UB GESSEN niin 22 078 836 Hanbtu0 tir L. ſinwulig Schaßzucht. Auf Befehl des Konigl. Preuß. Miniſteriums des Innern herausgegeben von A. Thaer, Königl. veeuß. ꝛc. Berlin, 1811. In Kommiſſion in der Ville⸗ und Krammerſchen Buchhandlung. —.———— Vorrede Die veredelte Schafzucht iſt eine ſo anerkannt ergiebige Quelle des allge⸗ meinen Rational-Wohlſtandes, daß die mehrſten Regierungen vor andern Zweigen des laändlichen Gewerbes ihre Vorſorge auf dieſen richteten: ſie ha⸗ pen nicht nur die Einfuͤhrung der ſpa⸗ niſchen Merinorace unmittelbar befoͤr⸗ dert und beſorgen laſſen, ſondern ſie haben auch die Kenntniß derſelben und ihrer Behandlung durch zweckmaͤßigen Unterricht, theils in errichteten Scha⸗ ferſchulen, theils durch Schriften ver⸗ breitet. So hat neuerlich auf Berlan⸗ gen des Miniſters des Fnnern Herr W. C. Friebe eine„Anleitung zur Verbeſſerung und Bered⸗ lung der Schafzucht in Ruß⸗ land, Figa 1809,“ ruſſiſch und teutſch herausgegeben. Desgleichen hat der beruͤhmte Teſſier, Mitglied des Fnſtituts von Frankreich, eine„In⸗ structionsurlesälaine et par- ticuliérement'sur larace des merinos, publiée par ordre de S. E. le Ministrede l'interieur, Paris 18 10„ verfaßt, welche durch Herrn Witte unter dem Titel; „Ueber die Schafzucht, insbe⸗ ſondereuͤber die Race der Me⸗ rinos, mit 6 Kupfertafeln, Berlin bei Hitzig 1811„ uͤber⸗ ſetzt und bearbeit, einen ſehr ſchaͤtz⸗ baren Beitrag zur landwirthſchaftlichen Literatur in dieſem Fache abgiebt. Ohnerachtet nun in den Koͤnigl. Preuß. Staaten, ebenfalls durch Vor⸗ ſorge unſerer Regierung, beſonders in Ober- und Riederſchleſien und in den Marken, viele ausgezeichnete, theils unmittelbar aus Spanien, theils aus Sachſen herſtammende, vorzuͤgliche und ächte Mer inoſchäfereien ſich ſchon ſeit langer Zeit befanden, und die Nachei⸗ ferung ſo rege geworden war, daß faſt jeder thätige Gutsbeſitzer und Do⸗ mainenbeamter mit Veredlung ſeiner Herde wenigſtens den Anfang gemacht hatte; ſo glaubte man doch noch eine Unkenntniß im Verfahren bei der An⸗ zucht der reinen vder der Beredlung der Landrare, und in der richtigen Be⸗ handlung derſelben an manchen Drten zu bemerken, und hielt deshalb die Ver⸗ breitung eines kurzen und beſtimmten Unterrichts fuͤr noͤthig. Fch wußte den mir gegebenen Auftrag, einen ſol⸗ chen ſchnell zu beſorgen, nicht anders zu erfuͤllen, als indem ich ihn ſelbſt ſchrieb.* Fch mache vermittelſt dieſer klei⸗ nen Schrift durchaus keinen Anſpruch auf Erweiterung der Wiſſenſchaft. Kenner werden nur Bekanntes darin finden. Fch habe bloß geſucht, das Wichtigſte und Bewährteſte in Be⸗ handlung einer Schaͤſerei ſo vollſtän⸗ dig, wie es die Grenzen der einem ſol⸗ chen Buͤchlein angemeſſenen Bogenzahl erlaubten, vorzutragen. Rur einige Vorurtheile und unrichtige Begriffe ha⸗ be ich etwas ausfuͤhrlicher berichtigen zu muͤſſen geglaubt. Auf allgemein be⸗ kannte Manipulationen, die durch eigne Anſicht in einem Augenblicke erlernt, aber ſchwer in Worten dargeſtellt wer⸗ den koͤnnen, habe ich mich ſo wenig eingelaſſen, wie auf diejenigen Theo⸗ rien und Meinumgen, die bis jetzt un⸗ zuverläßig ſcheinen. Wer uͤber einige neuere Bemerkungen Mehreres wiſſen will, den verweiſe ich auf obiges De ſ⸗ ſierſche durch Herrn Witte bear⸗ beitete Werk, und aufPictet„Beob⸗ achtungen und Erfahrungen üͤber die ſpaniſchen Merino⸗ ſchafe, die Feinheit ihrer Wol⸗ le und das Kreuzen derſelben mit gemeinen Racen, Wien 180 9. Thaer. Fnhaltsverzeichniß. Seite infuͤhrung der ſpaniſchen Race in noͤrdlichen 1 Vortheil dieſer Einfuͤhrung.„3 Verſchiedenheit der ſpaniſchen Racen. 7 Eigenſchaften der Merino⸗Race.„110 Beſchaffenheit ihrer Wolle. 11 Einfuͤhrung einer Merino⸗Schäferei. 14 Die Veredlung durch Kreuzung. 15 Anziehung der reinen Race.. 3 6 Auswahl der Störe und Mutter. 356 Pie Begattung r Trachtichkeit der Schafe.„60 Se ch Das Slichnen. 57 Die Kaſtration und Verſtutzung ewr 68 i nie Die Rahrung der Schafe.„64 Die Schaf Weihe 6666 Die Sommerſtallfütterung.„38r Die Wintrfittetun„ 3 Das Tranken der Schaſe.. 55 Der Schaſſtall und uͤber die Purihwiatenih im Freien. 9 Die Rauffen.„ Der Vorhof. Der Hordenſchlag.. Veſtand einer Schaͤferei. Der Schäßer. 2 Die Waſche. 36. Die Wollſchur. Beurtheilung der Wolle. Die Krankheiten der Schafe. Dispoſition des Schafs zu Krankheiten Die Faͤule gper Faulkrankheit. Die Lungenſtuche oder Lungenfaule. Die Maul⸗ und Klauenſeuche.. Die Raͤude oder der Grind.„ Sie Pocheh Die Drehkrankheit. Das Aufblähen. Das Blut, Stickblut, Rückblut. Der Durchfall. Die Waldkrankheit. Das Blutharnen. Das Lahmen der Lammer. Das Zeigmahl oder ſchwarze aul. Die Schwammchen oder der Faſch. Die Milchknoten, Euterverhärtungen⸗ §. 1. Einfuͤhrung der ſpaniſchen Race in nordlichern Ländern. D. Moglichkeit der Einfuͤhrung der fein⸗ wolligen ſpaniſchen Schafe oder der Merino⸗ Race, auch in den noͤrdlichſten europäiſchen Län⸗ dern, iſt jetzt ſo außer allen Zweifel geſetzt und ſo allgemein anerkannt, daß es nur als eine uberfluͤſſige Ausdehnung dieſer Schrift anzuſe⸗ hen waͤre, wenn man die Beweiſe dafuͤr wieder⸗ holen wollte. Sie finden ſich am vollſtändigſten dargeſtellt in Laſteyrie Geſchichte der Einfuͤhrung der ſpaniſchen feinwolligen Schafe in die verſchiedenen europaiſchen Laͤnder, aus dem Franzoſiſchen uͤberſetzt vom Herzog Friedrich von Holſtein Beck, zwey Theile, Leipzig 1803. Die zu lange gehegte Meinung, als ſeyen die weiten Wanderungen dieſer Schafe in Spa⸗ nien— Fruͤhſahrs aus den ſuͤdlichern nach den A 2 nordlichern Theilen und umgekehrt im Herbſte— zur Erhaltung dieſer Race in der hoͤchſten Voll⸗ kommenheit ihrer Wolle unbedingt nothwendig, iſt durch Laſteyrie Abhandlung uͤber das ſpani⸗ ſche Schafvieh, uͤber deſſen Zucht, War⸗ tung, Wanderungen und Schur u. ſ. w. aus dem Franzoſiſchen uͤberſetzt, Ham⸗ burg 1800. in Hinſicht auf Spanien ſelbſt widerlegt, indem dieſer Verfaſſer, welcher die ſpaniſchen Schaf⸗ herden mehrere Jahre hindurch verfolgte, und uͤber den ganzen Schafereibetrieb die genaueſten Erkundigungen einzog, verſichert, daß man in Spanien ſelbſt uͤberzeugt ſep,eben ſo vollkommene Wolle von ſtehenden Herden zu erhalten, wenn man den Stamm von den ausgewaͤhlteſten Herden nehme; daß dieſes indeſſen ſelten geſchehe, weil die ganze Verfaſſung des Landes fuͤr die wandern⸗ den Herden weit mehr geeignet und vortheikhafter ſey, ſo ſehr ſie auch dem Wohlſtande der Nation im Ganzen nachtheilig wäre. Aber auch die in Deutſchland gemachten langjaͤhrigen Erfahrun⸗ gen laſſen daruͤber keine Zweifel mehr zuruͤck, in⸗ dem die Feinheit des aus Spanien erhaltenen urſtammes ſich bis zur zwanzigſten Generation auf keine Weiſe vermindern, ſondern ſich allem Anſcheine nach verbeſſert hat; in ſolchen Herden nämlich, wo man beſondere Aufmerkſamkeit auf 2 die Auswahl der Individuen, die man zur Fort⸗ pflanzung des Hauptſtammes waͤhlte, gewandt hat, eben ſo wie dieſes auch in den vorzuglichſten und durch die Feinheit ihrer Wolle ausgezeichnet⸗ ſten Herden Spaniens geſchiehet. Ja, der Herr Graf von Schonburg⸗Rorburg hat durch ſeine Schaͤferey erwieſen, daß kei Schafen, welche den großten Theil des Sommerz in Horden ge⸗ fuͤttert werden, die Feinheit der Wolle bis zur hoͤchſten Stufe gebracht werden konne. 5 2. Vortheil dieſer Einfuͤhrung. Eben ſo wenig wird es nothig ſepn, den ho⸗ hen Vortheil auzeinander zu ſetzen, welchen dor betriebſame Landwirth von der Einfuͤhrung dieſer ſelnwolligen Race haben kann, wenn er die Sache mit Eifer und Verſtand zu betreiben den Willen und das Vermoͤgen hat. Sie werden ſich aus der Folge von ſelbſt ergeben. Hierin verweiſe ich nur auf das einſtimmige Zeugniß aller derer, welche in dieſem Zweige der Landwirthſchaft Fortſchritte gemacht haben: jeder geſteht ein, daß kein ande⸗ rer Zweig die darauf verwandte Muͤhe und Kapi⸗ tal ſo reichlich wie dieſer belohnt habe. Wer hier⸗ an noch irgend einen Zweifel hätte, für den gaͤbe es nur ein Ueberzeugungsmittel, nämlich den Berli⸗ ner und Breslauer Wollmarkt zu beſuchen, und ſich in den frohen Kreis der Wollverkäufer zu mengen. A Allein große Dinge erreicht man— wenn der Zufall anders nicht mitſpielt— nie mit kleinen Mitteln, und ſo iſt auch dieſe Einfuͤhrung der ed⸗ len Race oder die hoͤhere Veredlung der Landſcha⸗ ſe nicht ſo leicht, wie ſie manche dargeſtellt haben. Es kommt dabei nicht blos auf den Willen und das Kapital an, ſich einen edeln Stamm⸗ oder Zuchtſtoͤr auzuſchaffen. Man mußte ſie auch geho⸗ rig auswählen, ernaͤhren und behandeln konnen. Denn ſo groß die Vortheile dieſer Race ſind, ſo uͤbertreiben es doch diejenigen, welche vorgeben, ſie erfordere nicht ſorgfaͤltigere und reichere Ver⸗ pflegung wie unſere gewohnliche Landrace. Die Merinos ſind in manchem Betracht zaͤrtlicher, den Einwirkungen aͤußerer Schaͤdlichkeiten mehr un⸗ terworfen und einer beſſern Rahrung beduͤrftig. Die einmal beſtehende Feinheit in der Wolle wird ſich zwar auch bei der ſchlechteſten Verpflegung nicht vermindern, aber ſie wird in der Quanti⸗ taͤt dann bei weitem mehr zuruckſchlagen, als die grobe Wolle, die Sache uͤberhaupt aber nicht lange ausdauern, indem dieſes Vieh verkuͤmmern und eusſterben wird, wo ſich Landvieh noch immer hingehalten haͤtte. Der Schaden des Verluſtes ei⸗ ner Herde ſteht aber mit dem Werthe derſelben in Verhaͤltniß, und iſt folglich bei einer edlen um ſo großer und empfindlicher. Man geht doher zu weit, wenn man, wie insbeſondere einige neuere franzoſiſche Schriftſteller thun, auf die Allgemein⸗ 5 heit dieſer Einfuͤhrung dringt, und die gaͤnzliche Ausrottung anderer Schafracen bezweckt. Es giebt wirthſchaftliche Verhaͤltniſſe, es giebt Lo⸗ calitäten und Weiden, wounſer Landvieh, oder ei⸗ ne andere beſſere, aber nicht ganz feinwollige Schafart vortheilhafter erſcheint. Fuͤr die Hai⸗ delaͤnder werden die Haidſchnucken, fuͤr die ie⸗ derungen die Frieſiſchen und Eyderſtädtſchen Marſchſchafe, fuͤr die ärmeren Dreifelderwirth⸗ ſchaften, die keine beſondere Abtriften fuͤr ihre Schafe haben, und ſich allein auf die Brach⸗ und Stoppelhutung verlaſſen koͤnnen, die Land⸗ ſchafe, und fuͤr die Gegenben, wo man grd⸗ ßeren Portheil aus dem Fleiſche wie aus der Wolle zieht, diejenigen Racen bleiben, welche ſich durch ſchnellere Vermehrung und durch ſtaͤr⸗ keren und fruͤheren Fleiſch und Fettanſatz vor den Merinos auszeichnen. Daher iſt dann auch die Beſorglichkeit un⸗ gegruͤndet, daß bei der allgemeinen Konkurrenz in der Schafveredlung die groͤbere Wolle ſich zu ſehr vermindere„und eben hierdurch mit der feinen Wolle zu einem faſt gleichen Preiſe ſteigen werde, wodurch dann der Portheil noch Verhaͤltniß des angewandten Kapitals von dieſer unter pari zu ſtehen kommen koͤnne. Wäre auch der Vorzug der feinen Wolle nur konventionell oder auf das angenehmere Gefuhl des feinen Tuches gegruͤndet — was es doch nicht iſt, indem ſie immer ein halt⸗ 6 bareres und dichteres Tuch giebt— ſo wuͤrde doch eine allgemeine Verbreitung der Merinorace und eine Vertilgung der andern nie zu beſorgen ſeyn. Indeſſen wird ohne Zweifel der hohe Preis der feinen Wolle den Preis der mittel und groben Wolle in die Hoͤhe ziehen. Die jetzige Zeit ſichert uͤbrigens der feinen Wolle noch lange einen hohen Preis, indem die Schäͤfereien in Spanien ſich auf keinen Fall ſchnell erholen werden. Zwar iſt die laͤndliche Induſtrie allenthalben auf dieſen Zweig gerichtet: in Frank⸗ reich wird er unter thaͤtiger Mitwirkung der Re⸗ gierung, von Landwirthen nicht nur, ſondern auch durch Kapitaliſten, die mit jenen auf eine be⸗ ſondere und vielleicht nachahmungswerthe Weiſe in Verbindung treten, mit großer Anſtrengung betrieben. In den öſtreichiſchen Staaten verbrei⸗ tet ſich die reine Merinorace aus den vortrefflichen kaiſerlichen und anderen Schaͤfereien immer mehr. In Rußland und ſelbſt im Herzogthum Warſchau macht man betraͤchtliche Fortſchritte. Rur Eng⸗ land bleibt darin zuruͤck, und bei allen Lobeserhe⸗ bungen, welche einzelne Landwirthe aus den ho⸗ heren Klaſſen davon gemacht haben, fündet die uͤberwiegende Mehrheit der verſtaͤndigſten Fat⸗ mers, daß die mannigfaltigen einländiſchen Ra⸗ cen die mehr zum Fleiſch- und Fettanſatz geneigt ſind, unter den meiſten Perhältniſſen fuͤr den Landwirth und fuͤr die Nation vortheilhafter ſeyn; weswegen auch eine große Quantitaͤt von kurz⸗ lich eingefuͤhrten auserleſenen Merinos— nach einer Nachricht 14000 Stuͤck— keine Abnehmer gefunden hat. Es wuͤrde alſo, nach wiederherge⸗ ſtelltem Seefrieden, England ein ſehr guter Markt fur die feine Wolle des Kontinents bleiben, und vielleicht ſelbſt fuͤr die Fabrikate aus ſelbiger. 5 3. Verſchiedenheit der ſpaniſchen Racen. 7 Es gieh in Spanien zwey Hauptarten von Schafen, dik ganz feinen Merinos und die ſehr grobwolligen Churros„deren Wolle weit grober wie die unſeres Landviehes, dabei aber doch ſehr elaſtiſch iſt. Eine Mittelgattung, die wahrſchein⸗ lich aus der Vermiſchung jener beiden Arten ent⸗ ſtanden iſt, wird Amerinado genannt. Aber auch die Merino-Art ſelbſt hat man⸗ nigfaltige Abſtufungen in ihrer Vollkommenheit. Die wandernden(Transhumantes), ſind im Allgemeinen vorzüglicher, wie die an einem Orte bleibenden(Estantes), weil auf jene weit großere Aufmerkſamkeit bei der Auswahl der Zuzucht ge⸗ wandt wird, obgleich auch einige Eſtantes⸗Her⸗ den von vollig reiner Race ſind. Die wandernden unterſcheiden ſich wieder hauptſaͤchlich in die Leoneſiſche oder Segoviſ de Race und in die Sorianiſche. Die Leoneſiſchen üͤberwintern größtentheils in Eſtremadura auf dem linken Ufer der Guadiana, und gehen, nach⸗ dem ſie auf ihrem Wege in den fuͤr ſie beſtimmten Schurhaͤuſer, Esquileos, geſchoren werden, nach dem Königreiche Leon, wo ſie ſich auf den verſchie⸗ denen Weiden vertheilen. Die Sorianiſchen Herden bringen den Winter an der Gränze von Eſtremadura, Andaluſien und Neucaſtilien zu, gehen dann auf Madrid und vertheilen ſich bei Soria zum Theil in den benachbarten Gebirgen, zum Theil gehen ſie uͤber den Ebro, um die Weiden von Navarra und den Pyrenaͤen nen Einſtimmig erklaͤrt man die Leoneſiſchen Herden fuͤr die vorzuͤglichſten, ſowohl in Anſe⸗ hung der Feinheit und Guͤte der Wolle, als in An⸗ ſehung des groͤßeren Gewichts ihrer Flieſe. Im Allgemeinen ſoll daher auch der Preis der Soria⸗ niſchen Wolle um niedriger, wie der der Leone⸗ ſiſchen ſtehen, ungeachtet die Eigenthuͤmer jener immer Zuchtſtöre von dieſer zu erhalten ſuchen. unter den Leoneſiſchen Herden giebt es wie⸗ der Abſtufungen. Doch war man darin noch nicht einſtimmig, welcher der Vorzug gebuͤhre, wie ſich das, da jeder große Schaͤfereibeſitzer der ſeinigen den Vorzug beimißt, leicht erklaͤren laͤßt. Fol⸗ gende werden fuͤr die Haupt- und vorzuglichſten Staͤmme gehalten: die Herde von Escurial; * ⸗ Yaular; ⸗ ⸗„ Jufantado; Regretti; ⸗ ⸗„ Guadalupe. Einer ſchreibt man Vorzuͤge vor der andern in dieſem oder jenem Stuͤcke zu. Die Escurial⸗Her⸗ de ward fuͤr die feinwolligſte gehalten; die Race von Paular iſt von groͤßerem Koͤrperbau und wollreicher; die Widder der Infantado⸗Herde haben eine ausgezeichnete krumme Raſe, aufwel⸗ cher die Haut zuweilen in Falten liegt, und un⸗ terſcheiden ſich durch einen großen faltigen Hals⸗ kragen, ſind haͤufiger hoͤrnerlos wie die uͤbrigen; die Race von Negretti ſoll die groͤßte ſeyn. Jede dieſer Hauptherden, die aus 3o bis 40000 Stuͤck beſtehen, hat ihr eignes Zeichen, welches nach⸗ zuahmen man fuͤr ein Verbrechen halten wuͤrde. So hat die Escurialherde ein B, die Paular⸗ Herde auf dem rechten Kieſer zwey Queerſtriche, die Guadeloupe⸗Herde ein Kreuz auf der Raſe, und die von Infantado ein umgekehrtes L auf der Naſe eingebrannt. § 4. Eigenſchaften der Merino-Race. Die Merino⸗Rate zeichnet ſich durch einen be⸗ ſondern Korperbau aus. Das Charakteriſtiſche in Anſehung deſſelben ſcheint mir die ſtarke Bau⸗ chung in der Mitte ihres Korpers zu ſeyn, wodurch „ — v 10 dieſer vorn und hinten ſpitzig zu ſeyn das Anſehn hat, ob ſie gleich in Verhaͤltniß ihrer Größe in den Verder⸗ und Hintertheilen eine ziemliche Breite haben. Aeſthetiſch ſchon ſind deshalb dieſe Thiere gewiß nicht, obwohl ſie jeder Land⸗ wirth in Ruckſicht der Uebereinſtimmung aller Theile zum Zwecke des Ganzen ſchbn nennen wird. Der breite Mitteltheil ihres Koͤrpers traͤgt die veſte Wolle. Der Englaͤnder, der auf das Fleiſch den groͤßten Werth ſetzt, erklärt ſie wegen der verhaͤltnißmäßig ſchwachen Vorder- und Hin⸗ tertheile fuͤr häßlich geformt. Mit kieſer Form aber ſcheint die Feinheit der Wolle in unzertrenn⸗ licher Verbindung zu ſtehen, und ich habe immer dieſe Thiere um ſo feinwolliger gefunden, je auf⸗ fallender jene Bauchung war. Dieſe Race zeich⸗ net ſich noch durch ein beſonderes ruhiges Tem⸗ perament, durch ein gewiſſes Phlegma aus. Je⸗ doch iſt ſie nicht dreiſt, ſondern furchtſam und dummer, wie andere Racen. Die Bocke haben großtentheils Hoͤrner von ausgezeichneter Groͤße, die vom Kopfe oft weit bis 20 Zoll abſtehen, und in ihren Windungen gemeſſen bis 2 Fuß Laͤnge haben. Doch ſind die Hdruer nicht allgemein, und kein weſentliches Zeichen eines beſonderen Stammes. Es fallen von gehoͤrnten Bocken ungehoͤrnte und umgekehrt. Man will zwar bemerkt haben, daß wenn man ſortdauernd ſich ungehörnter Bocke bediene, die 11 Hhrner endlich in dem Stamme ganz wegfallen; jedoch iſt dies noch nicht vollig ausgemacht. Es iſt lſo bei dieſem Thiere keinesweges wie bei dem Rindviehe der Fall, daß man nach der Art, der Staͤrbe und Form der Horner die Race unterſchei⸗ den und auf ihre Abkunft ſchließen konne. Die Stirn iſt erhaben, die Naſe gebogen, der Kopf ſtark bewachſen, die Augen ſind braun, ſchongewolbt, mit einem frommen Blick, und, wie es mir ſcheint, immer betraͤchtlich groͤßer als bei unſern Lundſchafen; der Nacken iſt breit, dickhäu⸗ tig, und mit dichter kurzer, aber groberer Wolle beſetzt; der Ruͤcken iſt eben, der Bau des K orpers bei den Bocken mehr gedrungen, bei den Mutter⸗ ſchafen laͤnger geſtreckt, das Gerippe iſt nach Verhältniß grob, die Beine ſind ſtark, zuweilen ziemlich kurz, zuweilen zu lang, die vordern ſind bis an das Knie dick mit Wolle bedeckt, ſo daß die Dberbeine das Anſehn von weiten Fi⸗ ſcherhoſen haben, unterhalb dem Knie ſind ſie glatt, die Hinterbeine find dagegen oft, jedoch nicht immer, bis an die Klauen mit einer kurzen krauſen Wolle bedeckt, welches man zwar fuͤr ei⸗ nen Beweis von Vollwolligkeit haͤlt, ſich jedoch bei der ſeinſten Wolle nicht immer findet. H5. Beſchaffenheit ihrer Wolle. Das aͤußere Anſehen ihres Pelzes iſt immer ſchmuhig aſchgrau, oft ſchwarz. Dies rührt von 12 der Fettigkeit ihrer Wolle her, der ſich aller Staub anhaͤngt. Hieran erkennt man bie vorzuͤglichern in einer gemiſchten Herde ſchon in der Ferne. Man ſagt, daß einige Schafzuͤchter, um ihre Herde ins Auge fallend zu machen, dieſe ſchmu⸗ tzige Farbe kuͤnſtlich vermehren. Wenn man aber dieſe Wolle mit den Fingern beider Haͤnde aus⸗ einander ſpreizt, ſo erkennt man ſogleich die Fein⸗ heit der Wolle von mehr gelblicher oder weißerer Farbe, die ſanft und fettig anzufuͤhlen, und auf der hochrothen Haut einen ſehr angenehmen An⸗ blick gewaͤhrt. So wie man die auseinander geſpreizte Wolle wieder fahren laͤßt, muß ſie ſich ſogleichzuſammen⸗ zieden, ſo daß man die Stelle nicht meht bemer⸗ ken koͤnne, welche man aus einander gezogen hatte. Dies giebt einen Beweis von der Dicht⸗ heit der Wolle. Dieſe erkennt man auch leicht an der Geſchloſſenheit des Fließes, ſo daß die Wolle nicht ſchrappet, wenn ſie gehen, oder beim Auf⸗ faſſen mit der vollen Hand. Jedoch iſt es noch zweifelhaft, ob die mehrere Dichtheit und Ge⸗ ſchloſſenheit der Wolle von dem Stamme ab⸗ hangig und erblich ſey, oder ob die Art der Weide und der Futterung einen Einfluß dar⸗ auf habe. Langere Wolle iſt ſelten ſo geſchloſſen. Immer iſt jedoch der Pelz der Merinos weit dich⸗ ter, wie der unſerer Landſchafe. Er laͤßt nicht leicht den Regen uͤber zwey Linien eindringen, 13 und nicht bis anf die Haut kommen, wenn die Wolle ziemlich herangewachſen iſt. Die feinſte Wolle des Schafes befindet ſich an dem Ruͤcken, auf dem Kreuze, an den beiden Seiten des Rumpfes und an den Seiten des Hal⸗ ſes. Sie heißt in Spanien Refina, uud wird mit R bezeichnet. Die zweyte Sorte wächſt auf dem oberen Halſe an der untern Seite des Bauches, und an dem oberen Theile der hintern Hoſen. Sie heißt in Spanien Fina, und wird mit F bezeichnet. Die dritte Sorte an den Schenkeln der Vor⸗ der⸗ und Hinterfuͤße bis an die Knie, und am Ko⸗ pfe vom Auge bis unter die Kehle. Sie heißt in Spanien Secunda oder Tercera, und wird mit §oder Tbezeichnet. Die vierte und ſchlechteſte Sorte befindet ſich vorn am Kopfe, an den Fuͤßen unterhalb des Knies und am Schwanze. Sie heißt Kayda, und wird mit K bezeichnet. Hierauf wird bei der Schur und Sortirung der Wolle oft Ruͤckſicht genommen, wovon weiter unten, und dieſer Unterſchied iſt allgemein auch bei den ſeinſten Schafen. Je mehr aber die Feinheit an den ſchlechteren Theilen aushält, je mehr ſich die Fina der Refina, die Seconde der Fina nähert, um ſo vorzuͤglicher iſt ohne Zweifel das Thier, und dieſerhalb hat man bei der Aus⸗ 14 wahl der Stdre auf die Wolle dieſer Theile beſon⸗ ders Ruͤckſicht zu nehmen. Por allen aber hat man bej der Unterſuchung der Wolle auf dem Korper ſeine Aufmerkſamkeit auf die Stichel⸗, Stachel- oder Hundehaare zu richten, die ſich zuweilen auch in der feinſten Wolle finden, ſelbige aber in ihrem Werthe her⸗ abſetzen. Dies ſind einzelne harte, glänzende und nicht gekraͤuſelte Haare, welche, wie jedes Haar, an der Wurzel dicker oben ſpitz zulaufen, wogegen die eigentliche Wolle an der Spitze nicht feiner wie an der Wurzel iſt. Nur beiſchlechten Schafen finden ſie ſich auch an den Theilen, wo die beſſere Wolle ſitzt; an dem unteren Theile der Schenkel, am Schwanze, an den Wurzeln der Hoͤrner, und an den Geilen iſt manches Schaf und Widder nicht frey davon. Man hat bemerkt, daß ſie ſich vererben und vermehren, und man ſucht daher ſo viel möglich ſolche Thiere zur Zu⸗ zucht aus, die gar keine Spur davon haben. . Einfuͤhrung einer Merino⸗ Schäſerey. Es giebt zwey verſchiedene Wege zu einer fei⸗ nen Merino⸗Schaͤferey zu gelangen. Der eine iſt: Durch Veredlung mit immer erneuerten Boͤcken von vollig rei⸗ ner Abkunft; der zweite: Die Anſchal⸗ 15 fung eines obllig reinen, von va⸗ terlicher und muͤtterlicher Seite aus der echten ſpaniſchen Merino⸗ Race erzeugten Stammes. Nur der erſte kann mit dem Nahmen Veredlung belegt werden, der andere heißt Einfuͤhrung der reinen Race. Auf dem erſten wird man allmaͤhlig und langſam allerdings zu einem hohen Grade der Verfeinerung gelangen, aber wohl nie die höchſte Vollkom nenheit erreichen; durch die zweyte laͤßt ſich das hochſte Ziel ſchnell erreichen, aber freylich nicht anders, als wenn man mit einem großen Koſtenaufwande die hoch⸗ ſte Vorſicht verbindet. Wenige ſind zu letzteren im Stande. Es giebt indeſſen ein Verfahren, wodurch man beide mit einander vereinigt, und, wenn gleich langſamer, doch mit nicht hoͤheren Koſten als die Veredlung erfordert, ſeine Herde in voͤll gedles Vieh umſchafft. Wir wollen jede dieſer Methoden fuͤr ſich betrachten. 57. Die Veredlung durch Kreuzung. Es iſt jetzt wohl außer allen Zweifel geſetzt, daß bei der Erzeugung das maͤnnliche und weib⸗ liche Geſchlecht gleich viel beitragen, und daß im Allgemeinen das junge Thier zur Häͤlfte die Eigenſchaften des Vaters, zur Hälfte die der Mutter beſitze. Die Meinung, daß der eine 16 Theil auf die aͤußere Geſtalt, der andere auf die innere Konſtitution mehr Einſtuß habe, iſt vollig ungegruͤndet. Ich ſage im Adgemeinen, denn es giebt Individuen, auf die ſich nur die Quali⸗ täten des Vaters oder der Mutter allein, oder doch im uͤberwiegenden Grade zu vererben ſchei⸗ nen. Allein es werden in ſolchen Fällen jene Ei⸗ genſchaften des einen Theils mehrentheils nur in dieſem einen Abkömmlinge verdunkelt, und kom⸗ men in deſſen Rachkommen wieder, manchmal um ſo ſtärker, zum Vorſchein, ſo daß z. B. ein Stoͤr, der ſeinen Vater faſt vollig gleich war, nun Laͤmmer erzeugt, die ſeiner Mutter mehr gleichen. Ja zuweilen treten die mutterlichen Qusalitaten erſt in ſpätern Generationen, die von Baſtarden dieſer Art(bei den ſpaniſchen Schafen nennt man ſie Metis oder Meſti⸗ zen erſter Generation) entſtehen, wieder her⸗ vor. Es findet daher nie Sicherheit ſtatt, daß ein Stamm, deſſen Vater und Mutter von ver⸗ ſchiedenen Racen waren, ſich in den Eigenſchaften vollkommen erhalten werde, die er ſchon zu beſi⸗ tzen ſchien, und eine ſolche Baſtardart iſt daher pei keinem Thiere conſtant und gleichbleibend. Wenn die erſte Abkommenſchaſt eines feinen Störes und einer groben Mutter mit einem Stbre der reinen edlen Art wieder begattet wird, ſo wird ein Lamm erzeugt, welches in der Regel doppelt ſo viel von der Natur des Vaters als 17 der Mutter hat. Aber keinesweges allgemein, indem im Einzelnen die Luolitaͤten der Mutter ſich uber dieſes Verheliniß und zuweilen ſtärker, als bei der erſten Generotion zeigen. Bei der dritten Generation, die aus einer Mutter von der zweiten und einem Stdre der rei⸗ nen Merinoart erfolgt, verhält ſich die väterliche Natur zur muͤtterlichen wie 3 zu 1. Und ſo ferner bei der vierten wie 4 zu 1, bei der fünften wie 5zu1, bei der ſechſten wie 6 zu 1. In dieſer Progreſſion wird die Perfeine⸗ rung der Wolle nach allgemeinen Beobachtungen wirklich fortſchreiten, und nach derſelben wer⸗ den auch Kenner den Preis derſelben beſtimmen; jedoch, wie ich nochmals wiederhole, unter Vor⸗ ausſetzung vollig edler Bbcke. Man hat aber dieſe Progreſſion der Vered⸗ lung oder dieſen Uebergang zur väterlichen Natur bisher in verſchiedenen Schriften weit ſchneller angenommen; indem man folgendes Prinzip auſſtellte. Ein ſeiner Bock A erzeugt mit der groben Mutter B erſte Generation, ein Schaf C halb fein.. Der Bock A erzeugt mit dem Schafe C zweite Generation, ein Schaf D 4 fein. 18 Der Bock A erzeugt mit dem Schafe D dritte Generation ein Schaf E 2 fein Der Bock Aerzeugt mit dem Schafe E vierte Generation, ein Schaf F fein. Der Bock A erzeugt mit dem Schafe F fuͤnfte Generation, ein Schaf G 31. fein.