Ein Chriſtliche Leich⸗ Predigt / gyderoffentichen Begangnuß vber dem ſeligen Abſchied quß dieſem Leben / Weilandt der Durchleuchtigen / ochgebornen Fůͤrſtin vnd Frawe Frawen Chriſtinæ, ge⸗ vornẽ Landtgraͤffin zu Heſſen / Graͤffin zu Erbach /ꝛc. Deß Wolgebornen Werrn / Herrn Friderici Magni, Graffen zu Erbach/ vnnd Herrnzu reuberg / c.geweſener Ehegemahlin / Chriſtſeliger Gedaͤchtnuß: Welche den 26. Martij / deß Morgens fruͤhe vmb;· Vhrzu Erbachim Hen⸗ ne Chriſto ſeliglich entſchlaffen / vnnd folgends den 5. Apr. zu Michelſtatt Chriſtlich vnd ehrlich zur Erden iſt beſtattet worden: Im Jahr Chriſti / 1506. Behalten zu Darmſtadt in der Pfarr⸗ tirchen / durch M. lohannem Angclum, Superintendenten vnd Pfarr⸗ herrn daſelbſten. Gedruckt zu Franckfurt am Wan⸗ M. D. XCVI. Dem Wolgebornen Herrn / Hernn Friderico Magno, Graf⸗ fen zu Erbach / Herrn zu Breuberg / x. meinem Gnadigen Herrn: Gnad / Fried vnnd Barmhertzigkeit von Gott dem Vatter / vnd ſeinem geliebten Sohn / vnſerm HRN ond Heylandt Jeſu Chriſto: Olgeborner Graffe/ . Gnaͤdiger Herr / Es ſagt der * Koͤnigliche Prophet Dauid im 1. Pſalm: H ERR / wo dein Geſatz (alſo nennet er aber das Goͤttliche Wore)nit mein Troſt E geweſen were / ſo were ich in mei⸗ nẽ Elend vergangẽ. Hiemit gibt er klaͤrlich ʒu verſtehẽ / wo man in allerley Creut/rechten Troſt vñ ware beſtaͤndige Erquickũg ſuchen vnd hernem̃en ſolle / nemlich auß dem H. Wort Got⸗ tes:als in weſchem der.H. Geiſt / der Gott alles Troſts / mit ſeinem gnadenreichen Troſt / lebendig /kraͤfftig vnd thaͤtig iſt. Nach dem dann nu der allmachtige / ewige Gott⸗ nach ſei⸗ nem gnadigen vatterlichen Willen / auch E. G. ein zwyfa⸗ ches / truͤbſeliges Creutz kurt nacheinander aufferlegt: in dem er erſtlich E. G. vielgeliebten F̃. Chriſtlichen Herrn Schwaͤher Vatter / Weilandt den Durchleuchtigen / Hoch⸗ gebornen Fůrſten vñ Herrn/ Hertn 6 1 u Pſil. 19. Luc. 21. lob.1. Philip.1. 1.COr.15 Rom8 Porrede. zu Heſſen / Graffen zu Catzen Elnbogen / Dietz Ziegenhain vnd Nidda/ꝛc.vnſern G. F̃. vnnd Herrn / Chriſtſeliger Ge⸗ daͤchtnuß / Vnd dann E. G. pertzliebſtes / Chriſtliches / hold⸗ ſeliges / tugendtreiches Ehegemahl Weilandt die Hochge⸗ borne Fuͤrſtin vnd Frawe/ Fraw Ehriſtinam / geborne Land⸗ graͤffin ʒu Heſſen Graͤffin zu Erbach c. ſeliger vnd heyliger Gedaͤchtnuß / durch den zeitlichen Todt auß dieſer Welt ab⸗ gefordert: ſo woͤllen E. G. in dieſem jhrem hochbetruͤbten! trawrigen Zuſtand (dann was liebet/ das betruͤbet) nach dem ⁴ Exempeldeß heyligen Dauids Irjetzt auch das Wort deß Herrnſdie H. Schrifft/ deß H· Geiſtes Buch! jreneinigen hoͤchſten Troſt ſeyn la ſſen / vnd mit demſelbigen jhr hochbe⸗ kůmmerts Hertz zu frieden ſtellenlſich im HErrnwider allen Vnmuht ſtaͤrcken / vnd jhre Seele in Gedult faſſen. Es iſi Gottes deß himmliſchen Vatters Will geweſen/ der alleʒeit Heylig / Gerecht vnd Gut iſt:dem ſich alle Kinder Gottes gehorſamlich in Glůͤck vnd Vngluck ſin Frewd vnnd Leyd vntergeben. Was der threwe Gott gegeben / das hat er widervmb! als ſein depoſitumvonvns repetiert vnd genommen: aber doch der Geſtalt / daß er vns ſolches / maximocum lucro/ vieltau⸗ ſentmalſchoneredlervnd herrlicher anſenem groſſen Tag! vnd zwar mit ewigen Frewden linvnzertreter / vnſierblicher Liebe wil widervmb zuſtellen. Muß alſo auch diß ſchwehre Creutz / dieſe Laſt deß HEr⸗ renallen Chriſtlichen Eheleuten zum beſten dienen: dieweil ſie mitgroſſi em himmliſchen Wucher ſollen wider empfangẽ⸗ was jhnen Gott Liebes ein Zeitlang auß den Augen hinge⸗ ruͤcket. Non enim amiſſi ſunt: ſed præmiſſi, Sie ſind nicht verlohren / ſondern ins ewige Leben erkohren: Gott helffe vns mii Gnaden ſeliglich hernacher⸗ 6 1 Vnd 6 9 e 9 g Vorrede. WVnd dieweil E. G. vielgeliebtes / hochloͤbliches Ehege⸗ maͤhlein ſeliger nach jrem Tauffnamen ein rechte Chriſtliche Chriſtina geweſen / ſo jederzeit Chriſtum in jhrem ſeligen Hertzen gehabt vnd getragen: ſo ſollen wir derſelbigen ſo viel deſto mehr von Hertzen gönnen / daß ſie jetzt bey dieſem jrem vnd vnſerm Erloſer vnd Heylandt / dem threwen HErrn Je⸗ ſu Chriſto in der ewigen Frewd vnnd Seligkeit lebet: darinn eine Stundt beſſer iſt / als hie tauſend Jahr ! auch imaller gluckſeligſten Stand ſeyn moͤgen. Ibr einiger liebſter Schaßz den ſie im Wort vnd hoch⸗ wirdĩgen Satramenten ſo embſiglich in jhren jungen vnnd geſunden Tagen geſuchet / mit dem ſie ſich hie ʒeitlich im H. Geiſterfrewet vnd ergetzet / vnd auff welchen ſie auchfrolich geſtorben vnd abgeſchieden / der zeiget jhr jetzunder die reiche ſelige Schatzkammer Gottes / mit allen jhren himmliſchen / ewigen / vnaußforſchlichen vnd vnauß ſprechlichen Reich⸗ thumben: nicht allein aber dieſelbige bloßlich anzuſchawen / ſondern auch deren nach allem jrem Wuͤndſch / mit Frewden vnd Wonnejmmer vnnd ewiglich zu genieſſen. Da ſihet ſie gegenwaͤrtig das ewige Gut/ Chriſtum Jeſum / Theſaurum omnium Theſaurorum maximum & opulentiſſimum/ in aller ſeiner Klarheit / Maieſtaͤtt vnd Herrlichkeit: jhr ʒur e⸗ wigen Frewdvnd Seligkeit / Job · i9 · darinn vornemlich die ewige Seligkeit beſtehet / wie der H. Auguſtinus bezeuget. Dbaber wol das tödtliche Scheiden ſonderlich bey Jun⸗ gen Chriſtlichen Eheleutlein (deren Hertzẽ mit ehelicher/keu⸗ ſcher / reiner / vngefaͤrbter Liebe wolzuſam̃en gerahten )mehr dann hertzlich vnd ſchmertzlich wehe thut: So iſt doch diß wi⸗ dervmb der froliche Haͤupttroſt / Widerkommen macht / daß ich Scheidens nit acht. Dann / Gott Lob / wir wiſſens auß Gottes Wort / auß den feſten Prophetiſchen vnd Apoſtoli⸗ a iij ſchen Iob.9. Auguſt lib. 22.de ciuit. Dei, cap. 29 Fſuiæ 9. Vorrede. ſchen Zeugnuſſen: Wir glaubens auch von gantzem Hertzen/ daß wir dort im ewigen / himmliſchen Vatterlandt (da vnſer ewiger Scha tz Pater æternæ vitæ: da vnſer gelobtes Landt! terra illa viuentium: da vnſer ewige Reſidentz vnnd Woh⸗ nung: da vnſer beſtaͤndiges Erb vnd Guͤter )in ewiger / vn⸗ zertrennter / volltommener Liebe widervmb werden zuſam̃en kom̃en Denn wirglaͤuben ein Gemeinſchafft der Heyligen / nicht allein aber am Wortvnnd H. Sacramenten / ſondern auch an allen himmliſchen Guͤtern / der ewigen Seligkeitvnd deß ewigen Lebens / in der aller genaweſtẽ hiliſchen Freund⸗ ſchafft: Wir glaͤuben die Aufferſtehung dieſes vnſers Flei⸗ ſches: Wir glaͤuben ein ewiges Leben. Vnd eben vmb dieſer troͤſtlichen Artickeln willen / glaͤuben wir auch alle andere Artickel. Vmb dieſer Artickeln willen leyden wir alles williglich / was vns nur Gott zu leyden auff⸗ erlegt / vnnd ſolte es auch mehr als der bitter Todt ſelbſt ſeyn: wir dulden alles: wir tragen alles: wir hoffen alles. Dieſe Artickel erquicken / ſtaͤrcken vnnd erhalten vns in allerley Creutz vnd Trůbſalen. Vmb dieſer Artickel willen / ſo offt es die Noht erfordert! verlaſſen wir alles: Ja auff dieſe Artickel leben vnnd ſterben wir alleſampt. Vnnd iſt dieſer Troſt / vnnd dieſe lebendige Hoffnung / durch den H. Geiſt dermaſſen in vnſern Hertzen gegruͤndet / daß wir alles hiermit in Chriſto vberwinden / vnd vns nur einig vnnd allein nach dem Ewigen ſoͤhnen: da wir Gott / allen Engeln vnd Außerwehlten / vñ allen vnſern glaͤu⸗ bigen lieben Freunden ewiglich ſollen beywohnen: nit mehr ſterblich / ſondern vnſterblich / nicht mehr im Jammer⸗ thal / ſondern im Frewdenſaal / im himmliſchen Jeruſalem / darinn nicht mehr die Stimme deß Weynens vnnd Klagens gehoͤrt wirdt / ſondern darinn man ſich ewiglich h roͤlich — Vorrede. froͤlich iſt vber dem / das Gott ſchaffet / Da auch Gott ſelbſt vber Jeruſalemwil froͤlich ſeyn / vnd ſich frewen vber ſein H. xſ e Polck / Eſa.sʒ. Dieweil dann Woigeborner Graffe/ gnaͤdiger Herr / dem allem alſo / ſo ſoll E. G. auch jr Hertz in Gott zu frieden ſtel⸗ len / vnd ſich hoͤchlich erfrewen / daß jhr geliebtes Ehegemh⸗ ln Seliger in wahrem Chriſtlichen Glauben vnnd Ver⸗ rauwen auff den HxRRM Chriſtum Gottſeliglich abge⸗ ſſchieden / allem Vngluck entrunnen / vnd ins ewige Leben zu Uhrem vnd vnſerm allgemeinen Schatz eyngezogen iſt Da die Werck jhrer Gottſeligkeit / vnd jhre Furſtliche / Chriſtli⸗ e. 14 che Tugenden jhr nachgefolget / Apoc.4. vnd deren Fruͤch⸗ l iten jetzo zur ewigen Seligkeit geneuſſet / Eſa.3. Nach dem aber auffden Tagjrer ̃. G. Begraͤbnuß auch allhier zu Darmbſtadt ein offentliche Chriſtliche Begaͤng⸗ iuuß /jrer F̃. G. zun vnterthaͤnigen leßzten Ehren iſt gehalten worden / hab ich nicht vnterlaſſen woͤllen / dieſe damals von anir gethaneeinfaͤltige Leichpredigt (ſo gut ſie der liebe Gott durch ſeinen H. Geiſt gegeben) in offentlichen Druck zu wublicieren / vnd dieſelbige E. G.in Vnterthaͤnigkeit zu de⸗ ticieren: eines theils / auff daß ich alſo mein Chriſtliches / Hertzliches Mittleyden vnd Mittrawren gegen E. G. mit die⸗ kem offentlichen Teſtimonio vnnd Klagliedt beʒeugete: dar⸗ mach aber / auff daß ich fůͤrallegroſſe Wolthaten / ſabeyd E. G. vnd dero hertliebſte Ehegemahlein Seliger mir Vnwůr⸗ digen erʒriget / mich etwas danckbar gegen dieſelbige wider⸗ vmb erwieſe. Soiſt je auch J. F. G. mehr als wol wehrt / daß / dieweil ſie einen wahren Chriſtlichen Ruhmaller Gottſeligkeit vnd ZFrommigkeit / hinderſich auff Erden verlaſſen / ſie in æterna: nemoria pnter den Gerechten leuchte / vnnd jhrer W mehn 10b.2. Pſa. 46. Vorrede. mehrbey allen Nachkömmlingen vergeſſen! fondern als ein Ehrenſpiegel! allen Chriſtlichen Matronen / zu gutem — Eyempel vnd Nachfolge fuͤrgehalten werde. Wolte aber Gott vom Himmel / Ich hette meine arme) ſchuldigel willige Dienſte/ Trew vnd Liebeſ nicht allein mei⸗ ner angebornen gnaͤdigen lieben Landtsfuͤrſtin ſeliger / ſonder auch E. G. in frolichern vnd angenemmern Dingen erzei⸗ gen moͤgen. Aber dieweil es dem HErrn (ſoli fapienti Deo) dißmals alſo gefallen / wie es geſchehen / ſo ſey vnd bleibe ſein Namegelobt vnd gebenedeyet ! in Ewigkeit. Derſelbigetreuwe / allmãächtige Gott / der Batter vnſers HErrn Jeſu Chriſti / der woͤlle E. G. jraufferlegtes Creut vnd ſchwere Laſtringernſeiner troͤſtlichen Zuſage nach die⸗ ſelbige vãͤtterlich helffen tragen vnd an ſtatt dieſes Leyds vnd Bekůmmernuß jhr Troſt vnd Frewde ſchaffen / auch dieſel⸗ bige beneben jrem Chriſtlichen löblichen Herrn Vatter vnd Fraw Mutter ſamptallenderen Graͤfflichen jungen Hert⸗ ſchafften vnnd Fraͤwlein in langwieriger guter Geſundheitl vnnd Chriſtlicher! friedſeliger Regierung zum Lob vnnd Preyß ſeines Göttlichen Namens vndzur Wolfahrt der Vnterthanen gnaͤdiglicherhalten vnd bewahren / Amen · Da tum Darmbſtadt / den 18. Aprilis, Anno1596. E. G. Vnterthaͤniger Diener am Wort deß HERRR. M. Johann Engel Superintendens) vnd Pfartherrzu Darmbſtatt. — — — — „ c l 6 d h 5 Matth. VI. 3 Hr ſollet euch nicht Schaͤtze ſamlen auff Erden / da ſie die Motten vnd der Roſt freſſen / vnd da die Diebe nach graben / vnd . ſielen. Sam̃let euch aber Schatze im Him⸗ mel / daſie weder Motten noch Roſt freſ⸗ ſen, vnd da die Diebe nicht nach graben ! soch ſtelen. Dann wo euwer Schatz iſt / da iſt auch euwer Erklaͤrung deß Teyts. B Ir moͤgen / Ihr Geliebten im HErrn Jeſu Chri⸗ ſto / mit dem Königlichen Propheten Dauid wel ſagen vnd klagen auß dem ʒwey vnd vierzigſten Pſalmen / Deine Flu⸗Plale⸗ N0 te 8 Gott rauſchen daher/ daß hie ein vieffe / vnd da ein Tieffe uſe Dann leyder / ein Leydt auffs ander / kein Bngluck allein Ein Wnfall beutet dem andern die Handt. Vor acht Tagen haben wir allhier ehrlich zur Erden beſtattet / vnſern Snädigen lieben Landtfurſten / hochſeligſter Gedaͤchtnuß. Heut dieſen ag halten wir ein oͤffentlich Begaͤngnuß / vber dem ſeligen Abſchiedt auß dſem Leben / ˙weilandt der Durchleuchtigen / Hochgebornen Fuͤrſtin vnd Frauwe Frauwe Chriſtinæ/gebornen Landtgraͤffin zu Heſſen Graͤffin zu Brbach c. Chriſtſeliger Gedachtnuß / vnſers alten Herrn ſeliger hertzlieb⸗ fln geweſenen Tochter. Gleich wie nun dieſelbige / fuͤr eilff Monaten /hr hochzeitliches Freu⸗ vinfeſt allhier gehalten alſo begehen wir jetzunder dieſe Stundt wegen jres kblebens /einen gemeinen ſchmertlichen Trauwertag / mit vnſern Chriſt⸗ nhen Klagliedern vnd Leichpredigten. Wer ſolte aber / J. S. J. Hjmmermehr gemeynt haben / daß der liebe Sott (der treuwe Ehefreundr) ſolche Eheliche Freude in ſo ein geſchwin⸗ as Leydt ſolte verkehren? vnd daß er durch den bittern Todt / ſo bald mit ſſem Wehe von einander ſcheiden wuͤrde / welche er kurtz zuvor / nach ſei⸗ em heyligen Goͤttlichen Raht / mit hochſter Liebe / mit ehelicher Treuw nd Einigkeit / nach ſeiner Sottlichen Ordnung vnd . ent⸗ ſ⸗ Iom 1. Syrac. 11. Ein Chriſtliche Leichpredigt. dentz im heyligen Geiſt uſammen gefůget hatte Owi rſchli die Wege ne 6h eitſ Gleich wie nun dieſer tödtliche / vnverſehenliche Vnfall/ dem Wolge⸗ bornen Herrn / Herrn Friderico Magno / Graffen zu Erbach / vnd Herrn zu Breubergt ꝛc. ſender Zweiffel / vieltieffer Wunden ins Hert hineyn ſchnetdet (dant ein boͤſe Stundt machet / daß man aller Freuden vergiſ⸗ ſet / wie Syrach bezeuget am n. CapRilſo vermehret vnd erftiſchet er auch auff ein nenwes allhier vnſer voriges Hertzenleydt / vnd hohe Bekummer⸗ nuß /bey vnſern Gnãdigen jungen Fuͤrſten vnd Herren / vnd Fuͤrſtlichen Fräuwlein: dieweil ſie vber den vorigen vätterlichen Verluſt/ auch jhre hertzliebſte/ geheime /reuwe / holdtſelige / Chriſtliche / tugendtreiche Schwe⸗ ſter verlohren haben. Dieweil dann heut dieſen Tag / Ihr Furſtlicher Leichnam / als ein chewres Heyligthumb/ in ſein Ruhekaͤmmerlein zu Michelſtatt / wirdt eyngewiefen werden / ſo habe ich fuͤr gut angeſehen / Euwer liebe / dieſen jett verleſenen Tert zun letten vnterthanigen Ehren ondſeliger Bedaͤcht⸗ nuß Ihrer Fuͤrſllichen Gnaden / auff dißmals/ in dieſer Verſam̃lunz kuͤrtzlich vnd einfuͤltiglich zu erklären: vnd das vmb ſo viel deſto lieber / die⸗ weil derſelbige jhrem Chriſtlichen / heyligen Wandel vnd Leben gantzge⸗ aber zur ſeligen Lehr vnd lebendigem Troſt / ſehr nůͤtzlich vndbe⸗ quem iſt. Wir woͤllen aber die Predigt in zween Lehrpuncten abtheilen⸗ Erſtlich wöllen wir hören/ wie Chriſtus der He verbeut die vn⸗ gͤttliche verkehrte Sorge der Weltkinder /nach denzeitlichen Guͤtern /dar⸗ vber ſie der ewigen vergeſſen· Zum andern die rechte Chriſtliche heylige Sorge / nach den him̃liſchen Schätzen / damit alle Kinder Gottes / nach dem Befelch deß HeoR Ehriſti ſollen vmbgehen / vnd was jhr Frommen vnd Vuße ſey. Damit wir aber etwas fruchtbarliches hiervon handeln vnd hoͤ⸗ ren mogen / ſo wölle vns Gott allerſeits / die Snade ſeines H. Geiſtes hierzu mildiglich verleihen vnd mit⸗ theilen / vmb ſeines geliebten Sohns Jeſu Chriſti willen / Amen. — — — —. — N * mn n i uch el⸗ n hte e⸗ in itdt ſen chl⸗ un ⸗ do hn 0 Ein Chriſtliche Leichpredigt Vom Erſten. Anfünglich / ſo ſpricht alſoder HEd Chriſtus(der vnſer threiwer xa. „ Rathgeber iſt / der vns lehre/ was nůtzlich vnd gut iſt/ Eſa 6. vnd den der Plaiæ 45. Vatter vom Himmel herab ju horen befohlen hat) Ihr ſollet euch nit Matth. . Schaͤtze ſammlen auffErden ! da ſie die Motten vnd der Roſt reſſen. Wort haben etliche Sectirer / ſo ſich Apoſtolicos nenneten zur Zeit deß Heyligen Auguſtini in einen vnrechten Verſtandt gezogen vnnd mißbrauchet. Dann ſie gaben fur / daß kein Reicher oder der etwas eigens Reſãſſemit gutem Gewiſſen koñte ein Chriſt ſeyn / vnd dort ewig ſelig wer⸗ wen:wie auch nochheutiges Tags etliche Widertäuffer vnter vns Chriſten. Aber diß iſt ein jrrige Meynung. Dann Reichthumb iſt Sottes Gab vnd Segen / wie Salomon lehrt / Prou 10. Der Segen deß Hen macht Prouer. 