— vHewers / Chur vñ Fürſtlichen Sächſiſchen gewe⸗2 Eſenen Anpeihuiſen zu Suhla/hinterlaſſe⸗ 3 nen Widtibin / Anno ) 5o3. den )3. Janu⸗ — arij / aus den letzten dreyen Verſen des — 2 2 — ). Pſalms gehalten / 2 . Dunch 2 M. Chriſtophorum Schadium, 8 Pfarrherrn zu Suhla. ²³ 3 S 2 S 3 ½ FRRRRSRERREEEEE . Chriſtliche Predigt / Eydem Begreb es der Erbarn vnnd Tugentſamen? Prawen Barbara Bewerin / weiland des 2 8 Erbarn vnnd Achtbarn Herrn Johan Heinrich * Geruckt zu — —— ZEREREEEREEREREREREEAE XMPLISSIMIS ET ornatiſoImis viris, Dn. Iohan⸗ ni Hecuuero, Illuſtriſs. Principum, Adminiſtratoris Electoratus, et Ducum Saxoniæ apud Sulenſes Præfecto: Dn. Vito, & Dn. Chri⸗ ſtiano Heuueris, fratribus Germanis: nec non Dn. Paulo Merckert, Giui Smal⸗ caldenſi, dominis & amicis ſuis honorandis. 6 e ortatiſsimi viri, amici ho- Lagitatis, Ampliſsimi funere matris & focrus veſtræ dile- ctiſsimæ habitum, vt quem abſentes non audiuiſtis, typis excuſum legatis. Nam cùm mater & ſocrus veſtra Legi naturæ debitum communc & immu- tabile perſoluerct, non omnes piæ i- pſius ex hac vita migrationi, nec et- lam ſepulturæ honeſtiſsimæ intereſſe potuiſtis. Tu enim, Dn. Vitc, tunc temporis eras in Haſsia, ſed de matris A2 obitu obitu certior factus, tanta celeritate domum properabas, vt ea ipſa hora, qua funus eratefferendum, Sulam ve nires. Tu verd Dn. Chriſtiane, qui Lipfiam ad nundinas profectus eras, tertio demum poſt matris ſepulturam die domum reuertebaris. Quanto- perè luctus & moror veſter inde ſit auctus, quis, niſi planẽ ævadie x2k dccyyrs. non intelligat? Quemadmodum autem luctus veſter per ſe quidem iuſtus, à nemine ſanæ mentis reprehenditur: ita nec veſtrum de fermone illo, quo matri & ſocrui veſtræ, Matronæ, dum vixit, honeſtiſsimæ & pientiſsimæ, paren- tatum eſt, in lucem emittendo im- probaturpropoſitum. Hinc enim ſa- tis fuperq; conſtat, vos verè eſſe æu⸗ uincpæes qui non tantùm matrem & ſo- crum veſtram, piè in Chriſto defun- ctam, iuſtis proſequamini lacrymis, fed ſed etiam memoriam illius funebris orationis editione conſeruare ſtude- atis. Etſi autem conciunculæ huiusin- fantia & tenuitas, quam & ingenuè agnoſco & libenter fatcor, quò mi- nus propoſito veſtro ſatisfieret, facilè me abſterrere poterat/ tamen cum mihi ſignificaretur, vos ideo illius e- ditionem poſtulare, vt tantum intra familiam veſtram, tanquam nuirur amoris & pietatis Maternæ ſeſe con- tineat, vel etiam ad paucos amicos proferatur; veſtræ petitioni, præſer- tim in tam pia cauſſa, repugnare ncc volui nec debui. Tranſcriptam igi- tur ex pagellis duabus aliquantò qui- dem copioſiorem, quàm in illa angu- ſtia temporis, & propter corporis mei adiueb haberi potuit, vobis communi- co, & nomini veſtro confecro, vtq́; hanc Fdn bono animo accipiatis obnixé rogo. A 3 Deus Deus æternus pater Domini noſtri leſu Chriſti, nos omnes in hiſce po- ſtremis mundi fecibus, vhi crudeliſt ſimè ſæuit diabolus, & omnia quafi ſurſum deorſum feruntur, alis ſaluti⸗ feris bonitatis ſuæ foueat & com⸗- plectatur, auerſis incendiorum, in- undationum, morborum, Fpidemi- orum, bellorum, & extremæ vaſtita- tis periculis, nosq́; ex omnibus ma- lis tandem ereptos, in regnum ſem- piternum atq; beatum traducat, vt ibi, iuxta promiſsionem illam dul- ciſimamn longitudine« dierum reple jn 1h 3 acie ad faciem ſfine änr videamus, ſine faſtidio amemus, & ſine fatigatione laudemus. Interea, vos viri ampliſsimi & or- natiſsimipcum veſtra familia benè & feliciter valete, meq; amicum ve- ſtrum ſtrum amare pergite. Dabantur Sulæ EX Muſæo, Feſt O ve ðxwaynñs ſi- uc exceptionis Chriſti, Anno1599. 4 colen⸗ M. Chriſtophoru Jhadins, Paßtor ibidem. Seytert aus dem 9l. Pſalm. R begeret mein / ſo wil ich jhm Saushelffen. Er 22 meinen Namen / da⸗ 1 Er ruffet mich an / ſo wil ich jn er⸗ 1 horen / Ich bin bey jhm in der Not / 1 Ich wil jhn heraus reiſſen / vnd zu eh⸗ ren machen. Ich wil jhn ſettigen mit langem leben / vnd wil jm zeigen mein Heil. Auslegung. b kSliebte im HERren Criſto / Es vermahnet der weiſe Mann Sy⸗ rach / das wir die lieben Chriſten / nach Syr. 8. 2 dem ſie geſtorben / fein ehrlich zum 5n.7. 2 Brabe beſtatten / vnd hiermit vnſere F R Hwolthat an jhnen beweiſen ſollen. Welches nanhſ zum zeugnis jh⸗ rer Plal. 31. Genef. 3. Fcclef. 7 2. Tin 3. rer Gottſeligkeit vnd glaubens / zu ehren der kuͤnſſtigen froͤlichen Aufferſtehung / vnd der vnſterbligkeit der Sec⸗ len geſchehen ſol. Dieweil denn nun vnſer lieber Gott / in welches Henden vnſere ʒeit ſtehet / vorgeſiern von dieſer Welt abgefodert / die Erbare vnd Tugentſame Frawen Barbara / des weiland Erbarn vnd Achtbarn Merrn Johann Meinrich Hewers / Chur vnnd Fuͤrſilichen Sächſiſchen geweſenen AmptSchultheiß⸗ ſen allhier (Chriſtlicher gedechtnis) hinterlaſſene Wid⸗ we / Als wil es vns auch gebuͤren / das wir jhren verſtor⸗ benen Leib / welcher nicht allein allhier auff dieſer Welt ⸗ neben der vernuͤnfftigen Seelen / ein Werckzeug vnnd wohnung des heiligen Geiſtes geweſen iſt / ſondern auch hernath / da er vom HErrn Chriſto durch ein Feldge⸗ ſchrey vnd ſtimme des Ertzengels vnd Poſaunen Got⸗ tes von Todten aufferwecket wird werden / in alle ewig⸗ keit ſein vnd bleiben wird / ehrlich vnd Chriſtlich zur Er⸗ den zu beſtetigen / damit er dem Gottlichen beſchluß nach wider zu Erden werde / dauon er genommen iſt. Es ſagt aber der Prediger Salomo / das im Klag⸗ haus das Hertz der weiſen / das iſt / der frommen Gott⸗ uͤrchtigen Chriſten / ſol gebeſſert werden. Dieſem be⸗ fehl zu folgen / damit wir vns auch beſſern mogen / vnd aber ſolches ohne Gottes Wort nicht geſchehen kan / Denn alle ſchrifft von Gott eingegeben / wie S. Pau⸗ lus beʒeuget / iſi nuͤtz zur lehre / zur ſtraffe / zur beſſerung ⸗ zur zuͤchtigung in der gerechtigkeit / das ein Menſch Gottes ſey volkommen / zu allem guten werck geſchickt: Als haben wir jetzt die letzten drey Vers aus dem 9]. Pſalm des Koͤniglichen Propheten Dauids fuͤr vns genommen / darzu vns anleitung gegeben hat die nun⸗ mehr mehr in Gott ruhende Fraw Ampt Schultheiſſin / wel⸗ che ermelten Pſalm neben andern ſchoönen Pſalmen vnd Gebetlein ſonderlich lieb gehabt / jn fleiſsig gebetet vnd ſich in jhrem Creutz vnd Leibsſchwachheit darmit getroͤſtet / dahero denn begert worden / ſolchen Pſalm dißmals zur Leichpredigt abzuhandeln. Dieweil aber der gantze Pſalm / welcher ſehr lehr vnd troſtreich iſt / das man billich von jhm ſagen mag ⸗ quòd omnia in eo verba plena ſint ſenſibus, wie der heilige Lehrer Hieronymus von dem Buch Hiob In Fpigole ſchreibet / in ſo kurtzer zeit nicht kan erkleret werden / wir ad Paulinum. auch ohne das ſolchen Pſalm vor einem viertheii Jars in Leichpredigten zu handeln fuͤrgenommen / vnd biß⸗ hero in etlichen Predigten die erſten vier Vers durch Gottes gnade einfeltig erkleret haben / Als wollen wir jetzt nur die abgeleſene drey letzte Vers / welche ſind der ander theil dieſes Pſalms / fur vns nemen. Es helt vns aber ſolcher Text fur ein herrlich ſchoͤn Oraculum, welches nicht ex tripode Apollinis, ſon⸗ dern vom Himmel herab / durch den heiligen Geiſt / der durch den Koͤniglichen Propheten Dauid geredt hat / 2. Sam. 13. gebracht worden iſt / darinnen den Chriſten dieſe gewal⸗ tige troſtreiche verheiſſung gethan wird / das ſie der fromme getrewe Gott gantz gnediglich in der not erhoͤ⸗ ren wolle / ſie auch nicht allein aus der not heraus reiſ⸗ ſen / ſondern auch zu ehren machen / mit langem leben — ſettigen / vnd jhnen ſein Heil zeigen wolle. Iſt alſo ſol⸗ cher Teyxt ein ſehr krefftiges Lætificans, nicht zwar des Galeni, ſondern Dei altiſsimi & omnipotentis, der⸗ gleichen in keiner Apothecken (wie herrlich auch