— . ⸗ 5 e ℳ . Nnr zur Benntzm⸗ im Teſeſaal ₰ T 13 be 0 3 — —— Einleitun9 zu Kenntniß der giſ chen Landwirthſ chaft neueren practiſchen und theoretiſchen tcri te in Ruͤckſicht auf Vervollkommnung deutſcher Landwirthſchaft fuͤr denkende Landwirthe und Cameraliſten. . 3 Erſter Band. Zweyte verbeſſette Auflage von niuregahne d. A. D., des Koͤnigsvon Großbritt urfürſilichem Leibarzte, u. ſ. w. Hannover, 1801. Beyv den Gebruͤdern Hahn. Les Anglois comprirént les premiers ue l'art qui 6 5„4 4 étoit le fondement de tous les autres, 6toit le pivot, sur lequel devoit rouler le commerce. Encyclopedie art. Agriculture. „tebtP5 Dieſes Buch war groͤßtentheils ſchon im Jahre 1795 geſchrieben. Nur hinderte mich der Drang wichtigerer Geſchaͤfte damahls, etliche Capitel völlig auszuarbeiten. Faſt ſeit einem Jahre iſt indeſſen das Manuſcript ſchon aus meinen Haͤnden. Kenner der neueſten engliſchen landwirthſchaftlichen Schriften werden daher vielleicht einige der allerneueſten Nachrichten, welche wir beſon⸗ ders dem Board of Agriculture zu verdanken haben, vermiſſen. Zum Theil habe ich ſie zwar waͤhrend des Abdrucks noch eingeſchaltet, und verſchiedenes aus dieſen Nachrichten berichtiget. Dies vollſtändig zu thun, war aber wegen der Entfernung des 2 Druck⸗ LV Druck⸗vrts, und anderer Urſachen wegen, nicht wohl moͤglich. Sobald ich einige Muße habe, werde ich den zweyten Band, wozu die Materialien und der Entwurf bereit liegen, ausarbeiten. Er wird enthalten die Capitel: vom Zug⸗und Arbeitsvieh, oder von der Pferde⸗und Rind⸗ viehzucht, in Ruͤckſicht auf dieſe Beſtim⸗ mung— Vom Fuhrwerke und Geſchirr— Von Geraͤthſchaften(umſtaͤndlicher wie das éte Cap. von den Pflugwerkzeugen; dann aber auch von andern Inſtrumenten, z. B. den Dreſchmaſchienen)— Vom Bau eini⸗ ger Handelsgewachſe, vorzuͤglich der Rap⸗ ſaat— Von Wirthſchaftsgebaͤuden und Hoͤ⸗ fen— Von Holzanpflanzungen— Von ei⸗ nigen vorzuͤglichen geiſtreichen Wirthſchaften und Wirthſchaftsmethoden— Von der wohlfeilſten nahrhaften und geſunden Beko⸗ ſtigung und von Erſparungen in der innern Wirthſchaft.— Ferner werde ich darin zu den meiſten Capiteln dieſes Bandes Nach⸗ traͤge und Anhaͤnge liefern, worin ich uͤber⸗ ſehene —— ſehene oder erſt neuerlichſt bekannt gewordene Erfahrungen und Nachrichten aus England nachholen, hauptſaͤchlich aber ſernere Be⸗ trachtungen uͤber deutſche Landwirthſchaft, in Vergleichung mit der Engliſchen, anſtel⸗ len werde. Doch werde ich erſt erwarten, ob die zur Probe hier gelieferten Nachtraͤge zu den drey erſten Capiteln— wovon ich den dritten jedoch als einen partum prae- maturum anzuſehen bitte— den Beifall der Kenner finden. Bey einer erweiterten oͤconomiſchen Correſpondenz ſind mir, ſeit kurzem, viele Nachrichten von landwirthſchaftlichen Ein⸗ richtungen, die ſeit langer Zeit, aber nur in kleinen verſteckten Winkeln unſers Va⸗ terlands uͤblich waren, zugekommen. Man⸗ che darunter kommen den Engliſchen gleich, einige uͤbertreffen dieſe ſogar. Ich finde ih⸗ rer in keiner oͤcvnomiſchen Schrift gedacht, oder es iſt doch nur ſo oberflaͤchlich geſche⸗ hen, daß es keine Aufmerkſamkeit erregen und keine klare Idee geben konnte. Wie wich⸗ VI wichtig waͤre fuͤr Deutſchland ein Werk, wie Boungs Annalen des Ackerbaues! Freylich wuͤrde die Unternehmung weit ſchwieriger, wie in England ſeyn, wenn ſie das ganze Reich umfaſſen ſollte. Bber ſie koͤnnte ſich vorerſt auch nur uͤber einen Theil deſſelben erſtrecen. Einen Board of Agrieulture und ſolche Nachrichten, wie dieſer einziehet und bekannt macht, duͤrfen wir wohl nie erwarten. Sollte mich jemand mit Nachrichten von ſolchen minder bekannten, aber wuͤrklich ublichen landwirthſchaftlichen Vorrichtun⸗ gen, die den Engliſchen an die Seite ge⸗ ſetzt zu werden verdienen, aus irgend einer Gegend Deutſchlands erfreuen wollen, den verſichere ich vorlaͤufig meiner herzlichen und bey jeder Gelegenheit thaͤtigen Dankbarkeit. Zelle den oſten Maͤrz 1798. Der Verfaſſer. VII Vorrede zur zweyten Auflage. Diſ zweyte Auflage, durch den ſchnellen Ab⸗ gang der erſten und fortdauernde Nachfrage ver⸗ anlaßt, hat nur Berichtigungen der Druck⸗ und Schreibfehler vor der erſten voraus. Ich beab⸗ ſichtigte einige Verbeſſerungen und Zuſaͤtze; meine Herren Verleger waren aber ſo billig, fur die Beſitzer der erſten Auflage einen beſondern Ab⸗ druck derſelben veranſtalten zu wollen. Dies be⸗ wog mich, dieſe Zuſaͤtze ausfuͤhrlicher zu ma⸗ chen, und die Gruͤnde anzugeben, warum ich meine Meynungen in manchen Stucken berichtigt, hier und da veraͤndert hatte. Nun entſtand aber die große Schwierigkeit, dieſe Verbeſſerungen in den Context hineinzuweben, wenn ich nicht das Buch durch eine gewaltige Menge von Anmerkungen verunſtalten, und den Leſer immer unterbrechen, oder ein ganz neues Werk ſchreihen wollte. Meine Ideen uͤber Landwirthſchaft hatten ſich naͤmlich im Allgemeinen, ſeitdem ich dieſes Buch ſchrieb, durch fortgeſetzte eigene Beobachtungen und Verſuche, durch eine ausgebreitete Correſpon⸗ denz und Umgang mit den aufgeklaͤrteſten prac⸗ tiſchen Landwirthen, beſonders durch jaͤhrlich ge⸗ machte landwirthſchaftliche Reiſen, mehr aufge⸗ klaͤrt und berichtigt. Insbeſondere aber hatten ſich meine Kenntniſſe von der engliſchen Land⸗ wirthſchaft erweitern muͤſſen, da ich nun die ſaͤmmt⸗ lichen vom Ackerbau⸗Amte herausgegebenen, ver⸗ beſſerten, gewiſſermaßen officiellen Berichte uͤber den landwirthſchaftlichen Zuſtand der einzelnen Di⸗ ſtric L * VIII ſtriete, nebſt andern Schriften, vor Augen hatte, — da ich ferner mit ſcharfſichtigen Goͤnnern und Freunden, die England, theils vor, theils nach der Erſcheinung dieſes Buchs, in landwirthſchaft⸗ licher Hinſicht durchreiſet waren, in Verbindung zu kommen das Gluͤck hatte,— und endlich durch den Beſitz mehrerer engliſchen Werkzeuge in den Stand geſetzt war, den Gebrauch derſelben und die Handgriffe naͤher kennen zu lernen. Ich war alſo im Stande, vieles genauer zu beſchreiben, fe⸗ ſter anzugeben, und ſchaͤrfer zu beurtheilen, als mirs vor fuͤnf oder ſechs Jahren, wie ich dieſes Buch ſchrieb, moͤglich war. Daher habe ich den Entſchluß gefaßt, dieſe Zuſätze, Verbeſſerungen, genauere Beſtimmungen und Selbſtkritiken, nach der Ordnung und Veran⸗ laſſung, die dieſes Buch gibt, in einem oder zwey Bändchen beſonders herauszugeben. Sie koͤnnen als die zweyte Abtheilung des zweyten Bandes die⸗ ſes Buchs, oder als der zweyte Band der Beyträge zur Kenntniß der engliſchen Landwirthſchaft, mit Fug und Recht angeſehen werden, und werden da⸗ her unter beiden Titeln erſcheinen. Sie beziehen ſich aber ganz auf dieſes Buch, oder den erſten Theil, und koͤnnen ohne ſolchen nicht verſtanden werden. Ich werde die Seitenzahl beider Auflagen dabey angeben. Ob dieſer Band auf Oſtern oder erſt auf Michaelis erſcheinen werde, kommt auf Umſtaͤnde an, die ich nicht vorauszuſehen vermag. Ich arbeite mit Eifer daran, wuͤnſche ihm aber die moͤglichſte Vollſtaͤndigkeit und Klarheit zu geben, wozu ich ſelbſt noch einige der neueſten Nachrichten und Schriften aus England erwarte. Der Verfaſſer. — ———— 1* 8 —= * — Einleitung. Seite Veranlaſſung fur den Perfaſſer, Landwirthſchaft prac⸗ tiſch und theoretiſch zu treiben. 1 PVorſiellung, die er ſich von der moͤglichen— lichen Vollkommenheit dieſer Kunſt machte... 5 Deutſche Schriftſteller uͤber Landwirthſchaft— t Claſſen— Oberflaͤchlichkeit der meiſten. 4 Geringe Erwartungen des Verfaſſers von den Englaͤndern in biſem Fche Werden, bey Leſung der neueſten engliſchen Werke, uber Lardwirthſchaft, zum Erſtaunen uͤbertroffen. 171 Wie es zugehe, daß ſolche durch Ueberſetzungen ſo wenig in Deutſchland bekannt geworden, und daß man ſich von engliſcher Landwirthſchaft ſo unrichtige Begriffe ache Schwierigkeiten bey der Ueberſetzung ſolcher Werke.. 13 Entſchluß des Verfaſſers, die Aufmerkſamkeit deutſcher Landwirthe auf die neuern Englaͤnder, durch dieſe Schrift, zu lenken. Verſchiedene Vorerinnerungen„17 Erſtes Erſtes Capitel. Seite Verfaſſung der Landwirthſchaft in Engnd Eigenthuͤmliche Beſitzungen und Claſſen der Beſitzer; Pach⸗ tungen und Pächter,— auf Willkuͤhr, oder auf be⸗ ſtimmte Jahre. 2 Ob große ober kleine Pachtungen fuͤr den Staat vortheil⸗ häſter ſehen 26 Simple Farmers und Gentlemen⸗Farmers. 23 Reizende Beſchreibung des Zuſtandes und der Lebensar eines ſimplen Farmers, nach A. Yung. 29 Verdienſte der Gentlemen⸗Fatmers um die Landwirth⸗ ſchaft.**„*„.****„„.* 65 8 Zweytes Capitel. Vervollkommnung der Landwirthſchaft in England, als Wifſenſchaft betrachtet, in den neneſten Zeiten. 3 Das Forn⸗Einfuhr⸗Verbot unter Carl dem 2ten hob zu⸗ erſt den Ackerbaun.„66 Einmiſchung der Gelehrten in dieſe Kunſt.„33 Abwege, worauf ſie anfangs getiethen n. Youngs große Verdienſte um die practiſchen und wiſ⸗ ſenſchaftlichen Fortſchritte im Ackerbau. 40 Eeine Perſuche, ſeine Reiſen und Schriften.„42 Die Annalen des Ackerbaues. 44 Landwirthſchafts⸗Geſellſchaften. 47 Ertichtung des Ackerbau⸗amtes— Board of agricul⸗ ture— Deſſen Geſchichte. 3 Deſſen Zwecke.„ X1 Drittes Capitel. Seite Wirthſchaftsarten in England.„61 Mothwendige Bedingungen einer beſſeren Wirthſchaft iſt Gemeinheitstheilung und Verkoppelung oder Geſchloſſen⸗ heit ber Ft i Wie weit es damit in England gekommen, und welche Schwierigkeiten ihr noch an einigen Orten entgegen⸗ ſihen Mit derſelben muß eine Vergleichung wegen des Natural⸗ zehntens nothwendig verbunden werden.„65 Mit dieſem kann keine gute Wirthſchaft beſtehen.„66 Dreyerley Haupt⸗arten der Wirthſchaft: T. Korn⸗ oder Lckerwirthſchaft; 2. Gras- oder Weide⸗Wirthſchaft; 3 Verhaͤltniß der Acker- und Weidewirthſchaften gegen ein⸗ ae Verzug der erſteren, wenn ſie mit gehoͤriger Energie ge⸗ Großer Porſchuß, der zu einer hochgetriebenen Wirthſchaft in England erfordert wird.„ 24 Ackerwirthſchaft auf lockerem Voden, oder die Nor⸗ Ackerwirthſchaft auf Klayboden, oder die Kenter„277 Die Graswirthſchaft in den mittellaͤndiſchen Grafſchaften 79 Die Wechſelwirthſchaft.„ 9 Beſſerer Zuſtand der Grafſchaften, wo der Ackerban das Hauptgewerbe ausmacht, vor denen, wo mehr Fabriken betrieben werden 233 Viertes Capitel. Verwirrung in den bisher uͤolichen Ausdruͤcken und Vegrif⸗ ſ Beſtimmtere werden zu einer wiſſenſchaftlichen Behand⸗ lung der Lgudwirthſchaft unumguͤnglich erfordert. 96 Ge⸗ XII Seite Genauer ſind die Englaͤnder darin, doch bey weitem noch nicht hinlänglich.. 3 3 5 Hauptpunkte, worauf es bey der Unterſuchung und Beſtim⸗ mung des Bodens ankommt. 3 38 1) Die ackerbare Krume oder Oberflaͤche des Bodens. 89 Deren ee Dammerde, oder der Faͤulniß... 90 Die Thon⸗ 64„ die gieſererd⸗, die vie Bit⸗ ter⸗erde, als voͤllig rein betrachtet. 3. 7 Eiſentheile, Neutralſalze, Saͤuren. Verfahren bey der Unterſuchung und Zerlegung de Bo⸗ dens... 96 BVeſchreibung einer zwar nicht voͤllig genauen, aber leichten und vorerſt hinreichenden Methode, die Beſtandtheile des Erdbodens zu unterſuchen. 6.. 99 Wie die Schwere des Bodens zu beſtimmen? 6 100 Wie man ſeine waſſerhaltende Kraft erforſche? 100 Wie man ſeine Beſtandtheile unterſuche? 101 Wodurch das verſchiedene Verhaͤltniß der Erdarten im Boden einen verſchiedenen Grad von Fruchtbarkeit bewirke. 106 Ruͤckerts Syſtem, nach welchem eine beſondre Erdmi⸗ ſchung zur Ernaͤhrung jeder beſondern Frucht⸗art noth⸗ wendig iſt. 8. 57 Meinung anderer, nach welchen die Erdmiſchung blos werkzeuglich und vermoͤge ihrer, die Feuchtigkeit anhal⸗ tenden Kraft, verſchiedene Grade der Fruchtbarkeit be⸗ ſitzet........ 109 Berechnung der verſchiedener Boden⸗ arten.. e 1710 Ruͤckertſche Meinung zprüft widerlegt.. 2) Die Tiefe der ackerbaren Oberflaͤche. 116 3) Die Beſchaffenheit des Untergrundes.. 2 4) Die abhaͤngige oder horizontale Lage des Bodens und die Himmelsgegend, wohin ſie ſich neiget. 119 5) XIII Seite 5) Das Elims.„ 6) Die hohe oder tiefe Lage eines Ackers im Verhaͤltniß der umliegenden Gegend. 0. Pruͤfung und genauere Beſtimmung der Benennnngen, wo⸗ mit man gewiſſe Boden⸗arten belegt. 3 Der Klayboden.„.. Der Lehmboden...... Der Sandboden..... Der mergel⸗artige oder Kalkboden 6 Der hitzige und kalte Boden„.. 6. Der ſaure Boden.. 2. Der reiche und arme Boden„§. Der unreine Boden.* 5.* Der ſchwere und leichte Voden. 2 4 2 Ohne beſtimmtere Kenntniß des Bodens bleibt die Lehre von der Bonitirung der Felder ſchwankend. 4 Die Verbeſſerung der Felder, durch Auffahren fremder Erd⸗arten, beruhet auf einer vorlaͤufigen genauen Un⸗ terſuchung derſelben... Fuͤnftes Capitel. Vom Duͤnger.„.. Manche Ungewißheit in dieſer wichtigen Lehre Kann zwar allein durch richtige Erfahrungen und Verſuche gehoben werden;.. ² Dieſe können aber nur durch Theorie in Zuſammenhang und allgemeine Ueberſicht gebracht werden.. Unentbehrlichkeit der Theorie in jeder Erfahrungswiſſen⸗ Die Nahrung, welche ein Körper erfordert, laͤßt ſich aus ſeinen Beſtandtheilen abnehmen.„.. Beſtandtheile aller organiſchen Koͤrper nach der neueren Chemie.... Anmerk. 119 119 127 122 124 125 126 127 129 130 130 137 131 132 135 136 136 136 137 137 133 Neue XIV Seite Neue Verbindungen, welche die urſtoffe unter dem Ein⸗ fluſſe der eigenthuͤmlichen Lebenekraft jedes organiſchen Weſens eingehen, und die ſich nicht auf phyſiſche und chemiſche Geſetze gruͤnden... 138 Nach Entweichnng der Lebenskraft treten dieſe wieder ein, und dieſe Stoffe ſuchen ſich nach ihrer eigenthuͤmlichen Tendenz wieder mit einander zu vereinigen. Erſcheinungen bey der Gaͤhrung und Faulung.. 143 Die bey der Faͤulung entwickelten Stoffe ſind die Nahrung neuer organiſcher Koͤrper... 4 144 Zweifel, welche neuere Naturforſcher gegen den materſellen Nutzen des Duͤngers auſgeworfen.. 145 Nach ihnen reichet Erde, Waſſer und Atmoſphaͤre den Pflanzen alle erforderliche Nahrung.. 146 Genauere Unterſuchung der Tilletſchen Verſuche, worauf ſich die Meinung gründete, durch Haſſenfraz.. 148 Dieſer erweiſt, daß die Pflanzen ihren Kohlenſtoff nicht aus der Atmoſphaͤre, n nur aus dem Dänger er⸗ halten können..... 149 Der Kohlenſtoff iſt auch nicht tus Einzige, die Pflan⸗ zen aus dem Duͤnger ziehen... 150 Darum muͤſſen alle fluͤchtige Veſtendtheile des faulenden Duͤngers, ſo viel moͤglich, bey einander und aufgefangen werden... 152 Mehrere Aufklaͤrung dieſer Materie i beld, beſonders durch die Bemuͤhungen des Board of Agriculture, zu hoffen.„.. 6. 153 Gehalt an Kohlenſtoff in dem Niſe erſiedetr Thiere. 155 Die Kraft des Miſtes iſt nach dem Zuſtande und der Nah⸗ rung des Viehes verſchieden. 56 Stall⸗ und Hofmiſt wird von den Englaͤndern untetſtieten. 156 Werth des zur Einſtreuung gebrauchten Strohes. Ob es rathſamer ſey, das Stroh zu verfuttern oder einzuſtreuen? 157 Flüſſiger Miſt ohne Einſtreuung... 159 Surrogate des Strohes zur Einſtreuung.„„161 Be⸗ —————*——————— xV Seite Behandlung des gewoͤhnlichen Strohmlſtes.*„161 Befoͤrderung und Moderation der Gaͤhrung... 162 Siſa von lebendigem Kuk und Eide. Compoſt der Eng⸗ laͤnder. 3 163 Zweckmäßige Anlegung ber Mi ſſeten. 2 5 164 Zeitpunkt, den Duͤnger in den Voden zu brlngen; verſchie⸗ den, nach Verſchiedenheit des Bodens... 1 Benktzung des Duͤngers zum 66 jungen Saat im Fruͤhjahre... Gruͤnde, welche man in England fuͤr dieſe Methode aufuͤhrt. Gruͤnde gegen ihre gllgemeine Anwendbarkeit.. Wo eine ſtarke und ſeltene, und wo eine ſchwache und öf⸗ tere Duͤngung zutraͤglicher?. 8. Andre thieriſche Duͤnger... Die Hornſpaͤne...... Die menſchlichen Excremente... 3. Der Trahn, verfaulte Fiſche.. Zerſtoßene Knochen.. 6.. Andere vegetabiliſche Duͤngungsmittel, die in England ge⸗ braͤuchlich ſind: Oelkuchen.**** 7 2** Malzſtaub.... 6. Seepflanzen... Untergepfluͤgte gruͤne Saaten.... Sod, Rus. ⸗..*. Aſche von Holz.„* 5. 6. — von Torf. i 5.. In Verweſung geſetzter Torf.. 5 Seiffenſieder⸗Aſche.. 2 Modder aus Seen und Teichen.„ Mineraliſche Duͤnger. Ihre Wirkung beruhet lediglich auf Kalk... „ ** 5 5. 165 167 167 168 171 173 174 174 175 176 —— 178 178 180 180 1871 182 182 183 185 Ge⸗ XVI Seite Gebraunter Kalk. Seine Kraͤfte. Vermiſchung mit dem Erdboden. Zeit, ihn aufzubringen. Quantität nach Beſchaffenheit des Vodens. Verlangt zugleich Miſt⸗ duͤngung. 3..„185 Ungebrannter, zermalmter Kalkſtein. Der Mergel..... 192 Der Gyps. Widerſpruͤche und Zweifel wegen ſeines Nutzens...... 197 Salz.—..*„.„. 203 Atmoſphaͤriſche Duͤngung. Nittel, ſie aufzufangen. Die kohlenſaure Luft wird vom Boden aufgenommen, darin zerſetzt, und dieſer alſo mit Kohlenſtoff bereichert. 203 Sechstes Capitel. Vom Abplaggen und Brennen des Rafens. (Paring and burning. Sodburning.). 209 Beſchreibung dieſer Vorrichtung.. ⸗ 210 Was dafuͤr und dagegen geſagt worden... 213 Unleugbare Wirkung derſelben in den erſten Jahren. 213 Nachtheil in den folgenden, wenn man das Land durch er⸗ ſchoͤpfende Erndten ausſaugt.. Beſtellung des Landes, wobey es in Kraft bleibt. 214 Nutzen dieſer Operation, auf örtliche Verhältniſſe einge⸗ ſchraͤnkt.. 215 Siebentes Capitel. Vom pfluͤgen.„. 27 Erforderliche Qualitaͤten der Werkzenge. 5 Unterſchied zwiſchen Leichtigkeit im Gewichte eines Pfluges und Leichtigkeit in Ruckſicht des erforderlichen Kraft⸗auf⸗ wandes beym Gebrauche. Beyde ſtehen oft im umge⸗ kehrtem Verhaͤltniſſe. 6 Vorzuge im Vau der engliſchen Pfluge vor den unſrigen. 220 pfluͤge XVII Pflge mit und ohne Raͤder. Letztere von maſſivem Eiſen. Zuſammengeſetzte Pfluͤge der Englaͤnder... Iſtes rathſumer, das Land voroder nach dem Winter um⸗ zubrechen?.... 6 Wie oft ſoll man pfluͤgen?.. 4 Soll man tief oder flach pfluͤgen?— Ein Dialog zur Aus⸗ einanderſetzung dieſer verwickelten Frage. 2 Anlegung der Ackerbeete, beſonders auf huͤgeligten Feldern. Das Pflügen ins Kreuz oder in die Quer. 8 Achtes Capitel. Vom Eggen und Walzen. 1. Verſchiedenheit der Meinungen, ob men nach dem Pfluͤgen unmittelbar eggen, ober bis kurz vor der nächſten Fur⸗ che damit warten ſolle?.„ Ob man durch das Eggen die Quecken im Lande zerſtoͤren koͤnne?... 5 1 Wird von dem Verfaſſer bezweifelt.... Seine Methode, das Land queckenrein zu machen. Engliſche Schlangen⸗ Eggen.„.. Gebrauch der Walze iſt in England allgemein. „„. —* Neuntes Capitel. Trockenlegung des Ickers durch Waſſer⸗ leitungen unter der Erde. Un⸗ derdraining. . ⁸ Wichtigkeit und großer Nutzen dieſer Operation. Beſchreibung derſelben.. 3. 2. Die Koſten werden von einem Pochter, der nur ſicher iſt, ſeine Pochtung drey Jahre zu behalten, angewandt. Berechnung derſelben.. .„ *** Seite 22 223 243 244 244 244 246 249 250 252 253 254 254 258 5* Zehn⸗ XVII4 gehntes Capitel. Seite- Von der Braache und Fruchtwechſel. 264 Die Lehre vom Fruchtwechſel wird von den Deutſchen ver⸗ nachlaͤſſiget. 2 261 Wärim des, was Reſchard im Land⸗ und Gartenſchatze daruͤber ſagte, ſo wenig Aufmerkſamkeit erreget. Aufmerkſamkeit und Unterſuchungen der Euglaͤnder uͤber dieſe Muterie... 6 253 Streit uͤber die mwtt und Eutbehrlichteit der Braache... 263 Feſiſetung des Begriffs von. Braache.. 265 Gruͤnde der Vertheidiget der Braache. Von den Gegnern tet... 269 Fruchtwechſel, der die Braache entbehrlich n. 2 Practiſche Verſuche, um die beſte Art des Fuoneſu fuͤr jeden Boden zu beſtimmen.. 2 Specielle Beantwortung der Gruͤnde en die abſchaffung der Braache.... 3 232 Beſondre Beobachtung uͤber die zehniihriz e Fruchtbarkeit der Felder nach einmahl'ger Duͤngung, bey einem gu⸗ ten Fruchtwechſel, zu Elbingerode am Hatz.. 288 Elftes Capitel. Die Norfolker Wirthſchaft. 291 Vorzuͤgliche Metkwürdigkeit dieſer Wirthſchaft, wodurch ein ſehr ſteriler Boden zu einem auſſerordentlichen Er⸗ trage gebracht worden.. 291 Das Norfolker Clima und Boden... 293 Betriebſamkeit der Norfolker, und deren Urſachen. 295 Koppeln, Einthejlung der Felder... 297 Einige Ss in der Behandlung zi Ru⸗. en, S — — XIX Seite ben, der Gerſte, des Klees, Raygraſes und Weitzens daſelbſt. 2.. Viehzucht in Norfolk.„.... * Zwoͤlftes Capitel. Der Ruͤbenbau.. Welche Ruͤben die Engländer Turnips nennen... Welcher Boden dazu am ſchicklichſten? 2. Bereitung des Ackers dazu... ⸗. Die Ausſaat. 5. ⸗... Das Behacken, und was die Englaͤnder vegetating pro- cels nennen.. .* e ⸗ ⸗ Aufnehmen des Saamens. 8.. Der Haupifeind der Ruͤben, der Erdſtoh oder die Fliege. Berechnung der Koſten und des Ertrages. Benutzung derſelben.. 2 * 6 —* 6 Dreyzehntes Capitel. Der Moͤhrenbau.. Wird beſonders in Suffolk ſehr im Großen betrieben, und von A. Young für hochſt wichtig gehalten.. Schicklichſter Boden dazu. Ein tiefer, reicher, lehmiger Sand . ⸗. Er verbeſſert das n ſo, daß die Möhren auf dem⸗ ſelben Felde immer beſſer gerathen. .„„ * N 299 306 3²9 329 333 334 PVor⸗ XR. Seite Vorbereitung des Ackers.„. 335 PVortheilhafte Verwendung des Duͤngers zu Moͤhren. 336 Ansſaat.* 338 Das Jäten iſt oft nicht nothig; das Behacken aber nothwendig.„. 2.„ 339 Gehörige Entfernung, worin die durchs Behak⸗ ken zu ſenen..... 341 Das Aufnehmen und Se.. 345 Berechnung der Kofen... 332 Geſammlete Erfahrungen uͤber den Ertrag.. 348 Die Beſtimmung ihres eigentlichen Werths zur Futte⸗ rung und Maſtung. 3 Merkwuͤrdige Venutzung der Moͤhren zum Pferdefutter. 354 Petrachtungen uͤber den Vortheil dieſes Baues. 357 Vierzehntes Capitel. Der Kohlbau.„ 5 359 Große Atten von Weißkohl in England: Der ſchottiſche, der amerikaniſche Kohl.. 2 359 Ertrag und Werth eines Actes Kohl zur Viehmaſtung. 362 Vereitung des Ackers zum Fohl.„.. 364 Koſten des Kohlbaues.... 365 Wuͤrdigung deſſelben, in Ruͤckſicht auf die ganze Wirth⸗ ſchaft..—.*—„*** 366 Ob Milch und Putter von der Kohlfutterung annehmen?„.. 36 Kohl — KXI Seite Kohl zwiſchen gedrillte Bohnen. 2* Die Kohlruͤbe.. 6„*„. 368 Funfzehntes Capitel. Der Kartoffelnbau.. 370 Der Kartoffelnbau verdient noch genauere Beobachtung und Verſuche.*. 370 Unzaͤhlbare Ab⸗arten der Kartoffeln.. Ob der Saamenſtaub auch auf die Wurteln Einfluß habe? 373 Unterſcheidungszeichen der mancherley Kartoffel⸗arten. 374 J. die engliſche Kartoffel, Surinam- oder Cluster⸗ Patatoes. 5.. 376 2. Die Zuckerkartoffel. The Hidney.. 3. Die hollaͤndiſche Kartoffel(The Champion) ſteht zwiſchen beyden in der Mitte, nnd naͤhert ſich in manchen Abartungen bald der erſten, bald der zwey⸗ ten.„ 2 ⸗ 6 378 Die Art des Bodens veraͤndert die Fartoffel.„ 38 Die rothſchaligen, worunter die ſchwarzrothe, the chesnut, Kaſtanien⸗Kartofftl, die vorzuglichſte. 380 Von hier herab werden ſie immer ſchlechter und zugleich zutraͤglicher, bis zur rothen Viehlartoffel.. 381 Jedem Voden iſt eine beſondere Kartoffeln⸗art am ange⸗ meſſenſien..... 382 Die Auswahl der Pflanzkartoffeln ſcheint auf den groͤßern oder geringern Ertrag viel Einfluß zu haben.„ 332 Mannigfaltige Arten, die Kartoffeln zu bauen.„ 384 Ob das Grabſcheit dabey den Vorzug vor dem Pfluge habe? XXII habe? Der Anſchein iſt fuͤr erſteres; nach genauerer Unterſuchung verdient ihn aber der letztere. Drey Methoden, ſie nach dem Pfluge zu bauen.. Gebrauch des leichten Pfluges oder der einfachen Pferde⸗ hacke zum Bearbeiten. . ⸗ .—.. 388 Auswahl der Pflanzkartoffeln, und Eutfernung, worin ſie zu legen ſind. 390 Anderſons PVerſuche uͤber den Vorzug der ganzen oder der zerſchnittenen Setzlinge, und äber die Ent⸗ fernung, worin ſie gelegt werden müſſen. 2391 Deſſelben Verſuche uͤber den Einfluß bes früher abge⸗ ſchnittenen Krautes auf den Wachsthum der Kar⸗ toffeln.„. 3* 393 Deſſelben Verſuche uͤber den Verluſt beym fruͤheren Aufnehmen der Kartoffeln.. 394 Zweymahlige Kartoffeln⸗Erndte in einem Jahre, uf einem Flecke, vom Voard of Agriculture, nur bey der Gefahr des Kornmangels, empfohlen. 305 Spaͤte Pflanzung der Kartoffeln geraͤth oft. 396 Koſten, Ertrag und Vortheil beym Kartoffelbau.. 396 Der Duͤnger wird zu Kartoffeln immer ſehr nuͤtzlich verwandt....... 398 Wirkung der Kartoffeln auf das Land, und ihr Einfluß auf die folgenden Fruͤchte... 3 Vorurtheiie mancher Aerzte, gegen die Kartoffeln, ſind ungegruͤndet.... 404 Große Maſſe animaliſcher Nahrung, welche man durch die Kartoffeln dem Acker abgewinnet.. Ochſen⸗Maſtung mit Kartoffeln. 3 2 Seite 384 336 XXIII Venutzung fuͤr das Milchvieh 6. —— zur Pferdefuͤtterung.. 414 —— zur Schweinemaſtung.... 415 —— fuͤr Schaafe. ² 5. 3 416 Krankheit der Kartoffeln, welche man in England Curl nennet. 2 8 12 Erziehung der Kartoffeln aus Saamen.. 1 418 Doppelte Vegetation der Kartoffeln in einem Som⸗ mer..... 420 Verſuche und Berechnung uͤber den relativen Werth der im 12ten— 15ten Capitel beſchriebenen Futter⸗ gewaͤchſe gegen einander und gegen das Heu.. 421 Sechszehntes Capitel. Allgemeine Vemerkungen uͤber die Ge⸗ traidearten und deren Bau.. 425 Der Weitzen— deſſen Varietaͤten in England. Verſuche um die vorzuͤglichſte Art auszumitteln.. 426 Einbeitzen iſt gegen den Roſt und Brand unnuͤtz befun⸗ den... 5..* 433 Die vortheilhafteſte Qnentitaͤt der Einſaat hat Young durch genaue Verſuche und geſammlete Beobachtun⸗ gen beſtimmt... 436 Die beſte Saatzeit..... 444 Die Gerſte..... 445 Youngs Verſuche, die vortheilhefteſte Quantität der Einſaat zu beſtimmen.„. 446 Die XXIV Seite Die Untichtigkeit der Maxime, reiches Land ſtark, armes Land ſchwach zu beſaͤen. 3 449 Einweichung der Gerſte vor der Ausſaat.. 452 Saatzeit derſelben.„.. 453 Der Hafer.— Verſchiedene Arten deſſelben.. 453 Wird hauptſachlich in den Graslaͤndern in die umge⸗ brochene Narbe geſaͤett.„.. 454 Quantitaͤt der Ausſaat. .*—* 455 Unterpfluͤgen des ſchon gelaufenen Hafers, wonach er deſto ſtärker wieder hervorköͤmmt.. 457 Der Rocken— wird in England faſt allein zum Abfuttern im Fruͤhjahre geſaͤet.. 6. 457 Der Buchweitzen.— Der Werth dieſer Frucht wird im⸗ mer mehr von den Englaͤndern anerkaunt. 459 Siebenzehntes Capitel. Von den Huͤlſenfruͤchten. 463 Warum ſie von den Englaͤndern unter die verbeſſernden Fruͤchte, meliorating orops, bey uns unter die Braachfruͤchte gerechnet werden... 464 Die Bohnen.— Das Behacken derſelben wird in England allgemein als vortheilhaft anerkannt.„ 2 465 Vorzug der in Reihen geſaͤeten.„. 466 Der Duͤnger wird am vortheilhafteſten auf das Boh⸗ nenfeld gebracht. 2... 468 Koſten und Ertrag eines mit der Hand gepflanzten und gepyferdehackten Bohnenfeldes. 469 Die — XXV Seite Die Erbſen— werden in England von guten Wirthen allgemein behacket und in Reihen geſaͤet. 477 Die Wicken werden hauptſaͤchlich zur gruͤnen Abfutterung, und um Heu daraus zu machen, gebauet.. 472 Die Wicken verbeſſern das Land, beſonders wenn ſie gruͤn abgemähet werden.... 473 Die Winterwicken der Englaͤnder, welche im Herbſt ge⸗ ſuͤet und ſo fruͤh gemähet werden, daß noch Gerſte in die Stoppel geſaet werden kann. 8 Achtzehntes Capitel. Die Drill⸗oder Pferdehacken⸗ Wirthſchaft... Urſprung und Bedeutung des Worts.. 8 Geſchichte dieſer Beſtellungsart. LTull iſt der Erfinder der ältern Drillwirthſchaft. Dü Hamel und Cha⸗ teauvieur pflanzen dieſe Erfindung fort. A. Youngs Verſuche fallen zu ihrem Nachtheil aus. Doch hat ſie noch jetzt ihre Vertheidiger.... 479 Entſtehung der neuern Drillwirthſchaft.„. 155 Beſchreibung der Inſtrumente: des Ducketſchen Drill⸗ yflugs, der Saemaſchine, der Pferdehacke*).. 487 Genaue Verechnung der Koſten, welche dieſe Beſtellungs⸗ art mehr wie die gewoͤhnliche veranlaßt.. 492 Vor⸗ *) Der Hr. Hoffiſcher Duwe in Zee äbernimmt⸗ die Beſor⸗ gung dieſer und anderer engliſcher Ackerwerkzeuge fuͤr Lieb⸗ haber, die ſich an ihn wenden⸗ XXVI Seite Vortheile, welche man ſich, der Theorie nach, von dieſer Beſtellungsart verſprechen kann.„ 3 ⸗ 494 Werden durch die Erfahrung beſtatiget... 497 Zeugniſſe fuͤr dieſelbe aus England. 2 498 Verſuche, die damit im Hannoͤveriſchen angeſtellet wor⸗ den...* 503 — zu Ohſen, durch den Herrn Amtmann von Graͤvemeyer. 5 563 —— zu Wittenburg, unter der Direction des Hrn. Oberamtmann Weſifeld. S. 513, und auf den banebenſtehenden Tabellen.. 3 573 —— zu Marienwerder, durch Herrn Hofrath von Hinuͤber.. 8 515 —— zu Zelle, von Herrn Stallmeiſter Koch und Hrn. Duwe.. ⸗... 35316 Zweifel und Einwuͤrfe, welche gegen dieſe Veſtellungsart von einſichtsvollen Maͤnnern gemacht worden. Beantwortung eines Theils derſelben. ² 521 Allgemeine Reſultate aus dieſen Widerſpruͤchen, uͤber den Werth und vie Anwendbarkeit dieſer Wirth⸗ ſchaft........ 324 Neunzehntes Capitel. Vom rothen Klee... 5326 Widerſpruͤche und Luͤcken in der Lehre vom Kleebau, bey den landwirthſchaftlichen Schriftſtellern.. 3 3 Unrichtiger Piatz, den ihm die Meiſten in der Folge der Fruͤchte auweiſen... 8 3 YPoungs XXVII Seite Poungs merkwuͤrdige Perſuche mit dem Klee, zur Be⸗ ſtimmung des ſchicklichſten Bodens fuͤr ihn. 5337 In welche Saat nach der Braache oder Breochfrucht er geſaͤet werden muͤſſe? Entſchieden in der erſten! 532 Werth der Ueberduͤngung des Flees. 6 3 539 Ueber die beſte Benutzung bes Klees.„. 347 Ueber die Ausſaat des Klees ohne andere Frucht. 544 ueber die vortheilhafteſte Quantitaͤt des Saamens.. 545 Reine Kleeſtoppel iſt die beſte Mutter(matrin) des Weitzens.... 549 Der Acker wird des Kleetragens muͤde. Angebliche ur⸗ ſach hiervon.„..„. Zwanzigſtes Capitel. Luͤcerne, Esparcette und andere Fut⸗ terkränter„ 3 Dreyerley Arten, die Luͤcerne zu bauen.„ 54 Beſchreibung der breitwuͤrfigen Cultur.. 557 Beſchreibung der Drillcultur in Zwiſchenraͤumen von einem, zwey und drey Fus.„*. 560 Beſchreibung der Verpflanzungsmethode.. 367 Esparcette. Felder, auf welchen ihr Bau vortheilhaft. 363 Sie verlaugt durchaus einen Untergrund von Kalk⸗ ſtein.. 364 Verſchiedene andre Futterkraͤuter. 2. 370 Fuͤnſtlich angebauete Graͤſer.„ 33 Ein XXVIII Seite Ein und zwanzigſtes Capitel. Behandlung der Wieſen.. 35335 Sonderbare Meinungen, welche daruͤber unter dem groͤßten Theile engliſcher Landwirthe herrſchen Der gewöhnliche engliſche Landwirth glaubt, man duͤrfe Wieſen nicht alle Jahre maͤhen, ſondern muͤſſe ſie wenigſtens ums dritte Jahr abweiden laſſen. 586 * Zweymahle in einem Jahre werden ſie nie gemaͤhet. 537 Das Heu bleibt gewoͤhnlich auf den Wieſen in Feimen ege en, und wird daſelbſt im Winter verfuttert. 588 Duͤngung der Wieſen. Vortheilhafte Benutzung des Duͤngers dazu.. 1* 5339 Das Walzen der Wieſen iſt, nach Youngs Verſuchen, nachtheilig... 01 Wieſenwäſſerung, beſonders in Wiltſhire.. 35392 Geſchichte und Gruͤnde dieſer Kunſt... 593 Wieſenwaͤſſerung mit Auffangewerk— Catchworck meadovs— an Baͤchen... 8 595 Fluthwieſen— Flowing meadovs— an groͤßeren Fluͤſfen. ⸗ ⸗ ⸗. 597 Ungegruͤndeter Vorwurf, daß ſolche Wieſen eine Gegend ungeſund machen.... 599 Unentbehrlichkeit dieſer Wieſen bey der Wiltſhirer Schaaf⸗ zucht.„... 599 Beſchreibung des Verfahrens bey der Waͤſſerung in Wilt⸗ ſbire.„.. 600 Streitfrage, ob das friſche Quellwaſſer, oder das ſchon weit geſtoſſene und Duͤngertheile mit ſich fuͤhrende Waſſer fruchtbares ſey? Die Erfahrung entſcheibet fur erſteres. 603 Zwey XXIX Seite Zwey und zwanzigſtes Capitel. Die Rindviehzucht. 2 608 Haupt⸗arten des Rindviehes in England. Die kurzhoͤr⸗ nige Art— die langhörnige— die hoͤrnerloſe— die Norfolker— die Suffolker— 5. 609 Verbeſſerte Art dutch Bakewel zu Diſhley— Deſſen Syſtem der Viehzucht— Auf welche Weiſe er ſeine Race hervorbrachte— Hohe Preiſe, wozu Zucht⸗ iuhe und Spriug⸗ochſen dieſer Art verkauft und vermiethet werden. Dieſe Art iſt nur vorzuͤglich zur Maſtung, nicht zur Mellerey.. 615 Maſteng des Rindviehes auf Weidekoppeln.— Wird auf den Weidekoppeln, ſelbſt im Winter, mit Heu fortgeſetzt. 620 Maſtung mit Korn— Helkuchen— Leinſuamen. 623 Verſuche mit den Maſtungsarten durch das Wiegen lehendiger Thiere. Die Molkenwirthſchaft in England hat, außer dem Kaͤſemachen, nichts Vorzügliches. 2. 630 Die Sommer⸗Stallfutterung iſt in England faſt voͤllig unbekannt.„„„„..„ 632 Drey und zwanzigſtes Capitel. Die Schaafzucht. 5 636 Anſcheinende Widerſpruche in dem, was man von engli⸗ ſcher Schaafzucht lieſet.. 636 Vierzehn Haupt⸗arten von Schaafen in Großbrittannien. 638 In verkoppelten Gegenden und Wirthſchaften wird die neue, von Vakewel hervorgebrachte Diſhleyſche Art, faſt einſtimmig vorgezogen.. 8.. 646 Ent⸗ xRx Seite Entſtehung dieſer Roce.... 646 Betrieb damit. Hauptzuͤchter(Rambreders).. 643 Beſchreibung eines Schaafs dieſer Art, und ſeiner Vor⸗ zuge..... 649 Verſchiedene Guͤte des Schaaffleiſches.— 653 Ungeheure Fettigkeit.... 653 Ob bey der Schaafzucht mehr auf Wolle oder auf Schlachtvieh zu ſehen ſey? Die Engliſchen Landwir⸗ the behaupten zum Theil letzteres. 8 660 Merkwuͤrdiger Betrieb mit Veredelung der Schaafe und dem Vermiethen der Boͤcke.. 2 661 Enorme Preiſe, die fuͤr die Hauptboͤcke bezahlt werden. 66 Nachtrag zum erſten Capitel. 675 In wiefern die Verfaſſung der ackerbautreibenden Staͤnde zu der hohen Landescultur in der meiſten Gegenden Englands beygetragen. 2. 6 675 Weder von großen Güterbeſitzern, noch von unſerm jez⸗ zigen Bauernſtande iſt jemahls eine ſolche Induͤſtrie zu erwarten... 3 65 Deutſche Landwirthſchaft ließe ſich nur durch eine An⸗ naͤherung zur engliſchen Verfaſſung, in Ruͤckſicht je⸗ ner Staͤnde, heben... 678 Man gebe dem Mittelſtande mehrere Gelegenheit, ſeine Thaͤtigkeit und ſein Vermoͤgen dem Ackerban zu wid⸗ men.. 678 Hierdurch wuͤrde zugleich der gefaͤhrlichen Anſchwellung dieſes Standes vorgebeuget.. Nach⸗ dc)— —— XXRI Seite Nachtrag zum zweyten Capitel. Idee zur Errichtung einer Academie des Ackerbaues. 681 Die Ausfuhrung derſelben iſt vielleicht irgend einem deutſchen Fürſten vorbehalten... 682 Ungefaͤhrer Plan eines ſolchen Inſtituts.. 4 682 Drey Claſſen von Zoͤglingen... 687 Vortheile eines ſolchen Inſtituts fuͤt junge Leute aus den gebildetern Ständen.. 2 688 Vortheile, welche der Staat und der Banernſtand, durch Anziehung geſchickter Ackerknechte, von dieſem Inſtitute haben wuͤrde.... 6 Verbindung dieſes Inſtituts mit ſchoͤnen Garten- An⸗ en. 2. 3 697 A. Youngs urtheil uͤber die Gartenkunſt und die Gaͤr⸗ ten. Welche Gefuͤhle ein ſchoͤnes Gartenſtück errege? 693 Welche Gefühle eine Anlage dieſer Art erregen wuͤrde? 695 (Gegenwaͤrtig hat der verdienſtvolle Hr. Etatsrath Vongt zu Flotbek, in der Nachbarſchaft von Hamburg, dieſe Idee zum Theil ſchon realiſirt.) Nachtrag zum dritten Capitel. Ob die Kunſt der Landwirthſchaft mehr durch angeſtellete einzelne Verſuche, oder durch Beobachtung verſchiedener Wirthſchaftsarten im Ganzen gewinne.. 3 698 ueberſicht verſchiedener beruͤhmten Wirthſchaftsarten; be⸗ ſonders der Holſteinſchen. Beſchreibung und Verſuch einer Berechnung derſelben. 706 Der XXRt Seite Der Meklenburgiſchen. Beſchreibung und Berech⸗ nung ihres Ertrages... 0 Worin ihre Vorzüge und ihre Maͤngel beſtehen?. 736 Vorſchlaͤge, ihren Maͤngeln abzuhelfen, und mehrere Energie hineinzubringen... 2739 Die Stallfuͤtterungs⸗WVirthſchaft.. 52 Verbindung der kuͤnſtli 4e mit dem Weide⸗ gange.. ² 2768 Die Brabanter⸗ oder wirdetſirvifct Wirth⸗ ſchaft.—*——*——— 27 Ein⸗ Einleitung. Wen die animaliſche Natur,— die leider! in ihrem kranken Zuſtande der Gegenſtand meiner ernſteren Unterſuchungen und Geſchaͤfte iſt— mei— ne Kraͤfte erſchoͤpfet hatte; ſo fand ich, ſeit jeher, bey der geſunden vegetabiliſchen Natur Er⸗ bolung und Aufbeiterung. Ich war Botaniker, Blumiſt, Gaͤrtner. Aber Botanik war mir hier zu ſteril; das Blumenbeet ward mir zu kleinlich; ein Garten zu enge und zu einfoͤrmig. Ich hatte Gelegenheit, einen betraͤchtlichen„ ſchoͤn⸗ gelegenen Platz zu erkaufen, in der Nachbarſchaft des hieſigen fruchtbarern Stadtfeldes, und bald dar⸗ auf mehrere Aecker und Wieſen, die zuſammen⸗ A ge⸗ genommen eine kleine, aber vollſtaͤndige, Wirthſchaft ausmachen konnten. Alſo ward ich Landwirth in den Stunden meiner Muſſe, und ruhete hinter dem Pfluge aus von meinen Arbeiten. Allein das Mangelhafte des hieſigen Schlen⸗ drians konnte mich nicht befriedigen. Ich wollte meine Aecker in die möglich hoͤchſte Cultur ſetzen, meiner Wirthſchaft einen feſten, regelmaͤßigen Gang geben. Ich ſtudirte einige der beruͤhmteſten land⸗ wirthſchaftlichen Autoren, und zog aͤltere Decono⸗ men, beſonders einen enthuſiaſtiſchen Verehrer Schubarts von Kleefeld, zu Rathe. Was den Verhaͤltniſſen meiner Wirtbſchaft angemeſſen ſchien, brachte ich mit großer Anſtrengung in Ausuͤbung, hatte im Fruͤhjahr die höchſten Er⸗ wartungen von meinen Operationen, und bey der Erndte gänzlichen Miswachs.— Zuweilen haͤtte ich gern in den ſatyriſchen Witz uͤber theoretiſche und gelehrte Landwirthe, den man oft in Bier⸗ ſchenken und laͤndlichen Klubverſammlungen anhoͤ⸗ ren kann, mit eingeſtimmt. Aber ich beſann mich und lachte nur uͤber mich ſelbſt. Viel zu wenig, ſagte ich mir, haſt du noch die Landwirthſchaft ſtudiret, viel zu wenig alle Verhaͤltniſſe erwogen, um mit glͤcklichem Erfolge neue Beſtellungsarten, neue Fruͤchte einzufuͤhren. Aller⸗ 1 n O¹ 1 Allerdings iſt die Wirthſchaft hieſiger Gegend höchſt unvollkommen; aber um etwas beſſeres an ihre Stelle zu ſetzen, muß man erſt das Ganze der Landwirthſchaft kennen, und, mit Ruͤckſicht auf die Beſchaffenheit des Bodens und Localverhaͤl niſſe, es anzuwenden wiſſen. Die Landwirthſchaft muß vor allem eines wiſſenſchaftlichen Syſtems faͤhig ſeyn. Keine andre Erfahrungswiſſenſchaft kann aus den Beobachtungen aller Voͤlker und aller Zeiten ſo viele Data ſammlen, wie dieſe; keine die etwanigen kuͤcken durch Anſtellung genauer Verſuche ſo leicht ausfuͤllen, wie dieſe. Keine erregt uͤberdas ſo vieles Intereſſ; keine gewaͤhrt dem Fleiße und Talente ſo ſichere, ſo unmittelbare Belohnung. Alle Hulfswiſſenſchaften, deren ſie bedarf— NRaturlehre, Chemie, Kräuterkunde, Thierarzneykunde— haben ſich in unſern Tagen ſo bewundernswuͤrdig gehoben.— Ein richtiges, auf reine Erfahrung gegruͤndetes Syſtem muͤßte aber jeden, der Anwendung faͤhigen Kopf in den Stand ſetzen, eine angebauete oder noch wuͤſte Erd⸗ flaͤche— nachdem er ſie geboͤrig unterſucht— zu dem möglichſt hoͤchſtem Ertrage zu bringen. Ein kluger unterrichteter Landwirth muß dadurch uͤber alle örtliche Gewohnheiten und ſchwankende Empirie weggeſetzet ſeyn; muß unter allen möglichen Ein⸗ richtungen der Wirthſchaft, der Beſtellung, des Viehſtapels, der Anſpannung, die auf irgend ei— nem Flecke des Erdbodens gebraͤuchlich ſind, grade N 2 das das fur ſich auswahlen koͤnnen, was fur ibn am zweckmäͤßigſten iſt. Jeden Staat muß ein ſol⸗ ches Syſtem lehren, wie er ſeinen Flaͤchen⸗inhalt, die Beſchaffenheit ſeines Bodens und die Summe ſeiner arbeitenden Kraͤfte zum hochſten Wohlſtande des Ganzen benutzen koͤnne. Ein ſolches Syſtem ſuchte ich in allen den ſy⸗ ſtematiſchen Werken, die ich auftreiben konnte. Freilich fand ich Syſteme genug, aber keins, das auf dem feſten Grunde der Erfahrung und ge⸗ nauer Verſuche beruhete. Vielleicht, dachte ich, baben es gerade die ſchatzbareren Schriftſteller uͤber Landwirthſchaft noch nicht gewagt, ein Syſtem aufzuſtellen. Aber bey allem, was in der letzten Haͤlfte dieſes Jahrhunderts in Deutſchland uͤber Landwirthſchaft geſchrieben, größtentheils von practiſchen Landwir⸗ then geſchrieben iſt, kann es doch an Materialien dazu nicht fehlen. Alſo las ich nun alles, was in Bibliotheken und Buchlaͤden zu haben war,— nicht blos meiner kleinen Wirthſchaft, ſondern der Wiſſenſchaft, jenes Ideals wegen, was ich mir davon gemacht hatte. Aber auch hier betrog ich mich in meinen Er⸗ wartungen. Ein Theil deutſcher landwirth⸗ ſchaft⸗ — —„8„„ — ſchaftlicher Schriftſteller, und zwar dieſer der gruͤndlichſte, beſchrieb Wirthſchaftsarten, die dem Verfaſſer oder ſeiner Gegend eigenthuͤmlich waren. Von dieſer Gattung haben wir ſehr ſchaͤtzbare Werke, beſonders ſolche, die die Mecklenbur⸗ giſche und Hollſteinſche ſogenannte Koppel⸗ wirthſchaft richtig beſchreiben und berechnen, und ihre Modificationen nach Beſchaffenheit des Bo⸗ dens beſtimmt angeben. Fuͤr alle, welche dieſe bequeme Wirthſchaft treiben wollen und koͤnnen, iſt vortrefflich geſorgt. Auch iſt vielleicht nach den ſtatiſtiſchen Verhaͤltniſſen, beſonders von Meck⸗ lenburg, keine beſſere moglich. Daß ſie aber die vollkommenſte unter allen denkbaren, oder nur unter allen wirklich im Großen und in ganzen Pro⸗ vinzen exiſtirenden ſey, koͤnnen nur kurzſichtige Enthuſtaſten behaupten. Eine zweyte Claſſe von Schriftſtellern macht eine einzelne, vielleicht allgemein oder oͤrtlich gute Operation zum Grundpfeiler der ganzen Landwirth⸗ ſchaftskunſt. Sie iſt ihr Eins und Alles. Der vollkommene Stein der Weiſen! Ibr Ge⸗ baͤude ſteht nett und ſchön da, wie ein luftiger Taubenſchlag. Aber bey jeder zufaͤlligen und un⸗ vermeidlichen Aufhebung des Gleichgewichts, liegt es zertruͤmmert. Die Stallfuͤtterung— aller⸗ dings eine große Erfindung der Deutſchen— und Kleebau in der Brache, ſind bey vielen das non non plus ultra der Wirthſchaft. Wer kennt nicht die Bibliotheken von Streitſchriften, die hieruͤber berauskamen, und die Erbitterung der Gegner! Faſt jeder denkende deutſche Oeconom nahm Parthey fuͤr oder gegen die Sache. Aber wer hat ſie unpartheyiſch unterſucht? Wer hat gezeigt, unter dieſen Verhaͤltniſſen und Beyhuͤlſen iſt ſie möglich, rathſam und ſicher; ohne ſie nicht? Noch iſt es, nach allem Wortwechſel, durch keine Verſuche ausgemacht, ob der Klee das Land ausſauge oder bereichere? Eine dritte Claſſe von Schriftſtellern, wel⸗ che allgemeine Lehrbuͤcher lieferte, beſtand groͤßten⸗ theils aus ſolchen, denen es an eigner Erfahrung oder an Beobachtungsgeiſte mangelte. Wenn ſie nicht einem Wirthſchafts-Syſtem gehuldiget hat⸗ ten, ſo ſieht man ihnen das Schwankende und Sic beym erſten Anblicke an. Sie wider⸗ ſprechen ſich auf jedem Bogen, indem ſie, bald bier, hald dort, etwas hernehmen und es nicht zu vereinigen wiſſen. Der praetiſche Heconom wird, ſo wie es mir ging, wenig Troſt bey ihnen finden. In eine vierte, und dies iſt die zahlreichſte Claſſe, ſetze ich diejenigen Schriftſteller, welche das von Einigen aufgeſtellte Problem: mit dem moͤg⸗ —-—.——— ——— ——— — möglichſt geringſten Aufwande den nach Verhaͤlt⸗ niß hochſten Ertrag herauszubringen, practiſch gelöſet haben.— Der geringe Aufwand naͤmlich war— ihre Geiſtes⸗Kraft; der Ertrag, kärgliches Autoren⸗Tagelohn! Ihr Pflug iſt die Feder, und das Papier ihres Verlegers der Acker, worauf ſie arbeiten. Sie beſitzen eine Gabe von Weitſchweifigkeit, womit ſie Materie fur ein Kartenblatt zu dicken Baͤnden aufſchwel⸗ len. Der trivialeſte Satz wird, wie in einer langweiligen Symphonie, in hundert Variationen uns vorgeleyert, ohne darum mehr Klarheit und Beſtimmtheit zu erhalten. Dieſe Claſſe bekommt gewöhnlich die von den deonomiſchen Societäten ausgeſetzten literariſchen Preiſe. Hierzu kömmt nun noch eine fuͤnfte, gleich⸗ falls zahlreiche Claſſe von Sammlern und Compi⸗ latoren, die, ohne alle vernuͤnftige Auswahl, das wieder abſchreiben, was ihnen das Schickſal dar⸗ bietet. Durch das ſchimmernde Aushänge Schild des Titelblattes wird dann beſonders der nach Kenntniſſen oft hungrige Landmann mit dieſer loſen, aufgewaͤrmten Speiſe betrogen. Ich war, nachdem ich ſo viele Baͤnde uͤber Landwirthſchaft durchgeleſen, in den erſten Grund⸗ ſatzen ungewiſſer, als vorher. Ich fand faſt nir⸗ gends gends richtig angeſtellete Verſuche, um zu erweiſen, daß dieſe Wirkung nur von jener, und keiner an⸗ dern Urſache herruͤhre. Hoͤchſtens war die totale Wirkung einer Menge theils bekannter, theils unbekannter Agenten beobachtet. Wie ſie durch Vermehrung, Verminderung oder Ermangelung eines oder des andern erhoͤhet, aufgehoben oder modificirt worden ſey, daruͤber fand ich, auch in Anſehung der wichtigſten Streitfragen, nichts in den Archiven dieſer Kunſt. Viele hundert Rieß Papier wurden aufgeopfert, um eine Streitfrage zu verwirren, die auf einem Acker von etlichen Morgen in wenig Jahren auf immer entſchieden waͤre. Aber von ſolchen Verſuchen, wobey man faſt nichts dem Zufalle uͤberlaßt und der Na⸗ tur die Antwort auf eine vorgelegte Frage ab⸗ zwingt,— wußten unſte gelehrten Oeconomen nichts. Genaue öconomiſche Berechnungen vermißte ich noch mehr. Der Ertrag des Bodens war faſt immer nur nach der Koͤrner⸗Vermehrung der ungewiſſen Einſaat angegeben. Aber uͤber das Verhaͤlmiß der Arbeit und der Beſtellungskoſten zum Ertrage fand ich faſt nichts, weder im Ein⸗ zelnen, noch im Ganzen. Daß fleiſſiges Bear⸗ beiten eintraͤglichere Erndten gäbe, dieſe große Wahrheit fand ich zwar bey einigen. Andre machten ſie ſogar zweifelhaft, denn ſie bildeten ſich ein, — ein, daß das fleiſſigere Bearbeiten nicht anders als widerſinnig angeſtellt werden könne. In wel⸗ chem Verhaͤltniſſe aber der Ertrag die Koſten mehrerer, zweckmaͤßig angeſtellter Arbeit be⸗ lobne? das war ſo wenig bey einer beſtimmten Beſtellung eines Morgens ausgemacht, als bey ganzen Wirthſchaften. Wie wuͤrde ſich ein Spann Pferde oder Ochſen, auf dieſem Gute von 800 Morgen Mittelboden mehr gehalten, bezahlen? Das kann man nicht wiſſen; darum laßt es beym Alten! rufen die Kluͤgſten. Wahr⸗ lich die Kluͤgſten, ſobald alle feſte Grundſätze hier⸗ uͤber noch fehlen. Was die Benutzung des Vie⸗ bes durch Aufzucht, Maſtung, Molkenwerk und den wahren Werth des Duͤngers, und dann wie⸗ der den eigentlichen Werth des Heues, der Futter⸗ kraͤuter, des Strohes, in Ruͤckſicht auf die vermebrte Erzeugung anderer Producte, anbetrifft, daruͤber ſind die Verhältniſſe noch durchaus unbe⸗ ſtimmt, und man ſchaͤtzt alles dies nach einem ſehr unrichtigen Maaßſtabe. Bergens vortreffliches Werk uͤber die Ver⸗ beſſerung der Viehzucht war das einzige, woraus ich belle und beſtimmte Begriffe uͤber das Ganze der Landwirthſchaft ſchöpfte. Ich kann dieſes claſſi⸗ ſche Werk, welches nur einige Berichtigungen und genauere Beſtimmungen erfordert, Anfungern in der Landwirthſchaftskunde nicht genug empſehlen. Bey — 10— Bey der Durchſuchung des deutſchen Buͤ⸗ cher⸗Schatzes, waren mir dann auch Ueberſetzun⸗ gen aus dem Engliſchen in die Haͤnde gefallen, vom Museum rusticum, von dem com- pleat body of huspbandry und mehreren an⸗ dern Schriften, aus den funfziger Johren. Aber ie ohne Sach- und Sprach⸗Kenntniß gemachten Ueberſetzungen mir das wenige Gute, was dieſe Buͤcher enthielten. Auch waren mir manche Bei ſpiele von verungluͤckten Nachahmun⸗ nder Englaͤnder, aus der Zeit nach dem ſieben⸗ jährigen Kriege, bekannt, und das Geſpoͤtte uͤber Anglomanie daurte noch fort. Alſo aus Eng⸗ land, glaubte ich, ſey gar nichts fuͤr uns zu ho⸗ len; die Guͤte des Bodens mache dort die Fehler der Wirthſchaft,— der Reichthum, den der Handel giebt, die verſchwenderiſchen Anlagen im Landhaushalte, gut. en — —. Aber grade wie mein Ekel gegen alle oͤcono⸗ miſche Lectuͤre aufs hoͤchſte geſtiegen war, erbielt ich einige der neueſten engliſchen Schriften im Originale. Wie ſehr erſtaunte ich, darin die genaueſten Beob⸗ achtungen, die ſorgfältigſt angeſtelleten Verſuche, die bis ins kleinſte Detail eingehenden Berechnun⸗ gen, die lichtolleſten Raiſonnements, und die eifrigen Forſchungen nach Wahrheit anzutreffen! Nun ſuchte ich mir ſogleich alle engliſche Werke, die ich als elaſſiſch kennen lernte, zu verſchaffen; und und fand ſie naͤher als ich glaubte, in der Bi⸗ bliothek meines guͤtigen Freundes, des Herrn Hof⸗ raths v. Hinuͤber zu Marienwerder. Ich habe ſeitdem die engliſche Landwirthſchaft mit ſolcher Aufmerkſamkeit ſtudiret, daß ich viel⸗ leicht, ohne in England geweſen zu ſeyn, beſtimm⸗ tere Nachrichten davon zu geben im Stande bin, als mancher, der England Jahre lang durchreiſet. Die Nachrichten, welche fluͤchtige Reiſende, ſelbſt ſolche, die Landwirthſchaft zu ihrem Hauptaugen⸗ merk genommen, daruͤber mitbringen, ſind höchſt einſeitig und widerſprechend. So klein der Um⸗ fang Englands gegen das Deutſche Reich iſt, ſo giebt es doch in dieſem kaum ſo viele, noch ſo auffallende Verſchiedenheiten in der Wirthſchafte⸗ art, wie in jenem. Es iſt daher nichts wider⸗ ſinniger, als von Engliſcher Wirthſchaft, ſo wie ſie wirklich ausgeuͤbet wird, im allgemeinen zu ſprechen. Dieſe Verſchiedenheit herrſcht nicht nur in der Ackerbeſtellung und Benutzung des Bodens, ſondern vorzuglich auch in Anſehung der Rindvieh⸗ und Schaßzucht. Wer daher von engliſchem Hornvieh und von engliſchen Schafen ſpricht, ſagt ganz etwas Unbeſtimmtes. Auch muß man nicht glauben, daß die Land⸗ wirthſchaft, in ihrer wirklichen Ausuͤbung, da⸗ ſelbſt — 12— ſelbſt allgemein ſchon einen hoben Grad von Cul⸗ tur erreichet haͤtte. Keinesweges! Vielmehr ſchreien die wahren Kenner oft uͤber die Bar⸗ barey, worin ſie den Ackerbau in manchen Di⸗ ſtrieten angetroffen. Doch hiervon an einem an⸗ dern Orte. Dieſer wirklich exiſtirenden Verſchiedenheiten ohnerachtet, giebt es aber doch in Enhland eine gewiſſe, allgemein anerkannte, boͤhere Landwirth⸗ ſchaft, die, modificirt nach dem Boden und der Lage, größtentheils wirklich ausgeuͤbt wird, und die alles, was wir ſonſt von Ackerbau im Gro⸗ ßen kennen, uͤbertrifft. Und die Gruͤnde, worauf dieſe beruhet, ſind nirgends ſo beſtimmt, ſo feſt, ſo zuſammenhaͤngend angegeben worden, wie in England; zumal in den neueſten Zeiten. Ohne allen Widerſpruch bat Arthur Young das groͤßte Verdienſt hievon. Was auch nicht durch ihn ausgefuͤhret worden, iſt doch durch ihn ver⸗ anlaßt. Unendliche Verdienſte hat er jetzt ſchon um dieſes Reich; unendliche, vermuthlich in der Folge um die ganze Menſchheit. Wie geht es aber zu, daß man bey der uner⸗ ſaͤttlichen Speculation der Deutſchen, auf alles, was was ausländiſch iſt, namentlich bey der gierigen Ueberſetzungsſucht aus dem Engliſchen,— oft in ſolchen Wiſſenſchaften, wo dieſe Nation den Deutſchen ſo ſehr weit nachſtehet, davon in Deutſch⸗ land ſo wenig erfahren, kaum etwas geahnet bat? Mir ſelbſt iſt dies faſt unerklaͤrbar. Vor etlichen Jahren erſchien zwar eine Ueberſetzung der beyden erſten Baͤnde der Annals of agricul- rure, wovon jetzt uͤber 150 Stück heraus ſind, im Auszuge. Sonderbar, daß erſt aus Peters⸗ burg, vom keibarzt Kruſe, eine Aufmunterung dazu kommen mußte. Aber damit bielt man ein. Dieſe Ueberſetzung macht es einigermaaßen begreif⸗ lich, warum wir nicht mehreres erbalten. Es iſt keine Handwerks⸗Arbeit, die um das literari⸗ ſche Tagelohn geſcheben kann. Man muß mit der Sache, mit dem engliſchen Ackerbau ſelbſt bekannt ſeyn, wenn man die Sprache, die vielen Provinzialismen, und die eigenen Ausdrucke fuͤr Werkzeuge und Operationen richtig verſtehen und deutlich uͤberſetzen will. Solche abgebrochene Stuͤcke, wie die Annalen enthalten, erfordern vorzuͤglich erlaͤuternde Anmerkungen, die ſich auf Kenntniß der Sache im Zuſammenhange grün⸗ den; nicht Verbeſſerungen in Johann Balhorns Manier. Da nun meines Wiſſens bis jetzt kein einziges Werk eriſtirt, welches die vollkommnere Engliſche Wirthſchaft gruͤndlich und im Zuſam⸗ menhange enthielte[Adams practical eſvays on on agriculture iſt ſchale unpaſſende Compila⸗ tion]): ſo waͤre ich in großer Verlegenheit, wel⸗ ches ich zuerſt zum Ueberſetzen empfehlen ſollte. Die beſſern Schriften handeln nur einzelne Mate⸗ rien ab, ſind fuͤr practiſche engliſche Landwirthe geſchrieben, und ſitzen alſo ſo vieles als bekannt voraus, was dem deutſchen Landwirthe noch voͤl⸗ lig fremd iſt. Indeſſen iſt es mir faſt unbe⸗ greifich, wie A. Youngs unlaͤngſt uͤberſetzte Reiſen in den noͤrdlichen Provinzen Englands, durch Irrland, und die neuerlich herausgekommene vortreffliche Ueberſetzung von ſeinen Reiſen durch Frankreich und einen Theil von Italien, nicht mehrere Senſation bey Landwirthen und mehreres Verlangen nach ſeinen landwirthſchaftlichen Werken erregt haben. Young iſt in Deutſchland mehr als politiſch; ſtatiſtiſcher, wie als practiſch land⸗ wirthſchaftlicher Schrifiſteller, bekannt geworden; ob er gleich in jenem Fache nur in Ruͤckſicht auf letzteres arbeitete. Vieles hat auch der hoͤhniſche Ton, worin manche deutſche Schriftſteller von den Englaͤndern in dieſem Fache— von gleichen Vorurtheilen, wie ich vormals, eingenommen— geſprochen haben, zur Vernachlaͤſſigung der Englaͤnder bey— getragen. Ich darf manche, denen nur die Ueberſetzungen aͤlterer Werke dieſer Nation bekannt ſeyn konnten, wohl nicht tadeln, da ich in den⸗ ſelben ſelben Irrthum verfallen war. Aber verzeihen kann ich es dem beruͤhmten, gelehrten Caſimir Medicus nicht, daß er ſo veraͤchtlich uͤber eng⸗ liſche Landwirthſchaft in ſeiner Schrift, uͤber die wahren Grundſaͤtze des Futter⸗ baues*), urtheilt. Er kennet engliſche Land⸗ wirthſchaft, kennet uͤberhaupt Landwirthſchaft im ganzen Zuſammenhange nicht. Mit aller Achtung fuͤr ſeine uͤbrigen großen Verdienſte ſen dies geſagt, weil ich es hier, ſeiner und meiner Leſer wegen, ſagen muß. Den Beweis wuͤrde ich leicht aus jener Schrift fuͤhren koͤnnen, wenn es hier der Ort waͤre. Young erzaͤhlt in ſeiner Reiſe durch Frankreich: ein Profeſſor der Oeconomie habe ihn bey Paris in ſeinen oͤconomiſch, botaniſchen Garten gefuͤhrt, und mit den daſelbſt angeſtelleten Verſuchen viele Langeweile gemacht. Darauf habe er ihm dann auch ſeine Verſuche auf dem Felde gezeigt, habe ſich aber bitter beſchweret, daß es damit nicht gluͤcken wolle.„Ach! ruft Young aus, wenn „der liebe Gott nur ſo ein verdammtes Ding, „wie das Triticum repens iſt, nicht geſchaf⸗ „fen ²) Leipzig 1706. „ſen haͤtte, was wuͤrden die botaniſchen Garten⸗ „Oeconomen nicht alles ausrichten!“ Wahrlich auch Schade um des Herrn C. Medicus reinen Kleebau, daß der liebe Gott das gethan hat.— Um aufgeklaͤrtere, nachdenkende Landwirthe, deren Zahl in Deutſchland mit jedem Tage mehr zunimmt, auf engliſche Landwirthſchaft und Schrift⸗ ſteller aufmerkſam zu machen, und die teſung der⸗ ſelben zu erleichtern, unternahm ich in meinen Erholungsſtunden dieſe Schrift. Der groͤßte Theil derſeiben iſt und ſoll Compilation ſeyn. Rur ſolche, die mit der engliſchen landwirtbſchaft⸗ lichen Literatur bekannt ſind, koͤnnen beurtheilen, ob ich bey dieſer, aus mehr als hundert Baͤnden gemachten Auswahl und ihrer Zuſammenſtellung einiges Verdienſt habe. Ueberſetzen und Abſchrei⸗ ben iſt meine Sache nicht; ich habe es alſo nur da, wo es auf Facta und Berechnungen ankam— dann aber deſto gewiſſenhafter— gethan. Das Bekannte, oder das fuͤr uns Deutſche noch gar nicht Anwendbare, beruͤhre ich nur ober⸗ flaͤchlich; es ſey denn, daß es zum Verſtandniß der engliſchen Schriftſteller zu wiſſen noͤthig ſey⸗ Dahin gehoͤren die Rachrichten von ihrer veredel⸗ ten, auf Maſtung berechneten, Rindvieb⸗ und Schaf⸗Zucht. Man⸗ — 1— Manches iſt freylich nicht aus den Englaͤn⸗ dern genommen, ſondern eigene Beobachtung und Raiſonnement, wozu mir indeſſen mehrentheils die Englaͤnder Veranlaſſung gaben. Dahin gehoͤrt beſonders das vierte und fuͤnfte Capitel. Ich hatte anfangs nicht nur mehrere Erfah⸗ rungen und Verſuche, die ich theils ſelbſt gemacht, theils von meinen Freunden mitgetheilt erhalten hatte, eingewebt; ſondern auch am Schluſſe jedes Capitels einige Betrachtungen uͤber die Ruͤtzlichkeit und Anwendbarkeit engliſcher Grundſatze, Ein— richtungen und Methoden auf unſer Vaterland hin⸗ zugefuͤgt. Aber eine ſo lange Unterbrechung des Leſirs ſchien mir und meinem Freunde v. H. nicht zweckmäßig. Daher beſchloß ich, ſolche in einem Anhange zu jedem Capitel vorzutragen. Eine Probe dieſer Anbaͤnge gebe ich jetzt nur zum erſten und zweyten Capitel. Die Materiae lien zu den uͤbrigen haben ſich zu ſehr angehaͤuft, als daß ich ſie jetzt gleich ausarbeiten koͤnnte. Beſonders fand ich mich bewogen, den Anhang zum dritten Capitel, wo ich eine Vergleichung der be⸗ kannteren deutſchen Wirthſchaftsarten mit den eng⸗ liſchen anſtelle, noch zuruͤckzuhalten und zu ver⸗ vollkommnen. Auf die dringende Einladung ver⸗ ſchiedener Gönner und Freunde, babe ich mir vorgenommen, die Hollſtein'ſche und Mecklenburgi⸗ B ſche — 18 ſche Wirthſchaft, die ich nur aus Buͤchern und Nachrichten kenne, und beſonders viele damit vor⸗ genommene Verbeſſerungen, mit eigenen Augen zu ſehen. Dieſe Anhaͤnge werden, mit noch einigen Capiteln uͤber Engliſche Wirtbſchaft verbunden, vermuthlich einen ſtärkeren Band, wie der gegen⸗ waͤrtige, ausmachen. Sie werden auch die Re⸗ ſultate vieler von mir und meinen Freunden in die⸗ ſem Jahre vorgenommenen Verſuche enthalten. Jeder, der mich und meine Verhaͤltniſſe ken⸗ net, wird es bezeugen, daß ich dieſer Schrift nur ſehr unterbrochene Nebenſtunden widmen konnte. Dies kann freylich keinen Schriftſteller entſchuldi⸗ gen, aber doch, in Anſehung gewiſſer Fehler in der Schreibart und Dispoſition, Nachſicht fuͤr ihn fordern. Die engliſchen Muͤnzen, Maaßen und Ge⸗ wichte fing ich an, auf Hannoveriſche zu reduci⸗ ren. Da ich aber hierdurch andern Gegenden die Sache wenig erleichtert haͤtte; ſo uͤberhob ich mich dieſer ſo weitlaͤuftigen Arbeit, und habe durchge⸗ hends die engliſchen beybehalten. Vermoͤge der beygefuͤgten Tabellen, wird jeder ſie leicht in ſeine landesuͤblichen reduciren koͤnnen, wo es ihm dar⸗ an gelegen iſt. Erſtes —— Er ſtes C. a pitel. Verfaſſung der Landwirthſchaft in England. Zn Verſtaͤndniß der engliſchen Schriftſteller ͤber die Landwirthſchaft gehoͤrt nothwendig eine Kennt⸗ niß der verſchiedenen Arten von wirthſchaftlicher Verfaſſung, welche man daſelbſt antrifft. Sie ſetzen dies, natuͤrlich, als bekannt voraus, ver⸗ anlaſſen dadurch aber bey Auslaͤndern oft un⸗ richtige und verworrene Begriffe. Ich ſehe mich alſo genöthiget, bieruͤber in einem beſondern Capitel etwas zu ſagen, und halte dies um ſo zweckmaͤßiger, da es mir ſcheint, als ließe ſich von manchem eine ſehr fruchtbare Anwendung in verſchiedenen Staaten Deutſchlands machen. B Ohne Ohne mich auf eine Statiſtik von Eng⸗ land einzulaſſen, muß ich vorerſt einiges uͤber. die verſchiedenen Arten der Beſitzungen und ihre Rechte, dann uͤber die Claſſen der Landeinhaber und Bebauer, anfuͤhren. Die urſpruͤnglichen großen Beſitzungen ge⸗ boͤren groͤßtentheils den Lords; einige der Geiſt⸗ lichkeit, wenige der Krone. Doch habe auch andre reiche Familien ſehr große Beſitzungen all⸗ maͤlig zuſammengekauft. Eigenthuͤmer, die nicht Lords ſind, heißen Frecholders, wenn ſie ihre Ländereyen und Haͤuſer uneingeſchraͤnkt beſitzen; oder Copyholders, wenn ſie zwar erbliche Beſitzer ſind, aber doch von der Krone, der Geiſtlich⸗ keit oder einem Lord zu Lehen gehen, und ei⸗ nige, obaleich ſehr geringe, und nicht zu ſtei⸗ gernde, Gefaͤlle bezahlen. Sind dieſe Beſitzungen klein, und werden von dem Eigenthuͤmer mit eigener Hand bebauet, ſo heißt dieſer ein Veoman, und dieſe Claſſe von Leuten Veomanry. Sind dieſe Beſitzun⸗ gen größer, oder haben ihre Eigenthuͤmer ſo viel Vermoͤgen, daß ſie auf einem guten Fuß leben, den feinern Ton annehmen, und die gute Ge⸗ ſellſchaft mithalten koͤnnen: ſo heißen ſie Gentle- men, auch Gountry Squires. Au ſſer⸗ — e— — e———— e— Auſſerdem gibt es ſehr viele Cottagers, „Haͤuslinge, die nur ein Haus und Garten ge⸗ miethet haben oder auch eigenthuͤmlich beſitzen, und in Tagelohn oder Verdinge arbeiten. Dieſe machen jetzt wohl die zahlreichſte Claſſe des Volks aus. Jede Gemeinde iſt verpflichtet, fuͤr ſie zu ſorgen, wenn ſie verarmen. Hauptſaͤchlich aber wird die Landwirthſchaft von Paͤchtern(Farmers) betrieben. Daher nennt man jede Landwirthſchaft a farm; tand⸗ wirthſchaft treiben to farm, und jeden Land⸗ wirth a Farmer, wenn er auch erblicher Ei⸗ genthuͤmer von großen Beſitzungen iſt, wovon er einen Theil ſelbſt adminiſtrirt. Deren gibt es aber ſehr viele. Denn alle große Beſitzungen find in mehrere einzelne farms zertheilt, die nach ihrer Größe mit den gehoͤri⸗ gen Gebaͤuden verſehen ſind. Ihre Groͤße iſt ſehr verſchieden: man hat ſie zu zwanzig Aeres und zu mehreren Tauſenden. Letztere ſind aber nur in minder cultivirten Gegenden, wo noch große uneingehegte Weide⸗Guͤnge ſind, und uͤberhaupt ſelten. Die meiſten Farms ſind von 200 bis goo Acres. Dieſe Dieſe Farms werden entweder auf eine Poch'zeit von vierzehn bis funfzig Jabren, oder auf Lebenszeit ausgethan; oder aber es ſtebt in der Willkuͤhr des Gutsherrn, und des Päͤch⸗ ters, ſich zu kuͤndigen, wann ſie wollen. Wo letzrere Einrichtung iſt, wird indeſſen von Seiten des Eigenthuͤmers, ohne ganz beſondre Urſachen, nicht leicht Gebrauch davon gemacht. Es ge⸗ ſchiehet wohl, daß der Eigenthuͤmer, nach Ver⸗ baͤltniß mit den ſteigenden Preiſen der Dinge, die Pacht etwas zu erhoͤben ſtrebt; aber die alten Paͤchter ſucht er doch vor allen andern beyzubehalten. In verſchiedenen Gegenden ſie⸗ bet der Paͤchter ſeinen Hof als erb- und ei⸗ genthuͤmlich an. Er vererbet ibn auf ſeine Kin⸗ der, vermacht ihn, ja verkauft ihn ſogarz frey⸗ lich mit Einwilligung des Gutsherrn, der dieſe aber ſelten verſagt. Oft hat der Farmer Verbeſſerungen des landes oder der Gebaͤude, mit Genehmigung ſeines Gutsherrn, vorgenom⸗ men, die dieſer bey ſeinem Abgange bezahlen muͤßte. Wenn dieſes aber auch nicht iſt, ſo wuͤrde ſich in einigen Provinzen ein Guts⸗ beſiger die ganze Gegend zum Feinde und alle ſeine Farmers aufſätzig machen, wenn er einem ohne erhebliche Urſache aufkuͤndigte, und es wuͤrden ſich nicht leicht andre bey ihm einfinden. Laßt er aber die alten Farmers und ihre Fa⸗ milie im ungeſtöhrten Beſitze, ſo lange ſie ihre Pacht Pacht ordentlich abtragen, ſich gut auffuͤhren, und ihren Hof in Ordnung halten: ſo ſind ſie ihm auch herzlich ergeben, und betrachten ihn wie ihren Vater. Dieſe Einrichtung erklaͤrt den Einfluß der Großen auf das Landvolk. Von ihren Farmers baͤngt ein Theil der Veomanry und wieder die ganze Claſſe der Cottagers und Arbeiter ab. Sie hat auch ſonſt viel Gefaͤlliges. Aber die Aufnahme der Landwirthſchaft haͤlt ſie zuruͤck, Da das Pachtgeld ſo geſetzet iſt, daß der Paͤch⸗ ter ganz bequem dabey auskommen kann, ſo bleibt er gern beym alten Schlendrian. Jeder findet neue Einrichtungen und ungewoͤhnliche An⸗ ſtrengungen, den Ertrag des Landes zu vermeh⸗ ren, bedenklich; er macht ſich ſeine Nachbaren dadurch zu Feinden. i dieſe beſorgen nicht ohne Grund, daß, wenn der Gutsherr die Fort⸗ ſchritte bemerkte, die einer oder der andere in der Cultur ſeines Landes gemacht, er dies von allen verlangen, die Pacht erhöhen, und, wenn ſie ſich dazu nicht bequemen wollten, betriebſamere Paͤch⸗ ter aus andern Gegenden kommen laſſen wuͤrde. Wenn der alte Herr es auch nicht thut, ſo weiß man doch nicht, wie der junge denkt! A. Young, der, vermoͤge ſeiner Leidenſchaft fuͤr boͤhere Cultur des tandes, dieſer Einrichtung nicht gut iſt, ſagt daher irgendwo:„Wenn „alles „alles in der Welt ſetnen Rutzen hat; ſo be⸗ „grif ich lange nicht, wozu der liebe Gott eine „gewiſſe Gattung von Geſchoͤpfen, die unter „dem Namen der reichen Erben bekannt ſind, „und im Sommer ihre Zeit mit Pferderennen „und Parforcejagden, im Winter auf White's „Kaffehauſe und in Bagnios zubringen, in die „Welt geſetzet. Jetzt aber bin ich von ihrer „Nutzbarkeit voͤllig uͤberzeugt. Wenn ſie Gele⸗ „genheit gefunden, auf White's Kaffehauſe „in einer Racht mehr los zu werden, als ihnen „ihre anſehnlichen Beſitzungen das ganze Jahr „eintragen, ſo finden ſie ſich bald von ihren „Creditoren gedraͤngt. Sie geben alſo mit ei⸗ „nem geſchickten Heconomen auf ihre Guͤter, und „ſteigern die Pacht, ſo viel moͤglich. Wenn „die alten Paͤchter ſo viel nicht geben koͤnnen „und wollen, ſo finden ſich leicht thaͤtigere Leute, „die die karms auf beſtimmte Jahre und ver⸗ „nuͤnftigere Bedingungen annehmen, und bey „verdoppeltem Pachtzins das Dreyfache heraus⸗ „zubringen verſtehen. Dadurch haben ſich ſchon „manche ſolcher jungen Herren um den Staat „und um die Landwirtſchaft ihres Diſtricts un⸗ „endlich verdient gemacht.“ Bey der Verpachtung wird ein Contraet (covenants) ausgewechſelt. Die Contraets⸗ For⸗ 25 Formel iſt in einigen Gegenden ſeit Jahrhun⸗ derten beybehalten worden, und enthaͤlt oft Ar⸗ tikel, die auf den jetzigen Zuſtand des Acker⸗ baues gar nicht mehr paſſen, und deren Beob⸗ achtung dem Eigenthuͤmer ſowohl als dem Pächter nachtheilig iſt. Es giebt einige ſo eigenſinnige und in der Landwirthſchaft ſo unwiſſende Guts⸗ herren, welche durchaus nicht davon abgehen. Dies ſtehet der Aufnahme des Ackerbaues in manchen Gegenden ſehr im Wege. HOſt wird aber der Contract nach der alten Formel von beyden Seiten unterzeichnet; der Gutsherr, oder ſein Inſpector, nehmen es aber nicht ſo genau damit, und laſſen den Farmer wirthſchaften, wie er will, wenn er und der Hof dabey nur in Aufnahme kommen. Bey den Verpachtungen auf beſtimmte Zeit (Leases) werden die Contracte gewöhnlich beſ— ſer abgefaßt, aber auch ſtrenger darauf gehal⸗ ten. Dieſe Art iſt da, wo die Landwirthſchaft hoͤher getrieben wird, allgemein uͤblich. Wo die kleinen Landeigenthuͤmer bemerkten, daß der Pachter eines groͤßern Hofes ſich un— gleich beſſer ſtand, und mehr Vermoͤgen erwarb, als ſie; entſchloſſen ſie ſich haͤufig, ihr kleines Eigenthum zu verkaufen, und mit dem dafuͤr erhal⸗ — 26— erhaltenen Capitale ſich aufs Pachten zu legen. Sie fanden ſehr leicht Kaͤufer, benachbarte Gutsber⸗ ren oder andre reiche Leute, die mehrere ſolcher kleinen Hoöfe zuſammenkauften und ſie in einen groͤßern Farm zuſammenzogen. Daher iſt in ei⸗ nigen Gegenden die Claſſe der Veomen, oder eigenthuͤmlichen Bauern, faſt ganz erloſchen, und man findet daſelbſt nur Farmers und Cot⸗ tagers. Man hat viel daruͤber geſtritten, ob es für den Staat in Ruͤckſicht der Bevoͤlkerung und moͤglichſt hoͤchſten Production nicht nachthei⸗ lig ſey, wenn viele einzelne Hoͤfe in einen gro⸗ ßen zuſammengezogen wuͤrden? Ja man hat oft Geſetze dagegen in Vorſchlag gebracht! A. Young machte dieſes zu einem Hauptgegenſtande ſeiner Nachforſchungen, zog aber aus einer großen Menge von Rachrichten, die er uͤber die Be⸗ volkerung, die Cultur und die Groͤße der Farms im Durchſchnitt geſammlet, das Reſultat, daß Farms von F500 und 1000 Acres der Pro⸗ duction und Bevoͤlkerung am vortheilhafteſten ſeyn, und erwies dies auf eine unwiderlegliche Art. Große Paͤchter ſind— wenigſtens in England— gewoͤhnlich reiche Paͤchter. Wer aber den meiſten Vorſchuß Pat, wird die voll⸗ kommnere Wirthſchaft treiben. Eine voll⸗ kommnere Wirthſchaft und Verrichtung meh⸗ mehrerer Arbeit iſt gewiſſermaßen einerley. Nun aber iſt die Arbeit, worin eine hochge— triebene Cultur beſtehet, von der Art, daß man nicht Knechte und Maͤgde darauf haͤlt; ſondern ſie geſchiehet durch Tageloͤhner. Da dieſe gewoͤhnlich verheyrathet ſind, und dazu durch die Ausſicht, daß ihre Kinder ſich fruͤh ihren Unterhalt zu verdienen Gelegenheit haben, aufgemuntert werden: ſo muß nothwendig die Population weit mehr dabey zunehmen. Wo es hingegen nur kleinere und aͤrmere Paͤchter gibt, da werden faſt gar keine Tageloͤhner ge⸗ braucht. Ich weiß auch nicht, daß man dieſen Grundſatz in England neuerlich bezweifelt haͤtte. Indeſſen ward doch 1795 bey der großen Korn Theurung im Oberhauſe behauptet, es ruͤhre ſolche hauptſaͤchtich von der immer mehr uͤberband nehmenden Zuſammenziehung der Hoͤfe ber. Die wohlhabenden Farmers fänden ſich im Stande, das Korn zuruͤckzuhalten und die Preiſe aufs hoͤchſte zu treiben. Die Kleineren wuͤrden ſchon gezwungen ſeyn, es zu Markte zu brin⸗ gen, wenn ſich der Ackerbau nur noch mehr in ihren Haͤnden befaͤnde. Den Lords und großen Landeigenthuͤmern ſollte daher die Verpflichtung auferlegt werden, die zuſammengezogenen Farms wieder zu theilen und keinem Farmer mehr ais einen 29 0 einen zu verpachten. Wie ich glaube, ließ man dieſe Motion von ſelbſt fallen, obgleich mehrere fuͤr ſie redeten. Vermuthlich ſahen die Einſichtsvolleren ein, daß man dadurch grade die Sache ſchlimmer machen und das Eigenthum des Korns, in ſo bedraͤngten Zeiten, ganz in den Haͤnden einer intereſſirteren Claſſe von Men⸗ ſchen, der Korn⸗Aufkaͤufer und Speeplanten, ſehen wuͤrde, die dann gewiß keine billigere Preiſe ſetzen moͤgten. Da man dies in deut⸗ ſchen Staaten, wo der meiſte Ackerbau von armſeeligen Bauern getrieben wird, durch alle Verordnungen und Controllen nicht verhindern kann, wie wuͤrde es in England geben, wo dergleichen Einſchraͤnkungen im Handel und Wan⸗ del unmoͤglich ſind? Bey größern und vermoͤg⸗ ſamern Landwirthen, fahren und von jedem guten Preiſe profitiren, ohne alles auf einmal wegzuſchlagen; die ihr Korn nicht, wie die kleinen, oſft ſchon auf dem Halme um Vorſchuß verkaufen, iſt gewiß mehrere Concurrenz zu hoffen. Die Farmers unterſcheiden ſich in ganz kleine, in ſimple und in Gentlemen⸗ Farmers. Die ganz kleinen ſind gewoͤhn⸗ lich Tageloͤhner geweſen, die ſich ſoviel erwor⸗ ben, daß ſie einen ſolchen kleinen Pachthof antre⸗ ten die ihr Korn ſelbſt ver⸗⸗ ten können. Simple Farmers und Gentle⸗ men⸗Farmers unterſcheiden ſich aber blos durch ihre Art zu leben von einander. Es gibt ſehr große Farmers, die ein Vermoͤgen von funfzig und mehrern tauſend Pfund beſitzen, und dennoch bey einer einfachen, prunkloſen, aber ſehr beque⸗ men Lebensart geblieben ſind. A. Young ſagt von der Lebensart ſolcher ſimplen Farmers ungefaͤhr folgendes*): Ich habe ſo viel Gelegenheit gebabt, mich in den Haͤuſern von Perſonen aus allen Staͤnden und Claſſen als Gaſt aufzuhalten, daß ich mit einigem Beobachtungsgeiſte im Stande ſeyn muß, den Grad und die Art von Gluͤckſeeligkeit ziem⸗ lich genau zu ſchaͤtzen, welche man auf den mancherley Wegen des Lebens, die einem zu waͤhlen freyſtehen, antreffen kann: und ich trage nicht das geringſte Bedenken, die Lebensweiſe eines wohlhabenden Pachters jeder andern vorzuziehen. Sie iſt ungefaͤhr folgende: Eine große, helle, reinliche Kuͤche, mit einem beſtaͤn⸗ dig *) No. 97 Annals of agriculture. dig praſſelnden Holz⸗Feuer auf dem Heerde; die Decke mit geraͤuchertem Speck, Schinken und Wuͤrſten wohl beſpickt. Ein großes weiſſs Zim⸗ mer fuͤr den Pachter und ſeine Familie, mit einer Thuͤr in die Kuͤche und darin ein Fenſter, um zu ſehen, ob alles ordentlich zugehbe. Wenn Fremde im Hauſe ſind, wird ein gut moöͤblirtes Verſammlungs-Zimmer geheizt. Auf dem Ti⸗ ſche ſind wenige, einfache Schuͤſſeln, aber im großen Ueberfluſſe, ſo daß ein paar unerwartete Gäaͤſte reichlich ihren Theil finden. Kruͤge mit Porter auf dem Tiſche, und Stuͤckfaſſer im Kel⸗ ler. Der Hofmeyer oder der Verwalter, wenn einer gehalten wird, ißt immer mit am Ti⸗ ſche;— eine ſehr gute Einrichtung, denn da hat er Gelegenheit, ſich zu unterrichten und libe⸗ rale Grundſaͤtze von Rechtſchaffenheit und Ehr⸗ lichkeit anzunehmen. Zur Aufwartung blos ein reinlich gekleidetes Maͤdchen; und gra⸗ de dies macht eine auffallende Scheidungs⸗Li⸗ nie zwiſchen dieſer Claſſe von Leuten und den Gentlemens. Der ſimple Farmer will nur Be⸗ quemlichkeit; wer dieſen Genuß gegen kiverey und Prunk jeder Art vertauſcht, geſellt ſich gleich zu einer andern Gattung von Sterblichen. Kein vernuͤnftiger Farmer wird dieſen Tauſch verſuchen und die behagliche Sonnenwaͤrme fuͤr blendenden Mondſchein aufgeben. In ſeinem Stalle Stalle ſteht ein guter Klepper, ein braves Pferd zum Reiten, aber nicht zur Parforcejagd, und ein ſtarker Cariolen⸗Gaul, womit er ſeine Frau zur Kirche und zum Markte fährt. Eine ſolche Lebensweiſe gewährt vollkom⸗ men alle den Genuß und alle die Bequemlich⸗ keiten, welche Perſonen dieſer Art, dieſer Etzie⸗ bung und von dieſen Begriffen nur je gewuͤn⸗ ſchet haben; und was die Hauptſache iſt, ſie genießen ſolche mit der hoͤchſten Sicherheit, ih⸗ rer nie entbehren zu duͤrfen, welche zum freudi⸗ gen Genuſſe ſo nothwendig gehoͤrt. Keine Art von Gewerbe iſt großen, den Wohlſtand zerſtoͤh⸗ renden Ungluͤcksfaͤllen weniger ausgeſetzt, wie dieſes. Und daß es dem groͤßten Haufen der Menſchen angenehm und folglich ſeiner Natur und ſeiner Beſtimmung am angemeſſenſten ſey, beweiſt die Erfahrung. Jede Claſſe von Men⸗ ſchen, der Gelehrte, der große Kaufmann, der Herzog, treibt es zu ſeinem Vergnuͤgen. Wie oft vertauſcht der reiche Kaufmann ſein Comtoir gegen einen huͤbſchen Farm; aber nie verließ ein reicher Farmer ſeine Felder fuͤr ein Waaren⸗ Lager. „Die „Die mannigfaltigen einzelnen Beobach⸗ „tungen,“ faͤhrt Poung fort,„welche ich zu ma⸗ „chen Gelegenheit hatte, beſtätigen die allge⸗ „meine Erfahrung. In der groͤßten Anzahl von „Farmer⸗Familien bemerkte ich ein ſolches Eben⸗ „maaß zwiſchen Abſicht und Ausfuͤhrung; eine „ſolche Harmonie zwiſchen den Vorſtellungen „von einer angenehmen kebensart und ihrer „Wuͤrklichkeit; ſo wenige Wuͤnſche und ſo viel „Genuß, ſolch einen beſtäͤndigen Vorzug der „Bequemlichkeit vor dem Scheine; ein ſolches „Verhältniß zwiſchen Verlangen und den Mit⸗ „teln es zu befriedigen, daß man unmoͤglich „lange in ihren Haͤuſern ſeyn kann, ohne ſich „zu überzeugen, daß man nirgends mehr Merk⸗ „mahle von wahrer Gluͤckſeeligkeit und weniger „Spuren von moraliſchen Leiden antreffen koͤnne. „Man werfe dagegen einen forſchenden Blick in „den Haͤuſern den ſogenannten beſſeren Claſſe „umher, und bemerke den fuͤrchterlichen Abſtand „zwiſchen dem, was man bier haben moͤg⸗ „te und was man hatz die Aengſtlichkeit, „den Schein ja zu erhalten; die uͤberſpannten „Wuͤnſche und die fade Wuͤrklichkeit; den be⸗ „leidigten Stolz, den immer regen Neid, die „aͤngſtliche Rangſucht. Ich verlaſſe nie das „Haus eines Mannes, wo die ganze Lebensart „blos auf den Schein berechnet iſt, ohne mich „uͤber uͤber die Verblendung der Menſchen zu graͤ⸗ „men, die ſich ſo theuer jenen Schimmer auf „Koſten ihrer Gluͤckſeeligkeit und Ruhe erkau⸗ „fen. Ein ſolcher Anblick ſollte wahrlich die „Meynung rechtfertigen, daß Erziehung und „Cultur nur den Geiſt ſchaͤrfe, um ſich ſelbſt „ungluͤcklich zu machen.“ Gentlemen⸗Farmers ſind der Regel nach Leute von anſehnlichem Vermoͤgen und aufgeklaͤr⸗ ten Begriffen. Sie treiben zum Theil die Land⸗ wirthſchaft nur aus Reigung; daher mit großer Anſtrengung und Vorſchuͤſſen. Sie ſetzen eine Ehre darin, die neuern Erfindungen zuerſt zu verſuchen, zu pruͤfen, die Reſultate davon be⸗ kannt zu machen und ſie durch ihr Beyſpiel zu verbreiten. Die größeren Landbeſiter treibt ihr eigenes Intereſſe dazu an, ihren Farmers Bey⸗ ſpiele von der vollkommenſten Bewirthſchaftungs⸗ art zu geben, die in ihrer Gegend moͤglich iſt. Durch ſie iſt in manchen Provinzen Eng⸗ lands der Ackerbau zu der Hoͤhe getrieben wor⸗ den, worauf er ſtehet. Sie ſtellen hauptſaͤch⸗ lich genaue Verſuche an, machen ſie in den mancherley periodiſchen Schriften bekannt, befoͤr⸗ dern die Austauſchungen von Ideen und Erfah⸗ rungen, unterſuchen die Richtigkeit oder Unrich⸗ E tig⸗ — 34— tigkeit der Angaben, ſtiften und unterhalten landwirthſchaftliche Geſellſchaften, wo Praͤmien fur die beſten Arbeiter ausgeſetzt werden; wo der gemeine Pachter ſo gut wie der Herzog erſcheint, und vertraulich mit ihm vom Gedeihen ſeiner Ochſen und Schweine ſpricht. Zwey⸗ — Zweytes Kapitel. Vervollkommnung der Landwirth— ſchaft in England, als Wiſſen⸗ ſchaft betrachtet, in den neueſten Zeiten. Ein⸗ Erfabrungs⸗Wiſſenſchaft kann ſih nicht eher ausbilden, als nachdem ihr Gegenſtand em⸗ piriſch ſchon lange betrieben, und als Handwerk oder Kunſt eine gewiſſe Höhe erreicht hat. Die Summe von Erfahrungen, woraus ein wiſſen⸗ ſchaftliches Gebaͤude errichtet wird, ſchafft nicht ein Menſchen⸗Alter herbey. Alle voreilige Ver⸗ ſuche von Syſtemen ſind daher nur Hirngeſpinſte. So mußte auch der Ackerbau erſt große Fort— ſchritte gemacht haben, ehe er ſich zu der Wuͤrde einer Wiſſenſchaft erheben konnte. S Dieſe Dieſe practiſchen Fortſchritte bewirkte in England ohne Zweifel jene merkwuͤrdige Acte un⸗ ter Carls des 2ten Regierung, wodurch alle Korn⸗ Einfuhr verboten, die Ausfuhr aber nicht nur erlaubet, ſondern durch anſehnliche Praͤmien be⸗ gunſtigt wurde. Nun ward Speculation, Ener⸗ gie und Vermoͤgen der Nation auf den inlaͤndi⸗ ſchen Ackerbau gerichtet, ſo daß dieſer nicht nur das Reich hinreichend mit Korn und mit einem Ueberfluſſe landwirthſchaftlicher Producte verſorgte, dadurch den Handel und die Manufacturen hob; ſondern auch jaͤhrlich fuͤr anderthalb bis zwey Millionen Pfund Sterl. Ueberſchuß zur Ausfuhr lieferte. Man fing nun ſelbſt in den unfrucht⸗ barſten Provinzen an, Gemeinheiten zu theilen und die Laͤndereyen einzuhaͤgen(zu verkoppeln); eine Verrichtung, welche die Baſis aller höhern Landes⸗Cultur iſt, und ohne welche ſich keine voll⸗ kommnere Wirthſchaft denken laͤßt. Von dieſer Zeit an, bis 1766, iſt nur ein einziges Mal, im Jahre 1694, Theurung in England merklich geweſen*), und der Ackerbau war *) Im Jahre 1766 entſtand durch ein Zuſammen⸗ treffen mehrerer Umſtaͤnde wieber Theurung, ſo daß n u a w uß war es, welcher die gewaltige Maſſe von Men⸗ ſchen erzeugte, womit England ſeine Kriege führen, ſeine Schiffahrt und Manufacturen betreiben konnte. Je thaͤtiger der Ackerbau betrieben wurde, deſto höher ſtieg der Werth der taͤndereyen. Man mußte alſo auch darauf denken, ſie vortheilhafter zu benutzen. Was ſonſt nur Werk der Haͤnde war, daß man ſich gendthiget ſah, zum erſtenmale eine Ausnahme von jenem wohlthaͤtigen Geſetze zu machen; die Ausfuhr zu verbieten und die Ein⸗ fuhe zu beguͤnſtigen. Seitdem hat man mit den Geſetzen, welche den Kornhandel reguliren, haͤufig gewechſelt, und wohlfeilere Preiſe dadurch erkuͤnſteln wollen. Ohne dieſes zu erreichen, hat man dem Ackerbau eine große Wunde bey⸗ gebrocht. Einige ſchreiben den fuͤrchterlichen Korn⸗Mangel in den Jahren 1794 und 95 allein dieſen aͤngſtlichen Abweichungen von der Regel, und den Schwierigkeiten, welche man einer allgemeinen Verkoppelungs⸗Bill entgegen⸗ ſetzte, zu. Wahrſcheinlich aber traten mehrere Umſtände zuſammen.— war, ward zum Gegenſtande der Unterſuchung und des Nachdenkens. Baco von Verulam hatte dem Ackerbau in der Reihe der Wiſſenſchaften ſchon einen vor⸗ zuͤglichen Platz angewieſen. Tull aber war es, der in den dreiſſiger Jahren verſuchte, ihn von dieſer Seite zuerſt ins Licht zu ſteilen, und ſy⸗ ſtematiſch zu lehren. Wir werden von dieſem Manne im Capitel von der Drillwirtbſchaft mehreres hoͤren. Sein Syſtem war nicht halt⸗ bar, aber es brachte eine Gährung in den Köp⸗ ſen hervor. Man erkannte, daß der Ackerbau ein wuͤrdiger Gegenſtand des Verſtandes und der Un⸗ terſuchung ſey, und daß er durch die Verwen⸗ dung talentvoller Maͤnner zu einer viel groͤßern Hoͤhe und Gewißbeit könne getrieben werden, als worauf er in den Haͤnden der gewoͤhnlichen Land⸗ bebauer ſtand. Reiche und aufgeklaͤrte Landeigenthuͤmer be⸗ guͤnſtigten dieſe Stimmung durch ihr Anſehen und Vermoͤgen. Durch Maͤcenatenweſen koͤnnen wiſſenſchaftliche Gegenſtaͤnde zuerſt in Anregung gebracht und eine Menge von Arbeitern herbey⸗ gelockt werden. Es erregt einen gewaltigen Wir⸗ bel und gibt dem Chaos Leben. Dann muß aber ein Mann kommen, der, mit Geiſt und Kraft aus⸗ ausgeruͤſtet, ſich der Sache aus wahrem innerem Drang annimmt, und die entſtandene Bewegung benutzet.— Viele Gelehrte ſuchten ſich einige Kenntniſſe vom Ackerbau zu erwerben, und ſchufen ſich in ihrem Studierzimmer oder Gaͤrtchen die Erfab— rung, die ihnen gänzlich fehlte. Es kam eine Menge von unverdaueten Betrachtungen, Syſte⸗ men, Chimären und Laͤcherlichkeiten heraus. Dies iſt der Zeitpunkt, auf welchen ſich der uͤble Ruf der engliſchen Landwirthſchaft, worin ſie noch bey einigen Deutſchen ſtehet, mit einigem Rechte gruͤnden kann. Nun trat aber A. Young auf und zeigte, daß es noch viel zu ſehr an beſtimmten und zu⸗ verlaͤſſigen Erfahrungen, an genau angeſtellten Verſuchen fehle, um die Landwirthſchaft wiſſen⸗ ſchaftlich lehren zu koͤnnen. Er zeigte aber auch den Weg, den man einſchlagen muͤſſe, und“ gieng mit einem unbeſchreiblichen Fleiße und An⸗ ſtrengung voran. Er fing an, alles zu verſu⸗ chen, was ſeiner Aufmerkſamkeit werth ſchien; aber ſo zu verſuchen, wie es noch keiner vor ihm gethan hat. Alle Verſuche wurden verglei⸗ chend angeſtellt, d. h., die neuere Methode und die ältere zugleich auf einem Acker. Jeder Ver⸗ ſuch ſuch in der Ruͤckſicht, eine beſondre Frage aus⸗ zumachen; jeder ſo oft und unter ſo verſchiedenen Modificationen wiederholt, daß eine beſtimmte Antwort herauskommen mußte. Jedes Moment war aufgezeichnet; jeder Pfennig angeſchrieben; Pferde⸗ und Handarbeit ſtundenweiſe berechnet. Die Pferde⸗arbeit ſchlug er beſonders jedesmahl auf eine dreyfache Art an: 1) nach den land⸗ub⸗ lichen Preiſen, wenn man ſie fuͤr Geld thun ließ; 2) nach dem, was ſie nach einem allgemeinen Durchſchnitte koſten wuͤrde; und 3) nach dem, was ſie in jedem Jahre, nach den Futterpreiſen und andern zufaͤlligen Umſtaͤnden, wirklich geko— ſtet hatte. Denn ſeine Pferde, Menſchen und Werkzeuge machten keinen Gang, ohne daß er aufgezeichnet waͤre. Poungs Verſuche haben das Wahrheits⸗ Gepraͤge, welches denjenigen, der durch ein auf⸗ merkſames Studium der Erfahrungswiſſenſchaften ſich ein gewiſſes Gefuͤhl darauf erworben hat, ſo ſelten truͤgt, wie den wahren Alterthumskenner der aerugo nobilis. Dies reine Gepraͤge, welches man bey den Erfahrungen und Verſuchen aller Art nur zu oft vermißt, laͤßt ſich nur fuͤh⸗ len, nicht deutlich beſchreiben. Indeſſen wird doch jedermann den Youngſchen Verſuchs⸗Erzaͤh⸗ lungen es anſehen, daß ſie ſo, wie der Verſuch ange⸗ — —,—. —— angeſtellet und der Erfolg beobachtet worden, auß der Stelle niedergeſchrieben ſind. Er gibt ſelbſt ſeine Betrachtungen und Folgerungen ſo, wie er ſie in dem Augenblicke aus den vor ihm liegen— den Datis zog, und unterdruͤckt ſie nicht, wenn im Perfolge, oder bey der Wiederholung des Verſuchs, unerwartete Erſcheinungen ſich aͤuſſern, die ſie gaͤnzlich widerlegen. Zuweilen iſt am Ende das Reſultat allen ſeinen Schluͤſſen und Muth⸗ maßungen entgegen; zuweilen iſt es ganz unent⸗ ſcheidend. Solche Verſuche haͤtte er unterdruͤk⸗ ken ſollen, ſagt vielleicht Mancher. Aber dem Kenner ſind ſie eben ſo wichtig, wie die, deren Erfolg merkwuͤrdig iſt, weil erſt dieſe durch jene ihren wahren Werth erlangen. RNie traue ich dem mediciniſchen und dem landwirtbſchaftlichen Schriftſieller, der allemabl den Erfolg gehabt hat, den er erwartete oder wuͤnſchte.— Richt ſelten erzaͤhlt Young eine Beobachtung, die alle ſeine vorherigen Schluͤſſe uͤber den Haufen zu werfen ſcheint, eben ſo unbefangen, als ob ſie ſelbige beſtaͤtigte. Es iſt ihm immer gleichguͤltig, auf welcher Seiie er die Wahrheit findet, wenn er ſich ihr nur naͤhert.]) Sein *) Ich kann mich bey Deutſchen leider! nur auf die Verſuche uͤber den Duͤnger, die in den aus⸗ zugs⸗ Sein erſtes wichtiges Werk: a Course of experimental agriculture, welches 1770 in zwey ſehr ſturken Quartbaͤnden erſchien, enthaͤlt beynahe 2000 Verſuche, die er inner⸗ halb 5 Jahren auf einem Farm von 300 Acres, verſchiedener Bodemart, angeſtellet hatte. Er unternahm darauf ſeine, lediglich auf Erweiterung landwirthſchaftlicher Kenntniſſe ab⸗ zweckende Reiſen. Auch in der Beſchreibung dieſer Reiſen gibt er alles ſo, wie er es nach ge⸗ nauer Unterſuchung an Ort und Stelle fand. Erſt am Ende jedes Werks bringt er die auf merkwuͤrdige Gegenſtände Bezug habenden Beob⸗ achtungen unter einen allgemeinen Geſichtspunkt, zieht Durchſchnitte und Reſultate daraus, und theilt ſeine Reflexionen daruͤber mit. Wir haben auf dieſe Weiſe von ihm bearbeitet: Die zugsweiſe uͤberſetzten erſten Theilen der Anna⸗ len des Ackerbaues ſtehen, berufen. Wie un⸗ erwartet war ihm z. B. die duͤngende Kraft der fixen Luft, die er damähls, ſeiner Theorie ganz entgegen, anerkennen mußte! Mancher haͤtte ei⸗ nen ſolchen Verſuch unterdruͤckt. Dann waͤre aber ein merkwuͤrdiger Beweis einer Entdeckung verlohren, die erſt lange nachher gemacht wurde. 1. Th. S. 85— 104. — 43— Die Reiſe durch die ſuͤdlichen Theile Englands, in einem Bande. Die Reiſe durch die nördlichen Theile, in 4 Baͤnden. Die Reiſe durch die oſtlichen Theile, in 4 Baͤnden. Die Reiſe durch Irrland, in 2 Baͤnden. Die Reiſe durch Frankreich und einen Theil von Italien iſt in einem verſchiedenen Geſchmacke und zum Theil politiſchen Inhalts. Viele ſpaͤtere kleinere Reiſen enthalten die Annalen des Ackerbaues. Ich uͤbergehe ſeine uͤbrigen landwirthſchaftli⸗ chen Schriften, als: T'he farmer's letters to the people of England— TLhe farmers guide in hiring and sto- king farms— On the management of hogs and on the culture of cole- sced for feeding sheep and catle— ſo wie ſeine ſehr geſchaͤtzten politiſchen und ſtaatswirthſchaftlichen Schriften, da ich nicht die Biographie des großen Mannes hier ſchreiben will. Ich komme nur auf die, fuͤr die eng⸗ liſche— und hoffentlich auch einmahl fuͤr die deutſche —— deutſche— Landwirtbſchaft ſo wichtige Unterneh⸗ mung der Annalen des Ackerbaues(Annals of agriculture). Es erſchien vorher in England ein aͤhnliches Werk, unter dem Titel: Muſeum ruſticum, wovon auch eine deutſche Ueberſetzung exiſtirt. Poung nahm Theil daran, und einige der vor⸗ zuͤglichſten Aufſaͤtze darin, ſind von ihm. Die Verfaſſer und Einſender nannten ſich aber nicht, und unter dem Schutze der Anonymitaͤt liefen eine Menge von Windbeuteleyen und angeblichen Er⸗ fahrungen ein: ſo daß dieſes Werk bald alles Zutrauen verlohr und aufhoͤrte, zumahl da die Society for the encouragement of arts, aus deren Archiven die Herausgeber ſchopften, ihre Transactionen ſelbſt bekannt machte. Young kuͤndigte daher ſeine Annalen des Ackerbaues an, und lud alle gelehrte und unge⸗ tehrte Landwirthe und Liebhaber der Landwirth⸗ ſchaft ein, ihm ihre Beobachtungen, Verſuche und Gedanken mitzutheilen. Er machte aber die Unterſchriſt des Namens und Wohnortes zur unerlaͤßlichen Bedingung fuͤr jeden, der ſeine Auf⸗ ſätze wollte abgedruckt haben. Ohne dieſes Grund⸗ geſetz haben alle Sammlungen dieſer Art durchaus keinen Werth. Dennoch war es fuͤr manche ein ſo ſo großer Stein des Anſtoßes, daß es, blos die⸗ ſer Bedingung wegen, dem Herausgeber an Ma⸗ terialien wuͤrde gefehlt haben, wenn er ſich nicht durch ſeine Reiſen und durch ſeinen offenen Cha⸗ rakter unter den engliſchen Landwirthen ſo viele Freunde erworben haͤtte. So aber fand er ſich im Stande, nicht nur auf dieſe Bedingung zu beſtehen, ſondern er brachte es auch dahin, daß ein jeder Einſender ſich Widerſpruͤche uͤber Mey⸗ nungen, Zweifel uͤber Thatſachen, und uͤber⸗ haupt alle Arten von Kritiken gefallen laſſen mußte, deren Verfaſſer aber ebenfalls ſich zu nennen ſchuldig waren. Er ging darin mit ſeinem Bey⸗ ſpiele vor, und ließ jeden gegen ihn ſelbſt und gegen die Annalen gerichteten Tadel treulich ab⸗ drucken, und beantwortete ihn moͤglichſt beſchei⸗ den und nachgebend. Hierdurch hat dieſe Samm⸗ lung vorzuͤglich einen großen Werth, und die darin bekannt gemachten Erfahrungen einen hohen Grad von Glaubwuͤrdigkeit erhalten. Sonſt ſchleichen ſich nur zu leicht Unwahrheiten und Aufſchneidereyen in oͤconomiſche Sammlungen ein. Ungewagt wenigſtens duͤrſen ſie ſich in dieſem Werke nicht blicken laſſen; denn wenn irgend ein Nachbar auftritt, der die Sache zweifelhaft macht, ſo wird ſo lange nachgeforſchet und unterſucht, bis die Wahrheit ziemlich klar herauskommt. Aber mehrmals ſind auch ſtark angefochtene Facta in die⸗ dieſem Werke zur entſchiedenen Gewißheit gebracht worden. Jeht ſind 151 Stuͤcke oder 26 Baͤnde da⸗ von heraus. Es enthaͤlt dieſes Werk wohl das wichtigſte von dem, was ſeit ſeiner Entſtebung, vorzuͤglich in England, dann aber auch in Ame⸗ rika, Italien, Frankreich, den Riederlanden, in Anſehung der Landwirthſchaft verſucht, erfahren und geſchrieben worden. Daher gehoͤrt es gewiß 1 zu den vorzuͤglichſten Anſtalten, wodurch land⸗ 1 wirthſchaftliche Kenntniſſe in Eugland ſind beför⸗ dert worden. Um indeſſen meine Meynung unpartheyiſch zu ſagen, ſo ſcheint mir dieſes Werk mit den letzteren Baͤnden ins Abnehmen zu gerathen. Dieſe enthalten wenig intereſſante Aufſaͤtze, be⸗ ſchaͤftigen ſich groͤßtentheils mit den Urſachen der letzten Korntheurung in England, in Antworten auf des Herausgebers Umlaufs-Briefe, ohne doch erhebliche Aufklaͤrung daruͤber zu geben. Auch kommen einige ſehr ſeichte politiſche Aufſätze darin vor, die hier um deſto weniger Eingang finden mögten, da ſie des Herausgebers vormah⸗ 1 ligen, ſehr energiſch geaͤußerten politiſchen Mey⸗ nungen in grader Schnur entgegenſtehen. Wahr⸗ ſcheinlich aber ruͤhrt dies daher, daß die Arbei⸗ ten ten des Boards of agriculture ſeinen Secre⸗ tär zu ſehr beſchaͤftigen, welches dann freylich fuͤr die Landwirthſchaft im Ganzen kein Ver⸗ luſt waͤre. Es haben ſich in England nach und nach ſehr viele Societäten gebildet, welche die Land⸗ wirthſchaft zu ihrem Hauptgegenſtande machen. Die älteſte und vornehmſte darunter iſt die Londo⸗ ner Societät for the encouragement of arts, manufactures and commerce. Je⸗ der wohlerzogene und bemittelte Englaͤnder, der das Anſeben eines Befoörderers der Kuͤnſte und des Gewerbes haben will, beſonders alle Parle⸗ ments⸗Glieder, laſſen ſich zu Mitgliedern dieſer Geſellſchaft aufnehmen, und zahlen einen jaͤbrlichen Beytrag von 3 oder 5 Guineen. Dieſe Socie⸗ tät hat alſo ſebr anſehnliche Einkuͤnfte, die groͤß⸗ tentheils auf Praͤmien verwandt werden. Sie hat einen allgemeinen Präſidenten, jedes Fach aber eine beſondere Direction. Es ſind jetzt T3 Baͤnde ihrer Transactionen heraus, die groͤßten⸗ theils landwirthſchaftlichen Inhalts ſind. Naͤchſt Naͤchſt dieſer behauptet wohl die Soeietaͤt zu Bath, welche ſich uͤber Sommerſet, Wilts, Glouceſter, Dorſet, die Stadt und Grafſchaft Briſtol erſtreckt, den Vorzug. Ihre letters and papers on agriculture and planting enthalten viele ſehr ſchaͤtzbare Aufſaͤtze. Es ſind davon 7 Baͤnde heraus. Aehnliche Societaͤten gibt es in York, Sal⸗ ford, Odiham, Kent, Eſſex, Devon, Leiceſter, Durham und an mehreren Orten, die mir nicht beyfallen. Wenn gleich ſolche Privat⸗Societaͤten man⸗ ches Gute bewirken, ſo ſteben doch ihre Kraͤfte gewöhnlich in keinem Verhaͤltniſſe mit dem Zwecke, den ſich beſonders die erſten Stifter vorſetzen. Sie haben nicht Authoritaͤt und nicht Mittel genug, ihre Plane durchzuſetzen. Daher wird die Thaͤtig⸗ keit ihrer Mitglieder bald gelaͤhmt. Wenn auch, wie im Anfange gewoͤhnlich der Fall iſt, ein oder mehrere Maͤnner an der Spitze ſtehen, die ihre eige⸗ nen Angelegenheiten, ihre Zeit und Kraͤfte der So⸗ cietaͤt und deren Zwecken unentgeldlich aufopfern, ſo werden ſie doch durch die Schwierigkeiten, wel⸗ che die Ausfuͤhrung mancher guten Idee hindern, durch den Kaltſinn und die Selbſtſucht anderer abgeſchreckt, und ihr Eifer erkaltet. Wenn man ſich erſt — 49— erſt ſagt, daß man doch nicht viel nützliches aus⸗ richten werde, ſo iſt der Enthuſiasmus wenigſtens fort. Mehrentheils wird dann die Leitung der Ge⸗ ſchaͤfte einem beſtändigen Secretar aufgetragen, dem ein Salarium es zur Pflicht macht, ſich der Sache anzunehmen. Wenn dieſer dann auch alles thut, was er zu thun ſchuldig und verbunden iſt, ſo iſt dies doch, in einer Angelegenheit dieſer Art, immer viel zu wenig. Mehrentheils iſt das Salarium viel zu ſchwach, um einen Mann herbeyzuziehen, der alle erforderliche Qnalitäten zu einem ſolchen Geſchaͤfte beſaͤße, und ſich demſelben einzig widmen koͤnnte⸗ Ferner haben ſolche Societäten gewöhnlich zu wenig Eingang bey der Regierung des Landes, und finden daher auch zu wenig Unterſtutzung bey den Obrigkeiten und Adminiſtratoren in ihrer Pro⸗ vinz. Dieſe ſehen ſie noch wohl obenein als un⸗ berufene Controlleurs mit Eiferſucht an. Es wird ihnen daher ſchwer gemacht, nur einmahl Nachrich⸗ ten zu erhalten, und die Ausfuͤhrung der wohlthaͤ⸗ tigſten Veranſtaltungen, zur Befoͤrderung der Lan⸗ des⸗Cultur, wird verhindert, blos weil ſie von der Societaͤt herruͤhren. Daber machte Sir John Sinctair, Bar— ronet, einen Entwurf zur Errichtung eines iit ber 1. D aus⸗ ausuͤbenden und geſetzgebenden Macht in enger Ver⸗ bindung ſtehenden Boards of Agriculture, ungefaͤhr nach der Art, wie es ſchon längſt einen Board of Trade in England gab. Da dieſer Board of Agriculture vermuthlich nicht blos fuͤr England, ſondern auch fuͤr ganz Eu⸗ ropa Epoche in der Landwirthſchaft machen wird, und in den Zeitungen, wegen des damaligen Ueber⸗ fluſſes intereſſanter Rachrichten, von deſſen Ent⸗ ſtehung und Einrichtung nur wenig, ſonſt aber in Deutſchland nirgends etwas geſagt worden: ſo wer⸗ den meine Leſer eine gedraͤngte Geſchichte deſſelben bier nicht am unrechten Orte finden. Ich ziehe ſie großentheils aus dem Account of the origin of the Board of agriculture and its pro- grels for chree Vears after its etablish- ment, by the President. London 1796. Sir John Sinclair, der Stifter deſſelben, war ſchon lange als ein reicher, unabhaͤngiger, ta⸗ lentvoller, fur alles Wahre und Guteaͤuſſerſt thaͤtiger, unternehmender und beharrlicher Mann in England allgemein bekannt. Seine Werke on the pu- plic revenue of the British empire und The sratistical account of Scotland, letz⸗ teres von 20 Baͤnden, hatten ihm als Statiſtiker und Schriftſteller eine große Celebritoͤt erworben. Er unternahm in der Abſicht, ſolche ſtaatswirtb⸗ ſchaft⸗ —————„— ſchaftliche Kenntniſſe, die ſeinem Vaterlande nuͤtzlich ſeyn konnten, zu ſammeln, eine Reiſe durch den, in England minder bekannten, nord⸗oͤſtlichen Theil von Europa, durch Schweden, Polen, Rußland und Deutſchland. Als Mitglied des Parlements ſtimmte er, nachdem die Sache war, bald mit der Miniſterial- bald mit der Oppoſitions⸗Parthey; ward jedoch, da er ſich vom Miniſterium völlig un⸗ abhaͤngig erhielt, zu letzterer gezählet. Wie er daher ſeine Idee zur Errichtung eines Boards of Agriculture bekannt werden ließ, glaubte man, daß er am wenigſten ſolche durchſetzen wuͤrde. A. Young, mit dem er ſich daruͤber un⸗ terhalten, hatte zum Spaß ein Exemplar ſeiner An⸗ nals gegen ein Exemplar des Accounts of Scot- land verwettet, daß nichts daraus werden wuͤrde. Wie Sir J. S. ſich vorgenommen hatte, mit den Miniſtern uͤber die Sache zu reden, ſchrieb er an Y.; er ginge jetzt zu M. Pitt, alſo moͤge Y. nur ſeine Annalen nachgerade zum Buchbinder ſchicken. Poung antwortete ihm:„Im Hingeben zu M. Pitt „bilden Sie ſich nur immerhin ein, daß ich die „Wette verlohren habe; wenn Sie wieder zuruck⸗ „kommen, habe ich ſie doch gewonnen. Setzen „Sie doch auf die Miniſter nicht mehr Vertrauen „als ſie verdienen! Wenn es noch Manufactaren „oder Handel betraͤfe— aber fuͤr den Pflug haben ſie D 3 niemals „niemals etwas gethan, und werden nie etwas „thun. Ibr Board of Agrieulture wird wobl „im Monde ſeinen Plat finden. Wenn er auf der „Erde zu Stande kommt, ſo denken Sie daran, „daß ich Seeretär werde!“ Sinclair theilte nun einen abgedruckten Plan zu dieſem Inſtitute den Parlementsgliedern vorher mit, und that darauf den Antrag im Parlemente. Ehe er aufſtand, um zu reden, verſicherte ibm Pitt, er wuͤrde der Sache nicht entgegen ſeyn, aber ſie auch nicht unterſtuͤtzen, wenn er nicht bemerkte, daß ſie den Beyfall des Hauſes ohnebin haͤtte. Der Staatsſecretaͤr Dundas aber, unerachtet er mit Sinclair, in Anſehung ſeiner politiſchen Mey⸗ nungen, in beſtändigem Zwiſte war, unterſtutzte ihn mit Waͤrme. Wie die Oppoſition die Mi⸗ niſter fuͤr den Plan geſtimmt fand, widerſetzte ſie ſich anfangs ſehr lebhaft, weil ſie ein neues Be⸗ ſtechungsmittel darin zu finden glaubte. Nach⸗ mals aber gab Sheridan und andre dem Vor⸗ ſchlage volligen Beyfall, und ſo ward er mit einer großen Majoritaͤt bewilliget. Die konigliche Einwilligung und der Stif⸗ tungsbrief erfolgte ²)— wie dieſes von dem die offent⸗ ²) Der Konig ließ nachmals unter dem 6ten Auguſt 179 4 an Sir J. Sinclair ſchreiben: er bezeuge —— 3— . Cn ofſentliche Grundlage ſo gern befoͤrdernden und den Ackerbau als deren Grundlage anerkennenden Mo⸗ narchen nicht anders zu erwarten war— auf die buldreichſte Art. Dieſer Stiftungsbrief— Charter— er— waͤhnet, daß die jedesmaligen erſten Staatsbedien⸗ ten und Mitglieder des Geheimen Raths, die Erz⸗ biſchoͤfe u. ſ. f., ſo lange ſie dieſe Staatsbedienun⸗ gen bekleiden, Mitglieder des Collegiums ſeyn ſollen, ſo wie auch der jedesmalige Sprecher des Unterhau⸗ ſee, ihm ſeinen voͤlligen Beyfall uͤber den Eifer, wo⸗ mit er als Praͤfident die Geſchaͤfte des Boards be⸗ triebe. Seine Majeſtaͤt ſaͤhen die Vorſchritte des Boards, als weſentlich zur Befoͤrderung des ge⸗ meinen Beſten an, und Sie wuͤrden einen jeden, welcher dazu beytruͤge, als einen ſolchen betrach⸗ ten, der ſich um das Vaterlanb verdient mache. Se. Majeſt. wuͤnſchten ſelbſt den Plan des beabſich⸗ tigten wichtigen Werks und den Haupt⸗inhalt der Capitel, wenn ſolcher in Ordnung gebracht, zu ſehen. Auch werde es Sr. Majeſt. ſehr ange⸗ nehm ſeyn, die Namen aller derer zu erfahren, die zur Ausfuͤhrung dieſes Werks behuͤlflich wa⸗ ren. Annals of agriculture. Vol. XRIII, P. 323. ſes, der Praͤſident der königlichen Soecietät der Wiſſenſchaften, der Oberaufſeher der koͤniglichen Forſten und Waldungen und der Aufſeher der Kronlaͤndereyen. Auſſer dieſen ſoll das Collegium aus 30 ordentlichen Mitgliedern beſtehen, wozu der Koͤnig, jetzt zum erſten Mahl, folgende Lords und Herren ernannte: Die Herzoͤge von Graß⸗ ton, Bedford und Buccleugg, den Marquis von Bath; die Grafen v. Wichelſea, Hopetoun, Fizwilliam, Egremont, Lonsdale, Moira, Car⸗ rysfort, den Biſchof von Landaf, die Lords Hawke, Clive und Sheffield; die Herren Wind⸗ bam, Marsham, Morgan, Pulteney, Coke, Powys, Duncombe, Loveden, Southey, Som⸗ merville, Barclay, Smith, Summer, Conyers, Willoughby und Heary. Dieſe haben das Recht, die abgehenden Mitglieder wieder zu erwaͤhlen, ſo wie auch in der Folge den Praͤſidenten und Secre⸗ tär. Fuͤr jetzt aber ernannte der Koͤnig Sir J. Sinclair zum Präſidenten, A. Poung zum Se⸗ cretäͤr und Sir J. Call zum Ceſſenmeiſter. Unterſecretärs, Schreiber und Officianten werden vom Collegio nach Gutduͤnken angeſetzt. Auch ſtehet es dem Collegio frey, einbei⸗ miſche und auswärtige Ehren-Mitglieder aufzu⸗ nehmen, die aber bey den Deliberationen keinen Sitz und Stimme haben. Die n Die erſte Sitzung des Boards ward, um ſich zu conſtituiren, am 4ten September 1793 gehal⸗ ten. Die ordentlichen Sitzungen nahmen aber erſt am a3ſten Januar 1794 ihren Anfang. Der Hauptzweck des Boards iſt, eine vervollkommnete Ausuͤbung des Ackerbaues in allen Theilen Großbrittanniens zu bewuͤrken. Alles was die geſetzgebende und ausuͤbende Macht zur Befoͤrderung deſſelben thun und anordnen kann, wird hier in Vorſchlag gebracht, berechnet, ge⸗ pruͤft und vorbereitet. Was dieſes Collegium gebilliget und beſchloſſen hat, kann auf den Bey⸗ fall beyder Parlementshaͤuſer ſowohl, als der Regierung rechnen, indem es als eine, aus den wichtigen Perſonen beyder beſtehende Committe“ an⸗ zuſehen iſt. Sehr weislich ernannte der einen beträchtlichen Theil der Mitglieder s der Oppoſitions⸗Parthey. Um dieſen Zweck zu erreichen, kam es vor⸗ allem darauf an, von dem wirklichen jetzigen Zu⸗ ſtande der Landwirthſchaft in allen Theilen des Reichs aufs genaueſte unterrichtet zu ſeyn. Alles Vorzuͤgliche und Gute, alles Mangelhafte und Schlechte, in allen und jeden Zweigen der Land⸗ wirthſchaft, mußte man mit Zuverlaͤſſigkeit kennen lernen und alles in einer gehörigen Verbindung dar⸗ dargeſtellet, uͤberſehen können, ehe man active Maaßregeln beſchloß. Zuerſt glaubte man, ſich dieſe Nachrichten durch Brifewechſel und circuli— rende Anfragen verſchaffen zu können, wobey Sinclair beſonders auf die Landgeiſtlichen rechnete, die ihm bey der ſtatiſtiſchen Ueberſicht von Schott— land ſo große Dienſte geleiſtet hatten. Man uͤberzeugte ſich aber bald, daß dieſes Mittel nicht binlaͤnglich fuͤr den Zweck ſey, den man erreichen wollte. tan waͤhlte daher eine andre Art. Das Reich ward in 80 Diſtricte getheilt, und die Un⸗ terſuchung eines jeden Diſtricts trug man einem oder mehreren geſchickten, der Landwirthſchaft kun⸗ digen Maͤnnern auf, die den Diſtrict bereiſen, alle Verbaͤltniſſe darin unterſuchen und nach einem vorgeſchriebenen Plane beſchreihen mußten. Die Berichte uͤber den Zuſtand der Land⸗ wirthſchaft in dieſen 80 Diſtricten ſind nicht nur eingelaufen, ſondern auch durch den Druck— und zwar von verſchiedenen Diſtricten mehrere— be⸗ kannt gemacht. Sie ſind ſaͤmmtlich auf groß Quart in gebrochenen Bogen abgedruckt, und werden ſo, jede in dem Diſtricte, deſſen land⸗ wirehſchafelichen Zuſtand ſie beſchreiben, unter allen verſtaͤndigen Landwirthen ausgetheilt und dieſe erſucht, ihre Bemerkungen, etwanige Zwei⸗ fel und Zuſätze beyzufuͤgen, Rachdem dieſes ge⸗ ſcheben, ſchehen, erhaͤlt der Board die ausgetheilten Exem⸗ plare zuruͤck, vergleicht und pruͤfet die gemachten Zuſätze, ordnet ſie und laͤßt den verbeſſerten und vermehrten Bericht aufs neue abdrucken und bekannt machen. Es ſind auch von die⸗ ſen wieder aufgelegten Berichten ſchon verſchiedene publiciret. Aus dieſen einzelnen Berichten wird man nun eine allgemeine Ueberſicht des landwirthſchaftli⸗ chen Zuſtandes im ganzen Reiche zichen. Man wird vorzuͤglich diejenigen Hinderniſſe ins Licht ſtellen, die der Vollkommenheit der Landeseultur im Allgemeinen oder an einzelnen Orten im Wege ſtehen und die freye Thaͤtigkeit des Unterneh⸗ mungsgeiſtes und Fleißes unterdruͤcken. Kennt man dieſe erſt in ihrem ganzen Umfange ſowohl, als unter allen einzelnen Verhaͤltniſſen, ſo wer⸗ den ſich leicht Maaßregeln angeben laſſen, wo⸗ durch die vereinigten Zweige der oͤffentlichen Macht ſolche auf immer uͤberwinden koͤnnen. Wenn die Regierung eines jeden Staats pur die Hinderniſſe der Cultur, worunter vor allem jene Ueberreſte der Barbarey, die gemein⸗ ſchaftlichen Viehtriften, Plaggenbieb und andere erſchlichene Gerechtigkeiten gehoͤren— wegſchafft; ſo hat ſie das ihrige gethan. Mit befehlender Au⸗ toritaͤt toritaͤt darf ſie nicht weiter gehen, ſonſt legte ſie dem Unternehmungsgeiſte, deſſen Graͤnzen ſich nicht beſtimmen laſſen, neue Hinderniſſe in den Weg. Sorgt ſie aber ferner fuͤr eine zweckmaͤ⸗ ßige Belehrung des Landwirths, ſo macht ſie ſich um ſo verdienter. Und dies iſt der andere Zweck des Boards of Agrieulture. Er wuͤnſcht ſich daher eine voll⸗ ſtaͤndige Kenntniß von alle dem, was nicht nur in England, ſondern von allen Nationen in der Landwirthſchaft geleiſtet worden, zu verſchaffen und ſeine Archive zu einem allgemeinen Reperto⸗ rium aller landwirthſchaftlichen Kenntniſſe zu ma⸗ chen. Daher hat er eine ſehr große Correſpon⸗ denz mit Gelehrten und einſichtsvollen Kennern der Landwirthſchaft durch ganz Europa errichtet. Sir J. Sinelair ſucht dieſe Correſpondenz einem jeden auf alle moͤgliche Art zu erleichtern und an⸗ genehm zu machen. Da Ucberſetzer fuͤr alle Sprachen angeſtellet ſind, ſo iſt es gleichguͤltig, in welcher man ſchreibt. Man erhaͤlt nicht nur prompte Antwort, ſondern guch fuͤr das, was man mittheilt, reichlichen Erſatz durch andere intereſſante Mittheilungen, die man verlangt und nicht verlangt hat. Man kann daher dieſes Inſtitut wie ein allgemeines Buͤreau der Landwirth⸗ ſchaft fuͤr Europa und Amerika betrachten. Hier⸗ Hierbey hat aber der Board eine große Unternehmung zur beſondern Abſicht; eine Un⸗ ternehmung, wodurch er ſich nicht blos um Eng⸗ land, nicht blos um die gegenwaͤrtige Genera⸗ tion, ſondern um die ganze Menſchheit ewig verdient machen wird!