E eitun3 zur Kenntniß engliſchen Landwirthſchaft und ihrer neueren practiſchen und theoretiſchen 5 v 6 in Ruͤckſicht 8 auf Vervollkommnung deutſcher Landwirthſchaft fuͤr denkende Landwirthe und Cameraliſten. Zweyten Vandes zweyte Abtheilung, Nachträge zu den erſten Capiteln des erſten Bandes enthaltend, von Albrecht Thaer d. A. D., des Koͤnigs von Großbritt. Churfuͤrſtlichem Leibarzte, u. ſ. w⸗ Hannover, 1801. Bey den Gebruͤdern Hahn. B e zur Kenntniß engliſchen Landwirthſchaft ihrer neueren practiſchen und theoretiſchen F ort ſ e —in Ruͤckſicht auf Vervollkommnung deutſcher Landwirthſchaft fur denkende Landwirthe und Cameraliſten. Zweyte Abtheilung, Nachtraͤge zu den erſten Capiteln des erſten Bandes enthaltend von Albrecht Thaer d. A⸗D., des Konigs v. Großbritt. Churfuͤrſtl. Leibarzte u. ſ. w⸗ Hannover, 180I. Bey den Gebrudern Hahn. * „* —.—,—z——— —.—— — — — Vorerinnerung⸗ D. guͤtige Aufnahme meiner Einleitung zur Kenntniß der engliſchen Landwirthſchaft, und das Intereſſe, welches dieſe ſeitdem in Teutſch⸗ land erreget hat, macht es mir gewiſſermaaßen zur Pflicht, jenem Werke mehrere Vollſtaͤndig⸗ keit, Ausdehnung und Gruͤndlichkeit zu geben, als ich ſelbſt vormals bezweckte. Eine Umarbei⸗ tung bey der zweyten Auflage ſchien dem Wunſche meiner Leſer weniger angemeſſen, und uͤberdies war die Zeit, worin ſolche verlangt wurde, zu kurz. Daher habe ich mich entſchloſſen, Zuſätze zu jener Einleitung oder dem erſten Theile dieſes Werks zu machen, eingeſchlichene Irrthuͤmer zu verbeſſern, und wichtige Materien, welche dort nur angedeutet waren, gruͤndlicher abzuhandeln, und ſo der Commentator meines eigenen Werks zu werden. Die große, wenn gleich zu fruͤh unterbrochene Thaͤtigkeit des Bdard of Agriculture hat mir nicht nur reichen Stoff hierzu gegeben; ſon⸗ dern— ich darf es ohne Vermeſſenheit ſagen— es haben auch meine Kenntniſſe und Begriffe von der Landwirthſchaft durch fortgeſetzte eigene Be⸗ obachtung und Verſuche mehrere Ausdehnung und Beſtimmtheit erhalten. Insbeſondre glaube ich die landwirthſchaftlichen Verhältniſſe der mei⸗ ſten Provinzen Teutſchlandz jetzt genauer zu ken⸗ nen, nen, und folglich richtiger beurtheilen zu koͤnnen, was von engliſcher Art hier und da vorzuglich anzuwenden ſey, oder was jener Inſel allein uͤber⸗ laſſen werden muͤſſe. Ich werde folglich nur das, was anwendbar in Teutſchland— wenn gleich nicht blindlings, ohne gehoͤrige Modificationen nachzuahmen— was beyſpielgebend und zu wah⸗ ren Verbeſſerungen leitend iſt, zum Gegenſtande einer genauern Unterſuchung und Beſchreibung machen. Ich uͤbergebe demnach hier meinen Leſern den erſten Theil dieſer Zuſätze. Weil ich den Faden des erſten Theils dieſes Werks gewiſſermaaßen verfolgen wollte; ſo enthaͤlt dieſer vielleicht weni⸗ ger uͤber eigentliche practiſche Landwirthſchaft, und mehr allgemeine Betrachtungen uͤber ihre Perfaſſung in England und ihre Verhaͤltniſſe zum Staate, als manchem meiner Leſer lieb ſeyn wird. Allein dieſe Beobachtungen ſchienen mir ein⸗ fuͤr allemahl in mancher Ruͤckſicht noͤthig und nutzlich. Denn es laͤßt ſich die Art und Weiſe der Englaͤnder, Ackerbau und Viehzucht zu betreiben, ohne jene Kenntniß nicht gehoͤrig wuͤrdigen, und koͤnnte uns entweder zu einer blin⸗ den, unſern Verhaͤltniſſen nicht angemeſſenen Nachahmung verleiten oder, unſern eben ſo unbe⸗ gruͤndeten Tadel erregen. Fernet aber glaubte ich— da engliſche Verfaſſung und Sitten in je⸗ der andern Hinſicht die Aufmerkſamkeit der Teut⸗ ſchen ſo lebhaft erreget haben, und die Bemerkun⸗ gen uͤber Englands Politik, Handlung, Fabrik⸗ weſen, Moden u. ſ. w. mit ſo vielem Beyfall auf⸗ genommen worden—, daß dem Landwirthe eine genauere Beſchreibung und Geſchichte des land⸗ wirth⸗ wirthſchaftlichen Zuſtandes von England im all⸗ gemeinen nicht minder intereſſant ſeyn werde. Was die Verhaͤltniſſe der Landwirthſchaft zum Staate in England anbetrifft, ſo ſcheinen uns ſolche wohl einer beſonderen Erwaͤgung werth. Es iſt unleugbar, daß wir von den Englaͤndern durch Lehre und Beyſpiel in Anſehung der inne⸗ ren Staatskunſt das meiſte gelernet haben, und vielleicht auch durch ihre Fehler noch mehr lernen koͤnnten. In wie fern die engliſche Staatskunſt auf den Ackerbau gewuͤrkot habe, iſt meines Wiſ⸗ ſens aber nur ſehr oberflächlich erwogen worden. Nun kann es auf der einen Seite dem denkenden Landwirthe nicht gleichguͤltig ſeyn, das Verhaͤlt⸗ niß genauer dargeſtellet zu ſehen, worin er zum Staate und der Staat zu ihm ſtehet; da ihm dies eine thaͤtigere Betreibung ſeines Gewerbes nicht nur zur Pflcht machen, ſondern ihm quch eine lobenswuͤrdige Achtung fur ſich und ſein Ge⸗ werbe einfloͤßen wird. Auf der andern Seite aber ſcheint es mir nicht unnuͤtz, die Wuͤrde, welche der Landwirthſchaft, nach der Rangord⸗ nung der Nutzlichkeit im Staate, gebuͤhrt, zuwei⸗ len mit Ernſt zu reclamiren. Denn wenn ſich gleich niemand weigern darf, ſelbige als die Ba⸗ ſis der buͤrgerlichen Geſellſchaft, als die erſte Quelle der Sicherheit, Gluckſeligkeit und Stoaͤrke des Staats anzuerkennen; wenn ihr Rang gegen andre Kuͤnſte und Gewerbe in Frage geſetzt wird; ſo ſcheint man dies doch oft gefliſſentlich zu ver⸗ meiden, und manchmahl iſt die Gleichguͤltigkeit auffallend, womit im gemeinen Leben, in ſtaats⸗ wirthſchaftlichen Schriften, beſonders aber wohl in den Cabinetten der Fürſten und Regierungen, 3 — S ²— 8 ——————— —.—.—— — — V1— von ihr geſprochen wird. Die Geſchichte der engliſchen, hierauf Bezug habenden, Policey⸗Ge⸗ ſetze und Staatsmaximen iſt gemacht, um dieſe Gleichgultigkeit, wenipſtens in jedem empor ſtre⸗ benden Staate, zu erſchuͤttern. Ich werde nun, in ſofern es meine Zeit und die mir nicht minder wichtige Redaction der An⸗ nalen der niederſaͤchſiſchen Landwirthſchaft er⸗ laubt, fortfahren, dieſe Zuſätze, nach der Ord⸗ nung des erſten Bandes dieſes Werks, in ſolchen Theilen, deren zwey einen Band ausmachen, herauszugeben. Vielleicht wird jeder Theil einen Anhang von neueren Nachrichten aus England und Bemerkungen teutſcher Reiſenden enthalten. Der Titel: Einleitung, iſt nun fuͤr das Ganze wohl nicht mehr paſſend. Beytraͤge koͤnnten die nachfolgenden Baͤnde wohl eher heiſ⸗ ſen; aber dieſen Titel fuhrt der erſte Band nicht, und das Ganze iſt unter jenem bekannter. Ich werde es in der Folge mein Werk uber engliſche Wirthſchaft nennen, und es band⸗ oder theil⸗ weiſe allegiren, und meine Herren Verleger ver⸗ mogen, ein Titelblatt mit der kurzen Inſchrift: uͤber engliſche Landwirthſchaft, auchzu den vorhergehenden Theilen fuͤr diejenigen beyzu⸗ legen, welche die erſten Theile beſitzen und das Werk fortſetzen wollen. Am Schluſſe, denke ich, ſtatt des Regiſters, eine ſyſtematiſche Inhaltsanzeige oder Indep hinzuzufuͤgen, worin ich zuſammenſtellen werde, was zuſammen gehoͤrt, damit der Leſer, der nur nachſchlagen will, daſelbſt leicht finden moͤge, wo uͤber eine gewiſſe Materie i den verſchiedenen e Baͤnden etwas vorkommt; derjenige aber, wel⸗ cher — v1— cher das Werk ganz durchleſen will, einen Leit⸗ faden erhalte, nach welchem er zuſammenhaͤngen⸗ der, als nach der Ordnung der Baͤnde, leſen kann. Und hierbey werde ich zugleich das an⸗ fuͤhren, was uͤber verwandte Materien in den Annalen der Niederſaͤchſiſchen Landwirthſchaft geſagt iſt. Man hat zu dieſem Werke haͤufig Kupfer⸗ ſtiche, beſonders Abbildungen der Acker⸗Inſtru' mente gewuͤnſcht. Es ware ſehr leicht, dieſe aus den engliſchen Schriften, die genug damit ange⸗ fullet ſind, nachſtechen zu laſſen. Allein bloße Anſichten, wie dieſe mehrentheils nur geben, halte ich fuͤr vollig unnutz. Sollen die Abbil⸗ dungen ſo ſeyn, daß ein geſcheuter Handwerker wuͤrklich danach arbeiten koͤnne, ſo muͤſſen ſie erſtaunlich vervielfaͤltiget, und ein und daſſelbe Werkzeug von vielen Seiten in Anſicht und Auf⸗ riß vorgeſtellet werden. So wuͤrden z. B. die Ducketſchen Drillwerkzeuge, welche ich habe aufreiſſen und zeichnen laſſen, allein ſieben be⸗ traͤchtliche Kupfertafeln einnehmen. Ich bin in⸗ deſſen jetzt im Stande, ſolche Zeichnungen zu ge⸗ ben; nur beſorge ich, daß ſie das Werk fuͤr manche zu ſehr vertheuren wuͤrden, indem das Noͤthigſte und Merkwuͤrdigſte vierzig bis funfzig Tafeln einnehmen koͤnnte. Der ſicherſte Weg würde, meines Ermeſſens, ſeyn, dieſe Kupfertafeln fuͤr die Liebhaber, mit ausfuͤhrlichen Beſchrei⸗ bungen verſehen, beſonders, heftweiſe, herauszu⸗ geben, wenn ſich zur Sicherung meiner Herren Verleger eine hinlaͤngliche Anzahl Subſeribenten faͤnde. Die Hefte wuͤrden zugleich mit dem Theile des Werks, zu deſſen Erlaͤuterung ſe ge⸗ dren, — VIII— hoͤren, herauskommen. Diejenigen Werkzeuge, welche ich noch nicht beſitze, muͤßte ich zu dem Ende aus England kommen laſſen, um ſie nach der Natur aufzumeſſen, zu zeichnen und zu be⸗ ſchreiben, was ohne Schadloshaltung bey der Koſtbarkeit dieſer Werkzeuge in England, und dem wenigen Gebrauch, den ich in meiner kleinen Wirthſchaft davon mache, nicht thun koͤnnte. Wer alſo von meinen geneigten Leſern darauf ſubſcribiren will, melde ſich bey der Verlags⸗ handlung unmittelbar, oder bey der naͤchſten ſo⸗ liden Buchhandlung. Vor Ablieferung eines je⸗ den Heftes wird ſolches nicht bezahlt. Jede Ta⸗ fel wird im Durchſchnitt 4 Ggr. koſten. Es ſchien mir ſehr noͤthig, eine genauere Ver⸗ gleichung des engliſchen Geldes, der Laͤngen⸗, Flaͤchen⸗ Koͤrper⸗Acker⸗ und Getreide⸗Maa⸗ ßen, auch des Gewichts mit den bekannteſten Europaͤiſchen, vorzuͤglich Teutſchen, zu geben, als im erſten Bande geſchehen war. Es ſind dabey die Vergleichungen zum Grunde gelegt, welche unſer ſcharfſinniger Herr Commiſfaͤr Meyer— der Verfaſſer des jetzt herauskommen⸗ den Werks uͤber Gemeinheits⸗Theilung— ſeit vielen Jahren mit moͤglichſter Genauigkeit ange⸗ ſtellet hat. 6 Zelle im Maͤrz 1807. Der Verfaſſer. Inhalt. n ——— 1 Seite Landwirthſchaftliche Berechnungen„ 1 Das Gewerbe der Landwirthſchaft hat den Zweck, den moglich hochſten Gewinn, nach Abzug der Koſten, zu erhalten** 4 Daher iſt genaue Berechnung des aus jeder ein⸗ zelnen Operation erfolgenden reinen Gewinſtes ein weſentlicher Gegenſtand der landwirth⸗ ſchaftlichen Kunſt... Dieſer iſt in den teutſchen Lehrbuͤchern dieſer Kunſt mehrentheils überſehen;. 2 Von den Engländern aber mehr gewuͤrdigt, oder wenigſtens mit Beyſpielen erlaͤutert worden 3 Einwurf gegen die Brauchbarkeit dieſer Berech⸗ nungen: weil das Verhältniß des Geldwerths gegen den Preis der Arbeit und Producte nach Zeit und Ort zu verſchieden ſey. 4 Dieſe Berechnungen ſind nur als Formeln an⸗ zuſehen. Die örtlichen Verhaͤltniſſe muß jeder ſelbſt ausmitteln.. Wie dieſes in Anſehung der Ausgabe⸗Artikel ge⸗ ſchehe?... 6 1) Wie der Werth des Grund und Bodens auszumitteln und das Wirthſchafts⸗Syſtem — hiernach zu modificiren ſey2 6 6 7 2) Wie der Preis der Arbeit a) der Handarbeit„. 10 b) der Geſpannarbeit 3 13 gehoͤrig zu beſtimmen ſey 3) Wie der Werth des Duͤngers beſtimmt werden mäſſe? Nicht nach dem Preiſe, ſe icht Fu⸗ der verkauft werden; 3 Sondern nach ſeiner Wärkung in Vermeh⸗ rung der Production, und nach dem, was er der Wirthſchaft koſter Letzteres ergiebt ſich aus der Berechnung der Koſten und des Ertrages des Vieh⸗ ſtapels 2 Bei der Weide.. Bei der Stallfutterung Bei dem Huͤrdenſchlage. und die Koſten des Duͤngers ſtehen ge⸗ gen den Ertrag des Viehſtapels im um⸗ gekehrten Verhaͤltniſſe. Wenn dieſe Artikel richtig ausgemittelt i laſſen ſich die Koſten der Beſtellung gegen den Werth der Production in jedem gegebnen Falle genau berechnen Beyſpiel einer ſolchen Berechnung des Verfaſſers, nach dem wirklichen Ertrage und Koſten von 30 Morgen in 5 Feldern, im Jahre 1800„ 1) Speiſekartoffeln.. 2) Gerſte 2. 3) Klee R. 4) Rocken, und in deſſen Stoppel Spoͤrgel und Ruͤben„.. 5) Hafer. Erwartungen des Verf. von den Bemuͤhungen zweyer teutſchen Landwirthe, in Anſehung die⸗ ſes Gegenſtandes Wie Seite 17 19 20 2I 22 23 38 — X1— Seite Wie ſich prackiſche Landwirthe durch die Be⸗ kanntmachung der Reſultate ihrer Berechnun⸗ gen um die Kunſt verdient machen koͤnnten 39 Denn ein allgemein brauchbares Syſtem dieſer* Kunſt laͤßt ſich nur auf die Kenntniß der durch Berechnungen heller ins Licht geſtellten, man⸗ 6 nigfaltigen Wirthſchafts⸗Verhaͤltniſſe gruͤnden 40 (Hr. A. L. von Seutter— deſſen Schrift:„Darſtellung der Grundprincipien der moͤglichen Hauptlandwirthſchafts⸗Sy⸗ ſteme' ich eben erſt durchſehe— hat die Sache im richtigen Geſichtspunkt gefaßt; wenn er uns nur mit Abſtractionen, die bey einer ſo empiriſchen Kunſt zu nichts fuͤhren, mehr verſchonet, und die Verhält⸗ niſſe der Wuͤrklichkeit— oder, wenn man will, der Erſcheinungen— richtiger be⸗ merkt haͤtte. Angenehm iſt es mir immer, zu Entſtehung dieſer Schrift Veranlaſſung gegeben zu haben.) ²— II. 12 Unterſchied der Staͤnde in England, in Bezug auf landwirthſchaftliche Einrichtungen.. 44 Hoher Adel(Nobility, Lords) Niederer Adel(Gentry, Gentlemen, Esquires) 45 Baronets, Knights ² 47 Landeigenthuͤmer niederen Standes(Veomen) 48 Tageloͤhner, Haͤusler(Cottayers); Zuſtand und Verhaͤltniſſe dieſer letzten. 50 Ihre Unterſtuͤtzung durch die Armen⸗Taxe. 52 Ob es gut ſey, ihnen Ackerlaͤnderey einzuraumen? 33 Päͤchter Poͤchter(Simple Farmers). Ihr Characteriſti⸗ ſches im Allgemeinen.. Gentlemen-Farmers„ 6 III. Pachtungen. In wie fern Eigenthuͤmer ſich als Paͤchter hen, wenn ſie ihr eigenes Gut bewirth⸗ ſchaften 2 Wichtiger Unterſchied zwiſchen Len des Grund und Bodens und Gewinſt aus dem Betriebe der Wirthſchaft. Auf den engliſchen— bleibt kein tarium.. Abzugs⸗ und Antritts⸗ Lumie und Bedingungen Vorzug der engliſchen Einrichtung, nach welcher der Paͤchter das Inventarium mitbringt und wieder abfuͤhrt, in Ruͤckſicht auf den Guts⸗ herrn, den Paͤchter und das allgemeine Beſie Nachtheile eines gutsherrlichen oder eiſernen In⸗ ventariums.. Unſicherheit der Sumn. Gewoͤhnliche Pachtbedingungen in England 6 Anſchlag des Pachtgeldes nach dem Flaͤchen⸗ Inhalte.. Verſchiedene. a) auf Willkuͤhr(at will), ſo, daß beide Thei⸗ le alle Jahre kuͤndigen koͤnnen. b) auf feſtgeſetzte Termine(Leases) 6 Nachtheil der kurzen Termine. Schwierigkeiten bei langen Terminen„ Vorſchlag, dieſe zu heben* Verpachtung landbesherrlicher Domainen„ c) auf Lebenszeit(at life) 2 IW. Seite 57 53 60 67 63 66 69 72 73 80 82 85 88 89 IV. Vorzuͤge der groͤßeren oder klei⸗ neren Wirthſchaften in Ruͤckſicht auf den Staat und die Production im Allgemeinen.. Vortheile der kleineren Wirthſchaften. Vortheile der groͤßeren. Der Staat ſollte ſich dabey liend lche ten, und Zuſammenziehung kleiner Wirth⸗ ſchaften in eine große ſo wenig, wie Parceli⸗ rung großer hindern. Geſchichte der des Korn⸗ handels in England In welcher Ruͤckſicht dieſe fuͤr den practiſchen Landwirth intereſſant ſey Ob die Regeln der Staatswirthſchaft ſicherer auf Raiſonnement oder auf Erfahrung begruͤndet werden?... Warum Kornpolicey unter allen Gegenſtaͤnden der Staatswirthſchaft der wichtigſte ſey?. Und warum der Erfolg der daruͤber in England angenommenen Syſteme vorzuͤglich erwogen zu werden verdiene? 5 Kornpolicey im vierzehnten Jahrhundert. Schwanken der Kornpreiſe zwiſchen einer enormen Hoͤhe und Riedrigkeit Morgenroͤthe einer angemeſſenen Geſetgebunz im funfzehnten Jahrhundert. Welche bald wieder verdunkelt wird Falſche Maaßregeln, um Kornmangel zu verhuͤten Hungersnoth und Verfall des Ackerbaues unter Eliſabeths Regierung Maaß⸗ Seite 93 8 o7 TII 114 115 115 116 1 118 120 123 128 130 132 135 Neues Syſtem. Maaßregeln, welche men dagegen nahm. Was unter Carls 2ten Regierung hierin geſchah Merkwuͤrdige Acte von 1663, deren Wuͤrkung durch eine eingeſchlichne Sylbe vereitelt wurde Verbeſſerung derſelben i. J. 1670 Abermahlige Verbeſſerung i. J. 1675.„ Einfuͤhrung des gluͤcklichen Kornpolizen⸗Syſtems beym Regierunss⸗„Antritte Wilhelms und Maria i. J. 1688. Feſtigkeit, womit man dieſes Syſtem bis 6 aufrecht erhielt Feſte und mäßige Preiſe von 1653 bis e Wie dieſe durch jenes Syſtem bewuͤrkt wurden Betraͤchtliche Kornausfuhr in dieſem Zeitrau⸗ me; eine Hauptquelle des engliſchen National⸗ Reichthumes.. PVertheidigung jenes Syſtems gegen John Steuart... Und gegen Adam Smith. Der Preis des Korns beſtimmt nicht 1 Preiſe der Arbeit und aller uͤbrigen Dinge. Erſte Beiſeiteſetzung jenes Syſtems i. J. 1757, die nicht noͤthig geweſen zu ſeyn ſcheint Fernere Durchloͤcherung derſelben in den ſechzi⸗ ger Jahren... Acte von 1773. Verglei⸗ chung deſſelben mit dem alten Abermahlige Abweichungen im Jahr 1789 Gutachten der Committee des geheimen Conſeils in dieſer Angelegenheit. Acte von 17971 4 4. Erſte Praͤmie auf die Einfuhr i. J. 1795 PVer⸗ Seite 135 139 140 143 145 148 151 153 157 160 163 165 71 183 188 189 191 192 197 201 Verhältniß der Ein⸗ und Ausfuhr wäͤhrend des . alten Syſtems und waͤhrend des neuen 202 In wie fern die vermehrte Einfuhr und die ver⸗— minderte Ausfuhr dem neuen Syſtem der 5 Kornpolicey beyzumeſſen ſey.. 207 5 Welcher Erfolg von den zur Verminderung der Kornpreiſe getroffenen, zur Erhoͤhung derſel⸗ ben aber ausgeſchlagenen Maaßregeln fuͤr den 3 engliſchen Ackerbav zu erwarten ſey. 212 Welchen Erfolg es in andern Staaten haben muͤſſe, wenn der Ackerbau durch Erzwingung niedriger Preiſe, bey zunehmender Bevolkerung, geſchwaͤcht oder doch nicht gehoben wird 213 VI. Geſchichte des gegenwaͤrtigen Korn⸗ Mangels in England.. 318 (geſchrieben im Januar 1801) Theurung i. J. 1794 und 953„— Großer Abſchlag der Preiſe i. J. 1797 und 98 219. Dieſer veranlaßt, neben andern mitwuͤrkenden Urſachen, eine geringere Getreide⸗Beſtellung 221 Wodurch i. J. 1799 nach einer zuruͤckſchlagen⸗ . 3—— —— ——————————— 3 den Erndte abermals Theurung entſtand 223 Große Hoffnungen von der Erndte i. J. 1800 224 Der dennoch eintretende Korn-WMangel wird den Farmers und Kornhaͤndlern beygemeſſen 225 Dieſe Meynung wird jedoch von den — officiel widerlegt. 226 Unruhen, durch die Theurung veranlaßt. adreſſe der Stadt London. Auſſerordentliche menberufung des Parlaments. 238 Debatten, ob der Krieg die Urſache des Man⸗ gels ſey2*.. 230 Ob Ob wahrer Mangel vorhanden ſey, oder nur Zuruͤckhaltung des Getraides?. Letzteres wird uͤberzeugend widerlegt, und Maaß⸗ regeln gegen dieſe angebliche Urſach des Man⸗ gels verworfen 2 Bericht und Vorſchlaͤge der gonue des Par⸗ laments. Wahre Urſach des e— mit⸗ telmaͤßigen Erndte; auf deren Abheifung im Parlamente noch kein Bedacht genommen wor⸗ den. Geringer Erfolg der polliativ⸗„Mitel. VII. Arthur Young 4 Man hat es gemißbilligt, daß ich dieſem Man⸗ ne einen Platz neben den beruͤhmteſten Schrift⸗ ſtellern Großbrittanniens angewieſen habe In wie fern ich noch glaube, daß ihm dieſer ge⸗ buͤhre... Widerlegung der Vorwuͤrfe, die man ihm macht: in Rackſicht ſeiner Landwirthſchaft; 6 in Ruͤckſicht ſeines perſoͤnlichen Characters und ſeiner neuen politiſchen Schriften„ VIII. Sir John Sinclair. Der Board of Agriculture. Vorſchlaͤge zu an⸗ dern twiet— tuten. Sinclairs offentlicher Eparer ppltiſches Syſtem...* Wegen des letztern verdraͤngt man ihn vom Praͤ⸗ ſidenten Stuhl des B. o. Ae Seite 234 251 252 254 254 255 257 257 264 268 269 272 Seite Man macht ſatyriſche Kupferſtiche gegen ihn 273 Fortſchritte und Nutzen des Board of Agricul⸗ ture unter Sinclairs Vorſitze. 273 Wahl des Lord Sommerville zum Präſidenten; welcher in ſeiner Antritts⸗Rede die Aufhe⸗ bung aller von ſeinem Vorgaͤnger genomme⸗ nen Maaßregeln, undſdafuͤr andere vorſchlagt, 279 wodurch der Board aufhoͤrt, das zu ſeyn, was er war... 283 John Sinclairs neues Inſtitut zur Befoͤrderung der Landwirthſchafts⸗Lehre„. 284 Humphry Marſhalls Vorſchlag zu einem an⸗ dern landwirthſchaftlichen Inſtitute. 298 Wie etwa ein dem Board of Agriculture aͤhnli⸗ liches Inſtitut in einem teutſchen Staate ein⸗ zurichten ſey... 310 . Gemeinheiten, und Theilung derſelben324 Allgemeinheit und Entſtehung der alten Acker⸗ vertheilung 324 Was unter Felderwirthſchaft im ezenſag⸗ der Schlagwirthſchaft verſtanden werde ² 328 Gemeinde⸗Felder und Gemeinheiten, beide wa⸗ ren und ſind noch jetzt in England ſehr häuſig„ 329 Auf welche Weiſe Gemeinheiten dort getheilt werden... 332 Zweyerley Theilungs⸗Methoden. 332 Ohne foͤrmlichen Proceß gibt eine getroffene Ver⸗ abredung der Intereſſenten keine Sicherheit 333 Schwierigkeiten bey der Theilung 333 Selbſt da, wo eine große Beſitzung nur in meh⸗ rere Pachtungen vertheilt iſt.„ 335 Thei⸗ „ —.———— „„ —— Theilung, vermoͤge Privat⸗Bills des Parla⸗ ments.. ⸗ Koſtſpieligkeit derſelben.. Mangel an feſten Grundſaͤtzen bey Ertheilung dieſer Bills; wobey zu viel der Willkuͤhr der Commiſſarien uͤberlaſſen wird.. Abfindung des Grundeigenthuͤmers, deſſen In⸗ tereſſe in England hoch angeſchlagen wird, wenn er auch gar keinen Nießbrauch von der Gemeinheit hatte„.. Abfindung des Zehnten Widerſtreitende Forderungen der nifiberchg⸗ ten und Landeigenthuͤmer.. Wuͤnſche und Vorſchlaͤge, um eine allgemeine Theilungs⸗Bill und Feſtſetzung der Principien, wonach getheilt werden ſoll, 8 erwuͤrken Hinderniſſe derſelben„. Ueber Legislatur der Gemeinheitstheilung Privatives Land muß in England eingehaͤget werden..„.. Theilungen, welche im verwichenen Jahrhundert durch Parlaments⸗Bills vorgenommen ſind Erfolg der Gemeinheits⸗Theilungen und Ver⸗ koppelungen in den verſchiedenen Grafſchaften, nach den Reports an den B. o. A. Haupteinwendung gegen die Verkoppelungen in England: daß der Kornbau dadurch abnehme, und zu viel Land zu Graſe liegen bleibe Entgegengeſetzte Beſorgniß in Teutſchland Vortheile der Verkoppelung. Schwierigkeiten, die ſich allenthalben einfinden, muͤſſen nicht abſchrecken. Seite 338 338 340 347 347 348 350 352 357 369 370 373 375 I. Land⸗ * Landwirthſchaftliche Berechnungen. (zu Seite 8.) — De Landwirthſchaft iſt ein Gewerbe!— Der Zweck des Landwirthes iſt alſo nicht, die moͤglichhoͤchſte Production aus dem Boden zu ziehen, ſondern den moͤglichhoͤchſten Gewinn daraus zu erhalten. Wenn der ſtaͤrkere Er⸗ ˙ trag, nach Abzug der Koſten, einen geringern Ueberſchuß liefert, als der ſchwächere, ſo will der Landwirth jenen nicht. Ob dies 2 aber geſchehe oder geſchehen werde, läßt ſich nur aus genauen Berechnungen erſehen, die ſich wieder auf andere Berechnungen, und zu⸗ letzt auf erwieſene Thatſachen, begruͤnden. Die Kunſt, richtig zu berechnen, iſt alſo fuͤr den Landwirth eben ſo wichtig, als die Kunſt, den Acker gut zu beſtellen. ⸗ 5„* 5. 3— 7 „ — —.—.— v. . Es Es verſteht ſich wohl von ſelbſt, daß hier nicht von denen allgemeinen Haushaltungsrech⸗ nungen, die man Regiſter nennt, die Rede ſey. Dieſe ſind freylich in jeder ordentlichen Wirthſchaft unumgaͤnglich noͤthig. Aber ſie zeigen gemeiniglich nichts weiter an, als die Ausgabe und Einnahme fuͤr gewiſſe Artikel im Ganzen, und geben am Ende einen Auf⸗ ſchlaß uͤber Gewinnſt und Verluſt im allge⸗ meinen. Sie zeigen nicht, wie ſich Ausgabe und Einnahme, bey jeder einzelnen Opera⸗ tion, gegen einander verhalten, noch geben ſie einen Aufſchluß uͤber die wahren Urſachen des mehreren oder minderen Gewinnſtes oder Ver⸗ luſtes bey der Wirthſchaft; und folglich beleh⸗ ren ſie uns nicht, welche Einrichtungen zur Er⸗ haltung eines groͤßern Vortheils zu treffen,— welche zu veraͤndern ſind. Unſere meiſten landwirthſchaftlichen Schrift⸗ ſteller haben die Wichtigkeit ſolcher Berech⸗ nungen uͤberſehen, und keine Anweiſung, wie ſie am zweckmaͤßigſten angeſtellet werden koͤn⸗ nen, gegeben. Bloße Theoretiker waren hierzu unfaͤhig, weil ihnen die Data, wor⸗ auf ſich ſolche Calcuͤls begruͤnden muͤſſen, fehl⸗ ten; Practiker waren zu ſehr von den Vor⸗ theilen ihrer eigenen Methode eingenommen, als daß ſie, ſolche einer berechnenden Verglei⸗ - chung chung mit andern zu unterwerfen, fuͤr nothig gefunden haͤtten. Die Engliſchen Schriftſtel⸗ ler haben uns doch wenigſtens Formeln zu ſol⸗ chen Berechnungen, und manche Data ge⸗ liefert. Der Mangel an Grundſaͤtzen uͤber dieſes Rechnungsweſen iſt ein Hauptgrund, war⸗ um ſich die Landwirthſchaft theoretiſch ſo un⸗ vollkommen erlernen laͤßt. Ein angehender denkender Landwirth, der auch das Beſte, was uͤber Landwirthſchaft geſchrieben iſt, ſtu⸗ dirt hat, wird doch genöthiget ſeyn, vorerſt nach dem eingefuͤhrten Schlendrian ſeiner Ge⸗ gend, den er fuͤr hoͤchſt unvollkommen erken⸗ net, fortzuwirthſchaften, wenn er ſich nicht der Gefahr ausſetzen will, durch manche, dem Locale unangemeſſene Einrichtungen Schaden zu leiden. Er muß erſt ſelbſt die Data ſamm⸗ len, und die Formeln erfinden, um zu be⸗ rechnen, was in ſeinen Verhältniſſen vortheil⸗ haft ſey oder nicht; wenn er nicht etwa ſo glucklich war, einen in allen dieſen Verhalt⸗ niſſen bewanderten Lehrer zu finden. Ich habe in der Einleitung zur Kenntniß der engliſchen Landwirthſchaft Exempel von der Art gegeben, wie die Englaͤnder— Schrift— ſteller ſowohl als haͤufig auch ſimple Farmer— A 2 zu . 3*„ ———————— 4———— — ₰ zu rechnen pflegen, wenn ſie den Aufwand und den Ertrag einzelner landwirthſchaftlicher Proceduren beſtimmen, oder mehrere Metho⸗ den, mehrere Feldrotationen mit einander vergleichen wollen. Der Ruken ſolcher Be⸗ rechnungen iſt von competenten Richtern an⸗ erkannt worden; nur hat man mir folgen— den Einwurf gegen ihre Brauchbarkeit fuͤr uns gemacht: die Auslage und der Ertrag ſey in Gelde angegeben, welches ſelten einige Mo⸗ nate ein richtiges Verhaͤltniß giebt, und nur auf wenige Meilen localpaſſend ſeyn kann. Bey der Auslage muͤſſe blos die Zeit angege⸗ ben ſeyn, in welcher eine gegebene Kraft von Menſchen und von Vieh dies oder jenes ver⸗ richtet hat; und beym Ertrage, wie viel nach Maaß oder Gewicht eine gegebene Flaͤche ge⸗ liefert, wie oft ſich die Saat vervielfältiget babe. Hiernach wuͤrde an jedem Orte und zu jeder Zeit das Verhaͤltniß zu den Preiſen leicht aufzufinden, und ein angemeſſenes Reſultat herauszuziehen ſeyn. Wie ſolle man aber die engliſchen Preiſe, z. B. der Jahre 60 und 70, mit den deutſchen der Jahre 90 vergleichen? So laſſe ſich etwa das Verhaͤltniß mehrerer engliſchen Verſuche gegen einander vergleichen, aber keine Anwendung davon auf eigene Pro⸗ ceduren machen. Die —— Dieſer Einwurf iſt ſehr richtig, und wahr⸗ ſcheinlich haben ihn mehrere nachdenkende Le⸗ ſer meines Buchs gemacht. Er fällt aber weg, wenn man ſolche Berechnungen nur als Erxempel zu gewiſſeu Formeln anſieht, und das Geld nur als Buchſtaben oder Ziffern be⸗ trachtet, die einen verſchiedenen Werth be⸗ deuten koͤnnen. Das Geld iſt der einzige allgemeine Nenner des Werthes jeder Waa⸗ re und jeder Arbeit, den wir haben, und da wir, um das Verhaältniß der verſchiedenen Artikel gegen einander zu finden, den Werth derſelben auf einen gemeinſchaftlichen Nen⸗ ner reduciren muͤſſen, ſo können wir wohl keinen andern, wie das Geld, wäͤhlen. Wer nun aber die Formeln und die Data dieſer Berechnungen fuͤr ſich anwen⸗ den will, muß ausmitteln, was der Preis der durch eine gewiſſe Geldſumme bezeichne⸗ ten Arbeit oder Waare bey ihm ſey. Wenn die Handarbeit, eine gewiſſe Fläche mit Kartoffeln auf eine gegebene Art zu bele⸗ gen, dort 20 Schillinge koſtet, und der Taglohn daſelbſt 1 Schilling iſt, ſo weiß ich, daß 20 Tagearbeiten dazu erforderlich waren, und brauche dann nur den Geldwerth nach meinem Arbeitspreiſe anzuſezen. Auf ähnliche Weiſe verfahre ich mit jedem Ar⸗ tikel — tikel der Ausgabe und der Einnahme, um ein Reſultat fuͤr mich heraus zu bringen. Indeſſen geſtehe ich, daß es keine leich⸗ te Sache ſey, das Verhaͤltniß des Werthes der verſchiedenen Artikel, an verſchiedenen Hrten, mit einiger Genauigkeit aufzufinden. Um andre Verhaͤltniſſe mit den meinigen vergleichen zu koͤnnen, muß ich dieſe vor allem kennen. Und dieſe Kenntniß kann man ohne große Aufmerkſamkeit und man⸗ nigfaltige berechnende Vergleichungen nicht erlangen. Dennoch iſt ſie jedem Landwirthe, der nicht nach eingefuͤhrtem Schlendrian fort⸗ wirthſchaften und auch nicht aufs Gerathe⸗ wohl probiren, ſondern den moͤglichhoͤchſten Ertrag herausbringen will, unentbehrlich. Ueber die beſte Methode, zu dieſer Kenntniß zu gelangen, iſt meines Wiſſens noch wenig geſagt worden; ich will daher die meinige, ſo unvollkommen ſie ſeyn mag, angeben; in der Hoffnung, daß einige mir bekannte vortreffliche öconomiſche Calculatoren dadurch um ſo eher bewogen werden, das Publi⸗ kum mit der ihrigen zu beſchenken. Die Hauptartikel, welche bey jeder land⸗ wirthſchaftlichen Procedur in Ausgabe zu brin⸗ gen ſind, beſtehen: ¹) ) Im Grund und Boden⸗ 2) In der Arbeit. 3) Im Duͤnger. Den Preis und Werth derſelben, und ihr Verhältniß gegen einander, nach dem Loca⸗ le auszumitteln, iſt der ſchwerſte Punkt in ſolchen Berechnungenz der Werth des Ertra⸗ ges findet ſich leichter. Um den Werth des Bodens, und zwar ei⸗ nes jeden einzelnen beſonders zu cultivirenden und zu berutenden Grundſtuͤcks,— es ſey groß oder klein— aufzufinden, muß der Eigenthü⸗ mer oder Paͤchter die Pachtſumme, welche das Ganze tragen wuͤrde, oder traͤgt, zum Grun⸗ de legen. Hierzu koͤnnen ſehr fuglich alle allgemeine, das Ganze angehende Ausgaben, directe und unvermeidliche Auflagen, Ouera, Erhal⸗ tung der Wirthſchaftsgebäude, der Befriedi⸗ gungen, Anſchaffung und Ausbeſſerung des Hausgeräths, der Betten, Feuerung und Licht in den Vorwerksſtuben und Kuͤche u.( f.⸗ auch wohl das Salarium, Koſtgeld oder De⸗ putat des Verwalters, auch anderer Perſonen, deren Geſchaͤft ſich uͤber das Ganze der Wirth⸗ ſchaft verbreitet, geſchlagen werden. 8— Nach einem richtigen Vermeſſungs⸗ und Bonitirungs⸗Regiſter wird nun dieſe Sum⸗ me, ſo genau und unpartheyiſch wie moͤglich, auf die ſaͤmmtlichen Pertinenzen des Guts ver⸗ theilt, ſo daß nun ein fuͤr allemahl erhelle, was jedes Feld, jede Koppel, Wieſe, Weide u. ſ. f. werth ſey, oder jaͤhrlich koſte, ſowohl im Ganzen, als nach Morgen⸗ oder Quadrat⸗ Ruthen⸗Zahl. Die örtliche Verſchiedenheit dieſes Prei⸗ ſes, und das Verhältniß, worinn er zum Preiſe der Arbeit, des Duͤngers und der Producte ſteht, hat den groͤßten Einfluß auf das fuͤr das Ganze oder einzelne Stüͤck zu wählende Wirthſchaftsſyſtem. Je groͤßer der Preis des Achers gegen den Preis der Arbeit oder des Duͤngers ſteht, deſto mehr muß ich von letz⸗ terem darauf verwenden, indem ich durch dieſe ſtaͤrkere Verwendung das Doppelte und Drey⸗ fache von derſelben Ackerflaͤche, oder von ei⸗ nem Acker ſo viel, wie von zwey oder dreh chwaͤcher cultivirten, gewinnen kann. Iſt des Verhaͤltniß aber umgekehrt, der Preis des Grund und Bodens geringe, der Preis der Arbeit und des vermehrten Dungers aber hoch, ſo muß ich um ſo vielmehr Grund und Boden zu erhalten ſuchen, und auf jeden Acker lieber ſo viel weniger verwenden. Geſezt: der Acker 4— Acker thut 2 Rthlr. Pacht, die einfachſte Be⸗ ſtellung koſtet aber 4 Rthlr., und eine kuͤnſtli⸗ chere wuͤrde 12 Rthlr. koſten. Wenn der Acker bey letzterer nur das Doppelte eintruͤ⸗ ge, ſo wuͤrden 2 Rthlr. Schaden dabey ſeyn, weil zwey einfach beſtellte Aecker nur 12 Rthlr., ein kuͤnſtlich beſtellter aber 14 Rthlr. koſtet. Wo aber derſelbe Acker 6 Rthlr. Pacht traͤgt, die einfachſte Beſtellung hinge⸗ gen nur 3 Rthlr., die kuͤnſtlichere 9 Rthlr. koſtet, da thue ich, unter Vorausſetung ei⸗ nes gleichen Erndteverhaͤltniſſes, beſſer, ei⸗ nen Acker mit dem groͤßern Aufwande, als zwey mit dem geringern zu beſtellen, weil er⸗ ſteres 3 Rthlr. weniger koſtet. Dies ſind kei⸗ ne hypothetiſche Vorausſetzungen; vielmehr iſt die Verſchiedenheit des kaͤndereypreiſes bey gleicher Guͤte des Bodens ungleich groͤßer. Ein Niederſachſe braucht nicht weit zu gehen, um ſolche anzutreffen. Bey Braunſchweigz. B. thut ein Acker 12 bis 13 Rthlr. Pacht, der in Mecklenburg kaum 2 Rthlr. thut. Die Ver⸗ ſchiedenheit des Arbeits⸗ und Duͤngerpreiſes wird in der Folge erhellen. Wenn gleich nicht jeder Landwirth dieſes Verhaͤltniß, wie er thun ſollte, berechnet: ſo fuͤhlt man es doch im allgemeinen; und daher begruͤndet ſich die landuͤbliche Kultur insge⸗ mein mein darauf, und wird allmaͤhlig beſſer, wenn der Werth des Grund und Bodens ſteigt. Hieraus folgt, daß die Production und der Nationalreichthum in jedem Staate mit dem Marktpreiſe der Ländereyen ſteige und falle, und daß daher, gegen die Meynung kurzſichtiger Menſchen, die Steigerung der Laͤndereyen fuͤr die allgemeine Wohlfahrt ſehr erwuͤnſcht ſey. Der zweyte Hauptpunkt war die Ar⸗ beit. Der Preis derſelben iſt ungleich ſchwe⸗ rer auszumitteln. Ich rede zuerſt von der Handarbeit. Es wuͤrde nicht zureichen, den gewoͤhnli⸗ chen Tagelohn hier zum Maaßſtabe anzuneh⸗ men, da es bekannt iſt, wie verſchieden Ta⸗ gelohner, oft in einzelnen Diſtrikten, der Quantitaͤt und Qualitaͤt nach, arbeiten. Ih⸗ re Arbeit ſteht oft im umgekehrten Verhaͤlt⸗ niſſe mit dem Preiſe des Lohns; denn die⸗ ſer ſteigt, wenn mehrere geſucht werden, als zu haben ſind. Indem ſie theils mehr verdie⸗ nen, als ſie nothwendig brauchen, theils es fuͤhlen, wie unentbehrlich ſie ſind, werden ſie leicht trge, und arbeiten ſchlechter. Es herrſcht üͤbrigens ein gewiſſer Ksprit de corps unter den Tageloͤhnern eines jeden Diſtrikts, der ——— ———— — — 11— der gut und ſchlecht ſeyn kann, und ſich wenig⸗ ſtens eine Zeitlang ſo hält. Man richtet da⸗ her mit den Tageloͤhnern in einem Biſtrikt leicht noch einmahl ſo viel aus, als mit denen in einem andern. Der Landwirth muß daher genau berech⸗ nen, was ihm die gewoͤhnlichen Arbeiten, wenn ſie auch im Tagelohn geſchehen, gekoſtet haben, z. B. Graben, Hacken, Waſſerfur⸗ chen⸗Auswerfen, Maͤhen, Erndten u. ſ. f⸗ um aus dem gezogenen Durchſchnitte beſtim⸗ men zu koͤnnen, wie viel ihm eine jede gegebene Arbeit koſten werde. Wo es ſchon gebraͤuch⸗ lich iſt, Arbeiten in Verding zu geben, da iſt es leichter. Was die Arbeiten des Hausgeſindes anbe⸗ trifft, ſo wird zuvorderſt auſſer dem Lohn die Bekoͤſtigung, ſo genau als möglich, durch ei⸗ nige Berechnungen des innern Haushalts aus⸗ zumitteln ſeyn. Dieſe innern Haushaltsrech⸗ nungen, oder Kuͤchenregiſter, ſollte beſonders ein angehender Landwirth ſo fuͤhren laſſen, daß auch alles Selbſterzeugte zu Gelde ange⸗ ſchlagen wuͤrde. Es wird ſich ſodann ergeben, was jeder Knecht, jede Magd, des Jahrs uͤber koſte, und daraus unter andern auch beſtim⸗ men — 12— men laſſen, ob es rathſam ſey, mehr Geſin⸗ de oder mehrere Tageloͤhner zu haben. Diejenigen Dienſtboten, welche beſtimm⸗ te Arbeit beym Zug⸗ oder Nutzvieh haben, kommen unter dieſe Rubriken. Thun ſie aber Rebenarbeiten, ſo muͤſſen dieſe nach Verhaͤlt⸗ niß deſſen, was ſie durch Tageloͤhner koſten wuͤrden, angeſchlagen, und dieſes muß dann jenen Rubriken abgerechnet werden. Bey denjenigen aber, welche auf verſchie— dene Arbeiten gehalten werden, z. B. Hof⸗ meyer, Ackervoͤgte und andere mit der Hand arbeitende Knechte, muͤſſen die Koſten ihres Unterhalts auf die Arbeitstage des Jahrs re⸗ partirt werden; jedoch nicht gleich, ſondern nach Verhaͤltniß der Jahrszeit und der zu ſel⸗ biger einfallenden mehr oder minder wichtigen Arbeiten. Der Tag in der Korn⸗ und Heu⸗ Erndte, naͤchſtdem in der Fruͤhjahrs⸗ und Herbſtbeſtellung, dann im Sommer, und end⸗ lich im Winter, muß verſchieden— ein Erndte⸗ tag wohl dreymal ſo hoch, als ein Wintertag— angeſchlagen werden. Eine Arbeit, welche daher im Winter mit eigenen Leuten geſchehen kann, wird viel geringer zu berechnen ſeyn, als wenn ſie im Sommer geſchehen muͤßte. Die Leute koſten zwar an jedem Tage beynahe gleich⸗ ——— — — 13— gleichviel, aber ſie werden vorzuglich nur ge⸗ wiſſer Arbeiten wegen gehalten, und dieſe muͤſſen am hoͤchſten taxirt werden. Die Geſpann⸗Arbeit kann nicht nach dem Preiſe berechnet werden, wofuͤr man etwa in der Gegend einzelne Aecker ge⸗ pflugt, einzelne Fuhren verrichtet erhalten kann. Solche Lohnarbeit mit dem Geſpann verrichtet nur der, welcher eben Zeit uͤbrig hat, oder Geld braucht. Sie iſt gewohnlich viel wohlfeiler, als ſie mit eigenem Geſpann koſtet. Aber ſelten wird der Fall ſeyn, wo man ſich in Anſehung der nothwendigen Arbei⸗ ten, die zu beſtimmter Zeit geſchehen muͤſſen, darauf verlaſſen könnte. Um alſo die wirkli⸗ chen Koſten der Geſpann-Arbeit zu beſtim⸗ men, muß man berechnen: a) Die Unterhaltung der Pferde oder Och⸗ ſen, an Korn, Heu, Stroh, nach den Preiſen, zu welchen man ſolches auf der Stelle verkaufen koͤnnte, auch der Weide, nach dem ausgemittelten Werthe des Bodens. b) Die Zinſen des Anſchaffungscapitals, dann die jaͤhrliche Abnutzung, welche, mit Einſchluß des Riſico, wenigſtens zu 12 p. C. anzuſchlagen iſt. c) .*„* 5 ——— c) Den Beſchlag und den Kurſchmidt. d) Den Lohn und die Bekoͤſtigung der Knech⸗ te, wovon, wenn ſie vielleicht Neben⸗ arbeiten verrichten, dieſe wieder abzu⸗ ziehen ſind. e) Endlich koͤnnen fuglich die Zinſen des Anſchaffungscapitals, die jährliche Ab⸗ nutzung und Ausbeſſerung des Geſchir⸗ res, der Wagen und aller Ackergeraͤ⸗ the, womit das Geſpann arbeitet, mit hierher gezogen werden. Abgezogen wird von der ganzen Rechnung der Werth des Miſtes, welchen das Zugvieh liefert. Wenn hierdurch nun die wurklichen Ko⸗ ſten des Geſpanns— falls Ochſen und Pferde zugleich gehalten werden, fuͤr jeden beſonders— ausgemittelt ſind; ſo wird entweder die Summe auf die Arbeitstage nach Verhaͤltniß ihrer Laͤnge vertheilt; oder, richtiger: man macht aus dem Tage⸗ buche, worinn alle Geſpann⸗Arbeiten einge⸗ zeichnet worden, einen Auszug, und ver⸗ theilt die Koſten des Seſpannes auf dieſe Arbeit, nicht blos nach der Zeit, die ſie er⸗ fordert ——„— fordert hat, ſondern auch nach ihrer meh⸗ reren oder minderen Wichtigkeit, Hieraus wird ſich ziemlich genau berech⸗ nen laſſen, wie viel jede Pflugart, jedes Eg⸗ gen, Walzen, Pferdehacken einer gegebenen Fläͤche,— wie viel jede Fuhr koſte. Dieſer Preis wird dann nicht blos nach Ortsverhaͤltniſſen verſchieden ſeyn, ſondern auch dadurch hauptſaͤchlich beſtimmt werden, ob das Geſpann das ganze Jahr hindurch zweckmaͤßig iſt beſchäftiget worden, oder häu⸗ ſig faſt unbenutzt geſtanden hat, Hierauf begruͤndet ſich zum Theil die ganze Einrichtung des Ackerſyſtems; die Geſpann⸗ Arbeit iſt einer der wichtigſten Artikel auf der Debetſeite der Wirthſchaft und jeder einzelnen Procedur. Nun aber wird ſie wohlfeil, wenn das Geſpann das ganze Jahr hindurch zweck⸗ mäßig beſchaͤftiget iſt; theuer, wenn es oft muͤ⸗ ßig ſteht, oder wenig nuͤhliche Dinge verrichtet. Koſtet ſie wenig, ſo wird ſie mit Meberlegung angewandt, einen deſto groͤßern reinen Vor⸗ theil abwerfen. Wo alſo das Geſpann mehr thun koͤnnte, als es bisher gethan hat, da ſucht der kluge Landwirth mehrere vortheilhafte Beſchaͤftigung dafur zu finden, die dann nicht nur nur an ſich wohlfeil ſeyn, ſondern auch die vorherige Arbeit wohlfeiler machen wird. Insbeſondere iſt dies der Fall, wenn die hin⸗ zugefugte Beſchaͤftigung in diejenige Jahrszeit fallt, wo nichts erhebliches zu thun war. So wird ſich z. B. der Vortheil der Pferdehacken⸗ Wirthſchaft unter manchen Verhaͤltniſſen noch mehr bewaͤhren, da dieſe Arbeit zwiſchen der Fruhjahrsbeſtellung und Erndtezeit, wo vor⸗ hin wenig zu thun war, einfaͤllt. Unter gewiſſen Verhaͤltniſſen wird das Re⸗ ſultat jener Verechnungen Gruͤnde angeben, das Geſpann zu vermindern, vielleicht weni⸗ ger Ackerland zu beſtellen, oder die Beſtellung zu ſimplificiren. Es wuͤrde dem Landwirthe in manchen Fällen die Vorzuge ſolcher Acker⸗ werkzeuge, durch welche mit minderem Auf⸗ wande an Kraft und Zeit dieſelbe Arbeit ver⸗ richtet werden kann, einleuchtender machen, und in ihm das thätige Verlangen, ſolche zu erhalten, erregen. Unter andern Verhaͤltniſſen wuͤrde ſich er⸗ geben, daß eine Vermehrung des Geſpanns ſich reichlich bezahlt machen werde, indem es das ganze Jahr hindurch beſchäftiget werden koͤnnte, und folglich die dadurch vermehrte Kultur des Ackers im Verhaͤltniß des mehrern Ertrages wohlfeil zu ſtehen käme. So So wird auch nach Berechnung der Hand⸗ arbeit und ihrer Verhaͤltniſſe zu andern Opera⸗ tionen und zum Werth der Producte ſich erſt beſtimmen laſſen, ob es rathſam ſey, die Ope⸗ rationen mit ſelbiger zu verdielfaͤltigen oder zu vermindern. Die Zweckmaͤßigkeit des Tobacks⸗, des Flachs⸗, des Ruͤben⸗ und Moͤhren⸗Baues und ihr vortheilhaftes oder nachtheiliges Ver⸗ haͤltniß zum Kohl⸗ oder Kartoffelbau— der groͤßtentheils mit Pferden verrichtet werden kann— wird erſt hieraus hervorgehen. Das Stecken des Weizens mit der Hand, ja ſogar das Verpflanzen deſſelben im Fruͤhjahr, iſt in manchen Gegenden Englands, wo Handarbeit gegen die Einſaat wohlfeil war, ſehr vortheil⸗ haft befunden worden; wuͤrde es aber bey mir nicht ſeyn. Der Zte Artikel der Ausgabe iſt der Miſt oder jede andere Duͤngung. Hier tritt eine doppelte Frage ein: was iſt ein Fuder Miſt werth? und was koſtet mir ein Fuder Miſt? Beide Fragen ſind nicht leicht zu beant⸗ worten. Der Werth des Miſtes kann nicht nach dem Preiſe beſtimmt werden, wofuͤr man ihn kaufen kann. Denn allenthalben, wo er an Bds. 2te Abtheil. B zu kaufen iſt, wird er wohlfeil und unter ſeinem wahren Werth verkauft. Dieſer muß nach dem Vortheil, den der Miſt bey gehoͤriger An⸗ wendung bringt, beſtimmt werden. Gemeinig⸗ lich iſt das Land da ſehr theuer, wo man Miſt kaufen kann; weil man den Miſt zu dem Marktpreiſe ſehr vortheilhaft brauchen kann, und den durch den Miſt erhaltenen Vortheil dem Lande zu gut rechnet. Wenn man da, wo Grund und Boden wohlfeil iſt, den Miſt zu dem Preiſe, wie in der Naͤhe von Staͤdten, kaufen koͤnnte, ſo wuͤrde der Gewinn ſehr groß ſeyn. Aber Ankaufung von Miſt iſt nur an wenigen Orten in betraͤchtlichen Quantitaͤten möglich; alſo muß ihn der Landwirth ſelbſt erzeugen. Eine gaͤnzliche Entbehrung des Duͤngers wuͤrde auf gewoͤhnlichem Boden erſtaunlich koſt⸗ bar werden. Es waͤre dann kein anderes Mittel uͤbrig, als den Acker ſo lange eingedreeſcht liegen zu laſſen, bis er durch die abſterbenden Wurzeln und Blaͤtter der wilden Pflanzen und vermodernden Inſecten genugſamen Nahrungs⸗ ſtoff fuͤr etliche Erndten geſammlet haͤtte. Nur ſehr guter Boden Foͤnnte vielleicht durch Luftduͤngung nach TKliſcher Methode in Kraft erhalten werden. Die ſchlechte Be⸗ nutzung des Bodens wuͤrde aber den Werth des — 19— des Duͤngers durch ſeinen Abgang recht fuͤhlbar 1 machen. Daher wird die Landwirthſchaft in cultivir⸗— ten Laͤndern wohl nirgends ohne Miſt betrieben; und die Frage, was Miſt einer Wirthſchaft “ werth ſey, die vorher gar keinen gehabt hätte, 9 nuu aber welchen erhalten koͤnnte, braucht nicht entſchieden zu werden. Was aber vermehrter Miſt oder reichliche Duͤngung gegen eine ſchwache Duͤngung— etwa in dem Verhaͤltniſſe, wie der Schwäbiſche Stallfutterungs⸗Wirth gegen den gewoͤhnlichen Mecklenburgiſchen Wirth duͤngt— werth ſey; laͤßt ſich durch einen Verſuch leicht entſcheiden: Man duͤnge die Häifte eines Ackers ſo ſchwach, wie bey duͤnger⸗armen Wirthſchaften gewoͤhnlich iſt; die andere Haͤlfte betraͤchtlich ſtaͤrker; waͤhle nun aber eine der reicheren Duͤngung angemeſ⸗ ſene Beſtellungsart und Fruchtfolge fuͤr beyde 1 Haͤlften eine Reihe von ſechs Jahren hindurch⸗ und bemerke den Ertrag an Fruͤchten und Stroh von jeder Hälfte genau. Der Ueberſchuß des ſtaͤrker geduͤngten Feldes wird den Werth eines jeden Fuders, das es mehr erhalten hat, erge⸗ ben, und mancher wird daruͤber erſtaunen, was ein Fuder Duͤnger werth ſey. 3 .* 5 ———— 2 V2 5 20— Es wuͤrde mich hier zu weit abfuͤhren, wenn ich verſchiedene Berechnungsarten, wodurch ſich der relative Werth des Miſtes gegen ſeinen Nußen hypothetiſch beſtimmen ließe, angeben wollte. Dies wird an einem andern Orte paßlicher geſchehen koͤnnen. Ich will hier nur im Allgemeinen ſagen, daß, nach mehreren Cal⸗ culationen ſcharfſichtiger Landwirthe, ein vier⸗ ſpaͤnniges Fuder Miſt, im mucilaginöſen Zu⸗ ſtande, von 80 Rheinlaͤndiſchen Cubikfuß, oder 4000 Pfund, von dem, der es braucht, mit 2 ½ Braunſchweigiſchen Himten Rocken nicht zu theuer bezahlt ſeyn. A. Moung ſchaͤtzte es vor 30 Jahren ſchon auf 12 Schilling Sterl. Wichtiger iſt an dieſem Orte die Unter⸗ ſuchung: was ein Fuder Miſt koſte? oder viel⸗ mehr die Art und Weiſe, wie ein jeder dieſes nach ſeinen Verhaͤltniſſen auszumitteln habe. Ich weiß zwar, daß man bey dem Ganzen der Wirthſchaft das Stroh fuͤr den Duͤnger, und den Duͤnger fuͤr das Stroh, rechne. Aber mit ſolchen Berechnungen iſt uns hier nicht geholfen. Um auszumitteln, wie hoch ein Fuder Miſt zu ſtehen komme, wird zu unterſuchen ſeyn, ob die Benutzung des Viehes durch Molkerey, Maſtung oder Aufzucht ſo groß ſey, daß ſie den 21 den Werth der Futterung, der Weide und War⸗ tung bezahle. Auf dieſen Fall wuͤrde blos das Einſtreu⸗Stroh, nach dem Preiſe, wozu es verkauft werden koͤnnte, nebſt etlichen andern Arbeitskoſten, fuͤr den Miſt zu berechnen ſehn. Wenn aber, wie ſich wohl in den meiſten ſimplen Landwirthſchaften— wozu ich Brannte⸗ wein⸗Brennerey u. d. gl. nicht rechne— finden wird, das Vieh ſeine Futterung, nach genauer Berechnung, nicht bezahlt, folglich nicht um des directen Rutzens, ſondern blos um des Duͤngers willen gehalten wird, ſo muß das Debet des Viehſtapels ganz auf die Rechnung der Duͤnger⸗ maſſe uͤbertragen werden. Die gewoͤhnliche Frage der Oeconomen iſt: was bringt Ihnen die Kuh ein? Ich moͤgte immer fragen: was koſtet Ihnen die Kuh jaͤhrlich? Dieſe Verechnung haben aber nur wenige ordentlich gemacht. Sie muß auf folgende Weiſe angeſtellet werden? Bey der Weidewirthſchaft wird die Fläche. welche zur Weide liegt, nach dem, wie oben, ausgemittelten Preiſe der Grundſtücke nung gebracht. Ferner, entweder die und Heuarbeit, in ſo fern ſie dem 2 zu gute kommen, oder aber das demſelben beſtimmte Heu; dann das Stroh, nach dem Preiſe, wozu es auf der Stelle oder nach Abzug des Fuhrlohns verkauft werden konnte. Ferner Lohn und Koſt der Hirten und anderer mit dem Vieh beſchaͤftigter Perſonen, und end⸗ lich die Zinſen des Anſchaffungs⸗Capitals, jahr⸗ liche Abnutzung und Riſico. Bey der Stallfuͤtterungs⸗Wirthſchaft kom⸗ men ohngefaͤhr dieſelben Artikel in Anſchlag; ſtatt der Weide aber die auf den Anbau, Ein⸗ erndtung und Aufbewahrung der Futtergewaͤchſe verwandten Koſten. Nach Abzug des Ertrages wird ſich bey der einen, wie bey der andern Wirthſchaft meh⸗ reutheils ein Deſicit finden, welches der Miſt decken muß, oder mit andern Worten: es wird ſich zeigen, was der gewonnene Miſt koſtet. Allenthalben, wo Grund und Boden nicht auſſer allem Verhältniſſe wohlfeil angeſchlagen werden darf, und Arbeit nicht übermaͤßig theuer iſt, wird eine gleiche Quantität Miſt bey der Stallfütterungs⸗Wirthſchaft ſehr viel wohl⸗ feiler zu ſtehen kommen, wie bey der Weide⸗ wirthſchaft. Und mehrentheils wird, wenn die —— — 23— die Wirthſchaft gehoͤrig gefuͤhrt wird, der Fall eintreten, daß der Miſt bey der Stallfutterung um vieles wohlfeiler, als der eben vorerſt Pro autoritate angegebene Werth deſſelben iſt, erhalten wird. Bey der Weidewirthſchaft kommt er aber hoͤher zu ſtehen. Es iſt zwar wahr, daß die Stallfutterungs⸗ Wirthſchaft mehreren Miſt bedarf, als die Wei⸗ dewirthſchaft. Deſſenungeachtet wird ſie, da er ihr ſo wenig koſtet, eher einen Ueberfluß davon erhalten koͤnnen, als die Weidewirthſchaft. Und da man das, was man im Ueberfluß hat, nie⸗ driger anſchlägt, als was mangelt; ſo wird ſie in ihren Berechnungen fuͤr den Werth einer gleichen Quantität Miſtes weniger, fuͤr den ſtärker aufgefahrenen Miſt uͤberhaupt aber nicht mehr, als wie die Weidewirthſchaft, in Aus⸗ gabe zu bringen haben. Jene wird mit ſtaͤrke⸗ rem Duͤnger eben ſo wohlfeil, wie dieſe mit ſchwaͤcherem, beſtellen. Wie beym Rindvieh, muß auch beym Schaf⸗ vieh die Fläche ſeines Weideganges, die fuͤr ſelbiges liegen bleibende Braache und Winter⸗ fütterung berechnet werden; woraus ſich denn nach Abzug ihres Geldertrages ergeben wird, wie hoch ihr Miſt und Huͤrdeſchlag anzuſchlagen ſey. Mancher wird fuͤr das Schickſal dieſer armen . 3** ——————— E s— — armen Thiere zittern, wenn man allgemein ſo rechnete. Indeſſen wuͤrde, wie ſich an einem andern Orte zeigen wird, keine Ausrottung, ſondern nur eine Abaͤnderung der Schafwirth⸗ ſchaft daraus erfolgen, da es wohl auch eine Methode giebt, ſich von den Schafen ihre Weide und Winterfuͤtterung in der Maße bezahlen zu laſſen, daß man ihren Duͤnger wohlfeil erhaͤlt. Es Lerſteht ſich uͤbrigens, daß ich immer nur von privativen, geſchloſſenen und der Cultur fahigen Boden rede, und daß alle Gemeinweide und Servituten auſſer meinem Geſichtskreiſe liegen. Die Koſten und der relative Werth anderer Duͤngungsmittel, insbeſondre des Kalks, des Mergels, des ſogenannten Modders und Teichſchlamms werden ſich beſſer an einem andern Orte, wo uͤber die Anwendung dieſer Dungungen mehr geſagt werden ſoll, berechnen laſſen. Nachdem der Werth dieſer, die Ausgabe oder die Debetſeite vornäͤmlich beſtimmenden Ar⸗ tikel ausgemacht worden, wird ſich die Berech⸗ nung der Beſtellungskoſten eines jeden Feldes, und zwar eine ganze Umlaufszeit hindurch, nach Art der Englaͤnder, leicht machen laſſen. Auch wird man die bey den Englaͤndern haͤußg vor⸗ kom⸗ kommenden Verechnungen leicht auf ſeine eigene Verhaͤltniſſe reduciren koͤnnen. Der Werth der Producte, welche die Ein⸗ nahme oder die Creditſeite eines jeden Feldes ausmachen, findet ſich leicht. Es iſt gut, wenn dabey der Durchſchnittspreis und der gegenwaͤrtige Marktpreis zugleich bemerket wird. Jener kann nur bey Etats und Anſchlä⸗ r en zum Grunde gelegt werden. gen 3 8 Als ein Exempel, wie ich ſolche Rechnun⸗ gen formire, will ich hier die Berechnung 4 von 30 Morgen à 120 Calenb. Quadrat⸗ Ruthen in fuͤnf Feldern, vorlegen. Ich lege dabey die wirklichen Koſten und den wirklichen 6 Ertrag vom Jahre 1800 zum Grunde, weil 4 . die Verhaͤltniſſe dieſes Jahrs meinen Leſern mehr im Andenken ſeyn werden, als die der 11 . vorhergehenden. Vormals hatte ich nur vier Felder, bin nun aber zur fuͤnffeldrigen Wirth⸗ ſchaft uͤbergegangen, nachdem meine aͤlteren Felder in ſolche Cultur geſetzt worden ſind, daß ſie in 5 Johren fuͤglich drey Kornerndten abtra⸗ gen koͤnnen, und ich mich auf dieſe Weiſe in 5 Anſehung des erforderlichen Strohs mehr ſichere, als wenn in 4 Jahren nur zwey Kornerndten genommen wuͤrden. Tage⸗ Tagelohn füͤr Mannsperſonen, von 6 Uhr Morgens bis 6 Uhr Abends, wo zweh Freh⸗ ſtunden ausfallen, iſt bey mir 8 Mgr. Fuͤr Weibsperſonen anjetzt 7 Mgr. Der theuren Futterungspreiſe ohnerachtet, kommen die Koſten der Pferde doch heraus, wenn ich jeden maͤßigen Arbeitstag fuͤr ein Pferd auf 15 Mgr., ohne Kuecht, anſchlage; weil ſie bey mir täͤglich beſchaͤftiget ſind, und mit Holzfahren, wenn auf dem Acker nichts zu thun iſt, viel verdienen. Den Grofknecht berechne ich taͤglich auf 9 Mgr., den Kleinknecht oder Tageloͤhner, der das Pferd beym Pferde⸗ hacken fuͤhrt, zu 8 Mgr. Uebrigens iſt alles Hannoveriſches Caſſen⸗ geld: 1 Friedrichsd'or zu 4 Rthlr. 24 Mgr. Sechs und dreißig Mariengroſchen machen 1Rthlr., und 8 Pfennige 1Mariengroſchen. Fuder Miſt, wie es zwey gute Pferde ziehen, ohngefaͤhr von 2000 Pfund oder 40 Rheinlaͤndiſchen Cubikfuß, iſt hier, aufs Feld gefahren, zu 1 Rthlr. angeſchlagen. Ich kann es aus der Stadt wohlfeiler kaufen und anfahren laſſen. Mir ſelbſt kommt es nach den oben angegebenen Principien theurer und wohlfeiler, je nachdem ich rechne. Ich benutze das e —— — 27— das Molkenwerk hoch, weil die Milch friſch verkauft wird. Wenn ich indeſſen die Preiſe annehme, wozu ich alle Producte, die das Vieh conſumirt, hier verkaufen koͤnnte, ſo wuͤrde ich den Miſt wohl zu 14 Rthlr., das zwey⸗ ſpaͤnnige Fuder, anſchlagen muͤſſen, um den Verluſt beym Viehſtapel zu decken. Rechne ich aber die fuͤr das Vieh erbaueten Producte zu dem, was mir ihr Bau mit einem maͤßigen Vortheil koſtet, und was ſie in groͤßerer Ent⸗ fernung von der Stadt gelten wuͤrden; ſo hätte ich bey den hieſigen Milchpreiſen mehr als den Duͤnger zum reinen Vortheile vom Viehſtapel. Nach ſtrenger Heconomie muͤßte ich hier wenig oder gar kein Rindvieh halten, ſondern Klee, Fartoffeln, Heu und Stroh verkaufen, und den Miſt ankaufen. So aber kaufe ich nur des Miſtes, der unter Kartoffeln, und die Haͤlfte deſſen, der unter den Kohl, der nebſt den Kartoffeln zum Verkaufe beſtimmt iſt, ge⸗ bracht wird, um eine abgerundete und ſelbſtſtän⸗ dige Wirthſchaft, wie ſie auf dem Lande möglich iſt, zu haben. Ich verkaufe von dieſen Gewäch⸗ ſen jaͤhrlich fuͤr 500 Rthlr., und mein Miſt⸗ ankauf beträgt etwa 30 Rthlr. So viel zum Verſtaͤndniß der folgenden PVerechnung. Erſtes * 8„ —.—.————— — — Erſtes Feld, Tiſchkartoffeln zum Verkauf. Im Herbſt mit dem doppelten Srreichbrett⸗Pfluge in hohe Furchen aufzupfluͤgen, wobey der Pflug alle drittehalb Fuß angeſetzt wird⸗ Im Fruͤhjahre zu eggen ⸗ ⸗ ⸗ ⸗ 50 zweyſpaͤnnige Fuder Miſt ⸗ ⸗ 70 Himten Kartoffeln zum Einlegen, à 13Mgr. Dieſe vorſichtig in Stuͤcke zu ſchneiden, nach Abzug des Abfalls ⸗ ⸗ Den 2ten May zwey pfüge zum Sſähen 2 Tage ⸗ ⸗. Die Setzlinge in einer Ent fernung 6 6 Zoll in Reihen von drittehalb Fuß einzulegen und den Miſt mit der Forke daruͤber zu ziehen, 10 Leute, 2 Tage ⸗ ⸗ ⸗ Den 30. May die aufgelaufenen zu eggen ⸗ ⸗ ⸗ Den 12. Jun. mit der Pferdeſchaufel die gwh. ſchenränme zu durchziehen„⸗ ⸗ ⸗ Den 24. Jun. mit der t Pferdehacke anzuhaͤufen, 1 Pferd⸗ 2 Menſchen ⸗ ⸗ ⸗„ Den 16. Jul. mit dem doppelten Streichbrett⸗ Pfluge hoch anzuhaͤufen, 2 Men⸗ ſchen, 2 Tage ⸗ Das aufgeſchoſſene in Bluͤthe ſiene innt auszuziehen Die Kartoffeln aufzupfluͤgen„ ⸗ ⸗ Kartoffeln aufzuleſeun. auf den Wagen zu bringen 91½ Taglohn à?7 Mgr.; 114 Taglohn à 6Mgr. Einzufahren und abzuwerfen 29 Fuder, à 1 Magr. 4 Pf. ⸗ ⸗ ⸗ ⸗ ⸗ Durch ein weites Erdſieb vom Sande zu reini⸗ gen und von den Fleinen abzuſondern, auch zum Verkauf auszumeſſen ⸗. ⸗ Landzins,. ⸗ ⸗ *.* Morgen. Dehet 2 S 14 4 27 [2 1 2 0 10— 128.— 20 Summ det Ausgabe 153 32 4 Erſtes Erſtes Feld, 6 Morgen. Tiſchkartoffeln zum Verkauf. Credit S ſ 1130 Himten verkaufter Kartoffeln, à 12 Mgr 383 12— 32— kleine zum Verfuttern, à 6 Mgr. 512]— Ertrag 388 24— Ansgabe ſ138 32 4 Reiner Ertrag 229 27 4 Anmerk. Die Kartoffeln hatten in dieſem Jahre nicht die guͤnſtigſte Witterung. Auch muß man be⸗ merken, daß dies keine Viehkartoffeln, ſondern eine kleinere, ſehr mehlreiche Art zum Tiſchgebrauche iſt. Der groͤßte Theil ward zu 13 und 15 Mgr. verkauft; dieſer Preis iſt aber ungewoͤhnlich, und berechne ich daher nur 12 Mgr. 30 Zweytes Feld. Das ganze Feld im Herbſte in ein Ackerbeet zu⸗ ſammenzupfluͤgen ⸗„ ⸗ ⸗ 1 Im Fruͤhjahr zu eggen„„„„ Mit dem Exſtirpator das aufgelaufene Unkraut zu vertilgen, die Oberfläche aufzulockern und zugleich die Saat unterzubtingen ⸗ ⸗ 12 Himten Gerſte, à 32 Mgr.⸗ ⸗ ⸗ Zu eggen und zu walzen⸗ ⸗ ⸗ ⸗ Zu maͤhen„. ⸗ * Zu binden und einzufahren(148 Stiege) Abzudroͤſchen, à Stiege 3 Mgr. 2 Pf. — *„ Landzins. ⸗. v LO 13 20 20 1] 6 S 34 Zweytes Feld. Gerſte. Credit 3S* 148 Stiege haben gegeben 35 Himten 5 à 32 Mgr.„ 15016— 113 Schock Langſtroh à 3 Rthlr. 12 Mgr. 4312— 4 Schock Wirrſtroh à 1Rthlr. 12 Mgr. ⸗ 512— Ertrag„„ ſ229 4— Ausgabe„„ 6 —— Reiner Ertrag— Dieſer Ertrag der Gerſte wird zwar in manchen Gegenden, wo man Gerſte in das ate oder Zte Feld ſaͤet, ſehr groß ſcheinen. Vey mir iſt es aber hoͤchſtens als ein mittlerer Ertrag anzuſehen, indem ich oft das 2oſte Korn von der Gerſte erndte⸗ — 4. —.——— „. — 32 Drittes Feld. Klee. Debet 8 Kleeſaamen, welcher im vorigen Jahre unter 5 die Gerſte geſaet werden, 60 V ⸗ 6 9— Zu ſäe* 5. 5— 8— 18 Fuder kurzer Miſt zum Ucterſteuen 18—— Landzins ⸗ ⸗ 0— 4417— Viertes Feld. Rocken. Debet 28 Des Flees dritter Wuchs niebergewalzt und 2 57 mit dem Smalſchen Pfluge untergepfluͤgt 5—— Geegaet und gewalzt ⸗ ⸗ ⸗ 112— 10 Himten Rocken eingedrillet ⸗ ⸗ 10—— Einudrillen; 1 Pferd, 3 Leute, 1 ⸗ 1 4— Eggen 7 ⸗— 24— Waſſerfurchen zu oͤffnen ⸗ ⸗ 118— Im Fruͤhjahr 1 mahl zu ioreee 2 Leute 1 Tag ⸗ ⸗—32— Erhaltung der Suitsti p. ⸗—15— Zu mähen.. 