Zwo Leichpredigten) Bey dem Conduct vnd Begraͤbnis / Wes Hoch:ynd Wol⸗ gomen Graven bnnd Herꝛn / Herm Joachim der Eltern Graven / Graven zu Drtenburg ⸗ riſiſalger vnnd milter gedaͤchtnis gehalten / 2 Durch Matthiam Platonem S. lenſem Dienern deß worts Gottes zn Imberg. — —2 Gedruckt in der Cuhrf. Statt Am⸗ berg / durch Michael Forſtern. A NNO) Fſ „ oigeborn Graͤvin vnnd Frawen / Frawen Lu⸗ ria / Graͤvin zu Ortenburg / gebornen Semper freyin von Limburg Wittiben / meiner Gnedigen Frawen. S NAD / Barmhertzigkeit „ nndFriede von Gott dem Vat⸗ ter vnnd vnſerm getrewen Hey⸗ land / vnd Erloͤſer Jeſu Chriſto⸗ ſe. I — * er troͤſil nd ſampt der troſilichen vnd ſeligen gemeinſchafft deß heiligen Gei⸗ ſies / vnd mein andaͤchtig gebet / auch vntertheni⸗ ge dienſt zuvor: 3 Wolgeborne Graͤvin / Gnedige Fraiv / es ſchreiben die beyde Koͤnigliche Propheten / Da⸗ vid vnd Salomo /dz die Gottſeligen einen guten namen auff dieſe: Welt laſſen / vnd alſo deſſelben aen nterblich nnd geſegnet bleiben / alß ſalm. h. v. 6. Deß gerechten wird nimmer mehr vergeſſen. Vñ in Spruͤchẽ.jo. v.y. Oz ge⸗ daͤchtnus deß gerechten bleibet im ſegẽ. Damit vnter andu einen jeden d ein ewiges / loͤbliches⸗ 5 vnd * Vortede. vnd geſegnetes gedaͤchtnus nach ſeinem tod hin⸗ terlaſſen wil / daß er ſich der waren Gerechtigke it beyde fuͤr Gott vnd denmenſchen befleiſſen muſ⸗ ſe / zu vermahnen. Dieweil dann der Weiland Hoch: vnd Wol⸗ geborn Grave vnd Herꝛ / Her: Jvachim der El⸗ tern Graven / Grave zu Ortenburg / Chriſiſeli⸗ ger vnd loͤblicher Gedachtnus / E. G. geliebter / vnd mein Gnediger Herꝛ / mit ſeinem gebet vnnd uͤbung inn Gottes wort von hertzen / vund mit rechtem ernſi / daß er in Chriſio fuͤr Gott gerecht ſeyn / vnd dieſe auß gnaden zugerechnete Gerech⸗ tigkeit / mit recht thun / vnd guten wercken fur den leuten / ſo viel menſchlicher ſchwacheit vnnd bloͤ⸗ digkeit muglich / beweiſen / vnd alſo einen ſolchen Glauben / der durch die liebe thatig iſt / haben / den Samen deß worts Gottes in einem feinen guten hertzen bewaren / vnnd inn gedultfrucht bringen moͤchte / ſich jederzeit befliſſen / ſo iſt kein zweiffel /ſein Name / der im Himmel geſchrieben iſt / vnd ſein gedachtnus / werde auch auff Erden vnvergeſſen / vnnd im Segen bleiben. Ob nun wol ſolcher Ihrer G. Nam bey Chriſtlichen Hohen Potentaten / vnnd andern herlichen vornemen vnnd gelehrten leuten weit vnd breit wol bekant / ſehr beruͤmpt / vnnd hoch: guch lieb vnd werth gehalten worden / vnd noch / Darzu — n Vorꝛede. Dazu auch andeie Hochgelaͤtte Leutejrer G. Hi⸗ ſtoriẽ verhoffentlich herulich vnd zierlich kuͤnfftig außgehen laſſen werden / vnnd es dieſes meines geringfuͤgigen Schreibens nicht beduͤrfft hette: Jedoch weil E. G. an mich gnedig begeret / daß die bey Irer G. Conduet vnd Begraͤbnis zu Am⸗ berg vnnd Ortenburg gehaltene Leichpredig in Druck verfertigt werden moͤchten / hab E. G. ich daſſelbe nicht abſchlagen / ſondern vnterthaͤ⸗ nig gehorſamen ſollen vnd wollen. Belangend nun den beruff / dieſe Leichpredig⸗ ten zu thun / ſo iſt mir derſelbe duꝛch Ire G. lange zuvoꝛ im Churf. Schloß zu Amberg da Ihr G. michgeſegnend / angeſprochen: Wañ Ich ſterbe ⸗ ſo muſſet jhr mir dieLeichpredig thun / auffgetra⸗ gen wordẽ. Datzu bin ich zu Irer G. gen Nuͤrn⸗ berg in dero Kranckheit gefoꝛdert / vnd vomꝛ. Martii / biß auff den jo. deſſelben Monats / da Ir G. ſanfft vnd ſelig im Hermentſchlaffen / ver⸗ blieben. Vber das / weil von Ihrer G. leben vnd ſterben ich zeugen konte / von E. G. dz ich nit allein zu Amberg /ſondn auch zu Ortenburg die Leichpredigtẽ thunſolte vnd wolte / anmich gne⸗ dig geſonnen worden. Habmeinem Gnedigen Hertn / Chriſiſeliger vnd milter gedaͤchtnus vnd E. G. zu vnterthenigen Ehren vnnd gehorſam⸗ ich daſſelb / ſo viel Gott Gnad verliehen verꝛich⸗ iij ten vnd Porꝛede. ten dnnd auff weiter gnediges anhalten zum druck verfertigen / auch E. G. hiemit inn vnter⸗ thenigkeit zuſchreiben vnnd offeriren wollen vnterthenig vnnd demuͤtig bittend / E. G. Ihr dieſe ſchlechte vnnd einfaͤltige arbeit inn gnaden gefallen laſſen wolle. Der Vatter der Barmhertzigkeit vnd Gott alles troſtes wolle E. G. in dero betruͤbten Wit⸗ wenſtand / durch ſeinen heiligen Geiſt troͤſien ⸗ mit rath / verſtand vnnd huͤlffe derſelben beyſte⸗ hen / ſie beſchuͤtzen vnd fur allem vnfall bewaren ⸗ auch alle zugehoͤrigen / vnnd das gantze loͤbliche hauß der Graven zu Ortenburg / meiner gnedi⸗ gen Hertn / mit ſeiner gnad vnnd ſegen erfuͤllen. Dieſeꝛ gnad vnſeꝛs Himliſchẽ Vaꝛttes duꝛch Je⸗ ſum CHriſtum thu E. G. ſampt allen verwan⸗ ten / vnnd allen Graven vnd Graͤvin zu Orten⸗ burg /Ich / vnd derſelben mich ſampt den meinen zu beharlichen gnaden befehlen. Datum Am⸗ berg den 23. Auguſti Anno ]600. E. G⸗ vntertheniger Matthlas Plalo diener deß HErꝛn Jeſu Chriſti- Die Erſte Predigt. Denꝛ2. April. da die Graͤveliche Leich zu Amberg eingebracht. Auß der Epiſtel Pauli an die Philip. am 1. Capttel/ da der Apoſtel ſagt. — C Hwarte endlich / vnnd hoffe / a „m⸗. daß ich inn keinerlecy Stuͤck zu⸗ vec E6 ſchanden werde / ſondern daß mit e aller freudigkeit / gleich wie ſonſt allezeit / alſo auch jetzt / Chriſtus 6 hoch gepreiſet werde an meinem Leibe / es ſey durch leben / oder durch todt / denn C.Hriſtus iſt mein Leben / vnnd Sterben iſt mein Gewin. Sintemal aber im Fleiſch Leben / mir dienet Frucht zuſchaffen: ſo weiß ich nicht / welches ich erwehlen ſol / denn es lieget mir beydes hart an. Ich habe luſt abzuſcheiden / vnnd bey Ghriſto zu ſeyn / welches auch viel beſſer were. H R Geliebten im HErm Jeſu Khri⸗ ſto / es iſt allen Menſchẽ von Natur angeborn ⸗ daß ſie auff Erden nach Ehr · Gut vnd Gewin trachten / vñ allẽ fleiß darauff wenden / damit ſis jhr Leben lange eꝛhalti fuͤrch⸗ ten v—— 2 Leichpredig Graven Joachims ten ſie ſich fuͤr ſchand vnnd vnehr / fur ſchaden vnnd armut / vnd endlich zum allermetſten fuͤr dem Tode. Jemehr nun einer Ehr vnd Herꝛligkett / Reichthumb vnnd Guͤtter auff dieſer Welt erlanget / vnnd je lenger er dieſelbe bey geſun⸗ dem Letbe / vnd guttem Leben beſitzet vnd gebrauchet / je ſee⸗ liger er geruͤhmet vnd geprieſen wirt. Jeweniger er aber derſelben bekommet/vje mehr er in Verachtung / Schmach / Armut / vñ Elende ſeine zei zubringen muß / je vnſeeliger er geſchaͤtzet / vnd je mehr er vernichtet wirt. Derhalben iſt vns Chriſten hoch von noͤthen / den re⸗ chten vnterſchtedt zwiſchen der eitelen Ehr / den vergenglicht Guͤtcern / deß ſterblichen lebens: vnnd dann / der rechten Ehr / deß vnvergenglichen ſchatzes / vnd deß ewigen lebens / bey rechter zett alſo ʒu lernen / daß wir den Prediger Sald⸗ xcclel 1v. mon hören / vnnd vns berichten laſſen : Es ſey alles gantz ei⸗ tel / was vnter der Sonnen iſt / es heiſſe / Ehr /Anſehen / Reichthumb / auch das Leben ſelbſt: Vnd vns zu dem wen⸗ den / der ewig / vnſterblich / vñ vnvergenglich iſt / jhn fuͤrch⸗ xeclef: iꝛv. ken / vnd ſeine Gebot halten. Als denn werden wir zu Ehrẽ n. gemacht / in Gottes Reich / vnd mit dem rechten langen vñ ewigen leben geſaͤttiget werden. Wie wir vns nun auff Erden verhalten ſollen / daß wir ſolche Guͤtter haben vnd behalten mogen / weiſet vns der Apoſtel Paulus in den verleſenen worten / da er nicht auff ſich ſelbſt /ſondern auff Chriſtum ſiehet: nicht ſeineelgne / ſondern deß HErin Criſii Ehr ſuchet: nach ſolchem ge⸗ win trachtet / den jhm der Todt nicht nemen kan: nach ſol⸗ — verlangen hat / das da iſt bey Chriſto / ſelig vnd . er 1 * 2 Auß zu Ortenburg. 3 Auß dieſem worten aber wollen wir durch Gottes gnad jetzundt zweyerley bedencken: 1. Waß ſich Paulus in ſeinen banden zu Rom / vnd daer baldt hat ſollen auffgeopffert werden / getroͤſtet habe. 11. Was ſein einiger wuntſch vnd begierde ſeinet halben geweſen ſey. l Dm Erſten redet er alſo / daß er anzeiget / was ſein endlich warten vnd hoffen mit aller freudigkett gewe⸗ ſen ſey: Ich warte endlich / ſpricht er / vnd hoffe / daß ich in keinem ſtucke / zuſchanden werde / ſondern daß mit aller⸗ ley freudigkett / gleich wie ſonſt allezett / alſo auch jetzt /Chri⸗ fius hoch gepretſet werde anmeinem Leibe / es ſey durch Le⸗ ben / oder durch Todt. Setzet auch darnach die Vrſach dazu / vnd ſpricht weiter: Denn Chriſtus iſt mein Lehen / vñ Sterben iſt mein Gewin. Wann wir nun dieſe worte behertzigen / ſo werden wir befunden / wte Paulus nicht auff ſeinen gegenwertigen zu⸗ ſtand / auch nicht auff das / was ſich mit jhme fuͤr den Leuten / vnnd fleiſchlichen Augen wuͤrde begeben: ſondern auff den Außgang / vnd Ende fuͤr dem HErꝛn Chriſto / geſehen habe⸗ daß jhme alles zum beſten / vnnd zu ſeiner Seeligkeit dienen wuͤrde. Im deme er aber ſeines endlichen vnd aͤngſtlicht erwartens vnnd hoffens gedencket / giebt er damit zuverſte⸗ hen: daß er einen waren / vnnd lebendigen Glauben gehabt habe: denn hoffnung ohne Glauben nicht ſeyn kan / ſondern wo hoffnung iſt / da kommet dieſelbe auß dem Giauben :ja⸗ der Glaube iſt eine gewiſſe zuverſicht deß / das man hoffet⸗ vnd nicht zweyfelt an dem / das man nicht ſichet. Was A ij auch Hebrit.v6 Rem:z. v.z. Ioh. a1.v. 19. 4 Leichpredig Graven Joachims auch ſolche lebendige hoffnung zu wegen bringe / meldet er ⸗ daß er nemlich in keinerley ſtuͤck zuſchanden werde. Von dieſer art vnd eigenſchafft redet er auch Rom: . Hoffnung leſt nicht zuſchanden werden / vñ leſſet ſich ſehen intruͤbſal / ja ſie kom̃et auß truͤbſal: Denn truͤb ſal bringet gedult / gedult bringet erfahrung / erfahrung bringet hoff⸗ nung. Darumb er auch zuvor geſagt / daß er / vnd andere glaubigen dieſer vrſach halben ſich der truͤbſal ruͤhmen. So fern aber ſey es / daß er nicht ʒuſchanden werde / daß er im gegenthetl wiſſe / daß Chriſtus hoch gepreiſet werde an ſei⸗ nem Leibe / es ſey durch Leben / oder durch Todt. Alſo / ob er gleich werde durchs Schwert hingerichtet werden / vnd ſolches fuͤr der Welt ſchmehlich ſcheine / ſo ſey es jhme doch keine ſchande / weil er dardurch Chriſtum Jeſum ſo wol hoch preiſe / als er zuvor in ſeinem Leben durch ſeine Predigt ge⸗ Wann dann er das / einig vnd allein / zuvor allezelt ge⸗ ſuchet / daß Chriſtus moͤchte hochgepreiſet werden / vnd fur ſeine groͤſſeſte ehr gehalten hab / auch jetzt durch ſeinen Todt erlangen koͤnne / ſo ſey er gar freudig / vnd verſichert / daß er nicht zuſchanden werde. Er ſagt auch / daß Chriſtus an ſeinem Leibe geprelſet werde / damit zu deuten: Was jhme an ſetnem Leibe widerfahre / das ſey ein Preiß vnnd Rhum Chriſtt. Alſo redet auch Johannes in ſelnem Evangello / daß Chriſtus / da er Petro geſagt / daß jhn ein ander guͤrten vnd fuͤhren würde / da er nicht hin wolle / damit habe deuten wol⸗ len / mit welchem Tode er Gott preiſen wurde. Wann zu Ortenburg. 5 Wann mann aber das recht verſtehen will / ſo muß man die vrſach betrachten / welche alßbald darauff erzehlet wirt / da er ſpricht: Denn C. rtſtus iſt mein Leben / vnnd Sterben iſt mein Gewin. Setzet alſo beydes zuſammen ⸗ Leben / vnnd Sterben / daß er das Leben ſeines Letbes / wel⸗ ches in der Seelen iſt / jetzunder nicht / ſondern das in Chri⸗ ſio / ja Chriſtt ſelber tſt / betrachte: auch nicht das Sterben ⸗ ſo fern es das leibliche vnd zeitliche Leben wegneme / ſondern ſo fern es ino Leben fuͤhre / vnnd jhme derwegen kein ſchade ⸗ jondern gewin ſey / anſehe: Vnd wil alſo jchlieſſen: Wer mit Warhett ſagen kan: Daß Chriſius ſein Le⸗ ben / vnd Sterben ſein Gewin ſey / der iſt gewiß / daß Chri⸗ ſtus an ſeinem Leibe es ſey durch Todt oder Leben / hoch ge⸗ prieſen werde / vnnd daß er in keinerley ſtuͤck zuſchanden⸗ werde. Nun kan ich Paulus ſolches mit Warheit ſagen / daß Chriſtus mein Leben / vnd Sterben mein Gewin ſey. Derhalben bin ich auch gewiß / daß Chriſtus an mei⸗ nem Leib / es ſey durch Todt / oder durch Leben / hoch ge⸗ prieſen / vnd daß ich in keinerley ſtuͤck zuſchanden werde. Alſo erglebt er ſich auff diß endliche eꝛwarten vnd hof⸗ fen mit aller freudigkeit / dem HErꝛn Jeſu Chriſto / vnnd iſt wol zu frieden / wle es der HErꝛmit yhme machen wolle / ent⸗ wedeꝝ / daß er mit ſeinem Leben demſelben lenger diene / oder vmb jeinet willen ſein Leben laſſe / in betrachtung vnd gewiſ⸗ ſer zuverſicht / daß C Hriſtus allezett hoch an ſeinem Letbe gepretſet / vnnd er derwegen nicht zuſchanden werde: Daß er ſeinen Gewin nicht allein / well er alhte Lebe / ſon⸗ A uj dern 6 Leichpredig Graven Joachims 3. Theſ: 2. v. 16. Rom:. v. J. Rom: 1. v. ₰. Nom: 13. V 13⸗ ſondern auch / wann er ſterbe / an dem HErꝛn C.Hriſto ha⸗ be / vnd behalte / ja recht vnd vollkomlich erlange / dieweil er alſo der Sünden abſterbe / vnnd durch den Todt ins ewige leben hinein gehe · Wann ſich dann Paulus in ſeinem Leben / vnd da jh⸗ me ſein Todt gar nahe geweſt / alſo getroſtet / vnd dieſes vns zum tꝛoſt auffgeſchrieben hat / ſo ſollen wir vns deſſelbẽ recht lernen zu nutz machen. Daß wir l. mercken· Wollen wir be⸗ ſtendigen vnnd ewigen troſt haben / ſo muͤſſen wir vns pru⸗ fen / ob wir auch dieſes endliche erwarten vnd hoffen / auch ſolche freudtgkeit in vnſern Hertzen empfinden. Wannwir ſolches empfinden / ſo iſis ein gewtſſes zeichen vnd zeugnuß / daß der Heylige Geiſt in vns ſey / der ſolches gewůrcket / vnd ch wircke / vnnd daß vns Gott gewihlich lieb hat. Alſo gibt G Bit dieſe hoffnung / wie der Apoſiel ſagt: GDtt hat vns geliebet / vnd gegeben einen ewigen Troſt / vnd eine gut⸗ te hoffnung durch gnade. Darumb der Apoſtel / da er von der hoffnung in truͤbſal geſchrieben / alſo beſchleuſt: Die lie⸗ be Gottes iſt außgegoſſen in vnſere Hertzen / durch den Hey⸗ ligen Geiſt / der vns gegeben iſt. Damit wir aber ſolche hoffnung haben moͤgen / iſt von noͤthen / daß wir vns an das Wort deß Heyltgen Evangelti halten. Denn alles / was zu⸗ vor geſchrieben iſt / daß iſt vns zur Lehre vorgeſchrieben / daß wir durch gedult vnnd troſt der Schrifft / hoffnung haben · Vnd dann daß wir mii dem Gebet fleiſſig anhalten / wie vns der Apoſtel daſelbſt mit ſeinem Exempel lehret / da er ſpricht: Gott aber der hoffnung erfuͤlle euch mit allerley freude vnnd friede im Glauben / daß jhr vollige hoffnung habet durch die Krafft deß Heyltgen Geiſies. 