— Er will naͤmlich ein allgemeines Werk uͤber die Landwirthſchaft herausgeben, deſſen Plan ſchon angelegt, deſſen Vollendung aber vielleicht noch weit hinausge⸗ ſetzt iſt, da er ſich beſtrebt, dieſem Werke die möglichſte Vollkommenheit zu geben. Es ſoll ſo viel umfaſſend, als im einzelnen genau ſeyn. Alles Ungewiſſe ſoll gepruͤfet, alle Zweifel aufgelöſet werden. Man gehet dabey folgendermaaßen zu Werke: Wenn man uͤber eine Materie vorerſt Tharſachen ge⸗ nug geſammelt hat, um eine vorlaͤufige Meynung darauf zu gruͤnden, ſo wird eine Skizze dieſes Ca⸗ pitels ausgearbeitet, abgedruckt und umhergeſandt, um die Bemerkungen und Urtheile aller Stimmfaͤhi⸗ gen in England und in ganz Europa zu vernehmen. Die erhaltenen Aufſaͤtze und Beytraͤge, die von ei⸗ niger Wichtigkeit ſind, werden abgedruckt und wie⸗ der in Umlauf gebracht, um daruͤber neue Urtheile zu bören. Wenn nun zweifelhafte und beſtrittene Tharſachen vorkommen, oder ſich noch kuͤcken fin⸗ den, die noch ausgeſuͤllt werden, wichtige Punkte, die entſchieden werden muͤſſen, und dieſes durch ge⸗ naue naue Verſuche geſcheben kann, ſo werden die Ver⸗ ſuche, auf Koſten und unter der Aufſicht des Boards, von geſchickten Maͤnnern angeſtellet. Gegenwaͤrtig wird die Materie vom Duͤnger auf dieſe Weiſe be⸗ arbeitet. Welche Kunſt, welche Nation, welches Zeitalter wird ein Werk von aͤhnlicher Vollkom⸗ menheit auſzuweiſen haben?— Vielleicht kann dereinſt dieſe Art, die Landwirthſchaftskunſt zu be⸗ arbeiten, ein Muſter zur Bearbeitung anderer Kuͤnſte und Erfahrungswiſſenſchaften werden! Drit⸗ Drittes Capitel. Wirthſchaftsarten in England. —.——— In vorigen Jahrbunderte lag faſt alles Land noch offen und in dem barbariſchen Zuſtande, wor⸗ in es leider? jetzt noch in dem groͤßten Theile Deutſchlands liegt. Der damals beſſere, trocken liegende Theil war Ackerland; der niedrige Bo⸗ den ward als Wieſen, und auch dieſe haͤufig ge⸗ meinſchaftlich, benutzt; das uͤbrige war gemeine“ Weide. Das Ackerland ward in drey Feldern beſtellet: Winterfeld, Sommerfeld und Brache. Letztere ward im Sommer als gemeine Weide mit benußet, und es war nicht erlaubt, ſie zu be⸗ ſtellen. Auch wurde die Stoppel der Kornfelder behuͤtet. Eng⸗ England hatte großen Mangel an Korn, und obgleich alles auf Vieh- beſonders Schaf⸗ zucht berechnet zu ſeyn ſchien; ſo war dieſe doch in einem, gegen die jetzige Zeit, hoöchſt elenden Zuſtande. Da man aber um die Mitte dieſes Jahrhun⸗ derts einſah, daß dieſes Ueberbleibſel des No na⸗ den⸗Lebens hoͤchſtens nur beym erſten rohen An⸗ fange der Cultur ertraͤglich bleiben koͤnne; ſo fingen viele an, Acker⸗ Weide⸗ und Wieſenland einzuſchließen und bald eine ſogenannte Wechſel⸗ Wirthſchaft einzufuͤhren. Der Rutzen fiel in die Augen, und die Pacht ſtieg ſchnell aufs Doppelte. Da in den meiſten Gegenden der Boden, von Wilhelm des Eroberers Zeiten an, einem Großen gehoͤrte, ſo machte dies wenig Schwierigkeiten. Man ſetzte ſich leicht aus einander, wo gemein⸗ ſchaftlicher Beſitz geweſen war, und bald lagen ganze Provinzen in Koppeln. In andern ging es langſamer, und man folgte erſt in der Mitte dieſes Jahrhunderts dem Beyſpiele. In manchen Diſtrieten war es aber dem Wunſche einiger Kluͤgern nicht ſo leicht, die Sache durchzuſetzen. Viele Ortſchaften hatten ſich in den Mitbeſitz der vormals wenig geach⸗ teten Stoppel- und Braache⸗Behuͤtung, auch eines Theils Theils der Weide, geſetzet. Wenn es zur Theilung kommen ſollte, behaupteten auch die Hauseigenthuͤmer der Staͤdte und Flecken, die das Recht, ein Stuͤck Vieh dahin zu treiben, gehabt zu haben vermeinten, ja ſogar die Ei⸗ genthuͤmer wuͤſter, vormals bebaueter Plaͤtze, ei⸗ nen Antheil, und oft einen unproporticnirten ge⸗ gen die Landeigenthuͤmer, erhalten zu muͤſſen. Dieſer Fall iſt noch immer in den engliſchen Rechten unentſchieden, und wenn alſo eine Thei⸗ lung verlangt wird, und nicht durch guͤtlichen Vergleich oder durch Schiedsrichter zu Stande kommen kann, ſo wird uͤber jede beſondre Thei⸗ lung eine eigene Parlements⸗Acte erfordert. Dieſe iſt aber nicht nur aͤußerſt koſtbar und mit vielen Weitlaͤuftigkeiten verknuͤpft, ſondern bey dem gaͤnzlichen Mangel aller Grundſäͤtze iſt auch niemand ſicher, wie ſie ausfallen werde. Es kommt alles auf den Bericht der Commiſ⸗ ſion an, die das Parlement ernennet, und wie man vor ſelbiger, durch erlaubte oder unerlaubte⸗ Mittel, ſeine Rechte geltend zu machen weiß. Man hat Beyſpiele der groͤßten Ungerechtigkeiten, die dabey vorgefallen ſind, und daher ſcheuet mancher dieſen Weg ſehr, und vieles Land bleibt offen liegen. Es Es iſt daher die einhellige Stimme aller Patrioten, daß allgemeine Grundſaͤtze uͤber die Theilung durch eine Parlements⸗Acte beſtimmt, und darnach, auf Verlangen eines jeden Inter⸗ eſſenten, ſoſort verfahren werden mogte. Der Antrag dazu im Parlemente iſt oft geſchehen, aber noch nicht durchgegangen, weil der Spre⸗ cher, viele Officianten und Commiſſaͤrs dabeh verlieren wuͤrden, wenn ſolche Privat⸗Acten nicht mehr nothig waͤren. Man ſchuͤtzte die Schwierigkeit vor, ſolche allgemeine Grundſätze feſtzuſtellen. Indeſſen iſt es jetzt der vornehmſte Ge⸗ genſtand des Boards of Agriculture, eine ſolche Bill nach moͤglichſter Billigkeit zu entwerſen und ſie dann ins Parlement zu bringen. Sie wird nun gewiß durchgehen, theils weil man die Gefahr des Kornmangels kennen gelernet hat, und dieſem blos hierdurch auf immer wuͤrde vorgebeugt werden; theils weil der Finanz⸗ Miniſter dadurch den Ertrag der Land⸗Taxe erhoͤhet. Mie — 28——— „ Mit Gemeinheitstheilung und Verkoppelung denkt man ſich in England Aufbebung des Natural⸗Zehntens unzertrennlich verbunden. Man iſt uͤberzeugt, daß eine vollkommnere Wirthſchaft bey ſolchem durchaus nicht beſtehen koͤnne. Der Zehnten waͤre zwar als Abgabe vom Lande unbetraͤchtlich und wirklich zweck⸗ maͤßig; aber er faͤllt größtentheils auf die Ar⸗ beit, die darauf verwandt worden. In den rohen Zeiten ſeines Urſprungs bedachte man dies nicht; ſonſt haͤtte man gewiß das Widerſinnige gefuͤhlt, den Fleiß zu belaſten und dadurch zu hemmen. Wenn ich die Arbeit und Beſtel⸗ lung zu Gelde anſchlage, ſo bekommt der Zehnt⸗ berr nicht den Zehnten meines Gewinnſtes; er ziehet den Zehnten von meinem Capitale heraus, oft meinen ganzen reinen Gewinnſt. Ich werde daher gezwungen, das Capital der Beſtel⸗ lung, verhaͤltnißmaͤßig gegen die Groͤße meines Ackers, ſo klein wie moͤglich zu machen, mich mit meinem Ackerbaue auf eine große Flaͤche aus⸗ zubreiten; auf keinem Flecke aber anzuſtrengen. Hieraus folgt nothwendig die elendeſte Beſtellung und die niedrigſte Production des Bodens. Wer von keiner hoͤhern Cultur des Bodens— wie man ſie in vielen Theilen Englands, in ganz Braband ſiehet, und der man ſich doch allent⸗ balben zu naͤhern wuͤnſcht— einen Begriff hat, 1. E kann kann ſich auch hiervon keine deutliche Idee ma⸗ chen. Man denkt immer, der Zehnten kaͤ⸗ me doch groͤßtentheils vom Boden; dies iſt aber nur bey einem ganz rohen Ackerbaue der Fall⸗ Es gibt eine Cultur, wo, alles genau an⸗ geſchlagen, der Morgen Landes 25 Rthlr. Vor⸗ ſchuß erfordert; vier Morgen alſo 100 Rthlr. Wenn der Werth der Erndte ein Jahr gegen das andre 120 Rthlr. iſt, ſo kann der Land⸗ wirth zufrieden ſeyn, denn er hat 20 p. Cent. reinen Vortheil. Nun aber kommt der Zehnt⸗ berr und nimmt 12 Rthlr. davon. Da von der erſten Beſtellung bis zum Verkauf der Fruͤchte faſt anderthalb Jahre hingehen, ſo muß er die Zinſen auf dieſe Zeit abrechnen, und ſo behaͤlt er fuͤr Sorgen und Riſiko— 2 P. G. Wer kann das eingehen? Jede Verkoppelung, ohne Vergleich wegen des Zehntens, muß daher ihres Zwecks alle⸗ mahl verfehlen: deswegen geht man ſie in Eng⸗ land gar nicht mehr ein. Die Zehnten gehören daſelbſt faſt ſaͤmmtlich der Geiſtlichkeit. Man muß ihr nachruͤhmen, daß ſie ſich, im allge⸗ meinen, in Beylegung deſſelben ſehr billig fin⸗ den laſſe. Auch iſt, bey einem Uebergange von ſchlechter Cultur zu einer beſſern, nichts leichter — 67—— leichter, als den Zehntherrn ſchadlos zu halten, ja ihm ſelbſt einigen Vortheil zuzugeſtehen. Man bat ihn entweder mit Lande abgefunden, oder ihm einen Sackzehnten gegeben, oder ſeine Gebuͤhr nach der gewoͤhnlichen Landmiethe beſtimmt. Hier und da hat es indeſſen auch unbillige und eigenſinnige Pfaffen gegeben, die Theilung und Verkoppelung ruͤckgaͤngig gemacht hachen. Es wird alſo auch hieruͤber in der Parlements:Bill das Noͤthige feſigeſeht werden. Koppeln nenne ich uͤberhaupt alles, was die Englaͤnder inclosures(Einſchließungen, Hege⸗ land) nennen. Man muß ſich keine beſondere Art von Befriedigung dabey denken; mehren⸗ theils hat man indeſſen in England Hecken, und wo hauptſäͤchlich auf Viehweide Ruͤckſicht ge⸗ nommen iſt, da haben dieſe ihre großen Vor⸗ zůge. Je loſer der Boden iſt, deſto vortheil⸗ bafter findet man enge Koppeln und viele Hek⸗ ken. Das Gras erhaͤlt dadurch mehr Schutz gegen brennende Sonnenſtrahlen und gegen aus⸗ dürrende Winde. Der Sand bekoͤmmt mehr Feſtigkeit und Sicherbeit gegen das Verwehen. Bey ſchwerem, feuchtem Boden zieht man Graben vor. E2 Auch — 68— Auch muß man ſich unter Verkoppelung keine beſtimmte Art von Wirthſchaft und Be⸗ ſtellung denken. Jeder wird dadurch nur voͤlli⸗ ger Eigenthuͤmer, beſtellt es uͤbrigens auf die Art, wie es ihn am beſten duͤnkt. Indeſſen ſind doch gewiſſe Beſtellungs- und Wirthſchafts⸗ arten vorzuͤglich uͤblich, und von dieſen wird jetzt die Rede ſeyn. Wo noch keine Verkoppelung iſt, kann keine andre als die aushungernde Dreyſelder⸗ Wirthſchaft Statt finden. Denn ſelbſt der Bau der Futterkräͤuter im Brachfelde iſt nicht er⸗ laubt, oder doch unzaͤhligen Vexationen ausge⸗ ſetzt. Was aber Erſtaunen erregt, und den Be⸗ weis gibt, daß Vorurtheile und traͤge Anhaͤng⸗ lichkeit an alte Gewohnheiten noch in jedem Lande anzutreffen ſind, iſt: daß bin und wie⸗ der die Dreyfelder-Wirthſchaft noch auf ver⸗ koppelten Feldern getrieben wird, und daß man einige Koppeln beſtaͤndig unter dem Pfluge hat, und andre zu Graſe liegen laͤßt. Young fuͤhrt ſelbſt in den Annalen noch ſolche Bey⸗ ſpiele an, die er auf ſeinen neuern Reiſen, haupſaͤchlich in den ſuͤdweſtlichen Provinzen, an⸗ ge⸗ getroffen. Doch ſind ſie im Ganzen ſelten⸗ Ich halte mich bey dieſer Wirthſchaft nicht auf, da ſie leider unter uns zu bekannt iſt. Sonſt unterſcheiden ſich die Wirthſchaften hauptſaͤchlich in 1. Korn⸗ oder Ackerwirtbſchaften, 2. Gras⸗ oder Weidewirthſchaften, 3. Wechſel⸗ oder gemiſchte Wirth⸗ ſchaften. Man muß dies jedoch nicht in dem ſtrengen Sinne nehmen, als ob bey erſteren durchaus kein Land etliche Jahre zu Heu und Weide lie⸗ gen bleibe, noch bey den Graswirthſchaften uͤberall kein Korn gebauet wuͤrde. Dies geſchie⸗ het allerdings; auch gibt es Gradationen genug, wodurch ſich beyde Wirthſchaftsarten in der Zten, wrelche ungefaͤhr gleichviel Land unter dem Pfluge und im Graſe hat, vereinigen. Dieſe verſchiedenen Wirthſchaftsarten richten ſich zum Theil nach dem Boden, zum Theil aber nach den eingefuͤhrten Gebräuchen einer Gegend. Dieſe haben zwar ihre Ausnahmen; im Ganzen aber ſind ſie in gewiſſen Diſtricten ziem⸗ — 70— ziemlich allgemein. Die öſtlichen Theile von England haben mehrentheils Ackerwirthſchaft; die nördlichen Wechſelwirthſchaft; die in der Mitte liegenden und weſtlichen Grafſchaften mehr Graswirthſchaft. Man hielt vormals die Gegenden und Wirthſchaften, wo alles durch den Pflug hervor⸗ gebracht werden muß, fuͤr minder vortheilhaft und weniger begluͤckt, als die, wo bey wei⸗ tem der groͤßte Theil aus dem Viehſtapel, dem Molkenwerk und Fettweiden gezogen wurde. Alle Paͤchter draͤngten ſich nach dieſen hin, und wenn ſie ſo gluͤcklich waren, daſelbſt anzukommen, ſahen ſie. veraͤchtlich auf eine Ackerwirthſchaft berab. Sie betrachteten die Pflugtreiber grade ſo, wie unſte Marſchbewohner die Geeſtleute an⸗ ſehen, die ſie als arme Hungerleider bedauern. Es iſt gewiß, daß der Vortheil eines Gewerbes im Durchſchnitt deſto größer werden muß, jemehr die Produete verarbeitet werden, ehe man ſie verkauft. Bey der Landwirthſchaft vermehrt ſich daher der Gewinnſt— einige be⸗ ſondre Faͤlle ausgenommen—, wenn man einen großen Theil der Producte erſt durch Rutz⸗ und Maſtvieh veredelt. Gewoönne man nichts dabey, als den Duͤnger und die Erſparung der Fuhren, ſo ſo waͤre dies vollig hinreichend. Bey einer auf gutes und ſettes Fleiſch ſo begierigen Ra⸗ tion, wie die Engländer ſind, iſt der Vortheil vielleicht groͤßer, wie anderswo. Gemaͤſtetes Fleiſch ſtebet, der Regel nach, in einem hoͤhe⸗ ren Verhaͤltniſſe gegen Korn, wie in andern Ländern. Aber die Norfolker Farmers ſahen bald ein, daß man aus dieſem richtigen Grundſatze, auch bey einer bloßen Ackerwirthſchaft, Rutzen zieben koͤnne, und lernten bald einem, Acker durch den Pflug das vier⸗ und fuͤnffache Viebfutter abgewinnen, was er als Grasland gab. Durch ihre muſterhafte, dem Boden angemeſſene Wirth⸗ ſchaft, durch ihren Mergel und Duͤngungsart, brachten ſie ihr ſandiges Land bald dahin, daß es die großen Ruͤben⸗ und Klee⸗Erndten gab; daß ſogar ihre wenigen, vormals in großem Werthe ſtehenden naſſen Wieſen ihnen entbebrlich wurden, und in der Pacht von 30 Schill. auf, 10 Schill. fielen. Der Werth der Wieſen iſt allemal ein ſi⸗ cherer Maaßſtab fuͤr die Cultur, worin eine Gegend ſtehet. Iſt er groß, ſo iſt dieſe noch in ihrer Rohheit; jemehr ſie im Werthe fallen, deſto mehr hat ſich der Ackerban gehoben. Mit Futter⸗ „ — 72— Futterkraͤutern im Sommer:; Rüben, Kartofſeln, Kohl, Wurzeln, vom Herbſt bis zum Fruͤhjahr; und dann Winterwicken gruͤn zu futtern, kann eine Ackerwirthſchaft mehr Vieh naͤhern, als Weideland; ſie nutzt uͤberdem ihr Stroh aufs boͤchſte, und erhält Duͤnger fuͤr die reichſten Korn⸗Erndten. Der erſte Grundſatz, worauf eine ſolche Ackerwirthſchaft aber beruhet, iſt der: das Land ein Jahr ums andre mit Viehfutter und mit Korn zu beſtellen; ſo daß immer gleichviel fuͤr das Vieh und fuͤr den Menſchen beſtimmet iſt. Hierauf beruhet alles; ohne Befolgung dieſer Regel wird man das beſte Land bald erſchopfen, und außer Stande ſeyn, ihm ſeine Kraͤfte wie⸗ derzugeben. Eine ſolche Wirthſchaft erfordert freylich viele Menſchen-Haͤnde; aber eben da⸗ durch iſt ſie für den Staat und die Bevölkerung ſo erſprießlich. Sie iſt im Stande, ihren Ar⸗ beitern reichlichen Unterhalt zu geben; nur er⸗ fordert ſie unter allen das groͤßte Capital zu ihrer Betreibung. Denn außer dem Vorſchuſſe fuͤr die mannigfaltige Arbeit muß ein großer Stapel von Melk⸗ oder Maſtvieh angeſchafft wer⸗ den. Dies hat ſie mit der Fettweiden- oder Marſchwirthſchaft gemein; die groͤßere Arbeit als Zugabe. Steht das Vermoͤgen daher mit der der Große der Wirthſchaft nicht im Verhältniß, ſo bleibt der Pächter ein armſeliger Quaͤler. Man rechnet in England gewoͤhnlich, daß der Paͤchter fuͤnf- bis ſechsmal ſo viel in Haͤnden baben muͤſſe, als die jaͤhrliche Pacht beträgt. Je geringer die Pacht vom Acre iſt, deſto groͤßer iſt das Verhaͤltniß, weil durch Cultur das erſetzt werden muß, was dem Boden an innerer Guͤte abgehet. Hier wird zuweilen das zehn⸗ und zwoͤlffache zu dem, was die Englaͤn⸗ der for stocking, wir das Inventarium nen⸗ nen, erfordert. Young hat auf das erforder⸗ liche Capital, welches zur Uebernahme einer Wirthſchaft, nach den verſchiedenen Arten derſel⸗ ben und dem Boden, erfordert wird, vorzuͤgliche Aufmerkſamkeit gewandt, und aus allen Gegen⸗ den, die er durchreiſet, Berechnungen daruͤber geliefert à). Ich will hier nur eine zum Bey⸗ ſpiele geben, welche von den Paͤchtern in der Gegend von Bedford im Jahre 1769 gewoͤhnlich angenommen ward. Ein ) Er berechnete die Total⸗Ausgabe, welche der Betrieb des Ackerbaues in England jaͤhrlich er⸗ fordert, im Jahre 1770 auf 65 Millionen Pf. Sterling. Ein Farm von 200 Acres leichten ſandi⸗ gen Lehmbodens erfordert fuͤr 200 Pf. St. Abgaben und Taren.„ 30— Pide Geſchir 24— 80 2 breit⸗raͤderige Karren 30 2 ſchmale dito„ 20 Verſchiedenes Geraͤth 30 6 P 5 geoßen dito 5 4 Paar große und 2 Paar kleine Eggen„ 12— Wälzen 3— 56— 10 Maſtochſen„ 80— 30 Stuͤck junges Rindvieh. 90— 300 Schaf 40 Acres Weitzen Ausſaat. 30— 80 Acres Gerſten Ausſaat. 30— 40 Acres Turnipp„ 3— 40 Acres Klee und Raygras. 10— Bezahlung des Zehntens 30— 2 Großknechte„20— 2 Kleintnechte„ 8— 1161 * — — t8 Ueber⸗ Uebertrag— 1161 Pf. St. 2 Mägbe„0—— 2 gewoͤhnliche Tageloͤhner. 40—— Auſſerordentliches Tagelohn fur Verbeſſerungs⸗ und Extra⸗ Arbeiten, wozu auchErndte, Dreſchen ꝛc. gehoören 100—— Zur innern Haushaltung 100—— Hausgeräthe, Betten„150—— Vorſchuß auf das zweyte Jahr 600—— 2161 etwa 13,000 Rthlr. fuͤr einen Paͤchter von 300 Morgen! Hiermit wuͤrde man ſie in Deutſchland nicht pachten, ſondern kaufen. Indeſſen rechnet man doch, daß der engliſche Paͤchter damit, ein Jahr ins andre, ſelbſt Ungluͤcksfaͤlle eingerechnet, 12 p. C. rein verdiene, alſo ſein Vermogen um 1570 Rthlr. jaͤhrlich verbeſſere. Vorſtebende Berechnung paßt auf die ge⸗ woͤhnliche, aber angeſtrengte Norfolker-Wirth⸗ ſchaftsart, die auf lockerm Boden uͤblich iſt. Ich werde dieſer Wirthſchaftsart ein beſonderes Capitel widmen, da ich ſie, mit einigen Modificationen, fuͤr manche Gegenden Deutſchlands ſo vorzuͤglich anwendbar halte. Hier fuͤhre ich nur an, daß ſie gemeiniglich ſe chs Felder habe: 1. 1. Ruͤben, nach fuͤnfmaligem Pfluͤgen, ſtark geduͤnget. 2. Gerſte, mit untergeſäetem Klee⸗ und Rah⸗ grasſaamen. 3. Klee, einmal geſchnitten, einmal wenig⸗ ſtens halb abgeweidet. 4. Raygras, zur Weide. §5. Weitzen. 6. Gerſte. Ein Farm von 240 Acres hat alſo: 40 Acres Ruͤben, oder zum Theil Kohl, Kar⸗ toffeln, Carotten u. dgl. 40 Acres Klee. 40 Acres Raygras, worunter wenig Klee mehr zu ſeyn pflegt, zur Weide. 40 Acres Weitzen. 80 Aeres Gerſte oder zum Theil Hafer. —— 240 Eine Eine andre Wirtbſchaftsart auf leichtem, jedoch beſſerem Boden, hat vier Felder; 1. Ruͤben u. dergl. 2. Gerſte. 3. Klee. 4. Weihen. Dieſe erfordert noch ungleich groͤßere Anſtrengung. Wenn nach dem Weiten Winterwicken geſaͤet wer⸗ den, die man im Fruͤhjahre abfuttert, und dann das Land unmittelbar zu Ruͤben bereitet, ſo hebt ſie ſich noch mehr.[Mit der in England unbe⸗ kannten Stallfutterung, und vielleicht mit dem Drill⸗ pfluge verbunden, waͤre ſie das vollkommenſte, was wir uns bis jetzt denken koͤnnen.] Von der Bewirthſchaftung des Klaybodens, als beſtändiges Ackerland, findet man die vortreff⸗ lichſten Muſter in der Grafſchaft Kent und auf der Inſel Thanet. WMan hat da, ſchon ſeit undenklichen Zeiten her, die Bohnen in Reihen geſäet, und mit der Hand- und Pferdehacke bear⸗ beitet. Auch der Weitzen wird ausgehacket. Dar⸗ um ſind ſie im Stande, das, was ſie runde Be⸗ ſtel⸗ ſtellung(round tilth) nennen, beſtaͤndig fort zu treiben, naͤmlich: 1. Bohnen. 2. Weitzen. 3. Gerſte. Seitdem der Klee aber eingefuͤhrt iſt, bauen die Vernuͤnftigern 1. Bohnen. 2. Gerſte mit Klee. 3. Klee. 4. Weitzen.. Sehr viel werden jetzt die Bohnen⸗Reihen ſo weit auseinander geſetzt, daß Kohl dazwiſchen gepflanzt werden kann. Wenn die Bohnen wegkommen, ſo erhaͤlt der Kohl Luft, ſich auszubreiten, da ibm vorber die Bohnen einen wohlthätigen Schat⸗ ten gaben. Auf lockererm Boden ſaͤet man, ſtatt des Kohls, Ruͤben dazwiſchen. Noch andre bringen in dieſen Fruchtwechſel Rapſaat, Erbſen und Winterwicken hinein. Es verſteht ſich, daß bey dieſer Wirthſchaft auf das Reinbalten des Ackers Ackers die groͤßte Sorgfalt verwandt werden muͤſſe. Dies geſchieht aber auch bier auf alle moͤgliche Weiſe. Auſſer dem Behacken braucht man gleich nach der Erndte ein Werkzeug, das ſie Skim nen⸗ nen, eine Art von Erdhobel, welches dem gleicht, was wir wohl zur Reinigung der Gartenwege brauchen. Es wird aber hinter das Vorder⸗ geſtell eines Wagens gehangen und mehrere Pferde vorgeſpannt. Das Eiſen, faſt 4 Fuß breit, ge⸗ het etliche Zoll unter der Oberflaͤche weg und ſchnei⸗ det alle Unkraut⸗Wurzeln, die etwa ſtehen ge⸗ blieben, ab. Ich muß indeſſen bemerken, daß dieſe Wirthſchaften ihr eigenes Gras- und Weide⸗ land haben, welches nicht beackert werden kann, weswegen ſie eigentlich nicht unter die reinen Ak⸗ kerwirthſchaften gerechnet werden koͤnnen. Die Gras⸗, Molken⸗ und Fettweiden⸗Wirth⸗ ſchaften ſind hauptſaͤchlich in den mittellaͤndiſchen Grafſchaften zu Hauſe: Chesſhire, Staf⸗ fordſhire, Derbyſhire, Warwikſhire, Leiceſterſhire u. ſ. w. Die Wirthſchaft hat viel aͤhnliches mit der holſteinſchen Marſchwirth⸗ ſchaft. Das kand liegt gewoͤhnlich 6 Jahre zu Graſe; wird dann mit einer Furche aufgebrochen und gleich mit Hafer beſaͤet; im zweyten Jahre kommt Weitzen, und darauf, nachdem es im Herbſt und Fruͤhjahr fleißig gepfluͤget iſt, was ſie — 80— ſie eine Winterbrache, auch Pin fallow, neu⸗ nen, wird Gerſte mit Grasſaamen eingeſüet, wor⸗ auf es wieder 6 Jabre liegen bleibt. Daß bey dieſer Beſtellungsart das Land ſehr unrein bleiben, und der Korn⸗Ertrag daher ſehr geringe ſeyn muͤſſe, daß ſelbſt der mit der Gerſte eingeſäete wenig Nutzen ſchaffen könne, erhellet von ſelbſt; und von dieſer Seite hat alſo dieſe Wirtt hſchaſt nichts empfehlungswuͤrdiges. Auch fangen thäͤtigere Farmer an, davon abzuwei⸗ chen, eine Brache oder behackte Fruͤchte einzu⸗ ſchieben, und ſich einer Wifhſlwiech ſchaft iu, naͤ⸗ bern. Was hingegen die Viehzucht und 2 Vieh⸗ Benutzung anbetrifft, ſo iſt ſolche in dieſen Ge⸗ genden aufs Hoͤchſte getrieben, wovon ich in der Folge eine ausfuͤhrliche Nachricht zu geben denke. Die Wechſelwirthſchaft nenne ich die, wo ungefaͤhr die Haͤlfte des Landes unter dem Pfluge ſtehet, und die andre Hälfte zu Graſe lieget, und wo man, ſo wie ein Theil von dieſem auf⸗ gebrochen wird, einen gleichen Theil von jenem niederleget: Aſo Meklenburger Wirthſchaft?— Ja!— nur mit dem kleinen Unterſchiede, daß thaͤtigere Wirthe keine Brache halten, ſondern behackte Fruͤchte, einmal Klee, und nicht leicht zweymal Korn hinter einander nehmen Die Ab⸗ wech⸗ 3— wechſelungen ſind mannigfaltig; ich will einige der gebräͤuchlichen angeben. 1. Hafer in die unngebrochene Narbe. 2. Bohnen in ſtarken Duͤnger, gedrillet und behacket. 3. Gerſte. 4. Klee. 5. Weißen. 6. Erbſen. 7. Gerſte mit Klee⸗ und Grasſaamen. Oder: 1. Kohl, wozu mehrere Mable gepfluͤget und ſtark geduͤnget. 2. Weitzen. 3. Bohnen, behacket. 4. Gerſte. 5. Klee. 6. Weitzen. 7. Hafer mit Grasſaamen, 1. 5 Oder: Oder: 1. Wicken, gruͤn gefuttert. 2. Rapſaat, behacket. 3. Weitzen. 4..„ behacket. 5. Gerſte. 6. Klee mit Grasſaamen. Oder: 1. Hafer. 2. Ruͤben. 3. Gerſte. 4. Klee. 5. Weitzen. 6. Erbſen oder Bohnen. 7. Gerſte mit Grasſaat. Nur im Notbfalle, oder wenn der Pachter ſei⸗ nen Hof aufgeben will, und nicht durch den Contract an ein Beſtellungs⸗Syſtem gebunden iſt, nimmt — nimmt er mehrere Kornerndten hinter einander. Das Grasland wird groͤßtentheils zur Weide ge⸗ braucht; der Klee und die vielen Futtergewaͤchſe ſind fuͤr den Winter. In welchem Zuſtande bierbey der Viehſtapel und der Maͤſteſtall ſey, wie groß der Duͤngerhaufen und welche Erndte die Kornfelder tragen, wird jeder Landwirth von ſelbſt einſehen. 50 Buſbel Weitzen vom Acre, ſind dann ein gewoͤhnlicher Ertrag. Bey dieſen Wechſelwirtbſchaften iſt auch an manchen Orten das Abſchaͤlen und Verbrennen der Grasnarbe im Gebrauche, worauf dann ge⸗ wohnlich Rapſaat oder Ruͤben in die Aſche geſaͤet werden. Von dieſer Verrichtung aber in einem beſondern Capitel. Bey der Verſchiedenheit der Wirthſchaft in den verſchiedenen Provinzen iſt der Umſtand ſehr merkwuͤrdig, daß da, wo viele Fabriken ſind, wie in Lancaſhire, Warwikſhire und Glonceſterſhire, der Ackerbau auf eine hochſt elende Art betrieben werde, wogegen er in Kent, F 2 wo wo gar keine ſind, und in Berkſbire, Her⸗ fordſhire, Suffolk und Rorfolk, wo verhältnißmäßig wenige ſind, in groͤßtem Flore ſtehet. Jene frabrik⸗reichen Provinzen erfordern daber eine ſehr große Inportation. Es bleibt daſelbſt alles, beſonders aber das Tagelohn, ſehr theuer, und es gibt dort eine ungeheure Menge von Ar⸗ men, deren man hingegen in den landwirthſchaft⸗ lichen Provinzen nur wenige findet. Vier⸗ Viertes Kapitel. Der Erdboden.. Da der Boden im eigentlichſten Verſtande die Grundlage des ganzen Ackerbaues iſt; ſo bleibt es beynahe unbegreiflich, daß man bisher ſo we⸗ nig Aufmerkſamkeit auf eine gruͤndliche Unterſu⸗ chung und Kenntniß deſſelben verwandt habe. Es beruhet doch auf dieſer Lehre die ganze Kunſt der Landwirthſchaft, und man muß allen Anſpruch auf eine wiſſenſchaftliche Behandlung derſelben aufgeben, ſo lange man nicht wahre, beſtimmte und deutliche Begriffe vom Boden feſtgeſetzet hat. Die Sprache der Landwirthe vom Boden und ſeinen Eigenſchaften iſt das verworrenſte Geſchwaͤtz, was es in irgend einer Kunſt noch gibt; und nichts nichts kann unbeſtimmter ſeyn, als die Art, wie die Ausdruͤcke von beiſſen, kalten, ſauern, ſuͤßen, ſalpetrigen, leichten, ſchweren u. ſ. f. Boden gewoͤhnlich gebraucht werden. Wenn dieſe Ausdruͤcke auch an ſich richtig ſind, ſo werden ſie doch mehrenthels mit ganz unrichti— gen Vorſtellungen verbunden, und ihre Anwen⸗ dung gruͤndet ſich auf leere Muthmaßungen und unſicheres Gefühl. Daber iſt, nach der jetzigen gewoͤhnlichen Lehre von der Landwirthſchaft, nichts unſicherer, als die Faͤhigkeit eines gegebenen Bo⸗ dens zu einer gewiſſen Cultur, einem gewiſſen Fruchtwechſel oder einer gewiſſen Saat zu beur⸗ theilen, oder unter dieſen das eintraͤglichſte, ſicher⸗ ſte und zweckmaͤßigſte auszumitteln. Der vorſich⸗ tige Landwirth, der ſeinen Ackerbau gern mit mebrerer Energie und nach einem beſſeren Feldſy⸗ ſteme betreiben moͤgte, iſt daher gezwungen, erſt eine Reihe von Jahren der Beſtellungsart ſeines Vorweſers und Nachbars blindlings zu folgen, und nur nach und nach, durch mehrere gewagte und oft fehlſchlagende Verſuche, ſich zu einer beſſeren Cultur zu erheben, ohne daß er vielleicht je die möglichſtbeſte fuͤr ſeinen Boden erreichen wird. Wäaͤre hingegen die Lehre vom Boden erſt aufs Reine und zu der Klarheit gebracht, deren ſie gewiß faͤhig iſt, ſo könnte jeder denkende Land⸗ wirth, wenigſtens in Jahresfriſt, ſich in den Stand Stand ſetzen, zu beſtimmen, was auf ſeinem Bo⸗ den moͤglich ſey, oder nicht, und in welcher Ord⸗ nung ſeine Felder zum hoͤchſten Ertrage gebracht werden koͤnnen. Erſt dann wuͤrden angeſtellte Verſuche und bekanntgemachte Erfahrungen von allgemeinem Nutzen ſeyn, wenn die Art und Ei⸗ genſchaften des Bodens, worauf ſie gemacht wor⸗ den, beſtimmt angegeben waͤren, und jeder, der die Verſuche nachmachen wollte, ſeinen Boden erſt damit vergliche. Es iſt zwar dieſe Materie von den Englaͤn⸗ dern bey weitem noch nicht voͤllig entwickelt und in gehöriges ticht geſtellet. Indeſſen verbinden ſie doch mit den Ausdruͤcken, womit ſie eine be⸗ ſtimmte Bodenart bezeichnen, feſtere Begriffe, wie wir Deutſchen bisher gethan. Dann aber iſt die Wichtigkeit dieſer Lehre hauptſaͤchlich von den Englaͤndern neuerlichſt anerkannt worden, und wir duͤrfen erwarten, daß wir von dorther das erſte ticht uͤber ſelbige erhalten werden. Da in dem großen Werke, welches der Board of Agriculture beabſichtiget, ein beſonderes Capitel dieſer Ma⸗ terie gewidmet iſt, ſo zweifle ich nicht, daß er ſcharf beobachtende Landwirthe und gelehrte Che⸗ miſten bereits aufgefordert habe, die Grundlinien deſſelben zu entwerfen und ſelbige dann einer oͤffent⸗ lichen Discuſſien auszuſetzen. Es Es waͤre vielleicht am ſccherſien fuͤr mich, wenn ich meine Leſer hierauf verwieſe und ihnen eine ſchnelle Bekanntmachung der engliſchen Ver⸗ bandlungen verſpraͤche. Als Einleitung dazu moge indeſſen folgendes, was, meiner Meinung nach, einige Grundzuͤge, wornach die Unterſuchung ge⸗ fuͤhrt werden muß, enthaͤlt, vorlaͤufig dienen. Bey der Unterſuchung und Beſtimmung des Bodens und ſeines Werths kommt es an: 1) Auf die Beſtandtheile der Krume oder der ackerbaren Oberflaͤche. 2) Auf die Beſchaffenheit der im Unter⸗ grunde befindlichen Erdlagen. 3) Auf eine flache oder abhaͤngige Lage des Ackers, und in letzterem Falle, nach welchem Himmelsſtrich er ſich neige. 4) Auf eine bohe oder tiefe Lage, in Ver⸗ bältniß mit der umliegenden Gegend und beſon⸗ ders in Verhaͤltniß mit dem Waſſerſtunde der nahgelegenen Fluͤſſe, Baͤche und Seen. 5) Auf das Clima, in Ruckſicht des in der Gegend gewohnlichen Regenfalles, der berrſchen⸗ den ſc di di n den Winde, des fruͤheren oder ſpateren Eintritts der warmen und kalten Jahrszeit, der ſogenann⸗ ten Wetterſcheiden. 6) Auf die Lage und Verhaͤltniſſe der ver⸗ ſchiedenen Ackertheile gegen einander und gegen die benachbarten. 7) Endlich auf die politiſchen und geogra⸗ pbiſchen Verhaͤltniſſe, die Bevolkerung, die Ge⸗ rechtſamen, die Sitten, die Preiſe, den Abſatz, die Zu⸗ und Abfuhren u. ſ. w. Wer alle dieſe Momente richtig zu unterſu⸗ chen im Stande waͤre, der wuͤrde ſich in der Beſtimmung des Werthes eines gegebenen Bodens nie truͤgen, und unter allen möglichen Behand⸗ lungsarten die zweckmaͤßigſte und ſccherſte aus⸗ waͤhlen. Die ackerbare Krume, oder was man im engeren Verſtande den Boden nennt, und was die Baſis der Vegetation ausmacht, beſteht aus einer Miſchung verſchiedener Theile, deren Eigen⸗ ſchaf⸗ ſchaften und verſchiedene Verbältniſſe unter einan⸗ der vor allem die genaueſte Unterſuchung erfordern. Außer den groͤberen, gewiſſermaaßen fremd⸗ artigen Theilen, als Steinen, unverweſeten Faſern, iſt ſie hauptſaͤchlich zuſammengeſetzt aus dem Ruͤck⸗ ſtande der animaliſchen und vegetabiliſchen Faͤul⸗ niß, den vier gemeineren Erdarten, einigen me⸗ talliſchen, beſonders Eiſentheilen, und zuweilen ei⸗ nem geringen Antheile von Salzen. Was den Ruͤckſtand der Faͤulniß anbetrifft, welcher Duͤng⸗erde, Pflanzeerde, Dammerde, Moder genannt wird, und der wohl eigentlich die Hauptnahrung der Gewaͤchſe, naächſt dem Waſſer, ausmacht; ſo wird davon im folgenden Capitel, vom Duͤnger, ausfuͤhrlicher die Rede ſeyn. Hier nur ſo viel, daß ſein Hauptbeſtand⸗ theil nicht eigentlich Erde, ſondern dasjenige Prin⸗ cipium ſey, was man in der neuern Chemie Koh⸗ lenſto ff nennet. Die vier Erd⸗arten aber, wrelche ſich im Boden befinden, und welche nach ihren Verbaͤlt⸗ niſſen unter einander die Verſchiedenheit des Bo⸗ dens ausmachen, ſind: die Thon⸗erde, die Kie⸗ ſel⸗erde, die Kalk⸗erde, die Bitter⸗erde. Man findet dieſe urſpruͤnglichen, nicht weiter zer⸗ —„— c —— zerlegbaren Erd⸗arten in der Natur faſt nie rein, ſondern immer unter einander oder mit andern Stoffen vermiſcht. Rur durch die Kunſt koͤnnen ſie von einander abgeſondert und rein dargeſtellt, folglich beſtimmet werden, wie viel ein gewiſſer Boden von einer jeden in ſich haͤlt. Wir betrach⸗ ten ſie jetzt als völlig rein, um uns von ihren Miſchungen einen beſtimmten Begriff machen zu koͤnnen. Die reine Thon⸗erde wird von den neuern Cbemiſten, um ſie von dem, was man gewoͤhn⸗ lich Thon oder Toͤpferthon nennet, zu unterſchei⸗ den, und weil ſie nicht wohl anders als durch Zerſetzung des Alauns rein dargeſtellet werden kann, auch Alaun⸗erde genannt. Sie iſt eine ſehr ſanft und fett anzufuͤhlende Subſtanz, die ſich im Waſſer fein zertheilet und nicht leicht daraus wieder abſetzet, im Feuer ſich ſehr verdich⸗ tet, und ſo hart wird, daß ſie mit dem Stahle Funken gibt und ſich darnach vom Waſſer nicht wieder zertheilen läßt. Wir muſſen dieſe reine Thon⸗erde vom Thone wohl unterſcheiden. Denn auch ſelbſt der fetteſte Thon enthält mehr Kieſel— als Thomerde. Richt alſo des überwiegenden Verbaͤltniſſes wegen, ſondern weil die Thon⸗erde dem Thon ihren eigenthuͤmlichen Character und Eigenſchaften mittheilet, wird er zu dieſer Erd⸗art ge⸗ gerechnet. Man findet die Thom⸗erde auch nie⸗ mals rein oder mit andern Erd⸗arten unvermiſcht in der Ratur: diejenige, welche man in dem Garten des halliſchen Paͤdagogiums gefunden hat, war, wie ſich nachher gezeiget, ein Ueberbleibſel der in dieſem Paͤdagogium vormals getriebenen alchemiſchen Sudeleyen, wozu man Alaun ge⸗ brauchte. Mit der Schwefelſaͤure macht die Thon⸗ erde den Alaun, und mittelſt derſelben laͤßt ſich der Antheil beſtimmen, den ſie an einem gegebe⸗ nen Boden hat. Die Kieſel⸗erde iſt der Hauptbeſtandtheil vieler Stein⸗arten. Der Quarz enthaͤlt ſie am reinſten. In agronomiſcher Ruͤckſicht bietet ſie uns daher hauptſaͤchlich der Sand dar. Sie iſt im Waſſer unauſtösbar, faͤllt darin zu Boden, und kann nur in aͤußerſt feinen Theilen darin ſchweben, da ſie dann, ihrer Durchſichtigkeit we⸗ gen, darin aufgeloͤſet ſcheint. Der Sand laͤßt ſich daher vom Thone durch das Schlaͤmmen abſon⸗ dern; aber nicht die feine Kieſel erde von der Thon⸗ erde. Im ſtaͤrkſten Feuer bleibt ſie unveraͤndert. Die Saͤuren, außer der Flußſpathſäure, greifen ſie gar nicht an. Aber mit Alkalien ſchmilzt ſie im Feuer zu Glaſe. Die Die Kalk⸗erde findet man zwar oſt un⸗ vermiſcht mit andern Erden, aber immer in Ver⸗ bindung mit Saͤuren, beſonders mit Kohlenſaͤure. Kohlenſauren Kalk nennt man daher rohen KFalk. Wenn man die Kohlenſaͤure und das Waſſer durch das Brennen ausgetrieben hat, ſo hat man ei⸗ gentlich erſt reine Kalk-erde. Man nennt dieſe dann gebrannten, ungeloͤſchten, lebendigen, Leder⸗ kalkt. Iſt die Kalk⸗erde mit Schwefelſäure ge⸗ ſaͤttigt, ſo beißt ſie Gyps. Wenn auf den koh⸗ lenſauren Kalk eine andere Saͤure gegoſſen wird, ſo wird die Kohlenſäure unter einem Aufbrauſen in Luftgeſtalt als kohlenſaures Gas— fixe Luft— ausgetrieben. An dieſem Aufbrauſen mit Saͤu⸗ ren iſt die rohe Kalk⸗erde am leichteſten zu erken⸗ nen. Mit Schwefelſaͤure wird der Kalk gleich zu Gyps, einem harten Koͤrper. In Salz⸗ oder Salpeter-Saͤure hingegen loͤſet er ſich auf. Miſcht man zu dieſer Aufloͤſung Laugenſalz, ſo ziehet dieſes die Säure an, und der Kalk faͤllt ſaͤurefrey zu Boden. Die Bitter⸗erde oder Talk⸗erde unter⸗ ſcheidet ſich zwar weſentlich von der Kalk⸗erde, be⸗ ſonders darin, daß ſie mit den Saͤuren ganz verſchiedene Verbindungen eingehet, mit der Schwe⸗ felſäure nicht Gyps, ſondern Bitterſalz machet, im Waſſer faſt ganz unaufloͤsbar iſt, und keine Aetz⸗ — 94— Aetzbarkeit hat. Indeſſen kommt dieſer Unter⸗ ſchied in agronomiſcher Hinſicht wenig in Betracht, und da ſie ſonſt der Kalkerde ſo aͤhnlich iſt, auch ſich uͤberdas in der Oberflaͤche des Erdbodens nur wenig findet, ſo koͤnnen wir ſie immerhin mit unter der Kalk⸗erde begreifen. Der Antheil, welchen die Schwererde und andre neuentdeckte Erd⸗arten an der Miſchung des Bodens haben koͤnnten, iſt ſo geringe, daß er in gar keinen Betracht kommt. Außer dieſen Erd⸗arten enthaͤlt der Boden gewoͤhnlich Eiſentheile in halbgeſaͤuertem, ver⸗ kalktem oder verroſtetem Zuſtande. Ob dieſe Ei⸗ ſentheile in Anſehung der Frucht- und Unfrucht⸗ barkeit des Bodens eine erhebliche Rolle ſpielen, iſt bis jetzt noch ſehr problematiſch. Da das Ei⸗ ſen den Sauerſtoff anziehet, ſo zerſetzt es dadurch die kohlenſaure Luft und entbindet den Kohlenſtoff. Das Eiſen wird durch fettige Theile wieder in ſeinen vorigen Stand geſetzet. Durch dieſe mit der Temperatur veraͤnderte Wahl⸗anziehung kann man ſich ſeinen nuͤtzlichen Einfluß auf die Vege⸗ tation moͤglich denken. Dies bleibt aber noch bloße, auf Muthmaßung beruhende Hypotheſe. Auf der andern Seite kann es, in der Verbindung des Schwefelkieſes, Vitriol im Boden erzengen, wel⸗ —— welcher der Vegetation höchſt nachtheilig iſt, auch nach der Baſis, welche der Sauerſtoff im Acker antrifft, verſchiedene Saͤuren veranlaſſen, welche allemal, indem ſie die Faͤulniß aufhalten, den Pflanzen die Nahrung entziehen. So viel man von feſten Salzen des Erd⸗ bodens, beſonders vom Salpeter, den er enthal⸗ ten ſoll, ſpricht, ſo wenig findet man darin. In den meiſten Erden hat man durchaus kein Neutralſalz entdecken koͤnnen, und wo man et⸗ was weniges gefunden, da ruͤhret ſolches vom Duͤnger oder verweſeten Pflanzen her, welche ei⸗ nen, obgleich ſehr geringen, Antheil von Neutral⸗ Salzen enthalten. Der Säͤuren im Erdboden iſt ſchon erwaͤh⸗ net. Es iſt hauptſaͤchlich die Schwefel- oder Vitriol⸗Saͤure, zuweilen auch wohl Phosphor⸗ Säͤure, welche ſich im Boden erzeuget. Vor⸗ zuͤglich finden ſie ſich im ſumpfigen und moorigen Boden, und werden allemal der Fruchtbarkeit boͤchſt nachtheilig, indem ſie dem Proceſſe der Verweſung Widerſtand leiſten. Werden ſie aber durch einen Zuſatz von Alkalien oder Kalk gebro⸗ chen, ſo kann ein ſolcher Boden zu einem vorzuͤg⸗ lich lich boben Grad von Fruchtbarkeit gebracht wer⸗ den, indem ſodann die in ſolchem Boden ange⸗ baͤuften vegetabiliſchen und animaliſchen Theile in eine ſchnelle Aufloͤſung gehen. Ich wuͤnſche eine Methode angeben zu kön⸗ nen, wodurch jedem nachdenkenden, aufmerkſa⸗ men Landwirthe die Unterſuchung der Beſtand⸗ theile ſeines Bodens ſo erleichtert wuͤrde, daß er ſie vollig und ohne große Schwierigkeit unterneh⸗ men koͤnnte. PVielleicht wuͤrde nichts zur Ver⸗ vollkommnung der Ackerbaukunſt ſo viel beytragen, als wenn jeder wenigſtens, der ſeine Erfahrun⸗ gen dem Publicum mittheilen wollte, die Be⸗ ſtandtheile ſeines Bodens anzeigte, und jeder, der Anderer Verſuche nachahmte, den ſeinigen kennete. Eine voͤllige chemiſche Genauigkeit iſt aber mit manchen Schwierigkeiten verknuͤpft, und erfor⸗ dert Kenntniſſe, Uebung und Werkzeuge, welche ich bey dem groͤßten Theile meiner Leſer nicht vor⸗ ausſeßen darf. Die von dem beruͤhmten engli⸗ ſchen Chemiſten Kirwan angegebene Methode*) ent⸗ *) Dieſe findet ſich in der vom Herrn Doctor A. G. L. Lentin aus dem sten Bande der Transactions ef enthaͤlt einige ſchwere Proceduren, und iſt auf eine ſolche Art vorgetragen, daß ſie den meiſten Land⸗ „ of the irish Academy uͤberſetzten Beantwor⸗ tung der Frage: Welches ſind die paß⸗ lichſten Duͤngmittel fuͤr die verſchie⸗ denen Arten des Bodens, undwelches ſind die Urſachen ihrer vorzuͤglichen Wirkſamkeit in jedem beſondern Fall? Goͤttingen, 2796. S. 89 u. f Zum Nachleſen muß ich dieſe kleine Schrift jedem Landwirthe, den die in dieſem und dem folgenden Capitel abgehandelte Materie intereſſirt, ſehr empfehlen; indem ich hoffe, daß ſie ihm nach Durchleſung dieſer Capitel verſtaͤndlicher, wie vor⸗ her, ſeyn werde. Der Chemiſt Kirwan vergaß zu oft, daß er fuͤr Landwirthe ſchrieb, auch hatte er von practiſcher Landwirthſchaft wohl nicht ge⸗ nugſame Kenntniſſe. Uueberdas muß ich bemerk⸗ lich machen, daß das Wort Loam immer durch Damm⸗erde uͤberſetzt worden, da es doch Lehm bedeutet; welches ſehr haͤufigen und ſehr erheb⸗ lichen Mißverſtand veranlaſſet. Unter Damms erde verſtehen wir entweder Ruͤckſtand der animas liſchen und vegetabiliſchen Faulniß, oder die da⸗ mit ſtark durchdrungene Erdkrume jeder Arts aber keine beſondre Erdmiſchung. 1. G Landwirthen unverſtändlich geweſen iſt. Selbſt die Rechnungsart iſt noch nicht jedem bekannt. Ich werde, mit Hinweglaſſung verſchiedener Punkte, worauf es dem practiſchen Landwirth weniger ankommt, ſolche deutlicher vorzutragen mich bemuͤhen. Diejenigen, welche einige Kennt⸗ niſſe der Chemie beſitzen, thun beſſer, ſich nach Kirwan zu richten.) Es *) Als eine vollig genaue chemiſche Unterſu⸗ chung der Beſtandtheile des Bodens kann die Kir⸗ wan ſche dennoch nicht gelten; denn auf Eiſentheile und Bitter⸗erde iſt gar keine Ruͤckſicht genommen. Letztere iſt in der Agricultur doch wohl nicht vollig gleichguͤltig. Erſtere ſpielen villeicht bey der Ve⸗ getation keine ganz unbedeutende Rolle, und wahr⸗ ſcheinlich konnte dieſe in ein helleres Licht geſetzet werden, wenn das Verhaͤltniß der Eiſentheile im Boden nicht ſo ſchwer auszumitteln waͤre. Ferner fehlt, genau genommen, der Erweis, daß die zur Aufloͤſung des Kalfs gebrauchte Salpeterſaͤure nicht auch etwas Then mit aufgeldͤſet habe. Denn daß ſie dies thue, habe ich erfahren. Vey der Unterſuchung einer meiner Boden-arten wurden 2 Unzen 5 Qnentchen 10 Gran getrockneter Erde mit 3 Unzen reiner Salpeterſaͤure und 4 Unzen Waſſer übergoſſen und 24 Stunden digerirt. Die Aufloͤſung wurde ſiltrirt, das unaufgeldſ'te ge⸗ hoͤrig — Es gehört zu dieſer Unterſuchung nichts als einige gute Waagen und Apotheker-Gewicht, da dieſes genauer und allgemeingeltender wie das Civil⸗ Gewicht iſt. Ein Apotheker⸗Gewicht hat 12 Un⸗ zen oder 24 Loth, die Unze 8 Drachmen, die Drachme 60 Gran, alſo eine Unze 480, 1 Pfund 5760 Gran. Einige loſe Seyhe: Tuͤcher. Ein gläſerner Filtrir-Trichter„ worein das Fil⸗ trum von Loſchpapier geſetzt wird. F 2 Etliche horig ausgeſußt und die Lauge mit reinem kohlen⸗ ſaurem vegetabiliſchem Laugenſalze niedergeſchla⸗ gen. Der Niederſchlag wog nach dem Trockenen 78 Gran. Dieſe wuͤrde man nun, nach Kirwan und Andern, fuͤr reinen Kalk haben annehmen muͤſſen. Als ſie aber mit 1 ½ Drachme cauſtiſchen Alkali in 3 Unzen Waſſer aufgeloſt, 24 Stunden digerirt wurden, blieben nur 32 Gr. unaufgeloͤſ⸗t zuruͤck. Die Salpeterſaͤure hatte alſo 46 Gran Thon⸗erde aufgelöſet. Es fand ſich nachher, daß der Ruͤckſtund mehrentheils Eiſen war, und nur etwa 2 Gr. Kalk enthielt. Doch hätte die Sal⸗ peterſaͤure vielleicht weniger Thon aufgeloͤſet, wenn ſie mehr Kalk angetroffen, die Miſchung auch nicht digerirt waͤre. Ich wuͤnſchte nur chemiſche Agronomen hierauf aufmerkſam zu machen. — 0— Etliche Zuckerglaͤſer. Etwa 2 Unzen reine Salpeterſaͤure, die man von einem geſchickten und rechtſchaffenen Apotheker, zu dieſem Behuf, muß for⸗ dern laſſen. Etwa 6 Quart. gemeines deſtillirtes Waſſer. 1) Man ſteche nun bey ziemlich trockenem Wetter eine Flaͤche von 12 Zoll ins Gevierte und 6 Zoll tief, alſo grade einen halben Cubik⸗ ſuß Erde, an einer von Wurzeln und Stoppeln ziemlich reinen Stelle, oder nachdem man dieſe von der Oberflaͤche weggenommen, aus, und wage ihn⸗ Hiernach laͤßt ſich die ſpecifike Schwere des Bodens beſtimmen⸗ Fuͤr den Landwirth iſt es aber ſchon genug, wenn er weiß, wie ſchwer ein Cubikfuß ſey⸗ 2) Um die waſſerbaltende Kraft des Bodens— ein Umſtand, der, wie wir nach⸗ per hören werden, von großer Wichtigkeit iſt, und der, in Ermangelung einer genauern Unter⸗ ſuchung, ſchon für ſich viele Aufklärung geben kann— zu beſtimmen, nebme man 1 Apothe⸗ ker-Pfund dieſer, vorher wohl durcheinander geriebenen Erde, lege ſolche auf ein moglichſt kleines —— kleines, loſes Seihetuch, welches man vorher gewogen, in einen Durchſchlag, gieße dann all⸗ maͤhlig Waſſer darauf, und knete ſie damit tuͤch⸗ tig durch, bis alles zu einem weichen Brey ge⸗ worden. Man laſſe es ſtehen, bis das Waſſer abzutropfen aufhört. Dann waͤge man die feuchte Erde mit dem Seihetuche wieder. Wenn man bemerket hat, um wie viel ſich das Gewicht vermehret habe, ſo ziehe man das bekannte Ge⸗ wicht des Seihetuchs ab. Wenn man dann das Gewicht des ſchon vorher in der Erde ent⸗ balten geweſenen Waſſers, welches man, nach No. 4. findet, hinzuſetzt, ſo weiß man, wie viel Waſſer der Boden enthalten koͤnne, ohne es tropfenweiſe fallen zu laſſen. 3) Wenn der Erboden viele Steine ent⸗ haͤlt, die wie eine Haſelnuß groß, oder dar⸗ uͤber ſind, ſo ſuche man ſolche aus etlichen Apo⸗ theker:Pfunden heraus, waͤge ſie, und bemerke, wie viel auf 1 Pfund kommen. 4) Man nehme alsdann 1 Pfund von die⸗ ſer von Steinen gereinigten Erde, laſſe aber ſo viel, wie der ſteinigte Antheil eine Pfundes be⸗ traͤgt, davon zuruͤck, thue ſolche etwa in eine reine Eyerkuchen⸗Pfanne und erhitze ſie unter oͤf⸗ terem Umruͤhren, eine halbe Stunde lang, ſehr ſtark⸗ ſtart. Wenn ſie wieder erkaltet iſt, ſo waͤge man ſie, und man wird finden, wie viel Waſſer abgedampfet iſt, oder wie viel ſie deſſen enthal⸗ ten habe. 5) Um zu erfahren, wie viel faſerige Theile im Boden enthalten ſind, nehme man 1 Pfund von Steinen gereinigte Erde, wovon man ſo viel, wie der ſteinigte Antheil eines Pfundes betraͤgt, wieder zuruͤckgenommen hat, und koche es mit 6 Pfunden deſtillirten Waſſers eine halbe Stunde lang. Wenn es kalt iſt, gieße man die Lauge durch ein weites Sieb ab, worin die Faſern, deren Ge⸗ wicht man ſich merkt, zuruͤckbleiben. 6) Um die Salze, den Gyps und Extrae⸗ tivſtoff, die im Boden etwa enthalten ſind, zu er⸗ fahren, dient dieſe Lauge ebenfalls. Der Pro⸗ ceß iſt aber zu umſtaͤndlich fuͤr einen Landwirth, und ſeine Reſultate vorerſt noch von keinem Ein⸗ fluſſe auf die Praxis. Wer ſich ihn zu machen berufen fuͤhlt, den verweiſe ich auf Kirwans Schrift, S. 93. No. 5. 6. 7. 7) Man trocknet nun die ausgekochte Erde nach No. 4. wieder vollkommen aus, und wiegt ſie dann. Nun⸗ Nunmehr rechne man erſt zuſammen, was ein Apotheker⸗Pfund an Steinen, Waſſer, Fa⸗ ſern gehabt, und wie viel uͤberdas der Verluſt beim Auskochen betragen habe. Wir wollen an⸗ nehmen, es der Wigr Antheil 2 Drach⸗ men oder„„ Gr. Das teahſ⸗ Wnſer 1 Unze 3 Drachmen oder„„ 660— Pi Jeſttn„ 44— Das beim Abkochen verlohrne, welches groͤßtentheils Kohlen⸗ oder Extractivſtoff wuͤrde gewe⸗ uͤberhaupt 860 Gr. M Dieſe von 5760 Gran, welche ein Apotheker⸗ Pfund ausmachen, abgezogen, bleiben 4900 Gran ausgelaugter, reiner, getrockneter Erd⸗ theile zuruͤck. 8) Man nehme hiervon den zehnten Theil, nämlich 490 Gr. oder 1 Unze 10 Gr., um zu erforſchen, wie viel Kalk⸗erde im zehnten Theile eines Pfundes des ganzen Erdbodens befindlich ſeyo. Die Kalkerde loͤſet ſich bekanntlich in Salpeterſaͤure auf. Daher gebe man 2 Unzen Sal⸗ peterſaͤure, mit eben ſo vielem Waſſer verduͤnnet, in ein Zuckerglas, und ſchuͤtte die Erde allmählig hin⸗ ein. ein. Man laſſe dies 24 Stunden ſtehen. Dann gießt man das aufgeloͤſete durch ein gewogenes Filtrum von Lſchpapier, und ſpuͤhlt das unaufge⸗ loͤſete noch oft mit deſtillirtem Waſſer nach, wel⸗ ches man immer zu dem andern durch das Loͤſch⸗ papier laufen laͤßt, bis es ganz geſchmacklos iſt. Die Kalk⸗erde iſt nun rein heraus, und nachdem man das zuruͤckgebliebene wieder nach No. 4. ge⸗ trocknet und gewogen hat, erfaͤhrt man, wie viel die ausgeſchiedene Kalk⸗erde betraͤgt. Wenn wir annehmen, daß ſie 79 Gran betruͤge, ſo waͤren in einem Pfunde der ganzen Erdenmaſſe 780 Gr. enthalten. 9) Es bleiben alſo noch 412 Gr. zuruͤck, und dieſe muͤſſen Thon und Kieſel⸗erde ſeyn. Eine genaue Abſonderung dieſer beyden iſt am ſchwie⸗ rigſten. Den Sand kann man vom Thone durch ſorgfaͤltiges und oft wiederholtes Abſchlaͤmmen abſondern. Der Sand faällt nämlich zu Boden, wenn es eine Zeitlang geſtanden hat; der Thon aber miſcht ſich mit dem Waſſer und laßt ſich abgießen. Man wiederholt dies ſo oft, bis das Waſſer völ⸗ lig klar bleibt. Wiegt man alsdann den getrock⸗ neten Sand, ſo weiß man, wie viel Toͤpferthon abgeſchwemmet worden. Behielte man alſo 212 Gr. — 105— Gr. Sand, ſo waͤren in einem Pfunde der ganzen Bodenmaſſe 2120 Gr. Sand und 2000 Gr. Toͤpferthon enthalten. Ich balte dieſe Abſcheidung in Rückſicht auf Ackerbau beynahe fur hinreichend. Wenigſtens waͤre ſchon viel gewonnen, wenn man nur viele Bodewarten auf dieſe leichte Art unterſuchen wollte. Aber völlig genau iſt ſie nicht. Denn der abge⸗ ſchwemmte Thon iſt bey weitem nicht reine Thon— erde, ſondern enthält gewoͤhnlich 3 feine Kieſel⸗erde, die mit der Thon⸗erde innig vermiſcht iſt. Jenes Verhältniß iſt indeſſen nicht allgemein, und der abgeſchwemmte Thon zuweilen mehr alaun⸗, zu⸗ weilen mehr kieſel⸗erdig. Will man daher genauer gehen, ſo muß man die, nach Abſcheidung des Kalkes, zuruͤckgebliebene Erde nach der von Kirwan, in der angefuhrten Schrift, S. 99, N. 12, vorgeſchriebenen Methode behandeln. Dieſen Proceß kann aber nur der un⸗ ternebmen, welcher in ſolchen Arbeiten einiger— maaßen geuͤbt iſt. Wir — 106— Wir wiſſen, daß der Boden nach dem Ver⸗ paͤltniſſe, worin die einfachen in ihm enthaltenen Erdarten gegen einander ſtehen, einen ſehr verſchie⸗ denen Werth und Fruchtbarkeit habe, und daß man dieſe erhöhen koͤnne, wenn man die fehlende Erdꝛart zuſetzet. Dies gibt jedermann zu; allein bey der Frage, wie dieſes Verhaͤltniß die Fruchtbarkeit befoͤrdere, theilen ſich die wiſſenſchaftlichen Agro⸗ nomen hauptſaͤchlich in zwey Partheyen. Die erſtere behauptet, die verſchiedenen Erd⸗ arten ſeyen materiell zur Ernaͤhrung der Pflan⸗ zen erforderlich, indem die Erde nicht nur einen Hauptbeſtandtheil derſelben ausmache, ſondern auch jedes Gewaͤchs ein eigenthuͤmliches Ver⸗ haͤltniß der Eed⸗arten in ſich habe und zu ſeiner Nahrung und Wachsthum verlange. Jede Frucht erfordere daher eine beſondre Miſchung des Bo⸗ dens, worauf ſie vorzuͤglich gedeihe. Wenn z. B. eine Frucht in ihrem erdigen Ruͤckſtande 30 pr. C. Thonerde, 66 pr. C. Kalk⸗erde und 4 pr. C. Kieſel-erde*) enthalte, ſo werde ſie nur auf einem Boden gut gedeihen, der ungefaͤhr in ſei⸗ ner Miſchung daſſelbe Verhaͤltniß habe: wogegen eine *) Nach Ruͤckert, die Kartoffel. . z r Jo iſ eine andre, die nur 6 pr. C. Thomerde, 26 Falk⸗erde und 68 Kieſel⸗erde enthaͤlt*), einen ganz verſchiedenen Boden erfordere. Hiervon ruͤhre es ber, daß einerley Fruͤchte, mehrere Jabre nach einander gebauet, den Acker ſo ſehr erſchoͤpften und nicht weiter darauf fortkaͤmen, wenn derſelbe nicht eine ihnen ganz vorzuͤglich an⸗ gemeſſene Miſchung haͤtte; wogegen andre, die von der ausgeſogenen Erd⸗art wenig erforderten, noch immer darauf gediehen. Da ſich nun das abſolute Quantum und die relativen Verhältniſſe der verſchiedenen Erden in einem Acker und in den Erndten beſtimmen laſſe, ſo könne auch die Zeit gefunden werden, worin ein Acker erſchopfet werden muͤſſe. Man koͤnne dieſe Erſchöpfung in⸗ deſſen durch ſolchen Duͤnger, der die mangelnde Erd⸗art vorzuͤglich enthielte, heben. Die ver⸗ ſchiedenen Art von Fruͤchten erforderen daher verſchiedene Duͤng⸗arten, die nach dem unterſuch⸗ ten erdigen Beſtandtheile dieſer Fruͤchte und der Duͤng arten auszumitteln waͤren. Mehrentheils ſey es die Kalk⸗erde, die zuerſt erſchoͤpfet werde, daher der große Rutzen des Kalkens und Mer⸗ gelns. Der Hauptvertheidiger dieſer Theorie iſt Ruͤk⸗ *) Nach Ruͤckert, der Hafer. Ruͤckert ²). Er haͤlt die Beſtandtheile der Pflan⸗ zen, mit Ausnahme des Waſſers, ſelbſt ibre Salze, faſt ſaͤmmtlich fuͤr Erden oder erdigen Ur⸗ ſprungs; nur die Harze und Oele laͤßt er aus Phlogiſton und Feuchtigkeits-Stoff entſtehen. Er hat 43 Arten von Feldfruͤchten unterſucht, und gibt das Verhältniß der in ihrer ansgelaug⸗ ten Aſche befindlichen Erd⸗arten an, ohne jedoch auf ihre uͤbrigen Beſtandtheile Ruckſicht zu neh⸗ men, und beſtimmt darnach den Acker und die Duͤngmittel, welche jedes Gewächs erfordere, aufs genaueſte. Die andre Meinung iſt dagegen folgende. Der Boden wirkt lediglich als Werkzeug auf den Pflanzenwachsthum, und iſt blos das Medium, wodurch den Wurzeln der Rahrungsſtoff zugefuͤhrt wird. Der NRahrungsſtoff der Pflanzen beſtehe uͤbrigens worin er wolle, ſo macht das Waſſer darunter doch einen Haupttheil aus. Im Durch⸗ ſchnitte enthalten alle Pflanzen 4 ihres Gewichts an Waſſer, und ohne Waſſer oder Feuchtigkeit fin⸗ ³0 Der Feldbau, chemiſchunterſucht, um ihn zu ſeinerletzten Vollkommenheit zu erheben. Erlangen, 1789. 3 Theile. — —„— — findet keine Vegetation Statt. Wenn gleich einige Pflanzen, ihrer Natur nach, auf ſehr duͤrrem Bo⸗ den wachſen und daher ihre Feuchtigkeit aus der Atmoſphaͤre einzuſaugen ſcheinen; ſo iſt dies doch nur bey ſehr wenigen, und nicht bey unſern Garten- und Ackerpflanzen der Fall. Sie ziehen den größten Theil ihrer Feuchtigkeit durch die Wurzeln aus dem Boden⸗ Daher beruhet die Fruchtbarkeit des Bodens lediglich auf ſeiner Kraft, das Waſſer genug⸗ ſam an ſich zu halten. Ein Boden, der es gleich fahren, in die Tiefe eindringen, oder in die At⸗ moſphaͤre verdampfen laͤßt, iſt unfruchtbar, wenn ihm nicht Bewaͤſſerungen, eine beſondre Lage, ein waſſerhaltender Untergrund oder ein ſehr regnigtes Clima zu Huͤlfe kolnmen. Weil aber auch Pflan⸗ zen, welche, ihrer Natur nach, nicht im Waſſer wachſen, damit uͤberſaͤttigt werden koͤnnen, ſo daß ihre Wurzeln, nach Hales Bemerkungen, ein⸗ zuſaugen aufhören und dann ſofort zu faulen anfan⸗ gen: ſo darf der Boden auch nicht uͤberfluͤſſiges Waſſer an ſich halten, ſondern muß ſolches durch⸗ laſſen, widrigenfalls er noch untauglicher zum Ak⸗ kerbau wird, als der duͤrre Boden. Nun haben die verſchiedenen Erd⸗atten eine verſchiedene Kraft, das Waſſer in ſich aufzunehmen und und an ſich zu halten. Dieſe Kraft iſt nach Bergmanns ſchoͤnen Verſuchen genau beſtimmt. Wenn ſie naͤmlich ſo weit damit geſaͤttiget ſind, daß ſie keinen Tropfen fahren laſſen, ſo hält Thomerde 24 Mahl ihr Gewicht an Waſſer, Bitter⸗erde 12 Mahl———— Kalk⸗erde 4 Mahl———— Kieſelſand 4 Mahl———— Derjenige Boden, welchen Bergmann in einer Ebene beſonders fruchtbar fand, enthielt: 4 Theile Toͤpferthon, 3 Theile groͤberen Kieſelſand, 2 Theile Kalk, 1 Theil Bitter⸗erde. Da er die Beſtandtheile des Toͤpferthons nicht angibt, ſo muͤſſen wir ihn nach ſeiner gewöhnli⸗ chen Miſchung, naͤmlich ungefähr zu 66 pr. C. feine Keſel⸗erde und 34 Pr. C. reine Thomerde, annehmen. 16 enthalten alſo%b reine Thon⸗ erde und 12 feine Kieſel⸗erde. Daher hielten, genauer beſtimmt, 100 Theile des Erdbodens 36 R de 30 86 groͤberen Kieſelſand. 26 feinere Kieſelerde. 56 14„ reine Thon⸗erde. 20„ Kralkerde. 1o„ Bitter⸗erde. Nach der oben angegebenen waſſerhaltenden Kraft der einfachen Erden wuͤrden dieſe 14 Theile Thon⸗erde an Waſſer halten koͤnnen 35 Theile. 56— Kieſel⸗erde—— 14„ 20— Kalk⸗erde—— 10„ 10— Bitter⸗erde—— 100 Theile Boden alſo— 74 Theile Waſſer. Fuͤr ein mehr regnigtes Clima, wie das Schwe⸗ diſche iſt, wuͤrde dieſe waſſerhaltende Kraft von 74 Pr. C. ohne Zweifel zu ſtark ſeyn. Die Bitter⸗erde findet ſich aber auch ſelten anderwäͤrts in betraͤchtlicher Quantitaͤr; und wenn wir ſtatt ſelbiger Kalk⸗erde annehmen, ſo bleibt die waſſer⸗ haltende Kraft nur 64 pr. C. Auf dem gehoͤrigen Grade dieſer waſſerbal⸗ tenden Kraft beruhet alſo die Fruchibarkeit der Bo⸗ 112— Bodenmiſchung, wenn wir blos auf die Erd⸗arten Ruͤckſicht nehmen. Dieſer Grad aber iſt nach dem Clima und der Lage des Ackers ſehr verſchie⸗ den, ſo daß eine Bodenmiſchung hier ſehr fruchtbar, dort ſehr unfruchtbar ſeyn kann, wo⸗ von nachher ein mehreres. Es ſcheint aus dieſer Theorie, werden die Vertheidiger der erſten Meinung ſagen, zu folgen, daß ein Boden gleich fruchtbar ſeyn muͤßte, wenn ihm auch eine oder die andre Erd⸗art gänz fehlte; falls nur die Summe ſeiner waſſerhalten⸗ den Kraft bleibe. So muͤßte auf bloßem Falk eine Frucht ganz gut gedeiben koͤnnen, da ſeine waſſerhaltende Kraft 50 pr. G. ausmacht; und ein Boden, der 18 Theile Thon⸗erde und 82 Tbeile Kieſelſand enthielte, muͤßte eben ſo fruchtbar ſeyn, als wenn er ſeinen Antheil Kalk erde haͤtte, indem ſeine waſſerhaltende Kraft= 65½ iſt. Dies iſt aber gegen alle Erfahrung, und be⸗ ſonders durch die Tillet'ſchen Verſuche*), wi⸗ derlegt⸗ Wenn ich meine Meinung ſagen ſoll, ſo glaube ich allerdings, daß es bey Beſtimmung der *) Memoires de Pacadèm. des sciences; 17726% der Fruchtbarkeit des Bodens hanptſſchlich auf ſeine der Lage des Ackers angemeſſene waſſerhal— tende Kraft ankomme. Jedoch kommt ein gutes Verhaͤltniß der Erd⸗arten, auch ohne Ruͤckſicht auf jene, in einigen Betracht. Die Kieſel⸗erde, und zwar die grobkoͤrnige, iſt zur Bewirkung einiger Poroſitaͤt und lockeren Textur des Bo⸗ dens unumgaͤnglich erforderlich. Die Kalk⸗erde traͤgt unlaͤugbar zur groͤßeren Fruchtbarkeit des Bodens, nicht blos durch ihre mechaniſche, ſon⸗ dern auch durch ibre chemiſche Kraft ſehr viel bey, woruͤber ich mich im folgenden Capitel, wo vom KFalke, als Duͤnger betrachtet, die Rede ſeyn wird, ausfuͤhrlicher erklaͤren werde. Indeſſen kann auch ein Boden, der einen ganz unbetraͤchtlichen Antheil von Kalkerde— ganz fehlt ſie wohl nie, indem ſelbſt das Regenwaſ⸗ ſer Kalk⸗erde enthaͤlt— beſitzt, ſehr gute Fruͤchte tragen. Die von Ruͤckert vertheidigte Meinung, daß die Erdrarten den eigentlichen Nahrungsſtoff und die Hauptbeſtandtheile der Pflanzen ausmachten, daß ein jedes Gewaͤchs ein eigenthuͤmliches Ver⸗ baͤltniß der Erd⸗arten erfordere, und ſonſt nicht fortkomme, iſt indeſſen gewiß uͤbertrieben. Er nimmt die Quantitaͤt der Erde uͤberhaupt in den Gewaͤchſen viel zu groß, bis zu 20 pr. C. an. 1. H Denn — 11 4— Denn Dr. Watſon zeigt, daß Eichenholz 106 Pf. = 1696 Unzen, 19 Unzen Aſche hinterließen, und von dieſer, 1 ½ Unze fuͤr Salz abgezogen, bleiben 17 ½ Unze Erde, welches wenig mehr als 1 Pro C. iſt. Die Commiſſion zur Un⸗ terſuchung der Salpeter⸗Fabriken fand beynahe daſſelbe im Eichen, weniger noch im Buͤchen⸗ und erſtaunlich wenig im Fuhren⸗Holze. Im Mays hat man am meiſten, naͤmlich 7 pr. C. Erde gefunden. Im Klee fand Herr Weſtrumb 47% Pr. C. Erde, von welchen 2 Kalk, bey⸗ nahe 2 Kieſel und 16 Thon waren. Nach Ruͤckert iſt das Verhaͤltniß ganz anders; er gibt aber im einzelnen nie das Verhaͤltniß der Erde zur ganzen Pflanze, ſondern blos die Verhaͤltniſſe der drey gemeinen Erd⸗arten untereinander an. Waͤren die Ruͤckertſchen Verhaͤltniſſe allgemein richtig, ſo laͤßt ſich gar nicht begreiſen, wie ge⸗ wiſſe Fruͤchte auf gewiſſen Boden ſo viele Jahre fortkommen ſollten. Ich kenne einen ſehr ſan⸗ digen Gartenplatz, deſſen Boden keine Spur von Kalk verraͤth, worauf der Eigenthuͤmer ſeit 12 Jahren immer abwechſelnd Moͤhren und Kartof⸗ feln mit gutem Ertrage gebauet hat. Ich neh⸗ me zum mindeſten an, daß auf einer Quadrat⸗ Ruthe jaͤhrlich nur 100 Pf. ohne das Kraut gewachſen ſind. Den erdigen Antheil dieſer Gewaͤchſe will ich nach Ruͤckerts geringſtem Ver⸗ haͤlt⸗ ——. ——„———„— ——„— — 115— bältniſſe nur zu 10 Pr. G. annehmen, obgleich dieſe Gewaͤchſe wohl zu den erdreicheſten gehören. Hiervon ſind bey den Moͤhren 68 Pr. C. und bey den Kartoffeln 66 pr. C. Kalk⸗erde. Alſo ſind jaͤbrlich 6 ½ Pf., in 12 Jahren 80 Pf. Kalk⸗erde aus einer Quadratruthe berausgezogen. Mit Kalk wird, ſeiner Koſtbarkeit wegen, in unſerer Gegend nie geduͤnget. Wo kommt alſo die Kalk⸗erde her, deren Erſchoͤpfung man an der Vegetation noch nicht merkt? Sagt man, aus dem kurzen Kuhmiſte, womit dieſer Patz reichlich geduͤnget wird— ſo ſiele die practiſche Anwendung der Ruͤckertſchen Theorie, worauf er ſo ſehr dringt, von ſelbſt weg: daß man naäm⸗ lich jedem Gewächſe, nach dem Verhaͤltniſſe ſeiner erdigen Theile, einen Boden von gleichen Verhältniſſen geben ſolle, indem ſchon genug da⸗ von im Miſte ſteckt. In der That aber enthaͤlt der Kuhmiſt einen gar zu geringen Antheil von Kalk⸗erde, als daß dieſer Abgang daraus erſetzt werden koͤnnte. Wir muͤſſen daher annehmen, daß die Vegetation die beſondre Kraft habe, eine Erd⸗art in die andre zu verwandeln, oder daß das Verhaͤltniß der Erdarten den Gewaͤchſen nicht weſentlich ſey, und daß eine Erd⸗art die Stelle der andern bey demſelben Gewaͤchſe ver⸗ treten koͤnne. Letzteres ſcheint nach den verſchie⸗ denen Reſultaten, welche die bereits von meh⸗ H 2 reren — 116— reren umerſuchten Pflanzen gegeben haben, am wahrſcheinlichſten zu ſeyn. Und vielleicht ließe ſich hieraus der Unterſchied erklaͤren, welchen feine Zungen unter den, auf verſchiedenen Boden⸗arten gewachſenen Gartenfruͤchten wahrnehmen, unter welchen ſie denen auf Sande gewachſenen einen entſchiedenen Vorzug geben. Die waſſerhaltende Kraft alſo iſt, meiner Ueberzeugung nach, zwar nicht ganz das einzige, worauf es bey dem Verhaͤltniſſe der Erd⸗arten im Boden ankommt, aber doch das vornehmſte. Nach der Tiefe der Krume, dem Untergrunde, der ebenen oder abhaͤngigen Lage, dem Himmels⸗ ſtriche, wobin ſich der Abhang neiget, dem Clima und der Höhe des Ackers gegen die umliegende Gegend und beſonders gegen den Spiegel ei⸗ nes benachbarten Fluſſes, wird der fruchtbarere Boden ſehr verſchieden in ſeiner Miſchung ſeyn muͤſſen. Daher erfordern dieſe Umſtaͤnde bey der Beurtheilung des Bodens unſte Aufmerk⸗ ſamkeit. =———— In Anſthung der Tiefe kann diejenige Mi⸗ ſchung der Erd⸗arten, welche zum Ackerbau tuͤch⸗ tig tig und mit Duͤngertheilen ſchon lange befruch⸗ tet iſt, zuweilen nur wenige Zoll, zuweilen mehrere Fuß tief gehen. Wenn der Boden ſonſt von gleicher Guͤte iſt, ſo iſt er ohne Zweifel je tiefer, deſto beſſer. Ja ein ſchlechterer Boden kann durch ſeine Tiefe den Vorzug vor einem beſſeren, der aber ſehr flach iſt, verdienen. Die Wurzeln vieler Gewaͤchſe gehen mebr oder weniger in die Tiefe, je nachdem ſie fruchtbare Erde finden; ſie ziehen die Rahrungstheile aus dem Grunde, die ſie in der Oberflaͤche nicht zureichend antreffen. Man hat es zwar meh⸗ rentheils in ſeiner Gewalt, die Tiefe durch die Cultur zu vermehren. Es iſt dies aber ein ſchweres Unternehmen, welches große Vorſicht erfordert, und wobey alle Verhaͤltniſſe der Wirth⸗ ſchaft erwogen werden muͤſſen, indem die gro⸗ ßere Tiefe dann erſt durch Duͤngung mit frucht⸗ baren Theilen beſchwaͤngert werden muß. Im Capitel vom Pfluͤgen wird hiervon ausfuͤhrlicher gehandelt werden. Wo daher eine tiefe durch⸗ drungene Krume einmal vorhanden iſt, da hat der Acker große Vorzuͤge. Der Untergrund oder diejenige Erdlage, welche unter der beackerten Krume liegt, iſt bey der der Beurtheilung eines Bodens von großer Wich⸗ tigkeit. Denn erſtlich gibt es verſchiedene Ge⸗ waͤchſe, die mit ihrer Pfahlwurzel viel tiefer als in die eigentliche Krume eindringen, und gut oder ſchlecht fortkommen, je nachdem ſie eine ihnen angemeſſene Erdaart antreffen. So kommt z. E. die Esparcette nirgends fort, als wo ſie in der Tiefe einen lockeren Kalkſtein antrifft. Zweytens kann der Boden ſehr verbeſſert werden, wenn der Untergrund von der Art iſt, daß er der Oberflaͤche ſolche Erdtheile abgeben kann, die ihr fehlen. Dies geſchiehet entweder unmerk⸗ lich, indem durch das Pfluͤgen und Graben ei⸗ nige Theile heraufgebracht werden; oder abſicht⸗ lich durch eine darauf abzweckende Arbeit. So kann Sandboden, bey einer Unterlage von Klay oder fettem Lehm, zu einer hohen Fruchtbarkeit gebracht werden. Drittens beſtimmt der Untergrund mit die waſſerhaltende Kraft des Bodens. Ein loſer ſandiger Boden, der auf feſtem Lehm ruhet, iſt der Duͤrre nicht ſo ausgeſetzt, als wenn der Sand bis zu einer großen Tiefe gehet und die Feuchtigkeit ſchnell durchlaͤßt. Dagegen leidet ein Klayboden, der eine lockere Unterlage hat, weniger von der Naͤſſe. Die — 119— Die abhaͤngige oder ebene tage eines Bodens erfordert zu ſeiner Fruchtbarkeit eine mehr oder minder waſſerhaltende Kraft oder Erd⸗ miſchung. Reiget ſich der Abhang gegen Suͤ⸗ den und Oſten, ſo iſt ein ſtaͤrker anhaltender Bo⸗ den erwuͤnſchter, als wenn der Abhang weſtlich oder noͤrdlich iſt. Im Allgemeinen iſt der ſüd⸗ und oͤſtliche Abhang dem nord⸗ und weſilichen vorzuziehen. Das Clima, wohin hauptſaͤchlich die Staͤrke des gewoͤhnlichen jährlichen Regenfalles, dann aber auch die herrſchenden durch Gebirge ſtreichenden oder abgehaltenen Winde und Ge— witter, der fruͤhere oder ſpaͤtere Eintritt der Win⸗ ter- und Sommerwitterung(Saison) zu rech⸗ nen, kann denſelben Boden fruchtbarer oder un⸗ fruchtbarer machen. Ein anhaltender thonigter Boden iſt in einem warmen und trocknen Clima ſchaͤtzbarer, als in einem kalten und naſſen, wo dagegen ein ſtarker Antheil von Kalk⸗erde den Nach⸗ theil des Clima's verbeſſert. Die hohe oder tiefe Lage eines Ackers, in Verhaͤltniß der umliegenden Gegend, und beſonders gegen den Spiegel eines nahgele⸗ genen Fluſſes, hat einen ſehr großen Einfluß auf die größere oder geringere Fruchtbarkeit ſeiner Erd⸗ Erdmiſchung. Wenn ein Boden bey einer ho⸗ be Lge kaum zureichende Thom erde enthielte, ſo kann er deren in der Sinke, wo Zuſammen⸗ fluß des Waſſers iſt, viel zu viel haben. Ein ſehr ſandiger, auf einer Anhoͤhe faſt ganz un⸗ fruchtbarer, Boden kann aber in einer niedri⸗ gen kage, beſonders wenn er faſt wagerecht mit dem Waſſerſpiegel eines nahen Fluſſes ſtehet, höchſt fruchtbar ſeyn. Ich ſelbſt beſitze ein Sruͤck Landes, welches voͤllig in dieſem Falle iſt. Der natuͤrliche Boden iſt bloßer Sand, und jetzt mit Duͤngertheilen ſtark beſchwaͤngert. Es liegt aber wenig hoͤher wie der Waſſerſpie⸗ gel des benachbarten Allerfluſſes, gegen deſſen Ueberſtroͤmung es doch durch eine dazwiſchen⸗ liegende Anboͤhe, außerordentliche Faͤlle ausge⸗ nommen, geſichert iſt. Es hat daher von unten⸗ auf immer hinreichende Feuchtigkeit. Ich baue auf dieſem, leider! nur zu kleinen Stuͤcke Lan⸗ des jaͤhrlich ſolche Fruͤchte, die ſonſt einen bin⸗ denden, anhaltenden Klayboden erfordern; be⸗ ſonders großen weißen Kopfkohl. Keine Frucht ſch aͤgt mir auf dieſem Boden fehl. Haͤtte ich keinen andern Grund, mich gegen die Ruͤckertſche Meinung, von der Nothwendigkeit eines gehoͤri⸗ gen Verhaͤltniſſes der Erd⸗arten im Boden gegen die darauf zu erbauenden Gewächſe, zu erklaͤ⸗ ren; ſo wuͤrde mich dieſer Fleck Landes dazu be⸗ 5 u an — e— 3— — ——— beſtimmen. Die Thon erde macht nicht 2, die KFalk erde nicht 4 pr. C. ſeiner Beſtandtheile aus; aber die Lage erſetzt den Mangel ſeiner anhaltenden Kraft. Wie ſehr die politiſchen und geographiſchen Verbaͤltniſſe den Werth des Bodens erhoͤhen und berabſitzen koͤnnen, und welche Ruͤckſicht ſie bey der Beſtellungsart erfordern, darf ich hier nur andeuten. Es auszufuͤhren, waͤre am unrechten Platze. Nachdem wir dieſe Grundſaͤtze zur Schaͤt⸗ zung und Unterſuchung eines Bodens voraus⸗ geſchickt, koͤnnen wir verſuchen, mit den Aus⸗ druͤcken, womit man gewiſſe Boden⸗arten im ge⸗ meinen Leben und in der gewoͤhnlichen Sprache der practiſchen Landwirthe bezeichnet, beſtimm⸗ tere Begriffe zu verbinden. Eine vollkommne Genauigkeit findet hier zwar nicht Statt, weil es ſo viele Bodemarten geben kann, als ſich verſchiedene Verhaͤltniſſe in der Miſchung der einfachen Erd⸗arten, und in den uͤbrigen Mo⸗ menten, worauf es bey Beurtheilung des Bo⸗ dens dens ankommt, denken laſſen. Indeſſen laſſen ſich doch die auffallendern Verſchiedenheiten des Bodens durch beſtimmte Ramen bezeichnen, und die Schattirungen oder Uebergaͤnge des einen zum andern, durch Zuſammenſetzung diefer Na⸗ men andeuten⸗ Der thonigte Boden wird in NRiederſach⸗ ſen, ſo wie von den Englaͤndern, Klay ge⸗ nannt. Ich behalte dieſen altdeutſchen Ramen bey, um ihn von der einfachen Thon⸗erde und vom Toͤpferthon zu unterſcheiden. Denn ein ſo thonigter Boden, der zur Toͤpfer⸗arbeit geſchickt waͤre, wuͤrde nicht beackert werden koͤnnen. Enthaͤlt er uͤber z0 pr. G. reine Thon erde, ſo iſt er zum Ackerbau ungeſchickt. Das uͤbrige beſtehet hauptſaͤchlich aus Kieſelerde, Kalk⸗ und Eiſentheilen. Von letzteren erhaͤlt der Klay ſeine grauen, braunrothen, ſchwarzbraunen, gelblichen oder blaͤulichen Farben, je nachdem ſie in groͤßerer Menge und in verſchiedenen Gra⸗ den der Verkalkung darin enthalten ſind. Der Klay hat ein gewiſſes ſanftes, fettiges Gefühl, je nachdem die Thomerde darin uͤberwiegend iſt. Wenn er feucht gemacht oder angehaucht wird, ſo hat er einen gewiſſen pflaſter⸗artigen Geruch. Wenn er trocken iſt, ſo haͤngt er ſich an die Zunge; im Munde zerfließt er, und die Menge der ——„——— — — 123— der darin enthaltenen Sandkoͤrner laͤßt ſich durch das Knirſchen zwiſchen den Zaͤhnen ungefaͤhr ſchaͤtzen. Feucht haͤngt er ſich hartnaͤckig an alles. Im Feuer erhaͤrtet er und wird zum Ziegel. Wenn er ohne Kalk iſt, braußt er nicht mit Saͤuren. Wenn wir einen Boden Klay nennen, ſo verſteht es ſich von ſelbſt, ſeine Thonerde ſey ſchon in der Maaße mit andern Erd⸗arten und Duͤngertheilen vermiſcht, daß er beackert werden koͤnne. Indeſſen iſt in einem Boden dieſer Art die Thon erde oſt noch zu uͤberwiegend und zu wenig getrennet, als daß man ihn einen guten fruchtbaren Boden nennen koͤnnte. Er heißt dann in der gewoͤhnlichen Sprache der Land⸗ wirthe ein kalter, widerſpenſtiger Boden. Bey regnigter Witterung haͤlt er die Feuchtigkeit ſo an, daß kein Pflug und Wagen darauf kom⸗ men kann; nachher bleibt er lange feucht und einem Teige gleich, der ſich an den Pflug an⸗ haͤngt, und nur klumpenweiſe herum faͤllt. Wird er dann trocken, ſo erhärten dieſe Klum⸗ pen, und koͤnnen durch Pflug, Walze und oft durch Keulen nur in kleinere Klumpen, kaum jemahls in ordentliche Krume zertheilt werden. Die Beackerung erfordert eine vorzuͤglich guͤnſtige Witterung, die oft fehlt und ſchwer zu treffen iſt. iſt. Und iſt ein ſolcher Boden auch in ſeiner Art gut beackert und beſtellet, ſo leidet er doch ſowohl bey der Duͤrre, die ihm große Riſſe und Spalten gibt, als bey anhaltender Raͤſſe, ſehr leicht Mißwachs. Viele Graben, Waſſer⸗ furchen oder verdeckte Abzuge erfordert er noth⸗ wendig. Aber voͤllig wird er nur durch Ueber⸗ fahren von ſandigen und kalkigten Erden ver⸗ beſſert, die dann durch oft wiederholtes flaches Pfluͤgen und ſcharfes Eggen innig mit ihm ver⸗ miſcht werden muͤſſen. Der Miſt muß noch im gaͤhrenden Zuſtande und auf einmal in reich⸗ licher Menge dieſem Boden gegeben werden, weil die in der Erde dann noch fortdaurende Gaͤh⸗ rung zur Zertheilung dieſes Bodens viel bey⸗ traͤgt. Wenn die Quantitat des Thons im Bo⸗ den geringer, die der Kieſel⸗erde oder des San⸗ des aber groͤßer iſt, ſo daß er grob und raub anzufuͤhlen, jedoch noch hart und ſteif iſt, feucht ſich nicht ausdehnen laͤßt, im Waſſer aber leicht zergehet, ſo heißt ein ſolcher Boden Lehm. Er hat immer verkalktes Eiſen in ſich, welches ihm eine hellere oder dunklere braune Farbe gibt. Wenn der Antheil des Thons noch ſo groß iſt, daß er ſehr bindet, ſo nennt man ihn klay⸗ — 125— klayartigen, ſetten, ſchweren, ſtar⸗ ken, ſteiſen, auch kalten Lehmboden. Wenn er aber, maͤßig feucht, ſich leicht zerkruͤ⸗ meln laͤßt, ſo hat er einen geringern Antheil Thomerde, und heißt alsdann muͤrber, leich⸗ ter, ſandiger, magerer Lehm⸗ oder Mit telboden. Enthaͤlt er nur ſehr wenig Thon, etwa uur 5 Pr. C., ſo heißt er lehmiger Sand, leichter Boden. Der Sand beſtehet aus kleinen abgeſon⸗ derten Koͤrnern, welches mehrentheils kleine Kie⸗ ſel ſind. Zuweilen ſind doch aber Kalk⸗ und Gypsſteinchen, in England beſonders Kreideſtaub, darunter. Kies oder Grand nennt man ihn, wenn die Steinchen groͤßer ſind. Einen gerin⸗ gen Antheil Thon⸗erde enthält er mehrentheils. Doch kann auch der bloße Sand durch eine reiche Beymiſchung von Dammerde ſehr frucht⸗ bar gemacht werden, wenn ihm auf irgend eine Weiſe Feuchtigkeit beſtaͤndig zugefuͤhrt oder er⸗ halten wird, welches durch kuͤnſtliche Bewaͤſſe⸗ rungen der Wieſen und guch wohl des Acker— feldes geſchiehet. Bey — 126— Bey dieſen Bodenarten haben wir nur auf die Thon⸗ und Kieſel⸗erde Ruͤckſicht genommen. Nun kommt es noch darauf an, ob ſie Kalk⸗ erde in betraͤchtlicher Quantitaͤt enthalten. Wenn Kalk⸗erde, mit Thon vermiſcht, etwa die Haͤlfte deſſelben ausmacht, ſo heißt dies Mergel. Ueberwiegt der Kalk die andern Erd⸗ theile, ſo heißt er Kalkmergel. Ueberwiegt hin⸗ gegen der Thon, ſo nennt man ihn Thonmergel. Iſt eine erhebliche Quantitaͤt Sand darunter, ſo heißt er ſandiger Thon- oder Kalkmergel. Wenn bingegen der Kalk 3 oder daruͤber in der Mi⸗ ſchung ausmacht, ſo nennt man ihn thonigten Kalk; im umgekehrten Verhaͤltniſſe: kalkigten Thon. Oft iſt auch mit Vitriolſaͤure geſaͤttigter Kalk in dieſer Miſchung, da er dann gypſiger Mergel, gypſiger Thon, gypſiger Thonmergel u. ſ. w. ge⸗ nannt wird. Dieſe beſtimmteren Ausdruͤcke wur⸗ den von Andrea zuerſt vorgeſchlagen, ſind nun⸗ mehr aber, ihrer Richtigkeit wegen, allgemein aufgenommen worden. Jedoch iſt es nicht ge⸗ braͤuchlich, einen an der Oberflaͤche liegenden be⸗ ackerten Boden Mergel zu nennen, wenn er auch jene Verhaͤltniſſe hat. Man nennt gewoͤhnlich nur die aus der Tiefe hervorgebrachte, noch todte und feſte Erd⸗art ſo. Eigentlich ſehe ich zwar nicht ein, warum man den oberen beackerten Bo⸗ den, den, wenn er obiges Verhaͤltniß an Kalktheilen hat, nicht ebenfalls Mergelboden nennen ſollte. Um ſich indeſſen nach dem Sprachgebrauche zu bequemen, bedienen wir uns lieber der Aus⸗ druͤcke von thonigten Kalk⸗ oder von kal— kigten Thon⸗, von lehmigten Kalk⸗ oder kalkigten Lehmboden; von lehmigt⸗kal⸗ kigten Sand oder kalkigt⸗lehmigten Sandboden. Man bedienet ſich haͤufig der Ausdruͤcke von hitzigen, heiſſen oder warmen Boden, und nennt wiederum einen andern Boden kalt. Ich habe zwar gehoͤrt, daß man unter heiſſem Boden nichts weiter als einen hoch liegenden Sand, und unter kaltem Boden einen feuchten Lehm verſtanden hat. Indeſſen habe ich doch ge⸗ funden, daß erfahrne Landwirthe, die den Acker⸗ bau in mehreren Gegenden unterſucht und mehrere Boden arten geſeben hatten, ohne jedoch chewiſch— richtige Begriffe von den Erd⸗arten zu haben, nur einen ſehr kalkigten Boden heiß oder hitzig nann⸗ ten. Und in der That, wenn man ſich dieſes Ausdrucks bedienen will, ſo paßt er vorzuglich auf — 128— auf den Kalk. Denn dieſer aͤußert eine dem Feuer ſehr aͤhnliche Wirkung in ſchneller Zerſto⸗ rung der mit ihm vermiſchten todten organiſchen Koͤrper, und befirdert eben durch dieſe Zerſtoͤrung die Vegetation ſeiner Fruͤchte deſto lebhafter, be⸗ ſonders wenn die Feuchtigkeit nicht mangelt. De⸗ ſto eher wird er aber auch ausgeſegen, d. b⸗ der animaliſch⸗ vegetabiliſchen Duͤngertheie beraubt, wenn ihm dieſe nicht oft wieder erſitzet werden. Daher muß er haͤuſig, aber jedesmahl nur ſchwach, mit Miſt verſhen werden. Uebrigens wird vom Kalke und ſeiner Wirkung auf die Vegetation noch im folgenden Capitel die Rede ſeyn. Ob die practiſchen Landwirthe mit dem Aus⸗ drucke kalter Boden einen beſtimmten Begriff verbinden, habe ich noch nicht erfahren koͤnnen. Einige nennen jeden bindenden, die Feuchtigkeit zu ſtark anhaltenden Boden ſo, im Gegenſatze des loſen trockenen Sandbodens, der bey ihnen hitzig heißt. Genauere kandwirthe aber verſtehen, wie mir deucht, einen Boden darunter, der nicht grade durch ſeine eigene waſſerhaltende Kraft, ſon⸗ dern ſeines feſten Untergrundes oder ſeiner Lage wegen, immer zu feucht bleibt. Hierher geboͤrt beſonders der moorige Boden. In der That wird ein ſolcher Boden weit ſchwerer von der Waͤr⸗ — 1— — 129— Waͤrme durchdrungen, und haͤlt im Fruͤhjahre Eis und Schnee weit laͤnger als jeder andre. Auch der Begriff von ſaurem Boden erfor— dert eine genauere Beſtimmung. Es kann ſich naͤmlich eine Saͤure im Boden ſo anhaͤufen, daß ſie der Vegetation hoͤchſt nachtheilig wird, indem ſie der Aufloͤſung und Verweſung der abgeſtor⸗ benen organiſchen Körper widerſtehet. Das Eiſen ſcheint die vornehmſte Veranlaſſung dieſer Säure zu ſeyn, indem es den Sauerſtoff aus der Luft anziebet, auch wohl die Kohlenſaͤure zerſetzet, und dadurch in einen halbverkalkten Zuſtand, den man Roſt nennet, verſetzet wird. Wo mit die⸗ ſem Sauerſtoffe ſolche Korper zuſammentreffen, welche die Grundlage einer beſonderen Saͤure aus⸗ machen, und wodurch der Sauerſtoff erſt zur Saͤure wird, z. B. Schwefel, Kies, auch wohl Phos⸗ phor, da verbindet er ſich damit, und es erzeugt ſich Schwefel- oder Phosphorſäure im Boden. Dieſe halten, wie geſagt, die Zerſetzung der abgeſtorbenen organiſchen Körper auf, und verhin⸗ ern alſo die Hervorbringung neuer. Zwar nicht der eigentliche Torf, aber gewiſſe torfartige Moore neh⸗ men hieraus ihren Urſprung. Wenn man die Säure eines ſolchen Bodens durch Kalk oder Alkalien bricht, ſo gehen die todten Pflanzen ſchnell in Ver⸗ weſung, und der Boden erlangt nun einen ſehr I. J ho⸗ hohen Grad von Fruchtbarkeit, wenn man zugleich das Waſſer, welches faſt immer durch einen eiſen⸗ ſchoͤſſigen Untergrund aufgehalten wird, ableitet, und den nunmehr zuſammenfallenden Erdboden durch Auffahren ſchicklicher Erdarten erhoͤhet. Die Ausdruͤcke kalter und ſaurer Boden werden daher oft als gleichbedeutend gebraucht, oft aber auch unrichtig angewandt. Noch bedient man ſich der Ausdruͤcke rei⸗ cher und armer Boden. Die Englaͤnder ver⸗ binden damit einen beſtimmteren Begriff, als den der größeren oder geringeren Fruchtbarkeit uber⸗ baupt. Ein reicher Boden heißt bey ihnen ein ſolcher, der viel animaliſch vegetabiliſchen Moder oder Ruͤckſtand der Faͤulniß in ſich hat; ein ar⸗ mer der, dem dies fehlt. Es wird alſo dabey auf die eigentliche Erdmiſchung des Bodens nicht Ruͤckſicht genommen, und jeder Boden kann reich oder arm, in Kraft oder erſchöpfet ſeyn. Ein unreiner Boden heißt ein ſolcher, der viele noch lebende Saamen und Wurzeln des Unkrauts bey ſich hat. Werden dieſe durch ge⸗ börige Beackerung und beſonders durch Duͤngung mit gebranntem Kalk zerſtoͤhrt, ſo geben ſie in Verweſung, und machen den Boden reich. Ein ſehr — 131— ſehr unreiner Boden, auf welchem, wegen des uͤberhandgenommenen Unkrauts, unter den Haͤn⸗ den eines ſchlechten Wirths nichts mehr wachſen will, kann ſehr reich ſeyn, und durch eine zweck⸗ maßige Bebandlung, faſt ohne Dunger, zu gro⸗ ßem Ertrage gebracht werden. Die Ausdruͤcke ſchwerer oder leichter Boden haben, ſo häͤufig ſie auch gebraucht werden, einen ganz unbeſtimmten Begriff. Ihre ſpecifiſche Schwere ſoll dadurch mebrentheils nicht angedeutet werden. HOft verſteht man darunter einen bindenden oder lockeren Boden, oft einen fruchtbaren oder unfruchtbaren Boden im allge⸗ meinen. Eigentlich ſollten ſie allein auf die ſpe⸗ cifiſche Schwere deſſelben angewandt werden, die mit der Fruchtbarkeit keineswegs in bekanntem Verhältniſſe ſtehet. Die Lehre von dem verhaͤltnißmaͤßigen Wer⸗ the der Aecker, oder, wie man es gewoͤhnlich nennt, von der Bonitirung, kann nicht eher auf ſichere Gruͤnde zuruckgefuͤhret werden, bis man mehrere genaue Unterſuchungen des Bodens angeſtellet und die Fruchtbarkeit deſſelben damit verglichen hat. J2 Bis — 132— Bis dahin bleibt alles ſchwankend, oft willkuͤhr⸗ lich und tauſchend. Es folgt daraus nicht, daß jedesmal eine genaue chemiſche Zerlegung nothig ſey, um den Werth des Bodens zu beſtimmen. Wer viele Boden⸗arten beobachtet und ihre Be⸗ ſtandtheile mehrere Mable unterſuchet hat, der wird im Stande ſeyn, durch die Sinne und ei⸗ nige leichte Proben den Gehalt eines Bodens ſo genau zu ſchaͤtzen, wie ein erfahrner Bergmann den Metallgehalt der Erze nach ihrem Aeußeren ſchätzt. Erſt muß man aber wiſſen, welche Be⸗ ſtandtheile ein Boden enthalte, der dieſe und jene in die Sinne fallende Eigenſchaften hat. Die kuͤnſtliche Erſchaffung eines fruchtbaren Bodens durch das Auffahren und Vermiſchung mit Erdarten, die ihm fehlen, iſt wohl immer moglich, und oft, jedoch nicht jedesmahl, wirth⸗ ſchaftlich. Mehrentheils wird man die erforder⸗ lichen Erd⸗arten in der Naͤhe und Tiefe finden, daß die Koſten des Ausgrabens und Anfah⸗ rens den erhoͤheten Werth des Ackers nicht uͤber⸗ ſteigen. Aber nur ſelten darf man erwarten, das angewandte Capital in wenigen Jahren wie⸗ der et⸗ der herauszuzieben. Mit guten Zinſen muß man zufrieden ſeyn, da die Verbeſſerung, wenn ſie gehoͤrig gemacht worden, auf ewig iſt. Man muß dann ſo rechnen, als habe man die Summe zugelegt, um ſich einen guten ſtatt eines ſchlechten Ackers zu erkaufen. So leicht, wie manche landwirthſchaftliche Schriftſteller die Sache machen, iſt ſie bey weitem nicht; und ſie erfordert, ehe man ſie unternimmt, eine ge⸗ naue Berechnung. Ein zu ſchwaches Ueberfah⸗ ren iſt mehrentheils ganz fruchtlos, da alsdann die aufgefahrne Erd⸗art ſich zuſammenziehet, und nach etlichen Jahren unterhalb der pflugbaren Furche zu liegen kommt. Wenn hingegen die Erde in zureichender Menge aufgefahren, und durch haͤufiges Pfluͤgen und Eggen innig mit der urſpruͤnglichen Erd-art und der Dammerde vermiſcht wird, ſo iſt dieſes nicht zu beſorgen. Ehe man daher dieſe Operation unternimmt, muß man vorher ſeinen Erdboden und die auf— zufuͤhrende Erdart, ihren Beſtandtheilen nach, unterſuchen, und dann berechnen, wie viel Cu⸗ bikfuß Erde etwa auf eine Quadrat⸗ruthe erfor⸗ dert werden, um eine nach der Lage des gel⸗ des fruchtbare Erdmiſchung hervorzubringen. Wenn man dann ferner die Koſten des Aus⸗ grabens und Anfahrens einer beſtimmten Quan⸗ titaͤt Erde gefunden, ſo wird es ſich ergeben, wie wie hoch die Verbeſſerung einer gewiſſen Erdflaͤche ſich belaufe. Die Gruͤnde, worauf eine ſolche Feldver⸗ beſſerung beruhet, enthaͤlt dieſes Capitel, wel⸗ ches freylich, wie ich ſehr wohl anerkenne, uͤber die ganze Materie vom Boden mehr Winke als Aufſchluͤſſe gibt. Fuͤnftes Capitel. r So allgemein anerkannt es iſt, daß der Duͤn⸗ ger nuͤtzlich und nothwendig ſey, um die Frucht⸗ barkeit des Ackers zu befoͤrdern und zu erhalten, ſo finden ſich doch in der Art und dem Ma ſeiner zweckmaͤßigſten Anwendung viele Wit ſpruͤche unter den praetiſchen Landwirthen. Seb oft iſt daher der induͤſtrioͤſe Hausvater, der ſei⸗ nen Duͤnger gern auf die vortheilhafteſte Art auf ſeinen Aeckern benutzen moͤgte, zweifelhaft, wie, wann und wo er ſolches thun ſolle. Insbeſon⸗ dere ſind die Grundſaͤtze noch unbeſtimmt, wo⸗ nach der Werth des Duͤngers zu ſchaͤtzen, und wie viel ein guter Haushalter anwenden und auf⸗ opfern muͤſſe, um ſeinen Duͤngervorrath bis zu einer gewiſſen Quantitat zu vermehren. In An⸗ ſehung der ungewoͤhnlichern Duͤngungsmlttel iſt man noch zweifelhafter, zuweilen uͤber ihre Rutzbar⸗ keit uͤberhaupt, öfter uͤber ihren relativen Wertb, nach der eigenthuͤmlichen Beſchaffenheit des Ackers und der Einrichtung der Wirthſchaft. Die Lehre vom Duͤnger und der Duͤngungsart iſt daher bey wei⸗ tem noch nicht in das Licht geſtellet, welches man GG 3 0 — ße ebr ihr wuͤnſchen moͤgte, und deſſen ſie, allem An⸗ ſchein nach, auch faͤhig waͤre. Geſammlete richtige Erfabrungen und ge⸗ nau angeſtellete Verſuche ſind zwar das eigentliche Mittel, dieſe Lehre zu vervollkommnen. Um in⸗ deſſen dieſe Erfahrungen und Verſuche in eine ſolche Ordnung zu bringen, daß eine allgemeine Ueberſicht moͤglich werde, und um die tuͤcken zu entdecken, welche noch mehrerer Nachforſchung zu ihrer Ausuͤbung beduͤrfen, iſt eine moglichſt richtige Theorie unumgaͤnglich erforderlich. Eine abſolute Richtigkeit und Wahrheit einer Theorie iſt vielleicht in keiner Erfahrungswiſſenſchaft moͤg⸗ lich, wenigſtens nie erweislich. So lange ſich aber aile Erſcheinungen in ihr aufloͤſen und ſyſte⸗ matiſch an einander ketten laſſen, hat ſie rela⸗ tive Wahrheit fuͤr uns, und erfuͤllet unſern Zweck, Einheit in die Mannigfaltigkeit unſerer Erfahrungen zu bringen. Der Inſtinet des Men⸗ ſchen uͤberhaupt iſt: nach Vernunft zu handeln. Er muß ſich bey jeder Erſcheinung Urſache und Wirkung denken. Es macht ſich daher je⸗ der eine Theorie bey allem, was ſeine Aufmerk⸗ ſamkeit und Nachdenken erregt. NRur weiß dies mancher ſelbſt nicht, ſondern verwechſelt ſeine Theorie mit der reinen Erfahrung, um ſo mehr, wenn jene ſchon verjaͤhret und in den Sprach⸗ gebrauch des gemeinen Lebens uͤbergegangen iſt. So So theoretiſirt jeder Landmann uͤber den Duͤnger. Der gemeine Bauer nennt ihn in manchen Ge⸗ genden den zweyten Herr Gott:— auch eine Theorie, die in ſich richtig, nur mit einem zu gewaltigen Sprunge zum Urquell aller Kraft uͤbergehet, um brauchbar zu ſeyn. Der aufge⸗ klaͤrtere Landwirth ſpricht aber faſt noch allgemein von Helen und Salzen des Duͤngers; eine Theorie, die faſt unſte ſämmtlichen landwirth⸗ ſchaftlichen Schriftſteller noch wiederholen, ob es gleich erwieſen iſt, daß in der Dammerde, und ſelbſt im friſchen und ſogenannten ſetten Miſte der Thiere, faſt gar kein Oel oder Fett, und ganz aͤußerſt wenig Salze enthalten ſind. Theorien ſind alſo einer jeden Kunſt, ſo⸗ bald ſie eine wiſſenſchaftliche Form annimmt, uͤberhaupt unembehrlich. Noch wichtiger aber iſt es, eine eingewurzelte, aber erwieſen falſche, oft zu fehlerhaften Verrichtungen verleitende Theorie durch eine richtigere zu verdraͤngen. Praectiſche Landwirthe werden es mir daher verzeihen, wenn ich mich bey einer neuen Theorie des Duͤngers laͤnger, wie es noͤthig ſcheint und manchem lieb iſt, aufhalte, ehe ich zum practi⸗ ſchen Theile dieſes Capitels uͤbergehe. Ich werde mich zwar der Deutlichkeit vor allem zu befleißigen ſuchen. Doch glaube ich nicht, daß ich ſolchen Leſern, welche auch nicht eine oberflaͤchliche Kennt⸗ niß niß des neuen Syſtems der Chemie und der nach ſelbigem allgemein verbreiteten Grundſtoffe beſitzen, voͤllig verſtändlich werden koͤnne*). Einige Er⸗ laͤuterungen werde ich als Anmerkungen hinzufuͤgen, derentwegen ich Chemiſten, denen dieſes Buch in die Haͤnde fallen moͤgte, um Verzeihung bitte. Um diejenigen Stoffe auszumitteln, welche die Nahrungstheile der organiſchen Koͤrper aus⸗ machen, muͤſſen wir erſt die einfacheren Stoffe, woraus ſie beſtehen, kennen lernen. Dieſe ſind, ²) Durch das neuere antiphlogiſtiſche, La⸗ voiſierſche oder franzoͤſiſche Syſtem iſt dieſe ſonſt ſo verworrene und ſchwere Wiſſen⸗ ſchaft zu einer Klarheit und Deutlichkeit gekom⸗ men, welche die Erlernung derſelben, im Allge⸗ meinen, jedem aufmerkſamen Kopfe aͤußerſt leicht und angenehm macht. Wenn daher dieſes Sy⸗ ſtem auch einige Luͤcken hat, ſo gehen doch ſelbſt die, welche ſolche fuͤhlen, immer mehr dazu uͤber, weil es, ſeiner Beſtimmtheit und Brauchbar⸗ keit wegen, alle Syſteme uͤbertrifft. Wenigſtens in Anſehung ſeiner Sprache wird es jetzt von allen beruͤhmten Naturforſchern angenommen. Der Einfluß der Chemie auf alle Kuͤnſte und Ge⸗ werbe iſt aber ſo groß, daß man, bey der jetzi⸗ gen leichten Erlernung, ihre Kenntniß bald unter allen Claſſen verbreitet zu ſehen hoffen darf. ſind, nach zuverlaͤſſigen Unterſuchungen, theils fluͤchtige: Carbon(Kohlenſtoff) a), Hydrogen (Waſ⸗ a] Kohlenſtoff iſt derienige Theil der Kohle, welcher bey dem Verbrennen in freyer Luft da— von gehet, und, verbunden mit dem Sauerſtoff, mittelſt des Waͤrmeſtoffs, die kohlenſaure Luft, Luftſaͤure oder fixe Luft ausmacht. Wenn dieſe Verbrennung in reiner Sauerſtoff⸗ luft geſchiehet, und man die entwickelte kohlen⸗ ſaure Luft im pneumatiſchen Apparat auffaͤngt, ſo wiegt dieſe, nebſt dem Ruͤckſtande der Kohle, ge⸗ nau ſo viel, wie die Kohle, ſammt der beym Verbrennen gebrauchten Sauerſtoffluft, vorher wog. Dieſe kohlenſaure Luft, welche vorhin unter dem Namen fixer Luft bekannt war, iſt faſt allenthalben verbreitet, und entwickelt ſich aus vie⸗ len Koͤrpern auch ohneVerbrennung: bey jeder Gaͤhrung und Fäulung, bey dem Othemholen der Thiere, bey Nacht aus den Pflanzen, aus dem rohen Kalk und Alkalien, wenn man Saͤure dar⸗ auf gießt. Sie iſt daher immer in der Atmo⸗ ſphaͤre etuhalten, wo ſie ſich, ihrer vorzuglichen Schwere wegen, zunaͤchſt am Boden aufhaͤlt. Sie ſetzt ſich im Waſſer, beſonders wenn es kalt, doch nicht gefroren iſt, ab; ſogenannte mine— raliſche Waſſer haben einen vorzuglichen Antheil davon. — 140— (Waſſerſtoff) b), Oxygen(Sauerſtoff) c), und Azo⸗ p] Das Waſſer iſt— wie wir jetzt mit Zuverlaͤſ⸗ ſigkeit wiſſen— kein einfacher Koͤrper, ſondern laßt ſich, nach Lavoiſier, in o,88 Theile Sauerſtoff und o, 25 Theile Waſſerſtoff⸗ gas zerſetzen, und aus dieſen beyden Gasarten in demſelben Verhaͤltniſſe, durchs Verbrennen, Waſſer darſtellen. Dieſes Waſſerſtoffgas wird von Andern leichte inflammable Luft genannt. Da es ſich aus feſten Koͤrpern entwickelt, worin es nicht in Luftgeſtalt enthal⸗ ten ſeyn konnte, ſo muß dieſes Gas eine Baſis haben, die man Waſſerſtoff nennt, und die, mit Waͤrmeſtoff verbunden, jene Luft⸗art ausmacht. Der Sauerſtoff iſt an ſich keine Saͤure, aber die urſache der Saͤure, wenn er ſich mit ſaͤurefaͤhigen Koͤ pern verbindet. Er iſt derjenige Stoff, wel⸗ cher ſich mit den Metallen verbindet, wenn ſie verkalkt werden, und aus ſeinem Hinzutreten kann man erklaͤren, warum das Gewicht der Kalke groͤ⸗ ßer ſey, als das Gewicht der Metolle war. Im aͤlteren Stahliſchen Syſteme der Chemie nahm man ein anderes Weſen an, welches man Phlogi⸗ ſton nannte, und welches bey der Verkalkung davon ginge. Dieſes Weſen mußte alſo eine nega⸗ tive Schwere haben, indem ein Korper nach ſeiner Entſernung ſchwerer wurde. Die neuere Chemie leugnet ein ſolches Weſen, und heißt daher die antiphlogiſtiſche Chemie. Azote(Stickſtoff) d);— tbeils feſte oder feuer⸗ beſtändige: Erden, Alkali, phosphorſaure Grund⸗ lage und ein wenig Eiſen. Die letzteren machen bey weitem nicht den geringſten Antheil aus. Die⸗ Dieſer Sauerſtoff iſt die Baſis der Lebens⸗ luft(reinen Luft, dephlogiſtiſirten Luft), wenn er naͤmlich durch Waͤrmeſtoff gasfoͤrmig wird. Dieſe Luft iſt zum Leben der Thiere und Pflanzen, und zur Erhaltung des Feuers, unumgaͤnglich noͤthig, wird aber dadurch verzehret. Sie macht mit der Srickluft die atmoſphaͤriſche Luft, in dem Ver⸗ haͤltniſſe von 27 zu 73, bis 30 zu 70, aus. a] Wenn man durch das Verbrennen eines Körpers die Sauerſtoffluft verzehret hat, ſo bleibt eine Luft⸗art zurͤck, die man Stickgas(ſonſt phlogiſtiſche, verdorbene, mephiti⸗ ſche Luft) nennet, in der keine Reſpiration und kein Verbrennen weiter Statt findet. Dieſes Gas ſcheidet ſich aber auch aus verſchiedenen Korpern, beſonders vegetabiliſchen und animaliſchen, aus letztern in der groͤßten Menge, ab. Seine Grundlage, welche, in Verbindung mit Waͤrme⸗ ſtoff, dieſe Gasart ausmacht, nennt man Stick⸗ ſtoff, Azote. Mit Waſſerſtoff verbunden, macht es fluͤchtiges Alkali. Auch iſt es ein Be⸗ ſtandtheil der Salpeterſäure. Dieſe Grundſtoffe ſind in den organiſchen Koͤrpern unter der Herrſchaft der Lebenskraft auf eine vielleicht jeder Gattung von lebenden Körpern eigenthuͤmliche Art mit einander verbunden, und gehorchen nicht mehr den chemiſchen Geſehen der Verwandtſchaft oder Wahlanziehung e). Dieſe ſcheinen ganz aufgeboben, und neue eingetre⸗ ten zu ſeyn, die in der todten Ratur nicht Statt finden, und daber nach den Grundſätzen der Chemie und Pbyſik nicht erklaͤret werden können. Wenn aber die Lebenskraft, und mit ihr die Geſetze der organiſchen Verbindungen aufhoͤren: ſo treten die chemiſchen Verwandtſchaftstriebe und die Wahlanziehung der Stoffe gegen einander wieder ein. Die Urſtoffe verbinden ſich paarweiſe mit ein⸗ el So nennt man die Neigung der Koͤrper, ſich unter einander, und mit dieſein lieber wie mit je⸗ nem, zu verbinden. Wenn naͤmlich ein zuſammen⸗ geſetzter Körper a b mit einem andern c zuſammen⸗ gebracht wird, und a eine naͤhere Verwandt⸗ ſchaft mit c, als mit b, hat: ſo wird die Ver⸗ bindung von a b getrennet, und ein neuer Koͤrper ac hervorgebracht. Hierauf gruͤnden ſich alle Zuſammenſetzungen und Zerlegungen in der Chemie. il zu die einander, und es erzengt ſich Koblenſaͤure, Salpeterſaͤure, Ammoniak und gekohltes Waſſerſtoffaas. Zufolge dieſer natuͤrlichen Zerſez⸗ zung wird der organiſche Koͤrper weich, veraͤndert die Farbe, verliert ſeine Bindung und Geſtalt, und verbreitet in der Atmoſphaͤre Duͤnſte und Gasarten. Hiervon haͤngen alle Phaͤnomene der Faͤulung und Gährung ab. Aus der Verbin⸗ dung des Waſſer- und Stickſtoffs entſtehet das Ammoniak(fluͤchtige Laugenſalz), welches man als das weſentliche Erzeugniß der Faͤulung angeſehen hat. Die Verbindung des Kohlenſtoffs mit dem Sauerſtoff erzeugt das kohlenſaure Gas(fixe Luft), durch deſſen Entweichung man, in den erſten Zeiten der Emtdeckung der Luft⸗arten, das Geheimniß der Faͤulung aufzudecken glaubte. Die Salpeterſaͤure entſteht aus der Verbindung des Sauerſtoffs mit dem Azote, und macht dem⸗ naͤchſt, mit Alkalien, Salpeter. Das Waſſer⸗ ſtoffgas entfuͤhrt mit ſich Kohle, Schwefel und Phosphor, und hieraus entſtehen die ekelhaften Geruͤche, und vielleicht das Leuchten faulender Koͤrper. Wenn ſich die fluͤchtigen Theile paar⸗ weiſe mit einander vereiniget haben, und in die Atmoſphaͤre uͤbergegangen ſind, ſo bleibt haupt— ſächlich Kohle, mit den erdigen Theilen und eini⸗ gen feuerbeſtaͤndigen Salzen verbunden, zuruͤck. Dieſen Ruͤckſtand der Faͤulniß nennt man dann vege⸗ vegetabiliſch⸗animaliſche Erde, Moder⸗ oder Damm⸗ erde. Der Kohlenſtoff iſt unter allen Beſtandthei⸗ len der vegetabiliſchen Koͤrper, wenn wir das Waſ⸗ ſer ausnehmen, der vornehmſte. Er iſt der Haupt⸗ ruckſtand der Fäulniß ſowohl, als der langſamen Verbrennung. Die nach der Faͤulung zuruͤckge⸗ bliebene Kohle behaͤlt einigen Waſſerſtoff bey ſich, welcher beym Verbrennen weggeht; und dieſes ſcheint die Urſache ihrer groͤßeren Aufloͤslichkeit zu ſeyn. Die Menge der Kohle iſt nach den Ge⸗ ſchlechtern, dem Alter und der Vollkommenheit der Pflanzen verſchieden. Holz und Saamen enthal⸗ ten am meiſten, und x ihres Gewichts; doch laͤßt ſich dies nicht genau angeben, da man den beym Verkohlen entwichenen Kohlenſtoff nicht wohl beſtimmen kann. Da nun bey der Fäͤulung alle die Stofſe, welche zur Bildung und dem Wachsthum vegetabili⸗ ſcher Koͤrper erforderlich ſind, entwickelt und zer⸗ legt werden, daß ein neues organiſches Syſtem ſie nur aufzunehmen und ſich zuzueignen braucht: ſo haͤtte man hieraus ſchon a priori ſchließen koͤnnen, es gaͤbe kein wirkſameres Mittel, die Ve⸗ getation zu befoͤrdern, als wenn man faulende und verweſende Subſtanzen in ihren Wirkungs⸗ kreis braͤchte. Aber ſchon laͤngſt war dieſe Wahr⸗ beit empiriſch anerkannt, und kein Landwirth ben he bel zu de die kor V zu die bezweifelte die große Wirkung, ja ſelbſt die Unent⸗ bebrlichkeit verweſender Körper, zur Hervorbrin⸗ gung vollkommener, reichliche Fruchte tragen⸗ der Gewaͤchſe. Indeſſen ſtanden einige ſcharfſinnige Koͤpfe gegen dieſe allgemein angenommene Meinung auf, und ſuchten den Rutzen des Duͤngers wenigſtens in ſo fern, als aus ihm die Nahrungstheile der Pflanzen gezogen wurden, zu bezweifeln. Sie geſtanden ihm hoöchſtens eine inſtrumentelle Wir⸗ kung zu; indem er dem Erdboden bald mehr tockerheit und Poroſität, bald mehr Bindung und Haltbarkeit der Feuchtigkeiten gebe. Da dieſe Zwecke auf eine andre Art erreicht werden konnten, ſo erklaͤrten ſie ihn fur entbehrlich. Sie beriefen ſich auf Helmonts bekannten Verſuch, der eine Weide in bloßem Regenwaſſer zu einer anſehnlichen Höhe trieb, und auf ähnliche Verſuche, die du Hamel anſtellete, wobey ſich die Gewächſe zwar erhielten, aber ſchwachen Wachsthum zeigten. Beſonders aber ſtellete Tillet*) viele Verſuche mit Körnern an, die er in ver— ſhi⸗ *) Memoires de l'acadèmie des sciences 1778. z. K ſchiedene Miſchungen reiner Erd⸗arten unb gepul⸗ verter Steine in Toͤpfe ſteckte, wo er dann einige Miſchungen ohne allen Miſt fruchtbar fand. Man behauptete alſo: Erde und Waſſer ſey hinreichend, die Pflanzen zu ernaͤhren und zur gollkommenheit zu bringen. Jedoch nahm man auf gewiſſe aus der Atmoſphaͤre gezogene Stoffe mit Ruckſicht, und ſchrieb ihnen einen Antheil an der Ernährung der Gewaͤchſe zu. Anfangs hatte man von dieſen Stoffen nur dunkele Begriffe, und ahnete ſolche faſt nur. Wie ſich aber die Chemie vervollkommnete, und die atmoſphaͤriſche Luft ſowohl wie andre Gasarten zerlegte und zu⸗ ſammengeſetzte, klaͤrten ſich auch dieſe Begriffe auf. Die drey flüchtigen Beſtandtheile, den Waſſer⸗, Sauer⸗ und Stickſtoff, erbielten die Pflanzen aus der Zerſetzung des Waſſers und der atmo⸗ ſphaͤriſchen Luft; und den vierten Beſtandtheil, den Kohlenſtoff, lieferte die Zerſetzung der allentha ben verbreiteten kohlenſauren Luft. Die letztere Hy⸗ potheſe hob ſich ſehr durch die von Ingenhouß gemachte Entdeckung, daß die Pflanzen im Sonnenſcheine Lebensluft abſonderten; welche Ent⸗ deckung durch Senebier noch dabin berichtiget wurde, daß dieſe Abſonderung weit ſtaͤrker vor ſich gehe, wenn das Waſſer, worunter die Pflanzen eingeſchloſſen waren, kohlenſaure Luft ent⸗ n en Pe der ne mt ke au di ſi — —— S* enthielte. Dieſe Koblenſaͤure, welche aus Koß⸗ lenſtoff und Sauerſtoff beſtehet, werde durch die Vegetation zerſetzet: der Kohlenſtoff zur Nahrung der Pflanze zuruͤckbehalten; der Sauerſtoff aber, nachdem er wie ein Reiz zur Belebung der Vege⸗ tation gewirket, mit Waͤrmeſtoff verbunden, als Lebensluft ausgeſchieden. Man erklaͤrte auch hier⸗ aus, wo alle die Kohlenſaͤre in der Natur bliebe, die ſich durch Gaͤhrung, Athemholen und Ver⸗ brennen, beſonders in ſehr bewohnten Gegenden, taglich in ſo großer Menge entwickelt. So ſcharfſinnig dieſe Theorie ſchien, ſo widerſprach ſie doch zu ſehr der allgemeinen Er⸗ fabrung uͤber den Rutzen und die Unentbehrlich⸗ keit des Miſtes, als daß ſie vielen Glauben haͤtte finden ſollen. Theorien koͤnnen uns oft Richt⸗ wege zeigen, wodurch wir viel ſchneller und mit geringerem Aufwande zum Zwecke gelangen, als auf der gebahnten Straße. Indeſſen iſt es doch rathſam, ſich immer nach dieſer umzuſehen, und mißtrauiſch zu werden, wenn uns jene nach einer ganz entgegengeſetzten Richtung fuͤhren. Ganz vom Zwecke ab führt, in allen guf Erfahrung berubenden Kuͤnſten, die gebahnte Straße nicht. Jene Theorie mußte durch wiederholte und mit moͤglichſter Genauigkeit angeſtellte Verſuche K 2 erſt — 148— erſt beſtätige werden, ebe ein denkender Landwirth ſie zu ſeiner Richtſchnur nehmen konnte. Und dieſe Verſuche uͤbernahm der in der Chemie ſo ruhmlich bekannte, ſo wie in der franzoͤſiſchen R⸗⸗ volution uͤbel beruͤchtigte Haſſenfraz⸗ Er wiederholte naͤmlich die Tilletſchen Verſuche mit denſelben Erd⸗arten; that ſie aber in gläſerne Trichter, welche er auf Flaſchen, die mit Waſſer angefullt waren, ſetzte. Die Saa⸗ menkorner keimten und entwickelten ſich, aber nur bis zu der Zeit, wo ſie blüheten. Rie brachten ſie reifen Saamen hervor. Tillet hingegen hatte ſeine Töpfe in Pflanzen⸗erde eingegraben, und da ſie unten Löcher hatten, ſo war eine Ver⸗ bindung zwiſchen dieſer und der Erde in den Toͤpfen da. Um die Pflanzen allen Wirkungen der Atmoſphaͤre auszuſetzen, begoß Tillet ſeine Toͤpfe nie, ſondern ſtellete ſie dem Regen bloß. Bey ſtarken Regenguͤſſen mußte alſo das uberfluͤſ⸗ ſige Waſſer aus dem Loche in die Pflanzen⸗erde geben; dagegen verdunſtete das Waſſer eher aus den Toͤpfen, wenn es trocken war. Alsdann ſo⸗ gen die Töpfe die Feuchtigkeit aus der Pflanzen⸗ erde ein, und mit derſelben ſo viel Kohlenſtoff, wie den Pflanzen nothwendig war. Vielleicht gingen ſelbſt Haarwurzeln durch die Loͤcher her⸗ durch und in die Pflanzen⸗erde hinein. Hier fin⸗ det 1 chen ſen Qn hlo zen Pf ent und Kr vn Du nh S S= — 140— det ſich alſo der Grund der Verſchiedenheit zwi⸗ ſchen dem Erfolge der Tilletſchen und Haſ⸗ ſenfraziſchen Verſuche. Haſſenfraz aber ging weiter, um die Quantitaͤt des Kohlenſtoffes, der ſich in ſolchen, blos in Waſſer und Erde aufgewachſenen Pflan⸗ zen befinde, zu beſtimmen. Er waͤhlte ſolche Pflanzen, die ſich am leichteſten im Waſſer allein entwickeln, und fand Hyacinthen, Vitsbohnen und Kreſſe dazu am beſten. Er wog daher eine Parthey Hyacinthenzwiebeln, Vitsbohnen und Kreſſe, zerlegte ſolche, und beſtimmte die Menge von Kohlenſtoff, den jede dieſer Subſtanzen, im Durchſchnitt nach Verhaͤltniß ihres Gewichts, enthielte. Nun nahm er ein beſtimmtes Gewicht von Hyaeinthenzwiebeln, Vitsbohnen und Kreſſe, und verfuhr damit, wie oben geſagt. Alle drey Pflanzen entwickelten ſich; die mehrſten trugen Bluͤthe; aber weiter konnte er es, aller Muͤhe unerachtet, nicht bringen. Wie ſie zu wachſen aufhoͤrten, nabm er ſie beraus, fuͤgte die Blaͤtter hinzu, die ſie waͤh⸗ rend des Wachsthums abgeworfen hatten, und zer⸗ — 150— zerlegte ſie nun mit vorzuglicher Ruͤckſicht auf den Kohlenſtoff. Und da fand er beſtaͤndig, daß die Menge des Kohlenſtoffs in allen den Pflanzen, welche auf dieſe Art gewachſen waren, noch um etwas geringer ſey, als die Menge des Kohlenſtoffs in den Saamen oder Zwiebeln, welche er dazu ver⸗ wandt hatte, haͤtte ſeyn muͤſſen). Dieſe Verſuche beweiſen alſo wohl unwi⸗ derſprechlich, daß die Pflanzen den zu ihrer voll⸗ kommenen Ausbildung und zum Fruchttragen erforderlichen Kohlenſtoff nicht aus der Atmoſphaͤre, ſondern blos aus dem Boden ziehen können, und daß er darin enthalten ſeyn muͤſſe, wenn ſie Saa⸗ men tragen ſollen. Indeſſen iſt der im Saamen befindliche Kohlenſtoff bey verſchiedenen Pflanzen⸗ arten zureichend, um ſie bis zur Bluͤthe zu entwickeln. Ich *) Sur la nutrition des végétaux par M. Has- senfraz. 