dieſelbe mit allerley re ceptis verſehen iſt) nicht kan noch mag Bij erfun⸗ Propoſitio trimembris. erfunden werden / des wir vns wider das grewliche Terrificans des Teuffels / auch wider allerley not vnd todt / in vnſerm gantzen leben ſehr reichlich zugetroͤſten aben. Demnach wir vns billich diß herrlich Oraculum in vnſere hertzen zu ſteter betrachtung fleiſsig einbilden ſollen / wie denn auch ein jeder Chriſi / von jungen vnnd alten / Mans vnd Weibsperſonen / den gantzen Pſalm vmb des vielfeltigen nutzes willen jhm fein bekandt ma⸗ chen ſol. Denn von dieſem Pſalm recht kan geſagt wer⸗ den / was der heilige Baſilius in der Vorrede vber den erſten Pſalm von dem gantzen Pſalter in gemein ſchrei⸗ bet / das er nemlich ſey: Tutela pueris, iuuenibus or⸗ namentum, ſolamen ſenibus, mulieribus aptiſsimus decor, Der Kinder ſchirm / der Jugendt ſchmuck / der alten troſt / des weiblichen geſchlechts wolſtehende zier. Vmb welches nutzes willen ohne zweiffel dieſer Pſalm vorzeiten in allen Completorijs durch das gantze Jhar vber / fuͤrnemlich aber in der Faſten fleiſsig vnnd mit gantzer andacht geſungen worden iſt / wie die Gloſſa Ordinaria meldet. Wir wollen aber jetzund bey dem verleſenen Tert dieſe drey Puͤnctlein handeln: Zum Erſien anzeigen / Wer der ſey / vnd wie er in dieſem Pſalm genennet werde / der allhier ſolche groſſe verheiſſung thut. Zum Andern / Wem ſie widerfahren ſol. Zum Dritten / Was fur groſſe wolthaten ſolche verheiſſung vns fuͤrhalte. Zum Zum beſchluß /⁵wollen wir von der Fraw Ampt⸗ Schultheiſſin leben vnd ſeligem abſchiede ein wenig melden. Von dieſen Puͤnctlein ſol kurtzer vnnd einfeltiger bericht geſchehen. Der barmhertzige Gott vnd Vat⸗ ter vnſers H Errn Iheſu Chriſti / wolle vns hierzu ſeine Gottliche gnade vnnd heiligen Geiſt gnediglich verlei⸗ hen / Amen. Zum Erſten. OgEnn vns jemand groſſe ber⸗ Pheiſſung thut / muͤſſen wir ja wiſſen / i 3 Pl 8 wer derſelbige ſey / vnd ob er auch ſol⸗ che verheiſſung halten koͤnne. Die⸗ 4 weil denn in dieſem Text eine ſehr herrliche vnd gewaltige verheiſſung v geſchicht /Als muͤſſen wir billich wiß ſen / wer der Promiſſor ſey / auff das wir vns vff ſolche verheiſſunge deſto beſſer zu verlaſſen haben moͤgen. Wer aber der ſey / ſo allhier redet / Er begeret mein / ſo wil ich jhm aushelffen / etc. ſehel wir aus dem erſten theil des Pſalms / do er mit vier herrlichen Ma⸗ ieſtetiſchen Namen genennet wird. Erſtlich heiſſet er EL oRE das iſt / Gott / wie es 1 verdolmetſchet wird / mit welchem Namen ſich Gott *10 ſelbſt alſo nennet / das er ſey der Elohe Abraham / J⸗ pno. 3. ſaac vnd Jacob. Hat den namen à virtute ac robore, der nichts anders denn ſtercke vnd macht iſt / wird auch ſonſt genennet El fortis & potens, das iſt / ſtarck vnd B iij mech⸗ HE. mechtig / als der Himmel vnnd Erden erſchaffen / vnd durch ſeine ſtercke vnd macht fuͤr vnd fur regieret vnd erhelt / von dem auch alle ſtercke vnd macht herkoͤmpt. 11. Darnach wird er im andern vnnd neunden Vers 15HOVA. genennet IEHoOv A hat dieſen namen ab exiſtentia, welcher iſt das proprium nomen dieſes Promiſſoris, damit er ſich dem Iſraelitiſchen Volck hat geoffenba⸗ ret / wie er zum Moſe ſaget: Alſo ſoltu zu den Kindern 1 Iſrael ſagen / der lehoua ewer Vaͤtter Gott / der Gott voa3. Ibraham / der Gott Iſaac / der Gott Jacob / hat mich zu euch geſand / das iſt mein Name ewiglich / dabey man mich nennen ſol fur vnd fuͤr. Alſo ſagt er im Prophe⸗ k. 4ꝛ. ten Eſaia: Ich der lehoua, diß iſt mein Name. leho⸗ ua eſt nomen eius, Er heiſt H E RR / ſagt Amos im neunden Capittel. Wird von etlichen latine vertirt Eſſentiator, dieweil dieſer H E R R ipſiſsima Eſſen⸗ tia iſt / welcher zum Moſe ſagt: Ego ſum qui ſum, D⸗ oa.3. der / Ero qui ero, Ich werde ſein / der ich ſein werde⸗ von dem auch alles / was weſentlich iſt / ſein weſen hat. Ador. 17. Per hunc ſumus, durch jhn ſind wir / ſaget Paulus. Im Teutſchen wird das wort E R R geſetzt / heiſſet aber eigentlich ſolcher groſſe vnnd herrliche Name vff deutſch ſo viel / als der da iſt / der allzeit von ewigkeit ⸗ Qri ſine ßne jetzt vnnd in alle ewigkeit iſi / der nicht angefangen hat ⸗ maner, prin· vnd nicht auffhoͤren wird zu ſein / der fur vnd fuͤr jmmer⸗ S / von dem / vnd in dem / alles was da iſt / hat das es iſi. 17 Zum dritten / heiſſet er ELION. Hieronymus *T1ON. gibt es mit dem woͤrtlein Excelſus. Lutherus hat es verdeutſcht im erſten vndneunden Vers / der Hoheſte. Solcher Solcher Name wird an vielen orten der heiligen ſchrifft von Gott gebraucht / dieweil Er im Hinmel vnd in der pnl.⁊. 10½. Hoͤhe wohnet / auch daſelbſt ſeinen Stuel bereitet hat/ s z. welches kein Keyſer oder Konig thun kan / ſondern mit ſeinem Stuel vff der Erden bleiben mus. Deßgleichen weil er macht vnd gewalt hat / als der allein gewaltige / 1.Tim. 6. der Koͤnig aller Könige / vnd H E RR aller Herren / vfi. a6. & vnd hoheſie in aller Welt / vber alle Reich auff Erden/ s. dieſelben beſtellet vnnd verendert ſeines gefallens / wie vnd wenn Er wil / von welches / als des Bberſten Lehn⸗ Dan. 4. Herrn gnaden ſich alle Keyſer / Koͤnige / Fuͤrſten vnnd NHerrn billich ſchreiben / vnd von jm die Lehn empfahen muͤſſen. Endlich wird er auch in dieſem Pſalm genennet / ScHADAl omnipotens, omnifufficiens, das iſt / Allmechtig / wie er ſich denn ſelbſt mit dieſem Namen dem Abraham vnnd Jacob geoffenbaret hat. Wird aber alſo genennet / weil er fur ſich ſelbſt ſtarck vnd mech⸗ 3. tig / ja allmechtig iſi / alſo das er alles / was er wil / thun kan im Himmel / auff Erden / im Meer / vnnd in allen pfl. 11. 4 Tieffen / das auch wir alle vnſere krafft vnd macht von 13. jhm haben / wie S. Paulus ſagt: Sufficientia noſtra ex Peo eſt, Das wir tuchtig ſind / iſt von Gott. 2.Cor. 3. IIII. SCHaDAl, Dieſe herrliche Maieſtetiſche Namen des Pro⸗ vsvs. mittentis allhier dienen vns nun darzu / das wir den verheiſſungen ohne einigen zweiffel deſto mehr glauben vnd trawen / vns auch ſeiner von hertzen in allerley geiſt⸗ lichen vnd leiblichen noten troͤſten / das er vns daraus erretten koͤnne / wie gros auch dieſelbigen ſein moͤgen. Denn das fromme Chriſten offtmals in mancherley not vnnd beſchwerung kommen / gibt allhier der Text gnug⸗ Pſal. 34. 2. Cor. 7 Prolper. gnugſam zu verſtehen / dieweil ſie aus derſelben ſollen errettet werden. Es ſind multæ tribulationes iuſto⸗ rum, ſagt der heilige Dauid/ da ſind ſie allenthalben in trubſal / auswendig ſtreit / inwendig furcht / vnd heiſi wie Proſper ſagt: Nunquam pella pijs, nunquam diſcrimina deſunt, Pt qui cum certet mens pia ſemper habet. Fůrnemlich aber macht ſich an fromme gottfurch⸗ tige Menſchen / als derſelben Widerſacher / der Teuffel / damit er ſie vff mancherley weiſe / als der venVerðlæles. cui nominia mille, mille nocendi artes, in not vnd ge⸗ fahr ſtuͤrte / da leget er garn vnd ſtricke / braucht arge liſt⸗ daher er auch der Jaͤger oder ogler im dritten Vers dieſes Pſalms genennt wird. Es můſſen auch ofſtmals fromme Chriſten vielfeltige Leibs beſchwerung vnnd groſſe gefehrliche Kranckheiten erfahren / daraus jhnen von keinem Menſchen kan geholffen werden / Vnd ob wol gottfurchtige getrewe Medici allen muglichen fleis anwenden / das dem Patienten moͤge geholffen werden ⸗ wil es doch bißweilen nicht ſein / die Kranckheit iſt zu gros / darumb ſagt der Poet: Non eſt in medico ſemper, releuetur vt æger⸗ Interdum docta pjus valet arte malum. Das iſt / Es ſtehet nicht allzeit beim Artzte / das der Krancke wider auffkomme / es iſt die kranckheit bißwei⸗ len zu gros / das ſie der Artzt mit ſeiner kunſi nicht ver⸗ treiben kan. Wie denn etliche Kranckheiten gar vnheil⸗ ſam ſind / Als Zipperlein / Waſſerſucht / febris quar⸗ tana, &c. daher ſagt man: Tollere nodofam neſcit medicina podagram, Nec formidatis auxiliatur aquis. Item: Hydrops, quartana, medicorum ſcandala plana. So verheiſſet auch ſonſten offt einer dem andern in den noͤten ſeine huͤlffe / aber weil die not zu gros / kan er nicht helffen. Da hat man ſich nun allhier des Pro⸗ miſſorn zu getroͤſten / welcher nicht ein Menſch / ſondern Gott der HE RRiſt / von welchem Dauid ſaget: vci. «s. Gott legt vns eine laſt auff / aber er hůfft vns auch. Wir haben einen Gott der da hilfft / vnd einen H ERRN Errn / der vom tode errettet. Vnnd im 3). Pſalm: v Der H E R R wird jhn erquicken auff ſeinem Siech⸗ bette / du hilffeſt jm von aller ſeiner Kranckheit. Denn wie ſolte dieſer HErr nicht helffen koͤnnen / der Himmel vnd Erden erſchaffen hat / vnd durch ſeine Allmacht re⸗ giert vnd erhelt ? . Der iſt der Höheſte vnd alſmechtige / bey welchem iſt uxuiæ ug rle, krafft vnnd macht ſiehet in ſeiner p Hand. Er iſt mechtig von that / gros vnd von groſſer pi. 17. krafft. Er iſt der Artzt vnd Meiſter zu helffen / ja der ei⸗ Nahum 1. nige Nothelffer/ dem nichts vnmůglich iſt/ Welcher o41. auch vberſchwenglich thun kan / vber alles das wir bit⸗ paj. ten oder verſtehen. Darzu iſt er ein gůtiger E R R / Dan. 6. der helffen wil / wie er allhier ſaget: Ich wil jhm aus⸗ue· helffen / Ich wil jhn ſchuͤtzen / Ich wil jhn erhoren / etẽ. e Der ſagt im Propheten Jeremia: Ich wil dich wider geſund machen / vnnd deinr Wunden heilen Vnd im Eſaia 4). Capitel: Ich der HErr wil ſie erhoͤren / Ich der Gott Iſrael wil ſie nicht verlaſſen. Er iſt ein weiſer H E RR / ja der allein weiſe iſt /xm. 16. Sapientiæ eius non eſt numerus; welcher weis / wenn 1. Tim. s. vnnd wie er helffen ſol / von dem 2 Kirche ſinget: Er bla. 1. weis 41. Pſal. 33. Num. 23. 1. 5am. 17. Pſal. 146. Rbre. 6. weis wol wenns am beſien iſt / vnd braucht an vns kein arge liſ⸗ das ſollen wir jhm vertrawen. Er iſt auch ein warhafftiger HErr/ welches wort warhafftig iſt So er ſpricht/ ſo geſchichts / ſo er gebeut⸗ ſo ſtehets da / vnd was er zuſaget/ das helt er Zewies. Er ii nicht ein Menſch (wie Bileam von Gott redet) das er liege/ noch ein Menſchen Kind / das jhn etwas gerewe. Solt er etwas ſagen vnd nicht thun? Solt er etwas reden vnnd nicht halten? Menſchen liegen / ſetzt Lutherus daſelbſt in margine, vnd muſſen auch zuwei⸗ len fehlen / das ſie nicht halten koͤnnen / deñ ſie ſind ſelbſi jhres lebens vngewies. Alſo ſagt auch Samuel: Der Heldt in Iſratl leugt nicht / vnd gerewet jhn nicht / denn er iſt nicht ein Menſch / das jhn etwas gerewen ſolte. Dieſer HErrz helt glauben ewiglich⸗ vnd mi vnmůglich das er liege. Dieweil wir denn allhier einen ſolchen herrlichen Promiſſorn haben / Als laſſet vns ſeiner gnedigen ver⸗ heiſſung von gantzem hertzen gleuben vnnd trawen⸗ auch in allen nöten vff dieſen HErrn vns verlaſſen / ſo Pfal. 136. wird vns auch geholffen werden / Denn wol dem / ſagt Daund / des hoffnung auff dem Hertu ſeinem Gott ſie⸗ het. e ſey alſo kurtzlich das Erſte Půnttlein. — gum Andern. Em dieſe hertliche vetheiſunge widerfahren ſollen / zeiget vns allhier der Teyt an / in dem Gott der HErr ſaget? Se mein / ſo wil ich jm aus⸗ P helffem Er keñet meinen Mamen/ G daromb wil ich Ihn ſchůtzen. Er ruͤffet habere erga aliquem affectum ſingularem ſeu pecu⸗ liarem voluntatis propenſionem, Tu twdundv, wie denn etliche dieſe wort / Er begeret mein / alſo ausgelegt haben / vehementer me amat, in me complacuit. Bedeutet eine ſolche hertzliche liebe vnd verlangen / wie die kleinen Kindlein vnd Seuglingen gegen jhre Muͤt⸗ ter haben / in dem ſie derſelben / wenn ſie eine weile bey jhnen nicht geweſen / dermaſſen begeren / das ſie nicht ehe auffhoͤren zu weinen / ſie werden denn von jhnen in die ſchoß genommen. Dder / wie ein Breutigam ſeiner Braut aus hertzlicher liebe begeret / derſelben beyʒuwoh⸗ nen / dauon der Poet ſaget: Pecius vt in ſponſo flammarum incendia ſentit, Qui vero Sponſæ flagrat amore ſuæ. Denn von einer ſolchen liebe eines Breutigams gegen ſeiner lieben vertrawten / vder eines jungen Geſellen ge⸗ gen einer Jungfrawen / die er hertzlich vnnd inbruͤnſtig liebet / wird das wort Chaſchak, welches allhier ſtehet/ in heiliger Schrifft gebraucht / Als Gegeſ. 3 4. do He⸗ Genef z4. mor zu den Soͤhnen Jacobs ſaget: Meines Sohns Sichems Hertz ſehnet ſich nach ewer Tochter. Vnd Peut, im fuͤnfften Buch Moſe am 2). Capittel / wird es ge⸗ braucht von eines lieb vnnd begeren gegen einem gefan⸗ genen Weibe / welches er im Krieg bekommen / das er ſie zum Weib begeret. Heiſſet demnach des H E R RN begeren allhier nichts anders / denn aus hertzlicher liebe vnd jnniglichen hegierden des hertzens ſich zu jhm hal⸗ Cij ten / r. ruͤffet mich an/ ſo wil ich jn ethoͤren. Mus dem⸗ promißioni- nach der/ ſo dieſer verheiſſung genieſſen wil/ Gottes des bo hie ſu⸗ Errn / des hoͤheſten vnd allmechtigen erſtlich begeren. Es heiſt aber begeren an dieſem ort eigentlich ſo viel / als Qui Deum zu einem ein ſonderlich hert / luſt vnnd gefallen tragen / deldera. 1. 21. abtreiben laſſe. 2. Qui nomen Dei cogno⸗ lcit. 3⸗ Qui Deum leriò inuocat Luc. 17. ten / vnd jym anhangen / das man ſich von jhm nichts Darnach mus er Gottes Namen kennen / welches bey dem vorigen notwendig ſein mus. Denn keine wa⸗ re beſtendige liebe nimmermehr ſein kan / es komme denn dieſelbe aus dem rechten erkentnis des Goͤttlichen Na⸗ mens. Was heiſt aber den Namen Gottes kennen e Nichts anders / denn Gott alſo erkennen / wie er ſich in ſeinem Wort geoffenbaret. Item / Gott vnnd ſeinem Wort vertrawen / vnd feſtiglich gleuben / das er vmb Chriſti Iheſu willen gnedig ſein / Suͤnde vergeben / vnd in allen nõten / ſo fern es ſeine Goͤttliche ehre vnd vnſere Seligkeit belanget / gerne helffen wolle. Endlich folget auff das begeren vnnd kennen das anruffen. Denn niemand Gott anruͤffet / es ſey denn das er jhn recht erkenne / mit hertzlicher liebe jhm an⸗ hange / vnd feſtiglich Gottes verheiſſung gleube. Wie ſollen ſie / ſagt S. Paulus / anrufſen / an den ſie nicht gleuben? Anruffen aber heiſſet in heiliger Sprache ſo viel / als mit dem ruffen Gott begegnen / Wie die zehen Auſſetzige im Euangelio mit jhrer erhabenen ſtimme dem HErrn Chriſio begegneten / vnd geſchicht ſolches nicht nuͤr mit dem Munde / ſondern alſo / das man zu⸗ gleich von gantzem Hertzen zu Gott ſeufftzet / welches denn das beſte Gebet iſt / auch von Gott gnedig erhoͤret wird / wie die bekandte Vers lauten: Non vox, ſed votũ, non muſica chordula, ſed cor, Non clamor, ſed amor cantat in aure Dei. Alſo Alſo hat gebetet der Mann Goktes Moſe am ro⸗ Exod. 14. then Meer / do er fur groſſer angſt zu Gott ſeufftzet / vnd Gott ſolches erhoͤret / vnd ſaget: Moſe / was ſchreyeſtu zu mir? Alſo hat die Hanna Gott vmb einen Sohn 84m. 1. angeruffen / in dem der Tert meldet: Hanna redet in jhrem hertzen / allein jhre Lippen regeten ſich / vnd jhre ſtimme horet man nicht. Ein ſolch andechtig Gebet wil Gott allhier auch haben / darumb Lyra dieſe wort / Glamauit ad me, alſo ausleget / das er hinzu ſetzt / oran⸗ do deuotẽ, das iſt / Er ruffet mich an / in dem er mit al⸗ ler andacht ſeines Hertzens betet. Es kan auch wol durch das Clamare oder anruffen verſtanden werden ⸗ das ſtetige anhalten mit dem Gebet / nach dem Exempel des Cananeiſchen Weibleins / biß man erhoͤret wer⸗ de/ welches Lutherus nennet orationem improbam. Solch Gebet gefelt Gott wol / wil es auch erhoren / vnd helffen / wie der H E RR Chriſtus ſaget: Solte Gott Luc. 15. nicht auch retten ſeine auserwehlten / die zu jm tag vnd nacht ruffen / vnd ſolt gedult druͤber haben? Ich