0B GESSEN numm„ 22 078 844 PN 3 — ueber ernh die Schaafzuchn 22 insbeſondere 2 4 uͤber die Race der Merinos. o Auf B efehl Sr. Excellenz des Miniſter des Innern * herausgegeben⸗ Bearbeitet . 2e f Micgtied des Ratisnal⸗ Inſtikuts, des Hrdens der Ehrenkegion, der Societät des Ackerbnues und der Arzneiſchule in Paris, des Unterrichts⸗ Ausſchuſſes der Thierarzneiſchule zu Alfort, und General⸗Inſper⸗ tor den Stants⸗Schäfereien. Continuoque greges villis lege mollibus albos. Vrs. Georgic lib. III. vers. 386. Ins Deutſche übertrageh, mit Anmerkungen und Zuſaͤtzen, von Hitgtied der Potsdamer ökonvmiſchen Geſelſchaft und der Pariſer Societat des Ackerbaues, Erbherrn auf Futkenwolde⸗ Mit ſechs Foßſichcein B bei Iulius Eduard Hitzig, Aus den beslnden erkiedarschs. Staais- und Uniuerittsbdliodc uusgeschieden. Vorbericht des Ueberſetzers. So wie man in crich ſel 6i[ange auf die Erſcheinung des vorliegenden Werks begie⸗ rig war, ſo war man es noch mehr in Deutſch⸗ land, theils weil es uns wirklich noch ſehr an genauen Nachrichten uͤber die Merinos, ſowohl in Spanien als Frankreich, fehlte, theils weil der Name des Verfaſſers ſchon, uns zu großen Erwartungen von ſeiner Arbeit, herechtigte⸗ Herr Teſſier bekleidete zu den Zeiten Ludwigs des réten, als Wundarzt, ein bedeu⸗ tendes Amt in der franzoſiſchen Armee, trieb aber dabei das Studium der Landwirthſchaft. Als der Koͤnig den Gedanken F aus Ramboullet, einer ſeiner Privat⸗Domanen, eine wethhaf zu uchei, wurde T eß 1 — ſier aufgefordert, einen Plan dazu zu entwer⸗ fen,(ſo naͤmlich habe ich die Erzaͤhlung von ihm ſelbſt). Er that dies, ſtellte beſonders die Vortheile einer Schaͤferei von aͤchten Merinos ins Licht, und wußte es dahin zu bringen, daß der Hauptplan der anzulegenden Meierei auf dieſe gerichtet wurde, obgleich ebenfalls eine Heerde ausgezeichnet ſchoͤner Schweizerkuhe— durch eine gewiſſe Frau vou Affry beſorgt— dort hingeſtellt und manches andre Nuͤtzliche eingerichtet wurde. Durch die freundſchaftli⸗ chen Verhaͤltniſſe der beiden Koͤnige von Frank⸗ reich und Spanien gelang es nicht nur, die Er⸗ laubniß zu erhalten, feine Schaafe aus Spa⸗ nien auszufuͤhren, welche ſo hoͤchſt ſelten gege⸗ ten wurde, ſondern der König von Spanien befahl ſogar, aus ſeinen eigenen Heerden, und üͤberhaupt aus den ſchoͤnſten in ganz Spanien, die feinſten Schuaf⸗Boͤcke auszuſuchen, und ſandte im Jahr 1786, 466 Schaafe, incluſive 40 Boͤcke, durch ſpaniſche Schäfer nach Ram⸗ boullet. Dieſe, und nur dieſe, gaben den Stamm der jezt noch exiſtirenden Heerde„ und wenn ſie daher vorzugsweiſe ſchoͤn iſt, ſo darf man die Urſache wohl in den ſelten vortheilhaf⸗ ten Umſtaͤnden ihrer Entſtehung hauptſaͤchlich, —— — V— doch auch darin ſuchen; daß man den anfaͤn ⸗ lich ergriffenen Gedanken, Metiße unter dieſe Heerde zu bringen, aufgab, ſie durchaus rein, und dadurch, daß ſie nie aus der gemauerten Umgebung des Parks hinauskam, die ganze Zeit hindurch abſolut unvermiſcht, erhielt. Teſ⸗ ſier ward nun zum Ober⸗Aufſeher der Meierei, und ein gewiſſer Bourgeois zum Verwalter derſelben ernannt. Dies waͤhrte bis zum Aus⸗ bruche der Revolution, wo Teſſier genoͤthigt wurde, ſich fortzubegeben und zu entfernen. Ein eigen gluͤckliches Geſchick bewahrte in die⸗ ſer Zeit der allgemeinen Verwirrung dies heil⸗ ſame Inſtitut vor ſeinem ſo wahrſcheinlichen Untergang. Der Convent erklaͤrte Ramboul⸗ let fuͤr ein bien de la République, wußte die Meinung aufrecht zu erhalten, daß man es als ſolches unverruͤckt laſſen muͤßte, und es gelang dem verdienſtlichen, thaͤtigen Bourgeois, nicht nur die ganze Zeit unveraͤndert in ſeinem Wirkungskreiſe zu bleiben, ſondern auch die Heerde bis auf das lezte Schaaf unverſehrt zu erhalten. Als die Ordnung der Dinge ei⸗ nigermaßen hergeſtellt und Teſſier wieder nach Paris zuruͤckgekommen war, wurde er wieder⸗ um, jedoch in Gemeinſchaft mit dem gelehrten — V1— Veterinaire Huzard, zum Inſpecteur von Ramboullet, unmittelbar unter dem Miniſterio des Innern, ernannt. Dies blieb er, bis vor nicht zu langer Zeit der Kaiſer Ramboullet wieder fuͤr eine Privat⸗Domaine des Regen⸗ ten erklärte, und es der Adminiſtration des Miniſteri des Innern abgenommen wurde. Seit dieſer Zeit beſorgen Teſſier und Hu⸗ zard blos nach wie vor die jaͤhrlichen Ver⸗ kaͤufe in Ramboullet, und Bourgeois iſt das Uebrige allein uͤberlaſſen. Da nun in⸗ zwiſchen das Gouvernement theils aus dem Ueberfluſſe in Ramboullet, theils aus andern, unmittelbar aus Spanien bezogenen, Transpor⸗ ten, 8 verſchiedene, dem von Ramboullet ganz aͤhnliche Etabliſſements von feinen Heerden in den verſchiedenen Theilen des Reichs anlegte, ſo ward Teſſierzum Inſpecteur uͤber ſie, aber unmittelbar unter dem Miniſterio des Innern, ernannt. Man ſieht aus dieſem Allen, daß Deſ⸗ ſier allerdings, ſeiner Lage nach, der Mann war, von dem man die intereſſanteſten Nach⸗ richten uͤber einen Zweig des Landbaues er⸗ warten konnte, deſſen Vervollkommnung ſich wirklich in Frankreich ſchon ſehr weit ver⸗ breitet hat, und der durch die politiſchen Er⸗ eigniſſe in Spanien immer intereſſanter fuͤr uns Deutſche geworden iſt, ja, welcher, wie ich ſagen moͤchte, der einzige iſt, der den Land⸗ wirth unſers Vaterlandes aufrecht haͤlt. Auch war im Laufe dieſes Sommers kaum ſein Buch erſchienen, als der Moniteur einen Auszug ei⸗ niger Stellen deſſelben lieferte, welche Sr. Durchlaucht, der Herzog von Holſtein⸗Beck, auch ins Deutſche haben uͤberſetzen laſſen. Ich glaubte daher, keine unwillkommne Muͤhe zu uͤbernehmen, wenn ich, bei der Schwierigkeit, ſich franzoͤſiſche Buͤcher wohlfeil bei uns zu ver⸗ ſchaffen, das Werk uͤberſetzte; um ſo mehr, als eine Reiſe, die ich in dem leztverfloſſenen Jahre und ſelbſt noch im Anfange des jetzigen in landwirthſchaftlicher Hinſicht durch Frank⸗ reich machte, mich in den Stand ſetzte, manche fuͤr uns Deutſche nicht gleichguͤltige Berichti⸗ gung oder Anmerkung, und ſelbſt ein paar nicht unintereſſante Zeichnungen, hinzuzufügen. Da aber in Frankreich, obgleich einzelne feine Schaͤfereien das meiſte, was wir von Meri⸗ nos beſitzen, uͤbertreffen; aus Urſachen, die, wie —. — vur— ich gezeigt habe, in der Entſtehungsart von Ramboullet und neuerdings in den Verhaͤltniſ⸗ ſen mit Spanien liegen; doch im Allgemeinen die Schaafzucht weit ſchlechter betrieben wird, als bei uns, wie man dies auch weiterhin aus Teſſiers eigenen Aeußerungen erſehen wird, und die Elementarkenntniſſe uͤber dieſen Cul⸗ turzweig, ſo wie uber die meiſten uͤbrigen, dort weit weniger verbreitet ſind, als bei uns; ſo habe ich in Deſſiers Arbeit ſehr vieles gefun⸗ den, was mir ganz uͤberfluͤßig zu uͤberſetzen ſchien. Auch iſt ſein Styl an ſich unnoͤthig weitſchweifig. Ich habe daher nicht woͤrtlich uͤberſetzt, ſondern nur ſinnrichtig wiedergege⸗ ben, was fuͤr uns intereſſant war, und glaube, daß meine Leſer dabei gewonnen, nicht verloren haben. Statiſtiſche Notizen, uͤber die Anzahl der jezt in Frankreich exiſtirenden Merinos und Metis, ihren Ertrag u. ſ. w. hätte ich mehr gewuͤnſcht, ſo wie mancher Artikel, zum Bei⸗ ſpiel die Unterſuchung der Schaafracen, ſehr un⸗ vollſtaͤndig und oberflaͤchlich iſt. Hin und wie⸗ der habe ich durch eine Anmerkung dem Man⸗ gel abgeholfen. Duagen iſt die Abtheilung des Werks, welche von den Krankheiten der Schaafe han⸗ delt, hoͤchſt intereſſant, und weit vollſtaͤndiger, als was mir bisher in dieſer Art bekannt ge⸗ worden. Es iſt dies auch natuͤrlich, dattheils TDeſſier ſelbſt ein guter Wundarzt iſt, theils ihm ſein Freund Huzord, einer der erſten lebenden Veterinairs, ſehr viel dazu mitge⸗ theilt, theils er die ſchoͤne Verſuchs⸗Heerde auf der Thierarzneiſchule zu Alfort immer vor Augen hat. Die Vorrede hab' ich weggelaſſen, da ſie fuͤr uns wenig Bemertenswerthes enthaͤlt. Der Verfaſſer ſagt uns darin, daß unter den franzöſiſchen Miniſtern, Herr von Tru⸗ daine im Jahr 1766 zuerſt die Idee ſpa⸗ niſcher Schaafzucht in Frankreich mit Eifer ergriffen, und daß ſein Sohn, Daniel Carl von Trudaine, dem bekannten Dauben⸗ ton aufgetragen habe, eine Anleitung fuͤr Schaͤferei⸗Beſitzer zu ſchreiben. Dauben⸗ ton ließ 1782 eine„Instruction pour les ber- gers et les proprietaires de troupeaux“ in Form eines Catechismus, in Fragen und Ant⸗ worten getheilt, drucken, welche ſehr viel Gluͤck machte, und von welcher er ſelbſt 94 —— einen kleinen Auszug gab. Der Rational⸗ Convent decretirte 1795, daß zu Gunſten des Daubenton, und auf Koſten des Gou⸗ vernements, eine neue Auflage ſeiner großen „Instruetion“ von 2000 Exemplaren gemacht werden ſolle. Mehrere Jahre vergingen, bis — es dahin kam, welches erſt unter Chaptals Miniſterium geſchah, der ſie durch Huzard im Jahr 1802 beſorgen ließ. Der Verfaſſer ſagt uns ferner, da Dau⸗ bentons Werk vorzuͤglich nur die Ver⸗ edlung der Schaafe, nicht die Zucht und Be⸗ handlung ganz feiner Heerden, zum Zweck ge⸗ habt habe, ſo haͤtte man dieſem Mangel durch eine Anweiſung abhelfen wollen, deren Ab⸗ faſſung durch das mit dem Miniſterium des Innern verbundene, damals exiſtirende bureau consultatit᷑ ꝙagriculture*) dem Profeſſor Gilbert zu Alfort uͤbertragen ſeyo. Man habe hiervon 1297 die erſte, und 1799 die zweite Auflage gemacht, und beide waͤren un⸗ *) Aus den Herren Cels, Dubois, Gilbert, Hu⸗ ard,Labergerir, Deſſiet, Vilmorin beſtehend. — X1— entgeldlich vom Riniſterio vertheilt wor⸗ den*). Jezt nun, nachdem dieſe beiden vergrif⸗ fen und inzwiſchen ſich die Erfahrungen ver⸗ vielfaͤltigt und die Kenntniſſe erweitert haͤt⸗ ten, ſey dem Verfaſſer von dem Miniſter des Innern der Auftrag gemacht, das Beſte von Allem und beſonders die in den lezten 10 Jahren erworbenen Kenntniſſe zuſammenzutra⸗ gen, und eine vollſtaͤndige Unterweiſung uͤber das Schaafoieh abzufaſſen; wodurch denn vor⸗ liegendes Werk entſtanden ſey. Ich habe geeilt, dem Publiko dieſe Ueber⸗ ſesung zu uͤbergeben, und habe geſucht, ſie ſo kurz als möglich zuſammen zu faſſen, da bei einer Arbeit dieſer Art der Inhalt weſentlicher **) Dieſe kleine Schrift fuͤhrt den Titel: Instruction sur les moyens les plus propres à assurer la Propa- gation des bétes à laine de race d'Espagne et la conservation de cette race dans tonte sa pureté, Publié par le bureau consultatif d'Agriculture et redigée par F. H. Gilbert, à Paris, de Timprime- rie de la Republique. Frimaire an. und iſt 4 Bogen ſtark. 1. — X11— als die Form iſt. Dieſe beiden Ruͤckſichten moͤgen mich unterſtuͤtzen bei der Bitte um Nach⸗ ſicht fuͤr den hin und wieder etwas fluͤchtigen Styl. Falkenwalde in der Neu⸗Mark, im Monat Januar 1811. Vitte⸗ Es wird gebeten, die Bemerkung vor dem Druckfeh⸗ ter⸗Verzeichniſſe ja nicht zu uͤberſehen. Inhalts⸗Verzeichniß. * Von den verſchiedenen Racen der Schaafe und insbeſondre von den Merinos Seite 1. Von den blos durch Kreuzen veredelten Heerden. S. 10. Von den Zuwachsheerden. S. 17. Von den ganz aͤchten Heerden S. s0. Von den verſchiedenen Arten die Heerden zu nutzen. S. 37. Von den Grundſätzen des Cheptel⸗Vertrags. S. o. Von der Begattung. S. 56. Von der Traͤchtigkeit und dem Lammen⸗ S. 66. Vom Abſetzen. S. 70. Von dem Abhauen des Schwanzes. S. 71. Vom Caſtriren der Lämmer. S. 73. Vom Abnehmen der Hoͤrner. S. 76. Vom Zeichnen der Schaafe. S. 727. Von den Schaaſſtällen. S. 73. Von der Nahrung im Stalle. S. sa. Vom Horten. S. 86. Von der Nahrung beim Weide⸗ Gange. S. 9o. Von der Vorſorge, wenn die Thiere Reiſen machen muͤſſen. S. 9ʒ. Von der Schur. S. 98. Von den Vließen und der Wolle. S. 10. Von dem Entfetten und der Wollwäſche. S. 109. Verfahren des Gilbert dabei. S. 111. Verfahren der Spanier. S. 115. Von der Fabrikwäſche. S. 123. Vom Wollverkauf. S. 124. Von dem Verkauf der Schaafe. S. 126. Von der Art und Weiſe, das Alter der Schaafe zu erkennen S 127. Allgemeine Betrachtungen uͤber die Krankheiten der Schaaſe. S. 13. Von den Pocken(claveau). S. 131. Von der Raͤude(gle). S. 141. Von den Flechten(dartres). S 133. Von dem ſchwarzen Maul(Noir musean, vivrogüe). S. 155. Von dem Krebs(Mugnet). S. 156. Vom Hinken und den Krankheiten an den Fuͤßen, S. 157. Pon der Spinne oder der Euter⸗Krankheit(maladie du pis, arai- gu6e) S. 164. Von dem laufenden Feüer(Charbon) S. 166. Von dem Faulwerden oder der allgemeinen Verderbtheit der Säfte.(Pourriture ou Cachexie aqueuse). S 468. 3 Von dem Durchfall und der Ruhr. Piarrhoe on Pevoiement. S. 178. 4 Von der Ginſterkrankheit.(enettade). S. r30. Von der Waldkrankheit.(naladie de bois.) S. 181. Von der Blukkrankheit, Milzbrand(maladie du sang, sans— maurois dans le département de l'Indre). S. 186. Von der Krankheit des ehemaligen Rouſſillon, dem Deyattement des Pyreues orientäles.(La Falerrc). Von der sologner oder rothen Krankheit. S. 195. Von dem Schnupfen. S. 201. Von der fallenden Sucht Epilepſie(réränos,— S. 202. Von den Couvulſionen vder dem Blödſinn. S. 203. Von der Drehſucht(Tournis, Der Löluelen. (Lourderie). S. 205. Vom Aufblaͤhen. Gouflement de panse, Metsorisation.) S. 2 Von den Wuͤrmern und Zulefte⸗ welche den Schanfen ſonu ſind. S. 230. Von Geſchwuͤlſten, O Quetſchungen und Wunden. S. 235. Von der Reinigung der Schaafſtaͤlle bei anſeckenden Uebeln. S 237. Von den Haarballen.(Bgagropiles) Von den Schäfern und ihren Hunden. S. 239. — Verbef ſeir u ugen. Die Entfernung des Ueberſetzers vom Druckorte hat in den erſten Bogen, die er nicht ſelbſt zur Korrektur erhielt, A bis K incluſive, eine große Anzahl, zum Theilganzſinnzerſtörenber, Druck⸗ ler veranlaßt, die man vor dem Leſen, durch Beiſchreiben der richtigen Lesarten, zu verbeſſern bittet; die allervorzüglichſten ſind gedehnt gedruckt. Seite 5 Zeile 25 von oben, fuͤr Hareford lies Hertford. w.— 27 und z2 f. Ryelard und Ryeland lies Rye⸗ land. 212, — 10— a3 f. die, da. 61n ib.— 24 f. der, die. — X7 * „)* eeite 19 Zeile 10 für nun, ein. widem— 21 f. eße ne † en ſte* end — 20— f verzehren, vergehen. — 21— f untichtite,) vchwichtige. — 22— 12 f Widder, Weiden. ibidem— a23 ftautes estantés. 4* —— f Streckt, Cbarte.* ibidem— 29 f. Duque de Infantado, Duque del Infan tado. ipidem—— f. de Alange, Alance. — 24— 11 ſ. 6 Ruthen), 7— 8 Ruthen). — 26— 21 f. von, dor. — 27— 22 f. Palau, Palan. — 28— 1f. gebe, gäbe. iwidem— 5 f Auvlinen, Auetionen. idem— 12 f reichſten, näſchſten — 2— 17— 19 der ganze Gatz: wie ächt ꝛe. pis. beſor⸗ P gen, iſt zu unterſtreichen. — 30— 20 f Alten, Alter'n.. „ 33— a5 †. Grüſen, Gew äch ſe. — 39— 26— 7 Metahers muß unterſtrichen ſeyn⸗ — 41— 2 desgleichen Metayeries— kleiner Hof faͤllt weg. — 43— 27 desgleichen eines. — 45— 7 †f Zeitſchaaffelle, Zeitſchaaf⸗Pelze. — 46— s f. ungemiſchter, ungewa ſchener. — 53— hinter die Worte„fuͤr ein Schaaf“ iſt zu ſez⸗ zen: 4 Fr 19 Sous. öidem— 16 f 6110—(10. 5 3 — 56— 2 f aber, etwa. — 3— 3 †f Rinder, Lämmet. ſidem— 19 f†f auslaſſen, F — 65— 20 f. und, nicht. — 60— 4 f denn es, daraus. — 61— 1f Feisheit, Feinheit⸗ iidem— 4 f. da, das. idem— 10 f. noch, nach. ibidem— 15 f. 6 Jahr, 2 Jahr. — 63— 23 f. wieder, minder⸗ — 64— 10 f. daß ſie, daß da ſie⸗ ibidem— 24 f. ſollte, mag. — 66— 19 f. Laͤmmerzeit, Lammzeil⸗ — XVI— Seite 66 Zeile 21 f. lezte, be ſte bigem— 37 f kommen, 1 a m m en. — c7— 2 f aber nicht, um ſo eher. — 63— 22 f. wurde, wurden. — 71— 20 f. faſt, ehedem — 7—* f. dann, daran. — 73— 11 f. 3 oder 3 jährlich, 1oder zjährig- —— 6 f ſchneide, ſchneidet. — 78— 3 f brachte, brachten. — 79—„ f Stürme, Clim a. — 30— 12 f. das Fenſter, die Fenſter. widem— 21 f. der Erde, die Erde⸗ — 63— 18 f aber, oder. e iidem— ar f. dann, eben⸗. widem— 23 f. Auftriebe, Austriebe⸗ — 34— 6 f. davon, daruber. widem— 12 f. Tolpinenbour, T o inambvut. zidem— e1 f. und fuͤr ſich, an und fuͤr ſich⸗ widem— 23 f. ja, und. n — 65— 3 f. hier wieder, hin undwieder. widem— 3 f. dort, daran Widem— 29 f⸗ welche, welches. — 66—„4 f. ſchon gut⸗ ſehr aut. — 37— 6 f. Haken Horten iidem— 23 f. die Horten, da s Horten. — 4— 3 f. den de m. zbiaem— 13 f. Her⸗ die Erſparniß. tpidem— 5. mit/ viel zvidem— 26 f. Wirkung St ärkung— — 97— 1 u f. ſtatt„welche die« chaafe, ſelbſt die Me⸗ „rinos veobachteten, iſt die Urſache ihrer gro⸗ „ßen PVorzuͤglichkeit in den Wäaldern ledig⸗ „lich“ iſt zu leſen: welchein Sypanien ſelbſt die Merinos beobachteten⸗ iſt die urſache idrer großen Vor⸗ zuͤglichkeit in der Wolle u ſ w. —„„— 2 Sommer und Winter Haare, Sommer“ und Winter⸗Haare widem— 15 f. 2 Monate, 12 Monate. zpidem— 23 ſ. da man, da w o m an⸗ Widem— 24 f. bält⸗ erhaͤlt. — 1c0— 26 f. eine einer — XVIT— Seite 101 Zeile 17 für und Abinattung, in Abmattung⸗ Zu der Note***) auf dieſer Seite gehoͤrt uͤbrigens noch die mit*) bezeichnete auf der folgenden, und iſt das*) S. 102 3Z. 2 daher wegzuſtreichen. — 102 Zeile 1f. Waſſer lies Wetter. widem— 6 f. einem, lies einen Waſſerfall. — 103— a1 f. Hagelſchauer, lies Hagelſchauern. — 1„z— 9 f. denn nach Meriard ſcheert ein Mann, von den Merinos ſcheert ie. widem— a5 f. Wollarten, lies Wollertrag. — o5— 3 f. welches die Häifte iſt, lies: welches d as Höͤchſte itt. — 106— a0 iſt hinter die Worte: Zeichnung eines Schaafs, zu ſetzen; in der dritten Zeichnung der Tafel M. 1 f. bedeutende, bedeutender. 7 f. Reinheit, Feinheit. ibidem 14 f. ihnen, ihr. — 10— ibidem— 16 f. Pellicnla, Pellionella- — — 103 ibidem 17 ſ. toparella, topPacella. — 105 6 Schweiß oder Wolle, Schweißiunder Wolle. fehlt hinter gedruͤckt, iſt. zwidem— a3 der Landwirth heißt Siron de Buzarin⸗ — 112 26 f. erſetzt, erſetzte. — 10 16 der Kuͤfen, die Kuͤfen. Wwidem— 17 f. Spundleitung, punetirte Lei tung. widem— 23 f. 88., S. 8. S. widem— 25 f. ſchlemmen, ſchlammen⸗ — 123— 16 f. 2 Pfund, 2 Theile. iwidem ſind die Zeilen a0 und ar ſo zu leſen: In manchen Manufacturen nimmt man auch nur 4 urin und 2 Waſſer, und es gelingt eben ſo gut. ibidem gues. iidom— as fuͤr Vauquelie, Vanquelin. — 13— 5 fuͤr zuruͤck, heraus. pidem— 20 fuͤr einem, einen. — 114— 4 fuͤr Hacke, Harke. widem— 6 f. Kuͤbels, Korbes. widem— 14 f. entfließt, abfließt. — 19— 13 f. Par. Fuß, Par. Pfund⸗ Seite 123 Zeile 25 ſ. andre, lies andren. — 124— 2 f. er, es. iaem— ra f. den, die iidem— 20 f. die Wäſche, der Wäſche. — 126— 13 f. Fabrikation, Fabrikate. ibidem— 14 f. kommt, kommen. — 129— 9 f. feſte, anſteckende. iidem— 12 f. Hornwurzeln, Hoͤrnerwurzeln. — 130— 18 iſt das Wort mit auszußtreichen. — 131— 25 f. gramedure, gramadure. — 132— 22 f. hiernach, hernach.* — 134— 22 f. welche, welcher. — 137— 22 Zu der Note**) iſt noch hinzuzufuͤgen: Auch unter dem Schwanze hat man zuim⸗ pfen verſucht, um das beſchwerliche Lahmwerden zu verhten. W. — 141— 31 f. alt, alte 3 — 143— 4 f. Buͤumen, Bäume. ipidem— 7 f. Jucken, Juͤcken. k ibidem— 13 hinter„des Vließes“ fehlen die Worte: nach einem Regen. — 144—„f. im Euter, a m Euter. ipidem— 25 f. Att von Muͤcke, Art von Milbe. ibidem— 26 f. scabini, sca biaci. Von den verſchiedenen Racen der Schaafe und insbeſondere von den Merinos. Di Schaafe bilden unter den wiederkäuenden Thie⸗ ren ein ſehr intereſſantes Geſchlecht, welches in ver⸗ ſchiedene Racen zerfaͤllt, die ihre eigenthuͤmlichen— Kennzeichen haben und deren Anzahl man auf 7*) annehmen kann, nemlich: ) Die afrikaniſche Race. Ohne Hoͤr⸗ ner, boch, die Stirn kielfoͤrmig herausgewolbt, der Kopf ſtark vorgebaut, die Wolle kurz; unten am 7 Der Verfaſſer begreift hier, wie es ſcheint, den gan⸗ zen Rorden unter eine Provinz und giebt ihm eine Race Dieſe ganze Unterſuchung iſt zu oberflaͤchlich. Wie viel ſchaͤtzbare und ganz ausgezeichnete Racen ſind hier vergeſſen? Unter andern die der Inſel Shetland, deren Wolle ſogar, nicht blos nach dem Urtheil der Engländer, ſondern ſelbſt nach dem der Franzoſen — 2— Halſe entlang eine herabhaͤngende Wamme, auf dem Halſe eine Maͤhne, in der ſich Slocken von Wolle bilden, die allmaͤhlich abfallen und durch an⸗ dre erſetzt werden. Man hat in Ramboullet 3 der⸗ gleichen unterhalten.*) 2) Die arabiſche Race. Man findet ſie am Vorgebuͤrge der guten Hoffnung(dem Cap) im Hottentottenlande und in Aegypten, von wo die franzbſiſche Armee ſie mitgebracht hat. Der Schwanz iſt dick, breit und ſchwer, es tritt eine Verlängerung daraus hervor, die die Staͤrke eines gewohnlichen Schwanzes hat; und dies iſt es, wo⸗ vurch ſie ſich von den folgenden unterſcheidet: es giebt dergleichen in der Menagerie im Jardin des plantes in Paris, und auf der Thierarzneyſchule zu Alfort⸗ feiner als die Merinoswolle iſt. Ich habe in die⸗ ſem Augenblick eine Probe eines Zeuges vor mir, welches von dieſer Wolle auf den Guͤtern des Sir John Sinclair gemacht worden und völlig ſo fein als Caſchemir iſt. Ueber dieſe Schafe ſchlage man nach, Laſteyries Werk und Culley uͤberſetzt von Daum. W. *) Ich habe mittelſt dieſer Thiere den Verſuch gemacht, mich zu verſichern, nach wie viel Generationen die feine Wolle ſich in haarartige verwandelt, wenn man ſpaniſche Schaafe mit einem afrikaniſchen Widder kreuzt, um den entgegengeſetzten Verſuch des Dau⸗ benton zu machen Nur habe ich den Meinigen, ſo gut er angefangen war, nicht verfolgen koͤnnen. . —— — ——— — 3— 30 Die Race von Creta oder Candia. Die Wolle merklich gewellt, die Horner grade und ſpiralformig mit einer Rinne umwunden. Sie hei⸗ ßen Sterpſiceros.(nicht Sterpſicores?) Die indiſche Race, von den Holländern nach Eutopa gebracht. Vorzuglich hoch und ge⸗ ſtreckt. Das Schaaf bringt jedes Jahr mehrere Laͤmmer. Die Hollander brachten ſie nach dem Texel und Flandern; daher nennt man ſie auch baͤufig, terelſche oder flandriſche Schaafe. 50 Die Race von den Inſeln Feros, von Island und Norwegen. Sehr klein, wild und faſt immer von Schnee umgeben; das Vließ iſt gemiſcht, theils ſeidenartig, theils gewohn⸗ lich wollig, theils blos haarig. 6) Die urſpruͤnglich franz oͤſiſche Race, in der man mehrere Varietäten unterſcheiden kann. Weder ſo hoch als das flandriſche, noch ſo klein, als das norwegiſche Schaaf, ſondern mittler Groͤße und mittler Wolle. Die Uebung lehtt uns leicht die Abarten, z. B. der Rouſſilloner, Berrier, Ar⸗ denner, Bauceronner, Normaͤnner Race an ihren verſchiedenartigen Kennzeichen erkennen. Die Race der Merinos, gewoͤhnlich ſpaniſche Schaafe genannt. Sie wird ihrer vor⸗ zuͤglicheren Eigenſchaften vor den Andern wegen, am meiſten geſchaͤtzt und auf ſie iſt dieſe Anleitung vor⸗ zuglich gerichtet, obgleich die empfohlene Behandlung auch fuͤr alle uͤbrige paßt. Man hält ſich in Frankreich für berzeugt, daß A 2 — 4— — die Merinos urſpruͤnglich aus Afrika ſtammen, oh⸗ 3 ne daß jedoch dieſe Meinung auf beſondre Beweiſe geſtuͤtzt werden konnte.*à) MNur ſoviel wiſſen wir, daß ſie ſeit ſehr langer Zeit in Spanien einheimiſch iſt. Von dorther haben wir ſie genommen⸗ Die Merinos machen eine beſondre Race aus, ſo gut wie im Hundegeſchlechte die Windhunde, die Spitze, Pudel u. ſ. w. So gut wie dort konnen durchs Kreuzen daher Individuen erzeugt werden, die mehr oder minder der urſpruͤnglichen ½ Att ſich nahern, nie aber kann die Art ſelbſt her⸗ geſtellt werden. Ihr Wuchs gehoͤrt in Spanien im Vergleich mit andern Racen zu den mittelmaͤfigen. Von dem aͤußerſten Ende des Vorderfußes bis auf die Schul⸗ ter(Widerruͤſt) ſind ſie 20— 25 Zoli hoch, und von der Mitte des Kopfs bis zur Schwanzwurzel un⸗ gefahr 3 Fuß lang, dergeſtalt daß die Dicke ungefaͤhr der Lange gleich iſt. Lebendig wiegen ſie 60— 80 Pfund; bei gleicher Groͤße, wiegen ſie ſchwerer als die meiſten anderen gewoͤhnlichen Raten;**) die Widder ſind groͤßer als die Schaafe. — —— — *) Die uns durch Hrn. v. La ſteyrie mitgetheilte Herlei⸗ tung des Namen Merinos, in Spanien von„Ma⸗ rinos, jenſeits des Meeres,“ beſtaͤtigt eben⸗ falls dieſe Meiung. W. **) So auffallend dies ſcheint, ſo wird es doch durch die Aeußerungen andrer bedeutenden Landwirthe be⸗ ſtätigt. Herr Pictet fand Metislaͤmmer erſter Ge⸗ 1 Dieſe Dimenſionen jnehmen jedoch in Frank⸗ 5 reich zu, je mehr ſich die Abkoͤmmlinge von der Zeit des Einbringens entfernen, und je ſorgſamer und beſſer ſie gefuͤttert werden. Ein Widderlamm, neration im achten Monat 70 Pfund ſchwer, ſeine Merinosmutter aus Ramboullet wogen im Durch⸗ ſchnitt 90 Pfund und ſein ſtaͤrkſter Vock 118 Pfund. Dies beweiſt zugleich, daß die koͤrperliche Ausbil— dung der Schaafe in Spanien geringer iſt, denn Hr⸗ v. Laſteyrie giebt das Gewicht der Thiere dort nur zu 48 bis 58 Pfund fuͤr gewoͤhnlich an.— Lord Sommerville, Sir John Sinclairs Nachfolger auf dem Praͤſidentenſtuhl des Board af Auriculture, beſtaͤtigt die Meinung ebenfalls, daß das Merinoßſchaaf ein bedeutendes Gewicht und eine gro⸗ ße Fettigkeit erlangen köͤnne. Er glaubt uͤberhaupt, bemerkt zu haben, daß das Fleiſch des Schaafs mit ſeiner Wolle in dem Verhaͤltniß ſtehe, daß das grob⸗ wollige Schaaf ein lockeres, langzaſeriges Fleiſch von minderem Gewicht, das kurz und feinwollige dagegen, ein feſteres, feinzaſeriges, ſchwereres Fleiſch habe Auch haͤlt er die zarte roſenrothe Farbe der Haut eines Merinos fuͤr ein unfehlbares Zeichen der Anlage zum Fettanſatz. Zum Beweiſe fuͤhrt er den Pachter Ridgevay in Harefordshire an, wel⸗ cher im Jahre 1793 einen Zjahrigen Metis eines Merinos mit einem Ryclardſchaaf ſchlachtete, der ihm 85 Pfund Fleiſch und 16 Pfund Talg gab und im Jahre 1800 einen dergleichen, welcher 80 Pfund Fleiſch und 14 Pfund Talg lieferte, waͤhrend das gewoͤhnliche Gewicht des kleinen kurz-und feinwolli⸗ gen Ryclandſchaafs nur 55— 60 Pf. an Fleiſch iſt. 4 ——— — 6—— 8 Monat alt, wog 80 Pfund, und ein Jährlings⸗ bock 145 Pfund, beide in der Caux im Peparte- ment de la Seine inférieure gezogen.*) Die Geſtalt der Merinos iſt mehr rundlich als lang und platt; das Geſicht breit und nicht kielfor⸗ mig; der Ruͤcken iſt nicht gebogen; die Carcaſſe iſt erweitert; die Beine ſind kurz; man ſieht einige die eine Wamme wie der Hirſch am Halſe tragen; man⸗ che haben die Backen, die untern Kinnladen und die Stirn ganz mit Wolle uͤberwachſen, die haͤufig bis auf die Augen niederhangt; viele haben auch weite Falten der Haut an den Schultern, den Len⸗ den und dem Halſe.**) Die Boͤcke haben Hoͤrner, die bisweilen ſo groß und ſtark werden, daß ich ſie bis zu der Laͤnge von 2 Fuß, die Kruͤmmungen mit gemeſſen, geſehen habe. Bei allen iſt dies jedoch nicht der Fall, oh⸗ ne daß die Ungehoͤrnten fuͤr eine eigene Art anzu⸗ nehmen waͤren, indem mehrere ſeit pielen Jahren *) Sie ſtammen von den Thieren her, die ich aus mei⸗ ner Heerde an zwei Gutsbeſitzer, deren einer von Fécamp, der andere von Brettéville bei Toſte, ver⸗ kauft habe. Ihre Eltern waren nicht ſo ungemem ſchwer, da aber in der Caux die Weide und das Futter ſehr reich ſind, ſo verſtaͤrken ſich die Thiere ſo ſehr dort. †. **) Rach meinen Beobachtungen iſt dies durchaus ein Zeichen der vorzuͤglichſten Race, und wird, nach La⸗ ſteyrie, auch in Spanien dafuͤr gehalten. W. in Ramboullet und Perpignan angeſtellte Verſuche bewieſen haben, daß Widder ohne Hoͤrner auch Bocklaͤmmer mit Hornern erzeugt baben, ſo daß dieſer Mangel alſo nur fuͤr ein Naturſpiel zu hal⸗ ten iſt. Herr Olivier, Dirigent der kaiſerlichen Schaͤferei in den Pyrénees orientales, behauptet, daß man dahin käme, durchaus ungehoͤrnte Läm⸗ mer zu ziehen, wenn man mehrere Generationen hin⸗ durch ungehoͤrnte Widder zu Schaafen brächte, die ebenfalls von dergleichen Vaͤtern abſtammten. Die⸗ ſe Behauptung kann nur durch die Erfahrung be⸗ ſtatigt werden. Manche Mutterſchaafe bekommen auch Hoͤrner, ſie ſind jedoch nur klein. Die Wolle iſt das Hauptunterſcheidungszeichen der Merinos; ſie iſt hochſt fein, reichlich, ſanft an⸗ zufuͤhlen, voll Fett, dicht, etwas gekräuſelt, ela⸗ ſtiſch weniger lang, als bei den gewoͤhnlichen Arten, von einer ſchmutzigen, braͤunlich-weißen Farbe, durch den Staub und die Unreinigkeiten, die ſich daran hängen*). Der ganze Koͤrper des Thieres iſt mit Wolle bewachſen, mit Ausnahme der innern Seite der Lenden und eines Theils vom Kopfe. Die Lammer und Jährlinge beſonders ſind bis auf das Ende der Beine herab bewachſen. Bei dem ge⸗ *) Ich habe in Ramboullet 2 ſehr deutlich in Hinſicht der Farbe verſchiedene Arten Merinos gefunden Die eine von gelbbraͤunlicher Farbe der Wolle, wie die⸗ jenigen, die wir ebenfalls beſitzen, die andre ausge⸗ zeichnet weiß, meiſt im S von jener, welcher Un⸗ ——————— ſunden Thiere iſt die Haut unter der Wolle roſen⸗ roth*).— Bisweilen findet man unter den eben aus Spanien kommenden Thieren einige, die zwiſchen dem feinen Gewebe der Wolle, vorzuͤglich an den Backen, dem Oberkopf, den Lenden und dem Hin⸗ tern, glaͤnzende perlgraue Haare haben, welche man ſarre, Hundehaar, nennt. In Frankreich ſucht man dieſe Haare zu vertilgen, indem man Thiere dieſer Art ſorgfaͤltig von der Zuzucht abhält. —— terſchied ſich auch ſelbſt jetzt noch an den Wollpro⸗ ben davon zeigt. Dieſe leztere Art iſt mir bei uns noch nie zu Geſicht gek'mmen, doch iſt ſie in Hin⸗ ſicht der Guͤte der Wolle vor der andern nicht aus⸗ gezeichnet, wie mir dies Hr. Bourgeois auch be⸗ ſtaͤtigte. W „ Als ein ausgezeichnetes Beyſpiel von ſtarkem Wollwuchs bei einem Merinos mag der auf Tafel 1. befindliche, in Ramboullet gezogene und jetzt dem Hrn Ivart zu Maiſon gehörende Bock dienen, deſſen Zeichnung von mir mit der ſtrengſten Wahrheit gemacht iſt. Das Thier konnte kaum grade vor ſich weg ſehn, nach den Seiten hin, gar nicht. Es hatte den Na⸗ men: F'Ours(der Bär) bekommen, und hatte 1 ½ Pfund Wolle, wohl zu merken, ungewaſchen, gelie⸗ fert. Fůͤr 400 Francs, die Hrn. Jvart geboten wor⸗ den, hatte er ihn nicht verkaufen wollen. Das ne⸗ ben dem Bock liegende Lamm habe ich in Ramboul⸗ let nach dem Leben gezeichnet, als ein Beiſpiel der ungemein weiten, loſen, faltigen Haut eines Meri⸗ noslammes der feinſten Race, am Halſe, der Bruſt und dem ganzen Leibe. W. a Z. e. ch. S, —————— Man muß dies Haar nicht mit der Art von Flaum verwechſeln, den man bei vielen neugebor⸗ nen Läͤmmern ſieht, ſelbſt wenn ſie von der fein⸗ ſten Race ſind; dieſer Flaum wird nach 2 oder 3 Monaten durch feine Wolle erſetzt, und diejenigen die den meiſten hatten, ſind haͤufig die ſchoͤnſten Lammer. 10 Nach allen dieſen Kennzeichen kann es nicht ſchwer fallen, einen Merinos von einem gewoͤhnli⸗ chen Schaaf zu unterſcheiden; ihn aber vor einem Metis(veredeltem Schaaf⸗Baſtard) dritter oder vierter Generation zu erkennen, iſt nicht leicht mog⸗ lich, da er ihm im Aeußern vollkommen gleicht. Das ſpaniſche Schaaf lebt 20 Jahr und druͤ⸗ ber.*) Dieſe Lebensdauer jedoch iſt ſelten. Viele ſieht man bis 15 Jahr alt werden und bis dahin ihre Fruchtbarkeit beibehalten. Gewoͤhnlich wirft es nur 1 Lamm, bisweilen auch 2 zugleich, in jedem Jahr. Der Widder wuͤrde eben ſo lange ſeine Dienſte leiſten, wenn man ihn ſchonte, und wenn nicht mehr Gewinn dabei waͤre, jungere Spring⸗ boͤcke zu benutzen. *) Auch Pictet von Genf bemerkt die vorzugsweiſe laͤn⸗ gere Lebensdauer der Merinos und beſonders die laͤngere Erhaltung ihrer Zaͤhne vor andern Schaa⸗ fen und fuͤhrt das Beiſpiel eines Hrn. Marais zu Noguet an, bei dem ein x6jähriges, im Jahre 1786 aus Spanien gekommenes, Schaaf, noch ein Lamm brachte und alle ſeine Zaͤhne behalten hatte. Er — 10— — Schneidet man die Widder zeitig und giebt ihnen gute Weide, ſo wird ihr Fleiſch vortreflich und unterſcheidet ſich von dem der andern Schaafe nur dadurch, daß es etwas heller iſt. Dieſe Thiere werden eben ſo fett und geben ſo guten Talg, als die andern. Man hat dies ehemals vj al⸗ kin gkat mit Unrecht. Von den blos durch Kreuzen veredel⸗ ten Heerden. Das Kreuzen iſt das erſte Mittel welches ſich zur Veredlung unſter Wolle darbot; Daubenton hatte die erſte Idee dazu gegeben und die Muͤtz⸗ lichkeit bewieſen; das Mittel war einfach, leicht, 61 macht jedoch aber auch darauf aufmerkſam, daß eben daher das Merinosſchaaf auch ſeine Lamm⸗ zahne einige Monate ſpaͤter verliert, ſich uͤberhaupt. ſpaͤter ausbildet, nicht wie die meiſten franzoͤſiſchen Racen, mit 14 oder 18 Monaten ſchon, ſondern erſt mit 18 bis 20, und bisweilen erſt mit 30 Monaten den Bock verlangt, und daß beide Geſchlechter erſt mit 3 Jahren ausgewachſen ſind. Der Analogie des ge⸗ wöhnlichen thieriſchen Organismus ſind dieſe Be⸗ erkungen aber eigentlich entgegen, die, je mehr 3 gegen Suͤden, je eher, in der Regel der Ausbildung des Thieres ſtatt hat. W. ſchnell und wohlfeil. Man zerſtorte nicht die Heer⸗ den, die ſchon da waren, man erhielt ſie, und bediente ſich derſelben, aber man vervollkommnete ſie; man durfte nur die grobwolligen Widder durch feinwol⸗ ligere zum Springen erſetzen. Anfaͤnglich nahm man, was man in der Naͤhe fand, dann ging man wei⸗ ter, ohne jedoch aus Frankreich herauszugehen; end⸗ lich beguͤnſtigte das Gouvernement die Induſtrie durch Einfuͤhrung von Heerden von ſpaniſchen Schaafen, beſonders der von Ramboullet, die bei⸗ nahe die erſte oder wenigſtens die fruchtbarſte Pflanzſchule war, woraus man jene koͤſtlichen Kei⸗ me nahm, die ſeither unſern Landbau belebt haben. Dank den Maͤnnern, die dies Etabliſſement ſchufen und erhielten, und denen, die fuͤr das Wohl von Frankreich ſo großen Nutzen davon gezogen haben! Ich ſchweige von den Hinderniſſen, welche Vor⸗ urtheil, Gewohnheit, Abſcheu vor Neuerungen, verſoͤnliches Intereſſe und Bosheit in den Weg leg⸗ ten, ehe man dahin kam, wo wir jett ſind.— In dem Maaße als das Boͤſe ſich entfernt, muß man es auch vergeſſen, und nur an die glucklichen Folgen denken. Will man eine große Veraͤnderung durch⸗ ſetzen, ſo muß man darauf gefaßt ſein, Dornen auf dem Wege anzutreffen. Die erſten Veredler, die durch ihr Kreuzen Widder erhielten, welche viel beſſer waren, als die einheimiſchen, ließen ſich aus Sparſamkeit und weil ſie von Stufe zu Stufe weiter zu ſteigen dachten, verleiten, dieſe Widder als Springboͤcke — 1L2— 41 zu benutzen. Einige Generationen gewannen aller⸗ vings auch dabei; aber dieſe Gewohnheit, die im 1 Anfange wegen der Seltenheit der Merinoswidder beinahe eine Nothwendigkeit geweſen war, hat in der Folge ein wirkliches Uebel erzeugt; man ge⸗ ½ woͤhnte ſich an den Glauben, daß bei der Ften, ₰ 4ten oder Zten Generation der Veredlung, je nach⸗ dem die Racen waͤren, die Widder ſchon ſo gut als aͤchte, als wahre Merinos betrachtet wer⸗ den könnten; man benutzte ſie, und verkaufte ſie auch zu demſelben Zwecke. Dieſe Meinung, die in der Kindheitszeit der Veredlung ſich allenfalls hal⸗ ten könnte, die man aber jetzt noch unmoͤglich ver⸗ theidigen koͤnnte, hatte ſich gar ſchnell verbreitet; Daubenton und Gilbert hatten ſie: der erſte meinte, es ſei gleich, wo auch die Widder herkäàmen, wenn ihre Wolle nur feiner ſei, als die der Muͤt⸗ ter die man ihnen geben wolle; der andre, voll Be⸗ gierde, unſte grobwolligen Heerden verſchwinden zu ſehn, achtete wenig auf den Schaden, den es nach ſich zog, Metisboͤcke*) zum Springen zu nehmen. Die Autorität dieſer beiden verdienſtvollen Maͤnner befeſtigte den Irrthum. Er gewann noch mehr Eingang durch die Schoͤnheit der Metiswolle von weit vorgeruͤckten Generationen, und durch die V *) Man erlauhe mir, mich ſtatt des deutſchen Worts, „veredelter Bock oder veredeltes Schaaf, des kuͤr⸗ zern franzöſiſchen“ Méris,(Meſtize, Abkoͤmmling zweier verſchiedener Racen) zu bedienen. W. Aehnlichkeit ihrer Formen mit denen der Merinos ſelbſt. Es waͤre beſſer geweſen, die Veredlung wäͤre langſamer vorgeſchritten, als daß man ſie durch ein Mittel beſchleunigte, was eher gemacht war, ſie wieder zuruͤckgehn zu laſſen. Daher mußte man dieſe Meinung angreifen, und kaͤmpfen gegen die Beſitzer von Metisheerden, um die Landleute die von ihnen betrogen wurden, zu hindern, ihre Boͤcke zu kaufen. Dies hat die Folge gehabt, daß jene, weil ſie zu ſchnell gewinnen wolltkn, alles Zutrau⸗ en verloren häben, und daß viele Perſonen ihre Veredlung von vorne an begonnen haben, mit Wid⸗ dern von ganz aͤchter Race. Man weiß im Allgemeinen, daß der Einfluß des maͤnnlichen Geſchlechts auf die Nachkommen⸗ ſchaft bedeutend iſt, beſonders iſt er ſehr merkbar bei den Merinos. Obgleich beide Geſchlechter zur Bildung des jungen Thiers beitragen, ſo tragen doch die erſten Generationen auf eine auffallendere Weiſe, das Charakteriſtiſche des Vaters an ſich.*) Will man fortgeſetzt eine ausgezeichnete Race ha⸗ *) Viele aufmerkſume Besbachtungen ſtimmen darin uberein, daß der Einfluß des Bocks vielmehr auf die Beſchaffenheit der Wolle des Lammes, als auf die Koͤrperform, ſtatt habe, und die unterrichteteſten Schaafzuͤchter rathen daher, bei der Wahl des Bocks lediglich auf die Feinheit ſeiner Wolle und ihre Dichtigkeit, dagegen bei dem Schaaf, mehr auf die erwuͤnſchte Form des Koͤrpers zu ſehn. W. ben, ſo muß man Widder nehmen, die im hoͤchſten Grade die wuͤnſchenswerthen Eigenſchaften beſitzen; indem man Metisboͤcke mit gemeinen Landſchaafen paart, wird man eine Race erzielen, die, nachdem ſie allerdings viel beſſer geworden, als die urſpräng⸗ liche es war, einige Zeit ſtehen bleiben, dann aber ſich wieder verſchlechtern wird; der Einfluß dieſer Muͤtter, lange Zeit unterdruͤckt, wird früh oder ſpaͤt ſich darthun, und eine Entartung veranlaßen, weil die aus dieſek Kreuzung entſprungenen Wid⸗ der einen Keim von muͤtterlicher Schlechtheit in ſich tragen, der ſich nach und nach mehr entwickeln wird, um ſo ſicherer, da es Thatſache iſt, daß die Ab⸗ koͤmmlinge gar oft und beinahe am oͤfterſten, mehr nach ihren Voraͤltern, als nach ihren Aeltern, arten. Es giebt jetzt genug Merinos in Frankreich, um immer dergleichen waͤhlen zu koͤnnen. Was auch ihr Preis ſein mag, ſo wird er weit unter dem Vortheil ſein, den ſie geben, da ein Widder fuͤr ſo viele Schaafe hinreicht.*) * *) Ueber dieſen Gegenſtand hat der bekannte Charles pi- ctet de Rochemont in Genf, der Unternehmer des Aufſehn erregenden Etabliſſements zu Odeſſa, eine ſchaͤtbare Abhandlung unter dem Litel:„Memoire aur le chpix des étalons. Vienne 1607“ geſchrie⸗ ben, von der in Leipzig, 808, eine deutſche Ueber⸗ ſetzung erſchienen iſt. Auch in einer andern ſeiner Schriften:„Faits et Observations sur les Merinos 'Espagne. Geneve 1802“ findet man, vorzuͤglich In Spanien giebt man einem Bock gewoͤhn⸗ lich 15 Schaafe, in Frankreich rechnet man 3 aufs Hundert, und der Zuſtand und die Menge der Lämmer beweiſen, daß mehr nicht nothig ſind; im. Gegentheil greifen ſie ſich bei dieſem Verhaͤltniß nicht zu ſehr an und man kann ſie lange Zeit er⸗ halten. Unter den Muͤttern ſuche man, um gut zu veredlen, die ſchoͤnſten der Race aus, der man den Vorzug geben will. Alle koͤnnen auf den hoͤch⸗ ſten Punkt der Veredlung geführt werden, allein nicht alle kommen dahin gleich ſchnell.*) Die Rouſſilloner Race iſt unter den franzoſi⸗ ſchen diejenige, die am ſchnellſten dahin gelangt; von der Zten Generation an iſt ihre Wolle eben ſo fein als die aͤchte. In den zweiten Rang wuͤrde ich die Berryer, Sologner, Ardenner ſetzen; freilich haben ſie nur duͤnne Wolle und die Vließe(Pelze) der Metis, die man davon erhaͤlt, ſind weniger ſchwer 4— uͤber die Kenntniß der verſchiedenen Eigenſchaften der Wolle viele mit ſo viel Scharfblick als Sach⸗ kenntniß abgefaßte Bemerkungen. W. ) Um jzu wiſſen, nach wie viel Generationen und Jah⸗ ren die verſchiedenen franzoͤſiſchen Racen ganz fein⸗ wollig werden koͤnnten, ſind durch die Landwirth⸗ ſchaftstommiſſion zuerſt im Park von Raincy Ver⸗ ſuche angeſtellt, die in Sceaux und zuletzt in der Me⸗ nagerie von Verſailles fortgeſett wurden; dann hat man ſie nach der Thierarzneyſchule zu Alfort ver⸗ legt, wo man ſich noch damit beſchaͤftigt. W⸗ — 16— als die von manchen urſpruͤnglich groͤbern Racen. Auch ſind ſie klein, ein zweiter Nachtheil. Dann muß man auch bedenken, ob man vielleicht weit von Rouſſillon, Berry, Sologne oder den Arden⸗ nen entfernt liegt und der Transport nur verhaͤlt⸗ nißmaͤßige Koſten macht? Wie man ſich auch das berechne; welche Race von Muͤttern man auch waͤhle, ſo muß man zum Anfange immer die beſten Thiere, und zwar im Alter von 3 oder 4 Jahren, auswaͤhlen. Nicht ſelten liefert die erſte Generation ſchon Thiere, die den aͤchten Merinosböcken an Feinheit und Geſtalt gleich oder doch ſehr aͤhnlich ſind. Das iſt indeß nur eine Ausnahme, die die Regel nicht ſtoͤrt. Im Allgemeinen haben die Laͤmmer dieſer Generation nur einen Grad von Feinheit und eine Aehnlichkeit der Formen, die ſie ſich erſt dann ganz zu eigen machen, wenn die Veredlung ſchon ſehr vorgeruͤckt iſt. Alle Metisboͤcke muͤſſen ſorg⸗ ſam geſchnitten werden, ehe ſie ſich begatten kon⸗ nen, und den Metisſchaafen immerfort neue Boͤcke von aͤchter Race gegeben werden. Ich wiederhole es, ohne dieſe Vorſicht wird man ruͤckwärts gehn.*) Von *) Mehrere unſrer deutſchen Landwirthe hatten den Grundſatz, man muͤſſe, um vorwaͤrts zu kommen, wenigſtens alle 3 Jahre die Boͤcke wechſeln, wenn man ſie ſelbſt nur in der nemlichen Feinheit wieder haben konne, als man ſie gehabt. Ich glaube, daß man —.— ——————————— Von den Zuwachs⸗Heerden. Im vorherigen Artikel habe ich vorausgeſeht, daß der Eigenthuͤmer einer Heerde grober Schaafe, nur einige Merinosboͤcke kaufte, um ſeine Schaafe damit belegen zu laſſen. In dieſem Falle, der al⸗ lerdings ſehr vortheilhaft iſt, kann er nur Metis ziehen; er bedarf 13 Jahre, ehe die Dotalitaͤt ſeiner Schaafe in der fuͤnften Generation ſteht, ein noth⸗ wendiger Zeitraum, wenn der Stamm ſehr grobwol⸗ lig war; denn er bedarf nur 11 oder 9 Jahre, wenn et urſpruͤnglich feinere Racen zur Veredlung nahm. Ohne Zweifel hat er Vortheile, wenn er dieſe Zeit erreicht hat; aber ſein Kapital hat noch keinen großen Werth, weil die Metis nicht dem Preiſe der Merinos nahe kommen.*) Ueberdies man ziemlich allgemein von dieſem Satz zuruͤckge⸗ kommen iſt, welcher auch gewiß zu weit getrieben war und vernunftmaͤßig wohl nur dahin auszulegen iſt, daß man ſuchen muͤſſe, immerfort feinere Boͤcke anzuſtellen, als man ſchon gehabt. Dies iſt ſelbſt — bei ganz aͤchten Heerden recht wohl moͤglich, da ge⸗ wiſſe geringe Ruͤancirungen in der Wolle immer Statt finden werden, und nur durch die ſorgſame Befolgung dieſer Regel iſt man in Ramboullet zu einem ſo vorzuͤglichen Grade von Feinheit gekom⸗ men. W. *) Ohne den gewiß richtigen Grundſatz ablaͤugnen zu wollen, daß man Metisboͤcke nicht zur Veredlung B — 18— muß er waͤhrend dieſer Zeit zwei oder drei Mal neue Widder anſchaffen, die er ſehr theuer bezahlt, wenn er entfernt von den Heerden aͤchter Race iſt. Eine vortheilhaftere Operation wuͤrde es daher ſein, eine Zuwachs Heerde⸗ anzulegen, die ihn in den Stand ſetzte, aus ihr ſelbſt ſeine Boͤcke zu⸗ nehmen und ſich nebenbei nach und nach eine eig⸗ ne Heerde ͤchter Schaafe zu bilden. Herr Morel de Viudẽé, Correſpondent, F Inſtituts, hat dies Mittel bereits empfohlen.*) Zu dem Ende kauft ein Schaͤfereybeſiter mit den nothigen Boͤcken für ſeine Heerde,(die wir einmal auf 300 Mutterſchaafe annehmen wollen) zugleich einige aͤchte Schaafe, etwa 12 oder 8, ja ſelbſt nur 4. Woas ihm dieſe an Kapital ko⸗ ſten, wird kaum die Summe uͤberſteigen, die er noͤthig haben wuͤrde, um fortgeſetzt die noͤthige Boͤcke zum Kreuzen zu kaufen. Seine Heerde wird in den erſten Jahren nur aus zweierlei Schaafen beſtehen, aus aͤchten, und aus Metis. Sorgfaͤltig muß darauf geſehen werden, daß alle nehmen muß, ſcheint mir unſer Autor doch die ver⸗ edelten Heerden in den hoͤhern Generationen zu ſehr in ihrem Werth zuruͤckzuſetzen. W. *) Seine wichtige Abhandlung hieruͤber iſt bei der Buch⸗ haͤndlerin, Madame Huzard, Rue de Eperon No. 7. zu haben, und findet ſich in den Annales d'A- griculture p. 1. t. XXNIV. welche ebenfalls bei Mabame Huzard zu haben ſind. T. „ ———— —— 6————— 1810. 181r. 1812. Berecnung 1813. 1814* 1815. 1916. 1817. 1818. der Zibbe⸗ bin(weiblichen Lammer), die in 11 Jahren von 12 Stuͤck Mutterſchaafen und ihrer Zuzucht erfolgen konnen. 1819. Zu Seite 19. 