Ghriſiliche Leichpredigt / Bey dem Begraͤbnuß weiland deß Geſtrengen / Edlen vnd Ehrn⸗ veſten / Melchior von Langenſtein / genandt Guntzen⸗ rodts /Furſtlichen Wuͤrtburgiſchen geweſenen Amptmanzu Mur⸗ ſtatt / vnd Burgkman zu Schrecksbach /. Welcherim H ERRR ſelglichen entſchlaffen Montags frůc vmb2. vhr / den 20. Martii jetztlauffenden 15 02. Jahrs / vnd folgenden Donnerſtag / welcher war der 4. eiuſdem, in der Kirchen zu Schrecksbachehrlich vnd Chriſtlich zur Erden beſtattet ( worden. 1 Gchalten Durch Joannem Milnerum, Diener am Wort Gottes vnd Pfarrherꝛn daſelbſi. Apocal. 4. Seiig ſindt die Todten die in dem H E R R ER ſterben / e. 5 3 „ * 3 Gedruckt zu Marpurg / durch Paulum Egenolff / m h M D XCII. Den Cdien Geſtren⸗ gen vnd Ehrnveſten/ Hans Ludwig /Fuͤrſt⸗ lichem Heſſiſchem Rath / vnd Landtvogt an der Wer⸗ ra /c. Vnd Herman gebrůͤdern von Harſtall / meinen großguͤnſtigen liben Junckern. Ottes gnad vnd ſegen durch Chriſium FG — Jeſum / im heiligen Geyſt /ſampt meinem h⸗ demuͤtigen Gebet / vnd allezeit willigen dienſt zuvor / Edle / Geſtrenge / Ehrnveſie großguͤnſtige liebe Junckern / Es ſpricht Jeſus Syrach amzs. Capittel: Mein Kind / wenn ei⸗ ner ſtirbet / ſo beweyne jn / vndklage jn / verhuͤlle ſeinen Leib gebůrlicher weiß / vnd beſtatte jn ehrlich zum Gra⸗ be. Damit wil Syrach vns ernſtlich erinnert vnd er⸗ mahnet haben / wenn vnſere Eltern / Ehegemahlen / Kinder / Bruͤder / Schweſier / Blutsverwandten oder andere Freunde nach dem willen Gottes ſierben / daß wir nit ?⸗ ſeyn /jre Leichnam nit hinweg werffen / wie vnvernůnfftige Thier auffreſſen laſſen / auch nit / wie die Heyden verbrennen: Sondern dieſelbigen ehrlich vnd Chriſtlich begraben / vnd zur Erden / die vnſer al⸗ S ier Mutter iſt / beſtatten ſollen. Welches nit allein an jm ſelbſt natuͤrlich / billich vnd ehrbar iſi / Sondern es A ij erfor⸗ erforderts auch vnſer Glaub / die hriſiliche Liebe/vnd Gottſeligkeit. Denn ja jre Leiber nit allein Wonungen gewe⸗ Gen. ſen ſindt den vernuͤnfftigen Scelen: Sondern auch Tempel vnd Luſthaͤuſer deß heiligen Geyſies / ja der Syhz. gantzen heiligen Breyfaltigkeit / welche Chriſtus tewer erkaufft / nit mit vergaͤnglichem Goldt oder Silber: ₰ „ Sondern mit ſeinemtewren Blut. Darumb ſie denn Ban . auch das rechte Heylthumb / vnd fur Gott teuwer vnd werth geachtet ſeyn / Sollen auch am Juͤngſten tag wider aufferweckt werden zum ewigen Leben. Darum̃ auch Auguſtinus recht geſagt: Man ſoll die Coͤrper der verſtorbenen / bevor aber der gerechten / vnd glau⸗ bigen / nit verachten noch verwerffen / welche der heilige Geyſt als ſeine gefaͤß vnd werckzeuge zu allen guten ver Wwercken gebraucht hat. Vnds. Bernhardus der abte weetri. Kirchen Lehrer ſagt: Sitauri, cum mortuum tau: hieien inuencrint, plorant, mugiunt, d& quaſi quibuſdam debitis humanitatis obſequiis fra- terna funera proſcquuntur, quid debet homo homini⸗quem & ratio docet & trahit affectio? So die Ochſen vber einen Ochſen brůllen/ vndgleich eine wehklage fuͤhren / was ſoll denn ein Menſch dem andern nit thun? Denn ſolches die vernunfft lehret / vnd die angeborne Lieb darzu treibet. Daß 5 Daß ich die Exempel der heiligen / Abrahams / Iſaars /Jacobs /Joſephs vnd anderer jetzt kuͤrtz halben geſchweige / Sehen wir ſolches an den vernůnfftigen Heyden / mit was koſten / ſolennitet vnd faſt vnzehli⸗ chen Ceremonien ſie jre verſtorbenen beſtattet: Den Todten jhrer lieben Eltern vnd vorfahren Bildtnuß vorgetragen / Orationes funebres gehalten / in wel⸗ chen ſie jre vnd jrer vorfahren Maͤnnliche vnd Ritter⸗ liche thaten preiſeten. Auff Alexandri Magni Be⸗ graͤbnuß iſt / wie die Hiſtoria meldet / bey diez. Thonnen Goldts auffgangen / vnd angewendet worden. Dar⸗ auß zu erſehen / daß zu allen zeiten / auch von den Hey⸗ den / die nur verſtandt gehabt / vnd jrer vernunfft recht gebraucht / die Lodten Leichnam ehrlich beſtattet wor⸗ den · Zu dem ſindt auch bey den Edlen Roͤmern eygene Geſetz gemacht / wie die violatores ſepulchrorum, nemlichen die jenigen / ſo die Graͤber beraubet / oder jnen ſonſt vnehr gethan / ſolten der gebuͤr geſitafft wer⸗ den. So nun ſolches die Heyden gethan / vnd faſt nicht gewußt / wie fie auß Lieb den jhren zum valete gnug⸗ ſam reuerentz vnd ehr erzeygen ſolten: Warumb denn nun nit viel mehr wir / die wir haben die troͤſtliche hoff⸗ nung der froͤlichen Aufferſtehung / ʒum ewigen ſeligen Leben? Wenn der Todt der Helligen iſt werth gehal⸗ ten fuͤr dem HERRN warumb die Leichnam der „½ A. itj — 5 b Todten Matth.6 · Gen3. Tob. . . Sam.31. Gen.12. 28. Pſz3. 1. Reg.22. 6 Todten nicht auch bey vns Menſchen? Wie in gleichem Auguſtinus ſagt: So deß Vatters Kleyd / Ring / oder etwas anders dergleichen den Kindern / vnd nachkom⸗ men / ſo viel deſto lieber iſt / je lieber ſie jhre Eltern bey jhrem Leben gehabt / vielmehr die Leiber / welche vns viel neher zu gethan / vnd die viel mehr gemeynſchafft mit vns gehabt / als die Kleydung / wie die Leiber denn auch viel herrlicher vnd beſſer ſindt. Denn die Kleyder allein zum ſchmuck vnnd behelff gebraucht / entſtehen durch den fall / da dargegen ohne den Leib / der gantze Menſch nit ſeyn oder beſtehen kan Raphael beʒeugt vnder andern / daß Tobias jm damit Gott ʒum Freundt gemacht/ daß er jm die Tod⸗ ten Leichnam angelegen / vnd zur Erden beſtattet. Wie in gleichem der heilige Geyſt derer von Jabeb ehrlich gedenckt· Daß ſie die Leichnam Sauls vnd ſeiner Soͤ⸗ ne von der Mauren Bethſan genommen / beraͤuchert / vnd vnder den Baum zu Jabes begraben atten. Vnd bezeugt der heilige Geyſi / daß ein ehrlich Begraͤbnuß iſt ein belohnung der Gottſeligkeit. Wie denn GOtt Abraham auch vnder andern verheyſſenEr ſolte in ei⸗ nem guten Alter begraben werden / was jmn verheyſſen auch gehalten. Deßgleichen Joſia dem Koͤnig / dieweil er ſich fr Gott gedemuͤtiget / das Buch deß Geſetzes hat horen liſen / ward jm geſagt: Darumb wil ich dich zu £ zu deinen Vaͤttern ſammlen / daß du mit frieden in dein Grab verſammlet werdeſt. Wie aber ein ehrlich Be⸗ graͤbnuß ein belohnung der Gottſeligkeit: Alſo