Freſſen vnd dergleichen / von welchen ich euch zuvor geſagt hab / vnd ſage noch zuvor / daß / die ſolches thun / werden das Reich Gottes nicht erben / ſondern es wirdt jhnen Gott der HErr (wie wir im Geſang ſingen) das Himmelreich verſperren · Was iſt dann noch die rechte Ruͤſtunge Wers glaͤubet(laut vnſers Geſangs )deß Hertz iſt Frewden voll. Vnd imfolgenden Verſic. Am Glauben liegts /ꝛc. So iſt nun am allermeiſten von nohten / daß wir hie auff Erden glaͤuben. Was muͤſſen wir glaͤuben? Du muſtglaͤuben / nit nur / daß Chriſtus gen Himmel gefahren / vnd daß Chriſtus durch ſein Himmelfahrt den Himmel auffgeſchloſſen hab(folches glaͤuben auch die Teuffel / vnnd erzittern) Sondern du ſolt glaͤuben / daß Chriſtus gen Himmelgefahren / vnnd dardurch dir / dir auch den Himmel auff⸗ geſchloſſen hab /nach den Worten Chriſti( Johan. ꝛ⁊0. v.7. Ich fahre auff ʒu meinem Gott / vnd zu ewrem Gott / zu meinem Vatter/ vnnd zu twrem Vatter. Wir leſen Matth. as. v. p. Daß Maria Chriſtum nach erſte⸗ * — — — Am Tag der Himmelfahrt Fhriſti. 91 erſtehung auß groſſer Lieb bey ſeinen Fuſſen erwiſchen / vnnd bey ſich be⸗ halten wollẽ: Aber es war damal noch nit an dergeit. DaherChriſtus zu jhr ſpricht / Joh.⁊0. v.17. Ruͤhre mich nit an: Ich bin nocht nicht auff⸗ gefahren ʒu meinem Vatter. Nun aber/ dieweil Chriſtus allbereit auff der Fahrt iſt gen Himmeljnun(ſprich ich)iſt es eit / daß wir jhn ergreif⸗ fenmit wahrem Glauben / vnd vns durch den Glauben ſteiff an jn hen⸗ cken: Als dann / dieweil er ja aufffaͤhret zu ſeinem Vatter in Him̃el / muß er vns dochlals die wir vns mit Glauben jhm angehenckt ) mit ſich fuͤh⸗ ren ins Himmelreich. Wer es glaͤubt / deß Hert iſt Frewden voll. Vnde(wie wir weiter ſin⸗ gend ſolch Himmelfahrt faͤnget in vns an hie auff Erdenim Glauben. Dann die Glaͤubigenſob ſie ſchon noch nicht mit Augen ſehen / hie auff Erden / Chriſtum in hĩliſcher Herrlichkeit / vnnd alſo auch jhre eygene himmliſche Seligkeit: jedveh durch den Glauben (welcher iſt ein gewiſ⸗ ſe uverſicht / deren Ding / die man hoffet/ vnd nit zweiffelt an dem / das man nicht ſihet / Heb. u.v1. ſehen ſie im Wort der Verheiſſung / ſoge⸗ wiß jhr Him̃elfahrt durch Chriſtum / als ſehen ſies gleich auch mit leibli⸗ chen Augen. Vnd darvmb / gleich wie Abraham / als er im Glauben ge⸗ ſehen den Tag Chriſti / an welchem Chriſtus iſt ins Fleiſch geboren worden / ſich darvber ſo hoch erfrewet hat(Joh. 8. v. 56. als ſehe er jhn gleich auch mit leiblichen Augen / vnnd als hette er jhn gleich auch in ſei⸗ nen Armen drinnen / wie der alte Simeon / Luc. 2. v. 28. Alſo / welcher warhafftig glaͤubet / daß Chriſtus habe jhm den Himmel auffgeſchloſ⸗ ſen / vnnd hencket ſich alſo Chriſto an durch wahren Glauben: Solches Hertz iſt allbereit ſchon ſo voller himmliſcher Frewden / als were er etli⸗ cher Maſſen ſchon im Himmeldrinnen. Eo kan ſie auch der Teuffel(ſo lang ſie ſich halten an Chriſtum) da er ſchon wolte / durch keinerley Verſuchung widervmb ſchuͤtteln von Chriſto. Sintemal / gleich wie wir mit der Handt vnſers Glaubens er⸗ greiffen Chriſtum / alſo werden wir hingegen auch ergrieffen vnnd ge⸗ halten von Chriſto / durch die Handt ſeines Goͤttlichen Geiſtes (Phi⸗ kp.3. v. 16.) Darvmb / da gleich die Handt vnſers Glaubens / damit wir vns an Chriſtum halten / dem Teuffel zu ſchwach ſeyn moͤchte / iſt doch 2 1 vber Die V11I. Predigt vber den Kirchen Geſang vberalle Maſſen ſtarck vñ maͤchtig / die Handt vnſers HErrn vnd Hey⸗ landts Chriſti damit ervns ergrieffen hat / anſich haͤlt vnd mit ſichfůß⸗ ret: Darvmb er dann Trotz bietet dem Teuffel vnnd allen Creaturen/ Johannis amzehenden Capitel / im acht vndzwantzigſten Verſ. Meine Schaͤflein werden nimmermehrvmbkommen / vnd niemandt wirdt ſie auß meinen Haͤndenreiſſen. Solle nun (wie wir weiter ſingen in vnſerm Geſang )der Glaub ſeyn rechtſo iſt auch gewiß das Leben ſchlecht / zu G Btt in Himmelge⸗ richtet. Dann wir lehren nicht einen todten Glauben (wie vns die Papiſten Schuldt geben) ſondern einen wahren lebendigen Glau⸗ ben / welcher in Krafft deß heyligen Geiſtes / iſt ein geſchaͤfftig Ding: Dermaſſen / daß / gleich wie das Leben / ſo es in einem menſchlichen Leib iſt / ſich in die Länge nicht verbergen kan / ſondern es laͤſt ſich ſpůͤ⸗ ren durch den Athem / vnnd andere euſſerliche Bewegungen deß Leibs: Alſo kan auch ein wahrer lebendiger Glaub in dem Menſchen nicht feyren / ſondern ererzeiget ſich auch euſſerlich im Leben / Jacobꝛ. v. 26. Dermaſſen / daß wie das glaͤubige Hertz durch den Glauben innwen⸗ dig nur vber ſich vnd zu Gott in Himmel gerichtet iſt / alſo auch das Le⸗ ben außwendig zu Gott in den Himmel geſchicket iſt / Daß alſo / wo der Glaub iſt recht / allda der Menſch auch in ſeinem Leben außwendig an⸗ fahet / nahe vnd nahe dem HErrn Chriſto ſchlecht vnnd richtig nach zu fahren ins Himmelreich. Wie geſchiehet das e Wann man nemlich anfahet zu fliehen ſtaͤtts der Welte Bahn. Dann wie geſchrieben ſtehtꝛ. Johan. 5. v.19. Die Welt liegt im Argen. Demnach laſſet vns nicht licb haben die Welt / vnnd was in der Welt iſt. So jemandt die Welt lieb hat / in dem iſt nicht die Liebe deß Vatters. Dann alles was in der Weit iſt / nem⸗ lich deß Fleiſches Luſt vnnd Augen Luſt / vnnd hoffertiges Leben / ſol⸗ ches iſt nicht vom Vatter / ſonder von der Welt / vnnd die Welt verge⸗ het mitjhrer Luſt /. Johan. ⁊. v. 15. Wehe demnach hiervber den jeni⸗ gen / welche ſich woͤllen Ruhm haben auff Erden / daß ſie Weltkinder ſeyen / vnnd ob ſie ſchon einmal entflohen ſeyn dem Vnflat dieſer Welt / doch muhtwilliglich ſich widervmb eynflechten in 6 5. ieſer Am Tage der Himmelfahrt Chriſti. 93 dieſer Welt / als Hurerey / Vnzucht / Geit /Freſſen / Sauffen /ꝛt.⁊. Pe⸗ triꝛ.v. ⁊0. Dann ſolehe geben hiemit zu verſtehen / daß jhr Glaub nicht ſey recht: Darvmbj gleich wie die Rechtglaͤubige / hie noch in dieſem Le⸗ ben anfangen Geiſtlicher Weiß auffzufahren in das Himmelreich! al⸗ ſo fahren die genannte Weltkinder (da ſie nicht Buß thun) noch bey lebendigem Leib hinvnter nahe vnd nahe in die Hell. Dann ſie ſeynd hie auff Erden ſchon verſtrickt in den Banden deß Teuffels / biß daß ſie (als die jenige / welche ſich getroͤſten nur dieſes guten Lebens / vnd es preiſen / wann einer hie auff Erden nach guten Tagen trachtet / Pſal. 49. v.18.) dermalen eins durch den Todt allerdings fahren jhren Vaättern nach / vnd ſehen das Liecht nimmermehr / Pſal. 49.v. 19. Laſſet vns demnach folgen der Vermahnung deß H. Apoſtels Pauli/Rom. n. v.2. Stellet euch nit dieſer Welt gleich: Die da Wei⸗ ber haben / die ſeyen / als hetten ſie keine / die daweynen / die thun / als weynten ſie nicht / die ſich freuwen / als freweten ſie ſich nicht / die da kauffen / die ſtellen ſich / als beſaͤſſen ſie nichts / vnd die ſich dieſer Welt gebrauchen / die mißbrauchen ſich derſelben nicht. Dann das Weſen in dieſer Welt vergehet /1. Cor.v. v.30. ſondern ein jeder werde verwan⸗ delt in der Verneuwerung ſeines Sinnes / Rom.n.v.