0 3 8 S 3 5 3 2 S — 28 3 — S 0 24 5— —— 2₰ S 3 52 8* — 5 8 2 3 3— 8 28 S 5 8 — S n uuug uobunq uuyz ge 6 un e dsn e pythyl c N N uouugz usbunq uuyz e n d ꝙpocqv zpjom uouug uogaat uiuouu cpahyl auſ S(pou anu uounuvg un uoaoS(pru uou⸗q uo; uouugz uobun munuyg⸗ 300 S qun? dsen pnayl auocomqv zph uuu 8 4 * * 0 uoqc uououb ꝙpou anu uoumvz umnd ung E cu uug uo N 7 v c uuugz uoca za i S aun F quhocpomq uon u n uouuuvʒ; iunt(pou anu uvahyC s pou uzug uo * * 5 iuuvʒ umn 11 u39)2)9 3) pnayl auolpaauq auuy⸗ 89 aun§ oho lun 2 * N * — 5[0 4 4 3 z1 u9]g 3 pl nuun n5 „991 9 ohw muuvg un uououobuw hmhyl u + vo N 3⸗5901 9 qun S nk s11 u—* — * — — u(p uuyz ⸗299 nt epr ug 8 ℳ 14 4 — 4 6*244 6** 10 + — — — u6)0) vg vunz(pou bunucponß 20 9n)pcd un 89 uuugz u ng 45 1oum Summa d. nach 11 Jahren le⸗ benden weibli⸗ chen Thiere ⸗⸗ — 4 2— 6****** 5† 30 24 22 1I 14 12 1I nmerkung. Die den Zahlen beigeſetzten Zeichen dienen dazu, den Leſer zu leiten, wenn er die Mütter der in jedem Jahre angemerkten Laͤmmer ſucht; beide, Mutter und Lamm haben nemlich immer dieſelben Zeichen. Vei dem Summiren am Schluß iſt gleich abgeſetzt, was der, wahrſcheinlich mindeſte, Abgang betraͤgt. Dieſer Abgang iſt durch die ganze Rechnung nicht nach gleichen Grundſätzen angenommen, weil es ſich nicht gut thun ließ, wenn ich die Bruͤche vermeiden wollte, welche mir die Tabelle nur undeutlich zu machen ſchienen, ohne nützlich zu ſeyn da eine ſolche Berechnung auf jeden Fall nur hypothetiſch bleibt. So hebt ſich eins mit dem andern, und auf jeden Fall habe ich im Ganzen eher zu wenig als zu viel Abgang gerechnet, wenn gleich man annehmen darf, daß die auf eine ſo kleine und koſtbare Schaͤferei zu verwen⸗ dende Sorgfalt den Abgang ſehr vermindern kann. mit nd e⸗ ——————————— lammer gehaͤmmelt und als Hammel verkauft wer⸗ den, und daß die groben und die Metismuͤtter nach und nach abgeſchaft werden, ſo wie die kleine Heer⸗ de aͤchter Schaafe ſich mehret; bis endlich, wenn er erſt 300 aͤchte Muͤtter hat, gar keine Metis⸗ mutter mehr in der Heerde bleibt. Um dahin zu kommen, hedarf er 11 Johr, wenn er mit 12 Schaafen anfaͤngt; 12, wenn er nur 10, 13, wenn er 8, 14, wenn er 6 uno r, wenn er 4 angekauft hat. Sollte nun Sterben einreißen, welches viele aͤchte Schaafe wegrafft, ſo wird er freilich etliche Jahre mehr noͤthig haben.*) Sehr oft haben wir den Kaͤufern der Meri⸗ nosboͤcke, wenn ſie weit her kommen, gerathen, auch einige Schaafe derſelben Art mitzunehmen, um ſich ſelbſt rekrutiren zu konnen; und auf die Art ſchon im voraus die nutzlichen Abſichten des Herrn Morel de Vindé im Auge gehabt. Auf dieſe Art wird man ſich mit einem un⸗ bedeutenden Anlagekapital eine Heerde von großem Werth verſchaffen koͤnnen. ) Herr Teſſier irtt hier ein wenig ſtark, denn es koͤn⸗ nen in 11 Jahren von 12 Mutterſchaafen hoͤchſtens 136, nicht 300, Mutterſchaafe erhalten werden, wie die hinten angefuͤhrte genaue Rechnung ausweiſt, bei welcher eher noch zu wenig als zu viel auf Ab⸗ gang und Zufaͤlle gerechnet iſt Pictet nimmt an, daß man von 25 Mutterſchaafen, in 8 Jahren un⸗ gefaͤhr, nur erſt ke 160 Mutterſchaafe 6 ten koͤnne. W.⸗ B 2 mahnen, ſich mit ihren Ankaͤufen an die Etabliſſe⸗ ments des Gouvernements, oder ſolcher Particuliers Ihr ganzer Erfolg hängt davon ab⸗ — 25— Um die Thiere der verſchiedenen Generätionen in einer Heerde zu erkennen, kann man ſich der Ohrzeichen, die ſich nicht verwiſchen und nicht verzehren koͤnnen, mit Vortheil bedienen, z. B⸗ Landſchaafe, ohne Abzeichen. Erſte Generation das rechte Ohr gelocht. Zweite Generation das linke Ohr gelocht. Dritte Generation beide Ohren gelocht. Vierte Generation, ohne Zeichen, da es denn keine Landſchaafe mehr in der Heerde geben muß. Fünfte Generation, das rechte Ohr gelocht. Thiere der erſten Generation muͤſſen nicht mehr da ſein. Auf dieſe Art fahrt man immer fort. Auch fann man ſtatt der Loͤcher, Einſchnitte in die Oh⸗ ren wählen; die Loͤcher macht man mit einem Loch⸗ eiſen. Immer ſollte man aber die Zeichen gleich nach der Geburt machen, um allen Irrthum uͤber die Muͤtter, denen die Laͤmmer zugehoͤren, zu ver⸗ meiden. Nicht genug kann man die Landwirthe et⸗ zu wenden, deren Heerden anerkannt ganz ächt ſind⸗ Von den ganz achten Heerden. Der Beſitz einer Heerde von ganz teiner Race iſt dem einer blos veredeiten Heerde ſo weit uͤberle⸗ gen, daß man nicht anſtehen muß, ihn ſich zu ver⸗ ſchaffen, ſobald man eine Gelegenheit dazu hat. Die Menge und Guͤte der Wolle und der innere Werth der Thiere, wenn ſie auch noch ſo ſehr im Preiſe fallen ſollten, ſind unrichtige Bewegungs⸗ gruͤnde, um dazu anzureitzen. Man kann ſein Ka⸗ pital nie beſſer anlegen, vorausgeſetzt, daß der Hert ſelbſt die Aufſicht daruͤber habe, oder ſie bei einem rechtlichen und aufmerkſamen Paͤchter, der ihr nichts entzieht, zur getheilten Nutzung eindinge. Die Umſtände, worin Frankreich ſich befun⸗ den, haben quf eine beſondre Weiſe dieſen Zweig der Induſtrie befoͤrdert. Der Wunſch der Land⸗ beſitzer, ihr Vermögen zu vergroͤßern, oder die er⸗ littenen Ungluͤcksfälle wieder zu erſetzen, das Sin⸗ ken des Zinsfußes, der geringe Werth des Getrei⸗ des ſeit mehreren Jahren, endlich der hohe Preis der Merinos, deren Vorzuͤge man erkannte; alles dies erzeugt den Wunſch, Heerden davon zu be⸗ ſitzen oder zu nutzen. Es geſchah, was immer geſchieht, wenn ein Zweig der Induſtrie beſonders Gluͤck macht; reiche Kaufleute und Geſellſchaften von Particuliers, in Hoffnung des Gewinns, der beim Verkauf der Me⸗ rinos blieb, ſchickten nach Spanien, um feinere Schaafe beruͤberholen zu laſſen. Selten nur war ihre Wahl gut getroffen; an⸗ ſtatt in den durch die Feinheit der Race ausge⸗ 3 zeichneten Cavagnen*) zu kaufen, wendeten ſie ſich meiſtens an Contrebandirer, die ihnen weit geringere Thiere liefetten. Sie wuͤrden auch viel Muͤhe gehabt haben, es anders zu machen, indem die großen Heerdenbeſitzer in Spanien zur Eppor⸗ tation keine ihrer beſſern Schaafe verkaufen woll⸗ ten und die Geſetze des Landes das Herausbringen dieſer Thiere ſtrenge verbieten. Ehe ich die Nach⸗ theile dieſer erſchlichenen Ankaͤufe zeige, will ich von den verſchiedenen Arten der Schaafe, die ſich in Spanien finden und dem Marſch derer ſprechen, welche 2 Mal jaͤhrlich die Widder wechſeln; da die⸗ ſe Bemerkungen fuͤr diejenigen nutzlich ſein koͤnnen, welche der Meinung ſind, daß alle aus jenem Reich kommende Schaafe gleich fein ſeien. Es giebt in Spanien vorzuglich zweierlei Schaͤ⸗ fereien: Wandernde und Stehende.**) Die Wandernden theilen ſich in die Leoneſer und Segovier⸗ Race und in die Sorianen; die Stehenden werden ſo genannt, weil ſie niemals reiſen; zum Dheil be⸗ ſtehen ſie aus dem ausgemerzten Vieh der Wan⸗ *) Eine Cavagne heißt eine ſehr große Heerde. T. (Oder vielmehr der Berg oder das Weide⸗Revier, welches vielleicht durch 10— 12,000 Schaafe in meh⸗ reren kleinen Heerden, die aber immer die nemlichen .&. 6 bleiben, behuͤtet wird.— Ganaderos heißen dio reichen Heerdenbeſitzer, von dem Worte„Ganado“ „ Heerde. W.) **) Pranshumantès und estautés.. dernden, ſind alſo feinwollig; zum Theil aus aus⸗ gearteten und groben Thieren, die man churras nennt.*) Die Wandernden bringen den Sommer in den Gebirgen des noͤrdlichen Spaniens zu, und kommen zum Winter nach den Ebenen des Suͤden zuruͤck. Auf der Strecke von Spanien kann man den Weg dieſer Wanderer bemerken. Die Leoneſer⸗Ra⸗ cen, unter denen ſich die vorzuglichſte Cavagne be⸗ findet, nemlich die von Negreto,**) ſetzen ſich ge⸗ *) Nach Laſteyrie churros, auch burdos genannt. Un⸗ ter ihnen ſind ſo grobe Racen, daß ihr Haar dem Ziegenhaar gleicht Vielleicht ſtammen ſie von dem ſchon zu Plinius Zeiten in Spanien bekannten Moullon oder wilden Schaafe ab. Est in Hispa- nia non maxime absimile pecori genus musmo- mum, caprino villico quam pecoris velleri pro- pius; quorum e genere et ovibus natos prisci umbros vocarunt. Histor, Mat. 1. G. c. 49. W. **) Die Hauptheerden gehoͤrten ehemals den vornehm⸗ ſten Familien voͤn Spanien, und da die Corpora⸗ tion dieſer Heerdenbeſitzer hoͤchſt ausgedehnte Rech⸗ te genoß, ſo iſt darin der Urſprung jener oft uber⸗ maͤßig großen Heerden zu ſuchen. Sie ſtiegen von 5— 6000 bis zu 20,000 Stuͤck Vieh in einer Heerde. Dies waren die gewoͤhnlichſten, man fand aber auch deren bis zu 70 und 80,000, welche einem Herrn gehoͤrten. Die bekannteſten gehoͤrten dem Duque de Infantado, C. GCsmpo de Alange, C. de Montasco, dem Hauſe Negretti, den —*— gen den 15ten April in Bewegung, nachdem ſie den Winter uͤber um Merida in Eſtremadura auf Moͤnchen des Escurial, denen zu Guadelupe, dem M. de Perales, M. de Iturbieta, C. d'alcoles, G. de Valparaiso, M. de Por- „tago, dem Biſchof von Segovia u. ſ w. Der Friedensfuͤrſt kaufte die beruͤhmte Heerde von Pau⸗ lar, ,500 Stöck Schaafe fuͤr 7350,000 Lipres ge⸗ woͤhnlich kam ſonſt das Schaaf nur auf 15, nicht wie hier, auf 20 Livres.) Dergleichen Heerden werden in Unterabtheilungen von 1000 bis 1500 Stuͤck gehuͤtet, und haben zur Oberaufſicht einen Oberſchafer, Majoral. Abgerichtete Hammel, mit Glocken, Mansos genannt, fuͤhren die Heerden, und achten ſo puͤnktlich auf die Zeichen der Schä⸗ fer, daß ein Wink ihnen hinreicht, ſich ins Waſſer zu ſtuͤrzen und ſo den Uebergang uͤber kleine Berg⸗ ſtroͤme zu leiten. Die Hunde dienen nur dazu, die Heerde gegen Diebe und Woͤlfe zu ſchuͤtzen, nicht, ſie zu lenken. Dieſe Woͤlfe wandern regelmaͤßig wie die Schaafe, und zwar geht ihr Zug hinter dieſen her Seltſam iſt das Nomadenleben dieſer Schaͤfer und hoͤchſt beſchraͤnkt ihre Beduͤrfniſſe, gra⸗ de wie Virgil den Lybiſchen Schaͤfer beſchreibt: -——— Omnia secum Armentarius Afer agit, tectumque, laremque Armaque, Amyclaeumque canem, Cressamque pharetram. Virg. Georg l. 3. v. 343. Man denke ſich, wie breit die Triften ſein muͤſſen, deren ſie zu ihren Zugen beduͤrfen. Herr von La⸗ ſteyrie giebt ſie zu mehr als 30 Metres Ru⸗ then) an, und erzählt daß die Rechte dieſer Wan⸗ — dem linken Ufer des Guadiana zugebracht haben; ſie gehen in Abtheilungen von 4 bis 3000 Stuͤck“ bei Almares uͤber den Dago und nehmen ihre Rich⸗ tung nach Villa Caſtia, Trescaſas, Alfaro, l'Es⸗ pinar und andern dort liegenden Schurhaͤuſern(Es⸗ quileos) um die Schur zu machen. Wenn dies geſchehen, ſo macht ſich jede Ab⸗ theilung wieder auf den Weg nach dem Koͤnigreich Leon, um in kleinen Trupps von 500 Stuͤck in die Weiden von Cervera bei Aquilar del Campo vertheilt zu werden. Auf dieſem Zuge folgen ſich die Heerden, ohne in Verwirrung zu gerathen; ei⸗ derer ſo groß ſind, daß Carl der V. genothigt war, ihnen den freien Durchgang durch einen Park zu verſtatten, den er auf dieſem Wege hatte anlegen laſſen. Uebrigens iſt Spanien nicht das einzige Land, in dem man wandernde Heerden fand. In Aſien findet man mehrere wandernde Heerden, ja der Rei⸗ ſende Chardin will in Perſien Schaafheerden ge⸗ funden haben, welche auf ihren Wanderungen mehr als 2 Meilen bedeckten. Von den Romern(nam mihi greges in Apulia hibernant, qui in restis montibus aestivarant. Varr. 1. 2. c. 2.) iſt dieſer Gebrauch auf einen Theil der jetzigen Neapolitaner üͤbergegangen, wo man in Apulien wandernde Heer⸗ den findet; und nicht unbedeutend ſind, in der Provence, im Departement des bouches du Rhone und in den Pyrenaͤen, die immer noch wandernden Heerden. . nige halten an in der Sierra, einem Gebirge, wel⸗ ches Alt⸗ und Meucgſtilien trennt. Die Sorianer Racen bewohnen im Winter die Grenzen von Eſtremadura, Andaluſien und Reucaſtilien. Dieſe Heerden machen ſich gegen das Ende des April auf, paſſiren den Tago bei Tala⸗ 7 vera de la Reyna und bei Puente del Arzobis⸗ pe, und nehmen ihre Richtung auf Madrid, von 1 wo ſie ſich nach Soria begeben, und von da aus zieht ein Theil ſich in die benachbarten Gebirge, der andre aber uͤber den Ebro, um in die Wei⸗ den von Navarra und die Pyrenaͤen zu kommen. Die beſten der ſtehenden Racen ſind gewoͤhn⸗ lich auf den beiden Ruͤckſeiten der Buſen des Gua⸗ darama, der Somo-Sierra und in gllen den Ge⸗ genden um die Schurhäͤuſer bei Segovia her. Niemand zweifelt daran, daß die Leoneſer Racen von allen die vorzuͤglichſten ſind, ſowohl der Geſtalt als Menge und Feinheit der Wolle nach; es giebt aber in dieſen Racen ſelbſt Abſtufungen der Vollkommenheit, die einigen den Vorzug von den uͤbrigen geben. Der Unterſchied unter den Leoneſern und So⸗ rianen iſt ſehr merkbar, obgleich die Beſitzer der letztern ſo vorſichtig ſind, aus jenen ihre Zuchtbo⸗ cke zu nehmen. Der Preis der Sorianenwolle iſt immer um ein Drittel oder ein Viertel niedriger, als der der Leoneſer; man hat ſogar bemerkt, daß der Abſatz der Sorianenwolle litte, ſeitdem in Frank⸗ reich das Kreuzen und Veredeln haufig geworden; —— denn unſre gute Metiswolle gleicht der Sorianen⸗ wolle ſehr. Ich habe dieſe Details vom Hrn. Poykéré de Ceres, der ſelbſt in Spanien mit eben ſo viel Einſicht als Eifer gereiſt iſt. Sie zeigen hinrei⸗ chend, wie ſehr man, wenn man eine recht feine Heerde anlegen will, auf ſeiner Hut ſein muſſe gegen die Leute, welche ſpaniſche Schaafe unter dem beſtaͤndigen Namen der allerfeinſten Racen verkaufen. Aus den Leoneſer-Racen iſt alles genommen, ſei es durch die Abkoͤmmlinge dieſer Transports, woraus die Schaͤfereien des Gouvernements gebil⸗ det ſind; nemlich die zu Ramboullet, zu Malmai⸗ ſon,(Departement de Seine et Oise) zu Per⸗ pignan(D. des Pyrenées orientales) zu Arles (D. des bouches du Rhone) zu St. Genét⸗ Champagnelle bei Clermont Ferraud(D. du Puy de Doòme) zu St. George de Rouains bei Villefranche(D. de Rhöne) zu Ober⸗Em⸗ mel bei Trier(D. de la Sarre) zu Chateau de Palau bei Achen(D. de la Roer) zu Chateau du Clermont bei Nantes(D. de le Loire in- ferieure) zu Cere bei Mont de Marſan(D. des Landes.)*) Dieſer Grund allein, wenn es keinen andern *) Sie werden dirigirt nach obenſtehender Folge von den Herren: Bourgeois, Bonpland, Olivier, gebe, wäre hinreichend, alles Zutrauen zu dieſen * Etabliſſements einzufloößen. Daſſelbe findet bei den Particuliers ſtatt, die ihre Heerden auch nur ent⸗ weder aus den beſten Cavagnen in Spanien oder von den Auolinen in den Gouvernements⸗ Schaͤfe⸗ reien hergenommen haben und daher eine ſichere 3 Garantie darbieten. Alles was durch Contrebande hereingebracht 16 iſt, iſt entweder aus den bleibenden Schaͤfereien oder aus den Sorianen-Racen genommen, zu der Zeit, wo die Heerden in Navarra und Frankreich am reichſten waren. Man wird ſich hiervon leicht uͤberzeugen, wenn man an die Unſicherheit des Er⸗ folgs denkt, ſo wie man tiefer in Spanien hinein⸗ ging, an die beinah unuterſteiglichen Hinderniſſe durch die Douaniers, und an den Preis, den die Thiere wuͤrden gekoſtet haben. Nachdem man nun aus den weniger feinen Racen genommen, ſo hat der kaufmaͤnniſche Geiſt noch dazu den Marſch der Thiere, ſowohl beim Ueber⸗ gang uͤber die Pyrenaͤen, als beim Eintritt in die Grenze bis zum Ort ihrer Beſtimmung, gewaltſam beſchleunigen laſſen, um durch Koſtenerſparniß noch mehr zu gewinnen. Kaum goͤnnte man ihnen die Zeit, unterwegs die noͤthige Nahrung zu nehmen; Jallifier, Delmas, Hébert, Schneider, Rappolt, Lemarne und Poyferé de Cére. T. — ein Theit davon iſt im erſten und zweiten Jahre geſtorben, und die uͤbriggebliebenen haben verſetzt. Rur durch Ausmerzen, durch ſorgfaͤltige reichliche Nohrung und Ankauf von Bocken urſpruͤnglichtt Leoneſer⸗Rare, ſind die franzbſiſchen Schaͤfereybe⸗ ſitzer, welche ſich Sorianen oder nichtwandernde Schaafe angeſchafft hatten, dahin gekommen, dem Publiko Heerden von ſchdnem Anſehn darbieten zu konnen. Richt alle aus Spanien kommende Schaaft ſind alſo gleich fein,*) doch iſt der Fehler, in den man gefallen, wenn man Sorianen oder nichtwän⸗ dernde Schaafe zum Stamm einer Heerde gekauft tot, bis auf einen gewiſſen Punkt durch Boͤcke von ganz ächter Race, die man ihnen giebt, zu verbeſ⸗ ſern. Nicht alſo iſt es aber, wenn man Metisbo⸗ cke ninmt, denn wie aͤcht auch die Mutterſchaafe ſein moͤgen, denen man ſie giebt, ſo muß man doch mit Recht eine Ausartung beſorgen. Wie Uhrecht handeln alſo doch diejenigen, die aus Nachlaͤßigkeit dder uͤbelverſtandener Sparſamkeit aus Heerden kau⸗ fen, die nicht aus ganz reinem Race⸗Vieh beſtehen⸗ 7 Aus dem XII. Thell der Annales de lakunehn francoise, Seite 129. ſieht man, daß eine unter dem Namen Merinos vom Fuße der Pyrenaen bis in die Naͤhe von Paris geſandte Heerde aus drei Zehn⸗ tel franzöſiſchen Landſchaafen, drei Zehutel Metis erſter und zweiter Generation und vier Zehntel nut Merinos beſtand⸗ T⸗ — Am vollkommenſten wuͤrde eine Merinosheerde. von Schaaf Böcken in dem Alter von 3 bis Jahr ſein, und dies iſt auch das Alter, von dem man ſie waͤhlt, wenn man in Spanien kauft. Jün⸗ ger wuͤrden ſie ſchwer die Reiſe machen, aͤlter, nicht Vortheil genug mehr bringen. Bei dem Verkau⸗ fen in den Gouvernements⸗Schafereien verwerfen viele Landwirthe die alten Schaafe; andre ſuchen ſie, weil ihre Wolle feiner, und weil man ſicher iſt, daß ſie ſchoͤne Lämmer ziehn werden( W.) auch weil ſie beſſere Muͤtter ſind. Die Fruchtbarkeit beider Geſchlechter faͤngt von 3 Jahr an und erbaͤlt ſich lange. Es iſt ſchwer, lauter Dhiere von dieſem Al⸗ ter zu Kauf zu finden. Weder in Spanien, noch in Frankreich, verkauft man ſie ſo wohl ausgewählt, vie mehr bietet man ſehr oft nur die alten Schaa— fe aus. Einige Perſonen haben die Gewohnheit, gleichviel von jedem Alter den Kaͤufern hinzuguſtel⸗ len, ihnen ein Fuͤnftel Jährlinge und ſo fort von den andern Alten bis zu 6 Jahr zu geben; dadurch ſind ihre Heerden immer gleich zuſammengeſetzt, und ſie baben immer nur eine geringe Menge 3 ter Schaafe⸗ Es giebt kein Land in Europa, wo die rinos nicht fortkamen. Man hat ſie nach allen Thei⸗ len von Frankreich, dem Suͤden und Norden hin⸗ gebracht, dem Weſten und Oſten, in die Ebenen, die Thäler, die Anhohen, ſelbſt in die hohen Ge⸗ birge, nahe dem Meer, in Gegenden, die den Stuͤrmen ausgeſetzt ſind, in andere, die im Schutz der Winde liegen. Nirgend haben ſie gelitten oder ſind ausgeartet, wenn man ſich Muͤhe gab; man hat ſogar welche geſehn, die entweder durch Zufall oder mit Bedacht mehrere Jahre auf Inſeln zuruͤck⸗ gelaſſen waren, und doch ihre Form und ihren ur⸗ ſpruͤnglichen Karakter beibehielten. Man kann bei uns nicht ſo große Heerden ha⸗ ben, als in Spanien, wenn es nicht etwa an Dr⸗ ten iſt, wo viel Mahrung fuͤr ſie iſt. Wir haben ſchon eine Menge Merinos in kleinen Heerden ver⸗ vielfaltigt und wir werden kuͤnftig noch mehr ha⸗ ben. Die wohlbebauteſten Derter ſind's, wo man ſie am leichteſten vermehrt, da man dort Futter fuͤr ſie baut, womit man ſie zu allen Zeiten reichlich ernaͤhren kann. Im Allgemeinen, uͤberall wo man gewoͤhnliche Schaafe halten kann, kann man auch Merinos halten, und hat dann ſtatt einer Heerde von unbedeutendem, eine von ſehr großem Werthe. Die kleinen Schaafe muß man vorziehen, da wo die Weide mager, der Boden duͤrre und das Mebenfutter ſelten iſt, oder man muß wenigſtens ſonſt eine geringere Zahl halten. Wenn der Boden theils aus Thal und theils aus Hoͤhe beſteht, ſo wird es noch beſſer ſeyn, da man ſie denn abwechſelnd hier⸗ und dorthin fuͤhren kann. Die ganz feuchten Gegenden paſſen nicht fuͤr ſie, ſolche, wo man auch nicht gemeine Schaa⸗ fe halten kann, ohne in Gefahr zu ſtehen, ſie an der Faͤule zu verlieren, und daher nur Fett⸗ hammel, vie man juͤhrlich wechſelt, halten darf. — Dech bemerke ich, daß der Grund im Park von Ramboullet thonig iſt, daß Gehoͤlz, etliche Sum⸗ pfe und andre Gewaͤſſer ſich darin befinden, und daß mithin die Thiere darin dem Mebel und der Feuchtigkeit ausgeſetzt ſind; nur einige Theile finder man darin, die hoͤher liegen als das ͤbrige; allein Sorgfalt, eine fortgeſetzte Aufmerkſamkeit, gute Winternahrung, haben die Misverhaͤltniſſe und die Undankbarkeit des Lokals aufgewogen. Bei dieſen Arten von Lagen muß man dem Waſſer Abzug verſchaffen durch Gruben, Senkloͤcher und Woſſer⸗ zuge, und ſich durch kuͤnſtliche Wieſen in Stond ſetzen, den Heerden reichliche Nahrung zu geben; wenn ſie dieſe haben, ſind ſie weniger zur Fäͤule geneigt*). ju n65 Es giebt eine Klaſſe von Menſchen— und das iſt die zahlreichſte— beſonders unter den Land⸗ . wir⸗ *) Zum Ruhme des Hrn. Bourgeois, Verwalter von Ramboullet, muß ich geſtehen, daß ich den Boden im Park von Ramboullet ſo naß und kaltgründig (wegen einer undurchlaßenden Erdſchicht unter dem Obergrunde fand, daß hin und wieder die Erde mooſig uͤberzagen war und gewiß eine außerordent⸗ liche Aufmerkſamkeit dazu gehoͤrt, die Heerde ſo ge⸗ ſund zu erhalten, wie ſie immer geweſen iſt. Es war im Monat Maͤrz, als ich dort war, und bereits viel junges Gras gewachſen, allein die Schaafe durften erſt gegen Mittag aus dem Stalle, nachdem ſie or⸗ dentlich abgefuttert und daher nicht mehr gierig waren. W. wirthen, welche alles ohne Unterſuchung und Beur⸗ theilung verwerfen, was neu iſt, was ſie nicht kennen, was ihnen bekannt gemacht wird durch Männer, die nicht gradezu ſelbſt den Pflug geführt haben. Das Mistrauen iſt kein Uesel, es iſt u ter ſehr vielen Umſtanden eine Schutzwehr, allein es muß nicht zu weit getrieben werden. Man hat gegen die Einfuhrung der Merinos in Frankreich viele Einwutfe gemocht: ſie ſind alle zerſtort ünd dieſe Dhiere haben ſich bei uns ſchon ſehr vermehrt, denn die Guͤte der Sache hat den Sieg davon ge⸗ tragen, und der erweisliche Vortheil hat viele Lund⸗ wirthe bekehrt, die fruͤherhin feſt behauptet, daß es nicht gelingen koͤnnte. Ich will nur zwei* Einwuͤrfe anfuͤhren. „Sie werden ausarten“ hat man geſagt, und ſtuͤtzte ſich darauf, doß 9 Nahrung und Klima nicht eben ſo wie in Spanien wären, und' daß man ſie jhrlich nothwendig muͤſſe reiſen laſſen. Das war ein großer Irrthum. Eine Erfahrung von 23 Jah⸗ ren, die uns Ramboullet darbietet, beweiſt, daß die Wolle der Merinos in Frankreich ihre ganze Feinheit behaͤlt, daß ſie laͤnger geworden iſt und daß die Schaafe mehr Wolle haben; ſie leben vor⸗ treflich von den Gruſen, die unſer Boden hervor⸗ bringt, ſie haben nicht noͤthig zu wandern um ſich wohl zu befinden; in Spanien müſſen ſie es, um ſich ihre Nahrung zu ſuchen, wie gewiſſe Geſchlech⸗ ter von Voͤgeln; im Sommer wuͤrden ſie in den ausgetrockneten Ebenen Hungers ſterben und im E Winter konnten ſie auf den Schnecbedeckten Gr⸗ 1 birgen nicht bleiben. Nur die Noth treibt ſie alſo zum Reiſen. Sie gewoͤhnen ſich ganz. leicht ans Slima. Es iſt die Race und nicht das Land, wo⸗ her ſie kommen, worauf man ſehen muß, und die⸗ ſe bieibt die nemlche, man bringe ſie auf welchen Theil der Erde man wolle; es iſt bewieſen, daß wenn ſie nicht mit andern vermiſcht wird, ſie ſich genau, ſo wie ſie aus Spanien gekommen iſt, erhalt. Esiſt genug, wennich verſichre, daß die Heer⸗ de von Ramboullet, im Jahre 1786 aus Spanien bezogen, in 23 Jahren nichts von ihren urſpruͤng⸗ lichen Eigenſchaften verloren hat⸗ Die Wolle iſt eben ſo fein, die Formen ſind die nemlichen, ſogar ſind ſie noch deutlicher ausgedruͤckt, als ſie es wa⸗ ren; der Wuchs iſt ſtarker, das Vließ wiegt mehr und der Koͤrper hat mehr Fleiſch.*) Anſtatt al⸗ ſo auszuarten, haben ſie ſich vielmehr vervollkomm⸗ net; was auch gar nicht auffallend iſt, wenn man daran denkt, daß die Thiere in der Regel beſſer *) Ich beſitze Wollproben, die in Ramboullet gewon⸗ nen ſind, Jahr fur Jahr, ohne Unterbrechung, ſeit dem Jahre 1786, bis jetzt her. Es iſt leicht, wenn man ſie unterſucht, ſich von der Wahrheit deſſen zu uͤberzeugen, was ich behaupte S Auch hierin muß ich Herrn Teſ ſier unbedingt beipflichten. Ich ſelbſt beſitze ebenfalls ein ſolches Wollentableau von Ramboullet und an der Aecht⸗ heit der alten Proben läßt ſich nicht leicht zweifeln. fortkommen, wenn ſie von Suͤden nach Monden verſetzt werden. Noch muß man hinzufuͤgen) daß Spanien bei dem Zuſtand ſeiner Atmosphaͤre, Wit⸗ terungsereigniſſen unterworfen iſt, die nur einem weniger ſuͤdlichen Lande zukommen, 5 B. Spaͤt⸗ froͤſten und Spätſchnee; daß durch das Wandern die Heerden ſich eigentlich in einer wenig von der unſrigen verſchiedenen Temperatur befinden, und duſt der Boden von Spanien im e böher liegt, als der Boden von Frankreich Ano Der zweite Einwand betrifft die gnieit die Merinos erfordern. Man hat behauptet, daß ſie weit mehr beduͤrften, als die Landſchaafe Man hatte ſo wenig fuͤr dieſe, obgleich ein wohlverſtand⸗ nes Intereſſe das Gegentheil bewirkt haben wuͤrde; man heß die gemeinen Schaafe krank werden, ohne ihren Verluſt zu beſorgen; die Matur allein erhielt ſie eniweder, oder die Krankheit raffte ſie ſort; im Winter wurden ſie in erſtickende Schaafſtaͤlle ein⸗ geſchloſſen; im Sommer fuͤhrte man ſie auf alle moͤgliche Arten von Weiden; die Hunde mishan⸗ delten, ja verzehrten ſie ſogar bisweilen; man uͤber⸗ ließ die Sorge fur ſie, Kindern, die gar nicht auf ſie achteten; man gab dieſen Thieren nur einen Theil von dem, was ſie zu ihrer Erhaltung nothig hatten. Man fuͤhlt leicht, daß eine Heerde Meri⸗ nos ſo nicht behandelt werden kann, weil ſie von einem ganz verſchiedenen Preiſe iſt; ihre dichte, ge— vackte. Wolle ſetzt ſie den Beſchwerden der Inſek⸗ ten aus, die ſich darin verbergen, und macht, daß C2 ſie leicht die Raͤude bekommen, der man mit et⸗ was Aufmerkſamkeit zuvorkommt, oder ſie heilt. Sie muß in luftigen Staͤllen gehalten werden? man muß ſie von gefahrlichen Weiden und von der Nachbarſchaft angeſteckter Heerden zuruͤckhalten, ſie fuͤhren, ohne ſie zu quaͤlen, ſie gut ernähren, um ihre Geſundheit zu erhalten und beſſern Ertrag von ihr zu haben, der reichlich die Koſten und die unumganglich noͤthige Sorgfalt erſetzen wird. Der Einwand, den ich hier bekampfe, iſt nur duich die Nachlaͤßigkeit der Landwirthe und die Faulheit der Schaͤfer erdacht. Weit entfernt, daß die Meri⸗ nos mehr Sorgfalt erforderten, als eine jede andre gut gehaltene Heerde, ſo widerſtehen ſie vielmehr beſſer durch ihre Kraft und ihre naruͤrliche Anlage zum Altwerden; nur die, welche ihre Heerden bis⸗ her vernachlaͤßigten, beklagen ſich uͤber die Sorge, die der Werth der, Wenno ſie fuͤr zu daben zwingt. Man tann— keine beſtimmte Art, ſo we⸗ nig fuͤr jetzt, als fuͤr die Zukunft, angeben, wie viel eine Heerde Merinos einbringen kaun; das hängt von dem Preiſe ab, in welchen man ſie erkauft und fuͤr den man wieder verkauft, von der Klugheit des Beſitzers und von dem Ruf, in dem er ſteht. ½ 134 —— — —— N — * Von den verſchiedenen Arten, die Heerden zu nutzen. Wir kennen dreierlei Arten, die Heerden zu nutzen: einmal, wenn man ſie ſelbſt auf ſeiner Be— ſitzung oder Pachtung hält, dann, wenn man von einem Paͤchter Weiden und Ställe miethet, was man eine Schaafſtelle(place à moutons) nennt, endlich wenn man eine Heerde auf getheilte Mu⸗ tzung austhut.(mettre un troupeau en cheptel) Bei der erſten Art wird die Heerde immer am beſten abgewartet. Das Auge des Herrn, welches bei jedem Kulturzweig alles belebt, ſieht auf die geringſten Kleinigkeiten, die Schaͤfer be⸗ gehn keine Fehler, ohge daß ſie ſogleich entdeckt wür⸗ den. Selten reißen verwüſtende Krankheiten unter. einer ſolchen Heerde ein. Der Beſitzer hält jähr⸗ lich eine reiche Erndte von Wolle und ſchonen Lam⸗ mern, außer dem gewonnenen Duͤnger, der ſeine Felder verbeſſert. Die Vorcheile der zweiten Art ſind nicht ſo groß; doch paßt ſie ſich fuͤr einen Kapitaliſten, der, um ſein Geld nicht in Handelsverbindungen zu wa⸗ gen, lieber eine Heerde kauft, von der er eine eben ſo ſichre als rechtmäßige Mutzung zieht. Sein Ge⸗ winn beſteht in dem Verkauf der Wolle und jahr⸗ lich einer gewiſſen Zahl von Schaafen, wobon nach Abzug von Koſt und Lohn der Schaͤfet und der Miethe und Futterbezahlung fuͤr die Schaafe eine ſehr be⸗ deutende, jede andre Art von Mutzung weit über⸗ ſteigende, Geldeinnahme bleibt. Der Pächter, bei dem eine ſolche Heerde ſteht, behält als Nutzung fuͤr ſich, die Miethe, den Gewinn des Huͤrdens und des Duͤngers, wogegen er nur Stroh giebt, was er doch nicht beſſer nutzen kann; er hat keine . Koſten, er heſoldet niemanden; ohne Geld einzule⸗ gen, gewinnt er eine Summe zur Abtragung ſeiner 3 Pacht, und duͤngt ſeine Felder. Bisweilen findet er ſelbſt einen ſichern Abſatz fuͤr die bei ihm einge⸗ ſtellte Heerde von dem übrigen Heu, was er nicht 1. fur ſeine Pferde und Kuͤhe braucht und von man⸗ chen Getreidearten, und hat nicht nöthig, beides viel⸗ leicht auf ſchlechten Wegen und weit zu verfah⸗ 4 ren. Freilich kann er unaufmerkſam auf dieſe Heer⸗ de ſein, die nicht die ſeinige iſt, er kann ſich mit den Schäfern verſtehen, ſie länger huͤrden laſſen, als ſie wohl ſollten; den Miſt in den Staͤllen län⸗ ger liegen laſſen, als der Geſundheit der Thiere zu⸗ träglich iſt, und vielleicht fuͤr ſeinen Mutzen einen Theil des Futters verwenden, welches man ihm be⸗ zahlt und welches er liefert. Gluͤcklicherweiſe giebt es eine ganze Menge rechtlicher aufmerkſamer Päch⸗ ter, bei denen man keine Gefahr laͤuft, die alles Zutrauen verdienen, und die zum Theil die einge⸗ mietheten Heerden ganz wie ihre eignen abwarten.*) — *) Ich haͤtte vielleicht manches aus dieſem und dem fol⸗ —— — — 3— Eine Heerde auf getheilte Nutzung G chep- tel) austhun, heißt einen Theil des Ertrages für eine gewiſſe, durch einen Contract beſtimmte, Zeit weggeben, um das Eapital zu erhalten. Dieſe Art von Verpachtung iſt in einem großen Theil von Frankreich ſowohl fuͤr Ländereien, als fur Thiere, ge⸗ braͤuchlich; auch ſind beſondre Geſetze daruͤber gege⸗ — genden Artikel weggelaſſen, wenn es mir nicht ge⸗ ſchienen, als wuͤrde es dazu dienen, die Begriffe der Leſer uͤber die Verhaͤltniſſe der franzoͤſiſchen Landwirthſchaft im Allgemeinen zu berichtigen. Bei uns wuͤrde ein Kgpitaliſt mit ſeiner Heerde ohne Land nicht keicht ein Unterkommen finden, da je⸗ der, auch der aͤrmſte Paͤchter, die angemeſſene An⸗ zahl Schaafe in der Regel haͤlt. In Frankreich, wie auch in den angrenzenden Provinzen der Schweiz, Italiens u ſw. kenne ich ſehr viele Men⸗ ſchen, welche Heerden beſitzen, ohne Landbeſitzer zu ſein, wie zum Beiſpiel ſelbſt Herr Deſſier nicht eine Handbreit beſitzt; mehrere von dieſen hatten bis 1000 und 2000 Schaafe auf dieſe Weiſe einge⸗ miethet; ein Beweis 1 wie wenig im Ganzen dort die Landwirthſchaft in den Haͤnden ſolcher Men⸗ ſchen iſt, welche Willen, Kenntniß und Vermoͤgen genug haben, ihre verſchiedenen Zweige zu benutzen. Hauptſaͤchlich im Allgemeinen ſind es noch Meta⸗ yers, wie vor der Revolution. Man ſieht auch, wie wenig Weide und Futter da noch werth ſind, wo nach Abzug der Bezahlung dafuͤr, und aller füt einen abweſenden Herrn der Heerde doppelt haͤufigen und hoch ſich belaufenden Nebenkoſten, noch Inte⸗ reſſen des Einlage⸗Capitals, und Gewinn fuͤr den Beſitzer uͤhrig bleiben. W. — 40—* ben, um dem Contrahirenden die Schwierigkeiten zu vermindern. Es gibt im Artikel Cheptel des Code Napoléon zwar allgemeine Beſtimmungen, die bei allen Arten gelten; aber man kann die von den Geſetzen ſchon vorbeſtimmten modificiten und ver⸗ aͤndern, oder auch neue von den Geſetzen noch nicht feſtgeſtellte und von beſondern Umſtaͤnden ab⸗ haͤngende erdenken, wie ich ſolches ſogleich zeigen werde. Dieſe Art der Benutzung iſt dem Verpaͤch⸗ ter und dem Pächter nützlich, dem Verpaͤchter, in⸗ dem ſie ihm die Moͤglichkeit giebt, eine Heerde zu haben, ohne daß er ſie ſelbſt in Aufſicht nehmen oder einen Meierhof fuͤr ſie kaufen oder pachten muß; dem Paͤchter, da er ſich allmaͤhlig in einigen Jahren blos durch Sorgfalt und Koſtenvorſchuß ei⸗ ne Heerde bilden kann. Bei dieſer Art von Ver⸗ einigung iſt das Intereſſe beider ſo innig verbun⸗ den, daß die Abweſenheit des Verpaͤchters ſein dem Pachter uͤbergebenes Eigenthum nicht zuruckſetzt. Von den Grundſatzen des Cheptel⸗ Vertrags. Im Allgemeinen kann der Cheptel⸗ Vertrag unter 2 Anſichten genommen werden. 1. So weit er den jetzigen Werth der Thiere, die einem Paͤchter uͤbergeben ſind, und den, welchen der Zuwachs am Ende der Pach ha⸗ ben wird, angeht. —— ————— —%* 2. So weit er den Meierhof oder die Metaye⸗ rie(kleinen Hof) angeht, auf dem die Sliere leben ſollen. Wenn man auf getheilte Nußzung einem Päch⸗ ter gemeine Schaafe und einige Merinosbocke giebt, um Metis zu ziehen; ſo wird der Päͤchter mehr gewinnen, als der Verpachter, wenn er die Zeit des Vertrags uͤbet, die Haͤlfte des Ertrags an Wolle und Vieh, und beim Schluſſe deſſelben, die Hälfte des dermahligen Beſtands an Pieh nimmt; indem dieſe zugezogenen Schaafe mehr werth ſeyn wer⸗ den, als ihre Muͤtter. Wenn die Heerde auf die te, zte, Zte oder 4te Generation gebracht iſt, ſo muß der Verpachter bei der Theilung, ſowohl der jährlichen Einnahme, als auch des Beſtands, am Ende des Vertrags, et⸗ was mehr als der Paͤchter haben; da er denn vere⸗ delte Schaafe theurer als andere bezahlen muß. Viele Pächter wollen Merinos auf halbe Nut⸗ zung nehmen, aber ſi e wollen ſie nicht vorher ab⸗ geſchätzt haben, und in der Folge fur dieſen Werth baften; ſie verlangen von allen und jeden Nutzun⸗ gen die Haͤlfte, und betrachten das als einen ganz natuͤrlichen Erſatz fuͤr ihre Ausgaben dabei. Ueber⸗ dies machen ſie den Einwand, daß, da die Wolle und die Schaafe ſelbſt im Preiſe auch fallen koͤn⸗ nen, der Verpaͤchter, wenn er vor der Theilung eine znzcbl Thiere fuͤr den Werth ſeines eingeleg⸗ ten Capitals vorweg naͤhme, er vielleicht faſt die ganze Heerde nehmen wuͤrde; ſo daß dem Pächter el unbedeutendes Wenige für ſeine Koſten ürig bleiben wuͤrde. S Auf der andern Seite glaubt der Verpaͤchter, der eben ſo gut rechnen kann, als der Paͤchter, ſich ſehr verletzt, wenn er, ohne Abſchätzung der Thiere, die er austhut, dem Pächter waͤhrend der Pachtzeit die Hälfte des Ertrages, und am Schluſſe deſſelben auch die Haͤlfte der dann beſtehenden Heerde uͤber⸗ laſſen ſollte; zum Beiſpiel, wenn er 200 Schaafe und 6 Boͤcke feiner Art austhun will, die ihm zu 200 Fr. 41200 Fr. koſten, ſo will er dem Paͤchter nicht 20600 Fr. ſchenken, und zu deſſen Gunſten den Zinſen entſagen, die er anderweitig davon ziehen koͤnnte.% Dieſe Forderungen der Pachter ſind ͤbertrie⸗ ben, und es muß der Verpaͤchter bei veredelten Schaafen, wenn er der Abſchaͤtzung und Vorweg⸗ nahme des Werthes hei der Theilung entſagt, we⸗ nigſtens ein Siebentel, Sechstel oder Fuͤnftel An⸗ theil voraus haben, je nachdem die Schaafe in der erſten, zweiten oder dritten Generation ſtanden; und drei Viertel des Ertrags und des Viehbeſtandes neh⸗ men koͤnnen, wenn es wirkliche Merinos waren, im Fall die Heerde weit entfernt von Staͤdten liegt, die viel Heu conſumiren; wenigſtens aber doch zwei Drittel, an den Orten, wo alles Futter theuer iſt. Man ſieht, daß man die Bedingungen man⸗ nigfach vervielfachen und vermindern kann, und es geſchieht dies auch wirklich⸗ nach den verſchiedenen Verhaͤltniſſen beider contrahirenden Theile. Ich werde noch in einem Plan zu einem ojäh⸗ rigen Cheptel⸗Verträge(der gewoͤhnlich üblichen Zeit) alles genan anseinanderſetzen, was Pächter und Verpaͤchter gewinnen, wobei ich nach einer ge⸗ nauen Berechnung annehme, daß eine Heerde von 500 Mutterſchaafen ſich in 9 Jahren bis zu 2077 Stuͤck vermehren kann, wenn man jaͤhrlich ein Fuͤnftel der Mutterſchaafe ausmerzt, ein Fuͤnftel der uͤbrigbleibenden beim Lammen fuͤr Zufaͤlle und Kraufheiten abzieht und die Hammellämmer ver⸗ kauft.*) Ich habe bei den Berechnungen eine Heerde von veredeltem Vieh angenommen„weil ſich ihr Ertrag eher ſchotzen läßt, als der einer Heerde Merinos, wo der Bockverkauf eine zu merkliche Verſchiedenheit in dem Ertrage einiger Jahre ge⸗ gen einander macht. Da der Preis des Futters auch von Einfluß auf die Ausgabenberechnung des Paͤchters iſt, ſo habe ich die Entfernung von 30 Lieues ſuͤdwaͤrts von Paris angenommen, und wer⸗ de in dieſer Vorausſetzung die Berechnung machen. Ich glaubte die ſehr weitlaͤuftige, unverſtaͤndliche Be⸗ rechnung ſelbſt weglaſſen zu koͤnnen, wenn ich dem Leſer nur die Grundſätze gab, wonach ſie angefer⸗ tigt wurde und das Reſultat, welches ſie liefert, ſo wie ich auch meine, daß wir Teutſche, bei de⸗ nen dergleichen Cheptel⸗Vertraͤge nicht leicht vor⸗ kommen werden, an der genauen Berechnung eines ſolchen Plans genug haben, und habe daher die andern wenig abweichenden, die uns Herr Deſſier noch mitheilt, auch uͤbergangen. W. eet etes Chehte⸗Peteg Der Poͤchter kefert§00 Muͤtter, wovon ihm die Intereſſen waͤhrend der 9 Jahre des Vertrags mit 3 pro Ct. bezahlt werden. Er giebt 50 Cen⸗ times*) fuͤr jedes Lamm, das er erhaͤlt in den 5 erſten Jahren⸗ und 7 Se in den etzren 2 Sh 1n n Der Beſiher ß 15 Merinos⸗Böcke dazu liefern. Der Paoͤchter behält als Gewinn den Ver⸗ kauf der Maͤrzſchaafe, der Hammellàmmer, der Wolle und den Duͤnger für ſich; am Ende des Vertrags bezahlt man ihm, was ihn die 500 Mäͤt⸗ ter gekoſtet, und die ganze Heerde bleibt dem Beſt t zr des Guts. Einnahmen des Paͤchters. Verkauf von Wolle und Vieh. ſtes Jahr. 00 gemeine Schaafpelze zu 2 Franken, nacht 400 Fr. 400 Pfund Lamm⸗Wolle, xſter Genera⸗ tin zu— Eentimes(3 Sous), 6— Simm 1160 Fr. *) Ein halber Franken, 3 Gr. Pr. Courant. ates Jahr. 100 Mätſſchaofe zů io Franten vas ete n 6 z 200 Hammellämmer ſter Generation der Veredlung, zu 6 Fr. das Stück 1280 400 gemeine Mutterſchaafpelze, ji 2 Fr. 300— 200 Zeirſeafele iter Getietation, zu 6 31 5 e 0— 300 Pfund gommwol ter Sei zu 8 Sous— 120— n Summna 380 Fr. ztes Jahr 0 Wäriſchaafe, zu 8* 155 Hammellämmer tter Generation, zu 6Fr. 930, 3ro gemeiye Mutterſchaaf⸗ pelze, zu 2 Fr. 620— 155Bicſchaafvelze iter Ge⸗ nerätion, zu 3½ Fry. 5421—— 200 Pelze von zjährigen Schaafen 1ter Genera⸗ tion, zu 32 Fr. 248 Pf Lammwolle Ite n Generätion, zu 8 Sous ½ das Pfund 991— 160 Pf. Lammwolle 2ter r6 Sous 128— 3739 Sr.7 Sous. 3——4„ 6—— 2 pier iſ das vwn des veredelter Wolle 435 Pelze Itet Generation, zu oo 80 Jhtlnepete zter Generation, i* zu 64 Fr. 520— 200 Pf. Kammwolle xter Ge⸗ neration, zu 8 Sous das Pfund. 80— 25½ Pf. Kammwolle, ater G⸗ neration, zu 16 Sous 201— 14 S. Endlich 40 Mutterſchaafe kter 11„ Generation, zu 12 Fr. 488— 8: s51445r. §tes Jahr. 48 gemeine Maͤrzſchaafe, zu 6 Fr. 238 Fr. 100 Hammel⸗Metis tter Seneration, 6 6 Fr. 600— 126 Hammel⸗Metis 2ter Generation, zu 12 Fr. 1512— — 4— 62 gemeine e zu 8 Fr. 6 cör 12½ Hammeljahrlinge iſier Ge⸗ neration, zu 6 Fr. 744— 6 30 dito zet Generatin, u 12 Fr. 960„2 248 gemeine Schafpelze, zu 2 Fr. 8— — ) F 200o Pelze gemeiner Mutterſchaafe, zu2 Fr. 400— s6 Metis⸗ Pelze uter Generation, W wohl etwas zu hoch angenommen Ueberall erinne⸗ re man ſich, daß von ungemiſchter Wolle die„ de iſt. E eß⸗ „ a0b Metispelze ⁊ter Generation, zu 6 Fr. 1339 Fr. 160 Pf. Lammwolle 1ter Sertun, 8 Sous 8 it 64— 300 Pf. Lammwolle ater Be zu 16 Sous 433 240— 30 Pf. Lammwolle 3ter Generation, zu 1 Fr. 4 Sous 96— Dann 63 Schaafe rter zu 7 12 Fr. z r 26— 6tes Jahr. 48 gemeine Schaafe, zu 6 Fr. a88 Fr. 30 Hammel⸗Metis 1te Sene⸗ 8 rativn, zu 6 Fr. 430— 75 Schaafe 1ter Generation, zu 16 Fr. 1200— 16 Schaafe ater Generation, zu 20 Fr. 320— 150 Hammel⸗ Metis atet Ge⸗ neration, zu 12 Fr.. 1300— 32 Hammel zter Generation, zu 18 Fr. 576— 160 gemeine wunſhuufpehe, zu 2 Fr. 320— 539 Metismutter⸗ Pelje ter Generation, zu 3 ½ Fr. 18864— 3 340 Metis⸗Mutter⸗Pelze ater Generation, zu 6 ½ Fr. 2210— 32 Metis⸗ Mutterpelze zter Generation, zu 10 Fr. 320— — r28 Ppf. Lammwolle iter Ge⸗ neration, zu 8 Sous 325 Pf. dito 2ter zu 16 So 105 Pf dito zter Sg 4 n — 1 Fr⸗ 4 Sptis 7tes 160 gemeine Schaafe, zu 4 Fr. 80 Schaafe rter Generation, zu 16 Fr. z8 Schaafe 2ter Senetutin, zu 20 Fr. 160 Hammel⸗Metis ater Sen ration, zu 12 Fr. 76 Hammel Zter Generation, zu 18 Fr. 400 Metis⸗Muttetpelze ner. zu 32 Fr. §16 Schafpelze zu 6 ½ Fr. 108 Schaafpelſe Zter Genera⸗ tion, zu 10 Fr. 320 Pf. Lammwolle ater Gene ration, zu 16 Sous 310 Pf. dito zter Generarion zu 1 Fr. 4 Sous 30 Pf. dito ter Generation, zu 1 Fr. 3 Sous Summa 12,472— 7 1920— 840 Fr. 1280— 760— 1400— 5354— 1060— 256— i 42— — 8tes Summq 9941 5 In Ztes Jahr. 6 80 Schaafe 1tet Gener. zu O cy 16 Fr. 1280 Fr. 62 Schaafe ater zun 2 20 Fr. 1240— 6 dito 3ter Gener. zu 30 Fr. 180— 160 Hammel⸗Metis 2ter — Generation 1920— 125 Hammel⸗Metis zter 1 n Generation, zu 18 Fr. 2250— 12 Hammel⸗Metis ₰ter Ge⸗ neration, zu 24 Fr. 288— 384 Schaafpelze xter Gene⸗ ration, zu 3½ Fr. 1344— 676 Schaafpklze 2ter Geue ration, zu 6 ½ Fr. 4394— 227 Schaafpelze zter Gene⸗ 25 ration, zu 10 Fr.— 12 Schaafpelze 4ter Gene⸗ ration, zu 14 Fr. n 3o8 Pfund Lammwolle 2ter 6 0 51168— 8 Generation 26— 8 Sous. 410 Pf. dito Zter Genera⸗„ tion, zu 1 Fr. 4 S. 492—„ cp4 100 Pf. dito ₰ter Genera⸗ tidn, zu 1 Fr. 8 S. 140— Summa 16,212 Fr. 8 Sous. D — 50 9tes Jahr. 73 Schaafe rſter Genera⸗ tion, zu 16 Fr. 32 dito 2ter Generation, zu 20 Fr.— 92 20 dito Zter Generation, zu 30 Fr. 154 Hammel⸗„Metis 2ter Ge⸗ neration, zu 12 Fr. 164 Hammel⸗Metis ʒter Ge⸗ neration, zu 18 Fr. 40 Hammel 4ter Generation, zu 24 Fr. zur Schaafpelze rſter Gene⸗ ration, zu 3½ Fr. 830 Schaafpelze ater Gene⸗ ration, zu 6 ½ Fr. 377 dito Zter Generation, zu 10 Fr. 52 dito 4ter zu 14 Fr. 298 Pf. Lammwolle 2ter Ge⸗ neration, zu 16 Sous 490 Pf. dito 3ter Genera⸗ tion, zu 1 Fr. 4 Sous 210 Pf. dito Genera⸗ tion, zu 1 Fr.8 Sous. 15 Pf. dito§ter Generation, zu 1Fr. 8 S. Summa „ 1338 87 550— 35— xs — noln a06.—„ oStu. 294— 21— 21,258 Fr. 18 Sous. Werthdes Duͤngers, zu2 Fr. für das Schaaf und 15 Sous für das Lamm gerchnet. rtes Jahr S enh 1er ktos grn S c 10 Sous. 58 5 i 5tes— 6n37*—„ 6tes— 1575— Se ab ci 70 gng4g z Summa 12,243 Fr. 10 Sous. Einnahmen im Ganzen. Verkauf von Werch des Summe des Wolle u. Vieh Duͤngers. Ganzen * Frank.] S. ſFranfſ S. erañf. S tes Jahr— oo — 3/820— 832 10 46 2ſ 10 3tes—— 37739 14 867— 4606 14 4tes— 3 514 2 955— 6469 2 7,1011— 372— 8473— 6tes— 9941 14 15751— 1151614 12,472;— 1563—140 5— gtes— 16,212 8 13811— 18093 8 9tes— 21,288 18 2.149— f22406 18 Summen 81,219 16 122431 10 934631 6 D 2 ar des Poͤchters. W MRahrüng üer Heeide im Winter. Die Nahrung eines Schaafes durch 4 Win⸗ ter⸗ Monate kann, auf§0 Lieues Entfernung von Paris, angeſchlagen werden, auf: 2 Pfund Heu taglich, und auf⸗ 1 Boiſſeau Hafer auf die ganze Zeit füͤr ein erwachſenes Schaaf, und auf dir Hůlß te, fur ein Lamm. Ein Schaaf wird alſo in dieſen 4 Monaten 240 Pfund Heu und 1 Beiſſeau Hafer verzehren. Das Lamm 120 Pfund Pri und ein halbes Boiſ⸗ ſeau Hafer.). Ich ſchatze das Heubund 11 Pfund ſchwer, da es meiſtens zwiſchen 10 und 12 Pfund wiegt. Ein Schaaf verzehrt mithin a1 Bund; hundert Bund zu 20 Fr. gerechnet, macht 4 Fr. 4 Sous. Ueberdies 1 Boiſſeau Hafer, 12 Boiſſeau zu 9 Fr. ge⸗ rechnet, macht— 15— 4— 19 Sous. *) Ich ſetze voraus, daß der Hafer eben ſo gut durch andre Koͤrner odet auch Wurzelgewäͤchſe, nach Maas⸗ gabe ihrer naͤhrenden Kraft, erſetzt werden kann; —auch daß die Schaafe Stroh erhalten, welches ſie zum Theil ausfreſſen, wenn ſie einige Koͤrner fin⸗ den, welches ich aber, da man es in der Entfernung von den Städten nicht verkaufen kann, auch nicht in Anſchlag bringe. T⸗ Fuͤr ein Schaaf und fuͤr ein Sn AFr. 1 53 91 Sous. 1ten Jahr 500 Schaafe u. 400 Laͤmmer 3467Fr. Mithin im 2ten— 400 zten— 310 4ten— 563 §ten— 656 6ten— 750 7ten— 744 gten— 896 9ten— 1018 ren. u408 u. 452 u. 524 n. 600 u. 594 u. 716 u. 828 u.310 2748— 16S᷑. 