iſt hin⸗ widerumb ein vnehrlich Begraͤbnuß ein ſiraff den Gottloſen vnd widerſpenſtigen. Wie von Achas / Sie begruben jn in der Statt Jeruſalem / aber nicht vnder die Graͤber der Kinder Iſrael. Vnd dem Koͤnig Joa⸗ kim derantirt Jeremias ſolche Funebria: Er ſpll wie Jera. ein Eſel begraben werden / geſchleyffet / vnd hinauß ge⸗ worffen fur die Thore Jeruſalem· Auch hat Gott / wie in andern / alſo auch hierinnen die vbermaß nit dulden oder leiden koͤnnen / derhalben erzůͤrnet er vber Ma- Eſua. naſſis Hoffmeyſter / den Sobna / welcher allzuſtattlich Grab / allermaſſen wie die Koͤnig vnd Fuͤrſten auff⸗ richten ließEr ſolle im elend ſierben / vnd nimmermehr ſein auffgerichtet Fuͤrſtlich Grab mit augen ſehen. Denn GOtt widerſtrebet den Hoffertigen / vnd kan ·per den vbrigen pracht nit leiden / weder an den Todten oder Lebendigen. Dieweil denn nun die Begraͤb⸗ nuß der Todten Leichnam guten grundt / vnd vrſach hat / beydes in der Natur vnd in Gottes Wort / auch von allen vernuͤnfftigen Menſchen / inſonderheit aber den glaubigen / zu allen ʒeiten ehrlich gehaltẽ: Iſt ſolche Gottſelige gewonheit billich auch bey vns geblieben. 1. Damit wir vnſer Liebe alſo gegen die vnſern h em 5 ſen:ꝛ. Vnſern glauben auff die allgemehn froliche Auff⸗ erſtehung darthun:3. Vns ſelbſt deß Todts vnd vnſer ſterbligkeit darbey erinnern: 4. Bevor auch den vodt Chriſi / damit er vnſern Todtzum ſanfften ſchlaffge⸗ heiliget /betrachten. Vnd wirdt demnach wie vmb die⸗ ſer / alſo auch andern vrſachen mehr beyallen Chriſ⸗ glaubigen Menſchen die beſtattung der todten oͤr⸗ per ehrlich vnd Chriſtlich / debita obſeruantia, wie an jm ſelbſt billich / obſeruirt / vnd von menniglichen gehalten. Denmnach nun / großguͤnſtige liebe Junckern / der ewige Barmhertzige Gott nach ſeinem Vaͤtterlichen willen auß dieſem jammerthalzu ſich in ſein Reich al⸗ ler Himmliſchen freude vnd ſeligkeit durch den zeitli⸗ chen Todt in gnadẽ abgefordert / weiland den Geſiren⸗ gen / Edlen vñ Ehrnveſtẽ / Melchior von Langenſtein / genandt Guntzenrodt / E. G. E Lieben Vettern / auch meinen weiland guͤnſtigen lieben Junckern / daran deñ ich nit weniger ein guten Patron / goͤnner vnd freund verloren / deſſen Seelen Gott genade: Iſt es nit allein Chriſtlich vnd recht / daß ſeiner Leich iuſta funebria geſchehen / mit derſelbigen Adelichen zur Erden beſtat⸗ tung / daran deñ / was gebuͤrlich / meines geringen ver⸗ ſtandts / kein mangel geſpuͤret: Sondern auch auß Gottes Wort ein Chrißtliche Leichpredigt 3 qlb 9 als notwendig / nicht ʒwar ſeinet / ſondern bevor vnſert halben. Denn haben die Heyden jhre orationes fu- nebres, darinnen ſie allein jhrer Vorfahren dapffere thaten referirt, gehalten / Warumb denn nicht viel mehr wir Chriſten vnſere conciones funebres auß Gottes wort / dabey wir vns vnſers hoͤchſien Troſtes nicht allein vnſerer ſterbligkeit/ ſondern auchder froͤ⸗ lichen aufferſtehunge vnſeres Fleyſches zum ewigen le⸗ ben / ewiger freud vnd ſeligkeit / erinnern? Weil es denn dieſes orts von mir / wiewol vnwirdigen / zu entrichten erfordert / habe ich ſolches / als dem es auch Ampts hal⸗ ben gebůre / nit wol wiſſen abʒuſchlagẽ / bevor auch be⸗ neben andern motiuen vmb ſeiner / vnſers Junckernſe⸗ ligen ſelbſt eigner bitt willen / denn er / wie E. G. E. wol wiſſend / vnd ſolches mir referirt / etliche Tage vor ſei⸗ nem abſchied /ʒeitlich bey gutem beſinnen von ſich ſelbſi angefangen vnd geſagt/ E. GE ſollen mir / dem Pfar⸗ herrn / ſage / daß ich mich nur auff ein Leichpredigt præ⸗ parirn vnd gefaſt machen wolt. Derowegen E. G. E. hierinnen allerſeits zu gratificirn / ich mich / wie auch Amptshalben pflichtig vnnd ſchuldig erkennet. Daß aber E. G. E. dieſe geringſchetzige Predigt abzuſchrei⸗ ben vnd in Truck zuuerfertigen begeret / iſt mir zwar nicht ohne erhebliche vrſachen hochbedencklichen vor⸗ gefallen / meines geringen verſtandts halben / denn B hierin⸗ 15 hierinnen ich mich noch zur zeit viel zu gering vnd vn⸗ verſtendig erkenne. Zu dem / wie es jetzt gemeyn / kan faſt nichts auch ſo gut vñ herrlich wol gemeynt / geredt oder geſchrieben werden / das nit calumniando de- pravirt, verachtet/geſchmähet vnnd gelaͤſtert werde / auch der allergelehrteſten vnnt henichlientd denen ich das Waſſer nitreychent an / geſchweige daß ſolches nit mir oder meinesg eichentwiberfahren „vnd das offter⸗ mals wol von denen / die es we iger wiſſen / noch ver⸗ ſtehen / Denn lgnorantia, ſagt I hucydides,parit audaciam. Wie aber dem allen / tandem bona cauſa triumphat, dieweil ſolche Bitt an jhm ſelbſt Chriſtlich vnd billich / auch / daß ich anders: nit verſian⸗ den / in allem gutengemeynt / Als hab E. G. E. ich hier⸗ innen mehr gratificirn vnd will ahren /denſelbigen dieſe meine / wiewol gar geringe Pr edigt / dedicirn vnndzuſchreiben woͤllen / daß E. G. E. ſelb ibſ Liebhaber Goͤttliches Worts / gute patroni, freu inde ond for de⸗ rer treuwer Lehrer vnd Prediger / denen auch / wie an jhm ſelbſi billich / der nechſten Erben vnnd Blutsver⸗ wandten felix recordatio angelegen welch e at uch beneben andern ein gute zeit / in die vier Wochen / biß zu ende / mit allen gebuͤrlichen / treuwen vnd notwendi⸗ gen Curen / obſervationen, vnnd ſonſt möglichen fleiſſes / wies allhie bey vnnd angeweſen / demnach dar⸗ 1I von / was geſchehen / geredt / privatim vnd publicẽ perorando iungebracht / gute wiſſenſchafft haben. Endlichen auch inſonderheyt gratitudinis ergò, da⸗ ran mir denn auch im geringſten kein ʒweiffel / E. Gj. E. werden hierauß meinen guten willen vnnd geneygtes Hertz erkennen / jhnen auch alſo meinen angewendten fleiß gunſtiglichen gefallen laſſen / allebzum beſten ver⸗ ſiehen / an vnnd auffnemen / meine guͤnſtige Junckern vnnd Patronen ſeyn vnd bleiben / Darumb ich denn freundtlich vnd gantz fleißig bitte. Hiermit E. G. E. ſampt den jhren geliebten in den ſchutz deß Allmechti⸗ gen befehlende. Signatum Schrecksbach / den 10⸗ Aprilis, Anno à partu virginco 1592. E. G. E. Dienſtwilliger lohannes Milner / Pfarrhers daſelbſt. B ij Eſaiæ 1222 1 Sap. 3. ℳG Chriſtliche