„ Der Bock A erzeugt mit dem Schafe G ſechſte Generation, ein Schaf H 2 fein. u. ſ. f. In dieſer ſechſten Generatin muͤßte alſo die muͤtterliche Abſtammung den Sinnen ganz unbemerklich ſeyn. Dies aber hat genaue Beob⸗ achtung nicht beſtaͤtigt, und ein ſcharfes Auge, ja ſogar das Gefuͤhl, kann die Wolle der reinen ſuperfeinen Merino⸗Race von der in der ſechſten und noch ſpaͤtern Generationen mehrentheils un⸗ terſcheiden. Auch wird ſie der erfahrne Woll⸗ händler nicht nach dem letzten, wohl aber nach dem erſten Verhältniſſe ſchaͤtzen und bezahlen. Einige Individuen giebt es freilich ſchon in der vierten Generation, bei denen die muͤtterliche Ratur ganz verdunkelt iſt, und deren Wolle man von der vaͤterlichen nicht unterſcheiden kann: allein es ſind Ausnahmen. Und was wohl zu bemerken iſt, dieſe Verfeinerung bleibt in der fer⸗ nern Deſcendenz nicht conſtant, ſondern es es kommt der muͤtterliche Antheil wieder zum 19 Porſchein, wenn man nur Bocke aus dieſer Ge⸗ neration, und nicht vdllig reinen Geſchlechts ge⸗ braucht. Durch die Hoffnung einer ſo ſchnellen voll⸗ kommenen Veredlung haben ſich manche verlei— ten laſſen, dieſe Methode der Veredlung der Ein⸗ fuͤhrung einer reinen Race vorziehen, weil ſie ſolche dem Anſcheine nach minder koſtbar und ſicherer hielten. Hierdurch iſt auf der einen Seite gewommen worden, indem manche, denen jene Ginfuͤhrung der reinen Race zu ſchwierig wuͤrde geſchienen haben, ſich dennoch zur Veredlung entſchloſſen, dadurch den Werth ihrer Wolle be⸗ traͤchtlich erhbheten, und ſich einen Schafſtamm verſchafften, der vorerſt alle ihre Wuͤnſche befrie⸗ digte. Auf der andern Seite hat es aber auch dem Fortgange der Sache ſehr geſchadet, indem viele ſich uͤberzeugt hielten, bei der fuͤnften oder ſechſten Generation das non plus ultra erreicht zu haben, und daß ſie nun auch keiner Bocke von reiner Abſtammung mehr beduͤrften. Viele be⸗ gnügten ſich bei dem Anfange und Fortgange ihrer Veredlung ſogar Meſtiz-Boͤcke von der vierten Generation anzuſchaffen, die ſie vielleicht um ein geringes wohlfeiler, wie ganz reine, be⸗ zahlten; oft nur bequemer erhalten konnten. Ja es zogen ſogar manche, die ſich von der mehreren oder minderen Feinheit der Wolle noch keine b 2 20 ſcharfe Anſicht erworben hakten, Metis⸗Bocke ihrer Statur wegen, den ſchwaͤcheren und unan⸗ ſehnlicheren Merinos vor. Und endlich ward, zum Theil auch wegen des Vorurtheils, daß man Verwandtſchaft bei der Begattung vermeiden muͤſſe, die Reinerhaltung der Merino⸗Race, ſelbſt da, wo man reine Stammmuͤtter hatte, ver⸗ nachlaͤßigt. Man hielt dieſe reine Muͤtter bei weitem nicht ſo in Ehren, wie ſie es verdienten, ſuchte ſie nicht ſo lange zu erhalten, und ſo viele Laͤmmer von ihnen zu bekommen, wie möglich war, ſondern merzte ſie oft in demſelben Alter aus, wo man die Landſchafe abzuſchaffen ge⸗ wohnt war, ungeachtet jene Race ein hoheres Al⸗ ler erreichen, und länger fruchtbar bleiben kann. Einige verfielen ſogar darauf, den Korperhau die⸗ ſer Race verbeſſern und vergroßern zu wollen, in⸗ dem ſie Blut von großen Schafen einmiſchten, z. B. eine Merino⸗Mutter mit einem großen Bock anderer Art begatteten, und von jener nur ein Bocklamm aufzogen. Durch dieſe Fehlgriffe iſt die allgemeinere Verbreitung der Veredlung ſelbſt nicht nur auf⸗ gehalten worden, ſondern es iſt auch die reine Race in manchen Schäfereien, die ſich mit echten Merinomuͤttern verſahen, wirklich ausgegangen. Man hat es fuͤr eine unnbthige Aufmerkſamkeit gehalten, die reine Race bei der Begattung zu ſepariren, und hat Bocklämmer mehr nach ihrer 21 zußern Anſicht, als nach ihrer Abſtammung der Zucht ausgewaͤhlt. Es giebt daher nicht viele Schaͤfereien, aus welchen man reine Merinobloͤcke zu erhalten, ſicher ſeyn kann. Ohne dieſe aber kommt die Ver⸗ edlung erſt in Stillſtand, nachher in Abnahme. So ſehr in den erſten Generationen die Eigen⸗ ſchaften des Vaters hervorſtechend ſcheinen, ſo gewiß kommen in den folgenden die des urmuͤt⸗ terlichen Stammes wieder zum Vorſchein, wenn ſte nicht fortdauernd von reinen Vätern unter⸗ druͤckt werden. Sowohl in Frankreich wie in Deutſchland haben gerade diejenigen, welche die Einfuͤhrung der ſpaniſchen Race mit dem groͤßten Eifer be⸗ trieben, und ſich in der That ein unſterbliches Verdienſt dadurch erwarben, zu dieſer Sorglo⸗ ſigkeit und Leichtſinn Veranlaſſung gegehen, in⸗ dem ſie ihren Zweck,— die ſchnelle und allgemei⸗ ne Verbreitung— zu lebhaft befoͤrdern woll⸗ ten. Dort waren es d'Aubanton und Gil⸗ bert, bier Stumpf und Fink, welche den vollkommenen Uebergang in eine conſtante reine Race durch die Kreuzung predigten. Allerdings war es zu Anfange verzeihlich, indem die Ver⸗ beſſerung der Wolle bis auf einen gewiſſen Grad dadurch ſchneller verbreitet werden konnte, und es haͤtte nichts geſchadet, ſondern allerdings Vortheil gebracht, wenn man nur zugleich ei⸗ 22 nen reinen Stamm zur Aufzucht der Zuchtbocke heihehalten hätte. Fink in Koſitz und Pe⸗ tersberg hat es nach der Verſicherung derer⸗ die ſeine Wirthſchaft aus eigner Anſicht kennen, allerdings gethan, und einen Theil ſeiner Herde aus urſpruͤnglich reinen Muͤttern, die er in ſehr raͤudigem Zuſtande aus der Stolpeſchen Thier⸗ garten-Schäſerei ſich zu verſchaffen wußte, rein erhalten; ſich auch in der Folge nur der hiervon ahſtammenden Bbcke ſelbſt bedient. Der größ⸗ te Theil der Bocke aber, welche er verkaufte, waren Meſtizen, jedoch von alter Generation, und viele andere, die von ihm ſolche Bocke ge⸗ nommen und danit bis zur vierten Generation gekreuzt hatten, verkauften wieder Zuchtboͤcke. und ſo ſind viele veredelte Schaͤfereien in der Veredlung nicht ſo vorwaͤrts gekommen, wie es diejenigen, die ganz reine Boͤcke erhielten, tha⸗ ten. Faſt nur da, wo der Staat die aus Spa⸗ nien erhaltenen reinen leoneſiſchen Merinos nicht ſogleich vertheilte, ſondern eine reine Stammſchaͤferei davon anglegte: in Frankreich, Sachſen und Heſtreich hat ſich ein zuverlaͤſſig reiner Stamm erhalten, und es iſt ſelbſt die Durchkreuzung durch die Bocke von dieſer rei⸗ nen Abkunft von grbßerer Wirkung auf die Veredlung der Wolle im Lande geweſen. Da hier dann auch mehrere Privatpetſonen Gele⸗ genheik hatten, ſich Muͤtter von reiner Abkunft 23 aus dieſen landesherrlichen Stammſchäͤfereien zu verſchaffen, ſo entſtanden mehrere vollig edle Herden, und verbreiteten ſich durch die Ab⸗ koͤmmlinge immer weiter, zumal wo der Preis, wie im Oeſtreichiſchen, ſo erſtaunlich hoch ſtieg, daß ein jeder die hoͤchſte Aufmerkſamkeit auf die mbglich laͤngſte Erhaltung dieſer Thiere und die Hervorbringung von vielen Lämmern wandte. Daſſelbe hat man leider nicht erreicht, wo man die aus Spanien geholten Schafe ſogleich ver— theilte, und wo in den Privatſchaͤfereien nur von wenigen fuͤr die Reinerhaltung des Stammes von muͤtterlicher Seite aufmerkſam genug ge⸗ ſorgt wurde. Fedoch giebt es in allen Provinzen unſeres Staates, in den Marken, in Schleſien, in Preußen einige Schaͤfereien, welche man als vollig rein betrachten kann, zum Theil von rei⸗ nen ſaͤchſiſchen Herden abſtammen. Durch das hier Geſagte ſoll keinesweges der Werth der Veredlung herabgeſetzt werden. Er bleibt immer groß, und unter individuellen Ver⸗ hältniſſen das zweckmaͤßigſte. Allein zu einer ſichern Stammſchaͤferei kann man ſich dadurch nicht erheben, und man muß nicht aufhdren ſich mit neuen Boͤcken, wo moglich reiner Abkunft, zu verſorgen. Man kann ſeine Wolle, beſonders wenn man ſie ſortirt, und grobere dazwiſchen fallende Pelze ausſchließt, der reinen leoneſi⸗ ſchen Merinowolle nahe bringen; allein auf ei⸗ 24 genen Bockanzucht ſollte man billig Verzicht lei⸗ ſten, und ſie Schaͤfereien von vbllig reiner Ab⸗ kunft überlaſſen. Grobwollige Schafe können allerdings auch durch Meſtizbocke von einem ho⸗ heren Veredlun sgrade auffallend verfeinert werden, aber es geht dann langſamer, unſicherer, und nur unter der Bedingung, daß man die auf die mutterliche Natur zuruͤckſchlagenden Indivi⸗ duen ſorgfaltig ausmerze; wogegen man bei rei⸗ nen Stammbocken auf ſicherern Fortgang dreiſt rechnen kann, und in der Auswahl der Muͤtter nicht ſo ängſtlich zu ſeyn braucht. Daß die hochſte und aus dauernde Vollkom⸗ menheit durch Veredlung nie erreicht werden kann, beweiſet der Unterſchied der leoneſiſchen und ſorianiſchen Herden in Spanien. Denn ungeachtet dieſe von jenen immer Stdoͤre kaufen, ſo ſteht doch der Preis der Wolle der letzteren, bei uͤbrigens gleicher Behandlung, um 4 geringer als der erſten(vergl. Teſſier, S. 26.) Die Verſchiedenheit der Spaniſchen Merino⸗ Herden findet man in Poiferé de Cerè Abhand⸗ lungen, Annalen des Ackerbaues, K. 641., die meiſte Aufklaͤrung. Die Veredlung der Wolle mittelſt der Freuzung macht um ſo ſchnellere Fortſchritte, je feiner und elaſtiſcher die Wolle der Urmutter an ſich war. Zwar naͤhert ſich auch das grob⸗ 25 wollige Schaf jeder Race, allmaͤhlich durch im⸗ mer erneuerte reine Durchkreuzung in ſeiner Descendenz, der Merino⸗Race nicht blos in ſei⸗ ner Wolle, ſondern auch in ſeinem Korperbau. Denn dieſer Korperbau ſcheint unzertrennlich mit der Feinheit der Wolle verbunden zu ſeyn, und alle Verſuche, auf einen groͤßern u d anders geformten Koͤrper die feine elaſtiſche Wolle zu verpflanzen, ſind vergeblich geweſen. Man hat folglich bei der Auswahl der zur Veredlung be⸗ ſtimmten Race und Individuen nur auf die Fein⸗ heit der Wolle, ungefleckte Farbe derſelben, Fe⸗ ſtigkeit in der Haut— denn alle Schafe, welche ihre Wolle abwerſen, ſind durchaus zu vermei⸗ den— und Geſundheit, weniger auf die Grd⸗ ße ihrer Natur zu ſehen. Denn in den folgen⸗ den Generationen veraͤndert ſich dieſe doch. Da man gegenwaͤrtig Gelegenheit genug hat, halb veredelten Schafe anzukaufen, und ihr wenig hoͤherer Preis ſich ſchon bei der er⸗ ſten Schur reichlich wieder bezahlt, ſo wird es immer rathſam ſeyn, ſich dieſe, wo nicht auf einmal, doch allmaͤhlig anzuſchaffen, wenn man die Veredlung auch nur durch Kreuzung zu betreiben gewillet iſt, indem man alsdann um ſo eher zu einem hoheren Grad der Ver⸗ ſeinerung gelangt. 5 8. Anziehung der reinen Race. Die Einfuͤhrung einer vollig edlen und rei⸗ nen Stammſchaͤferei, welche ſich in ſich ſelbſt er⸗ haͤlt, und keines Bockankaufs— es ſey denn vielleicht eines ganz ausgezeichneten Thiers— weiter bedarf, iſt allerdings mit großen Schwie⸗ rigkeiten verbunben. Sie erfordert nicht nur ein ſehr betraͤchtliches Kapital, ſondern auch das Zuſammentreffen gluͤcklicher Umſtaͤnde und viele Bemuͤhungen, dieſe auſzuſuchen. Die Bezah⸗ lung juͤngerer Schafe reiner Art iſt faſt uner⸗ ſchwinglich, und man muß ſich mit älteren aus⸗ gemerzten Schafen begnuͤgen, von welchen man noch zwei, hoͤchſtens drei Lämmer erwarten kann. Das Riſiko iſt daher immer betraͤcht⸗ lich, theils auf der Reiſe, beſonders wenn ſie von entfernten Orten kommen, theils weil ſol⸗ che Schafe, wenn ſie an andere Weiden und Fuͤtterung gewohnt ſind, von der Veraͤnderung derſelben leicht leiden. Eine Hauptruͤckſicht, welche man deshalb zu nehmen hat, iſt die, daß man ihnen beides von moglichſt gleicher Art, ſo wie ſie es gewohnt ſind, geben könne. Selbſt eine zu ſchnelle, ſonſt in der Folge gewiß wohl⸗ thaͤtige Verbeſſerung der Nohrung darf nur mit Vorſicht und allmaͤhlig angewandt wer⸗ den. Auch muß man ſich ſorgfältig nach ihrer —— 27 übrigen gewohnten Behandlung erkundigen, und dieſe anfangs, ſelbſt mit keiner an ſich beſ⸗ ſern, vertauſchen. Wer alles dieſes in ſeiner Gewalt hat, dem wird ſich ein angelegtes größe⸗ res Kapital freilich bald wieder bezahlen, in⸗ dem er nun außer der ſuperfeinen Wolle bald Boͤcke verkaufen, und ſeine Herde dann ſo vermehren kann, daß er auch Räͤtter, deren Preis vorerſt nach aller Wahrſcheinlichkeit noch betraͤchtlich ſteigen wird, abzuſtehen habe. Eine völlig edle Schaͤferei iſt in dieſem Au⸗ genblicke ein ſehr großer Schatz, und wer in Zeiten, wo die Kapitalien wohlfeiler waren, ein ſolches zum Ankauf reiner Merino⸗ Muͤtter an⸗ wandte, und die Gelegenheit, ſolche zu erhal— ten, benutzte, hat gegenwaͤrtig Zinſen davon, wie ſie vielleicht kein anderes Kapital auf recht⸗ liche Weiſe traͤgt; jedoch wie ſich verſteht un⸗ ter der Bedingung, daß er dieſe Schaͤſerei auch richtig behandelte. Gegenwärtig, wo die Kapi⸗ tale ſo theuer und ſelten ſind, und der Preis der reinen Merino-Muͤtter dennoch ſehr hoch geſetzt wird, mochte die Anſchaffung einer gan⸗ zen Merino⸗ Herde wenigen moͤglich und ſel⸗ ten rathſam ſeyn. Denn ſo wenig es wahr⸗ ſcheinlich iſt, daß der Preis der feinen Wolle ſchnell wieder ſinken werde, ſo wird ſie ſich doch ron Jahr zu Jahr vermehren, und die Nach⸗ 28 frage leichter befriedigt werden können, zumal da ſich auch die veredelten Schäfereien vermit— telſt der Durchkreuzung mit vbllig reinen Bocken, die ſich nun betraͤchtlich vermehren, immer mehr verfeinern, und mit ihrer ſortir⸗ ten Wolle der odllig feinen in der That nahe ko nmen. Auch iſt nach einem laͤngeren Zeit⸗ raume nicht zu erwarten, daß der Ertrag aus dem Perkauf der Böcke und Mutter ſo anſehn⸗ lich bleibe, wie er jetzt iſt. Bei der gegenwaͤrtigen Seltenheit und Theurung der Kapitalien koͤnnte alſo nach Ab⸗ zug der rohen Zinſen eine ſolche Unternehmung wenigſtens gewagt ſcheinen, und wohl nur we⸗ nigen Gutsbeſitzern moglich ſeyn. Es giebt aber ein anderes Hilfsmittel, wodurch man, freilich mit mehrerem Zeit⸗ aber geringerem Kraftaufwande, und gewiß auß die vortheilhafteſte Weiſe zu demſelben Ziele gelangt. Es beſteht darin, daß man mit der in Vered⸗ lung begriffenen Herde zugleich einen kleinen Stamm von reinen Merino⸗Muͤttern zu erhal⸗ ten ſuche, ungefaͤhr ſo viele als erforderlich ſind, ſeine eigenen Bocke aufzuziehen. Dieſes kann wenige Schwierigkeit haben, und das dazu an⸗ gelegte Kapital wird ſich allein durch den nun zu erſparenden Ankauf neuer ächter Bocke ſchon hinreichend verzinſen. Zugleich aber wird ſich die reine Race durch die Mutterlämmer, wenn dieſe mit moͤglichſter Sorgfalt behandelt werden, progreſſiv vermehren. Man muß ſich dabei Folgendes zur unver⸗ bruͤchlichen Regel machen: Erſtlich ſich gewiß verſichern, daß man Muͤtter und Bocke von voͤllig reiner Race, d. h. auch von muͤtterlicher Seite aus origineller Merino⸗Abſtammung erhalte, und ſie deshalb aus keiner anderen Schaͤſerei nehmen, als wo ſolche nur vorhanden ſind. Erſetzt auch, ſie waͤren ſo alt, daß man nur ein einziges Lamm mit Sicherheit von ihnen erwarten konnte, oder haͤtten andere nicht forterbende Fehler, ſo ſind ſie doch immer veredelten Schaſen aus der ſech⸗ ſten, ja wahrſcheinlich aus der zehnten Gene⸗ ration vorzuziehen. In ihrem Lamme erhaͤlt man immer eine reine Mutter oder Bock. In⸗ deſſen koͤmmt man freilich mit juͤngeren Muͤt⸗ tern weit ſchneller vorwaͤrts, und ſie ſind bei weitem vorzuziehen, wenn man ſie ſicher und zu einem verhäͤltnißmaͤßig billigem Preiſe er— halten kann. Zweitens. Man behandle dieſe Stamm⸗ muͤtter auf das allervorſichtigſte, laſſe ſie fruͤh zum Bock bringen, damit das Lamm fruͤh kom⸗ me und ſeine vollkommene Staͤrke bei der er⸗ ſten Begattung erreicht habe, wobei freilich auf die nahrhafteſte Winterfutterung der Mutter, waͤhrend des Saͤugens und des Lammens im 30 Fruhjahre, zu rechter Zeit zu denken iſt. Läßt man dieſe edlen Stammmuͤtter fruͤher wie die uͤbrigen bedecken, ſo wird man nicht nur den fuͤr ſie paſſenden Stdr um ſo beſſer auswählen, ſondern auch um ſo ſicherer ſeyn, daß ſie traͤch⸗ tig werden, und ihre Laͤmmer werden den an⸗ dern ſo viel vorkommen, daß keine Verwech⸗ ſelung vor dem Zeichnen moͤglich ſey. Man wird alle in den erſten Tagen nach der Geburt nothige Auſmerkſamkeit auf ſie allein verwen⸗ den konnen. Drittens. Man laſſe nun durchaus keinen jungen Bock von andern als von dieſen Muͤttern ungehammelt gehen, und verhuͤte ſorg⸗ faͤltig, daß keiner der Caſtration entſchluͤpfe, wie es bei der Vorliebe, welche die Schaͤfer fuͤr ein aͤußerlich ſchoͤn gebildetes Thier zu ha⸗ ben pflegen, ſo leicht geſchiehet⸗ Viertens. Man ſorge fuͤr die Erhal⸗ tung dieſer Muͤtter und ihre moglichſte Lebens⸗ verlaͤngerung auf alle Weiſe, und merzte ſie nicht eher aus, als bis die Schwaͤche des Al⸗ ters ſich zu deutlich offenbart. Ob es in der Natur der Merino⸗ Schafe liege, oder von ihrer ſorgfaͤltigen Behandlung herruͤhre, iſt vielleicht noch nicht entſchieden, aber es iſt Thatſache, daß ſie bis ins zwolfte Fahr— man hat ſo⸗ gar Beiſpiele von funfzehnjaͤhrigen— zut Zeu⸗ gung faͤhig bleiben und geſunde Laͤmmer brin⸗ 31¹ gen. Es waͤre wohl der chdrichſte Geiz, ein ſolches Schaf um des Fleiſches willen fruͤher ab⸗ ſetzen zu wollen, als bis es ganz untauglich ge⸗ worden iſt. Aber auch die Abnahme ſeiner Wolle muß man nicht achten, und das Thier durch ausgewaͤhlte Nahrung hinzuhalten ſu⸗ chen. Unter Beobachtung dieſer Regeln geht die Vermehrung des reinen Stammes ſchnell vor ſich. Ich habe daruͤber bereits im Dktober⸗ ſtuͤcke der Annalen des Ackerbaues 1810 eine Berechnung mitgetheilt, die ich hier mehr aus⸗ einandergeſetzt wiederhole. Ich ſetze dabei voraus, daß ein Schaf mit zwei Jahren, und dann nur 6 Fahre nach⸗ einander ein Lamm bringe, und daß die Haͤlfte derſelben weibliche ſind, und nehme an, daß der Anfang mit 11 jungen Mutterſchafen gemacht werde. Hat man dieſe nicht, ſondern alte Mut⸗ terſchafe, ſo geht die Rechnung mit einigen Modifikationen erſt von dem Jahre an, wo de⸗ ren Laͤmmer Muͤtter werden. Erſtes Jahr: 12 Schaſe bringen 6 weibliche Laͤmmer. Zweites Jahr: Dieſelben 12 Muͤtter bringen wieder 6 Laͤmmer. 32 Drittes Jahr: Dieſelben 12 Muͤtter und 6 vom erſten Jahre 18 bringen 9 weibliche Lämmer. Viertes Jahr: Die 18 Muͤtter und 6 vom zweiten Jahre 24 bringen 12 weibliche Lämmer. Fuͤnftes Jahr: Die 24 Muͤtter und 9 vom dritten Jahre 33 bringen 16 ½ weibliche Lämmer. Sechſtes Fahr: Die 33 Muͤtter und 12 vom vierten Jahre 45 bringen 22 ½ weibliche Lämmer. 9 Siebentes Jahr. Die 12 Mütter haben ausgedient. Es bleiben 33 ältere Mutter und 16 vom fuͤnften Jahre 49 bringen 24 4 weibliche Laͤmmer. (Wir laſſen jedoch die halben weg) Achtes Jahr: Die 40 Muͤtter und 22 vom ſechſten Jahre — 71 bringen 35 weibliche Laͤmmer. Neuntes Jahr: Die 6 Muͤtter vom erſten Jahre haben aus⸗ gedient. Es bleiben 65 aͤltere Muͤtter und dazu 24 vom ſiebenten Jahre 89 bringen a4 weibliche Laͤmmer. Zehntes Jahr: Die 6 Muͤtter vom zweiten Jahre gehen ab. Es bleiben 89 aͤltere Muͤtter dazu 35 vom gten Jahre 124 bringen 62 weibliche Laͤmmer. Eilftes Jahr: Es gehen ab die 9 Muͤtter vom dritten Jahre. Es bleiben 11 aͤltere Mutter dazu 44 vom neunten Jahre 169 bringen 79 weibliche Lämmer. Zwoͤlftes Jahr: Es gehen ab die 12 Mutter vom vierten Jahre. Es bleiben 147 aͤltere Muͤtter. dazu 62 vom zehnten Jahre 209 bringen 104 weibliche Lämmer. C 34 Dreizehntes Jahr: Es gehen ab 16 Muͤtter vom fuͤnften Jahre. Es bleiben 193 aͤltere Muͤtter dazu 79 vom eiften Jahre 272 bringen 136 weibliche Lammer. Vierzehntes Fahr: Es gehen ab 22 Muͤtter vom ſechſten Jahre. Es bleiben 250 aͤltere Muͤtter dazu 104 vom zwolften Jahre a4 bringen 177 weibliche Lͤmmer. Fuͤnfzehntes Jahr: Es gehen ab 24 Mutter vom ſtebenten Jahre. Es bleiben 330 aͤltere Muͤtter dazu 136 vom dreizehnten Jahre 466 bringen 233 weibliche Lammer. Sechzehntes JFahr. Es gehen ab 35 Muͤtter vom achten Jahre. Es bleiben 431 ältere Muͤtter dazu 177 vom vierzehnten Jahre 6o8 bringen Zo4 weibliche Laͤmmer und ſo fort. Hierbei iſt nun freilich auf die hoͤchſte Sorg⸗ falt und auf keine Ungluͤcksfaͤlle gerechnet. Da⸗ gegen ſind aber auch nur 6 Laͤmmer von einer Mutter angenommen worden, und man kann 35 allerdings bei der beſten Behandlung acht, und durch Zwillingslaͤmmer, die bei einer reichli⸗ chen Rahrung dfter vorkommen, deren mehrere erhalten. So wie nun die Zahl des reinen Stam⸗ mes ſich vermehrt, wird die des veredelten— ungeachtet ſie durch die ſelbſt erzeugten Boͤcke betraͤchtliche Fortſchritte gemacht hat— ver⸗ mindert, und endlich eine vbllig teine Schaͤferei hervor gebracht. Die Franzoſen nennen dieſes troupeau de progression, und Herr Deſ⸗ ſier giebt Herrn Morel de Vindé als den Erfinder derſelben an. Allein es hat Herr Geysmer, jetzt Gutsbeſitzer bei Warſchau, ſchon im Jahre 1803 dieſe Berechnung auf mei⸗ nem Inſtitute zu Celle gemacht. Wie viel durch die erſte Anlage zum An⸗ kauf der 12 Mutterſchafe, im Vergleich gegen den ſonſt noͤthigen wiederholten Ankauf der echten Boͤcke gewonnen wird, kann ein jeder leicht nachrechnen. Dazu kommt aber der be⸗ traͤchtliche Verkauf von Bocken, womit man im ſechſten Jahre ſchon anfangen kann. Daß wenige bloß in Hinſicht der eigenen Zucht der Boͤcke hierauf verfallen ſind, läßt ſich nut aus dem PVorurtheile, welches man ge⸗ gen Verwandtſchaft hatte, erklären, indem die meiſten bloß der Perwandſchaft wegen fremde e2 Bocke noͤthig zu haben glaubten, und beſſere reinere Bocke deshalb gegen ſchlechtere und ziemlich veredelte Meſtizen vertauſchten.„Wenn es mit der Verwandtſchaft ein Vorurtheil iſt,“ ſagte mir jemand,„ſo iſt es doch ein unſchaͤd⸗ liches.“ Dies Vorurtheil hat uns vielleicht um Millionen gebracht— und kein Borurtheil iſt unſchãdlich! S9. Auswahl der Stoͤre und Mutter. Bei der Auswahl des Bocks kommt es vor allem darauf an, daß man ſich von ſei⸗ ner reinen Abkunft, und daß er nicht von eie nem Meſtizſchafe gefallen ſey, uͤberzeuge. In einem zweifelhaften Falle wird es immer ſiche⸗ rer ſeyn, einen Bock von unzweiſelhafter Ab⸗ kunft, wenn er auch die ſogleich zu nennenden Qualitäten im minderen Grade beſaͤße, einem andern vorzuziehen, der ſie in hoherem Grade hätte, deſſen Abſtammung aber ungewiſſer wäre. Sind ſie hierin einander gleich, ſo kommt es vor allen auf die Feinheit und Elaſtizität der Wolle, und zwar auf das moglichſte Aus⸗ halten dieſer Feinheit an denen Theilen, die im⸗ mer grobere Wolle haben, und auf die Abwe⸗ ſenheit der Stichelhaare auch an den Theilen, wo ſie ſich am meiſten zu finden pflegen, an. 37 (Von der Wolle werden wir insbeſondere re⸗ den.) Dann kommt ein ſtarker gedrungener Kor⸗ perhau und eine kraſtvolle Konſtitution in Be⸗ tracht. Lebhafte Augen mit hochrothen Adern um die Thraͤnendruſen, eine breite wollige Stirn, kurze aber ſteifſtehende Ohren, ein kurzer aber breiter Hals, breite Bruſt, runde Schultern, ein breiter gedrungener Leib mit einer großen Bauchung, breites Kreuz und Ruͤcken, kurze Beine, großer und ſtark herabhaͤngender Ho⸗ denſack mit dicken Hoden, machen das vor⸗ zuglichſte Verhaͤltniß des Koͤrperbaues aus. Der Bock muß ferner alle Zeichen der voll⸗ kommenſten Geſundheit und Kraft haben, einen freien aber feſten und taktmaͤßigen Gang, er muß ſteif ſtehen und nicht leicht nachgeben, wenn man ihm ſtark aufs Kreuz druͤckt, und kraͤftig zucken, wenn man ihn bei einem Hinter⸗ beine halten will. Reben den Adern des Au⸗ ges muß auch die Haut, das Zahnfleiſch und die Lippen die geſunde rothe Farbe haben. Die Große des ganzen Korpers muß erſt naͤchſt dieſen Verhaͤltniſſen in Betracht kommen. Sie iſt minder weſentlich und hat auf die Descendenz keinen ſo großen Einfluß wie man⸗ che glauben. In Anſehung der Dichtheit und Quanti⸗ taͤt der Wolle findet auch bei der reinen Race 38 ein ſehr großer Unterſchied ſtatt; dieſe ſcheint mir zwar, wie ich weiter unten ſagen werde, groͤßtentheils von der Nahrung und Wartung abzuhangen und dadurch verbeſſert werden zu konnen, pflanzt ſich aber doch auf die erſten Generationen fort. Man erkennet ſie, wenn beim Auffaſſen mit der Hand dieſe ganz mit Wolle angefuͤllt wird, und wenn man die Wolle auf dem obern Theile des Vorderbeins von einander trennt, muß ſie bei dem Los⸗ laſſen elaſtiſch und ſchnell wieder zuſammen ſpringen, und die gemachte Trennung nicht mehr bemerklich ſeyn. Dann daß auch dieje⸗ nigen Theile, die ſonſt wenig Wolle zu haben pflegen, ſtark bewollt ſeyen, oder die Wolle bis zu den Extremitaͤten aushalte. Manche andere angebliche Vorzuͤge eines Stores, z. B. daß er einen ſtarken Schopf auf dem Kopfe, eine ſtarke Wamme habe, be⸗ haart ſey an den Hinterbeinen, einen dreifa chen Halskragen habe, ſind Eitelkeiten. Es kommt 1) auf ſeine Abſtammung; 2) auf die Feinheit und Elaſtizität ſeiner Wolle; 3) auf die Dichtheit des Pelzes; 4) auf ſeine Statur und in dieſer Ordnung an. Alles andere ſind Nebenſachen. Daß es Fälle geben kann, wo man mehr auf die Quantität als auf die Feinheit Räckſicht zu nehmen ſich bewogen findet, und deshalb mehr 39 auf bie Größe und Breite des Körvers, als auf bie Qualität der Wolle ſieht, gebe ich zu. Allein man opfert bei dieſer Ruͤckſicht die Reinbeit der Race auf, weil dieſe nie zu einer ausgezeichnet großen Statur kommt, und man muß, wenn die Feinheit der Wolle nicht immer mehr verlieren ſoll, zuweilen mit vollig reinen kleineren Boͤcken kueuzen, und darf ſich nie anmaßen tuͤchtige Boͤcke zur Veredlung zu liefern. Es kann ſeyn, daß das ſchwerere Fließ einer minder feinen Wolle von einem großen Thiere einen höheren Ertrag giebt; man muß aber bedenken, daß dieſer grö⸗ ßere Koͤrper auch mehrere Nahrung erfordert, und daß man ſtatt zwei groͤßeren drei kleinere er⸗ halten konnte. Das Mutterſchaf muß in Anſehung der Feinheit der Wolle und der Geſundheits⸗ zeichen gleiche Eigenſchaften mit dem Bocke haben; auch in Anſehung des Korperbaues faſt dieſelben Verhaͤltniſſe, nur mit einem nach Verhältniß der Groͤße mehr geſtreckten Rumpfe. Man kann bei den Muͤttern freilich keine ſo ſtrenge Auswahl wie bei den Bocken ma⸗ chen. Es vererbt ſich aber das Individuelle bei ihnen auch nicht ſo ſtark wie bei den Bocken⸗ wenn ſie nur von reinem Stamme ſind. Por allen duͤrfen ſie nicht den Fehler des Abwer⸗ fens der Wolle haben, was aber unter letzterer Bedingung wohl nie der Fall iſt, ſondern ſich 40 mehrentheils von einer an doppelten Schur ge⸗ wohnten Race herſchreibt. Der Bock muß nicht eher zur Begattung gebraucht werden, als bis er bei guter Rah⸗ rung 2½ Jahr alt geworden iſt. Wollte man ihn freilich älter werden laſſen, ſo wurde er an korperlicher Ausbildung und Kraft noch mehr gewinnen. Jedoch iſt dieſes nur bei ſchwaͤchlicheren Thieren nothwendig, und die Erfahrung lehrt, daß die in jenem Alter ge⸗ brauchten Bocke ſich vollkommen gut erhalten haben, ungeachtet ſie ihren Wachsthum ſo fruh nicht vollendet hatten. Ein Mutterſchaf wird ohne Nachtheil begattet, wenn es ſo alt iſt, daß es mit dem zweiten Jahre ſein Lamm bringt, wenn es anders ſeiner korperlichen Konſtitution nach, und durch gute Verpflegung ſich in gutem Stande befindet. Schwaͤchlinge muͤſſen ein Jahr langer unbefruchtet gehen. Es giebt einige Fehler, die ſich nicht ver⸗ erben, und die folglich die damit behafteten Individuen von der Fortpflanzung nicht aus⸗ ſchließen. Dahin gehdren alle aͤußere durch Zufall entſtandene Fehler, z. B. Einaͤugigkeit, Hinken u. dgl. Diejenigen, die braune oder ſchwarze Flecke im Pelze, ja ſogar Flecke auf der Zunge und im Gaumen haben, haͤlt man fuͤr verwerflich, und glaubt, daß ſich ſolche Flecke fortpflanzen, und daß auch bei letzteren ——— 41 ſcheckige Laͤmmer erſolgen. Dies ſcheint aber noch zweifelhaft, wenn anders in einem Stam⸗ me dieſer Fehler nicht conſtant geworden. Man hat in den reinſten echten Schaͤfereien zuweilen bunte Lämmer erhalten, ohne irgend einen Grund davon entdecken zu konnen, und dieſe haben wieder vollig weiße Lämmer ge⸗ bracht. Ich wuͤrde wohl einen Bock, der frei⸗ en Auswahl wegen, aber keine edle Mutter deshalb ausmerzen. In Spanien macht man ſich in den beſten Herden aus Flecken, beſon⸗ ders aus braunen nichts. §. 