1. So muß man die wuͤrckung ſolcher hoffnung flelſſig mercken / zu Ortenburg. — mercken / das einer wiſſen kan / er werde nimmermehr zu⸗ ſchanden werden. Alſo troſtet ſich David / vnd bittet auch g Gott darumb: HErꝛ auff dich trawe ich / laß mich nimmer⸗ yvMn mehr zuſchanden werden. Vnd im 2. Pſalm: Nach dir / HEr: / verlanget mich / mein GOTT/ch hoffe auff dich / laß mich nicht zuſchanden werden. Vnnd Eſatas ſpricht: E3o v. Ichweiß/ daß ich nicht zuſchanden werde. Damit deß m Ayoſtels Pauli Wortte uͤber ein kommen: Ich weiß / an wen ich glaube / vnnd bin gewiß / daß er mir meine beylage bewaren kan / biß an jenen Tag. Alſo fuͤhret vns Syrach zur betrachtung der Exempel rach⁊v derer / die auff G Dtt gehoffet haben / vnd ſpricht: ſehet an die Exempel der alten / wer iſt jemals zuſchanden worden ⸗ der auff jhn gehoffet hat. Vñ dieſer vrſach halben erzehle⸗ der Apoſtel an die Hebreer / die Exempel der glaubigen / die auff GOtt gehoffet / vnnd nicht zuſchanden worden ſeyn. Rom. 4.v. Vnnd in der Epiſtel an die Römer ſagt der Apoſtel / daß „. Abraham geglaubet hab auff hoffnung / da nichts zu hoffen geweſen ſey. Alſo muß ſich der Glaub mit ſolcher ſtarcken hoffnung beweiſen. Wer nun abermalmit Warheit ſolches in ſeinem Her⸗ tzen empfindet / vnd getroſt ſagen kan / der iſt gewiß Seelig/ der wird auch das / was er noch nicht ſiehet / ſondern durch Rom:1.v. hoffnung mit gedult erwartet / gewißlich erlangen. Al⸗ 24. ſo ſind die Kinder G D T T E S in der hoffnung ſee⸗ lig: Alſo handeln vnnd Wandeln auch dieſelben hie auff Erden / daß ſie durch Ehre vnd Schande / durch bö⸗ n⸗ ſe geruͤchte / vnnd gut geruͤcht: als die verfuͤhrer / vnd doch warhafftig: als die vnbekanten / Vnnd doch bekandte: j. te Tim: 4 v 0. v. 24. Luc. 1V. 33 8 Leichpredig Graven Joachims die ſterbenden / vnd die doch Leben / als dte gezuͤchtigten vnd doch nicht getoͤdtete / ſich als glaubigeiund gehorſame Glie⸗ der vnd Diener Jeſu Chriſii erweiſen. 111. Müſſen auch die glaubigen achtung darauff geben / wie es zugehe / daß ſie nicht zuſchanden werden / dann es jh⸗ nen offt auff dieſer Welt alſo gehet / daß ſie in groſſe armut⸗ vnd dar durch in verachtung gerathen / vnd wei ſie auff den lebendigen Gott hoffen / muͤhe vnnd arbett haben / vnnd ge⸗ ſchmaͤhet werden: Ja wol offentlich geſteupet / mit dem Schwert / vñ ſonſten jammerlich vñ ſchmehlich hingerichtet werden / wie Paulo vñ andern Apoſiein widerfahren: Oder ſonſten eben ſo wol / als die keine hoffnung haben ſterben muͤſſen. Derhalben folget / das bey der hoffnung dteſe freudigkett ſein muͤſſe / daß in dem allen / wie es namen haben mag / Chriſtus der HErꝛ dannoch allezeit an ſeiner glaubi⸗ gen glieder Leib hoch gepreiſet werde / es ſey durch Leben oder durch Todt: Welches alſo zugehet / wann ein glaubiger mit ſeiner Seele / vnnd allem / was in jhme it / den HErin preiſet / ſich demſelben erglebet / vnnd ſeinen Geiſt jhme alle⸗ zeit befiehlet / vnd mit ſeinem leben vnd Sterben jhme zu die⸗ nom?nvnen / vnd ſein Leib zu einem Ppffer das da lebendig / heilig⸗ vnd Gott angeneme ſey / begiebet / vnd weiß / was jhm wider⸗ fahre / das geretche Chriſto zu Ehren / vñ jhm ſelbſi zur See⸗ ligkeit / der kan freudig vnd froͤlich ſein / vnd ſich dem HErin aiſo ergeben / daß er es jhme heinſtelle / wie es jhme gefalle⸗ entweder ienger allhier zu leben / oder / diß leben zuverlaſſen · Manb. 1s. Das iſt die verleugnung vnſer ſelbſten / vnd die auffnemung deß Creutes Chriſit / dazuvns der HErtvermanei. Maith · 16. Das iſt das abſagen / davon er redet / Lucæ am 1. Alſo muſſen wir in allen dingen nicht vnſere / ſondern Chriſis zu Ortenburg. „ Chriſti Ehre ſuchen: Wenn wir das thun / ſo werden wir mit jhme zur Ehre erhaben werden. D Seelig iſt der Menſch der das verſtehet / vnd ſich darin Tag vnnd Nacht uͤbet / daß Chriſtus der HErꝛ an ſeinem Leibe hoch geprieſen werde / es ſey durch Todt oder Leben / der wirt nimmermehr zuſchanden. IV. Endlichen iſt mit ſonderbarem fleiß zu mercken / das ein jeder mit dem vertrawen / wie Paulus thut / jhme ſelbſi zueigne den HErꝛn Chriſtum / nicht allein im Leden / ſon⸗ dern auch im Sterben / vnd von grund ſeines Hertzens ſage: 5 H R J S T V S i mein Leben / vnd Sterben iſt mein ewin· Denn darauß erſcheinet der Glaube vnnd hoffnung / wenn man ſich einig vnnd allein an den HErꝛn C.Hriſtum helt / vnd von jhme nicht leſſet / ſondern gewiß iſt / wenn der⸗ ſelbe vnſer iſt/ ſo kan es vns nimmermehr uͤbel gehen: ſon⸗ dern ſo lange Chriſius lebet / werden wir gewißlich auch le⸗ ben / vnd eben das / das ſonſt vns deß lebens beraubet / můſſs vns zum Leben helffen vnd bringen. Darumb iſt diß die Prob eines glaubigen Chriſten / daß er das im Leben vnd im Sterben getroſt vnnd vnerſchrocken bezeuge: Chriſtus iſt mein Leben. Daß Chriſtus das Leben ſey / kan kein Teuffel laugnen / das kan kein vnglaube vmbſtoſſen. Aber niemand hat Nutz vnd Troſt davon / es ſey denn / daß er ſa⸗ gen koͤnne mit rechtem vertrawen: C H RJSTVSiſi mein Leben. Gal: v.20. Alſo muß ein jeglicher dieſe vnd die andern wortepdu⸗ lt /jhme ſelbſt ʒuetgnen / da er ſaget: Ich lebe / aber doch nun nicht ich / ſondern Chriſius Lebet mir; Denn was ich jetzt lebe 10 Leichpredig Graven Joachims lebe im fleiſch / das lebe ich dem Glauben deß Sohns Gol⸗ tes / der mich gellebet hat / vñſich ſelbſt fur mich dargegeben. Durch ſolchen Glauben kan der Menſch lebendigen Troſi ⸗ vnd rechte Krafft haben wider den Todt / vnd im Todt das 1b41 Leben behalten / daß er ſaget: C Hriſtus iſt mein Leben / der lebet: alſo weiß ich / dah ich auch Leben werde. Daß aber dieſer Troſt nicht allein im leben were / ſon⸗ dern auch als denn recht krefftig vnd beſtendig ſey / wenn die glaubigen ſierben ſollen / ſihet man auß den folgenden wor⸗ ten / da er ſagt: Sterben iſtmein Geſpin. Wann einer ſeine vernunfft fraget: vnnd nach dem Fleiſch vrthet⸗ let / ſo findet er / daß das Sterben ſchad vnnd verluſt ſey/ dieweil es den Menſchen von allem deme / daß jhme auff Erden lieb iſt / wegreiſſet/ vnnd das aller beſte / nemlich das Leben nimmet. Denn wie ſol das Gewin ſeyn wenn man verleuret das einem lieb iſt? Wenn man vmb ſeine Guͤtter kommet? Was iſt nun dem Menſchen lieber als ſeyn Leben? Was kan er auff der Welt beſſers haben ⸗ als das Leben ? Sol nun ein Menſch von Hertzen ſagen / das Sterben ſein Gewin ſey / ſo muh ein Leben in jhme ſeyn⸗ das ſich fuͤrm Tode nicht furchtet/daruͤber der Todt nicht Herꝛſchen kan / das iſt C.Hriſtus / der glaubigen Leben durch ſeinen Heyligen Geiſt. Nach dieſem Gewin ſol ja bil⸗ lich ein jeder trachten / daß er denſelben haben vnnd behalten moge: Denn es muß doch dazu kommen / daß ein jeder dar⸗ ben wirt. Wann nun einer die gantze Welt gewinnt *s pnnd an ſeiner Seelen ſchaden litte/ was hulffe ſolches den Menſchen⸗ Wie der H ERR CHRJSTVS ſpricht Matth: am 1 · Derhal⸗ — ſollet euch nicht Schaͤtze ſamlen auff Erden / da ſie die Mot⸗ zu Ortenburg. n Derhalben iſt von nothen / das ein jeglicher dleſer up6n trewhertzigen vermanung Chriſtt fleiſſig nachdencke: Ihr „. ſ ten / vnnd der Roſt freſſen / vnnd da die Ditebe nachgraben vnnd ſtelen. Samlet euch aber Schätze im Himmel / da 6 ſie weder Motten noch Roſt freſſen / vnnd da die Dtebe nicht 3 nachgraben noch ſtelen: ¶ Denn wo ewer Schatz iſt / da iß auch ewer Hertz. Wer mun dieſen Schatz / wie thewer vnd koſtlich der⸗ ſelbe iſt / recht erkennet / vnd gelernet hat / der wirt je lenger je mehr nach demſelben verlangen haben / alles gar gern ver⸗ laſſen / ja alles auff Erden fur ſchaden vnd dreck halten / auff daß er Chriſtum gewinne / vnd in jhm erfunden werde / wirt vergeſſen was dahinden iſi / vnd ſich ſtrecken nach dem / was da fornen iſt / vnnd nachjagen dem fuͤrgeſteckten ziel / nach dem Kletd / das vns fuͤrhelt die himliſche beruffung GDttes tn Chriſto Jeſu / wie Paulus redet. Alſo findet ein jeg⸗ K licher glaubiger / daß Sterben ſein Gewin iſt / wann Chriſius ſein Leben iſt. Vnd iſt alſo der Herꝛ Chriſtus eines jeglichen glaubt⸗ gen Gewin im Leben vnd Sterben / weil ein jeglicher glau⸗ biger weiß / vnnd getroſt ſagen kan: Lebe ich / ſo lebe ich dem HErin: ſterbe ich / ſo ſterbe ich dem HErin: darumb / ich mv lebe oder ſterbe/ ſo bin ich deß H E RR N. Denn darzu iſt C H RJ S T V Sgeſtorben / vnnd wider aufferſtan⸗ den / vnd widerumb lebendig worden / daß er uͤber Todte vnd kebendige HErꝛ ſey. Das ſol nun vnſer aller flei / vnd ſteteige ſorge ſeyn⸗ daß wir dieſes recht faſſen / vnd verſiehen moͤgen · Biü Selig 11 Leichpredig Graven Joachims Selig ſind nun alle / die diß recht wiſſen / dieſelben wokez va ſeynd auß dem Tode ins Leben hindurch gebrungen. Nie⸗ &1ov as. mand wirt dieſelben auß der Hand JEſu C. Hriſti vnd ſeines om1v Vatters reiſſen. Niemand wirt ſie von der ltebe GDttes/ „. die in Chriſto Jeſu iſt / ſcheiden. Vnd ſo viel vom Erſten: jetzund folget das ander ſtůck. II. 8 Dn dem wuntſch deß Apoſtels / wornach er ſeineini⸗ ges verlangen gehabt hab / wenn er bedencke / was im viel beſſer were / davoner alſo ſpricht: Sintemal im Fleiſch Leben dienet mehr frucht zuſchaffen: So weiß ich nicht / welches ich erwehlen ſol / denn es lieget mir beydes hart an: Ich hab luſt abzu⸗ ſcheiden / vnd bey Chriſto zu ſeyn. Denn weller ſich dem Herten gantz vnd gar ergeben / vnd in ſeinen willen geſtellet / wie ers mit jhme machen wolhe / entweder daß er lenger den Philippern / vnd andern Chriſten mit dem Wort deß Evangelii diene / oder auß dieſem Leben ſcheide / ſo finde er bey ſich ſelbſt / daß er durch die gnade Chriſti in ſeinem Le⸗ den nutz ſchaffen könne / vnnd es derhalben noͤtiger ſey im Fleiſch leben vmb jhrent willen. Wenn er aber bedencke⸗ was zum liebſien were / ſo begere er nicht lenger zu le⸗ ben / ſondern dieſe Welt durch den Todt zuverlaſſe. Durch das Leben im Fleiſch verſtehet er das natuͤrliche vnd leibliche Leben / das durch einwohnung der Seelen dem Leib vnnd Fleiſch mitgethetlet wirt / daß das Fleiſch Leben konne / wel⸗ ches auffhoͤret / wenn die Seel auß dem Leib fehret / vnd als denn daß Fleiſch ſierben vnd verweſen muß In ——— zu Ortenburg. In ſeinem wuntſch aber faſſet er zweyerley ʒuſammen⸗ dä zuer luſt habe / als1. Abzuſcheiden. 