Ein Predig / Ißdemvierten Ca⸗ G pitel des Buangeliſten Matchei. Von den Verſuchungen Ghriſii. Darinnen auch gehandelt würt / von der Perſon Chriſti / Vnd von den gantzen / halben / vnd haimlichen Zwinglianern. Schalten auff der Furſtlichen Veſtung Hohen⸗ aſperg / den n. Jebtuarij Anno 1561. Durch D. Lucam Oſiandrum / Wuͤrtenbet⸗ giſchen Hofpꝛedigern. —— Sttrucktzu Tübingen / durch Alexander Hock⸗ nach der geburt Jeſu Chꝛiſti 175 Alſoſchteibet Vattheus am Capittel. S ward Jeſus vom Geiſt in die Wů⸗ ſten gefuͤhꝛt / auffdaß er vom Teuffel verſucht wuͤrde. Bnnd da er viertzig tag vnnd viertig nacht gefaſtet hette/hungerte In. Vnnd der BVerſucher trat zu jhm / vnnd ſprach: Biſiu Gottes Son / ſo ſpch / daß diſe Stein Bꝛot werden. Vnnd er antiwoꝛ⸗ ket / vnnd ſpꝛach: Es ſtehet geſchuben: Der Menſch: lebt nicht vom Bt allein / ſon⸗ dern von einem jeglichen Wott / das durch den Mundt Gottes gehet. Da fuhꝛet jn der Teuffel mit ſich in die eilige Statt / vnd ſtellet jn auff die innen ves Tempels / vñ ſpꝛach zu jm: Biſtu Got⸗ s Son / ſo laß dich hinab: Denn es ſtehet keſchuben:Er wirdt ſeinen Engeln vber dir lefelch thun / vnnd ſie werden dich auffden Haͤnden tragen / auff daß du demen Fuß A ij nicht Ein Pꝛedig vonden nicht an einen Stein ſtoſſeſt. Da ſpꝛach Je⸗ ſus zu jhm: Widerumb ſtehet auch geſchri⸗ hen / Du ſolt Gott deinen Herꝛen nicht ver⸗ ſuchen. Widerumb fuhꝛet jhn der Teuffel mit ſich auff einen ſehꝛ hohen Berg / vnd zeiget jm alle Reich der Welt / vñ jre Heruigkeit. Vnd ſprach zu jm: Diß alles will ich dir ge ben / So du niderfelleſt / vnd mich anbet⸗ teſt. Da ſpꝛach Jeſus zu jm: Hebe dich weg von mir Sathan: deñ es ſtehet geſchuben: Du ſolt anbeten Gott deinen Hermn / vnnd jm allein dienẽ. Da verließ jn der Teuffel / Vnd ſihe / da tratten die Engel zu jm / vnd dieneten jhm. Außlegung. Eliebte im Herin Chuiſto: Es wůrt vns in J diſem Euangelio ein Kamfpff furgehalten / S der groͤſten vnnd maͤchtigſten Herin die je⸗ mals in der Welt geweſen. Der einiſt/ Vn⸗ ſet Heri Iheſus Ghuſius. Gottes vñ Marie Son⸗ welchem Perſuchungen Chꝛiſti. welchem aller gewaltim Himmel rund auff Erden — gegeben. Der ander / iſt der laidig Satan: Welchen Fhuſius ſelbſt ein Furſten diſer Welt nennet. Nuniſt Zoan. n· es mit diſem Kampff alſo geſchaffen / das wir billich denſelbigen fleißig in acht nemen ſollen Dañ wirſeind darunder auch Intereſſirt / vnd trifft vns alle diſe ſach an Dann Chriſtus / vnſer Hertzog des hails / hat di⸗ ſen kampffnicht vmb ſeinet willen / ſondern von vnſer wegen / außgeſtanden. Vnd hat vns mit ſeinem Exem⸗ pel gelehrt / Welcher geſtalt wir mit dem laidigen Zeu⸗ fel kaͤmpfen ſollen / das wir den Sig erlangen moͤgen. Es hat aber der Teuffel vnſern Hermn Chtiiſtum dreymal / vnd gleichſam mit dreyerley Wehren / naͤm⸗ lich / mit dreyerley Verſuchungen / angerandt. Gleich als wann einer erſtlich an ſenem gegentheil ein ſpieß breche: hernach die ſeiten wehr ʒuckte / vnd verſuchte / ob er jme mit der ſelben koͤnde zukommen. Vnd da ermit derſelbigẽ Wehꝛ auch nichts außrichtet / das er als dañ den Tolchẽ / oder Fauſthamer ergriff / vñ abermals ver ſuchte / ob er ſeinem widerſaͤcher ein abbruch thun / vnd Ihne erlegen moͤchte. Es hat aber dagegen der Hert Chuſius ſolche / des Teuffels liſtige vnd grimmige an⸗ griff / ritterlich außgeſtanden / vnd den Satan gewal⸗ tig ʒu ruck getriben / vnnd jhne endlich in die flucht ge⸗ ſchlagen Hieuon woͤllen wir den Euangeliſten Mat⸗ theum hoͤren / Der ſagt alſo. Da ward Jeſus vom Geiſt in die Wuͤſten gefiert ⸗ A 3 auff 1 — 7 5 — 7 — 72 2 — Matth 3. Mar. 1. Bin Pꝛedig von den 4 auff das er von dem Teufel verſucht wuͤrde. Vnnd da er viertzig tag vnd viertzig naͤcht gefaſiet hette / hung⸗ erte jhn. Vnd der Verſucher trat ʒu jhm / vnnd ſpꝛach: Biſtu Gottes Son / ſo ſpꝛich / das diſe Stein Bꝛot werden. Nach dem vnſer Her: Chꝛiſtus im Jordan ge taufft worden / vnnd der Himliſche Vatter ſein fiimm hat horen laſſen / vñ geſagt· Das iſt mein lieber Son / an dem ich wolgefallẽ hab· Iſt hernach Chꝛiſtus / auß antrib deß Heyligen Geiſts / in die Wuͤſten gegangen / vnd (wie Marcus bezeugt ) daſelbſten vnder den thie⸗ ren geweſen: hat alda in vierzig tagen vnnd vierzig Naͤchten nichts geeſſen vnnd getruncken: In maſſen auch vor jhm / Moyſes vnd Helias / vierzig tag vnnd Naͤcht ohne leibliche ſpeiſe erhalten worden. Danun die vierzig tag ein end gehabt / hat den Herin Shui⸗ ſtum gehungert. Vnd hat doch niemands vmb ſich ge⸗ habt oder geſehen / von dem er hette ſpeiſe nemen / oder ſich deſſen hůlff vertroſten können hat auch ſo baldt auß der Wůſten nicht koͤnnen zu den Leuten kommen. Dann er hat in diſem handel ſein Gottliche Allmacht nicht gebrauchen ſollen oder woͤllen. Daer nun von allen Menſchen verlaſſen / vnder den Wilden thieren vmbgangen / vnnd ſich hungers zuſterben verwegen moͤgen: komt ʒu jhme der Sathan / zuuerſichtlich inn eins Menſchen geſtalt / in maſſen er vnder weilens ge⸗ engſtigen vnd kleinmütigen leuten zu erſcheinen pfle⸗ get / vnd begert jne von Gott ſeinem iiſcnn — — — — — „ — — — S — — Perfuchungen Chꝛiſti. ter abzůwenden / das er demſelbigen nicht bertrawen / ſonder kleinmuͤtig werden / vund der narung halbenan Gott verzagen ſoll. Vnnd ſagt zů jm· Biſiu Gottes Son / ſo ſpꝛich / das diſe Stein Bꝛot werdẽ. Das iſt ſo⸗ uil geſagt: Du haſi gleichwol netwlicher ʒeit / voꝛ etlich⸗ en wochen / ein imm gehort / die von Himmel kom̃en vnnd geſagt / du ſeyeſt Gottes Son: Aber es hat das anſehen gar nicht / das es war ſey / ſonder du biſt betro⸗ gen worden. Dann wann Gott dein Vatter were / vnnd du ſein einiger geliebter Son: meinſtu / das er dich in diſe wildtnuß geſchickt hete / da kein Bꝛott vorhanden / vnnd weder zůbeiſſen noch zůbrechen iſt? Alda dich vil ehe die wilden Thier ʒerreiſſen vnnd freſſen mogen / dañ das dir ſolte Speiße ʒůͤkom̃en. Ja wann Stein Bꝛot weren / oder werden koͤnden / ſo were es richtig. Nun aber ſichſtu nichts voꝛ dir / dann ein ſchroͤckliche wild⸗ nuß: Darumbiſt anders nicht daran / dann dumuͤſt indiſer wůͤſten hungers ſterben / vnnd haſt dich vergeb⸗ lich bereden laſſen / das du Gottes Sohn ſeyeſt. Dann were es wahꝛ / ſo wurde es jetzt vil ein andere geſtalt vmb dich haben⸗ Diſe verſuͤchung des boͤſen Geiſis / ſt je vnnd all⸗ wegen in der welt geweſen / vnd werden noch heutigs tags vil Leut darmit geplaget: das ſie beſoꝛgen / Gott werd ſie verlaſſen / vnnd nicht ernehren. Vnnd hehe ſolche verſuͤchung nicht allein vber gar arme eut / ſondern auch vber die / von denen mann 5 je Ein Pꝛedig von den ſie haben ein ʒimliche gůte narung. Dann ob ſie wol nicht Hunger vnnd mangel leyden/ wie andere arme Leut: ſedoch / wañ ſie jren ſtand anſchen vnderwegen/ was den ſelbigen zufuͤren vnd hinauß zubringennott⸗ wendig ſein woͤlle / koͤnnen ſie bey ſich febſt nicht befin⸗ den / das jhr vermoͤgen vnd einkommen ſo weit gereich⸗ en moge / als die notturfft erfordert/ vnnd iſt ſolchen Leuten vnderweilens wol ſo wehe zu muͤht / als den gar armen / denen die Sonne ehe / dann das Bꝛott / im Hauſeiſt. Daher man auch im ſpꝛichwort ſagt: Es waiſi der zehend nit / woden aifften der ſchuch truckt. Vnd wo mann ſich nicht recht in diſe Verſuchung zu⸗ richten / vnd felbiger recht ʒubegegnen waiſt / ſo volget vil vnrahts darauß. Bey den gar armen zwar / das ſie Stelen / Morden / vnnd andere vnerbarehendel an⸗ fahen: bey andern /das ſie Rauben / Wuͤchern / Beirie gen / oder ſonſten ſolche ſachen anfahen (weil ſie darfuͤr halten / ſie muͤſſen verderben die hernach jhnen vund andern leuten zu groſſem ſchaden vñ verderben gereich⸗ en. Vnd werden vil leut in der armůt ſo kleinmuͤtigꝰ das ſie nicht mehr glauben / das Gott jr gnaͤdiger Vat ter ſey / ſondern haiten darfür/ Sott hab ſein Vatter⸗ lich heriz vndtrew von jnen