4307—16— 4506—14— §210—10— 5155½8— 611617 6932—11— Summa 42,076Fr. 15S. Werth der Wintetnahrung der Heerde in 9 Jah⸗ Jaͤhrliche Anzahl der Laͤmmer, fuͤr die re⸗ ſpectide 10 Sous und r Frane beehl ates Jahr a10 zu 10 Sous 3tes 4tes §tes 6tes 7tes Stes 9tes 452 534 600 504 716 328 — — wird. 11 105 Fr. 204— 226— 34—— 600— 594— 716— 828— ———— Summa 3797— „ Lohn und Foſt der Schaͤfer, zu 400 Fran⸗ ken fuͤr jeden Schaͤfer angenommen. nſtes u ates Jahr 3 Schaͤfer 24 Fr. 3 es Jahr 3— 1200— 4tes u. Stes Jahr 4— 3a00— 6tes, 7tes u. Stes J.5— 6000— tes Jahr 6 2400— Summa 15aco Fr. Die Ausgaben im Ganzen. Intereſſen mit§ pro Ct. von 6000 durch 9 Jahre Fr. Nahrung der Heerde 42,076— 14 S. Laͤmmer Pacht 23797— Koſten fuͤr die Schaͤfer 15,200— Summa 63,773 Fr. 14S. Balancr. Die Einnahme war 93463 Fr. 6 Sous. Die Ausgabe iſt 63773— 14— Bleiet dem Pächter nach Be⸗ zahlung der Intereſſen und —des Capitals 29639 Fr. 12 Sous. Stetzt man boraus, daß dem Paͤchter der Werth der Bockwolle zum Voraus uͤbertaſſen wurde, und nimmt man bei jedem Bock 10 Pfund ungemiſchter Wolle, zu 2 Fr. im Werth, jaͤhrlich anz ſo belaͤuft ſich dieſe Einnahme auf 3460 Fr. in den 19 Jahren, und hinzugezogen zu den uͤbrigen Einnahmen des Paͤchters, gewinnt er 40148 Fr. 12 Sous. Einnahmen, die dem Verpaͤchter zu Gute kommen. Der Verpächter wird nach Ablauf der 9 Jah⸗ re Beſitzer einer Heerde von 277 Schaafen, welche, 40 Fr. eins ins andre gerechnet, einen Werth von 83080 Fr. haben. Er hat an Laͤmmerpacht er⸗ halten 3797— Im Ganzen 86877 Fr. Ausgaben des Beſitzers. Die Bocklieferung, 3 aufs Hundert Schaafe gerechnet, und jeden auf 6 Sprungzeiten brauchbar angenommen, zu dem Preiſe von 200 Franken das Stuͤck, betragt: 8600 Fr. Anmerkung. Zwar ſind die letztgelieferten Boͤcke noch brauchbar, doch kann man darauf, der Krankheiten und andrer Zufaͤlle wegen, nicht fuͤglich etwas abrechnen. 4 Bezahlung des Paͤchters für die erſte Anſchaffung der Heerde 600o Fr. Heulieferung ungefaͤhr 200*) 6— Summa 6200. Hierzu die Bocke mit 8600 i Summa 14800 Fr. Ausgabe des Beſitzers. Balance. Die Einnahme war 83877 Die Ausgabe 4800 Bleibt dem Beſitzer 69077 Fr. Von der Begattung. Die Begattungszeit iſt nicht die nemliche in allen Theilen von Frankreich. Im mittaͤglichen ge⸗ rathen die Schaafe im Fruͤhjahr in Hitze; in der Gegend von Paris im Anfange des Sommers; und weiter gegen Noiden, beinahe im Herbſt erſt. Der Eigenthuͤmer einer Heerde, der ſie nicht nutzen will, entfernt ſich mehr oder weniger von der Epoche der nachdem es ſein Inkereſſe heiſchte. Man Ich verſtehe nicht, wie dieſe hier herkommen. Sollte aber der Verpaͤchter fuͤr die Boͤcke auch das Futter liefern? Es ſcheint ſo, doch waͤre es ſeltſam. W. beſtimmt die Springzeit nach dem Zeitpunet, wo man die hochtragenden und die ſäugenden Schaafe und die Rinder, wenn ſie anfangen zu freſſen, am beſten naͤhren kann. Dies iſt der Grundſatz, deſſen Anwendung ein jeder nach den Futterungsmitteln, die er beſitzt, dem Zweck, den er ſich vorſetzt, und dem Clima, das er bewohnt, motiviren muß.*) Schaafe, die durch Krankheiten geſchwaͤcht ſind, muß man dem Bock nicht eher als bis zu ih⸗ rer voͤlligen Herſtellung zulaſſen. Sie wuͤrden nicht beſtehen, oder verlammen, und elende Laͤmmer bringen. Ich kenne Paͤchter, welche in Jahren, wo das Heu beinahe ganz fehlte, aus Furcht, daß die Er⸗ haltung der Heerde ihnen im Winter zu koſtbar werden moͤchte, wenn ſie die Laͤmmer fruͤhzeitig be⸗ kamen, die Springzeit verzoͤgerten, um die Laͤmmer 5 Bei uns iſt die Meinung gewohnlich, daß man die Boͤcke nur ungefahr um Michaelis auslaſſen, und die Laͤmmer, mithin im Maͤrzmonat bekom⸗ men koͤnne, weil die Schaafe, wie die Schaͤfer be⸗ haupten, eher doch nicht bockten. Ich weiß aber, daß einer meiner Freunde auf allen ſeinen Schaͤfe⸗ reien, die nicht unbedeutend waren, die Schaafe nach und nach zum fruͤhern Bocken gewoͤhnte, und es endlich dahin brachte, um Weihnachten ſchon ſeine Laͤmmer zu haben, wobei er ſich vortreflich be⸗ fand, da er zur Schurzeit faſt ausgewachſene Schaa⸗ fe hatte, obgleich ihn freilich die Winterfuͤtterung bedeutend mehr koſtete. W. mehr gegen die Zeit des jungen Graſes im Frůh⸗ jahr zu bekommen.*) Alle Schaafe einet Heerde kommen nicht zu⸗ gleich in Hihe, daher muß man die Bocke hinrei⸗ chend lange darunter laſſen. Einige Landwirthe ver⸗ langen 9 volle Wochen, weil, ſagen ſie, die Schaa⸗ fe nach 21 Dagen von neuem in Hitze gerathen, und man daher ſicherer iſt, daß ſie alle waͤhrend der Zeit 2 mal bedeckt werden; eine Behauptung, die ich nicht garantire, die ich aber berſetze, damit man Unterſuchungen daruͤber anſtelle.**) *) Dieſe Methode moͤchte doch nicht anzurathen ſeyn, wenn der Verfaſſer von einer längeren Zeit des Zu⸗ ruͤckhaltens ſpricht, da theils manches Schaaf gar nicht, oder doch zu ſpaͤt, in Hitze gerathen wuͤrde, theils die Springzeit des naͤchſten Jahrs zu ſehr verruͤckt wuͤrde. Eine kuͤrzere Zeit kann aber wieder von keinem bedeutenden Nutzen ſeyn. W. **) Kein Thier pflegt von neuem in Hitze zu gerathen, wenn es fruchtbar beſprungen iſt. Jeder Landwirth weiß das, und obige Behauptung ſoll daher wohl anders gedeutet werden. Diejenigen Schaafe, die beim erſten Male nicht beſtanden haben, pflegen, wie alle andern weiblichen Thiere, von neuem in Hitze zu gerathen(umbocken), und man iſt daher ſicherer, nicht„alle Schaafe 2 Mal beſprungen zu haben, ſondern diejenigenSchaafefrucht⸗ bar ebenfalls beſprungen zu wiſſen, die das erſte Mal nicht beſtanden haben. W. * Es iſt wortheilhaft, die Laͤmmer in der kuͤrzeſt⸗ moglichen Zeit zu bekommen, um die nachtheilige Ungleichheit zwiſchen ihnen zu vermeiden. Doch loſſen ſich auch die Spaͤtlinge(tardans, tardillon) recht gut groß ziehen, nur laäßt man ſie in der Folge 1Jahr ſpäter zum Bock.*) *) Pictet iſt hierin abweichender Meinung: Er ſtellt den Satz auf, daß es hoͤchſt ſchaͤdlich ſei, das Bok⸗ ken der Schaafe zu verzoͤgern, oder ihnen die Boͤcke erſt zuzulaſſen, wenn ſie ſelbige zum 2ten oder zten Male verlangen, weil eine Menge Beobachtungen ihn gelehrt, daß dergleichen bei der 2ten oder 3ten HBitze des Schaafs erſi empfangene Lammer unend⸗ lich viel ſchwaͤchlicher fielen, als die in der erſten Pitze des Thiers gezeugten, und daß ſogar dann die Schaafe ſehr haͤufig gar nicht begiengen. Dieſe Bemerkung iſt ſehr intereſſant, und mir ſcheint ſie wohl gegrundet; wenigſtens hat gewiß jeder Land⸗ wirth oft den bewundernswurdigen unb nachzuho⸗ lenden Vorſprung bemerkt, den die fruͤher geborenen Lämmer vor den ſpäter ankommenden haben. Es wuͤrde hieraus auch folgen, wie ſchäͤdlich es iſt, einer Heerde von Schaafen zu wenig Bocke zuzuthei⸗ len, wo dann erſt nach öfterem Umbocken alle Schaafe können beſprüngen werden. Hr. Pictet aͤußert bei dieſer Gelegenheit zugleich, ob man nach dem nämlichen Grundſatze nicht auch gut thun wuͤr⸗ de, den Ferſen den Stier zu geben, ſobald ſie ihn erlangten, um die erſte Hitze nicht voruͤbergehn zu laſſen Dies ſcheint mir aber doch zu weit gegan⸗ gen, denn Ferſen bon kaum 12 Monat alt, verlan⸗ 90 ſchon oft nach dem Stier. Wie wichtig bei Mehrere Pächter laſſen ihre Widder beſtaͤndig pei den Schaafen; da ſie nur die ihnen ſelbſt nbth⸗ wendigen haben, ſo wuͤrde es zu koſtbar werden, ſie beſonders huͤten zu laſſen. Denn es entſteht der Fehler, daß faſt immerfort Lämmer geboren werden. Beſſer wäre es, wenn man nach der Sprungzeit die Bocke in eine Heerde von Hammeln bringen fonnte. Es wäre vielleicht recht nuͤtzlich, wenn man in jedem Canton eine Art von Penſionsanſtalt anlegte, worin man, fuͤr einen billigen Preis, die Boͤcke bis zur Sprungzeit bringen koͤnnte. Die Wahl der Soringboͤcke iſt eine Haupt⸗ ſache. Ein guter Merinosbock ſoll lebhafte Augen, einen feſten, freien Dritt, kurze Ohren, gewundene Horner, einen dicken Nacken, kurzen Hals, runde Schultern, eine weite Bruſt, runde Croupe, dicke, lange und herabhaͤngende Teſtikel, feine, haͤufige, dichte gleichartige Wolle Cſo viel moͤglich, an den ver⸗ ſchiedenen Theilen des Korpers) haben. Es iſt recht ſchoͤn, wenn er groß iſt, indeß, ein minder hoher, recht breiter Bock iſt, wenn er fein iſt, dem Merinos es ſei, die Laͤmmer gleichzeitig zu bekom⸗ men, leitet er beſonders auch daher, daß das Meri⸗ nosſchaaf phlegmatiſcher als das gemeine Landſchaaf; voll ſpaniſcher Gravität, wie er ſich ausdruͤckt, vor⸗ zugsweiſe die Eigenheit beſitze, jedes fremde Lamm mit Ruhe ſaugen zu laſſen, und nicht dem ſeinigen ſeine Milch aufzuſparen, ſo daß mithin alſo die ſtaͤrkern Laͤmmer den kleineren die Nahrung noͤhmen. — — blos größen weit vorzuziehen. Die Reinheit der Wolle iſt die Hauptſache. un WDie Röͤthe der Adern des Augenliedes in der Naͤhe der Thraͤnenhole giebt zwar da gewoͤhnlich⸗ ſte Geſundheitszeichen, doch täuſcht es oͤfters. Sicherer pruͤft man, wenn man mit der Hand ſtark auf die Croupe druͤckt und er nicht wankt, oder wenn er mit Kraft widerſteht, ſobald man ihn bei einem Hinterbeine halten will. Auch ſieht man noch, ob das Zahnſfleiſch roth, die Lippen nicht zuruͤckgewichen ſind, und die Wolle feſt an der Haut ſitze. Der Widder kann vom erſten Jahr an be⸗ fruchtenz es iſt aber beſſer, ihn 3 Jahr alt werden zu laſſen, oder wenigſtens 6 Jahr; dann kann man ihn oft bis 8 und 10 Jahr brauchen. Ein gutes Mutterſchaaf ſoll einen weiten Leib, runde Croupe, breiten Ruͤcken, weites Euter, lange Zitzen, duͤnne Beine, einen dicken Schwanz, feine Wolle haben, und ſich uͤberhaupt den Kennzeichen des ſchoͤnen Widders moͤglichſt naͤhern. Moch als Lamm koͤnnten ſie tragend werden; aber gute Wir⸗ the laſſen ſie erſt mit 3, oder mindeſtens 2 Jahren, beſpringen Man hat bemerkt, daß die alten Schaa⸗ fe die ſchoͤnſten Laͤmmer brachten, und ſie am be⸗ ſten ſaugten. Richt alle Jahr bringen die Schaafe gleich ſchoͤne und gleich feine Laͤmmer. Ein Bock mit einem Teſtikel oder ein Schaaf mit einem halben Euter wuͤrden ebenfalls ſich fort⸗ pflanzen koͤnnen, doch iſt es beſſer, ſie zu entfernen. Bisweilen, jedoch ſelten, hat man im Gegentheil auch Widder mit 2 Teſtikeln gefunden, die voll⸗ kommen unfruchtbar waren, ohne daß mun die Ur⸗ ſache hat entdecken foͤnnen. Gewiſſe Fehler pflanzen ſich von Mutter auf's Lamm nicht fort, zum Beiſpiel, Bintheit oder Laͤhmung. Einige Laͤmmer haben tothliche, andere ſchwarze Flecke. Die erſtern verwachſen ſich in der Wolle, die lttztern ſind dauerhafter, und ſcheinen in der Haut ſelbſt zu liegen. Es giebt ganz pech⸗ ſchwarze Schaafe, ohne daß ihre Väter oder Muͤt⸗ ter es geweſen waͤren. In 20 Jahren iſt dieſer Fall 5 Mal in Ramboullet vorgekommen, obgleich die Heerde nie mit einer Jaudern hat zuſammen kommen koͤnnen, die ſo ganz allein in⸗ einem Park eingeſchloſſen iſt, daß dann kein anderes Dhier hin⸗ einkommt. Die Schaafe von dieſer Farbe haben ganz weiße Lammer gebracht. Worin liegt dies? Ich weiß nicht: doch kann man nicht tadel n, wenn man Schwierigkeiten macht, dergleichen Thiere zu kaufen. Beſſer zu viel, als zu wenig Sorgfalt. Man iſt ſo weit in ſeinen Beſorgniſſen gegangen, daß man ſogar keine Bocke hat kaufen wollen, wenn ſie ſchwarze Flecke auf der Zunge oder inm Maule hatten, welches oft der Fall iſt. Wie alt auch der Glaube ſeyn mag, daß davon ſchwarze Laͤmmer entſtehen;*) ich glaube nicht daran. Gilbert behauptet das Gegentheil. * *) Schon Virgil warnt davor in ſeinem Georgicon⸗ W. Ein Bock iſt im Stande, eine erſtaunliche Menge Schaafe zu beſpringen, ſelbſt in kurzer Zeit. Dieſe Moͤglichkeit darf jedoch keinen Maaßſtab ah⸗ geben. In Frankreich giebt man einem Bock gr⸗ meiniglich§0 Schaafe; in Spanien bisweilen nir 24 und drunter ſogar. Ich finde, daß man mit Sicherheit und Vortheil 100 Soft auf 3 Bocke rechnen kann. Einige Withe ſit die zör, die Bocke nur des Nachts zu, und trennen ſie Mor⸗ gens wieder von den Schaafen. Dieſe Maaßregel wuͤrde vorausſetzen, daß die Schaafe Nachts ſtaͤr⸗ ker in Hitze kommen, als Dags, was doch gar nicht bewieſen iſt: wenn man ſie ergriffe, ſo ſetzte man ſich aus, daß der Begattungstrieb verloren gienge oder ſich ſchwaͤchte. Die ununterbrochene Gegen⸗ wart der Widder erregt ihn vielmehr, und ſie be⸗ nutzen den vortheilhafteſten Augenblick. Anbre theilen die Anzahl ihrer Bocke in zwei F und laſſen ſie wechſelsweiſe auf einige Tage Pierdürch erhalten die Boͤcke Ruhezeiten, die ze Kroͤfte wieder ſammeln. Auch entſteht der Vortheil daraus, daß ihre Kaͤmpfe wieder häufig ſindz man weiß, daß dieſe Kaͤmpfe oft Verluſte nach ſich ziehn, ſelbſt von Schaafen, die zufaͤllig zwiſchen a ergrimmte Boͤcke gerathen. Ueberdies ſieht man, wenn viele Boͤcke da ſind, einige, die aus Eiferſucht die andern waͤhrend der Begattung herunterwerfen, und dieſe daher fruchtlos machen. In den meiſten Provinzen giebt man den Wid⸗ dern, einige Zeit vor der Sprungzeit und bis 3 Wochen nachher noch, eine beſſere Nahrung. Dieſe Vorſicht iſt uͤberflößig, wenn ſie immer binreichende Mahrung haben. 1 Sollten einige junge Schaafe tragend werden, ſo muß man ihnen die Laͤmmer unmittelbar nach der Geburt nehmen, und ſie andern Schaafen oder Ziegen geben, oder auch ſie mit Kuhmilch ernaͤhren. Die Erfahrung hat gelehrt, daß ſie das Traͤchtig⸗ ſeyn weniger angreift, als das Saͤugen, die jungen Schaafe, die zu jung beſprungen wurden, keine Verſchwaͤchung in ihrem Wachsthum er⸗ litten, wenn man ihnen gleich nach der Geburt ihre Laͤmmer nahm.*) 1 u — Von der Traͤchtigkeit und dem Lammen. Gemeiniglich beſtimmt man die Dauer der Traͤchtigkeit beim Schaaf auf§ Monat oder 150 Tage, doch kommen ſie auch bisweilen etwas fruͤher oder ſpaͤter. In *) Dieſe Erfahrung wäre hochſt wichtig, beſonders wenn man ſie auch beim Rindvieh beſtätigt faͤnde. Daß das Gebaͤren unter dieſen Umſtaͤnden weniger ſchädlich ſeyn ſollte, als wenn die junge Mutter dazu auch noch ſaͤugen muß, glaube ich gern, abe gar nicht ſchädlich??— W. In guten Schaͤfereien koͤmmt die Anzahl der Lämmer ungefaͤhr jener der Schaafe gleich, die zum Bock gelaſſen wurden, denn wenn gleich nicht alle Schaafe beſtehen und einige verlammen, ſo giebt es ſo viel Zwillingslàͤmmer auf der andern Seite, daß eher noch Ueberſchuß iſt. Ich kenne eine Schaͤferei, wo man§ Jahre lang auf 438 Mutterſchaafe §17 gute Lämmer hatte. Bisweilen beſteht ohner⸗ achtet aller Sorgfalt ein Theil der Mutterſchaafe nicht: In einer Heerde in der Gegend von Paris, gaben von 191 Mutterſchaafen, 19 kein Lamm; 7 davon waten alt und die andern 12 jung. Der Sommer war ſehr regnicht geweſen, und dieſe Heerde hatte, wie es ſcheint, immer in Huͤrden ge⸗ legen. Dieſem Umſtande maß der Eigenthuͤmer die Schuld bei. Natuͤrliche und zufaͤllige Urſachen veranlaſſen das Verlammen. An die natuͤrlichen hat man mei⸗ nes Wiſſens noch nicht viel gedacht. Sie beſtehen in dem Demperament und der Conſtitution der Mut⸗ terſchaafe. Ein kraͤftiges Schaaf verlammt, weil das Blut zu haͤufig und zu heftig gegen die Gefa⸗ ße der Gebaͤrmutter andringt und die Abloſung der Placentae veranlaßt; ein andres, zu ſchwach, lie⸗ fert nicht genug Blut zur Ernährung des Foe⸗ tus. Die Placentae loſen ſich dann vom Grunde der Gebaͤrmutter los, ſo wie die Fruͤchte von den Baͤumen fallen, der Saft mag ſich nun entwe⸗ der zu häufig und heftig, oder auch gegentheils gar nicht mehr zu ihnen hin ziehen. Man wurde E — 66— beiden Uebeln zuvorkommen, wenn man dem zu traͤftigen ſanguiniſchen Thiere die Ader ſchluͤge, oder ihm weniger Nahrung gabe, und wenn man dage⸗ gen das von entgegengeſetztem Temperamente ſtaͤrkte. Mehrere Zufaͤlle veranlaſſen das Verlammen. Chroniſche Krankheiten, ein langer oder uͤbertriebe⸗ ner Marſch, heftiges Springen, zu reichliche oder verdorbene und unzureichende Nahrung, ſchlechtes Wetter, Schlaͤge oder Stoͤße gegen den Leib und die Seiten, gewiſſe Kraͤuter von der Claſſe deren, die auf die Gebaͤrmutter einwuͤrken, Schreck, enge fehlerhafte Bauart der Schaafſtallthore und andere mehr. Man ſieht, daß man durch Sorgfalt ſie faſt alle vermeiden kann. Man räth, die tragenden Muͤtter einige Mo⸗ nat vor dem Lammen beſſer fuͤttern zu laſſen, da⸗ mit der Foͤtus ſich recht ausbilden koͤnne, ohne daß die Geſundheit der Mutter dadurch litte. Gegen die Laͤmmerzeit trennt man Nachts die tragenden von den nicht tragenden Schaafen; auch giebt man ihnen die letzte Weide. Gewoͤhnlich geht das Lammen ohne Schwie⸗ rigkeit von Statten; die Natur ſelbſt operirt dabei, und die Kunſt iſt uͤberfluͤßig. Nur ſelten iſt Huͤlfe nothig.(Siehe den Artikel: Schaͤfer.) Die ſaͤugenden Muͤtter muͤſſen ſo gut gefuttert werden, als diejenigen, welche bald kommen ſollen⸗ Einige Mutterſchaafe bringen Zwillinge. Ein aufmerkſamer Wirth merkt ſie ſich, um ſie recht lange zu erhalten. Sie ſind ſehr vortheilhaft, da ſie nicht mehr angegriffen werden, als die andern, und ſelbſt bisweilen ihre 2 Lämmer recht gut groß ſaͤugen. Ich habe ein Schaaf gekannt, welches 20 Jahr alt wurde, alle Jahr lammte und oft 2 Lam⸗ mer bruchte. Wenn das Schaaf zu ſchwach iſt, beide zu naͤhren, ſo roͤdtet man eins, oder läßt es durch eine Kuh oder Ziege, oder auch durch ein Schaaf, deſſen Lamm geſtorben, groß ſuugen. Wenn man von Zwillingslaͤmmern dem einen nicht eine Amme geben kann, ſo giebt man ihm, mittelſt eines Nurſchkaͤnnchens; eine duͤnne Suppe von Weitzen⸗ mehl, Waſſer, und ein wenig die man laulich werden laßt. Die Zwillinge ſind nicht eben ſelten. 36 weiß beſtimmt, daß auf 371 tragende Schaafe, in einer Heerde, 22 Zwillinge fielen, alſo mehr als der 17te Theil. Es iſt nicht zu begreifen, warum man behaup⸗ tet hat, die Laͤmmer muͤßten nicht die erſte Milch ihrer Muͤtter ſaugen, die man fur ſchaͤdlich hielt. Dies iſt ein Irrthum, von deſſen Schaͤdlichkeit man ſich aber nicht uͤberzeugen kann; da die erſte Milch aller weiblichen Dhiere eine Eigenſchaft be⸗ ſitzt, die der Schwaͤche ihrer Jungen angemeſſen, und von der Natur beſtimmt iſt, das Meconium fortzuſchaffen, das heißt, die in dem Magen und den Eingeweiden enthaltenen Unreinigkeiten. Man wird bemerken, daß die neugebornen Laͤm⸗ mer ſich zuſammendraͤngen und nach den Gegenden des Schaafſtalls hinziehen, die am meiſten vor der E 2 N Kaͤlte geſchuͤtzt ſind. Hier leitet allein die Natur ſie. Oft ſind Lammer aus Mangel an hinreichen⸗ der Waͤrme in den Schaͤfereien geſtorben. Moch mehrere wuͤrden ſterben, wenn die Schaafe unter Schuppen oder in freie Luft kommen ſollten. Die ſtarkſten wuͤrden es ertragen und die ſchwaͤchern wuaͤrde man einbäßen. Das Beiſpiel der Englän⸗ der, welches man anfuͤhrt, um eine ſo übertriebene Methode zu unterſtutzen, iſt nicht nachahmenswerth; ſie ſind ſelbſt ſo wenig von ihrer Güte uͤberzeugt, daß ſie die Art angeben, wie die Laͤmmer, die in der heftigſten Kaͤlte in freier Luft geboren werden, aufgethaut werden können.*) Phne heiß zu ſeyn, muͤſſen die Ställe zum Lammen im Winter doch eine milde Demperatur haben, wenn Mütterſchaafe und Laͤmmer moͤglichſt geſund bleiben ſollen. 4²) Was wuͤrde Hr. Deſſier ſagen, wenn er wußte, daß mitten in dem rauhen Polen ein eifriger Schaaf⸗ zuͤchter; Hr b. Trem bicki, ſeine Schaafe mit Ge⸗ walt an dies Bivonacquiren in der Lammzeit ge⸗ woͤhnen wollte, und die Eiskruſte, mit der ſie bei der Geburt uͤberzogen wurde, fuͤr ein Nittel hielt, ſie dauerhaft zu machen. Daubenton hatte dieſelbe ausſchweifende Idee, doch nur im milden Frankreich, und da ihm ſeine Schaͤfer immer melde⸗ ten, ſeine Befehle hierin wuͤrden vollzogen, und die Heerde befaͤnde ſich wohl, ſo kaͤmpfte er gutmuͤthig immerfort fuͤr dieſe Meinung, und wußte nicht, daß ſeine Heerde niemals im Freien lag; denn er kam faſt nie ſo weit, ſite ſelbſt zu ſehn. W. Nur auf Koſten der Lärnmer kann man die Schaafe, zu einer Zeit, wo jene noch ſaugen ſol— len, melken, und es ſchadet dies ihnen ſehr. Dieſer Gebrauch ſcheint im mittaglichen Frankreich, wo man nur Molkenwerk durch Ziegen und Schaafe hat, die Verbreitung der Merinos zu hindern; aber man kann dieſem Nachtheil vorbeugen, wenn man der Mutter eine reiche Nahrung verſchafft, und ſie erſt 3 oder 4 Monat nach dem Lammen, hoͤchſtens bis 3 Monat lang, melken laͤßt, auch damit ſogleich anhaͤlt, wenn ſie in Hitze kommen.*) Vie ſchädlich den Merinoslämmern das Melken ihret Mätter ſeyn muß, erhellt aus der uns durch La⸗ ſteyrie bekannt gewordenen ſpaniſchen Sitte, einen großen Theil der Lammer,(zwar natürlich die Ham⸗ mellaͤmmer) und zwar bisweilen uͤber die Hälfte, ja uͤber ztel, wenn die Witterung ſchlecht iſt, gleich nach der Geburt, und ehe die Heerden anfangen zu wandern, zu tödten, weil die Spanier behaupten, daß die Milch einer Mutter allein kein ordentliches Lamm ernaͤhren koͤnne.— Der fremden Mutter nun das unbekannte Lamm lieb und erträglich zu machen, uͤberzieht man es mit der Haut des getod⸗ teten, bis das Schaaf ſich erſt hat von ihm ſaugen laſſen. Boͤſe Schaafe werden auch wohl angebun⸗ den, um das Saugen zu dulden. Dieſes Lammer⸗ wuͤrgen ſoll zu der Zeit die Einwohner der benach⸗ barten Herter herbeilocken, da man denn bisweilen dieſe armen Lämmchen fuͤr 2 Sous das Stück kau⸗ ſen ſolli, wofur ſie die Häͤute hernach wieder ab⸗ ſetzen welche üͤber Portugal nach England gehen.— wohlthaͤtig iſt. Es giebt Laͤmmer, welche 3 Wochen nach der Geburt ſchon im Schaafſtall anfangen, zu freſſen: man giebt ihnen, waͤhrend die Muͤtter im Felde ſind, eine angemeſſene Nahrung, nemlich geſtampfte oder gemahlne Koͤrner und feines Grummetgras. Man laſſe ſie bei guter Witterung doch ja in der Naͤhe der Schaͤferei in's Freie, welches ihnen ſehr Die Beſitzer großer Heerden thun Recht, die juͤngern Schaafe nicht unter den Lammſchaafen zu laſſen. Ueberhaupt iſt es beſſer, wenn man die Ausgabe machen kann, lieber einen Schaͤfer mehr zu halten, der die Jährlinge und Zeitſchaafe das ganze Jahr fuͤr ſi ſi ch fuͤhrt. Vom Abſetzen. Wenn man die Lämmer ſo geradehin abſetzte, ſo moͤchte ſich das Euter der Mutterſchaafe verhaͤrten, und ihnen eine boͤſe Krankheit veranlaſſen; auch die Lammer ſelbſt wuͤrden leiden: man muß ſie da⸗ So auffallend dies Verfahren ſcheint, ſo mag es auch wohl in der knappen Weide liegen, welche die Wanderſchaafe zu gewiſſen Zeiten haben. Daß aber uͤberdies ein Merinosſchaaf an und fuͤr ſich weniger Milch giebt, als ein andres Schaaf, ſehen wir bei uns nicht nur uͤberall, ſondern es wurde mir auch ſelbſt von den Schaͤfern in Ramboullet beſtaͤtigt. W. her allmaͤhlig abſehen. Anfaͤnglich entfernt man ſie einige Mal des Tags, dann erlaubt man ihnen nur des Nachts zu ſaugen; endlich trennt man ſie auch Nachts von ihren Muͤttern, und bringt ſie nur täͤglich 2 oder 1 Mal zuſammen, bis ſie gar nicht mehr zu einander kommen. So vergeſſen ſie ein⸗ ander, und die Milch vertrocknet allmaͤhlig.*) Sind die Laͤmmer ſpaͤt, das heißt, gegen die Zeit, wo die Felder junges Gras bringen, gekom⸗ men, ſo kann man ſie mit 2 Monaten abſetzen; kommen ſie früͤher, z. B. im December oder Jen⸗ ner, ſo muß man ſie langer ſaugen laſſen, und wohl 4 bis§ Monate, je nachdem ſie beſchaffen ſind, und der Zuſtand der Weide iſt, die man ihnen ge⸗ ben kann. Da ſie nicht zu gleicher Zeit geboren werden, und bisweilen auf einen Monat im Alter abweichen, ſo iſt es noͤthig, ſie nur nach und nach abzuſetzen. Von dem Abhauen des Schwanzes. In Frankreich ſchnitt man faſt den Schaafen die Schwaͤnze nicht ab; ſeit der Einfuͤhrung der *) Ich habe nie gehort oder bemerkt, daß unſer plötz⸗ liches Abſetzen den Laͤmmern ſo ſchaͤdlich wuͤrde; doch iſt es eine gewiß ſehr nuͤtzliche Einrichtung, die Laͤmmer nach dem Abſetzen nicht mit den Mut⸗ tern in einem Stalle zu laſſen, damit ſie ſich nicht einander hoͤren, und mithin mehr nach einander bangen koͤnnen. W. Merinos hat man dieſe in Spanien uͤbliche Sitte bei den Heerden dieſer Race angenommen. Meh⸗ rere Gruͤnde ſtimmen dafuͤr. Erſtens, in manchen Jahrszeiten und Gegenden bekommen die Schaafe, von jungen Kraͤutern lebend, Diarrhden, welche ih⸗ ren Schwanz beſchmutzen wuͤrden, wo denn dieſer wiederum die Lendenwolle verunreinigen wuͤrde; Zweitens, wuͤrde ſich die weiche Erde auch daran hangen. Drittens. Die Euter der Mutterſchaafe, erweitert durch die Milch, waͤhrend dem Saͤugen, würden empfindlich, und ſchmerzend werden, wenn der Schwanz mit Koth behaͤngt, dagegen anſchluͤge. Auch hat man behauptet, daß das Abſchneiden des Schwanzes die Nieren ſtärkte, was ich doch nicht beſtatigen moͤchte. Die Mutterſchaafe koͤnnen nach dieſer Operation den Bock beſſer zulaſſen, und lam⸗ men beſſer, ohne daß die Nabelſchnur ſich verwickelt; dies ſind Gruͤnde genug für das Abhauen des Schwanzes. Es geſchieht, wenn die Luͤmmer 1 oder 2 Monat ait ſind. Der Schaͤfer ſchneidet den Schwanz mit einem Meſſer 3 bis 4 Zoll von der Schwanzwurzel ab: zu nahe wuͤrde gefaͤhrlich ſeyn; man hat Lämmer dann ſterben ſehn. Auch wuͤrde es der Fliegen wegen ſchädlich ſeyn, wenn die Scheide zu frei würde. Man thut nichts weiter bei der Wunde, die ein wenig blutet und bald trocknet. Vom Caſtriren der Laͤmmer. Als die Merinos noch nicht ſehr ausgebreitet waren, hammelte man kein Bocklamm, was es auch fuͤr Fehler haben mochte, um es zur Zucht brauchen zu konnen; ſeit ihre Zahl groͤßer geworden, laſſen die Beſitzer von ſchonen Heerden nur dieſenigen Laͤmmer hammeln, die nicht viel verſprechen, oder die ſie nicht vortheilhaft abſetzen zu koͤnnen glauben. Schon faͤngt man an, die Spekulation zu machen, Heerden von aͤchtſpaniſchen Hammeln zu halten: man kauft ſie zu 1 oder 2 jaͤhrlich, ſie ſind minder koſtbar zu erhalten, als die Schaafe; man haͤlt ſie 4 oder 5 Jahr, um den Duͤnger und die Wolle zu haben, die ſie reichlich geben; und mit wenig Koſten maͤſtet man ſie dann, und verkauft ſie bei⸗ nahe ſo theuer, als ſie gekoſtet haben. Wer ein ſo feuchtes Terrain hat, um ohne Gefahr nicht Laͤm⸗ mer aufziehn zu koͤnnen, wird gewiß Vortheil ha⸗ ben, wenn er ſich Merinoshammel anſchaft. Eines Dags werden die Markte und die Schlaͤchtereien ſo voll davon ſeyn, als ſie es jetzt von gemeinen ſindz ſchon ſieht man jetzt ziemlich viele davon. Man kann die Widder von jedem Alter ſchnei⸗ den; als Lammer ſchneidet man ſie von 3 Wochen alt bis zu 6 Monaten: je eher man es thut, je weniger leiden ſie, je weniger verliert man daran. Man benutzt am beſten die Zeit, die ſie noch ſau⸗ gen; die Milch iſt ein Linderungsmittel gegen den . Schmerz. Am gewohnlichſten ſchneidet man ſie, wenn ſie 3 oder 4 Wochen alt ſind, und die Teſti⸗ keln in den Säͤcken ſich geſenkt haben. Die beſte Art zu ſchneiden iſt, wenn man die Teſtikel wegnimmt. Man ſchneide unten den Ho⸗ denſack auf und läßt ſie einen nach dem andern heraustreten; der Dperateur nimmt ſie und reißt ſie mit den Zaͤhnen heraus; er dreht die Schnur, welche nachgiebt und ſich leicht herauszieht. Man⸗ che reiben nachher den Hodenſack mit Schmalz, an⸗ dre begnugen ſich, die Wunde zuſammen zu druͤcken. Das Fleiſch ſo fruͤh gehammelter Thiere iſt und delicat. Dieſe Art wuͤrde ſich fuͤr den 3 und zjituen Widder nicht paſſen, und ſie leicht toͤdten. Man quetſcht ſie oder bindet ſie aus. Bei der erſten dieſer Operationen, nimmt man die Hoden und dreht ſie quetſchend ſo ſtark herum, daß ſie nicht mehr als Organ fur die Saamenabſonderung dienen koͤnnen. Da man vorausſetzt, daß man a Mal ſie verdreht, ſo nennt man dieſe Operation„Doppel⸗ drehen(bistourner).“ Man läßt die Hoden wieder in die Hoͤhe gehen; man bindet unter ihnen zuſammen, damit ſie nicht von neuem herunterſin⸗ ken; nach einigen Tagen nimmt man den Band ab. Bei der zweiten Art bedient man ſich einer Art von ſtarkem Faden(Fouet, daher die Operation fouetter heißt.) Man bindet dem Thiere die Beine, nimmt mit den Fingern(beſſer als mit einer Scheere) die Wolle weg, die die Hoden bedeckt; um dieſe herunterſinken zu machen, reibt man den Sack Coder das Scrotum); man legt zwiſchen ih⸗ nen und den Zizchen, die die Widder ebenfalls ha⸗ ben, den Faden an, der aber ſtark und ſelbſt ſtarker als Peitſchenbindfaden ſeyn muß. Man macht eine Schleife, wo die Teſtikeln durchgehen; jedes Ende der Schnur iſt an ein Stockchen befeſtigt, welches ein Mann haͤlt; man zieht die Schlinge zu, und beide Maͤnner ziehen ſo ſtark, als ſie koͤnnen, ohne jedoch zu ruͤcken und ohne die Schnur abzuſchnei⸗ den. Ueber dem erſten Knoten macht man einen zweiten, den man eben ſo zuzieht; man ſchneidet die Schnur auf 1 ½ Zoll lang ab. Sollte ſie wäh⸗ rend dem Zuziehen reißen, ſo legt man eine neue eben ſo noch druͤber, ohne die erſte abzunehmen. Man muß ſich ſehr huͤten, die Ruthe nicht mit zu foſſen, damit man nicht eine Vorhautsenge(Phimo- sis) veranlaſſe. Die meiſten Schaͤfer verſtehen alle 3 Arten; manche ſind ſo geſchickt, daß ſie 100 Hammelläm⸗ mer machen, ohne daß eins dabei ſtirbt. In man⸗ chen Provinzen gehen Leute, die man Verſchnei⸗ der nennt, zu gewiſſen Zeiten auf die Hoͤfe umher, um dieſe Arbeit vorzunehmen: ſie ſind ſehr darauf bedacht, nach geſchehener Operation dem Dhiere die Finger ins Maul zu ſtecken, damit es die Kinnbacken ruͤhren moͤge, um es vor der Maul⸗ ſperre, Wundſtarrkrampf(Tetanus) zu ſichern, welches auch darauf gelingt. — 76— Der Lurus im Eſſen bat die Perſuche erzeugt, Schaafe zu ſchneiden, indem man ihnen die Eier⸗ ſtocke nahm; ihr Fleiſch wird dadurch vortreflich; allein die Operation iſt ſchwerer, als das Schnei⸗ den der ⸗ die Wol 6 ſe . Vom Anehmen der W, Die Hörner die die Natur dem Merinosbock 1 gab, um ſich zu vertheidigen und anzugreifen, wer⸗ den ihm im gezähmten Zuſtande nicht nur unnütz. ſondern laͤſtig und ſchaͤdlich; vorzug lich in den Käm⸗ pfen, die ſie ſich unter einander liefern und wobei 6 bisweilen einige auf der Stelle bleiben. Manchmal wachſen ſie wieder in den Kopf hinein. Daher ſchneidet der Spanier ihnen die Hoͤrner ab. Wir beſtimmen uns ſchwer dazu, weil man dieſe Hörner 13 fur ſchoͤn halt, ja ſogar oft die ohnhornichten aus Furcht verwirft, ſie mochten fuͤr Metis gehalten werden. Man ſchneidet die Hoͤrner entweder nit einer Saͤge ab, oder mit einer Scheere. Eine recht ſcharfe Handſäge iſt bequem dazu; ein Mann haͤlt den Kopf feſt, der andre ſaͤgt, das iſt die Sache 3 eines Augenblicks; auch eine Schnur, weſche man . t 2 mal um das Horn legt und raſch a bringt 11 die nämliche Wirkung hervor.) 3. 5*) Hiervon tann ich mir r doch tinen brutlichen Leguif machen. 10 Dos Abnehmen mit der Scheere iſt weniger einfach; dies ſah ich die ſpaniſchen Schaͤfer thun. In einer ausgehohlten Grube wirft mgn einen Winer anf den Rücken, ein, Mann bält ihn den Kopf auf eine untergelgte Boble feſt, ein peiter halt ihm eine ſtarke 4 bis 5 Pfunb ſchwere Scher⸗ re auf die Hoͤrner und ein dritter gibt darauf mit einem hoizernen Hammer 1 oder⸗ 2 Schläͤge, welche imi das, was man verlangt, rein abzul öſen, wenn ſen 5 Zahr alt ſind; ſie wachſen noch F wieder, a aber nie werden ſie ſtark, als ſie waren. Vom Zechnenn der Sgaſ⸗— Die danehußteſteh Zeichen ſind diejenigen, d man auf dem Geſichte mitheinem heißen Eiſen macht, und auf dem Ohre, wenn man es durch⸗ ſticht oder einen Kerb einſchneiden Da die andern nur auf der Wolle gemacht werden, ſo verwiſchen ſie ſich durch Regen, Schweiß und Staub, und nach der Schur muß man ſie von neuem machen. Die Spanier bedienen ſich des geſchmolzenen Theeres, den ſie mittelſt eines offengearbeiteten Ei⸗ ſens, mit dem Namen des Beſitzers, auf den Flan⸗ ken appliziren; welches den großen Vortheil hat, nicht nachgemacht werden zu koönnen. In Spanien beſtrafen die Geſetze ſtrenge, wenn ſich jemand des Zeichens eines andern bedienr; moͤchte das doch bei uns auch geſchehen! Von den Schaafſtällen. 1. 7¹ 172 In der Inſtruction von Daubenton i von Schaafſtällen nicht die Rede, er hielt ſie füt un⸗ nůtzʒ bloß den Plan eines Schuppens Agen Regen und große Hitze hat er gegeben. MRachber fand er ſelbſt gut, daß, bei ſtreügen Wintern, ſeine Schaͤfer zu Montbart, die Hterde in Ställe brachte, wo es nicht kalt war. Dem ſei wie ibm wolle, ſeine Meinung war urſache, daß beim Bau des Pachthofes zu Ramboullet keine Schaaf⸗ ſtälle gebaut wurden: doch kaum war die Heerde aus Spanien angekommen, ſo fuͤhlte man den Feh⸗ ler, den man gemacht hatte. Man war ſelbſt auf das Dringen der Schaͤfer, die ſie gebracht hatten, genoͤthigt, die Thiere in Scheunen und andre Lo⸗ Lale zu bringen. Erſt vor 2 Jahren hat man S le gebaut. Fuͤr die wandernden Schaafe in Spanien ſind ſie allerdings nicht noͤthig; anders iſt es bei uns, wo ſie an demſelben Ort das ganze Jahr bleiben und von Froſt, Regen und Hitze gleich viel leiden. Die Frage, die durch Daubentons Einfluß meh⸗ rere Zeit unentſchieden blieb, iſt es daher, duͤnkt mich, jetzt nicht mehr, und man hat durch Dauben⸗ tons Uebertreibung nur die Gewißheit gewonnen, daß niedrige, enge, feſt herum verſchloſſene Schaaf⸗ ſtalle, wie es deren ſo viele giebt, den Schaafen ungeſund ſind, und daß man hier, wie in ſo vielen Dingen, das Extrem meiden muß. Das Material, wovon die Stalle gebaut ſind, iſt gleichguͤltig. In manchen Departements laͤßt man das Dach zu weit heruntergehen, dies taugt nicht und iſt ungeſund. Ein guter Schaafſtall muß trocken liegen, vor dem Schneetreiben und Regen⸗ guͤſſen geſchuͤtzt ſeyn, und er muß hoch und weit ge⸗ nug ſeyn, damit die Luft darin ſi ch immer reinigen koͤnne. Was den Raum betrifft, ſo berechnet man ihn dergeſtalt, daß man 10 Quadrat⸗Fuß auf ein Schaaf mit dem Lamm rechnet. 8 Quadrat⸗Fuß auf 1 Hammel oder Bock, oder ein Schaaf ohne Lamm⸗ und 6 Quadrat⸗Fuß auf ein Lamm. Die Hoͤhe muß mindeſtens 12 Fuß ſeyn, vor⸗ ausgeſetzt, daß man nicht viel Miſt darin liegen laßt, denn in dem Fall muͤßte er 16 Fuß Hoͤhe im Stiel haben*). Der Stall muß nothwendig mit Fenſtern und Luftzuͤgen verſehen werden. Erſtere verſchließt man leicht und bequem mit einem vorgeſetzten Bunde Stroh. Bisweilen ſind auch in ſchlechtangelegten *) Fuͤr Deutſchlands Stuͤrme moͤchte ein ſolcher Stall nicht nur unnuͤtz koſtbar, ſondern der Temperatur nach, wohl ein wenig zu kalt werden. Ueberhaupt darf ein uͤbrigens gut und mit Luftzuͤgen eingerich⸗ teter Schaafſtall immer nur 8— 9 Fuß hoch ſeyn. Alles, was unſer Verfaſſer uͤber die Bauart der Ställe ſagt, iſt theils nicht neu fuͤr uns, theils nicht einmal am vortheilhafteſten, daher uͤbergehe ich das mehreſte davon. W. Ställen noch Quaimfaͤnge nothig, wobon die Ko⸗ ſten ſich nicht hoch belaufen. Eine allgemeine Regel iſt, daß man beim Ein⸗ tritt in einen Schaafſtall weder Kaͤlte noch Hitze, noch einen ſtarken ammoniacaliſchen Geruch, bemer⸗ ken muß. Sehr nuͤtzlich wäre es, wenn man fuͤr jede Art Vieh einen eignen Stall bätte, und man wuͤrde dadürch mehrere Unbeguemlichkeiten vermeiden. We⸗ nigſtens muß man doch ein paar Krankenſtälle ha⸗ ben, um die Kranken beſonders zu laſſen. Es iſt eine kluge Vorſichtsregel, das Fenſter des Stalls, welche außerhalb des Hofes oͤffnen, mit Eiſengittern zu verſehen; man verhindert damit, daß die Woͤlfe nicht hereinbrechen. Die Schaͤfer, welche ſehr oft untreu ſind, langen ſchoͤne Laͤmmer da⸗ durch hinaus, die ſie heimlich verkaufen, und bos⸗ hafte Menſchen werfen glühende Kohlen, oder ſchaͤd⸗ liche Dinge hinein. g Auf den meiſten Pachthoͤfen oder Meiereien legt man den Schaafen das Futter auf der Erde; man *) Ich habe dieſe uͤbrigens ziemlich unnuͤtze Stelle mit angefuͤhrt, um dem Leſer die Ueberzeugung zu ver⸗ ſchaffen, daß man in Frankreich den verderbten Cha⸗ rakter des Volks eben ſo wie bei uns, und die Wolfe noch mehr zu furchten hat. . ——— T·Z. er. „ 6„ X ₰ man ſieht leicht, wie fehlerhaft dies iſt*). In mehe reren andern ſieht man Raufen, welches ſchon beſ⸗ ſer iſt. Seit einigen Jahren hat man Krippen ein⸗ gefuͤhrt, welche mit den Raufen verbunden ſind.— Durch dieſe Einrichtung gehen die Bluten, Koͤrner und Blaͤttchen im Futter nicht verloren, und die Schaafe leſen ſie aus den Krippen auf. Man ver⸗ meidet dabei das Unangenehme, die Krippen hin und her zu tragen, und das Innere des Stalls bleibt immer frei**). Sehr noͤthig iſt's, daß man dem Schaͤfer es leicht mache, waͤhrend der Nacht uͤber ſeine Heerde zu wachen. Seine Stube muß daher mit dem Schaaf⸗ ſtall in Verbindung ſtehn, oder es muß ihm im Stalle ſelbſt eine Kammer durch einen Haͤngebo⸗ den abgeſchlagen werden. Oefters hat dieſes den *) Wieder ein Beweis, wie wenig ſorgſam im Allgemei⸗ nen in Frankreich die Landwirthſchaft betrieben wird. W. **) Weit beſſer als die hier beſchriebene Art von Krip⸗ pen⸗ deren Beſchreibung ich daher auch weglaſſe, ſind die unter uns Deutſchen bereits an mehreren Orten bekannte Doppelraufen mit darunter angebrachten fla⸗ chen, platten Bretterkrippchen, welche an Rollen und Stricken im Stalle heruntergelaſſen werden, wenn die Schaafe freſſen ſollen und hernach wieder in die Hoͤhe gezogen werden, ſo daß der ganze Raum des Stalls fuͤr die Schaafe frei bleibt, und dieſe ihre Wolle durch Andraͤngen an die Raufen und das Futter darin nicht verunreinigen koͤnnen. Au der nebenſtehenden Platte, Täf 2 zeigt die Zeichnung Fig. 2, dieſe Art von Rau⸗ fen. ſo wie ich in Fig. 1. die von„. Leſſier empfohl⸗ ne dargeſtellt habe. — 82— Nachtheil, daß z Schaͤfer, um nicht; zu frieren, alle Fenſter feſt verſchließt. Darauf muß denn ſchon der Herr ſelbſt ſehen, daß es nicht geſchieht. Man findet jetzt ſchon in Frankreich Schaaf⸗ ſtale, welche volltommen gut und zweckmäßig ge⸗ baut ſind. Bei manchen iſt ein unnuͤtzer Luxus an⸗ gewandt worden. Ramboullet, Malmaiſon und ei⸗ nige Etabliſſements von Particuliers, worunter ich unter andern das von Morel de Viudé zähle, ſind in dieſer Ruͤckſicht ganz nachahmenswerth. Von der Nahrung im Stall. Die wirklich wandernden Schaafe ſind immer in freier Luftz, und leben blos von dem, was die Natur ihnen darbietet. Defters aber auch trifft es ſich, daß uͤble Witterung ſie der noͤthigen Weide beraubt, und dann leiden ſie nicht nur ſehr vom Hun⸗ ger, ſondern es ſtirbt auch eine große Anzahl. Die Dauer der Fütterung im Stalle richtet ſich nach der Breite des Landes; waͤhrt mithin ge⸗ gen Norden laͤnger als gegen Suͤden. Man faͤngt im Spaͤtherbſt mit wenigem an und giebt ihnen, je naͤher dem Winter, deſto mehr und mehr, je weniger ſie draußen im Felde finden. Auf die nemliche Weiſe verfaͤhrt man im Fruͤhjahr wieder, bis das neue Gras hervorkoͤmmt. Eine Menge verſchiedenartiger Nahrungsmit⸗ tel, ſowohl an Wurzelgewaͤchſen als Halmfruͤchten, Blaͤttern und Koͤrnern, paſſen ſich fuͤr die Schaafe. —— Man hat auch behauptet, die Schaafe ftäßen Pappeln und Weiden⸗Rinde und Flachsſcheven; indeſſen werden diejenigen, welche keine andere Mit⸗ tel haben, wohl gut chun, lieber keine Schäafe zu halten. Noch hat man verlangt, man ſolle ihnen das Schnittholz der Obſt⸗ und Kuͤchengaͤrten geben. Andre haben das Laub der immergruͤnenden Baume vorgeſchlagen. Nur in hoͤchſter Noth muß man es thun, ausgenommen mit den Dehlbaumblaͤttern, wel⸗ che man mit Maͤßigung im ſlichen Frankreich fuͤttert. Anſtatt ausgedroſchene Koͤrner zu geben, kann man Garben fuͤttern. So wurden ehemals in dem felſigen Beauce alle Heerden im Winter gefuttert. Die Weinblatter erhlt man dirch feſtes Ein⸗ vacken in Faͤſſer mit ein wenig zwiſchen geſtreutem Salz, aber man trocknet ſie fuͤr ſich allein, oder mit ein wenig Stroh gemengt, dem ſie den Ge⸗ ſchmack mittheilen. Die Blaͤtter von den Baumen und Straͤuchen kann man dann ſo behandeln. Ge⸗ woͤhnlich aber ſammelt man die Zweige davon vor dem aten Auftriebe und laͤßt ſie im Schatten trocknen. Seeſchilf muß erſt gedroſchen, dann geſchnit⸗ ten oder geſtampft werden. Die Kleie naͤhrt nur nach Verhaͤltniß der darin ſitzenden Mehltheile. Die Dehlkuchen werden in Waſſer zerlaſſen, cf man dann den Schaafen zu ſaufen giebt. Man kann nicht leicht genau beſtimmen, wel⸗ che Menge von Nahrung ein Schaaf bedarf. F 2 Daubenton nimmt an, daß es im Freien, auch im Winter, 8 Pfund Gras frißt, doch ſcheint mir dieſe Annahme wenig genau und zu hoch. Ein Hammel oder ſelbſt ein Bock, bedarf nicht ſo viel, als ein tragendes, oder ein Lammſchaaf. Ueberhaupt kann man nichts Allgemeines davon feſtſtellen. In der Gegend auf 50— 60 Lieus um Paris ſaͤdlich, wůrde man, wenn im Selde nichts mehr zu finden waͤre, ein tragendes oder ſaͤugendes Me⸗ rinosſchaaf mit 2 Pfund Heu und 1 Pfund Koͤrnern und fetter Kleie zuſammengemengr, oder aber mit 2 Pfund Tolpinembour oder andrer Wurzelgewachſe, erhalten koͤnnen; denn man muß von Wurzelge⸗ waͤchſen das doppelte Gewicht nehmen, um Köorner oder Heu zn erſetzen). Das Lamm wuͤrde die Halfte dergleichen Ration echalten. £ In Ramboullet hat Hr. Bourgevis es ſich zum F ſetz gemacht, den Schaafen nicht leicht Wurzelge⸗ waͤchſe und dergleichen ſaftige, mithin kuͤhlende, Nah⸗ rung zu geben, da er der Meinung iſt, daß bei der hoͤchſt kalten, und fuͤr ſich ungeſunden Weide im Park, er den Schaafen ſo viel als moͤglich trockne, hitzende Nahrung geben muß: ja der Erfolg beſtaͤ⸗ tigt ganz ſeine Theorie, da ſelbſt in dem vergange⸗ nen Jahre zu Tauſenden von Schaafen in Frank⸗ reich an der Faͤule ſtarben, und die Heerde von Namboullet geſund und fliſch blieb. Es bekommt nun dort ein jedes Schaaf, außer feinem Heu Hexel und Stroh, täglich Pfund Hafer, mit Pariſer Baäk⸗ kerkleie angemacht, ſo lange ſie im Stalle ſtehn und der Uebergang zum Weiden wird ſehr ſorgfaͤltig g⸗ macht. W. 1 Pfund Blötter kann man nur für 2 Heu anrechnen. Hier wieder muß man im Schafſtall flache Tubben mit Waſſer ſetzen, damit ſich die Schaafe dort traͤnken koͤnnen. Wenn es aber ſehr feucht iſt, und die Schaafe alle Tage ausgehn weiden, ſo braucht man ihnen kein Waſſer zu geben. Im Winter bei trockner Zeit, muͤſſen ſie im Stalle getraͤnkt wer⸗ den; beſonders wenn ſie trocknes Futter bekommen. Das Brunnenwaſſer iſt ihnen am zutraͤglichſten. In vielen Laͤndern haͤlt man es fuͤr weſentlich, ihnen Salz zu geben. Es iſt ſicher, daß ſie es, wie viele andere Thiere, ſehr lieben:; und darnach zu urtheilen, ſcheint es, als ſolle man ſie deſſen nicht berauben. Gilbert ſchreibt 2 Unze täͤglich auf's Schaaf vor, mit ein wenig Hafer oder Kleie, et ſagt aber nicht, ob das überall auf alle Zeit gerech— net iſt; mehr, koͤnnte ſie laxiren; auch dies iſt ſelbſt ſchon viel.) Man giebt es auf mancherlei Art, entweder in Subſtanz mit andern Nahrungsmitteln gemengt, oder in einer Leinwand gebunden, aufgehaͤngt, wo dann die Dhiere daran lecken; oft loͤſet man es in Waſſer auf, und beſprengt damit das Heu; dies iſt *) Man hat Schaafe an heftigen boͤsartigen Durchfal⸗ len leiden ſehen, welche zu viel Salz bekommen hat⸗ ten; dies hat den Glauben verbreitet, als ſey ihnen Seewaſſer Gift, doch iſt es nur das Uebermaaß in der Sache, welche ſchädlich geweſen. T. — 86— vorzuͤglich ntzlich, wenn das Heu nichts taugt. Viele Landwirthe geben ihren Schaafen gar kein Salz, ohne daß ſie jedoch krank wuͤrden(4). Wo die Weide ſehr feucht iſt, da iſt es aber durchaus noth⸗ wendig. Daubenton behauptet, daß lang anhaltende trockne Nahrung die Schaafe toͤdte. Obgleich dies recht ſehr bezweifelt werden kann, ſo iſt doch vor⸗ cheilhaft, ſo viel man kann, waͤſſtige und trockne Mahrung zu mengen, und das junge Gros ſogleich abzuweiden, wenn es hervorkommt. Sehr nochig iſt es, die Raufe zu fuͤllen, wäh⸗ rend die Heerde nicht zu Hauſe iſt; denn ſonſt ver⸗ dirbt der herausfallende Staub den Schaafen die Wolle*). Vom Horten. Nachdem die Schaafe die boͤſe Jahreszeit in den Staͤllen verbracht haben, kann man ſie eine Zeit lang des Nachts unter einem Schuppen liegen *) Hier giebt der Verfaſſer fernerhin uns eine Abbildung einer Maſchine, um Wurzelgewaͤchſe zu zerſchneiden. Da ſie mit den uns allgemein bekannten Kartoffel⸗ ſchneidemuͤhlen(welche beſonders in Wriezen an der Oder ſchon gut gebaut werden) gar viel Aehnlichkeit hat, nur mit dem Unterſchiede, daß ſie Meſſer unten in einer Walze angebracht hat ſo halte ich es fur Teutſche unnothig, ſie abzubilden ⸗ —— laſſen, wenn man dazu eine leichte Gelegenheit 56 als Uebergang zu den Horten. Man hat 2 Arten von Hortenplätzen, einen zu Hauſe, und einen im Felde. Den erſten legt man auf dem Hofe der Meierey an, oder neben dem⸗ ſelben. Man umgiebt ihn mit Haken oder mit Nez⸗ zen*), und alle Abend wird die Heerde darin ein⸗ getrieben. Man ſtreuet darin ein, bei regnichtem Wetter laßt man die Schaafe in den Stall gehen, und wenn es gut Wetter wird, treiht man ſie wieder in dieſen Hortplatz ein. Das Horten im Felde hat einen din Vortheil und erfodert Aufmerkſamkeit. Es iſt nicht nur den Thieren geſund, ſondern giebt eine gute Duͤngung. Manche Wirthe haben es den Schaa⸗ fen nachtheilig gehalten, und behauptet, ſie litten viel dabei, und der Stallmiſt ſei beſſer als der Hor⸗ tenſchlag. Der erſte Einwand findet nur dann ſtatt, wenn man nicht ſorgſam genug iſt. Die freie Luft iſt allen Schaafen heilſam. wenn man nur ſie gegen ſtarke und lange Regen ſchuͤtzt, und gegen große Hitze, ſo wie gegen ſtrenge Nacht⸗ froͤſte; bei dem Mißkredit, in den man die Horten geſetzt hat, muß man viel auf die Faulheit, die Nachlaßigkeit und den Widerwillen der Schaͤfer *) Schon die alten Roͤmer horteten mit Netzen. Sunt qui optime stercorari putent, sub dio retibus in⸗ clusa pecorum mansione. Plin. Hist. Mat. I. 18 c. 1. ⸗ technen, welche die Mͤhe und die Umſtände furch⸗ ten, und ſich in dem Augenblick gern entfernen, wo ſie am nothigſten wären. Man faͤngt mit den Horten nicht eher an, als bis die Luft gelinde wird, man führt die Schaafe bei boͤſem Wetter in die Staͤlle, und man hoͤrt im Herbſt eher auf, als die Regenzeit und die Kaͤlte kommen. Dadurch ver⸗ hindert man, daß die Schaafe den Schnupfen be⸗ kommen, dem ſie ſonſt ſehr unterworfen ſind, ſo wie den hartnaͤckigen Ausfluß, den ſie durch die Naſenloͤcher bekommen, und manche andre Uebel, welche aus der Unterdruͤckung der Ausduͤnſtung ent⸗ ſtehen. Ein großer Vortheil des Hortens iſt der Erſparniß der Duͤngerfuhren auf entlegenen Feldern; der Duͤnger iſt eben ſo gut, als der Stallduͤnger. Das Thier, waͤhrend es auf der Erde ſchlaͤft, ſetzt dort ſeine Excremente und die Ausfluͤſſe ſeiner ſtar⸗ ten Transpiration ab.