Leichpredigt. Eſalæ 56. Aber der Gerechte kom̃t vmb / vnd niemand iſt der es zu Hertzen neme / vnd heilige Leute wer⸗ den auffgerafft / vnnd niemands achtet darauff / Deñ die echten werden weggerafft fuͤr dem vngluͤck/ d die richtig fur fich gewandelt ha⸗ ben / kommen zum fried / vnd ruhen in jren Kam⸗ mern. Kurtze außlegung dieſes Textes. S5S ſpricht Jeremias der Prophet in ſeinen Klag⸗ liedern am · Capitel alſo: Darumb iſt auch vnſer S 5 Hertz betrubt / vnd vnſere Augen ſind finſter wor⸗ J E den. Demnach ſind wir auch dißmal betruͤbt vnd klagend verſamlet / zur klage/ ſag ich / vber dem toͤd⸗ lichen abgang weiland deß Geſtrengen / Edlen vnd Ehrnveſten Melchior von Langenſtein / genandt Guntzenrodis ſeli⸗ gen / Fůrſtlichen Wuͤrtzburgiſchen geweſenen Amptman zu Mur⸗ ſtat / vnd Burgman zu Schrecksbach. Nicht aber traweren wir ſei⸗ nethalben / denn er zweiffels vhn nu mehr in der ruhe mit aller Ge⸗ rechten Seelen: ſondern viel mehr vnſerthalben / denen from̃er nutz⸗ baren Leute abgang mehr gefaͤhrlich vnd ſchaͤdlich / dieweil wir jhrer als nicht allein derer Kirchen vnd loblichen Regierungen ʒierde / ſon⸗ der auch offtermals ſtarcker Pfeiler vnd ſchutzes beraubetſeyn vnnd entberen muͤſſen. Damitwir aber doch dem trawrt / welches Baſilius animi mollitiem nenntt / nit zu viel verhengen vnd Shrit⸗ Chriſtliche Leichpredigt. 13 chriſtlicher vnnd Heydniſcher weiß / ſollen vnd muͤſſen wir hierinnen auch troſt haben: den Troſi aber haben vnd finden wir nirgend beſſer als in Gottes wort / davon Dauid ſagt: Ich hatte viel bekuͤmmernuß Pſo4 in meinem Hertzen / aber deme troͤſtunge ergetzen mir meine Seele· Vnd abermal ſpricht er. ERR / wo nicht dein Geſetz mein Troſt pſalm. u9. geweſen were / ſo were ich vergangen in meinem elende. Derhalben daß wir auch in diſer trawrigen ʒuſaſenkunfft Troſi haben vnd ent⸗ pfinden mochten / haben wir jetz verleſen Wo Propheten E⸗ Eſa. 56. ſaiæ vornemen wollen / darinnen Eſaias / oder ehr der heilige Pet.. Geyſt durch jn ſtraffet die Welt / vnd alle die jcnige Leut / ſo nicht zu hertzen nemen wollen / wenn vnſer HxRM Gott fromme / vnd nutz⸗ Pſalm·4.· bare Leut auß dieſem jamerthal / vnnd muͤheſeligen leben abfordert/ vnnd hinweg nimpt / ohn angeſehen daß ſolches ʒwar der Welt ge⸗ faͤhrlich offtermal vnd mehr ſchaͤdlich / jnen aber / den frommen / nuͤtz⸗ lich / heilſam vnd gut iſt. Denn ſie kommen dadurch zum fried / vnnd ruhen in jhren Kammern. Wir woͤllen aber auß dieſen Worten Eſaiæ dieſe ʒwolehren han⸗ deln / nicht ſo viel als wol von noͤten were / ſondern ſo viel es dieſe ge⸗ legenheit vnd die ʒeit erleiden mag / auch Gott dazu gnade geben vnd verleihen wirdi / Erſtlichen der Welt vnd vnuerſtendigen vrtheil zu⸗ wider / daß Gott viel anders / vnnd beſſer meyne / wenn fromme vnnd heiligeLeutalſo vmbkommen / vnd weggerafft werden · Zum andern/ wo ſie / die frommen / denn hinlommen / wenn ſie von hinnen alſo ab⸗ gefordert werden . Anfenglich ſpricht Eſaias der Prophet alſo: Der Gerecht kompt vmb. Durch die Gerechten verſteht er die ſo glaubẽ an Jeſum Chri⸗ ſtum / welcher im alten Teſtamentzukuͤnfftig / in newen aber erſchie⸗ nen iſt· Denn Jeſus Chriſtus geſtern / vnd heut / vnnd derſelbig auch Heb·⸗ in ewigkeit. Aſohat Eſaias deß Wörtleins (Gerecht) droben auch Eſa·ʒʒ· gebraucht: Mein Knecht / der gerechte / wirdt durch ſein erkendinuß viel gerecht machen. Derwegen wir gerecht nicht durch eigenege⸗ vechiigkeit / ſondern juſtitia imputativa, durch gerechtigkeit 3. jij u 2* ———— ——— — — Jere. 23. Pſal.32.51. Roma.7. Gale3. 1. Cor.. Rom. . . Cor. 6. Eph. 1. Phil.. Coloſſ.. Matth. 5. 7. Gal.. 1.Tim.1. Ephe. 2 p ich pr edigt. ſucrift / welchevren tuetnue 5 den Gin aubenan jhn / wel⸗ cher den Eht at baßerhehhte £ R R der vnſer gerechtig⸗ tiſt. De mnach ſind wi ch heilig /n nt eigener heulig gkeit / deñ jeder t in dieſem uben ſfün e an vns / at aucht den aller rhe iigſien / wiS. aul vnndalle heg n Dtt s daruͤber get lagthaen: ſondern heilige Leut werden genennet / die / ſt durch den glauben angezogen Jeſum Chriſtum den allerheiligſten. Wie S. Paulus bezeugt / So vutewerg,duba ben Jeſum Chriſtum angezoge welcher vns vom Vatte ſelbſt gemacht iſt ʒur Weißheit / zur Gerechtigkeit / zurheiligung vndʒur erlöſung. Wie dergleichen Spruch viel erfun⸗ den werden. Daher ſchreibet auch S Paut us den Roͤmern / Corin⸗ thern / G Epheſern / Philippern / Coloſt ſern / vnd andern / den nen / heiligen / den geheiligten in Chrſto Jeſu / dicweil ſie abgewa⸗ ſchen / geheilget / gerecht worden durch den Namen deß HERRR Jeſu / vnd durch den Geyſt vnſers Gottes. Dieweil aber viel ſich deß Gla aubens vñgerecht igkeitrhůmen / die doch keinen Glauben haben: So erklaͤret fich der Prophetferrner / was es fur gerecht eLeut ſind / Nemlich / die richtig fur ſich gewandelt habt / das iſt / die ſich der Got⸗ tesfurcht / vnnd gerechtigkeit auß glauben befliſſen. Denn der ware glaube wirdt geſpůret bey den guten Wercken / wie ein guter Baum 6 ſeinen fruͤchten / vnd iſt der Glaub thaͤtig durch die licbe. So redet demnach der Prophet von denen / ſodurch den glauben an Jeſum Ehrſtum gerecht / in einem ſtand der guten Wercke erfunden wer⸗ den / daß ſie nicht vnfruchtbar ſind / ſondern ein guie Ritterſchafft vben / den glauben vnd ein gut gewiſſen bewaren. Sintemal wir Baͤume der gerechtigkeit / Pflantzen deß HERM ſcyn / zum; prei⸗ ſe / vnd ſind G Ottes werck geſchaffen zu guten Wercken in C hriſio Sw zu welchen vno G Dit zuuor bereitet! hat / daß wir darinnen v Vas ſagt nun der Prophet von jnen? Der Gerechte kompt vmb. M ſinhſemzien wei daß der HERR Chri⸗ ſus den glaubigen verheiſſen hat das zwige leben / vnnd obſie ſterhen R — Chriſtliche Leichpredigt. 