1er Mémoire. In den Aunales de chemie, T. RIII. S. 178. — — Ich oͤbergehe die ſehr ſcharfſinnigen Gruͤnde, womit Haſſenfraz in einer andern Abhand⸗ lung*) die Zerſetzung der Kohlenſaͤure durch die Vegetat on beſtreitet. Bey dieſer Zerſetzung werde naͤnlich Waͤrmeſtoff entbunden, und muͤſſe ſich alſo beym Pflanzenwachsthum Käͤlte erzeugen; welches doch nicht der Fall ſey u. ſ. f. Sie ſind fuͤr meine landwirthſchaftlichen Leſer zu ſubtil. In einer dritten Abhandlung**) zeigt nun Haſſenfraz, woher die Pflanzen den zu ihrer volligen, Entwickelung und beſonders zum Frucht⸗ tragen erforderlichen Kohlenſtoff nehmen, naͤmlich aus den mit dem Boden vermiſchten Ruͤckſtaͤnden der animaliſchen und vegetabiliſchen Faͤulung oder dem Miſte. Dieſer enthaͤlt naͤmlich den Kohlen⸗ ſtoff in reichlicher Menge, und auf eine vom Waſſer unaufloͤsliche Art. Nach manchen Verirrungen der Specula⸗ tion, waͤren wir a.ſo zum alten Glauben praeti⸗ ſcher *) II. Memoire in den Annales de chemie, T. XIII. S. 378. **) Annales de chemie, T. XIV, S. 55. ſcher Landwirthe, daß das Fruchttragen größten⸗ theils vom Duͤnger abhaͤnge, aber nun als zu einer erwieſenen Wahrheit, zuruͤckgekehret. Wir werden indeſſen unten hoͤren, daß dem Erdboden allerdings auch Kohlenſtoff auf andte Weiſe mit⸗ getheilt werden koͤnne. Unter allen Beſtandtheilen des Duͤngers iſt der Kohlenſtoff gewiß der wichtigſte und un⸗ entbehrlichſte. Man gebet indeſſen zu weit, wenn man ihn zum einzigen machen will, auf den beym Ackerbau und Anwendung des Duͤn⸗ gers Ruͤckſicht zu nehmen ſeyn. Dieſe Meinung koͤnnte wieder practiſch ſchaͤdlich werden, indem ſchon Einige darauf verfallen ſind, die Verwe⸗ ſung des Duͤngers ſo weit zu treiben, daß bloße Kohle zuruͤckbleibe. Waͤre wirklich nichts wie der Kohlenſtoff im Duͤnger wirkſam, ſo muͤßte man 20 Fuder Duͤnger ſo lange verwe⸗ ſen laſſen, bis man ſie auf einem Wagen weg⸗ fahren koͤnnte. Allerdings iſt voͤllig verfaulter Duͤnger ungleich wirkſamer, wie eine gleiche Quantitaͤt friſcherer. Aber unwiderſprechliche Erfahrung lehrt doch den tandwirth, daß er an der Summe der Wierkſamkeit uͤber die Haͤlfte verliere, wenn er ſeinen Duͤngerhaufen ſo weit zuſammenfallen laͤßt. Die uͤbrigen fluch⸗ tigen Beſtandtheile des Duͤngers ſind alſo auch von dot und f P kit bar r — don unbezweifeltem Rutzen fuͤr die Vegetation, und das Hydrogen und Azote, woraus verſchiedene Pflanzentheile gebildet werden, nicht entbehrlich. Vermuthlich wird ſelbſt durch dieſe die Aufloͤslich⸗ keit der Kohle erhalten und ihr Uebergang in die Pflanzen befördert. A. Young fand die Frucht⸗ barkeit des Bodens allemal mit der Quantität der ſchweren inflammablen Luft, die er heraus⸗ treiben konnte, im Verhaͤltniſſe, und dieſe beſtehet aus Kohle⸗ und Waſſerſtoffgas. Wir haben alle Urſache zu hoffen, daß wir bieruͤber ſowohl, als uͤber die ganze Lehre vom Duͤnger, in kurzem noch wichtige Aufſchluſſe er⸗ balten werden. Schon lange beſchaͤftigte dieſe Materie einige der beruͤhmteſten Chemiſten, be⸗ ſonders Fourcroix, Haſſenfraz und Kir⸗ wan. Nun aber iſt dieſe Unterſuchung beſon⸗ ders durch den Board of Agriculture in Anregung gebracht worden, indem dieſer, bey der Ausarbeitung des großen Werks uͤber den Ackerbau, mit dem 15ten Capitel uͤber den Duͤn⸗ ger den Anfang gemacht hat. Ein erſter Ent⸗ wurf dieſes Capitels iſt, nebſt vielen Beytraͤ⸗ gen von Gelehrten ſowohl, als practiſchen Land⸗ wirthen, bereits abgedruckt. Die Beobachtungen und Methoden aufmerkſamer Landwirthe werden geſammlet und in einer allgemeinen Ueberſicht den ge⸗ — 154— gelehrten Raturforſchern mitgetheilet. Die che⸗ miſch- phyſicaliſchen Theorien aber werden in ein⸗ fache Winke und Fragen zergltedert, dem Acker⸗ bauer und Gäͤrtner vorgelegt, um ven ihm zu erfahren, ob er ſie mit ſeinen Beobachtungen uͤber⸗ einſtimmend finde? Ein Weg, der ſicher zum Ziele fuͤhren muß! Zugleich laͤßt der Board of Agri⸗ culture durch den Dr. G. Fordyce Verſuche im Großen zu Gubbins, dem tandſitze des Dr. Hun⸗ ter, anſtellen, um dieſe Materie zu erlaͤutern N. Wir geben nun zum practiſchen Theile dieſes Capitels uͤber. Der *) Verſchiedene theoretiſch⸗practiſche Bemerkungen, welche ich dem Board of Agriculture uͤber die mir mitgetheilten, die Duͤngungs⸗Lehre betreffende Schriften uͤberſandte, nahm derſelbe ſo guͤtig auf, daß er mir unter dem Siegel des Collegiums ein Dankſagungs-Decret unter dem öten Junius 1797 uͤberſandte, und mich zugleich zum aus⸗ waͤrtigen Mitgliede aufnahm. 1 Der gebraͤuchlichſte Duͤnger iſt der, welcher aus den Auswuͤrfen der Thiere, mit Stroh oder mit andern trockenen Kraͤutern vermiſcht, beſtehet. In Anſehung der thieriſchen Auswuͤrfe kommt die Guͤte des Miſtes auf die Art der Thiere, auf ihren Zuſtand und auf die Futterung an, welche ſie erhalten. Rach Kirwan enthalten 108 Pfund Schafmiſt. 25, 0 Kohle * —— friſcher Kuhmiſt 3, 75— —— friſcher Pferdemiſt 10, 2— —— gefaulter Kuhmiſt 10, 0— —— gefaulter Pferdemiſt, 18, 75—) Hiernach waͤre der Schafmiſt der kraͤftigſte unter allen; demnaͤchſt der Pferdemiſt, und der Kuhmiſt der ſchwaͤchſte. Dieſes ſtimmt wohl mit der all⸗ gemeinen Erfahrung uͤberein, beſonders wenn man auf ihre Wirkung im erſten Jahre ſieht. In An⸗ *) Ich halte dieſe Angabe doch nicht fuͤr ganz richtig, da Kirwan nicht beſtimmt ſagt, wo er ſie herge⸗ nommen. — 156— Anſehung der Dauer ihrer Wirkung ſcheinen ſle aber im umgekehrten Verhältniſſe zu ſteben. Der Gehalt an gekohlter Waſſerſtoffluft(ſchwerer brenn⸗ barer Luft) iſt nur im gefaulten Kuh⸗ und Pferde⸗ miſt unterſucht, und da hielten 105 Pfund von jenem 1360, von dieſem 164 Kubikzoll dieſer Luft⸗art. Vermuthlich war der Pferdemiſt in einem hoheren Grade der Verweſung, wie der Kuhmiſt. Daß der Zuſtand der Feiſtheit, worin ſich die Thiere befinden, ſehr viel zur Guͤte des Miſtes beytrage, iſt die einſtimmige Meinung aller kand⸗ wirthe. Es iſt wohl nicht ausgemacht, ob dieſes von dem ſtaͤrkeren Abſatze der Fett- und Gallen⸗ Theile, die viel Kohlenſtoff enthalten, in den Darm⸗Canal herruͤhre, oder ob es gleichen Grund mit einer andern allgemeinen Beobachtung habe, naͤmlich: daß der Miſt der Thiere deſto braͤftiger ſey, je nahrhafter ihr Futter iſt. Beym Kornfutter geben ſie den kraͤftigſten Dung; ſchwaͤchern bey Gras und Heu; den ſchwaͤch⸗ ſten hey bloßem Stroh. Denn ihre Feiſtigkeit ſte⸗ het mit dieſen Futterungsarten in Verhaͤltniß. Die Englaͤnder unterſcheiden Stall⸗ und Hof⸗ NMiſt. Da naͤmlich das Hornvieh bey ihnen, ſelbſt im Winter, gewoͤhnlich nicht in den Stall kommt, — ——„— kommt, ſondern auf einem geſtreueten Viehhofe ſich aufhält und gefuttert wird, ſo iſt letzterer weit haͤufiger. Die Viebhoͤfe ſind aber eng, und wenn ſich eine Parthey Miſt darauf anbaͤu⸗ fet, ſo wird er zuſammen in Haufen gebracht, und es wird wieder friſch eingeſtreuet. Es erfor⸗ dert dies eine ſehr ſtarke Einſtreuung, wenn das Vieh trocken liegen und nicht vieler Miſt und Urin verlohren gehen ſoll. Dennoch geſtehen ſie, daß der Stallmiſt beſſer ſey. A. Young hat viele Data geſammlet, Be⸗ rechnungen angeſtellet und Schluͤſſe daraus gezo⸗ gen, um den eigentlichen Werth des Miſtes, d. h., den Nutzen, welchen er bey einer wohlgeordneten Wirthſchaft durch ſeine Befruchtung des Ackers bringt— zu beſtimmen. Sein Reſultat iſt, daß ſtark mit Stroh vermiſchter, mitten in der Gährung befindlicher Hofduͤnger, das Fuder zu 20 Centner,§ Schill. werth ſey. Da er fer⸗ ner ausgemittelt, daß ein Fuder Heu und ein Fuder Stroh von 20 Centnern 7 Fuder Duͤn⸗ ger gebe, und erſteres auf die Benutzung des Viehes zu rechnen, ſo bezahle man ein Fuder Stroh mit 35 Schill. nicht zu theuer. Man muͤſſe daher ſo viel Stroh, wie immer möglich, einſtreuen, und alles Stroh zur Einſtreuung benutzen. Der Der beruͤhmte Bakewell, von dem wir in den Capiteln von der Rindvieh⸗ und Schaß⸗ zucht mehreres hoͤren werden, braucht dagegen faſt gar kein Stroh zum Einſtreuen, und hatte ſeine Staͤlle ſo eingerichtet, daß er deſſen nicht bedurfte. Er verfutterte es ſaͤmmtlich im Win⸗ ter; und wenn ſein Vieb es nicht bezwingen konnte, ſo nahm er mageres Vieh von Haͤuslin⸗ gen im Winter unentgeldlich in den Stall, damit es ſein Stroh verzehre und Miſt daraus mache. Wenn das Stroh durch den thieriſchen Koͤrper gehet, ſo vermiſcht es ſich mit thieriſcher Materie, und wird, in gleichem Gewichte, als Duͤnger kraͤftiger, wie eingeſtrenetes Stroh. Was es am Gewichte, durch die Rahrung, die es den Thie⸗ ren geben muß, und ihre Ausduͤnſtung verliehre, ſey ſo erheblich nicht, wenn die Staͤlle nur ſo eingerichtet waͤren, daß nichts von der Jauche umkomme. Um dieſe aufzufangen, muͤſſe man Erde, und, wo er zu haben iſt, Torf herbey⸗ ſchaſſen, der, durch Jauche in Verweſung ge⸗ bracht, eine vortreffliche Pflanzen⸗erde gebe. Die Wahrheit liegt wohl hier, wie ge⸗ woͤhnlich, in der Mitte. Durch gar zu ſtar⸗ kes Einſtreuen, im Verhaͤltniſſe des eigentlichen Miſtes, muß der Duͤnger unkraͤftiger werden, und es wuͤrde beſſer ſeyn, mehr Vieh zu hal⸗ ten⸗ — 50— ten. Futterung von bloßem Stroh gibt aber auch unkraͤftigen Miſt. Ein gehoͤriges Verhaͤlt⸗ niß zwiſchen Futtergewaͤchſen und Kornbau, wel⸗ cher Stroh liefert, wird von ſelbſt alles in ein Gieichgewicht bringen. Bakewell beutzte ſein Vieh ſo hoch, daß er nur auf zureichendes Futter ſeine ganze Wirthſchaft berechnete, und Kornbau als Nebenſache trieb. Sein Stroh reichte kaum zum noͤthigen Beyfuteer zu, und daher hatte er alle Urſache, auf Erſparung der Einſtreuung zu ſinnen. Seine Futterkraͤuter, Kohl, Ruͤben, Kartoffeln, und obenein die Oelkuchen und Leinſaat, die er verfutterte, er⸗ forderten Strohhaͤckſel in großer Menge zum Zu⸗ ſatze; und der Miſt blieb nahrhaft genug. Wer aber, ohne jene zu bauen, ſein Vieh blos mit Stroh futtern wollte, wuͤrde abgema⸗ gertes Vieh und unkraͤftigen Duͤnger haben. Manche haben dem, ohne Einſtreuung ge⸗ machten, durch Canaͤle und Waſſerzufluß, aus dem Stalle in einen ausgemauerten Behaͤlter ge⸗ leiteten Miſte den Vorzug vor dem Strohmiſte gegeben. Seine vorzuͤgliche Wirkſamkeit iſt an⸗ erkannt, aber man reicht nicht weit damit. Ueberdas hat das Ausfahren und eine gleich⸗ maͤßige Vertheilung und Vermiſchuna deſſelben mit dem Boden große Schwierigkeuen. Er kommt — 160— kommt leicht zu ſtark auf einzelne Flecke, und macht Lagerkorn; auch iſt ſeine Wirkung nur von kurzer Dauer. Sein Gebrauch findet wohl nur in kleineren Wirthſchaften Statt, wo der Ackerbau gegen den Viehbeſtand geringe iſt, und wo man auch auf eine genaue Vertheilung die⸗ ſes Miſtes viele Sorgfalt wenden kann. Oder auch bey ſolchen Wirthſchaften, wo Maſtvieh aufgeſtallet, und mit angekauftem Futter gemaͤ⸗ ſtet wird, wohin Brannteweinbrennereyen und Staͤrke⸗Fabriken gehoͤren. Mehrentheils denkt man, wo es an Stroh zur Einſtreuung mangelt, auf andre Materialien. Das gebraͤuchlichſte darunter iſt die Heide, von deren Unentbehrlichkeit man in Heidegegenden ſo uͤberzeugt iſt, daß man ſich aus dieſem Grunde der Aufbrechung der Heide widerſetzet, ohne zu bedenken, daß man der Heide nicht weiter be⸗ duͤrfe, wenn ſtatt derſelben Korn wuͤchſe. Das wenige Stroh wird in dieſen armen Gegenden voͤllig verfuttert, und kaum kennt man es als Einſtreuung. Dieſer Heidemiſt geht langſam in Verweſung uͤber, und muß vorher, mit Plag⸗ gen vermiſcht, in Haufen liegen, weil er ſonſt den leichten Boden noch mehr lockern, und bey trockener Witterung voͤlligen Mißwachs hervor⸗ bringen wuͤrde. Das e Das Farrenkraut wird in England mehr gebraucht, und hat ohne Zweifel Vorzuͤge vor der Heide, wenn es haͤufig genug zu haben iſt. Dies iſt aber ſelten der Fall, da man es aus geſchloſſenen Holzungen nicht gern wegfuͤhren laͤßt. In Anſehung des Baumlaubes tritt daſſelbe ein. Schilf und Riedgras ſind in eini⸗ gen Gegenden leicht zu erhaltende und ſehr gute Einſtreuungen. Wo alle Einſtreuungs⸗Materialien fehlen, beſonders in Städten, bringt man auch wohl Sand in die Ställe. In Yarmouth nimmt man Seeſand dazu. Wenn der erſte naß iſt, ſo wird friſcher hinzugebracht; und nachdem al⸗ les vom Miſte und Urin wohl durchdrungen iſt, wird er herausgeſchaffſt. Dieſer Duͤnger wird von den Landwirthen doch ſehr geſchaͤtzt, und aus der Stadt gegen anſehnliche Bezahlung heraus⸗ geholet. Der Strohmiſt bleibt indeſſen in eigentli⸗ chen Ackerwirthſchaften der allgemeinſte, und auch wohl der vorzuͤglichſte Duͤnger. Die Art, ihn zu behandeln und anzuwenden, hat den groͤßten Einfluß auf die Fruchtbarkeit, die er hervorbringt, und daher iſt dies einer der wichtigſten Puncte in der ganzen Lehre von der Landwirthſchaft. 1. 1 Durch 5 Durch eine nachlaͤſſige oder zweckwidrige Behand⸗ lung kann der Miſt wenigſtens die Haͤlfte ſeines Werths verlieren, und der Wirthſchaft dadurch ein unerſetzlicher Schaden zugefuͤgt werden. Eine Hauptregel iſt folgende: man muß die Gaͤhrung oder die Zerſetzung der animaliſchen und vegetabiliſchen Koͤrper, die man zur Duͤn⸗ gung gebrauchen will, gehoͤrig zu moderiren, im ganzen Haufen aber ſo viel moͤglich gleichformig und gleichzeitig zu machen ſuchen. Man befördert die Gaͤhrung, indem man den Duͤngerhaufen feucht, aber nicht naß erhaͤlt. Zu trockener Duͤnger verrottet langſam, im Waſſer aber thut er es gar nicht. Daher darf der Duͤnger weder auf einer Anhöhe, wo die Jauche gleich abfließt, noch in einer Grube, worinn ſich Waſſer ſammlet, liegen; es ſey denn, daß man der Grube Abzuge gebe. gin Mittel, die Verrottung des Düngers vorzuglich ſchnell zu befördern, iſt die Beymi⸗ ſchung des ungelöſchten Kalks. Man wuͤrde da⸗ durch aber einen großen Theil der wirkſamen Subſtanzen, die in gasfoͤrmiger Geſtalt in die zuft gehen, verlieren, und vielleicht nicht mehr, als nach dem Verbrennen, behalten, wenn man nicht, bie ——— nicht, nach der in England gebräuchlichen Methode, eine doppelte Quantitat Erde zuſetzte, welcher ſich dieſe Subſtanzen, wenigſtens zum groͤßten Theile, anhaͤngen. Eine ſolche Miſchung aus Stallmiſt, einer gleichen oder doppelten Quantitaͤt Erde und etwa dem zwanzigſten Theile ungeloͤſchten Kalk, nennen die Englaͤnder Compost. Sie muß oft und fleißig verarbeitet werden, und wird dann entweder auf das gepfluͤgte Land gebracht, und durch Eggen ſorgfaͤltig damit vermiſcht, oder auf die junge Saat geſtreuet; wovon nach⸗ ber ein mehreres. Es iſt gewiß, daß die Wirkung eines ſolchen Compoſts ſich ſchneller und auffallender zeigt, da er ſich gleich innig mit dem Erdboden vermiſcht, und ſich allenthal⸗ ben den Pflanzenwurzeln zu ſeiner Aufnahme dar⸗ bietet. Dagegen wird er aber auch durch die bey⸗ den erſten Erndten beynahe voͤllig erſchoͤpft. Da die Vermoderung des Duͤngers in ganzen Haufen möglichſt gleichfoͤrmig ſeyn muß, ſo iſt ein öfteres Umſtechen des Duͤngerhaufens ſehr nützlich. Es iſt gewiß, daß keine Arbeit in der Landwirthſchaft ſich in der Folge beſſer bezablt, als die auf eine gute Behandlung des Duͤngers verwandt wird. 4 2 Eine Eine zu ſchnelle Gährung und Vermo⸗ derung des Duͤngers gleicht beynahe einer Ver⸗ brennung, wobey ſo viele nutzbare Theile ver⸗ fliegen. Es iſt daher rathſam, ſolche Duͤnge⸗ arten, die in eine ſtarke Hitze uͤbergehen und dann ſchnell vermodern, mit anderen kaͤlteren zu ver⸗ ſetzen. Es iſt daher die auf den meiſten Hö⸗ fen gebraͤuchliche Art, den Pferde⸗, Kuh und Schweine⸗Miſt durch einander zu bringen, aller⸗ dings richtig. Die im Stallmiſt enthaltene Feuchtigkeit, ſammt der abfließenden Jauche, wird allemal hinreichend ſeyn, um den Duͤnger in die nöthige Gaͤhrung zu ſetzen, wenn ihr Abfluß geſtopfet und ſie mit dem Duͤnger gemiſchet wird. Alles von auſſen hinzukommende Waſſer iſt uͤberfluͤſſig und nachtheilig. Daher hat man in den geiſtvollern engliſchen Wirthſchaften bedeckte Miſtſtellen. Der Boden iſt mit Steinen oder Thon belegt. In demſelben ſind Abzuͤge, die in ein nahgelege⸗ nes Reſervoir geleitet werden, wohin auch die Jauche aus den Ställen fließt. Umber iſt der Platz mit einer, etliche Fuß hohen Mauer um⸗ geben, die an der Suͤdſeite aber noch hoͤber hinaufgefuͤhrt iſt, um den Duͤnger gegen die Mittags⸗Sonne zu ſchuͤtzen. Auf dieſer Mauer ſtehen Staͤnder, welche ein leichtes uͤberſtebendes Stroh⸗ — ———— N—* — 165— Strobdach tragen, welches den Regen abbaͤlt. Wenn der Miſt duͤrre zu werden ſcheint, ſo wird die Jauche aus dem Reſervoir darauf ge— goſſen, oder mit einer darinn angebrachten Pumpe herauf gepumpet. Solcher Duͤngſtellen hat man mehrere auf einem Hofe, und man faͤhrt immer diejenige aus, welche auf den gehoͤrigen Grad ibrer Verweſung gekommen iſt. Auf ſchwereren bindenden Klay⸗ und Lebm⸗ boden wenigſtens hat ſolcher Duͤnger, der ſeine Gaͤbrung noch nicht uͤberſtanden, und ſelbſt noch in einiger Waͤrme iſt, entſchiedenen Vorzug. Wenn die Hitze mehrentheils voruͤber, das Strob muͤrbe iſt, und die ganze Maſſe eine gleichförmige breyartige Conſiſtenz annimmt, ſo iſt es im Allgemeinen Zeit, den Duͤnger mit dem Boden zu vermiſchen, da dann die uͤbrige Gah⸗ rung, zum groͤßten Vortheil des Bodens, inner⸗ balb deſſelben vollendet werden wird. Der Zeitpunct, wo der Duͤnger eine breyartige Con— ſiſtenz hat, iſt ſelbſt fuͤr leichteren Boden der paßlichſte, um ihn damit zu vermiſchen. Je feuchter und bindender er iſt, um deſto mehr kann man dieſen Zeitpunct anticipiren. Jedoch muß die Gäaͤhrung allemal ſchon ihren Anfang genommen haben. In In England, wo man großtentheils doch die Methode, Compoſt zu machen, vorzieht, iſt in einigen Gegenden, z. B. in Hertfordſbire, Berkſhire und Bedfordſhire, ein großer Theil deſſelben ſchon ſeit langer Zeit nicht zum Ver⸗ miſchen mit dem Erdboden vor der Saat, ſon⸗ dern zum Ueberdungen derſelben im Frübjabre, welches man Topdreſſing nennt, angewandt wor⸗ den. Der Board of Agriculture empfiehlt, im vorlaͤufigen Abriſſe des Capitels vom Dum ger, dieſes Topdreſſing vor jeder andern Duͤngungsmethode, ſehr dringend und ſehr all⸗ gemein, und zwar aus folgenden Gruͤnden: Beym Unterpfluͤgen des Duͤngers werde ein großer und vorzuͤglicher Theil deſſelben vom Re⸗ genwaſſer in die Tiefe geſpuͤhlt, und dadurch nicht nur fuͤr die jetige Saat, ſondern bey einer lockeren Textur des Bodens ſogar auf be⸗ ſtändig verlohren. Beym Ueberſtreuen oder Topdreſſing hingegen muͤſſe er, beym Ein⸗ dringen, ſaͤmmtlich die Wurzeln der Pflanzen beruͤhren, und ſeine ganze wohlthätige Wirkung auf ſelbige aͤuſſern, ſo daß faſt nichts davon verlohren gehen koͤnne. Man brauche daher bey dieſer Methode ungleich weniger Duͤnger, und werde doch groͤßere Wirkung davon wahrnehmen. Die Haͤlfte, behauptet man, ſey hinlaͤnglich, und man koͤnne ſtatt 50 Aecker 100 beduͤn⸗ gen⸗ — p— e— „— gen. Die Erfahrung habe die Landwirthe in vorbenannnten Gegenden ſchon ſeit undenklichen Zeiten gelehret, daß es keine vortheilhaftere Art, den Duͤnger zu benutzen, gebe, wie dieſe. Die Topdreſſings erſetzten nicht nur den Mangel der Vorduͤngung, ſondern ſie gaͤben ſchwachen und duͤnnen Saaten, die durch ſchlechte Saatzeit, durch Froſt, ſpaͤten Schnee und dergl. gelitten, neue Kraft, ſich zu beſtauden, und braͤchten ſie oft beym uͤbelſten Anſchein zu unglaublicher Vollkommenheit. Die Hertfordſhirer Farmers wuͤßten von keinen fehlſchlagenden Erndten, und verdankten ſie blos der magiſchen Kraft ihrer Topdreſſings. Die Wirkung des Duͤngers trete hier grade in dem Augenblicke ein, wo die wiederkehrende Waͤrme die Lebenskraft der Pflan⸗ zen rege macht, und wo ſie einer reichen Nab⸗ rung am meiſten beduͤrfen. Ich bin von der großen Wirkung einer ſolchen Fruͤhjahrs⸗Ueberduͤngung ſehr uͤberzeugt; und jede gute Wirthſchaft ſollte einen Vorrath ſolches mit Kalk in voͤllige Verweſung gebrach⸗ ten und mit Erde innigſt vermiſchten Duͤngers in Bereitſchaft halten, um kuͤmmernden Saaten damit aufzuhelfen. Insbeſondere iſt dieſe Me⸗ thode fuͤr leichten ſandigen Boden vortreflich, und auf ſelbigem immer anwendbar. Allen Allen Duͤnger aber, und ohne Unterſchied des Bodens, auf dieſe Weiſe verwenden zu wollen, ſcheint mir zu weit getrieben zu ſeyn, und ich kann in der allgemeinen Empfeblung dieſer Methode dem Board of Agriculture nicht beyſtimmen. Was die Beſorgniß anbetrifft, daß die kraͤftigſten Duͤngertheile durch die Winterfeuchtig⸗ keit tiefer, als die Wirkung der Pflanzen⸗Wur⸗ zeln reicht, hinuntergeſpuͤhlet werden: ſo halte ich ſolche fuͤr ungegruͤndet, beſonders wenn man den Duͤnger nicht mit der letzten Furche zur vollen Tiefe, ſondern ſchon, mit einer früheren, flach untergepflugt. Man findet etliche Zoll Vnier der beackerten Krume nie eine Spur von beygemiſchten Duͤngertheilen; ſelbſt nicht im leichteſten Sandboden. Die Scheidung, wie weit der Boden mit Damm⸗erde durchdrungen, zeigt ſich ganz beſtimmt. Eine Erfahrung, die ich im vorigen Jahre auf der Miſtſtelle meines Viebhofes machte, uͤberzeugt mich noch mebr davon. Seit 8 Jahren hatte Duͤnger auf die⸗ ſem Plaße gelegen, und aller Abfluß aus den Staͤllen ſammlete ſich da. Ich befahl, dieſen Platz ſo tief auszugraben, als die Erde vom Miſte gefaͤrbt wäre, um ſolche auf ein Lehm⸗ feld — i — feld zu bringen. Allein es fand ſich nur auf einen und einen halben Fuß ſchwarze Erde; et⸗ liche Zoll tiefer war reiner, weißer Sand, ſo rein wie er aus der Tieſe der Erde gegraben werden kann. Hat nun dieſe Anhaͤufung von Duͤnger und Ueberfluß von Jauche in ſo vielen Jahren nicht tiefer eindringen konnen, ſo wird es eine gewohnliche Duͤngung noch weniger thun!— Wenn man einen Blumen⸗ topf, der die fetteſte Duͤnger⸗erde enthält, mit mehrerem Waſſer begießt, als ſolche an ſich halten kann, ſo laͤuft das Waſſer aus den Lo⸗ chern des Bodens heller und reiner ab, wie man es darauf gegoſſen. Vielleicht laͤßt ſich dies aus der bekannten Kraft der Kohle, ſchlei⸗ mige und ſalzige Stoffe anzuziehen, erklären. Man weiß naͤmlich, daß man mit Kohlenpul⸗ ver faules Waſſer und Seewaſſer trinkbar ma⸗ chen kann. Alſo wird das, was durch die fruchtbare Krume des Ackers hindurchdringt, bloßes Waſ⸗ ſer ſeyn, die Duͤngertheile aber darinn bleiben! Wie lange muͤßte nicht auch ſchon die Frucht⸗ barkeit der Oberflaͤche des Erdbodens erſchöpfet ſeyn, wenn wir annehmen, daß die fruchtbarma⸗ chenden Stoffe in die Eingeweide der Erde hin⸗ ab⸗ abgeſchwemmet werden koͤnnen? Vielmehr iſt es wohl ausgemacht, daß ſich jeder Acker durch eine gehorige Cultur aus ſich ſelbſt bereichere. Die allgemeine Erfahrung bezeuget, daß dem bindenden Klay⸗ und ſtarken Lehmboden lan⸗ ger Duͤnger, oder ſolcher, der ſeine Gaͤhrung erſt angefangen hat, vorzuͤglich gut bekomme, wenn er in zureichender Menge auf einmal un⸗ tergebracht wird. Durch die fortdaurende Gäh⸗ rung wird ein ſolcher Boden am beſten gelockert, und mit den ſich entwickelnden Gasarten ge⸗ ſchwaͤngert. Dieſer Zweck kann nicht durch Compoſt, und am wenigſten, wenn er zum Ueber⸗ duͤngen gebraucht wird, erreicht werden. Auf einem ſolchen Boden wuͤrde auch das Auf⸗ fahren des Duͤngers auf die junge Saat bey naſſen Fruͤhjahren hoͤchſt nachtheilig ſeyn. Bey leichtem ſandigen Boden ginge dies zwar immer an. Dagegen beſorge ich, daß bey trockener Fruͤhjahrs⸗Witterung die Ueberduͤngung von ſehr geringer Wirkung ſeyn, und die Saat alſo, ohne etwas unter dem Fuße zu haben, ſehr leiden wurde. End un ſ Endlich aber wuͤrde es jeder Wirthſchaft unmoͤglich ſeyn, die ganze Duͤnger-Ausfuhr, zugleich mit der Fruͤhjahrs⸗Beſtellung, Ju be⸗ ſchaffen. Je thonigter und bindender der Boden iſt, deſto ſtärker muß die Duͤngung auf einmal ſeyn. Eine ſchwache Duͤngung iſt darin ganz verlohren, weil dieſe nicht Kraft hat, durch ihre Gaͤhrung den Widerſtand deſſelben ganz zu uͤber⸗ waͤltigen, ſondern gebunden und unkraͤftig im Thone gleichſam verhaͤrtet. Eine ſtarke Duͤn⸗ gung hingegen uͤberwaͤltigt durch ihre fortdaurende Gaͤhrung die bindende Kraft, macht den Boden locker, und durchdringt ihn ganz. Zwanzig Fu⸗ der Duͤnger auf einmal auf einen ſolchen Acker gebracht, haben daher ſtaͤrkere und anhaltendere Wirkung gethan, als dreyßig Fuder zu verſchiede⸗ nen Zeiten. Auf lockerem Boden verhaͤlt ſichs umgekehrt. Insbeſondere erfordert ein kalkigter Boden eine oͤftere, aber ſchwache Duͤngung. Viele — 172— Viele der beſten practiſchen Landwirthe in England bringen ihren Duͤnger vor Winter auf das Land, was entweder mit Brachfruͤchten oder mit Sommerkorn beſtellet werden ſoll, und pfluͤ⸗ gen ihn flach unter. Je öͤfter er alsdann im Fruͤhjabr und Sommer durchgepfluͤget wird, deſto beſſer iſt es, weil er ſich inniger mit dem Bo⸗ den vermiſcht, und alles Unkraut ſchneller zum Lau⸗ fen und Keimen bringt. Andre ſind der Meinung, daß man vor Winter den Duͤnger auf das kLand ſtreuen und obenauf liegen laſſen, dann aber mit eintretendem Fruͤhjahre gleich unterpfiuͤgen ſolle. Meine Er⸗ fahrung ſcheint mir dieſe Meinung zu beſtaͤtigen. Alle aber ſind darin einſtimmig, daß es hoͤchſt nachtheilig ſey, den Duͤnger im Som⸗ mer auf dem Felde ununtergepfluͤgt liegen zu laſſen. So viel möglich duͤngt der aufgeklaͤrte eng⸗ liſche Landwirth nur zu Brachfruͤchten, die ent⸗ weder behacket, oder gruͤn gemaͤhet werden. Der Duͤnger ſetzt das im Acker befindliche Unkraut jeder Art in Bewegung und Vegetation, und durch —+—„„ — 65— durch ſolche Fruͤchte wird es auf eine oder die andre Art zerſtoͤhret. Ueberdas erfordern alle behackte Fruͤchte viele und dieſelben Koſten, ſie moͤgen geduͤnget ſeyn oder nicht. Ihr Ertrag aber iſt doppelt und dreyfach, wenn ſie auf Duͤnger wachſen. Unbearbeitete Saaten von Huͤlſenfruͤchten uͤberziehen den Acker mit einem ſo dichten Gebuͤſch, daß alles Unkraut darunter erſticken muß, wenn ſie geduͤnget worden. Auch iſt es ſicherlich Vorurtheil, daß ſie ge⸗ duͤngt weniger Ertrag, wie ungeduͤngt geben, wenn man nicht auf einzelne Bunde, ſondern auf das ganze Feld ſiehet. Das auf dieſe Fruͤchte folgende Getraide wird dagegen reiner und eben ſo reich an Koͤrnern ſeyn, als wenn es den Duͤnger unmittelbar erhalten hätte. Außer dem Stall⸗ oder Hofmiſte find alle zur Verweſung geeignete Subſtanzen beyder orga⸗ niſchen Reiche als Duͤngungsmittel brauchbar. Aus Aus dem Thierreiche kommen vorzuglich fol⸗ gende in Betrachtung: Die Hornſpaͤhne. Da dieſe vorzüg⸗ lich reich an Kohlenſtoff und Azote ſind, ſo laßt es ſich erklaͤren, warum ſie eine vorzuͤg⸗ liche Duͤngungskraft beſitzen, und in geringer Quantität große Wirkung thun. Sie muͤſſen erſt in Haufen gelegt und durch Feuchtigkeit in Gaͤhrung geſetzt werden. Auf 2 Himten Ein⸗ fall rechnet man 16 Himten. Dann ſtreuet man ſie auf das Land aus, wo dieſe Gährung ferner vollendet wird. Die Haare und Wolle kommen dieſen faſt gleich, und thun eine große Wirkung. Das faulende Blut und Fleiſch der Thiere iſt ein nutzlicher Beytrag zum Duͤngerhaufen. Durch Zuſatz von Falk befoͤrdert man deren Verwe⸗ ſung ſchnell. Es iſt ein ſonderbares und höchſt nach⸗ theiliges Vorurtheil, welches, mit wenigen Aus⸗ nahmen, bey den meiſten Voͤlkern Europens ge⸗ gen den Gebrauch der menſchlichen Exere— mente als Duͤnger herrſcht. Wuͤrden dieſe ſorg⸗ — 175— ſorgfaͤltig aufbewahrt, mit Vegetabilien vermiſcht, und im gerechten Zeitpunkte der Gaͤhrung auf den Acker gebracht, ſo koͤnnten ſie zur Roth al⸗ len andern Duͤnger entbehrlich machen. In China und Japan wird bey der hoben Cul⸗ tur der Felder faſt kein anderer gebraucht. Da⸗ ber ruͤhrt es, daß man auf den Feldern daſelbſt einzig und allein die Frucht, die ſie tragen ſollen, und kein Unkraut ſiehet. Es läßt ſich wohl an⸗ nehmen, daß ein jeder Menſch ſo viel Duͤnger macht, als zur Befruchtung des Landes, was er zu ſeiner Ernaͤhrung bedarf, hinreichend iſt. Blos die Niederlaͤnder wiſſen in Europa dieſen Duͤnger zu ſchaͤtzen, und holen ihn aus den Staͤd⸗ ten gegen anſehnliche Bezahlung. Kalk ſetzt die Excremente ſchnell in ſolche Verweſung, daß ſie den uͤbeln Geruch verliehren. Mit Erde ver⸗ miſcht, iſt dann der menſchliche Duͤnger beſonders zum Ueberduͤngen vortrefflich zu gebrauchen. 10 Fuder Erde, 2 Fuder Miſt, 1 Fu⸗ der Kalk, machen einen kraͤftigen Compoſt. Noch ein aus dem Thierreiche herſtammen⸗ der Duͤnger, der von Einigen in England mit großem Nutzen iſt gebraucht worden, iſt der Thran. Thran. Er beſtehet aus Kohlen⸗ und Waſſer⸗ ſtoff, und reicht alſo zwey der wichtigſten Nah⸗ rungsſtoffe dar. Indeſſen haben Andre ſehr nachtheilige Wirkungen davon geſehen. Es iſt vermuthlich nöthig, daß er, ſo wie andere Oele, erſt durch eine Gaͤhrung, die durch den Zuſatz von andern vegetabiliſchen und animaliſchen Sub⸗ ſtanzen, oder noch beſſer, durch Kalk bewirkt werden kann, dekomponirt werde, ehe er zum Uebergange in die Pflanzen geſchickt iſt. Auch hat man verfaulte Fiſche nutzlich als Duͤn⸗ ger gebraucht. Zerſtoßene Knochen ſind ſehr wirk⸗ ſam als Duͤnger gebraucht worden. Auf kal⸗ kigtem Boden hat man gefunden, daß ſie ſich von ſelbſt auflöſen. Auf Lehm und Klay aber muß man ſie, nachdem ſie gepulvert ſind, erſt mit Alcali und lebendigem Kalk vermengen, ehe man ſie ausſtreuet. Sie werden mehrentbeils nicht zum Unterpfluͤgen, ſondern zum Beſtreuen der Saaten gebraucht. Gebrannte Knochen haben die Wirkung des KFalks. Von vegetabiliſchen Duͤngungsmitteln wer⸗ den, außer den allgemein bekannten, folgende in England oft angewandt: Oel⸗ Helkuchen; ſie werden zu Pulver ge⸗ ſtoßen und uͤber die Saat geſtreuet. Will man ſie auf Klayboden brauchen, ſo werden ſie erſt mit etwas lebendigen Kalk vermiſchet. Auf trockneren Boden braucht man dies nicht. Man hat be⸗ merket, daß diejenigen, woraus das Oel ſtark ausgepreßt worden, eben ſo, oder faſt noch wirk⸗ ſamer geweſen ſind, als diejenigen, welche noch mehr öhligte Theile in ſich behalten. Es ſcheint alſo vorzuͤglich der Schleim zu ſeyn, welcher die duͤngende Kraft beſißet. Man haͤlt 10 Centner auf einen Acre zureichend, und bezahlt 20 Cent— ner mit 4 Pf. Sterl. Man braucht dieſe Duͤn⸗ gunsart freilich nur, wo ſonſt großer Man— gel an Duͤngung iſt. Auch waͤre es wohl im⸗ mer wirtbſchaftlicher, die Helkuchen zu verfuttern und auf die Weiſe eine Duͤngervermehrung zu bewirken. Der Malzſtaub wird als Daͤngung ſebr boch geſchaͤtzet. Es iſt dies nämlich der Keim, der vom Malze abfaͤllt, wenn es wieder getrocknet wird. Da es in England eigene Leute giebt, die das Malzen als Gewerbe treiben (Malsters), ſo kann man bey ihnen dieſen Ab⸗ fall in großer Menge haben. Es gebören 48 bis 60 Buſhel auf 1 Aere, 8 Buſhel fur 2 M 5 Schill. 5 Schill. Er wird auch zum Ueberſtreuen gebraucht. Die Seepflanzen werden an den Kuͤſten mit ſehr großem Nutzen geſammelt. Man macht ſogar Eindaͤmmungen von Steinen, um ihre Er⸗ zeugung am Ufer zu vermehren. Einige unter ihnen, beſonders der Fucus saccharinus, ent⸗ halten einen dem thieriſchen ſich naͤhernden Schleim, und ſind daher ein vorzuͤglich wirkſames Duͤn⸗ gungsmittel, nachdem ſie eine Zeitlang auf Hau⸗ fen gelegen und in Gaͤhrung gegangen ſind. In einigen Gegenden Englands iſt die Landpacht aufs Sechsfache geſtiegen, ſeitdem man den Gebrauch dieſes Duͤngers und eine leichte Art ihn zu erhal⸗ ten gelernet hat. In der Grafſchaft Heddington beſonders giebt es einige Pachtungen, die vor⸗ mals 10 Schill. der Acre thaten, und die ſeit⸗ dem auf 2 Pf. St. 10 Schill. bis 3 Guineen geſtiegen ſind. Beſonders thun ſie große Wir⸗ kung auf den Boden, der eine Unterlage von Kalkſtein hat. Das Unterpfluͤgen gruͤner Saaten, als der Erbſen, Wicken, des Buchweitzens, Klees und Spoͤrgels, iſt gewiß eine der vortheil⸗ baf en jen cht Ft⸗ ſer nt m, ⸗ u In uſs al⸗ on t⸗ it⸗ en it⸗ 0n bafteſten Metboden, wo Mangel an Dunger iſt, oder wo man das kand nicht anders als mitteiſt einer Brache rein krigen kann. Es geſchiehet, wenn dieſe Saaten in voller Bluͤthe ſtehen, well ſie dann am meiſten Saft haben. Anſſer den geringen Koſten der Ausſaat hat man, wo doch gebrachet werden ſollte, gar keine. Die Wir⸗ kung dieſes Duͤngers iſt ſo augenſcheinlich, daß ich nicht begreife, wie man nicht allenthalben, wo man uͤber Duͤngermangel klagt, ſie haͤufiger braucht. Ein unzeitiger Geiz verhindert wohl die Allgemeinheit dieſer Merbode. Seitdem ich die Wirkung dieſes Unterpfluͤgens aus eigener Erfahrung kenne, habe ich mir feſt vorgenommen, jede Saat von Erbſen, Wicken und Buchweigen, die bey der Bluͤthe zu mißrathen ſcheint, ſogleich niederwalzen und unterpfluͤgen zu laſſeu. Buch⸗ weiten insbeſondere ſäe ich jeht nicht anders, als mit dem Gedanken, ihn auf jeden Fall, wo er bey der Bluͤthe nicht alle Merkmahle einer vor⸗ treflichen Erndte von ſich giebt, unterpflugen zu laſſen. Daher ſäe ich ihn allemahl ſpaͤt gegen die Mitte des Junius, um ihn nut gegen die Rachtfröſte zu ſichern. Steht er nicht rein, ſo iſt ſein Urtheil gleich geſprochen. Der Morgen koſtet böchſtens 24 Mgr. fuͤr Einſaat. Sonſt muß man rechnen, daß man einmahl eine Brache gepflüget. Die Wirkung kommt immer 6 Fu⸗ M 2 dern dern guten Duͤnger gleich, und das kand iſt auf viele Jahre gereiniget. Zu den Duͤngern, die das Pflanzenreich giebt, gehoͤrt noch Sood oder Ruß. Alle Landwirthe ſind einſtimmig uͤber deſſen gute Wirkung, wo man es in einiger Quantitat haben kann. Er enthaͤlt die weſentlichen Stoffe der Pflanzen-Rahrung in einer concentrirten Geſtalt. Durch Zuſetzung von lebendigem Kalk loͤſet man ihn ſchneller in ſeine Beſtandtheile auf, die ſonſt durch die harzige Materie, welche er enthaͤlt, ziemlich feſt gebun⸗ den ſind⸗ Um aber dieſe Beſtandtheile zu behal⸗ ten, muß man auch ſogleich Erde zuſeben. Zwey Theile Sood, zwey Theile friſch gebrannter Kalk und 10 Theile Erde ſind eine zweckmaͤßige Mi⸗ ſchung, die entweder uͤber junge Saaten geſtreuet, oder zugleich mit den Saamen eingeeget wird. Der Sood ſcheint uͤberdas eins der wirkſamſten Mittel gegen Inſekten zu ſeyn. Die Aſche von Holz iſt ein wirkſamer Duͤnger, nicht auf leichtem, trockenem, ſondern auf ſchwerem feuchtem Klayboden und auf ſolchen Wieſen vorzuglich, die Saͤure in ihrem Boden haben. Da ſie aber zur Lauge allenthalben nätz⸗ licher ———= „—) — licher gebraucht wird, ſo wendet man ſie wohl ſelten zum Duͤnger an. Von den zu Pulver ge⸗ ſtoßenen gebrannten Kohlen verſprach man ſich, ſchon nach der Prieſtley'ſchen Theorie vom Phlogi⸗ ſton, große Wirkung. Man fand ſelbige aber, wenigſtens in den erſten Jakren, ſehr unbeträcht⸗ lich. Vermuthlich ruͤhrt dies von der Unauf⸗ loͤslichkeit der gebrannten Kohle her, wofuͤr es, außer der Schwefelleber, noch kein bekanntes Aufloͤſungsmittel gibt. Die Torf⸗Aſche iſt dagegen als Duͤn⸗ ger gebraͤuchlicher, ihre Wirkung bekannt und unbezweifelt. Indeſſen wird ſie gewöhnlich nur als Ueberbleibſel des Ofen⸗ oder Heerdfeuers benutzet. Ich weiß nicht, daß irgendwo in Deutſchland bey manchen ungeheuren Torfmoo⸗ ren der Torf, blos des Duͤngers wegen, zu Aſche gebrannt wuͤrde, wie dieſes in Bedford⸗ ſbire geſchiehet. Es werden dann ſehr große Haufen gemacht und bey einem moͤglichſt lang⸗ ſamen Feuer verbrannt, weil man weiß, daß die Aſche um deſto wirkſamer iſt, je ſchwaͤcher das Feuer geweſen. Wenn daher der trockene Torf einmal in Gluth geſetzt worden, ſo wird naſſer daruͤber gehracht. Es gehen auf den Proceß wohl ſechs bis acht Wochen hin. Der Bu⸗ Buſhel wird auf dem Platze, wo die Aſche ver⸗ brannt wird, mit 1½ Pence bezahlt, und auf 10 bis 12 engliſche Meilen weit hingeholet.(Aus einem Berichte an den Board of Agriculture.) Dieſe Sache ſcheint mir in ſolchen Gegenden, wo große unbenutzte Torfmoore ſind, und wo es ſehr an Duͤnger zu fehlen pflegt, der Nachah⸗ mung ſehr werth zu ſeyn. Der Torf ſelbſt kann aber auch ſehr nuͤtzlich zum Duͤnger verwandt werden, wenn man die vegetabiliſchen Faſern, woraus er beſtehet, in Verweſung ſetzet. Die Säure und, in manchen Torßarten, ein Antheil von Erbharz haͤlt dieſe Verweſung auf. Unge⸗ lsſchter Kalk und Miſtjauche aber brechen ſie, und ſo vermodert der Torf ſehr geſchwind. Man bringe ihn daher um und unter die Miſtſtellen, und macht mit ungeloͤſchtem Kalk einen ſehr wirk⸗ ſamen Compoſt daraus. Die ausgelaugte Seifenſieder⸗Aſche, wenn ſie gleich kein alkaliſches Salz mehr ent⸗ hält, und der Kalk wieder mit Kohlenſaäure ge⸗ ſaͤttiget iſt, bezeigt ſich doch als ein ſehr wirkſamer Duͤnger, ſowohl auf Grastand ge⸗ bracht, als in einer Vermiſchung von Miſt und Erde mit der Saat eingeegget. Worin ihre duͤn⸗ gende Kraft eigentlich liege, halte ich noch nicht fuͤr ſit kalt be , ſ hr fuͤr ausgemacht, da ſie eine bloße, hauptſaͤchlich kalkige Erde zu ſeyn ſcheint. Gewiß thut ſie aber mehr Wirkung, wie eine ſolche. Der Modder aus der See, aus Graben und Teichen, iſt als ein ſehr wohlthaͤtiger und lange daurender Duͤnger zwar allgemein anerkannt; indeſſen iſt doch die Wirkung, die man davon verſpuͤhret, nicht allemal gleich groß und augen⸗ ſcheinlich geweſen. Derjenige, welcher ſich durch die Fluth und Ebbe an den See⸗ufern auf niedri⸗ gen Gruͤnden abgeſetzet, iſt unter allen der wirk⸗ ſamſte, und als ſolcher einſtimmig anerkannt. Von demjenigen aber, der aus Graben und Teichen aufs Land gefahren, hat man zuweilen ſehr wenig Wirkung bemerkt. Ich ſelbſt ließ aus einem Graben, wo alle Abfluͤſſe aus der Stadt ſich vereinigen, und wo ſich dieſer Modder ſeit Jahrhunderten angehaͤuft hatte, eine große Menge auf einen ſandigen Acker fahren. Ein anderes Mahl verſuchte ich den, welcher aus einem Fiſch⸗ teiche, wohin faſt alles Waſſer aus einem frucht⸗ baren und ſtark geduͤngten Lehmfelde zuſammen⸗ fließt, genommen war. Er hatte beynahe ein Jahr in Haufen gelegen, ehe er ausgeſtreuet ward. Die Wirkung war aber von beyden ſehr geringe, und jetzt, nach acht oder zehn Jahren, finde fnde ich nicht, daß die damit gedüngten Felder einen merklichen Vorzug haben. Dieſer Modder verdiente eine genauere chemiſche Unterſuchung. Er ſcheint mir groͤßtentheils aus Kohle zu beſte⸗ ben, woraus aber alle andere Thelle ſo ausge⸗ waſchen ſind, daß ſie unauflöslich wird, wie ge⸗ brannte Kohle. Vielleicht haͤngt ihm auch eine Saͤure an, die ſeiner Wirkſamkeit entgegen ſte⸗ bet. Vermuthlich iſt derjenige wirkſamer, uͤber den nicht immer friſches Waſſer wegfließt, ſon⸗ dern der abwechſelnd trocken wird, und in Gaͤhrung kommen kann, ſo lange er noch der Gährung faͤhige Theile enthält. Eine Gaͤh⸗ rung babe ich, da er in Haufen lag, nicht beobachtet; er gab keine merkliche Duͤnſte von ſich, zerfiel aber allmaͤhlig zu Pulver. Ich werde ihn, wenn ich wieder einen Verſuch da⸗ mit mache, genaner unterſuchen, ihn mit Stall⸗ miſt und ungelöſchtem Kalk vermiſchen, und dann als Ueberduͤngung brauchen. Dies iſt auch die Methode, welche von den Englaͤndern empfohlen wird. Es Di ich tet dent ein ſa ein die Es kommen nun noch die mineraliſchen Duͤnger in Betracht, und dieſe beruhen hauptſaͤch⸗ lich auf Kalk. Denn die Aufbringung ande⸗ rer Erdarten iſt wohl als Verbeſſerung des Bo⸗ dens zu betrachten; nicht aber als eigentliche Duͤngung. Die Duͤngung mit gebranntem Kalk iſt ein ſehr wichtiger, aber hochſt verwickelter und bis bieber noch nicht vollig aufgeklärter Gegen⸗ ſtand der Landwirthſchaft. Man hat den Kalk zuweilen mit dem Zgroͤß⸗ ten und lange daurendem Nutzen angewandt. Zu⸗ weilen bat man gefunden, daß ſehr mittelmäßiges Land danach etliche luxurioͤſe Erndten gegeben, dann aber zu einer weit groͤßeren Unfruchtbarkeit, wie vorber, herabgeſunken ſey, die durch abermah⸗ liges Kalken nur noch aͤrger gemacht worden. In einigen Faͤllen hat man uͤberall keine, oder gar widrige Wirkung davon verſpuͤhret. Dieſe verſchiedenen Erſcheinungen laſſen ſich einigermaßen erklaͤren, wenn man die Wirkung, die der Kalk hat, genaner unterſucht. Er Er bhat erſtlich die Kraft, alle organiſche abgeſtorbene Koͤrper anzugreifen, ſie ſchnell zu zer⸗ ſtöhren und in ihre Beſtandtheile aufzuloͤſen, wenn er in zureichender Menge angebracht wird. Daher loͤſet er im Boden alle darin noch befind⸗ liche Ueberbleibſel ſolcher Koͤrper, die einer voͤl⸗ ligen Verweſung bisher entgangen ſind, ſchnell auf, und macht ſie faͤhig, in die Pflanzen uͤber⸗ zugehen. Zweitens bricht er die im Boden zuweilen befindliche uͤberfluͤſſige Saͤure, verbindet ſich mit derſelben, und laͤßt dagegen die mit ihm verbundene Kohlenſaͤure fahren. Drittens greift er ſelbſt noch lebende aber weichlich gewordene Pflanzen an, und zerſtöhret daher unter einer gehoͤrigen Behandlung das Un⸗ kraut. Vorzuͤglich wirkſam iſt er auf ſolche Saamen, die Oeltheile enthalten, und todtet ſolche faſt allgemein. Aus dieſen bekannten Kraͤften des Kalkes läßt ſich der gute, uͤbele und gleichgultige Erfolg, den man, nach Verſchiedenheit ſeiner Verhaͤltniſſe zum Boden, und der Art ſeiner Anwendung wahr⸗ genom⸗ ſen Re be ret Un iſt genommen hat, erklaͤren. Auch laſſen ſich daraus Regeln ziehen, wie man mit dem Gebrauche des Kalkes zu verfahren und das gekalkte Land nach⸗ her zu behandeln habe. Damit der Kalk ſeine Wirkung tbun kön⸗ ne, iſt es vor allen Dingen noͤthig, daß er, ſo⸗ bald wie moglich, und ehe er von der Luftſaͤure vollig wieder geſaͤttiget worden, in fein gepulver⸗ tem Zuſtande auf den Acker verbreitet und mit dem Boden ſo innig wie moͤglich gemiſchet werde. Koͤnnte man den gebrannten Kalk, ſo wie er aus dem Ofen kommt, gleich pulvern und mit dem Boden vermiſchen: ſo wuͤrde er, ohne allen Zweifel, am wirkſamſten ſeyn. Da dies aber nicht wohl moͤglich iſt, ſo muß man, durch Be⸗ ſprengen mit Feychtigkeit, ihn in dieſen feinen Pul⸗ verſtand verſetzen, und ſo wie er ganz darin zer⸗ fallen, mit dem Boden vermiſchen. Froylich wird er hiedurch bis auf einen gewiſſen Grad geloͤſchet, und zieht einen Theil ſeiner Luftſaͤure wieder an ſich; jedoch bleibt er noch wirkſam genug. Wollte man ihn unzerfallen in Stuͤcken auf dem Acker ausſtreuen und unterpſtuͤgen, ſo wuͤrden harte Klumpen von Moͤrtel daraus wer⸗ den, und er wenig Wirkung auf den Boden haben. Wegen Wegen der erforderlichen innigen Vermi⸗ ſchung iſt es immer am rathſamſten, ihn auf die Brache zu bringen. Wenn ſolche rauh ge⸗ pfluͤget worden, wird er daruͤber ausgeſtreuet und⸗ unmittelbar tuͤchtig durchgeegget, dann moͤglichſt flach eingepfluͤget, und ſo wenigſtens dreymahl da⸗ mit durchgepfluͤget und geegget. Auf die Weiſe verbindet er ſich mit dem Boden innig, und ſetzt alle darin enthaltene Unkraut⸗Saamen und Wur⸗ zeln, die durch das haͤufige Pfluͤgen zum Keimen kommen oder weich gemacht werden, in Ver⸗ weſung. Jede andre Methode, den Kalk aufzu⸗ bringen, iſt unvollkommen, und verfehlt ihres Zweckes großentheils. Die Quantitaͤt des aufzubringenden Kalkes richtet ſich nach der Beſchaffenheit des Bodens. Je ſchwerer und bindender, je tiefer, je reicher und je unreiner ein Acker iſt, deſto mehr muß darauf. Von einer zu kleinen Quantitaͤt Kait bemerkt man, beſonders auf ſchwerem Klayboden, nicht die geringſte Wirkung. Wenn man das Kalken auch oft wiederholen, aber nie eine zu⸗ reichende Quantitaͤt darauf bringen wollte, ſo wuͤrde es nichts helfſen. Denn der Kalk, von dem der dem vorherigen Ueberfahren, iſt nun unwirkſam geworden, und voͤllig gelöſchet, kann daher dem friſchaufgebrachten, in Befoͤrderung der erforder⸗ lichen Gaͤhrung, nicht zu Huͤlfe kommen. Auf Erregung dieſer Gaͤhrung, wodurch aller Duͤn⸗ gungsſtoff, der im Acker liegt, in Bewegung ge⸗ ſetzt wird, kommt aber alles an. Der bindende Boden widerſteht dieſer Gaͤhrung mehr wie ein anderer, wenn ſie nicht mit zureichender Kraft rege gemacht wird. Auf einen Acre ſchweren Klaybodens werden in England oft 4 bis 500 Buſhel gebracht, welche denn aber auch bewun⸗ dernswuͤrdigen Effect hervorbringen*). Je leichter und lockerer der Boden iſt, de⸗ ſto mehr muß die Quantitaͤt vermindert werden. In einer geringen Maaße, thut er auf leichtem, aber reichem Boden oft ſehr große Dienſte. Auf *) Oft haben mir Landwirthe geſagt, daß ſie das Kalken vergeblich verſuchet. Aber ſie hatten etwa 15 Himten auf einen Morgen gebracht. — 00 Auf ſolchen Feldern hingegen, die einen duͤnnen Boden haben, und auf Kalkſtein, Kreide oder Mergel liegen, alſo Kalktbeile genug be⸗ ſitzen, iſt die Kalkduͤngung allemahl nachtheilig befunden. Wo die Oberſlaͤche eines Feldes ungleich iſt, Erhoͤhungen und Vertiefungen hat, muß man hierauf Ruͤckſicht nehmen. Denn der hoͤher liegende Boden iſt gewoͤhnlich leichter und mage⸗ rer, der niedrig liegende feſter und fetter. Da⸗ ber muß auf jenen der Kalk ſchwaͤcher, auf dieſen ſtaͤrker gebracht werden. Die allergroßte und daurendſte Wirkung bat der Kalk auf abgewäſſerten Torfmoor, boden, der faſt ganz aus lauter vegetabiliſchen, todten und lebenden Faſern beſtehet, die aber wegen der darin befindlichen Saͤure und einem Antheile barziger Materie, nicht in Verweſung gehen. Wenn nun der Kalk in zureichender Quan⸗ titaͤt auf ſolchen Boden kommt, und damit, ſo viel wie moͤglich, innig vermiſcht wird, ſo neu⸗ traliſirt er die Saͤure, laͤßt dagegen ſeine Luft⸗ ſäure fahren, zerſetzt die harzigen Theile, und bringt in der ganzen Maſſe Gährung und Ver⸗ weſung hervor. Die bisherigen Moorpflanzen ſter⸗ ſir ö, Kr Ka be kert ie uß her ge⸗ W ſin n, en Nt ile n. n. — 191— ſterben, bey der veraͤnderten Ratur des Bodens, ab, und es entſteht nun die reichſte vegetabiliſche Krume, die ſobald durch ausſaugende Erndten nicht erſchoͤpft werden kann. Jeder andre zureichend gekalkte Boden muß, wenn man ſich auf den Kalk allein verlaͤßt, und mehrere ausſaugende Erndten nach einander davon nimmt, bald erſchoͤpfet werden. Alle darin be⸗ findliche Nahrungstheile ſind aufgeloͤſet, und faͤhig gemacht, in die Frucht uͤberzugehen. Der Boden iſt gelockert, ſo daß die Wurzeln ihn al⸗ lenthalben durchdringen koͤnnen. Alles was darin iſt, wird daher bald herausgezogen. Wer alſo ſeinen gekalkten Acker nicht erſchoͤpfen will, der muß ihn um deſto mehr mit anderem Duͤnger wieder nachhelfen und eine regelmaͤßige Fruchtfolge von abwechſelnden Korn⸗ und gruͤnen Erndten be⸗ obachten. Der ungebrannte, zu Pulver zermalmte Kalkſtein, iſt nicht ohne alle Wirkung, kommt aber dem gebrannten nicht gleich. Wenn Saͤure im Boden iſt, ſo kann er ſie brechen; auch lok— kert er den zu gebundenen Boden, und befoͤrdert die Verweſung organiſcher Theile. Der Der Mergel hat vor dem ungebrannten Kalkſtein die großen Vorzuͤge, daß er an der Luft, beſonders im Winterfroſte, von ſelbſt zerfäͤllt, daß ſeine Kalktheile feiner getrennet ſind, als es beym Zermalmen moͤglich iſt, und daß er ſich daher inniger mit dem Boden vermiſchet. Sei— ner verſchiedenen Zuſammenſetzung iſt im vorigen Kapitel erwaͤhnet. Jemehr Kalk er in ſich hat, deſto kraͤftiger iſt er, und deſto weniger wird erfordert. Seine Wirkung iſt am Ende der des gebrannten Kalkes gleich; nur iſt ſie ſchwaͤ⸗ cher und langſamer. Denn obgleich der in ihm enthaltene Kalk nicht eauſtiſch, ſondern milde iſt, folglich die organiſchen Theile nicht angreifend zerſtört, ſo befoͤrdert er doch ihre Auflöſung. Die ſaͤure⸗brechende und auflockernde Kraft beſitzt er ebenfalls. Hieraus laͤßt ſich dann ſein Rutzen ſowohl, als ſein hin und wieder verſpurter Rachtheil er⸗ klären. Letzterer iſt lediglich die Folge einer ſchlechten Wirthſchaft und vernachlaͤſſigter Miſt⸗ duͤngung. Je mehrern Mergel man aufbringt, und je kalkigter dieſer iſt, deſto ſtaͤrker muß man duͤngen, wenn der Boden nicht nach eini⸗ ger Zeit erſchoͤpfet werden ſoll. Die les len nd Die großtentheils aus Thon beſtehende Beymiſchung des Mergels traͤgt aber ſehr vie⸗ les zur Verbeſſerung des leichten Sandbodens bey. In dieſer Ruͤckſicht iſt das Mergeln die⸗ ſes Bodens von unvergänglichem Nutzen. Wenn man auf die Dauer ſehen will, ſo iſt fuͤr den— ſelben der Mergel, welcher die geringſte Quan⸗ tität Kalk enthaͤlt, der nuͤtzlichſte, falls er in genugſamer Menge aufgebracht wird. Daher ziehet man in Rorfolk ſolchen Mergel, der faſt gar nicht braußt, aber im Waſſer leicht zer⸗ faͤllt, allem andern vor. Das Auffahren eines ſolchen Mergels kann man dann weniger als Duͤngung, ſondern mehr als Verbeſſerung des Bodens betrachten. Auf ſchweren bindenden Boden wird hinge⸗ gen ein Mergel erfordert, der wenigſtens gleiche, noch beſſer, uͤberwiegende Kalktheile hat. Von der Unterſuchungs⸗Methode der Be⸗ ſtandtheile des Bodens habe ich im vorigen Ca⸗ pitel geredet. Wenn der Landwirth indeſſen wiſ⸗ ſen will, wie reich ein gefundener Mergel an Kalktheilen ſey, ſo wird folgender einfachere Verſuch ihm ſolches, zu ſeinem Zweck, beſtimmt genug angeben. N Man ¹ Man nehme ein beſtimmtes Gewicht von dem fein gepulverten, an der Sonne oder in einer Pfanne auf dem Feuer getrockneten Mergel, vermiſche ihn mit Waſſer, und troͤpfle ſo viel Tropfen Salpeterſäure hinzu, bis die Aufbrauſung zu Ende iſt. Alsdann thue man eben ſo viel Tropfen Salpeterſaͤure, mit Waſſer vermiſcht, in ein Glas, und miſche von unge⸗ branntem, moͤglichſt reinem Kalkſteine, oder Kreide, in feines Pulver zerſtoßen, den man vorher gewogen, unter oͤfterem Umſchuͤtteln, ſo viel hinzu, bis das Aufbrauſen aufhort. Da eine gleiche Menge Säure eine gleiche Menge Kalk ſaͤttiget, ſo muß die Qantität des im Mergel enthaltenen Kalkes der gleich ſeyn, welche im zweiten Theile des Verſuchs ge⸗ braucht worden. Da der Mergel an der Luft am beſten zerfaͤllt, ſo wird er auf das Land gefahren, und bleibt den Winter hindurch liegen. Steinartiger Mergel erfordert mehr als einen Winter, um völlig zu zerfallen, und man bringt ihn daher in England am liebſten auf Aecker, die zu Graſe liegen. Er vermehrt den Graswuchs ſehr, und vertilget doch verſchiedene Arten von Unkraut, insbeſondere den wilden Sauerampfer. Mittelſt des 6 ſn hre da bol et ſen nd gt un he aſ nd u, eſt de⸗ des Thonmergels bringt man hohes trocknes Land zu einem reichen Klee⸗ und Gras⸗Ertrage, be⸗ ſonders wenn noch Stallduͤnger binzukommt. Auch iſt es in England häufig im Ge⸗ brauche, Compoſt mit Mergel zu machen, und dann dieſes als Topdreſſing zu brauchen. Keine Gegend, die Mergel hat, iſt von der Natur verabſaͤumet, ſondern allemahl einer vollkommenen Cultur faͤbig! Durch das erſte Mergeln wird jeder Boden, der nur Heide trug, faͤhig ſeyn, ſo viel Gras und Futter⸗ kraͤuter hervorzubringen, als zur erſten Subſi⸗ ſten; des Viehſtapels erforderlich iſt. Dieſer wird dann bald den zureichenden Duͤnger liefern, und auf dieſe Weiſe der Boden nach wenigen Jahren zum reichen Ertrage kommen. Auf dieſe Weiſe iſt die Cultur des oͤden, ſandigen Bo⸗ dens im oͤſtlichen Norfolk zu ihrer gegenwaͤrtigen Hoͤhe geſtiegen. Wo man aber, nach dem er⸗ ſten Mergeln, dem Acker mehrere Kornerndten abzugewinnen ſucht, bevor man den noͤthigen Duͤnger anſchaffen kann, da iſt die Sache auf ein Jahrhundert verdorben. Die wenige Damm⸗ erde, die ſich ſeit undenklichen Zeiten auf der R Wuͤſte Wuͤſte erzeugt hatte, wird durch die Kalktheile des Mergels in Bewegung geſetzt und durch die Kornſaat erſchoͤpfet. Das bloße Stroh kann ſie nicht wiedergeben, und man ſiehet ſich bald ge⸗ nothigt, den ausgemergelten Ausbruch zu ver⸗ laſſen. Hieraus erhellet von ſelbſt, in wie fern das unbeſtimmte Lob und der unbeſtimmte Tadel des Mergels richtig ſey. Vorzuͤglich groß und daurend iſt die Wir⸗ kung jedes Kalkes und kalkigter Erde auf ſolchen Boden, der die, der Vegetation ſo nachtheilige Vitriol- oder Schwefelſaͤure in einigem Ueber⸗ maaße enthaͤlt. Er vertilget dieſe nicht nur, wenn er in zureichender Quantitaͤt aufgebracht wird, gaͤnzlich, ſondern ſetzt auch die darin befindlichen, zur Duͤngung geeigneten Theile in eine Verweſung, welche durch die Saͤure lange aufgehalten worden, und entwickelt dagegen ſeine Luftſaͤure, die dem Boden wohſthaͤrg iſt. Daher iſt der Mergel dann auch auf ſolchem Boden vom auffallend⸗ ſten Rutzen. Der vet rn del it⸗ en ige ut u, en, 79, en gel nd — 197— Der Gyps iſt ein— nicht mit Luft⸗, ſon⸗ dern mit Schwefel-Saͤure verbundener Kalk. Widerſprechender und unbeſtimmter ſind vielleicht bey keinem Gegenſtande der Landwirthſchaft die Erfahrungen und Nachrichten, als die, uͤber den Rutzen und Gebrauch des Gypſes. Wenn Ei⸗ nige bewundernswuͤrdige Wirkungen davon geſe⸗ hen haben; ſo berſichern Andre, daß ſie das mit großen Erwartungen unternommene Gypſen voͤllig fruchtlos, oft nachtheilig befunden haͤiten. In England ſtimmen faſt alle Nachrichten dahin uͤberein, daß es mehr Schaden als Vortheil thue, ohnerachtet es vielfaͤltig, und unter der Hoffnung des beſten Erfolges, von manchen vor⸗ urtheilsfreyen Landwirthen verſuchet worden. Die Nachrichten, welche die Englaͤnder uͤber den großen Nutzen deſſelben aus Amerika erhielten, machten ſie vorzuͤglich aufmerkſam. Und da die Amerika⸗ ner ihren Gyps aus Frankreich kommen ließen, ſo verſchrieben die Englaͤnder von demſelben. Aber er that ſo wenig, wie der einheimiſche! Die vortreflichen Wirkungen, welche wir in Deutſchland vom Gypſen des Klees und der Huͤl⸗ ſenfruͤchte geſehen haben, werden fa ſt einſtimmig anerkannt. Indeſſen giebt es auch verſchiedene, die dieſem, nach ihrer Erfahrung, gradezu wider⸗ ſpre⸗ ſpprechen. Ich babe uͤber die Sache nichts be⸗ ſtimmteres und unpartheyiſcheres geboͤrt, als was mir ein vortreflicher, ſcharfſinniger Landwirth aus dem Bauernſtande, Namens Schwanneke, zu Lopke in der Amtsvoigtey Ilten, daruͤber ſagte. Es verlohnt ſich der Muͤhe, ſeine Aus⸗ ſage ganz herzuſetzen. Ich beſuchte, ſagte er, vor mehreren Jah⸗ ren meinen Schwiegervater, zwey Meilen von nns, beſahe ein Kleeſtuͤck, und fand den Klee im April ſo duͤnne und elend ſtehen, daß ich ihm anrieth, es wieder umzupfluͤgen. Komm nur in z Wochen wieder, antwortete er; bey naͤchſtem feuchtem Wetter will ich es dukſen(ſo nennt man dort das Ueberſtreuen mit gemahlnem Gyps), dann ſollſt du anders ſprechen. Ich ging wirk⸗ lich nach vier Wochen wieder hin, und fand ein ſo ſchones Kleefeld, daß ich faſt nicht glauben konnte, es ſey daſſelbe. Ich hatte nichts eili⸗ gers zu thun, als mir gleich etliche Saͤcke ge⸗ mahlnen Gyps zu holen, und ſolchen auf mei⸗ nen Klee zu ſaen. Aber der gegypſte Klee ward bey mir nicht um ein Haar beſſer, wie der andere. Ich ließ mich nicht abſchrecken, ſondern wiederholte es noch zwey Jahre mit al⸗ ler Sorgfalt, nach meines Schwiegervaters Vor⸗ ſchrift, ſe di ——=— — ſchrift, aber vergeblich; da ich doch beh jenem immer den groͤßten Nutzen davon ſahe. Sein Land, fuhr er fort, iſt von eben der Art wie meines, guter Klay. Aber wir mergeln; dort thun ſie das nicht; haben aber mehr Miſt wie wir. Darin muß der Unterſchied liegen. Wahrlich ein wichtiger Aufſchluß, Freund Schwanneke! Das gemergelte Land hat Kalktheile genug, um den eigentlichen Nahrungs⸗ ſtof der Pflanzen in Bewegung zu ſetzen. Bey ſeinem Schwiegervater fehlen dieſe dem gut durchduͤngten Acker, und darum thut der Göps ſo große Wirkung. Steht England und Amerika nicht vielleicht in eben dem Verhaͤltniſſe, wie Schwanne⸗ kens und ſeines Schwiegervaters Aecker? Dort iſt der Boden wohl allentbalben durch Kunſt oder Natur mit Kalk⸗erde zureichend angefuͤllt. In Amerika fehlt der Kalk, aber der Boden beſtehet faſt aus lauter vegetabliſcher Erde, die, ſeit der Schoͤpfung her, aus den verweſenden und wieder aufwachſenden Kraͤutern und Baumen ſich erzeuget hatte. Durch Kalk wird wird dieſe in maͤchtige Bewegung geſetzt, und ein luxurioͤſer Wachsthum hervorgebracht. Es bleiben aber noch uͤber die Wirkung des Gypſes viele, bis jetzt noch unausflösliche, Zweifel. Wird der Kalk durch die Säͤttigung mit Schwefelfäure, die man ſonſt der Vegetation nachtheilig findet, wirkſamer? Iſt alſo der damit vollſtaͤndig geſättigte, oder nur halb geſattigte, Gyps zutraͤglicher? * Daß nicht aller Gyps gleich fruchtbringend ſey, weiß man; es iſt mir aber nicht bekannt, daß man die Sache von dieſer Seite unterſuchet. Der Gyps wird bekanntlich ungebrannt, in feinen Staub zermalmet, im Frubjahre, zur Zeit der lebhafteſten Vegetation, bey feuchter Witte⸗ rung uͤber Klee und Huͤlſenfruͤchte ausgeſäet. Denn auf dieſe thut er die größte Wirkung. Wenn der Staub die jungen feuchten Blätter überziehet, und weder durch duͤrren Wind wegge⸗ blaſen, noch durch ſtarke Regenguͤſſe abgeſpuͤhlet wird, — —.—— — wird, ſo iſt ſeine Kraft auffallend wahrzuneh⸗ men. Nach 8 Tagen hat der gegypſete Klee, vor andern, ein lebhaftes dunkelgruͤnes Anſehen, hat ſich mit dicken Stengeln und großen Blaͤt⸗ tern uͤber das Feld verbkeitet, und zugleich einen merklichen Vorſprung in der Hoͤhe gewonnen. Hiernach ſcheint es, als wirke der Gyps mehr wie ein reizendes, die Vegetations-Kraſt erregendes Mittel auf den Stamm und die Blaͤtter gewiſſer Pflanzen, als auf den Boden und die Wurzel. Dies wird mir um ſo wahr⸗ ſcheinlicher, weil ich bemerkt zu haben glaube, daß der zweyte Wuchs des Klees, wenn er nicht wieder gegypſet worden, um deſto ſchwaͤ⸗ cher geweſen. Hat jemand den Verſuch gemacht, gebrann⸗ ten zu Pulver zerfallenen Kalk auf eben die Weiſe anzuwenden, und mit welchem Erfolge? Ich ſelbſt wage es nicht, bis jetzt in der Sache nur muthmaßlich etwas zu beſtimmen, da es mir ſeit mehreren Jahren an Gyps und Kalk gefehlt hat, um meine ſchon lange inten⸗ dirten Verſuche auszufuͤhren. Auf kuͤnftiges Jahr — 202— Jahr werde ich mich auf alle Weiſe damit zu verſorgen, und gemeinſchaftlich mit etlichen Freunden uͤber dieſe Materie mehr kicht zu ver⸗ breiten ſuchen, die auf die ganze Lehre vom Pflanzenwachsthum und Duͤnger Einfluß hat. Ich lade aber alle aufmerkſame Landwirthe ein, ihre Beobachtungen mit den meinigen zu verei⸗ nigen. Auf eben dieſe Weiſe wie der Gyps, naͤm⸗ lich als ein die Vegetationskraft aufreizendes Mittel, wirken ohne Zweifel gewiſſe Salze. Es ſind dies naͤmlich die Abfalle aus Koch⸗ ſalzwerken, die in der Nachbarſchaft derſelben mit augenſcheinlichem Nutzen zum Ueberſtreuen junger Fruͤchte, beſonders aus der Claſſe der Diadelphiſten, gebraucht werden. Dieſe vom Kochſalz abgeſchiedene Salze ſind, wie der Gyps, ſchwefel- oder vitriol,⸗ſauer. Doch erfordert es noch genauere Beobachtungen und Verſuche, um den Grad und die Art ihrer Wirkſamkeit zu beſtimmen. ——— — ————* — 203— Die eigentliche Befruchtung des Erdbodens zur Nahrung der Pflanzen wird alſo durch die Beymiſchung verweſender organiſcher Koͤrper be⸗ wirket. Die mineraliſchen Beymiſchungen die⸗ nen entweder nur, dem Erdboden eine beſ⸗ ſere Conſiſtenz zu geben, oder ſie wirken als aufloͤſende und Verweſung befoͤrdernde Mittel, die allemahl ſolche Beſtandtheile, welche aufgeloͤſet und zur Pflanzen⸗Nahrung verwandt werden koͤnnen, vorausſetzen. Es giebt noch ein Be⸗ fruchtungsmittel, welches die Atwoſphaͤre darreichet. Ich rede jetzt nicht von der Wirkung der Luft, des ticht⸗ und Waͤrmeſtoffes auf die Pflanzen ſelbſt, ſondern nur von ihrer Wir⸗ kung auf den Boden. Jene gehen den prarti⸗ ſchen Landwirth nicht viel an, da er ſie zu wenig in ſeiner Gewalt hat. Man nennt den in der Tiefe liegenden Erdboden todt, weil man weiß, daß er zum Leben und Wachsthum der Pflanzen wenig ge⸗ ſchickt iſt, bis die Atmoſpbaͤre auf ihn gewir⸗ ket hat. NRachdem dieſe Erde aber der Ein⸗ wirkung der Luft, in möglich groͤßter Oberflaͤche, eine geraume Zeit ausgeſetzt worden, wird ſie ohne ohne allen Duͤnger fähie, Pflanzen zu ernaͤhren; ja ſie erlanget, wenn ſie in Waͤllen und Erd⸗ mauern viele Jahre geſtanden hat, einen hohen Grad von Fruchtbarkeit. Es weiß ſerner jeder aufmerkſame Land⸗ wirth, daß beſonders der ſchwere Boden an Fruchtbarkeit ſehr gewinne, wenn man ihn in rauhe, hohe Furchen aufpfluͤgt, und ſo den Winter hindurch liegen laͤßt. Auch erkennt jeder unbefangene Beobachter an, daß ein be⸗ ſtändiges Lockerhalten der Oberflaͤche des Bo⸗ dens, ſo daß die Luft in ſeine Poren und Zel⸗ len leicht eindringen koͤnne, die Fruchtbarkeit deſſe ben ſehr vermehre, und den Abgang des Duͤngers zum Theil erſetze. Man weiß, daß die Tulliſche Drillwirthſchaft hierauf ſo ſehr rech⸗ nete, daß ſie, durch die fleißige Auflockerung des Bodens, des Duͤngers entbehren zu koͤnnen glaubte, und wirklich die Moͤglichkeit davon erwies. Wenn es nun gleich uͤbertrie⸗ bene Syſtemſucht iſt, ſich der Wohlthat des Duͤngers ganz berauben zu wollen; ſo verraͤth es wieder eine große Indolenz, wenn man die Luftduͤngung ganz vernachlaͤſſiget. Um —„— —— — 205— um die Wirkung der Luft auf die Be⸗ fruchtung des Bodens zu erklaren, mußte man vormahls zu verborgenen Quglitaͤten ſeine Zu⸗ flucht nehmen. Seitdem man aber die Naeur der vor⸗ mahls ſogenannten firen Luft naͤher kennen gelernet, und erwieſen hat, daß Kohlenſtoff ih⸗ ren weſentlichen Beſtandtheil ausmache, man ihr daher auch den Namen der koblenſau⸗ ren Luft beigeleget; und es ferner anerkannt iſt, daß Kohlenſtoff ein Hauptbeſtandtheil aller organiſchen Koͤrper ſey, daß ſolche ohne Koh⸗ lenſtoff nicht ernaͤhret werden koͤnnen, und daß in dieſem hauptſaͤchlich die Kraft des Duͤngers beſtehe, iſt man der Sache viel naͤher gekonimen. Man weiß, daß dieſe kohlenſaure Luft ſich bey jeder Gaͤhrung erzenge; daß ſie mit dem Athem der Thiere ausgeſtoßen werde, daß ſie ſich aus dem rohen Kalke und den Alkalien ent⸗ wickele, wenn man Säaͤure darauf gießt; daß ſie in allen, beſonders aber in den mineraliſchen Waſſern, enthalten ſey, und aus verſchiedenen Dunſthöhlen aufſteige. Be⸗ Beſonders entwickelt ſie ſich beym Verbren⸗ nen der Kohle zu Aſche, indem der ganze An⸗ theil von Kohlenſtoff in Luftgeſtalt davon gehet. Sie iſt daher allenthalben verbreitet und in der Atmoſphaͤre immer enthalten; mehr in ſtarkbewohnten Gegenden. Zwar findet man bey Zerlegung der atmoſpbaͤriſchen Luft ihren An⸗ theil an kohlenſaurer Luft nur ſehr geringe; weit geringer, wie man nach dem Vorgeſagten erwarten ſollte. Aber ſo wie ſie ſich faſt aus allen feſten Koͤrpern entwickelt, ſo groß iſt auch ihre Nei⸗ gung, ſich darin wieder abzuſetzen. Vorzuͤglich ſetzt ſie ſich auf Waſſer und Thonerde gern ab. Ihrer vorzuͤglichen Schwere wegen, häaͤlt ſie ſich zunaͤchſt am Boden und mehr in Gruͤnden, als auf Anhoͤhen auf. Wenn nun gleich, wie wir oben gehoͤret baben, Haſſenfraz die Zerſetzung der Kohlenſaͤure durch die Vegetation, aus Gruͤnden, die vor⸗ nehmlich auf der Entweichung des Waͤrmeſtoffs beruhen, widerlegt zu haben ſcheint: ſo folgt daraus nicht, daß dieſe Zerlegung im Erdboden ſelbſt nicht vor ſich gehe. Dieſes laͤßt ſich viel⸗ mehr aus manchen Gruͤnden behaupten. Die Kunſt ——— — 207— Kunſt hat ſchon die kohlenſaure Luft zerleget, und Kohle aus ihr dargeſtellet; wie vielmehr wird dieſes die Natur in ihrem großen Laboratorium, aber nach ihrer gewohnten Art, durch langſamere Proceſſe, thun. Hiermit ſtimmen auch die Re⸗ ſultate neuerer Verſuche uͤberein, nach welchen die Pflanzen unter einer mit kohlenſaurer Luſt an⸗ gefuͤlleten Glocke zwar unmittelbar abſtarben, hin⸗ gegen ſtaͤrker wuchſen, wenn man den Erdboden*) oder das Waſſer, womit ſie begoſſen wurden, damit beſchwaͤngerte. Und ſo ließe ſich dann auch erklaͤren, wo die große Menge taͤglich ent⸗ wickelter Kohlenſaͤure bleibt. Sie wird naͤmlich im Erdboden abgeſetzt, darin zerlegt, und der Koh⸗ lenſtoff zur Rahrung der Pflanzen verwandt. Es *) Eine Reihe ſich hierauf beziehender Verſuche fin⸗ det man in dem uͤberſetzten 1ſten Theile der Anna⸗ len des Ackerbaues, S. 85— 104, von A. Young ſelbſt angeſtellet. Ich muß nur bemerken, daß ſelbiger die Prieſtleyſche Theorie uͤber das Phlogi⸗ ſton damahls annahm, und ſich daher ſehr uber bie gute Wirkung der fixen— jetzt kohlenſauren— Luft wunderte. Sie beweiſen zugleich die Nuͤtz⸗ lichkeit des Hydrogens im Miſie. Es iſt daher wohl außer allen Zweifel geſetzt, daß es vorzuglich dieſes Princip ſey, was der, der Atmoſphaͤre ausgeſehte Erdboden aufnimmt, und wodurch er mehrere Fruchtbarkeit erlanget. Um dem Acker dieſe Luftduͤngung zu ver⸗ ſchaffen, ſetzet man ihn entweder der Atmoſphaͤre in moͤglichſt groͤßter Oberfläche aus, oder man ſucht ihn doch locker zu erhalten. Je hoͤher die Furchen ſind, worin er den Winter hindurch aufgepfluͤgt liegt, deſto mehr Wirkung kann man ſich davon verſprechen. Dem beſtellten Acker verſchafft man dieſen Vortheil durch haͤu⸗ figes Behacken. me Fr Gr Ru lan unt k Sechstes Capitel. Vom Abplaggen und Brennen des Raſens. (Paring and burning, Sodburning.) E⸗ iſt dies eine, in manchem Betrachte hochſt merkwuͤrdige, in vielen Gegenden Englands(auch Frankreichs) ſehr gebraͤuchliche Vorrichtung, altes Gras⸗ und Weideland aufzubrechen, uͤber deren Nubbarkeit und Schaͤdlichkeit die Meinungen lange getheilt geweſen ſind. Ehe ich das fuͤr und wider die Sache nebeneinander ſtelle, und 3. die die Verhaͤltniſſe anzugeben ſuche, unter welchen ſie zweckmaͤßig zu ſeyn ſcheint, will ich die Me⸗ thode ſelbſt beſchreiben. Die Soden werden einen Fuß breit und drey Fuß lang abgeſtochen. Es geſchiebet dies in England mit einer ſtarken Bruſtſchaufel, (preast-ꝓlough, paring[pade). unſte, an das Plaggenhauen gewoͤhnte Arbeiter, wuͤr⸗ den es vielleicht beſſer mit einer Plaggenhacke verrichten. Die Dicke der Soden iſt gewoͤhn⸗ lich 1 Zoll; doch muß eine rauhe, ſchwammige NRarbe etwas dicker, eine ſehr feſte, dichte, et⸗ was flacher abgenommen werden. Die Arbeit geſchiehet im Verdinge, und der Acre koſtet 10 bis 12 Schill. Man muß aber dahin ſehen, daß die Arbeiter die Enden rein wegnehmen, den Soden die gehörige Laͤnge und Dicke geben. Wo die Arbeit im Großen geſchiehet, da hat man auch wohl Inſtrumente, um ſie mit Pferden verrichten zu laſſen: naͤmlich eine ſchwere Walze mit eiſernen Reiffen, und auf dieſen ein 6 Zoll bohes ſtarkes, ſchneidendes Eiſen, womit das Land die Laͤnge und die Queer uͤberzogen und ſo die Soden in ihrer gehoͤrigen Länge und Breite abgeſchnitten werden. Dieſer Schneide⸗ Walze folgt dann ein Pflug mit einem breiten plat⸗ und er tert ket ie dß ſit oder Sie ic ſihr ſen hren m. Us ſt nuf ſeno pirt u6 en R platten Schaar, welcher den Raſen abſchaͤlet und herumwirft. Man waͤhlt, wo moͤglich, trockenes Wet⸗ ter dazu, im May oder Junius. Iſt die Wit⸗ terung feucht, ſo muͤſſen die Soden aufrecht geſtel⸗ let werden, damit ſie austrocknen. Dann werden ſie in kleine Haufen auf die Kante geſtellet und oben zugelegt, doch ſo, daß eine kleine Heffnung bleibe. An der Wind⸗ ſeite wird etwas trockenes Reiſig, Heidekraut oder Stroh hineingeſteckt, um ſie anzuzuͤnden. Sie kommen ein Klafter weit von einander zu ſteben, woraus ſich die Groͤße derſelben unge⸗ fübr ergibt. Ein Tbeil bleibt bey jedem Hau⸗ ſen liegen, und wird hineingeworfen, wenn er brennet. Auf das Brennen kommt ſehr viel an. Es muß langſam, mehr glimmend, als in voller Flamme, geſchehen. Die Aſche darf nicht ganz weiß brennen, ſondern nuß eine graue oder roͤthliche Farbe, mit Schwarz gemiſcht, behalten. Man muß daher genau auf das Brennen achten. Anfaͤnglich vird der ganze Haufen ſchwaͤrzlich und dunkel zusſehen, dann fangen die Raſen an zu krachen D 3 und und in Stucke zu zerfallen. Wenn dies geſchie⸗ bet, ſo iſt es bald genug. Die Gluth wird durch das Hinzuwerfen friſcher Raſen gedämpft und am Ende durch das Ueberwerfen von Erde gelöſchet. Brennt der Haufen in voller Gluth und zu lange, ſo verliert die Aſche den groͤßten Theil ihrer Kraft. Am beſten iſt es, wenn er nur ſo langſam brennet, daß die Raſen nicht ganz zerſtört werden, nur in Stucke und nicht in Pulver zerfallen. Da man bemerket, daß die Stellen un⸗ ter und nahe um dem Haufen eine uͤbermäͤßige Fruchtbarkeit annehmen, ſo nimmt man daſelbſt die Erde auf drey oder vier Zoll weg, und ver⸗ miſchet ſie mit der Aſche, um ſo die Fruchtbar⸗ keit uͤber das ganze Feld gleich zu vertheilen⸗ Sobald der Haufen kalt geworden, ſtreuet man nun alles, moglichſt gleichmaͤßig, uͤber das Feld aus, und pfluͤget es ganz flach ein⸗ Beſſer iſt es jedoch, wenn man die abge⸗ ſtochenen Raſen erſt auf die Seite bringt und das abgeplaggete Land umpfluͤget; dann die Ra⸗ ſen wieder beraufbringet, verbrennet, und nun die Aſche zugleich mit der Saat einegget. Ge⸗ hin woe mů bie wi wii hir be bie he Ra hie vird ſyſt ie uch ten enn ſin und . Gewoͤhnlich werden Ruͤben oder Rapſaat hineingeſäet. Man hat ſolches Land aber auch noch mit Gerſte beſtellet. Nan bat dieſe Operation, theoretiſch, fuͤr . böchſt nachtbeilig erklaͤrt, weil ein großer Theil iſ des Bodens dadurch in die Luft gejagt wuͤrde, derſelbe alſo dadurch jedesmahl duͤnner werden bar len na . — muͤſſe. Man hat practiſch geantwortet: daß an vielen Orten dieſe Methode unzählige Mahle wiederbolt worden, daß ſie daſelbſt uralt ſey, wie aus alten Nachrichten zu erweiſen, und daß binfolglich von der Erdkrume nichts uͤbrig geblie⸗ ben ſeyn wuͤrde. Man finde dies aber nicht, vielmehr wuͤrde die Krume durch das Brennen ſchwammiger und dicker, wie vorher. Alle, welche mit der Sache aus Eitin bekannt ſind, kommen darin uͤberein, daß da⸗ nach drey ſehr reiche Erndten von Gerſte, Weitzen Weitzen und Hafer, oder von Winterſaat, Wei⸗ tzen und Gerſte ohne Duͤngung gezogen werden köͤnnen. Aber auch darin ſtimmen ſie uͤberein, daß nach drey ſolchen Erndten das Land durch keinen Duͤnger zu weiterem Ertrage gebracht wer⸗ den koͤnne; daß ſelbſt der mit der letzten Frucht eingeſtreuete Grasſaamen erſt nach mehreren Jah⸗ ren das Land wieder mit einer Grasnarbe beziehe, die es dann allmaͤhlig wieder zu einer guten Weide mache, wonach in 12 Jahren die Ope⸗ ration des Brennens wieder vorgenommen wer⸗ den koͤnne. Wie tadelnswuͤrdig, ſagen daher die Gegner, iſt eine ſolche Merhode, die inner⸗ balb 15 Jahren nur drey, obgleich gute Ernd⸗ ten gibt, dann aber erſt nach mehreren Jahren das Land wieder zu einer magern Viehweide macht! Wie viel beſſer waͤre eine Sommerbra⸗ che fuͤr den neuen Aufbruch? Tadelnswuͤrdig iſt allerdings dieſes Verfahren, antwortet Young; aber nicht das Sodenbrennen an ſich, ſondern das unbarmherzige Ausſaugen des Landes durch drei ungeduͤngte Korn⸗Erndten nach einan⸗ der. Waͤhlet einen vernuͤnftigen Fruchtwechſel, und ihr werdet finden, daß das tand voller Kraft bleibe! In die Aſche muͤſſen Ruͤben geſaͤet, und dieſe von den Schaafen ausgefreſſen werden. Oder man ſaͤe auch Ruͤbſaamen, laſſe dieſen aber nicht reifen, ſondern abfreſſen. Damn ſaͤe man ten et diz et , de i l e , ſ ſi n man Gerſte mit Kleeſaamen. Den Klee huͤte man wieder ab, oder noch beſſer, man ſchneide ihn, gebe aber dem Lande den Duͤnger zuruͤck, welcher durch ihn erhalten wird. In die Klee⸗ ſtoppel werde Weitzen geſaet und mit dieſem Gras⸗ ſaamen, wenn man das kand wieder liegen laſſen will. So wird ein ſtaͤrkerer Graswuchs gleich im erſten Jahre ſich zeigen, wie vor dem Bren⸗ nen, und in vier oder fuͤnf Jahren wird man es wiederholen koͤnnen. Wo dieſe Metbode befolgt worden, ſagt Young, da iſt das kand von Jahr zu Jahren in Guͤte und Pacht geſtiegen. Wenn ich indeſſen alles zuſammen nehme, was ich bey den Englaͤndern uͤber dieſes Verfah⸗ ren bemerket und geſagt finde; ſo werde ich ſol⸗ ches doch keiner gut formirten Wirthſchaft, wo binreichender Duͤnger gemacht wird, empfeblen. Der in dem Raſen enthaltene Rahrungsſtoff wird durch das Brennen ſchnell zerlegt und zum Ueber⸗ gange in neue Pflanzen tuͤchtig gemacht. Viel⸗ leicht traͤgt das Feuer ſelbſt zur Befruchtung des Bodens etwas bey. Aber es ſcheinet mir doch unleugbar, daß viele ſehr nutzbare Theile, auch bey dem langſamſten Brennen, in die Luft ge⸗ ben, die im Boden erhalten wären, wenn man die Narbe durch Fäulniß langſamer zerſtoͤret haͤtte. Wollte — 216— Wollte ich altes Grasland ſchnell zu ſtarkem Er⸗ trage bringen, ohne eine Braache daran zu wen⸗ den, ſo würde ich die Plaggen mit friſchem Miſt in einen Haufen bringen und nach ihrer Rottung aufs abgeplaggete Land wieder vertheilen. Allein fuͤr neu aufzubrechendes Land, und neu angelegte Wirthſchaften, wo erſt Futter⸗ Strob und Duͤnger zu ſchaffen, verdient dieſe Methode die größte Aufmerkſamkeit. Vielleicht iſt ſie das einzige Mittel, ſolches Land ſchnell in Cultur und Ertrag zu bringen. Nur muß man freylich in den erſten 10 Jahren faſt ganz auf Futterbau ſehen, und nur wenige Kornerndten nebmen. Ausfuͤhrlicher werde ich mich hieruͤber im Anbange zu dieſem Capitel, wo ich von eini⸗ gen ähnlichen in Ridderſachſen uͤblichen Procedu⸗ ren reden werde, erklaͤren. Sieben⸗ Siebentes Capitel. Das Pfluͤgen. Ene der verwickeltſten Materien iſt gewiß die vom Pfluͤgen. Sie vollſtaͤndig abzuhandeln, erforderte ein eigenes Werk; und ſie voͤllig ins Licht zu ſtellen, noch die Beobachtungen und Verſuche eines Menſchen⸗alters. Ich werde nur einige der wichtigſten Momente oberflaͤchlich beruͤhren. Was die Werkzenge anbetrifft, ſo iſt es ſelbſt in England noch nicht ausgemacht, welche Gat⸗ — 218— Gattung der mancherley daſelbſt eingefuͤhrten und neuerlich erfundenen Pfluͤge die vorzuͤglichſte auf jeder Art von Boden ſeyon. Gewiß aber iſt es, daß die Englaͤnder es in der Conſtruction ihrer Pfluͤge weiter gebracht haben, wie wir. Es kommt alles darauf an, daß ein Pflug erſtlich ohne viele Beyhuͤlfe des Fuͤhrers ſein Werk gehoͤ⸗ rig verrichte, doch in gerader Linie und gleicher Tiefe bleibe, und die eingeſchnittene Furche vol⸗ lig und gleich umwerfe; zweytens, daß er den moͤzlich geringſten Kraft⸗aufwand zum Fortziehen erfordere. Drittens, daß er ſich boch und nie⸗ drig, zu breiten und zu ſchmalen Furchen, auf eine leichte Art ſtellen laſſe; und viertens endlich, daß er dauerhaft ſen. Der Hausvater, der vortrefflich, und unter den Deutſchen wohl am gruͤndlichſten, uͤber den Pflug geſchrieben hat, fordert außer einigen andern Qualitaͤten, die ſchon mit in dem obigen enthalten ſind, noch, daß er leicht und wohlfeil ſeyo. Was die Leichtig⸗ keit anbetrifft, ſo iſt es a priori und a poste- riori in England hinlaͤnglich ausgemacht, daß es darauf ſehr wenig ankomme. Die Größe der zum Fortziehen erforderlichen Kraft beruhet auf dem Widerſtand der umzuwerfenden Erde; und dieſer wird nur durch die gehoͤrigen Verhaͤltniſſe des Pfluges moͤglichſt gehoben. Die Schwere des Pfluges ſelbſt iſt ſogar oſt vortheilhaft, und macht, — 219— macht, indem ſie ihm mehrere Stätigkeit giebt, daß er leichter gebt. Dies lieſſe ſich leicht mathematiſch, nach Grundſaͤtzen der Mechanik, erweiſen; es iſt aber augenfaͤlliger durch Ver⸗ ſuche gezeigt, die man mittelſt einer Federwage angeſtellet.— Man kennet ſolche Federwagen bei uns im Fleinen: das Gewicht wird durch die Spannung einer in einer Kapſel liegenden Fe⸗ der beſtimmt— Dieſe Federwage wird am Pfluge oder Fuhrwerke befeſtiget, und an ihr die Pferde, mittelſt des Schwengels, gehaͤnget, wodurch man in den Stand geſetzt wird, die angewandte Kraft derſelben, nach dem Gewichte, ſehr leicht zu beſtimmen. Die Commiſſion des Ackerbaues der Londoner Societät ließ hier⸗ durch eine große Anzahl von Pfluͤgen unterſu⸗ chen, und es fand ſich, daß verſchiedene Arten von Pfluͤgen leichter gingen, wenn man ſie mit mehrerm Gewichte belaſtete.*) Die Wohlfeilheit waͤre allerdings eine Empfehlung, wenn ſie nicht auf Koſten der Zweck⸗ * Amals of agricult. Vol. I. Ueberſetzung S. 28. Zweckmaͤßigkeit und Haltbarkeit erlangt iſt. Wenn aber der theurere Pflug ſeine Arbeit beſſer und durch geringern Kraft⸗aufwand verrichtet und zu⸗ gleich dauerhafter iſt, ſo iſt die Erſparung of⸗ fenbar auf ſeiner Seite. Daher giebt man in England dem Suffolker Pfluge, der ganz von gegoſſenem Eiſen und ohne Räder iſt, auf ſchwe⸗ rem Boden vor gllen gebraͤuchlichen Arten den Vorzug.*) Der Hauptfehler unſerer gewoͤhnlichen deut⸗ ſchen Pfluͤge, wenn man ſie mit den beſſern engliſchen vergleicht, liegt im Streichbrette. Dies muß bey ſeiner graden Bauart entweder zu lang ſeyn oder in einem zu ſtumpfen Win⸗ kel abſtehen; ſonſt wirft es die Furche nicht geboͤrig um. In beyden Faͤllen hat es zu viel Friction und Widerſtand zu uͤberwinden, er⸗ ſchwert den Gang erſtaunlich und macht ihn un⸗ ſicher. *) Pearce View of the agriculture of Berkshire, p. 66. wo er ſo, wie er mit zwey Ochſen gezo⸗ gen wird, abgebildet iſt. ſicher. Auch ſcheint mir die Schuld großentheils am Streichbrette zu liegen, daß unſere Pfluͤge die Furche nie gleich, ſondern an der Landſeite immer tiefer, wie an der Streichbrettſeite, heraus⸗ pfluͤgen. Die engliſchen guten Streichbretter, die von Eiſen oder doch damit ſtark beſchlagen ſind, ſind viel kuͤrzer und ſtehen mit ihrem hintern Winkel nie weiter vom Pfluge ab, als die hin⸗ tere Spitze des Schaars. Das Schaar ſteigt in einer gewiſſen Woͤlbung in die Hoͤhe, die ſich in die Schweifung der Streichbretter ſanft verliehrt. Statt daß unſte Streichbretter die Erde berumſchieben muͤſſen, wird ſie von den engliſchen, ſo wie ſie abgeſchnitten iſt, in die Höͤhe gehoben und gleich herumgeworfen. Da⸗ durch erlangt auch der Pflug mehre Feſtigkeit und wird auf den Bodeu niedergehalten. Man darf einen ſolchen engliſchen Pflug nur neben einem deutſchen wirken ſehen, um die Leichtig⸗ keit des erſtern gleich zu fuͤhlen. Vergeblich wuͤrde ich mich anſtrengen, bier deutlicher zu werden; es forderte eine große Weitlaͤuftigkeit und eine Menge von Zeichnungen und Figuren, um von den Verhäͤltniſſen der Schweifungen, die Schaar und Streitbrett haben muͤſſen, eine klare Idee zu geben. Arbuthnot hat ſie in einer Abhandlung, die Young dem zweyten Bande ſeiner oſtlichen Reiſen angehaͤnget, ſebr — 222— ſehr genau und mathematiſch angegeben, und die Figuren auf der neunzehnten und zwanzigſten Tafel machen ſie deutlich.*) Man braucht uͤbrigens in England faſt eben ſo viele Pfluͤge ohne Raͤder(Swingploughs) als mit Raͤdern. Bey erſtern kommt es ſehr viel auf die geboͤrige Zuglinie an. Nach der Hoͤhe der Pferde oder Ochſen veraͤndert ſich dieſe, und die Stellung erfordert große Aufmerkſamkeit. Es gehoͤrt uͤberhaupt ein weit geſchickterer Pflug⸗ mann dazu. In Anſehung der Leichtigkeit und Dauerhaftigkeit haben ſie ſonſt merkliche Vor⸗ zuͤge. Sie gleichen dem Brandenburger Zoy. Man hat ſie von maſſivem Eiſen und von Holz. Von letzterer Art iſt einer in den Oeconomi⸗ ſchen Heften gsten Bandes rſtes Heft abge⸗ bildet. Von den Pfluͤgen mit Rädern iſt der Norfolker auf leichtem Boden, und der Rotheram⸗ mer *) Tour trough the Fast. T. II. Small on ploughs and Wheelcarriages, Edimb. 1794, ſchreibt hieruͤber ausfuͤhrlich. — —— — 223— mer— nicht Rotterdamer, wie der Ueberſetzer der Annalen ihn nennt. In Rotterdam wiſſen ſie wohl kaum, was ein Pflug iſt— auf ſchwe⸗ rem Boden der gebraͤuchlichſte. Die Raͤder ſind immer von Eiſen, der Grindel mehrentheils ge⸗ kruͤmmet und ruhet auf einer im Galgen beweg⸗ lichen Platte, wodurch der Pflug ſehr leicht geſtel⸗ let werden kann. Ich ſage nichts von den zuſammengeſetzteren Pfluͤgen, die man in England hat, und die zu gewiſſen Verrichtungen nuͤtzlich zu gebrauchen ſind. Man hat Doppelpfluͤge, die zwey Furchen auf einmahl zieben. Sie ſollen nicht voͤllig die dop⸗ pelte Anſpannung erfordern, und man hat da, wo doch ein Treiber erfordert wird, einen Mann dabey zu erſparen geſucht. Man hat andre Doppelpfluͤge, die uͤber die erſte flache Furche eine zweyte aus der Tiefe herausgeholte heruͤber⸗ werfen, und alſo eine Reyol⸗arbeit verrichten. Dieſes Pflugs bediene ich mich haͤufig. Er ge⸗ het auf ſechszehn Zoll mit ſechs Pferden ziemlich leicht. Auch bat man einen einfachen Reyol⸗ Pflug(trenching plough), der hinter einem gewoöhnlichen hergehet. Die Pfluͤge mit doppel⸗ tem beweglichem Streichbrette, welche man auch in vielen Gegenden Deutſchlands kennet, hat man in in England ſehr ſchon. Man erbaͤlt dadurch eine vollige ebene Flaͤche ohne Furchen. Genug von den Pflugwerkzeugen! Es iſt ſehr ſchwer, ein fremdes, etwas componirtes Ackerwerkzeug, auch bey den genaueſten Beſchrei⸗ bungen, Ausmeſſungen und Zeichnungen, nach⸗ machen zu laſſen. Selbſt Modelle ſind, wo man nicht ſehr geſchickte Arbeiter hat, unzurei⸗ chend. Es giebt faſt kein anderes Mittel, ſich ſolche zu verſchaffen, als daß man ſie im Gro⸗ ßen kommen laſſe. Sehr oft wäre es dann aber noͤthig, einen Knecht, der daran gewohnt iſt, mitkommen zu laſſen. Sonſt findet der Ge⸗ brauch unendliche Schwierigkeiten, und das In⸗ ſtrument iſt bald verdorben. Von den Pfluͤgen, welche zur Drillwirthſchaft und zum Bau beſon⸗ derer Gewaͤchſe gehoren, werde ich an ihrem Orte reden. Ueber die Zeit, die Art, die Tiefe und die Wiederholung des Pfluͤgens, hat man ſeit je ———— d je ber eine Menge von Fragen und Zweifeln auf⸗ geworfen, die zum Theil noch nicht erlediget ſind. Ich werde meine Meinung uͤber einige der wichtigſten ſagen. Soll man das Land vor oder nach dem Winter umbrechen? Man hat faſt allgemein, der Theorie nach, das erſte behauptet, und, der Erfahrung zufolge, das letzte gethan. Die Theoretiker berufen ſich auf die Frucht⸗ barkeit, welche die Wimerluft dem Lande gebe, wenn es ihr in möglichſt groͤßter Oberflaͤche aus⸗ geſetzet wird. Den ſteifen Boden mache der Froſt ͤberdas muͤrbe; der lockere ziehe um deſto mehr die Feuchtigkeiten an ſich, je rauher er liege. Dies iſt gewiß richtig und in der Na⸗ tur der Dinge begruͤndet. Aber der gewohnliche Landwirth beruft ſich auf ſeine Erfahrung zu Gunſten des Fruͤhjabrspflugens; und bey ver⸗ gleichenden Verſuchen hat man gefunden, daß er nicht ganz Unrecht habe). Dies ruͤhret wahr⸗ * Voung's axperiment. agricult. Vol. 2. p. 310. 1. P wahrſcheinlich daher: weil das Unkraut im Herb⸗ ſte nicht zum Keimen kommt, ſo bleibt es un⸗ geſtört in der Erde liegen. Vorausgeſetzt, daß man alſo dem Londe nur uͤberhaupt zwey Pflug⸗ arten giebt, wird es beſſer durch zwey im Fruͤhjahre zerſtort, als wenn eine, davon im Herbſt gegeben wird. Der Nachtheil des Un⸗ krauts wiegt aber den Vortheil der mehrern Frucht⸗ barkeit auf. Dies wird um deſto wahrſcheinli⸗ cher, da man durch vergleichende Verſuche ge⸗ funden hat, daß das Herbſipflugen ſolchen Fruͤch⸗ ten, denen das Unkraut nicht nachtheilig werden kann, weil ſie behacket werden, allemahl vor⸗ theilhafter ſey. 4 Wer ſeinem Lande, außer der Umbrechung vor Winter, noch zwey Pflug⸗arten im Frühjabre geben kann und will, der wird ſich fuͤr jenes hinreichend belohnt finden. Ich muß indeſſen aus meiner eigenen Erfahrung ſagen, daß dies bey feuchterem Boden, der eine anhaltende Unterlage hat, nicht immer moglich ſey. Das im Herbſte gepfluͤgte Land bleibt oft im Fruͤhjahre ſo feucht, daß vor der Mitte des Aprils kein Pflug darauf kommen kann wenn das ungepflugte ſchon ganz trocken iſt. Da iſt denn an kein zweymaliges Pfluͤgen weiter zu denken. In dieſem Falle hat das — 227— das Herbſtpfluͤgen, eine Furche um die andre, was man bey uns Strekken— in England rice balking— nennt, große Vorzuͤge; denn da laͤuft das Waſſer geſchwind ab. Wo das land entweder von der vorigjaͤhri⸗ gen Beſtellung ſehr rein iſt, oder wo man eine Frucht bauen will, bey der man dem Unkraute kein Aufkommen verſtattet: da pfluͤge man alle⸗ mahl vor Winter, wenn man auch uͤberhaupt nur zwey Furchen geben will. Eine Brache, oder ſpaͤt zu beſtellendes Land, zu Kohl, Ruͤben, Rapſaat, ſollte allemahl im Herbſte umgebrochen werden. Ferner iſt es nothwendig, vor Winter zu pfluͤgen, wenn man mit dem Pfluge tiefer geben will, wie vorher, und rohe Erde herauf⸗ bringt, der die Einwirkung der Luft zu ihrer Fruchtbarkeit hoͤchſt nöthig iſt. Wenn aber, bey einer ſchlechten Wirth⸗ ſchaftsart, Korn auf Korn folget, und man im Fruͤhjahre, außer der Herbſtfurche, nicht noch zwey Furchen geben kann, ſo unterlaſſe man jene. P2 Bey Bey ſehr loſem ſandigen Boden, der dem Winde ausgeſetzt iſt, pfluͤge man im Herbſte auch nicht ſpät. Wenn trockener Froſt mit ſtren⸗ gem Winde kommt, ſo wird der Boden zu ſtark verwehen, wenn er ſich vorher nicht geſetzet hat. Da wird denn der im Herbſte nicht umgebrochene Acker den Vorzug haben. Die Frage: wie oft ſoll man pfluͤ⸗ gen? beantwortet ſich leicht.— Je oͤfter man kann, deſto beſſer iſt es! Wenn man aber fraͤgt: wird mir der um etwas großere Ertrag auch je⸗ desmahl die mehreren Koſten bezahlen? ſo wird die Antwort ſchwer zu geben. Es kommt hier⸗ bey ſo viel auf Witterung, Jabrszeit und andre zufällige Umſtaͤnde an, daß ſich im Allgemeinen keine Regel feſtſetzen laͤßt: wie oft man in einer beſtiminten Zeit und zu gewiſſen Fruͤchten pflügen ſolle? Nur mache man es ſich zum Grundſate, ſo oft zu pfluͤgen, als das kand ſich mit Unkraut uͤberziehet, wenn es der Witterung wegen angehl, und man es mit ſeinem Geſpann zwingen kam. Ge⸗ in iſ m Gewiß bezahlt es ſich dann reichlich, wo nicht in dieſem, doch in den zukuͤnftigen Jahren. Es iſt daher allemahl haushaͤlteriſch, etwas Geſpann mehr, als durchaus nothwendig iſt, zu halten, wenn man auf nuͤtzliche Reben⸗arbeiten, wozu ſich allenthalben Gelegenheit ſindet, denket. Man hat geſagt, vieles Pfluͤgen werde dem leichten Boden nachtheilig. Ich kann dies aus meiner eigenen zehnjaͤhrigen Erfahrung widerlegen. Meine Sandfelder, die ſeitdem imwer beſtellet, und zu Ruͤben u. dgl. oft gepfluͤgt worden, ſte⸗ hen in der groͤßten Fruchtbarkeit, die man ſich bey Sandlande nur denken kann. Ich laſſe aber jedesmahl dem Pfluge die Walze folgen. Die verwickeltſte aller Fragen iſt die: we⸗ gen des Tief⸗ und Flachpfluͤgens. Man weiß, was hieruͤber unter den deutſchen Oecono— men fuͤr Streitigkeiten gefuͤhret, und wie wenig ausgemacht worden. Unter den Englaͤndern iſt die Sache eben ſo wenig entſchieden, aber, wie es es mir ſcheint, gruͤndlicher behandelt, und durch vergleichende Verſuche in ein helleres Licht geſtellet. Ich will ſuchen, das merkwuͤrdigſte, was ſich theoretiſch und practiſch daruͤber ſagen laͤßt, kurz und im Zuſammenhange darzuſtellen. Man erlanbe mir, es in einem Dialog, zwiſchen Mir und Ihm, zu thun. Ich. Je tiefer die Krume iſt, deſto mehr Nahrungstheile fuͤr Pflanzenwachsthum koͤnnen darin enthalten ſeyn. Durch tiefes Pfluͤgen bringt man eine tiefe Krume hervor; denn alle robe Erde, wenn ſie nicht ganz widerſpenſtig iſt, wird an der Luft und durch himlaͤngliches Bearbeiten zu guter, fruchtbarer Erde. Er. Richtig! Aber die Fähigkeit des Bodens, Nahrungstheile aufzunehmen, iſt nicht genug: ſie muͤſſen wirklich darin ſeyn. Nun konnen ſie nicht anders hineinkommen, als durch Duͤngung und durch die Luft. Iſt aber mein Duͤnger nur hinreichend, den Boden vier Zoll tief gehorig zu befruchten, ſo werde ich ſehr thoͤrigt handeln, ihn auf eine Tiefe von zwolf Zoll zu vertheilen, weil ich nicht weiß, ob er mir da zu nutze kommt, und ob meine Pflan⸗ zen zen, aus Mangel an Nabrung, nicht abſterben, ehe ſie mit ihren Wurzeln ſo tief eindringen. Eine dreymahl ſtaͤrkere Duͤngung wuͤrde, hoͤch⸗ ſtens nur nach einer langen Reihe von Jahren, binreichen, der zwölßzolligen Krume die Guͤte zu geben, die eine vierzöllige vorher hatte. Denn dieſe hatte von jeder Duͤngung, die ſie ſeit Jahr⸗ bunderten genoſſen, doch einige Theile zuruͤck⸗ behalten. Ich. Kenneſt du den Inſtinet der Pflan⸗ zenwurzeln nicht, eine fruchtbare Erde, ſelbſt in der Ferne, zu wittern und ihr nachzugehen? Man hat ja bemerket, daß Hecken, Straͤuche, die an einem Graben ſtanden, auf deſſen ande⸗ rer Seite fruchtbarerer Boden war, ibre Wur⸗ zeln, unter dem Graben weg, wieder in die Hohe getrieben und ſie da in dem Boden aus⸗ gebreitet haben. Eine Buche auf meinem Gar⸗ ten trieb ihre Wurzeln aus der Erde heraus in einen Erdduͤngerhauſen hinein, der in ihrer Atmoſphaͤre lag. So werden auch die jungen Pfahlwurzeln, die aus dem Saamen ſchlagen, ſchon in die Tiefe geben und ihre Nahrung da nachſuchen, wo ſie ſolche finden. Er. — 232— Er. Ich gebe das zu, faſt bey allen Claſſen vollkommnerer Pflanzen, nur nicht bey den Graͤſern, wozu bekanntlich die Korwarten gehoͤren. Rachdem ſie eine kurze Stabwurzel geſchlagen, treiben ſie lauter horizontale aus ih⸗ ren Knoten; jene vergeht, und dieſe breiten ſich nahe an der Oberfläche aus. Selbſt in einem Blumentopfe bilden ſie ein Geſpinnſt auf der Oberfläͤche, und geben ſelten einige Zoll in die Tiefe.. Ich. Dieſe beſondere Ratnr der gras⸗ artigen Pflanzen kann ich dir freylich nicht ab⸗ läugnes. Ich erklare es mir daher, wie Youngs vergleichende Verſuche, die er uͤber das Tief⸗ und Flachpflügen anſtellete*), bey den Kormarten allgemein nachcheilig für erſteres aus⸗ fielen; wogegen beym Kohl, Ruͤben, Carotten und Klee das zehn⸗ bis zwoͤlſzollige Pfluͤgen ſich ſo nuͤtzlich erwies. Da aber eine gute Wirth⸗ ſchaft ——————— EFxperimental agriculture. Vol. 2. p. 320. Arbuthnot beſtätigt daſſelbe. Tour through the Fast. T. I. p. 484. — — c—— — ſchaft nur bey einer Abwechſelung des Korn⸗ baues mit ſolchen Fruͤchten Statt finden kann, ſo wirſt Du mir wenigſtens den Rutzen des Tiefpfluͤgens bey dieſer nicht ſtreitig machen. Er. Nein, bey dieſer, leider aber noch zu ſeltenen und unter meinen Verhaͤltniſſen noch unmoͤglichen Wirthſchaft, will ich es nicht: vorausgeſetzt, daß Du wegen des dreyfachen Duͤngers Rath ſchaffeſt; ſonſt leidet wenigſtens das Korn. Ich. Den Duͤnger gibt dieſe Wirthſchaft, wenn ſie gehörig betrieben wird. Du erwaͤhn⸗ teſt vorher aber des Luftduͤngers. Hier wirſt Du mir doch zugeben, daß ſich mehr von dem befruchtenden Princip in eine tiefe, der Luft geoffnete Krume abſetzen konne, als in eine flache. In 99 Fudern praͤparirter Salpeter⸗erde wird doch mehr Salpeter generiret, als in 33 Fudern, ſagt ſchon Schönfeld*. Er. *) Landwirthſchaft. S. 746. Er. Ohne mich darauf einzulaſſen, ob das befruchtende Princip der tuft gerade daſſelbe ſey, was mit dem Azote und den Alkalien der Erde den Salpeter erzeugt, ſo läßt ſich doch pieraus die Abſetzung der Lufttheile erlaͤutern. Nun gebe ich aber Dir, oder Schoͤnfeld, nichts weiter zu, als daß die 99 Fuder grade ſo viel mehr Salpeter erzeugen, als ſie der Atmoſphaäͤre mehr Oberflaͤche darbieten, wie die 33 Fuder. Dies iſt aber nicht der Fall mit Deinem tiefer gepfluͤgten Boden; er bietet nur gerade ſo viel Oberflaͤche dar, als der ſeichte. Die Luft ſetzt nur in Verhaͤltniß der Flaͤche ab, womit ſie beruͤhret. Ich. Sollte die Luft nicht mehr abſetzen, wenn ich ihr oft eine'neue, noch nicht impra⸗ gnirte, noch nicht ſaturirte Oberflaͤche anbiete, wie ich dies bey meiner tiefen Krume thun kann? Aber wir kommen zu tief in die Theorie. Eins wirſt Du mir doch zugeben? daß in meinem tief⸗ gelockerten Boden ſich mehr Feuchtigkeit anhaͤufen und halten konne, als in dem flachen? und dieſe iſt doch wohl die Hauptnahrung der Pflanzen? Er. Er. Nicht ſo allgemein gebe ich Dir dies zu. Du erinnerſt Dich, was der ſcharfſinnige Beobachter Marſhal von der feſten Borke, die ſich in der gewoͤhnlichen Pflugtiefe unter dem Rorfolker Boden geſetzt hat, ſagt*), die man dort mit dem beſondern Ausdrucke the pan benennet. Unter derſelben liegt ein unergruͤndli— ches Sandmeer. Wenn dieſer Pan aus Unocht⸗ ſamkeit durchgebrochen ward, ſo war das Land auf lange Zeit verdorben; denn alle Feuchtigkeit ſenkte ſich gleich in den durſtigen Sand. Die Norfolker halten daher ihren Pan heilig, und brauchen alle moͤgliche Vorkehrungen, ihn bey naſſem Wetter nicht zu durchbrechen. Sie neh⸗ men ſich dann ſehr in Acht, mit ihrem Pfluge nur auf die gewoͤhnliche Tiefe zu kommen. Vielleicht wuͤrde ſich eine ſolche Vorke öfter unter ſandi— gem Boden antreffen laſſen, wenn wir mehrere ſo aufmerkſame Wirthe, wie die Norfolker, und meh⸗ rere ſolche Beobachter, wie Marſhal, häͤtten. Ich. Dieſe Bemerkung iſt ſelt richtig, und erfordert große Aufmerkſamkeit. Ich glaube aber, *) Rural Oeconomy of Norfolk. T. I. p. 11. 36— aber, daß dieſer Norfolker Pan nur durch die Kunſt erzeuget iſt, und von dem vielen Thon⸗ mergel herruͤhret, den ſie dort auffahren. Dieſer ſenket ſich bis auf eine gewiſſe Tiefe, und bil⸗ det da dieſe Borke. Es hat aber, duͤnkt mich, keinen Zweifel, daß der Boden da, wo ſie auf einen Fuß tief läge, beſſer ſeyn wuͤrde, als wo ſie auf vier Zoll liegt. Dies ſcheint mir wirklich der Fall zu ſeyn; denn wenn Young, auf ſeinen Reiſen durch dieſe Gegenden, vom vor⸗ zuglichen Acker, der hohe Pacht thut, ſpricht: ſo nennt er ihn immer einen tiefen Boden. Hann man nun dem Sandlande durch die Kunſt allmaͤhlig eine ſolche, die Feuchtigkeit anhaltende Unterlage geben: ſo thut man doch beſſer, ſie tiefer, als zu flach zu legen. Und ſo bliebe es doch im Allgemeinen richtig, daß man dem Sand⸗ lande eine tiefe mit Duͤnger, und, wo moglich, mit andern Erdtheilen durchdrungene Krume ge⸗ ben muͤſſe, um ihn zu hoͤherer Fruchtbarkeit zu bringen. Er. Ich gebe Dir zu, daß tiefes Pfluͤ⸗ gen fuͤr den rathſam ſey, der Duͤnger genng hat, eine tieſe Krume damit zu verbeſſern, und der Futtergewächſe abwechſelnd mit Korn bauen will. Nur gehe er nicht plotzlich, ſondern allmaͤhlig tiefer, —. tiefer, bringe die Unterlage allemahl im Herbſte berauf, und baue nie zum erſien Mahle Korn darauf. Wer aber keinen Ueberfluß an Duͤnger bey der gewoͤhnlichen Wirtbſchaft hat, blos Korn bauen oder mit Graſe abwechſeln will, der gehe wenigſtens ſehr vorſichtig damit um. Die Anlegung der Ackerbeete iſt eine Sache von großer Wichtigkeit. Bey trockenem lockeren Boden iſt es allge⸗ mein anerkannt, daß man ſie ſo flach und ſo breit, wie moͤglich, machen muͤſſe. Wo aber dieſer Boden Anhoͤhen und kleine Berge hat, iſt allgemein der Fehler begangen, die Richtung der Felder an die Anhoͤhe hinauf gehen zu laſſen. Da laͤuft denn die dem Boden ſo noͤthige Feuch⸗ tigkeit gleich in den Furchen herab, ſpühlt einen großen Theil des Duͤngers und der fruchtbaren Erde Erde mit herunter. Die Arbeit iſt dem Zugviehe ſehr beſchwerlich; es greift ſich an, den Huͤgel hinaufzukommen, und arbeitet ſich auſſer Odem. Man hat dieſen Fehler in Yorkſhire zuerſt eingeſehen, und an einigen Orten gleich nach der Verkoppelung die Beete umgelegt, ſo daß ſie jetzt auf loſerem Boden parallel mit der Spitze des Huͤgels laufen. Dies hat im Aufange aller⸗ dings einige Muͤhe gekoſtet, und erfordert ſehr gute Werkzeuge und einen geſchickten Pflugmann, um die Furchen nach der Seite der Anhobe herum⸗ zuwerfen. Man hat Pfluͤge mit umklappendem Streichbrette dazu gebraucht, den Beeten zuerſt die gehoͤrige Form zu geben. Nun liegen ſie zum Theil wie niedrige Terraſſen am Huͤgel ber⸗ um. Man macht einige Querfurchen, um den zu ſtarken Regenguͤſſen Abfluß zu geben. Die Pacht ſolcher Aecker iſt, blos hierdurch, aufs Dop⸗ pelte geſtiegen. ²) Bey naſſem, die Feuchtigkeit anhaltenden Boden iſt man faſt allgemein auf die hohen ge⸗ woͤlb⸗ *) Marshal Vorkshire. T. I. p. 32. woͤlbten Ackerbeete verfallen. Man konnte ſich auch in der gemeinen Feldflur, wo die Aecker un⸗ ter einauder lagen, nicht anders belfen. An Abzugsgraben, in gehoͤriger Richtung angelegt, war hier nicht zu denken, da jeder ſich ſtraͤubte, von ſeinem Lande ſo viel herzugeben, wie des Falles wegen erforderlich war, und ſeinen Acker in zwey Tbeile ſchneiden zu laſſen. Eben ſo wenig konnte man ſich wegen des Aufraͤumens der Gra⸗ ben vereinigen. Es iſt traurig anzuſehen, wie in ſolchen Feldfluren der Acker nur zum dritten Theile auf der Hoͤhe des Ruͤckens gehoͤrige Fruchte traͤgt, die abhangenden Seiten aber nur einzelne Halme aus einem Wuſte von Unkraut in die Hoͤhe kommen laſſen. Der beſte Duͤnger fließt in den Furchen ungenutzt herunter. Die Beſitzer ſolcher Aecker kann man nur bedauren. Aber was ſoll man ſagen, wenn man ganze Koppeln oder Flagen antrifft, die einem Eigenthuͤmer oder Paͤchter ge⸗ boͤren, die mit wenigen Graben und Waſſerfur— chen trocken gelegt werden konnten, und ſie noch auf dieſe barbariſche Art beackert findet? Ueber die Waſſerableitungen werde ich in einem beſonderen Kapitel ſprechen. Jetzt nur ſo viel: es giebt keinen ſo naſſen Boden, wo man ſich nicht ohne ſolche muldenfoͤrmige Beete helfen koͤnn⸗ — 20— könnte. Freylich, wenn die Beete ſeit vielen Jab⸗ ren in dieſer Form gelegen haben, und man ſie nun herabpfluͤget, ſo erhaͤlt man in der Mitte halb todte Erde, deren Ertrag in den erſten Jah⸗ ren zurückſchläͤgt, wenn man ſich nicht bemuͤbet, durch Dung und Winterpflugen ihr Leben zu geben. Ein Grund, der auf allen Seiten mit An⸗ boͤben umgeben iſt, wird beſſer zu Grasland be⸗ nutzt. Wo der Boden die Feuchtigkeit gar zu ſtark anhaͤlt, da mache man ſchmahle Beete von zwey bis drey Ellen breit, aber ganz flach, wie in Kent und Eſſer häufig geſchiehet. Die Fur⸗ chen werden ſorgfaͤltig ausgepfluͤgt. Wenn das Korn in die Höhe gehet, ſo ſiehet man die Fur⸗ chen nicht weiter; ſo ſtark lehnen ſich die Halme an einander. Der große Werth des Qnerpfluͤgens iſt auch von den Englaͤndern faſt allgemein anerkannt. So oft mehrere Mahle gepfluͤget wird, unterläßt man faſt nie, die zweyte Furche ins Kreuz zu ge⸗ ben⸗ 241— ben. Man braucht hieruͤber weiter nichts zu ſa⸗ gen: denn jeder, der es gethan, jeder, der es ge⸗ ſehen hat, muß den Vortheil dieſer Methode und ihre Wirkſamkeit, den Boden ſanft und muͤrbe zu machen, und die Quecken zu zerſtöͤren, un⸗ widerſprechlich anerkennen. Auch kenne ich keinen, der ſie ableugnet, aber noch viele, die aus In⸗ dolenz und Neigung zum Schlendrian es unterlaß⸗ ſen, ſelbſt wenn ſie anſehnliche Breiten haben. Das hierzu vorzuͤglich geſchickte altdeutſche Werkzeug, den Haken, kennen die Englaͤnder nicht. Er iſt zu dieſer Arbeit unuͤbertrefflich in jedem Betrachte. Zwey Furchen in die Laͤnge, und eine da⸗ zwiſchen in die Quer, bereiten das Land gewiß beſſer als das Grabſcheit. Und ich bin daher nicht der Meinung, daß man die Cultur nicht eher ganz vollkommen nennen koͤnne, als bis die⸗ ſes alle Pfluͤge verdraͤnget habe. Ein ſehr ſchaͤß⸗ barer, von wahrhaft patriotiſchem Geiſte beſeelter Schriftſteller, Herr1. H. H. v. Engel, empfiehlt in ſeinen Briefen uͤber die Maaßregeln, welche der Landwirth bey der immer mehr ſteigenden Menſchenmenge zu neh⸗ .. Q men — 242— men hat, Freyberg 1797,— neuerlichſt wie⸗ der das Bearbeiten des Ackers durchs Grabſcheit. Die Vorzuge des gegrabenen Ackers vor dem ge⸗ pfluͤgten, beruhen aber gewiß auch nicht auf das Graben ſelbſt, ſondern auf die ſtaͤrkere Beduͤn⸗ gung, die beſſere Fruchtfolge und die nachmah⸗ lige Sorgfalt auf die heranwachſenden Fruͤchte— auf das, was die Englaͤnder vegetating proceſs nennen, und wovon man in Deutſchland noch we⸗ nig im Großen weiß.