2. Bey Chriſto zu ſeyn: nennet ſelnen Todt einen abſcheid / damit anzudeuten: wann man heimkommen wolle zu dem rechtem himliſchen Vatterlande / ſo muͤſſe dieſer abſcheid vor hergehen. Vnd iſt eigentlich dieſes wortts dz in der Hauptſprach gebrauchet wirt / verſtand dieſer: daß es mit jhme vnnd mit allen Men⸗ ſchen ſtehe / wie mit den Schiffleuten / wenn dieſelben fort fahren / vnnd an den gewuntſchten ort vnnd Port gelangen wollen / ſo muͤſſen ſie uͤhers Meer fahren: wann ſie aber fah⸗ ren wollen / muͤſſen ſie jhre Setle auffloͤſen. Alſo wenn ein Menſch gelangen wolle ʒu ſeinem Vatterlande / ſo muͤſ⸗ ſe er uͤber das Meer deß Todes: wolle er aber daruͤber fahren / ſo muͤſſe er die Seile loß machen / ja ſelbſt auffgeloͤſet werden ⸗ das Leib vnd Seele von einander ſcheide / vnd er alſo zu dem gewuͤntſchten ort der Seeligkett gelange. Dieweil aber in dieſem allein die Seeligkeit nicht beſte⸗ het / ſo ſetzt er das ander hinzu / damit er nicht allein begere dieſes / was er gehabt / zuverlaſſen / ſondern zum rechten zweck vnd ʒiel ſein verlangen habe / das ſey der HEr: Chri⸗ ſtus / bey demſelben hab er luſt zu ſein / auff daß er alſo vol⸗ koͤmlich / was er bißher geglaubet vnd gehoffet / beſitzen vnd genteſſen möge. Denn ob er woll bißher bey Chriſto ge⸗ weſt / vnd Chriſtum bey ſich gehabt habe / ſo ſey doch das nichtim ſchawen / ſondern im Glauben geſchehen: ſo ſey ex doch hie ein Frembdling vnd Pilgram / vnnd noch nicht da⸗ eim geweſt. Trage derwegen ein ſehniichs verlangen / aß er bey dem HErin daheim im Vatterlande / im Hauß deß HErsn ſeyn / vnd daſelbſt erquicket / vnd erfreuet werden moge. Bj 2oß 3 Leichpredig Graven Joachims Auß dieſen Worten vernemen wir nun / wie ſich alle glaubige vnnd fromme Hertzen erzeigen můſſen / wann ſie mit der Warheit beweiſen wollen / das C H RJSTVS jhr Leben / vnnd Sterben jhr Gewin ſey / nemlich / daß ſie jhren zuſtandt auff Erden recht behertzigen / vnnd daruͤber deß lebens můde vnnd ſatt werden / auch darnach trachten vnnd verlangen haben / daß es jhnen beſtendig vnnd ewig woll gehen werde. Vnd l. Sollen wir gegen einander halten den wuntſch der vnglaubigen Weltkinder / vnnd der glaubigen Kinder Gottes. Die Weltkinder wuͤniſchen jhnen auff Erden in Wolluſten fur vnnd fur zu leben / mogen vom Tode nicht Kenn. hören: Dder / da in ihnen der Wurm deß boͤſen gewiſſens⸗ vnaq; eum denmnicht ſtirbet auffwachet / vnnd das Fewer / das nit ver⸗ gemufu leſchet / brennend wird / wuͤntſchen ſie den Todt auß vnge⸗ dult vnd verzweiffelung / fahren auch dahin mit ach vnd we⸗ he / ohne troſt / fried vnd freude. Die Glaubigen aber haben hertzlich verkangen / daß ſie von dem Leibe dieſes Todes moͤgen erloͤſet werden / ſeuff⸗ nom:7.v. tzen vnnd klagen mit Paulo: Ich elender Menſch / wer 2 will mich erlöſen von dem Leibe dieſes Todes: Ich habe 1 abzuſchetben / vnnd bey Chriſto zu ſeyn: Vnndjemehꝛ das ſtuͤndlein herbey kommet / je mehr ſie ſich daruͤber frewẽ ⸗ vnnd mit dem alten Simeon ſagen: HErꝛ / Nun leſſeſtu deinen Diener im Friede fahren ⸗ Wie du geſagt haſt. Denn meine Augen haben deinen Hetland geſehen. Mit fried vnd freud ich fahr dahin ⸗ In Gottes willen: Getroſt iſt mir mein Hertz vnd Sinn ⸗ Sanfft vnd ſiille ⸗ Wie zu Ortenburg. 6 Wie Gott mir verheiſſen hat / Der Todt iſt mein ſchlaff worden. Denn ob ſie wol auch Fleiſch vnnd Blut haben / wie die andern / vnnd ſich jhre Natur fuͤr dem Tode / der wider die Natur / vnd der Suͤnden ſold iſi /Furchtet vnnd entſetzet: ſo uͤberwinden ſie doch jhr Fleiſch / vnd die furcht deß Todes durch den lebendigmachenden vnnd Heyligen Geiſt / der in jhnen wonet / ſie troſtet vnd erfreuet vnd bekrefftiget / daß ſie recht verſtehen vnd wiſſen / wozu jhnen der Todt nůtzlich vñ dienſtlich ſey / vnnd wohin ſie endlich durch den Todt ge⸗ langen · So laſſet vns nun bey dteſem wuntſch ſolches welter beſehen: da wirt vns gezeiget / I. Das vnſer Todt ein ab⸗ ſcheid ſey / vnnd alle glaubigen erinnert / daß ſie hie auff Erden im elende ſein / mancherley Widerwertigkeit vnnd Truͤbſal vnterworffen / vnd davon nicht eher frey werden koͤnnen / es ſey denn daß ſie von hinnen ſcheiden. Daß ſie zu dem ſchoͤnen Luſtgarten deß Himliſchen Paradeiß nicht kommen koͤnnen / es ſey denn / daß ſie ʒuvor uͤber das Meer deß Todes hinuͤber fahren / vnnd gehe jhnen / wie Moſi⸗ der ʒwar das gelobte Land von ferne ſahe / aber in daſſelbe nit kommen konte: Joſua aber / vñ Caleb neben den andern/ die durch den Jordan glengen / dahinem kamen. Alſo muſſẽ auch wir durch den Todt ins ewigelebẽ hinein gehen. Diſes deutet der HErꝛ Jeſus / da er ſpricht: Ich muß mich zuvor Tauffen laſſen mit einer Tauffe: Vñ / wie iſt mir ſo bange / biß ſie vollendet werde. Solches wirt vns vnter andern auch fuͤrgebildet durch vnſer Tauffe / daß wir auß die⸗ ſer Welt / gleich wie durchs Waſſer / oder uͤber das Waſſer hinauß / vñ von htůen abſcheiden muͤſſen / vñ daß wir / wie 6 50. Ad 17. v. 28. Matth⸗22. v. 20. 10h:14. v. 18. 23. Epheſ:z. v. 17. 1. 1oh3. v. a4&4V. 13. Ioh. 1. v.I. 16 Leichpredig Graven Joachims ſer Leib vnd Seel miteinander verbunden / vnd vereiniget / das diß Band von einander muͤſſe durch den Todt geriſſen werden / wann wir daſſelbe in ewigkett gantz vnd vnzerꝛiſſen haben wollen. Wann wir vns nun in dieſer betrachtung fleiſſig uͤben ⸗ ſo muſſen wir. Zum andern ) wohin vns das abſcheiden fuͤhret / behertzigen nemlich zum HErꝛn Chriſto / daß wir bey demſelben ſeyn moͤgen. Alſo iſt von noͤthen / daß wir hie bedencken / wie wir bey Chriſto ſeyn / vnd wie wir zu demſel⸗ ben kommen / vnd bey jhm ſein werden . Wir ſeyn alhter bey Chriſto / vnnd in Chriſto / weil er mit dem Vatter wahrer Gott iſt / wegen der furſehung Gotr⸗ tes / Davon Paulus redet: In jhm leben / weben vnd ſeynd wir. II. Weil vns der HEr: CHriſtus verheiſſen hat: Sthe / Ich bin bey euch alle tage biß ans Ende der Welt. Vndich wil euch nicht Waiſen laſſen / ich komme zu euch / wer mich liebet / der wirt meine worte halten / vnd mein Vatter wirt ihn lleben / vnd wir werden zu jhm kommen / vnnd wonung bey jhm machen · ¶ Alſo wonet Chriſtus durch den Glauben in vnſern Hertzen / welches geſchicht durch bey: vnnd ein⸗ wonung deß Heyligen Geiſtes / wie Johannes ſchreibet: da⸗ ran erkennen wir / daß er in vns bleibet / an dem Geiſt / den er vns gegeben hat. Vnnd daran erkennen wir / daß wir in jhm bleiben / vnnd er in vns von ſeinem Geiſt gegeben hat. Wer nun den Geiſt Ehriſti hat / vnd in dem Chriſius iſt / der iſt zweiffels ohn bey dem HErꝛn Chriſto: welches Chriſtus durch ſeine troſiliche Predigt / daß er der rechte Weinſtock ſey / vnnd wir die Reben / daß wir in jhm bleiben / vnnd er in vns bleibe / vns verheiſſt. Daher die Glaubigen mie rechter „ „—.— — — — — zu Ortenburg. 1. rechter freudigkeit ſprechen: Vnſer wandel iſt im Himmel: „ vñ alſo ſuchen was droben iſt / vnd nicht was auff Erden iſf. colol:.v. Wie ſeynd wir aber noch nicht bey Chriſto? Darauff . iſt die Antwort auß dieſem wuntſch Pault leichtlich zugeben ⸗ nemlich alſo: Daß vnſere Seele noch im Leibe gleichſam ge⸗ fangen / vnnd im Grabe iſt: Darnach auch / daß vnſer Leib noch ſterblich vnnd verweßlich. Diß hat Paulus nach der lenge beſchrteben /2. Cor. . Vnnd vnſern zuſtand mit vn⸗ ſern lelbern verglichen einer bawfelligen vnd zerbrechlichen * Sort. Hůtten / darinnen wir wonen / die da werde nidergeriſſen / vnd vns dagegen ein Hauß / das herꝛlich vnd ʒierlich iſt / zu⸗ gerichtet werde im Himmel: Darnach einem alten beſudel⸗ ten / vnd zeruſſenen Kleide / das wir auß ziehen / vnnd able⸗ gen muͤſſen / damit wir ei newes ſchoͤnes vnnd reines Kleid bekommen mogen. Erzehlet auch / wie er vnd andere glaublgen uͤber dem⸗ ſelbigen ſich ſehnen / nach vnſer behauſſung / die vom Him mel iſt / vnnd vns verlanget / daß wir damit uͤber kleidet wer⸗ den / ſo doch / wow r bekleidet / vñ nit bloß erfunden werden. Widerholet das ſehnen noch ein mal vnd ſpricht: Dte⸗ weil wir in der Hůtten ſein / ſehnen wir vns / vnnd ſind be⸗ ſchweret / ſintemal wir wolten lieber nicht entkleidet / ſon/ v„. dern uͤberkleidet werden / auff daß das ſterbliche wuͤrde ver⸗ ſchlungen von dem Leben. Er verſchweiget auch nicht ⸗ woher ſolches komme / da er ſaget: der vns aber zu demſel⸗ bigen bereittet / das iſt Gott / der vns das Pfand / den Geiſt v gegeben hat: Vnd wetter: wie wir noch nicht beym HErꝛin ſein / ſondern zu jhm eilen: Wir ſeynd getroſt allezeit / vnnd wiſſen / dah / dieweil wir im Leibe wonen / ſo wallen wir dem HErin / denn wir wandeln im glauben / vnd nie im ſchawen. * Wir ſind aber getroſt / vnnd haben vlel mehr luſt auſſer dem Lethe zu wallen / vnd daheim zu ſein dem HErin 1 v. 9. Lue: 23. v. 42. 18 Leichpredig Graven Joachims lich weß ſie ſich befleiſſen darum̃ / ſpricht er / fleiſſigẽ wir vns auch / wir ſeynd daheim / oder wallẽ / daß wujhm wolgefallen. Auß dieſen worten vernemen wir außdruͤcklich / daß wir vom HErꝛn wallen / vnnd noch nicht dahelm bey dem Herꝛn ſein / dleweſl wir im Glauben / vñ nit im ſchauen wan⸗ deln. Alßdan aber kommen wir heim / weñ vnſere Selen auß dem Leibe fahren / vnnd der leib ſtirbet / weil vnſere Sele als dann zu Chriſto jhrem Haupt genommen wird · Solches verheiſſet der HEr:Chriſtus dem Schecher“ der da bat / Herꝛ / gedencke mein / wenn du in dein Reich kom⸗ meſt / vnnd jpricht: Warlich / ich ſage dir / Heut wirſtu mit mir im Paradiß ſein. Daßiſt ein herꝛlicher troſt / daß ein jeder glaubiger deß gewiß iſt vnnd empfindet / daß jhn G OBtt durch ſeinen Heyltgen Geiſt dazu bereittet / vnnd ge⸗ troſt machet / daß er diß ſehnen / verlangen / vnnd wuͤntſchen in ſeinem Hertzen fuͤhlet / vnnd welß / wenn ſeine Sele auß dem Leibe fahre / daß ſie nicht an den ort der Quale mit dem Reichen Man / auch nicht ins Fegfeuer / ſondern ins Pa⸗ radiß / vnnd in den Himmel komme zu dem HErꝛn JEſu Chriſto. Wer nun dieſen Troſt vnnd wuntſch in ſeinem Her⸗ tzen empfindet / der wirt ſich fuͤr dem Tode nicht allein nicht fuͤrchten: Sondern / wenn derſelbe kommet / damtt al⸗ le bitterkelt vnnd ſchrecken / vnnd ſchmertzen deſſelben ver⸗ trelben / daß derſelbe vns von dem H E RR N CHriſto nicht allein nicht ſcheiden koͤnne / ſondern vns zu demſel⸗ ben helffen vnnd bringen muͤſſe. Derſelbe wirt auch alſo ſein Leben vnnd Wandel faͤhren / daß er dem HErin möge wolgefallen. Das iſt das Erſte / wie wir bey CH RJS TD ſein werden: Darnach / zum Andern/ wei ſolche glaubigen gleichwol Sterben / jhr Leib ins grab geleget / vnnd darin verweſen muß / wie konnen ſie denn gewh ſein / daß ſie bey Chriſto / wenn ſie Sterben / ſeln b n zu Ortenburg.. 12 den? Antwort: Alſo / daß ſie wiſſen / well GPites Sohn nicht allein eine Seele / ſondern auch einen Leib angenom̃en ⸗ . ja / ſeinen Leib fuͤr ſie in den Todt gegeben / vnd den Leih wi⸗ ¹ der von den Todten aufferweckt hat / vnd nicht allein mit der Seele / ſondern mit Leib vnd Seel in den Himmel gefahren ⸗ 1 vnnd daſelbſt vns die Staͤtte bereittet hat / auch mit Leib vñ Ioh:1z va. Seele auß dem Himmel wider kommen / vnnd vns mit Leitb 4 vnnd Seele zu ſich nemen werde / daß wir da ſein ſollen / 5, da er iſt. So muͤſſe folgen / daß vnſer Lecb / der ſo theu⸗ er durch den Htyligen Leib / vnd das theure Blut CH R J⸗ S T Jeerkaufft iſt / im grabe vnnd Tode nicht bleiben koͤn⸗ ne / ſondern widerumb auß dem ſtaube aufferweckt / wider mit ſeiner Seelen vereiniget / vnnd dem herꝛlichen Letb 1 Chriſtigleichfoͤrmig gemacht werde. — . — Davon hat der HER R C. RJS E VS gar offte im Heyligen Evangelio / ſonderlich Johannis am . Cap: geprediget / da er denen / die jhn als das Brot GOt⸗ tes / vnd deß Lebens / das vom Himmel kommen / vnnd der Welt das Leben gibet / die ſein Fleiſch Eſſen / vnd ſeln Blut trincken / nicht allein das ewige Leben an jhren Seelen verhetſſet / ſondern jhnen auch etliche mal widerholend zu ſaget / daß er ſie aufferwecken werde am Juͤngſfen Tag ⸗ daß er auch dieſelben uls denn zu ſich nemen wolle / daß ſie da ſein / da er il“ verheiſſet. Birtet auch ſeinen 1½ 46 Vatter gar inbrunſtig darumb: Vatter / ich wil / das wo ich bin / auch die bey mir ſein / die du mir gegeben haſt / daß ſie meine herꝛligkelt ſehen / die du mir gegeben haſt. Davon ſchreibet Paulus / vnnd ſpricht: So Rom:.v. CH RJS TVS m euch iſt / ſo iſt der Letb zwar Todt 0 vmb der Suͤnden willen: Der Geiſt aber iſt das Leben vmb der Gerechtigkeit willen. So nun der Geiſt deß / der JEſum von den Todten aufferwecket hat / in uch wonet Ciij ſo wirt loh: 6. . —— 6 20 Leichpredig Graven Joachims ſo wirt auch derſelbige / der Chriſtum von den Todten auff⸗ erwecket hat / ewer ſterbliche Leibe lebendig machen / vmb deß willen / daß ſein Geiſi in euch wonet. Vnd nach der lenge 1. Cor. 1f. vnd 1. Theſ: 4. wie der HErꝛ werde widerkom⸗ men / vnd vns zu ſich nemen / daß wir da ſein ſollen / da er iſt/ vnd ſpricht: So wir glauben / daß Jeſus geſtorben vnd auff⸗ erſtanden iſi: alſo wirt GOtt auch die da eneſchlaffen ſind durch Jeſum / mit jhm fuͤhren⸗ Vnd bald darnach: Er ſelbſt der HErꝛ wirtmit einem Feldgeſchrey / vnnd Stimme deß Ertzengels / vnnd mit der Poſaun G Dttes hernider kommen von Himmel / vnnd die Todten in Chriſto werden aufferſtehen zu erſt / darnach wir ⸗ die wir Leben / vnnd uͤberbleiben /werden zugleich mit denſel⸗ bigen hingezuckt werden in den Wolcken / dem HErn eni⸗ gegen in der lufft / vnnd werden alſo bey dem HErꝛn ſein al⸗ iezet. Sotroͤſtet euch nun mit dieſen Worten vnterein⸗ ander⸗ Wer nun in dieſem Leben ſolchen lebendigen Troſi haben / mit Fried vnnd Freud auß dieſem Jammerthal ab⸗ ſcheiden wil / der muß dieſen wuntſch Pault fieiſſig erwegẽ⸗ ſein luſt vnnd Freud an dem HErꝛn Chriſto haben / daßer demſelbigen anhange mit warem Glauben / ſieiffer hoffnũg ⸗ vnd inbruͤnſtiger liebe / vnnd ſich darnach ſehnen / dah er zu demſelben kommen / vnnd bey jhm q ſötſeis möge. Das iſt die rechte Sanoje, daß man wapnſd Selig ſterben koönne / welche alle Chriſten wuͤntſchen ſollen Darauff auch die . Das lſt/ Die Vnſterbligket / in der Ewigen Seeligkelt wirt erfolgen. Dieſe wort / wie ſie an iynen ſelbſten ſehr troͤſilich ſein / vnd darumb bey Leichpredigten billich ſollen betrachtet werden / habẽ wir darum̃ deſto lieber zu diſer Predigt fur vns nemen wollen / dieweil der weyland wolgeborne Graff vnd Her: / Herꝛ Joachim der Eitern Graven / Graffzu Drten⸗ burg /Chriſtſeliger vñ loͤblicher gedechtuuß / deſſen Conduet 2 wi — * — — — —— — — — zu Ortenburg. 