2—— Aufzubinben und eiuzufahren 107 Stiege⸗ 224— Abz udreſchen à Stiege 3 Mgr. 3P. 9 27— tuihnn⸗ ⸗— Drittes Feld. Klee. Credit Hiervon ſind 14 Kuͤhe 30 Tage auf dem Stalle f 9 28 2 gefuͤttert, deren Futterung ich aufs Stuͤck„S 5 täglich zu 4 Mgr. 4 Pf., uͤberhaupt alſo taglich auf 1 Rthlr. 27 Mgt. berechne„ 140—— 5 Ausgabe„„ 4417— 8 F Reiner Ertrag⸗ 9649— 2 Der erſte Kleeſchnitt war bey mir in dieſem Jahre nur mittelmaͤßig; der zweyte aber nach Verhäͤltniß ſehr gut. Viertes Feld. Rocken. Credit SS. 107 Stiege haben gegeben 109 Himten, à ſ8 1 Rthlr. 6 Mgr. ⸗ ⸗ ⸗„ ſ127 6— 9½ Schock Langſtroh à 6 Rthlr. ⸗—— 2 3 Schock Wirrſtroh à 3 Rthlr. ⸗ ⸗—— Ertrag„ I193 5[— Ausgabe„ ⸗ 5512— Reiner Ertrag ⸗ ſI3730— In Anſehung des Rocken⸗Ausbruſches iſt dieſes Jahr fuͤr mich eins der ſchlechteſten geweſen, die ich gehabt habe. Beſonders aber hatte dieſes Feld, welches unten von zwey Seiten an Hecken liegt, im Winter von dem 10 Fuß hoch aufgethuͤrmten und ſpaͤt wegſchmelzenden Schnee gelitten. Im May ward es oben vom Froſte beſchaͤdigt, und der tiefere an die Hecken ſtoßende Theil litt in der naßkalten Blüthezeit. 18 Himten vom Morgen iſt bey dieſen in voller Cultur ſich befindenden Feldern faſt ein Abſchlag auf die Hälfte. Auch muß ich bemerken, daß dieſer Rocken nur einmal gepferdehacket wurde, weil er im April ſo ſchnell in die Hoͤhe ſchoß. an Bdt. 2te Abiheil. C Vier⸗ 34 Viertes Feld. Nacherndte von Spoͤrgel und Ruͤben. Debet Die Hälfte dieſes Feldes ward ſogleich nach 88 abgebrachtem Rocken dem Exſtirpator=5 uͤberzogen ⸗„— 24— 1 Himten Störget à anin J„— 28— Geegget— 18— Die andre Hulſte gihüher ⸗ ⸗ 2—— Mit 3 Pfund Ruͤbenfaamen beſiet ⸗— Geegget ⸗ ⸗ sl16 Fuͤnftes Feld. Hafer⸗ Debet 892 Die Spoͤrgel⸗ und Ruͤben⸗Stoppel mit der Kar⸗ſ toffelnhacke in hohe, ſpitze Furchen gelegt 2—— (eine ſehr leichte und nützliche Operation, die ich an einem andern Orte beſchreiben werde.) Im Fruhjahr geegget ⸗ ⸗ ⸗ 1—— Zur Saat gepfluͤgt ⸗ ⸗ 14—— Nach anfgelaufenem Unkraut mit dem Exſiirpator uͤberzogen ⸗. ⸗ ⸗ 112— 15 Himten Hafer à 24 Mzr. ⸗„ 10—— Eingedrillet, incl. der Drillwerkszeuge ⸗ 119— Geeget und gewalzet ⸗ ⸗ ⸗ 2 mal gepferdehacket ⸗ ⸗ ⸗ 1283— Zu maͤhen, aufzubinden und einzufahren, 94 Stiege ⸗ ⸗„4—— Zu dreſchen ⸗ 81171 4 Landzins ⸗ ⸗ ⸗ ⸗ 20l— 155 34 4 Vier⸗ Viertes Feld. Nacherndte von Ruͤben und Spoͤrgel. Gredit 3 Nach Abzug der Koſten, welche das Aufziehen S 8 8 der Ruͤben ſowohl ais des Spoͤrgels verur⸗§ S. ſachte, deren Berechuung hier zu weitläuftig wäre, kann ich den Werth der davon erhal⸗ 3 tenen Viehfuͤtterung wenigſtens anſchlagen auf ⸗ ⸗ ⸗ 30—— Ausgabe ⸗ 5 161— Reiner Ertrag„ ſ 2420[— Der Spoͤrgel hielt ſich, ohnerachtet des Froſtes, den 6ten December noch im friſchen Wuchſe, und wuͤrde laͤnger ausgehalten haben, wenn er nicht alle Naͤchte ſechs Stuͤck Hirſche aus einem 4 Meile entfernten Holze herbeygelockt hätte, die, mit Uebergehung aller Saatfelder, blos auf dieſem Spoͤrgel weideten⸗ cb Fuͤnftes Feld⸗— Uredit 2 28 —— Ansgebroſchen 2191 Himten? à 18 Wg. 109 15— 8½ Schock Langſtroh à 3 Rthlr. 18 Mgr.⸗ 27 ½8 2 Schock Wirrſtroh à 1Rthlt. 18 Mgr. 3—— Ertrag Aucgabe — Reiner Ertrag„ 70] 2] 4 U1 „— I C3 Wieder⸗ Wiederholung der Ausgabe. S S o 2 *— rſtes Feld: Kartoffeln„„ ſ1333 4 ates— BGerſte„„„ 5613— e Kee ⸗ 6 1 gtes— Rocken„„ 5512—— —— Ruben und Spörgel 5 5 5tes— Hüſer Auslage auf 30 Morgen 37527— Betraͤgt auf den Morgen 1119— Wiederholung des reinen Wirthſchafts⸗ Ertrages. aſtes Feld: Fartoffeln„„ 22927 4 gtes— Berſte„„„ 27 ztes— Klee„„„ 9619— 6 Rocken 1 —— Ruͤben und Spoͤrgel 24 20— Ftes— Hafer„„„ Reiner Ertrag von 30 Calenb. Morgen Macht auf den Morgen ⸗ 24)13 16 ½ Ich weiß alles, was mancher practiſche und theoretiſche Landwirth gegen dieſe Berechnung einwenden wird. Dieſer wird ſagen:„ein ſolcher Ertrag von Fruͤchten iſt unerhoͤrt.“ Es thut mir leid um ſeinetwillen, daß er ihn ſo nicht kennt; bey mir iſt er an jedem Artikel in dieſern Jahre nur mittelmaͤßig.— Jener:„ſo etwas ſey im Großen nicht möglich.“ Auf roo0 Morgen neben einander liegenden Landes getraue ich 8 mirs eben ſo auszufuͤhren. Groͤßer darf die Wirthſchaft von einem Hofe nicht ſeyn.— Ein Anderer:„die Preiſe ſeyen zu hoch angegeben.“ Ich ſpreche von einer individuellen Lage und 6⸗ von einem Jahre, wo jedoch die Preiſe mit dem Ausfalle der Erndte im gerechten Verhaͤltniſſe 2 ſtanden.— Insbeſondere ſey das Stroh zu hoch angeſchlagen.— Ich konnte es dafuͤr aus der Scheure verkaufen, und es wird in der Vieh⸗ Rechunng zu eben dieſem Preiſe in Ausgabe gebracht. 3 1— Uebrigens habe ich dies blos als Formel meiner Berechnungsart gegeben; jedoch hach wirklichen Thatſachen. Manches iſt hier ohne — ausfuͤhrlichere Erklärung vielleicht unverſtaͤnd⸗ lich; aber darauf kommt es jeht nicht an. 6 Eine Beſchreibung und allgemeine Berechnung einer kleinen, aber durch viele Kleinigkeiten und mannigfaltige Verhaͤltniſſe ſehr complicir⸗ ten ten Wirthſchaft wird mein einſichtsvoller und aufmerkſamer Freund und Schuͤler, der in Penſion ſtehende Herr Faͤhndrich M gge, ver⸗ muthlich im naͤchſten Jahrgange der Annalen der niederſaͤchſiſchen Landwirthſchaft 1801 geben. Durch die aufmerkſamſte tägliche Vezeichnung aller Arbeiten und jedes Vorfalls in dieſer Wirthſchaft hat er ſich dazu in Stand ge⸗ ſetzet. Aufmerkſamer aber darf ich meine Leſer auf die Berechnungen machen, welche zwey ein⸗ ſichtsvolle, edle Maͤnner, die die Landwirthſchaft mit großem Eifer ſchon eine geraume Zeit be⸗ trieben haben, dem Pablico dereinſt vorlegen wollen. Sie haben ſchon ſeit mehreren Jahren in betraͤchtlichen Wirthſchaften alles und jedes genau zaͤhlen, meſſen und waͤgen laſſen; zu dem Ende hat, wenigſtens der Eine, große Waagen, um lebendiges Vieh und ganze Fuder waͤgen zu koͤnnen, angelegt, und die Gebaͤude hierzu zweckmaͤßig eingerichtet. Es werden be⸗ ſondre Schreiber, die alles anzeichnen und in Tabellen bringen, hierauf gehalten. Der Privatzweck bey dem Einen iſt der: ſichere Etats zur Bewirthſchaftung großer Guͤter aufſtellen zu koͤnnen; bey dem Andern: die mannigfaltigen Verhaͤltniſſe der Wirthſchaft zu ergruͤnden und ſichere Reſultate im Allgemeinen aufzufinden. Fuͤr ——— —— k Für das Publicum, dem Beyde ihre muͤhſame und koſtbare Arbeit nicht vorenthalten werden, hat beydes gleiche Tendenz— eine ſichere Be⸗ richtigung der erſten Grundſäte, worauf ein landwirthſchaftliches Syſtem beruhen muß. Es kann ſo etwas nur von ſo ſcharfſinnigen als bemittelten Maͤnnern erwartet werden. Indeſſen wird ſich ſchon vieles richtiger und klarer darſtellen, wenn nur mehrere practiſche Landwirthe a) ein genaues Tagebuch hielten, worin taͤg⸗ lich alle mit der Hand und dem Geſpann geſchehenen Arbeiten, ſammt der dazu ge⸗ brauchten Zeit und Zahl der Menſchen und Pferde, aufgezeichnet wuͤrden; b) die Futterung jeder Viehart, ihrer Quantität und Qualität nach, bemerkten und täglich oder woͤchentlich zumaͤßen; im Sommer feſtſetzten oder anzeichneten, wie viel Tage das Vieh von einer gege⸗ benen Flaͤche gefuͤttert worden, oder wie lange ſattſame Weide darauf geweſen ſey. c) das Product eines jeden Feldes bey der Einſcheurung abſonderten, welches durch eine ) ⸗***— —.—— ·————.—— 6„ — 6. —.—.— 2 — 40— 1 eine gewiſſe Ordnung beym Einkaufen leicht geſchehen kann, und beym Abdreſchen 1 den Ertrag anzeichneten; d) uͤbrigens die gewoͤhnlichen Haushalts⸗ Regiſter genau fuͤhrten; und 10 e) dem Publico mit ſtrengſter Wahrheitsliebe die merkwuͤrdigſten Reſultate— wo nicht das Ganze— mittheilten. Je mannigfaltiger und verſchiedener— wenn nur wahr und beſtimmt— die Reſultate wären, die wir erhielten, um deſto mehr wuͤr⸗ den ſich die mannigfaltigen Verhaͤltniſſe der Landwirthſchaft entwickeln und die Grundſaͤtze beſtimmen laſſen, worauf ein allgemein anwend⸗ bares Syſtem der Landwirthſchaft begruͤndet werden koͤnnte— ein Syſtem, welches jeden Verbeſſerer— Improver nennen die Englaͤn⸗ der einen Landwirth, der von dem Leiſten ſeiner Gegend abweicht und etwas zweckmaͤßig Beſſeres einfuͤhrt,— in den Stand ſetzte, mit Sicherheit des Erfolges eine neue Einrichtung einzufuͤhren; da ein ſolcher jetzt erſt viele eigene Erfahrung, oft mit großem Verluſte, ſammlen muß, ehe er dasjenige, was den Verhaͤltniſſen ſeiner Wirthſchaft angemeſſen iſt, oder nicht, kennen lernt. Dann wuͤrde es fuͤr den nachdenkenden Kopf — 41— Kopf möglich ſeyn, Landwirthſchaft theoretiſch zu erlernen, was jett wenigſtens aͤußerſt ſchwer und gewagt iſt. Man wuͤrde bey einer neu anzutretenden oder neu einzurichtenden Wirth⸗ ſchaft unterſcheiden lernen, was bey ihr anwend⸗ bar ſey oder nicht; durch welche Stuffen man zum endlichen Zweck am ſchnelleſten und ſicherſten gelangen koͤnne; und insbeſondre, was unter gegebenen Umſtaͤnden das Nothwendige, was das Roͤthige, was das Nuͤhliche und was das Ueberſchießende ſey; eine Unterſcheidung, gegen welche Anfaͤnger und Theore⸗ tiker jetzt ſo haͤufig anſtoßen. Die Mittheilung ſolcher Berechnungen iſt von unſern practiſchen Landwirthen bisher ſehr ſchwer zu erhalten geweſen. Manche halten es ihrem In⸗ tereſſe und der Klugheit gemaͤß, ein gewiſſes Dun⸗ kel uͤber ihre Wirthſchaftsverhältniſſe zu verbrei⸗ ten; andre ſind zur Prahlerey und Aufſchneiderey geneigt. Indeſſen verbreitet ſich unter den rechtlichſten Landwirthen immer mehr eine offene und liberale Denkungoart und die Neigung, die allgemeinen Fortſchritte der Kunſt zu befoͤrdern. Rur glauben dieſe zum Theil, daß, weil ihre Proceduren und Einrichtungen nichts ausgezeich⸗ netes und ungewöhnliches haͤtten, ſo ſeyen ſie keiner Bekanntmachung werth, und koͤnnten keine Belehrung geben. Der Zweck der Annalen der der Riederſaͤchſiſchen Landwirthſchaft geht haupt⸗ ſaͤchlich vorerſt dahin, Monographien oder Beſchreibungen von Wirthſchaften ganzer Gegenden oder einzelner Orte zu geben. Mancher einſichtsvolle Landwirth legte mir die Verhältniſſe ſeiner trefflich geordneten Wirthſchaft mit der groͤßten Oſſenheit vor, ließ mir ſeine Buͤcher und Regiſter durch⸗ ſehen und nach Gefallen auszeichnen, ſo daß ich durchaus keine Verſchloſſenheit in Anſehung ſeines Haushalts bey ihm be⸗ merkte. Wenn ich ihn aber bat, mir doch für das oͤffentliche Beßte etwas von ſeiner Wirthſchaft mitzutheilen, ſo verſicherte er mich, daß er gar nichts wuͤßte, was dem Publi⸗ co intereſſant ſeyn koͤnnte; alles, was man bey ihm fände, waͤren ja bekannte Dinge: er habe wohl eimmal mit Polniſchem Hafer, Himmels- auch Reisgerſte, Siberiſchem Buchweizen u. dgl. Verſuche gemacht, die er mir mittheilen wolle, wenn ich ſie fuͤr nuͤtzlich hielte. Wenn doch ſolche offene, humane Maͤn⸗ ner bedenken wollten, was ſie ſelbſt erſt ler⸗ nen, ausforſchen und berechnen mußten, wie ſie zu wirthſchaften anfingen;— daß das, was ſie erfahren, gepruͤft, beybehalten oder verworfen haben, Andern ſehr nülich zu wiſſen lar ode ſo ge w oy ſtel wiſſen ſey; daß das Große, das Ganze der Landwirthſchaft ſo mannigfaltiger Verbin⸗ dungen, die nach den Verhältniſſen mehr oder minder vortheilhaft ſind, faͤhig ſey: ſo wuͤrden ſie nicht glauben, daß Himmels⸗ gerſte und Siberiſcher Buchweizen das Merk⸗ wuͤrdigſte in ihren Tagebuͤchern und Regi⸗ ſtern waͤre! . * „ II. Unterſchied der Staͤnde in England, in Bezug auf landwirthſchaftliche Eiurichtungen. (Zu Seite 20.) Wer die engliſche Verfaſſung hierin nicht kennt, wird bey Leſung engliſcher landwirth⸗ ſchaftlicher Schriftſteller oft Anſtoß finden. Darum einige Worte hieruͤber: Es giebt eigentlich in England nur einen hohen Adel, der ſich blos auf den aͤlteſten Sohn oder den nächſten Erben, mit Ausſchluß aller uͤbrigen, fortpflanzt. Dieſe Herren(Lords) machen das Oberhaus im Parlemente aus, fuͤhren den Titel von Herzogen(Dukes), Mar⸗ — — 65 Marquis, Viscounts, Grafen, oder blos von Lords von irgend einer Grafſchaft oder Herr⸗ ſchaft in Großbritannien, worin ſie hauptſaͤch— lich begutert ſind oder begutert waren, oder wovon ihnen der Koͤnig, bey ihrer Erhebung in dieſen Stand, den Titel gegeben hat. Sie nennen ſich auch Barons, oder Peers. Man kann dieſe Titel und Stellen wie erbliche Staatsbedienungen anſehen, deren jede nur von einer Perſon bekleidet wird, und hat daher geſagt, es gaͤbe in England gar keinen Adel. Allerdings aber machen dieſe Perſonen einen Adel und zwar einen mit großen Vorrechten verfaſſungsmaͤßig bekleideten Adel aus; wer⸗ den Noblemen genannt, und der ganze Stand Nobility. Ein engliſcher Nobleman iſt aber etwas anderes, als ein deutſcher Edel⸗ mann, und nur mit dem eigentlichen hohen Adel zu vergleichen. Dieſe Lords, beſonders die aus aͤlteren Familien, ſind die vornehmſten Grundeigenthuͤmer und Erbherren betrachtlicher Herrſchaften, die dann, in viele kleine Landguͤter zertheilt, pachtweiſe, aber auch wohl lehns⸗ weiſe, d. h. erblich und verkaͤuflich, ausgethan ſind. Auſſer dieſem hohen Adel giebt es aber noch eine Art von niederem Adel, der zwar durchaus keine Praͤrogativen vor jedem andern Englaͤn⸗ Englander hat, aber doch auf das Alterthum, Reinheit und Anſehen ſeiner Familie ſehr haͤlt. Dies ſind die Esquires und Gentlemen im eigentlichen Verſtande. Sie ſind Beſitzer von mehr oder minder betraͤchtlichen Herrſchaf⸗ ten, die auf den aͤlteſten Sohn vererbet worden, und ſich ſo, ſeit uralten Zeiten, bey der Fami⸗ lie erhalten haben. Doch iſt dies nicht noth⸗ wendig, denn ſie koͤnnen auch verkauft werden. Viele von ihnen leben auf dem Lande, und woh⸗ nen in den Schloͤſſern ihret Vorfahren. Dieſe nennt man beſonders Country⸗ſquires. Sie haben einen großen Einfluß bey den Parle⸗ mentswahlen, und werden ſchon in dieſer Hin⸗ ſicht ſehr geachtet; jedoch hat ihr Anſehen, ſeit⸗ dem der Reichthum der Kaufmannſchaft und Fabrikanten ſich ſo vermehrt hat, betraͤchtlich verlohren. Unter ihnen findet ſich der großte Theil der alten Jacobiten. Sie machen wirk⸗ lich einen ſehr ehrwuͤrdigen Theil der Nation aus; und man trifft unter ihnen am haͤu⸗ figſten ächten Patriotismus, ohne Factions⸗ geiſt, an. Sie ſollen in ihrem Umgange etwas Steifes, Ceremonioͤſes, mit vieler Gutmuͤthigkeit und Gaſtfreundſchaft verbin⸗ den. Ihr Stolz äußert ſich jedoch durch den Werth, den ſie auf ihren Stammbaum und den Glanz ihrer Vorfahren ſetzen? ſie halten ſich für den Kern der Nation, und nennen ſich old — SS —— 5) — old England. Sie dänken ſich in dieſer iutſch Vorzuge vor vielen neuern Lords zu haben, die nicht aus ſo alten Haͤuſern ſind. Misheurathen ihrer Soͤhne und Toͤchter, beſon⸗ ders, wenn ſie deren nicht viele haben, ſind ihnen zum Theil nicht minder ein Graͤuel, als mancher ſtiftsmaͤßigen deutſchen Familie, ob⸗ gleich nicht der geringſte Nachtheil fur ihre Nach⸗ kommenſchaft daraus erfolgt. Da ſie aber uͤberall keine in der Verfaſſung und in den Geſeßen begruͤndete Vorzuͤge vor Andern haben, ſo werden ihnen alle Leute von Erziehung, Anſehen und Vermoͤgen, die mit ihnen auf gleichem Fuße leben, voͤllig gleichge⸗ ſett, und, wie ſie, Sentlemens und Esqui⸗ res genannt; letzteres beſonders, wenn ſie Grundeigenthuͤmer ſind. In der dritten Perſon werden alle dieſe Maſter, in der Anrede aber Sir genannt. Nur ſetzt man bey jedem, der auf Gentlemens⸗Fuße lebt, den Vornamen hin⸗ zu, z. E. Mr. Arthur Young, Mr. William Anderſon, und ſiehet es als einen Verſtoß gegen die Hoͤflichkeit an, wenn dieſes nicht geſchiehet. Zwiſchen ihnen und dem hohen Adel ſtehen noch die Baronets oder Knights, deren Titel ⸗—— —z—————.— *— —.—— . Titel auch nur auf den älteſten Sohn erbt. Sie haben meines Wiſſens auch keine beſondere Prarogative; keiner kann aber dieſen Titel anders, als erblich, oder vermoͤge der Ernennung des Koͤnigs ſich beylegen. Sie heißen auch in der dritten Perſon Sirz; z. B. Sir John Pinclair, Sir Joſeph Vanko, und immer wird der Vorname zugeſetzt. Es iſt ſogar artig, blos Sir John, Sir Jo⸗ ſeph zu ſagen, wo nicht leicht Verwechſelung eintreten kann. Dieſer Titel iſt eine Art von Brief⸗Adel, den man ſich durch Verdienſte, durch Gefͤlligkeiten fuͤr den Hof, auch durch Geld erwirbt, und der jetzt faſt zu haͤufig wird, um eine Auszeichnung zu bleiben. Dieſe Klaſſen nur ſind im Beſitz aller groͤße⸗ ren Landguter. Denn jeder wohlhabende Guthsbeſitzer tritt in die Gentlemen⸗Klaſſe, wenn er nicht etwa in einer niederen Klaſſe erzogen iſt, und darin lieber bleiben, kei⸗ nen Aufwand machen und ſelbſt Hand anle⸗ gen will. Die kleineren Eigenthuͤmer machen die Yeomanry, den eigentlichen Bauernſtand, aus. Zum Theil iſt ihre Beſihung Freeho ld, freyes Guth, und hat Stimme bey den Parle⸗ mentswahlen. Sie unterſcheiden ſich denn blos durch durch Lebensweiſe von den Gentlemens; denn die Groͤße der Beſißung oder des Vermoͤgens kann den Unterſchied nicht begruͤnden, da es hin und wieder Yeomens giebt, die groͤßere Gäter und mehr Vermoͤgen haben, wie man⸗ cher Country⸗ſquire. Der Vater iſt denn wohl ein Yeoman; der Sohn ein Gentle⸗ man. Zum Theil iſt ihre Beſitzung Copy⸗ hold, welches mit umſerm Meyergute voͤllig uͤbereinkommt. Sie muͤſſen dann dem Grund⸗ berrn(Lord of the manor) von Alters her beſtimmte Gefaͤlle an Gelde, Naturalien oder auch an Dienſten entrichten, und dieſer hat eine gewiſſe Art von Gerichtsbarkeit(court of the manor). Die Gefälle ſind zum Theil, beſon⸗ ders wo ſie zu Gelde geſetzt ſind, ſehr unbedeu⸗ tend, die in Naturalien aber von höherm Werth. In einigen nordweſtlichen Grafſchaften, ſo wie in Schottland, ſind noch Hofdienſte gebraͤuchlich. Die Gefaͤlle werden jährlich, oder bey Sterbe⸗ fallen des Grundherrn oder des Einhabers, und beym Verkaufe der Stelle bezahlt. Denn meh⸗ rentheils können ſolche Stellen verkauft werden, wozu eine formelle, aber nicht leicht verweiger⸗ liche Einwilligung des Grundherrn gehoͤrt. Kurz, das Ganze hat die groͤßte Aehnlichkeit mit unſerm deutſchen Meyerweſen und hat ſo viele Modificationen, wie dieſes. Zuweilen ſind auch betraͤchtliche Beſihungen copyhold an Bds. 2te Abtheil. D von — 50— von andern, und manchmal geht ein Lord von einem andern Guthobeſitzer zu Lehn. In einigen Provinzen hat ſich die Yeo⸗ manry(der Stand der mit der Hand arbei⸗ tenden Eigenthuͤmer) noch ſehr zahlreich erhal⸗ ten. In andern ſind ſie ſeit jeher nur Paͤchter geweſen, oder, nachdem ſie ihre Stellen verkauft hatten, Pächter geworden, wenn ſie nicht in die Claſſe der Tageloͤhner, Haͤuslinge, Einlie⸗ ger, Koͤthner, und wie dieſe Leute in Deutſch⸗ land verſchiedentlich genannt werden, herabge⸗ ſunken ſind⸗ Zu dieſer Claſſe gehoͤrt alles, was kein Land⸗Eigenthum, kein Vermoͤgen, kein eigent⸗ liches Gewerbe und kein Erwerbömittel, als groͤbere Handa beit hat; folglich die Tageloͤhner und Knechte. Sie wohnen in armſeligen und ſehr kleinen Huͤtten, die zum Theil ihr Eigen⸗ thum, zum Theil gemiethet ſind, worin meh⸗ rentheils nichts als die Kuͤche und eine Schlaf— kammer iſt. Sie haben ſehr ſelten einen Garten bey dieſen Huͤtten, und noch weniger Ackerland. Jedoch haben ſie in manchen Gegenden die Be⸗ rechtigung, Vieh auf die gemeinen Weiden zu treiben. Sie arbeiten mehrentheils mit Weib und Kind in Jagelohn und in Verding; theils bey den Fabriken, theils beym Ackerbau; wenn ſie ſie Gelegenheit haben, im Sommer hier, im Winter dort. Diejenigen, welche gewiſſe Ar⸗ beiten nur in Verding thun, haben darin eine groͤßere Fertigkeit erlangt, und verdienen ſich mehr. Man kann ſie ſchon wie eine Art von Handwerkern betrachten. Sie gehen von einem Farm zum andern, auch wohl in entferntere Gegenden, wo man ſie braucht, und verdienen ſich taͤglich wohl acht bis zehn Schilling. Andre, welche in keiner Arbeit etwas beſondres zu leiſten vermoͤgen, arbeiten im Tagelohn, und ſind gewoͤhnlich das ganze Jahr hindurch auf einem Farm, wo man ihnen immer Arbeit zu verſchaffen ſucht. Man haͤlt in England auch auf groͤßeren Wirthſchaften wenig Knechte. Bey ſechszehn oder zwanzig Pferden iſt oft nur ein Knecht, der ſie fuͤttert und beſorgt. Alle Arbeiten damit thut ein Tageloͤhner. Auch dieſe werden haͤufig in Verding bezahlt; man giebt fuͤr jeden Acker zu yfluͤgen, zu eggen, fuͤr jedes Fuder Miſt zu fahren, fuͤr jede Karre Mergel, etwas Beſtimmtes. Dieſe Verding⸗ Arbeiten ſind beſonders in den Diſtrikten ge⸗ braͤuchlich, wo der Ackerbau gut betrieben wird. An den meiſten Orten iſt das Tagelohn im Ver⸗ haͤltniß anderer Dinge noch wohlfeil, wenn es gleich nach Gelde im Durchſchnitt wenigſtens doppelt ſo hoch wie in Deutſchland iſt; denn dieſe Claſſe von Menſchen iſt zahlreich genug, D 2 und — 52— und hat kein anderes Verdienſt, beſonders in den Gegenden, wo keine Manufacturen ſind. In dieſen iſt der Tagelohn theurer. Ackerland zu pachten, haben dieſe Leute keine Gelegenheit, weil alles Land ſchon in gewiſſe Farms vertheilt iſt, und kein Farmer ihnen Land uͤberlaſſen wird. Oder ſie muͤſſen ſelbſt Farmers werden, wozu auch bey den kleinſten Farms ſchon be⸗ trächtlicher Vorlag gehort. Gewohnlich haben ſie nur aus der Hand in den Mund; und was die Woche verdient wird, wird auch wieder verzehrt. So ſehr hierdurch das Tagelohn zum Vor⸗ theil der Landwirthſchaft herunter gehalten wird, ſo fällt die Armſeligkeit dieſer Leute doch den Farmers wieder ſehr zur Laſt. Denn ſobald ſie wegen Alter, Kraͤnklichkeit, Hunger und Kummer, keine Arbeit zu thun vermoͤgen, oder dieſes vorgeben, muß das Kirchſpiel ſie erhalten, und jeder muß nach Verhältniß ſeines Eigen⸗ thums oder ſeiner Pachtung dazu contribuiren. Die Summe, welche die Unterhaltung der Armen koſtet, wird nach dem Werthe der Pach⸗ tungen oder Beſitzungen repartiret. Von jedem Pfunde Pachtgeld wird etwas Gewiſſes bezahlt. In einigen Gegenden iſt dies geringer, in andern druckend hoch, und betraͤgt zuweilen ein Drittel des Pachtgeldes. Am ärgſten iſt es in der der Nähe großer Fabriken, weil die Leute durch die Arbeit oder durch die ausſchweifende Lebens⸗ art, wozu hoͤherer Verdienſt und boͤſes Beyſpiel ſie verfuhrt, fruher kraͤnklich und unvermögend werden. Da ſie groͤßtentheils auf dem Lande wohnen und ſich nur im Winter in der Stadt aufhalten, ſo fallen ſie den Landleuten dann als Arme zur Laſt. Man hat viel darauf gedacht, wie dieſem Uebel abzuhelfen ſey. Verſorgungs⸗ und Werk⸗ baͤuſer, wo man ſchwachen Leuten noch Gelegen⸗ heit zu einigem Verdienſt gab, haben an vielen Orten gute Wirkung gethan; haben aber an andern Orten die Koſten nur noch vermehrt. Es kommt auf die Einrichtung und die Vorſte⸗ her an. Doch dies gehört nicht hierher. Näher liegt dem Landwirthe die Frage, ob es rathſam ſey, bey den Kothen etliche Morgen Ackerland zu legen, oder dieſen Leuten doch Ge⸗ legenheit zu verſchaffen, Land zu pachten? die neuerlichſt in England ſehr in Anregung ge⸗ bracht worden, wie die Theurung der Lebensmittel den Armen Hungersnoth dro⸗ hete. Wenn jede Kothen⸗Familie ſo viel Ackerland mit ihren Haͤnden anbauet, als ſie zu ihrer nothwendigen Subſiſtenz braucht, ſo wird dies dieſe Leute vor Hunger und Kummer und mithin vor Kränklichkeit und Unvermoͤgen ſichern; —— „„„ 2 — 2——— — 54— ſichern; es wird ſie zu ordentlichern Wirthen machen, und in eine Art von Wohlſtand ver⸗ ſetzen; ſie werden auf den Fall der Noth etwas zuruͤcklegen, ihre Kinder beſſer erziehen und verpflegen; ſie werden der Gemeinde als un⸗ vermögende Arme ſelten zur Laſt fallen, und fuͤr den Staat nicht verlohren ſeyn. Ihr kleines Feld, welches ihnen aus der Gemeinheit an vielen Orten angewieſen werden kann, wird durch ihren Fleiß aufs ſorgfältigſte angebauet werden; ſie werden es mittelſt der Grabſcheits umbrechen, das Korn mit der Hand ſorgfaͤltig ſtecken, es jaten und behacken. Hierdurch wird die Production durch das ganze Reich ſich be⸗ traͤchtlich vermehren, der Reichthum des Staats alſo befoͤrdert werden. So ſagte man auf der einen Seite. Auf der andern erwiderte man: „Dies wird nichts fruchten, vielmehr das Uebel aͤrger machen. Diejenigen, welche ordentliche Leute ſind, können ſich ſchon als Tageloͤhner etwas eruͤbrigen und fuͤr den Nothfall aufſparen. Allenthalben findet man Veyſpiele, daß Tage⸗ lohner eine Pachtung haben antreten koͤnnen, und ſehr wohlhabende, ja reiche Leute geworden find; zum Beweiſe, daß der arbeitſame und ordentliche Mann in ſeinen gegenwaͤrtigen Ver⸗ haͤltniſſen nicht ſo ungluͤcklich iſt. Den Traͤgen und Verſchwender wird ſein kleines Eigenthum und ſeine Erndte nur verſchlimmern; er wird dieſe i tet dieſe, gewohnt nur fur die naͤchſten Tage zu ſorgen, gleich verkaufen und, ſo lange er Geld hat, mußig gehen und ſchwelgen. Man hat immer bemerkt, daß es den Fabriken und dem Ackerbau in wohlfeilen Zeiten an Arbeitern fehlte; daß dieſe faul, widerſpenſtig und aus⸗ ſchweifend wurden, weil ſie in einem Tage ſo viel verdienten, wie ſie in zwey Tagen brauch⸗ ten. In theureren Zeiten waren ſie immer fleiſſiger und ordentlicher. Solche Leute ſind nicht gewohnt, auf die Zukunft zu denken, und werden voͤllig verdorben, wenn ſie in einen tem⸗ porairen Ueberfluß kommen. Daraus wird denn folgen, daß es auf den Hoͤfen an den nothwendigſten Arbeitern zu gewiſſen Zeiten fehlt, daß der Tagelohn ſchnell ſteigt, wobey der ohne⸗ hin ſo belaſtete Ackerbau gar nicht wird beſtehen koͤnnen. Gegen einen Tageloͤhner, der wohl⸗ habend wird, werden drey Farmer an den Bettelſtab gerathen. Das zum Ackerbau erfor⸗ derliche Kapital wird ſich immer mehr vermin⸗ dern; betraͤchtliche Verbeſſerungen und Unter⸗ nehmungen werden nicht ausgefuͤhrt werden konnen, und ſo wird die Maſſe der Production, ſtatt dabey zu gewinnen, auf eine fuͤr die Janze Nation furchterliche Weiſe verlieren. Und wer ſoll denn jene Leute, die nicht minder an den Bettelſtab gerathen werden, ernaͤhren? Wer wird ihnen aufhelfen, wenn ſie ſich widerſpenſtig bezeigt —— —.——— bezeigt haben? Jeßt laͤßt ein Farmer nicht leicht eine Tageloͤhner⸗Familie, die ihm treu gedienet hat, verſinken, wenn ihr ein Ungluͤck widerfährt; ihm iſt an ihrer Erhaltung zu viel gelegen. Bey einem Ackerbau von wenigen Morgen kann uberhaupt nichts herauskommen. Der dazu erforderliche Kraftaufwand wird bey guten Werkzeugen und Einrichtungen nicht nur weit mehr hervorbringen und erſprießlicher fuͤrs Ganze ſeyn, ſondern der Arbeiter ſelbſt wird, wenn es genau berechnet wird, ſeine Arbeit beſſer bezahlt erhalten. Laßt es darum lieber beym Alten; erhoͤhet den Arbeitslohn nach Ver⸗ haͤltniß der Kornpreiſe, und macht beſſere An⸗ ſtalten zur Verſorgung der Armen!“ Ich glaube, die Frage kann nie allgemein, ſondern nur nach Localverhaͤltniſſen und beſon⸗ ders nach der Denkungsart dieſer Klaſſe von Menſchen entſchieden werden. Dieſe iſt wirk⸗ lich, einzelnen Diſtricten nach, ſehr verſchieden. Fuͤr das Ganze des Ackerbaues iſt es bey unſern jetzigen Einrichtungen ohne Zweifel beſſer, daß der Tageloͤhner ganz Tageloͤhner bleibe. Doch muß man dem, der Energie genug hat, ſich aus dieſem Stande empor zu heben, nicht alle Gelegenheit dazu abſchneiden; und fuͤr die Ver⸗ ſorgung der Alten und Verarmten, ſo wie fuͤr die Erziehung der Kinder, zweckmäßige An⸗ ſtalten ſtalten, auf Koſten derer, die Tageloͤhner brau⸗ chen, treffen. Die Ausbildung des ſimplen Farmers iſt nach ihrem Vermoͤgenszuſtande und auch nach den verſchiedenen Grafſchaften verſchieden. Hin und wieder ſind ſie noch tolpiſch und vorur⸗ theilsvoll, und kennen auch in Anſehung ihres Gewerbes nichts, als was von Alters her bey ihnen gebraͤuchlich war. Im Durch⸗ ſchnitt aber ſind ſie aufgeklaͤrter uͤber ihr Gewerbe, als teutſche Landwirthe, ſelbſt Guts⸗ beſitzer, große Paͤchter und Verwalter nicht ausgenommen. Sie haben nicht nur dar⸗ uͤber geleſen, ſondern auch Reiſen durchs Koͤnigreich in landwirthſchaftlicher Hinſicht gemacht, und von beſſeren Methoden und Werkzeugen das mitgebracht, was ihnen nutzbar ſchien. Politik, Staatswirthſchaft und Staatsverfaſſung ſind der beſtaͤndige Gegenſtand ihrer Unterredungen, und ihnen ſehr gelaͤufig; ob ſie gleich von der aus⸗ waͤrtigen ſehr ſchiefe Begriffe haben. Sie haben vielen Patriotismus, auch Weltburger⸗ ſinn, wenn ihr Nationalſtolz damit nicht in Colliſion kommt. Dieſer allen Engländern eigene Characterzug aͤußert ſich bey den min— der Gebildeten auf eine ſo rauhe Weiſe, daß er Fremden unertraͤglich werden kann. Ihre Ihre Unterhaltung iſt einſylbig, aber ihre Aus⸗ druͤcke ſind kraftvoll, bedeutend und wahr. Den Ton der großen Welt, das unbedeutende Geſchwaͤtz— Hoͤflichkeit genannt—, was nur durch Feinheit des Ausdracks und Wit eine Weile ertraͤglich bleiben kann, wollen ſie nicht nachaͤffen. Der Gegenſtand ihrer Unterhaltung iſt immer ernſthaft und gemeinnuͤßig. Sie kom⸗ men auch nur in dieſer Ruͤckſicht zuſammen, enden aber gewoͤhnlich damit, daß ſie— ſich betrinken. Wer nur ein ſimpler Farmer ſeyn will, verrichtet vom Fruhſtuͤck bis zum Mittagseſſen, d. h. von7 bis 2 oder 3 Uhr, alle Arbeit mit, beſonders die mit Pferden und Ochſen. Dann kleidet er ſich aber um, ißt, ſiehet ſeine Leute und Vieh nach, trinkt Thee, ißt wieder Abend⸗ brot, und trinkt. Manche betrinken ſich leider! alle Abende in Bier und Rum. Gentlemen-Farmers, d. h. Eigenthuͤmer, die ihr Gut ſelbſt bewirthſchaften, oder reiche Pächter, unterſcheiden ſich äußerlich gleich da⸗ durch, daß ſie Bediente und Stallleute in Livree halten. Sie beſitzen ſehr viel wahre Humanitaͤt und Urbanitat, haben aber nicht das abgeſchlif⸗ fene Weſen, welches die franzöſiſchen Sitten unter den cultivirten Ständen ſonſt verbreitet haben, — — —„— 5c) — haben, ſehen ſich daher nicht alle ſo gleich, ſon⸗ dern haben mehr Hriginalitaͤt. Gewiſſe Arten von Luxus, z. B. gute Moͤbeln, Tiſchgeraͤth, Pferde, ſind bey ihnen allgemein. Auf feine Waͤſche, feinen Rock und Huth halten ſie ſehr; aber Mode hat bey ihnen weniger Einfluß. Selbſt das weibliche Geſchlecht haͤngt ihr weniger nach, und beobachtet auch im Betragen und Anzuge die Regeln der Sittſamkrit ſtrenger, als der Ton der Zeit es bey uns fordert. In Karten wird wenig geſpielt, aber Wetten und Verſuche beſchaͤftigen die Geſellſchaft, wenn Politik nicht mehr hinreicht, und das leidige Trinken. Ihre Ehre ſeten ſie in die Verbeſſe⸗ rung ihrer Landwirthſchaft. Was uͤbrigens hier vom Unterſchiede der Stände in England geſagt worden, bezieht ſich lediglich auf landwirthſchaftliche Verhaͤltniſſe. Denn ich bekenne gern meine L' wiſſenheit in Hinſicht auf engliſche Staatswiſſenſchaft. .*.*. 2 5 ₰ ₰ ———— ·—————— C 2.. ———— II. Pachtungen.⸗ (Zu Seite 21.) Wir wiſſen, daß die Landwirthſchaft in England hauptſächlich von Pächtern betrieben werde. Ich habe uber die engliſchen Pachtungen noch einige Bemerkungen zu machen, die mir nicht unwichtig ſcheinen. Wenn ein Eigenthuͤmer ſein Gut oder einen Theil deſſelben ſelbſt bewirthſchaftet, ſo haͤlt er ſich in dieſer Hinſicht fuͤr einen Paͤchter und nennt ſich ſo. Er berechnet immer das Pachtgeld als Ausgabe, und unterſcheidet die Einkuͤnfte, die er als Eigenthuͤmer hat, gänzlich von denen, die die das Gewerbe der Landwirthſchaft abwirft. Dieſe Methode hat ſehr viel Gutes, und beugt manchen Verwirrungen und Mißverſtaͤndiſſen vor. Der reine Ertrag, wovon die franzoͤſiſchen Oeconomiſten ſo viel ſprachen, oder der eigent⸗ liche Werth des Grund und Bodens, leuchtet hieraus deutlicher hervor, und unterſcheidet ſich 8 von den Einkuͤnften, welche der Fleiß, die Ta⸗ lente und das Gluͤck des Wirthſchafters heraus⸗ zuziehen vermoͤgen. Bey Kauf und Pacht kann weniger Trug und Ueberliſtung Statt finden. Man gehet den Handel nicht nach dem hoͤheren oder geringeren Ertrage, den das Gut bey einer beſſeren oder ſchlechteren Wirthſchaft gegeben hat, ein,— denn dies iſt eine Sache fuͤr ſich— ſondern nach dem eigentlichen Werth des Grund und Bodens; oder nach dem, was die franzo⸗ ſiſchen Oeconomiſten Produit net nannten. Ein abſurder Streit, wie der, was Landgüter eintruͤgen, ob zwey oder funfzehn Procent ihres 5 t Kaufgeldes, wie wir ihn in Deutſchland gehabt haben, kann da gar nicht vorfallen. Denn der Ertrag des landwirthſchaftlichen Gewerbes richtet ſich, unabhaͤngig von Grund und Boden, nach dem Kapitale, und nach der Geſchicklichkeit, womit es betrieben wird. So wenig der Kauf⸗ mann den Vortheil der in ſeinem Hauſe oder Waarenlager getriebenen Handlung dem Ge⸗ baͤude ſelbſt zu gut rechnen und dieſes danach an⸗ anſchlagen kann; ſo wenig kann es der Guts⸗ beſißer. Die Vermiſchung jener Begriffe hat manche Verwirrungen und wohl den Ruin man⸗ ches Paͤchters und Kaͤufers veranlaßt, u. uberdies der Verbeſſerung der Landwirthſchaft im Wege geſtanden. Wer wohlfeil gekauft oder gepach⸗ tet hat, kann bey einer ſchlechten Wirthſchaft ſich beſſer ſtehen, wie ein anderer, der theuer bezahlt hat, ob er gleich gut wirthſchaftet. Dies wird bekannt, und die Einfalt haͤlt nun die Wirthſchaft des erſteren fuͤr muſterhafter, als die des leßteren. Wie oft mag die⸗ ſes nicht die Fortpflanzung des elendeſten Schlendrians in ganzen Provinzen begänſtigt haben! Ich muß bey dieſer Gelegenheit eine Re⸗ densart der Englaͤnder erklären, deren ſie ſich beym Kauf der Landgüter gewoͤhnlich bedienen. Statt daß wir ſagen: ich habe zu 3, 4, 5 Pro⸗ cent gekauft, ſagen ſie: ich habe auf 33, 25. 20 Jahr purchase gekauft, d. h. ich erhalte mein Kapital durch die Pacht in ſo viel Jahren wieder. Der Verdienſt aber, welcher durch die Wirthſchaft darauf gemacht werden kann⸗ wird hier nicht in Anſchlag gebracht Eine —— Eine der wichtigſten Verſchiedenheiten der engliſchen Verpachtungsart von der gewoͤhnlichen deutſchen, beſtehet darin, daß kein Inventarium auf den Pachthoͤfen iſt. Zug⸗ und NutzVieh, Schiff und Geſchirr, Einſaat, kurz alles was beweglich iſt, gehoͤrt dem Paͤchter; er hat ſol⸗ ches mitgebracht, und nimmt es wieder mit ſich fort, wenn er abzieht. Wenn der neuantre⸗ tende Paͤchter von dem abgehenden etwas kaufen will, ſo machen ſie dies unter ſich aus, und den Gutsherrn geht es nichts an. Der abge⸗ hende Paͤchter bezieht mit ſeinem Vieh und Mobiliar einen andern Pachthof, oder ver⸗ kauft es in Auction; daher dieſe haͤufig vor⸗ fallen. Bey dieſer Einrichtung iſt der Abzugstermin ein wichtiger Umſtand. Es laͤßt ſich kein Zeit⸗ unct feſtſtellen, wo der alte und neue Pächter ſich voͤllig und auf einmal auseinander ſetzen konnten. Daher iſt dieſer Termin in einzelnen Grafſchaften und Diſtricten verſchieden. In einigen hat man Michaelis angenommen, haͤu⸗ figer und ſchicklicher aber Lichtmeſſen, Marien⸗ tag oder Maytag; alles nach dem alten Kalen⸗ der, alſo zwoͤlf Tage ſpäter, wie nach dem neuen. Die meiſten Stimmen ſind fuͤr alt Lichtmeſſen, und dieſer Termin iſt auch wuͤrklich der gebraͤuchlichſte. Der alte Paͤchter hinterlaͤßt um — 64— um dieſe Zeit nichts weiter als das Winterfeld. In den meiſten Fällen, wenigſtens bey kleineren Pachtungen, bleibt die Erndte ſein Eigenthum. Der neue Paͤchter erhaͤlt von jenem nur die Land⸗ pacht, erndtet das Getreide durch ſeine Leute ein, und läßt das Korn, nachdem es abgedro⸗ ſchen worden, zu Markte fahren. Dafür behaͤlt er das Stroh. An andern Orten nimmt der neue Pächter das Wintergetreide auf Johannis nach einer Taration an, und noch an andern bezahlt er dem abgehenden blos die Beſtellung und Einſaat, je nachdem die Pachtcontracte es beſtimmen, oder die Paͤchter es unter ſich aus⸗ machen. Das uͤbrig gebliebene Heu und Stroh des letzten Jahrs bezahlt der neue Paͤchter. Das ältere, ſo wie der Miſt, muß unentgeltlich zuruͤckgelaſſen werden. Iſt der Abzugstermin um Michaelis, ſo behaͤlt der abgehende Paͤchter die Scheuren und den Fiemenhof bis zur naͤch⸗ ſten Erndte inne, laͤßt ſein Korn abdreſchen, muß aber dem neuen Paͤchter das Stroh fur ein Beſtimmtes uͤberlaſſen. Der alte Pächter iſt verpflichtet, dem neuen Paͤchter eine beſtimmte Quantitaͤt Klee und Gras unter das Sommerkorn ausſäen und ſol⸗ ches gehoͤrig eineggen zu laſſen. Wo die Klee⸗ felder zwey Jahre benukt werden, iſt er ver⸗ pflichtet, eine beſtimmte Anzahl Aecker in zwey⸗ ——„— 5—„——— — 65— zweyjährigem Klee zu hinterlaſſen. Zuweilen iſt auch die Bedingung gemacht, daß er eine gewiſſe Anzahl Ruͤben⸗Felder gegen eine Ver⸗ gutung, entweder des Ertrages oder der Be⸗ ſtellungskoſten, hinterlaßt. Ich ubergehe manche andre Bedingungen, die ſich auf Localverhaͤltniſſe gruͤnden. Meines Erachtens hat dieſer Gebrauch große Vorzüge vor dem unſrigen. Wir haben entweder ein ſogenanntes eiſernes Inventa⸗ rium, welches dem Gutsherrn gehoͤrt, dem Paͤchter bey ſeinem Antritte uͤbergeben wird, und ohngefaͤhr in demſelben Zuſtande bey ſeinem Abgange von ihm wieder abgeliefert werden muß; oder der Paͤchter nimmt es nach einer Taration bey ſeinem neuen Antritte an, und übergiebt es dem Gutsherrn, bey ſeinem Abgange, nach einer abermaligen Taxation wieder; da es denn oft nach einer dritten Tara⸗ tion dem neuen Pächter erſt uͤbertragen wird. Wo es eiſern iſt, da iſt es wenigſtens von ſehr bruͤchigem Eiſen, und leidet mit jedem Pacht⸗Termin eine betraͤchtliche Abnußung. Dieſe Deterioration des mehrentheils ſchlechten Inventariums ſelbſt iſt aber noch der geringſte Schaden. Die Hauptſache iſt, daß die Cultur des Bodens mit jedem Pacht⸗Termin ſchlechter wird⸗ und Verbeſſerungen faſt gar nicht Statt finden. Wenn der neue Pächter in den erſten en Bds. 21e Abtheil. Jah⸗ . 6 3 —.————.———— ———— 66 Jahren etwas auf die Anſchaffung von Acker⸗ geraͤthen, die Verbeſſerung des Viehſtapels, die Vermehrung und beſſere Bearbeitung ſeiner Saaten verwendet; ſo wird er ſchon dafuͤr zu ſorgen wiſſen, daß er fruͤh genug alles wieder herausziehe, und daß gegen die Zeit ſeines Ab⸗ ganges, durch ſeine Schuld, nichts in beſſerem Zuſtande ſich befinde, als zu der Zeit, wie er die Pachtung antrat. Dieſe Methode ſchließt alſo geradezu alle Verbeſſerung der Wirthſchaft aus. Die andere Methode ſcheint in Ruͤckſicht auf die Cultur und Anſpornung des Paͤchters, alles in einem verbeſſerten Zuſtande zu ſeinem eigenen Vortheil zu hinterlaſſen, vorzuͤglicher zu ſeyn. Man muß aber nicht wiſſen, wie es bey Taxationen gewoͤhnlich hergehet, um dieſes zu glauben. Es iſt nichts poſſirlicher, oder nachdem es fällt, aͤrgerlicher, als die Ausſpruͤche der gewoͤhnlichen beeidigten Taxatoren zu horen. Was der eine zu zehn Thaler tarirt hat, tarirt der andre zu einem. Oft iſt die Partheylichkeit ſo auffallend, daß der eine Theil geradezu in die Hände der Pluͤnderer faͤllt. beſonders wenn er zu rechtſchafſen iſt, die von ihm ernannten Taxatoren vorher zu ſtimmen. Geſeßt aber auch, die Taxatoren ſind unpartheyiſch, ſo haben ſie doch nie einen Begriff von dem, was uͤber das Gewoͤhnliche ihrer Gegend iſt. Geſett, der gewoͤhnliche Preis einer Landkuh iſt iſt 13 Rthlr., ſo werden ſie viel zu thun glau⸗ ben, wenn ſie eine vorzuͤgliche Kuh, die fuͤr jeden Kenner 40 Rthlr. werth iſt, zu 20 taxi⸗ ren. Wenn der gewoͤhnliche Ertrag in einer Gegend das ſechſte Korn iſt, ſo hat keiner einen Begriff von der Saat, die das zwoͤlfte giebt, und ein Taxakor glaubt zur Ehre derſelben ein Uebriges gethan zu haben, wenn er ſie zum achten Korne anſchlaͤgt. Bey Geraͤthen haben ſie mehrentheils nur die beyden Categorien von Alt oder Neu; und ein Pflug, der keine Beſtel⸗ lungszeit mehr aushalten kann, und einer, der gerade nur gehoͤrig abgeſchliffen iſt, werden zu gleichem Preiſe taxirt. Daher kommt bey ſol— chen Taxationen eine gewaltige Menge wrack⸗ liches Zeug, welches von der ganzen Pachtzeit aufgehoben und wieder zuſammengeflicket wor⸗ den, und wenig Brauchbares zum Vorſchein. Wo moͤglich, ſucht der abgehende Paͤchter es ſo einzurichten, daß das Vieh gut bey Leibe, aber abgemolken, und kaum wieder begangen ſey, weil die Taratoren nur auf ſein aͤußeres Anſehen Ruͤckſicht nehmen. Im Durch⸗ ſchnitt ſind die Taxatoren gegen den Guts⸗ herrn und fuͤr den abgehenden und antre⸗ tenden Paͤchter geſtimmt, beſonders wenn er ihres Standes iſt, und ſie daher leicht zu gewinnen weiß, mit ihnen in Verkehr geſtan⸗ den hat oder wahrſcheinlich treten wird. 2 Meines Meines Erachtens hat alſo die Einrichtung der Engländer große Vorzuge fuͤr den Gutsbe⸗ ſitzer; ſie hat es aber auch fuͤr den Pächter, wenn er ein rechtlicher und betriebſamer Wirth iſt, und fuͤr das Ganze, weil die Cultur und Production des Bodens durch ein gutes Inven⸗ tarium ungemein gewinnet. Sie einzufuͤhren, wuͤrde wohl einige Schwierigkeiten, jedoch an den meiſten nicht ſo große haben, wie man ſich vorſtellet. Es iſt jetzt faſt allenthalben eine große Concurrenz von Paͤchtern. Derje⸗ nige, welcher den Willen und das Vermoͤgen hat, ſein eigenes Inventarium aufzubringen, iſt im Durchſchnitt zuverläſſiger, als der ſich hierauf nicht einlaſſen will. Der Gutsherr kann den Pachtzins betraͤchtlich herabſetzen, wenn er vom Inventarium loskommt. Denn er verliert bey dieſem nicht nur die Zinſen, ſon⸗ dern bey jedem Pacht⸗Termin ein Drittel oder gar die Haͤlfte des Capitals. Ueberdem erſpart er ſich ſo viele Weitlaͤuftigkeiten und Verdruß beym Abzuge und Abgange jedes Päͤchters; und iſt wegen des Pachtgeldes und wegen Scha⸗ denserſetzung geſichert. Es wuͤrde aber allerdings um ſo mehr noͤthig ſeyn, einige andere Pacht⸗Bedingungen, die in England nach Verſchiedenheit der Gegend und der Wirthſchaft gemacht werden, eben⸗ falls falls unter gehoͤrigen Modificationen nachzuah⸗ men; daher ich mich hierbey noch etwas auf⸗ halte. Zuweilen wird die Kopfzahl des Viehes beſtimmt, welches der Paͤchter halten ſoll. Dies iſt aber nicht ſehr gebraͤuchlich, die Spe⸗ culation ſehr einſchraͤnkend, und wohl mehren⸗ theils uͤberfluͤſſig, wenn es nur dem Pächter unter namhafter betraͤchtlicher Strafe unterſagt iſt, Heu und Stroh zu verkaufen oder vom Gute zu verfahren. Hierauf ſollte jeder Ver⸗ pachter, beſondre Localitaͤten ausgenommen, aufs ſtrengſte und aufmerkſamſte halten. Wird Heu und Stroh nur auf dem Hofe wirthſchaft— lich verfuttert, ſo erfolgt derſelbe Duͤnger, es moͤgen mehr oder weniger Koͤpfe vorhanden ſeyn. Nicht aber richtet ſich die Quantitaͤt des Duͤngers nach der Kopfzahl. Daß kein Miſt auſſerhalb des Guts verfahren werde, verſteht ſich von ſelbſt. Zuweilen wird dem Pächter ein beſtimmtes Haushalts⸗ oder Ackerſyſtem vorgeſchrieben. Wenn dies das anerkannt Beßte und dem Boden Angemeſſenſte iſt, ſo thut man wohl daran. Aber ſelten iſt dies, ſelbſt in England, der Fall, und noch ſeltener wird es gewiſſenhaft beobach⸗ tet. Der Paͤchter wird nur gar zu leicht indu⸗ cirt, — 3„ —— — cirt, davon heimlich, und dann wohl immer zum NRachtheil des Ackers, abzuweichen. Wo Weiden fuͤr Rindvieh oder Schafe den Haupt⸗ theil der Wirthſchaft ausmachen, da wird das Aufbrechen derſelben entweder voͤllig, oder doch nur bis auf einen ſehr geringen Theil unterſagt. In ſolchen Diſtrikten iſt Stroh und Winterfut⸗ terung ſehr ſelten und koſtbar. Wemn daher der Gutsbeſitzer den Aufbruch eines Theils der Weiden nach einer zweckmaͤßigen Ordnung und Vorſchrift erlaubte, ſo wuͤrde der Paͤchter oft das Doppelte zu bezahlen und dennoch mehr Vortheil zu machen im Stande ſeyn, ohne daß ſich das Weideland verſchlimmerte, wenn nur darauf gehalten wuͤrde, daß das aufgebrochene Land, nachdem es eine beſtimmte Reihe von Fruͤchten abgetragen, in guter Duͤngung, woran es ſolchen Gegenden nicht fehlt, und mit guten Saͤmereyen wieder zu Graſe eindreeſchte. Wuͤrk⸗ lich haben diejenigen Gutsbeſitzer, welche unter erforderlicher Aufſicht verſtändigen Paͤchtern jene Erlaubniß gaben, den Zuſtand ihrer Guͤter beträͤchtlich verbeſſert; wogegen ſich freylich andre, die es ohne Einſicht und Aufmerkſamkeit, um nur höheres Pachtgeld zu erhalten, erlaub⸗ ten, ſehr geſchadet haben. Das Veyſpiel der letzteren hat denn alle, die den Unterſchied nicht kennen, abgeſchreckt. Wo das Norfolker oder ein dieſem aͤhnliches Ackerſyſtem eingefuhrt iſt⸗ da — 71— da hält man ſtrenge darauf, daß der Acker nur ein Jahr ums andre Korn, oder doch in einem Umlaufe nur zur Haͤlfte Korn, zur Haͤlfte aber Viehfutterung trage. Ein beſtimmter Theil des Ackers muß mit Klee und Gras, ein ande⸗ rer mit Ruͤben, Kartoffeln, Kohl und derglei⸗ chen Futtergewaͤchſen beſtellet werden. In Anſehung der Ausbeſſerung der Ge⸗ bäude und Befriedigungen uͤbernimmt der Eigenthuͤmer die Anſchaffung der Materialien, der Paͤchter aber gewoͤhnlich die Fuhren; auch das Arbeitslohn, zuweilen ganz, zuweilen zur Haͤlfte. Dieſe Einrichtung hat gewiß ſehr große Vortheile, weil der Eigenthuͤmer nun ſicherer ſeyn kann, daß der Paͤchter kleine Be⸗ ſchäͤdigungen, die wie ein Krebs um ſich greifen, wenn ſie vernachlaͤſſiget werden, fruͤh anzeigen und ausbeſſern werde. Da er das Arbeitslohn ganz oder zur Haͤlfte tragen muß, ſo hat er ein wachſames Auge auf die Arbeiter, und behan⸗ delt mit ihnen die Arbeit aufs genaueſte, wel⸗ ches der Gutsherr nicht ſo gut wuͤrde thun koͤnnen. Er vermeidet auch alle Beſchaͤdigun⸗ gen und was ſonſt den Gebaͤuden nachtheilig werden koͤnnte, mit Sorgfalt. Das Pachtgeld wird üͤbrigens nach dem Flaͤchen⸗Inhalt und der Güte des Bodens an⸗ geſchlagen. Der Acker gilt etwas Beſtimmtes. Wo der Boden von verſchiedener Güte iſt, da wird die Pacht, welche jedes Feld giebt, ge⸗ woͤhnlich beſonders beſtimmt; zuweilen wird es im Durchſchnitt genommen. Mehrentheils ſind aber die Pachthoͤfe ſo gelegt, daß ſie gleiches Land haben. Hieraus ergiebt ſich denn die Pacht⸗Summe. Einzelne Verpachtung gewiſſer Stücke findet in der Regel nicht Statt; auch darf der Pächter nichts verafterpachten, ſondern, was zum Hofe gehört, muß zuſammen bleiben und zuſammen bewirthſchaftet werden. Es wuͤrde keinem Paͤchter erlaubt ſeyn, ſtatt des Lohns land auszugeben, um z. B. Flachs dar⸗ auf zu bauen; weil hieraus eine Schmaͤlerung des Duͤngers erwuͤchſe. So iſt auch der Bau der Handelsgewaͤchfe nur in gewiſſen Gegenden erlaubt. Hof und Gebaͤude werden zwar nicht directe in Anſchlag gebracht, aber Ruͤck⸗ ſicht wird allerdings vom Pächter darauf genommen. Auf einem gut bebaueten Hofe wird der Acker leicht um einen Schilling theurer be⸗ zahlt, als auf einem, der alte, verfallene, unbe⸗ queme Gebaͤude hat. Ueber Ueber die verſchiebene Verpachtungsart in Räckſicht der Pachtzeit muß ich mich noch etwas deutlicher erklaͤren, als ich es S. 22 u. f. der Einleitung gethan habe. Es giebt naͤmlich in England 1) Pachtungen auf Willkühr(at will); 2) Pachtungen auf beſtimmte Termine (eases); 3) Pachtungen auf eines, auch auf zwey oder dreyer Menſchen Lebenszeit(at life). 1) Bey Pachtungen auf Willkühr kann der Gutsherr dem Pächter, nach ſechsmo⸗ natlicher Kuͤndigung, zu jeder Zeit und ohne weitere Gruͤnde anzugeben, ſagen: Zieh ab! Und der Pächter kann auf eben die Art abgehen, wann er will. Folglich kann auch der Eigen⸗ thuͤmer zu jeder Zeit die Pacht erhoͤhen, und der Paͤchter muß ſie bezahlen, wenn er bleiben will. Dieſe Einrichtung iſt in England noch immer die gemeinſte, und in einigen Grafſchaften machen ordentliche Contracte nur eine Aus⸗ nahme von der Regel. Es ſcheint uns beynahe unbegreiflich, wie ſich der Ackerbau dabey zu einiger Hoͤhe heben, wie er ſich darauf erhalten konnte. 74 konnte. Man ſollte glauben, jeder Gedanke an Verbeſſerungen, deren Fruͤchte ſich erſt nach Verlauf von mehreren Jahren erndten laſſen— und was iſt Ackerbau ohne dieſe?— müſſe dadurch unterdruͤckt worden ſeyn. Dennoch iſt die Sache, bis anf die neueſte Zeit, noch beſſer gegangen, als man erwarten durfte. Ohne Zweifel ſtammt dieſe Einrichtung noch aus jenen finſtern Zeiten her, wo man den Ackerbau als ein ſclaviſches, kunſtloſes Gewerbe betrachtete, und es unter der Wuͤrde eines Ritters hielt, mit einem Bauern einen foͤrmlichen Contract zu ſchließen, und ihn, wenn er deſſen Bedingungen erfuͤllete, frey und unab⸗ haͤngig auf ſeinen Guͤtern zu ſehen. Wenn ſich dieſes Vorurtheil in England gleich fruͤher wie anderswo verlor, und man daſelbſt laͤngſt mit Cicero den Ackerbau fur das beßte, reizendſte und eines freyen Mannes wuͤrdigſte Gewerbe pielt(omnium rerum, ex quibus aliquid acquiritur, nihil est agricultura melius, nihil dulcius, nihil uberius, nihil ho- mine libero dignius): ſo iſt es doch haupt⸗ ſächlich wohl noch der Stolz der Großen und reichen Gutsherren, der dieſe widerſinnige Ein⸗ richtung bisher aufrecht erhalten hat. Von Jugend auf gewohnt, eine gewiſſe Unterwuͤrfigkeit, ein — ein reſpeetvolles Betragen und unbedingten Ge⸗ horſam von ihren Farmers zu verlangen, haben ſie dieſen bisher den hoͤheren Ertrag und die täglich ſteigende Verbeſſerung ihrer Guͤter aufgeopfert. In verſchiedenen Gegenden Englands ubertrifft die freywillige Unterthaͤnigkeit der Pächter, dem Anſcheine nach, alles, was wir in Deutſchland von pflichtiger Unterthaͤnigkeit kennen. Der Paͤchter, der eine gute Pachtung hat, befolgt nicht nur die Befehle ſeines Gutsherrn und deſ⸗ ſen Intendanten aufs puͤnktlichſte, ſondern bemuͤhet ſich, allen ſeinen Wuͤnſchen zuvorzu⸗ kommen, erweiſt ihm alle moͤgliche Ehrenbe⸗ zeigungen, bedankt ſich tief fuͤr die Ehre, wenn der Haſe voran und der Herr mit ein paar Dutzend Reutern und Hunden hinterdrein durch ſeine Felder ſprengt; futtert des Derrn Hunde, hegt und pflegt ſein Wild; kurz, kein deut⸗ ſcher Erb- Lehn- und Gerichtsherr kann das von ſeinen leibeigenen Unterthanen erwarten, was ein engliſcher Country⸗Squire von ſeinem Pächter auf Willkuͤhr hat. Dagegen lebten denn auch die Pächter, die ſich ordentlich und gehorſam betrugen, vor eini⸗ ger Zeit noch, in der vollkommenſten Sicherheit, ihre Pachtung zum alten Preiſe nicht nur lebens⸗ lang zu behalten, ſondern ſie auch auf ihre Soͤhne und Schwiegerſoͤhne oder Verwandte ver⸗ vererben zu können. Sie waren ſogar der Einwilligung ihrer Gutsherren verſichert, wenn ſie ihre Pachtung einem Fremden, bey dem nichts Beſonderes zu erinnern war, fuͤr Geld abtreten wollten. Sie machten jede Verbeſſe⸗ rung, die ihnen zweckmaͤßig ſchien, in der ſichern Hoffnung, daß ſie ſich nach Jahren be⸗ zahlen wurde, und errichteten oft ganz auf ihre Koſten neue Wohnhaͤuſer und Haushaltsgebaͤude. Sie ſtanden effective in demſelben Verhält⸗ niſſe, wie bey uns die Erbmeyer; nur erkann⸗ ten ſie ſich abhaͤngiger. Dieſes Verhaͤltniß hatte in der That viel Anziehendes fuͤr den Gutsherrn und den Paͤch⸗ ter; und es gab eine Zeit, wo es der Aufnahme des Ackerbaues minder nachtheilig war, wie die Zeitpacht. Weil der Paͤchter ſeinen Pacht⸗ hof fur ſich und die Seinigen beſtändig zu be⸗ halten hoffte, ſo wandte er auf die Verbeſſerung des Bodens, was er konnte, und vermied ſorg⸗ faͤltig jede Erſchoͤpfung deſſelben. Wenn auch das geringe Pachtgeld Einige zur Vernaͤchlaͤſſi⸗ gung ihres Ackerbaus veranlaßte, indem ſie doch bey einer ſchloddrigen Wirthſchaft in Wohl⸗ ſtand gekommen waren; ſo gab es doch Andern mehr Anreiz, durch Verbeſſeru ihres Haus⸗ halts ihr Vermoͤgen betraͤchtlich zu vermehren. Auch hatten Gutsherren, welche ſich ſelbſt um den —— —— S— —— den Ackerbau bekuͤmmerten, es mehr in ihrer Macht, ihre Pächter zu beſſern Landwirthen zu machen. Allein, ſeit einiger Zeit hat ſich dieſes alles ſehr verändert. Der alte Geiſt der Ritterſchaft, der den Druck des Feudal-Syſtems ſo ſehr mil⸗ derte, und gegen die Unterthanen ſich haͤufig mit einem patriarchaliſchen Sinn verknuͤpfte, wich in England, vielleicht mehr wie irgendwo, dem Handelsgeiſte und einem oft unerſaͤttlichen Triebe, ſeine Einkuͤnfte zu vermehren. In der That war auch der Werth des Geldes ſo ſehr gefallen, daß der alte Pachtzins auſſer allem Verhältniſſe kam; die Taxen und Abga⸗ ben vermehrten ſich mit jedem Tage, und die Gutsherren konnten mit den Revenuͤen ihrer Väter nicht mehr ſtandesmaͤßig leben. Daher ward das Pachtgeld, von einigen zwar mit großer Billigkeit und Vorſicht, von andern aber, wenigſtens mit anſcheinender Haͤrte und Uebereilung, erhoͤhet; und wer es nicht bezahlen wollte, mußte weichen, und einem Frem⸗ den Platz machen. Nun fingen die Pächter auf Willkuͤhr an, das Unſichere ihrer Lage lebhaft zu fühlen⸗ Selbſt die, welche keine Urſache hatten, ſich uber eine hochſt billige Erhöhung ihres Pacht⸗ geldes 76 geldes zu beſchweren, waren doch, der Zukunft wegen, unruhig. Auf eine Steigerung kann die zweyte und dritte bald nachfolgen; und wenn der alte Herr noch billig denkt, was wird der Erbe thun, der ſo locker in London lebt! Ich habe meinen Farm verbeſſert, dachten die mei⸗ ſten, das iſt dem Herrn, das iſt andern Päch⸗ tern aufgefallen, die mich nun verdraͤngen wolen. Ich habe ihn ja ſonſt nicht beleidigt! Das erhöhete Pachtgeld muß und kann ich dies⸗ mal wohl bezahlen, aber ich will mich wohl huten, meinen Voden ferner zu verbeſſern, will lieber herausziehen, was ich kann, und wenig darauf wenden, damit Andern die Luſt dazu vergehe. Mein Wohlſtand iſt vielleicht zu merklich geworden; ich will ihn ſchon verbergen, will jammern und klagen, um Aufſchub der Zahlungstermine bitten, ſchlechteres Vieh⸗, ſchlechteres Geſchirr halten, will oͤffentlich keine Gaſtfreundſchaft mehr uͤben, ſondern lieber mit meinen Cameraden, denen es eben ſo geht, ganz insgeheim zechen; will weniger Almoſen geben, und Andern weniger Gutes thun. So muͤßte bey dieſer Einrichtung, die nur auf alte Zeiten paßt, nach dem naturlichen Laufe der Dinge, in unſern JTagen der Ackerbau lei⸗ den, und der moraliſche Character der Farmer verdorben werden. Dies ſieht jeder Verſtaͤndige zum 79 tzum Voraus ein, aber auch der Augenſchein n lehrt es, da in allen den Gegenden, wo es nur 6 Paͤchter auf Willkuhr giebt, der Ackerbau jetzt weit ſchlechter betrieben wird, als in denen, wo man zur Zeitpacht uͤbergegangen iſt. Einſtim⸗ i mig ſetzen die Einſichtsvolleren dies unter die Haupthinderniſſe, welche die Aufnahme des Ackerbaues in den neuern Zeiten verhindert, ja ſelbſt heruntergeſeßt und den Mangel ſo haͤufig veranlaßt haben. Denn noch immer ſteht der bey weiten groͤßere Theil der engliſchen Pächter l auf Willkuhr. . Die Urſache, warum man dieſe Einrichtung u noch nicht mehr abgeaͤndert und in Zeitpacht verwandelt hat, liegt theils im Stolze der vor⸗ nehmeren Engländer. Sie wollen auf ihren Gtern jene Unterwuͤrfigkeit ihrer Pächter nicht e vermiſſen, und dieſe finden ſie bey Zeitpaͤchtern, 1 t die ihnen gut und ordentlich bezahlen, nicht. , Hier iſt Euer Pachtgeld, ſagen dieſe, und wir ſind Herren auf unſerm Hofe. Findet ſich ein Zeitpächter von ſeinem Pachtherrn gekraͤnkt, ſo haͤngt er ihm einen Proceß an. Theils aber t kennen ſie ihre Guͤter und die Landwirthſchaft. zu wenig, wiſſen die Pachtcontracte nicht einzu⸗ 3 richten, und beſorgen, daß ein Zeitpächter den Boden ausſauge. Das Verlangen nach Pach⸗ tungen auf Termine(Ieases) iſt für jeßt ſehr ð — 80— ſehr groß, und alle gute Wirthe, die das Prä⸗ caire ihrer Lage, als Willkuͤhr⸗Pächter, fuͤhlen, bieten hohes Pachtgeld. Die gegrundetſten Bedenklichkeiten, welche viele Gutsbeſitzer bey 2) Pachtungen auf feſtgefetzte Termine(leases) haben, beſtehen darin, daß der Paͤchter bey kuͤrzern Terminen von 7 Jahren nichts zur reellen Verbeſſerung des Guts thun, es vielmehr, wenn es ſein Vortheil auf dieſe Zeit mit ſich bringt, deterioriren werde. Es laͤßt ſich auch von einem intereſſirten Paͤchter, der nicht ſicher iſt, ſeinen Pachtcontract erneuert zu erhalten, kaum etwas anderes er⸗ warten, wenn er freye Haͤnde hat. Bey Guͤ⸗ tern, die einmal in gehoͤrige Schlagordnung gebracht, wo die beßtmoͤgliche Wirthſchaftsart eingefuͤhrt worden, z. V. im groͤßten Theile von Norfolk, hat dies keine Gefahr, weil der Pach⸗ ter dabey bleiben muß, oder kleine Abweichun⸗ gen ihm leicht vorgeſchrieben werden koͤnnen⸗ In dieſer Ordnung ſind aber Guͤter, die bisher auf Willkuͤhr verpachtet waren, nicht; ſie ſind nach den Ideen des Paͤchters bald mehr, bald minder gut bewirthſchaftet worden. Bey dieſen irregulairen Wirthſchaften hält es ſchwer, dem Pächter eine zweckmäßigere Einrichtung, wobey der Voden das Seinige hervorbringen, aber hu nicht e——.