Der fluͤchtige CARPOUC H E, Ein Gedicht/ Oder: Foh. Janatius S Der Ertz⸗Betruͤger. — — Fin Irrwiſch, ein Cartouch, von jenem Gaufer⸗Strand, . Der Hottentotten Brut, den Teutſchen unbekandt, Ein plůgel von lcar kommt mit beſchnittnen Schwingen Im edlen Franckfurt an; ein Jammer⸗Lied zu ſingen, Er klagt in heiſem Thon, und ein verſtellter Blick Zieht die Mitleidigkeit auf ſeine Noth zuruͤck. Er wirfft ſich vor dem Thron der theuren Vaͤter hin, Sein Hertz ſtellt ſich zerknirſcht, ſein Mund verdreht den Sinn. Er zieht den Schaaf⸗Peltz an, den Schalck recht zu verſtecken, So braucht er Trug und Liſt die Groſen zu erwecken, Rit heiliger Geſtalt ſchlaͤgt er die Augen ein; Verdammte Heucheley. Diß ſoll die Loſung ſeyn. Umd was fuͤhrt er im Schild? Und was verſteckt die Liſt? Er ſucht der Seelen Wohl, und was ihm nuͤtzlich iſt: Und wer? der Boſtwicht? der abgeſchaͤumte Hoͤrner, Streut ſo in falſchem Schein der Andacht, giftge Koͤruer, k W t 6 M F Er ſchieichelt; ſtreicht und lockt nach jener Vogler Art, Bis er das Vogelein in ſeinem Garn verwahrt. Und was geſchicht hierauf? Man ſorgt, man tracht ſobald, Man theilt ihin Nahrung mit, man gibt ihm Unterhalt. Er konunt ins Armenhaus, man merckt auf ſeine Wege, Und da genießt er lang der Vorſicht treue Pflege. Da wird er endlich warm, die Wohlluſt ſchlagt in Brand, Und eine Delila wird ihm, er ihr, bekandt. Die Geilheit wird verſteckt, das Laſter wird gedaͤmpft) Weil er mit tauſend Wind die Wahrheit ſelbſt bekaͤmpft. Die Raͤncken, Trug und Liſt ſchaͤumt in vergaltem Hertzen, Er wird ein Hatlequin, die Bosheit nennt er Schrrtzen; Den Luftſtreich ſeiner Art nennt er ein klnges Spiel, Und ſo betaͤubt er uns, und ſo betruͤgt er vicl. Und wo gerath ich hin? Er ſteigt zu hoͤherm Rang; Hie macht der Satan ihm, umd er dem Teuffel bang. Die Schaaf⸗Haut zieht er abz in Baͤr⸗und Tyger⸗Decken Kan er nun laͤnger nicht des Satans Bild verſtecken. Er ſchwellt vor Hochmuth auf, fuͤr Pracht und Uebermuth Schlaͤgt aus der Schlangen Bruſt zugleich der Unzucht Glut. Die edle Burgerſchaft wird klein in ſeinem Sinn, Die Untreu heiſt bey ihm, ſtatt Redlichkeit, Gewinn. Er bruͤſt ſich wie ein Pfau. O hoͤlliſche Gebaͤrden! Die ihm zum Untergang, zun Rath und Galgen werden. Er wird bald hie bald dort den Armen nur zur Laſt, 18 So macht er ſich der Stadt und Buͤrgerſchaft verhaſt. 5 ie Hie fuͤhrt der Belial das Ruder uber ihn/ Und leit am Wolluſt⸗Seil bald hier bald dorten hin, Bald lockt er ihn hinauf auf die erhabne Hoͤhen, Den Abgott dieſer Welt das Geld recht anzuſchen. Hie wird Begierde reg! die Luſt⸗Seuch wird entzundt, Der Satan ſchiert die Glut, weil er ſich hm verbindt. Wie? ſpricht der boͤſe Feind, hier ſey in ſuͤſſer Ruh, Hie fuͤhr ich dir zum Pracht die reichſte Beute zu; Hie naͤhre deinen