15 ſterben / dennoch leben ſollen? Wie ſagt denn Eſaias / der Gerechte komme vmb? Antwort: Der Prophet redet allhie mit der Welt / vnd vnverſtendigen / welche von den frommen jederzeit /hrem boͤſen vnnd verkehrten vrtheyl nach / alſo judicirt,gevrtheylt vnd gehalten haben / daß ſie mehrmal das boſe gut / vnd gut boͤß nennen duͤrffen. WieSa⸗ lomon: Boſe / boſe / ſpricht man / wenn man es hat / aber wenn es hin⸗ Prouerao. weg iſt / ſo ruͤhmpt man es denn. Es hat ein Landoder Statt einen Auguſt. de 1 miraculies frommen Regenten / kan es aber nicht erkennen / biß derſelbige hinweg iſt / alsdenn findet ſichs was man gehabt. Virtutem incolumem o- dimus: ſublatam ex oculis quærimus invidi. Deßgleich en ein vn⸗ verſtendiger Mann meynet / wenn er ſeines Weibs / oder das Weib jres Manns loß ſeyn mochte / ſo gieng es alsdeñ viel beſſcr. Alſo auch in andern dingen / vnd bedencken nit / oder wollen nicht bedencken / daß omnis mutatio periculoſa. Es wirt hernachja ſo bald qͥrger als beſ⸗ Reg. n⸗ ſer / wie die exempel beneben der taͤglichen erfahrung gnugfam / mehr als gut / bezeugen . Demnach koͤnnen die Menſchen offt / ſo viel an jhnen ſelbſi ⸗ jhren eygenen nutzen vnnd ſchaden nicht ſehen noch erkennen / vnnd dieweil ſie allein ſchen was fur augen iſt //rren ſie offtermals / vnd das Sam.s. 1 nicht allein ſchlechte vnd gemeyne / ſondern auch hohe vnnd vorneme Leut / Wie die exempel nicht allein der freunde Jobs / vnd der zu Me⸗ Job ꝛ2. lite/ſondern auch vieler Heiligen bezeugen. Als / Abraham hielte die Actor. ab. 4 Innwohner von Sodoma vnd Gomorrha fur fromb / daß er zehen Geneſ.ib- 4 drinnen finden mochte / die gerecht vnnd fromb blieben weren / aber es fehlet jm / denn er auch die ʒehen nicht darinn finden kundte. Darge⸗ gen ließ Elias ſich bedůncken / es were niemands mehr im Juͤdiſchen . Reg.i. Volck vberblieben / da zeyget jm Gott noch ſieben tauſent / ſo jre Knie nie vor dem Baal gebeuget hatten. Alſo der Koͤnig David hielte den Mephiboſeth für boß / der getreuw war / dargegen Siba fůr fromb /⁊. Sam. 16. derein Bub war. Darauß wir ſehen war ſeyn das Sprichwort: Man helt einen fur fromb / den andern fur boß / vnd ihut jnen beyd Luc.6. 1. Cor. 4 Sap. 5. Eſa. 30. . Tim.1. 1. Pet. 1. Pſal. 9. 1. Sam.16. Act.ij. Geneſ.5. Syr. 18. Heb.9. Geneſ. 5. 2. Reg. 2. Pſalm. 34. Rem. 4. . Pet. 4. Thren.3. 16 Chriſtliche Leichpredigt. vnrecht. Denn auch mancher ſchalck die boßheit ſeines hertens mei⸗ ſterlich bergen / andern Leuten / ja wol groſſen Hauptern ein Blet⸗ lein auff die Augen kleiben kan / daß einer ſchwur es were ein from⸗ mer Man. Darumb wir cauti vnd vorſichtig ſeyn / niemand allzu⸗ bald vrtheilen oder richten ſollen / damit wir vns an dem vnſchuldi⸗ gen nicht vergreiffen Dieweil auch der Welt vrtheil mehr boß vnd verkert / ſollen wir vns deſto weniger daran kehren oder wenden / denn es vns weder im leben oder ſterben nachtheilig vnd ſchedlich ſeyn kan: Sondern wir ſollen den richtigen Weg grhen / vnſern beruff vnd erwehlung feſt machen / eine gute Ritterſchafft vben / den Glau⸗ ben vnnd gut Gewiſſen bewaren / ſo werden wir dennoch das end vn⸗ ſers glaubens davon bringen / nemlich der Seelen ſeligkeit. Vnd heißt recht wie Tertullianus ſagt: Cumdamnamur à mundo ab- folvimur à Deo. Das iſt / wenn wir von der Welt verdammel wer⸗ den / ſo werden wir von Gott abſoluiret vnnd loß geſprochen. Denn Gottes vrtheil vnd meinung iſt viel ein ander vnd beſſer / welcher als der recht vgeyrcens auch das Hertz / welches er ſelbſt durch den Glauben reyniget / anſihet vnd kennet. Was iſt denn nun Gottes vr⸗ theyl vnd meynung? Das ʒeygt der Prophet hierinnen / daer ſpricht: Heilige Leut werden fur dem vngluck weg oder auffgerafft. Das iſt ein gemeyn art ʒu reden in der Schrifft / wie von Abraham: Colle- Gus eſt ad patres ſuos, Er iſt verſam̃let ʒu ſeinen Vorfahren / das iſt⸗ er iſt geſtorben. Darbey wir vns vnſerer ſterbligkeyt crinnern / daß einem jeden Menſchen geſetzt ein mal zu ſterben / wie alle geſtorben ſind / außgenommen Enoch vnnd Elias. Wie aber alle Menſchen ſterben muſſen / alſo bevor die goitfeligen vnd glaubigen. Deñ gleich wie dieſelbigen mehr jamers in der Welt außſtehen vnnd leiden muͤſ⸗ ſen / nach Gottes willen / denn ohn denſelbigen jhnen nichts widerfah⸗ ren werden dieſelbigen auch ehe vnd mehr denn andere weg⸗ erafft. 3 Fuͤr dem Vngluͤck. Wenn ein Vatter ſich für ſchrecklichem Brand / ſchaͤdlichem Gewaͤſſer / oder gfabricenKrigoverberung⸗ oder Chriſtliche Leichpredigt. 7 oder vngeheuwren Peſtilentz beſorget / ſo ſchickt er ſeine liebe Kinder ʒeitlich auß dem wege / damit ſie nicht mit dem vngluͤck betretten wer⸗ den / Alſo thut vnſer lieber Himmliſcher Vatter auch / wenn ſein zorn / welcher iſt ein verzehrendes Feuwer / anbreñet/ daß er ein vnglůck vber Deut. 4. die Gotrloſen ergehen laſſen vnd ſraffen wil ſo raffet er ſeneKinder/ Pſalm·. ſo jm lieb ſind / zuuor hinweg / daß jre Augen das kuͤnfftige Vngluͤck nit ſehen ſollen / Wie zu erſehen am frommen Joſia/2. Reg. 22. Denn auch das woͤrtlein Vngluͤck Malum)zweyerley verſtan⸗ den / malum cuipa, vnd malum pœnæ, das ſſt / die ſchuldt der Boß⸗ heyt / vnd miſſethat / darnach die Straffe / in maſſen es auch Amos ʒ. Non eſt malum in civitate, quod non fecit Pominus. Das iſt / Amosʒ. Iſt auch ein vnglůck in der Statt / das der H E RR nit thue? Von der Sůnde aber ſagt das Buch der Weißheyt: Der Gerechte / ob er gleich hie ʒeitlich ſiurbt / iſt er doch in der ruhe / deñer gefellt Gott wol / vnd iſt jm lieb / vnd wirt weggenom̃en auß dem Leben vnder den ſuͤn⸗ dern / vnd wirt hingeruckt / daß die boßheyt ſeinen verſtandt nicht ver⸗ kehre / noch falſche Lehr ſeine Seel betriege / Denn die boſen exempel verfuͤhren vnd verderben einem das gute / vnnd die reytzende luſt ver⸗ kehret vnſchuldige Hertzen. Darauß wir ſehen / was Gott eygentlich damit meyne / wenn er die ſeinen wegrafft / nemlich / daß ſie nicht iehr ſundigen / vnd Gott weiter erzuͤrnen. Denn ſo lang wir in dieſem le⸗ ben ſind / ſo machen wir deß ſundigens jmmer mehr / weil das Fleyſch⸗ gelůͤſtet wider den geyſt. Vnd ob ſchon der geyſt willig iſt /ſoiſt doch das fleyſch ſchwach. Darumb auch S. Paulus vnd alle glaubigen ſeufftzen / vnd ruffen: Ich elender Menſch / wer wirt mich erloͤſen von dem Leib dieſes Todts Diß iſt ein beſondere groſſe genade / welches auch Auguſtinus erkennet / darumb ſpricht er: Non ſolum non eſſe Auguſt com- fidelibus inutilem mortem, verùm etiam utilem reperiri: quo- ni niam peccandi periculis hominem ſubtrahit, & in non peccand ſecuritatem conſtituit. Das iſt / Der Todt ſey nit allein den glau⸗ bigen nicht vnnůtz / ſondern werde jhnen auch nuͤtzlich befunden / dar⸗ umb / dah er den Menſchen auß der gefahr jmmermehr zu ſuͤndigen C hinweg Sap. 4. Gen. 7. Gen.19. 