abgewend / vnnd werde ſie ʒeitlich vnd ewig verderben laſſen. Wie ſoll man aber diſer anfechtungbegegnẽ / auff das wir ſelbige ritterlich vberwinden / vñ ſolchen grim⸗ migẽ anlauff des Tuffels außfiehn mogen⸗ Laſt vns pnſert ů das auß dem Mund Gottes gehet. F ſelb gnaͤdig Verſuchungen Chꝛiſti. vnſern Herin hriſtum horen vnnd ſehen / wie er ſich des Satans in diſer anfechtung erwehiet habe. Alſo aber ſpꝛicht Chꝛiſtus: Es ſteht geſchribẽ· Der Menſch lebt nicht vom Bꝛot allein / ſondern von eim jeglichen wott / das durch den Mand Gottes geht. Diſe woꝛt hatder Herꝛ Ghꝛiſtus auß dem fünfften Bůch Moſis Sert. erholet / da alſo geſchriben ſieht: Der Herꝛ demuͤtiget dich / vnnd ließ dich hungern / vnd ſpeiſet dich mit Man⸗ na / das du vñ deine Vaͤtter nie erkant hattefi· Auffdas er dir kund thete / das der Menſch nicht lebet vom Bꝛot allein/ ſondern von allem / das durch den Mund des Herꝛn geht. Deine kleider ſeind nicht veraltet an dir / vnd deine Fuͤſſe ſind nicht geſchwollen diſe viertzig jar. Diſer ſpruch lehꝛet / das Gott der Her: ſeine Kinder er⸗ nehꝛen vnnd erhalten koͤnne / wann gleich nicht euſſerli che vnnd natürliche mittel verhanden ſein. Welches der Hert Chꝛiſtus auch mit der that bewiſen / da er in der wüſten etlich mal mit wenig Bꝛoten vnd Fiſchen vil Tauſent Menſchen geſpeiſet vnnd erſettiget hat. Vnnd muͤſſen fromme Chriſten / welche vnderdem Creutz geuͤbet ſein / bekennen / das ſie Gott offt wun⸗ derlich erhalten / da ſie nicht gewuſt / wo auß oder ein / Derwegen / wann wir mit der ſoꝛg der narung ange⸗ fochten werden / ſollen wir dem Satan diſen vnnd der gleichen ſprůͤch entgegen ſetzen: Der Menſch lebt nicht vom Bꝛot allein / ſondern von einem jeglichen woit / Gott Rin Pꝛedig von den Gott vnnd Vatter kan nicht allein das wenig / ſo voꝛ⸗ handen iſt / vermehren / ſondern auch / wann es noht thůt / newes erſchaffen: wie er dañ Himmel vnd Erden auß nichts erſchaffen hat· Es iſt auch bey diſer erſten / vnnd bey den andern zweyen volgenden verſuchungen Chuiſii wol zumer⸗ cken / mit was Wehꝛ vnnd Waffen Chiſius den Sa⸗ tun abtreibet: nemiich / mit dem Schwerdt des wotts Gottes. Dann S. Paulus / als er ein Chriſtlichen Geiſtlichen Kriegsman außrůͤſten will / vermanet er / das wir (neben andern Geißtlichen Waffen ergreiffen vllen das Schwerdt des Geiſts / welches iſt das woꝛt Gottes. Mit diſem Geiſtlichen Schtwerdt ſollen wir gegen allerley anfechtungen wol geruͤſtet ſein / vnd vns daſſelbig nicht laſſen den Satan auß den Henden reiſ⸗ ſen. Derwegen / wann vns ein anfechtung fuͤrkompt / ſo laſt vns gleich ein ſpruch der Heyligen Schrifft der⸗ felben entgegen ſetzen / vnnd denſelben ſpruch feſi in vn⸗ ſerm Hertzen haiten ſo wirdt der Satan entlich nach ⸗ laſſen müſſen. Nach dem aber der Satan mit der erſten ver⸗ ſuchung gegen Shꝛiſto nichts erhalten moͤgen / da er jnekleinmuͤtig machen wollen / das er an Gottes / ſei⸗ nes Himliſchen Patters / gnaͤdigẽ hilff verzagen ſolte. hat er Chuſtum mit einer andern Wehtꝛ / vnd gar auff einer andern ſeyten / angeloffen vnd den Herin Chri⸗ fum wollen zur vermeſſenheit / freuel⸗ vnnd Perſuchungen Chꝛiſti. betvegem das er (mit euſſerſter gefahr ſeins Leibs vnnd Lebens) ſolche ſachen fuͤrnemen ſolte/ die jm nicht gebuͤren / vnnd deren er wol vberhaben ſe in mochte. Dann der Satan fuhꝛet den Herꝛn Ghri⸗ ſium mit ſich / in die Heilige Statt (Jeruſalem)/ vnd ſtellet jhne auff die Zinnen des Tempels / vnd ſprach zujm: Biſtu Gottes Sohn / ſolaß dich hinab Dann es ſieht geſchriben. Er wirdt ſeinen Engeln vber dir befelch thun / vnnd ſie werden dich auff den Hendentra⸗ gen / auff das du deinen Fuß nicht an ein Stein fioſſeſt. Das war ſouil geſagt: Wolan / ich ſihe,/ das du dar⸗ auff beharꝛeſt / du ſeyefi der liebe Sohn Gottes / vnnd Gott werde dich nicht verlaſſen. Iſt nun dem alſo / ſo vertraw deinem Gott vnd Himliſchen Vatter / vnd fahꝛ alhie von dem Tempel hinal / auff die Erden: das es menigklich ſehe / vnnd ſich ab dir verwun⸗ dere / vnnd dabeymercke / du ſeyeſt der Sohn Gottes. Diſes wirdt deinem Predigampt / das du anfahen vnnd treiben wilt / ſehr fuͤrſtendig ſein / vnnd dir ein groſſen namen vnnd anſehen machen. Dudarffſt auch nicht foͤrchten / das dir hierdurch ein ſchad wi⸗ derfahr / dann Gott hat dir langſt zuuor verheiſ⸗ ſen / das er dich mit ſeinen Engeln bewahren / vnnd verhüten woͤlle / das dir kein leid oder ſchad wi⸗ derfahre. Diſe anfechtung iſt der vorigen ſtracks enige⸗ gen / vnnd geht auff das ander extremum: vnnd wie er B BIhnſtum Ein Pꝛedig von den Chꝛiſtum ʒuuor hat wöllen zuweit auff die lincke ſey⸗ ten treiben / nemlich / zur kleinmutigkeit- Alſo will er jne / mit der andern verſuͤchung zuweit auff die rechte ſeyten treiben / nemlich / zur vermeſſenheit. Mit diſer verſuͤchung greifft noch heutigs tags der Satan vil Leut an / vnnd macht ſie vermeſſen / das ſie (vnder dem ſchein / als ob ſie Gott wol vertrawen ſich ſelbſtin vn⸗ nõtige gefahꝛ ſtecken / deren ſie mit gůtem gewiſſen wol hetten vberhaben ſein moͤgen⸗ Als wann der Satan einen in ſenem beruff fahꝛleſſig machet / vnnd jne dahin treibt/ das er weder ſich noch die ſeinen bedenckt / ſonder das ſein vnnuͤtzlich verſchwendet / mit hoffart vnnd pꝛacht / můͤtwillig verthut / daruon er / vnnd die ſeinen ⸗ ſolten mit der zeit erhalten werden. Item / wann der Satan ein jungen ſtarcken Menſchen verblendet / das er ſich ſeiner geſundtheit vberhebt / vnnd ſelbige muͤt⸗ willig mit ſchwelgen vnnd vnoꝛdenlichem leben ver⸗ derbt / vnnd jme beſchwerliche kranckheiten ſelbſt auff den Hals ladet/ deren er wol hete vberhaben ſein koͤn⸗ nen: Er reitzt auch offt die Leut / das ſie allein vmb rhumbs willen / vnnd das ſie voꝛ andern woͤllen geſe⸗ pen ſein / r Leib vnd Leben frech wagen / vnd ingefahꝛ ſetzen / da ſie doch jr beruff hierzu nicht treibet. Joſias war ein ſehr frommer Koͤnig in Juda· Dannoch hat jne der Satan mit diſer anfechtung betrogen / vnnd jn alſo vmb ſein Leben gebracht / ob wol (ohne zweiffel) die Seel iſt erhalten woꝛ den. Dann als der Koͤnig Necho — — „ — — „— — — Merſuchungen Chꝛiſit. Necho auß Egypten herauffzege / wider die ſtatt aꝛ⸗ h 33. chemis: vnnd mit dem Koͤnig Joſia inn argem nichts zůthun hatte / machet der Koͤmg Joſias ſein Land⸗ uolck auff / vnd zog dem Recho mit Heerskrafft entge⸗ gen / vnnd menget ſich alſo in frembden hader / fieng ein vnnotwendigen Krieg an. Vnnd ob wol der Koͤnig Necho jne verwarnen vnnd bitten ließ / er woͤlte ſich nicht in ſelbige ſachen einmengen: Dann er hette nichts mit jme zůihun / ſo wolte doch Joſias nicht růwig ſein / ſondern thet ein treffen mit jme. Vnnd ward Joſias geſchoſſen / alſo das er ſtarbe: Welches Exempel vns kehꝛet / wie der laidig Satan auch from̃e vnnd heilige Leut blenden kan / das ſie vnderweilens ſich in vnnotige gefahꝛ ſtecken / vnnd in groß vngluck daruber kom̃en. Es iſt aber bey diſer verſuͤchung Chriſti ein ſon⸗ derer liſi des ledigen Satans zumercken / nemlich / das der ſeibig auch die heilige ſchrifft anzeucht / gleich als wolte er vns Gottes woꝛt lehren / vnnd vns nach dem ⸗ ſelbigen zuhalten / vermahnen. Er zeucht aber die Schrifft nicht recht an / ſondern falſch vnnd verſtuͤm ⸗ blet: Darmit er der ſelben rechten verſtand verſchlagen unnd vertůſchen / vnndmit einem falſtl en verſtand die keut betriegen moͤge Dann der ſpruch / welchen der Satan angezogen/lautet in der Bibel alſo: Er hat ſel pſu nen Engeln befohlẽ vber dir/das ſie dich behůten auff allen den en weaen. Das ſie dich auff den Hendẽ tragen / vñ du deinen Stein ſtoſſeſt. 