ſage euch / er wird ſie erretten in einer kuͤrtze. Es iſt aber ſehr troͤſtlich / das der hoͤheſie vnd All⸗ mechtige nicht ſaget / Der ohne Suͤnde iſt / meine Ge⸗ bot vollkoͤmlich gehalten / vnd viel guter werck gethan hat / dem wil ich aushelffen / ſchuͤtzen / erhoͤren / etẽ. Sondern gar ein anders ſetzet er / nemlich / hertzliches begeren Gottlicher gnaden / erkentnis ſeines herrlichen Namens / vnnd anruffung ſeiner Barmhertzigkeit. Denn wenn vns nicht ehe gutes geſchehen ſolte / wir hetten es denn zuuor mit vnſern wercken vmb Gott ver⸗ dienet / wuͤrden wir gewißlich / dieweil wir alle zumal ſuͤndigen / vnd mangeiln des Rhums / den wir an Gott Rom. 3. Cij haben Pſal. 18. Pfal. 25. Pſal. 42. Actor. ₰. haben ſollen / nimmermehr einer einigen wolthaten Got⸗ tes theilhafftig werden. Dieweil denn vnſer lieber Gott in ſolcher ſeiner verheiſſung mehr ſihet auff den glauben des hertzens / welcher gleichwol durch die liebe thetig / alſo das ſich rechtgleubige Chriſten vffs fleiſsigſte fuͤr Suͤnden huͤ⸗ ten / vnd in Gottes geboten vnnd wegen wandeln / denn vff die vollkommenheit einiger werck/ Als ſollen wir jhn von hertzen lieben / auff jhn hoffen / vnd allzeit beſtendig jhm anhangen / vnnd mit dem lieben Dauid ſagen: Hertzlich lieb habe ich dich HERR / meine ſtercke /Herr mein Fels / meine Burgk / mein Erretter / mein Gott / mein Hort / auff den ich trawe. Item: Nach dir HErr verlanget mich / mein Gott ich hoffe auff dich. Wie der Hirſch ſchreyet nach friſchem Waſſer/ ſo ſchreyet meine Seele Gott zu dir. Vnd im o3. Pſalm ſagt er: Goit / du biſt mein Gott / fruͤe wache ich zu dir / Es duͤrſtet mei⸗ ne Seele nach dir. Adhæſit anima mea tibi, Meine Seele hanget dir an / x. Darnach ſollen wir auch Gottes Namen kennen ⸗ das nemlich der Himliſche Vater vmb ſeines geliebten Sohns Chriſti willen vns gnedig ſey / das auch wir al⸗ lein bey jhm / vnd bey keines andern Namen huͤlffe ſu⸗ chen vnd empfahen ſollen. Denn wie Petrus ſaget / ſo iſi in keinem andern heil / iſt auch kein ander Name den Menſchen gegeben / darinnen wir ſollen ſelig werden. Non in hominer ſaget Bernhardus in ſeinem ſermo⸗ ne, non in angelo⸗ ſed in me ſperauit, nihil boni niſi ex me non per ipſos expectans. Wi Wir muͤſſen auch endlich Gott den HERrn von hertzen im waren glauben vnd vertrawen anruffen / wel⸗ cher vns vnter andern vrſachen zu dieſem ende Creutz vnd truͤbſal zuſchicket/ denn die anfechtung lehret auffs Eſ. ⁊. wort mercken. Es iſt auch diß Gottes wille vnnd be⸗ fehl: Ruffe mich an in der not / ſo wil ich dich erretten / Pſa. yo. ſo ſoltu mich preiſen. Eructus clamoris, ſaget Bern⸗ hardus / eſt exauditio Saluatoris. Vnd ob wir ſchon nicht alsbald erhoͤret werden/ ſollen wir doch nach des HErrn Chriſti vnd S. Pauli vermahnung / mit dem Luc. . tuffen anhalten / auff den HEMrn von einer Morgen- hetn. wache biß ʒur andern harren/ Er kömpt doch endlich mit 0. ſeiner hulffe zu rechter zeit. Si moram fecerit Pomi⸗ nus (ſagt der Prophet) expecta illum, Weñ der Herr Habac. ⁊. verzeucht/ ſo harre ſein / er wird gewißlich kommen / vnd nicht auſſen bleiben. 6 Wenn wir vns nun alſo gegen Gott verhalten / ſo werden wir auch ſeiner gnedigen verheiſſung hier zeit⸗ lich / vnd dort in alle Ewigkeit rejchlich genieſſen. Dargegen aber haben ſich dieſer verheiſſung nicht anzunemen / welche Gott verachten / ſeinen Namen nicht kennen / jhn nicht anruffen / denn dieſe alle widerumb ſollen verachtet werden / vnd vmbkommen. Sihe / die von dir weichen (ſpricht Dauid) werden vmbkommen / vñ. 3. du bringeſi vmballe die wider dich huren. Welches von allen gottloſen / abgottiſchen / heuchlern vnd ſichern leu⸗ ten / die mehr lieben die Welt / denn Gott / verſtanden wird / Von ſolchen gottloſen ſol das Heil vnd alle pfd. 19. huͤlffe Gottes ferne ſein. So viel vom Andern Puͤnctlein. 1. Sam. 2. Zum Dritten. Leich wie der getrewe barmhertzige G5 Gott oſſtmals etlichen frommen Menſchen in ſonderheit ſeine gegenwart⸗ ſchutz vnnd ſchirm / zu beſonderm heilſamen troſt / wie ſolches bey dem Exempel des heiligen Ja⸗ tobs / im⁊ s. Capittel des erſten Buchs Moſe / zu ſehen iſt / gnediglich verheiſſen vnd zugeſagt hat/ Alſo verheiſ⸗ ſet er allhier in gemein allen gleubigen Chriſten / die nůr Oao bene/ mit hertzlichem verlangen ſeiner begeren / ſeinen Namen kcia pjs à kennen vnd antuffen / acht herrliche wolthaten / welche bnO pro · wir ordentlich nachemander betrachten wollen. miſſa. „ Die erſie iſt liberatio ex periculis, die erloſung yericul. atts der gefahr/ ſo gros ſie auch ſein mag / wie denn durch das wort liberabo, Ich wil jhm aushelffen/ eine ſonderliche groſſe not vnd gefahr / dariñ bißweilen from⸗ me Chriſien gerhaten / verſtanden wird· 1I. Die andere iſt protectio ſiue exaltatio, der ſchutz vrotecio ſeu Gottes. Ich wil jhn ſchutzen / ſpricht der HErr. Iſt hatio. ein verbum Emphaticum, heiſt ſo viel als einen nider⸗ geſchlagenen widerumb auffrichten vnd erhalten / do die Metaphora genommen à luctatoribus, von denen ſo mit einander ringen vnnd kempffen / wie D. Wellerus anzeiget. Es heiſt auch in heiliger Sprach das wort Schůtzen (ſagaff) ſo viel / als mit einer hoͤhe vmbgeben vnd verwaren / Denn einem Erloͤſer gebuͤret nicht allein einen aus groſſen noͤten zu erretten / ſondern auch denſel⸗ ben in einen ſolchen gewarſamen vñ ſichern ort zu ſetzen⸗ dahin niemand von den Feinden kommen koͤnne. alſo alſo dieſe art zu reden genomen / ab vſu militiæ; do man ſich wider den Feind vff den Feſtungen / welche gemei⸗ niglich auff hohen Bergen erbawet / zu ſchuͤtzen vnd zu verwaren pfleget. Wird demnach hiermit angezeiget / das Gott den jenigen / ſo er aus der not errettet / dermaſ⸗ ſen wider alle gefahr ſchuͤtze vnnd beware / das in keiner hohen Feſtung jemand wider den Feind alſo geſichert ſein koͤnne / Sintemal auch die mechtigſten Feſtunge / wie die erfahrung bezeuget / von Feinden offt eingenom⸗ men werden. Die dritte wolthat iſt Reſponſio vel exauditio, die Erhorung. Ich wil jhn erhoͤren / ſagt der HERR. vel exauditio Es lautet aber in der heiligen Sprach eigentlich / Re⸗ ſpondebo illi, Ich wil jhm antworten / welchs ſehr fein Gottes gnade vnnd guͤte anbildet. Als wolte Gott ſo viel ſagen: Ich wil den / der mich liebet / meinen Namen kennet / vnd in noten zu mir ſchreyet / nicht allein erhoͤ⸗ ren / ſondern ich wil jhm widerumb zuſchreyen vnd ant⸗ worten: Mie bin ich / der ME RN / Gileich wie mann denen / ſo in Fewer vnd Waſſers not kommen / vnd jhre Freunde / welche ſie ſehen / vmb huͤlffe anſchreyen ⸗ widerumb zuzuſchreyen pfleget. Die vierde iſt Præſentia Del in ærumnis, Gottes IIII. gegenwart im Cteutz / dauon ſagt er allhier alſo: Cum pln⸗ ipſo ſum in tribulatione, Ich bin bey jhm in der Not. Es iſt aber Gott der H E RR in der not nicht als ein ocioſus ſpectator, das er nůr zuſehe / viel weniger / das er noch darinnen plagen / verlaſſen oder verderben / ſon⸗ dern das er daraus helffen vnd erretten wolle. Darumb v. ſaget er ⸗ Eripiam eum, Zuw jhm heraus helffen ⸗ Ereptio en welche VI. Glorificatio. Dan. 6. Obiectio. welche Gott den gleubigen allhier verheiſſet. welche ereptio extribulatione die fůnffte wolthat iſt / Die ſechſte iſt die glorificatio, Ich wil jhn zu eh⸗ ren machen / ſpricht der H E RR. Als wolte er ſagen: Ich wil jhm nicht allein aus der not helffen / ſondern auch herrlich machen / wie Theodoretus vber dieſe wort des Pſalms alſo ſchreibet: Non modò ã grauio⸗ ribus rebus ipſum liberabo, ſed etiam illuſtrem effi⸗ ciam. Solches ſihet man an den Exempeln in heiliger Schrifft. Hat nicht Gott den Joſeph aus dem Ge⸗ fengniß heraus geriſſen / vnd zu einem Fuͤrſten in gantz