Chriſtliche Predigt / Weyder Peichedes Ehrwirdigen vnd ·Hochgelahr⸗ ten Herrn: NICGOLAl SELNECCFRI, Der heiligen Schrifft Doctoris, vnd gewe⸗ ſenen Superintendenten zu Hildeßheim/ welcher den 14. Maij / deß Morgens vor Tag vmb 1. Vhr in Chriſto ſelig⸗ lich zu Leipzig entſchlaffen / vnd daſelbſtenden ⁊6. hernache in der Pfarrkirchen ʒu S. Thoma Chriſtlich zur Georg Muͤllern / ver heiligen Schrifft Dortorn 15 Erden iſt beſtetiget worden. Gehalten von vnd Profeſſoł̃n ʒu Jena. Zu Leipʒig / bey Johan: Beher. „ Eine Chriſtliche Predige / Beyder eichedeſt Ehr⸗ wirdigen vnd Bochgelabrten Berrn Nicolai Selnecceri, der heiligen Schrifft Docior/ꝛc̃. Peuteronom. 34. Nd Noſe gieng von dem Sefil⸗ S 3 de der Woabicer auff den Berg 2 Vebo /vnd auff die Spitze deß S — Bebirges Pisga/gegen Jericho vber / Vnnd der BErr zeiget jhm das gantze Pand Bilead biß gen Dan / vnnd das gantze Naphchali / vnnd das Pand Sphraim vnd Manaſſe / vnd das gantze Land Juda/ bis an das euſſerſte Keer / vnd gegen Wittag / vnnd die Begend der breite Jericho /der Palmenſtat / bis gen Zoar. Vnd der PErr ſprach zu im: Siß iſt das Pand / das ich Abraham / Iſaac / vnd Jacob geſchworen habe / vnd geſagt: Ich wil es deinem Samen geben / du haſt es mit deinen Augen geſehen / Aber du ſolt nicht hinuͤber gehen. Aüi lſo Alſoſtarb Woſe der kenecht des SEr⸗ ren daſelbſt im Eande der Woabicer, nach dem Worc deß BEren. Wnd exrbe⸗ grüb jhn im That, un Bande der ha⸗ bicer /gegen dem B iuſe Peor / vnnd hact niemand ſein Brab erfaren / bis auff den heutigen Tag. Vnnd Woſe war hundert vnd zwantzig Jahr ale/ da er ſtarb / ſetne Ahgen waren nicht dunckel worden/ windſeine Wräfft war nicht verfallen⸗ Vid die Kinder Iſrael beweinecen Wo⸗ ſe/im Befilde der Koabiter dreiſſig Ta⸗ ge/onnd worden vollendet die Tage deß Weinens vnd Klagens vber Kole. Außlegung⸗ 56 . Ceich wie man inn andern allen Juſten⸗ E den gemeiniglich viel pfleget auff gleichmeſſige Faͤlle zu ſehen /vnnd ſo bald mit dem Menſchen ein Fali geſchicht,/ beynah der erſte Gedancken iſ / wann vnnd wo ſich dergleichen Faͤlle zu andern Zei⸗ ten / vnd mit andern Perſonen zugetragen / vnd aus ſolcher Erinnerung Menſchliches Hertz Anlaß nimmet / ſich de⸗ ſio leichter in voyſiehende Faͤlle zuſchicken: Dannenher in Schulen geſaget wird Magna eſt yis exemplorum, Beyſpiel vnd gleichfoͤrmige Zuſtaͤnd geben methtige Be⸗ wegung bey der Menſchen Hertzen: Ebner inaſſen hele es ſich auch inn gewoͤhnlichen Todesfůllen / das ſehr viet auff ebenmeſſige Exempel geſehen / vnd hiermit nicht Zeit geſtorben/ Das ſchaffet vnd wircket bey jhme ſo viel ⸗ das er aus Hertztichem Wunſche ſpricht: Meine Seele Num. 23. muͤſſe ſlerben deß Todes der Gerechten / vnd mein Ende werd wie dieſer Ende / wie inn Schrifften Moſis geleſen wird. Vnd iſi bey denen / ſo von anderer Leut Abſchied horen /gemeinglich der erſte Gedancken / das jhnen hier⸗ under jhr eigen Sterben auch zu Hertzen koͤmpt. Vnnd haben ſolche Gedancken nicht allein jhren Nutz vnd Be⸗ wegung in dem / das ſeines eigenen Sterbens der Menſch hiedurch erinnert wird: Sondern die Exempla, vnnd gleiche Fůlle ſchaffen viel / wann ſich auch bey andern Manſchliche Faͤlle vnd Sterbens noten zutragen vnd be⸗ geben. Sonderlich haben ſie mercklichen Frommen vnnd nutzen / wann ſolche Eyempel auß heiliger Gottli⸗ chet Schyifft / vnd hierinnen aus fuͤrtirefflicher Heiligen / vnnd groſh Leuth Hiſtorien genommen vnnd gezogen ſeind. Dann wie ſonſien andere Schrifft inn gemein von Goit eingegeben / nutz iſt zur Lehre/ zur Beſſerun vnnd allerhand Erbawung im Chriſtemhumb Alſo ben dieſe Exempel der Schrifft auch jhren hohen Nutz vnnd beſondeye Wirckung. Dergleichen Exempel ewer Liebe in abgeleſener Lection vom Tod vnnd Abſchied deß thewren Proyheten vnnd Mannes Goties / Moſis / auff dißmal fůͤrgetragen vnnd abgeleſen worden iſt. Dieſes Eyempet / wie es mir als bald bey erſter Bottſchafft / daich von Herrn D. Selnecceri Tod vernommen / zu Gemũth geſuncken / vnd in Gedancken kommen iſt: Alſo hin ich gentzlicher Meinung / das es inn gegenwertiger VPrꝛſamlung E.C. mit Rath vnd Nutzen gar wol kondte R iij vorgt nicht wenig nut eſchaffei wird· Bileam / welcher ꝗᷓ roͤm⸗ keis halben ſonſien wenig Lob hat / nimmnet war / wie wol unnd ſeliglich etliche heilige vnnd gerechte Leuth zu ſeiner 87 J — 2Tim. vorgettagen vnd erkleret werden. Es begreiffet aber die abgeleſene Leckion fůͤrnemlich drey Stůck in ſich: In deren erſtem gemeldet wird / was ſich kurtz vor dem tõdliqhen Abgang des hohen Wan⸗ nes Gottes Moſis zugetragen. Das Ander berichtet / wie es vmb den Tod vnd Abſchied Moſis fůr vnd an ſich ſelbſt vor ei⸗ nemas vnd geſtalt gehabt. Im Dritten wird gehandelt / was auff ſolchen Tod Woſis ſich ferner begeben / vnnd wie ſſch ſeine Lent/ Vnterthanen vnd Inhoͤrer hierge⸗ gen hezeiget vnd erwieſen haben. Von dieſen dreyen Puncien mi E.4 nůtzlich auff diß⸗ mal zu handeln / wolle der Barmhertzige Gott hierilßei⸗ ne Gnade vnd heiligen Seiſt miltiglich verleihen / em ſey macht / xreis / lob /krafft vnd ehrin alle ewigkeit / Amen. Nfenglich / Was vnd wer Mo ſes geweſen ſey / iſi in beſtimpter Kuͤrtze der zeit vnmuͤglich nach der Lenge zuberichten. Es hat dieſer Mann vor an⸗ dern Heiligen in Goͤttlicher Schrifft dieſen beſonder vor⸗ zug / das von dieſem in Gottes Wort vnd der Bibel mehr dann von einigem andern Heiligen geſchrieben iſt. Aus denen Buͤchern / ſo vnter ſeinem Namen vorhanden / ſind vier gantze / vnd eben groſſe bůͤcher / in welchem zu groſſem theil bezeichnet vnnd beſchrieben ſiehet / was Gott durch dieſen Mann ausgerichiet / vnd was perrlich lob vor Soit vnd ſeinem Volck Iſrael / dieſer heilige Mann erlanget habe. In einer Summa zu reden/ iſi Moſes ein groſſer Prophet