*) Man ſollte nicht horten, ehe auf den Feldern nicht genugſame Rahrung iſt, denn die Schaafe haben viel Hunger, wenn ſie draußen ſchlafen. Manche Paͤchter ſchlagen ihre Horten auf, ehne die Kloͤße des Ackers zerſchlagen zu laſſen, oder wahlen ein feuchtes Derrain dazu. Beides — *) Auch die Englaͤnder halten im Allgemeinen mit auf die Wirkung, welche das Liegen der Thiere auf dem Acker demſelben gaͤbe, und ſind daher vorzuͤg⸗ lich fuͤr das Abfuttern des Turnips auf den Fel⸗ dern ſelbſt, mit Rindvieh und Schasfen. W.⸗ ſind Urſachen der böſen Folgen, welche das Horten bisweilen fuͤr die Schaafe hat. Heftige Winde, Hagel und Woͤlfe ſind beim Horten der Heerde gefaͤhrlich. Gegen letztere hat man mehrere Mittel.*) Das gewoͤhnlichſte iſt die Woachſamkeit und der Muth der Hunde; auch muͤſſen die Schoaͤfer ſich gegen die Nachtzeit von den Geholzen entfernen, das Vieh bald in die Hor⸗ ten eintreiben, und die Pfaͤhle recht feſt ſchlagen. Man giebt ihnen Fenergeweht, womit ſie bei ent, ſtehendem Gerauſch ſchießen. Doch hilft das nicht immer, denn die Woͤlfe rauben oft Schaafe fort, ehe der Schaͤfer erwacht. Ein Landwirth bediente ſich, wie es ſcheint mit Erfolg, des Mittels, an einer langen Stange eine blecherne Laterne mit einer angezuͤndeten Lampe und buntgefaͤrbten Gläſern auf⸗ zuſtellen; vor welcher die Woͤlfe ſich zu fuͤrchten pflegen. Mit Unrecht hat man gemeint, daß das Hor⸗ ten der Wolle mehr Feinheit und Werth gäbe. Es iſt den Schaafen geſund und vermehrt daher die Wolle, aber feiner wird ſie dadurch nicht. Daubenton glaubt, man koͤnne ohne Nach⸗ theil den Winter horten. Indeſſen moͤchte er doch ſehr groß ſeyn, wie ich oben ſchon gezeigt habe. — *) Im Jahr§, nachdem man auf die Vertilgung der Woölfe Preiſe geſetzt hatte, wurden 5351 getodtet!! ———————— S.— Von der Nahrung bei dem Weidegange. Die Laͤnge der Zeit, do man das Vieh aus⸗ treiben kann, beſtimmt ſich lediglich nach dem Clima. Auch die Art der Weiden ſind hochſt verſchie⸗ den. Man fuͤhrt die Heerden hald in's Holz, bald ein die Steppen und Heiden, oder in Rietland und Dreeſch; an einem andern Orte giebt man ih⸗ nen die Brache ein, die Nachmath in den Wieſen, die Stoppeln, endlich ſaͤen mehrere Landwirthe fuͤr ihre Schaafe ausdruͤcklich, zum Beiſpiel Roggen, Gerſte, Hafer, Linſen, Erbſen, Lupinen und andre Pflanzen, welche ſie durch ſie abhuͤten laſſen. Oft frägt man, wie viel Schaafe man auf den Arpent*) halten koͤnne. Die Antworten darauf beweiſen, daß es ſchwer ſeyn muß, dieſe Frage er⸗ ſchoͤpfend zu beantworten. Wenn man ſich nach den alten Ackergeſetzen richten will, ſo erlaubt unter andern ein Beſchluß des Parlements von Bour⸗ gogne auf den Arpent, ein Mutterſchaaf mit ihrem Folgling, das heißt, mit dem Lamme, — 64) Ein Arpent, deren es ſehr verſchiedene in den franzoͤ⸗ ſiſchen Provinzen giebt, iſt mehrentheils 44000 Qua⸗ dratſchuh, mithin tel Magdeburgiſcher Morgen. In den Gegenden bei Genf dagegen nur 25500 Quadratſchuh, alſo ungefaͤhr grade1 Magdeb. Mor⸗ gen. In manchen Provinzen ſagt man; une pose ue ferre, anſtatt: un arpent de terre, W. und ein Reglement des Pariſer ſpricht nur von einem Schaaf, doch ohne Zweifel mit dem Lamme⸗ Demnach erlaubte das Geſetz 14 Schaaf auf den Arpent. Man hatte geglaubt, daß man auf keinem Pachtbofe eine großere Zahl, als nach dieſem Ver⸗ baͤltniß, halten duͤrfe: damals ſchloß man dies in Bezug auf die Abhutungsgerechtigkeit*) und das berrſchende dreifeldrige Ackerſyſtem. Nur die Verhältniſſe jeder einzelnen Wirth⸗ ſchaft beſtimmen die Anzahl der zu haltenden Schaafe, und man kann daruͤber im Allgemeinen nichts ſagen. Das Merinosſchaaf ftißt alle Vegetabilien, die das gemeine Schaaf verzehrt. Ich glaube an meiner eigenen Heerde auf dem Felde bemerkt zu haben, und die Schaͤfer in Ramboullet haben mir es beſtoͤtigt, daß die ſpaniſchen Schaafe ſogar mehrere Pflanzenarten freſſen, welche unſre Land⸗ ſchaafe verſchmaͤhten. Bei Regenwetter ſollte man die Schaafe nicht austreiben, es ſei denn, daß bei heißem Wetter der Regen nicht ſtark odet anhaltend wäͤre; in dem Fall iſt der Dhau ſogar eine Wohlthat fuͤr ſie. Zu je⸗ der andern Zeit muß man wohl vermeiden, ſie auf feuchte Weiden gehn zu laſſen, ehe die Sonne ſie *) Sie iſt durch das Decret vom 27. Sept. 1791 ab⸗ geſchafft, wenn ſie nicht auf einen Vertrag ſich gruͤn⸗ det, oder auf einen Beſitz, der durch die Geſetze und die Gewohnheiten begruͤndet iſt. T. ggeene hat d. Finſtiche Wieſen, S und terbi den Artikel:„Aufblähen der Sonafe“ Auf feuchtlegenden Weiden muß man die Werins,„wo moglich nur bei trockner Witterung, und dann nur Mittags und auf kurze Zeit fuͤhren. Zahl von Schäfern, Eigenthuͤmer ihrer Heerden, nach der Weinle e, die Pyrenäen und des ehemali⸗ gen Bectn, burchſtreichen die Landes und halten ſich den Winter in den Bourdeanxer Weinländern am linken Ufet der Gatonne auf: dieſe Heerden leben won den Weinblättern und den jung aus der Erde aufgeſproßten Gräſern. Dieſe Gewohnheit hat das einzige Unbequeme, daß die Erde feſt ge⸗ treten die Weinſtocke beſchaͤdigt und die Gelaͤnder umgeriſſen werden; uͤbrigens iſt dieſe Art von Wanderſchaft geſund und verſchafft den Thbieren 8 Laürli⸗— es ſei gut, wenn wir unſte Schaafe gewoͤhnten, den Thau auf dem Graſe ohne BGefahr ver ehren zu koͤnnen, weil das Gras des Mor gens um ſo ahrhafter ſei Er meint, nur die ungewohnheit und die dadurch entſtandene Gier der 33 Schaafe ſei Urſache daran, daß der Thau ihnen 1 ſchädlich werde, und führt das Beiſpiel der Roͤmer an welche den Thau nur im Winter und Fruͤhjahr 1 36 gefaͤhrlich hielten, im Sommer dagegen ſehr heil⸗ m, wie Virgil, Columella und Varro es lehren. ſ W. — beſondeis Klee, ſind am gefaͤhrlichſten. Man ſehe wei⸗ Seit undenklichen Zeiten verlaſſen eine große ihre Rahrung zu einer ſehr nahrungsarmen Jahrs⸗ ——— —— 3 Bei dem Abhuͤten des erſten Austriebes der kuͤnſtlichen Wieſen muß man ſehr vorſichtig ſeyn, und entweder ſie nur ſchnell darüber hergehen laſ⸗ ſen, oder auch ihnen täglich ein Stuck zutheilen, welches ſie ohne Gefahr abfreſſen koͤnnen. Eben ſo muß man auch im Fruhſahr nur mit der groͤßten Sorgſamkeit die Heerden auf fette Weiden treiben, beſonders zum erſtenmal, und ſie bereits dann im Stall gefuͤtter haben, um ihnen die gefaͤhrliche Un⸗ mäßigkeit zu benehmen⸗ Große Hitze und Duͤrre ſind ſo nachtheilig, als Regen und Thau. Der ſchlaffe und weiche Bau des Schaafes, macht es wirflich empfaͤnglich fuͤr die Einſaugung waͤſſerrichter Theile, und daher ent⸗ ſtehende Faͤule; daher muß man ſie immer vor Allem häten, was ihrem Blut zu viel Feüchtigkeit beimiſchen könnte. Moch dieſem Grundſatze mochte es ſcheinen, als waͤren Hiße und Duͤrre ihnen im⸗ mer wohlthaͤtlg. Doch ſind beide, wenn ſie ſtark ſind, ihnen ſehr gefoͤhrlich und oft todtlich. Die Sonne, ſenkrecht auf ihren faſt immer zur Erde gebeugten Kopf fallend, zerſetzt die Feuchtigkeiten des Gehirns und veranlaßt ſchnelltoͤdtende Schlag⸗ fluͤſſe, welche in den freien Gegenden häufiger ſind, als in andern; es iſt daher weſentlich noͤthig, wah⸗ rend der Hitze des Tages, die Heerde unter Baumen, im Schatten einer Mauer, oder ſonſt irgendwo, in Schutz zu treiben.. Unachtſame Schaͤfer, wenn ſie weit vom Waſ⸗ ſer entfernt ſind, vernachläßigen im Sommer haͤu⸗ ſi ihre Heerde trinken zu laſſen; die Thier⸗ leiden dadurch viel, und verdauen die trockne, und baufig beſtaubte Nahrung, ſchlecht. Fuͤhrt man ſie in die Nähe des Woſſers, ſo gehn die durſtigen von ſelbſt hetein, und trinken nicht mehr, als Roth iſt. Rur bei feuchtem Wetter man ſie Frin⸗* — Von der Vorſorge, wenn die ahen Sei⸗ 15 6 ſen machen muͤſſen. Die wanderibeh Heerden machen alle Jahre große Reiſen, ſie haben ihre beſtimmten Märſche und Machtquartiere. Nicht von ihnen iſt daher bier die Rede, ſondern von denen, die man gefauft hat, und in ein andres Land führt. Sie koͤnnen große Strecken Wegs zuruͤcklegen. Mehrere TDrans⸗ porte von Metinos aus Spanien ſind ſehr ſchnell angekommen. Der des Hrn. Poykeré de Cere hat von Carravias bei Somo Sierra in Spanien, 78 Lieues von Madrid entfernt, an der Grenze von den beiden Caſtilien, nur§4 Dage gebraucht, um nach Ramboullet zu gehen, und darunter 33 Tage 33 von Mont de Maiſon nach Ramboullet, eine 3 Strecke von 220 Lieues: ein Theil davon iſt in 31 Tagen nach einer Beſißung des Goubernements, 3 Lieues von Trier gekommen, eine Entfernung von 115 Lieues, nachdem ſie ſchon 300 Lienes, und zwar im uͤbelſten Wetter, gemacht hatten. Ein Be⸗ weis, wie weite Märſche dieſe Dhiere machen kön⸗ nen Doch muß man Bewiſſe Vorſichtsregeln bedb⸗ achten, um ſie nicht zu ſehr unzugreifen. Wenn der Haufe etwas ſtark iſt, ſo iſt ein Treiber nicht hinreichend. Einer geht vorn und lockt einige Schaafe hinter ſich her, durch etwas vorgeworfnes Brodt. Ein gut abgerichteter Hund wuͤrde mätzlich ſeyn; doch haben die Schaͤfer des ſüdlichen Frank⸗ reichs nichts als einen Stock; ſie werfen die Thiere mit Steinen und beſchadigen ſie dadurch mitunter;: auch pfeifen ſie ihnen zu; gewoͤhnlich zaͤhmen ſie einen Hammel, der auf ihre Stimme und ihr⸗ Pfeifen hoͤrt, und die Heerde unfuͤhrt. Ich halte dafuͤr, daß dies in den meiſten Faͤllen beſſer iſt, als Hunde zu brauchen, welche die Nachlaͤßigkeit: der Schaͤfer— bäufigen Schaden er⸗ zeugen⸗ Einige Thiere i ſind ſchwer zu treibem Beſſer bringt man ſie auf Wagen fort,*) wo ſie große Reiſen ertragen koͤnnen. Män hat ſie ſogar mit der Diligence in kleinen Kaͤfigen geſchickt, und ſie ſind gut angekommen. Zu Fuß muß man ſie nicht mehr als§ Lienes den Tag uber machen laſſen. Am beſten iſt, wenn man mit 3 oder 4 Lieues anfuͤngt, um ſie erſt zu gewoͤhnen. *) Dagegen ließe ſich doch wohl viel einwenden? W. Man laßt ſie unterwegs weiden, treibt ſie nie⸗ mals ſehr vor, und ſorgt, daß ſie gehoͤrig getränkt werden. Morgens vor dem Austreiben muß der Führer ihnen die Klauen beſehen, und eingeklemmte Steine, ſo wie den battgewotdenen und der⸗ herausnehmen n n Im' hrißen Sommer reiſet man nut ſeüheund Abends, und ruht waͤhrend der Hitze im Schatten. Muß man Widder⸗Schaafe zuſammentreiben, und es iſt zu einer Zeit, wo die Boͤcke hitzig wer⸗ den, ſo befeſtigt man ihnen unter dem Bauch ein Stuͤck Leinwand, welches bis auf die Erde herab⸗ hangt; wenn man die Schaafe noch nicht beſprun⸗ gen haben will. Bei großen Reiſen hat man be⸗ merkt, daß mehr Bocke cl S3 bleiben. Um das Fe nreineg zu vrhin⸗ dern, hat man ſehr noͤthig, vorſichtig und auf ſei⸗ ner Hut zu ſeyn. Das beſte Alter, um Schaafe reiſen zu laſſen, iſt vas von 2 bis 6 Jahren, und die beſte Jahreszeit, der Herbſt. Jedoch iſt jene obenerwaͤhnte Heerde im ſuͤdlichen Frankreich der groͤßten Hitze und Duͤrre ausgeſetzt geweſen und im nordlichen wiederum haͤufig dem Regen. Dennoch ſind von 400 Schaafen nur 2 geſtorben, frei⸗ lich viele verlammt haben. Es iſt rathſam, die Heerde, welche weit her kommt, im Anfange ſo viel moglich nach der Weiſe ihres Mutterlandes zu naͤhren, und ſo nach und nach zu der ihnen beſtimmten Fuͤtterung zu gewoͤhnen. Die Die ſpaniſchen Schaafe, die dort nur an Weiden gewoͤhnt ſind, verſtehen anfangs nicht einmal, trock⸗ nes Futter aus der Raufe zu freſſen, doch gewoͤh⸗ nen ſie ſich leicht daran*). Wenn ſie einige Dage geruht haben, muß man die ganze Heerde ohne Unterſchied, beſonders *) Es iſt gewiß hoͤchſt vortheilhaft, die Merinos ſo viel als moͤglich mit gruͤnem, wenigſtens ſaftigem oder friſchem Futter, z. B. geſchnittenen Ruͤben, Kartof⸗ feln ꝛc und nicht blos mit trocknem Futter zu naͤh⸗ ren, woran ſie durchaus nicht gewoͤhnt ſind, denn nach dem Urtheile aller Sachverſtändigen, welche die Schaafe, ſelbſt die Merinos, beobachteten, iſt die Ur⸗ ſache ihrer großen Vorzuͤglichkeit in den Waͤldern lediglich in dem ununterbrochenen Genuß von gruͤ⸗ nem Futter auf der Weide das ganze Jahr durch, zu ſuchen, wozu freilich die eigenthuͤmliche Beſchaf⸗ fenheit der Gebuͤrgsgraͤſer, die ihnen zu Theil wer⸗ den, auch das ihrige thut. Herr Laſteyrie erzaͤhlt uns, daß die Spanier ſorgfaͤltig dahin ſehen, denje⸗ nigen Theil ihrer Heerden, den ſie zu Hauſe behal⸗ ten, und nicht mit auf die Wanderung ſchicken, alle Jahre zu wechſeln, weil ſonſt die Wolle ſogleich aus⸗ artet und ſchlechter wird. Die ſpaniſchen Schaͤfer ſchreiben der unausgeſetzten Einwirkung der freien Luft auch einen großen Antheil zur Wollvered⸗ lung bei, und ſuchen darin den Grund, daß die Wolle auf der Seite und unten, wo die Schaafe ſich legen, groͤber iſt. Doch ſcheint dieſem der Ver⸗ ſuch zu widerſtreiten, den man mit Vortheil gemacht hat, die Thiere in Leinwand zu nähen, um ihre Wolle recht ſchoͤn und fein zu erhalten. 6. im Sommer, tuͤchtig wa chen und reiben, theils um ſie vom Staube zu reinigen, theils, ſie vor der Raͤude zu bewahren. Auch muß man Sicherheits halber wohl 6 Wochen warten, ehe man ſie mit den an⸗ dern Schaafen zuſammenbringt, aus Surcht vor an⸗ ſteckenden Krankheiten. Von der Schur. Die Schur iſt die Erndte der Schaͤfer, man verfaͤhrt faſt uͤberall dabei mit einer Art von Feſt⸗ lichkeit, und die Aufmerkſamkeit darauf hat ſich ſeit der Einfuͤhrung der Merinos natuͤrlich auch ſehr verbeſſert. Daubenton irrt, wenn er glaubt, der Zeit⸗ * punkt der Schur kuͤndige ſich dadurch an, daß die neuere Wolle die alte abwachſe. Das Factum iſt nicht richtig; er urtheilt nach dem Wiederwuchs, der allerdings ſtatt hat, wenn die alte Wolle durch ir⸗ gend eine Urſache abgefallen iſt*). Die Schaafe ³) So ganz hat Daubenton wohl nicht gefehlt, und wenn Teſſier allerdings Recht hat, daß der Me⸗ 5* rinos ſeine Wolle 2, 3 und ſogar 5 Jahre lang er⸗ haͤlt, ſo verlieren die meiſten Racen der Landſchaafe die ihrige doch jahrlich und ich wollte keinem Land⸗ 1 wirth rathen, ſie den Schaafen 2 Jahr zu laſſen. Jeder Wirth weiß, wie ſehr es das Geſchäft des Schaafſcheerens erleichtert, wenn die Wolle bereits gut abgewachſen iſt, welches bei gutgenaͤhrtem Vieh — wechſeln nicht die Haare, wie die Pferde, welche Sommer und Winter Haare haben Die Wolle der Merinos verlaͤngert ſich, und waͤchſt immerfort, wenn Krankheit oder ſchlechte Behandlung der Dhiere es nicht verhindern. Man iſt ſicher, daß mehrere Jahre lang das Schaaf ſein Vließ behaͤlt und dies, länger und ſchwerer wird, bis endlich die Unbequem⸗ lichkeit, welche die Thiere empfinden, der Staub, der ſie belaſtet, die Inſecten, die ſie qualen, ſie zwin⸗ gen, ſich zu ſchenern, wodurch die Wolle anfaͤngt, auszugehen. Daß es das nemliche Haar iſt, wel⸗ ches ſich verlaͤngert, beweiſet der Umſtand, daß, wenn man ein Lamm nicht geſchoren hat, ſeine Wolle, wenn es 2 Jahr alt iſt, nicht ſo fein iſt, als wenn es 2 Monate fruͤher geſchoren waͤre. Im Allgemeinen beſtimmt die herannahende Hitze den Zeitpunkt der Schur, doch kann noch ein an⸗ deres Motip ihn beſtimmen. Wenn die Schaafe nam⸗ lich wandern ſollen, ſo iſt es rathſam, ſie unmittel⸗ bar vor ihrer Abreiſe zu ſcheeren. Im mittaͤglichen Frankreich wird um die Mitte des Mai, im noͤrdlichen, zu Ende Juni, geſchoren. Da man die Laͤmmer im December und Januar haͤlt, ſcheere man ſie gleich das erſte Jahr mit. Man⸗ che Wirthe laſſen ſie ſogar eher als die Muͤtter G 2 eher der Fall iſt, als bei Thieren in ſchlechtem Stande und welches man daher nicht mit dem Abfallen de Wolle bei krankhaften Thieren verwechſeln darf. 5. W. — —— ——— —— ſcheeren, damit ihre Wolle wieder vorgewachſen iſt, wenn man ſie in die Horten bringt; gewoͤhnlich ge⸗ ſchieht dies 3 Wochen ſpaͤter, als mit den Muͤttern, damit ſie nicht allzujung den Einwirkungen der Wit⸗ terung ausgeſetzt werden. Es entſteht die Frage, ob man die Laͤmmer ſcheeren ſoll, oder ob man damit warte, bis in ihr ates Jahr. Manche haben behauptet, man ſchutze ſie vor dem Drehen, wenn man ihnen ihr Vließ ließe; andre, daß man mehr Wolle verhaͤltnißmäßig in a Jahren als in einem bekaͤme. Die erſte Be⸗ hauptung iſt gewiß falſch; auch die ate iſt es, und ich traue den Erfahrungen, die daruͤber in Ram⸗ boullet und im Departement de'Aveyron gemacht ſind. Wenn man die Laͤmmer ſcheert, ſo hat man im Gegentheil den Vortheil, ihe Wolle zu verfei⸗ nern und ſie von den Laͤuſen und Tecken*) zu be⸗ freien, welche ſie ſehr quaͤlen.. Die Scheerinſtrumente ſind ſehr verſchieden. Diejenigen, die man forces nennt, ſind die beſten, weil der Hebel lang iſt und der Stuͤtzpunkt in der Hand des Scheerers iſt, der nur eine Feder zu druͤk⸗ en nothig hat. 4 Man hat zweierlei Gebräuche. Der erſie allge⸗ meine iſt der, die Schaafe 1 oder 2 Tage vor der Schur in eine engen Schaͤferei einzuſchließen; der zweite, einigen Departements eigenthuͤmliche, iſt, die *) Pediculuris ovis und Acarus. — 102— Schaafe in der Wolle zu waſchen, um ſie von dem groͤbſten Schmutz zu befreien. Das Verfahren, den Schweiß bei den Schaa⸗ fen vor dem Scheeren zu erregen ¹) iſt dem Schee⸗ rer guͤnſtig, macht die Operation dem Thier leichter, und giebt der Wolle mehr Bett, welches ihre Weis⸗ waͤſche erleichtert; auch glaubt man, daß ſie das Gewicht**) vermehre, allein dies iſt unbedeutend. Bleibt der Wirth dabei nur ſtehn, ſo hat der Fa⸗ brikant ſich nicht zu beſchweren***). Zu weit ſoll man dieſes Schweißerregen nicht treiben, ſowohl wegen der lebhaften und ſanguiniſchen Dhiere, als wegen der zum Zaͤuliſchwerden hinneigenden, weil man Gefahr lauft, viele zu verlieren. Den Einen, weil man an ihnen die Energie der Muſkelbewe⸗ gung und des Blutumlaufs vermehrt, den andern, weil ſie nach einer zu großen Anſtrengung und Ab⸗ mattung verfallen wuͤrden. Waͤhlt man zum Schee⸗ *) Dies Verfahren iſt in Spanien, ſo wie bei uns in Frankreich, gebräuchlich. T. **) Viele Landwirthe in Sachſen behaupten das nemli⸗ che und verſäumen nicht, wo moͤglich ihre Schaafe nach der Waͤſche, vor der Schur, 24 Stunden eng zuſammen in einen rein geſtreuten Stall zu treiben, um das durch die Wäſche der Wolle genommene Fett an Gewicht wieder erſetzen zu laſſen. W. ***) In Rouſſillon laͤßt man, nachdem die Schaafe geſchwitzt haben, ſie in den Staub laufen, der ſich auf die Wolle anlegt und ſie ſchwerer macht. — 10à2— ten heißes Waſſer, ſo har man weniger nothig, ſie ſchwigen zu laſſen.*): In manchen Provinzen hat man die Gewohn⸗ heit, vor der Schur die Thiere zu waſchen. Um dies gut zu machen, bringt man ſie eins nach dem andern vor einem Waſſerfall bei einer Mähle oder einem Stau in einem Bache oder Fluſſe; 2 Maͤn⸗ ner halten das Thier, reiben die Wolle tuͤchtig, und waſchen den Schmutz heraus, der durch den Waſ⸗ ſerſtrom mit fortgefuͤhrt wird. Man waͤhlt dazu gutes Wetter. Der Vortheil hierbei beſteht beſon⸗ ders in einer Gewichts-Verminderung, welche die Transportkoſten verringert, und uͤberdies koͤnnen die Kaufleute keinen Vorwand haben, den Preis fuͤr die Wolle herunterzuſetzen, da ſie alle gleich rein ge⸗ worden iſt. Zeiner macht dieſe Waſche die Wolle nicht, wie man geglaubt hat. 5 6 Daubenton hat ſie angerathen, weil man in der Gegend, wo er wohnte, dieſe Sitte hatte, aber er kannte ihre Nachtheile nicht. Man kann ſie nur da wo Waſſer iſt, ausfuͤhren, es macht viel Arbeit, und vermindert hernach die Arbeit im Großen bei der Waͤſche um gar nichts. Ueberdies kann man duͤnne lange Wolle leicht auf dem Ruͤcken waſchen; ſehr ſchwer hingegen dichte Wolle von den Merinos. Was die Wirkung auf die Thiere bettifft, ſo kann ²) Dies Verfahren iſt eine tadelnswerthe Unredlichkeit, ber die die Fabrifanten ſich mit Recht beſchweren. — ſie fur vollbluͤtige Dhiere nůtzlich ſeyn, aber dagegen taugt ſie nicht für die zur Faͤule geneigten. Doch iſt in Deutſchland, beſonders in Sachſen, dieſe Art von Waͤſche allgemein. Auf dem Scheerplatz muß die groͤßte Reinlich⸗ keit herrſchen und ſorgſam dahin geſehen werden, daß raͤudige Stellen, ſo wie Filz in der Wolle und Schmutz nicht daran bleiben ¹. Wenn man die Vließe zuſammengelegt hat, ſo. bindet man ſie mit einem Strohbande oder mit et⸗ was Schilf oder Bindfaden feſt; die beiden letzten Arten ſind beſſer, weil ſie faſt gar kein Gewicht ha⸗ ben, und man ſicher iſt, daß beim Waͤgen nichts darauf abgezogen werden kann. Es iſt beſſer, die Bauchwolle, und die von den Lenden, den Fuͤßen und dem Kopf beſonders zu laſſen, weil ſie ſchlech⸗ ter als die uͤbrige iſt; doch muͤſſen die Kaufleute billig genug ſeyn, hierauf beim Handel Ruͤckſicht zu nehmen. Gleich nach der Schur haͤte man ſich, die Schaafe Regen oder Hagelſchauer auszuſetzen, da man viele dabei einbuͤßen koͤnnte. —— *) Doch ſcheint dies ſelten zu geſchehen. In den großen Wollmagazinen der Fabrikanten um und in Paris fand ich viele Arbeiter beſchaͤftigt, die Wolle von dem allergrobſten Schmutze zu reinigen und ganze Berge von ſogenannten Kluntern der ekelhafteſten Art, wel⸗ che, wie die Kaufleute mich verſicherten, von den Landwirthen in der Regel darin gelaſſen wuͤrden. W. Daubenton will die Schaafe vor der Schur ſo gebunden wiſſen, daß der Scheerer ſitzen kann. Er irrt aber, und ein aufrecht ſtehender Scheerer wird weit weniger angegriffen, ob ihm gleich zwar im Anfange das Buͤcken ſauer wird. Ein guter Scheerer kann in einem Dage 40 bis§0 Thiere fertig ſcheeren. Ja, ich habe ſie bis auf J0 kommen ſehen, aber nur bei Schaafen von gemeiner Racez denn nach Meriard ſcheert ein Mann nicht leicht mehr, als 20— 29, wenn es Schaafe, und 15— 20, wenn es Boͤcke ſind. Aller Achtſamkeit ungeachtet, werden die Thiere oͤfters geſchnitten, man legt dann ſogleich gepulverte Holzkohle oder Shnebebth oder zerſtampften Schiefer darauf. Bisher haben die Heerden⸗Beſitzer in Frank⸗ rreich ihre Merinos⸗Wolle ungewaſchen(en suint) verkauft. Einige Kaufleute haben ſie gewaſchen und ſie ſo in verſchiedenen Manufakturen angebracht; der großere Theil iſt durch die Manufakturiſten ſelbſt gewaſchen und gebleicht worden. den Vließen und von. Wolle. Die Merinos⸗Vließe, wie ſie 2 Spanien kommen, wiegen hoͤchſtens von den Bocken 3 Pfund, und von den Schaafen§ Pfund*), und wir er⸗ .*) Laſteyrie nimmt die Wollarten in Spanien im Durchſchnitt zu 2z Pfund gewaſchner Wolle aufs ———————————— halten in Frankreich von den Boͤcken dieſer Race bis 18 Pfund, von den Schaafen bis 12 Pfund, welches die Haͤlfte iſt*). Das Gewoͤhnliche iſt fuͤr das Schaaf 7— 8 Pfund, und fuͤr die Boͤcke 8— 10 Pfund. Die Schaafe in Spanien leben nur von dem, was ſie auf dem Felde finden, und leiden daher bis⸗ weilen Moth, dabei ſind ſie klein, und geben alſo weniger Wolle. Nicht blos die Dichtigkeit der Wolle, ſondern auch ihre Laͤnge, giebt das Gewicht, und in dieſer letzten Hinſicht haben wir viel gewonnen, da unſte Wolle weit paſſender geworden iſt, Caſimir zu fa⸗ briziren. In jedem Vließe kann man 4 Sorten von Wolle unterſcheiden. Die erſte auf den Schultern und dem Ruͤckgrad entlang, vom Halſe an, bis un⸗ gefoͤhr 4 Fuß vom Schwanz ab, ungefaͤhr Itel des Koͤrpers begreifend, die 2te bedeckt die Flanke und dehnt ſich von den Lenden bis zu den Schultern aus, nach dem Halſe zu vorſchreitend; die Zte um⸗ Schaaf an, womit auch bei einer damals in Spa⸗ nien anzunehmenden Zahl von 5 Millionen Merinos die Exportationsliſte von 11 Millionen Pfund Wolle ſtimmt indem man die damals in den ſpaniſchen Manufakturen verarbeiteten 3 Millionen Pfund fei⸗ ner Wolle fuͤglich auf die oben nicht mitgezählten Metis rechnen kann. W. *) Ein Schaaf iſt doch zu Ramboullet verkauft, wel⸗ ches 15 Pfund Wolle gab. T. iſt das Schaaf. — 106— giebt den Hals und bedeckt die Croupe, die 4te nimmt 1) die Theile vom Vorderhalſe an, bis zum Ende der Fuͤße, ein, und begreift dabei einen Theil der Schultern mit inne, 2) den Hintern, bis auf die Huͤfte berunter: man nennt dieſe letz⸗ tere cayda auf ſpaniſch, und franzoͤſiſch basse laine*)(Unterwolle 2) Je mehr dieſe verſchiede⸗ nen Arten von Wolle gleichartig ſind, je ſchoͤner Verſuche, die wir im Garten des Musée d'hi- stoire naturelle(Jard. des plantes) gemacht haben, wo wir ein Fahr lang einige Schaafe in Leinwand haben naͤhen laſſen, haben uns bewieſen, daß die Wolle merklich feiner und weißer wird, wenn ſie vor der Einwirkung der aͤußern Luft ge⸗ *) Die Spanier neunen dieſe 4 Sorten von Wolle, die beſte: Relina, dann Fina, Tercera und Caydas, und bezeichnen daher auch die Ballen mit den Chif⸗ fern R. F. T. C. woran man gleich ihre Qualität erkennen kann.— Ich fuͤge die Laſteyrieſche Zeich⸗ nung eines Schaafs bei, auf welchem die verſchie⸗ denen Sorten der Wolle durch Zahlen, nach ſpani⸗ ſcher Art eingetheilt, bemerkt ſind. Dieſe Einthei⸗ lung ſcheint mir auch üͤberhaupt richtiger als die Defſierſche, bei welcher das Sortiment der letz⸗ ten Nummern 3 bis 4 zu ſtark wird. In Spanien fallen auf 1000 Ballen der 3 erſten Sorten nur 50 Ballen der qten Sorte, wovon der Werth⸗ beilaͤu⸗ fig geſagt, ſonſt fur die Seelen im Fegefeuer abge⸗ ſetzt wurde. We —— — — — G ſchuͤtzt iſt. Man muͤßte verſuchen, zu erforſchen, ob der Mehrwerth der Wolle diej Koſten dieſes Verfahrens decken wuͤrde. Wolle von todten oder kranken Thieren muß bei Seite gelegt werden, da ſie weit geringere Ei⸗ genſchaften zum Verbrauch hat. Ich vermuthe, daß ſie mehr die Inſecten an ſich zieht. Herr Roard, ein ſehr geſchickter Chemiker, hat darge⸗ than, daß ſie die Farben nicht ſo leicht annimmt, und zwar die Wolle todter Schaafe noch minder, als die von kranken. Ich glaube ſogar, daß die Wolle der geſchlach⸗ teten Schaafe, welche durch Kalk von den Haͤuten abgenommen wird, der von lebendigen Schaa⸗ fen geſchorenen weit nachſteht. Es fehlt ihr das markigte, welches das Fett ihr giebt, uͤberdies macht der Kalk die Wolle hart. um Vließe von bedeutende Laͤnge und Zeinheit zugleich zu bekommen, hat man in Ramboullet Schaafe 2, 3, 4 bis§ Jabre ungeſchoren gehn laſ— ſen. Die Thiere hielten dies aus, ohne ſichtbar zu ſehr zu leiden; nur konnten ſie nicht aufſtehen, wenn ſie auf die Seite gefallen waren, beſonders wie ſie im dritten Jahre waren, da ſie bereits ein Gewicht von 24 bis 30 Pfund auf dem Leibe tepgen. Nach 3 Jahren gieng die Wolle allmaͤh⸗ lig los, und die Menge verminderte ſich immer mehr; keines litt, nachdem man ihm das Vließ ab⸗ nahm. Die Fabrikanten beeiferten ſich, jedes Jahr dieſe reiche Ausbeute zu kaufen, und bezahlten ſie cheuer. Moch hat man nicht*f können, wo⸗ zu ſie ſie brauchen. 3 Daubenton bediente ſich eines er um die Wollfeinheit recht genau zu unterſcheiden. 6. Dieſe Art paßt aber nicht fuͤr Landwirthe, welche durch Vergleichung bloß oder auch durch Auflegen auf ſchwarz Papier recht wohl die See unterſcheiden koͤnnen. Eine Bemerkung noch, die ich Zerin Roard verdanke, iſt die, daß die Wollen aller Racen ſich nicht gleich gut faͤrben. Die Merinoswolle nimmt die Farben mit der meiſten Reinheit an. In ihrem Fett erhaͤlt ſich die Wolle laͤnger als gewaſchen; das natuͤrliche ihnen beiwohnende Del halt die Inſecten lange ab. Mehrere Mottenraup⸗ chen zehren von der Wolle(Tinea pelliculla, t. roparella, t. vestianella, t. sarcitella.) Man erkennt die Gegenwart dieſer Inſecten, theils an den umherfliegenden Motten, theils an den kleinen rauhen, eckigen, grauen oder ſchwärzlichrn Koͤrnchen, welche man darauf findet, theils an den kleinen Scheiden der Puppen. Es iſt ſchwer, dem Schaden dieſer Motten ganz zu begegnen, da alles Klopfen und Buͤrſten im Großen nicht zureichend iſt, und die durchdrin⸗ genden Subſtanzen, die man dagegen hat anweyn⸗ den wollen, nichts gewuͤrkt haben. *) Herr Nochon, Mitglied des Rational⸗Inſiituts, hat es ſelbſt gemacht. J. —— 2——— — 109— Von dem Entfetten und der Wollwaͤſche. Ehe die Wolle verbraucht werden kann, muß ſie von einem großen Theil des fettigen Schweißes und den darin enthaltenen Schmutztheilen gereinigt werden. Die Merinos haben mehr dergleichen Schweiß oder Wolle, und da dieſe auch furz und gekraͤuſelt iſt, ſo iſt ſie gemeiniglich weit ſchmutziger als andre gemeine Wolle, welche auch das Fett eher verliert, ſo daß eine einfache Waͤſche mit eini⸗ germaßen erwärmtem Waſſer hinreicht. Es waͤre ſehr zu wuͤnſchen, daß die Beſitzer der Merinos durch fortgeſetzte Sorgfalt die Vließe ihre Schaafe reinlicher zu erhalten ſuchten, und beſonders zur Schurzeit nicht trocknen Miſt daran haͤngen ließen, woruͤber ſich die Fabrikanten bisweilen mit Recht beklagen. Da ſie nur zu ſehr geneigt ſind, die Waare zu verachten, um wohlfeil zu kaufen, ſo muß man ihnen nicht Gelegenheit geben, den Preis herunterzuſetzen. Beſſer waͤre es immer, wenn man die Wolle wuͤſche, und ſie ungefahr in den Zu⸗ ſtand verſetzte, in dem die ſpaniſche Wolle ſich be⸗ findet, wenn die Spanier ſie in den Handel bringen. Mehrere Perſonen haben verſucht, die Spa⸗ nier nachzuahmen: wie es aber immer geht, wenn man etwas unternimmt, was man nicht kennt, ſo waren die erſten Wollen ſchlecht gewaſcht. Die Fabrikanten klagten druͤber, fanden ſie unrein, filzig, braun, ſie wollten lieber, daß man ſie ihnen roh, wie ſie vom Thier kam, verkaufte, wobei ſie ganz Recht hatten, denn Herr Roard hat bemerkt, daß, einmal unvollkommen gewaſchen, die Wolle nachher bei einer zweiten Waͤſche nicht mehr zur nemlichen Weiße zu bringen iſt. Nachher iſt es an manchen Drten beſſer gelungen, die Fabrikanten moͤgen ſa⸗ en was ſie wollen, doch läßt ſich freilich nicht ſie⸗ daß viele Particuliers in Frankreich ſo ſchlecht waſchen. Wenn wir erſt Waſchwerke anlegen koͤnnen, ſo werden wir eben ſolche Wollen in den Handel bringen, als wie ſie aus Spanien koͤmmt; es wird kein Streit zwiſchen Kaͤufer und Verkaͤufer mehr ſeyn; die Wolle wird nach ihrem wahren Werth verkauft werden, und man wird, wie ſchon bemerkt worden, Transportkoſten ſparen. Damit muͤſſen wir beſchließen, um vollſtandig unſre Verbeſſerung zu machen, und dahin zu kommen, wohin man kommen wollte, als man die Idee er⸗ griff, Merinos in Frankreich einzufuhren. Wir wollen ſehen, was man thun muß. Ich habe mir vor 20 Jahren in Spanien Data geſammlet, welche Licht uͤber dieſen Gegen⸗ ſtand verbreiten, ich habe andre durch HerrPoyferé de Cére erhalten, welcher mir den Plan der Woll⸗ waͤſche gegeben hat, den er an Ort und Stelle gezeichnet hat. Man kann in Frankreich die Wolle nicht an⸗ ders gut waſchen, als von der Schurzeit an bis Ende October, weil man ſie muß gut ttocknen koͤnnen. — — — Zuerſt muß man die verſchiedenen Sorten ab⸗ ſondern, um ſie einzeln zu waſchen; die Gewohnheit lehrt, ſie zu unterſcheiden. Iſt das geſchehen, ſo breitet man ſie auf hoͤlzerne Horten aus, zupft ſie aus einander, klopft ſie mit Stoͤckchen, um ſo viel als moͤglich Staub oder Schmutz heraus zu brin⸗ gen, wobei man alles unreinliche Filzige mit der Hand herausnimmt, und das Uebriggebliebene macht man huͤbſch locker mit einem kleinen eiſernen Haaken oder einer Gabel mit kurzen weiten zuruͤckgebognen Zaͤhnen; das muß jeder Art von Waͤſche vorher⸗ gehn. Erſt werde ich hier nach Gilbert die Art gut zu waſchen mit um ſo groͤßern Zutrauen liefern, als ich in einer beruͤhmten Fabrik zu Louviers, die⸗ ſen Artikel aus ſeiner Inſtruction heraus getrennt fand, und man ihn mir zeigte, um mir die Art anzugeben, deren man ſich bediente: vielleicht ver⸗ hehlte man mir noch etwas, denn die Fabrikanten ſind immer geheimnißvoll, auf jeden Fall aber kann man damit ausreichen. Dann werde ich die Art beſchreiben, im Großen zu verfahren, welche Herr Poyferé de Cére aus Spanien mitgebracht hat, und eine Beſchreibung und den Plan der ſchoͤ⸗ nen Waſchanſtalt von Alfaro liefern. Verfahren des Gilbert. Man legt die Vließe in Kuͤfen oder Tonnen, oder andre paſſende Gefaͤße. Wenn ſie voll und — die Wolle leicht gedruͤckt, ohne eingepreßt zu ſeyn, ſo gießt man bis an den Rand, und nach und nach Waſſer hinzu, welches bis 30 und 40 Grad er⸗ waͤrmt iſt.*) 13 bis 24 Stunden nachher ſchrei⸗ tet man zur Woͤſche; das Waſſer, worin einge⸗ weicht worden, ſchwimmt dick voll Fettſchweiß.**) Dieſer iſt zum Waſchen am noͤthigſten, und man muß ihn gut zu Rathe halten. Man bringt dies Waſſer in Keſſel und erwaͤrmt es bis zu§0 bis 60 Grad Reaumur; unter§0 Grad wuͤrde nicht hin⸗ reichen, uͤber 60 Grad, wuͤrde die Wolle kraus machen, und hart und bruͤchig. Man kann ohne den Thermometer den rechten Waͤtmegrad finden, wenn das Waſſer ſo weit erwaͤrmt wird, daß man die Haͤnde nicht mehr darin halten kann, ohne ſie zu verbrennen. Wenn das Waſſer ſo weit iſt, ſo legt man Wolle in den Keſſel, je weniger, deſto beſ⸗ ſer wird die Entfettung. Mit einem ſehr glatten Stock oder hoͤlzernen glatten Querl ruͤhrt man um, holt die Wolle unaufhoͤrlich auf, um ſie zu oͤffnen und 3 Ein Landwirth aus dem Departement de'Aveyron, Herr Siron de Buraringeur, der ſeine Wolle recht gut gewaſchen hatte, behauptet, daß er zum Bereiten dieſes Schweißwaſſers ſich des kalten Waſ⸗ ſers bedienet habe. Beſſer wuͤrde die Wärme doch aber immer ſeyn⸗ T. **) Dieſer Fettſchweiß beſteht, nach den Unterſuchungen des Herrn Vauquelie, zum Theil aus Seife mit einer Baſis von Pottaſche. E ———————— — lle — 113— und durchdringbarer zu machen; wollte man ſie um⸗ drehen, ſo wurde ſie ſich verwickeln, welches fuͤr die folgende Behandlung binderlich wäre. Nach 3 oder 4 Minuten zieht man ſie mit den Haͤnden oder der Gabel zuruͤck; man legt ſie in einen Korb, den man einen Augenblick uͤber den Keſſel hält, um ſie ablecken zu laſſen, und nichts von dem Fettwaſſer zu verlieren: in dem Maaß, daß das Fettwaſſer ſich verbraucht, bringt man andres dazu; wenn es ſchmutzig wird, gießt man es aus, und bereitet neues. Kann das Local zu der Operation bedeckt ſeyn, ſo iſt es beſſer, wo nicht, ſo waͤhlt man ſchoͤ⸗ nes Wetter.,, So wie die Wolle aus dem Keſſel kommt, wird ſie nach dem Ort hingebracht, wo ſie gewaſchen werden ſoll, und zwar geſchieht dies in Koͤrten. Jedes Waſſer iſt nicht gleich gut dazu, ſolches waͤh⸗ le man, wo moglich, welches Leinenzeug gut wäſcht, worin die Gemuͤſe ſchnell gar kochen, und welches die Seife ſchnell aufloͤſt. Fließendes Waſſer iſt beſſer als ſtehendes, Brunnenwaſſer am ſchlechteſten; muß man es brauchen, ſo laßt man es einige Tage vorher in freier Luft ſtehen, oder laßt es abkochen. Um in fließendem Waſſer gut zu waſchen, hat man 2 Koͤrbe, die nicht eng geflochten ſind, die man einem auf den andern ſetzt, ſo daß das Waſ⸗ ſer nicht uͤber den oberſten Rand ſteigt, damit es die Wolle nicht wegfuͤhrt: man waͤſcht in dem un⸗ tern Korbe und wirft die gewaſchne Wolle davon in den obern; darin entläßt ſie ſich und reinigt ſich — 114— dann noch völlig. Man muß die Wolle nicht rei⸗ ben; ſie wuͤrde ſich verfilzen. Es iſt hinreichend, ſie ſchnell im Waſſer hin und her zu bewegen, und darin mit einer Hacke ſo viel moglich zu oͤffnen, man ruͤhrt ſie unaufhorlich von einem Winkel des Kuͤbels nach dem andern. Sieht man, daß ſie gut entwirrt iſt, auf der Oberflaͤche flockig und das Waſſer aus dem erſten Korbe rein het⸗ ausgeht, ſo nimmt man ſie heraus, um ſie zu trocknen. Wenn man in einem ſtehenden Waſſer waͤſcht, ſo nimmt man Koͤrbe mit 2 Handhaben, und mit Huͤlfe dieſer taucht man die Koͤrbe hinein und wie⸗ der hinein, bis das Waſſer klar entfließt. Gilbert raͤth die Preſſe an, um das Waſ⸗ ſer aus der Wolle zu bringen, oder wenigſtens einen ſtarken durch zwei Maͤnner hervorgebrachten Druck in einem Tuch, welches gedreht wird. Dies Mittel ſchadet der Wolle nicht, beſchleunigt das Abtrocknen, und iſt alſo bei ſpäter Jahrszeit nůͤtz⸗ ſich; da nachher ein einziger Tag ſchoͤnes Wetter hinreichend iſt. Man wählt zum Trocknen einen Grasplaß oder feinen Raſen, den man vorher tein abfegen läßt. Beſſer wurde ſie auf Horten oder Kieſelſtei⸗ 6 nen trocknen.— Die Merinoswolle, gut gewaſchen und recht trocken, verliert tel ihres Gewichts*) vor der leicht ſchon auf dem Thiere gewaſchen. W. 3*) Wahrſcheinlich war dieſe Wolle wenig ſchmutzig, viel⸗ tei⸗ nd, und en, des gut wit vie⸗ be ens hten ies t⸗ Uer ah gen ſtei echt der biel — 115— Waſche, nach Gilbert; und nach unſern Anga⸗ ben 2, oder wenigſtens 54 Pro Gent. In allen Manufacturen giebt man der aus Spanien kommenden, immer unvollkommen gewaſch⸗ nen Wolle, noch eine letzte Waͤſche, dabei verliert ſie 15 bis 20 pro Cent. Dem Waſſer zur Wa⸗ ſche fuͤgt man noch Urin und ein weniges Pot⸗ aſche hinzu: nach Gilbert ſind dieſe Zuſätze uͤber⸗ ſtußig. Wenn man die Wolle 18 bis 24 Stunden in dem warmen Waſſer weichen läßt, ſo behaͤlt ſie ihre Weichheit und Elaſtizitaͤt, und iſt weißer als die aus Spanien kommende. Die ſo gewaſchne fran⸗ zoſiſche Merinoswolle muͤßte daher 20 Pro Gent mehr gelten, als der Cours der Leoneſer Wollen iſt. Dies Verfahren des Herrn Gilbert iſt uͤber⸗ all anwendbar. Jedermann kann ſeine Wolle ganz gut waſchen, wenn er ſich biernach richtetz es ſei ſo wenig oder ſo viel, als es wolle. Verfahren der Spanier. In Spänien, wo die Großeigenthuͤmer ſehr zahlreiche Heerden haben, hat man fuͤr dieſe Ope⸗ ration Werke angelegt, wobei Zeit und Koſten zu⸗ gleich geſpart werden, und wo die Wolle bis zu einem Grade gereinigt wird, der hinreichend iſt fuͤr die Operation, welche ſie nachher in den Mannfae⸗ turen erleidet. Dies war ſehr wichtig. Herr Poi⸗ tére de 6ére hat uns in den Stand geſett, 2 — 116— dies Verfahren kennen zu lernen und wahrzuneh⸗ men, indem er uns die genaue Beſchreibung eines ihrer ſchoͤnen Waſchwerke, welches er an Ort und Stelle gezeichnet hat, giebt. Es iſt das zu Alfaro, wo die Wollen von Paular, Montarco, Turbietta und anderer beruͤhmten Cavagnen alle Jahre hinge⸗ bracht werden, um fuͤr ein Billiges da zubereitet und dann in's Ausland verfuͤhrt zu werden. Die vereinigten Gewaͤſſer des Eresma und an⸗ derer Fluͤſſe, deren Quellen in den Gebuͤrgen liegen, welche Alt⸗ und Neu Caſtilien trennen, gehen nach Segovia, und von da bis an die Reſervoirs von Alfaro. „Dieſe Waſſerbehaͤlter, ſagt Herr Poyfer 3 nethalten uͤber 158904 Cubik⸗Fuß Waſſer; ein ungeheurer Vorrath, der unaufhoͤrlich durch den Zu⸗ fluß erſetzt wird, und der für eine Weile zu den Arbeiten des Waſchwerks hinreicht, wenn durch die Wirkung eines Orkans oder anderer ſchnellen Zu⸗ falle, das Waſſer in den Zulaufgraben truͤbe, und fur den Augenblick unbrauchbar ankommen ſollte.“ „Wenn das Waſchwerk A, Pl. 3. mit Waſſer ver⸗ jeten, und die Wolle mit der Hand ausſortirt, und die erſte, 2te, 3te Sorte und Ausſchuß getheilt ſind, ſo bringt man ſie unter den Schuppen MN, neben denen Kuͤfen SSS.“ „Man fuͤlle die Kuͤfen mit teißem Waſſer bit auf 4 ihrer Hohe, durch den Hahn R, der in dem Keſſel P ſitzt. Dies Waſſer wird zum Theil mit Faltem Waſſer temperirt, welches man nach Will⸗ 20. 20. 70. , e e , P kuͤhr durch die punctirte Leitung einläßt. Ein Mann iſt angeſtellt, um die Probe dafuͤr zu machen, wel⸗ ches er bei jedem Kuͤfen thut, indem er ein Bein hineinſteckt, und dann kaltes oder heißes Waſſer zu⸗ thun laͤßt, bis der Grad der Hitze ſo wird, daß er ihn, gerade ohne ſich zu brennen, aushalten kann. Dann giebt er ein Zeichen, daß die Wolle einge⸗ taucht werden ſoll. Wie lange ſie eingetaucht bleibt, dies richtet ſich nach der Zeit, da man bemuͤht iſt, um den zweiten und dritten Kuͤfen zu leeren, ehe man zum erſten zuruͤckkommt.“ „Ein Arbeiter ſteigt in den Kuͤfen, nimmt eine Quantitàt Wolle heraus, und fuüllt damit geflochtene Koͤrbe, die auf dem Rande des Gitters T ſtehen. „Kinder, die ſich an Strickchen halten, ſteigen auf die Wolle in den Koͤrben, und druͤcken ſie mit den Fuͤßen, um das Fettwaſſer auszupreſſen, womit ſie durchzogen iſt. Dies Waſſer entfließt durch die Loͤcher des Gitters, geht in die Hoͤhlung des Kuͤ⸗ fen H,(Pl. 3.) und fließt bei V(Pl. 3.) aus dem Waſchwerk ab.“ „Die ſo ausgedruͤckte Wolle wird auf das Git⸗ ter bei§ geworfen. Drei Kinder raffen ſie zuſam⸗ men, theilen ſie auseinander und legen ſie auf den Rand des Waſchwerks E, bei 6. Ein Arbeiter, (dies iſt das Wichtigſte bei der Waͤſche) auf einer der Stufen D, ſtehend, nimmt die Wolle Fauſt fuͤr Fauſt, trennt ſie noch einmal und läßt ſie in den Canal A fallen.“ „Zwei Maͤnner ſind bei?, 8 hingeſtellt, in dem — 118— Waſchwerk E drinnen. Sie ſtuͤtzen ſich mit den Haͤnden auf die Queerwand Z, welche feſt gegen die innern Waͤnde anſtoͤßt und ſie bewegen wech⸗ ſelsweiſe das rechte und linke Bein, um das Waſ⸗ ſer immer wieder darauf laufen zu laſſen, und die Wollflocken zu trennen. In dem Waſchwerk ſind 11— 12 Zoll Waſſer.“ „BVier Arbeiter in dem Canal des Waſchwerks bei 9, 10, 11, 12 angeſtellt, ſtuͤtzen ſich mit den Haͤnden auf die Bank, und machen dieſelbe Bewe⸗ gung der beiden Maͤnner, die in dem Baſſin E ſtehen.“ „Vier andre Arbeiter bei 13, 14, 15, 16, die auf dem Canal angeſtellt ſind, raffen die Wolle auf, ſo wie der Strom ſie wegfuͤhrt; ſie machen, ohne ſie zu drehen oder zu verwickeln, Packen daraus, druͤcken das Waſſer hinaus, und werfen die Wolle auf das Pflaſter U bey 17.“ „Ein Kind nimmt ſie wieder auf, und wirft ſie bis 18, auf den mit einer Boͤſchung anſteigen⸗ den Raum zum Ablecken. Ein anderes Kind zieht ſie hinauf und legt ſie auf Xz ein drittes bis nach 19, wo ein Arbeiter ſie zuſammenwirft, und ſie zu⸗ ſammengepackt oben auf den Rand des Dropfplatzes aufſchichtet.“ „So bleibt die Wolle 24 Stunden. Nachher tragt man ſie auf eine nahe Wieſe, welche vorher ſorgfaͤltig abgeharkt und uͤbergefegt worden; und brei⸗ tet ſie hierauf duͤnne aus, bis ſie trocken iſt, wel⸗ ches gemeiniglich 3 bis 4 Dage erfordert.“ ſ. lou nie — 119— „Die Wolle, die den vier bei 13, 14, 15, 16, ſt⸗henden Männern entſchlupft, wird vom Waſſer⸗ lauf fortgeriſſen in einem hoͤlzernen Kaſten L., deſſen Hinter, und Seitenwaͤnde mit einem engen Netze bezogen ſind. Drei Manner, die hierin ſtehen, bewe⸗ gen die Wolle mit den Fuͤßen und machen, ſo wie ſie ſie herausnehmen, kleine Paͤcke, die ſie mit den Haͤnden ausdruͤcken, und die ſie, bei 2x, auf das Pflaſter U werfen, wo zwei Kinder ſie in kleine Koͤrbe ſammeln, ausdrucken, und ſie zu dem großen Haufen 20 oben auf dem Tropfplatz bringen.