1*. eich / ſpricht er daſelbſten. So verdampt auch Reichthumb keinen Men⸗ ſſchen / wenn man jhn in wahrer Gottes Forcht recht gebrauchet. Loht vnd Sen . Abraham waren reich / Job deſſelbigen gleichen ſeind aber doch nit ver⸗ b iampt worden. Ja der arme Lazarus / der ſitzet eben im Schoß deß reichen Abrahæ, Luc. 16. So iſt auch nit eben der arme Lazarus im Himmel ſon⸗ Luc.i6. der auch der reiche Laʒarus / welchen je der HEnꝛ Chriſtus ſeinen Freundt mennet / Joan. u. Vbeydiß / ſo hat der H. Apoſtel Paulus / die Corinthier / Ioan. 1. vls ſehr reiche Leut / nit dahin gewieſen / in ſeinen Epiſteln / daß ſie das jhre ſſolten hinwerffen / wenn ſie wolten Chriſten ſeyn vnd ſelig werden ſonder idaß ſie deſſen recht brauchen ſollen. Die da kaͤuffen ( ſpricht er1. Cor. y.) tie ſeyen als beſaͤſſen ſie es nit / vnd die dieſer Welt brauchen / daß ſie derſel⸗ ligen nit mißbrauchen· denn das Weſen in dieſer Welt vergeht. Vnd hat Piogener iderhalben Crates Thebanus, naͤrriſch vnnd fantaſtiſch gehandelt / daß er Lasttius in ien kiumpen Golts hinweg warffe / als wenn erjhm an der Philoſophia viriPhilo Uinderlich were. ſophorum. Derwegen ſo verbeut alhie der Hed Chriſtus nit ſimpliciter, daß wir gar keine Schãtze auff Erden ſam̃len ſollen ( dann der Geiſt Chriſti ꝛ. Cor. 12. Ragtja durch den Apoſtel Paulum / daß die Eltern jhren Kindern ſollen Schůtz ſam̃len / damit ich fonſt geſchweige / daß ohn zeillich Gurer vnnd 1. Cor. 7. Belt /keine Haußhaltung noch Buͤrgerliches Regiment beſtehen mag) under das verbeut er / daß wir mit ſollen das Hertz dran hencken / Pſal &⁊. pſu. &⁊. b ij daß Pfal. 144. Pſal. 39. Ein Chriſtliche Leichpredigt. daß ſie vns nit ſollen zu lieb feyn / daß wir ſie fuͤr vnſer hoͤchſtes Gut halten wolten / vnſer Hoffnung vñ Troſt darauff ſetzen / vnd ſie in vnſern Hertzen zum Abgott auffwerffen / Darumb ſo ſetzet er hinzu / Dann wo dein Schatz iſt / da iſt dein Hertz Wir ſollen kein Mam̃ons Diener ſeyn / daß wir vnſer Datum auff das Zeitlich wolten ſtellen / vnd deß Ewigen dabey vergeſſen: daß wir das jrdiſche dem Himmliſchen / das kleine dem groſſen / das vnbe⸗ ſtendige dem beſtendigen wolten vorziehen: gleich wie der Gallus Fſopi- cus thut / der einem Gerſtenkorn nachlaufft / vnnd das Edelgeſtein liegen lãſt. Was Euangelium? (ſagen ſie) Was Gottes Wort/ Was Gottes Gnad Wz Him̃el vnd Seeligkeit?damit kan ich kein Suppen ſchmeltzen / keinen Koͤhl fett machen / darauff wurde mir die Welt nit einen Creutzer borgen / viel weniger kan ich die Schuldt damit bezahlen. Vndzwar / ſo ſeyndt derſelbigen jrrdiſchen Weltlichen Schaͤtzſam̃ler ſehr viel vnnd mancherley Geſchlechte: deren ich nur etliche erzehlen wil. Erliche trachten nach hoher groſſer Gewalt: vnd diß iſt jhr Schatz darauff jhr Hertz geſtellet. Etliche ſtehen nach groſſer Ehr vnd Herrligkeit / vnd di iſt jhr Schat / darauff ſie gentzlich ihr Hertz ſchlagen. Etliche dencken na viel Wein vnnd Korn / daß jhre Kammern voll ſeyen / vnnd ein Vorrath nach dem andetn koͤnnen herauß geben: Dieſes iſt jhr Schatz / daran jhr Hertz hanget. Etliche trachten nach koſtlicher hoffertiger / raͤchtiger Kley⸗ dung: diß iſt jhr Schatz / vnd in ſolchem Schatz ruhet jhr Hertz. Etliche ſu⸗ chen rotes Goldt vnd Silber / daß jhnen ſolches haͤuffis moͤg zufallen· das iſt jhr Schatz vnd jhr Hertz. Etlichen iſt nur angelegen langwirige gule Geſundtheit das iſt jhr Schat / darauff das Hert verbichet. Etliche ſeynd in Weltlichen Freuden vnd Wolluſten erſoffen: daiſt Schatz vnd Heri in einander verwickelt Erliche aber haben Luſt zu ſchoͤnen groſſen /luſtigen Haͤuſern / vnnd diß iſt jhr Schatz / darnachſieim Herten ſinnen vnnd ringen. 8 Wiewol nun dieſe Schatzſam̃ler alleſampt ſich fůͤr die klugſte vnnd glůckſeligſte eut in dieſer Welt halten / wenn ſie eben das jenige erlangen / wasjhr Hert einig vnd allein ſuchet: jedoch ſo ſeynd ſie in hoͤchſter Warheit rechte vnfelige vnd thorichte Leut. Dann diß jhr Thun iſt eytel Thorheit/ richt der H. Geiſt / Pſal. 49. 6 Deſſen aber ſeynd vier vornehm / hochwichtige Vrſachen darauff S. woͤlle gute Achtung geben. Erſtlich⸗ Ein Chriſtliche Leichpredigt. u Erſtlich /dieweil ſie trawen vnd bawen auff vnbeſtaͤndige / vergangliche ⸗ m ßüchtige nichtige Schaͤte /ſo ſich augẽblicklich verändern: welche die Mot⸗ ten vnd Schaben ſtechen / der Roſt berzehrẽ vnd die Dieb nem̃en vnd rau⸗ Matth. 6. ſtben konnen: wie beyd der Hen Chriſtus / vnd der Apoſtel S. Jacob be⸗ lacob.ʒ. eugen Daher ſo werden dieſe Schätze /ein vngewiſſer Reichthumb genen⸗ netTim. 6 Den Reichen von dieſer Welt gebeut / ſagt daſelbſt der Apo⸗ 1. Tim. 6. d ſtel Paulus) daß ſie nit hoffen auff den vngewiſſen Reichtumb. ſe Dißwoͤllen wir / mit denckwuͤrdigen Exemplen grundtlich darthun / 6 vnd ſolches alles zur Gnuge beweiſen. en Alexander Magnus trachtet nach hoher groſſer Gewalt· Er wirdt ein gewaltiger Herr /daß er in kurtzen Jahren gantz Afiam vnterſich bringi⸗ ja das groͤſte Theil der Welt. Diß war ſein Schatz. Aber was geſchicht wie lang behaͤlt er den? Daer auß Indiagen Babel kompr/vnd daſelbſten Vide lut. den Legationibus vnd Bottſchafften aller Vöſcker / der Carthaginenſer / lb. 12. n. u der Spanier der Frantzoſen vñ Wahlen oder Italianer/ ſoalle Friede von ihm begerten / vnd /alſozu ſagen jhm die Schluͤſſel entgegentrugen / Audi⸗ enz gabe / faͤuffet er jhm bey dem Sycophanten Theſfalo ein todtlich hitig Fieber an Halß: daran er etlich Tage hernacher ſtirbt: ſein Mutter / Weib vnd Soͤhne werden erwůrget / vnd wirdt ſein großmaͤchtiges Reich vnter die vler Kriegsoberſten getheilet. Sihe / da der Schat am ſtaͤrckſten gewe⸗ ſen / iſt er zerſtoben / c. . Aſo wolt Julius Ceſar / allein Monarcha/vnd Schultheiß in der gan. v dochre- ten Welt ſeyn. Vndwar / ſowirdt jhm zu theil dieſer Schatz / die hoͤrhſte nicon Phi- Gewalt auff Erden / nach derer jm das Maul ſtancke: Aber O wie ein ver⸗ lp⸗ gaͤnglicher Schatz. Dann im ſitzenden Rath wirdter von Bruto vnnd Caſſio mit ꝛ3. Wunden zerſtochen / vndfalletin einem Augenblick mit jhm dahin allſein groſſe Macht vnd hohe Gewalt. Ich meyne ja /das ſeyen vn⸗ beſtendige Gůͤter /ſo die Moͤrder rauben konnen ꝛc. Sie können nir bleiben pln Wirden ſondern můſſen davon / wie ein Vich ſagt der 49. Pſal. *5 e auids. Was ſoll ich von groſſer Ehr vnnd Herrlichkeit (dem vnbeſtandigen Flher ʒ. Schas) ſagen ? Haman war der hochſte vnd groͤſte an deß Koͤnigs Arta- xerxis Hoff; fein Stul war vber alle Fuͤrſten erhoͤhet. Er hatts dahin⸗ bracht / daß jm jederman muſtzun Fuͤſſen fallen / die Knte fur jm beugen / mndjhm die groſte Ehr erjeigen einig vnd allein Mardocheum den S iij außge⸗ Ein Chriſtliche Leichptedigt. außgenemmen: welchen er auch derhalben gern an Galgen gebracht heite/ damit ja ſein Schat volltommen were. Aber was geſchicht/ dieſer ſein Schatz wirdt jhm vom Konig ſelbſt genommen: er wirdt degradiret / ſein Antlitz wirdt verhuͤllet / vnnd wirdt der Ehrſiehtige Mann / mit hoͤchſter Schmach vnnd Schandt / eben an den Galgen gehangen / dener Mardo⸗ Fähery. ch fuͤr ſeinem Hauß / hat auffrichten laſſen /wie die Hiſtoria Eſther auß⸗ weiſet. Alſo ſitet Herodes Agrippa / dorten zu Ceſarea in ſeinem guldenen Stuͤck in dem Theatro⸗da die Sonn jhm auffs Kleyd ſcheinet / vnd einen hellen Widerglant vnd Schein von ſich gibt da ruffet jhm jedermanzu⸗ vide loſe als er ſeine praͤchtige Rede zum Volck thãte / Das were nicht eines Men⸗ phuml. i9. ſchen