2. Reg.2. Eſa. 39. Pſal. 91. 1. Cor. 10. 2. Pet.2. Jerem. 39. Pſalm.. Geneſi. Exod. 3ꝛ. 18 Chriſtliche Leichpredigt. ſ nimpt / vnd jhn in die ſicherheyt bringt / daß er nimmermeht uͤndige· Zum andern / wil ſie Goit auch fur den ſtraffen verſichert ha⸗ ben / Wer viel ſuͤndiget / muß auch viel ſtraff leiden. Damit ſie / die gerechten / nun nicht wie groͤſſer vnd mehrer ſuͤnde / alſo auch mehrer ſtraffe wirdig / nimpt ſie G tt bey ʒeit / bevor wenn ein groß vngluͤck vorhanden / hinweg. Alſo hat er Noah / Lothen / die Juͤnger zu Jeru⸗ ſalem / wie er auch ſonderlich dem gottſeligen Koͤnig Joſia verhieß: Er wolle jn zu ſeinen Vaͤttern verſammlen / damit er nit ſche alle das vnglůck. Deßgleichen Hiskia / bey deß lebzeiten die Babyloniſche ge⸗ fencknuß auffgehalten. Moͤchte aber jemand ſagen / Kan denn Gott ſeine glaubigen ſonſt nit erhalten⸗ Antwort: Gott weyß die ſeinen wol zu erhalten / ob ſie gleich muiten in der gefahr ſind / gibt er jnen eingne⸗ diges außkommen / vnd ſchaffis alſo / daß ſie es ertragen konnen. Wie Eſa.ʒ. Prediget den gerechien / daß ſie es gut haben werden / denn ſie werden die frucht jhrer Haͤnde eſſen / das iſt / ſie ſollen mitten in dem nglůck jrer gottſeligkeit augenſcheinlich genieſſen. Das ſehen wir an Ebedmelech / deßgleichen Daniel vnd ſeinen geſellen. Darumb auch Dauid ſpricht: Wenn ich in der angſt wandele / E R / ſo erqui⸗ ckeſtu mich. Zum dritten hat Gott auch diß in willens / wenn er alſo die ge⸗ rechten wegrafft / nemlich / daß ſie jhm nit in das Schwerdt greiffen / vnd auffhalten / denn wenn Git gleich ſein Schwerdt gewetzt / vnd ſeinen Bogen geſpannet / vnd ʒiclet / daß er ſtraffen wil / halten ſie jhn auff durch jr glaubiges gebett. Wie zu erſehen an dem lieben Loth / zu dem ſprach der HERR: Eile / vnd errette dich ſelbſt / denn ich kan nichts thun / biß du hinein kommeſt. Deßgleichen ʒu Moſe Laß mich daß mein Zorn vber ſie ergrimme / vnd ſie auffreſſe. Im Prophelen Ezech. tz. 22. Ezechiel ſchilt der Hx hefftig die Propheten / vnd andere / ſoſich mit heylfamer Lehr / vnd glaubigem Gebett nit gemachl zur Hurten vnd Mauwer wider den Riß / daß er es nicht verderbte. Darauß wir nun ſehen / wie es Gott meyne / wenn die gerechten alſo vmb nemlit Chriſtliche Leichpredigt. 19 nemlich / daß ſie weggerafft werden fur dem vngluͤck. Welches allen gottloſen billich ſeyn ſoll ein ſtartke Bußpredigt. Denn geſchihet das am gruͤnen Holt / vnnd muß der gerechte ein bittern Trunckthun / Jerem. 49. wirt gewißlich der gottloſe die Heffen gar außſauffen / vnd ſchrecklich i· Pet. 4. leiden. Wie auch S. Petrus auß dem rI. Cap. Prouerb Salomo- nis: Es iſt zeit daß das gericht anfahe am Hauß deß H ERREM ſo aber erſt an vns / was wil es fuͤr ein ende nemen mit denen / ſo dem Euangelio Gottes nit glauben ⸗ 05e Das ander Stuͤck. Enn die vnſern / ſo vns lieb / von vns abgeſcheyden / vnd in frembde Lande verreyßt / pflegen wir fleißig nachzufor⸗ ſchen / wo ſie hin kommen / vnd wie es jnen gehe: Alſo auch billich fragen wir nach denen die auß dieſem Leben wande⸗ ren / wo ſie denn eygentlich hin kommen / vnd wie es jnen gehe. Das berichtet vns nun der Prophet Eſaias ferrner / da er alſo ſpricht: Sie kommen zum fried / vnd ruhen in jhren Kammern. Dahin kompts vnd geraͤhis mit den heiligen vnd gerechten. Gleich einem Menſchen der den gantzen tag viel vnruhe / muͤhe / vnd arbeit gehabt / deß abends wrnn er in ſein Kammer ſchlaffen gehet / fried vnd ruhe bekompt / Al⸗ ſo hat es auch ein geſtalt vmb die lieben glaubigen. Die gantze ʒeit jres lebens haben ſie viel vnruhe / muhe / vnd arbeit / wenn ſie aber durch Pſal.S4. den ʒeitlichen Todt auß dieſem jammerthal hinwegk geruckt werden / Arocal. 4. als denn haben ſie fried / vnd kommen zu ruhe / wie in der Bffenba⸗ rung Johannis 14. Selig ſind die Todten / die im H ERRN ſter⸗ ben / von nun an / ja der Gryſt ſpricht / daß ſie ruhen von jhrer arbeit. Denn jhre Seelen / ſo bald ſie von den Leibern abgeſondert / werden ſie gleich / wie deß armen Lazari Seele / von den heiligen Engeln Gottes getragen / in Abrahams Schoß / dahin Abrahams / vnd an⸗ der Menſchen Seelen / ſo deß glaubens Abrahams geweſen / kom⸗ j men Luc. . Luc.16. —— — — — Luc. 3. Pſal.3r. Luc.23. Act.y⸗ Rom.. Pſal.u6. Syr. 40. Geneſ.3. Eccleſ.i. 20 Chriſiliche Leichpredigt· men ſind. Sie ſind in Gottes Handt / wie Sapʒ. Der Gerechten Steelen ſind in Gottes Handt / vndkein qual ruhret ſie an. Darein hat Chriſtus ſeine Serle ſelbſt befohlen: Wie Er denn am Creutz chreiet / Vatter / Ich befehle meinen Geyſt in deine Haͤnde. Wie in gleichem auch David / der ein Vorbildt Chriſti geweſen / ſeine Seel befohlen / da er ſpricht: In deine Hände befehl ich meinen Geyſt / Du haſt mich erloſet/ E R R/dutrewer Gott. Vnd wie der HERR Chriſtus zum Moͤrder am Creutz ſagi: Warlich / Ich ſage dir: Heut wirſtu mit mir im Paradeiß ſeyn / alſo nimpt er auch zu ſich in das Paradeiß aller derer Seelen / ſoim rechten glauben an jn vndanruf⸗ fen ſeines heiligen Namens von hinnen abſcheiden. Vnd wie Ste⸗ phanus erhoͤret wird / da er ſagt: HE RR Jeſu / nim meinen Geyſt auff: Alſo werden auch alle Chriſtglaubigen erhoret / ſogleicher ge⸗ ſtalt an jrem letzten ende zum HERMN Jeſu ſeufftzen vnd ruffen / wie denn der Prophet mit den worten Gum fried kommereigentlich ſihet auff der verſtorbenen heiligen Steelen / wil ſagen / daß ſie durch den Todt nicht kommen vmb den fried / welchen ſie in dieſem leben / durch den glauben an Jeſum Chriſtum / wie S. Paulus ſagt: Nun wit gerecht worden / durch den glauben/ ſo haben wir fried mit Gott⸗ durch vnſern HERMM Jeſum Chriſium / durch welchen wir auch einen zugang haben im glauben / zu dieſer gnade / darinn wir ſtehen ⸗ vnd ruͤhmen vns der hoffnung der zukuͤnfftigen herrligkeit / die Gott geben ſol: Sondern ſie ſind nun viel mehr ʒum friede kommen/ daß jhre Seelen jetzt leben mit fried vnd freude / in Chriſto Jeſu/ biß an den Jůngſten tag. Darumbwir mit David ſagen: Sey nun wider zufrieden meine Seele / denn der H ER R thut dir gutes. Wer nun wiſſen wil / wo die Seelen der vnſeren hinkommen/ ob ſie gar weg / verſchwunden / oder vmbkommen / der hat allhie klaren bericht auß Gottes Wort / Daß ſie kommen zum frieden. Die Leichnam aber / vb wol dieſelbigen in die Erden / die vnſer aller Mutter / begraben / von Wurmen verzehret / wderzu Erden 1 werden / Denn der Staub muß wider zur Erden kommen / in ſout e och Chriſtliche Leichpredigt. 