deß HRRR / vnnd ein rechter Wundermann Dent 33 · Gottes geweſen / alſo das zum Beſchlus ſeiner Hiſtorien von jme geſchrisben ſiehet / das nach ſeiinem Tod — ein —r— —— ——— ein Prophet in Iſtael mehr ſey auffgeſtanden / wie Mo⸗ ges / den de x o gꝛ ſelbs erkennet halte von Angeſicht. Got derx o di nennet jn ſelbſi anderſtwo mit ſonder⸗ Num ⁊⸗ lichem Außbund / Seinen Knecht / der in ſeinem gantzen 11 Hauſe trew ſey / mit dem Gott ſelbſt Muͤndlich rede / vnd 1 welcher auch widerumb G Oit den H æ q N N in ſeiner 1 Geſtalt ſehe/ ſolcher maſſen / als keinem andern Heiligen vder Propheten jemalen widerfahren ſey. Biertzig gantzer Jahr hat er die Volckreiche gemein den Kinder Iraet ge⸗ Eyodi7. fůret / vnter jnen als ein Hertog / Fůrſt vnd Prophet regi⸗ ret / vnd merckliche Thaten außgerichtet: Bie beyde Ta⸗ Eyod.33⸗ keln deß Geſetzes / oder der heiligen zehen Sebot/ hat er mit GSottes Finger ſelbſten beſchrieben / von Gott ſeldſten mit 1 rigenen Henden empfangen / vnd was dergleichen von ho⸗ hen Sachen mehr inn ſeiner Hiſtorien von jhme geleſen. wird. Solch ein furtrefflich heilig / vnd Wundermann iſt Moſes in ſeinen Lebzeiten geweſen. Wie handelt aber gleichwol GMtt mit dieſem groſ⸗ Ren Heiligen/ da es mit jhme zum Sterben ſich ſchicken vnd nahen ſollen? Das Volck Iſrael hatie er nin vier⸗ vig Jahr lang durch die Wüſſen zuuor auch durch das rotp Meer/ nun aber biß an die Srentzen deß gelodten / vnnd von G Ott verſprochenen Landes hinan gefuhret. Als es nun gleichan dem / vnd das Volck in vollem In⸗ zuge iſt/ das geloble Land Canaan einzunehmen / du wird mit Mofedem Haupt vnnd Hertogen deß Volcks vin beſonders gemacht ⸗ vnd jhme erſtlich ein Befehl von Gott gethan / darauff auch eine Weiſſagung angtzeiget / derer keines / weder er/ noch jemand anderer im Volcke SOtes ſich ſebiger Zeit verſehen hatte. Det Befeht wieim vierdten Vuch Moſis ſiehet /iautetalſo: Er ſolle Num 27. auff das Sihige ſieigen / vnd das Land beſchen — £ ktzes 6. Ge)*. ſetzet dieſen Befehl nach / wie inn abgeleſener Lection ſle⸗ het/gehet von dem Gefilde der Moabilerauff den Beig Nebo/auff die Spite deß Gebirges Pißga / gegen Jeri⸗ cho vnd dem gelobten Lande vber gelegen · Alda zeiget jm der x ꝗ ſelbs das gantze Land / in diequer vnnd inn die Lenge / biß gen Dan / vnnd biß an das euſſerſte Meer/ vnnd ſpricht der HR di hierbey zu Moſe: Diß iſt das Land/das ich Abraham / Iſaac vnnd Jacob geſchworen habe / vnnd geſaget: Ichwiles deinem Samen gebeij / welche Verheiſſung im erſten Buch Moſis am zwölfften Capitel erſies mals dem heiligen Patriarchen Abraham geſcheben war. So ferne der Befehl. Die Weiſſagunz / die jym Gott fůt haitet / lautet alſo: Du haſt das Land mit deinen Augen geſchen. Aber di ſolt nicht hinůͤber ge⸗ Num. 27 hen · Was ſolie denn nin geſchehen ? Duwirſt dich ſam⸗ len zu deinem Volck. Item / Sithe / du wirſ ſchlaffen mit Deut 3) · deinen Vaͤtern / Siehe / die Zeit iſt herbey kommen / das Pſal. ʒ· du ſierbeſt. Ruffe Joſu das ich jme befehi thue. Et factum eſt ita, Es iſt geſchehen was jhm Gott halte vorgeſaget. So bald er das Landẽ von fernen auff dem berge geſehen / ſtarb Moſe der Knecht deß R R daſelbſt im Lan⸗ de der Moabiter / wie in der angehorten Lection gemeldet wird Diß iß der erſte Punet im Text / nemlich / was ſich mit Moſe vnlangſi vor ſeinem Ende vnd Abſierben zuge⸗ nagen habe Estuͤffetaber der heilige Koͤnig vnd Proyhe Da⸗ uid in ſyinem Pſalmen mit groſſem ernſt: Erkennet doch / jr lieben Leut / Erkeninis iſt der Welt ſeltzam vnd thewer. Vrſach / Finſternis vnnd Vnwiſſenheit regieret in dieſer Welt. Was ſolle man dann erkennen Erkennet doch / ſpricht Danuid / das der HRgr ſeine Heiligen wön⸗ derich fuhret. Vnd iſt zwar die wuͤnderlich⸗ Fiinngde o Goit mit Moſe ſeinem Heiligen gebrauchet / mancherleh vnnd vielfeltig geweſen / beynah die gange zeit ſeiner Pil⸗ gramſchafft vnnd Walfart auff Erden / von ſeincr erſten Kindheit an / biß inn ſein hohes vnnd letztes Altar / da er 120. Jahr eweichet hat. Doch bat es in ſonderheit wůn⸗ derlich gefůhret geheiſſen / da es mit jm zum Sterben kom⸗ men iſt. Iſt jemand im gantzen Iſrael geweſen/ mit dem es damalen vnzeitig geſchienen hat / das er fierben ſolte/ ſo iſt es in Warheit Moſes geweſen: Vnd nach mennig⸗ liches Vrteil vnd Gedancken / ſt jemand vnter gllen Kin⸗ dern Iſrael geweſen / dem das gelobte Land zu ſehen / vnd mit freuden da hinein zu ʒiehen hette gedeyen ſollen / ſo ſol⸗ te es vor allen andern Iſraeliten / dem lieben Moſi zutheil worden ſein. Das geſchiehet aber lauter nicht: Sondern ben das Gegenteil. Da das Volck Iſrael in vollem an vnd einzug iſt / das gelobte Land einzunemen / darumb ſie ſo lang gewandert vnnd geſtritten hatten / ſo mus Moſes auff / vnd dauon aus dieſem Leben / vnnd wird jhme meht dauon nicht zu theil / als ein bloſſes anſehen von auſſen / vnd von fernen. Dos iſt vnd heiſſet ja wunderlich dieſen Heiligen mit der Sterbens zeit gefuͤhret. Wie es nu Gott waͤnderlich mit dieſem Heiligen der Zeit halben / im Sterben gemacht hat: Alſo fuͤhret er auch ſeine Heiligen wunderlich im Sterben / Oris / Stelle/ Mas vnd weiſe / vnd anderer Vmbſtende halben. Jacob vnnd Joſeph ſind groſſe Heiligen: Aber im Geneſ 49 Sterben führet ſie Gott auch ſo wuͤnderlich,/ das jr keine in ſeinem Vaterland / weder in Chaldea / Meſopotamia/ noch im Lande Canaan ſtubet / ſondern ſterben beyde in der frembde in Egypto. Jeremias iſt auch ein groſſer Heilige/ abet. Gott führet ſn ſo wunderlich / das er / wie etliche dafuͤr halten / zu Daphnis inn Egypten vnter den Heiden §O. ——— Mum to. Veidenſtubet. Auguſinus ein heiliger Mann / vnd fůͤr⸗ trehfuher Lehrer vnd B ſchoff in der erſten Kirchen / ſiir⸗ bet gleihwol iſeineen Biſthumb / vnd bey