— Hierdurch koͤnnten im Sommer noch einmahl ſo viel Menſchen, wie jetzt an den meiſten Orten zu haben ſind, und zwar zum unmittelbaren Vortheile des Landwirths, beſchaͤftiget werden, ohne die Pfluͤge abzuſchaffen, wozu doch das Spannwerk, der Duͤnger- und Erndte⸗Fuhren wegen, gehalten werden muß. Achtes Capitel. Das Eggen und Walzen. De Nutzen des Eggens zur Zertheilung des feſten Bodens, zur Bedeckung der Saat, zur Ebnung des Ackers und zur Zerſtörung des Un⸗ krauts, iſt bekannt. Es finden daruͤber beynahe keine Widerſpruͤche Statt. Der einzige Punkt, wor⸗ ͤber bey den Englaͤndern verſchiedene Meinungen berrſchen, iſt der, ob man nach dem Braachpfluͤ⸗ gen unmittelbar eggen, oder bis kurz vor der naͤchſten Furche damit warten ſolle? Je Je laͤnger das Land in rauher Oberflaͤche liegt, deſto mehr iſt es den wohlthaͤtigen Ein⸗ fluͤſſen der Atmoſpbaͤre ausgeſetzt, von deren Rutzen jeder aufmerkſame Landwirth, nach allgemeiner Erfahrung) eben ſo ſicher uͤberzeugt iſt, wie jeder Naturkundige nach vollguͤltigen Gruͤnden. Daher laſſen manche die Egge erſt unmittelbar vor dem naͤchſten Pfluge bergehen. Andere hingegen glauben von der Zerſtö⸗ tung des Unkrauts, welches durch fruͤhes Eggen bewirket werde, ungleich mehr Rutzen erwarten zu duͤrfen. Es iſt gewiß, daß, ſo lange der Boden von der Egge unzermalmet liegt, wenig Unkrautsſaamen keimen; daß ſie hingegen auf fein geeggetem, unreinem Lande wie eine dichte Saat hervorkommen, und dann durch den folgenden Pflug zerſtoret werden. Aber auch das Unkraut mit rankender Wurzel, beſonders die Quecken, glaubt man durch fruͤhes Eggen, ehe ſie wieder feſt gewachſen ſind, herausbringen zu koͤnnen. Letzteres bezweifle ich! Freylich kommt ein Theil der Quecken heraus. Dagegen wird aber der uͤbrige in lauter kleine Pflaͤnzlinge zerſchnit⸗ ten, ſo ordentlich und innig mit der feinen Krume ver⸗ vereiniget, und ſo in ſeinem Wachsthume beguͤn⸗ ſtiget, daß man es nicht kuͤnſtlicher anfangen koͤnnte, wenn man ein Queckenbeet anlegen wollte. Als ich von der Gaͤrtnerey zum Feldbau uͤberging, war die Quecke mein Hauptfeind. Ich wollte ſie auf eben die Weiſe aus dem Acker vertilgen, wie man ſie zur Noth aus einem Gar⸗ tenbeete herausbringt. Ich fand, daß das Eggen ins Kreuz und in der Schlangenlinie, unmittel⸗ bar nach dem Pfluge, am meiſten Quecke heraus⸗ braͤchte, unterließ dieſes daher nie. Dann ließ ich die Quecke zuſammenharken und abfahren, oder verbrennen. Nach einiger Zeit ließ ich den Acker noch wohl mit Forken uͤbergehen, und die Quecke, welche ſich feſtgeſetzet, herausheben. Allein wenn ich, nach ſechs Wochen ungefaͤhr, meinen Acker wieder umpfluͤgte, ſo fand ich ihn voll von ellen⸗ langen jungen Quecken⸗Ausſchuͤſſen. Auch wandte ich vergeblich verſchiedene Arten von Queckenpfluͤ⸗ gen an. Meine erfahrenen Ackerknechte verſicher⸗ ten mir, daß alle die Arbeiten und Koſten verge⸗ bens ſeyn; es dauerte aber lange, ehe mich eigene Erfahrung, nachdem ich viel Lehrgeld bezahlet, belehrte, daß dies die unrechte und zweckwidrigſie Methode ſeyo. Dagegen fand ich, daß nichts den Quecken mehr zuwider ſey, als wenn man das Land — 246— Land in moͤglichſt unebener Oberflaͤche erbalte, und daß der Pflug, ohne alles Eggen, Abfahren, oder Verbrennen, ſie vollig zu zerſtoͤren im Stande ſeyo. Unterbrechung des Zuſammenhanges im Acker, oder weit abſtehende Furchen, ſcheinen ſie durchaus nicht vertragen zu koͤnnen. Da man dieſes aber nur auf der oberſten Fläche in ſeiner Gewalt hat, ſo muß man ſie anfangs nicht in die Tiefe bringen⸗ Einen Acker mittelſt einer Sommerbraache queckenrein zu machen, iſt keine Kunſt. Ich will hier aber eine Methode angeben, wie man, ſelbſt im Herbſt und Fruͤbjahr, ein Feld davon reinigen könne, ohne alles Abfahren und Verbrennen oder Queckenpfluge noͤtbig zu haben. Man wird dieſes zwar hier nicht ſuchen; aber je⸗ der Freund des reinlichen Feldbaues wird mir es danken, es hier gefunden zu haben. Gleich nach der Erndte wird die Stoppel geſtrecket, d. h. eine Furche um die andre ſehr flach gepfluͤget, und auf die ſtebenbleibende gele⸗ get. Spaͤt im Herbſt wird dieſe Furche durch die Egge zertheilet, und das Feld eben gemacht. Dann wird ſofort die andre Furche, welche das erſte⸗ erſtemahl ſtehen blieb, berumgepfluͤget, und ſo bleibt es rauh bis zum Fruͤhjahre liegen. Das Land wird bey dieſer Methode viel fruͤher trocken ſeyn, als wenn man vor Winter ordentlich ge⸗ pfluͤget hat. Im Maͤrz wird es geebnet und nun ganz durchgepfluͤget. So bleibt es wieder rauh liegen, bis zur Saatfurche, vor welcher ich leich⸗ teres Land gar nicht eggen laſſe. Will man es mit Sommerkorn beſtellen, ſo thue man dies nur etwas ſpaͤt, im May; und man wird ſein Land faſt vollig queckenrein finden. Eigentlich gehoͤrt aber ein Braache⸗ oder Huͤlſenfrucht hinein, und mit dieſer werden dann alle Quecken vollig vertil⸗ get und zum groͤßten Vortheil des Ackers ver⸗ modert ſeyn. Dieſe Methode des Streckens iſt in vielen Gegenden bey dem gemeinen Landmanne empiriſch ſehr beliebt. Man ſiehet ſie aber hoͤchſtens als einen Behelf zur Erſparung der Arbeit an; und manche fleiſſigere Landwirthe haben dieſes halbe Pflugen ganz verworfen. Ich bin aber jetzt uͤber⸗ zeugt, daß ſie von großem weſentlichen Nutzen zur Vertilgung der Quecken ſey, die durch ein tiefes Pfluͤgen vor Winter unvertilgbar werden. Auſſerdem aber hat es auf feuchterem Boden den Vorzug, daß das Land im Fruͤhjahre bald trocken wird; wird; und auf leichtem Sandboden den, daß das Erdreich von trockenen Winden nicht verwehet. Auch wird dadurch der Atmoſphaͤre eine ſehr Wi Oberflaͤche dargeboten, Wo es hingegen auf Vertilgung des Saa⸗ men⸗Unkrauts ankommt, da iſt freylich fleißiges Eggen von großer Wichtigkeit. Denn in der rauben Furche und unzertheiltem Boden kommen dieſe wenig hervor. Ohne voͤllige Sommerbraache oder behackte Fruͤchte erreicht man aber dieſen Zweck nicht leicht. Will man bey einer Braache beydes erreichen, ſo verfahre man im Herbſte eben ſo, wie oben beſchrieben worden. Auch laſſe man die erſte tiefe Furche im Sommer lange rauh liegen. ie uͤbrigen aber egge man bald nach dem Pfluge moglichſt klar, und walze ſie auch. Dann wird man Saaten von Unkraut, als wohlthaͤtigen Duͤnger fuͤr das Land, unter⸗ pfluͤgen, und wenn man den Boden in verſchie⸗ dener Tiefe der Luft ausgeſetzet, ihn voͤllig davon befreyen koͤnnen⸗ li vit f ſoll we Die engliſchen Eggen ſind im Durchſchnitt kleiner wie die unſrigen. Sie haben vor⸗ waͤrts gekruͤmmte Zinken, die beym Fortgehen tief eingreifen und den Boden kraͤftig zerreiſſen. Wenn nur leicht, nach der Saat, geegget werden ſoll, ſo werden ſie umgekehrt, da ſie denn nur wenig eingreifen, Man hat eine Art ganz kleiner Eggen, die nicht voͤllig drey Fuß im Quadrat halten. Dieſe werden aber nicht in der Breite, ſondern in ei⸗ nem Winkel angehaͤngt, und die Zinken ſind alle nach dieſem Winkel zu gekruͤmmet. Man nennt ſie Schlangen⸗eggen; denn wenn ſie fort⸗ gehen, ſchlaͤngeln ſie ſich von einer Seite zur andern, und ſpringen auf und nieder. Sie ſind von ungemeiner Wirkſamkeit, und das fe⸗ ſteſte Land widerſtehet ihnen nicht. Nur muß man lange Straͤnge haben, indem ſie ſonſt den Pferden leicht in die Hacken fahren koͤnnen. Auch werden mehrere dieſer Eggen an einen Balken gehaͤngt, woran Schwengel fuͤr die Pferde be⸗ findlich ſind. Sehr Sehr haͤufig eggen die Englaͤnder im Trabe. Wenn ſie naͤmlich das Feld einmahl im Schritte heraufgezogen haben, ſo geht es im Trabe wieder binunter. Die Walze baͤlt man in England faſt durchgehends fuͤr eben ſo unentbehrlich, wie die Egge. Wer ihren Gebrauch unterließe, wuͤrde fuͤr thoͤrigt gehalten werden. Ihr Nutzen iſt mannigfaltig. Leichtes Land preßt ſie zuſammen, und bringt ſeine Theile in naͤbere Beruͤhrung; ſie verhuͤtet das Verwehen bey trocknen Winden, und erhaͤlt die Feuchtigkeit darin. Auf binden⸗ dem Boden zermalmt ſie die Kloͤße, welche der Egge widerſtanden, und ebnet die Oberflaͤche. Man walzet theils vor der Saat, damit dieſe eben und gleich vertheilt allenthalben falle, worauf ſie untergepfluͤgt wird; theils nach der Saat, damit keine Rauhigkeit bleibe, und beſonders, da⸗ mit ſich die Erde feſter an die Saatkoͤrner anlege, und dieſe ſicherer und ſchneller zum Keimen kommen. Eine gewalzte Saat laͤuft faſt immer um drey Tage vic nur Nn ſol W auf wo ſc y klu wi ger e. te der Tag fruͤher auf, als eine ungewalzte. Ein wichtiger Vorſprung um dieſe Zeit! Auch walzt man eine ſchon gelaufene Saat auf lockerem Bo⸗ den bey trockener Witterung mit dem beſten Er⸗ folge, um dadurch das Erdreich feſter an die Wurzeln zu druͤcken. Das Walzen des Rockens auf leichtem Boden, im Fruͤbjahre, iſt ihm ſehr wohlthaͤtig, um die vom Froſt losgemachten Pflanzen wieder mit dem Erdreiche zu verbinden. Der Gebrauch der Stachelwalze iſt auf ſchwerem, widerſpenſtigem Klayboden, nach jeder Pflugart, von größter Wirkung. Die Erd⸗ klumpen, die dem Pfluge und der ſchwerſten Egge widerſtehen, und ſonſt nur durch Keulen zerſchla⸗ gen werden koͤnnen, zermalmet ſie auf eine leichte Art. Man hat ſie aber auch auf gelaufener Ha⸗ ferſaat, die voll Unkraut war, nuͤtzlich angewandt, indem ſie dieſe zarten Pflanzen zerſtoͤrt, ohne dem nicht leicht zerſtoͤrbaren Hafer Schaden zu thun. Neuu⸗ Neuntes Capitel. Trockenlegung des Ackers durch Waſſerableitungen unter der Erde(Underdrains).. Di wichtige landwirthſchaftliche Operation iſt zwar in einigen Gegenden Deutſchlandes nicht ganz unbekannt. Man hat ſie wohl zur Trok⸗ kenlegung feuchter, ſogenannter kaltgruͤndiger Wieſen angewandt. Auch hierzu braucht man ſie in England, vorzuͤglich aber zur Verbeſſe⸗ rung des feuchten, thonigten, leimigen Ackerlan⸗ des. iſ ht u des*). Dieſes haͤlt im Fruͤbjahre die Winter⸗ feuchtigkeit ſo lange zuruͤck, daß man mit kei⸗ nem Pfluge darauf kommen kann; und wenn dann die trockenen Maͤrzwinde kommen, ſo wird es zu einer feſten Leimdiele, die der Pflug mit großer Muͤhe nur in grobe Schollen zermalmen kann. Das Winterkorn wittert darauf aus, und macht ſchädlichen Unkräutern Platz. Graben und Waſſerfurchen helfen etwas, aber nicht ge⸗ nug, und nicht zu jeder Zeit; ſie erfordern eine beſtändige Aufmerkſamkeit, und koͤnnen nicht im⸗ mer offen gehalten werden. Dieſe Anſtalt aber verbeſſert das Land auf ſehr lange Zeit, macht, daß im Winter und Herbſt keine uͤberfluſſige Feuchtigkeit ſich darin anhaͤuft, daß es mit dem erſten Fruͤhjehre ſchon trocken, warm, dem Pfluge zugänglich und nachgiebig ſey. Das Winterkorn, was vorher ſo lange ſtockte, kommt in fruͤhe Vegetation. Kurz, die ganze Unart und fehlerhafte Natur eines ſolchen Bodens wird dadurch veraͤndert. Eine *) Im Hannoveriſchen Amte Lauenau iſt ſie doch bekannt, und an manchen Orten gebraͤuchlich, wenn ſie gleich nicht mit engliſcher Aufmerkſamkeit be⸗ werkſtelliget wird. Eine große Wirkung! Aber vermuthlich ſehr koſtbar? hore ich ſchon fragen.— So wenig koſtbar, daß in Eſſex und Hertford⸗ ſbire kein Pächter ſie unterläßt, falls ſie nöthig, wenn er ſicher iſt, daß ſeine Pachtzeit nur noch drey Jahre daure! HOft hat ſie ihre Koſten ſchon im erſten Jahre bezahlt, immer im zweyten, und das dritte iſt reiner Vortheil. Ihr Nutzen aber dauert 30 bis 50 und mehrere Jahre, wenn nur etwas nachgeholfen wird. So viel nur vorlaͤu⸗ ſig! Nachher werde ich die genauern Berechnun⸗ gen der Koſten geben. Jetzt erſt die Beſchreibung der Anlage ſelbſt! Ich muß mich dabey auf beyſtehende Figur beziehen. i 1 1 1 V —„ V.— — Xy. 5*„ 1 X* 2„ 1 W*„„ 2 3j⸗ 1 — 1 A B Sie ſtelle eine Koppel von ungefahr 50 Aeres vor. A— B iſt ein Graben oder Bach, wel⸗ cher das Waſſer aufnehmen kann; CH. DG. E I. ſind die Hauptleitungen; die da hineinlau⸗ fenden heißen Nebenleitungen, oder, wie ſie die Englaͤnder nennen, Fluͤgel. Bey der Anlage der Hauptleitungen kommt es darauf an, ob das Land voͤllig eben ſey, oder Anhoͤhen und Vertie⸗ fungen habe. Iſt es vollig eben, ſo waͤre auf einer ſolchen Koppel eine Hauptleitung, oder boͤchſtens zwey, genug, die dann aber deſto mehr Fluͤgel haben muͤſſen. Wenn hingegen Vertiefungen da ſind, ſo iſt es beſſer, dieſe zu nutzen, und darin berunter Hauptleitungen anzulegen, von den An⸗ boͤhen aber Fluͤgel in ſie herabzuleiten. Denn die Hauptleitungen muͤſſen um etwas tiefer liegen, als die Fluͤgel, und ſo wie ſie ſich dem Abfluß naͤhern, etwa von X an, noch mehr Fall bekom⸗ men. Wenn man alſo mit den Hauptleitungen durch Anhöhen herdurch wollte, ſo muͤßte man ſehr tief ausgraben. Man macht auch in die Nebenleitungen wieder andre, wenn die Erboöhun⸗ gen und Vertiefungen des Landes es ſo verlangen. Die Fluͤgel kommen, nach Beſchaffenheit des Lan⸗ des, etwa 20 bis 30 Fuß von einander. Wenn Wenn man die Richtung der Leitungen nach dem Waſſerfall vorſichtig beſtimmt und abgeſteckt hat, ſo ziehet man mit einem Pflug hinauf und wieder herunter, ſo daß ein ſchmahler Balken ſtehen bleibt. Dann hebt man dieſen mit einem tiefer gehenden Pfluge heraus, und wirft ihn mit dem Spaten an die Seite. Nun bedient man ſich eines Spatens, der 13 Zoll lang, oben 7 Zoll und unten nur 4 Zoll breit iſt, und ſticht, die Erde durch zwey Stiche, neben einander, da⸗ mit heraus. Nach dieſem erſten Stich, der nur ſo breit zu ſeyn braucht, daß der Arbeiter darin ſtehen kann, nimmt man einen andern Spaten, der ebenfalls 13 Zoll lang, oben aber nur 4 Zoll und unten 12 Zoll breit iſt. Zu⸗ letzt nimmt man eine, etwa 2 Zoll breite, etwas uͤber einen Fuß lange Schaufel, ungefaͤhr wie ein Stuͤck einer Dachrenne geſtaltet, mit einem ge⸗ bogenen Handgriff, womit man die Erde, die hineingekruͤmelt, heranshebt. Iſt das Land in dem Gange dieſer Leitung eben, ſo ſind 2 Fuß Tiefe voͤllig hinlaͤnglich; wo man aber durch eine Anhoͤhe hindurch muß, wird natuͤrlich eine groͤßere Tiefe erfordert. Ein ganz geringer Fall muß bis zum Ausfluſſe immer beobachtet wer⸗ den, und die Hauptleitung muß nur 1 bis 2 Zoll tieſer, wie die Nebenleitungen, ſeyn. Rach der Tiefe richtet ſich die Breite oben; ſie muß nur 9 —— „ 36— nur ſo ſeyn, daß die Arbeit geſchehen kann. Unten laͤuft ſie auf 4 Zoll zu. Wenn die Leitungen ausgegraben ſind, ſo füllt man ſie mit zuſammengebundenem ſeiſchem Reiswerk aus. Unten kommen dickere Stuͤcke Holz, einzeln hineingelegt; nach oben immer duͤnneres. Einige legen Steine dazwiſchen. Wo man viele rauhe Steine hat, ſind ſie auch wohl mit Steinen angefuͤllet worden. Man haͤlt jeht aber Holz fuͤr weit beſſer, weil man gefunden, daß ſie ſich damit weit weniger ver⸗ ſtopfen. Poroͤſes, wäſſeriges Holz, Ellern, Weiden u. dgl. hat man am beſten und am dauer⸗ hafteſten befunden; doch nimmt man, was man haben kann. Man hat Beyſpiele, daß ſolche Leitungen ſich uͤber hundert Jahre gut er— halten haben. Ueber das Holz kommt eine Lage Strob, damit die Erde ſich erſt feſtſetze und nicht zwiſchen das Reiſig kruͤmele. Dann wird alles feſtgetreten, die gute Erde wieder heruͤber gebracht, und mit einer ſchweren Walze feſtge⸗ walzet. Die uͤbrige Erde wird auf das Feld vertheilet, und, nachdem ſie ausgewittert, unter⸗ gepfluͤget. R Die Die Koſten dieſer Vorrichtung koͤnnen wir ohne Zweifel am beſten aus den Antworten ab⸗ nehmen, die Lord Petre von ſeinen Farmers auf daruͤber vorgelegten Fragen erhalten hat. Ce iſt weni gſtens nicht wahrſcheinlich, daß ein Päͤchter ſeine Verbeſſerungen zu geringe anſchlage. Wir erhalten hieraus folgende Data: Die Pflug arbeit, um die erſten Furchen herauszubeben, welches aber doch nur auf Lande, was zu Graſe gelegen, gut angehet, rechnet man auf 1 Aere 18 Pence. Ein Rod(14 Ruthe) auszuſtechen, bezahlt man mit 2 ½ Pence. Ein Fuder Reisbuͤndel von 120 Bund iſt ungefaͤhr 14 Schill. werth;— ein Fuder Stroh von 120 Bund 18 Schill. Damit fuͤllt man 360 Rod aus. *) Ann. of Agricult. T. IV. p. 289. wit ab⸗ uf len nge die en, taſe ſert Nach dieſen Preiſen muß man rechnen, daß ein Acre 12 Schill. an Ausfuͤllungsmate⸗ rialien koſte, wenn die Leitungen ein Rod von einander abſtehen. Die ſämmtlichen Koſten belaufen ſich fuͤr 1 Acre, wenn der Pflug gebraucht wird, auf 35 Schill., ohne Pflug aber auf 47 Schil⸗ ling Sterl.; die Aufſicht, welche der Herr oder der Verwalter dabey fuͤhrt, ungerechnet. Ein großer Theil der Ausgabe beſtehet alſo in Reiſig und Strohb. An den meiſten Orten wird man ein Fuder Reishuͤndel wohl nicht ſo boch anſchlagen koͤnnen; und anſtatt des Stro⸗ hes paßt Heide, wo man ſie haben kann, wohl eben ſo gut, und vielleicht beſſer. Ueberdas muß ich bemerken, daß Tage⸗ und Arbeitslohn in Eſſex und Hertfordſbire grade am hoͤchſten ſteben; erſteres im Durchſchnitt 9— 10 Schill. die Woche. Daher iſt denn auch dieſe Arbeit theu⸗ rer, als ſie anderswo ſeyn wuͤrde. Young hat in der Eyperimental Agri⸗ culture*) viele Verſuche beſchrieben, die er R blos 10 ——— I. p. 364. blos, um die Koſten dieſer Operation zu beſtimmen, angeſtellet. Er verſtand aber, wie man deutlich ſiehet, die Arbeit anfangs nicht; denn er legte die Leitungen 4 4 Fuß tief. Dies iſt aber in „ wo man nicht durch eine Anhoͤhe bindurch muß, nicht nur unnoͤthig, ſondern wirklich nachtheilig. Die Abzuͤge muͤſſen grade da liegen, wo das Waſſer auf einer harten Thonſchicht ſtockt und nicht einziehen kann. Dann thun ſie weit mehr Wirkung, als wenn ſie in den Thon ſelbſt hineingearbeitet ſind. Dieſe Schicht liegt aber ſelten tiefer als 2 Fuß. Er bemerkte dies ſelbſt beym 13ten Verſuche. Der Durchſchnitt aller Verſuche, die aber groͤß⸗ tentheils unnöthig koſtbar angeſtellet worden, be⸗ traͤgt 1 Pfund 11 Schill. auf den Acre. Auch kannte er den Gebrauch des Pfluges, die erſten Furchen auszuſtechen, noch nicht. jedem„ Fa lle Wo es angeht, legt man die Ableitungen ſo, daß ſie ſich mit der Lage der Ackerbeete kreuzen. Sie ſollen dann ſtaͤrkere Wirkung thun. —.————— Zebn⸗ Zehntes Capitel. Braache und Fruchtwechſel. —— 6 Ein jeder Landwirth weiß, daß das Land ſich bald erſchoͤpft, wenn immer einerley Frucht dar⸗ auf gebauet wird. Auch hat er wohl bemerkt, daß eine Frucht eine beſonders gute Vorberei⸗ tung fuͤr eine andre Saat ſey; daß das Land, welches einige Frucht ⸗ arten nicht mehr tragen will, doch noch zu einer andern Saat geſchickt ſey, und daß man durch einen wohlgewaͤhlten Wechſel dem Lande ungleich mehr abgewinnen kann, als wenn man dieſen vernachlaͤſſiget. In⸗ Indeſſen ſind dies nur ſo oberflaͤchliche Bemer⸗ kungen, die allenfalls bey dem einen oder dem andern eine Meinung, aber keine allgemein guͤl⸗ tige Ueberzeugung begruͤnden. Ich erinnere mich, außer Reichard, keines deutſchen Hekonomen, der dieſem Gegenſtande eine beſondere Aufmerkſamkeit gewidmet, viel weniger hieruͤber uͤberzeugende und vergleichende Ve 3 angeſtellet haͤtte. Was der alte Reichard hieruͤber ſagt, haͤtte doch, meines Erachtens, um„ mehr Eindruck machen ſollen, da ſeine neidiſchen Erfurter Mitbuͤrger, die er ziemlich bitter behandelt, ſeine 1Sjaͤhrige Seſin nach einer ſtarken Duͤngung be⸗ zeugen mußten. Aber er war ein bloßer Acker⸗ buͤrger, d uken großer Gutsbeſitzer ſeiner Auf⸗ merkſamkeit werth achtete. Man verlachte ſein Gartenſyſtem, und fand es unanwendbar in großen Haushaltungen. Freylich konnte es da⸗ ſelbſt nicht ganz ſo nachgeahmet werden, wie er es, ſeiner ſonderbaren Convenienz nach, trieb. Aber man haͤtte doch allgemeine Reſultate aus ſeiner Erfahrung ziehen koͤnnen, die allenthalben ibre Anwendung fanden. Gugenmus und Schubart machten viel richtige Bemerkungen uͤber die Wirkung des Klees auf die folgende Saat. Aber Klee war ihr Eins und Alles; und man erkannte doch, daß er dies nicht ſeyn, ſo e oft nicht wiederkommen duͤrfe. — N 5 6 6 Die — —— — 263— Die Englaͤnder hingegen haben in den neue⸗ ſten Zeiten auf den, jeder Art des Bodens an⸗ gemeſſenen, einträglichſten Fruchtwechſel eine er⸗ ſtaunliche Aufmerkſamkeit verwandt, und uͤber die Sache ein helles Licht verbreitet. Es iſt in England uͤber dieſen Gegenſtand erſtaunend viel beobachtet, verſucht, geſchrieben, geſtritten; ſo, daß es ein eigenes Werk erforderte, wenn man das Erheblichſte nur im Auszuge mittheilen wollte. Es kam vor allem darauf an, zu beſtim⸗ men, ob die Braache noͤthig oder unnothig ſey? Eine lange Zeit hindurch konnte man teäbe nicht einig werden. Die Streiter beyder Par⸗ theien fuͤllten faſt die acht erſten Baͤnde der An nalen des Ackerbaues, die Schriften der Londo⸗ ner;, Odiham⸗ und Bathſoeietäͤt, mit ihren Gruͤnden und Gegengruͤnden an. Man forderte jeden beobachtenden und denkenden Landwirth auf, ſeine Meinung uͤber dieſen Gegenſtand offentlich bekannt zu machen; man ſtellte Unterſuchungs⸗ reiſen an, hoͤrte Zeugen ab, ſah die Regiſter von einer langen Reihe von Jahren nach. Man machte Verſuche auf greßen Ffldern, und Ver⸗ ſuche unter der Glasklocke. Es war dem Acker⸗ bauer ſelbſt, noch mehr dem Staate, am mei⸗ ſten ſten den großen Landeigenthuͤmern, daran gelegen, dieſe Frage auf eine zuverlaͤſſige Art ausgemacht zu wiſſen. Denn in vielen Gegenden ſchrieb man den Paͤchtern die Haltung eines gewiſſen Braachjahres, und unſere gewoͤhnliche Dreyfelder⸗ Wirthſchaft vor. Hier war denn aber die Pacht ſebr geringe, 5 bis 10 Schill. vom Acre; da an andern Orten gleicher Boden, aber eingehaͤ⸗ get und unter einem beſſern Feldſyſtem, auf 30 bis 40 Schill. geſtiegen war. Manche aͤltere Land⸗eigenthuͤmer fuͤrchteten ſich noch immer, dop⸗ pelte und dreyfache Pacht anzunehmen, wenn ſie ihnen unter der Bedingung einer andern Be⸗ wirthſchaftung angetragen wurde, weil ſie beſorg— ten, ihr Land werde nach einer Pachtzeit er⸗ ſchopfet und verwildert, und ihre Pächter doch dabey zu Grunde gerichtet ſeyn. Lange blieb der Streit zwiſchen den Ver⸗ theidigern und Gegnern der Braache unentſchie⸗ den. Young ſelbſt erklaͤrte ſich anfangs zwei⸗ felbaft, und ſuchte den Streit mehr anzufachen, als beyzulegen. Indem er den Streitern theils ibre Anzuͤgkichkeiten und Perſonalitäten verwies, theils das Gewicht, was ſie auf einen einzelnen Beweis legten, entkraͤftete, riß er den Sieg dem wieder aus den Haͤnden, der ihn ſchon zu a⸗ i⸗ halten ſchien. Seine Neider und die Enthu⸗ ſiaſten beyder Partheien beſchaldigten ihn, er ſtelle ſich nur darum zweifelhaft, damit er Stoff fuͤr ſeine Annalen behalte; ſo wie man ihn jetzt deſ⸗ ſelben, in Anſehung der verbeſſerten Drillwirth⸗ ſchaft, beſchuldiget. Wenn auch dies ein Ne⸗ benmotiv bey ihm ſeyn mag, ſo war ſeine Haupt⸗ abſicht doch gewiß die, daß eine ſo wichtige Streitfrage erſt nach langer Unterſuchung, dann aber auch mit Zuverläſſigkeit, zur endlichen Ent⸗ ſcheidung gebracht werde. Sehr viel, muß man indeſſen geſtehen, hat der ſchwankende Begriff, den auch einige engliſche Heconomen, ſo wie die deutſchen, mit dem Worte Braache verbanden, zur Verlaͤngerung des Streites beygetragen. Braache heißt eigentlich die ein ganzes Jahr, oder doch den ganzen Som⸗ mer hindurch, wiederholte Beackerung des Feldes, ohne etwas darauf zu ſaͤen, oder davon zu ernd⸗ ten. Die Ausdruͤcke; beſtellte oder geſommerte Braache; Braachfruͤchte; Kleebraache, enthalten eigentlich einen Widerſpruch. Wenn man der⸗ gleichen unter Braache verſtehet, ſo findet kein Streit Statt; denn die Vertheidiger des Feldſy⸗ ſtems ohne Braache beſtehen vorzuͤglich auf eine jaͤhr⸗ — 266— jaͤbrliche Abwechſelung ſolcher ſogenannten Braach⸗ fruͤchte mit den Korn⸗arten. Die Gruͤnde, womit man die Braache ver⸗ theidiget, beſtehen hauptſaͤchlich in folgendem: — ſo ſchweren, bindenden und dabey naß liegenden Boden, daß er, ohne ein wiederholtes Son merpfluͤgen, durchaus nicht kann muͤrbe g werden. Das Fruͤhjahr⸗ und Herbſtpfli bey ihm, der Naͤſſe wegen, von keiner Wirkung. NRach etlichen Kormernd⸗ ten wird er hart, wie Stein, und die Wurzeln koͤnnen ihn nicht durchdringen. 2. Der leichtere Boden iſt der Verwilde⸗ rung durch Unkraut dagegen mehr ausgeſetzt. Und hier iſt auch kein anderes Mittel, als die Braache: dadurch werden die Saamen an die Luft und zum Keimen gebracht, und dann zerſtoͤret. Die fortkriechenden Wurzeln anderer Unkraͤuter werden auch oft ſo geruͤhret, daß ſie nicht wieder aufwachſen koͤnnen, ſondern in Faͤulniß uͤberge⸗ hen muͤſſen. Alſo iſt die Wiederholung der Braa⸗ che um ſo oͤfter noͤthig, da ſich das Land ge⸗ ſchwinder verunreiniget. 3. Der t 5 * . z. Der Boden wird durch mehrere auf einander folgende Erndten ausgeſogen, das heißt, die eigentlichen Nahrungstheile der Pflanzen wer⸗ den erſchoͤpfet. Daher kommen die Gewaͤchſe darauf nicht mehr zu ihrer Vollkommenheit. Wenn ſie auch ins Kraut wachſen, ſo geben ſie doch ſchlechte Koͤrner, wie man dies an den beſtaͤndig beſaͤeten Feldern in der Rachbarſchaft großer Stäͤdte ſiebet, wo man es durch den Ueberfluß am Duͤnger glaubt zwingen zu koͤnnen. Daher muß der Boden, wie man ſagt, aus⸗ ruhen. 4. Der Nutzen dieſer Erholung iſt aber nicht blos negativ, ſondern die Erde ziehet die befruchtenden Principien der Sommerluft und des Sonnenſcheins, die Duͤnſte, den Thau, in ſich, und wird um deſto ſtaͤrker damit beſchwaͤn⸗ gert, je mehr ſie zertheilet, und je ſicherer jedes Staͤubchen der Einwirkung der Atmoſphaͤre aus⸗ geſeht wird. Dieſe Luftduͤngung erſetzet 5. den Mangel an aufzufahrendem Duͤn⸗ ger; denn wenn dieſer gleich die Unterlaſſung der Braache und ihren Rutzen zum Theil erſetzen koͤnnte, ſo wird doch eine Wirthſchaft, wo man keine keine Braache haͤlt, nie den erforderlichen Duͤn⸗ ger herbeyſchaffen koͤnnen. 6. Eine Wirthſchaft ohne Braache erfor⸗ e dert zur Fruͤhjahrs⸗ und Herbſtbeſtellungszeit er⸗ ſtaunend viel Geſpann, welches in der Zwiſchen zeit müßig ſtehen muͤßte. Bey der Braache aber fällt die Acker⸗atbeit, und beſonders die Dunger⸗ fuhren, in die beguemſte Zeit, wo fuͤr das Zug⸗ vieh ſonſt nichts zu thun iſt. Es kann aber nie bey einer Wirthſchaft Vortheil ſeyn, wozu viel Geſpann gehalten werden muß. Endlich ha 7. die Braache die Erfahrung aller Zeiten und aller Laͤnder fuͤr ſich. Sie ſtammt aus dem graueſten Alterthume her, und hat ſich allent⸗ halben in ununterbrochener Zeitfolge erhalten. Der NReuerer ſind, gegen das Ganze, nur we⸗ nige, die ſie abgeſchaffet haben. Und man hat mehr Beyſpiele von Landwirthen, die „ bey der Braache reich geworden ſind, als von ſolchen, die ſie verwarfen. Von letzteren haben ſchon verſchiedene ihre Wirthſchaft aufgeben muͤſſen. — Dies ſind die wichtigſten Gruͤnde der Braachvertheidiger. Run wollen wir ihre Geg⸗ ner hoͤren: Wir geben euch, ſagen ſie, die Principien faſt alle zu, worauf ihr die Nothwendigkeit der Braache gruͤndet. Es iſt wahr, daß der bin⸗ dende Boden locker, der naſſe trocken gemacht werden muß; wahr, daß man beſtaͤndig auf Ver⸗ tilgung des Unkrauts arbeiten ſoll; wahr, daß das Korn den Bvoden erſchöpft; wahr, daß der Bo⸗ den aus der Atmoſphaͤre befruchtende Theile auf⸗ nimmt; wahr, daß uͤberfläſſiges Geſpann, wel⸗ ches nicht beſtaͤndig zu nuͤtzlicher Arbeit gebkaucht wird, der Wirthſchaft höchſt nachtheilig wird. Wenn wir aber alle Zwecke eurer Braache beſſer erreichen koͤnnen, wie ihr, ohne daß wir unſer theures Land ums dritte und vierte Jahr unbenutzt laſſen; wenn unſere, nur zuweilen groͤßere Arbeit uns mit reichen Zinſen wieder bezahlt wird: ſo werden wir darum nicht braa⸗ chen, weil Ebraͤer, Römer und Araber es ge⸗ than haben. Daß Landwirthe bey der Braache reich geworden, wenn ſie ihre Wirthſchaft unter vortheilhaften Bedingungen angenommen, und gut haus⸗ — 270— hausgehalten haben, beweiſet nichts fuͤr euch; ſo wie es nichts gegen uns beweiſet, daß einige Stuͤmper, die die Sache nicht verſtanden, oder kein zureichendes Capital in Haͤnden gehabt, han⸗ kerot geworden. Bekannt iſt es, daß in vielen Gegenden, ſeitdem die Felder verkoppelt und die fortlaufende Feldbeſtellung eingefuͤhrt worden, die Pacht aufs Dreyfache geſtiegen, und daß es da⸗ ſelbſt ſchon Beyſpiele von ſolchen Pächtern giebt, die ſich blos durch Landwirthſchaft ein Vermo⸗ gen von 60 bis gotauſend Pfund erworben. Ihr muͤßt aber unſer Syſtem nebſt den Gruͤnden und Erfabrungen, worauf es beruhet, erſt in ſeinem ganzen Zuſammenbange kennen lernen, ehe ihr daruͤber urtheilen könnet. Fol⸗ gendes iſt ſeine Grundlage: Es iſt eine pon den Gegnern anerkannte Wahrheit, daß die Getreidearten, das heißt, alle grasartige oder halmtragende, nach voͤlliger Reifung des Saamens abzuerndtende Gewaͤchſe, den Boden vorzuͤglich erſchöpfen. Ihre feinen Faſerwurzeln ſaugen den Boden aus, und ver⸗ ſchließen ihn zugleich gegen die Einwirkung der tuft durch die feſte Borke, welche ſie auf der Ober⸗ —„— Oberflaͤche bilden. Zugleich laſſen ſie das Un⸗ kraut leicht unter ſich aufkommen. Je ſchwerer, mehl⸗ und nahrungsreicher ibr Korn iſt, deſto mehr erſchoͤpfen ſie. Dieſe Erſchoͤpfung iſt um ſo großer, je laͤnger die Gewaͤchſe darauf ſtehen, ehe ſie zur Reife kommen. Unter allen zehrt da⸗ ber der Weitzen das Land am ſtaͤrkſten aus. Es hat ferner keinen Zweifel, daß jedes Gewaͤchs einige mehr eigenthuͤmüche Partikeln, oder wenigſtens ein ſehr verſchiedenes Verhaͤltniß der Urſtoffe zu ſeiner Vegetation erfordert; daß daher der Boden, der eine Art nicht mehr zur Vollkommenheit bringen kann, eine andere noch zu tragen vermoͤgend iſt. Je nuaͤber die auf einander folgenden Frucht⸗arten mit einander ver⸗ wandt ſind, deſto eher wird der Boden ent⸗ kraͤftet. Je ungleichartiger ſie aber ihrer Natur nach ſind, deſto länger ertraͤgt das Land ihre Folge. Ferner weiß man nach zuverlaͤſſigen Ver⸗ ſuchen, daß die Pflanzen, ehe ſie Saamen an⸗ ſetzen, einen großen Theil ihrer Rahrung aus der Luft ziehen, und ſelbige ſogar dem Erdboden zufuͤhren. Wenn aber der Saamen anſetzt, ſo hoͤrt 272 bort dieſe Einſaugung auf, und die ganze Rab— rung, beſonders diejenigen Theile, welche die mehlige Subſtanz bilden, werden aller Wahr⸗ ſcheinlichkeit nach aus der Erde gezogen; daher erſchoͤpfen diejenigen Pflanzen, welche in ihrem gruͤnen und lebhaften Zuſtande, vor Bildung des Saamens, abgeerndtet werden, den Boden faſt gar nicht. Haſſenfraz fand, daß die Pflan⸗ zen in bloßer Erde und Waſſer ſich bis zur Bluͤthe ausbildeten. Aber ohne Duͤnger oder Kohlenſtoff im Boden anzutreſſen, ſetzten ſie keinen Saamen an. Sehr natuͤrlich! da der Saamen einen uͤberwiegenden Antheil Kohlenſtoff enthaͤlt. Hierauf beruhet alſo der Grundſaß, daß mag niemahls zwey, noch weniger mehrere Jahre hinter einander, eigentliche Korn⸗arten, am wenig⸗ ſten dieſelben Korn⸗arten bauen muͤſſe. Je groͤ⸗ ßer die Zwiſchenzeit iſt, nach welcher dieſelbe Art wieder kommt, deſto beſſer wird ſie geratben. Da indeſſen alle zu reifem Saamen kommende Ge⸗ wächſe den Boden erſchöpfen, ſo bleibt er um de⸗ ſto laͤnger in Kraft, je oͤfter eine gruͤn abzuernd⸗ tende Frucht dazwiſchen kommt. Wird dieſe Frucht nicht davon gefahren, ſondern vom Vieb auf dem Lande verzehret, und der daraus erfolgende Duͤnger, ehe er verwittert, und einen wichtigen Theil —2 0 K ———.— — Theil ſeiner befruchtenden Principien verliert, un⸗ tergepfluͤget: ſo wird die Fruchtbarkeit des Landes von Jahr zu Jahr erhoöhet. Daher iſt es eine Hauptregel dieſes Sy⸗ ſtems, nie zwey Jahre hinter einander Korn, Weitzen, Rocken, Gerſte, oder Hafer zu bauen, ſondern zwiſchen dieſen grasartigen Fruͤchten we⸗ nigſtens eine Huͤlſenfrucht, oder, auf leichtem Bo⸗ den, Buchweitzen zu ſäͤen. Weil aber auch dieſe gewoͤhnlich erſt in voller Reife abgeerndtet werden, ſo muß dazwiſchen noch oft eine gruͤne Erndte genome men werden— abzufutternde Wicken, Klee, Ruͤ⸗ ben, Carotten, Kohl oder Kohlruͤben u. dgl. Ferner muß, wenn die Drillwirthſchaft nicht uberhaupt eingefuͤhret iſt, doch die Pferde⸗ oder Handhacke, wo es nur moͤglich, gebraucht wer⸗ den, um den Boden in beſtaͤndiger Lockerheit zu erhalten, und alles Unkraut zu vertilgen. Es erfordert allerdings Erfahrung und Leber⸗ legung, den beſtmoͤglichſten Fruchtwechſel fuͤr jede Art des Bodens zu waͤhlen. Jene Hauptregeln muͤſſen allgemein beobachtet werden; aber es laſſen — 2 ſich doch mancherley Veraͤnderungen machen, die mehr oder minder zweckmaͤßig ſind. Auf ſehr ſtarkem Boden hat man eine beſtaͤndige Abwech⸗ ſi ſelung zwiſchen Bohnen und Weitzen ſehr bewaͤhrt gefunden. Die Bohnen werden aber in Reihen zwey Fuß aus einander geſaͤet, und mit der Pferde⸗ hacke dreymahl bearbeitet, dann die Reihen noch 6 einmahl mit der Handhacke oder durchs Ausziehen gereiniget. Bey dieſer Wirthſchaft hat man in Kent im Durchſchnitt 40 Buſh. Weitzen und 32 Buſb. Bohnen vom Aere. Folgende Frucht⸗ folge wird aber doch vorgezogen: . 1. Kohl, behacket. 2. Gerſte. ⸗ 1 3. Klee. 4. Weitzen, einfaͤhrig. 5. Bohnen, behackt. 6. Weitzen. Auf nicht voͤllig ſo ſtarkem Boden waͤhlet man folgende Ordnung: . 1. Bohnen. 2. Gerſte. 3. Klee. 3. Klee. 4. Weitzen. F. Erbſen. 6. Hafer. 7. Kartoffeln. 8. Gerſte. Mr. Onley, ein ſehr beruͤhmter Landwirth und genauer Beobachter, hat ein geld leichteren Bodens 21 Jahre nach einander ohne Duͤngung auf folgende Weiſe beſtellet: 1. Gerſte. 2. Klee. 3. Weitzen. 4. Turnips. 5. Hafer. 6. Bohnen. 7. Gerſte. 8. Erbſen. 9. Weitzen⸗ 10. Wicken. 11. Gerſte. 12. Klee. 13. Weitzen 14. Turnips. 15. Hafer. 16. Erbſen. 17. Weitzen. 18. Wicken. 20. Bohnen. 21. Weitzen. Die Erbſen und Bohnen wurden aber in Reihen geſäet und behackt; die Turnips ebenfalls behackt. Und dieſe wurden, ſo wie die Wicken und der Klee, auf dem Felde verfuttert. Der Ertrag war im Durchſchnitt von Weitzen 24 Buſb, von Gerſte 36 Buſb, von Bohnen 24 Buſh, von Erbſen 24 Buſb, von Hafer 32 Buſh vom Acre. Den Klee ſchlagt er jaͤhrlich, auf dem Felde Felde verfuttert, zu a Pf. St., die Turnips eben ſo hoch, und die Wicken zu 30 Schill. an. Mr. Will. Hall in Kent bauet auf fet⸗ tem Boden mit ſehr großem Ertrage: 1. Canarienſaamen. 2. Bohnen. 3 Weitzen. 4. Erbſen. 5. Weitzen. 6. Bohnen. 7. Hafer. g. Flee und Raygras, 2 Jahre. Maxwell, in ſeinem View of the agri- culture of Huntington, p. 30, hat folgende Erfahrung von dem Ertrage eines Acre eines fol⸗ gendermaaßen beſtellten Feldes: 1. Rapſaat, mit Schaafen abgehutet. 2. Gerſte, 1 ½ Buſh Einſaat, 43 Buſb Ertrag. — 278— 3. Klee, 2 ſtarke Heuerndten. 4. Bohnen, 3 Buſb Ausſaat, 56 Buſh Ertrag. 3 5. Gerſte, 1 Buſb Ausſaat, 48 Buſh Ertrag. 6. Rapſaat, tief gepflugt und gedüngt. 7. Gerſte, 1 ½ Buſh Ausſaat, 40 Buſh Er⸗ trag, weil ſie ſich lagerte und an man⸗ chen Stellen abfaulte. 8. Klee, eine ſchlechte Erndte, weil er unter der liegenden Gerſte verdorben war, „ Er tadelt bier die Duͤngung zu Nr. 6. ſehr; ohne ſie wuͤrde die Gerſte und der Klee beſſer gerathen ſeyn. Ob die Rapſaat auf Nr. 6. wieder abgefuttert, iſt nicht bemerkt. Auf dem leichten ſandigen Boden der Graf— ſchaft Norfolk, wo dieſes Syſtem hauptſächlich berſtammt, und jetzt ganz allgemein angenommen iſt, hat man die beruͤhmte Turnips⸗Wirthſchaft, die auch unter dem Namen des Sechsfelder: Sy⸗ ſtems bekannt iſt, mit verſchiedenen Abwechſe⸗ ſüi lungen. le — — ſen — 279— lungen. Die gewöhnlichſte und älteſte Art iſt folgende: 1. Weitzen. 2. Gerſte. 3. Turnips. 4. Gerſte, mit untergeſäͤetem Klee und Raygras. 5. Klee. 6. Gras, um Jacobi umgebrochen. Die auf⸗ gekläͤrteren Landwirthe tadeln aber die beyden Korn⸗ ſaaten Nr. 1. und 2. nach einander, und be⸗ ſtellen folgendermaaßen: 1. Turnips. 2. Gerſte. 3. Klee. 4. Weitzen. 5. Erbſen. 6. Gerſte oder Hafer. oder: 1. Turnips. 2. Gerſte. 3. Klee. 4 — 280— 4. Raygras Legde. 5. Weitzen. 5. Kartoffeln, Erbſen, Lein. Auf dem ſtaͤrkeren und tieferen Boden der Grafſchaft Norfolk hat man nur 4 Felder⸗ 1. Weitzen. 2. Turnips. 3. Gerſte. 4. Klee. In dem angraͤnzenden Suffolk, und jetzt auch ſchon in Norfolk, Paben die Carotten die Turnips zum Theil verdraͤngt. Doch davon an einem andern Orte. Manche ſäen auch im Herbſte, nach zwey⸗ mahligem Pfluͤgen, in das Weitzenfeld Winter⸗ wicken, die im May abgefuttert werden, und in die Stoppel Turnips. Um ſich von dem Nutzen dieſes Syſtems praktiſch zu uͤberzeugen, oder um die beſte Fruchtfolge auf einem gegebenen Boden zu be⸗ ſtimmen, hat man haͤufig Verſuche, ungefaͤhr auf folgende Art, gemacht: Man 8 —— 281 — Man theilte ein ebenes Quadratfeld in etwa 12 Stucke von Norden nach Suͤden ein, beſtellte jedes ungefaͤhr nach folgendem Schema: Das folgende Jahr pfluͤgte man die Stuͤcke von Oſten nach Weſten auf, wieder mit den verſchiedenen Fruchwarten. und beſtellete ſie 1ſtes Jahr zſähriger Klee Ljähriger Klee Bohnen Erbſen Gerſte Hafer Buchweitzen 3* Se. 568655555ae * 8S — 232— Im zten Jahre wurden die Stuͤcke wieder 5 von Norden nach Suͤden, im 4ten von Oſten re nach Weſten geleget, und jedesmabl mit verſchie⸗ ſt denen Fruͤchten beſtellet. Verſuche dieſer Art t ſind haͤuſig in England, auch von Mouron*) t bey Calais aufs genaueſte angeſtellet. Man hat j den Ertrag aller merkwuͤrdigen Qnadrate gewogen f und mit elnander verglichen. Die Reſultate ſind 9 allemahl zum Vortheil dieſes Syſtems und zur Beſtaͤtigung obiger Principien ausgefallen. Man wird nach dieſen Vorausſetzungen einſehen koͤnnen, wie alle Zwecke der Braache, auch ohne ſie, durch dieſes Syſtem auf eine we⸗ niger koſtſpielige und vollkommnere Art erreicht werden koͤnnen. Wir wollen indeſſen die Gruͤnde der Braach⸗ vertheidiger noch einmahl beſonders beantworten: 1. Die Sommerbraache erfuͤllt den Zweck, den feſten Klayboden zu zertheilen, in manchem Sommer nur unvollkommen. Wenn brennende Sonnenhitze ohne Regen die aufgeworfene Furche faſt zu Stein verhaͤrtet bat, ſo giebt es kein Mittel, ſie voͤllig zu zermalmen. Die verhaͤrteten Klum⸗ *) Youngs Annalen des Ackerbaues, 2ter Theil. S. 2 252 der Ueberſetzung. Klumpen werden untergepfluͤget, und bleiben eine rohe Moſſe, die den feinen Wurzeln nur Wider⸗ ſtand, keine Nahrung giebt. Unter dem Schat⸗ ten einer in Reihen geſaͤeten Bohnen⸗ oder dich⸗ ten Wickenſaat bleibt der Klay aber muͤrbe. Bey jener kann die Pferde⸗ und Handhacke ihn zur feinſten Krume machen. Nach Abfuteerung der gruͤnen Wicken findet man ihn aber von ſelbſt muͤrbe und zerfallen genug, wenn man nur un⸗ mittelbar den Pflug der Senſe folgen laͤßt. Iſt der Boden zu feucht, als daß man ihn fruͤh genug zu einer ſolchen Saat bearbeiten köͤnnte, ſo erfordert er freylich bedeckte Abzuͤge (under-drains), ohne welche ein ſolcher Bo⸗ den doch nie zu ſichern und reichen Erndten zu bringen iſt. Doch hievon an einem andern Orte. 2. Die Vertilgung des Unkrauts wird auf ſchwerem Boden durch eben dieſe Cultur, auf leichterem aber hauptſaͤchlich durch den Ruͤben⸗ und Kleebau, eben ſo gut, und vielleicht beſſer, als durch die reine Braache hewirket. — 284— 3z. Die Erſchoͤpfung des Erdbodens zu ver⸗ hindern, iſt der Hauptgrund dieſer alternirenden Beſtellungsart. Daß der Erdboden aber, wie ein Thier, von ſeiner Arbeit ausruhen muͤſſe, iſt ein Hirngeſpinnſt, welches ſich auf nichts gruͤndet. Man hat indeſſen den Verſuch verſchiedentlich an⸗ geſtellet, ein Stuck Landes einige Sommer nach einander vergebens zu pflugen oder zu braachen, hat aber darauf nur eine ſehr mittelmäßige Erndte erhalten, welche doch, dieſer Theorie nach, ganz vorzuglich haͤtte ausfallen muͤſſen. 4. Ueber den Einfluß der Luft, der Gas⸗ arten und des Lichtſtoffes auf die Vegetation iſt im 4ten Capitel geredet. Es iſt ſehr wahrſcheinlich, daß das be⸗ fruchtende Principium der Atmoſphaͤre im Schat⸗ ten, und unter dem Schutze gegen Wind, ſich weit beſſer mittheile oder der Erde erhalten werde, als wenn ſie den brennenden Sonnenſtrahlen und dem Winde frey ausgeſetzt iſt; angenommen, daß der Erdboden locker und offen erhalten werde. Dies geſchiehet unter einer dicht und rein ſtehenden Saat von Huͤlſenfruͤchten und Futterkraͤutern aus der Claſſe der Diadelphiſten. Unter dem Schat⸗ ten ten dieſer Gewaͤchſe findet man den Boden, wenn er vom Unkraute rein iſt, immer locker und feucht, und es ſcheint unter ſelbigem eine beſtaͤndig frucht⸗ bringende Gährung, wie man aus dem Geruche ſchließen muß, vorzugeben. Auch findet man die Vegetation nirgends lebhafter, als zwiſchen der Stoppel einer ſolchen, beſonders gruͤn abgemaͤhe⸗ ten Frucht. In wenigen Tagen iſt der Boden wieder ganz gruͤn, und es iſt daber die Regel, einen ſolchen Boden bald umzubrechen, wenn man ibn nicht mit Unkraut will uͤberzogen haben. Sind nur einige Keime von Quecken darin, ſo ſchlagen ſie gleich alle lange Wurzeln⸗ Dies beweiſet dem minder raiſonnirenden Landwirthe ſchon genug, daß der Boden durch eine ſolche Frucht eher verbeſſert, als ausgezehret wird. Solche Saaten werden daher bey den Englandern verbeſſernde(meliorating crops) genannt, im Gegenſatze der erſchöpfenden(ex- hausting crops). Ebenfalls erfullen dieſen Zweck diejenigen Gewaͤchſe, welche zu ihrem Bau den mehrmahli⸗ gen Gebrauch der Hacke und die Auflockerung des — 286— des Bodens verlangen, hernach aber den Boden mit ihren Bläͤttern dicht uberziehen. 5. Der Braachwirthſchaft muß es allemahl am Duͤnger fehlen; die unſtige hat ihn reichlich. Denn es wetden in 6 Jahren wenigſtens zweymahl ſolche Fruͤchte gebauet, die hauptſaͤchlich fuͤr das Maſt⸗ und Milchvieh beſtimmt ſind, und die jeder gute Wirth auf dieſe Art benutzet. Dage⸗ gen ergiebt die Braachwirthſchaft in dieſen zwey Jahren nichts, als etliche armſelige Halme fuͤr die Schaafe, deren Duͤnger, inſofern er hier⸗ aus erfolgt, gar in keinen Anſchlag zu bringen iſt. Häͤtten wir nicht mehrern Duͤnger wie die Braacher, ſo wuͤrde unſer Land doch, wie aus dem Vorhergehenden erhellet, in beſſerer Kraft bleiben. Da wir dieſen aber im Ueberfluß ma⸗ chen koͤnnen, ſo folgt natuͤrlich, daß unſer Land mit jedem Umlaufe merklich an Fruchtbarkeit und Werthe zunehme, ſtatt daß bey der Braachwirth⸗ ſchaft, der allgemeinen Klage nach, der Boden ſich immer mehr erſchoͤpfet. 6. Die Angabe der Braachvertheidiger, daß unſer Feldſyſtem mehr Geſpann erfordere, weil ſich die Arbeit zu gewiſſen Zeiten vervielfaͤltige, und und daß zu andern Zeiten das Geſpann muͤßig ſtebe, iſt durchaus falſch, und kann nut auf einem Mangel an Kenntniß von unſerer Wirth⸗ ſchaft beruhen. Die Beſtellung derjenigen Früch⸗ te, welche wir ſtatt der Braache bauen, erfor⸗ dert keinesweges mehr Geſpann⸗arbeit, als eine geboͤrig behandelte Braache. Und Arbeit faͤllt in eine eben ſo beqeme Zeit, als die B arbeit. Auf ſchwerem Boden, wo der Bohurt und Kohlbau zu Hauſe gehoͤrt, wird zu erſterm nur einmahl gepfloͤget, zu Zeit, wenn die Braache umgebrochen wird. Die Bearbeitung der in Reihen geſaͤeten Bohnen fün in die Zeit nach der Fruͤbjabrsbeſtellung, und verbaͤlt ſich, inſofern ſie mit Geſpann geſchiehet, zur Braach⸗arbeit, wie 1zu 2. Die Bohnenſtoppel muß nach der Erndte ſo rein und muͤrbe ſeyn, daß der Weitzen in die erſte Furche geſaͤet werden kann. Der Kohl er⸗ fordert hoͤchſtens ſo viele Pflug arten, wie dieBraache, und zu bequemer Zeit. Der Klee erfordert gar keine Arbeit, und ſeine Stoppel nur eine Furche für den Weitzen. Der Duͤnger wird zu den Boh⸗ nen, wenn man ihn geben will, im Winter auf⸗ gefahren, und zu dem Kohle Anfangs Junii. Auf leichtem Boden bey der Turnipswirthſchaft — Doch von dieſer werden wir im 14ten Capitel reden, — 288— reden, und der Leſer wird dann von ſelbſt ein⸗ ſehen, wie bequem die Arbeiten auf einander folgen. Daß aber dieſe Wirtbſchaft mehr Hand⸗ arbeit und Tagelöhner erfordere, hat keinen Zwei⸗ fel. Wo Mangel an Menſchen iſt, in einem Lande, wie Meklenburg, da iſt ſie freylich nicht auszufuͤhren. Sonſt bezahlt ſie die Auslagen, wenn das Tagelohn auch noch ſo hoch iſt, mit reichlichen Zinſen. Und wer nicht ſo viel in der Caſſe hat, um dieſe Auslage machen zu können, wird immer ein armſeliger Wirth bleiben. Auſſer Reichard haben deutſche landwirth⸗ ſchaftliche Schriftſteller wenig Ruͤckſicht auf einen zweckmaͤßigen Umlauf der Saaten genommen, ob⸗ gleich der große Nutzen derſelben von Landwir⸗ then oft beobachtet iſt. befindet ſich einer vom Herrn Buͤrgermeiſter Hauptmann uͤber den Zuſtand des Ackerbaues, bey der Stadt Elbingerode am Harze. NRach⸗ dem er Landpacht, Duͤnger und Beſtellungskoſten berechnet, zeigt der Verfaſſer, daß beym Ackerbau wenig Vortheil herauskomme, ſett aber hinzu: „In⸗ Unter den Berichten, wel⸗ che K. Landwirthſchafts⸗Geſellſchaft aus dem Churbraunſchweig: Luͤneburgiſchen Lande erhalten, „Inzwiſchen ſtehet dieſer Satz auf dem Punete, „widerruflich zu werden, nachdem der Ackermann „J. A. Hartmann durch mehejaͤhrige Verſu— „che dargethan hat, daß ein Acker zehnmahl tra⸗ „gen kann. Die Rotbwendigkeit war auch hier „ſeine Lehrmeiſterinn. Es fehlte ihm an Duͤn⸗ „ger; gleichwohl verlangte die Ordnung ſeiner „Oeconomie noch die Beſtellung eines Stuͤcks „mit Winterrocken. Er pfluͤgt daher ein Braach⸗ „ſtuͤck, das bereits ſechsmahl getragen hat, „viermahl; egget es ſorgfaͤltig, und beſtellet ſolches „mit Winterrocken. Die Erndte hievon hat im „Sten Jahre 13 Schock 1 Mandel betragen, „und der Ausdruſch, à Schock 8 Himten „(uͤberhaupt alſo 106 Himten), macht auf den „Morgen 35 4 Himten. Im 9ten Jahre hat „er dieſen Acker mit Mangkorn, im 10ten „mit Wicken, und im xrxten mit Hafer, mit „dem beſten Erfolge beſtellet. Es folgen nun „jaͤbrlich mehrere Ackerleute nach. Sohllte dieſe „Beſtellungsart im Ganzen ſich begruͤnden, ſo „wuͤrde der Gewinn außerordentlich ſeyn, da „der Ackermann nun Duͤnger fuͤr die Wie⸗ „ſen uͤbrig behielte u. ſ. w.“ Der bisherige Fruchtwechſel daſelbſt war folgender: 1. Win⸗ ter⸗Ruͤbſen, 2. Rocken oder Weitzen, 3. Ger⸗ ſte, 4. Erbſen, 5F. Hafer, 6. kinſen; nun kommt hinzu 7. Brauche, 8. Rocken, 9. Mang⸗ — 1. T korn, — 290— korn, 10. Wicken, 11. Hafer. Dieſe Acker⸗ leute haben ſich alſo einen Fruchtwechſel ausge⸗ dacht, der in jedem Betrachte als muſterbaft aufgeſtellt werden kann, und wodurch ſie allein die Schwierigkeiten, die der Landwirthſchaft dort entgegenſtehen, uͤberwinden koͤnnen. Elftes — Elftes Capitel. Die Norfolker Wirthſchaft. Unnr allen, den engliſchen Provinzen eigen⸗ thuͤmlichen, und daſelbſt faſt allgemein eingeführ⸗ ten Wittbſchaften iſt die Norfolker die, welche unſte groͤßte Aufmerkſamkeit verdient. Durch ſie iſt ein duͤrrer, ſandiger, vormahls wuͤſter, nur zu einer magern Schaaftrift und zum Caninchen⸗Berge beſtimmter Strich Landes zu einer Cultur und Fruchtbarkeit gediehen, die faſt nirgends ihres Gleichen findet. Außer der ſehr großen Bevoͤlkerung des platten Landes er⸗ T 2 naͤh⸗ naͤhret dieſe Graſſchaft 50,000 Mannfakturiſten, und 6000 Seeleute, die auf die Fiſcherey aus⸗ gehen. Die jaͤbrliche Korn⸗Ausfuhr berechnet Kent aus den Zollregiſtern, nachdem er die jaͤhr⸗ liche Einfuhr des Hafers und deſſen, was aus Suffolk durch die Rorfolker Hafen weggehet, zu⸗ ruͤckgeſchlagen, auf 901,521 Pf. St. 9 Schill. Und an ſetten Ochſen gingen im Jahr 1793 20,594 Stuͤck nach Smitbfield und Is⸗ lington, und ungefaͤhr 3000 Stuͤck nach St. Jives*). Wo in der Welt iſt ein Land, welches dieſem es gleich thaͤte? Richt in ganz Norfolk wird jene eigentliche Rorfolker Wirthſchaft getrieben. Der weſtliche Theil bat noch große Heiden, Moore und offene Schaaftriften. Indeſſen nehmen die Verkoppelun⸗ gen auch daſelbſt merklich zu. Der ſuͤdliche Theil, der einen natuͤrlich fruchtbarern Boden hat, wird auf eine verſchiedene Art, mehrentheils in 4 Feldern, cultiviret. Die wahre Rorfolker Wirth⸗ ſchaft — *) N. 121. Ann of agriculture, P. 34— 41 1 — — —— ſchaft iſt in dem nordöſtlichen trockenen, ſandi— gen Theile zu Hauſe. Zuvoͤrderſt muͤſſen wir einige Eigenthuͤmlichkeiten dieſes Diſtricts bemer⸗ ken. Das Clima iſt nichts weniger als guͤnſtig; Marſhall ſagt, es ſey kaͤlter als in andern Pro⸗ vinzen Englands unter demſelben F3ſten Grade, und der Fruͤhling komme um eine Woche bis zehn Tage ſpaͤter, wie in der Londoner Gegend. Das Land iſt uͤbrigens flach, und nur an dem Seeufer maleriſch ſchoͤn. Faſt alles liegt in Koppeln, die nur klein und mit hohen Hecken, in welchen oft Baͤume aufſchießen, eingeſchloſſen ſind. Anderes Holz bät das Land faſt gar nicht. Dennoch ſiehet die Gegend in der Ferne aus, als waͤre ſie ein Wald. Der Boden iſt in dieſer Gegend ein etwas Lehm haltender Sand, ſehr flach; unter ſelbigem der ſogenannte Pan, und wenn dieſer durchgeſto⸗ chen wird, großtentheils ein unergruͤndliches Sand⸗ moor. Dieſer Pan iſt fuͤr die Rorfolker von aͤußerſter Wichtigkeit, da es durch zuverlaͤſſige Er⸗ fabrungen beſtaͤtigt iſt, daß der Acker auf lange Zeit alle Fruchtbarkeit verliert, wenn er heraufge⸗ pfluͤget pfluͤget worden. Sie ſchreiben ihm daher zum Theil eine beſondere giſtige Eigenſchaft zu, wenn er mit der Erdkrume ſich vermiſchet. Es kann ſeyn, daß in dieſer Borke ſeit Jahrhunderten ſich eine Menge von Unkrautsſaamen angehaͤuft, 3 die feſt darin vergraben liegen, aber zum„ imen kommen, wenn ſie gelockert wird, und daß da⸗ durch ihre Verbindung mit der Krume nachthei⸗ lig werde. Aber der eigentliche Schaden ent⸗ ſpringt daber, daß die Feuchtigkeit, wenn dieſe Borke zerſtoret iſt, ſich in den trockenen, einſau⸗ genden Boden ſchnell verlieret, und eine duͤrre Oberflaͤche hinterlaͤßt. Dieſe Borke iſt hoͤchſt wahrſcheinlich nicht von Natur vorhanden, ſondern durch die lange Cultur und den immer gleichen Gang des Pflu⸗ ges entſtanden. Durch das beſtaͤndige Reiben ſeines Untertheils und das Treten der Pferde ſind die auf der unteren Flaͤche der Krume niederge⸗ ſenkten, mehr bindenden Theile zu einer Art von Lehmdiele gebildet. Der aufgefahrne Thonmergel hat vermuthlich großen Antheil daran. Wie alles in Rorfolk, ſcheint mir auch die⸗ ſer Umſtand die groͤßte Aufmerkſamkeit deutſcher Oecono⸗ re icht nge ſu ben ind e oh l Oeconomen in ſandigen Gegenden zu verdienen. Findet ſich eine ſolche Borke nicht auch bey uns, wo man immer ſehr eben und immer in derſelben Tiefe zu pfluͤgen gewohnt iſt? Oder vielmehr nicht da, wo man ſeit langer Zeit gemergelt hat? Denn Mergel iſt in Rorfolk ſeit undenkli⸗ chen Zeiten gebraucht worden. Wenn der Norfolker Boden der Natur faſt nichts, alles hingegen der Kunſt zu verdanken hat, ſo fraͤgt es ſich: woher die bewunderns⸗ wuͤrdige Thaͤtigkeit und wohlgeordnete Lebhaftigkeit des dortigen Landvolls ruͤhre? Denn dieſe hat, nach dem einſtimmigen Urtheile aller Beobachter, nicht ihres Gleichen. MRirgends kann man mit ſo wenigen Arbeitern ſo viel ausrichten, wie dort. Selbſt wenn ſie um Tagelohn, was ſonſt nicht gewoͤhnlich iſt, arbeiten, ſetzen ſie eine Ehre darin, recht viel zu beſchicken, und Einer ſucht es dem Andern zuvorzuthun. Nie ſieht man ein Spann mit einem leeren Wagen dort im Schritt, ſondern immer im Trabe. Rie ſetzt ſich ein Knecht dar⸗ auf nieder, ſondern ſteht immer mit einem ſtol⸗ zen, muthigen Blicke auf ſeinen Beinen, oder laͤuft im vollen Trabe beyher. Alle Arbeiten ge⸗ ben ſ * . ben mit einet Genauigkeit und Puͤnkrlichkeit im Zeit⸗ halten vor ſich, daß man nie Einen auf den Andern wartend antriffſt. Wenn ein Wagen mit Miſt abfaͤhrt, ſo kommt der zweyte auf den Hof, in⸗ deß der dritte auf dem Felde abwirft; und ſo geht es in allem, Schlag auf Schlag. Die gewoͤhnliche Tag⸗arbelt fuͤr zwey Pferde und einen Kerl iſt: zwey Acres zu pfluͤgen. Ochſen wer⸗ den zur Arbeit gar nicht gebraucht. Bewirkt dies das Clima, oder die beſondre Race von Menſchen, oder vielmehr die fruͤhe Uebung und das Beyſpiel, welche ſie ſchon als Kinder erhal⸗ ten? Weil es dort Arbeiten aller Art im Ueber⸗ fluß giebt, ſo ſucht man ſchon die Kinder ſo fruͤhe wie moͤglich zu benutzen. Wenn der Junge die Hacke heben kann, ſo arbeitet er neben ſeinem Vater auf dem Turnipsacker. Faſt alle Arbeiten geſchehen im Verdinge; ſelbſt Miſt⸗ und Mergel⸗ aufladen wird fuderweiſe bezahlt. Dies ſetzt in Thätigkeit, und macht ſchnelles Ar⸗ beiten zur Gewohnheit. Lebt und webt ein ſol⸗ cher Geiſt einmahl durch ein Volk, ſo pflanzt er ſich durch Beyſpiel, vielleicht ſelbſt phy⸗ ſiſch, fort. Ich komme auf die Wirtbſchaft ſelbſt. Alles Land liegt zwar, der Regel nach, in ſechs Schla⸗ gen — 297— gen oder Feldern. Die Zahl der kleinen Kop⸗ peln, oder Kaͤmpe, iſt aber bey mittelmaͤßigen Farms vier⸗ oder fuͤnfmahl ſo groß. Denn man haͤlt viel auf ſolche kleine Einhaͤgungen. Bey einem naſſen anhaltenden Boden wuͤrde dies ohne Zweifel ein großer Fehler ſeyn; bey dieſem lockern, ſandigen Boden aber iſt man uͤberzeugt, daß der Vortheil der vielen Hecken ihren Rachtheil ſehr uͤberwiegt. Es iſt wenigſtens ausgemacht, daß ein ſolcher Boden anfangs nur durch viele Hecken in Cultur und zu einiger Feſtigkeit zu bringen ſtebt. Da hier uͤbrigens alles auf Be⸗ treibung des Ackerlandes mit Maſtvieh ankommt, ſo wird dies durch die vielen Abtheilungen ſehr begunſtigt. Jede Gattung von Ochſen oder Schaa⸗ fen bekommt nun das Ruͤbenfeld oder die Wei⸗ de⸗Koppel, die man ihr nach der bezweckten ſchnelleren oder langſameren Maſtung beſtimmet. Ueberdas findet das Vieb Schutz gegen Sonnen⸗ ſtrahlen und gegen rauhe Winde. Wenn die Zahl der Koppeln, die zu einem Hofe geboͤren, nicht in ſechs aufgehet, ſo behaͤlt man die uͤbrigen in Ruͤckhalt, wenn man ein⸗ mahl gezwungen wuͤrde, bey den andern eine Ver— änderung in dem regulaͤren Fruchtwechſel zu ma⸗ chen, — 298— chen, und beſtellt ſie ſonſt mit Wicken, Erbſen, Buchweitzen oder Kartoffeln. Die Folge der Fruͤchte: 1. Ruͤben, 2. Gerſte, 3. lee, 4. Raygras⸗Legde, 5. Weitzen, 6. Gerſte, müſſen wir, einige in den neuern Zeiten ge⸗ machte Ausnahmen ungerechnet, als das Weſent⸗ liche der Norfolker Wirthſchaft betrachten. Wer⸗ den Ausnahmen gemacht, ſo beobachtet man doch aufs Gewiſſenhafteſte den Grundſatz, in ſechs Jahren nur dreymahl Korn, und nie mehr⸗ als zweymahl hinter einander zu bauen. Sollte etwa ein Farmer, der ſeinen Hof verlaſſen wollte, es verſtohlner Weiſe unternehmen, oͤfter Korn zu bauen, ſo wuͤrde er von allen ſeinen Mitbruͤ⸗ dern als der niedertraͤchtigſte und ſchaͤndlichſte Menſch verſchrieen, und aus aller geſellſchaftlichen Verbin⸗ dung ausgeſtoßen werden. Der e Der Bau der Ruͤben wird im folgenden Capitel ausfuͤhrlicher beſchrieben werden; ich ver⸗ weile nur bey einem Umſtande, den man in Nor⸗ folk vorzuͤglich beobachtet hat. Einige ſehr nachdenkende und genau beobach⸗ tende Norſolker Farmers geben zu, daß man mit den Ruͤben in der Maſtung ungleich weiter reiche, und die Koſten uͤberfluͤſſig bezahlt erhalte, wenn man ſie auf deln Hofe verfuttere; daß man auch das Land gewiß um den Miſt nicht betruͤge, wenn man ſolchen im beſten Zeitpuncte ſeiner Vermode⸗ rung wieder auffahren laſſe; ſie bleiben aber dennoch bey der alten Weiſe, ſolche wenigſtens groͤß⸗ tentheils auf dem Lande ſelbſt zu verfut⸗ tern, und berufen ſich auf ihre Erfahrung und angeſtelleten Verſuche, wonach ſie es beſſer gefun⸗ den. Sie ſchreiben naͤmlich dem Viehlager, wel⸗ ches ſie mit dem eigenthuͤmlichen Provinzial⸗Na⸗ men Teache belegen, auf dem gelockerten Ruͤ⸗ benfelde eine ganz beſondre fruchtbarmachende Ei⸗ genſchaft zu, die durch nichts erſetzt werde koͤnne. Nicht bloß der Miſt und Urin, auch nicht bloß der Tritt des Viehes ſey es; denn dieſem koͤnne durch Duͤngung, durch Walzen, nachgeholfen wer⸗ den; ſondern die Ausduͤnſtung und der Odem des Viehes muͤſſe einen vorzuͤglichen Antheil haben. Je Je ſetter das Vieh, deſto fruchtbringender ſey es; mehrere magere Stuͤcke, am Gewichte einer ge⸗ ringern Anzahl von ſetten uͤberlegen, thun nicht daſſelbe. Es habe dies Einfluß auf alle folgende Erndten. In der That eine merkwuͤrdige Beob⸗ 6 achtung! Ihre Erklärung ſcheint mir keinesweges außer den Graͤnzen unſerer phyſicaliſchen Theorie zu liegen; doch uͤberlaſſe ich es meinen Leſern, hiervon ſelbſt die Anwendung zu machen. Auf die Ruͤben folgt Gerſte. Dieſe ſ Korwart iſt dem Boden ſo vorzuͤglich angemeſ⸗ ſen, daß ſie in jedem Umlaufe zweymahl kommt; denn ſie giebt die eintraͤglichſte und faſt nie fehl⸗ 1 ſchlagende Erndte. Man pfluͤgt das Rübenland dreymahl dazu. Wenn es vor Winter geſchehen kann, ſo wird ge ſtre cket mit einer ſtehenbleibenden Furche. Im Feühjahre wird ganz umgebrochen, das erſte Mahl aber immer flach, das zweyte Mahl zur vollen 3 Tiefe; das dritte Mahl wird die Gerſte flach un⸗ tergepflüͤget. Wenn zwiſchen dieſen drey Pflug⸗ arten auch nur eine Woche Zeit iſt, ſo werden ſie von guten Wirchen doch nicht unterlaſſen⸗ Dies ſcheint widerſinnig, da ein ſo bald wieder⸗ holtes ——.—.— holtes Pfluͤgen auf das Unkraut keine Wirkung haben kann, und zumahl bey dem loſen Boden, der in der austrocknenden Fruͤhjahrszeit ſeine Feuch⸗ tigeeit dadurch verliert. Allein wir muͤſſen hier⸗ in der Einſicht der Norfolker Farmers trauen, die ſich auf den Gerſtenbau ſo vorzuͤglich verſtehen, und behaupten: das tand könne fuͤr die zarten Wurzeln der Gerſte nicht locker genug ſeyn. Bey Stoppel⸗Gerſte haͤlt man es fuͤr ſo noth⸗ wendig nicht, da das kand durch Verrottung derſelben ſchon locker iſt; doch aber allemahl fuͤr beſſer. Die Saatzeit richtet ſich gewoͤhnlich, und ſeit alter Zeit, nach dem Ausbrechen der Eiche. Der Acker wird mit Egge und Walze eben ge⸗ macht, dann beſaͤet und untergepfluͤget. Jeder gute Wirth läßt ſeine Gerſte jäten, welches, je nachdem ſie unrein iſt, fuͤnf bis acht Schill. der Acre koſtet. Der Klee, faſt immer mit Raygras ver⸗ miſcht, wird nicht unmittelbar nach der Gerſte, ſondern in der Zwiſchenzeit der Saat und des Auflaufens, geſaͤet und loſe eingeegget. Warum nicht gleich in das lockere feuchte Land, nach der Ger⸗ — 302— Gerſte? Vermuthlich, damit er nicht zu fruh laufe, und die zarten Keime bey eintretender Duͤrre 3 wieder vertrocknen; was nicht zu beſorgen ſtehet, wenn der Saamen liegt, bis wieder naſſe Witte⸗ rung eintritt. Nach der Gerſten-Erndte verſchont man ihn ſorafältig mit Schaafen; Rindvieh laͤßt man aber darauf. Das Kleefeld des dritten Jahrs wird ent⸗ weder zweymahl zu Heu gemaͤhet, oder haͤufiger nur einmahl, und zum zweytenmahle abgehuͤtet, oder gar, was doch ſelten geſchiehet, blos als Pferde⸗ und Rindvieb⸗Weide benutzet. Dann werden die Thiere geteddert(tedder'd— welch eine Aehnlichkeit zwiſchen den meiſten engliſchen ſckerbau-Ausdruͤcken mit den deutſchen gewiſſer Provinzen!) Man hat in Norfolk dieſelbe unangenehme Erfahrung gemacht, wie in Meklenburg, daß das Land des rothen Klees muͤde werde, wenn er ſelbſt in dieſem ſechsjaͤhrigen Umlaufe ſchon oft darauf gebauet worden. Er laͤuft ſehr gut; wenn aber die Zeit kommt, wo er ſich beſtauden ſoll, — — e— — 303— ſo gehet er aus. Daher hat man ſich auf eini⸗ gen Aeckern genoͤtbiget geſehen, andere Kleearten, den weiſſen(trifolium repens) und den gel⸗ ben(trifolium agrarium), darunter zu ſaͤen. Nie haͤlt ſich der Klee in Norfolk laͤnger als ein Jahr. Im zweyten ſiehet man kaum einzelne Halme mehr davon. Dann aber hat das Raygras das Land voͤllig uͤberzogen. Man hat uͤber dieſes bey den Englaͤndern, beſonders den Norfolkern, ſo beliebte Gras in Deutſchland genug geſpottet, es beynahe unter den Graͤſern fuͤr das allerſchlechteſte erklärt, und nicht begrelfen koͤnnen, wie die Englaͤnder mit einem Schnitte dieſes Graſes— denn mehr giebt es ſelten— zufrieden ſeyn koͤnnen. Um ſchoͤne Raſenſtuͤcke in den Parks zu machen, moͤge es gut ſeyn; fuͤr den Landwirth ſey es ein Unkraut, was beſſern Graͤſern den Platz raube. Ja man hat es faſt als einen Beweis der Unwiſſenheit und Vorurtheile engliſcher Landwirthe angefuͤhrt, daß ſie noch immer an dieſem Graſe klebten. Andee haben gemeint, es muͤſſe der Wieſenhafer, Avenz elatior, welches die Franzoſen Ray⸗ gras nennen, oder eine andere beſſere Grasart dar⸗ darunter verſtanden werden. Es iſt aber nichts anderes, als das Lolium perenne. Wer dieſes Gras zu dem Zwecke, wozu man in Dentſchland gewöhnlich Futterkraͤuter er⸗ bauet, auswaͤhlen wollte, der wuͤrde freylich ſehr thoͤrigt bandeln. Seine Eigenſchaften ſind folgende: Es kommt ſehr fruͤb, und ſehr dicht hervor; es bleibt aber ſehr niedrig, und verdor⸗ ret unten, wenn es nach Johannis in Halme gehet. Es iſt ungemein nahrbaft und ſüß, bringt aber wenig vor die Senſe. Wenn es ſeinen Frühjahrswuchs vollendet, ſo ſchießt es kaum vor dem ſpäten Herbſt wieder aus. Die Norfolker wollen von dieſem Graſ⸗ aber nichts weiter, als Weide fuͤr ihr Maſtvieh, vom erſten Fruͤhjahre an bis zu Ende Junii, haben. In dieſer Abſicht finden ſie nun nichts, was dem Raygraſe gleich komme. Je ſtaͤrker es niedergehalten wird, deſto dichter ſproſſet es hervor. Und dabey finden ſie, daß es an Nahrhaftigkeit alle andere Futtergewaͤchſe uͤbertrifft, und daß das Maſtvieh bey keinem ſo vor⸗ waͤrts kommt⸗ Bald 9e ht Bald nach Johannis aber, wenn der ein⸗ mahl gemaͤhete Klee wieder zu gruͤnen anfaͤngt, wird das Maſtvieh darauf gebracht, und nun dieſe zweyjaͤhrige Legde flach umgepfluͤgt, oder auch nur geſtrecket. So liegt das Land, bis die Haupterndte⸗Geſchäfte beendigt ſind; dann wird es zur vollen Tiefe in die Qucer gepfluͤget. Hierauf wird der kurze Duͤnger gebracht, und ſolcher unmittelbar darauf ſehr flach untergepfluͤ⸗ get. Dieſer dritten Pſlug⸗art ſchreibt man einen großen Nuten zu, das Land vollig muͤrbe zu machen. In dieſem Zuſtande bleibt es bis zur Saatzeit liegen, wo es geegget, gewalzet, dann mit Weitzen beſaͤet, und dieſer nun in ſechs⸗ bis zehnfurchige Beete untergepfluͤget wird. Dies geſchiehet in Norfolk faſt nie vor Ende Octobers, und man faͤhrt damit bis im December fort. Der Weitzen wird, ſo wie die Gerſte, Auf die Weitzen⸗Stoppel bringt man ſehr gern wieder Maſtvieh, um das Land der Wohl⸗ that des Viehlagers genießen zu laſſen, und fäbrt ihnen Ruͤben zu, um ſie darauf zu ver⸗ zehren. 1. 1 Man — 306— Man bricht dann die Stoppel zur Gerſte um, und behandelt ſie ungefohr eben ſo, wie nach den Ruͤben. Wir muͤſſen jetzt noch einiges uͤber die Be⸗ handlung ihres Viehſtapels bemerken. Vormahls, ſcheint es mir, hielt man i Rorfolk mehr auf Schaafe; jedoch gab man ſich in den cultivirteren Diſtrieten nicht mit Auf⸗ zucht derſelben, ſondern nur mit der Maſtung ab. Man kauſte naͤmlich die Schaafe gegen das dritte Jahr aus dem wuͤſteren weſtlichet Diſtriete, auch außerhalb der Provinzen ordwarts auf, trieb ſie auf die Raygras⸗ und Flee⸗Legde, und vollendete ſie auf den Ruͤbenfeldern. Mar⸗ ſball ſagt aber, die Schaafe haͤtten ſich faſt ganz verlohren, und man ſaͤhe höchſt ſelten eine erhebliche Heerde in den Koppeln. Die Urſoch, warum man in Norfolk von dieſer, in anderen Gegenden Englands ſo vortheilhaften Schaaf⸗ wirthſchaft abgegangen, ſcheint mir hauptſächlich in der ſchlechten Gattung von Schaafen zu lie⸗ gen, welche hier, von der roheren Cultur her, einheimiſch war. Eine beſſere Zuzucht ſelbſt zu befordern, war den wirthſchaftlichen Verhaͤltniß ſen — ſen der Norfolker Farmers wohl nicht angemeß ſen. Jetzt werden hoͤchſtens nur ten, um den Ochſen auf der Weid und ihre Ueberbleibſel zu verzehren. Aus Kuͤhen macht man ſich ſehr wenig, wenigſtens in Anſehung der Wiliiten Sie werden faſt allein zur Zuzucht gehalte laͤßt man das Kalb mit Nutter auf Weide gehen, und nach Geſallen freſſen und ſaugen. Die Hauptſache ſind die Maſt⸗ochſet Ein Theil davon wird in der Provir aufgezogen. Dieſes iſt eine kleine f kurzbeinige, wohlgewoͤlbte, breithuͤftige, klein⸗ koͤpfige Art, die den in England ſo hoch ge⸗ ſchaätzten Vorzug hat, im dritten Jahre vollkom⸗ men feit zu werden, und deren Fleiſch don, wegen ſeiner Zartheit ſowohl als wegen der wenigen Knochen, vorzuͤglich im Preiſe ſie— het. Das mittlere Gewicht, was ſie erlangen, ſind 560— 600 Pfund. Ein großer Theil kommt aber mager aus Schottland, auch wohl aus Lincoln⸗ und Yorkſhire. Das Vieh wird in drey Claſſen getheilt: erſtens dasjenige, was im vollen Triebe ſtehet; 2teus 12 das das, wobey die Maſtung anfaͤngt; und ztens n das Zuzucht-Vieh. So wie die erſte Claſſe eine Gras⸗ oder Ruͤben⸗Koppel verlaͤßt, folgt z die zweyte, und dieſer die dritte Claſſe nach. füͤ Man rechnet einen Aere Ruͤben gewöhnlich auf einen Maſtochſen, der dann aber ſeinem Nachfolger, welcher erſt bey den Ruͤben an⸗ ſetzen, beym Raygraſe aber vollendet werden ſoll, einen Theil hinterlaͤßt. Der Gewinnſt auf einen ſolchen Ochſen wird zu 5 Pf. Sterl. im Durch⸗ ſchnitte angeſchlagen. Dies ſind die Grundzuͤge der gewohnlichen Norfolker Wirthſchaft, wodurch dieſer, unter der Mittelmaͤßigkeit ſtehende, jedoch mit reichem Mergel⸗Lager begabte Boden, zu einer Cultur und zu einem Ertrage gebracht worden, die, wenige von der Natur vorzuͤglich beguͤnſtigte Flecke ausgenommen, vielleicht in Europa nicht ihres Gleichen haben⸗ Verdiente ſie daher nicht in verſchiedenen Gegenden Deutſchlands, die, in Anſehung ihrer natuͤr⸗ natuͤrlichen Beſchaffenbeit und Verhaͤltniſſe, mit Rorfolk ſebr viel Aehnliches haben, eine möglichſt genaue Nachahmung? Ich werde mich daruͤber in dem Rachtrage zu dieſem Capitel aus⸗ fuͤhrlicher erklaͤren. Zwoͤlftes Capitel. Der R ben 5 Vun deutſche landwirthſchaftliche Schriftſteller haben die Turnips der Englaͤnder fuͤr eine ganz beſondere Art von Ruͤben gehalten. Der eine bat geglaubt, es ſeyen unſere Kohl⸗ oder Steck⸗ uͤben; der and die Runkelruͤbe oder Man⸗ goldwurzeln. Allein Turnip beißt Rube; und alles, was wir Deutſchen, beſonders Riederſach⸗ ſen, unter dieſem Namen verſtehen, begreifen die Englaͤnder unter jenem. Die Steckruͤbe heißt bey ihnen turnip rooted cabbage; die Runkel⸗ „p e— — c— — ——— Runkelruͤbe aber the scarcity voot, Ein ranzoſe hat das deutſche Wort Mangoldwurzel dur Racine de disette uͤberſetzt, in der ſanguiniſchen Hoffnung, allem Mangel damit ab⸗ belfen zu können. Die Englaͤnder haben den Sinn des franzöſiſchen Namens wieder in ihre Sprache uͤbertragen. Unter Turnip, ſchlecht⸗ weg, verſtehen ſie unſere gewöhnliche Feldruͤbe (prassics rapa Linn.). Man weiß, daß dieſe mancherley Ahartungen hat; die Haupt⸗ verſchiedenheiten ſind die lange und die runde zipe llen formige Art. Eine Mittelgattung zwiſchen n beyden, die man auch in Deutſchland an anchen Diten antrifft, ſcheint die gewoͤhnlichſte in Norfolk zu ſeyn). Marſhall fuͤhrt in ſeiner ) Nathaniel Kennt ſagt in ſeinem Berichte an den Board of agriculture, der Räbenbau ſey zuerſt vurch den Lord Viſcount Tow nſend in Norfolk eingefuͤhrt worden. Dieſer habe die Ruͤ⸗ ben aus Han over, wo er als Staatsſecretaͤr ber Georg dem Erſten geweſen, mitgebracht, und ſie ſeinen Paͤchtern em k n, indem er bemerket, daß ſein Boden mit dem Boden eines Theils des Churfuͤrſtenthums viel Gleiches habe. Kennt glaubte — 312 ſeiner Beſchreibung des Ackerbaues von Norfolk vier Gattungen an. 1. Die gemeine weiße Ruͤbe, white loaf, vhite round, white rind genannt. 2. Die rothe. Dieſe iſt in ihrer Geſtalt der vorigen gleich, aber ihre Rinde iſt von dunkelpurpurrother Farbe. Sie iſt gewoͤhnlich kleiner, aber von einer feſtern Conſiſtenz, wie jene. Sie bält den Wimer beſſer aus, und bleibt glaubte daher, mon muͤſſe dieſen Bau im Hannd⸗ veriſchen zu großer Vollkommenheit gebracht ha⸗ ben; er haͤtte daher Gelegenheit genommen, einen pansbveriſchen Edelmann zu Windſor darum zu befragen, habe aber wohl bemerkt, daß man dort nicht viel davon wiſſe, welches ihn ſehr in Ver⸗ wunderung geſetzt, indem er nicht begreife, wie ein ſo wichtiger Artikel, wenn er einmahl bekannt geweſen, wieder in Vergeſſenheit gerathen, oder doch zu keiner groͤßern Vollkommenheit gebracht werden könne. Ann. of Agriculture, N. 121. S. 24 — bleibt feſter und ſaftiger bis zum Fruͤbjahre. Doch ſcheint das Vieh ſie weniger zu lieben. 3. Die gruͤne Art;— iſt eben ſo geſtal⸗ tet, nur die Rinde gruͤnlich. Sonſt iſt ſie der weiſſen gleich, wird aber von manchen ihr vor⸗ gezogen. 4. Die wulſtige Art, pudding stock, auch Tankard turnip genannt. Dieſe unter⸗ ſcheidet ſich ſchr, und ſcheint eine beſondre Art zu ſeyhn. Sie ſiehet nicht flach auf oder unter dem Boden, ſondern ſie tritt in eylindri⸗ ſcher Form acht bis zehn Zoll aus der Erde her⸗ vor. In Anſehung der Farbe und Conſiſtenz gleicht ſie der weiſſen. Um fruͤh geſaet und im Herbſte verfuttert zu werden, hat ſie große Vorzuge. Sie waͤchſt ſchr geſchwind, wird ſehr groß, und da ſie ſo aus der Erde heraus⸗ wäͤchſt, kann ſie leichter aufgezogen werden. Sie darf aber zum Wintergebrauche nicht im kande bleiben, indem ſie dem Froſte ſo ſehr ausgeſetzt iſt. „ . — 314 Sie ne ſandigen, oder wenig⸗ s mit Sand vermiſchten Boden. Auf einem chweren Klayboden gerathen ſie nicht leicht. In⸗ deſſen kann man ihn doch durch Mergel und durch vieles Auflockern dazu geſchickt machen. Im 2 beile der Bath-society's papérs ſtehet eine Rachricht von einem ſehr guten Hecv⸗ nomen, F. Anderdon, der ſie mit großem Nutzen zwiſchen gedrillete Bohnen, nachdem dieſe etliche⸗ mahl behacket worden, geſaͤet. Die Bohnen machten den Ruͤben nachher Plaßz. Die Her⸗ ausgeber dieſer Schriften erregten Zweifel hier⸗ ber. Land, was zu Bohnen paſſend ſey, wie Anderd Land, konne unmoglich eine rei⸗ ipserndte geben. Weißkohl ſchicke ſich oenn, i Reihen on dre Fu 3 beſſer. igte ſich hiergegen; und es lie⸗ mehrere Schtiften ein, die Nach⸗ ichie ähnlichen ſe luͤck klich einge e nen Berſuchen übei Die ite zahmen alſo im zten ren Tadel ie nach⸗ Erkundigung eingezogen, und „ daß Klayboden, durch die Pferdehacke ii bearbeitet, ſchoͤne Ruͤben⸗ erndten gebe. In den neueſten engliſchen Schriſ⸗ ten finde ich, daß es ſehr gebraͤuchlich iſt, Ruͤ⸗ ben umter gedrillete Bohnen zu ſaͤen. — 2 — — * 2 . S — —— 8 — 5 Die „ & Die Stoppel wird zu den Ruͤben gewoͤhn⸗ lich um Weihnachten aufgebrochen, und zwar nicht, nach dem in Rorfolk ſonſt allgemeine Gebrauche, zum erſtenmahle ganz flach u pfluͤ⸗ gen, ſondern gleich zur vollen Tiefe, damit die volle Krume dem Einfluſſe der V interluft aus⸗ geſett werde. Erlaubt es die Zeit, vor Win⸗ ter zweymahl zu pfluͤgen, ſo geſchiehet es zum erſtenmahle flach. Die zweyte Furche im Fruͤh⸗ jahre wird nun nicht, wie ſonſt gewoͤhnlich, ins Kreuz gegeben, ſondern wieder in die taͤnge, weil der Pflug wegen der voͤlligen Tiefe der vorigen keine Haltung haben wuͤrde. Man ſucht dieſen unangenehmen Umſtand wohl dadurch zu heben, daß man Maſt⸗ochſen auf ein ſolches Feld reibt, und ſie Ruͤben von einem andern Felde darauf verzehren laͤßt. Sie treten das Land wie⸗ der ſeſt, und erlauben die ſo wichtig gehaltene Kreuzfurche. — So weit muͤſſen die Ruͤbenfelder vor der der Fruͤhjahrsſaat fertig ſeyn, waͤhrend welcher ſie dann ruhen. Sobald dieſe aber be⸗ endigt worden, iſt von der Mitte May's bis An⸗ fangs Juli alles Geſpann mit Duͤngerwagen, Pfluge und Egge auf den Ruͤbenfeldern beſchaͤf⸗ tiget. Sie erhalten nun die dritte Pflug⸗art. JLe Aladann wird der kurze mit Erde vermiſchte Duͤnger aufgefahreu⸗ und dieſer wird viertens fluͤgt; aber nur ſo fiach, daß er ver⸗ mi ut der Egge innig mit der Erde verbunden werden koͤnne. Gewoͤhnlich kommen zehn bis funfzehn Fuder ſolches Compoſts auf einen Aere. Dann wird er fuͤnftens zu gehoͤriger Zeit zur Saat gepfluͤgt. Man ſaͤngt mit der Saat gewoͤhnlich in 1 er Mitte des Junius an, und fährt bis zum achten Julius damit fort. Die erſte Saat iſt zum Herbſt:, die ſpoͤtere zum Wintergebrauch. Die ſpater geſäeten Ruͤben halten ſich viel beſſer 1 durch den Winter; man wuͤrde alſo uͤberhaupt ſpäͤter ſäen, wenn man von dem Aufkoimmen jeder Ausſaat ſicher waͤre. Da dieſe Saat aber ſo vielen Ungluͤcksfaͤllen ausgeſetzt iſt, ſo behält man Zeit, die Ausſaat zu wiederholen, falls die erſte, beſonders von der Erdfliege, zu Grunde gerichtet wuͤrde. Wenn die Saatfurche einmahl leicht mit einer Egge uͤberzogen worden, ſo wird der Saa⸗ me mit einem weiten hohen Wurfe, und unter zweymahligem Uebergehen des Feldes, ausgeworfen: zwey zwey bis drey Pfund auf den Acre. De Saame wird dann eingeegget, und zwar auf die in Norfolk gewoͤhnliche Art, daß die Pferde einmahl im Schritt auf einem Strich hinauf— geben, und im Trabe wieder herunterlaufen. Da aber die engliſchen Eggen gewoͤhnlich vor⸗ waͤrts gebogene Zacken haben, ſo werden ſie zu dieſem Behufe herumgekehrt, damit ſie den Saamen nicht zu tief vergraben. 1 Wir kommen jebt auf den wichtigſten Hand⸗ griff; auf das Behacken, und die dadurch zu bewirkende Vereinzelung und moͤglichſt gleich ent— fernte Ausſetzung der Ruͤben. Dieſe Arbeit iſt leichter zu verrichten als zu beſchreiben. Faſt kein guter Landwirth in England und kein ein⸗ ziger Norfolker unterläßt ſie. tieber wuͤrde er ſeinen Ruͤben⸗acker wieder umpfluͤgen, als mit dem ſchlechten Ertrage einer unbehackten Saat fuͤrlieb nehmen, und nach ſo ſorgfaͤltiger Bear⸗ beitung ſein Land wieder verwildern laſſen. Zuvoͤrderſt kommt es ſehr darauf an, den rechten Zeitpunkt des erſten Behackens zu treffen. Zu fruͤh:— dann werden die jungen Pflan⸗ jen, welche man ansſetzt, zu leicht mit Erde uͤber⸗ — 3¹6 uͤberſchuͤttet, und in ihrer erſten Vegetation ge⸗ ſtoret. Zu ſpaͤt:— ſo draͤngen ſich die Ruͤ⸗ ben in die Hoͤhe, da ſie ihr Kraut flach an der Erde ausbreiten muͤſſen, wenn ſie recht ſtark werden ſollen, und man kann ſie dann einzeln nicht leicht mehr unterſcheiden. Wenn das Kraut ſich ungefahr in der Größe einer flachen Hand ausgebreitet, ſagt Marſhall, ſo ſoll man be⸗ hacken. Sollte ſich indeſſen viel Unkraut zeigen, ſo muß man fruͤher daran gehen. Es kommt darauf an, daß die ganze Oberflaͤche des Bodens gelockert, alles Unkraut vertilgt, und die Pflanzen einzeln in gehoͤriger Entfernung ausgeſetzt werden. Dazu gehoͤrt ein richtiges Augenmaaß und eine Fertigkeit der Hand, die ſich die Ruͤbenhacker, welche faſt von Kindheit auf dieſe Arbeit getrieben, in ei⸗ nem hohen Grade erworben. Jeder hat uͤbrigens ſeine eigenen Handgriffe, und ſelbſt die Inſtru⸗ mente ſind ſehr verſchieden. Die recht geuͤbten Arbeiter haben Hacken, zehn Zoll breit, um die Arbeit, welche faſt allgemein im Verdinge ge⸗ ſchiehet, deſto geſchwinder zu vertichten. Sie ſetzen die Ruͤden gleich zum erſtenmahle funfzehn bis achtzehn Zoll weit aus einander. Sonſt konnten ſie auch bey dem geringen Preiſe von 6 Schill. —— — 6 Schill., den man fuͤr zweym eines Acre in den rechten Ruͤbe zahlt, nicht beſtehen. Man geſteh daß dieſe beſonders auf reichem Boden, und bey ſpäterer Ausſaat, zr gro 3 und daß der g Fuß ſ. einander kommen, und das Behacken das Doppelte koſtet. re Ertrag es Wenn man daher keine geuͤbte Hacker hat, ſo thut man beſſer, ſie um Tagelohn mit ſchmaß⸗ leren Hacken bearbeiten, und zum erſtenmahl alle Ruͤben, die ſechs Zoll Spielraum haben, ſtehen zu laſſen. Ich habe mir nach der Beſchrei⸗ bung, die ich in einem engliſchen Schriſtſteller fand, dreyeckige Hacken machen laſſen, die vorn ſpiß zulaufen, und in der Baſis fuͤnf Zoll breit ſind. Der Stiel iſt nur eine Elle lang. Hiermit lernten meine Leute geſchwind arbeiten mit der Spitze fubren ſie um die auszuſetzender Ruͤben herum, und wo ſie Raum hatten, arbei⸗ teten ſie mit den breitern Seiten. 7 Da die Ruͤbenſaat ſelten ganz gleichförmig läuft, und immer leere Platze bleiben: ſo muß man man auch darauf Ruͤckſicht nebmen. Wenn zwey oder drey Ruͤben nur vier bis fünf Zoll aus einander ſtehen, auf allen Seiten aber einen weiteren freyen Platz haben, ſo muß man ſie ſtehen laſſen. Wenn ſie ſich bey ihrem Wachs⸗ thume auch unmittelbar beruͤhren, ſo werden ſie auf der einen Seite platt; auf der andern deh⸗ nen ſie ſich aber deſto ſtaͤrker aus, in eben dem Verhaͤltniſſe, wie ihr Kraut ſich dahin aus⸗ breitet. Nach drey Wochen ungefaͤhr, ehe ſich die Blaͤtter ſo ausgebreitet, daß man die Pflanzen nicht mehr unterſcheiden kann, und je nachdem das Unkraut wieder aufſchlaͤht, geſchiehet das zweyte Behacken. Auch dies unterlaͤßt kein gu⸗ ter Wirth. Der Boden muß nochmahls ganz aufgelok⸗ kert, alles Unkraut vertilgt, und jede uͤberfluſ⸗ ſige Pflanze weggehauen werden. Bey dieſem zweyten Behacken kann man es weit beſſer er⸗ kennen, welcher Pflanze zu ſchonen, und welche wegzunehmen ſey. Daher iſt es am rathſamſten, das regulaͤre Ausſetzen der Ruͤben dieſer zweyten Hacke zu uͤberlaſſen, und ſich bey der erſten nur l di hi kr — 321— nur auf die Vertilgung des Unkrauts und einige Verduͤnnung der Pflanzen einzuſchraͤnken. Zuweilen, jedoch nur auf den Fall, daß die Zubereitung des Landes oder das vorige Be— backen nicht ordentlich geſchehen, iſt noch ein Drittes nöthig. Wenn aber aufſchlagendes Un⸗ kraut es zu verlangen ſcheint, ſo waͤre es keines⸗ weges öconomiſch, es zu erſparen. Den Saamen nimmt man entweder von Ru⸗ ben, die man im Winter hindurch auf dem Felde hat ſtehen laſſen, oder von aufgenommenen und im Fruͤhjahre wieder eingepflanzten. Man hat bemerkt, daß der Saamen von dieſen vollkommner werde, und groͤßere Ruͤben gebe. Dagegen ſollen dieſe aber auch waͤſſriger und weichlicher gegen den Froſt werden. Viele machen es ſich daher zur Regel, ein Jahr ums andere von erſteren und von letzteren den Saamen aufzunehmen. Sollte dies nicht die Urſache ſeyn, warum bey uns die Ruͤben den Winter im Lande weniger aushalten, da man faſt allgemein den Saamen von aufge⸗ nommenen, im Keller verwahrten Ruͤben erziehet? 1. Wenn — 322— Wenn auf dem Ruͤbenfelde, wie ſich dies denn gemeiniglich zuträgt, viele leere Plätze ſind, ſo verpflanzen Einige die uͤberfluͤſſigen dahin. Auf die gewöhnliche Weiſe geht dies aber nicht. Die Ruͤbe erträgt das Andrucken nicht; ſie bleibt vielleicht am Leben, aber ſie käͤmmert. Man hat daher ſolche eylinderiſche Verſetzer, ungefaͤhr wie die Blumengaͤrtner, aber mit lan⸗ gen Handgriffen. Man hat dazu zwey Leute noͤ⸗ thig. Der Erſte ſetzt das Inſtrument auf eine Ruͤbe, und ziehet ſie im Drehen mit der Erde peraus. Der Andere nimt mit einem gleichen Inſtrumente auf dem Fleck, wo ſie bin ſoll, die Erde heraus. Der Erſte ſetzt dann die Ruͤbe binein; der Andere druckt die Erde wieder in die Heffnung. Der groͤßte Feind der Ruͤben iſt der Erd⸗ flob, oder die kleine Fliege, welche gleich die er⸗ ſten Saamenblätter befaͤllt, und mit ſelbigen die ganze Pflanze zerſtört. Man hält ſie in Nor⸗ folk fur die aͤrgſte Landplage, da man Jahre ge⸗ babt, wo man durchaus keine Ruͤbenſaat, wenn ſie auch zwey⸗ bis dreymahl wiederholet, davor hat aufbringen koͤnnen. Es ſind unzaͤhlige Mit⸗ tel ul chet El M ſin der mi An tel dagegen. Das Leberziehen mit Hollunderſtraͤu⸗ chen(ein Ueberſetzer verteutſcht Elder-tree durch Ellernſtrauch) iſt einmahl fuͤr ein ſehr ſicheres Mittel gehalten. Man hat dieſe Buͤſche auch mit ſtinkendem Aſand und mit Taback geraͤuchert. An⸗ dere vermiſchen den Saamen vorher in Bouteillen mit Schwefel und andern ſtinkenden Dingen. Andere nehmen halb alten, halb neuen Saamen, und weichen die Haͤlfte von jedem ein, die andere Haͤlfte nicht. Dann laufe der Saame nicht auf einmabl; und wenn der zuerſt laufende abgefreſſen werde: ſo bleibe der andere doch gut. Das Be⸗ ſtreuen der Saat mit Gyps, Aſche, Sod und Kalk, iſt in England auch geruͤhmet. Einer glaubt, die Fliege komme nach dem Duͤnger, und widerraͤth das Duͤngen. Noch ein Anderer raͤth, man ſolle ſo dicht ſaͤen, daß die Fliege doch etwas verſchonen muͤſſe. Aber aufmerkſame Beobachter haben alle dieſe Mittel unbewaͤhrt ge⸗ funden. Man kuͤndiget auch in England manche abſurde Mittel und Methoden in der Landwirth⸗ ſchaft mit noch groͤßerem Laͤrmen, wie bey uns, an. Aber bey der Communication, worin die aufgeklaͤrteren Landwirthe von einer Ecke des Reichs bis zur andern mit einander ſtehen, wird bald widerſprochen, genau verſucht, gepruͤft; und ſo kommt die Wahrheit ans Licht. Bey uns wird der Irrthum aus einer Schrift in die andere & 2 uͤber⸗ uͤbertragen, fortgepflanzt, oft anerkannt verbreitet, um nur die dͤconomiſch en Sammlungen zu fuͤllen. Der praetiſche Landwirth findet ſich hintergangen; ſchweigt aber geduld dig, oder frenet ſich gar, wenn auch Andere lehrgeld geben. r Himmel kann der Fllege durch einfal⸗ lende und Ziel ſetzen. Sie kann ſolche theils nicht wohl ertragen, theils entwachſen ihr die Ruͤben dabey. Haben ſie ein⸗ mahl ein rauhes Blat ſo ſind ſie geborgen. Alles, was da der gegen ſie thun kann, iſt, daß er die erſte Begetation des Keims mög⸗ lichſt zu befoͤt ſuche; und das geſchiehet, wenn der Boden mit kurzem Duͤnger wohl vermiſcht iſt, und wenn man ſo viel als möglich beym Anſchein zum Regen ſaͤet. Ein anderer, doch minder gefaͤhrlicher und nicht ſo häuſiger Feind der Ruͤben iſt eine Raupe. Sie ſcheint dieſer Pflanze eigenthuͤmlich zu ſeynz ſie befaͤllt ſie allein, und verſchont ſogar den ſo nahe verwandten Hederich. ie kommt erſt ſpaͤ⸗ ter, wenn die Ruͤben zum Behacken herangewach⸗ ſen ſind. Das Eggen mit Dornenbuͤſchen, und das mehrmahlige Ueberziehen mit der Walze, was den — — 325— r den Ruͤben wenig Nachtheil bringet, bilft merk⸗ lich. Auch treibt man eine Trift Enten auf das Feld, die ſie begierig verſchlucken. Man muß ſie aber nicht laͤnge n laſſen, als bis ſie ihren Appetit an den Raupen beftiedigt: ſonſt greifen ſie die Ruͤben an. 9 v W Koſten dieſes Baues ſind nach dem Durchſchnitt der mancherley Angaben ungefaͤhr ſchehe vom Acre: Fmabl zu pfluͤgen pfl Pf. St. 15 Schill. o Pence. 6mahlzu eggen⸗— 0 0— 6— Saamen 0— 0— 6— Säen 0— 0— 3— 2mahl zu behacken o— 8— 0— Duͤnger 1— 4— 0— Landzins⸗ 1— 0— 0— — 3 Da jeder Landwirth in den Provinzen, wo der Ruͤbenbau häufig iſt, ungleich mehr Ruben bauet, als er fuͤr ſein Vieh bedarf: ſo werden die meiſten auf dem Felde an ſolche Leute, die Viehmaſtung im Großen treiben, verkauſt. Dies geſchiehet gewoöhnlich mit dem Bedinge, daß die Ruͤben Ruͤben auf dem Felde verfuttert werden, mit Schgafen, Rindvieh oder Schweinen. Dann iſt der mittlere Preis eines Acre 2 Pf. St. 10 Schill. Alſo ein Verluſt faſt von 1 Pf. St. Freylich ein baarer Verluſt, aber doch ein erſtaunender Gewinn! Denn erſtlich muß man erwaͤgen, daß von dem Duͤnger ganz und gar nichts verlohren wird, ſondern daß ihn das Maſtvieb, dem noch Stroh und Streu zugefah⸗ ren werden muß, wenigſtens verdoppelt. Zweytens iſt dies wohl die allervollkommenſte Braache, die ſich denken laͤßt. Bey dem fuͤnf⸗ mahligen Pfluͤgen und Eggen, und dem zweymah⸗ ligen Behacken, kommt auch jedes Staͤubchen an die Luft, und wird mit den befruchtenden Theilen derſelben beſchwaͤngert. Keine Zaſer von Unkrautswurzeln, kein Saamenkoͤrnchen kann un⸗ zerſtört darin bleiben. Drittens wird das Nachtheilige, was eine Braache bey leichtem Boden zuweilen haben ſoll (das zu ſtarke Auflockern deſſelben), durch das Tre⸗ ten und tiegen des Maſtviehes wieder verbeſſert. Eine „———— —,——„— —— in Eine Braache wuͤrde koſten: 4mahl zu pfluͤgen o Pf. St. 12 Schill. o Penee. — zu eggen o— 1— 0— eben der Duͤnger 1— 4— 0— Alſo werden 1 Pf. St. 17 Schill. durch die Ruͤ⸗ ben erſpart; und der Vortheil fuͤr das Land iſt wenigſtens noch um 1 Pf. St. groͤßer als bey der reinen Braache. Ziebet man aber die Ruͤben auf einmabl, oder ſo wie man ſie gebraucht, auf, und faͤhrt ſie nach Hauſe, wie auch oft geſchiehet, ſo erhaͤlt man vom Acre im Durchſchnitt 700 Centner; nach Andern 1000 Ct.*). Es iſt ausgemacht, daß man dann dreymahl ſo viel Vieh damit maͤ⸗ ſten kann, als wenn ſie auf dem Falde verzehret werden. Nach Abzug der mehrern Koſten kann man dann den Werth eines Acre auf 6 bis 7 Pf. St. annehmen. Und wenn der auf dem Hofe gemachte Duͤnger dem Lande wieder gegeben wird, *) Bath papers, T. II. p. 101. wird, ſo hat es keinen Zweifel, daß auch dies dabey noch Gewinn iſt. Aber im Allgemeinen geht wW dem NRorfolker Farmer, der den ſechsten Theil ſeines Landes, im Durchſchnitt 40 Acres, mit Ruͤben beſtellet, nicht an. In Suffolk und Porkſbire ziehet man die groͤßten Ruͤben auf, und faͤhrt ſie nach dem Hofe, wo ſie mit Stroh in Feimen gebracht werden. Die kleinern laͤßt man von den Schaafen aus⸗ freſſen. Alles Vieh, was hey den Ruͤben recht fett werden ſoll, m doch von der gruͤnen Fuͤtterung ſchon in guten Zu 3u9 ekommen ſeyn; ſonſt ſchla⸗ gen ſie nicht re cht e Uebrigens bezahlen die en Schlchter er mit Ruͤben gemäſteten Ochſen oder Hammel theurer als einen anderen von eben demſelben Gewichte und Bau. Dreyzehntes Capitel. r So wichtig und unentbehrlich die weiſſe Ruͤbe fuͤr dieſes Norfolker Wirthſchaftsſyſtem auch zu ſeyn ſcheint, ſo ſind doch viele neuere Englaͤnder der Meynung, daß es ungleich vortheilhafter ſeyn wuͤrde, wenn man die Möhre, Carotte oder gelbe Wurzel an ihre Stelle treten ließe. In einem Theile von Suffolk iſt dieſes auch ſchon allgemein, und ſelbſt in die benachbarten Gegen⸗ den von Norfolk uͤbergegangen. A. Young halt die allgemeine Einfuͤhrung des Moͤhrenbaues fuͤr eins — 330— eins der gluͤcklichſten Ereigniſſe, die den Acker⸗ bau, ja ſelbſt den Staat von England treffen koͤnnten. Manchem deutſchen Landwirthe wird es ſon⸗ derbar genug ſcheinen, wie ein ſo allgemein be⸗ kanntes, ſeit der Einfuͤhrung des Kartoffelnbaues faſt vergeſſenes Produkt in der hoͤheren engliſchen Landwirthſchaft eine ſo große Rolle ſpielen koͤnne. Freylich erinnert man ſich wohl, daß ein kleiner ſandiger, zu allem anbern faſt untauglicher Platz manche ehrliche Schuͤſſel auf den Tiſch, und fuͤr das Vieh obenein manchen Abfall, als Lecker⸗ biſſen geliefert. Wenn bey der Duͤrre alles da⸗ niederlag; wenn Raupen und Mehlthan jedes gruͤne Blatt zerſtorten; wenn bey anbaltendem kalten Regen alles ſtockte und an der Erde weg⸗ faulte: ſo verließ uns das Moͤhrenfeldchen nicht. Das iſt wahr!— im Kleinen iſt es ein vor⸗ theilhaftes Ding! Aber ſollte man wohl im Großen verhaͤltnißmäßig eben den Vortheil davon ziehen koͤnnen? Iſt der Bau nicht zu umſtaͤnd⸗ lich, zu kleinlich? Wird das Jäten nicht zu viel koſten? Wird der Ertrag dies hinreichend bezah⸗ len?— Und was ſollen wir dann mit der Menge von Moͤhren anfangen? Was koͤnnen ſie uns werth ſeyn, wenn wir keinen nahen Markt da⸗ fuͤr haben? Ueber Ueber alle dieſe Fragen wollen wir die neue⸗ ren Englaͤnder hoͤren. Sie glauben eben ſo fſt, aus den Moͤhren Gold machen zu können, wie unſere Kinder, wenn ſie Dukaten daraus ſchneiden. Dieſe Materie ſcheint mir um ſo mehr Auf⸗ merkſamkeit zu verdienen, da unſere deutſchen öco⸗ nomiſchen Schrifiſteller uͤber dieſen Bau nachlaͤſ— ſig weggehen, wenn ich den einzigen Bergen, in ſeiner Anleitung zur Verbeſſerung der Vieh⸗ zucht, ausnehme. In England ſelbſt iſt jedoch die allgemeine Aufmerkſamkeit auf dieſe Frucht erſt in den neue⸗ ren Zeiten erreget worden, und ihr Ban wird nur von einzelnen vorzuͤglichen Landwirthen, aus nachher anzufuͤhrenden Urſachen, im Großen be⸗ trieben, außer in dem oſtlichen Theile von Suf⸗ folk um Woodbridge, wo er ſchon ſeit vie⸗ len Jahren allgemein geweſen. Hier lernte Young dieſe Saat erſt recht kennen; und es iſt vorzuͤglich ſeinen Rachforſchungen, ſeinen Verſu⸗ chen, Berechnungen und Belehrungen zu verdan⸗ ken, daß der engliſche Ackerbau ſich an mehreren Orten mit dieſem Gewäͤchſe bereichert. Ich 55* Ich will zuvoͤrderſt den Bau, ſo wie er von den vorzuͤglichſten Landwirthen in England betrieben wird, und wie er, nach den aus man⸗ nigfaltigen er gezogenen Reſultaten am neinzurichten iſt, beſchreiben, und vürdigſten Erfahrungen und Ver⸗ ſuche um n 5 rtrag, den Werth und die Be⸗ nutzung zu beſtimmen, anfuͤhren. Der eigentliche Boden fuͤr die Möhren iſt ein trocken liegendes, muͤrbes, ſandiges und b dig-lehmigtes Erdreich. Der feſte Klaybode taugt nicht dazu. Je reicher aber jenes an L erde, und je tiefer es damit duechdrungen iſt, deſto eiri hafter iſt der Bau. Young hat aus ſei⸗ nen geſammelten Beobachtungen folgende Tabelle iogen n, umn das Verhaͤltniß zwiſchen dem Wer⸗ 6 des Si des und dem Vortheile des Carotten⸗ zu beſtimmen. ₰ S 5 S S 2 2 S . 2. 5 3* 3— S 2 vN„——. — — — * * * ⸗ * . 7 * ⸗ 5 ⸗ 7 ⸗ 7 „ e— o o o b 0 38 206 — S 25 3 2 ————— Sſo o o o o+ So o 0 o Mpd 2 2 o o o0 d o ncſſ — ſco e c S S S m 8— 8—„— SS] o1[24 3— S — uch 5 10[15—— 05 1 b BeRESS 8 S6 1 72 26 — o oo gobvand 330 610 co 0 0O 0+ b O S 0 0 S 0 0 ouoch SlAlllSSlSS 46 Si[„1 1 p0 67 1ho uoch Sle lISlIollo0 Es erhellet aus dieſer Tabelle, daß der Vor⸗ theil des Moͤhrenbaues im Ganzen deſto größer ſey, je theurer, oder je reicher, tiefer und muͤrber der Boden iſt. Mr. Hiltons Boden zu Fevers⸗ *„ ham iſt ein dunkelſchwarzer, tiefer, muͤrber Lehm⸗ boden, daher der Aecre auch vier Pf. St. Pacht thut. Dennoch iſt der Boden zu Woodbridge und Saxmundham, ſo wie der von Mr. Fello⸗ wes und Acton zu einem fehr großen Moöhren⸗ ertrage gebracht, ob er gleich an ſich ſehr geringe iſt. Der Boden zu Woodbridge beſiehet aus einem dunkelrothen, und, wenn er trocken, lau⸗ fenden Sande, der nur wenig bindende Theile bey ſich fuhrt. Der Vortheil des Möhrenbaues im Ganzen läßt ſich aus folgender von Young gemachten Be⸗ merkung erklaͤren. Da er auf ſeinem erſten Farm wenig zum Moͤhrenbau ſich qualificirendes Sand⸗ land hatte, ſo ſaͤete er im folgenden Jahre die Moöhren wieder auf daſſelbe Feld, jedoch nach mäßiger Duͤngung. Er erwartete, nach oͤcono⸗ miſchen Geſetzen, einen Abſchlag von dieſer zu zweyenmahlen nach einander gebaueten Ftucht, fand ſich aber durch einen hoͤheren Ertrag uͤberraſcht. Nun verſuchte er es zum drittenmahle, und er⸗ hielt noch mehr. Die erſte Saat gab naͤmlich 249, die zweyte 468, und die dritte 570 Buſb. Wei⸗ — Weiter konnte er den Verſuch nicht fort⸗ ſetzen, da er den Farm verließ. PVielleicht wird daher auch an jenen Orten durch den häufigen Moöhrenbau das ſchlechte Land immer dazu faͤhiger. Young ſelbſt ſcheint jenen Verſuch, den er in ſeiner experimental agriculture erzaͤhlt, bey der oͤſtlichen Reiſe, wo er ſich uͤber den gro⸗ ßen Möhremertrag des ſchlechten Landes wundert, vergeſſen zu haben. Ich ſelbſt kenne einen Mann, der ſeit zwoͤlf Jahren ein Stuͤck Gartenland ab— wechſelnd immer mit Kartoffeln und mit Moͤhren beſtellet. Zu jenen duͤngt er, zu dieſen nicht. Er findet, daß die Wurzeln mit jedem Jahre beſſer werden, die Kartoffeln aber im Ertrage ſehr abnehmen. Auf ſchwerem bindendem Klayboden hat Poung die Moͤhren auch verſucht. Er findet aber, daß ſich der Ertrag auf dieſem, gegen den auf leichtem Boden verhalte, wie vier zu funfzehn. Das Land muß aber vom Unkraute und beſonders von Quecken moͤglichſt rein ſeyn. Sie muͤſſen daher auf eine Saat folgen, wodurch das Land vollkommen gereiniget worden: entweder auf — 356— auf eine gedrillete und mit der Pferdehacke be⸗ arbeitete Frucht, oder auf gut behackte Ruͤben, Kartoffeln, Kohl, reinen Lein. Mr. Stovin beſtimmte eine Legde dazu, die er nach der Methode des paring and burn- ing behandeln wollte. Weil aber ſehr naſſe Witterung eintrat, ſo konnte er dies nicht voll⸗ fuͤhren, und das ganze Feld war mit Quecken uͤberzogen. Das tand wird von einigen nur einmahl um Weihnachten mit einem doppelten Pfluge, zehn bis zwolf Zoll tief, berumgebracht. Beſſer aber iſt es, die Stoppel im Herbſte zu ſtuͤrzen, dann kurz vor Winter mit zwey hinter einander gehen⸗ den oder einem zuſammengeſetzten Doppelpfluge das Land einen vollen Fuß tief umzuarbeiten, es im Win⸗ ter rauh liegen zu laſſen; dann Ende Maͤrzes zu eggen und nochmahls einfach zu pfluͤgen. Mit dieſer Furche wird dann der Duͤnger, wenn man ihn geben will, untergebracht. Die vortheilhafte Anwendung des Duͤngers zu Moͤhren hat Poung ſowohl durch eigne Ver⸗ ſuche, ſuche, als durch die auf ſeinen Reiſen geſammel⸗ ten Bemerkungen, ſehr ins licht geſetzt. Nach 9 Verſuchen hat er im Durchſchnitt erhalten: Auf den geduͤngten Feldern vom Acre 490 B. Auf den ungeduͤngten„ 260— Auf den geduͤngten alſo mehr 230— Den Buſhel zu 8 Penee gerechnet, betraͤgt dies⸗7 Pf. St. 13 Schill. 4 Pence. Den Duͤnger be⸗ rechnet er zu 1— 13— 3— Man gewinnt alſo durch den Duͤn⸗ ger„ 6—— Wo in aller Welt, ſogt er, kann der Duͤnger ſo theuer ſeyn, daß man ihn zu dieſem Preiſe nicht anwenden ſollte? Man muß aber bemerken, daß hier von verrottetem, mit Erde, auch wohl mit Kalk vermiſch⸗ tem Duͤnger(compost) die Rede iſt, und daß dieſes alſo mit der Meinung der deutſchen Gäͤrt⸗ — ner: man duͤrſe unter Moͤhren keinen langen Duͤnger bringen, in keinem Widerſpruche ſtehe. Das Land wird nun ſehr rein geegget, leicht gewalzet und wieder geegget. Dann wird der Saame bey windſtillem Wetter ſorgfaͤltig aus⸗ geſaͤet. Vier Pfund ſind auf den Aecre hinrei⸗ chend; doch gehet man ſicherer, wenn man ein Pfund mehr nimmt. Darauf wird wieder ſtark gewalzet, und hernach mit einer leichten Egge uͤberzogen. In Anſehung der vorzuglichſten Beſtellungs⸗ zeit ſind die Meinungen gerbeilt. Einige ſaͤen ſo fruͤh, wie es die Witterung nur immer erlaubt. Die Wurzel kann nicht lange genug wachſen, ſa⸗ gen ſie; je fruͤher geſäet, deſto ſtarker wird ſie werden. Andere ſind fur die ſpaͤtere Beſtellung im April: der Saame liege bey kalter Witterung doch nur in der Erde, ohne zu keimen; die trock nen Fruͤhjahrswinde verwehen ihn; das Unkraut hingegen wachſe fruͤher, und uͤberziehe den Acker, ehe ſich die Wurzeln zeigen. Allgemein wird ſich hieruͤber wohl nichts entſcheiden laſſen, da es von der zufaͤlligen Witterung abbaͤngt, ob die fruͤhe oder —ͤ— — oder die ſpäte Saat beſſer gerathe. Die Meiſten ſaͤen gegen Ende des Maͤrzes. Das fruͤh vor den Wurzeln erſcheinende Unkraut macht die meiſte Schwierigkeit bey die⸗ ſem Bau. Das Jaͤten iſt das ſicherſte, aber ein ſehr muͤhſames Mittel dagegen. Es machen ſich daher die Meiſten kein Bedenken, ſobald ſich Unkraut zeigt, tuͤchtig eggen zu laſſen, und die⸗ ſes ſo oft zu wiederholen, als es wieder hervor⸗ kommt*). Es ſchade nichts, ſagen ſie, daß viel⸗ leicht manche Wurzel, die eben hervorkeimen will, damit zerſtoͤret werde; es bleiben derſelben doch M2 uͤber⸗ *) Ein dreiſtes Eggen der jungen Möhren empfiehlt neuerlichſt Karl Slevogt in Denſo's dͤco⸗ nomiſchen Beytraͤgen, 2tes Heft S. 73. Er glaubt, daß man dadurch alles Jaͤten und Behocken erſparen koͤnne; worin ich ihm indeſſen nicht beypflichte. Wenigſtens wird der Ertrag die hierauf verwandten Koſten dreyfach erſetzen. Hrn. Denſo's Beytraͤge zähle ich uͤbrigens un⸗ ter die ſchaͤtzbarſten neuen öconomiſchen Schriften, da ſie eigenthuͤmliche Gedanken und Erfahrungen enthalten. — 340— ͤberflͤſſg. Wenn ſich aber die Wurzeln mit ihrem feinen Kraute in Menge zeigen, und man ſie doch nicht ſo deutlich vom Unkraute unterſchei⸗ den kann, daß man gleich die Hacke brauchen koͤnnte, ſo ſcheint das Jäten unentbehrlich zu werden. Einige haben auch mit einer Pferdehacke die Moͤhren gleich in eine Enutfernung von 9 Zoll geſetzet. Zu dieſem Endzwecke ſcheint mir indeſ⸗ ſen das Inſtrument, welches Reichard im dritten Theile ſeines Land⸗ und Gartenſchatzes, S. 11, beſchreibt, brauchbarer zu ſeyn. Rur muͤßten die ſogenannten Jaͤtehaͤcklein breiter ſeyn, wie er ſie angiebt. Man muß ſich ja nicht irre machen laſſen, wenn die Möhren ſpaͤt, nach der Mitte des May, noch nicht gelaufen ſind. Sie erſcheinen oft erſt zu Ende dieſes Monats, und manchmahl erſt im Junius, wenn der May trocken iſt. Wenn man nur ſicher iſt, guten Saamen erhalten zu haben, ſo bleiben ſie gewiß nicht aus⸗ Wenn die Möhren deutlich zu unterſcheiden ſind, und ihr krauſes Blatt baben, ſo iſt es Zeit zum Behacken. Die Hacke muß allemahl ſchmahler ſeyn, wie die Ruͤbenbacke. Beym er⸗ ſten Behacken iſt es am ſicherſten, die Wurzeln nur fuͤnf bis ſechs Zoll aus einander zu ſetzen. Beym zweyten aber, was nach vier Wochen un⸗ gefahr geſchiehet, muſſen ſie zehn bis zwolf Zoll Zwiſchenraum haben. Der reichliche Ertrag beruhet ganz auf die⸗ ſem Behacken. Nichts iſt hier ſo nachtheilig, als die Schonung uͤberſlüſſiger Pflanzen. Es bält ſchwer bey uns, Anfaͤngern in dieſer Arbeit das Mitleid zu benehmen, was ſie gegen jede friſch⸗ ſtehende Möhre fuͤhlen. Sie moͤchten ſie ſo gern zum Verſpeiſen aufziehen. Aber dieſe Heconomie taugt nicht, wuͤrde theils die Arbeit ins unend⸗ liche verzögern, theils aber dem Moͤhrenfeide nach⸗ theilig werden. Denn unſere Gaͤrtner haben ſchon die Bemerkung gemacht, daß die Mohren, von welchen man aufgezogen, vor Herbſt wurmſtichig werden. Es muß daher friſch vor der Fauſt weg⸗ gehauen werden, was dem andern die Nahrung entzieht. Man hat es auch langſt bey uns er⸗ fahren, daß ein Mohrenfeld im Kuͤchengarten, welches ſehr dicht ſiehet, zum Wintergebrauch einen — 34— einen ſchlechten Ertrag gegeben; wogegen ein an⸗ deres, was man wegen der wenigen Pflanzen im Fruͤhjahre umzugraben im Begriffe war, im Herbſte reichlich lohnte. So bekannt dies aber uch jedem Tagelöhner iſt, ſo weiß ich doch nicht, daß man dieſe Bemerkung bey uns gehörig be⸗ nutzet haͤtte. Zuweilen, wenn ſich abermahls nach fuͤnf bis ſechs Wochen Unkraut oder uͤberfluſſige junge Wurzeln zeigen, muß das Behacken zum dritten⸗ mahle wiederholet werden. Dies gehet dann aber leicht und geſchwind, koſtet nur wenig, traͤgt aber zur Verſtaͤrkung der Wurzeln und zur voll⸗ kommenſten Reinigung des Landes, auch auf die folgenden Saaten, ſehr viel bey. Man hat bey uns ein Vorurtheil gegen das Behacken und Schaufeln auf ſandigem Bo⸗ den, welches ſich, wie ſo viele andere Dinge, angeblich auf Erfahrung, in der That aber auf ein oberflächliches und falſches Raiſonnement gruͤndet. Man entziehe dadurch, ſagt man, dem Lande die Frucht; bey trocknem Wetter behackte Kartoffeln welkten augenblicklich, und ſo auch an⸗ dere Pflanzen. Aber man beobachte doch nur genau —==*— — 345— genau und unbefangen, entſchließe ſich, einige leichte Verſuche anzuſtellen, und man wird ſich bald vem Gegentheile uͤberzeugen. Bey brennen⸗ dem Sonnenſcheine ſieht freylich die Oberflaͤche eines gelockerten Feldes duͤrrer aus, wie die feſte Borke eines andern. Jeden Morgen aber wird man ſich durch das Auge und durch den Finger uͤberzeugen koͤnnen, daß das gelockerte Land die Nacht hindurch mit ungleich mehr Feuchtigkeit beſchwaͤngert worden, als das feſte. Selbſt im Mittage wird man in der Tiefe von etlichen Zol⸗ len gelockertes Land feuchter finden, als gebunde⸗ nes. um ſich von dem friſcheren Wachsthume der Pflanzen und ibrer größeren Dauerhaftigkeit bey der Hitze zu uͤberzeugen, behacke man doch nur die Häaͤlfte eines ſonſt gleichen Feldes auf eine ſchickliche Art, und laſſe die andere Haͤlfte liegen. Man wird bald die Vorzuͤge des erſteren ſehen. Daß man Kartoffeln und andern Ge⸗ waͤchſen, die ihre Haarwurzeln horizontal in der Oberflaͤche verbreiten, durch ein tiefes unzeitiges Behacken und Anhäufen ſchaden koͤnne, hat kei⸗ nen Zweifel, weil man ihnen die Wurzeln zu einer Zeit abreißt, wo ſie wegen Mangel an Frucht keine friſche ſchlagen konnen. Bey ſolchen Gewächſen aber, die ihre Hauptwurzel perpendi⸗ culär in die Erde treiben, hat dieſes keine Gefabr. Das — 344— Daß das Behacken der Moͤhren ungleich muͤhſamer und koſtſpieliger ſey, wie das der Ruͤ⸗ ben, verſteht ſich von ſelbſt. Das Ruͤbenland wird vorher im Frubjahre oft gepfluͤget, der ge⸗ keimte Unkrautsſaamen zerſtoͤrt, und die ſtaͤrkſte Vegetation der Unkraͤuter iſt nach Johannis vor⸗ bey; die Ruͤben wachſen dann geſchwind mit ihrem Kraute empor. Die Moͤhren muͤſſen hin⸗ gegen am erſten im Fruͤhjahre geſaͤett werden, wo alles Unkraut in Bewegung kommt, kommen ſehr ſpaͤt hervor, und laſſen dem Unkraute einen Vorſprung von neun bis zehn Wochen. Man laͤßt die Möhren ſtehen, bis das Kraut zu bleichen und zu verwelken anfängt. Das Kraut fruͤher zum Viebfutter abzuſchneiden, ſcheint nicht ſo nachtheilig zu ſeyn, als es ſol⸗ ches fuͤr den Kartoffeln⸗ertrag iſt, wenn man ihr noch ſaftiges Kraut aus falſcher Oeconomie zum Viebfutter brauchen will. Wenigſtens wird in Nr. 134 der Ann. of agricult., S. 40, ein Verſuch beſchrieben, wo ſie dreymahl ohne Rach⸗ theil gemaͤhet ſind. Man hat in England verſchiedene ſehr gluͤckliche Verſuche gemacht, die Möhren den Win⸗ it — ſ Winter uͤber in der Erde zu laſſen, und dann im Fruͤhjabre, wo das Futter ſo ſelten iſt, zu verbrauchen. So ließ Mr. Onley die ſeinigen in ziemlich ſeuchtem Lande einen kalten Winter bindurch ſtehen, und fand ſie im April im beſten Zuſtande. Annals of agriculture, B. 3. S. 217. Es iſt auch bey uns bekannt, daß Moͤh⸗ ren den Wate in der Erde oft ſehr gut aus⸗ balten. Indeſſen bliebe es doch ein Wageſtuck; und einen Winter, wie der von 1794 und 1795 war, wo ſo oft Thauwetter und heftiger Froſt abwechſelten, wuͤrden ſie gewiß nicht er⸗ tragen. Es iſt alſo am ſicherſten, ſie im Herb⸗ ſte auszunehmen. Dies geſchiehet am beſten mit einer gewohnlichen dreyzackigen Miſßtforke. Es wird dann der Kopf gleich abgeſchnitten, der Abfall fuͤr das Vieh gebraucht, und die Wurzeln nach Hauſe gefahren. Sie werden dann in der Scheure mit Sand verpackt, oder mit Strob in Fiemen gebracht, wie die Ruͤben, oder in die Erde vergraben. In letzterem Falle duͤrfen aber die Gruben nicht tief ſeyn, und muͤſſen durch ein auf die Moͤhren geſetztes und aus der Erde berausſtehendes Schoff Stroh etwas tuft behalten: ſonſt faulen ſe. Die — 346— Die Koſten, welche dieſe Cultur erfordert, belaufen ſich hoch. Und wo man keinen vor⸗ theilhaften Markt und einen großen Ueberfluß hat, iſt es damit noch nicht gethan. Die nuͤtzlichſte und eintraͤglichſte Verwendung iſt zur Maſtung von Rindvich und Schweinen. Die Anſchaffung dieſes Viehes erfordert alſo wenig⸗ ſtens noch einen halbjährigen Vorſchuß. Dies iſt die Urſache, warum dieſer Bau ſich ſelbſt in England noch nicht allgemeiner verbreitet hat, obgleich jeder eingeſtebet, daß es nichts Vortheil⸗ hafieres gebe. Erſparungen ſind bey dieſem Ar⸗ tikel höchſt nachtheilig. Wird ein Behacken un⸗ terlaſſen, oder nicht gehörig vollfuͤhrt, ſo kommt wenig heraus. Die Koſten ſind, wie aus der oben mit⸗ getheilten Poungſchen Tabelle erbellet, verſchieden. Dieſe Verſchiedenheit berubet, anßer dem unglei⸗ chen Landzins, vorzuͤglich darauf: ob man ge⸗ uͤbte oder ungeuͤbte Hacker habe. In Gegenden, wo dieſer oder der Ruͤbenbau eingefuͤhrt iſt, und jeder Burſche behacket, ſobald er die Hacke fuͤh⸗ ren kann, ſind ſie viel geringer. Folgendes ſind einige Koſtenberechnungen. it n. i⸗ — 347— Aus YPoungs experimental agricultu re: Ein Doppelpfluͤgen„„„ Zwey gewoͤhnliche Pflug? arten Fuͤnfmahliges Eggen„„„ Saamen und Saͤen — „ . * — . .