2) wir jetzt haleẽ / fich mit denſelbẽ in ſeiner Krantkheit hertzlich getroͤſtet / vñ mit freudigkeit in deutſcher ſprach offt widerho⸗ iet: Ihriſius iſi mein Leben / Vnnd Sterben iſi mein Gewin. In lateiniſcher ſprach aber die andern: Cupio diſſolvi, & eſſecum CHRlSTO: Ich begere auff⸗ geloſet zu werden / oder ich habe luſt abzuſcheiden / vnnd bey Chriſio zu ſein. Was nun jhr G. wandel anbelanget / iſt daſſelbe bey dieſer Chriſtlichen Gemein / vnd gantzen loͤblichen Buͤrger⸗ ſchafft / (ſintemal jhr G. Churfuͤrſtlicher Pfaltz Vicedom üͤber ſechs Jahr alhie geweſen ) nicht vnbekand / vnnd nicht noth viel davon zureden. Weil man gleichwol an jhr G⸗ ein Exempel der waren GVttes furcht / beyde / was deß Glaubens bekantniß / mit dem gehor Göͤttliches worts ⸗ vnd gebrauch der Heyligen Satramenten: vnnd dann das Leben / beyde / die Ampts verwaltung / vnnd ſonſten anders handlungen antriefft: kan / vñ muß manmit Warheit jhrer G. dz zeugnuß geben / daß ſie die Predigten fleiſſig beſuchei: das Heylige Abendmaimit Chriſtlicher andacht / ſo offt daſ⸗ ſelbe gehalten wor den / neben andern Chriſten gebrauchet ⸗ vnd damit maͤnniglichen ein gut Exempel gegeben haben · Vnnd ob wol jhr G.jhre ſchwachhett vnnd gebrechen gehabt / wie dqnn niemand hie auff Erden ſo gerecht vnnd from iſt / daß er nicht ſuͤndige: ſo hat doch jhr G. den ernſi⸗ lichen fuͤrſatz gehabt / eine gutte Ritterſchafft zuuͤben / glau⸗ hen / vnd gut gewiſſen zubehalten / vnnd GDtt vmbgnade deß Heyligen Geiſtes ohn vnterlaß angeruffen⸗ Das heylige Predigampt in groſſen ehren gehalten⸗ Gerechtigkeit vñ Tugend lieb gehabt / vnd ſich der frommen treulich angenommen / Wiltiben / Wayſen / vnnd Armen mitleidenlich vnd gerne geholffen / vnnd ſich ſonſt der Gott⸗ ſeligkei vnd auffricheigkett neben andern Tugenden / damit andern fůrzuleuchten / befliſſen. Vnnd weil es dem lieben GHtt in ſeinem allein Weyſen / vnnd gutten Raht alſo ge⸗ Cui fallen/ 22 Leichpredig Graven Joachims fallen / daß jhr G · durch viel trubſal geuͤbet / derſelben glau⸗ be / gedult vnnd beſtendigkeit beweret wuͤrde / hat dieſelbe ſolches ve n der hand deß HErtn / ſich lelbſt uͤberwindende / mit gedult angenommen / vnnd ſolch Joch deß HErin eine lange zeit getragen. Es hat gleichwol jhr G. im Creus vñ widerwertigkeie die Treue / Liebe / huͤlffe vnd Beyſtand deß. HErimn erfahren / daß er die ſeinen nicht laſſe verſuchen uͤber yhr vermogen / ſon⸗ dern ſolchen außgang mache / daß ſie es ertragen koͤnnen. Denn ſein G. durch G D Ttes gnade vnnd Krafft ſo lange erhalten / daß ſie dennoch mit jhrem Leben uͤber 6o. Jahr ⸗ mit geſundem Leib kommen / vnnd faſt das yo. Jahr erꝛel⸗ chet haben / vnnd alſo vnter denen einer ſein ſollen / die da ſa⸗ gen auß dem ↄo . Pſalm: Vnſer leben weret 70. Jahr⸗ vnnd wenns koͤſtlich geweſen iſt / ſo iſts muͤhe vnnd arbet geweſen. Da mun ihrer G. lauff zum Ende har eylen / vnnd die zeit jhres abſchetdes herbey kommen ſollen / hat der liebe G D T T dteſelbe mit leibes ſchwachheit beladen⸗ aber doch in derſelben gutten verſtand verltehen vnnd er⸗ halten / darneben / auch dieſe gnade gegeben / daß dieſelbe gerne gebetet / vnnd jhre luſt am leſen Göttliches Worts⸗ Sonderlich aber der Pſalmen Davids / vnnd anderer geiſtreichen Gebeten / gehabt haben. Vnnd weil dey jhrer G. ich biß in die dritte woche in der Kranckhett auffgewartet / haben dieſelbe neben den Pſalmen Davids⸗ vnnd dem Gebet HErin Fberi: HErz JEſu Chriſt war Menſch vnnd G D TT./ꝛc. dieſe drey Lateiniſche Gebet⸗ als deß H E R R N Toßani, fuͤr Gottſeltge alte Leuteꝛ Vnnd HErꝛn Eraſmi Roterodami eines in trůbſeltgken⸗ das ander / in ſchwerer Kranckhett / von mir / wie auch von andern jhrer G. Dienern / bey Tag vnnd bey Nacht be⸗ geret jhr fuͤrzuleſen / wir auch jhr G. dieſelben jhr and zu Ortenburg. 23 bekand gemacht / daß ſie dieſelben außwendig gekoͤnt haben. Damit )hr G. bezeuget / daß ſie jhr alter / ſchwachheit⸗ vnnd den herbey nahenden Todt empfinden / jhr vertrauen auff den lebendigen Gott / der ſie auß Mutter Leib gezogen / vnnd biß ins alter erhalten / geſetzet habe / vnnd demſelben weitter vertraue / daß er ſie erhalten werde biß ans En⸗ de: Sich demſelben in ſeinen willen ergebe / lenger auff Erden zu Leben / vnnd jhme zu dienen / oder diß Leben zu⸗ verlaſſen / mit dieſem beſtendigen Glauben: Daß die Secle zu CH RJ S T D jhrem Haupt auffgenommen / vnnd das Fleiſch zur ewigen freude werde aufferweckt werden: vññ vergebung der Suͤnden / linderung deß Creutzes / gedult / vnnd beſtendtgkeit G D E T treulich angeruffen / deß i CH R J S TJ ſich getröſtet / vnnd Ge⸗ eten: Wann ſeine Zunge nlcht mehr reden koͤnne / daß doch ſein Hertz ohn vnterlaß / vnd beſtendig ſchreyen moge: Herꝛ⸗ in deine Haͤnde befehle ich meinem Geiſt. Es hat auch jhr G. jhr Bekantnuß in bey ſein jhr G. Gemahlin / auch anderer zugehoͤrigen vnd Freunden / fůr ihrem gantzem Haußgeſinde alſo gethan / nach anweyſung vnſers Chriſtlichen Catechtſml / daß ſie zwar wegen der Kranckheit ſchwerlich / vnd nicht lange reden koͤnnen: Aber an mich gnedig begeret / ſolches an jhrer ſtat ʒuvertchten / vñ auff ein jedes / von jhrem Elende / Erloͤſung / vñ Danckhar⸗ keit / daß das jhre meinung vnnd belaniniß ſey / mit Ja ver⸗ ſtendlich vnnd hertzlich geantwortet / daß ſie jhre Suͤnde er⸗ kennen / vñ bekeñen / daneben wiſtẽ /Chriſtus der Herꝛ ſey vm̃ jhrer Suͤnden willen dahin gegeben / vnnd vmb jhrer Ge⸗ rechtigkeit willen wider aufferweckt / der hab ſeinen Leib fur ſie auffgeopffert / vnnd ſein Blut fuͤr ſie vergoſſen / der ſev jhrer Seelen Speth vnnd Tranck / dadurch dieſelbe trhalten vnnd erquicket werde zum ewigen Leben Der Heylige 24 Leichpredig Graven Joachims Heylige Geiſt verſiegele vnnd bekroͤfftige daſſelbe in jhrem Hertzen / daß ſie G Vetes Reind / vnnd Erbe ſeyn / vnnd blet⸗ den werde / durch Jeſum Chrifum. Wolle alſodem lieben Gott mit gedult außhalten / jhn anruffen vmb beſtaͤndigkeit ⸗ auch allen / von denen ſie belatdiget vnd betruͤbet / von Her⸗ tzen verzelhen: Die ſeinen vmb verzethung vmb GO Ttes willen gebetten / geſegnet / vnd alle ſeine liebe Bruͤder vnnd Freunde reſpective zuſegnen befohlen . Darauff wir G OTTdem HErn lob vnnd danck ge⸗ ſaget / vnnd jhnim Namen Jeſu Chriſtt angeruffen / daßer durch ſeinen Heyligen Geiſt das gute / das er in dieſem ſet⸗ nem Diener angefangen / vnnd bißdaher erhalten / vermeh⸗ xen vnd beſtaͤttigen wolle biß ans ende / damit er auß Gottes Krafft durch den Glauben bewaret / zur ewigen Seeligkeit / Gott in derfelben loben vnnd preiſenkoͤnte. Hierdurch ſein e G. gar freudig worden / vnnd haben ſich gar wol be⸗ unden⸗ Pon derſelben zelt an hat es ſich mit der Kranckheit offt geendert: Aber mit ſolcher uͤbung deß fuͤrleſens vnd Be⸗ tens / iſt jhr G.fortgefahren / vnd hat man die fuͤrnemſten / vnndtroſilichſten Pſalmen / wie auch vnter andern das 1. Cap. Johannts / vnnd dte Hiſtorten vom Leiden vnd Ster⸗ ben JEſu C Hriſit / auch das 8. Cap. an die Roͤmerjhr G⸗ fuͤrgeleſen Vnd ob wol jhr G dieſe rede offt gebrauchet: Wie iſt der Delberg ſo hoch: die angſt vnnd ſchmertzen deß Todes anzuzeigẽ: ſo haben ſie ſich doch durch erinnerung der angſi vñ ſchmeꝛtzen / dieChriſtus am Helberg jhꝛenthalbẽ gelttten wider getröſiet / vnd geſprochen: Ich fuͤrchte mich fuͤr dem Tode nicht: Ich wil durch G OTTES Gnade Ritter⸗ uch kaͤnpffen vnnd ſtreiten: Ghriſtus iſt mein Le⸗ ben / Vnnd Sterben iſtmein Geiwin. Ich begere Je auch auffgeloſet zu werden / vnd bey Chriſio zu ſeyn⸗ — — „— — — — — — — — — — auch dem Tode kommen / je mehr jhr G. begeret haben / daß man jhr den 42. Pſalm fuͤrleſen ſolle: Wie der Hirſch ſchreyet nach friſchem Waſſer / alſo ſchreyet meine Seele ⸗ GDit zu dir. Meine Seele duͤrſtet nach GOit / nach dem lebendigen G Ott / wann werde ich dahin kommen / daß ich G Ottes Angeſicht ſchawe? Ihr verlangen nach der wigen Seligkett damit zuverſtehen zugeben. Den 19. Martit gegen Abend / wenig Stunden fur ihrem ſeligen Abſchted / hat hr G. dieſe Wort auß dem 27. Pſalm: Vatter vnnd Mutter haben mich verlaſſen / aber du HErthaſt mich auffgenom̃en: Latemtiſch geſpꝛ ochẽ⸗ vnd bald drauff begeret / daß man ſie in den Seſſel / auß dem Bette, heben wolte. Vnnd da man jht G. auffgehaben⸗ jhren Todt verkuͤndiget / vnnd geſagt: Dieſe nacht ſterbe ich. Iſt auch bald in eine ſchwere Dhnmacht gefallen / daß man vet meinet / es were ſchon auß: Aber gleich wol / da wir gebetet / ſich wider erholet / vnd geſprochen: GDit Lob vñ Danck / das Gebet hai mich wider erquicket. Wetl aber das Stuͤndlin vorhanden / iſt jhr G. abermal Ohnmaͤchtig worden / vnd jhre Schmertzen geklaget / G Oit angeruffenʒ Mein GDit / Mein GOit / hilff mir: HEr: JEſu ſiehe mir bey. Darauff getroſtet / daß GDttes Sohn darumb Blutigen Schweiß geſchwitzet / vnnd am Creutz geſchrien: Mein Gott / Mein Gott / warumb haſtu mich verlaſſen: daß wir / vnnd alſo jetzunder jhr G. wiſſen vnnd empfinden ſollen / ſie ſollen zu G Ott genommen / vnd von jhm nimmer verlaſſen werden: Darauff jhr G. geantwortet: Das weiß ich. Vnd wie jhr G mit dem Lobgeſang Simeonis: HErt/ nun leſſeſtu deinen Diener im Friede fahren / en vnd andern Spruͤchen / daß ſie jhre Seele in die Hand jhres Er⸗ loſers befehlen wolle / getroͤſiet / haben ſie begeret: Daß man ſie vom Seſſel ins Bette legen wolle. Vnd alßbald da ſol⸗ ches geſchehen / vnd man angefangen hat zubeten / iſ jhr G. gar ſanfft eingeſchlaffen. zu Ortenburg. Di 26 Leichpredig Graven Joachims Diß wirt / liebe Chriſten / nicht darumb erzehlet/ daß man den Todten das Lob preiſen wolle / ſondern GOttes gnade zu preiſen / vnd den lebendigen ein Exempel der Gott⸗ ſeligkeit zu weiſen · Weil dann jhr G. Chriſtum den HErꝛn recht erkant / an jhn geglaubet / vnnd bekant hat: Criſtus iſt mein Leben ⸗ vnd Sterben iſt mein Gewin: Auch mit dem Propheten David / Wie ein Hirſch nach friſchem Waſſer ſchreyet / nach G O TT geſchryen / daß er GOttes Angeſicht ſehen moge. Vnd mit Paulo: Ich begere auffgeloͤſet zu wer⸗ den / vnnd abzuſchelden / vnnd bey Chriſto zu ſeyn. Alſo zweifeln wir nicht / es werde jetzund die Seele / jhrer bit ge⸗ wehret / bey dem Heren Chriſio ſeyn: Vnd der Leib / der auff hoffnung ruhet / auch zu dem HErin kommen: Vnnd er alſo bey dem HEr:n ſein alle ʒelt. Vnſer HEr: JEſus Chriſtus wolle vns allen durch ſeinen Heyligen Geiſi dieſe gnade verleihen / daß wir jamit warem Glauben beſtendiglich / vñ von Hertzen ſagen moͤgt: Criſtus iſt mein Leben / Vnnd Sterben iſt mein Gewin: Ich hab luſt abzuſcheiden / vnnd bey Chriſto zu ſeyn: Vnd daß wir zu demſelben kom⸗ men / vnnd bey jhm allezeit ſein moͤgen · Demſelben ſey mit ſeinem Vatter / vnnd dem Hey⸗ ligen Geiſt / Lob / Ehr vnnd Preiß in Ewigkett / Amen. — — — — — — — — 27 Die Ander Predigt. Zu Ortenburg da die Leich zur Er⸗ den beſtattet 27. April. Auß dem 10. Capitel / Johan: v. 27. Da der HE RR / T.riſtus alſo ſpricht: g Eine Schafe horen meine Stim⸗ me / vnnd ich kenne ſie / vnnd ſie folgen Mir, vnnd ich gebe jhnen das ewige Leben / vnnd ſie wer⸗ den nimmermehr vmbkommen / S vnnd niemand wirt ſie mir auß meiner Hand reiſſen. Der Vatter / der ſie mir gegeben hat / iſt groͤſſer denn alles / vnnd nie⸗. mand kan ſie auß meines Vatters Hand reiſſen ⸗ Ich vnnd der Vatter ſind eines. R Geliebten in dem HErm JEſu 0 7. Chriſto / es haben die Weyſen Heiden von der 3 2 Glůckſeligkelt deß Menſchen auff Erden gar — viel geſchrieben / vnd diſputtret / aber nit recht gewuſt / was eigentlich dieſelbe ſey / vnnd wis nan ſie ſuchen ſolle / viel weniger wie man ſie finden kön⸗ ne. Wir Chriſten aber wiſſen ſolches allein auß dem Wonrt deß lebendigen Gottes / das ſein eingeborner Sohn/ der in deß Vatters Schoß iſt / vns offenbaret / vñ verkuͤndiget bat: Derhalben auch wir allen fleiß darauffwenden ſollen⸗ Di daß Luc: 10. v. 4₰3 28 Leichpredig Graben Joachinis daß wir ſolches / weil wir im Leben / vnnd recht geſundt ſein / lernen / als dann wann wir Sterben ſollen / kreſjtiglich em⸗ yfinden moͤgen. Damit wirs aber lernen koͤnnen / muͤſſen wir auff deß HErꝛn Chriſtt Wort mercken / da er zu der Martha / die jr viel zuſchaffen machte dem HErꝛn ʒu dienen / ſaget: Et⸗ nes iſt noth. Marta hat das gutte theil erwehlet / das ſol nicht von jhr genommen werden: Daß wir vns zu den Fuͤſſe deß HErꝛn JEſu ſetzen / vnnd ſeiner rede zuhoͤren / vnnd ge⸗ dencken an den Komglichen Propheten David / was der el⸗ nig vnnd allein gewůntſcht vnnd vom HErꝛn gebeten hab⸗ Pſalm 27. Da er ſpricht: Eins bitte ich vom Herꝛen / das hette ich gern / daß ich im Hauß deß Herꝛen bleibẽ mag mein lebenlang / ʒuſchauen die ſchoͤnen Gottes dienſt deß Heren⸗ vnd ſeinen Tempel zu beſuchen. Wie er auch ſo betrubet⸗ vnd traurig geweſt / da er in ſeiner Flucht zu demſelben nicht hat kommen konnen / in 42. Pſalm / da er ſpricht: Wie der Hrrſch ſchreyet nach friſchem Waſſer / ſo ſchreyt meine See⸗ le/ Gott / zu dir / meine Seele durſtet nach Gott / nach dem le⸗ bendigen Gott / wenn werde ich dahin kommen / daß ich Goi⸗ tes angeſicht beſchawe? Vnnd im 73. Pſalm / da der Pro⸗ phet / der Gottloſen gluckſeligkeit / die ſie auff Erden haben⸗ betrachtet / vnnd ſich daruͤber betrůͤbet / endlich aber ſich alſo wider troſiet vnd ſpricht: Wann ich nur dich habe / ſo frag ich nichts nach Himmel vnnd Erden / vnnd wann mir gleich Letb vnd Seele verſchmachtet / ſo biſtu doch Gott meines her⸗ tzen troſi vnnd mein theil / das iſt meine freude / daß ich mich an Gott halt / vnnd mein hoffnung ſetze auff den Herin⸗ daß ich verkuͤndige allein dein thun· Wer ſich nun diſes einigen befleiſſiget / vndmit David abermal bittet auß dem S. Pſalm. Erhalte mein Hertz bey dem einigen / daß ich deinen Namen fuͤrchte / der wirt recht verſtehen / was ſeine glůckſeligket ſey / vnnd zu was ende er peyde ſein Lehen bekommen vnnd daſſelbe anwenden ſolle⸗ nembich — — zu Ortenburg. 