“ So werden die beruͤhmteſten Wollen in Spa⸗ nien gewaſchen. Zu Alfaro fängt die Arbeit mit Tagesanbruch an, und endigt nicht vor Einbruch der Nacht. Man waͤſcht in einem Arbeitstage, alſo circa in 16 Stunden 1200 Fanegues Wolle, alſo ungefahr 300 Q'üntaux(der Quintal hat 100 Par. Fuß 7. * Erklaͤrung der Kupfertafel. Pl. II. Plan des Waſchwerks zu Alfaro. AA. Canal, der das Waſſer heranfuͤhrt. B. Seiten⸗Canal, um das Waſſer nach Belieben außerhalb des Werks zu fuͤhren. *) Mein College, Herr Sylveſter iſt der Meinung, daß die Arbeit dadurch vereinfacht werden koͤnnte, daß man durch mechaniſche Vorkehrung Menſchen erſetzt, und er hat gewiß Recht. T — 120— cc Kleine Staubretter, um das Waſſer zu halten und zu lenken. D. Stufen, um in den Waſchkanal herunter zu ſteigen. F. Baſſin des Waſchwerks. Fh. Waoſchkanal, mit Bohlen bekleidet*). GG. Seitenwaͤnde von Mauerwekk. H. Zapfen, um das Waſſer aus den Cangl zu laſſen. I. I. Ein 16 Zoll hoher Abſatz, um das Waſſer zu halten. K. Ein ſchiefgeſtelltes Brett zwjſchen dieſem Abſatz und dem Hintergrund des Kaſtens L. L. Hoͤlzerner Kaſten, mit einem engen Netze bekleidet. M. Communications⸗Brett. N. Canal, durch den das Waſſer weggefuhrt wird. OO. Fleine Waſſerbehaͤlter, die das Waſſer in den Keſſel durch die Leitung 1, und in den Kuͤfen durch die Spundleitung 2 fuͤhren. P. Keſſel zum Waͤrmen des Waſſers fur die Kufen. O. Vorgelege des Ofens. R. Zapfen im Keſſel, der nach Willkäͤhr den Kuͤfen das heiße Waſſer durch die punctirte Leitung 2 giebt. S8. Kuͤfen, worin die Wolle eingeweicht wird. TT. Gitterwerk von Latten, um die Wolle darauf abtropfen zu laſſen, wenn ſie aus den Kufen kommt. *) In dem Kanal des Waſchwerks des Hrn Terneau bei Paris, wovon weiterhin die Rede ſeyn wird, iſt dieſer Canal mit Cement bekleidet, welches mir in jeder Ruͤckſicht beſſer ſcheint. Bohlen ſchlemmen ſehr leicht. W. T.. c a ee eheee —— UU. Pflaſter, um die Wolle, wenn ſie aus dem Canal kommt, abtropfen zu laſſen. E Kleine Woſſerrinne, die unter dem Pflaſter U und Gitter T hinläuft, um das Tropfwaſſer auf⸗ zunehmen. XR. Grundmauer, mit einer Boͤſchung ſteigend, um die Wolle abtropfen zu laſſen*). VN. Schuppen, um die fettige Wolle U. Hoͤlzerne Bank neben dem Waſcheeb fuͤr den Aufſeher. Z. Querbrett in dem Waſchbecken**). *) Bei Hrn. Terneaus Waſchwerk mit Quadern von Kalkſteinen belegt W⸗ **) Statt der uͤbrigen in dem franz Hriginal enthalte⸗ nen 2 Fupfertufeln zu dieſem Waſchwerk, welche mir nicht weſentlich ſcheinen, glaube ich den Leſern vielmehr die von mir in Auteuil bei Paris gezeichnete perſpectiviſche Anſicht des von großen Tuchfä⸗ brikanten Herrn Derneau in Paris, der auf ſeinem Landgute blos zu dem Gebrauch fuͤr ſeine eigene Fa⸗ briken kuͤrzlich angelegten Waſchwerks in der dritten Platte b geben zu muͤſſen. Es wurde nach den An⸗ gaben des Herrn von Laſteyrie gebaut, und nun ſieht man genan die ganze Einrichtung mit der hier beſchkiebenen von Alfaro uͤbereinſtimmend Eine Platte erklaͤrt daher die andre, bei beiden ſind die Buch⸗ ſtaben⸗Zeichen uͤbereinſtimmend, und es iſt für die Reinige jede weitere Erklaͤrung uͤberfluͤßig; nur be⸗ merke man, daß hier der Waſſerbehaͤlter uͤber dem Werk liegt und dies aus ihm durch Roͤhren geſpeiſt wird Ein paar andre aͤhnliche ſollen doch ſchon im Innern von Frankreich exiſtiren, die ich aber nicht ſah. Dieſe erfuͤllt ihren Zweck ſehr gut. W. Ein Manufakturiſt von Montfoie, im Departe⸗ ment der Roer, meint, die Heerdenbeſitzer, welche ent⸗ fernt von Fabriken waͤren, ſollten ſich begnügen, die Wolle mur von dem groͤßten Theil des Schmutzes zu reinigen, und ihr den Fettſchweiß laſſen, der zu der Fabrikwaͤſche nothig iſt. Er meint, man ſolle, nachdem die Wolle ſottirt, fede Sotte fuͤr ſich in Korbe packen; in den Ström eines Fluſſes ſtellen; ſie berausnehmen, von Zeit zu Zeit zuruͤcktauchen; mit einer hoͤlzernen Harke umdrehen, und wenn kein Schmutz mehr herausgeht, ſie an der freien Luft trocknen laſſen. Nach ihm verliert die alſo gerei⸗ nigte Wolle bei der Fabrikwaͤſche nur 33 p. C. an⸗ ſtatt ſie mit allem Schmutze gereinigt bis 75 p. G. verlieren koͤnne, wenn die Schaafe ſchlecht gewartet und aus ſtaubigen Gegenden ſind. Wahr iſt, daß nachdem ich mit einem kleinen Theil dieſes Verfah⸗ ren verſucht babe⸗ ein ausgezeichneter Manufakturiſt aus Verviers mir ſagte, daß ſie in dem Zuſtande vollkommen gut in der Fabrikwaͤſche werden wuͤrde, und daß dies die beſte Methode ſey. Wenn dies wahr iſt, woran ſich doch nicht zweifeln laͤßt, ſo iſt nichts leichter, als der Welle dieſe Behandlung zu geben, welche der letztern Befreiung vom Fett, die unumgunglich nothig vor der Tuchfabrikation iſt, nicht entgegenwuͤrkt. In dem Zalle iſt es nothwendig, bei der Schur der ſehr ſchmutzigen Theile nur die Stirn⸗, Bauch— Lenden⸗ und Beinwolle nicht mit in das Vließ zu packen. Dieſe Waͤſche hat viel Aehnliches mit der — 123— auf dem Ruͤcken des Thiers ſelbſt, reinigt aber beſ⸗ ſer noch. Wenn nur die Fabrikanten mit dem Preiſe hier⸗ auf Ruͤckſicht nehmen, und nicht zuviel dabei gewin⸗ nen wollen, ſo glaube ich, werden viele Eigenthuͤ⸗ mer dieſe Methode annehmen. Von der Fabrikwaͤſche. Sie geſchieht folgendermaßen: Man fuͤllt einen Keſſel, der leichtlich 60— 80 Pfund Wolle halten kann, mit einem Gemiſch von 3 Pfund Waſſer und 4 Urin, und laͤßt dieſes heiß werden. Wenn es eine Temperatur von 40— 50 Grad erreicht hat, ſo daß man die Hand darin halten kann, ſo legt man die Wolle hinein, laͤßt ſie 2 Stunde drein, und ruͤhrt ſie ſorgfaͤltig beſtaͤndig mit kleinen hoͤlzernen Gabeln um; dann nimmt man ſie heraus, laͤßt ſie ab⸗ tropfen, und waͤſcht ſie in kleinen Quantitäten in fließendem Waſſer, bis ſie dies nicht mehr truͤbt, wo man ſie dann zum Gebrauch abtrocknen laͤßt. In manchen Manufacturen ſind, wenn auch nur 4 Urin und ztel Waſſer, wenn es gelingt, eben ſo gut. Die Particuliers, welche kleine Quantitaͤten von Wolle zu ihrem eigenen Gebrauch waſchen und ent⸗ fetten wollen, koͤnnen entweder die Gilbertſche oder auch die Methode des Fabrikanten von Montjoie an⸗ wenden, und einer wie der andre die eben beſchrie⸗ bene Urin-Waͤſche folgen laſſen. Hat man kein fließendes Waſſer zur Naͤhe, ſo taucht man die * Wollkorbe in Kuͤfen mit Waſſer, worin man ofters friſches Waſſer ſchuͤttet. Dies dauert zwar lange, allein ich rathe es auch nur bei geringen Quanti⸗ taten*. Woll⸗Verkauf. Das verſchiedene Intereſſe zweier Menſchen kreuzt ſich ſchon immer beim Wollhandel; geſchieht es nun noch durch einen Unterhaͤndler; einen Maͤk⸗ ler, ſo ſtellt ſich noch das eines dritten auch zwi⸗ ſchen ſie. Es wäre daher beſſer, der Fabrikant kaufte gleich von dem Landmann, allein dies duͤrfte ſchwer einzufuͤhren ſeyn. Die Landwirthe kennen nicht den Jabrikanten, und konnen ſie nicht aufſuchen; ſie muͤſ⸗ ſen alſo warten, bis man zu ihnen kommt, und han⸗ deln nur mit Haͤndlern, welche dann weiter verkau⸗ fen**). *) Es ſcheint mir noch nicht genug unterſucht, in wie fern die immer noͤthige Fabrikwaͤſche durch die Wä⸗ ſche nach ſpaniſcher Art auf den Waſchwerken, im Gegenſatz die Waͤſche auf dem Ruͤcken der Schaafe, mehr erleichtert wird; denn waͤre dieſe Erleichterung nicht bedeutend, ſo würden die Franzoſen und Spa⸗ nier gewiß beſſer thun, vielmehr von uns die Schaaf⸗ wäͤſche(lavage à dos) anzunehmen, um ſo mehr, da in ihrem Clima dies den Thieren unmoͤglich ſcha⸗ den kann; als wir von ihnen die beſchwerliche Woll⸗ wäſche. War **) Seltſam genug, daß in ganz Frankreich und nicht ein⸗ — 5— Die meiſten Beſitzer von Schaafen werden auf dieſe Art von den umherziehenden Geſchaͤftsträgern der Kaufleute ſehr uͤbervortheilt. Einige große Heerdenbeſitzer ſichern ſich wohl freilich beſſer, un⸗ terrichten ſich von den Preiſen in Spanien, uͤberei⸗ len ſich nicht, und erhalten auf dieſe Art einen bil⸗ ligern Preis. Man hat die Gewohnheit, 4 p. C. des Ge⸗ wichts zuzugeben, welches der Fabrikant ein„Ge⸗ ſchenk“ nennt: das iſt ein haßlicher Gebrauch. Die Veranlaſſung dieſer Art von Geſchenke, welche als ein Recht gefordert werden, ſind die Baͤnde, wegen deren man einige Pfund Zugabe bewilligte; ſeit der Zeit wollen die Fabrikanten dieſe Zugaben und auch noch das Geſchenk von 4 p. Ct. Die Landwirthe ſollten keins von beiden bewilligen, denn das Gewicht der Baͤnde iſt ganz unbedeutend, wenn man dazu Schilf oder Bindfaden nimmt. Fuͤr den Verkaͤufer iſt es beſſer, die Wolle bald nach der Schur zu verkaufen, weil ſie austrock⸗ net; fuͤr den Kaͤufer ebenfalls, weil ſie ſich beſſer reinigt, je mehr Schweiß ſie noch hat, und auch die Jahreszeit guͤnſtiger zur Waͤſche iſt. Verkauft man ſie gewaſchen, ſo iſt jede Zeit fuͤr beide Theile gleichguͤltig. mal in Paris, in deſſen Raͤhe ſo viele ausgezeich⸗ nete Heerden bereit gehalten werden, ein einziger Wollmarkt exiſtirt. W. N Viele franzoͤſiſ ſche Fabrikanten cie Conttacte abgeſchloſſen mit den Heerdenbeſitzern in Spanien uͤber ihre Wolle, fuͤr mehrere Jahre, und S. be⸗ willigten denn Credit. Dies konnte bei uns ebenfalls eſcheie Wenn — die Heerden nur erſt ihrer Gäte wegen bekannt find, ſo wird es ſchon Fabrikanten geben, die ihr Angen⸗ merk darauf richten werden*). Ueberdies iſt es durch eine Menge von Er⸗ fahrungen feſtgeſtellt, daß die franzoͤſiſche Wolle die⸗ 6 ſelbe Staͤrke, denſelben Nerven und die nemliche Elaſtizitat, wie die ſpaniſche, hat, und daß ihre Fa⸗ brikation in Qualität und Quantität dem von ſpa⸗ niſcher Wolle gleich kommt; ſie muͤßte— i 15 ben haben. ℳ Von dem Verkauf der Schaafe. n den Etabliſſements des Gouvernements iſt die Sitte eipgefuͤhrt, daß jedes Jahr um eine Zeit, die durch die der Gegend, in der ſie ſich — „— *) Bei uns die Landwirthe tine ſolche Verbind⸗ lichkeit einzugehen, ſcheuen; dort wuͤnſchen ſie es, denn es haͤlt ſchwer, ſeine Wolle dort gut abzuſez⸗ ten. Im Winter 1809 bis 10 zahlten die Kaufleute fur die feinſte Merinoswolle hoͤchſtens 55 Sous per Pfund(is Gr. C.) und es war genug und uͤberall zu 40— 45 zu haben(13 bis 15 C) Freilich en suint. W. befinden, beſtimmt wird, einer gewiſſen Anzahl von Schaafen und Boͤcken oͤffentlich verkauft wird. Die weſentlich fehlerhaften Thiere werden dabei ſorg⸗ fältig entfernt, wenn aber der Fehler nicht an der gehbrigen Fortpflanzung hindert, ſo werden die Thiere nicht ausgeſtoßen, doch aber wird der Fehler ange⸗ zeigt, und in dem Protokoll mit angefuͤhrt. Man verkauſt an dieſen Orten die Thiere im⸗ mer mit der Wolle. Zwar koͤnnte man, waͤren ſie geſchoren, allenfalls aus der Haut auf die Wolle ſchließen; allein es iſt doch immer beſſer, die Wolle in ihrer Länge beurtheilen zu können. Auch haben die Kaͤufer durch das Vließ gleich eine Nutzung, und den Genuß, in der Gegend, wohin ſie ſie brin⸗ gen, ſogleich zeigen zu konnen, daß die Merinos weit mehr Wolle als jede andre Race geben. Viele Ei⸗ genthuͤmer behalten ſich bei ihren Verkaufen die Wolle vor, oder laſſen ſie noch uͤber den Preis des Thiers ſich bezahlen*). *) Die Preiſe der Boͤcke und Schaafe in Rambouller ſind meiſtens von 100 bis 400 Livres. Auch Par⸗ ticuliers verkaufen ſchon bisweilen zu dieſem Preiſe. In Alſort, deſſen Heerde von mehrern Franzoſen der Heerde von Ramboullet vorgezogen wird, obwohl mit Unrecht, wie ich glaube, ſoll, wie man mich ver⸗ ſichert hat, bereits ein Bock mit 1600 kivres bezahlt ſeyn. W. Von der Art wr Weiſe, das Alter der Schuafe zu erkennen. (S. T. V. Fig. 1— 8.) In den erſten§ Jahren liefern die 8 Vorder⸗ oder Schneidezahne(dents incisives) die nothigen Kennzeichen. Man theilt dieſe Zahne in die Vor⸗ ver⸗Zähne,(pinces), das erſte Paar Mittel⸗ zahne(premieres mitoyennes), das zweite Paar Mittelzahne(secondes mitoyennes) und die Sckzaͤhne(coins). Die Schaafe haben nur an der untern Kinnlade Schneidezaͤhne, an der obern vertritt eine knorpliche, wulſtige Erhoͤhung ihre Stelle. Im erſten Jahr erſcheinen 3 Milchzaͤhne: und das Thier heißt Lamm,(agneau gen. m. ag- nelle gen. f.) Es wird entweder ſchon mit dieſen 8 Zahnen geboren, oder, wenn ihm welche fehlen, ſo brechen ſie doch ſogleich durch. T. V. ſic 1. Im zweiten Jahr verliert es die beiden Vorder⸗,(oder eigentlicher wohl Mittel⸗Zah⸗ ne) und erhaͤlt dafür 2 andere, merklich breitere. Dann heißt es Jahrling, und mit dem Ende des zweiten Jahres, Zeitſchaaf, Zeithammel,(Au- tenois, Autenoises) Fig. 2. — 125h— Im dritten Jahr fallen die zwei erſten Mit⸗ tel⸗Zähne aus, und werden durch zwei ſtaͤrkere er⸗ ſetzt. Das Thier wird dann vierzähnig genannt. Fig. 3. Im vierten Jahre verwechſelt es das an⸗ dere Paar Mittelzahne gegen 2 breitere und groͤ⸗ ßere, und heißt dann: ſechszahnig. Fig. 4. Im fuͤnften Jahre verlieren ſich guch die zwei lezten Milchzahne, und alle 8 ſind dann breit und ſtark. Das Thier heißt achtzaͤhnig, voll⸗ zahnig, vollſetzig(qui a tout mis tout pous- s6.) Fig. 5. Dieſe Maturregel leidet bei den Merinos, be⸗ ſonders wenn ſie gut gefuͤttert werden, eine Aus⸗ nahme, ſie ſchichten alle die verſchiedenen Arten von Zaͤhnen nemlich, um 6 Monat fruͤher ab, und ſchei⸗ nen daher 6 Monat alter. Auch nach den vollen§ Jahren kann man aus den Zaͤhnen manches Kennzeichen fuͤrs Alter her⸗ nehmen: doch muß man viel Uebung dazu haben. Man richtet ſich nemlich nach ihrer Abnutzung und nach der allgemeinen Geſtalt des Zahns*). Sie *) Beſonders an der Wurzel, und dem dort bei allen Thieren im hoͤhern Alter mehr zuruͤckweichenden Zahn⸗ W. eiſch. nuten ſich auf zweierlei Art ab; die gewoͤhnlichſte iſt von innen, durch das rundliche Abſchleifen zweier kleiner Hoͤhlungen, welche der Zahn inwendig unter⸗ halb, gegen die Kinnlade zu, hat. Die andre Art der Abnutzung iſt, daß die Zaͤhne am Rande faſt wa⸗ gerecht und nicht ſchraͤg herunter, wie bei der erſten Art, gleich wie abgefeilt ſind; und ſich auch ausge⸗ brochne Stellen meiſtens an den Mittelzoͤhnen fin⸗ den*). Dabei kann man ſich dann noch am be⸗ ſten nach den beiden lezten, den ſogenannten Eck⸗ zahnen, richten, da ſie von allen zulezt hervorbre⸗ chen. In der Jugend ſind die Zähne kurz, ſie wer⸗ den laͤnger im zunehmenden Alter, weil ſie immer⸗ fort wachſen, und das Zahnfleiſch ſich zuruͤckzieht. Endlich noch veraͤndert ſich die Geſtalt des Zahnes darin, daß ſie in der Jugend mehr pyramida⸗ liſch, das heißt, oben breiter als unten iſt, im Al⸗ ter dagegen ſich der cylindriſchen Form mehr *) Man wird dieſe Abſtufungen der Abnutzung in den ig. 6, 7 8. bemerken. Fig. 5 iſt die innere Seite des Kinnbackens eines Jaͤhrlings. Fig 7. iſt von einem vollſetzigen Schaaf. Die bei Fig. 6. ſehr be⸗ merkbaren obenerwaͤhnten Hohlungen oder Kruͤm⸗ mungen ſind hier an den Mittelzahnen ſchon abge⸗ nuzt. Bei F. 8. dem Kinnbacken eines ſechs⸗ oder ſiebenjährigen Thieres dagegen, ſind dieſe Kruͤmmun⸗ gen uͤberall mehr ausgeſchliffen und zugleich ausge⸗ brochne Stellen zu bemerken. —— — 127d— naͤhert, und ihrer ganzen Laͤnge nach, mehr gleicher Breite wird. Die Merinos haben den Vorzug in ihrer Con⸗ ſtitution, daß ſie die Zaͤhne laͤnger als andre Racen behalten, obgleich ſie bei ihnen fruͤher treiben. Hat man viel practiſche Kenntniſſe durch Er⸗ fahrung und Uebung erworben, ſo erkennt man das Alter der Thiere auch wohl noch an andern Zeichen als den Zaͤhnen. Haͤngende Lippen, runzliche Na⸗ ſen*), deuten auf Alter, ſo wie lebhafte Augen auf Jugend. An den Hoͤrnern hat man durch ihre Ringe das Alter erkennen wollen, allein dieſe bilden ſich doch nicht gleichmaͤßig genug, um dies zu koͤnnen. Auch die Beſchaffenheit der Weide traͤgt zur fruͤhern Abnutzung der Zaͤhne bei, ſo wie denn uͤber⸗ haupt ein Thier ſie vor dem andern, oder ſpaͤter verliert. *) Vorzuͤglich auch tiefliegende Augen und tiefe Augen⸗ hoͤhlen. W. —— — — 1238— Allgemeine Betrachtungen üͤber die Krankhei⸗ ten der Schaafe. So lange man nur einheimiſche Racen von Schaafen hielt, deren Werth ſehr gering war, ſah man mit Gleichgültigkeit die Thiere dahin ſterben. Der hohe Werth der Merinos jedoch hat dieſer Rachlaͤßigkeit ein Ende gemacht; ſorgfaͤltig hat man beobachtet, was ihre Geſundheit erhalten, herſtellen, oder zerſtoͤren koͤnnte. Die Anſtrengungen der Ve⸗ terinaͤrkunſt, einer ſo wichtigen Wiſſenſchaft, vereint mit dem Studium der Landwirthſchaft, laſſen uns hoffen, daß genaue Beobachtungen und häufige Ver⸗ ſuche uns mehr Licht geben, und von unſern Schaͤ⸗ fereien die Uebel, welche Verderben darin verbreiten, entfernen werden. Die Krankheiten der Schaafe ſind epizoo⸗ tiſch, das heißt, ſie verbreiten ſich uͤber eine große Anzahl von Thieren, ohne Unterſchied des Drts und zu allen Zeiten: wie die Pocken, die Raͤude ꝛc. enzootiſch;*) an gewiſſe Gegenden oder Umſtande gebunden, und jähriich um die nem⸗ liche Epoche wiederkehrend, wie die Falére in Rouſ⸗ ſillon, die Lungenfaͤule in den niedrigen, neblichen und *) Epizootiſch und enzootiſch, ſind bei Thierkrankheiten eine paſſende Gegenſtellung zu epidemiſch und ende⸗ miſch bei Menſchenkrankheiten; uͤbrigens aber ſind dieſe 4 Woͤrter gleich bezeichnend⸗ W. —— und feuchten Gegenden: ſporadiſch; ohne Regel⸗ maͤßigkeit, uͤberall, einzelne Thiere befallend, wie das Drehen u. ſ. w., oder endlich contagids, durch Anſteckung ſich von dem einen Thier auf's andre uͤbertragend, entweder durch unmittelbare Beruͤhrung oder! durch die Zwiſchenkunft eines Zten Koͤrpers, wie das laufende Feuer,(charbon) die Pocken, die Raͤude u. ſ. w. Unter den epizootiſchen und ſporadiſchen giebt es feſte und nicht anſteckende Krankheiten. Außerdem giebt es noch mehrere zufaͤllige un⸗ bedeutendere Krankheiten, wie z. B. Abſceße, Ei⸗ terſaͤcke, Wunden an den Hornwurzeln durch das Kaͤmpfen der Widder veranlaßt, Schnitte beim Scheeren, Biſſe von Hunden und dergleichen mehr. Hier muß ich gleich einer Wahrheit erwaͤhnen, welche unterrichteten Thieraͤrzten recht wohl bekannt iſt. Es iſt im Allgemeinen bei wiederkaͤuenden Thie⸗ ren wenig von innern Mitteln zu hoffen; diejenigen Getraͤnke, welche man ſehr reichlich zur innern Rei⸗ nigung giebt, und die Lavements ausgenommen. Es iſt bekannt, daß alle dieſe Thiere 4 Maͤgen haben. Der Panſch, Panzen*)(la panse, rumen) der groͤßte von allen, empfaͤngt die Nahrungsmittel *) Nachdem ich die 4 Maͤgen eines Hammels und die darin enthaltenen Nahrungsmittel gewogen hatte, mit Einſchluß eines kleinen Antheils der Speiſeroͤhre (Oesophasus) und des Zwoͤlffingerdarms(Duodmum fand ich ihr Gewicht von 21— 22 Pfund, und, nach⸗ dem alles ausgeleert war, nur von 3 bis 4 Pfund⸗ 5 und nimmt ſie in großen Maßen auf, bis ſie all⸗ möhlig ins Maul zum Wiederkäuen zuruͤckkehren, und dann in die 3 andern uͤbergehn. Man ſieht leicht ein, daß Arzneimittel, die ein ſolches Thier verſchluckt, wenn ſie in eine bedeutende Maſſe von unverdauten Nahrungsmitteln gebracht werden, ganz, oder beinah ganz ohne Wirkung bleiben muͤſſen*). Um ſtarke Wirkungen hervorzubringen, muͤßten ſie ſehr heftig ſeyn, und wenn dann ein Theil davon etwa die Seiten des Magens beruͤhrte, ſo koͤnnten dieſe zerfreſſen werden, oder gar Entzuͤndungen und Brand(gangrene) bekommen. Die Dhier Wundarzneikunſt iſt faſt die einzige, welche man anwenden kann, und doch ſind derglei⸗ chen Faͤlle ſelten, und unglͤcklicherweiſe haufig die Veranlaſſungen, wo man etwas anders herbei wuͤnſchte. Auf das Vorbauen muß man daher am mei⸗ ſten rechnen; eine gute Wartung, mit Aufmerkſam⸗ keit und Sorgfalt bei der Nahrung, ſind die ſicher⸗ ſten Mittel, Krankheiten zu vermeiden, von deren Abwendung det reichliche Ertrag der Heerden ſo ſehr abhängt. ) Gilbert berichtet/ daß die Nahrungsmitte in dem Panſch eines Hammels, der nach Staͤgigem ſtrengem Faſten vor Hunger geſtorben war, noch 5 ½ Pfund wogen Siehe Gilberts intereſſante Abhandlung: uber de Wirkung der Arzneimittel bei wiederkäuen⸗ den Thieren, in dem dritten Theil der Anneles de FAgrieulture frangeise. Vollſtundig die verſchiedenen Krankheiten der 3 Schaafe abzuhandeln, uͤberlaſſe ich den eigentlich thier⸗— arzneilichen Werken. Ich habe hier nur mehr in einer kurzen Ueberſicht das dem Landwirth am we⸗ ſentlichſten Noͤthige ſagen wollen. Ich fuͤhre noch an, daß, wenn man die Schaafe Arzeneien als Getraͤnk verſchlucken läßt, welches man bisweilen nur gewaltſamerweiſe bewirken kann, man ſich ſehr huͤten muß, ſie nicht zu erſticken: man ſchuͤtte ihnen geringere Gaben mit einem mal ein, und laſſe ſie wieder zu Athem kommen. Daſſelbe gilt von den Baͤhungen und Raͤucherungen. ———————————— 4 Von den Pocken. Sie ſind furchtbar und eine der moͤrderiſchſten . Krankheiten unter den Heerden, von denen ſie bis⸗ weilen die Huͤlfte toͤdren und weder Zeit, noch Drt, noch Alter, Geſchlecht oder ſonſtige Beſchaffenheit des Thiers maͤßigen ihre Wuth. Iſt ſie mit der Fäule verbunden, ſo wird ſie noch gefaͤhrlicher und iſt dann immer hoͤchſt verderblich. —————— J2 ⸗ *) Waͤhrend wir nur, meines Wiſſens, dieſen einzigen Ramen fuͤr dieſe Krankheit haben, fuͤhrt ſie im Fran⸗ zöſiſchen die Namen: Clavpau, bte, bourgeon, ca roque, clavelée, clavillière, clavin, Blsvelade, g4 mise, gramedure, liarre, mal rouge peste, picotte, pusiulade, vache, rougeole, vereite, petite verol⸗ zuſammen, und beſteht aus kleinen, haͤutigen Pu⸗ Man glaubt ailgemein, daß das Schaaf nur einmal in ſeinem Leben die Pocken bekomme. Ich bin wenigſtens ſicher, daß in einer Heerde, welche amal in 3 Jahren die Pocken hatten, kein Thier ſie zum zweiten Male wieder bekam. Sollte es wirk⸗ lich Ausnahmen geben, ſo werden ſis immer die Re⸗ gel nicht zerſtoͤren. Der Gang der Krankheit iſt regelmaͤßig und die 3 Epochen der Entzuͤndung, des Ausbruchs und des Abtrocknens ſind be⸗ ſtimmt zu unterſcheiden. Anfaͤnglich ſind die Thiere traurig, ohne Freßluſt, hinfaͤllig, ſie haben die Hin⸗ terfuͤße an die Vorderfuͤße herangezogen; wiederkäuen nicht, ſind durſtig, ſie haben ſtarke Hitze und ohne Zweifel heftiges Zieber. Dieſe Anzeichen ſind nicht grede nur den Pocken eigen; ſie bekunden eben ſo⸗ wohl das Herannahen mancher andern Krankheit. In der 2ten Epoche zeigen ſich auf dem Koͤr⸗ per Puſteln, die ſich allmählig vergroßern, anfanglich roth ſind, dann weiß werden: bald erhaben, bald platt ſind; zuerſt bedecken ſie die von Wolle ent⸗ bloͤßten Theile; das Geſicht, die innere Seite der Lenden, unter dem Schwanz zc.; hiernach bilden ſie ſich auch unter der Wolle; in 4— 5 Tagen iſt der Ausbruch geſchehn. In der 3ten Periode fuͤllen ſich die Puſteln mit Eiter, trocknen ab und bilden N eine ſchwarze Kruſte, welche zuletzt abfaͤllt. Man unterſcheidet 2 Arten von Schaaf⸗ Pocken, ſo wie man 2 Arten von Menſchenpok⸗ ken unterſcheidet. Die boͤsartigſte läuft gemeiniglich e r —.————————— „———————— —.————— ſteln; ihre Symptome ſind ſtarker; der Ausbruch unvollkommen; die Puſteln fallen zuſammen, trock⸗ nen ab und werden ſchwarz, ohne Eiter zu enthal⸗ ten: ein dicker Rotz fließt aus den Naſenloͤchern; der Kopf der Thiere ſchwillt, die Augen ſchwaͤren zu, das Athemholen wird ſchwer und ſelten kommen ſie durch. Man hat hemerkt, daß bei einer Epizo⸗ tie von gutartigen Pocken doch einige Thiere die zuſammenfließenden bekommen. Manche Aerzte neh⸗ men einedritte Art, die eryſtalliniſchen Pok⸗ ken, an, welches mir doch nicht genau genug unter⸗ ſchieden ſcheint. War der Ausbruch vollſtaͤndig und bekommen die Thiere die Freßluſt wieder, ſo kann man hoffen, daß ſie beſſer werden; wenn ſie aber nicht vorwaͤrts woollen, wenn die Puſteln dunkelroth ſind, ſo iſt es ein uͤbles Anzeichen; Abſceße und àußere Eiterſaͤcke, ſo wie das Abfallen der Wolle, die vor dem Pocken⸗ Ausbruch ſtatt gefunden, ſind gute Zeichen. Oft wird ihre Geneſung auf Koſten ihres Geſichts er⸗ kauft; andre haͤuten ſich ſo ſtark nachher, doß ſie alle Wolle verlieren: die meiſten behalten immer Marben und Eindruͤcke von den Puſteln. Die Koͤr⸗ per derer, welche daran ſterben, werden leicht bran⸗ dig und faul. Junge, ſtarke Thiere widerſtehen dem Uebel am beſten. Keine Krankheit kann anſteckender ſeyn; ein Nichts traͤgt ſie weiter: eine geſunde Heerde darf nur hinter einer angeſteckten her den naͤmlichen Ort puſſiren; doch giebt es immer einige Thiere, welche frei von der Anſteckung bleiben. Man behauptet, daß das Lami, weſches eher geboren wird, als die Pocken der angeſteckten Mutter in Eiterung über⸗ gehn, frei von Anſteckung bleibe, und daß man an keinem Foͤtus das Zeichen der Frantheit gefunden habe. Man giebt tie Dauer des Uebels unter vinet Heerde auf 3 Monat ungefaͤhr an; doch weiß ich Fälle, wo ſie bis 6 Monat waͤhrte. Bald iſt das Uebel boͤsartiger im Anfange, bald mitten in der Dauer oder gegen das Ende derſelben. Man hat die ſchoͤne Entdeckung der Kuhpok⸗ ken auch als Schutzmictel gegen die Schaafpocken anwenden wollen, hin und wieder vortheilhafte Wir⸗ kungen zu ſpuͤren geglaubt, allein Verſuche, in allen Geg Spi angeſtellt, und die genaueſten Beobach⸗ tungen, haben bewieſen⸗ daß uns keine Hoff⸗ nung dazu uͤbrig iſt. Bei der Unanwendbarkeit der Vaccine iſt man auf die Inoculation der Schaafpok⸗ ben ſelbſt zurückgekoimen. Der Verfaſſer des Pic- tionaire vétérinaire haͤlt ibren Erfolg fuͤr wohr⸗ ſcheinlich gut. Hr. Vitet häit ſie moͤglich, zwei⸗ felt aber an ihrer vortheilhaften Anwendung. Herr Abbé Carkier verwirft ſie als gefaͤhrlich. Wenn mon dem Briefe des Hrn Amoureux glaubt, ſo iſt ſie gebraͤuchlich in Bber⸗Languedoc, in den Doͤr⸗ fer Mous, Lappe rdu, Saint Hilaire und in dem ganzen Theil der Provinz, weiche les Gorbiéres bas- ses genannt wird; in den Diöceſen von Rarvonne, ———— —— Carcaſſone und Aleth. Hr. Morel, Thierarzt zu Lodéve(bei Montpellier) verſichert in einer Schrift, betitelt: Avis au peuple sur le claveau ou pi- cotte des moutons etc. daß Hr. Venvl ein be⸗ ruͤhmter Profeſſor der Medicin zu Montpellier, mit Erfolg eine Heerde inveulirt hat, und daß in Sach⸗ ſen man das nemliche erfahren habe. Wie dem auch ſey, ſo habe ich geglaubt, als vor 25 Jahren ſich mir eine Gelegenheit darbot, ſie benutzen zu muͤſſen. Das Raͤhere uͤber dieſe Im⸗ pfung findet ſich in den Mémoires de la société royale de Medicine, vom Jahr 1786. Herr Huzard iſt von Paris nach Chanteloup gereiſt, um mit der Heerde des Herrn von Chap⸗ tal und der des Gouvernements zu Chateau de Clermont bei Mantes dieſe Operation vorzunehmen. In beiden Fällen hat ſie den Dienſt geleiſtet, den groͤßern Theil der Thiere, welche von der Krankheit wuͤrden ergriffen worden ſeyn, zu ſchuͤtzen, und bei denen, welche das Princip der Krankheit ſchon in ſich trugen, die Sterblichkeit zu mindern. Auch in dem Departement de la Marne z. B. bei Herrn Allaire, iſt mit Vortheil geimpft worden. Hr. von Barbangois, Beſitzer von gro⸗ ßen Heerden im Departement de I'Indre, hat eine bedeutende Anzahl von Thieren impfen laſſen. Er hat bekannt gemacht, daß er guten Erfolg bemerkt habe, welchen er der Vorſicht zuſchrieb, mit der Lymphe von bereits geimpften Thieren, welche ſchon gutartiger gewordenſey, ope — 136— rirt zu haben. Dies iſt eine Beobachtung, de⸗ ren Beſtaͤtigung nicht unwichtig waͤre. Bricht die Pockenkrankheit unter einer Heerde aus, ſo iſt es ſehr gut, alle noch nicht davon Thiere zu impfen. Der natuͤr⸗ liche Ausbruch bei denen, welche ſchon das Prinzip in ſich tragen, wird dadurch milder und die andern werden geſchuͤtzt werden. Wenn man, ohne eine Epizootie abzuwarten, die Laͤmmer nach dem Abſez⸗ zen gleich impfte, ſo wuͤrde man vielen Sorgen und Muͤhen dadurch vorbeugen: dann koͤnnten die Heer⸗ den ohne Furcht aus den Dhaͤlern auf die Gebürge, und von den Gebuͤrgen auf die Thaͤler zuruͤck wan⸗ dern; uͤberall koͤnnten ſie, ohne Gefahr Anſteckung zu verbreiten, oder angeſteckt zu werden, hingefuͤhrt werden; Virgils Gedanke wuͤrde in Erfuͤllung ge⸗ hen: nec mala vicini pecora contagia lae- dent. Endlich und hauptſaͤchlich noch, wuͤrden die Schlaͤchter nicht ſo haufig ein Fleiſch von ſchlechter Beſchaffenheit liefern, wie jezt, beſonders auf dem Lande; denn ſie tödten die Pockenſchaafe, unbeküm⸗ mert, ob das Fleiſch auch ſchaden koͤnne: ſo erſtickt die Gewinnſucht oft die Stimme der Menſchlichkeit! Um zu impfen, macht man mit einer Lanzette an dem Innerarm oder unter den Keulen kleine flache Einſchnitte, welche nur die Haut ritzen und die Ober⸗ haut auftheilen; dann taucht man die nemliche Lan⸗ zette in den Eiter, welchen die Pockenpuſteln ent⸗ halten; und bringt ſie in die Einſchnitte, indem man mit dem Finger daruber hinſtreicht, damit die Ge⸗ — — 137— fäße mehr davon einſaugen*). Drei oder 4 an jedem Gliede ſind ſehr hinreichend, um die Pocken mitzutheilen**). Wenn man ſo impft, daß das Thier, von dem man die Lymphe nimmt, gleich in der Naͤhe iſt, ſo gelingt die Operation ſicherer, als wenn man Lymphe anwendet, welche weit herkoͤmmt***). Doch auch dieſe iſt gut, und es gelingt meiſtens. Man muß gewiſſe Vorſichtsregeln beobachten, wel⸗ che nur Uebung und Gewohnheit kennen lehren. Ich zweifle nicht, daß, wenn kluge und geuͤbte Leute ſich mit der Ausuͤbung dieſer Sache befaſſen, der heil⸗ ſame Erfolg fuͤr die Schaafe derſelbe ſeyn wird, als bei den Schutzblattern er es fuͤr die Menſchen iſt. Ich kenne kein beſſeres Vorbauungsmittel. *) Man hat mit einer Nadel zu impfen geſucht, allein es ſind Puſteln daraus entſtanden, welche boͤsartig und brandig geworden waren. T. **) Wir Teutſche pflegen, beſonders nach Herrn Siks Anleitung, nur eine Stelle zu impfen, und halten dies ſchon hinreichend. Uebrigens geſchieht es zwar auch mit einer Nadel, aber mit einer beſonders da⸗ zu geformten lanzettartigen Nadel. 2 W. ***) Auch das wuͤrde nicht gefaͤhrlich ſeyn, wenn die Lymphe wohl verwahrt transportirt wuͤrde. Wie weit wird die Lymphe der Schutzblattern, in Feder⸗ Poſen gepackt, nicht verſchickt. Herr Pictet hatte eine vielleicht recht gluͤckliche Idee; er wollte die Lymphe zwiſchen Glasplatten, welche nachher verkuͤt⸗ tet wuͤrden, verwahrt, verſenden. W. 6 Ets giebt ein andres, deſſen man ſich durchaus n muß, wenn man nicht im Stande iſt, die Impfung vornehmen zu laſſenz nämlich man muß ale Szemeinſchaft vermeiden: die Vorſicht rath da⸗ ber, durch unſichere Gegenden die Heerden nur ſehr fruh Morgens treiben zu laſſen, damit das Pocken⸗ gift, welches auf den Blattern abgeſetzt ſeyn koͤnmte, der naͤchtlichen Feuchtigkeit halber, keine ſchaͤvliche Wirkung außern kdune. So wenig der Schoͤfer, als die Leute, welche das Vieh warten, dürfen, we⸗ der in unmittelbarer, noch ſelbſt in mittelbarer Ver⸗ bindung, mit denen einer angeſteckten Heerde ſtehn. Selbſt die Hunde wuͤrden die Anſteckung fortpflan⸗ zen; denn Kleider, Haare, Geraͤthe; ſind eben ſo wohl als Gras und Heu, Leitet, welche den Anſtek⸗ tungsſtoff verbreiten. Haarſeile, Aderläſſe und in— nere Vorbeugungsmittel halte ich nicht fuͤr gut. Haar⸗ ſeile, wenn gleich nicht ſchaͤdlich, ſind doch bei einer zahlreichen Heerde nicht fuͤglich anwendbar; Ader— laße, bei allen Dhieren ohne Unterſchied angebracht, wuͤrden denen ſchaden, welche ein weiches und ſchlaf⸗ fes Muskelſyſtem und verdorbene Saͤfte haben. Ge⸗ tranke, weſche ſie auch ſeyn moͤgen, können wohl nicht vor einer anſteckenden Krankheit ſchuͤtzen. Ich ſah ein Mittel gelingen, welches grauſam, aber doch ſicher iſt. Es beſteht darin, daß man auf der Stelle die erſten angeſteckten Thiere rodtſchlagt und tief eingrabt, nachdem man ihre Haut zerfezt hat*). Ein mir bekannter Wirth hat mehrmalen durch dies Opfer faſt ſeine ganze Heerde gerettet. Reißt, trotz allem dem, die Pockenkrankheit in einer Heerde ein, ſo muß man ſie wohl abwarten. Die kranken Thiere muͤſſen abgeſordert werden. Im Sommer muß ihr Aufenchalt möglichſt luftig; im Winter nicht zu kalt gehalten werden, immer aber ſehr reinlich; alles, was herausgebracht wird, Miſt, todtes Vieh und Geraͤth muß ſorgfaͤltig entfernt werden. Die Nahrung muß gut ſeyn; wo moͤglich in gruͤnem Futter beſtehn, und in fetter Kleie mit Ha⸗ fer gemengt, oder mit Erbſen, welche in Waſſer zer⸗ quetſcht ſind, worin man etwas Seeſalz gethan hat. *) Lezteres wohl wahrſcheinlich, um dem Ausgraben vor⸗ zubeugen Ich geſtehe, daß dieſes Mittel mir nicht nur bei den Schaafvocken, ſondern bei allen ahnli⸗ chen ſich ſchnell verbreitenden verheerenden Krank⸗ heiten, immer vorzuziehen ſcheint. Was thut es, wenn 10 oder 20 Thiere geopfert werden, um eine ganze Heerder ja vielleicht eine ganze Gegend, zu ret⸗ ten denn man glaube doch ja nicht, daß bei dem Impfen gar kein Verluſt iſt. Daß aber auf dieſe Weiſe der Keim der Anſteckung in der Geburt er⸗ ſtickt werden kann, glaube ich um ſo mehr, der Ana⸗ logie wegen, als es bekannt iſt, daß Herr Profeſſor Sick durch ſeine, ganz auf dieſen Grundſatz, und auf weiter nichts, beruhende Verfahrungsart in un⸗ glaublich kurzer Zeit in der Kur⸗ und Neu⸗Makk ſm Winter 1807, die um ſich greifende Rindvieh⸗ ſeuche vollkommen erſtickte. W. .— 140— Man ſtärkt die abgematteten durch Wein, den man ihnen amal täglich bis zu Atel Schoppen giebt*), oder auch durch eben die Quantität einer Abko⸗ chung von Peterſiltenwurzeln und Linſen, oder einem Aufguß von aromatiſchen Pflanzen, 3 B. Thymian, Lavendel, Salbey, Doſten**). Bisweilen hat es gute Dienſte geleiſtet, den Dhieren, die an der Raufe nicht freſſen koͤnnen, Brodt in Wein getunkt zu geben. 6 Finden ſich Abſceße, ſo oͤfnet man ſie, wenn ſie gehoͤrig reif ſind, und reibt ſie aus mit einem Digeſtiv aus gleichen Theilen Terpentin Eſſenz und Eigelb beſtehend, mit einem wenig Brandtwein an⸗ gemacht. Die krankgeweſenen Thiere muß man un⸗ ter der Zeit von 2 Monaten nicht wieder zu den geſunden bringen, und ſie vorher gut abwaſchen und die Ställe ausreinigen. Weiterhin werde ich die Art angeben, wie die Staͤlle gruͤndlich in dieſer Ruͤckſicht gereinigt werden kdnnen***). *) Man erinnere ſich gefaͤlligſt, daß der Verfaſſer in Frankreich ſchrieb. W.⸗ **) Die Spanier zerſtampfen und reiben etliche trockne Knoblauchbollen, kochen ſie in Waſſer und mengen ſie mit rothem Pfeffer. Von dieſem Getraͤnk laſſen ſie die Schaafe Morgens und Abends ungefaͤhr ztel Weinbouteille voll herunterſchlucken. ***) Ueber das Einimpfen der Schaafpocken beſitzen wir eine ſehr genaue und deutliche Anweiſung von Hrn. Profeſſor Sick, welche in der Behandlungsart ſich Rn 141— Von der Raͤude. Die Raͤude wird am meiſten gefuͤrchtet, weil die davon befallenen Thiere häßlich werden und die Schaͤfereien in uͤblen Ruf ſtehen. durchaus nicht von dem unterſcheidet, was unſer Verfaſſer raͤth. Auch Hr. Sick preißt beſonders das Jnoculiren der Laͤmmerheerde alljaͤhrlich, und glaubt, daß auf die Weiſe die ganze Krankheit vollig ver⸗ tilgt werden koͤnne. Unſere guten Landwirthe ſind zum Theil ſehr fuͤr die Sickſche Methode eingenom⸗ men, und ich kenne Heerden, bei denen wirklich all⸗ jaͤhrlich die Laͤmmerheerde im Herbſt, als der heil⸗ ſamſten Jahreszeit fuͤr die Pocken, geimpft wird, und zwar mit guten Erfolg. Mich ſelbſt hat eine, aber große, Erfahrung ge⸗ lehrt, daß doch nicht immer das Impfen ſo vor⸗ theilhaft ſen, und man alſo doch behutſam bei der Wahl dieſes Mittels ſeyn ſoilte, indem es in unſern Gegenden ſo ſehr ſelten vorkömmt, daß die Pocken ſich unter den Heerden aͤußern und überdies ſelbſt in dieſem Falle, vorausgeſetzt, daß die Jahreszeit guͤnſtig, nicht zu heiß oder zu kalt iſt, und man Sorge traͤgt, durch enges Zuſammentreiben die An⸗ ſteckung ſchnell zu verbreiten, damit das Uebel zur nemlichen Zeit und ſchneller die Heerde verlaße; ſehr haͤufig der Verluſt bei den natuͤrlichen Pocken ſehr unbedeutend iſt. Ich impfte im December 1307, ſo wie der Pok⸗ kenausbruch ſich durch einige kranke Schaafe mei⸗ ner Heerde erwieß, in wenigen Tagen hintereinan⸗ der 5c0 Laͤmmer und 5co mehr oder minder alt Mutterſchaafe nebſt den Merinosboͤcken. Niemand Man erkennt die Gegenwart der Raͤude bei einem Schaafe: wenn einzelne Zuͤpfchen Wolle aus als ich ſelbſt und mein ſehr vorſichtiger Schaafmei⸗ ſter durften impfen und wir befolgten möglichſt ge⸗ nau alle Vorſichtsregeln. Dennoch erhieiten wir im Verfolg der Krankheit einen ſo zahlreich beſetzten Kran enſtall, daß die beſchwerliche chirurgiſche Le⸗ handlung dieſer meiſtens lahmen und vom Brande an den Pockenſtellen bedrohten Patienten, erſtaun⸗ lich unangenehm wurde, und im Ganzen von den 10c0 geimpften Schaafen 30 krepirten, wogegen von der Hammelheerde, welche ich nicht mehr zu impfen wagte, und welche nach und nach die naturlichen Pocken, aber ſchwach, bekam, nur ein einziges Thier verloren wurde. Dieſer ungewohnlich glockliche Erfolg der natuͤrlichen Anſteckung kann jedoch in der durch das Impfen bereits verminderten Boͤsartigkeit des Pockengifts liegen Die Heerde des Maͤrzvie⸗ hes, mehr abgeſondert als die uͤhrigen von einan⸗ der, bekam die Pocken gar nicht Manche der kranken Thiere mußten zur Verhuͤ⸗ tung des Brandes an den dickgeſchwollenen bran⸗ digen Pockenſtellen, haͤufig den Impfſtellen ſelbſt, ſo viel und ſo ſtark geſchnitten werden, daß ich mich erinnere, wie ich einem Bock wenigſtens 2 Zoll tief ins Fleiſch hinein, an der inwendigen Seite des Vor⸗ derarms, habe ſchneiden muͤſſen, ehe ich geſundes Fleiſch und geſundes Plut erhielt Dieſer Bock ward jedoch gerettet, und lebt noch in dieſem Augenblick, obgleich ihm das ganze Fleiſch an der innern Seite des Vorderſchenkels wegſiel und er ſehr lange lahm blieb. Bemerkenswerth iſt, daß der Ausbruch der Pocken erſt vom 15ten bis 27ten Tag nach der In⸗ otulation erfolgte, einer Zeit, wo nach Herrn Sick dem Pelz hervorragen und herausfallen. Bei ſtei⸗ gendem lebel fallt das ganze Vließ von dem Koͤr⸗ per herunter. Das Thier, weil es Juͤcken verſpuͤrt, reibt ſich gegen Mauern, Baͤumen, oder gegen die Raufen, krazt ſich mit den Fuͤßen und knauet ſich mit den Zohnen: iſt dies Zeichen allein vorheinden, ſo iſt es zweideutig, und kann auch durch das Juk⸗ ken der Grannen ans den Aehren, die ſich in die Wolle ſetzen, durch Laͤuſe, Tecken u. ſ. w. emſte, hen; aber bei der Raude bemerkt man außerdem, daß die Wolle ſchmutzig iſt, da, wo das Thier hin⸗ reichen kann. Auch giebt man das ſchnellere Ab⸗ trocknen des Vließes an gewiſſen Herrern, nemlich denen, wo durch die Raͤude eine erhoͤhete Wäarme bewirkt wird, als Merkmal an; dies iſt aber ſehr unſicher. Viel ſicherer iſt es, wenn man an dem Ort, wo das Thier ſich krazte, die Wolle auseinan⸗ ſchon die ganze Krankheit wieder mußi beendigt ſeyn; ſo daß meine Schaͤfer anfaͤnglich uͤberzeugt waren, die ganze Impfung habe nicht gehaftet. Ich wuͤrde dies nemliche glauben, und die nachher kommenden reichlichen Pocken auf Rechnung der natuͤrlichen An⸗ ſteckung ſchreiben, wenn die hernach vorzuͤglich mit Pocken beſetzten und zum Theil boͤsartig werdenden Impfſtellen nicht das Gegentheil bewieſen hätten. Ich will keineswegs durch die Anfuͤhrung meiner boͤſen Erfahrung ganz vom Impfen abrathen, ſon⸗ dern nur die groͤßtmoͤgliche Sorgfalt bei der Aus⸗ fuͤhrung, ſo wie Ueberlegung bei dem Entſchluß da⸗ zu, empfehlen. W. — 144— — der theilt, und man da die Haut dicker, auch dar⸗ in wohl ſchon kleine Verhaͤrtungen, die unter dem Druck der Finger widerſtehen, oder ſchon Schelfern, Kruſten oder kleine Puſteln findet, welche lich roth und entzuͤndet ſind. Die Raͤude greift alle Theile des Korpers an; ſie faͤngt auf dem Kreuz an, breitet ſich dann uͤber die Seiten und den Hals hin: an dem untern Theil der Lende jedoch, auf den Schultern und im Eu⸗ ter findet man ſie nicht. Lange Zeit behalten die angeſteckten Dhiere Freß⸗ luſt, ſo wie ihre uͤbrigen Gewohnheiten. Sie wie⸗ derkaͤuen, ja es giebt welche, die ſogar fett werden, wenn ſie gute Nahrung bekommen: nur wenn die Krankheit den ſtaͤrkſten Grad erreicht, horen ſie auf zu freſſen, fallen ab und bekommen die Lueſ (marasme.) Wenn die Rände den Hals bedeckt, ſo wird es dem Thier ſauer, ihn zu bewegen, wegen der Art von Stoͤrrigkeit, welche die Haut dadurch annimmt, und dann geht das Thier immer gerade vor ſich hin. Nur ein ſehr nachlaͤßiger oder ungeſchjtif Wirt läßt das Uebel ſo weit kommen. Einige Naturforſcher haben die Raͤude als die Wirkung eines Inſects, einer Att von Muͤcke(aca- rus scabini) betrachtet. Sie gleicht der Kaͤſemilbe, nur iſt ſie ein wenig kleiner. Man *) Es iſt herben im lezten Jahr eine kleine Abhand⸗ lung von dem Wuͤrtemberger Thierarzte, Herrn Walz erſchienen. W.⸗ Man hat geglaubt, es gaͤbe zweierlei Arten von Raͤude, trockne und naſſe, und ſie waͤre darin verſchieden, daß man bei lezterer, wenn man die Borke abreißt, ein gelbliches, bisweilen ziemlich zà bes Waſſer, darunter faͤnde; und daß oͤfters auf dem Koͤrper des Thiers hin und her kleine, mit ei⸗ ner ſcharfen Feuchtigkeit angefuͤllte, Puſteln zerſtreut waͤren: allein dieſe Unterſcheidung ſcheint mir un— nuͤtz und macht die Kenntniß des wahren Kennzei⸗ chens der Raͤude nur verwirrt, des Ausbruchs näm⸗ lich. Jene Unterſchiede beſtehen blos in der meh⸗ reren oder minderen Intenſitaͤt der Krankheit, nach der verſchiedenen Conſtitution des Thiers und der Epoche ihres Beginnens; uͤbrigens findet man wirk⸗ lich dieſe Abweichungen. Im Allgemeinen ſollteman die ſogenannte feuchte Raͤude, einsemugbeht te Raͤude nennen. Bisweilen ſieht man auch auf der Haut— Schaafe einen Ausſchlag hervorbrechen, welcher kein Juͤcken verurſacht; die Wolle, die darauf ſitzt, iſt roſifarben und verfilzt: es iſt dies eine Art von(Plica) Weichſelzopf, den man noch nicht genau ie tet hat. Die Merinos ſind der Raͤude mehr als andre Racen unterworfen, weil ihre Wolle dichter gewach⸗ ſen iſt. Zu allen hauptſaͤchlich im Herbſt, findet ſich die Raͤude. Die Waͤrme der Schaafſtaͤlle entwickelt ſie. Jedes Alter iſt ihr un⸗ terworfen. Ein Lamm, von einer raͤudigen Mutter K geworfen, bringt das Uebel nicht mit zur Welt, er⸗ pölt es kaum vom Saugen. Die nachläͤßigen Schaͤ⸗ fer ſchieben das Entſtehen des Uebels auf viele zu⸗ fälige Urſachen, um ſich zu entſchuldigen; ſie be⸗ ſchuldigen mit Unrecht die Schweine und Gänſe, weiche in die Ställe kommen, den Huͤnermiſt, Pfer⸗ Die Räaͤnde entſteht von ſelbſt, oder auch durch Mittheilung von außen her. Im erſten Fall ſcheint es, muß man ſie dem Staub, dem Mangel an Stteu, den Ungemaͤchlichkeiten der Witterung, der ſchlechten Nahrung, zuſchreiben. Alle Heerden, wel⸗ che weit reiſen, welche auf ſchmutzigen Lagerſtellen ruhen, welche in den Horten, Sturm, Regen und Schlacken aushalten muͤſſen, oder auf zu feuchtem Boden liegen, und welche ſchlecht gefuͤttert werden, ſind ſehr haͤufig dem Uebel ausgeſetzt. Von einem einzigen Thier kann dann die Heerde ganz und gar angeſteckt werden; doch giebt es einzelne Thiere, wel⸗ che mehrmals durch eine Epoche der Epizootie ge⸗ bracht werden, ohne befallen zu werden⸗ Die An⸗ ſteckung pflanzt das Uebel ſtäͤrker und ſchnell fort). als Herrn Gericke, die Raͤude der Schaafe ſo ganz⸗ lich unbekannt, oder vielmehr falſch bekannt ſeyn tann, daß er in ſeinem Lehrbuch gradehin erklaͤrt: ſie ſey nicht anſteckend⸗ Wie viel Unheil kann die, durch eine ſolche in einem Lehrbuch eines geachte⸗ ten Landwirths geaͤußerte Meinung bei jungen Land⸗ wirthen erzeugte Sorgloſigkeit veranlaßen! * *) Es iſt auffallend, wie einem ſo erfahrnen Landwirth, ———— ———— Ohne einen guten Schaͤfer giebt es gar kein ſicheres Vorbeugungs⸗Mittel. Taugtder Menſch, ſo taugt auch der Boden. ſagen wir im Spruͤch⸗ worte(tant vaut l'homme, tant vaut la terre); man kann auch fuͤglich ſagen»Taugt der Schaͤ⸗ fer, ſo taugt die Heerde auch!, Vor allem ſchaffe man ſich daher einen ſorgſamen und hoͤchſt aufmerkſamen Schaͤfer an. Hat man das Gluͤck, einen ſolchen zu finden, ſo wird man nicht leicht. Raͤude haben. Vorkehrungen gegen dieſe Krankheit ſind haupt⸗ ſächlich nützlich; ſie beſtehen darin, daß man die Schaafe ſo viel moͤglich den Einwirkungen der rau⸗ hen Witterung entzieht, ſie gut fuͤttert, ſie bei der Hitze ſaufen läßt, ſie nicht uͤbertreibt, und ſie in den Stallen reinlich halt. Sehr gut iſt es, wenn eine Heerde von der Reiſe ankoͤmmt, beigutem Wet⸗ ter jedes Thier tuͤchtig zu waſchen: ich habe nie ermangelt, dies zu thun, wenn ich Vieh aus Spa⸗ nien bekam, und es hat jedesmal die erwuͤnſchte Wir⸗ kung gehabt. Sogar die tragenden Schaafe wur⸗ den in's Waſſer getaucht, ohne daß nur eins davon verlammt haͤtte. Wegen der Anſteckung vermeide man die Mit⸗ theilung mit andern Heerden. Aeußerte ſich bey allem dem die Raͤude, ſo muß man ſogleich die an⸗ geſteckten Thiere abſondern, und, den Umſtänden ge⸗ maͤß, eines der unten angegebenen Mittel anwenden. Von der großen Anzahl derer, die man vorge⸗ ſchlagen hat, werde ich nur diejenigen, deren Wirk⸗ ſamkeit mir bekannt geworden iſt, auswahlen. 