ſeinem Vater⸗ land. Stirbet aber eben zu hochſter vnzeit/ da die Stadt Pippon von Feindenbelagert/ vnnd das Voick ſeiner Lehr/ Beyſtand vnd Troſies niemaln mehy / als eben ſel⸗ biger eit benotigt war. Der ſelige Mann Gottes Luthe⸗ ras ſiirbet zwar auch bey ſeinen Landßleuten / vnd in ſeiner Heimath zu Eißleben: Aber Gott machets auch wuͤnder⸗ lich mit hme/ das er ſtirbet / als man deſſen am wenigſten verſeßend/ vnnd er eben mit etlichen ſchweren Politiſchen Mndeln beladen vnd behenckt war. So wůnderlich pfle⸗ get Gtt ſeine Helligen auch zu Sterbens ʒeiten zu füh⸗ ren/ mn maſſen mit mehrern/ vnd gar viclen Eyempein zu beſcheinen vnd beyznbringen were/ wenn es die Zeit nach⸗ ſehen vnd erleiden wolte. Deſes hat zwar wol bißweilen ſoine gewiſſe vnnd namhafftige Vrſachen / jnmaſſen es mit dem heiligen Mann Gottes Moſe gehabt / dauon im vꝛert ten Bich Moſis weiter zu ſehen / dauon jest auch nicht zu melden gelegenheit iſt. Bßweilen aber mögen auch wol kaum/ oder ja nicht bekandte vnnd wiſſentliche Vrfachen ſein. Denn der ewigen Maieſtet bʒottes ſehet hierinnen auch / wie in andern allen / die freye Wahl zu gebaren zuuor,/ vnd kan dißfals Gott ganz aus lauter freyem / bißweilen gantz verborgenem vnd geheimen / doch aber allezeit allerheilig⸗ ſten Rath vnd gerechtigſtem Willen handlen vnd verfah⸗ ren / wie es ſeiner ewigen Allmacht beliebet. 3 Es dienet aber dieſe Erinnerung fuͤrnemlich in zwween wegen / vnd beydes den frommen vnd guthertzigen: ſo wol auch freuelen vnnd vermeſſenen Chrißen: Jeuen zur nůtz⸗ lichen Vermanung: Dieſen zur anſilichen Wamuns. Dea 8 — Den gucherzigen zur Vermanung auff dieſe maſſe· Weñ ſichs etwan nach Gottes Rath begibt / das ſelche ermelte Wunder vnd ſonderfaͤlle vorgehen mit Abßerben helig Leut / ſo quelen vnnd martern ſie ſich felbſten mit ſolchen vnd dergleichen gedancken: Ach were dieſer fromme vnnd fůͤrneme Mann doch nicht eben zu dieſer geit / an diefem oder jen? Vrt / auff dieſe oder jene mafſe /ſolches oder emes andern Todes geſtorden. Was mus man doch bey folchen Todfall halten oder gedencken Was ſolleſiu mein from⸗ mes gedencken anders / denn eben das / was Daund dich gelehret: Gott fuhret ſeine Heiligen wuͤnderlich. Dortin jener Welt /zeuget der Prophet Samiel / wird Gott feinen Heiligen ein beſonders machen. Denn dafelbſten werden die Lehrer leuchten wie des Himmels Glantz / vnnd die ſo viel zur Gerechtigkeit weiſen / wie die Sternen jmmer vnd ewiglich. Allhie in dieſer Welt / machet jnen Gott kein be⸗ ſonders nicht: ſondern wie er bey reglerung ſeiner Kirchen in gemein den Namen hat / das er heiſſet Wunderbar: Alſo fuhrer er inſonderheit gar wuͤnderlich ſeine Heiligen / wenn er mit )hnen aus dieſem Leben wandern vnd einmal auß⸗ ſpannen wil aus dem Laſitarren / darinnen ſie auff Erden gezogen haben. Drumb ſich hieran niemand ſtoſſen oder aͤrgern / ſondern dem Allmechtigen allein gerechtem Gott ſeine gewoͤhnliche Weiſe vnnd wuͤnderliche Fůͤhrung vn⸗ betruͤbt laſſen ſolle / vnd allein darauff ſehen / wie ſelig vnd wol ſonſten abgeſcheiden vnnd geſtorben werde. Denn allhie es auch heiſſet/ Eines iſt noth / nemlich / Selig vnd im xE RRRſterben. Denn hieuon zeuget der Geiſt in der Offenbarung Johannis: Selig ſind die Todten / die in dem HErrn ſterben von nu an / ſie ruhen von jhrer Arbeit / vnd jre Werck folgen jnen nach. Vnd Damd ſa⸗ get aus· Für dem x R N ſey der todt ſeiner Heiligen B toſilich Pſa. 9 . Cuc. ) o. Apo. 73. pſal))6 Pſal. 73 koſilich vnd werth gehalten: Er ſaget nicht / das es koͤſllich ſey / wenn es hie oder dort / zu bequemer vder vnbequemer zeit/ auff dieſe oder jene weiſe geſchichet: Sondern foſt⸗ lich/werth vnd ſelig ſcy er / wenn es nur im HeRRN geſchicht / wenn er nur Heilige des HErrn / vnd rechtgleu⸗ bige Chriſiliche Hertzen findet vnd antrifft/ Das andere alles / mus denen / die Gott lieben / hernach zum beſten die⸗ nen. Fuͤr eins. Was denn die Freuelrichter vnnd geſchwinde Vr⸗ cheiler ſonſien belanget / welche vber den vielgedachten Wunderfallen / ſo ſich bey ableiben der Helligen Gottes begeben/yhre Zungen ſpitzen/ vnd ſhre Wort vnd Vrteil hefftig ſcherffen: vergrefffen ſich ſolche Freueler in zweyen wegen fuͤrwar eben hoch vnd ſchrecklich. Denn Erſtlich / wil man es dahin gelangen laſſen / das ſ vber ſolchen wuͤnderlichen Fůhrungen vnnd Wercken der All⸗ mechtigen Maieſtet Goties geurtheilet werde: So kannit ohn geſein / an vielen Heiligen Gottes mus man ſich ſchwerlich vergreiffen / ja damit můſte man verdammen beynahe alle Kinder vnd Hrlligen Gottes/ die je geweſen ſind / vor vnd vber welche Sůͤnde vnnd Vergreiffung der liebe Koͤnig Daund ſich zum hefftigſten entſetzet hat. Zu dem / vnd fuͤrs Ander / wird durch ſolches Freuelurtheilen auch an vnnd wider die hohe Maieſtat Gottes ſelbs ge⸗ Rom 3 freuelet. Denn wer biſtu/ S Menſch / das du einen fremb⸗ den Knecht richteſt e Ein jeglicher ſtehet vnd fellet ſeinem PErrn . Keiner vnter allen Heiligen Gottes lebet vder ſtirbet jm ſelber /Leben ſie / ſo leben ſie dem HEirn. Ster⸗ ben ſie / ſo ſterben ſie dem HEtrn. Darumb ſie leben oder ſterben/ ſo ſind ſie des HErrn. Wehe dir / B frencler Menſch / der du inn ſolchen Faͤllen freueleſt mit richten. Denn damit loͤdeſt du di ſelbs auff Leib vnnd ein chweres ſchwekes vnd vntregliches Gericht am groſſen Tage des H2RRN / darob denn fromme Hertzen ein billichs ent⸗ ſetzen vnd abſchew tragen. Mittler weil aber / ob wol Gott mit ſeinem lieben vnd groſſen Heiligen / nemlich Moſe / ſo wuͤnderlich mit ſter⸗ ben gefaten: iſt doch widerumb in fleiſſiger acht zuhaben⸗ wie gnedig vnd gůtlich es der fromme / getrewe vnd barm⸗ hertzige Gott hierunder mit ſeinem Knecht gemachet hat ⸗ mmaſſen ſolches aus vnterſchiedlichen Puntten ſich