21 doch nicht ein Todt / ſondern ruhe / oder ſanffter Schlaff / biß an den uͤngſten Tag. Mit vns ʒwar hat es die gelegenheyt / daß dieſelben vns todt nach der vernunfft / vnd wie wir es mit leiblichen augen anſchau⸗ wen / wie ſie vns denn auch reſpedtu præſentis vitæ auffhoren / auß vnſer gewalt kommen / vnd wir alsdenn nicht ſchlecht ſagen koͤnnen⸗ Mein Man / mein Weib /· ſondern geweſen / deñ ſie von vns durch den ʒeitlichen Todt genommen / Wie Job ſagt: Dominus abſtulit, Job 1 das iſi / Der HEn hats genommen. Vnd Dauid von ſeinem ver⸗ 2. Sam. 12. ſtorbenen Sohnlein:Es kompt nicht widerzu mir. Ob ſie aber gleich vns / ſind ſie dennoch nit Gott geſtorben / ſondern leben. Denn er nit ein Gott der todten / ſondern der lebendigen. Wie der HxRR Chri⸗ ſius Matth. 22. auß dem andern Buch Moſis ſchleußt / von Abra⸗ Matth. 22. ham / Iſaac / vnd Jacob / ſo ſchier vor 2000. Jahren geſtorben· Dar⸗ Eyoez. umb auch die Hebræi jre Graͤber / Haͤuſer der Lebendigen genennet / daß die / ſo vnder der Erden ligen / Goit leben· Die Grichennennen es Schlafftammer. Wie auch Eſaias: Gehe hin mein Volck in dei Eſu. ⁊6. ne Schlafftammer /c. Vnd Dauid ſagt: Mors piorum precioſa, dec. Der todt der Heiligen iſt werth gehalten für dem HxRRM. Ja es laͤßt ſich anfehen / als habe Goit im Todt fur Abraham mehr ge⸗ ſorgt / als bey ſeinem leben. Denn bey ſeinem leben hatte Abraham nit Act. /. einen Fuß breyt zum beſit / aber im Todt hatt er ſein eygen Ruhbett⸗ lein / fůr ſich vnd die ſeinen. Denn vns nichts ſcheyden kan von der lie⸗ lebet jm ſelber / vnd keiner ſtirbt jm ſelber. Leben wir / ſo leben wir dem HERRM / ſterben wir / ſo ſterben wir dem HERRM darumbwir leben oder ſterben / ſo ſind wir deß HM. Denn darzu iſi Chri⸗ ſtus auch geſtorben / vnd aufferſtanden / vnnd wider lebendig worden / daß er vber todte vnd lebendige HE ſcy. Darumb wie von Abra⸗ ham / Iſaac vnnd Jacob / vb ſie gleich vor langer zeit geſtorben / alſo auch den vnſern / vb ſie gleich ſterben / vnnd nach dem Leibzu Puluer vnd Erden / darvon ſie genommen ſind / worden / ſo ſind ſie dochnicht gen. . zu gar nichts worden / ſind nicht alſo todt vnnd geſiorben/ daß ſie C ij auff⸗ Gene.25. be Gottes / die in Chriſto Jeſu iſt / vnſerm HEMM. Wnſerkeiner Romgn. Gen.. Exo.z. Joan.. 1. Cor. 15. 1Theſſ 4. Syr. 40. Gen3. Job 19. 1I. 22 Chriſtliche Leichpredigt. auffgehoͤrt etwas zu ſeyn / an Leib vnd Seel / wie die Saducer falſch⸗ lich halten / ſondern ſie leben gewißlich / da nit eben dir / mir / oder ſonſt jrgend einer Creatur / daß ſie dennoch Gott leben / der jr / als der leben⸗ digen Gott iſt. Denn ſo es mit jnen gar auß /köndte Golt nit jr Gott ſeyn / denn er iſt nit ein Gott deß / das nichts iſt. Es kon Gott wol auß nichts machen / daß etwas ſey / wie er Himmel vnd Erden auß nichts durch ſein allmechtiges Worterſchaffen. Er aber iſt nicht ein Gott Nichtes / denn eines G Hit ſeyn / eygentlich heyßt / ein ding erhalten / bewahren / vertheydigen / behuͤten / ſich deſſelbigen annemen / vnd her⸗ widerumb ans Liecht bringen. Alſo iſt G Btt ein GBtt Abraham / Iſaac /Jacob / vnd aller verſtorbenen lieben Chriſten / denn ſie leben / vnd leben Gott / der ſich jrer warhafftig annimpt / erhelt / bewahrt / vnd endlich widerumb ans Liecht in ewiger klarheyt bringen vnnd auff⸗ erwecken wirdt / wie die heilige Schrifft klar bezeuget / Joan.. 1. Co⸗ rin.1. vnd 1. Theſſ.ꝓ. ¶ Wer demnach nun auch wiſſen wil / wo die Leichnam hin kommen / hat hierauß bericht / nemlich / ob ſie gleich in die Erden / die vnſer aller Mutter / begraben / von Wuͤrmen verzehrt / wider zu Erden werden / daß ſie dennoch nit zu nichts gaͤntzlich wer⸗ den / oder alſo bleiben / ſondern am Juͤngſten tage auß der Erden wi⸗ der aufferwecket werden ſollen zum ewigen leben. Wie Job ſagt: Ich weyß daß mein Erloͤſer lebt / vnd er wirt mich hernach auß der Erden aufferwecken / vnd werde hernach mit dieſer meiner Haut vmbgeben werden / vnd werde in meinem Fleyſch Gott ſehen / denſelbigen werde 3 ſehen / vnnd meine Augen werden jhn ſchauwen / vnnd kein embder. Alſo haben wir nun gehort / Erſtlich / der Welt vnd vnverſten⸗ digen vrtheyl ʒuwider / daß Gott viel anders vnd beſſer meyne / wenn fromme vnd heilige Leut alſo vmbkommen / vnd weggerafft werden. Zum andern / wo ſie / die frommen / denn hinkommen / wenn ſie von hinnen alſo abgefordert werden · Der Allmechtige ewige Gott / Vatter vnſers ER R N vnd Heylands Jeſu Chriſti / gebe vnnd ver⸗ — Chriſiliche Leich predigt. 