10. Die Begattung. Die Zeit der Begattung richtet ſich na⸗ tuͤrlich nach der Zeit, wo man die Lammer zu haben wuͤnſcht. Die Traͤchtigkeit des Schafes dauert in der Regel 150 Tage oder einige Ta⸗ ge uͤber uͤber 21 Wochen. Der Geſchlechtstrieb der Schafe iſt an keine beſtimmte Jahreszeit gebunden. Er aͤu⸗ ßert ſich aber gewohnlich im ſiebenten Monde nach dem Lammen, und pflegt dann einige Tage zu dauern, und von 3 Wochen zu 3 Wochen zuruͤckzukehren. Man koͤnnte die Schafe wahr⸗ ſcheinlich an jede Lammzeit gewohnen, wenn man ſie als Erſtlinge in Ruͤckſicht darauf zu⸗ ließe. Sind ſie einmal an eine beſtimmte Jah⸗ reszeit gewöhnt, ſo wird man am ſicherſten ge⸗ hen, wenn man ſie dabei läßt; jedoch kann ſie immer um einen Monat fruͤher geſtellt werden, und dies geht ſicherer, als ſie einen Monat län⸗ ger herauszuſetzen, weil alsdann der Begat⸗ tungstrieb, nachdem er mehrere Male unbefrie⸗ digt geblieben iſt, ſich vorerſt vollig verliert. Es haben einige den Vorſchlag gethan, die Laͤmmer erſt im Junius kommen zu laſſen, zu einer Zeit, wo die Muͤtter die volle und milchreichſte Weide haben. Daß es angehe, hat gar keinen Zweifel, und die Sache ſcheint einigen Grund für ſich zu haben. Sie wuͤrde aber eine Abänderung mancher Wirthſchafts⸗ verhältniſſe nach ſich ziehen, und anfangs viele Schwierigkeiten haben. Bis jetzt iſt bei uns in der Regel die Be⸗ gattung ſo eingerichtet, daß die Lammer vom Januar bis Ende Aprills fallen. Ueber das fruͤhere oder ſpaͤtere ſind aber die Meinungen ſehr getheilt. Gegen das fruͤhe Lammen fuͤhrt man die Schwierigkeit einer gedeihlichen und reichlichen milchgebenden Winterfuͤtterung in der Saͤugezeit an. Die Muͤtter muͤſſen einige Wochen vor der Lammzeit vorzüglich genährt werden, und dann dieſe gute Fuͤtterung behal⸗ ten, bis ſie reichliche Weide bekommen. Selbſt bei derjenigen Fuͤtterung, die man gewoͤhnlich eine gute nennt, haben die Schafe zwar Milch 45 genug fuͤr die jungen Laͤmmer, aber ſie wird unzureichend, wenn dieſe aͤlter werden und mehr Nahrung verlangen. Wenn auch bei fruͤh hervorgruͤnender Weide die Muͤtter aus⸗ gehen konnen, ſo iſt das Fruͤhjahr bei uns doch ſo unbeſtaͤndig, daß das Gras oſt wieder ver⸗ geht; dann gehen die Muͤtter ungern wieder an das duͤrre Futter, und die Milch vermindert ſich zu ſehr. Die laͤngere Dauer der reichli⸗ chen Winterfuͤtterung, wobei dann auch den Lämmern ſelbſt ein vorzuͤglich feines und ge⸗ fundes Heu gegeben werden muß, iſt alſo nicht nur koſtſpielig, und bei manchen Wirthſchafts⸗ verhaͤltniſſen unmoglich, ſondern erſetzt auch das nicht, was eine gute Weide während der Saͤu⸗ gezeit thut. Das friſche ſaftige Futter befoͤr⸗ dert die Abſonderung der Milch bei weitem ſtaͤrker, wenn auch das trockene eben ſo nahr⸗ haft waͤre. Dann beſorgt man, wenn die Laͤmmer in der kaͤlteſten Jahreszeit kommen, das Erfrie⸗ ren derſelben, oder doch eine nachtheilige Ein⸗ wirkung der Kaͤlte auf ihre Geſundheit. Auf der andern Seite aber ſagt man; das Traͤchtigwerden der Muͤtter ſey weit ſichrer, wenn man den Begattungstrieb ſo fruh als moͤglich befriedige, indem dann, wenn der rechte Moment das eine Mal verfehlt ſey, die⸗ ſer doch fruh genug zuruͤckkehre. Daß aber 44 jede Mutter ein Lamm bringe, iſt um ſo wich⸗ tiger, je ernſtlicher man die Vermehrung eines edlen Stammes bezweckt. Ferner ſey es von ſehr großer Wichtigfeit, daß die Lämmer ſchon zur vollen Staͤrke kom⸗ men, um die fruͤhe Weide mit Sicherheit und Vortheil genießen, und auch eine ſpaͤter ein⸗ fallende ſchlechte Witterung ertragen zu kön⸗ nen. Man werde ſie alsdann fruͤher entwoh⸗ nen konnen, wodurch die Muͤtter an Kraft und Wollergiebigkeit— welche letztere mit der Milchabſonderung im entgegengeſetzten Ver⸗ hältniſſe ſtehet,— gewinnen. Das Lamm werde vor Winter die gehdrige Staͤrke erlan⸗ gen, und den gefährlichen Krankheiten, wel⸗ chen ſchwächere Jährlinge ausgeſetzt ſind, ent⸗ gehen. Es erreiche die vollkommene Staͤrke, um im naͤchſten Herbſte zugelaſſen werden zu können. Allerdings ſey eine ſtaͤrkere Fuͤtterung hierbei nothig, aber dieſe bezahle ſich bei einer feinwolligen Schaͤferei durch hoheren Woller⸗ trag immer reichlich, und ohne die Moglichkeit dieſe zu geben, muͤſſe man uͤberall auf eine edle Schäferei Verzicht leiſten, oder wenigſtens ihre Kopfzahl danach beſchraͤnken. Daſſelbe Futter werde mit 200 Schafen oft hoher als mit 300 henutzt. Auch das beſte trockene Fut⸗ ter habe auf die Milchabſonderung freilich nicht die Wirkung, wie das, was noch ſeinen natuͤr⸗ lichen Saft habe; daher muͤſſe insbeſondere fuͤr die ſaäͤugenden Muͤtter ein Vorrath von ſaſtigen Wurzelgewaͤchſen, Kartoffeln, Ruͤben, Moͤhren u. ſ. f. gebaut, und bis zur Lammzeit aufbewahrt werden. Ein mit Spaͤt⸗oder Stop⸗ pelruͤben beſaͤetes Feld hält ſich mehrentheils den Winter durch, und dies giebt dann im Maͤrz und Aprill eine vortreffliche Aushuͤlfe, durch die Wurzeln ſelbſt und durch den jun⸗ gen Austrieb. Hierdurch und durch andere Huͤlfsmittel, wovon unten die Rede ſeyn wird, konne den Muͤttern bis zur nachhaltigen Aus⸗ gruͤnung der Weide die Milch im Ueberfluß erhalten werden. unter dieſen Bedingungen ſind die Gruͤnde fur das fruͤhe Lammen ohne allen Zweifel uͤber⸗ wiegend. Man muß ſich aber freilich wohl verſichern, daß man ſie erfuͤllen koͤnne. Ich habe oben gerathen, wenigſtens die Stamm⸗ muͤtter der reinen Race bei einer Progreſſions⸗ herde fruͤh zuzulaſſen. Daß die Boͤcke abgeſondert von den Muͤt⸗ tern und Jaͤhrlingen außer der Springzeit ge⸗ halten werden, und daß man ſie am bequem⸗ ſten mit dem Hammelhaufen zuſammenhalte, verſteht ſich von ſelbſt; doch erinnere ich hier noch, daß dieſes mit aller Vorſicht geſchehen 46 muͤſſe, damit keine unzweckmäßigen Begattun⸗ gen entſtehen. Ein ſtarker geſunder Bock iſt vermoͤgend, eine große Anzahl von Schafen zu belegen, wenn die Springzeit durch das ganze Jahr, oder doch von ſehr langer Dauer wäre. Allein es hat ſeine großen Vortheile, wenn die Lam⸗ mer faſt faͤmmtlich zugleich kommen, und die Mütter daher in einem kurzen Zeitraum ſämmt⸗ lich träͤchtig werden. Dies kann dann ein Bock bei mehr als hoͤchſtens 40 Muͤttern nicht lei⸗ ſten, und hierzu müßte er ſchon von Natur kraͤftig und ſehr gut genährt ſeyn. In Spa⸗ nien ſelbſt rechnet man 3 Boͤcke auf Hundert, und dies hat man auch bei uns zureichend ge⸗ ſunden. Sicherer geht man indeſſen, auf 100 vier zu halten, insbeſondere, wenn ein Theil derſelben noch jung wäre. In England fuͤhrt man den vorzuglichſten Bocken die Schafe nur nach, und ſo wie man bemerkt, daß ſie bruͤnſtig ſind, zu, ungefähr 7 bis 8 Stuͤck zur Zeit. Wenn er dieſe beſprungen hat, ſo laͤßt man 1 oder 2 ſchon beſprungene bei ihm, giebt ihm dann aher einige Tage Zwiſchenzeit, und fuͤhrt nun andere herbei. Auf dieſe Weiſe kann ein Bock ſehr viel ausrichten, und man macht es bei der Vermiethung der koſtbaren engliſchen Bocke zur Bedingung, daß man von einem nicht uͤber 100 Schaſe in einer Springzeit be⸗ 47 legen laſſe. Dieſe Methode verdiente bei ganz ausgezeichneten Bocken ohne Zweifel nachge⸗ ahmt zu werden. Bei uns werden faſt allgemein mehrere Boͤcke zugleich unter den Mutterhaufen gelaſſen, entweder alle auf einmal oder in zwei Abthei⸗ lungen, ſo daß ſie von Woche zu Woche waͤh⸗ rend der Springzeit abwechſeln. Fuͤr letzteres fuͤhrt man den Grund an, daß viele Böcke un⸗ ter einem Haufen, wo doch nicht alle Schafe auf einmal bruͤnſtig ſind, zu ſehr mit einandet kämpfen, die ſchwaͤchern ganz abgeſtoßen wer⸗ den, die ſtärkern aber ſich uͤbernehmen mbchten. Einige ziehen es vor, die Bocke Tag und Nacht unter der Herde zu laſſen, andere aber ſie nur des Nachts im Stalle damit zuſammen zu bringen. Bei erſterem ware wohl eine Auswahl der zuſammen zu bringenden Boͤcke und Muͤt⸗ ter nicht moglich, und dieſe beobachten dennoch alle aufmerkſame Schafzuchter. Denn obwohl ſie keinen Bock von unſicherer Abſtammung und ſchlechteren Qualitäten in ihrer Herde dulden, ſo giebt es doch Gradationen ihrer Trefflichkeit. Man bringt alſo die ausgezeich⸗ netſten Bocke mit den ausgezeichnetſten Muͤt⸗ tern in Verbindung, um dadurch den Stamm zu immer höherer Vollkommenheit zu bringen, und die ſchlechteren ausmerzen zu können, ſo 4⁸ wie ſich die vorzuglichſten vermehren. Man hat mehrere Methoden dieſe Abſonderung zu bewirken. Die gewohnlichſte und bequemſte iſt die, daß man die Muͤtter der erſten, der zweiten, dritten u. ſ. f. Qualität an einem in die Augen fallenden Theile ihres Korpers mit einer beſondern Farbe vor der Springzeit be⸗ zeichnet, indem bei andern, minder in die Au⸗ gen fallenden Zeichen an den Ohren oder der Naſe; eine Irrung leichter moglich waͤre. Die fuͤr eine jede Klaſſe beſtimmten Bocke werden mit derſelben Farbe bezeichnet. Dieſe Bocke werden dann in drei oder mehrere durch ſtand⸗ feſte und hinlaͤnglich hohe Horden gemachte Abtheilungen des Stalls gebracht. Dieſe Ab⸗ theilungen vereinigen ſich an der großen Haupt⸗ thuͤr des Stalls. Vor demſelben werden eini⸗ ge Horden ſo aufgeſtellt, daß nur ein Gang bleibt, wodurch ein Schaf nach dem andern durchkommen kann. Der Schaͤfer ſtellt ſich vor der Thuͤr zwiſchen dieſe Horden und ſchiebt nun jedes ankommende Schaf zwiſchen den Bei⸗ nen durch in die Abtheilung,“ wohin es ſeiner Farbe nach gehort. Nachdem die Schafe ein⸗ gelaſſen worden, was noch vor Abend geſche⸗ hen muß, wird nochmals nachgeſehen, ob auch keine Irrung vorgefallen ſep. Ich habe ſchon mehrmals des Vorurtheils gegen Verwandtſchaft erwaͤhnt, wovon manche 49 eine beſondere Degeneration und Schwaͤchung beſorgten. Es iſt nun aber durch die Erfah⸗ rungen der Engländer und auch mancher Deut⸗ ſchen hinlaͤnglich widerlegt. Wenn Fehler in einer Familie ſind, ſo pflanzen ſie ſich freilich durch ſolche Paarungen um ſo mehr fort, und werden großer. Aber eben ſo die Vollkom⸗ menheiten, und es giebt kein ſichreres Mittel⸗ als einen Stamm, worin ſie forterben, in ſich ſelbſt fortzupflanzen. Wenn von einem Bocke ein vorzugliches Lamm gefallen iſt, ſo muß es mit keinem anderen als mit demſelben oder ſeinem eben ſo ſchoͤnen Sohne belegt, und die Familie in der naͤchſten Verwandtſchaft fort⸗ gepflanzt werden. Der große Viehzuͤchter Ba⸗ kewell hat hierdurch Wunder gethan bei allen Arten der Hausthiere. Daß vor und waͤhrend der Springzeit die Bocke vorzuglich genaͤhrt werden, verſteht ſich von ſelbſt. Man giebt ihnen gewöhnlich Mor⸗ gens und gegen Abend Hafer. Innerhalb vier Wochen haben die Schafe in der Regel abgeſtort, und man nimmt ihnen nun die Bocke. Um ſich zu verſichern, daß feine unbefruchtet geblieben ſind, läßt man ei⸗ nige muntere Hammel unter den Haufen, und wenn Schafe es leiden, daß dieſe auf ſie ſprin⸗ gen, ſo ſind ſie wahrſcheinlich unbefruchtet, D 50 und man bringt ſie nochmals mit einigen Bocken zuſammen. 5 11. Trächtigkeit der Schafe. Während der Trächtigkeit muß man ins⸗ beſondere verhuͤten, daß die Schaſe nicht von Hunden gehetzt werden, keine ſtarke Sprünge machen, und ſich bei dem Aus⸗ und Einlaſſen in den Stall nicht heftig draͤngen und preſſen. Sie duͤrfen der ſchlechten Winterwitterung, insbeſondere wenn ſie einmal verzaͤrtelt ſind, nicht ausgeſetzt werden, und muͤſſen beſonders geſunde, jedoch zu Anſang auch nicht zu kraͤf⸗ tige Nahrung haben. Das Gegentheil kann pas Verlammen veranlaſſen, wonach auch die Muͤtter kraͤnklich bleiben. 5 12. Die Lammzeit. Bei der Lammzeit iſt die hoͤchſte Aufmerk⸗ ſamkeit des Schaͤfers nothig, und wenn man ſich nicht ſehr ſicher auf dieſen verlaſſen kann, muß man ihn ſelbſt ununterbrochen in Aufſicht haben. Die Zeichen des herannahenden Lammens ſind das Aufſchwellen der Geburtstheile, der Ausfluß einer ſchleimigen Feuchtigkeit, die An⸗ — 51 ſchwellung des Euters und die Erzeugung der Milch darin. Das Schaf lammt ohne Beſchwerde, aber oft langſam. Manchmal iſt die Geburt ſchon bervorgetreten, und es draͤngt ſich wieder an die Rauffe, und frißt mit großer Begierde. Es iſt der groͤßte Fehler, wenn der Schäfer hierhei etwas mehr thue, als zuzuſehen. Alles Ziehen am Kopfe oder an den hervorgetretenen Vorberfuͤßen iſt nicht bloß unndthig, ſondern hoͤchſt ſchaͤdlich. Wenn man daher nicht einen ſehr verſtändigen Schaͤfer hat, ſo iſt es am be⸗ ſten, daß man es ihm aufs ſtrengſte verbietet, auch nur die geringſte Huͤlfsleiſtung bei der Geburt anzuwenden. Die Faͤlle ſind ſelten, wobei etwas zu thun iſt, und dies kann nur mit großer Ueberlegung und ohne alle Gewalt geſchehen. Das Lamm kommt in der Regel mit der Spitze der Schnauze auf den Vorderbeinen lie⸗ gend hervor. Zuweilen aber bleibt ein Vor⸗ derfuß zuruͤck, hat ſich uͤber den Kopf oder ſeit⸗ waͤrts gelegt, und hält das Hervorkommen des Lammes auf. Sodann darf nicht gezogen, ſondern der Kopf muß vielmehr beim Nach⸗ laſſen des Geburtsdranges etwas zuruͤckgebracht werden mit der flachen Hand, indem man mit dem Finger an dem Halſe hinaufgehet und an d 2 ſo beſtreuet man das Lamm mit etwas Salz 52 die Achſel zu gelangen ſucht, um den Fuß dann in dem Gelenke hervor zu holen. Oder es liegt nicht die Schnauze, ſondern das Ohr vor, und der Kopf in der Quere: hier muß man auch, indem man den Kopf zuruͤckbringt, ihm eine andere Lage zu geben ſuchen. Das Hervortreiben thut die Natur immer ſelbſt, wenn kein mechaniſcher Widerſtand da iſt. Fenes ſanfte Lenken kann dem Schaͤfer aber nur in einer guten Schäferſchule durch Anſicht und Uebung gelehrt werden. Es iſt nichts ſeltenes, daß auch Schafe von der Merino⸗Race zwei Lämmer bringen. Je beſſer ſie und die Bocke genaͤhret ſind, deſto haͤufiger iſt es. Man kann ungefaͤhr unter 100 auf 5 bis 6 rechnen, die es thun. Dril⸗ linge ſind bei den Merinos ſelten, und nicht erwuͤnſcht, weil die Laͤmmer dann ſchwach zu ſeyn pflegen. Die Aufzucht. Nach der Geburt kommt es vor allen darauf an, daß die Muͤtter ihr Lamm anneh⸗ men, ſaugen laſſen, und da dieſe einander kennen lernen. Mehrentheils geſchiehet das von ſelbſt; die Mutter leckt das Lamm, das Lamm ſucht den Euter der Mutter, und dieſe läßt es gern ſau⸗ gen. Thut die Mutter jenes nicht von ſelbſt, 53 und haͤlt es der Mutter zum Lecken vor. Will dennoch eine Mutter, am haͤufigſten eine erſt⸗ gebaͤhrende, ihr Lamm nicht zulaſſen, ſo bringt man ſie in einen beſondern mit Horden ge⸗ machten Verſchlag, die gegen die Lammzeit ein⸗ gerichtet ſeyn muͤſſen. Man giebt der Mutter reichlichere Rahrung, beſonders nahrhaften Trank, damit die Milch ſie ſteche. Hilft das nicht, ſo muß die Mutter an den Fuͤßen gehal⸗ ten oder gebunden werden, damit ſie das Lamm, welches den Euter ſchon zu finden weiß, nicht zuruͤckſtoße. Hat ſie es nur einmal zugelaſſen⸗ ſo wird ſie es in der Folge gern thun. Ha⸗ ben ſich nun Mutter und Lamm einmal kennen gelernt, ſo macht das gegenſeitige Beduͤrfniß daß ſie einander aufſuchen, uns es iſt zum Er⸗ ſtaunen, wie eins das andere auffindet, wenn die ausgetriebene Mutterherde zu Haus und mit ihren Laͤmmern zuſammenkommt. Indeſ⸗ ſen ſind letztere mehr oder minder klug, und es giebt ſo ſchlaue, die immer erſt auf den Raub ausgehen, ſich von hinten zu an andere Mutter draͤngen, die ſie zulaſſen, bis ſie etwa durch die Hinzukunft ihres eigenen Lammes des Frrthums gewahr werden. Die Merino⸗ Muͤtter ſollen jedoch darin dummer und gleich⸗ guͤltiger ſeyn, wie andere Schafe, ſo daß die Milch leicht ein Gemeingut unter den Läm⸗ mern wird. 54 Zwei Laͤmmer kann eine gut genaͤhrte Mutter wohl ſäugen. Wenn indeſſen ein Lamm verungluͤckt iſt, ſo ſucht man deſſen Mutter zur Annahme eines Zwillingslammes zu brin⸗ gen, und erricht dieſen Zweck leicht. Uebrigens iſt die erſte Muttermilch die wohlthätigſte Nahrung fur das Lamm. Sie iſt von beſonderer Beſchaffenheit, aber gerade geeignet, den ſchwarzen zähen Unrath, den das Lamm in ſeinen Gedaͤrmen auf die Welt bringt, abzufuͤhren, und dadurch das Gedeihen des Lammes zu beſbrdern. Es iſt daher hoͤchſt ſehlerhaft, wie einige Schaͤfer die Gewohnheit haben, dieſe Milch auszudruͤcken und ſie den Laͤmmern zu entziehen. Die Muͤtter muͤſſen nun fortdauernd ſehr gut genaͤhrt werden, und milcherzeugendes Futter oder Trank bekommen, weil davon das Gedeihen der Laͤmmer vorzuͤglich abhaͤngt. Daß man damit auch zu weit gehen, und den Laͤmmern eine Unverdaulichkeit zuziehen konne, hat freilich keinen Zweifel. Allein es hat da⸗ mit in der Praxis ſelten Gefahr, und der Fall iſt bei weitem haͤufiger, daß die Schaſe zu we⸗ nig Futter, die Laͤmmer folglich zu wenig Milch erhalten, als daß ſie zu viel bekommen. Ueber das gerechte Maaß weiter unten. Rach drei oder vier Wochen wird es den⸗ noch rathſam, die Laͤmmer mit Futter, wel⸗ 55 ches ihrem Gebiß und ihrer Verdauungskraft angemeſſen iſt, zu unterſtüzen. Man giebt ihnen Schrottrank von Hafer, aufgequellete Erbſen und Wicken oder aufgeweichten Oelku⸗ chen; dann zartes Heu und Wickenſtroh. Da⸗ mit die Laͤmmer das fuͤr ſie allein beſtimmte Futter behalten, macht man einen Abſchlag von Horden, durch deren Zwiſchenraͤume die Lämmer, aber nicht die Schafe durchkommen konnen, und legt es ihnen hier auf. Oder man giebt es ihnen in der Zeit, wo die Schafe ſchon ausgetrieben ſind. Sie gewohnen ſich ſo almählig an das Freſſen, und ſchlagen dann beim Abſetzen nicht zuruͤck, zu einer Zeit, wo ſie volle und vorzuglich geſunde Weide haben koͤnnen; wenn man ſie nicht, wie einige vor⸗ ziehen, den ganzen Sommer hindurch mit aus⸗ gewaͤhltem Heu auf dem Stalle erhält. In den erſten Stunden nach der Geburt iſt den Laͤmmern eine gemäßigte Temperatur hoͤchſt wohlthätig. Sie ſuchen auch von ſelbſt die wärmſte Stelle des Stalles auf, und hal⸗ ten ſich zuſammen. Dieſer Zeitpunkt erregt die groͤßte Bedenklichkeit gegen die Durchwinte⸗ rung der Schaſe im Freien oder in ganz offe⸗ nen Schuppen. Will man dieſes aus anderen Gruͤnden, wie es allerdings moglich iſt, be⸗ werkſtelligen, ſo iſt es doch rathſam eine war⸗ me geſchloſſene Abtheilung zu machen, wohin 56 man die neugebornen Laͤmmer mit ihren Muͤt⸗ tern bringt. Rach einigen Tagen kann das Lamm ſchon eine betraͤchtliche Kaͤlte ertragen. Man laſſe die Laͤmmer laͤnger, als es bei ſchlechten Herden der Gebrauch iſt, 18 bis 20 Wochen ſaͤugen, entwoͤhne ſie aber allmählig, indem man ihnen mehreres Futter und hernach gute Weide giebt, und ſie in der letzten Zeit nur ſelten zur Mutter bringt, damit ſie dann durch die ploͤtzliche Entziehung dieſer Nahrung nicht leiden, und bei den Muͤttern die Abſon⸗ derung der Milch allmählig aufhdre. Dieſe haben dann Zeit, ſich bis zur naͤchſten Begat⸗ tung zu erholen.. Von einer kraͤftigen Futterung und Weide haͤngt nun die Staͤrke, welche dieſe Thiere er⸗ langen ſollen, hauptſaͤchlich ab; ſie darf ihnen daher durchaus nicht ſpaͤrlich zugemeſſen werden. Sobald die Laͤmmer ganz abgeſetzt ſind, muͤſſen ſie in gehoriger Entſernung von den Muͤttern erhalten werden, damit ſie ſich durch das gegenſeitige Bloͤken nicht beunruhigen, und der Trieb, zu einander zu kommen, nicht zu leb⸗ haft erregt werde. Die Bocklaͤmmer von den Mutterlaͤmmern abzuſondern, iſt bei den Me⸗ rinos nicht nothig, indem ſich dieſe Race ſpaͤter entwickelt. In einer progreſſiven Schaͤferei iſt die Zeichnung der Laͤmmer, und zwar gleich nach 67 der Geburt unumgaͤnglich nothig, weil ſonſt ſogar leicht Verwechſelung entſtehen und die Abſtammung unſicher werden kann. Man darf dies ſelten dem Schäfer allein überlaſſen, weil er von der Wichtigkeit der Abſtammung keinen Begriff hat, oder ſich zu ſehr auf ſein Gedaͤcht⸗ niß verläͤßt. Zeichnen⸗ Das Zeichnen kann auf mancherlei Weiſe geſchehen. Am bequemſten und gebraͤuchlich⸗ ſten ſind die Einſchnitte am Ohr. Will man nur den reinen Stamm und dann die verſchie⸗ denen Generationen unterſcheiden, ſo iſt es am beſten jene ungetzeichnet zu laſſen, und dieſe dann durch 1, 2, 3 Einſchnitte oder Locher am rechten oder linken Ohr, oder Abſtutzung des Zipfels an dieſem oder jenem Ohre zu unter⸗ ſcheiden. Will man aber⸗ insbeſondere bei je⸗ nen, auch die Individuen unterſcheiden, und eine Stammtafel von ihnen haben, ſo muß man ihnen eine Rummer geben. Dies kann auch an den Ohren geſchehen, indem man ihnen in die Raͤnder des Ohrs romiſche Zahlen einſchnei⸗ det, welche etwa in dem linken Ohre Einhei⸗ ten, in dem rechten Ohre Zehner, in dem un⸗ teren Rande des Ohrs bedeuten. In dem obe⸗ ren Rande deutet man die hundert Zahl an⸗ Dieſe Einſchnitte oder auch Loͤcher werden mit 58 ſcharfen Eiſen gemacht. Die Ohren werden auf ein plattes Bret gelegt, das Eiſen darauf angeſeßt, und dann durchgeſchlagen. Es ver⸗ ſteht ſich, daß das Eiſen von der Subſtanz des Ohrs etwas wegnehmen muͤſſe, weil ein bloßer Einſchnitt wieder zuſammenwächſt und unkenntlich werden wuͤrde. Dieſe Einſchnitte, wenn ſte die Nummer des Schafs andeuten ſollen, ſind freilich nicht in die Augen fallend, und müſſen ſehr genau beachtet werden, wenn man ſich nicht irren will. Manche ziehen daher kleine hoͤlzerne oder blecherne Tafeln, worauf die Rummer ſtebt, die den Lämmern mit einem Drath oder Schnur um den Hals oder auch wohl ins Ohr gehangen werden, vor. Jene Ohrzeichen ſind aber ſicherer, gehen nicht verloren, koͤnnen nicht verwechſelt oder vom Schaͤfer ausgetau cht wer⸗ den. Dieſer muß die ausgegangene Nummer in dem Sterbefelle nachweiſen. Daß ſie bei der Zeichnung ſogleich in die Liſte eingetragen werden, verſteht ſich. 5 13. Die Kaſtration und Verſtutzung de Schwänze und Hoͤrner. Alle nicht zur Aufzucht beſtimmte Bock⸗ tämmer, folglich bei einer progreſſiven Schäfe⸗ 59 rei, alle die nicht reiner Abſtammung ſind, werden, wenn ſie drei hochſtens vier Wochen alt ſind, und faſt allein noch die Muttermilch genießen, verſchnitten. Es kann geſchehen, ſo⸗ bald ſich die Teſtikeln herunter in den Hoden⸗ ſack begeben haben. Dann iſt die Operation am leichteſten und ſicherſten, und die Hammel werden beſſer, ihr Fleiſch ſchmackhafter, als wenn es ſpäter geſchiehet. Die gewbhnlichſte Art iſt die, daß der Operateur einen Einſchuitt unten in den Hodenſack macht, einen Teſtikel nach dem andern herausziehet, und ihn mit den Zaͤhnen abreißt, weil abgeriſſene Gefaͤße weniger bluten, als wenn man ſie abſchneidet⸗ Der Samenſtrang wird dann etwas gedrehet und man uͤberläßt die Heilung der Natur. Es ſtirbt ſelten ein junges Lamm an dieſer Opera⸗ tion, aber ſie iſt gefährlicher und umſtaͤndli⸗ cher bei aͤlteren. Den weiblichen Lämmern werden etwas ſpaͤter die Schwaͤnze 3 bis 4 Zoll vom Leibe abgeſchnitten, nicht kuͤrzer, weil ſonſt eine Ver⸗ blutung entſtehen konnte. Der Schafer nimmt ſie zwiſchen die Beine, ſchneidet den Schwanz mit dem Meſſer ab, und ſtreicht etwas Talg und Aſche darauf, andere hacken ſie ab. Es geſchiehet um die Verunreinigung nicht nur des Schwanzes ſelbſt, ſondern auch des hintern Pelzes zu verhuͤten, wie ſonſt durch das An⸗ 600 ſchlagen des Schwanzes immer geſchiehet. Ei⸗ nige halten dieſe Operation fuͤr widernatuͤrlich, indem der Schwanz den Schafen nicht ohne Grund gegeben ſey; und fuͤr unvortheilhaft, weil der Schwanz doch immer Wolle, wenn gleich ſchlechtere trage. Wahrſcheinlich aber wird der Abgang dieſer Wolle durch mehrere an beſſeren Theilen erſetzt, und man will be⸗ merkt haben, daß das Kreuz bei koupirten Thie⸗ ren breiter werde, weil der dem Schwanze be⸗ ſtimmte Nahrüngsſtoff ſich nun daſelbſt abſetze. Zur Reinlichkeit iſt es aber anerkannt noth⸗ wendig, daß es geſchehe. Die Hoͤrner ſind den Bocken in ihrem zahmen Zuſtande und beſonders in den Staͤllen von keinem Nutzen, und ſehr im Wege. Sie konnen durch die Futterrauffen nicht durchkom⸗ men, und verwunden ſich einander oft gefaͤhr⸗ lich damit. Zuweilen wachſen ſie ſo, daß ſie ihre Richtung in den Kopf des Thiers hinein⸗ nehmen. In dieſem Falle muͤſſen ſie ihnen nothwendig genommen werden. Außerdem ent⸗ ſchließen ſich die meiſten nicht dazu, weil ſie den Thieren eine vorzuͤgliche Zierde geben. Aber ſicherer iſt es gewiß ſie ihnen zu nehmen; und die Spanier thun es in der Regel, unge⸗ achtet ſie bei ihnen nicht in den Stall kom⸗ men. Es geſchiehet, wenn ſie ein Jahr alt ſind, mit einer feinen Handſaͤge, indem ein 61 Gehülfe den Kopf halt. Man nimmt ſie ei⸗ nige Zoll vom Kopfe ab, damit keine Verblu⸗ tung entſtehe. Sie wachſen dann zwar etwas wieder, werden aber nicht lang. § 14. Alter- Kennzeichen. Das Alter der Schafe wird hauptſaͤchlich aus den Zaͤhnen erkannt, und danach benennt man ſie auch gewöhnlich. Das Schaf hat nämlich außer den Backen⸗ zaͤhnen acht Schneiderzaͤhne im untern Kiefer⸗ im obern keine. Dieſe bringt es in der Regel mit zur Welt; ſie ſind ſpitziger wie diejenigen, die an ihre Stelle treten. Wenn es 1 bis 1 ½ Jahr alt iſt, ſo wech⸗ ſelt es mit den beiden mittleren Zaͤhnen, und man erkennt die neuen Zaͤhne, welche Schau⸗ felzaͤhne heißen, an ihrer groͤßeren Breite. Sie heißen alsdann Zweizahnige, Zweiſchaufler und Jaͤhrlinge im eigentlichen Verſtande. Doch giebt man ihnen den letzten Namen auch ſobald ſie eingewintert ſind, und bevor ſie gewechſelt haben. In dem Alter von 2 bis 2 ½ Jahr rech⸗ ſeln die beiden nebenſtehenden. Sie heißen alsdann Vierzähnige oder PVierſchaufler. 62 Wenn ſie 3 bis 3 Jahr alt ſind, faͤllt das dritte Paar der Spiszähne aus, und es tritt an deſſen Stelle wieder ein Paar Schau⸗ felzaͤhne, ſo daß von jenen noch an jeder Seite einer ſtehen bleibt. Sie heißen dann Sechs⸗ zahner Sechsſchaufler. In dem folgenden Jahre werden dann auch die beiden letztern gewechſelt, und nun heißt das Schaf vollzaͤhnig und hat damit ſeine volle Ausbildung erreicht. Im ſechſten Jahre fangen die Zaͤhne an, ſich abzureiben, und das mittlere Paar wird zuerſt ſtumpf und kuͤrzer. Die Zaͤhne ſehen zwar laͤnger aus, weil ſich das Zahnfleiſch zu— ruͤckzieht, aber bei genauerer Unterſuchung ent⸗ deckt man doch, daß ſie oben abgerieben ſind. Sobald dieſe Zaͤhne ganz ſtumpf und morſch werden, abbroͤckeln, ſo iſt das nutzbare Alter der Thiere voruͤber, und ſie muͤſſen ausgemerzt werden. Will man ſie, in der Hoffnung noch Lämmer davon zu erhalten, laͤnger conſerviren, ſo muß man ſie beſonders mit weichem Futter verpflegen womit man ſie zuweilen bis zu ei⸗ nem hohen Alter fruchtbar erhaͤlt. Die Zähne 3 ſtehen dann auch nicht mehr dicht geſchloſſen, 1 ſondern haben Luͤcken; die Oberlippe wird brei⸗ ter, und haͤngt uͤber die Unterlippe heruͤber. Man muß ſich jene Alterbezeichnung nach den Zähnen wohl merken, wenn man mit ei 6 85 nem Schafer ſpricht, und z. B. vierzaͤhnig nicht mit vierjaͤhrig verwechſeln Sonſt wird das junge Schaf bis zur erſten Einwinterung Lamm genannt, das maͤnnli⸗ che Bocklamm, Stdrlamm, Widder⸗ lamm, das verſchnittene Hammel oder Schdpslamm, das weibliche Mutter⸗, Zibben⸗, Zickeln⸗, Kilherlamm. Von te erſten bis zur zweiten Einwin⸗ terung heißen ſie Faͤhrlinge. Von der zweiten bis zur dritten Einwin⸗ terung Erſtlinge, weil ſie dann in der Regel das erſte Lamm gehabt haben; auch Zeitſchaf. Von der dritten bis zur vierten Einwin⸗ terung: Uebererſtlinge. Von der vierten bis zur fuͤnften Einwin⸗ terung iſt mir kein anderer Name als Sechszaͤhner bekannt. Von der fuͤnften bis zur ſechſten Einwin⸗ terung: vollſaͤtzige Schaſe. Dann nennt man ſie Ueberſtänder, alte Schafe. Ein jedes Schaf heißt in der Schaͤferſpra⸗ che auch ein Noß oder ein Ding. Die im Herbſte von der Begattung aus⸗ geſchloſſenen und zur Zuzucht untauglich erklär⸗ ten heißen Braackvieh; die im Fruͤhjahre ausgeſetzten heißen Merzvieh. Wenn dieſe 64 ausgeſchloſſenen in einen beſondern Haufen zu⸗ ſammengebracht werden, ſo heißt dieſer der Stechhaufen, der Schnddchenhaufen, und wenn ſie fett gemacht werden ſollen, der Fetthaufen. Ein Falſches oder Anbrächiges heißt ein Thier, was nicht recht geſund ſcheint, beſonders wenn ſich Bleichſucht äußert. 