Egyptenland gemacht? Hat er nicht auch den Daniel aus der Lewengruben errettet / vnnd alſo zu ehren ge⸗ macht / das er gewaltig worden im Koͤnigreich Darij⸗ vnd auch im Koͤnigreich Cores, der Perſen? Alſo hat er den Dauid aus ſeinem Exilio widerumb in ſein Kö⸗ nigreich geholet. Vnd ob wol nicht alle in dieſem leben zu gleicher ehre erhaben werden / jedoch / was des Leibs geſundheit vnd herrligkeit betrifft / ſehen wir / das ſolche verheiſſung Gottes noch teglich erfullet werde / das ich der groſſen ehre vnd herrligkeit / welche im ewigen leben alle gleubige erlangen werden / geſchweige. Hie moͤchte nun jemand fragen / wie es komme / das Gott allhier ſaget / Er wolle ſeine gieubigen aus der not reiſſen / do ſie doch im eyſten theil dieſes Pſalms mit vie⸗ len verheiſſungen ſind vertroͤſtet worden / wie das ſie fuͤr der ſchedlichen Peſtilentz vnnd andern plagen alſo ge⸗ ſichert ſein ſollen / das derſelben keine zu jhrer Huͤtten ſich nahen werde / dieweil ſie vnter dem ſchirm des Ho⸗ heſten ſitzen / vnd vnter dem ſchatten des Allmechtigen bleiben: Wil er ſie nun erretten / ſo mus ja — das ie zu⸗ ſie ʒugleich mit den vngleubigen geſtrafft / vnd eben ſo wol / als die andern mit der Peſtilentz beladen werden / wo nicht / ſo mus dieſer Pſalm ſelbſt mit jhm vneins vnd ſtreitig ſein. Darauff iſt nun zu antworten / das der Pſalm kei⸗ nes weges jhm ſelbſt zu wider ſey. Denn die rechtgleu⸗ bigen Chriſten / welche Gott dem allmechtigen von Hertzen trawen / gantz gnedig fur der Peſtilent nicht al⸗ lein / ſondern auch für andern gemeinen Landplagen ⸗ damit die Gottloſen (wie der s. vers meldet) geſtrafft werden / ſollen ſicher ſein vnnd bleiben. Damit aber gleichwol jhr alter Adam nicht zu geil vnnd mutwillig werde / thut Gott aus ſonderm bedencken / jhrer Seelen zum beſten / jhnen mancherley Creutz vnnd truͤbſal zu⸗ ſchicken. Auff das ſie aber darinnen nicht kleinmuͤtig vnd verzagt werden woͤgen / verheiſſet er jhnen in dieſen worten gnedige huͤlffvnnd beyſtand / das er ſie endlich aus der Not erretten wolle. Haben alſo die rechtgleubi⸗ gen zwiefachen troſt. Einen / das ſie in ſterbensleufften / wenn ſchon eine groſſe menge Volcks zu beyden ſeiten dahin falle/ ſollen fuͤr der verderbenden Plage ſicher ſein vnd bleiben / wofern ſie nur das vertrawen / vnd zu⸗ uerſicht des Hertzens / laut ſeiner gnedigen verheiſſung / nicht fallen laſſen. Den andern troſt haben ſie alſo / das ob ſie gleich mit dem Creutz vnnd truͤbſal beladen werden / dennoch Gott der H E R R bey jhnen in der NVot ſein wolle / ſie troͤſten / ſchutzen / vnd endlich heraus reiſſen / wie lange er auch offtmals / zu mehrer beweerung jhres Glaubens / mit der huͤlffe verzeucht. Die ſiebende wolthat iſt Ponatio longæ vitæ, Do Reſponſio. VII. dauon ſaget Gott allhier alſo! Ich wil jhn ſettigen & vu. D j mit natio lon⸗ mit langem leben · Dieſe wort werden vff zweyerley weiſe ausgelegt vnd verſtanden. Erſtlich von dem langen leben in dieſer Welt / wel⸗ ches denn auch eine gabe vnd wolthat Gottes iſt / denn er iſi vnſer leben / vnd die lenge vnſer tage / oder / wie es peu zo. Lutherus gegeben / vnſer langes alter. In jhm leben ⸗ naor. 17. weben / vnnd ſind wir. Sein auffſehen bewaret vnſern odem⸗ vnſer zeit / ſaget Dauid / ſiehet in ſeinen Henden. Perheiſſet demnach Gott allhier das leben ſo lange zu friſten / das man deſſelben ſatt vnd vberdruͤſsig werde⸗ wie die Schrifft von den heiligen Altvaͤtern vnnd Pa⸗ Gen. 3. & triarchen / Abraham vnnd Iſaac meldet/ das ſie alt vnd des lebens ſatt geweſen ſind. Obicctio. Es moͤchte aber jemand fragen / Wie dieſe wort von der erlengerung des zeitlichen lebens zu verſtehen⸗ wie es denn komme / das fromme leut offt nicht ſo lange leben / als die Gottloſen? Vder / warumb der Prophet tn. s. Eſalas ſage/ der Gerechte werde weggerafft fuͤr dem S. . vngluͤck? Vnd das Buch der Weisheit / das der Ge⸗ p. rechte ʒeitlich ſterbe / Er gefalle Gott / ſey jhm lieb/ vnd werde weggenommen aus dem leben vnter den Suͤn⸗ dern /t. Wie denn auch die Heyden es fuͤr eine ſonder⸗ liche liebe vnd gnade Gottes erkandt / wenn einer ʒeitlich ymurarch. in geſtorben / daher Menander ſagt: in dt heci ꝙunðᷣow dred⸗ conſol. ad A⸗ vuꝰu S Wen Gott lieb hat / der ſtirbt fein jung da⸗ poll. hin. Solches koͤmpt ja / magſtu ſagen / mit dieſer ver⸗ heiſſung allhier nicht vberein / do die from̃en mit langem leben ſollen geſettiget werden. Da ſol man nun wiſſen / das alle leibliche verheiſ⸗ weponho, ſunge zu verſtehen ſind /cum aliqua exceptione. Vnd gleich wie Bernhardus von der gleubigen Gebet ſaget: Aut fiet quod petitur aut expedit non fieri, das iſi⸗ Entwe⸗ Entweder wird es geſchehen das man bittet / oder es iſt nicht gut das es geſchehe: Alſo kan man hier von der lenge des lebens auch ſagen / das Gott den from̃en ent⸗ weder langes leben gebe / wenn es nemlich jhnen vnd der Kirchen Gottes nuͤtzlich vnnd gut iſt / oder aber dieſelbi⸗ gen zeitlich aus dieſer Welt hinweg neme / wenn jhnen ſolches viel beſſer iſt. Jedoch laſſen ſie ſich vnter deß mit der kurtzen zeit jhres lebens viel beſſer ſettigen / als die gottloſen vnnd vngleubigen mit vielen langen Iharen / denn ſie wiſſen / das nach dieſem ein ander leben folge ⸗ in welchem ſie des lebens vnd ewigen guͤter zum vberflus reichlich genieſſen werden. Sehen demnach fromme Chriſten fuͤrnemlich vff das kuͤnfftige leben / ſetzen auch in daſſelbige all jr heil vnd ſeligkeit / darumb auch Gott der HErrn ſelbſt dieſe interpretation hinzu ſetzet / do er ſagt: Ich wil jhm ʒeigen mein Meil. Als wolte er ſagen: Nach dem ich jhm die gantze zeit ſeines lebens allhier meine Vaͤtterliche gůte / gnade vnd barmhertzig⸗ keit / vff mancherley weiſe werde bewieſen haben / wil ich jhm alsdenn in jenem leben zeigen mein Heil / das iſt⸗ er ſol dort im ewigen leben erfaren / was da ſey das rechte Heil / vnd die ware Seligkeit / weiche kein trubſal oder widerwertigkeit / auch der Todt ſelbſt nicht wird auffhe⸗ ben koͤnnen / Sintemal Gottes Heil in diß jrrdiſch ver⸗ genglich leben nicht iſt eingeſchloſſen. Das iſt alſo der erſte verſtand dieſer wort: Ich wil jhn ſettigen mit lan⸗ gem leben. Darnach werden ſie auch verſtanden von dem ewi⸗ gen Leben / darumb / das diß zeitlich leben vmb der viel⸗ feltigen mühe vnnd arbeit willen nicht recht ein leben zu nennen / daher jhm mancher lieber den todt / denn das le⸗ ben wuͤntſchet. Das ewige leben wird næ iFoin ein leben Apoc. 10. Fob 14. Gen. 47. Pfalm. 9o. Sirac. 18. 7. Cor. 13. 1. Iohan. 3. leben genennet / darinnen nicht allein ſein wird ᷣꝙalpeone Io uæihy, ſondern auch ſummorum inæſtimabilium bonorum deoꝛ. Es heiſt auch ewig leben / denn es wird do keine zeit mehr ſein. Diß leben allhier weeret eine kurtze zeit/ Buoñc kn XpbrG⸗ isi Byx o ſagt Simo⸗ nides. Alſo auch Clitomachus: Rpæv ycß zrluo 3 iG ice Teun kæupi reuera preuis eſt vita, ars au⸗ tem longa. Do der fromme geduͤltige Job des Men⸗ ſchen leben beſchreibet / nennet er daſſelbe kurt vnd boͤſe/ wie er ſagt: Der Menſch vom Weib geborn/ lebet eine kurtze zeit / vnd iſt voll vnruhe. Der heilige Patriarch Jacob ſagt von ſeinem leben / welches er vff die hundert vnd dreiſsig jahr damals gebracht / es ſey wenig vnnd boſe. Der Mann Gottes Moſe redet von dem kurtzen vnd boſen leben vff dieſer Welt alſo: Vnſer leben wee⸗ ret ſiebentzig jahr / wenns hoch koͤmpt / ſo ſinds achtzig jahr / vnnd wenns koſtlich geweſen iſt/ ſo iſis muͤhe vnd arbeit geweſen / denn es fehret ſchnell dahin / als floͤgen wir dauon. Vnd kurtz zuuor ſagt er: Tauſent jar ſind fur dir / wie der tag der geſtern vergangen iſt / vnd wie ei⸗ ne Nachtwache. Sind nun tauſent jar eine ſolche