ſondern Gottes Stim̃: das war ſein Schatz / darauff beruhet vnd Auuquu. bruͤſtetſich ſein Hert. Aber bald wirdt er dieſes Schatzes verluſtigt. Dann caps ein Engel vom Himmel ſchlaͤgt jhn / vnd wirdr alle ſeine Ehr vnd Herr⸗ lichkeit ein ſtinckende / anbruchige Speiß der Wuͤrmer vndder Maden. Alſo ſehet iſt alle Herrlichkeit der Welt / wie die Blume auff dem Feldt/ ſo Euo. verwelcket Sſa 40. Was ſoll ich von groſſem Vorraht an Wein / Fruͤchte / vnd allerleh Getreyde ſagen? wie liederlich dieſer Schaz zu verlieren? Wie offt ge⸗ viae lud s ſchichts / daß die Landtstnecht vnd Kriegsgurgeln ie hungerigen Raub⸗ nem ler. vögel) dieſen Schatz außheben ? damit ich aller anderer Diebe geſchweige· Das Getreydtin ſeinemn Hauß / wird weggefuhrt werden / fagt Zophar⸗ vob o. im Buch Job am ꝛ0. Cap· Wie offttrãgt ſichs zu / daß Feuwers Brunſt/ alles in erlichen Stunden verzehret vnd aufffriſſet? Offt wirdt das Ge⸗ treyd von Maͤuſen zerſchroten vnd vertragen vielmals wachſen Wie⸗ belim Korn / daß der Schatz darvon fleuget. Ein kleines Wuͤrmlein kan ein Loch ins Faſß freſſen / Ja boſe Buben konnen die Faſſe mit Bůͤchſen anſtechen / daß der liebe Wein in die Erden läuffet / vnd alſo dieſer Scha verſchwindet. Eben ein ſolcher vnbeſtandiger Schatz ſeyndt auch die toſtliche Kley⸗ Res.t. dung⸗ Woſcynddie ſchönezieriche gůlden Stücke deß Könizs Salomo⸗ nn nis darber ſich nichtallen die Königin auß Saba verwundert ſondern [ao welche auch der Heet Chriſtus ſelbſt ruͤhmet vnd preiſet im H. Euange⸗ lio? Wo ſeynd der Konigin Eſther Koͤnigliche Kleyder hinkommen? Wo EIlherz. Ator. 12 ſeynd deß reichen Manns Purpur vnd koſtlicher keynwad i ie ——— 0 e in ſen hu ſeh⸗ o ern ge ſen Di Ein Chriſtliche Leichpredigt. Di Schaben haben ſie zerfreſſen: die Aelte hat ſie fur etlich tauſendt Jaren verzehrt daß nicht ein Luͤmplein mehr / Ja nicht ein Faden darvon /inre- rum natura ju finden iſt. Estrachtet heutigs Tags / vnd rennet alle Welt nach Goldt vnd Gelt: Iber warlich nach einem fluchtigen vnd vnbeſtändigen Schatz Dañ auff viel Weiſe vnd Wege mag er vns eniwendet werden / von Moͤrdern /von Dieben /von tyranniſcher Obrigkeit / von Frennden vnd Feinden. Es ſeynd viel Wuͤrmer / Motten vnd Schaben /die dieſen Schatz anfechten. Ja deine eygene Kinder vndrechte naturliche Erben / die verſchlemmen / verpraſſen verſauffen vergeuden / verſpielen / verſchlagen / verzancken /ver⸗ rechten / verbuben offtermals / was du geſam̃let haft. Sie ſam̃len / vnd wiſ⸗ ſen nit / wer es kriegen wirt Pſal. z9. Da liegt der ſchoͤne Schatzofft in der pfl zt Kiſten /muß verroſten vnd verſchimmeln / daruͤber der Apoſtel S. Jacob lacob. 3. klagt Man ſchreibet wol vom Goldt / daß es nicht verzehret werde / weder vom Erdtreich / Waſſer Lufft / noch Feuwer: ſondern das Feuwer reynige es nur. Dem ſey nun alſo: Nichts deſto weniger aber / ſo hilfft kein Gelt noch Silber wider das verzehrendt Feuwer deß Goͤttlichen Gerichts / vnd wider die Hitz der Hellen Angſt. Alſo iſt Geſundtheit wol ein edler Schatz auff Erden (dann ein ge⸗ ſunder Leib iſt beſſer als Goldt / Silber vnd groſſes Gut / Syr z0.) Aer Syrach 30. wenn gleich lang der Arzt dran flcket / vnd den armen Cörper den Wur · vr·o· men einzeitlang auffhaͤlt / ſo gehets doch endtlich da hinauß / & mortuus etvnd erſtarb/ꝛc vnd wirdt alſo auch dieſer Schatz von Wuͤrmen vnd Schlangengefreſſen. Die Epicurer halten weltliche Freude vnd Wolluſte / täglichen Sauß vnd Wolleben für jhren beſten Schatz in dieſem Leben: Aber lieber Gott / wie bald wendet ſich offt das Spiel / daß auß Freud Leidt / auß Wolluſt eytel Vnluſt wirdt / wie am reichen Schlemmer / Luc. 1& zu ſehen? Deßgleichen ley dem Propheten Daniellan dem Konig Belſazer / Dan . Gleiche Geſtalt hates mit ſchonen luſtigen Gebãuwen / Häuſern vnd Wohnungen. Ichein Hauß ein Brandt. Was Menſchen Hände ge⸗ lawt das koͤnnen auch Menſchen Hande zerbrechen. Wie viel herrliche Bäuſer vnd Schloͤſſer ſeynd entweders zerſtoret worden / oder von ſich flbſt verfalen? Darvon nichts weiters vberig iſt / dann etwan ein Stůck von ephan eneſ.5. Lue. 16 Dan. 5. Ein Chriſtliche Leichyredigt. von einer alten Mauwer oder der bloſſe Name? Alſo iſts auch nichts mit dieſem vnbeſtaͤndigen Schas. Sutuma es iſt ales bauwfůͤllig / vergänglich vnd zerbrechlich. Es iſt mit aller Zeitlichen bewandt wie mit Jonæ Kürbtß⸗ der nur etliche Stun⸗ de ſeinen Schatten gabe / darnach vom Wurm geſtochen ward / vnd ver⸗ dotrete'lonæ 4. Elſt vanitas vanitatuw allezetel⸗ wie der Prediger ree ¶ Salomon klagt / vnnd wie mit ſeinem eygenen Erempel auß der Erfah⸗ rung Gilimer der barbanſche König der Vandaler in Africa lenet. wel⸗ cher eben dieſe Wort anch fuhrt/ als er von dem ſtreitbaren Helden Belli⸗ vide Chro ſario gen Conſtantinopelbum Keyſer Juſtiniano im Triumph gefangen nicon gefuhrt ward. Achruͤffet er/ Esiſt dochalles eytel / ranitas vanitatum he⸗ weynet alſo die Vnbeſtandigkeit deß Glůcks vnd aller jrrdiſchen Schate daß der heut ein Herr / Freyer vnnd Reicher / Morgen ein Knecht / ein Gefangener vnd Bettler ſcyn můſte Was iſt dann nun liebe außerwehl⸗ te Chriſten fůr ein menſchliche Thorheit vnd Wahnſinnigkeit / daß man bey dem ʒeirlichen Gut vnd vergaͤnglichen ſchnöden Reichthumb Schuß vnd Trutz ſucherſo doch dieſen Schaz auch diekleine verachten Creaturen / die Motten vnd Schaben / Ja die Luſe / Froſche vnd Vnziffer (wie m Königreich Egypren zu ſehen)ſtechen vnd verderben koͤnnen? 2.Pet. 3. Schet der groſſe weite Himmel vber vns / vnd der ganße Erdeboden vin 1ꝛ. ynter vns die werden jhr Ende haben Pet 3 Natur vnd Weltveralten⸗ wie ein Kleydt/ Pſal.ioꝛ. Wie ſolten dañ jmmermehr die jrrdiſche Sch⸗ ze (ſo vnter dem Himmel ſeynd / oder auß der Erden kommen / oder in der Weit erfunden werden) beſtandig ſeyn vnd bleiben ? Hebet euwer Augen auff gen Himmel ſagt Eſuias / vnd ſchauwet vnten auff die Erden: Dañ der Himmel wirdt wie ein Rauch vergehen / vnd die Erde wie ein Kleydt La. vrralten / vnd die / ſo darauff wohnen / werden dahin ſterben/c. Die ander Vrſach iſt dieſe daß ob wir gleich dieſe Schtz beſtndig⸗ tich vnd vnverruckt /die gantze Zeit vnſers Lebens beſiten vnd genieſſen/ ſo veꝛmogen ſie doch nit in derrechten Noht / in ſchwehren Kranckheiten / vnd ſonderlich in der Todtes Stundt (da eben Suͤnd / Todt/ Teuffel vnd Hel⸗ le vns anfichten / da es eben zum rechten Treffen kompt / vñ das ewig Dar⸗ ben bey den Weltkindern angeht) vns weder erquicken / nochzum wenig⸗ ſten oſten oder erfreuwen· Da haſtu an allen deinen jrdiſchen Fxod. 8. Ein Cßriſtliche Leichpredigt. polche loſe leichte Freunde in der Noht / deren mehr als tauſendt gehn auff in Loth. Der Keyſer Seuerus da er jetz in Britannia zu Eborae ſterben ſolte / nd den Todtfůr Augen ſahe ſo fuhret er dieſe Klage vber alle ſeine Schã⸗ e wdn keienn 1 e Ane ek: Ich bin alles geweſen in der Pzon. Welt /vnd hilfft mir jett nichts nicht. Publius Aelius Hadrianus der fur⸗ effiiche gelehrte Keyſer /der dem Keyſer Traianoim Reich nachgefolget / berfuhrt kurt fur ſeinem Ende / dieſe jammerliche Klage zu ſeiner armen werlaſſenen Seel Animula vagula, blandula, hoſpes com esq;ʒ corpo- vide Chro- “ mis, quæ nunc abibis in loca ? Ach du jrriges / vnruhiges / holdtſeliges nic. Philip. eelche/du liebes Saͤſtlein vnd Geltsfreundlche wo jeßt vnd nun hinauß⸗ Schet liehen Chriſten der kurz zuvor ſo viel Reichſtätt / Schlöſſer Feſtun⸗ Peſichere Oerter vnd Clauſen gehabt / der weiß jett nicht ein einiges Platz⸗ u lin für ſein arme Seele: Hie iſt kein Troſt / hie iſt kein Raht / hie iſt kein uſ beyallen ſeinen Keyſerlichen Schäten. Man ſagt ſonſt