5 15. Die Rahrung der Schafe. Dieſe hat nach allen genaueren Beobach⸗ tungen keinen Einfluß auf die Feinheit, weni⸗ gen auf Elaſtizität, aber einen ſehr entſchiede⸗ nen auf die Dichtheit, Länge und das Ge⸗ wicht der Wolle, und, wie ſich von ſelbſt ver⸗ ſteht, auf die Geſundheit und Vermehrung der Schafe. Insbeſondere iſt eine, in Anſehung der Kraft, gleichmaßige Nahrung zu allen Zeiten(nur in der Saͤugezeit noch etwas ver⸗ ſtäͤrkt) von großer Wichtigkeit. Von einer wechſelnden ſtarken und kraftloſen Nahrung haben aufmerkſame Beobachter flabdrige, und ſchwaͤchere(minder nervigte) Wolle bemerkt. Man muß es ſich alſo zur Regel machen, Weide und Fuͤtterung ſo einzurichten, daß ſie durch das ganze Jahr in der Quantität ſich moglichſt gleich bleibe. Das iſt ſowohl in Hin⸗ 03 ſicht des Wollertrages, als noch mehr in Hin⸗ ſicht der Geſundheit der Herde eine unerlaͤßli⸗ che Vedingung. Eine momentane ſtarke Fuͤt⸗ terung, woran die Thiere nicht gewöhnt ſind⸗ kann ſehr uͤble Wirkung auf ſie haben, obwohl die allmaͤhlig dazu gewoͤhnten und dabei er⸗ haltenen Schafe eine ungemein ſtarke Fuͤtte⸗ rung ſehr gut ertragen, und die Merinos ſie immer reichlich bezahlen. Aber ſie muß dann auch nachhaltig ſeyn, und Winter⸗und Som⸗ mernahrung muͤſſen im gerechten Verhaͤltniſſe ſtehen. Wenn z. B. die Weide in der Mitte des Sommers knapp iſt, ſo wird der erſte Wuchs der Wolle duͤnn. Erhalten ſie dann eine reichliche Winterfuͤtterung, ſo befoͤrdert dieſe die Laͤnge der Wolle ſehr, aber ſie wird dadurch nicht dicht. Es iſt zwar nicht richtig, wie einige gemeint haben, daß nach der Schur alle alte Wolle ausgehe und ſich neue erzeuge. Aber manche Zaſern ſterben ab, und es kom⸗ men viele neue hervor, um ſo mehrere, je beſ⸗ ſer das Thier in dieſer Zeit genaͤhrt iſt. Da⸗ her wohl die Bemerkung, daß in ſandigen Ge⸗ genden der Pelz nie ſo kluftig wie in lehmigen ſey, indem in dieſen die Weide in der heiße⸗ ſten Jahreszeit heſſer aushäͤlt, als in jenen⸗ Bei reichlicher Weide und kärglicher Winter⸗ E 66 fütterung bemerkt man dagegen zwar dichte, aber kurze Wolle. Das PVerhältniß, worin die Maſſe der Winterfuͤtterung gegen die Sommernahrung der Schafe ſtehet, iſt nach der waͤrmeren und kaͤlteren Natur und Lage der Weide und nach der Jahreswitterung verſchieden. Man rech⸗ net in unſerem Klima gewohnlich 7 fuͤr den Sommer, und fuͤr den Winter, und be⸗ ſtimmt danach den Winterſutterungsbedarf mehrentheils auf 150 Tage. Wenn man ei⸗ nige Erſparung des Futters durch die Winter⸗ weide, beſonders durch die Saatbehuͤtung, macht, ſo kommt man in der Regel damit aus. Weil aber bei uns die Fruͤhjahrswitterung ſo ſehr unſicher iſt, und man dann mit den Muͤttern und Laͤmmern in die groͤßte Verlegenheit ge⸗ rathen kann, ſo ſollte man wenigſtens auf 170 Tage rechnen. Der Ueberſchuß iſt nie ver⸗ loren, wenn eine ſpaͤtere oder fruͤhere Weide deſſen Erſparung erlaubt. §. 16. Die Schafweide. Man kann die Weide der Schafe in wil⸗ de und in angebaute oder kuͤnſtliche un⸗ terſcheiden. Unter jener verſtehen wit die, welche von Natur oder doch ohne beſondere auf die Schafe 67 gerichtete Abſicht vorhanden iſt; unter dieſer aber diejenige, welche man kuͤnſtlich und ab⸗ ſichtlich fuͤr die Schafe zugerichtet oder in Stand geſetzt hat. Zu erſterer gehört: a) die wilde Angerweide, mehrentheils an trockenen/ hohen und bergigen Stellen⸗ b) die Holzweide; c) die Brach⸗ und Stoppelweide; d) die Vor⸗und Rachhut auf den Wieſen; e) die Behutung der Winterſaat. a) Die Angerweide, welche wegen des vermehrten Aufbruchs immer ſeltener gewor⸗ den iſt, wird den Schaſen in der Regel nur an den duͤrrſten und magerſten Stellen einge⸗ raͤumt, da die kraͤftigeren Plaͤtze dem Rindviehe⸗ welches ſich auf jenen nicht naͤhren kann, vor⸗ behalten bleiben. Man geſtattet den Schafen hier hoͤchſtens die Vor⸗ und Nachweide. Wenn erſtere fruͤh genug ausgeuͤbt, und die Schofe dann ſo zeitig davon genommen werden, daß vier Wochen hingehen, bevor das Rindvieh darauf kommt, ſo leidet dieſes nicht darunter. Pielmehr iſt es gut, wenn die Schafe die fruͤh hervortreibenden Kraͤuter niederhalten. Ihr Pferch erſetzt es reichlich wieder, was ſie da⸗ von nehmen, und der dem Rindviehe widrige Geruch deſſelben verliert ſich in dieſer Zeit⸗ 6 2 68 Wenn auch dieſe Weide etwas niedrig und ſeucht waͤre, ſo ſchadet ſie den Schaſen doch im erſten Frühjahr nicht, wenn nur kein ſtauendes Waſſer darauf ſtehet, und ſie nicht zu lange darauf gehalten werden. Die hohe trockene Weide aber, be⸗ ſonders an Bergen, die ihrer Steilheit oder ihrer ſeichten auf Felſen ruhenden Ackerkrume wegen nicht beackert werden konnen, und dem Rindviehe zu wenig Nahrung geben wuͤrden, pflegt ausſchließlich den Schafen gewidmet zu ſeyn. Dieſe Weide iſt ihnen auch am zuträg⸗ lichſten, und der Grund und Boden kann oft nicht vortheilhafter als mit Schafen benutzt werden. Es kommen indeſſen auch auf ſol⸗ chem hohen Boden oft moraſtige Stellen, Quell⸗ gruͤnde und Pfuͤtzen vor, oder ziehen ſich in den Schluchten zwiſchen Huͤgeln und Bergen durch, die den Schafen hochſt gefaͤhrlich ſind. Alle ſolche Stellen, wo Waſſerpflanzen vegeti⸗ ren, muͤſſen ſorgfaͤltig mit den Schafen vermie⸗ den werden, ſelbſt wenn ſie durch Verdunſtung im heißeſten Sommer trocken geworden ſind. Sie werden dann gerade am gefaͤhrlichſten, wenn ſie mit getrocknetem Schlamm uͤberzogen waren und der moraſtige Boden mevbitiſche Gaſe ausduͤnſtet, welche eine die Lebensbraſt niederdruͤckende Eigenſchaft haben, und dadurch bei allen Thieren Krankheiten, bei den Men⸗ 69 ſchen Fieber erregen, bei den Schafen aber oft augenblicklich die ſchwer zu beſiegende Anlage zu der ſogenannten Faulkrankheit erzeugen⸗ wo⸗ von unten die Rede ſeyn wird. Die ſeuchtert Jahreszeit iſt es nicht, welche dieſe Gefahr am meiſten mit ſich fuhrt, weil die Schafe dann auf trockenem Grunde zureichende Rahrung finden, und ſolche Stellen von ſelbſt vermei⸗ den. Wenn aber die Graſung auf jenen ver⸗ vorret, ſo treibt ſie der Hunger hierher, und die Schäfer ſind aus Beſorglichkeit, daß ſie ſonſt ganz verhungern moͤchten, nur zu geneigt ihnen darin nachzugeben. Die Merinos ſind aber unläugbar jener Krankheit weit mehr un⸗ terworfen, als die Landſchafe, und es iſt daher eine unerläßliche Bedingung zur Erhaltung etner edlen Schaͤferei, daß man die feuchten Stellen durch Graben⸗ und Waſſerfurchen auf ſolchen Weiden abwaͤſſere, oder doch das Waſ⸗ ſer in dem Standpunkte erhalte, wo es nicht uber ſeine Gränzen tritt, und die umliegende Gegend verſchlammet. b) Die Holzweide iſt nach der Beſchaf⸗ fenheit des Bodens, des Holzes und des dich⸗ teren oder raumeren Standes deſſelben ſehr verſchieden. Ein ſehr raͤumiges Laubholz kommt den Angerweiden faſt gleich. Je mehr es aber beſtanden iſt, deſto ſchlechter wird die Weide. Wird das Gras durch den dichten Stand der 50 Baume auch nicht unterdruckt, aber doch ganz beſchattet, ſo iſt es auf fruchtbarem Boden vſt anſehnlich, aber von geringer Nahrhaftigkeit, und gedeihet dem Viehe wenig. Auch kommen im Holze die moraſtigen Stellen am haͤufigſten vor. Unter Nadelholz, die Lerchen ausgenom⸗ men, waͤchſt weniges und nur hartes duͤrres Gras, ſo daß die Schafe wenig Rahrung da⸗ von haben. Indeſſen haͤlt man eine ſolche Ab⸗ trift fuͤr gefund, und glauht, daß ſie dem Nach⸗ theil der Weide an feuchten Stellen entgegen wirke. Immer iſt die geſchloſſene Holzweide der Wolle hochſt nachtheilig, und wird daher von den Beſitzern feinwolliger Schaͤfereien ſchon aus dieſe Urſache vermieden, c) Die Brachweide giebt in gewohnli⸗ chen Wirthſchaften den Schafen die Haupt⸗ nahrung, und mit der Benutzung der Brache ſinkt die Benutzung der Schaͤferei in ſelbigen. Deshalb ſind alle Schaͤfer und Liebhaber der Schaſe gegen die Wirthſchaſt ohne Brache, und beſonders gegen die allgemeine Einfuͤhrung der⸗ ſelben auch auf den Bauerſeldern. Man hat es alſo auch in den meiſten Gegenden, wo die Schaͤferei ein Hauptzweig der Wirthſchaft iſt, zur Regel und zur Pflicht gemacht, die Brache ſo lange als möglich unaufgebrochen liegen zu laſſen, und dadurch den wahren Zweck der Brache vollig vereitelt. 71 Dieſe Brachweide unterſcheidet ſich in die, welche vor dem erſten Umbruch auf dem Dreeſch Statt findet, und in die, welche das auf der Brach⸗und Wendefurche auskeimende Unkraut und die Grasſpitzen geben. Erſtere iſt bei weitem die ergiebigſte, letztere zwar den Schaſen angenehm und gedeihlich, aber wenig nachhal⸗ tend, da die feinen Sproſſen bald ausgebiſſen ſind. Einige glauben, ſir konne leicht nach⸗ cheilig werden, beſonders bei feuchter Witte⸗ rung; doch ſcheint ſie mir gefahrlos zu ſeyn⸗ wenn man nur nicht eine ſtark ausgegruͤnte Brache von hungrigen Schafen zu plotzlich auf einmal abfreſſen laͤßt, in welchem Falle ſie ſich leicht, beſonders bei feuchter Witterung⸗ uͤber⸗ nehmen konnen. So lange die Brache unaufgebrochen liegt, haben die Schafe mehrentheils reichlich zu leben. Dann aber geht in dieſen Wirth⸗ ſchaſten ihre Hungerzeit an. Die Angerweiden ſind nun mehrentheils duͤrre, weil die meiſten Graͤſer nach der Mitte des Sommers, zu wach⸗ ſen aufhdren. Die Holzweide muß nun der Nothbehelf ſeyn, und man ſpart die beſſeren Stellen gewöhnlich fuͤr dieſe Zeit auf; die Schafe erhalten aber wenig Kraft davon, und es iſt erwuͤnſcht, daß man ihnen dann die Lämmer nehmen kdnne, fur die man nun aber irgendwo eine gute Weide ausgeſetzt haben muß. Nach der Ernte tritt die Stoppelweide ein, die, je nachdem ſie mehr oder minder krau⸗ tig und mit abgefallenen Aehren beſtreuet iſt, ſtärkere oder ſchwaͤchere Rahrung giebt. d) Die Weide auf abgewäſſerten ſuͤßen Wieſen iſt fur die ſäugenden Schafe im Fruͤh⸗ jahr die wohlthätigſte Nahrung, die man ihnen geben kann. Insbeſondere ſind es die mit Quellwaſſer berieſelten Wieſen, nachdem man ſie gehorig trocken gelegt hat, vorzuͤglich, weil ſie fruͤher begruͤnen und oft ſchon zu Ende des Maͤrz ihr Gras hervortreiben. Die Bewei⸗ dung ſolcher Wieſen, bei warmer Witterung bis zur Mitte Aprils, bei kalter bis zu Anfan⸗ ge des Mays, iſt den Schafen ſo wenig als den Wieſen nachtheilig, ungeachtet manche fuͤr beide einen großen Rachtheil davon beſorgt haben. Sumpfige und ſaure Wieſen koͤnnen ihnen aber allerdings auch im Frühſahre ſchädlich werden. Im Herbſt aber iſt es ſelten rathſam und oft gefaͤhrlich, Schafe auf Wieſen zu laſſen, wo⸗ gegen dieſe Weide dem Rindvieh ſehr gedeih⸗ lich iſt. e) Die Behuͤtung einer gut beſtockten Winterung unter den bekannten Bedingungen — daß es nur bei trocknem Wetter, im Win⸗ ter nur auf dem Blachfroſte, und im Fruͤhſahr nur auf uͤppiger Saat und auf Boden, dem man Kraft zutrauen kann, geſchehe— iſt ge⸗ 73 wiß ſolcher Saat unſchädlich. Bei einer gu⸗ ten Schafwirthſchaft darf man aber auf dieſe Winterhutung wenig rechnen; denn ſie kann fehlen, und man darf ſie immer nur mit gro⸗ ßer Mäßigung gebrauchen, um die Schaft nicht zu ſehr daran zu gewöhnen, weil ſie ſonſt das trockene Futter verſchmaͤhen und hungern, wenn man ihnen die Saatweide nicht mehr ge⸗ ben kann. Manchen armſeligen Schaͤfereien iſt das zwar ganz gelegen; man freuet ſich, daß die Schafe ſich vorher auf einige Tage ſatt ge⸗ freſſen haben, und daß man nun ſein Futter ſparen köͤnne. Allein ein ſolches periodiſches Hungern hat, wie oben geſagt, einen ſehr nach⸗ theiligen Einfluß auf die Wolle, beſonders der Merinos, und noch einen groͤßern auf die Milch und das Gedeihen der Laͤmmer. Auch kann die ſchnelle Abwechſelung des Futters der Ge⸗ ſundheit ſehr nachtheilig werden. Man muß ſie daher des Morgens immer erſt gut freſſen laſſen— nicht wie manche thun, mit bloßem Stroh abſpeiſen— und ihnen dann erſt jene Weide ſehr maͤßig als Leckerbiſſen zugeſtehen. Nur wenn man im Fruͤhjahre uͤppige Saaten hat, denen dieſes Schropfen nichts ſchadet, und man vorausſieht, daß ſie damit groͤßtentheils hingehalten werden konnen, bis andere Weide da iſt, ſo kann man weiter damit gehen. Es iſt hierbei beſonders nothig, den Schäfer unter 74 Aufſicht zu halten, und ihm daruͤber eine ge⸗ naue Inſtruktion zu geben, da dieſe Leute ſonſt gar gern damit zu weit gehen. Bei Wirthſchaften, welche ſich dieſer man⸗ nigfaltigen Weiden nach Zeit und umſtaͤnden wechſelnd bedienen muͤſſen, iſt eine genaue Kenntniß derſelben und ein darauf begrundeter Plan, wie ſie nach Jahreszeit und Witterung behuͤtet werden ſollen, etwas ſehr we ſentliches, wenn man ſich nicht vom Schaͤfer abhaͤngig machen will. Unter ſolchen Umſtaͤnden duͤnken ſich die Schäfer viel auf ihre Lokalkenntniß, indem ſie wiſſen, daß andere, welche dieſe nicht beſitzen, großen Schaden anrichten konnen. Und merken ſie, daß der Herr dieſes auch an⸗ erkenne, ſo muß alles nach ihrem Willen gehen. Es iſt alſo, wenn man Abänderungen in der Schäferei und uͤberhaupt in dem Gan⸗ zen der Wirthſchaftsverhaͤltniſſe machen und ſich vom Schaͤfer unahhaͤngig erhalten will, durchaus noͤthig, daß man alle Weiden und Abtriften, beſonders auch die auf fremden Bo⸗ den, worauf man berechtigt iſt, zu allen Jah⸗ reszeiten und bei verſchiedener Witterung, be⸗ ſonders in Anſehung ihrer Räſſe und ungeſun⸗ den Stellen beobachte; wobei man dann zugleich auf die Kraft ihres Graswuchſes, auf die Art der Graͤſer, und endlich auf ihre Lage in Hin⸗ ſicht der Entfernung vom Hofe, vom Huͤrden⸗ 75 lager, von der Traͤnke, Ruͤckſicht nehmen muß. Es iſt rathſam, ſich dieſes alles auf der Stelle anzuzeichnen, und in das Lagerbuch mit Hin⸗ weiſung auf die Charte einzutragen⸗ Die Gerechtſame auf fremden Feldern und Hutungen, ihre Gränzen und Zeiten muß man ſich insbeſondere merken⸗ Dann wird man ſeinen Plan uͤber die Benutzung der Weide bei moͤglichſter Sicher⸗ heit der Schäferei machen, und bei ungewohn⸗ licher Witterung nach den umſtaͤnden abaͤnbdern konnen; auch nicht weiter abhaͤngig von der Willkuͤhr des Schaͤfers ſeyn. Es muß die vorzuͤglichſte Weide beſonders für die Lämmer, die nächſtbeſte fuͤr die Zucht⸗ ſchafe die ſchlechteſte fuͤr das Geltevieh beſtimmt werden. Unter ſolchen Umſtaͤnden hat eine mannig⸗ faltig verſchiedene Weide, und ſolglich ein weit ausgedehntes Revier ſeine unverkennbaren Vor⸗ zuge. Hier konnen die Herden von grasrei⸗ chen, niedrigen Stellen auf trockene magere Anhoͤhen, felbſt in Kiehnenhölzer getrieben wer⸗ den, um die nachtheilige Einwirkung jener wieder auszulöſchen. Die Schaͤfer, welche auf ein weites Weiderevier und vieles Umhertreiben der Herden beſtehen, haben in ſofern Recht⸗ als dieſes hier in dieſer, dort in jener Hinſicht fehlerhaft iſt. 76 Etwas anderes aber iſt es, wenn man den Schafen eine angebaute, von allen Schädlichkeiten befreite, kraftvolle, zureichende und mit den gedeihlichſten Kraͤutern und Gra⸗ ſern beſamte Weide in nahem Zuſammenhange geben kann, und außer dieſen die etwanige uͤbrige Weide nur als eine Zugabe— die man gebrauchen kann, ohne darauf zu fußen— be⸗ trachtet. Hier reicht ein kleines Revier, worauf die Schafe beſtaͤndig bleiben, zu, und giebt ihnen den ganzen Sommer hindurch bei jeder Witterung zureichende Nahrung. Die Rede iſt von beſondern Koppeln oder Ackerſchlaͤgen, die in der Koppel⸗Schlag⸗ oder Wechſel⸗und Weide⸗ Wirthſchaft zu nie⸗ dergelegt werden. Ueher die mannigfaltigen wie ſich ſolche Schlaͤge zu einjahrigem, zweijaͤhri⸗ gen oder dreijährigen Gehrauch anbringen laſ⸗ ſen, muß ich auf andere Schriften, beſonders auf den erſten Band meiner rationellen Land⸗ wirthſchaft verweiſen. Die Reichhaltigkeit und Nahrhaftigkeit dieſer Weiden wird durch die natuͤrliche Frucht⸗ harkeit des Bodens, durch den Duͤngerſtand, die davon genommenen Ernten, und endlich von den Weidepflanzen, die man darauf geſaͤet hat, beſtimmt. Rach dieſen Umſtaͤnden konnen ſechs, fuͤnf, vier, drei und mindeſtens zwei Schafe auf ei⸗ nen Morgen ihre zureichende Nahrung finden, wenn auch auf die Nebenweiden, die umgebro⸗ chene Brache und die Stoppel, welche man zu benutzen jedoch nicht unterlaſſen wird, nicht mit gerechnet wuͤrde. Indeſſen iſt es, um in trocknen Sommern immer ſcher zu gehen, rathſam, etwas groͤßere Weideſchläge anzule⸗ gen, als man in gewohnlichen Jahren gebraucht, um dann einen Theil derſelben zu Heu machen oder Saamen davon aufnehmen zu konnen, wenn Miswachs nicht zu ihrem Weidegebrauch nothigt. Von der Kraft des Bodens, wie ſie mo⸗ difizirt werde, und welche Wirkung ſie auf die Weide habe, zu reden, iſt hier nicht der Ort, und ich verweiſe meine Leſer auf den§. 363. u. f., im dritten Bande der Grundſätze der ra⸗ tionellen Landwirthſchaft. Der blöße Empiri⸗ ker kennt gewoͤhnlich die Kraft des Graswuchſes auf ſeinem Boden. Allein von den vorzüg⸗ lich zur Schafweide geeigneten Pflanzen muß ich das Wichtigſte beibringen. Es wuͤrde nämlich jetzt unverantwortlich gegen alle Grundſaͤtze der Landwirthſchaft ſeyn, die Beraſung eines niedergelegten, einigerma⸗ ßen kraͤftigen Bodens der Natur zu uͤberlaſſen, oder vielmehr dem Zufalle, der die Saamen⸗ 75 korner dahin fuͤhrt. Geſetzt auch, daß die von— ſelbſt entſtehenden Pflanzen eben ſo gut waͤ⸗ ren, was doch in der Regel der Fall nicht iſt, ſo wuͤrde es doch laͤnger damit dauern, und ſelten im erſten Jahre ein dicht beſtandener Weideanger erfolgen. Man ſäet daher die Weidekraͤuter unter die letzte Frucht, es ſey Winterung oder Sommerung, womit man den Acker niederlegen will. Das gebraͤuchlichſte iſt der weiße kriechen⸗ de Klee, wovon man nur zwei Pfund Saamen auf den Morgen gebraucht. An kräftigern Stellen mengt man rothen Klee darunter, um auf allen Fall beim Ueberfluß an Weide ihn maͤhen zu konnen. Er iſt fur Schafe, die nicht Hunger gelitten haben, ganz gefahrlos. Es paſſen ſich ohne Zweifel mehrere Klee⸗ und mit ihm verwandte Pflanzenarten ſehr gut hierzu⸗ z. V. der Hopfenklee(Medicago lupulina), der Sichelklee(Medicago falcata)⸗ der Al⸗ penklee(Trifolium alpestre), der Erdbeeren⸗ klee(Trifolium fragiferum); man muß ſich aber ihren Saamen erſt anziehen; ſie ſind wahr⸗ ſcheinlich ausdauernder wie jener. Ein vor⸗ zuͤgliches und in Deutſchland noch nicht genug bekanntes Weidekraut, beſonders fur die Schafe, iſt die Pimpinelle(Poterium sanguisorba), welche auch auf dem trockenſten Boden waͤchſt, im Winter fortgruͤnt, im erſten Fruͤhjahr treibt⸗ 79 den Schaſen hoͤchſt angenehm, und durch ihre aromatiſche und gelind adſtringirende Eigenſchaft Heilmittel und Praäſervativ gegen die gewöhn⸗ lichſte Krankheit derſelben iſt. Man ſollte es daher immer unter dem Klee mit ausſärn. Man kann den Saamen bei allen Gartenſäme⸗ reihaͤndlern erhalten, aber zu theuer, um ihn im Großen auszuſaͤen; man muß ihn bei ſich ſelbſt vermehren, indem man ihn in Reihen auf ein mageres Beet im Garten ſaͤet. unter den Graͤſern, die man mit dem weißen Klee ausſaͤet, ſind der Schaſſchwingel (Festuca ovina) und das engliſche Raygras (Lolium perenne) ohne Zweiſel die ange⸗ meſſenſten, weil ſie dicht und um ſo ſtaͤrker wachſen, je mehr ſie niedergehalten werden, auch auf trocknem Boden fortkommen, und hauptſächlich, weil ihr Saamen leicht zu ge⸗ winnen iſt, nicht ſchnell ausfaͤllt, ſondern nach dem Abmaͤhen und Trocknen abgedroſchen wer⸗ den kann, wie das Getreide. Unter allen be⸗ kannten und verſuchten Weidegräſern muß man ihnen da den Vorzug geben, wo von ſetten Rindviehweiden nicht die Rede iſt. Ich ent⸗ halte mich daher mehrere zu nennen, da es für Kenner uberflußig, fuͤr andere nur verwirrend ſeyn wuͤrde. Noch von einem andern ſehr gewöhnlichen Kraute der Schafgarbe(Achillea millefolium) 80 wuͤrde es rathſam ſeyn, den Saamen auſzuneh⸗ men, und ihn auf angebauten Schaſweiden mit zu verbreiten, da es den Schafen vorzuͤglich angenehm und gedeihlich iſt. Jedoch erfordert es Boden, wenigſtens mittlerer Guͤte und Kraft. Weiden dieſer Art muͤſſen nach der Mei⸗ nung einiger nicht zugleich behuͤtet werden, ſondern man ſoll ſie wenigſtens in drei Abthei⸗ lungen legen, jede ſcharf abfreſſen, dann aber ruhen laſſen, bis die Reihe wieder an ſie kommt, damit die Pflanzen in der Zeit wieder hin⸗ länglich erſtarken können. Andere halten da⸗ gegen einen ſehr gerͤumigen Weideplatz für zuträglicher, weil die Schafe am liebſten im Gehen freſſen. Es ſcheint auf die Gewohnheit anzukommen. Ein trockener Lehmboden giebt die nach⸗ haltigſte natürliche und kuͤnſtliche Weide. Sie wird aber noch verbeſſert, wenn er Kalk ent⸗ hält. Deshalb iſt die Mergelung auch in Hin⸗ ſicht der Schäfereien von großem Rutzen. Es iſt den Weiden, ſo wie den Schafen ſelbſt, hoͤchſt zutraͤglich, wenn man dieſe auch des Nachts darauf läßt, und bei guter Witte⸗ rung weder in Horden noch in den Stall bringt. Es macht einen auffallenden Unterſchied, wenn die Weide auch den naͤchtlichen Pferch erhält; ſie verſtäͤrkt ſich von Jahr zu Jahr⸗ und beim umbruch zu Getreide zeigt ſich dann die gans 8¹ Kraft des Duͤngers. Der Schafmiſt verwittert viel weniger wie der vom Rindvieh, und ver⸗ theilt ſich gleichmaͤßiger. Sobald die Schafe daran gewoͤhnt ſind, iſt ihnen der naͤchtliche Aufenthalt auf der Weide durchaus nicht ſchaͤd⸗ lich, und die Beſorglichkeit, welche man gegen den Morgenthau hat, wenn Schafe des Nachts im Pferch oder im Stalle gelegen haben, faͤllt hier weg. Sie freſſen das naſſe Gras nicht, oder es iſt ihnen unſchaͤdlich und oft wohlthaͤ⸗ tig. Wo es noch Wolfe giebt, iſt es freilich nicht ausſuͤhrbar⸗ Die Sommerſtallfuͤtterung. Fuͤr und wiber die Sommerſtallfuͤtterung der Schaſe iſt viel geſagt worden. Manche haben ſie verſucht, aber bald wieder aufgege⸗ ben, worauf andere ihre Unmöglichkeit als er⸗ wieſen angenommen haben. Allein der Hert Konferenz⸗Miniſter Graf von Ein ſiedel und der Herr Graf von Schonburg⸗Rox⸗ burg haben, erſterer zu Wolkenburg, letz⸗ terer zu Roxburg, den überzeugendſten Gegenbeweis gegeben. Betraͤchtliche Schäfe⸗ reien, letztere aus 1800 Stuͤck beſtehend, wer⸗ den hier bis zur Stoppelweide ganz mit gruͤ⸗ nem Klee und kleeartigen Gewaͤchſen in ſehr c. 5 82 luftigen und geraͤumigen Ställen, vor welchen ſich uberdem ein geſtreuter Huͤrdenplatz befin⸗ det, gefuͤttert, ſo daß jedes Schaf täglich 12 bis 15 Pfund grünen Klee erhält. Die Rox⸗ burger Schaͤferei hat ſich dabei in Anſehung des Preiſes der Wolle und der Store auf die hoͤchſte Stuſe in Sachſen erhoben, und die Wirthſchaft zugleich durch den großen Duͤnger⸗ gewinn in den trefflichſten Stand geſetzt, ſo daß ſelbige die Bewunderung aller derer, die ſie beobachtet haben, erregt hat. Andere haben der gruͤnen Fuͤtterung in Horden den Vorzug gegeben, wahrſcheinlich aber doch nur in Hinſicht der Erſparung eines beſondern Sommerſchoppens. Die Bedachung, wenn die Seitenwaͤnde großtentheils offen ſind⸗ hat unbezweifelte Vorzuͤge. Indeſſen iſt es nicht zu verkennen, daß eine ſolche gruͤne Stallfütterung eine Sorgfalt und Genauigkeit erfordere, die wenige darauf zu verwenden im Stande ſind, daß beſonders ihre erſte Einfuͤhrung mit großen Schwierig⸗ peiten verbunden ſen, und doß dabei auf eine bis zum Junius ausreichende Winterfuͤtterung gerechnet werden muͤſſe, weswegen eine haͤufige Einführung derſelben durchaus nicht zu erwar⸗ ten iſt. Das Tüdern der Schafe kann nur bei einem kleinen Haufen aus fuͤhrbar ſeyn. Man N i 83 hat aber eine andere Methode, durch die Schafe üppiges angeſaͤetes Futter reihenweiſe abfreſſen, ohne es von ihnen niedertreten zu laſſen, an⸗ gewandt. Es wird naͤmlich vor einem Futter⸗ felde eine Reihe von Horden hergeſchlagen, deren Zwiſchenraͤume das Durchſtecken der Koͤpfe bis an die Bruſt zulaſſen. Die Schafe freſſen folglich den zunaͤchſt hinter den Horden ſtehenden Klee oder Wicken ab. Die Horden⸗ reihe wird ſodann vorgeruͤckt. Gewiß ein treff⸗ liches Huͤlfsmittel bei knapper Weide! aber doch nicht geeignet, eine ganze Sommerfuͤtte⸗ rung darauf zu begruͤnden. Man hat auch nach dem Beiſpiele der Englaͤnder beſondere Graſeſelder fuͤr die Schafe angeſaͤet, mit Rocken, Gerſte, Hafer zu dieſem Behuf, beſonders auch mit Winterraps. Es verſteht ſich aber, daß man mit dieſen kraͤfti⸗ gen Gewäͤchſen, beſonders dem letztern, vorſich⸗ tig ſeyn, und die Schafe allmaͤhlig daran ge⸗ woͤhnen muͤſſe, damit ſie ſich nicht überfreſſen und aufblaͤhen. §. 18. Die Winterfuͤtterung. Dieſe beſteht gewohnlich nur aus Heu und Stroh. Was ſonſt gegeben wird, rechnet man als Zugabe, weswegen es auch Schäfer, die im 2 84 Gemenge ſtehen, zu ihrem Antheil gewohnlich mit bezahlen muͤſſen. Es iſt allgemein anerkannt, daß das fuͤr Schafe geeignete Heu auf trocknen, d. h. nicht ſumpfigen Wieſen gewachſen, nicht zu alt ge⸗ worden, moͤglichſt gruͤn erhalten, trocken ein⸗ gebracht und wohl verwahrt ſeyn muͤſſe. Das Vorheu hält nan fur beſſer, indeſſen iſt das Rachheu, wenn es nur jene Qualitäten hat, keinesweges verwerflich. Dumpfiges ſchimmlich gewordenes Heu iſt ihnen aber entſchieden ſchaͤdlich. Das Heu von Klee, Luzerne, Esparſette, Wicken, Sphrgel, Gemenge, Buchweitzen u. ſ. f. übertrifft, wenn es im rechten Zeitpunkte ge⸗ maͤht und trocken eingebracht worden, das Gras⸗ heu an Nahrhaftigkeit, und iſt den Schafen durchaus unſchaͤdlich, indem Schaͤfereien ſich im trefflichſten Stande in ſolchen Wirthſchaften befinden, wo ſie kein anderes Heu erhalten. Das fuͤr die Schafe beſtimmte Stroh muß ebenfalls trocken eingebracht, und in den Scheu⸗ ren nicht dumpfig geworden ſeyn. Dos Getreideſtroh jeder Art iſt nur in dem Maaße nahrhaft, als es gruͤnes Unkraut, unreife Aehren und unausgedroſchene Koͤrner enthält. Das eigentliche reif gewordene Stroh füͤllt zwar im Nothfall den Magen, und befor⸗ dert, in VPerbindung mit nahrhaftem Futter, deſſen Verdauung, giebt aber ſelbſt wenige Nahrung, und Neſe faſt nur durch die Knoten. Das Stroh iſt daher als Nahrung in der Re⸗ gel um ſo ſchlechter, je beſſer der Ackerbau iſt. Das Stroh der Huͤlſenfruͤchte, der Erb⸗ ſen und Bohnen, insbeſondere aber der Wicken und Linſen iſt nahrhafter. Es macht aber ei⸗ nen großen Unterſchied, ob dieſe Fruͤchte beim Maͤhen ſchon vbllig abgeſtorben waren, oder ob ſie noch vegetirten, friſche Blaͤtter oder gar noch Bluͤthen hatten, und ob ſich dann dieſe beim Abdreſchen noch daran erhalten haben. Im letztern Falle iſt auf die Nahrhaftigkeit dieſes Strohs viel zu rechnen; indeſſen iſt ſie doch keinesweges der des Heues und der gruͤn⸗ gemäheten Pflanzen, wie manche meinen, gleich zu ſetzen. Man hat gewohnlich 3 Pfund, einige gar nur 2 Pfund, trockenes Futter fuͤr ein ausge⸗ wachſenes Schaf taͤglich angenommen; haͤufig aber nur 2 Pfund Heu darunter gerechnet, in⸗ dem man 73 Centner Heu auf 100 Stuͤck Schafe haͤufig als zureichend annimmt. Der ubrige Nahrungsbedarf ſoll dann— ſo ſagen ſie— durch ſuttriges Stroh erſetzt werden. Soll eine Schaͤferei auf ein ſolches Futter⸗ ohne daß man ihr durch Koͤrner, durch halb abgedroſchene Garben oder andere nahrbafte Futterungsmittel Erſaz giebt, beſchränkt ſeyn; 86 ſo gebe man jeden Gedanken an Veredlung auf, denn in dem Falle iſt es wahr, daß man das, was man am Preiſe der feinen Wolle ge⸗ winnt, an der Quantität und auf andere Weiſe wieder vrrliere. Wenn das Gewicht der Me⸗ rino⸗Wolle dem Gewicht der groben Landwolle gleich kommen oder es noch üͤbertreffen ſoll, ſo iſt ihnen eine reichliche und wahrhaft nahrhaſte Fuͤtterung durchaus noͤthig. Dieſe bezahlt ſich dann aber um ſo mehr, je ſtaͤrker ſie iſt, und wenn man den Ertrag der Schaͤſerei, und ſelbſt die Benutzung des Futters aufs hochſte treiben will, ſo muß der Appetit der Thiere der einzige Maaßſtab fuͤr daſſelbe ſeyn; es verſteht ſich unter der oben erwaäͤhnten Bedin⸗ gung des allmaͤhligen Gewohnens an kraͤftiges Futter. Wenn man die nahrhaſte Fuͤtterung auf Heu allein begrundet, ſo muͤſſen auf den Kopf mindeſtens 2 Zentner Heu gerechnet werden. Wenn dabei Erbſen⸗ und Sommerungsſtroh reichlich gegeben wird, ſo kann eine Merino⸗ Schäferei gut durchgewintert werden, obgleich eine ſtaͤrkere Nahrung ſich ſehr wohl bezahlt, und bei vorzuͤglichen Schaͤfereien, wie wir un⸗ ten horen werden, angewandt wird. Das Getreide aller Art war bisher die gewdhuliche Beihulfe fuͤr geſchaͤszte Schaͤfereien. Denn es giebt wenige Wirthſchaften, deren 87 Heugewinn ausreicht, um die Schafe im voll⸗ kommenſten Stande zu erhalten, ihnen Milch genugſam fur die Lämmer zu geben, und ihr Fließ zu dem Gewichte von 2½ bis 3 Pfund feiner Wolle zu bringen. Wie weit man mit der Getreidefuͤtterung gegangen, und wie hoch dieſe in den theuren Jahren zu berechnen ſey, erfaͤhrt man von Schäſereiliebhabern, die auf Getreidefuͤtterung fußen, ſelten. Man giebt ihnen das Getreide in Garben, die gar nicht oder nur halb ausgedroſchen wor⸗ den,(wobei jedoch mit Vorſicht zur Vermei⸗ dung des Uebermaaßes zu verfahren iſt) oder man giebt die Korner mit der Spreu gemengt und etwas angefeuchtet, oder geſchroten in Trank oder auf Häckſel geſtreuet, oder aber aufgequollen. Auf letztere Weiſe giebt man beſonders die Erbſen, Bohnen und Wicken⸗ die ihnen noch gedeihlicher als eigentliches Ge⸗ treide ſeyn ſollen. Auch iſt ihnen der Buch⸗ weizen ſehr angenehm. Alle