* Erſtes Bebhacken„ Zweytes Behacken⸗ Drittes Bebacken„„ Viertes Behacken„ Aſccbin„ Abſchneiden, Wegfahren, Auflegen Von Mr. Cope zu Rottingham: Landzins nhen Shmin„ Sin Dreymahliges Pfluͤgen⸗„„„ Zweymahliges Eggen„„1i Behacken und Jaͤten⸗ Aufnehmen, Wegfahren u. ſ. w. ir „ go 0 00 MS — unch .— ne — o o oo o oo o0 S 8 — — Ein Moͤhrenfeld von 1½ Morgen Calenb., reicher Sandboden, koſtete mir im Jahre 1796 Fuͤr zweymahl einfaches Pfluͤgen — ein Doppelpfluͤgen. — viermahi zu e9gen — — Saamen.. —* Säen*.. Walzen„„„ — Erdduͤnger. Zu jät Erſtes Behacken. Zweytes Behacken. Drittes Behacken — * — „ * — Aufnehmen und Reinigen Wegfahren„ * — — — — — „ 0 1 0+ 08 ſb——+— 00 00 — — „ S 15 0⁵ — — O S S — 5 Mit geuͤbteren Hackern haͤtte ich vielleicht das Jäten erſparen, und auch das Hacken wohlfeiler baben koͤnnen. Nun den Ertrag! Wir finden dieſen bey den Englaͤndern bald nach der Maaße, bald nach dem e——.— — r . dem Gewichte ongegeben. Da aber zwey Bu⸗ ſbel einen Centner wiegen, ſo laſſen ſich alle An⸗ gaben leicht auf Bufhel reduciren. In Youngs experimental agriculture iſt der Duichhit des verſchiedenen Ertrags 345 Buſb. vom Aere. Es ſind aber verſchiedene miß⸗ rathene Verſuche auf naſſem Klayboden, die we nig eintrugen, mit aufgenommen. In Youngs öſtlicher Reiſe finden wir folgende Nachrichten vom Ertrage eines Acre: Bey Mr. Cope zu Rrnold„ 440 Buſhel —— eiſ z Blyt 9 —— Warthon zu Car⸗ —— Moody zu Betford 900— —— Fellowes zu Shot⸗ terham⸗„ 576— um Sarmundham„„„ 800— Bey Mr. Acton zu Branford 862— —— Hilton zu Fevers⸗ n —— Legrand zu Aſh„ 1000— — Dies waͤren ungefaͤhr im Durchſchnitt 790 Buſb⸗ In der Gegend von Woodbridge, wo dieſer Bau ſeit langen Jahren haͤufig getrieben wird, er⸗ kundigte ſich Young vorzuglich nach dem Ertrage. Es kommen hier die Moͤhren in den regulaͤren Feldwechſel. Man bauet naͤmlich: 1. Ruͤben. 2. 3. 4. F. Gerſte. Klee, oder gedrillte und behackte Bohnen. Weiten. Moͤhren. Alſo nur zweymahl Korn in fuͤnf Jahren. Zu den Moͤhren wird nicht geduͤngt, ſondern zu den Ruͤben. Von der Gerſte haben ſie bey die⸗ ſem Feldwechſel und ſtarker Düngung 48 bis 56 Buſb. Und doch iſt ibr Boden nur ein dunkelrother laufender Sand, der wenig bindende Theile mit ſich fuͤhrt. Ein Wunder, ſagt Young, welches die hoͤchſte Cultur und ein ſolcher Frucht⸗ wechſel thun kann! In ſt In Anſechung des Moͤhren ertrages erfuhr * er folgendes: 1. Ein Rod giebt wenigſtens 4 ½ Buſh.(oft auch 6 Buſb⸗), macht vom Acre.„ 720 Buſb⸗ 2. Von 1 Acre werden im Durch⸗ ſchnitt 15 Fuder zu 40 Buſh. angefahren, macht„ 600 Buſh ⸗ 3. Die Wurzeln wiegen im Durch⸗ ſchnitt wenigſtens 1 Pfund; auf jedem Quadratfuße ſtehet ordentlich 1 Stück; 56 Pfund machen 1 Buſh.; alſo giit der Aere 776 Buſß⸗ en. z Der Durchſchnitt, den dieſe Data ie geben, iſt„„„. 698 Buſh. his in Ich bin nicht im Stande, den Ertrag mei⸗ n nes Möhrenfeldes genau zu beſtimmen. Gewiß t war er aber uͤber 600 Himten. Um den eigentlichen Werth der Moͤhren zu beſtimmen, hat Poung ſehr viele Erkundigungen J an⸗ angeſtellet, und Nachrichten geſammelt. Indeſſen bleibt er noch ſehr unbeſtimmt; der Bußhel wird von Einigen zu ſechs Pence, von einem Andern zu zwey Schill. geſchaͤtzt. Zu Woodbridge wird er zu ſechs bis 8 Pence verkauft. Zu dieſem Preiſe polen ſie aber ſolche Lente, die Viehmaſtung im Großen treiben, nach entfernten Gegenden bin, und beſonders die kondoner Aufkaͤufer. Ein gu⸗ ter Landwirth verkauft ſie nicht dafuͤr. Dieſer beſtimmt den Werth eines ſolchen Artikels ledig⸗ lich nach dem Vortheile, den er bey der Vieh⸗ ie und Maſtung giebt. In Anſehung der Moͤhren fehlt es aber noch an ſo genau angeſtell⸗ ten Verſuchen, wie man ſie von verſchiedenen an⸗ dern Futtergewaͤchſen hat. Um einen ſolchen Ver⸗ ſuch zu machen, muß man einen Stapel mageres Vieh kaufen, und lebendig waͤgen, wie dieſes in England haͤufig geſchiehet. Ihr Hauptfutter muß nur aus dieſem einzigen Gewächſe beſtehen, wel⸗ ches man genau mißt oder wäget. Das noth⸗ wendige Rebenfutter, ſammt Streuung, muß aber auch berechnet werden. Wenn das Vieb dann auf den gehörigen Grad gemaͤſtet iſt, ſo wird es wieder lebendig gewogen und verkauft. Und nun läßt ſich der Werth des Maſtfutters genau berech⸗ nen, wobey jedoch auch der Duͤnger in Anſchiag zu bringen. Man hat durch ſolche Verſuche den Werth der meiſten Futtergwüchſ zu einem hohen Grade — e— — () S— e— — 353— Grade von Beſtimmtheit gebracht. In Anſehung der Moͤhren iſt dieſes aber, ſo viel ich finden kann, noch nicht geſchehen, welches wohl daher ruͤhret, wreil die beruͤhmten und aufmerkſamen Viehmaͤſter in ſolchen Gegenden wohnen, wo der Moͤhrenbau, des Klaybodens wegen, nicht betrie⸗ ben werden kann. Das Merkwuͤrdigſte, was ich uͤber das Vor⸗ hergehende gefunden, iſt von Mr. Moody zu Retfort, in Nottinghamſhire, der im Winter eine große Ochſenmaſtung mit Hehlkuchen treibt, die er das Fuder von 20 Centner mit 4 Pf. St, 15 Schill. bezahlt. Bey der Maſtung ſelbſt hat er keinen baaren Vortheil, wenn er alles be⸗ rechnet. Aber er gewinnt in der Maſtungszeit, vom Anfang Novembers bis Ende Maͤrzes, auf jedes Stuͤck 1 Pf. St. 13 Schill. Werth am Duͤnger, und bloß dieſerwegen treibt er Maſtung. Er fing an Carotten zu bauen, und 3 Acres er⸗ ſparten ihm gerade 70 Pf. St. an Heblkuchen. Fuͤr die Melkkuͤhe ſind die Moͤhren eine der ſchoͤn⸗ ſten Futterungsarten. Sie geben reichliche und vorzuͤglich ſchoͤne Milch. Yonng und verſchiedene andere ſtrenge rechnende engliſche Landwirthe be⸗ haupten aber, es ſey bey jeder Winterfutterung von Melkkuͤhen offenbarer Schaden, wenn man das Pfund Butter nicht zu drey Schill. verkau⸗ 3 fen fen könne. Man ſollte ſie daher bloß mit Stroh durch den Winter bringen, und alles uͤbrige an das Maſtvieb wenden. Mr. Harvey zu Hartle⸗ burg erzaͤhlt indeſſen im vierten Bande der An⸗ nals of agriculture ſeine Methode, Melk⸗ kuͤbe im Winter durch Kohl und Moͤhren zu ei⸗ nem reichlichern Ertrage zu bringen, als ſie im Sommer auf der beſten Weide geben. Kohl al⸗ lein gebe der Milch einen uͤblen Geſchmack, aber mit Moͤhren verbunden, ſey die Milch und But⸗ ter wie im May. Die Maſtung der Schweine mit Moͤhren, wird ſehr haͤufig betrieben. Sie machen fuͤr ſich ſehr gute Fleiſchſchweine; zur Speckmaſtung aber koͤnnen ſie nur als Vorbereitung dienen. Sie haben einen auffallenden Vorzug vor den Kartof⸗ feln. Mr. Stovin giebt zu dieſem Behuf den Werth eines Buſb. Moͤhren, wenn ſie gekocht werden, auf zwey Schill. an. Dies ſcheint uͤber⸗ trieben, indeſſen glaubt Young, daß der Verſuch merkwuͤrdig ſey, und daß das Kochen ihre Ma⸗ ſtungskraft ſehr vermehre. Nach Sir J. Mills Verſuchen iſt der Buſh Moöhren in der Schweine⸗ maſtung roh 8 Pence werth. Eine hoͤchſt merkwuͤrdige, in England taͤg⸗ lich allgemeiner werdende Benutzung der Moͤhren, iſt aber die, zur Pferdefutterung. Schon lange weiß wei daß ſe met un Fo lan ſch dhe den n, het ie Nn cht er ch ls n — — en weiß man, daß die Pferde ſie gern freſſen, und daß ſie ihnen vortrefflich bekommen. Man hat ſie auch als ein Mittel gegen den Dampf, die Druſe, und manche andere Krankheiten, angeruͤh⸗ met. Daß ſie aber eine voͤllig hinreichende Fuͤt⸗ terung fur die ſchwerſten Arbeitspferde, ohne alles Korn, und, wenn man will, ohne alles Heu, abgeben, iſt erſt in den neueren Zeiten in Eng⸗ land anerkannt worden. In Suffolk wird die ſchoͤne, unterſetzige, unglaublich ſtarke Race von Pferden, bey der ſchwerſten Arbeit von Michaelis bis Oſtern, damit unterhalten. Einige geben Heu dabey, andere nicht, ſondern nur etwas Strob, um die Zaͤhne zu ſcheuren, und den Durchfall, den ſie ſonſt dabey bekommen, zu ver⸗ bindern. Haſer wird nur von ſehr wenigen da⸗ bey gefuͤttert; die Pferde laſſen ihn auch lie⸗ gen, wenn ſie Moͤhren vollauf baben, und ſich erſt daran gewohnt. Da die beyden erſten Theile von den Annalen des Ackerbaues uͤber⸗ ſeßzt, und boffentlich in den Haͤnden eines je⸗ den lehrbegierigen Landwirths ſind, im zweyten Theile aber*), in der Beſchreibung einer, die⸗ 3 2 ſer *) S. 84. der Ueberſetzung. In demſelben Theile findet man auch eines Hrn. Carter Einwuͤrfe gegen den Moͤhrenbau zur Pferdefutterung, nebſt Youngs Antwort. S. 214. ſer Pferdefutterung wegen, beſonders von Young unternommenen Reiſe durch Suffolk, das Weſent⸗ lichſte daruͤber angefuͤhrt iſt: ſo enthalte ich mich eines weitlaͤuſtigern Auszuges. Die Quantitat Moͤhren, welche ein Pferd wochentlich erbaͤlt, iſt ſehr verſchieden, von7 bis 15 Buſh., je nachdem es ſchwere Arbeit thun muß, und ihm dabey Heu oder anderes Rebenfutter gereicht wird. So viel iſt ausgemacht“, daß man mit 1 Acre Möhren wenigſtens eben ſo weit kommt, wie mit 4 Acres des beſten Hafers. Obgleich Young, nach allen ſeinen geſam⸗ melten Rachrichten, der Meinung iſt, daß man den Werth eines Buſh. Moͤhren bey gewoͤhnlichen Preiſen zu 1 Schilling annehmen kann; ſo will ich ihn hier doch, nach der geringſten Berech⸗ nung, die ich bey den engliſchen Schriftſtellern finde, nur zu 8 Pence anſetzen. Wenn nun aber ein Aere im Durchſchnitt 600 Buſh. giebt, ſo iſt der Ertrag deſſelben„„ 20 Pf. St. und nach Abzug der Koſten„ 8— reiner Vortheil„„„ 14 Pf. St. X V ſin Ka fch lan fin Un vo — — 9ge wi ſol ſon vo ſn i ſch iti den be ith len wi Welcher Bau, welcher Betrieb kommt die⸗ ſem gleich! Und dann iſt es eine Saat, wel⸗ che das Land keinesweges erſchoͤpft, wie dies Kartoffeln und Weißkohl, nach zuverläſſigen Er⸗ fahrungen, thun. Sie verbeſſert vielmehr das Land von Jahr zu Jahren, macht es zum tie⸗ fen, reichen Gartenboden, und vertilget alles Unkraut. Insbeſondere ſichert ſie eine reiche Gerſtenerndte auf das folgende Jahr, und ein vortreffliches Kleefeld auf das dritte Jahr, in deſſen untergepfluͤgte Stoppel dann auf mittelma“ gem Boden Weitzen vorzuͤglich geraͤth. Und, wenn die Moͤhren benutzt werden, wie jedes Produkt dieſer Art benutzt werden ſollte,— nicht zum unmittelbaren Verkauf, ſondern zur Wintermaſtung; welch' eine Menge von Duͤnger, und welche Verbeſſerung der gan⸗ zen Wirthſchaft iſt davon zu hoffen! Obendrein iſt unter allen Gewaͤchſen keins, was dem Mißrathen weniger ausgeſetzt waͤre, wie dieſes. Es haͤlt ſich in jeder Witterung, und leidet von keinem Inſekte. Wenn der Saa⸗ men * 1 3 men nur gut iſt, ſo kann es kein Unfall weiter treffen. Und in dem einzigen Falle, daß der Saamen nichts taugte, hat man doch nichts wei⸗ ter als dieſen verlohren, und man hat noch Zeit genug, das Feld mit Kartoffeln oder Ruͤben zu beſtellen. Vier⸗ l⸗ C S — Vierzehntes Capitel. D vr K d 5 5 n Zu den Gewaͤchſen, welche in England zur Viehfutterung im Großen gebauet werden, ge⸗ boͤrt vorzuͤglich der Weißkohl oder das Wei kraut. Diejenige Art aber, welche daſelbſt dieſem Zwecke vor züglich im Ge brauch iſt, ken⸗ nen wir in Deutſchland, meines Wiſſens, noe nicht. Die Eglinder nennen ihn den großen Schottiſchen Kohl. Er erreicht auf ſtarkem reichem Lande eine erſtaunliche Groͤße, im Durch⸗ ſchnitt 20 Pfund der Kopf. Dabey hat er den Vorzug, daß er allem Froſte widerſtebet, und und ſich, wie Einige behaupten, bis zu Ende Ayprils hinhaͤlt; nur ſeine aͤußern Blaͤtter wer⸗ den etwas beſchaͤdiget. Die Erndten von einem Aere werden nach dem Gewichte zu 30 bis 54 Tons à 20 Centner angegeben. Young nimmt den Ertrag vom Arce, auch die mißrathenen und auf minder ſchicklichem Boden gezogenen Erndten mitgerechnet, im Durchſchnitt zu 36 Tons oder 720 Centner an. Eine noch groͤßere Art, wrelche man die Amerikaniſche nennt, hat man in Eng⸗ land zu bauen angefangen. Die Koͤpfe deſſel— ben erlangen ein Gewicht von 5o bis 70 Pfund, und der Ertrag eines Acres wird zu 1400 Centner angegeben. Ich kenne dieſe Kohlarten bis jetzt nicht, boffe aber bald daruͤber etwas aus eigener Er⸗ fahrung ſagen zu koͤnnen, indem ich Saamen davon erwarte. Mit dieſem großen Ertrage ſtehet der an⸗ genommene Werth eines Acres Kohl in keinem Verhältuiſſe. Dieſer Werth wird zwar lediglich nach —,— — nach der Benutzung in der Viehmaſtung be⸗ ſtimmt. Indeſſen muͤßte er doch höher ſeyn, als er nach den von Young auf ſeinen Reiſen geſamm⸗ leten Angaben erſcheinet. In ſeiner Reiſe durch die nördlichen Gegenden iſt er zu 10 bis 21 Pf St., im Durchſchnitt zu 14 Pf. St., angegeben; in der Reiſe durch die oͤſtlichen Gegenden aber nur im Durchſchnitt zu 7 ½ Pf. St. Young glaubt die Urſach dieſes Wider⸗ ſpruchs darin zu finden, daß man den Kohl, beſonders in den oͤſtlichen Gegenden, nur als ein Surrogat fuͤr die Ruͤben, als eine Huͤlfe, wenn dieſe im Fruͤhjahre fehlten, angeſehen habe. Man ſpare ihn bis zu dieſer Zeit auf, verliehre dann aber einen großen Theil der Blaͤtter durch Froſt und Faͤulmß. Auch werde wohl unver⸗ merkt ein anſehnlicher Theil fuͤr die Milchkuhe, die Schweine und anderes von dem Geſinde vor⸗ zuͤglich beguͤnſtigtes Vieb weggeholet, weswegen er dann dem Maſtvieh im Fruͤhjahre weniger zu gut kommen koͤnne. Hieraus allein ließen ſich ſolche Widerſpruͤche erklaͤren, wie er hin und wieder z. E. bey einem Mr. Crowle gehöret. Dieſer verſicherte naͤmlich: daß er vom Acre 50 Tons erhalte, daß aber bey dem Bau doch kein Seegen waäre. Um den wahren Werth des 62 des Kohls zu beſtimmen, muͤſſe man ihn gleich i im Herbſte, wo er noch alle beyſammen und de unbeſchaͤdiget iſt, mit beſonders dazu aufgeſtelletem Maſtviehe verfuttern. „ de Sir Robert Burdet, zu Formark bey Trent, bauet großen Amerikaniſchen Kohl, und verfuttert 3 ihn gleich in Maſtvieh. Auf dieſe Weiſe chlaͤgt er die Benutzung eines Acres auf 39 Pf. Sterl. 8 Schill. an.*) ſ u Nach einer Beſchreibung des Kohlbaues in ſ den Schriften der Bath⸗Societaͤt,**) giebt ein n Aere 54 Tons. Ein Maſtochſe frißt taͤglich d 200 Pfund, daher koͤnnen 20 Stuͤck uͤber 4 l Wochen mit einem Aere erhalten werden. Das Schill., macht 20 Pf. St. Ich muß indeſſen geſtehen, daß mir die An⸗ gaben des Gewichts, was ein Acre geben ſoll, uͤber⸗ Stuͤck woͤchentlich, exclusive des Miſtes, 5 * *) Tour through E 10 T. I. p. 105. uͤbertrieben vorkommen, und daß die Wahrheit in der Mitte zu liegen ſcheine. Bey einem ſo enormen Ertrage muͤßte ſich der Kohlbau in England in 10 Jahren ſehr ge⸗ boben und vermehret haben. Aus manchen Rach⸗ richten ſcheint mir aber das Gegentheil zu erhel⸗ len. Mr. Onley ſagt*), man truͤge in Suf⸗ ſolk Bedenken, viel Kohl zu bauen, weil man ge⸗ funden, daß die darauf folgende Gerſten⸗Erndte und der Klee im dritten Jahre darnach zuruͤck⸗ ſchluͤgen. Bey einem geringen Ertrage des Kohls waͤre dieſes Bedenken allerdings gegruͤndet; mit dem Miſte von 20 Maſtochſen, in 4 Wochen, läßt ſich aber meines Beduͤnkens einem Acre ſchon Kraft wiedergeben. Der Kohlbau erfordert vor allen andern Braachfruͤchten, nach engliſcher Art bebandelt, wohl den geringſten Aufwand. Die Bearbeitung iſt nicht viel umſtaͤndlicher, wie bey der Kartoffel; die *) Bath papers, T. III. p. 302. die Erndte aber um ſo viel leichter. Man ver⸗ faͤhrt damit folgendergeſtalt:. Der Kohl⸗acker wird allemahl vor Winter tief geſtuͤrzet, und bleibt in rauhen Furchen liegen. Im Fruͤbjahr wird er noch dreymahl in die Lange und Queere gepfluͤget, alsdann, wenn es nicht ſchon fruͤher geſchehen, ſtark mit Miſt befahren, und in ſchmale Beete von vier Fuß aufgepfluͤget. Auf die Mitte dieſer Beete werden die Pflanzen zwey Fuß von einander geſetzet. Etwa nach 14 Tagen wird eine Furche, mit einem kleinen ein⸗ ſpaͤnnigen Pfluge an beyden Seiten der Kohlrei⸗ ben abgepfluͤget, ſo daß nur ein ſchmahler Strei⸗ fen ſtehen bleibet. Nach anderen 14 Tagen wird dann dieſe Furche wieder angepfluͤget. Letzteres wird nun noch etlichemahle wiederholet, ſo daß immer mehr Erde an die Kohlpflanzen angebracht und der uͤbrige Theil des Beetes, ſammt den Furchen, beſtaͤndig rein gehalten werde. Die Zwi⸗ ſchenraͤume in den Reihen werden mit der Hand⸗ backe einmahl durchgearbeitet. Die Koſten eines Acres Kohl berechnet man folgendermaaßen: Pf. St. Schill. Pence. 5 mahl zu pfluͤgen„„ 1 0 0 3 mabl zu eggen„„ 0 0 6 15 dreyſpaͤnnige Fuder Miſt 2 0 0 Saamen und Saamenbeet 0 1 6 Pflanzen ⸗. 0 3 0 Nachpflanzen„„„ 0 o 6 Pferdehacken„„„ 0 4 0 Handhacken„„„ 0 4 0 Schneiden und Wegfahren 0 15 0 kandpacht„„ 1 0 o 8 6 Die ſchoͤne Bearbeitung, welche der Klay⸗ boden, der allein dem Koh bau angemeſſen iſt, hierdurch erhaͤlt, kommt allerdings der folgenden Saat zu gute. Die Duͤngung verzehrt der Kohl aber wohl allein. Je luxurioͤſer ſein Wuchs iſt, deſto ſtaͤrker muß nothwendig die Auszehrung des Bodens ſeyn; alſo auch ſtaͤrker bey dem großen engliſchen Kohl, als bey dem unſtigen. Daß ſie aber auch ſchon bey dem unſtigen nicht geringe ſey, davon bin ich aus eigener Erfahrung feſt uͤberzeugt. Da⸗ — — 366— Daher wird ein erheblicher Koblbau, zum Verfahren und Verkauf, der Wirthſchaft in der Folge allemahl nachtheilig werden, wenn gleich der Vortheil anfangs ſehr anlockend ſcheint. Ein guter Wirth darf ſich ſolchen nie anders erlauben, als in dem Falle, wo er ſich Miſt fuͤr Geld wieder verſchaffen kann. Alſo nur in der Nach⸗ barſchaft von Staͤdten, wo jedes zu Markt ge⸗ brachte Fuder Kohl ein Fuder Miſt wieder her⸗ ausbringen kann. Anders verhaͤlt es ſich mit dem Verfuttern des Kohls auf dem Hofe. Hier wird der Acker beym Kohlbau nicht leiden, und dieſer wird durch Maſtung und Molkenwerk allemahl einen anſehn⸗ lichen reinen Ertrag abwerfen, wenn anders der Boden zum Kohlbau geeignet iſt. In Anſehung der Futterung des Milchvie⸗ hes ſtimmen zwar alle darin uͤberein, daß er die Milch ſehr vermehre und zugleich fetter ma⸗ che, auch den Kuͤhen ſehr zutraͤglich ſey. PViele aber geben ihm Schuld, daß er der Milch und Butter einen widrigen Beyſchmack gebe. Dies, behaupten andre, ruͤhre lediglich von angefaulten Blaͤttern her, und man koͤnne es voͤllig verhuͤten, wenn wenn man dieſe ſorgfaͤltig ablöſen laſſe. Auch ſey es nicht zu beſorgen, wenn Kohl vermiſcht mit anderem Futter, beſonders mit Moͤhren, gegeben werde; als bey welcher Futterung Milch und Butter, im Winter, der im Sommer voͤllig gleich komme. Bey mir iſt nie der geringſte Beyſchmack an der Butter und Milch verſpuͤh⸗ ret worden, wenn die Kuͤhe zu Ende des Sommers den Abfall des Kohls, freylich mit anderm gutem Futter vermiſcht, erhielten. Mit Kohlköpfen ſelbſt habe ich nur einen Winter im Jahre 1795 gefuttert, da bey meiner Wirthſchaft, nahe bey der Stadt, der Verkauf derſelben vor⸗ tbeilhafter iſt. Die Milch hatte keinen Bey⸗ ſchmack; aber der Kohl ward auch bey meiner Winterbruͤhfutterung gekocht und ſo uͤber das Haͤckſel gegeben. Einer in England auf ſchwerem Boden ſehr gebraͤuchlichen Art, Kohl zu bauen, muß ich noch erwaͤhnen. Wenn naͤmlich die Bohnen, die in einer Entfernung von 3 bis 4 Fuß gedrillet wer⸗ den, etliche Mahle bearbeitet ſind, ſo pflanzt man Kohl in die Zwiſchenraͤume. Wenn die Bohnen wegkommen, ſo erhaͤlt der Kohl Luft, und die Bobnenreihen werden nur mit dem leichten Pfluge bearbeitet und allmaͤhlig an die Kohlkoͤpfe ge⸗ bracht. 6 bracht. Erreicht dieſer Kohl nun gleich nicht die Groͤße des allein gebaueten, ſo giebt er doch ei⸗ nen betraͤchtlichen Zuwachs im Ertrage des Boh⸗ nenfeldes. Ich bediene mich beym Kohlbau der Kar⸗ toffeln Pferdehacke, womit ich die Erde allmaͤh⸗ lig ſtaͤrker an die Koͤpfe anbringe. Pflanzt man den Kohl nicht im Verbande, oder ſogenannten Quincunx, ſondern in Quadraten: ſo kann man mit dieſem Inſtrumente den Kohl von allen Sei⸗ ten anhaͤufen und jeden Zwiſchenraum bearbeiten, wodurch die Handhacke faſt ganz entbehrlich wird. Dies wird hinreichend ſeyn, um meinen Le⸗ ſern vom Kohlbau mit der Pferdehacke, nach der Methode der Englaͤnder, einen deutlichen Begriff zu machen. In naher Verwandtſchaft mit dem Kohle ſtehet die Kohlruͤbe, Kohlrabe oder Steckrube, von den Englaͤndern Turnip rooted cab- bage genannt. Sie wird von den Englaͤndern als Viebfutter um ſo hoͤher geſchätzt, da ſie ſich bis ſpaͤt in das Fruͤbjahr hinein erhalten laͤßt, und und ein ſolches Futter fuͤr das noch nicht voll⸗ endete Maſtvieh von großer Wichtigkeit iſt. Sie wird auf dieſelbe Art, wie der Kohl, gebauet und behandelt. Ihr Ertrag iſt hin und wieder ſehr hoch, zu 33 bis 40 Tons, angegeben. Der Durchſchnitt der Angaben in Youngs nordlicher Reiſe iſt aber nur 17 Tons. 1. Aa Funß⸗ Funfzehntes Capitel. Wen in Deutſchland jeder Tageloͤhner den Kartoffelnbau von grund⸗aus zu verſtehen glaubt, und ein großer Theil der Landwirthe und oͤcono⸗ miſchen Schriftſteller es faſt unter ihrer Wuͤrde halten, viel daruͤber zu ſagen; ſo ſind die Eng⸗ laͤnder faſt in Anſehung keiner Frucht ſo zwei⸗ felhaft, und halten keine einer ferneren Auf⸗ merkſamkeit und Unterſuchung ſo werth, wie grade dieſe. Jeder kandwirth weiß, wie erſtau⸗ nend verſchieden der Ertrag eines Kartoffelnfeldes ſey, . — 56— ſey, und keiner wagt es, vorher zu beſtimmen, was er ungefähr davon erndten wird. Man bat zu Zeiten dreyhundert Himten vom Mor— gen gehabt, zu Zeiten kaum funfzig. Der Acker und der Bau war doch das eine Mahl ungfaͤhr wie das andre, und an der Witterung lag es auch nicht ganz, denn der eine Nachbar erndtete viel, der andere wenig.— Wenn man ein Kartoffelnfeld aufnimmt, ſo findet man Stöcke, die zehn Pfund, und andere, die kaum ſo viel Lothe unter ſich haben, neben einander. Welch einen Unterſchied muͤßte es machen, wenn alle von dieſer oder wenn ſie von jener Art waͤren! Man bemerkt dies, und laͤßt es gut ſeyn. Aber eine Urſach muß es doch haben; und wäre es nicht der Mühe werth, ſie zu erforſchen, und ein Mittel auszufinden, um lauter Stoͤcke der vollkommenſten Art auf ſeinem Acker zu haben? Der Unterſchied einer großen und einer ſchlechten Kartoffelerndte beträgt auf einem Morgen Lan⸗ des leicht 50 Rthlr., bey faſt gleichen Koſten, und uͤberdas hinterlaͤßt eine gute Etndte immer reines, der Braache gleiches Land; eine ſchlechte, verquecketes. Ehrwuͤrdig iſt mir daher ein James Ar⸗ derſon, der eine genaue Unterſuchung des Kar— NWa toffeln⸗ toffelnbaues anfing und mit wahrem philoſophi⸗ e ſchem Geiſte einen Plan zu dieſer Unterſuchung in anlegte, der faſt das Vermoͤgen eines Privat⸗ de mannes, und das laͤngſte Lebensalter eines Men⸗ bi ſchen uͤberſteigt J. Er ſtarb zu fruͤh fuͤr das 1 Wohl der Menſchheit. be Es iſt auch beyweitem nicht alles uͤber den ni Kartoffelnbau in England aufs Reine gebracht. E Indeſſen glaube ich die folgenden Seiten nicht u⸗„ nutzlich zu verwenden, wenn ich, in Anſehung der t wichtigſten Momente, die Reſultate der engliſchen ki Peobachtungen mittbeile und damit meine eigenen, die ich ſeit zehn Jahren gemacht habe, verbinde. z Die Abarten der Kartoffeln gehen faſt ins Unendliche. Es entſtehen nicht in nur aus dem Saamen neue Arten, ſondern ſie veraͤndern ſich auch allmaͤhlig nach dem Erdbo⸗ den, worauf ſie gebauet werden. Ich habe ſelbſt *) Bath papers, Vol. IV. de, ich ſi löſ — geſehen, daß die allerdunkelſte ſchwatzrothe Art ſich in eine weiße veraͤnderte. Daß die Einwirkung des Blumenſtaubes der Kartoffeln ſich auch auf die Wurzeln und Baollen erſtrecke, wie Herr Amtmann Spring und Herr Pfarrer Simon behauptet haben, bleibt mir ſo lange unglaub⸗ lich, bis es durch zuverlaͤſſige, reine Erfabrungen und Verſuche erwieſen worden; und es iſt mir nicht hinreichend, dieſes, von allen bisherigen Erſcheinungen im Pflanzenreiche abweichende, Pbaͤ⸗ nomen ſchon deswegen fuͤr wahrſcheinlich zu hal⸗ ten, weil man die Unmöglichkeit nicht erweiſen kann. Ich bezweifle darum gar nicht die von Herrn Simon und Spring bemerkte Aus⸗ artung; allein ich habe ſie erfolgen geſeben, wo an keinen fremden Saamen⸗Staub zu denken war; und hingegen verſchiedene dicht neben ein⸗ ander ſtehende Kartoffelnfelder unveraͤndert, jede in ihrer Art, erhalten gefunden. Um die mannigfaltigen Abarten der KFar⸗ toffeln in einige Ordnung zu bringen, muͤſſen wir uns begnuͤgen, die Extreme zu bemerken, welche durch mannigfaltige Abſtuffungen in ein⸗ ander uͤbergehben. Vorher muͤſſen wir aber ei⸗ nige Aufmerkſamkeit auf diejenigen Eigenſchaften rich⸗ richten, wodurch ſich die Kartoffel⸗arten haupt⸗ ſaͤchlich von einander unterſcheiden. 1. Die Form der Bollen iſt entweder faſt kugelförmig, oder herz⸗ und oyformig, oder aber laͤnglich, in welchem Falle ſie mehren⸗ theils gekruͤmmte Spitzen, wie Hoͤrner, haben. 2. Die Farbe der Haut iſt entweder weiß oder roth. tetztere Farbe geht aus Dun⸗ kelſchwarzroth in Fleiſchfarbe, erſtere von Gelb⸗ braͤunlich zu Weiß uͤber. 3. Die Conſiſtenz und der Geſchmack. Man hat naͤmlich ſehr waͤſſtige, weiche, leichte, ſchnell in Brey zerkochende; und andere mehl⸗ reiche, feſte, ſchwere, haͤrtere Arten. Erſtere haben, zumahl gegen das Fruͤhjahr, einen ge⸗ wiſſen galſtrigen Geſchmack; letzere aber ſchmek⸗ ken angenehm, und die vollkommenſten kommen faſt den Caſtanien gleich. Doch kann man von dieſen nicht ſo viel, wie von jenen eſſen. Auch geben dieſe mehr Staͤrkmehl, und folglich mehr Nahrung. 4. Das 4. Das Kraut iſt entweder feiner, und kommt mit vielen kleinen Spißen aus der Erde, baͤlt ſich aber auf ſeinen duͤnnen Stielen immer auftecht ſtehend. Oder es kommt nur mit weni⸗ gen Spihen aus der Erde; dieſe aber werden ſtark, haben grobere, breitere Blaͤtter, und le⸗ gen ſich nach der Bluͤthe nieder. 5. Die Bluͤthe geht in mannigfaltigen Schattirungen von Weiß zu Hochroth, und von Weiß durch Hellblau zu Dunkelblau und Violet uͤber. 6. Die Art, wie ſich die Bollen an⸗ ſetzen, macht eine merkwuͤrdige Verſchiedenheit aus. Bey einigen ſeben ſie ſich naͤmlich dicht am Stamm, und draͤngen ſich, wenn ſie ſtark werden, einander aus der Erde heraus, ſo daß ſie uͤber die Oberflaͤche derſelben würden zu lie⸗ gen kommen, wenn man ſie nicht anhaͤufte. Bey andern verbreiten ſie ſich weiter umher, und man findet oft Fartoffeln in ziemlicher Entfer⸗ nung vom Stamme. 7. Sie 1 7. Sie vermehren ſich entweder der Zahl 1 oder der Maaße nach ſtarker. Diejenigen Ar⸗ . 1 ten, welche recht viele anſetzen, ſind gewoͤhnlich klein. Die, welche wenigere Stuͤcke unter ſich 1 baben, ſcheffeln beſſer. Dieſe Erſcheinungen ſind es, meiner Ein⸗ ſicht nach, vorzuͤglich, worauf wir zu achten ha⸗ 36 ben, wenn wir die mancherley Abarten beſtimmen wollen. Ich will einiger, am ſtaͤrkſten mit ein⸗ ander contraſtirender, Sorten erwaͤhnen. 1. Die in Deutſchland, unter den Ramen Schweine⸗ oder Engliſche-Kartoffeln, be⸗ 1 kannte Art, wird in England Surinam- oder Eluster-Patatoos, auch Vam genannt. Sie giebt den größten Ertrag unter allen, iſt aber in Anſehung aller anderen Qualitäten die ſchlechteſte. Sie iſt im ſperiſiken Gewichte merklich leichter, hat mehr waͤſſeige und weniger meligte Theile. Insbeſondere zieht man aus ihr weniger Kraftmehl, und ſie iſt daber minder naͤhrend. Ihr Geſchmack iſt geil und erdhaftig, und ſie verkocht ſchnell zu Brey. Sie treibt wenige, aber bohe und dicke Stengel, mit grobem Kraute. Die Ranken, woran die Knollen ſitzen, dehnen ſich weit aus, bo — — ——— 6 und dieſe ſitzen alſo oft in ziemlicher Entfernung vom Stamme. Die Bluͤthe iſt weiß. 2. Ihr entgegen ſteht die Art, welche man Zucker⸗Kartoffel, und, ſo viel ich verſtehe, in England the Kidney(Rieren⸗ Kartoffel) nennt. Dieſe iſt von ſchwerer, mehl⸗ reicher Conſiſten;, ſehr rein und angenebm von Geſchmack, haͤlt ſich lange bis wieder zum Som⸗ mer, kocht ſich nicht leicht zu Brey, ſondern bleibt feſt. Im Ertrage aber ſind dieſe Kartof⸗ feln geringe, weil ſie klein bleiben, obgleich oft, der Zahl nach, eine erſtaunliche Menge an einem Stamme ſitzt. Sie erfordern wenigſtens einen guten, ſeuchteren und reichen Boden, wenn man ſie zu einiger Groͤße bringen will. Auf trockenem, magerm Boden werden nur Knicker daraus. Sie kommen mit einem ganzen Buſch von Zweigen aus der Erde; dieſe aber bleiben duͤnne und das Kraut fein. Sie werden nicht leicht uͤber eine Elle hoch, legen ſich aber, ſelbſt nach der Bluͤthe, nicht nie⸗ der, ſondern bleiben aufgerichtet ſtehben. In der Erde verbreiten ſie ſich nicht weit, ſondern bleiben dicht am Stamme, und draͤngen ſich, wenn ſie groß werden, aus dem Erdboden heraus, wes⸗ wegen bey ihnen das Anhaͤufen vorzuͤglich rathſam iſt. Die Blume iſt dunkelblau, faſt violet. Sie — 3 ½— Sie werden ſpaͤt reif; die Pflanze bleibt lange gruͤn, und die Wurzel ſaftig, weswegen die Knol⸗ len ſchwerer abzuloͤſen ſind. z. In der Mitte von dieſen beyden ſtebt die, hier ſogenannte, Hollaͤndiſche Kartoffel, wie ich vermuthe, der Englaͤnder ibr Champion. Sie naͤhert ſich aber mit vielen Ruͤancen bald der erſten, bald der zweyten Art. Je kleiner ihr Stengel und Kraut, je dunkler blau ihre Bluͤthe; je naͤher ihre Fruͤchte am Stamme ſitzen, deſto ſchwerer, mehl- und nahrungsreicher iſt ſie. Dieſe mehrere oder mindere Annaͤherung zu einer oder der andern Art, hat theils in der Ratur der Pflanz⸗Kartoffel, theils in der Art des Bo⸗ dens und der Jahrswitterung ibren Grund. Wie es ſcheint, veraͤndert ſich aber ſelbſt ihre Ratur, wenn ſie mehrere Jahre nach einander auf einem Boden gebauet wird, der ganz verſchieden von demjenigen iſt, von welchem man ſie zuerſt er⸗ halten. Auf trockenem, leichtem Boden wird ſie von Jahr zu Jahr kleiner und conſiſtenter; auf naſſem, ſchwerem immer groͤßer und weicher. Es ſcheint mir ſogar das dunklere oder hellere Blau der Bluͤthe damit im Verhaͤltniſſe zu ſte⸗ ben. Daher kommt es denn, daß man oft eine Kartoffel⸗art irgendwo antrifft, die vorzuͤglicher zu ſeyn g ſehn ſcheint, wie die, welche man ſelbſt bauet. Wenn man ſie aber das zweyte Jahr wieder auf ſeinem Boden pflanzt, ſo ſind ihre Vorzuͤge, in Anſehung der Eintraͤglichkeit oder der Guͤte, wie⸗ der verſchwunden. Geſchiehet dieſe Veraͤnderung der Pflanz„Kartoffeln indeſſen mit Ueberlegung, ſo gewinnt man immer dabey. Selbſt die erſte Art gewinnt in ihrer Guͤte immer mehr, wenn ſie auf trockenem Sandboden anhaltend gebauet wird, beſonders in warmen trockenen Sommern. Sie wird dann oft mehl⸗ reicher und feſter, auch beſſer von Geſchmack, wie die dritte Art, wenn ſie auf feuchtem Lehmboden gewachſen iſt. Aber ſie verliert eben ſo ſehr an Groͤße und Zutraͤglichkeit. Ja ich bemerkte ſogar im Jahre 1791 auf ſehr trockenem Sandboden, daß die Bluͤthe hellblau wurde, und der ganze Habitus der Pflanze ſich der dritten Art naͤherte. Aufgenommen und gekocht, waren ſie im Anſe⸗ hen und Geſchmack von der zten Art nicht zu unterſcheiden. Als ich ſie aber im folgendem Jahre auf feuchterem Boden wieder legen ließ, ſchlugen ſie in Anſehung der Bluͤthe und uͤbrigen Sigenſchaften wieder zuruͤck. Wenn hingegen dieſe große Kartoffel auf ungemein reichen Boden kommt, ſo kann ſie ganz mißrathen. Ich ließ im — 380— im vorigen Jahre 1796 auf einem reyolten Platz, wo ein Gebaͤude geſtanden, eine ganz vorzuͤglich große Abart, die hier unter dem Namen der Gi⸗ raltar'ſchen Kartoffel bekannt iſt, drey Fuß ausein⸗ ander pflanzen, um zu verſuchen, zu welcher Groͤße und Gewicht ſie ſich treiben ließe. Das Kraut ward 8 bis 9 Fuß lang und unten 4 Zoll im Durchmeſſer dick. Die aͤußern Reihen gaben Kartoffeln, wie ein Kinderkopf, aber ſie waren inwendig hohl, ſehr leicht und vom Geſchmacke unertraͤglich. In der Mitte hingegen war auch keine Spur von Kattoffeln zu finden. Der ganze Trieb war alſo ins Kraut gegangen. Auf leich⸗ tem, trockenem Boden wird dieſe Kartoffel ſehr gut, um ſie fruͤh zu eſſen. Mit den roͤthlichen Arten verhaͤlt es ſich faſt eben ſo, wie mit den weißen. Doch ſcheinen ſie mir in allen Gradationen etwas feſter und mehlreicher zu ſeyn, als die gegenuͤberſtehende weiße. Die ſchwerſte und mehlreichſte Kartoffel unter allen, iſt ohne Zweifel eine dunkelſchwarzrothe, mit der Haut gekocht, voͤllig ſchwarz werdende, und inwendig eygelbe Art. Die Englaͤnder nennen ſie the Chesnut(Kaſtanien⸗Kar⸗ toffel), welchen Ramen ſie mir auch durch ibren Geſchmack zu verdienen ſcheint. Sie iſt ſchwe⸗ —— — ſchwerer, mehlreicher und nabrhafter, als irgend eine andre Art. Kinder, die zum Theil in Kar⸗ tofſeln unerſaͤttlich ſind, koͤnnen ſelbſt von dieſer nur weit weniger eſſn, ob ſie ſelbige gleich lieber moͤgen. In ihrem Wuchſe und Bluͤthe kommt ſie der Zuckerkartoffel gleich, nur ſind die Stengel braun. Sie wird ſpaͤt reif, und bluͤhet oft noch im October. Sie haͤlt ſich aber bey voͤllig gu⸗ tem Geſchmack bis nach Johannis. Weil ſie ſehr hoͤckerig iſt, ſo laͤßt ſie ſich nicht gut ab⸗ ſchaͤlen, ſondern die Haut muß abgezogen wer⸗ den, wenn ſie gekocht iſt. Sie gehoͤrt freylich nicht unter die ſtark zutragenden Arten; indeſſen giebt ſie, auf gleichem Boden, mehr wie die Zuckerkartoffeln. Sie artet, was mir ſehr merk⸗ wuͤrdig ſcheint, in dieſe aus; wird erſt ſcheckig und dann weiß. Von ihr herab giebt es auch bey den roͤth⸗ lichen Kartoffeln Abſtuffungen, die immer leich⸗ ter und waͤſſciger, dagegen aber auch zutraͤglicher werden, oder doch mit magererm Boden vor⸗ lieb nehmen. Es erhellet hieraus ſchon von ſelbſt, daß ein guter Wirth diejenige Art von Kartoffeln bauen — 38— bauen muͤſſe, welche ſeinem Acker angemeſſen iſt. Auf ſchwerem reichem Boden iſt wohl die Zucker⸗ d oder die ſchwarze Kartoffel die rathſamſte, 3 ſelbſt wenn man nicht auf den Verkauf oder n Geſchmack, ſondern blos auf den Ertrag an 3 Nahrungsſtoff Ruͤckſicht nimmt. Dagegen iſt die engliſche Schweinekartoffel fuͤr mageren, ſandigen Boden eine unvergleichliche Frucht, indem ſie immer einen anſehnlichen Ertrag giebt, wo jene nicht das Aufnehmen verlohnen wuͤrde. Auf Mittelboden wird man bey der ſogenannten Hol— laͤndiſchen Art am beſten ſeine Rechnung finden. K 6 3 Wenn man ein Kartoffelfeld, welches nicht k friſch geduͤnget iſt, und auf welchem man einen o Fleck aus keiner Urſach fuͤr fruchtbarer halten 9 kann, wie den andern, wo ſie in gleicher Ent⸗ 6 fernung ſtehen und gleich fleißig bearbeitet ſind— d aufnimmt, ſo findet man Pflanzen, die drey⸗ bis ſ viermahl ſo viel unter ſich haben, als andre. Es iſt ſehr glaublich, daß dieſe groͤßere Ergie⸗ t bigkeit in der Natur einzelner Pflanzkartoffeln liege, und es verlohnte ſich alſo der Muͤhe, ſolche Pflan⸗ — Pflanzen auszuzeichnen und ſie wieder vor an⸗ dern zu pflanzen. Ich habe mir dieſes ſo oft vorgenommen, es iſt aber immer bey der Eile, womit meine große Kartoffeln-Erndte betrieben werden muß, verſaͤumt worden. Die Vorbereitung des Ackers zu Kartoffeln, iſt mannigfaltig angegeben. Es giebt Beſtellungsarten, die gewiß einen uͤberwie⸗ gend großen Ertrag geben; aber nach Abzug der Koſten, bleibt der reine Vortheil nur geringe. Dahin gehoͤrt diejenige Art, wo man die Pflanz⸗ kartoffel nur flach in den Boden hineindruͤckt, oder auch nur obenauflegt und ſie erſt mit Duͤn⸗ ger, dann mit einem Spadenſtich Erde bedeckt. So wie ſie hervorkommt, wird wieder Erde aus den Zwiſchenraͤumen darauf geworfen, und dies ſo oft wiederholt, bis ſie in einen anſehnlichen Huͤgel zu liegen kommt. Wenn gleich die Kar⸗ toffeln bey dieſer Methode ſehr weit auseinander liegen muͤſſen, ſo iſt ihr doch ein ſehr großer Ertrag nicht abzuſprechen. Und uͤberdas hat ſie den den Vortheil, daß man fruͤh pflanzen kann, weil man den Froſt, bey der immer neuen Be⸗ deckung, fuͤr die Keime nicht zu fuͤrchten hat. Sie kommen daher fruͤher zur Reife. Wenn man aber die Aufmerkſamkeit und taͤgliche Arbeit, welche zu dieſer Methode gehört, erwaͤgt: ſo wird man leicht vorausſehen, daß ſie ſich nur durch den Verkauf fruͤher KFartoffeln im klei⸗ nen bezahlt machen koͤnne. Daß ſie nur auf ſchwererm Boden paßt, verſtebt ſich von ſelbſt. Manche einſichtsvolle Heconomen haben uͤbri⸗ gens beym Kartoffelbau dem Spaden den Vor⸗ zug vor dem Pfluge gegeben, uͤberzeugt, daß der hoͤhere Ertrag die mehrern Koſten reichlich be⸗ zahle. Man bemerkte in der That faſt allge⸗ mein, daß Kartoffeln auf gegrabenem Lande un⸗ gleich beſſer zutruͤgen, als auf gepfluͤgtem. So fand Young auf ſeiner noͤrdlichen Reiſe, daß die Erndten, uͤber 500 Buſhel vom Acre, ſaͤmmtlich auf gegrabenem Lande gezogen waren, wogegen das gepfluͤgte nur Erndten von 150 bis zoo Buſhel gegeben. Auf der öſtlichen Reiſe iſt dieſer Unterſchied aber ſo erheblich nicht. Ich finde da nur eine Erndte von 544 Buſbel auf gegrabenem Lande zu Glaſtonbury. Alle uͤbrigen Kartoffelnbauer hatten gepfluͤgt, und es ſind ſich Erndten von 600 Buſhel darunter. Der Durchſchnitt aller iſt 427 Buſhel. Dieſes er⸗ klaͤrt ſich, wenn man weiß, daß die Farmers im oͤſtlichen Theile von England den Pflug un⸗ gleich beſſer zu brauchen verſtehen, als im noͤrd⸗ lichen. Bey uns iſt der erſte Anſchein ebenfalls fuͤr den Spaden. Jeder wird ſich erinnern, im Durchſchnitt mehr gute Kartoffeln auf gegrabenem als gepfluͤgtem Lande geſehen zu haben. Allein wir gerathen bier wieder in Gefahr, zwey zufällig verbundene Dinge als Urſach und Wirkung an— zuſehen, die bey genauerer Unterſuchung nicht in dieſem Verhaͤltniſſe gegen einander ſtehen. Diejenigen, welche zu den Kartoffeln graben, wenden im allgemeinen mehr Fleiß darauf, als die, welche dazu pfluͤgen. Jene waͤhlen beſſeres, gereinigtes, vielleicht ſchon lange in Gartenkultur geſtandenes Land dazu, oder ſolches, was lange in Raſen gelegen. Gemeiniglich geben ſie reichlich Duͤnger. Sie behacken und jaͤten die Kartoffeln fleißig. So wie ſie aber die meiſten bey uns nach dem Pfluge bauen, wird erſchoͤpftes, unrei⸗ nes, ſchwach geduͤngtes Land dazn genommen; 1. Bb die — 386— die Pflug⸗arbeit geſchiehet nachlaͤſſig und unuͤber⸗ legt; die Pflanzkartoffeln werden uͤbereilt eingewor⸗ fen und nachher mehrentheils ihrem Schickſale uͤberlaſſen. Hier kommen ſo viele Umſtände zu— ſammen, die jenen den Vorzug vor dieſen geben muͤſſen, daß der Unterſchied zwiſchen Spaden und Pflug weiter in keinen Betracht kommen kann. Dagegen haben aber comparative Verſuche, die man unter uͤbrigens vollig gleichen Umſtän⸗ den angeſtellet, zum Vortheil des Pfluges ent— ſchieden, wenn er auf die gehoͤrige und zweck⸗ maͤßige Art gebraucht worden. Es giebt hierzu drey Methoden. Die erſte iſt die gewöhnliche, allenthalben ziemlich bekannte, und auf leichterem Boden ſchickliche Art. Nach⸗ dem das Land vor Winter tief umgepfluͤget, und, ſobald der Froſt aus der Erde, nochmahls ge⸗ ruͤhret worden, wird der Duͤnger aufgefabren, nicht völlig auseinander geſtreuet, ſondern in Rei⸗ ben gelegt. Nun laͤßt man zwey oder drey Pfluge, je nachdem die Kartoffelnreihen naͤher oder weiter von einander kommen ſollen, ſich folgen, und ſtel⸗ let eine hinlaͤngliche Anzahl von Leuten an, die die Kartoffeln gleich hinter dem Pfluge in die Furche — 35— Furche legen. Jeder von dieſen hat einen andern binter ſich, der auf jede Kartoffel mit der Forke, oder noch beſſer mit der Hand, Miſt legt. Nur in leichten Sandboden iſt kurzer verfaulter Miſt vorzuziehen. Auf ſchwerem Boden iſt langer Strohmiſt beſſer, indem die Kartoffel gern lok⸗ ker liegt. Die zweite Methode unterſcheidet ſich darinn, daß man auf dem nochmahls gepfluͤgten Lande die Saatfurchen in gehoͤriger Entfernung beſon— ders zieht, nach etlichen Tagen die Kartoffeln, und den Miſt daruͤber, einleget und ſodann die Furche wieder herumwendet. Es gehört hierzu einige Uebung und Geſchicklichkeit, die Furchen in gehoͤriger Entfernung zu ziehen. Sonſt hat dieſe Methode in manchem Betracht Votzuͤge. Zu der dritten Methode gehort ein Pflug mit doppeltem Streichbrette, der nachmahls zur Bearbeitung der Kartoffeln unumgaͤnglich erfor⸗ dert wird. Man pfluͤgt damit noch vor Winter das ſchon muͤrbe gearbeitete Land in Furchen und bohen Ruͤcken auf, ſo daß es, wenn man darauf binuuterſtehet, ohngefaͤhr folgendergeſtalt anzu⸗ ſehen iſt: Bb 2 Jede 3 Jede Furche iſt 2 bis 3 Fuß aus einander. Im Fruͤhjahr werden die Ruͤcken geſpalten, dann im April die Furchen wieder aufgepfluͤgt, Kar⸗ toffeln und Miſt eingelegt, und ſolche durch eine abermahlige Spaltung der Ruͤcken bedeckt. Dieſe Methode hat beſonders auf ſchwerem Boden den großen Vortheil, daß ſie das Land in moͤglichſt größter Oberflaͤche der Atmoſphaͤre den ganzen Win⸗ ter hindurch ausſetzet, und vornehmlich die Erde, worin die Kartoffeln zu liegen kommen, mit be⸗ fruchtenden Luftpartikeln ſchwaͤngert. Nach welcher von dieſen drey Methoden die Kartoffeln auch eingelegt ſind, ſo werden ſie, wenn ſie aus der Erde hervorkommen, tuͤchtig mit einer eingreifenden Egge bearbeitet. Bald nachher braucht man aber den leichten Pflug mit doppeltem Streichbrette, der auch Kartoffel⸗Pferde⸗ backe genannt wird. Die Engliſchen leichten Pfluͤge, die ich geſe⸗ hen, ſcheinen mir doch ſaͤmmtlich zu ſchwer und zu componirt. Ich ließ mir daher nach der Form eines gewoͤhnlichen Hakens mit der Kluftdeichſel einen machen, wovon ich im Anhange zu dieſem Capitel eine Beſchreibung und Abbildung geben will. 5—,———,—.— — k ſe nd ri ſe in hu il. — will. Dieſer erfordert ſo wenig Kraft, daß ein ſchwaches Pferd ſpielend damit arbeitet; er laͤßt ſich leicht fuͤhren, und macht ſein Werk ſo ſau⸗ ber, wie es mit keiner Handhacke geſchehen kann. Er zerſtoͤhrt in einem ſehr unreinen Felde die Quecken vollig, indem er ſie, ohne ſie abzu⸗ ſchneiden, heraushebt. Bald nachher gebet man die Reihen mit der Handbacke durch, um das in ſelbigen zuruͤckge⸗ bliebene Unkraut zu vertilgen, welches alsdann eine ſehr leichte Arbeit iſt. Nach 14 Tagen etwa wird das Pferde⸗ hacken nochmahls wiederholet. Selten bleibt dann Unkraut. Indeſſen iſt es immer rathſam, im Julius oder Auguſt die Reihen nochmahls durch⸗ zugehen, damit, wenn etwa eine Unkrautspflanze nicht zerſtoͤhrt worden, ſondern in Saamen ge⸗ ben wollte, ſolche ausgeriſſen werde. Auf eine fruͤbe und vollſtaͤndige Zerſtoͤh⸗ rung des Unkrauts kommt der Kartoffeln-Ertrag hauptſaͤchlich an. Daher muß die Arbeit zu rech⸗ ter Zeit geſchehen, und nicht verſchoben werden. Auch — 390— Auch wuͤrde man bey den Kartoffeln, die ihre Wurzeln und Bollen weit um ſich her verbrei⸗ ten, leicht ſchaden, wenn man die Pferdehacke zu ſpaͤt brauchen wollte. Die Auswahl der Pflanz⸗Kartof⸗ feln und die Entfernung, worin ſie zu legen, iſt eine andre wichtige Frage. Ehemahls ſuchte man die kleinſten und ſchlechteſten Kartof⸗ feln zur Saat aus, und manche bleiben noch bey dieſer widerſinnigen Methode. Der groͤßte Theil unſerer Landwirthe iſt indeſſen, nach gen⸗ reller Beobachtung, uͤberzeugt, daß große Kar⸗ toffeln größere und alſo einen ſtaͤrkeren Ertrag, als kleine, hervorbringen. Daß man auf kleine Kartoffeln, derſelben Art, in England verfallen ſey, ſfinde ich nicht; wohl aber hat man ſie in vier bis ſechs Stuͤcke zerſchnitten gelegt, um da⸗ durch einen großen Theil der Einlagen zu er⸗ ſparen. Ander⸗ ine en da⸗ et⸗ et⸗ Anderſons Verſuche, dieſe Frage zu entſcheiden, ſind von ihm, ſeinem Plan gemaͤß, zwar beyweitem nicht ganz ausgefuͤhrt*), aber ſie entſcheiden doch fuͤr die ganzen Kartoffeln ſehr beſtimmt, falls ſie in hinlaͤnglich weiten Zwi⸗ ſchenraͤumen gelegt werden. Dieſe Verſuche lei⸗ den, leider! keinen Auszug, und die Frage moͤchte manchem deutſchen Landwirthe zu unwichtig ſchei⸗ nen, um 102 Seiten Verſuchs Erzahlungen zu leſen. Sie ſind ſonſt ein vollkommenes Muſter, wie Verſuche anzuſtellen ſind, um eine Streit⸗ frage in der Landwirthſchaft zur unwiderſprechlichen Entſcheidung zu bringen. Ganze Kartoffeln, in einer Entfernung von 2 Fuß auseinander gepflanzt, geben den großten Ertrag von einer beſtimmten Fläche; zerſchnittene in gleicher Entfernung, ge⸗ ben den geringſten. Zerſchnittene, die aber naͤher an einander gepflanzt ſind, geben mehr als die vorigen. Sir Tbomas Beevor wieder holte dieſe Verſuche zum Theil, und erhielt folgen⸗ des Reſultat. Auf *) Bath-papers, T. IV. — 392— Auf einem ſtarken, reichen, ſorpfältig praͤ⸗ parirten, aber nicht friſch geduͤngten Boden gaben PP Ganze Kartoffeln, auf?2 Fß. nach Verhaͤltniß zum Acte 1356 2 Ganze K.— Ixß. 756 1 In 2 Stuͤck — aF. we 1% e36äß zerſchnittene 55 In 3 Stüs— 7 3ß. Alſo ein Manchem bis dahin unwichtig ſcheinender Umſtand ergab, im Ertrage auf 1 Acre, einen Unterſchied von 993 Buſbel. Sehr reicher Boden iſt dies freylich geweſen. Ein Freund, dem ich dieſen Verſuch vorlas, aͤußerte ſeinen Zweifel uͤber den hohen Ertrag der unzer⸗ ſchnittenen Kartoffeln uͤberhaupt. Er iſt unge⸗ woͤhnlich, aber nicht beyſpiellos. Ich habe ſelbſt auf reichem Gartenboden acht gehaͤufte Himten, die mit ſo viel geſtrichnen Buſheln ͤbereinkom⸗ men, von einer Quadratruthe gebabt; und dies wuͤrde auf einem Acre noch faſt 100 Himten mehr betragen. Ich uͤbergehe die vielen Anderſon'ſchen Verſuche, die er mit einzelnen Augen gemacht bat, da de n vo de — 35— da ſie noch nicht vollſtaͤndig genug ſind, um practi⸗ ſchen Nutzen daraus ziehen zu können. Merkwuͤrdig aber ſind die, welche er mit dem Abſchneiden des Krautes gemacht hat. Er ſchnitt naͤmlich aus den Mittelreihen eines gleich⸗ ſtebenden Feldes einer beſtimmten Anzahl von Kar⸗ toffeln das Kraut ab, und zwar in folgenden Tagen: Den 2. Auguſt, wie ſie eben aufbluͤheten; — 10. Auguſt, — 17. Auguſt, — 22. Auguſt, — 29. Auguſt, wie ſich die Saamenaͤpfel gebildet; — 5. September, wie das Krart anfing trocken zu werden, und der Saamen reifte. Am 28. Oetober nahm er dieſe abgeſchnitte⸗ nen Kartoffeln heraus, und eine gleiche Anzahl von unabgeſchnittenen in der Naͤhe. Er wog ſie ſorgfaͤltig, und der Verſuch gab folgen⸗ des Reſultat: Schneidet Schneidet man das Kraut ſſo verliehrt man auf 1 an folgenden Tagen ab; Aecre an Pfunden an Buſhel 2. Auguſt⸗„„— 37000— 624 Lo. 7 on66 ir — 281 — r2031— 214 Sem Auch nahm er an denſelben Tagen, wo er jenen Kartoffeln das Kraut abſchnitt, eben ſo viel Kartoffeln aus der Erde und wog ſie. Nach den Reſultaten dieſes Verſuchs wachſen zwar die ab⸗ geſchnittenen Kartoffeln noch etwas, aber nur ſehr wenig. Es erhellet hieraus, wie nachtheilig die Wirth⸗ ſchaftlichkeit ſey, das Kartoffelkraut zur Viebfut⸗ terung abzuſchneiden, und wie unentbehrlich dieſes zur Ernährung der Knollen ſey· Ein fruͤheres Aufnehmen der Kartof⸗ feln, um ſie zu höherem Preiſe zu verkaufen, iſt nach Anderſons Verſuchen immer verluſtbrin⸗ gend, ut ſ gend, wenn ouch der Preis dreymahl ſo hoch waͤre, als er ſechs Wochen nachber, wenn ſie zu ihrer voölligen Reife gelangt ſind, ſeyn wuͤrde. Es iſt allemahl rathſamer, ſie ſo lange ſtehen zu laſſen, bis das Kraut abſtirbt; denn ſo lange wachſen ſie. Als im Jahre 1795 der Kornmangel in England ſo fuͤrchterlich ward, gab der Board of agriculture ein Blatt, mit der Inſchrift: Hints respecting the use and culture of potatoes, heraus. Außer einer allgemei⸗ nen Aufmunterung zum Kartoffelnbau, enthalt es eine Anweiſung, ſehr fruͤhe Kartoffeln zu er⸗ ziehen, und ſogar auf demſelben Lande zwey Ernd⸗ ten in einem Jahre zu erhalten, wie in Korn⸗ wallis uͤblich iſt. Man ſoll die Pflanzkartof⸗ feln einer fruͤhen Art an einen warmen, doch lufti⸗ gen, Ort legen, damit ſie Anfangs Maͤrz ſchon keimen, ſie dann ohngefaͤhr auf die Weiſe, wel⸗ che im Anfange des Abſchnitts von der Vorbe⸗ reitung des Ackers zu Kartoffeln be⸗ ſchrieben worden, behandeln. Dieſe, heißt es daſelbſt, wuͤrden ſchon im May eine Erndte ge— ben, nach welcher man ſogleich andre, die man ebenfalls ſchon keimen laſſen, pflanzen könne. Die damahlige Furcht vor Hungersnoth, konnte die Empfehlung einer ſolchen Methode rath⸗ — 396— rathſam machen. Außerdem iſt ſie hoͤchſtens im leinen anwendbar und vortheilhaft. Nie wuͤrde ich indeſſen zum zweitenmahle auf demſelben Lande in einem Jahre Kartoffeln bauen, ſondern lieber eine andere Frucht folgen laſſen. Dagegen findet man viele, die eine ſpäte Pflanzung empfehlen, ſelbſt noch zu Anfange des Junius. Es iſt gewiß, daß man davon in naſ— ſen Sommern und bey ſpaͤtem Froſte ſehr gute und beſſere Erndten, wie von früheren, gehabt. Bey unguͤnſtiger Witterung weiß ich aber auch, daß wenig daraus geworden iſt. Hat man indeſ⸗ ſen ſehr unreines Land, ſo iſt es ganz rathſam, bis nach der Mitte May's zu warten, und dem Lande noch eine Furche mehr zu geben, die ſo ſpaͤt zur Vertilgung des Unkrauts ſehr wirkſam iſt. Die Pflanzkartoffeln müſſen dann aher ſchon Keime geſchlagen haben. Auch hat man in Eng⸗ land, nach der Abfutterung der Winterwicken, oft ſehr gute Kartoffeln gebauet. Zu Wimble⸗ ton, unweit London, pflanzt man ſogar Kar⸗ toffeln nach fruͤhen Garten⸗Erbſen, und behauptet, daß dieſe vorzuglich ſchmackhaft ſeyn ſollen. Ueber die Koſten des Kartoffelnbaues finde ich viele Berechnungen bey den Englaͤndern; ſie ſind ſu die jed ett 1 ſind aber ſehr verſchieden, ſo daß ſich kaum ein Durchſchnitt daraus ziehen läßt. Ich will daher die Berechnung von dem, was ſie mir, faſt in jedem Jahre gleich, koſten, herſeben. Drey Morgen— ein einzelner Morgen wuͤrde immer 8 5 6 2 etwas hoher kommen— koſten:* 8 S amahl zu pfluͤgen„„„„ 4—— 112— 30 zweiſpaͤnnige Fuder Duͤnger, à 30 Mgr., zur Haͤlfte auf die Kar⸗ roffeln berechnet„„„ f1218— 44 Himten Kartoffeln à 10 Mgr. ſ12 8— Einzulegen in die Furche-„„ 118— Das land kurz vor dem Auflaufen der Kartoffeln mit dem Arndti⸗ ſchen vierſchaarigen bearbeitet„„—24— Erſiehegtbetten mit derpertehice—24— Racharbeiten mit der Handhacke ⸗ Zweites Bearbeiten mit der Pferdehacke— 20— Ausreiſſen einiges Unkrauts„— 24— Auſſunehmen„„„ 1828 4 Abſüßn„ 3—— — Suͤcke, Ausmeſſen beym Verkauf, zum Theil ans Markt zu fahren 2118— 6317— Ertrag habe ich von der oben beſchriebenen, der Zuckerkartoffel ſich mehr, als der Engliſchen, nähernden Art im Durchſchnitt 200 Himten vom Morgen, worunter 20 Himten kleiner Ausſchuß, alſo von 3 Morgen: Rthlr. Mgr. 540 Himten à 10 Mgr.„„ 150— 60 Himten kleine à§ Mgr.. ⸗ 8 18 T58 Koſtn 6 Reintr Vortheil„7 31 Alſo à Morgen ohngefahr 31 Rthlr. 13 4 Mgr. Dennoch iſt dieſer Ettrag ſehr geringe. Ich bin nach Verſuchen im Kieinen uͤberzeugt, daß ich einen Morgen auf 300 bis 350 Himten brin⸗ gen koͤnnte, und zwar durch eine Furche mehr ins Kreuz gegeben, und durch 25 Fuder Duͤnger, ſtatt 10 Fudern. Rber die Verhaͤltniſſe meiner Wirthſchaft litten das bis jetzt im Großen nicht. Eine ſehr reiche Duͤngung zu Kartoffeln iſt, wo ſie anzuſchaffen ſteht, allemahl höchſt vor⸗ g — vortheilhaft. Der hoͤhere Ertrag der Kartoffeln bezahlt ſie ſchon vollkommen, ſie wirket aber bey einem guten Fruchtwechſel auf eine lange Reihe von Jahren. Alle uͤbrige Koſten bleiben vollig dieſelben, man mag ſtark oder gar nicht geduͤn⸗ get haben, und der Ertrag verdoppelt ſich. Da⸗ bey ſind die Kartoffeln unter gehoͤriger Bearbei⸗ tung eine ſo reinigende Frucht, daß man alle Urſach hat, das Unkraut im Acker in die ſtaͤrkſte Vegetation zu ſetzen, um es zu zerſtoͤh⸗ ren. Je geiler es auſſchlagt, deſto leichter toͤdtet man es. Dagegen iſt zu manchen andern Fruͤchten, die ſich nicht ſo leicht reinigen laſſen, eine ſtarke Duͤngung, wegen des Unkrauts, oft von uͤbeln Folgen. Dennoch habe ich in practi⸗ ſchen Schriftſtellern gefunden, man ſoll Kartof⸗ feln in ausgetragenes Land pflanzen; ſie wuͤrden zwar nicht viel eintragen, aber immer doch er— was; ſo lange noch Kraft im Lande ſtecke, muͤſſe man ſie durch Kornerndten zu benutzen ſu⸗ chen. Kartoffeln gar in friſchen Duͤnger zu pflanzen, ſey unverantwortlich.— Ich moͤchte die Kartoffelnfelder ſolcher Wirthe wohl ſehen! Unmoͤglich kann die Erndte, die ſie ſich davon verſprechen duͤrfen, die Koſten einer gehoͤrigen Bearbeitnng bezahlen. Da werden denn beym Aufnehmen die Kartoffeln muͤhſam und ſelten ge⸗ nug unter den Quecken hervorgeſucht werden muͤſſen, — 400— muͤſſen, und die Arbeit des Aufnehmens, wenig⸗ ſtens in manchen Jahren, den Werth der Erndte uͤberſteigen. Eine Duͤnger fordernde und Duͤnger freſ⸗ ſende Frucht ſind Kartoffeln allemahl. Ich glaube nicht zu irren, wenn ich annehme, daß ſie die Haͤlfte des Duͤngers verzehren. Will man alſo das Land in voͤlliger Kraft fuͤr die folgende Saaten behalten, ſo muß man ihnen den doppelten Duͤnger geben. Wer nicht zu Duͤnger Anſtalt zu machen weiß, der ſchraͤnke ſich mit ihrem Bau auf den Kuͤchengarten ein. Als Futterung in der Wirthſchaft verbraucht, geben ſie ihren conſumirten Duͤnger zwar reich⸗ lich wieder; zum Verkaufe hingegen leidet, des anſcheinenden großen Vortheils ungeachtet, jede Wirthſchaft darunter, die nicht aus einer nahen Stadt Miſt kaufen kann, oder ſonſtige Quellen dafuͤr hat. Kann man ihn kaufen, ſo iſt ein zweyſpaͤnniges Fuder auf dem Felde zu 1 Rehlr. 12 Mgr. nicht zu thener. — 6— Hiernach wird ſich dann auch die Ver⸗ ſchiedenbeit der Meinungen uͤber die Wuͤr⸗ kung der Kartofeln aufs Land und die folgenden Fruͤchte leichter vereinigen laſſen. Ungeduͤngte und ſchlecht bearbeitete Kar⸗ toffeln muͤſſen das Land in dem allerelendeſten Zuſtande, ſowohl entkraͤftet, als unrein, hinter⸗ laſſen. Maͤßig geduͤngtes, aber gut bearbeitetes Kartoffelland traͤgt eine ſehr gute Erndte von ſolchen Fruͤchten, die mehr reines und lockeres, als ſtarkes und reiches Land verlangen. Daher ſo viele Nachrichten in den Annals o. A., daß man vortreffliche Gerſten⸗, aber ſchlechte Weitzen⸗ Erndten davon gehabt. Da die Kartoffeln aber nicht nur ſelbſt vielen Duͤnger Herausnehmen, ſondern auch, gehoͤrig bearbeitet, das Land in ei⸗ nem ſo muͤrben und der Vegetation zutraͤglichen Stande hinterlaſſen, daß die naͤchſtfolgende Frucht ſich des uͤbriggebliebenen voͤllig bemaͤchtigen kann; ſo wird eine Kartoffeln-Erndte in einem Um⸗ laufe eine doppelte Duͤngung allemahl erfordern, oder das Land in eine große Erſchoͤpfung ver⸗ ſetzen⸗ 1. Ce Insbe⸗ — 402— Insbeſondere hat man in England in den Graswirthſchaften großen Rachtheil davon ver⸗ ſpuͤhret, wenn man die umgebrochene Narbe mit Kartoffeln beſtellet, obgleich ſie da enormen Er⸗ trag gegeben. Und auch dies hatte mich vor⸗ längſt eigne Erfahrung gelehret. Der ſonſt ſo ſcharfſunige Bergen empfiehlt, als die vor⸗ theilhafteſte Methode, Grasland umzubrechen, es graben und mit Kartoffeln beſtellen zu laſſen. Ich verfuhr nach ſeinem Rathe, hatte eine ſehr ſchoͤne Erndte, im zweyten Jabre ziemlich gute Gerſte, aber aus dem darunter geſaͤeten Klee ward nichts. Ich beſiellete es daber im dritten Jahre, nachdem ich es zuvor geduͤnget, mit Hafer, und ſaͤete Thimothy⸗ und Hafergras dar⸗ unter. Der Hafer fiel maͤßig aus; aber nun wollte das Gras nicht wachſen. Erſt nach et⸗ lichen Jahren brachte ich das Land durch Seifen⸗ ſieder⸗aſche wieder in guten Wieſenſtand. Man hat in England vielfältig uͤber den Vorzug des Kohls, der Kartoffeln, oder der Ruͤben und Wurzelgewaͤchſe, als reinigende, zur Viehfutterung beſtimmte Zwiſchenfruchte, geſtritten. Der Kohl hat ohne Zweifel auf tauglichem Bo⸗ den den Vorzug der Zutraͤglichkeit; die Kar⸗ toffeln den der Rahrhaſtigkeit und Haltbarkeit bis —— his nin Ka geri nut mit ei Un ker iel kau lich Er M bis zum Sommer; die Ruͤben aber den des mindeſten Ausſaugens. Im Jahre 1795 batte ich ein Sandfeld zu Ruͤben beſtimmt, und Anfangs May den Duͤnger ſchon unterpfluͤgen laſſen. Mein Verwal⸗ ter, ein großer Freund des Kartoffelbaues, hatte Pflanzkartoffeln uͤbrig behalten, und drang in mich, es damit belegen zu laſſen. Ich willigte bis auf ₰ des Feldes ein, welches zu Ende Ju⸗ nius mit Ruͤben beſaͤet wurde. Mein Verwal⸗ ter gloriirte uͤber den wohl doppelten Werth des Kartoffel⸗Ertrages, obgleich die Nuͤben ganz gut geriethen. Ich ließ ihm die Freude, und ordnete nur an, daß das ganze Feld auf einem Tag mit Rocken beſtellet werden ſollte. Im May zeigte ſich die Scheideline zwiſchen dem Kartoffel⸗ und Ruͤbenfelde wie abgeſchnitten; ſo viel ſtaͤr⸗ ker war die Vegetation auf dieſem. Ich machte viele meiner Freunde darauf aufmerkſam, die es kaum glauben wollten, daß jener Umſtand ledig⸗ lich die große Verſchiedenheit mache. Bey der Erndte verhtelt ſich der Ertrag wie 7 zu 4. Mein Verwalter bekehrte ſich. Ce 2 Man Manche haben geſagt: alles Unheil, wel⸗ ches Amerika durch ſein Gold, durch ſeine Krankheiten, und vielleicht gar neuerlichſt durch ſeine Freyheits-Grundſätze, uͤber Europa verbrei⸗ tet habe, wuͤrde durch das Geſchenk, welches es uns mit der Kartoffel gemacht hat, reichlich auf⸗ gewogen. Dagegen zaͤhlen Andre dieſe Frucht mit in der Reihe von Uebeln anf, die wir der Ent⸗ deckung von Amerika ſchuldig ſind. Dieſe behaupten naäͤmlich, daß eine Menge von Krankheiten, die in neuern Zeiten— oft freylich nur dem Namen nach— ſich ungleich haͤufiger aͤußern, wie ehemals, als da ſind Skrofeln und ein vermeintes Skrophelgift— ein Ding, was niemand kennt, niemand definirt hat, wogegen faſt jede Buͤchſe im modernen Arzeney⸗ Apparat empfohlen wird, aber eigentlich kein Mittel aus der Apotheke helfen will— Abzeh⸗ rungen mancherley Art, Engliſche Krankheit, Hautausſchläge, Wuͤrmer, Bleichſucht, weiſſer Fluß, Kraͤmpfe, Gicht, Rheumatismen, Bruͤche, Schleimfieber und Verſchleimungen, allgemeine Traͤgheit und Erſchlaffung, Reigung zur Selbſt⸗ befleckung— kurz faſt alle die Frankheiten und Uebel, wogegen die Essentia miraculosa co- ronata in den Hamburger Zeitungen hilft— von von dem haͤufigen Genuſſe der Kartoffeln her⸗ ruͤhren. Auf die Gefahr, mich mit einigen meiner Amtsbruͤder hieruͤber zu entzweyen, muß ich zur Beruhigung meiner Mitbruͤder, der Landwirthe (Farming brothers), und, meiner Ueberzeu⸗ gung nach, zur Rettung der Kartoffeln, von die⸗ ſem Vorwurfe etwas ſagen, da es allerdings fuͤr die Landwirthſchaft in manchem Betrachte hoͤchſt wichtig iſt, ob man die Kartoffeln fuͤr ein gutes oder fuͤr ein ungeſundes Rahrungsmittel hal⸗ ten ſoll? Der erſte Verdacht, welchen die Aerzte auf die Kartoffeln warfen, ruͤhrte wohl daher, daß ſie nach ibhrem botaniſchen Character zu einem Pflanzen⸗Geſchlechte gehoͤrten, welches mehrere Arten enthielt, die auf die Nerven des thieriſchen Koͤrpers eine betaͤubende Wirkung aͤuſſern. Man findet zwar zuweilen, daß mit einer botaniſchen Verwandtſchaft einige Aehnlichkeit in dieſen Wir⸗ kungen verbunden iſt; aber dies iſt bey weitem nicht immer der Fall. Sonſt gaͤbe es ſo viele Gewaͤchſe, welche aus unſerer Kuͤche verbannet wer⸗ den muͤßten, wo wir ſie als die mildeſten Nah⸗ rungs⸗ — 4₰06— rungsmittel kennen. Selbſt die ſanfte milde Lactuke ſteht im botaniſchen Syſteme nabe bey einer der giftigſten Pflanzen, der lactuca viro- sa. Peterſilie, Kerbel, Paſtinak, Sellerie, ſelbſt die Möhren, waͤren hochſt verdaͤchtig, denn die Aehnlichkeit ihres ganzen Wuchſes und beſon⸗ ders ihrer Befruchtungsorganen mit den Schier⸗ lingsarten, iſt gewiß eben ſo groß, wie die der Kartoffeln mit andern Rachtſchatten. Da nun noch Riemand einen Schatten von giftiger, ſcharfer oder nareotiſcher Wirkung auf den thie⸗ riſchen Koͤrper an den Kartoffeln hat bemerken koͤnnen, ſo laͤßt man dieſen Vorwurf einer unehr⸗ lichen botaniſchen Verwandtſchaft ziemlich fallen, ohne ihn jedoch ganz aufzugeben. Dagegen beſchuldigt man ſie um deſto mehr ihres mehligten, kleiſter⸗artigen Beſtandtheils we⸗ gen. Dieſer ſoll nicht allein die Gedaͤrme und die ſich darin oͤffnenden einſaugenden Milchgefaͤße verkleiſtern, ſondern ſelbſt in andere Gefaͤße, Druͤ⸗ ſen und Abſonderungsorgane uͤbergehen und ſolche verſtopfen, dadurch dann jenes Heer von Krank⸗ beiten erzeugen. Dieſe Dieſe, aus der veralteten Theorie vom glu- tinosa spontaneo und viscido entſprungene, mit der ſich immer mehr aufklaͤrenden pathologi⸗ ſchen Phyſiologie unertragliche Beſchuldigung, wird noch haͤufig von Aerzten wiederholet, deren uͤbrigen Einſichten und reifer Beurtheilungskraft man ſo etwas kaum zutrauen ſollte. Das Staͤrkmehl, dieſer Hauptſtoff der thieriſchen Nah⸗ rung, ſoll alſo unverdaulich, der Animaliſation un⸗ fähig erklaͤrt und als eine fremde vom Lebens⸗ princip unbezwingbare Subſtanz aus unſern Rah⸗ rungsmitteln herausgeſchafft werden! Man nebme uns nun die noch mehr verkleiſternde animaliſch⸗ vegetabiliſche Colla dazu, und wir werden an keiner Krankheit weiter leiden, ſondern— vor Hunger ſterben! „Aber die Erfahrung zeigt doch die nachthei⸗ ligen Folgen des haͤufigen Kartoffeln⸗eſſens nur zu deutlich. Man ſieht dies, ſagt man, beſonders in ſolchen Staͤdten, wo die gemeine Claſſe des Volks ſich kuͤmmerlich mit Manufakturarbeiten nährt, und die Haͤlfte des Jahrs taglich Kartof⸗ feln ißt. Jene Krankheiten nehmen daſelbſt, be⸗ ſonders unter den Kindern, ſo uͤberhand, daß man wenig geſunde mehr ſiebt.“ Abet 1 Aber, liebe Collegen! Eſſen dieſe Leute nicht 1 auch täͤglich Brod, trinken ſie nicht auch Waſß⸗ n ſer?— Warnm ſchiebt ihr es nicht ſo gut dar⸗ auf, wie auf die Kartoffeln?— Mir deucht, u 31 ½ dies beweiſe nichts, als daß dieſe ſo wenig wie jene im Stande ſind, alle jene atoniſchen Krank⸗ keiten zu verhuͤten und ihren mannigfaltigen Urſa⸗„ 3 3 chen entgegen zu arbeiten. Sind die unreine Luft, di der Schmutz, die faulenden Ausduͤnſtungen, der„ Kummer, die ſitzende Lebensart, der Mangel an 9 freyer, die körperlichen Kraͤfte erhebender Bewe⸗ v gung, und mancher anderer Staͤrkung, deren dieſe u 3 Claſſe entbehren muß, nicht Urſach genug zu ze⸗ li nen Uebeln? Nehmt ihnen noch die Huͤlfe und 9 den Troſt, welchen ihnen jenes wohlfeile Nah⸗ i rungsmittel giebt, und ſie werden vollig ver⸗ m kuͤmmern! Es iſt ſchon gegen Analogie, daß der In⸗ v ſtinet zu Nahrungsmitteln ſo truͤgen ſollte. Faſt m jeder unverwoͤhnte Gaumen liebt dieſes Gewaͤchs ſi vorzuͤglich, und beſonders eſſen es Kinder und n junge Leute, nicht ein oder anderes Mahl, ſondern t faſt taͤglich, mit dem groͤßten Vergnuͤgen, und zie⸗ ben es, auf die Dauer, jeder anderen Speiſe vor. te Man Man bemerket ferner von einem ſtarken Ge⸗ nuſſe der Kartoffeln, vorausgeſetzt, daß ſie gahr gekocht und nicht durch fehlerhafte Zumiſchungen unverdaulicher gemacht werden, durchaus keine unmittelbar uͤble Folgen; man eſſe ſie zum erſten oder zum tauſendſtenmahle. Die Ratur warnt uns doch ſonſt bey allem, was uns auf die Folge ſchaͤdlich werden kann, durch einige, unmittelbar darauf folgende Beſchwerden. Dies geſchiehet hier uͤberall nicht. Vielmehr wird keine vegetabiliſche Nahrung von ſchwaͤcheren Verdau⸗ ungskraͤften leichter und mit weniger Unbequem⸗ lichkeit bezwungen, als dieſe. Sie erregt weni⸗ ger Gäͤhrung, Aufblaͤhung und Saͤure, als irgend eine. In meiner aßjaͤhrigen Praxis erinnere ich mich keines Beyſpiels, wo ich wegen zu viel genoſſener Kartoffeln ein Recept haͤtte verſchreiben muͤſſen. Und doch weiß ich mehrere Faͤlle, wo junge Burſchen, beſonders zu der Zeit, wo Kar⸗ toffeln noch nicht auf den Tiſch der Eltern kom⸗ men, ſich auf dem Markte welche gekauft, ſolche ſelbſt abgekocht und zum Vesperbrodte ganz un⸗ maͤßig davon gegeſſen haben, ohne daß es ihnen etwas geſchadet hat. Endlich ſind mir viele zahlreiche Familien bekannt, wo Erwachſene und Kinder ſechs Monate im im Jahte mehr Kättoffeln, wie irgend eine an⸗ dere Speiſe, genießen. Und dieſe Familien Gwo aber ſonſt auf alles geachtetet wird, was der Er⸗ baltung und Ausbildung des Koͤrpers nachtheilig oder wohlthatig ſeyn kann) ſind ſchr geſund, und grade von alle den Uebeln frey, die n Aerzte den Kartoffeln zuſchreiben wollen. Es giebt hier unter andern eine große und⸗ beruͤhmte Erziehungsanſtalt, wo die Kartoffeln die Hälfte des Jahrs den Haupttheil der vegetabiliſchen Rahrung ausmachen, weil die jungen Leute faſt jedes andere Gemüſe mit Unwillen auf den Tiſch kommen ſehen. Und dennoch ſind oder werden dieſe jungen Leute in dieſem Inſtitute ſo geſund, daß jedermann ihr friſches munteres Anſehen be⸗ wundert. Die Krankheiten, die vorfallen, ſind bitziger Art, und jene atoniſchen Uebel machen mir böchſiens nur bey neuen Mähe⸗ Geſichert durch aufmerkſame Beobachtung, gebe ich ſogar Reconvalescenten Kartoffeln zu, wenn ihr Appetit darauf verfäͤllt, wie dieſes bey krankgeweſenen Kindern haͤuſig der Fall iſt. Ich thue das ſogar nach ſogenannten Schleimfiebern, wenn die Zunge noch belegt iſt, ohne allen Nach⸗ theil, obgleich Manche dieſe Fieber den Kartoffeln beymeſſen. Man — it — 411— Man verzeihe es mir, wenn ich hier viel⸗ leicht einen Augenblick vergaß, daß ich jetzt nicht Arzt, ſondern Landwirth ſey. Vermuthlich verdankt es mir mancher, daß er ſeine Kartoffeln in der Folge getroſteren Muthes genießet und ſie ſeinem Geſinde vorſetzet. In gleicher Maaße enthaͤlt die Kartoffel freylich weniger Staͤrlmehl und noch weniger von derjenigen vegetabiliſch-animaliſchen Materie, die wir Colla oder Gluten nennen, wie die Getraide⸗ arten. Wenn ſie daher gleich weniger nahrhaft iſt, auch das Unternehmen, Broht aus ihr allein zu backen, mit vielen Schwierigleiten verknuͤpft iſt: ſo hat ſie doch, wenn wir auf die Maſſe von Nahrung ſehen, welche man durch ſie einer beſtimmten Flaͤche des Ackers abgewinnet, wohl vor jeder andern Frucht entſchiebenen Vorzug. Daher iſt ihr Gebrauch zur Fuͤtterung und Ma⸗ ſtung des Viehes auch ſo allgemein geworden. Wenn wir bedenken, daß ein Morgen gehoͤrig gebaueter Kartoffeln leicht ſo viel Nahrungsſtoff fuͤrs Vieb giebt, wie acht Morgen des beſten Weide⸗ — 412— Weidelandes, und in eben dem Verbaͤltniſſe zur Erhaltung und Vermehrung der buͤrgerlichen Ge⸗ ſellſchaft beytraͤgt, indem ſie ſogleich durch Ver⸗ mehrung des Duͤngers die Quelle neuer Cultur wird; ſo erſtaunen wir uͤber den Zuwachs, den dieſe Frucht dem Menſchengeſchlechte und der Staͤrke den Staaten zu bringen vermoͤgend iſt.— Doch ich will meine practiſch-öconomiſchen Leſer nicht mit einer politiſchen Digreſſion ungeduldig machen, nachdem ich ſie vielleicht durch eine medieiniſche ermuͤdet. In England werden ſebr viele Ochſen mit Kartoffein geméſtet. Man rechnet auf einen Och⸗ ſen von 800 bis 1000 Pfund taͤglich einen Bu⸗ ſhel und dann nur 10 Pfund Heu. Mit 2 Acre maͤſtet man eitten Ochſen aus. Einen Buſbhel Kartoffeln halten die meiſten zu dieſem Behuf 10 Pence werth. In denjenigen Theilen Deutſch⸗ lands, wo die Brannteweinbrennerey ſo baͤufig, wie in Riederſachſen, getrieben wird, wuͤrde man ſie bey dieſer Anzwendung nicht ſo boch benutzen. Als Als Futterung fuͤr Milchkübe ſind ſie her⸗ gegen bey uns mehr, wie in England, uͤblich. Auf dieſe Weiſe benutze ich ſie nun ſeit 10 Jah⸗ ren, und babe als Oecononem bey den Kuͤhen eben ſo wenig uͤble Folgen davon wahrgenommen, wie als Arzt bey den Menſchen. In manchen Jahren ſind ſie von der Mitte des Septembers bis zur Mitte May mein Hauptſutter geweſen, doch nicht ohne Verbindung von Heu, Stroh, Ruͤben, auch wohl Korn, wenn daſſelbe in ge— ringem Preiſe ſtand. Die Milchergiebigkeit leug⸗ net niemand. Aber die Abmagerung und Kränk⸗ lichkeit der Kuͤhe im Fruͤhjahre, die manche darauf ſchieben, habe ich bey meinem Viehe nie erfahren. Nach mehrmaligen Verſuchen, die Kartof⸗ feln im Waſſer und im Dampfe zu kochen, bin ich zu der Methode, ſie roh zu fuͤttern, zuruͤck⸗ gekehrt, weil ich gefunden, daß das Vieh ſie lieber roh frißt. Mir wuͤrde es ſonſt nicht mehrere Koſten verurſachen, da das Häaͤckfel im⸗ mer mit kochendem Waſſer den Winter hindurch angebruͤhet wird. Auf dieſes Haͤckſel werden die rohen Kartoffeln gemiſcht. Eine Eine Benutzung der Kartoffeln, welche die groͤßte Aufmerkſamkeit verdient, iſt wohl die fuͤr die Pferde. In Deutſchland hat Benkendorf hierauf, meines Wiſſens, allein aufmerkſam ge⸗ macht ²). Es iſt vielleicht häufiger in Aus⸗ uͤbung gebracht, als man weiß, wenn Futter⸗ mangel vorhanden geweſen. Bey den Englän⸗ dern kommen viele Erfahrungen daruͤber vor. Sie ſind aber doch nicht ſo beſtimmt angegeben, daß ſich etwas zuverlaͤſſiges von dem Erfolge ſagen ließe. Ich habe es, wegen des Wider⸗ willens der Knech'e dagegen, noch nicht verſu⸗ chen koͤnnen, wrelche doch die Moͤhren ſehr gern fuͤttern. Man haͤlt in England taͤglich 1 Peck (4 Buſhel) fuͤr ein Arbeitspferd hinreichend, welches mir zu wenig zu ſeyn ſcheint. Die Sache iſt wahrlich einer offentlichen Unterſuchung ſo werth, wie irgend eine. Denn es waͤre fuͤr die Landwirthſchaft und die ganze buͤrgerliche Geſellſchaft von erſtaunlichem Wertbe, wenn eine ſo wohlfeile Fuͤtterungsart der Pferde moͤg⸗ lich waͤre. Als N *) Berliner Beytraͤge. Lh. 7. S. 47. Als Schweine⸗Maſtung erhalten ſie von den Englaͤndern ihr gebuͤhrendes Lob. Fleiſchſchweine werden damit allein zur Vollſtaͤn⸗ digkeit gebracht, und man zieht dies Fleiſch an⸗ derm vor. Aber Speckſchweine damit allein ausgemaͤſtet zu haben, finde ich von keinem Eng⸗ laͤnder behauptet. Vermiſcht mit Korn und Huͤlſenfruͤchten, iſt die Speckwoſtung vortheilhaf⸗ ter ausgefallen, als mit dieſen allein. Das Kuͤh⸗ lende, Waͤſſtige der Kartoffeln mindert die innere Hitze, welche Kornfruͤchte bey den Schweinen leicht erregen. Folgende Methode, die ich mir aus den Bemerkungen der Englaͤnder abſirahi⸗ ret, habe ich nun mehrere Jahre bey der Schweine⸗Maſtung ſehr vortheilhaft befunden. Es werden 10 Himten zu Brey gekochter Kar⸗ toffeln mit 4 Himten ebenfalls gekochter oder ge⸗ ſchrotener Erbſen oder Bohnen durchgeruͤhret. Dieſe Miſchung bleibt etliche Tage ſtehen, bis ſie ſaͤert. Denn das Saͤuern iſt bey jeder Schweine⸗Maſtung eine Sache von Wichtigkeit, indem dadurch, nach Youngs und anderer Ver⸗ ſuchen, die Gedeylichkeit des Futters ſehr befoͤr⸗ dert wird. So wie man dieſe Miſchung an⸗ bricht, bereitet man daher eine neue. Ich glaube nicht, daß es eine vortheilhaftere Art, ſtarke Speckſchweine zu maͤſten, gebe, wie dieſe. Ueber ueber die Maſtung der Schaafe und de⸗ ren Winterfutterung mit Karroffeln, ſind die Mey⸗ nungen unter den Englaͤndern getheilt. Einige haben ſie mit großem Erfolge, andre mit ſehr ſchlechtem dazu angewandt. In Spſſex iſt in⸗ deſſen die Winterfutterung der Schaafe mit Kar⸗ toffeln ſehr gebräuchlich, und auſſer allen Zwei⸗ fel geſetzt. General Murrey hat jaͤhrlich 70 Acres Kartoffeln, die im Durchſchnitt 400 Bu⸗ ſbel, alſo 28000 Buſhel geben, und die groͤß⸗ tentheils zur Winterfutterung der Schaafe ge⸗ braucht werden. Er hat uͤberhaupt 1667 Acres, alles Weideland, wie ſich in England verſteht, mit eingeſchloſſen. Dgrauf haͤlt er 4425 Schaafe und uͤberdas 200 Stuͤck Rindvieh, alles von vorzuglicher Art. A. Young, der eine ſehr ge⸗ naue Unterſuchung ſeiner Wirthſchaft angeſtellet hat, beweiſet, daß nur die Kartoffeln dieſes Verhaͤltniß moglich machen, indem ſie ihm ooo0 Centner Heu erſparen N Kar⸗ *) Annals ofagriculture, Vol. Xl. P. — =—=—=— 1 Kartoffeln mißrathen bey einer ordentlichen Behandlung nicht leicht; es iſt aber doch zu viel geſagt, wenn manche behaupten, ſie thuen es niemahls. In England hat man haͤufig eine Krankheit an ihnen bemerkt, die man Curl nennet, davon ich aber in deutſchen Schriften nichts erwaͤhnet finde, und die ich alſo nur in England einheimiſch glauben wuͤrde, wenn ich ſie im Jahre 90 nicht ſelbſt, obwohl nur auf ei⸗ nem kleinen Flecke, geſehen haͤtte. Wenn die Kartoffeln in voller Kraft ſtehen und bald bluͤ⸗ hen wollen, ſo ſchrumpft auf einmahl das Kraut zuſammen, welket und trocknet. Es giebt dann eine ſehr kaͤrgliche Erndte. Man hat die wahre Urſach dieſer Krankheit noch nicht emdeckt. So viel iſt aber ausgemacht, daß ſie nicht im Bo⸗ den, in einer gewiſſen Behandlungsart, oder in der Witterung liege; ſondern in der Pflanzkar⸗ toffel. Sobald dieſer Gurl ſich ein Jahr nur an etlichen Pflanzen zeigt, muß man ſich durch⸗ aus anderswoher neue Pflanzkartoffeln kommen laſſen, ſonſt hat man ſie im naͤchſten Jahre uͤberall. Es iſt ſehr wahrſcheinlich, daß ein Inſekt, welches ſeinen Saamen in die Kartoffel legt, der aber nicht entdeckbar iſt, Schuld daran ſeyn. Es ſind von vielen engliſchen So⸗ cietaͤten Preiſe auf die Unterſuchung dieſes Uebels und Verhuͤtungsmethode ausgeſetzt, und eine 1. Dd große große Menge Schriften eingelaufen*); aber alle Meinungen und Erfahrungen ſind noch widerſpre⸗ chend. Die rothen Arten ſind dieſem Uebel faſt gar nicht ausgeſetzt. Man hatte geglaubt, die Krankheit zu ver⸗ huͤten, wenn man junge aus Saamen erzogene Kartoffeln pflanzte. Aber dieſe ſind am aͤrgſten mitgenommen. Recht große, geſunde, von ſol⸗ chen Orten hergeholte Kartoffeln, wo man dos Uebel noch nicht kannte, hielten ſich aber immer gut. Deswegen laſſen Viele jährlich neue kommen. Die Erziehung aus Saamen iſt in England baͤuſig verſucht. Auch habe ich ſelbſt vor zwolf Jahren *) In den Bath papers, T. T., ſind allein die Aus⸗ zuͤge von 18 Schriften, welche dieſe Societät dar⸗ uͤber erhielt, abgedruckt. ——„— e—— ——— ——„— ——— — Jahren im Garten der Landwirthſchafts⸗Geſell⸗ ſchaft bieſelbſt mancherley Verſuche damit angeſtel⸗ let, ſowohl mit Saamen, der vor aller fremden Beſtuchtung moͤglichſt geſichert ward, als mit anderm, der abſichtlich fremden Saamenſtaub er⸗ balten. Neue Arten erhaͤlt man zuverlaͤſſig da⸗ durch; ob man aber jemahls beſſere dadurch be⸗ kommen werde, iſt ſehr zweifelhaft. Bis jetzt iſt dies nicht geſcheben. Uebrigens iſt dieſe Me⸗ tbode keineswegs vortheilhaft, und die Kartoffeln, welche erſt im dritten Jahre ihre voͤllige Größe erhalten, kommen wenigſtens um die Haͤlfte theu⸗ rer zu ſtehen, wie andre. Oft mißraͤtb die daraus gezogene Art voͤllig. Eine Art, die ich aus dem reinen Saamen der Zuckerkartoffel zog, hatte die Sonderbarkeit, daß die Kortoffeln zu ganzen Klumpen in allerley Geſtalten an einander wuchſen, jede einzelne aber ſehr klein blieb. Sie waren vorzuglich gut von Geſchmack, wenn man ſich die Muͤhe gab, die Haut abzuziehen. Wegen der Weitlaͤuftigkeit dieſer Arbeit waren ſie aber gar nicht zu brauchen. Ich pflanzte ſie bis ins fuͤnfte Jahr fort; da ſie aber dieſe Unart nicht verlohren, warf ich ſie weg. Groͤß⸗ tentheiis erhaͤlt man dieſelbe Sorte wieder, von der man den Saamen aufgenommen. Ich habe aber nie bemerkt, was Einige davon geruͤhmt baben, daß ſie dann eine beſonders lebhafte Vege⸗ Ddz tation — 420— tation erhielten. Eher mochte ich bebaupten, daß ſie kleiner bleiben. In England, wo man ſich vorlaͤngſt viel davon verſprach, iſt man ganz da⸗ von zuruͤckgekommen. Vor 4 Jahren hatten wir hier auf Sand⸗ feldern und Gärten ein ſonderbares Mißrathen der Kartoffeln. Es trat naͤmlich in der Mitte des Sommers eine ſehr anhaltende Duͤrre ein. Das Kartoffelkraut vertrocknete vollig. Wie nun Re⸗ gen fiel, trieben lauter junge Schuͤſſe aus der Erde, und die Felder wurden aufs neue ganz gruͤn. Wie man die Kartoffeln aufnahm, fand man eine große Menge ganz kleiner junger Kar⸗ toffel neben aͤlteren⸗ Dieſe aber hatten ein be⸗ ſonderes Anſeben, beſtanden aus einem glasar⸗ tigen Schleime, dem faſt alle Mehltbeile ent⸗ zogen waren. Sie waren ſelbſt fur das Vieb un⸗ brauchbar, indem uͤberall keine Nahrungskraft mehr darinn war. Die neue Vegetation hatte ihnen alles Mehl entzogen. Sobald man alſo bemerkt, daß duͤrre gewordene Kartoffeln aus der — — 421— der Wurzel wieder austreiben, muß man un⸗ terſuchen, ob es der Muͤhe werth ſey, ſie ſofort aufzunehmen. Mehrentheils wird es aber am rathſamſten ſeyn, ſie gleich unterzupfluͤgen. Eine Berechnung des relativen Werths der vier abgehandelten gebraͤuchlichſten Futtergewaͤchſe gegen einander und gegen unſer gewoͤhnliches Fut⸗ terungsmittel, das Heu, muß jedem practiſchen Landwirthe hoͤchſt intereſſant ſeyn. Wir finden da⸗ zu faſt unzaͤhlbare Data bey den Englaͤndern. Hier wuͤrde es mich aber zu weit fuͤhren, die merkwuͤr⸗ digſten derſelben anzugeben und einen Durch⸗ ſchnitt aus denſelben zu ziehen; ich verſpare es daher auf eine andere Gelegenbeit, dieſes ausfuͤhr⸗ licher zu thun. Indeſſen ſcheinen mir Mon⸗ tagu Bourgoyne's und des Capt. Midle⸗ ton Erfahrungen und Verſuche mit ſo großer Genauigkeit angeſtellet zu ſeyn, und unter al⸗ len Angaben ſo das Mittel zu halten, daß ich glaube, hiernach ſchon eine ziemlich zutreffende Berechnung anſtellen zu koͤnnen. Erſte⸗ — 422— Erſterer hat naͤmlich nach ſeinen, in guͤn⸗ ſtigen und unguͤnſtigen Jahren, angeſtelleten Be⸗ 1 obachtungen gefunden, daß ein Aere im Durch⸗ ſchnitt gebe: an röthlichen weiſſen Ruͤben⸗ 20,944 Pfund. 3 weiſſen Ruͤben„„„ 24,080— 16 Kohl Möhren„„„„„ 41,600— rothen Kartoffeln 26,800— Capitain Midleton hat dagegen bey ſeinen, mit aufgeſtalletem Rindvieh angeſtelleten Verſuchen gefunden, daß 6 13 8 Tonnen(à 2240 Pf.) weiſſe Ruͤben ohne . Kraut, 8 ½ Tonne weiſſe Ruͤben mit Kraut, 6 Tonnen ſchottiſchen Kohls, 3 Tonnen Moͤhren, 1100 Pf. Lein oͤlkuchen, jedes, in der Futterung, einer Tonne(2240 Pf.) guten Heues gleich kamen. Rach ſ — 423— Nach den Verſuchen verſchiedener Anderer ſind 2½ Tonne(F600 Pf.) 1. Howards Kar⸗ toffeln in der Futterung 1 Tonne Heu gleich. Wenn nun, nach dem gewoͤhnlichen engli⸗ ſchen Anſchlage, 1 Acre guten natuͤrlichen oder beſaamten Wieſenlandes 2800 Pf. Heu giebt, und 50 Schill. werth iſt, ſo iſt 1 Acre weiſſer Ruͤben in der Futterung werth 60½ Schill. —— Kohl„„„183— —— Möhren⸗„„277 ½— —— Kartoffeln„„2143— In Anſehung der KFartoffeln muß man be⸗ merken, daß M. Bourgoyne von rothen, ver⸗ muthlich feſteren Kartoffeln, ſpricht, daß aber bey den Verſuchen, in Anſehung der Futterung, von den großen weißen die Rede iſt. Ich Ich uͤberlaſſe meinen Leſern, die ferneren Reſultate hieraus zu ziehen. Um den relativen Vortheil, der bey dem Bau dieſer Gewaͤchſe zu erwarten iſt, zu beſtimmen, muß man die Ko⸗ ſten ihres Baues, mit Einſchluß der Landpacht, abziehen. Sechs⸗ Sechszehntes Capitel. Allgemeine Bemerkungen uͤber die Getreide⸗Arten und deren Bau. En Beſchreibung des Kornbaues iſt hier keines⸗ weges meine Abſicht. Das Auszeichnende deſſel⸗ ben in England, iſt in andern Capiteln angegeben. Hier will ich nur dasjenige nachholen, was an⸗ derwaͤrts keinen Platz findet. Der Weitzen iſt in England das wichtigſte Korn und der erſte Zweck des Ackerbaues, indem man be⸗ kannt⸗ — 426— kanntlich daſelbſt nichts anderes zum Brodte nimmt. Die Varietaͤten deſſelben, welche ich bey den Englaͤndern angegeben, aber nirgends beſtimmt beſchrieben, vielmehr als bekannt angenommen finde, ſind urzaͤhlbar, wenigſtens fuͤr uns. Vermuthlich giebt man ihnen aber in den ver⸗ ſchiedenen Provinzen verſchiedene Namen, und wahrſcheinlich artet eine Gattung aus, wenn ſie auf andern Boden kommt. Ich ſetze demnach die Namen her, welche ich in den beſten und gruͤndlichſten Schriftſtellern am haͤufigſten ange⸗ fuͤhrt finde. 1. Red lammas oder Kentish red, ro⸗ ther Auguſt⸗Weitzen. 2. Kentish red strawv, Kentiſch roth Stroh. z. Kentish white straw, Kentiſch weiſſes Stroh. 4. Bearded, baͤrtiger. 5. White egg-shell, weiſſer eyerſchaaliger. 88 6. Red velvit, rother ſammt⸗artiger. 7. White velvit oder hoary white, weiſſer ſammt⸗artiger. s. Vellow lammas, gelber Auguſt⸗Weitzen. 9. Brown lammas, Essex dun. 10. Fulham u. ſ. w. Die drey erſten Arten werden auf thoni⸗ gem niedrigem Boden am haͤufigſten gebauet. N. 4. iſt vermuthlich eine Ausartung von N. 1., wenn dieſer auf leichteren Boden kommt. N. 5. wird fuͤr vorzuͤglich auf leichterem ſandig⸗ lehmigem Boden gehalten, wird fruͤher reif, und hat vorzuͤglich weiſſes Mehl. N. 6 und 7. haben eine feine baumwollen⸗ artige Rauhigkeit an den Aehren. Ueber die Vorzuͤge einer Art vor der an⸗ dern finde ich viel Widerſprechendes. Young giebt N. 7., white velvit, entſchieden den Vorzug vor andern, und bauet dieſe Art allein. Arbuthnot entdeckte ſechs Aehren, deren Sammt ſeine Aufmerkſamkeit auf ſich zog. Er zeigte ſe — 428— ſie etlichen alten Farmers, die verſicherten, ſie li kenneten dieſen Weitzen ſehr gut; er ſey aber„ jetzt ganz verlohren. Arbuthnot pflanzte ihn alſo, Korn bey Korn, ſorgfaͤltig aus, zog ſo ſein Saatkorn ſaͤmmtlich davon an. Dieſe Saat de war bey ihm bald ſehr geſucht, und verbreitete S ſich ſchnell in mehreren Gegenden des Reichs. z Dennoch hatte Young(im Jahre 1779) Muͤhe, n ihn wieder aufzufinden, und traf ihn nur rein di bey einem Schuͤler Arbuthnots, Mr. Chambers. ſt In den Jahren 1780 bis 1784 ſtellete Young d fortdaurend vergleichende Verſuche zwiſchen dieſem T und dem gewöhnlichen rothen Weitzen an, und 46 hatte auf demſelben Felde und unter derſelben K Behandlung und Umſlaͤnden immer einen, um 2 zwey bis ſechs Buſhel groͤßeren Ertrag vom 9 velvit auf dem Acre. Aber die groͤßere Guͤte 9 uͤberwiegt noch den groͤßeren Ertrag; denn Young verkaufte im Durchſchnitt, in allen dieſen Jah⸗ ren, das Comb von dieſem um 2 Schill. theu⸗ d rer. Sogar wenn der rothe nur eine Beymi⸗. ſchung von dieſem hatte, ging er beſſer ab. Ein t Feld von dieſem Weitzen ſteht völlig gleich, ein Halm ſo hoch wie der andre. Die Aehren ſcheinen kurz zu ſeyn, entbalten aber eben ſo viel Koͤrner, wie andre lange, wreil dieſe dicht auf einander ſitzen. Wenn er reif iſt, ſieht das Strob hellweiß aus, die Aehre aber roͤtb⸗ lich. lich. Die Huͤlſe iſt ſebr duͤnne. Rie, ſagt Young, werde ich jeht andern ſaͤen). Dieſe Vorzuͤge des white velvit wur⸗ den faſt zugleich durch die Verſuche eines Mr. Boys in Kent kltütert. Um mich zu uͤber⸗ zeugen, ſagte er**), welche Art von Weitzen auf meinem trocknen, lehmigen, guten Boden die beſte ſey, machte ich ſolgende beyde Ver⸗ ſuche. Im Herbſt 1776 ſäete ich 5 verſchie⸗ dene Arten Weitzen auf§ halbe Acres, in der Mitte eines Feldes von 14 Acres, auf voͤllig ebenem und gleichem Boden in die umgebrochene Klee Stoppel. Sie wurden alle an demſelben Täge geſäet, auf dieſelbe Weiſe behandelt, ab⸗ geſondert in die Scheure gebracht, ſorgfaͤltig gedroſchen und gemeſſen. Wie daſſelbe Feld im Herbſt 1781 wieder an die Reihe zum Weitzen, aber nach Bohnen, kam, maaß ich, da kein gelber lammas vorraͤthig war, 4 halbe Acres grade auf demſelben Platze aus. Im *) Annals of agricult. T. IV. p. 132. **) Transact. of the London Society. T. III. 6 de ſ de 9l h de d ſi E be di — — Werth Arten: Ettrag auf g Wertb dem Acre uarters. Im Jahre Quarters des Acres Xb. gall. j Schill. ſPpf. Schil. Pence. [Hoary white— 45 9 1777[Fulham-—— 41 4 S in die Kle⸗ White straw— 43 10 *+ Stoppel. Vellow Lammas 44 12 Ped Lammas 44 9 Hoary white- 52 ½ 1782 Fulham— 48 in die Bohnen⸗White straw 50 Stoppel. Red Lammas — 431— Die Preiſe ſind ſo angegeben, wie ſie zu der Zeit, als gedroſchen wurde, auf dem Markte ſtanden. Die Erndte des vorigen Jahrs war wegen des naſſen Sommers, der Boy's trocknem Lande gut bekam, eine der reichlichſten, Es erbellet aus dieſen Verſuchen, daß der hoary white wenigſtens auf ſolchem Boden der vortheilhafteſte ſey, und ſehr viel beſſer, wie der red lammas, der am haͤufigſten ge⸗ ſaͤet wird. Der Fulham giebt ungefähr dieſelbe Erndte, iſt aber ein grober Weitzen mit einer dicken Hülſe, alſo viel geringer im Werth. Uebrigens beſtätiget dieſer Verſuch den Vor⸗ zug der Bohnen, als Vorbereitung zum Weitzen. Man hat aber auch andere Weißemarten ſehr verbeſſert, indem man die ſchoönſten und ſtaͤrkſten Aehren — 432— Aehren herausgeſuchet, die Koͤrner einzeln geſtek⸗ ket und daraus Saatkorn gezogen*). Man darf ſolche Saamenbeete nur nicht in Gärten und in der Rachbarſchaft der Wohnungen anlegen, ſonſt behaͤlt man wenig Korn vor den Voögeln. Welche Art man uͤbrigens in Deutſchland unter dem Namen des engliſchen Weitzens verſtehe, weiß ich nicht. Sollte irgend jemand in Deutſch⸗ land engliſchen Saat⸗Weitzen kommen laſſen wol⸗ len, ſo mußte es die white velvit oder white hoary Art ſeyn*). White egg⸗shell iſt zwar vortrefflich, beſonders auf leichterem Boden; fällt aber leicht aus, wenn ſie nicht genau im Zeitpunkt ihrer Reife gemähet wird. Die Englaͤnder haben auch Sommerweiten. Ich habe aber nichts über mehrere Abarten deſſelben gefunden, die man doch in Deutſchland hat. In den *) Marshal Vorkshire, T. I. P. 7. ) Ich habe dieſen Weitzen jetzt von einem Freunde erhalten. — 433— den mittellaͤndiſchen Diſtricten bat man bemerket, daß er ſchrumpfliches Korn bekomme, wenn man ihn fruͤh ſaͤet; daß er aber viel voller werde, wenn er Ende Aprils oder im May geſaͤet wird: ein Beweis, daß er vom Winterweitzen, ſeiner Natur nach, ſehr verſchieden ſey). Man bielt in England vormabls viel auf das Einweichen oder Einbeitzen des Saamens in Salz⸗ oder Salpeter⸗Sohle, in Aſchen- oder Kalk⸗lauge, in Urin, in Blut oder Duͤngerjauche; tbeils um dadurch eine lebhaftere Vegetation in den Pflanzen bervorzubringen, theils um dem Brand, Roſt und Reigung zum Mehltbau, deren Urſa⸗ chen man ſchon im Saamenkorne ſuchte, vorzu⸗ beugen. In letzterer Abſicht hat man ſogar gif⸗ tige Beiten, ſelbſt Arſenik, vorgeſchlagen und ver⸗ *) Marshal Vorkshire. T. 1. p. 7. 1. Ee — 434— verſuchet; vermuthlich, weil man dieſe Krankheiten ſchon im Saamen präexiſtirenden Inſekten zu⸗ ſchrieb, oder ſich doch eine aͤhnliche Theorie nach unverdaueten Ideen machte. Alle dieſe Vorſchläge, die aus dem Halb⸗Lichte der Hypotheſenzeit herſtam⸗ men, ſind, nach angeſtelleten genauern Verſuchen und unbefangenen Beobachtungen, von denkenden Wirthen gaͤnzlich verworfen. Freylich giebt es ſonſt noch manche fuͤr ſich gute Wirthe, die daran hangen. Wenn ein oder mehrere Farmers in ei⸗ nein Diſtricte ein ſolches Mittel einmahl gebraucht, und nun durch Zufall oder ſonſtige gute Beſtel⸗ lung eine Reihe von guten Erndten gehabt haben, ſo laſſen ſie ſich dies Mittel nicht leicht rauben. So vleiben noch viele bey dem Einkalchen des Weitzens, andre bey dem Einweichen in Salz⸗ waſſer, wornach ſie ihn wohl obendrein mit zer⸗ fallenem Kalk beſtrenen. Aber es ſind Verſiche und Beobachtungen genug vorhanden, daß dieſes gegen Brand und Roſt nichts geholfen, und wie⸗ der andre, daß ungekuͤnſtelt ausgeſäeter Weißen davon voͤllig verſchont geblieben. Mit Zuverläͤſſigkeit hat man die Urſache je⸗ ner Krankheiten noch nicht entdeckt; denn ſie liegen auch nicht in der Anſteckung des Saamens, indem Verſuche gezeigt haben, daß eine ganz mit Brand⸗ boc or ſi kre ze dan mnc re z ln ind ich hut — Brand⸗ und Roſtſtaub uͤberzogene Ausſaat, lau⸗ ter geſunde Aehren gebracht hat. Eine abwech⸗ ſelnde feuchtwarme und wieder kalte Witterung befordert dieſe Krankheit gewiß; aber man hat doch gefunden, daß einige Aecker vollig davon verſchonet geblieben, wenn andere ſehr daran gelit⸗ ten haben. Zuweilen ſcheinen Hecken und Schuß vor den Winden ſie abgehalten, zur andern Zeit ſie befoͤrdert zu haben. Eine Saat, die auf kraftreichem, muͤrbem, aber nicht durch friſchen Duͤnger zu geilem Lande nicht uͤbermäͤßig dicht, aber auch nicht zu duͤnne ſtehet, bleibt gewoͤhnlich damit verſchonet. Das gedrillete Korn iſt ihr, nach mehreren Beobachtungen, häufiger, wie ande⸗ res, unterworfen. Dem Schwemmen des Saamens, welches gewoͤhnlich bey dem Einkalchen zugleich geſchiehet, kann man indeſſen nicht allen Rußen abſprechen, indem unvollkommene, ſchrumpfliche Korner wirk⸗ lich ſchwaͤchere Pflanzen geben, die den beſſeren nur den Platz rauben. Ee Die Die Quantität der Einſaat auf einer gewiſ⸗ ſen Fläche Landes genau zu beſtimmen, iſt wohl eins der wichtigſten Probleme in der Landwirth⸗ ſchaft. Man kann leicht auf beyden Seiten, durch zu ſchwache oder durch zu ſtarke Einſaat, fehlen. Es ſcheint, daß beh leßterer nicht nur die uͤberfluͤſſige Einſaat weggeworfen ſey, ſondern daß ſelbſt der Ertrag, ohne Ruͤckſicht auf jene, dadurch verlieren könne. Eine ſehr geringe Ein⸗ ſaat iſt nach Theorie vielfältig empfohlen worden. Man berechnete naͤmlich, wie viel Raum eine Pflanze zu ihrer vollſtaͤndigen Nahrung erfordere, und wie viel Pflanzen danach ein Acker enthal⸗ ten könne. Wenn aus jedem Korne eine Pflanze wuͤrde, ſo wäre der achte Theil der gewoͤhnlichen Einſaat ſchon uͤberfluͤſſig. Eine ſo uͤberhaͤufte Menge von Pflanzen, ſagte man, muͤſſe alſo ſich einander die Nahrung rauben, und keine die an⸗ dere zur Vollkommenheit kommen laſſen. Allein man bedachte nicht, daß es unmoͤglich ſey, die Koͤrner ſo gleichmaͤßig zu vertheilen, daß auf je⸗ den Fleck ſo viel Pflanzen kamen, als er tragen könnte. Und dann vergaß man das Unkraut, welches um deſto mehr emporkommt, je mehr die Saat ihm Plaß läßt. Die Drillwirthſchaft hat gewiſſermaaßen beyden vorgebeugt; aber hier iſt noch die Rede allein von der Wurf⸗ aus ſaat. Young Young ſahe ein, daß die wichtige Streit⸗ frage uͤber die Staͤrke der Einſaat nicht anders, als durch mannigfaltige Verſuche und durch eine große Sammlung von Beobachtungen, entſchieden werden koͤnne. Einzelne Verſuche erwieſen wenig; weil es zu viel auf Verſchiedenheit des Bodens und ſeiner Cultur, auf Saatzeit, und beſonders auf Witterung ankomme. Er ſtellte alſo vier Jahre lang: 1764, 65, 66, 67, eine große Mannig⸗ faltigkeit von Verſuchen, auf ſchwererm und leichterm Boden, und nach verſchiedenen Vor⸗ bereitungen des Ackers, nach Braache, nach Klee, nach Huͤlſenfruͤchten an“*). So merkwuͤrdig dieſe Verſuche auch in ihrem Detaille ſind, ſo muß ich doch beſorgen, mein Publicum durch 7 oder 8 Bogen voll Zahlen und Berechnungen, die we⸗ nigſtens, um einen genauen Begriff davon zu ge⸗ ben, erfordert wuͤrden, zu ermuͤden. Ich begnuge mich daher, die Reſultate nur im Allgemeinen und im Durchſchnitte zu geben. Er *) Enperiment. agriculture, T. 1, p. 203, wo ſie 62 große Quartſeiten einnehmen. — 453— Er nahm zu jedem Verſuche 10 Abſchnitte, und beſäete dieſe nach folgenden Verhältniſſen: 1. 4 Buſhel auf den Acre. 600 — 1— 5 2 ½———— 6. 3———— 5 3 i r it oua 10. 5———— Die Witterung in dieſen 4 Jahren war ſehr verſchieden. 1764 war ein ſehr kalter Sommer mit ſpäten Nachtfroſten, 1765 ein ſehr warmer trockener, 1766 ein ͤußerſt naſſer mit Mißwachs fuͤr naſſen Boden, 1767 mit faſt allgemeinem Mißwachſe fuͤr England. Der Ueberſchuß des Ertrages, nach Ab⸗ zug der Einſaat, war im Durchſchnitte von den verſchiedenen Feldern: Von 0 1765 1766 1767 1764 1765 1766 1767 1764 1765 1766 1767 1764 1765 1766 1767 1764 1765 1766 1767 N—— W 2 BVuſhel 6 7—— 7½— Durchſchnitt 63 Buſhel⸗ Von 1 Buſhel 48— — 103— Durchſchnitt 93 Buſhel. Von 1 ½ Vuſhel . * v — 193— 16— 1 4½— Durchſchnitt 15 Buſhel. Von 2 Buſhel — 18 — — — —: Durchſchnitt 19 Buſhel. Buſhel — — —: Durchſchnitt 20 ½ Buſhel. Von 1764 1765 1766 1767 1767 1766 1767 1765 1766 1767 1765 1766 1767 1767 1766 1767 — 440— Von 3 Buſhel „ 21½— „ 21— „ 16—: Durchſchnitt 19 Buſhel. Von 3 ½ Buſhel „ 11 ½—: Durchſchnitt 133 Buſhel. Von 4 Buſhel 13½— „ 10 ½— „ 84—: Durchſchnitt 10 ½ Buſhel. Bon 4 ½ Buſhel 3 10— 8— „ 6—: Durchſchnitt 8 Buſhel. Von 5 Buſhel * 7½— „ 4½—: Durchſchnitt 6 Buſhel. Es verſteht ſich, daß man, um den wirklichen Ertrag eines Acres zu wiſſen, nur die Einſaat dem Ertrage wieder zuzuſeßen braucht. Es —„— —.— e—— — 441— Es erhellet hieraus deutlich, daß a4 Buſh auf 1 Acre das vortheilhafteſte ſind, und daß 2 und 3 Buſhel im Durchſchnitte ſich gleich kommen. 3 ¼ Buſh ſind aber noch unvortheil⸗ hafter, wie 14. 2 ½ Buſh auf 1 Acre verhalten ſich ohngefaͤhr wie 12%½ Braunſchweiger Himten auf 1 Calenberger Morgen von 129 Quadrat⸗ Ruthen. Man ſollte glauben, daß in einem trocknen Jahre eine ſehr dichte Ausſaat vor einer ſehr duͤnnen den Vorzug haben muͤßte. Allein dies war im Jahre 1765 doch nicht der Fall. Nur im Jahre 1764, wo die ſchlechte Fruͤhjahrs⸗ Witterung und ſpaͤte Nachtfroſte der Saat ſcha⸗ deten, hatte die dichte Ausſaat Vorzuͤge. Auf Kleeſtoppel war kein erheblicher Unter⸗ ſchied mit den Reſultaten, die die Braache gab. Auch machte der ſchwere Klayboden gegen den kieſigten Lehmboden kein anderes Verhältniß merklich. Richt 4 Nicht zufrieden mit dieſen Verſuchen allein, machte Young dieſe Sache zu einem Haupt⸗ gegenſtande ſeiner Erkundigungen auf ſeinen Rei⸗ ſen. Auf der nördlichen Reiſe ſammlete er 77 Data uͤber die Einſaat und den Ertrag. Das Reſultat hiervon war: Buſh im Durchſchnitt 23½ Buſh, daß 3 ⸗ 22 ½„„ 3 2 ⸗ 22 5 gaben. Wenn man die Einſaat vom Ertrage ab⸗ zieht, iſt hier der reine Gewinnſt faſt vollig gleich. Auf der öſtlichen Reiſe erhielt er 46 Data. Von dieſen war das Reſultat folgendes: 3 u. 3 ½ B. gaben im Durchſchn. 21 Buſhel, 23 3 5 3 32 2 ½ 2 ½ 5 ⸗ 23 2 ⸗ ⸗ Hier ſteigt alſo der Ertrag, ſo wie die Einſaat abnimmt, und der reine Gewinnſt wird alſo um deſto groͤßer. Dies rührt nun wohl ge⸗ wiß nicht von der verminderten Einſaat allein her, ſondern ——— ſondern von der vorzuͤglichen Wirthſchaft, die in den öſtlichen Provinzen herrſcht. Es giebt indeſſen einen Beweis, daß ſparſame Einſaat mit guter Wirthſchaft verbunden ſeyo. Und Young iſt ſeitdem uͤberzeugt, daß bey einer vortrefflichen Cultur 2 Buſhel Einſaat voͤllig zureichend, und ein Mehreres Verſchwendung ſey. Hiermit ſtimmen meine Erfahrungen voͤllig uͤberein. Auf reichem, reinem und muͤrbem Bo⸗ den finde ich 14 Hümten Winterkorn, un Mi⸗ chaelis geſäet, und mit einem dem Arndtiſchen aͤhnlichen Pfluge untergebracht, auf einem Calen⸗ berger Morgen zureichend; da hier ſonſt 3 Him⸗ ten das Gewoͤhnliche, und beh ſchlechter Cultur auch wohl erſorderlich ſind. Young hat aber eine ſehr wichtige Ruͤck⸗ ſicht, nͤmlich die auf die Saatzeit, vergeſſen. Er bewerkſtelligte ſeine Saat immer Anfangs Octobers. Hätte er Anfangs Septembers und wieder zu Ende Novembers geſaͤet, ſo wuͤrde er im erſten Falle bey zwey, im leßtern bey drey oder gar 34 Buſhel großen Vortheil gefunden haben. Dieſe Bemer⸗ kung iſt nachher, wo nicht von ihm ſelbſt, doch in ſeinen Annalen, mehrmals gemacht worden. Ueber 4— Ueber die ſehr geringe Aus ſaat, welche beym Rocken noͤthig waͤre, wenn man ſie im Julius machte, habe ich eine merkwürdige Beobachtung, die ich hier anzufuͤhren nicht umterlaſſen kann. Als ich noch die ſchlechte Wirthſchaft trieb, Ruͤ⸗ ben in die Rockenſtoppel zu ſaͤen, war ausgefall⸗ ner Rocken mit untergepfluͤßgt. Im Herbſie ſtand ſo vieler Rocken auf dem Felde, daß ich ihn zum Abhüten im Fruͤhjahre beſtimmte; da ich im Fruͤhjahre aber fand, daß er ſich immer mehr beſtaudete, ließ ich ihn aufſchießen, und erhielt eine gute Erndte. Ich ahmte im folgen⸗ den Jahre 1792 dieſen Zufall nach, und ließ den 1oten Julius auf einen gebraachten und gut ge⸗ duͤngten Morgen 2 Himten Rocken ſäen, und Ruͤben daruͤber her. Der Rocken dämpfte die Ruͤben, und wurde im Herbſte von den Schaa⸗ fen niedergehalten. Dichter kann kein Rocken ſtehen, wie dieſer im folgenden Jahre ſtand. Ich hatte 32 Stiege darauf, woraus aber doch nur 28 Himten kamen. Ueber die vorzuglichſte Saatzeit hat Young auch eine große Reihe von Verſuchen gemacht. Das Reſultat faͤllt zu Gunſten des Septembers aus. Allein der Weißen war gejätet oder be⸗ hacket, h — —— hacket; denn dies erforderte der zu Anfange dieſes Monats, oder fruͤher geſaͤete, durchaus. Dieſe Pflege iſt in England etwas ſehr Ge⸗ woöhnliches, ſowohl im Herbſte, als im Fruͤhjahre. Es koſtet der Acre gewoͤhnlich nicht mehr als§ Schill., und dies bezahlt der hoͤhere Ertrag dop⸗ pelt und dreyfach. Wo man dieſes nicht anwenden kann, da ſind die Englaͤnder faſt einſtimmig fuͤr eine ſpätere Ausſaat zu Ende Octobers, damit die Unkraut⸗ pflanzen ſich nicht vor Winter abhaͤrten und be⸗ ſtauden können. Gerſte iſt naͤchſt dem Weißen fuͤr die Englaͤnder das wichtigſte Korn. Vielleicht conſumirt man ſelbſt mehr davon, indem ohne Bier kein Englaͤnder Kraͤfte zu haben glaubt, und dieſes gewoͤhnlich nur aus Gerſte gebrauet wird. Gebräuchlich iſt in England nur die gewöhn⸗ liche zweyzeilige Fruͤhjahrgerſte. Der Wintergerſie finde finde ich faſt gar nicht erwäͤhnt. Die kleine vier⸗ zeilige Gerſte bauet man nur ſehr wenig. Die Verſuche, welche A. Moung zur Be⸗ ſtimmung der vortheilhafteſten Stärke der Ausſaat auf eben die Weiſe, wie bey dem Weitzen, an⸗ geſtellet hat, ſind in mancher Ruͤckſicht noch viel merkwuͤrdiger. Die Landwirthe in ſeiner Gegend ſäeten gewoͤhnlich zwiſchen 4 und 5 Buſhel auf den Acre. Andere tadelten ſie uͤber dieſe Ver⸗ ſchwendung, indem 2 Buſhel nicht nur voͤllig hin⸗ reichend waͤren, ſondern ſogar einen ſtaͤrkern Ertrag geben wuͤrden. Young, der leßterer Meynung war, fing nun im Jahre 1764 an, zu verſuchen. Voraus muß ich ſagen, daß er einen ausgemager⸗ ten Farm antrat, noch in keinem Duͤngervorrath war, und daß die Gerſte in die zte Art kam. Er fand zu ſeinem Erſtaunen, daß der reine Ertrag mit der Vermehrung der Ausſaat immer ſtieg; daß§ Buſhel immer vortheilhafter, wie weniger, waren; daß der allgemeine Ertrag, ohne die Einſaat abzuziehen, aber immer ſtieg, je mehr man einſaete, wenn es auch bis 12 Buſhel wären. Im Jahre 1766 hatte er ſogar auf ei⸗ nigen Verſuchfeldern von 7 ½ Buſhel den groͤßten reinen Ertrag. In In demſelben Jahre ſtand aber auf einigen andern Verſuchfeldern, welche in beſſerer Kraft und viel verarbeitet waren, der ſteigende Ertrag vey 5 Buſhel ſtill, und verminderte ſich immer, ſo wie die Einſaat ſtaͤrker war. Im Jahre 1767 ſtellte er nun Verſuche auf wohl geduͤngten Ruͤbenfeldern und einigen andern noch ſtärker geduͤngten an. Da zeigte es ſich denn deutlich, daß die vortheilhafteſte Quantität der Einſaat immer im umgekehrten Verhaͤltniſſe mit der Kraft, die im Boden iſt, ſtehe. 2 ½ Buſhel gaben einen hoͤhern Ertrag, wie 3½ Buſhel, wenn das land recht ſtark war. Dennoch war im Allgemeinen bey 3 Buſhel kein Schaden auf dem Klay⸗ und ſteinigt⸗lehmi⸗ gen Boden. Das Reſultat der Verſuche im Durchſchnitte iſt folgendes: Ungeduͤngt 2 Buſhel, auf den Acre, geben reinen Ertrag 10 ¼ B. 3.„ ⸗ ⸗ ⸗ 152— 2 ½„ 4 ⸗ ⸗ ⸗ 194— 4½„ ⸗ 19½— Hierunter ein Rübenfeld. 5 Buſhel — 448 * Buſhel, auf den Acre, reinen Ertrag 212 B. 5½„„ 7 ⸗ 32— 6„ 20 ½— 6 ½ ⸗ 15— 7 ⸗ 5„ ⸗ 163— 7 ½„„ ⸗„ 134— 8 ⸗ ⸗ ⸗* 11½— 9* ⸗ 6 ½— 10..„„ 18— 12 2 3„„„ 16— Die Urſache des ſo viel höhern Ertrages von 10 und 12 B., gegen den von9 Buſhel, weiß Young nicht anzugeben, muß aber zufaͤllig ſeyn. Stark geduͤngt: 2 Buſhel, auf den Acre, giebt reinen Ertrag 91 B. I. 20 ½— 1 ½ ⸗ 3 ⸗ ⸗ ⸗ 30 ½— 2 ⸗ ⸗ ⸗ 343— 23. ⸗ 45 4— 3 ⸗ ⸗. 494½— 3 ½ ⸗ 5 ⸗ ⸗ 31 ½— 4 6 6... ⸗ 27 ½— 4 ½„„ ⸗ 24 ½— 5 ⸗ 1* ⸗ 25— 5½ 5 1. ⸗ 19½— 6.„ 19— 6 ½„. 