— —— —„— — — 81— nicht deteriorirt werden kann, vorzuſchreiben, und noch ſchwerer, auf die Erfuͤllung dieſer Vor⸗ ſchrift zu halten. Es iſt im Durchſchnitt die Regel, das Aufbrechen des Weideangers und der Wieſen zu unterſagen. Aber, wie oft konnte dies mit Vortheil geſchehen, wenn ſie mit Moos uͤberzogen oder wegen waſſergalliger Stellen mit Seggen uͤberwachſen ſind, und, ſtatt derſelben, eine trockene unfruchtbare Koppel am Berge in Esparcette gelegt wuͤrde! Der Anbau eines reichlichen Viehfutters muß das Weſentliche aller Pachtbedingungen ſeyn. Wenn der Paͤchter, um dieſes zu benutzen, Vieh genug halten muß— denn, daß er davon nichts verkaufen duͤrfe, verſteht ſich von ſelbſt—, ſo bleibt der Boden gewiß in Kraft. Daß er gehörig beackert werde und nicht verwildere, kann man ziemlich ſeiner eigenen Sorge uͤber⸗ laſſen, wenn er ſeinen eigenen Vortheil verſteht. Wie er aber das Viehfutter gewinnen, und von welcher Art es ſeyn ſolle, iſt bey ſolchen irre⸗ gulairen Wirthſchaften ſchwer vorzuſchreiben; wenigſtens verſtehen es wohl die meiſten Guts⸗ beſitzer nicht. Wahre, daurende Verbeſſerun⸗ gen, Abwäſſerungen, Mergeln, Falchen, ſind von ſolchen Päͤchtern am wenigſten zu erwarten, da ſie die Fruͤchte davon einzuerndten nicht ſicher ſind, vielmehr um deſto eher beſorgen muͤſſen, daß man ihnen, ohne erhöhetes Pacht⸗ Bbs. ate Abthelſ. F geld, W.* ² 2 ———..———.——. — „ — —,.— — 82— geld, keinen neuen Termin zugeſtehen werde, je beſſer der Boden im Stande iſt. Daher haben die Güter bey den meiſten kurzen Zeit⸗ pachten mehr verlohren, als vormals bey den willküͤhrlichen Pachten, und dies ſchreckt man⸗ chen Gutsbeſitzer davon ab. Längere Zeitpachten ſetzt man gewoͤhnlich auf neunzehn oder ein und zwanzig Jahre. Bey ſolchen Terminen kann ein guter Pachter ſchon auf Verbeſſerungen etwas verwenden, und die meiſten wuͤnſchen ſolche zu erhalten. Ohne allen Zweifel ſind ſie nicht nur fuͤr ihn, ſondern auch fuͤr den Staat und fuͤr das Grundeigen⸗ thum am vortheilhafteſten. Aber die Guts⸗ beſitzer entſchlieſſen ſich hierzu noch ſeltener. Eines Theils iſt der Pachtzins in den neueſten Zeiten, im Verhältniß mit allem, ſchneller wie je geſtiegen, und man hat alſo bereuet, zu wohl⸗ feil auf ſo lange Zeit verpachtet zu haben; an⸗ dern Theils glaubt man doch auch hierbey eine Deterioration der Guͤter in den Haͤnden der beßten Pächter zu bemerken. Wenn ein guter Pächter auf laͤngeren Termin ein Gut antritt, ſo wird er ohne Zweifel in den erſten Jahren auf Verbeſſerung des Ackers alle Aufmerkſamkeit wenden. Er wird ſich in Futtervorrath ſeßen, den Viehſtapel vermehren und verbeſſern, um reichlich durchduͤngen zu koͤnnen, wenn er auch einen einen oder den andern Getreideſchlag daruͤber aufopferte. Um die Mitte der Pochtzeit wird der Eſſect hiervon am auffallendſten werden, die Erndten am ſtaͤrkſten ſeyn. So wie aber das Ende des Pacht⸗Termins herannahet, wird der Paͤchter das wieder herauszuholen ſuchen, was er im Anfange zugeſetzt hat. Er wird weniger Futterkräuter bauen, weniger Vieh halten, weniger duͤngen; dagegen mehr Ge⸗ treide ausſaͤen. In den letzten Jahren werden die Saaten, gegen die in den mittlern, betraͤcht⸗ lich zuruͤckſtehen; und da man nur dieſe, nicht den Anfang des Pacht⸗Termins, vor Augen hat, ſo wird man ſich uͤber Deterioration beklagen, ohne Urſache dazu zu haben. Ich habe noch vor 5 Jahren geſehen, was mein Boden zu leiſten im Stande iſt, wird der Grundherr ſagenz aber der Pächter hat ihn mir ausgeſogen. Dies ſchreckt denn andere von ſolchen langen Pacht⸗Terminen— ab. Indeſſen bleibt es gewiß, daß jede Pachtung ihre Maͤngel habe, und daß kein Zeitpächter den Boden in dem Stande erhalten koͤnne, wie derjenige, dem der Beſitz deſſelben auf immer geſichert iſt; daß folglich der Ackerban und die Production im Allgemeinen bey allen Verpachtungen verliere. F 2 Man Man hat in England, wo der bey weitem groͤßte Theil des Ackerbaues von Paͤchtern betrie⸗ ben wird, ſehr viel daruͤber nachgedacht, dieſes Uebel zu heben, und durch gewiſſe Einrichtungen des Pacht⸗Contracts den Paͤchter zur moͤglichſt⸗ zweckmaͤßigen Anſtrengung zu vermoͤgen, und den Verpachter hinwiederum zu ſichern; oder, mit andern Worten, eine ſolche Betreibung der Wirthſchaft vorzuſchreiben, wobey der Boden den moͤglichſt-höchſten Ertrag abwerfen kann, ohne erſchoͤpft zu werden, folglich den Vortheil des Pächters, des Verpachters und des Staats— der bey der Vermehrung der Production ſo groſ⸗ ſes Intereſſe hat— zu vereinigen. Allein, unter allen Vorſchlaͤgen iſt keiner, der mir gefaͤllt. Einſichtsvollere ſind ziemlich uͤberein⸗ ſtimmend der Meynung, daß alle zu puͤnkt⸗ liche Vorſchriften in den Pacht⸗Contracten nichts taugen; daß ſie nur die Tendenz haben, jede Bewirthſchaftung, die beſſer als die vorgeſchrie⸗ bene iſt, zu verhindern, ohne eine ſchlechtere verhüten zu köͤnnen. Ohne die dem Paͤchter und Verpachter gleich läſtige Aufſicht in An⸗ ſchlag zu bringen, findet erſterer tauſend Mit⸗ tel, die Vorſchriften zu eludiren, und ſeine Abweichungen zu bemaͤnteln. Ueberdas haben ſie füͤr das Ganze das Ueble, daß ſie unterneh⸗ mende und ſpeculirende Koͤpfe, die obenein ein Kapital in Händen haben, von der Land⸗ wirthſchaft wirthſchaft zuruͤckſchrecken. Ein ſolcher wird ſich denn lieber jedem andern Fache, worin er fuͤr ſeine Talente, ſeine Thaͤtigkeit und ſein Vermoͤgen freyeren Spielraum hat, widmen, als der Landwirthſchaft, die, bey ſo poſitiven Vorſchriften, zum ſklaviſchen Handwerke wieder herabgewuͤrdigt wird. Es werden dann nur träge, einfaͤltige und unvermoͤgende Leute zu dieſem fuͤr den Staat ſo wichtigen Gewerbe übrig bleiben. Es kommt bey Verpachtungen meines Er⸗ meſſens darauf an, dem Paͤchter die Sicherheit zu geben, daß er nicht muthwillig, und nicht ohne Erſa ſeiner beſchafften ausdauernden Ver⸗ beſſerungen, aus ſeiner Pachtung herausgeſetzt werden könne, um ihn zu bewegen, alles anzu⸗ wenden, was zur Verbeſſerung des Guts in ſeinem Vermoͤgen ſteht. Auf der andern Seite muß aber auch der Verpachter geſichert ſeyn, nicht nur das Pachtgeld nach Ver⸗ hältniß des ſteigenden Werths der Producte erhoͤhet zu ſehen, ſondern obendrein ſeinen Antheil an der Verbeſſerung des Gutes er⸗ halten. Folgender Vorſchlag zur Vereinigung dieſer Zwecke ſcheint mir eine genauere Prä⸗ fung zu verdienen. Na ch⸗ —————————— —.———— * * — 2— Nachdem das Pachtgeld zwiſchen Paͤchter und Verpachter auf die nächſten zwoͤlf Jahre ausgemittelt worden, ſo beſtimme man das Verhaͤltniß, worin dieſes mit den Kornpreiſen der letzt verfloſſenen zwoͤlf Jahre ſtehet. Dann werde feſtgeſetzt, daß der Paͤchter nach Verlauf dieſes erſten Termins ſeine Pachtung behalten ſolle, wenn er das Pachtgeld einen zweyten gleichen Termin hindurch, nach Verhaͤltniß des Durchſchnitts⸗Preiſes des Getreides im erſten Termin, mit einer Erhöhung von 5 p. C. bezahlen will. Das erſte Pacht⸗ quantum habe z. B. 1000 Rthlr. betragen, und der rajährige Durchſchnitts⸗Preis des Getreides ſey 1 Rthlr. geweſen. Wenn nun der Durchſchnitts-Preis des Getreides waͤhrend des erſten Termins auf 1 ½ Rchlr. geſtiegen iſt, ſo bezahlte der Pächter fuͤr den nächſten Termin jährlich 1166 ½ Rthlr. und 5 p. C. mehr, folglich 1225 Rthlr. Will der Paͤchter nicht bleiben, ſo ſteht es ihm frey, ein Jahr vor Ablauf dieſes Termins zu kuͤndigen. Will der Gutsbe⸗ ſißer hingegen kuͤndigen, ſo kann er es vierzehn Tage ſpaͤter, als es vom Paͤchter hätte geſchehen mäſſen, thun; muß dann aber dem Pächter noch ein dreyzehntes Jahr, und dieſes völlig pachtfrey, laſſen. Findet ſich der Paͤchter hierdurch nicht be⸗ wogen, wogen, abzuziehen, das Gut vielmehr unter ſeiner Bewirthſchaftung ſo verbeſſert, daß er das Freyjahr nicht annehmen, vielmehr noch pohere Pacht bezahlen will, ſo bietet er noch beſtimmte Procente, z. B. 5 vom Hundert mehr. Will der Verpachter dieſen Both, ſammt Entſagung des Freyjahrs, nicht annehmen, ſo iſt er ſchuldig, dem Pächter auch das mehr gebothene Pachtgeld auf 12 Jahre zu bezahlen. Vey Ablauf des zweyten Termins treten dieſelben Be⸗ dingungen ein, und ſo fort bey allen fol⸗ genden. Der Paͤchter iſt hierdurch ziemlich ge⸗ ſichert, daß ihn die Pachtung nicht nach Laune gekuͤndiget werden koͤnne, und daß er auf jedem Fall die bewuͤrkten Verbeſſerun⸗ gen bezahlt erhalte. Je mehr er beſorgen muß, daß ihm die Pacht gekuͤndiget werde, deſto beſſer wird er das Gut zu Ende des Termins im Stande halten, weil er den Pachter aufbieten und ihn zu ſtaͤrkerem Schadens⸗Erſatz verpflichten könne. Der Verpachter iſt nicht nur ſicher, daß ſein Pachtzins mit den Preiſen der Fruͤchte in gleichem Verhaͤltniſſe ſteige, ſondern, daß er ſich uberdies von 12 zu 12 Jahren mit 5 p. C. zum mindeſten erhoͤhe, und oben⸗ ein — —.——— E= ein ſein Voden ſich viel verbeſſere. Findet er es ſeinem Intereſſe dennoch angemeſſener, das Gut zuruͤckzunehmen, ſo kann er es gegen eine proportionirte Schadloshaltung des Pach⸗ ters nach Ablauf jedes Termins thun. Bey ſolchen Bedingungen wuͤrden ſich ohne Zweifel rechtliche Pächter einfinden, die mehr auf wahre Verbeſſerung als auf Aushungerung hinarbeiten. Nur muͤßte man freylich, nach der jeßt beliebten Art, es nicht aufs Meiſtgeboth ankommen laſſen. Denn dabey kann man, zumal in den jetzigen Zeiten, ziemlich gewiß ſeyn, entweder einen unverſtändigen oder einen aufs Ausſaugen abzweckenden Pächter zu erhal⸗ ten. Der Schaden, den beyde thun, wird durch den hoͤheren Pachtzins nicht erſetzt. Vor allem iſt wohl bey landesherrlichen Domainen dahin zu ſehen, daß man rechtliche Paͤchter durch liberale und fur die Folge ſichernde Bedingungen herbeyziehe. Der Fuͤrſt kann ſich nicht als bloßer Gutsbeſitzer, er muß ſich als Landesherr betrachten, und den Vortheil, wel⸗ cher dem Staate aus einer guten Bewirthſchaf⸗ tung der Domainen und vermehrter Production erwaͤchſt, vor allem in Anſchlag bringen. Denn, auf vermehrte Production des Ackers beruhet Bevoͤlkerung, Manufacturen, Handel, Wohl⸗ Wohlfahrt der Einzelnen, und die ganze Stärke des Staats. Domainen ſollten immer Muſter guter Bewirthſchaftung ſeyn— oft ſind ſie nur abſchreckende Beyſpiele. Eine hoͤchſt nach⸗ theilige Einrichtung iſt es, große Domainen meiſtbietend General⸗Paͤchtern zu uͤberlaſſen; und die Erlaubniß, ſie nach Gefallen wieder einzeln zu verpachten, iſt eine Einrichtung, die nur der Vorbote eines Staats⸗Banquerotts ſeyn kann. Der Vortheil, welcher denen zu gut kommen ſollte, die ſich durch einen guten Betrieb des Ackerbaues um den Staat verdient machen, faͤllt hier in die Hände der Vampyren der Ration; der Ackerbau aber hungert, und mit ihm alles. Doch, welcher Fuͤrſt, welche Cammer, wird noch einen ſolchen Gedanken begen?— Wir gehen wieder zu den Englaͤn⸗ dern uͤber! Ihre directe Verpachtungsart iſt auf einer oder mehrerer Perſonen Lebenszeit (at life). Sie findet hauptſaͤchlich nur auf Guͤtern der hohen Geiſtlichkeit Statt. Es iſt natuͤrlich, daß dieſe Herren die Vortheile einer Leibzucht, deren Annehmlichkeit ſie aus Erfah⸗ rung kennen, auch ihren beguͤnſtigten Paͤchtern angedeihen laſſen. Vielleicht wird auch fuͤr den erſten Antritt einer ſolchen Pacht erklecklich bezahlt. Ein erblicher Gutsherr wird ſie hoͤch⸗ ſtens nur in dem Falle gewähren, wenn er ſeinen ſeinen Pächtern perſoͤnlich ſehr zugethan iſt, oder ſie fuͤr geleiſtete Dienſte belohnen will. Der Pachtzins iſt dabey allemal hoͤchſt billig angeſetßt. Man findet aber faſt allgemein, daß die Wirthſchaft in ſolchen Diſtricten, wo es viele Paͤchter auf Lebenszeit giebt, hoͤchſt elend ſey. Es koͤnnen keine neue Einrichtungen, keine Gemeinheits⸗Aufhebungen vorgenommen werden, weil ein oder anderer lebenslänglicher Paͤchter dagegen proteſtirt. IV. Vorzuͤge der groͤßeren oder kleineren Wirthſchaften, in Juͤckſicht auf das Ganze. (Zu Seite 26.) Der Streit, ob groͤßere oder kleinere Pachtun⸗ gen fuͤr die National⸗Wohlfahrt im Ganzen zutraͤglicher ſeyen, iſt neuerlichſt wieder in Eng⸗ land ſehr lebhaft betrieben worden; und man hat abermals im Parlemente eine Bill, um die Zuſammenziehungen mehrerer kleinen Pachtun⸗ gen in eine große zu verhindern, und die ſchon geſchehenen wieder zu trennen, in Vorſchlag gebracht. Die Korntheurung gab dazu wie⸗ der die Veranlaſſung. Ob ſichs nun gleich bald ** —.—————————— — „ —.— . ₰ — 92 2 bald erweiſen ließ, daß der Vorwurf, als wären die großen Pächter die Urheber der Korn⸗ theurung, nur der Nachhall ſtaatswirthſchaft⸗ licher Reden in Thee⸗ und Tabagie⸗Geſellſchaf⸗ ten ſey, und jener Vorſchlag alſo, aus den bereits angefuͤhrten Gruͤnden, keinen Eingang fand; man vielmehr einſah, daß die Korn⸗ ſcheuren und Fimmen großer und vermoͤgender Landwirthe noch das einzige Magazin der Ration waͤren, nachdem die Erndten kleinerer Wirthe längſt verzehrt waren— ſo ſind doch bey dieſer Gelegenheit die Vorzuge der großen und kleinen Wirthſchaften heller ins Licht geſtellet worden. Da dieſe Frage auch bey uns mehr⸗ mals aufgeworfen iſt, und bey ihrer Unterſu⸗ chung ſich manches ergiebt, was den Landwirth nicht minder, wie den Geſetzgeber intereſſirt; ſo will ich das, was fuͤr die kleinen und fuͤr die großen Wirthſchaften geſagt worden, oder mei⸗ nes Ermeſſens geſagt werden koͤnnte, hier kurz anführen. Wenn hier aber die Rede von großen Wirth⸗ ſchaften iſt, ſo verſteht man darunter nicht Guͤter von fuͤnf und mehreren Tauſend Morgen Acker⸗ land, ſondern etwa von fuͤnf hundert bis tauſend engliſchen Aeckern cultivirten Landes, weil gröſ⸗ ſere in England ganz ungewoͤhnlich ſind;z unter kleinern aber ſolche, die 20 bis 80 Aecker haben. baben. Unter jenen kann man ſich alſo maͤßige Guts⸗ oder Amts⸗Wirthſchaften, unter dieſen — Bauer⸗Wirthſchaften denken. Fuͤr die kleinen Wirthſchaften laͤßt ſich fol⸗ gendes anführen: Wenn der kleine Pächter oder Bauer, mit Weib und Kind, und etwa etlichen Knechten und Maͤgden, ſelbſt die Arbeit verrichtet, ſo wird er fleißiger, wie jeder Lohnarbeiter ſeyn, und ſeine Gehuͤlfen ihm folgen muͤſſen. Wer zu ſeinen Leuten ſagt: kommt, laßt uns die Senſe nehmen und maͤhen!— wird mehr damit beſchicken, als wer ſagt: nehmt die Senſe und gehet zum Maͤhen!— Er iſt bey allen Geſchaͤften der Erſte, arbeitet vor, weiß, wie viel jeder thun kann, verſteht die Kunſt, ſeine Mitarbeiter in Athem zu erhalten, die Art und Weiſe, mit ſeines Gleichen umzugehen, ſie aufzumuntern. Seine Leute wiſſen, daß er ihre Arbeit aus Erfahrung ſchaten kann; ſie ſind ihm mehr zugethan, ſie fuͤhlen ſich ihm naͤher, arbeiten alſo gewiß gutwilliger, als ſie es allein um des Lohns und Brods willen thun wuͤrden. Daher wird mit denſelben Haͤnden in einer kleinen Wirthſchaft mehr ausgerichtet, als in einer großen. Derſelbe Fall tritt mit dem Zugvieh ein; es muß thun, was es ohne ſeinen 3 3*„*„ 2 — — 4.— —.—.— ſeinen Nachtheil thun kann, wird aber nicht uͤbernommen; denn ſein Eigenthuͤmer fuͤhrt es ſelbſt. Weil Wirth und Wirthin alles unter den eigenen Haͤnden haben, ſo wird ſparſamer damit umgegangen, und alles aufs beßte benußt. Er wartet ſeine Pferde, ſie ihre Kuͤhe ſelbſt, giebt ihnen, was ſie zu jeder Zeit brauchen, aber nicht mehr, und ſpart daher mehr Fut⸗ ter uͤber, als in großen Wirthſchaften unter den Haͤnden der Knechte und Mägde wuͤrde geſchehen ſeyn. Der kleine Wirth kennt jeden einzelnen Fleck ſeines Ackers aufs genaueſte, weiß, wie er behandelt, wie ihm aufgeholfen werden muß. Er bauet nur das darauf, was er am vortheil⸗ hafteſten traͤgt, ſaͤet auf einen kleinen Plat Weizen, wohin Weizen,— Rocken, wohin Rocken gehoͤrt; was bey großen Schlägen nicht immer thunlich iſt. Alſo wird jeder Fleck aufs beßte benutzt und bearbeitet, und giebt folglich den moͤglichſt⸗hoͤchſten Ertrag. Da alſo die Kraͤfte der Menſchen und des Viehes ſowohl, als der Grund und Boden in kleinen Wirthſchaften, aufs hoͤchſte benutzet und uͤberdies mit den Producten am ſparlichſten um⸗ + e——— — — ————* umgegangen wird; ſo muß in kleinen Wirth⸗ ſchaften zum Vortheil des Staats die hoͤchſte Production bewirket, und daraus der groͤßte Ueberſchuß zum Verkaufe geliefert werden. Aber zugleich mit der Production beguͤnſtigt die Vertheilung des Ackers unter viele kleine Wirthſchaften und Familien die Bevoͤlkerung ſehr. Es werden mehr Ehen geſchloſſen, mehr Kinder erzeuget und mehrere aufgezogen werden, als wenn der Acker durch ledige Knechte und kuͤmmerliche Tageloͤhner bebauet wird. Da der Ackerbau die Hauptſtuße der allge⸗ meinen Wohlfahrt iſt, ſo iſt alles daran gelegen, daß es nicht an Menſchen zu ſeiner Betreibung fehle. Je mehr kleine Wirthſchaften es aber giebt, deſto mehr Menſchen werden auf dem Lande bleiben, und ſich minder nach den Staͤd⸗ ten ziehen. Man wird alſo nicht das Klagen der großen Wirthe mehr hoͤren, daß der Acker nicht gehorig angebauet, die Erndten nicht ein⸗ geſcheuret, das Korn nicht abgedroſchen wer⸗ den kann, weil es ihnen an Leuten fehlet. Die Familien des Landmannes werden aus liebe zum väterlichen Heerd zuſammen bleiben, ſo lange ſie Arbeit und Nahrung haben. —— — 2— ——————— Es wird immer ein Ueberſchuß geſunder, abgehaͤrteter, unverdorbener Leute unter dem Landvolke ſeyn, womit der Staat ſeine Armeen recrutiren kann; ein Schlag von Leuten, die man in den Staͤdten und unter ledigloſem Ge⸗ ſindel vergeblich ſucht,— der ſein Vaterland liebt, und fuͤr ſeinen vaͤterlichen Heerd gern ſtreitet.. Auf dem Lande wenigſtens wird eine ebenmaͤßigere Vertheilung des Vermoͤgens Statt haben. Mehrere Menſchen werden ihre reichliche Nahrung und Nothdurft, ihre ange⸗ meſſene Erquickung finden; aber es wird kein Wohlleben, kein Luxus entſtehen. Weniger Menſchen werden aus Ueppigkeit in Trägheit und Vernachläͤſſigung ihrer Geſchaͤfte verfallen; weniger aber auch aus Hunger und Kummer unfaͤhig zur Arbeit werden. Was der Wohl⸗ habendere zu ſeiner Bequemlichkeit und Ergötz⸗ lichkeit braucht, werden einlaͤndiſche Producte und Fabrikate ſeyn; fuͤr ausländiſche Luxus⸗ waaren wird von ſeinem Vermoͤgen nichts aus dem Lande gehen. Und ſo wird Handel und Wandel im Lande mehr von vielen wohlha⸗ benden Bauern, als von einzelnen reichen Gutsbeſitzern oder großen Paͤchter«, befoͤrdert werden. Als Als Beyſpiele von dem begluͤckenden Er⸗ folge ſolcher Einrichtungen laͤßt ſich, aus den altern Zeiten, die Roͤmiſche Republik, aus den neuern, Braband und Flandern, anfuͤhren, wo der Grund und Boden in ſehr kleine Beſitzungen oder Pachtungen vertheilet war, und mit des Wirths eigener Hand aufs ſorgfaͤltigſte angebauet wurde. So viel zu Gunſten der kleinen Wirth⸗ ſchaften! Wir wollen nun auch das hoͤren, was ſich dagegen zum Vortheil großer Wirthſchaften⸗ wo der Beſiher nicht ſelbſt Hand anlegt, ſondern nur die Aufſicht fuͤhrt, oder gar nur durch Bey⸗ huͤlfe der Unteraufſeher das Ganze dirigirt, ſagen laͤßt: Man hat bisher die Landwirthſchaft ſehr unrichtig den Fabriken entgegengeſett. Ob⸗ jectiviſch betrachtet, mag man die Erzeugniſſe, die jene liefert Producte,— die Erzeugniſſe von dieſen, Fabrikate nennen. Sabjecti⸗ viſch ſind ſie ſich aber vollig gleich, und dieſelben Maximen, welche bey Betreibung der Fabri⸗ ken, wenn ſie empor kommen ſollen, befolgt werden muͤſſen, finden ihre Anwendung auch. bey der Landwirthſchaft, wenn ſie zu einiger 2n Bds. 21e Abtheil⸗ 6 PVoll⸗ —.——— Vollkommenheit gedeihen ſoll. Das rohe Ma⸗ terial der Landwirthſchaft iſt der Grund und Boden; ihre Fabrikate ſind das, was man Producte nennt, und dieſe ſind von erſtaunlicher Verſchiedenheit, in Anſehung der Quantität und Qualität, nach Verhältniß der Arbeit, der Kunſt und des Kapitals, welche darauf verwandt worden. Man hat lange genug den Ackerbau falſchlich als ein Handwerk, und noch geringer als dies angeſehen, wohl gar geglaubt, daß weniger Kunſt dazu gehoͤre, einen Acker zu beſtellen, als einen Schuh zu machen. Daher die ſchiefen Raiſonnements uͤber die Betreibung dieſes wichtigen, dieſes verwickelten, dieſes unerſchopflich kuͤnſtlichen Gewerbes. Weniger werden wir irren, wenn wir die Landwirth⸗ ſchaft als eine Fabrik, aber als eine ſehr verwickelte Fabrik betrachten, und bey ih⸗ rer Betreibung alle die Regeln unterlegen, worauf der gluckliche Erfolg der Fabriken beruhet. Nun iſt es in Anſehung der Fabriken eine bekannte Sache, daß mit denſelben Arbeitern um deſto mehr ausgerichtet werden kann, je mehr die Arbeiten und Handgriffe vereinzelt werden. Zehn Arbeiter, deren jeder nur eine Verrichtung hat, machen mehr fertig, als zwanzig andre, die an jedem einzelnen Stucke zehn S* — zehn ganz verſchiedene Handgriffe anbringen ſollen. Daher koͤnnen Fabriken ihre Waaren um deſto wohlfeiler liefern, je mehr ſie die Handgriffe vereinzelnen koͤnnen, oder je groͤßer ihr Betrieb iſt. Wenn ſie ihre Arbeiter auch doppelt und dreyfach ſo theuer bezahlen, wie kleine; ſo koͤnnen dieſe doch nicht dagegen auf⸗ kommen. Dies beweiſen die engliſchen Manu⸗ facturen, die ihre Fabrikate um deſto wohlfeiler verkaufen, je theurer alle Lebensmittel bey ihnen werden.— Denn daß die Regierung ih⸗ nen ihre Waaren abnehme und ſie wohlfeiler wieder verſelle, kann nur ein Kannengieſſer behaupten.— Bey der Landwirthſchaft aber— zumal, wenn ſie ihr Material, d. h. ihren Grund und Boden, aufs hoͤchſte benutzen will— ſind die Arbeiten und Handgriffe ſo verſchieden, und erfordern, wenn ſie geſchickt ausgefuͤhrt werden ſollen, eine ſolche Uebung, wie bey irgend einer Fabrik. Daher hat die große Wirthſchaft eben die Vortheile, wie die große Fabrik vor den kleinen. Jeder Arbeiter hat nach der Jahrs⸗ zeit ſein eigenes Geſchaͤft, folglich eine ſolche Uebung darin, daß er mit minderer Anſtren⸗ gung mehr ausrichten kann, als mit groͤßerer, wenn er bald dies, bald jenes, thun muͤßte. Die⸗ ſer arbeitet mit den Pferden, jener mit den Ochſen, kenut die Art, ſie zu fuͤhren und ſie ſo zu behandeln, daß auch ihnen die Arbeit min⸗ der ſauer werde. Einer verſteht ſogar das Fahren und Aufladen, ein Anderer das Pfluͤgen und Eggen beſſer, und hat ein Geſpann, das zu dieſer oder jener Arbeit paßlicher iſt. Ein Theil der Handarbeiter iſt im Graben und Hacken, ein anderer im Maͤhen und Dreſchen geuͤbter. Einige Leute ſind zum Häckſelſchneiden, zum Reinigen des Getreides, zum Banſen und zu mancherley beſondern Arbeiten vor andern geſchickt. In einer großen Wirthſchaft kann ein beſonderer Schaͤfer, ein beſonderer Kuh⸗ und Schweine⸗Hirte, ohne unverhaͤltnißmaͤßigen Aufwand, gehalten werden, deren Entbehrung kleinen, außer Communion geſetzten Wirth⸗ ſchaften laͤſtig wird. Zur Feldarbeit, zur Wartung des Viehes im Stalle, zum Molken⸗ werk, zum innern Haushalt, ſind eigene Maͤgde beſtimmt; daher dies alles mit groͤßerer Ord⸗ nung und Reinlichkeit, als in kleinen Wirth⸗ ſchaften, betrieben wird. Jeder hat hier das Seinige zu thun, und dies wird vor allem von ihm gefordert; daher wird keine Arbeit uͤber die andre verſäumt. Wo der Bauer alle dieſe mannigfaltigen Arbeiten mit einem Knechte, die Bauerin mit einer Magd verrichten muß, da haben ſie natürlich weniger Uebung darin, und folglich werden ſie langſamer und ſchlechter ver⸗ verrichtet. Wo mehrere Geſchaͤfte zu gleicher Zeit einfallen, da wird eins uͤber das andre, oft zum unerſetzlichen Schaden, verſaͤumt. Wie viel Zeit nimmt ſchon das Hin⸗ und Herlaufen von einem Geſchaͤfte zum andern weg! Daher richten die Leute weniger aus, wenn ſie ſich auch noch ſo ſehr abarbeiten. Es faͤllt zwar auf, was ein Bauer manchmal an einer Arbeit thun kann; aber man vergißt, was er daruͤber anderswo verſaͤumt. So wie ferner große Fabriken einen maͤch⸗ tigen Vortheil vor den kleinen, vermoͤge der Mannigfaltigkeit zweckmaͤßiger Werkzeuge und Maſchinen haben, deren Erfindung, Anſchaffung und Unterhaltung den kleinen zu koſtbar wird; ſo iſt dies bey Wirthſchaften eben der Fall. Durch zweckmaͤßige Werkzeuge werden nicht nur Kraftaufwand, Zeit und Menſchenhaͤnde bedeutend erſpart, ſondern auch die Arbeiten beſſer vollfuͤhrt. Es giebt Pfluͤge und Eggen, welche zum Aufbrechen, andre, welche zum Braachen, andre, welche zum Stoppeln, und noch andre, welche zur Saatfahre am beßten zu brauchen ſind, und die Arbeit ſchneller und reinlicher vollfuͤhren. Man hat in großen Wirthſchaften Wagen und Karren, die vorzuͤg⸗ lich zu gewiſſen Fuhren geeignet ſind. Welche Erſparung von Handarbeit gewaͤhren nicht die Schau⸗ 02 Schaufelpfluͤge und Pferdehacken! Drillwerk⸗ zeuge, deren Vortheil in manchen Fäaͤllen unbe⸗ zweifelt iſt, kann nur der große Wirth haben; ſo wie Dreſch- Haͤckſel⸗ Schneide⸗ und Butter⸗ Maſchinen, wobey ein Menſch mehr, als zehn andre mit der Hand, leiſtet; zumal, wenn ſie durch Wind oder Waſſer getrieben werden. Dem großen Wirth bezahlt ſich das Kapital, was in ſolchen Werkzeugen ſteckt, durch Arbeits⸗ Erſparung und hoͤheren Ertrag bald wieder; der kleine kann ſie zu wenig brauchen, wenn er das Kapital auch anlegen koͤnnte. Ohnerachtet aber in großen Landwirthſchaf⸗ ten mit denſelben Menſchenhänden mehr ausge⸗ richtet wird, wie in kleinen, ſo folgt daraus nicht, daß weniger gebraucht werden. Die Landwirthſchaft iſt ſo unendlicher Verfeinerun⸗ gen und Vervollkommnungen faͤhig, daß der große Landwirth, der Geiſt und Vermoͤgen dazu hat, nach Verhältniß ſeiner Ackerflaͤche immer mehr Menſchen anſtellen kann, als der kleine, der auf ſolche Verbeſſerungen nicht einmal den⸗ ken darf. Der große und reiche Landwirth⸗ vorausgeſetzt, daß er Eigenthuͤmer oder Pachter auf lange Termine iſt, wird immer Gelegenheit ſinden, große Verbeſſerungs⸗Arbeiten mit Vor⸗ theil zu unternehmen. Es werden Bewäſſe⸗ rungswieſen anzulegen, oder Abwaͤſſerungen durch —— „— durch offene oder verdeckte Abzüge vorzunehmen ſeyn; Aufbruͤche und Ausrodungen werden Statt finden, und neue Beſaamungen und Anpflanzungen anzulegen ſeyn. Aecker werden in Wieſen, Wieſen in Ackerland umzuſchaffen ſeyn. Man wird Befriedigungen zu ma chen, Hügel und Thaler zu ebnen haben. Modder⸗ gruben werden auszubringen, Mergel und an⸗ dere Erdarten zu graben und aufzufahren ſeyn⸗ Und wie mannigfaltige Arbeiten giebt es noch auf dem Acker, um dieſen zur moͤglichſten Rein⸗ heit und Mürbe zu bringen, bis zur Garten⸗ kultur zu erheben; Arbeiten, wobey der Land⸗ wirth ſchwaͤchere Leute, Weiber und Kinder, mit großem Vortheil anſtellen kann! Kurz, der ver⸗ mogende, auf Verbeſſerungen ſinnende Land⸗ wirth wird bey offenem Wetter nie einen Ueber⸗ fluß von Arbeitern haben. Im Winterfroſt muͤſſen ſie ſpinnen, weben und ſtricken, in klei⸗ nen Wirthſchaften ſowohl, wie in großen Doch hat der reiche, betriebſame? Landwirth auch manche Gelegenheit, ihnen dieſe Arbeit zu er⸗ leichtern und zu vervielfaͤltigen. Folglich wer⸗ den auf derſelben Fläche Landes mehrere Men⸗ ſchen Verdienſt und Unterhalt bey großen Wirthſchaften finden, als bey kleinet. Weil der große Landwirth durch ſeine Arbeiter mehr verdient, wie der kleine, ſo wird er ſie auch beſſer bezahlen koͤnnen; der Lohn wird ſteigen⸗ 5 int . — . N 2 —,—.———.—— und die Lebensmittel bey vermehrter Production wohlfeiler werden. Hieraus folgt nothwendig Vermehrung der Bevoͤlkerung; zumal, wenn man ihr keine Hinderniſſe in den Weg legt und etwa Huͤtten genug bauet. Tageloͤhner⸗Fami⸗ lien, die ihren Unterhalt finden, werden ſich ſtäͤrker vermehren, wie Bauern⸗Familien, wo nur ein Sohn den Hof wieder erhalten kannz denn der junge Tageloͤhner findet dann allent⸗ halben ſeine Hutte und ſeinen Unterhalt. Ihre Kinder werden ſich fruͤh etwas verdienen koͤnnen, und mehr zur Arbeit angehalten werden. Ein großer Theil wird auf dem Lande bleiben, und hierunter werden ſich genug Recruten für die Armee finden, die darum nicht ſchlechtere Sol⸗ daten ſeyn werden, weil ſie ſich freywillig an⸗ nehmen laſſen. Was zum Ackerbau nicht Luſt hat, wird in die Staͤdte gehen, und die Manu⸗ facturen mit Arbeitern verſorgen. So iſt es wenigſtens in England, wo das Landvolk die⸗ ſer Klaſſe noch immer zunimmt, ohnerachtet die Hauptſtadt, die Flotten, die Landarmee und die Fabriken ſo viele Menſchen ver⸗ zehren, oder doch im eheloſen Stande er⸗ halten. Wenn es auch wahr ig, daß eine Arbeit beſſer von Statten gehe, wenn der Wirth vor⸗ arbeitet, ſo iſt dies doch nur bey einzelnen Ar⸗ all Arbeiten der Fall. In jeder Wirthſchaft fallen aber Arbeiten vor, die zugleich geſchehen muͤſ⸗ ſen. Hilft der Wirth oder der Wirthſchafts⸗ Vorſteher bey der einen, ſo iſt keine Aufſicht bey der andern, oder dieſe andere Arbeit wird ausgeſetzet, und geſchiehet demnaͤchſt zu ſpaͤt oder gar nicht. Rirgends kommt es aber mehr, als bey der Landwirthſchaft, darauf an, daß alles auf dem rechten Zeitpunkt geſchehe. Es iſt ein nicht ungewoͤhnlicher Fehler ſolcher Ver⸗ walter, die vormals Knechte oder Bauern geweſen ſind, daß ſie bey einem Geſchaͤfte ordentlich mitarbeiten. Daruͤber verſaͤumen ſie mehrentheils die Aufmerkſamkeit auf ein anderes, und thun weit mehr Schaden damit, als ſie Vortheil ſchaffen. Der Aufſeher bey einer Wirthſchaft darf ſo wenig mit⸗ arbeiten, als der Officier mitfeuern, weil die Aufmerkſamkeit auf ſeine Untergebenen dabey wegfällt. Er muß hoͤchſtens nur zei⸗ gen, daß er es könne. Wahre Sparſamkeit und Sorgfalt, daß nichts umkomme, findet mehr in großen als in kleinen Wirthſchaften Statt. Das Liegenbleibende, das Unverzehrte, iſt oft in kleinen Wirthſchaften ſo wenig, daß niemand daran denkt, daß es ſich des Wegs nicht verlohnt. In zwanzig kleinen Wirthſchaften, zu⸗ „** N E——˙—— E *. — — — — 106— zuſammen genommen, betraͤgt es ſchon etwas; und lage das, was in dieſen zwanzigen liegen und ſiehen bleibt, auf einem Plate, ſo würde es ſich ſchon der Mühe verlohnen, es aufzube⸗ wahren. Dreißig Perſonen an einem Tiſche brauchen weniger, als dieſelbe Zahl an zehn Tiſchen. Eben ſo verhaͤlt ſichs bey der Futte⸗ rung des Viehes. Es iſt alſo nicht richtig, daß bey kleinen Wirthſchaften mehr, als bey großen, erſpart werde. Gleichmoßigere Vertheilung des Vermoͤgens mag ein Wunſch ſeyn, der bey Manchem aus einem menſchenfreundlichen Herzen entſpringt. Aber, ohne Ruckſicht auf die Frage zu nehmen, ob die Maſſe von Gluckſeligkeit in der menſch⸗ lichen Geſellſchaft dabey groͤßer oder geringer werden moͤgte, kommt es hier nur darauf an, ob der Betrieb jedes Gewerbes, folglich auch der Landwirthſchaft, und folglich die Production daben gewinnen oder verlieren wuͤrde. Und da hat es denn wohl keinen Zweifel, daß das Letztere daraus erfolgen müſſe. Ein beträchtliches Vermoͤgen kann allein den Muth geben⸗ Verbeſſe⸗ rungen zu unternehmen, welche erſt nach meh⸗ reren Jahren Zinſen und nur nach einer gerau⸗ men Zeit die Auslage wieder bezahlen. Ein Mann, der auch jährlich etwas mehr einnimmt als er ausgiebt, wird ſich von ſeinem Nothpfen⸗ nig ig wat wo wir kor da bel ein Ue Ka gr bet 90 die ie ſo ſic Li ge de nig ungern trennen, um etwas zu unternehmen, was moͤglicher Weiſe fehlſchlagen kann, oder wovon er die Fruͤchte vielleicht nicht genießen wird. Wer auch etwas mehr als ſein Aus⸗ kommen hat, denkt in gewiſſen Jahren ſchon: das will ich meinen Kindern uͤberlaſſen. Nur bey wirklichem Ueberfluß findet der Gedanke, twas fuͤr die Nachwelt zu thun, Eingang. uebrigens kann aer, ohne ein betraͤchtliches Kapital in Haͤnden zu haben, ſo wenig eine große Landwirthſchaft, wie eine große Fabrik, betrieben werden, und alle Vortheile, die dieſe vor den kleinen haben, fallen dann weg. Iſt dieſelbe Maſſe von Reichthum, womit Einer viel ausrichten kann, unter Hunderte vertheilt, ſo wird nichts damit ausgerichtet. Auch ließe ſich nichts Großes ausfuͤhren, wenn es nicht iele Leute gäbe, die um Lohn bey andern arbeite mußten. Ein Land, worin eine faſt gleiche Vertheilung des Vermoͤgens Statt faͤnde, moͤgte vielleicht ein ſchoͤnes Arcadien ſeyn, aber einen hoͤchſt ohnmaͤchtigen Staat ausmachen, und bey einiger Bevolkerung bald in den Fall, zu verhungern, kommen. Daß das Geld weniger aus dem Lande gehe, wo es weniger Reiche giebt, iſt ein Ge⸗ danke, der kaum einer Antwort werth iſt. Der Staat wird alſo dadurch reich, daß er keine reiche — 108— reiche Mitbuͤrger hat? und Schweden iſt reicher als England? Ausfuͤhrung des National⸗ Vermoͤgens hemmen zu wollen, iſt uͤberhaupt die elendeſte Finanz⸗Maxime, iſt politiſche Knickerey, die ihres Zwecks durchaus verfehlt. Ohne Paſſiv⸗Handel kann kein Activ⸗Handel Statt finden; dieſen aber durch Vermehrung der Production und der Manufactur das Ueber⸗ gewicht zu geben, iſt das einzige Mittel, das National⸗Vermoͤgen zu heben. Und jene koͤn⸗ nen nur vermehrt werden, wenn einzelne Mit⸗ burger betraͤchtliche Kapitale in Haͤnden haben, und Gelegenheit und Aufmunterung finden, ſie im Ackerbau, Fabriken und Handel anzu⸗ legen. Der Lurus, behauptete auch ein Theil der franzöſiſchen Oeconomen, ſtehe der Aufnahme des Ackerbaues im Wege. Aber der Luxus, den ſie meinten, war der in Paris, welcher alles Vermoͤgen dorthin zog, und auf dem Lande, beſonders in den entlegenen Provinzen, lauter Armuth hinterließ. Der Ackerbau ging in die⸗ ſen Provinzen zu Grunde, weil kein Lurus da war, und die Producte nach guten Erndten keinen Abſaß fanden. Wo Luxus und Ausfahr dem Ueberfluſſe keinen Abſatz verſchafft, da wird kein Ueberfluß erzeugt; und wo kein Ueberfluß in guten Jahren iſt, da entſteht Mangel in ſchlech⸗ — c——— — — 109— ſchlechten Jahren. Luxus aber und Handel kann nur bey ungleich vertheiltem Vermoͤgen Statt finden. Doch es wird ſich hieruͤber mehr an einem andern Orte ſagen laſſen. Wir wol⸗ len jetzt wieder zum Wirthſchaftshoſe und zum Detail der Geſchaͤfte zuruͤckkehren. Wo mehrere Pferde und Menſchen auf einem Hofe beyſammen ſind, da werden ſie beſſer vertheilt und angeſtellet werden koͤnnen. Mit ſechs Pferden z. B. wird ſich nach Ver⸗ haͤltniß mehr ausrichten laſſen, als mit vier Pferden. Gewoͤhnlich wird mit zwey Pferden gepflugt; der Vierſpaͤnner hat alſo zwey, der Sechsſpaͤnner drey Pfluͤge. Nun tritt aber haͤufig eine ſolche Witterung ein, daß der Boden fuͤr zwey Pferde zu hart oder zu bindend wird, ſo daß drey erfordert werden. Der Vierſpaͤn⸗ ner hat dann nur einen Pflug, der Sechsſpaͤn⸗ ner hat zwey; es wird alſo mit ſechs Pferden noch einmal ſo viel, als mit vieren ausgerichtet. In demſelben Verhaͤltniſſe gehet es fort; und je mehr Pferde und Arbeiter im Fall der Noth zu einem Geſchaͤfte zuſammen gebracht werden koͤnnen, deſto mehr werden erſpart. Ich muß des Molkenwerks nochmals er⸗ waͤhnen. Welch ein Unterſchied im Betriebe deſſelben auf kleinen und großen Hoͤfen! Wuͤrde Wuͤrde Holſtein nicht die Hälfte ſeiner Ein⸗ ¹ nahme fuͤr Butter verlieren, wenn es lauter 1 Bauerhoͤfe hätte? 8 n An Verbeſſerung der Viehzucht iſt kaum h zu denken, wo es lauter kleine Hofe giebt— h)e 1 es moͤgte denn ſeyn, daß ſie unmittelbar H von der Regierung— wie dies im Hanné⸗ di veriſchen in Anſehung der Pferdezucht ver⸗ de mittelſt der Landbeſchäler geſchiehet— be⸗ ñ foͤrdert wuͤrde. Die Race der Pferde, des ſt Rindviehes, der Schaafe, wird ſich vielmehr al immer verſchlimmern. Veredlung des Schlags P wird nur von großen und vermoͤgenden Land⸗ bl wirthen unternommen⸗ al de 3 Alſo die Wohlfahrt, die Stärke, der u Reichthum des Staats erfordert, wenigſtens „ zum Theil, große Wirthſchaften. zi Es giebt vielleicht eine Ausnahme: wo naͤmlich der Ackerbau auf die hoͤchſt⸗mögliche P Stufe der Vollkommenheit nach Ortsverhaͤlt⸗ ke niſſen gediehen iſt, wo jeder Platz ſchon aufs zweckmaͤßigſte benutzt wird, und die 6 Nation zu dieſem Zweige der Induͤſtrie, de vor allen andern, Neigung und Fähigkeit v hat, wo alſo die Landwirthſchaft gar keine d Verbeſſerungen leidet, ſondern nur permanent 6 auf — —. S—— auf demſelben Punkte erhalten werden darf. Und dieſer Fall trat vielleicht in dem engen Bezirke der eigentlichen Roͤmiſchen Republik, tritt wohl noch in Braband ein. Dazu ge⸗ hoͤrt aber noch, daß das National⸗Vermoͤgen hauptſaͤchlich im Ackerbau ſtecke, oder in den Haͤnden der kleinen Landwirthe ſey, und dieſe ſich nicht bewogen finden, es zu an⸗ derweitigen, mehr verſprechenden Specula⸗ tionen herauszuziehen. Denn wo dies ge⸗ ſchiehet, wird der kleine Ackerbau bald her⸗ abgewuͤrdiget und den Haͤnden unvermoͤgender Paͤchter uͤbertragen werden. Eine große, blos Ackerbau treibende Nation läßt ſich aber bey unſern Staatsverhaͤltniſſen kaum denken. Wenigſtens wuͤrde es eine ſehr arme und folglich ohnmaͤchtige Ration ſeyn. Ich bin indeſſen weit entfernt, die Ein⸗ ziehung der kleinen Bauernguͤter und die Zuſammenſchmelzung derſelben in groͤßern Wirthſchaften geradezu anzurathen. Daß kein Eingriff ins Eigenthum geſchehen duͤrfe, verſteht ſich von ſelbſt. Wo der Bauer auch kein wirkliches Eigenthum beſitzt, ſon⸗ dern ſeinen Hof und kaͤndereyen nur pacht⸗ weiſe und gegen Dienſtleiſtungen inne hat, durch Herkommen und Verfaſſung aber die Erwartung, ſeinen Hof erblich zu behalten, be⸗ -*„„„ —*„—. ————————— k ——— — 112— begruͤndet iſt, da ſcheint mir die Ausſtoßung deſſelben ſo ſehr gegen Billigkeit als gegen Staatsintereſſe zu ſeyn. Ich glaube aber eben ſo wenig, daß man dem Laufe der Dinge wehren muͤſſe, wenn die Zuſammen⸗ ziehung kleiner Hoͤfe nach Recht und Billig⸗ keit erfolgen kann. Will der armſelige ver⸗ ſchuldete Bauer ſeinen Hof freywillig an einen groͤßeren Gutsbeſitzer verkaufen, und dieſer, wie ſichs verſteht, alle und jede Praͤ⸗ ſtanda davon uͤbernehmen, ſo wird Production und Bevoͤlkerung, und folglich der Staat, mehr dabey gewinnen als verlieren. Wenn nur Recht und Eigenthum geſchuͤtzt ſind, ſo überlaſſe der Regent die freye Uebertragung derſelben der Willküͤhr eines Jeden, und räume die Hinderniſſe veralteter Formen, jedoch ohne Jemandes Gefaͤhrde, aus dem Wege. Dann wird von ſelbſt diejenige Ver⸗ theilung des Grund und Bodens erfolgen, welche nach Zeit und Ortsverhaͤltniſſen in Rückſicht auf Production, National⸗Reichthum und Bevolkerung die vortheilhafteſte iſt. Zu große Güter werden parcelirt, zu kleine zu⸗ ſammengeſchmolzen werden. Reichere Land⸗ wirthe— ein reicher Gutsbeſiher iſt aber noch kein reicher Landwirth, denn der Land⸗ wirthſchaft iſt mit einer Million in oͤffent⸗ lichen Fonds nichts geholfen— werden rei⸗ chere chere Erndten bewirken, und der Boden wird Menſchen hervorbringen, wie Korn und Vieh; wenn es ihnen nur an Obdach und Verdienſt nicht fehlt. Kothen oder Tage⸗ loͤhner⸗Wohnungen ſind aber auf einem Wirthſchaftshofe ſo nothig, wie Scheuren und Viehſtaͤlle; und wer Anſtand nimmt, dieſe zu bauen, mag auch auf den Bau ſeines Ackers Verzicht thun. 2n Bds. 2c Abtheik. V. Geſchichte der Legislatur des Kornhandels in England. (3u Seite 36.) Jene Anordnung, worauf ſich das Geſagte 3 bezieht, war wohl eine der kuͤhnſten Maaßregeln, die je Geſetzgebung genommen hat, um der Nation einen immer zureichenden Vorrath von . Getraide zu ſichern, und zugleich denjenigen Er⸗ werbszweig, worauf alle andre fußen, empor 8 i 63 zu bringen. Ihr Erfolg hat wohl alles uͤber⸗ troffen, was die Urheber derſelben erwarten 1 durften. Ihre Zweckmaͤßigkeit iſt durch Ver⸗ ſuch und durch Gegenverſuch bewaͤhrt gefun⸗ den worden. Ich — 115— Ich darf hoffen, daß es auch dem bloßen Landwirthe nicht zuwider ſeyn werde, wenn ich mich bey der Erzaͤhlung dieſer Thatſache, der Umſtaͤnde, die ihr vorher giengen, und ihrer Folgen, laͤnger aufhalte, und mich bey dieſer Gelegenheit uͤber die verſchiedenen und wider⸗ ſprechenden Syſteme der Kornpolicey uͤberhaupt etwas verbreite. Die Sache iſt mit dem Be⸗ triebe der Landwirthſchaft zu nahe verwandt, als daß ſie dem denkenden Landwirthe gleichgul⸗ tig ſeyn koͤnnte. Und uͤberdas gehoͤrt ſie zu einer genauern Beurtheilung der engliſchen Landwirthſchaft, und zum Verſtaͤndniß land⸗ wirthſchaftlicher Schriftſteller dieſer Nation. Man hat die Regeln der Staatswirthſchaft bald auf einzelne Thatſachen und Erfahrung, bald auf Raiſonnement und abſtracte Principien allein, gegruͤndet. Im erſtern Falle beging man große Irrthuͤmer, weil man nach bloßer Analogie ſchloß, und von gleichen Maaßregeln gleiche Wuͤrkungen erwartete, ohne die Ver⸗ ſchiedenheit der Umſtaͤnde, wo dieſe Maaßregeln dieſe Wuͤrkungen hervorbrachten, zu bedenken. Daher erhielt die zweyte Methode von unſerm philoſophiſchen Jahrhundert, in dieſer wie in jeder Kunſt, den Vorzug: man bemuͤhete ſich, allgemeine Principien feſtzuſeßen, und aus dieſen Regeln zu ziehen, die auf jeden beſondern H 2 Fall — 116— Fall, richtig angewandt, ohnfehlbar den be⸗ zweckten Erfolg hervorbringen mußten. Allein, man fand ſich eben ſo oft und wohl gefaͤhrlicher betrogen.— Angenommen, daß auch das Syſtem richtig, die Principien unerſchuͤtterlich, und die Folgerungen in grader Linie fortgegan⸗ gen waren, daß ſie nirgends, vermoͤge eines kleinen Winkelzuges, divergirt hatten; ſo war es doch nur eine mathematiſch⸗richtige Berech⸗ nung eines Uhrwerks, bei welcher man auf die Reibung des beſondern Materials keine Ruͤck⸗ ſicht genommen hatte. Dies beſondre Mate⸗ rial— der Menſch mit den unendlichen Modi⸗ ficationen ſeiner Leidenſchaften, nach Verſchie⸗ denheit der aͤußern Verhältniſſe— iſt noch zu incalculabel, um theoretiſch vorher beſtimmen zu koͤnnen, wie eine Maſchine, aus ſelbigem zuſammengeſetzt, gehen werde. Erfahrung tritt daher wieder in ihren Werth; aber man nimmt es genauer damit, und erwartet nicht eher denſelben Erfolg, als bis man ſich uͤber⸗ zeugt hat, daß alle mitwirkenden Umſtaͤnde dieſelben ſind, und daß auch Vernunftgruͤnde die Erwartung rechtfertigen. Man forſcht da⸗ her in der Geſchichte ſorgfaltiger⸗ wie je. Unter allen Gegenſtaͤnden der Staatswirth⸗ ſchaft iſt die Verſorgung des Volks mit Lebens⸗ mitteln anerkannt der erſte und wichtigſte. Von — 117— Von ihr haͤngt Bevoͤlkerung, jedes Gewerbe und das Vermoͤgen des Staats ab. Ohne ſie wäre Bevoͤlkerung Zerſtoͤrung des Staats; 6 jedes Gewerbe eine Quelle des Hungers, und Reichthum die bitterſte Armuth. Daher iſt uͤber keinen Gegenſtand der Staatswirthſchaft ſo viel gedacht, ſo viel ge— ſchrieben, ſo viel geſtritten worden, wie uͤber dieſen. Man hat oft Grundſaͤtze angenommen, und iſt oͤfter von ihnen abgewichen; man hat Regeln feſtgeſetzt, aber mehr Ausnahmen gemacht, als Regeln befolgt. Man hat er⸗ wieſen und eingeſtanden, daß in einem zum Ackerbau oder zum Kornhandel geeigneten. Staate nie wahrer Mangel entſtehen koͤnne, wenn man den Ackerbau und Kornhandel nur nicht einſchraͤnkte; und hat ihn bey jedem Schein von Mangel zu Boden gedruͤckt, wenn er ſich t gerade auf den Punkt heben wollte, wo auch dieſer Schein auf immer verſchwunden waͤre. e So beweiſt man ſich und Andern, daß es keine e Geſpenſter gaͤbe, und kriecht unter die Decke, wenn der Mond auf ein Hemde ſcheint, ſtatt zuzuſehen, und ſich von ſeiner Furcht auf immer zu heilen. . Wenn daher auch das Problem uͤber Korn⸗ 5 Policey Manchem vollſtaͤndiger aufgelöſt zu ſeyn — 118— ſeyn ſcheint, wie irgend eins in der Staats⸗ wirthſchaft; ſo moͤgte es doch von Nuken ſeyn, uns durch die Geſchichte belehren zu laſſen, wel⸗ chen Erfolg die mannigfaltigen und abwechſeln⸗ den Maaßregeln hatten, welche man mehrere Jahrhunderte hindurch in England anwandte, um Ueberfluß und mittlere Kornpreiſe zu erhal⸗ ten; zumal da, meines Wiſſens, eine ſo lange Reihe zuverläſſiger Tharſachen, dieſen Gegen⸗ ſtand betreffend, nirgends aufgeſtellet wer⸗ den kann, wie die engliſche Geſchichte dar⸗ bietet. Englands gegenwaͤrtiger Zuſtand und ſeine geographiſche Lage ſind zwar von denen aller uͤbrigen Staaten beträchtlich verſchieden. Sein innerer buͤrgerlicher Zuſtand war aber in dem Zeitraume, den wir beſonders zu bemerken haben, ohngefähr derſelbe, worin ſich jeßt viele andre Staaten befinden— der Wachsthums⸗ Zuſtand ſeiner Indüſtrie, ſeines Reichthums, ſeiner Beoölkerung. In dieſem Zeitraume ward eigentlich das National-Vermoͤgen ge⸗ ſammlet, die Macht geſchaffen, durch deren Gebrauch Großbrittannien jetzt den Erdkreis in Erſtaunen ſeßt. Dieſelbe Tendenz haben ohne Zweifel alle diejenigen Staaten, wo man jeßt eine weiſe, nicht blos auf die Beduͤrfniſſe des Augenblicks berechnete Staatswirthſchaft zu be⸗ befolgen ſucht. In dieſen koͤnnen und werden auch nur aͤhnliche Maaßregeln Anwendung fin⸗ den; fuͤr andre Staaten, die ſich in einem permanenten, oder— da es dieſen in Europa wohl nicht giebt— in einem ſinkenden Zuſtande ihrer innern Staͤrke, in einem phyſiſchen oder mo⸗ raliſchen Unvermogen, ſich zu heben, befinden, ſind ſie freilich nicht geeignet. Die geographiſche Lage konnte in damaligen Zeiten keinen großen Un⸗ terſchied begründen, indem die Schiffahrt Groß⸗ brittanniens erſt im Werden war, und man auf dieſe bey der Verſorgung des Reichs mit Lebensmitteln noch keine Ruͤckſicht nahm und nehmen konnte. Da mir dieſe Materie, in Hinſicht auf die ſchnelle Aufnahme des Ackerbaus in England, ſchon längſt hochſt wichtig ſchien, ſo hatte ich viele Data daruͤber geſammelt, ehe ich Dirom's und Mackie's Werk*) uber den Kornhandel Großbrittanniens erhielt. Dieſes inſtructive Werk uberhob mich weiterer Unterſuchungen⸗ da es die ſaͤmmtlichen koͤniglichen Verordnungen und ) An inquiry into the Corn-laws and Corn- trade of Great-Britsin by the late Alewander Dirom; to wich is addad a Supplement by Wiltiam Mackie. Edinburg 1796. — 120— und Parlaments⸗Acten von 1360 bis 1786, dann die Preiſe des Weizens von 1223 bis 1784, und endlich die jaͤhrlichen Ein- und Ausfuhr⸗Regiſter aller Kornarten, von 1697 bis 1784, enthaͤlt. Die neueren hat Mackie theils nachgetragen, theils habe ich ſie aus den Young'ſchen Annalen nehmen koͤnnen. Ich kann hier, um nicht uͤber dieſe Matierie allein einen dicken Band zu ſchreiben, nur kurze Aus⸗ zuͤge des Merkwuͤrdigſten liefern. Wer mehr daruͤber wiſſen will, den muß ich auf gedachtes Werk verweiſen. Vor und im vierzehnten Jahrhunderte betreffen alle verſchiedentlich modificirte und oft erneuerte Kornpolicey⸗Verordnungen theils die Einfuͤhrung eines allgemeinen richtigen Maaßes, theils die Verhinderung des Kornaufkaufs. Erſtere wuͤrkten wenig; denn allen war, ohne genauere Beſtimmung, die Klauſel angehaͤngt: jedoch ohnbeſchadet den Gefaͤllen, Zinskorn und den Gerechtſamen der Lords. Da man fuͤr dieſe Korn⸗Gefaͤlle doch immer das alte Maas beybehalten mußte, ſo wußte ſich der Bauer in zweyer⸗ ley — ley Maaßen nicht zu finden, und blieb ganz bey dem alten. Was aber die Kornhaͤndler betrifft, ſo war alles gegen dieſe Foreſtallers, Regrators und Ingroſſers, wie man ſie in England nennt, gegen dieſe Kornjuden aufgebracht. Wenn Kornhandel außer den Maͤrkten betrieben wurde, ſo verloren der Koͤnig, die Lords und Stadtobrigkeiten ihre Zolle und Marktgefaͤlle. Der Buͤrger aber meynte damals, wie jeßt, dieſe Vorkaͤufer muͤßten allein Schuld ſeyn, wenn der Landmann nicht einen Ueberfluß von Korn zu Markte brachte, oder nicht mit den niedrig⸗ ſten Preiſen zufrieden war. Noch nahm Keiner dieſe nuͤtzlichen Leute in Schut, welche das Getreide ebenmaͤßig durch das Land und durch die Zeit von einer Erndte zur andern vertheilen, welche als wahre Vormuͤnder des Volks, nach einer unzureichenden Erndte, durch hoͤhere Preiſe, anfangs zur Sparſamkeit noͤthigen, und dadurch Hungersnoth am Ende des Erndte⸗ Jahrs verhuͤten. Man kann ſich alſo vorſtellen, wie man damals mit ihnen verfuhr, da noch jetzt der vornehme und geringe Poͤbel ſie gern zerreiſſen moͤgte, nachdem ihre Ruͤtlichkeit ſo evident erwieſen iſt. Man kann ſich vorſtellen, daß kein vermogender und unternehmender Mann dieſen Haß, dieſe Strafen ſich zuziehen wollte, und — 2 und daß daher aller Kornhandel aufhoͤrte, alle Kornboͤden wegfielen. Aber vorſtellen kann man ſich auch, daß der arme Landmann fuͤr nichts beſorgter war, als daß in ſeiner Gegend mehr Korn gebauet wuͤrde, als zur unumgaͤnglichen Subſiſtenz noͤthig war. Denn wurde ſein nächſter Markt uͤberfahren, ſo konnte er ſein Korn nicht los⸗ werden, mußte mit jedem Tage den Preis her⸗ abſetzen, bis es weniger galt, als es ihm ge⸗ koſtet hatte. Wenn auch in einer andern Ge⸗ gend des Landes Hungersnoth herrſchte, ſo durfte doch kein unternehmender Mann es wa⸗ gen, ihm das Korn abzukaufen und dorthin zu transportiren, aus Furcht, entweder in die geſtrengen Haͤnde der Ortsobrigkeiten oder des Poͤbels zu fallen. Daher ward nicht mehr Korn gebauet, als mit den mindeſt moͤglichen Koſten geſchehen konnte. Der Acker ward be⸗ ſtellet; aber wie?— darnach zu fragen, fiel niemand ein. Es ward um ſo weniger beſtellet, wenn nach etlichen reichen Erndten Ueberfluß vorhanden geweſen, und der Bauer durch un⸗ verhaͤltnißmäßig geringe Preiſe zu Grunde gerichtet war. Vorraͤthe waren nirgends auf⸗ geſchuͤttet, weil es keine Sicherheit dafuͤr gab. Wenn dann Mißwachs eintrat, woben vielleicht nur 2 der noͤthigen Conſumption in einem D Sl⸗ Diſtrikte fehlte, ſo entſtand uͤbermaͤßige Theu⸗ rung und Hungersnoth. Hieraus läßt ſich das in unſern Zeiten unerhoͤrte und ſonſt unbegreifliche Steigen und Fallen der Getreide⸗Preiſe erklä⸗ ren, wovon folgende Veyſpiele eine Idee geben koͤnnen. Das Quarter Weizen koſtete unter der Re⸗ gierung Heinrichs des Dritten: Im Jahr Nach damal. Gelde Nach jetz. Geldwerth*) Pf. Schill. Pence Pf. Schill. Pence 1244 0 20 15 6 1246 9 257 1 0 9 8 5 1258 0 B 66 1270 4 4 Unter *) Dieſe Preiſe ſind aus der vom Biſchof Fletwood gemachten Sammlung, die man in England für ſehr zuverläſſig hält, genommen worden. Ich ziehe ſie aus Dirom's Werke, und gebe nur die Durchſchnitts⸗Preiſe der Jahre. Die temporairen Preiſe in einem Jahre würden faſt noch auffallender ſeyn. Man kann ſie auch im Smith über den National⸗Reichthum ausfuͤhrlicher finden. Ich muß mich aber über die Reduction der der⸗ zeitigen Münze zu unſerm Geldwerth erklären. Es liegt derſelben ein doppeltes Princip zum Grunde. Erſt⸗ — Unter Eduard dem Erſten: Im Jahr Nach damal. Gelde Nach jetz. Geldwerth Pf. Schill. Pence Pf. Schill. Pence 1286 0 3 6 3 1 zu Ende deſ⸗ ſelbenJahrs o 16 0 18 1288 0 6 1290 0 76 0 9 1294 0 4 0 19 8 Unter Erſtlich: der wirkliche Silbergehalt derſelben Nomi⸗ nal⸗Münze. Bis 1374 wurden nämlich aus einem Pſunde Standart⸗Silber, von 12 Unzen, zwanzig Schilling geprägt. Nach und nach ward der Muͤnz⸗ fuß immer ſchlechter. Theils war das circulirende Geld von Kippern und Wippern leichter gemacht, unb ſelbſt durch die Circulation abgeſchliffen, und gab daher weniger Silber, ſo oft es wieder einge⸗ ſchmolzen wurde; theils war auch die Regierung dabey intereſſirt, es faſt bey jedesmaliger neuen Umprägung ſchlechter zu machen. So iſt es nun nach mancherley Veränderungen dahin gekommen, daß ſeit 1601 aus einem Pfunde Standart⸗Silber 62 Schilling geprägt werden. 20 Schilling oder 1 Pfund Sterling von 137 4 enthalten alſo im innern Werthe ſoviel als 62 Schilling, oder 3 Pfund 2 Schilling jetzigen Geldes. Hiernach hat auch Smith in dem angeführten Werke die Preiſe nach jetzigem Geldgehalt berechnet. Der Unterſchied des Geldwerths iſt aber weit beträchtlicher aus einer andern Urſache. Es iſt nämlich bekannt, daß nach der Entdeckung der beyden Indien die Maſſe des Goldes und Silbers ſich von Jahr zu Jahr in Europa veèr⸗ 125— Unter Eduard dem Zweyten: Im Jahr Nach damal. Gelde Nach jetz. Geldwerth Pf. Schill. Pence Pf. Schill. Pence 1302 0 4 0 29 8 1315 1 0 0 9 18 5 1316 65 5 17 5 1317 2 4 0 16 6 nach der Erndte 6 8 3 6 (Von 1315 bis 1317, vor der Erndte, wär eine ſchreckliche Hungersnoth, die vielen Menſchen den Tod verurſachte.) Unter vermehrte, und daß daher ihr Werth gegen andre Waaren immer mehr fiel. Auch circulirte dieſelbe Raſſe von Gold und Silber bey vermehrtem Handel und Wandel immer ſchneller, und ward folglich we⸗ niger ſelten. So gewiß dies iſt, ſo ſchwer würde es doch ſeyn, das Verhäitniß auszumitteln, nach welchem der Werth der edleren Metalle gegen andre Dinge von einem Zeitraume zum andern gefallen iſt, und noch immer mehr fallen wird. Das Ein⸗ zige, worauf man ein ſolches Verhältniß begründen kann, iſt der allgemeine Zinsfuß. Die Zinſen be⸗ ſtimmen gewiſſermaßen den Werth des Geldes. Ein Hundert, welches 10 p. C. giebt, iſt ſo gut, wie Zwey Hundert, die nur 5 p. C. geben. Nun war der allgemeine Zinsfuß vor dem ſechszehnten Jahr⸗ hundert in England 16 p. C.; fiel im ſechszehnten auf 14, dann 12, dann 10 herab; im ſiebzehnten auf 1 0 C5 S 0 65 C0 — 126— Unter Eduard dem Dritten: Jahre Nach damal. Gelde Nach jetz. Geldwerth Pf. Schill. Pence Pf. Schill. Pence 36 0 6 39 0 6 5 4 49„ 5 8 59 F 6 53 6 29 K 4 4 4 87 5 2 6 6 33 0 Ein aufs und 6; und im achtzehnten iſt er geſetzmäßig auf höchſtens 5 p. C. geſetzt, obgleich gewöhnlich nur 3 p. C. gegeben werden. Mir ſcheint dieſer Maaßſtab nun freylich nicht ganz richtig zu ſeyn. Wenigſtens muß man nie einen örtlichen und temporairen Zinsfuß dafür an⸗ nehmen, indem zufällige Umſtände ihn auf eine Zeitlang in die Höhe treiben und herunterſetzen koͤnnen, die auf den eigentlichen Werth des Geldes oder deſſen Verhältniß zu andern Waaren keinen Einfluß haben. Da wir bisher aber noch keinen beſſern haben, ſo müſſen wir ihn annehmen. Und nach ſolchem, zuſammengenommen mit dem innern Gehalt der Münze, hat Dirom die älteren Preiſe auf den jetzigen Geldwerth— den jetzigen Zinsfuß zu 5 p. C. angenommen— redueirt. Wenn im Verlaufe dieſer Abhandlung, neben den Preiſen älterer Zeit, in Klammern ein anderer Preis ſtehet, ſo iſt dies die Reduetion auf jetzigen Geld⸗ — 1 27— Ein ſolches unnatuͤrliches, durch Hinderung des Kornhandels und Vernachlaͤſſigung des Ackerbaus hervorgebrachtes Steigen und Fallen der Preiſe laͤßt ſich in unſern⸗Zeiten, ohne die allgemeinſte Hungersnoth und ohne Zerrut⸗ tung der buͤrgerlichen Geſellſchaft, gar nicht denken. Wenn jetzt das Getreide auf das Vier⸗ fache eines Mittelpreiſes ſteigt, ſo iſt dies ſchreckhaft, und veranlaßt, wenn nicht directen Hungerstod, doch Seuchen und große Sterb⸗ lichkeit. In jenen Zeiten aber ſtieg es oft von ſeinem Mittelpreiſe, den wir zu§ Schill. etwa annehmen koͤnnen, auf das 10, bis 18,„fache, und fiel wieder auf 4 des Mittelpreiſes herun⸗ ter. Wir haben nun ein ſo enormes Schwanken der Kornpreiſe,— Dank ſeyh es dem humanen Grundſatze, welchen man in Anſehung des Kornhandels und des Ackerbaues angenommen hat!— nicht mehr zu beſorgen. Aber den⸗ noch giebt es ſelbſt unter den gebildeten Klaſſen Menſchen, mit Seelen fuͤr Maulwuͤrfe beſtimmt, die bey jedem erhoͤheten Marktpreiſe die Ruͤck⸗ kehr Geldwerth nach vorſtehenden Principien. Mebrigens ſchreibe ich häufig nach engliſcher Art, z. B. 1Pfund 8 Schilling 6 Pence: 1: 8 61, oder 7 Schill. 4 P.: o7 4 1, oder 1Pfund s Pence: 1 — 126— kehr derſelben geſetzlichen Anordnungen wuͤn⸗ ſchen, welche damals ſo oft die fuͤrchterlichſte Hungersnoth veranlaßten, und welche bey unſerer jetzigen Verfaſſung den Staat aus ſeinen Angeln heben wuͤrden.— Doch ge⸗ hen wir in der Geſchichte fort! Zu Ende des 14ten Jahrhunderts zeigte ſich ein Schein des Lichts, und es ward durch ein Geſetz erlaubt, Getreide gegen Er⸗ legung eines gewiſſen Ausfuhr⸗Zolles außer⸗ halb Landes zu fuͤhren; welches Geſetz im Jahre 1425 beſtaͤtiget wurde, jedoch mit der Einſchraͤnkung, daß der König und ſein Rath die Ausfuhr verbieten könne, wenn er es gut finde. Wie es ſcheint, fanden aber der Koͤnig und ſein Rath, daß es für ſie vortheilhafter, und den kurzſichtigen Wuͤn⸗ ſchen der ſie umgebenden Perſonen angemeſ⸗ ſener ſey, die Ausfuhr in der Regel zu verbieten, und nur beſondere Conceſſionen zu ertheilen. Dies erhellet wenigſtens aus einer Parlaments⸗Acte von 1436, zur Auf⸗ helfung des verfallenden Ackerbaus, worin jedermann die Freyheit ertheilt wird, ohne beſondre Conceſſion Korn auszufuͤhren, wenn der Weizen nicht uͤber 6 Schill. 