6. Im Allgemeinen bemerke man, daß die Mittel verſchieden ſeyn muͤſſen, je nachdem die Roͤude friſch oder veraltet, je nachdem ſie heftig oder unbedeu⸗ tend iſt. Unter gewiſſen Umſtaͤnden iſt ihr leicht abzuhelfen, dagegen muß man bisweilen eine lang⸗ wierige Behandlung vornehmen und heftige Mittel waͤhlen. 3 ) Beſteht die Raͤude nur in einigen Koͤrnchen von Ausſchlag, ſo darf man dieſe nur durch Kratzen wegnehmen und auf die Stellen ein wenig Speichel einreiben, den man mit etwas Seeſalz impragnirt, welches man im Munde ſchmelzen läßt. Dies wiederholt man 2 oder 3 Mal, wenn es noth thut. 2) Das Oel des Juniperus oxyoedros*) und Der⸗ pyentin⸗Eſſenz, Itel von erſterm, und 2tel von letzterem. n* n. 7* 3) Empyreumatiſches Hel. 4) Ein Gemenge, im Sommer von Talg, im Win⸗ ter von Fett, mit Terpentineſſenz; Ztel Talg und xtel der Eſſenz. 5 5) Schwefelblumen, Kochſalz, Pulver, zu gleichen *) Juniperus Oxycedros(le Cadier und huile de Cade) iſt ein Wachholder, welcher in den mittaͤglichen Pro⸗ vinzen waͤchſt, und deſſen Fruͤchte etwas groͤßer als die des gemeinen Wachholders ſind. Theilen, uufgeloͤſt in Natterndl(2) Chuile d'aspic.) 6) Aſchenlauge, womit man nach der Schur die Dhiere ſtark reibt und waͤſcht. 7) Eine Abkochung von der Nieswurz(helle- porus) der ſchwarzen oder der weißen, ober auch von Dabacksbläͤttern, 1 Pfund in 4 Quart Waſſer, bis auf 3 Quart eingekocht. Man kann darin 2 Pfund Weinhefenaſche(cendres gravelées) oder 2 Unzen blauen Vitriol auf⸗ loſen, und Weineſſig ſtart Waſſer nehmen 8) Wenn man jedes Raͤudeſchorfchen aufgekrazt hat, ſo gießt man auf daſſelbe TDerpentineſſenz, wenn man genothigt iſt, bis zur Schur noch etwas zu warten. Nach der Schur bedient man ſich ſogleich eines Mittels, beſtehend aus 10 Pfund Tabacksblaͤttern oder Nieswurz, in hinreichendem Waſſer gekocht und mit 2 Quart (Pinten) Derpentineſſenz gemengt, welche in Eigelb zerlaßen iſt(dies iſt die Gabe fur 100 Schaafe). Man ſchuͤttet dies Gemenge in ein Kuͤfen, taucht ein Schaaf nach dem an⸗ dern hinein, und reibt ſie mit einer ſcharfen Buͤrſte; den 2ten Tag darauf, und dannz Tage hintereinander, waͤſcht man ſie in fließendem Waſſer. Dann werden ſie von neuem ins Kuͤ⸗ fen getaucht, und wiederum eben ſo abgewa⸗ ſchen. Waͤhrend der Zeit muß man die Thiere ſehr gut fuͤttern. 9) Arſenik 3 Pfund, gruͤnen Vitriol(couperose verte) 20 Pfund für 100 Schaafe. Dieſe Mittel werden in einen Keſſel gethan und un⸗ gefuͤhr 100 Pinten Waſſer darauf gegoſſen, welches man bis auf einkochen laßt, dann aber eben ſo viel, als verdunſtet iſt, wieder zu⸗ fuͤllt, es einmal ulohen ßt und es in's Ků⸗ fen gießt. Um dies Mittel anzuwenden, ſelt man einen Theil der eben geſchornen Heerde in Horten auf die bloße Erde; drei Maͤnner ergreifen zugleich die Thiere eins nach dem andern, einer haͤlt ihnen die Hinterbeine, der zweite die Vorderbeine, der dritte ſorgt, daß die Fluͤſſigkeit nicht in die Ohren gehe; ſo taucht man ſie zweimal in's Kuͤfen, und reibt ſie mit tuͤchtigen Buͤrſten uͤber den ganzen Leib. Man hat dies Mittel ſelbſt bei Schaafen, die eben wer⸗ fen wollten, bei ſolchen, die den Tag vorher gewor⸗ fen hatten und bei neugebohrnen Laͤmmern, verſucht, ohne daß es ihnen im mindeſten geſchadet haͤtte*). Wegen des Arſeniks, der die Baſis dieſes Mit⸗ tels ausmacht, kann ich die hoͤchſte Vorſicht nicht genug empfehlen. Der Herr muß zugegen ſeyn, auf alles Acht haben, denn die kleinſte Nachlaßig⸗ keit wuͤrde traurige Folgen haben. Die Menſchen muͤſſen lange Handſchuhe tragen: nach der Operation muͤſſen Kuͤfen, Handſchuhe und Geraͤth verbrannt *) Aber iſt nicht zu vß die Thiere ſich— werden? W. werden; man muß die Thiere 24 Stunden auf einem Flecke ſtehen haben, wo nicht ein Strohhaͤlmchen liegt und die Oberſlͤche dieſes Fleckes untergraben laſſen. No. 1. 2. ſind hinreichend, wenn die Raͤude unbedeutend iſts breitet ſie ſich mehr aus, ſo wähle man unter No. 3, 4 und§. Will ſie einwurzeln, ſo wird man gut thun, No. 6 oder7, oder b zu wahlen; endlich iſt es faſt unvermeidlich, No. 9. oder etwas aͤhnliches, zu wählen, wenn ſie allgemein und veraltet iſt. Ich kenne bis jetzt kein ſichereres Mittel. Sollte jemand eins wiſſen, welches eben ſo wirkſam und nicht ſo gefaͤhrlich waͤre, ſo ſolle er es uns doch ja bekannt machen. Wenn die Raͤnde durch Inſekten hervorge⸗ bracht wird, ſo iſt es nicht auffallend, daß fette Koͤr⸗ per, Reitzmittel und beſonders Arſenik ſie zerſtdren. Schutzt man doch die Haͤute ausgeſtopfter Thiere durch eine arſenikaliſche Seife gegen die Zerſtorung der Inſekten. Bei jedem Mittel iſt es hauptſaͤchlich wichtig, alle räudige Stellen des Korpers recht tuͤchtig zu reiben. In den nordlichen Departements von Frankreich fuͤrchtet man die Raͤude mehr, als in den ſudlichen⸗ beſonders in der Naͤhe von Paris. Ich habe nicht recht erforſchen koͤnnen, ob die Krankheit dort an⸗ ſteckender und hartnaͤckiger als in andern Provinzen ſeyn ſollte. Bei den Klagen, die ich daruͤber gehort, bemerkte ich doch, daß perſoͤnliches Intereſſe zum Grunde lag, und daß man, um einem Eigenthu⸗ mer zu ſchaden, ausbreitete, ſeine Heerde ſey raͤu⸗ dig. Vielleicht fuͤrchtet man ſie auch ſo ſehr, weit man nicht weiß, was zu ihrer Heilung nothwendig iſt. Ehe man eine Heerde, welche von der Raͤude geheilt worden, in den Schaafſtall zuruͤckbringt, muß dieſer nach der unten angegebenen Art erſt gereinigt werden, ſonſt ſind Zeit und Muͤhe verloren geweſen. Obgleich ich meine, daß faſt immer die aͤußern Mittel hinreichen, eine, ſelbſt eingewurzelte Raͤude zu heilen, ſo mißbillige ich doch nicht, daß man in manchen Foͤllen eine innerliche Kur mit der äußern Behandlung verbindet. Das paſſendſte und einfachſte dazu ſcheint eine Miſchung von Schwefelblumen und Hafer, Kleie und Seeſalz, oder Salpeter zu ſeyn, wolches man in den Freßkrippen oder Troͤgen zu⸗ ſammenmengt. Der Hafer, das Salz und die Kleie machen, daß die Thiere die Schwefelblumen verzeh⸗ ren. Die Gabe fuͤr 2 Schaafe wuͤrde 1 Unze Schwefelblumen, und 2 Unzen Salz oder Salveter ſeyn. Einige Landwirthe rathen eine Miſchung von 4 Schwefel, 4 Salz und 4 Wurzeln der enula campana zu nehmen, ja man geht ſo weit, 2 Gran atzenden Sublimat in 10 Tagen gegeben, und 1 Gran in den naͤchſtfolgenden 10 Tagen in 2 Quart Waſſer aufgeloͤſt; vorzuſchlagen. Wenn dieſe letztern Mittel auch gut ſeyn moͤgen, ſo ziehe ich das erſte doch vor*). *) Innere Mittel find bei eingewurzelten Raͤuden doch — Von den Flechten(dartres) Die Schaafe haben bisweilen Flechten, welche man an kleinen Schoͤrfchen erkennt, welche Geſchwuͤre bilden und Kruſten, aus denen eine uͤbelriechende Feuchtigkeit ausſchwitzt. Das Thier ſcheint dabei ſehr zu leiden und angegriffen zu werden. Eine Art Flechte hat man, welche keine g keit enthaͤlt, ſondern trocken und gleichſam mehligt iſt. wohl noͤthiger, als HerrTeſſier meint. Auch Rohl⸗ wes ſchlaͤgt zum innern Gebrauch Schwefelblumen, jedoch mit eben ſo viel Alandwurzel und vierfacher Menge Honig gemiſcht, und taͤglich dem Schaaf zu 1 bis 2 Loth gegeben, vor, und empfiehlt nach 8— etägigem Gebrauch gegen die dann hervorgetriebene Raͤude ſelbſt, eine Salbe von Rindstalg oder Schwei⸗ nefett mit der Haͤlfte Terpentinöl beigemengt, wel⸗ ches nach tuͤchtigem Aufkratzen auf die raͤudigen Stel⸗ len eingerieben wird. Bei der Pferderaͤude, die ich haͤufig zu brobachten Gelegenheit hatte, habe ich von allen Mitteln, kein wirkſameres gefunden, als: Canthariden mit Fett oder Leinöl zu einer Salbe geruͤhrt, von der auf je⸗ des erſcheinende Fleckchen etwas aufgeſtrichen wurde. Es wirkt als eine gelinde ſpaniſche Fliege, und zieht die Schaͤrfe der umliegenden Hautgegend noch mit heran, indem es durch das Suppuriren alles Boͤsar⸗ tige wegſchafft. Ich ſollte meinen, daß dies Mittel auch bei der Schaafraͤude durch die ſchnelle energi⸗ ſche Erſtickung des Uebels im Anfange, von vorzuͤg⸗ licher Anwendbarkeit ſeyn muͤßte; wenigſtens ware ₰ es des Verſuchs werth. W. 1— Ich glaube nicht, daß dieſe Flechten eigentlich anſteckend ſind. Ich habe in einer Heerde einige wenige Thiere geſehen, welche Flechten uͤber den Huf und an den Beinen hatten; der uͤbrige Theil der Heerde war rein davon, obgleich die mit Flechten behafteten Thiere lange Zeit mitten unter den uͤbri⸗ gen geblieben waren. Nachdem man verſchiedene Mittel fruchtlos an⸗ gewandt hatte, ſo hielt man fur's beſte, dieſe Thiere, welche einen unangenehmen Anblick gaben, und von denen man keine Race ziehen wollte, aus Furcht, daß das Uebel erben moͤchte, zu toͤdten, und viel⸗ leicht war dies auch das Beſte. Man raͤth indeſſen, die mit Flechten behafteten Thiere beſonders zu ſtellen, und ſie taglich dreimal mit einer ſtarken Abkochung von Suͤßholzwurzel(re- glise) zu waſchen, in welcher 1 Quentchen atzen⸗ den Sublimat auf 14 Pfund der Abkochung auf⸗ gelbſet worden. Bleibt dieſe Behandlung nach 3 oder 4 Wochen noch ohne Erfolg, ſo ſoll man die Flech⸗ ten zweimal täglich mit einer Miſchung von 2 Thei⸗ len Nitrum und von 2 Unzen Honig reiben, oder mit einer Abkochung von 2 Unzen Tabak auf 2 ½ Pfund Weineſſig waſchen, worin 2 Unzen gruͤnen Vitriol aufgeldſet worden. Zugſeich laſſe man dem ) Flechten bei Menſchen ſollen doch anſteckend ſeyn? aber freilich nur durch unmittelbares Beruhren. 4 W. Thier zur Ader, und ſetze es auf die Stroh⸗ und Waoſſerdiät, um ſowohl dieſem als einem beliebigen andern Mittel dadurch zu Huͤlfe zu kommen*). Von dem ſchwarzen Maul.(Noir museau, Vivrogne.) Dieſe Krankheit hat mit der Raͤude und den Flechten Aehnlichkeit, und findet ſich gewöhnlich am Maul, von dem ſie ſich bisweilen nach den Seiten des Kopfs hin bis zu den Ohren ausbreitet; man erkennt ſie an den braunen, mehr oder weniger brei⸗ ten, Kruſten. Es ſcheint, als entſtaͤnde ſie durch Wunden, welche das Thier ſich an dieſen Theilen beim Wei⸗ den zwiſchen Dornen, Steinen und andern rauhen Gegenſtaͤnden verurſacht; auch tragen dann die Un⸗ reinlichkeit in den Staͤllen, die Hitze, die Flohe und die Raͤude das ihrige dazu bei. Die Lämmer be⸗ kommen ſie, wenn das Euter der Mutterſchaafe voll Schmutz iſt. *) Gerike giebt als ein unfehlbares Mittel gegen die ſogenannte Teig⸗Maale der Kälber, welches genau unſere hier beſchriebenen Flechten ſind, eine Auflo⸗ ſung von 1 Loth Schießpulver in 2 Loth heißem Thran, an, womit man die Flechtenſtelle beſtreicht, nachdem der weiße Schorf abgenommen und die Stelle einigermaßen wund gereizt iſt. Selten ſoll man es oͤfter als einmal thun duͤrfen. V. Man reibe die Kruſten, und bringe ein wenig Salbe aus einem Theil Schwefelblume und zwei Thei⸗ len Fett zuſammengeſetzt, darauf; man thue dies bei trocknem Wetter, und ſorge, daß nichts davon in die Augen falle. Trennen muß man vie Tliere 86 von den andern*). Von bem Krebs, einer Lrt von Muguet der Rinde Man verliert haufig Laͤmmer an einer Krant⸗ heit, welcher derjenigen Art von Krebs bei den Kin⸗ dern aͤhnlich iſt, welchen die Aerzte bei uns Mugust genannt haben, wegen des Ausſchlags, den ſie ver⸗ anlaßt und der die rundliche Form des Wn chens hat*). Die davon befallenen Lammer haben den zen inwendigen Theil des Mauls und der Lippen mit kleinem Ausſchlag bedeckt, der ſie ſehr qualt, und ſi⸗ am Säaͤugen hindert. Dauert das Uebel einige Zeit, ſo ſterben ſie vor Hunger. Man kann nicht annehmen, daß das Uebel ſehr anſteckend ſey, denn die Muͤtter der uoewen Làm⸗ *) Auch das iſt offenbar eine Art von Flechte⸗ ſo wie ſich auch zwiſchen dem hier vorgeſchlagenen Mittel und dem eben vorher angezeigten des Hrn. Serike eine Ueberſtimmung findet. W. **) Im Teutſchen nennen wir dies die Schwamme. W⸗ mer bekommen es nicht. Vielleicht ſteckt es die Lammer unter einander an, wozu die Gleichheit des Alters und die Schwächlichkeit Anlaß geben koͤnnte. Wenn dem ſo waͤre, ſo gäbe es relative und abſo⸗ lute Anſteckungen. Ich werfe dieſe Idee nur nz vielleicht beobachtet ein andrer genauer. Will man dieſe Kleinen ſehr gerne erhalten, ſo muß man die Muͤtter derſelben mehrmahls des Tages nehmen, und ihre Milch dem Lamme in's Maul ausdruͤcken. Mäͤchſtdem miſcht man Pfeffer, Salz und Weineſſigs und benezt, mit einem Pin⸗ ſel aus Leinwand, damit ſtark und wiederholt die Lip⸗ pen und das Maul des Lammes. Dies Mittel fuͤhrt gemeiniglich zur Heilung, Von Hinken und den Krankheiten an den Füßen. Die Schaafe hinken aus mehrern ſſn oft Heranlaßt dies ſchon die Fatigue einer großen Reiſe, doch haͤlt es dann gewoͤhnlich nur ein paar Tage an. Oft ſtoßen ſich die Schaafe Splittern, Stoppeln, Naͤgel und dergleichen in den Fuß; oft verwunden ſie ſich die Sohle durch Auftreten auf Glas oder harte Kieſel, oft auch ſetzen ſich zwiſchen die Klauen, in den Spalt des Hufs, Steinchen oder Erdkluͤmpe hinein, oder der Huf wächſt uͤber⸗ maͤßig und legt ſich vorne um. Wenn man nut gleich aufmerkſam iſt, ſo iſt das Hinken, aus ſolchen Zufaͤllen, leicht zu heben. Wenn man den fremdartigen Koͤrper gefunden und weggenommen hat, ſo reibe man den leidenden Ort mit einfachen Goulardſchen Waſſer oder mit Terpen⸗ tineſſenz aus. Hindert das zu lang— Leei ſo ſchneidet man es kuͤrzer. pi36 Seit einiger Zeit hat man genh arten des Hinkens einer eigenthuͤmlichen Krankheit zugeſchrie⸗ ben, der man den Namen: Hornfaule, Hufſchwa⸗ ren,(pourriture des pieds, panaris du pied) Pesogne*) u. ſ. w. gegeben hat. Ich habe Ge⸗ legenheit gehabt, ſie in der Gegend von Paris zu beobachten, wo ſie nicht unbekannt iſt. Herr Hu⸗ zard hat ſie in Piemont und in England gefunden. Herr Chabert ſagt, ſie ſey enzootiſch an den Ufern der Gironde, in dem Nieder⸗Medoc, in den Py⸗ renaen u. ſ. w. Dieſe beiden unterrichteten Wörner nennen ſ e: fourchet,(Geſchwuͤr zwiſchen 2 Fingern in der Chirurgie), Herr Carl Pictet, Redacteur der Bi⸗ bliotheque Britanique hat ſie beſchrieben, nach⸗ dem er ſie bey ſeiner Heerde in der Nähe von Genf beobachtet hat. Er ſagt daruͤber ohngefehr folgen⸗ des:„Im Anfange ſieht man nur einige Roͤthe in dem Spalte, zwiſchen den Klauen, oder hochſtens ein gelindes feuchtes Ausſchwitzen rund um den Huf *) In dem ehemaligen Vivarais heißt ſie ſo. Bei uns Klauenſeuche. W. herum; der lahme Fuß hat Hitze; einige Zeit nach⸗ her fuͤngt die Stelle, wo beide Klauen ſich vereini⸗“ gen, an zu ſchwaͤren, bald inwendig zwiſchen dem Huf, bald auswendig an demſelben, und es fließt weißer ſtinkender Eiter aus. In dieſem Zeitpunkt leiden die Thiere mehr, ſie fiebern*), ſie hinken nicht nur ſtarker, ſondern koͤnnen ſogar gar ſich nicht mehr aufrecht erhalten, ſie fallen nieder und freſſen mei⸗ ſtens auf den Knien ruhend. Wenn das Uebel weiter fortſchreitet, ſo bilden ſich unter dem Huf Anſammlungen von Eiter, welche da aufbrechen, wo er an der Haut feſtſitzt. Bisweilen ſchwaͤrt der Huf ganz ab, der Fuß iſt dann nichts als ein Geſchwuͤr, welches die Ferſe, und den fleiſchigen Thetl der Klauen umgiebt; die Sehnen und Muskeln werden brandig, und die Knochen ſelbſt werden angefreſſen; das Fieber wird dann ſtaͤrker. Bisweilen wiederum iſt der Sitz des Eiters unter der Sohle, die er wegfrißt, und Herr Pictet verſichert, Wuͤrmer darin geſehen zu haben.“ Ein Sachverſtaͤndiger in Piemont hat, nach Herrn Pictet, drei Arten der Klanenſeuche bei den Schaafen unterſchieden. Die erſte hat ihren Sitz unter der Oberhaut zwiſchen den beiden Klauen; die zweite unter den Klauen am Huf; die dritte *) Man kann nicht leicht ſicher ſeyn, daß ein Schaaf Fieber hat, denn es iſt ſo furchtſam, daß der Puls ſchneller ſchlaͤgt, wenn man es ſelbſt im Lanz 5ſin den Zuſtande angreift. T. — 160— greift die Knochen und Gelenke des Fußes an. Meiner Meinung nach, iſt dieſer Unterſchied nicht wohl gegruͤndet, und es werden dies wohl nur drei verſchiedene Stufenfolgen der nm Krankheit ſeyn. Woher entſteht nun dies Uebel? iſt es gemiſ⸗ ſen Individuen eigen, oder iſt es epizootiſch? iſt es anſteckend? Dieſe Fragen ſind wichtig bei deſſen Be⸗ handlungs⸗ und Heilart. Ee.es ſcheint mir noch nicht dargethan zu daß der Klauenſeuche andre Urſachen zum Grunde liegen, als die, welche ich angefuͤhrt habe. Herr Chabert bemerkt ſehr richtig, daß der Fuß des Schaafes durch ſeinen eigenthuͤmlichen Bau, mehr wie der eines andern Thiers, den Klauengeſchwuͤren ausgeſetzt iſt, einer Folge der Verlaͤngerung der Druſe, oder von dem Stocken der Feuchtigkeit, welche in der Hoͤhlung der Klauenſpalte ſich befindet, wel⸗ ches nach ſeiner verſchiedenen Heftigkeit ein mehr oder weniger zuſammengeſetztes Uebel hervorbringt. Die Klauenſeuche iſt nicht immer epizootiſch, und ergreift mehrentheils nur wenige Thiere. Hr. Pie⸗ tet haͤlt ſie fuͤr beſtimmt anſteckend; er fuͤhrt zwei Thatſachen dafuͤr an. In ſeiner Heerde hat die Krankheit bei wenigen Thieren angefangen; und in 6 Wochen haben die meiſten ſie ſchon gehabt; man⸗ che hinkten an einem Fuß, manche an— ja wohl an allen Vieren. Ferner, nachdem er geſunde Schaafe unter ei⸗ nen Schuppen hatte bringen laſſen, worin Boͤcke ge⸗ —— geſtanden, welche von dem, Uebel befallen geweſen, und man die Streu derſelben nicht herausgrnom⸗ men hatte, ſo bekamen in Zeit von 14 Tagen alle dieſe Schaafe die Krankheit. Wenn ich gleich hieraus noch nicht beſ die Anſteckungsfäͤhigkeit der Klauenſeuche berleiten moͤchte, ſo iſt doch der Sißte wegen ſehr zu rathen, daß man ſie lieber als formlich anſteckend betrachte, und dem gemäß die ſtrengſten Vorkeh⸗ tuhoin nehme. Ich kann nicht begreifen, warum man unter den Urſachen zur Klauenſeuche, den Aufenthalt in Staͤllen angegeben hat, worin Schweine geweſen wä⸗ ten; ich habe Thiere krank daran geſehen, die nicht die allermindeſte Gemeinſchaft mit Schweinen ge⸗ habt hatten. Die Behandlung iſt nach dem mindern oder ſtuͤrkern Grad der Krankheit verſchieden. Zuerſt, wenn ein fremdartiger Koͤrper im Huf ſteckt, ſo zieht man ihn heraus, dies iſt das nothwendigſte. Sollte die Druſe des Klauenſpalts verſchleimt ſeyn, ſo ſchnei⸗ det man ſie heraus, und reibt die Wunde mit Char⸗ pie aus, welche mit Goulardſchen Waſſer*) impräg⸗ nirt worden. Bei dem bloßen Ausſchwitzen kann man noch das nemliche Mittel anwenden, und nur⸗ *) Waſſer, Extractum saturni und Brandtwein in dem Verhaͤltniß von einem Schoppen Waſſer, einem Loͤf⸗ fel voll Hxtracti Saturni und eben ſo viel Brandt⸗ wein. T⸗ L — 162— jedes Mal vor dem Auflegen des Gotlardſchen Waſ⸗ ſers, mit einem Schwamme den Fleck leicht abwi⸗ ſchen. Hat der Fuß aber Hitze, hat das Thier ſchmerzliches Gefuͤhl an einer Stelle, ſo muß man einen Abſceß vermuthen, der ſich entweder unter dem Ballen oder unter dem Huf bilden witd. In bei⸗ den Faͤllen muß man den Augenblick rhenetmen, wo man glaubt, daß er reifen Eiter enthal ten wird, um ihn zu oͤffnen und ganz auszuleeren; dieſe Aus⸗ leerung jedoch eher beſchleunigen, als zu ſehr verzd⸗ gern. Mit einem guten Biſtouri oder einem ſchar⸗ fen Federmeſſer föaltet man den Ballen auf, oder ſchneidet nach und nach kleine Blättchen von dem Huf herunter, indem man von der Spitze der Klaue anfängt und nach dem Hacken hin ſchneidet, bis der Abſceß offen wird; dann reinigt man dieſen durch Abwaſchen mit Wein recht tuchtig, und ſtreuet ge⸗ puͤwerten blauen Vitriol daruͤber hin. Sollte das Uebel durch Vernachläßigung, oder weil man nicht alle Eiterhoͤhlen aufgefunden haͤtte, oder ſonſt aus irgend einem Grunde, ſich weiter ausgebreitet und in dem Fuße Zerruͤttungen bewuͤrkt haben, ſo muß man von neuem einſchneiden, und alles Brandige fortnehmen, ja den angegangenen Theil der Knochen ſogar rein ſchaben und brennen: der uͤbrige Verband wird dann mit einer Miſchung von Eigelb und Terpentin zu gleichen Theilen, wozu ein wenig reiner Brandtwein oder Brandtwein mit Kampfer gethan wird, gemacht. Es iſt keine Gefahr dabei, wenn man einen Theil des Hufs, oder den ganzen — 163— Huf ſogar wegnehmen muß, wenn es Noth thut, indem dieſe Theile leicht und ſchnell erſetzt werden. Alle Tage muß der Verband abgenommen, die Wunde (mit rothem Wein) gereinigt und obige Miſchung darauf gelegt werden, doch in geringerer Menge, je mehr die Heilung des Fußes fortſchreitet. Der Fuß muß eingewickelt ſeyn, doch muͤſſen alle Baͤnder nicht ſehr feſt angezogen werden. So lange noch Eiter ausſchwitzt, iſt die Heilung nicht vollſtaͤndig; und es zeigt dies gewoͤhnlich Knochenftaß an. Um das dann durchaus noͤthige Ausſplittern der Knochen zu bewirken, muß man Aloe⸗Tinctur in die Wunde einſpruͤtzen. Die erſte Zeit nach der Heilung muß das Thier vor dornigten, ſteinigten Weiden gehuͤtet, und nicht ſtark getrieben werden. Waͤhrend der Behandlung muͤſſen die kranken Thiere mit Grummet und mit Mengefutter von Hafer oder andern Koͤrnern und fetter Kleie gefuͤt⸗ tert werden. Beim Ausmiſten muß jedes Mal das Heraus⸗ gebrachte aus dem Krankenſtall tief unter den Miſt⸗ haufen gebracht werden, wegen der zu beſorgenden Anſteckung. Neben der groͤßten Reinlichkeit kann man noch uͤberdies Daͤmpfe von Salpeterſaͤure verbreiten, um die anſteckende Luft zu reinigen. Herr Chabert ſtellt auch die ſogenannte Kroͤ⸗ te, das Verballen(Crapeau) unter den Fuß⸗ krankheiten bei den Schaafen, denn ſie ſind ihr ſo gut wie die Pferde unterworfen. Die Krankheit L 2 hat ſich ſeit einigen Jahren häufiger gefunden, iſt aber gefahrlich, und leicht zu heilen. Es iſt dies ein Geſchwär, welches ſi an den ſiört. wrden durch eine uͤbetriechende, ſcwirich⸗ uns ththliche Feuchtigkeit. Die Sohle wird ſchwam⸗ mig, die Knochen des Fußes angefreſſen. Hr. Cha⸗ bert meint, daß der bei ſandigen Huͤrungen ſich zwiſchen den Blaͤttchen des Horns einſetzende Sand bei därrer Witterung dieſes Uebel erzeuge. Die Behandlung iſt die nämſiche der Klauenſeuche, mit der ſie leicht vetmiſcht werden kann J. Von der Spinne, oder der eittanthelt (araignee, maladie du pis.) 1 Es giebt Schaafe, welche beim Stugen und *) Auch bei uns chut vie Klauenſeuche häufig Scb und wird fuͤr anſteckend gehalten. Ich vermuthe, daß harte Triften in ſtarkem Boden bei duͤrrer Wit⸗ terung als Hauptveranlaſſung angeſehen werden muͤſ⸗ ſen Unſte Schaͤfer heilen ſie langſam, aber doch gewoͤhnlich ſicher, durch Aufſtreichen von Theer und reinlichen Verband Doch iſt ein ſchneller heilen⸗ des Mittel, wie die oben angefuͤhrten zu ſeyn ſchei⸗ neñ, ſehr erwuͤnſcht, da die Schaafe ſehr dabei her⸗ unterkommen. Rohlwes raͤth im Anfange Um⸗ ſchlaͤge von Eſſig und Lehm, um den Eiter bald zur Reife zu bringen und hernach, nach der Hefnung und dem Ausſchneiden der boͤſen Stelle, zum Heil⸗ verbande, ein Waſſer von Alaun und Vitriol, zu gleichen in Waſſer aufgeloſ. nach dem Abſetzen, Verſtopfungen im Euter haben. Oft hebt ſich dieſe Verſtopfung von ſelbſt; biswei⸗ len aber bildet ſich Eiter, ja es tritt der Brand zu und toͤdtet das Thier. Die Schaͤfer nennen dies die Spinne, vielleicht weil ſie ſich einbilden, daß es von dem Stich einer Spinne entſteht, vielleicht weil das Uebel von ſeinem Entſtehungspunkt aus, ſich uber alle Euterdruͤſen verbreitet. Zweierlei Urſachen veranlaßen wohldieſe Krankheit: Erſtens, die Unreinlichkeit in den Schaafſtaͤllen und die Haͤrte des Bodens in den Horten. Zweitens, die Sto⸗ ße, welche die Lämmer und zwar manche heftiger wie andre, beim Saugen, der Mutter beibringen*). Gegen die erſte Urſache kann man durch Ein⸗ ſtreuen und Ebnen der Hortenplaͤtze von den ſtar⸗ ten Schollen, gegen die zweite nicht leicht anders als durch Verwechſeln der Lämmer, wirken. Von Zeit zu Zeit muß man die Muͤtter unterſuchen, um bei Zeiten Gegenmittel anzuwenden⸗ Hat ſich ſchon Eiter gebildet, ſo oͤfnet man die Stelle, wo man ihn durchs Gefuͤhl wahrnimmtz laßt die Schaafe einige Tage auf friſchem Stroh *) Auch ohne daß die Lämmer ſaugen, beim Melken be⸗ kommen die Schaafe Milchknoten. Bisweilen fallen die ganzen oder auch die halben Euter weg und die Schaafe können zwar lammen, aber nicht mehr fau⸗ gen; dieſe Fälle ſind indeſſen ſelten und koͤnnen ohne Vernachlaͤßigung des Uebels nicht leicht eintreten⸗ — 6 liegen, und verbindet ſie mit Eigelb und Terpentin zu gleichen Theilen. Sobald man Brand bemerkt, muß man den angegangenen Theil ſcarificiren(Ein⸗ ſchnitte bis aufs geſunde Fleiſch machen) und ein Pflaſter von Styrar⸗Salbe darauf legen. Von dem laufenden Feuer(Charbon.) Mehrere Arten von Thieren ſind dem laufenden Feuer unterworfen; das Pferd, der Ochſe, das Schwein und das Schaaf. Die Krankheit iſt brandig und faſt immer ver⸗ derblich. Ihr Gang iſt ſehr raſch; die befallenen Thiere ſind oft ſchon todt, ehe man bemerkt, daß das Thier krank war. Man ſchreibt ſie ungeſun⸗ dem Getraͤnk, zu ſtarken Anſtrengungen u. ſ. w. zu. Es bilden ſich hierbei aͤußerlich Beulen, die ſich durch ihre Haͤrte und die Ausdehnung erkennen laſſen, die ſie in kurzer Zeit erreichen; bald, wenn keine ſchnelle Huͤlfe geleiſtet wird, werden ſie ſchwarz * Unſere Schaͤfer bedienen ſich eines einfachen Mittels, deſſen Wuͤrkung haͤufig ſehr gut iſt, ſie drucken nem⸗ lich gelinde, aber wiederhohlt, das Euter von beiden Seiten, mit 2 recht glatten, vom Waſſer abgerunde⸗ ten Kieſelſteinen. Rohlwes ſchlaͤgt bei den Milch⸗ knoten der Kuͤhe eine zertheilende Salbe von Al⸗ theeſalbe und Lorbeeröl, zu gleichen Theilen gemiſcht, vor, welche täglich eingerieben, und das Thier dabei haͤufig gemolken werden muß. n —— — 167— und verbreiten einen verderbten Geruch, worauf das Thier alsbald ſtirbt. Die Krankheit theilt ſich von eine Thier dem andern, und ſelbſt den Menſchen mit. Die ganze Haut, die Haare, das Blut, der Miſt, der Spei⸗ chel, die Geraͤthſchaften, alles verbreitet die Anſtek⸗ kung. Menſchen ſind geſtorben, blos weil ſie kranke Thiere dieſer Art zur Ader gelaſſen, eingegraben oder abgezogen haben. Es giebt faſt kein anderes Vorbauungsmittel, als Haarſeile, die man bei Zeiten den Thieren legt, fuͤr die man beſorgt zu ſeyn Urſache hat, 3. B. wenn ſie in der Naͤhe einer Epidemie der Art ſich befinden; doch kann man ſie auch mit Waſſer, wor⸗ in Seeſalz und Weineſſig gemiſcht(auf einen Ei⸗ mer 1 Handvoll Salz und ein Glas voll Eßig) tranken und ihr Futter damit anſprengen. Ihr gewoͤhnliches Trinkwaſſer kann auch mit fetter Weitzenkleie oder mit Gerſtenmehl, einer Priſe Salz und einem halben Glaſe Eßig auf den Eimer verbeſſert werden. Iſt die Krankheit ſchon ausge⸗ brochen, ſo muß man die Geſchwulſt entweder mit kauſtiſchen Mitteln beitzen, eder mit dem gluͤhenden Eiſen brennen(Cautériser) um den Brand aufzu⸗ halten; nachher verbindet man mit Eitererregender Salbe, um den Schorf wegzuheilen. Ein mehreres hieruͤber findet ſich in den In⸗ stitutions vEtérinaires, von Chabert und Hu⸗ zard N. *) Es ig klar, daß dieſe Krankheit, die bei uns mit dem Ra⸗ — 168— Von dem Faulwerden oder der allgemeinen Verderbtheit der Saͤfte. (Pourriture ou cachexie aqueuse.) Dieſe Krankheit fuͤhrt manchen Namen. Da ſie ſehr allgemein in mehreren Laͤndern iſt, und je⸗ der Landwirth ſeine eigene Sprache, ſeine Vorur⸗ tbeile und Gebrauche hat, ſo bezeichnet man ſie auf tauſend verſchiedene Arten. Einige der Synony⸗ men, die ſich auf die Kennzeichen beziehen, ſind: Leberkrankheit,(maladie de foie); Leberfaͤule(foie pourri ou douvé), Wurmkrankheit(Nydatides), Egelkrankheit(la douve), Waſſerſucht(Hydropisie), Kropf(e goitre), Gelbſucht(la jaunisse, la bou- le, la bouteille, le gamer, la ganache, la cloche.) men des laufendenFeuers bezeichnete, iſt Zwar iſt ſie bei uns nicht ſo verderblicher Anſteckung, als ſie in Frankreich zu ſeyn ſcheint, wenigſtens iſt mir nicht bekannt, daß ſich jemahls dieſe, auf Menſchen ogar, verbreitet haͤtte, doch kann dies ſehr wohl in der Verſchiedenheit des Clima liegen, da in den hei⸗ ßen Climaten alle brandige Krankheiten einen boͤſern Character annehmen. Gewoͤhnlich finden ſich die Beulen des laufenden Feuers bei uns an den Len⸗ den und dem Bauch der Thiere, und ziehen ſich bis nach der Bruſt hin. Aufſchneiden bis aufs geſunde Fleiſch hat bei Schaafen bisweilen, bei Schweinen, die ihm ſehr unterworfen ſind, jedoch nie geholfen. Ich habe beobachtet, daß ein Lamm von einer fauliſchen Mutter das Krankheits⸗Princip ſchon bei ſich hatte, obgleich es erſt 6 Wochen alt war, es muß ſich von der Mutter alſo dem Lamm mitthei⸗ len*). Uebrigens aber iſt ſie nicht anſteckend. Zwar konnte die nemliche Urſache, wenn ſie auf eine Heerde wirkt, dieſe ganz dadurch aufreiben; aber es giebt immer einige Thiere, welche mit einer ſtarkern Con⸗ ſtitution ihr längere Zeit, oder uͤberhaupt, widerſte⸗ hen. Im Herbſt und Winter iſt ſie am gefaͤhrlich⸗ ſten. Als Gilbert nach Spanien ging, um für's Gouvernement zu kaufen, uͤberwinterte er in Eſtre⸗ madura 700 Stuͤck, welche dort faſt alle faͤuliſch wurden und ſtarben. Sie ergreift die meiſten Thiere in einer Heerde, und verſchont faſt keine Heerde einer Provinz, und zwar bisweilen viele Jahre hin⸗ tereinander. Es iſt alſo eine enzootiſche Krankheit; ſie hat Einfluß auf die Beſchafſenheit die dadurch den Nerven verliert. Es iſt ein langſames Uebel, welches man mit großer Aufmerkſamkeit, von Anfang an bemerken konnte: das davon bedrohte Thier nämlich hat einen ſchleppenden Gangz alle Bewegungen ſind ſchwach; es frißt weniger als die andern, und wiederkaͤut nicht ſo gut.— In dieſem Zuſtande muͤßte man es be⸗ handeln, um den boͤſen Folgen vorzubeugen, ver⸗ *) Lämmer von lungenfaulen Schaafen pflegen nie gute Art zu haben. zogen hat, weil das Thier waͤhrend der Nacht nicht, deutet auf nahen Verluſt. Doch habe ich einen ſaumt man dies, ſo werden alſo dieſe Anzeichen ſtär⸗ ker. Noch ſicherere Anzeigen liefern dann das Maul und die Augen, welche bleich und entfaͤrbt ſind, das Kreuz, welches nachgiebt, wenn man mit der Hand darauf druͤckt, die Wolle, die ſich beim Zupfen da⸗ von leicht abloͤſt. Auch widerſteht das Thier nicht, wenn man ihm einen Hinterfuß ergreift, und mei⸗ ſtentheils bei ſteigendem Krankheitszuſtande hat es Abends unter den Kinnbacken eine waͤſſerige Geſchwulſt*), die von dem unter der Haut befind⸗ lichen Waſſer herruͤhrt, und des Morgens ſich ver⸗ wie am Tage, den Kopf niederhaͤngend traͤgt. Dies letztere Kennzeichen iſt eins der auffallendſten, und Widder geſehn, der von Perpignan, wo er bereits dieſe Geſchwulſt hatte, bis Paris gegangen iſt, und da noch einige Zeit gelebt hat. Mach und nach ver⸗ fallt das Thier in die Schwindſucht und ſtirbt. Bei dem Heffnen findet man im Allgemeinen das Fleiſch braun und bläulich gefuͤrbt, die Einge⸗ weide bleich, die Membrane voll eingezogener Flüſ⸗ ſigkeiten, im Unterleibe Waſſer verbreitet, ſo wie in der Bruſt und im Kopf; kugelfoͤrmige Bandwuͤr⸗ mer,(hydatides)**), in den Hoͤhlen ſowohl, als auf Dieſe heißt eben: goulée, Pouteille aie. Sie zußert ſich Abends auffallend ſtark, beſonders bei ſtilleim, ſonnenklaren Wetter. W. **) Taenia bydatigena, orbicularis.*„ der Oberfläͤche der Lungen und Leber, in dem Netz und dem Gekroſe('epipleon et le mésentère) man ſieht in den Gollengeftßen Leberwuͤrmer, Egeln (douves, fasciola hepatica)*). Die Leber iſt bleich und aufgeloſt. Die Krankheit iſt daher eine wirkliche Verderbtheit der Saͤfte(Cachexie). Die Urſache kann man aus dem phyſiſchen Bau des Schaafs herleiten, und aus den Verhaͤltniſſen, in die man es verſezt. Sein Bau iſt weich, das Zellgewebe iſt nicht ſtraff, weit und loſe, und alſo *) Faſt jedes Schaaf, es muͤßte denn ſehr jung ſeyn, hat Egeln in der Leber, aber die Faͤuliſchen haben ſehr viel mehr. T. Goͤtze nennt das Geſchlecht, wozu dieſer hier erwaͤhnte Egelwurm, ſo wie mehrere andere Arten deſſelben, und unter andern eine mehr weißliche Art gehoͤrt, Planaria, Plattwuͤrmer. Sie ſind von der Groͤße eines Kürbiskerns, und wahrſcheinlich ſind ſie es, welche zu dem luſtigen Irrthum eines Franzo⸗ ſen, Gachet de Braufort, Doctor zu Moutier, Ver⸗ anlaſſung gegeben haben moͤgen. Dieſer Mann wollte nemlich in den Lebern ſeiner Alpenhammel weiße Schmetterlinge mit voͤllig ausgewachſe⸗ nen Fluͤgeln, und zwar beim Zuſammen⸗ druͤcken der Leber mehr als 70 Stuͤck ge⸗ funden haben. Außer den hier bemerkten Wuͤrmern nährt das Schaaf, neben vielen andern Arten, noch ganz be⸗ ſonders den Schaafbandwurm, taenia ovina im Ge⸗ daͤrme. Er erreicht nach Goͤtze die Laͤnge von 30 Ellen, ſchon in einem vierwoͤchentlichen Lamm. dem Einſaugen der Feuchtigkeit ſehr enpfünglich. Die Langſamkeit in dem Gange des Uebels, die Kennzeichen, und der innere Zuſtand bekunden, daß es durch Ueberfluß von waͤſſerichten Theilen erzeugt wird. Alſo immet, wenn man bei jeder Witterung die Schaafe i in feuchten, oder bethauten Wieſen wei⸗ det, wenn man ſie bei neblichem Wetter berausläßt, wenn ſie in den Horten auf feuchtem, kaltem Lehm⸗ boden liegen, wenn der Schaafſtall nicht hoch und trocken gelegen iſt, werden ſie um ſo eher die Jaͤule zu beſorgen haben, wenn ſie nicht recht gut gefuttert werden; denn nichts fuͤhrt leichter dahin als die Spaͤrlichkeit der Nahrungsmittel, oder ihre wenig naͤhrende oder verdorbene Beſchaffenheit. Die Englaͤnder taͤuſchen ſich uͤber die Urſache dieſer Krank⸗ heit. Ihr beruͤhmteſter Viehzuchter, Bakewell, behauptet, daß ſie durch Ueberſchwemmungen entſtaͤnde, welche nach der Mitte des Mai einfielen; daß die⸗ jenigen des Winters und Fruͤhlings ſie nicht be⸗ wirkten, und daß ſie nie durch Quellgewaͤſſer, wenn ſie nicht vielleicht ſtehend und faul geworden wären, entſtuͤnde. Andre Englander ſchieben ſie auf das Abweiden von kalkigten, oder mit Kalk geduͤngten Aeckern, wieder andre auf die Quellen in den Wieſen. Es iſt nicht wahr, daß dieſe oder jene Pflanze, z. B.(douves) eine Art von Ranunkel, (vielleicht ranunculus sceleratus 29 dieſe Frankheit verurſacht; dann muͤßte man erſt beweiſen, daß die Schaafe ſie freſſen, welches ich noch nicht glaube. Aber dieſe Pflanze waͤchſt an ſumpfigen Orten, und — 3— daher ſchreibt man auf ihre Nahrung, was ledig⸗ lich Wirkung der Feuchrigkeit iſt*). 5 Weder der 5 *) Allerdings iſt beſonders eine Art von Pflanze den Schaafen gefährlich, ſobald die Witterung und feuchte Lage der Weideplätze hinzutteten. Es iſt dies ein feines ſpitzblättriches Graͤschen, von den neumärk⸗ ſchen Schaͤfern Maͤſerik genannt, welches uͤberall, an feuchten Orten jedoch mehr als an trocknen, auf ſchwerem Boden mehr als auf leichtem, bei feuch⸗ ter fruchtbarer Sommerwitterung aber uͤbermaͤßig geil wächſt und dann, bei dem begierigen Genuß, durch ſeine zu große Fettigkeit den Schaafen beſondets ſcha⸗ det. Aus der nemlichen urſache iſt vorzuͤglich das ausgetriebene Gras der Wendfahre gefährlich und gefaͤhrlicher noch als Klee. Ohne Thau, ohne Re⸗ gen und feuchter Witterung koͤnnen Schaafe blos darauf verhuͤtet werden Aber freilich nimmt die Gefahr bei hinzutretender Feuchtigkeit, beſonders ſte⸗ hendem Waſſer, zu⸗ Von Johannis an muß ein guter Schaͤfer alle Niederungen ſchon mehrere Zeit vor Sonnenuntergang meiden, wo man finden wird, daß in ihnen ein merklich dunſtartiger Thau ſich zu lagern anfängt. Vor Johannis iſt es weniger ge⸗ fährlich und im Fruͤhjahr koͤnnen alle Plätze, Wie⸗ ſen und Aecker ohne Ausnahme dreiſt gehuͤtet werden. Achtzehn Wochen nach der Zeit des Verhuͤtens erſt, pfleßt die Lungen⸗ oder Leberfaule auszubrechen. Will man ſich vor ihrer haͤufigen Anweſenheit huͤ⸗ ten, ſo grabe man hauptſaͤchlich ſeine Felder recht tuͤchtig ab; auf ſchlecht abgegrabenen Huͤtungen kann der ſorglichſte Schaͤfer nicht gut für ſeine Heerde ſa⸗ gen, und ich glaube hierin beſonders den Grund ſu⸗ chen zu muſſen, daß die franzoſiſchen Provinzen ſo kalkigte Boden, noch der Kalk, noch das vom Mai bis October ausgetretene Waſſer bringen die Faule hervor; aber das Waſſer ſelbſt in allen oben be⸗ merkten Verhaͤltniſſen veranlaßt die Krankheit. Selbſt in trocknen Ländern ſind einige Schaufe fäu⸗ liſch geworden; dieß iſt indeß nur eine Folge eines andern krankhaften Zuſtandes, und haͤngt von Wer beſondern Conſtitution ab. Wenn man von dieſem Grundſatz ausgeht, ſo kann man die Faͤule nicht heilen, wenn ſie ſchon ſtark iſt, das heißt, wenn die Thiere ſchon die Ab⸗ zehrung haben, weil man die zerſtoͤrten Gefäße nicht wieder erſetzen, und in die Menge des Bluts nicht wieder eine ſo große Maſſe von Lymphe hinein⸗ bringen kann, als ſich daraus entfernt, und ſelbſt an gewiſſen Orten angehaͤuft hat;— aber man kann dem Uebel vorbauen, ſeinen Fortſchritt hemmen und die Krankheit im Anfange heilen. In der Wartung und Fuͤhrung der Schaafe liegt das Vorbauungsmittel. Beſonders huͤte man ſich vor der Betruͤgerei beim Ankauf, da die Haͤnd⸗ ler bisweilen den ſchon fäuliſchen Schaafen Vitriol oder Zuckerkand gepudert in die Augen blaſen, um 17 haͤufig von uͤbermäßig ſtarken Schaafſterben heimge⸗ ſucht werden. Noch in dieſem verfloſſenen Winter 1809— 10 liefen in Paris täglich aus den Provin⸗ zen Nachrichten von gaͤnzlich aufgeriebenen Heerden ein, lediglich an den Folgen allgemeiner Verhuͤtüng. den Adern wieder Rothe zu geben. Wenn man bei dem Huͤten die moglichſte Aufmerkſamkeit, beſondets bei feuchter Witterung und uͤberhaupt bei der War⸗ tung die vorgeſchriebenen Regelt beobachtet, ſo wird man ſo ziemlich ſicher ſeyn. Doch giebt es gewiſſe Arten von Lagen und von Aeckern, wo man, bei aller Sorgfält niemals richt ſicher iſt. In ſolchen Faͤllen muß man liebet keine Schanfe, ſondern Kuͤhe oder Pferde aufziehen, odet wenigſtens nur Fett⸗ hammel halten. Bei den erſten Anzeichen der Fäule muß man Eiſen in's Getrank der Schaafe werfen, oder ihnen aromatiſche Abkochungen zu ſaufen geben, 3 B. von Salbeh, Lavendel, Iſop, Thymian, Wachholderbee⸗ ren, oder ein Aufguß auf Aſche von Ginſter ꝛc.*. Beſſer noch iſt weißer oder rother Wein, zu 3— 4 Loͤffel mit einem Male gegeben. Dieſe Mittel einige *) Dies etinnert mich an eine vortrefliche Sitte, welche einer unſerer bedeutendſten Heerdenbeſitzer in eini⸗ gen Theilen von Sachſen beobachtet hat Es ha⸗ ben nemlich die dortigen Schaͤfer neben ihrem Hauſe einen Garten, in dem ſie Gewächſe, deren Nutzlich⸗ keit in Krankheirsfällen der Schaafe die Erfahrung ſie gelehrt, in Maſſe bauen und theils friſch, theils getrocknet, verwenden Es kann ſehr intereſſant ſeyn, die kleine Flora eines ſolchen ſorgſamen Schaafmei⸗ ſters zu ſtudiren, und ein jeder Liebhaber edler Schaafzucht wuͤnſcht gewiß mit mir dem Gäͤrtchen, welches der obenerwahnte Beobachter aus mitgebrach⸗ tem Saamen anlegen will, den beſten Fortgang. W. Zeit lang, anhaltend— ſtärken die Fiebern, wirken auf den Urin und heilen die Thiere. Man glaubt, daß auch Secſalzj ſehr dienlich ſeyn wurde. Ich weiß es nicht, glaube es aber, weil ich Fhiere om Meeresufer zwiſchen Waſſerpfüten habe weiden ſehn hn daß es ihnen geſchadet haͤtte. Auch wit⸗ ken die bittern Pfanzen viel, die Fnula cam- pana, die gentiana, kleine centapten und die Wurzeln der wilden Scchorie in Atochungen gewiß, ſehr gut*). Außer dieſen Mitteln bat man zwei andre angegeben, welche ihrer tzcht gut, ſcheinen. Das erſte beſebt aus einer, Unze zerquetſchter Wochbolderkörner, 2 ² Pfund Bafer⸗ und eben F. viel it 1 i grünem Sſer⸗ in . 12 2 * Petat von Genf verſſchert, gute Wirkungen einer — Kur geſehen zu haben, nach welcher im Anfange des Ausbruchs, den Schaafen Kugeln aus Gentia- na⸗Wurzeln(alle Arten Sentigna finden ſich in der Schweiz ſehr reichlich) mit gleich viel Ruß, mitte ſt WPonig gemacht, und zwar 14 Tage lang nüchtern des Morgens 3 Stuck von der Groͤße einer Haſel⸗ nuß gegeben wurden.— Nohlwes will ſie im An⸗ fange des Ausbruchs a uch noch durch Rautenßlät⸗ ter, Wachholderbeeren, Lorendüldenu(Sentin- na), rothe Enzians⸗Wurzel(auch genana) mit Salz und Erbſenſchroot anhaltend gefuttert, herſtellen— Gerike behauptet dagegen ähnliche Mittel ohne allen Erfolg verſucht zu haben, und raͤth zum ſchnel⸗ len Anmaͤſten und Verkaufen. Vielleicht war der hinreichend fruhe Augenblick zur Kur bei ihm ver⸗ faͤumt. W. vitriol für jedes Schaaf. Man mengt zuerſt Kleie und Wachholderbeeren tuͤchtig mit den Haͤnden durch, mengt nun noch den Hafer zu und dann den Vi⸗ triol,(ulfate de ker), dann bringt man alles in die Droͤge, worin das Getränk den Schaafen gegeben wird; und ſprengt in gewiſſen Sällen auch das Fut⸗ ter damit an. Die zweite beſteht aus 2Unze China*), 1 Unze Kohlenſtaub und der noͤthigen Menge Honig, um 15 Pillen zu machen, wovon jedes Thier taͤglich 2 bekömmt, wobei man ihm noch uͤberdies ein Glas von folgendem Trank giebt: eine Fauſtvoll Kaſta⸗ nien⸗Rinde in rothem Wein eine Viertelſtunde lang gekocht, dazu einen Loͤffel voll Kuͤchenſalz und etwas Brandtwein gethan. Herr Lullin de Chateau- vieux**) hat dies Mittel bekannt gemacht und ſei⸗ nen Erfolg verſichert. Waͤhrend der Kur giebt man den Thieren nur trockne Nahrung, als Heu, gequetſchte Huͤlſenfruchte, Sſi.. *) Statt der theuern China koͤnnte man Rinde vom Vo⸗ gelkirſchbaum(merisier) oder ſonſt einem einheimi⸗ ſchen Baum nehmen. Am beſien wohl Bruchweiden⸗„Ninde? **) Ein reicher und ſehr aufgeklaͤrter ⸗ intereſſanter Land⸗ wirth bei Genf an der Grenze der weinreichen Bour⸗ gogne. W. ***) Erfahrne Schaͤfer unterſcheiden bei uns die Lun⸗ gen⸗ oder Leberfaͤule, wobei die Thiere am M Von dem Durchfall und der Ruhr. (Piarrhoe ou Dévoiement.) In den Gegenden, wo die Vegetation nach einer mehr oder minder langen Ruhezeit von neuem beginnt, bekommen die Schaafe nach dem gierigen Genuß des jungen Graſes einen Durchfall, der ih⸗ nen nicht ſchaͤdlich, ſondern eher eine nuͤtzliche Aus⸗ leerung iſt. Man bemerkt ihn an dem Schmutz, der ſich an der Wolle anhaͤngt. Meiſtentheils hebt er ſich von ſelbſt. Indeſſen kann dieſer Durchfall zu heftig wer⸗ den, und beſonders die ſchwaͤchlichen und alten Thiere ſogar bisweilen toͤdten, wenn man ſie zu plotzlich von trockner auf friſche Nahrung ſetzt. Es giebt Durchfaͤlle, welche wahre Krankhei⸗ ten oder wenigſtens Folgen von wirklichen Krankhei⸗ ten ſind. Von einem ſolchen waren einſt bei Etam⸗ pes(zu Chalons la Reine) in kurzer Zeit 10 Schaafe weggerafft: es war keine Ruhr, denn die Ende an der Abzehrung ſterben und nicht leicht baͤu⸗ chig werden, von der Waſſerſucht, bei der ſich bedeutend viel Waſſer im Leibe anſammelt, und die⸗ ſer zulezt uͤbermaͤßig anſchwellt. Jene Arten des Faulwerdens entſtehen faſt immer von Verhuͤtung, dieſe leztere aber dagegen faſt nur von trockner Ver⸗ fuͤtterung im Stall, das heißt von ſtaubigem, ſtocki⸗ gen oder angefaulten Futter. Der Gang der leztern Art der Krankheit iſt ſchnelltödtender. Thiere gaben kein Blut von ſich; ſie ſtarben in 3 bis 4 Tagen; beim Hefnen fand man blos den Panſch außerotdentlich ausgedehnt, wegen der Nahrungsmit⸗ tel, welche nicht verdant wurden, und von der Luft, die ſich aus den gaͤhrenden Stoffen entbunden hatte. Wir ließen anſtatt andrer Mittel blos die Heerde auf den trockenſten Aeckern huͤten, da im Gegentheil der Schaͤfer ſie auf die niedrigſten Weiden gefuͤhrt hatte, und das Uebel hob ſich von ſelbſt. Bisweilen bekommen die Schaafe den Durch⸗ fall als eine Folge der Pocken, und ſterben daran, wenn man nicht genug aufmerkt, das heißt, ſie nicht bei feuchtem kalten Wetter in dem Stalle haͤlt, und ihnen leicht verdauliche Nahrungsmittel giebt, wobei man Eiſen in ihr Getraͤnk werfen und ihnen eine Zeitlang ein halbes Glas rothen Wein täglich geben muß*). *) In ſehr vielen Fällen können wir den Wein durch un⸗ ſern Brandtwein, natuͤrlich in verminderter Menge, erſetzen. Gegen den Durchfall giebt Rohlwes als practiſch bewaͤhrt gefundene Mittel: 1. Getrocknete und dann gekochte Heidelbeeren,(vac. cinium myrtillus) etwa 1 Hand voll, wenn der ch⸗ nicht zu ſtark. Quentchen Rhabarber, 1 Quentchen Magne- sia 6 Loth Honig mit Waſſer eingegeben, wenn er anhaltender oder zur Ruhr ausgeartet ſeyn ſolle, wie das dem Miſt beigemengte Blut es beweiſt. 