13 ½— 1 1 Alſo waͤren auf ſtark durchduͤngtem Boden 3 Buſbel Gerſte, auf armen oder magerem aber 5 Buſhel, nach dieſen Verſuchen, die vortheil— bafteſte Ausſaat auf 1 Acre. Dies kommt ohn⸗ gefaͤhr 2½ und 32 Himten auf 1 Morgen Calenb. gleich. Ueberzeugender, wie dieſe Verſuche, kann aber wohl nichts die höchſt falſche, aber in vielet Gegenden Deutſchlands noch allgemein geltende Marxime widerlegen: reiches kräͤftiges Land ſtark, armes aber ſchwach zu beſaͤen. Es iſt unbe⸗ greiflich, wie ein falſches Raiſonnement, aller Erfabrung zum Trotz, ſich ſo verbreiten kann, daß man es als unbezweifelte Wahrheit annimmt. Starkes Land, ſagte man, kann doch mehr Pflanzen ernähren, wie armes. Darum ſäe man ſo viel wie möglich auf jenes, auf dieſes aber ſehr ſparſan. Man hat dieſe falſche Theo⸗ rie Guͤter-Anſchlaͤgen, Bonitirungen und Con⸗ tributions:Cataſtern zum Grunde gelegt, und ſie dadurch zu einem orthodexen, legalen Grundſatz der Oeconomie erboben. Und dennoch lehrt Er⸗ fahrung, einige Aufmerkſamkeit auf Pflanzen— Wachethum und geſundes Raiſonnement grade das Gegentheil. If Man — 40— — Man ſiehet jedesmahl, daß auf fruchtbarem Lande die Kornpflanzen von allen Seiten aus⸗ ſproſſen und einen großen Bult machen. Ste⸗ ben ſie zu dichte bey einander, ſo hat das Kraut ſo wenig Platz auf der Oberflaͤche, wie die Wurzeln im Boden; denn deren Verbrei⸗ tung im Boden findet man faſt immer der Be⸗ ſtaudung auf der Oberflaͤche gleich. Auf magerm Boden hingegen ſproſſen die Pflanzen faſt gar nicht aus, und ſtehen ſie nicht dicht an einander, ſo bleiben große Zwiſchenraͤume. NRun iſt es eine ausgemachte Sache, daß, wo auf dem Acker keine ausgeſaͤete Pflanze ſtebet, irgend eine Art von Unkraut hervorkommt. Dies zieht dann den ſchwaͤchlichen Pflanzen ibre Nahrung vollig weg. Man nehme an, daß auf einem Acker, auf der Mitte jedes Quadratfußes, eine Pflanze ſtehe. Iſt das Land ſehr reich, ſo wird die Pflanze bald Kraft genug erhalten, ihren Quadratfuß auszu⸗ fullen. So weit ihr Kraut ſich auf der Ober⸗ flaͤche ausdehnt, ſo weit gehen auch ihre Wurzeln in den Boden; jede Pflanze ziehet alſo alle Nah⸗ rung heraus, die in dem Quadratfuße enthalten iſt. Waͤren mehrere Pflanzen da geweſen, ſo haͤtte es an Raume fur Kraut und Wurzeln g fehlt, uſ ſu — 451— feblt, und eine bätte die andre verdrängen muͤſſen, bey welchem Kampfe gewiß alle gelitten haͤtten. Auf einem armen Boden verhält es ſich ganz anders. Jedes Korn keimt auch, und wird eine Pflanze. Aus Mangel an Kraft aber breitet ſie ſich weder im Kraute, noch Wurzeln aus, und nimmt etwa höchſtens 3 Zoll ein. Der uͤbrige Theil des Fußes bleibt alſo unbeſetzt, und giebt wilden Pflanzen, deren Saamen im Lande liegt, Gelegenheit hervorzukommen. Wenn wir aber auf reichem Lande einer Kornpflanze nur 4 Zoll im Quadrat, und auf ar⸗ men 2 Zoll geben wollen, ſo erbellet dennoch, daß ſie nicht auf einerley Art, vielweniger nach jener unrichtigen Maxime, beſaͤet werden muͤſſen. Von 77 Angaben, die Young auf ſeiner nordlichen Reiſe uͤber das Verhaͤltniß des Ertra⸗ ges zur Ausſaat ſammlete, iſt der Durchſchnitt in Anſehung der Gerſte folgender. Von 1 bis 2 Bi — 2 ½: 3 . 6* . . — 4 — 4 . . . * . * 3 4 und mehr . . 5 . * . — — * „ NN W ſb inclus. 36½ 272 28 33 30 30 *) In dieſe Rubrik kommen nur wenige, aber vortrefflche Wirthſchaften. In der öſtlichen Reiſe iſt der Durchſchnitt von 46 Angaben: Von 2 bis 3 Buſh. I. 2 3 . . ² M W— — 32 B. 22— 33 37— Bey trockner Jahrszeit wird von den Eng⸗ ländern das Einweichen und naſſe Ausſäen der Gerſte, als ein ſehr wichtiger Handgriff empfohlen. Einige nehmen Jauche, Weſentliche. Kalk und andre Dinge piezu; aber die Beförderung des Keimens iſt das Man nimt den zten Theil aus dem Sacke heraus, und legt ihn ins Waſſer, 24 bis 2 5 ſit — 453— 36 Stunden lang. Er wird dann fruͤher laufen und dadurch dem Unkraute zuvorkommen, worauf bey der Gerſte ſo ſehr viel ankommt. Young hat uͤber die beſte Saatzeit der Gerſte viele Verſuche gemacht, und die fruheſte am ergiebigſten gefunden. Da ſie aber nur im Kleinen angeſiellet und die Saamen in Reihen ge⸗ ſäet worden, die behacket und gejaͤtet wurden, ſo moͤchte ich wenig darauf bauen. Die Saa⸗ men wilder Kraͤuter, die im Acker liegen, kom⸗ men bey der kalten Witterung ſchneller zum Keimen und Wachſen, wie die Gerſte, und unterdruͤcken ſie dann. Man haͤl: daher auch in England da⸗ fuͤr, daß auf ſchwerem, naſſem, krautigem lande die ſpaͤte Saat die beſte ſch. Solches Land wird daher erſt im May, trockenes aber im April, eſtellet. Die NRorfolker, die Meiſter im Ger⸗ ſtenbau ſind, richten ſich nach dem Ausbrechen der Eiche. Indeſſen beweiſen die Youngſchen Verſuche, daß die Gerſte Schnee und Froſt ſehr gut ertragen koͤnne. — Der Hafer. Ich finde bey den Englaͤndern vier Arten erwaͤhnt. 1. the I. 2. — 454— the Dutsh oder Friezland iſt unſte gewoͤhnliche Art, die auch in England am haͤufigſten gebauet, und jetzt den andern wieder allgemein vorgezogen wird. Eine ſchwaͤrzliche Abart davon, die aber mit dem deutſchen Raubhafer nicht zu ver⸗ wechſeln iſt. Der Poland, polniſche Hafer, welcher eine Zeitlang in England haͤuſig gebauet, jetzt aber wegen ſeiner dicken Huͤlſe allgemein verworfen wird. the Siberian oder Tartarian, welcher wirklich eine beſondre Species iſt, und nicht als eine Abart von der Avena sativa des Linné angeſehen werden kann. Er hat ein feines und duͤnnhuͤlſigtes Korn, und ei⸗ nen rohr artigen Halm, weswegen Marſhall vorſchlaͤgt, ihn Avena arundinacea zu nennen. Er findet auch wenig Beyfall. Der meiſte Hafer in England wird in das umgebrochene Grasland, gleich in die erſte Furche, geſaͤet. Denn, wie ich ſchon oͤfter zu bemer⸗ ken her ein —— ken Gelegenheit gebabt habe, ſo halten es die Englönder fur eine ſchlechte und verderbliche Wirthſchaft, ihn in die Weitzen oder Gerſten⸗ ſtoppel zu bringen. In den ſchweren und feuch⸗ ten Gruͤnden einiger Provinzen ſäet man in die umgebrochene Narbe wohl dreymahl Hafer hin⸗ tereinander. Bey dieſer einfurchigen Beſtellung des Hafers geben Leute hinter dem Pfluge her, welche die in die Höhe ſtehenden, und nicht or⸗ dentlich umgelegten, Furchen mit der Hand oder mit Forken zurecht legen, und in die Höhlun⸗ gen werſen. Eine unbetraͤchtliche Koſten veran⸗ laſſende, aber hochſt nutzliche Arbeit, die nie⸗ mand, der Dreeſch⸗Hafer bauet, verſaͤumen ſollte! Man hält auch ſehr darauf, daß die umgebrochene Furche noch denſelben Tag beſaet werde.*) Die von A. Young angeſtelleten Verſu⸗ che, ſeine auf Reiſen geſammleten Data, der allgemeine Gebrauch in den haferbauenden Di⸗ ſtricten *) Marshal Midland counties, T. 1. p. 109. ſtricten, und das einſtimmige Urtheil aller beob⸗ achtenden und denkenden Landwirthe in England, ſetzen es auſſer allen Zweifel, daß man mit der Hafereinſaat nicht ſparen muͤſſe. Wenigſtens 6 Bußhel gehoͤren auf einen Acre; man fehlet aber nicht, wenn man 7 bis 8 Buſhel nimt, zu⸗ mahl beym Dreeſch. Der Hafer beſtandet ſich unter allen Kornarten am wenigſten. Die meiſten bewaͤhrten Engliſchen Schrift⸗ ſteller ſtimmen darinn uͤberein, daß man ſich beſonders auf feuchtem, kaltgruͤndigem und kraut⸗ artigem Boden mit der Haſferſaat nicht uͤberei⸗ len, ſondern bis Ende Aprils oder Anfang Mayes warten ſolle. In NRorfolk geraͤth der im Junius geſaͤete Hafer noch ſehr gut. Wenn man Stoppelhafer ſaͤen will, ſo kommt dabey nie anders ein betraͤchtlicher Vor⸗ theil heraus, als wenn man ihn in ſtarkem Duͤnger beſtellet. Bey einer geringen Haſer⸗erndte iſt vielmehr, wenn man auf die Folgen und die ganze Wirthſchaft ſiehet, allemahl Schaden. Der geringe reine Ertrag ſchlaͤgt in den folgen⸗ den Saaten vielfach zuruͤck. Nur bey einem Ueber⸗ — „ 3— ueberfluß von Duͤnger bringt ein guter Wirtb Haſer in einen ordentlichen Fruchtwechſel. Ein Wirth in Rorfolk hatte die Methode, ſeinen Hafer erſt ganz flach unterzupfluͤgen und dann, nachdem er gekeimet, mit einer tiefen Fur⸗ che herum zu wenden. Er kam bald wieder bervor, beſtaudete ſich weit ſtaͤrker, und gab ſo reiche Erndten, daß mehrere dieſes nachzuahmen entſchloſſen ſind.*à) Daß der Keim des Hafers ſich nicht leicht erſticken laſſe, habe ich ſchon vor mehreren Jahren zufaͤllig beobachtet; und ich werde jene Methode in dieſem Jahre verſuchen, da ſie mir in mehrer Ruͤckſicht ſehr zweckmäßig zu ſeyn ſcheint. Der Rocken iſt ein in England ſehr wenig gebauetes und, unbilligerweiſe, verachtetes Korn. Wenn die Englaͤnder auch ſelbſt Haferbrodt dem Rockenbrodte vor⸗ *) Marshal Norfolk, T. 1. p. 246. — 453— vorziehen, ſo wundre ich mich doch, daß ſie ihn als Pferdefutter nicht haͤufiger bauen. Denn das Vorurtheil, daß er den Pferden, in gehöri⸗ ger Maaße, mit Häckſel vermiſcht gegeben, ſchad⸗ lich ſey, hat man in England nicht. Der wich⸗ tige Vorzug des Rockens beſtehet in der größe⸗ ren Menge und beſſern Qmlitaͤt des Strohes, das er vor allen andern Getraide, arten giebt; und hieran fehlt es doch in vielen engliſchen Wirthſchaften. Auch ziehet er weniger Kraft aus dem Lande, wie der Weitzen. Allein dieſer iſt ihnen zu unentbehrlich, und eine doppelte Herbſtbeſtellung paßt nicht in ihre Wirtbſchaft. Der einzige Zweck, wozu er in manchen Gegenden ausgeſaͤet wird, iſt: fruͤhes gruͤnes Fut⸗ ter fuͤr Schaafe zu haben. Er wird im Fruͤh⸗ jahr durch dieſe in Hurden abgehuͤtet, und dann gleich umgebrochen. Man laͤßt nicht mebr zur Reife kommen, als man zur kuͤnftigen Ausſaat braucht. In Anſehung des Rockenbaues laͤßt ſich alſo von den Englaͤndern nicht viel lernen. Der —=— — Der Buchweitzen gebort zwar keinesweges unter die Getraide⸗arten, und die Englaͤnder ſetzen ihn mehr unter Pulse (Huͤlſenfruͤchteo. Da er aber nicht mehr Recht bat, dort ze ſteben, wie bier, und man ihn bey uns mehr an dieſem Orte ſuchen wird, ſo nehme ich ihn hier mit. Dieſe Frucht wird in England immer belieb⸗ ter, nicht als Nahrung fuͤr Menſchen, ſondern als Viehfutter; hauptſaͤchlich aber als eine das Land ſehr verbeſſernde reinigende Frucht(melio- rating crop). Sie ruͤhmen von ihm, daß er durch ſeinen geſchwinden Wuchs älles Unkraut unterdruͤcke, dem leichten Lande zutraͤglicher wie eine Braache ſey, indem er es locker mache, ohne es in Staub zu verwandeln.*¹) Man bereitet das land ſorgfaͤltig dazu, pfluͤ⸗ get dreymahl, um das Unkraut zu zerſtoͤhren, und ſaͤet ihn ſpaͤt im Junius. Eine *) Bath papers, T. III. p. 290. Eine mich zuerſt ſehr befremdende Methode, den gelaufenen Buchweitzen zu eggen, iſt mir jetzt ſehr merkwuͤrdig; da ich weiß, daß man es auch in Deutſchland mit gutem Erfolge gethan, und daß der Buchweitzen, ſelbſt bey trockner Witterung, nicht darunter leide.“ In Suffolk braucht man den Buchweißen paͤufig zum Schutze des ausgeſaeten Klees, und futtert ihn ab. Man findet, daß er dem Klee vortrefflich den Weg bahne und das tand rein halte, bis der Klee ſich beſtaudet. Haͤufig aber wird der Buchweitzen auch zum Unterpfluͤgen als Duͤnger geſaͤet, indem er zu dieſem Zweck die wohlfeilſte Ausſaat, und, wie ich aus eigener und meiner Freunde Erfah⸗ rung bezeugen kann, von ſehr großer Wir⸗ kung iſt⸗ Wenn ich jetzt Buchweitzen ſaͤe, geſchiehet es allemahl mit dem feſten Vorſatze, ihn bey dem dem geringſten Anſchein von Misrathen in der Bluͤthe niederwalzen und unterpfluͤgen zu laſſen. Geraͤth der Buchweiben, ſo iſt es eine der ein⸗ traͤglichſten und nach Verhaͤltniß ſehr wenig aus— ziehenden Fruͤchte. Kann man aber keine volle Erndte davon hoffen, ſo gewinnt man bey der folgenden Saat reichlich das wieder, was man durch das Unterpfluͤgen verliehrt. Meine Be⸗ ſtellung des leichten Landes im offenen Felde wird daher beſtaͤndig die ſeyn: Rocken und Buchweitzen ein Jahr ums andre abwechſeln zu laſſen, und dieſen haͤufig unterzupfluͤgen. Dies iſt der einzige Weg, wobey ſich Wirthſchaften auf leichtem Boden in unverkoppelten Gegenden, denen es alſo nothwendig auch an Duͤnger feh⸗ len muß, heben koͤnnen. Wenn der Buchweitzen die einzige Zu⸗ flucht und ein unſchätzbares Geſchenk der Vor⸗ ſebung fuͤr Sandboden iſt: ſo verdient er doch keineswegs die Verachtung, womit man in fet⸗ tern Gegenden auf ihn herab ſiehet. Er giebt da ſehr oft einen Ertrag, dem Gerſte, Hafer und Huͤlſenfruͤchte nicht gleich kommen, und man wuͤrde gewiß in einer Reihe von Jah⸗ ren einen anſehnlichen Gewinn bemerken, wenn man 6 E man ihn oͤfter an die Stelle des Sommerge⸗ traides braͤchte. In Holſtein erkennet man dies ſchon ſehr, und in England verſchmaͤhet man ihn auf dem ſchwerſten Boden nicht. Beſon— ders ſollte man ihn dann waͤhlen, wenn das Land zu feucht bleibt, um eine gerechte Beſtel⸗ tung des Sommergetraides zu bewerkſtelligen. Sieb⸗ Siebzehntes Capitel. Von den Huͤlſenfruͤchten. Da dieſe in der natuͤrlichen Ordnung des Pflan⸗ zenreichs ſehr weit von den Getraidearten entfernt ſind, ſo laͤßt es ſich, nach den im 10ten Capitel angegebenen Grundſätzen, erklaͤren, wie der Acker bey einer abwechſelnden Beſtellung mit dieſen beyden ſehr verſchiedenen Claſſen von Fruͤchten ſich weit länger in Kraft erhalte, als wenn im⸗ mer eine Art darauf gebauet wird. Ueberdas ſcheint es, daß die Huͤlſenftuͤchte einen Theil ihre Nah⸗ Nahrung weit tiefer aus dem Boden hervorholen, als die Wurzeln der Getraidepflanzen eindringen. Und endlich weiß man, daß ſie mit viel ſtaͤrke⸗ ren Einſaugungsorganen von der Ratur begabet ſind, und alſo aus der Atmoſpbäre vieles in ſich aufnehmen. Hierzu kommt noch, daß dieſe Fruͤchte, wenn ſie gut gerathen, einen großen Theil des Unkrauts unterdruͤcken, und, durch ihre pinterlaſſenen ſtaͤrkern Wurzeln und ihren Schat⸗ ten, dem Acker Lockerheit und vielleicht auch eini⸗ gen Duͤnger wiedergeben. Obendrein werden dieſe Fruchte bey einer vollkommenen Wirtbſchaft in England mit der Hand⸗ und Pferdehacke ſorgfaͤl⸗ tig bearbeitet, dadurch alles Unkraut zerſtobret und die Oberflaͤche des Bodens immer locker erhalten. Aus dem allem erhellet, daß die engliſchen Schriftſteller dieſen Fruͤchten das Prädicat der verbeſſernden(meliorating crops), im Gegenſatze der erſchöpfenden(exhausting crops), nicht mit Unrecht beylegen. Wir be⸗ greifen ſie unter dem Ramen der Braachfruͤchte, und erkennen dadurch gleichfalls an, daß ſie eine der Braache gleiche Wirkung, eine Verbeſſerung des Ackers, mit ſich fuͤhren. Ich fuhre bey ih⸗ rem Bau blos das Eigenthuͤmliche der beſſeren eng⸗ liſchen Wirthſchaft an. Die nich 1de Die Bohnen werden vorzuͤglich auf dem bindenden reichen Klay⸗ boden in den Grafſchaften Kent, Eſſex und Suf— folk haͤufig gebauet. Indeſſen iſt ein ſolcher Bo⸗ den nicht unumgaͤnglich erforderlich. Sie wach— ſen auch auf lockerem, aber reichem, ſtark durch— duͤngtem Lande. Bey Woodbridge traf Young Bohnen auf ſolchem Boden an, wo er ſeinen Stock zwey Fuß tief ohne alle Muͤhe in die Erde ſtoßen konnte. Dennoch erhalten ſie da 40 bis 60 Buſh vom Aere, aber bey der aller⸗ vollkommenſten Behandlung*). Sch ſelbſt habe nun ſeit zwey Jahren auf meinem, nur 4 Quentchen 24 Gr. Thon in einem Pfund enthaltenden Sandboden ſie gebauet. Im vorigen Jahre 1796 erbielt ich 56 Himten Pferdebohnen, von drey Morgen, die in 2 Fuß entfernten Reihen gedrillet waren. Die Erndre wuͤrde ungleich groß— ſer ausgefallen ſeyn, wenn das Koͤpfen in meiner Abweſenbeit, als haͤuſiger Mehlthau darauf ſiel, nicht verſäumt waͤre. Dieſer richtete wenigſtens 1 der Pflanzen voͤllig zu Grunde.**) Um *) Tour through the Fast. T. II. p. 167. 170. **) Im Jahre 1797 habe ich von 34 Morgen 94 Himten, alſo vom Morgen 26½ Himten auf dem— ſelben Boden in zweyfuͤßigen Reihen erhalten. Die ganze Ausſaat betrug 32 Himten. 1* Gg 6 466 Um eine gute Bohnen? erndte zu erhalten, iſt das Behacken derſelben unumgaͤnglich erforderlich. Es wird dies allgemein von allen Englaͤndern an⸗ erkannt; aber auch hier hat Young das Ver⸗ dienſt, es nach zuverlaͤſſigen Erfahrungen mathe⸗ matiſch erwieſen zu haben. Er ſammlete auf ſeinen Reiſen alle Faͤlle von behackten und unbehackten Bohnen⸗erndten, die ihm vorkamen. Auf der nörd⸗ lichen Reiſe iſt der Durchſchnitt des Ertrages auf dem Acre aller behackten Bohnen 38½ Buſh allet unbehackten„„ 24— alſo mehr„„ 144— auf der oͤſtlichen Reiſe, der behackten 38— der unbehackten„„ 226— alſo mehr„„ 12— Auſſer dieſem hoͤheren Ertrage, der das Behacken, wenn es auch ſehr hoch kommt, doch doppelt erſetzet, iſt der Gewinn, durch die vollkommene Reinigung und Lockerung des Landes, ſehr be⸗ traͤchtlich fuͤr die folgenden Saaten. Um aber das Behacken zu erleichtern, und den Bohnen gleich den, zu ihrer Vegetation und reichlichen Schotem⸗anſetzung erforderlichen Abſtand zu geben, befolgt man jetzt in England faſt all⸗ gemein die in Kent, ſeit mehr als hundert Jah⸗ ren, —— ₰———„8 e te po ge in eit te ne de li ei kl — — — 467— ren, uͤbliche Methode, die Bohnen in Reihen von 2 bis 3 Fuß Entfernung zu legen. Dies geſchiebet entweder mit einem Drillpfluge, oder indem man die Bohnen etwa in die dritte Furche eines gewöhnlichen Pfluges wirft, oder vermit⸗ telſt eines ordentlichen Bohnentreters. Die letzte Art hat bey einer Fläche, die man mit Tagelöh⸗ nern zum Loͤchermachen, und Weibern und Kin⸗ dern zum Einwerfen hinlaͤnglich verſehen kann, große Vorzuͤge, indem die Bohnen am ordent⸗ lichſten zu ſtehen kommen. In England koſtet ein Acre ſo zu bepflanzen 3 Schill. 8 Pence. Mir koſtet der Morgen 22 Mogr. Von der kleinen Pferdebohne gehen 2 Himten auf 1 Mor⸗ gen; alſo uͤberwiegt Erſparung der Einſaat das Arbeitslohn weit. Dieſe in Reihen gepflanzte Bohnen werden dann ſehr leicht mit der Pferdeſchaufel und Pfer⸗ dehacke rein gehalten, und das etwa in den Reihen aufgeſchoſſene Unkraut leicht ausgeriſſen. Wer im Gebrauche der Pferdehacke nicht ſehr ge⸗ uͤbt iſt, dem rathe ich doch, zum erſtenmahle, wenn die Bohnen eben herausgekommen ſind, die Bruſtſchaufel zu gebrauchen, welches auf den Morgen etwa 30 Mgr. koſtet. Die moglichſt fruͤhe Zerſtohrung des Unkrauts iſt von großer Gg 2 Wich⸗ Wichtigkeit. So wie ſie heranwachſen, kann ih⸗ nen die Pferdehacke keinen Schaden thun, und das Pferd haͤlt leicht von ſelbſt die Reiben. Ein Pferd, ein Junge zum Fuͤhren, und ein Kerl, bearbeiten ſehr bequem 5 Morgen in einem Tage. Das Köͤpfen der Bohnen, wenn die unte⸗ ren Schoten ſich gebildet, iſt vielleicht immer rathſam, bey den geringſten Spuren von Mehl⸗ thau gber unumgänglich nothig, und eine ſehr geringe Arbeit, die mit dem Ausreiſſen des in den Reihen aufgeſchlagenen Unkrauts verbunden werden kann. Keine Braache giebt einen muͤrberen und rei⸗ neren Acker, wie dieſer Bohnenbau. Man kann ihn ohne weitere Vorbereitung zur Weitzenſaat pfluͤgen. Nach meiner Feldordnung kommt aber Gerſte mit Klee hinein, die allemahl ganz außer⸗ ordentlich darauf gerathen ſind. Durch eine Reihe von Verſuchen hat houng erwieſen, daß in einem Fruchtwechſel, der Bohnen in ſich begreift, allemahl hierzu, und zwar ſo ſtark wie moͤglich, geduͤnget werden muͤſſe. ein zuf — müſſe. Bohnen in friſchem Duͤnger uͤberwiegen die ungeduͤngten ſo weit, daß der Duͤnger da⸗ durch bezahlet wird, und dennoch entziehen ſie ihn den kuͤnftigen Saaten auf keine merkliche Art. Vielmehr hat die folgende Weitzen- oder Gerſte⸗ Saat in einem geduͤngten Bohnenfelde die in einer gleichgeduͤngten Braache uͤbertroffen. Ich ſetze hier die Berechnung der Koſten eines Bohnenfeldes von 3 Morgen im Jahre 1796, ſo wie ſie von meinem Verwalter genau aufgezeichnet worden, her. 988 5 5 2 mahl zu pfluͤgen„„„ 4—— 2 Himten Bohnen Einſaat„ 2—— Zu pflanzen„„ 130— Den 15. May mit der zu bearbeiten„„„ 28— (ſtatt deren lieber die Bruſſſchaufele et⸗ was fruͤher haͤtte genommen wer⸗ den ſollen.) Den 25. May zum zweyten mahle mit der Pferdeſchaufel„„— 28— Mit der Bruſtſchaufel nachzuarbeiten 120— 1034— Die Uebertrag 103 Die Reihen auszuhacken„„„ 2 Den 6. Jun. mit der Pferdehacke zu — S. nach 05 bearbeiten„„„— 28— Den 22. Jun. abermahls„— 28— Den 1. Jul. Koͤpfen der Bohnen und Ausreiſſen des groben Unkrauts 121— (erſteres geſchahe zu ſpaͤt) Abzuſchneiden und zu binden„ 221 Ertrag 56 Himten à 1Rthlr.⸗ 56— Reiner Boriheil„„„ 37 8 4 24 Fuder Duͤnger à 24 Mogr. ſind nicht in Ausgabe gebracht. Denn wenn man auch darauf beſtuͤnde, daß die Haͤlfte dieſes Duͤngers den Bohnen zur Laſt fallen ſolle, ſo kaͤme ihnen dagegen die, folgenden Saaten ſo erſprießliche Bearbeitung des Landes, die jenen uͤberwiegt, zu gute. Denn das Land war uͤber alle Vor⸗ ſtellung voll Wucherblume und Hederich, wovon keine Pflanze zum Beſaamen gekommen iſt. Es iſt in England ſehr gebraͤuchlich, die Bohnen in 3 bis 4 Fuß entfernte Reihen zu pflanzen, die Zwiſchenräume mit einem Pfluge, ſo daß man bald eine Furche von den Bohnen ab⸗, und bald wieder anwirft, bis Johannis zu bearbeiten. Dann werden entweder Ruͤben darunter geſaet, oder Kohl dazwiſchen gepflanzt. Wenn die Bohnen wegkommen, ſo erhalten dieſe Luft, und vollenden im Herbſte ibren Wachsthum. Man hat auf dieſe Weiſe von beiden ſehr reich⸗ liche Erndten gehabt, und einen Acre auf 12 bis 16 Pf. Sterl. benutzt. Die Erbſen werden in England von allen guten Wirtben ebenfalls behacket. Denn der großere Ertrag bezahlt die Arbeit reichlich, und eine Erbſenſaat wird dadurch eine deſto vollkommnere Vorberei⸗ tung fur das folgende Getraide. um dieſe Arbeit zu erleichtern, iſt das Rei⸗ benſͤen in die Pflugfurche mit dem Treter, oder nach dem Drillpfluge mit dem Saamen⸗ kaſten immer vortheilhafter. Der Gebrauch der Pferdehacke, ſowohl der einfachen als der vielſchaarigen, iſt aber bey Erbſen ſehr mißlich, da — 472— da ſie gleich in die Zwiſchenraͤnme bineinranken, und jede Verletzung ihnen tödtlich iſt. Weit ſicherer geht man dabey mit der Handarbeit. Ein Verſuch, den ich mit Drillen der Erbſen im Jahre 1793 gemacht babe, war zu unvollſtaͤndig, als daß ich etwas daruͤber ſagen koͤnnte. Es fehlte mir an Arbeitern zu der Zeit, wie ſie das Behacken noͤthig hatten, und dies ward daber nur auf einem Theile des Erbſenfeldes vollfuͤhret. Indeſſen war der Unterſchied der be⸗ backten vor den unbehackten ſo augenſcheinlich, daß ich ſicher den doppelten Ertrag von meinen Feldern gehabt hätte, wenn es vollfuͤhret wor⸗ den waͤre. Der Abſtand der Reihen fuͤr Erbſen iſt 18 Zoll. Sie beziehen demohngeachtet das Feld Die Wicken werden von den Englaͤndern faſt allein zum Gruͤn⸗ futtern oder zum Heumachen gebauet; und man läßt blos das Beduͤrfniß zur Saat ſtehen. Ei⸗ nige, — r e 5 nige, die ſie beſonders fuͤr Pferde beſtimmen, laſſen ſie bis zum Anſetzen der Schoten ſtehen; andre maͤhen ſie in der vollen Bluͤthe. Beym erſten Verfahren ſind ſie eintraͤglicher; beym zweyten zeigen ſie als verbeſſernde Saat deſto groͤßere Wirkung. Im vorigen Jahre hatte ich drey Stuͤck Wicken neben einander. Eins ließ ich fruͤh zu Heu mähen, das zweyte ſpaͤter, wie die Scho⸗ ten anſetzten, gruͤn abfuttern, und das dritte zur Saat ſtehen. Jetzt, im May 1797, finde ich einen ſehr angenſcheinlichen Unterſchied an der Rockenſaat bey uͤbrigens voͤllig gleichen Umſtaͤn⸗ den. Ich werde den Ertrag der drey Stuͤcke genau beobachten. Es iſt immer rathſam, den Duͤnger, wel⸗ chen man fuͤr die folgende Getraideſaat beſtimmt bat, den Wicken ſchon zu gute kommen zu laſſen. Das Reſultat der Young ſchen Verſuche uͤber die Wicken iſt: daß 1 Acre geduͤngter Wicken im Durchſchnitt 74 Centner Heu, ein unge⸗ duͤngter 35 Centner gab. Es iſt aber außer⸗ dem eine allgemein anerkannte Wahrheit, daß die folgende Getraide-Erndte deſto beſſer iſt, je dichter 4 dichter die Wickenſtoppel war. Die Dichtheit der Beſchattung tödtet alles Unkraut, das durch die Kraft des Duͤngers zum Keimen gebracht worden, und erregt eine faulende Gaͤhrung, wo⸗ durch der Acker fruchtbar und ſo muͤrbe wie eine Braache wird. Dagegen befordert der friſche Duͤnger beym Getraide nur das Aufkommen des Unkrauts. Wenn ich neues Land antrete, ſo erhalte ich es gewoͤhnlich im allerunreinſten Zu⸗ ſtande. Ich beſaͤe es gleich mit Wicken; ſo lange ſie jung ſind, muß man ſie unter dem Wuſte von Unkraut ſuchen. Haben ſie aber Duͤnger unter dem Fuße, ſo uͤberwachſen ſie das Unkraut bald; und wenn ſie in der Bluͤthe gemaͤhet werden, ſo findet man faſt keine Spur vom Unkraute darunter. Fuͤr unreines Land findet keine eintraͤglichere Verbeſſerungsſaat Statt, wie dieſe. 40 Centner dieſes ſehr guten Heues vom Acre bezahlen das Land und die Koſten reichlich. In Norfolk, wo das Land des Kleetragens muͤde iſt, faͤngt man ſelbſt an, die Wicken ſtatt des Klees in den Fruchtwechſel aufzunehmen, und findet, daß der Ertrag eines guten Wickenſchnittes beſſer iſt, als von zwey mittelmaͤßigen Kleeſchnitten, und daß das Land reiner dabey bleibt. Außer — 4— Außer den Fruͤhjahrswicken, deren es mehrere Abrarten giebt, haben die Englaͤnder aber noch Winterwicken, worauf ſie ſehr viel halten. Dieſe werden im Herbſt geſaet, laufen vor Winter, ertragen den ſtrengſten Froſt, fangen im Fruͤhjahre fruͤh zu tteiben an, und ſind im April und May ein ſehr ſchaͤtzbares gruͤnes Futter. Wenn ſie abge⸗ maͤhet ſind, wird das Land gewoͤhnlich zu Ruͤben bereitet. Man hat aber auch Gerſte und Ha⸗ fer in die Stoppel geſaͤet. Ich habe dieſen Wicken aus England im vorigen Jahre erhalten, aber ſo ſpaͤt, daß ich ſie erſt im Februar ſäen konnte. Die Englaͤnder ſagen faſt allgemein, daß dieſe Art Wicke, auf dieſen Fall, keinen ſonderlichen Ertrag gebe, und es iſt wahr, daß ſie jetzt, im May, nicht be⸗ ſonders ſteben. Es war mir indeſſen an Ver⸗ mehrung des Saamens gelegen, und ich hoffe dieſe doch davon zu erhalten. Sie zeigen noch keine Bluͤthe, und ich bin noch nicht im Stande, ihren characteriſtiſchen Unterſchied von den Som⸗ merwicken anzugeben, da ich ihn bey den Eng⸗ laͤndern nirgends angefuͤhrt finde. Wenn Wenn dieſe Wicken unſer Klima ertragen, woran ich nicht zweifle, da ſie in den noͤrdlichſten Gegenden von England gebauet werden: ſo waͤre ihre Einfuͤhrung ſehr wichtig. Sie rauben keiner Frucht den Platz, ſondern nehmen ihn nur ein, wenn ſonſt nichts waͤchſet. Sie ſollen mit ſehr leichtem ſandigem Boden fuͤrlieb nehmen, welches auch ſchon an ſich wahrſcheinlich iſt, da ſie zu einer Zeit wachſen, wo es an Feuchtigkeit nicht fehlet. Achtzehntes Capitel. Die Drill⸗ oder Pferdehacken⸗ Wirthſchaft. Die⸗ beſondre Art, Korn und Huͤlſenfruͤchte aus⸗ zuſäen und zu bearbeiten, erregt nachgrade dem Namen nach die geſpannteſte Aufmerkſamkeit in manchen Gegenden Deutſchlands. Dennoch ſcheint ſelbige außer dem Hannoͤveriſchen, wo an meh⸗ reren Orten Verſuche damit gemacht ſind, noch völlig unbekannt zu ſeyn; und das, was in eini⸗ gen neuern öconomiſchen Journalen davon geſagt worden, verraͤth die größte Unwiſſenheit der Ver⸗ faſſer faſſer in dieſem Stuͤcke. Ich werde daher die vermuthliche Wißbegierde meiner Leſer zu beftiedi⸗ gen, und ihnen einen ſo vollſtäͤndigen Begriff von der Soche zu geben ſuchen, als die Graͤnzen, die ich mir bey dieſer Schrift bz es erlauben wollen. To drill heißt bohren, Locher ma⸗ chen; alſo koͤmmt der Rame vermuthlich daher, daß man zuerſt mit einem Pflanzer Loͤcher machte, und die Saamenkörner hineinwarf. Denn daß der Name von der andern Bedeutung dieſes Worts, die dem niederdeutſchen Ausdrucke Dril⸗ len entſpricht, und ſo viel als antreiben, anreitzen bedeutet, abzuleiten ſey, iſt gar nicht wahrſcheinlich. Horschewing-husband- ry, oder Pferdehacken⸗Wirtbſchaft, bezeichnet die Sache ungleich beſſer, und wird von den Englaͤndern auch haͤufig gebraucht. um die Engliſchen Schriftſteller uͤber dieſe Materie zu verſtehen, muß man ſich mit der Geſchichte der Drillwirthſchaft etwas bekannter gemacht haben. Wenigſtens ward mir es ſchwer, manches zu verſtehen, ehe ich jener nachgeſpuͤret batte. Ich finde ſogar, daß die Englaͤnder ſelbſt ——.— —— 5—— — ſelbſt die verſchiedenen Epochen zuweilen verwech⸗ ſeln, etwas zum Vortheil oder Nachtheil der jetzigen neuern Methode aus Zeiten und Schrift— ſtellern anfuͤhren, die dieſe noch gar nicht kannten. Ich muß daher das Hiſtoriſche dieſer Feldwirth⸗ ſchaft kurz vorhergehen laſſen, ehe ich zu der Sache ſelbſt komme. Als den erſten Erfinder derſelben verehren die Englaͤnder allgemein den beruͤhmten Tull, den ſie daher den Vater des Drillpflugs nennen. Wir finden zwar in älteren ſpaniſchen Schriftſtel⸗ lern ſchon die Beſchreibung einer in Reihen ſaͤenden Maſchine, unter dem Namen eines Sembra⸗ dors. Auch hatten kleine fleißige Wirthe, ſchon lange vor ihm, mit der Hand in Reihen geſaͤet, und ſolche bearbeitet. Aber die Ehre, Erfinder der erſten Pferdehacke zu ſeyn, gebuͤhrt ihm doch gewiß. Er gab im Jahre 1733 ein Werk heraus, unter dem Titel: Horse-hewing husbandry, oder uͤber die Pferdehacke⸗ Wirthſchaft. Er ſuchte darinn zu beweiſen, daß der Duͤnger zur Befruchtung des Erdbodens nur in ſofern beytrage, als er die Lockerheit des Bodens und die Anziehung der nährenden Theile aus der Atmoſphaͤre befoͤrdere. Man koͤnne deſ— ſelben entbehren, behauptete er, wenn man durch haͤu⸗ — 46— baͤufiges Pflugen den Erdboden lockere, und jedes Staäubchen dem Einfluſſe der Luft, des Thaues und der Sonne ausſetze. Wenn dieſes gehoͤrig bewerkſtelliget werde, ſo koͤnne man auch immer dieſelbe, natuͤrlich alſo die eintraͤglichſte Korwart, den Weitzen, Jahr aus Jahr ein darauf bauen. Der ſo aufgelockerte Boden wuͤrde ge⸗ nug befruchtende Theile aus der Luft ziehen, um dieſe erſchoͤpfende Korwart beſtaͤndig zu ernaͤhren. Um dieſen Zweck zu erreichen, ſaͤete er ein⸗ zelne dicke Reihen Weitzen, drey Fuß von einan⸗ der; oder er ſaͤete auch doppelte Reiben, die unter ſich einen Fuß, jedes Paar aber vier Fuß Abſtand von dem andern Paare hatten. Dieſe breiten Zwiſchenraͤume wurden dann haͤufig mit einem kleinen leichten Pfluge, den er Cultiva⸗ tor nannte, bearbeitet, und die Erde abwechſelnd von den Reihen ab⸗, und wieder angepfluͤget. Wenn die Reihen paarweiſe nahe an einander ſtan⸗ den, ſo ward der Zwiſchenraum mit der Hand⸗ hacke bearbeitet. Im folgenden Jahre wurden nun die Kornreihen auf die Mitte des bearbeiteten Zwiſchenraumes geſett, und im dritten Jahre ſuchte man den Mittelſtand zwiſchen den Saatrei⸗ ben der beyden vorigen Jahre zu treffen⸗ So 4———— — — — 431— So wenig Korn nun auch bey dieſer Methode auf dem Felde ſtand, ſo erhielt er doch einen Er⸗ trag, der das, was die damahlige allgemeine Drey⸗ felder⸗Wirthſchaft in ihrem dreyjaͤhrigen Umlaufe gab, weit uͤberwog; naͤmlich im Durchſchnitt alle Jahr 18 Buſhel Weitzen vom Acre. Daß dieſe Angabe richtig ſey, bezweifeln gleichzeitige Oeconomen nicht, und ſelbſt die Gegner dieſer Methode geben es zu. Außerdem erſparte er zwey Drittheile Einſaat. Allein bey der Menge von Erfahrungen und Verſuchen, die Tull aufgezeichnet, fehlt die Berech⸗ nung der Koſten gaͤnzlich. Er hat nicht einmahl eine Bilanz der Ausgabe und Einnahme bey ſei⸗ ner Wirthſchaft im Allgemeinen hinterlaſſen. Man bat geſagt, er habe ſein Vermoͤgen bey der Land⸗ wirthſchaft zugeſetzet. A. Poung aber, ſonſt der entſchiedene Gegner dieſer Art von Drillwirthſchaft, bat es durch Rachforſchungen an Ort und Stelle außer allem Zweifel geſetzt, daß dies nicht wahr ſey, ſondern daß er ſein Gut im beſten Stande und ein anſehnliches Vermögen hinterlaſſen habe. Ein ſehr verſchwendriſcher Sohn habe erſt das Vermoͤgen in London durchgebracht, und das Gut verkauft. Indeſſen entſcheidet dies nicht zum Vortheil der Wirthſchaft, weil Tull immer ein 1. Hh ver⸗ — 482— vermögender Mann war, der ſein einziges Ver⸗ gnuͤgen in der Landwirthſchaft ſuchte, und außer⸗ dem keinen Aufwand machte. Er konnte ſich aiſo ſeine Erndten theuer erkaufen, ohne dadurch merklich zuruͤckzukommen. Es fand ſich auch in England bald eine Menge von Nachahmern. Da dieſe die Sache aber nicht mit demſelben Fleiße und Anſtrengung treiben konnten und wollten, ſo zeigte ſich bey den meiſten ein ſo ſchlechter Erfolg, daß dieſes Syſtem vielleicht ganz in Vergeſſenheit gerathen wäre, wenn ſich nicht du Hamel de Mon⸗ ceau in Frankreich, und de Chateauvieux in der Schweiz, deſſelben ſo eifrig angenommen haͤt⸗ ten. Dieſe beyden Maͤnner widmeten ihre Ta⸗ lente und ihre phyſicaliſchen Kenntniſſe ganz der Landwirthſchaft, und empfehlen vor allem jenes neue Syſtem. Durch ihre ſtark geleſenen Schriften ward es zwar durch ganz Europa beruͤhmt; ſo viel ich aber weiß, ward es nirgend, als in England, im Großen ausgeuͤbt, wo jene Maͤnner ihm aufs neue viele Anhaͤnger verſchafften. Wenn man jedoch die Reſultate ibrer Ver⸗ ſuche, die vorzuglich ihr Freund, Mr. d'Ebene, an⸗ an tr ——.— —— c— ——— . anſtellete, aufmerkſam erwaͤgt, ſo findet man ebenfalls wenig Befriedigung. Arbeit und Koſten ſind hoͤchſt unbeſtimmt angegeben, und den Er— trag vergleichen ſie immer mit dem Ertrage der alten, gemeinen und hoͤchſt ſchlechten Beſtellungs⸗ art. Sie nehmen letzteren nur zum dritten bis vierten Korne an, und ums dritte Jahr Wraa⸗ che. Hierbey muß denn freylich der Ertrag je⸗ ner Methode auf Feldern, die ſchon vorher in hoͤbere Cultur geſetzt waren, ſehr in die Au⸗ gen fallen. Indeſſen ward durch ſie das Syſtem er⸗ halten, und kam von ihnen zuruͤck nach England. Hier hatte ſich ſeit kurzem die Kunſt des Acker⸗ baues ſehr gehoben. Die Dreyfelderwirthſchaft war von aufgeklaͤrten Wirthen auf verkoppelten Fluren aufgeboben, eine vernunftmaͤßigere Folge der Saaten eingefuͤhrt, und die Braache abgeſchaf⸗ fet. Hiermit verbanden nun viele den Drillpflug und die Pferdehacke. Jedoch vernachlaͤſſigte man die Duͤngung nicht, und bauete außer dem Weitzen auch andre Fruͤchte damit, beſonders Erbſen und Bohnen. — 434— Ueber dieſe Art von Drillwirthſchaft hat A. Young eine große Menge vergleichender Ver⸗ ſuche angeſtellet, die Koſten nebſt dem Ertrage genau berechnet, und ſo mit denen der gewohnlichen Methode zuſammengeſtellt. Dieſe Verſuche ſind mit bewundernswuͤrdiger Genauigkeit angeſtellet, und in der Experimental⸗Agricultur be⸗ ſchrieben. Der Erfolg war nun noch am beſten bey Weitzen und Gerſte; ſehr ſchlecht bey Hafer und Erbſen. Im Allgemeinen fiel er ſehr zum Rachtheil dieſer Art von Drillwirtbſchaft aus, ausgenommen in Anſehung der Bohnen, bey de⸗ nen die drey Fuß von einander entfernten Rei⸗ ben, mit dem leichten Pfluge bearbeitet, jedesmabl den groͤßten Ertrag gaben, und das Land in dem vortrefflichſten Stande zuruͤckließen. Young ſand, daß auch beym Korne die weitlaͤuftigen Reihen den von Andern angegebenen Ertrag wirk⸗ lich lieferten, und oft die dichtbeſäeten Aecker uͤber⸗ trafen. Nur bezahlte der größere Ertrag nie die groͤßeren Koſten. Indeſſen hat ſelbſt dieſe Art von Drillwirth⸗ ſchaft noch immer ihre Vertbeidiger, beſonders Anſtruther und Anderdon, denen YPoung als einſichtsvollen Landwirthen völlige Gerechtig⸗ keit widerfahren laßt. Dieſe behaupten, den groß⸗ ten ——. ——+—„— ₰ ———— — 465— ten Nutzen von dieſer Art von Drilwirtbſchaft erſt genoſſen zu haben, nachdem ſie ſolche eine Reihe von Jahren durchgeſetzet, und Young pabe ſeine Verſuche nur drey Jahre fortgeſezet. Anſtruther hat ſie noch im Jahr 1796 in einer beſondern Schriſt: Pemarks on the Drillbusbandry, warm empfohlen. Man muß dieſe Art von Drillwirtbſchaft ſo anſehen, als ob hoͤchſtens die Hälfte des kan⸗ des trage, die andre Haͤlfte aber gebraachet werde. Es iſt alſo eine Braache, ein Jahr ums andre, wobey beſonders der ſchwere Klayboden mit ſehr wenigem Duͤnger in großer Cultur erhalten wer⸗ den kann. Bey kleineren, fleißigeren Landwirthen hatte ſich indeſſen die Methode, das Korn in dichteren Reihen von 9 bis 12 Zoll mit der Hand zu ſtecken oder zu ſàen, und ſolches mit der Hand⸗ backe oder Bruſtſchaufel zu bearbeiten, in man⸗ chen Gegenden ſehr verbreitet; weil die Erſpa⸗ rung der Einſaat und der hobere Ertrag die Ar⸗ beit reichlich belohnte. Die Kinder wurden in dieſen Gegenden bald ſo geuͤbt im Einwerfen des Korns, daß man einen Acre fuͤr 3 Schill. ſo beſtel⸗ — 436— beſtellen laſſen konnte, wobey man oft das Dop⸗ pelte an Saamen erſparte. Die Arbeit des Be⸗ hackens und Reinigens fiel keinem aufmerkſamen engliſchen Farmer auf; denn er war laͤngſt ge⸗ wohnt, auch jede breitwuͤrfige Saat einmahl aus⸗ hacken oder jaäten zu laſſen. Die Reihen erleich⸗ terten dieſe Arbeit ſo ſehr, daß ſie fuͤglich, ſtatt einmahl, zweymahl geſchehen konnte. Noch jetzt wird dieſe Handdrillwirthſchaft von manchen ziem⸗ lich ins Große getrieben und der Pferdehacken⸗ Wirthſchaft vorgezogen, weil ſie ſicherer ſey. Ihren großen Ertrag und ihre Ruͤtzlichkeit, wo Menſcheuhaͤnde genug zu haben ſind, bezweiſelt keiner. Sie iſt voͤllige Garten⸗Cultur, ins Feld gebracht. Ibr ausnehmender Ertrag reizte groͤßere Landwirthe, ſolche Maſchinen zu erfinden, durch welche man mit einem Pferde ſo viel ausrichten konnte, als mit 40 bis 50 Menſchen. Es er⸗ ſchien bald eine große Mannigfaltigkeit von Werk⸗ zeugen, um das Korn in naͤheren Reihen von 9 bis 12 Zoll in groͤßerer Geſchwindigkeit zu ſaͤen, und auch dieſe engen Zwiſchenraͤume durch ein Pferd bearbeiten zu laſſen,— und hiermit alſo die neue Drillwirthſchaft. Ich —2—— ——— —— Ich werde nun zuvörderſt etwas uͤber die zu dieſer Beſtellung nöthigen Inſtrumente und ih⸗ ren Gebrauch ſagen; dann diejenigen Vortheile, welche ſie, der Theorie und Erfahrung nach, ge⸗ waͤhret, erlaͤutern; ferner aber auch die Ein⸗ wendungen, welche dagegen gemacht werden, an⸗ zeigen, und die Schwierigkeiten, welche ſich bey ihr finden, erwäͤgen; und endlich verſuchen, aus dieſen ſtreitigen Meynungen Reſultate uͤber den Werth und die allgemeine oder ortliche Anwend⸗ barkeit dieſer Wirthſchaft zu ziehen. Von den zu dieſer Bauart erforderlichen Werkzeugen finden wir bey den Englaͤndern eine unendliche Verſchiedenbeit beſchrieben. Jeder et⸗ was mechaniſche Kopf erfand ſich anfangs ſeine eigenen, oder jeder ſuchte doch Verbeſſerungen anzubringen. Die erſten Erfindungen waren minder vollkommen, verrichteten die Arbeit nicht ſo genau, oder erforderten einen größeren Auf⸗ wand von Pferde⸗ und Menſchenarbeit. Allmaͤh⸗ lig wurden ſie zweckmaͤßiger eingerichtet. Jetzt werden hauptſächlich zwey Arten ge⸗ braucht, namlich die Cookiſchen und die Ducket⸗ — 4838— Ducketſchen Maſchinen. Ich werde zuerſt letztere Art beſchreiben. Dazu gehört erſtlich der ſogenannte Drill⸗ pflug. Dieſer hat fuͤnf, vorn ſpitze, hinten breit zulaufende, keilfoͤrmige, mit Eiſen beſchlagene Furchbhoͤlzer, womit er eben ſo viele Furchen zie⸗ bet. Man kann dieſe Furchhoͤlzer umſchrauben, um die Reihen in einer Entfernung von 97 14 oder 18 Zoll zu ziehen. Erſteres iſt das ge⸗ wöhnlichſte. Auswaͤrts pat er auf jeder Seite ein gekruͤmmtes Eiſen, welches man Marqueur nennt, und welches, indem es in der letzten Fur⸗ che hergehet, dem Pfluge die gebörige Richtung giebt, ſo daß alle Furchen gleich weit von ein⸗ ander kommen. Er iſt ohne Räder. Nachdem das Land völlig und möglichſt eben zubereitet, beſonders recht klar geegget worden, wird dieſer Pflug durch ein Pferd mit langen Zugſtraͤn⸗ gen an einer recht graden Furche heraufgezo⸗ gen. Das erſtemahl muß die Perſon, welche das Pferd fuͤhrt, vorzuͤglich aufmerkſam ſeyn, eine recht grade Linie zu halten; denn nach die⸗ ſem Zuge richten ſich alle andre. — — —.—„ c—— —— —— ——— — Dem Drillpfluge oder Furchenzieher folgt die Saͤemaſchine, die von einer Perſon ſo, daß die beyden Rader in der Furche geben, ſehr leicht geſchoben wird. Ihre Beſchreibung folgt im Anhange neben der Abbildung der von Hrn. Duwe verbeſſerten Drillwerkzeuge. Die beyden aͤuſſeren Tuten, welche ſchraͤg ſitzen, werfen das Korn in die Rille, wo das Rad laͤuft,— die mittelſten in die andern drey Rillen. Ehe man anfaͤngt zu ſaͤen, werden jedesmahl die Buͤrſten⸗ boͤlzer herausgeſchroben und rein gemacht. Man ſchraubt ſie dann ſo weit wieder hinein, daß die Buͤrſten ſcharf auf den Drath faſſen, wo⸗ mit die Zellen in der Säewelle beſchlagen ſind, welches man ſehen kann, wenn man die Deich⸗ ſel auf die Erde legt. In dieſer Stellung der Buͤrſtenhölzer wirft die Welle das Korn ſo aus, wie ſie berechnet iſt. Will man ſtaͤrket ſaͤen, ſo ſchraubt man ſie loſer, umgekehrt feſter an. Dann ſchuͤttet man das Saatkorn in den Kaſten, welches mit einem Handſiebe vorher wohl gereiniget ſeyn muß. Vorher muß man einen Stutzſtock un⸗ ter die Deichſel ſtellen, damit der Kaſten horizontal ſtehe; denn ſobald man dieſe hernach aufheben wollte, wuͤrde das Korn gleich ausfallen. Dies beobach⸗ tet man hernach auch jedesmabl, wenn die Ma⸗ ſchine ſtille hält, und legt deswegen einen ſolchen Stuͤtzſtock in den Saamen⸗Kaſten. Hin⸗ Hinter der Säemaſchine folgt eine Egge und zuletzt die Walze. Bey der Cookiſchen Maſchine iſt Fur⸗ chenzieher und Saͤekaſten mit einander verbunden. Es iſt in der That eine ſehr zweckmaͤßige dauer⸗ hafte und ſichere Maſchine, ob ſie gleich ſo componirt iſt, daß man ſich aus Abbildungen und Beſchreibungen unmoͤglich einen deutlichen Begriff davon machen kann, weswegen ich mich deren auch enthalte. In großen Wirthſchaften hat ſie unleugbar große Vorzuͤge vor der an— dern, nicht blos dadurch, daß eine Perſon zur Fuͤhrung des Saamenkaſtens erſpart wird, ſon⸗ dern auch, indem ſie ſchneller arbeitet und ſelten Aufenthalt giebt, nicht leicht in Unordnung kommen und ſich nicht verſtopfen kann. Untet 150 Rthlr. wird man ſie aber nicht wohl anſchaffen koͤnnen. Mein verehrungswurdiger Freund, der Herr Hof⸗ rath v. Hinuͤber, hat ſie ſowobl in ſeiner Wirthſchaft zu Marienwerder bey Hannover, als auf ſeinem Guthe Lebmkubhl im Holſtein⸗ ſchen eingefuͤhrt, und er war wohl der erſte, der ſie nach Deutſchland kommen ließ. 8 — 491— Die Pferdehacke iſt faſt dieſelbe bey bey⸗ den Moſchinen. Es iſt das Vordergeſtell eines leichten Wagens, mit einer Kluftdeichſel. An demſelben iſt, mittelſt bis 4 Fuß langer eiſer⸗ ner, eingehaketer, beweglicher Stangen, ein Bal— ken befeſtiget, worin die Hackeiſen eingeſchroben werden. Dieſe ſind zweyerley Art, entweder ſol⸗ che, die den Erdboden blos aufkratzen, Scarrifi- cators, Schroͤpfer; oder ſolche, die gleichſam eine kleine Furche machen, und die Erde an die Reihen anwerfen. Der Abſtand dieſer Eiſen cor⸗ reſpondirt mit dem Furchenzieher, und es ſind 5 bis 10 Stuͤck an dem Balken. Wenn nun das Korn nur eines Fingers lang iſt, ſo daß man die Reihen deutlich ſehen kann, und ſobald ſich einiges Unkraut zeigt, wird die Pferdehacke mit der erſten Art von Eiſen gebraucht. Dies kann erforderlichen Falls dann noch einmahl wiederholt werden. Dies iſt, was die Englaͤnder scarrify(ſchropfen) nennen; im eigentlichern Verſtande, als was man in einigen Gegenden Deutſchlands darunter verſteht. Iſt das Korn aber ſo, daß es in die Hoͤhe ſchießen will, ſo werden die Anhaͤufe⸗Eiſen eingeſchoben, und die Zwiſchenraͤume damit bearbeitet. Eine — 492— Eine Perſon ziehet das Pferd; wenn dieſe etwas geuͤbt iſt, ſo kann ſie das Pferd durch Hin⸗ und Herbewegen des Kopfes ſo leiten, daß es nicht auf die Kornreihe tritt, ſondern ſie zwiſchen die Beine nimmt, und die Fuͤße in die Zwiſchenrau⸗ me ſetzt. Indeſſen iſt der Schaden, den der Tritt des Pferdes der Reihe, worauf es hergeht, thut, allemahl unmerklich. Eine andere Perſon regiert den Balken durch zwey Sterzen, die daran befeſtiget ſind. Dies iſt gar nicht ſchwierig. Wenn man nur ein Eiſen in den Zwiſchenraum hält, ſo bleiben ſie alle darin, und ich babe die Arbeit von mehreren, gleich zum erſtenmahle, vollkommen geſchickt verrichten ſeben. Nach dem erſten Behacken wird die Saat von manchen queer mit einer leichten Egge uͤberzogen. Dies iſt nun diejenige Arbeit, welche die Drillcultur mehr, wie die gewöhnliche, erfordert. Man macht ſich aber von ihren Koſten einen groͤſ⸗ ſeren Begriff, als dieſe wirklich betragen. Herr Veſemeyer, ein ſehr geſchickter Verwalter, der dieſe Cultur im Großen drey Jahre lang in der Wirthſchaft des Herrn v. Graͤvemeyer zu Ob⸗ ſen betrieben, bat K. Landwirthſchaftsgeſellſchaft folgende genaue Berechnung vorgelegt. Um Um 15 Morgen in einem Tage mit den Ducketſchen Werkzeugen zu drillſaͤen, ſind er⸗ forderlich: 1. zwey Drillpfluge und bierbey 2 Pferde und erſonen: 2 i S2* —*„ 2 Pferde à 131 Mgr.„„— 27— 4 Perſonen à 6— n—— 2.. Säemaſchinen, dabey zwey Maͤnner à 8 Mgr., welche aber nur, da das Fauſtſäen wenigſtens einen er⸗ forderte, zur Haͤlfte zu berechyen— 8— 3. Zwey hölzerne Eggen, wobey ein Pferd und 1 Mann nothig ſind; er⸗ ſteres zu 134, letzterer zu 7 Mgr.[— 20 4 4. Die Pferdehacke macht täglich 12 Morgen; hiezu ſind erforderlich: 1Pferd„„ 13 Mgr. 4 Pf. 2 Perſonen„ 12— Selbige Operation zum 2tenmahle 25— 4— 1Rthlr. 15 Mgr.— Beträgt auf 15 Morgen Uebertrag 5. Das Capital, welches in) den Drillgeraͤthſchaften ſteckt, iſt ppt. SoRthlr., die Zinſen à 5 P. C. 4 Rchlr. Die Reparation und Ab⸗ nutzung kann man jaͤhr⸗ lich auf 8 Rthlr. anſchla! gen. Alſo uͤberhaupt 12 Summal 420 62 Rthlr. Drillt man hier⸗ mit nun 300 Morgen Beträgt auf1 Morgen jaͤhrlich, ſo betragen dieß ro Mgr. 722 Pf. Foſten, auf 15 Morgen repartirt, 4⁶ welche mehrere Koſten durch Erſparung des drit⸗ ten Theils der Ausſaat, ſelbſt bey ganz wohlfei⸗ len Zeiten, erſetzt werden. Ich komme jetzt auf die Vortheile, wel⸗ che man ſich, der Theorie und Erfahrung nach, von dieſer Cultur verſprechen kann. Jeder Ken⸗ ner und genaue Beobachter des Ackerbaues weiß, daß bey der gewoͤhnlichen Art, das Korn auszu⸗ ſaen,— welche die Englaͤnder eine breitwuͤrfige Saat ———— — 5— Saat, im Gegenſatze einer gedrilleten, nennen— nicht nur ein großer Theil der Körner ganz ver⸗ lohren gebt, der entweder auf ver Oberflaͤche lie⸗ gen bleibt oder zu tief verſcharret wird; ſondern daß auch der Saamen auf etliche Flecke ſo dicht fält, daß die jungen Pflanzen erſticken muͤſ⸗ ſen, an andern aber ſo entfernt von einander, daß das Unkraut vollen Raum zum Wachſen, und Kraft genug, das Korn nachmahls zu uͤberziehen, behaͤlt. Die ungleiche Tieſe, worin das Korn zu liegen kommt, verurſacht bey unguͤnſtiger Witte⸗ rung wohl hauptſächlich das, was man zwey⸗ läͤufige Saat nennt. Bey trockner, warmer Witterung fehlt es den, der Oberflaͤche nahe lie⸗ genden Körnern an Frucht zum Keimen und zum Wachſen,— bey naſſer und kalter, den tiefer lie⸗ genden an Waͤrme. Wenn die Witterung ſich zu ihrem Vortheile veraͤndert, ſo wachſen ſie nach; aber das Korn erhaͤlt den gehoͤrigen Grad der Reife zu ungleicher Zeit, und ein Theil geht ver⸗ lohren. Alle dieſe Uebel werden bey der Drillwirtb⸗ ſchaft vermieden. Man hat es in ſeiner Gewalt, die verſchiedenen Arten des Saamens, nach Ver⸗ ſchiedenheit des Bodens und der Witterung, in die angemeſſenſte Tiefe zu legen. Jedes geſunde Korn Korn kommt zum gleichzeitigen Keimen mit dem uͤbrigen. Dann kann aber auch die Entfernung g eines jeden Saatkorns vom andern nach der ₰ Ratur der Frucht und des Bodens beſtimmt e und eingerichtet werden. i 1 Hierzu kommt die große und jedem aufmerk⸗ in ſamen Beobachter des Pflanzenwachsthums unleug⸗ di *. bare Wirkung des Auflockerns der Zwiſchenrämne durch die Pferdehacke. Und ferner die dadurch 3 ſo leicht mögliche voͤllige Zerſtörung und Ausrot⸗ i tung alles Unkrauts. Es iſt daber gewiß, daß durch dieſe, mebl⸗ rere Jahre fortgeſetzte Cultur das Ackerland die Qualität und Fruchtbarkeit des reinſten und ſorg⸗ faltigſt bearbeiteten Gartenlandes bekomme. Die Stoppel wird zur Aufnahme einer neuen Saat„ ſchon hinlaͤnglich bereitet ſeyn, wenn ſie nur ein⸗ mahl umgebrochen worden, da das Land ſchon waͤhrend des Wachsthums der vorigen Frucht eine der Braache faſt gleiche Bearbeitung erhalten. Wer es auch nicht geſehen hat, wird ſich bieraus leicht vorſtellen koͤnnen, daß eine gedrillete und — 497— und gebörig bearbeitete Saat eine ungleich leb⸗ haftere Vegetation, ſtarkere und aufrechter ſtehende Halme, großere und wohlgenaͤhrtere Aehren ha⸗ ben muͤſſe. Sobald das Korn in Aehren ſtehet, iſt man nicht mebr im Stande, die Reihen zu unterſcheiden. Ein Halm ſcheint in gleicher Ent⸗ fernung vom andern zu ſeyn; die Aehren ſind in ihrer Höbe und Staͤrke ſich völlig gleich, und die ganze Saat bildet eine ganz ebene Oberfläͤche. Da iſt denn, wenn alles Erforderliche zu rechter Zeit hat geſcheben koͤnnen, auch keine Spur von irgend einem Unkraute zu entdecken⸗ Die unzaͤhlbaren Nachrichten, welche man in den engliſchen Journalen und Denkſchriften der zconomiſchen Societaͤten uͤber den Erfolg dieſer Beſtellungsart antrifft, beſtätigen die Erwartun⸗ gen, welche man ſich, der Theorie nach, davon machen muß. Im Jahre 1786 ward von nachfolgenden Wirthen oͤffentlich bezeuget, die beyſtehenden Ernd⸗ ten von dem mit der Cookiſchen Maſchine aus⸗ geſäeten Korne erhalten zu haben. Ji Lord Viscount Batemann zu Schobdon in Herefordſbire: Weitzen 40 Buſb vom Acre. Gerſte war augenſcheinlich beſſer * als der mit der Fauſt geſäete, iſt aber nicht abgeſondert. 3 Marquis von Stafford zu Trentbam 3 in Staffordſhire: Weitzen 33 Buſh vom Acre. Gerſte gedrillt, der Aere 24 Schill. 6 Pence mehr werth, wie der breit⸗ wuͤrfige. H. J. Eloſezu Hitlhouſe bey Ipswich: Von 9 Buſh Ausſaat 400 Buſh erhal⸗ ꝛen. Ein vergleichender Verſuch auf armem Lande: gedrillt 33 Buſh vom Acre; breit⸗ wuͤrfig 19 Buſh. Mr. held zu Milton bey Leominſter: Weitzen gedrillt 30 Buſh vom Acre; breit⸗ wuͤrfig 25 Buſb. Mr. Boote zu Atherſtonn: Sieben Ver⸗ ſuche uͤberhaupt auf 368 Acres angeſtellt; Weitzen auf lehmigem Lande vom Acre 47 Buſh —— Klay⸗„ 44— 5 Gall. —— kaltgruͤndigem Sia 25 Weitzen ———= Mr. Mr. Sir Mr. Weitzen, breitwuͤrfig, auf demſelben Lande⸗„ 9 Buſb Gall. Erbſen auf leichtem ſandi⸗ gem Boden„ 50— 2— Gerſte auf leichtem Boden 72— 4— Bohnen auf leichtem Lande 36— 2— Morley bey Woodhallin Norfolk: Weitzen 44 Buſh vom Acre. Lees bey Eirenceſter in Glouee⸗ ſterſhire: Weitzen gedrillet 53 Buſh⸗ 4 Gallons, breitwuͤrſig 39 Buſh vom Acre. Moſes Harper zu Aſtley: Gerſte gedrillet 56 Buſb., breitwuͤrfig 5 4 Buſh⸗ vom Acre.— Gibt aber zu, daß das breit⸗ wuͤrfig beſaͤete Land beſſer im Stande gewe⸗ ſen, wie das gedrillete. Dummore zu Stanton Wywill: Weitzen 45 Buſb. BGerſte 72 Buſh⸗ 4 Gallons. Glover zu Burloughton: Gerſte auf leichtem ſandigem Lande, gedrillet 44 Buſh., breitwuͤrfig 37 Buſh. 4 Gallons. Hett zu Bawtry: Gerſte gedrillet 64 Buſh., breitwuͤrfig 48 Buſh⸗ Ji 2 Mr. Mr. Lecit zu Hanbury Hall: Gedrilleter Weitzen 5 Buſb. vom Acre mehr, wie breit⸗ wuͤrfiger⸗ Mr. Erabb bey Rorthhampton: Ge⸗ drillete Gerſte 6 Buſh. vom Acre mehr, wie breitwuͤrfige. Eotonel Wilſon zu Dedlington: Gedril⸗ leten Weitzen genau noch einmal ſo viel, wie breitwuͤrfigen. Sir Samſon Barber: Von„ Aecres, 3 Perches 27 Quarters 6 Buſh. gedrilleten Weitzen. Mr. W. Wright zu Warbays: Eine auſſerordentliche Erndte von gedrilleter Gerſte. Mr. Holland bey Louth: Gedrillete Gerſte 8 Buſh mehr vom Arre als breitwuͤrfige. Im Jahre 1787 wurden folgende Erndten beſcheiniget: Sir W. Jones zu Rambury⸗Manor: Weitzen auf ſteinigem Lehm, in Kleeſtoppel infahrig gedrillt, 25 Buſh. 1 Gallon; breit⸗ wuͤrfig, 20 Buſh. 3 Gallons. Weitzen in zwey⸗ — 501— zweyjaͤhrige Kleeſtoppel gedrillet, 27 Buſb. Gallons; breitwuͤrfig 25 Buſh. Gerſte, nach Weitzen gedrillt, 27 Buſb.; breit⸗ wuͤrfig 22 Buſb. Francis Skyrme zu Lauhaden: Weiz- zen gedrillet 57 Buſh, 1 Gall.; breit⸗ wuͤrfig 48 Buſh. 2 Gall. Gerſte ge⸗ . drillet 67 Buſb. 2 Gall.; breitwuͤrfig 49 Buſh vom Acre. Sir John Boote zu Atberſtonn? Eilf Verſuche uͤberhaupt auf 450 Acres Boh⸗ nen, gedrillet auf lehmigtem Sand nach 50 Buſh Weitzen auf Mergel nach Bohnen„„ 36— Weitzen auf lehmigem Sand nach Bohnen„ 50— 6 Gall. Gerſte auf lehmigem Sand ſe Rbe Gerſte auf Sand nach Nubem— Erbſen auf Lehm nach Klee 51— 4— Weitzen auf Lehm nach 4 Bohum 5— Hafer auf Sand nach — —* Z—— — 502— Hafer auf tehm nach Gerſte 76 Buſb. 6Gall. Weitzen auf armem kalten Klay nach Klee;„ 25— 4— Weitzen breitwuͤrfig auf letzterem kande„„ 13— 7— Mr. Boote giebt an, daß er durch das Drillen von 45 0 Acres in dieſem Jahre 70o Pf. St. mehr, wie gewoͤhnlich, und im vorigen Jahre durch das Drillen von 368 Arres 500 Pf. St. Vortheil gehabt habe. Mr. Clooſe iſt mit dem Fortgange der Drill⸗ wirtbſchaft ſo zufrieden, daß er auf ſeinem Gute von 700 Acres nie wieder etwas breitwuͤrfig ſaͤen will. Mr. Ascot: gedrillete Gerſte gebe ihm der Aere 16 Schill. mehr, wie breitwuͤrfige. Sir Thomas Kneight; gedrilleter Weitzen 4 Buſh. vom Acre mehr gegeben, wie breit⸗ wuͤrfiger. Colonel Wilſon: ſeine gedrillete Gerſte und Hafer ſey beſſer geweſen, als er je welche gehabt. Mr. Luſſington: gedrillete Gerſte habe 10 Shocks vom Acre mehr gegeben, als breit⸗ wuͤrfige. Mr. Uu Mr. Harper iſt ſo zufrieden mit der Drillwirth⸗ ſchaft, daß er nie wieder breitwuͤrfig ſaͤen will. Mr. Earln: auf zwey an einander ſtoßenden Feldern verhielt ſich das gedrillete zum unge⸗ drilleten, wie 8 zu 7. Und noch eine Menge anderer Herren, die ihre Zuftiedenheit uͤber die mit der Cookiſchen Maſchine verrichtete Drillſaat bezeugen.*) Um meine Leſer nicht zu ermuͤden„enthalte ich mich, mehrere engliſche Erfahrungen anzufuͤh⸗ ren, ſo viele deren auch noch täͤglich bekannt gemacht werden. Jedoch muß ich etwas von den Erfahrungen und Verſuchen ſagen, die im Hanns⸗ veriſchen gemacht worden. Zu Ohſen in der Wirthſchaft des Hrn ⸗ von Grävemeyer ſind folgende Verſuche an⸗ geſtellet worden⸗ ſter Verſuch mit weißen Erbſen. Den 14ten April 1794 wurden auf Klay⸗ boden 2 Stuͤcke Land, jedes von 1 Morgen, mit *) Bath papers, T. IV. P. 320. — 504— mit weißen Erbſen beſäet, der eine aus der Hand, und der andere mit der Säemaſchine; erſteres mit 2, und letzteres mit 14 Himten. Den zten May wurde das gedrillte Stuͤck bepferdehackt, den 27ſten ejusdem nochmahls, und den 6ten Jun. zum letztenmahle. Der Ertrag beyder Stucke war ſehr geringe, da die lange, waͤhrend ihrer Bluͤthezeit anhaltende Dürre ihnen zu ſehr ſchadete. Von dem gedrillten Stuͤcke wur⸗ den 12 Haufen à 13 Bund, und nach dem Ausdruſch 8 Himten reine Frucht, und von dem andern 13 Haufen und 3 Himten reine Frucht gewonnen. Allem Anſchein nach wuͤrde das gedrillte Stuͤck das andere im Ertrage uͤber⸗ troffen haben, wenn nicht ſo viele leere Stellen bin und wieder darauf geweſen wären. Dieſe entſtanden daher: Als das Land zur Saat ge⸗ pfluͤgt war, und des andern Tages beſaͤet wer⸗ den ſollte, fiel dazwiſchen ſtarke und anbaltende regnigte Witterung ein, und verhinderte das Saͤen 14 Tage lang. Hiedurch war das nur einmahl gepfluͤgte Land zu feſte geworden, ſo daß die Reihen mit dem Drillpfluge hin und wieder zu flach ausfielen, und viele Erbſen nicht zum Aufgehn kamen.“ — 505— 2ter Verſuch mit 7 Morgen Hafer. Den 2sſten und 29ſten April 1794, wurden auf ſandigem Lehmboden 7 Morgen Hafer à 2 Himten 2 Metzen gedrillſaͤet, das auf beyden Seiten liegende Land aber à Morgen 3 Himten breit geſaͤet. Am Ende des May's wurde der Hafer zum erſten;, und am Ende des Jun. zum ztenmahle behackt. Auf dem gedrillten Lande wurden 70 Hau⸗ fen, und auf danebenliegenden 7 Morgen breit⸗ geſaͤeten Hafer 69 Haufen geerndtet. Beym Ausdruſch gab der gedrillte Hafer: 39 Mltr. 2 Ht. 1 Mtz. der breitgeſäete aber nur 36— 4—— der erſtere alſo mehr„„ 2— 4— 1— Beträgt à Morgen 2 Hten. 14 Mtz. mehr. zter Verſuch mit 3 Morgen Hafer. Vom 13ten April bis zum 17ten May wur den auf ſandigem Lehmboden im Mittelfelde 70 Morgen Hafer gedrillt, à Morgen 2 Hten., und . in — 506— in deren Mitte 3 Morgen à 3 Hten. breit ge⸗ ſäet. Den öéten Jun. wurde mit dem erſten, und am Ende Jun. mit dem letzten Behacken, der Anfang gemacht. Von dem breitgeſaͤeten wurden 24 Haufen, und„ 14 Mltr. Ausdruſch, und von 3 Morgen dane⸗ hen liegenden gedrillten Lan⸗ des 27 Haufen und 16 Mitr. Ausdruſch gewonnen; letzter alſo mehr 2 Malter. Betraͤgt à Morgen 4 Himten mehr. 4 ter Verſuch mit 8 Morgen Hafer. Den 19ten und 21ſten May wurden auf der Heidbreite unter dem Holze beraus, auf ma⸗ germ und kaltem Lehmboden, 8 Morgen in Rei⸗ hen geſäet, à Morgen az Hten., und nachge⸗ hends einmahl bepferdehackt. Hievon ſind geernd⸗ tet 36 Haufen, und auf 8 Morgen des unter⸗ her liegenden Landes von gleicher Cultur, aber etwas mehr Guͤte, 34 Haufen. Erſtere gaben 26 Mltr. 2 Hten. 1 Mtz. und letztere 25 Mltr. Es hat alſo jeder gedrillte Morgen r Himten und 1 Metzen mehr, als der breitge⸗ ſaͤete, gegeben. det ge ga 9 M uh — 507— — Ster Verſuch mit 3 Morgen Gerſte. Den 22ſten und 23ſten May wurden auf der Hellbreite, auf ſandigem Lehmboden, 3 Mor⸗ gen à 14 Himten mit Gerſte gedrillſaͤet und nach⸗ gebends zweymahl behackt. Die gedrillte Gerſte gab 26 Haufen, und eben ſo viel danebenliegenden Landes 23 Haufen. Die gedrillten gaben beym Ausdruſch⸗ 9 Mltr. 4 Hten. und die ungedrillten„„ 8— 4— Letztere alſo mehr 1—„— Betraͤgt à Morgen 2 Himten mehr. „ 6ter Verſuch mit Sommerruͤb ſen. Im kleinen Felde, auf etwas kalkgrundi⸗ gem ſandigem Lehmboden, wurden um Johannis 1794 10 Morgen mit Sommerruͤbſen beſaͤet, 9 Morgen aus der Hand und 1 Morgen mit der Säemaſchine, welcher nachher einmahl bepferde⸗ backt wurde. Der Ertrag von allen war 6 Mitr. 2 Hten., wozu der gedrillte 1 Morgen 2 Mal⸗ ter gegeben hatte. Die Witterung war dieſer Saat uͤberhaupt, beſonders aber im Anfange, und vorzuglich der ungedrillten, ſehr unguͤnſtig. ter — Fter Verſuch. Auf dem großen Kampe, auf Land, welches i zuvor Huͤlſenfruͤchte getragen hatte. geſchah den 19ten September 1794. Die Einſaat 3 ₰ 2— Z. S S Z. S S—* ———,— F—**— 2 S— ₰— ————— 8 — — ₰ N*— A***— — —— ———— — * ———— — — — 00 05 00 Sch —— — W 8 8 2. 8. 85 8 8— 8 8— 05 S—= . 5 ₰ 2 — cſ cj—= 3 cn o —— — 5 6 95 8 00—— — lr⸗* —— S—— * 5 S 8 S. 5 „— S 3 4 O 0O 0 8£ — ₰ ein Himte breitgeſaͤeter— Ein Himte gedrillter Weitzen wog 50 Pfund, und — 41— Einſaat Erndte Ausdruſch Himten Stiege Himten Die Einſaat in kaltgruͤndigem Gedrillſaͤett„„„ 108 Breitgeſaͤet daneben Beym gedrilleten Lande auf minns 4 Auf dem kleinen Felde, ſeuchtem und etwas ſteifem Boden. Betraͤgt auf minus 3 — + S t⸗ — — — 5 — — — 5 8 — 0 ch — S 8 — 0 8 — — — — £ — 8 — 510— oter Verſuch. Vom 16ten September bis r4ten October 1794, wurden auf dem Pfingſtberge, der einen feuchten, hin und wieder ſteinigen und magern rothen Lehmboden hat, 57 ½ Morgen gedrillſaͤet mit 14 Malter 2 Himten, und 62 4 Morgen breit⸗ geſäet mit 18 Malter 5 Himten. Von dem ge⸗ drillten Lande wurden geerndtet 495 4 Stiege, be⸗ traͤgt auf 1 Morgen„„ 8,617..St.(r2) Von dem breitgeſaͤeten aber 504 ½ Stiege, betragt auf 1 Morgen„ 8,72..—(122) Jeder gedrillte Morgen gab alſo mehr„„„„ 0,5454 Stiege. Gedrillte 4 Stiege gaben 9 Himten 3 Metzen, beträgt alſo auf 371 St. od. 1 Mrg. 3 Mltr. 3 Htn. o,19 Metz. Breitgeſaͤete 4 Stiege gaben 3 Himt. 3 Mtz. betraͤgt auf 812— od. 1 Mrg. 2— 5— 2,630..— Ein gedrillter Morgen alſo mehr— Mltr. 35tn. 1,389. M. noter Verſuch. Mit 18 ½ Morgen Rocken. Den rſten Oetober 1794 wurden auf der Gierkuhle, jenſeit des Weges, auf ſandigem Lehmboden, 18 ½ Mor⸗ gen mit Rocken breitbeſaͤet, auf jeden Morgen 2 Him⸗ — 5 11— Himten; und daneben den 1ſten, 3ten und 14ten October 18½ Morgen gedrillt, der Morgen mit 14 Himten. Von dem gedrillten Lande wurden geerndtet„„„„ 240 Stiege, und von dem ungedrillten Lande„ 215 Stiege. Von dem gedrillten Lande alſo mehr 25 Stiege. Betraͤgt auf einem Morgen gedrillten Landes mehr 1½4. Gedrillte 4 Stiege gaben 10 Himten, macht auf 122 4 Stiege, oder 1 Morgen, 5 Mltr. 2 Himten 127 Metzen. Breitgeſaͤete 4 Stiege gaben 84 Himten; macht auf 1132 Stiege, oder 1 Morgen, 4 Mal⸗ ter— Himten 332 Metzen. Ein gedrillter Morgen alſo mehr 1 Mitr. 1 Himten 234 Metzen. 1iter Verſuch. Den 26ſten und 27ſten September 1794. wurden auf dem Tuͤnder Anger 16 4 Morgen mit 4 Malter 3 Himten Rocken gedrillſäet, und den 27ſten September daneben 16 ½ Morgen mit 5 Malter 3 ½ Himten breitgeſaͤett. Von dem gedrill⸗ ten Lande wurden geerndtet 125 Stiege, macht auf 1 Morgen 7 ½2 Stiege, und von dem breit⸗ geſaͤeten Lande wurden geerndtet 123 Stiege, macht auf 1 Morgen 742 Stiege. Jeder — 512— Jeder gedrillte Morg. mehr: S. 3 St. Ge⸗ drillte 4 St. gaben 9 Htn. 1 Mtz., macht auf 7½3 St., oder 1 Morgen, 2 Mltr. 5 Htn. 2,75 Metz. Breitgeſaͤete 4 Stiege gaben 9 Htn. 2 Mt. macht auf 7 ½3 Stiege oder 1 Morgen 2 Mitr. 5 Htn. 2,818.. Metzen. Jeder gedrillte Morgen alſo weniger S.o, 743.. Mtz. Ein Himte gedrillter Rocken wog 454 Pfund. und ein Himte breitgeſaͤeter— 44 1— 12ter Verſuch. Auf den Muͤhlenaͤckern wurden 75 Morg. Ha⸗ fer im May 1795 gedrillſäet, à Morg. 2 Hten., und 20 Morg. daneben breitgeſaͤet à Morg. 3 Htn. 75 Morgen gedrillt, gaben 739 Haufen, macht auf 1 Morg. 932 Summa9, 853.. Hau⸗ fen. 20 Morgen breitgeſaͤet, gaben 161 Haufen, macht 1 Morg., 826 Summa g,50.. Haufen. Jeder gedrillte Morgen mehr 1,803.. Hau⸗ fen. Gedrillte 20 Haufen gaben 62 Himten, macht auf 924 Haufen 30,545. Himten. Breitgeſäete 20 Haufen gaben 50 Himten, macht auf 82% Haufen 22,942.. Himten. Jeder gedrillte Morgen alſo mehr 7,603. Himten. I3ter Verſuch. Auf dem Tuͤnder Anger, in Klayboden, im Maymonat 16 Morgen Hafer gedrillt, à Mor⸗ gen gen 2 Himten und daneben 16 Morgen breitge⸗ ſaet, à Morgen 3 Himten. Gedrillt 16 Morgen gaben 150 Haufen, . macht à Morgen 9 Haufen, und breitgeſaet 16 Mor⸗ gen, gaben 138 Haufen, macht à Morg. 9 Haufen. Ein Morgen gedrillt alſo mehr 3 Haufen. 9 Haufen gedrillt, gaben 26 Himten, alſo 9 ½ Haufen gaben 272½ Himten, und 12 Haufen breitgeſäet ga⸗ ben 34 Himten, alſo 8 Haufen gaben 242½ Htn. Ein Morgen gedrillt mehr 23 ½ Himten. Zu Wittenburg, einer berrſchaftlichen Domaine, welche Sr. Majeſtaͤt der Koͤnig ganz zur . Anſtellung landwirthſchaftlicher Verſuche gewidmet hat, ſind die Reſultate der unter der Aufſicht des Herrn Oberamtmann Weſtfeld angeſtelleten Ver⸗ ſuche folgende geweſen. . Nachricht von der Erndte und dem Aus⸗ „ druſche des gedrillten und ungedrillten Hafers im Jahre 1793. a) gedrillter Hafer. Aus dem kleinen Felde von 6 Morgen 4 1 Quadrat⸗ Ruthen„„„ 108 Stiege Aus dem Erbſenkampe von 5 Morgen 68 Quadrat⸗ Ruthen„„ 102— 210 Stiege Kk Ueber⸗ Uebertrag 210 Stiege. Von dieſen 2 10 Stiegen ſind unge⸗ droſchen verfüttert 21— leiben zum Droͤſchen 189 Stiege. Von dieſen 189 Stiegen ſind außer dem Droͤſcherlohn uͤberbaupt aufgemeſſen 59 Malter 2 Himten— Mtz Dieſemnach wuͤrden 210 Stiege gegeben ha⸗ ben 65 Malter§5 Himten 2½4 Metzen, macht vom Morgen 5,542 Malter. b) ungedrillter Hafer. Von den rothen Hollen von 6 Morgen 51 Quadrat⸗ Ruthen„„„63 S Davon ſind mit den Schaafen ver⸗ futtert Bleiben⸗„ 76 Stiege. Von obigen 76 Stiegen ſind auſſer dem Droͤſcherlohne aufgemeſſen— 18 Malter 1 Him⸗ ten. Dieſemnach wuͤrden 83 Stiege gegeben ha⸗ ben 19 Malter 5½ Himten., macht vom Mor⸗ gen 3,086.. Malter. zu ein Mein Freund, der Herr von Hinuͤber, hat zu Marienwerder ſeit vier Jabren mit der Cooki⸗ ſchen Maſchine alle Arten von Feldfruͤchten gedrill⸗ ſaͤet. Er fing dieſe Beſtellungsart mit der groß⸗ ten Unbefangenheit an, und hatte die Abſicht, das Verbaͤltniß derſelben zur gewöhnlichen, durch ver⸗ gleichende Verſuche ins licht zu ſtellen und von allen Seiten zu beobachten. Allein der Ankauf eines großen Guthes im Holſteinſchen, und deſſen Ver⸗ beſſerungen, erforderte ſeine ganze Aufmerkſamkeit und oͤftere Anweſenheit; ſo daß er ſich nicht im Stande findet, die Reſultate ſeiner, anfangs verſuchsweiſe, bernach im Großem betriebenen Drillwirthſchaft genou anzugeben. Da aber nur die groͤßte Genauigkeit ſeine ſtrenge Wahrbeitsliebe befriediget, ſo will er nach ohngefaͤhrem Ueber⸗ ſchlage gar keine Angaben machen. NRur dieſes iſt im allgemeinen ſeine auf Erfahrung beruhende Ueberzeugung: beym Weitzen gewaͤhre die Drill⸗ wirtbſchaft ohne Ausnahme ſo uͤberwiegenden Vortheil, daß er dieſen, wo es zu zwingen ſte⸗ bet, nie auf eine andre Art ausſaͤen will. Der Vorzug derſelben bey den Bohnen ſey eben ſo ent⸗ ſchieden. Gedrillete Gerſte, Hafer, Erbſen und Rocken, auf leichtem Boden, ſcheint ihm nicht je⸗ desmahl und unter allen Umſtänden den Vorzug vor breitwuͤrfigen zu haben. Der gedrillte Buch⸗ weitzen ſey immer vorzuͤglich gerathen. Die meh⸗ Kk 2 rere Arbeit und Koſten der Drillwirthſchaft werden durch Erſparung der Einſaat reichlich erſetzet. Ich habe faſt jaͤhrlich ſeine gedrillten Saaten ge⸗ ſeben, und es iſt gewiß, daß man nichts voll⸗ kommeners, wie dieſe Weitzen Accker, ſehen konnte. Hier bey Zelle hat der Herr Duwe und Herr Stallweiſter Koch die meiſten Verſuche mit dem Drillſäen gemacht. Sie ſ ſehr zum Vor⸗ theil deſſelben ausgefallen. Da ſie mit den von erſteren erfundenen Werkzeugen gemacht worden, und ich dieſe in einem Anhange zu dieſem Capitel be⸗ ſonders beſchreiben werde, ſo verſpahre ich bis dahin die genau aufgezeichneten Reſultate um ſo lieber, da ich noch die, welche die diesjährige Erndte geben wird, beyzufuͤgen hoffen kann. In dieſem Jahre 97 iſt dieſe Beſtellungs⸗ art nicht nur von vorbenannten Herren fortgeſetzet, ſondern auch in den Churbraunſchweigſchen Lan den in vielen großen Wirthſchaften eingefuͤhret wor⸗ den. Auch hieruͤber hoffe ich in dem Anhange zu dieſem Capitel eine ausfübrlichere Rachricht geben zu koͤnnen⸗ Bey e, an n cht e Bey allem dieſem ſcheint es beynahe unglaub⸗ lich, daß die Ruͤtzlichkeit und Vorzuͤge dieſer Be⸗ ſtellungsart noch bezweifelt werden koͤnnen. Und dennoch geſchiehet dies ſelbſt in England noch bis auf dieſen Tag.— Vielleicht von unwiſſenden Landwirthen, die auf ihrem Farm eingeſchraͤnkt, ſtörriſch auf ihren alten Schlendrian beharren, und keine neue Erfindung und Verbeſſerung ihrer Aufmerkſamkeit wuͤrdigen.— Rein! es ge⸗ ſchiehet von vielen aufgeklaͤrten, vorurtheilsfreyen Männern, die alles pruͤfen und das Gute behalten; die Landwirthſchaft mit Leidenſchaft treiben; keine Koſten und Muͤhe ſparen, um etwas Nuͤtzliches kennen zu lernen und auszufuͤhren. Zu dieſen geboͤrt gewiſſermaaßen der Große Arthur Young, deſſen Namen kein Landwirth ohne Ehrerbietung ausſprechen ſollte. Vieles, was er gegen Drillwirthſchaft uͤberhaupt ſagt, beziehet ſich, wie es mir ſcheint, zwar nur auf die aͤltere Art, und er laßt in manchen Stellen ſeiner neueſten Schriften der neueren Methode Gerech⸗ tigkeit widerfabren. Im allgemeinen gehoͤrt er indeſſen zu den Gegnern des Drillens. Einer der merkwuͤrdigſten iſt, nächſt Young, Mr. Ma⸗ jendin, ein ſehr aufgeklaͤrter, unternehmender und ſcharf beobachtender Landwirth. Er war ein warmer Vertheidiger der Drillwirthſchaft, und drillete alle ſeine Fruͤchte auf einem Farm von anſehn⸗ anſehnlicher Groͤße. Er fand nachmahls aber, wie er verſichert, daß im Ganzem erbeblicher Schaden bey dieſer Wirthſchaft, in Vergleich mit einer uͤbrigens vollkommenen breit⸗ wuͤrfigen Cultur, herauskomme, und er erklaͤrte noch neuerlich, daß er außer Bohnen nie einen Acker wieder drillen wuͤrde, nachdem er die Sache lange und reiflich genug unterſuchet haͤtte. Ich muß geſtehen, daß es mir einige Schwierigkeiten verurſacht, die Einwuͤrfe der Gegner kurz und beſtimmt vorzutragen, indem ſie ſelbſt nicht ins Detail geben; die Thatſachen, worauf ſie ihre Meinung gruͤnden, nicht deutlich darſtellen, die vergleichenden Verſuche, welche zum Vortheil des Drillens angeſtellet ſind, nicht ablaͤugnen; ſondern nur im allgemeinem ſagen, die Sache ſey im Großen nicht anwendbar, oder erſetze wenigſtens die Koſten und Weitlaͤuftig⸗ keiten nicht. Wir haben, ſagen ſie, von breitwuͤrfiger Saat auf reichem Boden, nach gehoͤrigem Fruchtwechſel und guͤnſtiger Witterung, ſo reiche Erndten erhalten, wie die Drillwirthſchaf— ter nur angeben können. Der einberichtete große Ertrag — —— — Ertrag der Drillwirthſchaft iſt vermuthlich von ſolchen Aeckern geweſen, die vorher ſchon in die hochſte Cultur geſeht worden, und die man meh⸗ rere Jahre mit auszehrenden Saaten verſchonet hat. Aber auch zugegeben, daß unter ubrigens völlig gleichen Umſtänden, ein gedrilleter und ſorg⸗ fältig behackter Acker im allgemeinen etwas mehr gebe, ſo frägt es ſich, ob dieſes nicht durch den Aufwand theuer erkaufet ſch? Die Drillwirth⸗ ſchafter ſetzen zwar das Drillſäen und Pferdehacken auf jeden Acre nur zu 1 Schill. 6 Pence ge— wohnlich an. Wenn ein Pferd und ein Mann 3oo Tage des Jahrs drillſäeten und pferdehack⸗ ten, oder dieſes auf das ganze Jahr vertheilt wer⸗ den koͤnnte, ſo wuͤrde man damit recht gut aus⸗ reichen. Aber die Arbeit kömmt auf einmahl, zu einer ſehr ungelegenen Zeit, wo Menſchen und Zugvieh mit andern Arbeiten von hoͤchſter Wich⸗ tigkeit beſchaͤftigt ſind. Und dennoch darf das Pferdehacken nicht zwei Tage ausgeſehet werden, wenn das Unkraut nicht üͤberhand nehmen, und die Saat nicht groͤßtentheils verlohren gehen ſoll: alſo muß man mit das Pferdehacken beſondere Pferde und Menſchen halten, und da dieſe zu anderen Zeiten nicht nuͤßlich genug zu beſchäftigen ſind, ſo kommt das Pferdehacken ungleich hoher. Die meiſten Freunde der Drillwirthſchaft geben daher auch zu, daß man bey derſelben, auf 10 Pferde, eins — 520— eins mehr halten muͤſſe. Aber dies iſt bey wel⸗ tem nicht genug, wenn man ſicher gehen will; denn die Arbeit muß bey mißlicher Witterung ſo ſchnell vollfuͤhrt werden, daß ein Pferd bey einer 10 Pferdewirthſchaft nicht zureicht. Ein verſaͤumter Tag im Mahy und Junius— ich rede noch immer die Sprache der Drillgegner— wo Saat und Unkraut im Wachsthume wett⸗ eifern, kann die halbe Erndte vernichten. Denn ſobald das Unkraut, was in den Zwiſchenraͤu⸗ men ſehr uͤppig waͤchſt, eine gewiſſe Staͤrke er⸗ langet, iſt keine Pferdehacke mehr anzubringen. Bey guͤnſtiger Witterung iſt die Sache freylich leicht, die Arbeit bequem und der Erfolg gluͤck⸗ lich. Daher die Berechnungen des geringen Aufwandes und des großen Ertrages. Wenn aber ſo naſſe Witterung zur Zeit des Behackens eintritt, daß die Pferde keinen feſten Fuß auf dem Acker faſſen koͤnnen, der Erdboden ſich von den Hacken und Kraßern nicht zertheilen läßt, ſondern ſie uͤberſchlammet, die Pferdehacke ihn alſo vor ſich wegſchieben und die Kornreihen da⸗ mit uͤberziehen wuͤrde; oder wenn im Gegen⸗ thelle der Boden, bey einer Duͤrre, die auf Schlagregen folgt, hart, wie eine Dreſchtenne iſt, und die Schaaren der Pferdehacke gar nicht einläßt; ſo iſt eine gedrillte Saat faſt gaͤnzlich verlohren, und das Land auf mehrere Jahre ver⸗ wildert; e— — 521— wildert; wogegen eine breitwuͤrfige doch noch im⸗ mer eine mittelmaͤßige Erndte geben kann. Die⸗ jenigen, welche, mit einiger Vorliebe fuͤr das Dril⸗ len, vergleichende Verſuche angeſtellet haben, unterdruͤcken dann ſolche nachtheilige Ereigniſſe, und erzählen nur die glucklichen.— So weit die Drillgegner.— Wenn gleich ihre Einwendungen etwas uͤbertrieben und unbeſtimmt zu ſeyn ſcheinen; ſo kann man doch nicht läͤugnen, daß ſie von je⸗ dem, der dieſe Wirthſchaft anfangen will, reif⸗ lich erwogen zu werden verdienen, damit er ſich die Sache nicht zu leicht und den Erfolg in jedem Jahre als ohnfehlbar vorſtelle. Gewiß iſt es, daß ein Drillwirth mehr Zugvieh und mehr Menſchen bey uͤbrigens glei⸗ chen Einrichtungen, beſonders in den Fruͤhjahrs⸗ Monaten, zu ſeiner Dispoſition haben muſſe, wie ein anderer. Sonſt kann er mit der Ar⸗ beit in Verlegenheit kommen. Kann er elſo gewandte Arbeiter und Geſpann nicht in Ta⸗ gelohn haben, ſe muß er das Ganze ſeiner Wirthſchaft ſo einzurichten wiſſen, daß er meh⸗ rere Menſchen und Vieh zu allen Jahrszeiten nuͤß⸗ — 522— nuͤtzlich beſchaͤftigen könne. Dadurch wird aber die Haushaltung dann noch verwickelter, und er⸗ fordert deſto mehr Vorſchuß und Baarſchaft in der Kaſſe. Hieran fehlt es aber gewoͤhnlich deutſchen Landwirthen. Denn wenn ſie es auch im Vermogen haben, ſo geben ſie es doch lieber zu 3 Procent auf Zinſen, als daß ſie es zu ungewöhnlichen Anſtrengungen in der Wirth⸗ ſchaft brauchen ſollten, die vermuthlich, aber doch nicht ganz ſo ſicher, 12 Procent eintra⸗ gen wuͤrden. Ferner gehort zur Drillwirthſchaft eine an⸗ geſtrengte Aufmerkſamkeit und Ueberlegung. In den Vegetations⸗Monaten muͤſſen die Felder täglich unterſucht werden, um zu beſtimmen, wel⸗ che Frucht und welche Flur die Pferdehacke z u⸗ erſt erfordere. Wird eine zu lange verſaͤumt, ſo iſt der Schaden unerſetzlich. Und es iſt be⸗ kannt, daß in der Landwirthſchaft uͤberhaupt die Verſpätung einer Arbeit die Verſpaͤtung aller nach ſich ziehe. Sehr oft iſt nach der Pferde⸗ hacke noch die Handhacke oder das Jaͤten in den Reihen nothwendig, und da muß dann auch eine hinreichende Menſchenzahl ſchleunig und zweck⸗ maͤßig angeſtellet werden. Daß —— — 3523— Daß die Witterung das Pferdehacken ſehr erſchweren könne, leidet keinen Zweifel; daher muß der Drillwirth auf ſelbige ſehr aufmerkſam ſeyn, und bey unguͤnſtigem Himmel jede gute Stunde dazu moͤglichſt benußen. Es läßt ſich zwar als möglich denken, daß eine ſolche Witterung eintreten koͤnne, wo auch bey der angeſtrengteſten Thaͤtigkeit, beſonders auf ſchwerem Boden, mit der Pferdehacke wenig aus⸗ zurichten ſeyn wuͤrde: aber haben wir nicht Jahre gehabt, wo gerade die am beſten cultivirten Aecker am meiſten litten? Wo bey anhaltenden Regen⸗ guſſen das ſtärkere, dichtere Korn ſich zu fruh lagerte, das ſchlechtere ſich aufrecht erhielt? Wo der gute Wirth Mißwachs, der ſchlechte mittel⸗ mäßigen Ertrag hatte? Iſt darum der ausge⸗ zehrte Acker dem reichen; der nachläͤſſige Wirth dem indüſtrioſen vorzuziehen? Jede höhere Cul⸗ tur kann zufallig einmahl verungluͤcken; aber nur ſchwache Koͤpfe ziehen Schlſſe aus einzelnen Fällen. Und ſollte einmal die Pferdehacke gar nicht anzubringen ſeyn, wo ſie hochſt noͤthig iſt; ſo muß man kein Geld ſparen, um ſich Menſchen zu verſchaffen, die mit Hacken und Schaufeln ihre Stelle erſetzen. End⸗ — 52 Enblich verſteht es ſich von ſelbſt, daß der Drillwirth ſeine Felder ſchon vorher in den Stand geſetzt habe, daß Näſſe ihnen nicht leicht ſchaden koͤnne. Es maͤſſen Graben, Waſſerfurchen, oder beſſer, Ableitungen unter der Erde, genug und zweckmaͤßig angelegt und offen erhalten ſeyn. Denn hohe Ackerbeete leidet dieſe Wirthſchaft nicht. Widerſpenſtiger Klay⸗ oder Thonboden ſchickt ſich auch zu dieſer Wirthſchaft nicht, ehe er durch Mergel, Kalk und Sand mürbe gemacht worden ⸗ Iſt er aber einmahl in ſolcher Cultur, ſo wird er der Pferdehacke nicht leicht widerftehen können. Aus allem bem, was bisher fuͤr und ge⸗ gen die Drillwirthſchaft geſagt worden, ſcheint mir zu erhellen: Erſtlich, daß die Drillwirthſchaft dem ver⸗ mögſamen Landwirthe das, zu ihrer Betreibung angelegte Kapital reichlich verzinſen; den aber, der wenig Vorlag hat, völlig zu Grunde rich⸗ ten konne. ztens, daß ſie da, wo die Cultur ſchon hoch getrieben worden, ſelbige auf den möglichſt hoͤch⸗ ſten Grad der Vollkommenheit bringen werde; daß ſie hingegen da, wo man in der gewoͤhnli⸗ chen — ——— chen Beſtellungsart noch ſehr zuruͤck iſt; und manche andre Verbeſſerungen noch nicht vorge⸗ nommen worden, nur Aufenthalt und Verſaum⸗ niſſe in wichtigeren Dingen veranlaſſen werde. ztens, daß ſie dem thätigem und faſt leiden⸗ ſchaftlichen Landwirthe, durch die garten⸗ähnliche Cultur ſeiner Felder und den hoͤheren Ertrag ſei⸗ ner Erndten, eine ſehr angenehme Beſchäͤftigung, Zufriedenheit und Belohnung ſeines Fleiſſes ver⸗ ſchaffen werde; dem Trägen aber und dem, der Landwirthſchaft nur treibt, weil es einmahl ſeine Beſtinmung iſt, unertraͤgliche Laſt und Sorgen zuziehen koͤnne. 4tens, deß es fuͤr den Staat und die bür⸗ gerliche Geſellſchaft wohl zu wuͤnſchen ſey, daß dieſe Wirthſchaft, unter vorgedachten Bedingun⸗ gen, gemeiner werden moͤge, daß aber der despo⸗ tiſche Vorſchleg eines Franzoſen, Namens Car- rard,— durch ein Geſeß die Drillwirthſchaft jedem Landmanne anzubefehlen,— höchſt thorigt ſey. Neun⸗ Neunzehntes Capitel. Der rothe Rlee. Uee den Bau deſſelben iſt ſeit Zo Jahren in Deutſchland ſo viel geſchrieben, daß es manchem Leſer vielleicht uͤberfluͤſig ſcheint, daruͤber von Auslaͤndern noch etwas zu entlehnen Ich habe mehrmahls gehoͤrt, daß kein Gegenſtand der Land⸗ wirthſchaft ausfuͤhrlicher und vollſtamiger konne abgehandelt werden, wie der Kleebau von den deutſchen oͤconomiſchen Schriftſtellern. Es war eine Zeit, wo ich das ſelbſt glaubte. Als ich aber fand, daß meine Erfahrung ſo oft meine auf auf Theorie gebaneten Hoffnungen taͤuſchte, fing ich an, viele Luͤcken in dieſer ganzen Lehre zu fuh⸗ len, ohne deutlich zu erkennen, wo ſie eigentlich lagen. Je mehr ich mich zu unterrichten ſuchte, deſto mehr Widerſpruͤche fand ich. Einer hielt den Klee fuͤr verbeſſernd, ein anderer fuͤr aus⸗ ſaugend. Einer wollte den Acker durch oͤſteren Kleebau immer geſchickter dazu machen; ein an⸗ derer verſicherte, daß er deſſen bald muͤde wurde, und daß er auf einem Acker, der noch nie wel⸗ chen getragen, am beſten gerathe. Einer beſtand auf eine einjährige, ein anderer auf eine zwey und dreyjährige Benutung. Dieſer will die Kleeſtoppel zum Winterkorn durchaus nur ein⸗ mahl; jener zney bis dreymahl gepfluͤget haben. Die meiſten ſäen ihn ins Sommerkorn; andere behaupten, er gerathe unter Weißen und Rocken viel beſſer. Noch ein anderer behauptet, das einzige wahr Principium des Futterbaues beſtehe darinn, daß man den Klee ohne Getraide allein ausſue, und beruft ſich auf ſeine Erfahrungen— im reyolten Gartenboden, und findet es wohl gar uͤberfluſſig, ihn zu duͤngen. Es Es ſchien mir ſchon laͤngſt, daß der Plaß, welcher dem Klee im Feldwechſel gebuhret, von den meiſten unrichtig beſtimmt ſey, und daß da⸗ her ein großer Theil der Widerſpruͤche ruͤhre. Die Englaͤnder, insbeſondre der unüber⸗ treffliche Moung, öffneten mir, wie in ſo manchen Stuͤcken, auch hier die Augen. Eine vollſtäͤn⸗ dige Kritik des Kleebaues enthaͤlt folgende, aus einer ſeiner neueſten Schriften gezogene, Stelle*) „Alle gute Landwirthe wiſſen in England aus „langer Erfahrung, daß der rothe Klee kein „Freund des reinlichen Feldbaues it, wenn er „mit der zweyten oder dritten Getraide⸗Erndte „geſäet wird. In der Ordnung, daß man 1) „Raͤben oder Kohl, 2) Geiſte oder Hafer, „3) Klee, 4) Weitzen ſäet, wird das Land, „wie im Garten, behandelt. Venn aber nach „dieſer vierten Erndte der Landmam auf folgende „Art fortfaͤhrt und§) Gerſte oder Hafer, 6) „Klee, 7) Weitzen ſäet, ſo wild das Land „verdorben und ausgeſogen werden. Kurz, der „Klee⸗ *) Reiſen durch Frankreich u. ſ. w. 3ter Theil, 54. S. der Ueberſetzung. 0 „ „ „n „ „ „ℳ — —* 8———*— — —— „Kleebau iſt fuͤr einen guten Landwirth, der ſeine „Felder reinlich beſtellt, nützlich, blos wenn er „mit Ruͤben, Kohl, mit der Braache in gleichem „Verhaͤltniſſe ſtehet, und er ſollte nie anders ge⸗ „„ſaͤet werden, als auf kand, das vorber durch „Saaten, die behackt werden muͤſſen, oder durch „Braache gereiniget worden. Was das Braachen „anbetrifft, ſo thut es kein Franzoſe anders als blos vor Weitzen; Folglich iſt die Ackercultur „nusgeſchloſſen. Ich habe oft geſehen, daß Klee „nach folgender Ordnung geſaͤet worden: 1) Braa⸗ „che, 2) Weitzen, 3) Gerſte, 4) Hafer, 5) „„Flee, 6) Klee, 7) Weitzen, 8) Hafer; und „man konnte den Acker vom Unkraute nicht ſaͤu⸗ „bern. Ich darf wohl behaupten, daß der nach „dieſer, ja ſelbſt einer minder tadelhaften, aber „doch nicht richtigen Ordnung, gebauete Klee, „mehr Schaden als Nutzen bringt, und daß es „beſſer iſt, wenn ein Land mit demſelben nicht „beſtellet wird, als auf dieſe Art. Gute Land⸗ „wirthe muͤſſen daher nicht mehr Klee bauen, als „Ruͤben, Kohl oder eine andere Frucht, die der „nämlichen Abſicht enſpricht; ſie duͤrfen ihn nie „anders ſäen, als mit der erſten Getraideſaat. „Dadurch wird ihr Land rein bleiben, und ſie „werden die Vortbeile des Kleebaues genießen, „ohne die gewoͤhnlichen Uebel zu erſahren. Ich „habe in einigen Schriftſtellern geleſen, daß große 1. Ll„deut⸗ deutſche Landwirthe eine ſo unermeßliche Menge in „Klee baueten, die hinlaͤnglich erwieſe, daß eine „gehörige Zubereitung dazu ganz unmöglich ware. „Mit dieſem vielem Klee ruͤhmt man ſich dann. „Aber in England wiſſen wir, welcher Werth „auf dieſen uͤbertriebenen Kleebau zu ſeßen iſt.“ Die vortrefflichen Verſuche aber, welche YMoung in den Stand ſetten, den Kleebau nach⸗ mahls ſo richtig zu ſchätzen und zu beurtheilen, ſtellte er ſchon in den Jahren 1763, 1764, 1765, 1766 und 1767 mit unermuͤdetem Fleiße und Aufmerkſamkeit an, und beſchrieb ſie in der Experimental agriculture*) auf 110 großen Quartſeiten. Ich habe vergeblich verſucht, ſie abgekurzt darzuſtellen. Sie muͤßten durchaus vollſtändig uͤberſeßt werden, um ſie zu uͤberſehen. Ich muß mich daher begnuͤgen, die allgemeinen Reſultate davon mitzutheilen. Er hatte auf ſeinem Farm zweyerley Boden, ſchweren Klay und einen leichteren kieſigen Lehin⸗ boden *) Book V. p.2— 110. bot al dn ge e t. nn. ſhe 1 en, 64, tem ſie auf lich ten die den deh boden(gravelly Loam). Leßterer wuͤrde zwar in Sandgegenden feucht heißen, in dieſem Theile von Suffolk hielt man ihn aber fuͤr trocken. Welcher von beyden iſt vortheil⸗ hafter fuͤr den Klee? Nach 10 Verſuchen, auf Klayboden angeſtel⸗ let, betragen die Koſten, für Landpacht 18 Schill., Saamen, Saͤen, Einerndten u. ſ. w. auf den Acre im Durchſchnitt 1 Pf. St. 13 Schill. 2 Pen. Der Werth des Ertrages im Durchſchnitt„2— 11— 14— Der Vortheil alſo„o— 17— 11— Nach 20 Verſuchen auf leichterem Lehmho⸗ den, betragen die Ko⸗ ſten im Durchſchnitt, Landpacht von 17 Sch. eingeſchloſſen,„„„ 1Pf. St. 16 Schill. 42 Pen. Der Werth des Er⸗ troges„„„„3— 12— 0— Der Vortheil⸗„„„ 1Pf. St. 15 Schil. 7 Pen. Alſo der Vortheil des leichteren ſteinigen Lehms, vor dem Klah, 17 Schill. 74 Pence. 12 Von Von den§ Sommern, worin dieſe Verſuche angeſtellet worden, waren viere naß und einer trocken. Alſo könnte es den Anſchein haben, als ob grade die Witterung das leichtere Land begunſtiget habe. 1765 aber, welches Jahr ſehr trocken war, ſchlug der Klee auf dem trockneren Boden ſehr wenig zuruck. YMoung fand immer, daß die Kleeſtoppel auf dem trockneren Boden ſich ſehr mürbe um⸗ brechen und als ein Gartenbeet beeggen laſſe, und daß der Klee auf dieſem Lande eine weit beſſere che; welches auf ſchwerem Boden nicht der Fall war. Wenn ein Wirth daher dieſe beyden Arten von Boden hat, und er nur eine gewiſſe Quantitaͤt Klee beſtellen will, ſo thut er allemahl beſſer, den leichteren dazu zu waͤhlen. In welcher Saat nach der Braache iſt es am vortheilhafteſten, den Klee zu ſäen? Die Verſuche, dieſes aufzuklaͤren, wurden ungefahr folgendermaaßen angeſtellet. Das 7 7 7 7 Vorbereitung fuͤr den Weihen ſey, wie die Braa⸗ 1 hr 1762 1763 1764 1765 1766 1763 1764 1765 1766 1767 1764 1765 1766 1767 — 5 Das Feld 4. Iter Theil. ater Theil. Zter Theil. gebraachet. gebraachet. gebraachet. Gerſte mit Klee. Weihen. Gerſte. Klee. Gerſte mit Klee. Weihen. Weißen. Klee. Gerſte mit Klee. Weitzen. Weitzen. Klee. Das Feld B. 1ter Theil. 2ter Theil. Zter Theil. Braache. Braache. Braache. Gerſte. Weitzen. Gerſie. Klee. Gerſte. Weihen. Weitzen. Klee. Gerſte. Weitzen. Weißen. Klee. Das Feld C. ter Theil. zter Theil. Braache. Braache. Gerſte. Klee. Weitzen. Weißen. Gerſte. Klee. Alſo 3 Alſo ward juͤhrlich Klee in der xſten, in der ten und in der dritten Frucht nach der Braache aus⸗ geſaͤet, und im 2ten, Zten und 4ten Jahre nach der Braache geerndtet. Der in die erſte Saat geſaͤete: Koſten von 1 Acre. Pf. Schlll. Pence 7763 4 1„„ 1764 B. I„ 1 16 9 I6 0 0 11 Durchſchnitt r. I3. 6. Werth des Ertrages: 6 6 1765 B 1„„„„ 2 1765 C. 1„ o 15 5 8 Durchſchnitt 5. 1. 10. Vortheil. 0* 1764 A„„„„„„ 18 1765 B 2 8 1766 C.„ 1„„ 3 8 I Durchſchnitt 3. 8. 44. n— 17 170 17 7 17 1 Der in die 2te Saat geſäete: Koſten. Pf. St. Schill. Pence 15 4. 2 1 23 5 1767 B I 16 1 1766 C. 2 9 5 4 18 11 Durchſchnitt 1. 12. 11½. Werth des Ertrages. 1766 B..*..*„ 2 1 6 5 5 Durchſchnitt 2. 11. 8. Vortheil. 1765 A.*————— I 6 3 1 6 Durchſchnitt 18 Schill. 9 Pence. Der — 536— Der in die Zte Saat geſaͤete: Koſten. Pf. St. Schill. Pence 1766 A..„„.„ 1TI T 1766 B.„*„„„. I 8 2 2 19 3d wt Durchſchnitt 1. 9. 74. Werth des Ertrages: 1766 A.———— 6— 0 16 — Durchſchnitt 10 Schill. I1½ Pence. Verluſt. 1767 4 ½ Durchſchnitt 16 Schill. 14 Pence Verluſt. Pf. St. Schill. Pence 1 8 2 Vortheil bey der erſten Saat 3 8 544 5 6„5 2ten Saat 0 18 9 Die erſte beſſer 2 9 7 T. † Vor⸗ Vl Pe het nae ve ter nie ale K we ü Pf. Schill. Pence Vortheil bey der erſten Saat 3 8 ½ Verluſt bey der zten Saat 0 16 14 Die erſte beſſer 4 4 64 Vortheil bey der 2ten Saat 0 18 9 Verluſt bey der Zten Saat 0 16 12 Jene beſſer 1 14 107 Nichts kann entſcheidender ſeyn, wie dieſe Vergleichung. Die wahre Kleewirthſchaft beſte⸗ het alſo darin, ihn gleich in die erſte Saat nach der Braache oder Braachfrucht zu ſäen. Es iſt daher unbegreiflich, wie man hierauf nicht eher verfallen iſt, und gewöhnlich erſt zwey Kornernd⸗ ten vorweg nimmt. Die zweyte Kornerndte kann nie dem Vortheil des Klees gleich kommen; was aber die Hauptſache iſt, ſo wird das auf dem Klee folgende Getreide ſo ſehr viel beſſer ſeyn, wenn es in die reiche, dichte, reine Kleeſtoppel kommt, als in eine magere, verqueckete. Hier⸗ uͤber giebt Young folgende Berechnung: Gerſte — 533— Pf. Schill. Pence Gerſte des erſten Jahrs bringt 1 reinen Vortheil„2 10 0 Der Klee im 2ten Jahre 3 38 4½ Der Weißen in einer guten Klee⸗ 5 ſidppeß„ 1 Ruͤben, welche darauf folgen 1 0 0 In 4 Jahren 10 18 4½ Bey der gewöhnlichen fehlerhaf⸗ ten Behandlung. Gerſte des 1ſten Jahrs 2 10 5 Gerſte des 2ten Jahres, hoͤch⸗ ſtens die Hälfte 1 6 Der Klee im dritten Jahr 0 18 9 Der Weihßen, welcher allemahl im Verhältniß mit der Kleeſtop⸗ pel ſelt In 4 Jahren 5 16 Vortheil des erſten Umlaufs am Ende des ꝓten Jahrs 3 1 34 Allein dies iſt noch nicht alles. Mit jedem Jahre nimmt es zu; denn jede unſchickliche Saat verſchlimmert das Land, und bringt es endlich in einen ganz verwilderten Zuſtand. Dann legt man die ſchlechten Erndten dem unfruchtbaren Bo⸗ S e du kn be ab die in un i be w I Boden zur Laſt, der doch blos durch ſchlechte Wirthſchaft verdorben iſt, und nur allmaͤhlig durch eine gute wieder in Kraft geſetßt werden kann. Oder man ſchiebt es wohl gar auf den wohlthaͤtigen Kleebau, was man durch Unverſtand verſchuldet. Man ſieht freylich oft gute Kleefelder, die in die zweyte Saat geſaͤet worden. Da hat mau aber gewöhnlich mehr Miſt darauf verwandt, wie die Wirthſchaft ertragen kann; oder der Boden iſt von vorzuͤglicher Guͤte. Immer wuͤrden ſie in der erſten Saat noch viel beſſer gerathen ſeyn, und Verwilderung des Landes folgt doch darauf. Inwie fern iſt es vortheilhaft, den Klee zu beduͤngen? Young ſtellete zwey Verſuche mit einer gewal⸗ tigen Duͤngung an. Im Herbſte brachte er erſt verfaulten Miſt, im Fruͤhjahr Aſche, und dann noch Malzſtaub in großer Menge darauf. Die Koſten auf den Acre betru⸗ Pf. St. Schill. Pence gen im Durchſchnitt. 8 8 2 Der Werth des Ertrages. Alſo Verluſt„ o 1 8 Vier Vier Verſuche machte er mit gewoͤhnlicher Ueberduͤngung, die Koſten im Durchſchnitt Pf. St. Schill. Pence 1 Der Werth des Ertrages 55 15 3 Alſo der Vortheil„3 1 2 Bey der ſtarken Duͤngung war alſo Verluſt Er ließ dies Kleefeld aber auf ein zweytes Jahr lie⸗ gen; da beliefen ſich die Koſten— verſteht ſich, immer mit Einſchluß der Landpacht— auf„„ — Pf. St. Schill. Pence 1 9 5 ½ Der Werth des Ertrages. 7 3 o Vortheil. 6 Von den Feldern nach ge⸗ wöhnlicher Ueberduͤngung ließ er auch eins liegen; — dies koſtete im 2. Jahre. 5 15 o und gab Ertrag„4 o Vortheil. 3 o Der Durchſchnitt aller nicht geduͤngten Felder iſt in Anſehung der Koſten. 7 ½ des Ertrages. 3 9 9 Vortheil„ 1 1 ½ — 641— Unter leßtern ſind indeſſen manche vergleſchende Verſuche mit berechnet, die nicht auf die vor⸗ theilhafteſte Art angeſtellet waren. Indeſſen erhellet hieraus, daß eine ſtarke Duͤngunz, wenn ſie ſich gleich im erſten Jahre nicht bezahlt, ſich doch im zwehten deſto vortheil⸗ hafter beweiſe, und daß die Kraft des Duͤngers bis dahin, und vermuthlich noch viel laͤnger, an⸗ halte. Doch iſt die einfache Duͤngung nöch vor⸗ theilhafter. Aller Wahrſcheinlichkeit nach daurt die Wirkung einer ſo ſtarken Duͤngung aber noch auf folgende Erndten nach. Wo daher Duͤnger anzuſchaffen ſtehet, da be⸗ zahlt er ſich durch den höhern Klee⸗Ertrag ſehr gut. Ueber die Benuhung des Klees, 1. Zu Heu gemacht, 2. Den jweyten Wuchs zum Saamentragen, 3z. Zur Abhuͤtung mit Schweinen, 3 7 1 S 7 — ——— — 5— 4. Zur Abhuͤtung mit Rindvieh, Schaafen, Pferden, 1 ſtellte Young ſolgende Verſuche an: i Pf. St. Schill. Pence 4 Felder, zu Heu gemacht, koſteten der Acre im Durchſchnitt 1 18 2 gabenErtrag im Durchſchnitt²) 3 13 Pl Vortheil 1 3 Felder, von deren zweytem Schnitt Saamen aufgenommen wurde, koſteten der Acre 2 4 16 gaben Ertrag 44 II 3 Vortheil 2 9 43 4 Felder, mit Schweinen abgehuͤtet, koſteten der Acre im Durchſchnitt 1 9 93 trugen durch Maſtung ein 2 17 8 Wih 70 4 Felder *) Der Preis des Heues iſt nach ſeinen jedesmahli⸗ gen Werthe, im Durchſchnitt die Lon von 20 Centner zu 3 Schill. angenommen. Der Preis des Saamens iſt noch veraͤnderlicher: im Durch⸗ ſchnitt 1 Buſh 20 Schill. — ——„— 3) — Pf. St. Schill. Pence 4 Felder, mit Rindvieh, Schaafen undPferden abgehuͤtet, koſteten der Aere im Durchſchnitt 1 9 84 Strag n. 550) 1 12 3 3 Vortheil„1 2 64. Die Koſten don 1 ſind alſo 1 18 2 ½ I 10 ½ 6 9 9 ½ „iib.* 4 T 9 84 Woraus erhellet, daß die geringſte Ausgabe beh der Abhuͤtung, mehrere beym Heumachen, und die größte beym Saamen⸗erziehen iſt. Auch muß man bemerken, daß das Riſico, in Anſehung der Witterung, in eben der Gradation ſteige. Mit dem Ertrage und dem reinen Vortheile verhaͤlt es ſich aber grade umgekehrt. Saamen⸗ erzielung giebt den höchſten. Allein es ſind dabey mehrere Bedenklichkeiten. Denn erſtlich läuft man dabey große Gefahr von der Witterung. Zwey⸗ tens jſt der Alſaß und der Preis des Saamens ſo ungewiß; er faͤllt oft ſchnell auf ₰ herab, aus unzuberechnenden Urſachen; drittens ſchließt er eine gute Korn⸗erndte in der Stoppel aus, und erſordert eine geduͤngte Braachfrucht, wenn der Acker nicht leiden ſoll. Die — Die Benutzung mit Schweinen fand Young um ein Merkliches vortheilhafter, als mit anderm Vieh, und empfiehlt ſie ſehr. Die Schweine vet ließen das Kleefeld nicht, und wuͤhlten, ſo lange Klee genug darauf war, faſt gar nicht. r empfiehlt ſie ſehr. Young kannte aber damahls die grüne Ab⸗ futterung auf dem Hofe noch gar nicht. In ſei⸗ nen nachmahligen Schriften giebt er dieſer aller⸗ dings den Vorzug. 154 1l Man hatte in England auch das Ausſäen des Klees ohne Korn empfohlen. Es ſollte aber, wegen des ſonſt uͤberbandnehmenden Unkrauts, erſt im Nachſommer geſchehen, und bis dahin das Land oft gepfluͤgt und ſorgfaͤltig bereitet werden⸗ Young hatte großes Zutrauen zu dieſer Merbode, fand aber, nach Anſtellung mehrcrer Verſuche in drey verſchiedenen Jahren, daß die einzelnen Kleepflanzen zwar ſchoͤn und ſtack, allein nicht dicht genug ſtanden, und daß der Ertrag eines Acres an Heu geringer war, als der von einem, auf die gewöhnliche Art beſtelleten. Ueberdas aber — 566— aber machten die großeren Koſten und der Ver⸗ luſt einer Kornerndte dieſe Methode ſo unvor⸗ theilbaft, daß er jeden Landwirth warnet, ſich durch die Anpreiſungen derſelben, in verſchiedenen Landwirthſchaftsbuͤchern, ja nicht verleiten zu laſſen. Ueber die unvermiſchte Ausſaat im Fruͤh⸗ jahre finde ich gar nichts bey Young und in anderen klaſſiſchen Werken der Englaͤnder. Sie iſt nirgends als in reinem reyolten Gartenboden anwendbar; auf Feldlande wuͤrde man mur eine reiche Unkrautsſaat, mit etwas Klee vermiſcht, davon zu erwarten haben. houng fand allenthalben die groͤßten Wi⸗ derſpruͤche in Anſehung der Quantität des Klee⸗ ſnamens, welcher auf einen Acre geböre. Ei⸗ nige praetiſche Landwirthe behaupteten, man koͤnne nicht zuviel ausſäen, und 20 Pfund muͤſſe man allemahl auf einem Acre anwenden. Andre hiel⸗ ten 12 Pfund fuͤr hinreichend. Viele Schrifiſtel⸗ ler verſicherten dagegen, 4 bis 5 Pfund ſey hin⸗ läͤnglich; mehreres ſey nicht allein weggeworfen, ſondern dem Ertrage ſchaͤdlich⸗ 3, Mm Die Die Verſuche, welche Young in den, dem Experimentiren ganz gewidmeten, 5 merkwuͤrdigen Jahren hieruͤber anſtellete, ſind ſo vorzuglich rein, genau und inſtructiv, daß es mir wahre Ueber⸗ windung koſtet, ſie nicht ganz bierher zu ſetzen. Ein Verſuch leitete ihn auf den andern, um die Urſachen eines unerwarteten Erfolgs deutlicher ins ticht zu ſtellen. Sie wurden freilich nur im Fleinen angeſtellt: ein Feld in 10 oder 15 glei⸗ che Theile getheilet, deren Verhaͤltniſſe zu einem Acre beſtimmt waren. Jeder Theil ward nun in dem Verhaͤltniſſe von 2½ bis zu 40 Pfund Saa⸗ men auf dem Acre beſaͤet, und der Heuertrag ebenfalls nach dem Verhaͤltniſſe zum Aere berechnet. Im Jahre vor der Ausſaat war es Braache, Rä⸗ ben⸗ Kartoffeln- oder Kohlfeld geweſen. Die Ausſaat geſchabe immer unter Gerſte. Meun ſol⸗ cher Verſuche werden beſchrieben. Ich kann nur die Reſultate im Durchſchnitt geben, wenn ich nicht alles uͤberſetzen will⸗ 7. Ein merkwuͤrdiger Umterſchied fand ſich auf dem ſtark geduͤngten und ungeduͤngten Boden. oi — — ——— 1 g Pfund S S Erſt alſo der Durchſchnitt vom Unge⸗ duͤngten. Saamen auf dem Acre, gä⸗ ben in den meiſten Verſuchen gar keinen, ſonſt * 5 Pfund Saamen auf den Acre, ga 62 10 12 ½ 15 17½ 20 22 ½ 25 27½ 30 32 ½ 3 N NXN N vXXNX„ NvVNXvNvNNN 3 N WNwwNN% w * v *XNNNvNX* * *N*XMXNXX Vom Geduͤngten: 2½ Saamen auf den Acre, gaben 7 ½ LO 12½ 15 17 ½ 20 22 ½ 25 27 30 32½ 35 40 im Durchſchnitt 5 Pfund Saamen auf dem Acre S4 * v NNMNuMvXXvNvN W vN N vw vuNNNXN 7 v NuNNXXXXX„ . 5 NNMuNNNMNNN * * N MvuvNuNNNNN Mm 2 — v en vvXNv XNXXNXN v N MW vMNWvMXN Heu a erſten Schnitt. Pon Cent. Quart. — n n e0 Heu aufdem erſten Schnitt. Ton Ceht. Quarte 0 T 1 T T 2 2 T T T T I T T 1 15 16 2 8 12 16 16 10 6 9 5 — 0 11† 1 f dem 2 — O O b So n b 0O 0O 0O 0 0 0 O 0O 0O G b bN0O 0O 0O b b 0 0 — 5 Young ſabhe ſich beym Fortgange dieſer BVerſuche oft genoͤthiget, ſeine Meinung zu ändern, wie man aus den Betrachtungen, die er gleich nach jedem Verſuche anſtellete und niederſchrieb, ſiehet. Ueberzeugt von der Richtigkeit der, auf Theorie und auf die Anzahl der Koͤrner in ei⸗ nem Pfunde, gegruͤndeten Meinung von der Zu⸗ länglichkeit einer ſehr geringen Quantitaͤt, ſchien ſichs bey den erſten Verſuchen zu ergeben, daß man, nicht auf die Koſten des Saamens, ſon⸗ dern blos auf den Ertrag Ruͤckſicht genommen, gar nicht zu weit mit der Einſaat gehen könne. Das Gegentheil zeigte ſich dennoch in der Folge. Das Feld ſahe zwar bey den groͤßten Quantitä⸗ ten wie ein geſchorner Sammt aus; allein der Klee bekam im Wachsthume einen Stoß, und hob ſich nicht ſo gut. Je ſtärker das Feld ge⸗ duͤnget war, deſto auffallender war dies. Auf den ungeduͤngten Feldern bleibt der Vortheil einer ſtärkeren Ausſaat bey 17 ½ Pfund ſtehen, und fällt merklich ab bey 25 Pfund. Auf den ſtark geduͤngten ſteht er am höchſten bey 15 Pfund, und fällt ſchon bey 17 ½ Pfund. Dieſe Ausſaat iſt alſo merklich ſtärker, wie ſie in Deutſchland uͤblich iſt, wo man gewoͤhnlich 8 Pfund auf den Morgen fuͤr hinlaͤnglich bält. Nach d d 1 d. l. ch Nach dieſen Verſuchen gehören auf einen Mor⸗ gen, der nur zur Braachfrucht geduͤnget worden, ohngefahr 12 Pfund, und auf einen zur Gerſte nochmals geduͤngten, 10 Pfund. Beyſpiele, wo der Klee unter Winterkorn im Fruͤhjahre ausgeſaͤet worden, finde ich bey den Engländern wenig. Dies wird in manchen Gegenden Deutſchlands immer gebraͤuchlicher, und man giebt dieſer Art einen entſchiedenen Vorzug. Es ruͤhrt dies aber ohne Zweifel da⸗ ber, daß man das Winterkorn in die Braache ſäet, wogegen die Englaͤnder auf Braachfruͤchte faſt immer Gerſte folgen laſſen. Es iſt alſo nicht die Art des Getraides, ſondern die vor⸗ bergegangene Braache und Reinigung des kandes, welche dem Klee ſo vortheilhaft iſt. Alle Englaͤnder ſind darin einſtimmig, daß reine Kleeſtoppel, mit einer Furche umgebro⸗ chen, die beſte Mutter(Matris) des Weitzens ſey, . 3 „ 7 ſey, ja daß ſelbſt ſolches Land, was ohne Klee keinen Weitzen tragen Bre nach ſelbigem gute Erndten gebe. Iſt das Land rein, wenn Klee hineingeſaͤet wird, 0, ſo vird ſo wenig Zuckerrohr, wie Quecken, darauf wich⸗ ſen. Hat man aber mreinen Klee gebauet, faͤhrt er fort, ſo giebt es keine elendere, keine verderb⸗ lichere Wirthſchaft. Will man durchaus Kom darauf bauen, ſo iſt Hafer noch am beſten; eigen⸗ lich verlangt aber ein unreines Fleefeld eine Braachftucht. Welcher aufmerkſame deutſche Wirth hat nicht daſſelbe beobachtet, und wie wenig macht man Anfaͤnger darauf aufmerkſam! Mit Sicherheit, ſagen jetzt alle Englaͤnder, duͤrfe man auf Flee nur ein Jahr rechnen. Un⸗ ter guͤnſtigen Umſtänden halte er ſich zuweilen im zweiten Jahre recht gut; es 1 aber ein Zufall. Wer ein Kleefeld auf mehrere Jahre liegen laſſen will, muß Saamen von S Graͤſern und an⸗ dre Kleearten mit ausſaͤen, ſonſt erhaͤlt er leicht eine Erndte von Unkraͤutern. Die 5) Vorkshire, T. II. pag. 83. — ——. 