⁊. Vnd (wie wir weiter ſingen in vnſerm Kirchẽ Geſang) thue ſich zu Gottes Kindern.⸗ Was thun dann die Kinder Gotteseꝛ. Joh.ʒ. v.. Wer auß Gott geboren iſt / der thut nicht Suͤnde: Dann ſein Samebleibt bey jhme/ vnd kan nicht ſuͤndigen. Dann er iſt von Gott geboren. Daran wirdt es offenbahr / welche die Kinder Gottes vnd die Kinder deß Teuffels ſind. Wer nicht recht thut / der iſt nicht von Gott / c. So iſt nun dieſes die Art der rechtſchaffenen Kinder Gottes / daß ſie ſich auch in jhrem Leben euſſerlich / nahe vnd nahereiſſen von der Welt / welche Luſt hat zu Suͤnd vnd Vngerechtigkeit / vnd dem jenigen nachſtreben / das Gott im Himmel wolgefaͤllig iſt. Alſo laſt vns auch thun:vñ hierinnen nach⸗ folgen der Vermahnung deß heyligen Apoſtels Pauli / Coloſ.z. v.z. Suchet was Droben iſt / da Chriſtus iſt / ſitzendt zur Rechten Gottes. Trachtet nach dem / das droben iſt / nicht nach dem das auff Erden iſt. Todtet euwer Glieder / die auff Erden ſeynd / Hurerey / Vnreinigkeit / M i ſchaͤnd⸗ „₰ Die VIII. Predigt vber das Kirchen Geſang ſchůͤndtliche Brunſt / boſe Luſt vnd den Geit (welcher iſt Abgötterey) x.Leget alles von euch / den Zorn / Grim̃ / Boßheit / ſchandtbare Wort auß euwerm Mundt: Luget nicht vnter einander. Ziehet den alten Menſchen mit ſeinen Wercken auß / vnd ʒiehet den Neuwen antc. Zie⸗ het an / als die außerwehlte Gottes Heyligen vnd Geliebte / hertzliches Erbarmen / Freundtlichkeit / Sanfftmut / Gedult / vc. Da wir nun dermaſſen geruͤſtet ſeyn im Glauben / vnd (auß dem Glauben) auch in vnſerm Leben / vnd alſo/ wie Kinder Gottes/ dem HERRN Chriſto / weil wir noch hie auff Erden ſeynd / Seiſtlicher Weiß anfangen nachzufahren in den Himmel / alsdann / ob wir gleich⸗ wol/ ſo langwir leben auff Erden / ſeynd hie vnten / vnd der Vatter dro⸗ bentjedoch gehet dabey an Treuw vnd Lieb vns nichts ab. Denngleich wie wir ! als ſeine Kinder / mitler Weil ſehnlich hinauff ſehen (wie wir „weiter ſingen) nach vnſerm getreuwen Vatter im Himmel / alſo ſi⸗ „het der Vatter widervmb hertzlich zu vns herab / Pſal.33. ver.18. Wir! „dieweil wir vns taͤglich an Gott verſuͤndigen / ſehen taͤglich hinaufff vnd bitten demuͤtiglich vom Vatter Vergebung vnſerer Suͤnden: Der Vatter ſihet widervmb herab / auff vns (als die wir ſeynd eines zubrochenen Geiſtes / Eſa. am 66. Cap. ver.2.) vnd / da wir gleich durch vnſere Suͤnde / ſchwehre Straff verſchuldt hetten / iſt doch ſein Barmhertzigkeit ʒu brůnſtig / Oſex amn. Cap. v.s. die bricht jhm das Hert / daß er ſich vnſer (als ſeiner theuwren Sohne vnd trauwten Kin⸗ der) erbarmet / Jerem. 3 .ver. 20. Wir ſohen hinauff/ hie in dieſer Schwachheit / vnd bittenmit dem betruͤbten Vatter / Mar.o.ver.24. Hekomme ʒu Hůlff vnſerm Vnglauben: vnd mirden Juͤngern / Lu 7 ver.ʒ. HERſtärcke vns den Glauben: Alſo ſihet der Vatter widervmb herab / vnd wil der Schwachen warten / wie recht iſt / Ezech. am34. Cap. ver.is. vnd ſie durch das gepredigte Wort vnd die heyli⸗ ge Sacramenten hie auff Erden / verklaͤren / in Krafft ſeines heyligen Geiſtes / von einer Klarheit zur andernx. Corinth. amz. Capit. ver.i8. Win ſehen hinauff / vnd bitten den Vatter vmb das tagliche Brot: Erſihet herab / vnd da die jrrdiſche Vaͤtter jhren Kindern gute Ga⸗ ben geben / wil er vielmehr vns guts geben / da wir jhn atth. Am Zage der Himmelfahrt Chriſii. 55 Matth. amꝰ. Cap. ver. u. Wir ſeynd auff Erden vmbgeben mit aller⸗ ley euſſerlichen maͤchtigen Feinden / vnd ſehen hinauff in ſolcher Noht / zu vnſerm Vatter/ klagen es jhm / vñ ſprechen mit Joſaphat! .Chron. amꝛo. Cap. ver. x. HERnin vns iſt nicht Krafft gegen dieſem groſ⸗ ſen Hauffen / der wider vns kompt / wir wiſſen nicht / was wir thun ſol⸗ len· Sondern vnſere Augen ſehen nach dir: Er / der Vatter / ſihet wi⸗ dervmb herab / vnd ſpricht Zach. am⁊. Cap. ver.ʒ. Ich wil ein feuwrige Mauwer vmbher ſeyn / vnd mich herrlich vnter euch erzeigen. Wann er vns ein zeitlang anhaͤlt vnter dem Creut / vnd da wir hinauff ſehen / er nicht gleich heraber ſihet / wie wir woͤllen / woͤllen wir vermeynener habe ſein Angeſicht von vns gar abgewendt: Aber er ſi⸗ het herab auch / in dem wir vermeynen / er habe ſich verborgen / vnd er⸗ beut ſich gegen vns / als ein Vatter/ auch in dem er vns zuchtiget / vnd lſt vns nicht verſucht werden vber vnſer Vermogen / ſondern ſchaffet es / als der getreuwe Gott / daß es ein Endt gewinne⸗ daß wirs ertragen mögen / dermaffen / daß / gleich wie wir deß Leidens Chrifti theilhafftig werden / alſo wir auch durch Chriſtum / in Krafft deß heyligen Geiſts/ reichlich getroͤſtet werden /i.Cor.io.v. 13. ⁊. Cor.1. v.. Wann wir verfolget ſollen werden vmb deß Worts Goites willen / vnd wir ſehen hinauff / vnd ſprechen / HMR wir verlaſſen alles / vnd folgen dir nach / Matth. . v.a7. Der Vatter ſihet wider herab/ vnd ſpricht vns zu / wie dort Abraham / Gen.i. v.2. Ich wil dein Schildt / vñ dein ſehr groſſer Lohn ſeyn. Vnd durch ſeinẽ geliebten Sohn Chri⸗ ſtum: Selig ſeydt jhr (Matth.ʒ. v. n.)wann euch die Menſchen vmb meinet willen ſchmaͤhen vnd verfolgen: Seydt froͤlich vnd getroſt / es wirdt euch im Himmelwol belohnetwerden. Wañwir vmb deß Euan⸗ gelij willen auch zum Todt ſollen vervrtheilet werden / vnd wir ſehen mit Stephano hinauff zum Vatter / vnd ſprechen: HRlvmb dei⸗ net willen werden wir getoͤdtet den gantzen Tag / wir werden geachtet wie Schlachtſchaf / Roman. am s. Cap.v. 36. Er / der Vatter / wirdt kerab ſehen / vnd alsbald ʒerreiſſen den Himmel (wie er vber Stepha⸗ no gethan hat) vnd vnſer Seel auffnemmen vnd bebalten in him̃liſcher Freud vnd Seligkeit. 5 Die VIII Predigt vber das Kirchen Geſang Iſt es dann / daß wir vnter ſo vielen Truͤbſalen dieſer Welt ſelbs ſatt ſeyn dieſes Lebens / ſehen hinauff zum Vatter / vnd begeren mit S. Paulo auffgeloſet ʒu werden / vnd bey dem HMnn Chriſto zu ſeyn/ Philip.i.v. ⁊3 Der Vatter wirdt herab ſehen alsdann / vnd (da es vns nicht ſchaͤdlich an vnſerer Seelen Seligkeit) endtlich zu vns ſprechen mit gnaͤdigen vñ hertzlichen Worten: Wolan / ſo gehe hin mein Volck / in dein Kammer / vnd ſchleuß die Thuͤr nach dir ʒu / verbirge dich ein klein Augenblick / biß der gorn fůͤruber gehe / Eſa.⁊6. v.20. Vnd wirdt vns alſo der HERRwegraffen fuͤr dem Vngluͤck / vnd vns verſetzen in den Frieden / vnd ruhen laſſen in vnſern Kammern / Eſa.