8 Pence (214 10) ſtände. Man fand dieſes Ge⸗ ſetz ſo wohlthätig fuͤr das ganze Reich und ſo ſo fruchtbringend fuͤr den Ackerban, daß es 1444 beſtaͤtiget und auf zehn Jahre verlän⸗ gert wurde. Hierbey hob ſich der Ackerbau ſo ſehr, daß der Getreide⸗Preis in einer Reihe von 20 Jahren wenig ſchwankte, und immer auf einem ſehr maͤßigen Standpunkte blieb. Um dieſe Zeit aber hob ſich die In⸗ duͤſtrie, der Handel und Ackerbau der Nie⸗ derlaͤnder ungemein. Wenn nach einer zuruͤck⸗ ſchlagenden Erndte in England der Preis zur Schadloshaltung des Landwirths etwas ſtieg, ſo führte jene Ration gleich viel Ge⸗ treide ein, und vertauſchte ſolches gegen Wolle und halbfertiges wollenes Tuch. Der eng⸗ liſche Ackerbauer konnte mit ihnen oft nicht Preis halten, und ſahe ſich alſo vom Markte verdräͤngt. Der Getreidebau ward alſo wie⸗ der vernachlaͤſſiget, und ſtatt deſſelben Schaf⸗ zucht, die mehr reinen Vortheil gab, betrieben. Man ſahe dies ein, und gab, weil der Ackerbau durch die ſtarke Getreide⸗Einfuhr zu ſehr leide, ein Geſetz, wodurch die Einfuhr des fremden Korns verboten ward, bis der Weizen uͤber 6 Schill. 8 Pence(1:15121) Rocken uͤber 4 Schill.(11 11 0 2), und Gerſte über 3 Schill.(o: 15 1 10 1) ſtände. an Bds. te Abtyeil. 3 Dieſe — 130— Dieſe Geſetze waren alſo die Morgenroͤthe einer weiſen Geſetgebung, in Anſehung des Kornhandels; ſie waren der Saamen des nach⸗ maligen fruchtreichen Stammes, wozu der engliſche Ackerbau anwuchs. Wenigſtens gaben ſie den nachfolgenden Geſetzgebern einen Finger⸗ zeig, was ſie zu thun haͤtten, um den Ackerbau ſo zu heben, daß ſolcher eine Vermehrung der Menſchenzahl, die daraus erfolgende Indu⸗ ſtrie und den National-Reichthum in ſpäteren Zeiten hervorbringen konnte. Aber noch war der Horizont zu ſtark mit Nebel bedeckt, als daß ſich die Sonne in hellem lichte zeigen konnte. Sie ward vielmehr bald durch dicke Wolken wieder verdunkelt. Man vergaß damals Geſetze noch geſchwinder, wie jetzt, wenn das Intereſſe einzelner, dem Ruder nahe ſtehender Menſchen nicht daran erinnerte, und ſie nicht oft erneuert wurden. Man vergaß ſie bis auf ihr Daſeyn, und gab andre, die ihnen gerade entgegen ſtanden, ohne an die Aufhebung jener nur zu denken. In einer Acte von 1582 ward z. B. den Aufkaͤufern ver⸗ boten, Lebensmittel von Schiffen, welche jen⸗ ſeits der See herkommen, aufzukaufen, wenn der Weizen auf 6 Schill. 8 Pence ſtaͤnde, oder auch einlaͤndiſchen von einem Orte zum andern zu fahren, oder ihn zum Wiederverkauf aufzu⸗ ſchuͤtten; — 131— ſchutten; als ob die Einfuhr bey jenem Preiſe nicht überhaupt verboten, und die Ausfuhr nicht erlaubt geweſen wäre. Es ſcheint hier zwar nur auf das Wort auf oder uͤber an⸗ zukommen, alſo der Unterſchied nicht gar groß zu ſeyn. Man muß aber bedenken, daß der Muͤnzfuß ſich ſeit der Zeit ſo betraͤchtlich ver⸗ ändert hatte, daß nun aus 1 Pfund Silber 60 Schilliug geſchlagen wurden, da in der vorhergehenden Periode nur 37 Schill. 6 Pence darauf gingen. Auch war der Zinsfufi von 16 auf 12 p. C. gefallen, folalich machten 6 Schill. 8 Pence nach unſerm Geldwerth im Jahr 1463 12 15 121 im Jahr 1552 aber nur o 15 1 6 1 aus. Folglich ward das ganze vormalige Syſtem uͤber den Haufen geworfen, und der Kornhandel bekam wieder einen todtlichen Stoß. Denn das Korn mußte nun unter den Preis fallen, wofür es gebauet werden konnte, ehe irgend ein Verkehr damit Statt fand. Es war um ſo unverzeihlicher, da nun ſeit vierzig Jahren kein Kornmangel entſtanden war, und der Preis auf einem ſehr maͤßigen Punkte geſtanden hatte. In den Jahren vor dieſer 1554 noch geſchärften Verordnung war der Preis des Weizens 8 Schill.(o: 191101) alſo zu wohlfeil für den Landwirth geweſen, und 3 3 den⸗ dennoch beſchwert man ſich in dem Eingange derſelben uͤber den wundervoll theuren Preis, der durch den Kornwucher hervorge⸗ bracht wuͤrde. Dieſe kurzſichtigen Geſeßgeber waͤhnten alſo, das ſicherſte Mittel, Ueberfluß zu erhal⸗ ten, ſey: wenn man alles einheimiſche Korn zu Hauſe behielte, und ſo viel moͤglich vom fremden einfuͤhrte. Es ſiel ihnen nicht ein, daß gerade hierdurch auf die Folge theure Preiſe bewirkt werden muͤßten, indem der Ackerbauer kein Korn zum Verkauf erzielen konnte, wenn das Korn weniger galt, als es ihm koſtete; daß folglich Mangel und Hungersnoth erfolgen muͤſſe, wenn der Bauer dieſes fuͤhlte, und die Vorraͤthe erſchoͤpft waären. Den Umterſchied des vormaligen und jetzigen Werths derſelben Renn⸗Muͤnze hatten ſie vermuthlich aus den Augen verloren; bedachten nicht, daß Tagelohn und alle Beduͤrfniſſe dem Landmann jetzt drey⸗ mal ſo viel koſteten. Daß der Ackerbau ſich hebe und einen Ueber⸗ fluß von Korn erzeuge, wenn immer ein freyer offener Markt da iſt; daß mit dem fleißigen Anbau des Feldes, mit der Verfuͤhrung und dem Handel von Producten mehrere Menſchen nutzlich beſchaͤftiget werden; daß Menſchen ſich ſchnell ſchnell vermehren, wenn Nahrungsmittel und Arbeit vorhanden ſind; daß dieſe Menſchen auf neue Induͤſtriezweige ſinnen; daß dieſe, ſo wie der Ackerbau ſelbſt, dann mehr hervorbrin⸗ gen, als im Lande gebraucht werden kann; daß eine vortheilhafte Handels⸗Balanz fuͤr den Staat entſtehe, und daß ſein Reichthum und ſeine Macht anwachſe—, daß ſich folglich alles dies in groͤßeren Staaten einzig und allein auf emporkommenden Ackerbau gruͤnde—, dies war den Staatsmaͤnnern damaliger Zeit noch zu verwickelt, und iſt den unſrigen, zum Theil— zu einfach und zu natünlich⸗ Spaniens gleichzeitige Staatsmänner ver⸗ boten die Ausfuhr des Goldes und Silbers, mit dem Erfolge—, daß kein Land ſo arm wie Spanien ward. Und doch war das ver⸗ nünftiger; denn Gold und Silber war keine vergängliche Waare, wie Getreide, und die Spanier hatten Menſchen, die ſie zur Hervor⸗ bringung dieſer Metalle zwingen konnten. Aber konnte die engliſche Regierung ihre freyen Unterthanen zwingen, ein Gewerbe zu treiben, wobey ſie mehr Schaden als Vortheil hatten; wobey ſie des Vermoͤgens, was zu deſſen Betreibung erforderlich iſt, ſelbſt beraubt wurden? Bildete ſie ſich ein⸗ durch Geſetze unmoͤgliche Dinge— Dinge, die ⸗— 2 ——z——————————— — ————— 2 die in ſich ſelbſt einen Widerſpruch enthalten, moͤglich zu machen? Unnöthige Verordnungen und unnoͤthige Arzeneyen ſind langſame Gifte. Sie werden in der guten Abſicht, für den Augenblick zu lindern, von dienſtſertigen Aerzten gegeben. Ihr Nachtheil zeigt ſich, leider! nicht gleich; ſonſt koͤnnte man Gegenmittel brauchen, und wuͤrde ſich in der Folge davor huͤten. Er ſiellt ſich aber deſto ſicherer ein, zu einer Zeit, wo man die Urſache vielleicht vergeſſen hat. Ent⸗ deckt man ſie auch, und wendet zweckmäßige Gegenmittel an, ſo koͤnnen auch dieſe erſt nach einer Reihe von Jahren helfen. Wie mancher Staatskoͤrper waͤre von ſeinen geſchaͤftigen Aerzten zerſtoͤrt, wenn nicht in dieſem, wie im menſchlichen Korper, ein immer reges, den ſchaͤdlichen Einwürkungen widerſtrebendes Le⸗ bens⸗Princip wohnte! So ging es auch hier. Die Betreibung des Ackerbaues dauerte aus Noth und aus Ge⸗ wohnheit noch fort, ob ſie gleich immer nachläſſi⸗ ger geſchahe. Gute Jahrszeiten ſchafften, mit Hälfe auswärtiger Einfuhr, den Bedarf. Aber ſchon in den ſechsziger Jahren dieſes Seculums fingen, unter Eliſabeth's Regierung, die Folgen an, ſichtbar zu werden. Der Pflug war war verlaſſen; die Häuſer und Hoͤfe der Paͤchter verfallen. In den ſiebziger Jahren trat nun eine nicht vorubergehende, ſondern fortdauernde Theurung und Kornmangel ein. Die P Preiſe, welche in dieſem Jahrhundert, mit wenigen Ausnahmen, zwiſchen 3 und 8 Schilling ge⸗ ſtanden hatten, gingen nun fortdauernd auf 45, 60 bis 80 Schilling hinauf. Denn die Aus⸗ länder, von denen man nun abhaͤngig geworden war, verfehlten nicht, die Noth zu benußen. Vorzuglich war die Hungersnoth im Jahre 157 4 in London ſehr groß. Ein gleichzeitiger, wohlun⸗ terrichteter Schriftſteller, Walter Raleigh, ſagt, daß die Einfuhr des fremden Korns inner⸗ halb etlichen Jahren 45 Millionen Lvres Tournois betragen habe. Man erſchrak nun uͤber den geſunkenen Zuſtand des Ackerbaues, und die Urſache konnte der thaͤtigen, nur zu geldgierigen Regierung der Konigin Eliſabeth nicht entgehen⸗ Sie verordnete 1362, daß unbebauete Hofe und unbeſtelltes Ackerland wieder bebauet werden ſolle, widrigenfalls ſie dem nächſten Erben, der ſie bebaute, dann dem Suthsherrn(Lord af che manor) und endlich der Königin an⸗ heim ſallen ſollten. Auch erlaubte ſie durch eine gleichzeitige Verordnung die Ausfuhr, wenn das Quarter Weizen nicht uͤber 10 Schil⸗ ling — 136— ling ſtände. Aber noch hatte Niemand Luſt, Land und Hoͤfe unter der Bedingung wie⸗ der anzunehmen, und die Koͤnigin am we⸗ nigſten. Im Jahr 1370 erſchien eine Acte, betitelt: „Zur Befoͤrderung des Ackerbaues, und zur Vermehrung der Schiffahrt und der Matroſen.“ Dieſe Acte iſt als ein Meiſterſtuͤck der Staats⸗ wirthſchaft beruͤhmt. Auch war ihre Tendenz vortrefflich; nur die Zuſaͤtze verhinderten alle Wirkung. Es ward dadurch erlaubt, Korn aus allen engliſchen Häfen, wo Zolleinnehmer angeſetzt waͤren, gegen Abgaben gewiſſer Pro⸗ cente, auf engliſchen Schifſen, deren Schiffer und zwey Drittheil der Matroſen Englaͤnder waren, auszufuͤhren, wenn— die Ausfuhr von der Regierung oder der Obrigkeit des Diſtrikts nicht unterſagt waͤre. Die verſchie⸗ denen Magiſtratsperſonen ſollten naͤmlich halb⸗ jaͤhrlich mit den Einwohnern des Diſtricts uͤber die Wohlfeilheit oder Theurung aller Getreide⸗ arten conferiren, und ſodann nach eigenem Ermeſſen beſtimmen, ob die Ausfuhr frey zu laſſen oder zu verbieten ſey. Dieſe willkuhr⸗ liche Beſtimmung glich faſt einem voͤlligen Ausfuhrverbote. Denn Obrigkeiten und Ein⸗ wohner hatten noch den alten Preis von hoͤch⸗ ſtens 8 Schilling im Kopfe, und meinten, dahin muͤſſe — 137— „muͤſſe das Korn wieder herunter. Ueberdas aber war der Ausfuhrzoll auf 20 p. C. geſett, und hierbey konnte der Englaͤnder auf fremden Maͤrkten um ſo weniger Preis halten, da das Korn, wegen des einmal niedergedruͤckten Acker⸗ baues und der Unzulaͤnglichkeit fremder Zufuhr, hoch genug im Lande ſtand. Im Jahr 1593 ward die Ausfuhr, um den Ackerbau mehr aufzumuntern, erlaubt, wenn der Weizen nicht uͤber 1 Pfund ſtand. Hier ſind die, in Ruͤckſicht jener Epochen merkwuͤrdigſten Preiſe aus den durchgegangenen zwey Jahrhunderten: Im Jahre Nach damal. Gelde. Nach jetzigem Gelde. Pf. Schill. Pence Pf. Schill. Pence 1461 5 6 6 6 1407 0 8 65 1 6 0 42 0 6 1423 0 6 I 6 5 1434 1 6 3 8 6 6 1440 1 6 3 8 1444 8 4 4 1 8 8 Von *) Veränderung in der Muͤnze. 5 —.————————. 3 —— ₰ Von dieſem Jahre bis 1556 blieb der⸗ ohnerachtet der Muͤnzfuß und die Zinſen c geringer geworden waren, faſt immer unter E 1 8 S Scilu, ſank mehrmals auf 1 Schiling 2 8. bis 5 8 ce, und ſtieg nur einmal uͤber d Im Jahr Noach damal. Gelde. Nach jetzigem Gelde. Ppf. Schil. Pence Pf. Schill. Pence 5 9 3 5 15575) 0 5 6 5 bis 1562 0 8 0 15 5 .— 1 5 5 1 1587 3 6 5 1594 6 5 1 1 5 8 Solche Preiſe waren demnach die Folgen des durch Erſchwerung des Kornhandels unter⸗ druͤckten Ackerbaues und der Abhaͤngigkeit von Fremden in Anſehung des nothwendigſten Be⸗ durfniſſes. S *) vor der Erndte. *) ngch der Erndte. Im Jahr 1604 ward der Preis, bey wel⸗ chem Korn ausgeführt werden duͤrfte, auf 26 Schilling 8 Pence(2: 13 14 2) geſett- Die Acten und Proclamationen unter Jacob des Erſten Regierung haben keinen Ein⸗ gang, und führen ſelten die Sruͤnde an, warum etwas verordnet wird. Im Jahr 1623 ward die Ausfuhr auch noch erlaubt, wenn der Preis auf 32 Schilling(3: 4 1 0 1) ge⸗ ſtiegen war; aber immer mit einem Ans⸗ fuhrzoll von 2 Schilling. Auch wurden nun die Strafgeſetze gegen Aufkaufer förm⸗ lich aufgehoben, wenn der Preis nicht hoͤher ſtaͤnde. Ohnerachtet es ſcheint, daß während der inconſequenten Regierung Carls des Zweny⸗ ten die Korngeſetze nur in ſofern in Be⸗ tracht kamen, als daraus Einkuͤnfte in den Schat fließen konnten; ſo ward doch der Grund zu dem nachmaligen Syſteme hier gelegt. Die Korn⸗Ausfuhr ward 1660 erlaubt, wenn der Weizen nicht uͤber 2 Pfund(2: 8 10 1) ſtand; aber es ward eine Abgabe von 1Pfund darauf gelegt. Dies glich alſo beynahe einem Ausfuhr⸗Verbote, Zugleich aber ward auch ein Einfuhrzoll von 2 Pfund auf jedes Quarter gelegt, wenn er an dem Einfuhrs⸗Orte nicht uͤber 2 Pfund 4 Schilling galt. Stand er hoͤher, — 140— hoher, ſo bezahlte er nur 6 Schilling, 3 Pence. Stand alſo der Weizen, und nach Verhältniß anderes Korn, im Lande niedriger, ſo glich dieſe Abgabe voͤllig einem Einfuhr⸗Verbote. Dieſe vermuthlich vom Geiz dictirte Anordnung hätte demnach den Ackerbau vielleicht mehr als alles andre heben koͤnnen, da dem Landmanne nach ſelbiger ſein Markt durch fremdes Korn nicht leicht verdorben werden konnte. Es war aber nicht zu erwarten, daß es dabey bleiben wuͤrde, denn die Financiers des Königs wurden bald bemerkt haben, daß ſie bey ſo hoch geſpann⸗ ten Forderungen weder Ein⸗ noch Ausfuhr⸗Zoll erhielten. Der Ackerbau lag aber in dieſer Zeit der⸗ maaßen darnieder, alle Päͤchter und Bauren waren ſo verarmt, der Bedarf des auswaͤrtigen Korns war ſo groß, und der Preis deſſelben ſo hoch, daß man im Parlamente darauf drang, die Sache in ernſtliche Betrachtung zu nehmen, die Kornpolicey zu residiren, und wirkſame Maaßregeln zur Aufhelfung des Ackerbaues zu treffen. Dies geſchah denn auch, und 1663 erſchien eine Acte dieſerhalb. Im Eingange derſelben heißt es: „Da die Aufmunterung des Ackerbaues eine ganz beſondre Aufmerkſamkeit verdient, und ( S — 1— und das ſicherſte und wirkſamſte Mittel, eine Kunſt oder Gewerbe zu befoͤrdern, darin be⸗ ſteht, daß man es eintraͤglich fuͤr diejenigen macht, die es betreiben; und da eine große Menge Ackerland in den gegenwaͤrtigen Zeiten wuͤſt liegt und wenig Ertrag giebt, welches ſehr verbeſſert und zu großem Vortheil verwandt werden koͤnnte, wenn man ſicher waͤre, die darauf zu verwendenden Koſten und Arbeit wieder bezahlt zu erhalten, und dadurch viel mehr Korn im Lande erzeuget, auch Menſchen, Hornvieh und Pferde mehr erzielet und ſonach immer mehr Land zu hoͤherem Werth und Nutzen gebracht werden koͤnnte——“ Es ward demnach verordnet: 1) daß, wenn das Quarter Weizen nicht uͤber 48 Schilling(2 4 1 7 3)„ und anderes Korn nach Verhaͤltniß ſtaͤnde, ſo ſolle die freye Ausfuhr erlaubt ſeyn, und keine hoͤhere Abgabe als 5 Schilling 4 Pence davon bezahlt werden. 2) daß bey obgedachtem Preiſe es jeder⸗ mann erlaubt ſeyn ſollte, Korn aufzukaufen, in Magazinen aufzuſchuͤtten, um es demnachſt wieder zu verkaufen, und daß alle vormals hier⸗ auf geſetzten Strafen aufgehoben werden ſollten. 3) — 1 ½2— 3) Daß, wenn das Getreide obgedachten Preis nicht uͤberſteigt, fuͤr das Quarter eingefuhrten Weizens nur 3 Schilling 4 Pence an Einfuhr⸗Zoll bezahlt werden ſoll. Dieſes Woͤrtlein Nicht hatte ſich in dieſen letten Abſchnitt entweder zufaͤllig oder hinter⸗ liſtig eingeſchlichen. Denn unmoͤglich konnte die Abſicht der Geſetzgeber ſeyn, die Einfuhr des Korns zu erſchweren, oder vielmehr durch den darauf ſtehenden Einfuhr⸗Zoll, von Pfund Pr. Qnarter, ganz zu verhindern, wenn es cheuer im Lande war; die Einfuhr hingegen zu beguͤnſtigen, und den Zoll herunter zu ſetzen⸗ wenn es wohlfeil war. Es ſollte daher offenbar heißen: die hohe Vbgabe ſolle aufhoͤren, und die Einfuhr beguͤnſtigt werden, wenn der Preis uber 43 Schill. ſtiege. Wäre dies nicht an ſich klar, ſo wurde es ſich noch mehr dadurch beſtätigen, daß man in Schottland, wo man um dieſe Zeit alle ſtaatswirthſchaftlichen Ein⸗ richtungen mit England uͤbereinſtimmend machte, gleich darauf daſſelbe Geſetz gab, und das Wort Nicht an dieſer Stelle wegließ. So augenfällig dieſer Fehler war, ſo war doch die Acte einmal mit dieſer Sylbe einregiſtrirt, und ſo ward um ſo mehr darauf gehalten, weil der Zoll bey der kleinen Auflage gewenn⸗ bey der hohen nichts erhalten haͤtte. Da⸗ her 3— 3— —— her dauerte die Einfuhr bey mäßigen Preiſen ſort. Der Abzug des Geldes fuͤr fremdes Korn und der fortdauernde Verfall des einlaͤndiſchen Ackerbaues ward nun aber ſo empfindlich, daß man das Verſehen durch ein neues Geſetz von 1670, betitelt:„Eine Acte zur Befoͤr⸗ derung des Ackerbaues und der Viehzucht für die allgemeine Wohl⸗ fahrt des Koͤnigreichs“— verbeſſerte. Es blieben im Weſentlichen dieſelben Anord⸗ nungen, die in der vorhergehenden beſtimmt waren, nur ward die hohe Einfuhr⸗Abgabe feſtgeſetzt, wenn der Weizen unter 48 Schilling im Lande ſtaͤnde. Dieſen effectiven Stand ſollte aber der leßte Preis auf dem naͤchſten Marktplatze in jedem Hafen beſtimmen. Hier⸗ durch ward der Zweck der Verordnung wieder vereitelt, denn dieſer Preis war leicht gemacht. Wenn ein Kaufmann Getreide einfuͤhren wollte, ſo trieb er den Preis einen Markttag in die Hoͤhe, ließ vielleicht ſein eigenes Korn von ſeinen Gehuͤlfen ſo theuer kaufen, nahm eine Beſcheinigung hieruͤber, und producirte ſie beym Zoll. Man weiß, welche Unterſtuͤtzung Defraudenten finden, zumal, wenn ſie etwas nutzliches einfuͤhren; und die Zollauſſeher ſahen es natuͤrlich gern, wenn Korn eingefuͤhrt wurde und und nur die kleine Abgabe bezahlte; denn die hohe fiel gar nicht vor. Certificate wurden alſo leicht erhalten und angenommen, ohne die Sache genau zu unterſuchen. So dauerte denn, aller Acten zur Befoͤrderung des Acker⸗ baues ohnerachtet, die Einfuhr fort, und die Ausfuhr blieb, zwar minder wie vorher, aber mit 5 Schill. 4 Pence pr. Quarter, doch immer noch zu ſehr belaſtet. Und ſo ſchmachtete der Ackerbau ferner. Viele, ſelbſt engliſche Schriftſteller, haben die Einfuͤhrung des nachmaligen gluͤcklichen Kornpolicey⸗Syſtems in dieſe Zeit geſetzt. Ich bin daher veranlaßt worden, dies ebenfalls S. 36 der Einleitung zu thun. Eigentlich aber hatte das Parlament in dieſer Zeit nur den guten Willen, dem Ackerbau aufzuhelfen, und die richtige Idee, daß dieſes durch Befoͤr⸗ derung der Ausfuhr und durch Erſchwerung der Einfuhr in England allein geſchehen koͤnne. Die Maaßregeln waren noch zu mangelhaft⸗ und die Ausfuͤhrung derſelben zu ſchwach. Eine Sylbe vereitelte alle guten Abſich⸗ ten. Anch konnte man die Aufhebung des Zolls fuͤr ausgefuͤhrtes Korn wohl nicht durchſetzen, vielweniger eine Praͤmie dafuͤr ausmitteln. Im ——— — ——— — ,—+ ——— S— ——— Im Jahre 1685 verbeſſerte man die leßte Acte durch einen Zuſatz, um die falſche Angabe der Preiſe zu verhuͤten. Danach ſollten die Friedensrichter in ihren Quartals⸗Sitzungen den Durchſchnitts⸗Preis des Getreides auf den Eid mehrerer Perſonen, die aber weder Kaufleute noch Factors, ſondern wohlhabende BGutsbeſitzer oder Paͤchter waͤren, beſtimmen; und danach ſolle ſich die Einfuhr des fremden Korns rich⸗ ten. So verbeſſerte man die Maaßregeln allmaͤhlig. Im Jahr 1686 ward man böſe, verbot alle Einfuhr gaͤnzlich, und verordnete, daß alles fremde Korn, was man einzufuͤhren verſuchen wuͤrde, zerſtört und ins Waſſer geworfen wer⸗ den ſolle. Hieraus ſcheint doch zu erhellen, daß die vorhergehenden Maaßregeln etwas ge⸗ fruchtet und dem Ackerbau aufgeholfen hat⸗ ten;— ſonſt hatte man letzteres nicht thun duͤrfen. Auch fingen die Preiſe an, beträchtlich zu fallen. Um meine Leſer ſelbſt in den Stand zu ſet⸗ zen, mehrere Reſultate aus der Vergleichung der Maaßregeln mit den Kornpreiſen zu zie⸗ hen, ſetze ich letztere von den letten 40 Jahren dieſer Epoche vollſtaͤndig hieher. 2n Bos. 2te Abtheil⸗ K Im Im Jahre 1604 1623 1646 1647 1648 1649 1650 1657 1652 1653 1654 1655 1656 1657 1658 1659 1660 1667 1662 1663 1664 1665 1666 1667 1668 1669 b b b 0 C C D b— b c+ 146 Schiu. Pence⸗ 6 12 8 13 do p+ o o+ o o o co o e O0 O S S+ o 0 0 c 0 0 00 beträgt nach jetzigem Geldeswerth: Pf. Schiu. Pence. 2 12 4 2 5 6 9 S 9 6 16 0 6 8 0 6 2 6 2 19 4 2 2 7 2 2 0 0 4 6 0 5 0 8 2 5 4 4 0 4 8 3 8 5 3 2 3 2 2 3 7 3 0 Im Sie 1670 6 1672 1673 1674 1675 1676 1677 1678 1679 1680 1687 1682 1683 1684 1685 1686 1687 „ b b e 8 17 Schi. Pence⸗ 1 8 2 0 I 0 5 8 8 8 38 18 0 2 0 15„ O 0 5 5 „ O 0 4„ 14„ 5 3 —— beträgt nach jetzigem Geldwerth: Pf. Schil. Pence. 10 0 10 8 16 2 17 5 L0 10 12 14 16 12 8 L2 16 0 10 B — o 0 o0 0o 6 0o 0o n—— O 60 0 0 b b b b c c — 5 — 0 Wie bey jener Veraͤnderung der Thronfol⸗ ge, wodurch das Haus Oranien auf den Britti⸗ ſchen Thron kam, alle Grundſätze des Reichs K revi⸗ revidirt und nach einem auf Erfahrung und weiſe Ueberlegung gegruͤndeten, nicht auf den Augenblick, ſondern auf ſpäte Nachkommenſchaft berechneten Plan verbeſſert und unwandelbar feſtgeſtellt wurden, richtete man auch ein vorzuͤg⸗ liches Augenmerk auf die Korngeſetze. Der Ge⸗ danke, die Verſorgung der Nation mit Lebens⸗ mitteln dadurch auf ewig ſicher zu ſtellen, daß man den Ackerbau auf eine ſo hohe Stuffe der Vollkommenheit bringe, daß er in mittlern Jahren weit mehr producire, als im Lande conſumirt werden kann— und daß dieſes auf keine andere Weiſe moͤglich ſey, als wenn man ihm auch nach reichen Erndten einen vortheilhaf⸗ ten Abſat ſichere—, war nicht neu. Man hatte ihn ſchon in ältern Zeiten gehabt, und ſchon von einer unvollkommenen Ausfuͤhrung er⸗ wuͤnſchten Erfolg zu ſehen. Man hatte ihn neuerlich wieder gehegt und wenigſtens halb ins Werk gerichtet, und verſpuͤrte auch davon bereits gute Wirkungen. Aber jetzt hatte man zuerſt die weiſe, gluckliche Kuhnheit, ihn vollſtaͤn⸗ dig, wirkſam und beharrlich auszufuͤhren. Gleich nach der Thronbeſteigung Wilhelms und Maria erfolgte das ewig denkwurdige Ge⸗ ſetz, welches den Ackerbau, die Bevoͤlkerung, den Kunſtfleiß und folglich den Reichthum und die Macht Großbritanniens vor allem begruͤn⸗ dete, dete, durch die es ſich in dem verwichenen Jahr⸗ hunderte uͤber alle Nationen Europens, der vielen Kriege und Unglucksfaͤlle ohnerachtet, empor geſchwungen hat. Es hieß: Eine Acte, die Kornansfuhr zu befoͤrdern. Nach derſelben blieben alle Abgaben auf eingefuͤhrtes Getreide, welche unter Karls II. Regierung darauf geſetkt waren; aber nicht mehr in der falſchen Abſicht, eine offentliche Revenüe dadurch zu ziehen; ſondern um die Einfuhr bei leidlichen Kornpreiſen im Lande faſt unmoͤglich zu machen. Galt der Weißen im Lande nicht uͤber 44 Schilling, ſo war die Ein⸗ fuhr nur unter einer Abgabe von 40 Schilling erlaubt, oder, was einerley iſt, durchaus ver⸗ boten. Galt er nicht uͤber 33 Schilling 6 Pen⸗ ce, ſo mußten 16 Schilling davon bezahlt wer⸗ den; galt er endlich nicht uber 80 Schilling, ſo trug er noch 8 Schilling Abgabe. Erſt, wenn er daruͤber kam, ſollte er, bis auf eine kleine Certiſicationsgebuͤhr, frey ſeyn. Dann aber ward verordnet, daß, wenn der Weiben nicht uber 48 Schilling(41171713) ſtehe, oder andere Kornarten nach Verhaͤltniß, ſo ſolle es jedermann ohne alle Abgabe erlaubt ſeyn, auf engliſchen Schiffen, worauf der Schiffer und zwey Drittel des Schiffsvolks Eng⸗ Engländer waͤren, Getreide auszuführen. Und wenn er ſich gehoͤrig legitimire, daß dieſes Korn außerhalb Landes gebracht und in einem fremden Hafen ausgeladen oder auch auf der See ver⸗ ungluͤckt ſey, ſo ſolle ihm fuͤr jedes Quarter Weihen 5 Schill.(6 Schill.) und fuͤr ande⸗ res Korn nach Verhaͤltniß Praͤmie oder Ver⸗ gůtung(Pounty) bezahlt werden. Nicht genug, dieſe Geſetze gegeben zu haben: — man hielt, wie viele nachfolgende Verord⸗ nungen beweiſen, ſtrenge auf ihre Ausfüͤhrung. Kurzſichtige— mitunter auch ſcharfſichtige— Menſchen konnten den Nutzen dieſer erlaubten und ſogar belohnten Ausfuhr nicht begreifen, und eben ſo wenig das Verboth der Einfuhr billigen. Sie ſuchten daher alle Mittel hervor, jene zu erſchweren und dieſe zu befoͤrdern. Man verſaͤumte, die Preiſe auf die vorgeſchrie⸗ dene Art auszumitteln, und ließ fremdes Korn faſt zollfrey ein, unter dem Vorwande, daß die Preiſe nicht geſetmäßig beſtimmt waͤren. Daher ward es den Friedensrichtern wiederholt zur Pflicht gemacht, dieſe Preiſe ordnungsmä⸗ ßig zu beſtimmen; wenn ſie es aber dennoch un⸗ terließen, ſo ſolle der geringſte Preis von den Zolleinnehmern zur Norm genommen werden. Und da fremdes Korn noch immer in einen oder den andern Hafen offne Wege fand, ſo ward — 151— ward alle Kuſtenverfuͤhrung deſſelben von einem Hafen zum andern unterſagt. Ohnerachtet ſich die wohlthätigen Folgen dieſes Syſtems durch Ueberfluß und maͤßigere, gleichere Preiſe, wie man je gehabt hatte, deut⸗ lich zeigten: ſo ward doch der Poͤbel haͤufig auf⸗ gehetzt, ſich der Kornausfuhr zu wiederſeten. In verſchiedenen Gegenden rottete er ſich zuſam⸗ men, fiel Pferde und Wagen⸗ die Korn nach den Seehafen fuhren, an⸗ zerſtorte es, pruͤ⸗ gelte die Fuhrleute, und verſchuttete das Korn. In manchen Gegenden zerſtoͤrte er die Korn⸗ Magazine, drang in die Schiffe, und warf das Korn uͤber Bord. Hiergegen ward ein ſtrenges Geſetz gegeben, was vollig ſeine Wirkung that: die Gemein⸗ den, wo ſich ſolche Unordnungen zutrugen⸗ ſoll⸗ ten allen Schaden bezahlen. Da der zur Auszahlung der Ausfuhr⸗Prä⸗ mien beſtimmte Fond ſtark angriffen wurde, und die Auszahlung nicht gleich erfolgen konnte, ſo ward beſtimmt, daß die Scheine 3 P. C. Zinſen tragen und als Staatspapiere angenom⸗ men werden ſollten. Und ſo ſetzte man denn dieſes, wie der Er⸗ folg lehrte, richtig berechnete Syſtem mit aller Ener⸗ — 1 ..— —————————— 1. — Energie beinahe 80 Jahre durch. Denn bis an die ſechziger Jahre des verwichenen Secu⸗ lums wurden nur einige Male kleine temporaire Ansnahmen gemacht, die aber freilich folgen⸗ reich genug wurden. In den ſechziger Jahren fing man an, es zu durchloͤchern; in den ſieben⸗ ziger Jahren, es beynahe vollig uber den Hau⸗ fen zu ſtoßen. Ehe wir aber in der Geſchichts⸗ erzaͤhlung weiter gehen, wollen wir etwa bei dem Jahre 1760 ſtehen bleiben, und die Wir⸗ kungen dieſes Syſtems etwas genauer beobach⸗ ten, aber auch einige Einwendungen hoͤren, die dagegen von den ſtaatswirthſchaftlichen Schrift— ſtellern Englands gemacht worden ſind. Daß der Ackerbau ſich bei dieſem Sy⸗ ſteme betraͤchtlich heben muͤſſe, hatte wohl ſchon a priori keinen Zweifel. Aber vermuthlich er⸗ warteten ſelbſt die Urheber deſſelben nicht, es wer⸗ de einen ſo betraͤchtlichen Ueberfluß an Getrei⸗ de und andern Lebensmitteln hervorbringen, daß die Preiſe dadurch auf einen ſehr maͤßigen und gleichfoͤrmigen Standpunkt herabfielen. Dies hat die Erfahrung erſt gelehrt; denn von dem Zeitpunkte an, d. h. von dem Anfange des 18ten Jahrhunderts, wo dieſe Geſetzgebung ihre Wir⸗ kung thun konnte, bis auf die Zeit, wo man wie⸗ der davon abging, ſind die Preiſe nach. Verhält⸗ niß des Geldwerths weit geringer, vornämlich aber aber gleichfoͤrmiger geweſen, als je vor und nach dieſer Zeit. Dies erweiſt folgende Tabelle der Preiſe, wenn man ſie mit den vorherigen nnd nachfolgenden vergleicht, ſo unwiderſprechlich, daß ich kein Wort weiter daruͤber verliere. beträgt nach jetzigem I Jahr Geldwerth. Pf. Schill. Pence Pf. Schil. Pence 5 16 8 Durchſchn. v. 10Jahren 1 19 1 2 6 11 5 3 3 16 10 5 1696 3 5 6 4 1699 3 Durchſchn. v. 10Jahren 2 16 10 5 3 3 1 8 5 4 1 75 5 v 154 — beträgt nach jetzigem Im Jahre Geldwerthe. Pf. Schill. Pence Pf. Schill. Pence 5 F 2 1709„„ 1710. 6 Durchſchn. voJahren⸗ 32 3 1 F7—— 2 19 4 —— 2 3 0 —— 2 8 0 —— 2 5 6 5—— 1 18 10 —— 1 14 9 4 —— 1 17 0 Durchſchn.veoahren— 32. 17 6 3 1722 1723 16 0 1724 114 9 *) Hier wird der Geldwerth gleich. ————— 4 —— 0 K 8 5 3* e„ 6. 8„—„ e *— —— 8 8 0 O —— 2 2 0.— 2 g ₰ —— E 8 cr a e c e S r r—— † S r r v r r r— r— r— r—— 5„ 8„„„ S——„„„*„* Im Jahre Pf.. Penee 1749 1 17 0 1750. 3 1 12 6 Durchſchn. v. 10 Jahren 1 13 8 1751. 1 18 6 1752.. 3 2 1 10 55 ⸗ 2 4 5 1754 1 14 9 1755 1 13 9 5ü 2 5 3 1757. 5 0 0 1758.. 2 10 0 1759 4* 1 19 10 1760. ⸗. 1 16 6 Durchſchn. von 10 Jahren 2 2 6 Von 1714 bis 1760 iſt der hochſte Preis des Weitzens in dem allgemeinen Hungerjahre 1740 vor der Erndte 35 Schilling, und im Jahre 1757 60 Schilling geweſen. Der Preis iſt höchſtens um ein Viertel des Mittel⸗ preiſes geſtiegen, und dieſer Mittelpreis iſt von zehn zu zehn Jahren immer gefallen, ohnerach⸗ tet die Konſumtion und der Reichthum in dieſem Zeitraume betraͤchtlich zunahm. —— — — Wer den Betrieb eines klugen und energie⸗ vollen Ackerbaues kennt,— wer da weiß, wie hoch man die Fruchtbarkeit eines Ackers bei ei⸗ nem guten Wirthſchaftsſyſtem und zweckmaͤßig daran verwandten Capital treiben kann: dem wird dieſer Erfolg ſehr natärlich ſcheinen. Die meiſten Staatsmänner und Schriftſteller uber Staatswirthſchaft kennen dies aber nicht, und beurtheilen den Ackerbau nur ſo en gros, wie er landuͤblich getrieben wird. Wenn ſie ſonſt erwaͤgen wollten, daß durch einen thaͤtigen Ackerbau— wie dies gewiß geſchehen kann—, ſtatt ſechs Koͤrner, neun Koͤrner erzeugt werden können, und daß nach Abzug des Saat⸗ korns und der Konſumtion des Landwirths im erſtern Falle drei Koͤrner, im letzteren ſechs Koͤrner, alſo das Doppelte, zum Verkauf kom⸗ men, ſo muͤßten ſie ſich leicht uͤberzeugen koͤnnen, daß ohnerachtet aller moͤglichen Ausfuhr, die ein Ackerbau treibendes Land nur haben kann, doch ein großerer Ueberfluß im Lande bleiben muͤſſe, als vorher. Wenn nun dazu die neuen Urbarmachungen, die ein thaͤtiger Haus⸗ halt unternimmt, kommen— deun Raum fehlt faſt nirgends—, ſo wird man leicht einſehen, daß alle Ausfuhr nicht zurieche, um den Ueber⸗ fluß aus einem beträͤchtlichen Staate fortzuſchaf⸗ fen, und daß folglich die Preiſe im Lande alle⸗ mal maͤßig bleiben muͤſſen. Dazu gehoͤrt aber, daß daß das Gewerbe der Landwirthſchaft einträgli⸗ cher werde, als es z. B. bei uns in Riederſachſen — die letten ſechs Jahre etwa ausgenommen— geweſen iſt, und daß der Wiederertrag des zu Verbeſſerungen verwandten Capitals geſichert ſey. Mancher wird hier vielleicht einen Wider⸗ ſpruch finden.„Wenn Verbeſſerung der Land⸗ wirthſchaft nur durch ſtaͤrkern Abſatz und hoͤhere Preiſe bewirkt werden kann,“ wird man ſagen, „und verbeſſerte Landwirthſchaft niedrigere Preiſe hervorbringt, ſo trägt ſie die Urſach ihrer Zer⸗ ſtoͤrung in ſich ſich ſelbſt.“ Aber entſtehen und ſich erhalten iſt zweyerlei. Man ſieht dies bei guten Fabriken, die immer beſſere Waaren, und zu wohlfeileren Preiſen liefern, und doch mehr Vortheil abwerfen, je mehr ſie ſich vervollkommnen. Hat der Acker einmal ei⸗ nen hohen Grad von Fruchtbarkeit erreicht; iſt das beſſere Wirthſchaftsſyſtem einmal eingefuͤhrt, ſo braucht man es nur zu erhalten, und man kann bey geringern Preiſen groͤßeren reinen Er⸗ trag haben. Aber feſtes Vertrauen auf eine conſequente Geſetzgebung, auf eine Geſetzge⸗ bung, die nie den freien Gebrauch des Eigen⸗ thums ſtort, iſt der Landwirthſchaft ſo nothig, wie dem Handel und den Fabriken. Das ge⸗ ringſte Mistrauen macht muthlos und ver⸗ droſſen⸗ Man Man muß nur immer eine ſclaviſche Land⸗ wirthſchaft, die man treibt, wie man ſie treiben muß, von einer freyen Landwirthſchaft, die man treibt, nachdem der Anreitz dazu vorhan⸗ den iſt, unterſcheiden. Jene kann auch das fruchtbarſte Land nicht gegen Hungersnoth ſichern; dieſe ſichert immer gegen Mangel. Doch genug, um jenes Phaͤnomen der ſin⸗ kenden Preiſe bey beguͤnſtigter Ausfuhr, und, was noch mehr iſt, der Zufriedenheit und des vermehrten Wohlſtandes der Landwirthe bei ſinkenden Preiſen zu erklären! Die Aufnahme, worein der Ackerbau kam, erhellet ſchon hieraus. Kein Wunder; denn alles griff mit Ernſt zum Pfluge. Wohlhaben⸗ de und aufgeklärte Maͤnner ſchaͤmten ſich nun dieſes in ſeine eigenthuͤmliche Wuͤrde wieder ein⸗ geſetzten Gewerbes nicht. Denn nur von Bar⸗ baren war es daraus verdraͤngt und den Haͤnden der Sclaven uͤbergeben worden. Mit Capital in Haͤnden, und richtigen Begriffen im Kopfe, entlockte man nun allen Aeckern einen bis dahin unerhoͤrten Ertrag, wandelte unfruchtbare Wu⸗ ſten in reiche Felder um, legte kuͤnſtliche Wie⸗ ſen an, verwandelte die Viehracen, erfand beſſere, den Kraftaufwand erſparende Werk⸗ zeuge. So ——— ———— — 160— So entſtand denn nach aufgehobener Ein⸗ fuhr und reichlicher Verſorgung des Einlandes die betraͤchtliche Ausfuhr. Es wird genug ſeyn, wenn ich hier nur den zehnjaͤhrigen Durch⸗ ſchnitt der Ein- und Aufuhr aus Dirom's ausfuͤhrlichen, aus den Zollregiſtern gezogenen Tabellen herſetze, nebſt den Durchſchnittsprei⸗ ſen des Quarters Weitzen. Jahre. Jährl. Einfuhr. Ausſuhr. Durchſchnittspreis. Quarter. Quarter. Pf. Schill. Pence⸗ 1711—1720 71 449193 2 4 10½ 1721—1730 73/262 447/963 2 2 0 1731—1740 4/650 549/447 1 17 5 1741—1750 15/943 343,660 1 13 3 1751—1760 37/397 352/837 2 2 6 Man muß noch bemerken, daß die Ein⸗ fuhr groͤßtentheils in Hafer, die Ausfuhr aber in Weitzen beſtand. Es war ſchon eine betraͤchtliche Summe⸗ welche Großbritannien durch dieſe Ausfuhr an ſich zog, und eine weit groͤßere, welche es durch erſparte Einfuhr zuruͤckbehielt. Hierzu kommt das, was es fuͤr andre Produkte der verbeſſerten Landwirthſchaft: fuͤr Wolle, Pferde, Kaͤſe, ein⸗ nahm. — 161— nahm. Schon von dieſer Seite betrachtet, ließe ſich behaupten, daß Landwirthſchaft der erſte Stamm des engliſchen National⸗Reich⸗ thums ſey. Doch wir wollen den Manufacturen, demi Handel und der Seemacht ihren Werth kei⸗ neswegs abſprechen. Aber war nicht die Landwirthſchaft ihre einzige Mutter, ihre erſte Ernaährerin? Würde ſich die Bevölke⸗ rung bey dem Zuſtande, worin ſich der Ackerbau vor dieſer Epoche befand, je ſo haben vermehren koͤnnen, daß Manufacturen, Kunſtfleiß und Schiffahrt empor gekommen waͤren? Ackerbau erzeugte, Ackerbau ernährte, Ackerbau erzog das ganze Volk zur Arbeit⸗ ſamkeit und Ausdauer. Er verſchaffte den Städten, den Schiffen, den neuen Colonien die Nahrungsmittel zu maͤßigen Preiſen. Die Kornausfuhr gab den Matroſen Be⸗ ſchaͤftigung und vermehrte die Anzahl der Schiffe, trug alſo auch von dieſer Seite dazu bey, die Seemacht zu ihrer gegenwaͤr⸗ tigen Hoͤhe zu bringen. Ich leugne jedoch keineswegs, daß die Landwirthſchaft den Fabriken und dem Han⸗ del wieder vieles zu verdanken habe. Die vermehrte Conſumtion im Lande gab ihr an Bds. 2te Abtheil. 4 gewiß —— —** .—— 3. W„. ——————————— B** — — 162— gewiß mehreren Anreiz zu groͤßerer Pro⸗ duction, wie die Ausfuhr. Der Reichthum, den der Handel ins Land brachte, hielt die Preiſe der Conſumtibilien in die Hoͤhe. Die ſtarke Fleiſch⸗Conſumtion machte die Viehzucht eintraͤglicher und vermehrte dadurch den Oun⸗ ger auf dem Acker. Man lernte von den Fabriken auch Landwirthſchaft fabrikmaͤßig treiben, lernte von ihnen Menſchenhaͤnde und Arbeit durch Werkzeuge und Maſchienen er⸗ ſparen. Landwirthſchaft und Manufacturen gehen nur Hand in Hand ſicher vorwaͤrts. Sie muͤſſen mit gleicher Sorgfalt vom Staate gepflegt, in gleicher Hoͤhe und Kraft neben einander erhalten werden. Um eins zu heben, das andre niederdruͤcken wollen, heißt: einen Fuß laͤhmen, damit der andre beſſer fortſchreiten könne. Es iſt ein frivoler Streit um den Vorzug der Fabriken und des Ackerbaus fuͤr die Staatswohlfahrt; den aber practiſche und theoretiſche Staats⸗ maͤnner in neuern Zeiten ſo häufig gefuͤhrt haben. Dies fuͤhrt mich auf zwey berühmte ſtaatswirthſchaftliche Schriftſteller Englands, John John Steuard und Adam Smith. Beyde geben zu, daß auf dem Ackerbau alles beruhe, und daß ohne ihn National⸗Reich⸗ thum und Staͤrke blos precaͤr ſey. Aber Beyde ſcheinen doch den Ackerbau als etwas Untergeordnetes zu betrachten, wenn er mit andern Induͤſtriezweigen in Colliſion kommt; und Veyde ſind mit dem damaligen Sy⸗ ſteme in England nicht zufrieden. Ihre Werke ſind in den Händen aller Staats⸗ maͤnner, und haben ohne Zweifel großen Einfluß gehabt, vielleicht gar die Umſtuͤrzung jenes Syſtems in England befoͤrdern helfen⸗ Es wird alſo nicht unnuͤtz ſeyn, ihre Mey⸗ nungen in dieſer Hinſicht zu prufen. Steuard ſagt eigentlich über agrariſche Legislatur, ſo viel ich mich erinnere, nichts ſpecielles. Er betrachtet aber den Regenten wie den Hausvater in einer Familie, wo lauter Kinder ſind, und will, daß er alle Geſchaͤfte leiten und ſich in die Angelegen⸗ heiten eines jeden miſchen ſoll. Er ſoll ge⸗ wiſſe Gewerbe befoͤrdern, andre zurückhalten, je nachdem er es dem Ganzen zutraͤglich ſindet. Keins ſoll ſich zum Nachtheil des anderen heben. Wenn daher der Landwirth die Kornpreiſe erhoͤhet, ſo ſoll er ihn daran verhindern, und ihn in gewiſſe Schranken 12 zuruck⸗ .*— 3 —.—.——————.——— — ————— — zuruͤckweiſen. Daß die Preiſe nach einer abſchlaͤgigen Erndte ſteigen, haͤlt er fuͤr bil⸗ lig. Aber dieſe Steigerung erfolge gewohn⸗ lich auf eine unverhaͤltnißmaͤßige Art; und das muͤſſe der Regent durch eine zweck⸗ maͤßige Kornpolicey verhindern. Es ſey ſchon ein ſtarker Abſchlag, wenn, ſtatt 4 Mil⸗ lionen Quarter Getreide, nur 3 Millionen geerndtet wuͤrden. Hier duͤrfe aber der Preis nur um 4 ſteigen. Gewoͤhnlich ſteige er hoͤher, und dann muͤſſe ſogleich Einhalt geſchehen. Dies beweiſet, wie wenig Steuard uͤber Landwirthſchaft nachgedacht habe. Dächte ſein, ſich in alles miſchender Regent nicht mehr nach, ſo wuͤrde er den Ackerbau bald voͤllig zu Grunde richten, Wir wollen, nach unſerer gewoͤhnlichen Art zu reden, annehmen, daß der Land⸗ wirth im Durchſchnitt das gte Korn baue, und daß dann z. B. 24 BGroſchen fuͤr 1 Scheffel ein billiger Preis ſey, wobey er beſtehen kann. Run erndtet er aber 4 we⸗ niger, alſo das 6te Korn. Wenn ihm ſechs Koͤrner ſo viel eintragen ſollen, als ſonſt acht Koͤrner, ſo muͤßte er den Scheffel doch ſchon zu 32 Groſchen verkaufen, alſo ſchon hoͤher⸗ hoͤher, als Steuard es ihm zugeſteben will. Damit kann er aber nicht auskom⸗ men. Denn er muß fuͤr die Einſaat ein Korn und fuͤr die Wirthſchaft zwey Koͤrner abziehen. Daher hat er bey der guten Erndte von acht Koͤrnern fuͤnf Körner zum Verkauf, bey der ſchlechten Erndte aber nur drey Koͤrncr. Das Verhaͤltniß iſt alſo wie § zu 3, oder drey Scheffel muͤſſen ſo theuer verkauft werden, wie ſonſt fuͤnf Scheffel; folglich muß der Scheffel, der ſonſt 24 Gro⸗ ſchen galt, jetzt 40 Groſchen gelten, wenn der Landwirth anders ſeinen Pachtzins, die Intereſſen ſeines Capitals und ſeinen Ver⸗ dienſt, in einem wie im andern Jahre, ha⸗ ben ſoll. Steuards ganzes Syſtem und ſeine Vergleichung des Regenten mit einem Haus⸗ vater ſcheint mir uͤbrigens unhaltbar. Doch koͤnnen wir uns hier auf keine Widerlegung einlaſſen. Weit mehr haben wir es mit dem ſcharfſinnigen, conſequenten Adam Smith zu thun. Er hat liberalere Maximen, und will unbedingte Freyheit des Handels und Wandels. Die Regierung ſoll ſich, nach ihm, durchaus nicht in den Gang der Ge⸗ werbe 1* 3**— 2 ——————— — 2 ——.—— E — 166— werbe miſchen; ſie ſoll ihnen freyen Lauf laſſen, ſie nur ſchuͤtzen und allenfalls Schwie⸗ rigkeiten, die ſonſt nicht gehoben werden koͤnnen, aus dem Wege raͤumen. Es ſey immer fehlerhaft, die Induͤſtrie der Nation und ihr Vermoͤgen durch Praͤmien oder Auflagen irgend einem Gewerbe zuleiten zu wollen; weil jeder Einzelne ſchon ausfinden wird, wohin er ſeinen Fleiß und ſein Capi⸗ tal am vortheilhafteſten richten kann. Jede andere Richtung aber, die nicht den Vor⸗ theil des Einzelnen mit ſich bringt, werde dem Ganzen ſchaͤdlich, indem die Induͤſtrie einem andern Gewerbe entzogen werde, wo ſie nuͤßlicher ſeyn wuͤrde. Die Wuͤrkung aller ſolcher Mittel kann nur die ſeyn: die Induͤſtrie in einen Canal zu zwaͤngen, der weit weniger vortheilhaft iſt, als der, worein ſie ſich natuͤrlicher Weiſe von ſelbſt wuͤrde ergoſſen haben. Hierin hat er ohne Zweifel Recht, jedoch nur unter der Bedingung, daß dieſe Maxime ganz allgemein beobachtet, und gar keine Ausnahme gemacht worden ſey. Hat die Regierung ſich einmal in die Leitung und Befoͤrderung eines Gewerbes eingelaſſen, ſo muß ſie ihre Aufmerkſamkeit wenigſtens auch auf alle diejenigen richten, die fuͤr die Wohl⸗ fahrt — 167— fahrt des Staats von unumgäͤnglicher Noth⸗ wendigkeit ſind. Nun hatten in England — und vielleicht in allen andern Staaten— unzaͤhlige Gewerbe Privilegien und Aufmun⸗ terung, folglich war auch der Ackerbau ge⸗ wiſſermaaßen darauf berechtiget, ſobald er ſie nämlich brauchte. Auch mußte ihm ein Gegengewicht gegeben werden, um ſich von der gewaltſamen Unterdruͤckung, worun⸗ ter er bisher in England gelegen hatte, zu heben. Smith will nach ſeinen Grundſaͤtzen vollige Freyheit des Kornhandels und un⸗ eingeſchraͤnkte Ein⸗ und Ausfuhr deſſelben. Im Allgemeinen iſt dies fuͤr den Ackerbau auch genug; aber nicht bey den damaligen Verhaͤltniſſen in England. Natürlicher Weiſe iſt er alſo mit jener Acte von 1688 nicht zufrieden, und haͤlt ſie fur ſchaͤdlich. Er ſagt, ſie ſey damals durch das Uebergewicht der Landeigner im Parla⸗ mente durchgeſetzt worden, und ein Werk des Privat⸗Intereſſe geweſen. Bey dem Ueber⸗ gewichte, welches das Handels⸗Intereſſe ge⸗ gen das Land⸗Intereſſe in den ſiebziger Jah⸗ ren bekam, verkuͤndigt er ihr ihr Schickſal voraus. Wenn dem ſo iſt, ſo wäre die alte 7.— ———— 2 alte goldene Maxime, bey jeder Staatsange⸗ legenheit lieber den Grundeigenthuͤmer als den Kaufmann und Manufacturiſten zu hoͤ⸗ ren, hierdurch wieder beſtaͤtiget. Smith haͤlt niedrige Kornpreiſe, wie wir nachher hoͤren und unterſuchen werden, fuͤr die Wohlfahrt des Ganzen nuͤtzlich. Er kann nicht leugnen, daß dieſe erfolgten, ſo⸗ bald die Acte ihre Wirkung thun konnte, und daß die Preiſe niemals im Durchſchnitt niedriger— und was fuͤr die Wohlfahrt des Ganzen vielleicht wichtiger, wie dieſes iſt— niemals gleichmaͤßiger ſtanden, wie in den erſten 60 Jahren des Jahrhunderts. Aber er ſagt, dies ſey, troß der Acte, nicht ihr zufolge, geſchehen. Dies ſagt er, weil— er nicht begreift, wie dieſe Acte geringere Preiſe hatte bewirken koͤnnen. Wer freylich die Wirkung der Acte durch das Medium des Handels erklaͤren will, der kann das nicht begreifen. Aber durch das Medium des verbeſſerten Ackerbaues iſt nichts natur⸗ licher zu erklaͤren. Uebrigens giebt er gar keinen Grund an, woraus ſich dieſe niedri⸗ gen Kornpreiſe ſonſt erklaͤren lieſſen, und meynt, es koͤnnte doch wohl moͤglich ſeyn, daß wir in der Reihe von Jahren eine vorzüglich günſtige Witterung gehabt haͤtten!! Die — 169— Die Nuͤtzlichkeit der Ausfuhr⸗Prämien kann und will er nach ſeinem Syſteme durchaus nicht zugeſtehen, und iſt alſo vor⸗ naͤmlich gegen die Praͤmie auf die Korn⸗ ausfuhr. Indeſſen gibt er die ſogenannten Drawbaks zu, naͤmlich die Ruͤckzahlung der Auflage, der eine auszufuͤhrende Waare im Lande unterworfen war; weil der Aus⸗ laͤnder ſich nicht werde taxiren laſſen, und die Waare ſonſt im Auslande nicht Preis halten koͤnne. Aber, welche Waare iſt in England einer hoͤhern Taxe unterworfen, als das Getreide? Ruhet auf ſolchem nicht die Land⸗ taxe, der Zehnten, die enorme Armen⸗ Taxe; alle die andern Auflagen, welche der Ackerbauer mit tragen muß, ungerechnet? Haͤlt Smith fuͤr die Fabrikwaaren dieſe Praͤmien oder Ruͤckgaben noͤthig, ſo iſt das engliſche Getreide ihrer noch weit mehr beduͤrftig, wenn England Getreide ausfuͤhren ſoll— was nun aber vielleicht nie wieder der Fall ſeyn wird—. Denn bey einer Nation, die, wie die engliſche, durch Be⸗ voͤlkerung, Kunſtfleiß und National⸗Reichthum in den Stand geſetßt iſt, Fabriken mit groͤß⸗ ter Energie zu betreiben, beduͤrfen Fabrik⸗ waaren keiner Ruͤckgabe. Der engliſche Fa⸗ brikant kann, wie die Erfahrung zeigt, ohn⸗ erachtet . — —— — 170— erachtet der Theurung der Lebensmittel und der Arbeit, ſeine Waaren wohlfeiler geben, als jede andere Ration. Eine polniſche, ruſſiſche oder ungariſche Fabrik wird, ohner⸗ achtet aller Wohlfeilheit des Landes, vorerſt gegen keine engliſche aufkommen. Mit dem Ackerbau verhaͤlt ſichs aber ganz anders. Der Ruſſe und Pole wird ſein Korn, ſelbſt in England, im Durchſchnitt wohlfeiler ver⸗ kaufen koͤnnen, als der Englaͤnder. Warum? Das rohe Material der Fabriken läͤßt ſich verfahren, und der Englaͤnder hat die Gele⸗ genheit und das Vermoͤgen, es zu kaufen, beſſer, wie der Ruſſe und Pole. Aber das rohe Material des Ackerbaues— der Grund und Boden— fehlt nach Verhaͤlt⸗ niß der Bevoͤlkerung mehr, wie in Polen, und iſt viel theurer. Smith wuͤrde hierauf antworten: nun ſo iſt es nicht gut, daß der Pole vorerſt Fabriken, und daß der Englaͤnder Ackerbau betreibe. Aber der Englaͤnder muß eſſen. Und er kann mit polniſchen Lebensmitteln nicht ſo leicht verſorgt werden, wie der Pole mit engliſchen Fabrikwaaren. Wollte man ſagen⸗ er ſolle nicht mehr bauen, als er gerade Con⸗ conſumirt, ſo bewieſe das eine unverzeihliche Unwiſſenheit. Denn, wenn eine Ration in ſchlechten Jahren die Nothdurft heben will, ſo muß ſie in guten Jahren Ueberfluß haben. Wenn dieſer Ueberfluß aber nur mit Ver⸗ luſt abgeſetzt werden kann; wenn ſein Preis auf jedem Markte niedriger ſtehet, als dem Engländer die Production deſſelben koſtet, ſo kann und wird er keinen Ueberfluß hervor⸗ bringen, und ſo wird Mangel in ſchlechteren Jahren eintreten. Daher war eine Vergü⸗ tung des Verluſts, oder die Ausfuhr⸗Prämie, das einzige Mittel, die Nation in ſchlechteren Jahren gegen Mangel zu ſchuͤßen. Eine freye Einfuhr des auslaͤndiſchen Getreides aus ſolchen Ländern, wo daſſelbe mit geringeren Koſten producirt werden kann⸗ wuͤrde, der Schiffahrt ohnerachtet, den Preis auf den engliſchen Maͤrkten ſo herabgeſetzt haben, daß ein betriebſamer Ackerbau nicht hätte beſtehen können. Daher mußte, um dieſen zu erhalten, die Einfuhr eingeſchränkt werden. Allein, ſagt Smith, wenn die Ge⸗ treidepreiſe geringer wuͤrden, ſo wuͤrde der Landmann bey dieſen geringen Preiſen eben ſo gut, ja beſſer beſtehen koͤnnen, als bey ho⸗ hoͤheren—; denn nach dem Preiſe des Korns richte ſich der Preis der Arbeit, nach dem Preiſe der Arbeit aber der Preis der Ma⸗ nufacturen und jedes Artikels der Induͤſtrie. Der Preis der Arbeit und jedes Dinges, welches der Boden und der Kunſtfleiß her⸗ vorbringe, muͤſſe im Verhaͤltniſſe des Korn⸗ preiſes fallen und ſteigen. Jeder im Staat werde daher bey niedrigen Kornpreiſen ge⸗ winnen, und der Landwirth wenigſtens nicht verlieren. Denn wenn er gleich weniger Geld erhalte, ſo werde dies Geld doch von hoͤherem Werthe ſeyn, und er werde dafuͤr daſſelbe kaufen koͤnnen, was er jetzt fuͤr das mehrere kauft. Sein Vermoͤgen, ſein Ver⸗ dienſt blieben daher, was ſie jetzt ſind; ob ſie gleich durch eine geringere Quantitaͤt von Silber bezeichnet wuͤrden. Wenn man da⸗ gegen den Preis des Korns ſteigere, ſo ver⸗ mehre man dadurch das wahre Vermoͤgen des Grundeigenthuͤmers und Ackerbauers nicht; man ermuntere dadurch den Landwirth nicht zu einer beſſeren Beſtellung ſeines Ackers, weil man ihn dadurch nicht in den Stand ſetze, mehrere Arbeiter anzuſtellen, wie jetßt. Dieſes Raiſonnement hat erſtaunlich ſtar⸗ ken Eindruck gemacht, und iſt hundert Mal nach⸗ nachgeſprochen worden. Es iſt auch ſehr conſequent, nur— der Vorderſaß iſt nicht wahr! Nach dem Kornpreiſe ſollten ſich die Preiſe der Arbeit und aller Dinge rich⸗ ten? Die Erfahrung aller Orten und aller Zeiten widerlegt das! Freylich, wenn man ſich einen Staat in einem ſtillſtehenden, vol⸗ lig permanenten Zuſtande denkt, wo Bevoöl⸗ kerung, Vermoͤgen des Staats und des Ein⸗ zelnen, Geldumlauf, Regierungs⸗Principien, Sitten und Character der Buͤrger, Induͤſtrie, Handel, auswaͤrtige Verhaͤltniſſe vollkommen dieſelben bleiben, oder letztere vielmehr ganz wegfallen; ſo laͤßt ſich annehmen, daß auch die Preiſe aller Dinge in gleichem Verhält⸗ niſſe bleiben werden. Aber ſelbſt hier koͤnnte man mit eben ſo vielem Rechte ſagen: der Preis der andern Dinge beſtimme den Preis des Korns, als umgekehrt. Wo giebt es aber einen ſolchen Staat, wenn man China etwa ausnimmt? In jedem Staate, wo Po⸗ pulation, Induſtrie u. ſ. w. ſteigt oder fällt, werden alle Preiſe, auch die der Arbeit und des Getreides, ihre Verhaͤltniſſe veraͤndern⸗ Geſetzt, es heben ſich in einer oder der andern großen Stadt die Handlung und Fabriken; letßtere erhalten ſtaͤrkere Beſtellun⸗ gen unter vortheilhafteren Bedingungen; ſie brauchen daher mehrere Menſchen. Weil ſich — ſich fuͤr den gewoͤhnlichen Lohn nicht mehrere anfinden, ſo muͤſſen und koͤnnen ſie den Lohn erhoͤhen. Auf die Erhoͤhung des Lohns ziehen ſie mehrere Arbeiter herbey, die dem Landwirth entgehen. Dieſer ſieht ſich alſo auch gezwungen, den Lohn zu erhoͤhen, wenn er genug Leute behalten will. Stiege der Kornpreis hiernach, ſo waͤre es doch nur Wuͤrkung, nicht Urſach, des erhoͤheten Ar⸗ beitslohns. Es wird aber nicht immer ge⸗ ſchehen, denn die Conſumtion und Nachfrage nach Korn wird darum noch nicht groͤßer. Vielleicht gar geringer: denn der beſſer bezahlte Arbeiter ißt nun mehr Fleiſch, we⸗ niger Brod und Mehlbrey; er trinkt mehr Caffee, Thee, Rum, vielleicht Wein, ſtatt ſeines vormaligen Biers und Brannteweins. Wie ſich in dieſem Jahrzehnt der Handel in Hamburg und das Gewerbe in vielen an⸗ dern Städten Niederſachſens hob, ging der Arbeitslohn betraͤchtlich in die Hoͤhe, an manchen Orten bis uͤber die Haͤlfte. Die Kornpreiſe ſtiegen zwar im Durchſchnitt auch, aber aus ganz andern Urſachen. Hätten wir keine Ausfuhr nach Frankreich, England, Holland und Schweden gehabt, oder waͤre eine allgemeine Kornſperre durch ganz Nie⸗ derſachſen veranſtaltet worden; ſo waͤre der Kornpreis gewiß ſo gefallen, daß kein Land⸗ wirth ——— ——— wirth haͤtte beſtehen koͤnnen. Der Lohn wuͤrde ſich bey geringeren Kornpreiſen gewiß nicht vermindert, vielmehr erhoͤhet haben; denn der gemeine Mann haͤtte ſich ſeinen Unterhalt um ſo leichter mit Spinnen und andern kleinen Handarbeiten verdienen koͤn⸗ nen; der Wohlhabendere wuͤrde ſich der eigenen Arbeit entwoͤhnt und mehrere Leute geſucht haben; der Reiche haätte um ſo mehr Faulenzer zum Lurus gehalten. Der Acker⸗ bau hätte nothwendig ſinken muͤſſen, und der verarmte Landmann waͤre ohne Huͤlfe auf ſeinem wuͤſten Acker geſtanden. Wahr⸗ ſcheinlich haͤtten wir dann, in dieſem miß⸗ lichen Jahre 1800, Mangel und Hungers⸗ noth unter den Armen. Und wie viel andre Urſachen giebt es, die den Arbeitslohn ſteigern, ohne daß Korn⸗ preiſe daran Schuld ſind, und ohne daß ſie mit in die Hoͤhe gehen! Heffentliche Bau⸗ ten, Wegbau, Ziehung von Canaͤlen— Nei⸗ gung reicher Privatperſonen zum Bauen, zu großen Gartenanlagen— ſtarke Werbung und Ausnahme, auch Ausmarſch des Kriegs⸗ heers gehoͤren hierher. Der Arbeiter muß zwar das verdienen, was er nothwendig braucht; aber er richtet ſich in dem, was er fuͤr ſeine Arbeit fordert, nicht nach ſeinen Be⸗ Beduͤrfniſſen, ſondern nach dem, was er erhalten kann. Und er weiß ſehr gut, daß er mehr erhalten kann, wenn es mehr Ar⸗ beit als Arbeiter giebt. Wo die freyen Dreſcher nicht vermoͤge eines beſonderen Mieth⸗Accords verpflichtet ſind, um einen ge⸗ wiſſen Scheffel zu dreſchen, da verlangen ſie mehr, wenn das Korn wohlfeil iſt und Ar⸗ beit geſucht wird. Adam Smith wird ſagen: das ſind nur Marktpreiſe, nicht natuͤrliche Preiſe der Arbeit. Allein ich geſtehe, daß ich keine andere natuͤrliche Preiſe kenne, als Marktpreiſe, d. h. diejenigen, welche die effective Nachfrage nach Dingen und der mehrere oder mindere Vorrath, dieſe Nach⸗ frage zu befriedigen, beſtimmt. Smith's natürliche Preiſe ſind eine Hypotheſe, die ſich auf die hypothetiſche Vorausſetzung eines in einem voͤllig permanenten Zuſtande blei⸗ benden Staats gruͤndet. Und da es dieſe nicht giebt, ſo kann es auch keine natürliche Preiſe geben, die von dem reellen Werth⸗ den die Natur dem Getreide, nach Smith⸗ aufgepraͤgt haben ſoll, abhangen⸗ Das ganz verſchiedene Verhaͤltiß, worin der Preis des Getreides gegen den Preis der — e 6 ⸗ ſe e der Arbeit in verſchiedenen Laändern ſtehet, widerlegt dieſe Hypotheſe noch mehr. In den vereinigten amerikaniſchen Staaten, be⸗ ſonders in den inneren, iſt der Preis des Korns und der Lebensmittel kaum halb ſo theuer, wie bey uns; aber der Arbeitspreis iſt um das Drey⸗ und Vierfache hoͤher, wie bey uns. Nach A. Yung's geſammleten Nachrichten auf ſeiner Reiſe durch Frankreich, kurz vor der Revolution, waren alle Lebens⸗ mittel daſelbſt eben ſo theuer, wie in Eng⸗ land, die Manufactur-Waaren betraͤchtlich theurer, und der Arbeitspreis um 76 p. C⸗ wohlfeiler. Doch es wuͤrde mich zu weit fuͤhren, wenn ich hier zeigen wollte, in welche Wi⸗ derſpruͤche ſich Smith, durch ſein gar zu conſequentes Raiſonnement, mit dem wuͤrk⸗ lichen Laufe der Dinge verwickelt. Dies war der Fehler der altmodiſchen Philoſophen, wenn ſie ſich aus der hoͤhern Sphäre der Speculation zur irdiſchen Atmoſphaͤre herab⸗ lieſſen. Ich lobe mir dafur die Kantianer!— Dieſe ſetzen ihre Principien felſenfeſt her; richten ihren Gang aber nicht dahin, wo dieſe Principien naturlich hinfuͤhren muͤßten, ſondern ſetzen ſich einen Punct feſt, wohin ſie bey Anwendung derſelben kommen wollen⸗ M und 2n Bds. 2te Abtheil und kommen mit kleinen, unmerklichen Beu⸗ gungen, obwohl durch einen weiten Umweg, richtig dahin. Daß der Leſer von hieraus zu den Principien nicht wieder zuruͤck finden kann, iſt nicht ihre Schuld. Warum merkt er ſich die Winkelzuge nicht beſſer? Doch laſſen wir die Philoſophen und Syſtematiker, und wenden uns wieder zur Empirie der Geſchichte. Ich komme jetzt auf den letzten Zeit⸗ raum. Wenn ich die in demſelben genom⸗ menen Maaßregeln im Allgemeinen miß⸗ billige, und ſie als ein abſchreckendes Bey⸗ ſpiel fuͤr andre Staaten, die den einläͤndiſchen Ackerbau empor bringen, und ſich bey zu⸗ nehmender Vevolkerung und Induͤſtrie dadurch gegen Getreide⸗Mangel ſchützen wollen, aufſtelle; ſo iſt meine Abſicht keineswegs, die Urheber dieſer Maaßregeln zu tadeln. Die Zeitum⸗ ſtaͤnde können von der Art geweſen ſeyn⸗ daß die erſten Abweichungen von jenem, zu Ende des ſiebzehnten Jahrhunderts feſitgeſet⸗ ten —+— — —.„—— ten Syſteme unumgaͤnglich noͤthig waren, und dieſe koͤnnen die folgenden wieder noth⸗ wendig gemacht haben. Gewiß kann es nicht die Abſicht geweſen ſeyn, das Intereſſe der Landwirthſchaft dem Handelsintereſſe auf⸗ zuopfern. Gerade unter einem Monarchen, der den Ackerbau ſo vorzuglich ſchaͤtzt und liebt, ließe ſich dies am wenigſten denken.— Unter einem Monarchen, der ſeinen deutſchen Staaten ſo viele uͤberzeugende Beweiſe von ſeiner weiſen Vorſorge fuͤr die Aufnahme des Ackerbaues giebt, die treflichſten Verfü⸗ gungen zu dem Ende trifft, ihn auf die liberaleſte Weiſe aus eigenem, unmittelbaren Antriebe befoͤrdert und ſein hoͤchſtes Wohl⸗ gefallen bey jedem Fortſchritte deſſelben zu erkennen giebt! Auch kann es ſeyn, daß Britannien bey der enormen Hoͤhe von Macht und Reich⸗ thum, die es durch Fabriken, Handel und Seemacht nun erreicht hat, die Baſis, wor⸗ auf ſich das alles ſtuͤtzte und empor hob, — den energievollen Ackerbau— wenig mehr brauche. Das feſtverkittete in einander⸗ geſchobene Gebaͤude hält ſich nun durch die Maſſe ſeiner eigenen anziehenden Kraft. Die uͤppigen Zweige der Indüſtrie und des See⸗ handels beduͤrfen vielleicht des urſpruͤnglichen 8 Stam⸗ Stammes, der ſie ernaͤhrte, nicht viel mehr; baben eigene Wurzeln geſchlagen, wodurch ſie ihre Nahrung ziehen. Es kann ſeyn, daß Britannien einen großen Theil ſeines bedurſtigen Getreides hinfort aus andern Staaten zieht, und ſicher ziehen kann. Bey dem großen Uebergewicht ſeiner Handelsbalanz in allen andern Artikeln kann es den Ver⸗ luſt von funf bis ſechs Millionen Pfund Sterling fuͤr Getreide leicht tragen. Ganz England bleibt vielleicht in der Folge nicht mehr Land, ſondern wird dereinſt die große, die einzige Handels⸗ und Fabrik⸗Stadt fuͤr den Erdkreis, die etwa nur ihre Gärten, Weiden und Stadtfelder um ſich her liegen hat. Wir andern Ackerbau⸗treibenden Staa⸗ ten fuͤhren der großen Stadt das odkorn zu, was wir uberfluſſig haben, erhalten es gut bezahlt, und kaufen dagegen dort einen Theil unſerer Beduͤrfniſſe am wohlſeilſten. Wurklich ſcheint der Lauf der Dinge dieſe Tendenz zu nehmen. Unſte Fabriken koͤnnen gegen die engliſchen nicht mehr aufkommen. England muß dagegen von uns Lebensmittel haben, bedarf der Einfuhr, und ſo lange die Einfuhr dauert, kann der engliſche Acker⸗ bauer mit uns en gros nicht Preis halten. Darum wird grade der engliſche Acker nicht wuſt liegen, ſo wenig wie Stadtaͤcker wuͤſt lie⸗ — — 181— liegen; auch werden unſre? tanufacturen zum Theil bleiben, wie Handwerker und Weber auf dem platten Lande bleiben. Nimt der Strom der Dinge einmal dieſen Lauf, ſo wird er uber alle Schleuſen und Dämme weggehen, die man ihm durch Ein⸗ und Ausfuhr⸗Verbote entgegen ſetzt. Wir muͤſſen dann Ackerbauer werden, aber unabhaͤngige, ſpeculative und wirthſchaftliche Ackerbauer, die ihr Getreide dem Städter ſo theuer als moͤglich verkaufen, und von ſtaͤdtiſchem Tand ſo wenig als moͤglich brauchen, um nicht gegen ihn in Schulden zu gerathen. Betrachten wir die Sache von dieſer Seite, ſo iſt es moͤglich, daß die engliſche Legisla⸗ tur ſich durch eine hoͤhere Fuͤgung genoͤthigt ſah, ein Korn-Policeyſyſtem nach und nach aufzuheben, wobey der einländiſche Ackerbau ſich ſo mächtig gehoben hatte, und dagegen ein anderes einzufuͤhren, wobey er im All⸗ gemeinen wieder in Abnahme kam. Einen ſo weiten Geſichtskreis erlaubt mir aber mein Standpunkt nicht, und ich beſchränke mich in dieſer raiſonnirenden Geſchichtserzaͤhlung lediglich auf Ackerbau. Ob ein Reich, wie Großbritannien, welches jetzt durch das von ſeinen Schiſſen bedeckte Weltmeer mit dem ganzen Erdkreiſe in Verbindung ſteht, durch ſeinen ſeinen Handel und Manufacturen die Schaͤtze aller Rationen an ſich zieht, eine gewaltige Seemacht immer erhalten und ſie in Frie⸗ denszeiten beſchäftigen muß, ſe ſicher auf auswaͤrtiges Getreide rechnen duͤrfe, daß es ſeinen Ackerbau, welcher die Baſis ſeiner Staͤrke ausmachte, ſchwaͤchen koͤnne, vermag ich nicht zu entſcheiden.