23 rerleihe / daß wir dieſe Lchren alſozu Hertzen nemen / vnſern glauben darauß ſtaͤrcken / auch in Noch vnd Todt derſelben vns freuwen vnd iroſten mogen / Amen. — 5e. Beſchluß. Elangend aber furs letzte nun / Geliebten im ERRM / weiland den Geſtrengen / MEdlen vnnd Ehrnveſten / Melchior von Langenſtein / genannt Guntzenrodt / ſtli⸗ ger gedaͤchtnuß / deſſen Leichnam wi je⸗ tzunder in ſein Schlaffkaͤmmerlein zu befoͤrdern / in Eſaas. willens / iſt es billich / daß deſſelbigen zun gebuͤrlichen ehrn vnd zum beſten gedacht werde / damit alſo ein ex- emplum imitationis den vberbliebenen zu Chriſt⸗ licher nachfolge gelaſſen werde. Bevor weil auch er in der ʒahl der gerechten geweſen. Deñ ob er wol auch der Pſal·ʒ. erſien geburt nach / wie alle heiligen in ſunden entpfan⸗ gen vnd geboren / ein armer Suͤnder / das er ſelbſt offt bekeñet hat. Derowegen auß der zahl der armen Suͤn⸗ der ſich nit ſchlieſſen koͤnnen / oder woͤllen / denn auch kein Menſch auff Erden der gutes thut / vnd nicht ſun⸗ Eccleſ. dige / gleichwol hat er vergebung der Suͤnden auß ge⸗ naden vmb Chriſti willen / durch den glauben an jhn / vngezweiffelt erlanget / iſt demnach auch vnder denen 24 Chriſtliche Leichpredigt. von welchen der Konigliche Prophet David ſagt: In memoria æterna eritjuſtus, das iſt / deß gerechten ſolnimmermehr vergeſſen werden. In gleichem / daß auch mir inſonderheit einem Pfartherrn geburen wil / daß ich anders nit als die Warheit / vnd was mir hie⸗ rinnen wol wiſſend / referirn / antragen vnd ſagen ſol. Denn das s Gebott wie allen alſo auch mir fagt: Non falsò teſtaberis, Du ſolt kein falſch gezeugnuß geben. Vnnd anfaͤnglich / daß er nit allein von Chriſtlichen Gottsfoͤrchtigen Eltern / vnnd Vornemen Adelichem Stam̃ / das an jm ſelbſt ruͤhmlich vnd nuͤtzlich / denn vmb frommer Eltern willen auch die Kinder geſegnet werdẽ / geborn: Sondern auch als bald in ſeiner jugend guter diſciplin vnd zucht zur Gottet furcht fleiſſig ange⸗ halten vnd angewieſen worden. Als er aber nun mehr zun Jahrn kommen / vnd aͤlter worden / hat er / das an jhm ſelbſt Chriſtlich vnnd billich /nit allein an jahren / ſondern mehr in Gottesfurcht vnnd Adelichen tugen⸗ ten profiriret vnd zugenommen / wie deñ àteneris aſ⸗ ſueſcere multum eſt, jung gewohnet / alt gethan. Vnd wie es allen Rittermaͤſſigen / bevor auch denen / ſo von Adelichen Stammen vnd Geſchlechten / ruͤhm⸗ lich vnd loͤblich iſt / hat er beſondere luſt vñ liebe gehabt / ſich von jugendt auff wol zu exerciren / verſuchen / vnnd etwas zu lernen. Denn erzweiffels vhne wol vnd bald ver⸗ Chriſtliche Leichpredigt. 25 vermercket / was der Heyde Juvenalis ſagt: Nobili- tas ſola eſt atq; unica virtus, Tugendt fur allen Adel gehet. Ornamentum eſt egregium admo- dum Nobilitas cum virtute conjuncta, Adel mit tugendt gantz wol ſtehet. Derowegen er etliche Zů⸗ ge gethan / vnnd am erſten gegen den Tuͤrcken in Vn⸗ gern ſich gebrauchen laſſen / vnnd darnach in Franck⸗ eich /Hol vnd Seeland / vnd auch in Teutſchland ſtat⸗ iche vnd hohe befelch mit groſſem ruhm vnd ehren be⸗ dienet / vñ endlich von weiland Biſchoffen Melchiorn zu Wuͤrtzburgk auffs Ampt Murſtatt in Francken in gnaden erfordert worden / welches Ampt er hernach als mit ſonderm ruhm in die 32. Jahr verſehen vnd be⸗ dienet / auch darbeneben Kriegs Ratho beſtallung vom Biſchoff / vnd dem gantzen Stifft Wuͤrtzburg gehabt. Vnd als letzlich der jetzige Biſchoffzu Wuͤrtzburg ſeine Ampts befohlene Vnderthanen zu Murſtatt / mit der Religion vber jr gewiſſen beſchweret / hat er bey S. G. ſeine dimiſſion vber vorgehende vielfaltige interceſſion vor dieſelbige ſeine Ampts befohlene in vnderthaͤnig⸗ keit geſucht / vnnd begeret / bey ſolchem beſchwerlichen weſen vnd gewiſſens haͤndeln nit bleiben woͤllen. Vnd ob jm wol Kriegs Raths vnd Haußbeſtallung von jetzt hochgedachtem Biſchoff in gnaden angebotten wordẽ / hat er doch dieſelbigen nit annemen woͤllen / beſondern D ange⸗ 26 Chriſtliche Leichpredigt. angezeigt: Er woͤlle ſich nun mehr mit dem lieben Gott bekuͤmmern / vnd demſelbigen allein dienen. Derowegen er ſich / das nechſt Cathedra Petriʒ. Jahr geweſen / anhero gen Schrecksbachin ſeine Be⸗ hauſung gewendet / vnd zu ruhe begeben hat. Da er deñ ſich fleiſſig ʒur Kirchen gehalten / die Predigten Goͤttli⸗ ches Worts nicht allein mit beſonder andacht fur ſeine Perſon gehoͤret / ſondern auch daheym ſeinen Haußge⸗ noſſen ſelbſt vorgeleſen / vñ auch dieſelbigen ernſtlich zur Gottes furcht vnd allem guten angewieſen. Mit ſeiner geliebtẽ Haußfrauwen Chriſtina /gebornen von Lehr⸗ bach / hat er ehlichen in gutem fried vñ einigkeit gelebt / vberz4. Jahr / vnd ob wol Gott jnen kein Leibsfrucht vñ Kinder beſcheret / vñ gegeben / iſt er doch auch damit wol zu frieden geweſen / vnd ſich damit troͤſten koͤnnen / was Gott nit gibt an einem / das gibt er an einem an⸗ dern / denn wir nit alle alles haben koͤnnen vnd ſollen. So hat jn Gott an gut vndʒeitlicher Narung reichlich geſegnet. Vmb mehrer richtigkeit willen aber hat er ſein veſtamẽt gute ʒeit / bey guter vernunfft / adhibitis adhibendis gemacht / vnd wol befeſtiget. Darinnen er dem Armut bevor dieſes Orts 10. gülden legiret vnd freywillig vermacht. Als er aber vngefaͤhrlich vor 4. wochen mit Lei⸗ besſchwacheit von Gott dem HERRNVätterlich viſi⸗ tiret / Chriſtliche Leichpredigt. 2/ tiret / heymgeſucht / vnd angegrieffen / hat er ſich als bald im anfang derſelbigen erinnert / beydes daß die tranckheit / deß zeitlichen Todtes vorbotten / vnd daß man in denſelbigen zufoͤrderſt Gott den H E RRN in ſeinem lieben Wort / vnd heiligen Sacramenten / als den Geiſtlichen Artzt der Seelen ſuchen ſol / wie auch Jeſus Syrach vermahnet· Mein Kind / weñ du kranck Syrs wirſi / ſo verachte diß nit / ſondern bitte den HERRN/ſo wird er dich geſundt machen / laß von der Suͤnde / vnd mache deine Haͤnde vnſtraͤfflich / vnnd reynige dein Hertz von aller Miſſethat / darnach laß den Artzt zu dir / ꝛe. Darumb er denn auch ſeinen Pfarrherrn erfor⸗ dert / vnd als ich erſchienen / hat er anders nichts geſucht vnd begeret / denn guten bericht vnd troſt auß Sottes Wort / welches er hoch / theuwer vnd werthgehalten / demnach durch Gottsfurchtiges geſpraͤch / vnd betrach⸗ tung deß bitter leiden vnd ſterben vnſers HERRN vnd Heilandes Jeſu Chriſti / zu wirdiger nieſſung deß heili⸗ gen Abendmals er ſich etliche tage zuvor fein præpari- ret, vnd mit beſonderm fleiß vorbereytet hat / dem ge⸗ meynen Gebet der Chriſtlichen Kirchen ſich nach der vermahnung Jacobi befohlen / vnd vor ſich bitten laſ⸗ ſen / inſonderheit den n. Februarii auch anzeigen laſ⸗ ſen / vnd offentlich bitten: Da er jemandos in dieſer ge⸗ D ij meyn Jacob. /. Pſal.o. 2 Chriſtliche Leichpredigt. meyn erzuͤrnet oder beleydiget hette⸗ wiſſentlich oder vnwiſſentlich / denn er ſeine gebrechen auch gehabt / daß