Arten ven Kdr⸗ nern ſind den Schafen uͤbrigens geſund, wenn nur die kräftigern, z. B. der Rocken ihnen nicht ploslich im Uebermaaße gegeben werden. Durch eine kraͤftige Getreidefütterung glau⸗ ben manche den üblen Einfluß einer ungeſun⸗ den Weide oder einer naſſen Sommerwitte⸗ rung, wohl gar des verſchlammten Heues wie⸗ 85. der gut zu machen. Fch kenne aber Fälle, wo es nicht geholfen hat. So kraͤftig und zutraͤglich dieſe Getreide⸗ fütterung iſt, ſo wird ſie doch in Jahren, wo bas Getreide in gehoͤrigem oder in hoͤherem Preiſe ſteht, ſehr koſtbar. Und wenn es gleich immer rathſammer iſt, dieſes daran zu wenden, als edlen Schaſen Mangel leiden zu laſſen, ſo läßt ſich doch durch den Anbau anderer Fuͤt⸗ terungsmittel der Zweck, auch bei unzureichen⸗ dem Heu die Schafe im beſten Stande zu er⸗ halten, vollkommen und wohlfeiler erreichen. Dies ſind die bekannten Wurzelgewaͤchſe aller Art. 445 In England beruhet der große Schaſſtand faſt allein auf dem Bau der Waſſerruͤben ver⸗ ſchiedener Abart, und man begreift daſelbſt kaum, wie ohne Ruͤben eine eintraͤgliche Schaͤ⸗ ferei exiſtiren könne. Die Ruͤben werden nur zum Theil, und zwar die groͤßeren vor Winter aufgenommen und aufbewahrt, um ſie den Scha⸗ fen im ſtrengſten Winter zu geben; der gro⸗ ßere Theil bleibt aber im Acker, um ſie von den Schafen daſelbſt im Fruͤhjahre und ſelbſt im Winter bei milderer Witterung ausfreſſen zu laſſen. Sie erfrieren in dem zum Ruͤben⸗ hau geeigneten lehmigen Sandboden, im Julius gefaͤet, ſelten, weder in England noch bei uns. 89 Der Kartoffelbau zu dem Zwecke hat in England ſich auch erſt in den neueren Zeiten verbreitet. Man hat ihn als vortheilhafter und ſicherer anerkannt, aber umſtaͤndlicher we⸗ gen der Einerntung und Aufbewahrung. In Deutſchland ſind die Kartoffeln fruͤher und häufiger, als die Ruͤben zur Winterfutte⸗ rung der Schafe denutzt worden. Unter welchen Verhöltniſſen und Umſtaͤn⸗ den Kartoſſeln, Waſſerruͤben, Runkeln, Kohl⸗ rüben, Paſtinaken, Mohren u. ſ. f. anzubauen, vortheilhaſter ſey, kann hier nicht ausgemittelt werden, da die Umſtaͤnde zu mannigfaltig ſind. Aber ſie ſind ſaͤmmtlich fuͤr die Schafe ein vortreffliches und gleich gedeihliches Futter, wenn ſie nach Verhältniß ihrer Nahrhaftigkeit gegeben werden. Reuerlich hat man die Beſorgniß geau⸗ ßert, daß dieſe Gewächſe Schafen, ihrer waͤſſri⸗ gen Beſtandtheile und kuͤhlenden Eigenſchaft wegen, nachtheilig werden koͤnnten, wenn ſolche ohnehin eine Anlage zur Bleichſucht und der daraus erfolgenden Faͤule oder Waſſerſucht haͤtten, 1 ind daß in ſolchem Falle dennoch Koͤr⸗ nerfuͤtterung den Vorzug verdiene. Allein bis eßt ſcheint das auß eine falſche theoreti ſche An⸗ ſicht, nicht auf beſondere Erfahrung zu beru⸗ ben, und nicht feſteren Grund fur ſich zu ha— ben, wie die Mrinung mancher Schaͤfer, daß 90 man Schafe vom Saufen moglichſt zuruͤckhal⸗ ten müſſe, weil widernatuͤrliches Waſſer in ihrem Korper ſie krank mache. Jene Gewaͤchſe haben eben ſo nährende, den Organismus ſtaͤr⸗ kende Beſtandtheile in ſich, wie die Koͤrner. Sie ſind freilich mit Waſſer vermiſcht, aber das Waſſer iſt der Geſundheit wenigſtens nicht nachtheiliger, als das rohe Waſſer. Genie⸗ ßen ſie es in dieſen Fruͤchten, ſo ſauſen ſie um ſo we iger. Durch dieſes mit Schleim ge⸗ miſchte Waſſer werden die naͤhrenden Theile um ſo auflbslicher erhalten. Die Erfahrung hat da, wo die Futterung mit dieſen Gewäch⸗ ſen eingefuͤhrt iſt, durchaus keinen Rachtheil gezeigt. Anbruͤchige Schaſe werden ſie nicht heilen, aber dieß wird auch keine Koͤrner⸗oder andere Fuͤtterung thun. Dagegen hat man die beſtimmte Bemer⸗ kung gemacht, daß dieſe Gewächſe die Milch ſtaͤrker vermehren, als Kornerfuͤtterung, und daß die Lämmer vorzuͤglich gut dabei emporkommen. Dieß läßt ſich aus dem vielen Eiweiß⸗ und Zuckerſtoff, den ſie enthalten, und der in dem ſchleimigen Waſſer aufgeldſt iſt, genug erklä⸗ ren. Auf Erfahrung aber beruhet es! und wo es im Fruͤhjahre nicht an ſaftigen Futtergewaͤch⸗ ſen fehlt, da hat man immer Ueberfluß an Milch bei den Muͤttern und auffallendes Gedeihen der Laͤmmer beobachtet. So lange 6 91 dieſe Futtergewächſe reichen, iſt keine Noth wegen des ſich verſpaͤtenden Weidegraſes vor⸗ handen; aber wenn ſie zu Ende gehen, ſo muß nahrhafte Weide ſie erſetzen können. Wie ſtark dieſe Gewächſe gegeben werden muͤßten und konnten, wenn ſie die Nahrung der Schafe neben Stroh allein ausmachen ſol⸗ len, davon hat man bei den Merinos noch keine bekannte Erſahrung. Folgendes aber iſt dieſen Schafen neben etwas Heu, beſonders bei dem Saͤugen, mit dem beſten Erfolge per Stuͤck taäͤglich in zwei Mahlzeiten gegeben worden: Kartoffeln 11 Pfund Runkeln ⸗ Moͤhren„ 2* Kohlruͤben oder Rotaboga 11„ Wenn dieſe verſchiedenen Fruͤchte ſelbſt wech⸗ ſelsweiſe oder vermiſcht gegeben werden kon⸗ nen, wenn insbeſondere die mehlreichen Kar⸗ toffeln mit den mehreren Zuckerſtoff enthalte⸗ nen Wurzeln verbunden werden, ſo wird die Futterung um ſo gedeihlicher. Auch muß man nicht ploͤtzlich ven einem zum andern uͤberge⸗ hen, ſondern ſie das neue Futtergewaͤchs ken⸗ nen lehren, und ihren Appetit durch kleinere Portionen dazu reizen, bevor man ihnen voll⸗ auf giebt. Sie ſcheuen ſich manchmal fuͤr ein ihnen unbekanntes Futter, ſobald es aber das 92 eine Thier gefreſſen hat, folgen die uͤbrigen gleich nach. Auch hat man Eicheln und Roßkaſtanien als ein ſehr wohlthaͤtiges und ſtaͤrkendes Futter befunden, ja man will den Anſatz zur Faͤule dadurch uͤberwunden haben. Man giebt ſie' entweder unvorbereitet, oder ſie werden einige Tage im Waſſer ausgelauget, ſodann im Backo⸗ fen wieder getrocknet, wo ſich dann die Schaale abloͤſet, und ihr barſcher Geſchmack— woran ſich die Schafe aber auch gewoͤhnen— ver⸗ liert. Man hat ſie zu ein Pfund täglich auf das Stuͤck gegeben. In Niederſchleſien iſt die Laubfuͤtterung der Schafe gebraͤuchlich. Es werden naämlich die Zweige der Ruͤſtern, Linden, Pappeln, Ahorn, Eſchen und Erlen im Julius am Stam⸗ me weggehauen, in Buͤndeln zuſammen gebun⸗ den, und wenn die Blaͤtter vollig getrocknet ſind, in die Scheuren gebracht, wo ſie dann den Schafen, beſonders zur Lammzeit, gegeben werden. Einige theilen die Bäume, die zur Schaffuͤtterung beſtimmt ſind, in drei Schläge, und behauen jährlich einen derſelben. Wenn die Blaͤtter abgefreſſen ſind, bedient man ſich des Reiſigs zum Verbrennen. Einige ruͤhmen dieſe Fuͤtterung ſehr, andere halten ſie nur fur einen Rothbehelf. 93 Die Wechſelung und die Verhaͤltniſſe der verſchiedenen Fuͤtterungsmittel richten ſich nach der Lokalität. Hier die Fuͤtterungsſätze eini⸗ ger vorzuͤglichen Schaͤfereien: In den Eckardsdorſſchen Schaͤfereien des Hrn. Grafen von Magnis bekamen hundert Mutterſchafe: ſtes Futter Morg. um 6 Uhr ſchleſiſchen Schfl. 9 Metzen Fleeheu,“ 6 Schfl. Strohhaͤckſel 2tes Futter Norgens um 10 Uhr daſſelbe 69„ Ztes„ Mittag um1 Uhr Kleeheu 100„ 4tes„ Rachmittags 4 Uhr Kartof⸗ ſeln 12 Metzen und Strohhäckſel 144„ Stes Futter Abends Ueberkehr.„ 75 437 Pfd⸗ betraͤgt auf den Kopf 4½ Pfd. 125 Stdrlämmer bekamen: ſtes Futter 2 Schfl. Kleeheu, 2 Schfl. P gtes Futter daſſelbe„380 3tes„ ungeſchnittenes Heu 62 ⸗ 4tes„ 12 Metzen Fartoffeln mit 3 Schfl. Strohhaͤckſel„168„ Stes Futter Ueberkehr 92 482 Pſd⸗ betraͤgt auf den Kopf 3. Pfund. 94⁴ 181 Zibbenlämmer bekamen: iſtes Futter 24 Schfl. Klee, 4 4 Schfl. Stiohhl Pfd⸗ ates Futter daſſelbe 12 Ztes ⸗ 85 Pfd. Kleeheu.. 90„ ates„ 1 ½ Scheffel Wurzelwerk, 4x Schfl. Strohhäckſel... 240„ 5tes Futter Ueberkehr„136„ 690 Pfd. betragt auf den Kopf 34 Pfund. Rach dem verſchiedenen Futtergewinn in jedem Jahre wird zwar die Futterung verſchie⸗ den eingerichtet. Jedoch bleibt im Ganzen das Verhaͤltniß gleich, und ein nahrhaftes Futter wird durch das andere erſetzt. Die Koniglich Saͤchſiſche Stammſchaͤferet zu Rennersdorf im Thiergarten gab auf 400 Schafe und Zuchtſtore täglich 10 Centner He in 2 Mahlzeiten, alſo auf das Stuͤck täͤglich 24½ Pfund. Dabei eine Mahlzeit gutes Gerſten⸗ und Erbſenſtroh. Und woͤhrend der Lammzeit erhalten die Muͤtter täglich 2 Berliner Schef⸗ fel Hafer. Die Lämmer erhalten, bis ſie auf die Weide gehen, gequollene Wicken und Erb⸗ ſen, im Herbſte und Fruͤhjahr Helkuchen⸗Mehl im Trank 95 In Droſchkau, einem von Heinitziſchen Gu⸗ te, und zu Dahlen, einem Gräflich Buͤnauſchen Gute, werden ſie auf gleiche Weiſe gefuͤttert. In den Fuͤrſtlich und Gräflich Schdn⸗ burgſchen Schäfereien zu Waldenburg, Remiſſa und Roxburg bekommen ſie zwei Mahlzei en Heu, aufs Stuͤck reichlich 2½ Pfund im Durch⸗ ſchnitt, eine Mahlzeit Ruͤbſen⸗, Erbſen- und Gerſtenſtroh; das Heu wird ihnen aber zum Theil durch JFartoffeln erſetzt, die man allem friſchen Futter vorzieht, und wovon man ₰ Pfund 2 Pfund Heu gleich rechnet. So wie zu Eckardsdorf haͤlt man in vie⸗ len Schäfereien das Schneiden des Strohes mit Heu unter einander fur rathſam. Daß es Futter erſparend ſey, hat keinen Zweifel, in⸗ dem die Schaſe dadurch mehr Stroh zu freſſen genbthigt werden. Ob es aber vortheilhaft ſey, ſcheint mir noch zweifelhaft, indem durch das Schneiden der Nahrhaftigkeit, zumal bei wiederkäuenden Thieren, nichts zugeſetzt wer⸗ den kann. Wenn man dagegen das Stroh dem Vieh lang in Rauffen vorlegt, wird es die darin ſteckenden nahrhaften Theile am beſten herausſuchen. In den uͤbrigen ſind wenig wahr⸗ haſt naͤhrende Subſtanzen vorhanden, und man bedient ſich deſſen dann zum Einſtreuen in dem Schafſtalle ſelbſt, oder im Rindviehſtalle. Auf keine Weiſe ſcheint es mir rathſam, das ge⸗ 90 ſchnittene Wurzelwerk mit Strohhaͤckſel zu ver⸗ mengen. Das Vieh ſucht jenes heraus, und läßt dieſes liegen. Dagegen kauet das Vieh, nachdem es Wurzelwerk gefreſſen hat, ſehr gern Stroh⸗ wenn man es ihm lang vorlegt. Auch ſcheint mir das ſehr feine Zerſchneiden der Wurzelgewaͤchſe in Steifen und Wuͤrfeln, wel⸗ ches erforderlich iſt, um es mit dem Haäckſel zu mengen, nicht rathſam, indem es in dem Zuſtande leichter als in großen Stuͤcken oder Scheiben ſaͤuert und verdirbt. § 19. Das Salzlecken. Natur und Erfahrung lehren, daß das Salz allem Vieh, insbeſondere aber den Scha⸗ fen, zuweilen nuͤtzlich ſey. Der Inſtinkt treibt letztere zu gewiſſen Zeiten unverkennbar zum Salzlecken an, wo ſie es nur auffinden kon⸗ nen; zu anderer Zeit dagegen machen ſie ſich nichts daraus. Dieſen Inſtinkt muß man be⸗ achten, und ihnen Gelegenheit geben, ihn zu befriedigen, wenn er ſich zeigt. Einige aber, von dem Ruten des Salzes uͤberzeugt, haben geglaubt, des Guten nicht zu viel thun zu kbn⸗ nen, und die Schafe gezwungen, Salz zu freſ⸗ ſen, indem ſie es, wenigſtens zu beſtimmten Zeiten, auf das Futter ſtreuten. Dies iſt, wo nicht ſchaͤdlich, doch gewiß ganz unnütz. 97 Die beſte Methode, wo man Steinſalz haben kann, iſt ohne Zweiſel die, daß man Stuͤcke davon im Stalle von Zeit zu Zeit auf⸗ haͤngt, ſo daß die Thiere, welche Neigung dazu haben, nach Gefallen daran lecken konnen. Wo man dieſes nicht hat, macht man aus ge⸗ ſottenem aufgelbſten Salze und Mehl Kuchen, die man im Backofen baͤckt, und ſie ihnen dann ebenfalls aufhängt oder in die Krippen legt. Oder man macht aus angefeuchtetem Salze, bittern und aromatiſchen Kräutern: Wermuth, Bitterklee, Gentiana, Cardobene⸗ dicten, Raute, Meliſſe, Thymian, Mairan u⸗ ſ. f., Salzlecken in einem hoͤlzernen Napfe, und ſetzt ihnen dieſe hin. Das Salz muß als eine Arzenei, nicht als ein Nahrungsmittel bei den Thieren angeſehen werden, woran man ſie nicht gewoͤhnen ſoll. Fndeſſen könnte es auch Schaſen, die einmal daran gewohnt ſind, und die man anfangs zum Salzfreſſen gezwungen hat, nachtheilig werden, wenn man auf ein⸗ mal damit aufhoͤrte. Man pflegt in den Schäſereien auf den Kopf jaͤhrlich 2 Pfund Salz zu rechnen. Ich glaube, man wird mit 1 Pfund eben ſo gut auskommen, und der hohe Preis des Salzes lehrt damit ſparſam ſeyn. G 5 20. Das Traͤnken der Schafe. Es herrſchte noch vor kurzen das Vorur⸗ theil, und hat ſich vielleicht hier und da noch erhalten, daß das Saufen den Schafen nach⸗ theilig ſey, und daß man ſie ſo ſelten und ſpar⸗ ſam wie moͤglich dazu laſſen müſſe. Hieraus erfolgte dann wirklich das, was man beſorgte und verhuͤten wollte: die Schafe ſoffen ſich 3 krank, weil ſie ſich nach erlittenem Durſte uͤbernahmen, oder bei der erſten Gelegenheit auf ſumpfiges Waſſer herfielen, weil man ihnen das reine verſagte. Wenn man dagegen den Schafen taͤglich Gelegenheit giebt, ihren Durſt in friſchem reinen Waſſer zu loſchen, ſo wird das nie geſchehen. Im Sommer bei friſcher Weide und gruͤner Fuͤtterung ſaufen ſie wenig, und ſo auch, wenn ſie im Winter ſaftige Fuͤt⸗ terung erhalten. Bei trockener iſt es ihnen un⸗ umgaͤnglich noͤthig. Im Winter freſſen ſie gern Schnee, ſtatt zu ſaufen, und das bekommt ihnen nicht ubel. 5 21 Der Schafſtall und uͤber die Durch⸗ winterung im Freien⸗ Dos Schaf hat ſich unter allen Haustbie⸗ ren der widernatuͤrtichſten Behandlung unter⸗ 99 werfen müſſen. Es iſt von der Natur durch ſeinen dichten Pelz gegen die Kaͤlte hinlaͤnglich verwahrt, leidet aber ſehr von der Hitze. Fri⸗ ſche reine Luft und Licht ſind ſeine Elemente, und freie Bewegung ſein Inſtinkt. Aber, da⸗ mit es nicht erfrieren moͤge, hat man es eine geraume Zeit im Jahre in enge, finſtere und dumpfige Staͤlle eingeſperrt; ſeine Ausduͤnſtung, die ohnehin ſehr ſtark iſt, hat man bis zu wi⸗ dernaturlichen Schweißen getrieben, und die dadurch entſtehenden mephitiſchen Duͤnſte auf das ſorgfältigſte eingeſperrt; die reſpirable, ſtaͤrkende Luft aber moglichſt abgehalten. Beti dem widernatuͤrlichen Zuſtande, worin man es durch dieſe Behandlung verſetzte, bewirkte man dann, daß die ihm ſonſt ſo zuträgliche friſche und kalte Luft, die man doch nicht abhalten konnte, der plotzlichen Veränderung wegen wirklich nachtheilig wurde. Das geſchwächte, krank gemachte Thier konnte nun nicht mehr ertragen, was ſeinem natuͤrlichen Zuſtande an⸗ gemeſſen war. Jetzt haben alle verſtändige Beobachter der Schafe ſich uͤberzeugt, daß die Geſundheit derſelben durchaus luftige, geraͤumige und vie⸗ les Licht zulaſſende Ställe erfordere, und daß dagegen die Temperatur nur ſehr geringe zu ſeyn brauche. Rur in der Lammzeit ſucht man 9 2 100 das Eindringen des Froſtes, ſo viel ohne Sperrung der Luft moglich iſt, zu verhuͤten, oder doch einen Platz, wohin man die neu⸗ gebornen Laͤmmer bringt, bis ſie trocken ge⸗ worden ſind, uͤber den Gefrierpunkt zu erhal⸗ ten. Sonſt iſt man uͤberzeugt, daß eine Tem⸗ peratur betraͤchtlich unter dem Gefrierpunkte den gut genaͤhrten, einſchurigen Schafen durch⸗ aus unſchaͤdlich ſey, wenn ſie anders fortdau⸗ ernd kuͤhl und luftig, und nicht bis dahin im Schwitzkaſten erhalten worden. Denn im letz⸗ teren Falle wird ihnen die plosliche Einwir⸗ kung der Kälte allerdings nachtheilig, und dieſe Bemerkung iſt es wohl, was den Glauben an die warmen Schafſtälle ſo lange erbalten hat, ungeachtet dieſe ſelbſt die urſach der Verkäl⸗ tung waren. Ueberzeugt von der unnachtheiligen Wir⸗ kung der Kälte haben mehrere auch in unſerem Klima den Gedanken gehabt und ausgeführt: die Schafe entweder ganz im Freien, in unbe⸗ deckten Horden, oder unter bedachten aber an den Seiten offenen Schoppen durchzuwintern. Mon fuͤhrt dafur den allgemeinen Gebrauch in England und Schottland an, wo man nicht daran denkt, ein Schaf im Winter in den Stall zu nehmen, ſo wenig bei den eingebornen Ra⸗ cen, als bei den eingefuͤhrten Merinos. Was man darauf in Ruͤckſicht des waͤrmeren engli⸗ 101 ſchen Klimas erwiedert, hat in der That keinen Grund: denn dieſes findet nur in dem ſuͤdli⸗ chen und weſtlichen Theile Englands, keines⸗ weges im nordlichen und dſtlichen, und noch weniger in Schottland ſtatt. Und wo auch das Klima in der Regel milder iſt, da ſteigt doch die Kaͤlte in einzelnen Jahren zu einer ſelbſt bei uns ungewoͤhnlichen Hoͤhe von 21 Grad unter o, wie in den Wintern von 1788 und 1794, wo ich dennoch nirgends Bemer⸗ kungen uͤher den unmittelbaren nachtheiligen Einfluß der Kälte auf die Schafe ſelbſt, wohl aber uͤber den mittelbaren durch das Erfrie⸗ ren der Turnips auf dem Felde gefunden habe. Von den Schafen dagegen, die in der Schottiſchen Hochlande, ſo wie in Schweden und Norwegen, im halbwilden Zuſtande den Winter, ſelbſt ohne gefuͤttert zu werden, aus⸗ halten, kann man fuͤr unſere Schafe keine Re⸗ gel hernehmen, weil es ganz verſchiedene Ra⸗ cen ſind. Bei der engliſchen Schafhaltung muß man aber wohl erwaͤgen, daß hier uͤberall keine Einſperrung ſtatt finde, ſondern daß die Schafe entweder auf den befriedigten Koppeln frei herum laufen und daſelbſt gefuͤttert werden, oder auf den Hof kommen und offene Schop⸗ pen finden, um ſich nach Gefallen zu verber⸗ gen; eine Einrichtung, die nach unſern Wirth⸗ ſchaftsverhältniſſen durchaus nicht ſtatt finden 102 kann. Dieſe beſtaͤndige freie Bewegung wirkt aber dem nachtheiligen Einfluſſe der Witte⸗ rung entgegen, und erhaͤlt die vollen Kräfte der Natur. Allein es iſt auch das gluͤckliche Reſultat verſchiedener Verſuche, welche in unſerm Kli⸗ ma mit der Durchwinterung in offenen Schop⸗ pen oder in Horden, die nur an den kaͤlteſten Seiten gedeckt waren, angeſtellt ſind, nicht zu leugnen. Unter dieſen Verſuchen iſt des Herrn v. Trembicki zu Lomna bei Warſchau am merkwuͤrdigſten, am genaueſten beſchrieben und unterſucht.(Annalen des Ackerbaues 1803.. 721.) Die Richtigkeit der daſelbſt angegebe⸗ nen Thatſachen iſt mir nicht nur von mehre⸗ ren Augenzeugen beſtätigt, ſondern die Sache iſt auch officiell von einer Kommiſſion der da⸗ maligen Warſchauer Kammer mit großem Miß⸗ trauen unterſucht, und man hat durch Abhoͤ⸗ rung der Leute, wozu man vermuthlich mit Abſicht die Zeit der Abweſenheit des Herrn v. Trembicki waͤhlte, nichts Bedenkliches ge⸗ gen die Sache herausbringen konnen, als daß die Schaſe eine fuͤr dortige Gegend ungewohn⸗ lich ſtarke Fuͤtterung, und die im Freien ge⸗ haltenen wahrſcheinlich eine noch ſtaͤrkere als die zum Vergleich im Stalle gehaltenen be⸗ kämen; welches letztere jedoch Herr von Trem⸗ 103 bicki durchaus leugnet, und es nur fuͤr eine, ſeinen Leuten abgepreßte Ausſage erklärt. Ein anderer neuerer Verſuch mit ſehr gluͤcklichem Reſultate findet ſich in den Anna⸗ len 1810. I. 450. Gegen die Moglichkeit dieſer Durchwin⸗ terung im Freien oder in offenen Schoppen laͤßt ſich, meiner Ueberzeugung nach, unter den gehbrigen Bedingungen nichts ſagen. Deſſen ungeachtet aber ſind die Vortheile eines geraͤu⸗ migen, luftigen und hellen Stalles mit großen⸗ nur bei der ſtrengſten Kaͤlte zu verſchließenden Thuͤren und einem freien umzaͤunten Platze vor demſelben uͤberwiegend; nach den Gruͤnden⸗ welche un ſer, um die edle Schaßzucht ſo hoch⸗ verdienter Herzog von Hollſtein⸗Beck in den Annalen 1809. I. 83. dafür angegeben hat. Daß ein hoher Grad der Kaͤlte den alten Scha⸗ ſen nicht ſchade, wenn ſie allmaͤhlig dazu ge⸗ woͤhnt, reichlich gefuͤttert werden, und Faum genug zu freier Bewegung haben, davon bin ich uberzeugt. Aber die neugebornen Lämmer! Dieſe muͤſſen doch wohl durchaus erſt in der ſpäten, fuͤr Froſt vollig geſicherten Jahreszeit kommen, wenn ſie nicht der Gefahr des Ver⸗ klammens ausgeſetzt ſeyn ſollen; und dieſe ſpäten Laͤmmer ſtehen dann den fruͤhen in ſo mancher Ruͤckſicht nach. 104 Daß aber bei regnichter Witterung den Schafen ein Obdach zutraͤglicher ſey, daß Be⸗ regnung, Beſchneiung, Gefrieren des Futters manche Rachtheile haben, ferner daß eine un⸗ gemein ſtarke Einſtreuung des Hordenhofes bei Regen und Schnee erforderlich ſey und endlich, daß der Miſt in ſeiner Qualität gegen den Stallmiſt ſehr verlieren werde; ſpricht, wie mir daͤucht, entſchieden zu Gunſten der Staͤlle, indem dieſe ſo eingerichtet ſeyn koͤnnen, daß ſie alle Vortheile der freien Haltung der Schafe gewaͤhren, und doch die zu beſorgenden Nach⸗ theile und Gefahren verhuͤten. Beim Mangel des Stallraums wird man jedoch die Haltung im Freien bei den Ham⸗ meln und Jährlingen zuerſt verſuchen konnen, und dabei ſicher gehen. Die Bauart der Schaſſtaͤlle kann mannig⸗ faltig ſeyn, in Anſehung der Form und der Materialien; ihre Beſchreibung gehoͤrt nicht hierher. Das Vollſtaͤndigſte daruͤber findet man in Gilly's Handbuch der Laͤndbaukunſt, zter Theil; heraus⸗ gegeben von Friederici, Halle, 18rI.(einem fuͤr den Landwirth ſehr brauchbaren Werke). Einen trocknen Grund auszuwaͤhlen, der auch bei Waſſerfluten nicht leiden kann, ſeh die erſte Vorſicht. Er muß bis unter den Bal⸗ ken wenigſtens 12 Fuß Hbhe haben, Licht und 1035 Luft zulaſſen, Fenſter oder mit Laden zu ver⸗ ſchließende Heffnungen haben, und große Thor⸗ wege an der Sudſeide, die außer der ſtrengen Kaͤlte gar nicht oder nur mit Gatterthoren ver⸗ ſchloſſen werden. Jedes eingewinterte Schaf im Durchſchnitt muß wenigſtens 8 Quadratfuß Raum haben, auf die Muͤtter muß man aber 10 Fuß rechnen. Der Boden uͤber den Bal⸗ ken muß dicht geſchloſſen ſeyn, damit der Dunſt weder in das darauf gebrachte Futter ziehe⸗ noch der Staub von dieſem den Schafen auf den Pelz falle. Bei großen Schäͤfereien iſt es rathſam, füͤr jede Art des Viehes einen beſonderen Stall oder doch vollig abgeſchorene Abtheilungen zu haben fur die Muͤtter, fuͤr die Jaͤhrlinge, fuͤr die Hammel, und beſonders fuͤr die Stbre. Dieſe ſind ein weſenkliches Beduͤrfniß in einem Schaſſtalle, und die alte Methode, das Futter den Schafen auf der Erde vorzuwerfen, wodurch es verunreinigt und verwuͤſtet wird, iſt allgemein als nachtheilig anerkannt. Die Form dieſer Rauffen iſt mannigfaltig angegeben. Unter allen aber ſcheint mir die ſolgende Konſtruktion die zweckmaͤßigſte zn 106 ſeyn, und die Forderungen, die man an ſelbige zu machen hat, am beſten zu erfuͤllen. Auf drei untergeſetzte Bocke ruhet ein Bret von etwa 16 Zoll Breite, welches mit einer 2 Zoll hohen Leiſte eingefaßt iſt. Dieſes Bret dient zum Auffangen des auffall enden Heuſaamens, und um Köorner oder Wurzelwerk darauf zu verfuͤttern. Auf dieſes Bret werden die doppelten mit einander verbundenen Rauffen geſetzt. Dieſe ſtehen unten ungefaͤhr 12 Zoll, oben aber nur 9 Zoll auseinander, ſo daß ſie ſich ſchraͤg nach innen neigen, daß alſo bei dem Herausziehen des Futters den Schafen nichts in den Pelz falle, und ſie bei dieſer Stellung auch nicht wohl eines dem andern uͤber den Kopf weg⸗ freſſen, noch weniger aber auf die Rauffen auf⸗ ſpringen, und darauf herumlaufen koͤnnen, was bei den oben weiter abſtehenden Rauffen nur durch uͤberlegte Deckel zu verhindern iſt. Dieſe doppelte Rauffe kann nun in die Hoͤhe gehoben und erhalten werden, mittelſt der auf jeder Seite ſtehenden Pfoſten. An dieſe wird naͤmlich die Rauffe mittelſt durchge⸗ ſtochener Pfloͤcke aufgehangen; ſo daß ſie ge⸗ nugſam uͤber das untere Bret oder Krippe er⸗ hoben wird, wenn darauf Koͤrner oder Wur⸗ zelwerk gegeben werden ſoll. 107 Dieſe Rauffen konnen dann mit ihrem Geſtelle bis auf die feſtſtehenden Pfoſten weg⸗ genommen werden, wenn ausgemiſtet werden ſoll, oder man kann ſie hoher ſtellen, wenn der Niſt ſich auf dem Boden anhäuft. §. 23 Der Vorhof. Ein umzsumter mit Bäumen umgebener trockner Vorhof an der Suͤdſeite des Stalles, in welchem die Schafe nach ihrem Gefallen um⸗ herlaufen und in den Stall aus⸗ und eingehen konnen, iſt ein zu ihrer Geſundheit weſentli⸗ ches Erforderniß. Er muß durch Einſtreuung trocken und rein erhalten werden. Wenn es mit Sicherheit von außen geſchehen kann, laͤßt man ſie auch des Rachts darin ſeyn, wenn ſie wollen. Auch koͤnnen ſie bei trockner Witte⸗ rung darin gefuttert werden. Beim Auflegen des Futters im Stalle treibt man ſie in dieſen Hof, um ſie nicht zu beſtauben. Beſonders empſfehlungswerth iſt indeſſen die Einrichtung eines in der Mitte von einer Giebelſeite zur andern durchſchornen Stalles, deſſen eine nordliche Haͤlfte mit Waͤnden um⸗ geben, deſſen andere ſudliche aber nur auf Pfeilern ruhet und an drei Seiten offen iſt⸗ Beide ſtehen durch ein oder mehrere Thore in Komunikation, und die Schafe konnen ſich in 108 den verſchloſſenen oder offenen Theil hinbegeben, wie ſie wollen. Bei milderer Witterung wer⸗ den ſie in dem offenen gefuͤttert. Eine Ein⸗ richtung, die der Durchlauchtigſte Herzog von Hollſtein Beck in ſeinem Verſuche über die ſpaniſche Schafzucht in Preußen 1800 beſchreibt und abbildet, und die nichts wider ſich hat, als daß doch das Gebaͤlke und der Boden doppelt ſo groß als hei einem einfachen Stalle ſeyn muß, folglich koſtbar iſt. Auch hat Herr Prof. Sturm in Fena den Vorſchlag gethan, nur an der Rordſeite eine volle Wand auſzufuͤhren, an den andern Sei⸗ ten aber nur Pfeiler, zwiſchen welchen Breter nach Gefallen eingeſchoben und herausgenom⸗ men werden koͤnnen, um den Stall nach Ge⸗ fallen mehr oder weniger zu verſchließen oder zum ofſenen Schoppen zu machen. §. 24. Der Hordenſchlag. Die Einrichtung des Hordenſchlages, wel⸗ che ich als bekannt annehme, iſt da, wo man ſehr abgelegene oder bergige mit dem Duͤnger⸗ wagen ſchwer zu erreichende Felder zu duͤngen hat, und beſonders wenn die Schafweide in deren Nachbarſchaft, dagegen vom Wirthſchafts⸗ hofe ſehr entſernt liegt, ſo wie auch da, wo es 109 an genugſamer Einſtreuung fuͤr die Sommer⸗ nächte fehlt, eine ſo bequeme Einrichtung, daß man ihn in ſolchen Faͤllen ohne Zweifel beibe⸗ halten oder einfuͤhren muß. Den Schafen an ſich aber iſt dieſes widernatuͤrliche naͤchtliche Einſperren in einem ſehr engen offenen Raum, wo ſie oſt ungeſtuͤme Witterung befaͤllt, kei⸗ nesweges vortheilhaft, ſondern kann ihnen Krankheiten zuziehen. Es giebt Schafarten, die es durchaus nicht ertragen, obwohl ſie bei freier Bewegung ſehr gut die Nacht außer dem Stalle zubringen; jedoch gehoören die Merinos nicht zu dieſen Arten. Ferner iſt es immer mit Verunreinigung der Wolle verbunden, wenn die Schaſe auf dem gepflugten naſſen Boden liegen. Deshalb iſt das Horden von vielen Beſitzern edler Schäfereien durchaus verworfen. In Hinſicht der Duͤngung iſt die Wirkung des Hordenſchlags auf die erſte Frucht, wegen der ſchnellen Aufloslichkeit des Pferch⸗ düngers, groß, und was allerdings in Betracht kommt, ſie erfolgt oder giebt ihr Produkt in der Regel ein Jahr fruͤher als der Stallduͤnger. Dagegen iſt das Ganze der Wirkung, ver⸗ moge der zweckmaͤßigen Verbindung mit der Einſtreuung ohne allen Zweifel bei dem Stall⸗ duͤnger größer. 2½. Beſtand einer Schaͤferei. Eine vollſtändige Schäferei beſtehet, falls die verſchiedenen Haufen nicht etwa auf ver⸗ ſchiedenen Vorwerken gehalten werden(was bei großen Schaͤfereien und auf großen Gutern oft rathſam iſt): 1) aus dem Mutterhaufen; 2) aus dem Hammelhaufen, wobei gewohn⸗ lich die Boͤcke ſind; 3) aus dem Jaͤhrlingshaufen; 4) aus dem Laͤmmerhaufen, der aber nur im Sommer abgeſondert zu ſeyn pflegt, indem bei der Einwinterung die Lämmer vom vorigen Winter zu den Fährlingen kommen; 6) aus dem Fetthaufen, wenn man ſich mit * Maſtung oder Fettwerden derſelben beſaßt. 