ge⸗ waltiglich beſcheinet vnnd erweiſet. Denn da es ja mt Moſe nach dem wunderlichen Rath Gottes zum ſteben zu vnbequemſter Zeit / wie Menſchen hetten gedencken mogen / komen ſollen: Gibt jme ſolchs fůͤrs erſte derHEn ſelbſt zu erkennen / vnnd thut jhme kund / Die geit ſey her⸗ bey kommen / das er ſterben/ vnd nun von dieſer Welt ab⸗ ſcheiden ſolle. ⁊. Zu dem/Dieweil Moſe das Hertz hette mogen ſchwer werden wegen ſeines Ampts / vnnd er ſich graͤmen moͤgen mit denen gedancken: Wer wil nu den Kin⸗ dern Iſrael vorgehen / vnd dieſe Volckreiche Gemein re⸗ gieren Benimpt jm Gott ſelbſten dieſer ſorge / vnd ſpricht zu jhm/ Er ſol Joſua ruffen / das er jme Befehl thue / vnd jn an Moſis ſtatt zum Herrfuͤrer vnd Regenten vber das Volck Iſrael ordene vnnd beſtetige / damit denn fůͤrwar dem Hatzen Moſis eine groſſe Plag vnnd beyſorge abge⸗ noſñen worden iſt. Vber das vnd fuͤrs Dritte / Ob er wol perſonlich ins gelobte Land nicht hinein köͤmpt / ſo leſſt jn doch Gott einen blich zuuor hinein thun / ehe vñ er aus die⸗ ſemLeben hin gerucket wird / welches ſonder zweiffel Mo⸗ ſi inſeinem Hertzen auch mus ein ſonderer troſi vnd erqui⸗ ckung geweſen ſein. q So weiſet ſhn auch Gott der HEr auff ſeine beſtimpte Zeit / Die eit / ſpricht er / iſt herbey kommnen / das du ſterbeſt / dein Suin iſt außgelauffen dein bein geſentes Ziel zu leben iſt verfloſſen / vnd was dir Sott zu vatrichtẽ aufferleget / das iſt nun alles außgerichtet / vnd der eyerabend vorhandẽ. ʒ. Endlich machet es jmne auch Gott ſehr fůß vñ lieblich mit dem / das er ſein Sterben eine Berſamlung ʒu ſein? Voick / vnd einen Schlaff mit ſeinen 1 Vatern nennet / alſo das er ſich keines vbels vñ boͤſen / ſon⸗ dern lauter freude / woñe vnd ergetzligkeit zu geiroͤſiẽ habe. Mit gleichem Troſt vnnd Erauickung begegnet der barmhertzige Gott auch andern Gleubigen vnd Chri ſten ⸗ gegen jrer lezten Hinfart vnd auffloſ ung aus dieſem Jam⸗ merthal. Denn wie manchmal ſihet vnnd hoͤret man es von frommen gottſeligen. Hertzen / das / wenn jhr Sterb⸗ ſtundlein herbey koͤmpt / es ſie nicht allein ſelbſten ahnet: ſondernbrechen auch ſelbſten aus / vnnd bezeugen öffent⸗ lich /hr abſchied nahe ſich herbey / ſchicken ſich auch ſelbſit⸗ 1 vnd eilen ſtetigs/ als wenn nun ſtuͤndlich jhre Auf loͤfung vorhasdenſeye. Solcher art Exempel ſchet man an Ja⸗ Seneſ39 cob / der ſpricht zu ſeinen Sohnen Ich werde verſam̃let 1 e 1 zu meinem Volck. Alpo ſagte Dauid: Ich gehe hen den Lur *. weg aller Welt. Simeon: Nun. gN leſſeſtu deinen . x.Lin 3 Dlener in Friede fahren. Vnd Paulus: Ich werde ſchon 1 geopffert / vnd die zeit meines abſcheidens iſt verhanden. 1 So loſſet gleichwol Gott noch jmmer it fürnemen Leuten ſeine Kuchen / Schulen / Regiment nicht gar ab⸗ ſterben vnd verblichen· Gott nimmet Leut / Gott gibt auch widerum̃ rechtſchaffene Leut: Vnd ob ſchon nach Moſe⸗ nicht allezeit rin anderer Moſes koͤmmet/ wie es auch faſt vnmůglich / vnd es offtmals auch die Welt nicht wuͤrdig iſi: ſo gibt er doch nach Moſe einen Joſuam: Es ſey denn ſach / das vmb der ſchnoͤden Vndanckbarkeit wegen eines Volcks/ Gott gar auffraͤumen vnd ausʒiehen / vnnd zur ſraffe de Suͤnde alles bey den Regimenten in ein bae wolle ſincken vnd fallen laſſen. Da nimmet er fuͤrnehme Leut hinweg / deren man auch bißweilen ſatt vnd vberdrůſ⸗ ſig wird: Laſſet aber hernach an hre ſtatt kommen / vnnd auffſiehen Mnner / die da verkerte Lehre reden / Regenten Aet 20. die mit Scorpion zuchtigen / vnd in allen Staͤnden ſolche 3 · Re.)⁊ Zernittung anrichten / die hernach ſchwerlich widerumb tan zu recht gebracht / vnd dem Verderben geholffen wer⸗ den / inmaſſen jetziger zeit in dieſen Landen die trawrige vñ klaͤgliche erfahrung den augenſchein vns an die. Hid gibt. Ferner laͤſſet auch der gnedige Gott ſeine liebe Außerwelte mancheßmal noch in jren lebʒeiten dalerb vnd Seel noch beyſaien iſt/ einen frolichen Blick ins ewige Leben thun / das yhnen noch vor hrem Abſchied vnd Sterbenßnoten ⸗ gleichſam ein Vorſchmack des ewigen Lebens / vnnd der Hmnmelßſrewden eroffnet wird / darunter gewißlich gleu⸗ biger Chriſten Hertzen eine merckliche frewde vnd labung / auch mitten in den Sterbenßnoͤthen empfahen můſſen. Daraus man in Eyempeln ſihet / was erfolget/ Das ſie mit Paulo luſt haben abzuſcheiden / vnnd bey Chriſto zu phu. 3. ſein / vnnd mit yhnen heiſſet: Vitam habent in patientia, mortenn in deſiderio Das Leben iſi jnen gleichtam eine lautere Plage vnd Leiden: Sterben iſt yhnen Fred/ vnd lauter gewinn. Vber diß / ſo wiſſen ſich rechtſchaffene Cheiſten aus Gottes Wort demnach auffs beſte zu be⸗ ſcheiden / Das alle jhre Tage auff dem Bnuch des HErrn Pfat: 39 geſchrieben ſind / wie Dauid redet/ Vnd wic Hob ſaget: Job. )3. er Menſch ſeine beſtunpte Zeit hat / vnd die Zahl ſelner Monden bey Gott ſtehet / der ein Zꝛelgeſcht hat/ das der Menſch nicht kan vbergehen. Sonderlech aber haben gleubige Hertzen gefaſſet/ vnnd der heclige Geiſt inn hnen gewircket den Artickel der Aufferſtchung / daraus ſie aller gewiſſeſt verſichert ſind/ das jhr Todt igewith ein Cuc. )6. Se eſ. Z. Hebr. . Joh. ]). kein Todt/ Sondern allein ein Schlaff / vnnd eine Ver⸗ ſamlung zu Gottes Heiligen / vnd ewig ſeligem Volck ift. Denn was die Seel belangt / ſo wird ſie alsbald nach dem Aboſchied in Abrahams Schos von den lieben Engeln ge⸗ tragen. Der Leib / ob er wol die Verweſung ſchen mus / vnd wider ʒur Erden werden / daraus er genommen iſt / ſo kan er dorh vom Tode nicht gehalten werden / Krafft des todes vnd der aufferſtehung Jeſu Chriſti. Denn dieſer hat durch ſeinen Todt die Racht genommen dem Tode/ ja dem auch / der des Todes gewalt hatte / das iſt / dem Teu⸗ fel / alſo das kein Gleubiger vom Tod in keine ewigkeit nit kan verſchlungen