Stoltz, und ſuͤttige den Willen, Hie kan dein Hochmuths⸗Geiſt auch meine Luſt erfüllen, Er greift, er nimmt, er ſtiehlt! Er prangt mit Gold am Kleid⸗ Hie war die erſte Bahn zu ſeinem Fall bereit⸗ Und wie bey ſchwuͤler Luft in heiſer Sommers Zeit Sich nach und nach der Dufft mit ſchwartzer Dunckelheit In des Salpeters Kraft mit Schwefel ſich verbindet, Und dann der Donner ſchlaͤgt, mit Blitzen ſich entzuͤndet. So war der Boͤſewicht auch nach und nach gebracht, Bis Schluſſet, Schloß und Hand war kunſtlich nachgemacht Er ſtohl, und ſtichlt ſehr viel, auf tauſend lief die Zahl⸗ In viele tauſend ging der raͤuberiſche Baal. Ein Raub und Pluͤnderung kau dieſer Diebſtahl heiſen, Wer wolte deine That nicht an den Galgen weiſen? Du biſt des Henckens werth! wie viele in der Stadt Die ſchreyen Ach und Weh, die er betrogen hat. Mm zieht den Vorhang auf! O ſcht der Geilheit Bett! Hie ſtreit die Hurerey mit Ehbruch um die Wett. M3 O ein⸗ O eingefleiſchte Brut auf deiner Wolluſt⸗Weyde/ Biſt du ein Hoͤllen⸗Kind, des Satans erſte Beute. Jud Suͤß iſt wieder da, ein anderer Galant, Iſtt dir,(ich zweifle nicht) ſehr nahe anverwandt. Die Lais unſter Zeit wirfft einen Schmertzene⸗Bliet Auf jenes Lager hin, auf deinen Schooß zuruc. O Uumitleidiger! denck an die ſuͤſſe Stunden, Da deine Buhlerin der Liebe Koſt empfunden, Das Hertz ſpricht ſeufzend aus, die Tage ſind dahin; Ich Ungluͤckſelige! die ich verlaſſen bin. O Dina! wie iſt dir bey dieſem Fall zu Muth Verſchwendet iſt das Geld, wo bleibt der Zucker⸗Huth? Die ſüſſe Neckar-Koſt, die lecker⸗volle Biſſen, Zum Feuer eurer Brunſt, zur Nahrung eurer Kuͤſſen? Wann nach vollbrachtein Spiel, und auf der Wolluſt Bad Bald aufgetragen wird ein Schaͤlgen Chocolad. Wer ſitzt dort auf dem Weg in ſeltner Traurigkeit? Ich irre, Thamar lauſcht in frecher Luſternheit Auf weicher Schwanen⸗Raſt, da ein umhuͤllter Schleyer Lockt die Verehrer her, macht hitziger die Freyer. Ja! Ja! der Abzug geht auch hie ihr etwas nah, Mein Engel, ach du fehlſt! ſo ſeufzt der Mund, ach ja! Nun geht und lauft ihm nach; diß iſt Verliebter Lohn: Dis wirckt der Geilheit Frucht, was tragt ihr nun davon? Nur Schande, Spott und Schimpf, ein brennendes Gewiſſen, Angſt, Unruh und Verdruß, mit bittern umn — Nun zieh die Sack⸗Uhr auf, folg deinem Mitgeſpiel, An Hochmuth, Unzucht, Pracht, gibts eurer doch noch viel. Ein ewig Denckmal ſoll dem Ertzbetruger ſtehen, Bis man am Galgen wird ſein aͤchtes Bildniß ſchen. Du entgehſt dem Galgen nicht, Dann des Hoͤchſten Zorn⸗Gericht Geht mit Langmuths⸗vollen Schritten, Aus der Helfte, aus der Mitten, Rafft GOtt nicht in voller Eyl; Seines Eyfers ſcharfer Pfeil, Trifft bald langſam, bald behende, Hoͤrner! ſeufze uͤber dich, Klage, winßle aͤngſtiglich, Kehre um vor deinem Ende. —„ 1 — 5 4 M b. —— . . —