ʒ6. v.i3. vñ14. Auß dieſem allem verſtehen wirja / ob wir wol noch ein zeitlang auff Erden leben / vnd den Vatter im Himmel noch nicht ſchauwen koͤnnen von Angeſicht zu Angeſicht / daß doch dabey wahr iſt / wie wir „in vnſerm Geſang ſingen: An Treuwvnd Liebe gehet vns nichts ab: „Biß daß wir zuſammen kommen allerdings. Welches geſchehen „wirdt alsdann / wann vnſer HE Chriſtus / gleich wie er iſt ſichtbar⸗ lich auffgefahren gegen den euſſerlichen Himmeln / vndjhn ein Wolck auffgenommen / alſo ſichtbarlich widervmb herab fahren vnd erſchei⸗ nen wirdt in den Wolcken / Act.1.v. n. Alsdann wirdt vns (wie wir wei⸗ ter ſingen) GDtt zu jhme nemmen. Sintemal wir alsdann dem HxRM werden entgegen gezuckt werden in den Wolcken/ vnd bey dem HE RRn ſeyn allezeit . Theſ.4.v.i7. Dieſes wirdt erſt ſeyn vn⸗ ſere vollkommene Himmelfahrt. Alsdann wirdt vns Gott machen ſeinem Sohne gleich / wie wir dann jetzt bekennen / nemlich / auß der. Johan. 3. Cap. v.. Welches nicht dahin zu verſtehen / als wann vns Gott alsdann auch wuͤrde ſetzen zu ſeiner Rechten / gleich wie er Chriſtum ſeinen Sohn geſetzet hat zu ſeiner Rechten (Sintemaler ʒu keinem Engelgeſagt hat: Setze dich zu meiner Rechten / Heb.i.v.iz.) ſondern daß der HxR alsdann nicht allein vnſere nichtige Leiber verklaͤren vndgleichfoͤrmig machen ſeinem clarificierten Leib / Philip.ʒ. v.⁊.ſondern auch innwendigvnſere See⸗ len / nach der Maß Chriſti / ʒieren wirdt mit vollkommener Gerechtig⸗ keit (Gal.s.v.p.) Freud vnd Seligkeit. Dann Am Zag der Himmelfahrt Chriſti. 97 Dann wirdt der Tag erſt ſeyn Freudenreich (ſaut vnſers Geſangs) Dann da das Hertz da es ſolches alles ſihet hie auff Erden / nurdurch den Glauben / davon wirdt Freuden voll / wie wir droben geſungen ha⸗ ben: Was wirdt ſich dann erſt fuͤr vnauß ſprechliche Hertzen Freudter⸗ heben im Himmel/ da wir nicht mehr wandeln werden nur im Glau⸗ ben / ſondern im Schauwen (. Cor.. v.7.) da dann auffhoͤren wirdt das Stuckwerck / vnd wir Gott ſehen werden / von Angeſicht zu Ange⸗ ſicht (i. Cor.iz. v.10. .) vnd wie er iſt/. Johan. 3. v.⁊. Da wirdt ſich finden Freudt vnd Muht (laut vnſers Geſangs) ⸗ nicht aber nur ein zeitlang / ſondern (wie wir weiter ſingen) zu ewigen ⸗ Zeiten / vnd dazu bey dem Hochſten Gut. Dann alsdann wirdt Gott ſeyn alles in allemſi. Corinth.iʒ. v.⁊8. Gtt aber gleich wie er iſt der Allerhoͤchſt / als der Schoͤpffer vnd HERR Himmels vnd der Er⸗ den / alſo wirdt er billich genannt! vnd iſt auch warhafftig das hoͤchſte Gut. Sintemal / da gleich auch die jrrdiſche Guͤter mit ſich brin⸗ gen zu Zeiten jhren Luſt vnnd Freud: wirdt doch ſolches jmmerdar vermiſchet vnd befleckt mit allerley Vnluſt vnd Hertzleydt: Vnd da gleich ſolche Freudt am allerbeſten / iſt ſie doch nur ein zergaͤngliche reudt. 3 Darvmb / gleich wie das Goldt das hoͤchſt Metalliſt / darvmb / daß es in dieſer Welt ein vnverweßlich Metall alſo iſt ja freylich Gott da⸗ hero das hoͤchſte Gut!/ dieweil er iſt ein vnverweßlich / vnverwelcklich vnd vnbefleckt Gut / . Pet.i. Den jrrdiſchen Frieden nennet man Au- ream yacem darvmb / daß er vnter den jrrdiſchen Guͤtern iſt das hoͤchſte Gut. Nun iſt aber der jrrdiſcheFried doch kein beſtendig / ewig / ſondern ein vnbeſtaͤndig vnd zugaͤnglich Gut. Derwegen wirdt G OTTviel billicher genennt das hoͤchſte Gut / welcher iſtim Himmel vnſer Fried vnd Freudt / Rom.i4 v.7. vnd zwar ewiger Fried vnd ewige Freud/ welche nimmermehr kan von vns genommen werden / Johan. amis. Cap. v. ⁊2. Endtlich beſchlieſſen wir ſolches vnſer Geſang mit dieſen Wor⸗ ten: Gott woͤlle / daß wir es erleben. Dann dieweil hie auff dieſer Welt doch nichts / dann Muͤhe vnd Arbeit / ſehnen wir „ Die M. Predigt ober dengewohnlichen Geſang/ wir vns billich nach vnſerer Behauſung / die im Himmel iſt / vnd wob ten lieber nicht durch den zeitlichen Todt entkleydet werden / ſondern erleben die herrliche Zukunfft Chriſti / vnd demnach nur alſo lebendig in einem Augenblick .Cor.i. v.⁊. vberkleydet vnd verwandeltwer⸗ den / auff daß das ſterbliche wurde verſchlungen von dem Leben / ⁊. Cor. ß. ver.y. Eben wie auch Johannes dort ſehnlich ruffet Apocal.2.) Komme HxRR Jeſu. Iſts aber Gottes Wolgefallen anderſi / nem⸗ lich / daß wirs nit erleben ſollen hie auff Erden / ſo laſt vns an ſtatt der Wort (Gott woͤlle daß wir es erleben) ſingen: Gott der Vatter wohne vns bey / vnd laß vns nicht verderben: Mach vns aller Suͤnden frey vnd helffe vns ſelig ſterben / Auff daß doch vnſer Seele durch den zeitli⸗ chen Todt fahre ins ewig Leben / biß daß Chriſtus am jůngſten Tag/ durch ſeine Stim̃ erwecken wirdt vom Todt auch vnſere Leiber / vnd die Seel mit jnen vereinigen: Da werden wir an Leib vnd Seel erfreu⸗ wet werden / mit vnaußſprechlichen herrlichen Freuden / vnd das Endt vnſers Glaubens davon bringen / nemlich / Leibs vnd der Seelen ewige Seligkeit / Alleluia / Alleluia: Gelobet ſey Gott Vatter / Gott Sohn Gott heyliger Geiſt / Amen. Ein Predigt vber das gewohnliche Geſang: Nun bitten wir den heyligen Geiſi / . E Jeſes verleſene Geſang iſt ein Gebett an Gott den k ßeyligen Geiſt / vmb etliche ſeiner Gaben / welchevns nohi⸗ wendig ſeynd zu vnſerer Seelen Seligkeit. Vnd iſt dieſes P Geſang geſtern von vnsgeſungen worden! als wir hiel⸗ ten die Gedaͤchtnuß deß heyligen Pfingſttags / an welchem Chriſtus der HE ſeinen lieben Apoſteln ſichtbarlich den heyligen Geiſt ge⸗ andt hat. iſt aber eben dieſes Geſang auch der jenigen eines / ſo wir durch das gantze Jahr hindurchpflegen zů ſingen zu der Zeit / wann — — —— Nun bitten wir den heyligen Geiſi / . 39 diger auff die Cantzel gehet / da wir dann bitten ſonderlich / daß Gott der heylige Geiſt / zu dem Dienſt deß Predigers / ſein Goͤttliches Ge⸗ deyen gnaͤdiglich woͤlle verleihen / auff daß er moͤge vielFrucht ſchaffen. Demnach wir vns gaͤntzlich verſehen woͤllen / es werde E. C nicht zu wider ſeyn / da wir auff dieſe Stundt (darinnen wir ohne daspfleg⸗ ten ein Sermon zu halten von dem Ampt oder Gaben Gottes deß hey⸗ ligen Geiſts) dieſem verleſenen gewoͤhnlichen Geſang etwas fleiſſigs nachdencken / vnd ſolches E. L. erklaͤren werden / auff daß / da wir den Verſtandt deſſelbigen wol gelernet vnd ergrieffen / wir ſolches nicht al⸗ lein deſto andaͤchtiger hinfuro ſingen / ſondern auch mit vnſerm taͤgli⸗ chen Leben vnd Wandel fein mitſtimmen moͤgen. Es begreifft aber ſolches Geſangfuͤrnemlich dreyerley Bitt: Erſt⸗ lich bitten wir darinnen von Gott dem heyligen Geiſt einen rechtſchaf⸗ fenen wahren Glauben / als im erſten vnd andern Verſicul. Zum an⸗ dern bitten wir / daß der heylig Geiſt woͤlle in vns wircken / gleich wie wir durch die Gnad deß H. Geiſts / den HErren Chriſtum mit Glau⸗ ben ergrieffen / daß wir auch alſo auß wahrem Glauben vnſern Nech⸗ ſten / neben vns auff Erden / lieben: als im dritten Verſicul. Zum drit⸗ ten / daß vns der heylige Geiſt bey ſeiner Gnad vnd Gottlichem Troſt / biß