1) Im Mutterhaufen werden die Schafe nach dem Alter unterſchieden und ſo in das Regiſter eingetragen. Es giebt folglich darin: a) alte oder uͤberſätzige Schafe; b) vollſaͤtzige oder Achtſchauflerz c) Sechsſchaufler; d) Vierſchaufler oder Zeitſchafe. Bei der Einwinterung werden ſie nun ſchon in die Klaſſe geſtellt, in welche ſie genau genom⸗ men, ihrem Alter und Zahnen nach, erſt im 111 künftigen Sommer kommen ſollen. Die Laͤm⸗ mer naͤmlich, welche im Winter 1809 zur Welt kommen, ſind ſchon als Jährlinge im Herbſte eingezählt, und als ſolche durch den Winter von 18075 gebracht worden. In den Winter von 180 17 werden ſie nun— wenigſtens ge⸗ ſchieht dies in der Regel— als ſolche, die be⸗ deckt werden ſollen, oder als Vierſchaufler ein⸗ gebracht, obwohl ſie wirklich erſt mit zwei Zähnen gewechſelt haben. Und ſo verhaͤlt es ſich dann auch mit den uͤbrigen Klaſſen. Ue⸗ berdem aber werden bei einer progreſſiven Schaͤferei die Muͤtter nach ihren verſchiedenen Generationen, die durch ihre Zeichen erkannt werden, unterſchieden und in das Regiſter ein⸗ getragen: die vollig edlen, die Zter, 4ter, Zter⸗ 2ter und iſter Generation. Man zeichnet alſo z. B. an: ueberſaͤtzige Schafe Fter Generation 33 Vollſätzige Schafe Edle 4 Ster Generation 40„ dter„ „Zter“ Generation 40 ſter Auf eben dieſe Weiſe die Sechs⸗ und Vier⸗ zaͤhner. Die Abzaͤhlung und Muſterung der Schafe wird in der Regel jaͤhrlich dreimal vorgenom⸗ men: ¹) bei der Einwinterung, wobei das Brack⸗ vieh ausgeſchloſſen wird; 2) im Fruͤhjahr, wenn die Winterfuͤtterung großtentheils aufhoͤrt, wobei das nach der Schur auszuſchießende Maͤrzvieh beſtimmt wird, 3) bei der Schur. Es wird alſo auch das Regiſter dreimal angeſertigt, oder die Stuͤckzahl jedes Hauſens und jeder Klaſſe angezeigt. Einige halten mo⸗ natlich eine ſolche Ueberſicht. Dies iſt jedoch nicht ndthig, wenn nur monatlich oder wöchent⸗ lich jede bei der Schaͤferei vorgefallene Verän⸗ derung, jeder Abgang oder Zuwachs notirt wird. Der Winterbeſtand einer Schaferei wird fuͤr den permanenten angenommen. Im Som⸗ mer hat ſich durch die Laͤmmer die Zahl im⸗ mer vermehrt; ſie kommt dann aber durch den Abgang und die Ausmerzung des Viehes hei der Einwinterung zu ihrem beſtimmten Be⸗ ſtande zuruͤck. Bei einer Schaͤferei von 1000 113 Stuͤck uͤber Winter muß wenigſtens auf 1300 Stuͤck Weide vorhanden ſeyn. F. 26. Der Schaͤfer. Bei einer großen Schaͤferei unterſcheidet man den Schafmeiſter, welcher die Auf⸗ ſicht uͤber das Ganze fuͤhrt, und den man dafuͤr verantwortlich macht; den Meiſter⸗oder Schaf⸗ knecht, welcher die Mutterſchafe beſorgt; den Hammelknecht; den Jährlingsknecht; den Läm⸗ merknecht oder Jungen. Die Schäfer wollen unter ſich in den mei⸗ ſten Laͤndern eine Zunſt ausmachen, die aber mei⸗ nes Wiſſens nirgends ein excluſives Privilegium hat. Sie nennen ſich gelernte Schäͤfer, und muͤſſen ihre Stufen vom Lehrjungen zum Ge⸗ ſellen und zum Meiſter durchgehen und ſich den Handwerksgebräuchen unterwerfen, wenn ſie zunftmaͤßig ſeyn wollen. Dieſe Schaͤfer ſind aber groͤßtentheils nicht belehrt, ſondern nur abgerichtet. Sie ſind voll von Vorurtheilen und Aberglauben, und be⸗ ſtehen auf die ihnen eingeprägten Meinungen mit Hartnaͤckigkeit und mit dem gewöhnlichen Handwerksſtolze. Ihr Sinn iſt verſtockt gegen die augenſcheinlichſten Wahrheiten. Sie han⸗ H * 114 gen unter einander zuſammen, und ſuchen ge⸗ wiſſe Praͤtenſionen geltend zu machen; vereini⸗ gen ſich gegen dasjenige Ritglied ihrer Zunft, welches darin nachgiebt, verheimlichen und be⸗ maͤnteln die Fehler und Unterſchleife, ſogenannte Faffeleien, welche einer von ihnen macht, und richten ihre Ausſagen nach dem Zunftgeiſte ein. Allerdings giebt es Ausnahmen, und es finden ſich unter den gelernten Schaͤfern ſehr verſtändige und rechtliche Leute, die dann⸗ weil ſie von Kindheit an— denn häufig ver⸗ erbt ſich dieſer Stand— mit Schafen umge⸗ gangen ſind, eine Vorliebe dafür bekommen haben, auch phyſiſch an die Lebensart eines Schaͤfers gewohnt ſind, Vorzuͤge vor andern, ſonſt richtig belehrten Schafern haben konnen⸗ Ein verſtaͤndiger Schaͤfer kann ein gelernter Schaͤfer ſeyn, aber ein gelernter Schaͤfer iſt darum kein verſtaͤndiger. In Laͤndern, wo ein unterſchied zwiſchen Rein⸗ und Schmierſchaͤſe⸗ rei gemacht wird, iſt es ein ſicheres Merkmal der Untauglichkeit eines Schäfers, wenn er auf dieſen Unterſchied hält, keine Kenntniß von der Ratur der Raͤude hat, die aͤußern Mittel dage⸗ gen nicht kennt, und gegen deren fleißige An⸗ wendung, weil er ein reiner Schaͤfer ſey, Wi⸗ derwillen bezeigt. Wenn er hierin aber un⸗ terrichtet und willig iſt, ſo kann man ſchon mehreres Zutrauen zu ihm faſſen. 215 Man hat ſchon oft den Vorſchlag, Scha⸗ ferſchulen zu errichten, gethan, und er iſt auch wirklich ausgefuͤhrt. Dieſe Inſtitute ſind äber zu klein und zu ſelten, um uns genugſam mit wirklich unterrichteten Schaͤfern zu verſorgen. Es bleibt alſo, wo die Zunftſchaͤfer nicht tau— gen, haͤufig kein anderes Mittel uͤbrig, als ei⸗ nen dazu tauglichen jungen Menſchen entwe⸗ der ſelbſt anzuziehen, oder ihn in einer mu⸗ ſterhaſt betriebenen Schaͤferei anlernen zu laſſen. Vormals beſtand die Loͤhnung der Schaͤ⸗ fer, außer dem Deputat, hauptſaͤchlich darin⸗ daß ſie ihr eigenes Weh nach einer gewiſſen Proportion in die Herde brachten, und daſſelbe ausſchließlich benutzten; man nannte das Sas⸗ ſchäferei im eigentlichen Verſtande. Die großen Rachtheile dieſer Einrichtung waren längſt an⸗ erkannt, ohne daß man ſich davon losmachen konnte, weil die Zunftſchaͤfer, die den hoͤchſten Portheil davon hatten, ſich weigerten, auf eine andere Weiſe zu dienen. Sie iſt deshalb in den Preußiſchen Staaten durchaus verboten, und den Schaͤfereibeſitzern bei nahmhafter Strafe unterſagt worden; dem ſich dann die Schaͤfer zu unterwerfen gezwungen waren. In die Stelle dieſer Einrichtung hat man eine andere geſetzt, wo der Schaͤfer zwar kein beſonderes Vieh hält, aber dennöch einen be⸗ 5 2 116 ſtimmten Antheil an der Herde hat, den er bei ſeinem Antritt nach der Taxe baar bezahlt, in dieſer Proportion die Nutzung genießt, und den er nach demſelben PVerhaͤltniſſe bei ſeinem Ab⸗ gange, zufolge einer abermaligen Taxation der Herde, wieder bezahlt erhält. Hierbei wird freilich vieles vermieden, was bei dem beſon⸗ deren Schaͤfervieh hoͤchſt nachtheilig war, und es wird ihr Vortheil mit dem Portheile des Ganzen verſchmolzen. Aber wo eine progreſſi⸗ ve Veredlung der Herde bezweckt wird, hat auch dieſe Einrichtung viel Unangenehmes, in⸗ dem der Schaͤfer den erſorderlichen Aufwand zu ſeinem Antheile nicht wird uͤbernehmen wollen oder können, man uberhaupt in neuen Einrichtungen von ihm abhangig iſt, oder we⸗ nigſtens ſeine Unzufriedenheit verſpürt, und die verſchiedenen Taxationen beim Antritte und Abgange weitlaͤuftig ſind, und mehrentheils zum Nachtheil des Beſitzers ausfallen. Es iſt desholb rathſamer, keinen Einkauf zu verlangen, ſondern dem Schaͤfer nur eine Quote vom Ertrage der Schaͤſerei zu beſtim⸗ men, die denn natuͤrlich geringer iſt, als wenn er ſich wirklich eingekauft hätte. Die außeror⸗ dentlichen Koſten, die bei der Schaͤferei vor⸗ fallen, das Kornfutter, das Salz, bezahlt dann der Schaͤfer zu ſeinem Ancheile mit, und ge⸗ wohnlich wird nur Heu und Stroh nebſt Weide 117 von dem Eigenthuͤmer allein gegeben. Hier⸗ durch wird dennoch das Fntereſſe des Schäfers mit dem des Herrn verbunden, ungeachtet die⸗ ſer alleiniger Eigenthuͤmer der Herde bleibt. Wer aber ſelbſt eine genaue Aufſicht uͤber ſeine Schäferei führen⸗ und ſich die Schaͤfer anziehen will, der wird ſich bei Lohnknechten am beſten ſtehen, die er jedoch gut ſetzen muß. Ihnen einige Emolumente zukommen zu laſſen⸗ bleibt immer rathſam, um durch ihr Intereſſe ihre Aufmerkſamkeit mehr zu erregen, und ſie auf beſondere Punkte zu richten. So iſt es, beſonders bei einer edlen und progreſſiven Schaͤferei, zweckmaͤßig, ihnen fuͤr jedes zur Einwinterung kommende Lamm etwas zuzuſi⸗ chern, indem das Aufkommen der Laͤmmer vor⸗ zuglich von der Aufmerkſamkeit und dem Fleiße des Schäfers abhaͤngt. Eine richtige Ablieferung und Unterſu⸗ chung der Sterbefelle iſt zur Kontrollirung der Schaͤfer beſonders nothig. Das Ohrenzeichen muß nachgeſehen werden, damit nicht etwa ein edles Lamm gegen ein ſchlechteres ausgetauſcht werden konne. Ferner iſt auf vorzuͤgliche Bocke eine beſondere Aufmerkſamkeit gegen die Spring⸗ zeit zu richten, damit ſie nicht zum Beſpringen fremder Schafe— wie dies ſo oft auf abge⸗ legenen Vorwerken geſchehen iſt— gebraucht werden. 118 Ein Schaͤferhund iſt da, wo die Herde durch Feldwege und zwiſchen Feldern hindurch sefuhrt werden muß, zwar nothwendig. Er muß aber ſehr gut dreſſirt ſeyn, die Schaſe nicht beunruhigen, nicht beißen, und nur im Nothfall gebraucht werden. Sonſt kann er großen Schaden thun, indem er die Schaſe un⸗ ndthiger Weiſe jagt, in der Weide ſtort, und ſie in beſtaͤndiger Angſt erhaͤlt; ſo daß ein bo⸗ ſer ungebändigter Hund zuweilen die einzige Urſach des Herunterkommens einer Herde ge⸗ weſen iſt. Mit Huͤlfe eines guten Leithammels bedarf es zuweilen, wenn die Schafe in gut gelegenen Koppeln geweidet werden, gar keines Hundes⸗ §. 27. Die Waſche. Es wuͤrde ohne Zweifel fur die Producen⸗ ten der Wolle ſowohl, als fuͤr die Kaͤufer am ſicherſten ſeyn, wenn die Wäſche, wie in Spa⸗ nien, Frankreich, Italien, England, erſt nach der Schur geſchähe. Dieſe Waſche kann allein grundlich und gleichmäßig ſeyn. Das Fließ verliert aber allerdings betraͤchtlich mehr an ſeinem Gewichte, als durch die unvollkommene Waͤſche auf dem Leibe der Thiere. Sie muß alſo von dem Käufer in dem Beryaͤltniſſe theu⸗ rer bezahlt werden, weil ihm dieſe Reinigung 119 nachher zu guten kommt. Jetzt bleibt es fur den Kaͤufer ſowohl, als fuͤr den Perkäufer⸗ etwas ungewiſſes, wie viel eigentliche Wolle und wie viel Schmutz in einem Ballen ſey. Freilich ſehen die Kaͤufer auf eine gute Pelzwaͤſche und bezahlen darnach die Wolle theurer⸗ Es fragt ſich aber doch, ob der Verkäuſer ſich nicht beſſer ſtehe, wenn er ſehr oberflächlich und in weni⸗ ger ſeifartigem Waſſer waͤſcht. Bei der Verſchiedenheit der Waſche auf dem Pelze bleibt der Werth der Wolle und das Gewicht der Fließe immer etwas ſchwan⸗ kendes. Genau läßt ſichs nur beſtimmen, was ein Schaf an Wolle getragen habe, und was der Preis eines Steins ſeyn muͤſſe, wenn die Wolle vollig rein, oder ſo wie die im Handel kommende ſpaniſche iſt. Es hat ferner einen ublen Einfluß auf die Guͤte und Schmeidigkeit der Wolle, wenn durch die kalte Näſſe die Hautabſonderung vor der Schur unterdruckt und zuruͤckgetrieben wird. Man weiß, daß die Spanier dagegen ihre Schafe vor der Schur enge einſperen, und da⸗ durch in einen heftigen Schweiß verſetzen. Daß dieſes der Geſundheit der Schafe nachtheilig ſey, und daß einige auf der Stelle davon ſter⸗ ben, geſtehen ſie ein; aber ſie halten es in Hinſicht des Werthes der Wolle doch fuͤr nb⸗ thig. Waͤren ſie hievon nicht durch Erfahrung 120 uͤberzeugt, ſo wuͤrden ſie dieſe widernatuͤrliche Behandlung langſt aufgegeben haben. Ich will nun zwar dieſe Schwitzſtaͤlle(Sudaderos) in unſerem Klima, wo ſie wegen der nachherigen Erkaͤltung noch uͤblere Folgen haben konnten, nicht zur Rachahmung empfehlen; aber ein gerade entgegengeſetztes Verfahren kann doch nicht vortheilhaft ſeyn, wenn wir unſere Wolle der ſpaniſchen, ſo nahe als moͤglich bringen wollen. Endlich iſt die Waͤſche auf dem Leibe des Thiers, die wegen der zeitig genug vor dem Wollmarkte zu vollfuͤhrenden Schur, oft bei ſehr ungunſtiger Witterung vorgenommen wer⸗ den muß, der Geſundheit der Thiere offenbar hoͤchſt nachtheilig. Einige krepiren unmittelbar dabei, andere krankeln lange darnach. Indeſſen muͤſſen wir unſere Schafe bis jetzt wegen des Mangels der Waſchanſtalten und wegen des Verhaͤltniſſes, worin wir mit den Wollkaͤufern ſtehen, der Pelzwäſche unter⸗ werfen. Einige, die ihre Wolle mit erhebli⸗ chem Verluſte an Gewicht, gewaſchen und feil geboten haben, erhielten jenen durch hoͤheren Preis bei weitem nicht erſetzt, indem die Kaͤu⸗ fer mit dieſer Waͤſche nicht zufrieden waren, und ſie für ganz unnutz erklärten. Indeſſen ſcheint mir die Sache mehrere Aufmerkſamkeit zu verdienen, und ich bin uberzeugt, daß man 121 ſich nach einiger Zeit, nachdem gehdrige Waſch⸗ anſtalten eingerichtet worden, wundern werde, wie man ſo lange bei der Pelzwäſche bleiben konnte. Die Pelzwäſche geſchiehet auf zweierlei rt, jedoch nach mehreren Modifikationen. Man waͤſcht naͤmlich die Schafe, indem der Waäſcher oder die Waͤſcherin im Waſſer ſtehend⸗ ſie bis an den Hals untertaucht, feſthaͤlt, dann druͤckt und reibt, bis ſie rein genug ſcheinen, und ſie darauf wieder an das Ufer ſetzt⸗ oder aber man ſchwemmt ſie durch. In letzterem Falle wird ein Weg durch das Waſſer von etwa 30 Schritt und 4 bis 5 Fuß breit— wenn es ein ſchmaler Bach iſt, ſchraͤg— mit Stangen und Pfählen ausgeſteckt, damit die Schaſe auf demſelben bleiben, und nicht zur Seite ſchwimmen konnen. An dieſem Schwemm⸗ wege werden Leute hingeſtellt, die den Scha⸗ ſen forthelfen, im Porbeigehen ihnen den Pelz druͤcken, und verhuͤten, daß keins ertrinke⸗ Gewbhnlich geſchiehet dieſes Schwemmen zwei⸗ mal, zuweilen ſogar dreimal; das erſtere Mal laßt man ſie ſchnell durchgehen, um den Schmutz zu erweichen, das zweite Mal langſam, in⸗ dem man ſie aufhält, druͤckt und reibt, damit der Schmutz aus der Wolle herausgebracht werde. 122 Zuweilen werden beide Methoden mit einander verbunden. Man waͤſcht die Schafe erſt in einem ſehr weichen, ſeifenartigen, viel⸗ leicht nicht ſehr klaren Waſſer, und läßt ſie dann durch ein klares Fließwaſſer zum Abſpuͤ⸗ len durchſchwemmen. Es giebt Waſſer, welche die Wolle vorzuͤglich rein und weiß machen⸗ Ein Pfuhl auf der Moͤgeliner Feldmark war als ein ſolches laͤngſt in der ganzen Gegend beruhmt, und die benachbarten Schäfereien be⸗ dienten ſich der Erlaubniß, darin zu waſchen ſo viel als moglich. Dies erregte unſere Auf⸗ merkſamkeit genug, um das Waſſer einer che⸗ miſchen Unterſuchung zu unterwerfen. Der Proſeſſor Crome fand eine betraͤchtliche Men⸗ ge Kali darin. Wir waren nur einen Augen⸗ blick zweifelhaft, wo dieſes herkommen konne⸗ und uͤberzeugten uns bald, daß es nur von dem haͤufigen Waſchen der Schafe ſelbſt in die⸗ ſem Pfuhle ſich abgeſetzt habe, da der Schweiß der Schafe nach Vauquelins Unterſuchung vie⸗ les Kali enthält. Da der Pfuhl keinen Ab⸗ fluß hat, und das Kali mit dem Waſſer nicht verdunſten kann, ſo muß es ſich bei den vielen Schafwäſchen immer darin anhaͤufen und con⸗ centriren; das Waſſer folglich in Verbindung mit der Fettigkeit immer ſeifenartiger werden. Es iſt daher auch an andern Hrten moͤglich⸗ ſich in einem nicht zu großen Pfuhl ein ſolches 123 ausgezeichnetes Waſſer zur Schafwaͤſche zu ver⸗ ſchaffen.(Vergl. Annglen des Ackerbaues 1809, aten Bd. S. 390.) Nach der immer ſchwaͤchenden Waͤſche muͤſſen die Schafe mit Vorſicht behandelt wer— den. Bei gutem warmen Wefter waͤhlt man eine recht graſige jedoch weder feuchte noch ſtaubige Weide fuͤr ſie aus. Bei naſſem und kaltem Wetter, welches man indeſſen ſo viel moglich bei der Waͤſche vermeiden muß, muͤſſen ſie in ſtark geſtreueten jedoch luftigen Ställen erhalten, und daſelbſt mit gruͤnem Futter, auch mit Getreide kraͤftig genährt werden, wobei dann aber die Verunreinung der Pelze mog⸗ lichſt zu vermeiden iſt. Die Hordung findet natürlich in dieſem Zuſtande nicht ſtatt. Es iſt gewiß in jeder Hinſicht ſehr rath⸗ ſam, den Pelz vor der Schur nicht nur vollig trocken werden, ſondern auch die Ausduͤnſtung der Schafe wieder eintreten zu laſſen. Die Geſundheit der Thiere muß ſich von der erſten Schwaͤchung derſelben wieder erholt haben, be⸗ vor ſie die zweite erdulden. Insbeſondere ver⸗ beſſert ſich aber die Wolle in ihrer Feitigkeit und in ihrem Gewichte, wenn ſie von dem in dieſer Jahreszeit am ſtärkſten ausbrechenden Schweiße innig durchdrungen wird, und na⸗ hert ſich darin der ſpaniſchen Wolle mehr. Mindeſtens muͤßte man mit der Schur acht 124 Tage nach der Wäſche, beſſer aber vierzehn Ta⸗ ge warten, wobei freilich alle Vorſicht zur Reinernaltung anzuwenden iſt. 5 28. Die Wollſchur. Bei der feinen Merinowolle, wovon hier die Rede iſt, kann wohl die Frage uͤber ein oder zweimaliges Scheeren nicht mehr eintre⸗ ten, obwohl es bei grober Wolle zuweilen rath⸗ ſam ſeyn kann, zweimal zu ſcheeren; beſonders wenn die kurze Wolle von den Hutmachern ge⸗ ſucht wird, und die daran gewohnten Schafe ihre Wolle ſonſt von ſelbſt abwerfen. Sonſt leiden immer die Schaſe durch doppelte Schur, deren eine dann zu fruͤh, die andere zu ſpaͤt vorgenommen werden muß⸗ Die Manipulation des Scheerens läßt ſich durch Worte nicht wohl lehren. Die Schaf⸗ ſcheerer ſind an verſchiedene Handgriffe dabei gewoͤhnt, die vielleicht nicht ganz gleichgultig ſind, die aber nicht wohl abgeändert werden durfen, als wenn ein darin geuͤbter Mann es ſinnlich zeigen kann, wie man es beſſes mache. Es kommt vor allen darauf an, daß die Wolle nicht an der Haut und gleichmaͤßig abgeſcho⸗ ren werde, und daß beſonders zwiſchen zwei Schnitten nicht ein längerer Streifen ſtehen bleibe, wie geſchiehet, wenn die Schnitte zu 125 breit genommen werden; dann, daß man die Haut der Schaſe nicht verletze. Eine Ver⸗ letzung wird am beſten durch eine aus Kohlen⸗ ſtaub und Oehl gemachte Salbe geheilt. Gewöhnlich wird das Schaſſcheeren ſtuck⸗ weiſe bezahlt. In einigen Gegenden thun es Männer, in andern Weiber. Ein fleißiger Schee⸗ rer ſcheert zwanzig Stück in einem Tage, und er⸗ haͤlt fuͤr das Stuͤck vier bis ſechs Pfennige. Es iſt große Aufmerkſamkeit dabei nothig, die man am beſten dem Schäfer, wenn er bei der Woll⸗ ſchur ſelbſt intereſſirt iſt, uͤberläͤßt. Ihn ſelbſt hält man aber wieder unter Aufſicht. Nach der Schur muſſen die Schafe mit Sorgfalt behandelt, gegen naſſe Kaͤlte und ge⸗ gen zu ſtarke Hitze durch das Eintreiben in luftige Ställe ſo viel möglich geſchuszt und reich⸗ lich genaͤhrt werden. Letzteres hat auf einen dichten Wollanſatz vielen Einfluß. Der Pferch muß wenigſtens vierzehn Tage eingeſtellt wer⸗ den, wenn die Witterung nicht ſehr guͤnſtig iſt. Bocke, Hammel, Muͤtter und Jaͤhrlinge pflegt man jede beſonders zu ſcheeren und ihre Wolle abzuſondern. Wenn aber eine Herde, Schafe von wirklich verſchiedener Feinheit ent⸗ hält, ſo werden auch dieſe abgeſondert. Ob nun ſerner eine Sortirung der Wolle nach der verſchiedenen Feinheit, die ſie auf den verſchiedenen Theilen des Koͤrpers zu haben 126 pflegt, vorzunehmen ſey, kommt auf die Ver⸗ häniſſe an, worin man mit den Käaͤufern ſtehet. Einige ſuchen bloß Wolle einer Art, und nur die ſuperfeine; ondere wiſſen ſie ſaͤmmtlich zu benutzen, und verrichten das Sortiren lieber ſelbſt, da ſie oft die Fina⸗Sorte unter die Re fina zum Theil mitnehmen koͤnnen. In Spanien geſchiehet dieſe Wollabſon⸗ derung in der Regel. Die Refina wird un⸗ vermiſcht zu den feinſten Tuͤchern genommen. Mitteltuͤcher werden aus der zweiten Sorte oder Fina gemacht. Die dritte und vierte wird zu anderen Wollfabrikaten gebraucht; ubertrifft indeſſen unſere Landwolle noch betraͤchtlich an Feinheit. Die ausſortirte Wolle der erſten Art ſteht natuͤrlich in hoherem Preiſe, als wenn das ganze Fließ zuſammen eingeſchlagen und ge⸗ wogen wird. Wenn daher vom Preiſe der Wolle die Rede iſt, wonach manche den Werth und die Feinheit der Schaͤfereien allein beur⸗ theilen— obgleich er auch viel von Handels⸗ Fonjunkturen abhaͤngt— ſo muß man beſonders fragen, ob es ſortirte odet unſortirte Wolle geweſen ſey. Monche Schaͤferei⸗Beſttzer und Verwalter geben den Preis, den ſie fuͤr die Ruͤckenwolle erhalten haben, als Durchſchnitts⸗ preis an. Und wenn vom Preiſe der national ſpaniſchen Wolle geſprochen wird, ſo iſt jene 27 ſuperfeine und zwar nach der Schur gewaſche⸗ ne zu verſtehen. Gewbhnlich werden bei uns die unzerriſſe⸗ nen Pelze zu 8, 10 bis 11 Stuͤck, gewohnlich ſo viele als auf einen Stein von 22 Pfund gehen, uͤbereinander gelegt, zuſammengeſchla⸗ gen, und die kurze reine Wolle der dritten und vierten Sorte eingelegt, die ſchmutzige jedoch zuruͤckgelaſſen. Jedes Bund wird dann mit dünnen Bindfaden zuſammengeſchnürt. In an⸗ dern Schäfereien wird ſie nicht gebunden, ſon⸗ dern ohne dieß in die Wollſaͤcke geſtopft. Das Gewicht der Wolle eines Thieres iſt ſehr verſchieden, und haͤngt bei gleicher Fein⸗ heit von der Dichtigkeit und der Laͤnge der⸗ ſelben ab, dieſe aber zum Theil von der Raee, zum Theil von der Nahrung und Geſundheit der Thiere. In genau beobachteten edlen Schaͤ⸗ fereien, wo jedes Fließ beſonders gewogen und angezeichnet wird, hat man haͤufig bemerkt, daß der Wollertrag verſchiedener Individuen nicht in allen Jahren in gleichem Verhältniſſe ſtehe, und in dieſem Fahre eins, welches im vorigen Jahre weniger gab, als ein anderes, nun dieſes dagegen übertreffe. Daß ſich aber im allge⸗ meinen der Wollertrag nach der Fruchtharkeit der Weide und nach der guͤnſtigen Witterung, und beſonders nach der Reichlichkeit der Win⸗ terfüterung richte, iſt einſtimmig eniſchieden. 128 Daß die Groͤße des Korpers, beſonders die Laͤnge und Breite des Ruͤckens und Kreuzes, welche wiederum theils von der Race, theils von der Aufzucht abhaͤngen, einen großen Ein⸗ fluß auf die Menge der Wolle haben, verſteht ſich von ſelbſt. 3 Daher ſind die Angaben von dem Woll⸗ ertrage ſo ſehr verſchieden. Man muß aber bei ſolchen Angaben vor allem auf den Zuſtand Ruͤckſicht nehmen, worin ſich die Wolle befand⸗ wie ſte gewogen wurde: ob ſie naͤmlich ganz ungewaſchen in ihrem Fette oder auf dem Leibe gewaſchen, oder nach der Schur rein gewaſchen war. Die gonz ungewaſchene Wolle verliert, nach den neuern franzbſiſchen Bemerkungen, bei der vollkommenen reinen Wäſche 5zu Pro⸗ zent. Wie viel ſie bei der Pelzwaͤſche verliere, iſt nicht wohl zu beſtimmen, da dieſe mehr oder minder gruͤndlich iſt, wenigſtens aber doch 25 Prozent, und ſo viei verliert ſie dann bei der reinen Waͤſche nach der Schur weniger. Wenn die Franzoſen von dem Gewichte ihrer und der ſpaniſchen Fließe ſprechen, ſo ſind ganz un⸗ gewaſchene zu verſtehen, alls ſie nicht das Se⸗ gentheil ſagen; in Heutſchland aber auf dem Leibe gewaſchene. Das, was man in dieſem Zuſtande in gut genaͤhrten Merino⸗ Schäfereien im Durchſchnitt 129 erhalten hat, und worauf man ſich gewiſſer⸗ maßen Rechnung macht, iſt folgendes: von einem Stbre 4 bis 5 Pfd., bei einzelnen 6 bis 7 Pfd.; von einem Hammel 3 bis 32 Pfd., von einem Mutterſchafe 2 bis 22 Pfd.; von einem Jaͤhrlinge 1 ½ bis 1 ½ Pfd.; von einem Lamme 2 bis 3 Pfd. Der Ertrag der Wolle ſteigt in der Regel, bis die Schafe vollſaͤtzig ſind, und nimmt dann wieder ab. §. 29. Beurtheilung der Wolle. Man beurtheilt den Grad der Feinheit der Wolle, indem man eine Flocke von einem gewiſſen Theile auszieht, und ſie mit einer an⸗ deren, von demſelben Theile eines andern Thie⸗ res genommenen, vergleicht. Es geſchiehet am beſten, wenn man ſie auf ein ſchwarzes Stuͤck Zeug gegen einander legt. Man erwitrbt ſich darin Uebung und Augenmaaß, ſo daß es dann dieſer Gegeneinanderhaltung kaum bedarf, ja manche glauben den Grad der Feinheit ſchon durch das Gefuͤhl beſtimmen zu können. Um die Feinheit des ganzen Pelzes zu beurtheilen, muß man aber nicht bloß die Wolle der beſten 130 Theile unterſuchen, ſondern auch die der uͤbri⸗ gen mit einander vergleichen. Denn manchmal ſind ſich zwei Thiere auf den Ruͤcken in der Feinheit gleich, aber an den anderen Theilen zeigt ſich ein großer Unterſchied. Bei der Wolle dritter und vierter Art muß man be⸗ ſonders auf die Stichelhaare achten, deren Ab⸗ weſenheit den Werth, beſonders der Bocke, ſehr erhohet. Die Farbe der Wolle, die, wenn man ſie auf dem Leibe von einander ſpaltet, bei eini⸗ gen ganz weiß, bei andern gelblich ausſiehet, ſcheint gleichguͤltig; wenigſtens iſt es gewiß, daß die gelbliche nach der Wäſche eben ſo weiß werde. Einige nehmen nicht unwahrſcheinlich an, daß die gelbliche Schweißfarbe einen ho⸗ heren Geſundheitszuſtand des Thieres anzeige. Starke Kraͤuſelung der Wolle iſt eine gute Qualitat. Einige iſt aber dicht und filzig zu⸗ ſammengekraͤuſelt, und dieſe haͤlt man nicht fuͤr ſo gut, als wenn ſich nur einzelne Haare mit einander verbunden treppenartig drehen und hin und her winden. Die Elaſtizität erkennt man, wenn man eine Flocke an dem einen Ende haͤlt und an dem andern drehet, und ſie dann beim Loslaſ⸗ ſen ſchneller oder langſamer in ihre vorige Lage zuruͤckſpr ingt. Bei gewaſchener Wolle druͤckt man eine Handvoll zuſammen, und macht die 131 Hand ſchnell wieder auf, wo ſie ſich dann ſchnelt und federartig, nicht langſam, wieder ausdeh⸗ nen muß. Die Staͤrke der Wolle erkennt man, wenn man einzelne Haare, die man vergleichen will, zu zerreißen verſucht. Dieſe Elaſtizität und Stäͤrke der Wolle zuſammengenommen nennt man den Nerv derſelben. Er zeichnet die Me⸗ rino⸗Wolle von andern gleich feinen Arten aus. Die Sanftheit und Weichheit der Wolle ſtimmt wohl mehrentheils mit ihrer Feinheit uͤberein. Jedoch unterſcheiden ſie viele und ſprechen von baumwollenartiger und ſeidenar⸗ tiger Sanftheit. Der Reinheits- und Fettig⸗ keits⸗Zuſtand kann hierauf wohl einen großen Einfluß haben. Die lange Wolle hat in gleichem Gewichte und uͤbrigens gleichen Qualitaͤten einen Vorzug vor der kurzen, da ſie ſich beſſer und gleichar⸗ tiger ſpinnen laͤßt. Er iſt aber nicht ſo groß, daß man das verſuchte Ueberſtehen der Wolle ins zweite oder dritte Jahr, welches ſonſt bei den Merinos geſchehen kann, vortheilhaft ge⸗ funden hätte. Uebr gens ſieht lange Wolle auf dem Pelze nie ſo dicht aus, wie kurze, wenn ſie es auch wirklich iſt, indem ſie ſich an ihrem äußern Ende mehr ausſpreizt und bei der Be⸗ wegung des Thieres ſchwappet. i 2 Die Krankheiten der Schafe. ——— §. 30. Dispoſition des Schafs zu Krauk⸗ heiten. Da Schaf iſt wegen minderer Thaͤtigkeit ſeiner Lebensorgane allen ſchwächenden Ein⸗ fluͤſſen von außen vor andern Thieren ausge⸗ ſetzt, insbeſondere im noͤrdlichern Klima. Seine Ratur aͤußert wenige Reaction, obgleich ſeine Nerven ſehr empfindlich ſind. Und wenn auch ein Reiz irgend eine heftige Erregung in ihm hervorbringt, ſo iſt dieſe doch von kurzer Dauer, und hinterläßt eine deſto größere Schwichung der Raturkraͤfte. Daher ſind faſt alle ſeine Krankheiten paſſiver Art, und man hat bei der Fur ſelten Urſach, eine uͤberſpannte Activität herabzuſtimmen, ſondern in der Regel ſelbige zu erheben, welches indeſſen, wie bei allen ſchwachen und dabei empfindlichen Koͤrpern mit großer Vorſicht und ſtufenweiſe geſchehen muß · Feuchtigkeit— nicht ſowohl plotzliche Naͤſſe und heftige Regenſchauer, als anhaltende feuchte Luft und Nebel— insbeſondere aber ſumpfige Ausduͤnſtungen, wirken deshalb ver⸗ derblich auf die Schafe, und ziehen ihnen ſehr ſchnell die Anlage zu Krankheiten zu, die nur im erſten Grade ihrer Entwickelung durch ein entgegengeſetztes Verhalten und ſtaͤrkende, groß⸗ tentheils diaͤtetiſche Mittel gehoben werden kön⸗ nen. Eine der gewoͤhnlichſten und von ſelbſt entſtehenden Krankheiten iſt daher die folgende. 