wol im Sprichwort / becuniæ obediunt omnia, 4ele bezwingt die Welt aber es dienet vnd hifffet offt nicht wider ein Au⸗ wehethumb Ja es ſtillet vnd zwinget nicht ein Zaanwehethumb: da⸗ it ich anderer ſchwehrer Schwachheiten vnd hohen Noͤhten geſchweige. Es erquicket vnd krafftiget auch den Menſchen nicht zum allerweni ſten / ungersnoͤhten. Imm Jahr Chriſtitzſo. hat der groſſe Tartar onig an mit groſſer Macht die Statt Suſa belägert: darinn ein Thurn / ſo weller Goldts/ Silbers / Edelgeſtein vnd anderer koͤſtlicher Kleinoter war. Dieweil nun Caliphus der Saracenen Oberſter in dieſer Statt / dieſen hurn nit angreiffen /noch den Schat außtheilen wolte vnter die Kriegs⸗ i teſo jhm die Statt halffen beſchůtzen / ſo hat endtlich der Tartar Konig / 1 Statt erobert / vndhat den Caliphum in dieſen Thurn zum Schatz bfangen gelegt / vnd jhm weder Eſſen noch Trincken folgen laſſen / mit uſen Worten:Hetteſtu Ebentheuwerer dieſen Schatz nicht mit ſolchem vide co- 6 eit behalten, ſondern vnter die Oberſten / Hauptleut vnd Soldaten ſmogra ßgetheiler ſo hetteſtu dich vnd die ganze Statt ſalutren fönnen. Wolan pan kbe nun jezt wol von dieſem deinem Schat / der dir ſo lieb geweſen iſt/ vnlten (“ſiſſ und ſauffe darvon. Vnd har alſo der elende Menſch / mitten im Goldt ndSilber / vnter den Edelgeſteinen vnd Kleinotern / Hungers ſterben 6nüſſen. Hie gibt jhm ſein Freund· Mammon /nicht den geringſten Troſt / c nicht Ein Chriſtliche Leichpredige⸗ nicht ein einiges gutes Wort / nit die geringſte kabſ al ſtinẽ berſchmachten Hertzen / in den euſſerſten Todtsnothen. Die dritte Vrſach iſt / dieweil ſi vns nit allein / in den hohen Noͤchen vnd Todtesſtundt verlaſſen / ſondern auch / nach dem Todt / keinen F uh⸗ breit vns in die andere Welt nachfolgen. n Diß hat fein verunfftiglich dargethan / der Hochloͤbliche Ehriſeliche — Lon Kayſer Conſtantinus auff dieſe volgende Weiß Dannaer ſeiner geiß⸗ Kantini, gen Hoffdiener einen erſahe / redet er jhn mit ſolchen Worten an Hoͤrſtu 1b ScharrHanß vnd Geitzhalß / weñ wil dein Geitzſack einmal voll wer den Darnach / ſojeucht er mit ſeinem Spieß( den er in der Handt hatte)ein ⸗ nien auffder Erden / vngefäͤhrlich eines Manns lans/ vnd ſpricht ferners alſo / Weñ du gleich allen Reichthumb dieſer Welt vnd das gantze Element der Erden /eigenthuͤmblich eynhetteſt/ ſo wirſtu du doch nichts mehr mit dir davon nem̃en / dann ein ſolchen ſiebenſchuhigen Waſem. Diß ſolten jnen xEiæ. 3 auch laſfen geſagt ſeyn vnſere vnerſůttige Schrapff Hanſen / welche ein Hauß an das ander / einen Acker / Wieſen/ Weinberg ein Gut an das an der reiſſen vnd zuſammen ſchlagen / vnd koͤnnen doch nit erfullet werden. d es iſt vmb wenige Tag zu thun / ſo muͤſſen ſie ſich mit einem Leilach/ da⸗ riñ ſie gewickelt)mit einem ſiebenſchuhigen Erdtreich / vnd mit einẽ Haͤuß⸗ lein /auß vier Borthen gemacht / vergnugen laſſen· Paujus Iouius ſchreibet von dem Sultan Saladino / dem groſſen Koͤ⸗ vn nis in Egypten /Aſien vnd Syrien / daß er den elenden / erbärmlichen Zu⸗ ſtandt aller Menſchen betrachtet vnd derwegen alles Gepränge bey ſeine Begraͤbnuß gůntzlich / in ſeinem letzten Teſtamemt verbotten habe: Auch darneben mandiret / daß man nach ſeinem Todt / an einen langen Spieß/ ein altes ſchwartes verſchabenes Leilach ſolte durchs gantze Laͤger vmbtra⸗ gen / vnnd ſolte ſein Heidniſcher Pfaff von heller Stim̃ offentlich darbey außſchreyen / wie es Bocatius in ein Piſtichon gefaſſet: Vixi diuitijs regnotumidisq́; trophæis: ged pannum heu nigrum,nil niſi mortetuli. Das iſt / auß allen Koniglichen Gütern / Schaͤtzen vnnd Victorien hn bringe ich allein darvon / ein zerſchliſſenes Leilach. Der neun vnnd viertig 4 Pſalm der gibts alſo Er wirdt nichts in ſeinem Sterben mitnehmen vd . feine Hertichkeit wirdt jhme im Sterben nit nachfahren Ach / die groſt Köyſer welche vber ſo viel Koͤnigreich Erbherrn gſn / wich 1 ndrk. Bocatius. — —. Ein Cßriſtliche leichpredigẽ. Linder vnd Leut / Schloͤſſer vnnd Haͤnſer gehabt ſo viel herrlicher Schite an Golt / Silber / Perlen vnd Edelgeſtein) die haben leer muſſen darvon ichen /vnd nichts mit ſich nem̃en. Es heiſt vnd bleibt alſo / Nacket vnd bloß lob. x. bin ich in die Welt kommen / nackendt vnd bloß werd ich widerumb dar⸗ keckſ. bonziehen Job. 1. Et.ʒ1. Tim. Man muß ſie einem andernlaſſen / vnd 8 vahin fahren / ſagt der 4. Pſalm abermals. VPVndgeſetzet / daß man einen Menſchen in ſeinem Todt gleich in Sei⸗ den vnd Sam̃et eynwickelt / vndlegt jhm zum Haͤupten all ſein Golt vnd Silber / vnyd alle ſeine beliebte Schaͤtze / ſo were jhm doch hiermit nichts vberall beholffener hette deſſen keinen Rutzen noch Frommen es gebe jhm weder Warm noch Kalt/es were ein todter / nichtiger Schatz. Dem Koniglichen Propheten Dauid / als einem wohlverdienten Re⸗ enten vnd Herrn / wardt von ſeinem Volck / viel Golts in ſein Grab ge⸗ eʒt. Aber was iſts jhm im Todt nutz geweſen? Ioannes Hircanus kompt Ioſephes růber dieweiler vom Koͤnig Antiocho hefftig bedrãngt war / vnd in euſſer lb. n. ſen NA en ſtacke/ vnd nimpt auff einmahl herauß / drey tauſent Talenta / Anti lu- s iſt / achtzehen Tonnen Goldts: vngefaͤhrlich nach Dauids Todt / 966. dai cap. 13. Fihr: darvon Joſephus zu leſen. 4 Ja wenn gleich einer ſein Gelt vnnd Guůter in ſich verſchlungen hette / ſomuſte er ſie doch widerumb außſpeyen / vñ würde fie im Gott auß ſeinem Bauch herauſſer ſtoſſen / wie Zophar beym H. Job ſagt/am z0. Capitel. Iob. 26. Die vierdte vnd lette Vrſach iſt dieweil dieſer zeitlichen Schaze / im dern / langen /himliſchen / ewigen Leben kein Nutz noch Gebrauchja kein Feſpert oder Anſchens bey Gott iſt. Dann dagilts nicht / daß einer hie an Sůrern reich geweſen iſt / wenn er auch gleich die gantze Welt hette vnter ſach gebracht / Matth. i6. ſondern daß er in Gott iſt reich geweſen /Luc. 12. Matth. 16. Ja eben di Guter / ſowir hie mißbrauchet / die ſchreyen vns dort nach / als Luc. n. vwliche Blutſchreyer / vnd verklagen vns in der ewigen Flammen /uc. Darumb ſo haben dieſe Schtſam̃ler jr Theilin dieſer Welt /Pſal. 17. “ mind kein Theilin jenerſeligen Welt. Dannes iſt vnmoͤglich / (ſagt die Bůttliche Warhetr)daß ein recher(verſtehe der ſein Hertz dran henckt / vnd Match n eßewigen Himliſchen Reichthumbs darbey vergiſſet) ins Himmelreich pl eyngehen. Es wirt ehe ein Camel ( groß Schiffſeil) durch ein Nadel⸗ r gehen / dann ein ſolcher Reicher ins Himmelreich. Seyndt alſo dort hni vnd gar ſchabab / vnd in den wizen Bettelorden verſtoſſen mitdem c ij reichen Luc. 16. Sapient. . RHebr. . Ein Chriſtliche Leichpredigt. reichen Mann / da ſie kein ander Reſponſorium horen / dann / Gedencke Sohn / daß du dein Guts auff Erden in deinem Leben empfangen haſt /c. Darauff ſie mit ewiger Reur ſich vntereinander anpfeuyenklagen vnnd ſagen / Was hilfft vns nu der Pracht? was bringt vns nun der Reich⸗ thumboſampt dem Hochmuthdes iſt alles dahin gefahren / wie ein Schatie/ Say. ʒ. Vnd ſo viel vom Erſten / daß wir vns nit ſollen Schaͤtze ſammlen auff Erden. Vom andern. E Aſt vns nun auch anhorenl was die Kinder Gottes / nach der Vermahnung deß Hen Chriſti⸗ fur ein Chriſtliche Sorge haben ſollen. Eine gemeine Lehr fur alle Stände auff Erden· Alſo ſagt er aber: Sam̃let euch Schaͤtze im Himmel. Dieweil vnſer Vatterlandt droben im Himmel iſt / dieweil auch Got vnſer rechter ewig Vatter im Him̃el wohnet / vnd vns vnſer Erbe un Him ⸗ mel durch Chriſtum vnſern HeRiſt beygelegt⸗ ſo wi er / daß wir fuͤr al⸗ len Dingen ſuchen vnd ſam̃len ſollen Schätze im Himmel: vnd daß wir Schatz iſt / daſollauch vnſer Hert ſeyn all vnſer Si / Hert / Mußt Ge⸗ dancken