werden. Chriſtus iſt die Aufferſtehung vnnd das Leben / das wer an jhn gleubet / gewißlich lebet/ ob er gleich ſturbe / Ja wer da lebet vnd glenbet an Chri⸗ ſtumn / derſelbige auch nimmermehr ſterben wird· Diß alles gibt gleubigen Hertzen krefftigen vnnd beſtendigen Troſt⸗ das ſie ſich vor dem Tode nicht furchten oder eniſetzen / auch dein nicht zu entflichen zu begeren / wie es wol vn⸗ můglich iſt: ſondern dem Tod getroſt vnter Augen gehen / vnd ſeine bitterkeit vberwinden / in betrachtung / das es nr ein Schlaff vnd Verſamlung zu de nVaͤtern vnd Got⸗ tes iſt / vnd heiſſet / wie Cyprianus ſaget: Eius eſt timere mortem, qui ad Chriſtum nolit ire Wer nicht gernmag bey CMriſto ſeln / der mag ſich vor dem Tode furchten. So viel ſey gemeldet von dem erſten T heil / Was ſich mit Moſe vnlangſt ſůr ſeinem Abſchiede vnnd Tode habe zu⸗ etragen. Je iſt es denn nun fuͤrs ander / mit ſeinem Abſterben beſchaffen geweſen / vnd wie verhaͤltet Fes ſich endlich mit ſeinem Ableiben vnnd Tode⸗ Der Teyt berichtet vns hicuon ſo viel: Gott heiſſet ihn im Lande der Moabiter fortgehen; Das thut N e — Gott heiſſet bn auff das Gebirge ſteigen: Das vollzeucht er auch gehorſamlichtůr.eins Darauff folget: Alſo ſtarb Moſes der Knecht deß HErn daſelbſt im Lande der Mo⸗ abiter. Eins iſt noch angehencket: Er ſtarb nach dem Wort deß HæN Damit wird angezeiget / wie ſanfftes vnd ſtilles Todes er geſtorben ſey. Dann gleich wie Si⸗ meon / da er geſagt Nun Hæ æ leſſeſiu deinen Die⸗ ner im Friede fahren / wie du geſaget haſt /etẽ. gewißlich Cuc. 2. bald darauff in aller Sanfftmut vnd ſiille eingeſchlaffen/ das er deß Todes wol wenig wird gefuͤhlet haben. Eben alſo iſt kein zweiffel wird Moſes damalen ſanfftim HEr⸗ ren eingeſchlaffen / vnnd in ſein Ruhkaͤmmerlein gegangen ſein / das jhme der Tod mit ſeiner Bitterkeit wenig wird geſchmirtzet vnnd geplaget haben. Vnnd vermeidet die Schriffe hiebey noch zweyerley. Erſilich ſein Alter / nem⸗ lichen / das er hundert vnd zwantzig Jahretreichet / vnnd es alſo eben auffein hohes vnd anſehliches Alter gebracht ha⸗ be. Fuͤrs Ander /ſeine vermoögliche Krefften bey ſo hohem Alter: Dann ſeine Augen ſeyen nicht dunckel worden / vnd ſeine Krafft ſey nicht verfallen / das iſt ſo viel geſaget / das hne der Tod nicht ausgeſiechet vnd außgemertzelt/ Son⸗ dern er noch einen geſunden vnnd vermöglichen Leib / auch gute vnd vnuerletzte Sinne zum Ende gebracht / vnd es mit — jhme geheiſſen habe/ wie von Ahor geſchrieben ſtehet/ Deuzz. as ſein Alter / wie ſeine Jugend geweſen ſeye. Bey dieſem Stucke lerne jeglicher Chriſt ſich inn den Willen Gottes / wie im Leben / alſo auch im Sterben gehorſam⸗ lich ergeben· Beſihlet dir Gott zu gehen / ſo gehe williglich. Zu wandern / ſo wandere gehorſamlich / da es gleich mit⸗ ten in Tod hinein ſein ſolte. Denn es mus doch endlich heiſſen / Die geit iſt herbey kommen das du ſterbeſt / vnnd Rehet es gleich lang an / ſogehet endtlich fuͤr der alte C Spruch do. Spruch der Schrifft / Vnd er ſtarze. Dain einmal iſt 3 · Rg·⁊ · dem Menſchen geſetzet zu ſterben. Diß iſt der Weg aller Welt. Das vbrige alles mag dem lieben Gott befolen ſein. pſal o. Wil er dich ſetigen mit langem Leben / ſo eikenne es für eine ſondere Gottes Gabe/ Dann grawe Haar /ſind eine Pru·ð · Kron der Ehren / ſpricht Salomon. Wiſer kurtz Ende wit dir machen / vnnd dich inn deinen jungen Jahren abfor⸗ dern/ ſo laſſe den Hæ RoR / vnd ſonderlich ſeine wahre Deut ʒ o. Furcht/longitudinem dierum tuarum dein Leben vnnd langes Alter ſein. Dann vnbeflecktes Leben iſt doch wie Sayien ʒ. die Schrifft ſaget / das rechte Alter. Wil dich der getrewe GSott mit Kranckheit vnnð Siechtagen belegen / ſo halte es fur eine Zůchtigung deß HxR R/dir zu gutem / wi⸗ der dein Verderben / von Gott dem lieben Vater fuͤrge⸗ nommen . Gott iſt vnd bleibet doch getrew / vnnd verſucher nie mand vber ſein Vetmogen / ſondern machet der Ver⸗ ſuchung ein ſolches Ende / das wir es ertragen mogen. So viel auch vom andern Puncteni 7 M Dritten vnd letzten Punctenwird gemel⸗ det / was auff Moſis Abſterben erfolget ſey / nem⸗ lich zweyerley. Das erſte iſt geweſen das Begteb⸗ nis/ Dauon ſaget der Tejt: Er der x begruð jhn im Thal im Lande der Moabiter / gegen dem. Hauſe Peor / vnd hat niemand ſein Grab erfaren biß auff dieſen heutigen Tag. Das iſt aber ein newes vnd ſonderes / Begraben iſt er worden / Aber ſein Grab hat niemand erfahren. Diß berichten die Gelehrten / ſey zu verhuͤtung gefaͤhrlicher Ab⸗ götterey beſchehen. Dann weil Moſes ein ſonderer Wun⸗ dermann geweſen / welches die Kinder Iſrael nach ſeinem tod mehr erfahren / dann bey ſeinem Leben erkennet haben / iſt hoͤchlich zu beſorgen geweſen / es moͤchten die Kinder Iſrael bey ſeinem Grab etwas von Altaren vnnd andern ſtifftun⸗ ſujeungen antichten / damit Gott zum hoͤchffen were er⸗ . vnd betruͤbet worden. Zu deſſen Verhuͤtung der liebt ott Moſis Grab niemand habe wollen kund vnnd wiſ⸗ ſend laſſen werden· Etliche ſind der Meinung / Gott habe damit zu Abkurzung deß trawrens vber Moſis Tode fuͤr⸗ nemlich heiffen wollen · Dann wann ſein Srab vot Augen geblieben / hette ſolches den Kindern Iſrael inn kuͤnfftiger Zeie jhren Vnmuth vnnd Trawten jmmer widerumb new machen vnd eyfriſchen moögen . Das Ander / nach Moſis Tod erfolget / jſt geweſen das gemeine betrawren deß Todes Moſis· Dann die Kin⸗ der Iſtael haben Moſen beweinet im Geſilde der Moabi⸗ ter/dteiſſig Tage / vnnd wurden vollendet die Tage deß Weinens vnd Klagens vber Moſe. Auß dieſem dritten vnd letzten Stück ſollen alle Chri⸗ ſten leinen / wie man ſich gegen lieben verſtorbenen/ ſonder⸗ lich fürnehmen Leuten / bezeigen vnd verhalten ſolle. Wel⸗ ches auch eine nötige erinnerung iſt. Denn hierinnen wird der