5 31. Die Faͤule oder Faulkrankheit. Es iſt dabei keine Erſcheinung, die nach mediziniſchen und chemiſchen Begriffen dieſen Namen begruͤndete. Die Krankheit iſt viel⸗ mehr eine waͤſſrige Cachexie, kommt derjenigen Krankheit gleich, welche man bei dem Men⸗ ſchen Bleichſucht nennt, und geht in Waſ⸗ ſerſucht üͤber. Das Blut verliert ſeine hoch⸗ rothe Farbe, ſeine Gerinnbarkeit, wird waͤſſrig, und bekommt das Anſehen von Fleiſchwaſſer. Die Krankheit aͤußert ſich alſo zuerſt dadurch, daß die rothen Adern im Auge an der Thraͤ⸗ nendruͤſe bleich werden, und ſo auch die Lippen und der innere Theil des Mauls. Auch die Haut verliert unter der Wolle ihre rothe Farbe. Ein ſolches Schaf nennt man anbruͤchig. Das Thier bleibt dabei gut bei Leibe, behaͤlt Freß⸗ luſt, verliert aber ſeine Munterkeit merklich, und aͤußert Schwaͤche im Widerſtande, wenn man es niederdruͤckt oder bei dem Hinterbeine faßt. Seine Wolle laͤßt ſich leicht aus der Haut ausrupfen. Ein Mutterſchaf wird dabei traͤchtig, aber im Winter nimmt die Krankheit zu; es entſtehen wäſſrige Geſchwuͤlſte, beſon⸗ ders unter der Kinnlade, die vergehen und wie⸗ derkommen. Es aͤußert dabei noch keine Merk⸗ male von empfindlichen Leiden, dann aber legt es ſich, und iſt bald todt. Bei den Mutter⸗ ſchafen erfolgt dieſe Katoſtrophe am häuſigſten bei der Geburt. Bei der Eroͤffnung findet man ſtarke Er⸗ gießungen von Waſſer in der Bruſt und dem Unterleibe. Das Blut in den Adern iſt ganz bleich, ſo wie das Fleiſch. Die Eingeweide ſind mit Waſſerblaſen beſetzt und miſtfarbig. Gewoͤhnlich findet man die Leber mit ſogenann⸗ ten Egelſchnecken(Fasciola hepatica) durch⸗ aus angefuͤllt, und faſt die ganze Subſtanz der⸗ ſelben lebendig. Indeſſen iſt das nicht be⸗ ſtändig. Man hat deshalb die Krankheit auch die Egelkrankheit genannt, dieſe Inſekten fur die urſach der Krankheit gehalten, und ihre Entſte hung dadurch erklaͤrt, daß die Schafe den Saamen derſelben an ſumpfigen Stellen 135 einnehmen. Allein dieſe Inſekten ſind den Schafen angeboren und natuͤrlich, und ſie fin⸗ den ſich auch in der Leber vollig geſunder Scha⸗ fe, wenn gleich in geringerer Menge. So wie wir aber allgemein finden, daß die, einem ge⸗ wiſſen Thiere eigenen und eingobornen In⸗ ſekten und Gewuͤrme ſich ſtaͤrker vermehren, wenn die Lebenskraft des Thieres, beſonders in den Organen, wo ſie ihren Sis baben, ge— ſchwacht iſt; ſo iſt das auch hier der Fall. Dieſe Krankheit wird— darin ſtimmen alle Beobachter uberein,— durch das Weiden an ſumpfigen Stellen erzeugt, und wenige Stun⸗ den konnen zureichend ſeyn, ſie hervor zu brin⸗ gen. Man nennt ſie daher auch das Verhu⸗ tetſeyn. Ob ſie auch von ſchimmlichtem dumpfigen Futter entſtehe, oder dieſes nur an⸗ dere Krankheiten erzeuge, mit denen man die⸗ ſe verwechſelt hat, iſt zweifelhaft. Einige ha⸗ ben ſie beſonderen Pflanzen, die an ſumpfigen Orten wachſen, beigemeſſen; der Krotenbinſe, der Raununkel u. ſ. f., aber mit Unrecht. Wie die Sumpfſtellen wirken, will ich nicht entſchei⸗ den; es iſt mir aber wahrſcheinlich, daß es durch die ſich daſelbſt entwickelnden Gaſe, wel⸗ che laͤhmend auf die Lebensorgane wirken, ge⸗ ſchehe; weswegen dieſe Stellen im Fruͤhjahr bei weitem nicht ſo gefährlich, als in der Mitie des Sommers ſind. Es iſt zu unſerem Zweck genug, wenn wir wiſſen, daß wir ſumpfige und beſchlammete Stellen aufs ſorgfaͤltigſte vermei⸗ den muͤſſen. Die Alten erklaͤrten ſie ſchon daraus, und Se⸗ neka ſagt: Oves vero, mollioris naturae, quo pro- priora tertis ferunt capita, corruptas esse non miror, cum afflatum diri aeris circa ipsam hu- mum exceperint. Die Entſtehung und Verſchlimmerung die⸗ ſer Krankheit wird durch feuchte neblige Wit⸗ terung ſehr befoͤrdert, wogegen trockene warme Witterung, hohe aromatiſche Weide den erſten Anſatz derſelben wohl zu uͤberwinden vermdgen. Die Krankheit iſt, ſobald ſie zu einem be⸗ traͤchtlichen Grade gekommen, ſo daß auch der Unaufmerkſaͤme ſie beachtet, wahrſcheinlich un⸗ heilbar. Bei ihrer erſten Entſtehung ſcheint Huͤlfe moͤglich zu ſeyn, wenn man die Herde deſto vorſichtiger nur auf hohen Weiden haͤlt, wo beſonders aromatiſche Kraͤuter, Thymian und Pimpinelle wachſen, auch, wie einige nicht ohne Wahrſcheinlichkeit vortheilhaft gefunden haben wollen, in mit Wachholder gemiſchte Buͤſche treibt, ſie bei ſchlechter Witterung im Stalle haͤlt, ihnen kraͤftiges Futter, ſelbſt et⸗ was Getreide, und vorzuglich Roßkaſtanien giebt. Die Hordung muß man ganz einſtell en. Dann macht man ihnen eine Salzlecke aus 137 Wachholderbeeren, Wermuth, Reinſarren, Kar⸗ vobenedikten, Salvey, Gentiana, Angelikawur⸗ zeln, Weidenrinde und andern bittern und aro⸗ matiſchen Kräutern, die man haben kann, mit Schroot und Salz, oder giebt ihnen davon taͤglich etwas ein, ehe ſie des Morgens aus⸗ gehen, falls ſie der Inſtinkt nicht ſelbſt daran zu lecken treibt. Wahrſcheinlich iſt das Eiſen eins der wirkſamſten Rittel gegen dieſe Krank⸗ heit, doch kenne ich keine beſtimmte damit an⸗ geſtellte Verſuche. Man koͤnnte ſein gepulver— tes und geſiebtes Eiſen zu 3— 4 Granen mit bitteren Kräutern geben, oder weinſtein⸗ ſaures Eiſen(Eiſenkugeln, die man aus der Apotheke erhält), zu 5 Gran in Waſſer aufge⸗ loſt taͤglich auf das Stuͤck, und mit der Doſis ſteigen, 14 Tage lang und 14 Tage ausgeſetzt. Iſt die Krankheit vor der Einwinterung entſchieden, ſo iſt nichts anderes zu thun, als die Thiere ſchnell fett zu machen und zu ſchlach⸗ ten, weil man durchaus keine Hoffnung hat, ſte durchzubringen. Anſteckend iſt bie Krankheit offenbar nicht, und es trifft ſich oft, daß ein Theil der Herde damit befallen iſt, ein andrer nicht. Zuweilen iſt der groͤßte Theil geſund, und nur wenige leiden an der Krankheit; und aufrichtige Schaͤ⸗ fer geſtehen es dann, daß es ſolche ſind, die das Schickſal an ſumpfige Stellen hingefuͤhrt hatte. §. 32. Die Lungenſeuche oder Lungenfäule. Die Lungenfaͤule ſcheint mir von Schaf⸗ kundigen und Thieraͤrzten mit jener Krankheit oft verwechſelt worden zu ſeyn. Denn ich ha⸗ be Beſchreibungen von Schafſterben erhalten, wobei ſich durchaus nicht die Symptome jener Waſſerſucht, ſondern aͤhnliche Erſcheinungen, wie bei der Lungenſeuche des Rindviehes und zwar mit dieſer gleichzeitig geaͤußert hatten. Dieſe Epidemie entſtand ſpaͤter, erſt im Fruͤh⸗ jahr, nachdem die Schafe im Winter ganz ge⸗ ſund geweſen waren, und man ſchob ſie auf verſchlammtes, dumpfig gewordenes Winterfut⸗ ter. Ich enthalte mich bis jetzt uͤber dieſe Krankheit mehreres zu ſagen, da ich es mit Be⸗ ſtimmtheit nicht thun kann, und erwähne ihrer nur, um Thierärzte und Schäfer darauf auf⸗ merkſam zu machen. §. 33. Die Maul⸗ und Klauenſeuche. Nach verſchiedenen Beobachtungen ſcheint mir die Maulſeuche, man auch mit dem gefaͤhr⸗ lichen Namen des Zungenkrebſes belegt, wie bei dem Rindvieh, ſo auch bei den Scha⸗ fen, in naher Verwandtſchaft mit der Klauen⸗ ſeuche zu ſtehen; indem das Uebel häufig zuerſt im Maule erſcheint, und ſich dann auf die Fuͤße wirft. Dos erſtere Uebel iſt mehrentheils von keiner großen Bedeutung, wenn es gleich die Schafe durch Schwierigkeit bei dem Freſſen zurückſetzt. Man reibt ihnen das Maul ſanſt mit einem ſtarken Aufguß von Salvey, wel⸗ chem zur Hälfte Eſſig und etwas Honig zu⸗ geſetzt iſt, aus. Freſſen die Blaſen um ſich, ſo fügt man 1 Loth Kupfer⸗ oder Zinkvitriol einem Quart dieſes Aufguſſes zu. Die Klauenſeuche iſt von uͤbleren Folgen. Man bemerkt ſie an dem Hinken der Thiere. Daß man dann zuvorderſt unterſuche, ob keine aͤußere Urſach deſſelben, ein im Fuß ſteckender Splitter, oder Dorn daran Schuld ſey, verſteht ſich. Wenn das nicht iſt, ſondern ſich an dem Huf Geſchwulſt und Hitze zeigt⸗ oder ſchon Jauche ausſchwitzt, auch mehrere Thiere zugleich damit befallen werden, ſo muß man dieſe Seuche beſorgen und die Aufmerk⸗ ſamkeit verdoppeln. Wenn die Thiere heftig leiden, oder noch beſſer wenn es zu bewirken iſt, gleich im An⸗ fange, macht man einen Umſchlag aus Sauer⸗ teig oder aus fettem Lehm mit Eſſig durchkne— tet, mittelſt eines leinenen Lappens oder kleinen Sacks, die man aber nicht zu feſt anſchnuͤren muß. Man erhaͤlt dieſen umſchlag mit Eſſig 140 feucht. Hat ſich eine ſtarke Geſchwulſt uber der Krone oder zwiſchen den Flauen hervorge⸗ hoben, die Eiter zu enthalten ſcheint, ſo dffnet man ſie mit einem ſcharfen Federmeſſer, und ſchneidet zugleich das Horn, welches ſich ge⸗ loſet hat, weg. Die Wunde wäſcht man mit einer Auflöſung von Kupfervitriol aus, und legt dann eine Salbe aus Terpentin und Ey⸗ gelb auf. Daß man die kranken Thiere in ei⸗ nem luftigen Stalle laſſe, ihnen gutes Fut⸗ ter gebe und reichlich einſtreue, verſteht ſich von ſelbſt. Hierdurch wird man der Ver⸗ ſchlimmerung des Uebels, wobei der ganze Huf nicht nur wesgehet, ſondern der Knochen ſelbſt angegriſſen wird, zuvorkommen. Dieſe Krankheit iſt nicht nur epidemiſch, ſondern wahrſcheinlich auch anſteckend, weswegen man die erkrankten Thiere wo moͤglich abſon⸗ dern muß. §. 34. Die Raͤude oder der Grind. Die Raͤude iſt gerade in den ſogenannten reinen Gegenden diejenige Krankheit, wofuͤr man ſich am meiſten fuͤrchtet, und die auch, ſo lange man ihre Ratur und Behandlung nicht kannte, die häufigſten Verbeerungen in den Schaͤfereien mancher Gegenden anrichtete. 141 Die Riude iſt offenbar anſteckend, denn ſie kann willkuhrlich bei jedem Schafe hervor⸗ gebracht werden, wenn man von der in der Raͤudepuſtel enthaltenen Materie etwas auf deſſen Haut bringt. Es entſteht auf der be⸗ ruͤhrten Stelle ſchnell eine Räudepuſtel; dieſe erzeugt in ihrer nächſten Umgebung bald mehre⸗ re, und pflanzt ſich allmaͤhlig öber die Haut des Thieres fort. Dieſe Anſteckung geſchiehet jedoch nur durch unmittelbare Beruh⸗ rung mit dem Körper des kranken Thieres ſelbſt, oder mit einem andern Gegenſtande, an welchem K die Materie friſch abgeſetzt hat. Durch die Luft oder die Ausduͤnſtung iſt die Krankheit, allen bisherigen Beobachtungen nach, nicht anſteckend. In den Raͤudepuſteln befinden ſich immer Milben(Acari) mit ihren Eyern, die allenfall ein ſcharfes Auge ſo, jedes andere aber mit einem maͤßigen Vergroßerungsglaſe bewaffnet, entdecken kann. Die Krankheit kommt in je⸗ der Ruͤckſicht der menſchlichen Krätze gleich, jedoch erregt die Krätzmaterie der Schafe keine wahre Kraͤtze bei den Menſchen und umgekehrt. Auch ſind die Milben der Schafraͤude von den Milben der Kraͤtze verſchieden. Wahrſchein⸗ lich ſind dieſe Milben die einzige hervorbrin⸗ gende Urſach der Räude wie der Kräße, obgleich andere ſie bloß als eine Folge derſelben an⸗ 442 ſehen wolllen. Man hat neuerlich genauere Verſuche daruͤber angeſtellt und beobachtet, daß keine Anſteckung geſchehe, wenn man die reine Materie, worin keine Milbe vorhanden war, auf die Haut eines geſunden Thieres brächte, dagegen die Kraͤtzpuſtel ſogleich entſtand, wenn man eine lebende Milbe dahin verpflanzte⸗ Indeſſen ſcheint es, als ob ſich dieſe Krank⸗ heit auch zuweilen von ſelbſt erzeugen könne; denn man hat Beiſpiele, daß ſie plotzlich in einer Herde bei vielen Köpfen zugleich ausge⸗ brochen ſey, ohne daß ein anderes Schaf der⸗ ſelben nahe gekommen. Man hat dies beſon⸗ ders in ſehr feuchten Sommern, die uͤberhaupt auf die Geſundheit der Schafe einen ſo nach⸗ theiligen Einfluß haben, und bei veredelten Herden, die beſonders gut genährt waren, be⸗ merkt. Dies widerlegt jedoch die Theorie der Milben als Urſache der Krankheit nicht, da neuere Beobachtungen die alte Meinung von der Erzeugung der unvollkommenen Thiere ohne Eyer beſtaͤtigt haben. Die Krankheit zeigt ſich zuerſt dadurch, daß die Schafe ſich an irgend einer Stelle des Korpers mit den Beinen kratzen, oder an einem Gegenſtande mit dem Ruͤcken reiben, und dabei eine behagliche Empfindung durch eine beſon⸗ dere Bewegung der Lippen und der Zunge durch ſogenanntes Bebbern äußern. Wenn 143 man die Stelle dann unterſucht, ſo findet man einen borkigen, näſſenden oder trocknen Aus⸗ ſchlag, der dann immer weiter um ſich greift. Die Wolle an der Stelle wird unrein, filzig, verliert ihren Glanz, oder wird abgeſtanden⸗ und umher fuͤhlt man Fndtchen in der Haut. Hierbei befindet ſich das Thier uͤbrigends noch geſund, und iſt mehrentheils noch beſonders munter. Allmaͤhlig aber leidet es an ſeinem ganzen Koͤrper, zehrt ab und ſtirbt zuletzt an Schmerz und Entkraͤftung; wenn nämlich nichts zur Hemmung des Uebels geſchieht. Wenn das Uebel fruh genug bemerkt wird, ſo iſt es mit mancherlei Mitteln leicht zu he⸗ ben, oder doch in ſeinem Fortgange zu hem⸗ men. Das gebraͤuchlichſte Mittel iſt der Ta⸗ back, in einem ſtarken Aufguſſe oder Abkochung, auf der kranken Stelle eingerieben, nachdem die trockene Borke vorher mit dem Nagel oder mit einem Inſtrumente abgerieben worden. Noch wirkſamer iſt er, wenn er von dem Schaͤfer gekauet, und der damit angeſchwaͤngerte Spei⸗ chel auf die Stelle geſpuckt und eingerieben wird. Hierdurch hemmen die Schaͤfer in man⸗ chen Gegenden den Fortgang der Krankheit einzig und allein, heilen ſie aber ſelten in der ganzen Herde vollig, und ſetzen dieſe Behand⸗ lung faſt ununterbrochen fort. Sie ſcheinen hier ein beſonderes Intereſſe dabei zu finden, indem 144 es ihnen Vergnuͤgen macht, ſich ſo mit ihren Schafen immer zu beſchaͤftigen; dann aber auch, weil ihnen zu dem Ende von dem Eigenthuͤ⸗ mer freier Taback gegeben werden muß. Nur bei nachlaͤßigen Schaͤfern nimmt hier die Krank⸗ heit uͤberhand, und man giebt dann immer dem Schäfer die Schuld. Hat ſie uͤberhand ge⸗ nommen, ſo laͤßt ſie ſich freilich durch dieſes Mittel nicht mehr bezwingen. Dieſe unvoll⸗ fommene Methode hat das Gute, daß der Scha⸗ ſer auf die Geſundheit ſeiner Schafe unauf⸗ horlich achtet, und auch eine andere entſtehende Krankheit, die Pocken, die Bleichſucht ſogleich endeckt. Man hat aber eine große Menge von Mitteln, welche gegen das Uebel, wenn es nur nicht zu ſehr uͤberhand genommen hat, und ſie gehbrig angewendet werden, ſicher und gruͤnd⸗ lich helfen. Der Tahaksabſud mit Vitriol kraͤftig und anhaltend gebraucht hülft oft radi⸗ kal. Eine Abkochung von weißem Rieswurz mit Waſſer oder Eſſig, Schwefelſalbe mit Ter⸗ pentindl, aufgelbſte Schweſelleber, Theer, Ter⸗ pentin und brenzliche Hele in verſchiedenen Zuſammenſetzungen, mancherlei Salben von —t mehr oder minder ſcharfen Queckſilberprapara⸗ ten, oder Fuflbſungen der letztern, Bleiſalben und Aufloſungen, Eiſen-Zink- und Kupfervi⸗ triol⸗Auflöſungen und mehrere andere ſchar⸗ 8. 145 fe Dinge, welche ſämmtlich auf die Toͤdtung der Milben zu wirken ſcheinen, werden mit gluͤcklichem Erfolge aͤußerlich gebraucht, wenn ſie nur, dem Grade der Krankheit nach, kraͤftig und anhaltend genug angewandt werden. In⸗ nere Mittel ſind gegen die Raͤude an ſich vollig unwirkſam, jedoch in dem Falle anzu⸗ wenden, wenn die Krankheit ſchon den allge⸗ meinen Organismus des Thiers angegriſſen und ihm eine andere Krankheit zugezogen hätte. Die Behandlungsmethode, welche Herr G. H. Walz in einer Schrift uber„die Natur und Behandlung der Schaf⸗ räude, Stuttgardt 1809“ angegeben hat, gehort unſtreitig zu den wirkſamſten. Sie beſteht in Folgendem: Das thieriſche e Hel hält der Verfaſſer fuͤr ein abſolut toͤdtliches Mittel gegen die Milben. Naͤchſt dieſem das vegeta⸗ biliſch empyreumatiſche Del, den Theer. Allein in Menge aufgebracht reizt erſteres zu heftig. Minder aber, doch ſtark, wenn es in dem Ver⸗ haͤltniſſe von 11 3 mit fettem Hele gemengt iſt. Die am zweckmaͤßigſten befundene Men⸗ gung iſt folgende: Friſch gebrannter Kalk 4 Theile durch all⸗ mähliges Waſſerzugießen zu einem BPrei ge⸗ löſcht, 3 Theile Poraſche zugeſetzt, und ſo viel 1K Rindsharn, als zur Breikonſiſtenz erforderlich iſt. Hierzu werden 6 Theile thieriſch empy⸗ reumatiſchen Hels oder ſogenanntes Hirſch⸗ horndl(ein Abfall bei Salmiakfabriken), und 3 Theile Schiffstheer gemengt. Dann wird das Ganze mit 200 Theilen Miſtjauche, und wenn es zum Einreiben gebraucht werden ſoll, mit 800 Theilen gewohnlichen Waſſers ver⸗ duͤnnt.— Dies reicht zu 500 raͤudigen Scha⸗ fen hin(es kommt an Orten, die von Sal⸗ miakfabriken und Theebrennereien nicht weit entfernt ſind, 3 bis 4 Fl. Rheinl.), um ſie ein⸗ mal an allen raͤudigen Stellen damit zu be⸗ ſtreichen. Mit dieſem Gemenge(deſſen Produkt mildes Ammonium mit thieriſch brenzlichem Oele vermiſcht und beigemengte brenzliche Kalk⸗ und Thier⸗Seife iſt) werden die borkigen Hautſtellen aufgeweicht, und hierauf alle be⸗ wollete Hautſtellen damit beſtrichen. Iſt die Wolle ſchon lang, ſo muß die Fluͤſſigkeit durch ein Stuͤck Leinwand oder Wollenzeug durchge⸗ ſeihet werden. Werden ſo behandelte Schafe 16 Tage lang vor der Einwirkung des Regens geſchüst, ſo iſt dreimaliges Befeuchten am aſten, am Zten und am 13ten Tage hinreichend. Re⸗ gen aber macht ein 4 bis 5 maliges Befeuch⸗ ten noͤthig. Das Durchſeihen der Mengung „ 6 147 vermindert die Wirkſamkeit, iſt alſo beſſer zu unterlaſſen. Sind viele raͤudige. Schafe vorhanden, ſo nimmt man auf jedes Stuͤck 2 Pfund von der Mengung ohne Waſſerzuſas; ſchafft 2 ovale holzerne Zober an, deren jeder ungefähr 600 Pfund Waſſer faßt; fullt eines davon ſo weit mit Waſſer an, daß ein Schaf bequem darin eingetaucht werden kann, und gießt hierauf von der zubereiteten Miſchung ohne Waſſer ſo viel hinein, daß das oben angegebene Verhaͤltniß un⸗ gefaͤhr herauskommt. Zwei Maͤnner greiſen dann ein räudiges Schaf, der eine beim Kopf und den Vorderfuͤfen, der andere bei den Hin⸗ terfuͤßen an, und tauchen es mit dem Ruͤcken zu unterſt ſo ein, daß es an allen bewolleten Stellen naß wird, ziehen es in die Höhe, laſſen die Feuchtigkeit ablaufen, ſchwingen es ſchnell in den nebenſtehenden leeren Zober, druͤcken die Fluͤſſigkeit mit den Haͤnden ab, wodurch ſie der Haut naͤher gebracht wird, und bemuͤ⸗ hen ſich die vorhandenen Borken auſzulockern. Vier ruͤſtige Maͤnner koͤnnen 4 bis 500 Stuͤck in einem Sommertage ſo behandeln. Sie muͤſſen die Haͤnde von Zeit in reinem kaltem Waſſer abwaſchen. k 2 Sollte es ſich zeigen, daß es das erſte Mal nicht wirkſam genug geweſen, ſo macht man es zum zweitem Male etwas ſtaͤrker. Die ſo behandelten Schafe werden in ei⸗ nen geräumigen Stall oder ſchattigen Plas gebracht, und gegen Regen ſorgfaͤltig verwahrt. Sind die Borken dicht, oder tritt nach der Behandlung ſtarker Regen ein, ſo muß die Wiederholung um ſo fruͤher geſchehen, es kann ein drei⸗ bis viermaliges Eintauchen nd⸗ thig ſeyn; ſonſt iſt ein zweimaliges, am erſten und am achten Tage, hinreichend. Sollte ſich noch etwas zeigen, ſo iſt bei einzelnen Schafen eine partielle Behandlung mit einer weniger verduͤnnten Mengung noͤthig. Die Schafe befinden ſich vorzuͤglich wohl darnach. Auch die Laͤuſe(Hippobosca ovina und Pediculus ovinus) werden dadurch ge⸗ todtet. Statt des thieriſch brenzlichten Hels, wenn es nicht zu haben iſt, kann ſchwarzes Steindl deſſen Stelle vertreten; nur muͤſſen ſtatt 6, 9 Theile genommen werden. Der Hetr Amtsrath Karbe hat bei üͤber⸗ hand genommener Krankheit ein einfacheres Mittel zureſchend gefunden. Er macht einen ſtarken Tabacks- Aufguß, und ſest 20 Ouart deſſelben 4 Pfund konzentrirte Schwefelſaͤure (Vitrioòl) zu. Es muß ſo ſcharf ſeyn, daß es, in die Haut eingerieben, Roͤthe, oder daß — 149 ein Tropfen, auf Holz getropfelt, Bläschen mache. Auf einzelne Puſteln wird, nachdem die Borke abgemacht, nur ein Tropfen ge⸗ tropfelt, großere Stellen werden mit einem Pinſel oder Buͤrſte eingerieben. Bei dieſen wirkſamen den verſchiedenen Graden der Krankheit angemeſſenen Heilmit⸗ teln kann alſo dieſe Krankheit nur Gefahr ha⸗ ben, wo man ſie im Anfange verkennt, wo man die Mittel dagegen anzuwenden verabſaͤumt, und wo das leider! in die Geſetzgebung uͤbergegan⸗ gene Vorurtheil von reinen und von Schmier⸗ ſchaͤſereien noch exiſtirt. Die Schaͤfer rechnen es ſich hier zur Schande, der Krankhrit durch Anwendung der leichten Mittel zuvor zu kom⸗ men, um nicht den Ramen der Schmierſchaͤfer zu bekommen, und verheimlichen den Ausbruch der Krankheit ſo lange als moglich. Die Ein⸗ fuͤhrung der ſpaniſchen Race, welche dieſem uebel ihres dichten Pelzes, ihres ſtarken Schwei⸗ hes und der Empfindlichkeit ihrer Haut wegen vor andern unterworfen iſt, wird jene Vorur⸗ theile bald vollig unterdruͤcken. Die Pocken. Dieſe ſind eine allgemein unter den Scha⸗ ſen verbreitete Krankheit, die ſich aberz nur 150 durch Anſteckung fortpflanzt. Einige Gegen⸗ den ſind bisher mehr wie andere derſelben aus⸗ geſetzt geweſen, aber keine iſt dafuͤr ſicher. Es bedarf hier keiner unmittelbaren Beruͤhrung, ſondern die Anſteckungsmaterie geht auch als Dunſt durch die Atmoſphaͤre von einem Koͤr per zum andern uͤber. Wie weit ihr Dunſt⸗ kreis reiche, läßt ſich noch nicht beſtimmen. Eine Herde wird ſelten auf einmal damit befallen, ſondern zuerſt nur wenige Stuͤcke, dieſe ſtecken andere an, und dieſe dann mehre⸗ re; ſo daß mehrere Monate daruͤber hingehen⸗ ehe ſie durchgegangen iſt. Zu Anfang und zu Ende pflegt die Epidemie am gelindeſten, in der Mitte am gefährlichſten zu ſeyn. Dieſe Krankheit hat mit den ordentlichen Pocken der Menſchen eine hoͤchſt auffallende Aehnlichkeit, ſo daß manche dadurch bewogen wurden, das Gift beider fuͤr gleichartig zu halten. Allein die Uebertragung deſſelben aus einem Korper in den andern hat nach gemachten Verſuchen keine Wirkung gehabt. Die Krankheit hat, wie die menſchlichen Pocken, vier Zeitraume: 1) Die Erregungsperiode, wo ſich die Materie mittelſt eines Fiebers im Koͤrper bil⸗ det. Die Thiere äußern mehr oder minder alle Merkmale einer fieberhaften Krankheit, ſie ſind matk, freſſen nicht, das Widerkaäuen hort auf, 151 ſie haben Hitze und Durſt in hoherem oder geringeren Grade. Dieſe Erſcheinungen dau⸗ ern in der Regel drei volle Tage, und nehmen mit jedem zu. 2) Die Ausbruchsperiode. Es zeigen ſich pleine Kndtchen auf der Haut, zuerſt an den nicht mit Wolle bedeckten Theilen, im Geſichte, an der innern Seite der Schenkel, dem Euter u. ſ. w.; dann aber auch an den wolligen Thei⸗ len. So wie dieſe hervorgekommen ſind, laſſen jene Zufaͤlle nach, die Thiere werden munter, und bekommen wieder Freßluſt. Geſchiehet das nicht, ſo iſt es ein Zeichen großer Bosar⸗ tigkeit und Gefahr. Die Fnbtchen wachſen in der Hoͤhe und Breite. Dieſe Periode dauert ebenfalls drei Tage. 3) Die Eiterungsperiode. Die Blattern werden nach der Ordnung, wie ſie ausgebro⸗ chen waren, weiß, zuerſt an der Spitze, dann durchaus, und fullen ſich mit fluͤſſigem Eiter. Sie ſind an ihrer Spitze, nachdem ſie ſich ge⸗ fuͤllt haben, entweder erhaben oder eingedrückt. Erſteres iſt beſſer, und zeigt mehrere Natur⸗ praͤfte an. Stehen aber die Blattern dicht, ſo bleiben ſie nicht abgeſondert, ſondern laufen in einander, und bilden eine große gemeinſchaft⸗ liche Blaſe, die manchmal ganze Stellen des Koͤrpers uͤberziehet. S 1 — Sind die Blattern nicht haͤufig und ſtehen ſie einzeln, ſo aͤußert das Thier, nachdem ſich der Eiter gebildet, nur wenige unbehagliche Empfindungen von dem Reize auf der Haut. Wenn ſie aber dicht ſtehen und zuſammenflie⸗ ßen, ſo erregt dieſer Reiz ein neues heftiges Fieber. Dieſe Periode dauert bei gutartigen und einzelnen Blattern nicht uͤber vier Tage oder bis zum ſiebenten Tage nach dem Aus⸗ bruch, und damit kann man die Krankheit als uͤberſtanden anſehen. Bei bosartigen und zu⸗ ſammenfließenden Blattern geht ſie nun aber in 4) die Abtrocknungs⸗ und Nachſchwa⸗ rungs⸗Periode uͤber. Im hoͤchſten Grade der Eiterung ſchwillt ihnen das Geſicht auf, die Augen gehen zu, es fließt ein dicker Schleim aus Naſe und dem Maul; unter der ſchwarz gewordenen Borke bildet ſich neuer Eiter oder miſtfarbige Jauche; ihre Ausduͤnſtung riecht aashaft, der Athem wird ſchwer und rochelnd. Wenn dieſe Zufälle heſtig ſind, ſo kommen die Thiere ſelten, oder im gluͤcklichſten Falle doch nur nach langem Leiden an freſſenden Geſchwuͤ⸗ ren durch, und verlieren oftmals die Augen⸗ Es hat keinen Zweifel, daß man auch im heftigen Grade der Krankheit durch ſorgfältige Verpflegung und Anwendung gerechter Mittel viel ausrichten könne. Es wuͤrde aber neben genauer Kenntniß der Krankheit und der Rittel 153 eine ununterbrochene Aufmerkſamkeit auf jedes Individuum erforderlich ſeyn, indem ein kräfti⸗ ges Mittel, welches heute von beſter Wirkung ſeyn wuͤrde, morgen bei verändertem Zuſtande der Krankheit ſehr nachtheilig wirken kann. Rur ein ausgezeichnetes Thier konnte vielleicht eine kunſtgerechte Behandlung verlohnen, die aber nur ein wahrer, mit der Natur des Schaſs bekannter Arzt zu diri Wir konnen alſo nur allgemeine Rathſchlaͤge zur Behandlung dieſer Krankheit geben, und dieſe beſtehen in folgendem. Die kranken Thiere muͤſſen ſo luftig und kühl wie moglich, ſelbſt im Winter in einer Temperatur wenig uͤber dem Gefrierpunkte⸗ gehalten werden. Wenn ſie nicht freſſen wol⸗ len, ſo muß man ſie doch zum Saufen auf alle Weiſe anreizen, auch duͤnnen Schrottrank, am beſten wohl von Malzſchrot geben. Bekommen ſie Appetit, ſo gebe man ihnen im Sommer zartes Gras und Klee, aber nicht zu viel, im Winter beſonders Ruͤben. Entdeckt man die Krankheit fruͤh in der Erregungsperiode, und ehe ſich der Ausbruch auf der Haut zeigt, ſo iſt eine gute Portion Salz⸗ worauf man ſie nach Gefallen trinkenl der Citerungs⸗und Ab dem Gehrauche der S iren vermdchte. äßt, ſehr angemeſſen. In rockungsperiode iſt von uren am meiſten zu er⸗ warten, wenn die Zufälle nicht ſo heftig ſind, t e 0 154 daß ſie das Einbringen aller Mittel zu ſchwer machen. Man troͤpfelt unter einer Portion Schrot oder Malztrank ſo viel Pitriolöl, als erforderlich iſt, ihr einen ſaͤuerlichen Geſchmack zu geben. Oft werden ſie das ſaͤuerliche Ge⸗ traͤnk gern ſaufen, und man giebt ihnen ſo viel ſie wollen. Sonſt giebt man 1½ Quentchen Vitrioldl unter 1 Quart Waſſer, thut etwas Honig hinzu, und giebt ihnen S taͤglich viermal r ein. Die unter der Borke ſtoenbe 6 in Geſchwuͤren angehaͤufte Jauche laͤßt man aus, und verbindet und beſtreicht die Stelle mit ei⸗ ner Salbe aus Eygelb und Terpentin. Dieſe Krankheit befällt die Schafe, wie die menſchlichen Pocken den Menſchen, nur ein⸗ mal, und iſt auch im gelindeſten Grade zurei⸗ chend, den Koͤrper unempfaͤnglich fuͤr neue An⸗ ſteckung zu machen. Deshalb hat man die ab⸗ ſich liche, kuͤnſtliche und drtliche Anſteckung auch bei dieſer Thierkrankheit anzuwenden angefan⸗ gen, und zwar, wenn es mit der gehdrigen Vorſicht geſchah, mit dem gluͤcklichſten Erfolge. Warum uͤberhaupt dieſe drtliche Anſteckung auf der Haut im Durchſchnitt eine weit mildere und hoͤchſt ſelten todtende Krankheit herbringe, daruͤber ſind die Meinungen noch getheilt; allein alle Erfahrungen beſtätigen es. Dazu kommt aber, daß man die Krankheit dadurch 1355 zur gunſtigſten Zeit und im guͤnſtigſten Alter erregen, ſeine ganze Aufmerkſamkeit darauf richten, ſomit die Thiere auf ihre Lebenszeit ſichern, und die Krankheit mit der Zeit vollig vertilgen konne. Die Operation iſt ſehr leicht. Man nimmt den Eiter von einem nicht zu heftig kranken Schafe, deſſen Pocken im Sten oder 6ten Tage des Ausbruchs ſtehen, und dieſen Eiter im fluͤſſigen faſt durchſichtigen Zuſtande enthalten⸗ weil er ſo nicht nur am wirkſamſten, ſondern auch am freieſten von anderer Verderbniß iſt. Man hat dieſes kranke Schaf zur Hand an dem Orte, wo die Einimpfung geſchieht, und braucht nicht zu beſorgen, daß in dem Augenblicke die Anſteckung durch die Ausdunſtung der durch den Stich zuvorkommen werde; denn dieſe wirkt ſchneller. Man nimmt ein Paar feine ſpitze Lanzetten, oder nur ein Paar an der Spitze breit geſchlagene und ſcharf geſchliffene ſtarke Raͤhnadeln, die mit ihrem Ohrende mit einem Griff, allenfalls in einem Stuͤcke Siegellack eingeſetzt ſind, zur Hand. Ein Gehuͤlſe taucht dieſe Lanzetten oder Nadeln mit der Spitze wechſelsweiſe in die aus einer gedffneten Puſtel ausfließende Jauche, und reicht ſie dem Ope⸗ rateur zu. Dieſer läͤßt ſich das zu operirende Schaf mit dem Ruͤcken auf den Tiſch legen⸗ und durch zwei Menſchen ſo halten, daß er 156 der Stelle, wo die Einimpfung geſchehen ſoll, bequem beikommen konne. Gewbhnlich hat man bisher die von Wolle enthloſten inneren Theile der Vorder- und Hinterſchnekel gewählt. Ju Anſehung der Wirkung iſt es aber gleich, welche Stelle der Haut man nimmt. Man ſtcht dann ganz flach und ſchraͤg unter der Hberhaut ein, ſo daß man die Spise durch ſel⸗ biges durchſcheinen ſieht, nur eine Linie weit, hält ſie ſo ein bischen ſtill, und ſtreicht bei dem Herausziehen den Eiter etwas an. Wenn die Spitze nur unter die Haut gebracht iſt, ſo iſt es am beſten, wenn die Wunde ſo flach iſt, daß kein Blut kommt. Es waͤre wohl ein einziger gut gemachter Stich zureichend, da er aber nicht gerathen könnte, ſo macht man ge⸗ wohnlich 2 oder 3 auf jeder Seite. Dieſe mehreren Stiche ſchaden auch nicht, und die Erfahrung hat die Meinung, daß man durch mehrere Stiche die Krankheit heftiger mache, nicht begruͤndet. Siszt noch Eiter a der Lan⸗ zette, ſo braucht man ſie nicht jedesmal friſch eintauchen zu laſſen; man ſtreicht ihn nur etwas nach der Spitze hin. Die Auswahl der Impfungsſtelle iſt noch zweifelhaft. Es entſtehen nämlich an dieſer Stelle nach uͤberſtandener Krankheit haͤufig hartnäckige um ſich greifende Geſchwuͤre, die ſogar brandig werden. Letzteres hat man jedoch 6 nur bemerkt, wenn man den Eiter zu alt oder gar die trockene Borke genommen hat, die eine brandige V Le ſchon mit ſich fuͤhrte.