an vnſer Endt / beſtaͤndig erhalten woͤlle: Vnd dieſes im vierdiyn vndletzten Verſicul. Solches alles woͤllen wir nach einander horen vnd handeln: Gott der HæMRgebe die Gnad ſeines heyligen Geiſts dazu / Amen. Es fanget ſich aber dieſes Geſang an mit ſolchen Worten: Nun ⸗ bitten wir den heyligen Geiſt. Der heylige Geiſtiſt ſampt Gott dem Vatter vnd Sohn) wah⸗ rer ewiger Gott. Dann es gehet der heylige Geiſt von Ewigkeit auß von dem heyligen Goͤttlichen Weſen Gottes deß Vatters / vnd Got⸗ res deß Sohns Joh. 16. vndzo. Nun iſt gewiß / gleich wie nichts ſeyn kan in dem Weſen Gottes / das nicht Gott ſelbs iſi: Alſo kan nichts von dem Weſen Gottes deß Vatters vñ Gottes deß Sohns außgehen / es ſeye dann zumal ſampt Gott Vatter vnd Sohn / wahrer weſentlichev Gott. Vnd darpmb nennet dort Petrus / Actor. am ʒ. Capitel den N H.Geiſt/ c* 100 Die IX predigt vber dasgewohnliche Geſang heyligen Geiſt / G Btt. Darvmb ſchreibet auch die Schrifft zu das 3 Werck der Erſchaffung / Pſal. 33. vnnd das Werck der heylſamen Widergeburt der Menſchen ( Matth. ams. Cap.) nicht nur GBtt dem Vatter vnd Gott dem Sohn / ſondern auch Gott dem heyligen Geiſt: Dieweil er / nemlich / fampt Gott dem Vatter vnd Gott dem Sohn / wahrer ewiger Gottiſt. Darauß dann erfolget / daß man ſampt Gott Vatter vnd Gott Sohn / billich auch bitten / anruffen vnd an⸗ petten ſolle/ Gott den heyligen Geiſt. Vmb was Gaben ſollen wir dann Gott den heyligen Geiſt bittene Vmb den rechten Glauben allermeiſt. In der Welt iſt man alſo geſinnet / allermeiſt ſorget man vmb das Irrdiſche vnd Leibliche. Einer / wann es in ſeiner Gewalt ſtuͤnde/ ſo dittete vnd begerte er allermeiſt / daß er ein weltweiſer kluger Menſch were / damit er hie auff Erden zu hohen Ehren kommenkoͤndte. Ein anderer bittet allermeiſt: Ach / daß ich auch koͤndte groſſe Reichthumb / Geltvnd Guterlangen. — Der Bauwers vnd Haͤckersmann bittet allermeiſt / daß Gott das Getreydt vnd den Wein auff dem Feldt behůͤten vnd ſegenen woͤlle. Ein anderer bittet allermeiſt vmb geſunden Leib/x. Vnd zwar man ſolle billich auch leibliche Guͤter von GOtt bitten / vnd ſolche nicht weniger von GOtt dem heyligen Geiſt! als von G Dtit dem Vatter vnd GBtt dem Sohn. Wie dann Chri⸗ ſtus der HEMM Gott den heyligen Geiſt ſo wol als Gott den Vat⸗ ter vnnd ſich ſelbſt eyngeſchloſſen / als er vns gelehret hat bitten im Vatter Vnſer: Vnſer Vatter der du biſt im Himmelſxc. Gib vns heut vnſer taͤglich Brot. Aber ſolcheʒeitliche Guter ſolle man nicht bitten oder begeren al⸗ lermeiſt. Dann es ſind eytele vnd ʒergaͤngliche Guͤter / Matth.. Son⸗ der vns Chriſten gebůrt / daß wir bitten zu Gott allermeiſt vmb ſolche Schaͤt / welche weder Motten noch Roſifreſſen / noch die Diebe ſtelen rönnen / Matth.s. welche vns erſt allermeiſt helffen / da weder Welt Weißheit / noch Ehr oder Herrlichkeit / noch Reichthumb dieſer Welt mehr helffen koͤnnen. Was Nun bitten wir den heyligen Geiſt / tc. 10 Was iſt dann ſolcher Schatz? Wir bitten (ſaut dieſes Geſangs al⸗ lermeiſt vmb den Glauben. Ja ſprichſtu: Es ſeynd vielerley Glauben⸗ Paulus ſchreibt Eph. 4. Esiſt nur ein Glaub. So muß nu das ander alles nit ein Glaub / ſon⸗ dern nur ein vngegruͤndter Wahn ſeyn. Darvmb bitten wir (laut die⸗ ſes Geſangs) Vmb den rechten Glauben allermeiſt das iſt/ vmb einen ſolchen Glauben /½welcher Grund hat / vnd alſo ein Glaub nit nur heiſt! ſondern auch iſt. Gedenckt jemandt bey ſich ſelbſt: Muß ich dann erſt den heyligen Geiſtvmb den rechten Glauben bitten? So hore ich wol! ich habejetzo allbereit / da ich darvmb bitte / noch keinen rechten Glauben- Darauß folget / daß mein Gebett dieweil es geſchihet ohn einen rechten Glauben! fuͤr Gott nicht angenem̃ / vnnd mehr ein Suͤnd / dann ein Gottesdienſt ſeyn muß. So ich aber allbereit ſchon den rechten Glauben habe / da ich bitte: was bedarff es ſich dann daß ich erſt bitte vmb den rechten Glauben? Antwort: Es hatten die liebe Apoſteln / Lur. 7. auch allbe⸗ reit bey ſich den rechten Glauben / dennoch ſprachenſie zum HERRn: Staͤrcke vns den Glauben. Alſo / ob wir gleich / in demwir dieſen Geſang hertzlich ſingen / vnnd den H. Geiſt vmb denrechten Glauben bitten / allbereit/ vermittelſt deß gepredigten Worts vnd H. Sacramenten durch die Krafft deß heyli⸗ gen Geiſtes in vns haben vnnd fuͤhlen den rechten Glauben(dann der Glaub iſts/ welcher vnſere Hertzen auffwecketvnnd treibet / andaͤchtig zu ſingen vnd zu bitten zu Gott dem heyligen Geiſt )ſo bitten wir doch nichts deſto weniger weiter den heyligen Geiſt vmb den rechten Glau⸗ ben / nicht ʒwar / daß er ſolchen erſt in vns anfangen vnnd ſchaffen woͤlle! ſondern / daß er das gute Werck deß Glaubens /ſo er langſt in vns ange⸗ fangen / wider allerley Geſchwindigkeiten deß Teuffels vnd der Welt / in vns fortpflantzen vnnd erhalten wolle⸗ biß auffden Tag Jeſu Chri⸗ ſti/ Philip.. Es ſeyndt zum Exempel heutiges Tags viel ſeltamer/ gefaͤhrlicher Pyjutariunes in der Welt von Glaubens Sachen: Ein einfaͤltiger Menſch kan(da Gottyerhaͤngetyfůͤr ſich ſelbſt durch den Teuffelvnnd N ij ſeine e Die K. Predigt vber den gewoͤhnlichen Geſang / ſeine Werckzeug / die falſche Lehrer/ von der Einfait ſeines Glaubens bald verruͤcket werden. Es gibt ſelsame geſchwinde Enderungen in der Welt vnter den Herrſchafften / in Religions vnd Glaubens Sachen: Heut hat man an manchem Brt einen Herren im Landt / welcher den rechten Glauben handthabet: Morgen koͤmpt ein anderer/ welcher im Landt Abgötterey oder andere falſche Secten vnnd Irrthumb aurichtet: Ja ein eintziger Regent / welcher heut recht glaͤubet / kan durch GOttes Verhaͤngnuß vber Nacht ſo jrr werden / was er heut fur den rechten Glauben haͤlt / daß er ſolches biß morgen ſelbſt widerruͤfft vnnd vmbſtoſt. Da bleibt es dañ nicht dabey / daß der Regent vom rechten Glauben abgefallen / ſondern es werden zu gleichem Abfall verſucht vnnd gedrungen auch die arme Vnterthanen. Darvmb thuts wol Noht / daß wir hertzlich ſingen vnnd bitten Goit den heyligen Geiſt / vmb den rechten Glauben allermeiſt. Dann gleich wie es nicht ſteht in deß Menſchen eygenen naturlichen Kräfften daß wir Gottes Wort Anfangs mit Glauben faſſen vnd ergreiffenmo⸗ gen: Alſoſtehet es auch nicht in vnſern eygenen naturlichen Krafftenſ in dem rechten Glauben biß an das Endt zu beharren / ſondern es iſt beydes ein Werck einig vnnd allein G Ottes deß heyligen Geiſtes / als deß wehrten Liechts/ (wie der ander Verſicul lautet )welches durch ſei⸗ nen Schein beydes vns erleuchten kan / vnd bey dem Liecht deß heyligen Euangelij erhalten. — Was ift dann ſo hoch gelegen am rechten Glauben / daß wir eben allermeiſt vnd fuͤrnemlich Gott darvmb bitten ſollen? Antwort: Auff daß(wie wir weiter ſingen ) er