29 nemblich daß er ſevne glůckſeligkeit nicht in jhm ſelber / ſon⸗ dern in dem/ der allein ewig / vnſterblich vnd Sei ig iſt / das ii/in GD TTdem Herꝛn nicht hie auff Erden / ondern im Himmel ſuchen / vnnd bekommen muͤſſe. Wienun daſſel⸗ be zu gehe / hat der HEr: Chriſtus in ſetnem Evangelto al⸗ lenthalben / vnd alſo auch in verleſenem wortten lehren wol⸗ len / daß wir wiſſen ſollen / Er ſey der Weg / die Warhen vnd das Leben / Niemand komme zum Vatter / dañ durch jhn. Joh · vʒ. Er ſey die Thuͤr zum ſchafen/er ſey der gute Hirte⸗ der vns leyte/ waide/regtere / beſchůtze / vñ zu der cwigen Se⸗ tigkett einfuͤhre / vnnd wer zu derſelben gelangen wolle / der můſſe ſich an jhn halten / alß dan ſol jhm nichts mangeln ⸗ dem ſollen guts vnd Barmhertzigkeit folgen ſeinLeben lang⸗ vnd erſol im Hauß deß Herien bſeiben jmmerdar Pſalm. 23. So troſtet nun Chriſtus ſeine außerwehlten mit diſen wort⸗ ten / daß ſie jhrer Seligken gewiß ſein / vnd an der beharꝛlig⸗ keit zum ewigen Leben nicht zu ʒweiffeln haben: dañ weil er alleʒeit ein guter hirt iſi / vnd bleibet / ſo werde er auch allezeit ſeine Schafe haben / dieſelbẽ nimmermehr verlaſſen / ſondern daß ſie mit vnd bey dieſem Hirten das Leben / vnnd volle ge⸗ nůge haben / gewißlich verlethen. Wir wollen aber auß di⸗ ſen wortten durch Gottes genadzweyerley betrachten. Erſt⸗ lich die kenzeichen der Schaſe Jeſu Chriſti. Zum andern⸗ Was der Herʒ Chriſtus ſeinen Schafen verheiſſen / vnd ge⸗ ben wolle. Vom Erſten ſollen wir bedeneken / daß die Schrifft vns Schafe nenne: Eins theils vnſers elends halben / wie geſchrieben ſtehet / Eſatæ yz. Wir gtengen alle in der jrꝛe wie Schafe / ein jeglicher ſahe auff ſeinẽ weg: anders theils wegẽ der Erloͤſung durch Chriſtum geſchehẽ / d in dieſe Welt kom⸗ men zu ſuchen vnd Selig zu machen das verloren war / Lue. 19. Vnd das verlorne Schaf geſucht / auff ſenne achſelgelegt vnnd zum Schafſtal / das iſt / zum Reich GOttes wider ge⸗ bracht habe / wie er im gleichnih redet. Luc.1j. Darumb auch D tuj vnſer Pſalm. 2 Lue 19. 16 Lue: 1.5. 30 Leichpredig Graven Joachims vnſer HEr: JEſus CHriſtusin ſeinem lelden wie ein Lamb / das zur ſchlacht banck gefuͤhrek wirt/ vnnd wie ein Schaf das erſtummei fur ſeinen Scherer / vnnd ſeinen Mund nicht auff thut / worden iſt / Eſalæ /ᷓʒ · dieſes faſſet Petrus beydes zu⸗ ſammen: Ihr waret wie die jrꝛende Schafe / aber hr ſevd nun bekehret zu dem Hirten vnnd Biſchoff ewrer Seelen⸗ Dieſer vrſachen halben werden nů die erloͤſeten / vnd bekehr⸗ ten Jeſu Chriſit / Schafe genennet. Damit aber ein jeglicher wiſſen koͤnne /ob er vnier dieſe Schafe gehöre / ſo muß er aufß Chrtſti Wort achtung geben / in welchen vns gezelget werdẽ zweyerley merck: vnnd kenzeichen: Eins trifftden Herten Chriſtum an / das ander die Chriſten ſelbſt: Was Chriſtum belanget ſein das ſeine Schafe / dir er erkennet / das iſt / di⸗ Er erwehlet / erloſet / beruffen/ angenommen/ durch den Glauben vnnd Heyligen Geiſi gerechfertiget / vnnd gehei⸗ liget hat / die er liebet / regteret / ſchůͤtzet vnnd erhelt. Denn ob wol der Herꝛ alles weiß / vnd alſo alle Men⸗ ſchen kennet / ſo wol die Gottloſen / als die Gottſeltgen / ſo nimmet er ſich doch der Gottloſen / (welche Boͤcke in der Schrifft genennet werden / nicht an/ vnnd ſpricht derhal⸗ ben zu denſelben Matth. 7. vnd 2. Ich habe euch noch nie erkand / weichet von mir alle Vbelthaͤtter. Vnndzu den thoͤrichten Jungfrawen: Ich kenne ewer nicht. Erkennet alſo der HEr: Chriſtus die ſeinen auff eine ſonderbare weyſe /wte er zuvorin diſem 10. Cap. geſagt hat? Wie mich mein Vatter kennet / vnnd ich kenne den Vailter⸗ vnnd ich laſſe mein Leben fuͤr die Schaſe. Was die Chriſten anlanget/ daß ſie bey ihnen ſelbſt empfinden koͤn⸗ nen / CHRJ S TVS der H E RR erkenne / vnnd a. Pet: 2. 2. halte ſie fur ſeine S chafe / muß jhnen C HRJSTVS wolun·vauch bekand ſein / wie er auch zuvor melnen/ vnnd bin bekand den melnen HEri Cyriſtas jhnen behand ſey / können ſie darbey ulen wen geſaget: Ich kenne die Daß aber der — „ ——.— — —— — — — „— — — zu Ortenburg. 1 wenn ſie erſtlich ſeine Silmme kennen / vnnd dieſelbe von den Frembden vnter ſie jhm folgen. ſchetden vnd hoͤren: Fuͤrs andere / weñ Diß iſt aber Chriſti deß gutten Hirtens Stimme / daß er vns den willen ſeines Himliſchen Vatters verkuͤnd iget / wie wir durch den Glauben an jhn Seelig werden: Wie wir derhalben Buſſe thun vnnd dem Evangelto glauben ſodlen. Alſoleſt er ſeine Stimme klingen Mare. Thut Buſſe / vnd glaubet dem Evangelio · Chriſtus horen laſſen / da er geruffen: Kom̃et her ʒu mir / alle Dieſe Stimme hat der Herꝛ die jhr můͤheſelig vnnd beladen ſeyd / ich wil euch erquicken / 65 nemet auff Euch mein Joch / vñ lernet von mir / denn ich bin ſanfftmutig / vnnd von Hertzen demůtig / ſo werdet jhr ruhe finden fuͤr ewre Seelen: Deñ mein Joch iſt ſanfft / vñ mein laſt iſt leicht. Math. rr. Weiſet in dieſen worten den Schaft jhr Elende / wie ſie jrꝛende / vnnd verloren ſein: Troöſtet ſie ⸗ dah ſie an jhm einen Hirten vnd Seligmacher haben / ſolches glauben vnd getroſt ſein ſollen / daß ſie auch die danckbartete gegen dieſem Hirten beweiſen / vnd nach ſeinem willen Leben muſſen. Dieſe Stim̃ hat diſer Hirte hoͤren laſſen / da er die ſeint troͤſilich angeſprochen: Alſo hat Gote die Welt gellebet / daß lohvns. er ſeinen eingebornen Sohn gab / auff das alle die an in glau⸗ ben/ nit verloren werdẽ / ſondern das ewige lebẽ haben /Joh.3 Diſe Stĩ hat er hoͤren laſſt / da er zu ſeinen Juͤngern geſagt hat: Wil mir jemand nachfolgẽ / der verleugne ſich ſelbſi/ vñ neme ſein Cꝛeutz auff ſich / vñ folge mir· Matth. 1 Vñ alſo in andern worten des HErꝛn Chriſti mehr / da er ſeine Stimme hoͤren leſſet. Wie nun der. Her: Chriſtus diſe Stim̃e hat uͤber⸗ laut klingen vnd ſchallen laſſen / alſo thut er noch in ſeinem Evangeſto / vnnd wil daß man ſie horen ſolle. ober auch weitter / daß es nicht allein bey dem enſſerlichen Er wil horen Matth: r1. v. *16. V.4. s. Eor: 6⸗ L. loh. . 32 Leichpredig Graven Joachims horen der ohren verbleibe /ſondern auch / daß das Hert dꝛauff mercken / ſich Chriſto dem Herꝛn ergeben vnnd gehorſamen ſolle. Derhalben ſetzet er hinzu: vnd folget mir . Da dleſes beydes bey einander iſt / da hat man ein gewiſſee vnd vnſehl⸗ bares zeugnuß / dʒ ſolche techte Schafe Jeſu CRJSTJ die dieſer Hute mit ſeinen Stecken vnnd Siab wolle tröſten⸗ Vnnd verſtehen wir alſo in der Summa /es wolle der HEr:/ wir ſollen in der chat vnnd warheit beweiſen / daß wir nicht vnglaubig / ſondern glaubig ſein / daß wir jhn auffnemẽ vnd ihm anhangen / durch den Glauben vns hm ergeben / in jhm das ewige Leben ſuchen. Vnd deñ weiter dieſen Glau⸗ ben durch gute Werck mi dem Gebet vnnd gedult im Creutz bewetſen / in ſeine Fußſtapffen tietten / ſenem Exempel nach / durch vtel trubſat ins Reich Gortes eingehen / wie vns Peirus 1. Pet. 2. vnd Paulus Actor: 14. vermanen⸗ Auß dieſen worten ſol ſich nun ein jeder ſelbſt erlennen ⸗ ob er auch dieſe merck:vnd kenzeichen an ſich befinde / wann er von Hertzen glaubet / daß jhn ſein HEr: Jeſus Chriſtus ken⸗ ne / lieb habe / verſorge / vnnd ſelig machen wolle / ſo iſt er ver⸗ ſichert / dah er ein Schaf Jeſu Chriſt ſey/ denner dieſes nit von Natur / ſondern von ſeinem getrewen Hirten Chriſto Jeſu hat / der jhm ſolches durch ſeinen Heyligen Geiſt zuer⸗ ĩennen gegeben / vnnd jhn verſiegelt hat/das gewiß Chriſius jhn / vnnd er herwiderumb Chriſtum erkenne: Wann jhn gierch die Welt nicht kennen woͤlle⸗ daßer ſich damittroͤſie? CHriſtus der trewe Hirt kenne jhn / ob er gleich ale ein ver⸗ fuhrer gehalten werde / daß er dorh warhafftig ſey / vnd ob er gleich vnbekand / daß er doch dem HErtn bekand ſey Da⸗ von jagt Joh. 1. Johan 3. Darumb kennet cuch die Welt nicht / denn ſie kennet Ihn nicht. Darnach ſol er ſich auch verſuchen vnnd prufen / ob er auch die Stiſñ jeines getreuen Hitens / gern vund mit 0 6 * 5 l 1 1 zu Ortenburg. 33 den hoͤre / ſelnen luſt an derſelben habe / ob er auch dle Eigen⸗ ſchafft der Schafe an yhm finde / daß er from / Sanfftmütig / Demutig / Gedultig / vnd fleiſſig ſey zu gutten wercken / das vngoͤttliche weſen / vnd die weltlichen Luſte verleugne / in die⸗ ſem Leben zuchtig /gerecht / vnnd Goitfelig wandele / war⸗ tend auff die ſelige hoffnung vnnd erſcheiung deß groſſen GOttes / vnd vnſers Heylandes JEſu Chriſtt. Denn die⸗ ſes iſt abermal eine gabe / vnnd gnaden geſchencke G OTtes / der vns die Vhren auffthut / wie im 40. Pſalm geſchrieben vſalm 30.7. ftehet: der auß vns newe Creaturen machet / ein new Hertz / vnd einen newen Geiſt in vns gibt / daß wir in ſeinen gebot⸗ ten wandeln / denn ſonſten ſind wir von Natur wilde / bo⸗ ſe /vnd grauſam / wie Bocke / ja Wolffe vnd Beeren. Der⸗ halben ſolte einer den andern / ja auch ein jeder ſich ſelbſi auff⸗ muntern vnd ermanen: Heute/ ſo du die Stimme deines ge⸗ trewen Hirtens JEſu Chriſtthoreſt / ſo verſtocke dein Herz nicht / Pjalm /ↄondern hore mit freuden vnd ſprich: Her: / Pſalm.pʒ . rede / denn dein Knecht hoͤret. Folge deinem getrewen Hirtẽ / mit warem Glauben / auff daß du da ſein mogeſt / da er iſt / da. Sam: 3. mit du ja nicht hoͤren moögeſt die traurige vnnd ſchroͤckliche Wort dieſes Hirtens / mit den vnglaubigen Juden: Ihr glaubet nicht / denn jhr ſeyd meine Schafe nicht. Vnnd dann / daß er mit dem Gebet bey dieſem gutten vnd getrewen Hirten jm̃er anhaltei HErꝛ Jeſu du getrewer Hirte / gib mir ja / je lenger je mehr / zuerkennen durch deinen Heyligen Geiſt / daß du mich als dein Schaff erkenneſt vnnd liebeſt / vnd daß ich dich auch erkenne: Laß mich in delner lie⸗ be / vnd erkentnis nemen zu / daß ich im Glauben blethe / vnnd diene im Geiſt ſo / daß ich hie moͤge ſchmecken / dein ſůſſig⸗ keit im Hertzen / vnd duͤrſten ſtets nach dir. VPerley mir deine gnade/ daß ich deine Stimme willig / vnnd mit freu⸗ ich dir mit luſt vnnd freudigem gehorſammoͤge olgen ⸗ Wer ſich alſo erzeiget/ ob gleich groſſe ſchwachheit mit E vnter⸗ Fit. 3 13. 2. Tim119. 2. Cor:1. 21. Kom. 3. 17. g. Eor y.1. 34 Leichpredig Graben Jvachims vnterlaufft / der hat das ʒeugnis in ſeinem Hertzen ⸗ daß er ein Schaf JEſu Chriſti ſey: Vnnd kan alſo auß dieſen Wor⸗ ten J Eſu Chriſti ſchlieſſen: Die der HEr JEſus Chri⸗ ſtus erkennet vnd liebet: die deß HE Ren Jeſu Stimme hoͤ⸗ ren / vnnd jhm folgen / das ſeynd ſeine Schafe. Nun wetß ich / das mich der Her: JEſus erkennet / vnnd liebet: Das ich ſeine Stimme hoͤre / daß ich jhm folge. Derhalben weiß ich / daß ich ſein Schaf bin. Alſo faſſet der Apoſtel Paulus/ dieſes beydes zuſammẽ / da er ſpricht: Der feſte grund GDttes beſtehet / vnd hat die/ ſen Siegel: Der Hert keñet die ſeinen: Es tretie ab von der vngerechtigkett / wer den Namen Chriſti nennet / das ein jeder gewiß ſein kan / er ſey deß HErꝛn / auß ſeinem Wort / durch die gnade deß Heyligen Geiſtes / der diß Siegel auff vnſer Her⸗ tzen drucket. Denn alſo hat vns G D TT befeſiiget in Chriſtum / vnd vns verſiegelt/ vnd geſalbet/ vnd das Pfand den Getſt gegeben. Derſelbe Geiſt gibt zeugnis vnſerm Geiſt / daß wir G Ottes Kinder ſein / vnnd wenn wir Kinder ſein / daß wir auch Erben / vnnd Miterben JEſu Chriſtt ſein · Damti wirs aber an vns mercken koͤnnen ſo wirt das ander hinzu geſetzet: Es treite ab von der vngerechtigkeit / wer den Namen Chriſtt nennet / daß ein jeder from werden/ vnd nicht nach dem Fleiſch / ſondern nach dem Geiſi Leben muß. Wer alſo in Chriſto Jeſuiſt / der iſt deß Herꝛn Chriſii⸗ wle ſolches Paulus nach der lenge herzhich vnnd troͤſilich be⸗ ſchreibet Roͤm: 8. Alſo iſt nlt von nöthen / daß wir gen Hĩel fahren /vnnd pns daſelbſt erkändigen / ob wir Schaffe JEſu E Hriſti ſein: Sondern hie auff Erden konnen wirs wiſſen⸗ wenn wir das Wort deß Evangelli gern horen / die heyligen Satramenta mit warem Glaub n / vnd Bußfertigem Leben empfangen / vnnd von aller befleckungen / beyde deß Geiſtes vnd Fieiſches vns reinigen / vnd forifahren mit der heyligůg in d Furcht GDits. Dieſe — — „ — — — —— — —— —— „ zu Ortenburg. 