*) Aber gewiß iſt es, daß kein anderes Reich, welches im progreſſiven Zuſtande iſt, dieſes thun duͤrfe, und die Maaßregeln vermeiden müſſe, welche in dieſem letzten Zeitraume den engliſchen Ackerbau, im Verhaͤltniß anderer Induſtrie⸗ zweige, *) Ich ſchrieb dies im Sommer 1800, wie der Man⸗ gel in England noch nicht ſo beunruhigend war, als er es jetzt gegen das Ende dieſes Jahrs zu werden ſcheint. Mit allen Reichthüͤmern und aller Seemacht würde ſich Britannien doch wohl nicht gegen oft rückkehrenden Mangel ſchützen können, wenn das Parlament nicht ernſtliche Maaßregeln nimt, den einländiſchen Ackerbau zu erweitern, wie dieſes in der letzten Rede des Koͤnigs vom Thron ſo dringend anempfohlen iſt. Ich werde in einem Nachtrage zu dieſer Abhandlung die Geſchichte dieſes letzten und aͤngſtlichen Kornmangels und der dagegen genommenen Maaßregeln mittheilen; um ſo mehr, da er auf die Preiſe des Korns und aller Lebensmittel faſt durch ganz Europa, und folglich auf das Gewerbe des Landwirths, einen bedentenden Einfluß hatte. zweige, wieder niederdruͤckte. Auch ſchreibe ich nicht fuͤr Englaͤnder, ſondern fuͤr Teutſche die engliſche Geſchichte des Ackerbaues und Kornhandels. Wir gehen alſo darin fort. Jene mit weiſer Kühnheit im Jahre 1ö88 eingeführten und mit Standhaftigkeit aufrecht erhaltenen Geſetze blieben in ihrer völligen Kraft, bis man im Jahre 1757 eine Ausnahme machte. Die Erndte von 1756 war ſehr zuruckſchlagend geweſen, und der Preis des Weizens ſtieg, nicht unbillig, auf 3 Pfund. Das PVolk, an Ueberfluß und wohlfeile Preiſe gewoͤhnt, ward unruhig; ſchrieb dieſe Steigerung, wie gewoͤhnlich⸗ den Kornhändlern und großen Landwirthen zu; zerſtörte Magazine und Kornſchober, ver⸗ nichtete die Zufuhren, die von einem Orte zum andern gingen, und glaubte hierdurch den Kornvorrath zu vermehren. Städte und Manufacturiſten kamen mit ihren Klagen ein, und bedienten ſich ihres Einfluſſes im Parlamente. Die Miniſter wünſchten beym mißlichen Anfange des Krieges ihre Popu⸗ laritat larität zu behalten und das Volk zu beſaͤnf⸗ tigen. Und ſo ward die erſte ſolgenreiche Ausnahme von jenen Geſetzen gemacht. Alle Ausfuhr ward bis zum 25ſten December verboten. Dagegen wurden alle Auflagen auf eingefuͤhrtes Korn, Mehl und Malz, bis zum 24ſten Auguſt 1737 vollig aufge⸗ hoben; die Einfuhr ward auch auf fremden Schiffen erlaubt. Das Brannteweinbrennen ward bis zum xIten December 1737 unter⸗ ſagt. Dies alles jedoch mit dem Vorbehalte, daß der Koͤnig mit Gutfinden des Gehei⸗ men Raths dieſe außerordentlichen Vorkeh⸗ rungen zu jeder Zeit ſolle aufheben koͤnnen. Die Erndte im Jahre 1786 war wuͤrk⸗ lich ſehr ſchlecht geweſen. Denn ſtatt daß im Durchſchnitt des vorigen Jahrzehnts jähr⸗ lich 848 660 Quarter ausgefuͤhrt wurden, waren in dieſem Jahre vor dem Ausfuhr⸗ verbote nur 30,000 Quarter ausgefuͤhrt, und dagegen wurden nun 161,301 Quarter eingefuͤhrt. Der Abſchlag belief ſich daher beynahe auf eine Million, und dieſer Abſchlag rechtfertigte den auf 3 Pfund geſtiegenen Preis vollkommen. Uebrigens aber war keine Roth vorhan⸗ den. Denn die Einfuhr hatte die Ausfuhr nur nur um 37,301 Quarter uͤberwogen, und damit ſchien die Ration reichlich verſorgt. Dies iſt aber eine ſolche Kleinigkeit, daß die geringſte Erſparung hingereicht haͤtte, dieſes Deſicit wieder gut zu machen. Ohne Zweifel blieb vier- und fuͤnfmal ſo viel auf dem Boden liegen. Denn, wenn ſich ein ſolcher Allarm von Theurung und Hungers⸗ noth verbreitet, ſo kauft jeder ſorgſame Hausvater auf, oder haͤlt zuruͤck mehr als er braucht. Die Nothwendigkeit, von dem alten, be⸗ waͤhrten Syſteme abzuweichen, war alſo nicht vorhanden. Haͤtte man es diesmal durchgeſetzt, ſo waͤren wahrſcheinlich die vie⸗ len Millionen fuͤr fremdes Getreide, welches ſeitdem eingefuͤhrt worden, auf immer er⸗ ſparet. Die Ausfuhr haͤtte doch von ſelbſt aufgehoͤrt, und Einfuhr haͤtte ſelbſt nach dem alten Syſteme bey dieſen Preiſen Statt gefunden. Wäre aber auch der Preis noch etwas hoͤher gegangen, ſo haͤtte ſich der Ackerbau durch die Zuſicherung, abſchlägliche Erndten deſto beſſer bezahlt zu erhalten, gewiß ſo viel gehoben, daß dadurch dieſes kleine Deſicit auf immer gedeckt geweſen waͤre. Waͤre ¹ Wäre der Ackerbau durch die feſte Zuſiche⸗ rung des auswärtigen Abſatzes nicht ſo in die Hoͤhe getrieben worden, daß er in gewoͤhnlichen Jahren uͤber s00,000 Quarter mehr produ⸗ cirte, als die Nation bedurfte: welche Theu⸗ rung und Hungersnoth wuͤrde dann in dieſem Jahre entſtanden ſeyn! Großbritannien haͤtte dann eine Zufuhr von einer Million Quarter haben muͤſſen, und dieſe ware in damaligen Zeiten unmoͤglich geweſen. Der Ackerbau im noͤrdlichen Europa war weit mehr zuruͤck, wie jetzt; Amerika hatte damals auch noch wenig auszufahren, und aus dem mittellaͤndiſchen Meere fand im Kriege keine Zufuhr Statt. Noch im Jahre 1790 behauptete die Parla⸗ ments⸗Committee: die groͤßte Quantitaͤt Ge⸗ treide, welche aus dem Norden, Hamburg und Bremen mit eingeſchloſſen, eingefuͤhrt werden koͤnne, ſey etwa 300,000 Quarter.(In der Folge hat ſie weit mehr betragen.. Und aus Amerika habe ſie nur einmal 93,724 Quarter betragen; zweymal habe man nicht mehr als 50,000 Quarter daher erhalten koͤnnen⸗ Alſo ohne ausfuͤhrenden Ackerbau waͤre da⸗ mals Hungersnoth entſtanden, und zum Dank brachte man dieſem Ackerbau die erſte Wunde bey. Freylich ſagte man damals, das ſey nur einmal, das ſey im hoͤchſten Nothfalle geſehen. Aber Aber, wem hat nicht ſchon ſeine Mutter beym Garnabwickeln geſagt: wenn du einmal durch— ſtichſt, mußt du immer durchſtechen? O das trifft beym Abwickeln unſers Lebensfadens, das trifft beym Faden ganzer Reiche zu. Und uͤberdas benimt Mangel an Conſequenz der Regierung, wie dem Einzelnen, das Zu⸗ tauen. Das war denn auch hier der Fall. Im Jahr 1759 ſchien zwar alles wieder in der alten Gleiſe zu ſeyn. Aber in den ſechziger Jahren begann die ſtarke Einfuhr des fremden Korns, die ſeitdem immer fortgedauert hat. Im Jahre 1763 beſtand die Einfuhr noch groͤßtentheils in Hafer, aber 1765 wurden uͤberhaupt 218/031 Quarter, groͤßtentheils Weizen, ein⸗ gefuͤhrt. Dennoch betrug die Ausfuhr noch 457 730 Quarter; folglich war betraͤchtlicher Ueberfluß im Lande. Das auswaͤrtige Korn verdraͤngte die Landwirthe indeſſen allmaͤlig vom Markte, und 1767 ward die damals unerhoͤrte Quantitaͤt von 907,420 Quarter eingefuͤhrt. Die Ausfuhr fiel im Durchſchnitt von 12 Jah⸗ ren, naͤmlich von 1761 bis 1772, um 370,703 Quarter jaͤhrlich, und die Einfuhr ſtieg um 251279 Quarter. Der Preis des Weizens ſtand in dieſen Jahren im Durchſchnitt Nach —*— * 5* 5 ————————— ₰ Noch beſtanden zwar die alten Geſetze dem Namen nach, und die Anordnungen, welche die Ausfuhr beſchwerten und die Einfuhr beguͤnſtigten, waren blos Ausnahmen von der Regel, die aber immer erneuert und verlaͤngert wurden. Kein nachdenkender Farmer aber verkannte die neue Tendenz der Geſetzgebungz keiner verkannte das Uebergewicht, welches das merkantiliſche Intereſſe uͤber das landwirth⸗ ſchaftliche im Parlamente erlangt hatte; ſah ſchon damals die Schaale mit Landesproducten gegen das Gewicht des Seehandels in die Hoͤhe gehen. In manchen Diſtricten wenigſtens, fand er den Markt mit fremdem Korne ſo beſetzt, daß das ſeinige keinen Abſatz fand. Natuͤrlich ſchraͤnkte er alſo den koſtſpieligen Ackerbau ein⸗ ließ ſein Land eindreeſchen, und legte ſich auf Rindvieh⸗ Schaaf- und Pferde⸗Zucht, die groͤßeren reinen Vortheil verſprach. Auch vermehrte ſich nun die Gelegenheit, ſein Capital in den oͤffentlichen Fonds, im Handel, in Zuckerplantagen und bieferungs⸗Entrepriſen, beſſer wie im Ackerbau, zu nutzen. Der rei⸗ chere Farmer ergriff ein anderes Gewerbe. Die Kornpreiſe ſtiegen alſo, trotz aller Einfuhr⸗ Dadurch fand man ſich denn bewogen, das alte Syſtem, welches Ueberfluß, Bevoͤlkerung und und ſicheren Reichthum hervorgebracht hatte, uͤber den Haufen zu ſtoßen. Von nun an ſiegte das Handels-Syſtem im Parlamente im⸗ mer uͤber das landwirthſchaftliche. Im Jahr 1773 ging eine Acte durch, die betitelt war: Zur beſſeren Regulirung der Ein⸗ und Ausfuhr des Getreides. Rich⸗ tiger haͤtte man ſie nennen koͤnnen: Zur Be⸗ foͤrderung der Einfuhr des fremden und zur Erſchwerung der Ausſuhr des einlaͤndiſchen Korns. Um den Unterſchied zwiſchen dem alten und neuen Syſteme deutlicher darzuſtellen⸗ wollen wir die Hauptſaͤtze behder gegen einander ſtellen. tach den alten Geſetzen von 1688 ward von eingefuͤhrten fremdem Weizen, und nach Verhaͤltniß von anderm Korne, bezahlt: wenn der Preis nicht uͤber 2 Pfund 13 Schilling 6 Pence,(nach unſerm Gelde 5 5 3 16 Schilling(o: 19 12 1) ₰* 6 .***. e —.——————— Nach den neuen Geſetzen von 1773: wenn der Preis auf oder uͤber 2 Pfund 8 Schill. kommt, 6 Pence, als bloße Certificat⸗Gebühr. Auf das ausgefuͤhrte Korn ward nach dem Geſetze von 1688 eine Praͤmie von§ Schilling (damals 6 Schill.) gegeben, wenn der Preis nicht zber 2 Pfund 8 Schilling ſtand, 5 Nach der Acte von 1773 nichts, wenn er nicht unter 2 Pfund 4 Schilling ſtehet. Und ſtehet er daruͤber, ſo iſt die Ausfuhr ver⸗ boten. Ueberdas aber ward die Art und Weiſe, den Preis auszumitteln, zum Vortheil der Ein⸗ fuhr und zum Nachtheil der Ausfuhr wieder veraͤndert, indem der naͤchſte Marktpreis aufs neue zur Norm genommen wurde. Und endlich ward die Praͤmie dem gemahl⸗ nen Korne ganz entzogen. Vormals wurden naͤmlich 244 Pfund Mehl einem halben Quar⸗ ter Weizen gleich geſchaͤtzt, und dieſelbe Prämie darauf — 191— darauf ausgezahlet. Hiervon laͤßt ſich auch nicht ein ſcheinbarer Grund angeben. Denn hielt man es noch fuͤr zweckmaßig, die Ausfahr zu befoͤrdern, wenn das rohe Getreide umter einem gewiſſen Preiſe ſtand, ſo mußte man dies ja um ſo mehr bey gemahlenem thun, weil durch die Fabrication des Mehls der Werth um 26 erhoͤhet wird, und folglich die Nation bey der Ausfuhr 10 p. C. mehr gewinnet. Jedoch ließ man 1773 die hohe Abgabe don eingefuͤhrtem Korn noch beſtehen, wenn der Preis im Lande unter Pfund 8 Schilling war. Bey der Art, den Preis zu beſtimmen, half das zwar nicht viel. Im Jahre 1787 glaubte man indeſſen, dies ſey noch zu ſehr zum Vor— theil des einländiſchen Korns, und ſetzte den Preis, der die Einfuhr regulirte, noch mehr herunter. DasJahr 1789 war auch in dieſer Hinſicht ein merkwuͤrdiges Jahr. Recker hatte durch die fürchterliche Beſchreibung der in Frankreich zu beſorgenden Hungersnoth und durch ſeinen offentlich angekuͤndigten Kornaufkauf— womit er, wie Young ſagt, der franzoſiſchen Nation auf etliche Tage ein Fruhſtüͤck verſchaffen konnte— die Preiſe in den Nord⸗ und Oſt⸗ ſeeiſchen Häfen, und ſelbſt in Amerika, gewaltig in —— —— E2 2 —.——.—.———— — in die Hoͤhe getrieben. In England ſtand es, einiger vorzuglichen Erndten wegen, niedriger, als in ganz Europa, und in vielen Diſtricten unter dem Preiſe, wo Ausfuhr verboten war. Denn Necker hatte ſeine Speculation directe nicht nach England gerichtet. Indeſſen ward man in England beſorgt, und war wohl beſon⸗ ders abgeneigt, den Franzoſen aus der Noth zu helfen. Daher erſchien noch in dieſem Jahre eine koͤnigliche Proclamation, wodurch alle Ausfuhr aus Großbritannien ohne Unterſchied verboten, und alle Einfuhr bis nach der Zuſam⸗ menkunft des Parlaments erlaubt wurde. Am gten Maͤrz 17 90 gaben die Lords des Geheimen Raths, in einer Committee zur Unterſuchung der Handelsgeſchäfte verſammelt,(der Board of tradé) eine Vorſtellung an den Koͤnig ab: uͤber das gegenwaͤrtige Verhaͤltniß der Geſetze, welche die Aus⸗ und Einfuhr des Korns beſtimmen, und über die noͤthige Verbeſſerung die⸗ ſer Geſetze. Dieſe Vorſtellung, welche in den Annals of agriculture T. XIII. ausfuͤhrlich eingeruckt iſt, ſcheint mir in mehr als einer Ruͤckſicht ſehr merkwuͤrdig. Es wer⸗ den in dieſer Vorſtellung viele Maximen und Reſultate derſelben aufgeſtellt, mit den buͤndig⸗ ſten Gruͤnden unterſtuͤtzt und durch Reſultate erwieſen, und am Ende Maaßregeln empfoh⸗ len, — len, die dieſen grade entgegengeſetzt ſind. So ſagt die Committee:„Es iſt ein zuverlaͤſſiges „Factum, daß der Ackerbau in dieſem Koͤnigrei⸗ „che ſeit der Zeit ſich hob und bluͤhete, wo die „Praͤmie auf die Ausfuhr geſetzt wurde, und „es iſt zweifelhaft, ob unſer einlaͤndiſcher „Ackerbau ohne dieſe Praͤmie ſich ſo auf⸗ „recht erhalten koͤnne, daß er füͤr die Be⸗ „duͤrfniſſe des Einlandes hinreiche. In allen „den Jahren, wo allgemein eine mittelma⸗ „ßige Erndte erfolgt, iſt der Preis des Getrei⸗ „des in allen Gegenden, die an die Nord— „und HOſtſee grenzen, und in Amerika, be⸗ „trächtlich geringer, als wofuͤr es bei uns „erzeugt werden kann. Im noͤrdlichen Eu⸗ „ropa kann das Korn wohlfeiler gebauet wer⸗ „den, weil Grund und Boden ſowohl, als Ar⸗ „beitslohn, wohlfeiler iſt. In Amerika iſt der „Boden noch geringer im Preiſe, und bei „dem großen Umfange der Laͤndereien koͤnnen „die Amerikaner ihm durch Brache und Ruhe, „ſtatt des Miſtes, aufhelfen, und dadurch wenig⸗ „ſtens ſo viel erſparen, als ihnen das Arbeits⸗ „lohn mehr koſtet. Daher wuͤrden unſere „Kornhaͤndler, ohne Beihulfe dieſer Praͤmie, „mit denen aus vorerwähnten Laͤndern auf „keinem Markte Preis halten koͤnnen.“ 8 n Bds. 2te Abtheil. N ——— R — 194— „Es iſt merkwuͤrdig,“ ſagt die Commit⸗ „tee ferner,“daß der Preis, wobey die Aus⸗ „fuhr verbothen wird, oder die Vergütung „aufhoͤrt, jetzt betraͤchtlich geringer geſetzt iſt, „als vor hundert Jahren; und daß ebenfalls „die Einfuhr bei geringern Preiſen erlaubt „wird, wie damahls. Wenn man die Durch⸗ „ſchnittspreiſe in dieſem Zeitraume nimt, ſo „ſcheint es, daß die Kornpreiſe nicht im Ver⸗ „haͤlmiß anderer Dinge geſtiegen ſind, welche „die Landwirthſchaft ebenfalls producirt. Der „Gedanke iſt daher natuͤrlich, daß die Produc⸗ „tion des Getreides in Großbrittannien abge⸗ „nommen habe, und daß daher ſo haͤufig Man⸗ „gel verſpuͤrt werde.—“ „Es iſt eine ſehr richtige Bemerkung, daß „kein Markt reichlich mit Korn verſorgt werden „wird, wenn keine Freiheit da iſt, ſich des Ue⸗ „berfluſſes auswaͤrts zu entledigen. Ohne dieſe „Freiheit wird der Landwirth es ſo einzurichten „ſuchen, daß er nicht mehr Korn erziele, als „er auf ſeinem einlaͤndiſchen Markte verkaufen „kann. Alle Speculation wird gehemmt ſeyn. „Hieraus wird folgen, daß er mehrentheils „weniger erbauet, als der einlaͤndiſche Markt „bedarf, und ſo wird Mangel entſtehen Man „hat aber immer gefunden, daß, wenn nur ein „Geringes weniger vorhanden iſt, als verlangt „wird, die Preiſe gleich auf eine enorme Weiſe „in die Hohe gehen.“— „Es erhellet aus denen der Committee vor⸗ „gelegten Berechnungen uͤber das aus⸗ und ein⸗ „gefuͤhrte Korn in den letzten 18 Jahren, daß „das Koͤnigreich, welches in der erſten Haͤlfte „des Jahrhunderts weit mehr Korn erzeugte, „als zur Conſumtion ſeiner Einwohner noͤthig „war, in den letzten Jahren in Anſehung die⸗ „ſes erſten Beduͤrfniſſes von Answaͤrtigen ab⸗ „haͤngig geworden ſey.“— „Die Committee iſt entſchieden der Mey⸗ „nung, daß ein permanentes Syſtem ein⸗ „gefuͤhrt werden muͤſſe, damit der Landwirth „wiſſe, wohin er ſeine Speculation richten „ſolle, und ſicher ſeyn koͤnne, daß keine tem⸗ „poraire Regierungs⸗Maaßregel ihn der „Fruͤchte derſelben beraube. Das Gewerbe „des Ackerbaues iſt ſchon in ſich ſelbſt, vermoͤge „der Witterung und anderer unvorherzuſehen⸗ „der Umſtaͤnde mehrern Zufaͤlligkeiten unter⸗ „worfen, wie irgend ein anderes; es darf da⸗ „her nicht noch obenein einer unnatuͤrlichen „Unſicherheit, durch die Veraͤnderlichkeit der „geſeßlichen Anordnungen und des Regierungs⸗ „Syſtems, ausgeſetzt werden.“— RNo — 196— Nachdem die Committee dieſes alles, und noch mehr, was eine Befoͤrderung der Ausfuhr und eine Einſchraͤnkung der Einfuhr zum Vor⸗ theil des einländiſchen Ackerbaues begruͤnden mußte, anerkannt, erwieſen, und dem Koͤnige vor⸗ geſtellet hatte: ſo kommt ſie zu dem Schluſſe, daß man Ausfuhr verbiethen und Einfuhr vollig frey machen muͤſſe, und daß insbeſondere„dem Koͤnige mit Beyrath des geheimen Conſeils, waͤhrend der Ausſetzung des Parlaments, die Macht zu er⸗ theilen ſey, die Ausfuhr alles Korns aus dem Reiche allgemein zu verbiethen, und die Einfuhr frey zu geben, ſobald der Durchſchnitts⸗ preis aus dem ganzen Reiche zu der Höhe ge⸗ ſtiegen ſey, bey welchem die Einfuhr(alſo auch unter hoher Abgabe) nicht durch⸗ aus verboten ſey.“ Das Reſultat ſtand alſo allen Gruͤnden in grader Richtung entgegen, und die Motive hier⸗ zu liegen ſo verſteckt, daß man, ohne die Zeit⸗ umſtände zu Huͤlfe zu nehmen, ſie ſchwerlich entdecken wuͤrde. So aber iſt es ziemlich klar, daß die Tendenz dieſer gegen alle, ſelbſt aner⸗ kannte, ſtaatswirthſchaftliche Maximen genom⸗ menen Maaßregeln nur dahin gieng, das gemei⸗ ne Volk durch augenblicklich erzwungene nie⸗ drige drige Preiſe zufrieden zu ſtellen, und unruhige Be⸗ wegungen deſſelben zu verhuͤten, die, von Fac⸗ tioniſten benutt, dieſelben ungluͤcklichen Folgen, wie in Frankreich, haͤtten haben koͤnnen. Indeſſen hatte man doch nach den von der Committee vorgetragenen Gruͤnden die Noth⸗ wendigkeit eingeſehen, ein neues feſtſtehendes Regulativ des Kornhandels zu machen, wenn der Ackerbau nicht immer mehr ſinken ſollte. Im Jahr 1791 ward alſo folgendes durch eine Parlaments⸗Acte feſtgeſetzt. Wenn der Preis des Weitzens unter 2 Pf. 4 Schill.(und anderes Korn nach Ver⸗ haltniß) ſtehet, ſo wird§ Schill. Praͤmie aufs Quarter fuͤr die Ausfuhr gegeben. Wenn er auf oder uͤber 2 Pf. 6 Schill. ſte⸗ bet, ſo iſt die Ausfuhr verboten. Wenn er unter 2 Pf. 10 Schill. ſtehet, ſo muß fuͤr die Einfuhr pr. Quarter 1Pf. 4 Schill. 3 Pence bezahlt werden, d. h. ſo viel, als: die Einfuhr findet nicht Statt. Wenn er auf oder uͤber 2 Pf. 10 Schill., aber unter 2 Pf. 14 Schilling ſtehes, ſo ſo wird fuͤr die Einfuhr pr. Quarter m nur 2 Schill. 6 Pence bezahlt. c ge Wenn er auf oder uber 2 Pf. 14 Schill. zu ſtehet, ſo wird die Einfuhr nur mit 6 Pence⸗ als Gebuͤhr fuͤr das Certificat, bezahlt. ze Die Art und Weiſe, die wahren Preiſe aus⸗ ſ zumitteln, machte viele Schwierigkeit. Vor⸗ ſo her hatte man einen allgemeinen Durchſchnitts⸗ 5 preis durch das ganze Reich beſtimmt. Da h fand ſichs denn aber oft, daß in einzelnen See⸗ u haͤfen der Preis ſo niedrig ſtand, daß dennoch die Einfuhr verboten, und die Ausfuhr erlaubt waͤre, wenn nicht der Durchſchnittspreis aus f dem ganzen Reiche ſo hoch geweſen waͤre, daß e das Gegentheil eintrat. Und ſo auch umge⸗ n kehrt. Dies machte natuͤrlich eine große Ver⸗ r wirrung, und gab zu vielen Beſchwerden Anlaß. i Daher ward vermoͤge dieſer Parlaments⸗Acte e die Seekuͤſte von England in 12, und die von Schottland in 4 Diſtrikte, überhaupt in 16 d Diſtrikte getheilt. Fuͤr den erſten Diſtrikt, der außer den Londoner Haͤfen die Grafſchaften Kent, Eſſer und Suſſex in ſich begriff, be⸗ ſtimmte die Kornboͤrſe in London den jedesma⸗ ligen Preis. Fuͤr die andern Diſtrikte iſt ein gewiſſer Marktplatz in jedem benannt. Hier muͤſſen alle Kornhaͤndler eidlich eine Verech⸗ nung nung ihres Verkehrs von jeder Woche einrei⸗ chen, woraus ein Durchſchnitt der Preiſe gezo⸗ gen wird, der den Zollbedienten in den Haͤfen zugeſtellet wird⸗ Wenn der Durchſchnittspreis aus dem gan⸗ zen Reiche zu der Hoͤhe ſteigt, daß die Ein⸗ fuhr gegen die niedrigen Abgaben erlaubt iſt: ſo kann der Koͤnig mit Beyrath des geheimen Raths die Execution dieſer Acte uͤberhaupt auf⸗ heben, und allenthalben die Ausfuhr verbie⸗ ten, die Einfuhr aber frey geben. Noch ward in der Acte beſtimmt, daß fremdes Korn zu jeder Zeit ohne alle Abgabe eingefuͤhrt werden koͤnne, aber ins Waarenhaus niedergelegt werden muͤſſe. Aus dieſem Waa⸗ renhauſe kann es nicht herausgenommen und im Lande verkauft werden, ehe es die nach den einlaͤndiſchen Preiſen ſich richtende Abgabe be⸗ zahlt hat; noch kann es wieder ausgefuͤhrt wer⸗ den, wenn die Ausfuhr uͤberhaupt nicht er⸗ laubt iſt. Dies iſt kuͤrzlich der Inhalt dieſer Acte, in ſo ſern er fuͤr uns intereſſant iſt. Man wird noch verſtehen, was es bedeutet, wenn von Preiſen, welche die Ausfuhr reguliren, die Rede iſt. Man * 5„. —————— — ———— — 200— Man ſchien durch dieſe Acte doch etwas fur den einlaͤndiſchen Ackerbau und den Korn⸗ Abſatz thun zu wollen. Es war aber nur blo⸗ ßer Schein.— Vor hundert Jahren ward die Praͤmie von 5 Schill. auf die Ausfuhr be⸗ williget, wenn das Quarter Weitzen im Lande nicht uber 2 Pf. 8 Schill. ſtand; jetzt mußte es unter 2 Pf. 4 Schill. ſtehen, wenn ſie ge⸗ geben werden ſollte. Vormahls war die Einfuhr mit 16 Schill. pr. Quarter belaſtet, wenn der Preis nicht uͤber 2 Pf. 13 Schill. 4 Pence war, und mit 8 Schill., wenn er nicht uͤber 4 Pf. ſtand. Jett ward die Einfuhr, bis auf eine geringe Certificatsgebuͤhr, voͤllig frey, wenn er auf 2 Pf. 14 Schill. ſtieg. Nach Di⸗ rom's Berechnung machen 2 Pf. 8 Schill. damahligen Geldes nach unſerm Geldwerth 2 Pfund 17 Schill. 7 Pence, und 2 Pf. 13 Schill. 4 Pence machen 3 Pf. 4 Schill. Wenn man aber die erſtaunlich vermehrte Geldeircu⸗ lativn und den geſtiegenen Preis aller Dinge be⸗ denkt, ſo wird das Verhaͤltniß zum Nachtheil unſers Geldwerths noch weit groͤßer. Es muͤßte eine ganz auſſerordentliche Erndte ſeyn, wenn der engliſche Landwirth ſeinen Weißen fuͤr 2 Pf. 4 Schill. ohne Schaden jetzt ſollte verkaufen koͤn⸗ nen, und nur in dem einzigen Jahre 1792 iſt er zum groͤßten Rachtheil der Pächter ſo weit her⸗ unter geweſen. Im Grunde iſt alſo durch dieſe Acte Ac ftet wer dur Not etac den wur igt Acte alle Ausfuhr aufgehoben, und alle Einfuhr frey gegeben worden. Mit welchem Erfolge, werden wir nachher ſehen. Daß dies auch die Abſicht war, zeigte ſich durch die koͤnigliche Proklamation vom oten November 1792, wodurch die Ausfuhr, ohn⸗ erachtet die Preiſe ſo ungewoͤhnlich niedrig ſtan⸗ den, verbothen, und die Einfuhr frey erlaubt wurde; welches das Parlament nachher beſtaͤ⸗ tigte. Im Jahr 1795 gieng nun die Noth an, welche den letzten Schatten der alten Korngeſetze vollig verloͤſchte. Man mußte die Einfuhr auf fremden Schiffen nicht nur voͤllig frey geben, ſondern ſahe ſich auch zu der bisher unerhoͤrten Maaßregel gezwungen, eine Praͤmie von 13 bis 20 Schilling auf jedes Quarter eingefuͤhrten Weitens zu ſetzen. Im Jahre 1799 und 18 00 mußte man zu noch laͤſtigern Bedingungen, um Hungersnoth abzuwehren, ſeine Zuflucht nehmen. Ehe wir zu einigen allgemeinen Betrach⸗ tungen uͤber dieſe kurzlich erzaͤhlte Geſchichte des engliſchen Kornhandels uͤbergehen, ſollte ich billig aus Dirom's und Makie's Werke die die aus den Zollregiſtern zuſammengetragenen Tabellen uͤber die jaͤhrliche Ein- und Ausfuhr aller Kornarten liefern. Ich vermuthe aber, daß den meiſten meiner Leſer die Ueberſicht dieſer Ta⸗ bellen eben ſo langweilig ſeyn wuͤrde, wie mir das Abſchreiben. Daher verweiſe ich diejenigen, die eine gruͤndlichere Kenntniß davon zu haben wuͤnſchen, auf jenes Werk, welches eine Ueber⸗ ſetzung gewiß verdient, und beſchränke mich dar⸗ auf, folgendes allgemeine Reſultat daraus zu heben. Nach einem Durchſchnitte der Jahre von 1710 bis 1750, wo das im Jahre 1688 ein⸗ gefuhrte Syſtem in ſeine volle Kraft und Wur⸗ kung kam, hat die Ausfuhr aus Großbrittannien jährlich 663,459 Quarter betragen; die jaͤhrli⸗ che Einfuhr aber im Durchſchnitt 20,976 Quar⸗ ter. Folglich war die jaͤhrliche Ausfuhr um 644,459 Quarter ſtärker, wie die Einfuhr. Wenn wir das Quarter nur zu 10 Rthlr. be⸗ rechnen, ſo betraͤgt dies jährlich beynahe ſechs und eine halbe Million Thaler, und in 50 Jah⸗ ren 328 Millionen Thaler, welche England aus andern Staaten jaͤhrlich für Getraide zog. Seit dem Zeitpunkte aber, wo man ein entgegengeſetztes Syſtem zur vermeintlichen Be⸗ guͤn⸗ ünſ ſie derte, in. 179: ent ten, usf betra die G fülgl Aus iber — 203— guͤnſtigung der Manufacturen annahm, naͤmlich die Ausfuhr erſchwerte und die Einfuhr befoͤr⸗ derte, tritt ein ganz verſchiedenes Verhaͤltniß ein. In den 20 Jahren nämlich, von 1773 bis 1792, wo dieſes neue Syſtem, nach verſchiede⸗ nen vorangegangenen Durchloͤcherungen des al⸗ ten, geſetzmaͤßig feſtgeſtellet wurde, hat die Ausfuhr nach einem jäͤhrlichen Durchſchnitt betragen ⸗ ⸗ 3o3,781 Quarter die Einfuhr dagegen 733/938— folglich hat die Einfuhr die Ausfuhr um ⸗„ 430,157— uberwogen. Wenn nun, wie oben geſagt, die Ausfuhr in der vorhergehenden Periode die Einfuhr um 644,459 Quarter uͤberwog, ſo belaͤuft ſich der Unterſchied jaͤhrlich auf 1,074,516 Quarter. Dies ſind bis zum Jahre 1793 die Reſultate aus den Dirom⸗Makie'ſchen Tabellen. ———. Die Einfuhr von den Jahren 1794 bis 1796 will ich aus Young's Annalen hier ausfuͤhrlich herſetzen. 5 — 17 94* Schiu. vf. Gerſte 123563 Quart. 25 160710 l Bohnen 92243— 25 112553 bhn Hafer 346022 Quart. 16 67631 e Hafermehl 26646 Ctnr. 7 9326 hif Erbſen 40368 Quart. 2 64588 böſe Rocken 24472— 30 3670 Foße Rockenmehl—— ſockt Türkiſcher Weitzen 6 20 r6o0 kirk Weitzen 324637— 56 908933 Rehl Weitzenmehl 11429 Ctnr. 22 12571 Vi 1 1933876 1795. Schiu pf. 3 Gerſte 18070 Quart. 2 22537 Bohnen 1560— 25 19758 Hafer 440088— 13 396079 Hafermehl zo312 Ctnr. 8 12124 hnd 3 Erbſen 20262 Quart. 40 40524 Rocken 11507— 35 20137 Rockenmehl 37593 Ctnr. 14 26316 Türkiſcher Weitzen 20586 Quart. 25 25732 ſi Weitzen 237930— 60 363790 ier Weitzenmehl 90521 Ctnr. 24 108625 on ——⸗——————————— 1535672 — 205 17960 Gerſte 37463 Quart. Bohnen Haſfer 740348— Hafermehl 95888 Ctnr. Erbſen 32669 Quart. Rocken 157602— Rockenmehl 11611 Ctnr. Türkiſcher Weitzen 22410 Quart. Mehl davon 20651 Ctnr. Weitzen 314265 Quart. Weitzenmehl 204469 Ctnr. 1794* 1795 ⸗ ⸗ 1796 ⸗ dazu an Prämien fur Einfuhr ⸗ Und was zu Ende des Jahres 1793 eingeführt ward Schill. 25 25 18 45 40 15 30 12 60 24 7 Pf. 46335 44003 666313 33355 72505 315604 3707 33615 12390 2442795 245362 3926434 1983856 1535672 3926434 7446012 573418 15 00000 9519430 So mußte alſo England innerhalb drey oder vier Jahren neun und eine halbe Mil⸗ lion Pfund Sterlings fuͤr fremdes Getreide aus⸗ geben, welche es ohne allen Zweifel bey mehrerer Aufmunterung des Ackerbaues ſelbſt haͤtte bauen kön⸗ i B 8— 206— koͤnnen. Hierzu kam noch eine große Menge Reis, 1 der ſtatt des Weitens zum Brod genommen 3 ward; und eine Menge fremden Brannteweins, ₰ der ſonſt auch aus einlaͤndiſchem Korn gebrannt wurde. 55 ₰ 1 Im Jahre 1797 und 1798 fielen die ¹ Preiſe betraͤchtlich; aber Einfuhr dauerte fort. n Im Jahr 1799 auf 1800 trat nun der fürch⸗ 3 terliche Kornmangel ein, der eine bisher uner⸗ mn hoͤrte Einfuhr unter den laͤſtigſten Bedingungen und zu enormen Preiſen nothwendig machte. de Es mußten, um das nothwendige Korn herbey ½ zu ſchaffen, Prämien von unerhörter Höhe be⸗ zahlt, und den einfuͤhrenden Kaufleuten der Preis von 90 Schilling fuͤr das Quarter bis m ₰ 1 zum erſten October verſichert werden. Die i Einfuhr vom Ften Januar bis zum rſten Sept. ſi 3 dieſes Jahres 1800 betrug an b wo Weitzen 721993 Quarter ha Weihenmehl 176292— be Rocken 114176— 6 „ 3 Rockenmehl 11882— te Gerſte 55 8 de * Hafer 35834 3 1365974 , Erbſen und türkiſcher Weiten ſind nicht n angegeben. Schon im Vorſommer ward die , Summe, welche in dieſem Jahre fuͤr fremdes nt Korn ausgegeben war, im Parlamente auf 5500000 Pfund Sterlings berechnet. 3„Iſt aber auch wuͤrklich dieſer Abſchlag an 1. einlaͤndiſchem Getreide eine Folge des veraͤnder⸗ ⸗ ten Korn⸗Polizeyſyſtems und der dadurch ver⸗ minderten Ackerproduction, oder laſſen ſich 3 andre zulaͤngliche Urſachen davon angeben?“— . dieſe Frage verdient erwogen zu werden. Ein Zurückſchlagen der Erndte wegen un⸗ gunſtiger Witterung lieſſe ſich in einem Zeitrau⸗ me von beynahe 30 Jahren nicht einmal ſuppo⸗ eniren, wenn wir auch das Gegentheil nicht be⸗ ſtimmt wuͤßten. Es ſind viele vorzugliche frucht⸗ bare Jahre darunter geweſen, und keins hat wahren Miswachs gehabt. Gut beſtellter Acker hat in jedem dieſer Jahre große Erndten gege⸗ ben. Das ſchlechteſte Jahr war freylich fuͤr England das Jahr 1794. Allein aus allen Un⸗ terſuchungen und Anfragen, welche die Committee des Parlaments, der Board of Agriculture 3 und Arthur Young in ſeinen Annalen, hatten er⸗ 3 gehen laſſen, und aus denen darauf eingelaufe⸗ nen Verichten, ergiebt ſich nichts, was man eigentlich Miswachs nennen koͤnnte. Nur we⸗ nige 5* — 208— nige einzelne Antworten geben den Abſchlag der Erndte auf und z, mehrere auf x oder 4 an⸗ und viele ſagen, die Erndte ſey ganz gut geweſen. Bekanntlich vergleicht der Landwirth ſeine Erndte, wenn er den Abſchlag angiebt, immer mit den vorzuglichſten Jahren. Gewiß alſo iſt es, daß der Ackerbau in Qualilaͤt oder Quan⸗ titaͤt füͤr die Ration zu geringe geworden iſt. Mit mehrerem Anſchein kann man die ver⸗ mehrte Bevolkerung und vermehrten Beduͤrf⸗ niſſe dieſes Reichs waͤhrend des letztern Viertels dieſes Jahrhunderts als die Urſach des großen Deſicit an Getreide annehmen. Dies thut auch die Committee des koͤniglichen Conſeils im Jahre 1790; denn nachdem ſie gezeigt und erwieſen hat, daß dieſes Reich, welches vormahls viel mehr Korn, als zur Conſum tion ſeiner Einwoh⸗ ner noͤthig war, erzeugte, nun in Anſehung dieſes Beduͤrfniſſes von andern Nationen abhaͤngig ge⸗ worden ſey, ſagt ſie:„Die Committee hofft⸗ „daß dieſer außerordentliche Wechſel in einem „ſo wichtigen Gegenſtande blos der Zunahme „der Popularion beyzumeſſen ſey, und der großen „Anzahl von Pferden und anderem Vieh, wel⸗ „ches jetzt mehr, wie ehemals, gehalten wird; „nicht minder dem Wohlſtande, der ſich jeßt „uͤber alle Klaſſen der Einwohner verbreitet „hat, und der Ausdehnung unſers Handels und „UR⸗ „unſerer Manufacturen, welche einen vermehr⸗ „ten Gebrauch aller Lebensmittel nach ſich „ziehen;— denn es giebt keinen Grund, „zu vermuthen, daß der Ackerbau in dieſem „Zeitraume abgenommen habe.“ Das hofft ſie! Ich wuͤnſchte, daß ſie wenigſtens in Anſehung der Population et⸗ was gewiſſes— wozu ſie die Data bey der Hand haben muͤßte,— beſtimmt und gezeigt hätte, ſie ſey von der Art, daß ſich daraus eine vermehrte Conſumtion von an⸗ derthalb Millionen Quarter Getreide erklaͤren laſſe. So aber habe ich einigen Zweifel, ob die Population in Großbritannien be⸗ trͤchtlich zugenommen habe. Große Städte, große Fabriken, ſtarke Schiffahrt, Colonien und Krieg verzehren mehr Menſchen, als ſie erzeugen. Auf dem Lande beweiſt die um das Drey⸗ und Vierfache geſtiegene Armen⸗ Taxe die Zunahme der Armuth, welche ebenfalls der Bevoͤlkerung nicht günſtig iſt. Doch wenn auch im Jahre 1790 die Be⸗ voͤlkerung ſeit Endigung des amerikaniſchen Krieges zugenommen hatte, ſo hat ſie ſich wahrſcheinlich in dieſen letzten Jahren wieder vermindert. Das ſollte man gegen das Ende eines jeden Krieges erwarten, und doch trat der Kornmangel grade gegen das an Vds. ate Abtheil O Ende — 20— Ende aller drey letzten Kriege ein. Daß ſich die Anzahl von Pferden damals ver⸗ mehrt hatte, iſt, nach einſtimmiger Meynung der Englaͤnder, auſſer Zweifel. Ob es bey den jetzigen Zeiten, wo alle Leute von mitt⸗ lerem Vermoͤgen ſich ſo ſehr einſchranken muͤſſen, und wo auf alle zum Lurus gehal⸗ tene Pferde eine ſehr ſtarke, aber ſehr zweck⸗ maͤßige, Abgabe gelegt worden, noch der Fall ſey, weiß ich nicht. Andre Arten des Luxus verbrauchen kein Korn; erſparen es vielmehr. Der Reiche und Wohllebende ißt weniger Brod, als der Arme. Ueberhaupt hat die Fleiſch⸗Conſumtion unter den Englaͤn⸗ dern ſich betraͤchtlich vermehrt, und es wuͤrde alſo dadurch Korn erſpart; denn mit Korn wird in England das Vieh nicht gemaͤſtet. Endlich muͤßte doch auch der ſtarke Ge⸗ brauch der Kartoffeln, der unter Reichen und Armen immer mehr zugenommen hat, die Conſumtion des Getreides vermindert haben. Es werden ſogar viele Pferde da⸗ mit gefuttert. Demnach iſt es wohl gewiß, daß Be⸗ völkerung und Conſumtion ſeit 1760 in der Maaße nicht zugenommen haben, daß ſich daraus der Mangel des einlaͤndiſchen Korns Un er ſ le Korns erklaͤren lieſſe. Folglich muß der Ackerbau abgenommen haben. Angenommen aber auch, daß er nur nicht im Verhaͤltniß des mehreren Bedarfs zugenommen haͤtte— woran lag das? In der erſten Haͤlfte des Jahrhunderts vermehrte ſich Beroͤlkerung und Conſumtion ohnſtreitig ſtaͤrker; der Ackerbau aber in dem Ver⸗ pältniſſe mit, daß er Ueberfluß gab. Das letzte Ziel ſeiner moͤglichen Vermehrung hatte er aber 1760 bey weitem noch nicht erreicht. Es giebt freylich mehrere mitwuͤrkende Urſachen, daß der Ackerbau in den letztern Zeiten ſank, oder ſich doch im Verhaͤltniß der Conſumtion nicht hob. Alle aber be⸗ gruͤnden ſich darauf: daß er nicht mehr vortheilhaft ſchien. Er verlor ſeinen Credit, und dieſen Verluſt zog ihm ohne Zweifel das veränderte Syſtem der Geſetzgebung zu. Faſt jedes Heft der Young'ſchen Annalen, jeder Rapport an den Board of Agri⸗ culture, jedes neue landwirthſchaftliche Buch erklärt den Getreidebau bey den neuen Ge⸗ ſetzen fuͤr banquerott— weil bey den jeßi⸗ gen Verhaͤltniſſen das Getreide in den mitt⸗ leren Jahren nicht fuͤr den Preis gebauet D 2 wer⸗ .*. —————— werden koͤnne, unter welchem die Aus⸗ fuhr erlaubt und die Einfuhr verboten blieb. Entweder werden, wie oben geſagt, die Ackerfelder immer mehr zu Graſe für Pferde, Rindvieh und veredelte Schaafe liegen bleiben, und England wird in Anſehung des Kornbe⸗ darfs von Auswärtigen ganz abhaͤngig werden, wie Holland es war— oder das Uebel wird ſeine Heilung in ſich ſelbſt finden. Die ſtarke Nachfrage wird den Preis des auswaͤrtigen Korns ſo hoch erhalten, daß der engliſche Ackerbau doch dabey beſtehen kann. So haͤtte das neue Syſtem zwar ſeines Zwecks verfehlt; waͤre aber dem Intereſſe der Landeigner deſto vortheilhafter geweſen. Wäre es wahr, was Adam Smith behauptet, daß das vorma⸗ lige Syſtem durch das Uebergewicht des Land⸗ Intereſſe, und das jetzige durch das Uebergewicht des Handels⸗Intereſſe, im Parlamente durch⸗ geſetzet worden: ſo hätten ſich beyde betro⸗ gen. Denn bey dem vorigen fielen die Preiſe; bey dieſem ſind ſie ge⸗ ſtiegen⸗ Vielleicht kann dieſer Lauf der Dinge meh⸗ rere gute Folgen fuͤr den engliſchen Ackerbau gaben. Den tägen Pachtern, die noch nach der det leu kö zn ge — 213— der alten Art in drey Feldern wirthſchaften, leuchtet es ein, daß ſie nicht wuͤrden beſtehen können, wenn der Preis einmal auf den Punct herabſinke, den das Geſetß zur Norm annimt. Dies kann ſie zu einer andern Wirthſchaft fuͤhren, wobey es eher moͤglich waͤre.— Die ietzige Theurung macht den Ackerbau aufs neue zum Gegenſtande angeſtrengter Nachforſchun⸗ gen, wie ich bey einer andern Gelegenheit erzählen werde, und wahrſcheinlich wird ſelbige die allgemeine Acte zur Gemeinheitstheilung endlich durchſetzen. Was waͤre aber der Erfolg geweſen, wenn England in dieſe Abhaͤngigkeit vom Auslande, in Anſehung des nothwendigſten Bedurfniſſes, verfallen waͤre, ehe es Reichthum und Schiffe genug hatte, den Ueberfluß aller Nationen her⸗ beyzuholen?— Und was muͤßte der Erfolg in jedem andern Staate ſeyn, deſſen Conſum⸗ tion und Production in ſolchem Mißverhaͤltniſſe ſtaͤnde?— Frankreich koͤnnte dieſe Frage allenfalls ſchon beantworten! Man hat unzäh⸗ lige moraliſche Urſachen der ungluͤcklichen Re⸗ volution angegeben, und die materielle— den Hurger des Volks— daruͤber vergeſſen. Was hatten alle politiſche Meynungen, alle Factioni⸗ ſten, ohne ſolchen ausgerichtet? Brod und Schauſpiel! rief das franzoͤſiſche Volk, wie das das römiſche. Haͤtte man ihm nur Brod geben können, ſo wuͤrde es den Tummelplatz der Ari⸗ ſtocraten und Democraten als Schauſpiel an⸗ geſehen haben, ohne ſich weiter darein zu miſchen. Aber Brod verſchafft man einer zahlreichen Ration nur, wenn man den Ackerbau hebt. Und den Ackerbau hebt man nur, wenn man ihn vortheilhaft macht. Der Ackerbau aus Noth reicht nur bey einem armen ſchwachen Volke zu. Die Cultur des Ackers muß mit der Cultur und Vermehrung der buͤrgerlichen Geſellſchaft gleichen Schritt halten. Den ein⸗ ſamen Wilden naͤhrt die Jagd. Das Hirten⸗ volk hat an Weiden genug. Der Ritter in ſeiner Burg, der Moͤnch im Kloſter, brauchte nur Sclaven arbeiten zu laſſen, um ihn zu ernaͤhren und ihm ſeine Bedürfniſſe aus den Stadten zu verſchaffen. Je hoͤher aber Bevoͤl⸗ kerung, Induſtrie, Cultur, Luxus und ſtehen⸗ des Kriegsheer ſteigt, deſto weniger reicht ſclaviſche Betreibung des Ackerbaues zu, und deſto mehr erfordert ſie die Verwendung des freyen, des denkenden, des wohlhabenden Mannes. Dieſer aber wird unter allen nicht das Gewerbe waͤhlen, was am wenig⸗ ſten einbringt. Un NR — 215— Erzwungene, niedrige Preiſe ſind eine An⸗ leihe auf Wucherzinſen. Sie kommen dem Volke ſo wenig zu gute, wie dieſe dem Ver⸗ ſchwender. Wenn das Capital in Schwelgerey und Traͤgheit vergendet iſt, ſo muß es durch Hunger und Noth wiederbezahlt werden. Er⸗ kunſtelte hohe Preiſe ſind bey einem betriebſamen Ackerbau und freyen Kornhandel unmoͤglich. Monopol bey großer Concurrenz, mit einer ſo viel Raum erfordernden, ſo verderblichen Waare, iſt ein Unding. Maͤßige, nie zu hoch ſteigende, aber auch nie zu tief fallende Preiſe ſind jedem Gewerbe nuͤtzlicher, als ſehr abwechſelnde Preiſe, wenn ſie auch im Durchſchnitt von meh⸗ reren Jahren geringer waͤren. Bey ungewöhn⸗ lich niedrigen Preiſen wird der Arbeiter ſchwel⸗ geriſch, träge und widerſpenſtig; das bezeugen alle Manufacturen. Doch ich will andre Reflexionen, die ſich mir in unzahliger Menge uͤber dieſe Geſchichte der engliſchen Kornpolicey aufdraͤngen, meinen Leſern überlaſſen. Sie ſind vielleicht ſchon oft vorgetragen, ohne daß ichs weiß; denn ich geſtehe, daß ich uͤber dieſe Materie wenig teutſche Schriftſteller geleſen habe. — ₰ — 7. ——— — Hier folgen noch die Durchſchnitts⸗Preiſe des Weizens vom Jahre 1761 bis 1798. Im Jahre 1761 762 1763 1764 1765 1766 1767 1768 1769 1770 17771 1772 1773 1774 1775 1776 1778 1779 1780 81 1782 1783 1784 1 Quarter Weizen yi. .. T ..„ I ⸗ ⸗ 2 ⸗. ⸗ 2 ⸗ ⸗. 2 ⸗ ⸗ ⸗ 2 „. ⸗ 3 ⸗. ⸗ 3 ⸗. ⸗ 2 ⸗ ⸗ ⸗ 2 . ⸗— 2 „„. 2 .. 2 ⸗. ⸗ 2 ⸗. ⸗ 2 ⸗- ⸗ 1 ⸗.„ 2 . ⸗„ 2 ⸗ ⸗- T ⸗.. 1 ... 2 .. 2 .. ⸗ 2 . ⸗. 2 Schill. Penee 10 19 O„ c S S 0o S 0O — 8 — 0 00 0 c0 co0 c00 0 S b+ co 6 c — — 1Quarter Weizen Im Jahre 1785 k. 1786... e 1787. ⸗ 1788.„. 1789. 1790... 1791... 1792 1793„.. 1794 1795. 1796. ⸗. 1797 ⸗ ⸗ 1798„„ co c0 b b vb v v b b b Schill. 18 11 13 11 14 16 11 10 Penee „ 0 0 0+ O0 0o co b O v b 60 2** 5„— 8 .*„ 1ℳ —————————————— B 5——,* . ————— * VI. Die Geſchichte des gegenwaͤrtigen Korn⸗ mangels und Theurung in England*) iſt in mancher Rückſicht zu merkwürdig, und ſteht mit dem Vorgeſagten in zu genauer Ver⸗ bindung, als daß wir ihr nicht noch eine be⸗ ſondre Aufmerkſamkeit widmen ſollten. Sie beweiſt, in welche Verlegenheit ein Staat ge⸗ *) Dieſes iſt Anfangs Febrnars 1801— das Uebrige im vorigen Herbſte geſchrieben. gerathen koͤnne, wenn er bey der groͤßten Aus⸗ dehnung ſeiner Macht die Baſis ſeiner innern Staͤrke, den Ackerbau, in gleichem Verhaͤltniſſe zu heben verabſaͤumt. Ueber die Urſachen dieſer Theurung ſind zwar ſelbſt in England die Stimmen ſo getheilt, und, wie es ſcheint, durch Partheygeiſt ſo be⸗ fangen geweſen, daß die wahre Urſach, da ſie nicht als Waffe einer Parthey gegen die andre gebraucht werden konnte, in den oͤfſentlichen Debatten kaum angedeutet worden iſt. Bey einer kaltbluͤtigen, partheyloſen Unterſuchung ſcheint ſie aber ſo klar am Tage zu liegen, daß ſie kaum verkannt und mit andern Neben⸗ Umſtänden verwechſelt werden kann. Die nach mittelmaͤßigen Erndten in den Jahren 1794 und 1795 entſtandene Theurung ward, in Verbindung mit der durch große Praͤmien bewurkten Einfuhr, ſchon durch die Ausſicht auf eine reiche Erndte im Sommer 1706 überwunden. Das Quarter Weizen fiel bereits vor der Erndte auf 70 Schill.; gleich nach derſelben auf 60— 56 herab. Im Jahre 1707 kam es vor der Erndte auf etliche und funfzig; nach der Erndte, zu Ende des Jahrs, auf 48, in einigen Diſtrikten noch tiefer zu ſtehen. Die Erndte von 1798 war im Durch⸗ ſchnitt ſchnitt ebenfalls ſehr ergiebig, und bis zum Maͤrz 1799 blieb der Preis des Weizens auf 48 bis 49 Schilling. Die Ausfuhr blieb dabey, den angenommenen Regeln nach, immer verboten, und wuͤrde freylich auch ohne Verbot nicht vor ſich gegangen ſeyn. Die Einfuhr war hingegen offen, und ward noch immer mit Vortheil betrieben. Nach dem Verhaͤltniſſe, worin der Preis aller anderen Dinge oder der Werth des Geldes in England ſtand, war dieſer Preis fuͤr den Landwirth zu geringe. Aus einer großen Menge von Datis, die A. Young ſammlete und zuſammenſtellte, ergiebt ſich folgendes Re⸗ ſultat: Die Koſten des Ackerbaues belaufen ſich bey der gewöhnlichen Dreyſelder⸗Wirthſchaft ſo hoch, daß ein Buſhel Weizen(₰ Quarter), wenn im Durchſchnitt das 2te Korn geerndtet wird, 6 Schill. 4 ½ P. — te—— 0 ½5 — 1ote——— 7 ½ — t 23— 9„ 6 ½ koſten muß, falls der Landwirth ſeine Auslage, und 12 vom Hundert Zinſen von dieſer Aus⸗ lage, haben ſoll. Dieſe Verechnung bezieht ſich zwar, wie geſagt, nur auf das Dreyfelder⸗ Syſtem; — „—— S c———— Syſtem; der groͤßte Theil der Kornfelder in England liegt aber noch unter dieſem Syſteme, weil auf uneingekoppelten Laͤndereyen kein an⸗ deres moͤglich iſt, und die Braache nicht beſtellet werden darf. Auf eingekoppelten Ländereyen kann der Ackerbau zwar wohlfeiler betrieben werden; es ſteht aber in der Willkuͤhr der Beſitzer, ob ſie dieſe zum Kornbau oder zur Viehzucht und Maͤſtung vorzuglich benutzen wollen. Wenn nun auch der Farmer, nach Ver⸗ hältniß ſeiner in dieſen Jahren gehabten Erndten, allenfalls ſchadlos geblieben waͤre, ſo gaben ihm doch dieſe Preiſe keine Aufmunterung; beſon⸗ ders, da er ſich auf manchen Maͤrkten noch immer vom fremden Korn— welches wohl⸗ feiler, freylich aber auch ſchlechter war— herabgebothen fand. Wie wirſt du zu deinen Koſten wieder gelangen, dachte er, wenn deine Erndte ſchlecht ausfallt und doch ſo viel fremdes Korn(deſſen moͤgliche Einfahr er jedoch zu hoch anſchlug) auf dem Markte iſt? Um die Folge hiervon klar einzuſehen, muß man erwaͤ⸗ gen, daß der Dreyfelder⸗Wirth in England faſt bloßer Kornbauer iſt, und wenig Vieh haͤlt und halten kann. Er muß daher den groͤßten Theil ſeines Miſtes aus benachbarten Staͤdten, oder von ſeinem Nachbarn, dem Vieh⸗ Viehzuͤchter oder Viehmaͤſter, holen; gebraucht uͤbrigens viel Kalk und Mergel zur Verbeſſe⸗ rung ſeines Ackers. Er beſtellet ſeinen Acker alſo fetter oder magerer, je nachdem er glaubt, daß er die Koſten ihm wieder bezahlen koͤnne, Der Landwirth hingegen, welcher ein geſchloſ⸗ ſenes Feld beſitzt, berechnet immer, ob er ſolches durch Kornbau, oder durch Vieh, beſſer benutzen koͤnne— denn an einen gewiſſen Uumlauf bindet ſich der kleinere Paͤchter in Eng⸗ land nicht ſo feſt, daß er nicht nach den Zeitum⸗ ſtaͤnden Abweichungen machen ſollte—. Nun ſtand in dieſen Jahren der Preis des Fleiſches in England viel beſſer, wie der des Korns, weil die Verſorgung der Land⸗ und See⸗Macht eine ſo große Conſumtion veranlaßte, und der nordbrittiſche und irlaͤndiſche Mann, der im Frieden ſich mehr mit Brod und Kartoffeln wuͤrde beholfen haben, nun, als Soldat und Matroſe, ſtarke Fleiſch-Rationen erhielt. Daher ward viel, ſonſt wohl mit Korn zu beſtellendes Land, zum Futterbau und zur Weide benutzt. Aus dieſem, durch verhaͤltnißmaͤßig zu nie⸗ drige Preiſe veranlaßten, geringerem Betriebe des Kornbaues ſcheint es mir allein erklaͤrbar, wie nach der allgemein anerkannten Ergiebigkeit der Felder im Jahre 1798 der Preis des Korns z z 70 m z ge au wi ei al d ke ſe n hl Korns ſchon im April 1799 betraͤchtlich, und zwar auf dem Lande ſchneller, wie in London, zu ſteigen anſing, und das Quarter Weizen im Junius auf oo Schilling, iemn Auguſt auf 70— 72 Schilling kam; ohnerachtet noch im⸗ mer auswaͤrtige Zufuhr eintraf. Denn damals erwartete man noch nicht, eine ſo ſchlechte Erndte zu erhalten, wie die von 1799, hauptſaͤchlich wegen des ſich erſt ſpaͤt äußernden Brandes im Getreide und der ſchlechten Erndte-Witterung, wuͤrklich ward. Dieſe Erndte von 1799 war in der That ſehr zuruckſchlagend, und der Abſchlag derſelben, gegen eine gute Erndte, wird von den Meiſten auf ein Viertel angegeben. Wenn dies, wie ich jedoch im eigenrlichſten Verſtande noch bezweifle, auch richtig iſt: ſo koͤnnte es zwar eine betraͤchtliche Steigerung des Preiſes, allein, nach einer vorhergegangenen ſehr guten Erndte, und bey einer ſo wuͤrkſam betriebenen, durch den Reichthum der Regierung und die Macht der Schiffahrt unterſtuͤßten Einfuhr, keine ſolche Theurung, wie ſchon im Winter die⸗ ſes Jahrs entſtand, verurſacht haben: falls nicht der Kornbau in Maſſe und Kraft gegen vormalige Zeiten herabgeſunken waͤre. Ein Staat, der nicht bey einer guten Erndte ſo viel Ueberſchuß an Korn hat, um den Abgang eines Vier⸗ — 224— Viertels bey einer ſchlechten Erndte zu decken, iſt in Anſehung der Subſiſtenz ſeiner Einwohner ſchlecht beſtellt. Der Weizen ſtieg im Februar und März 1800 auf 108 Schilling im Durch⸗ ſchnitt; der gute viel hoͤher. Es iſt merk⸗ wuͤrdig, daß in dieſem Winter der Preis des Fleiſches nach Verhaͤltniß ſehr maͤßig blieb. Im Sommer 1800 bewuͤrkte indeſſen der gluͤckliche Fortgang der Einfuhr, verbunden mit der Ausſicht auf eine reiche Erndte und dem ſtarken Bau fruͤhreifer Kartoffeln, einen betraͤcht⸗ lichen Abfall des Preiſes, ſo daß derſelbe gegen die Erndte auf 7 0 Schilling fiel, und die Regie⸗ rung ſich bewogen fand, die dem fremden Getreide bis zum October ercheilte Zuſicherung eines gewiſſen Preiſes— 90 Schill. fuͤr 1 Quar⸗ ter Weizen— zuruͤckzunehmen. Die Hoffnungen, welche man auf dieſe Erndte in England ſetzte, waren hoͤchſt ſangui⸗ niſch. In der Rede vom Throne. womit der Koͤnig im Sommer das Parlament prorogirte, ward dieſe bevorſtehende Erndte unter die gluck⸗ lichſten Eräugniſſe und Ausſichten Großbrittan⸗ niens aufgezaͤhlt. Jeder Reiſende ruͤhmte die vielverſprechende Anſicht der Felder, beſonders des Weizens. In der That hatte ganz Groß⸗ britannien br lic ſin S ha an tri der Er M ſc de ahl tra ein am det un Be ze ſie m — 225— britannien eine, ſeinem Clima beſonders zutraͤg⸗ liche Witterung. Alle trockne warme Sommer ſind fuͤr England fruchtbar; und ſo war dieſer Sommer auf dieſer Inſel. Die ſpaͤten Froſte, welche dem uͤbrigen Norden nachtheilig waren, hatte man daſelbſt ſo wenig verſpuͤrt, wie die anhaltende Naͤſſe in der Bluͤthezeit. In den truͤben, naßkalten Tagen, woruͤber wir in Nie⸗ derſachſen um Johannis klagten, hatte man in England ungewoͤhnlich ſchoͤnes, heiteres Wetter. Man erinnerte ſich kaum, in England einen ſchoͤnern, fruchtbarern Sommer erlebt zu haben. Unter dieſen Ausſichten war der Aufkauf des fremden Getreides von den Englaͤndern abbeſtellet und manche daruͤber geſchloſſene Con⸗ tracte gebrochen worden. Die Erndte war eingetreten, und man erwartete, bey den noch annehmlichen Preiſen, eine ſchnelle Zufuhr auf den Maͤrkten. Allein, es kam kein Korn, und was da war, ſtieg von Tag zu Tagen im Preiſe. Jedermann ſchrie nun uͤber eine allgemeine Verſchwoͤrung der Farmer und Kornhaͤndler im ganzen Reiche. Man gab ihnen Schuld, daß ſie ihr Getreide verderben lieſſen und zerſtörten, um es nicht auf die Maͤrkte zu bringen, und an Bds. ate Abtheil. P ſo — 6— ſo kunſtliche Theurung und Hungersnoth zu erregen. Und da ſich eine ſolche ſtillſchweigende Verabredung Aller mit dem Intereſſe eines Jeden nicht wohl anders vereinigen ließ, als wenn man ein tieferliegendes Motiv voraus⸗ ſetzte: ſo machte man ſie alle ſamt und ſonders, nach beliebter Art, zu Jacobinern, welche mittelſt der erregten Theurung und Hungersnoth die Regierung zu einem ſchimpflichen Frieden zwingen wollten. Dies war das allgemeine Urcheil in allen feineren Eirkeln; ein Urtheil. welches auf den zu Plünderungen und Unfug geneigten hungrigen Poͤbel Eindruck zu machen nicht verfehlen konnte. Dieſer rottete ſich alſo, unter verhoffter und vielleicht verſprochener boheren Begunſtigung, an vielen Orten zuſam⸗ men, und beging den Unfug, wovon die Zeitun⸗ gen im October und Novemberv. J. voll waren. Indeſſen waren die Miniſter weiſe, und uͤber den Ungrund jener gehäſſigen Beſchuldigungen aufgekläͤrt genug, um nicht die ernſthafteſten Maaßregeln dagegen zu nehmen, und oͤffentlich zu erkläͤren, daß der Mangel und die Theurung nicht erkunſtelt, ſondern in der Natur der Sache begruͤndet ſey. Das merkwuͤrdige und nach⸗ druckliche offcielle Schreiben des Herzogs von Portland an den Lord kieutenant von Oyford, Herzog von Marlborough(S. Hamburg. Correſpond. v. 4ten November 1800) ſette jenem jenem ſich allgemein verbreitenden Wahn einen maͤchtigen Damm entgegen. Dieſer Staats⸗ 5 Secretair der innern Angelegenheiten verſicherte darin nämlich auf eine uͤberzeugende Weiſe, daß die Theurung keineswegs erkuͤnſtelt und den Abſichten raubgieriger Menſchen zuzuſchrei⸗ ben, ſondern in dem wirklichen Mangel be⸗ gruͤndet waͤre. Es ſey daher noͤthig, mit allem Einfluß und Anſehen die däruͤber verbreiteten Vorurtheile zu entkraͤften, damit der freye . Gebrauch des Eigenthums nicht geſtoret, und g jene nützliche Claſſe von Menſchen, von denen der Staat in Anſehung ſeiner Subſiſtenz ab⸗ hinge, auf keine Weiſe beunruhiget und gewalt⸗ ſam zur Entaͤußerung ihres wohlerworbenen Guths gezwungen wuͤrde; weil ſonſt die trau⸗ rigſten Folgen und wahre Hungersnoth dadurch bbefoͤrdert werden muͤßten. Dieſes Schreiben verfehlte dann auch bey der feineren Welt ſeines Eindrucks nicht. Der Poͤbel hingegen fuhr fort, die Kornhaͤuſer und Feimen auf den Pacht⸗ hboͤfen, die Häuſer der Victualien-Haͤndler in den Staͤdten, und zuletzt in der Hauptſtädt . 4 e —.————————————.— — . ſelbſt zu zerſtören. Jedoch waren die ⸗ Maaßregeln, welche man dagegen nahm. 3 wirkſam genug, ihn zur Ruhe zu bringen; zumal da alle Rechtlichdenkende einſahen, daß man alle nur moͤgliche Vorkehrungen zur 3 Minderung der allgemeinen Noth zu treffen P2 ſuchte, — 228— ſuchte, und alle Partheyen ſich hierin ver⸗ einigten. Die Stadt London beſchloß, dem Koͤnige eine Adreſſe zu uͤbergeben, worin ſie ihn um ſchleunige Zuſammenberufung des Parlaments, in Hinſicht auf dieſe Angelegenheit, bat. Da der erſte Entwurf dieſer Adreſſe einige zu an⸗ maßend ſcheinende Ausdrucke enthielt, ſo wei⸗ gerte ſich der Konig, dieſe Adreſſe auf dem Throne, wo ſie ihm vorgeleſen ward, anzu⸗ nehmen; nahm ſie jedoch, nachdem ſie in einem andern Tone abgefaßt war, unter dem gehoͤ⸗ rigen Ceremoniel ſehr gnaͤdig an, und ſagte ſeiner guten Stadt London, daß er bereits die Zuſammenberufung des Parlaments angeordnet habe; wie denn auch wuͤrklich ſchon etliche Tage zuvor geſchehen war⸗ In der Eröffnungs⸗Rede dieſes Parlaments empfahl der Koͤnig dieſe ihm ʒunaͤchſt am Herzen liegende Angelegenheit der Unterſuchung beyder Haͤuſer aufs dringendſte, und wuͤnſchte, daß ſie ſolche Maaßregeln nehmen moͤgten, die am zweckmaͤßigſten waͤren⸗ den gegenwaͤrtigen Druck zu mindern, zugleich aber der Gefahr ſeiner Ruͤckkehr vorzubengen. In Ruͤckſicht der unmittelbaren Erleichterung mäſſe die Auf⸗ merkſamkeit vor allem auf die ſchnelleſte und aus⸗ au Ko ru hf for des teg ma daf pit gen we auf zuk Pr füh wi gec bel un he ——— —— ausgedehnteſte Ermunterung der Einfuhr aller Kornarten vom Auslande gerichtet ſeyn. Dieſen Veyhulſe, verbunden mit Beyſpielen von Erſpa⸗ rung und Frugalität, wuͤrde den hohen Preis hofſentlich um etwas herunter bringen. Eine fortdaurende Vermehrung und Verbeſſerung des Ackerbanes ſey aber durch weiſe Maaß⸗ regeln des Parlaments zu befördern. Wenn man nach reiflicher Unterſuchung finden ſollte, daß das Uebel, welches von ſchlechten Jahrs⸗ zeiten herruͤhret, durch unerlaubte Verbindun⸗ gen und betruͤgeriſche Maaßregeln vermehrt werde: ſo wuͤrde das Parlament ernſtlich dar⸗ auf bedacht ſeon, ſolchen Mißbraͤuchen zuvor⸗ zukommen. Es werde aber ſorgfältig ſolche Practiken von dem regulairen und laͤngſt einge⸗ füͤhrten Gange des Handels unterſcheiden, der, wie die Erfahrung gezeigt habe, in unſerin gegenwärtigen geſellſchaftlichen Zuſtande unent⸗ behrlich iſt, um die Maͤrkte zu verſorgen, und die Lebensmittel durch das Reich zu ver⸗ theilen. Man wird nicht leicht die Weisheit ver⸗ kennen, welche in dieſer Rede mit wenigen Worten einen treflichen Fingerzeig gab, wo man die wirkſamſten Mittel zur Tilgung des Uebels aufzuſuchen habe. Man ſchrieb in England dem Redner einen groͤßern perſoͤn⸗ lichen — 230— lichen Antheil an dieſer Rede zu, als Er ſonſt verfaſſungsmaͤßig daran zu nehmen pflegt.— In den öffentlichen Sitzungen des Parla⸗ ments— ſo wie vorher ſchon außerhalb der⸗ ſelben— ſchien dieſe Angelegenheit dem Par⸗ theygeiſte nur zum Balle dienen zu wollen. Schon in verſchiedenen Stadt⸗und Diſtrikts⸗ Verſammlungen war unter der Leitung der Oppoſitions⸗Parthey formlich erklaͤrt worden, der Krieg ſey die einzige Urſache dieſer Theurung und drohenden Hungersnoth. Mit dieſer Er⸗ klärung trat denn auch die Oppoſitions„Parthey, welche dieſe Gelegenheit, ſich wieder populair zu machen, nicht verſäumen wollte⸗ ſogleich im Parlamente auf, und ſuchte zu erweiſen, daß der Krieg die einzige, vollguͤltige Urſache dieſer Roth, und kein anderes Hülfsmittel vorhanden ſey, als den Krieg ſchleunigſt zu enden⸗ Die Miniſterial⸗Parthey antwortete hier⸗ auf: Wenn der Krieg die Urſache der Korn⸗ theurung ware, ſo muͤßte das Korn nie im Preiſe wieder fallen, ſo lange der Krieg dauert. Allein die große und bedauernswürdige Veraͤn⸗ derung, wodurch dieſes Land von einem aus⸗ fuͤhrenden ein einfuͤhrendes in Anſe⸗ hung dieſes erſten Bedürfniſſes geworden iſt, falle — 232— falle in die Jahre 1765 bis 1770; alſo in die Zeit des vollkommenſten Friedens. Man gebe zu, daß der Krieg einige Verſchwendung der Lebensmittel mit ſich fuͤhre— aber das ſey kein zureichender Grund des Mangels. Die See⸗und Landmacht muͤſſe im Frieden ſo gut wie im Kriege ernaͤhret werden. Der Krieg ſchaffe keine neue Conſumenten. Die jetzigen Soldaten und Matroſen haͤtten in ihrem vorigen Stande ebenfalls eſſen müſſen. Im Gegen⸗ theil würden ſie, wenn ſie auſſerhalb Landes waͤren, groͤßtentheils mit auswärtigen Producten erhalten. Selbſt der gegenwaͤrtige Krieg be⸗ weiſt das Gegentheil von obiger Behauptung. In den erſten beyden Jahren deſſelben war, nach Verhaͤltniß anderer Jahre, Ueberfluß. Erſt im Jahre 1795 und 1796 ſey, nach ſchlechter Witterung, Theurung und Mangel entſtanden. Waͤre nun der Krieg die Urſache, ſo muͤßte die Noth in der Maaße zugenommen haben, wie die Anſtrengungen in dieſem Kriege ſich vermehrten. Aber das Gegentheil geſchah⸗ und die Jahre 1797 und 98 waren verhältniß⸗ maͤßig ſehr wohlfeile Jahre. Die Oppoſitions⸗Parthey fühlte gewiſſer⸗ maaßen die Kraft dieſer Gruͤnde, und ließ in ihrer Behauptung ſo weit nach, daß ſie den Krieg nicht mehr als die allereinzige Urſache an — * 2 — . — angab. Indeſſen verſchlimmere er das Uebel ſehr. Dreymal hundert tauſend Mann, ſagte die Oppoſitions⸗Parthey, deren groͤßter Theil ſonſt in Irland mit Kartoffeln und in Nord⸗ britannien mit Gerſten⸗ und Hafer⸗Brodte ſich erhielt, werden jett mit Fleiſch und mit Weizen⸗ Brodte ernaͤhrt, und trinken Bier und Brannte⸗ wein in Menge. Was von dieſen Artikeln fuͤr ſie angeſchafft wird, kommt nur zum geringſten Theile ihnen zu gute. Wohl 3 verderben und gehen verlohren. Ueberdem wird der Markt⸗ preis durch den ſchleunigen Ankauf und die Lieferungen vertheuret. Vorzuͤglich aber be⸗ wirkt der Krieg die hohen Preiſe durch die Groͤße der Auflagen, die er hervorgebracht hat, und die der Farmer erſt beſtreiten muß, ehe er reinen Ertrag haben kann. Und endlich kommt die Menge des in dieſem Kriege geſchaffenen Papiergeldes in Betracht, wodurch der Geld⸗ werth uͤberhaupt ſo ſehr vermindert worden iſt. Wenn in Friedenszeiten auch eine zuruckſchla⸗ gende Erndte erfolgte, und der Vorrath des Getreides knapp zureichte: ſo wuͤrde die Theu⸗ rung doch minder druͤckend und der Mangel durch die Einfuhr des fremden Korns leichter zu erſetzen ſeyn.