vns behuůͤte an vnſerm Ende / wann wir heimfahrn auß dieſem Elende. Es nimpt einmal mit vns allen ein Endt hie auff Erden: Merckets wol liebe Chriſten: Es laufft mit vns allẽ an ein Ende hie in dieſer Wellt · Wir ſeyndt nicht daheim hie auff Erden / ſondern nur Bilger vnnd Frembdling / vnnd auſſer dem Vatterlandt / nur im Elendt. Das him̃⸗ liſch Leben aber iſt vns von Chriſto ʒubereitet zum Vatterlandt /⁊. Co⸗ rinth. ʒ. Philiy. z. Wie wir hernacher hoͤren werden. Dahin muſſen wir Nun bitten wir den heyligen Seiſ / x. 1e3 wir heimfahren durch den bittern Todt / wann er dann mit vns iſt bey dem letzten Endt / vnd an dem / daß wir heimfahren ſollen/da bleibet der boͤſe Geiſt / vnſer Widerſacher der Teuffel / nicht auß (wie wir auch her⸗ nacher auß dem letzten Verſicul horen werden ſondern ſtrewet vns vn⸗ ter den Wegzur Heimfahrt allerley Vnrahts / auff ſolcher Fahrt vns zu verhindern. Nun iſt auff ſolcher Fahrt die einige vnd beſte Gegenwehrwider den Teuffel / ein rechter Glaub. Ergreiffet den Schildt deß Glaubens / ſpricht Paulus / Epheſ.ð. dardurch jhr kundt außleſchen alle fewerige Pfeil deß Teuffels. Darauß dañ leichtlich abzunemmen / wer an ſeinem letzten Endt kei⸗ nen rechten Glauben im Hertzen hat/ daß ein ſolcher Menſch thut ein ſehr boͤſe Fahrt. Dañ dieweil er auß Mangel deß rechten Glaubens an ſeinem letzten Endt / vom Teuffel vberwunden wirt / darvmb / gleich wie er hie auff Erden geweſen im Elendt: Alſo faͤhrt er durch den Todterſt gar hinein in die elende / ewige Pein vnnd Qual der Hellen / darinnen nichts iſt denn Heulen vnnd Zaͤnklappen. Dahergegen / wer ſich mit dem rechten Glauben verſehen: Der kömpt nicht ins Gericht / Joh.3. ſondern thut ein gute Fahrt/ vnd faͤhrt durch den Todt hindurch in das ewige Leben / wie Chriſtus ſpricht / Johan.ʒ. Darvmb laſt vns fleiſſig ſingen vnd bitten: Gott heyliger Geiſt gib vns allermeiſt / vnd erhalte vns bey dem rechten Glauben / dieweil wir je feyndt hie im Elendt / daß wir doch an vnſerm Endt / durch dein Ge⸗ nad im Glauben / einmal auß dieſem Elendt mit Simeon im Frie⸗ den heimfahren / vnnd allda vnſers Elendts mit Frewden ergetzet wer⸗ den moͤgen. Wir werden auch hie erjnnert / daß wir billich viel lieber ſollen ver⸗ laſſen Hauß vnnd Hof / Leib vnd Leben / vnnd chemit Frewden leiden Armuht vnnd Elendt / auch den bittern Todt in dieſer Welt / dann daß wir vns wolten treiben laſſen von dem rechten Glauben. Dann da du gleich / durch Verleugnung deß wahren Glaubens hie auff Er⸗ den / behalteſt oder auch gewinneſt Gelt vnnd Gut / ſo kanſtu es doch nicht ewig beſitzen / es wirdt dermalen eins / vnnd etwan 6 ehe Die IX. Predigt vber das gewoͤhnliche Geſang / che / dann du vermeynen wilt / mit dir auch / (wie wir hie ſingeman ein Endt lauffen / da muſtu davon / vnd doch als dann verlaſſen / das jenigeſ vmb welches willen du den rechten Glauben verlaͤugnet haſt. Wañ dir denn damalen / nemlich an deinem letten Endt / der Teuffel deine Suͤn⸗ de / vnnd vnter andern ſonderlich fuͤrmahlet / daß du vmb deß geitlichen willen den rechten Glauben verlaͤugnet haſt(wie dann dieſer Gaſt ge⸗ wißlich nit außbleibet) womit wiltu dich als dann gegen jhm zur Wehr ſtellen / dann deß rechten Glaubens(dadurch allein ſeine Macht ʒuſtore wirdt) haſtu dich vmb deß zugaͤnglichen Guts willen wiſſentlich ver⸗ ziehen. Wehe als dann an deinem letzten Endt deiner armen Seele: Du muſt Elend ſeyn mitden Teuffeln / vnd außgeſchloſſen auß dem himm⸗ liſchen Vatterlandt / vnd Pein leyden ewig in der bitteren Hellenglut. Dieſes iſts / das Chriſtus ſpricht / Matth.6. Was huͤlffe es den Men⸗ ſchen / wann er die gantze Welt gewinne / vnnd nemme doch Schaden an ſeiner Seel? Oder / Was kan der Menſch geben / darmit er ſeine Seele wider erloͤſe? Dann es wirtjegeſchehen / daß deß Menſchen Son kom⸗ men wirdt in der Herrlichkeit ſeines Vatters / mit ſeinen Engeln: Vnd als dann wirdt er einem jeglichen vergelten nach ſeinen Wercken. Wer aber hat den rechten Glauben / vnd bleibt beſtaͤndig darbey / der kan getroſt ſeyn / da jhm ſchon allejrrdiſche Guter genommen ſeyndt in der Welt / oder hie im Elendt. Dann erweiß / daß er ſchier heimkommen) vnd allda fur die ſchnode Guͤter dieſer Welt / erben wirdt ewige himmli⸗ ſche Guter / wie Chriſtus verheiſſet Matth. 19. Werverlaͤſſet Häuſer! oder Bruder / oder Schweſter / oder Vatter / oder Mutter / oder Weib / oder Kindt / oder Acker vmb meines Namens willen / der wirts hundert⸗ faͤltig nemmen / vnd das ewige Leben ererben. Alſo ſchreibet auch der A⸗ poſtel von den Hebræern / Heb.10. Ir habt den Raubewrer Guͤter mit Frewden erduldet / als die jhr wiſſet / daß jr bey euch ſelbſt ein beſſere vnd bleibende Hab im Himmel habt. Ja(ſagſtu) Was iſt dann der rechte Glaub / darvmb wir den hehli⸗ gen Beiſt bitten ſollen? Hievon lehret vns der ander Verſic. Daß wir Jeſum Chriſtum erkennen. Sprichſtu: Mit der Weiß haben die Pa⸗ piſten auch den wahren Glauben / daß ſie erkennenja auch Wnehe um Nun bitten wir den heyligen Geiſi / t. 718 ſtumAntwort: Vnſer Geſang ſetzet noch ein Worthinzu nemlich !/ Allein / oder daß wir(laut deß Geſangs) Jeſum Chriſtum erkennen al⸗ lein. Vnd weiter / Daß wir an jm bleiben / dem trewen Heylandt / c. Die apiſten erkennen ja Chriſtum auch / vnnd zwar fuͤr den Heylandt deß menſchlichen Geſchlechts: Aber ſie erkennen jn allein nicht darfuͤr / oder ſie erkennenjhn nicht alſo / als welcher allein ſeye vnſer trewer Heylandt. Darvmb bleiben ſie auch nicht an Chriſto / als dem trewen Heylandt: Sondern ſie erkennen neben Chriſto auch andere fur jhre Nohthelffer vnd Heylandt/ nemlich die verſtorbene Heyligen / ſonderlich aber Ma⸗ riam die Mutter Gottes / als wañ ſolche verſtorbene Heyligen durchjre Verdienſt vns auch erwerben koͤndten das ewige Leben. Jajhre eygene gute Werck erkennen die Papiſten fuͤrjhren Heylandt / neben Chriſto / dardurch ſie können verdienen Vergebung der Suͤnden / vnnd das e⸗ wige Leben. Nicht alſo: Es muß Chriſtus allein erkennet ſeyn fur den getrewen Heylandt der Welt / es muß bey jhmn allein geblieben ſeyn. Der Engel ſpricht ʒu den Hirten / Luc.