5— — F Die Bemerkung, daß der Acker des Klee⸗ tragens muͤde werde, beſonders wenn er alle 4 Jahre wiederkommt, hat man vorzuͤglich in Nor⸗ folk, aber auch auf ſchwererm Boden, gemacht. Die Kleepflanzen ſteben im Frübjahre ſehr friſch und ſark; gehen aber aus, wenn ſie ſich recht be⸗ ſtaudin ſollen. In den Schriften der Bath⸗ Socität ward dieſes an mebreren Orten einem Wume zugeſchrieben, der dem Klee eigenthuͤmlich ſey und ſich in dem Boden, der oft Klee trägt, erzuge. Einige glauben ſogar, er werde den andern Fruͤchten nachtheilig, wenn er keinen Klee finde; andre laͤugnen dies. Eine characteriſtiſche Beſchreibung dieſes Wurms finde ich nicht. Daß die in England vormahls ſo haͤufige Methode, den Klee abzuhuͤten, nicht vortheilhaft ſey, braucht man deutſchen Wirthen nicht zu ſagen⸗ Die aufgeklaͤrteren Engländer ſind jetzt aber auch vollkommen davon uͤberzeugt, und ſie kommt im⸗ mer mehr ab. Es iſt ſogar unter ihnen jetzt ausgemacht, was vormabls ſehr zweifelhaft ſchien, daß auf ſchwerem Boden der darauf folgende Wei⸗ zen, nach zweymahligem Maͤhen, beſſer gerathe, als nach dem Abhuͤten. Den dichten Schatten und die darun⸗ — 55— darunter entſtehende Gährung findet man fuͤr den Boden viel vortheilhafter, als den Duͤnger, wel⸗ chen das Weidevieh darauf fallen läßt. Nur auf dem Norfolker leichten Boden findet min das Abweichen eines Wuchſes noch zuträglicher. Es geboͤrt daſelbſt aber auch zum Ganzen ihrer Wirthſchaft. Dies iſt das Ausgezeichnete, was ich bey den Englaͤndern uͤber den Klee finde. Andre ſat⸗ ſam bekannte Momente bey deſſen Bau uͤter⸗ gebe ich. Zwanzigſtes Capitel. Luͤcerne. Esparcette. Futter⸗ kraͤuter und Gräſer. Lereene⸗ dies durch ſeinen uralten Ruhm in der Landwirthſchaft ſchon ehrwuͤrdige Futtergewaͤchs, hat in den neueſten Zeiten erſt, aber deſto leb⸗ bafter, die Aufmerkſamkeit aller nordiſchen Oeco⸗ nomen auf ſich gezogen. Es war in Griechen⸗ land bekannt, und machte einen Hauptzweig des roͤmiſchen Ackerbaues aus. Seine Kenntniß er⸗ bielt ſich bey den Einfaͤllen der Barbaren, ver⸗ muth⸗ — 654— nuthlich nicht durch Schriften,„ſondern durch Ueberlieferung vom Vater auf Sohn. Es ge⸗ boͤrt daher die Medica der Römer zu den we⸗ nigen Pflanzen der Alten, die wir noch mit Gewißbeit kennen. Im ſuͤdlichen Frankreiche hat ſich der Anbau dieſes Gewächſes, von der Roͤmer Zeiten ber, ununterbrochen erhalten. Zu Columellas Zeiten ward es viel in Spanien ge⸗ bauet, wo es ſich aber nachher ſcheint verloh⸗ ren zu haben. In Deutſchland haben, meines Wiſſens, zuerſt der Freyberr von Hohenthal und der vortreffliche Reichard den Anbau dieſes Ge⸗ wächſes aus eigener Erfabrung beſchrieben und geruͤhmt. In England war Tull der erſte, welcher Verſuche damit machte und es dringend empfahl. Ratuͤrlicherweiſe bauete er es nicht an⸗ ders, als in Reihen mit weiten Zwiſchenraͤumen. n daher auch keine andre Kul⸗ 4 Lange Zeit hielt ma tur in England fuͤr möglich, bis Mr. Rocgues erſchien, und verſicherte, man koͤnne ſie eben ſo, wie den rothen Klee, breitwuͤrfig ausſaͤen, und dies ſey die gewohnliche Methode in Frankreich. Die Vertheidiger beyder Metboden ſtritten ſich noch lebhaft uͤber den Vorzug, als Mr. Harte auftrat und behauptete, die einzige ſichere und e ori⸗ vorzug⸗ vorzuͤgliche Art ſey die, die Pflanzen auf einem Saamenbeete zu erziehen und dann auf drey Fuß und etliche Zoll, eine von der andern, in Rei⸗ ben zu ſehen. Die breitwuͤrfige Ausſaat iſt in Deutſchland faſt allein uͤblich. In England vereinigen ſich aber jetzt alle Stimmen, daß es die unſicherſte und unvortheilhafteſte Art fuͤr ein vieljaͤhriges tcerne:Feld ſey, und ſelbſt die alten Vertheidi⸗ ger dieſer Methode kommen ganz davon zuruͤck. Unkraut, beſonders Quecken, ſind ein zu uͤber⸗ maͤchtiger Feind fuͤr dieſes Gewaͤchs, als daß es ihm widerſtehen koͤnnte. Es will durchaus einen reinen und beſtaͤndig gelockerten Boden haben; ſonſt gehet ein großer Theil der Pflanzen bald aus, und es bleibt nach wenigen Jahren nichts, als ein ſchlechtes Grasfeld mit einzelnen Luͤcern⸗ Stauden; viel zu uneintraͤglich fuͤr die Koſten, die Geduld und den Boden, welche es erfordert. Wenn hingegen das Feld immer rein und locker erhalten wird, ſo breiten ſich die einzelnen Stau⸗ den und Reihen von Jahr zu Jahren auf eine erſtaunliche Weiſe aus, ſo daß zuletzt ein ganz dichter Buſch daraus wird, und auch kein Halm von anderem Graſe ſich darnnter zeiget. Zu — 556— Zu einem ſolchen, alles andere üͤbertreffenden Futterfelde gehören aber Geduld, Aufmerkſamkeit und ein anſehnlicher Vorſchuß bis ins 3te und 4te Jahr. Erſt dann faͤngt es an, die aufge⸗ wandten Koſten zu bezahlen. Es gehoͤrt mehr Arbeit und Geduld dazu, wie zum Spargelfelde. Ein breitwuͤrfig geſaetes Luͤcernen-Feld giebt dage⸗ gen ſchon einigen Ertrag im erſten Jahre, eini⸗ gen reinen Gewinn im zwehten, und mehrern im dritten; dann aber faͤngt es wieder an abzuneh⸗ men, und bald muß man die kuͤcernenſtauden dar⸗ auf ſuchen. Ueber den Boden, den dieſe Pflanze erfor⸗ dert, hat man viel raiſonniret. Weil ſie mit ihren Wurzeln mehrere Ellen tief eindringt, ſo hat man geſagt, der Boden muͤſſe bis zu dieſer Tiefe ganz gleichartig und gelockert ſeyn, duͤrfe bis dahin keine Naͤſſe und keine Quellen haben. Dies iſt aber ubertrieben. Sie waͤchſt ſehr gut auf Boden, der eine fußtiefe Krume, darunter aber die harteſten Thon“ oder Mergelſchichte, hat. Sie wächſt auf lebmigem Sande und Kies, und einige Feuchtigkeit, die nur Abzug hat, iſt ibr nicht zuwider. Oft dringt ſie mit ihren Pfahl⸗ wurzeln harte Erdſchichten durch; ſtockt ſie aber darauf, ſo ſchlaͤgt ſie deſto mehr Wurzeln ſeit⸗ waͤrts. waͤrts. Ihre Hauptnahrung zieht ſie doch aus der Oberflaͤche, ſonſt waͤre die Wirkung des Ueberdingens nicht ſo groß auf ſie. Der Vorzug, den das Verpflanzen wuͤrklich hat, beruhet ſogar, nach der Meinung Einiger, auf das Abſtutzen der Pfahlwurzeln. Der Acker, den man zum kuͤcernebau be⸗ ſtimmet, muß im vorigen Jahre gebraachet oder mit einer behackten und ſorgfaͤltig gereinigten Brach⸗ frucht beſtellet geweſen ſeyhn. Der Duͤnger wird vor Winter aufgebracht und untergepfluͤget. Im Fruͤbjahre muß das Land etlichemahle fleißig ge⸗ ruͤhret werden. Zu Ende des Aprils pflegt man gewoͤhnlich zu ſaͤen. Bey der breitwuͤrfigen Saat haben wohl einige die Luͤcerne, eben wie Klee, unter Gerſte aus⸗ geſäet. Es iſt aber gewiß ein beſonderer Gluͤcksfall, wenn hieraus ein reinliches und egales Feld erfolgt. Gewöhnlich wird ſie allein ausgeſaͤet, und dann gleich nach dem Auflaufen gejaͤtet, und dies nach 3 Wochen wiederholet. Wenn ſie im Rachſom⸗ mer zum Abmaͤhen hoch genug iſt, ſo wird gleich nach demſelben das Jäaͤten und Behacken wieder⸗ bolet. Will man ſie unter einer andern Frucht, um den jungen Pflanzen Schatten zu geben und dem — 8 8 — dem Ueberhandnehmen des Unkrauts, ohne ſo vie⸗ les Jaͤten, zuvorzukommen, ſaͤen: ſo ſchicken ſich Erbſen an beſten dazu. Sie muͤſſen aber in der Bluͤthe, und ehe ſie ſich legen, gruͤn abge⸗ futtert werden; ſonſt wuͤrden ſie die jungen Lüeernpflanzen ſaͤmmtlich erſticken. Dieſe Me⸗ thode habe ich einmahl verſucht, und die Luͤcerne ſtand nach dem Abmäben der Erbſen ſehr friſch und ziemlich rein. Bald nachher mußte ich ſie aber jaͤten laſſen. Im Herbſt oder Fruͤbjahr muß man aber⸗ mahls eine gute Duͤngung nicht ſparen. Denn alles kommt darauf an, daß die Pflanzen ſich ſchnell ſtark beſtauden, ebe Quecken und andre fortrankende Unkraͤuter Fuß faſſen koͤnnen. Dann reißt man das Feld mit ſchweren eiſernen krumzin⸗ kigen Eggen, ſo viel möglich, auf. Der kücerne ſchadet man dadurch nicht. Auch braucht man wohl eine ſtarke Stachelwalze dazu. Wenn die Luͤcerne treibt, ſo uͤbergeht man ſie mit Hacken, und ſucht ſie ſo viel wie möglich zu reinigen⸗ Nach jedesmahligem Abmaͤben wird dies wiederho⸗ let. Wenn gleich dies 2te Jahr, in vier Schnit⸗ ten, eine gute Erndte giebt, ſo darf man doch nicht erwarten, ſeine Koſten wieder bezahlt zu er⸗ halten. Im dritten Jahre hingegen erfolgt dies, und und in dieſem ſtehet breitwuͤrfig geſaete Luͤcerne ge⸗ meiniglich am beſten. Im 4ten Jahre nimmt ſie ſchon wieder ab. Wenn gleich einige Pflanzen ſich ſtaͤrker beſtauden, ſo werden doch andre ver⸗ draͤngt. Der Boden wird, alles Aufkratzens mit der Eoge und andern Werkzeugen ohnerachtet, mit Graͤſern und Kraͤutern uͤberzogen, die der Lu⸗ cerne die Nahrung wegſaugen, und ſie auf man⸗ chen Flecken uͤberwaͤltigen. Das Feld wird da⸗ ber mit jedem Jahre leerer und ungleicher; ſo daß ein aufmerkſamer Wirth ſich gewoͤhnlich be⸗ wogen findet, es im Ften oder 6ten Jahre um⸗ zubrechen. Wenn ihm dieſes Feld dann gleich einige Jabre einen ſehr guten Ertrag geliefert und die Bewunderung aller Neugierigen auf ſich gezogen bat, ſo wird er doch bey einer ange⸗ ſtelten genauen Vergleichung des Ertrages und der Koſten finden, daß jener dieſe zwar vielleicht uͤberwiege, daß demohngeachtet aber das Feld, erſt mit rothem Klee und hernach mit anderen Fruͤchten beſtellt, ſich weit hoͤher wuͤrde verzin⸗ ſet haben. Ich pflichte alſo auch darin, und zwar nach eigener Erfahrung, dem vortreffiichen Bergen bey, daß die Lücerne, auf die bey uns gewoͤhnliche Art cultivirt, die großen Lob⸗ ſpruͤche nicht verdiene, die ihr von manchen bey⸗ gelegt werden, und daß ſie ſo dem rothen Klee weit nachſtehe. Ueber⸗ Ueber die Drillcultur der Luͤcerne habe ich keine eigene Erfahrung. Die ganze Einrichtung meiner Wirthſchaft erfosdert einen ſchnellen Wech⸗ ſel der Felder. Auch habe ich ſie bey meinen Freunden nicht geſehen. Indeſſen kann ich, nach den bewaͤhrteſten Zeugniſſen der Englaͤnder, jedem dazu rathen, der erſt nach 3 Jahren ſeine an⸗ gewandten Koſten und Muͤhe bezahlt haben, dann aber auch, ohne viele Umſtände, 10 und mehrere Jahre reichlich von einem Felde ernd⸗ ten will. Man hat ſie, nachdem das Land ſorgfaͤl⸗ tig vorbereitet worden, in Reihen von 1, 2 bis 3 Fuß Entfernung geſäet. Die erſtere Art wird dann mit der gewohnlichen Kornpferdehacke nach jedesmahligem Abmäben beatbeitet. Bey der 2ten braucht man die Kartoffelhocke, oder einen Pflug mit doppeltem Streichbrete; bey der pritten aber einen ordentlichen leichten Pflug, womit man einmahl von den Pflauzen ab⸗, und zum zweytenmahle wieder anpflugt. Bey allen braucht man nach etlichen Tagen die Egge in die Queer. Bey der erſten Art bat man ſchon im zwey⸗ ten Jahre einen anſehnlichen Ertrag, einen groͤſ ſern ſern, wie vom breitwuͤrfigen. Dagegen hält ſich ein ſolches Feld auch nicht viele Jahre. So wie die Pflanzen ſich ausbreiten, erſticken ſie ſich eine die andre, und finden nicht Rahrung genug ſo dicht neben einander. Je weiter hin⸗ gegen die Zwiſchenraͤume ſind, deſto laͤnger dauert es, ehe man etwas erhebliches erhaͤlt, und deſto groͤßer ſind die Koſten. Wenn ober die Pflan⸗ zen erſi in dem ſo trefflich gelockerten, gereinig⸗ ten und zwiſchendurch geduͤngten Boden, recht in Zug gekommen ſind, und ſich ſo beſtauden, daß ſie durch den Pflug ſelbſt nicht mehr zu⸗ ruͤckgehalten werden koͤnnen, in einander zu lau⸗ fen, ſo kommt nichts der Dichtigkeit, der Dauer und dem Ertrage eines ſolchen Feldes gleich. Numnehr wird es blos noch ſcharf geegget und zuweilen geduͤnget, und giebt, nach manchen Be⸗ rechnungen, der Acre jaͤhrlich einen reinen Er⸗ trag von 8 bis 10 Pf. Sterl. Ein um das andre Jahr rathen doch viele, noch einen Pflug mit Gewalt durch die Reihen hindurch zu treiben. Die Methode, welche Harte, ein von Young ſehr geſchatzter Schriftſteller, nach Chateauvieux empfohlen, wird von vielen noch neuerlich geruͤhmt, ſcheint aber doch andern zu umſtaͤndlich zu ſeyn. Es wird vollig gärt⸗ nermaͤßig mit den Pflanzen verfahren. Harte Nn rätj 562— räth einjährige Pflanzen; doch hat man auch mit ſehr gutem Erfolge zwey⸗ und dreyjährige genommen. Die Pflanzung kann im Herbſte oder Fruͤhjahre geſchehn. Es werden Loͤcher in der Länge zwey Fuß und in der Breite drey Fuß auseinander gemacht und in jedes eine Schaufel verfaulten Miſts gelegt. Nachdem die Pflanzen. herausgenommen, an Wurzeln und Kraut be⸗ ſchnitten worden, wird in jedes Loch eine Pflanze geſetzt, angetreten und angegoſſen. Die Zwiſchen⸗ räume werden dann die erſten Jahre durch Pferde⸗ und Handhacke fleißig bearbeitet. So widerſinnig mir dieſe Methode vorkam, als ich ſie zum erſtenmahle in Millers Gaͤrtnerlexi⸗ con las, und noch keine vollig ausgewachſene Luͤcernſtaude geſehen hatte; ſo aufmerkſam ward ich darauf, als ich einmahl auf einer Blumen⸗ Rabatte eine Luͤcernſtaude antraf, die nach einer fluͤchtigen Zählung, 180 Schüſſe, mehrentheils 6 Fuß hoch, aus einer Wurzel getrieben hatte, deren Krone wenigſtens anderthalb Fuß im Durch⸗ meſſer hatte. Pflanzen, wie dieſe, hätten auf 3 Fuß keinen Raum gehabt, und noch in einer Entfernung von 6 Fuß ein undurchdringliches Gebuͤſche gebildet. Ich habe ſeltdem nicht daran gezweifelt, daß dieſe Art von Luͤcernbau nach 5 oder 65 Jahren — —— —— — 3 Jahren einen gewaltigen Ertrag geben muͤſſe. In den erſten drey Jahren aber erfordert ſie ei⸗ nen anſehnlichen Zuſchuß, und ein Acre koſtet, bis er voͤllig in Stand kommt, uͤber 10 Pf. St. Nachmahls trägt er jjͤhrlich faſt ſo viel ein, und man haͤlt ein ſolches Feld bey einiger Auf⸗ merkſamkeit fuͤr unvergänglich. Wem daran gelegen iſt, ein Futterfeld von moͤglich hoͤchſtem Ertrage nahe beym Hauſe zu haben, dem ließe ſich wohl nichts vollkomm⸗ ners, als eine ſolche Luͤcerne⸗Anlage, rathen. Esparcette. Wenn die Luͤcerne das vorzüglichſte Futter⸗ kraut fuͤr angeſtrengte Cultur, und nahe bey der Wohnung iſt; ſo giebt es kein nuͤßzlicheres, wie die Esparcette, um es auf abgelegenen, rauhen, ber⸗ gigten Pläßen zu bauen. Seine Cultur iſt hoͤchſt einfach, erfordert geringe Koſten und Wartung, und es kommt in jeder, auch noch ſo flachen, Erdkrume fort, wenn es nur unter derſelben Kalk antrift. Dies iſt eine ummgaͤngliche Be⸗ dingung, wenn es fortdauren und zu erhebli⸗ chem Ertrage kommen ſoll. Daher die verſchie⸗ Nn2 denen 564— denen Meinungen uͤber den fuͤr die Esparcette tauglichen Boden. So lange man blos auf die Oberfläche ſah, behauptete der eine, ſie komme auf dem allerduͤrreſten, magerſten Boben fort; der andre verſicherte, es werde ohne guten Bo⸗ den nichts daraus. Beyde beriefen ſich auf Er⸗ fahrung, und keiner konnte den andern uͤberzeugen, weil man nicht darauf dachte, zu unterſuchen, was in der Tiefe lag. Riemand hat dies genauer unterſucht und mehr auſſer allen Zweifel geſeßt, wie der vor⸗ trefliche Beobachter Marſhall. ²) „Der Diſtrict, wo ich mich jeßt aufhalte, ſagt er, iſt vorzüglich geſchickt, eine genaue Un⸗ terſuchung uͤber die Esparcette anzuſtellen. Auf einigen Plätzen wird ſie mit dem großten Vor⸗ theile gebauet; auf andern hat man ſie oft, aber immer vergeblich verſucht.“ „Die ſchoͤnſte Esparrette, die ich geſehen habe, wächſt in der unmittelbaren Nachbarſchaft von Malton. Man hat 60 Centner Heu vom Acre geerndtet. Die Oberfläche beſtehet aus einem trocknem *) Vorkshire, T. II. p. 97. e is . lei ſe ſo z — W N— — 565— trocknem kalkigtem Leim, zehn bis zwanzig Zoll tief; darunter ein mergel⸗artiger Schutt von 2 bis 3 Fuß Tiefe auf einem Felſen von weichem Kalkſtein. Hundert Gran der oberen Krume enthalten 25 Gran, und hundert Gran der Un⸗ terlage 39 Gran Kalk.“ „Beh Brompton waͤchſt auch gute Es⸗ parcette, die aber keineswegs der bey Malton gleich kommt. Die obere Krume iſt ein leichter Leim, deſſen 100 Theile 3 Theile Kalk enthalten. Der Untergrund iſt ein kalkiger Leim und hat 1e Theile Kalk. Der Felſen beſteht aus Roth⸗ ſtein, der mit kalkigten Koͤrnern untermiſcht iſt, ſo daß er 13% Theile Kalk enthaͤlt. Er iſt poros genug, um die Wurzelfaſern einzulaſſen.“ „In der Rachbarſchaft von Pikering hat man die Esparcette oft genug verſucht, aber nie mit einigem Erfolge. Die Pflanzen kamen gut hervor, aber gaben nie eine Erndte, und ver⸗ ſchwanden in kurzer Zeit.“ „Ich unterſuchte ein Felb, wo von meinem Vater, vor§o oder 60 Jahren, Esparcette geſaͤet war, und fand auf einer beſondern Stelle noch einige Pflanzen am Leben. Um die Natur des Bodens zu erforſchen, der dieſen einzelnen Pflanzen Pflanzen ein ſo langes Leben erhalten hatte, ließ ich bey zwey Pflanzen, die erliche Zoll weit von einander ſtanden, eingraben. Die eine war vollig geſund, obgleich nicht uͤppig; die andre war im Abnehmen und voben ſchon halb erſtorben. Die Wurzeln gingen grade und parallel nebeneinander herunter, und warfen nur einige duͤnne Seitenfaſern aus. In der Oberflaͤche waren ſie von den Wurzeln der Pimpinell begleitet, aber keine von dieſen ging uͤber 2 Fuß tief. In einer Tiefe von 3 Fuß war die Wurzel der abſterbenden Pflanze abgefault, hatte alſo nichts, wie die Seitenfaſern, zu ihrer Erhaltung. Vier Fuß tief erreichte die geſunde Pflanze den Felſen, oder vielmehr die loſen Steine auf dem Felſen. Ich konnte deutlich den Nahrungskreiſen dieſer Pflanze nachſpühren. Die Pfahlwurzel ging ſpitzzulaufend von oben bis unten, mit klei⸗ nen auslaufenden Haarwurzeln an der Seite. Auf zwey Fuß Tiefe warf ſie einige fadenartige Wurzeln in eine dunne Lage von gelblichem Klay, und auf drey ein halb Fuß Tiefe aͤhnliche Zweige in eine ahnliche Lage. Auf vier Fuß Tiefe theilte ſich die Hauptwurzel in horizontal⸗auslau⸗ fende Zweige, die auf einen Stein in eine Lage von noch fahlerem Klay, drey bis vier Zoll dick, ſich ausbreiteten; ein Beweis, daß ſie hier eine Erdart —,——— S——— Erdart antrafen, die ihrer Natur angemeſſen war⸗ Rur ein Wuͤrzelchen ſuchte tiefer zu dringen.“ „Bey der Unterſuchung des Bodens fand ich, daß blos dieſe Lagen von Klay etwas Kalk⸗ artiges hatten, die oberſte 7„ die mitlere 234 und 100 100 die unterſte 1% Kalk. Im uͤbrigem Boden fand ich keine Spur vom kalkigten.“ „Aus allem dieſem zuſammengenommen, und aus jedem beſonders, erhellet, daß die Esparcette allein den kalkigten Boden liebt. Und wir können mit Gewißheit annehmen, daß ſie nirgends ge⸗ deihen werde, als wo ſie ſolchen antrift.“ „Es iſt daher thorigt, Saamen, Arbeit und den Ertrag von einigen Jahren zu verſchleu⸗ dern, wenn man in wenigen Tagen, oder wenigen Stunden ſich uͤberzeugen kann, ob ein Boden fuͤr die Esparcette tauglich ſey oder nicht.“ Der große Vorzug der Esparcette, woburch ſie ſich von jedem anderem Gewächſe unterſcheibet, beſteht darin, daß ſie ihre Nahrung unterhalb der Fläͤche der gewohnlichen Vegetation hauptſaͤchlich ſuchet; dadurch vegetabiliſche Materie an die Ober⸗ fläche bringt, welche ſonſt in Ewigkeit unbenußt in in der Tiefe gelegen haͤtte, und den Landwirth mit Schaͤtzen bereichert, die ohne ihren Behſtand nie heraufgeholt waͤren. Indem er juaͤhrlich eine Erndte des nahrhafteſten Futters erhaͤlt, wird ſein Boden keineswegs erſchoͤpft, ſondern verſtaͤrkt vielmehr ſeine Kraft zu kuͤnftigen Saaten, und liefert indeſſen aus zwanzig bis dreißig Esparcette⸗ Erndten eine Maſſe von Duͤnger, der aus den Eingeweiden der Erde heraufgeholt worden. Zu Malton hat man Wurzeln dieſes Gewaͤchſes bis zu 14 Fuß Tiefe nachgegraben. Zur Benußung kalkigter Berge iſt dieſe Pflanze alſo ein unſchaͤtbares Geſchenk, welches die Vorſehung dem Landwirthe gegeben hat. Aber der handelt thörigt, der dieſe Pflanze da treiben will, wo ſie ihrer Ratur nach nicht hingehoͤrt. Keine Kunſt, kein Duͤnger kann die natuͤrliche Unſchicklichkeit des Bodens erſetzen. Der Schu⸗ bartianer, der mein erſter Lehrer in der Land⸗ wirthſchaft war, wollte ſie mit Gewalt an einem ſandigen Huͤgel erziehen, und hatte ſeinen Kopf, gegen einen andern, darauf verwettet. Mein Beutel muſte die Wette bezahlen. Es ward drey Fuß rief rigolet, Duͤnger, Teichſchlamm und fetter Lehm ſchichtweiſe hineingebracht. Die Es⸗ parcette wuchs im erſtem Jahre vortrefflich, im ʒweitem kuͤmmerte ſie, im drittem war keine Pflanze weiter — — 569— weiter zu finden, und wir hatten das reichſte Duek⸗ kenbeet, was man ſehen konnte. Ich finde noch immer Landwirthe, die durch die unbeſtimmte Verſicherung, daß Esparcette mit dem ſchlechteſten Boden vorlieb nehme, verführt, ihren Bau in ſolchen Diſtricten verſuchen wollen, wo es durchaus keinen Kalk giebt. Es geht kein Jahr hin, wo unſte Landwirthſchafts⸗Geſellſchaft von ſolchen Leuten nicht um Saamen angeſprochen wird. Ihnen zur Warnung ſtelle ich mein Bey⸗ ſpiel auf. Der Ban der Espareette iſt bekannt. Das Land muß durch Brache oder Brachfruͤchte voll⸗ kommen gereinigt ſeyn. Man ſuͤet ſie unter Som⸗ merkorn, oder allein. Sehr wohlthaͤtig iſt es, ſie alle Fruͤhjahre und Herbſte tuͤchtig mit einer ſchweren, eingreifenden Egge zu verarbeiten, ſo daß das Land einer Brache aͤhnlich ſehe. Da⸗ durch zerſtoͤhret man das Unkraut, ohne der Es⸗ parcette im geringſten zu ſchaden. Das Burnet, Welſche Pimpinelle! Afterblutkraut machte beſonders vor 350 Jahren in England vlel Aufſehen. Bey genauerer Unterſuchung entſprach es es den großen Erwartungen nicht, die man ſich davon machte, und viele verwarfen es ganz. In⸗ deſſen iſt es, als fruͤhe Schaafweide, bei mancher engliſchen Wirthſchaft nicht zu verachten. Es bleibt oft den ganzen Winter hindurch gruͤn, wenn es gleich nicht waͤchſet. Im Mäͤrz fängt es an zu treiben, und iſt den Schaafen, als ein ſtärken⸗ des, gelinde aromatiſches Futter, vermuthlich ſehr heilſam. Wenn es bis Ende May abgehuͤrdet worden, ſo laͤßt man es aufſchießen, und hat eine Heuerndte davon. Das Heu iſt dem Viehe nicht vorzuͤglich angenehm; es frißt es aber doch, und mag, zwiſchendurch gegeben, fuͤr ſeine Geſund⸗ heit ſehr heilſam ſeyn. Ich habe es nur einmahl gebauet, und nach zwey Jahren wieder umgebrochen. Die Cichorie(Cichorium inty- bus) hat Moung als ein perennirendes Futter⸗ gewächs aus Frankreich gebracht und ſehr ange⸗ ruhmet. Ich eilte es zu verſuchen, werde aber nicht weiter damit fortfahren; weil ich nicht mehr als einen, obgleich ſehr reichlichen Schnitt jaͤhr⸗ lich davon erhalten kann. Es treibt ſehr fruͤh und ſtark im Fruͤhjahre. Wenn man es nach engliſcher Art abhuͤtet, ſo giebt es ohne Zweifel vieles —— ——„— 4 S——— — 371— vieles und langdaurendes Futter, und man hat nachher noch eine Erndte zum Trocknen davon. Wenn es aber einmal gemaͤhet worden und das noch tiefliegende Herz der Pflanze geblieben iſt, ſo ſchießen die Bluͤthſtengel mehr als die Blaͤt⸗ ter in die Höhe, und beym zweyten Abmaͤhen bekömmt man faſt nichts, wie Stengel, die we⸗ nig betragen und vom Viehe ungerne gefreſſen werden. Beym Abweiden beißt das Vieh den Herzpoll ohne Zweifel ſo oft heraus, wie er ſich zeigt, und die Blaͤtter ſchießen alsdann vermuth⸗ lich deſto ſtaͤrker. Sehr angenehm iſt dies Futter allen Gattungen von Vieh, und hoͤchſt gedeylich. Auch beſtauden ſich die Pflanzen von Jahr zu Jahr mehr; die Hauptwurzel vergeht und es er⸗ zeugen ſich Nebenwurzeln. Es iſt ſchwer, ſie von einem Felde wieder zu vertilgen. Young hat, wie er im 1Foſten Hefte ſei⸗ ner Annalen ſagt, jetzt 55 ½ Acre in Cichorien, die er blos zur Schaafweide benutzet. Da wir in Deutſchland vors erſte hierzu noch keine Futter⸗ kräuter bauen werden, ſo wird auch der perenni⸗ rende Cichorienbau zu dieſem Behufe kein Gluͤck bey uns machen. Deſto mehr verbreitet ſich der Bau der Wurzeln als Surrogat des Caffe's. Ver⸗ — 57— Berſchiedene Kleearten, beſonders das Trifolium repens(der weiſſe) und agrarium(der gelbe Klee), werden auch von den Engläͤndern zu vieljährigen Legden mit Gras⸗ ſaamen ausgeſäet. Sie ſind auch in Deutſchland genugſam bekannt, und ihr Bau hat nichts be⸗ ſondres. Der Spoͤrgel. Spark, Sporry, auch Collinka genannt, wird von den Engländern nicht häufig, aber doch hin und wieder, auf leichtem ſandigem Boden ge⸗ bauet. Dieſes Futterkraut wird zu einer Zeit brauchbar, wo es an andern, deren Ertrag doch im Durchſchnitt reichlicher iſt, nicht fehlt. Auf leichtem, ſandigem Boden hat es ſeine Vorzuge, da es von der Duͤrre nicht viel leidet, wenn es nur einmahl aufgelaufen iſt. Es erfordert aber ſtarken Duͤnger, wenn es auf ſolchem Boden zu einem reichlichen Ertrage kommen ſoll, und ſehe reines Land. Auch ſcheint es die Kraft aus dem Voden ſehr herauszuziehen. Es wird gemaͤhet, wenn es in Bläthe ſtehet, dieſe Blüthe gehet aber ſchnell in Saamen über, und dieſer ſtreuet ſich eben ſo ſchnell aus. Daher erhoͤlt man es ſehr leicht wie Unkraut, nicht blos in dem Acker, worauf es Fſaͤet worden, ſondern auch in den nahgele⸗ genen. — 573 genen. Als Unkraut iſt es dem Buchweitzen ſehr nachthellig. Denn der cultivirte Spoͤrgel unter⸗ ſcheidet ſich von dem wilden wohl nur durch die Cultur, und artet in dieſen wieder aus. Ich verweile nicht bey der allgemein bekann⸗ ten Art, ihn zu bauen. Kuͤnſtlich gebauete Gräfer⸗ Zu den Futterkraͤutern, die durch Kunſt in England angebauet werden, gehoͤren noch viele Arten aus der weitlaͤuftigen Claſſe der Gräſer, ob ſelbige gleich mehrentheils auch wild bey uns wachſen. Es hat daher bey manchen Verwunde⸗ rung erreget, daß man aus dieſen Graͤſern ſo großes Aufhebens mache, und viele glaubten, ſchon vor dreißig Jahren, eine große Thorheit begangen zu haben, da ſie ſich Grasſaamen aus England verſchrieben, den ſie nachher in Menge auf ihren Wieſen antrafen. Freylich hätten ſie ihn bey hinreichender Kenntniß, und mit einiger Muͤhe, ſelbſt aufnehmen koͤnnen. Allein es iſt ein ganz anderes Ding mit einem kuͤnſtlich ausge⸗ ſäeten und einem wildwachſendem Graſe; denn— jenes ſteht rein, dieſes mit ſchlechten oder nicht angemeſſenen Kraͤutern und Graͤſern vermiſcht. Es — 4 Es kommt naͤmlich ſehr darauf an, daß eine Wieſe oder Weide nur mit ſolchen Kräutern beſetzet ſey, welche dem Zwecke, wozu ſie be⸗ ſtimmt iſt, entſprechen. So ſind gewiſſe Graſer beſſer zum Abweiden, andere beſſer zum Mähen. Jenes ſind ſolche, die ſich an der Erde ſtark be⸗ ſtauden, und um ſo ſtärker austreiben, je barzer ſie gehalten werden, zu dieſem Zwecke aber ſchik⸗ ken ſich andere beſſer, die mit ſtarken ſaftigen Stengeln und Blaͤttern friſch in die Hoͤhe gehen und viel vor die Senſe bringen. Beh beyden Arten kommt es darauf an, fuͤr welche Art von Vieh ſie beſtimmt ſind; ob fuͤr Schaafe, fuͤr Hornvieh oder fuͤr Pferde; denn jeder Landwirth weiß, daß dieſe Thierarten einen verſchiedenen Geſchmack in Anſehung ihrer Lieblingskräuter ha⸗ ben. Ferner unterſcheiden ſich die Gräſer ſehr in Ruͤckſicht auf den Zeitpunkt, wo ſie ihre Reife erreichen, oder vielmehr, wo ſie zu dem Grade ihrer Entwickelung gediehen ſind, in wel⸗ chem man ſie, mit dem groͤßten Vortheile, ein⸗ erndtet. Stehen mehrere Gattungen unter einan⸗ der, wo dieſer Zeitpunkt ſehr verſchieden iſt, ſo kanu es nicht fehlen, daß man einige zu fruh, oder andere zu ſpät abmähe, und daher in der Erndte auf eine oder die andre Art verliehre. Selbſt bey der Weide machen die Grasarten, in Anſehung der Zeit ihres ſtärkſten Wuchſes, einen betraͤcht⸗ —.— —— 575 beträchtlichen Unterſchied. Einige ſind deswegen ſchaͤßbar, weil ſie im Fruͤhjahre ſchnell hervorkom⸗ men, und dem Viehe zu dieſer Jahrszeit, wo es am meiſten darnach verlangt, eine fruͤhe Weide darbieten; wenn ſie gleich um die Mitte des Som⸗ mers faſt voͤllig wieder verſchwinden. Endlich kommt es viel darauf an, daß jedes Gras den⸗ jenigen Boden habe, der fur daſſelbe paßt. Viele Grasarten, die auf feuchtem Voden einen ſtarken, ſaft⸗und kraftreichen Ertrag geben, rau⸗ ben auf trockenerm andern Graͤſern nur die Nah⸗ rung, ohne ſelbſt zu einem betraͤchtlichen Wachs⸗ thum zu gelangen. Andre hingegen kuͤmmern bey vieler Feuchtigkeit, oder nehmen einen ſchar⸗ fen und dem Viehe unlieblichen Geſchmack an, die, auf trocknerm Boden, mildes und wohlſchmek⸗ kendes Futter liefern. Wenn daher eine Wieſe oder Weide auch aus lauter, fuͤr ſich guten Kraͤutern beſtehet, ſo kann ſie doch, durch die Miſchung derſelben, fehlerhaft und ſchlecht ſeyn; noch mehr aber, wenn ſchlechte, ſcharfe, keiner Gattung unſerer Hausthtere wohlthaͤtige Pflanzenarten dazwiſchen wachſen. Daher macht es bey der guten eng⸗ liſchen Wechſelwirthſchaft— wo man durch ſtarke Bearbeitung reines, aber noch in voͤlliger Duͤngkraft ſich befindendes Ackerland zu Graſe nieder⸗ niederlegt— einen großen Unterſchied, ob man ſolches mit dem ausgefallenen Saamen eines Heu⸗ bodens beſtreue, oder ob man die Sämereyen ausgewählter, wohl zu einander paſſender und dem Zwecke entſprechender Graͤſer darauf ſäe. Da⸗ her haben die thätigeren und einſichtsvolleren eng⸗ liſchen Landwirthe ſich immer Muͤhe gegeben, den Saamen ausgewaͤhlter Graͤſer zu erhalten, und ſolchen mit Sorgfalt zu vermehren, damit ſie jede Art fuͤr ſich, oder eine zweckmäßige Miſchung derſelben, auf ihren niederzulegenden Acker ausſaäen könnten. So viel mußte ich im allgemeinen ſagen, um dem Spotte uͤber Anglomanie, Graͤſerjagd und die Thorheit, den Saamen ſolcher Gräſer, die auf unſern ſchlechteſien Wieſen wachſen, von Saamenhaͤndlern kommen zu laſſen— einiger⸗ maaßen zu begegnen. Freylich, wer Kenntniß, Fleiß und Zeit hat, ihn ſelbſt aufzunehmen, kann das Geld, was er fuͤr den erſten Fond ſei⸗ nes Grasſaamens ausgiebt, ſparen. Die von den Engländern jeßt am meiſten geſchätzten Gräſer ſind folgende: ) Lolium perenne, Luͤlch, Engli⸗ ſches Raygras. Dieſes Gras wird in Eng⸗ land S 577 5 land unter allen am haufigſten ausgeſäet, und vorzugsweiſe unter dem Nahmen Grasſaat ver⸗ ſtanden. In Deutſchland haben ſich manche Lanb⸗ wirthe damit betrogen gefunden, die es in der Abſicht, eine einträgliche Erndte davon zu erhalten, aus ſaͤeten. Denn fo dicht und ſo reich es den Boden uͤberzieht, ſo lange es noch jung iſt, ſo wenig bringt es vor die Senſe, wenn es erſt in Halme aufſchießt. Es muß daher lediglich auf ſolchen Plähen ausgeſäet werden, die zum Abwei⸗ den beſtimmt ſind. Als Weidegras aber giebt es, bis Johannis, allen Arten vom Vieh eine reiche und gedeihliche Rahrung, uͤberziehet den Boden ſehr dicht, ohne ihn hart zu machen, und ver⸗ hindert das Aufkommen und Einwurzeln des Un⸗ krauts. Daher wird es auch vor allen andern Grasarten zur Anlegung der Raſenpläte und zu Einfaſſungen in den Gäaͤrten gebraucht. Auf ſol⸗ chen Plßen aber, die man abmaͤhen will, wird es von keinem klugen Wirthe ausgeſäet. 2) Mopecurus pratensis, Wieſen⸗ Fuchs ſchwanz. Dieſes Gras giebt auf feuch⸗ tem Boden die reichhaltigſten Erndten. Es er⸗ ſcheint ſchon ſehr fruͤh, und iſt von ſtarkem und ſchnellem Wachsthume. Auch treibt es geſchwind wieder aus, nachdem es einmahl gemaͤhet worden, und giebt zum zweytenmahle eine eben ſo reichhal⸗ Do tige — 6— tige Erndte. Wenn man es zu lange ſtehen läßt, ſo giebt es indeſſen ein grobes und hartes Futter, und man muß es daher mähen, ſobald es in die Bluͤthe getreten iſt. Dann iſt das Heu fein und ſaftreich. Stehet es zwiſchen andern Kräutern, wie dies auf unſern Wieſen haͤufig der Fall iſt, die ſpäter zu ihrer Vollkommenheit kommen, ſo iſt dies ſchone Gras faſt gänzlich verlohren. Auf trockenem Boden kommt es ſchlecht fort. 3) Anthoxanthum odoratum, Ruch⸗ gras, wohlrichendes Fruͤhlingsgras⸗ Dies Gras iſt ebenfals eines der fruͤheſten. Es giebt zwar keine ſo reiche Erndten, wie das vori⸗ ge, aber doch ſtärkere, wie viele andre Gräſer⸗ Alle Arten von Vieh lieben es vorzuͤglich. Der angenehme Geruch des Heues ruͤhrt faſt allein von dieſem Graſe her. Wenn man die Blätter zwiſchen den Fingern reibt, ſo theilen ſie ihnen dieſen angenehmen Geruch gleich mit, welches kein anderes Gras in unſerm Clima thut. Es waͤchſt auf jedem Boden. 4) Poa pratensis, großes Wieſen⸗ viehgras, kommt auch fruͤh hervor, ſchießt aber peynahe um 14 Tage ſpäter in die Blüthe, wie die beyden vorhergehenden. Dies Gras vertragt mehr einen trockenen Boden, und hält ſich bey anhal⸗ gr ode nu he jn z h ſe E n nel — e 579 anhaltender Duͤrre laäͤnger, wie irgend ein anderes. Es wächſt auf einer trocknen Anhöhe, beſſer indeſſen auf einem mäßig feuchtem Wieſen⸗Grunde. Allein es hat eine fortrankende Wurzel, wie das Quecken⸗ gras, und daher darf man es nur auf ſolchen Pläßen ausſäen, die auf mehrere Jahre zu Wieſen oder Weiden beſtimmt ſind. 60 Poa trivialis. Dieſes Gras iſt, dem Anſehen nach, dem vorigen ſehr aͤhnlich und faſt nur durch das Gefuͤhl zu unterſcheiden, wenn man den Halm von beyden durch die Finger zi ht. Die⸗ ſes hat dann eine rauhe, etwas ſcharfe Oberflaͤche, jenes aber iſt vollig glatt und ſanft. Deſtohmnehr aber unterſcheidet ſich dieſe Art von der vorſgen, ihrer Ratur nach, indem ſie nur auf feuchten Wie⸗ ſengründen und naſſen Orten wächſt, auch gern Schatten liebt. Hier giebt dieſes Gras einen ſehr reichlichen Ertrag, und iſt zugleich ein ſehr ange⸗ nehmes, weiches und nahrhaſtes Futter. Auf einigen, durch ihren reichen Ertrag beruͤhmten, natͤrlichen Wieſen in England, macht es den Hauptſtamm des Graſes aus. 5) Festuca ovina, Schafſchwingel. Dieſes Gras wird von verſchiedenen Engländern dem Raygraſe vorgezogen und ſtatt deſſen empfoh⸗ len. Es iſt alſo nicht zum Mähen, ſondern zum Oo 2 Ab⸗ — 280— Abweiden beſtimmt. Es ſoll breitere und ſtärkere Blaͤtter treiben wie das Raygras, dem Viehe aber eben ſo angenehm und nahrhaft ſeyn. Sein Gruͤn kommt fruͤh hervor, ob es gleich ſpät in die Bluthe ſchießt. Es waͤchſt auch auf jedem Boden; auf trockenem, wie auf feuchtem, und iſt hart gegen Kalte und rauhe Winde. Man muß es nicht mit der Festuca elatior verwechſeln, welche, dem Anſehen nach, dieſer ſehr gleich kommt, aber ein hoͤherwachſendes, grobes, hartes Gras iſt. Die große Menge von Saamen, welche dieſe Gras⸗ art giebt, empfiehlt ſie auch ſehr zum häufigen Anbau. 7) Cynosurus cristatus, Kammgras, Hundesſchwanz⸗Gras, wird auch, als ein vorzugliches Gras, zur künſtlichen Weide empfoh⸗ len. Die Schaafe ſollen es unter allen Gräſern am meiſten lieben, und am ſtärkſten dabey zuneh⸗ men. Es wäͤchſt auf trocknem Boden, und kommt in feuchten Gruͤnden gar nicht fort. Wenn es aber in die Hoͤhe ſchiefit, ſo wird es hart, und vom Vieh ungern gefreſſen. Dies ſind dieſenigen Gräſer, welche jeßt bey den Engländern am beliebteſten ſind, und am meiſten von ihren Schriftſtellern empfohlen werden⸗ Sie nehmen bey ihrer Grasaus ſaat aber mehr Rückſicht auf 5 de lo bo 1o ab ſic de S 2 , in n — 281— auf die Weide, als auf die Erndte; denn zum Maͤhen ziehen ſie die Kleearten vor. Daher ſtehen diejenigen Graͤſer, welche von unſern deutſchen Schriftſtellern vorzuͤglich ſind empfohlen worden, bey ihnen in geringer Achtung. Ueber einige der⸗ ſelben will ich die Urtheile der Englaͤnder, ver⸗ bunden mit meinen eigenen, angeben. Avena elatior, Hafergras, Wieſen⸗ Hafer, Franzoͤſiſches Raygras. Dieſes Gras iſt zuerſt von den Franzoſen, beſonders von dem Praſidenten La Tour d'Aigues, mit großen Lobpreiſungen empfohlen worden. Da ſie ſo viel vom Raygraſe der Englaͤnder gehoͤrt hatten, ſo nannten ſie dieſes auch Rahgras. Der Franzoſe aber kann vom Englaͤnder nicht verſchiedener ſeyn, wie dieſes Gras von jenem. Es iſt naͤmlich ein ſich wenig beſtaudendes, ſchnell in die Höhe gehen⸗ des, haͤrtliches Gras. Auf gutem Boden giebt es einen ſehr reichen Ertrag vor der Senſe, da es bey guter Witterung mehreremahle, bis zu etlichen Fuß hoch, aufſchießet. Da es um 14 Tage fruͤher, wie der rothe Klee, gemaͤhet werden kann, ſo iſt es in der That, wenn man keine Luͤcerne hat, fuͤr die Stallfutterung ſehr zweckmaͤßig. Sein zweyter Schnitt faͤllt dann zwiſchen die beyden Kiee⸗Schnitte. Daß es aber, am Ertrage und Kraft, den rothen Klee uͤbertreffe, wie einige behauptet haben, und daß daß es auf dem magerſten Boden reiche Erndten gebe, iſt eine gewaltige Uebertreibung. Der Er⸗ trag kommt auf gleichem Boden dem Klee, im Gewichte, nicht gleich und ſtehet ihm an Kraft weit nach. Auf magerm Boden iſt es kaum des Ab⸗ erndtens werth. Rindvieh allein frißt es gern; Pferde und Schaafe lieben es nicht. Holcus lanatus, Honiggras, welches von einigen deutſchen Schriftſtellern ſo geprieſen worden, wird von den Englaͤndern grade fuͤr das allerſchl chteſte Gras und fuͤr ein wahres Unkraut auf den Wieſen geholten. Es trelbt eine Menge Schuͤſſe; dieſe gehen ſehr ſchnell in Halme, und kaum ſind ſie aufgebluͤhet, ſo fäͤllt auch der Saamen ſchon ab. Iſt dieſer abgefallen, ſo iſt es duͤrres Stroh. Daher iſt die Zeit, es zu maͤhen, ſchwer zu treffen, und unter andern Gräͤſern iſt es haͤufig ganz verlohren. Wenn es allein ſtehet, ſo iſt dies der Fall aber nicht. Und da es unter allen Graͤſern mit dem ſchlechteſten Boden vorlieb nimmt, ſo kann es auf ſolchem mit Nußen angeſaͤet werden. Man ſagt, alles Vich freſſe es gern. Phleum pratense, Kaßenſchwanz⸗, Wieſen, Lieſch, Thimothy Gras. Auf feuchtem Poden giebt dies Gras einen ſtarken Ertrag. Der Qualität nach, gehoͤrt es aber wohl unter die ſchlech ——— c—————„ c c——— — ſchlechteſten. Die Engländer hielten vormahls viel barauf, ſind aber jetzt völlig davon zuruckgekommen. Fuͤr die Pferde iſt es noch wohl am beſten. Es gehört unter die ſpäten Gräſer. Auf trockenem Boden verliert es ſich bald und macht dem Un⸗ kraute Plaß. Um eine kleine Portion Grasſaamen, den man von den zweckmaͤßigſten Grasarten erhalten hat, zu vermehren, ſäe man ihn gegen Ende Au⸗ guſts, duͤnn, in Reihen, auf ein gut zubereitetes Gartenbeet. Dieſes Beet muß weder zu trocken, noch zu naß ſeyn; hat man ein ſolches nicht, ſo muß man jeder Art ihren natůͤrlichen Boden anwei⸗ ſen. Wenn der Saamen läuft, ſo muß er ſorg⸗ fältig gejtet werden. Im Herbſte werden ſich die Pflanzen ſchon ſo beſtaudet haben, daß ſie verduͤnnet und die ausgezogenen in mehrere Reihen verſeßt werden koͤnnen. Beym erſten trockenem Wetter im Fruͤhjahr muß man die Pflanzen feſttreten, und ſie dann ſorgfältig rein halten. Wenn ſie in Halme geſchoſſen ſind, muß man auf das Reifen des Saamens Acht geben, und jeden Halm, der reiß iſt, abbrechen. Säet man dieſen Saamen dann wieder ſo aus, ſo wird man bald zu einem anſehn⸗ lichen Vorrath kommen, und eine Ausſaat im Groſien davon machen konnen⸗ Man „ Man kann dieſe Ausſaat im Großen unter Sommerkorn, beſonders wenn es gedrillet und etliche⸗ mahl bepferdehacket worden, verrichten. Will man indeſſen ein recht reines, langjähriges Gras⸗Stuͤck haben, ſo thut man beſſer, das Land, den Sommer hindurch, fleißig Braach zu pfluͤgen, es im Auguſt wohl zu ebnen, und dann den Grasſaumen darauf zu ſäen und einzuwalzen. Dann ſpart man auch in England die Koſten des Jäaͤtens nicht. Man nimmt eine oder mehrere Grasarten, die ſich aber, in Ruͤckſicht ihres Zwecks, und der Zeit ihrer Reife, zu einander und zum Boden paſſen. Alle Reiſende, die in England geweſen ſind, bewundern einſtimmig die Schönheit des Raſens daſelbſt. Einige glauben, man muͤſſe beſondre Grasarten dort haben, andre ſchieben es blos auf das vorzuͤgliche Clima. Wenige aber bedenken, daß der dortige Raſen⸗ und Weidegrund ſorgfaͤltig cultivirtes und in voller Duͤngkraft niedergelegtes Ackerland ſey, welches mit dem beſten Grasſaamen angeſaet worden. Freilich muß ſich daher der Ra⸗ ſen ſehr von unſern vernachlaͤſſigten Gemeinweiden unterſcheiden. Ein Ein und zwanzigſtes Kapitel. Behandlung der Wieſen. In Anſehung der Benußung der Wieſen, her⸗ ſchen in England ſonderbare Meinungen und Vor⸗ urtheile, die mir keinesweges im allgemeinen empfehlungswuͤrdig ſcheinen und auch von aufge⸗ klärten Heconomen beſtritten und ſcharf getadelt worden ſind. Ich muß ſelbige jedoch anfuͤhren, da ſie in die ganze Wirthſchaftsart eingreifen, und in Rückſicht derſelben wohl Entſchuldigung ver⸗ dienen. Man — 336— Man glaubt insgemein, daß eine Wieſe, durch eine einzige Heuerndte jährlich, ſchon zu Grunde gerichtet werde. Zwey davon zu nehmen, haͤlt man fuͤr ſuͤndlich. Die meiſten Farmers mahen ihre Wieſen nur zwey Jahre, und laſſen ſie das dritte Jahr zur Weite liegen. Noch an⸗ dre thun dies ein Jahr um das andre. Sie glauben nämlich, heranwachſendes Gras erſchöpfe den Wieſengrund, wie Korn das Ackerland. Als Weide hingegen, erhole es ſich, theils, weil das Gras nicht heranwachſe, theils durch den Duͤn⸗ ger, den das Vieh darauf fallen läßt. Wenn man das Gras zu alt werden und in Saamen ſchleßen ließe, ſo haͤtten ſie ohne al⸗ len Zweifel Recht. Man erkennet aber in Eng⸗ land, wie mir kuͤnkt, ziemlich allgemein das Thoͤrigte dieſes Verfahrens. Denn man weiß, daß durch zu langes Verzögern der Heu⸗Erndte mehr an der Qualität des Heues verlohren gehe, als durch die größere Quantität gewonnen wird. Alle Krafttheile des Graſes gehen in den Saamen uͤber, ſobald dieſer anſectet. Die Saamen aber verliehrt man von den Gräͤſern bey der mannig⸗ faltigen Handhabung gräßtentheils, und behaͤlt dann nur dürres Stroh. Und das Land wird dadurch gewiß ausgezehret. Vielleicht gründet ſich ſich das PVorurtheil, welches man gegen das Heumaͤhen im allgemeinen hat, auf die Wirth⸗ ſchaft ſolcher Leute, die Heu verkaufen, und es, um die Quantität zu vermehren, unbekuͤmmert um die Gůte, zu lange ſtehen laſſen. Young hat ſich beſonders jener Melnung ſehr entgegen geſtellet, nachdem er durch verglei⸗ chende Verſuche ſich uͤberzeuget, daß jͤhrlich, aber zu rechter Zeit, gemaͤhetes Wieſenland, in derſelben Kraft bleibe, wie abgeweidetes; daß man aber den, durchs Heu g wonnenen Duͤn⸗ ger, als reine Zugabe anſehen koͤnne, indem der einzeln auf die Weide gefallene Miſt und Harn im Sommer, ohne daß er augenblicklich mit der Erde vereinigt werde, faſt mehr Schaden als Vortheil bringe.*) Das zweyte Heu, oder Grumt zu mähen, iſt in England ſehr wenig gebraͤuchlich. Theils ſchrecken die Schwierigkeiten, es bey der nebelichten Luft gegen den Herbſt zu trocknen, ab; theils leidet es die ganze Wirthſchafts⸗Verfaſſung nicht. Bey *) Fxperimental agricult. T. II. p. 372. Bey einer Koppelwirthſchaft, die keine gemeine Weide und keine Stallfutterung hat, wird auch das Rachgras ohne allen Zweifel vortheilhafter zur Weide benutet.*) Daher finde ich auch nirgends, daß die einſichtsvolleren Schriftſteller ein zweymahliges Heumähen empfohlen haben. In vielen Gegenden herrſcht aber noch ein ſehr tadelnswuͤrdiges Verfahren, das Heu naͤm⸗ lich nicht nach Hauſe zu bringen, ſondern auf der Wieſe in Feimen zu ſchlagen und es daſelbſt, den Winter uͤber, mit dem Viehe zu verfuttern. Es *) Ich glaube ſelbſt bey der Stallfutterung das Nachheu meiner Wieſen in manchen Jahren vor⸗ theilhafter abweiden, als trocknen zu laſſen. Die Arbeit bey der zweyten Heu⸗Erndte nimmt einen großen Theil des Ertrages weg, und der uͤbrigbleibende wird durch den zum Heu, durch die Weide, erſparten Klee rreichlich erſcczet. Ueberdem genießt das Stallvieh, wenn es im Nachſommer gleich an einen halbtaͤgigen Weide⸗ gang gewoͤhnt wird, das nachwachſende Gras bis ſpaͤt in den Herbſt, wo dann die einmahl ge⸗ maͤheten Wieſen viel laͤnger gruͤn bleiben, als die zweymahl gemaͤheten. Es gehet dabey erſtaunend viel Hen verlohren; oft kann es bey ſehr naſſer Witterung gar nicht zu der Zeit benußet werden, wenn man es braucht, und zuweilen verdirbt es voͤllig. In manchen Gegenden ſind aber die Paͤchter nicht ſo ſehr hieran Schuld, als die Landeigenthuͤmer, die, noch aus den barbariſchen Zeiten der Land⸗ wirthſchaft her, dies zur Bedingung machen; indem ſie ſich einbilden, das Land erhalte durch den Miſt, welchen das Vieh fallen laͤßt, eben ſo viel wieder, als es hergebe. Wenn ſie nur daruͤber hielten, daß ihre Pächter kein Heu, kein Stroh und keinen Duͤnger verkauften; ſo ſtuͤnde ſich ihr Land ſicher am beſten dabey, wenn der Farmer das Heu auf die Art benußte, welche fuͤr ihn die vortheilhafteſte iſt. Ueberdem wer⸗ den die Wieſen durch das Treten des Viehes, wenn ſie einen naſſen Grund haben, im Winter moraſtig und uneben. Die Duͤngung der Wieſen häͤlt man fuͤr ſehr wichtig. Einige ſind der Meinung, daß man Duͤnger auf Grabland ungleich vor⸗ theilhafter, als auf Ackerland verwende. Man hat hieruͤber ſogar viel geſtritten. Mir deucht aber, dies heißt die Sache in einen ſo ſchiefen Geſichtspunkt ſtellen, daß ſich gar nichts ent⸗ ſcheiden läft. Duͤnger den Wieſen entziehen, die ihn nothig haben, um ihn dem Ackerlande deſto reichlicher zu geben, iſt eben ſo falſche Wirthſchaft, als mit dem Duͤnger auf dem Ackerlande zu geizen, um ihn den Wieſen deſtv mehr zufuͤhren zu koͤnnen. In Deutſchland fehlt man auf jener Srite haͤufiger; in verſchiedenen Provinzen Englands wohl mehr auf dieſer. A. Yvung ſchaͤtzt ein dreyſpänniges Fuder halb⸗ verraulen Tuͤngers, in Vermehrung des Gras⸗ ertrages in 3 Jahren, nach ſeinen Beobachtun⸗ gen und Verſuchen, auf 8 Schillinge. Die Maulwuͤrfe hält man in York⸗ ſhire und andern Diſtricten den Wieſen ſehr nuͤtzlich. Sie trocknen, ſagt man, den zu feuch⸗ ten Boden aus, machen den Wurzeln der Pflan⸗ zen Luft, und bringen eine gute Erdkrume her⸗ auf, um die Oberfläche zu duͤngen. Auch töd⸗ ten ſie ſchädliches Gewuͤrm. Auf bindendem naſ⸗ ſem Graslande muß man dieſen Nutzen allerdings zugeben; auf lockerem, trockenem uͤberwiegt in⸗ deſſen wohl ihr Rachtheil. Daß alle Sorgfalt im Zertheilen der Maulwurfshaufen angewandt werde, verſteht ſich von ſelbſt; und ſelbiges muß mehreremahle im Herbſte und Fruͤhjahre geſchehen. Man bedient ſich dazu, und uͤberhaupt um die Wieſe Wieſe zu lockern und zu ebenen, in grsſſeren Wirthſchaften eines ſchweren Wieſenhobels. Aufmerkſame Wirthe verſaumen es nicht, im Rachſommer die Wieſen mit der Senſe zu uͤber⸗ gehen, damit alles ſtehengebliebene unnuͤtz Kraut, beſonders Dieſteln, vertilget werden, ehe ſie in Saamen ſchießen. Das Walzen der Wieſen im Herbſt und im Fruͤhjahr war ehemals in England ſehr uͤblich. A. Young ſagt:*)„ich hatte davon „eine ſehr guͤnſtige Idee, und das mit vielem „Grunde; denn jedesmahl bemerkte ich, daß „das Gruͤn der Wieſen dadurch augenſcheinlich „verſchoͤnert wurde. Ich war von dem Nußen „keiner Verrichtung uͤberzeugter als dieſer, und „ich wunderte mich, daß ſo manche Leute es gar „nicht thaten. Um nun den Portheil derſelben „genau nach dem vermehrten Gewichte des Heues „zu beſtimmen, ſtellete ich folgende Verſuche an.“ Nun folget eine Reihe von Verſuchen, wo er eine ausgemeſſene Flaͤche mehrmahls walzte, und eine — *) Exper. agricult. T. II, p. 37. 592 eine nebenliegende, von eben der Größe, unge⸗ walzt ließ. Jedesmal zeigte das gewalzte Grasland ein fruͤheres und lebhafteres Gruͤn; aber jedesmahl fand er, wenn er das Heu wog, daß das gewalzte 3 bis 4 Centner vom Acre weniger gab. Er raͤth alſo jedem, den mehr an einer reichen Heuerndte, als einer uͤbergehen⸗ den Schönheit ſeines Wieſengrundes gelegen iſt, es zu unterlaſſen. Wir kommen jetzt auf die Wieſen⸗Waͤſſerung. Es iſt dieſe wichtige landwirthſchaftliche Opera⸗ tion zwar in vielen Gegenden Deutſchlands be⸗ kannt, und ſie kann es nirgends ſeyn, ohne den allgemeinſten Beyfall und die thätigſte Nach⸗ ahmung ſich zu erwerben. Daher iſt es nicht zu ihrer Empfehlung, ſondern blos um zu zei⸗ gen, in wie fern die Methode und die Bemer⸗ kungen der Engländer, in Ruckſicht derſelben, mit dem unſrigen übereinſtimmen, daß ich hier das merkwuͤrdigſte, was ich daruͤber in engli⸗ ſchen Schriften gefunden, vortrage. 2. — 593 Die Engländer erkennen die Wiltſhirer allgemein als Meiſter in dieſem Stuͤcke an. Ich will daher das, was Thomas Davis*) daruͤber ſehr ſchön geſagt hat, hier in einem Auszuge mittheilen. Dieſe wichtige Verbeſſerung ward hauptſäch⸗ lich zu Ende des vorigen und Anfangs dieſes Jahrhunderts in Wilts eingefuͤhrt. Jetzt findet man keinen Bach in dieſer Grafſchaft, der nicht, ſo gut als möglich, dazu benutzet wuͤrde. Die Ratur leitete ſelbſt auf die Idee, Wie⸗ ſen zu bewäſſern, da man fand, daß Winter⸗ Ueberſtroͤmungen, wenn das Waſſer nur nicht gar zu lange auf den Wieſen ſtehen blieb, den Graswuchs ſo mächtig befördere. Die Kunſt brachte es dahin, dem Lande nach Willkuͤhr dieſe Ueberſtroͤmung verſchaffen, und nach Will⸗ kuhr wieder ableiten zu koͤnnen. Beobachtung gab die Regeln uͤber Zeit und Dauer derſelben an. Eine — *) View of agriculture of the County of Wilts for the Board of agriculture. Pp — 594— Eine gewäſſerte Wieſe iſt ein Treibbeet füͤr pas Gras. Die Art, wie das Waſſer aufs Gras wuͤrke, kuͤmmert den Landwirth hier nicht; genug vaß er weiß, es verhalte ſich ſo damit. Die Beobachtungen uͤber die Wuͤrkung des Waſſers zeigten ihm bald, wann ſeine guten Wuͤrkungen aufhoͤrten, und wann es anfing nachtheilig zu werden. Dieſe Beobachtungen beſtimmten alſo die Zeit, wie lange das Waſſer auf dem Lande zu halten ſey; und da dieſe Zeit nach Ver⸗ ſchiedenheit des Landes und der Jahrszeit ver⸗ ſchieden war, ſo mußte man eine ſolche Gewalt uber das Waſſer erhalten, daß man es ſofort wieder wegſchaffen konnte, wenn es erforderlich war. Dies brachte allmaͤhlig die Kunſt einer ſo regelmäßigen Anlage der Zu⸗ und Ableitun⸗ gen hervor, daß mittelſt derſelben das Waſſer ſo ſyſtematiſch zu⸗ und abgefuͤhrt werden kann, wie durch Venen und Arterien das Blut im thieri⸗ ſchen Koͤrper. Die erſte Forderung bey einer Bewäſſerungs⸗ Wieſe iſt alſo das Vermögen, das Waſſer nach Willkühr ab⸗ und zuzulaſſen. Wie dieſes errei⸗ chet werde, iſt gleichguͤltig. Es giebt daher man⸗ nigfoltige Einrichtungen, um dieſen Zweck zu er⸗ reichen. Bey allen iſt es ein weſentliches Erfor⸗ derniß, 595 derniß, daß das Land vollig eben ſey. Haupt⸗ ſächlich aber giebt es zweyerley Arten von Wäſſe⸗ rungswieſen: die eine fuͤr ſolches Land, welches an einem Abhange liegt, und welche kleine Bäche erfordert; die andre fuͤr niedriges flaches Land an Fluͤſſen. Die erſte Art nennt man in Wiltſhire Catchwork meadows, Wieſen mit Auf⸗ fangewerk; die andern heißen Flowing meadows, Fluthwieſen. Letztere Art iſt in dieſem Diſtricte die haͤufigſte. Es iſt unmoͤglich, eine ſchriftliche Beſchrei⸗ bung von der Anlegung dieſer Wieſen zu geben. Man muß ſie anſehen, um einen vollſtändigen Begriff davon zu erhalten. Um indeſſen den Unterſchied der beyden vor⸗ benannten Wieſen ins Licht zu ſtellen und eine Idee von der Lage zu geben, worinn eine oder die andre Art anwendbar iſt, wollen wir folgendes hemerken. Ein Auffangewerk wird angelegt, in⸗ dem man einen Bach, der eine Anhöhe herunter⸗ Pp füeßt. — 596— füeßt, durch eine Schleuſe auffängt und ihn durch einen Canal ſeitwärts, die Anhoͤhe entlang, lenket. Dadurch kann man dann alles Land, was zwiſchen dem neuen Hauptzuleitungs⸗ Canal(main carriage) und dem alten Waſſer⸗ bette, welches in dieſem Falle der Hauptableitungs⸗ Canal(main drain) wird, bewaͤſſern. Dies geſchieht zuweilen blos, indem man den voͤllig wagerechten Zuleitungs⸗Canal auf der andern Seite zumacht, ſo daß das Waſſer allenthalben uͤberfließen muß, wenn er voll iſt. Da aber das Waſſer nicht weit vollig gleichfoͤrmig fließen, ſondern ſich Rinnen aushohlen wuͤrde, ſo macht man den Abhang herunter parallele kleine Graͤben, etwa alle 26 oder 30 Fuß einen, die das Waſ⸗ ſer wieder auffangen, und ſo, wie ſie voll ſind, über den unterliegenden Theil der Wieſe ergießen, bis es aus dem letzten dann wieder in den Haupt⸗ abfuͤhrungs⸗Canal faͤllt, der es nach einer andern Wieſe hinführt. Um das Waſſer aus dieſen parallelen Graͤ⸗ ben ganz abzufuͤhren, und die Wieſe wieder vol⸗ lig trocken zu legen, geht ein enger, aber tiefe⸗ rer Canal, im rechtem Winkel, etwa alle 10 oder 12 Ruthen herdurch, und leitet von dem Hauptzufüͤhrungs⸗ gradesweges durch die ganze Wieſe 1 597— Wieſe zum Hanptabfuͤhrungs⸗Canal herunter. Dieſer wird mit Raſen zugelegt, ſo lange man waͤſſern will. Die Anleguug einer ſolchen Wäſſerung iſt ſelten koſtbar. Da die Baͤche gewöhnlich ſchmahl ſind, ſo braucht man nur wenig leichtes Schleu⸗ ſenwerk. Da das Land abhaͤngig iſt, ſo kann man es, vermittelſt des Waſſers ſelbſt, leicht vollig eben machen, und der Abzug des Waſſers erfolgt faſt von ſelbſt. Die Koſten, eine ſolche Wieſe anzulegen, belaufen ſich auf 3 bis 5 Pfund fuͤr einen Acre; die Verbeſſerung des Grundes rechnet man auf 40 bis§0 Schill. Die jäͤhr⸗ liche Ausgabe aber, die Leitungen in Ordnung zu halten, rechnet man auf den Acre zu 7 Schill. 6 Pence. Die andre Art von Waͤſſerungs⸗Wieſen, die man Fluth⸗Wieſen(Flowing meadows) nennt, erfordern viel mehr Arbeit und Kunſt beh ihrer Anlegung. Da das Land, was ſich hierzu qualificirt, mehrentheils niedrig und ſumpfigt iſt, ſo iſt die Hauptſache, das Waſſer wieder herun⸗ ter zu ſchaffen, wenn es einmahl darauf iſt. Dies kann ſelten geſchehen, ohne das Land in hohe Beete aufzuwerfen, mit tiefen Graͤben da⸗ zwiſchen. zwiſchen. Dann wird ein Hauptzufuͤhrungs⸗Ca⸗ nal aus einem ſo hohen Riveau des Fluſſes, daß er die Hoͤhe der Beete beherrſcht, hingeleitet, und dadurch, indem man die Zwiſchengraͤben an beſtimmten Orten zuſetzet, das Waſſer uͤber die Beete heruͤbergebracht. Wenn ſie geoffnet werden, fällt es in eine Ableitung, die es wieder andern unterhalb liegenden Wieſen oder Wieſenſtüͤcken zufuͤhrt. Man ſiehet leicht ein, daß die Anlage ſol⸗ cher Wieſen ungleich koſtbarer ſeyn muͤſſe. Denn auſſer der vielen Handarbeit, erfordern die Schleu⸗ ſen, bey größeren Strömen, als an welchen dieſe Anlage nur moglich iſt, größere Koſten. Man rechnet daher, daß ein Acre ſolcher Wieſen 12 bis 20 Pf. St. anzulegen koſte. Dagegen kann man auch den Werth dieſer Wieſen, ſchon an ſich betrachtet, jährlich auf 3 Pf. St. den Acre annehmen. Als ein Theil eines auf Schaaf⸗aufzucht eingerichteten Farms (sheep breeding Farm), ſind ſie aber un⸗ ſchäßbar. Wenn ſie einmahl gemacht ſind, ſo belaufen ſich die jährlichen Unkoſten, in Anſehung der Graͤben und des Bewäſſerns, nicht uͤber 5 Schill. vom Acre, die Erhaltung der Schleuſen doch 599 v voch ungerechnet, die in den erſten Zeiten faſt nichts beträgt. Dieſer Art Wieſen ſind in dem ſuͤdlichen Theile von Wiltſhire zwiſchen 15 bis 20,0 00 Acres angelegt. Leute, die mit der Sache nicht bekannt ſind, haben geſagt: Wäſſerungs⸗Wieſen machten eine Gegend ungeſund; die tägliche Erfahrung beweiſt das Gegentheil in Wiltſhire. Jene Meynung gruͤndet ſich auf die Idee von ſtockendem und fau⸗ lendem Waſſer. Aber ließe man das Waſſer bis zur Faͤulniß ſtehen, ſo wuͤrde es mit der Vegetation zu Ende ſeyn. Jeder Farmer weiß, daß er das Waſſer augenblicklich ablaſſen muß, ſobald einiger Schaum auf dem Lande ſich zeiget. Dieſer Grundſatz bey Wäſſerungs⸗Wieſen erlaubt durchaus kein ſtehendes Waſſer in ſolchen Gegen⸗ den; es wird vielmehr in beſtändiger Bewegung erhalten. Vormahls freylich war ein Theil die⸗ ſer Gegenden ein faulender, ungeſunder Moraſt; durch Anlegung dieſer Wieſen iſt das Uebel ge⸗ hoben. In Wiltſhire hält man dieſe Wieſen fuͤr ſo ganz unentbehrlich, daß man glaubt, ohne ſie könne gar keine Wirthſchaft dort beſtehen. Die Wiltſhirer Wirthſchaft gruͤndet ſich nämlich ganz auf Schaafzucht; aber auf eine Schaafzucht, die — 600— die mit groͤßter Energie betrieben wird. Dabeh kommt alles auf eine reiche Weide in den erſten Fruͤhjahrsmonaten an, welche den Schaafen die kraͤftige Milch giebt, die zum rechten Gedeihen der Laͤmmer unentbehrlich iſt. Und dieſe Weide koͤn⸗ nen nur ſolche bewäſſerte Wieſen in zureichendem Maaße geben. Unter uns mag es manchem ſon⸗ derbar ſcheinen, daß man Wäſſerungs⸗Wieſen hauptſaͤchlich der Schaafzucht wegen, anlege. Die Behandlung dieſer Wieſen iſt kuͤrzlich folgende: Sobald das Nachgras rein abgefreſſen worden, faͤngt der Wieſenvorſteher(the Drow⸗ ner) damit an, die Hauptableitung aufzuraͤu⸗ men, dann die Hauptzuleitung, und zuleßt die uͤbrigen Graben— die Wiltſhirer haben fuͤr dies alles Kunſtausdruͤcke, die ſich nicht uͤber⸗ ſetzen laſſen. So nennen ſie dieſe Arbeit to rignt up the worcks— die Werke aufrichten.— Wenn ein Revier fertig iſt, ſo ſetzt der Drowner es unter Waſſer, und geht bey das zweyte. Wo moglich, muß er es ſo einrichten, daß das Ganze die ere Fluth bald nach Michaelis erhalte. Die Dauer dieſer Herbſt⸗Waͤſſerung kann nicht im allgemeinen beſtimmt werden, da ſie von der — 601— der Lage und Umſtänden abhängt. Aber die Regel iſt, wenn man es mit dem Waſſer zwin⸗ gen kann, der Wieſe zum erſtenmahle eine recht durchdringende Wäſſerung von 14 Tagen bis drey Wochen zu geben, mit einem trockenen Zwiſchenraum von etlichen Tagen; ſie dann aber ſo trocken als moͤglich zu legen. Dieſe erſte Wäſſerung hat hauptſäͤchlich den Zweck, das Land recht dicht und feſt zu machen und den Wurzeln Staͤrke zu geben. Dann werden ihm im Herbſie vielleicht noch eine oder zwey Wäſſe⸗ rungen von kuͤrzerer Dauer gegeben. Im Fruͤhjahre wird es wieder etlichemahle bewaͤſſert, wobey man aber noch aufmerkſamer iſt, das Waſſer abzulaſſen, ſobald ſich einiger Schaum auf dem Lande zeigt, und zwiſchen jeder Wäſſe⸗ rung es voͤllig trocken werden zu laſſen. Denn im Fruͤhjahr kann zu vieles Waſſer nachtheiliger werden, wie im Herbſte. Der große Zweck der Wäſſerungswieſen in dieſem Diſtricte iſt, wie oben geſagt, die Auf⸗ ziehung fruͤher Lämmer. Sobald dieſe alſo mit den Schaafen den Weg machen koͤnnen, etwa in der Mitte des Märzes, weiden ſie auf die⸗ ſen Wieſen. Nur muß man die Wieſen etliche Tage vorher ſo trocken, wie möglich, machen. Das — 602— Das Gras wird täglich zu einer beſtimmten, der Zahl der Schaafe angemeſſenen Portion aus⸗ gehuͤrdet. Rur macht man ſolche Oeffnungen in den Huͤrden, daß die munterern Lämmer heraus⸗ kommen, und das friſche Gras etwas voraus genießen köͤnnen. Ein Aere iſt des Tages hin⸗ reichend füͤr 500 Paar. Man bringt die Schaafe nicht ganz nüch⸗ tern darauf, auch nicht eher, als bis der Thau ganz weg iſt; etwa um 10 oder 11 Uhr des Morgens. Sie bleiben bis 4 oder§ Uhr Abends darauf, und werden nun auf das Gerſtenfeld, was um dieſe Jahrszeit gehuͤrdet wird, gebracht. Wenn das erſte Gras von den Schaafen ab⸗ gefreſſen iſt, ſo wird wieder gewäſſert, aber nur wenige Tage, und dann die Wieſe zu einer Heu⸗ Erndte trocken gelegt. Gewöhnlich ſind 6 Wo⸗ chen Wachsthumszeit hinreichend; ja man hat Beyſpiele, daß 5 Wochen zu Hervorbringung großer Erndten zureichend geweſen ſind⸗ Ließe man das Heu auf dieſen fruchtbaren Wieſen zu lange ſiehen, ſo wuͤrde es grob und hart wer⸗ den; wird es aber jung gemähet, ſo iſt es von vorzuglich nahrhafter und milchreicher Art. nut na ie ſo Ge 3 —= Zuweilen bleiben die Wieſen dann zu einer zweyten Heuerndte liegen. Dies geſchiehet aber nur, wenn das Heu ſelten iſt. Sonſt benußt man es vortheilhafter zur Kuhweide, und in dieſer Hinſicht iſt es verhaͤltnißmäßig von eben ſo großem Werthe, als im Fruͤhjahre zur Schaafweide. Die Kuͤhe bleiben dann bis zur Zeit der Herbſt⸗Waͤſſerung darauf. Ein loſer ſandiger, einziehender, ſelbſt ein grandiger aus lauter Feuerſteinen, mit wenig Zu⸗ miſchung von Erdtheilen, beſtehender Boden iſt grade der beſte, fur dieſe Waͤſſerungswieſen. Die Rarbe braucht nur ſehr duͤnne zu ſeyn, und es kommt vorzuͤglich darauf an, daß der Unter⸗ grund das Waſſer nur frey wieder ablaufen laſſe. Die Art der Gräſer iſt faſt gleichguͤltig; denn ſelbſt die, welche ſonſt unter die ſchlechteſten gehoͤren, werden durch die Waͤſſerung ſaftig und ſtark. Die Frage, welches Waſſer die groͤßte Wuͤrkung bey der Wäſſerung thue?— dasjenige nämlich, welches friſch aus der Quelle kommt, oder oder dasjenige, was ſchon uͤber der Erde einen beträͤchtlichen Weg gefloſſen und andre Zufluͤſſe von Feldern und Miſthoöfen aufgenommen— iſt in England ſehr ſorgfaͤltig unterſuchet worden. A. Young hatte vormahls der Prieſtley⸗ ſchen Theorie vom Phlogiſton, als Pflanzen⸗ Nahrung, lebhaft und warm ſeinen Beyfall ge⸗ geben, und ſolche durch ſeine Erfahrungen und Verſuche zu beſtätigen geſucht. Man machte ihm dagegen die Einwendung, daß, nach dieſer Theorie, das friſche Quellwaſſer nicht ſo wuͤrk⸗ ſam in der Wieſenwäſſerung ſeyn konne, wie das, was ſchon auf einem weiten Lauf mit phlogiſti⸗ ſchen Theilen geſchwaͤngert worden; ja, daß das auf mehrern Wieſen ſchon gebrauchte und wieder aufgefangene Waſſer immer wuͤrkſamer werden muͤſſe. Das Gegentheil aber lehre die Erfah⸗ rung in allen den Diſtricten, wo die Wäſſerung uͤblich und genau beobachtet ſey. Je näher am Quell, deſto beſſer finde man das Waſſer, und diejenigen Wieſen, die es erſt erhielten, nach⸗ dem es ſchon mehreremahle gebraucht worden, hätten wenig Nußen davon. Young maß dieſen Erfahrungen keinen Glauben bey. Da aber der größte Theil der in in le j uk ſti in ſe e ge nd hi ſet t⸗ , ti⸗ as det Nn — 605— in England aus den wieſenwäſſernden Diſtricten eingezogenen Erkundigungen dahin ausfielen, daß allerdings das Waſſer um deſto wuͤrkſamer ſey, je friſcher es aus dem Quell komme, hingegen unkraͤftiger werde, je oͤfter es ſchon zum Ueber⸗ ſtroͤmen gebraucht worden; ſo wandte er ſich mit einer italleniſchen und lateiniſchen Anſrage an die Italiener und Deutſchen, um die Sache völlig zu ergruͤnden. Ob ihm die Antwort, welche in den größern Schriften der öconomiſchen Societät zu Leipzig*) darauf ertheilet wor⸗ den, und welche in der Meberſetzung des ꝛſten Theils der Annalen des Ackerbaues im Auszuge wieder abgedruckt worden, befriediget habe? dar⸗ über habe ich nichts gefunden. Die Bath⸗So⸗ cietät erhielt beſonders viele Antworten auf ihre daruͤber erlaſſenen Anfragen, die faſt alle, in ſofern ſie auf Erfahrung beruheten, fur die Vor⸗ zuͤge des friſchen Waſſers aus Bergquellen ſtimm⸗ ten.*6) An Orten, wo man beydes, ſchlam⸗ miges Waſſer aus Fluͤſſen, und klares aus fri⸗ ſchen Quellen, zur Bewäſſerung brauchen kann, erhaͤlt *) 7. B. S. 36. *) Bath Society's Papers. T. II. p. 135. 606— erhaͤlt man immer beſſeres Gras nach dieſem, und ziehet es vor, wenn die Quellen nur ergiebig ge⸗ nug ſind. Wo man indeſſen gar kein friſches Quellwaſſer haben kann, ſondern blos aus Fluͤſ⸗ ſen waͤſſert, da ziehet man dieſe vor, wenn ſie recht ſchlammig ſind und nach ſtarken Regenſchau⸗ ren vielen Zufluß von Duͤngertheilen erhalten haben. Die Rachrichten, welche ich aus dem Fuͤr⸗ ſtenthum Luͤneburg, wo man die vielen Baͤche immer mehr zu Bewaͤſſerungswieſen zu benußen anfaͤngt, eingezogen habe, ſtimmen ebenfalls darinn mit den Engliſchen uͤberein, daß man die Bäche fuͤr deſto fruchtbarer hält, je näher ſie ihrer Quelle ſind, und daß ſchon gebrauchtes Waſſer unwuͤrkſamer ſey. Welches eigentlich die bewuͤr⸗ kende Urſach dieſer größeren Fruchtbarkeit des fri⸗ ſchen Quellwaſſers ſey, wage ich noch nicht zu entſcheiden. Iſt es die wärmere Temperatur, die dieſes Waſſer dem Erdboden im Fruͤhjahre mitthei⸗ let? Enthält es aufgeloͤſete Kalktheile, die es ab⸗ ſetzet? Oder belebt es die Vegetation durch die fixe Luft, die es mit ſich fuhrt? Von der Kunſt, Schwemmwieſen anzulegen, indem man durch das Waſſer große Sandhägel wegſchwemmet und zum fruchtbarſten Wieſengrund macht, d nd e U⸗ en nn che rer ſer it⸗ zu die ei⸗ b⸗ die eh, el nd macht, finde ich auch bey den Englaͤndern nichts. Dieſe Kunſt ſcheint mir alſo eine hoͤchſt merk⸗ wuͤrdige eigenthuͤmliche Erfindung der Luͤneburger zu ſeyn. Auch finde ich wenig von der Bewäſſerung durch Schoͤpfraͤder angemerkt. Zwey Zwey und zwanzigſtes Kapitel. Die Rindviehzucht. Mon erwarte hier keine vollſtaͤndige Geſchichte der Viehzucht, dieſes wichtigen Zweiges der eng⸗ liſchen Landwirthſchaft. Es giebt darinn eine ſol⸗ che Mannigfaltigkeit und ſo feine Verwickelungen, daß ich— bey allem Beſtreben, mich daruͤber kurz und doch ſo auszudruͤcken, daß man eine allge⸗ meine Ueberſicht davon erhalte— doch beſorgen muſte, manchem deutſchen Leſer zu weitſchweifig zu werden, wenn nicht die gewaltigen Anſtren⸗ gungen der Engländer auf dieſen Punct, viel⸗ leicht leicht nur der Sonderbarkeit wegen, ſein Intereſſe erregten. Ein Springochſe, der zu 400 Gui⸗ neen oder 2400 Rthlr. meiftbietend verkauft, und ein Schaafbock, der zu eben dem Preiſe, nur auf eine Springzeit, vermiethet worden, wird manchem in ein Feenmährchen zu gehoͤren ſcheinen. Und doch iſt ein ſolcher Preis in einigen Provin⸗ zen Englands etwas gewohnliches. Man findet einer unendlichen Mannigfaltig⸗ keit von Rindvieh⸗arten erwähnet. Jeder Diſtrict hat faſt ſeine beſonders einheimiſche, die durch fremde Vermiſchung wieder Abarten hervorgebracht. Die urſprünglichen Hauptgattungen zeichnen ſich beſonders durch die Hörner aus, und daher wird auf dieſe von den Engländern ſo vorzuͤglich geſehen, und die Arten darnach benannt. 1) Die kurzhörnige Art, welche the Holderneſs, auch wol the dutch Breed benannt wird, ſcheint aus den Niederlanden nach England gekommen zu ſeyn, und hat mit dem Friſiſchem Viehe viele Aehnlichkeit. Sie hat ei⸗ nen dicken Kopf, einen großen Umfang und runde Wölbung des Gerippes. Sie kann durch die Maſtung zum größtem Gewichte gebracht werden, auf 1000 bis 1400 Pfund; ja man hat Bey⸗ Qq ſpiele ſpiele von 2100 Pfund. Sie ſett viel Talg an. Die Haut iſt duͤnne und wenig behaaret. Das Fleiſch wird vorzůglich auf den Schiffen ge⸗ ſchͤßt, da es eingeſalzen und geraͤuchert ſeinen Saft gut behält. Die Kuͤhe dieſer Art geben die größte Quantität, 24 Quartier täglich, aber dünnere Milch. Dies ſind ihre Vorzůge. Dagegen aber hat ſie folgende uͤble Quali⸗ täten: Sie iſt weichlich gegen rauhe Winter⸗ witterung, bey welcher das Vieh in England groß⸗ tentheils draußen bleibt. Sie kalbet ſchwer, und es gehen ungleich mehr Kälber dieſer Art verlohren, als von andern; zuweilen ſterben gar die Kähe dabey. Wenn ein Maſtochs dieſer Art gleich zu einem großen Gewichte gebracht werden kann, ſo bezahlt er doch ſein Futter nicht ſo gut, wie ein anderer, weil er nach Verhaltniß ſeiner Stärke um ſo viel mehr verzehret, ehe er ausge⸗ mäſtet iſt. Auch muß ein Ochſe erſt vollig aus⸗ gewachſen und im ſechsten Jahre ſeyn, ehe er recht anſeßet. Dann wird ein ſolcher Ochſe, ſeinem Gewichte nach, bey weitem nicht ſo theuer bezahlt, weil ſeine Knochen ſo großen Antheil daran haben, auch das Fleiſch grobfaſerig und hart iſt; daher feineren Gaumen nicht behagt. Als n ji ge da da bot ſe leic 611 Als Milch⸗Kuͤhe gewinnt man eben ſo we⸗ nig bey dieſer Art. Nur kurzſichtige Wirthinnen ziehen ſie wegen der groͤßeren Quantität, die ſie geben, vor. Dieſe bedenken dann aber nicht, daß ſie um ſo viel mehr Futter erfordern, und daß man aus demſelben Futter durch eine großere Anzahl anderer Kuhe, eben ſo viel Milch her⸗ vorbringen wuͤrde. Als Zugvieh haben ſie mehrere Kraft; aber ſie ſind träge und dauren nicht aus, erhißen ſich leicht und werden krank. 2) Die langhoͤrnige(Lancashire,) Art unterſcheidet ſich durch ſehr lange Hoͤrner, durch eine dicke, ſtarke Haut und durch bichte und lange Haare. Sie iſt vorzuglich ſtark in den Vordertheilen, im Vergleich mit andern Ar⸗ ten, aber ſchwaͤcher in den Hintertheilen. Dies Vieh iſt nicht ſo ausgedehnt und gewoͤlbt, und im Gewichte geringer als das kurzhoͤrnige. In⸗ deſſen wiegen ſie doch ſchwerer, als man es ihnen anſehen ſollte, weil ihre Subſtanz feſter iſt und mehr ſpecifiſche Schwere hat. Sie geben viel we⸗ niger, aber fettere Milch, wie die vorige Art. Qq 2 8) — 612— 3) Ganz ohne Hoͤrner, polled oder Gæloway catle. Es findet ſich zwar bey einigen eine Spur von Hornern, ſie ſind aber N nur etliche Zoll lang und ſitzen ganz loſe. Die ze meiſten haben gar nichts davon. Dies iſt eine kleine leichte, aber ſehr ſchäßbare Art. In ih⸗ rer Form und Verhaͤltniſſen kommen ſie der ver⸗ 1 edelten langhörnigen Art, wovon wir gleich hören werden, nahe, nur ſind ſie viel kurzer. Ihr Gewicht iſt, als Maſtvieh, 550 bis 700 Pfund, doch hat man einzelne Beyſpiele, daß ½ ſie auf 1000 Pfund gebracht worden. Sie ſ ſetzen ihr Fett vorzuglich an den ſchäßbarſten 1 Theilen an; ihr Fleiſch iſt von ſchöner Conſi⸗ ſtenz und Farbe, auch mit Fett durchwachſen. ſ6 Man hat dieſe Art wohl hin und wieder in„ England eingeführt: bauptſächlich aber kommt dieſes Vieh aus Galloway, einem anſehnli⸗ chem Diſtricte im ſüdweſtlichen Schottland⸗ von wo es durch Viehhäͤndler auf die Suffolk⸗ e und Norfolkſchen Mäͤrkte, beſonders in der Jahrszeit, wo die Räbenmaſtung angehet, g l pracht wird. Fett werden ſie dann auf dem 0 [3 Smithfield⸗Markte, nach Verhältniß ihres Gewichts, ſehr theuer bezahlet⸗ 613— Auch die Kuͤhe geben, nach Verhaͤltniß des Futters, was ſie verzehren, viele und fette Milch. Auch iſt dies Vieh, als Arbeitsvieh gebraucht, munter und thätig. Man glaubt indeſſen, daß dieſe Race nicht mehr ſo vollkommen ſey, wie ehemahls. Ver⸗ ſchiedene ſind daher bemuͤhet, durch ſorgfälige Auswahl der Zucht ſie wieder zu hehen und zu veredlen; worunter ſich beſonders Lord Selkirk und ſein Sohn Lord Daer auszeichnen⸗ 4) Die Norfolker Art, von welcher ſchon in dem Kapitel von dieſer Wirthſchaft das erheblichſte geſagt worden. §) Eine der Provinz Suffolk ei⸗ genthůͤmliche Art, welches vorzuglich gute Mil⸗ cher ſind. Die Kuͤhe dieſer Art ſind mager⸗ platt, haͤngebäͤuchigt, konnen aber bis auf 24 Quart. Milch gebracht werden. Mehrere kleine Sorten von Vieh, die man in Schottland hat, und verumthlich Ausartun⸗ gen der Gallowayſchen ſind, uͤbergehe ich, ſo wie die Alderney oder Franzoͤſiſche Race, die von von ſchönen Farben iſt und ſehr fette Milch giebt; daher von reichen Herren in den Parks gern gehalten wird, um Milch zum Thee zu haben. Wenn man ſich in den Gegenden, wo Ackerbau die Hauptſache ausmachte, mit dem klei⸗ neren Vieh gern begnugte, ſo war doch in den fetten Weidegegenden das große, ſchwere Vieh beliebter. Man erkannte aber die Fehler der beyden großen Hauptarten nur zu ſchr, und ſuchte ſie durch Vermiſchung mit andern Racen, was man Kreutzen(crossing) nennt, zu verbeſſern. Allein man entdeckte nach vielen Ver⸗ ſuchen, daß dies faſt nie gluͤckte, und daß man, ſtatt die Vorzüge der einen Race der andern mitzutheilen, nur die Fehler beyder vereinige. Es kam ein grober, ſchwerknochigter, ſchlecht proportſonirter, viel freſſender und ſchwer anſehen⸗ der Schlag von Vieh heraus, und in vielen Gegenden, wo man unbeſonnen damit fortfuhr, verdarb man den Viehſtapel ganz und gar. Die Schlachter in London und andern Städten ma⸗ chen einen großen Unterſchied, nicht nur nach dem — 615— dem Verhaͤltniſſe der Knochen zum Fleiſche, ſon⸗ dern auch nach dem Verhältniſſe der Vorder⸗ zum Hinterviertel. An letzterem befinden ſich, am Ruͤckgrade herunter, diejenigen Stuͤcke, welche von den Englaͤndern ſo vorzuglich geſchaͤßt und zum Braten gebraucht werden. Dieſe ſaftigen Stücke werden dreymahl theurer wie andre be⸗ zahlt, die ſehnigt und trocken ſind. Daher iſt ihnen ein Ochſe, der nach Verhaͤltniß die großte Breite zwiſchen den Huͤftknochen hat, der ange⸗ nehmſte. Je laͤnger dann der Ruͤckgrad und je ausgedehnter das Gerippe, je kuͤrzer und kleiner aber der Kopf und Beine, deſto theurer bezah⸗ len ſie ſein Gewicht. Bakewel zu Diſhley in Leiceſter⸗ ſhire, ein reicher Pachter, war der erſte, der auf folgende Grundſaͤtze in der Viehzucht ver⸗ fiel: Er behauptete, alles Kreußen tauge nichts;z man muͤſſe bey allen Thieren jede Race nur in ſich ſelbſt veredlen, die vollkommenſten Indivi⸗ duen einer Race zur Zuzucht auswaͤhlen und die Vorzuͤge eines Stuͤcks mit denen eines andern, aber von derſelben Rare, zuſammen zu ſeßen ſuchen. Aus der beſten Uebereinſtimmung aller Verhältniſſe eines Hausthiers zu dem Zwecke, wozu man es beſtimmt, macht er ſich das Ideal von von Vollkommenheit, welches er zu erreichen ſtrebte. Bey Rindvieh und Schaafen war ſein Zweck hauptſachlich Maſtung; die Milch und Wolle nur Nebenſache, die er indeſſen nicht ganz aus dem Ange verlohr. Dieſe Grundſäße haben ſich unter dem Nahmen des Bakewelſchen Syſtems, oder System of breeding in and in, beruͤhmt gemacht. In Anſehung des Rindviehes, gab er der langhoͤrnigen Art den Vorzug. Er machte hier⸗ unter aber eine ſolche Auswahl und ſolche Ver⸗ bindungen, daß er eine ganz neue und vorzug⸗ liche Art, die unter dem Nahmen der Bake⸗ welſchen oder neuen Leiceſter Race bekannt iſt, hervorbrachte. Dieſe Art hat wuͤrklich alle die Vorzuͤge, welche man fuͤr Maſtvieh wuͤn⸗ ſchet. Sie iſt kleiner, kommt aber bey wenige⸗ rem Futter in kuͤrzerer Zeit zu einem groͤßeren Gewichte, wie jebe andre. Sie hat duͤnne Kno⸗ chen und kurze Beine, feinen Kopf mit maͤßi⸗ gen Hoͤrnern, ein tonnenförmiges Gerippe, lan⸗ gen Rückgrad, breite Huͤften und ſchmahle Bruſt. Sie ſetßt alſo ihre Nahrung an den Theilen ab, die am meiſten geſchätzt werden. Ihre Haut iſt weich und giebt behm Angreifen der Hand die beſondre Empfindung, welche als ein cha⸗ i — 617. characteriſtiſches Merkmahl der Neigung zum Fett⸗ werden, beſonders den engliſchen Viehmäſtern, vor allen andern Zeichen merkwuͤrdig, auch in Deutſchland vielen bekannt iſt. Sie hat ein angenehmes munteres Anſehen, und lebhafte Au⸗ gen. Talg hat ſie wenig; aber viel Talg⸗anſaß paͤlt man in England fuͤr einen Fehler, weil darunter die uͤbrige Maſtung ſehr leide. In der Milch ſtehet ſie gegen andre Arten zuruͤck. Wie ſehr die Guͤte und Zweckmäßigkeit dieſer Race anerkannt wird, beweiſen die Preiſe, welche fuͤr vorzugliche Springochſen und Zucht⸗ kaͤhe bezahlt werden. Bakewel ſelbſt verkauft das Hauptzuchtvieh gar nicht, ſondern vermiethet die Springochſen nur. Im Fruͤhjahr 1792 vermiethete er einen Bullen auf 4 Monate, vom Iſten Mah bis xſten September, fuͤr 132 Gui⸗ neen. Mr. Fowler, Pajet und einige an⸗ dere der erſten Nachſolger Bakewels, welche die Race von ihm erhalten, nun aber faſt gleich gekommen ſind, ſtellen oͤffentliche Auctionen an. Den 27ſten Maͤrz 1791 verkaufte Fowler unter andern folgende Stuͤcke zu nebenſtehenden Preiſen: Garrick, eineñ zjährigen Bullen, zu 203 Guin⸗ Sultny 3„.„ 210„ Wa⸗ Waſhington, einen zjährigen Bullen, zu 203 G. Young Sultan 1„„„200„ ein 1„„ 5 145 5 ein dito ⸗ ⸗„ 100„ Brindled beauty, eine Kuh,„260 Waſhingtons Mutter, eine Kuh,„ 185 Und in Pajets Auction ward ein Springochſe Shakespear, von Mr. Fowler erzielet, zu 400 Guineen verkauft.*) Wer ſich etwa vorſtellet, daß dieſe Preiſe bezahlt werden, nur Schlachtvieh davon zu erzie⸗ len, der muß die Kaͤufer fuͤr Thoren halten. Dies iſt aber nicht ihre Abſicht; ſie wollen die Race in moͤglichſter Vollkommenheit ſich eigen ma⸗ chen und vermehren, vielleicht mit der Hoffnung, ſie noch mehr zu veredlen, ſie dann wieder an die dritten und vierten Nachfolger theuer verkaufen, oder die Springochſen vermiethen zu können. An den Schlachter kommt noch nichts als der Ausſchuß dieſer Art, nachdem er verſchnitten iſt. Man *) Ann. of agricult. N. 93. P. 395. und N. 125. p. 463. Culley on live stock. — Man koͤnnte glauben, daß der Wetteifer des Ehr⸗ geißzes und der Liebhaberey mit im Spiele waren. Dies iſt aber wohl nicht der Fall; denn unter den Kaͤufern, deren Nahmen in den Auctionsliſten ſtehen, findet man keine Lords oder Gentlemen, ſondern lauter Farmers. Dieſe hohen Preiſe werden ſo lange dauren, bis die Race endlich ganz allgemein geworden, und ſelbſt dann wird doch die groͤßere Vollkommenheit immer theurer bezahlt werden. Von 1770 bis jeßt, ſind ſie immer noch geſtiegen, und ſelbſt die dritten und vierten Nachfolger haben ſich enormes Vermoͤgen damit erworben. Noch weit mehr iſt dies der Fall mit der Bakewelſchen Schaafzucht, wovon hernach die Rede ſeyn wird. Andre haben den Verſuch gemacht, die kurz⸗ hoͤrnige Race auf dieſelbe Weiſe zu veredlen, und es iſt ihnen auch in gewiſſer Ruͤckſicht gegluͤckt. An den Ufern des Tee⸗Fluſſes hat man ſie vorzug⸗ lich veredelt. Doch kommt, nach der allgemeinen Meynung, dieſe Race der Bakewelſchen nicht gleich. Wo bey der Viehzucht hauptſäͤchlich auf das Molkenwerk Ruͤckſicht genommen wird, da empfiehlt ſich 6 5 ſich dieſe Bakewelſche Art gar nicht. Man hat in England im allgemeinen den Grundſaß, daß Vieh, welches gut anſeßet, ſchlecht milche, und umgekehrt. Doch giebt es einige, die behaupten, es muͤſſe ſich beydes vereinigen laſſen. Meiner Ueberzeugung nach, wird man dieſe Vereinigung nur bey kleinern Arten, nicht bey den großen ſchweren, bewuͤrken können. Für die beſten Milch⸗ kähe hält man die Suffolker, die zur Maſtung ſich gar nicht empfehlen. Sie haben einen lan⸗ gen Korper, glatten Hals, ſchmahle Taille und kurze Schenkel, Die Maſtung des Rindviehes wird entweder blos mit Gras und Heu, oder mit an⸗ dern Futterarten betrieben. Ich fuͤhre in Anſe⸗ hung derſelben nur einige Punkte an, die mir vorzůglich merkwuͤrdig zu ſeyn ſcheinen⸗ Die Viehmsſter in den eigentlichen Gras⸗ ländern haben eine erſtaunliche Uebung, die Maſt⸗ fähigkeit eines Thiers durch den Anblick und Angriff zu beurtheilen. Außer dem Gebäude deſ⸗ — 631— deſſelben ſehen ſie aufs lebhafte Auge, auf ein dreiſtes Weſen, auf reine Haut und das weiche Anfuͤhlen unter derſelben. Man hält in den Graslaͤndern allgemeln da⸗ fuͤr, daß eine Kuh ſich beſſer maͤſten laſſe, wenn ſie ein Kalb im Leibe hat. In einer Koppel, wo Kuͤhe fett gemacht werden, hat man allemahl einen Springochſen dabey, weil ſie ſich dann rü⸗ higer verhalten. Ueberhaupt mäſtet man in den eigentlichen Graslaͤndern mehr Kuͤhe, als Ochſen⸗ Wenn die Maſtung ganz auf der Grasweide ſoll vollfuͤhret werden, ſo rechnet man auf ein Stuck Rindvieh und zwey Schaafe zweh Acres; in dem beſten Graslande nimmt man auf 20 Acres 15 Kuͤhe und 20 Schaafe. Mit Maytag treibt man das Pieh ein. Man hält ſehr darauf, auf jeder Weidekop⸗ pel einen rauhen Pfoſten zu haben, woran ſich das Vieh reiben kann, wenn keine Bäume da ſind. Eine Methode, die ſich beſonders in feuch⸗ ten Sommern ſehr nutlich erwieſen hat, iſt dieſe: man man laͤßt das lange, ſtehengebliebene Gras, was ſonſt umkommen wuͤrde, abmaͤhen und ſo liegen. Den erſten Tag ruͤhrt es das Vieh nicht an, den zweyten oder dritten Tag aber faͤllt es begierig darauf, und frißt es faſt lieber als das junge Gras. Der gewöhnliche Gewinn, den man auf ein Stuͤck Vieh macht, iſt 3 bis 4, zuweilen auch wohl 5 Pf. Sterl. Es kommt viel darauf an, daß man den Handel beym Einkaufen und Ver⸗ kaufen recht verſtehe. Eine andre Maſtungsart, welche an manchen Orten mehr im Gebrauche iſt, iſt die: das erſte⸗ mahl Heu zu machen, und das Vieh erſt aufs Nachgras zu bringen. So wie dieſes dann ab⸗ nimmt, giebt man ihnen Heu zu. Wenn das Gras zu Ende gehet und die Witterung rauher wird, ſo erhalten ſie entweder das Heu auf den Koppeln, wo es gemacht und in Feimen gebracht worden. Man gibt es ihnen täglich dreymahl aus Krippen von grober Korb⸗Arbeit. Dieſe Korbkrippen ſind auf dicke Staken, die 1 Fuß uͤber dem Korb herausſtehen, und 15 Zoll von einander entfernt ſind, geflochten. Hierzwi⸗ ſchen muß das Vieh ſeinen Kopf ſtecken und ge⸗ wiſſer⸗ wiſ ber Kö kan und an Ohe tine bra daß ſon pen Pl neb ſyn ſin eſt hu — 623 wiſſermaaßen einklemmen, um zu freſſen. Dies verhindert, daß es beym Freſſen nicht mit den Köpfen umherſchlagen und das Heu verſtreuen kann; auch hält es die ſtärkern ab, umherzulaufen und die ſchwaͤchern zu verjagen. Es bleibt feſter an dem Plahße ſtehen, den es einmahl gewählet. Oder das Vieh wird auch auf den Hof oder in eine kleine, nahe beym Hauſe gelegene Koppel ge⸗ bracht. Der Viehhof iſt gewöhnlich ſo angelegt, daß er gegen Norden und Oſten Schuß hat; ſonſt hat das Vieh höchſtens einen offenen Schop⸗ pen; oft aber auch dieſen nicht, ſondern nur einen Plaß, wo ihm geſtreuet wird und wo es ſich dicht neben einander lagert. Außerdem ſtehet es, be⸗ ſonders vor den Krippen oder Raufen, woraus es ſein Futter erhaͤlt, oft bis uͤber die Knie im Koth. Selten wird das Vieh bey dieſer Maſtungs⸗ art ganz vollkommen fett, und ſo, daß es da, wo man auf Fleiſch ſehr kecker iſt, Abgang fände. In den Fabrik⸗Staͤdten und fuͤr die Schiffe fin⸗ det es indeß immer ſeine Abnehmer. Man treibt aber noch eine andre Maſtung, beſonders fuͤr den Winter, welche neben etwas Heu zuwellen in Korn⸗ und Huͤlſenfruͤchten, haupt⸗ ſüchlich aber in Oehlkuchen und Leinſaat beſtehet. Dieſe Dieſe Maſtung wird in viehreichen Gegenden von einigen ſehr im Großen betrieben, und es giebt Farmer, die jährlich 100 bis 150 Stück auf die Weiſe fett machen. Man verfiel wohl zuerſt darauf, um die Hehlkuchen vortheilhaft zu benußen. Dieſe ſtanden vormahls in gerin⸗ gem Preiſe, ſtiegen aber, ſo wie dieſe Methode bekannter wurde, ſehr in die Höhe. Vor etli⸗ chen Jahren, ſagt Marſhal, hätten ihm er⸗ fahrne Farmer verſichert, man koͤnne ſie nicht hoͤher als zu 3 Pf. Sterl., die Tonne von 20 Centner, benuhen. Nachher wären ſie auf 6 Pf. Sterl. bis 6 Pf. Sterl. 10 Schill. geſtie⸗ gen. Bey dieſem hohen Preiſe fiel man darauf, Leinſaat zu waͤhlen. Dieſe kochte man zu einer Gallerte, nachdem ſie 48 Stunden einge⸗ weicht war, und goß ſie über Hexel und Faf. Man findet dies ſehr vortheilhaft. Wenn das Quarter, von 8 Puͤſchel zu 50 Pfünd, zwey Pf. St. koſtet, ſo hält man dieſes Futter fuͤr vortheilhaft. Wie allgemein dieſes anerkannt wor⸗ den, ſiehet man unter andern daraus, daß auf den Antrag des Board of Agriculture eine zoll⸗ freye Einfuhr des Amerikaniſchen Leinſaats, zum Vortheil der Viehmaſtung, durch eine Parlements⸗ Acte, zugeſtanden worden⸗ Man —— —— 625— Man hat aber auch Vohnen, Erbſen, Ha⸗ fer, Gerſte, Buchweißen, dazu genommen, und einige glauben gefunden zu haben, daß es vor⸗ theilhafter ſey, dieſe wie die Leinſaat zu kochen, als ſie ſchroten zu laſſen, womit meine Erfah⸗ rung beym Milchvieh und der Schweinemaſtung völlig uͤbereinſtimmt. Man rechnet, daß 20 Stuͤck Maſtochſen, bey dieſer Methode, einen Kerl zur Wartung erfordern. Gewoͤhnlich faͤngt man die Maſtung im November an, und endiget ſie im May. Das Vieh erhaͤlt Morgens, Mittags und Abends eine Portion Heu, und Vor⸗ und Rachmittags das Futter. Wenn ſpäter oder zu ſchlecht aufgendmme⸗ nes Vieh bey dieſer Maſtung nicht völlig fett geworden, ſo hat man bemerkt, daß es ſehr ſchleunige Fortſchritte gemacht, wenn es im Früh⸗ jahr ins Gras gekommen iſt. Es ſcheint mir folgende Bemerkung einiger genaueren Beobach⸗ ter, welche ich bey dieſer Gelegenheit anfuͤhren will, uͤberhaupt viele Aufmerkſamkeit zu verdie⸗ nen: daß es nämlich rathſam ſey, das zur Maſtung beſtimmte Vieh, nicht nach der ge⸗ woͤhnlichen Methode, allmaͤhlig mit nahrhafterem Rr Fut⸗ — 626— Futter zu behandeln, ſondern ihm gleich im An⸗ fange mit ſtarkem, beſonders mehligem Futter zuzuſetzen, wenn man auch nachher ein leichte⸗ res dafur beſtimmt hat. Durch jenes wuͤrden die Haargefäͤße und das Zellgewebe ausgedehnt und zur Fettanſezung ſchnell disponirt. Der reine Gewinn bey dieſer Maſtungsart kann ziemlich groß ſeyn, wenn man den Handel verſteht, oder eine vorzuͤgliche Sorte von maſt⸗ fähigem Vieh beſitzt. Indeſſen iſt der Land⸗ wirth ſchon zufrieden, wenn er ſein Heu hierbey gut verſilbert und den Dunger zum reinen Vor⸗ theil hat. Zuweilen bleibt das Vieh dabey, wie bey der Heumaſtung, auf dem Hofe, öoͤfter wird es jedoch im Stalle angebunden. Diejenigen aber, welche die Sache mit rechtem Ernſte trei⸗ ben, haben eine beſondre Einrichtung von Schop⸗ pen, die eine genauere Beſchreibung zu verdie⸗ nen ſcheint. Dieſer Schoppen iſt 13 Fuß breit; die Länge richtet ſich nach der Menge der Staͤnde. Auf der Rord⸗ oder Oſtſeite hat er den Tropfen⸗ fall, iſt daſelbſt 6 Fuß hoch und iſt zu, auf der —— e——— — 627— der Weſt⸗ oder Suͤdſeite iſt er offen und ruhet blos auf Stendern. An der Wand herunter gehet ein ſchmahler Futtergang 3 ½— 4 Fuß breit, der blos durch eine Krippe abgetheilt iſt. Die Viehſtaͤnde ſind mit Latten, die von einem Stender zum andern gehen, abgetheilt und etwas über 8 Fuß breit. Jeder Stand hat aber ſei⸗ nen, ebenfalls mit Latten, leicht abgetheilten Verſchlag nach dem Hofe heraus; gleichſam ſei⸗ nen beſondern kleinen Hof, an deſſen aͤußerer Seite das Vieh hineingelaſſen wird. In jedem dieſer Verſchlaͤge iſt ein mit Steinen ausgeſeßtes Loch fuͤr das Waſſer, und dieſe ſind ſämmtlich durch einen Canal verbunden, ſo daß ſie alle mit einer Pumpe zugleich angefuͤllet werden kön⸗ nen. Das Vieh kann alſo nach Belieben un⸗ ter Dach oder im Freyen ſich aufhalten, ſich frey bewegen, ſich lecken, ſaufen, wenn es dur⸗ ſtig iſt, und reinlicher liegen. Ich hatte beynahe dieſelbe Idee von einer ſolchen Stallung des Viehes, zum Behuf der Sommerſtallfutterung, ehe ich dieſe Beſchreibung in den Englaͤndern fand. Es muͤſte zur Klee⸗ Futterung, nahe bey den Koppeln angelegt, vor⸗ treflich ſeyn, und wuͤrde ſehr geringe Koſten ver⸗ anlaſſen. Rr Noch Noch einer anderen Einrichtung eines Vieh⸗ ſtalles muß ich hier erwähnen, die da, wo Stroh und andre Einſtrenung mangelt, zur Reinhaltung des Viehes ſich empfehlen läßt. Dieſe hat naͤm⸗ lich der beruͤhmte Bakewell ſelbſt; denn er haͤlt mehr Vieh, als er mit Stroh verſorgen kann. Der Platz, worauf das Vieh ſtehet, iſt 8 Zoll höher, wie der übrige Boden des Stalles, und nur grade ſo breit, daß das Vieh mit den Hin⸗ terbeinen darauf ſtehen kann. Wenn es alſo ſei⸗ nen Miſt fallen läßt, ſo fällt er hinter den Stand und dieſer bleibt immer rein, bedarf alſo wenig oder gar keiner Streu. Ich finde auch einige Beyſpiele von Ma⸗ ſtungen, die im Sommer mit gemaͤhetem gränem Klee, Luͤcerne uud Espakcette unternommen ſind. A. Young hat ſelbſt einige Verſuche, die er da⸗ mit gemacht, aufgezeichnet und genau berechnet. Daß dieſe Methode um vieles vortheilhafter ſey, als wenn man den Klee abweiden läßt, beſtaͤti⸗ gen alle dieſe Verſuche. Dies iſt fuͤr uns Deut⸗ ſche nichts neues; aber die Englaͤnder koͤnnen nicht aufmerkſam genug darauf gemacht werden. Von der Maſtung mit Ruͤben, die beſon⸗ ders in Norfolk im Großen, und von der, die mit Kohl, —— c———— — 629— Kohl, Jartoffeln u. ſ. w. in einzelnen Wirth⸗ ſchaften getrieben wird, iſt an ihrem Orte gere⸗ det. Da bey uns faſt alle Maſtung durch Brannt⸗ weinbrennereyen betrieben wird; ſo moͤgte eine weitlaͤuftigere Ausfuͤhrung dieſer Materie fuͤr we⸗ nig deutſche Landwirthe Intereſſe haben. Diejenigen, welche die Maſtung mit beſonde⸗ rer Aufmerkſamkeit treiben und immer vortheilhaf⸗ tere Methoden auszuforſchen ſuchen, haben große Waagen, wo bas Vieh bequem hinaufgehet und lebendig gewogen wird. Man bemerkt dann ſeine Zunahme von Zeit zu Zeit, die es von einer ge⸗ wiſſen Quantität Futter erhalten hat. Da man auch genau weiß, wie ſich das lebende Gewicht zu dem Gewichte in der Winde verhaͤlt, ſo laͤßt ſich der Werth eines Stucks Vieh genauer ſchätzen. Dieſes Verhaͤltniß iſt aber nach Verſchiedenheit der Race und des Alters verſchieden. Es finden ſich in den engliſchen Schriften viele Verſuche und Berechnungen, die mittelſt ei⸗ ner ſolchen Waage uͤber die Maſtungskraft vieler Futtergewaͤchſe, Getraidearten und Huͤſſenfruͤchte gemacht ſind. Ein kluger Farmer berechnet dar⸗ nach gleich, ob es rathſamer ſey, ſeine Produkte roh zu verkaufen, oder im gemäſteten Vieh. Bringt Bringt er ſie auf leßtere Art auch nicht vollig ſo theuer aus, ſo gewinnt er doch Duͤnger und Fuhrlohn. Da es aber ſo ſehr viel auf die Art des Viehes ankommt, und die Preiſe des Flei⸗ ſches ſich in England ſo verſchieden verhalten, ſo glaube ich, daß dieſe Berechnungen vorerſt noch von wenig Nußen fuͤr uns Deutſche ſeyn wuͤrden. Nur iſt die allgemein gemachte Bemerkung wich⸗ tig, daß bey einer täͤglichen Abwechſelung ver⸗ ſchiedener Futterarten Vortheil ſey, denn das Vieh treibt dabey ſchneller, und je ſchneller es treibt, deſto weniger bedarf es im Ganzen. In Anſehung der ganzen Molkenwirthſchaft können wir, wie es mir ſcheint, von den Eng⸗ ländern nicht viel lernen, es ſey denn, daß man das Käſemachen, was in Chesſhire, Glou⸗ ceſterſhire und den mittelländiſchen Grafſchaf⸗ ten zur groͤßten Vollkommenheit gebracht worden, der Aufmerkſamkeit werth achte. Die Beſchrei⸗ bung deſſelben mit allen kleinen, aber weſentlichen Handgriffen, wuͤrde eine ſehr große Weitlaͤuftig⸗ keit erfordern, die dem größten Theile meiner Le⸗ ſer läſtig ſeyn moͤchte. Sollte ich erfahren, daß dieſer Umſtand von mehreren vermiſſet wurde, ſo könnte ich ſehr leicht eine Ueberſetung der genauen Beſchreibungen und Beobachtungen, welche ſich in — 631— in den engliſchen Schriftſtellern finden, und an Ort und Stelle gemacht worden, beſorgen. Es iſt gewiß, daß in England die Milch durch Ka⸗ ſemachen vortheilhafter, als durchs Buttern be⸗ nutzet werde. Vielleicht wären die Verhältniſſe an manchen Orten Deutſchlands eben ſo, und die Kunſt, ihn zu machen, iſt kein Geheimniß. Dennoch ginge es nicht allenthalben, weil man bemerket, daß eine gewiſſe Miſchung von Kraͤu⸗ tern auf der Weide zum guten Kaͤſe erforderlich ſey, daß hingegen einige andre ihn verderben. In Anſehung des Buttermachens, habe ich, ſo viel auch in England daruber geſchrieben wor⸗ den, nichts ausgezeichnetes bemerket. Dies verſteht man ohne allen Zweifel auf unſern Holſteinſchen und Meklenburgiſchen Holländereyen beſſer. Einige kleinliche Huͤlfsmittel, um die Butter zu vermehren, z. E. den letten Theil der Milch, welche die Kuh im Gitter hat, von der andern abzuſondern, und ihn ganz zum Rohm zu geben, weil dadurch Butter und Buttermilch vermehrt werden wuͤrde— haben gewiß wieder auf die Guͤte der Butter einen nachtheiligen Einfluß. Der friſche Berkauf der Milch iſt in der Nachbarſchaft von großen Städten, beſonders um Lon⸗ — 632— London, ein Artikel von großer Wichtigkeit. Man rechnet, daß eine Kuh nahe um London dem, der ſie hält, jaͤhrlich 41 Pf. 1 Schill. einbringt, wenn er die Milch an die Vorkaufer, die ſie nicht allein abholen, ſondern auch ausmilchen, verkauft. Die Milch⸗Conſumtion in London wird jaͤhrlich auf 492,600 Pf. Sterl., täglich ohngefähr auf 1350 Pf. Sterl. angeſchlagen. Man läͤßt da ſelten eine Kuh begehen; ſie wird, ſo lange ſie noch ihr Futter bezahlt, gemolken und dann verkauft. Die Viehhaͤndler bringen immer friſchmilchende. Die Biertraͤber aus der Stadt ſind ihr beſtaͤndiges Beyfutter, auch auf der Weide; ſie erhalten aber auch Korn*), Da beſonders um London der Weidegrund in ſo hohem Preiſe ſtehet, ſo iſt es mir unbe⸗ greiflich, wie man daſelbſt noch nicht auf völlige Stallfutterung verfallen ſey. Ich finde aber nir⸗ gends, daß dies geſchehe. Nur zwey Behſpiele von Stallfutterung finde ich in allen engliſchen Schriften angeführt. Eine *) Baird Agricult. of Midlesex. E fti ter zu int — 633— Eine zu Leeds, wo die Kuͤhe im Sommer mit friſchem Graſe und Klee auf dem Stalle gefut⸗ tert werden*). Und eine andre bey Johnſton zu Hilhouſe bey Kirknewton. Dieſer läßt indeſſen die Kuͤhe des Nachts im Sommer auf die Koppel gehen. Im Winter erhalten ſie eine Dasjenige, was ich Sir J. Sinclair uͤber Stallfutterung und deren Einfluß auf das ganze Wirthſchafts⸗Syſtem geſchrieben, hat in England ſehr große Senſation erregt. Wenn man ſich erſt daſelbſt durch Verſuche von der Moͤg⸗ lichkeit derſelben und beſonders, daß das Vieh geſund dabey bleiben könne, uͤberzeuget, ſo zweifle ich nicht, daß ſie mit großem Nußen daſelbſt häufiger werden wird. Sie paßt ſich zu manchen engliſchen Wirthſchaftsarten ganz vortreflich**). Jeßt iſi es ſogar etwas ſeltenes, daß das Milchvieh auch nur im Winter in den Stall kom⸗ *) Ann. of Agricult. N. 24. p. 414. *) Ann. of Agric. N. 138. p. 463. ***) Ganz neuerlich ſchreibt mir Sir J. Sinclair, daß verſchiedene Perſonen Stallfutterung angefangen. — 634— komme: Kohl, Ruͤben und Heu werden entweder auf dem voffenen Hofe verfuttert, oder das Vieh wird in die Koppeln gebracht, und verzehrt die da⸗ ſelbſt errichtete Heufeime. Dieſe Feime iſt mit einem Rickwerke geſchutzt, und es wird jedesmahl ſo viel Hen, wie es haben ſoll, heruͤbergeworfen. Dieſe verſchwenderiſche Wirthſchaft wird indeſſen von A. Young ſehr getadelt. Dieſer und meh⸗ rere genaue öconomiſche Rechner ſind überhaupt gegen Molken⸗ oder Küherey⸗Wirthſchaften. Sie behaupten, wohl nicht ohne allen Grund, man benutze ſein Futter ungleich beſſer mit Maſtvieh und erhalte davon mehreren Duͤnger. Wenn der Ertrag einer Kuh im Molkenwerk jährlich nicht uͤber§ Pf. angenommen werden koͤnne, ſo ſey offenbarer Schaden dabey*). In Yorkſhire iſt die Berechnung des Ertrages einer Kuh folgende: Ein Kalb„„„„ 0 15 0 3 Fäßchen Butter zu 30 S.„ 4 d d 1— Käſe zu 18 S. 9 9 0 Milch und Waddeke für Schweineo 10 0 5 Pf. 14 Sch. In *) Eine ſolche Berechnung findet ſich unter andern in Ann. of Agricult. T. IV. P. 240. N In jeder gut angelegten Molkenwirthſchaft, wo gebuttert wird, hält man entweder auf eine Kuh ein Schwein, oder doch auf drey, zwey Schweine, die die dicke Milch erhalten und da⸗ bey bis auf einen gewiſſen Grad fett werden. Es iſt wohl gewiß, daß dies die vortheilhafteſte und leichteſte Benutzung des Molken⸗ abfalles ſey ⸗ Man ruͤhrt in die ſaure Milch oder Waddeke Bohnen⸗ oder Erbſen⸗Schrot, und laͤßt es ſaͤuren. Drey und zwanzigſtes Kapitel. Die Schaafzucht j. Do viel man in Deutſchland uͤber engliſche Enſ Schaafzucht hoͤrt, ſo hat man doch im allge⸗ ſtig meinen von keinem Zweige engliſcher Wirthſchaft ſind verkehrtere Begriffe, wie von dieſem. Ich muß prit daher geſtehen, daß mir bey Leſung der Eng⸗ ru länder nichts unverſtaͤndlicher war, als das, was l ich hieruͤber, und beſonders uͤber die, ſeit der Mitte dieſes Jahrhunderts angenommenen Grund⸗ ſäße, und uͤber die Veredelung der Schaafe, u durch rie Bakewelſche Race, zerſtreut in ihren mi Schriften fandz da ich anfangs nicht auf ſolche 46 Stellen fiel, welche mehr Licht hätten geben kön⸗ h —— nen. Feinheit der Wolle, glaubte ich vormahls, ſey das, was die Engländer dabey bezweckten, und ſo konnte ich es mir freylich nicht erklaͤren, wenn ich z. B. fand, daß in Hertfordſhire die Verbeſſerung der Schaafe großen Eingang finde, indem man die Diſhleyiſchen einfuͤhre, deren Wolle das Pfund 10 Pence gilt, ſtatt der ſonſt einheimiſchen Ryelaͤnders, deren Wolle der ſpaniſchen faſt gleich kommt und das Pſfund 2 Schill. 9 Pence gilt. Als ich entdeckte, daß es mehr auf den Verkauf des Schaafs an den Schlachter, als auf die Wolle angeſehen ſey, begriff ich wieder nicht, warum man die ſehr große und ein erſtaunliches Gewicht erlan⸗ gende Lincolnſhire und Tees⸗Water Art, gegen die kleinere Diſhleyiſche ſo zuruͤck ſetze. Erſt ſpäter begriff ich, daß der Engländer nicht fraͤgt, was bringt mir ein Schaaf ein? ſondern, durch welche Art von Schaafen bringt mir ein Acre meines Weide⸗ grundes am meiſten ein? Nun ward mir alles einleuchtend. 3. Um die Hauptarten der engliſchen Schaafe und ihre beſondre Quslitäten mit einem Blicke zu uͤberſehen, war mir nebenſtehende Tabelle, die aus Culley on live Stock in den Annals of Agriculture abgedruckt war, ſehr nuͤßlich. Arten aunch v c noanat ncp]p muchpan G un uu Arten der Schaafe in Großbrittannien, — — S 2 = 2 3 Snup) pin un 3ht S751P 85u1 pi — 1. Dishley neue Feicestersh] 2. Lincolnshife„ ₰ — Keine Hörner, Weiſſe Geſichter und Beine, Lange Wolle⸗ S 6 b 10 O— z. Tees- Wäter 4. Dartmore Natts. dite dito Porsetshire kene Hörner dito feine kurze Wolle . HertfordshireRyelanders dito dito ſehr ſeine kurze Wolle g. Sputh Pown dito graue Geſichter und Beine dito 9. Norfolt 9reße Hörner; ſchwarze Geſichter und Beine; feine kurze Wolle 19. e dito grobe lange Wolle 11. Herdwick rleine Hörner; geſprenkelte Geſichter und Beine; kurze Volle 12. Cheviot. dito weiſſe Geſichter und Beine; feine kurze Wolle 13. Dunfaced dito braune Geſichter und Beinez dito 14. Shetland. dite verſchiedene Farben ſeine baumwollenar⸗ tige Wolle. S 0⁵ O EE M S— 0 O— 6 0 O—— 0 0 0 — +P ₰ c d — .M M — O0— c S ——„„ ce— c 0O cœ o c S „ 0 — Q +— — Um eine vollſtaͤndige Ueberſicht zu geben, ſehlen dieſer Tabelle noch drey Rubriken, näm⸗ lich: erſtlich, welche Art von Weide jede Art erfordere. 2tens, wie viel Stuͤck auf einem Acre zureichende Nahrung finden. Ztens, was das Pfund Fleiſch werth ſey. Der lehtere Umſtand iſt von Wichtigkeit, nicht blos precair auf die Leckerheit der Conſumenten, ſondern auf das Ver⸗ haͤltniß der Knochen zu Fleiſche beruhend. So bezahlt und verkauft jeder Schlachter das Pfund von N. 1. und 3. zu 5 Pence, wenn das von N. 2. 4 Pence gilt; oft aber betraͤgt der Unter⸗ ſchied 50 und mehr p. C., wenn ſchmackhaftes und ſaftiges Hammelfleiſch geſucht wird. In die Augen fallend iſt auf dieſer Ta⸗ belle das Verhaͤltniß der Qualitaͤt, die durch den Preis ausgedruckt wird, zur Quantität der Wolle. So wie jene hoͤher ſtehet, vermindert ſich dieſe. Ein Schaaf, was ſehr viele und zu⸗ gleich ſehr feine Wolle truͤge, findet ſich nicht darunter. N. 1. Die Diſhleyſche oder neue Leiceſterſhire Art. Da dies die durch Bakewell erzeugte, ſo hoch geſchaͤßte Art iſt, die man noch noch jährlich zu hoͤherer Vollkommenheit zu brin⸗ gen ſucht, und welche einige fuͤr die einzige hal⸗ ten, die in cultivirten, verkoppelten Gegenden fortgepflanzt zu werden verdiene; ſo werde ich ihre Geſchichte nachher ausfuͤhrlicher vortragen. N. 2. Die Lincolnſhire Art hat ſtar⸗ kere und eben ſo gute Wolle, wie die vorige, erreicht aber erſt im dritten Jahre das Gewicht der vorigen zweyjaͤhrigen, auf gleicher Weide. Ihr Gebaͤude iſt zu ſtark von Knochen, ihr Fleiſch zaher und weniger ſaftig, weswegen der Schlachter ſie nur im Nothfall nimmt und ſie allemahl um geringer bezahlt, wie die vorige. Daher ſtehet der Ertrag beyder Arten folgender⸗ maaßen gegen einander: Ein Lincolnſhir'ſches dreyjähriges Schaaf bringt ein: Pf. Schill. Pence 3 Schur Wolle 33 Pfund, à Pfund 10 Pence„ 1 7 656 wird verkauft auf Michaelis zu 1 15 6 5 3 3) Gibt alſo jährlichen Ertrag„ 1 1 0 e — 641— Ein Diſhleyſches zweyjähriges Schaaf hringt ein: Pf. Schill. Pence 2 Schur Wolle 18 Pfund, 3 6 Pence„ wird verkauft auf Michaelis zu 5 5 18 0 5 2) Gibt alſo jaͤhrlichen Ertrag 1 68 das iſt, 8 Schill. mehr wie voriges. Da nun von beyden gleich viel, etwa 6 Stuͤck, auf den Acre gehalten und gemäſtet wer⸗ den konnen, ſo wird ein Acre Weidegrund durch N. 1. um 48 Schill. hoͤher benutzt, als durch N. 2. N. 3. Die Tees⸗water Art. Dies iſt die allergroͤßte Art von Schaafen, die an beyden Seiten des Tee⸗Fluſſes auf den dortigen ſehr reichen Weiden einheimiſch iſt. Wer ſie nicht kennet und ſie dort auf den Weiden ſiehet, weiß nicht, was es fuͤr Thiere ſind, denn ſie haben die Groͤße von kleinem Rindvieh. Wenn ſie zweyjaͤhrig ſind, wiegt das Vierthel oft ſchon 35 Pfund. Vierjaͤhrige aber werden auf 55 Pfund das Vierthel gebracht. Zu Darling⸗ Ss ton — o4— ton ward um Weyhnachten 1779 ein Hammel dieſer Art geſchlachtet, deſſen vier Vierthel zuſam⸗ men 249 Pfund wogen und 17 Pfund Talg hatten.*) Dieſe Schaafe werfen immer zwey, oft auch drey und mehrere Loͤmmer. Ihr Fleiſch iſt ſehr gut und ſtark im Verhältniß der Knochen, werden alſo pfundweiſe ſehr gut bezahlet und ge⸗ ſucht. Indeſſen fangen ſelbſt die Farmers am Tees⸗Fluſſe an, dieſe Race abzuſchaffen, und auſſer ſelbigen will ſie niemand mehr haben, ſo daß ſie ſich bald völlig verlieren wird. Man ſiehet nämlich ein, daß man die Qualität und Quantität von Weide, welche ſie erfordern, durch die Diſh⸗ leyſche Art ungleich hoͤher benußen könne. Von *) Ein faſt eben ſo großer Hammel ward doch von der Lincolnſhirſchen Art, mit der Bakewelſchen ver⸗ edelt, eben daſelbſt im Maͤrz 17 94 geſchlachtet. Es wogen die vier Vierthel ⸗2 2322 Pfund. Die Haut„„„ 27 ½ Pfund Das Geſchlunke 7„ Der Kopf ⸗„„ 6 ½„ 2 6 Talg„„„ 65. Der ganze Hammel alſo⸗ 2972 Pfund. Mit Blut und obigen Abfall„ 3253 Pfund Ann. of Agriculture N. 123. P. 333 da wi ſch N hen B 6 — 643— Von N. 4. und z. weiß ich nichts merk⸗ wuͤrdiges zu ſagen. Sie werden beyde wenig geſchatzt. N. 6. Die Dorſetſhire Art hat das Beſondre, daß ſie zwehmahl im Jahre lammet und daß man Laͤmmer von ihr haben kann, wann man will. Daher paßt ſie ſich ſo vorzuglich, um die Winter⸗Lämmer, oder Hauslämmer, von ihr zu erhalten. Es wird nämlich in London, und auch ſchon an andern Orten, von reichen Leuten ein erſtaunender Werth auf fettes Lammfleiſch vor oder um Wehhnachten geſeßt. Auf dem Londoner Markte wird ein ſolches, im Hauſe beh ſei⸗ nem Grummet aufgezogenes, gemaͤſtetes Lamm oft mit 2 bis 3 Pfund bezahlt. M. 7. Die Hertfordſ hire, gewohnlich Rye⸗ lander Art, hat ſehr feine Wolle, die der Spa⸗ niſchen ſubſtituirt werden kann. Wenn die beſte Spaniſche 3 Schill. gilt, ſo gilt dieſe 2 Schill. Sollte es, wie man in England behauptet, wahr ſeyn, daß die Spaniſchen Schaafe im 14 ten Jahrhundert durch Engliſche Boͤcke veredelt wor⸗ den, und daß die jetige Spaniſche Race durch Vermiſchung mehrerer Blutarten entſtanden ſey, ſo iſt wahrſcheinlich dieſes Blut darunter geweſen. So ſchon ihre Wolie iſt, ſo delicet iſt ihr Ss 2 Fleiſch, — 644— Fleiſch, und ſie verlangt keine ſehr reiche Weide⸗ Im Winter muß ſie im Stalle gehalten werden, weil ſie ſehr weichlich iſt. Dies ſcheint den Engländern, die alle andre Arten bey recht ſchlech⸗ tem Wetter hochſtens unter offene Schoppen brin⸗ gen, außerordentlich· Man findet dieſe Art indeſſen, wegen ihrer ſpäten Maſtfähigkeit, ſehr nneinträͤglich und ſie wird in Hertfordſhire bey verkoppelten Hoͤfen ganz abgeſchafft und gegen die Diſhleyſche vertauſcht. N. s. Die South Downs find eine ſehr gedrungene, gut proportionirte, harte Art von Schaafen, die an den Kalkbergen der Pro⸗ vinz Suſſex beſonders einheimiſch iſt. Ihr Fleiſch iſt vortreflich und ihre Wolle wird ſehr geſucht. Es iſt A. Youngs Lieblingsart, und er iſt uͤber⸗ zeugt, daß ſie vor allen andern ihre Futterung ſehr gut bezahlen M. o. Die Rorfolker Art iſt hoͤckerig ebauet, langbeinig, muthig und hart, und zum Huͤrdenſchlage ſehr geſchickt. Dieſer leßten Qua⸗ lität wegen, ward ſie ehemahls ſehr geſchäͤht und in Norfolk eingeführt. Jetßt, da man ſich aus dem eigentlichem Huͤrdenſchlage im öſtlichen Nor⸗ folk nichts mehr macht, wird ſie wenig geachtet. N. 16. — M. 10. Die Heath oder HaydArt iſt ſehr ſchnell, wild und hart, fuͤr die Hayd⸗ berge ſehr nuͤtzlich. N. 11. Die Herdwick⸗Art findet man in den hohen rauhen ſelſigten Gegenden Schott⸗ lands. Sie erhalten ſich bey der heftigſten Käl⸗ te, Sturm und tiefem Schnee, wo ſie ihre Rah⸗ rung unter demſelben herausholen. N. 12. Cheviot⸗Art. Dieſe weidet auf Bergen, die feines Gras tragen, und iſt fuͤr ſolche ſehr nuͤßlich. Man findet einen allmäh⸗ ligen Uebergang der vorigen Arten in dieſe, ſo wie die rauhen Haydberge in gruͤne uͤbergehen. N. 13. Die Dunfaced⸗Art iſt ſehr klein und zaͤrtlich, gibt aber eine hochſt feine Wolle. N. 14. Die Schetland⸗Art. Sie gibt eine faſt ſeidenartige Wolle. Ihr Fell wird zu Pelzwerk gebraucht und gehet ſelbſt nach China⸗ Es iſt dabey wildes, raſches Vieh. Manche der vorbenannten Arten haben ihre Vorzuͤge in beſondern Gegenden, auf Bergen und andern unangebaueten Diſtricten. Wo aber Verkoppelungen ſind, verdient, nach dem einſtim⸗ migem migem Urtheile aller Kenner, die Diſhleyſche neue Art den Vorzug. Nur muß ſie nach Ver⸗ hältniß des Bodens leichter oder ſchwerer gezogen werden. Der Vortheil, den Leicerſterſhire ven di ſer Race ſchon gehabt hat, iſt ſo groß; das Gewerbe, was damit getrieben wird, ſo ausge⸗ breitet; und die Sache ſelbſt fuͤr die meiſten deutſchen Leſer wahrſcheiniich ſo neu und intereſ⸗ ſant, daß ich nicht beſorgen darf, durch eine ausfuͤhrliche Geſchichte dieſer Veredelung langweilig zu werden. Ich entlehne ſie groͤßtentheils aus Marſhall*), der keinesweges zu den enthuſia⸗ ſtiſchen Verehrern Bakewells und ſeiner Race gehoͤrt, ſondern zur Rettung anderer Raren, die viele aus patriotiſchem Eyfer ganz vertilget ſehen mögten, alle Gruͤnde herbey ſuchet. Ob es gleich Tauſende gibt, die noch am Leben ſind und ſich der Entſtehung dieſer Race ſehr wohl erinnern; ja die ſelbſt in der nächſten Nochbarſchaft zum Theil Profeſſton von der Zu⸗ zucht machen, ſo bleibt die Art und Weiſe, wie Bakewell dieſe Race zuerſt hervorgebracht, bis jeßt *) Midland Counties. T. I. p. 332. ——— — ———— — — 6— jeßt doch noch ein Geheimniß. Es wird ſich nun zeigen, ob ſie, wie manche vermuthet haben, nach ſeinem Tode, der im Jahre 1796 erfolgt iſt, bekannt werden wird. Einige glauben, ſie ſey aus einer Vermiſchung mehrerer Racen entſtanden, und dann iſt wahr⸗ ſcheinlich eine Begattung der Ryelander mit den Lincolnſhirer ihr Urſprung. Andre ſind der Mei⸗ nung, daß er wenigſtens nur langwollige Abar⸗ tungen zuſammengebracht und unter dieſen die In⸗ dividuen ſo lange und ſo ſorgfaͤltig ausgewählt habe, bis er ſeinen Zweck erreichet. Man findet naͤmlich zuweilen, daß unter ſchlechten Racen von Vieh einzelne vorkommen, die ganz vorzügliche Eigenſchaften haben. Wenn dieſe gehörig erkannt und fortgepflanzet wuͤrden, ſo koͤnnten große Ver⸗ beſſerungen bewuͤrkt werden. Bakewells bekann⸗ ten Grundſaͤßen, auch bey der Rindvieh⸗ und Pferde⸗Zucht, iſt lettere Meinung angemeſſener. So groß jetzt die Anzahl derer iſt, die in der Nachbarſchaft dies Gewerbe der Zuzucht und Veredelung betreiben, ſo erkennen ſie ſich doch ſämmtlich für Bakewells Schuͤler und Rachfolger, und geſtehen, von ihm die Race zuerſt erhalten zu haben. Die vornehmſten darunter, und die als Anfuͤhrer von denen der zweyten Klaſſe anerkannt wer⸗ — 648— werden, ſind nach der Ordnung, wie ſie ſich auf das Anziehen der Zuchtböcke gelegt haben, oder nach ihrer Anciennetaͤt, folgende: M. Stubbins zu Holm. Pajet zu Ibstock. Breedon zu Ruddington. Stone zu Quarndon. Buckley zu Normanton. Walker zu Wolfsthorp. Bettison zu Holm. White zu Hoton. Knowles zu Mailston. Deverel zu Clapton. Princep zu Croxhall. Burges zu Hacklescot. Green zu Normanton. Robinson zu Welford. Moor zu Thorp. — Astley zu Odston. — Henton zu Hoby. Auf dieſe Haupt⸗Rambreeders, welche die Veredelung noch immer weiter zu treiben ſuchen, folgt eine zweyte Klaſſe, die von ihnen die Böcke nimmt, und die zum Theil in den Mit⸗ telländiſchen Grafſchaften, zum Theil durch ganz England zerſtreuet wohnt. Ein ———— — Ein merkwuͤrdiger Beweis von der Hals⸗ ſtarrigkeit der Menſchen und der Anhaͤnglichkeit an Vorurtheilen findet ſich indeſſen auch hierbey. Rachdem man die Vorzuͤge dieſer Race durch ganz England anerkannt hat, unb ſie aus Leice⸗ ſterſ hire allenthalben herholet, finden ſich grade in der naͤchſten Nachbarſchaft von Diſhley ver⸗ ſchiedene anſehnliche Farmers, die dieſe Race durchaus nicht annehmen, ſondern bey der alten Lincolnſhirer bleiben. Waͤre die Sache ſo in der Srille entſtanden und fortgegangen, ſagt Marſhall, ſo wäre es unmoͤglich, daß man in dieſer Gegend ein anderes Schaaf, als von dieſer Gattung ſähe. Aber grade weil ſie von Anfang an ſo viel Aufmerkſamkeit erregte, ſo finden ſich einige gedrungen, bey dem Widerſpru⸗ che zu beharren, den ſie im Anfange, ohne ſie genau unterſucht zu haben, ihr in den Weg legten. Marſhall gibt folgende Beſchreibung el⸗ nes Schaafs oder Hammels dieſer Race von vor⸗ zuͤglicher Guͤte, wenn es zwar im gutem, aber nicht uͤbermäͤßig fettem Stande iſt. Der Kopf lang aber duͤnne, ohne Horn, mit etwas langen Ohren, die ruͤckwaͤrts ſtehen; die Raſe vorſtehend. Des Der Hals dunne und fein, nach dem Kopfe zu; er erweitert ſich in coniſcher Form nach ſeiner Baſis. Im Ganzem kurz. Die Bruſt breit. Die Schultern, Rippen und Ruͤckgrad ſehr voll. Die Rierenſtuͤcke breit, und der ganze Ruͤk⸗ ken eben. Die Huͤften nach oben voll, nach unten zu duͤnner; im Verhaͤltniß mit den Vorderthei⸗ len ſchmahl. Die Beine, die vormals ſehr kurz waren, hat man jetzt zu einer mäßigen Länge gebracht. Alle Knochen außerordentlich fein und duͤnne. Das Gerippe(carcase) nimmt, wenn ſie vollig fett ſind, eine ſonderbare Geſtalt an: es iſt merklich weiter, als es tief iſt; faſt ſo breit als lang. Voll an den Schultern, am breite⸗ ſten an den Rippen, geht es in einer krummen Linie ſpitz nach dem Schwanze zu, ohngefaͤhr in der Form einer Schildkroͤte. Das Fell iſt duͤnn, der Schwanz klein. Die Die Wolle iſt kuͤrzer, als bey den anbern langwolligen Racen; gewoͤhnlich§ bis 7 Zoll; in Anſehung der Feinheit und des Gewichts ſehr verſchieden. Die Vorzuͤge dieſer Art werden ſich am deutlichſten zeigen, wenn wir ſie unter verſchie⸗ denen Geſichtspunkten mit andern in Vergleichung bringen. In Anſehung ihrer Geſtalt iſt ſie ſchoͤn und dem Auge gefallend, da alle Umriſſe durch ſanfte Wellenlinien ohne Hoͤcker und Vertiefun⸗ gen gebildet ſind. So wenig dies als ein Vor⸗ zug in Betracht kommen wuͤrde, wenn es auf Koſten des Nuͤßlichen erkauft werden muͤſte, ſo behaͤlt die Schoͤnheit der Form doch einigen Werth, wenn ſie zugleich die nuͤtzlichſten und zweckmaͤßigſten Verhaͤltniſſe hat. Dies iſt hier der Fall; der ganze Koͤrper iſt voll, vorzuͤglich aber die Vordertheile. Dieſen Umſtand haben einige Vertheidiger der alten gegen dieſe neue Art benutzen wollen, indem Lenden und Huͤften, nicht Schultern und Bruſt, die ſchäßbarſten Theile wären. Allein ſo richtig dies beym Rind⸗ vieh iſt, ſo umgekehrt iſt das beſſere Verhaͤltniß bey den Schaafen. Es kommt hier darauf an, wo auf einer gegebenen Quantität Knochen und ande⸗ anberen Abfalls der groͤßte Theil Fleiſch ſiße, und dies iſt bey den Schaafen an den Vorder⸗ thellen. Da nun die Schaafe hauptſächlich die Nahrung der aͤrmeren Klaſſe ausmachen, ſo kommt es bey dieſer hauptſaͤchlich in Betracht, daß ſie viel Fleiſch auf wenig Knochen erhalte. Wer die Hintertheile aus Geſchmack mehr liebt, der findet ſie auch bey dieſer Art recht gut, nur minder ſtark als die Vordertheile. Ein ſehr wichtiger Charakter dieſer Art iſt aber die Feinheit und Leichtigkeit ihrer Knochen in Vergleichung anderer Arten. Wenn man eine Rippe von dieſen Schaafen mit einer von den Rorfolkern vergleicht, ſo findet man dieſe we⸗ nigſtens noch einmahl ſo dick, da doch auf jener wenigſtens dreymahl ſo viel Fleiſch ſaß, als auf dieſer. So lange alſo die Menſchen Fleiſch eſſen und Knochen wegwerſen, wird jeder der neuen Art den Vorzug geben⸗ Auch Kopf und Fell iſt leicht. Man be⸗ hauptet ſogar, daß Blut und Eingeweide bey dieſer Art weniger am Gewichte betragen ſollen, als bey andern. In ihrem natürlichen Verhält⸗ niſſe ſcheint dies nun wohl nicht wahrſcheinlich. Wenn aber ein Schaaf dieſer Art ſtark gemäſtet i 6 — 653— iſt, ſo mag es wohl im Verhältniß des ganzen Gewichts weniger ausmacheu. Das Fleiſch.