— Einen wolligen Theil nimmt man alſo nicht gern. In den der Vorder⸗ und Hinterbeine entſteht aber eine beſt tändige Rei 6† 1 o1) Pz„. nb ei bung, wodurch die Stelle erhitzt wird, und ein hier entſtandenes Geſchwuͤr macht den Thieren empfindliches Leiden. Einige haben daher das äußere Ende des Schwanzes zur Impſfſtelle vor⸗ geſchlagen. Wenn die Impfung hier die all⸗ gemeine Wirkung gethan habe, ſagen ſie, und das drtliche Uebel zu ſtark werde, ſo ſey die Huͤlfe, den Schwanz kuͤrzer abzuhauen, ſehr leicht. Man fuͤhrt auch ſehr gluͤckliche Er⸗ fahrungen fuͤr dieſe Methode an. Es laͤßt ſich indeſſen a priori manches gegen dieſe Me⸗ thode einwenden, und es muͤſſen noch mehrere PVerſuche entſcheiden, ob die Impfung an dieſer tendinoſen Stelle ohne Bedenken ſey, ob die ortliche Affection durch Abſchneiden des ganzen Theils ſicher gehoben werde, und ohne andere Uebel hervor zu bringen. Wäͤre dieſe Stelle nicht unbedenklich, ſo wurde ich lieber die ußern Theile des Vorder- oder Hinterſchenkels waͤh⸗ len, die Haut von der Wolle durch ein Scheer⸗ meſſer vollig entbloßen, und dann hier impfen, wo die Stelle kahl und weniger ſchmerzhaft iſt, und keine Reibung Statt findet. Der 3 158 geringe Verluſt der Wolle kann nicht in Be⸗ tracht kommen. Indem ich dieſes ſchreibe, haben mir jedoch neuere Nachrichten die Sicherheit der Schwanz⸗ inokulation beſtätigt; man hat ſogar nicht noͤthig gehabt, wegen Boͤsartigkeit des Geſchwuͤrs ſeine Zuflucht zum Abſchneiden zu nehmen. In der Negel— denn es giebt Ausnah⸗ men, wo es ſpäter erfolgt— bemerkt man am 4ten Tage deutlich eine Erhebung um die Impfſtelle oder eine formirte Puſtel, in deren Mittelpunkt ſich der Stich befindet. Dieſe be⸗ rommt dann einen rothen Rand. Am 6ſten Tage hat die Puſtel an Erhabenheit und an Umfang zugenommen, und es zeigen ſich dann mehrentheils eine oder mehrere Puſteln in der Rachbarſchaft. Es aͤußern ſich nun die Er⸗ ſcheinungen des allgemeinen Erregungsfiebers an den Thieren, und bald brechen auch an an⸗ dern Orten die Pocken aus. Zuweilen bleibt es indeſſen bei dem Lokalausbruche. Man hat bemerkt, daß je ſtaͤrker die brtliche Erregung war, deſto geringer das Leiden und der Aus⸗ bruch am uͤbrigen Korper. Brechen an dem ganzen Koͤrper Pocken aus, ſo ſind ſie doch einzeln und haben dann einen regulaͤren und gutartigen Lauf durch ihre Stadien. Selten entſtehtzEiterungsfieber. In 159 dem Zeitpunkte der Abtrocknung kommt aber die Impſfungsſtelle in neue Bewegung, und faͤngt an zu laufen. Dies erfordert bei der Fmpfung die meiſte Aufmerkſamkeit, indem ſich die Stellen zuweilen entzuͤnden und brandig werden, woran die Thiere ſehr leiden, erlah⸗ men oder gar ſterben. Es ſcheint mir, als ob jene gewohnlich gewaͤhlten, der Erhitzung und Reibung ausgeſetzten Stellen hieran viel Schuld haätten, und als ob dieſes Uebel an andern Stellen viel unbedeutender ſeyn wuͤrde. Man behandelt die Thiere waͤhrend der Krankheit, ſo wie ich es bei den natürlichen Pocken angegeben habe. Arzneien ſind nicht nbthig. Die aufruͤhriſch gewordenen Impſ⸗ ſtellen muͤſſen aber mit einem ſtarken Kamillen⸗ blumenaufguß, worin man etwas blauen Vitriol aufloͤſt, oft ausgewaſchen, und dann mit der Salbe aus Eygelb und Terpentin, der man etwas fein gepulverte Kohle zuſetzt, beſtrichen oder verbunden werden. Die Materie iſt am wirkſamſten und ſicher⸗ ſten, wenn man ſie unmittelbar aus einem kran⸗ ken Schafe nehmen kann. Indeſſen kann man auch Materie von einem andern Hrte, jedoch ſo friſch wie moͤglich, herkommen laſſen, um die Krankheit zuerſt hervorzubringen. Es iſt dann am beſten, Faden damit zu beſchwaͤngern, und dieſe in ein wohl verſchloſſenes Glas zu thun. 160 Man macht dann einigen Schafen eine Ritze mit der Nadel und legt ein Endchen dieſer Fa⸗ den darauf, befeſtigt es mit einem Heſftpflaſter und laͤßt es 24 Stunden liegen. Pon dieſen ſo geimpften Schafen nimmt man dann die Materie ſuͤr die uͤbrigen. Man kann dieſe aus der IFmpfſtelle oder von den ausgebrochenen Blattern nehmen, ſobald ſich Eiter darin zeigt; nur nicht trocken gewordenen Eiter oder Schaͤr⸗ fe, die faſt immer bosartige Geſchwuͤre machen. Man kann Nothimpfung und Vor⸗ pauungsimpfung unterſcheiden. Erſtere wird vorgenommen, wenn ſich die Krankheit in einer Herde oder in der Rachbarſchaft zeigt. Man muß in jedem Falle damit eilen, die Jah⸗ reszeit ſey welche ſie wolle. Man darf dann hoffen, der natuͤrlichen Anſteckung noch zuvor zu kommen. Allein man iſt nicht ſicher, daß dieſes wirklich geſchehe. Zwar ſchadet es nicht, wenn ein ſchon angeſtecktes Thier noch geimpft wird; aber die Wohlthat der Einimpfung er⸗ reicht man dann nicht, ſondern die Krankheit bildet ſich ſo, wie ſie ſich ohne Fmpfung wuͤrde gebildet haben. Pielleicht kann dennoch die Eiterung der Impfſtelle, zumal an einem ſich erhitzenden Orte, das Uebel vergroſern. Der Erfahrene wird es nach dem Uebereinſtimmen des Zuſtandes der Impfſtelle mit dem Ausbruch und dem Verlaufe der Krankheit leicht unter⸗ 161 ſcheiden konnen, ob dieſe durch die Impfung oder durch vorhergegangene Anſteckung enſtan⸗ den ſey. Sobald die Impfung mit Sorgfalt geſchehen iſt, hat man von der Anſteckung nichts weiter zu beſorgen; denn das iſt ausge⸗ macht, daß dieſes Gift nur einmal einen Ein⸗ druck auf den ganzen Hrganismus macht. Weit ſicherer und wohlthaͤtiger iſt die Vorbauungsimpfung, wozu man die gunſtigſte Jahreszeit und den gunſtigſten Zu⸗ ſtand der Thiere auswaͤhlen kann. Es ſcheint nach allen Gruͤnden am ſſcherſten, entweder ſchon die Laͤmmer gegen den Herbſt, wenn ſtarke Hitze nicht mehr zu beſorgen iſt, oder die Jaͤhrlinge im Fruͤhjahre zu impfen. Bei den Muͤttern wuͤrde wohl die Zeit vor der Begattung am ſicherſten ſeyn, und dieſe vielleicht etwas verſpaͤtet werden muͤſſen, obwohl traͤch⸗ tige Schafe die Impfungskrankheit auch ſehr gut uͤberſtehen. Ein Lamm im Mutterleibe be⸗ kommt keinesweges die Pocken wahrſcheinlich nicht, iſt wenigſtens keineswegs dafuͤr in ſeinem Leben geſichert, wenn ſie die Mutter waͤhrend der Traͤchtigkeit haͤtte. Es waͤre ſehr zu wuͤnſchen, daß irgend⸗ wo ein beſtaͤndiger Vorrath von Pockenmaterie unter der Aufſicht eines erfahrnen und gewiſe⸗ ſenhaſten Mannes erhalten und ſortgepflanzt L —— 162 wuͤrde, damit man jederzeit dieſe Vorbauungs⸗ impfung vornehmen konne. Sie wuͤrde ſich dann bei der Sorgſalt, welche man jest auf die Schaͤfereien verwendet, allgemein verbrei⸗ ten, und ſo wuͤrde nach einiger Zeit dieſe Krank⸗ heit, die nie ohne Anſteckung entſteht, vollig ousgerottet werden. Jeder aber muͤßte gehal⸗ ten ſeyn, es ſeinen ſaͤmmtlichen Rachbarn an⸗ zuzeigen, wenn er impfen will, noch mehr aber, wenn die natuͤrlichen Pocken in ſeiner Herde ausbrechen. Die Gefahr der Anſteckung in der Entfernung, iſt bei den Pocken ungleich großer als bei der Raͤude. Bei der großen Aehnlichkeit, welche die Schaſpocken faſt in allen Stuͤcken mit den menſchlichen Focken haben, machte man ſich die, der Theorie nach, wohl begruͤndete Hoff⸗ nung, daß die wohlthätigſte Erfindung unſeres Zeitalters, die Einimpfung der Kuhpocken, auch ein Schutzmittel fuͤr die Schaſpocken ſeyn wuͤrde, und daß man dadurch dieſe Krankheit — die bei der Inokulation zwar bei weitem ſeltener, aber doch zuweilen todtlich werden kann— vbllig entkraͤften und geſahrlos ma⸗ chen könne. Allein die genaueſten daruͤher an⸗ geſtellten Verſuche haben dieſe Erwartung vollig niedergeſchlagen, und das beſtimmte Reſultat ergeben, daß die Kuhpockenmaterie zwar zu⸗ weilen eine Thätigkeit bei den Schafen außere, 163 und eine Puſtel hervorbringe, welche ziemlich die charakteriſtiſchen Merkmale der Fuhpocken hat, daß aber auch in dieſem Falle die Thiere keinesweges unempfindlich gegen ihre Pocken, es ſey durch natuͤrliche oder kuͤnſtliche An⸗ ſteckung, werden. Ausführlich ſind dieſe Ver⸗ ſuche erzahlt im Rovember⸗ und December⸗ ſtuͤck 1810 der Annalen des Ackerbaues. §. 36. Die Drehkrankheit. Die Drehkrankheit, welche man auch, wenn die Thiere den Kopf ſtatt nach der Seite nach hinten uͤberbeugen, das Segeln, und wenn ſie ihn nach vorn herunterbeugen und dabei vorwaͤrts laufen, das Treben nennt⸗ iſt durchaus keine anſteckende, aber in den mei⸗ ſten Faͤllen unheilbare und in verſchiedenen Gegenden mehr oder minder haͤufig vorkom⸗ mende Krankheit. Vom letzteren läßt ſich bis jetzt kein Grund angeben. Den erſten Anſang der Krankheit bemerkt man am unſichern und dummen Gange und Benehmen des Thiers, dann entfernt es ſich mit einer widernatuͤrlichen Haltung des Kopfs von der Herde, entweder zur Seite oder indem es vorläuft oder zuruͤckbleibt. Es faͤngt nun an ſich immer nach einer Seite zu drehen,oder 1 2 164 läuft vorwärts, ſtolpert, faͤllt nieder, ſteht wieder auf, und ſtolpert abermals, wobei es die Raſe manchmal unter ſich bekommt oder ſie in die Hohe hebt. Endlich läßt ſichs auch vom Hunde nicht mehr bei der Herde halten, frißt wenig mehr, faͤllt um, wird ganz empfin⸗ dungslos und ſtirbt. Die Krankheit befaͤllt in der Regel nur Lämmer und Jährlinge, ſelten ein Thier uber zwei Jahr. Den Sis der Krankheit entdeckt man im⸗ mer unverkennbar im Gehirne. Man findet daſelbſt an einer oder mehreren Stellen eine Waſſerblaſe, und in derſelben mehr oder we⸗ niger kleine Kornerchen, die nach der PVerſi⸗ cherung aller glaubwuͤrdigen Beobachter unter dem Mikroſkop beſtimmte HOrganiſation, Leben und willkuͤhrliche Bewegung zeigen, und von den Naturforſchern Taenia socialis genannt werden⸗ Ueber die Entſtehung dieſer Krankheit, und folglich uͤber ihre Vorbauung weiß man bis jetzt nichts zuverläßiges. Einige ſchreiben ſie dem Sonnenſtiche, andere heſtigen Stdßen an dem Kopfe zu, aber ohne hinlaͤnglichen Grund. Man hat geglaubt, ſie dadurch ver⸗ hindern zu können, daß man den jungen Thie⸗ ren die Kopfwolle nicht abſcheere, oder daß man ihnen die Stirn mit einem Pechpflaſter bedecke; aber beides iſt unwirkſam befunden. Aufletz⸗ 165 teres iſt man durch die Meinung vom thieri⸗ ſchen Urſprunge der Krankheit geleitet worden, indem man ſich dieſen nicht anders zu erflaren wußte, als daß man annähme, das Inſekt ſreſſe ſich durch den Schaͤdel durch. Die innere bewirkende Urſach des Uebels benimmt ſchon alle Hoffnung durch Arzney⸗ mittel etwas dagegen ausrichten zu konnen. Auch ſind mancherlei vorgeſchlagene Mittel un⸗ wirkſam befunden worden. Allein die Durchbohrung des Schaͤdels und die Entleerung, oder ſelbſt die Herauszie⸗ hung der Waſſerblaſe iſt anwerdbar beſunden und zuweilen mit Erfolg vorgenommen wor⸗ den. Es kommt nur darauf an, daß dieſe Blaſe an einer Stelle ſitze, wo man ſie ohne todtliche Verletzung treffen kann, und daß man dieſe Stelle entdecke. Ich habe mehrere Koͤpfe drehender Schafe, unter andern zwei mit dem ſcharfſinnigen Dr. Gall unterſucht, und immer die Blaſen ſo liegend geſunden, daß ihnen durchaus nicht beizukommen war, ohne das Thier augenblicklich zu todten. Eins hatte ſogar drei Blaſen, die eine zwiſchen dem großen und kleinen Hirn, die zweite unter dem kleinen Hirn, und die dritte lag an der Seite auf dem großen Hirn. Letztere haͤtte man leicht und ſicher treffen können, allein es war aͤußerlich am Schädel nichts zu bemerken, was ihre Lage 166 verrieth, und auf allen Fall wuͤrde es dem Thie⸗ re nicht geholfen haben. Zuweilen aber kann nur eine Blaſe da ſeyn, und ihre Lage an der Seite ſich dadurch, daß das Schaf den Kopf immernach dieſer Seite haͤlt, dann durch ei⸗ nige Auftreibung der Haut und durch Ein⸗ druckbarkeit des hier duͤnner gewordenen Schaͤ⸗ dels zu erkennen geben. Wenn das iſt, ſo wird das Haar abgeſchoren, und die Operation vor⸗ genommen. Man hat die Operation mit dem ordentli⸗ chen Ttepan vorgenommen, die Blaſe dann liegen geſehen, und ſie vollig herausgenommen. Aber der Patient iſt faſt immer bald nachher geſtorben. Riem und Reuter haben zuerſt einen Trokar mit einer Canuͤle und Saugſpruͤtze empfohlen. Jener wird eingeſtoßen, heraus⸗ gezogen, die Canuͤle aber darin gelaſſen, und nun mit der in letztere eingeſchrobenen Spruͤtze nicht nur das Waſſer langſam ausgeſogen, ſon⸗ dern auch die dunne Haut der Blaſe hervorge⸗ zogen, gefaßt und heraus genommen. Herr Dr. Gericke hat ſich des Trokars ohne Spruͤ⸗ tze bedient, das Waſſer bloß auslaufen laſſen, und einige Tropſen Morrben⸗Eſſenz einge⸗ tropfelt, der er eine beſondere Wirkung beimißt. Dieſe Operationen ſind gluͤcklicher abge⸗ laufen, als die mit dem Trepan. Wenn aber die Operateurs die angegebene Zahl wirklich 167 geheilet haben, ſo muß das Schickſal ihnen Kranke mit der gruͤnſtigſten Lage der Blaſe zu⸗ gefuͤhrt haben. Andere ſind bei der Nachah⸗ mung beider Methoden nicht ſo gluͤcklich geweſen. Die Herren Yvart und Rappolt be⸗ dienen ſich einer bloßen Pfrieme, die außer der Handhabe 15 Linien lang⸗ oben wie ein Gaͤn⸗ ſekiel ſtark iſt, und unten ſpis, doch nicht gar zu ſcharfzulaͤuft. Das Inſtrument wird, ohne die Haut wegzunehmen, die man dann aber auf dem Schädel nicht verſchieben darf, einge⸗ ſtoßen 6 bis 8 Linien tief, ohne große Gewalt anzuwenden. Dann zieht man das Inſtrument ſchnell zuruck, und ſo folgt die Blaſe noch voll oder ausgeleert gewoͤhnlich nach. Zuweilen kommt bloßes Waſſer und dieſes läßt man, in⸗ dem man den Kopf zur Seite legt, auslauſen⸗ welches ſchon hinlanglich geſchienen hat. Zeigt ſich nichts, ſo ſticht man die Pfrieme ſanſt wie⸗ der ein, und ſucht ſie etwas ſeitwaͤrts zu dre⸗ hen, um die verfehlte Blaſe zu treffen. Gelingt das nicht, ſo macht man einen Stich an einem andern Hrte. Mehrere ſolcher feineren Stiche ſind keinesweges gefaͤhrlich, und heilen, mit einem Pechpflaſter bedeckt, ſehr leicht. Nur verſteht ſichs, daß man nicht in die Mitte des Schaͤdels hineinſteche, weil man hier die gro⸗ ßen Blutgefaͤße treffen wuͤrde. Wer ſie ma⸗ chen will, ſuche ſich uͤberhaupt zuvor einen 168 Begriff von de age des Gehirns im Schoͤdel an einem Schafkopfe zu verſchaffen. Man empfiehlt bloß eine trockene Witterung dabei wohrzunehmen, und die Thiere trocken zu hal⸗ ten. Den Gebrauch der Spritze haͤlt man in Frankreich wegen der Vewegung des Gehirns ſuͤr gefaͤhrlich. Bei gehornten Bocken iſt die Dperation ſelten zu machen. So iſt man alſo zu derjenigen Methode zuruͤck gekommen, die manche Schäſer kannten und anwandten, ehe vom Trepaniren und Tro⸗ kariren die Rede war, und ehe man von der Natur der Krankheit einen klaren Begriff hatte. Si bedienten ſich einer ſolchen Pfrime oder eines duͤnnen Meſſers, wenn ſie eine Stelle des Schädels nachgebend fanden. Daß die HOperation gelinge, zuweilen gruͤndlich, zuweilen nur auf kurze Zeit helfe, leidet e Zweifel. Wenn man auch nur das fuͤnſte Stuͤck dadurch rettet, ſo verlohnt ſie ſich ſchon der Muͤhe, da ſonſt alle gewiß verloren ſind. Uebrigens iſt dieſes Uebel und das innere Inſekt, welches man als die Urſach deſſelben annimmt, mit einem andern Mebel, welches ſehr deutlich von einem von außen in die Naſe des Thieres gekommenen Wurm herruͤhrt, ver⸗ wechſelt worden. Er iſt die Larve einer Fliege (Oestrus ovis) die ihr Ey in die Raſenlocher ſo wie in die Scheide legt. Der, Wurm zieht ſich in die Naſenhohle herauf quaͤlt das Thier, und verurſacht, daß es ſich zuweilen ſo gebehr⸗ det, als ob es wirklich kie Drehkrankheit habe. Zuweilen gelingt es den Schafen ſie heraus zu ſchnauben. Man hat empfohlen, die Schafe Schwefeldampf einziehen zu laſſen, um den Wurm zu todten. Ich ſehe nicht wie das moglich 169 iſt, ohne bas Thier zu erſticken. Hehlige Einſpri⸗ tungen ſcheinen mir das wirkſamſte Mittel zu ſeyn, welches an dieſem Theile anzubringen iſt⸗ Das Aufblähen. Wenn die Schafe, ſo wie andere Thiere, beſonders die wiederkauenden, mehr freſſen, als ſie verdauen können— welches immer relativ nach ihren Verdauungskraͤften iſt— ſo geht das Futter im Magen in Gaͤhrung uͤber, ent⸗ wickelt vieles Gas, welches den Magen aus⸗ dehnt, ſeine Schließmuskeln zugleich reizt, zu⸗ ſammenſchnuͤrt und den Ausgang ſich ſelbſt ver⸗ ſchließt. Die Ausdehnung der Panze wird ge⸗ waltig, die Bruſt beengt, die Reſpiration und der Umlauf des Bluts unterdruͤckt, und das Thier oft plbtzlich gerddtet. Es kann von je⸗ dem Fukter erfolgen, am leichteſten aber bei dem, welches die Thiere am liebſten freſſen, zu⸗ mal wenn es ihnen ſelten geboten wird, des⸗ halb vom gruͤnen jungen Flee und Luzernx⸗ wenn ſie ſolchen ungewohnt im Ueberfluß er⸗ halten. 2 der gruͤne Klee den daran ge⸗ woͤhnten Schafen nicht ſchade, davon habe ich mich àn ein Paar Hofhammeln uͤberzeugt, die im Pferde⸗ und Kuhſtall frei aus⸗ und ein⸗ gingen, und eine gewaltige Menge Klee nach Belieben fraßen. Das vom Thau naſſe junge Gruͤn ſoll beſonders dieſen Zufall bewirken. Das Uebel iſt wegen ſeiner ploͤtzlichen Ent⸗ ſtehung, dem ſtarken Auftreiben des Bauches⸗ dem ſchweren Athem, dem Schnappen nach Luft, der Hinfalligkeit des Thieres nicht zu verkennen. um die Schafe dafuͤr zu bewahren, muß man ſie auf einer ungewöhnlich angenehmen 170 Weide, oder von ſolchem Futter nicht viel auf einmal freſſen laſſen, und ſie auf jener in be⸗ ſtaͤndiger Bewegung erhalten. Vom jungen Hederich, der auf der Brache aufgeſchlagen iſt, ſollen ſie das Uebel, zumal wenn er naß iſt⸗ am leichteſten ſich zuziehen. Wenn der Schaͤfer es fruͤh genug an ei⸗ nem Thiere bemerkt, ſo iſt ein tuͤchtiges Rei⸗ ben des Ruͤckens und Bauches und Herumtrei⸗ ben oft zureichend. Am ſicherſten iſt es, ihnen zuvor gleich Kalkwaſſer einzugeben. Man brennt zu dem Ende Kalk ſtark aus, zerſtoßt ihn, wenn er noch heiß iſt, zu Pulver, thut ihn in Glaͤſer, und verpicht dieſe ſo, daß der Luft aller Zutritt abgeſchnitten ſey. Aus dieſem kohlenſaͤure⸗freien Kalke kann man gleich Kalk⸗ waſſer machen, wenn man deſſen bedarf. Man nimmt etliche Theelbffel voll davon, thut ſie in eine Quartbouteille, übergießt es mit Waſſer, — hat man abgekochtes zur Hand, ſo iſt das beſſer— ſchuttelt das um, laͤßt den Kalk ſich etwas ſetzen, und giebt den Thieren einen Theil davon ſogleich, einen andern Theil nach einer halben Stunde ein, wobei man mit dem Rei⸗ ben und Umhertreiben ſortfaͤhrt. Porſichtige Schaͤfer fuͤhren, nachdem ſie das Mittkl ken⸗ nen lernten, ein Glas mit Kalk immer bei ſich. Sind die Zufaͤlle ſo heftig, daß keine Zeit zu verlieren iſ. ſo muß man mit einem Meſſer oder noch beſſer mit einem mit der Scheide verſehenen Trokar in die Panze hin⸗ einſtoßen, eine Operation, die bei dem Rindvieh ziemlich bekannt iſt, dem damit Unhekannten aber nicht wohl beſchrieben, deſto leichter aber gezeigt werden kann. Thiere, die das Kebel ſchon einmal gebabt haben, muß man deſto ſorgfältiger in Acht 171 nehmen. Solche aber, die es mehrere Male bekommen, mufß man abſchaſſen, weil es eine Schwaͤche der Verdauungswerkzeuge bei ihnen anzeigt. §. 38. Das Blut, Stickblut, Ruͤckblut. Dieſes kommt dem Milzbrande des Rindviehes gleich, und wird auch von manchen ſo genannt. Die Krankheit befaͤllt plotzlich und todtet ſchnell. Das Thier iſt betaͤubt, kann ſich kaum aufrecht erhalten, ſtemmt die Beine von einan⸗ der, ſchäumt, giebt Blut von ſich⸗ faͤllt um, ſchlägt mit den Flanken, und ſtirbt oft in kuͤr⸗ zerer Zeit als in einer Stunde. Die Krankheit iſt nicht anſteckend, aber in heißen trocknen Sommern bricht ſie epidemiſch aus, und es ſterben oft viele daran; beſonders an heißen Gewittertagen. Der PVerlauf iſt viel zu ſchnell, um Huͤlfe zuzulaſſen. Allein wenn ſich die Krankheit in der Gegend zeigt, iſt die moglichſte Porſicht, die Thiere nicht von außen oder von innen zu erhitzen, anzuwenden. Sie muͤſſen bei der ſaͤrk⸗ ſten Tageshibe im Schatten oder in luftigen Stäͤllen erhalten werden. Man muß ſie lang⸗ ſam treiben und ja nicht durch den Hund ja⸗ gen laſſen. Man muß ſie zum Saufen aus friſchem Waſſer haͤufig anreizen, und ſie jest um ſo weniger durſten laſſen. Dagegen muß man ſie um ſo ſorgfaͤltiger von beſchlammt ge⸗ weſenen Stellen abhalten, da ſie bei duͤrrer Weide ſehr gern darauf gehen. Die Krankheit zeigt ſich am haͤufigſten nach der Ernte, wo die Schafe auf die Stoppeln gehen, und an den abgefallenen Nehren und Körnern ein viel⸗ 172 leicht zu kräftiges und bas Blut erhitzendes Futter haben. Man darf ihnen dieß, wenn die Frankheit ſich aͤußert, nicht zugeſtehen. Die Spanier und Franzoſen empfeblen beim Ausbruch der Krankheit, alle kraͤftige Thiere, die rothe Augen, Mäuler und Haut haben, zur Ader zu laſſen. Es geſchiehet an der Backe, unter dem Auge in der Gegend des vierten Backenzahns, wo die Ader am deutlich⸗ ſten liegt. Bei ſchwachen blaſſen Thieren darf man den Aderlaß aber nicht vornehmen, auch werden dieſe mit dieſer Krankheit nicht befallen. Endlich wird das taͤgliche Baden oder das Durchtreiben durch Waſſer zur Vorbeugung der Krankheit, in heißen Tagen, ſehr empfoh⸗ len, und iſt ohne Zweifel von guter Wirkung, Cs kann ſeyn, daß ſich die Schafe wie das Rindvieh bei warmer Witterung gern daran gewohnen. Auch raͤth man an, die Schafe Sauer— ampfer freſſen zu laſſen, und ſtatt ihnen des Salzes Salpeter zu geben, der aber, beſonders jetzt, zu koſtbar iſt. S. 39 Der Durchfall. Die Schafe bekommen den Durchfall zu⸗ weilen auf der erſten gruͤnen Weide, wo er ſich aber von ſelbſt bald wieder verliert. Ein gefährlicherer Durchfall ſoll nach ſtarkem Ho⸗ nigthau entſtehen. Auch konnen ſie ihn im Winter von verdorbenem Heu bekommen. Zu⸗ weilen hat man Salz ſo übermäßig gegeben⸗ daß es Durchfall erregte und ſchwaͤchte. Man muß auf die Urſach Ruͤckſicht nehmen, ſolche entfernen, und ein geſundes Futter um ſo mehr veichen. 173 Die Lämmer konnen vom Ueberfluß der Milch Durchfall bekommen. Gerdſtetes Mehl⸗ gerdſtete Linſen, Eicheln, Kaſtanien den Muͤt⸗ tern gegeben, wird dagegen empfohlen. Zuweilen hat man epidemiſche, ruhrar⸗ tige todtliche Durchfaͤlle bei den Schafen be⸗ obachtet. §. 40. Die Waldkrankheit. Die Waldkrankheit hat man bemerkt, wenn die Schaſe im Fruͤhjahre, beſonders im Cichenholze viel junge Knoſpen freſſen. Sie bekommen Hitze, Durſt, Verſtopfung oder ſehr verhaͤrtete Exkremente, horen auf zu wieder⸗ paͤuen. Die Krankheit iſt von laͤngerer Dauer, bis 3 Wochen, und ſcheint entzuͤndlicher Art zu ſeyn. Man hat deshalb den Aderlaß dagegen empfohlen. Das ſicherſte Mittel iſt, ſie im Fruͤhjahre nicht ins Holz zu treiben, wodurch man zugleich der unverzeihlichen Verwuͤſtung der jungen Triebe zuvorkommt. 5. 41. Das Blutharnen. Das Blutharnen ſcheint oft vom Genuſſe ſcharfer Pflanzen herzuruͤhren: des Ranun⸗ kelz, der Tnemone, des Schierlings, der Zeit⸗ loſe u. ſ. w. Manchmal hat man es auch von ploslichen Erkaltungen ableiten zu muͤſſen ge⸗ glaubt, von kalten Nächten nach heißen Ta⸗ gen, wenn die Herde draußen blieb. Es iſt gewohnlich mit Fieber verbunden, und die⸗ fes iſt entzundlicher Art. So lange Reiz da iſt⸗ pediene man ſich ſchleimiger milder Getränke⸗ beſonders aus Helkuchen oder Leinſaamen, mit 174 etwas Salpeter, oder ſaͤuerlich gemacht mit Pitriolbl. Zieht es ſich in die Länge, ſo iſt Alaun zu 10 Gran täglich dreimal gegeben, wohl das zuverlaͤßigſte Mittel. 5 42. Das Lahmen der Lämmer. Das Lahmen der Lämmer wird theils auf Erkaͤltung geſchoben, die allerdings uͤblen Einfluß auf ſie haben kann, wenn ſie an die ſtarke Hitze des Stalles gewoͤhnt, nun in einen ſcharſen Zugwind kommen,— theils auf einen Ueberfluß von Milch, wenn man den Muͤttern ſarkes Futter auf einmal reicht. Auch das Wohlthaͤtigſte kann bei Ungewohnheit ſchäͤdlich werden. Die Schaͤfer haben die Gewohnheit, ihnen einen Schnitt im Fuße zu machen, wobei eine kleine Blutung erfolgt. Ein am Fuße angeſetzter Blutigel wuͤrde ohne Zweifel wirk⸗ ſamer und ſicherer ſeyn. Porzügliche Laͤmmer waͤſcht man mit Branntweinsſpuͤhlig oder Vor⸗ ſprung; da ſie oſt ſteife Beine danach behalten⸗ §. 43. Das Teigmahl oder ſchwarze Maul. Das Teigmahl oder ſchwarze Maul der Lämmer iſt ein Ausſchlag, den ſie um Naſe und Maul bekommen. Eine Salbe aus Schieß⸗ pulver und Oel iſt ein ſehr zweckmäßiges Mittel. 5. 44. Die Schwaͤmmchen oder der Faſch. Die Schwaͤmmchen oder der Faſch der Laͤmmer iſt ein dieſer Kinderkrankheit ſehr ähn⸗ liches Uebel: kleine Bläschen, womit die inne⸗ ten Theile des Mauls beſetzt ſind, und die ſich 175 bis in den Schlund, vielleicht bis in den Ma⸗ gen herunter ziehen. Der Ausſchlag hindert ſie am Saugen, und ſie ſterben oft daran. Man toſet 2 Quentchen weißen Vitriol in 1 Quentchen Waſſer auf, thut Honig binzu, und beſtreicht mittelſt eines leinenen Pinſels das Maul damit. Man muß ihnen, damit ſie nicht verhungern, die Milch zuweilen ins Maul melken. §. 46. Die Milchknoten, Euterverhaͤrtungen. Die Rilchknoten, Euterverhaͤrtungen, der Muͤtter werden, bevor ſich Eiter erzengt hat, durch Einreibung braungebratener Butter oder der gewoͤhnlichen fluͤchtigen Salbe zuweilen aufgelbſt, wobei man ſte ſanft, aber anhaltend, ausmelkt. Hat ſich aber Euter erzeugt, ſo muß er durch einen Einſchnitt ausgelaſſen werden, worauf die Wunde mit der Terpentin⸗Salbe verbunden wird. Es giebt noch mehrere beſondere Krank⸗ heiten der Schafe, die in verſchiedenen Gegen⸗ den mit verſchiedenen Namen belegt werden, deren charakteriſtiſche Erſcheinungen aber wch nicht beſtimmt genug ſind, und deren Natur noch weniger erforſcht iſt, da ſie die Aufmerk⸗ ſamkeit wahrer Aerzte his jetzt nicht auf ſich zogen. Nur jene groͤßeren und baͤufigeren Krankheiten ſind ſo beobachtet, daß ſich etwas beſtimmtes uͤber ihre Natur und Heilung ſa⸗ gen laͤßt. Manche Krankheiten, die in waͤr⸗ meren Gegenden die Schafe befallen, kommen bei uns bis jetzt nicht vor. Wir haben ſeit einem halben Jahrhun⸗ dert bewundernswuͤrdige Fortſchritte in der Fenntniß und Kur dieſer Krankheiten gemacht und große Vortheile erlangt, indem wir jetzt die häufigſten und todtlichſten zu entfernen oder unſchädlich zu machen wiſſen, und jetzt nicht alle 6 oder 8 Fahr auf ein vblliges Aus⸗ ſterben der Schafherden, wie vormals, zu rech⸗ nen, und dieſen Verluſt von dem Ertrage der⸗ ſelben abzuziehen hrauchen. Bei einer mit aller Aufmerkſamkeit behandelten Herde muß die Sterblichkeit jetzt ſehr geringe ſeyn. Wenn der ſo oft gethane Vorſchlag zur Errichtung von Schäſerſchulen vollſtaͤndiger und haͤufiger, wie bisher geſchehen iſt, ausge⸗ fuhrt wuͤrde, ſo konnte ſich die wirkliche Sterb⸗ lichkeit noch ſehr vermindern. Da den Schaͤ⸗ ſern, um ſie gegen Vorurtheile und Aberglau⸗ ben zu ſichern, doch einige Kenntniß vom thie⸗ riſchen Organismus, welches in der That ſo ſchwer nicht iſt, ohnehin beigebracht werden mußte, ſo konnten ſie uberhaupt in der Tbier⸗ arzneikunſt zur Rothdurft unterrichtet werden, und dann in ihrer Gegend Thieraͤrzte abgeben, die wenigſtens beſſer waͤren, als diejenigen⸗ welche ſich jetzt dafuͤr ausgeben. Das Gewer⸗ pe eines Thierarztes kann mit dem eines Schaf⸗ méſters ſehr gut verbunden werden, um ſo mehr, da das Landvolk zu den Schäͤfern in dieſem Stuͤcke ohnehin ſchon großes Zutrauen hat. Gruͤndlich unterrichtete Thieraͤrzte kann das Land jetzt nicht bezahlen. bl * — ⸗ . Farbkarte 613