⁊. Euch iſt geboren der Heylandt / welcher iſt Chriſtus der HErr. Sonſten (wie Act. 4.) iſt in kei⸗ nem andern Heyl / auch kein anderer Nam / dardurch wir koͤnnen ſelig werden / denn der Nam Jeſus Chriſtus. Es iſt doch ja billich derjenig allein fuͤr vnſern getrewen Heylandt zu erkeñen / welcher / dawir im him̃liſchen Vatterlandt / durch die Suͤnd! vnſer Buͤrgerrecht verwircket / vnd vnſerm Verſchulden nach ſolches Vatterlandts hetten ſollen verwieſen werden / hinauß in das Elendt deß helliſchen Fewers /ſich vnſer trewlich angenommen / daß er nichts vnter⸗ laſſen / biß daß er vns wider eyngebracht hat in das liebliche / himmliſche Vatterlandt: Nu aber ſolches an vns nicht gethan hat Maria / Petrus oder Paulus jes hats vermocht / vermag auch noch kein einiger pur lauterer Menſch durch ſeine eygenegute Werck/ ſonſten were Chriſtus vmb ſonſt in die Welt kommen / vnd vergeblich geſtorben: Sonder es Jat ſolches geleiſtet / einigvnnd allein Chriſtus Jeſus Gottes Sohn! welcher vnſer Fleiſch vnd Blut angenommen / ohne Suͤndt / vnd da er fur ſich heylig vnd vnbeflecktware/ vnſere Suͤndt geladen hat / welcher TI. 3. Verſ 06 Die IX. Predigt vber das gewoͤhnliche Geſang welcher vmb vnſerer Suͤnden willen ſelbſt gern ein zeitlang das Elenðÿ gebawet hie auff Erden / wie er ſelbſt ſpricht / Joh.iʒ. Ich bin vom Vat⸗ ter außgegangen / vnd in die Welt kommen / vnd als er in ſolchem Elendt alle vnſere Suͤnde gebuſt / vns widervmb mit ſich gefuͤhrt vnd eyngeſetzt hat/ oder(wie wir in dieſem Verſ.ſingen) bracht hat in das rechte him̃li⸗ ſche Vatterlandt. Daher er allein warhafftig ſprechen tã/Joh.14. Ich geh hin / euch die Staͤtt zu bereiten. Vñob ich hingienge / euch die Staͤtt zu bereiten / wilich doch widerkom̃en / vnd euch zu mir nemmen lauff daß jhr ſeyd / wo ich bin. Vnd hernacher: Ich bin der Weg / die Warheit vnd das Leben. Niemandt koͤmpt zum Vatter / denn durch mich. Dieweil man nun bey vns ( Gott Lob ) ſolcher Geſtalt glaͤubet /nem⸗ lich / daß Chriſtus allein fey vnfer getrewer Heylandt; an dem wir allein halten vñglaͤuben ſollen: So muß vnſer Glaub der rechte Glaub ſeyn. Vergegen aber / dieweil man im Bapſtthumb nicht Chriſtum allein fuͤr den Heylandterkennet / noch bey jm allein bleibet: ſolches kan in Ewig⸗ keit nimmermehr der rechte Glaub ſeyn. Sum andern ! bitten wir den . Geiſt in dem verleſenen Geſang weiter vmb die Liebe gegen dem Nechſten: Du ſůſſe Lieb ſchenck vns dei⸗ ne Gunſt / laß vns empfinden der Liebe Brunſt / c. Dann gleich wie der Glaub nicht iſt ein Frucht vnſers Fleiſches: Alſo auch die Liebe gegen dem Nechſten. Chriſtus ſpricht Matthæi am fuͤnfftzehenden: Auß vnſerm Hertzen kom̃et Mordt / Ehebruch / Hurerey. Vnd Paulus ſchreibt Gal.ʒ. Die Fruͤchte deß Fleiſches ſeyen / Ehebruch / Hurerey / Vnreinigkeit / Feind⸗ ſchafft / Neydt / orn / Zwytracht / Haſſßz / Mordt/xc. So brennet nun gleichwol in vnſerm Fleiſch / von vnſerer angebor⸗ nen Art vñ Natur her / auch ein Fewer / das heiſt / Zorn / Neydt / Haſſz /ne. da je einer wider ſeinen Nechſten dermaſſen erhitziget wirt vnd erbreñei / die Brunſt oder das Fewer ſchlaͤgt jm auß an allen Vrten. Es findet ſich gleichwol auch in vnſerm ſuͤndtlichẽ Fleiſch ein Brunſt der Liebe / vnd zwar einer ſolchen Liebe / welche iſt dẽFleiſch ein ſuſſe Lieb / aber einer vnordenlichen / feindtſeligẽ Liebe / nemlich die fleiſchliche Lußt / in welcher Liebe gegen einander erbrennen Huren vnd Buben. Dieſe Nun bitten wir den heyligen Geiſt /x. 107 Dieſe Liebe iſt mehr eine Feindtſchafft als ein Liebe. Dann koͤndte dir auch ein Menſch ein heßlichers Feindtſtuͤck erweiſen: Dann da er dich begehrt fuͤr Gott vnd der Welt zu ſchanden zu machen. Solcher feindtſeligen Liebepflegen gegen einander Hurn vnd Bubev / dardurch ſie einander ſetzen in feindtſelige Schandt vnd Spott. Wann dir jemandt vnter einem ſuͤſſen Trunck Weins mit ſuſſen Worten / Gifft / vnd alſo den bittern Todt zutrincken gebe: Wolteſtu ſolches auch erkennen fur ein Werck der Liebee Alſogehen mit einander vmb vnter dem Schein der Liebe / Huren vnd Buben / vnnd vergifften einander die Hertzen / Leib vnnd Seel / zu dem zeitlichen vnnd ewigen Todt / darvon ſchreibet Salomon Prouerb.y. Das Weib in jhrem Hurenſchmuck ſpricht zu dem nãrriſchen Juͤngling: Komme / laß vns der Liebe pflegen. Denn der Mañ iſt nit daheim / er iſteinen ferren Weg gezogen. Er hat den Geltſack mit ſich genommen/ er wirdt erſt auff das Feſt wider heimkommen. Sie vberredet jhn mit vielen Worten / vnd ge⸗ wann jhn eyn mit jhrem glatten Mundt. Er folget jhr baldt nach / wie ein Ochs zur Fleiſchbanck gefuͤhret wirdt / vnd wie zum Feſſel/ da man die Narren zuͤchtiget: Biß ſie jhn mit dem Pfeil die Leber ſpaltet / wie ein Vogel ʒum Strick eylet / vnd weiß nicht / daß es jhm das Leben gilt. Vnd hernacher: Ihr Hauß ſeynd Wege zur Hellen / da man hinvnter faͤhret in deß Todts Kammer. Vnd Paulus / Gal.5. 1. Cor.s. Epheſ.ʒ. A⸗ poc.⁊ꝛ. Kein Hurer / kein Ehebrecher wirt Theil haben am Reich Got⸗ tes vnd Chriſti. Die rechte ſuͤſſe Liebe aber / welche iſt von reinem Hertzen / vnnd von gutem Gewiſſen / vnd vngefaͤrbtem Glauben / dieſe iſt ein Werck einig vnd allein Gottes deß H. Geiſtes / wie Paulus ſchreibet / Galat.. Die Fruchte deß Geiſtes ſeynd Liebe. Darvmb thun wir recht / daß wir bitten Gott den H. Geiſt (als wel⸗ cher iſt die Liebe ſelbſtjin welcher Liebe Gott Vatter vnd Gott Sohn im heyligen Goͤttlichen Weſen von Ewigkeit her gegen einander vnauß⸗ ſprechlich erbrennen / welcher iſt die Brunnquell auch der jenigen Lieb / damit wir Gott vñ vnſern Nechſtẽ zu lieben ſchuldig ſeyn. Dañ die Liebe Goites iſt außgegoſſen in vnſer Hertz durch den j vns s Die IX. Predigt vber den gewoͤhnlichen Geſang / vns gegeben iſt / Roman. ð. daß er in vns wircken woͤlle durch ſeine Gnad vnnd Gunſt / daß wir in vnſern Hertzen empfinden der Liebe Brunſt. Bruͤder vnd Schweſter lieben nicht nureinander / ſondern ſiefuͤh⸗ len vnnd empfinden auch in jhrem Hertzen die Brunſtjhrer Liebe / oder wie jnnbruͤnſtig ſie einander lieben. Alſo bitten wir den heyligen Geiſt er woͤlle in vns wircken / daß wir vns nicht nur einander lieben / euſſer⸗ lich / mit leeren Gebehrden oder Worten / ſondern daß wir im Hertzen empfinden / wie wir einander ſo trewlich meynen: Oder / wie wir wei⸗ ter ſingen: Daß wir vns von Hertzen einander lieben. Alſo vermahnet vns Gott der H E R R ſelbſt in ſeinem Geſet / Leuit.19. Liebe deinen Nechſten als dich ſelbſt. Hie höͤreſtu / dein Hertz ſoltu mit deinem Nechſten theilen / ſo ferrn / daß du jhn ſolt lieben / wie dein eygen Hertz! Du ſolt nicht ſuchen deinen eygenen Nutzen / mit deines Nechſten Schaden: ſondern gleich wie du deinen eygenen Nutzen forderſtwund deinen eygenen Schaden hinderſt / wo muͤglich: Alſo ſoltu auch foͤr⸗ dern deines Nechſten Nutzen / da es ſchon deinem eygenen Nutzen fuͤr⸗ ſtaͤndiger were / ſo du deines Nechſten Nutzen hinderteſt: Du ſolt dei⸗ nes Nechſten Schaden wenden / da ſchon ſein Schad dir Nutzen bringen mochte: Dieſes iſt ein empfindtliche hersliche Lieb. Vndwirt an dieſem Drt / wie auch in den gehen Gebotten mit nich⸗ ten außgenommen dein Feindt vnnd Widerfacher / ſondern es heiſt ohn Vnterſcheidt / Daß wir vns von Hertzen einander lieben. Bitten dem⸗ nach den H. Geiſt / daß er durch ſeine Gunſt alle boͤſe / fleiſchliche Brunſt deß Zorns / Neyds Haſſes vnd Widerwillens / welchen wir etwa gefaſt wider vnſere Widerſacher / in vns vertilgen / hergegen aber anzuͤnden wolle der Liebe Brunſt / daß wir von Hertzen lieben moͤgen auch vnſe⸗ re Feindt. Es gehet vns dieſer Punet gleichwol ſehr ſchwehrlich eyn. Nu ſeynd wir es doch ja ſchuldig zu thun fuͤr Gott. Es iſt ja nit nur dein Freundt oder guter Goͤnner / dein Nechſter fuͤr GBtt / ſondern auch dein Feindt vñ Widerſacher / wie Chriſtus Gleichnußweiſe lehret/Luc.10. Darvmb vermahnet Chriſtus außtrucklich / Mat.s. Liebet ewere Feindt⸗ die eue „ — — — — — — Nun bitten wir den heyligen Geiſt. 