3. Zweimal täglich 1 Quentchen gepulverte Tor⸗ mentill⸗ Wurzel mit Waſſer, oder M 2 — 130— Von der Ginſterkrankheit. Genestade) In dem ſuͤdlichen Theile der Cévennen, dem ſogenannten Ruffes, giebt man dieſen Namen einer Krankheit, die man dem ſpaniſchen Ginſter zuſchreibt: ſie iſt jedoch nicht anſteckend. Alle Jahr findet ſie ſich wieder in den Gegenden, welche mit dieſer Pflanze angefuͤllt ſind; im December, Januar und Februar iſt ſie am ſtarkſten: zu dieſer Zeit gehen die Schaafe in den Ginſter⸗Gegenden auf die Weide. Biswei⸗ len rafft das Uebel den fuͤnften Theil der Heerden fort. Die Schoten des Ginſter(Pfriemenkraut) ſollen mehr als die Blaͤtter auf die Krankheit wirken. Das ſtaͤrkſte Kennzeichen iſt die Schwierigkeit, Urin zu laſſen, welche durch eine Entzuͤndung der Mieren und der Blaſe erzeugt wird; oft endigt ſie mit dem Brande. Der Ginſter iſt ein hitziges urin⸗ treibendes Mittel, welches bei der Faͤule gute Wir⸗ kungen hervorbringen kann; er muß daher den ſtar⸗ 3. Eine Handvoll gute geraſpelte braune Eichenrinde in 1 Quart Waſſer gekocht, und taͤglich dem Schaaf mal, jedesmal 1 Quart der Abklaͤrung gegeben, enn alle andre Mittel nicht mehr helfen wollen. Dagegen iſt das von R. ebenfalls vorgeſchlagene Rittel bei dem Durchfall der Lämmer: ein Stuͤck Rreide ihnen zum Lecken hinzulegen, unzweckmaͤßig, weil ſie nicht daran lecken mogen. Rhabarber und Magnesia mit Brandtwein eingegeben, 5 bei einem bedeutenden Falle dieſer Art gu Wirkung geleiſtet. V. — 181— ken und kraͤftigen Zlieren ſehr ſchaden, wenn ſie viel davon genießen. Man giebt lindernde Getraͤnke, z. B. Mehl⸗ waſſer oder Decoct von Leinſaamen und Malben, Eibiſch(mauve et guimauve), und aͤhnlichen er⸗ weichenden Pflanzen, wenn man nicht viel kranke Thiere, und dieſe Pflanzen dagegen haͤufig hat; aufs litre ſezt man ein halb Quentchen Salpeter zu. Einige Tropfen Terpentinol mit Waſſer als Lave⸗ ment gegeben, haben ſchon oft den unterdrůckten Urin zum Fluß gebracht. Man muß die Thiere vor der Krankheit huͤ⸗ ten, indem man ſie nicht lange und nicht nuͤchtern in die Ginſterhuͤtungen fuͤhren muß. Von der Waldkrankheit,(maladie de bois.) Wenn die Schaafe zur Zeit, wo die Knospen ſich entwickeln, in den Wäldern weiden, freſſen ſie davon ſo viel, daß ſie krank werden. Es zeigt ſich dies nicht plotzlich ſo, wie wenn ſie vom Genuß ſaftiger Pflanzen aufblahen und bisweilen plötzlich ſterben; ſondern die Krankheit hat einen andern Gang, welcher Huͤlfsmittel verſtattet; die meiſten Thiere, welche daran ſterben, widerſtehen bis zum 18ten und 20ten Tage*. 6 85 abert hat ein Memoire darůber geſchrieben. 3 4. Eine allgemeine Drockenheit iſt das erſte Zei⸗ chen davon. Der Urin iſt erhitzt(crue ²) und häu⸗ fig, die Exkremente ſind hart; die Haut heiß; die Dhiere fiebern, ſie wiederkauen nicht*). Hiernach *) Es ſcheint keinem Zweifel unterworfen, daß dieſe hier beſchriebene Krankheit die nemliche iſt, welche wir Blutharnen, rothes Waſſer nennen, dem auch Rindvieh haͤufig unterworfen iſt. Es entſteht ebenfalls beim Huͤten in den Waͤldern, an Plaͤtzen, wo ſaures Gras und wo viel junge Eichenloden wachſen, ſo wie auch im Winter vom Fuͤttern ſol⸗ chen Heues, was auf dergleichen ſauren moorigen Plaͤtzen gewonnen iſt, veranlaßt aber hier gewoͤhn⸗ lich, außer den beſchriebenen Merkmalen, wirkliches Blutnetzen, und haͤufig ſtellt ſich mit ihm zugleich das ſogenannte Ruͤckenblut ein, eine Krankheit, welche Herr Teſſier ganz uͤbergeht, obgleich ich mich uͤberzeugt halte, daß man ihre Anweſenheit bei dem hier beſchriebenen Zuſtand mit Beſtimmtheit voraus⸗ ſetzen darf Man erkennt es neben dem Zeichen des Blutharnens an den heißen, harten, wohl auch mit Blut vermiſchten Exkrementen und der darauf fol⸗ genden Verſtopfung Es iſt ein ſehr boͤſes Zeichen, und deutet auf große Gefahr, wenn nicht ſchnelle Huͤlfe geſchafft wird. Gegen das bloße Blutharnen kenne ich aus eigner Erfahrung bei Kuͤhen die Wirkſamkeit einer Abkochung von getrockneten Heidelbeeren(vaccinium myrtillus) und Katzenpfoͤtchen(arenaria) welche man wiederholt eingießt, und ich glaube, daß ihre Wir⸗ kung bei Schaafen gewiß die nemliche ſeyn muß. Rohlwes raͤth, täglich zweimal dem kranken muß dieſe Krankheit unter die Entzuͤndungs⸗Krank⸗ heiten gezaͤhit werden, wie auch ihr ganzer Gang Schaaf von 1 Loth vitrioliſirtem Weinſtein und t Loth Salpeter, gepuͤlvert und gemiſcht, 1 Quentchen mit Waſſer einzugeben. 1 Gerike verſichert, daß 1 Handvoll geranium ro- beranum, ſtinkender rother Storchſchna⸗ bel, ein ſehr gemeines Unkraut; vom Schaͤfer aus⸗ gerauft, gequetſcht und in einem Klumpen zuſani⸗ mengedreht, dem Schaaf ins Maul geſteckt, ſehr ſicher heilen ſoll. Ein vortrefliches Mitte!, wenn ſeine Wirkſamkeit wirklich ſo erprobt iſt, da es uͤberall ſo leicht und ſchnell zu haben iſt Gegen das Ruͤk⸗ kenblut muß man ſogleich, als man beſſen Ent⸗ ſtehung bemerkt, durch Jemanb, mit einer mit Oel beſtrichenen Hand aus dem Maſtdarm den verhaͤr⸗ teten Miſt ſo weit her, als man langen kann, be⸗ hutſam heraushohlen laſſen. Meiſtentheils wird er durch Stuͤcken geronnenen Blutes begleitet ſeyn, deſ⸗ ſen brandige Eigenſchaft ſo ſtark ſeyn kann, daß mir ein Beyſpiel bekannt iſt, wo ein Mann, wegen un⸗ vorſichtig verſäumter Reinlichkeit beim Abziehen des Ruͤckenbluts den Arm, durch Anſteckung, am Brande verlohren haben ſoll. Demnaͤchſt muß man eilen, dem Thier die Ader zu ſchlagen, und 6— 3 Loth Blut abzulaßen, wobei man die kuͤhlenden obengenannten innern Mittel fortſetzt, und bei anhaltender Verſtop⸗ fung erweichende Klyſtiere giebt. Man ſieht, daß Herrn Deſſiers Verfahren bei dieſem Uebel im All⸗ gemeinen ganz richtig iſt, nur ſcheint er ein zu gro⸗ ßes Gewicht auf die mechaniſche Wirkung der ge⸗ noſſenen Triebe im Magen des Patienten zu ſetzen⸗ und der innere Zuſtand der geſtorbenen Thiere be⸗ weiſen. Die Menge der jungen genoſſenen Driebe ſber⸗ fuͤllt den Magen, der bei der unterdruͤckten Ver⸗ dauungskraft ſie nicht los werden kann; dieſe Stoffe, von Natur reizend, verurſachen nun eine Entzuͤn⸗ dung, die ſich weiter verbreitet. Je zarter die Knos⸗ ven ſind, je mehr freſſen die Thiere davon. Es giebt nur das eine natuͤrliche Vorbeugungs⸗ mittel, die Schaafe zur Zeit des Austreibens in den Heiden, beſonders den Eichheiden,(weil alles, was von der Eiche koͤmmt, ſehr zuſammenziehend iſt) nicht lange weiden zu laſſen. Man hat vorge⸗ ſchlagen, ſie zur Ader zu laſſen, um den Wirkun⸗ gen der jungen Knospen vorzubeugen, allein mir ſcheint es in jedem Falle beſſer, ſie davon entfernt zu halten. Iſt die Krankheit ausgebrochen, ſo begnügt man ſich, die kranken Thiere auf ſtrenge Diat zu ſetzen, und ſie mit weißem Waſſer*) traͤnken zu laſſen, bis daß ſie merkliche Linderung ſpuͤren laſ⸗ ſen. Ich wuͤrde auch Abkochungen von erweichen⸗ den Pflanzen anrathen, allein das koͤnnte nur, wie ich bereits bei der Ginſterkrankheit erwahnt habe, dann geſchehen, wenn man wenige Kranke haͤtte; Leinſaamen hingegen, der weder ſelten, noch theuer „ *) Soll wohl das oben erwähnte mit Mehl oder Kleie angeruͤhrte Waſſer ſeyn. W. iſt, waͤre vorzuͤglicher. Wiederkäuen die Thiere erſt und ſcheinen ſie nicht mehr Schmerzen zu haben, ſo bringt man ſie nach und nach auf die gewohnte Nahrung zuruͤck. Herr Chabert raͤth, ihnen den zweiten oder dritten Dag die Halsader zu ſchlagen. Der Aderlaß macht freilich Luft, verſtattet dem Magen ſich aus⸗ zubreiten, und vermindert die zuſammenziehende Wir⸗ kung der Knospen, kann daher alſo wohl nuͤtzlich ſeyn. Aber hat der geſchwaͤchte uͤberfüllte Magen nicht alle Kraͤfte noͤthig, welche der Aderlaß vèrmin⸗ dert? Doch kann Chabert vollkommen Recht ha⸗ ben, auch iſt er ſo vorſichtig, den Aderlaß nicht in den erſten Tagen, und nicht, wenn die Krankheit ſchon heftig geworden iſt, anzurathen. Man ſollte glauben, Eicheln muͤßten die nem⸗ liche Wirkung hervorbringen; doch habe ich die Schaafe ſchon viel Eicheln freſſen ſehen, ohne daß es ihnen ſchaͤdlich geworden waͤre; ja ich habe 4 Monate lang ſogar 2 Pferde, ohne den mindeſten Nachtheil, damit fuͤttern ſehen: doch koͤnnen freilich Eicheln als reife Fruͤchte, und bei der vorgeruͤckten Jahreszeit genoſſen, nicht mit den Eichelknospen ver⸗ glichen werden, wenn dieſe zur Zeit der hoͤchſten Thaͤtigkeit in der Vegetation abgenagt werden. Von der Blutkrankheit, Milzbrand(maladie du sang, sang de rate, maurois dans le departement de PIndre.) Entweder die Schaͤfer konnen die erſten Zei⸗ chen des Milzbrandes nicht unterſcheiden„oder es iſt auch ihm eigenthuͤmlich, plotzlich zu toͤdten, ge⸗ nug man kann nicht vchſehen ob ein Thier da⸗ von weggerafft werden wird. Es ſteht vlotzlich ſtill, ſcheint betaͤubt, taumelt und ſtolpert mit allen 4 Beinen; oͤfnet das Maul, ſchaͤumt, und giebt durch den Hintern und durch die Harnroͤhre Blut von ſich; bald faͤllt es um, ſchlaͤgt mit den Flanke, roͤ⸗ chelt und ſtirbt, bisweilen in der Zeit von einer hal⸗ ben oder Viertelſtunde, ja von einigen Minuten. Dann ſieht man aus Maul und Raſe ein ſchwar⸗ zes dickes Blut hervorquillen; der Leib blaͤht gleich auf und geraͤth bald in Faͤulniß. Beim Heffnen ſieht man alle Hautgefaͤße voll Blut und das Fleiſch vio⸗ lett gefaͤrbt; die Milz iſt ausgedehnt und ſchleimig, daher der Name Blutſchlagfluß, Milzblut, Milz⸗Blutſchlag(coup de sang, apoplexie, sang de rate.) Der Schaden, den die Krank⸗ heit kann groß ſeyn, es giebt Paͤchter, denen ſie% bis z ihrer Heerden raubte. 1 In manchen Fieve finden ſich durchs ganze Jahr Thiere, die an dem Milzblut ſterben; im allgemeinen aber iſt es im Sommer am haͤufigſten, daher nennt man es auch, die Hitze. Im July und Auguſt iſt es am heftigſten, im September nimmt es ab. In trocknen Jahren iſt es am häu⸗ figſten, und an recht heißen Tagen, beſonders an Gewittertagen am gefaͤhrlichſten, dagegen ſcheint es bei kuͤhlem Wetter und nach einem Regen ſich zu mindern. Alle Schaafe ohne Unterſchied ſind ihm unterworfen, und die mit der ſtarkſten Conſtitution am eheſten. In zu heißen Schaafſtaͤllen ſterben Schaafe des Nachts daran. Die Urſachen liegen, außer der Anlage, welche ein Thier vor dem andern dazu hat, theils 1) in der Wartung und Zuͤtte⸗ rungsart durchs ganze Johr, und beſonders zu der Zeit, da die Krankheit vorzůgi erſcheint, zwei⸗ tens: in der Duͤrre und Hi itze; drittens: in zu heftigen Anſtrengungen bei der Sonmerhitze. Ich fand das Uebel vorzuͤglich heftig in einer Gegend, wo man die Schaafe§ Monat des Jahrs mit Heu und trocknen Kodrnern fuͤttert, und ſie in engen, hei⸗ ßen, dunſtigen Staͤllen einſchließt, wo ſie im Mo⸗ nat Juli und Auguſt im Freyen, ohne irgend einen Schutz gegen die Sonnehorten, und nach der Erndte auf den Stoppeln alle hinterbl liebenen Waizen⸗Aeh⸗ ren aufleſen. Alles dies giebt ihren Fibern eine Steifigkeit, welche jene Thiere nicht bekommen, die lange Zeit von gruͤner Nahrung auf friſchen Huͤ⸗ tungen leben. Indem die Thätigkeit der Gefaͤße dadurch vermehrt wird, dehnen ſie das Blut aus, rauben ihm den fluͤſſigen Antheil, oder machen, daß es aus verſchiedenen Organen hervortritt, oder ver⸗ anlaſſen Verſchleimungen oder innerliche Ergießungen. Ein davon befallenes Thier iſt verloren ohne Rettung: aber die Unterſuchung ſeines Koͤr⸗ pers und das Anzeichen des erſten Falles lehren, wie man die uͤbrigen ſchuͤtzen kann. Keinen Augenblick muß man verlieren, und ſogleich allen denjenigen Thieren, welche durch ihre Kraͤftigkeit, oder durch die rothe Farbe der Augen, der Lippen und des Mauls ſich als vollblütig zeigen, Blut laſſen. Man wird ſich nicht leicht irren, wenn man gradezu die⸗ jenigen auswaͤhlt, welche immer vorne auf in der Heerde gehen; dies ſind gemeiniglich die kraͤftigſten. Im Gegentheil muͤſſen die Hintenbleibenden ja nicht zur Ader gelaſſen werden. Rach der ſpaniſchen Sitte und nach Daubenton iſt es die Ader unter dem Auge, unten an der Backe, da wo die Wurzel des vierten Backenzahns liegt, welche man ſchlgt, weil dieſe Ader ſehr vorſtechend iſt. Man kann auch Blut aus den Halsadern, dem Schwanze oder andern Dheilen ablaßen*). Einige Tage nachher badet man, wenn es ſeyn kann, die Thiere, denen man Blut abgelaſſen, wiederholentlich, doch keinesweges die, welche blaſſe Augen und Lip⸗ pen haben, auch wuͤrden Traͤnke von Sauerampfer ('oseille) mit Salpeter und Seeſalz nuͤtzlich ſeyn. *) Wenn man mit den 2 erſten Fingern der Hand dem Schaaf von oben her die beiden uͤber die Augen liegenden Hoͤhlen reibt, ſo treten in ihren Winkeln nach vorne zu 2 aufgelaufene Adern hervor, die der Schaͤfer mit einem ſpitzen Meſſer ſehr leicht oͤffnet. „ Sollten es viele ſeyn, welche man zu behandeln hätte, ſo müßte man ſich mit Eßigwaſſer begnuͤgen, da man nicht ſo viel Sauerampfer finden wuͤrde. Mch dem obengeſagten muß man alſo, um dieſes Uebel zu verhuͤten, die Schaafe im Sommer vor der großen Sonnenhitze ſchuͤtzen, ſie oft ſaufen laſſen, wenn ſie auf trocknen Huͤtungen weiden; ih⸗ nen im Winter Gerſte eher als andre Koͤrner ge⸗ ben, und darunter Bloͤtter und Wurzeln ſaftreicher Gewaͤchſe mengen, z. B. Kohl, Mohrruͤben, weiße Ruͤben, Dopinambour, Kartoffeln, Runkeln ꝛc.s das trockne Futter ein wenig anſprengen, die Staͤlle nicht zu heiß halten, ſie im Fruͤhjahr, ſo bald als moglich, gruͤnes Futter freſſen laſſen, und ſie nicht unmittel⸗ bar nach der Erndte auf die Stoppel fuͤhren*), oder doch nur wenig dort freſſen laſſen. Von der Krankheit des ehemaligen Rouſſillon, dem Departement des Pyrenées orientales. (La Falerre.) Eine Krankheit, welche alle Jahre die Heerden von Rouſſillon trifft, und einen großen Theil der⸗ *) In dieſer Rüͤckſicht würde das Saatbehuͤten wohl ſehr zu empfehlen ſeyn, wie ſich uͤberhaupt nicht laͤugnen laßt, daß es den Schaafen ſehr heilſam iſt; wenn es nur den Saaten ſelbſt eben ſo heilſam waͤre. Fri⸗ ſches Getreide iſt jedem Thier, alſo auch den Schaa⸗ fen, ſchaͤdlich.. W. 190 ſelben aufreibt*), und die man Falerre nannte, indem dies cataloniſche Wort ſo viel heißt als: Schnelligkeit, Thätigkeit, da die erkrankten Thiere ſo ſchnell ſterben. Ich wurde im Jahr 11 vom Gouvernement beauftragt, die Krankheit zu beob⸗ achten, bekannt zu machen und die noͤthigen Vor⸗ beugungsmittel anzugeben, und habe v folgendes bemerkt: Bis jetzt kennt man kein Anzeichen, welches auf den nahen Antritt der Krankheit ſchließen ließe, deren Ausbruch ſehr bald der Dod folgt. 6 Das Thier zeigt zuerſt eine Art von Dumm⸗ heit, traͤgt den Kopf niedrig, wankt, ſtolpert; bis⸗ weilen verſucht es, das Waſſer zu laſſen; die ge⸗ ſchwaͤchten Fuͤße halten es nicht mehr aufrecht, es fallt auf die Knie, hebt ſich wieder, um weiter zu wanken: wenn man in dieſem Augenblick ihm mit der Hand vor den Augen vorbei faͤhrt, ſo bemerkt man, daß ſie ſich nicht mehr bewegen; wenn mit . der letzten Anſtrengung es ihm gelingt, noch zu ge⸗ hen, ſo wirft es ſich gerade auf jeden Gegenſtand, ſelbſt mitten unter die Hunde, deren Bellen es nicht mehr erſchreckt; ein Beweis, daß Geſicht und Ge⸗ 3 hoͤr dann ſchon verloren ſind; dann faͤllt es wieder um, und zwar zum lehten Male. Heftige Convul⸗ Rouſſillon enzootiſche Krankheit, es ebenfalls iſt. Man wird ſie an den hier angegebenen Kennzeichen T. *) Vielleicht giebt es noch andre Gegenden, wo dieſe in erkennen koͤnnen. ſionen bewegen den ganzen Kopf und beſonders die Augen, die Ohren, die Kinnbacken, die Beine; das Athmen wird hoͤchſt beſchwerlich, und bald ſtellt ſich Roͤcheln ein, welches mit ſehr hoͤrbarem Zaͤhneknir⸗ ſchen begleitet iſt; es giebt durch den Mund haͤufi⸗ gen rothgefaͤrbten Schaum, und durch den Hinteren gruͤnen, oͤhlichten, und faſt fluſſigen Koth von ſich. Waͤhrend dieſes Todeskampfs ſchwillt der Leib auf, und dieſe Geſchwulſt nimmt gleich nach dem Tode noch merklich zu; zugleich geht aus dem Maul, und aus dem Hintern viele, aber nicht inficirte, Luft ab. Das Heffnen der Thiere hat mir nicht viel Auf⸗ klärung uͤber die Urſachen der Krankheit gegeben; ich habe nichts krankhaftes, weder im Gehirn, dem Maule, dem erſten Magen, noch in den andern Maͤ⸗ gen, den Eingeweiden und der Luftrohre(trachée- artere) gefunden; blos habe ich einige Theile der Lungen etwas violett gefaͤrbt gefunden, welches auch von der gedruͤckten Lage in dem letzten Augenblick entſtanden ſeyn konnte. Bei den jungen Thieren waren die Gekrosdrüſen(glandes du mesenteére) ſehr groß, wie das gewoͤhnlich zu ſeyn pflegt; in der Leber waren Egeln(Fasciola hepatica) in zziem⸗ licher Anzahl: ich zählte 10 bei einem ſiebenjaͤhri— gen Schaaf; in der Gallenblaſe fanden ſich auch einige: auch Hydatiden bemerkte man(taenia hy- datigena) in einigen Theilen der Bruſt und des Unterleibes, und den gegliederten Bandwurm(taenia articulata) in dem Eingeweide. Uebrigens hatten die Thiere kein charakteriſtiſches Merkmal der Faͤule; der Panſch war weit, die darin enthaltenen Dinge von mittelmaͤßigem Zuſammenhange, und die in den Eingeweiden flͤſſig. Um die Natur des Gas zu ergruͤnden, welches den Panſch ausdehnte, band ich das hintere Ende des erſten Magens und das Vor⸗ derende des Zwoͤlffingerdarms zuſammen, durchbohrte hernach den Panſch, indem ich vor die Deffnung ein Licht hielt, worauf ſich das Gas entzuͤndete, und eine blaue flackernde Flamme gab, wie wenn man Brandtwein verbrennt. Das Phaͤnomen ergab ſich beſonders bei einem Jährling und einem Zeitſchaaf, welche an einem friſchen Orte aufbehalten waren, und reſpective 3 und 3 Stunden nach ihrem Dode unterſucht wurden. Die an der Falerre geſtorbenen Thiere hauchten keinen andern Geruch aus, als den eines geſunden Schaafs. Doch war nach augeſtell⸗ ten Unterſuchungen die Luft aus dem Panſch ge⸗ ſunder oder geſchlachteter Thiere nicht brennbar, wie bei denen an der Falerre geſtorbenen. Die Falerre findet ſich zwar zu allen Jahres⸗ zeiten, jedoch am haͤufigſten im Fruͤhjahr und Herbſt, beſonders in lezterem. Beide Geſchlechter und jedes Alter ſtehn in gleicher Gefahr. Am meiſten leidet darunter der am Meer gelegene Theil von Rouſſil⸗ lon, der die Salangue genennt wird, und doch giebt es darin Derter, welche immer verſchont bleiben. Die in der Salangue gekauften Dhiere ſind nicht mehr dem Uebel unterworfen, ſobald ſie das Land verlaſ⸗ ſen haben, und es ſcheint dies daher die Wirkung einer —— — einer plotzlichen, dem Local anklebenden Urſache zu ſeyn, auch iſt es nicht anſteckend. Das Oeffnen der Koͤrper giebt oft bei den Thieren nuͤtzliche Aufſchluſſe uͤber die Urſache ihres Todes, beſonders wenn er plotzlich war; oft aber reicht dies Mittel nicht zu, ja es macht ſogar bis⸗ weilen unſicher, weil der Beobachter mitunter in einem Thier die Grundlage zu einem ganz andern Uebel findet, als dem, woran es geſtorben. Wenn man uͤber das von der Falerre geſagte, nachdenkt, ſo iſt es leichter zu ſagen, was das Uebel nicht ſey, als zu entſcheiden, was es ſey. Man koͤnnte ver⸗ muthen, daß es die Fänle ſey, wegen der Hydati⸗ den in Bruſt und Unterleib und wegen der Egeln, allein der Gang und die Kennzeichen der Faule ſind ganz anders. Auch findet man nicht in allen an der Falerre geſtorbenen Schaafen Egel, und dage⸗ gen deren in manchem geſunden Thiere. Auch kann ich nicht glauben, daß die Gliederbandwürmer die Falerre erzeugen ſollten, da ſie nur klein ſind und nicht einen ſo plotzlichen Tod, als den eines Schlag⸗ fluſſes, herbeifuͤhren. Man kann, duͤnkt mich, nicht zweifeln, daß das inflammable Gas(kohlenſaures Waſſerſtoffgas), welches im Panſch enthalten iſt, nicht viel zu dem Entſtehen der Falerre beitragen ſollte, wenn es nicht gar die einzige Urſache davon iſt. Die Chemiker muͤſſen erklaren, wie es ſich erzeugt: ich habe die traurigen Wirkungen beſchrieben, und will nun die Umſtande angeben, unter denen es ſich entwickelt. N — Die Falerre zeigt ſich in den Gegenden, wel⸗ che weder gewoͤhnlich uͤberſchwemmt, noch beſtaͤndig trocken ſind, welche mithin von Zeit zu Zeit Feuch⸗ tigkeit haben, und dann, wenn man unachtſamer Weiſe die Heerden auf kuͤnſtliche Wieſen gefuͤhrt hat, bald nach einem Regen oder ſtarken Thau und ehe die Sonne ſie abgetrocknet hat. Ich habe geſagt, daß ſie im Fruͤhjahr und Herbſt, den Regen⸗Zei⸗ ten, haufiger wird, auch hat man bemerkt, daß ſie bei Seewinden, welche die Luft und die Pflanzen feucht machen, haͤufiger war. Es ſcheint demnach, als hatte die Krankheit Zuſammenhang mit dem ſo⸗ genannten Aufblähen,(méréorisation), obgleich ſie in manchen Dingen davon abweichen. Sie haͤngt von der Natur der Pflanzen in dieſen Gegenden ab, welche wahrſcheinlich Eigenſchaften haben, wel⸗ che ſie fuͤr Zerſetzungen und fuͤr die Erzeugung von kohlenſaurem Waſſerſtoffgas unter gewiſſen Umſtaͤn⸗ den faͤhig machen. Bis ich nach Perpignan kam, achtete man auf kein Mittel gegen die Falerre, kannte auch keins. Man verkaufte den Schlaͤchtern die geſtorbenen Thiere, dieſe bezahlten ſie ſo hoch als die Lebendigen. Der Director des Kaiſerlichen Etabliſſements hat Ader⸗ läße ohne Erfolg verſucht; daſſelbe fand mit dem Bauchſtich durch ein Meſſer ſtatt, vielleicht weil es nicht gut gemacht, oder weil es zu ſpaͤt verſucht wurde, vielleicht auch, weil es wirklich nicht paſſend ſeyn mag. Man haͤtte den Verſuch mit einem Trokar wiederholen ſollen; vielleicht waͤre es nicht immer fruchtlos geblieben. Man hat alſo bei den Vorbauungs-Mitteln ſtehen bleiben mäſſen, und da ſind die einzigen von mir empfohlenen die geweſen, niemahls gleich nach einem Regen oder beim Thau die Heerden ausgehn zu laſſen, ſondern nur, wenn das Gras abgetrocknet; und ihnen zu Hauſe etwas zu freſſen zu geben, damit ſie weniger begierig auf die friſchen oder ſaftreichen Pflanzen einfielen. Dieſe Vorſichtsmaßregeln ſollen den Verluſt vermindert baben, welcher uͤbrigens ſo groß geweſen ſeyn ſoll, daß durch die Falerre faſt eben ſo viel Schaafe hin⸗ weggerafft ſind, als geboren wurden, ſo daß ihretwe⸗ gen die Anzahl der Schaafe in Rouſſillon ſich nicht hat vermehren koͤnnen. Von der Sologner oder rothen Krankheit. Die Sologne*) verliert ſeit undenklichen Zei⸗ ten jaͤhrlich einen großen Dheil ihrer Schaafe an der ſogenannten rothen Krankheit. Sie erſcheint immer im Monat Many, und iſt im Juny am heftigſten; verliert ſich aber nach und nach im July und Anfangs Auguſt. Sckel, Traurigkeit, langſamer Gang ſind die er⸗ ſten Zeichen. Dieſe ſind jedoch vielen Krankheiten eigen. Das Auge traähnet, iſt matt und belegt; die N *) Jezt die Departements du Cher, du Loiret, de Loir et Cher.. lich; die Naſenloͤcher mit dickem Rotz derſtopft, der — 196— Gaumen, Lippen, die Zunge ſind weißlich und bläu⸗ Urin fließt langſam; Kopf und Vorderfuͤße ſcheinen geſchwollen; die Schwaͤche iſt ſehr groß. Die Thiere ſuchen den Schatten, als wollten ſie ſich vor den Fliegen retten, die ſich in Menge auf ſie werfen, ohne daß ſie verſuchten, ſie zu verjagen. Entwe⸗ der folgen ſie den andern nicht ins Feld, oder ſie verlaufen ſich dort, und werden lebendig von den Hun⸗ den aufgefreſſen. In der letzten Zeit der Krankheit kommt ein ſchaͤumender Geifer aus dem Maule; manche verlieren mit den Exkrementen oder aus der Naſe, oder den Naſenloͤchern ein helles Blut, doch in geringer Menge. Die meiſten ſind erſtaunlich durſtig; ſie ſtoͤhnen und verlieren, nahe dem Tode, ungewoͤhnlich viel Urin. Die Krankheit waͤhrt 6— 8— 10 Tage, bisweilen längere, ſelten kurzere Zeit. Von denen, welche geſchaͤumt, Blut verloren oder viel geſoffen haben, geneſet keins. Ich habe bemerkt, daß die Sterblichkeit mit der Kaͤlte in Verbindung ſtand, und die Krankheit abnahm, ſo wie die Witterung gelinder und wärmer wurde. Die Laͤmmer und Jaͤhrlinge leiden am meiſten daran. Man weiß nicht gewiß, ob ſie anſteckend iſt; eher glaubt man das Gegentheil. Alle Jahr ent⸗ ſteht ſie wohl aus denſelben Urſachen. Ich habe viele geoffnet, aber nirgend ein Zei⸗ chen von Entzuͤndung gefunden: der Leib war ge⸗ ſenkt, ſtatt angeſpannt zu ſeyn, wie es nach dem Milzblut oder dem Aufblaͤhen iſt; er hatte keinen uͤblen Geruch, ſelbſt nachdem er im Monat Julh 3 Tage aufbewahrt war; das ganze Fleiſch war weiß und nicht mit Blut unterlaufen, die Blutge⸗ fäße waren leer, ausgenommen die Haͤmorrhoidal⸗Ge⸗ fäße; die Schleimhaut(membrane pituitaire) der Thiere, welchen Blut aus der Naſe abgegangen war, war blutig, die Gekrosdruͤſen aufgetrieben; in der Bruſt, im Unterleibe, fanden ſich eine roſtiggefaͤrbte Feuchtigkeit und einige Hydatiden; in der Leber, welche dick war, eine gewiſſe Anzahl von Egeln, und die Gallenblaſe mit vieler Galle angefullt; die bei⸗ den erſten Mägen hielten viel genoſſenes Futter, das im Pſalter war trocken, und das im unterſten Ma⸗ gen(la caillette)*) fläſſig; in den Eingeweiden fand ſich nichts davon: die Blaſe war entweder leer, oder enthielt einen blutigen Urin, die Nieren waren ganz gut. Steht nun die Krankheit abgeſondert fuͤr ſich da, oder gehoͤrt ſie zu der Blutkrankheit oder zur Faule, oder endlich iſt ſie eine Verbindung von bei⸗ den? gewiß iſt, daß die außeren Anzeichen auf beide hindeuten. Jedoch, wenn gleich dieſe Thiere keine Geſchwulſt unter den Kinnbacken bekommen, wie die fauliſchen Schaafe, bei welchen es doch auch nicht immer der Fall iſt, ſo bin ich doch, alles recht er⸗ *) Auch der Rom, abomazus genannt. — 198— wogen, der Meinung, daß man dieſe Krankheit eher zu dem Faulwerden der Schaafe, als zu der Blutkrankheit zählen kann*). Die Urſachen dieſer Krankheit laſſen ſich aus der Art herleiten, wie man die Schaafe in der So⸗ logne haͤlt. Durchs ganze Jahr hindurch, ſelbſt in der Jahreszeit, wo es nichts zu freſſen giebt, fuͤhrt man ſie ins Feld, ſey es Wetter, welches es wolle; man fuͤttert ſie entweder gar nicht in den Schaafſtällen, oder giebt ihnen ſo wenig, daß ſie oͤfters Hunger leiden; die Laͤmmer kommen ſchwach zur Welt, und in dem Euter der Mutter findet ſich nicht Milſch genug, ſie ſtark zu machen. Im Monat Many faͤngt man an, die Schaafe zu melken, und entzieht dadurch den Laͤmmern noch mehr Nahrung. Wie koͤnnen nun ſo klaͤglich erzogene Thiere eine gute Conſtitution haben! wie ſollten alſo nicht viele davon im erſten und zweiten Jahr ihres Lebens ſter⸗ ben! uͤberdies iſt der Boden ſehr feucht**), die Schaafſtaͤlle ſind niedrig, die Graͤſer waſſerreich, wel⸗ ches alles beitragt, die Thiere empfaͤnglich fuͤr Ab⸗ mattungen zu machen. Aderläße und kuͤhlende Mittel haben nichts ge⸗ *) Das Weitere ſehe man noch in meinem Werke: Ob⸗ servatlons sur plusieurs maladies des bestiaux. 1782. **) Der Boden in der Sologne iſt ein Thon, der mit Kieſelſand bedeckt iſt. Es ſind erſtaunlich viel Suͤm⸗ pfe in dem Lande. wirkt, und konnten nichts wirken, nach den Anzei⸗ gen, welche auf ein gaͤnzliches Hinſchwinden der Kraͤfte deuteten: Haarſeile, ſtaͤrkende und reizende Mittel haben zuweilen gute Wirkungen hervorge⸗ bracht; auch habe ich dergleichen blos durch das Futtern von trocknen Pflanzen, und beſonders von Ginſter erhalten*). Ich habe mit ziemlichem Er⸗ folg verordnet, daß man mehrere Tage lang einige Glaͤſer abgekochter Beeren von Judenkirſchen(co- queret) oder von mittelſtarker Hollunderrinde, oder von Salbey, YPſov oder Poley(Ponlion) oder uͤber⸗ haupt von aromatiſchen Pflanzen mit 1 bis 2 Quent⸗ chen(auf das Maaß Waſſer) Salpeter darin gab. Ohnerachtet dieſer Faͤlle jedoch, wo ich ſie herge⸗ ſtellt habe, kann man auf alle dieſe Mittel nur dann bauen, wenn die Krankheit noch im Beginnen iſt, *) Aus natuͤrlichem Triebe fallen die Schaafe in der So- logne begierig uͤber den Ginſter her, beſonders um ſeine Schooten und die darin enthaltenen Körner zu freſſen. Auch hoͤrt die rothe Krankheit auf zu der Zeit, da ſie dies haben loͤnnen. Wuͤrde ſie ohne dieſe Nahrung auch aufgehoͤrt haben?— Ich will es nicht behaupten, aber ich glaube, daß der Ginſter ſehr vortheilhaft iſt, wenn man ihn maͤſig anwen⸗ det und daß man ihn in der Sologne vermehren ſolle. Es iſt eine oͤffnende und zugleich reizende Pflanze. Ich weiß, daß es Gegenden giebt, wo man ſorgfaͤltig die Schvoten des Ginſter ſammelt um ſie den Schaafen im Winter zu geben, und daß man ſich ſehr wohl dabei befindet. denn das war ſie auch wahrſcheinlich 5 wo es mir gluͤckte. Vorbeugen iſt auch hier wiederum die Haupt⸗ ſache. Es gaͤbe ein großes Huͤlfsmittel, welches aber nur von der Regierung erwartet werden kann, das waͤre, wenn den ſtehenden Gewaͤſſern der Solo- gne Abfluß durch Canaͤle verſchafft wuͤrde, wie der⸗ gleichen ſonſt wahrſcheinlich da geweſen ſind; das Land wuͤrde dadurch geſund und fruchtbar werden; die reichen Erndten des entwaͤſſerten Bodens wuͤr⸗ den die Schaafe reichlich naͤhren, und man wuͤrde gewiß den Krankheiten, die ſie jetzt heimſuchen, da⸗ durch vorbeugen. In der jetzigen Lage der Dinge muß man ſich begnuͤgen, die Schaafe nicht bei feuchter Witte⸗ rung ausgehen zu laſſen, ſie in der Schaͤferey und beſonders die ſaͤugenden Muͤtter und die Kleinen gut zu fuͤttern, ſie niemals zu melken, die jungen Laͤm⸗ mer beſonders nicht an gefaͤhrlichen Plaͤtzen zu huͤten, ihnen Salz zum Lecken aufzuhaͤngen, niemals, oder doch nur bei ſehr guͤnſtigem Wetter zu horten, und die Schaaßſtaͤlle trockner zu machen. Dem hauptſaͤchlich wirkſamſten hierbei, der gu⸗ ten reichlichen Fuͤtterung, ſteht die Undankbarkeit des Landes beim Anbau noch ſehr im Wege, doch muß man hoffen, daß mit der Zeit die Induſtrie dieſe Provinz, ſo wie viele andre von Frankreich, in den Zuſtand verſetzen wird, reichliche und gute Heer⸗ den zu halten. — 201— Von dem Schnupfen. Einige Schaafe ſind vor andern dem Schnup⸗ fen unterworfen; ſchnelle Witterungsveränderung und Kaͤlte der Naͤchte in den Horten veranlaßen ihn. Wenn dann der Schnupfen nur blos in der Ver⸗ dickung der Feuchtigkeit beſteht, welche die Schleim⸗ haut umgiebt, ſo verſtopfen ſich die Nasloͤcher, oder es lauft aus ihnen ein mehr oder minder dicker Rotz, die Thiere pruſten haͤufig, und heben den Kopf, um leichter durch das Maul zu athmen. at ſich der Eindruck ſchon der Luftroͤhre und den Lungen mitgetheilt, ſo huſten die Thiere, und ſcheinen mehr zu leiden. Iſt das Uebel nur leicht, ſo giebt ſichs von ſelbſt wieder. Oft aber iſt der Schnupfen ſo hef⸗ tig, daß man Sorge fuͤr ſie tragen muß: dann ſtellt man die kranken Thiere beſonders, und an einen Ort, der eine gemaͤßigte Temperatur hat, und bringt ihnen Daͤmpfe entweder blos von kochendem Waſ⸗ ſer, oder auch von aromatiſchen Pflanzen, bei, um die geſchwaͤchten Organe wieder in Thätigkeit zu ſez⸗ zen; man giebt ihnen gute Nahrung, und bringt ſie nicht eher wieder zu den Horten zurück, als bis die Verſtopfung in der Naſe(enchifréenement) und der Huſten aufgehoͤrt haben. Bei dem Artikel des Hortens habe ich auf die noͤthigen Verhuͤtungsmaaßregeln des Schnupfens auf⸗ merkſam gemacht. — 202— Von der fallenden Sucht, Epilepſie. (Tetanos, Wundſtarrkrampf.) Die jungen Schaafe werden bisweilen von der fallenden Sucht befallen, einer Art von Convulſio⸗ nen, woran ſie zum Dheil ſterben; entweder iſt dies nur Symptom einer andern Krankheit, oder auch Krankheit an und für ſich. Im erſten Falle verliert er ſich, wenn das ihn veranlaſſende Uebel aufhoͤrt, im andern erfordert er eine beſondre Be⸗ handlung. u hu ei Der heftige Schmerz, welchen eine Operation veranlaſſen kann, kann ein Thier in Kraäͤmpfe ver⸗ fallen laſſen, welche ſich verlieren, wenn der Schmerz nachläßt. 1 Ich habe Lämmer geſehen, deren Beine und Kopf von krampfigten Bewegungen befallen wur⸗ den; die Beine drehten ſich herum und blieben ſo eine Zeitlang ſtehen, ſie blieben auch wohl uͤberhaupt ſo; der Kopf wurde rückwärts gezogen. Einige ge⸗ naſen ohne Huͤlfsmittel, andre, und zwar die mei⸗ ſten, ſtarben nach mehr oder minder langer Quagl. Sie ſogen nicht, und man konnte ſie auch keine Milch verſchlucken laſſen, wegen der Zuſammenzie⸗ hung der Kinnbacken und der Speiſeroͤhre. Dieſe Krankheit wird in einigen Gegenden, z. B. in der Ardèche, die Straͤnge,(cordes) genannt, wegen der großen Steifigkeit der von Krampf ver⸗ zerrten Theile. Man hat geglaubt, es ſey nutzlich, eipen Nerven abzuſchneiden, und iſt dies nicht un— moͤglich. Aber welchen ſoll man abſchneiden? Ich glaube, daß wenn die befallenen Laͤmmer vollbluti— ger Art ſind, man ihnen am Kopf die Ader ſchlagen ſolle, doch gebe ich dies Mittel nur als einen Vorſchlag, da ich kein untruͤgliches Heilmittel bis jezt dagegen kenne*. Von den Convulſionen oder dem Bloͤdſinn. So nennt man eine Krankheit, welche einige Symptome mit andern gemein hat. Das kranke Thier macht von Zeit zu Zeit ungewoͤhnliche Bewe⸗ gungen; es geht ungewiß, wankt wie bei der Fa- lerre und dem Drehen; es faͤllt und bewegt ſeine Gliedmaßen, als wie bei epileptiſchen Kraͤmpfen: wenn man es ergreift, ſo haͤlt es ſich nicht mehr aufrecht, und ſcheint alle Kraft verloren zu haben. Man klagt ſeit einigen Jahren uͤber die Wirkungen dieſes Uebels, welches in der ehemaligen Beauce ſehr ge⸗ mein wird.— Ich habe nie Gelegenheit gehabt, es zu beobachten. Nach allem, was ich davon gehoͤrt, *) Herr Gerike glaubt, daß Wuͤrmer in den Eingewei⸗ den und dem Magen der Laͤmmer ungewoͤhnlich haͤu⸗ fig angeſammelt, das Uebel veranlaßten, und raͤth, wenn die Jahreszeit es verſtartet, den Patienten etliche grüne Weinblaͤtter zu reichen, von denen man behauptet hat, daß ſie als wurmtreibendes Mittel ausgezeichnet gut ſeyn ſollen. In jedem Fall findet ſich die Krankheit ſehr ſelten. W. — 204— ſcheint es mir Aehnlichkeit mit dem ſogenannten Veits⸗ Tanz,(danse de St. Guy, Chorea sancti Viti) zu haben. Dergleichen Thiere ſind mehr laͤſtig als nuͤtzlich, und die Landwirthe ſuchen ihre Heerden los zu werden, wenn dieſe Krankheit, welche doch zulezt mit dem Tode endet, in ihnen herrſcht. Es giebt ſelbſt Paͤchter, welche verſchiedentlich ſo viel Schaden dadurch gehabt haben, daß ſie gar keine Heerden mehr halten wollten. Ich bedaure, daß ich die wahren Urſachen da⸗ von nicht angeben kann. Man hat ſie dem Boden und dem Futter zugeſchrieben; aber der Boden in der Beauce iſt derſelbe, der er immer geweſen, und doch hat ſich die Krankheit erſt ſeit wenigen Jahren eingefunden. Wenn man dort anderes Futter fuͤr die Schaafe baut als ehemals, ſo iſt es leicht, durch Verſuche ſich zu uͤberzeugen, ob dies im Stande iſt, eine convulſiviſche Krankheit bei den Schaafen hervorzubringen? Sind die Thiere vollbluͤtig, ſo kann man ihnen dreiſt an den Halsadern Blut ablaſſen, ein oder zwei⸗ mal, wenn man einige Tage wartet. Vielleicht ſollte man ihnen auch kaltes Waſſer auf den Kopf gie⸗ ßen. Ich außere dies jedoch nur beilaͤufig, da ich die Krankheit ſo wenig ſelbſt kenne, als eine gruͤnd⸗ liche Beſchreibung von ihr geleſen habe*). *) Ein ſehr guter Rath. Es iſt mir bekannt, daß Ader⸗ laſſen in Fallen dieſer Art vollkommen geholfen hat. Von der Drehſucht(Tournis, tournoiement.) Der Toͤlpeley.(Lourderie.) Eine der Krankheiten, mit der man ſich in die⸗ ſem Augenblick am mehrſten beſchäͤftigt. Es iſt dies ſehr natuͤrlich, denn man hat viele Mittel, den Pok⸗ ken, der Faͤule, dem Milzblut, der Raͤude, dem Auf⸗ blahen ꝛc. zuvorzukommen; aber bis jetzt noch keines gegen das Drehendwerden. Von allen Seiten ſchreit man daruͤber. Man hat geglaubt, daß dies Uebel in den Jahren haͤufiger waͤre, welche auf einen feuchten und gelinden Winter folgten, ferner in den Schaͤfereien, welche dem Austreten naher Fluͤſſe unterworfen ſind; und denen, welche tief gelegen ſind, iehr als in den Hochgelegenen. Um dieſe Meinung, welche ge⸗ gruͤndet ſeyn koͤnnte, feſtzuſtellen, muͤßte man die Beobachtungen erſt mehrere Jahre fortgeſetzt haben*). Es iſt bekannt, daß man das Drehen erſt bei dem Erſcheinen der Symptome des zweiten oder lez⸗ ten Grades der Krankheit gewahr werden kann. Waͤren die Schaͤfer aufmerkſam, ſo moͤchten ſie viel⸗ leicht die Krankheit im Entſtehen bemerken koͤnnen, *) Ich glaube, meiner Erfahrung nach, auch dieſe Mei⸗ nung ungegruͤndet halten zu muͤſſen, denn ich kenne viele, ſehr hoch gelegene Schaͤfereien, unter denes die Meinige ſelbſt gehoͤrt, z. B. die im Glazer Ge⸗ birge gelegenen ſchoͤnen Schaͤfereien des Grafen Mag⸗ ni, wo aber das Drehendwerden eben ſo allgemein als an andern Hertern iſt. W. — doch muß man freilich dies nicht von Menſchen er⸗ warten, welche ſo wenig aufgeklaͤrt ſind, und die uͤberdies ſo viele Thiere zugleich zu beſorgen haben. Herr Huzard betrachtete das Drehen nicht als eine Krankheit fuͤr ſich*), ſondern als Merk⸗ mal mehrerer Arten eines krankhaften Zuſtandes. Man ſoll, nach ſeiner Meinung, darauf achten, daß es mehrere Arten der Krankheiten giebt, worin ſich die Thiere, ſo wie beim Drehen betragen: aber es iſt offenbar mehr als Symptom, wenn es von der Anweſenheit eines oder mehrerer Blaſenbandwuͤrmer (taenia vesicularis) im Gehirn herruͤhrt, und iſt dann das, was man in der Medicin ein pathogno⸗ miſches Zeichen nennt. Uebrigens hindert Herrn Huzards Meinung gar nicht das, was ich dar⸗ uͤber zu ſagen habe. Gewoͤhnlich deutet man auf das Drehen, wenn ein Schaaf einen unſichern und wankenden Gang hat; bald vor, bald hinter der Heerde geht, ſich auch wohl ganz davon verliert; den Kopf ſchwerfaͤllig tragt, immer nach einer Seite, und bisweilen oft hintereinander umdreht, dabei die Naſe in die Luft haͤlt(oft auch gegentheils zur Erde), niederfällt, um wieder aufzuſtehn und wieder niederzufallen. Dar⸗ auf verirrt es ins Feld und frißt nicht, es bleibt liegen, betaͤubt, ohne Sinne; es verzehrt ſich nach *) Siehe den intereſſanten Brief des Herrn Huzard an den Herrn Pictet von Genf, Theil Xll. der Annales de 1 Agriculture frangaise. T. — 207— und nach, und ſtirbt an dieſer Abzehrung. Gewoͤhn⸗ lich iſt der Gang der ſehr langſam, oft aber auch Herr Jvart, Profeſſr der Landwirthſchaft zu Alfort, hat Winter ſeinen Schaafen Rhein⸗ farrenkraut(de la tanaie) geben laſſen, und we⸗ niger Dreher als andre Jahre gehabt. Der Ver⸗ ſuch iſt nicht ſchwer zu wiederholen; Rheinfarren findet ſich faſt aller Orten, und man kann ihn auch durch andre bittre Pflanzen erſetzen. Nan wird die Urſache des Drehens ſo wenig in der Bruſt als im Unterleibe ſuchen, der Zuſtand des Kopfs hat vermuthen laſſen, daß man ſie im Gehirn finden werde, und wirklich findet man darin meiſtens 1 oder mehrere Hydatiden, bald vereint, bald getrennt, aus ziemlich dichten Haͤuten beſtehend, welche runde Taenias verſchließen, die mit 4 Sau⸗ gern verſehen ſind und in einer klaren Fluͤſſigkeit ſchwimmen. Ich habe welche geſehen, die beinahe ein Glas voll dieſer Fluͤſſigkeit enthielten, und vie⸗ len Raum in der Woͤlbung des Hirns einnahmen*). *) Herr Gerike irrt, wenn er behauptet, daß die Blaſe mehr uͤber dem Gehirn als in der markigten Sub⸗ ſtanz derſelben ſelbſt laͤge. Im Gegentheil iſt ſie mei⸗ ſtens zum groͤßten Theil davon umſchloſſen, und liegt oft nur mit einem kleinen Fleckchen unmittelbar ge⸗ gen den Schädel an. Wo dies aber iſt, da iſt der Schaͤdel immer ohne Ausnahme verduͤnnt, und bis⸗ weilen ſo ſehr, daß er nur die Dicke einer Mem⸗ brane hat. W. Bisweilen ſind die knochigten Theile verduͤnnt an den Stellen, wo ſich die Hydatiden anlehnen; faſt immer liegt eine Menge von Feuchtigkeit zwiſchen den Lappen des großen und denen des kleinen Ge⸗ hirns, und fuͤllt die Zwiſchenràume aus*). Eine genauere Anatomie wuͤrde vielleicht mehr entdecken; dies iſt, was man bisher gefunden hat. Im Allgemeinen, ſagt man, befaͤllt das Dre⸗ hen nur die Schaafe erſt, wenn ſie im 2ten Jahr alt, das heißt, wenn ſie Jaͤhrlinge ſind. Doch be⸗ kommen auch einige Luͤmmer die Krankheit, wie man behauptet; welche Verſchiedenheit der Meinungen in der Verſchiedenheit der Benennungen liegen kann. Schaafe von 3 Jahren und druͤber ſollen ſie auch gehabt haben, welches in einer andern Urſache lie⸗ gen kann**). Man hat geglaubt, daß das Drehen von dem Stich der Sonne herruͤhre, den das weidende Schaaf 6 auf den Kopf erhält. Es hat, wie bekannt, den Kopf geſenkt, wenn aber auch die Sonne auf dieſe Art ſenkrecht auf den Schaͤdel fiele, ſo kann ſie doch faſt unmoͤglich durch *) Mein franzoͤſiſcher Text ſagt hier„Ventricutes;“ da aber unmoglich hier von den Maͤgen die Rede ſeyn kann, ſo glaubte ich es durch Zwiſchenräu⸗ me uͤberſetzen zu muͤſſen⸗* **) Es iſt erwieſen, daß es unter den Laͤmmern wirk⸗ liche Dreher giebt. W. durch den harten, mit Wolle, beſonders bei den Merinos, bedeckten Knochen hindurch, ſchaͤdlich auf die Gehirntheile wirken Diejenige Race, welche tahle Scheitel haben, wie z. B. die Beauceronner, Mormaͤnner, Champagner u. ſ w wuͤrden dem Dre⸗ hen mehr als die Spanier ausgeſetzt ſeyn, man wuͤrde es auch haͤufiger im Suͤden als im Morden finden, welches der Erfahrung entgegen iſt. Auch ſind die vom Sonnenſtich erzeugten Krankheiten entzuͤndungs⸗ artig, was dieſe nicht iſt. Andre haben die Unzulänglichkeit der Nahrung beſchuldigt, und ſich eingebildet, daß jene Jährlinge, welche nicht lange genug geſogen oder nicht genug Mahrung im Felde hätten, eher davon befallen wuͤr⸗ den, als die uͤbrigen; allein ich weiß, daß Heerden, bei denen die vorzuͤglichſte Fuͤtterung ſtatt findet, eben ſo darunter leiden. Auch hat man den Grund in dem Horten der Lämmer bei ſpaͤter Jahreszeit, bei langen und reg⸗ nichten Naͤchten geſucht. Das kann ihnen ſchaͤdlich ſeyn, aber das Drehen entſteht nicht davon. Meine Heerde hortet alljaͤhrlich bis Martini, und nur im Jahr 1807 litt ſie an der Drehkrankheit. Ein guter Thierarzt, Herr Schneider, iſt der Meinung, daß der Ausbruch der Backzaͤhne viel dazu beiträgt. Obgleich ich keine Gruͤnde fuͤr dieſe Meinung einſehe, ſo habe ich ihn doch aufge⸗ fordert, alles, was bei der fruͤhſten Jugend dieſer Thiere vorkommt, mit Ruͤckſicht hierauf zu beobachten. Herr Voiſin, Arzt zu Verſailles, hat das D Drehen einer wähelz⸗ Verſchleimung des Gehiens beigemeſſen, und die Entſtehung der Hydatiden nur als eine Folge dieſes Zuſtandes angeſehen, den er mit dem Waſſerkopf der KFinder vergleicht. Auch dies iſt eine bloße Vermuthung. Nach einigen teutſchen Schriftſtellern ſoll die zu große Waͤrme der Ställe und daraus entſtehende Schwaͤche der Laͤmmer, das Uebel veranlaſſen. Auch das ſtimmt nicht zur Erfahrung. Herr F. C. S. Gerike, ein Weſtphaͤlinger, hat 180 im Teutſchen eine Anleitung zur Hei⸗ lung und Kenntniß des Drehens der Schaa⸗ fe herausgegeben, welche ins Franzoſiſche uͤberſetzt iſt). Dieſer Landwirth verwirft alle bis hierher vorgetragene Meinungen, und ſtellt eine ihm eigen⸗ thůͤmliche Vermuthung auf. Er behauptet, das Drehen ruͤhre von den heftigen Stoͤßen her, welche die jungen Thiere häufig ſich gegen den Kopf bei⸗ bringen, ſowohl beim Umherſpringen(beſonders in den Stäͤllen) als wenn ſie ſich untereinander ſtoßen. In dieſem zarten Alter iſt ihr Schaͤdel weicher als ſpaͤterhin. Durch dieſe Erſchutterung wird eine der vielen Druͤſen beſchaͤdigt, welche im Gehirn ſich be⸗ finden. Das Abſonderungs-Geſchaͤft dieſer Druͤſe iſt nun geſtört, es ſammelt ſich Lymphe darin, welche *) Eine Brochure in Duodez von 97 Seiten mit einem Kupfer, Paris bei Schoͤll, rue des Fossés St. Ger⸗ mein lAuxerrois. — 271— ſie in görm eines Beutels oder einer Blaſe ausdehnt, welche immer groͤßer wird; dies iſt ſeine Erklärung. Dieſe Meinung wuͤrde mehr als alle uͤbrigen fur ſich haben, wenn nur der Autor geſagt haͤtte, wie in dieſen Blaſen die Taenias entſtehen, und welches die Druͤſen ſind, von denen er ſpricht: es giebt im Gehirn keine andre Druͤſen als das Gehirn ſelbſt; und endlich warum ſind die Bocke, welche ſich heftiger ſtoßen, als die Schaafe, dem Drehen nicht mehr unterworfen*). Alle dieſe Ideen haben keine ſichern, auch keine wahrſcheinlichen Vorbeugungsmittel nur, hervorbrin⸗ gen koͤnnen. Man hat alſo die Heilung verſucht, und zwar auf verſchiedene Weiſe. Hier iſt, was mir daruͤber bekannt geworden. Man hat den Laͤmmern bis zum rgten Monat ihres Alters die Wolle auf dem Kopf ſtehen laſſen. Es hat nichts gewirkt. Mehrere Landwirthe haben nur noch mehr Dreher gehabt. Hr. Voiſin hat den Drehern eine Abkochung der Krappwurzel(racine de garance) zu verſchie— denen Malen gegeben; und manche Leute haben es nachgeahmt. Einer will Wirkungen davon bemerkt haben, der andre nicht. War es im erſten Falle 2 Dieſer Einwurf fiele wohl weg, denn im juͤngern Al⸗ ter ſtoßt ſich das Bocklamm nicht mehr als das Zibbelamm, und ſpaͤterhin ſchuͤtzen ſie ja die wach⸗ ſenden Hoͤrner. — 212— wohl das wirkliche Drehen? und hat man nur Krapp allein, oder auch andre Mittel angewandt, iſt die Hei⸗ lung vollſtandig und ohne Ruͤckfall geweſen? dies alles iſt nicht klar. Herr Voiſin ſelbſt rechnet nicht mehr allzuſehr darauf. Da es einige kranke Thiere geheilt hat, ſo muß das Mittel indeß fuͤr manchen Fall gut ſeyn, und es waͤre zu wuͤnſchen, daß man dieſe kennte. Nach der Analogie der menſchlichen Wundarz⸗ neikunde hat man zum Trepan ſeine Zuflucht ge⸗ nommen. Dieſe leichte Operation iſt in vielen Laͤn⸗ dern verſucht worden. Da meiſtentheils der Hyda⸗ tide oben auf dem Gehirn liegt, ſo erſcheint er ſo⸗ gleich, als das knochigte Stuͤck fortgenommen iſt, und man zieht ihn ganz hervor. Vielen dergleichen Dperationen habe ich beigewohnt, ohne jemahls einen guten Erfolg zu ſehen. Manche Thiere haben bis g Tage hernach gelebt, gewoͤhnlich ſtarben ſie 2— 3 Tage danach. Herr C. Pictet verſichert, in ſei⸗ ner Heerde ein Schaaf zu haben, welches Hr. Mau⸗ noir zu Genf ein Jahr fruͤher operirt habe. Der Fall iſt ſehr ſelten, und man kann auf eine Methode nicht rechnen, welche mehrentheils fehlſchlägt. Auf die Nachricht, daß man in Teutſchland das Drehen zu heilen wiſſe, hat man den Mitteln nachgeforſcht. Man fand, daß man den Schaͤdel nicht mit einem Trepan durchbohrte, welcher einen zu großen Theil davon wegnimmt, und zu viel Ge⸗ hirn entbloßt, auch den Schaͤdel beim Durchbohren zerreißt, ſondern mit einem Inſtrumente, welches leichter zu handhaben iſt,(dem ſogenannten Sau⸗ getrokar) man erhielt Nachricht von den erſten Riem⸗Reutterſchen Verſuchen im Jahr 1791, und Herr Morel de Viudé beſchrieb in einer Ab⸗ handlung, die er in der Pariſer Societät des Ak⸗ kerbaues ablaß, das Inſtrument und das Verfahren 5 Das Schwierigſte iſt, den Platz zu finden, wo man die Operation machen muß. Der Schafer muß wohl auf alles merken, die Seite in Acht neh⸗ men, nach der das Thier dreht**), beim Schuͤtteln des Kopfs ſuchen, das Waſſer in der Hydatide ſich bewegen zu hoͤren, mit dem Daumen verſuchen, ob ein Theil des Gehirns, der etwan ſchon verſchwaͤcht iſt, nicht nachgiebt u. ſ. w. *) Ich uͤbergehe beides, da den Deutſchen der Riemſche Saugetrokar ſo wohl bekannt iſt, als das Verdienſt, welches ſich die Herrn Riem und Reutter da⸗ durch erwarben, daß ſie zuerſt ſehr ſchaͤtzbare Unter⸗ ſuchungen uͤber die Natur der Drehkrankheit bekannt machten und auf den Wegfuͤhrten, auf welchen nach⸗ her mehrere gluͤckliche Fortſchritte zur Heilart dieſer Krankheit gemacht ſindz da aber die Unzulänglich⸗ keit des Saugetrokars ſelbſt auf der andern Seite zu ſehr bewieſen iſt. W. **) Dieß nutzt, meiner genauen Erfahrung nach, nichts⸗ Riem behauptet, die Schaafe drehten immer nach der Seite hin, wo die Blaſe liegt⸗ Gerike behaup⸗ tet das Gegentheil, und beide haben Unrecht, denn haͤufige Verſuche haben mir bewieſen, daß beides, nur nicht zugleich, bei dem nemlichen Schaafe ſtatt findet. W.