— Ich moͤgte dieſen Gruͤn⸗ den der Oppoſition noch hinzufuͤgen: der Acker⸗ bau iſt eine zu friedliche Kunſt, als daß er unter dem Geraͤuſche der Waffen mit Ernſt Anſtrengung betrieben werden kann. Wenn der Krieg und die auf ſelbigen gegruͤndeten Speculationen die Koͤpfe der Menſchen erhitzen, ſo ſind ſie zu unruhig, um die ſtillen Arbeiten des Pfluges zu verfolgen. Zwar ſah Britan⸗ nien auf ſeinen Feldern noch kein Blut fließen; aberjeder Britte war doch entweder vom Ruhme . ſeiner Flotten, oder von der Sucht, durch Han⸗ delsſpeculationen, die der Krieg darbot, zu gewinnen, zu ſchwindelnd, um die erforderliche Aufmerkſamkeit auf ſeinen Acker zu richten. So ſtark der Umlauf des Geldes auch war, ſo glaubten die meiſten doch, es hoͤher benuten zu ken, eas wenn ſie es in den Boden ſteckten; und wir wiſſen, wie vielen Vorſchuß der engli⸗ ſche Ackerbau erfordert. Unter der arbeiten⸗ den Claſſe vertauſchte wahrſcheinlich der thaͤtigſte Theil derſelben die Senſe gegen das Schwerdt; zumahl nachdem der von den Franzoſen ange⸗ drohete Einfall martialiſchen Geiſt und martia⸗ liſche Schauſpiele uͤber das ganzeLand verbreitet hatte. Unter dieſen Umſtaͤnden mußte, meines Erachtens, die Beſtellung nothwendig ſchlechter betrieben, und die Production folglich vermin⸗ dert werden. Doch man muß ſelbſt das Detail der Ackerarbeit kennen, um zu begreifen, daß eine gewiſſe Gemuͤthsruhe, Sicherheit und un⸗ zerſtreute Aufmerkſamkeit dazu gehoͤre, um ſie richtig und vollſtändig zu betreiben. 2 L 5— E—— — —.——— — Indem — 234— Indem die Urſache der Theurung ſo von den Rednern der beyden politiſchen Partheyen politiſch discutirt ward, traten andere auf, die ſolche— fuͤr das Mal wenigſtens zweckmäßi⸗ ger— als Policey⸗Angelegenheit betrachteten. Ohnerachtet die Regierung dreyerley Arten von Leuten— den Einnehmern der Landtaxe, den Zoll⸗und Acciſe⸗Beamten und den Geiſtlichen— aufgetragen hatte, über den Ausfall der Erndte und den Beſtand des Kornvorraths Erkundi⸗ gungen einzuziehen und Bericht abzuſtatten; dieſe Berichte auch beynahe ſämtlich dahin aus⸗ gefallen waren, daß die Erndte um, nach andern um 4, zurückſchlagend geweſen ſey: ſo wollten doch viele dieſes nicht zugeben, und behaupteten, das Gegentheil entweder ſelbſt erfahren zu haben, oder aus dem Munde ſiche⸗ rer Leute zu wiſſen. Die Urſache der Theurung und des ortlichen Mangels muͤſſe alſo doch in der Zuruͤckhaltung des Korns, und in einer zwiſchen den Farmern und Kornhuͤndlern beſte⸗ henden ſtillſchweigenden Verabredung liegen, wogegen wurkſame Policey⸗Maaßregeln das beßte Mittel ſeyn wurden. Im Oberhauſe zeigte ſich der Graf von Warwik als der eifrigſte Verfechter dieſer Meynung. Er hatte ſolche Policey⸗Verfuͤgungen ſchon vorher auf ſeinen Gätern einfuͤhren wollen, und in einem gircular⸗Briefe an ſeine Farmer verlangt⸗ ſie ſollten — — — —.———— S— ——, — 235— ſollten ihr Korn zu dem Preiſe aufden Markten verkaufen, den er ihnen als billig vorſchreiben wuͤrde; und wer das nicht wollte, ſollte ſeinen Farm verlaſſen. Wie ſie ſich deſſen natuͤrlich weigerten/ſchrieb er ihnen folgenden, in man⸗ cher Ruͤckſicht merkwuͤrdigen Brief: »Ich ſchreibe Euch dies, um Euch zu ſagen, daß ich Euer vergangenes und gegenwaͤrtiges Betragen mit Abſcheu anſahe. Da Ihr mein Verlangen bey dieſer Gelegenheit gaͤnzlich aus den Augen geſetzt habt; ſo wuͤrde es mir nicht ziemen, es Euch zu wiederholen, wenn ich dazu nicht durch den kläglichen Zuſtand der Armen angetrieben wuͤrde, die in dieſem Augenblicke Hunger leiden. Ich erklaͤre Euch daher, daß es meine Abſicht iſt, einen andern Paͤchter fuͤr den Hof, den Ihr jett inne habt, zu finden, ſobald ich ſolches geſetzmäßig thun kann; es ſey denn, daß Ihr Euch verpflichtet, Euer Korn ſogleich zu Markte zu bringen, und es zu einem ſolchen Preiſe zu verkaufen, der Euren Reben⸗ Creaturen(fellow creatures) erlaubt, zu eriſtiren; wobey Ihr doch einen größern Vortheil habt, als Euch als Pächtern ge⸗ buͤhrt. Warwick.“ Dieſer .* F„ —.——————— — — —.—.—— — 2— — — 236— Dieſer geſtrenge Herr trug demnach auf eine beſtimmte Feſtſetzung der Kornpreiſe, oder auf ein Maximum, im Oberhauſe an. Er behauptete, die Erndte ſey ſehr gut; die Far⸗ mers wollten nur einen enormen Proſit darauf machen und ſchnell reich werden. Ihm ward von vielen widerſprochen, und ihm das Gefaͤhr⸗ liche einer ſolchen Einſchraͤnkung des Kornhan⸗ dels gezeigt. Er moͤge daher von einer Maaß⸗ regel abſtehen, die eine beſtändige Fortdauer des Uebels bewuͤrken, und die jetzige Theurung fuͤr die Folge zu einer wahren Hungersnoth machen wuͤrde. Der Graf beruhigte ſich damit aber nicht, ſondern ſtand nach etlichen Tagen wieder auf, um ſich zu entſchuldigen, daß er das Wort Marximum gebraucht haͤtte. Uebrigens, meynte er, ſey ſein Vorſchlag gegruͤndet. Er ſprach mit großer Erbitterung gegen die Far⸗ mer, die allein reich wuͤrden, und alle andre Klaſen ausſoͤgen. Insbeſondre würden die Lords, welche zur Ehre der Geſellſchaft Aufwand machen und ihrem Stande gemaͤß leben můßten, dabey nicht laͤnger beſtehen koͤnnen, ſondern ihr Landeigenthum allmaͤlig an die Farmer verkaufen müſſen. Dieſe lebten ſchwelgeriſch, wären mit bloßem Wein nicht zufrieden, ſondern — 3 — —,——— — — 237— ſondern göſſen, wie er ſicher wiſſe, noch Branntewein dazu. Hiergegen erhob ſich der Lord Canzler: „Es ſcheint, als ob der edle Graf ſich uur w.egen des Worts vertheidigen will, welches er in der vorigen Debatte gebraucht hat. Ich bitte alſo um Erlaubniß, ihm bemerklich zu machen, daß in dem Worte Maximum das Unheil nicht liege, ſondern in der Ausfuͤhrung der Idee eines ſo directen und verderblichen Eingriffs in das Eigenthumsrecht. Ich danke Gott, daß die Bande der Geſellſchaft in dieſem Lande noch nicht ſo erſchlaffet ſind, um es wagen zu duͤrfen, eine Maaßregel zu ergreifen, die nach aller Erfahrung— alter ſowohl als neuer— ein ſicherer Vorlaͤufer der Zerſtörung aller Ordnung, aller Gluͤckſeligkeit und alles Lebensgenuſſes iſt. Hat der edle Graf ver⸗ geſſen, daß dieſes Experiment bey einer benach⸗ barten Ration kuͤrzlich verſucht wurde? hat er das unendliche Elend uͤberſehen, was daraus erfolgte? Effective Hungersnoth war die unmit⸗ telbare Folge, wodurch eine Menge von Men⸗ ſchen ihr Leben verlohr. Die Landwirthe hiel⸗ ten nun ihr Korn an ſich, verbargen es; man mußte es in Requiſition ſetzen und ein foͤrmliches Plünderungs⸗Syſtem einfuͤhren, wobey ſo viele Tau⸗ * 4* 9 — e Tauſende ihr Leben einbuͤßten. So ward auch in unſerm Lande unter der Regierung Eduards des Zweyten ein Geſetz gegeben, um den Preis des Korns und anderer Lebensmittel zu beſchraͤnken und herunter zu halten; und alle Geſchichtſchreiber erzaͤhlen einſtimmig die ſchreck⸗ lichen Folgen, die es hatte, und das Unheil, welches dadurch uͤber das ganze Land gebracht wurde. Bedenkt der edele Graf wohl, daß, wenn eine ſolche Maaßregel in Ausfuͤhrung gebracht werden ſoll, eine Unterſuchung des Vorraths, den jeder Landwirth und jeder andre hat, vorhergehen muß? Bedenkt er das gewaltſame Unrecht, wenn man einem Land⸗ wirth ſein Eigenthum rauben, und es wider ſeinen Willen zu einem willkuhrlich feſtgeſetzten Preiſe auf dem Markte verkaufen will? Ein ſolcher Schritt wuͤrde unzuberechnende Folgen häben, und fuhrte die aͤuſſerſte Gefahr für die Exiſtenz alles und jedes Eigenthums, fur die bürgerliche Verfaſſung und fuͤr den Staat, mit ſich. Es iſt mir unangenehm zu hören, daß der Lord öffentlich erklärt, die Farmers waͤren nicht mit Wein zufrieden, ſondern miſchten Branntewein dazu;(In der Verfeinerung des Geſchmacks můſſen ſie noch nicht weit gekom⸗ men ſeyn! ſagte Jemand) ſie könnten mit Aufwand leben, wenn ſie nur zwey Drittel ihrer Ländereyen beſtelleten, und lieſſen daher ein ein Drittel unbeſtellt;— ſie waͤren die einzigen Perſonen, die reich genug wären, um die Landguter zu kaufen, welche die Lords veraͤußern muͤßten. Dergleichen Anfuͤhrungen koͤnnen nichts Gutes bewirken, und ſind nur geeignet, um die Gemuͤther gegen diejenige Klaſſe von Menſchen zu erbittern, die ohne Zweifel die nutlichſte im Staate iſt, weil Arme und Reiche in Anſehung ihres Lebensunterhalts von ihnen abhaͤngen. Die Farmers zu zwingen, ihr Eigenthum zu einem beſtimmten Preiſe zu ver⸗ kaufen, ſie moͤgten wollen oder nicht, hieße: ſie wie leibeigene Sclaven behandeln. Ja, man hat ſelbſt in Weſtindien die Neger⸗Sclaven, denen man bekanntlich Laͤndereien eingiebt, nicht gezwungen, ihre Producte zu einem beſtimmten Preiſe zu verkaufen, obgleich daſelbſt mehrmals Theurung und Mangel herrſchte.—“ Letzteres war vielleicht eine Anſpielung auf Wilberforce— den wuͤrdigen Bekaͤmpfer des Negern⸗Handels—, der im Unterhauſe, wenn gleich mit mehrerer Zuruͤckhaltung, auf aͤhnliche Policey⸗Maaßregeln angedeutet hatte. Er unterſtehe ſich nicht, ſie beſtimmt anzugeben, ſagte er. Aber die Weizen⸗Erndte werde doch nur zu ein Viertel zuruͤckſchlagend angegeben. und der Preis ſey um ein Drittel hoͤher, wie jemals. jemals. Daher muͤſſe etwas Mangelhaftes in der Kornpolicey liegen, und dieſes Mangel⸗ hafte müſſe aufs ſchleunigſte verbeſſert wer⸗ den. Die Noth, worin ſeine Committen⸗ ten— die betraͤchtliche Manufactur⸗Stadt Leeds— ſich befaͤnden, manche es ihm zur Pflicht, hierauf eifrigſt anzudringen. Hierauf antwortete Pitt— ſonſt ſein warmer perſoͤnlicher Freund—:„Es ziemt keinem Parlamentsgliede, nach den einſeiti⸗ gen Vorſtellungen ſeiner Committenten zu reden oder zu ſtimmen,—— und ſo darf es beſonders nicht in die Vorſtellungen hin⸗ eingehen, die ſich ein großer Theil des Volks gemacht hat, als ſtehe es in der Gewalt des Parlaments, einen Ueberfluß an Lebensmitteln hervorzubringen. Kein auf⸗ geklärter Mann wird ſich von der ukgluͤck⸗ licher Weiſe ſich zu ſehr verbreitenden Meynung hinreiſſen laſſen: als ſey es moͤglich und nützlich, einen feſten Preis und ein Maxi⸗ mum fuͤr jeden Artikel von Lebensmitteln feſtzuſetzen. Als ein Beyſpiel von den un⸗ gluͤcklichen Folgen, die eine ſolche unvorſich⸗ tige Maoßregel haben wuͤrde, bedenke man nur den Erfolg derſelben fuͤr die große⸗ volkreiche Manufactur⸗Stadt, welche dieſer Herr repraͤſentirt. In ihrer Nachbarſchaft wird — 2 1˙— wird nicht der zehnte Theil des Korns gebauet, deſſen ihre Einwohner beduͤrfen. Was wuͤrde aus ihr werden, wenn der freye Kornhandel beſchränkt, wenn das Verfahren des Korns ge⸗ hemmet, und ein Ort verhindert wuͤrde, ſei⸗ nen Bedarf aus weniger volkreichen Gegen⸗ den zu ziehen?— Daß der jetzige hohe Preis ein Uebel ſey, kann nicht gelaͤugnet werden; aber die Frage iſt: wie kann man ihn mindern? Der edle Herr will eine kuͤnſtliche Wohlfeilheit hervorbringen. Aber ich trage kein Bedenken, hier zu erklaͤren, daß ich eine kuͤnſtliche Wohlfeilheit fuͤr ſchlimmer als eine kuͤnſtliche Theurung halte. Letztere wuͤrde, wenn ſie moͤglich wäre, et⸗ was Temporaires ſeyn, und ihr Gegenmittel ſelbſt bey ſich fuͤhren; erſtere aber wuͤrde, indem ſie die Conſumtion auſſer Verhaͤltniß mit den Vorraͤthen braͤchte, Hungersnoth mit allen ihren ſchrecklichen Folgen erregen. Der Preis iſt nicht ſo wichtig als der Be⸗ darf, und jede Maaßregel iſt ſchaͤdlich, die erſteren ohne letzteren vermindert. Aber beyde ſtehen in genaueſter Verbindung, und der erſte muß fallen, wenn von letzterem erſpart wird. Aus dieſen öffentlichen Debatten, ſo trefflich auch die erſten Grundſätze der Korn⸗ an. Bds. ate Abthell. d policey — — 242— policey darin discutirt wurden, waͤre indeſſen kein Reſultat und kein beſtimmter Entſchluß herausgekommen, wenn nicht eine engere Committee zur Unterſuchung der Sache be⸗ ſtellet waͤre. Indeſſen hatte man vorher ſchon Geſetze gegeben: r. die Einfuhr des fremden Korns zu ermuntern.— Hiedurch wurden dem eingefüͤhrten Korn folgende Preiſe bis zum rſten October 1801 zugeſichert. Fuͤr 1 Quart. Weizen v. 424 Pfund 100 S5 Rocken— 408„ 65 Gerſte— 353„ 45„ Hafer— 280„ S 1 Tonne Weizenmehl— 196„ 270 1Centner Reis„„„ 3 Und wenn der Preis nach dem woͤ⸗ chentlich gezogenen Durchſchnitte gerin⸗ ger ſeyn wuͤrde, ſo ſolle dem Einfüh⸗ rer aus dem öoͤffentlichen Schatze ſo viel zugelegt werden, als dieſes Minus betruͤge. den König zu authoriſiren, alle Aus⸗ fuhr zu verbieten.— Das war wohl ſehr überfluͤſig; denn wer hätte aus England Korn verlangt? ¹5 3. den Einfuhrzoll zu erlaſſen. 4. die Branntewein⸗Brennerey aus allem Getreide, und die Staͤrkemacherey aus Weizen zu verbieten. 5. zu erlauben, daß durchnaͤßter Weizen zu Malz gebraucht werden duͤrfe, und das Geſetz zu ſuſpendiren, nach wel⸗ chem das zu maͤlzende Getreide eine beſtimmte Zeit eingetaucht werden muß. 6. den Gebrauch des Zuckers zum Malze zu erlauben. 7. den Zoll auf eingefuͤhrten Hopfen zu vermindern. Die gedachte Committee hat ſechs Be⸗ richte über dieſe Angelegenheit eingebracht, worin folgendes das Weſentlichſte iſt. „Es ſey keine Möglichkeit vorhanden, uber den Ausfall der Erndte von 1800 etwas gewiſſes zu beſtimmen. Nach den vor ſich habenden Documenten müſſe die Committee aber annehmen, daß der Abſchlag derſelben in Anſehung des Weizens ſich völlig auf ein Viertel belaufe. In Anſehung der Q 2 Gerſte — i— Gerſte und des Hafers ſey die Erndte aber 3 in denen Gegenden, welche dieſe Kornarten vorzuglich liefern, ſehr eintraͤglich geweſen, und der Ertrag derſelben durch das ganze Reich duͤrfe als mittelmaͤßig angenommen 1 werden.“ „Einiger Mangel des Weizens ſey da⸗ 6 durch mehr bewirkt, weil in dieſem Herbſte, theils der vorzuglich guͤnſtigen Witterung, theils des ſeit einem Jahre anlockenden Prei⸗ ſes wegen, mehr Weizen wie gewoͤhnlich aus⸗ geſäet worden. Dieſer Umſtand moͤge auch beygetragen haben, das Ausdreſchen aller Kornarten zu verzoͤgern.“ „Innerhalb der zwoͤlf Monathe, vom z6ſten September 1799 bis den a7ſten September 1800, ſey eingeführt: 1,261,9 3 Quarter Weizen, 67,9088„ Gerſte. 479 320* Hafer⸗ 3 3oo,693 Centner Reis.“ . 1 6 1 „Da dies unter ungünſtigen Umſtaͤnden, nach einer in Quantitat und Qualitaͤt ſchlech⸗ ten Ernote im Auslande, und ohnerachtet die Praͤmie auf die Einfuhr erſt ſpaͤt ausgeſebt r wor⸗ worden, geſchehen ſey: ſo duͤrfe man in die⸗ ſem Jahre noch mehr erwarten, da auſſer⸗ halb England die Erndte ſehr reichlich aus⸗ gefallen ſey.“ Dieſe Hoffnung ſchien die Committee in den folgenden Reports aber aufzugeben, indem ſie in ſelbigen folgende Berechnung macht. „Die jaͤhrliche Conſumtion des Weizens,“ ſagte ſie,„kann nicht mit irgend einiger Ge⸗ nauigkeit angegeben werden. Die Committee aber glaubt, daß nach Abzug desjenigen Theils des Volks, der andre Kornarten zum Brodte braucht, es nicht angenommen wer⸗ den kann, daß der uͤbrige uͤber 7 Millionen Quarter Weizen verzehren werde. Nun ſind nach einem Durchſchnitte von zehn Jahren von fremdem Weizen jaͤhrlich 32 5,000 Quar⸗ ter eingefuͤhrt. Daher mag der Ertrag einer gewoͤhnlichen Erndte ohngefaͤhr 6,700,000 Qnarter ausmachen. Und unter dieſer Vor⸗ ausſetzung mag der Ertrag der letzten Erndte ohngefaͤhr F§,ooo,000 Quarter betragen ha⸗ ben.(Welch ein Cirkel von Vorausſetzun⸗ gen!) Demnach belaͤuft ſich der Defect auf ohngefaͤhr 2,000000 Quarter. Und dieſe wer⸗ ——— — — 246— werden auf folgende Weiſe erſeßt werden koͤnnen: Quarter Vom rſten October bis den leßten December ſind bexeits an Weizen„ 170,0 00 Aus Amerika haben wir in Rückſcht der daſelbſt erfolgten glucklichen Erndte zu erwarten ⸗ ⸗ 580,0 00 Aus Canada ⸗ ⸗ Der Reis, welchen wir aus Indien zu erwarten haben, iſt in Anſe⸗ hung ſeiner naͤhrenden Kraft (welche die Committee nach ange⸗ ſtellten Verſuchen 4mal ſo ſtark, wie die des Weizens, anzuneh⸗ men ſich berechtigt glaubt) gleich zu ſchaätzen ⸗ ⸗. 630,000 Der Einhalt der Stärkemacherey„ 40,000 Der Einhalt der Brannteweinbren⸗ nerey ⸗ ⸗* 360,0 00 Der Gebrauch des groͤbern Brodts erſpart ⸗ ⸗ ⸗ 400,000 Die allgemeine Erſparung ⸗„„ 300,000 2,510,000 Wodurch denn das angenommene Deſicit an Weizen, ohne auf fernere Zufuhr aus aus den europaͤiſchen Staaten zu rechnen, uͤberfluͤſſig gedeckt waͤre.“ Was die Erſparung durch den Gebrauch des groͤbern Brodts anbetrifft, ſo war naͤm⸗ lich ſchon auf den Vorſchlag der Committee ein Geſeß gegeben, daß uͤberall kein feineres Mehl als ſolches, wo aus dem Buſhel nicht uͤber 4 Pfund Kleye ausgeſiebt wor⸗ den, verbacken werden ſolle. Man hatte ſchon zu andern theuren Zeiten ein mit Rocken oder Gerſte gemiſchtes Brodt allge⸗ mein einfuͤhren wollen, aber davon abſtehen muͤſſen, weil der an Weizen gewoͤhnte ge⸗ meine Mann in England behauptet, er koͤnne von anderm, als Weizen⸗Brodte, keine Kraͤfte bekommen und geſund bleiben. Ehe noch laͤßt er ſich einen Zuſatz von Gerſte und Hafer, als von Rocken, gefallen. Man behauptet in England, von letzterem entſtehe bey Ungewohnten gleich Durchfall. Hiervon mußte man alſo abgehen, und ſich mit einer koͤniglichen Proclamation begnuͤgen, worin es allen denen, die ſich mehrerer Fleiſch⸗ ſpeiſe bedienen können, dringend empfohlen wurde, nur ſolches gemiſchtes Brodt, nach des Koͤniges eigenem Beyſpiele, zu ge⸗ nieſſen. Fer⸗ . „ —˙——————— —.—.—————— — 246— Ferner ward den Baͤckern durchaus ver⸗ bothen, das Brodt friſch, und ehe es etliche Tage alt waͤre, zu verkaufen. Wer naͤm⸗ lich andere Nahrungsmittel hat, wird von 1 altem Brodte weniger als von friſchem 1 eſſen; wenn es gleich bey denen, die allein 11 vom Brodte leben muͤſſen, keinen großen Un⸗ ¹ terſchied machen kann. In einigen vornehmen Haͤuſern ward⸗ wenigſtens oͤffentlich, aller Gebrauch des Brodts, ſo wie alles Backwerks, aufgegeben. Man nahm, ſtatt des Vrodts, geroͤſtete Kar⸗ toffeln. Dieſe Erſparung des Weizens ward 3 allenthalben als ein patriotiſches Beyſpiel aufgeſtellet. Ferner aber ſetzte die Committee ein großes Vertrauen auf die Befoͤrderung und Beguͤnſtigung der Herings⸗ und anderer Fiſcherey, wodurch den Aermeren eine das 1 Fleiſch erſeßende, viel wohlſeſe Nahrung zugetheilt werden konne. Es wurden daher verſchiedene Einrichtungen zur Befoͤrderung dieſer Fiſcherey und Vertheilung ihrer Aus⸗ 1 beute durch das Reich getroffen. . Auch ward beſchloſſen, daß die Kirch⸗ ſpiel⸗Vorſteher den Armen die Beyhülfe an ——„„ Nahrungsmitteln anderer Art, und nicht in Gelde, zutheilen ſollten, damit dieſe we⸗ nigſtens weniger an Weizen⸗Brodte ver⸗ 6 zehrten.— Hierin beſtehen die Unterſuchungen und Hauptvorſchlaͤge der Committee. Was erſtere anbetrifft, ſo ſcheinen ſie ſehr unbefriedigend und oberflaͤchlich zu ſeyn.) Es iſt wirklich zum Erſtaunen, daß man ſich von der Po⸗ pulation in Großbritannien bisher nicht von Zeit zu Zeit nur eine ohngefähre Beſtim⸗ mung zu verſchaffen gewußt hat; ſo, daß man auch millionenweiſe nicht weiß, wie viel Einwohner das Reich enthalte. Man hat das Beduͤrfniß einer ohngefaͤhren Volks⸗ zählung bey dieſer Gelegenheit indeſſen ge⸗ füblt, und es iſt beſchloſſen worden, näch⸗ ſtens eine BVill zu einer ſolchen im Parla⸗ mente einzubringen. Von der Production des Reichs im Ganzen weiß man eben ſo wenig. Daher mußte die Committee etwas ganz Willkührliches annehmen, und voneiner unbekannten Groͤße auf die andre ſchlieſſen. Von den eingelaufenen ſpeciellen Berich⸗ ten uͤber den Ausfall der Erndte iſt, mei⸗ nes Wiſſens, dem Publicum nichts mitge⸗ cheilt worden. Von den vielen Privatſchrif⸗ ten. —.— Z B— P„ ten, welche daruͤber herausgekommen ſind, habe ich wenig geleſen. Ihre Menge iſt groß, ſo daß man geſagt hat, die ganze diesährige Stroh⸗Erndte wuͤrde obenein darauf gehen, wenn alles, was uͤber den Korumangel geſchrieben worden, auf das neuerfundene Strohpapier gedruckt wuͤrde. Aus dem, was ich daruͤber geleſen habe, kann ich keinen andern Schluß ziehen, als daß alle einzelne Felder, nach Verhältniß ihrer Beſtellung, wenigſtens mittelmäßig zu⸗ getragen haben, und daß der Kornmangel nach der Erndte von 1800 uberhaupt keine andre Urſache, als eine Vermindrung und Vernachläſſigung des Korn⸗, beſonders des Weizen⸗Baues im Ganzen habe. So viel iſt gewiß, daß man allenthalben auf lockerem und bindendem Boden, in den ſuͤdlichen und nordlichen Gegenden, wenigſtens einzelne reiche Saaten und Erndten ſah. Auch konnte man im Gange der Witterung keine vollgultige Urſache eines Mißwachſes finden. Hierauf berufen ſich auch alle die, welche die Theurung fuͤr erkuͤnſtelt hielten. Daß ſie dies indeſſen nicht ſey, iſt nun wohl auſ⸗ ſer allem Zweifel geſetzt; denn die Farmers muͤßten ja ſamt und ſonders toll geworden ſeyn, wenn ſie jeht bey den ſchrecklich hohen Preiſen nicht verkauften, da das Korn, wirt⸗ vir or lig ha ſhe ne el me der ei Ha rei gel pol mi trf die ne Be ſt: Er — 25— wirklich nur die Rothdurft bis zur Erndte vorhanden waͤre, bey den Ausſichten zu einer beſſeren Erndte und zum Frieden, wohrſcheinlich bald uͤber die Haͤlfte im Preiſe fallen wuͤrde. „Wir werden ſo lange fechten, hammern und weben, bis wir kein Vrod mehr zu eſſen haben!“ ſagte ſchon vor etlichen Jahren der Surveyer von Yorkſhire. In dieſen wenigen Worten liegt, meines Erachtens, die Urſache des Kornman⸗ gels in England vollig aufgedeckt. Die Auf⸗ merkſamkeit, die Induͤſtrie und das Capital der Ration iſt dem Ackerbau in den neueſten Zeiten zu ſehr entzogen worden, da Krieg, Handel und Manufacturen zu ſchnelle Mittel, reich zu werden, darboten. Die dem Ackerbau gewidmete Flaͤche iſt im Verhältniß der Po⸗ pulation zu klein, als daß ſie anders, als mittelſt einer hoͤchſt induͤſtrioſen Cultur, das erforderliche Getreide liefern kann. Es iſt daher faſt unerklaͤrbar, daß in dieſer der Sache ganz gewidmeten Parla⸗ ments⸗Sitzung kaum ein Wort uͤber die Befoͤrderung des Ackerbaues geſagt worden iſt; ohnerachtet der Koͤnig ſolche in der Eroͤffnungsrede— worauf man ſonſt ſo ge⸗ genaue Ruͤckſicht nimmt— der Aufmerk⸗ ſamkeit des Parlaments beſonders empfahl. Warum redete Sir John Sinclair, warum ſeine Nachfolger, Lord Sommer⸗ ville und Lord Carrington, nicht ein Wort? Der Board of Agriculture war doch wohl im Stande, Aufſchluͤſſe daruͤber zu geben. Aber dieſer ſcheint ſo in ein Richts verſunken zu ſeyn, daß ſeiner bey dieſer Gelegenheit auch nicht erwaͤhnt worden iſt. Der edle Sinclair war vielleicht ermuͤdet, tauben Ohren zu predigen. Was auf Vorſchlag der Committee ver⸗ ordnet worden, ſind bloße Palliativ⸗Mittel⸗ die aber ſelbſt als ſolche ohne Wirkung zu ſeyn ſcheinen. Die Preiſe ſind im Stei⸗ gen geblieben. Ein Quarter Weizen hat auf der Londoner Korn⸗Boͤrſe gegolten ſchlechter guter Anfangs Rovember 1800 125— 130 Sch. den ten—— 130— 136„ den 19ten—— 140„ den 8ten December— 150„ den 18ten— gab gluͤck⸗ licher Weiſe viel angekom⸗ menes fremdes Korn Aus⸗ huͤlfe ⸗ ⸗ 140—150„ Zu det hit po W gu Ende des Jahrs war der Durchſchnitts⸗Preis aller Sorten in einer Woche 147 Sch. 54 P. r⸗ der ſchlechteſte der beſte den 17ten Januar 1801 140Sch. 138 Sch⸗ Was weiter geſchehen wird, laͤßt ſich nicht vorabſehen; zumal, da incalculable ſ. politiſche Verhaͤltniſſe hinzukommen, und die Ausſicht truͤben. 2 S*— 5 ——————— vII. ſe un Arthur Young. ke 6(Zu Seite 39.) 2 ha P Verſchiedene einſichtsvolle Maͤnner, die in we England geweſen waren⸗ und Englaͤnder, die eer ſich in Teutſchland aufhielten, haben mir da geſagt und ſagen laſſen, meine Idee von dieſem nm Manne ſey uͤberſpannt. Er habe Verdienſte, me 1 aber keine ſo große, wie ich ihm zu⸗ in ſchreibe. Er ſey ein guter Kopf⸗ aber kein fal erfindendes Genie, wie Baco, Newton und Locke. Er beſitze große Kenntniß von der Landwirthſchaft, werde aber von ſeinen Nach⸗ i baren für einen ſchlechten Farmer gehalten. Er Er habe Andern gute Rathſchlaͤge gegeben, ſeh aber in ſeiner eigenen Wirthſchaft zuruͤckgekom⸗ men.— RNach einigen Nachrichten wäre er gar banquerott geworden.— Er habe vormals für die Freyheit geſprochen, ſey aber jetzt ein Lobredner des Deſpotismus. Er habe ſich vor⸗ mals als einen Mann von vieler geſunden Ver⸗ nunft gezeigt, ſey aber jetzt ein politiſcher und religioͤſer Fanatiker oder gar— Heuchler ge⸗ worden: denn weil er eine Penſion genieße, ſey er ein gedungener Lobredner der Miniſter und ein intoleranter Verfolger der Andersden⸗ kenden geworden. Ich habe gefragt: Hat der Mann, wo er Thatſachen erzaͤhlt, abſichtlich gelogen, oder hat er immer nach ſeiner Ueberzeugung die Wahrheit geſagt? Wenn erſteres notoriſch waͤre, ſo wuͤrde ich ihn mit allen ſeinen Schrif⸗ ten gleich aufgeben, und oͤffentlich erklären, daß ich mich in ihm geirret habe. Man hat mir aber geantwortet: fuͤr einen Lügner halte man ihn nicht, und ſo viel man wiſſe, habe er in Thatſachen die Wahrheit geſagt, uft falſch daruͤber raiſounirt. Nun, wenn das iſt, ſo kann ich ferner nicht umhin, ihn fuͤr einen großen, fuͤr einen verdienſtvollen, fuͤr einen der verdienteſten Maͤn⸗ L 3 ⸗ — — e36— Männer des Jahrhunderts zu halten. Hat er das alles, was er erzahlt, wirklich geſehen, beobachtet, erfahren, verſucht und unterſucht; har er es abſichtlich nicht anders erzaͤhlt, als er es ſahe, oder als es ihm ſchien— denn Irrthum iſt verzeihlich und benimt der Glaub⸗ wurdigkeit nichts—; hat er alle die Muͤhe, die Koſten, die Anſtrengung auf die Unter⸗ ſuchung ſeiner Gegenſtände verwandt, die er in der Erzählung ſeiner Reiſen, ſeiner Beob⸗ achtungen und Verſuche angiebt:— dann iſt das, was er fuͤr die Kunſt der Landwirthſchaft gethan hat, mehr werth, als ables, was vor ihm dafur geſchehen war. Keiner hat vor oder nach ihm ſo viele Dinge ſo ſcharf unter⸗ ſucht, keiner hat ſie ſo deutlich aus einander geſetzt und zur Vergleichung neben einander geſtellet; keiner hat die Natur, in landwirth⸗ ſchaftlicher Rückſicht, durch ʒweckmaͤßige Ver⸗ ſuche ſo articulirt befragt, wie er. Ob denn dies ein ſo ausgezeichnetes Verdienſt ſey, daß dem Manne eine Stelle neben den ausgezeich⸗ netſten Mannern ſeiner Ration gebuͤhre, mag jeder denkende Landwirth— denn für Land⸗ wirthe ſchreibe ich nur— entſcheiden. Richt in Ruckſicht des erfindenden Genies, ſondern, ſubjectiviſch, nur in Rückſicht der beharrlichen Verwendung eines geſunden und aus⸗ — 257— ausgebildeten Verſtandes, und, objectiviſch, in Ruͤckſicht des Nutzens, den er geſtiftet, und der lichtvollen Reſultate, die er dieſer Kunſt I geliefert hat, ſtelle ich ihn den ſchaͤßbarſten tehrern des Menſchengeſchlechts, die Britannien erzeugte, an die Seite. Daß er einen weniger umfaſſenden, einen minder glaͤnzenden, einen in der gelehrten Welt weniger geſchätzten Ge⸗ genſtand ſeiner Nachforſchungen wählte, kann ſein Verdienſt nicht ſchmälern, ſollte es billig vermehren, wenn dieſer Gegenſtand nur wich⸗ ſ tig fuͤr die buͤrgerliche Welt war. 5 Dies waͤre allenfalls genug. Damit aber auf ſeine Verdienſte kein Schatten falle, wollen wir doch die Vorwürfe, die gegen ihn verbreitet ſind, genauer un⸗ terſuchen. n Daß er von andern Farmers fuͤr einen n ſchlechten Farmer gehalten wurde, iſt ſehr natuͤrlich, und mich wuͤrde es wundern, wenn „es anders wäre. Wer den Zweck einer Sache 8 nicht kennt, der muß ſie immer ſchief beurthei⸗ v len. Nun wird ſich ein gewoͤhnlicher Farmer nicht leicht denken koͤnnen, daß man den Acker„ aus einer andern Urſache ſo und nicht anders ¹ beſtelle, als um directen Vortheil daraus zu ziehen. Daß man Verſuche anſtelle, die zum d an Bds. ate Abthell. R Theil — Theil mißrathen ſollen, bey denen man bloß die Abſicht hat, Reſultate zu erhalten, welche der Kunſt im Allgemeinen nutzlich ſind—, das geht uͤber ſeine Begriffe. Mancher Landwirth ſtellt wohl Verſuche an, wie er es nennt, aber in der Hoffnung, daß ſie gerathen ſollen. Wem vie⸗ le ſolcher Verſuche mißrathen, den nennt man einen unglucklichen, oder— wie man eigent⸗ lich ſagen will— dummen Verſuchmacher. Man hat Recht; denn er muß die Wahrſcheinlichkeit, daß ſeine ſogenannten Verſuche gelingen wer⸗ den, ſchlecht berechnet, muß die Glaubwuͤrdig⸗ keit deſſen, der ihm die Methode angab, nicht gehoͤrig gepruͤft, oder die Anweiſung mißverſtan⸗ den, kurz, muß ſich ungeſchickt dabey benom⸗ men haben. Aber dies ſind im genaueren Sin⸗ ne des Worts keine Verſuche, keine kunſtmaͤßi⸗ ge Verſuche, wie A. Young ſie anſtellete. Bey dieſen fällt alle Abſicht auf directen Vor⸗ theil weg, und Belehrung iſt ihr einziger Zweck. Man will durch ſolche Verſuche der Natur eine beſtimmte Antwort auf eine vorgelegte Frage abzwingen. Ein Beyſpiel wird die Sache am deutlichſten machen. Young wollte wiſſen⸗ was auf einem bindigen und auf einem lockeren Boden die beßte Vorbereitung zum Weizen ſeh⸗ und überhaupt, in welchen Verhaͤltniſſen der Wei⸗ zen nach vorhergegangenen Saaten geriethe. Er nahm „ — ———— ———— — nahm ein Feld von jeder Art. Weil eine un⸗ gleiche Vertheilung des Dungers einen Unter⸗ ſchied machen konnte, und bey ſolchen Verſuchen alles darauf ankommt, daß alle ubrige Umſtaͤnde vollkommen gleich, und nur der einzige, der ent⸗ ſchieden werden ſoll, verſchieden ſey; ſo nahm er magere Felder, ſaͤete das Jahr vor dem Weizen Rapſaat, Bohnen, Erbſen, Ruͤben, Gerſte, Hafer; pflanzte Kohl, Kartoffeln, hatte Klee liegen laſſen, und hielt reine Braache, jedes auf einem Theile dieſer Felder, und ſaͤete dann uͤber das Ganze Weizen aus. In einem Jah⸗ re konnte die Witterung einer oder der andern Stoppel zu guͤnſtig ſeyn, alſo wiederholte er daſ⸗ ſelbe mehrere Jahre nach einander, und bemerkte den Ertrag des Weizens auf jedem Theile ge⸗ nau. Die Verſuche waren auf bindigem Boden entſchieden fuͤr die Braache, jedoch der Vorzug des Weizens nicht von der Art, daß er den Verluſt einer Erndte und die Arbeit der Braache bezahlte; naͤchſtdem fuͤr die behackten Bohnen; auf locke⸗ rem Boden aber fuͤr den Klee. Wie mancher Farmer, der vorbey ritt, und das eine Jahr das buntſcheckige Feld, das andere Jahr den un⸗ gleichen und uͤberhaupt ſehr mittelmaͤßigen Wei⸗ zen ſah, mag gedacht haben: Nachbar Young iſt doch ein Narr!— Solcher Verſuche hat Poung uͤber tauſende angeſtellet, und ſie in R 2 der ——.—————— . n——— — 260— der experimental agriculture und ſeinen An⸗ nalen aufbehalten. Ich muß bey dieſer Gelegenheit einer Einwen⸗ dung erwahnen, die mir prartiſche Landwirthe gegen Young's Verſuche gemacht haben. Man ſagt, ſie waͤren zu ſehr im Kleinen angeſtellet. Auf kleine Felder könne man eine Sorgfalt ver⸗ wenden, die im Großen nicht moͤglich ſey. Blos das Erndtegeſchaͤft werde auf einem kleinen Fel⸗ de einen betraͤchtlichen Unterſchied gegen ein gro⸗ ßes machen; weil man dort ſorgfaͤltiger zu Wer⸗ ke gehen und das Ausfallen der Körner verhuͤ⸗ ten werde. Man vergißt aber, daß die Young'⸗ ſchen Verſuche vergleichend angeſtellt waren; daß nicht kleine Felder gegen große, ſondern gegen gleiche geſtellet, und mit gleicher Sorgfalt be⸗ handelt wurden. Das Reſultat war bloß com⸗ parativ. Und wenn die kleineren Felder ſo be⸗ handelt und bearbeitet wuͤrden, wie große behan⸗ delt werden konnen, ſo hatte das Reſultat ver⸗ haͤltnißmaͤßig bey großen eben ſo, wie bey klei⸗ nen, ſeyn muͤſſen. Daß Young ſie anders vehandelt habe, als es bey großen moͤglich iſt⸗ wird doch wohl niemand glauben. — — 261— In der Folge hat Young ſich mit ſolchen Verſuchen wohl nicht mehr ſo viel, wie in jün⸗ gern Jahren, uͤberhaupt aber, wie mir aus ver⸗ ſchiedenen Stellen ſeiner Schriften zu erhellen ſcheint, ſich mehr mit der Landwirthſchaft im Allgemeinen, als mit ſeiner eigenen, beſchaͤftiget. Es ſcheint, als habe er ſich an den weiten Ge⸗ ſichtskreis, den ihm die Landwirthſchaft des gan⸗ zen Konigreichs gewaͤhrte, ſo ſehr gewöhnt, daß ihm ſein eigenes Landgut zu klein wurde. Er ſagt von ſeiner Wirthſchaft zu Bradfieldhall im Ganzen wenig, und erwaͤhnt, ſo viel ich mich erinnere, nicht einmal ſeines Feldſyſtems. Er hatte vermuthlich gar kein feſtes. Dagegen ſcheint er auf dieſem Landgute haͤufig Verſuche im Großen angeſtellt zu haben, um die Ver⸗ haltniſſe mehrerer Wirthſchaftsarten im Ganzen gegen einander zu ergruͤnden. Bald ſcheint er mehr Ackerbau, bald mehr Viehzucht betrieben zu haben. Denn bey den Englaͤndern ſteht bey⸗ des ſelten in einem ordentlichen feſten Verhalt⸗ niſſe. Zuerſt ſcheint er mehr auf Molkerey, her⸗ nach mehr auf Rindvieh⸗Maſtung gehalten zu haben. Zuletzt iſt Schaafzucht und Cichorien⸗ bau zur Schaafweide ziemlich ſein Steckenpferd geweſen. Denn, ſo viel ich verſtehe, hat er wohl den vierten Theil ſeines Guts in Cicho⸗ rienweide liegen, und findet dieſe, mit den South⸗ ———— — 262— Southdowns⸗Schaafen benutzt, fuͤr ſich ſehr vortheilhaft. Doch ſind dies nur meine Muth⸗ maßungen. Seine vielen Reiſen, ſeine Ver⸗ bindungen, ſeine Schriftſtellerey und ſein Amt als Secretair des Boards of Agriculture, laſſen ihm wohl wenig Zeit zu ſeiner eigenen Wirthſchaft uͤbrig, und vermuthlich hat er aus dieſer Urſa⸗ che vornehmlich Schaafzucht gewaͤhlt, weil dieſe am wenigſten eigene Aufmerkſamkeit erfordert. Ich glaube daher ſelbſt nicht, daß ſeine Wirth⸗ ſchaft jetzt ſehr muſterhaft und inſtructiv im All⸗ gemeinen ſey. Ein reicher Mann konnte Young durch ſeine Wirthſchaft auf keinen Fall werden, wenn er als Gentleman ſtandesmaͤßig mit ſeiner Fa⸗ milie lebte. Sein Landgut mag ohngefaͤhr 500 Pfund reine Einkuͤnfte oder Pacht geben. Hätte er auch durch eigene ſorgfaͤltige Wirthſchaft 700 Pfund mehr daraus gemacht, ſo wuͤrde das in England fuͤr einen Gentlemann mit Familie dennoch nicht weit reichen. Reich iſt er ſonſt nicht geweſen, denn er beſchwert ſich an mehre⸗ ren Orten, daß in England nur ſehr reiche und arme Leute gut fortkämen; daß Leute von mitt⸗ lerem Vermoͤgen ſich jetzt ſo ſehr einſchraͤnken muͤßten, und daß es fuͤr den, der einmal in Gentlemans⸗Verhältniſſen ſtehe, doch nicht mög⸗ lich lich ſey, die Lebensart eines Farmers, ſelbſt auf dem Lande, anzunehmen; weswegen er wohlha⸗ bende Farmers ſo ſehr warnt, nicht in den Gent⸗ lemans⸗Stand überzutreten. Seine Schrift⸗ ſtellerey hat ihm wohl höchſtens das eingebracht, was ihm ſeine Reiſen, ſeine Verſuche, ſeine Werkzeuge, Buͤcher und Correſpondenz koſteten. Hiernach laͤßt ſich wohl vermuthen, daß er fein Vermoͤgen nicht vermehrt habe. Daß er aber in ſchlechtern Umſtänden, oder gar banquerott ſey, iſt aus keinem Grunde wahrſcheinlich. Er iſt im Beſitze ſeines Landguts in Suffolk, und ich glaube noch eines anderen. Es iſt allgemein, daß Leute, die ein Gewer⸗ be mit Gluͤck und ohne Verſtand getrieben ha⸗ ben, ſich uͤber die erheben wollen, die vorzuͤgli— che Einſichten darin beſitzen. Mancher elende Kraͤmer in Hamburg, der durch Gluͤck und klein⸗ liche Gaunerey reich geworden war, ſah mit Ver⸗ achtung auf den großen Buͤſch und ſeine Han⸗ delskenntniſſe herab. Es waͤre ſonderbar, wenn es unſtem A. Young, beſonders in ſeiner Nach⸗ barſchaft, nicht eben ſo ginge. — — — 264— Was endlich ſeinen perſonlichen Charakter anbetrifft, ſo kenne ich ſolchen nicht weiter, als aus ſeinen Schriften. Aus dieſen erhellet, daß er ein leidenſchaftlicher Mann ſey, der ſich mit Heftigkeit fuͤr oder gegen etwas erklaͤrt, nach⸗ dem er es fuͤr recht oder unrecht, fuͤr gut oder ſchlecht hält. Seinen guten Theil vom engli⸗ ſchen Nationalſtolze hat er erhalten. Seine Schriften gegen die franzöſiſche Re⸗ volution ſind heftig geſchrieben, und enthalten uͤbertriebene Maximen. Theils konnte er ſei⸗ nem Temperamente nach nicht anters ſchreiben, theils brachte es ſein Zweck, auf das engliſche Volk Eindruck zu machen, ſo mit ſich. Ich ha⸗ be ſie kaum geleſen, ſo wie uͤberhaupt wenig, was fuͤr oder gegen die franzoͤſiſche Revolution geſchrieben war, wenn es nicht Thatſachen, we⸗ nigſtens im Ton der Unpartheylichkeit, enthielt; und die fand ich in den Zeitungen noch immer am beſten. Alle Schriften fuͤr die Revolution ſchienen mir ſchwaͤrmeriſch bis zum Ekel; alle Prophezeihungen üͤber ihren Ausgang thörigt, und alle Schriften gegen dieſelbe lehrten mich nicht mehr, als was ich laͤngſt wußte: daß jede gewaltſame Revolution, beſonders, wenn ſich das Volk darein miſcht, das ſchrecklichſte ſey⸗ was eine Nation treffen könne. Was Young in ——„——„—„—— mi„— ————*— in ſeiner Reiſe durch Frankreich beym Anfange der Revolution daruͤber ſagte, war mir ſehr in⸗ tereſſant. Er hielt den Zuſtand des Volks un⸗ ter der alten Regierung fuͤr ungluͤcklich, die⸗ ſes Volk gber zu großerer Freyheit nicht reif. Er ſahe ſchon die gefaͤhrlichen Folgen der Auf— hetzung des Volks voraus. Für den Plan, ei⸗ ne conſtitutionelle Monarchie einzufuͤhren, in⸗ tereſſirte er ſich ſehr, zumal da er mit den Ur⸗ hebern derſelben, beſonders der Familie der Rochefaucault's, in genauer freundſchaftlicher Verbindung ſtand. Er hatte ſogar die Abſicht, ſich in Frankreich anzukaufen. Daß man etwas Beſſeres machen wollte, als die engliſche Con— ſtitution war, mißbilligte er damals ſchon ſehr. Indeſſen hatte er gute Hoffnung fur das Ganze. Um ſo heftiger war ſein Schmerz, wie bald nachher die ſchreckliche Anarchie ausbrach, alles Eigenthum geraubt, ſeine Freunde verfolgt und ermordet wurden, und das Syſtem, dieſe Greuel uͤber den ganzen Erdboden zu verbreiten, kund wurde. Von dieſer Zeit an gieng er vielleicht auf der andern Seite zu weit. Er hielt jeden Gedanken von Verbeſſerung fuͤr gefäͤhrlich, je⸗ de Aeuſſerung deſſelben für aufruͤhreriſch, jedes Rachgeben der Regierung fuͤr Schwache, deren Fol⸗ 266— Folgen unabſehbar wären. Daos brachte ihn dann zu ſol ſchen Aeuſſerungen/ wie die:„daß man auch die ſpaniſche Inquiſition jetzt nicht ab⸗ „ ſchaffen müſſ wo ſie einmal eingefuͤhrt waͤre.“ Das paniſche Schrecken fuͤr Jacobiner und Pro⸗ hatte ihn, wie ſo viele gute P Menſchen, Da waͤre es denn kein Wunder, wenn ein Mann von ſolchem Temperamente, in gewiſſer Ruͤckſicht, ein Fanatiker geworden ware. Sei⸗ ne Schriften haben ſ einen An⸗ ſtrich davon. Ehema Fana⸗ tismus den politiſchen; zu iunſern Zeiten hat der politiſche oft den racht. Die Verachtung des Poſitiven hat fanatiſche Athei⸗ ſten, die feſte Anhinglichkeit 6 hat Papi⸗ ſten aus aufgeklaͤrten Prote tanten gemacht. — Aber gewiß gehoͤrt Boung nicht zu den Heuchlern, die das Schrecken zu ihrem Vortheil haben verbreiten und benutzen wollen. Er iſt kein beſoldeter Lobredner der Regierung, ſondern ſchließt ſich ihr feſt an, weil völlige Einigkeit ihm das einzige Mittel ſcheint, den Jocobinern und der Anarchie zu entgehen. Er — c— Er hat keine Penſion von der Regierung, ſon⸗ dern 4e Pfund Salarium als Ober⸗Secretair des Boards of Agriculture, die wohl kaum hin⸗ . reichen, ihn fuͤr den Aufenthalt in London zu ½ gewiſſen Zeiten zu entſchädigen. Auch hat ihn kein Miniſter, ſondern John Sinclair, als Stifter und erſter Präſident des Boards, dem Koͤnige dazu vorgeſchlagen. A. Young iſt ein ſo wichtiger Mann fuͤr den Ackerbau, daß ich nicht umhin konnte, die Flecke, welche man ihm in Teutſchland angehangt hatte, abzuwaſchen. VII. 1 7 3 d 1 Sir John Sinelair,( 1 der Board of Agrieulture, und Vorſchlage zu andern landwirthſchaftlichen Inſtituten. f t . (Zu Seite 50.) Die Erwartungen waren groß, zu denen uns dieſer Mann und dieſes von ihm eingerichtete In⸗ . ſtitut berechtigte. Sie ſind aber leider bis jetzt nur z zum kleinſten Theil erfüllt. Viele meiner Leſer haben den lebhafteſten Antheil daran genommenz 3 ½ ich bin ihnen alſo einige Rechenſchaft daruͤber ſchuldig. Ohne Ohne Zweifel waͤre Sir John Sinelair durch die Stiftung des Boards of Agriculture, und durch ſeinen raſtloſen Eifer fuͤr die Vervoll⸗ kommnung des Ackerbaues, der groͤßte Wohl⸗ thaͤter ſeines Vaterlandes geworden, wenn nicht die ungluͤckliche Gährung, welche ſich von Frank⸗ reich aus durch ganz Europa verbreitete, den Fortgang ſo vieles Guten und die gluͤckliche Ten⸗ denz aller menſchlichen Dinge ſtoͤrte, auch in Großbritannien ſo heftig und ausdauerd gewü⸗ thet, und den Sinn fuͤr alles andere faſt abge⸗ ſtumpft haͤtte. Sinelair gehoͤrte zu denen, welche der franzoͤſiſchen Revolution ihren Bepfall gaben, ſo lange ſie in den Schranken einer gewiſſen Ord⸗ nung und Gerechtigkeit blieb, und den Zweck ei⸗ ner Verbeſſerung der ausgearteten Verfaſſung nicht uͤberſchritt. Sobald im Fortgang derſelben aber Ordnung uͤber den Haufen geworfen, ge⸗ waltſame Eingriffe in wohlbegruͤndete Rechte und in das Eigenthum gethan wurden, erklaͤrte er ſich zwar gegen ſie; hielt aber alle gewaltſame Ein⸗ miſchung in dieſelbe fuͤr zweckwidrig und gefäͤhr⸗ lich, und meynte, das ſicherſte Mittel, um ſich gegen den Einfiuß dieſer Peſt zu ſichern, ſey: die Geſundheit des eigenen Staatskoͤrpers zu erhalten und zu verbeſſern. Die innere Unordnung und Zwie⸗ 8 — 270— Zwietracht, welche in Frankreich um ſo mehr ſich anhaͤufen muͤſſe, je weniger man ſie nach auſſen ableite, werde am Ende die Ordnung einer geſetz⸗ maͤßigen Verfaſſung wieder herſtellen, und die ſchreckliche Erfahrüng der Anarchie und des Buͤr⸗ gerkrieges ſey hinreichend, uͤbereilte Reformatv⸗ ren in andern Staaten abzuſchrecken. Dieſe Meynung aͤuſſerte er im Parlamente und in klei⸗ nen Schriften. Ein populairer Aufſatz von ihm im vrientaliſchen Sthl:„das Land von Ni⸗ nive“ beſchreibt das Unheil, was ein gewaltſa⸗ mer Eingriff in die Verfaſſung anrichtet, auf eine Art, die dem minder gebildeten engliſchen Farmer am eindringlichſten war. Die Grohen und Mach⸗ tigen des Landes vertrieben ihren Koͤnig; die Gro⸗ ßen wurden durch die Buͤrger vertrieben. Die Bauern zerſtörten und pluͤnderten die Städte, und ſie ſelbſt wurden von ihren Knechten und Ta⸗ gelohnern todtgeſchlagen; unter denen nun eine ſolche Anarchie, Verfolgung, Raubſucht und Hungersnoth einriß, daß ſie Buße thaten, jeden in ſeine Rechte wieder einſetzten, und ſich der vo⸗ rigen Ordnung unterwarfen. Als Parlamentsglied ſtand Sinclair lan⸗ ge für ſich allein, wenn ſich das Haus in Mini⸗ ſterial⸗ und Oppoſitions⸗Partey trennte. Wie jedoch 1797 eine moderate Partey, die unter dem dem Namen der Moira'ſchen bekannt 3 ſich bildete, eine Partey, deren gute und redliche Ab⸗ ſichten von allen Seiten nnetkannt wurden, durch welche eine Veraͤnderung des Miniſteri⸗ ums, ni chr zu Gunſten der Oppoſitions⸗Par⸗ tey, aber unter ihrer Mitwirkung, hervorge⸗ bracht werden ſollte, trat Sinclair zu ihr, und ſchien derjenige zu ſeyn, auf den die Au⸗ gen des Publicums am meiſten gerichtet waren. Man erwartete von ihm beſonders ein neues Fi⸗ nanz⸗Syſtem, deſſen Eredit auf der einzigen fe⸗ ſten des Grund⸗Eigenthums beruhen ſoll⸗ te, und welches demnach dem Staate die Verbeſ⸗ ſerung des im wuͤſten Gemeinheits⸗Zuſtande lie⸗ genden Bodens zur wichtigſten Angelegenheit machte. Man kann die dartber geführten Ver⸗ handlungen zum Theil in des Herrn von Ar⸗ chenholz Minerva nachleſen; hier gehoͤren ſie nicht her. Das beſtehende Miniſterium be⸗ hielt die Oberhand, und von nun an verloh⸗ ren Sinclair's öconomiſche Plane, wor⸗ unter die allgemeine Verkoppelungs⸗Bill das wichtigſte war, ule Unterſtuͤtzung im Parlamen⸗ te. Im jetzigen Augenblicke, hieß es, erfordere der Widerſtand gegen den erbitterten Feind ein⸗ zig und allein die Aufmerkſamkeit und Anſtren⸗ gung des Staats; jede Neuerung ſep gefahr⸗ lich und unzeitig. Pbgleich Sinclair ſich vor — 272— vor allen thaͤtig zeigte, um die wirkſamſten Maaß⸗ regeln gegen den drohenden Einfall des Feindes in Großbritannien und Irlanb zu ergreifen,— er er⸗ richtete, mit Bewilligung des Koͤnigs, die erſten Volontair-Corps; er brachte in ſeiner Gegend eine Subſcription der ſaͤmmtlichen Landleute zu Stande, worin ſie verſprachen, jeder eine be⸗ ſtimmte Anzahl Wagen bereit zu halten, um die Truppen des Königs und ihre Bagage, im Fal einer feindlichen Landung, moͤglichſt ſchnell von einer Kuͤſte zur andern zu transportiren, und em⸗ pfahl dieſe Einrichtung in einer ſehr andringenden Adreſſe an alle Farmer des Königreichs zur Nach⸗ ahmung;—: ſo ſuchte man ſeine Abſichten doch auf alle Art verdachtig, ja ſelbſt verhaßt und laͤ⸗ cherlich zu machen. Sein Anſehen, und der Ein⸗ fluß, den er als Praͤſident des Boards of Agricul⸗ ture auf die Landleute hatte, ward ſchon in einem gefahrlichen Lichte vorgeſtellet. Man durfte be⸗ kanntlich damals jeden ehrlichen Mann nur einen Democraten, einen Neuerungsſuͤchtigen nen⸗ nen, um ihn als einen gefaͤhrlichen Menſchen anerkennen zu laſſen. Wie daher im Fruͤhjahr 1798 der Erneuerungs⸗Termin des Präſidenten einfiel, ward er— bey dem allen doch nur durch die Mehrheit einer Stimme— vom Präſiden⸗ ten⸗Stuhl verdraͤngt. Mit ihm entwich die See⸗ le des Inſtituts. Schmerz⸗ — — Schmerzhaft mußte es allerdings Sir John Sinclair ſeyn, ſich hierdurch nicht nur aller Activität in ſeinem bieblingsfache beraubt, ſondern auch ſeinen großen und wohl⸗ thaͤtigen Plan fuͤr ſein Vaterland zertruͤmmert zu ſehen. Daher kann man ihm die Aus⸗ bruͤche ſeines Schmerzes, die er dadurch aͤußerte, daß er ſich im Parlamente an die Spitze der Oppoſitions⸗Partey ſtellete, oder, da ſie faſt von allen aufgegeben war, ſie mit ſeiner einzigen Perſon vorſtellen wollte,— nicht uͤbel deuten; wenn ſolche gleich, wie alles, was empfindliche Leute im Schmerze thun, kleinlich und zweckwidrig waren. Er widerſetzte ſich mit etlichen wenigen Secundanten— denn For und Sheridan harten behanntlich mit ihrer Partey das Haus verlaſſen,— allen Maaßregeln und Vorſchläͤgen der Miniſter; ſo noͤthig und zweckmäßig ſie unter den jetzigen Umſtaͤnden auch waren. So drang er z. V. auf eine Verminderung des Etats der Seemacht, in dem Augenblicke, wie ſich Brittannien durch die hoͤchſte Anſtrengung in derſelben allein gegen den erbitterten Feind behaupten konnte. Dies gab denn ſeinen kaltbluͤtigen und uberlegenen Geg⸗ nern nur Gelegenheit, ihn auf mannigfaltige Weiſe läͤcherlich zu machen. Er ward mit ſeinen Planen in Verſen und in den bekannten Carri⸗ catur⸗Kupferſtichen verſpottet. Eins der an Bds. ate Abtheil. S let⸗ letztern⸗ was bey den damals ſatten Engländern vielen Veyfall erhielt, iſt durch die Zeitſchrift„London und Paris“ auch in Deutſchland bekannt geworden. Sinclair ſteht da, mit der politiſchen Waage in der Hand; auf der einen Schaale liegen etliche Turnips und andere Erdfruchte, auf der andern ein Kriegsſchiff mit der Flagge Brittannia. Er iſt in Schrecken und Erſtaunen verſetzt, daß das Kriegsſchiff ſchwerer iſt als die Erdfruͤchte, und dieſe hoch in die Hoͤhe zieht.— Es iſi wahr, die uͤber dieſes ſonderbare Phanomen erſtaunte Carricatur nimmt ſich naͤrriſch aus, und hatte damals alle Lacher gegen ſich. Ich zweifle aber faſt, daß man jetzt noch daruͤber lache. Vielmehr moͤchte Mancher nun mit Schrecken und Erſtaunen gewahr werden, daß jene Waagſchaale doch trog, und daß jett die Unentbehrlichkeit der Erdfruͤchte den Nutzen der Schiffahrt für die Nation im Ganzen nur zu fuͤhlbar überwiegt. Indeſſen ſpielte der edle Mann dieſe ſeiner unwürdige Rolle auch nicht lange, ſondern zog ſich, ohnerachtet er dem Parlamente beywohnte, in die Schranken des Privatlebens zuruͤck, um hier fuͤr die Wohlfahrt und fuͤr die immer wichtiger werdende Angele⸗ genheit ſeines Vaterlandes, die Erweiterung des Ackerbaues, zu arbeiten. Meines Wiſſens iſt er im Parlamente ſeitdem nicht wieder aufge⸗ treten, ——„— — treten, hat ſich aber mit verſchiedenen land⸗ und ſtaatswirthſchaftlichen Werken, die meines Wiſſens noch nicht herausgekommen ſind, be⸗ ſchaͤftiget. Dasjenige, was ich ſeitdem von ihm geſehen habe, iſt ein Vorſchlag zu einer practiſchen Ackerbau⸗Societät, den er in dieſem Jahre[18oo) bekannt machte, und wovon ich unten mehreres ſagen werde, nachdem wir zu⸗ vor die fernern Schickſale des Board of Agri⸗ culture verfolgt haben. Unter Sinclair's Vorſitze waren die Unterſuchungen des landwirthſchaftlichen Zuſtan⸗ des der 80 Diſtricte Großbrittanniens vollendet worden. Ein großer Theil der Verichte war, mit den Zuſaͤßen und Bemerkungen, die der erſte Abdruck bey der Circulation erhalten hatte, bereichert, nun zum zweyten Male abgedruckt und publicirt worden. Hierdurch war eine erſtaunliche Maſſe landwirthſchaftlicher Kennt⸗ niſſe durch das ganze Land verbreitet worden— Kenntniſſe, don denen jeder Diſtrict vorher nur dieſen oder jenen Theil ansſchließlich beſeſſen hatte. Dieſe Berichte verbreiten ſich uͤber den Boden, die Lage und das Clima jeder Gegend; uͤber die Verhaͤltniſſe des Grundeigenthums daſelbſt; uͤber die Art der Verpachtung; uͤber die Armentaxen und Zehnten, welche die Paͤch⸗ ter belaſten. Das Verhaͤltniß der eingehegten 2 oder — 276 oder verkoppelten Felder zu den offenen, der angebaueten zu den wuͤſtliegenden, iſt angege⸗ ben. Es werden die Werkzeuge jeder Gegend und ihre Eigenthuͤmlichkeiten beſchrieben; denn die Beſtellungsmethoden jedes Orts, die Be⸗ handlung der kuͤnſtlichen und natuͤrlichen Wie⸗ ſen, der Kuͤchen⸗ und Obſtgärten, der Hoͤlzun⸗ gen, der Anpflanzungen, der Hecken, haben jede ihren Abſchnitt. Sie enthalten die Be⸗ ſchreibung der ländlichen Bauart; eine Unter⸗ ſuchung des Zuſtandes des neuangebaueten, in Gemeinheit liegenden Landes. Die angewand⸗ ten Verbeſſerungsmethoden und ihr Erfolg iſt angezeigt. Dann folgt die Beſchreibung des Viehſtapels, und endlich eine Unterſuchung der⸗ jenigen Hinderniſſe, welche ferneren Verbeſſe⸗ rungen oͤrtlich im Wege ſtehen, nebſt allgemei⸗ nen Bemerkungen und Reflexionen.*). Wer *) Ich werde dieſe landwirthſchaftlichen Ueberſichten in der Folge, nach der in England gebräuchlichen Benennung, kurz Reports nennen; als Report von Kent, von Sommerſet, von Northum⸗ berland u. ſ.f. Der Herr Kriegsrath Nöldechen hat uns kurzlich Midletons Report von Midleſer in einer ſehr guten Meberſetzung geliefert. Er hat manches S— ——— Wer kann den Nutzen dieſer genauen land⸗ wirthſchaftlichen Ueberſichten leugnen?— Es wurden viele hoͤchſt nuthliche Einrichtungen und Methoden bekannt; auf der andern Seite aber auch manche Fehler und Unvollkommenheiten. Der Board of Agriculture, und durch ihn das Parlament und die Regierung, konnten nun eine allgemeine Ueberſicht vom Zuſtande des Reichs in landwirthſchaftlicher Hinſicht erhalten und manches weggelaſſen, und zum Theit ſehr wohl daran gethan, weil in allen dieſen Reports manches den deutſchen Leſer wenig intereſſirt. Db dieſe Reports in Deutſchland Beyfall genug finden wer⸗ den, um eine vollſtändige Ueberſetzung derſelben zu bewirken, getraue ich mir nicht zu beſtimmen. Da der Herr Graf von Podewills uns eine voll⸗ ſtaͤndige und mit bewundernswürdiger Sorgfalt ge⸗ machte Ueberſetzung der vortreflichen Marſhall'ſchen Wirthſchafts⸗Beſchreibungen liefern will, und im erſten Bande der Beſchreibung von YPorkſhire angefangen hat, das Merkwürdige aus den Reports von dieſer Grafſchaft hinzuzufügen: ſo wuͤnſchte ich, daß die Ueberſetzer der Reports vorerſt nur diejeni⸗ gen Grafſchaften wählten, welche Marſhall nicht beſchrieben hat. Die Erſcheinung dieſer Ueberſetzungen veranlaßt mich übrigens mit, manche engliſche Einrichtungen und Verhaͤltniſſe genauer zu beſchreiben, indem ich dadurch zur Verſtändlichkeit jener Berichte und Be⸗ ſchreibungen beyzutragen hoffen darf. * * ———————————— und die Huͤlfsmittel zur Verbeſſerung deſſelben kennen lernen. Es zeigte ſich beſtimmter, wie viel der Staat bey der Urbarmachung der neu⸗ angebaueten Ländereyen noch gewinnen werde, um wie viel die Finanzen dadurch verbeſſert, die Bevoͤlkerung, bey hinreichender Subſiſtenz⸗ noch vermehrt werden koͤnne. Dieſe zwar ge⸗ ahnete, aber doch jeßt erſt der Ration klar vor Augen gelegte Entdeckung war ihr, unſers Erachtens, wohl die Entdeckung eines neuen Welttheils, eines dritten Indiens werth. Und doch haͤtte es dem Staate weniger gekoſtet, ſie zu erobern und zu erhalten, wie manche unnuͤße Inſel oder Seekuͤſte. Und das Capital des Einzelnen hätte, wo nicht auf völlig ſo hohe, doch auf ſichrere Zinſen darin angelegt werden können, wie in Indiſchen Pflanzungen. Das Volk wäre in Anſehung ſeiner Nahrungs⸗ mittel wieder unabhaͤngig vom Auslande ge⸗ worden. Allein jetzt war nicht die Zeit, wo dies alles bey den Englaͤndern hätte Eindruck machen können. Man hatte grade in dieſen Jahren Brod und Fleiſch genug, und ſo fiel der Hunger nur aufs Gold. Krieg, Schiffahrt, Handlungs⸗ und kieferungs⸗Speculationen⸗ Stockjobberey, beſchͤftigten einzig und allein die Mächtigen und Reichen. Statt alſo das Ver⸗ — 279— Verdienſtvolle jenes Werks anzuerkennen und dem Stifter deſſelben zu danken, bedauerte man wohl die 12000 Pfund, welche der Board of Agriculture in den vier Jah⸗ ren gekoſtet hatte, wovon uͤber 7000 Pfund allein auf dieſe Ueberſichten verwandt waren⸗ 7 Was der Board of Agriculture unter Sinclair's Leitung ferner that, werde ich im Fortgange dieſes Werks anzufuͤhren Gele⸗ genheit haben. An ſeine Stelle ward 1798 Lord Som⸗ merville zum Praͤſidenten etwaͤhlt. Ich kenne dieſen Herrn nicht weiter, als aus den Anreden, die er in den beyden erſten Situngen des Boards in jenem Jahre hielt; muß daher meinen Leſern die Beurtheilung deſſelben uͤber⸗ laſſen, wenn ich ihnen einen Auszug aus ſeiner erſten am sten May gehaltenen Rede mittheile. Seiner Meynung nach, ſagte er, waͤren die vielen Druckſchriften und Bekanntmachungen des Boards, ſo viel innern Werth ſie auch haben moͤchten, voͤllig unnutz zur Befoͤrderung des Ackerbaues, weil die Farmers keine leſende Claſſe von Menſchen waͤren. Die angeſtellten Unter⸗ Unterſuchungen uͤber den Zuſtand des Acker⸗ baues in den verſchiedenen Diſtricten und die Beſchreibung derſelben in den Reviews und Reports hätten nur Mißtrauen und Alla Im erregt; man hielte ſie fuͤr inquiſitorialiſche Unterſuchungen, die von der Regierung durch den Weg des Board eingezogen wuͤrden, und der Board habe demſelben ſeine wenige Popu⸗ laritaͤt zu verdanken. Er ſchlug alſo vor, hier⸗ mit ſofort einzuhalten, und die in der Rechnung des vorigen Praͤſidenten dazu bereits beſtimmten Summen zu erſparen. Man koͤnne dagegen jaͤhrlich einen Band in Quart aus der unend⸗ lichen Menge von Materialien, die der Board ſchon beſitze, redigiren laſſen, der, ohnerachtet der Markt mit dieſen Artikeln ſchon uͤber⸗ haͤuft ſey, doch ſeine Koſten wohl bezahlen wuͤrde. Dagegen ſolle man Praͤmien auf practiſche Verbeſſerungen in den Hauptzweigen der Wirth⸗ ſchaft ſetzen; und hierbey ſolchen Gegenſtaͤnden den Vorzug geben, die durch den Augenſchein eher, als durch Certificate, beſtaͤtiget werden koͤnnten. Die Committee zur Austheilung derſelben muͤßte aus drey Londoner Schlaͤchtern, drey erfahrnen Farmers und dem Praäſidenten beſtehen. Dann ſollten goldene Medaillen auf die beßten Ab⸗ handlungen uͤber die Verbeſſerung des 3r⸗ es 9r tet vol po ru des der Armen, ohne die Armentaxe zu ver⸗ mehren, und Verbeſſerung der Kothen⸗Woh⸗ nungen(Cottages) geſetzt werden. Auch ſolle man den Tageloͤhnern, die ſich gut betragen haͤtten, Praͤmien geben. Wenn dieſe Prämien auch nicht ſo bedeutend waͤren, wie die, welche die oconomiſche Societät zu Bath ausgaͤbe, ſo wuͤrden ſie doch Nutzen ſtiften. Die Societaͤt zu Bath würde das nicht uͤbel nehmen koͤnnen, und der Board duͤrfe ſich wegen dieſer Rach⸗ ahmung nicht ſchämen. Dann aber habe die Nation laͤngſt eine große practiſche Maaßregel des Boards erwar⸗ tet, und er ſchluͤge daher vor, einen Acker⸗Farm von nicht weniger als 300 Pfund jaͤhrlich zu pachten, der der Nation als ein Beyſpiel eines recht energiſchen Syſtems der neuen Verbeſſe⸗ rungen aufgeſtellet werden koͤnne. Verſuche uͤber Viehzucht und Weide koͤnnten wohl auf an⸗ dern Farms angeſtellt werden; die oben er⸗ waͤhnten Praͤmien wuͤrden ſchon die Aufmerk⸗ ſamkeit erregen, und das Maſtvieh koͤnne ſich in Perſon dem Board zur Unterſuchung vor⸗ ſtellen. Richt ſo Thatſachen des Ackerbaues—; denn wenn ein Feld mit Weizen oder Turnips — der franzoͤſiſche Meberſetzer hat par impos- sible hinzugeſetzt— gleich dem Ochſen ins Thor ſpatziert kaͤme, ſo moͤgte die Gegend von Picca⸗ Piccadilly zu viel Schrecken und Unbequemlich⸗ keit davon haben. Dies mache alſo eine ſolche Anſtalt nothwendig, auf deren Ausfuͤhrung er jedoch nicht gleich dringe, ſondern ſie nur als eine entfernte Maaßregel vorſchlage, die ein weſentliches Glied in der Kette der kuͤnftigen Operationen des Boards ausmache, und bey der kein Verluſt ſeyn ſolle, indem, wenn er die Bewirthſchaftung einrichte, eine ſolche Pachtung unter dem Seegen der Porſehung den Pachtzins ſchon abwerfen ſolle. Uebrigens waͤre er nicht für weitläuftige Rechnungen; unmittelbare Bezahlung ſey im⸗ mer die beſte Politik, beſonders bey einem landwirthſchaftlichen Inſtitute, wie der Board; denn Landwirthſchaft ſey ein baares Geldge⸗ werbe— keine lange Rechnungen, und per contra creditas— ein lederner Beutel!