ſachen in beyde Wege von vielen vnrecht / vnd entwe⸗ der zuutel / oder zu wenig gethan · Zuuiel wird jhm gethan / teils von denen / welche aus den verſtorbenen Heiligen rech⸗ te Abgotter machen / inmaſſen ſehr viel im Abergleubigen Babſiumb geſchehen / da mun Clauſen / Capellen / Kir⸗ chen vnd Altaruby vnd vber der Heiligen Graͤber geſtiff⸗ tet / vnnd alda groſſen Gottes dienſi angerichtet hat / mit Blebce Beredung / ſam wuͤrde Gott daſelbſten mit ebet vnd Wallfarten zu ſolchen Graͤbern mehr vnd beſſer gedienet / auch das Gebet viel balder erhoͤret / dann an an⸗ dern orten; Welches lauter Betrug vnd grobe Abgoͤtterey geweſen iſt. Dann alle heiligen / wie hoch vnnd groß ſie je⸗ mals geweſen / ſind ſie doch nicht Solter/ Sondem allein Knechte Bottes / vnd vnſer Mietknecht. Vnnd demnach — ſhnen jnenſolcher Sottes dienſte zu Ehren mit nichten anzurichꝰ ten geweſen. Theils wird der Sachen auch zu viel gethan von denen / welche vber der verſtorbenen / vnnd Fürnehmner Leute abgang vnmaͤſſig vnd mit Vngedult trawren. Die⸗ es tauget auch nichts. Iſt es doch nicht gar mit jhnen aus oder verlohren / Non amißi ſed præmiſsi ſunt, ſie ſind nicht vntetgangen / ſondern allein voran gegangen / dahin auch wirſchiereſt nachziehen vnd folgen ſollen. Darumb billich bey Chriſten mit maß zutrawren / 1 vnd die Sach alſo anzuſiellen das wir trawren / doch nicht Theſ.z. wie die/ ſo keine Hoffnung haben / wie Paulus ſaget / das ii / wie Heyden vnd vngleubige / welche gar nichts von der Aufferſtehung wiſſen / Sondern als die / ſo eine gewiſſe Yoffnung der Aufferſtehung / leben. 2 Auff der andern Seiten wird der Sachen in dirſem 1 Fall gar zu wenig gethan / vnnd dieſes abermahlen aufj zween Weg. Etliche werden gefunden / wann fuͤrnehme Leut / auch heilige Leut Todes verſcheiden / ſo nehmen ſis rechte Schlangen vnnd Teuffels art an ſich / ſtechen nach 1 den Verſtorbenen mit gifftigen Zungen / vnd leſtern auffs 1 aller grewlichſte auff heiige Leuth /als es jhnen der böſe 1 Feind vnnd Vater der Lugen inn Sinn vnnd ins 1 Hertgeben kan. Wider ſolche Leuth iſt nicht viel alihie zuhandeln. Dann ſie ſind nicht werth / das man jhr bey ſo Chriſtiicher Verſamlung viel gedencken ſolle. Die finden auch ſonſten gewißlich wol jhren Richter. 1 Aber andere findet man / die ſchlagen es gar in Wind⸗ 3 koͤnnen es auch noch wol ohne ſorge zimlich lachen / wann 1 gleich fuͤrnehme / heilige vnnd hohe Leut aus dieſer Wele hinweg gerůckt werden /laſſen ſoiche Wort von ſich lauten Was iſt es dann / wann auch gleich ein Menſch du iſi der alte Bund /blebet keinet vber /koͤmmet Cuntz hin/ſokömmel Heinßz widet/vnnd was ſolher vttlaſſenen Reden mehr ſchen mögen. i Das iſt ein gemein Vbel inn der Weilt / fuͤrnehme euth ſind offt bald verklaget / vnd wird (eider) hoher wol⸗ uerdienter Perſonen vnnd heiliger Gottesmänner alizu bald vergeſſen Vber dieſe Vnart klaget det HRR ſeibſt im Propheten Eſuia: Ber Gerechte kömmetvmb/ Eſas vnd niemand iſt/ der es zu Hertzennehme. Die Heiligen werden hingeraffer / vnd nitmand achiet darauff. Vnnd meinet zwar die Welt/ es ſepe ein gemeines / wann hohe Teute ſterben. Aber der Geiſt Gottes zeigt an jetzt ermeltem Btt weit ein anders / vnd ſpricht: Die Gerechten werden weggeraffet vor dem Vnglůckꝰ Hie höreftu es / was es bedente / wann furtveffliche Leute ſierben/ Vnglůͤtk iſi vor⸗ iſt furder Thůͤt. Man leſſet ſchs zwar wol offt geduͤncken/ komme Contz hin / komme Betz wider. Man ſihet es aber leider allzuniel / wie es kömmet / dem Sprichwort gemeinglichen nach Das beſſer ſelten Vnnd ob gleich etwas wider kom⸗ met/ ſo wiſſet man zwar offt wol/ vnnd kan ja wiſſen / was man an dem gehabt / das man vetlohten: Was man aber an dem / ſo folget / haben werde / leſſet ſich nicht al⸗ lezeit wiſſen / vnnd wird mit groſſem Schaden erſt geler⸗ Wie jederman vber gegenwerlizem Todfall deß wey⸗ ſand Ehrwidigen / nim aber inn Goltſeligen / Henn D Selneckers geſinnet ſeh/ kan ich zwar füs meine Perſon micht wiſſen: Doch weis vnd erkennet es der / der Nieren vnd Hertzen aller Menſchen prufen kan. Das aber weis ich gewißlich vnd iſt in Warheit alſo / das wir nicht einen Cü ſchlech⸗ „ lichen Mann / vnd thewren Kirchenlehrer an jhme verloh⸗ ren haben / dem billich von menniglich ſoll nachgeſaget pi))2 werden: Memoria eius in benedictione, das ſein nim⸗ mermehr ſoll vergeſſen werden. Ich wil dißmal nicht re⸗ den von ſeinem Priuatwandel vnnd Leben / welches alles E. L. mehr vnd beſſer / dan mir / in allen Ehren vnnd tuhm bekandt geweſen / damit er doch jhm ſellaten fuͤrnemlich / vnd den ſeinigen / vnd auffs meiſte denen / ſo vmb jhn ge⸗ wonet haben / als auch euch Leipſigern geweſen / was er die⸗ ſes Jals geweſen iſt. Ich wil ailein erwehnen derer Ding ⸗ damit ernicht fuͤrnemlich jhme ſelb / oder wenigen Leuten / Sondern gemeiner Kurchen Gottes / ja gantzer allgemei⸗ ner Chriſtenheit gefrommet vnd genůͤtzet hat. Nun iſt er zwar nicht Moſi gleich / viel weniger mehr / denn Moſes ſelb geweſen: Doch gleichwol erſtlichen Moſi inn dieſem Stůck zuuergleichen / das wie Moſes / alſo er auch ein Knecht Gottes im Hauſe deß æ qR ꝙR geweſen / vnnd wie jener ein Fuͤhrer vnd Hertzog deß Volcks Gottes durch die Wuͤſten geweſen: Alſo dieſer iiebe Doctor gemeiner Chriſtenheit wie ein getrewer Leiter vnd Fuͤhrer durch alle Wiaſteney Abgottiſcher / verfuͤhriſcher vnnd verdamſi⸗ cher ⁊ ehr vorgeleuchtet hat. In ſonderheit aber wie Moſes das Gezeugnis von Golt gehabet / das er geltew geweſen ſeye / im gantzen Hauſe Golees: Alſo hat dieſer ſelige Do⸗ ctor bey allen rein vnnd rechtgieubigen Chriſten / das hobe Lob/das er im gantzen Hauſe G Ottes auchgetrew gewe⸗ ſen / vund bis an ſein ſeliges Ende geblieben ſege· Dann D. Selnecker iſt