vnd Sorge⸗ Ja ſprichſtu Wer wil in Himmelhinauff ſteigen/ ſo wir dieſe Schaͤte im Himmel ſam̃len ſollen? Antwort: Es redet der Hed Chriſtus vom Himmelreich der Chriſtlichen Kirchen / welches vns / Gott Lob / am nech⸗ ſten iſt darinnen man dieſe hirliſche Schaͤtze findet vnd außtheilet: da die heylige hochgebenedeyte Dreyfaltigkeit bey dem offentlichen / reinen geple⸗ digten Gottlichen Wort/ vnndbey dem Brauch der heyligen hochwirdi⸗ gen Sacramenten ſich finden läſt: vnd lãſt daſelbſt jhr gnaͤdiges helles Antzlitz leuchten vnd ſcheinen / daß man ſihet die himmliſche Schaͤtze welche onſtallen Klugen vnd Weltweiſen von Natur verborgen ſeynd / wie Got⸗ Mn nns tes Sohn ſelbſt bezeuget Matth·u. 16. In dieſem Hauß deß Herren / in dieſem geiſtlichen Himmelreich findet man das rechte gůldene Bergwerck / welches ſtarcke Adern vnnd Gaͤnge hat von lauiern Himmliſchen Kleinotern: daß alle andere Zuntznhe in del. Tim. 6. auff den lebendigen Gott vnſere Hoffnung ſtellen ſollen. Wo vnſer Ein Chriſtliche Leichpredigt. in der weiten Welt /nur eytel Leimen Gruben ſeynd / gegen dieſe zu rechnen. Wenn nun hie die Gol Gaͤnge zu dieſem Schatz werden auffgegraben ⸗ durch die Prediger Goͤttliches Worts / vnnd der Schatz gezeiget wirdt / ſo ſollen alle Chriſtliche Himmliſche Schätzſamler nit faul ſeyn: ſondern ſollen weidlich vnd froͤlich mit beyden Haͤnden zugreiffen vnd eynſam̃len. Nit aber allein in die Ohren / daß ſie es allein bloßlich hoͤren: auch nit allein in Mundt vnd auff die Zungen / daß ſie viel darvon ſchwatzen vnnd plaudern koͤnnen (wie alle Maul Chriſten mit Worten viel wiſſen darvon ruhmen / da doch nichts darhinder)ſonder durch rechten waren Glauben in deß Hertzens Schrein / vnndin vnſere Seele / daß wirs in einem reinen feinen Hertzen ſaͤuberlich bewaren /Luc. n. Ey was ſeynd dann dieſe Himmliſche Schatzeꝰ ſprichſtu:Es iſts / Liebe Glaubige / vnſer Herr Jeſus Chriſtus mit ſeinem Heyligen ſeligmachen⸗ den Euangelio: dann er iſt das rechte / einige / ewige Häuptgut der gantzen Chriſtenheit / der allgemeine himmliſche Haͤuptſchatzkein edler/troſtlicher / heuerer koͤſtlicher wichtiger / gultiger /heyliger Schatziſt im Himmel vnd auff Erden ſonſt anzutreffen. Dieſem him̃liſchen Schatz ſeynd nachgezogen / durch Anleytung deß eyligen Geiſtes / vnd deß neuwen Wunderſterns / die Weiſen auß Mor⸗ enlandtetliche hundert Weil Wegs / mit Gefahr Leibs vnd Lebens / biß Marth. 2. nns Juͤdiſche Landt. Vndehe wir auch dieſes Schatzes entberen vnd ent⸗ whten ſolten / ehe wolten wir alles auff dieſer Welt verkauffen vnd bege⸗ Matth. 8 hen /Matth.iʒ. Die Epiſtel zun Hebreern zeuget von Moſe / dem Mann Gottes / daß Mebr n. rx die Schmach Chriſti fuͤr groͤſſern Reichthumb geachtethabe / dann alle Schte Egypti: dann er hab angeſehen die Belohnung. Ja er hette ehe zchen Koͤniareichohn alles Bedencken hingeworffen / ehe er Chriſtum / die⸗ in hohen him̃liſchen Schatz /hette ſollen verlaſſen. Darumb ſo ſollen auch wir vns darvmb reiſſen: damit wir ſein moͤ⸗ venin vnſerm ewigen Heyl theilhafftig werden. Das Euangelium leidet Gewalt (ſpricht vnſer Schat) vnd die Gewalt thun /die reiſſen es zu ſich. Matth 1 Vnd ʒwar welche dieſen Scchat bekommen / die ſeynd reicher vnd ſeli⸗ ger als alle Keyſer vnd Konige auff Erden jemals geweſen (die Chriſtum 3 6 nicht gehabt) dann ſie ſind reichin Sott/duc.ia in Chriſto Jeſu / weicher iſi ales in allein / Epheſ1. Coleſʒ. e iij Es Augufl. b. i3. con fell. Item in Medita- tionibus Cap. 17. Pfal. 73. Fſa. 6. 66. Dan. 7. Ioan. 17. Ioan.6. Ioan. 47. Eſaiæ. 61. Pfal. 45. Matt. 22. 1ob. 22. Rom. 2. Ein Chriſtiche Leichpredigt Es ſeynd aber auch fuͤrnemlich vier Haup Vrſache / ſo ale Kinder Goites bewegen ſollen dieſem ſe igen Sckatfleiſſg nachzuſtreben. Die erſteiſt / dieweil dieſer Schatz iſt das hochſte Gut / vnd der groͤſte Schotz / Theſaurus theſaurorum: ohn welchen alle andere jrrdiſche Schãtze nichts ſeyndt Omnis copia ſagt der beylige Auguſiinus / quæ Peus meus non eſt, egeſtas mihieſt: Aller Reichthumb vnd BVberfluß / ſe mein lieber Gett der Hedin Chriſtus nichtiſt / iſt mir nur eytel Armut. Dargegen aber wer Chriſtum hat der hatalles was nur ſein Hertwuͤnd⸗ ſchen mag He / wenn ich nur dich habe/ ſpricht der ʒ. Pſalm /ſo frage ich nichts nach Himmel vnd Erden. Schet/gegen dieſem Schatz iſt Him⸗ mel rnd Eiden nichts Denn wenn die am jüngſten Tag durchs Feuwer vergehen werden / ſokan doch dieſer Schat / einen neuwen Himmel vnd neuwe Erden ſchaffen / wie ers auch thun wil / laut ſeiner Zuſage / Eſa. 66. 56. Dieſer ſelige Schat / Chriſtus Jeſus/ der gibt ein ewiges / herrliches Reich Dan.. das Reich / Gewalt vnd Moacht vnter dem gantzen Him⸗ mel / wird dem heyligen Volck deß Hoͤchſten gegeben werden/ deß Reich ewig iſt. Er theilet auch auß warhafftige Glori/ Ehr vnd Herrlichkeit Vat⸗ ter ich habe jhnen meine Herrlichkeit gegeben / die du mir gegeben haſt⸗ c. Joan. 7. Dieſer iſt das Brodt deß Lebens / vnd das rechte aqua vitæ Ja der Bruñ deß Lebens ſo ins ewig Leben ſpringet⸗ der edle rote Trauben Wein/ ſo keib vnd Seel trencket / erquicket / erfreuwet / vndzum ewigen Leben et⸗ aͤlt. Dieſer dein Schatz ſchencket dir das Kieydt der Vnſchuldt / den Rock deß Heyls / ſtolam immortalitatis, die ſchone geſtickte/bundte Kleyder / das gůldene Stuͤck / Pſal 4. das Hochzeitlich Ehrenkleydt / Matth. ⁊ꝛ. darinnen du Gott vnd allen ſeinen Engeln gefalleſt. In dieſem Schat findeſtu den humliſchen ynerforſchlichen Reich⸗ tpumb Gottes / da der Allmaͤchtige wil dein Goldt ſeyn / wie Eliphas redei⸗ Job. ⁊2 Ja du ſolt ein Erbe Gottes ſeyn / vnd Chriſti Miterbe⸗ in ſeines Vatters Reich / Rom. 8. So viel nun der Himmel hoͤher iſt als die Erden: ſo viel groſſer ſcynd auch die him̃liſ che Guter / dann die jrrdiſche Das ewig Gut macht rechten Muht / ſingt die fromme Koͤnigin in Vngern. Mit dieſem Schai erlangeſiu ewige Geſundtheit vnd ewiges S — „— — „— Ein Chriſtliche Leichpredige. Dann eriſt der warhafftige Gort / vnd das ewig Leben ſelbſt/t. Joan.ſ. Ich 1 oan . wil jhn ſaͤttigen (ſpricht er) mit langem Leben c. Pſal. ↄ· Ja in jhm leben / ſal. v. ſeynd vnd weben wir /Act.iy. . Ad. . Dieſer dein Schatzergeuſt ſich von ewiger Frend vnd Wonne. Fuͤr jhm iſt Freude die Fülle / vnd lieblich Weſen zu ſeiner Rechten ewiglich. pp 6. Euwer Frend (ſagt Chriſtus zu ſeinen Schaͤt Sam̃lern) ſoll niemandt loꝛn. 16. von euch nemmen: Ihr werdet euch freuwen mit vnaußſprechlichen vnd 1. Pet. 1. herrlichen Freuden /ſagt Petrus zu ſeinen Mitbrudern vñ Mitconſorten. Mit dieſem Schaz vberkompſtu die liebliche /ſchone / him̃liſche Woh⸗ 14* nung ſſo er vns bereitet: die nicht mit Menſchen Handen gemacht ſeynd: ein rechter Koͤniglicher Pallaſt darinn ewige Gerechtigkeit wohnet. In Summa /Chriſtus iſt vns alles: Er iſt der Gnadenthron / darinn alle andere Schätze verborgen liegen. Wenn wir gleich nichts haben / ſo haben wir dochin jhm alles /æ Cor. . Im Hunger iſt er vnſer Speiß: ⁊. Cor. b. Im Durſt vnſer Tranck / Johan. 4. In Armut vnſer Reichthumb: in loan 4. der Schwachheit vnſer Geſundtheit: in der Schande / vnſer Ehr: in Traurigkeit vnſer Freude: in Trůbſal vnſer Ruhm / Rom.ʒ. In Ver⸗ weiffelung vnſer Hoffnung / Matth 2. Sey getroſt mein Sohñ / dir find deine Sůnde vergeben Im Vnglůck vnſer Troſt / Pſal ↄ1. In Sünden C0 Inſer Gerechtigkeit /. Cor.. Im Todt vnſer Leben /Joan.s.1. Endtlich in 10an. 3. n der Hellen Angſt / vnſer Himmelreich / . Cor. 15. Hell / wo iſt dein Sieg? Cor. v⸗ ber Sott ſey gedancket /der vns den Sieg gegeben hat in Chriſto Jeſu vn⸗ erm Hea, vnd lieben Schatz. Die ander Haupt Vrſach iſt / dieweil dieſe him̃liſche Guter nicht koͤn⸗ inen oder mogen durch jrgendt einen Vnfall vns genommen vnd entzogen twerden. Dann hieiſt man auch fur dem Teuffel ſelbſten / vnd fur aller ſei⸗ mer Gewalt vndhellſchen Pforten gnugſam verwahret / daß ſie vns nicht nberwaltigen mogen / Matth.i6. Matth. 