kur⸗ tze ʒeit / wie viel mehr muͤſſen ſiebentzig oder achtzig jahr⸗ oder laß es gleich hundert jahr ſein / wie Sirach ſetzet⸗ welche doch vnter viel tauſent Menſchen gar wenig er⸗ reichen / gar eine geringe zeit ſein. Demnach haben die alten Lehrer dieſe wort nicht von des zeitlichen / ſondern des ewigen lebens erlengung / welche ohne ende iſt / verſtanden / ʒumal weil darauff fol⸗ get / Ich wil jhm ʒeigen mein heil / oder wie es in der hei⸗ ligen Sprach lautet / meinen Jeſum oder Heyland ⸗ welchs denn im ewigen leben geſchehen wird / da wir jhn ſehen werden von Angeſicht zu Angeſicht / wie er o Alſo hat dieſe wort ausgelegt / der heilige Augu⸗ inus: Quæ eſt longitudo dierum ? Vita æterna. Longitudo illa eſt, quæ non habet finem, æterna vita, quæ nobis promittitur in diebus longis. Non enim ſufficit nobis quicquid longum eſt in tempore, ſi habet finem, & ideo nec longum dicendum eſt, Das iſt: Was iſt das lange leben ? Es iſt das ewige leben. Die lenge des lebens / welche kein ende hat / iſt das ewige leben / welches vns allhier im langen leben verheiſſen wird. Denn wir haben nicht gnug an dem ⸗ das zeitlich lang weeret / vnd ein ende hat / darumbes auch keine lenge mag genennet werden. Lyra ſchreibt alſo: Longitudine dierum reple⸗ bo eum. Quia vita heata non habet terminum, das iſt/ Ich wil jhn ſettigen mit langem leben / denn das e⸗ wige leben oder Seligkeit hat kein ende. Beda erkleret dieſe wort / Ich wil jhn ſettigen mit B langem leben / alſo: dabo ei æternitatem, Ich wil jhIm die ewigkeit geben. . eet Pocior Hiero. Vueller verſiehet dieſe wort auch vom ewigen leben / vnd allerley Himmliſchen guͤtern / in dem er vber den letzten Vers des v). Pſalms alſo ſchrei⸗ bet: Non ſimpliciter dicit, dabo ei vitam æternam, ſed ſignificantioribus & dulcioribus verbis vtitur dicens: longitudine dierum replebo eum. Hoc eſt, cumulabo eum æterna vita luce, ſapientia, gloria & cæteris donis cœleſtibus, quæ nec oculus vidit, nec auris audiuit, nec in cor hominis aſcendit; quæ De⸗ us præparauit diligentibus eum.1. Cor.⁊. Welchen verſtand wir auch billich behalten. A D iij Die vIII. Rxhibitio fa⸗ lutis. Luc. 2. Die achte vnd letzte wolthat / ſo Gott den rechtgleu⸗ bigen verheiſſet / iſt die exlubitio falutis, welches die al⸗ ler groͤſte wolthat iſt / dauon ſagt der allmechtige allhier alſo: Ich wil jhm ʒeigen mein Peil. Durch das wort H E J4/ haben die heiligen Lehrer der Kirchen Gottes / wie auch newlich gemeldet /Chriſium Iheſum vnſern einigen Heyland vnd Seligmacher verſtanden⸗ das dieſe wort: Gſtendam illi ſalutare meum, oder wie es eigentlich lautet / videre faciam eum ſalutare meum, Ich wil jhm ʒeigen / oder ſehen laſſen mein heil / ſo viel ſind als: Ich wil jm ʒeigen meinen Iheſum / den autorem ſalutis, von welchem er ſampt allen gleubigen die ſeligkeit haben ſol. Dieſen Heyland / nennet der alte Simeon vfih ſalutate, wie es im Griechiſchen all⸗ hier ſiehet / welchs Lutherus daſelbſt mit dem wort Hey⸗ land verdeutſcht hat. Das aber diß der heiligen Vaͤter vnnd alten Leh⸗ rer det Kirchen Gottes auslegung vnnd erklerung ſcy ⸗ hat man aus nachfolgendem zuerſehen. Auguſtinus ſchreibt alſo vber dieſen Text / Eto⸗ ſtendam illi ſalutare meum: Hoc dicit, oſtendam illi ipſum Chriſtum, Ich wil jhm ʒeigen mein Heil / das iſt ſ wenn er ſagte / Ich wil jhn Chriſtum ſehen aſſen. Bernhardus: oſtendam illi leſum meum, vtin æternum iam videat, in quem credidit, quem dile⸗ xit quem ſemper optauit. Ich wil jhm zeigen mei⸗ nen Iheſum / das er jhn hinfort in ewigkeit ſehe / an wel⸗ chen er gegleubet hat / den er geliebet / den er zu ſehen be⸗ geret hat. Beda Beda: oſtendam eiſalutare meum, id eſt, Sal⸗ uatorem meum, VERbum. Quia tunc videbimus eum, ſicuti eſt. Ich wil jhn ſehen laſſen mein heil / das iſt / meinen Heyland / das Wort / denn als denn werden wir jhn ſehen wie er iſt. Das ſind nun die herrlichen wolthaten / welche Sott allhier verheiſſet / derer ſich alle fromme Chriſten wider allerley anfechtung in jhrem lebem gantz troͤſtlich meratorü v⸗ gebrauchen koͤnnen. ſus ſex. Erſilich/ das jhnen aus allerley not vnd gefahr / ſo r. tieff ſie auch darinnen ſiecken / der hoheſie vnd allmechti⸗ ge durch ſeinen ſtarcken Arm vnnd mechtige Hand / ſo u fern ſie ſeiner gnedigen huͤlffe / in rechter warer liebe vnd gnitudinem vertrawen begerẽ / zu rechter zeit aushelffen wolle ⸗ gleich bericulorum. wie er dem Joſeph aus dem Gefengnis / dem Baniel aus der Lewengruben / vnd den dreyen Mennern aus dem fewrigen Dfen geholffen hat. Es bezengt auch Dauid mit ſeinem eigenen Ex⸗ empel / das jhn Gott ex profunditate ætumnarum er⸗ rette / do er ſagt: Du leſſeſt mich erfahren viel vnd groſ⸗ Pſalm. 71. ſe angſt / vnd macheſt mich wider lebendig / vnnd holeſt mich aus der tieffen Erden herauff. Zum Andern / das ſie Gott als der rechte 'æmſnur⸗ rI. up wie er im andern vers dieſes Pſalms geneñet wird / . in ſeinen gnedigen ſchutz vnd bewarung auffnemen wol⸗ be le / wenn ſie gleich von der Welt ſchutzlos gelaſſen / vnd an keinem ort koͤnnen geduldet werden / welches ſich der Konig Dauid getroͤſtet: Pater & mater derelique⸗ runt me, Pominus autem ſuſcepit me, mein Vatter vnnd mein Mutter verlaſſen mich / aber der H E RR nimpt mich auff. E Zum 1II. Contra du- bitotionẽ ex⸗ audiendarum precum. Eſa. 65. Plalm. 28. Zum Dritten / das wider allen ʒweifſel jhr inbrůͤn⸗ ſtig Gebet / auch die ſeufftzen jres Hertzen / ſollen gewies vnd warhafftig erhoret werden / weil Gott der H E RR ſagt: Er ruffe mich an / ſo wil ich jhn erhoͤren. Dieſe wort leget der Prophet Eſaias alſo aus im o. Cap. Der H E R Rwird dir gnedig ſein / wenn du ruf⸗ feſt / er wird dir antworten / ſo bald ers hoͤret. Im „8. Cap. Denn wirſtu ruffen / ſo wird dir der HERRant⸗ worten / wenn du wirſt ſchreyen / wird er ſagen/ Sihe / pie bin ich.· Gleich wie ein Kindlein / wil der Prophet anzeigen / wenn es allein iſt / vnd ſich fuͤrchtet / rufft vnd vnd ſchreyet / Vatter / Vatter / vnd der Vatter antwor⸗ tet / hie bin ich. Im 6x. Cap. Eſaię: Es ſol geſchehen⸗ ehe denn ſie ruffen / wil ich jhnen antworten / vnd weil ſie noch reden / wil ich horen. Dieſes hat erfahren der Pro⸗ phet Jonas / do er im bauch des Wallfiſches zu Gott betet / darumb ſagt er: Ich rieff zu dem H E RRN in meiner angſt / vnd er antwortet mir. Es iſt einem ein groſſer troſt / wenn er einem Fůr⸗ ſten oder einem andern groſſen Herrn eine Supplicati⸗ on vbergeben hat / vnd bald antwort bekoͤmpt: Wie viel mehr / wenn der hoͤheſte H E RR /der König aller Koͤ⸗ nige vns armen Supplicanten bald in gnaden antwor⸗ tet / welchen wir auch vmb aniwort mit dem iieben Da⸗ uid allzeit anruffen ſollen: Cum clamo, reſponde mi⸗ hi, Erhoͤre mich wenn ich ruffe. Denn wo man keine antwort bekoͤmpt / da heiſt es: Sæpe racens odij ſemi⸗ na vultus alit, Vnd keine antwort iſt auch eine / aber ei⸗ ne abſchlegige antwort. Darfur ſollen wir mit dem Kö⸗ niglichen Propheten Dauid bitten vnd ſagen: Wenn ich ruffe ʒu dir / H E R R mein Hort / ſo ſchweige mir nicht / auff das nicht / wo du ſchweigeſt / ich gleich werde denen / die in die Helle fahren· Zum Zum vierden / ob ſie ſchon von jederman / auch von den beſien Freunden in jhrem vnglůck verlaſſen werden / das es jhnen gehet / wie der Poet ſaget: Donec eris felix, multos numerabis amicos, Tempora ſi fuerint nubila, ſolus eris. Vnd wie Lutherus bey dem o. Capittel Syrachs ſetzet Freund in der not / gehen ⁊5. auff ein loth / Sols aber ein harter ſtandt ſein / ſo gehen jhr vo. auff ein quintlein. So wil doch Gott der allmechtige bey jhnen in der Not ſein. Wie kan man aber ſolches wiſſen / fraget der alte Lehrer Bernhardus / das er bey vns in der Not ſey? Darauff antwortet er alſo: Ex eo vtiqʒ, quòd in ipſa tribulatione nos ſumus. Quis enim fuſtineret, quis ſubſiſteret, quis perſiſteret in ea? Daraus wiſſen wir es gewies / dieweil wir in der not ſind / Denn wer koͤnte es ſonſt ertragen vnd darinnen beſtehen? Es iſt ſonſten einem ein groſſer troſt / wenn er einen geſellen bey ſich in der not hat / wie man ſagt: Solamen miſeris ſocios habuiſſe malorum, ſo doch ſolcher Ge⸗ ſell einem / wie auch jhm ſelbſten offt nicht helffen kan ⸗ Wie viel mehr iſt es troͤſtlich / das wir an vnſerm lieben Gott einen ſocium ærumnarum haben / vnd darzu ei⸗ nen ſolchen / der vns daraus erretten wil / wie er vns ſol⸗ che huͤlffe nicht allein hie in dieſem Teyt / ſondern auch im Propheten Eſaia mit ſehr troſtreichen worten ver⸗ xg. 36 ſpricht: Fuͤrchte dich nicht / Ich bin mit dir / weiche nicht / denn ich bin dein Gott / Ich ſtercke dich / ich heiffe dir auch / Ich erhalte dich / durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit. Vnd im 43. Capittel ſagt er: Fuͤrchte dich nicht / ich habe dich erloͤſet / Ich habe dich bey dei⸗ nem Namen geruffen / du biſt mein. Denn ſo du durch Waſſer geheſt / wil ich bey dir ſein / das dich die Stroͤme 3n Eij nicht nicht ſollen erſeuffen / Vnd ſo du ins Fewer geheſt / ſoltu nicht brennen / vnd die Flamme ſol dich nicht anzuͤnden. Welches denn an den dreyen Mennern im fewerigen Dan. . n 3 Ppfen zu Babel dieſer H E RR reichlich bewieſen / bey welchen er in der Fewersflamme geweſen / ſie beſchuͤtzet / vnd gnedig daraus errettet. V. Zum fuͤnfften / dienet ſolche herrliche verheiſſung ontra igno⸗ wider allerley verachtung / leſterung vñ verleumbdung ⸗ rum in hoc welche offtmals frommen vnſchuͤldigen Chriſten in die⸗ mundo. ſer argen Welt widerfehret / do man ſie vmb ehre vnnd guten Namen zu bringen ſich vnterſtehet. Da huͤte man ſich nuͤr fur der that / der luͤgen (ſaget man) wird wol rhat. Gott der H E RR wil ſie / dem Teuffel vnd ſeinen luͤgen vnnd Leſiermeulern zu trotz / deſto ehe auch allhier zu ehren machen / wie er an dem Dauid vnd Da⸗ mel ſolches bewieſen / vnd denn auch nach dieſem leben in die ewige Glori ehr vnnd herrligkeit einſetzen / da ſie alles hohns vnd vbels reichlich ſollen ergetzet werden ⸗ wie der HErr Chriſtus troͤſtlich verheiſſet: Selig ſeid jhr / wenn euch die Menſchen vmb meinet willen ſchme⸗ hen vnd verfolgen / vnd reden allerley vbels wider euch / ſo ſie daran liegen / Seid froͤlich vnnd getroſt / es wird Dan. 12. euch im Himmel wol belohnet werden. Diß wird eine ſolche ehre vnnd herrligkeit ſein / das die Lehrer werden leuchten wie des Himmels glantz / vnd die ſo viel zur ge⸗ rechtigkeit weiſen / wie die Sternen jm̃er vnd ewiglich ⸗ Math. 13. Ja alle gerechten werden leuchten wie die Sonne in jh⸗ res Vatters Reich. Dieſe herrligkeit nennet S. Pau⸗ lus nicht ſchlecht vnd bloß eine Herrligkeit / ſondern ein æternum gloriæ pondus, eine ewige vnd vber alle maß a. Cor. 4. wichtige Herrligkeit / do er ſagt: Vnſer truͤbſal / die — lich Matth. 5. lich vnnd leicht iſt/ ſchaffet eine ewige vnd vber alle maß wichtige Herrligkeit / vns / die wir nicht ſehen auff das ſichtbare / ſondern auff das vnſichtbare / Deñ was ſicht⸗ bar iſt/ das iſt ʒeitlich / was aber vnſichtbar iſt / das iſt ewig. Hieruon ſchreibet er auch an die Romer ams. Capittel alſo: Ich halte es darfuͤr / das dieſer zeit leiden der Herrligkeit nicht werth ſey / die an vns ſol offenbaret werden. Alſo ſagt auch Cyprianus: Maiora illic ac⸗ TLib. 4. de cipiemus, quãm hic aut operamur aut patimur, das iſt/ Vnſer belohnung wird groſſer ſein / denn alles leiden ſo wir in dieſer Welt ausſtehen. Zum ſechſten vnd lezten / haben alle fromme gleu⸗ c bige Chriſten wider das kurtze vnd muͤheſelige leben vff uſtatẽ & va⸗ dieſer Welt ſich mit dem ewigen leben / darinnen ſie von nitnem huig allen Suͤnden gerechtfertiget / vnd von allem vbel erlo⸗ viæ. ſet / Chriſtum Iheſum jhren Heyland vnnd Seligma⸗ cher ſehen ſollen / zu getroͤſten. O welche eine felicitas æterna & felix æternitas, wie Proſper redet/ eine ewige ſeligkeit / vnd eine ſelige Ewigkeit wird diß ſein / do in ſolchem langẽ leben weder Todt / noch leid / noch geſchrey / noch ſchmertzen mehr ſein wird / Sondern eitel leben / vnd in demſelben frewde vlu. 16. die fulle / vnd lieblich weſen zur rechten Gottes ewiglich. Quanta erit iſta felicitas, ſagt Auguſtinus, vbi nul⸗ lum erit malum, nullum jatebit bonum, vacabitur pe c Dei laudibus, qui erit omnia in omnibus. Da wer⸗ den wir vnſern lieben Gott anſchawen / gleich wie die lie⸗ ben Engel jhn ſehen / wie auch der heilige Lehrer redet: Sicut Angeli vident faciem patris, ita & nos viſuri Auguſ. ſb. 22. de ciuit. Wnbse * „Dei, cap. 29. Da wird vns vnſer Heyland gezeiget werden. Hie Eiij ſchen 1. Cor. 13. 2. Cor. 5. 1. Iohan. 3. Iohan. 20. 3. Pet. 1. lohan. 16. ſehen wir jhn durch einen Spiegel / als in einem tunckeln wort (ſpricht Paulus) denn aber von Angeſicht zu An⸗ geſicht. Wir wandeln hie im glauben / vnnd nicht im ſchawen / dort aber werden wir jhn ſehen / wie Er iſt. Hic creditis, ibi videbitis, ſagt Auguſtinus / welches ſeligen anſchawens wir nimmermehr werden koͤnnen ſatt werden / es wird heiſſen: Expleri mentem nequit, ardeſcitq; tuendo. Wie ſehr hat ſich doch der heilige Patriarch Ja⸗ cob gefrewet / do er den Meſsiam geſehen / in der geſtalt welche er zu beſtimpter zeit annemen ſollen / das er fuͤr groſſer frewde jhm dieſe wort ausbricht: Vidi Pomi⸗ num ã facie ad faciem, & ſalua facta eſt anima mea, Ich habe Gott von Angeſicht zu Angeſicht geſehen ⸗ vnnd meine Seele iſt geneſen. Es wurden die Juͤnger fro / wie der Euangeliſt meldet / das ſie den HE RRN ſahen / nach ſeiner Aufferſtehung / Wie viel mehr wer⸗ den wir vns frewen / wenn wir vnſern Heyland Iheſum Chriſtum in ſeiner Maieſtet zur rechten Gottes ſitzend ⸗ von Angeſicht zu Angeſicht anſchawen werden? Von ſolcher frewde redet S. Petrus alſo: Wenn nun of⸗ fenbaret wird Iheſus Chriſtus / welchen jhr nicht geſe⸗ hen / vnd doch lieb habt / vnd nun an jhn gleubet / wiewol jhr jhn nicht ſehet / ſo werdet jhr euch frewen mit vnaus⸗ ſprechlicher vnnd herrlicher frewde / vnd das ende ewers Sabhc daruon bringen / nemlich der Seelen ſelig⸗ eit. Dieſe frewde wird eine ewige frewde ſein / welche niemand von vns nemen wird. In dieſer Welt iſt keine frewde beſtendig / do heiſi es / wie der Poet ſaget: Vſqʒ adeò nulla eſt ſincera voluptas, Solicitumq́; aliquid Prouerb. 14. lætis interuenit. Wie auch Salomo ſolchs bezeuget: Nach Nach dem lachen koͤmpt trawren / vnd nach der frewde koͤmpt leid / Aber dort wird ſein ein æternum & ſoli⸗ dum gaudium, quod nuſla interturbabit calamitas, eine ewige beſtendige frewde / die kein truͤbſal wird auff⸗ heben. Wir werden aber in ſolcher ewigen Seligkeit nicht allein vnſern Heyland anſchawen / ſondern auch jhn mit dem Vatter vnd heiligen Geiſt ohne einige bemůͤhung in ewigkeit loben vnd preiſen / vnd mit den heiligen En⸗ geln vnnd allen Auserwehlten / das Sanctus, Gloria in excelſis, vnd Te Deum laudamus, ſingen / wie Au⸗ guſtinus hieuon ſchreibet: Ibi Deum ſine fine vide⸗ bimus, ſine faſtidio amabimus, ſine fatigatione lau⸗ Dei, cap. . dabimus. Mit ſolchem ſeligen anſchawen ſollen wir vns in allen vnſern anfechtungen vnnd bekuͤmmerniſſen / nach dem Eyempel des geduͤltigen Jobs / troͤſten / vnd ſagen: Ich weis das mein Erloſer lebet / vnd er wird mich her⸗ lob. 13. nach aus der Erden auffwecken / vnd werde darnach mit dieſer meiner Haut vmbgeben werden / vnd werde in meinem Fleiſch Gott ſehen / denſelben werde ich mir ſehen / vnd meine augen werden jhn ſchawen / vnd kein frembder. Nach ſolchem anſchawen ſollen wir vns auch hertz⸗ lich ſehnen/ vnd mit dem lieben Dauid ſagen: Meine plu. 2, Seele duͤrſtet nach Gott / nach dem lebendigen Gott ⸗ Wenn werde ich dahin kommen / das ich Gottes Ange⸗ ſicht ſchawe e Vnd mit S. Paulo begeren abzuſchei⸗ bnip. „ den / vnnd bey Chriſto zu ſein. Euolemus, euolemus, laſt vns hinauff fliehen / ſchrie die Monica / des heiligen Auguſtini Mutter / aus groſſem verlangen nach dieſem herrlichen anſchawen / in der ewigen Seligkeit. Wie hertzlich Matth. 