35 Dieſe Schafe werden am Juͤngſten Tage recht be⸗ kand werden / wenn der Ertzhirte wider kommen / die Schafe von Boͤcken ſcheiden / dieſelben zu ſeiner Rechten ſiellen / vnd mit dieſen uͤber alle maß troſtlichen Worten anſprechen Mat. a3. 31 wtrt: Kommet her jhr geſegneten meines Vatters / ererbet das Reich / das cuch berelttet iſt / von anbegin der Welt. Vñ ſo viel von Erſtem: Folget das ander. Was iſt denn nun der Nutz / vnnd was wll dleſer g⸗ trewe Hirte ſeinen Schafen geben? Darauff antwortet der HEri C.Hriſtus: Ich gebe jhnen das ewige Leben / ſie werden nimmermehr vmbkommen / vnnd niemand wirt ſie mir auß meiner Hand reiſſen / der Vatter / der ſie mir gege⸗ ben hat / ſt groſſer denn alles / vnnd niemand kan ſie mir auß metnes Vatters Hand reiſſen. Ich vñ der Baiter ſind eines. Das iſi ein herꝛlicher Troſt. Damit aber derſelbe deſto mehr vnſere Hertzen einneme / vnnd erfuͤlle / wollen wir alle vnd jegliche Wort recht erwegen: Vnd Erſtlich haben wir hie zubedencken: Was Chriſtus bey ſeiner Schafe Se⸗ ligken thue. Fuͤrs Ander / was er von ſetnem Vatter ſage⸗ wie der ſich ſeines Sohns Schafe anneme. Vñ den endlich⸗ wie Chriſtus / vnnd ſein Vatter durchauß eines ſein. Von ſeiner vnermeßlichem gůtte vnd wolthat ſpricht er: Ich gebe meinen Schafen das ewige Leben: Alſo daß ſie daſſelbe gegenwertig / weil ſie noch leben / vñ wen ſie gleich ſterben / haben / vnd / well daſſelbe ewig iſt / nimmeꝛmehr verlie⸗ ren koͤnnen / wie er auch imn. Cap: ſagt: Ich bin die Auffer 1ole nℳ ſtehung vnnd das Leben / wer an mich Glaubet / der wirt le⸗ ben /ob er gleich ſtir bet. Vñ wer da lebet vñ glaubet an mich ⸗ der wirt nimmermehr ſterben. Vnd Joh: im 8. Warlich/ 1oh 1.4. Warlich / ich ſage euch / wer mein Wort helt / der wirt den Todt nicht ſehen ewiglich. Weil nun C ) R J⸗ S T V S das Ewige Leben ſeinen Schafen warhaff⸗ ug gibet / ſo folget / daß er daſſelbe in ſeiner Hand habe Ei (denn . Pet:5. . Plal-2y. 2. z6 Leichpredig Graven Joachims (denn was einer nicht hat / das kan er nicht geben)vnd gibets alſo / das / die es von hm empfangen olches Leben in jhnen ſelbſten empfinden . Dieſes noch mehr zu vergwiſſen ⸗ ſpricht er: Sie werden nimmermehr vmbkommen / weñ ſich gleich not vnnd gefahr erheben ſolte wider dieſe Schafe: der Teuffel wie ein Brůͤüender Loͤw herum̃ gehe ſie ʒu verſchlin⸗ gen / vnd andere Woͤlffe vnd Veeren ſie freſſen wollen / ſo ſol⸗ len ſie gewiß ſein / daß ſie nimmermehr vmbkommen / fur al⸗ lem leid vnnd vnfal verſichert ſein. Vnnd zum Druten: Wann gleich ein groß Heer ſich wider ſie lägerte / vnnd zum Tode mit gewalt hinreiſſen wolte / ſo lolle vnd werde ſie doch niemand auß ſeiner Hand reiſſen. Da dann der HEt: Chriſtus ſeine trewe vnndmacht erwetſen wil / wie feſt er die ſeinen gefaſſet vñ wir kraͤfftiglich er ſie bewahret / daß ſie in ſeiner Hand dermaſſen ſein / vnnd behalten werden / daß ſie niemand auß derlelben reiſten moge. O ein frommer / gůttiger / treuer / vnd gewaltiger Hirte/ der die Schaſfe in ſeiner Hand treget / vnnd ſie mit derſelben ſchuzet vnd bewaret. Wo hat man jemals gehoret/ das ein Hirte ſeinen Schafen dz Leben gebẽ könne*Ja / wo hat man je gehore / das ein trte ſeiner Schafe Leben erhalten / vñ ſie fuͤrm Wolffe vñ aller gefahr allezett bewaren koͤnne⸗ Vom Davtd leſen wir 1. Sam: 1. Da er wider den Gollat ſtretttẽ wii / daß er zum Konig Saul ſaget: Dein Knecht huͤttete der Schafe meines Vatters / vnd es kam ein Loͤw vnd Beer / vñ trug ein Schafweg von der verde: Ich aber lieff im nach vnnd ſchlug jhn / vnnd reiß es auß ſeinem Maul. Alſo iſt in Davtd furgebildet der Herꝛ Jeſus Chriſtus / der ſeines Vat⸗ ters Schafe důttet / der leſſet jhm keines nemen / vnnd auß ſeiner Hand reiſſen. Dawider moͤcht aber jemand ſagen: ſichet dochEſa:ʒ6. Der gerechte kommet vñ / wie ſol ich denn das mit dieſen Worten Chriſtt: Meine Schafewerden nim⸗ mehr vmbkommen; vergleichen? Antwort: Sit vm — — „ — — — — — — — — — — 8 — — S — — — — — zu Ortenburg. 37 omb fuͤr den Menſchen / vnnd durch den zeitlichen Todt: Aber fur dem HErꝛu/jhrer Seelen / vnd der ewigen Selig⸗ keit halben / kommen ſie nimmermehr vmb/ ſondernwiſſen⸗ wetl der Herꝛlebet / werden ſie auch leben. Joh: 14. Ja der HErꝛ bewaret jhnen alle gebeine / daß derer nicht eines zer⸗ brochen werde. Pfalmz4. Alſo ſeynd die gerechten See⸗ pfl: at. len in der vand deß E R R N/ da ſie keine Qual an⸗ Sp. ruͤret. Was nun der HErꝛ Criſtus von ſeiner Perſon geſagt⸗ das erklaͤret er weitter / daß die Schafe wiſſen ſollen / was ſein Vatter bey jhnen thue / daß ſie dieſer wolthat gewißlich theil⸗ hafftig werden /auff daß ſie ja deſto gewiſſer vnd veſter ſich darauff verlaſſen. Vom Vatter aber führet er jhnen erſt⸗ lich zu gemůt / daß er dieſe Schafe ſeinem Sohn / daß er jhr Hirte ſein ſol gegeben hab / damit anzuzeigen: Daß von ewig⸗ keit dieſe Schafe erwehlet ſein in Chriſto / vnd Chriſtus zu et⸗ nem trten ſey verſehen vnd verordnet geweſen/che der Welt „ grund gelegt worden 1. Pet. x. Von dieſem geben redet er 1ohan⸗ 47. auch. Alles was mir mein Vatter gibet / das fkommet zu mtr. Item / Das iſt der wille deß Vatters / der mich geſand hat / daß ich nichts verlierevon allem / das mir der Vatter gegeben hat. Vnd Cap. . Du haſt deimem Sohn macht Iohan. 74. gegeben uber alles Fleiſch / auff daß er das Ewige Leben gebe allen / die du jhm gegeben haſt. Ste warendein / vnnd duhaſt 6. ſie jhm gegeben. Ich vite nicht fuͤr die Welt / ondern fuͤry * die / die du mir gegeben haſt. Jtem: Vatter/ ich wil / daß / wo ich bin / auch die bey mir ſein / die du mir gegeben haſt. So ſeynd nun dieſe Schafe deß ewigen Vatters / deſſen Llebe / vnnd trewe ewig vnd vnwandelbar iſt/ vnd hat er dieſe Schafe von ewigkett geltebet / vnd ſie ſeinen Sohn dem vn⸗ ten vnd Biſchoff vnſerer Seelen gegeben / ſo haben ſie ja ſich uimmermehr zufuͤrchten. Zum andern / dah er groͤſſer ſey denn alles / wenn gleich Etij vnter 1oh: 14. 19. 38 Leichpredig Graven Jvachims vnter den Creaturen vlel groſſe vnnd ſtarcke dinge ſein / wie in der Schrifft /Fuͤrſtenthumb/ Gewaii⸗ Hertſchafft /c. ge⸗ nennet werden / ſo ſeynd ſie doch vtel kleiner als der Vatter / vnnd jhm gar nicht zu vergleichen / er iſt doch groͤſſer denn alles / vnd der aller groͤſſeſte Hierauff ſetzet er nun / daß dieſe Schafe niemand auß ſeines Vatters Hand retſſen koͤnne / vund iſi die ſchluß rede deß o E R R N CHriſti dieſe: Wer groͤſſer iſt denn alles / auß deſſen Hand kan metne Schafe niemand reiſ⸗ ſen. Der Vatter der ſie mir gegeben hat / iſt groͤſſer denn alles. Derhalben kan ſie nemand auß meines Vatters Hand reiſſen · Alſo werden dte beyde gruͤnde zuſammen ge⸗ ſetzet / die groſſe liebe deß Vatters zu dieſen Schafen. Vnd dann auch ſeine Allmacht. Weil nun dieſe kbe ſich nicht endert / ſeine Krafft nicht geſchwechet wirt/ vnnd nmmet⸗ mehr etwas groͤſſers vnd mechtigers ſein kan als dieſer Vat⸗ ter / alſo bleibet es auch gewißlich dabey ⸗ daß tieſe Schafe auß ſeiner Hand ntemand reiſſen köͤnne. Denn ob ſich wol die Ereatur ſolches vnterſtehen wolte / ſo iſt es doch vnmog⸗ lich / vnnd muß dieſeibe allezeit erfahren / daß ſie dieſer groͤſſe deß Vatters vnterworffen ſey Vnnd er allzeit groͤſſer⸗ denn alles / bleibe. Endlich beſchleuſt auch der HErꝛ Chriſtus dieſe Pre⸗ digt alſo / daß er die einigkett ʒwiſchen jhm / vnnd dem Vat⸗ ter / ſeinen Schafen zu gemůth fuͤhret vnd ſpricht: Ich vnnd der Vatter ſeynd eines: Alſo daß die Schafe wiſſen ſollen⸗ daß eben das / was der HEr Criſtus woͤlle/ das wölle der Vter auch / was der Vatter woͤlle/ das wölle Er / der HErꝛ Chriſtus / auch.· Was der Vatter koͤnne / das koͤnne er auch⸗ vnd wiil ſie im willen vnd vermogen durch auß eines ſein / ſo muſſe folgen / daß ſie auch im welen eines / vnnd er mit dem Vatter/warer/cwiger / vnnd Almechtiger GD T T au , zu Ortenburg. 55 auff daß ſie auß dieſer einigkett deß willens / der Allmacht vnd deß weſens / wie jhre Seligken ſo wol verwaret ſey / vnnd jh⸗ nen nimmermehr koͤnne genommen werden / je lenger je beſ⸗ ſer ſchlieſſen lernen / vnnd ſich dar auff gentzlich gruͤnden vnd verlaſſen koͤnnen. Wann nun ein glaubiges Hertz verſichert iſt / daß es gewiß vnter dieſe Schafe gehoͤre / ſo kan es leben digen vnnd beſtendigen Troſt inaller widerwettigkeit / vnnd mitten im Tode haben vnnd ſprechen: Ob ich ſchon Wandel im Fin⸗ ſtern thal / vnnd ſchatten deß Todes / ſo furchte ich doch kein vngluͤck / denn du HEr: JEſu Chriſie / mein Hirt / biſt bey mtr / dein Stecken vnd Stab troͤſten mich. Derwegen ſol jhm ein jeder mit warem Glauben zuelg⸗ nen / was alhie von dem Sohn G Dtles iſt geſagt worden / ſo wird ſich ſein Glaube grunden auff dieſe warhafftige vnd ge⸗ wiſſe verhetſſung deß Sohns Gottes /darinnen vns beyde die Warheit/Ltebe / Trew / vñ Allmechtigkelt deß Himliſchẽ Vatters iſt abgemalei / vnd zu gemůth gefuͤhret worden. Was nun anlangt den gutten vnnd getrewen Hirten ſel ſi /ſpricht er zu einem jeglichen: Ich gebe melnen Schaft das ewige Leben. Das ewige Leben aber beſtehet nicht al⸗ lein darin / daß es nimmermehr auffhoͤre / ſondern daß es auch in freuden / Seligkett / vnd herꝛligket immerdar wehret / die bhal. 16. u. kein Aug geſehen / kein Bhr gehoret / vnd in keines Menſchen Hertz nie kommen iſt. Das iſt das licbliche weſen zur rechte GDTtes. Oh iſt nun der Glaubigen Schlußrede: Wer ein Schaf Chriſtt iſt / dem gibt Chriſtus das ewige Leben. Ich bin ein SchafChriſtt. Derhalben gibt mirChri⸗ ſius das ewige Leben. Alſo wirt aller ʒweifel von der ewigen Seligkett vertrieben / wie auch ein jeglicher glaubiger im Glauben ſagt. Ich Glaub ein ewiges Leben. Alſo fort auß den andern Worten: Die Schafe Chriſit wer⸗ den nimmermehr vmbkommen; Ich bin ein Sſel 57 — 40 Leichpredig Graven Joachims Derhalben werde ich nimmermehr vmbkommen: dañ ob ich wol wegen meiner Suͤndenwert bin⸗ daß ich ewig vm̃⸗ kommen ſolte: doch wegen dieſer verhetſſung die gewiß iſi⸗ darauff ich mich verlaſſe / weiß ich / daß ich nimmermehr vmb⸗ kom̃e. Vnd dann zum dritten: Die Schafe Chriſtiwirt niemand auß deß HErꝛn Chriſit vand reiſſen. Ich bin ein Schaff Chriſit. Derhalben weiß ich / daß mich niemand auß deß HErin Chriſtt wand / werdereiſſen: Denn ob ich wol an mir ſelbſt alſo ſchwach bin / daß ich kein augenblick wi⸗ der den helliſchen Löwenvnd Wolff beſtehen kan / ſo wetß ich doch / was mein HErt Eſus wil / das kan erthun / vnnd das wirt er thun / darauff verlaß ich mich / vnnd alſo weiß ich / die⸗ weil ich mich nicht auff meine⸗ ſondermauff deß HErꝛn Ze⸗ ſu Hand / daß iſt /ſeine Krafft vnnd ſtercke verlaſſe / daß mich niemand auß derſelben reiſſen werde / vnd bin gewiß / daß der pobrn.v. verworffen ſey / der vns anklaget Tag vnnd Nacht / vnd daß 5. & 16.v.u. Chriſtus den Fuͤrſten dieler Welt hmauß geſtoſſen vnnd ge⸗ richtet / vnd ich mit allen andern Chriſten denſelben dureh deß u. Lambs blut / vnd durch das zeugnß ſeines Worts/ uͤberwun⸗ xao. den habe: Vnnd dah der G Birdeß friedes / den Sathan in kurtzem vnter melne Fuͤſſe zutretten werde⸗ Derhalben koͤnnen wir getroſt ſagen: Iſt G Ott fuͤr nom:16. v. yns / wer mag wider vns ſein? Der ſeines etgnen Sohns nit 2o. veꝛſchonet / ſondeꝛn denſeiben fur vns alle dahin gegeben hal⸗ wie ſolt er vns mit demſelben nicht alles ſchencken? Wer wil die Außerwehlten GD Ties beſchuldigen? G Dtt iſt hie der gerecht machet: wer wilverdamner⸗ Chriſtus iſt hie der geſtorben iſt / ja vtel mehr / der von den Todten auffer wecket kom:s. iſt /vnd iſt zur rechten GVttes / vnd vertritvne⸗ Ach mein lieber HEr: Jeſu/ ich weiß du biſt die War⸗ eit / du biſt mein trewir vtrt / du haſt mir ſolches zugeſagt Ach weiß du wirſis auc ßalten Ich lieg im ſtreit / vnd widerſtreb pulff O E RR Chri / dem ſchwachen: An deiner iua „„ „— — — „— —— — — — — — — — — — — — — ——— — r 1 4 — — — — — — zu Ortenburg. 