nicht ein Vertumnus vnnd Polypus/ein Wetterhan vnd Wendehals geweſen / der heut diß/ bald Motgen ein anders in der Lehr Chriſilicher Religion ange⸗ nommen / approbieret vnd vnterſchrieben hette Nicht bue [eungeweinen ſondern einem fuͤrnemen vnd faͤrileſſ⸗ et ſich als ein Rohr gehalten / das der Wind hin vnnd her Man.) wehei / auch nicht als ein Menſch in weichen Kleidern / der vind Henngunſi / zeitliches genieſſes vnd weltlicher Ehren willen / zu ailem vnbillichen fuͤrnemen vnnd verenderungen in Religions ſachen ſich hette bewegen vnd vermogen laſ⸗ ſen / Sonder in einmal erkandter vnnd bekandter/ reiner⸗ allein ſeligmachender Lehr der Euangeliſchen Warheit / wie dieſe einmal durch den thewren Man Gottes vnd ho⸗ ben Propheten Mariinum Luthern aus Gottes Snaden an Tages Liecht gebracht worden / iſt er die eit ſeines Le⸗ bens allhier auff Erden / vnd bey ſeiner geleiſteten Kirchen vnd Schueldienſten feſt / trew / auffrecht vnnd beſtendig ge⸗ blieben / vnnd biß in ſeinen letzten Athem / auch nun in die Gruben hinein verharet. Das Lob wird er auch behalten vnd erhalten dortañ jenem groſſen Tag vor dem Richter⸗ ſiuel vnd Angeſicht ſeines Erlöſers vnnd Heylandes Jeſu Chriſti. Wie getrew aber er ſonſten auch in leiſtung vnnd vetrichtung ſeiner dienſten im Hauſe Goltes geweſen / das bezenget nu / vnd wil biß zum Ende der Welt bezengen die Kirche Sottes an vnterſchiedlichen Drien / vnter welchen Dreßden die erſte iſt/ dahin vor ettich vnnd dreiſſig Jaren / aus der burumöten Vninerſitet Wittenberg vieſet ſelige Doctor erſtes mahls zum Churfuͤrſtlichen Hoſſager vnnd Hoſpredicatur beruffen worden. Auch zeugen ſolches Jena in Turingen/ Helmſtadt inn Braunſchweig / vnnd Hil⸗ deßheim jn Sochfen: Vornemlich zeuget ſolches Leip⸗ ſig / vnd wird es bezeugen / ſo lang Leipſig jhr ſelbs gleich⸗ vnd bey reiner Lehrbeſtendig bleiben wird. Dann dieſes Dris hat dieſer irewe Doctor zum andernmal im Hauſe Gotteb gedienet / vnnd ſeine auffrichtige Trew im Werck Gottes bey euch Leipſigern offentlich vnd mit aller Chriſt⸗ licher Beſtendigkeit ſehen vnd vernehmen laſſen . ind / ſind dieſes die Sechs vnteiſchiedliche Voeationen vnnd Stellen geweſen / darinnen et ſeinem HgRNM Chri, ſio inn ſeinem Hauſe getrewlich gedienet. ¶ Die ſiebende bat er nicht erreichet/ auch ſelbſien nicht gehoſfet zuer⸗ reichen/ inmaſſen er ſelbſten wol gewuſt / vnnd hieruon vor anderthalb Jahren dieſen Verß gemacht at Septimã me læto ciuem aſoſgnabit olympo. Die Siebend Sei 6 Die Buͤrgerfechafft in jenem Ceben. Welche ſeine eigene Weiſſagung nun in dieſen Tagen jhrr endliche Erfullung erreichet hat. Von dieſes thewren Mannes Getrewe im Hauſe Gottes / zeugen auch ſeine hinderlaſſene / vnnd inn Druck verfertigte nůtzliche vnnd gute Scihrifften vnnd Buͤcher⸗ deren et mit eigener Hand geſchrieben / vnnd aus fieyet Chriſilicher Kunſt vnnd Geſchickligkeit zu Werck gerich⸗ tet / mehr durchoffentlichen Vruck hat von ſich kommen / vnd außgehen laſſen / dann noch wol manche kaum ſonſten moͤgen geleſen haben / welche ſich doch kluge Meiſier vnnd hohe Doctores geduͤncken laſſen / vnnd Selneccero wol die Schuch außzutreten / vnd jhn zu hofmeiſtern vnnd rechtfertigen ſich haben geluͤſten laſſen / dem ſie doch den Schuelſack nachzutragen kaum wirdig vnd genug gewe⸗ en weren . So hat auch dieſer ſelige Doctor das vberaus nuͤtz⸗ liche vnd lobliche Werrk der Concordien verfertigen / vnnd in dieſen vnd andern Chriſtlichen reformirten Landen an⸗ richten vnd erhalten heiffen / welches einige Werck ſo hoch vnd ruͤhmlich / das es jhmegemeine Chyiſtenheit in dieſer vergenglichen Welt nimmermehr gnugſam verdancken kan. Was ſonſten auch fur Eiuer vnnd hitzige Inbunſt⸗ — tey dieſem chewren Man geweßen ley / der Kirchen Chriſt in aller Weit zu frommen vnd zu dienen / das weiſen ſeine vielfeltige vnd ſchwere Reiſen aus welcheer mit Wagnis Leibs vndLebens / vnd mit hindanſetzuns ſein ſelbs eignen vnſteten vnd vnuermoͤgen der Geſundheit zu vnterſchied⸗ lichen malen vber ſich hat ergehen laſſen · Alſo das allen chrliebenden vnnd Chriſigleubigen Herben hieraus / vnnd ſonſten auß andem mehr/ gnugfam kund vnnd bekantlich ii / wie refflich dieſer Mann / vnnd wie ein krewer vnnd thewrer Diener deß Ox R RN Chriſii er geweſen ſey · Wie fuͤntrefflich aber dieſer Mann gewrſen, ſo ein geplagi Mann iſi er aber gleichwol auch in dieſer Welt ge⸗ weſen. Welches denn zwar eben auch zu ſeinem hohen Lob Num. )2 vnd fůrtreffligkeit gehoͤrig iſt. Von Moſe dem gewalti⸗ gen Mann Gottes ffehet alſo geſchrieben: Aber Moſe war ein ſehr geplagter Menſch vber alle Menſchen auff Er⸗ den. VBnnd Paulus ſchreibet an ſeinen jungen furtreffli⸗ chen Biſchoff vnnd Prediger Timotheum zweyerley: 2. Tin4 Eins ißt / Leide dich. Das Ander /Thue das Werck eines Euangeliſchen Predigers / richte dein Ampt redlich aus. Wie trewlich im andern Stůck dieſer vnſer ſeliger Doctor gehandelt / habr jhr erſi vemommen/ Das Werckeines Euangeliſchen Predigers hat er trewlich gethan / vnd ſein Ampt redlich außgerichtet. Im andem Siůck / deß Lei⸗ dens / hat es jhms auch nicht gemangelt: Dann dieſer liebe Doetor ſich nicht allein vom leidigen Satan/ vnnd ſeiner Braut det ſchnöden Welt/ faſi biß inn feine Gruben hin⸗ ein hat weidlich leiden můͤſſen: ſondem er iſt auch geplaget worden von vnſern gemelnen Widerſachern den Papi⸗ ſten. Wie jͤmmerlich hat ſich ſelige Doctor auch leiden můſſen von vnſern iderwertigen / den Sactamentiremn / vnnd der Caluiniſchen Rott? Fuͤr⸗ D nemlich —— —— 5 nemlich denen Leuten / die den Weinberg deß H L RRR ſchrecklich verwuͤſtet / vnnd wie die wilden Schwein zer⸗ wuͤlet / vnd wie wilden Thier verderbet haben. Auch hat er ſeine Plage gehabt von falſchen Bruͤdern / die jhm man⸗ chen