7. Apoe. 21. Zach, 12. Tit. 2. ßertlich begeret diß der heilige Auguſtinus in ſeinen ſo⸗ lloquijs: Beatus ero (ſagt er) ſi fuero admiſſus ad videndum claritatem tuam. O Domine, moriar, vt te videam, nolo viuere: volo mori, diſſolui cupio & eſſe cum Chriſto, mori deſidero, vt Chriſtum vide⸗ am. Der heilige Bernhardus bittet mit gar ſchoͤnen worten / das jhm Gott ſein Heil zeigen wolle / da er alſo ſagt: Oſtende nobis Domine miſericordiam tuam⸗ & ſalutare tuum da nobis. Oſtende nohis ſalutare tuum, & ſufficiet nobis. Qui enim videt illum, videt & te, quia ipſe in te, & tu in ipſo. Es wird aber ſolch Heil allein den Gleubigen vnd Auserwehlten zu cwiger frewde vnnd ſeligkeit gezeiget werden / Denn ſelig ſind / die reines Hertzen ſind / denn ſie werden Gott ſchawen / wie Chriſtus der Heyland ſelbſt bezeuget. So ſagt auch Johannes in ſeiner Df⸗ fenbarung: Seine Knuechte werden jhm dienen / vnd ſe⸗ hen ſein Angeſicht. Denn ob wol auch die Gottloſen am Juͤngſten Tage jhn ſehen werden / denn ſie werden ſehen / ſagt der Prophet / in welchen ſie geſtochen haben / wird doch ſolches ein ſchrecklich anſchawen ſein / Nicht als eines Heylands / ſondern als eines geſtrengen zorni⸗ gen Richters / von welches Angeſicht ſie alsdenn in ab⸗ grund der Hellen werden verſtoſſen werden / da ſie im Helliſchen Fewer die Teuffel ewiglich mit heulen vnnd ʒeenklappen ſehen werden. Von Gottes Angeſicht a⸗ ber verſtoſſen ſein / wird alle Helliſche pein weit vbertreffen / wie Bernhardus redet: Omnia gehennæ ſupplicia ſuperabit Deum non videre. Demnach ſollen wir nach S. Pauli vermanung / verleugnen das vngöttliche weſen / vnd die weltlichen lͤſten / vnd zuchtig / gerecht vnd gottſelig leben elt Welt / vnd warten auff die ſelige hoffnung vnd erſchei⸗ nung des groſſen Gottes/ vnd vnſers HE Rren Iheſu Chriſti / welchen vns zu ſeiner ʒeit zeigen wird / der ſelige vnd allein gewaltige / der Koͤnig aller Koͤnige / vnd Herr . Tim. s. aller Herren/ der allein vnſterbligkeit hat / der da wohnet in einem liecht / da niemand zu kom̃en kan / welchen kein Menſch geſehen hat / noch ſehen kan / dem ſey Ehre vnd ewiges Reich / Amen. So viel auch vom Dritten Punctſein. Zum Beſchluß. W nun der Fraw AmpteSchultheiſſin ſeligen) leben / wandel vnd abſchied anlanget 7 wollen wir auch zum kuͤrtzeſten erzehlen: An⸗ Defund⸗ fenglich iſt ſie zu Schmalkalden von frommen Gott⸗ paia. fuͤrchtigen Eltern / im„38. Ihar/geborn. Ihr Vat⸗ Parenteꝛ. rer ift geweſen Herr Johann Steitz / weiland Fůrſt⸗ licher Hennenbergiſcher Rhat vnnd Amptman zu Schmalkalden. Ihr Mutter hat Anna Spielma⸗ gi gin geheiſſen / von welchen ſie Chriſtlich vnd gottſelig aufferzogen worden / biß ſie Anno) 3. jrem Herrn ⸗ Johann Meinrich Mewer (ſeliger gedechtnio) lich verlobt worden iſt / dem ſie in die 4). Ihar im Ehe⸗ Matrimoni- ſtandt gantz Chriſtlich vnnd eintrechtig beygewohnet / n⸗ Nach deſſelben todt/ iſt ſie bißhero in die dritthalb Jhar ang im Widwenſtandt geweſen / hat jhr leben biß auff Aetn. das 6o. Ihar / durch Gottes gnade / gebracht. Wie mancherley Creutz vnnd widerwertigkeit ſie in ſolcher langen ʒeit erfahren / iſt leichtlich zu erachten. Piu vi⸗ uere⸗ ſagt Auguſtinus, eſt diu torqueri Lange leben / heiſt lang gequelet werden / viel Creutzes erfaren muͤſſen. Son⸗ Morbus. Sonderlich aber hat ſie bißßero faſt ein gantz Jat lang groſſe Leibsbeſchwerung gehabt / das ſie gar nicht ausgehen / vnd die Predigten / welches denn jhr am be⸗ ſchwerlichſten geweſen / nicht hat beſuchen koͤnnen / Gleichwol aber hat ſie daheim fleiſsig ſelbſt/ ſo viel jhr ſchwachheit halben můglich / geleſen/ vnd jr leſen laſſen ⸗ auch zu etlich maln im Haus das Abendmal des Herrn empfangen / da ſie ſich ſiets in warer Chriſtlicher demut⸗ für eine arme Suͤnderin erkandt vnnd bekandt / vnd mit dem leiden vnnd ſterben Chriſti Iheſu ſich von Hertzen getroͤſtet / welcher ſie von jhren Suͤnden / vom ewigen Todt / vnd der gewalt des Teufſels erloͤſet / darumb ſie denn / ſolchen jhren Glauben deſto beſſer zu bezeugen / offtmals die auslegung des Andern Artickels vnſers 6læt.7. Chriſtlichen Glaubens recitiret / Vnd weil der rechte Glaube durch die liebe thetig iſt / hat ſie dieſelbige gegen menniglich / ʒumal aber armen leuten / denen ſie behuͤlfß⸗ uch geweſen / erwieſen / auch noch vor jhrem ende eine milde ſtifftung in die Pfarrkirchen vnnd Hoſpital all⸗ hier / andern / welche von Gott reichlich mit gůtern ge⸗ ſegnet / zum Frempel det nachfolge / Chriſtlich verord⸗ net / welches jhr beydes in dieſem leben / vnd denn auch am Juͤngſten Tage rhuͤmlich wird nachgeſagt werden. præparatio Vnd nach dem die Kranckheit je lenger je mehrv⸗ a4 woriem. herhand genommen / hat ſie ſich fein zu einem ſeligen ab⸗ ſchied bereitet/ den ſchoͤnen geiſtreichen Geſang / Woct. Pauli Eberi/ ERR Iheſu Chriſt / war Menſch vnd Gott /27. darinnen fein kurtzlich / was zu einem Chriſt⸗ lichen abſterben gehorig / begrieffen / zum öfftern vnd mit hertzlicher andacht widerholet. Deßgleichen aus dem 2). Pſalm / den lieben Gott vmb huͤlffe vnd erret⸗ tung aus aller not vnd beſchwerung von Herten ange⸗ ruffen ⸗ ſtand geweſen / alſo hat ſie auch Gott der allmechtige durch den zeitlichen Todt zu ewiger Ehr / Glori vnnd Herrligkeit gebracht / welcher ſie allbereit nach der See⸗ len geneuſſet / biß der Leib am Juͤngſten Tage / zu glei⸗ cher ehre vnd herrligkeit auch wird aufferwecket wer⸗ D wie ein herrlicher wechſel iſt diß / da ſie nun ko⸗ men de labore ad quietem/ de fletu ad ſojatium, de morte ad vitam, de fide ad hotitiam, de exilio ad pa⸗ triam, deniq; de mundo ad patrem, wie in vita S. Bernhardi geſagt wird / das iſi / von aller muͤhe vnd ar⸗ beit zur ruhe / vom weinen zum troſt / vom todt zum le⸗ ben / vom glauben zur erkentnis / aus dem elend ins Va⸗ terland / aus der Welt zum Vatter / welcher ſie mit lan⸗ gem leben ſettigen/ vnd ſein Heil/ das iſt /Iheſum Chri⸗ ſium / an den ſie gleubet / welchen ſie geliebet / den ſie all⸗ zeit begeret/ wie Bernhardus redet / zeigen wird / fuͤr welches ſelige Ende vnd herrlichen wechſel / wir dem ge⸗ trewen Gott von hertzen zu dancken haben. Derſelbige barmhertzige getrewe Gott wolle dieſem / der nunmehr in Gott ruhenden Fraw AmptSchultheiſſin Leibe⸗ welcher jetzt von vnſern augen hinweg / zu ſeiner Ruhe⸗ ſtedt getragen werden ſol/ eine froliche Aufferſtehung am Juͤngſten Tage verleihen / auch vns allen einen ſe⸗ ligen abſchied aus dieſer Welt / zu ſeiner zeit gnediglich geben / das wir von allem vbel erloſet / mit dem ewigen Leben geſettiget werden / vnd in demſelbigen JEfum J ij Chri⸗ ruſſen / welcher ſie denn gnedig erhoͤret / bey jr in der not vnd langwiriger ſchwachheit geweſen / vnnd ſie endlich fein ſanfft vnd ſtille / ehe man ſich deſſen verſehen ⸗ her⸗ Mors. Tanua. aus geriſſen. Vnd wie ſie hier in einem feinen Ehren⸗ K. . vI. Chriſtum / vnſern Heyland vnd Seligmacher / von An⸗ geſicht zu Angeſicht anſchawen⸗ loben vnd preiſen moͤ⸗ gen. Solches nun von Gott dem Vatter aller gna⸗ den vnd barmhertzigkeit zu erlangen / wollen wir von grund vnſerer Hertzen be⸗ ten vnd ſprechen das heilige ett.