— damit ſey die Slanz im Annhe ge⸗ zogen. Er ſey zwar uͤberzeugt, daß keiner der Mitglieder den Auslaͤndern die Kenntniſſe, welche durch dieſes Inſtitut befoͤrdert würden, vorenthalten wolle. Aber das Parlament habe bey der Bewilligung von 3000 Pfund jähr⸗ lich als geſetzgebendes Corps doch vor allem, wenn nicht einzig und allein, auf den Vor⸗ theil ha Po fil qu un le lie re ſö theil des brittiſchen Farmers zu ſehen ge⸗ habt u. ſ. f. Der Board beſchloß, die ſaͤmmtlichen Vorſchlaͤge des neuen Praͤſidenten auszu⸗ fuͤhren!!— Der Contraſt zwiſchen dem alten und neuen Praͤſidenten, zwiſchen den bey der Stiftung dieſes Inſtituts angenommenen und nunmehr zufolge dieſer Rede beliebten Grundſaͤtzen, iſt zu groß, als daß ich mich dabey zu verweilen brauchte. Jetzt iſt der Board nichts, wie eine landwirthſchaftliche Verſuchs⸗ und Praͤmien⸗ Geſellſchaft, deren es in England unzͤhlige giebt. Sie unterſcheidet ſich nur durch ihre Lage in der Hauptſtadt, und durch ein vorneh⸗ mes, aber in den Gegenſtänden des Inſtituts wohl wenig unterrichtetes Perſonale. Man ſcheint ihn im Parlamente und im Publicum auch beynahe vergeſſen zu haben. Indeſſen dauert das Inſtitut, dem Ramen nach, fort, und man darf hoffen, daß man bey dem jetzt lebhafter gefuͤhlten Intereſſe fuͤr landwirthſchaft⸗ liche Verbeſſerungen ſeinen urſpränglichen großen Zweck nicht ganz aus den Augen verlie⸗ ren werde. Ein Theil deſſelben, die Unter⸗ ſuchung des landwirthſchaftlichen Zuſtandes im ganzen Reiche, iſt gluͤcklicher Weiſe von — ———.———————— * 3 — von dem Stifter deſſelben noch vollfuͤhrt worden. Nach den eben erhaltenen Nachrichten iſt nun Lord Sommerville wieder vom Praͤ⸗ ſidenten⸗Stuhle abgetreten, und an ſeine Stelle Lord Carrington gekommen, welcher eigent⸗ lich Banquier iſt, aber doch ein guter Landwirth ſeyn ſoll, wenn er ſich gleich als ſolcher oͤffent⸗ lich noch nicht gezeigt hat. Die Verſuche, welche Dr. Fordyce auf Koſten des Board of Agriculture anſtellete, ſollen ganz ruhen. Sir John Sinclair's oben erwähn⸗ ter Vorſchlag, der große Theilnahme fand, beſteht in einer Societat auf Actien, um in verſchiedenen Gegenden des Reichs Experimen⸗ tal⸗Wirthſchaften anzulegen. Er nennt dieſe Societät the plough oder joint stock karming society. Sie pa ſhe ger Er fir der Sie ſollen aus 1600 Actien beſtehen, jede zu 5o0 Pfund= soo00 Pfund Sterling. Dafuͤr werden acht Experimental⸗Fanms ge⸗ pachtet und eingerichtet, theils in der Nachbar⸗ ſchaft von London, theils in verſchiedenen Ge⸗ genden des Reichs. Pfund Die Einrichtung eines jeden iſt an⸗ geſchlagen zu 4000 Pf. ⸗ 32,000 Auſſerdem zwey in bergigten Ge⸗ genden, um die Berg⸗Schaafe zu verbeſſern, jeder zu 1500 Pf. 3,000 Ferner werden 5000 Acres wuͤſtes Land angekauft, eingehegt und mit allerley Holzarten, beſonders Nadelholz, bepflanzt, deren An⸗ kauf und Bepflanzung berechnet wird auf ⸗. 35,000 Bleibt ein Fond fuͤr zufaͤllige und unvorhergeſehene Ausgaben von.*.— LO,000 ——— 80,0 00 Am Schluſſe der Societaͤt, den er fuͤr die Experimental⸗Wirthſchaften nach 21 Jahren, fuͤr die Pflanzung nach 30 Jahren beſtimmt, der ſich jedoch nach dem Wunſche der Societät immer — 266— immer weiter hinausſeten laͤßt, wuͤrde folgendes wieder herauskommen: Pfund Fuͤr den Verkauf des Viehſtapels, der Erndte und der Werkzeuge auf den Experimental⸗Wirth⸗ ſchaften ⸗ ⸗ ⸗ 35,0 00 Der Werth der 5000 Acres einge⸗ hagten Landes, der darauferrich⸗ teten Gebaͤnde und 1,500,000 Stuͤck Lerchen⸗ und Fichten⸗ Baͤume nach 30 Jahren(die Vegetation, beſonders des Radel⸗ holzes, iſt in England ſchneller und ſtaͤrker wie bey uns) ⸗ 218000 e Ueberbleibender Fond, unter Vor⸗ 5 ausſeßung, daß die Zinſen die 3 Koſten beſtreiten werden ⸗ 10,000 263/000 of Auſſer der endlichen Theilung dieſes Ca⸗ hi pitals haben die Intereſſenten folgende Vor⸗ me theile: ſy 1) Sie erhalten jährlich eine Ueberſicht der e Proceduren zugeſchickt. 2) — 2) Sie haben das Privilegium, die Erpe⸗ rimental-Wirthſchaften in ihrer Rach⸗ barſchaft, oder wo ſie angelegt ſind, ſo oft ſie wollen, zu beſuchen und nach⸗ zuſehen. 3) Das Recht, keute auf die verſchie⸗ denen Experimental⸗Wirthſchaften zu ſchicken, die daſelbſt Unterricht erhalten ſollen. 4) Eine jährliche Dividende des Vortheils, welchen die Wirthſchaften abwerfen. Diejenigen, welche eine volle Actie genommen haben, ernennen jährlich die Directoren bey einer in London zu halten⸗ den Zuſammenkunft. Die Vuͤcher der So⸗ cietät ſtehen jedem Intereſſenten immer offen. Keiner bezahlt ſeine Sabſecription, als bis die Societät vollig conſtituirt iſt. Nie⸗ mand kann uͤber ſeine Subſcription in An⸗ ſpruch genommen werden. Die Actien koͤnnen in andre übertragen werden. Man nimmt ſo viel wie man will. Ueber Ueber die Vortheile der Experimental⸗ Wirthſchaften ſagt Sinclair in der An⸗ kuͤndigung dieſer Anſtalt ohngefähr fol⸗ gendes: „Die Kunſt des Ackerbaues kann ohne Zweifel nie zu einem hohen Grad der Vollkom⸗ menheit gebracht werden, wenn nicht zweck⸗ maͤßige Verſuche mit groͤßter Genauigkeit und Beharrlichkeit angeſtellt werden. Wir haben uns bisher noch zu viel auf ſchwankende Mey⸗ nungen und Behauptungen, denen es an zu⸗ länglicher Autorität fehlt, verlaſſen muͤſſen. Unſre einſichtsvollſten Kenner des Ackerbaues, Arthur Young, Marſhall, und Dr. Francis Home, haben daher den Nuten ſolcher oͤffentlichen Experimental⸗Wirthſchaften wiederholt empfohlen. Die Wichtigkeit ſolcher Wirthſchaften, in verſchiedenen Gegenden, iſt daher wohl auſſer allen Zweifel geſeßt, und ich hoffe, es wird aus dem Folgenden erhellen, daß keine Maaßregel fuͤr die Bewohner der Haupt⸗ ſtadt und anderer großen Staͤdte vortheilhafter ſeyn koͤnne, als die, eine ſolche Wirthſchaft nach einem nicht kleinlichen Maaßſtabe in ihrer Nachbarſchaft errichtet zu ſehen.“ „1) Bey der zunehmenden Bevoͤlkerung von London und anderen großen Stadten wird es es nr zu geb ſole ſch beſ vo ein nig me ſch un erf unſ der mit ber 9 ſtat wir lan unt es unmoͤglich, daß ſie ſerner mit Lebensmitteln zu einem leidlichen Preiſe verſehen werden koͤn⸗ nen, wenn nicht der Ackerbau auf dem Lande zu einem viel hoͤhern Grad von Vollkommenheit gebracht wird. Und dies kann nur mittelſt ſolcher verſuchenden und Beyſpiel gebenden Wirchſchaften geſchehen, da ſie das einzige ſichere Mittel ſind, die Grundſaͤtze eines ver⸗ beſſerten Ackerbaues vor Angen zu legen. Die Kation iſt jetzt im Zuſtande der Abhaͤngigkeit vom Auslande in Anſehung eines Theils ihrer Lebensmittel, und wir werden periodiſch von einem Mangel derſelben heimgeſucht, welcher die Ausgaben einer jeden Haushaltung im Koͤ⸗ nigreiche auf eine faſt unertraͤgliche Art ver⸗ mehrt, und den Wohlhabenden obendrein die ſchwere Laſt aufladet, die Armen zu ernähren und ſie vom Hungertode zu retten. Wenn ein Theil der Summe, deren Aufbringung hierzu erfordert wird, gehoͤrig auf die Verbeſſerung unſers Ackerbaues verwandt wuͤrde, ſo wuͤrde der Landwirth ſehr bald im Stande ſeyn, uns mit Lebensmitteln zu einem leidlichen Preiſe zu verſorgen. Jeder alſo, der 13 Pence ſtatt 9 Pence fuͤr ein Brodt, jeder, der 10 Schilling ſtatt 2 Schilling zur Armentare bezahlen muß, wird ſich weſentlich bey der Verbeſſerung unſers landwirthſchaftlichen Zuſtandes intereſſirt fuͤhlen, und muß, ſeines eigenen Intereſſe wegen, ſich en Bds. ate Abthel T ge⸗ geneigt finden laſſen, alle dahin abzweckenden Mittel zu befoͤrdern, in ſo fern es ſeine Lage nur zuläßt.“ „2) Es iſt bekannt, daß kaum in ir⸗ gend einem Theile des Koͤnigreichs groͤßere Strecken wuͤſten und unangebaueten Landes gefunden werden, als in der Nachbarſchaft von London, die doch der Verbeſſerung ſo leicht fahig wären. Es iſt zu hoffen, daß die allgemeine Verkoppelungs⸗Bill doch end⸗ lich durchgehen werde, wonach dieſe Wuͤſten getheilt wuͤrden. Aber damit iſt wenig aus⸗ gerichtet, wenn nicht die Art und Weiſe, ſie gehoͤrig urbar zu machen und in dauernde Cultur zu ſeßen, klar ins Licht geſtellet wird. Wie Enfield Chaſe getheilt wurde, glaub⸗ ten viele Leute, einen großen Gewinn durch den Ankauf und die Urbarmachung gewiſſer Theile dieſer Heide zu machen. Aber aus Mangel an Kenntniß, wie ſie ſich dabey zu benehmen hatten, huͤßten ſie betraͤchtlich ein. Waͤren die Grundſaͤtze, wie man bey ſolchen Urbarmachungen verfahren muß, ausgemach⸗ ter und bekannter geweſen, welches nur durch den Weg des Beyſpiels auf ſolchen Experi⸗ mental⸗Wirthſchaften erreicht werden kann; ſo haͤtte kein betraͤchtlicher Irrthum vorfaller koͤnnen, und die Kaͤufer von Enfield Chaſe wuͤr. — 291— würden ihr angekauftes Land zu ihrem und des Publicums groͤßten Bortheil in gehörigen Stand gebracht haben.“ 4 „3) Es giebt eine große Anzahl von Menſchen in London und andern großen und blühenden Städten, die durch Handlung, durch Ausuͤbung der Rechts⸗ und Arzeney⸗ kunde, beträchtliches Vermögen gemacht ha⸗ ben, und deren Neigung und letzter Zweck es iſt, ſich von den Geſchäften zuruͤckzuzie⸗ hen, ein Landgut anzukaufen, und ihr Leben daſelbſt zuzubringen. Aber woher ſollen ſie die Kenntniſſe erhalten, ihr angekauftes Gut vortheilhaft zu bewirthſchaften, und nach ihrem Wunſche zu verbeſſern? Viele, die es verſuchten, haben zu beträchtlich dabey verloren. Haͤtten ſie aber eine ſolche Wirth⸗ ſchaft in ihrer Nachbarſchaft, hätten ſie als Theilnehmer die Vefugniß, ſie zu beſuchen, ſich von allem zu unterrichten, die immer offenen Buͤcher nachzuſehen; ſo wuͤrden ſie alle Kenntniſſe und Erfahrung über die beßte Art, Landeigenthum zu behandeln und jede Verbeſſerung des Ackerbaues einzufuͤh⸗ ren, auf die mindeſte koſtſpielige Art ſich er⸗ werben koͤnnen.“ T2„4) 1 1 3* 3 3 — „ * 6 1 — 292— „4) Viele Einwohner Londons bringen, der Erholung oder der Geſundheit wegen, einige Zeit auf dem Lande zu. Die meiſten verlaſſen jetzt die Stadt, ohne irgend einen Gegenſtand zu haben, der ſie auf dem Lande beſchaͤftigen kann. Wenn nun auf dieſen Wirthſchaftshoͤfen Gelegenheit zu einem ländlichen Aufenthalte geſchafft wuͤrde, wenn kleine Grundſtuͤcke in der Nachbarſchaft abgetreten wuͤrden, um darauf Huͤtten oder Landhäuſer fuͤr die Intereſſenten zu errichten: ſo wuͤrden ſie Gelegenheit haben, ihre Aufmerkſamkeit auf ſolche Dinge zu richten, die ihnen in jeder Ruͤckſicht merkwuͤr⸗ dig ſeyn muͤſſen.“ Sinclair beantwortet die gewoͤhnlichſten Einwendungen, welche man ihm gegen die Nuͤtzlichkeit eines ſolchen Inſtituts gemacht hat⸗ ohngefähr auf folgende Weiſe: „Manche haben behauptet, die Grundſaͤtze landwirthſchaftlicher Perbeſſerungen koͤnnten und wuͤrden ohne ein ſolches Inſtitut ſchon zu einer hinreichenden Vollkommenheit gebracht werden. Daß man vohne ſelbiges Korn bauen und Vieh aufziehen koͤnne, verſteht ſich von ſelbſt— aber auf eben die unvollkommene Weiſe, wie man in alten Zeiten Manufacturen ohne cS,— — 293— ohne betraͤchtliches Maſchienen-Werk betrieb. So wie es aber bey vermehrtem Handel und Wandel nothwendig wurde, die Kunſt des Manufacturweſens durch neue, Kraft⸗ und Zeit⸗erſparende Erfindungen zu vervollkomm⸗ nen; ſo wird es jetzt bey vermehrter Be⸗ voͤlkerung und Conſumtion eben ſo nothwen⸗ dig, die Kunſt des Ackerbaues zu erhöhen, um von derſelben Flaͤche Landes mehr Korn zu gewinnen und mehr Vieh zu fuͤttern, wie vormals: weil es ſonſt unmoͤglich zu werden anfaͤngt, die noͤthigen Beduͤrfniſſe herbeyzu⸗ ſchaffen. Ohne ſolche Experimental⸗Wirth⸗ ſchaften iſt dieſes nicht wohl moͤglich; ohne ſie laͤßt es ſich nicht ausmachen, was ver⸗ mieden und was befolgt werden muͤſſe. Das erſtere zu wiſſen, iſt ſo nöthig, wie das letztere. Aber jenes wird ſelten oͤffent⸗ lich bekannt gemacht, weil jeder Landwirth ſich ſchämt, ſeine fehlgeſchlagenen Operationen einzugeſtehen. Haͤufig werden auch gut ein⸗ geſchlagene Verſuche verheimlichet, weil Man⸗ cher Andern die Vortheile nicht gonnet, welche er dadurch erhalten hat. Der Zweck einer Erperimental⸗Wirthſchaft hingegen iſt, Thatſachen auſſer Zweifel zu ſetzen und ſie bekannt zu machen. Und eine von öfſent⸗ lichem Geiſte belebte Societät würde vielleicht eben ſo viel Vortheil ſtiften, wetin ſie Irr⸗ thuͤmer 12 thümer entdeckte/ als wenn ſie nützliche Wahr⸗ t 0 heiten auffände.“ 5 18„ 1„Man hat zweytens geſagt, es gäbe ² mehrere Maͤnner von ausgezeichnetem Cha⸗ 11 racter, die Verſuche zu ihrer eigenen Unter⸗ 3. haltung und Unterricht anſtelleten, und durch ſ deren Bemuͤhungen und Aufopferungen mit ſi der Zeit große Wahrheiten feſtgeſtellet wer⸗ den wuͤrden. Riemand iſt geneigter, ſolchen 1 verehrungswuͤrdigen Perſonen Gerechtigkeit 6 widerfahren zu laſſen, wie ich; und nie⸗ 9 mand kann überzeugter von den unendlichen Vortheilen ſeyn, welche diejenigen davon. haben, die ſo glucklich ſind, Gelegenheit zu j finden, um jene Fortſchritte zu verfolgen.. 1 Indeſſen koͤnnen die Wirthſchafte ſolcher. Maͤnner doch nur als Muſter⸗Wirth⸗ ſchaften fuͤr die Nachbarſchaft; nicht als 1 Experimental⸗Wirthſchaften, im eigentlichen ſ Verſtande des Worts, angeſehen werden. c Um Experimental⸗Wirthſchaften allgemein nutbar zu machen, müſſen ſie für das ſt Publicum immer offen ſtehen; die Berech⸗. nung und Erzählung eines jeden Verſuchs muß regelmaͤßig publicirt werden; und jede f Probe zur Mruͤfung einer beſondern Cultur⸗ k 4 methode muß mit der aͤuſſerſten Genauigkeit u angeſtellet werden. Man kann nicht erwar⸗ ſi ten, ten, daß Maͤnner von hohem Stande oder großem Vermögen, deren Auſmerkſamkeit nothwendig oft auf andre Dinge gezogen wird, ſich ganz der Verfolgung von Ex⸗ perimenten widmen ſollten. Wenn ſolche Ex⸗ perimental⸗Wirthſchaften nach dieſem Vor⸗ ſchlage einmal eingerichtet waͤren, wuͤrde ſichs durch die Evidenz der Thatſachen bald zeigen: 1) welches die beßte Art iſt, Acker⸗ land eintraͤglich zu machen, und wie die Fruchtfolge auf jeder Art von Boden ein⸗ gerichtet werden muß. 2) Welches die beßte Behandlung des Graslandes iſt. 3) Wel⸗ ches die angemeſſenſten Ackerwerkzeuge in jeder Art ſind. 4) Welches die vortheil⸗ hafteſte Race von Vieh iſt, und die vor⸗ zuͤglichſte und wohlfeilſte Methode, es aufzu⸗ ziehen, es zu futtern und zu maͤſten. 8) Welches das ſicherſte Verfahren iſt, um wuͤ⸗ ſtes und unfruchtbares Land urbar zu ma⸗ chen. Dies ſind naͤmlich die Punkte von vorzuͤglicher Wichtigkeit, die noch nicht be⸗ ſtimmt ausgemacht ſind und es nicht anders werden können, als durch Wirthſchaften nach unſerm Vorſchlage. Ihre Entſcheidung er⸗ fordert freylich eine unablaͤſſige Aufmerkſam⸗ keit eines ſehr einſichtsvollen Verwalters, und die Verſuche muͤſſen, um zuverlaͤſſig zu ſeyn, faſt mit mathematiſcher Genauigkeit an⸗ — 5*— 6 ————,————z—— — ———.— angeſtellet werden. Daher werden die Ko⸗ 6 1 ſten betraͤchtlich ſeyn. Dagegen iſt aber„ 11 auch der Vortheil für das allgemeine Beßte * von der Art, daß er alle Muͤhe und Koſten m bey weitem überwiegen wird. Wenn zum a 1 Beyſpiel die Frage: welches die beßte Art U * von Rindvieh ſey, entſchieden werden ſoll; ih ſo muß das Futter, was die zum Verſuch w aufgeſtelleten Thiere erhalten, genau gewogen„ und richtig angeſchrieben werden, um berech⸗ d nen zu können, wie viel ſie waͤhrend der is Dauer des Verſuchs verzehrt haben. Wenn le man ausmachen will, ob große oder kleine d Thiere ihr Futter am beßten bezahleu; ſo muß fi der Verſuch bey der Geburt angefangen und u fortgeſetzt werden, bis man ſie ſchlachtet. Kurz, ſi jeder Verſuch, woraus wichtige Folgerungen de gezogen werden ſollen, erfordert einen Grad ſe 5 von Aufmerkſamkeit und Stetigkeit, und eine b ſolche Dauer von Zeit, daß man dieſe nur von L einem öffentlichen Inſtitute, welches allein die⸗ g ſem Zwecke gewidmet iſt⸗ erwarten kann.“ 11 5 w u .„Manche haben den Einwurf gemacht, ſ daß es kaum moͤglich ſeyn werde, taugliche u Adminiſtratoren zu dieſem Zwecke zu finden. n Schwierig wird dies allerdings ſeyn; aber w es waͤre ſchimpflich für den öconomiſchen Stand — 297— Stand unſers Landes, wenn man behaupten wollte, ſie waͤren gar nicht zu finden. Ich kenne ſelbſt einige, die dies Unternehmen mit dem erforderlichen Fleiße und Eifer ausfuͤhren wuͤrden, und die ſelbſt durch die Uebernehmung einiger Actien Sicherheit fuͤr ihr gutes Betragen und fuͤr das Intereſſe, welches ſie an der Sache nehmen, leiſten wuͤrden, und die in jeder andern Rückſicht der Sache auch gewachſen ſind. Auch bitte ich, hier zu bemerken, daß man ſich nicht leicht eine angenehmere Lage fuͤr einen Mann denken kann, der wahren Eifer und Luſt fuͤr die Sache beſitzt, als eine ſolche Stelle; und wiederum keine, bey der ein nachläſ⸗ ſiger oder unehrlicher Menſch ſo leicht ent⸗ deckt werden koͤnnte. Er wuͤrde genöthiget ſeyn, woͤchentliche Auszuge aus dem Tage⸗ buche der Verrichtungen zu machen; die Wirthſchaftsbuͤcher würden immer offen lie⸗ gen, und die Wirthſchaft ſelbſt der täglichen Unterſuchung der Subſcribenten, und zu ge⸗ wiſſen Zeiten vielleicht des ganzen Publicums, unterworfen ſeyn. Ein Mann, der einen ſo öffentlichen Standpunkt hat, muß ehrlich und fleißig ſeyn. Wenn ihm ſeine Verwal⸗ tung gluͤckt, ſo hat er die Ehre, eine der wichtigſten oͤffentlichen Angelegenheiten voll⸗ fährt zu haben. Wenn er dagegen bey Rach⸗ * — 5*— —————— 3 — — „ Nachlaͤſſigkeiten oder Untreue entdeckt würde, ſo koͤnnte ſein Vergehen nicht verhehlet werden, und er wäre auf immer verdorben. Mit ſo vielem Antriebe, gut zu handeln, und ſo vieler Ge⸗ fahr im entgegengeſetzten Falle iſt es kaum möglich, ein ſchlechter Menſch zu werden.“ So weit Sir John Sinclair. Ob die Sache ſchon vollig zu Stande gekommen ſey, weiß ich nicht gewiß; vermuthe es aber, da bald nach der Publication derſelben 40,000 Pfund Sterling unterſchrieben waren⸗ Zu gleicher Zeit mit Sinclair⸗ that auch der beruͤhmte landwirthſchaftliche Beſchrei⸗ ber Humphry Marſhall einen Vorſchlag zur Stiftung eines landwirthſchaftlichen Inſti⸗ tuts. Es ſcheint mir nicht minder der Muͤhe werth zu ſeyn, einen Auszug aus ſeinem Vor⸗ ſchlage zu geben, und den merkwuͤrdigen Ein⸗ gang dazu hierher zu ſetzen. „Im ne — 299— „Im Stande der Ratur, wie man es nennt,“ ſagt er,„lebt der wilde Waldbewoh⸗ ner von den naturlichen Fruchten, die ihm der Wald darbietet. Er ſammlet ſie zu ihrer Zeit, und ſtreitet wegen der animaliſchen Rahrungs⸗ Mittel mit den Thieren der Wildniß. Gleich dieſen, wuͤrgen ſich die Menſchen, wenn ihnen die Natur den Unterhalt zu kaͤrglich darreicht; und ſo wird die Beroͤlkerung wieder mit der natuͤrlichen Erzeugung der Nahrungsmittel im Ebenmaaße erhalten.“ „In dieſer Rückſicht iſt die Kriegskunſt die erſte Kunſt des Lebens: Krieg und Raub ſind im wilden Zuſtande zur Erhaltung des Geſchlechts ſo nothwendig, wie im geſitteten Zuſtande der Ackerbau. Wenn man nach den uͤberwiegenden Grundſätzen europaͤiſcher Maͤchte urtheilen wollte (ſcheint es doch, als waͤren ſie ihnen grade aus dem Stande der wilden Natur uͤberliefert wor⸗ den), ſo waͤren geſittete Voͤlker jetzt noch nicht der Veraͤnderung gewahr worden, welche die Menſchheit beſtanden hat— haͤtten noch nicht entdeckt, daß nunmehr Ackerbau, nicht Vertil⸗ gung durch Krieg, das Mittel ſey, die Beduͤrf⸗ niſſe des Menſchen zu befriedigen.“ — 300— „Der erſte Schritt zur Civiliſirung iſt der Handel, wodurch die natuͤrlichen Producte eines Landes, einer Gegend, gegen die einer andern ausgetauſcht werden.“ „Der zweyte Schritt ſind einfache Manu⸗ facturen, wodurch der Nuten und der Werth der Natur⸗Producte erhoͤhet wird.“ „Dies aber ſind ſchwache Schritte, die das Menſchengeſchlecht noch wenig uͤber den Stand der wilden Natur erheben: Bevoͤlkerung wird dadurch wenig vermehrt, obgleich der Zuſtand des Menſchen etwas verbeſſert wird.“ „Es folgt das Hirtenleben. Indem es die Zahl der Hausthiere vermehrt, und die Raub⸗ thiere vermindert, befördert es die Vevolkerung, und verbeſſert den Zuſtand des Geſchlechts.“ „Aber noch iſt der Zuſtand des Menſchen wenig beſſer, wie der, in Heerden lebender Thiere. Sie wandern noch in Familien und Horden uber unbeſeſſene Wildniſſe, und ſind noch den Angriffen wuͤthender Thiere ausgeſeßt, in⸗ dem die Vevolkerung auch in dieſem Stande noch wenige Fortſchritte gemacht hat.“ „Es u in t — 55 „Es iſt die Kunſt, ſich die wilde Natur zu unterwerfen— es iſt die Kunſt des Ackerbates im ausgedehnteſten Sinne des Worts—, die das Menſchengeſchlecht zu ſeiner Beſtimmung in Zahl und Ausbildung führt.“ „Indem ſie den Voden von dem reiniget, was ohne Nutzen fuͤr den Menſchen iſt, und ihn mit Saamen beſchwängert, der Produkte fuͤr ſeine Beduͤrfniſſe erzeugt; Anban des Feldes mit Hirtenfleiß vereiniget; wird für vermehrte Bevoͤlkerung nicht blos Nahrung geſchaffet, ſon⸗ dern auch ein Zuwachs von Materialien für Ma⸗ nufacturen und Handel. Und ſo ſchlaͤgt Acker⸗ bau, Manufacturen und Hondel feſte, in einan⸗ der verwebte Wurzeln in den vaterlaͤndiſchen Boden, und vereinigt die Buͤrger durch das Vand eines gemeinſchaftlichen Intereſſe's.“ „Dies iſt die ſichere, feſte Baſis aller Staatswirthſchaft— das einzige aus⸗ dauernde Fundament des geſellſchaftlichen Zuſtandes,— auf welchem die Chineſiſche Ration viele tauſend Jahre beſtanden hat, viel⸗ leicht in einem ſolchen Grade der Ausbildung, als auf die Dauer der menſchlichen Ratur zukommt. Eine Nation, die unter der Leitung dieſer Grundſatze fortſchreitet, ſetzt ſich feſt in ihrem — 302— ihrem eigenen Voden, und vermehrt ihre Volks⸗ 3 zahl, bis ſie das volle Maaß ihrer Production 6 erreicht hat.“ „Aber, wenn eine Nation ihren eigenen Bo⸗ 2 den verabſaͤumte, und ſich der Sucht⸗ zu er⸗ l 3 obern oder entlegene Laͤnder anzubauen, uͤber⸗ ſi ließ; unter dem Vorwande des Handels, zu Freybeutern wuͤrde, und Gewerbe trieb, die den menſchlichen Character entehren, ſo mag ſie die. Welt eine Zeitlang mit ihrem Schimmer geblen⸗. det haben— aber ihr Reich iſt nur von kurzer Dauer, und ihr Fall gewiß geweſen. Die Ge⸗ ſchichte der europäiſchen Nationen iſt ſeit zwey ſ tauſend Jahren nichts als eine traurige Er⸗ zaͤhlung der Folgen thörigter Regierungs⸗Maaß⸗ ½ regeln.“——— 3„England bringt jett den Bedarf an Nah⸗ G rungsmitteln fuͤr ſeine eigene Einwohner nicht i hervor; indem ein großer Theil ſeines Vodens, der Wirkung nach, im Zuſtande der Wildniß d liegt, und ein anderer Theil zwar bebauet„ 3 wird, aber weniger traͤgt, als er tragen koͤnnte, (is under-produotive) und dies wegen e mangelhafter Bearbeitung und fehlender Ver⸗ beſſerungen, deren auch unſre beßte Wirthſchaft 4 3 noch fahig iſt.“ „Jeder —— 303— „Jeder weiß; daß noch vot wenigen Jah⸗ ren dieſe Inſel nicht viel weniger als wirkliche Hungersnoth— und das unter dem bluͤhend⸗ ſten Zuſtande des Handels— empfand. Die v Noth wird wieder kommen, wenn auch mittäg⸗ ⸗ licher Wind die Seegel unſers noch ſo ⸗ ſehr aufſchwillt.———“ n„Das ſchrieb ich,“ ſagt Marſhall, e„ehe die jetzige drohende Gefahr der Hun⸗ ⸗ gersnoth eintrat; und in dem Augenblicke, wie r unſer Handel, auf der Fußſpitze ſtehend, ſich 3 nach der ganzen Welt umher ſah, und ſie als ſein Eigenthum betrachtete.“——— „Unſer Uebergewicht im Handel und Ma⸗ nufacturen kann nicht immer ſo bleiben.— Wenn(in einem andern Reiche) die jehige Gaͤhrung ſich ſetzt; wenn der Erfindungsgeiſt in Ruhe und Sicherheit wirken kann; wenn , Induͤſtrie wieder Schutz findet; wenn die beſon⸗ dere Conſtellation von erfindenden Kopfen, de⸗ nen unſer Land den jetzigen Glanz ſeines Com⸗ 3 merzes verdankt, voruͤbergegangen iſt, und andern Gegenden Europens ſcheint: ſo werden wir nicht mehr, als unſern naturlichen Antheil am Handel, mit einigem Vortheil aus unſerer inſulaͤren Lage, behalten. Dieſer Vortheil gebuͤhrt uns mit Recht. Aber wenn wir luͤſtern 4 ₰ lüſtern nach Allem greifen werden wir —½ Alles verkieren! 4 „Nicht der Glanz einer beſondern Periode, nicht die voruͤbergehenden Plane der zeitigen Machthaber gruͤnden eine dauernde Wohlfahrt des Staats. Den Eigenthuͤmern des Grund und 1 Bodens; denen, deren Vermoͤgen im Territo⸗ 3 rium des Staats ſelbſt ſteckt, und deren perma⸗ ſ nentes Imtereſſe es alſo iſt, Wohlfahrt darauf 2 zu befordern, kommt es zu, für die innere Wohl⸗ fahrt des Staats zu ſorgen, wenn gleich die. Regierung deſſelben auſſer ihrem Wirkungs⸗ e kreiſe liegt;— kommt es zu, fuͤr den Grund des t Hauſes zu wachen, wenn ihnen gleich die Wirth⸗ 1 ſchaft darin nichts angeht.“ 13„Darum fordern Vorſchläge zur Aufhelfung b des Ackerbaues ihre Aufmerkſamkeit.“—— 1 u Marſhalls ländliches Inſtitut ſoll 1) Unterricht den Lehrlingen, 3 2) Ausbildung den ſchon Umterrichteten d geben; n S. 4 3) Wiſſenſchaften und Kenntniſſe, die auf Ackerbau Bezug haben, lehren; 4) Verſuche und Verheſſerungs⸗Methoden bekannt machen; 3) die Kunſt und Wiſſenſchaft des Landwe⸗ ſens allgemein verbreiten. „Die Lehrlinge aller Handwerke, aller Kuͤnſte und Wiſſenſchaften, finden ihre Lehran⸗ ſtalten und ihre Schulen; und die Kunſt des Ackerbaues— ſchaͤtzbarer und ſchwerer vielleicht, wie alle uͤbrigen zuſammengenommen— hat keine. Hie und da nimmt ein Landwirth wohl einen Lehrling an; aber die Gelegenheit iſt ſel⸗ ten, und wie iſt der Unterricht?“ „Nach Beendigung ſeiner Lehrjahre reiſet jeder Handwerker, jeder Kaufmann, der ſich vervollkommnen will; jeder junge Rechtsge⸗ lehrte, jeder Arzt, ſucht Erfahrung und Uebung unter der Anleitung eines beruhmten Mannes zu erlangen. Ein junger Menſch von Erzie⸗ hung und von Erwartungen, der ſich dem Landweſen widmet— wohin ſoll ſich dieſer anders wenden, als nach einem Inſtitute, wo die verſchiedenen Zweige der Landwirthſchaft mit allen Vortheilen, welche die wirklich exiſti⸗ rende Kunſt gewaͤhrt, verbunden ſind; wo er einen freyen Umgang mit den erfahrenſten Maͤnnern ſeiner Profeſſion genießt; wo er an Bdo. 2te Abtßeil. U Gele⸗ Gelegenheit hat, die mancherley ſtreitigen Punkte durch Verhandlungen und Verſuche ent⸗ ſchieden zu ſehen; wo jedes Vorurtheil mit den Wurzeln ausgerottet wird?“ „Sind die Forſchungen des Zergliederers, des Chemiſten, des Naturkundigen, dem Arzte unnütz geweſen? Haben nicht Wiſſenſchaften jede Kunſt gehoben?— Freylich kann jeder unge⸗ lehrte Bauer den Acker beſtellen. So kann auch mancher Dorf⸗Barbier Fieber— zuweilen mit recht gutem Erfolge— heilen. Aber wer wird in verwickelten Fäͤllen nicht zu einem Arzte ſeine Zuflucht nehmen, der die Kunſt nach Grundſaͤßen, aus andern Huͤlfswiſſenſchaften hergenommen, erlernt hat. Der Fiſcher, der Kuͤſtenfahrer kann an dem Ufer herunter tappen, auf welchem er erzogen ward. Aber ins offene Meer verſchlagen, iſt er den Wellen uͤberlaſſen. Der wiſſenſchaftliche Seemann kann den Ocean durchkreuzen, und die Welt umſegeln; weiß immer, wo er iſt, und wohin er will.“ „Durch die Moͤglichkeit, genaue Verſuche anzuſtellen, und mittelſt dieſer immer veue Ver⸗ beſſerungen zu entdecken, erhebt ſich die Kunſt des Ackerbaues über viele andre, ſelbſt über die Heilkunſt, womit ſie ſonſt die meiſte ſub⸗ jective —— jective Verwandtſchaft hat. Bey dieſer iſt der menſchliche Koͤrper das Verſuchfeld.“ „Haͤtte das Inſtitut keinen andern Zweck, wie den, Verſuche zu machen und Verbeſſe⸗ rungen aufzufinden, ſo wären fuͤr die engliſche Nation hundert tauſend Pfund jaͤhrlich— falls weniger nicht zureichen ſollte— mit kluger Wirthſchaftlichkeit angelegt. Eine Verbeſſe⸗ rung von Wichtigkeit wuͤrde ihr jaͤhrlich dieſe Summe bezahlen. Millionen ſind auf die Suͤd⸗ ſee⸗Inſeln, ſind auf St. Domingo verwandt; ſind fuͤr die Nation verloren, weil kaum die ent⸗ fernteſte Hoffnung da iſt, daß wir ſie zuruͤck be⸗ kommen werden. Wenige Tauſende, auf die Verbeſſerung unſerer Inſel verwandt, blieben uns doch ſicher. Das Riſico iſt ſo geringe, die Ausſicht auf Gewinn ſo groß.“ „Entdeckungen in der Heil⸗ und Wund⸗ arzeney⸗Kunſt werden durch Hoſpitäler, Kran⸗ kenhaͤuſer und mediciniſche Lehranſtalten ver⸗ breitet; die Gerichtshoͤfe nehmen neue Grund⸗ ſatze in der Erklaͤrung der Rechte, einer von dem andern, an. Verbeſſerungen des Acker⸗ baues liegen im Dunkeln, und ihre Mittheilung iſt dem Zufalle uberlaſſen. Vorzuͤgliche Me⸗ thoden ſind ſeit Jahrhunderten in dieſem oder U2 jenem 3 jenem Winkel des landes eingefuͤhrt⸗ aber uber deſſen enge Graͤnzen gekommen.“ „Bis die durch das ganze Reich zerſtreueten Vortheile in Ackerbau zu einem Ganzen verei⸗ niget, in ein Syſtem geordnet ſind, wird es 1 zur Verbreitung dieſer zerſtreueten landwirth⸗ ſchaftlichen Kenntniſſe viel beytragen, wenn die⸗ ½ ſes vorgeſchlagene Inſtitut 1 1) Regiſter haͤlt uber verſchiedene Claſſen von Verwaltern und Arbeitslenten, die Con⸗ ditionen ſuchen, und Herren, die Leute von beſtimmten Kenntniſſen ſuchen. Auch koͤnnte es auf Paͤchter, die Pachtungen ſuchen, und Verpachter, die ihre Guͤter geſchickten Heconomen anvertrauen wollen, ausgedehnt werden. Bisher hat es ſchwer gehalten, Wirthſchafts⸗Aufſeher und Paͤch⸗ ter aus ſolchen Gegenden zu bekommen⸗ wo eine beſſere i eingefuͤhrt iſt;) Inſtitute dieſer Art aufgehalten hätten und geprüft 3*) Wenn ſolche Leute ſich eine Zeitlang auf einem wären, 2) 4) wenn es eine vollſtͤndige Sammlung aller im Reiche gebraͤuchlichen Ackerwerkzeuge haͤtte, um den verhältnißmaͤßigen Werth eines jeden zu jedem Zwecke und auf jedem Voden zu pruͤfen, und damit eine Werk⸗ ſtatt fur die ſchaͤtzbarſten verbaͤnde, auch Arbeiter hätte, die den richtigen Gebrauch derſelben verſtehen, und andern lehren koͤnnen; di wenn es mancherley Abarten von Saat⸗ korn ſammlete und anbauete, ſolche auch noch mehr zu verbeſſern ſuchte, und die fuͤr jeden Boden am beßten paſſende Art den Anbauern deſſelben mittheilte; wenn es die verſchiedenen Racen des Vie⸗ hes auf ſeinen Höfen verſammlete, unter einander vergliche, und fernere Verbeſſe⸗ rungen dieſer Racen zu bewirken ſuchte; auch Regiſter hielte, wo jede Race in ih⸗ rer Reinheit zu bekommen ſey.“ Was wären, dann könnten ſie von den Aufſehern mie Sicherheit nach entfernten Orten empfohlen werden⸗ Bloße Einſchreibung in die Regiſter würde aber wenig fruchten. — 310— Was Marſhall uͤbrigens von der Lage. der Ausdehnung, der Bebauung, den Lehrern, den Koſten u. ſ. w. ſagt, welche dieſes Inſtitut in England erforderte, iſt fuͤr teutſche Leſer zu wenig intereſſant, als daß ich es hier ausziehen ſollte. Ob Marſhall's Vorſchlag, zugleich mit dem von Sinclair, Bevyfall und Unter⸗ ſtuͤzung gefunden habe, iſt mir bis auf dieſe Stunde unbekannt. Der Board of Agriculture hat, ſo wie ich ihn nach ſeiner erſten Einrichtung und ſeiner da⸗ maligen Tendenz beſchrieb, die Aufmerkſamkeit vieler erhabenen Perſonen in Teutſchland auf ſich gezogen. Man hat von mir noch genauere Erlaͤuterungen uͤber die Einrichtung dieſes Col⸗ legiums, man hat Vorſchläge gefordert. Ich habe daher einigen Veruf, hier oͤffentlich meine Gedanken uͤber die Einrichrung eines aͤhnlichen Inſtituts in teutſchen Staaten, ohne jedoch Ruͤckſicht auf beſondre Verfaſſung zu nehmen, zu ſagen. Ueben — 311— Ueber gewoͤhnliche Landwirthſchafts⸗Geſell⸗ ſchaften habe ich mich S. 49 des erſten Theils dieſes Werks geaͤuſſert. Ich finde keinen Grund, mehr hinzuzufuͤgen. Ein Inſtitut, welches die Zwecke des Boards of Agriculture erfuͤllen ſoll, muß bey der Regie⸗ rung des Landes mehreren Einfluß haben, muß bey der Geſeßgebung als conſultatives Colle⸗ gium mitwirken, und allgemein in groͤßerer Achtung ſtehen. Der Ackerbau und die Landwirthſchaft ſteht zwar in den meiſten Staaten als oͤffentliche Angelegenheit unter einiger Aufſicht der Regie⸗ rungen und der Cammern. Aber mehrentheils fehlt es den Staats⸗ und Geſchaͤftsmaͤnnern, woraus dieſe zuſammengeſetzt ſind, an Kenntniß des gewoͤhnlichen Betriebs dieſes Gewerbes, viel mehr an deutlichen Begriffen von ſeiner moͤglichen Verbeſſerung. Man erkennt es wohl als das wichtigſte aller Gewerbe, als die Grundlage der buͤrgerlichen Geſellſchaft und der Wohlfahrt des Ganzen an. Allein es iſt den Maͤnnern, die an Hoͤfen und in Städten woh⸗ nen, zu weit aus den Augen geruͤckt, um ihre Aufmerkſamkeit genugſam zu erregen. Faſt alle Rechtsgelehrte, aus denen bey uns die Ge⸗ Geſchäftsmaͤnner gewoͤhnlich genommen werden, betrachten den Ackerbau noch aus dem Geſichts⸗ punkte des Feudal⸗Syſtems; als ein Gewerbe, was nicht den Edlen und Gelehrten der Nation, ſondern nur den Unterthaͤnigen und Dienſtleuten ziemt und PVortheil bringt; ſie nehmen den Unterſchied nicht wahr, der im Betriebe dieſes Gewerbes, bey der jetzigen Vermehrung der Volkszahl, bey dem ausgedehnten Handel, ver⸗ mehrten Manufacturen, großen ſtehenden Hee⸗ ren, erhoͤheten Beduͤrfniſſen und Luxus, allge⸗ mein verbreiteten Reichthum, gegen vormalige Zeiten eintreten muß, wo der Ritter auf ſeiner Burg ſo viel Getreide von ſeinen Dienſtleuten erbauen ließ, als er zum Unterhalte ſeiner Fa⸗ milie und zum Austauſch einiger Waaren aus der naͤchſten Stadt gebrauchte. Carls des Großen capitulare de villis er curtis imperatoris— vielleicht ein Meiſterſtͤck damaliger Zeit— iſt ihnen noch Muſter einer guten Adminiſtration der Domainen. Die Sorge fuͤr die Erlaſſung der noͤthigen Verordnungen, fuͤr die Anſtellung der Beamten, fuͤr die Verpachtungen, für die Unterſuchung und Abnehmung der Regiſter, fuͤr die Betreibung der Rechtsſachen, um⸗ ſchließt den Zirkel ihrer Geſchaͤfte in dieſer Hinſicht. In In einigen Staaten hat man beſondere Heconomie⸗ und Landesverbeſſerungs⸗Collegien errichtet. Sie ſind ohne Zweifel zweckmaͤßiger, und haben manches Gute geſtiftet. Aber auch dieſe beſtehen mehrentheils aus Staats⸗ und Geſchaͤftsleuten, und erhalten nur einſeitige An⸗ ſichten von den Verhaͤltniſſen des Landweſens. Dienſtalter und Dienſtverhaͤltniſſe bringen leicht ein dem Zwecke heterogenes Perſonale in ſolche Kollegia. Mancher ſucht, ohne wahren Beruf fuͤr die Sache zu fuͤhlen, eine Stelle darin, um der Beſoldung, des Ranges, des Einfluſſes willen. Oft iſt das aͤuſſere Anſehen, worin ſolche Collegia ſtehen; die Curialien, die beob⸗ achtet werden muͤſſen, einer freyen und offenen Mittheilung der Gedanken hinderlich. Viele ſuchen ſich durch ihre Verichte nur einzuſchmei⸗ cheln, geben den Zuſtand der Sachen beſſer an, als er wirklich iſt, richten ihren Vortrag nur nach dem vermeintlichen Sinn und Gefallen des Collegiums ein. Man erhaͤlt alſo mehr unbe⸗ ſtimmte, ſchwankende Wendungen, als reine Wahrheit und freymuͤthige Beurtheilung. Auch der ehrlichſte Mann beſorgt, durch manche Er⸗ oͤffnungen und Vorſchlaͤge zudringlich und vorlaut zu ſcheinen. Dazu kommt, daß ein ſolches Collegium, wenn es auch nur durch die Majoritaͤt ſeiner Mitglieder mit der Regierung oder Domainen⸗ Cammer in naher Verbindung ſteht, entweder wirklich ſeine Abſicht auf eine unmittelbare Vermehrung der öfſentlichen Einkuͤnfte richtet — die doch erſt mittelbar aus vermehrter Be⸗ volkerung, Production und Wohlſtand erfolgen ſollte—, oder daß man dieſes wenigſtens im Lande argwohnt. Dies erzeugt unfehlbar Mißtrauen, und iſt hinreichend, bey den Unter⸗ thanen eine Abneigung gegen jede Verbeſſerung und Reuerung hervorzubringen. Iſt ein⸗ mal ein ſolches Mißtrauen entſtanden, ſo hilft der beßte Wille, ſo helfen wirkliche Aufopferungen des Fuͤrſten nicht, um bezweck⸗ ten Berbeſſerungen Eingang zu verſchaffen, Der Unterthan glaubt, im Hinterhalte eigen⸗ nutzige Abſichten zu ſeinem Schaden zu ent⸗ decken. Ein ſolches Collegium muß, meines Erach⸗ tens, kein vornehmes Anſehen, wenig aͤuſſern Glanz haben. Es hat ja weder ausuͤbende noch geſetzgebende Macht zu verwalten! Dage⸗ gen muß es moͤglichſt viele Popularität bey den Unterthanen, Achtung bey den fürſtlichen Be⸗ dienten auf dem Lande, und Zutrauen beym Fuͤrſten und bey der Regierung finden. Die Mitglieder konnen Leute jedes Standes, jedes Ranges und jeder Profeſſion ſeyn. Thätigkeit, Pa⸗ — 55— Patriotismus und Reigung fuͤr die Sache muß allen eigen ſeyn. Sonſt koͤnnen ſie ſich in ſolche, die Kenntniß des landwirthſchaftlichen Gewerbes, und in ſolche, die Kenntniß der Landesverfaſſung beſitzen, theilen. Alle muͤſſen jedoch wiſſenſchaftliche Kenntniſſe und eiuen zum Denken gewoͤhnten Kopf beſitzen. Unter Gutsbeſitzern, angeſehenen Paͤchtern, vorur⸗ theilsfreyen Rechtsgelehrten, abgegangenen Officiers. Ackerbau treibenden Landpredigern, auch Aerzten und Naturforſchern, wird man in jedem Diſtricte des Landes ſchon einen oder den andern finden, der ſich zum Mitgliede dieſes Collegiums qualificirt. Denn ſo viel moͤglich muß aus jedem Hauptdiſtricte einer darin ſeyn. Beſoldung erhalten die Mitglieder nicht; aber Reiſekoſten nach Verhaͤltniß der Entfernung und zureichende Diäten muͤſſen ſie, ſo oſt ſich das Collegium zu beſtimmten Zeiten verſammlet, haben. Denen, welche ſich durch beſondre Thaͤtigkeit auszeichnen, koͤnnte der Landesherr nach ſeinem Ermeſſen Gratificationen geben, wozu durch Praͤbenden, Lehnsanfaͤlle u. dgl. in den meiſten Staaten Gelegenheit iſt. Uebrigens hat das Collegium einen beſtimmten jaͤhrlichen Etat, den es auf die ihm am am zweckmaͤßigſten ſcheinende Art verwenden kann. Dieſer Etat braucht nicht groß zu ſeynz denn wenig Geld, mit Ueberlegung am rechten Orte angewandt, kann ſehr große und weit ver⸗ breitete Senſation erregen. Wenn man auf⸗ eine Million Menſchen, die ein Staat enthielte, dem Collegio jaͤhrlich 3500 Thaler bewilligte, ſo braͤchte dies ohngefaͤhr auf jeden Kopf einen Pfenning. Und wahrlich, es muͤßten doch ſchlechte Einrichtungen ſeyn, wenn dieſes Colle⸗ gium durch verbeſſerte Cultur und erhoͤhete Pro⸗ duction nicht bald jedem Kopfe 100 Pfennig Vortheil des Jahrs braͤchte. Als Principium muß angenommen wer⸗ den, daß kein Mitglied von der Verwendung dieſes Fonds directen Vortheil ziehen konne. Die Rechnung nimmt die Regierung ab; dieſe kann aber nur Erinnerungen machen, wenn gegen Principia gehandelt iſt. Den Praͤſidenten ernennt der Landesherr. Sowohl um der Verbindung willen, worin die⸗ ſes Collegium mit dem hoͤchſten Directorio ſtehen muß, als der Achtung wegen, welche Beamte und fuͤrſtliche Bediente auf dem Lande dafuͤr haben muͤſſen, wurde ich immer rathen, einen Staatsminiſter, und zwar denjenigen, welcher dem dem Departement des Innern, der Policey und Landes⸗Oeconomie vorſteht. Er kann den Sit⸗ zungen des Collegiums beywohnen, oder ſich daraus referiren laſſen, und hat in jedem Falle ein votum negativum oder suspensi- vum, bis es zur hoͤchſten Entſcheidung kommt. Active aber hat er nur das letzte Votum, damit die Unbefangenheit der uͤbrigen Stimmen nicht geſtoͤret werde. Die eigentliche Direction der Geſchäfte führt aber ein Director, der von den Mitglie⸗ dern erwählt wird, aber vom Landesherrn be⸗ ſtaͤtiget ſeyn muß. Auch die neuen Mitglieder werden von den älteren gewaͤhlt, koͤnnen aber vom Landesherrn verworfen oder beſtätiget werden. Auf eben die Weiſe wird auch der Secretair angeſtellet. Dies muß nothwendig ein Mann ſeyn, der von allen Gegenſtaͤnden des Colle⸗ giums die gruͤndlichen Kenntiſſe hat, und mit Neigung dafür beſeelt iſt. Er dayf keine andre Bedienung bekleiden, die ihm viele Geſchäfte macht. Er wird ſalarirt. Unter ihm ſteht ein Concipient und ein Schreiber. — . — * 5 4 4 ————————————— Die Zahl der Mitglieder kann nach Ver⸗ haͤltniß der Groͤße des Landes und des Etats auf 6 bis 12 geſetzt werden. Auſſerdem hat dieſes Collegium in allen Gegenden des Landes Correſpondenten, deren Anzahl zwar willkuͤhrlich iſt, jedoch nicht zweck⸗ los vermehrt werden darf. Bey der Wahl derſelben muß ſorgfaͤltig verfahren, und nur Maͤnner, die neben den erforderlichen Kennt⸗ niſſen einen untadelhaften Ruf und Character beſitzen, zugelaſſen werden, damit dies eine ehrenvolle Auszeichnung bleibe. Das Colle⸗ gium hat das Recht, ſie ohne anzugebende Urſache von der liſte der Correſpondenten aus⸗ zuſtreichen. Auch kann das Collegium auswärtige oder Ehren⸗Mitglieder haben, die jedoch nie blos des Anſehens wegen, ſondern nur in Ruͤck⸗ ſicht der von ihnen zu erwartenden Nachrich⸗ ten, Vorſchlägen und Huͤlfsmittel zu waͤh⸗ len ſind. Alle auf dem Lande befindliche herrſchaft⸗ liche Bediente, deren Dienſtverhaͤltniſſe und Dienſtpflichten Bezug auf allgemeine Hecono⸗ mie⸗Angelegenheiten haben, ſind ſchuldig, die geforderten Nachrichten, in ſo fern ſie jene allge⸗ en hl ur ſt⸗ ter ne le⸗ de — er os uf allgemeine Angelegenheiten betreffen, dem Col⸗ legium mitzutheilen, wenn ſie unter der Unter⸗ ſchrift des Präſidenten von ihnen gefordert worden, wobey dann eine das Geſchaft moͤg⸗ lichſt erleichternde Form zu waͤhlen iſt. Das Collegium ſucht ſich durch Einziehung ſolcher Nachrichten in den Stand zu ſetzen, dem General⸗Directorium, der Landes⸗Regie⸗ rung, oder dem Fuͤrſten ſelbſt, uͤber alle, die Deconomie betreffende Angelegenheiten ſichere Rachrichten und Gutachten zu geben, auch zur Verbeſſerung der Landwirthſchaft und Vermeh⸗ rung der Production gutachtliche Vorſchlaͤge zu thun. Dieſe werden uͤber alle die Feld- und Ackerpolicey, den Kornhandel, den Verkehr mit andern Lebensmitteln betreffende, oder darauf Einfluß habende Geſeße und Verfuͤgun⸗ gen, theils ausdrücklich von dieſem Collegium gefordert, theils ungefordert erwartet. In den meiſten Ländern würde die Vorbereitung einer allgemeinen und beſtimmten Geſetgebung uͤber die Gemeinheitstheilung einen Hauptge⸗ genſtand ſeiner Arbeiten ausmachen. Das Collegium ſucht übrigens das, was nach Beſtreitung der fixirten Ausgaben von dem ihm angewieſenen jahrlichen Etat ubrig bleibt, zur Verbeſſerung und Aufmunterung des practi⸗ ſchen — 320— ſchen Ackerbaues aufs zweckmäßigſte in allen Diſtricten und Gegenden des Landes zu ver⸗ wenden. Verſuche und neue Entdeckungen liegen auſſer der Sphaͤre dieſes Collegiums. Nur zuverläͤſſige und genugſam als nötlich beſtatigte Operationen ſucht es an den Orten bekannt zu machen und zu befoͤrdern, wo ſie hingehoren, und mit uͤberwiegendem Vortheil ausgeubt werden koͤnnen. Praämien von ge⸗ wöhnlicher Art haben, wie die Erfahrung gelehrt hat, wenig ausgerichtet⸗ Auffſtellung von Beyſpielen aber iſt nach einiger Zeit immer wirkſam geweſen. Wenn daher ein Beyſpiel nach einem nicht zu kleinlichen Maaßſtabe, wel⸗ cher den Verhaltniſſen und dem Boden angemeſ⸗ ſen iſt, von einem thaͤtigen und geſchickten Mann irgendwo aufgeſtellet werden kann, ſo hat ſol⸗ ches einen Anſpruch auf eine betraͤchtliche Unter⸗ ſtützung aus dieſer Caſſe. Es braucht nichts Reues, nichts an andern Orten Ungewoͤhnliches zu ſeyn, wenn es nur dort unbekannt iſt, und wenn der Nutzen und der gute Erfolg deſſelben nach genauer Erwägung der Ortsverhaͤltniſſe unbezweifel iſt. Die Herbeyſchaffung und Aus⸗ theilung nüchlicher Saͤmereyen nicht umſonſt⸗ ſondern nur zu herabgeſesten Preiſen, iſt ohne Zweifel zur Verbreitung des Anbaues, beſon⸗ ders der Futterkrauter, hoͤchſt wirkſam. Die Einfuhrung beſſerer Ackerwerkzeuge— L uge ——— O————„ — Pfluge an ſolchen Orten, wo der eingefuͤhrte Pflug an ſich fehlerhaft, oder dem Boden nicht angemeſſen iſt, und folglich viele Zeit- und Kraftverſchwendung koſtet— der Pferdehacken, der mancherley Schaufelpfluͤge, wodurch ſo unſaͤglich viele Arbeit erſparet, der Anbau der nuͤtzlichſten Gewaͤchſe ſo erleichtert, die Cultur des Bodens befoͤrdert, das Unkraut vertilgt werden kann u. ſ. w.—, kann einzig und allein dadurch erreicht werden, daß man ſolche In⸗ ſtrumente thaͤtigen und kluͤgeren Landwirthen nicht nur ſchenket, ſondern auch demjenigen Ackersmann, der ſich an ihren Gebrauch ge⸗ woͤhnt, eine Belohnung giebt. Nur muß man ja Sorge tragen, daß dies Werkzeug dem Boden des Orts angemeſſen ſey; ſonſt wird die Neigung zu Verbeſſerungen dadurch mehr unterdruͤckt, als gehoben. Bewaͤſſerungs⸗ und Abwaͤſſerungs⸗Anlagen wuͤrden wohl in den meiſten Provinzen Teutſchlands ein ſehr wichti⸗ ger Gegenſtand fuͤr ein ſolches Collegium ſeyn, und die Unterſtuͤtungen aus der Caſſe, wodurch es die erſten Beyſpiele dieſer Art an jedem Orte ermuntert, wuͤrden fuͤr den Staat tauſendfältige Zinſen tragen. Die Verbeſſerung der Viehzucht durch Einfuͤhrung beſſerer, aber dem Locale angemeſſener, Racen kann oft durch die Anlage einer maͤßigen Summe erreicht werden, wenn ſie zweckmaͤßig geſchiehet. an Bot. 2te Abtheil. Doch — 322— Doch es wuͤrde hier zu weit fuͤhren, die 1 mancherley Wege anzuzeigen, die ein ſolches Collegium zur Einfuhrung einer beſſeren Landes⸗ Cultur mit maͤßigen Summen bahnen konnte. Ich wollte nur zeigen, daß man keine Kleinlich⸗ keiten aufzuſuchen brauche, die auf das Ganze wenig Einfluß haben, und die Induͤſtrie des Landvolks von dem Rützlichern ab⸗ in minder wichtige Canaͤle leiten wurden. Wohl allent⸗ ſ halben iſt noch genug in ſolchen Stücken zu thun, die auf die Production der nuͤtzlichſten Artikel weſentlichen Einfluß haben, und die Nahrung, die Vevoͤlkerung und den Reichthum des Staats auf die ſicherſte und unwandelbarſte Art. vermehren koͤnnten. Die verſchiedenen Verfaſſungen und Ver⸗ 3 hältniſſe jedes Staats erfordern zu mancherley 4 Modificationen, als daß ich mich auf ſpeciellere Vorſchläge einlaſſen koͤnnte. Das Weſentliche beſteht, meines Erachtens, darin, daß ein ſolches Collegium moͤglichſt unabhaͤngig, mit ſachkundigen erfahrnen Mitgliedern beſetzt ſey, und das Zutrauen des Landvolks habe; für ſich zwar keine geſetgebende oder ausubende Macht beſitze, bey dieſer aber in Anſehen und Einfluß ſtehe; ſo daß wenigſtens ſein Rath und ſeine Vorſchläge bey allen Sachen dieſer Art gehoͤrt würden. Daß mit einem ſolchen Collegium die Er⸗ richtung eines landwirthſchaftlichen Experimen⸗ tal⸗ und Lehr⸗Inſtituts ſehr zweckmaͤßig verbun⸗ den werden koͤnne, verſteht ſich von ſelbſt. Ich habe im Anhange zum zweyten Capitel der Einleitung einen ſolchen Plan entworfen, worin ich jedoch jetzt manches abaͤndern wuͤrde. Ich habe aber in dieſem Aufſatze meinen Leſern ſchon ſo viele Plane vorgelegt, daß ich ſie billig damit verſchone. IX. Gemeinheiten, und Theilung derſelben. (Sur 1ſten Aufl. S. 64.3 2ten Aufl. Se 62.) Faſt üͤber ganz Europa herrſchte noch vor hun⸗ dert Jahren ein Syſtem der Feldeintheilung, deſſen allgemeine Gleichfoͤrmigkeit zu bewundern waͤre, wenn man nicht bedächte, daß alle Na⸗ 3 3 tionen faſt auf gleiche Weiſe aus dem noma⸗ diſchen Hirtenleben in den Stand des Acker⸗ baues uͤbergegangen waren. Vermuthlich brachen herumziehende Hirten zuerſt nur hie und da ein Stuck Landes auf, baueten ein oder zwey Mahl Korn darauf, und verlieſſen es wie⸗ der, der, wenn die Kraft deſſelben erſchoͤpfet war, oder ſie ſich weiter zu ziehen bewogen fanden. So wie ſich aber die Menſchen vermehrten, und jedem der weite Raum nicht mehr offen ſtand, ſuchte jeder in dem Beſitze ſeines Grund und Bodens ſich zu erhalten, und ſo ward dieſer zuerſt Eigenthum. Jedoch vorerſt wohl nur das beackerte und in Cultur geſetzte, dann das zu Wieſen eingehegte Land. Auf dem nicht in Beſiß genommenen blieb freye offene Weide fuͤr jedermann, der ſie benutzen wollte. So wie ſich Ort⸗ und Voͤlkerſchaften, meh⸗ rentheils unter der Herrſchaft eines gluͤcklichen Kriegsanfuͤhrers, der ihnen ihren Grund und Boden erobert hatte und beſchuͤtzte, vereinigten, blieb auch die Venutßung der Hut und Weide nicht jedem, ſondern nur denen frey, welche ſich durch bisherige Ausuͤbung in den Beſitz derſelben geſetzt hatten. In Anſehung des Ackerlandes hatte man bemerkt, daß es ſich bald erſchoͤpfe und ver⸗ wildere, wenn es alle Jahre Kornfruͤchte trage, und dann mit Vortheil nicht mehr beſtellet werden koͤnne. Man ließ es daher ein oder mehrere Jahre liegen, und in dieſen Jahren wehrte man Keinem aus der Gemeinde die freye Benutzung zur Weide. So wie Menſchen und — 326— und Vieh ſich mehrten, und die Weide enger wurde, ward auch dieſer Gebrauch zum Recht, welches man um ſo weniger ſtreitig machte⸗ da man an eine andre Benutzung des Ackers in dieſen Ruhejahren noch nicht dachte. Auf Boden von mittlerer Guͤte zeigte ſich faſt allgemein, daß er zwey Kornfruͤchte mit Nutzen abtrage, im dritten Jahre aber be⸗ traͤchtlich zuruͤckſchlage. Und daher iſt auf ſolchem Boden die Dreyfelder⸗Ordnung, wo im dritten Jahre der Acker braach lieget, mit wenigen Ausnahmen, in Europa faſt durch⸗ gehends eingefuͤhrt. So wie ſich die buͤrgerliche Verfaſſung — nicht nach Gruͤnden der Vernunft, ſondern durch Krieg und Recht des Staͤrkeren— mehr ausbildete, ward dieſer eingeführte Gebrauch zum Geſetz unter dem Schutze des Stäͤrkeren. Mehrentheils maaßte ſich dieſer das Grund⸗ eigenthum des eroberten, oder gegen feindliche Aufälle beſchuͤtzten Bodens an, und ver⸗ theilte es unter die Anbauer nur zur Be⸗ ſtellung. Und bey dieſer Vertheilung des Acker⸗ landes ſchien man es ſich zur Norm gemacht zu zu haben, die Felder der verſchiedenen Einhaber in moͤglichſt kleinen Stuͤcken unter einander zu miſchen. Denn faſt durch ganz Europa findet man dieſe Vermiſchung, wo ſie in neuern Zeiten durch Umtauſch nicht aufgehoben iſt. Was die Urſache der Allgemeinheit dieſer Einrichtung war, laͤßt ſich kaum beſtimmen. Hatte man die Abſicht, den Boden, wie ſeiner Flaͤche, ſo auch ſeiner Guͤte nach, moͤglichſt gleich zu ver⸗ theilen, damit keiner zuruͤckgeſetzt werde— auf manchen Feldfluren war dieſes doch nicht noͤthig;— Oder wollte man dadurch in jenen unſichern Zeiten mehreren Gemeingeiſt erwecken, und die Glieder einer Feldgemeinde zu mehre⸗ rer Wachſamkeit und gemeinſchaftlichen Wider⸗ ſtand gegen oͤffentliche und heimliche Verwuͤ⸗ ſtungen bewegen; da ſonſt jeder nur auf das Seinige geachtet, um das andre ſich aber nicht bekuͤmmert haben wuͤrde?— Ein beſonderer Grund, warum die Zerſtuͤckelung noͤthig ſey, wird in einem alten Documente eines Kloſters aus dem 14ten Jahrhunderte angegeben: die Leute wuͤrden ſonſt groͤßere Breiten nicht beſtel⸗ len, ſondern ſie vortheilhafter zur Weide benutzen, und folglich kein Zehnten davon erfolgen! Welches auch die urſpruͤngliche Urſache dieſer Einrichtung ſey, ſo ward ſie doch zu einer all⸗ — 328— allgemein verbreiteten Gewohnheit; und Ge⸗ wohnheit hat eine ſolche Gewalt, daß noch in den neueſten Zeiten an einigen Orten zerſchla⸗ gene Domainen⸗Guͤter nach dieſer Methode ver⸗ theilt worden ſind. In dieſer Einrichtung aber, wo das zum Ackerbau beſtimmte Land ausſchließlich zum Kornbau— mehrentheils in der Ordnung von Braache, Winterfeld, Sommerfeld— benutzt wird,— da Braache, der Regel nach, nicht beſtellet, ſondern von den Triftberechtig⸗ ten behuͤtet wird; wo ein anderer Theil des Grund und Bodens zu beſtaͤndiger, mehren⸗ theils gemeinſchaftlicher Weide unaufgebrochen liegt, und noch ein anderer Theil zur Gewin⸗ nung des Winterfutters, entweder beſtändig, oder nur drey bis vier Sommermonate hin⸗ durch, mit der Viehweide verſchont wird— beſteht jenes, durch ganz Europa und auch in England von altersher eingefuͤhrte Feldſyſtem, welches man— weil drey Felder das gewoͤhn⸗ lichſte ſind— die Dreyfelder⸗ oder die Felder⸗ Wirthſchaft nennt. Ihr entgegen ſteht die Schlag⸗ oder Wechſel⸗Wirthſchaft, wo aller Grund und Boden, der dem Pfluge nicht un⸗ uͤberwindliche Schwierigkeiten in den Weg legt, abwechſelnd zum Kornbau und zum Viehfutter benutzt wird, und in groͤßeren Breiten oder Kop⸗ Koppeln, als privatives, mit keinen Servituten belaſteres Eigenthum, liegt. Es giebt alſo bey dem Felder⸗Wirthſchafts⸗ Soſteme zweyerley Arten von Gemeinheiten. Die erſtere findet in Anſehung der Aecker ſelbſt Statt; dieſe ſind naͤmlich zwar das Eigenthum eines Einzelnen, aber doch in Anſehung ihrer Benutzung gewiſſen Einſchraͤnkungen unterwor⸗ fen, vermoͤge des Rechts, welches ſich andre auf eine Rebennutzung erworben haben, die mehrentheils in der Behuͤtung der Stoppel und Braache beſtehet. Die Englaͤnder nennen daher ſolche Aecker commonable oder open fields, gemeinheitliche oder ofſene Felder; im Gegenſatze der inclosed fields oder inclo- sures, der geſchloſſenen, privativen Felder. Eine gleiche Bewandtniß hat es in Anſehung der Wieſen. Die zweyte Art der Gemeinheit, wo naͤmlich der Grund und Boden, in Anſehung der Venutzung, keinen individuellen Eigen⸗ thuͤmer hat, ſondern von mehreren entweder nach Willkuͤhr oder nach gewiſſen Regulativen, mehrentheils zur Hut und Weide benutzt wird, nennen ſie Commons, Gemeinheiten im ei⸗ gentlichern Verſtande. Dieſe Einrichtung, welche ſich noch aus dem rohern Zuſtande der buͤrgerlichen Geſell⸗ ſchaft — 330— ſchaft und des Ackerbaues herſchreibt, wird zwar jeßt wohl allgemein als nachtheilig und druͤckend für den Staat und den Einzelnen anerkannt;z man fuͤhlt aber den Rachtheil derſelben an den meiſten Orten noch nicht lebhaft genug, um die Schwierigkeiten, welche ſich hier in geringerer, dort in groͤßerer Zahl, der Auſhebung derſelben entgegen ſtellen, mit Muth und Anſtrengung zu uͤberwinden. In denen Laͤndern, wo die Gutsherren das Eigenthum des Grund und Bodens ſich vor⸗ behalten hatten, und dem mehrentheils noch leibeigenen Bauern ſeine Felder nur nach Will⸗ kuhr eingaben und wieder nehmen konnten, fand die Aufhebung dieſer Einrichtung nur geringe Schwierigkeit. In denen Laͤndern aber, wo Cultur und Humanitat fruͤher Fort⸗ ſchritte gemacht hatten, und der Bauer ein freyer Eigenthuͤmer geworden war, iſt die Sache verwickelter, und ohne Einmiſchung der geſetz⸗ gebenden Macht faſt nie zu Sande zu bringen. Daher haben jene Laͤnder in Anſehung des Ackerbaues und der Production große Vorzuͤge vor dieſen erlangt, die ihnen, wenn ſie gehoͤrig benutzt werden, ein großes Uebergewicht an Reichthum, Bevoͤlkerung und innerer Staͤrke geben können. Das holſteiniſche und mecklen⸗ burgiſche Schlagwirthſchafts⸗Syſtem iſt zwar an — 3— an ſich noch nicht die beſtmögliche Bewirthſchaf⸗ tung; allein es iſt die Baſis derſelben, welche dem Felder⸗Syſtem durchaus fehlt. In England hat man dies ſeit Anfang des verfloſſenen Jahrhunderts ſchon lebhaft gefuhlt, und Aufhebung der Gemeinheit, die man im Al'gemeinen Einſchlieſſung(Gnclosure) nennt. moͤglichſt zu bewirken geſucht. Allein auch dort ſind die Schwierigkeiten unter mancherley Verhaͤltniſſen ſo groß geweſen, daß noch uͤber die Haͤlfte der Ackerfelder eingeſchloſ⸗ ſen in dem Dreyfelder-Syſteme liegt; eigentliche Gemeinheiten aber, oder wuͤ⸗ ſtes Land, noch in ungeheurer Menge vor⸗ handen iſt. Was in dieſer wichtigen Angelegenheit in England gethan, verhandelt, vorgeſchlagen, und zuweilen aus falſcher Anſicht der Sache, oft aus niedrigen, egoiſtiſchen Bewegungs⸗ gruͤnden, vereitelt worden iſt, verdient in mancher Ruͤckficht auch in Teutſchland bekannt und erwogen zu werden. Wie eigentlich das Verhaͤltniß des un⸗ angebaueten und der Gemeinheit wegen ganz vernachlaͤſſigten Landes gegen das an⸗ gebauete ſey, iſt, meines Wiſſens, noch nicht **— ————————— „ 5 Ln—— — 332— nicht genau beſtimmt worden. John Sin⸗ clair's Angabe, die ich in der Vorrede des 2ten Theils dieſes Werks uͤber engliſche Landwirth⸗ ſchaft, Seite x1r, angefuͤhrt habe, ſcheint mir doch nunmehr wohl etwas uͤbertrieben zu ſeyn. In⸗ deſſen iſt, nach den in den Reports an den Board of Agriculture enthaltenen beſtimmten Angaben, ſo viel gewiß, daß eine erſtaunliche Menge von naturlich gutem Boden, der ſeine Urbarmachung, Abwaͤſſerung und Anbau reichlich bezahlen wuͤrde, noch in einem wuͤſten Zuſtande liegt, und den Intereſſenten ſowohl, wie der Nation, wenig oder gar keinen Nutzen bringt. Es hat, nach den beſtimmteren Angaben, ſo wie nach dem Urtheile aller Sachkundigen in England, gar keinen Zweifel, daß, wenn dieſe Gemein⸗ heiten getheilt, verkoppelt, urbar gemacht, und nach dem in England anerkannt beſſeren Acker⸗ Syſteme bewirthſchaftet wuͤrden, dieſes Reich nie Mangel an Lebensmitteln haben, ſondern wieder eine große Menge ausfuͤhren, oder aber ein Drittel Menſchen mehr, wie jetzt, ernaͤhren koͤnnte. um eine Gemeinheitstheilung und Verkop⸗ pelung oder Einſchlieſſung der Felder zu be⸗ wirken, giebt es in England zwey Wege. Entweder muͤſſen alle Intereſſenten ihre ein⸗ ſtimmige Einwilligung dazu geben⸗ gewiſſe Land⸗ — 36— Landvermeſſer und Bonitirer beſtellen, Schieds⸗ richter ernennen, und dann die Sache gericht⸗ lich beſtäͤtigen laſſen; oder aber, es muß eine beſondre Parlaments⸗Bill dazu ausgewirkt werden, welche, wenn die Haupt⸗Intereſ⸗ ſenten darum nachſuchen, nicht leicht verwei⸗ gert wird. Auf die eine oder die andre Weiſe ſind auch in England im vorigen Jahrhundert ſehr viele Theilungen bewirkt worden. In manchen Gegenden war das Intereſſe ſo wenig verwickelt, daß erſtere Art hinreichte; in andern der Gegen⸗ ſtand von ſolcher Bedeutung, daß die zweyte Art durch ihre Weitlaͤuftigkeit und Koſten nicht abſchreckte. Bey dem bisher ungetheilten ſcheinen aber groͤßere Schwierigkeiten obzu⸗ walten; wenigſtens beklagt man ſich allgemein daruͤber. Eine anſcheinende Einwilligung aller Intereſ⸗ ſenten einer Gemeinheit giebt jetzt, wenn keine foͤrmliche und gerichtlich beſtätigte Auseinander⸗ ſetzung und Abfindung aller Gerechtſamen vor⸗ ausgegangen, keine Sicherheit. Der erſte, der eine ſolche Verabredung wieder brechen will, ſtoͤßt alle getroffene Einrichtungen uͤber den Haufen. Die Reports ſind voll von ſolchen Faͤllen, deren ich nur etliche anfuͤhren will: Man Man hatte an einem Orte, mit Genehmigung aller bekannten Intereſſenten, verſchiedene Ein⸗ zaͤunungen vorgenommen, und die gepflanzten Hecken waren ſo weit gekommen, daß ſie bald einen dichten Zaun bildeten. Ein Menſch aber, der das Recht hatte, etliche Schaafe auf die Stoppel zu treiben, kommt und reißt die Hecken mit der Wurzel aus.