3 allein ich kleb / du kanſt mich ſtaͤrcker machen. Erhalte vñ ſtaͤrcke mich ja durch deinen Heyligen Geiſt / daß ich mich / a veſtiglich/miten im Tode darauff verlaſſe. Sprich du zu 13 „ mir: Fuͤrchte dich nicht / Ich bin mit dir / weiche nicht / deñ ich ꝛ0. bin dein Gott / ich ſtercke dich / ich helffe dir auch / ich erhalte dich / durch die rechte Hand meiner gerechtigkeit. Fuͤrchte dich nicht / denn ich habe dich erloſet / Ich habe dich bey dei⸗ F. v⸗ nem Namen geruffen. Du biſt mein / denn ſo du durchs Waſſer geheſt / wil ich bey dir ſein / daß dich die ſtroͤme nicht ſollen erſeuffen / vnd ſo du ins Fewer geheſt / ſolt du nit bren⸗ nen / vnd die Flamme ſol bich nicht anzuͤnden. Ach / ſprich mich ja in meinem Hertzen alſo an / durch deinen Heyligen Geiſt: Ich bin dein · vnd du biſt mein / vnnd wo ich bleib da ſolt du ſein / der Feind ſol vns nicht ſcheiden. Alſo koͤnnen wir getroſt ſagen: Leben wir / ſo Leben wir dem nom: ½ HE RR N :Sterbẽ wir ſoſterben wir dem Herin: Wir * leben oder ſterben / ſo ſind wir deß Herꝛn / Vnnd darauff 3 getroſt vnſer Seelen / mii Stephano / dieſem getrewen Hir⸗ 2, ten Jeſu Chriſto / befehſen: Herꝛ Jeſu / Nim meinen Geiſt auff. Seinen Vatter betreffent / hoͤret ein jeder glaubiger ⸗ daß er jhm ſeine Seligkett habe laſſen befohlen ſein / ehe dann er geborn / ja ehe der Welt gꝛund iſt geleget worden / da er jhn ſeinem Sohn gegeben hab / wie ſolte er denn ſeiner jetzt ver⸗ ꝰnach dem er ſeinen Sohn jhm / vnnd fuͤr jhn gegeben hab. Zu diſer lieb kom̃et die vnendliche groͤſſe deß Vattees ⸗ gegen dem alle Creaturen / wie nichts ſeynd / vñ das geringſte nit vermogen / die ſich auch ohne ſeinen willen weder regen noch bewegen koͤnnen. Vnnd wenn der Vatter groͤſſer iſt denn alles / ſo kan vns / mich vnnd dich / vnnd einen jeglichen glaubigen / ja nlemand auß ſeiner Hand retſſen. Sind JEſus Thriſtus / vnnd der Vatter eins / eines willens / eines gewalts / eines weſens / ſo iſt ja meine vnd delne Seligkeit alſo F gegrun⸗ Pfal: 13. v.8. Philip: 1. v. 6. 2. Tim: 1. v. 12. Nor: 4.v. 14. Leichpredig Maven Joachims gegruͤndet / vnnd bewaret / daß ſie vns niemand nemen koͤnne. Alſo muͤſſen ſich die Glaubigen hlerauff verlaſſen ſo wiſſen ſic / daß ſit biß ans Ende beharꝛen / vnd gewiß ich Se⸗ lig werden: Denn der HErꝛ verleſſet nicht das Werck ſei⸗ ner Haͤnde / daß iſt / dieſelben die er in Chriſto Jeſu erwehlet/ demſelben gegeben / vnd in jhm erſchaffen: ſondern führet es gewalug vnd gerꝛlich hinauß. Damtt troͤſtet Paulus die Glaubigen Philipper / vnd ſpricht: Ich bin deſſelbigen in gutter zuverſicht / daß der in euch angefangen hat das gutte Werck / der wirt es auch vol⸗ fuhren biß an den Tag JE ſu Chriſtt. Alſo kan ein jeglicher glaubiger mit Paulo von Hertzen ſagen: Ich weiß /an wel⸗ chen ich glaube / vnd bin gewiß / daß er kan mir meine beylag⸗ bewahren biß an jenen tag. Das iſi die rechte eigenfchafft deß Glaubens / daß einer weiß / was / vnnd an wen er glaube⸗ daß er ſich verleſſet auff G Ottes Warhett vnd trewe / auff ſeine Allmechtigkeit / vnꝰ daß er vnſere Seligkett als eine beylage alſo bewaren kan vã wil / biß auff den Tag JEſu Chriſti⸗ daß er gewihlich Seliz werde. Ein ſolcheꝛ glaube iſt in demErtzvatter Abraham gewe⸗ ſen wte geſchriebẽ ſtehet Rom :4. Abraham wardnit ſchwach im Glauben / denn er zwetfelte nicht an der verhetſſung Got⸗ tes vurch vnglauben: ſondern ward ſtarck im Glauben / vnd gab G Dtt die ehre / vnd wufie auffs aller gewiſſeſt / das was GOtt verheiſſen / das kan er auch thun . Solchen Glauben můſſen wir auch haben / wañ wir Abrahams Kinder / vñ Er⸗ ben Gottes ſein wollen. ? ch mein lteber Vatter / haſt dumich deinem lieben Sohn gegeben / ehe ich geboren bin⸗ ſo wirſiu mich ja liebẽ in ewigkelt / du biſt jawarhafftig / du biſt ja groͤſ⸗ ſer denn alles / auff deine Warhett / auff deine Allmechtigkett grůnde ich mich / das ſeynd die beyde Seuien vnnd Pfetler meines Glanbens; Ver⸗ ß p 4. t/ 16 . ler —. — — — — — d zu Orurg. 43 Verleihe mir ja die gnade daß ich darauffruhen / vñ be⸗ ſtendig bawen möge: Dieſer Glaube iſt der Sieg / der die Welt uͤberwunden hat / Joh: 5. Das iſt deß HErꝛn Chriſit verheiſſung / daß die Pforten der Hellen ſeine Gemetne nicht ſollen uͤberwaͤltigen Matth: 16. Alſo daß es von der gantzen Kirchen / die deſſen verſichert / vnd von einen jeglichen leben⸗ digen Glied ſol verſtanden werden: Dann ein jeglicher rechtglaubiger / ein lebendiger Stein iſt / gebawet auff den vnbeweglichen Grund / vnd Eckſiein Jeſum Chriſtum / vnnd alſo ein geiſtlich Hauß / das ewig bletbet worden ſt. Vb nun wol die glaubigen hie auff Erden befinden / daß jhr Glaub offt ſehr ſchwach iſt / dagegen die fewrigen Pfeil deß boßwichts wider denſelben geſchoſſen / vnnd er mtt vtelen vnd mancherley verſuchungen angefochten werde / ſo ſol doch ein Chriſi nicht kleinmuͤtig werden / ſondern wiſſen ⸗ diß geſchehe darumb / daß wir vnſer vertrawen nicht auff vns ſelbſt ſtelle /ſondern auff Goit⸗ der die Todten aufferwecket ⸗ vnnd denn vns erinnern / was Paulo wider fahren / da er kla⸗ 2 cor:1 „ get: daß jhm ein Pfeil ins fleiſch gegeben / nemlth deß Sa⸗ tans Engel / der jhn mit Faͤuſten ſchlage / dafuͤr er drey mal dem Her:n geflehet / daß er moͤchte von jhm weichen / vnd der Herꝛ zu jhm geſagt hab/laß dir an meiner gnad genuͤgen / deñ meine Krafft iſi in den ſchwachen mechtig. So wiſſen wir auch / daß die Schrifft von dem Herꝛn Chriſto zeuge: Er werde das zerſtoſſene Rohr nicht zubre⸗ Pet: 2. v 4 2. Corerx: Fa:42. v.3 chen vnd das gluͤmmende Docht nicht außleſchen: Sondern Matth. 127 0 viel mehr für vns bitten / wie er fuͤr Stmon Petrum gebe⸗ ten hat / da jhn der Sathanas begeret zuſichten / wie den Wettzen / daß ſein Glaube nicht auffhöre. In welchen Worten wir mercken ſollen/ der Sathanas werde vns auch begeren zuſichten / daß wir geruͤttelt / vnnd hin vnnd wider geworffen / vom rechten Glauben abfallen / vnnd ver⸗ Fij dampt 2 Rom. 2.4. Luc.17.3. Mar⸗9.24. 1. Pet. 1. 3. „ LeichpredigWbenJoachims verdampt werden moͤchten: Aber / dagegen ſey Chriſit vor⸗ bie / der gen Hmmel gefahren / vnd zur rechtem GDites iſt⸗ vnd vertrit vns / viel ſtärcker vnd kraͤfftiger / auff welchen wir vns verlaſſen ſollen · In ſolchem vertrawen ſollen wir getroſt zum HErꝛen ruffen mit den Apoſteln: HEr: ſtercke vnnd mehre vns den Glauben Vnndmit dem armen Man: Ich glaub / lieber HEr: / kom zu huͤlff meinem vnglauben. Andie verheiſ⸗ ſung deß Evangeltt vns veſt halten / zu ſtaͤrckung deß Glau⸗ bens die Hevligen Sacramenta gebrauchen / in aller Gott⸗ ſeligkeit vns uͤben. Wer das thut / der wirt gewihlich erfah⸗ ren / daß er auß G Ottes Krafft durch den Glauben bewars werde / zur Seltgkett/i.Pet·x. Hievð ſchreibet der Apoſtel Paulus abermal gar troͤſtlich ims· Cap an die Roͤmer / welches glaubige Chriſtẽ fleiſſig leſe vnd erwegen wollen / vnnd beſchleuſt daſſelbe endlich alſo: Wer wil vns ſcheiden von der liebe G D Ttes? truͤbſal oder angſt/oder verfolgung? oder hunger/ oder bloͤſſe / oder fehr⸗ ligkeit / oder ſchwert? Vnd abermal: Ich bin gewiß / das we⸗ der Todt noch Leben / weder Engel nochFuͤrſtenthumb / noch gewalt / weder gegenwertiges noch zukuͤnfftiges / wedeꝛ hohes noch tieffes / noch kein andere Creatur mag vns ſcheiden von der liebe Gottes / die in Chriſto Jeſu iſt vnſerm.HErꝛn. Da der Apoſtel nicht ſagt / daß er diß allein ſeinet halben gewiß ſey / ſondern auch derer aller halben / die in CHriſto JEu ſind / die den Geiſt der Kindſchafft / vnd den rechten Glauben haben / daß ſie kein ding / wie gewaltig auch daſſelbe ſey / von der liebe G Ottes ſcheiden kan / die in Chriſio J Eſu iſt vnſerm HErmn. Alſo können alle onnd jede glaubigen mit dem Apoſtel Petro mit freuden G Dtt lob vnnd danck ſagen vnd ſprechen: Gelobet ſey G D T T/vndder Vatter vnſers Herꝛn JEſu Chriſti / der vns nach ſeiner groſſen Barmhertzigken ve born verlaſſe / damit er ja GD TT ncht verlaſſe: Vnnd WPſalm / Wañ der gerechte fellet / ſo wirt er nicht weggeworf⸗ zu Okenburg. 46 born hat / zu einer lebendigen hoffnung durch die Aufferſte⸗ hung JEſu Chriſtt von den Todten / zu einem vnvergeng⸗ lichen / vnverwelcklichen / vnnd vnbeflecktem Erb / das behal⸗ tenwirt un Himmel / vns / die wir auß G Vttes macht durch den Glauben bewaret werden / zur Seligkett. So ſehen nun alle fromme Chriſten / daß vns dieſe lehre gar treulich vnd gewaltig bewaret / daß wir nit Schiff⸗ bruch leiden am Glauben / es ſey zur rechten oder zur lincken ⸗ vnd erhalte vns / damit wir weder im leben vnnd gluͤckſelig⸗ keit / ſicher wer den / noch im Tode / oder andern anfechtungẽ verzagen. Dennwider die ſicherhettavchret vns dieſe Lehr corton. alſo / daß wir wiſſen ſollen / wer ſich duͤncken leſſet / daß er ſte⸗ he / der ſol wol zuſehen / daß ernicht falle / vñ das ein jederman ſchaffen ſolle / daß er Selig werde / mit furcht vnnd zittern: Denn GD T Tiſt es / der in vns wuͤrcket / das wollen vnnd ¹ verbringen nach ſeinem wolgefallen Philtp.⁊. 3 Wer ſich nun alſo verhelt / der wirtje lenger je mehr wachen vnd beten / daß er nicht in vetſuchung falle / vnnd G D T T den ₰H E R R N biten daß er jhn nicht mit Bavid ſprechen / auß dem Pſalm: Verwtrff mich nie von deinem Angeſicht / vnd nim deinen Heyligen Geiſt nicht von mtr. Darnach wider die verzweiffelung / daß er ʒwar an jhm ſelbſt verzage / damit er einig vnd allein auff G OTThoffe ⸗ jhm veꝛtrawe / vnnd abermal mit David ſage auß dem 37. 8 S———— —= ———— — fen: Denn der HErꝛ erhelt jhn bey der Hand. Wer alſo thut / der wirt nimmermehr ʒuſchanden werden / das iſt die le⸗ bendige hoffnung / ʒu weicher vns G D T Thatwiderge⸗ born durch die Aufferſtehung CHriſtt von den Todten / zu einem ſolchen Erbe / das behalten wird im Himmel/es ver⸗ welcke / vergehe / vnnd werde beflecket 4 auff . 46 Leichpredig Gräven Joachim iſi wie ſchone es auch grůne vnnd blůe / wie jublich /ʒierlich / vñ herꝛlich auch daſſelbe ſey / ſo bleibe doch diß Erbe gewiß vnnd deſtendig: Vnnd / wannjemand ſagen mochte: Ja / ch ho⸗ re wol / daß das Erbe im Hmmel behalten wirt: Wer weiß⸗ ob ich auch dazu gehoͤre: ſo ſagt der Heylige Geiſt durch den Apoſiel zu einem jeden glaubigen: Ja dir wirt esbehalten ⸗ du ſolt es haben vnd beſitzen ewiglich. Ja / moͤchte abermal einer ſagen / ich hoͤre es ja wol/ daß es mir behalten iſt / ich bin aber zu ſchwach/heute ſtehe ich⸗ morgen kan ich fallen: Ach lieber Gott / wie ſol ich beſtendig pleiben / vnnd beharꝛen biß ans Ende / daß ich Selig werde? Darauff antwortet abermal der Heylige Geiſt vnnd ſaget: Duwirſt auß G D T T E S macht durch den Glau⸗ ben bewaret zur Seligkett. Alſo iſi es bey emander / das Erbe iſt vns behalten im Himmel / derhalben werdt es vns niemand nemen. Wir werden bewaret auß G O Ties macht durch den Glauben / derhalben wirtvns kein gewalt nchan noch macht vmbſtoſſen: So war als GD TTGOTT Timan. ſſt / der nicht liegen kan / den ſich nicht verleugnen kan / ſo war⸗ pafftig iſt dieſet Troſt. So warhafftig / als G Btt groͤſſer iſt / denn alles / ſo warhaſfttg wit ers auch hmauß fuhren / daß du auß ſeiner macht durch den Glauben hindurch dringen⸗ uͤberwinden vnnd Triumphirenkönneſt: Darumb iſt nicht noth⸗ daß du in Himmel fahreſt / vnnd dich da erkůͤndtgeſt⸗ ob du Se⸗ lig werden ſolleſt / iſt auch nicht noth / daß du heimliche entzů⸗ ckung vnnd erleuchtung erwarteſt / ſondern du ſolt dich hal⸗ ten an das Wort der Warheit im Heyligen Evangelto, dar durch wirt dein Hertz feſt vnnd gewiß / daſſelbe Wort iſi verſiegelt durch die Heyltgen Sacramenta. An das Wort / das geprediget wirt / vnnd an die Sacramenta/ die nach Chriſti einſetzung gereichet werden / ſol man ſich hal⸗ ten d — *— — — — — — 3 zu Ortenburg. 