1 In Ein Pꝛedig von den Indiſem ſpruch hat der Teuffel muůtwillig die wort Fauff allen deinen wegen) auſſengelaſſen. Dann Gott will nicht ſchutz vnnd ſchirm verſprechen / denen / die auß ſeinem Geleit reiten/ vnnd nicht auff jren wegen ¶das iſt / in jrem Beruff) wandlen. Darumb / wann vns der Satan die Schrifft fuͤrwürfft / ſollen wir ſelbige fleiſſig beſehen / oder vns die leſen laſſen ſo werden wir (vermitelſt Gottlicher Snaden ) ſeinen betrug vnnd verfelſchung mercken. Dann er nimbt eintweder etwas daruon oder ſetzt etwas darzun oder bringt ein ſolche außlegung/ welche mit andern kla⸗ ren ſpruchen der Heiligen Schrifft / (oder auch mit den vorgehenden vnnd nachuolgenden woꝛten / nicht beſiehn kan. Laſi vns aber hoͤren / was Chriſtus dem Satan fur ein andern Spruch entgegen ſetzt / mit welchem erden falſchen verſtand des vorigen Spruchs vmb⸗ ſoſſet. Jeſus aber ſprach zu jm Widerumb ſteht auch geſchriben Du ſelt Sott deinen Herin nicht verſucht. Diſer Spruch ſteht im fuͤnfften Buͤch Moſis / am ſechfien Gapitel · Vnd lehret vns Chriſtus alhie mit einem Erempel / wañ vns der Satan will vermeſſen / allzu fraidig vñ frech machẽ / das wir an diſen Spꝛuch gedencken ſollen / vnd Gott nicht verſuchen. Dañ wer ſichin ein gefahr ſeines Leibs / Guts / Ehꝛen / oder der Seelen begibt / da er mit gutem gewiſſen wol hete ſeins ſelbs verſchonẽ koͤnnẽ / der verſuchet den Herin / thut gr — S — — — — — — — — = — Verſuchungen Chꝛiſti. groſſe Sůnd vnnd geſchehe jm nicht vnrecht / wann jne Gott in ſolcher gefahꝛ verderben lieſſe. Es hat det Satan mit der erſten vnnd andern ber⸗ ſuchung noch nichts an Chꝛiſto gewonnen. Darumb greiffet er jne mit der dritten Wehꝛ / vñ auff ein andere weiſe an: nimbt jn mit ſich auff ein ſehꝛ hohen Berg / ond ʒeiget jm alle Reich der Welt / vñ jre Hertligkeit / vñ ſprach zu jm· Das alles will ich dir geben / ſo du ni⸗ der felleſt / vnd mich anbeteſt. Mit diſer ver ſuchung hat der Satan den Herin Fhriſtum da in zu bewegen vn ⸗ derſtanden / das Chuſtus ſolte vmb eichtumb / Ehꝛen Herꝛligkeit / vnd weltlicher Macht willen / den rechten waren Gottes dienſt verlaſſen / vnd jme / dem euffel / dienen. Dañ wer ſich von der war? Religion abwendẽ laſt / vñ falſche lehꝛ oder falſche abgötiſche Gottsdienſi annimbt / der dienet nicht mehꝛdem wahꝛen Gott/ ſon⸗ der dem leidigẽ Leuffel· wañ gleich ein ſolcher Menſch den Namen Gottes ſtetigs jm Mund hat. Wann die Iſraeliter den waren Gotts dienſi / welchen jnender Herꝛ in ſeinem wort fürgeſchriben hate / verlaſſen / vnd die Baalitiſche oder Molochiſche Gottes dienſt ange⸗ richtet vñ getriben: ſo haben ſie nicht dem waren Gott/ ſonder dem leidigen Zeuffel / gedienet: vnangeſeht / das ſie vermeinten / es gereichtẽ ſolche Sottesdienſt zur ehr des warè Allmechtigẽ Gottes. Darũ ſagt der Pſalm Pfal. c6 von den Iſi gelitem ·ſie opfertẽ jre Soͤn vñ Lochter den xeuffeln· Diſe verſuchũg welche Ghꝛiſtus alhie außge ſtanden / Ein Pꝛedig von den ſtanden / treibt der Satan noch heutigs tags fort / ge⸗ gen vilen Leuten. Da er nemlich einem Chriſten diſe gedancken einſpeyet · Was thuſtu daheimen in deinem Vatterland / bey deiner Religion ? Sihe / du biſt ver⸗ achtet vnnd verſchmecht / niemands fragt nichis nach dir· Du kombſi dein Lebenlang beym Lutherthumb nit herfuͤr: Du leideſt armůt / vnd kanſi dich des huͤngers kaum erwehren. Zeuch hinauß zuden widerſaͤchern: thue ein Aug zů: was ſchadets / wann du ſchon dem Eeuffel ein Liechtlein auffzundeſte vnnd dich in der Re⸗ ligion mit jnen gleichfoͤrmig helteſte vnnd den Luthe⸗ tiſchen ſo vbel redeſt / als jxgend jemands bey dem ge⸗ gentheil· kanſt dannoch den Glauben bey dir in deinem Hertzen behalten / vnnd mit der ʒeit dich widerumb zu der reinen Religion begeben / wann du zuuor Gelts vnnd Gůts gnuͤg geſamblet / vnnd in diſer Welt ein anſehen / ehr / vnd Herligkeit bekom̃en haſt. Dañ bey jenem theil kan man zu reichtumb vnd ehren kommen bey dem Heiligen Euangelio geht es ſchmal zu. Noch pil ſtercker aber wuͤrdt diſe anfechtung / wann man et⸗ wo auch einem ein groſſe anzal Gelts fuͤrſchůtet / vnd zu jm ſagt / diſes woll man jme verehꝛen / wann er von feiner Religio n wölle abweichen. Vnnd es ſoll bey ſol⸗ cher verehꝛung gar nicht bleiben /ſondernes ſey nur ein anzeigen eins gnaͤdigen willens. Vnnd es müſſe vil groſſers hernach volgen / das man zu groſſen ehꝛen vnnd gůt kommen moͤge. a — —— — — Perſuchungen Chꝛ iſti. Was ſoll ein Ghriſt hierzu ſagene Er ſoll mit dem Herin Chniſto zu dem Zenffel ſprechen: Heb dich weg von mir Satan · Dañ es ſteht geſchuben: Du ſolt an⸗ betten Gott deinen Herin / vnd jm allein dienen ꝛc. Du Satan biſt nicht mein Gott: du biſt nicht mein ſchoͤpf⸗ fer: ſonder biſt ein verfluchter boͤſer verdampter Geiſi. Troll dich in abgrund der Hellen / dahm du gehoͤreſt. Ich ſoll meinem Gott dienen / vnd jhme Ehr beweiſen / ja jhme allein (vnnd nicht dir ) dienen Will mich mein Gott in diſer Welt reich vnnd hertlich machen / ſo kan ers wol thun: vnnd darff dein nichts darzu. Will ers dann nicht thun / ſo will ich jhme in gedult ſtill halten / vnd mich an der narung vnnd ſtand / ſo er mir gibt vnnd ordnet / benuͤgen laſſen. Du Satan biſt ein verlogner Geiß / der du vil verheiſſeſt / vnd wenig / oder auch gar nichts / helteſt. Vnnd wann du gleich mir hielteſt / vnnd mir die gantze Welt (die doch nicht dein iſi) ſchencken koͤndeſt vnnd wolteſt / was helffes mich / wann du mir darnach / fuͤr das anbeten / vnnd fur meine dienſt / das Helliſch fewer zulohn gebeſte Was hiffts einen Men mah . ſchen (ſpiicht Chꝛiſtus ) ſo er die gantz Welt gewinne / vñ neme doch ſchaden an ſeiner Seele? Oder / was kan der Menſch geben / damit er ſein Seele wider loͤſe⸗ Der ⸗ wegen will ich dir / du leidiger T euffel / nicht dienẽ / noch dir Hoſſiren oder heuchlen: ſonder bey dem rechtẽ Got⸗ tes dienſt / mit hilff des Allmechtigẽ/ beſtendig biß ans end verharꝛen / vnnd vmb Reichtumb / Ehren / oder ge⸗ walts Ein Pꝛedig von den walts willen mein gewiſſe nicht beſchweren / noch mein Seel verdammen. Wann man dem Teuffel alſo ant⸗ woꝛtet / ſo muß er ablaſſen / vñ vermag nichts an vns / wie er auch von Chuſto hat můſſen / vnuerrichter ſa⸗ chen / vnd mit ſchandẽ / weichen: daruon hernach an ſei⸗ nem ort ferner ſoll geſagt werden. Hie moͤcht aber jemand ſagen / oder zum wenig⸗ ſten gedencken· was iſt das fuͤr ein vnbillich dingẽ das der Teuffel / ein verfluchter Geiſt / ſoll mit ſeinen ver⸗ ſuchungẽ den Son Sottes vñ Mariæ angreiffen? jne vexirn vnmd (wie ein andern gemeinen Menſchen) vmbtreiben ? jhme ſein hunger vnnd mangel hoͤniſch vnnd bitter fuͤrwerffen⸗ jhne jetzt auff die Zinnen des Tempels / bald auff ein hohen Berg ſtellen / vnd dem Herin Chuſto ſolche vnbilliche zumuthen thunt alſo / das er auch begeren durffen / Ehriſtus ſolte fuͤr jym miderfallen / vnnd jhn anbetten? Wie kan Chriſtus das von jhm Leiden ? vnnd was darffer lang mit diſem verdampten Geiſt diſputirn ? Warumb hat er jhn nicht mit einem einigen woꝛt von ſich getriben / vnnd jhne jns Helliſch Fewr geſtuͤrtzt / dahin diſer Geiſt verordnet iſt ? Wo bleibt hie vnſers Herin Chriſti Allmechtigkeit vnnd Hertligkeit ? muß er aber ſol⸗ chen hon von diſem boͤſen Geiſt leiden? Antwoꝛt: Warumb der Herꝛ Chriſtus ſolchen mutwillen des Satans geduldet ein zeitlang / das lehret — — — — Verſuchungen Chꝛiſti. Heilig Apoſiel Paulus / inder Epiſtel zun Philip⸗ pern / da er ſagt: Ein jeglicher ſey geſinntt / wie Jeſus Phipp⸗ Ghꝛiſtus auch war: welcher / ob er wol in jotilicher geſtalt war / hielt ers nicht für ein raub / Gott gleich ſein / ſondern euſſert ſich ſelbs / vñ nam Knechtsgeſtalt an· ward gleich wie ein ander Menſch / vnd an geberde als ein Menſch erfundẽ· Ernidriget ſich ſelbſt / vñ ward gehorſam / biß zum tod / ja biß zum tod am Freutz.ic. Das iſt ſoul geſag: Der Herꝛ Jeſus Ihuiſtus iſi ⸗ vom erſten tag an ſeiner Heilige Menſchwerdung / ein Hert Himmels vñ der Erden geweſen. Dañ nach der einen Natur / nemlich / nach der Goͤttlichen / war er der ewig Son Gottes / von Ewigkeit vvm Vatter geboꝛn / gleiches weſens vnd gewalts mit dem Vatter. Nach der andern Ratur / nemlich / nach der Menſchlichen / war jhme alles vom Vatter in ſeine Hend / das iſt / in ſeinẽ gewalt gegebe· Wie Chuiſius von ſich ſelbſi (auch vorſeiner Aufferſtehung) redet. Ober nun wwol Gott ʒoann.j. vñ Menſch in einer Perſon / vñ ein Allmechtiger Herꝛ vnnd Gott war / hat er ſich doch des gebrauchs ſeiner Goͤttlichen Herꝛligkeit vñ Maieſtet / in ſeiner Menſch⸗ heit / geeuſſert(auſſerhalb / wanner Wumderwerck ge⸗ than) / vnd hat nicht mit ſeiner Goͤttlichen Maieſiet gepranget / vnd ſich derſelben vil gerhuͤmbt / wie die zu⸗ thů pflegẽ / die mit dem raub / ſo ſie dem feind abgetrun⸗ gen / prangen / vñ prachtirn: ſonder hat ſein Gottliche Herꝛligkeit gleichſam verboꝛgẽ / vñ K va Lor. 2 Ein Pꝛedig von den ſich genomen · vnd ſich (auſſerhalb der Suͤnden gehal⸗ ten / wie ein ander gemeiner Menſch. Vndiſtan weiſe vnd geberden / wie ein ander Menſch erfunden worden. Die Knechts geſtalt aber in Chꝛiſto / die er an ſich ge⸗ nommen eals er ſich ſeiner Maieſtet geeuſſert) iſt nicht ſein Menſchliche Natur: ſonſten hette er mit ablegung der Knechtsgeſtalt / in ſeiner aufferſtehung, auch die Menſchliche Natur ablegen muͤſſen: welche Natur er doch in alle Ewigkeit nicht von ſich legt. Sonder die Knechtsgeſtalt iſt die erniderigung in ſeiner Menſchli⸗ chen Natur: das er ſich ſo gering geſtelt vnnd erzeigt hat / als ob er ein armer Knecht were: der doch (wann er gewolt)hette jederzeit ſein Heriligkeit koͤnden erzei⸗ gen. Ja er hette ſich auch allezeit koͤnnen alſo ſehen laſ⸗ ſen / wie er ſich ſeinen Juͤngern auff dem Berg Hert⸗ lich erʒeigt hat / da ſein Angeſicht leuchtet wie die Son⸗ ne/ vnd ſeine kleider weiß waren /wie der ſchnee. Aber er hat die Gottliche Hertligkeit (deren vnderwellens ein kleiner glantz in ſeinen Wunderwercken herfůr ge⸗ ſchinen)den mehren theil ſeines lebens (voꝛ ſeier auf⸗ ferſtehung)verboꝛgen / vnd faft biß in das dreiſſigſt ar ſeines alters ſich als ein Kuecht erwiſen. Ja er hat au in ſeinem Predigampt die Knechtsgeſtalt behalten: biß er dur h ſein bitter Leiden vnnd ſterbei das Menſchlich gechlecht erloͤſete. Vadiſi ein notturfft geweſen Das Chuſtus in Knechtsgeſtalt auff Erden gangen OM wann ſie jne erkant hetten / ſo hetten ſie den Hermn der Hertligkeit ——.— — — Verfuchungen Chꝛiſti Hertligkeit nicht gecreutziget. Wann Chtiſtus allezeit hette Wunderzeichen gethan / vnnd darneben fietigs ſolche Hertligkeit an jhm geſehen worden / wie auffdem Berg Thabor:wer wolt jne angegriffen / gefangen / ge⸗ bunden / gegeyſelt / verſpien / zum Tod verurtheilt / ge⸗ creutziget vnd getoͤdtet haben⸗ Wo aber diſes alles ver⸗ bliben were / wie weren wir erloͤſet worden: ſeitenmal es Gottes des Himliſchen Vatters Raht vñ Decretum geweſen / das wir durch das bitter Leiden vnd Sterben des Sons Gottes ſolten erloͤſet / vnd vnſere Suͤnd mit dem Bluůt vnſers Herin Khꝛiſti abgetilget werden. Iu diſer Knechis geſtalt Chiſii gehort auch diß ſtuͤcklin / das Chuſtus vom boͤſen Geiſt angefochten vynnd verſucht iſt worden: der ſonſten im ſtand ſeiner Herꝛligkeit freylich den Satan gleich als bald mit ein⸗ em einigẽ woꝛt hette von ſich gewiſe. Zu diſer Knechts⸗ geſtalt gehoͤrt auch / das wir von Chtiiſto leſen / wie er hungerig vnnd durſtig auch můd vnd mat iſt woꝛden: alſo das er / auß muͤde vnd durſt/einen trunck Waſſers vom Samarttaniſchen Weiblin begerte. Jtem / das er 3oban 4. am Creutz ſchmertzen vnd durſt leidet / ʒutrincken / vnd ſich zuerlaben begert: jhm aber damaln nicht ein manb. a7. trunck kaltes Waſſers / ich geſchweige eines guten Weins hat gedeihen moͤgen Iu diſer Knechts geſtalt gehoͤrtauch/ das Chuſtus ſagt· Mein Seel ift betrůͤbt arhas· biß in den Tod: Item / das er vor groſſer angſt am Creutz ſcheyet: Mein Gott / mein Gott / wie haſt du meuh ⸗ C ij mcich Matth.10. Gen. z. Mer.1 3 Ein Pꝛedig von den mich verlaſſeu. Zur Knchtsgeſt alt gehoͤrt auch die red Ghꝛiſti: da er zu den zweyen Soͤhnen Zebedei / Ja⸗ tobo vnd Joanne / ſagt: Das ſitzen zu meiner Rechten vnnd Lincken zugeben / ſteht mir nicht zu / ſondern den ⸗ en es bereitet iſt von meinem Vatter. n Chnſtus war in ſeiner Knechtsgeſtalt damals nicht darumb da / das er die Seſſiones im Himmel außtheilen ſolte / ſondern das er vns den eingang in Himmel mit ſeinem bittern Leiden vnnd Sterben oͤffnen / vnnd erlangen / vnnd in demuͤt vnnd nidrigkeit wider bringen ſolte / was Adam vnnd Eua im Paradiß mit hoffart (da ſie Gott wolten gleich werden) verderbt hatten. In die Knechtsgeſialt Chꝛiſti gehoͤrt auch / das Chꝛiſtus ſagt: Von dem tag aber vnnd der ſtunde (des Jüng⸗ ſien tags) weiß niemand / auch die Engel nicht im immel / auch der Sohn nicht / ſondern allein der atter. Damaln ſolte ja des Menſchen Sohn / im ſiandſeiner nidrigung / vnnd in ſeiner Knechtsgeſtalt / nicht ſich vmb den tag vnnd ſtund des Juͤngfien Go⸗ richts bekummern. Aber jetzt in ſeiner Hertligkeit weiſt er freylich wol / wann er ſoll mit groſſer Male⸗ ſtet widerkommen / ʒurichten die Lebendige vnnd die Todten. Ob aber wol Khꝛiſtus im ſtand ſeiner ernidri⸗ gung vñ der Knechtsgeſtalt / ſein Gottliche Maieſtet / Krafft vund Macht / ſelten vnnd wenig gebraucht: ſohat er doch derſelbigen( ſouil die poſſeſſion Verſuchungen Chriſti. nie gemangelt / ſondern hat ſie gehabt / vnnd hatſie g jederzeit gebrauchen koͤnnen/ wann er ſie hat ſollen bnnd wöllen gebrauchen. Er iſt allwegen der Hert Cor· der Hertligkeit geweſen / ein Her: Himmels vnnd der Erden / auch zu der zeit / da er ſein Herꝛligkeit vnder der Knechtsgeſtalt verborgen. Dann Joannes ſagt vom Herin Chuſto (auch voꝛ ſeinem Leiden vnd Auf⸗ ferftehung) Da Chuſtus ſeinen Jüngern die Fuͤſſe wechſe wöllen / hab er wol gewůſſt / das jhme der Vat⸗ Zohan· in eter alles in ſeine Hend gegebẽ habe: diß heiſt aber alles inſeinen Henden haben / nemlich / ein Herꝛ ſein vber alle Freaturen / alſo / das alles in diſes Menſchen Chuiſti gewalt vnnd Hand ſtehe. Es hats auch Ghꝛi⸗ ſtus mit ſeinen Hertlichen Wunderwercken / ſo offt ner gewolt/ erwiſen / das er der Hert der Hertligkeit were / vnndalle Creatur ſeinem willen vnderworffen ſein muͤſten. Dann er ſeine Wunderwerck nicht in eines frembden / oder eines andern namen / gethan: wie die Propheten vnnd Apoſiel: ſonder auß eigner Krafft hat er Waſſerſůͤchtige geſund gemacht / Lame gerad / Gichtbrichige geheilet / Blinde ſehend / Taube hoͤrend gemacht / Auſſetzige gereinigt / Teuffel außge⸗ triben / mit wenig Brot vnnd Fiſchlin vil tauſent Menſchen geſpeißet vnnd geſetigt / vnnd Todte auff⸗ erweckt. Diſe Wunderwerck ſein zeugnuſſen ge⸗ weſen ſeines Allmechtigen gwalts / den er auch als ein Menſch gehabt / vnnd jhne gebrauchen koͤnnen / wann ſ Ein Pꝛedig von den wann er gewolt / vnnd wie es damaln ſein beruff er⸗ fordert hat. Er hat ſich aber deſſen (wie droben auch angeregt) nicht allwegen vernemen vnnd mercken laſ⸗ ſen / ſondern denſelbẽ mehrentheils bißin ſein dreiſſigf jar hinderhalten / vnnd vnder der Knechtsgeſtalt ver⸗ boꝛgen. Gieich als wann etwo ein Her: durch frembde Land zeucht / vnd will nicht bekandt ſein ſo gibt er ſich nicht für ein Herin auß / ſetz ſich nicht oben an / ſonder laſt ſeinen dienernden fuͤrzug/ vnnd laſt die diener ſein ott einnemen / er aber fiellet ſich / als ob er auff ſie be⸗ ſcheiden / vnnd jhr aller Knecht were. Dartumb ſagt merio Chriſtus von jhm ſelbſt alſo: Des Menſchen Son iſt nicht kommen / das er jhm dienen laſſe ſondern daser diene / vnnd grb ſein Leben zur bezalung fuͤr vil. Ja⸗ das wir ein beſſer gleichnuß fuͤr die Hand nemmẽ: Ein geborner Fuͤrſi / iſt ja ein Her: ober ſein Land vnd Leut / ſeine vnderthanen vnd dlener ſeind jhm alle gelobt vnd geſchwoꝛen ob er wol noch vnder den Curatoren iſi:vñ zur ſelbigen ʒeit noch nicht volkom̃enlich Regiert / di weil er noch Minorennis iſt. Hleruon ſchreibt S. Gelet. 