— Durch eine Ueber⸗ einkunft aller Glieder einer Gemeinde wurden ſchon ſeit 18 Jahren auf einer Feldflur Klee und Huͤlſenfruͤchte in der Braache gebauet. Ein Menſch, der ſechszehn Acres Land gepach⸗ tet hat, kauft ſich im May eine Heerde magerer Schaafe, faͤllt damit ins Feld, und hutet den in voller Bluͤthe ſtehenden Klee und Hälſen⸗ fruͤchte ab, ohne daß jemand es ihm wehren kann.— In Buckinghamſpire herrſcht auf einigen Fluren die tolle Gewohnheit, ein Jahr um das andre Braache zu halten. Die Intereſ⸗ ſenten einer Flur vereinigten ſich dahin, daß ſie nur um das dritte Jahr Braache halten, und zwey Erndten danach nehmen wollten. Nach⸗ dem dies etliche Jahre zu Aller Zufriedenheit beſtanden hatte, tritt ein Farmer auf, ſagt: „dies gefiele ihm nicht mehr,“ und treibt ſein Vieh in die Fruͤchte, welche auf dem Theile des Feldes ſtanden, der nach der vormaligen Ein⸗ richtung in dieſem Jahre haͤtte braach liegen muͤſſen. Die andern, um doch auch etwas davon ————,———„————„—— 3 davon zu genieſſen, folgten nach.— Ich weiß nicht gleich, in welcher Gegend eine vor⸗ treffliche Strecke Marſchwieſen liegt. Ein Veamter in einer benachbarten Stadt hat aber das Recht, auf dieſen Wieſen zwey Hengſte wei⸗ den zu laſſen. Dieſe Pferde thun zehnmal ſo viel Schaden, als ihre reichlichſte Unterhaltung auf dem Stalle koſten würde. Man hat ihm dieſe gebothen. Aber die Stadtbuͤr⸗ ger wollen es nicht zugeben, daß ihr Beamter ſich dieſes Vorrechts entaͤuſſere, wenn es auch noch ſo theuer bezahlt wuͤrde. Selbſt da, wo der Grund und Boden nur einem Herrn gehoͤrt, findet die Thei⸗ lung unter ſeinen verſchiedenen Farmers oft große Schwierigkeiten. Wo dieſe nicht wa⸗ ren, iſt es mehrentheils geſchehen. Ein ſolcher Gutsherr duͤrfte freylich nur erklaͤren, daß er allen denjenigen, welche ſich eine Aufhebung der Feldgemeinſchaft nicht gefallen laſſen wollten, ihre Pacht kuͤndige, und es allen antretenden Farmers zur Bedingung machen, daß ſie ſich ſeine Einrichtungen ge⸗ fallen laſſen ſollten. Allein, das iſt manchem zu umſtaͤndlich, und wuͤrde ſeine Revenuͤen vielleicht auf einige Jahre beträchtlich ver⸗ mindern. Es giebt immer einige alte Far⸗ mers, — 336— mers, die ihren Pachtherren mancherley Nach⸗ theile vorſpiegeln, wenn das gemeinſchaftliche Behuͤtungsrecht aufgehoben wuͤrde, und die ſich einbilden, daß ſie dann bey ihrer Pachtung nicht wuͤrden beſtehen können. Die verſchie⸗ denen Pachthöfe fallen zu verſchiedenen Termi⸗ nen aus der Pacht, und obwohl da, wo Felder⸗ gemeinſchaft iſt, und die Landwirthſchaft noch auf einer niederen Stufe ſteht, die Pachtungen groͤßtentheils nur auf Willkuͤhr ausgethan ſind, ſo iſt doch wohl immer ein oder anderer Paͤchter darunter, der von dem Herrn oder deſſen Vater die Verſprechung hat, ſeine Pachtung unter den bisherigen Bedingungen auf Lebenszeit zu behal⸗ ten, oder ſie vielleicht gar auf ſeine Kinder zu vererben. Man ſagt, es gebe beſonders haͤu⸗ fige Verſchwaͤgerungen und Blutsverwandtſchaf⸗ ten zwiſchen den Lords und ihren Pächtern, welche ſolche Verſprechungen begruͤndeten. Die Einwilligung ſolcher Paͤchter iſt daher durchaus erforderlich. Ein Theil der Paͤchter iſt in manchen Gegenden dieſer Theilung und Ver⸗ koppelung aber noch ſehr abgeneigt. Mancher, der auch wohl einſieht, daß er ſeine Felder in privativen Schlägen weit hoͤher benußen koͤnnte, ſiehet voraus, daß auch eine ſtarke Erhoͤhung des Pachtgeldes darauf erfolgen wuͤrde. Iſt das jetzige Verhaͤltniß nun vor⸗ theilhaft genug fuͤr ihn, ſo zweifelt er, ey — bey dem neuen mehr gewinnen werde, und tiebe zur Bequemlichkeit und zum Alten uͤber⸗ wiegt bey ihm die Ausſicht auf groͤßeren Vor⸗ theil, und auf eine beſſere Wirtbſchaft. Dazu kommt, daß manche Beſitzer großer Herrſchaften bisher zu reich waren, um auf eine beſſere Einrichtung ihrer Gäter zu denken, und ihre Revenuen zu vermehren. Sie bringen ihren Winter in London, den groͤßten Theil des Som⸗ mers auf den Baͤdern zu; und in der Zeit, wo ſie ſich auf ihrem laͤndſitze aufhalten, wollen ſie in guter Geſellſchaft die Freuden des Land⸗ lebens und der Jagd genieſſen. Letztere wuͤrde uberdem durch viele Einkoppelungen beſchraͤnkt werden. Endlich haben aber auch auf den ſonſt eigenthuͤmlichen großen Beſikungen, deren Ein⸗ richtung nur von einem Kopfe abzuhaͤngen ſcheint, benachbarte Staͤdte und Flecken, oder Anbauer, ſich durch Verjaͤhrung das Recht er⸗ worben, ihr Vieh auf die Braachfelder und Weideanger zu treiben, und verlangen fuͤr dieſes Recht oft unverhaͤlmißmaͤßige Entſchaͤdi⸗ gungen. Man ſetzt ſeinen eigenen Vortheil mehrentheils lieber bey Seite, als daß man groben Unbilligkeiten nachgeben ſollte. an Bbs. 2te Abtheil. Y Und *. 5 — 35 Und ſo finden die Theilungen nach Willkühr oder Uebereinkunft der Intereſſenten nur ſelten Statt. Der andern Art, vermoͤge einer Par⸗ laments⸗Bill, ſteht die Koſtſpieligkeit, eine ſolche zu erwirken, dann die zweifelhafte Art, wie die verſchiedenen Anſpruͤche von den Parla⸗ ments⸗Commiſſarien werden geſchaͤtzt und be⸗ friedigt werden, haͤufig im Wege. Die Koſten einer Parlaments⸗Bill ſind ſo groß, daß man ſie bey Theilungen von maͤßigem Umfange mit Recht ſcheuet. Sie ſind unbe⸗ ſtimmt, und jeder Intereſſent weiß nicht, was ſie auf ſein Theil betragen werden. Ich bin zweifelhaft, ob nur der oder diejenigen, welche eine ſolche Bill verlangen, die Koſten tragen muͤſſen, oder vb ſie auf alle Intereſſenten, nach dem Verhaͤltniſſe ihres Looſes, vertheilt werden; ich vermuthe aber erſteres. Und wenn das iſt, wird ſich jeder, der nicht einen uͤberwiegen⸗ den Vortheil dadurch zu erhalten ſicher iſt, bedenken, die Bill zu etwuͤrken. Man muß Rechtsgelehrte und Sollicitanten beſolden, um die Bill einzubringen; Zeugen nach Londoh ſchicken und einſchwoͤren laſſen; bey Ausferti⸗ gung derſelben gewaltige Fiſcigebuͤhren bezah⸗ len; dann mehrern Arten von Commiſſarien, Achtsleuten und Feldmeſſern ſehr hohe Diaͤten geben; und endlich muß der, welcher die Thei⸗ lung — 5569— lung verlangt, die Einhegung der zugetheilten Stuͤcke allein ſtehen. Ich will nur einen Fall aus dem Report von Sommerſetſhire anfuͤhren (Seite 57). Die Theilung betrug 800 Acres, und koſtete: fuͤr die Parlaments⸗Bill„ 510 Pfund den Commiſſarien ⸗ ⸗ 200„ dem Schreiber(Clerck)„⸗ 80„ dem Landvermeſſer und Bonitirer (Surveyer) ⸗ ⸗ 140„ den Schiedsrichtern und an Ge⸗ richtsgebuͤhren ⸗ Fo„ 1040 Pfund Mit Inbegriff der Einfriedigüngen, der Wege u. ſ. w. kam ſie auf 2485 Pfund. Und dieſe Koſten werden hier als unbedeutend ange⸗ geben, indem der Acker nunmehr 30 Pfund, folglich das Ganze 24000 Pfund mehr werth ſey. So wuͤrde es ſich wohl mehrentheils ver⸗ halten, aber die Koſten ſind doch abſchreckend genug fuͤr manchen. Die Fiſcigebuͤhren fuͤr ſolche und andre Privat⸗Bills machen eine betraͤchtliche Revenue des Sprechers und anderer Beamten des Un⸗ terhauſes aus; und man rechnet dieſes unter Y 2 die die Hanpturſachen, warum eine allgemeine Theilungs⸗ und Verkoppelungs⸗Bill, worin generelle Grundſaͤtze, nach welchen getheilt wer⸗ den ſoll, feſtgeſetzt wuͤrden, noch nicht hat ein⸗ gebracht werden duͤrfen. Und wie jemand den Vorſchlag that, daß die Fiſcigebuͤhren wenig⸗ ſtens herabgeſetzt werden, und der Sprecher und andere durch hoͤhere Salaria entſchaͤdigt werden moͤgten, antwortete man: dieſe Gebuͤhren muͤßten nothwendig ſo hoch bleiben, wie ſie ſind; weil das Haus ſchon Geſchaͤfte genug habe, und, bey Herabſetzung der Gebuͤhren, mit ſo vielen Privat⸗Bills wuͤrde belaͤſtigt wer⸗ den, daß man nicht durchkommen koͤnne. Nie⸗ mand hatte dagegen etwas einzuwenden, und ſo ward das Principium, durch enorme Ge⸗ buͤhren die nuͤßhlichſten Unternehmungen und Verbeſſerungen zu erſchweren, noch mehr befe⸗ ſtiget.(Annals of agriculture. Vol. XIII. P. 350.) Dann aber ſind keine feſte Grundſaͤtze an⸗ genommen, wie die verſchiedenen Anſpruͤche an die Gemeine abgefunden werden ſollen, und es kommt viel darauf an, wie das Intereſſe eines jeden vorgeſtellet, und die Commiſſa⸗ rien dafuͤr geſtimmt werden. Außer den wirklichen Theilnehmern an der Gemein⸗ heit iſt der Grundherr(Lord of the manor) manor) und der Zehntberechtigte abzu⸗ finden. Es tett naͤmlich bey Gemeinheitstheilungen uͤberhaupt ein weſentlicher Unterſchied ein, wie man das Eigenthum des zu theilenden Grund und Bodens betrachtet. Zuweilen wird es ſo angeſehen, als ob dieſes den Intereſſenten ſelbſt gehoͤre, und als ob dieſe bisher durch gegen⸗ ſeitige Einwilligung eine gemeinſchaftliche Be⸗ nuhung deſſelben unter ſich eingefuͤhrt haͤtten, die nunmehr wieder aufhoͤren ſoll. Oder aber, man nimmt, vermoͤge des Herkommens, der Landesverfaſſung, oder beſtimmter Receſſe, an, daß der Grund und Boden nicht den Gemein⸗ heits⸗Intereſſenten, ſondern einem andern gehoͤre, welcher jenem nur die Freyheit, dieſen Platz zu benutzen, verliehen hat. Im erſteren Falle hat niemand, als die bisherigen Benutzer, nach Verhaͤltniß ihrer rechtmaͤßig erworbenen Benutung, einen Antheil zu fordern. Im zweyten Falle aber ſagt derjenige, der als Grundherr angeſehen wird:„ihr habt nichts weiter, als eine hinreichende Entſchaͤdigung fuͤr euren bisherigen Nießbrauch zu verlangen, nach deren Abfinduñg alles uͤbrige mir gehoͤrt.“ Wenn dieſes Recht gleich in manchen Faͤllen bloß hypothetiſch iſt, indem der ſogenannte Grundherr oft gar keinen Antheil und Berech⸗ tigung — e. F — 342— tigung auf dem zu theilenden Platße hatte; ſo kommt es doch dabey auf das Herkommen an, und wenn dieſes dem vermeintlichen Grundherrn gunſtig iſt, ſo hat er das Recht, zu wiberſpre⸗ chen, und muß abgefunden werden. In Groß⸗ brittannien kommen beyde Faͤlle vor. In Schottland hat man die Gemeinheiten immer als lediglich den Intereſſenten gehoͤrend ange⸗ ſehen; in England aber findet ſich allenthalben ein Lord of the manor, der als Eigenthuͤ⸗ mer des Grund und Bodens, oft ohne die geringſte Benutzung davon zu haben, angeſehen wird, und der immer einen betraͤchtlichen An⸗ theil fordert, wenn er ſeine Einwilligung zur Theilung geben ſoll. Dies erſchwert die Sache in England dermaaßen, daß uͤberhaupt nur ſehr wenig Theilungen von eigentlichen Gemein⸗ heiten in neuern Zeiten zu Stande gekommen ſind; indem das, was man ſo nennt, nur in einem Ackerumſatß oder Verkoppelung, mit Aufhebung der gemeinſchaftlichen Stoppel⸗ und Braach-Behuͤtung, beſtanden hat. Wenn der ſogenannte Grundherr gleich wenig oder gar keinen Nutzen, allenfalls nur das Recht, einen Platz fuͤr eine Hutte auszuweiſen, oder vielleicht die Jagdgerechtigkeit auf der Gemeinheit, gehabt hat; ſo macht er doch oft ſehr ſtarke und unbil⸗ lige Forderungen, wenn die Intereſſenten zur Theilung geneigt ſind. Denn weil er gewoͤhn⸗ lich lich ſeine Gäter und eigenthuͤmlichen Lände— reyen in der Nachbarſchaft liegen hat, ſo beſorgt mancher— obwohl ohne Grund—, daß dieſe im Werthe verlieren moͤgten, wenn mehr urbares Land in der Gegend ent— ſtaͤnde. Wo daher das Grundeigenthum als ver⸗ ſchieden von dem Rechte der Intereſſen betrach⸗ tet wird; da iſt es ein Gluͤck, wenn der Lan⸗ desherr oder der Staat ſelbſt ſich in deſſen Beſitze erhalten hat. Denn dieſer wird zum Beßten des Ganzen immer nachgiebiger ſeyn, und einen bloß precaͤren Vortheil ſeiner Domaͤnen gern dem vermehrten Wohlſtande und Reichthume des Landes aufopfern, wie dieſes noch jetzt unſer geliebteſter Landesvater, Georg der Dritte, bey der Gemeinheits⸗ theilung im Lüneburgiſchen, wo ihm nach den ausdruͤcklichſten Receſſen das Grundeigenthum gehoͤrt, in ſo fern es zur Befoͤrderung dieſer Theilungen nöthig iſt, aus eigenem Antriebe thun will. In England ward daher bey Ausfertigung einer Theilungs-Bill die Einwilligung des Grundherrn immer gefordert, und deſſen An⸗ theil nach ziemlich willkuͤhrlichen Principien ge⸗ ſchätzet. Eine — Eine andre Schwierigkeit iſt die Abfindung des Zehntens. Dieſer wird naͤmlich der Regel nach von allen Producten des Feldes in Natura gezogen, und gehoͤrt groͤßtentheils der Geiſtlich⸗ keit. Von den meiſten offenen Feldern wird er wirklich abgefahren, oder es wird nur auf eine beſtimmte Zeit eine Abkaufung deſſelben feſtgeſetzt. Wenn aber eine Gemeinheitsthei⸗ lung oder Einkoppelung Statt finden ſoll, ſo muß der Zehntberechtigte entweder mit Gelde und ſackfallenden Fruͤchten, oder mit Grund und Boden abgefunden werden, weil ohne das niemand die Koſten der Theilung, der Ein⸗ koppelung und der Verbeſſerung des Landes uͤbernehmen wuͤrde. Ohne eine ſolche Abfin⸗ dung iſt in England gar nicht an Theilung oder Einkoppelung zu denken, und es wird jetzt als ausgemacht angenommen, daß ſie geſchehen muͤſſe. Mehrentheils geſchiehet die Abfindung durch Grund und Boden; und in allen neuern Theilungs⸗Acten wird dem Zehnt⸗ berechtigten der fuͤnfte Theil des Ganzen zuge⸗ ſchrieben, ſo daß man dies als ein angenomme⸗ nes Principium faſt anſehen kann. Da ihm ein Zehntheil der Fruͤchte gebuͤhrt, ſo glaubt man, daß ihm ein Zehntheil des Grund und Bodens an ſich, und ein anderes Zehntheil fuͤr die Cultur deſſelben zukomme. Bey gutem und ſchon in Ordnung gebrachtem Boden iſt Fr⸗ Erſatz reichlich; bey ſchlechtem aber, wo nach Abzug der Culturkoſten weniger reiner Ertrag ubrig bleibt, dem Scheine Rechtens nach, zu geringe. Wenn man aber erwaͤgt, daß der Zehntherr von wüſtliegenden Gemeinheiten vor⸗ her gar nichts hatte; von oſſenen, ſchlecht cul⸗ tivirten, oft braachliegenden Feldern aber bey weitem das nicht, was der eingekoppelte und beſſer cultivirte Boden nun tragen kann; ſo wird dieſes auch im letzteren Falle fuͤr ein zureichendes Aequivalent gehalten; und dem⸗ jenigen eine grobe Unbilligkeit beygemeſſen, der damit nicht zufrieden iſt. Indeſſen wird doch die Einwilligung des zeitigen Zehnteinhabers bey Ausfertigung einer Theilungs⸗Bill mehren⸗ theils vom Parlamente gefordert. Nachdem der Grund- und Zehnt⸗Herr befriedigt ſind, ſo kommen die Forderungen der Intereſſenten in Betracht. Hier fehlt es nun in England ganz an beſtimmten Principien, nach welchen Verhaͤltniſſen die verſchiedenen Berechtigten Anſpruch haben. Insbeſondre theilt ſich das Intereſſe bey bisherigen Gemein⸗ weiden in zwey verſchiedene Gattungen. Die⸗ jenigen, welche bisher angraͤnzendes Grund⸗ eigenthum beſaßen, und ihr Vieh auf die Weide in beliebiger Anzahl zu treiben, berechtiget waren, hatten wegen des ſchlechten Zuſtandes die⸗ dieſer Gemeinweide oft wenig oder gar keinen Gebrauch davon gemacht. Andre kleine An⸗ bauer dagegen, oder benachbarte Staͤdte und Flecken, wenn ſie gleich keinen Acker Landes beſaßen, benutzten dieſe Weide mit Kuͤhen, Schaafen, Schweinen und Gaͤnſen deſto ſtar⸗ ker; und machen nun bey der Theilung ſehr große Anſpruͤche. Oft haben die Eigenthuͤmer ganz verfallener und unbewohnter Bauſtellen, vermoͤge ehemaliger Berechtigungen, einen großen Antheil gefordert. Die Landeigenthuͤ⸗ mer machen dagegen den bloßen Hausſtellen faſt alles Anrecht ſtreitig, und wollen ſie nur nach geringen Verhaͤltniſſen abfinden. Wer kein Vieh mit eigenen Producten durchfuͤttern kann, hat auch von altersher keins halten koͤn⸗ nen, ſagen ſie: und es iſt bloß eine Verguͤnſti⸗ gung von uns geweſen, daß ihr ein oder anderes Stuͤck Vieh auftreiben durftet; eine Verguͤnſtigung, die ihr gemißbraucht habt. Dieſe Streitfrage iſt nun in England gar nicht entſchieden; und es iſt bald zum Vortheil der einen, bald der andern Partey, von den Com⸗ miſſarien des Parlaments geſprochen worden⸗ Daher in vielen Fällen die abſchreckende Unge⸗ wißheit, was man bey einer Theilung erhalten werde, und folglich die wenige Neigung, ſolche Theilungen der eigentlichen Gemeinheiten durch viele Koſten zu erwirken. Alle )——„—— „—) — 54— Alle in dieſer Angelegenheit aufgeklaͤrte und patriotiſche Maͤnner haben daher ſchon lange unermuͤdet darauf angetragen, daß durch ein allgemeines Geſetz die verſchiedenen An⸗ ſpruͤche moͤglichſt genau beſtimmt, und das Recht eines jeden, auf eine Theilung, ohne beſondre Parlaments⸗Bill, zu dringen, beſtaͤ⸗ tigt werden, die fernere Ausfuͤhrung einzelner Theilungen aber einer gehoͤrig beſtelleten Com⸗ miſſion aufgetragen werden moͤge. Es ſind von Privatperſonen viele Vorſchlaͤge zu einer ſolchen Parlaments⸗Acte bekannt gemacht und eingegeben worden. Der Board of Agricul⸗ ture machte es zu ſeinem wichtigſten Geſchäfte, dieſe Acte vorzubereiten, und alle Verhaͤltniſſe genauer zu erwaͤgen. Auch iſt wirklich ein Entwurf von dem damaligen Praſidenten deſ⸗ ſelben, John Sinclair, publicirt worden. Ich geſtehe zwar, daß mir alle bisher gethanen Vorſchlaͤge und Entwuͤrfe nicht angemeſſen, zum Theil zu unbeſtimmt, zum Theil zu weit⸗ laͤuftig ſcheinen, und ich habe nichts darunter gefunden, was denen uͤber die luͤneburgiſche Gemeinheitstheilung verhandelten Planen, in Ruͤckſicht der Gruͤndlichkeit und der den Ortsverhaͤltniſſen angemeſſenen Beſtimmtheit, — nichts, was unſers wuͤrdigen Commiſſair Meyer Abhandlung von der Gemeinheits⸗ theilung, den Grundſaͤtzen derſelben, und ſeiner Ver⸗ — 3 ½3— Verfahrungsart— an die Seite zu ſetzen waͤre. Allein, etwas Vollkommenes, etwas, 1 wogegen keine Einwendungen Statt faͤnden, 1 wobey keiner, in Anſehung ſeiner moͤglichen 3 Anſpruͤche, ſich zuruͤckgeſetßt faͤnde— iſt in 1 dieſem Stucke nicht zu erwarten; iſt der Natur der Sache nach unmoͤglich. Das natuͤrliche Recht kann die mancherley Anſpruͤche der ver— ſchiedenen Intereſſenten nar ſelten allgemein⸗ . gultig entſcheiden; man muß die Entſcheidung dieſer neuen Legislatur als einen Vergleich betrachten, wobey zwar jeder von ſeinen For⸗ derungen etwas nachgeben müß, der aber doch nicht nur fuͤr das Ganze, ſondern auch fur jeden Einzelnen weit vortheilhafter iſt, als wenn nichts aus der Sache geworden waͤre. Auch * 6. kann bey der allgemeinen Legislatur nicht jedes 1 Ortsverhaͤltniß ſo genau erwogen werden, daß 3 dadurch jeder einzelne Fall durch das Geſetz n genau beſtimmt wuͤrde. Der Commiſſion muß durchaus manches nach Gruͤnden der Billigkeit und der Analogie zu entſcheiden uͤberlaſſen werden. 3 Schottland giebt ein ſehr überzeugendes . 36 Beyſpiel, wie einfach ein ſolches Gemeinheits⸗ theilungs⸗Geſetz ſeyn kann, und doch wie 1 wirkſam und wohlthaͤtig. Die kurze Acte . von 1665, zufolge welcher faſt alle Gemein⸗ heiten — 5— heiten in Schottland getheilt ſind, lautet folgen⸗ dermgaßen? , u „Alle Gemeinheiten, ausgenommen die, welche koͤnigliches Eigenthum ſind, oder koͤnig⸗ lichen Burgen gehoͤren, koͤnnen auf Verlangen eines jeden Intereſſenten getheilt werden, mit⸗ telſt Vorforderung aller Theilhaber vor die 6 Lords der Sitzung(Lords of session). Dieſe ſind ermaͤchtiget, die Sache zu unter⸗ ſuchen, die Rechte der Theilhaber zu beſtimmen, und die Gemeinheit unter ſie zu vertheilen, vermittelſt Beſtellung einer Commiſſion, welche n die Sache vorbereitet, alle noͤthige Unterſuchun⸗ h gen anſtellt, und ſodann den Lords der Sitzung vorlegt. Der Antheil, welchen alle Erbbeſiher an der Gemeinheit haben, ſoll nach dem Werthe ihres bisherigen Eigenthums beſtimmt werden, vermoͤge deſſen ſie bisher Antheil an der Ge⸗ i meinheit hatten. Einem jeden ſoll alſo, nach Verhaͤltniß ſeines bisherigen Eigenthums, ein Theil aus der Gemeinheit zuerkant werden. Auch ſollen die Lords ermaͤchtiget ſeyn, die Moore zu theilen, welche in der Gemeinheit liegen, wenn ſie zu einer Theilung geeignet e ſind; wo nicht, ſollen ſie zum gemeinſchaftlichen Gebrauche bleien Ich — Ich will dieſes Geſetz fuͤr nichts weniger als muſterhaft ausgeben; aber es hat die Wir⸗ kung gehabt, daß ſeit 130 Jahren alle Gemein⸗ heiten in Schottland getheilt ſind. Denn wenn man gleich daſelbſt noch betraͤchtliche Strecken antrifft, welche zu gemeinſchaftlicher Viehweide benutzt werden, ſo geſchiehet dies doch nur nach freywilliger Uebereinkunft der Eigenthuͤmer, welche dieſe Strecken bis jetzt noch nicht werth hielten, eingekoppelt und cultivirt zu werden. Sonſt kennet jeder den Antheil, der ihm zukommt; ſobald er aus der Gemeinſchaft treten will. Selbſt der Antheil, welcher zu jedem Farm eines gemeinſchaftlichen Guts⸗ herrn gehoͤrt, iſt beſtimmt, und es haͤngt von dem Farmer ab, ob er ihn privativ haben will. In den meiſten Diſtricten von England und Schottland wird jedes privative Feld⸗ ſobald es aus der Gemeinheit genommen wor— den, mit irgend einer Art von Befriedigung umgeben. So lange dies nicht geſchehen, geht fremdes Vieh darauf, weil die Englaͤnder ihr Vieh gewoͤhnlich hirtenlos umhergehen laſſen. Wer keine Befriedigung gemacht hat, kann auch keine Schadloshaltang verlangen, wenn fremdes Vieh ihm Schaden thut. Daher wird in den Theilungs⸗Receſſen gewoͤhnlich auch — —, — — auch uͤber die Befriedigungen etwas beſtimmt. Zwey Nachbaren errichten nämlich die Befrie⸗ digung, die ſie ſcheidet, auf gemeinſchaftliche Koſten; und da koͤnnte alſo Uneinigkeit ent⸗ ſtehen, welche Art von Befriedigung ge⸗ macht werden ſolle. Gewoͤhnlich wird die in dem Diſtricte uͤblichſte Art vorgeſchrie⸗ ben; wer aber mit ſeinem Nachbar wegen einer andern Art uͤbereinkommt, kann ſolche waͤhlen. Indeſſen giebt es in England allerdings einige Diſtricte, wo das Land nicht einge⸗ haͤget, aber dennoch abgeſondert und privatio iſt. Dies nennen die Englaͤnder ebenfolls inclosure, und ſetzen es dem(open field) ofſenen Felde, worauf eine gemeinſchaftliche Behuͤtung Statt findet, entgegen. Wenn alſo Inclosure gleich wörtlich eine Einhä⸗ gung heißt, ſo wird im weitlaͤuftigen Ver⸗ ſtande doch jedes Feld darunter begriffen, was privativ iſt, Gartengerechtigkeit hat und eingehaͤget werden darf. Ich weiß daher kein angemeſſeneres teutſches Wort dafuͤr, als Koppel und Verkoppelung. Denn auch unter dieſen Worten ward urſpruͤng⸗ lich eine Einhaͤgung verſtanden; jett aber verbindet man in Mecklenburg und durch ganz 5 ganz Niederſachſen dieſe Idee nicht immer damit. Die Koſtbarkeit dieſer Einhaͤgungen, die in England groͤßtentheils noͤthig gefunden werden, und es bey der dortigen Viehwirth⸗ ſchaft und den kleinen Koppeln auch wirk⸗ lich ſind, gehoͤrt allerdings zu den Schwie⸗ rigkeiten, die der allgemeineren Verkoppelung im Wege ſtehen. Sie wuͤrde nicht anders, als durch Einfuͤhrung der Stallfuͤtterung — wovon die Englaͤnder aber noch zu weit entfernt ſind,— gehoben werden koͤnnen. Aller dieſer Hinderniſſe ohnerachtet, iſt jedoch vielleicht der groͤßere Theil des Acker⸗ landes in dieſem Jahrhunderte, vermoͤge beſonderer Parlaments⸗Bills, eingekoppelt worden; und zwar groͤßtentheils unter der Regierung des jetzigen Koͤnigs. Die Zahl der ausgefertigten Verkoppelungs⸗Bills be⸗ läuft ſich nach dem Berichte der im Jahre 1797 zur Unterſuchung dieſer Sache ange⸗ ſeßten Parlaments⸗Committee in den zehn Jahren bis 2 „— 3* —— S* Veſiimter S 3 Flaͤchen⸗ * cʒ 22 Inhalt. 28 Actes. Grafſchaften: 2 Bedford 17 30,031 Berks 7 6,333 Bucks 31 33,457 Cambridge 5 8,816 Cheſter 12 1705,563 Cumberland 71 25,146 Derby 63 34985 Dorfet 9 13,354 Durham 26 64,115 Eſſex 2 1,022 Glouceſter 39 51,471 Hereford 3,/320 Hertford⸗ 6 8,022 Huntingdon 191 30,750 Lancaſter 27 26,801 Leiceſter 117 161,208 Lincoln 153] 368,018 Middleſſer 3,350 Norfolk 371 70,176 Northampton 97 137,956 Nordhumberland 30 112,248 Nottingham 60 108,541 Oyford 34 30,736 Rutland 15 22,704 Salop 16 18,920 Sommerſet 421 44,986 Southampton 20 15,782 Stafford 35 35,646 Suffolk 7 7,5071 Surry 2 437 Snſſex 4 1,450 Warwick 38 49,155 Weſtmoreland 2 2,156 Wilts 18 31,681 Worceſter 26 24,184 York 263 338,757 1,297 1,997,372 (Wales.) Flint 6 16,090 Glamorgan 1 750 Monmouth 1 780 Montgomery 4 8,626 Pembroke 1 2,450 13 23,596 1,310 2,035,966 U nLupyg n uunpoqun au u2 420 — — 20 Vermuthl. Fläͤchen⸗ Inhalt. Acres. 24,732 153,333 26,399 3,516 38,087 517 46,192 4,011 14,471 993 24,314 46,879 48,852 34,223 49,224 4,541 2,365 3,/214 11,587 3,027 1,027 218 40,134 11,689 63,368 63.954 ——— 806,501 —— 2,157 2,450 4,507 311,108 9,600 anvaoqn no 22 1 Vor Seite 353 135 172 5 53 127 30 79 67 18 18 45⁵ 35 38 3 3 4 69 13 54 62 ₰ 1/761 1/776, Flächen⸗ Ungefährer Inhalt Flaͤchen⸗ uͤberhaupt. Inhalt der Grafſchaf⸗ Acres. ten. 54,763 159,666] 527,000 63,336 441,000 12,352 570,000 10,563 720,000 63,233 1,040 000 64,585 580,000 19,622 772,000 64,615 610,000 1,533 1,240,000 27,663 800,000 3,300 660,000 12,033 451,000 45,321 240,000 27,994 1,150,000 186,102 560,000 414,8971,740,000 100,222 1,148,000 206 808 560,000 111,2481,370,000 142,764 560,000 99,980 534.000 27,245 110,000 21,285 340,000 27,3691,312,000 38,673 810, 000 3,573 995,000 615 592,000 1,450 1,140,000 39,289 670,000 14,0271 510,000 95,052 376,000 57,670 540,000 402,711 3,770,000 2,800,873 16,990 160,000 750 540,000 780 340,000 10,783] 560, 000 3837,873] ——— bis 1735 auf 38, macht jaͤhrlich S S5 1796 3 1766 S++ — — c ——— Die Committee hat nicht beſtimmt aus⸗ mitteln koͤnnen, wie groß der Flaͤchen⸗Inhalt ſey, der vermoͤge dieſer Acten eingekoppelt worden, weil in 466 Acten dieſer nicht angegeben iſt. Sie nimt daher in Anſehung der letztern einen Durchſchnitt nach Verhäliniß derer an, wo er beſtimmt iſt; und giebt dem⸗ nach nebenſtehende Tabelle. .„ 7 5 1 1 1 3 3 an Bps. ate Abtheit 3 Es Es iſt dieſes aber nicht als die Summe des verkoppelten Landes uͤberhaupt anzuſehen. In betraͤchtlichen Herrſchaften, die einem Herrn gehoͤrten, und nur in viele Farms zertheilt ſind, konnten ſie ohne Parlaments⸗Acten ausgefuͤhrt werden, und ſind ſchon im vorletzten Jahrhun⸗ derte, beſonders in Norfolk und Suffolk, ein⸗ gerichtet worden. Auch ſind allerdings einige, wenn gleich nur wenige, durch einſtimmige Einwilligung aller Intereſſenten, zu Stande gebracht worden. In den Grafſchaften Devon⸗ ſhire und Cornwallis haben gar keine Statt gefunden, und uͤberhaupt im Fuͤrſtenthum Wallis nur wenige. Kent erfordert ſolche, nach ſeiner Wirthſchaftsart und der einmal be⸗ ſtehenden Acker⸗Vertheilung, nicht. Die Committee hat ſich nicht im Stande gefunden, mit einiger Genauigkeit auszumit⸗ teln, wie viel von dieſem eingeſchloſſenen Lande eigentlich uncultivirte Gemeinheit geweſen ſey. Man häͤlt es aber fuͤr ausgemacht, daß dieſe nur einen geringen Theil betragen habe, das meiſte aber ſchon Ackerland geweſen ſey, wel⸗ ches nur umgeſetzet und eingekoppelt worden. Wie ſehr hierdurch die Cultur und der Ertrag im Allgemeinen gewonnen habe, werden wir nachher aus allgemein einſtimmigen Zeugniſſen hoͤren. Die fuͤr den eigentlichen e⸗ —— —— — —— beſtimmte Flaͤche aber hat dadurch abgenom⸗ men, weil das verkoppelte Land, wenigſtens abwechſelnd, vortheilhafter zum Anbau von Futterkraͤutern und zur Viehweide benußet werden konnte. Die oben angefuͤhrten Schwie⸗ rigkeiten einer bisher fehlerhaften Legislatur haben die Theilung der eigentlichen Gemein⸗ heiten mehr aufgehalten, als die Verkoppelung der offenen Laͤndereyen; weil hier die Gerecht⸗ ſamen weniger verwickelt, und der Antheil, welchen jeder zu erwarten hatte, beſtimmter war. Dieſe Committee nimt in ihrem Berichte an, daß England allein noch 7,8 00,0 00 Acres in einem wuͤſten Zuſtande enthalte, die urbar gemacht werden koͤnnten und wuͤrden, wenn ſie getheilt waͤren. Bisher aber iſt uͤber die Einbringung einer allgemeinen Verkoppelungs⸗Bill, worin die Art und Weiſe, und die Grundſaͤtze, wonach getheilt werden ſolle, beſtimmt wuͤrden, noch nichts beſchloſſen worden. Noch iſt Kopf und Herz der Englaͤnder im Parlamente zu ſehr mit Politik, Krieg, Colonien, Handlung und Fabriken beſchaͤftigt geweſen, um der Land⸗ wirthſchaft einige Aufmerkſamkeit zu widmen. Der Magen, dieſe ſonſt ſo maͤchtige Triebfeder 3 2 in — — ——— — — 356— in der Staatsmaſchiene, muß auch bey den Parlamentsherren erſt kraͤftiger angegriffen werden, bevor ſie, die Sache ernſthaft anzu⸗ greifen, ſich entſchlieſſen. Durch die Urbar⸗ machung ſeiner wuͤſten Laͤndereyen könnte England ſonſt leicht aus aller Verlegenheit kom⸗ men, und, in Anſehung ſeiner nothwendigen Beduͤrfniſſe von fremden Nationen, auch bey einer noch weit groͤßeren Population, wieder unabhaͤngig werden; zugleich aber ſeine directen und indirecten Staats⸗Einnahmen betraͤchtlich vermehren, und einen großen Theil ſeiner Schuldenmaſſe decken.*) Der Board of Agriculture trug den Unter⸗ ſuchern der Landwirthſchaft der verſchiedenen Di⸗ *) Wie im November 1800, das Parlgment in der Abſicht, Maaßregeln gegen den allarmirenden Man⸗ gel der Lebensmittel zu treffen, außerordentlich zuſammen berufen wurde, und der Koͤnig ihm die Befoͤrderung und Erweiterung des Ackerbaues zu ſeiner weſentlichſten Angelegenheit machte, erwar⸗ tete ich wenigſtens den Beſchluß, daß eine ſolche Bill vorbereitet und eingebracht werden ſolle. Aber es iſt, meinen Wiſſens, auch nicht ein Wort davon weiter im Parlamente vorgekommen. Man iſt in England jetzt ſo ſehr im Geſchmacke der Palliativ⸗ Nittel, daß man an Radical⸗Curen nicht mehr denkt. — Diſtricte beſonders auf, die Wirkung der Ge⸗ meinheitstheilungen und Verkoppelungen, in Ruckſicht auf Vermehrung des Werths des Grund und Bodens, des Ertrages, und der Bevolkerung zu beobachten, und ſich nach den Meynungen der Einwohner uͤber die Verkop⸗ pelungen zu erkundigen, auch nach den Urſachen zu fragen, die ihrem Fortgange entgegen ſtaͤn⸗ den. Eine kurze Ueberſicht der hierauf erfolg⸗ ten Beantwortungen aus den Reports wird auch dem teutſchen Landwirthe und Cameraliſten⸗ meines Erachtens, nicht unintereſſant ſeyn; darum theile ich ſie hier mit. Die Verkoppelungen haben die Production und Bevoͤlkerung, wo ſie vorgenommen wurden, beträͤchtlich vermehrt. Die Renten der Guts⸗ beſitzer ſind aufs Dreyfache geſtiegen, und der n Vortheil der Paͤchter hat ſich vergroͤßert. Das 6 Volk hat mehrere Hulfsmittel zu ſeiner Sub⸗ ſiſtenz erhalten. Die vormaligen Gemeinhei⸗ ten, worauf Gänſe lebten, und Vieh verkuͤm⸗ merte, geben nun dreyßigmal groͤßern Ertrag. n Wenn doch eine allgemeine Verkoppelungs⸗Bill n die Schwierigkeiten wegraͤumen wollte, die der allgemeinen Verkoppelung im Wege ſtehen! Cum⸗ * — E* ———.————— — 358— Cum berland. Das aus der Gemeinheit neuerlich auf⸗ gebrochene und eingehegte Land iſt zwar ſehr ſchlecht behandelt worden, da man es durch viele auf einander folgende Saaten ausgeſo⸗ gen hat, und es ſich nun in einem erſchoͤpf⸗ ten Zuſtande befindet. Indeſſen iſt der Werth deſſelben doch noch drey bis vier Mahl ſo groß, wie vor der Verkoppelung. Die Frage, ob Verkoppelung die Volkszahl vermindert habe? beantwortet der Bericht⸗ erſtatter mit der Gegenfrage: kann eine Ver⸗ mehrung von Getreidebau und Viehzucht, nebſt einer vermehrten Nachfrage nach Ar⸗ beitern, die Volkszahl vermindern? We ſtmoreland. Auf den Gemeinweiden ſtarb im Jahre 1792 ein Drittel aller Schaafe. Schon aus dieſer Urſache waͤre eine allgemeine Verkop⸗ pelungs⸗Bill ſehr erwuͤnſcht. Northumberland iſt groͤßtentheils verkoppelt. Aber, weil die Natural⸗Zehnten nicht auf ein Aequivalent ge⸗ —* geſetzt ſind, kann keine reelle Verbeſſerung des Bodens vorgenommen werden, indem nur dem Zehntherrn die Zinſen des ange⸗ wandten Capitals zu gute kommen wuͤrden. Yorkſhire. North⸗Riding. Das Einzige, was die Urbarmachung der Moore verhindert, ſind die enormen Koſten, die eine Parlaments⸗Acte, behuf der Theilung, verurſacht. Wo oſſene Felder verkoppelt worden ſind, hat ſich der Viehſtapel, in Anſehung der Zahl, aber noch mehr in Anſehung der Guͤte, verbeſſert; und doch wird jetzt eben ſo viel Korn gebauet, wie vormals, 5 da man kein Land zur Weide liegen ließ.. Yorkſhire. Weſt⸗Riding. Auf allen Gemeinweiden iſt der Gras⸗ wuchs vernichtet, und das Vieh verkuͤmmert. Die Eigenthuͤmer haben wenig oder gar kei⸗ nen Vortheil davon. Bey der Verkoppelung erhaͤlt der Landeigenthuͤmer unmittelbar vier⸗ fache Pacht, und wie koͤnnte dieſe gegeben werden, wenn der Vortheil aus der Vieh⸗ zucht zucht und dem Kornban ſich nicht in der⸗ ſelben Maſſe vermehrte? Die Bevoͤlkerung vermehrt ſich offenbar dadurch. Die Koſt⸗ barkeit der Privat⸗Bills verhindert das große Werk. Vey Doncaſter wird alles einge⸗ ſchloſſene Ackerland um ein Drittel hoͤher bezahlt, als oſſenes. Lord Hawke hat offene Felder, die 5 Schilling 8 Pence Pacht thun, und eingeſchloſſen 20 Schilling thun wuͤrden. Durham. Der lebhafteſte Wunſch aller Eigenthü⸗ mer und Paͤchter iſt, daß durch ein allge⸗ meines Geſetz, oder einen minder koſtſpieligen Proceß, die Gemeinheitstheilung und Ver⸗ foppelung erleichtert werden moͤge. Staffordſhire. Man kann rechnen, daß der Acre Acker⸗ land jaͤhrlich wenigſtens 5 Schilling mehr werth ſeyn wuͤrde, wenn es verkoppelt waͤre. Man bringe es doch einmal in Vorſchlag⸗ eine verkoppelte Gegend wieder in offene zer⸗ zerſtuͤckelte Felder aus einander zu werfen. Die bloße Idee wird jeden revoltiren. Derbyſhire. Seit funfzehn Jahren iſt der vierte Theil der Grafſchaft verkoppelt worden, und die Pacht hat ſich beynahe verdoppelt. Un⸗ mittelbar ugch der Verkoppelung ſteigt die Pacht zwiſchen ein Drittel und ein Fuͤnftel⸗ und der Ertrag gewiß in einem groͤßeren Verhaͤltniſſe. Es iſt ſehr nußlich, die Graͤnz⸗ linien der Koppeln nach der Veraͤnderung des Bodens einzurichten, damit jede S gleichen Boden habe. Nottinghamſhire. Die Wirkung der Verkoppelungen auf die Bevoͤlkerung iſt ſehr merklich geweſen; ſelbſt auf dem Klayboden. Die Verkoppe⸗ lung einer Herrſchaft wird ſelbſt bey der unguͤnſtigſten Lage ihren Werth um ein Viertel erhoͤhen, nach Abzug aller Koſten der Verkoppelung. —.——————— Er. . —— — — 362— Auf den weiten Gemeinheitsraͤumen kommt das Vieh ſelten bey einem harten Winter durch. Die Pferde werden ſo ausgehungert, daß man ſagt, ſie fraͤßen einander die Mäh⸗ nen und Schwaͤnze ab, und verſchluckten den Miſt der Gänſe. Sieben und vierzig Frihhſ haben Verechrigungen auf einer Heide, und die Theilung wuͤrde ſieben und pierzig verſchie⸗ dene Parlaments⸗Acten koſten; ein Beweis Lon der Nothwendigkeit einer allgemeinen Parlaments⸗Acte zur Befoͤrderung der Thei⸗ lung. In den Gemeinheiten zwiſchen Wel⸗ land und dem Glen verlieren die Eigen⸗ thumer oft vier Fuͤnftel ihres Viehſtapels. Leiceſterſhire⸗ Die Verkoppelung bringt die Landpacht hier von 8 Schilling auf 20. Rutlandſhire. Man beklagt es hier ſehr, daß die Verkoppelungs⸗Acten ſo koſtbar ſind, er — 363— der Vortheil der Einkoppelungen ſo groß fuͤr die allgemeine Wohlfahrt iſt. Northampton. Das oſſene Land thut, nach einem Durchſchnitte, 11 Schilling 6 Pence der Acre Pacht; das verkoppelte 20 Schilling, alſo 8 Schilling 6 Pence mehr. Es ſind noch 150,000 Acres offenes Feldland; alſo jaͤhrlich 60,0 00 Pfund am Pachtertrage verlohren. Die Koſtbarkeit der Parlaments⸗ Acten macht das einzige Hinderniß aus. Warwickk. Offenes Feld thut 10 Schilling; daſſelbe verkoppelt 18 Schilling Pacht. Manches iſt in Gras gelegt, und thut 15— 35 Schilling. Wenn man auch die Zinſen der Verkoppelungskoſten abrechnet, ſo hat man doch ein Drittel an Einkuͤnften mehr. 30,000 Acres ſind noch offenes Feld. — —————— —————— — 36— Worceſer. 1 Die Pacht des verkoppelten luntes iſt allenthalben in ſtarken Verhaͤltniſſen geſtiegen, der Ertrag aber noch mehr. In Anſehung des Viehſtapels übertrifft dies alle Begriffe. In einem Kirchſpiele iſt nach einer zuverlaͤſſigen Angabe der Ertrag der Schaafe jaͤhrlich tauſend Pfund hoͤher geworden. Die Theilungen haben ſich hier nur auf das offene Acker⸗ land erſtreckt, de hat die Buſckingham. 6 In allen verkoppelten Kirchſpielen hat die Bevoͤlkerung zugenommen, ohnerachtet 3 verſchiedene ſich guf Gras⸗ und Viehwirthſchaft gelegt haben. Hertford. die Pacht des verkoppelten Landes hat ſich verdoppelt, und das Land iſt haͤufig das Dop⸗ pelte dieſer Pacht werth. Cambridge. Der Durchſchnitt der Pacht des ver⸗ koppelten Landes betraͤgt auf einen Acre 8 Schilling mehr, als des offenen Feldes. Zwey Kirchſpiele, die gleichen Boden haben, und deren Feldmarken nur durch eine Hecke getrennet ſind, haben ſolgenden Unterſchied des Ertrages von einem Acre: Childersley Hardwike verkoppelt offen 24 Buſhel Weizen 16 Buſhel 36„ Gerſte 8 36 Hafer 18„ 30 Bohnen und Erbſen 8„ Hierzu kommt, daß die Schaafe auf den verkoppelten Diſtricten nie faul werden; die auf den offenen oft ganz von dieſer Krankheit aufgerieben werden. Suffolk. Im Kirchſpiel Coney⸗Weſton war der Ueberſchuß der Gebohrnen vor den Geſtorbenen, ſechszehn Jahre vor der Verkoppelung, im Jahr 1777, zwoͤlf; ſechszehn Jahre nach der 4 — ——— — 366— der Verkoppelung, drey und vierzig. Die Pacht iſt verdoppelt, die Farmers ſind reicher. Norfolk. ticht die Koſten allein, ſondern die ſchreck⸗ lichen Weitlaͤuftigkeiten halten hier die Fort⸗ ſchritte der Verkoppelungen auf. Jene wurde man anwenden. Surrey. In keinem Stücke iſt man hier ſo weit zuruck, als in der Verkoppelung. Fuͤr manche offene Felder, die jetzt 12 bis 13 Schilling Pacht thun, würden die Farmer, verkoppelt⸗ gern 24 bezahlen. Southampton. Bey Baſingſtoke ward neuerlich ein be⸗ traͤchtlicher Strich Landes verkoppelt, wonach die Pacht von 6 auf 12 Schilling ſtieg · Wilt⸗ — 367— Wiltſhire. Die Nachtheile der offenen Felder⸗Wirth⸗ ſchaft ſind hier: daß man jede Art von Boden auf gleiche Weiſe pfluͤgen, beſtellen und beſaen muß; die Unmoͤglichkeit, die Schaafe zu ver⸗ beſſern; die Schwierigkeit, gutes und genug⸗ ſames Heu fuͤr den Winter zu machen; die mehrere Arbeit und Pferde, welche dabey noͤthig ſind. In dem nordweſtlichen Diſtricte bält man die Gemeinweiden faſt gar nichts werth, und das Recht, ſie zu benutzen, wird uͤberall nicht in Anſchlag gebracht. 3000 Acres bey Weſtbury tragen gar nichts ein, und brauch⸗ ten nur getheilt und abgewaͤſſert zu werden, um jaͤhrlich 15 Schilling für den Acre zu tragen. Im Allgemeinen waͤre das offene Feld einer erſtaunlichen Verbeſſerung durch Verkoppelung faͤhig. Bey allen Verkoppelungen, wo die Moͤg⸗ lichkeit iſt, Bewäſſerungs⸗Wieſen zu machen, müßten die Commiſſarien berechtiget ſeyn, allen Waſſermuͤhlen, zu geſeßzten Zeiten, ſo viel Waſ⸗ ſer zu nehmen, als zur Bewäſſerung der unter⸗ balb liegenden Wieſen nothig iſt, und den Muͤhlen eine jaͤhrliche Schadloshaltung dafuͤr auszuſeßzen. Wenn die legalen Weitlauftig⸗ keiten gehoben werden konnten, ſo würde die ganze — 368— ganze Grafſchaft in kurzer Zeit verkoppelt ſehn. Sommerſet. Nach der Verkoppelung hat die Vermeh⸗ rung der Pacht haͤufig zwey Drittel betragen⸗ Sie hat den Zuſtand der geringern Hausleute allgemein verbeſſert, denn in allen ſolchen Kirchſpielen hat die Armentare abgenommen. Die aͤngeblichen Vortheile, welche dieſe armen ſ Leute von den Gemeinheiten haben ſollen, ſind fuͤr ſie ein poſitiver Verluſt. Das Recht, an der Gemeinweide Theil zu nehmen, gilt zwölf Schilling. Es wird den Haͤuslern ſchädlich, d weil es ſie zur Unthaͤtigkeit verleitet. Drey 4 k 6 tauſend Acres moorigten naſſen Bodens⸗ welche eingekoppelt worden, thun nun von 10 * bis§0 Schilling vom Acre Pacht, und waren 1 ¹ vorher faſt gar nichts werth. Der Arbeitslohn iſt von 4 auf 6 Pence geſtiegen, und der Ge⸗ ſundheits/Zuſtand viel verbeſſert worden. Da das Verkoppelungs⸗Syſtem den Ertrag des Landes vermehrt, den Ve'dienſt erhöhet, die Armentaxe vermindert, Geſundheit und Ve⸗ völkerung verbreitet; ſo iſt es zum Erſtaunen⸗ 3₰ daß man ſo wenig von Seiten der Geſetzgebung k zu ihrem Veßten gethan hat. 9 Dor⸗ Dorſet. Die Vortheile der Verkoppelung ſind über⸗ wiegend. Aber die Parlaments⸗Acten ſind zu koſtbar. Man muß drey bis vier hundert Pfund bezahlen, ohne ſicher zu ſeyn, daß die Sache zu Stande kommen werde. Ich enthalte mich, mehrere ähnliche Be⸗ merkungen aus den Reports anzufuͤhren, da ſie im Weſentlichen alle uͤbereinſtimmend ſind, und manche ſich zu ſehr auf Ortsverhaͤltniſſe beziehen. Die Surveyers legen dadurch nicht ihre eigene Regierung, ſondern das Urtheil der kluͤgſten Leute in den Gegenden an den Tag. Das Einzige, was man der Verkoppelung in England mit einigem Anſchein entgegen⸗ geſetzt hat, iſt: daß der Kornbau dadurch ver⸗ mindert werde, weil das eingekoppelte Land zu viel zur Viehzucht benutzet wuͤrde. Dies kann jedoch nur der Fall ſeyn, wenn man bloß das bisherige Ackerſeld— die Gemrinweiden nicht mit— verkoppelt. Und dann hat man ohne Zweifel bey dieſer Behauptung bloß auf Quantitaͤt der Einſaat, nicht auf den Ertrag, Ruͤckſicht genommen, der unter der nach der Verkoppelung allemal eintretenden beſſeren an Bds. 2te Abtheir. Aa Cul⸗ — —.—.——————— E— 2 „———— ₰ ———3 — 37 Cultur, und ſelbſt durch die Vermehrung des Viehſtapels erfolgt. Indeſſen will ich es grade nicht ableugnen, daß unter dem niedrigen Ver⸗ hal niſſe, worin zu gewiſſen Zeiten der Preis des Getreides gegen thieriſche Producte in Eng⸗ land geſtanden hat, vorerſt nach mancher Ver⸗ koppelung weniger Korn gebauet ſey. Ohne Zweifel aber wird ſich Viehzucht und Kornbau nach der Verkoppelung bald in das gehoͤrige Gleichgewicht ſetzen. In Teutſchland hat man grade im Gegen⸗ theil die Beſorgniß, es werde durch Gemein⸗ heitstheilung und allgemeine Verkoppelung Mangel an Weide, folglich Abnahme der Rind⸗ viehzucht, und gaͤnzlicher Verfall der Schaaf⸗ zucht entſtehen. Fuͤr erſtere ſind freylich nur Leute von ſehr beſchraͤnkten Kenntniſſen in Sor⸗ gen; in Rückſicht auf letztere aber haben ſich ſogar Schriftſteller und Cameraliſten gegen Gemeinheitstheilung und Aufhebung der Stop⸗ pel⸗ und Braachbehuͤtung erklaͤrt. Die Wolle. hat man geſagt, ſey ein zu wichtiger Artikel⸗ und ihre Verarbeitung ein zu nählicher Er⸗ werbszweig, als daß der Staat ſolchen auf⸗ opfern duͤrfe. Allein dieſer Einwurf gruͤndet ſich lediglich auf das alte Vorurtheil unſerer Schaͤfer, und ſetzt eine vollige Unbekanntſchaft mit dem Betriebe der vortrefflichen engliſchen Schaaf⸗ — Schaafzucht voraus. Die Schaͤfer halten naͤmlich ein weites Umherſtreifen der Schaafe, und eine abwechſelnde Weide auf hohen und niedrigen Gegenden, auf fetten und mageren Gruͤnden, zu ihrem Gedeihen nothwendig. Und freilich war dieſe Abwechſelung der Weide auf un⸗ ſern ungeſunden und verwilderten Schaaftriften noͤthig. Das auf hohen, dürren Triften ausge⸗ hungerte Vieh mußte, um Nahrung zu erhalten, in feuchte, ſumpfigte Gruͤnde getrieben, und, um den Nachtheil dieſes den Schaafen ſo ſchaͤdlichen Fraßes vorzubeugen, ſchnell wieder auf trockene Heidhuͤgel geführt werden. Denn eine geſunde, den Schaafen angemeſſene, gleichfoͤrmige Weide hat und kennt man in unverkoppelten Gegen⸗ den nicht. Man war von der Nulichkeit dieſes weiten Umherſtreifens ſo uͤberzeugt⸗ daß man die Vorzüge der ſpaniſchen Schaafzucht faſt allein den weiten Reiſen beymaß, welche die dortigen Heerden machen; eine Meynung⸗ die durch Laſteyrie's vortreffliche Beſchrei⸗ bung der ſpaniſchen Schaafzucht nun voͤllig widerlegt iſt. Aber nirgends wird die Schaaf⸗ zucht vollkommener und mit groͤßerem Vortheil betrieben, wie in den verkoppelten Diſtricten Englands, wo man die Schaafe hirtenlos, und ohne alle weitere Sorge, auf denen ihnen ausgeſetzten cultivirten, ſorgfältig abgewaͤſſerten und zweckmäßig beſaamten Koppeln weiden laͤßt⸗ laͤßt, und fuͤr Faulfreſſen und manche andre Krankheiten ganz geſichert iſt. Einen be⸗ ſondern Schäfer kennt man da nicht, und die Schaafheerde, die oft den beträchtlich⸗ ſten Theil der ganzen Wirthſchaft ausmacht, wird bald von dieſem, bald von jenem Tagelöhner beſorgt. Dieſe Schaafzucht hat ſich, ihres vortheilhaften Betriebes wegen, in den verkoppelten Gegenden, vielleicht auf Koſten des Kornbaues, ſehr vermehrt. Daher ſieht man aber, auſſerhalb den der Schaafzucht ganz geeigneten Berggegenden, auf die in der Gemeinweide herumſtreifenden Schaafe mit groͤßter Verachtung herab, und ſetzet ihren Ertrag, nach Abzug der Winterfutterung und des Riſico, unterhalb Null. Und ſelbſt in den noͤrdlichen Verggegenden ſchaͤtzt man jetzt nur eine getheilte, privative und durch Kunſt ver⸗ beſſerte Schaafweide. Doch es iſt hier noch nicht der Ort, ausfuͤhrlicher uͤber engliſche Schaafzucht zu reden. Ich wollte nur, nach⸗ dem ich die Schwierigkeiten, die in England einer allgemeinen Verkoppelung entgegen ſtehen, erwogen habe, etwas von den Vor⸗ urtheilen ſagen, die man bey uns gegen ſelbige hat. Zu dieſen gehoͤrt denn beſonders die Mey⸗ nung oder das Mißverſtaͤndniß, als oh mit der der Verkoppelung die Mecklenburgiſche oder Holſteiniſche Wirthſchaftsart unbedingt verbun⸗ den ſey. Wenn man es auch zugiebt, daß dieſe in oconomiſcher Hinſicht vortheilhafter ſey, wie unſre bisherige Felderwirthſchaft, d. h. nach Abzug der Koſten einen groͤßeren Ueberſchuß liefere; ſo haͤlt man ſie doch in ſtaatswirth⸗ ſchaftlicher Hinſicht fuͤr nachtheilig, weil ihre Production geringer ſey, und weil ſie weniger Menſchen beſchaͤftige: folglich einem bevolker⸗ ten Staate nicht angemeſſen, und die Zunahme der Bevoͤlkerung nicht befoͤrdernd. Allein, die Verkoppelung ſchließt keine Wirthſchaftsart aus, und befoͤrdert jede. Es kann bey ihr mit mindeſtem Kraft⸗ und Koſten⸗Aufwande gewirth⸗ ſchaftet werden; aber auch mit der groͤßten Energie und der aͤußerſten Verfeinerung. Andre Verhaͤltniſſe werden erſt beſtimmen, welcher Grad von Cultur bey ihr Statt finden ſoll. Keiner iſt in der freyen Benutung ſeines Grund und Vodens beſchraͤnkt; keiner braucht ſich nach dem Vorurtheil, nach dem Herkommen und dem Eigenſinne ſeiner Nachbarn zu richten. Selbſt gegen voreiligen Tadel oder Reid iſt man in ſeinen Koppeln mehr geſichert. Traͤgheit und Dummheit kann nun den Fleiß und die Talente nicht mehr feſſeln. Meine Felder liegen bey einander; ich kann ſie abtheilen, ſie verbinden und trennen, wie ich will. Ich kann krenz und ——————— ———— 1 1 * 7 . 3 5 und queer pflugen, kann den Ackerbeeten die beliebige und zweckmaͤßigſte Richtung geben, ſie herablaufend oder horizontal in huͤgeligten Gegenden anlegen. Ich kann den feuchten Boden abwäſſern; den trockenen durch Hecken und Baͤume gegen Wind und Sonnenſtrahlen ſchuͤhen. Die Ueberſicht meiner Aecker iſt leich⸗ ter; meine Wege ſind kuͤrzer und in beſſerem Stande; meine Erndte⸗ Duͤnger⸗ und Pflug⸗ Fuhren alſo leichter, und mein Geſpann gerin⸗ ger. Mir wird von Andern nichts verfahren und nichts vertreten; durch fremdes Vieh nichts verwuͤſtet. Meine Stoppel und Braache be⸗ nutze ich nach Gefallen, und in gut verzäunten Koppeln geht mein Vieh ohne Hirten. Jede Arbeit kann ich genauer berechnen, die Zeit beſtimmt abmeſſen. Jedem Felde und Boden kann ich die angemeſſenſten Saaten und Frucht⸗ folge geben. Ich kaun meine Aecker zu Weiden und Wieſen machen, und wieder aufbrechen⸗ wenn ſie ſich ausgelegen und friſche Kraͤfte geſammlet haben. Flachen, trockenen Kalkſtein⸗ Voden kann ich in Eſparcette legen; bemooſ'te niedrige Wieſen abwaͤſſern⸗ und reiche Erndten davon nehmen. Ich kann Mergel, Lehm⸗ Sand fahren und hinbringen, wo ich will; kann ſumpfigte Sinken ausfuͤllen, und unfrucht⸗ bare Huͤgel ableeren. Ich kann meine Felder vom Unkraute reinigen, und ſie gegen neue Be⸗ Beſaamung deſſelben ſchuͤtzen. Stehen mir endlich viele Menſchenhaͤnde gegen maͤßigen Arbeitslohn zu Gebothe, ſo habe ich gewiß Gelegenheit, ſie immer auf eine fuͤr mich nuͤt⸗ liche Art zu beſchaͤftigen; fehlen ſie mir, ſo kann ich meine Wirthſchaft zur Roth auch ſo einrichten, daß ich weniger gebrauche. Welch ein Unterſchied dagegen, wenn meine Aecker zerſtreut im offenen Felde und ſamt den Wieſen in halber, meine Weiden in voͤlliger Gemeinheit liegen! Und ſo wird wohl Niemand behaupten koͤnnen, daß das, was den PVortheil jedes einzelnen Beſitzers ſo befoͤrdert, was den Werth des Grund und Bodens nach den in den engliſchen Reports angegebenen Verhaͤlt⸗ niſſen ſteigert, die Production und die Bevoͤl⸗ kerung vermindere, oder dem Staate nach— theilig ſey. Daher ſollte man ſich von den Schwierig⸗ keiten weniger abſchrecken laſſen, die in Anſe⸗ hung der Grundſaͤße und der Verfahrungsart in den meiſten Gegenden vorkommen werden. Es iſt gewiß ſehr gut, daß man die verſchiede⸗ nen Meynungen ſo reiflich erwogen hat, wie es im Preußiſchen und im Lüneburgiſchen geſchehen iſt. Man muß aber Verzicht darauf thun, — 376— thun, ein Principium feſtzuſetzen, wogegen gar nichts zu erinnern iſt, und welches unter keinem Verhaͤltniſſe eine Art von Unbilligkeit mit ſich zu fuͤhren ſcheint. Da, wo alle Theil⸗ haber hinreichend befriediget werden koͤnnen, wird man ſich in Anſehung des Mehr und Weniger ſtrenge an feſtgeſeßte Principien binden koͤnnen. Wo das aber nicht moͤglich iſt, und wo ein Theil der Berechtigten gegen einen andern zu ſehr zuruͤckgeſetzt werden wuͤrde, da muͤßte die Theilung, deucht mir, nicht als eine rechtliche Entſcheidung, ſondern als ein Vergleich angeſehen werden, den aber jeder einzugehen erforderlichen Falls gezwungen wer⸗ den koͤnnte, wenn er dadurch erweislich nicht deterioris, ſondern melioris conditionis, wie vorher, wuͤrde. Daß ein Anderer einen großeren Antheil erhalte, als ihm nach anderen Grundſaͤtzen gebuͤhrt, muß Keinem die Befug⸗ niß geben koͤnnen, die Sache wieder ruckgaͤngig zu machen. Denn wenn der Neid, und deſſen Anwald, die Chicane, ſich in die Verhandlun⸗ gen miſchen durfen, ſo wird nie etwas daraus. In England ſind die Principien freylich gar zu ſchwankend, und die Ausfuͤhrung der Thei⸗ lung iſt faſt lediglich dem Ermeſſen der vom Parlamente angeſetzten Commiſſion uͤberlaſſen. Es iſt aber nicht dies, woruͤber man ſich beklagt, ſondern nur uͤber die Koſten und Weitläuftigkeiten, ehe es zum Theilungs⸗Act wirklich kommt. Gleich nach geſchehener Theilung beklagt ſich zwar mancher, daß er dabey laͤdirt ſey; aber nach einiger Zeit wird keiner die alte Lage der Dinge wieder zuruͤck wuͤnſchen. Es wird, meines Erachtens, am meiſten auf eine gute Auswahl, Zuſammen⸗ ſetzung und Inſtruction der Commiſſion an— kommen. Es werden durchaus Männer dazu erfordert, die mit einer gehoͤrigen Kenntniß der Sache eine unbezweifelte Rechtſchaffenheit und Unbeſtechbarkeit verbin⸗ den, dabey aber auch frey von aͤngſtlicher Unentſchloſſenheit ſind. Einer ſolchen Com⸗ miſſion muß in jedem einzelnen Falle vieles uͤberlaſſen werden, weil ſie, wenn allge⸗ meine Wohlfahrt befoͤrdert werden ſoll, je⸗ desmal auf die Wirthſchafts⸗Verhaͤltniſſe der Intereſſenten Ruͤckſicht nehmen muß, und ſich nicht allein nach poſitiven Rechts⸗ vorſchriften richten darf. Es darf aber von ihr, den Fall einer klar am Tage lie⸗ genden Nullität ausgenommen, keine Appel⸗ lation Statt finden, und insbeſondre nicht an ordentliche Gerichtshöfe gelangen konnen; ſonſt wuͤrden die meiſten Theilungen wieder ruͤckgaͤngig werden. E ———.————————— —— N 378 In Anſehung der Grundſaͤtze und der Verfahrungsart bey Theilungen wird man das Vollſtaͤndigſte in des Herrn Commiſſair Meyer's Werke antreffen, ob es gleich vorzuͤglich nur auf die Verhaͤltniſſe im Luͤne⸗ burgiſchen Ruͤckſicht nimt: Ueber die Gemeinheitstheilung, und zwar von den Grundſaͤtzen, wonach zu theilen, und von der Verfahrungsart des Verfaſ⸗ ſers bey den von ihm beſorgten Theilun⸗ gen, von J. F. Meyer. Zelle, bey Schulze, 1801. 2 Theile. 6 Schreib⸗ und Druckfehler. Seite 19, Zeile 15 ſtatt Häifte lies Haͤlfte— S. 30, 3. 12 ſt. 1 Thlr. l. 2 Thlr.— S. 31, Z. 12 ſt. 113 Schock l. 13 Schock— S. 32, Z. 4 ſt. werden l. worden— S. 38, Z. 3 v. u. ſt. 135 Thlr. l. 140 Thlr— Eb. Z. 1v. u. ſt. 70 Thlr. l. 85 Thlr.— S. 36, Z. 17 ſt. 70 Thlr. l. 85 Thlr. — S. 36, 3. 2 v. u. ſt. 731 l. 746— Eb. Z. 1 v. u. ſt. 13 l. 31 u. ſt. 7 Funftel l. 2 Fuͤnftel— S. 39, Z. 8 ſt. wird l. wuͤrde— S. 48, Z. 7 l. Sinclair— S. 62, Z. 1 ſt. kein anderes l. keinen anderen— S 54. Z. 11ſt. der l. des— S. 59, 3. 9l. Sittſamkeit— S. 78, 24 l. mußte — S. 83, Z. 20 faͤllt der Strich weg— S. 87, 3. 15 ſt. ihn l. ihm— S. 89, 18 ſt. directe l. dritte— S. 100,3. 25 ſt. die andere l. der anderen — S. 101 3.2 ſt. das andre l. dem andern— S 108, 8. 7 ſt. dieſen l. dieſem— S. 143 3. 26 ſt Defraudenten l. Defraudanten— S. 145, Z. 20 ſt. hatte l. hätte— S. 157, Z. 26 ſt. zurieche l. zureiche— S. 166, Z. 9 ſt. wird l. wuͤrde— Daſ. 3. 16 ſt kann l. könne— S. 171,3. 3 ſt. heben l. haben— Daſ. Z. 18 ſt. Schifffahrt l. Schifffracht— Seite 176, Z. 21 ſt. dieſe l. dieſen— S. 192, Z. 2 v. u. ſt. Reſultate l. That⸗ ſachen— S. 199, 3Z. 19 ſt. noch kann es l. auch kann es nicht— Daſ. Z. 23 ſt. noch l. nun auch— S. 213, 8. 4 ſi. ſinke l. ſinkt— S. 228 Z. 10 ſt. ward l. wird— S. 2k2, 8. 15 ſt. Tonnemeitzen l. Tonne Weit⸗ zen⸗— S. 281, Z. 17 ſt. Syſtem l. Syſtems— S. 287, 3. 2 v. u. ſt in 1. an— S. 294, Z. 20 ſt. worden l. werden— S. 301, 12 ſt. geſchaffet l. geſchaffen— S. 317, Z. 21 ſt. gruͤndlichen l. grundlichſten— S. 327, Z. 15 l. gemeinſchaftlichem— S. 330, Z. 21 ſt. Sande l. Stande— S. 331,8. 15 ſt. iſt 1. ſind— S. 343, 3. 8 l. Intereſſenten— S. 356 Z. 4 v. u. l. meines— S. 371,3. 11ſt. den l. dem— Seite 372, Z. 1 l. vor Faulfreſſen und manchen andern— ———— SLA5 5 MEMdE