45 ten. Davon ſchrelbet Paulus Roͤm: 10. Sprich nicht in deinem Hertzen: Wer fehret hinauff gen Himmel / das iſt nicht anders / als C ₰5 R J S T V M herab holene Wer fehret hinab in die Helle / daß iſt niches anders / als 3 Chriſtum von den Todten holen⸗ Was ſpricht aber die Gerechtigkeit deß Glaubens ? ſo ſpricht ſie: Das Wort iſt dir nahe in deinen Mund / vnd in deinem Hertzen / das iſt vas Wort deß Glaubens / das wir predigen: So du mit deinem Munde bekenneſt Jeſum / daß 1 er der HEr: ſev / vnnd glaubeſi von Hertzen / daß jhn GDtt aufferwecket hat von den Todten / ſo biſtu Selig: Alio kommet der Glaub auß dem gehor / vnnd das gehör / durch das Wort GD T TES.. Alſo iſt die ltebe GBttes außgegoſſen in vnſere Hertzen durch den Heyligen Geiſt / der vns gegeben iſt. Diſer Geiſt gibet zeugnuß vnſerm Geiſt / daß Kom:. wir Gottes Kinder ſind / der ruffet vñ durch denſelben ruffen wir / Abba lieber Vatter: Der vertrit vns gewaltiglich mit z vnauß ſprechlichen ſeufftzen. Durch denſelben ſeynd wir ver ſiegelt / biß auff den Tag der Erloͤſung / der ruhet auff vns / loh. 12 der bletdet bey vns ewiglich. Das ſi der Troſt allen Glaubigen / daß nicht in jhrer Hand ſtehe / ſonſi wuͤrden ſie dieſelbe nimmermehr erhalten konnen: Sondern in deß HErꝛen Chriſtt vnnd ſeines All⸗ mechtigen Vatters Hand / darauß vnſere Seligken vnnd vns ſelbſt / ntemand wiꝛt reiſſen können. Alſo horen wir / wie wir vns verlaſſen muͤſſen auff die verheiſſung G Dttes in Chriſto Jeſu / auff ſein verdtenſi vnd genugthuũg / auff ſeine fuꝛbit / auff ſeines Vatters lieb /gnad⸗ gůtte / Barmhettzigkett / rewe / Warhen / vnnd Allmechtig⸗ kett. Wer das thut / vnnd biitet / daß ers thun / vnnd slſo beharzem koͤnne / der wirt ewig Selig. In dieſem Glauben ſyrech ioh getroß vnd mit k. om16 3 48 Leichpredig Sraben Joachims den: Vatter in deine Haͤnde befehl ich meinen Geiſi / du haſt mich erloͤſet / du getrewer GBtt. Was nun belanget den hoch: vnnd Wolgebornen Graven / vnnd HERin / HERen Joachim / der Eltern Graven / Graven zu Ortenburg⸗ vnſern gnaͤdigen vnnd ite⸗ ben HE RRN Chriſtſeliger vnnd Loͤblicher gedaͤchtnuß / welchem wir die letzte Ehr vnd Dienſt jetzunderzeigtt haben⸗ ſo iſt deſſelben ſein einiger Troſt auch dieſer geweſen: Daß er mit Leib vnnd Seel / beyde im Leben vnnd Sterben / deß HErꝛn JEſu Chriſtt als ſeines getrewen Hrtens vnnd Heylandes eigen ſey / iſt durch den Heyligen Getſt auß dem Heyligen Evangello /haß er vnter die Schaſe JEſu Chriſtt gehore / vnnd daß jhn Chriſtus kenne⸗ verſichert geweſt: hat auch an ſich die keñzeichen der Schafe Chriſttbefunden / vnd andern Leuten gezenaet / denn er die Stmme JEſu Chriſtt gekennet /von der Fremoden Stimm vnterſchteden / das E⸗ vangelium lieb gehabt / gerwangehoͤret vnnd betrachtet / die Heygen Sacramenta mit andern Chriſten andaͤchtig ge⸗ drauchet / ſeinem Hernn / vnnd gutten vtrten Chriſto JEſu gefolget / nit aleinin gluͤckſeligken / ſondern auch mit veꝛlaug⸗ nung ſein ſelbſt / n Creutz / Leiden vñ Widerwertigkeit / hat weltliche ehr/t eichthumb / vnd gůtter hindan geſetzet / vñ den ZErꝛn C Hriſtum fur ſeine groͤſte Eyr / fuͤr den theuerſten Schatz / vnnd hoͤchſtee gut geachtet / ſein leben vnnd Seligkets in jhm allein geſuchet / vnnd darnach getrachtet / daßer in Goit reich ſein moͤchte / welches er auch erlanget. Wiees jhme in ſeinem Leben ergangen / ſt meñiglichen alhie bewuſt⸗ nemlich daß er aub dem ʒ · Pſalm hat ſagen koͤnnen: Ich tin ein Frembdling vnd Pligram auff Erden · Sein leben hat ſich erſtrecket auff die 0 . Jahr: aber iſt / nach dem 0. Pſalm / muͤhe vnd arbett geweſi „daßer mit dem Ertzvatte Jacob heit ſagen mogen auß dem 47. Cap. Geneſ: di Tage meiner Walſahrt ſein kurt vñ boſe n Aber — S — — — — ——— „—— — „— — — — — — c— „ —. — „ zu Ortenburg. 49 Aber in dieſen allen hat jihm Goet dieſe gnade gegeben / daß er bey hohen Perſonen / vnd fuͤrnemen gelehrten Leuten / we⸗ gen ſeiner furtrefflichen gaben / Gotrſeligkeit / beſtendigkeit ⸗ auffrichtigkeit /ſonderlich bekand / hoch geehꝛet lieb vnd wert gehalten worden: Alſo daß er daſſelbe / was er auff einer ſeittẽ verloren / auff der andern reichlichen wider funden / vnnd be⸗ kommen hat. In ſeiner Kranckheit hat ſich dieſer fromme HErꝛ alſo erzeiget / das man ſonderlich Gottſeligkett vnd wahren Glau⸗ ben an jhm hat ſpuͤren koͤnnen / dann er gern von G D Ttes Worthat horen reden / vnd ſonderlich die Pſalmen Davids ⸗ nicht allein bey Tag / ſondern auch bey Nacht / da er nicht ſchlaffen koͤnnen / begeret jhme furzuleſen / vnnd vnter andern den 3.6. 23. 27. 27. 31.42.43.71.71.73.90. 91.103. 130. Vnd andere mehr / welche jhre Gnaden außwendig gewuſt: Neben denſelben dʒ Gebet? Her: Jeſu Chriſt wahr Menſch vnnd GOtt/ ꝛc. Vnd noch drey lateiniſche Gebet/eines fuͤr Gottſelige Alte Leute: Vnnd noch zwey in trubſal / vnnd ſchwerer Kranckheit / zu welchen jhre Gnaden ſonderliche Luſt gehabet / vnd damit hezeuget / daß er auff G D T TDden HErimn / der jhn auß Mutter Leib gezogen / vnnd ſeine zuver⸗ ſicht von der Mutter Bruͤſten geweſen / vertrawen / er wer⸗ de jhn nicht verlaſſen / ſondern im Alter vnd Kranckheit / mit gedult vnnd linderung deß Creutzes / biß ans Ende ethalten / daß / wann der Mund vnnd die zunge nimmer reden kan / das Verz doch beſfendig ruffen moͤge: HErꝛin deine Haͤnde be⸗ fehlich meinen Geift. Vnter andern hat et gebeelen / vnd fur ſich ʒubetten be⸗ zeret / dah er von dem lieben G Dtt bey gutter vernunfft biß an das ſelige Ende erhalten werden mochte. Vnter an⸗ ern Spruͤchen Götiliches Worts / damit er ſich erquicket / ind dieſe Wort Pault: Chriſtus iſt mein Leben / vnnd Ster⸗ ben iſt mein Gewin: Die er gar offt im Deutſch / vnd die fol⸗ G gende; Philip 1. 50 Leichpredig Graven Jvachims bey Chriſio ʒu ſein /Lateininiſch geſprochen / vnnd ſich damit getröſtet. Vnd well er auß der Hiſtorla vom Leiden Chriſtt auß dem 1. Cap: Johannis/ vnnd auß dem 8. Cap: an die Roͤm: neben andern Troſtſpruͤchen lebendigen Troſt / durch die gnade deß Heyligen Geiſtes bekommen/ hat er geſprochen: Ich fuͤrchte mich fuͤr dem Tode nicht: Wir leben oder ſterbẽ ſo ſind wir deß HErin: Wann ich nur dich hab / ſo frag ich nichts nach Himmel vnnd Erden / vnnd wann mir gleich letb vnnd Seel verſchmachten ſo biſt du doch G DTT/meines Hertzens Troſi / vnnd mem then . Ich wil ruterlich kaͤmpfft⸗ vnꝰ dergleichen. Er hat auch ſein Bekaͤntnis in beyſeln jhrer Gnaden Gemahlin / vnnd Fraͤwlin Catharinæ /auch anderer Chriſi⸗ uchen Perſonen / vnd dem gantzen Haußgeſinde alſo gethan: Daß er erſitich ſeinen Jammer vnnd Eilend / wie er der Sůn⸗ den halben / we ein verjrꝛet vñ verloren Schaf ſey / aber fuͤrs ander ſich dieſes getrewen Hirten getroͤſtet / daß der ſene Suͤnde getragen vnd weggenommen · Von Gtt / iſ daß jhrer Gnaden Glaub geweſt daß ein einiger GBtt ſey/ vnd in dem Einigen Gottlichen weſen Drey vnterſchiedene Perſonen: Der Vatter⸗ Sohn / vnnd Hcylige Geiſt. Von dem HErinCriſto: Daß er G Ottes ⸗ vnd der Jungfrawen Martæe Sohn ſen / ⁵wahrer GDit / vñ wahrer Menſch in einer vnzertrenien Perſoñ· Von dem Ampt deß Herin Chriſit: daß derſelbe ſein Dberſter lehrer/eintger hoher Prieſter/ vñ ewiger Koͤnig ſev⸗ der hab das Werck der Ertöſung volkömlich außgerlchtet ſey vmb ſeiner Suͤnden willen dahin gegeben / vnd vmb ſeiner Gerechtigkeit willen widerumb aufferwecket / der ſey jhme von G D T T gemacht zur Wethheit / zur Gerechtigkeit “ zur Hevligket / vnnd zur Erſsſung. Der ſey gen hm⸗ zu Ortenburg⸗ 51 melgefahren / ſietze zur Rechten G Oites/vnndbitte fuͤr] hn⸗ er werde wider kommen / vnnd jhn zu ſich nemenin Himmel⸗ da er jhm die ſtaͤtte bereittet / daß er da ſey / da er iſt: Der hab jbm den Heyligen Geiſt gegeben / daß er wiſſe/er gehoͤre zu der Chriſtlichen Kirchen / vñ vnter die Schafe Jeſu Chriſt/habe vergebung ſeiner Suͤnden / vnnd ſolle nimmermehr verlo ren werden / ſondern das ewige Leben haben. Von den Heyligen Satramenten: daß ſie ʒu ſtaͤrc ung deß Glaubens eingeſetzet / vnnd durch die heylige Tauffe/hat er der HERR Graff ſeinen Glauben alſo geſtercket / ſo war⸗ bafftig er mit Waſſer getauffet worden / im Namen deß Vat⸗ ters/ Sohns / vnnd Heyligen Geiſtes: ſo warhafftig ſey er durch das Blut Chriſt gereiniget von allen Sunden / vnnd durch den Heyligen Geiſt widergeborn zum twigen Leben: GO TT der Vatter ſey ſein Vatter/ der Sohn ſey ſein Er⸗ loſer/ Bruder vnnd Seltgmacher: Der Heylige Geiſt ſey ſein Troſter / er ſey vnnd bleib GDites Kind vnnd Erbe in ewigkett. Vom Heyligen Abendmal: Daß daſſelbe eingeſetzet ſey ʒu deß HErꝛn Chriſtt gedechtnus / vnnd wir jeinen Todt darinnen verkuͤndigen ſollen / biß daß er komme: So war⸗ hafftig er daſſelbeim rechten Glquben / vnnd Bußfertigem Leben empfangen: ſo warhafftig wiſſe er⸗ Chriſtus habe ſel⸗ nen Leib fur jhn in den Todt gegeben / vnd ſein Blut fur jhn vergoſſen. Er ſey auch warhafftig durch Krafft vnnd wir⸗ rkung deß Heyligen Geiſtes mit dem wahren Letb vnd Blut JESV ChRJS TI geſpeiſſet vnnd getrancket am ſeiner Seelen zum ewigen Leben / vnnd daß alſo C H R J⸗ T VS in ſeinem Hertzen wohnt durch den Giau⸗ en. Er wiſſe / daß ſein getrewer Hirt ihm das ewige Le⸗ ben gebe / daß er nimmermehr werde vmbkommen / vnnd Gti ihn 51 Leichpredig Graven Joachims ihn niemand auß deß H E R RChriſtt Hand reiſſen wer⸗ de: Der Vatter / der ihn Chriſto gegeben/ ſey gröſſer deñ alles / vnnd niemand könne jhn auß deß Vatters Hand reiſſen · Von der Danckbarkeit: daß er durch die Gnade deß Heyligen Geiſtes im ſtande der gutten Werck ſich wolle ſin⸗ den laſſen / gedultig in der Kranckhelt⸗ vnnd beſtendig be⸗ harꝛen / vnnd G D T T vmb die Gnade anruffen wolle. Auff ſolch Bekaͤnmiß hat er mit eigner Stimme bezeu⸗ get / daß er allen /von denener beley diget / vnnd betruͤbet / von Hertzen verzethe: Auch die ſeinen vmb verzethung gebeten⸗ vnnd alſo dieſelben in G Ottes Schutz befehlende / geſegnet ⸗ auch andere / hohes / vnnd nidriges Standes / Bekante vnnd Freunde zuſegnen befohlen· Fuͤr dieſe Gnade haben wir ſuͤmpilich GDtt mit vn⸗ ſerm demuͤtigen Gebet gedancket / vnnd vmb beſten digkeit wetter angeruffen. Da er nun gemercket / daß das Ende herbey nahe / hat er gar offt begeret / daß man den 42. Pſalm / Wie der Hirſch ſchreyet nach friſchem Waſſer / leſen ſolle ſein groſſes verlangen nach dem HErꝛn / JEſu Chriſto / vnd dem ewigen Leben zubezeugen: Vnd wenig ſtunden fur dem Ende/ mit Lateiniſchen worten auß dem 7. Pſalm geſpro⸗ chen: Vatter vnd Mutter hahen mich verlaſſen: Aber du HEr:ꝛ haſt mich auff vnnd aygenommen: Vnd bald darauff auff den Seſſel begeret / vnd wle man jhn nach ſeiner gewon⸗ heit hin vnnd her tragen wollen „zweymal zu der Gemahlin geſprochen: Lucta / die Nacht Sterbe ich: iſt auch nicht lang darnach in eine ſchwere Ohnmacht gefallen / daß wir nicht anders vermeinet / er were ſchon dahin Aber wie wir gobetet⸗ hat er ſich wider erholet vnndgeſprochen: GDit Lob vnnd Danck / das Gebet hat mich wider erqutket. Nicht lang hernach wider in Dhnmacht gefallen / vnnd endlich geſoge da die — — — — — — — „— — „ — zu Ortenburg. „5 da die Todes angſt herbey kommen? Meln GPtt / Mein GDit/hůͤlff mir. Vnnd wie Ihme von dem Tooes kampff vnnd bluttigen ſchweiß JEſu Chriſtt / vnd daß er am Creutz geſchryen: Mein GOtt / Mein GDit / wie haſtu mich ver⸗ laſſen daß er ſi h damtn troͤſten wolle / weil es )hme zu gut ge⸗ geſchehẽ / zu gemuth gefuͤhret / hat er geantwortet: Ja dz weiß ich. Wie jhme auch weuter / dah er nun mut dem altẽ Simcon im friede fahre / Vñ der Herꝛ Jeſus ſeinen Geiſt auffneme⸗ zuge ſprochen / er ſich auch deſſen getroſtet / hat er wider ins Beti begeret: Vñ iſt alſo bald / da men jn nidergeleget /ſanfft vnd Selig vnter dem Gebet eingeſchlaffen · Alſo hat GOTT dieſes vnſers lteben vnnd frommen Graven / vnnd vnſer Gebet erhoͤret: Daß er dieſen ſemen Diener im wahrem Glauben / erkentniß vnnd anruffung ſet⸗ nes Sohns / bey geſunder vernunfft erhalten / vnnd mit ei⸗ nem Seligen Ende zu ſich genommen hat. Zweifeln demnach an ſeiner Seligkelt nicht ſondern ſind deß in gewiſſer zuverſicht / dz ſeine Seele jetzt im Para⸗ diß bey dem HErꝛn Chriſio iſt / vnd daſelbſt ruhe vnd freude empfindet: Sein Fleiſch ruhet auff hoffnung / wirt aber am Juͤngſten Tage wider aufferwecket / mit der Seelen wider veremiget / vnd dem Herꝛlichen Leib Chriſtt gleichförmig ge⸗ macht werden: Vnnd alſo wird er bey dem HERRNein allezett Mu dieſen Worten ſollen wir vns nun vnter⸗ einander troͤſten. Ihr aber /lebt Chriſten / die Ihr jhrer Gnaden Vnrer⸗ thanen geweſt ſeyd / wiſſet / wie ihr ſo einen frommen HErn verlorn habt / an dem jhr nicht ein Bbrigkett / ſondern unen Vatter gehabt habet / der nicht allein fuͤr ewren Leib / vnnd zeitliche narung / vnnd ſchutz / ſondern fuͤr ewre Seelen / ſon⸗ derlich vnnd fleiſſig geſorget hat / dafur jhr billich GDtt dem HErꝛn dancken / vnnd euch alſo gegen GOttes Wort ver⸗ Guj halten 54 Leichpre: Graven Joachims zu Orttburg. halten ſollet / daß man ewer Gottſeligket vnnd danckbarkett ſpuͤren moge. Jetzund ſollet jhr für jhr Gnaden hinter⸗ laſſene betrůbte Witib / vnſere gnaͤdige Fraw / daß ſie der libe G Ott injhrem leid troͤſten wolle / fleiſſig beten / auch in ewrem Gebet neben derſelben euch treulich befohlen ſein laſſẽ das gantze lovliche Hauß aller Graven von Brienburg / vnd dero verwandten vnnd zugchorigen / daß der Allmechtige GOit jhnen allen gnade geben wolle damtt ſie in deß from⸗ men Graven Seliger gedechtnis Fußſtapffen tretten / die rei⸗ ne Evangeliſche Warheit lieben / eꝛhalien / vnd foripflantzen⸗ vnd bey langem Leben erhalten werden. Der Barmhertzize G O T Tynd Vatter wolle euch vnd vns alle durch ſeinen Heyligen Getſt in alle Warhett lei⸗ ten / regteren / vnd fuhren / daß wir JEſu Chriſtt Schafe ſein⸗ ſeine Stimme hoͤren / vnnd ihm folgen / vnſerer Seligkett ge⸗ wiß ſein / vnnd das ewige Leben beſitzen moͤgen / durch ynjern Herzn Jeſum Chrtſtum / welchem ſey mit ſeinem Vatter / vñ dem Heyligen Geiſi Lob / Ehr / vnnd Preth in Ewig⸗ kett / Amen