16. Es iſ ſtracks das beſte heil / das nicht kan von vns genommen wer⸗ ken / wie der Henʒ ſelbſtzenget Lucio. Luc. ꝛ0. So kan dieſer Schat nicht geſtolen /nicht von Motten vnd Wuͤrmen gfreſſen / nicht vom Roſt oder ãlte der Zeit verzehret werden Dannes ſyndæterna bona, cwige/ jmmerwährende Schaͤtze. Mein Heylbleibt wig wenn gleich der Himmel wie ein Rauch vergeht / vnd die Erden wie Rleydt veraltet /ſpricht vnſer Schatz / Eſa.y. Pſ. zr z.Maceh.7. £ Lombardi ea hiftoria. Matth 10. Matth. 19. Gen.12. Geneſ. 13. Geneſ.24. Pfal. 91. Iobiiz. lobi 19 Ein Chriſtliche Leichpredigt. Da den Macchabeern die Zunge auß dem Halß geriſſen / dle Haͤnde vnd Fůſſe am Leib jhnen wurden abgeſchnitten / auß Befelch deß Tyran⸗ nen Antiocht: So kondte er ihnen dennoch dieſen Schatz nicht nemmen. Das iſt vnſer groſſer Troſt ſagen ſie / daß wir hoffen / wenn vns die Men⸗ ſchen erwuͤrgen / daß vns Gott wůrdwidervmb aufferwecken /⁊. Macch. 2. S man vns gleich das Felle oder die Haut vber den gan tzen Leib ſtreifft vnd abzeucht (wie der H. Bartholomæus in Armenia lebendig ſoll geſchunden ſeyn) ſokan vns doch dieſer vnſer Schatz nicht geraubet wer⸗ den Den Leib konnen die Morder todten / aber nicht die Seel/ darinndie⸗ ſer Schat eyngeſchloſſen: dahin kankein Weltlich Schwerdt oder Meſ⸗ ſer / nimmermehrin Cwigkeit riechen. Vnd da wir gleich etwas vom Zeitlichen / vmb dieſes vnſers Schatzes willen verlieren muſſen ſo ſollen wir dagegen widervmbje fuͤr einen Gul⸗ den / hundert Guͤlden zu gewarten haben. Dann vnſer lieber Schatz wil vnd kan leichtlich alles compenſiren vnd wider erſtalten. Da Abraham vmb dieſes Schatzes willen ſein Vatterlandt verließ / Gen. r⁊ vnd begabe ſich auff Gottes Befelch ins Armut / daward es jhm mehr als hundert⸗ fältig / auch in dieſer Weltjeitlich vergolten. Dann bald im 1z. Cap deß er⸗ ſten Buchs Moſis wirdt geſagt/Abraham war ſehr reich von Viehe / Sil⸗ ber vnd Goldt. Vnd im 24. Capitel ſagt ſein Haußvogt von ihm: Der Hen hat Abraham reichlich geſegnet/ vnd iſt groß worden / vnd hal jhm Schafvnd Ochſen / Silber vnd Goldt / Knecht vnd Maͤgde / Camel vnd Eſelgegeben c. Die dritte Vrſach iſt / dieweil vns dirſer vnſer Schatz kräfftiglich vnd beſtändtglich im Todttroͤſtet. Er verlöſt vns nicht in der letten hoͤchſten Noht: Ich bin bey jhm in der Noht /ſpricht er / Pſal. qu. Ja wenn eben aller Welt Troſt auß iſt / vnd aller Ereatuten Huͤlffe auffhoͤret vnd zu ruͤck trit⸗ tetyals denn ſo trut dieſer vnſer Schat zu vns⸗ ond gibt vns rechten leben⸗ digen Troſt /wider alle Anfechtung vnd Anklage deß Teuffels: daß wir froͤ⸗ ſich können ſterben / vnddeß juͤngſten Tags mit allen Freuden erwarten⸗ Wann du mich gleich tödten wirſt (ſagt Job in ſeinem tieffſten Leiden/ Creut vnd Armut) ſo wil ich doch auff dich hoffen. Dann ich weiß / daß mein Erlöſer (mein Schatz)lebet der wirdt mich hernach auß der Erden aufferwecken / vnd werde darnach mit dieſer meiner Haut vmbgeb en wer⸗ den / vnd werde in meinem Fleiſch Gott ſehen; denſelbigen werde r e — „ 1 — Ein Chriſtliche Leichpredigt. en / vnd melne Augen werden jhn ſchauwen Job. 19. Chriſtus iſt meln elen / vnd Sterben iſt mein Gewiñ ſagt S. Paulus. Vnd abermals wir philipa. ten oder ſterben / ſo ſeynd wir deß Heoe / Rom r4. Dannich weiß ge⸗ Rom· . ij daß weder Todt noch Leben / weder Engel noch Fuͤrſtenchumb / noch hwalt / weder gegenwaͤrtiges / noch zutunfftiges / weder hohes noch tief⸗ s noch kein andere Creatur/ vns ſcheiden mag von der Liebe Gottes / die om n Chriſto Jeſuiſt vnſerm Hen Rom.3. Vnd ob gleich das krancke dertz endtich ſchmachten vnd auch ſterben muß (wie ſolches allen Men⸗ Gen.3. cen vmb der Sundewillen aufferlegt) ſo ſtirbt doch gleichwol ſein Schatz cht /ſein Erbe nicht /ſein hoͤchſtes Sut nicht /ſein Seel nicht: fondern lebet tinem newen Geiſtlichen / himliſchen Leben. Denn vnſer Schatz faſſet mere Seele vnd Geiſt in ſeine Hande / vnd begabet fie mit ewigem Liecht / ben vnd Seligkeit. Ich lebe ſpricht er Joan. 14. darvmb ſolt jhr auch le⸗ jtn. Darvmb ſehet / wann vns gleich Leib vnd Seel verſchmachten / ſoiſt n¶d bleibt doch vnſer Schat / vnſer treuwer Gott vnd Erloͤſer / vnſers Her⸗ a nns Troſt vnd vnſer Theil / Pſal.7ʒ. Die vierdt vnd leite Vrſach iſt dieſe· dieweil dieſer vnſer Goͤttlicher Schatz das Fac Totum iſt / allein gilt vnd groß geachtet wirdt im ewigen wen / welchen allein der him̃liſche Vatter reſpectiret / als ſeines Hertzens Matth. 3. ehrte Kron vndallerliebſten eingebornen Sohn: In welchem er auch al⸗ Geiſtliche Schaͤtz Saͤm̃ler bruͤnſtig lich liebet / Epheſi. Das iſt das Zeug⸗ Gottes von ſeinem Sohn (ſagt Johannes der Euangeliſt / in ſeiner ſen Epiſtel am . Capitel) daß vns Gott das ewig Leben geben hat / vnd ſches Leben iſt in ſeinem Sohn. Wer den Sohn Gottes hat (den him̃⸗ ſſchen Schatz) der hat das Leben. Vnd ſolches habe ich euch geſchrieben / die glaubet an den Namen deß Sohns / auff daß jhr wiſſet / daß jhr das e⸗ miʒ Leben habt. Dieſem ſeinem furgeliebten Sohn / hat der Vatter alles Gericht an. Sergeben / Joany. Darvmb ſo hat vnſer Schatz gut Recht / Fug vnd Macht / daß er zu ſeinen Schat Sam̃lern dieſe froͤliche Stim̃ am juͤngſten Eag erſchallen lͤſt: Kompt her jhr Geſegneten meines him̃liſchen Vat⸗ s / ererbet das Reich / das euch von Anbegin der Welt hero iſt zuvor be⸗ let geweſen / Matth. ⁊. Item / Ich habe euch das Reich beſcheiden / wie nirs mein Vatter beſcheiden hat/Lue.ꝛ2. daß jhr eſſen vnd trineken ſollet/ meinem Tiſch / in meinem Reich / vnd richten die zwolff Geſchlecht 3 m. d ie Ioan.14. . Cor. 2. Huc. 12. Beuit. 19 · Ioan. 3. Pfal. 1. Ein Chriſtliche Leichpredigt. Hie aber ſeynd alle vnſere Hertzen vielzu enge / vnd alle vnſere Ge⸗ danclen viel zukurt / daß ſie dieſen groſſen /him̃liſchen Reichthumb der ewi⸗ gen Secligkeit vnd Wollebens im Reich Gottes begreiffen ſolten. Das Ange hats nicht geſehen / das Ohr hats nicht gehoret / Esiſt auch keinem Menſchen in ſein Hertz kommen / was Gottzuvor bereitet hat denen ſojhn (als den hoͤchſten Schatz) lieben wie beyde Altes vnd Neuwes Teſtament bezeugen / Eſa. 4.1. Cor.2. Derhalben wer Ohren hatzu horen / der hore: Sam̃let euch Schaͤtze im Himmel da ſie weder Motten noch Roſ freſſen / vnd da die Diebe nicht nachgraben / nochſtelen. Machet / euch Seckel die nicht veralten / einen Schatz der nimmermehr abnimpt im Himmel/luc. n· So viel dann nun Weilandt die außerkohrne / hochgeberne Fůrſtin vnd Fraw / Fraw ChriſtinamGrãffin zu Erbachc. Chriſtmilder Gedaͤcht⸗ nuß anlangt ſo hat J. F. G. die geringe Zeit jhres Lebens auff Erden mit ſtůtter Eynſammlung dieſes himmliſchen ewigen Schatzes herrlich wol angelegt. Ein rechte Chriltina, die den Namen mitder That gehabl⸗ als die Chriſtum Jeſum jren Heylandt vber alle Ding geliebet /geehret/ge⸗ ſucht / vnd ſich in jym /als dem hoͤchſten Gut /erfreuwet hat. Wo jr Schat da war auch jhr Hertz· Von Kindtsweſen auff iſt ſie in der Gottſeligkeit vnd reiner lehr vn⸗ terrichtet / vnd mit beſonderm Fleiß / Lob vnd Nutzen zuallen Chriſtlichen vnd Fůrſtlichen Tugenden ( mit welcher nachmals fie jhren Standt ge⸗ zieret vnnd geſchmůͤcket) aufferzogen worden. Dann dieſer vnſer reine Scchatz wil reinlich gehalten / vnd in ein tugendtreich Hert eyngeſchloſſen Wie er dann ſagt / Ich bin heylig / darvmb ſolt jhr auch Heylig ſeyn⸗ euit. 