Tuͤck bewieſen haben: Ja auch die / ſo ſein Brodt gefreſſen / haben jhn auch endlich mit Fuͤſſen getreten / vnd jhm auff Ehr vnd Gefaͤhr / vnnd alſo mehr / denn auff Haab vnnd Gut /Leib vnnd Leben zugeſetzet. Was nun hierunder dieſer liebe Mann Gottes fur Gedult vnnd Be⸗ ſtendigkeit / ſampt aller gebuͤrlicher Beſcheidenheit gebrau⸗ ohet / iſt gemeiner Chriſienheit vnuerborgen. Alſo das er auch dieſes Falls ein furtrefflicher Mann / vnnd außbuͤndi⸗ ger Lehrer gewelen iſt. Aber wie dem allem / ja eben hierumb / das er ein Hei⸗ liger G. Ottes geweſen / hat jhn GDtt zur letzten Ster⸗ beuszeit auch wuͤnderlich gefuͤret. Von vnſerergnedigſten Vbrigkeit iſi er vnlangſi zu dem anſehlichen vnd hochno⸗ tigen Viſitations Werck / vnnd deſſen Berathſchlagung anhero beſchrieben vnd beruffen worden. Db er ſich nun wol der Zeit etwas ſchwach vnd vnuermoglich befunden / alſo das jhm die Reiſe ſehr ſchwer fuͤrgefallen: Dennoch als jhm ein Thuͤr auffgethan worden / ſich widetumb vmb die Kirchen Chriſti / beuorab dieſer Landen vnnd Or⸗ ten zu verdienen / hat er ſich in Gottes vnnd der Bbrigkeit leichtlich ergeben / vnnd zu dieſem Vorſtehenden erck gebtauchen zu laſſen / auch mit beſondern Frewden erhoben · Als er aber bey wenig Tagen allhie angelanget ⸗ vnd in groſſer ſchwacheit zu Leipzig einkommen / auch ge⸗ meltem Deliberations Werck kaum ein Anfang gemachet worden: Koͤmmet der barmbertzige Gott / nimmet vns dieſen Mann von der ſeiten hinweg / vnnd verſetzet ſn dieſem vammerhol in das ewige vnd Himmliſche Vater⸗ land. Hiemit iſt zwar jme dem lieben Mann Gottes / vnnd nun ſeligem Doctorn nit vbel geſchehen / beuorab / dieweil ſeines Hertzen begierde vnd Verlangen himit wircklich iſt erfullet worden. Dann er jhm eme geraume zeit allein gewuͤnſchet / vor ſeinem Ende ſein liebes Leipzig noch mit Augen zu ſehen / vnd da es muͤglich / gleichſam als in den Armen ſeiner lieben vertraweten Gemein allhie in Leipzig abzuſcheiden. Welcher Vrſachen halben er auff dieſer ſeiner letzten Reiſe zu Braunſchweig / als er daſelbſien mit hoͤchſter ſchwacheit befallen / kaum mit groſſet Muͤhe hat koͤnnen beredet werden / ſich einen oder zween Tag alda auffzuhalten / vnd in guter Ruhe die Kraͤfften deß Leibes zu erholen. Dinn er jmmer beſorget/ er moͤchte vnter Wegen bleiben / vnnd gebeten/ man wolte jhn ja nicht ver⸗ kuͤrtzen / Denn et zu Leipzig zu ſterben / vnnd begraben zu⸗ werden / verlangen trage. So mus jhm das vor ſeinem ende ein groſſer Troſt/vnd belondere Frewde geweſen ſein das durch obgedachte ſeine Beſchreibung vnnd Erforde⸗ rung zum vorſtehenden Biſitationswerck / er gleichſam offentlich in dieſen Chur vnnd Fuͤrſilichen Landen wider⸗ umb außgeſoͤhnet / vnnd jhm hiemit das öffentliche Zeug⸗ nis ſeiner vor dieſem geleiſieter Trew gegeb en worden / da⸗ bey alle ſeine vnd reiner Lutheriſchen Lehre Feinde zu prů⸗ fen haben / wie vnchriſtlich vnnd vngebuͤrlich ſie vor die⸗ ſem mit Verfolgung dieſes Monnes gehandelt haben · Vber das hat jhn der barmhersige Gort gleichwol auch ein ſchoͤnes Alter erreichen laſſen · Denn dieweil er Anno zo. ſon gedoren ſein / im Jar / da die Augſpurgiſche Confeſſion geſtellet vnnd vbergeben worden / ſo wird gerechnet / daß er faſt eben das drey vnnd ſechtzigſte Jahr ſeines Al⸗ ters/ vnnd allo Climactericum magꝑum eiteichet . 6 ij u5 Aus welchen Jahren ſeines Alters er 3ʒ. Jahr vnd drußer in Kirchen vnd Schuldienſten ʒzugebracht / welches beides eben viel vnd ein groſſes iſt. Wie jhme der gnedige Gott auch ſonderlich darinnen ſehr gůtlich gethan / das in ſo ho⸗ hem Aller ſeine Augen auch nicht dunckei worden / noch ſei⸗ ne Krafft verfallen iſt / mmaſſen er bey ſolchem vermoͤgen vnnd Geſtalt deß Leibes / auch mitten im Sterben gewe⸗ fen / das er einem Geſunden / dann ſterbenden ehnlicher ge⸗ weſen iſt. Gleich wie auch ohne beſondere ſchmertzen vnnd wehetagen ſeine Auffloͤſung fein ſanfft vnnd ſtill geſchehen iſi. Sonderlich aber / dieweil er in ſeligem vnd beſtendigem erkentnis / anruffung vnd bekentnis Jeſu Chriſti abgeſchie⸗ den / vnd mit jme nach ſeinẽ eignen Verßlein geheiſſen hat: In vita & mortęe es tu mea GnRrsr Zajus. Im Tod vnd Leben Næ R Jeſu Chrriſt/ Allein du mein Troſi vnd Meũ biſt: So iſt gantz vnmůglich / das jhme fur ſeine Perſon nicht wol geſchehen ſey. Vns aber / vnnd gemeiner Kirchen Chriſti iſt beuorab dieſer zeit ein boſer vnnd vnzeitiger Tod geſchehen. Denn wo nimmet vnd findet man heut zu Tag viel Selnecceros ? Ja wo kriegen wir auch nun einen an⸗ dern / auch einigen Selneccerum mehr? Darumb billich zu trawren / vnnd mag zuforderſi Leipzig nun wol trawren vmb jhren Selneccerum: Wer weis / ob jhr ſeines glei⸗ chen jmmermehrbekommen werdet? Doch iſt hierinnen mit Maß zutrawren / vnnd Gott in ſein Werck mit keiner Vngedult zureden: Sondern vielmehr zu flehen vnnd zu bitten/ das et ſolchen Riß ſeiner Kirchen ſelbs heilen / dieſe Cantzel vnnd Kůchen mit Gnaden widerumb verſor⸗ gen vnd beſtellen / vnd ob es wol ſchwerlich zuhoffen / den⸗ noch ſo es můglich / eine ſolche Perſon augerſehen wolle ⸗ auff welcher Selnecrers Geiſt zwiefeleig ſey / gleich , 5 — bey Eliſeo Eliæ Geiſt zwiefeltig geweſen iſt Damit alſo 4. Res *⸗ ferner jhm ſelbs ein Kirchen vnnd liebe Gemein aus dieſer Verſamlung moge erbawet werden/welche jhn in Chriſto hie inn dieſem Leben nach ſeinem Wort rein vnnd recht⸗ ſchaffen erkenne / liebe / ehre vnd bekenne: Vnd endlich jme ſampt allen Engeln vnnd Außerwehlten dort inn ewiger Frewd vnnd Seligkeit beywohne. Das verleihe er ſelb der banmhertzige Goit / welchem mit ſeinem lieben Sohne vnnd heiligem Geiſt ſey Lob/ Ehr / Preiß / Macht vnd Herrligkeit / von nun an biß inn Ewigkeit / 2MEN * W — ————— Sedruckt zu Geipzig / bey Johan: Beyer.