⸗ —— Iſt das Drehen ſchon lange dauernd geweſen, und liegt die Blaſe oben, ſo iſt der Ort an duͤnnen Gehirn leichter zu erkennen.„ Herrn Gerike's Methode weicht von des Herrn Riem datin ab, daß man nach ihm die Spritze gar nicht brauchen, und das Waſſer nicht aus der Blaſe hervorpumpen ſoll, und er zieht das bloße Punctiten dem Auspumpen vor. Er will, man ſoll, nachdem man den Trokar mit ſeiner Roͤhre herein⸗ geſtoßen hat, jenen blos hervorziehen, die Roͤhre aber in dem Schaͤdel ſtecken laſſen, und blos den Kopf des Thieres herunterbiegen, ſo daß das Waſſer, un⸗ gepumpt, natuͤrlich ausfließe und glaubt, daß das Zerreißen der Blaſe und das einfache Auslaufen des Waoſſers zur Heilung hinreichend ſen. Dann ſoll man in die Wunde einige Tropfen Moyrthen⸗ Eſſenz einlaufen laſſen, und das Ganze mit einem ſi zukleben. Herr Valois, Thierarzt zu Perfilee hat mit Erfelg Hern Gerike's Methode verſucht, und ſcheint ſe e 2 andern vorzuziehen. Herr Jvart hat ſich am meiſten mit de Heil⸗ aht der Drehkrankheit beſchaͤftigt; er bat ſich an⸗ faͤnglich bei dem Punctiren des Schaͤdels dieſes Tro⸗ kars und hernach eines bloßen Pfriemes oder einer Ahle bedient. Nach berſchiedenen Verſuchen mit dem Trokar glaubt er, daß der Pfriem ſauberer durchſticht und nach dem Willen und dem Geſchick des Ope⸗ rateurs in die gehorige Tiefe zu bringen ſey. Herr Jvart, deſſen Bruder und Sohn, und Herr Rap⸗ polt*) haben gemeinſchaftlich Beobachtungen an⸗ geſtellt. Der Pfriem, deſſen ſie ſich bedienen, hat 4 Zoll Lange mit dem Stiel, und 1 Linien Laͤnge Stahls, bei der Dicke einer Federſpule. Seine Spitze iſt nicht allzu ſcharf, damit ſie nicht bricht und damit ſie leichter uͤber die Blutgefäße und die Nervenfaſern weggeht, die ſie antreffen koͤnnte und er iſt rund geſchliffen, ſo daß er von oben an, allmaͤhlig bis zur Spitze hin abnimmt. Man nehme was man will, ſo iſt das Wich⸗ tigſte zu wiſſen, wo man einſtechen muß, um die Hyatide oder die Hydatiden zu finden, welche mei⸗ ſtentheils das große Gehirn enthalt; faͤnden ſie ſich zwiſchen dem großen und kleinen Gehirn, ſo koͤnnte man nicht dahin kommen, ohne das Thier zu todten. Herr Rappolt nimmt an, um leichter den Ort bezeichnen zu koͤnnen, wo man einſtechen muß, daß auf dem Kopf des Thiers ein Viereck durch 2 längs und 2 Parallel⸗Linien gebildet waͤre, von ei⸗ nem Auge und einem Ohr zum andern, und dann von den Augen zu den Ohren hin, und daß dies Quadrat wiederum in 2 gleiche Theile abgetheilt ſey, durch eine laͤngs herunter uͤber die Mitte des Schei⸗ tels laufende Linie. Dann wuͤrde man immer mit⸗ ten in einem dieſer leztern Quadrate die Dperation anbringen muͤſſen. Auf die Weiſe verſchone man *) El've bon Alfort, jezt Dirigent der kaiſerlichen Schä⸗ fetei der Roer. T — 8— in der ganzen Laͤnge die Mitte des Schaͤdels, wel⸗ che man nicht dffnen darf, ohne das Thier auf jeden Fall zu toͤdten. Bei den Hoͤrnertragenden Boͤcken ſolle man die Einſchnitte ein wenig ruͤckwaͤrts und uͤber dieſe Erhohungen machen, das ſey Bab br in den Vierecken angegebene Ort.* Der Trokar hat uͤber das Inſtrument des 8r. Ivart vielleicht den Vortheil, nur auf eine beſtimmte Tiefe einzudringen*), um durch Menſchen ohne Uebung gehandhabt werden zu koͤnnen; aber die Heff⸗ nungen, die er macht, ſind viel großer, und koͤnnen mithin um ſo gefaͤhrlicher werden. Wirklich muß Herr Jvarts Pfriem durch eine ſichere Hand ge⸗ fuͤhrt werden, allein ich ziehe ihn doch dem Trokar vor: bei deſſen Gebrauch macht man keinen Ein⸗ ſchnitt in die Haut, die man indeß unverſchoben laſſen muß, damit das Loch gerade uͤber dem im Schaͤdel bleibe, und das Waſſer leichter herausge⸗ hen konne. Der Operateur haͤlt das Inſtrument feſt zwiſchen Daumen, Zeige und Mittel⸗Finger, ſo daß er nur ſo weit einſtoͤßt, als er gerade will, und ſtuͤzt die andern beiden Finger auf den Kopf, um eine feſte Hand zu haben, welches hoͤchſt noͤthig iſt. Man wende nicht zu viel Kraft an, es iſt beſſer, wenn man aufs erſte Mal nicht tief genug gekom⸗ men ware, den Stich zu wiederholen. Iſt der Schaͤ⸗ del durchbohrt, ſo lenkt man ſachte das Inſtrument *) Keineswegs. W. ins Innere; 6— 8 Linien ſind meiſtens hinreichend, und oft weniger, wenn der Schaͤdel biegſam und ſchon duͤnne iſt. Man zieht ſchnell das Inſtrument dann wieder zuruͤck, welchem der Hydatide, noch ge⸗ fullt oder leer folgt; man zieht ihn behutſam, ent⸗ weder mit einer Nadel oder mit den Fingern her⸗ vor; dreht dann den Kopf des Thieres herum, um ſo viel Waſſer als moglich auslaufen zu laſſen, wel⸗ ches man dadurch ſchneller hervorbringt, daß man dem Schaafe einen Finger ins Maul ſteckt, damit es die Kinnladen bewegen muß. Bisweilen koͤmmt ſo wenig Hydatide als Waſſer; dann bringt man den Pfriem leiſe und ruhig von neuem hinein, um die Blaſe zu durchbohren oder zu loͤſen. Man muß nicht immer durchaus die Blaſe hervorziehen wollen; es iſt genug, ſie durchſtochen zu haben. Die Herren Jvart und Rappolt thun ſowohl vor als nach der Operation nichts weiter, als daß ſie die Kranken abſondern, und gut, aber maͤßig fuͤttern. Sie thun nichts auf die Wunde, als einige Tropfen Terpentin⸗Eſſenz: ja man duͤrfte ſie nur blos mit Wein waſchen. Man ſieht aber nach dem Thier, und reinigt die Wunde von Schmutz, oͤffnet ſie auch 3 Tage lang, alle 2 Tage, entweder dadurch, daß man den Schorf abnimmt, oder auch, daß man mit dem Pfriem ein wenig hineinſticht, um ſo dem Waſſer und allem, was ſich unter der Wunde an⸗ geſammelt haben koͤnnte, Abzug zu verſchaffen, denn alles Waſſer koͤmmt nicht immer bei der Operation. Auch Herr Ivart will keinen Saugetrokar anwen⸗ — 218— den, weil man damit das Gehirn aufzieht, und ſelbſt Theile deſſelben losloͤſen kann, und weil man Blut⸗ gefaße und Nerven damit zerreißt, woran die Dhiere ſterben koͤnnen; er haͤlt dafuͤr, daß das bloße Aus⸗ laufen des Waſſers heilen koͤnne, und iſt hierin mit Herrn Gerike einer Meinung. Die mehrere An⸗ w der Stiche hindert die Heilung des Dhiers nicht. Bei den Boͤcken gelingt es der we⸗ gen⸗ nur ſehr ſelten. Ein großer Theil der durch die Herren J n und Rappolt operirten Dhiere ſind— einem andern Dheile iſt das Leben wenigſtens laͤnger da⸗ durch gefriſtet worden. Herr Jvart halt es we⸗ ſentlich noͤthig, nur bei trocknem Wetter zu operiren, und die Thiere dann an einem ſehr trocknen Orte zu halten. Sollte man nun auch wirklich nur einige Füiere einer Heerde retten koͤnnen, ſo iſt die Dperation ſo leicht, ſo wohlfeil, daß man ſie auf jeden Fall un⸗ ternehmen ſollte, denn leider iſt es nur zu gewiß, daß ein drehendes Schaaf immer ſtirbt, wenn man nichts dagegen thut. Je mehr man ſich mit der Oplkation beſchaͤftigt, je mehr wird man ſie vervollfommnen. Herr Jvart hat ſchon viele geheilt: auch Herrn Valbis ſoll es gelungen ſeyn, ſo wie Herrn Pe⸗ tit und Herrn Louchard. Letzterer hat bei Herrn de Neuvry, Maire zu Biévre im lezten Jahre 4 Jaͤhrlinge operirt, welche ſeit der Zeit gelammt haben und ganz munter ſind. Vor einem Monate noch hat er ein maͤnnliches Lamm behandelt, welches ganz geſund geworden iſt; uͤberhaupt hat er von 20 Thie⸗ ren, die er in 18 Monaten behandelt hat, 9 voll⸗ kommen geheilt. Bis jezt hat er den Trokar gebraucht. Herr Husard hat bei mir in Paris mit Hrü. Desplas, in meiner Gegenwart im Monat Aprill 1808 einen meiner Zibbe⸗Jaͤhrlinge operirt, der voll⸗ kommen geheilt wurde. Dabei bediente ſich Herr Huzard des Trokars, aber eines veraͤnderten und weniger großen, als des in der Chirurgie w lichen. Der gehabte Erfolg veee mehr; une wir muͤſſen hoffen, Herr uͤber dieſe Krankheit zu werden. Ich habe mich laͤnger bei ihr als bei andern aufge⸗ halten, da ſie nur durch mechaniſche Mittel ange⸗ griffen werden kann und r S ein ſehr delicater Drt iſt. Oft koͤmmt es, daß ein Scuuf den Kopf nach der Seite haͤlt, dumm ausſieht und ſich bewegt, ohne daß es drehend deshalb waͤre. Dieſer beaͤngſtigte und unſichere Gang entſteht entweder durch Ver⸗ ſtopfung in der Naſe, oder durch gewiſſe Wuͤrmer, die man oestrus(aestres) nennt, und welche ſich in dem Schleimgange der Naſe und Stirnhoͤhle auf⸗ halten, ich werde weiterhin darauf zuruͤckkommen: alsdann nießt das Thier, es pruſtet haͤufig und ver⸗ liert dicken Sn durch die Maſe*). *) Dieſe ganz unſchaͤdlichen Larven der Schaafbremſe wa⸗ ren es, welche Herrn Gerike anfänglich verleiteten, 0— Auch bei andern im Kopf ihren Sitz haben⸗ den, oder ihn wenigſtens mit afficirenden Krankhei⸗ ten, nehmen die Schaafe oft Stellungen an, wel⸗ che dem Drehen nahe kommen; dies geſchieht z. B. bei den Krämpfen, der Dummheit, der Gehirnwaſſer⸗ ſucht u. ſ. w.: allein wenn man auf alle Anzeichen zuſammen achtet, ſo wird man ſich ſelten truͤgen. Das Mational⸗Inſtitut hat Commiſſarien zur Un⸗ terſuchung dieſer Krankheit ernannt, denen gewiß alle ihre Modificationen und b⸗ S nicht entgehen werden*). . ſe ie fuͤr die urſache des Drehens zu halten, und ihm in der Folge, als er ſich vom Gegentheil uber⸗ zeugt hatte, den entgegengeſetzten Jrrthum veran⸗ laßten, gar keine Wuͤrmer im Gehirn finden zu wol⸗ 8 len, weil er bei der Unterſuchung wahrſcheinlich im⸗ mer an die großen Oestrus-Maden dachte und der . kleine nadelknopfgroße tsenia socialis oder vencula- . ris multiceps freilich davon himmelweit verſchieden iſt. 19 Doch bleibt es immer unbegreiflich, daß Herr Ge⸗ rike geradezu verſichert, kein Gewuͤrm in der Blaſe entdeckt zu haben, da ihm doch die Riemſchen Schriften bekannt waren, und die darin enthaltenen trefflichen mikroscopiſchen Darſtellungen ihn noth⸗ wendig leiten mußten.— *) Kaum war die Gerikeſche Schrift erſchienen, ſo ergriff ich, uͤberzeugt von der Unfehlbarkeit der Heilart, nach dem, was Herr Gerike daruͤber ſagt, die naͤchſten . Gelegenheiten, und operirte nach und nach im Gan⸗ * zen 15 Stuͤck drehende Jährlinge. Mit Ausnahme von 3 Fallen, wo ich theils zu tief, theils nicht rich⸗ — 3— Vom Aufblaͤhen. (Souſlement de la panse, Metéorisation.) Bisweilen bläht den Schaafen plotzlich der Leib auf. Der gewoͤhnliche Name iſt Aufbauchen (enpansement.) tig geſtochen hatte und Blut erhielt, hatte ich das Vergnuͤgen, diejenigen nächſten Reſultate zu erhal⸗ ten, die man als die beſten angiebt Immer erhielt ich nach dem Stich viel und klares Waſſer, die Thiere wurden ploͤhlich munter und lebhaft, fraßen wie vot⸗ ber, hielten ſich in dem Zuſtande auch mehr oder minder lange, ohne wieder zu drehen, ja bisweilen Monate lang, endlich aber fielen ſie wieder ein, und ſtarben leider alle ohne Ausnahme. Dieſer traurige Erfolg ſchlug mich dergeſtalt nieder, daß ich ſchon Herrn Gerike dafuͤr in die Claſſe der vielen Schirft⸗ ſteller ſetzen zu muͤſſen glaubte, welche mit der un⸗ glaublichſten Zuverſicht ganz unwahre Dinge behaup⸗ ten Dies iſt jedoch nicht der Fall, vielmehr ſcheint wirklich nur Eifer fuͤr die gute Sache ihn dahin ver⸗ mocht zu haben, ein wenig zu uͤbertreiben. Daß die Heilung ihm wirklich gelungen, davon habe ich mich uͤberzeugt, daß ſie aber immer ſehr mißlich iſt, hat Herr Gerike mir ſchriftlich ſelbſt zugeſtanden, und ich erlaube mir aus ſeinem Briefe das hierher ge⸗ horende mitzutheilen. Herr Gerike geſteht erſtlich, daß nur in Heinde, nicht in St Luͤdgeri, wo er jezt wohnhaft iſt, ihm die Kur gegluͤckt, daß vielmehr dort 10 operirte Thiere hintereinander ſtarben, er giebt ferner zu, daß nur dann die Heilung erfolgt, wenn die Wurmblaſe oben auf dem Gehirn nach * Die urſache liegt ſehr klar am Tage, es iſt entweder eine Ueberladung von Nahrungsmitteln, * wenig zu tief eindringt, durch die entſtehende Ent⸗ vorne zu liegt, nicht, wenn ſie im Gehirn ſelbſt oder unter demſelben liegt, welche Fälle Herr G anfänglich in ſeiner Schrift entweder unmoͤglich, oder doch hoͤchſt ſelten moͤglich hielt, zweitens, der Stich, wenn er ein zuͤndung ebenfalls tödtlich wird, weshalb er jezt auch jedesmal den Kopf fortgeſetzt mit kaltem Waſſer be⸗ gießen läßt; auch dies wurde in der Schrift als ganz unbebeutend angegeben; drittens, die Heilung hoͤchſt mißlich ſey, wenn man erſt die weich gewordene Stelle am Schaͤdel abwarten will und er jet daher jedem Dreher aufs gerade wohl links oder rechts in den Schaͤdel bohre, welches doch, ich geſtehe es, mir noch unzweckmaͤßiger ſcheint.— Eben ſo übertrieben ſchie⸗ nen mir bei meiner Anweſenheit in Maiſon bei Herrn Ivart die Angaben, uͤber die dort nach ſeiner ver⸗ beſſerten Gerikeſchen Methode geheilten Dreher, und der anſpruchsloſe grade Herr Bourgeois, Inſpec⸗ teur von Ramboullet, beſtaͤtigte mir dies ebenfalls. Deſſen ungeachtet bleibt es immer wahr, daß auch dort einige Thiere geheilt ſind. Daß dies aber gar ſeltne Faͤlle ſind, und mehr das Zuſammentreffen gluͤcklicher Umſtaͤnde dabei gewirkt, als die verbeſſerte Heilmethode, beweißt eine von meinem alten Schaͤ⸗ fer gemachte Erfahrung. Vor langen Jahren hat die⸗ ſer verſuchsweiſe die jedem Schaͤfer laͤngſt bekann⸗ ten weichen Schaͤdelſtellen dreier drehenden Jahr⸗ linge an demſelben Tage mit dem Meſſer aufgeſto⸗ chen, die Wurmblaſen gluͤcklich mit einer krummen Radelſpitze herausgezogen, ſich weiter um ſeine Dre⸗ her nicht bekuͤmmert, und zufaͤllig die Freude gehabt, — 223— oder irgend eine Luftart, welche aus der Gährung der im Magen enthaltenen Theile ſich entwickelte. alle 3 vollſtaͤndig und auf die Dauer geheilt zu ſehen. Vielfaͤltig hat er nachher den Verſuch wieder⸗ hohlt, ihn durch ſeine Cameraden wiederholen laſſen, aber nie, nicht einmal wieder, iſt es ihm gegluͤckt. Ich halte dafuͤr, daß, wenn die Heilung gelingen ſoll, erſtens, nothwendig nicht blos das Waſſer, ſondern auch die Haut der Blaſe ſelbſt mit den dar⸗ an haͤngenden Hunderten von taenias aus dem Ge⸗ hirn entfernt werden muß, und ziehe deshalb die Jvartſche Methode der Gerikeſchen vor, indem jene dies bisweilen moͤglich macht, dieſe aber es ganz verhindert. Zweitens, die Blaſe ſo liegen muß, daß, ohne bereits zu alt zu ſeyn, ihr fortwaͤh⸗ render Druck gegen die Schaͤdelſtelle dort eine fuͤhl⸗ bar weiche Stelle bewirkt hat, denn ein andres Kenn⸗ zeichen fuͤr die Lage der Blaſe, als dieſe Stelle, giebt es nicht, und bei einer alten Blaſe findet man die daran liegenden Theile der Gehirnmaſſe an dem Orte, wo die Colonien der kleinen ſasnias ſich be⸗ finden, durch das beſtaͤndige Anfallen und Saugen dieſer Wuͤrmer ſo verzehrt und in Eiterung uͤberge⸗ gangen, daß auch ſelbſt das Herausnehmen des gan⸗ zen Blaſenwurmes gewiß nicht mehr helfen kann. Drittens, das Gehirn nur eine Blaſe beherberge und auch nachher nicht wieder eine Diſpoſition bekomme, eine andre zu erzeugen. Beides iſt mir wiederfah⸗ ren, und ich habe nicht nur in dem nemlichen Ge⸗ hirn eines ſchwachen Jaͤhrlings 3 Blaſen zu gleicher Zeit angetroffen, ſondern darunter ſogar eine von der Große eines Huͤner⸗Eies, die ich noch, da ſie nicht auslief, in Spiritus aufbewahre. — 224— 8 Wenn eine Heerde nach lang anhaltender trockner Fuͤtterung zu lange auf einer Weide gelaſſen wird, deren Gras zart und anreizend iſt, ſo freſſen die Schaafe ſo viel, daß die gefraͤßigſten, oder die, wel⸗ che einen ſchwachen Magen haben, aufblähen. Auch ein Uebermaaß von Koͤrnern wuͤrde dieſelbe Wirkung erzeugen. Auch leiden ſie davon unter gewiſſen Um⸗ ſtänden, ohne uͤbermaͤßig viel genoſſen zu haben; wenn man z. B. ſie auf einem KFlee⸗ oder Luzern⸗ ſtuck, ſelbſt auf vom Thau benezter Hafer⸗ oder Wei⸗ zenſaat gefuͤhrt hat, ſo erzeugt die Feuchtigkeit, wo⸗ mit das Genoſſene angefuͤllt iſt, eine ſchnelle Gaͤh⸗ rung; es entwickelt ſich Gas, welches den Leib uber⸗ maͤßig auftreibt, das Athmen und die Cirkulation des Bluts hemmt und meiſtentheils ſchnell todtet. Auffallend iſt es, daß Schaafe aufgeblaͤht ſind, wel⸗ che nur eine Stunde lang, im Winter, bei Froſt⸗ wetter Ich füge uͤbrigens nach meinen Zeichnungen auf beigefugter Kupfertafel die Abbildungen 1) des ganzen Taenia vesicularis unverlezt, wie er ſich im Gehirn befindet, mit einigen Colonien der kleinen Wuͤrmchen im ruhigen Zuſtande, andere in ausge⸗ ſtreckter Geſtalt, 2) einer Wurmblaſe im halbverwe⸗ ſeten Zuſtande, wie ich ſie in einer operirten Gehirn⸗ hoͤhle bei dem Lode des Schaafs gefunden, wo auffallenderweiſe die Wurmkorperchen ſich auch aus⸗ geſtreckt hatten 3) Einer dergleichen, nach ausgefloſ⸗ ſenem Waſſer, ſchlaffhaͤngend. 4) Eines einzelnen Koͤrperchens in ausgeſtrecktem Zuſtande, doch nicht in ſo ſtarker Vergroͤßerung, daß man die in Riems Abbildungen ſehr deutlichen Hakenkraͤnze ſehen koͤnnte; wetter auf einem Luzernſtuͤck zugebracht haben, doch iſt das Factum ganz genau richtig. Man hat geglaubt, daß die Grasarten, welche das Aufblähen bewirken, eine toͤdtliche Beſchaffen⸗ heit haͤtten. Es iſt moͤglich, allein ſchon die me⸗ chaniſche Ueberfuͤllung und Ausdehnung kann große Unordnungen veranlaſſen und das Thier erſticken. Mitunter hat man die Ratur der Pflanzen beſchuldigt, und beſonders von Luzerne und Klee be⸗ hauptet, daß ſie mehr als andre Gewaͤchſe dieſe Be⸗ ſchaffenheit häͤtten. Es ſcheint indeß, als wuͤrden Weitzen⸗Saatfelder, Hafer, Gerſte, Erbſen u. ſ. w. die nemliche Wirkung hervorbringen, wenn man ſie nach Gefallen abfreſſen ließe. In der ehemaligen Caux befeſtigt man die Kuͤhe an Pfloͤcken auf den Kleeſtuͤcken, den einzigen Wieſen, die man dort hat, und ſorgt genau, daß ſie beim Weiterbinden(Tuͤ⸗ dern) nicht zu viel abfreſſen, welches die Folge hat, daß ſelten Kuͤhe aufblahen, obgleich ſie dem Uebel gleichfalls unterworfen ſind. Die Anzeichen beſtehen in einer merklichen Aus⸗ dehnung des Bauchs und der linken Seite, einem langſamen Gange, Mattigkeit, Stolpern; ſchwerem Athem; und oͤfterem Aufſperren des Mauls. Iſt es ſchon ſehr weit damit gekommen, ſo widerſteht das Thier nur noch wenige Augenblicke, bis es todt hin, fallt. Beim Heffnen des Koͤrpers findet man den Panſch ganz voll Rahrung, und es dringt heftig ein Gas daraus hervor, welches darin eingeſchloſſen war. Man muß, um ſich dagegen zu ſichern, 1) die P — 226— Schaafe ſo wenig trockne als gruͤne Nahrung zu viel mit einem Mal nehmen laſſen; 2) ſie auf Wie⸗ ſen mit zartem Graſe nicht eher als ſie abgetrocknet ſind, oder wenigſtens nur ſchnell daruͤberhin weiden laſſen; man kann lieber einmal öfter dahin zuruͤck⸗ huͤten. 3) Wo man Klee, Luzerne, junge Erbſen oder Wicken fuͤr die Schaafe gruͤn abmaͤht, muß man dies einen Dag vorher thun, um ſie erſt ab⸗ welken zu laſſen, ehe die Thiere ſie freſſen ¹à). Wenn ein Schaaf aufgeblaͤht iſt, giebt man *) Eine Hauptvorſichtsregel vergißt der Autor, die nem⸗ lich, die Thiere hoͤchſt ruhig und nicht wind⸗ an auf ſolchen gefaährlichen Plaͤtzen zu huͤten Der Schaͤfer muß dabei nicht hinter, ſondern vor dem Vieh gehen, und es ſo gewoͤhnt haben, daß keins vorlaͤuft; ſie auch eben ſo ruhig zu rechter Zeit her⸗ untertreiben. Ich habe von erfahrnen Schlaͤchtern wahre Kunſtſtuͤckchen in dieſer Ruͤckſicht geſehen. Ob uͤberhaupt ein beregnetes Klee⸗ Luzern⸗Stuͤck nicht ſicherer zu huͤten als ein trocknes, iſt ſehr die Frage und ich moͤchte mich dafur entſcheiden. Das Ab⸗ welken des abgemähten Futters halte ich, der ſo ſehr leicht moͤglichen Erhitzung und daraus entſte⸗ henden groͤßern Gefahr wegen, eher ſchaͤdlich als nuͤtzlich. Beim Rindvieh iſt mir mit allen Sorten gruͤn abgemaͤhten Futters bei mehrjähriger Erfah⸗ rung nie ein Unglücksfall begegnet. Der Verfaſſer ſoagt nicht daß im Herbſt, September, October, die Gefahr des Aufblaͤhens weit groͤßer als im Srüh⸗ jahr ſey, iſt dies ausgemacht wahr. . — 227— ihm nichts zu freſſen. Man ſtellt ihm das Maul mittelſt eines Knebels auf; zwingt es zu laufen, und reibt ihm Bauch und Ruͤcken, um das Ausfah⸗ ren des Gas zu befoͤrdern; oft iſt dies allein hin⸗ reichend. Gilbert raͤth, es ins Waſſer zu wer⸗ fen. Iſt das Uebel aͤrger, ſo nimmt man alcaliſche Subſtanzen, z. B. Holzaſchenlauge, Seifenwaſſer, Poraſchenſalz, Kalkwaſſer, oder am beſten alcali volatile fuor: Man bedient ſich eins dieſer Mit⸗ tel, welches man gerade hat, und zwar Holzaſchen⸗ lauge oder Kalkwaſſer 2 Septier,*) Seifenwaſſer, ein Glas voll, Acali volatile fluor, 20— 2 Trop⸗ fen, und laßt dies von dem Dhier verſchlucken, wie⸗ derholt dies Mittel auch ein- oder zweimal, wenn es noͤthig iſt, man giebt auch dabei Klyſtiere; iſt der Zuſtand ſchon Gefahrdrohend ſo ſticht man den Bauch mit einem Meſſer auf und ſteckt in die Wunde eine fingersdicke Roͤhre von Schilf oder Flieder. Der Trokar wuͤrde noch beſſer ſeyn als das Meſſer. Man muß mit Staͤrke, mehr ſenkrecht als horizontal, im Mittelpunkte der linken Flanke, gleich weit ab von der lezten Rippe, der Huͤfte und des Theils vom Ruͤckgrad, den man die Lendenwir⸗ bel(vertèbres lombaires) nennt, einſtoßen, um den Ponſch zu oͤffnen. Man laßt die Roͤhre ſtecken, *) Dies muß wohl ein Irrthum ſeyn, da z Septier= 1Hectolitre und dieſer= 5000 Cubik⸗Zoll und dar⸗ uͤber iſt. W. P2 2 und Reht den Trokar hervor. Bisweilen verſchlieſ⸗ ſen außerweſentliche Dinge, welche mit dem Gas hineindringen, die Roͤhre, welche man durch Ein⸗ fahren mit einer Sonde zu reinigen ſucht, und ſie ſo lange ſtecken läßt, bis ſich kein Gas mehr ent⸗ wickelt. Dann reinigt man die Wunde mit warmem Wein, und bedeckt ſie mit Charpie und Terpentin. Hat man keinen TDrokar, ſo iſt es doch beſſer, ein Meſſer zu nehmen, als die Dhiere umkommen zu laſſen.* Dabei kann man noch die oben angezeigten in⸗ nern Mittel und ſaͤuerliche Klyſtiere geben; das Thier auch umhergehen laſſen und leicht druͤcken(Pou- chonner.) Ich habe aus England eine Eiſendrathröhre bekommen; ſie iſt lang und gedruͤckt ſpiralfoͤrmig, mit Leder bedeckt und hat an der Spitze eine laͤng⸗ liche Stahlkugel,(olive) welche mit mehrern Loͤ⸗ chern durchbohrt iſt, welche wiederum mit dem Ca⸗ nal der Roͤhre in Verbindung ſtehen. Man hat gegen mich dabei behauptet, daß wenn man dies Inſtrument durch den Mund und die Speiſeroͤhre in den Panſch ſchoͤbe, es der Luft Gelegenheit gabe, ſich zu entwickeln und abzugehn. Ein Thier⸗ arzt, dem ich es anvertraut habe, hat mich verſi⸗ chert, daß er nichts damit hat ausrichten koͤnnen. 7 Wirklich ſcheint es auch ſchwierig hereinzubringen, und ich vermuthe ſelbſt, daß es die Luft am Her⸗ ausfahren hindern, indem es den Eingang des Ma⸗ gens verſtopfen wuͤrde. Im Departement de l'Ardéche hat man ge⸗ glaubt, in dieſem Zuſtande dem Thier die Luf aus den Eingeweiden, mittelſt einer Spritze durch den Hintern abziehen zu muͤſſen. Ein Schaaf, behaup⸗ tet man, ſey geheilt worden. Waͤre das Factum richtig und erſt wiederholt wahr befunden, ſo waͤre dies Mittel das leichteſte von allen, denn Sprutzen hat man faſt uͤberall. Man ſollte den Verſuch doch wiederholen und ihn ſelbſt durch das Maul anzu⸗ wenden ſuchen. Das Thier muß nicht eher freſſen, bis der Panſch zuſammengefallen iſt, und die Erkremente wieder Zuſammenhang haben: man vermehrt nach und nach das Futter, welches im Anfange aus lau⸗ ter nicht blaͤhenden Dingen, z. B. Stroh, Heu, Kleien u. ſ. w. beſtehen muß. Auch hat man gerathen, den aufgeblähten Thie⸗ ren einen kalten Deeoct von aromatiſchen Pflanzen, z. B. Meliſſe, zu geben, und darin 2 Quentcchen Schwefel⸗Aether zu miſchen. Ich weiß nicht, ob man ſeinen Zweck damit erreicht hat*. *) Ich kann unmoͤglich verſäumen, ein gegen das Auf⸗ blaͤhen von Schaafen ſowohl als Rindvieh ſouve⸗ raines Mittel hier mitzutheilen, welches Hr. Rohl⸗ wes vorgeſchlagen, und deſſen Wirkung ich oftmals erprobt habe. Es beſteht in nichts als rothem Stein⸗ dl,(Bergoͤl) und Brandtwein, in dem Verhaͤltniß etwa von 1 zu 10 gemengt, wovon man einem Stuͤck Rindvieh etwa 1 Qnart, einem Schaaf vielleicht den vierten Theil, oder die Haͤlfte dieſer Gabe einfloßt, Von den Wuͤrmern und Inſekten, welche den Schaafen ſchaͤdlich ſind. p. Es giebt mehrere den Schaafen ſchädſiche, Ar⸗ ten von Wuͤrmern und Inſekten. Die merkwuͤrdig⸗ ſten ſind die Taenias, unter denen ſich der Bla⸗ ſenbandwurm,(T. hydatigene), auszeichnet, weil er in einer waſſerhaltenden Blaſe befindlich iſt. Er heißt auch Gehirn- und Kugel⸗Bandwurm(T. cS- rébral, globulenx ou vésicaire): ich habe in dem Artikel vom Drehen von ihm geſprochen. Er bat ſeinen Sitz in verſchiedenen Theilen des Kor⸗ pers, beſonders im Kopf; man findet ihn auch in der Bruſt und dem Bauche; ſelbſt in den Einge⸗ weiden*). Eine andre Art von Taenia, der ge⸗ ſobald man die erſten Zeichen des Aufblaͤhens wahr⸗ nimmt Genauer angegeben nach Rohlwes: 2 Quentchen rothes Steinoͤl und 2 Loth Brandtwein. 5 Merinos⸗Schaafboͤcke, welche auf ein Luzernſtuͤck entſprungen, und ehe man ſie bemerkte, ſchon uͤber⸗ maͤßig aufgeblaͤht waren, wurden auf der Stelle, bei mir dadurch hergeſtellt, und bei Kuͤhen habe ich die Kraft des Mittels ſo oft erprobt, daß meine Hirten im Herbſt beim Abhuten des Klee's, der als Stop⸗ pelklee beſonders gefaͤhrlich iſt, niémals ohne eine Flaſche dieſer Miſchung ſich finden laſſen duͤrfen. W. vesicularis multiceps im Kopf und T. bydatigs na, oder orbicularis in den andern Theilen des Kor⸗ pers, ſind 2 verſchiedene Arten. gliederte und bandformige, findet ſich in den Einge⸗ weiden*). Die erwaͤhnten Dperationen ſind das einzige Mittel, jene T. h. im Kopf zu zerſtdrenz den gegliederten koͤnnte man nur durch wurmtreibende Mittel, die man durch das Maul oder als Klhſtiere beibraͤchte, angreifen; aber man muͤßte die Anzeichen kennen, welche ſeine Gegenwart verrathen. Nur wenn man bei verſchiedenen an Krankheiten geſtorbenen Schaafen derſelben⸗Heerde Bandwuͤrmer findet, kann man vermuthen, daß auch die andern welche bei ſich haben werden. Bei einem Falle dieſer Art, der in Ramboullet vorkam, haben wir die Laͤmmer, bei denen wir Bandwuͤrmer vermutheten, Schorn⸗ ſtein Rahm in Milch nehmen laſſen. Ich kann nicht behaupten, ob diejenigen, welchen dies eingegeben ward, Wuͤrmer in den Gedaͤrmen hatten, wenigſtens aber iſt nochher keins davon krank geworden, da doch vor⸗ her einige Lammer geſtorben waren, bei Klyſtieren muß man ſich bitterer Pflanzen und ohlichter Sub⸗ ſtanzen bedienen, welche die Wuͤrmer todten⸗ Es giebt eine Art von Larve, das heißt, einen Wurm, der in der Naſe der Schaafe und andrer wiederkaͤuenden Thiere entſteht und aufwaͤchſt; er toͤmnt von einer Fliege, welche am Eingange der Naſe ihre Eier lezt. Dieſer Wurm draͤngt ſich gleich nach dem Austommen in die Schleimgaͤnge, (corues) wo er zunimmt und das Thier ſehr qualt, *) T. articulata und ovina. — 232— wie man aus der Anſtrengung wahrnimmt, welche das Thier macht, um ihn los zu werden; es ſenkt den Kovf zur Erde, heht ihn auf, wirft damit, pruß⸗ tet und dreht ſich bisweilen umher, als haͤtte es ei⸗ nen Blaſenwurm im Kopf: viele Perſonen irren ſich dadurch. Dieſe Wuͤrmer heißen Oestrus-Larven*) (arstnes,) ſie ſind kurz, rundlich, ganz weiß, und haben blos am Kopf einen braunen Flecken. Bis⸗ weilen ſtoßen ihn die Schaafe durchs Nieſen her⸗ aus. Um ſie fortzuſchaffen, oder wenigſtens zu toͤd⸗ ten, ſezt man die Schaafe Schwefeldaͤmpfen, oder peſſer noch, dem Dampf von Terpentindl aus. Doch muß man dabei das Thier dem Dampf nur wenige Augenblicke hinter einander und dagegen wiederholt ausſetzen, um es nicht zu erſticken. Bisweilen ſter⸗ ben dieſe Thiere in den Schleimgaͤngen und koͤnnen nicht heraus**), wo ſie denn leicht Entzuͤndungen und gefaͤhrliche Folgen veranlaſſen. Der Drepan, ſo wenig er beim Drehen wirkſam iſt, thut hier oft gute Dienſte, wenn man die Oestrus-Larven aus *) Oestrus ovinus. * Da das Tödten durch Dampft hierzu leicht Veran⸗ laſſung geben konnte, ſo rathe ich nicht dazu, wie uͤberhaupt die Oestrus-Larven die Thiere zwar be⸗ laͤſtigen, ihnen aber nicht ſchaͤdlich werden, da auch die geſundeſten Thiere deren bei ſich fuͤhren, woge⸗ gen viele todtkranke Schaafe keine beherbergen Man findet ſie in dem nemlichen Thiere von der Groͤße eines halben Zolles, bis zu der miñen⸗ heit eines Staubkoͤrnchens. W. den Schleimgängen der Naſe damit zieht, weil man den Schaͤdel nicht verlezt. Auch legen Fliegen ihre Eier in die Mutter⸗ ſcheide der Schaafe, oder in die Wunden zunaͤchſt der Hoͤrner der Boͤcke, und andere zufuͤllige Ver⸗ letzungen. Etwas Terpentindhl reicht dabet vollkom⸗ men hin, die Maden zu todten.. Gegen die Egeln,(lascioles ou donves) wel⸗ che in den Gallenoͤffnungen der Leber, und ſelbſt in der Gallenblaſe leben, und gegen die Hakenwuͤrmer (crinons ou dragonneaux, Gilaria equt,) welche ſich in der Speiſeroͤhre und den Zweigen der Luft⸗ roͤhre(bronches) aufhalten, kann man nicht ſo leicht wirken. Sie ſind fadenfoͤrmig und 3— 4 Zoll lang. Die Anweſenheit der erſten vermuthet man, wenn man Anzeichen der Fäule bemerkt, und auf die leztern läßt ein ſtarker und anhaltender Huſten ſchließen. Nur wenn man die Krankheit hebt, mit welcher dieſe Wuͤrmer im Zuſammenhange ſtehen, kann man ſie los werden. Ohne dies ſe zu vertil⸗ gen, iſt unmoͤglich. Noch muß ich der Teeke(acarus ricinus L.) und der Laus,(pediculus ovis) erwaͤhnen. Er⸗ ſtere iſt in den holzreichen Gegenden gemeiner; wo ſie ſich an die Jagdhunde und die Schaafe haͤngt, indem ſie feſt mit ihren hackigen Fuͤßen ſich ankrallt, ſo daß man ſie nicht abnehmen kann, ohne den Fleck bluten zu machen, wo ſie ſitzt. Die Laͤuſe halten ſich an verſchiedenen Orten, und verurſachen Abma⸗ gerungen, wenn ſie zahlreich ſind, wobei die Thiere ſchr gequslt ſind. Man vertreibt ſie dürch Beruh⸗ ren mit einem fetten Koͤrper, ſie widerſtehen ſogar der Einwirkung der freien Luft kaum, denn den Mor⸗ gen nach der Schur läßt ſich keine mehr ſehen, wenn ſie auch noch ſo zahlreich waren. Die Eng⸗ lander bedienen ſich des Arſeniks und aͤtzenden Sub⸗ limats. Herr Jefferſon hat dem Narional⸗In⸗ ſtitut eine Abhandlung zugeſchickt, worin man den Gebrauch dieſes Mittels afs zu grfährüch, verwirft, und ein andres unſchoͤdliches vorſchl ägt, welches gut zu ſeyn ſcheint. Man ſoll einen Küchenblaſebalg nehmen, an ſeiner Spitze eine blecherne Röhre befe⸗ ſtigen, worin man ſchlechten Dabak ſteckt und ihn anzundet, ein Mann haͤlt das Thier zwiſchen den Knien, ein andrer offnet die Wolle an den verſchie⸗ denen Theilen, und ein dritter bringt mittelſt des Blaſebalgs den Rauch nach und nach uͤberall hin, unter dem Bauch, an den Beinen, den Lenden, u. ſ. w.*). In 8 Stunden ſollen 130 Schaafe mit en Mittel geheilt werden können; in 24 Stun⸗ den ſind Deeken und Laͤuſe todt. Nach der Dpe⸗ X „ Dies erinnert an Fellenbergs pochſ ginchen Ge⸗ danken, die Feldmaͤuſe durch Schwefeldaͤmpfe zu er⸗ ſticken, welche man auch mittelſt eines Blaſebalgs in ihre Loͤcher bringt Ich hoffe, daß die fruchtbare Erfindungskraft dieſes Mannes, die bei meiner An⸗ weſenheit in Hofwyl noch nicht vollig geordnete Idee dieſes Inſtruments zur Vollkommenheit gebracht ha⸗ ben wird. Wen ration muß man die Schaafe einige Zeit in freier Luft laſſen, damit der Tabacksrauch ſie nicht beläſtige. Oft iſt mir ſchon die Vermuthung beigefallen, daß Schaafe mit den Blättern Inſekten verſchluk⸗ ken; beſonders wenn ſie zu einer Zeit weiden, wo gewiſſe Arten von Spinnen ihre Netze ausgeſpannt haben und ſich darin eine Menge kleiner Canthari⸗ den oder andrer ſchadlicher Inſekten verwickeln. Ich habe mich oft verwundert uͤber die große Menge dieſer Spinngewebe, und die darin gefangenen In⸗ ſekten, beſonders auf dem wilden Mohn(papaver Rhoeas, Coquelicot), der damit uͤberzogen war, und ich vermuthe, daß die bald darauf erfolgten Sterben mehr hierdurch als durch eine boͤſe Eigenſchaft der Pflanzen ſelbſt veranlaßt ſind. Selbſt die von den Inſekten benagten Blaͤtter ſchon, mogen ihnen ſchäd⸗ lich ſeyn. Ich will beides nicht behaupten, aber es waͤre doch gut, Beobachtungen daruͤber anzuſtellen. Von Geſchwuͤlſten, Quetſchungen und Wunden. In einer gut gepflegten Heerde kommen dieſe Falle nicht leicht vor. Geſchiehr es aber, ſo muß man nicht ſorglos ſeyn. Bisweilen bemerkt man unten an den Backen Eiterſuͤcke, welche als Folge einer Krankheit entſtehen können. Dieſe Saͤcke ſind recht noͤtzlich; man darf der eingeſchloſſenen Materie nur Abzug verſchaffen, mittelſt eines Biſtouri oder Eigelb und Brandtwein verbinden. — 336— Federmeſſer, dann die Wunde mit heißem Wein reinigen und mit einer Digeſtivſalbe von Terpentin, Hat ſich ein Schaaf das Bein gebrochen, ſo kann man den Bruch leicht heilen, wenn ſelbſt er alt ware. Man bereitet dann 2— 3— 4 kleine Holz⸗ ſcheiden, bringt ſie auf den Bruch des Fnochens an, und bedeckt ſie mit einer Miſchung von Ofenruß und damit geſchlagenem Eiweiß, worauf man das Ganze mit hinreichend ſtarkem Verband belegt, um es zuſammenzuhalten, dieſen jedoch nicht zu ſcharf zuſammenzieht, weil dies Brand veranlaſſen koͤnnte. Dabei muß man das Thier abgeſondert auf guter Streu halten, und ihm das Futter niedrig vorſetzen, wo es dann bald geheilt wird und gehen lernt. Krumme Beine der Lämmer hat man oft durch kleine Stiefelchen gerade geheilt. Juͤr die einfachen Verwundungen darf man nicht ſorgen, wenn die Jahreszeit nicht die Einwirkungen der Hitze befuͤrchten laͤfit; im Sommer muß man darauf Acht geben, wegen der Fliegen, welche man durch Terpentindl abhält. Wunden, welche durch Schlage oder Biſſe veranlaßt ſind, fordern mehr Aufmertſamkeit: man behandelt ſie mit ſpiritudſen Sachen, z. B. Fau de Lavande, Arquebusade u. ſ. w. Wegen der Wunden beim Scheeren ſehe man den Artikel Scheeren nach⸗ 6 1 Von der Reinigung der Schaaſfſtaͤlle bei anſtek⸗ kenden Uebeln. Wenn anſteckende Krankheiten unter den Schaa⸗ fen herrſchen, ſo iſt es nuͤtzlich, die Staͤlle reinlich zu halten, freien Luftzug darin zu bewirken und die Streu oft zu veraͤndern. Iſt die Krankheit vor⸗ uͤber, ſo muß man zur Reinigung der Staͤlle ſchrei⸗ ten, ehe man wieder Schaafe hineinbringt. Man hat viel auf aromatiſche Räucherungen gehalten, z. B. mit Zweigen und Beeren des Wach⸗ holder oder harzigten Subſtanzen. Allein es iſt hier nicht genug, einen angenehmen, ſtatt eines anſtek⸗ kenden, Geruchs hervorzubringen. Raͤucherungen, wel— che nicht das ſchaͤdliche Gas neutraliſiren, oder die Wirkſamkeit des ſchaͤdlichen Miasma erſticken, hel⸗ fen nicht. Auch das Verdunſten von Weineſſig iſt nicht viel wirkſamer. Man muß zuerſt den Miſt fortſchaffen; Thore und ZFenſter offnen; Raufen, Krippen und Mauern (leztere auf 3 Fuß hoch) mit kochendem Waſſer waſchen; 2 Zoll ſtark Erde aus dem Grunde weg⸗ nehmen und andre einbringen laſſen. Dann wendet wan folgendes von Herrn Guyton de Morveau angezeigte Mittel an, welches in Verbindung mit dieſen Reinlichkeits⸗Regeln voͤllig ſeinen Zweck er⸗ reichte. Man ſtellt auf ein Becken mit glähenden Koh⸗ len eine weite Schaale, in die man 4 Unzen etwas feuchtes Kuͤchenſalz wirft, und darauf etwa 3 Un⸗ zen Vitrioldl gießt. Hierauf verſchließt man Jhuͤ⸗ ren und Fenſter, und entfernt ſich, um den ſchäd⸗ lichen Dampf nicht zu athmen, der ſich alsbald ent⸗ wickelt. Nur nachdem der ganze Dampf ſich gaͤnz⸗ lich verloren, oͤffnet man, und kann dann ſicher wieder Vieh hineinbringen). Von den Haarballen.(Fgagropiles) Sie finden ſich in dem 3ten Magen(Caillette) allet wiederkauenden Thiere, mithin auch der Schaafe, und man hat deren bis zu der Zahl von 10— 16 in demſelben Magen angetroffen. Die Thieratzte ſind deshalb zweifelhaft und uneinig daruͤber, ob ſie wirklich der Geſundheit des Dhiers nachtheilig ſeyn toͤnnen oder nicht, welches leztere doch eher der Fall zu ſeyn ſcheint**), wenigſtens hat man kein innerliches wirkſames Mittel gegen ſie, und kann ihre Entſtehung auch nicht leicht verhuͤten. Oefters haben dieſe Haarballen dem Aberglau⸗ ben Gelegenheit gegeben, unſchuldige Leute ungluͤck⸗ lich zu machen, die man in der Meinung verfolgt *) Die Wirkſamkeit dieſes Mittels iſt uns, wie es ſcheint, laͤnger bekannt geweſen, als den Franzoſen. W. **) Rohlwes glaubt, daß Lämmer, welche beim Sau⸗ gen Wolle verſchlucken, wenn der Schaͤfer nicht auf⸗ merkſam genug geweſen iſt, das Euter der Mutter davon zu reinigen, an den, hierdurch erzeugten Haar⸗ ballen haͤufig ſterhen. W. hat, daß ſie dieſe Ballen machten,(welche man mit dem Ramen gobbe, vergifteter Biſſen.) be⸗ zeichnet und ſie den Thieren zum Verſchlucken vor⸗ wuͤrfen. Eine mehr verbreitete richtige Kenntniß ihrer Entſtehungsart wird hoffentlich jezt dieſen ſchäd⸗ lichen Glauben unterdruͤckt haben. Herr Chabert hat daruͤber geſchrieben und iſt in den Annales d'Agriculture, Theil XXIV, XXVII und XXXIX mehrmals davon die Rede geweſen*). Von den Schaͤfern und ihren Hunden. Die Leſer werden aus dem ganzen Inhalt die⸗ ſes Buchs geſehen haben, daß es ſo wichtig iſt, ſich gute Schaͤfer zu verſchaffen, daß man ohne dieſe nie hoffen darf, eine gute Heerde zu erhalten. Ehemals war der Stand der Schaͤfer ſehr ver⸗ achtet; jezt hebt er ſich zu einem der angeſehenſten unter den landwirthſchaftlichen Bedienungen. Auch hat der Miniſter des Innern befohlen, daß in jedem der kaiſerlichen Etabliſſements eine Schaͤferſchule, wie die bisher ſchon in Ramboullet beſtehende, ein⸗ gerichtet werde. Der Einfluß dieſer Schulen wird ſehr ſeegensreich ſeyn, und da die Penſion fuͤr einen Schaͤferlehrling auf die maͤßige Summe von 1350 Fr. *) Ich unterdruͤcke das Weitere hieruͤber Geſagte, da es mir nicht intereſſant genug zu ſeyn ſcheint. W.⸗ (42 Thaler Pr. C.) fuͤr 6 Monat beſtimmt iſt, ſo wird jeder Landwirth leicht dieſe Ausgabe machen koͤnnen. Die Inſtrumente unſter Schaͤfer ſind: eine Hacke, eine Peitſche und ein Stock. Die Hacke hat oben einen Haken, um die Thiere damit an den Beinen zu halten, mit der Peitſche erweckt und haͤlt er die Schaafe zuſammen, beſonders in der Hortzeit. Gewoͤhnlich ſtricken die Schaͤfer auf dem Felde, allein es wäre beſſer, wenn ſie dies unterließen und ſich lediglich mit ihren Heerden beſchaftigten, welche durchaus eine ſtete Aufſicht erfordern. Manche Schäͤfer haben vor andern ein geuͤbtes Auge. Ich habe einen gekannt, welcher des Morgens vor dem Stalle an dem Bldoken erkannte, welches Mutter⸗ ſchaaf die Nacht gelammt hatte, und einen andern, der des Abends beim Zuhauſekommen jedem ſchwa⸗ chen oder ungeſchickten Lamm ſeine wirkliche Mut⸗ ter zutheilen konnte. Das Verhaͤltniß der Schaͤfer iſt verſchieden. An manchen Orten hoben ſie ſtatt alles Lohnes eine gewiſſe Anzahl Vorvieh. Dieſe Einrichtung iſt ſchlecht. Man muß nie einen Menſchen ſo ſetzen, daß er vermoͤge ſeiner Lage ungeſtraft betruͤgen kann. Es giebt ſogar Gegenden, wo dieſer Mißbrauch derge⸗ *) Die franzoſiſchen Schafer ſind auf die Weiſe weni⸗ ger geuͤbt als die unſrigen Hier verlangt man dieſe Eigenſchaft von jedem Knecht, der bei der Mutter⸗ heerde dienen will⸗ W. ſtalt eingeriſſen iſt, daß nicht nur die Schaͤfer, ſon⸗ dern alle andere Domeſtiken Schaafe in der Heerde ihres Herrn haben. In dem Devartement de l'Avey- ron werden dieſe Arten von Gehalt die Hiver- nes genannt. Aufgeklaͤrte Landwirthe geben den Schaͤ⸗ fern, wie ihren andern Dienſtboten, reines Gehalt und Aufmunterungs⸗ Praͤmien. In der Lammzeit zeigt ſich die vorzugliche Ge⸗ ſchicklichkeit des Schaͤfers. Hat ein Schaaf Muͤhe zu lammen, ſo muß ihm der Schoͤfer zu Huͤffe tommenz meiſtens reicht es jedoch zu, wenn er die Finger, nach abgeſchnittenen Nägeln, mit etwas Oel beſtrichen, zwiſchen der Deffnung der Mutterſcheide und der Geburt hin und ber bewegt. Geht das Lammen nur einigermaßen gut, ſo muß der Schaͤfer das Thier ſich ganz ſelbſt uͤberlaſſen. In der Re⸗ gel haben dieſe Leute eine plumpe, rauhe, Att zu verfahren) welche gar oft mehr ſchadet als hilft. Vor dem Austreiben muͤſſen in der Lammzeit die Schaafe gut durchgeſehn werden) und man läßt diejenigen zu Hauſe, welche bald lammen wollen. Fuͤr unvermu⸗ chete Fälle rrägt der Schafer eine Taſche mit ſich⸗ in die er das kleine Lamm gleich nach der Geburt auf dem Zelde ſteckt. Will eine Mutter ihr Lamm nicht nach der Geburt gleich lecken, ſo beſtreut es der Schoͤfer mit ein wenig Salz; will ſie es gar nicht annehmen, ſo ſperrt er ſie mit dem Lamm in eine beſondere kleine Buchr. In der Normandie, in den Gegenden am Mee⸗ resgeſtade, wo Regen und Hag elſchauer bäufig und — — 242— unerwartet kommen, tragen die Schaͤfer, auf dem Felde, eine Art von Deckel, aus leichtem Holze ge⸗ macht, und mit lañgem Stroh belegt, an Trogebän⸗ dern von hinten her uͤber ſich. Fällt d e Rhen, ſo drehen ſie ihm den Räcken zu, und laſſen ihn an dem glatten, tief herabhängenden, Strohhalmen her⸗ unterlaufen. Sogar ſetzen können ſie ſich im Schutze 3 dieſer portativen Huͤtte. Der Hunde ſind zweierlei bei den Heerden. Große und ſtarke, um ſie gegen die Woͤlfe und Bären zu ſchutzen, und kleine, zur Leitung der Heer⸗ den*). *) Ich habe manches auch aus dieſem Artikel fortge⸗ laſſen, da ich deſſen Kenntniß bei meinen Leſern vorausſetzen darf, und einiges, z. V. die Angaben, wie die Schaͤfer ſich bei ſchweren Geburten nehmen ſollen, ohne practiſchen genauen Unterricht, mehr ſchaͤdlich als heilſam werden mochte. Ich ſchließe mit dem Wunſch, daß dasjenige, was in dieſer Anleitung zur Schaafzucht noch unvollſtaͤn⸗ dig ſeyn und ihr etwa ganz mangeln moͤchte, recht bald von erfahrungs⸗ und kenntniFreichen Maͤnnern in dieſem Theil der Landwirthſchaftskunde, geliefert werden moͤge. W. ueA Sl5 S1EMde eun e0oö pe oſe uos4H Sonounus 6 d 8 8 3 6 5 6 8 8