4· Paulus alſo: So lang der Erb ein Kind ift / ſo iſt vnder jhm vnnd einem Knecht kein vnderſchid / ob er wol ein Her: iſt aller gůter ſonder er ift vnder dẽ Fuͤrmundern vnd Pflegern / biß auff die beſtimpte ʒeit voin Vatter. Daher kowpt es / das ein junger Her (ehe er inſein võlige Reglerung eintrit) leden muß / das hmeder Præreptor vnd Hoffmeiſier einreden / ja wol auch jnt — zuchtjgen. Verſuchungen Chꝛiſti. zaͤchtigen. Nichts deſto weniger wirdt er vnderweilens auch in die Rhaãt / zu groſſen ſachen (die jhm nicht ʒu⸗ uerhalten ſein) gezogen. Er vnderſchreibt auch etwo in wichtigen hendeln einen Befelch. Es geſchicht aber nicht jederzeit/ ſonder wann es die notturfft erfordert: ſonſten enthelt er ſich dergleichen hendel / biß er in ſein voͤllige Regirung eintrit. Vnnd bleibt gleichwol hie zwiſchen ein Hert / vber ſeine Land vnd Leut / vnd ſene Vnderthanen vnnd diener erkoͤnnen jhne auch fuͤr jren Herin / thund jhm reuerentz / vnnd warten gebůrlich auff jhne. Alſo war auch Chꝛiſtus / nach ſeiner Heili⸗ ge Menſchheit / vomerſtẽ tag ſeiner Menſchwerdung / ein geborner Herꝛ / ober wol im ſtand ſeiner Nidri⸗ gung / vñ in der Knechts geſtalt/ nit jeder zeit alles ge⸗ wuͤſſt/ oder ſein Gottliche Krafft allwegen erzeigen woͤllen. Diſe beide Staat / oder Stend Chtiſti / ſollen billich die Chuiſten wiſſen· vnd mit fleiß vnderſcheiden / welche ſtuck vnd werck in Chꝛiſto zu der angenommen Knechtsgeſtalt (welche er widerumb abgelegt) gehoͤ⸗ ten: vnnd welche zu ſeiner Herꝛligkeit vnnd volkom̃en Regierung gehoͤrig. Vnnð iſi nicht recht gehandelt / wann man mit denen ſachen / ſo ʒu ſeiner Knechtsge⸗ ſalt gehoͤren / jme im ſtand ſeiner Hertligkeit ein ein⸗ griff thun wolte· Gleich wie es auch vnrecht were / wañ man mit dem Stand ſeiner Herꝛligkeit die Knechtsge⸗ ßalt die er ein zeitlang vns zu gutem getragen) ber⸗ laugnen Ein Pꝛedig von den iaugnẽ wolte. Sleich wie die Arianer die ſprüch / ſo võ der Menſchheit Chriſti (oder auch von ſeiner Knechts⸗ geſtalt) reden / pfiegen (vnrecht vnd mutwillig) wider ſein Ewige Soitheit anzuziehen. Dann die Rnechts⸗ geſtalt benmbt dem Herꝛn Chiiſio nichts an ſeiner vol kom̃en Regierung vnd Maieſtet / darinnen er ietzt ifi/ vnnd herꝛſchet füͤrauß in alle Ewigkeit. Wann eines Regirenden Herin diener wolte von ſolchem ſeinem Herin ſagen: was ſolte mein Hert wiſſen / was man in feiner Cantzley handeltẽ was ſolt er zugebieten vnd be⸗ felhen habene Ich gedenck der zeit / das jhne ſein Præ⸗ teptor mit ruten geſtrichen· Was ſolt ich vmb jhn gebẽ ⸗ oder nach jhm fragen ? Da důrfft wol ein Regirender Herꝛ einem ſolchen diener mit der that ʒeigen / das er nicht mehr vnder den Preteptorn / Hoffmeiſtern / vund Guratorn were / vñ důrfft hne erfahrẽ laſſe / ober noch in det Schul / vnnd vnder ſeins Hoffmeifters diſciplin were:oder ob er auch ein ſchläſſel zum thurn hrte,oder nicht. Vnnd zwar der Regirend Son Mariæ / Jeſus Chnſius / hat ſich albereit an eilicht Zwinglianern ge⸗ rochen / weiche ſein Allmacht ſo greulich zerloͤßert ha · den: vñ jhnen gezeigt / das er zur Gerechten Sottes tze / vñ ein vnendlichen gewaltin Him̃el vñ Erdenhab . Vnd da ſie nicht werden nachlaſſen / wirdt er noch mehꝛ Leuten zeigen / das ſie mit der that er werden/ das er nũ langſi die Knechtsgeſialt abgelegt⸗ n zum Her⸗ ren vnd Ihriſt gemacht / vnd erklett ſey: wie vſe — —— — . — —ß . Verſuchungen Chꝛiſti. ſeiner erſten Predig / am Pfingſtag gehalten / lehret. 3 Dertwegen muͤſſen wir huſtum nicht mehr in ſeiner Knechtsgeſtalt / ſondern auch in ſeinem Herin⸗ ſtand recht keñen lernen. Da lautet es dañ vil anderſi / dann wann man von der Knechtsgeſtalt / vñ dem ſtand ſeiner Ernidrigung / redet In der Knechtsgeſtal muſt er hoͤren: Biſtu Gottes Sohn / ſo ſprich das diſe ſtein Marpa. Brot werden: Im Herꝛnſtand heiſſt es· Mir iſi gegebẽ Mauhas. aller gewalt im Him̃el vnd auff Erden. In der Knechts geſtalt hieß es· Der Sohn weiſi den tag vnd ſtund des arcn. Juͤngſten Gerichts nicht: Im ſtand ſeiner Hertligkeit heiſt es· In Chꝛiſto ligen verborgen alle ſchaͤtz der weiſ⸗ ⸗ heit vund erkentnuß. Im ſtand der Ermdrigung war Thuſtus erſtlich im Leib der Hochgelobten Junckfraw Mariæ / er wandelte leiblicher weiſe von einem ortzum andern / er hieng vnd ſtarb am Creutz: Im ſtand aber ſeiner Hertligkeit heiſt es: Sihe / ich bin bey euch alle tag / biß an der welt ende. Vñ / Er iſt auffgefahren vber ? bel⸗ alle Him̃el / auff das er alles erfuͤlle. Dann die Goͤtt⸗ liche Natur hat ire aigenſchafften der angenomen Menſchlichen Natur nicht allein mitgetheilt / ſondern der Sohn Gottes verwaltet jetzt alles durch die ange⸗ nomene Menſchheit / alſo das Fhuſtus / auch als ein Menſch / in vnendtlichen Allmechtigen voͤlligen ge⸗ walt / vnd gegenwertige Regierung vber alle Freatu⸗ ren / in Himmel vnd Erden / eingeſetzt ifi. Hier auß volget aber keins wegs / das durch die Dij mittheilung Ein Pꝛedig von den mittheilung der Goͤttlichen aigenſchafften die Naturt in Shꝛiſto vermiſchet / die Menſchliche Natur auffge⸗ haben / oder die Menſchheit in die Gottheit verwan⸗ delt werde. Dañ es kan wol ein (ommunicatio Idiomatũ geſchehen / das die Goͤttliche Natur der Menſchlichen Ihr Heriligkeit vnd allmechtige Krafft mittheilet / vnd dannoch kein Natur in die ander verwandelt werde. In ſermone de ntauatate Chrj- ſilius / da er von der Menſchwerdung des Sons Got⸗ u tes handelt / vergleicht er die Menſchheit Chꝛiſti einem Fewrigen Eiſen: barumb / das ſie vol Gottheit iſt vñ die wirckungẽ vñ krafft der Goͤttlichen Na ur em⸗ pfangen hat Nun wiſſet jhr ja alle wol / wañ ein Eiſe glawig wirdt / das es leuchtet vnnd brennet / welches beides feind aigenſchafftẽ / nicht des Eiſens / ſonderndes Fewers / das im Eiſeniſt. Dannoch brennet vñ leuch⸗ tet ein ſolch Eiſen / ʒwar nit auß ſeiner eignen / ſondern auß der frembden / vnd doch mitgetheilten krafft vnnd aigenſchafft des Fewers. Wer es nicht glauben will / der greiff ein F̃ewrigs Eiſen an / ſo wird ers freylich er⸗ fahren / was es vermoͤge. Dannoch wirdt darumb nit das Eyſen in das Fewer / noch das Fewer ins Eiſen verwandeit: ſonder es bleiben zwey vnderſchledne we⸗ ſen / nemlich / ein anders / das Fetwer / vnnd ein an⸗ ders / das Eiſen· Vñ ſeind dannoch alſo zuſamen ver⸗ einiget / das man mit einem fewrigen Eiſen ſo che ding verrichten kan / welche mit einem kalten Eiſen zuthun vnmoglichwere. Kyrillus / der auch voꝛ tauſent jaren gelebt / Deſſen nemet ein gleichnuß oder zwo. Der heilig Ba⸗ — —— — — — Verſichungen Chꝛiſtt. gelebt/ vergleicht die Menſchheit Chuſii einem glůͤwi⸗ gen kolen In einem glůtige kolen aber ſind auch zwey vnderſchidliche weſen / nemlich / das Fewer / vñ der kole: Vnnd wirdt darumb ein kole nicht in die ſubſtantz des Fewers verwandelt / darumb das er glůwig i / dan⸗ noch iſt zwiſchen einem gluͤwigen kolen / vnd einen kal⸗ ten ſchwartzen kolen ein ſehr groſſer vnderſchid / vnnd ſeind doch beid an jnen ſelbſt nichts /dañ ein gebrandt Holtz / vndmoͤgen wol beide (der glůwig vnd der kalte) von einem Baum herkommen / vñ wol auch an einan⸗ der geſtanden ſein. Diſe gleichnuſſen haben wir heu⸗ tigs tags nicht aller erſt erdacht / ſondern die Heiligen Vaͤtter habẽ /lenger dañ voꝛ tauſent jaren / die vereini⸗ gung beider Naturen in Chiiſto mit diſen gleichnuſſen etlicher maſſen abbilden woͤllen. Laſt vns noch eine hoͤ⸗ ren. Achanaſius ſagt in ſeinem Symbolo / das man in der Kirchen zuſingen pfleget / welches auch publicam aulhoritatem jetzt vil zundert jar in der Chuſtenheit hat: Gleich wie Leib vnd Seel ein Menſch iſt / ſo iſt Gott vnd Menſch ein Chꝛiſius. Nun wiſſet jhr ja wol / das des Menſchen Seel mallen Glidern des Leibs iſi / ma⸗ chet ſie alle lebendig / vndtheilet den Menſchlichen Gli⸗ dern das leben mu: welches eigentlich der Seelen zuge⸗ hoͤrt. Dann / ſo balddie Seel auß dem Leib abſchen⸗ det / ſo lebt vnd empfindet kein Glid nichts mehr: die Augen ſehen nicht mehr: die Ohren hoͤren nicht mehr: die Zung ſchmecket oder koßtet nicht mehr: die Naſe Dih rriecht Ein Pꝛedig von den riecht nicht mehr: die Hend greiffẽ nicht: die Fuß wan⸗ dlen nicht. Darauß auch ein gemeiner Ley vernemen kan / das es ein vnderſchidliche ſubſtantz iſi / die Seele: vnd ein andere ſubſtantz / der Leibe. Wann aber Leib vnnd Seel beyſamen ſein / ſo theilet die Seel dem Leib nicht allein dz leben / ſondern auch andere krefften mit / die doch der Seelen eigne krefften ſein. Dannoch kan vnnd ſol man nicht ſagen / das darumb die Seel in den Leib verwandelt / oder dz die ʒwo ſubſtantzẽ / des Leibs / vnnd der Seelen / in ein ſubſtantz vermiſchet werden: ſondern / man waiſt / was des Leibs aigenſchafften / vnnd was der Seelen aigenſchafften ſein. Alſo auch helt es ſich mit den beiden Naturen in Chꝛiſto / das der Sohn Gottes ſeiner angenomen Menſchheit ſeine Gottliche aigenſchafften mittheilt / (wie die Seel dem Leib) vnnd bleibt er dannoch der ewige Sohn Gottes / vnnd wirdt die Menſchheit Chuifti nicht in die Gott⸗ heit verwandelt: Gleich wie der Leib nicht in die Seel⸗ der kole nicht in das Fewr· vnnd das Eiſen auch nicht ins Fewr verwandelt wirdt. Diſe mittheilung der Gottlichen aigenſchaff⸗ (welcht auß der perſoͤnlichẽ vereinigung beider Natu⸗ ren in Ghuſto herfleuſl) iſt fleiſſig von den alten Vaͤt⸗ an. Dia tern gelehrt worden. Fyrilius ſagt. Vrhum B0 N4 ſuæ · Naturæ propri corpori (MMMI4 S0LET FA⸗ (xRn: das iſ: Das Wortenemlich / der Son Got⸗ tes pfleget die gůter ſeiner Natur ſeinem eignen Leib mitzutheilen. Verſuchun gen Chꝛiſti mitʒutheilẽ. Damaſtens ſagt. Diuina naturapropria ſua 3 7. excellentias, ſen glorificationes carni conmunitat ſeu impertit: das iſt: Die Göttliche Natur theilet dem heiſch mit / jre eigne füͤrtrefflichheit vñ Hertligkeit. Soii es auch ein alt Sprüchlin / vñ voꝛ vnſern ʒeit in dẽ Theologiſchen Schůl / als ein vnwiderſprechlich Aioma getribẽ wor den· Uuod lius Dei habet ex natura, hoe ſilius heminis habet ex gratia: das iſt Alles was der Son Gottes hat von Natur / das hat auch des Menſcht Son / auß gnaden. Daher lehren wir auch auß Gottes wott / dz der Hert Chniſtus nach ſeiner Menſchlichen Natur(von wegen perſoͤnlicher vereinigung ) der Gottlichen eigenſchofftẽ vnd krefften theihafftig ſey rr orden / alſo / dz Ghuſtus auch als ein Menſch(im ſand ſeiner Heriligkeit)alles wiſſe /Allmechtig ſey / vnd ollenthalben gegenwertig / Regire im Him̃el vñ auff Erden. Vndiſt ſolches auch der lieben heiligen Vatter glaub vñ Lehꝛ von Shuſioge weſen / mmaſſen zu end der Formula (oncordiæ, ein groſſe anzal kiarer vñ heller lauterer E průch auß den heilige Vättern / ʒuſamen getragen / welche vnwiderſprechlich bezeugen / das Chußus in ſemtr heiligen Menſchheit Goͤtliche krafft empfangen / das er olles wiſſe / alles vermoͤge / vnd allenthalken gegentrettig ſey. Diſes iſt auch die gemein vnnd Shulche Lehꝛ der fuͤrnembſten vnnd Hocherleuchten Lehrer zu rn⸗ ſern zeiten geweſen / welche wider das PTopſiumb gekaͤmpft / vnnd die Lehr des Heyligen Euangelij widerum̃ Ein Pꝛedig von den widerumb rein vnnd vnuerfelſcht der Chꝛiſtenheit / ſo můndtlich / ſo ſchrifftlich fuͤrgetragẽ. Doctor Luther / Seliger vñ Heiliger gedechtnuß / hat diſe Lehr von der Goͤttlichen Maieſtet / ſodem Menſchen Chuſio mitge⸗ theilt / nicht nur mit einer vngefahrlichen red / oder mit wenig zeilen angeregt. als ob jhme ſolches vnbedecht⸗ lich / oder auß hitz gegen ſeinen widerſechern / entfallen were. Sondern hat diſe Chꝛiſtliche lehr in dem Ser⸗ mon vom Abentmal: Item im Buͤchlin / das die wort Mas iſi mein Leib) noch feſt ſtehn· Item / in ſeiner groſ⸗ ſen bekandtnuß vom Abentmal (vnndin andern mehr ſeinen ſchrifften) durch etliche gantze bogenbletter auß⸗ gefuͤhrt / vnd mit Bottes wort wider die Sacrament ⸗ ſchwermer erwiſen. Philippus Melanchton hat noch Anno / .⁊9. eben diſe iehr auch gefůrt · da er in der Eyi Nola ad Oecolampadium ſchreibt. Er bleibe bey dem Spruch Ghuſti: Sihe / Ich bin bey euch alle tag / biß an der Welt end. Vnd er koͤñe es nicht gut heiſſen / das man die Gottheit vñ Menſchheit in Chriſio von einã⸗ der trenne. Pomeranus hat diſe lehr in ſeinen ſchriff⸗ tẽ gefuͤhrt. Deſſgleichẽ hat auch Vrbanus Regius in ſeinem langen vñ ſchoͤnen Chꝛiſilichen dialogo diſe lehꝛ der kirchẽ Gottes fuͤrgetragen · Vñ moͤchtẽ noch vil fůr trefflicher Lehrer ſchrifften angezogen werden / woich mich nicht geliebter kurtze befliſſe vnd dergleichẽ ʒeug⸗ nuſſen hieruon in guter anzal zuſamen gefaſſet / noff⸗ entlichẽ truck / vor diſer zeit / wider die Zwinglianer an den tag weren gegeben worden. Das Verſuchungen Chtꝛiſti: Das aber einʒeitlang her etliche nere Theologen diſe alte Ghꝛißtliche Lehr (weiche der heiligen Schrifft / der reinen Vaͤtter Lehr / vnnd anderer Hocherleuchten Theologen ſchrifften gemeß y nicht kennen wollen fon⸗ dern ſelbige für ein newe Lehr die der endita antiglati ſeh vnbekant geweſen / außrüffen / vnd ſelbige ein Marcio⸗ nitiſche/ Valentinianiſche / Eutichraniſche / Manſchei⸗ ſche / Artaniſche / Neſtortanſche ketzereyen ſchelten- Das iſt eintweder bey jhnen ein craſa gnorantia/ ein grobe Vnwaſſenhert oder aber eingrewliche vnd hoch⸗ traͤfliche boßheit. Dann ob wol auff keins Menſche authoritet / in glaubens vnd Religions ſachen / zubaw⸗ en: Jedoch ſolten ſie dannoch gedencken / weil Gott der Herꝛ dem Luthero ſeligen die groſſe gnad verlihen / das er den Roͤmiſchen Antichriſt / im Babſt zu Rom / hatſehen koͤnnen / den ſonſten andere Leut nicht geſe⸗ hen vnd erka ndt hetten ſoiten ſie (ſag ich) dannoch ge⸗ dencken / D. Luther were ja ſo blind nit geweſen das er lolte ein Martiomitiſche / Valentimamiſche / Eutychia miſche / Manſcheiſche / Arianiſche / Neſtorianiſch e Ke⸗ kerey / mit ſolchem eyfer ernſt vñ beftendigkeit wider die Zwinglianer verfochten / vnd nicht geſehen hahen / wie grewlich er wider etliche Articul(nach der Neten The⸗ logen mainung) anlieffe. Es hat freylich D. Luther ermelte Ketzereyen auch verſtanden / wie abſcheuhlich ſe ſcyen ehe dann etliche Newe vermeſſne Theologen welche jetzt ſei lehr loſern ein Pꝛedig aben. Ein Hꝛedig von den haben. Aber alſo ſol man Doctor Luthern dancken / fur ſeine trewe / groſſe / vnd heilſame arbeyt / die er der Kirchen Gottes zu gůtem / wider die Papiſten/ Zwin⸗ glianer / vnd andere rotten vnd ſecten / hat außgeſtan⸗ den. Vnnd koͤnnen ſolche newe Theologen jhre loͤſte⸗ rungen mit den ſpruchen der heiligen Schrifft / welche vom ſtand der Ernidrigung Chnſii reden vnd vor den offentlichen Zwinglianer vilfeitig angezogen werden) nicht verſtreichen oder beſchoͤnen. Dann die Knechts⸗ geſtal twelche Chꝛiſtus ein ʒeitlang getragen / ſtoßt de Ma eſiet des Menſchen Chuſit nicht vmb wie dro⸗ ben grundtlich vnnd gnugſam angezeigt. Vnd wann man alſo die ſprůch der Schrifft / von der Nidrigung Chriſti / wider ſeinen Allmechtigen gewalt / anzeucht/ iſ es ſo wol vñ auffrichtig gehandelt /als da der Satã den ſpruch auß dem Pſalm / gegen Fhuſto anzeucht: Es ſiehe geſchriben / es werden jhne die Engel auff den Henden tragen / dz er ſeine Fuß nicht an ein ſtein ſtoſſe. Konnen ſie die ſpruͤch von der Knechtsgeſialt Ghuiſti finden: ſolten ſie billich die ſprůch von ſeiner Heruig⸗ keit an hſunden habei: wann ſie nicht mutwillig mit beſchloſſaen Augen fur denſelbigen fürvber giengel. Es maz ſie auch nicht helffen / das ſie hin vnd wi⸗ der etliche ſprůͤchlin auß der heiligen Vätter Schriff⸗ ten zuſamẽ kiauben / welche von der Ernidrigung Ghu ſij reden / oder aber vermelden ⸗ was