19. . Inder H. Blblien (darinn dieſer Euangeliſche Schat eyngewickelt⸗ Johan. hat ſie mit ſonderm Fleiß gerngeleſen / vnd(wie der erſte Pſalm von den Frommen zeuget) jhr hoͤchſte Luſt vnd Geiſtüiche Seelen Frew⸗ de an dem Geſet deß Herrn gehabt / Tag vnd Nacht. Die Predigt Göttiches Worts hat ſi andãchtiglich gehoret/ vndalſo ins Hertz geſchrieben / daß fie dieſelbige fein volltoͤmmlich vnnd ordentlih hat erzehlen wiſſen. Deßgleichen ſo hat ſie das hochwirdige Sacrament vnnd Zeſtamen Kaub. as. Jeſu Chriſti darinn dieſer himmliſche Schat ſeinen Susnſſe Ein Cßriſtliche Leichpredigẽ. ſenzu eygen gibt) viel vnd offtermals zum ſondern Troſtjhrer Seelen brauchet. Den gantzen Catechiſmum Lutheri ( das ſchöne patrimonium Ec⸗ eſia/ vnd gleichſam die kleine Biblia)die Fragſtůcke der Confirmation/ ßeim / liche vnd fuͤnfftig Pſalmos Hauidicos/ die drey Hůͤupt Syrmbo- l. Apoſtolicum Nicenum & Athanaſianum, wie auch ſonſten vn⸗ zhliche viel Spruche Altes vnd Newes Teſtaments / hat ſie außwendig Ieůndt Hat alſo einen ſehr groſſen ſchöͤnen Vorrath von himmliſchen hrütern (diuitias aureas in corde aureo) gehabt vnd geſammlet / ſo jhr eim Todtjetzt nachgezogen / vnnd jhr das Geleidt in Himmel gegeben ben. Ihrer geliebten Franw Mutter vnd Herrn Vatter hochſeligſter Ge⸗ lchtnuß /war ſie jederzeit in allen Dingen / mit freywilligem Hertzen / auß ndtlicher Lieb vnd Furcht gehorſam. Sie war nicht der vnartigen / vnge⸗ tenen Tochter eine / ſo jhr hohes Geſchlecht etwan ſchaͤnden: Wie die yige 4 6 ia / deß großmaͤchtigen Keyſers Auguſti Tochter / ein Schandtfleck phth. Eraf. weſen: daßofft der trawrige Keyſer mit Seufftzen gewuͤndſchet / O v- milibro « irum cœlebs vixiſſem orbusq́; periſſem, O wolte Gott / Ich were nxweders ohn Ehe geblieben / oder gar ohn Kinder geſtorben. Ihr Wandel auff Erden war Chriſtlich /ehrlich /keuſch zuchtig / demuͤh⸗ nſtilvnd eyngezogen. Vnter dem Sammet vnd Seiden / vnter den gůͤl⸗ hren Ketten / leuchtet jederzeit herfur ein heyliges / demuͤhtiges Eſther hert. Sonder Zweiffel wirdt der jnnerliche Schmuck deß verborgenen . Pet.3. k fur Gott vnd ſeinen heyligen Engeln noch viel ſchoͤner geglän⸗ thaben. Gegen maͤnniglich / hohes vnd nidriges Standts Perſonen / hat ſie alſo erzeiget / daß ſie nicht allein nicht die allerwenigfteKlage hette hin⸗ ierſich gelaſſen / ſondern daß auch jhr F. S. hiedurch bey Gott vnnd der Belt/ ein ewig jmmerwährendes Lob vnd vnſterblichen Namen ererbet. Mit ehelicher Lieb /Treuw / Chrenbietung vnd Gehorſam gegen jhren zliebſten Herrn vnd Ehegemahl / Graff Friederich Magnuſſen / iſt ſie rechte Tochter / vnnd rechte Nachfolgerin geweſen / nach der i.ver. dr S. Petri. Vndiwar hette ſie laͤnger auff dieſer Welt leben ſollen / ſo were ſie in Warheit ein gierdt vnd Kron der Graffſchafft Erbach / eine getreuwe d i Mutter Ein Cßriſtliche Leichpredigt· Mutter der Kirchen vnd Vnterthanen / vnd ein heylſames Werckgezeuz Gottes worden: dadurch der Allmächtige gewißlich viel Gutes geſtifftet Wie nu dieſe heylige Chriſtina Chriſtlich gelebt: alſo iſt ſie auch Chriſt⸗ at c abgeſchieden / vnnd ein rechte Chriſtina nach dertrewen Vermahnung jhres Hein Chriſti / biß in Todt geblieben. Dann den 26. Martij /iſt ſie deß morgens vmby. Vhr / ſtill vnd ſanfft eyngeſchlaffen / nach dem ſi ſich zuvorin jhrem neuntägigem Lager dem Herrn Chriſtol jrem ewigen vnverganglichen Schatz) trewlich befohlen hat: zu welchem ſie auch in di Matth. 2. ewige Frewde iſt eyngegangen / Matth. 2. Auff einen Freytag zu morgen / hat ſie jhren Charfreytag beſchloſſen vnd hat dargegen fruhe den ewigen Sabbath angefangen jhren Schatzu Riæ ss. lohen vndzu preyſen / Eſa. 66. Wenig Jahre hat ſie erfuͤllet / nicht gar achtzehen: Aber doch ſo iſt ſi baldt volleommen worden Warvmb Gott alſo mitjhr geeylet / iſt ſeinet Pient. 4. ewigen / Goͤttlichen Weißheit allein bekandt. Ach / was Gott in Gnaden lieb vnd gefaͤllig iſt mit demſelbigen eylet er auß dieſer argen Welt: dami xſair.6. es für allem Vnglůck behůtet ſey / vnnd ſonderlich fůr falſcher Lehr vnnd ſchaͤdlicher Verfuͤhrung. So iſt auchetwan die Welt ſolcher feiner Leul⸗ Sapient. 4. 3 Hebr u. chrlicher Männer vnd Gottſeliger Matronen nit taͤngers wehrt / Heb.n. Act. 3 erkorne Fᷓ. Graffin jetundt weit vber alle Reich dieſer Welt mitjrer Seel 2. Tim. 4. erhaben ſie allbereit mit der Kron der Gerechtigkeit / mit der Kron deß 4 Apoc. ⁊. bens / vnd mit der vnverwelcklichen Kron der Ehren begabet /vnnd jhr ein 1. Pet. z. ſtattlich Reſidentz im himmliſchen Pallaſt habe eyngeraumet / vnd ſiege⸗ ſetr vnter die Fůrſten vnd Furſtinne ſeines Volcks: zu den H. Patriar⸗ chen vnd Ertmüttern/zu den Konigen vnd Propheten / Koniginnen vnd Prophetinnen / vnd zu allen außerwehlten Engeln vnd Menſchen. Dann Spient.2. ein heylig Leben wirdt belohnet / vnd vnſtrffliche Seelen haben jhre Ehro Sap. 2. Derallmaͤchtige Sott / der wolle jhrer F. G. amjuͤngſten Tag ſampt allen Außerwehlten/ ein felige froͤliche Aufferſtehungin Chriſto Jeſu verleyhen / vnd vns das ewige Leben auß Gnaden ſchen⸗ cken / vmb Jeſu Chriſti ſeines eingebornen Sons ond vnſers Erloͤſers willen / M E N. Das iſt aber einmal beymir gewiß vnd vbergewiß / daß der vnſierbliche Konig aller Konigen der Hertzos deß Lebens / dieſe außerwehlie vnd auß⸗ Gelet. Gebett. Amaͤchtiger / ewiger / barmhertziger Gott vnnd Vatter vnſers v E RR N Jeſu Chriſti: wir dancken dir von Hertzen / daß du Weylandt die hochgeborne Fuͤrſtin vnd Fraw / Fraw Chriſtinam / Graͤuin zu Erbach / vnſerer gnedigen lieben Landts Jůrſtin vielgeliebte Fraw Schweſter Chriſtſeliger Gedaͤchtnůß / von Jugend auff biß an jhr ſeliges Ende / in der heylſamen Erkandtnuß vn⸗ ſers Erloͤſers vnd Seligmachers Jeſu Chriſti / deines lieben Sohns (¶deß aller edelſten Schatzes im vimmel vnnd auff Erdenzujrer ewigen Seeligkeit gnediglich erhalten haſt. Wir bitten dich auch hertzlich / du woͤlleſt jhren trawrigen hertzliebſten hinderlaſſenen Verrn vnd Grauen / in ſolcher hohen Betrůͤbnuß / mit deinem . Geiſt troͤſten / damit er diß ſchwere Creutz in Chriſtlicher Gedult vnd Sanfftumht tragen / vñ durch ſeine gnedige Vufff ſolches außſtehen vnd vberwinden moͤge. Wir bitten dich auch jnniglich / du woͤl⸗ eſt vnſern gnedigen lieben Landtsfürſten vnnd Herrn ⸗ perrn Ludwigen / als nunmehr vnſerer ordentlichen regi⸗ ken den Chriſtlichẽ GObrigkeit / zur newen Regirung allerley Gluͤck/ Heyl vnd Segen / von deinem Himmelsthron her⸗ ber ſenden: auch die hochloͤbliche Fůͤrſtliche Widtwe / vn⸗ ſſere S. Landtsmutter / vñ die junge Verrſchafft vnd Fůrſt⸗ liche Fraͤwlein / in dieſen gefaͤhrlichen Zeiten ſchůtzen vnnd Mhirmen / ſi ſamptlich mit langwiriger Geſundtheit / mie lůͤck ſeliger Wohlfarth vnd Chriſtlicher Regirung bega⸗ ken vnd begnaͤdigen / vnnd ſie bey deinem ſeligmachenden Wort (dariñ alle himmliſche Schaͤtze verborgen liegen) rein erhalten:damit daſſelbig auch auff vnſere Nachtom⸗ nnen trewlich moͤge fortgepflantzet werden: vnd wir alſo Alerfeits / alle Tage vnſers Lebens / dir dienen moͤgen / im veyligkeit vnd Gerechtigkeit / ſo dir gefůͤllig iſt. Du woͤlleſt zch vns allen / O barmhertziger treuwer Gott / zu eit Gebett. Zeit einen Chriſtlichen ſeligen Abſchied auß dieſer Wele verlethen: vns in dein himmliſches Reich eynfůhren: vnſere Leiber zur ewigen himmliſchen derrlichkeie erwecken / vnd vns mit ewigen F̃reuden für dem Richterſtul vnſers Herrn Jeſu Chriſti erſcheinen laſſen:welcher dein geliebter Sohn / mit dir vnd dem heyligen Geiſt / lebet vndregiret / hochgelobter Sott / in alle Ewigkeit: Amen. Gedruckt zu Franckſurt am Mayn / durch Johann Spies. M. D. XCVI.