man jm daſſelbige vmb Gottes willen / von hertzen verzeihen vnd vergeben wolle / deßgleichen habe er auch von hertzen gethan. Folgends deß HERRN Abend⸗ mal mit beſonder andacht entpfangen. Sich auch ſol⸗ cher verſoͤhnung mit GOtt vnd ſeinem Heyland Jeſu Chriſto hertzlich getroͤſtet / vnd die zeit der kranckheit vber dem gemeynen Gebet der Kirchen ſich ſehr fleiſſig befohlen / auch offtermals nachgefragt / ob auch daſſel⸗ bige vor jn geſchehe. Nach ſolcher entpfangener geyſilichen Artzeney aber / hat er allgemach die Weltliche geſchaͤfften auff ein ort geleget / hat ſich dem lieben treuwen Gott in ſei⸗ nen ſchutz vnd ſchirm ernſilich vnd treuwlich befohlen / Gott vmb ein ſeliges ende angeruffen / deñjm wol wiſ⸗ ſende / daß wie das ewige Leben / alſo auch ſeliges ende beſondere Gottes gnaden gabe ſey / vnnd er darumb woͤlle angeruffen vnd gebetten ſeyn / wie Moſes gebet⸗ ten / vnd der HEdR Chriſtus vns im Vatter bnſer da⸗ rumb zu bitten ſelbſt gelehret vñ befohlen hat. Hat auch alſo auff ein ſeliges Stuͤndlein mit groſſer gedult vnd verlangen gewartet. Wie jhm denn auch der trenwe Gott in ſeiner Kranckheyt ſolche ſondere gnade erzeh⸗ get / daß er keine groſſe ſchmertzen gefuhlt / oder ondern Chriſtliche Leichpredigt. 29 ſondern die Kraͤffte von Tag zu tag abgenommen ha⸗ ben / vnnd doch der verſtandt biß an ſein ende alſo vn⸗ verruckt blieben / daß er ſich GOttet Worts erinnern / darauß der verheyſſenen gnade ſich hertzlich troͤſten / vnd beydes mit Munde vnnd andachtigen gebaͤrden / auch offtermals zuſammen gefaltenen Haͤnden / vnnd ghen Himmel vberſich geſchlagenen Augen bezeugen koͤnnen / daß ſolcher Zroſi bey jhm haffte / kraͤfftig vnnd thaͤtig ſeye. Biß er endlich nechſi verſchienen Montags / den 20. Martil, morgens fruͤe vmb zwo vhr / vnder vn⸗ ſerm / die wir bey jhm waren / Gebett / ohn eynige bewe⸗ gung deß Leibs / in Chriſto Jeſu ſeinem HERRN vnd Heyland / ſtill vnnd ſanfft eingeſchlaffen iſt / ſeines Al⸗ ters 70. Jahr. Der Allmechtige / ewige / gůtige Gott / verleihe jm vnd vns alleſampt ein froͤliche Auff⸗ erſtehung zum ewigen Leben / Amen . D iij EPITA- S82 EDP IT APH IUM Ma GNIFICI, NOBILITATE GENE- RIS, PIETATE, PRUDENTIA, MULTISq; VIR TU- tibus clariſſimi viri, MELCRIoRIS GunTzERRopPI an genſteinpræfecti olim Murſtadii in Franconia, &c. piè de- functi, Anno 1/9 2. die 20. Martii. BLcRIon hoc LANCERSTEIN4 laus maxima Gentin Sub rumulo requiem poſt pia fata capit: Qu GunrzEnRopius celebri cognomine didus. Ante alios clarus Marte togaqᷓ fuit. Quindeciesſiquidem Mayortia caſtra ſecutus⸗ Inſignes titulospremia digna tulit. Murſadium juſů Francorum legibis urbem, Fi tria lultra, annos rexit & ille duos. Ponec ibi pure ſdei doctrina ſonaret⸗ Mutata vertit velligione locum⸗ Schrexbachumq; fuas ultro remeayit ad edes⸗ Salvißce ſdei vox ubi yera ſonat· Nit poſ tres anno fati poſcentibuinter Vota, polo mentem redidit, ſaſolo⸗ Etati poſtquam bů ſeptem luſtra peregit: patria Gens cum illo tota ſepulta jacet· perpetuum nihil eſt in teri: eigo yiator⸗ Qui legi boccxlipræmeditare domum- Valentinus Schonerus. —So⸗ Osr varios tandem caſus vitæque labores Vir vera illuſtris nobilitate jacet: Sitamenille jacet, cujus plaudentibus alis ⸗ Nomen fama virũm cuncta per ora vehit. Cui GunrTzENRopus non notus MzILcRlokille Præfectus quondam, magne Zobelle, tuus: Urbs ubi yyitlungum Francæ celeberrima terræ O ſiſit verbi luce beata)jacet? Martis Martis ei vernans exacta juventa per artes: Sanguinis hinc auxit nomina clara ſui. Virtutem ſenſere viri Batavæq; cohortes, Velivolæque rates, Hungaricæque manus. Sunt experta viri, Geltarum Lilia Regis, Terraque de claro Tuiſcone dicta, fidem. Hic tibi narraſſet vivens exhauſta pericla Bello, & victrici præmia parta manu. Narraſſet celebres auſis, & equeſtribus armis, Et ſpoliis claros exuviisque viros. Narraſſet quàm ſit, (jubeant modò Fata velintq;) Pro lege & patria dulce piumq;; mori. Qualiter adverſis concurrant agmina ſignis, Quaſſaque tormentis mœnia celſa ruant. Sed quoque ſub Chriſto duce miles ſtrenuus, acer, Fervidus uſque, probant quod pia facta, fuit. Hic vis: hic omnis machina vana fuit. Nemo expugnavit. Tanta en vis conſcia mentis: Roora tanta animi: tàm benẽ fixa fides. Militia ergo viri fuit omnis vita: Brabea Hæc meruit ſimul & pulcra tropæa viro. Felix, qui miles, Chriſti quoq; caſtra ſecutus, Vicit in hoc ſtygii tetrica monſtra lacus. O quater, & quoties non eſt numerare, beatum. Nam læta æternum voce TnIuM canet. Rodolphus Goclenius Profeſſor TLogicæ, e hoctem- pore Decanus Collegij Philoſophici in Acade- mia Marpurgenſt. „ 8 A L 1 U M. Uid mundus ? ftadium ſtadio decumit in iſto, Virali quiſqu munere gaudet homo. Quid mors ꝰ æternæplacidißima janua metæ. Dic age qui calli ducit ad hanc ? Pieta. Hæcſli conſſa Deo mortalia ſpernit, Et quod habet ſol yenditat omne Dro. —,.— Multi ejus oppugnarunt in pectore Chriſtum, 6 Tali vita tilifuerat⸗vin ſtrenue viyo Quem genis ãpriſci nobile ditat ayů. omnia magna tibi:ſed in hoc te maor es ipſo Luod ſtadio cedit meta ſecunda tuo Dum moreri cœlitibi ſepenetralia pandunt. In ſinu Cbriſti ſurgit amic⸗ quies. Iſthac præ tibi dulte nipil nihilundiq gratum Inter eas quas hic ſponte relinquis opes. Qum benẽ decumit, Juem vitæ extremaprementem præyius optato ſne cvronat honos! Druncrus Lo uITuR yixi, dum vixi nulli grayin omnibus uſu Militiæ nomen claret bonore meum: claret honore genu, quid dico? dlaruit olim· pe generu mecum conditur in tumulo. ged claret tamen & longos clarebit in annos Qud me iti yolitat famaper ora virim. Mec miſer eſt cui non contingit nomini heres⸗ Si Chriſto nomen conſecrat ile ſuum. NHeæc mihi curajnit ſic Chriſti nuncupor heres⸗ Sanguine dilectum quem layat ipſe ſuo Sanguine quo ſolo veteri fer⸗ culpa reatis Tollitur ut plateat maſſa renata Deo · Munde yale: quia munde peri: mundana fathiſcunt⸗ Nil poſeſor gnara referre ſuo. patria cxleſßun dulcißima patria ſalye: Jucundos præſtas tu ſine ſine dies· Hieron. Treutlerus J. U. D. in Acad⸗ Marp. Profeſſor. 51MIS.