109 die euch fluchen / thut wol denen / die euch haſſen / bittet fur die/ ſo euch beleydigen vnd verfolgen. Vnd Paulus Rom. n. Rechet euch ſeiber nicht / meine Liebſte / ſondern gebet Raum dem Zorn Gottes. Dannes ſtehet geſchrieben / die Rache iſt mein / Ich wil vergelten / ſpricht der HERR. So nun deinen Feindt hungert: ſo ſpeiſe jhn / durſtet jhn / ſo traͤncke jhn / xc.Laß dich nicht das Boſe vberwinden! ſondern vberwin⸗ de das Boſe mit Gutem. So draͤuwet der Hx RM Matth. ¹8. vndim Batter Vnſer: Es werde vns Gott der himliſch Vatter vnſer Fehl auch nicht vergeben wann wir nicht vnſern Schuͤldigern vergeben von erten auch jhre Fehle. Vnd ſo viei deſto fleiſſiger ſollen wir den heyligen Geiſt bitten / daß er ſolche Liebe auch gegenvnſern Feinden in vns wirckenwolle/ ſo viel ſchwehrlicher es iſt vnſerm Fleiſch vnd Blut zu thun / vnd zu er⸗ uͤllen. Vud im Frieden in einem Sinne bleiben. Es iſt vnſer ſuͤndtlich Fleiſch von Naturzaͤnckiſch vnd eygenſinnig / Roman.. Viel Koͤpff / viel Sinn. Darvmb wir billich GBtt den heyligen Geiſtanruffen! daß er vns vnſere widerſinniſche Koͤpff brechen / vnd dermaſſen regie⸗ ren woͤlle / daß wir eines Sinnes ſeyen vnter einander: nach der Ver⸗ mahnung Pauli / 1. Cor.1. Haltet feſt an einander in einem Sinn / vnd 2. Cor.iz habt einerley Sinn:ſeydt friedſam. Es ſtehet aber em Moderation dabey / die heißt alſo: Vnd im Frie⸗ de in einem Sinn bleiben / verſtehe / den Frieden deß Gewiſſens / das iſt / ſo ferrn ſolle man vntereinander einerley Sinnes ſeyn / ſo ferrn es geſchehen kan mitfriedlichem ruͤhigem Gewiſſen. Darvmb ſo dir jemandts was Vnrechts zumuhten wolte / als / daß du ſolteſt einen falſchen Glauben annemmen! oder helffen zu Suͤnde vnd Laſter: Da ſoltu ſprechen: Nein: Ich bin vnd werde deines Sinns nimmermehr. Dann ein ſolche Einhelligkeit geſchihet nicht im Göttlichen Frieden / ſondern zurſtreuwet ſolchen Frieden. Wir ſollen vnd wöllen im Frieden in einem Sinne bleiben. Was iſts aber / daß wir durch das gantze Jahr vielvon der Liebe vnd einem Sinn / im Frieden ſingen:vnd doch zumal taͤglich dem hey⸗ D iij ligen no Die IX Predigt vber dasgewoͤhnliche Geſang / ligen Seiſt in ſolchem Stuck muhtwillig vnd in der That widerſtre⸗ „ben? Du ſingeſt wol da in der Kirch: Du faͤſſe Lieb ſchenck vns dein Gunſt/laß vns empfinden der Liebe Brunſt / c. So bald du aber wider⸗ vmb auß der Kirch vnd Anheim kommeſt:ſo gar begereſt du dich nit der Liebe zu beweiſen / du gebeſt nicht gern dem Armen ein Stuck Brot:Ja weñ du jme ſein Buot noch koũteſt nemmen dazu / das were din ſůß / vnd were dir lieb. Du ſingeſt wol in der Kirch: Du fuſſe Lieb ſchenck vns „dein Gunſt /x. Daß wir vns von. Hertzeneinander lieben: Aber ſo bald du heimkommeſt: Ja ſagſtu: Solt ich dieſe oderjene Perſon lieben / welche mir vnd meinen Kindern Leydts thut / das werde ich nimmer⸗ mehr thun / ꝛc. In der Kirch ſingſtu wol / vnd bitteſt / daß wir im Frie⸗ den in einem Sinn bleiben: Auſſerhalb der Kirch / wo du kanſt Vn⸗ frieden machen / vnd die Leut zuſammen hetzen / ſo thuſtu es: Item / du wirſt mit dem andern eines Sinnes / wann es nur Gelt oder Gut ertraͤgt: Db aber koͤndt dein Gewiſſen mitlerzeit dabey zu frieden ſeyn oder nicht / das kompt dir wol noch lang in deinen Sinn nicht: Nicht alſo: Solcher Geſtalt wirdt betruͤbt G Btt der heylige Geiſt / zun Epheſern am fuͤnfften Capitel. Sondern was du mit dem Mun⸗ de ſingeſt vnd bitteſt in der Kirch: Nach der Kirch ſtreb darnach da⸗ peim auch / in deinem Leben vnnd Wandel/ mit Hertzen / Sinn/ Haͤndt vnd Fuͤſſen / wie dich der heylig Geiſt in deinem Hertzen er⸗ mahnet vnd treibt. Wann es alſo durchauß bey dir zuſammen ſtim⸗ met: Das heiſt wol vnd lieblich den heyligen Geiſt geſungen in den Dhren Gottes. 11I. Du hoͤchſter Troͤſter in aller Noht / ꝛc. Dieſes iſt der letzte Ver⸗ „reſu ſicul vnd letzte Theil dieſes Geſangs / darinnen wir G OTT den heyligen Geiſt bitten vmb Beſtaͤndigkeit im rechten Glauben vnnd Troſt. . wie? Daß wir nicht foͤrchten Schandt noch Todt. Wie (ſagſtu) ſolt man ſich dann nicht fuͤr Schanden foͤrchten? Antwort: Es iſt leyder heutiges Tages ohne das ſchier dahin kommen in der Welt / man foͤrcht ſich ſchier keiner Suͤnde noch Schande mehr. Dieſes iſt aber nicht die Meynung hie in vnſerm Geſang / nemlich / daß wir N Nun bitten wir den heyligen Geiſt/c. m wir vns ſelbs / ohne Scheuw / durch Suͤnde vnd Laſter zu ſchanden machen ſollen. Petrus vermahnet (. Pet.4.) Niemandt vnter euch leide als ein Moͤrder oder Dieb / oder Vbelthaͤter. Sondern dieſe Meynung hat es: Die Welt / der Tuͤrck / der Bapſt vnd ſein Anhang verfolget Chriſtum vnd alle die jenige / welche im rechten Glauben Criſtum allein fur jhren getreuwen Heylandt erkennen vnd an jhme bleiben woͤllen / vnd begertjhnen / wo muͤglich / zuzufuͤgen Schandt! vnd den ſchmaͤhlichen Todt. Daß nun ein Menſch / welchen ſolcher ſchmaͤhliche vnd ſchmertz⸗ liche Zuſtandt vmb deß HMREM Chriſti willen / nemlich / Schandt vnd den Todt zu leiden / ergreifft / ſich dabey nicht foͤrchte / ſondern noch behertzt vnd getroſt dabey ſey: Solches iſt nicht ein Thun oder Werck vnſers ſuͤndtlichen Fleiſches: Die Erfahrung bezeugets heuti⸗ ges Tags / leyder / bey vielen / da ſie vmb deß rechten Glaubens willen noch weder Schandt noch Todt / ſondern nur ein Schaden leiden ſol⸗ len / an Gelt oder Gut / wie ſie ſich foͤrchten / dermaſſen / daß ſie auch auß Forcht ſich verleugnen Chriſti vnd ſeines Euangelij. Was ſolten ſie erſt thun / da ſie muͤſten vmb Chriſtus willen leiden nicht nur Scha⸗ den / ſondern dazu Schandt vnd den Todte Darvmb thuts wol noht / daß wir von Hertzen anruffen Gott den heyligen Geiſt / als den Troͤſter / wie jhn auch Chriſtus nennet / Johan. 