des Leibs Chrißi aigenſchafften Verſuchungen Chꝛiſti aigenſchafften ſeyen / fur ſich ſelbſt / als eines Menſch⸗ lichen leibes. Dann beiderleh ſpruch der Vaͤtter vnſe⸗ rer Chuſtlichen Lehr nicht zuwider ſein. Geſetzt aber / das etliche der Vãtier ſprůch etwas wider die Maiefiet des Menſchen Chuſti lauteten: Warumb ſolten die ſprůͤch nicht ſouil (oder vi mehr) gelten / die dem Men⸗ ſchen Chuiſto ſein gebuͤrliche Maieſiet zuſchreibene als die jenigen / welche das auſehen haben / als obſie jhme an ſeiner Maieſtet etwas entzogen? Zu dem / iß der heiligen Vaͤtter anſehen nun ſo groß bey ſolchen Zheo⸗ logen worden / dz ſie den ſelbigen zu diſem Articul / ohn vnnd wider die heiuig Schrifft / woͤllen glauben: Wa⸗ rumb nemen ſie nit auch der Vaͤtter ſpruͤchen / vnd laſ⸗ ſen ſie gelten / woͤlche von etlichen Articuln auff Baͤb⸗ ſtiſch redẽe warumb vertedigen ſie nicht die anruͤffung der lieben heiligen / vñ andern der gleichẽ Articul mehr ⸗ welche in etlicht Vaͤttern funden werdene Wir danckẽ bllich dem Allmechtigẽ / das die heilig Schrifft wide⸗ rimb jhr anſehẽ bekom̃ẽ / vñ der heilige Vaͤtter ſchriff⸗ teiallein ſo weit bey vns angenommeʒjwerden / als ſie mt der heiligen ſchrifft vberein ſtim̃en. Etliche Theolo⸗ genaber woͤllen vns widerumb von der ſchrifft in der Vitter Buͤcher / das iſt / in das weite Meer füren. Da och offenbar / das man nicht alle ſpruͤch der Vaͤttern nit einander voncilürn vnd vergleichen kan. Es wöollen aber fromme Chuſten vmb der ehr bottes / vnd jhres eigen Heyls willen / bedencken vnnd erwegen / Ein Pꝛedig von den erwegen /was entlich darauß werden woͤlle / wañ man ſich gegen diſer Chꝛiſtlichen Lehꝛ (von der Mateſtet vñ allmechtigkeit des Menſchen Ehꝛiſtw ſo fremdt ſtellet: ja auch es fůͤr em Irthumb vnnd Ketzerey außrufft / wann man lehret / das Chiiſtus nicht allein als Goit / ſondern auch ais Menſch / ſeiner Chuſtenheit allent⸗ haben gegenwertig ſey Warlich / ſolche Newe Theo⸗ logen / welche diſe Fhuſtliche alte lehꝛ nicht kennen wol len / werden ſich des Zwingliſchen jrthumbs vom hey⸗ ligen Nachtmal nicht lang erwehren: wann ſie gleich mit worten ſehr darwider boldern vnnd die Zwinglia⸗ ner vbel ſchelten. Dañ es iſt ja zu allen theilen bekant⸗ lich / das Ghꝛiſtus am vierzigſten tag nach ſeiner auff⸗ erſtehung / ſey von der Erden erhaben / vnd warhafftig ſey gehn Himmel gefahren. Das mercket wol. Esiſt auch zu allen theilen bekantlich / das Chuſtus (wann ſemn helligs Abentmal gehalten wůͤrt) nicht auff vnnj ab auch nicht von einem ort zum andern hin vnnd wi der fahre. Dſes mercket auch wol. Wann dann Chi⸗ ſtus gehn Himtkel gefahren iſt- vnnd fehret nicht ke⸗ rab auchnicht hin vnd wider: Vnndiſt ʒuuor nichtin allen orten (Da das heilig Abentmal gehalten wit) gegenwertig: was werden dañ ſolche Newe Theolcgl imn heyligen Abentmal behalten / Daun allein Bꝛotvi Mein : vnnd ſonſten nichts mehr? Das iſt der Zwing liſche jethumnb. Dann wir halten ja das heylig Aben mal nicht droben im Himmel / ſondern eu h Verſuchungen Chꝛiſti. Erden. Kompt nun Chꝛiſus nicht zu bns (mit ſeinem Leibherab: vnndiſt zuuor nicht hieunden: ſo bieibt vns weiters nichts / dann ein Zwingliſchs Nachtmal: das iſt/ nichts anders / dañ Brot vnd Wein / ohne den Leib vnnd Blůt Chriſti. Zum andern / ſo diſputirn ſolche Theologen auch von den eigenſchafftè der Men⸗ ſchlichen Natur in Chuiſto / auff gut Zwingliſch · vnnd ſtreiten ja ſo hefftig / als die Zwinglianer / es ſey wider die eigenſchafft der Menſchuͤchen Natur inn Chriſto / das Chriſti leib an allen orten gegenwertig ſey: geben auch fur / das hiemit die Menſcheit in Ghuſto ver aug net werde. Es gedencken aber diſe Theologen nicht / das es eben ſo wol wider die eigenſchafft eines Menſch⸗ lichen leibs iſt / an ʒweien orten zumal zuſein / als an al⸗ len orten Darumb auch die Zwinglianer ſchreiben / die vbiquitet, vnnd die Multiquitet, ſey eine wie die ander. Vnd das iſt auch wahr. Bann / wann manallein an⸗ ſehen will / was Chriſti Menſcheit auß jhr ſelbſt / vnd nach jren eigenſchafften vermoͤge / vnnd nicht bedencken will / das ſie vor allen menſchen ein vnauſſpꝛechlichen vorzug hat / darumb / das ſie mit dem Son Gottes ein Perſon wordeniſt ſo muß volgen / das Chꝛſtus ja ſo wenigan zweyen, als an allen orten ſein koͤnne. Vnd hie ſteckt etlichen Neiven Theologen der Zwingliamiſ⸗ mus hinder den ahren: den ſie doch nicht bekennen důr⸗ Fen / ſondern / noch der ʒeit / ſich deſſelben ſchemen. Es wůrdt aber deralen eineſt ein boſen außtbruch nemen: E 5 In m Ein Predig von den In maſſen mit andern dergleichen Theolegen hieuor auch beſchehen Welche auch ſolang wider die Vbiqui⸗ tet geſtritten vnnd geloͤftert / biß ſie zuletſt offenlich zu den Zwinglianern getretten / Vnnd auff diſcutag noch bey jhnen ſein. Was hilffts nun / das ettliche Newe Theologen wider die Zwinglianer tumultuiren / vnnd wider ſie auff der antzel boldern⸗ vñ doch nichts deſto weniger eben die vermeinte gruͤndt legen/ darauff die Zwinglianer jren ſchwarm ſetzene Wir ſein jetzt in ei⸗ ner Feſtung / darum̃ wil ich eben von diſer Feſtung ein gleichnus geben. Wann diſe Feſtung (daruor Gott gnedig ſein woͤlle) von einem mechtigen Feind belegert wuͤrde. Vnd der Feind Stuͤrmet mit macht / vber die Brucken herein. Die Kriegsleut aber in der beſatzung wehrten ſich gegen der Brucken / dapffer vñ ritterlich / vnd wolten den veindt an diſem ort nicht herein laſſen · Hiezwiſchen aber lieſſen ſie es geſchehen / das der Feind gegen der Brucken vber / den grabt außfulte / Sturm⸗ laittern anleindte / vnnd vber den Wahl herein ſiige vnd die in der beſatzung wehrten nicht allein dem Feind am ſelben ort nicht / ſondern böten jme auch die Handꝰ vnd ʒogen die Feind vber den Wahl herein / in den Ho⸗ fe. Wie trewlich vnnd redlich were das gehandelt? Vnnd warfuͤr wuͤrde manwol ſolche Kriegsleut hal⸗ tens Darumb handlen ſolche Zheologen ſehr vbel / die dem gemeinen feind ein beyſtand thun / Vnnd 1 — — — = S — — * — — i d h Perſuchungen Chꝛiſti. jhre Brüder vil grimmiger ſtreiten / Dann wider die Zwinglianer / die fie nicht faſt gern beiſſen woͤllen. Vñ were ſchier ſo gut / das ſie offentlich zu den feinden tret⸗ ten ſo wuͤſte wan doch / was man ſich zu jhnen zuuer⸗ ſehen hette. Da man auch nicht anderß will / wuͤrdt mandie gantze vnnd rechte Erkandnuß Chuſti alſo nicht behal⸗ ten / vnndauff vnſere nachkommen bringen moͤgen · Dann wer Chiiſtum den Herin nur in ſeiner knechts⸗ geſtalt kennet / Vnd jhme nichts weitters jetzt im ſtand ſeiner Herꝛligkeit tribuirt vnd zu gibt der kennet Ghu⸗ ſum nicht gar oder gantz. Vnd kennet jhne eben in dem ſtand nit / da wir vns ſein / als vnfers liebſtẽ Bruͤders / vndallmechtigen Hertn /troͤſten ſollen. Da Stepha ⸗ nus geſteiniget ward / rͤffte er ſeinen Allmaͤchtigen Brudern Jheſum Chiſtum an / vnd ſagt: Herꝛ Ihe⸗ ſu / nimb meinen Geiſt auff. Wie kennen wir aber Je⸗ ſum (in der Natur / darinner vnſer Brůder iſt ) an⸗ ruͤffen / wann wir (mit etlichen Theologend ſollen dar⸗ fuͤr halten / das Ghꝛiſius / als ein Menſch / nicht alles wiſſe / auch nicht Allmaͤchtig ſey? Wo bleibt hie vnſer troſte Ja / wann mans beim Liecht beſehen will / ſo wuͤrt ſichs im grundt finden / das ſolche Leut vnſern Herin Khriſtum in der Krippen noch nit recht kennen: wie ſolten ſie jhn dann zur Gerechten Gottes ſitzendt kennen⸗ Coloſ. ꝛ. Ein Pꝛedig von den kennene Dañ wañ ſie von hertzen glaubten / das Sott vnd Menſch in Chuiſto ein eiige vnzertrente Perſon were: vnd das in Ghꝛiſto die gantze volle der Gotiheit leibhafftig wohnete: wůn den ſie mit ſo ſchimpflich bnd verechtlich von der menſchlichẽ Natur in Chuſio ſchrei ben vnnd reden: Vnd mit jhrer vernunfft auß zucklen woͤllen / was Chriſto nach ſeiner Menſcheit muͤglich / oder nicht můglich were. Dann ob wol ſein