16. vndis. vnd den Gott alles Troſts /2. Corinth.1. daß er woile ſtaͤr⸗ cken vnſers Fleiſches Bloͤdigkeit (wie wir in einem andern Geſang auch pflegen zu ſingen) daß wir bereit ſeyen / nicht nur Schaden / ſon⸗ dern auch Schandt vnd den bittern Todt ſelbs froͤlich zu leiden / ehe daß wir vns von Chriſto vnd ſeinem Wort abwenden laſſen: Leidetje⸗ mandt als ein Chriſt / ſo ſchãͤme er ſich nicht / ſpricht Petrus / Pet.4. Sondern laſt vns tieff in vnſere Hertzen ſchlieſſen die troͤſtliche Wort Schandt. Chriſti/ Matth. amʒ. Cap. Selig ſeydt jhr / ſo euch die Menſchen vmb meinet willen ſchmaͤhen vnd verfolgen / vnd reden allerley Vbels wi⸗ der euch / ſo ſie daran luͤgen: Seydt froͤlich vnd getroſt / es wirdt euch im Himmel wol belohnet werden. Vnd Matth.10. Foͤrchtet euch nicht fur denen / die den Leib todten / vnd die Seeſe nicht moögen todten: Lode Foͤrchtet n Die I X. Predigt vber den gewoͤhnlichen Geſang / Foͤrchtet euch aber viel mehr fur dem / der Leib vnd Seel verderben mag in die Hell. Alſo hat gethan Stephanus der heylige Maͤrterer (voll Glaubens vnd heyligen Geiſts / Actor.v.) vnd nicht gefoͤrcht Schandt noch Todt!/ ſondern vmb Chriſtus willen / frölich außge⸗ ſtanden Schmach vnd Schandt / vnd den bittern Todt. Paulus der heylige Apoſtel iſt durch den Troſt deß heyligen Geiſts bereit / vmb Chriſtus willen zu leiden Schandt vnd Todt / Act. ⁊0. Philip.. Dann es laͤſt ſich nicht entſchuͤldigen fuͤr Gott / da die Heuchler auß Forcht ſprechen: Zwungener Eydt iſt Gott Leydt: Ich muß wol — hinnach / die Dbrigkeit ʒwingt mich: Gottweiß / daß ich dannoch den rechten Glauben im Hertzen habe / ꝛc. Sondern es ſpricht Chriſtus rundt / Matth.io. Wer mich bekennet fuͤr den Menſchen / den wil ich auch bekennen fur meinem him̃liſchen Vatter. Wermich aber (Nb.) nicht bekennet / ſondern verleugnet/ fuͤrden Menſchen / den wil ich auch verleugnen fuͤr meinem hĩliſchen Vatter. Hie hoͤreſtu: Es muß fůͤr den Menſchen vnd alſo offentlich nicht geleugnet ſeyn / ſondern es muß ehne Furcht vnd Scheuw froͤlich bekennet ſeyn (nicht nur in deinem Hertzen / ſondern auch) fur den Menſchen frey vnd ffentlich. Wer ſich deſſen forchtet vnd ſcheuhet / auff daß er nicht in der Welt Schadenſ Schandt oder auch den Todtleide: Den wirt Chriſtus fur dem Ange⸗ ſicht Gottes ſeines him̃liſchen Vatters / ſetzen / in den vnwiderbringli⸗ chen Seelen Schaden (Matth.i6. in helliſche Schandt / ſamptallen Teuffeln / vnd in den ewigen Todt. Sonderlich aber / wann (wie wir weiter ſingen) der Feindt (wel⸗ cher iſt der Teuffel / Matth.z. 1. Pet.ʒ amletzten Endt / vnſer Leben verklagen / oder vns anklagen / vmbvnſers verfloſſenen ſuͤndlichen Le⸗ bens willen / vnd herfur leſen wirdt alle vnſere Suͤnde von dengroöbe⸗ ſten an/ biß auff die allergeringſte / welches Stuͤndtlein Paulus Ephef. 6 nennet das boͤſe Stůndtlein/ alsdann dem Teuffelgnugſamen Wi⸗ derſtandt zu thun / vnd jne von vns hinwegzu jagen / ſolches ſtehet nicht in den Kraͤfften vnſers eygenen ſuͤndtlichen Fleiſches: welches fur ſich ſelbſten in ſolchen ſchweren Geiſtlichen Anfechtungen gleich nur von Sinnen kommen / verzweiffeln vnd verzagen wil. Wie dann ſolcheß außweiſen Nunbitten wir den heyligen Geiſi/. außweiſen die leydige Erempel Cains / Sauls Ahitophels / Judas deſi Verraͤhters welche / da ſie der Feindt in jhren Gewiſſen / von wegen jres ſuͤndtlichen Lebens/ ernſtlich verklaget / mehrertheils bey gefundem Leib injhren Sinnen nuralſo verzweiffelt vndverzaget ſeyn⸗ Darvmb wir dann billich bitten Gott den · Geiſil daß er/ wann der boͤſe Geiſtvnſer Leben für Goitverklagen wirdtpnndvnſ ere Sinn verzagen woͤllen / durch ſein Göttlichen Troſt ſteiff bey vns halten / vns amGʒlauben an Chriſtum vnſern getreuwen Heylandt (welcher durch ſein Blutvns fuͤr Gottwidervmbgereiniget vonallen vnſern Suͤndeni vnd demnachnun fuͤr Gott nicht mehrvnfer Richter / ſondern vielmehr wnſer Fůrſprech iſt/ Rom.8. 1. Johan. 2. ſtärtken/ vnd biß anvnſer Endt darbey beſtaͤndig erhalten wolle/ durch welchen Glauben wir koͤnnen außleſ chen alle fewrige Pfeil deß Bßwichtszun Epheſernam ſechſten Capitel. Wannwir dann Gott den H. Geiſt alſp mit Singen vnd Betten von Hertzenerſuchen werden / ſo wirt er Chriſtum dermaſſeninyn ſern Her⸗ zen verklaͤren / Johan 16. Daß wir mit Paulo getroſt werden koͤnnen ſprechen / Wer wilvnsverklagen⸗Chriſtus iſt da der für vns geſtorben iſt / ꝛc. Darvmb ſeynd wir gewiß / daß vns weder Todt noch Leben/ we⸗ der Engelnoch Fuͤrſtenthumb / weder Gegenwaͤrtiges noch Zukünff⸗ tiges / weder Hohes noch Tieffes / nochkein andere Creatur mag ſchei⸗ den von der Liebe Gottes / diein EChriſto Joſu iſtunſerm ERRNl Roman. 8. Es iſt aber dieſer lette Punct!/ da wir ſingen: Der Feindt werde dermalen eins das Leben verklagen / von vns alleſampt wol zu mercken / vñ zu Hertzen zu fuͤhren / auch darvmb: Dañwir woͤllen etwan vermey⸗ nen / wann vnſere Suͤnd oder Laſter fur der Welt dermaſſen verſchwie⸗ gen bleiben / daß man vns vmbderſelben willen nicht verklaget hie auff Erden fur der weltlichen Oberkeit! ſo ſeyen wir ſchon durchauß ent⸗ ronnen. Sihe / ſo jagt vns dieſer Geſang noch einen andern Butzen eyn! vnnd ſpricht Wann dich ſchon kein Menſch auff Erden vber deinen Stuͤnden verklage / ſo werde es dir doch dermalen eins beſchwehrlich fuͤrkommen am letzten Endt / da werde dich der Feindt (der Teuffel) P darvmb n4 DielX. predigt vbet das gevohnliche Geſang / . darvmb fuͤr Gott verklagen / vnd dich detmaſſen aͤngſten: Kompt dir Chriſtus alsdann nicht zu Huͤlff durch den Troſt ſeines heyligen Geiſts / ſo wirſtu nicht wiſſen fuͤr Zittern vnd gagen / wo du bleiben ſott! ſondern in allen deinen Sinnen jaͤmmerlich muͤſſen verzagen. Dem⸗ nach laſt vns alleſampt allezeit ernſtlich in der Forcht Gottes leben hie auff Erden / vnd bey geſundem Leib ſtaͤttigs eyngedenck ſeyn ( Syr. 18.) deß Zorns / der am Endekommen wirdt / vnd der Rach / wann wir davon muͤſſen. Dieſe Bitt nun alleſampt vnd jede inſonderheit / beſchlieſſen wir in einem jeden Verſicul / mit dem Kyrieeleifon / welchs heiſt / HEMRer⸗ barme dich vnſer: Vnd bitten alſo Gott den heyligen Geiſt / er woͤlle es vns alles verleihen durch ſeine grundtloſe Barmhertzigkeit. Wann wir jhme nun alſo mit Glauben ins Hertz greiffen: So wirdt er ſich vnſer hertzlich erbarmen / vnd durch Chriſtum verleihen hie auff Erden den rechten Glauben / die wahre Liebe vnd Chriſtliche Be⸗ ſtaͤndigkeit wider allerley leibliche vnd Geiſtliche Anfechtung (laut der Verheiſſung Chriſti/Lucæ am eylfften Capitel: Wo bittet vnter euch ein Sohn den Vatter vmbs Brot / der jhm einen Stein dafür bie⸗ te? vnd ſo er vmb einen Fiſch bitret / der jhm ein Schlangen fur den Fiſch biete⸗ Oder ſo er vmb ein Ey bittet / derjhm einen Scorpion da⸗ fuͤr biete? So dann jhr / die jhr Arg ſeydt / koͤnnet euwern Kinders gute Gaben geben / vielmehr wirdt der Vatter im Him⸗ mel den heyligen Geiſt geben / denen / die jn bit⸗ ten) vnd endtlich den ewigen Frieden / Freud vnd Seligkeit / AMEN. Ende der Predigten. Gedrucktzu Franckfurt am Mayn durch Johann Spieß / Im Jahr M. D. F C v. — 9 g 14 S1eqae