menſch⸗ liche Natur vns (ſo vil die ſubſtantz anlanget) gleich iſi: (die S uͤnd außgenommen: ſo bleibt doch zwiſchen Fhꝛiſto / vnd vns (wann wir gleich nicht ſuͤnder weren) ein vnenduche vnterſcheid. Dann vnſer keiner iſt Gott vnd Menſch in einer Perſon. Vnd iſt vnſer keiner mit dem Son Gottes Perſoͤnlich vereiniget. Warlich / Geliebte im Hertn / es ſtecket hinder dem winglianiſmo / vnnd hinder der lehꝛetlicher Newen Theologen /ein groſſe berachtung vnſers Herꝛen vnnd hallands Chuiſti· ob man wol deſſen nicht geſtehn will. Wann man erſtlich den Herin Khriſtum in ſeiner hey⸗ ligen Menſcheit ſo gering achtet· Das man jne (auch im ſtand ſeiner Hertligkeit ) nicht will alles wiſſen laſ⸗ ſen· man will jhme nicht ein Allmechtigen gewaltlaſ⸗ ſen / man will jhne nicht allenthalben gegenwertig ſein laſſen: So kompt man gemeinlich zu dem Arianiſmo⸗ das man mit der zeit auch die ewige Gottheit Chnſti laugnet. Der Satan ſteckt kein raiff von eins e — — — — „— — „ „— — — + — „ „ — e — — — — t t d i t = — — Verſuchungen TChꝛiſti. wegen auß: Es iſt jhm auch nicht allein vmb das heilig Nachtmal: ja auch nit nur vmb die Menſchheit Fhu⸗ ſi/ vñ derſelben Hertligkeit / zuthun: er ſuchet noch ein groſſers·nemlich / das er moͤchte den Arianiſinum / vnd alſo den gantzen Epicuriſmum in die Welt mit gewalt einfuͤhren. Man ſagt recht im Sprůchwort: Nemo re⸗ pente fit peſſimus · Es wirdt ein Menſch nicht eins mals gar kein nütz ſondern der Satan hat ſeine ſtafflen / da er einen jmier je tieffer hinab füret / atng einer ketzerey in die andere / vnd jmmer in ein groͤſſere vnd greulichere. Die Arianer / ſoin Sibenburgẽ ſein / in klein Poln / vñ an mehr orten / da ſie haben woͤllen einniſtern / ſeind ʒu⸗ uor Zwinglianer geweſen· das iſt beweißlich / vnnd vn⸗ laugbar vnd haben ſo lang vom Nachtmal diſputirt / vnd der Menſchheit Ghuifti jren gewalt vñ Her:ligkeit Gnach hrer vernunfft) außgemeſſen / biß ſic entlich die Sottheit Chrifti mundtlich vnd ſchrifftlich verlaugnet nd widerfochten: wie ſie auch dieſelbige noch heutigs uags mit grewlichen Gottsloͤſterungen widerfechten. Das hat der Teuffel bey jhnen durch den Zwinglia⸗ niſmum geſucht: vnd hats bey jhnen lalder erhalten. Eben diſes ſuchet er heutigs tags bey amder mehr Leu⸗ nen. Ich kan nicht vmbgehn ein ſchrocklich Exempel ſuerzelen / mit welchem vns Gott vor der Zwingliſche Sett hat tretvlich warnen woͤllen: weil dieſelbig Per⸗ ſyn / nicht ein Priuat / ſonder ein wolbekante Perſon in F Zeutſch⸗ Ein Pꝛedig von den Teutſchland geweſen. Adam Newſer/ vnſeliger ge⸗ dechtnuß / iſt erſtlich ein Euangeliſcher Prædicant ge⸗ weſen / vnd hernach in den Zwingliſchen Irthumb ge⸗ rhaten. Durch denſelben Irthumb hat jhn der Satan in den Arianiſmum geſturtzt / das er die Sottheit Chꝛi⸗ ſti verlaugnet vnd widerſprochen. Endtlich iſt er durch den Ariamſmum dahin kommen / das erzu Conſtan⸗ tinopel ein Türck worden / den Chriſtlichen Glauben gar berleugn vnnd ſich beſchneiden laſſen. Vnd iſi in ſolchem Gottloſen leben/ on alle bekerung / dahin / dem Zeuffel zu /gefahren. Mit diſem ſchroͤcklichen Eyem⸗ pel hat vns Gott warnen woͤllen / das wir vns vor dem Zwingliſchen Geift hůten ſollen / der dem Herin Ehi⸗ ſio in ſein Gottliche Maieſtet eingriff thut. Wann der Satan ein Menſchen mit falſcher Lehr / vnd ſonderlich mit dem Zwingliſchen Irthumb / anfeſſelt / ſo laſter nicht gern nach ſonder wirfft jhn von einem Irthumb in den andern / biß er jne an Leib vnd Seel in ewigkeit verderbe. Vnd iſi gleich ein ding / als wann einer einen andern in diſem Fuͤrſtlichen Hauße / erſtlich den ſchne⸗ cken hinab ſtieß: vnden aber beym ſchnecken fiundeein anderer / der nem jhn bey einem fligel / vnd ſchlaifft hn hinab / vnnd werffe jhn in den hoffe / im hoff aber ſtund aber ein ander / der nem jhn beym Haar⸗ fuͤhr mit jhm fort vber die bucken / vnnd werffe jhn vber den Berg hinab. Alſopfleget der Satan mit denen vmb ugchn e — —. — — — „ „— 5 Verſuchungen Chꝛiſti die ſich mit ſolchem greulichen Irthumb laſſen einne⸗ men /das er jhr mechtig wuͤrdt. Derwegen / geliebte im Herimn / laſſt vns Ghuſtum im ſtand ſeiner Ernidrigung / vnnd ſeiner Knechtsge⸗ c Ralt / alſo anſehen /das wir vmb derſelben willen jhme ſein Gottliche Maieſtet 7 die er auch als ein Menſch hat / nit abſprechen. Daij der Jeſus / der in der Knechts o geſtalt vom Teuffel verſucht vnd vexirt worden / iſt der ert der Herthgkeit / ein Her: Him̃els vnd der Erden. „ PVnnd wurdt ſich jetzt im ſtand ſeiner Hertligkeit nicht mehr vom Satan verſuchen laſſen ſondern er wirdt de Satan / vnd alle vnbuͤßfertige loͤſterer ſeiner Goͤtt⸗ „lchen Maieſtet / ins eiwig Helliſch Fewr verſtoſſen. 5 Laſi vns aber / zum beſchluß / das end an den ver⸗ ſuchungen Ghriſti ſehen. Der Enangeliſt ſagt glſo: Da verließ jne der Teuffel / vñ ſihe / da traten die Engel bujhm / vnnd dienten jhm. Diſe wort bezeugen / das Chriſtus vnſer S vnnd Hertzog vnſers heils / den Sig wider den Satan / in diſem ſchwertẽ kampff / erhal ten hab. Vnd hat der Teuffel / vnuerrichter ſachẽ /mit s ſchandenabziehen / vnd außreiſſe müſſen Diſes iſt vns d ein ſehr groſſer troſt Dann diſer ſig kompi vns zu gu⸗ em. Gleich wie es den Vnderthanen zu gutem gerei⸗ e chet / wann jhr Her vnd Landsfurſt dem feind obſiget. h Dann wie Fhuſtus vns zu gutem geborn / alſo ſiſ er auch vns zu gutem verſucht worden. Vnnd F 3 wie Ein Piꝛedig von den wie vns ſeln volkommener gehorſam / vnnd der gantz verdienſt ſeins Leydens vnnd Sterbens / ʒugerechnet / vnd zu aigen geſchenckt wůrt / wann wir von hertzen an jhn glauben: alſo würt vns auch zugerechnet vnnd ge⸗ ſchenckt / ſein Sig wider den Satan. Wir kempffen auch wider den Satam: wir ligen aber nicht allwegen ob: ſondern laſſen vns vnderweꝛlens eben weit gnug zu⸗ rucktreiben: vnd widerſiehn jhm nicht jederzeit ritter⸗ lich / wie wir billich thun ſolten. Aber auff das wir da⸗ rumb nicht von Gott berworffen werden / ſo hat Chu⸗ ſtus / Goꝛtes vñ Mariæ Son / woͤllen vom Leuffel ver ſucht werden / vnnd jhne vberwinden· Damit vns ſein Ritterlicher Herꝛlicher Sige werde zugerechnet / vor Gott· vnnd wir darfuͤr gehalten / als ob wir jederzeit / vndin allen anfechtungen / dem Satan obgeſiget het⸗ Hebr. 2 ten. Es hat auch Chuſtus darumb woͤllen in ſeiner heyligen Menſcheit verſucht werden (wie der Apoſiel zun Hebreern ſagt) auff das er barmhertzig würde / vñ ein trewer Hoher Prieſter fur Gott / zu verſuͤnen die Sunddes Volcks. Dann darinnen er gelitten hat / vnnd verſuchet iſt / kan er helffen / denen / die verſuchet werden. Darumb waſi wir vom Satan anfechtung leyden / ſonderlich aber im Sterbſtündlin / ſollen wir vns troͤſtt / das vnſer getrewet Bruͤder Shuſius / auch vom Satan verſucht worden / vndſelbſi erfahren hat / wie einem angefochinen Menſchen zumuͤht 6 3 r — —₰ — — die 6 it ch t t Perſuchungèn Chꝛiſti. wůrt vns in folcher noht vnd Kampff nicht verlaſſen / ſondern vns vberwinden helffen / das wir nicht verlo⸗ ren werden. Dann er iſt getreiw / vnnd laßt vns nicht vber vnſer vermoͤgen verſuchẽ(wie Paulus ſagt: yſon⸗ dern machet / das die verſuchung ſo ein end gewinnet / das wirs ertragen koͤnen. Darumb ſagt auch Pau⸗ lus von vnſern anfechtungen alſo: Aber in dem allen vberwinden wir weit / vmb deß willen / der vns geliebet hat. Derhalben wann wir vom Satan angefochten vnnd geenſtiget werden / ſo laßt vns mit Paulo ſagen: Ich bin gewiß / daß weder Tod noch Leben / weder En⸗ gel noch F̃üͤrſtenthumb / noch gewalt / weder gegenwer⸗ tigs noch zukunfftigs / weder hohes noch tieffes /noch kein andere Creatur / mag vns ſcheiden von der liebe Gottes /die in Chꝛiſto Iheſu iſt / vnſerm Herin. Welchem ſampt dem Vatter vnd heyligen Geißt / ſey lob, ehꝛ / vnd preiſe/ in alle ewigkeit/ Amen. — 5 SSn Si S 88 225 65 S3S — S2* 22 — 88 S 2