— Hierͤber muͤſſen wir einmahl einen Englaͤnder ſelbſt dociren hörenz ich will daher Marſhall woͤrtlich ͤberſetzen ⸗ „Die Criterien des guten und ſchlechten Fleiſches ſind, beym Leben des Thiers, verſchieden nach der Verſchledenheit der Arten⸗ Um ſie mit volliger Genauigkeit zu beſtimmen, und ſie zu einem ſichern Leitfaden in jedem Grade der Magerkeit und Fettheit zu machen, und De⸗ finitionen davon zu geben, die in jedem Zuſtande verſtändlich und zutreffend wären, wuͤrde noch eine Reihe von Verſuchen bey mannigfaltigen Individuen jeder Gattung erfordert. Man muͤſte ſie in jedem Grade der Fleiſchanſeßung bis zur vollkommenſten Maſtung beobachten; ſie vom Weidegrunde in das Schlachthaus, und von da in die Kuͤche und auf den Tiſch verfol⸗ gen; und dies mit einer ſo genauen Aufmerk⸗ ſamkeit, als man vermuthlich noch nicht darauf gewandt hat, und wahrſcheinlich nicht anders darauf wenden wird, als wenn es einmahl unter der Leitung einer oͤffentlichen Anſtalt zum oͤffentlichen Nußen geſchiehet.“ „Dem⸗ — e5— „Demohngeachtet gibt es in dieſer Gegend Maͤnner, die durch den Weg einer langen Er⸗ fahrung ſich zwar vielleicht keinen wiſſenſchaft⸗ lichen, aber doch zureichenden Grad von Kennt⸗ niß uͤber dieſen Gegenſtand erworben haben, um ſie in den Stand zu ſeten, beym Leben des Thiers und in deſſen magerm Zuſtande durch das Gefuͤhl zu beurtheilen, von welcher Qualität das Fleiſch ſeyn werde, wenn das Thier gemäſtet und geſchlachtet worden: und das zwar mit einem Grade von Genauigkeit, der wenigſtens fuͤr un⸗ ſern jetzigen Zweck hinreichend iſt; nämlich dem der Viehmaſtung B fliſſenen(Student) eine allgemeine Idee zu geben, und die bis jetzt be⸗ kannten Grundſäße derſelben, zum Gebrauche kuͤnf⸗ tiger Erweiterer dieſer Kunſt, aufzuzeichnen.“ „Die Qualität des Fleiſches beym Rind⸗ vieh läßt ſich am beſten beſtimmen, wenn das Thier im guten musculöſen Stande, aber nicht fett iſt. Wenn es ſchlechtes Fleiſch geben wird, ſo läßt es ſich in dieſem Zuſtande hart und gewiſſermaaßen rauh(harsh) anfuͤhlen; wird es hingegen gut werden, ſo iſt das Gefuͤhl ſanft und weich, mit einem gewiſſen Grade von Loſigkeit, oder vielmehr Nachgiebig⸗ keit und Biegſamkeit. So wie das Thier in den Zuſtand der Fettigkeit kommt, ſo geht dies — 655 dies in einen gewiſſen Grad von Dichtigkeit und Feſtigkeit uͤber; eine Beſchaffenheit, die ſo nahe an Härte graͤnzt, daß, wenigſtens ein nicht ſehr Erfahrner, eins fuͤr das andre nehmen könnte, wenn er nicht auf den ganzen Zuſtand und Beſchaffenheit des Thiers Ruͤckſicht nimmt.“ „Das Fleiſch der Schaafe wird aber nach etwas verſchiedenen Criterien beurtheilt. Dieſe ſind noch nicht beſtimmt genug. Männer von Profeſſion— ſelbſt Viehzuͤchter der erſten Klaſſe— ſind in ihren Ideen daruͤber noch nicht völlig eins: ein Beweis, daß die Sache noch nicht bis auf den Grund erforſchet iſt.“ „Dennoch geben alle beruͤhmtern Viehzuͤch⸗ ter zu, daß Loſigkeit beym Leben eine uͤbele Eigenſchaft des Schaaffleiſches ſey; indem es ein Merkmahl von Grobkoͤrnigkeit und Schwammig⸗ keit deſſelben, wenn es auf den Tiſch kommt, abgibt.“ „Genau beſtimmt ſind dieſe Merkmahle aber noch nicht. Ein beruͤhmter Piehzuchter iſt der Meinung, daß das Fleiſch immer gut ſey, wenn es nur nicht loſe iſt, indem das Schaaffleiſch nie die Haͤrte habe, die man bey ſchlechtem Rind⸗ fleiſche findet. Dagegen machen andre einen vier⸗ fachen fachen Unterſchied beym Anfuͤhlen des Schaafflei⸗ ſches, naͤmlich Loſigkeit, Weichheit, Dicht⸗ heit und Härte. Die erſte und letzte Qua⸗ lität halten ſie fuͤr gleich tadelhaft, die zweyte und dritte aber fuͤr gut, und eine gluͤckliche Mi⸗ ſchung dieſer beyden, fuͤr den wahren Punkt der Vollkommheit.“ „Es iſt bekannt, daß das Schaaffleiſch ge⸗ ſchlachtet von verſchiedener Qualitaͤt iſt. Einiges iſt aus breiten groben Faſern(large, coarse grains) zuſammengeſeßt, und bazwiſchen weite leere Poren, gleich einem Schwamme: anderes hat grobe Faſern mit weiten aber durch Fett ausge⸗ füllten Höhlungen: noch anderes Pat feine dichte Foſern mit kleineren, ſetthaltenden Poren; und ein viertes hat dichte Faſern ohne Fett dazwiſchen.“ „Wenn das Schauffleiſch zubereitet iſt, weiß man ebenfalls, daß es ſich ſehr verſchieden verhält. Einiges iſt grob, trocken und unſchmack⸗ haſt, wie ein trockner Schwamm, gibt wenig oder gar keinen Saft von irgend einer Farbe. Ein anderes iſt dichter, und gibt einen leichtge⸗ färbten Saft. Noch ein anderes iſt derbe, kurz und angenehm und gibt eine Miſchung von weiſ⸗ ſem und rothem Safte. Ein viertes iſt ebenfalls derbe —.— ——-— te e. t . be derbe und gut gefärbt, gibt blos rothen Saftz und dieſen in verſchiedener Menge.“ „Auch bemerkt man, daß einiges zubereitetes Hammelfleiſch mit einer dicken, zaͤhen, pergament⸗ artigen Hant überzogen iſt; bey anderm iſt dieſe Haut fein und nachgebend.“ „Dieſe und einige andre Eigenſchaften des Hammelfleiſches moͤgen vielleicht nicht ganz auf die Race, ſondern zum Theil auch auf das Alter und den Grad der Maſtung beruhen. Ich wuͤn⸗ ſche daher, daß man mich ſo verſtehn moͤge, als ſey meine Abſicht hier, mehr die Unterſuchung die⸗ ſer Materie befoͤrdern, als ſie entſcheiden zu wol⸗ len, indem ſie noch in einer gewiſſen Dunkelheit zu liegen ſcheint. Sie iſt aber gewiß einer wiſ⸗ ſenſchaftlichen Unterſuchung werth.“ Das Fett. Von dieſer Seite betrachtet, hat die neue Art gewiß die augenſcheinlichſten Vor⸗ zůge, wir mögen den Grad der Fettheit, deren ſie überhaupt faͤhig iſt, oder ihre beſondre Reigung dazu, ſelbſt in fruͤherem Alter, erwägen. Gewöhnlich werden jährige Hammel(Lamb hogs) zu 27— 28 Schill. das Stuͤck ver⸗ kauft, da die von der gewohnlichen Art höchſtens Dt 18 18 Schill. gelten. Man hat aber Beyſpiele, daß, von einer vorzüglichen Brut, Hammel im Au⸗ guſt, ohngefähr 12 Jahr alt, zu 35 Schill. das Stuck verkauft worden. Der Zweck des Viehmäſtens iſt ohne Wi⸗ derrede hauptſächlich der, Vieh zu haben, was geſchwind fett wird; denn wenn man auch an⸗ nimmt, daß es in der Zeit mehr frißt, wie an⸗ deres, das langſam zunimmt, ſo bleibt doch ſchon ein großer Vortheil dabey, es zwey bis drey Wochen fruͤher zu Markte bringen zu konnen. Grashammel werden die erſte Zeit, wenn ſie er⸗ ſcheinen, viel theurer bezahlt, wie nachher, wo der Markt uͤberhaͤuft davon iſt. Es iſt aber wohl ausgemacht, daß ſolche geſchwind zunehmende Schaafe weniger Futter koſten, als andre, die ſchwerer anſetzen, wenn ſie beyde zu einem glei⸗ chem Grade von Feiſtigkeit kommen ſollen. Der Grad von Feiſtigkeit, wozu Thiere dieſer Gattung gebracht werden können, iſt un⸗ glaublich fuͤr jeden, der nicht Gelegenheit gehabt hat, ſich ſelbſt davon zu uͤberzeugen.„Ich habe zweh bis dreyjährige Thiere geſehen“ ſagt Mar⸗ ſhall, die kaum einmahl herumlaufen konnten, und deren Fett ſo answärts lag, daß es bey der geringſten Bewegung ſchien, als wolle es ihnen vol⸗ vollends von den Rippen herunterfallen. Ich ſahe zuerſt zu Lichfield ein Vordervierthel, das volle 4 Zoll Fett auf den Rippen hatte, nachher eins, was, auſſer einem Zoll durchwachſenen Fleiſches 5 Zoll Fett uͤber den Rippen trug, und man hat bis 6 Zoll darauf gehabt.“ Bey dem hoͤchſten Grade der Feiſtigkeit nehmen die fleiſchigten Theile ab, und werden ſo mit Fett durchwachſen, daß alles wie bloßes Fett ausſiehet, zumahl bey älteren Thieren. Ein Nie⸗ ren⸗Stuͤck von einem Hintervierthel, das 26 Pfund wog, behielt, nachdem alles Fett weggenommen war, nur zweh und ein halb Pfund am Gewichte. Aber, hoͤre ich beſonders deutſche Leſer fra⸗ gen, wer kann ſolches Hammelflelſch eſſen, wer es vertragen? Das erſtaunlich fette Hammelfleiſch, antwortet der Englaͤnder, iſt auch nicht fuͤr die Tafel der Wohlhabenden, ſondern fuͤr den Aermeren. Er reicht damit weiter, wie mit magerem. Und ſtatt fuͤr Speck 8 Pence zu bezahlen, kauft er fetten Hammel fuͤr§ Pence. Auch hat man es mit dem Einſalzen und Raͤuchern ſo weit gebracht, daß ſelbſt Kenner es eben ſo gern, als Speck und Schinken von Schweinen eſſen, die ſehr viel theurer ſind. Tt 2 Die — 660— Die Wolle. In Anſehung derſelben hat dieſe neue Art gar keine Vorzüge, ſondern ſteht gegen die andern langwolligen Arten merklich zu⸗ ruͤck. Man hat darauf aber abſichtlich bey dieſer Verbeſſerung gar keine Rückſicht genommen, ſon⸗ dern ſie ganz aufs Fleiſch und Fett berechnet. Je weniger Nahrungstheile auf den Haarwuchs verwandt werden, ſagen die neuen Schaafzuchter, deſto mehr ſctzen ſich zum Fleiſche an; und zwar mit mehrerem Vortheil bey dieſem als bey jenem. Ja, man gehet ſo weit zu behaupten, daß, wenn man eine Art Schaafe ganz ohne Wolle herbor⸗ bringen koͤnnte, ſo muſte dies die vortheilhafteſte ſeyn. Solche Uebertreibungen haben der neuen Race grade nur Gegner zugezogen. Man hat geſagt, wenn eins fehlen ſolle, ſo konne ſich die Ration eher ohne Hammelffleiſch, als ohne Wolle vehelfen. Dies gehe den Landwirth als Land⸗ wirth nichts an, antworteten einige Breeders; er ſehe darauf, wodurch er ſein Land am beſten be⸗ nuhen koͤnne. Fehle die Wolle, ſo wuͤrde ſie imn Preiſe ſteigen, und wenn der Landwirth bey dieſer mehr Vortheil als beym Fleiſche fände, ſo konne man bald langwollige Schaafe hervorbringen. Die —— Die kälteren Vertheidiger der neuen Art ſagen aber, daß wenn die einzelnen Koͤpfe in der Wolle auch zuruckſchluͤgen, ſo wuͤrde doch durch dieſe Art vom Acre wenigſtens eben ſo viel ge⸗ wonnen, als von der alten Art; folglich die Production des Fleiſches vermehret, ohne dem Er⸗ trage der Wolle zu ſchaden. Rach der Verſchiedenheit dieſer Grundſäße und nach dem Wunſche ihrer Kundleute, verfah⸗ ren auch die Breeders verſchieden. Einige ſuchen durch die Auswahl der Begattungen die Wolle zu verlaͤngern, andre ſie zu verkuͤrzen. Da man auch in verſchiedenen Gegenden bey dieſer Race nichts auszuſeßen hatte, als daß ihre Beine zu kurz wären, um weite Wege zu machen, und man ſie alſo nicht zum Huͤrden⸗ ſchlage auf entſernteren Feldern brauchen koͤnne; ſo haben die meiſten Vreeders angefangen, die Beine etwas zu verlängern. Wir kommen nun auf die Art und Weiſe, wie die Zuzucht dieſer Art betrieben wird. Die BVoͤcke werden nie verkauft, ſondern nur von einem Breeder an den andern auf eine Springzeit verlaſſen. Die — 662— Die Breeders der erſten Klaſſe haben zu dem Ende ihre offentlichen Ausſtellungen, die nach getroffener Uebereinkunft den Zten Junius angehen und bis Michaelis dauern. Einige Wochen lang, nach dem Anfange die⸗ ſer Ausſtellungen, haͤlt jeder vorzuͤgliche Bree⸗ der offenes Haus. Es kommen dann Bree⸗ ders der zweyten Klaſſe und andre Landwirthe aus allen Gegenden des Reichs, theils um Bocke zu miethen, theils um zu beſehen und zu beur⸗ theilen. Da reiſen ſie dann von einem Breeder zum andern. Auch beſuchen ſich die Hauptbree⸗ ders unter einander. Wenn dieſe Privat⸗Ausſtellungen geſchloſſen ſind, ſo iſt eine oͤffentliche am roten October zu Leiceſter, wo alle Arten von Boͤcken, gewöhn⸗ lich doch aber nur von minderer Guͤte, auf Wagen zuſammeng bracht werden, um ſie zu vermiethen, oder auch wohl zu verkaufen. Mit dem Vermiethen der Boͤcke fing in dieſer Gegend Bakewell zuerſt an, und nahm anfangs ſehr geringe Preiſe. Hieraus iſt jett ein Wirth⸗ ſchaftszweig geworden, der dieſer Gegend unge⸗ heure Summen eingebracht hat, und vorerſt noch einbringen wird. Die Die vornehmſten Breeder ziehen jährlich zwan⸗ zig, dreißig, vielleicht vierzig junge Vöcke auf. Sie waͤhlen ſolche blos nach dem Blute und der Verwandtſchaft aus, da man ſich auf die Form, ſo jung, nicht verlaſſen darf. Man denkt ſich leicht, daß bey ihrer Aufzucht nichts geſparet wird. Sie werden ſchon im zweyten Jahre ver⸗ laſſen. Ueberhaupt werden die Boͤcke vom erſten Fruͤhjahre an, bis zur Zeit der Ausſtellung, aufs beſte verpfleget. Junger Klee, der fruͤh zum er⸗ ſtenmahle gemähet worden, iſt vorzuͤglich ihre Weide. Während der Ausſtellung hält man ſie in kleinen Koppeln, worinn ein Verſchlag angebracht worden, in welchen ſie gern hineingehen, um ſich beſehen und betaſten zu laſſen. Die älteren Boͤcke ſind beſonders ſehr zahm, und ſcheinen die Achtung recht zu fuͤhlen, die man ihnen erweiſet. Der Hauptbreeder Bakewell hat jeden Bock allein ſtehen, und zeigt jeden einzeln vor. Fuͤr die rechten Kenner iſt dies ſehr paſſend; andre aber verlieren dabey die Huͤlfe der Vergleichung. Diejenigen, welche die Böcke miethen, thei⸗ len ſich in zwey Klaſſen. Es ſind entweder ſolche, die wieder Zuzucht von Böcken treiben wollen, Ramgetters; oder ſolche, die nur ihre eigene Schaaf⸗ Schaafzucht verbeſſern wollen, Weddergetters. Erſtere ſuchen ganz vollkommene Bocke, und ſehen auf eine ſehr reine Abſtammung von vaͤterlicher und muͤtterlicher Seite. Die andern nehmen es nicht ſo genau, und ſehen im allgemeinen auf die Neigung zum Fettanſetzen. Jeder nimmt aber auf die Unvollkommenheit ſeiner Schaafe beſonders Ruͤckſicht, und ſucht ſich einen Bock aus, der in dem Puncte, welcher ſeinen Schaafen mangelt, vorzugliche Qualitäten hat, wobey denn alles auf gute Beurtheilung ankommt. Bakewell und einige andre haben jetzt die Gewohnheit angenommen, gar keinen Preis zu ſetzen und zu fordern. Sie laſſen ſich bieten. Wer am meiſten bietet, erhält den Vock. Doch wird dabey auf alte Kundſchaft und Freundſchaft Ruͤckſicht genommen; wohl aber auch auf die Rivalität, worinn zwey Breeders ſtehen. Ein vorzüglicher Breeder wird einen ſehr ſchoͤnen Bock lieber an einen verlaſſen, deſſen Schaafe noch weit zuruͤckſtehen, als an einen andern, dem nur noch wenig fehlt, um ihm gleich zu kommen. Wenn er nun einen beſtimmten Preis ſeßte, ſo könnte er ſeinen Bock nicht zuruͤckhalten, wo er wollte. Geſchriebene Geſetze hat man üͤber dies Ge⸗ ſchäft nicht. Es exiſtirt aber eine allgemeine Ueber⸗ Uebereinkunft, worauf mit ſeltener Chrlichkeit gehalten wird. Es wird feſtgeſetzt, daß ein Bock eine ge⸗ wiſſe Anzahl von Schaafen beſchwängern ſoll. Kann er das durch Zufall oder Unfaͤhigkeit nicht, ſo wird von dem Preiſe verhaͤltnißmaͤßig abgezo⸗ gen. Stirbt er in der Zeit, ſo ſtirbt er dem Verlaſſer, vorausgeſetzt, daß der Miether nicht Schuld an ſeinem Tode ſey. Dagegen darf der Miether keine andre als ſeine eigenen Schaafe, und von dieſen nur die beſtimmte Anzahl, damit beſpringen laſſen, die dem Alter und den Fähigkeiten des Bocks angemeſſen iſt. Auch wird zuweilen ein vorzuͤglicher Bock jemandem, der blos Hammel aufziehen will, zu geringerm Preiſe verlaſſen, unter der ausdruͤcklichen Bedingung, keine Boͤcke davon zu erziehen. Auf alles dies wird unter den bekanntern Farmers ſehr gewiſſenhaft gehalten; ein Beweis von der Rechtſchaffenheit, die unter dieſem Theile der Nation herrſcht. Die Preiſe fuͤr die Verlaſſung eines Bocks auf eine Springzeit ſind, beſonders ſeit 1780, ſchnell und erſtaunlich geſtiegen. In dieſem Jahre ver⸗ vermiethete Bakewell verſchiedene zu 10 Gui⸗ neen, und ein anderer Mr. Parkinſon einen zu 25 Guineen. Erſterer kam dieſem aber bald wieder vor, und die ſeinigen ſtiegen ſchnell von 10 zu 100 Guineen. 1786 verließ er ſchon einen zu 300 Guineen. Seit der Zeit hat er mehreremahle 400 Guineen erhalten. 1739 hat er 1200 Guineen fuͤr 3 Böcke und 2000 Gut⸗ neen fuͤr 7 Böͤcke erhalten. 20 Guineen iſt jeßt das geringſte, wofuͤr er einen Bock austhut; und er behält ſelten einen uͤbrig. Außer ihm giebt es nun noch ſo viele andre, die große Sum⸗ men damit machen. Wer nicht an Ort und Stelle geweſen iſt, dem kommen die Preiſe unglaublich vor. Man⸗ che haben daher geglaubt, die Preiſe würden nur angegeben, aber nicht wuͤrklich bezahlt. Daß ſich dies aber nicht ſo verhalte, ſondern daß die ausgemachte Summe wuͤrklich bis auf den leßten Heller bezahlt werde, bezweifelt, wie Young, Marfhall und Culley ſagen, keiner, der den Han⸗ del mit angeſehen und mitgemacht hat. Um die Sache zu begreifen, muß man ſie ſich in ihrem ganzen Zuſammenhange denken. Die hohen Preiſe werden nicht bezahlt, um Ruß⸗ Schaafe dadurch zu erhalten, ſondern um wieder Spring⸗ zu nu Oe lor Springboͤcke davon zu erzlehen, die dann wieder auf eben die Art verlaſſen werden. Sie werden nur von ſolchen gegeben, die ſchon ſehr veredelte Schaafe haben, aber ſie noch zu groͤßerer Voll⸗ kommenheit bringen wollen. Derjenige, welcher blos Schaafe hält, um Schlachtvieh zu ziehen, nimmt ſeine Böcke von den Breeders der 2ten Klaſſe, und bezahlt 5, zuweilen doch auch wohl bis 10 Guineen fuͤr einen Bock. Angenommen, daß er auch den hochſten Preis giebt, 00 Schaafe damit beſpringen laͤßt, und etwas uͤber 100 Lämmer(denn ſehr haͤufig fallen zwey Stuͤck) davon erhaͤlt, ſo betraͤgt dies etwa 2 Schill. auf den Kopf. Und dies iſt eine Kleinigkeit, wenn man die Vorzüge dieſer Race erwägt. Ein 2 bis 2½ juͤhriges Schaaf iſt ſchon 10 bis 15 Schill. mehr werth, als eins von ſchlechterer Art. Man läͤßt einen ſolchen geſchaͤßten Bock nie⸗ mahls zwiſchen der Schaafheerde herumgehen, ſon⸗ dern haͤlt ihn abgeſondert, auf einer kleinen Kop⸗ pel, und giebt ihm nur einige Geſellſchaſterinnen, um ihn ruhig zu erhalten. Die Schaafe werden einzeln zu ihm gebracht, und er bedienet jedes nur einmahl. Sonſt rechnete man 80 Schaafe auf einen Vock; jetzt ſtehet er 100 bis 120 vor. . In — 668— In Anſehung der Zuchtſchaafe ſehen die Breeders auch hauptſaͤchlich auf die Abſtam⸗ mung. Wenn ſie nicht ſchon hinreichend veredel⸗ ter Blut haben, ſo kommt durch den Vock al⸗ lein nichte Vollkommenes heraus. PBöcke, die mit minder veredelten Schaafen erzeuget ſind, bringen eine zuräckſchlagende Nachkommenſchaft hervor, wenn ſie auch äußerlich noch ſo vorzuglich ſcheinen. Die Race⸗Schaafe werden daher auch ſehr theuer verkauft, zu 10 bis 20 Guineen. Manche aber verkaufen ſie um keinen Preis. Bakewell läßt Schaafe ſchlachten, die in einer offentlichen Auction zu 50 Guineen verkauft werden könuten. Man hat ſogar auch angefangen, Schaafe auf eine Lamm⸗ zeit zu verlaſſen. Bis jeßt iſt dieſer Betrieb noch immer im Steigen. Die Zeit wird lehren, wie hoch er ge⸗ trieben werden kann, und was am Ende heraus⸗ kommen wird. In den eigentlichen Grasläͤndern wird die Maſtung der Schaafe faſt blos mit Gras und Heu betrieben, kunſcliche Futterkräuter doch nicht ausgeſchloſſen. Farmers von groͤßerer Induſtrie bauen, bauen aber auch Kohl und Ruͤben zur Winter⸗ maſtung. Auf den Koppeln weiden die Schaafe faſt allgemein mit den Maſtochſen vermiſcht; auf einen von dieſen, zwey Schaafe. Hiedurch glaubt man den Weidegrund am vortheilhafteſten zu be⸗ nußen. Auf manchen Höfen werden 460 Stuͤck Schaaſe, die alle innerhalb zwey Jahren fett ſeyn muͤſſen, gehalten⸗ Auf den fetteſten Weibegründen fuͤrchtet man ſich fuͤr das Faulwerden nicht, wenn nur kein ſtehendes Waſſer darauf iſt. Fuͤr das Trocken⸗ legen der Weidegründe ſorgt man aber ſehr⸗ Selbſt auf gewäſſerten Gruͤnden läßt man fie ohne Bedenken weiden, ſobald das Waſſer völlig abge⸗ zogen iſt⸗ Den jung ausſchlagenden rothen Klee hält man für die geſundeſte und gedeihlichſte Weide fuͤr Schaaſe. Man nimmt die Lämmer fruͤher von den Schaafen, ehe dieſe ihre Milch vollig verliehren. Die Lämmer brauchen die Milch nicht ſo lange, und befinden ſich bey der Weide faſt beſſer ⸗ Die Mutter wird aber deſto eher fett, je früher die Milch aufſchlägt. Daß kein guter Landwirth die Schaafe melke, verſteht ſich wohl von ſelbſt; es moͤgte es denn jemand — 670— jemand, der Schaafe zu ſeinem Vergnuͤgen im Park hielte, aus beſonderer Leckerheit thun. Nach dieſem allem brauche ich wohl nicht zu ſagen, was der Engländer von der gemeinen Schaaftrift auf ebenem Boden denkt. Selbſt auf unbebaubaren Bergen iſt ihm Gemeinheit zuwider, und jeder Hof hat ſeinen Weidediſtrict, den er zu verbeſſern ſucht. Aber die gemeine Weide auf Ackerfeldern und fruchtbaren Gruͤnden ſiehet er fuͤr die hochſte Schande der Nation an. In man⸗ chen Gegenden Deutſchlands glaubt man noch, daß ohne ſolche keine Schaafzucht eriſtiren koͤnne, und haͤlt dies für ein unuͤberſteigliches Hinderniß der Verkoppelung*). Die Spaniſchen Schaafe haben bis jeßt in England wenig Beyfall gefunden. Die Fehler des Gebaͤudes können, nach der einſtimmigen Meynung aller Schaͤferey treibenden Farmers, durch *) Der Herr Ober-Commiſſ. Weſtfeld hat in der Abhandlung: Koͤnnten die Nutzungen der Schaͤfereyen im Hanndͤveriſchen hoͤher getrieben werden? uns eines beſ⸗ ſern zu belehren geſucht. —„———.—— durch die Feinheit der Wolle nicht wieder gut ge⸗ macht werden. Man benuße durch ſie, wenn auch der Preis der feinen Wolle noch ungleich höher ſtiege, die Schaaſweide viel geringer, als durch die langwolligen, maſtfähigen Schaafe. Daher haben diejenigen, welche die Einfuͤhrung derſelben, in ſtaatswirthſchaftlicher Ruͤckſicht und zum Vortheil der Manufakturen, empfehlen woll⸗ ten, gegen die Gruͤnde der eigentlichen Landwir⸗ the verſtummen muͤſſen. Sinclair, welcher, ehe er auf die Errichtung eines Boards of Agri⸗ culture dachte, das Intereſſe der Wollenmanufak⸗ turen mit dem Intereſſe der Schaͤferey zu verei⸗ nigen hoffte, ſtiftete daher ſchon einige Jahre fruͤher eine Societät zur Verbeſſerung der Wolle in Brittannien. Er hat hieruͤber, wie er irgend⸗ wo ſagt, eine Correſpondenz mit 1500 Perſonen gefuͤhrt, und ſeine Reiſe durch das nordöſtliche Europa hatte hauptſachlich dieſen Zweck. Man hat aber, ſo viel ich weiß, bis jetzt kein Mit⸗ tel ausfinden koͤnnen, in England die Feinheit der Wolle zu erhohen, ohne den allgemeinen Er⸗ trag der Schaafzucht, oder vielmehr den Ertrag der Weide, durch die Schaafe zu verringern. Einige glauben, es gebe in Spanien wuͤrklich Schaafe, die ein engliſcher Schaafzächter fur gut gebauet erkennen wuͤrde. Aber dieſe hat man bis jetzt nicht erhalten koͤnnen. Aus Aus der Verbindung der Rhelaͤnders mit den Spaniern, entſtand eine Art, die in Anſehung des Gebaͤudes minder fehlerhaft, wie dieſe, waren, und doch beſſere Wolle, wie jene, trugen. Sie ſchlug aber in den folgenden Generationen wieder zuruͤck, und die Fehler der ſpaniſchen Race kamen zu ſtark hervor. In Anſehung der Zucht und Behandlung der kurzwolligen an Bergen und auf den unange⸗ baueten Ebenen— welche der engliſche Patriot überhaupt verwuͤnſcht— weidenden Schaaſe, habe ich nichts gefunden, was ſich vor unſerer Schaaf⸗ zucht auszeichnete; es ſey denn, daß man in An⸗ ſehung der Zuchtboͤcke und Mutterſchaafe mehr auswählt, und jede Race in ſich ſelbſt immer zu verbeſſern ſucht. Die Mehnung, daß aus einer nahen Ver⸗ wandtſchaft der Böcke mit den Muͤttern eine un⸗ edlere Generation erfolge, haͤlt man jeßt fuͤr bloßes Vorurtheil. Vielmehr ſucht man eine vorzuͤgliche Familie in ſich ſelbſt fortzupflanzen. Die Be⸗ merkung aber, daß die Boͤcke kaltſinniger gegen die Schaaſe werden, womit ſie täglich ausgehen, und daher bey der Begattung weniger Feuer zei⸗ gen, hat ſich beſtaͤtiget, und man haͤlt daher die Boͤcke abgeſondert⸗ e Nachträage zum erſten, zweyten und dritten Kapitel. Uu ————— 1——— S 28— Nachtrag zum erſten Kapitel. Wen wir bedenken, daß England nicht nur die erſtaunliche Menſchenmaſſe, die ſich im Lande befindet, ſondern die es auch auf den Meeren erhaͤlt, durch ſeine eigenen Produkte reichlich naͤh⸗ re; ſeine Colonien zum Theil noch verſorge, und, der Regel nach, noch Korn und andre Landespro⸗ dukte an Freide verkaufe; und obendrein bemer⸗ ken, daß große Strecken Landes zum Theil noch gar nicht, zum Theil höchſt elend cultivirt werden, auch daß es im Grunde nur die wenig⸗ ſten und kleinſten Provinzen ſind, die den Er⸗ trag ihrer Aecker ſo hoch getrieben haben: ſo muͤſſen wir ſchon hieraus den Schluß ziehen, Uu 2 daß daß die Landwirthſchaft in dieſen beſſer cultivir⸗ ten Gegenden einen ſehr hohen Grad von Voll⸗ kommenheit erreichet habe. Iſt jene Verfaſſung der den Ackerbau betreibenden Klaſſe, die ſich vorzuglich in den cultivirteſten Grafſchaften ſo beſindet, auch nicht der Hauptgrund dieſer Voll⸗ kommenheit, ſo iſt es doch gewiß eine Bedin⸗ gung sine qua non derſelben; und man kann annehmen, daß ein Staat ſeine Landwirthſchaft nur in dem Grade der Engliſchen aunaͤhern koͤnne, in welchem er die Verhältniſſe ſeiner ackerbauenden Klaſſe, denen in England, gleich zu machen im Stande iſt. Wo die Landwirthſchaft in den Händen großer Guͤterbeſiher iſt, da wird man eine bequeme, leicht zu uͤberſehende, mit wenig Riſico verbundene, und mit moͤglichſt geringem Vorſchuſſe zu beſtreitende Wirthſchaftsart vorzie⸗ hen. Man fräat da nur, was der Boden ein⸗ trägt; auf das eigentliche Gewerbe des Acker⸗ baues rechnet man faſt nichts. In England ſagt man, der Boden bieſes Farms thut 200 Pf. Sterl.; aber durch die Wirthſchaft, die dar⸗ auf geführt wird, koͤnnt ihr 20 oder noch 400 Pf. Sterl. derdienen, je nachdem ihr ein Kapital und Kenntniſſe habt. Auch läßt ſich in jenen Gegenden, wegen Mangel an Menſchen und Stumpfheit der vorhandenen, nichts ausfuͤhren. Wenn ſolche Güterbeſitzer ſchuldenfrey und wohl⸗ habend S— 8—*— 8* ⸗ — 27 habend ſind, ſo laſſen ſie ſich mit dem herge⸗ brachten Ertrage begnuͤgen, und verzehren ihn nach ihrem Geſchmacke; ſind ſie es nicht, ſo ſehlt es ihnen an einem fuͤr die Groͤße der Guͤter ver⸗ hältnißmäßigen Vorlage, eine thätigere Wirth⸗ ſchaft anzufangen. Wird aber der Ackerbau groͤß⸗ tentheils nur von Bauern betrieben, und ſtehen dieſe noch unter dem Zwange des Meherrechts oder gar der Leibeigenſchaft, und ſind den Plak⸗ kereyen des Frohndienſtes und des Zehntens in Ratura unterworfen, ſo ſind ſie viel zu geläͤhmt an Geiſt und Vermögen, als daß von ihnen irgend eine Betriebſamkeit zu hoffen wäre. Wo Güter⸗ und Bauernwirthſchaften ſich ohngefaͤhr im Beſitze des Landes theilen, da nimmt eins das andre nur zum Muſter der Rachlaͤſſigkeit und des Schlendrians. Gemeiniglich ſind daſelbſt die Aecker ſo untereinander gemiſchet, und die Ge⸗ meinheiten und ihre Rechte ſo verworren, daß an keine Auseinanderſetzung und gehoͤrige Abrun⸗ dung der Beſißungen zu denken iſt. Bey dieſem, in Deutſchland nur zu allge⸗ meinen Zuſtande der Dinge, werden alle Verord⸗ nungen, Ermahnungen, Belehrungen und Prä⸗ mien wenig helfen, wenn nicht die ganze Ver⸗ faſſung in Ruͤckſicht des Ackerbaues geändert wird ⸗ Unuͤberwindliche Schwierigkeiten hat das gewiß nicht 3 nicht, und vielleicht iſt die Zeit nicht ſo entfernt, wo man damit in einem oder dem andern Staate den Anfang macht. Hat einer angefangen, ſo muͤſſen die andern ſchon ſolgen; wohl dem, der den Anfang machte! Man verwandle, nachdem Gemeinheiten getheilt worden, Meyergefälle, Frohn⸗ dienſte und Zehnten in Landzins, und laſſe jedem die Freiheit, zu kaufen, zu verkaufen und zu ver⸗ ſehen, was er will; verſteht ſich, immer mit Uebernahme des Landzinſes. Die guten Wirthe werden ſich bald heben; die ſchlechten bald zu Grunde gehen. Aber dafuͤr werden genug andre kommen, die Geld, Thaͤtigkeit und Kenntniſſe mitbringen. Es hat ſich in manchen Gegenden Deutſchlands eine Menge Geldes angehaͤuft, was todt da liegt, weil es an Sicherheit und Gele⸗ genheit, es zu benußen, fehlt. Denn mit Han⸗ del und Manufacturen will es nicht fort, eben weil der Grund, worauf ſie ſich heben können, der Ackerbau, und die nur durch ihn hervorzu⸗ bringende Bevoͤlkerung, noch darnieder liegt. Nun wird es bald ſeinen Ausweg finden, wenn Läͤn⸗ dereyen anzukaufen und zu bebauen ſind. Wohl⸗ habende Leute, aus dem Mittelſtande beſonders, werden kaufen, und eins ihrer Kinder der Land⸗ wirthſchaft widmen, oder, ſtatt geringer Zinſen, Pacht aus ihren Hoͤfen ziehen. Dieſer fu — 679— Dieſer Stand, beſonders in Anſehung der Gelehrten, ſchwillt uͤberhaupt ſo an, daß uͤber kurz oder lang eine Exploſion geſchehen muß, wenn man ihm keine Ablettung ſchaffet. In der Staatspyramide wächſt hier ein Höcker aus, der dem Gleichgewichte große Gefahr drohet. Durch immer feſter gezogene Graͤnzen beſchraͤnkt, iſt es nur ein ſeltener Fall, daß ein Individuum in den höheren Stand eindringt. Hingegen iſt der Zudrang von unten ungeheuer. Jeder etwas vermögende Buͤrger und Bauer läßt einen Sohn ſtudieren— und wer mag ihm das wehren? Wer hingegen ſeiner Familie einen Ausweg nach unten empfehlen moͤgte, dem ſtehen unendliche Schwie⸗ rigkeiten entgegen. Die noch immer beſtehenden Zunft⸗ und Gilde⸗Einrichtungen, der Zwang der Lehrjahre vertragen ſich nicht mit der libera⸗ leren Erziehung. Darum iſt es, die Vorurtheile der Verwandten ungerechnet, faſt keine Moͤg⸗ lichkeit, daß ein Gelehrter ſeine Kinder einem Handwerke oder einer zunftmäßigen Kunſt widme. Im Handel und Manufacturen iſt an den meiſten Orten nichts zu unternehmen; im Militair keine Ausſicht fuͤr den Buͤrgerlichen. Selbſt die beſſe⸗ ren Stellen im Civilſtande eignet ſich der Adel unter ehrenvolleren Titeln immer mehr zu. Wo alſo hinaus? Gele⸗ Gelegenheit, Landwirthſchaft zu treiben, wuͤrde einen ſchleunigen Abzug machen. Die Reigung dazu iſt dem Menſchen angebohren und ſehr leicht hey ihm rege gemacht. Wer nicht kaufen könnte, wuͤrde pachten. Mancher wuͤrde die groͤbeſten Hanbarbeiten auf dem Lande mit verrichten, wenn er nicht beſorgen muͤſte, von Gecken ausgelacht zu werden. Wie ſehr aber wuͤrde der Ackerbau ſich he⸗ ben, wenn nicht nur ein Theil des im Mittelſtande angehaͤuften Vermogens, ſondern auch die, die⸗ ſem Stande vor allen eigene, Thaͤtigkeit, Specu⸗ lation und Erweiterungstrieb zu ſeiner Aufnahme verwendet wuͤrde! Auch die landesherrlichen Domainen muͤſten in kleinere Pachthoͤfe von§500 bis 1000 Morgen vertheilet und darnach bebauet werden. Selbſt die Beſiher großer Privatguͤter wuͤrden es dann gera⸗ then finden, hierin nachzufolgen. Die Aufnahme von Haͤuslingen muͤſte jedem erlaubt ſeyn. Vielleicht muͤſte ſelbſt der Staat im Anfange etwas thun, ſie zu befoͤrdern. Dann wuͤrde Bevoͤlkerung in gleichem Verhaͤltniſſe mit dem Ackerbau ſchleunig ſteigen, und Ueberfluß ge⸗ nug fuͤr ſtehende Heere auswerfen. Rach⸗ 3 ——„—— Nachtrag zum zweyten Kapitel. Idee zur Einrichtung einer Akademie des Ackerbaues, oder Widmung einer be⸗ traͤchtlichen Wirthſchaft zu Verſuchen und zum Unterrichte. Uner allen Huͤlfsmitteln, wodurch Landwirthſchaft theoretiſch und practiſch zu einer hohen Stuffe von Vollkommenheit gehoben werden könnte, iſt meines Erachtens keines, was mehrere Wuͤrkung thun könnte, als die Beſtimmung eines anſehnlichen Landguts oder Domaine, blos zu dieſem Zwecke. Im Kleinen iſt ein ſolcher Verſuch von dem ver⸗ dienſtvollen Herrn v. Schoͤnfeld zu Trevwa in Boͤhmen gemacht. Inm Großen iſt es die Sache 2 8 1 —— Sache keines Privatmannes. Aber ſollte nicht einmahl ein deutſcher wahrhaft landesva⸗ terlicher Fuͤrſt ſich dazu entſchließen? Die erſte Anlage wuͤrde freylich betraͤchtliche Koſten veranlaſſen; nachher wuͤrde es ſich aber zuverlaſ⸗ ſig von ſelbſt erhalten, und die Zinſen ſeiner An⸗ lage wenigſtens eben ſo gut bezahlen, wie manche Bade⸗Anſtalt. Wie groß der Nutzen fuͤr das Land und ſelbſt fuͤr die herrſchaftliche Domainen ſeyn wuͤrde, kann jeder aus den Folgen, die es auf die allgemeine Verbeſſerung der Wirthſchaft haben müßte, berechnen. Ich kann mich daher nicht ent⸗ halten, hier den erſten Entwurf eines Plans zu einem ſolchen Inſtitute, den ich eben im Kopfe habe, niederzuſchreiben. Ich verlange dazu wenigſtens 4000 Mor⸗ gen. Es muͤßte Boden von verſchiedener Guͤte und Miſchung ſeyn, vom zähen Klah bis zum ziemlich loſen Sande. Eine ſolche Verſchieden⸗ heit des Bodens findet ſich oft nahe bey einander, und ein ſolcher Ort muͤßte, wo moͤglich, ausgewaͤh⸗ let werden. Einen Fleck von dieſer Beſchaffen⸗ heit aufzufinden, wo keine andere unuͤberwindliche Hinderniſſe im Wege ſtuͤnden, hätte freylich immer Schwierigkeiten. Aber ich glaube, er fände ſich in jeder etwas beträchtlichen Provinz. Es wäre bequem, aber nicht nothwendig, daß die ganze Flaͤche ——„— c— — 683 Flaͤche an einander hinge: die einzelnen Theile koͤnnten immerhin eine halbe Meile vom Mittel⸗ punkte entfernet ſeyn. Hier im Mittelpuncte waͤre das Haupt⸗ gebände, als Wohnung fuͤr den Director, die Lehrer, und für einen Theil der Zöglinge aller Art, nebſt dazu gehoͤrigen Rebengebäuden: Bier⸗ brauereyen zweyerley Art, Branntweinbrennerey, Schmiede, Geſtellmacher⸗Wohnung u. ſ. w. Auf einer Seite ein Kuͤchengarten von 30 Mor⸗ gen, auf der andern der Baumgarten nebſt Baumſchule, ebenfalls von 30 Morgen. Dann ein öconomiſch⸗botaniſcher Garten zu ganz kleinen Verſuchen und zur Anziehung frem⸗ der Sämerehen, von 10 Morgen, dicht vor dem Hauſe. Dann aber noch ein eigentliches Ver⸗ ſuchfeld von 100 Morgen. In einiger Ent⸗ fernung vom Hanptgebaͤude ein kleineres, wel⸗ ches unten, in einem feuerfeſten Gewölbe, ein chemiſches Laboratorium enthaͤlt; daruͤber die Zim⸗ mer zu Vorleſungen; ein kleines Cabinet fuͤr die Raturgeſchichte, in ſo fern ſie auf die Heconomie Einfluß hat; und die Bibliothek; oben im Er⸗ kener alle Inſtrumente, die zur Meteorologie und Beobachtung der Witterung gehören. In einem beſonderen kleinen Gebaude, am Verſuchfelde, waͤ⸗ ren alle Arten von beſonderen Ackergeraͤthſchaf⸗ ten E— bi vE ten aufgeſtellet, die auf den Höfen nicht in gewöhn⸗ ſ 5 lichem Gebrauche ſind. e Dann waͤren acht Hoͤfe angelegt, jeder ungefähr von 300 Morgen. Die Wirthſchafts⸗ k art wäre auf jedem ganz verſchieden, und jeder ½ hätte ſeinen eigenen Viehſtapel, Geſpann, Haus⸗ haltsgebaͤnde; ſeinen eigenen Aufſeher, Hofmeyer und erforderliches Geſinde. Die Wirthſchaftsart 3 muß dem Boden, deſſen Qualität ich verſchieden, doch auf jedem Hofe ziemlich gleichförmig anneh⸗ me, angemeſſen ſeyn. Nach einer gewiſſen Reihe 1 von Jahren kann ſie veraͤndert, und mit einer anderen vertauſchet werden. Zuerſt wuͤrde ich ungefaͤhr folgende Arten angeben. Iſter Hof. Gewoͤhnliche Dreyfelder⸗ Wirthſchaft. Er hat nur 200 Morgen Acker⸗ land, und 100 Morgen beſtändige Weide, die. in einiger Entfernung liegen kann. Zur Ent⸗ ſchädigung wuͤrden ihm noch 20 Morgen eigenthüm⸗ liche Wieſen extra zugelegt. Der zte Hof, dieſelbe Dreyfelder⸗ Wirthſchaft, aber mit Klee im öten Jahre, und mit Stallfutterung. Der zte und ₰te Hof treibt vollkom⸗ 7 mene Meklenburger Wirthſchaft; der eine mit der geringſten, der andre mit der höch⸗ ſten —— —— — 685 8 ſten Anzahl von Schlaͤgen; jedoch nach Beſchaf⸗ fenheit des Bodens eingerichtet. Der Fte Hof hat vollkommene Norfol⸗ ker Wirthſchaft, halb mit Ochſen, halb mit Schaafen. Der ote Hof wird auch ungefaͤhr nach Rorfolker Art beſtellet, hat aber halbe Stallfutterung mit Kuͤhen und Maſt⸗ochſen. Der 7te Hof ſoll nach Holſteinſcher Art behandelt werden. Der gte hat eine Wirthſchaft, welche man die Kentner nennen koͤnnte. 1. Weiten, 2. Bohnen oder Kohl, 3. Gerſte, 4. Klee mit Grasſaamen, etliche Jahre zum Weidegange, oder ein Jahr zur Stallfutterung. N. 7 und 8 verlangen den ſtaͤrkſten und feuchten Klayboden; N. 1, 2, und 3 einen leich⸗ teren, N. 6. einen Mittelboden, M5 einen ziemlich leichten, ſandigen, worunter doch nicht Flugſand zu verſtehen. Das Drillſäen kann bey jeder Wirthſchafts⸗ art verſuchet, und mit dem breitwuͤrfigen in Vergleichung gebracht werden. Man 686— Man ſuche einer jeden Wirthſchaftsart, wo moͤglich, einen Verwalter zu geben, der Vorliebe fuͤr ſie hat, und ſie zur möglichſten Vollkommen⸗ heit zu bringen ſich beſtrebt. Wir haben jeßt uͤber 2600 Morgen dis⸗ ponirt. Ich wuͤnſche nun 300 Morgen Wie⸗ ſen, zum Theil, wo moͤglich, an einem Bache, zur kuͤnſtlichen Vewäſſerung, zu haben. 400 Morgen widme ich der Forſtcultur, verſteht ſich, mit allen möglichen gebraͤuchlichen und unge⸗ bräuchlichen nußbaren Holzarten. Und ſo behalte ich 700 Morgen zu Gebaͤuden, Wegen, Hof⸗ plätzen und zu andern beliebigen Anlagen und Verſchönerungen, wovon nachmahls ein mehre⸗ res, uͤbrig. Ein Theil wuͤrde vielleicht einer kleinen Stuͤterey gewidmet, obgleich auch die Pferdezucht auf einigen Hoͤfen mit einzelnen Pfer⸗ den getrieben wuͤrde. Daß man uͤbrigens auch alle Racen von Vieh, nach ihrer Schicklichkeit zu den verſchie⸗ denen Wirthſchaftsarten, herbeyſchaffe, und die genaueſte Aufmerkſamkeit auf ihre Zweckmaͤßigkeit richte, verſteht ſich von ſelbſt. Eine große Waage, um das Vieh lebendig zu wägen, iſt unumgaͤng⸗ lich noͤthig. Auch k „————„—„——— Auch wuͤnſche ich die Anlegung einer Dreſchmuhle und jeder anderen Maſchinerien, die in großen Haushaltungen von Rutzen ſeyn können. Die Zoͤglinge theilen ſich in mehrere Klaſſen; ſolche, die einen vollkommenen theoretiſch⸗ practiſchen Unterricht in der Landwirthſchaftskunſt und allen ihren Huͤlfswiſſenſchaften, Chemie, Phyſik, Naturlehre, Geometrie, Mechanik, Re⸗ chenkunſt, begehrten; ſolche, die nur untergeordnete Verwalter, Schreiber, Hofmeyer werden wollten; und, mit verſchiedenen Abſtufungen ſolche, die nur mechaniſche Handgriffe und den Gebrauch ge⸗ wiſſer Ackerwerkzeuge lernen ſollten. Sie wohnen nach ihrer Beſtimmung, und abwechſelnd, in dem Hauptgebaͤude, oder auf den verſchiedenen Höfen. Rach jener und ihren ſchon erworbenen Kennt⸗ niſſen, werden ihnen Adminiſtrationen, Auſſicht, oder mechaniſche Arbeiten übertragen. Wer kann den erſtaunenden Werth ſolcher Belehrungen, wlie hier ertheilt werden koͤnnen, bezweifeln? Hier wären nicht todte Buͤcher, ſon⸗ dern Leben, Wuͤrklichkeit und volle Kraft des Au⸗ genſcheins. Es faͤnde kein Mistrauen Statt, ob die Erfahrung auch die Lehre beſtaͤtige, ob ſich derſelben nicht Syſtemſucht und leere Träume der Speculation eingemiſchet? Streitfragen, uͤber die — 688 S5 dle man ſich ein halbes Jahrhundert geſtritten, wuͤrden hier in der letzten vollguͤltigſten Inſtanz von der Natur ſelbſt entſchieden. Und welche Zoͤglinge koͤnnten hier gebildet werden! Jeder Heconom denke ſich ſelbſt, wie viel es ihm werth geweſen, wenn er auf einer ſolchen Schule etliche Jahre zugebracht; von der Natur unmittelbar, unter der Leitung einſichtsvoller Lehrer, Unrerricht genommen haͤtte! Wo wuͤrden junge Leute aus den gebildeten Standen, die als Erben von Land⸗ guͤtern, oder vermoͤge ihrer Erwartung, Beamten⸗ ſtellen zu erhalten, ſich dem Landleben gewidmet, entweder die Jahre vor oder gleich nach der Uni⸗ verſitäͤt beſſer zubringen können, wie hier? Nach der jetzigen Treibhaus⸗Erziehung, iſt— oder glaubt man ſich doch— im 16ten Jahre eben ſo fertig fur die Univerſität, wie ehemahls im 24 ſten. Die Gefahren des Univerſitätslebens, ehe ſich der Charakter etwas feſigeſeßet, ſind aber ſo groß, daß manche Eltern durch die Aengſtlichkeit, in der Dienſt⸗Anciennetät etwas zuruͤckzuſtehen, ſich nicht wuͤrden verleiten laſſen, ihre Kinder zu fruh hinzuſchicken, wenn ſie nur in dieſer Zeit, wo Muͤſſiggang und Stillſtand in der Erweiterung des Verſtandes grade am gefährlichſten iſt, eine Beſchäftigung fuͤr ſie wuͤßten. Es würde daher vielen willkommen ſeyn, wenn es fuͤr jede Lebens⸗ art, der ſich ein Juͤngling widmet, nfti⸗ — 089 Inſtitute gaͤbe, wo er ſeine Zeit, nuͤßzlich beſchaf⸗ tigt, und gegen die Gefahren dieſes Alters geſi⸗ chert, zubringen könnte. Es iſt dies diejenige Zeit, wo der Koͤrper ſeine phhſiſche, der Verſtand ſeine intellectuelle, und der Charakter ſeine mora⸗ liſche Entwickelung vorzuͤglich erhäͤlt. Je homo⸗ gener die Modification dieſer Entwickelung mit derjenigen Lebensart iſt, zu welcher der Menſch ſich beſtimmt, deſto faͤhiger wird er zu ſeinem Berufe, und deſto zufriedener mit demſelben. Was konnte alſo denen, die für das Landleben beſtimmt ſind, nuͤßlicher ſeyn, als einige ſonſt verſchleuderte Jahre der Bildung zu ihrer kuͤnftigen Beſtim⸗ mung zu widmen, ihren Geſchmack dafur zu er⸗ höhen, und richtige Kenntniſſe davon zu erlangen? Eine mit richtiger Theorie verbundene practiſche Anweiſung, und Geſchaftigkeit bey dem Genuſſe der freyen Luft und koͤrperlicher Bewegung, iſt grade, was fur einen jungen Menſchen in dieſem Alter paßt, und was ihn, wenn er es nicht hat, ſo leicht auf Irrwege leitet. Was kann mehr den Geiſt, zugleich mit dem Körper, ſtärken, als eine wohlgeordnete Beſchäſtigung beyber mit laͤnd⸗ lichen Gegenſtänden und Arbeiten? Sie gibt Ge⸗ ſundheit des Koͤrpers und Feſtigkeit des Charäkters. Sie verhütet weichliche Verzärtelung des einen; den Kleinlichkeitsgeſchmack und die Eitelkeitsſucht des andern. Ein ſo erzogener Mann wird ſich Er allent⸗ — 69 0— allenthalben vergnuͤgt und zufrieden finden, weil er am einſamſten Orte Gegenſtaͤnde der Unterhal⸗ tung antrifft. Selbſt wenn er nachher fuͤr die große Welt beſtimmt ware, wird ihm dieſe Erzie⸗ hung eine gewiſſe Würde und Feſtigkeit geben, die er wahrlich nicht erhält, wenyn man ihn zu fruͤh in die glänzenden Cirkel großer Städte und Höfe bringt, wo er Repräſentation und ſoge⸗ nannten bon ton fuͤr das Weſentliche anſehen lernt, und zum Gecken wird, den man jehßt, auch mit Stern und Schluͤſſel ausgeſchmuͤckt, nur verlachet. Gottlob! die Zeiten ſind vorbey, wo jeder beguͤterte Edelmann, der die von der Vor⸗ ſehung ihm zunächſt aus Herz gelegte Pflicht, ſeine väterlichen Aecker zu bauen und füͤr den Wohlſtand ſeiner Bauern zu ſorgen, erfullte, und nicht, mit Aufopferung ſeines Vermoͤgens und Ver⸗ ſchuldung ſeiner Guͤter, ſeine beſten Jahre am Hofe vertänbelt hatte, fuͤr einen Strohjunker galt. Immer finden ſich mehrere Maͤnner vom edelſten Charakter und großen Talenten, die ſich ganz dem Berufe eines Hausvaters widmen, und das Wohl des Staats durch erhoͤhete Cultur ihrer Felder und durch belehrendes Beyſplel in ihrem Wuͤrkungskreiſe foͤrdern. Vielleicht iſt die Zeit nicht fern, wo wir, gleich den Roͤmern, unſre Staatsmänner und Feldherren vom Pfluge abrufen. Iſt tti un Iſt noch Uebung in alten und neuen Spra⸗ chen noͤthig, ſo findet man dieſe auch bei der Leſung landwirthſchaftlicher Schriften. Und warum ſollte das Latein, was ein Geſchaͤftsmann braucht, ſich nicht eben ſo gut aus Cato, Varro, Colu⸗ mella und Virgil lernen laſſen, wie aus dem Cicero, Horaz und Ovid? Was die Erziehung junger Burſchen aus den niedern Ständen in einer ſolchen Schule anbe⸗ trifft, ſo wäre ſie vielleicht das einzige Mittel, eine Menge von Kenntniſſen, Uebung in Handgriffen, und Ueberzeugung von der Moͤglichkett einer beſſern Wirthſchaft, unter dem Volke zu verbreiten; da es einmal gewiß iſt, daß der Bauer keinem andern trauet, als wer mit ihm einen gleichen Rock trägt. Es wäre nur dahin zu ſehen, daß die Burſchen vollig die Lebensart und Sttten ihres Standes bey⸗ behielten. Sie muͤßten als Knechte auf den ver⸗ ſchiedenen Hoͤſen dienen, und die gewohnte Bekö⸗ ſigung erhalten. Man müßte allmählig aus jedem Dorfe oder jeder Gemeinde des Landes einen Sohn aus einem guten Hofe hieher zu ziehen ſuchen, welches wenig Schwierigkeit machen wuͤrde. A. Young legt es ſehr ſchoͤn einem oder dem andern Engliſchen Großen ans Herz, ſeinen Park in einen Experimental⸗Farm zu verwandeln, wobey ein großer Theil der Garten⸗Schönheiten bey⸗ 692 veybehalten werden könnte. Auch unſte Anlage wäre faͤhig, die Schönheiten und Mannigaltig⸗ keiten eines Engliſchen Gartens zum Theile anzu⸗ nehmen, wenn der Herr ſich dort ein Luſtſchloß erbauen und die Sommermonate daſelbſt zubringen wollte. Die Gebaͤnde der Hoͤfe konnten gefällige Formen annehmen, wobey die Bauart des Landes, woraus die Wirthſchaft herſtammt, zu beobachten. Hier wäre die Mannigfaltigkeit von Anſichten doch⸗ vermittelſt des Zwecks, zur Einheit gebracht, die man bey der Vermengung Chineſiſcher, Tuͤrkiſcher, Gothiſcher und Römiſcher Gebaͤude ſo ganz ver⸗ mißt. Nur das der Naturlehre beſtimmte Ge⸗ bäude koͤnnte die erhabenſte Bauart, als Tem⸗ pel der Natur, zeigen. Zwiſchen den Hoͤfen ſchlängen ſich angenehme Spatzierwege hindunch, die durch kleine Forſtreviere von abwechſelnden Holz⸗ arten führten, und nach gewiſſen Ruheplähen braͤchten, von denen ſich maleriſche Ausſichten auf— die Koppeln und Gebäude offneten. Da Teiche,— Bäche, Wieſen und Weiden ſelbſt zum Ruͤtzlichen und Inſtructiben gehörten, ſo fielen Waſſerparthien und Raſenpläße nicht weg. Freylich müßte das Schoͤne dem Nuͤtzlichen untergeordnet werden; und manchen ſchönen Anblick muͤßte man aufopfern, um einer Koppel willen.„Aber,“ ſagt A. Young, „laßt es uns nur vekennen, die ganze Wirkung „einer Garten⸗Parthie iſt doch nur auf den Frem⸗ den „den berechnet, der auf einige Tage hieher kommt; „fuͤr den Eigenthuͤmer, der ſie täglich ſiehet, iſt „ſie verloren. Der Raſenplaß war geſtern ſo „lieblich gruͤn, wie heute; der Hain gab gerabe „denſelben Schatten, und die Roſe duftet jeßt „eben ſo, wie im vorigen Junins. Dieſelben „Bilder kommen immer wieder, der Anblick „bleibt ſich beſtaͤndig gleich, und das Vergnugen „verliert fuͤr den, der es Jahr aus, Jahr ein ge⸗ „nießt, alles Intereſſe. Mit jeder Wiederholung „werden die Farben matter in dem Gemaͤlbe; und „was uns zum erſtenmahle entzuͤckt, dringt uns „jeßt hoͤchſtens kalten Beyfall ab. Es geht uns „mit einer reizenden Garten⸗Parthie, wie mit einer „ſtummen Schönen. Sie erregt unſere Bewun⸗ im erſten Augenblicke; wir betrachten ſie „mit Entzuͤckung, und ſhien uns bezaubert von „ihren Reizen. Rachdem wir uns von unſerm „Erſtaunen erholet, mogten wir doch auch ein „Wort mit ihr reden. Aber da finden wir ſie „unfaͤhig zu jeder Unterhaltung, keinen Funken „von Wih und Kſin er Vernunſt bei i Weg „iſt der Zuuber! Ein ſchoͤnes Geſicht, ſagen „wir, und gähnen.— So eine ſchoͤne Garten⸗ „Scene. Iſt der erſte Eindruck aufs Auge er⸗ „loſchen, ſo fehlt es an jeder Unterhaltung des „Verſtandes; ſie erregt weiter keine neue Ideen, „und die Cntzuͤckung macht der Langenweile Plaß. G hre — „Ihre Wirkung erſtreckt ſich blos auf die Sinne; „die Vernunft geht leer aus.“ Fuͤhlloſer! ruft man mir, oder Young zu, du bedenkſt nicht, wie viel Stoff zum Nachdenken eine ſolche Scene dem geben kann, der deſſen fähig iſt. Welche Betrachtungen laſſen ſich bei ihr nicht uͤber die Groͤße und Weisheit des Schoͤpfers an⸗ ſtellen; in welche ſcharfſinnige Unterhaltungen kann ſie uns nicht mit der ganzen vegetabiliſchen und ani⸗ maltſchen Natur verflechten!— Eine ſchoͤne Garten-Scene, antworte ich, kann meinen Verſtand nur mit Betrachtungen uͤber die Anordnung einer Raſen⸗ oder Waſſerfläͤche, uͤber die Gruppirung der Baͤume, und uͤber die liebliche Wendung eines Ganges beſchaͤftigen. Alle andre Betrachtungen ſtelle ich blos an, weil ich die Materialien dazu in meinem Kopfe mitgebracht habe, und eben dazu aufgelegt binz nicht, weil ich im Garten gehe. Ein einzelner Kornhalm kann mir eben ſo gut Veranlaſſag geben, die Größe Gottes in der Vegetation zu bewundern, als die reizendſte Zuſammenſtellung von Baum⸗ und Raſenpläßen; und das Quaken eines Froſches eben ſo gut mein Nachdenken über thieriſche Natur er⸗ wecken, wie ein ganzes Heer von Nachtigallen. Wenn mich hingegen bequeme Spatiergänge immer auf etwas hinleiten, was mir mit jedem Jahre, — — S e——— 2— — — ſe —„——— — Jahre, jedem Monate, neuen Unterricht gibt; wenn ich daſelbſt bis jeßt bezweifelte Facta zu einer Ge⸗ wißheit bringen kann, die nicht blos mir und meiner Wißbegierde voͤllige Befriedigung gibt, ſondern auch eine Kunſt vervollkommnet, deren Erweiterung mit der Wohlfahrt der Menſchheit in der genaueſten Verbindung ſtehet— welche Nahrung gewaͤhrt das fuͤr Geiſt und Herz! Oder ſind jene Betrachtungen uͤber die Regeln der Gartenkunſt eine edlere Beſchaͤftigung des Verſtandes, als wenn ich die Moͤglichkeit und die Mittel erforſche, dem Boden einen drey⸗ fachen Ertrag abzugewinnen, und dadurch ei⸗ ner um eben ſo viel groͤſſeren Anzahl von Men⸗ ſchen Nahrung und andre PVeduͤrfniſſe zu geben? Wie nichtig iſt die Verwendung großer Strek⸗ ken Landes zu Parks, Bosquets und Raſen⸗ ſtuͤcken, wenn man ſie mit dieſer vergleicht! Ein wahres Kiuderſpiel, gegen die Beſchaͤfti⸗ gung eines thaͤtigen Mannes! Ein richtiges Gefuͤhl wuͤrde nichts verlie⸗ ren, wenn man hier, ſtatt jener tauſendmahl mit unbetraͤchtlichen Abwechſelungen wiederholten Garten⸗Ideen, einen ganz neuen Schauplaß fuͤr maleriſche Darſtellung der hoͤchſten Landes⸗ Cultur anträfe. Alle der Gartenkunſt moͤgliche und naturliche Darſtellungen ſind ſo oft wieder⸗ holt, holt, daß alle Originalität wegfällt; und man läuft Gefahr, ins Abentheuerliche zu ge⸗ rathen, wenn man Natur⸗Scenen, die fuͤr die Kunſt zu groß ſind, kleinlich nachahmen will. Es gibt ſchon neuere Gärten genug in Deutſchland, wo man Abwechſelung des Schö⸗ nen und Erhabenen bezweckte, und wo der feinfuͤhlende Reiſende, ſelbſt beym erſten An⸗ blicke, nur vom Gähnen zum Lachen hinge⸗ riſſen wird. Gegen ein ſchoͤn bebauetes Feld aber iſt niemand fuͤhllos; es gibt vielleicht kei⸗ nen Gegenſtand im Gebiete der Kunſt und der Natur, der ſo allgemein intereſſirte. Man fuͤhlt es dunkel und unwillkuͤhrlich, daß unſte Exiſtenz, unſre Gluͤckſeligkeit, ganz vom Acker⸗ baue abhange, und daß alſo jeder in der eng⸗ ſten Verbindung mit ihm ſtehe. Das Herz eines Jeden wuͤrde alſo beym Luſtwandeln auf einem ſo wohlangelegten Boden lebhafter ſchla⸗ gen, und innige Dankgefuͤhle wuͤrden aufſtei⸗ gen fuͤr den Wohlthäter der Menſchheit, der dieſe Anlage geſchaffen. — Nachtrag zum dritten Kapitel. Ueber Wirthſchaftsarten*). E⸗ gibt zwey Haupttvege, die Landwirthſchafts⸗ Kunſt zu ſtudiren und zu vervollkommnen— nam⸗ *) Die fruhere Ausarbeitung dieſer Vemerkungen uͤber verſchiedene beruͤhmte Wirthſchaftsarten ward durch eine Unpaͤßlichkeit, welche mich in der Aus⸗ uͤbung meiner Berufsgeſchaͤfte hinderte, veranlaßt. Ich hatte ſonſt die Abſicht, Holſtein und Mecklen⸗ burg erſt ſelbſt zu ſehen, ehe ich die dortige Wirth⸗ ſchaft beſchriebe. Dann wuͤrde meine Beſchrei⸗ bung vollſtaͤndiger und meine Beurtheilung ver⸗ muth⸗ nämlich, indem man genauere Beobachtungen und Verſuche anſtellet und daraus allgemeine Reſultate ziehet; oder, indem man die Wirth⸗ ſchaftsarten verſchiedener Gegenden kennen lernet, und deren Erfolg pruͤfet. Es fraͤgt ſich, wel⸗ cher Weg der ſicherſte ſey, und ob einer den andern entbehrlich mache?— Da Landwirth⸗ ſchaft, wie ihr zugebt, auf Erfahrung beruhet, ſagt einer, ſo iſt nichts entſcheidender, um den Werth einer Wirthſchaftsart zu beſtimmen, als der Erfolg, den ſie in einer Gegend, wo dieſe Wirthſchaftsart allgemein eingefuͤhrt iſt, ge⸗ habt hat. Sind die Landwirthe daſelbſt bey dieſer Wirthſchaft im Durchſchnitt wohlhabend, zum Theil auch wohl reich geworden; werden daſelbſt nicht nur hinreichende Produkte zum Un⸗ terhalte der Landeseinwohner, ſondern ſelbſt noch zur Ausfuhr, gewonnen, ſo iſt dies ein unwi⸗ derſprechlicher Beweis, daß ſie gut, und, für dieſe — muthlich richtiger geweſen ſeyn. Indeſſen haben meine Freunde und Goͤnner in dieſen Gegenden nun um ſo eher Gelegenheit, meine Ideen zu berichtigen, wenn ich ſie beſuche, und ich werde die erſte Ge⸗ legenheit wahrnehmen, meine anerkannten Irrthuͤ⸗ mer meinen Leſern zu geſtehen. die r dieſe und aͤhnliche Gegenden, unberbeſſerlich ſey. Was wollen dagegen einzelne und im Kleinen angeſtellete Verſuche ſagen?— Hier iſt ein großer, fortgeſetter, untruͤglicher Verſuch— nicht von einem, ſondern mehreren Menſchen⸗Altern— nicht durch ein Individuum, ſondern durch eine Maſſe von Menſchen und Beobachtern angeſtellt,— deſſen unzaͤhlige, aber immer gleichſoͤrmige Erfolge ein großes unbe⸗ zweifeltes Reſultat geben. Jeder Landmann ver⸗ buͤrgt euch mit ſeiner Exiſtenz, ſeiner Wohlha⸗ benheit, ſeinem Reichthum die Guͤte dieſer Wirth⸗ ſchaftsart. Wie haͤtte er ſich ſo gut dabey ſte⸗ hen, ſo behartlich dabey bleiben, den Werth ſeines Ackers ſo erhoͤhen können, wenn die Wirth⸗ ſchaft nicht vortreflich, nicht unverbeſſerlich waͤre? Was wollt ihr mit euren kleinen Verſuchen von etlichen Jahren, deren glücklicher Erfolg vielleicht blos von einer beſonders guͤnſtigen Witterung abhing. Hier treten Hunderte gegen euch auf, die euch mit ihrer Zufriedenheit beweiſen, daß man nicht beſſer wirthſchaften könne, wie ſie thun. Erzäͤhlt uns immerhin von Gugemnus großer Cultur, und den Wunderdingen, die er ausfuͤhr⸗ te— wir bleiben bey unſerer Weiſe, denn wir ſind reich geworden und er ward— banque⸗ rot! Doch laßt uns nur an den gemeinen Men⸗ ſchenverſtand appelliren, um jene Frage zu ent⸗ ſchei⸗ 6 ſchelden! Wenn ſich jemand bey euch erkundigt, ob eine gewiſſe Beſtellungsart vortheilhaft ſey; wodurch werdet ihr ihn am meiſten befriedigen, wenn ihr ihm ſagt, daß hier oder da ein Ver⸗ ſuch gemacht worden, der gut ausgefallen iſt; oder wenn ihr ihm erzählet, daß ſie in irgend einer Gegend im allgemeinen Gebrauche ſey, und man ſich dort ſehr gut dabey befinde2 Es iſt nur leider! zu wahr, antwor⸗ teteein Anderer, daß das Gewoöhnliche, das Allgemeine, das Gehäufte, den ſtärkſten Eindruck auf die Menge mache, aber laßt uns ſehen, mit welchem Grunde? Vorerſt bitte ich euch, laßt die Wohlhabenheit und den Reichthum der Landwirthe ganz aus dem Spiele, wenn ihr mir vorher nicht erweiſen könnt, daß ſie ſolchen le⸗ diglich ihrem Ackerbau und Viebzucht, und nicht andern Nebenumſtaͤnden zu verdanken haben. Ha⸗ ben ſie ihre Gaͤter ſehr wohlfeil erkaufet; beſißen ſie ſolche unter ungewoͤhnlich guten Bedingungen; ſind ſie faſt von allen Auflagen frehz iſt Dienſt⸗ und Tagelohn bey ihnen ſehr geringe; haben ſie dagegen einen leichten und vortheilhaften Abſaß der Produkte; treiben ſie eintraͤgliche Nebenge⸗ werbe; beſitzen ſie große Holzungen, woraus ſeit einiger Zeit ſo viel Geld geloͤſet werden kannz iſt ihr innerer Haushalt ſparſam eingerichtet; iſt — 7 O I— iſt der Luxus bey ihnen, nach Verhältniß ihrer Guͤ⸗ ter, noch geringe; ſind ſie mit den Ihrigen vorzug⸗ lich aufmerkſam und fleiſſig;— ſo iſt das alles ſehr gut und löblich, aber die Guͤte ihrer Wirth⸗ ſchaft— in dem Sinne, worin wir das Wort hier nehmen, naͤmlich der eigentlichen Ackerbeſtel⸗ lung und Viehzucht— beweiſt es nicht. Wollt Ihr denn etwa alles, was ihr auf dem Hofe eines wohlhabenden Landwirths antrefft, fuͤr gut und unverbeſſerlich erklaͤren? Run ſo will ich euch durch das Fuͤrſtenthum Luͤneburg auf viele Meyerhoͤfe fuͤhren, deren Beſiter, nach ihrer Art, ſehr reich ſind, wo ihr alles, was man ſich ſonſt als widerſinnig in der Landwirthſchaft denkt, zu⸗ ſammengehaͤuft, antreffen koͤnnt— wo man drey bis viermahl Rocken, dann wohl einmahl Buch⸗ weißen, und wieder von vorne Rocken ſäet; muͤr⸗ bes, lockeres Land mit acht oder zehn Ochſen und zwey bis drey Treibern pfluͤgt; das Vieh meilen⸗ weit in die Heide und Bruͤche treibt; das Hen auf mehrern Meilen aus Moraͤſten holt, und die ſchönſten Baͤche ungenußt vorbeyfließen läͤßt; wo das Ackerland ſeit Jahrhunderten ohne Brache und Abwechſelung mit Korn beſtellet worden, an Aufbrechung des Graslandes aber niemand ge⸗ dacht hat; wo das Gebuͤſch ins Ackerland hinein wuchert; wo man ganze Morgen ungenußt liegen läßt, laßt, weil eine alte verolmende Eiche dem Pflug⸗ gange im Wege ſtehet! Sagt Ihr mir, daß man freylich nicht alles ſo ungepruͤft als gut annehmen V duͤrfe; nun ſo lenkt Ihr wieder auf meinen Weg de ein. So muͤßt Ihr die ganze Wirthſchaft in ein⸗ E zelne Stuͤcke zerlegen, jeden Theil beſonders unter⸗ K ſuchen. Und wie konnt Ihr das anders, als h durch einzelne Verſuche, und durch das Raiſon⸗ wo 5 3 nement, was Ihr darauf bauet? Sonſt gera⸗ L 3 thet Ihr in Gefahr, das Gute zu verwerfen, z ½ und das Schlechte beyzubehalten. In einigen ſt Stuͤcken faͤllt es Euch leicht in die Angen, was ze gut und was ſchlecht ſeyn. Warum? Well dies in bereits durch einzelne Verſuche, die Ihr kennet, G ausgemacht iſt. Aber bey vielen anderen verwickel⸗ ab tern Fragen iſt dies nicht der Fall. Wenn Ihr un alſo doch, am Ende, das auf Verſuche begruͤn⸗ wi dete Urtheil muͤßt entſcheiden laſſen, warum thut zu Ihr es nicht gleich? Der Ueberfluß von Produkten, den eine vb Gegend erzeugt, ſcheint etwas mehr fur die Gute th der daſelbſt uͤblichen Wirthſchaftsart zu beweiſen. mnr E Allein da muß man erſt den Fläͤchen⸗Inhalt des du Ackers und ſeine innere Guͤte mit der Bevoͤlkerung bie vergleichen. Wo keine erhebliche Städte, keine hu Manufacturen und Gewerbe ſind, wo ſich 6 ber w Einwohner, auf etner fur ſie viel zu großen Flache, S. ledig⸗ lediglich mit dem Ackerbau beſchaͤftigen, da muß leicht Ueberfluß an den Produkten des Ackers und Viehſtapels entſtehen, wenn die Behandlung bey⸗ der auch noch ſo ſchlecht waͤre. Sonſt wäre die Cultur des ehemaligen Polens, welches ſo viel Korn ausfuͤhren konnte, muſterhaft.— Die Be⸗ harrlichkeit bey einer eingefuͤhrten Methobe,— ach! was beweiſt die weiter, als daß die Macht der Traͤgheit im Menſchen ſeinem Triebe, vorwaͤrts zu kommen, im Durchſchnitt die Waage haͤlt, und oft überwiegt. Wle waͤre es ſonſt möglich, daß gewiſſe Methoden, deren Nachtheil, gegen andere, in die Augen ſpringt, ſich ſo lange in manchen Gegenden erhalten hätten? Zum Theil ruͤhrt es aber auch vom Mangel ſicherer, auf Erfahrung und Verſuche beruhender Grundſaͤtze in der Land⸗ wirthſchafts⸗Kunſt her, wodurch jede Neuerung zum Wageſtuͤck wird.—— Die Wahrheit liegt auch hier, wie ge⸗ wöhnlich, in der Mitte. Die Wirthſchafts⸗Me⸗ thode einer Gegend blos darum fuͤr unverbeſſerlich annehmen zu wollen, weil die Landwirthe ſich im Durchſchnitt gut dabey zu ſtehen glauben, und weil vielleicht einer oder der andere, der eine Abwei⸗ chung vorgenommen, ſich uͤbel dabey befunden hat, wäre ſehr oberflaͤchlich geurtheilet. Auf der andern Seite wäre es aber zu weit getriel en, wenn wir die die Lehven, welche die eingefuͤhrte Wirthſchaftsart einer Gegend uns geben kann, ganz vernachlaͤſſig⸗ t ten · Mit einigem Scharfſinne wird man leicht un⸗ g terſcheiden können, was in jeder Gegend und jeder Wirthſchafts⸗Methode Aufmerkſamkeit und, unter 5 gehorigen Verhaͤltniſſen, Nachahmung verdiene. So kann man im allgemeinen annehmen, daß eine iede Cultur oder Operation, welche vielen Aufwand und Vorſchuß, oder Arbeit erfordert, und dennoch . 3 16 in einer Gegend allgemein eingefuͤhrt worden, au⸗ genſcheinlich vortheilhaft und bewaͤhrt gefunden 6 ſeyn muͤſſe. Waͤre dies nicht nach langjohriger Er⸗ fahrung anerkannt, ſo wurde ſich die Methode nicht allgemein in dieſem Diſtricte verbreitet, und noch. weniger ſich erhalten haben, da ſie mit ſo großer Anſtrengung verbunden iſt. Im entgegengeſeßten z Falle hingegen, wo eine Ackerbeſtellung, oder andre wirthſchaftliche Arbeit, mit geringer Muͤhe oder Koſten bewerkſtelliget werden kann, beweiſt ihre All⸗ gemeinheit in einer Gegend, an ſich, nichts fur ihre Güte. Man ſetzt ſie fort, weil ſie ſo leicht iſt, und weil jedes andre, was man an ihre Stelle i ſetzen koͤnnte, mehrere Umſtände erfordern würde. ſi Daher, wo man einmahl Brache halten will, verkohnt ſichs gewiß der Muͤhe, ſie ſo ſorgfoͤltia 3 und fleißig zu bearbeiten, wie der Mecklenburaer, thut, weil er es nicht thun wuͤrde, wenn es nicht u alaen⸗ augenſcheinlich vortheilhaft fuͤr ihn wäre. Aber es beweiſt auch Piemont, die Lombardey, Ar⸗ tois, der Elſaß, die Pfalz, die Niedevlande, Kent, Norfolk und andre Gegenden, daß das Land alle Jahre Fruͤchte tragen könne, ohne zu ermuͤden oder zu verwildern, wenn man noch mehrere Arbeit daran wenden will. Und grade der größere Aufwand, den dieſe Methode erfor⸗ dert, verbuͤrgt uns den überwiegenden Vortheil; weil ſie ſonſt nie in dieſen Gegenden allgemein geworden wäre. Die jährlich neu angelegten— mehrentheils von Bauren angelegten— Schwemm⸗ wieſen im Luͤneburgiſchen, geben den einleuchtend⸗ ſten Beweis, daß der Ertrag derſelben die an⸗ gewandten Koſten reichlich verzinſe, und daß dies eine der vortheilhafteſten Verrichtungen in ber Landwirthſchaft ſey. Es verlohnt ſich daher allerdings der Möhe, die gebräuchlichſten und eingeführten eigenthuͤmli⸗ chen Wirthſchaftsarten aller Nationen und Ge⸗ genden aufs genaueſte zu beobachten, ſie in ihre einzelne Theile zu zerlegen, und dieſe zu unter⸗ ſuchen; dann aber ſie ünter einander zu verglei⸗ chen, und beſonders die, welche in Ruͤckſicht des LAceſich Clima's und Bodens, worauf ſie getrieben wer⸗ den, in naher Verbindung ſtehen, nebeneinander zu ſtellen. So werden die Vorzüge und Män⸗ Y gel gel einer jeden dem unbefangenen Auge unver⸗ kennbar ſeyn. Ich fuhle mich zu ſchwach und noch zu un⸗ unterichtet, um dieſes Werk, welches vielleicht mehr, wie irgend ein anderes, eine Meiſterhand erfordert, zu unternehmen. Und uͤberdem wuͤrde es uͤber die Gränzen hinaus fuͤhren, die ich mir bey dieſer Schrift vorgeſehet habe. Indeſſen will ich es verſuchen, einige der bekannteſten Wirthſchaftsarten in Deutſchland, untereinander und mit den Engliſchen, oberflächlich zu ver⸗ gleichen. Die Holſteinſche Wirthſchaft, ſo wie ſie im allgemeinen betrieben wird, kommt mit der Wirthſchaft, die in den mittleren Grafſchaf⸗ ten Englands, ſeit langer Zeit her, uͤblich iſt, ziemlich uͤberein. Auch hier lieget das Land 8, 9 bis 10 Jahre, ja wohl lnger, zu Graſe, und wird dann mehrentheils 4 Jahre, ohne zu bra⸗ chen, mit Korn beſtellet. Man will abſichtlich die Grasnarbe nicht zerſtoͤhren, damit das Land, wenn es die Korn⸗Erndten abgetragen hat, ſich deſto ſchneller wieder teraſe. Dieſe Wirthſchaft wird aber in England doch nur in reichen Thaͤ⸗ lern, —————— —„———„ — ————— — — ——— lern, die einen vollkommnen Marſchboden haben, der dem Graswuchſe äuſſerſt zuträglich iſt, dem Pfluge hingegen großen Widerſtand entgegenſeßet, beybehalten. Die Weide iſt hier ſo ergiebig, daß der Acre durch Maſt- und Milchvieh, oder durch die großen Arten von Schaafen, zu 2, 3 und mehrern Pf. Sterl. benußet wird. Ein Boden, wie die Holſteinſche Geeſt iſt, wird in England wohl nirgends auf dieſe Weiſe behan⸗ delt. Wo der naturliche Graswuchs ſo ſchwach iſt, daß 1 ½ Tonne, oder 360 Quadratruthen Landes, wenigſtens zur Sommerweide fur eine Kuh erfordert werden, welche— unter der Be⸗ dingung, daß man ſie mit Heu und nicht vol⸗ lig ausgedroſchenem Stroh, durch den Winter fuͤttere, auch uͤberdem dem Pachter allerley Vor⸗ theile gewähre— hochſtens 12 Rthlr. Pacht thut; da würde wohl ſchwerlich ein Farmer bey dieſer Wirthſchaft bleiben wollen. Gewohnlich liegt der Acker in Holſtein in II bis 15 Koppeln. Hiervon werden mehrentheils fuͤnfe mit Getralde beſtellet, die uͤbrigen liegen zur Weide. Um dieſe Wirihſchaft ſolchen mei⸗ ner Leſer, welche davon keine Kenntniß haben, deutlicher zu machen, will ich einige der gebräachlich⸗ ſten Beſtellungsarten angeben, und ihren Ertrag berechnen. Yy 2 Eine „ * Eine Tonne Kornmaas hält etwas uͤber 4 Braunſchweigſche Himten. Als Fläͤchenmaaß verbindet man keine einfache geometriſche Idee damit, ſondern nennt eine Tonne Landes eine Flä⸗ che, worauf man eine Tonne Rocken oder Welßen ſäet. Nun hatte man ehemahls den Grundſatz allgemein angenommen, daß man gutes reiches Land ſtark, und ſchlechten armen Voden ſchwach beſäen muſſe. Wenn gleich aufmerkſame Beobach⸗ ter von dieſein falſchen Grundſaße zuruͤckgekom⸗ men ſind, ſo wird er doch bey der ſogenannten Bonitirungs⸗Vermeſſung, in Holſtein ſowohl, wie in Mecklenburg, noch immer angenommen, und eine Tonne guten Landes macht eine kleinere Flaͤ⸗ che, als eine Tonne ſchlechten Landes aus. Erſtere 240 Quadratruthen, leßtere bis Zoo. Die Er⸗ tragsbeſtimmung eines Gutes wird durch dieſes Principium freylich ſehr ſimplificirt. Indeſſen hat es wohl oft beym Kauf und Pachtung zu Täuſchun⸗ gen Veranlaſſung gegeben“). Man — *) Ich muß dieſes, nach einer ſpaͤter erhaltenen Nach⸗ richt, dahin berichtigen: daß man jetzt in Holſtein, bey ber Taxirung der Guͤter, das Mecklenburgiſche Principium— daß nach Verhaͤltniß der Guͤte des Vodens, die Einſaat dicker geſchehen muͤſſe— nicht annehme. Wenn in einer Gegend eine Tonne Landes te —— — 709— Man beſtimmt den Ertrag gewoͤhnlich nach der Koͤrner⸗Vermehrung der Einſaat. Rocken, Weitzen und Gerſte ſäet man eine Tonne auf eine Tonne Landes aus. Auch Hafer ſaet man, ſo viel ich verſtehe, auf mehrmahls gepfluͤgtes Land nicht ſtarker aus. Auf die friſch aufgebro⸗ chene Grasnarbe, oder den Dreeſch, ſäet man aber 1 ½ Tonne. Von dem Ertrage ziehet man ein KForn fuͤr die Einſaat und ein Korn fuͤr die Wirthſchat ab, um den reinen Ertrag zu beſtimmen. Leß⸗ teres ſcheint mir zu wenig, wenigſtens kann die Wirthſchaft nur unter der Vorausſetzung vieler Hof⸗ Landes 240 Quadratruthen iſt, ſo wird ſie durch⸗ gehends dafuͤr angenommen; und da, wo ſie, wie im Schleßwigiſchen und dem daran graͤnzenden noͤrdlichen Holſtein, zu 320 Quadratruthen gerech⸗ net wird, gelten 320 Quadratruthen Marſchland, ſo gut als eine gkeiche Groͤße Sandland, fuͤr eine Tonne; welches in Mecklenburg bey einem und demſelben Gute, wobey verſchiedener Boden iſt, nicht Statt hat. Die Verſchiedenheit der Land⸗ maaße, glaubt mein Freund, ruͤhre von dem ſehr verſchiedenen Getraidemaaße her, welches Tonne genannt wird. Dieſer Unterſchied war vormahls groͤßer, wie jetzt. Hofdienſte und geringen Tagelohns dabey be⸗ ſtehen. Bey nachfolgenden Wirthſchaftsberechnun⸗ gen nehme ich jede Koppel zu 90 Tonnen, und daher die Guͤter nach der Anzahl der Koppeln, von verſchiedener Groͤße an. Ich vertheile dann aber den reinen Ertrag auf jede Koppel, weil ſo die Verſchiedenheit deſſelben am beſten in die Au⸗ gen faͤllt. Von den Weideſchlaͤgen wird allemal einer fuͤr die Pferde, Haushaltskuhe und Zuzucht des⸗ jungen Viehes abgerechnet. Auf eine Kuh ſind 1½ Tonnen zur Weide beſtimmt, alſo kommen 60 Siuͤck auf die Koppel, welche jetzt mehrentheils das Stuck 12 Thlr. Pacht thun, welches auf die Weidekoppel 720 Thlr. betraͤgt*). Auf jede Kuh rechne ich 4 große vierſpän⸗ nige Fuder Miſt zu 3000 Pfund. Der Miſt, den das Arbeitsvieh gibt, wird wol auf Gaͤrten und Wieſen verwandt werden. Wirth⸗ *) Mit Fleiß habe ich dieſe hoͤchſte und wohl nur ſelten zutreffende Angabe angenommen. Wirthſchaft A. Sie hat 11 Schläge, alſo überhaupt 990 Tonnen. Wenn ich den nnehme, ſo hat ſie folgende Ein⸗ 2. 3. 4. 5. 6. Boden als vorzüglich zum Kornbau geſchickt richtung: Aufgebrochen und mit Breekhafer oder in die erſte Furche geſaͤet Geduͤngt mit Weizen. und Rocken. G ſ Weidekoppel fuͤr Arbeits⸗ 7— 11. Meidekoppeln fuͤr Milchkuͤhe. 5 Erndten 131 Fuder. Einſaat 135 Tonn. 45„ 45„ 90 und Zuzuchtsvieh 6tes 5tes 6tes 4tes 4tes Jede thut 720 Thl. nach Abzug einer von 2 Korn Tonne 6306 180„ „ 360„ * 180„ 2—2 480„ „[180„ 7o Ertrag an Korn⸗ 27824 Thl. Vermehrung Reiner Ertrag] Weuth Ertrag an Gel' ztes Kornſ135 Tonn.1 22hl. 202 ½ Thl⸗ Ertrag an2 Milchvieh 36 3 600 Thl. Ertrag uͤberhaupt 63 82 ½ Thl. Betraͤgt auf jede Koppel 58077 Thl. 3 00 Stuͤck Vieh geben 1200 Niſt; alſo konmt auf 1 Tonne Korn⸗Einſaat fuͤr Wirthſchaft B. Sie hat, wie ble vorige, 11 Schläge, und iſt daher von derſelben Größe. Da ſich der Boden aber weniger zum Kornbaue, ols zum Graswuchſe ſchickt, ſo wird ihr folgende Einrichtung gegeben: Einſaat Vermehrung Reiner Srtrag]! Werth ſErtrag an Gelde nach Abſatz einer † 1 2er Koͤrner Tonne 1. Aus dem Graſe gebrochen und nach drey⸗ maligem Pfluͤgen mit Buchweitzen, ſa3 Tonnen 6tes KornſI8o Tonn. 1 Thl. 240 Thl. 2. Geduͤnget und mit Rocken„ 90— kötes— 360— ſ2— 960— 3. Hafer„90— 6tes— 360— 14 „190— stes— 270— ſ14— 455— 5. Weidekoppel fuͤr Arbeitsvieh. Ertrag an Korn„ 2195 Thl. 6— 11. Sechs Weidekoppeln fuͤr Milchkuͤhe. Jede thut 720 Thl.„ Milchvieh 4320 Thl. 6515— Betraͤgt auf jede Koppel 592 ½1 Thl. 360 Kuͤhe geben 1440 Fuder Miſt; alſo kommt auf 1 Tonne Korn⸗Einſaat fuͤr 3 Korn⸗ Erndten— denn die Buchweitzen⸗Erndte kann nicht wohl mit angeſchlagen werden— 16 Fuder. Dieſe Wirthſchaft moͤgte wohl einigen Mangel an Stroh haben, Wirthſchaft C. Sie hat 13 Schlaͤge, alſo überhaupt 1170 Tonnen, nach folgender Einrichtung. Einſagt Vermehrung Reiner Ertrag; Werth) Ertrag an Gelde nach Abzug einer 2er Koͤrner Tonne 7. Aus dem Graſe gebrochen und nach drey⸗ mahligem Pfluͤgen mit Buchweizen, ſ45 Tonnenſtes Korn1 80 Tonnenſ14 Thl.] 240 Thl. 2. Geduͤngt mit Weizen„„45— ſ6tes— ſ180— 34— 630— und mit Rocken„445— 66tes— ſ180— ſ23— 480— 3. Gerſte„po0— ſ6tes— 360— ſ2— 720— 4. Halbgeduͤngt, Rocken 90— Ftes— 270— ſ2— 720— 5. Gerſte„ Ftes—— 50— 6. Hafer„..„. 0 4tes— 0— 7. Weidekoppel fuͤr Arbeitsvieh Ertrag an Korn 3660 Thl. 8— 13. Sechs Weidekoppeln. Jede thut 720 Thl.— Milchvieh 4320— — uͤberhaupt 7920— Bebraͤgt auf jede Koppel 6o91 Thl. 360 Kuͤhe geben 1440 Fuder Miſt, alſo konnnt auf jede Tonne Korn⸗Einſaat fuͤr 5 Erndten 16 Fuder Miſt. Wirthſchaft D. Sie hat 15 Schläge, alſo uͤberhaupt 1350 Tonnen Einſaat⸗Land. Ihre Einrichtung iſt folgende. Einſaat Vermehrung Reiner Ertrag] Werth[Ertrag an Gelde nach Abzug einer 2er Koͤrner Tonne r. Hafer in das aufgebrochene Grasland 90 Tonnenſstes Korn270 Tonnen 2. Geduͤngt, Weizen„ 90— p6tes— 50— 3½— 1260— z. Geduͤngt, Rocken„ 90— ö6tes— 360— ſ23— 960— 90 90 6tes— 360— 7. Weidekoppel fuͤr Arbeitsvieh. Ertrag an Korn„ 4785 Thl. 8— 15. Fuͤnf Weidekoppeln, Jede thut 720 Thl.—— Milchvieh 3760— — uͤberhaupt 10545— Betraͤgt auf jede Koppel 703 Thl. 480 Stück Vieh geben 1920 Fnder Miſt, alſo kommt auf eine Tonne Korn⸗Einſaat fuͤr 6 Erndten 211 Fuder. Daher die groͤßere Koͤrner⸗Vermehrung in dieſer Wirthſchaft. — Ich habe den Ertrag nach den hoͤchſten Angaben, die ich ſowohl in Schriften gefun⸗ den, als durch Privatnachrichten erhalten habe, angenommen. Es gehoͤre ſchon, ſagt man, ein recht guter Boden dazu, wenn er dieſen Er⸗ trag an Korne liefern ſoll. Und die Pacht von 12 Thlrn. fur eine Milch⸗Kuh war vor einiger Zeit noch etwas ſehr ſeltenes, indem ſie im Durchſchnitt nur 8 Thl. that. So hoch ich alſo den Ertrag auch angenommen habe, ſo wird er doch jedem Kenner einer vollkommenen Cultur ſehr geringe ſcheinen. Von einem Bo⸗ den, wie der Holſteinſche in den beſſern Ge⸗ genden iſt, muͤßte bey dem Viehſtapel, wel⸗ chen beſonders die Wirthſchaft B und D, im Verhältniß ihres Ackerlandes, halten, eine Tonne oder 240 Quadratruthen im Durchſchnitt immer 10 Tonnen Getraide liefern, wenn es auch in 11 Jahren 7mal beackert wuͤrde. Auch hat es keinen Zweifel, daß 4 Koppeln mit Futerkraͤutern, zwiſchen den Korn ⸗Erndten nach richtigen Principien angeſaͤet, derſelben An⸗ zahl vom Viehe nun reichlichere Weide— der Stallfütterung hier nicht zu gedenken— geben wuͤrden, wie ſie jeßt auf 6 Koppeln haben. Denn es iſt nicht zu vergeſſen, daß dieſe Wirth⸗ ſchaften, auſſer den Acker- und Weidekoppeln, eine fuͤr das zu haltende Vieh hinreichende Quan⸗ tität tität Wieſenwachs zur Winterfütterung haben muͤſſen, auf deſſen Ertrag denn weiter nichts zu rechnen iſt. Ich habe zwar keine Data auf⸗ finden koͤnnen, wie viel Heu man in Holſtein für eine Kuh, den Winter hindurch, rechne; doch wird ein Fuder von 18 Centnern wol das wenigſte ſeyn, was der Kuh⸗Pächter, wenn er 12 Thl. gibt, auf das Stuck verlangt. Wenn man den Werth deſſelben nur zu 6 Thl. berechnet, ſo ſinkt die Benutzung der Weide⸗ Loppeln ſchon auf die Hälfte herunter⸗ Der geringe Körner⸗Ertrag läßt ſich bei der Holſteinſchen Wirthſchaft dem Duͤngermangel wohl nicht zuſchreiben, wenn man anders mit dem Duͤngerhaufen nach richtigen Grundſäßen umgeht. Die Wirthſchaft B und D hat reich⸗ lichen Miſt, zumahl da man den, waͤhrend der Weide⸗Jahre, verſtreueten doch immer in einigen— wenn gleich nicht ſehr hohen— Anſchlag bringen darf. Der Boden iſt da, wo man dieſen Körner⸗Ertrag annimmt, mehr als mittelmäͤſſig. Der Fehler muß alſo an der Be⸗ ackerung und an dem Feld⸗Syſteme liegen ⸗ In der That, wenn man bedenkt, daß tie aus wilden, einheimiſchen, und daher zähen Kräutern und Gräſern erzeugte Rarbe, bey der weni⸗ wenigen Bearbeitunz, welche dem Lande gege⸗ ben wird, in keine Verweſung gehen, und daher den auf einander folgenden Kornerndten, ſtatt ihnen Nahrung zu geben, mehr im Wege ſeyn muß: ſo iſt nichts natuͤrlicher, beſonders da, wo man mit Breekhafer das auſgebrochene Land beſtellet, kann die Stoppel deſſelben nur ein harter Torf, und nichts weniger, als eine dem Weitßen oder Rocken angemeſſene Krume ſeyn. Die hierauf folgende Gerſte wird eben ſo wenig den gelockerten Boden finden, den dieſe Frucht zu ihrem Gedeihen ſo unumgaͤnglich for⸗ dert. In den folgenden Erndten, die ſämmtlich ohne Sommer-⸗Bearbeitung des Ackers genom⸗ men werden, muß das Unkraut ſich eher beſtau⸗ den und mit dem Korne hervorwachſen, als zer⸗ ſtoͤrt werden; ſo daß man, am Ende dieſer Fruchtfolge, dann wirklich Urſach hat, ſich uͤber das graswuchſige Land zu freuen. Wenn ich dieſe Methode durchaus beybehalten muͤßte, ſo wuͤrde ich lieber, bey 5 Korn⸗Koppeln, erſt dreimahl Hafer hinter einander nehmen, weil dieſe Frucht auf harten Boden wächſt, und ſie mit ihren ſtarken Wurzeln durchdringt. Dann erſt wuͤrde ich geduͤngten Weißen und Rocken bauen, in der ſeſten Ueberzengung, auf dieſe Weiſe einen beſſern Ertrag zu erhalten. Fängt Fängt man mit Puchweißen an, wozu etlichemal gepfluͤgt wird, und dieſer geraͤth voll⸗ kommen, ſo iſt das Land ohne Zweifel ungleich beſſer zur folgenden Saat vorbereitet. Aber eben das Gerathen des Vuchweißens iſt eine ſo miß⸗ liche Sache, und wenn er nicht völlig und gleichfoͤrmig dicht ſtehet, ſo macht er das Land keinesweges muͤrbe, ſondern es verwildert viel⸗ mehr dabey. Wenn man es ſich zum Grund⸗ ſaße machte, den Buchweitzen, ſo bald er nicht vollkommen gut ſtehet, ſogleich unterzu⸗ pfluͤgen, und dann dem Acker eine vollkom⸗ mene Sommer⸗Brache zu geben: ſo wuͤrde ich der Buchweißen⸗Saat meinen völligen Beyfall geben. Thut man dies wol in Holſtein, oder läßt man ſich durch einen zweckwidrigen Geiz verleiten, den elenden Ertrag eines ſchlechten Buchweitzen⸗Feldes einzuerndten?— Wenn man aber dieſen Grundſaß annimmt, ſo wird man ſich vermuthlich oͤfter bewogen finden, den Buchweitzen unterzupfluͤgen, als ihn rei⸗ fen zu laſſen. Ich weiß, daß man in Holſiein, auch bier und da, dem aufgebrochenen Graslande eine Sommer⸗Brache gibt. Wo dies aber ge⸗ ſchieht, da ſehe ich weiter keinen Unterſchied zwiſchen dieſer und der Mecklenburger Wirth⸗ ſchaft. c ka —— ſchaft. Dieſe Brache, deucht mir, iſt das einzige Weſentliche, wodurch ſich beide Wirth⸗ ſchaftsarten unterſcheiden. Denn das Verhält⸗ niß der Weideſchlaͤge zu den Kornſchlägen iſt in beyden Laͤndern ſehr derſchieden, und alles uͤbrige iſt nicht erheblich genug, um einen Unterſchied zu begruͤnden. Von der Mecklenburger Wirthſchaft wird aber jetzt die Rede ſeyn. Um ſich von der Production derſelben einen klaren Begriff zu machen, muß man ihre Aus⸗ ſaat auf einer beſtimmten Fläͤche, nach deren Vermehrung jene berechnet wird, kennen lernen. Denn man findet in den Schriftſtellern über dieſe Wirthſchaftsart und in den Privatnachrichten, die man davon erhält, nie angegeben, wie viel Scheffel Korn von einer gewiſſen Fläche geerndtet werden; ſondern immer nur, das wievielſte Korn ſie erhalten, d. h. wie vielmahl ſich die Aus ſaat vermehrt habe. Wuͤrde auf jeder Art des Bo⸗ dens gleichviel auf eine beſtimmte Flaͤche ausgeſäet, ſo wäre leicht herauszufinden; aber hier findet eine erſtaunliche Ungleichheit Statt, die auf be⸗ ſondern und daſelbſt allgemein angenommenen Prin⸗ cipien beruhet. Man ſagt nämlich, ſtarkes Land kann viel Frucht ernahren, ſchwaches wenig; darum 720 darum muß man jenes dicht, dieſes dunne be⸗ ſäen. Wenn ich alſo, um einen Scheffel Korn mit Vortheil einzuſäen, dort 75 Quadratruthen nehme, ſo muß ich ihn hier auf 2„ bis 300 Qua⸗ dratruthen vertheilen. Ich glaube nun zwar nicht, daß dieſer Grundſatz von einem vernuͤnftigen und erfahrnen Wirthe je in dieſer Maaße werde aus⸗ . geuͤbt werden. Indeſſen verfaͤhrt man bey der Taxation des Landes, zufolge des Mecklenburgi⸗ ſchen Landesvergleichs, danach. Dieſer theilt naͤmlich das Land in ſechs Klaſſen, und auf einen Scheffel Ausſaat ſoll gerechnet werden: In ber 1ſten Klaſſe 75 Quadratruthen 2ten— — 3ten— 95— 1 — 4ten— 100— 150—— — 5ten— 150— 200 — 6ten— 200— 300— Wenn daher, in den Anſchlaͤgen von Gätern und Rachrichten von Wirthſchaften, von Scheffeln⸗ Ausſaat geſprochen wird, ſo werden darunter, nach der Guͤte des Ackers, bald 78, bald 300 Qua⸗ dratruthen verſianden. Ich leugne nicht, daß bey der Taxation der Gäter dieſer Grundſaß ſeine große 3 Bequemlichkeit haben könne, wenn er richtig ange⸗ 1 wandt wird. Denn in der That können 75 Qua⸗ drat⸗ dr wi in khr de lch zun dro dro Ei reic etn en ſh bratruthen des beſten Vodens wol ſo viel werth ſeyn, wie 300 des ſchlechteſten. Rur hätte man wol einen andern Maaßſtab als die Einſaat annehinen können. Ich meines Orts würde auf 75 Quadrat⸗ ruthen des ſchlechteſten Bodens nicht weniger ſäen, als auf 75 des beſien. Wie man die Ausſaat wirklich in Meck⸗ lenburg bewerkſtellige, daruber habe ich, aller ein⸗ gezogenen Erkundigungen ungeachtet, nichts Be⸗ ſtimmtes erfahren können. Ich weiß aber, daß Manche ungleich ſtärker, als das angegebene hoͤch⸗ ſte Verhaͤltniß iſt, einſäen. Auf einem Gute wird ein Scheffel Weitzen und Rocken auf 60 Qua⸗ dratruthen in die Brache geſäet. Die Ungewißheit der Einſaat wäre an ſich ſo erheblich nicht, wenn ſich die Angabe der Erndte nur nicht darauf gruͤn⸗ dete. Auf dem erwähnten Gute, welches vorzuͤg⸗ lichen Boden hat, wird der Ertrag der Brache zum Bten Korne angegeben, alſo auf 60 Qua⸗ dratruthen 8 Scheffel. Häͤtte man auf 75 Qua⸗ dratruthen nur 1 Scheffel geſäet, ſo wuͤrde der Ertrag wol eben derſelbe geweſen ſeyn, da dieſe Einſaat auf gut zubereitetem Lande voͤllig hin⸗ reicht, und man wuͤrde dann zu 10 Körnern ge⸗ erndtet haben. Dies macht alſo die BVerechnun⸗ gen vom Ertrage der Mecklenburgiſchen Wirth⸗ ſchaften ſo ſchwierig und unſicher. 3 3 Wir 722— Wir werden indeſſen wol im Durchſchnitte nicht irren, wenn wir 80 Quadratruthen auf 1 Scheffel Einſaat rechnen, da dies ein auf Erfahrung begruͤndetes gutes Verhältniß bei wohl⸗ zubereitetem Lande iſt. 3 Mecklenburgiſche Schef⸗ fel ſind einer Holſteinſchen Tonne ungefaͤhr gleich. Um daher den Vergleich zwiſchen dieſen beyden Wirthſchaften deſto augenfälliger zu machen, neh⸗ me ich die Mecklenburger Schlaͤge von gleicher Groͤße, wie die Holſteinſchen, zu 21600 ſechs⸗ zehnfuͤßigen Quadratruthen, oder 270 Scheffel Einſaat an. Den Ertrag vom Brachkorne kann ich, bey dieſer Einſaat, nach allen eingezoge⸗ nen Nachrichten, zum gten, und bei reichli⸗ cher Duͤngung zmn Loten Korne, auf gutem Boden annehmen. Die darauf folgende Gerſte wird ein Korn weniger geben. Folgt darauf wie⸗ der ohne Brache und Duͤngung Rocken, ſo wird der Ertrag um 3 Körner geringer, wie in der erſten Art ſeyn. Hafer aber, wovon 3 mehr eingeſäet wird, oder doch eingeſaͤet werden ſollte, wird zu 8 bis ofacher Vermehrung an⸗ genommen werden koͤnnen. In der 4ten Art wird das Winterkorn mehr nicht, als die Hälfte der erſten Saat geben, Hafer aber ſich 6fach produciren. In der Ften Art kann nur Hafer, hoͤchſtens zum Ften Korne, gerechnet werden. Kommt aber zwiſchen dieſen 5 Arten eine oge⸗ e ſogenannte Muͤrbe⸗Brache, ſo nehmen wir nach derſelben alles eben ſo hoch, wie nach der erſten ZäheBrache an. Wird die Muͤrbe⸗ Brache nicht geduͤnget, ſo fällt ein Korn ab. Der Holſteiner rechnet zur Beſtimmung des reinen Ertrages, auſſer dem Saatkorne, ein Korn fur die Wirthſchaft ab. Dies ſchien faſt zu wenig. Der Mecklenburger rechnet zwey Koͤr⸗ ner fuͤr die Wirthſchaft. Da der Holſt iner nur eins rechnete, ſo ſchien mir jenes, ungeachtet die Mecklenburger Wirthſchaft mehr Aufwand er⸗ fodert, zu viel. Nach folgenden genaueren An⸗ gaben iſt es dies, wo keine Hofdienſte vorhanden ſind, nicht. Man rechnet auf jede Laſt(96 Scheffel) Ausſaat in die Brache zum mindeſten ein Ge⸗ ſpann und einen Wechſelhaken, oder 4 Ochſen. Man nimmt aber dabei an, daß die Auſſen⸗ ſchläge, welche der Bienenſchläge auszumachen pflegen, von dieſem Spannwerke mit verſehen werden. Wenn ein Gut daher 7 Schlaͤge, je⸗ den von 3 Laſt, äͤberhaupt 2016 Scheffel Land, enthält, ſo muß es 3 Geſpann und noch zwey Neben⸗ oder Karren⸗Pferde halten. 33 2 Dieſe Dieſe koſten jährlich zu unterhalten ⸗ 468 Thl. n Zu dieſer Wirthſchaft gehoͤren? 4 Knechte, an Lohn und Leinen jeder 17 Thl.„„„ 68„ 3 Mägde, an Lohn und Leinen jede T 1 Voigt, an Lohn und Deputat„„ 44„ 1 Stammhaͤcker Her Verwalter 70 bis 80 Thl.„„ 75 Die Ausgeberin 20 bis 30 Thl.⸗ 25 An Tagelohn„„„„ 6d00„ Geſchi 5 30 Wagen Schmiedearbelt„ 100„ Probtkorn e.„„„ 6 1610 Thl. Wenn nun „Körner oder 6 Laſt Rocken à 85½ Thl. boirgen„* 5 2Körner oder 6 Laſt Gerſte à 64 Thl. 384 „—— 6— Haſer 3 8— 2 288„ 1184 Thl. So můſſen die Auſſenſchlaͤge noch hergeben 425 in Alſo reichen 2 Korner kaum zu. 3 erſ inde Ihe 1E lan uth mih beh wol 36 ſch Auf dieſe Vorausſetzungen gruͤnden ſich bie nachfolgenden Verechnungen einiger Wirthſchaften: verſchiedene Kenner der Mecklenburger Wirthſchaft finden den Koͤrner⸗Ertrag noch zu hoch angenommen. Aber erſtlich bitte ich zu bemerken, daß ich unter 1Scheffel Ausſaat immer 80 Quadratruthen guten Landes verſtehe. Wer auf 50 oder 60 Quadrat⸗ ruthen einen Scheffel einſäet, wird dieſe Koͤrnerver⸗ mehrung nicht haben, wenn er ſich gleich ſonſt bey dieſer ſtarken Einſaat gut ſtehen mag. Dann wollte ich aber auch den Ertrag lieber zu hoch als zu geringe annehmen, um nicht in den Verdacht zu kommen, als ſetze ich die Mecklenburger Wirth⸗ ſchaft zu tief herab. Was die Benußung der Weidekoppeln durch Milchvieh anlanget, ſo hat man nach denſelben Vonitirungs⸗Grundſaßen angenommen, daß 6 bis 8 Scheffel Ausſaat zur Sommerweide fur eine Kuh hinreichend ſecyn. In dem Briefwechſel uͤber Mecklenburgſche Landwirthſch. rr Theil, S. 170, wird aber gezeigt, daß 6 Scheffel Aus⸗ ſuat⸗Land nicht hinreichend ſey, wenn die Wirth⸗ ſchaft nicht vorzuglich ſtarken Wieſenwachs hat. Hiermit ſtimmen alle Nachrichten uͤberein, die ich eingezogen habe, bis auf eine, wo auf 250 Qua⸗ dratruthen, vorzüglichen Bodens, eine Kuh. gehal⸗ ten wird. Hier wird aber, mit dem letzten Korne, Klee — 726— Klee und zwar viel ſtärker, wie ſonſt in Mecklenburg gebrauchlich iſt, ausgeſaͤet; und dann wird die erſte Weidekoppel zur grünen Nebenfutterung und zum Heu geſchonet; welch s eine Abweichung von der gewoͤhnlichen Mecklenburgiſchen Wirthſchaft iſt. Die Urſach, warum in Mecklenburg die Weide ſo viel ſchlechter, wie in Holſtein iſt, mag vielleicht mit in der Verſchiedenheit des Bodens liegen. Eini⸗ gen Antheil haben auch wol die Holſteinſchen Hek⸗ ken oder Knicke, welche die rauhen Winde brechen, an der Verbeſſerung der Weide. Wir finden den zureichenden Grund aber ſchon in der verſchiedenen Behandlung des Ackers. Der Mecklenburger zer⸗ ſtoͤrt alle Wurzeln und Saamen der Kraͤuter und Gräſer, durch ſeine vollſtändige Brache; der Hol⸗ ſteiner unterdruͤckt beydes waͤhrend der Kornjahre nur, läßt es aber am Leben. Der Mecklenburger ziehet, durch den ſtärkeren Kornbau, den Nah⸗ rungsſtof faſt aus; der Holſteiner läͤßt ihn groͤßten⸗ theils fuͤr die Weidejahre zuruͤck. Auſſerdem aber iſt des Holſteiners Stroh mit nahrhaften Kraͤutern nicht nur durchwachſen, ſondern er laͤßt auch meh⸗ rere Koͤrner darin: wodurch das Vieh in den Stand geſett wird, die reichliche Begraſung der Weide im Frůͤojahre abzuwarten. Und man weiß, wie viel hiedurch an der Weide gewonnen wird. Wir — — — —„„— S— S S S S iel Wir muͤſſen daher 8 Scheffel Einſaat fur eine Kuh zur Sommerweide beſtimmen; und es koͤn⸗ nen folglich auf eine Koppel, von oben angenom⸗ mener Groͤße, 34 Stuͤck Hollaͤnder⸗Kuͤhe gehalten werden. Sie thun zwiſchen 7 und 11 Rthlr. Pacht. Wir nehmen das Mittel, von 9 Rthlr. an. Auſſer dem Heu zur Winterſutterung und den Emolumenten des Kuhpachters, die ſich in Mecklen⸗ burg noch höher wie in Holſtein belaufen, müſſen wir aber die jährliche Ergänzung des Viehſtapels in Abrechnung bringen, da bey der Hollaͤnderey⸗ Wirthſchaft kein junges Vieh angezogen wird⸗ 34 Stuͤck erfordern jährlich wenigſtens 4 Stuͤck zur Ergänzung. Wenn alſo 34 Stuͤck, à 9 Rthlr., an Pacht einbringen 306 Rthlr., ſo gehen fuͤr Ankauf von jungem Vieh 40 Rthlr. ab, bleiben alſo 266 Rthlr. Da eine halbe Koppel wenigſtens fuͤr das Arbeitsvieh beſtimmt werden muß,(wofern man keine Nebenkoppeln hat, die hier aber nicht in An⸗ ſchlag kommen können) ſo wird eine Weidekop⸗ pel nur zu 133 Rthlr. zu berechnen ſeyn. Nach dieſen Vorausſeßungen läßt ſich der Ertrag verſchiedener Wirthſchaften, wobey ich die in Mecklenburg uͤblichſten Feldeintheilungen anneh⸗ me, ungefähr uͤberſehen. Wirth⸗ Wirthſchaft A. Ein Gut von 1890 Scheffeln, wird in 7 Schlaͤgen folgende Weiſe benuhet⸗ Einſaat Vermehrung Reiner Ertrag Werth des[Ertrag an Gelde nach Abzug Scheffels er Koͤrner —————— 7. Brache gebuͤnget———— 2. Rocken„270 Schfl. Btes Kornſ1350 Schfl.32 Mgr. 1200 Rthl. 3. Gerſte 70„ tes Korn1350„ 24„ 900„ 4. Hafer ſe70„ 8tes Kornizso„ ſ18„ 675 5— 7. Weidekoppeln, wovon 2773 Thl. an Korn x fuͤr das Arbeitsvieh abgehet, thun an Hollaͤnder⸗Pacht⸗ ⸗ uͤberhaupt, 655„ vom Viehſtapel betraͤgt auf jeden Schlag 4913 Thl. Da in dieſer Wirthſchaft, mit Einſchluß des Arbeitsviehes, 102 Stuͤck Vieh gehalten wer⸗ den koͤnnen, ſo werden— auf jedes Stuͤck ₰ vierſpaͤnnige Fuder gerechnet— nur 408 Fuder Miſt gemacht, daher kaum 1½ Fuder auf 1 Scheffel in die Braach kommen. Ohne die Schaͤ⸗ ferey, welche ihre Rahrung hauptſaͤchlich von den Außenſchlaͤgen und etwannigen Nebenabtriften haben muß, loͤnnte dieſe Wirthſchaft nicht beſtehen. Wirthſchaft B. Pon 2 400 Scheffeln in 9 Schlägen, wird, wenn es vorzůglichen Boden hat, folgendermaaßen bewirthſchaftet. Einſaat Vermehrung Werth 1 Scheffels Ertrag an Gelde nach Abzug zer Koͤrner ———— 7. Brache„ 2. Weitzen„ 270 Schfl. oes Kornſis 9o Schſl rThl. 6 Mgr. 2205 Thl. 3. Gerſte 21270„ 1otes Korn 18 90 24„ 1260„ z. Rocken oder Erbſen270„ 7tes Korn1o8o„ 32„ 960„ 6tes Korn 710„ 18„ 355„ 6— 9. Weidekoppel 4775 Thl. an Korn 34 Koppel fuͤr Hollaͤndereyvieh ⸗ ⸗ ⸗ 3 ⸗ 931„ v. Viehſtapt 5706„ uͤberhaupt; — betraͤgt auf die Koppel 634 Thl. Hier werden von 136 Stuͤck Vieh S44 Fuder Miſt gemacht, ſo daß uͤber 2 Fuder Miſt auf 1 Schef⸗ fel in die Brache kommen; woher neben dem beſſeren Boden der groͤßere Ertrag dieſer Wirthſchaft er⸗ folgt. Ohne einen vorzüglichen Boden wuͤrden dennoch ₰ Kornerndten nach einander ihn ſd erſchoͤpfen, daß er kein Gras hervorzubringen vermögte. Schlechterer Boden muß in 9 Schlaͤgen ſo bewirthſchaftet werden, daß man nach der Brache 2 Erndten nimmt, dann Muͤrbebrache haͤlt, und wieder ⁊ mal Korn ſaͤet; da dann aber nur 4 Weidekoppeln bleiben. Wirthſchaft C. von 2970 Scheffeln in 11 Schlaͤgen. 2. 2. 3. 4. 5. Weitzen„ Geſte Rocen 6. Gerſte*.„„ 8— 11. Weideſchlaͤge Vor⸗ oder Zaͤhebrache. „ Mittel⸗oder Mürbebrache . * * Sinſaat 270 Schfl. 270„ 270 270 270 Vermehrung 1otes Korn 1otes Korn 8tes Korn 8tes Korn 6tes Korn 3 fur Hollaͤnder Vieh, betraͤgt„ Da hier von 136 Stuͤck Vieh 544 Fuder Miſt erfolgen, durchdünget werden. Die Zaͤhebrache erhaͤlt nur von au Reiner Ertrag nach Abzug zer Koͤrner 1890 Schfl. 1890„ — — 1350 1350 710 Werth eines Scheffels 1Thl. 6 Mgr. 24 Mgr. 32 Mgr. 24 2 18 betraͤgt auf jeden Schlag ſo kann die Mittelbrache mäßig Ertrag en Gelde 2205 Thl. 1260* 1200„ 900 253 5020 Thl. an Korn 931„ vom Viehſi. 6351 Thl. 622771 swaͤrtsher Huͤrdenſchlag. Es ſcheint hiernach die eilſſchläͤgige Wirth⸗ ſchaft, ohnerachtet zwey Koppeln jährlich unbenutt liegen, doch die vortheilhafteſte zu ſeyn. Und in der That wird ſie auch immer mehr die Lieb⸗ lingswirthſchaft der Mecklenburger. Wenn auch einige die zehn⸗ oder zwoͤlfſchlägige vorziehen, ſo kommen dieſe doch in der Hauptſache, näm⸗ lich der zweymahligen Brache, damit überein. Die Brache iſt auch das, dem der Mecklenburger vor dem Holſteiner ſeinen groͤßeren Koͤrner Ertrag zu verdanken hat. Dagegen fehlt allen dieſen Wirthſchaften der Duͤnger. A. und C. hätten auch nicht den nothduͤrftigſten, und wuͤrden gar nicht beſte⸗ hen können, wenn ihnen nicht die Schaͤferey zu Hulfe käme; die Schaͤferey wuͤrde aber nicht beſtehen koͤnnen, wenn ſie nicht Auſ⸗ ſenſchläge oder andere uncultivirte Weideplätze hatte. Das wenige, was die Brache und die Stoppel den Schaafen an Nahrung giebt, iſt unbeträchtlich. Wo Auſſenſchläge ſind, muͤſſen dieſe hauptſächlich das Material zu dem Duͤnger liefern, der im Huͤrdenſchlage der Brachkoppel zugefhrt wird. Man ſtichlt, wie der Englaͤnder ſagt, durch den Hürdenſchlag dem Petrus, um es dem Paulus zu geben. Der Ertrag der Auſſen⸗ ſchläge, die nur hergeben muſſen, ohne etwas wieder zu erhalten, iſt daher erbaͤrmlich und wird wirb es von Jahr zu Jahr mehr. Wo uncul⸗ rivirte Abtriften ſind, da faͤllt es ſo nicht auf, wie elend man dieſe Strecken benußet, die ſich doch immer beſſer benußen ließen. Der Ertrag der Mecklenburgiſchen Schäfereyen, an baarem Gelde, iſt, wenn man alles, was ſie an Win⸗ terfutterung koſtet, und was der Schaͤfer erhaͤlt, berechnet, faſt unter allem Anſchlage. Blos des Duͤngers wegen, muͤſſen ſie beybehalten werden. Eine Cultur aber, die nicht durch ſich ſelbſt beſtehen kann, ſondern zu ihrer Aus fuͤh⸗ rung die Beyhülfe ſchlecht oder gar nicht ange⸗ baueter Flächen braucht, die ſie ausſaugen muß, um ſich zu erhalten, iſt keine vollkommne Cul⸗ tur. Für den Eigenthümer ſelbſt kann ſie ganz vortheilhaft ſeyn, und ihre Zinſen reichlich tra⸗ gen. Auch die ſchlechteſte thut das oft. Füͤr das Ganze aber iſt ſie fehlerhaft, denn ſie fordert, daß ein Theil des Bodens nicht nur unbefruch⸗ tet bleibe, ſondern immer mehr ausgezehret werde, damit ein anderer, oft kleinerer, bebauet werde. Sie verſchlimmert ſich auch jaͤhrlich in ſich ſelbſt, wenn dies auch erſt nach Jahrhunderten merk⸗ lich wuͤrde. Denn der Boden, den ſie immer beraubt, ohne ihm etwas wiederzugeben, muß doch enblich aufhoͤren, Nahrungstheile zu pro⸗ duci⸗ duciren. Eine vollkommene Wirthſchaft hingegen muß keine ihrer Parcelen auf Koſten der ande⸗ ren, ſondern alle und jede bereichern, indem ſie zugleich alle aufs moͤglichſte mut. Von dieſer Seite betrachtet, gebe ich der Holſteinſchen Wirthſchaft, vor der Mecklenburger, einen entſchiedenen Vorzug. Wieſen braucht ſie zwar auch zu ihrer Beyhülfe, ſonſt aber erhält ſie die Kraft und den Reichthum ihres Bodens wenigſtens in gleicher Stärke, ohne daß ſie nö⸗ thig habe, andere Boden auszuhungern. Dage⸗ gen vertiehrt ſie zu ſehr am Köͤrner⸗Ertrage, dem erſten und nothwendigſten Nahrungsmittel der Menſchen. Aber, höre ich fragen, iſt es denn mög⸗ lich, beydes zu vereinigen? Folgt es nicht von ſelbſt, daß der Boden an Nahrungsſtoff verlieh⸗ ren muͤſſe, wenn ich dieſen durch große Korn⸗ erndten, wovon wenigſtens die Koͤrner ſelbſt auf immer fuͤr den Acker verlohren ſind, herausziehe? Muß ich daher dieſen Verluſt durch fremden, herbeygefuͤhrten Nahrungsſtoff nicht erſeßen, wenn ich dieſelbe Maſſe darin erhalten will? Dieſe Einwuͤrfe haben allerdings vielen An⸗ ſchein, und richtig bleibt es immer, daß man durch zu viele Korn⸗Erndten mehr Rahrungsſtoff ent⸗ 734 entfuͤhre, als die Natur reproduciren kann. Die Einrichtung der Natur iſt aber ohne allen Zwei fel ſo, daß durch Vegetation und Animaliſatio— der Nahrungsſtoff der Pflanzen und Thiere in der Maaße probuciret werde, daß, manches Abgangs ungeachtet, doch ein Plus entſtehe. Wenn wir gleich den Proceß, wodurch die Natur dieſes be⸗ wirket, noch nicht deutlich haben entdecken können, ſo iſt doch die Sache ſelbſt durch Erfahrung genug beſtätiget. Der Reichthum des Ackers hat ſich in manchen Gegenden, wo eine große Cultur herrſcht, einer ſtarken Ausfuhr der Wirth⸗ ſchafts⸗Produkte ohnerachtet, ſehr vermehret. Man weiß, daß einem entkräſteten Acker neue Stärke gegeben werden kann, wenn man eine Saat, be⸗ ſonders aus der Claſſe der Diadelphiſten, nachdem ſie bis zur Bluͤthe hervorgewachſen, unterpfluͤgt, und ſie ſo darin vermodern läßt. Kommt die thieriſche Natur zu Huͤlfe, ſo iſt dies noch merklicher; denn wer wird es wol bezweifeln, daß ein Kleefeld, deſſen Ertrag ich mit etlichen Stuͤcken Vieh verfuttere, wirklich an Kraft gewinne, wenn ich den daraus erfolgten Miſt dem Felde ſaͤmmtlich wiedergebe, obgleich dieſes Vieh ſelbſt reichliche Nahrung her⸗ ausgezogen hat? Der Uebergang des Rahrungsſtof⸗ fes aus dem Boden in die Pflanzen, aus dieſen in die Leiber der Thiere, und die Ruͤckkehr deſ⸗ ſelben in der Geſtalt des Miſtes zum Boden, iſt 735 iſt alſo mit einer merklichen Vermehrung ſeiner ſelbſt verbunden. Hieraus ſolgt: je ſchneller und oͤfter dieſer Umlauf geſchiehet, deſto groͤßer muß die Ver⸗ mehrung ſeyn. So wie es das Problem der Staatswirthſchaft iſt, eine ſchnelle Circulation des Geldes hervorzubringen und alles vorhandene Ver⸗ moͤgen in Thätigkeit zu ſeßen; ſo iſt es auch das Problem der Landwirthſchaft, die Kraft des Ackers moͤglichſt ſchnell und wiederholt zu brauchen. Dies iſt der einzige wahre Weg, das Vermoͤgen des Staats und des Ackers nicht nur aufs höchſte zu benußen, ſendern auch wahrhaft zu vermehren. Richts iſt widerſinniger, wie die Meynung von der Kraft der Ruhe, um den Acker neu zu beleben. Nur die Trägheit ſelbſt konnte zuerſt dieſen Grundſaß erfindeu, dem die Einfalt nachbetet. Daß ein ausgezehrter Acker ſich etwas erholt, wenn er auch nur kuͤmmerliches Gras traͤgt, welches das Vieh darauf verzehrt; daß die Quecken darin abſter⸗ ben und vermodern, wenn die Lockerheit des Vodens aufhoͤrt,— hat ſeine Richtigkeit. Aber die Ruhe an ſich hilft ihm nichts; und jene Vortheile laſ⸗ ſen ſich, ohne allen Zweifel, weit wuͤrkſamer er⸗ reichen. Als ich meinen Ackerbau im hieſigen Stadtfelde, einem naſſen, ſandigen Leimboden, anfing, verſicherte mir jedermann, dies Feld könn⸗ höch hoͤchſtens 4 Jahre mit Erfolg Erndten tragen, muͤſſe dann aber wenigſtens 4, beſſer 6 Jahre zu Graſe liegen und ruhen. Aller Duͤnger ſey ohne Wur⸗ kung;— es trage Stroh und Unkraut, aber kein Korn. Ich beackere jeßt ins rate Jahr einen Theil meiner Aecker, und ernote ſie jährlich ab. Mit jedem Jahre werden meine Erndten ſtaͤrker, ſo daß ich auf das 18te bis 20ſte Korn Rechnung machen kann, aller Schwierigkeit, die das Locale macht, ohnerachtet. Die Kunſt des hoͤheren Arkerbaues beſteht alſo darin, ihm eine ſchnelle und ſtarke Hervor⸗ bringung abzunöthigen, ihm dann aber einen großen Theil des Hervorgebrachten, nachdem es zur Nahrung des Viehes gedienet, wiederzugeben, und ſogleich eine neue Produktion von ihm zu ſordern. Dieſe Aufgabe loſet die Holſteinſche und Mecklenburger Wirthſchaft auf keine Weiſe. Sie uberläͤßt in den Jahren, die zur Nahrung des Viehes beſtimmt ſind, die Hervorbringung der⸗ ſelben dem Zufalle. Der Holſteiner hat die Wurzeln und Saamen der im Acker einmahl er⸗ zeugten Graͤſer zum Theil erhalten, aber ſeinem Korn⸗Ertrage damit geſchadet. Der Mecklenburger hat ſie faſt ganz zerſtöhret. Die Begraſung 4eh eh F 737 S bey jenem zwar geſchwinder, wie beh dieſem, im⸗ mer doch aber langſam voör ſich. Die Graͤſer und Kräuter ſind keine ausgewählte, ſondern großtentheils ſchlechte. Leßtere gewinnen bald uͤber die beſſeren die Oberhand, und im vierten Weidejahr iſt die Gräſereh wenig mehr werth. Um dieſe dann zu zerſtöhren, ſinbet der Mecklen⸗ burger ein ganzes Jahr hindurch eine fruchtloſe Bearbeitung des Ackers nöthig, wo dieſer nicht nur nichts einbringt, ſondern betraͤchtliche Koſten veranlaßt. Nun folgen die Korn-Erndten unmit⸗ telbar auf einander, und ohne die wohlthaͤtige Abwechſelung mit andern Fruͤchten, welche Er⸗ fahrung und Verſuche ſo bewährt gefunden ha⸗ ben. Oder es kommt zwiſchen ihnen wieder ein verlohrnes Jahr, und eine, wenigſtens ſuͤr das Jahr, verlohrhe Arbeit. So langſam und ſo ſchwach im Ganzen die Produktion iſt, ſo ſchwach iſt natuͤrlich auch die Erzeugung des Viehfutters und Duͤngungs⸗ Materials. Dies fehlt dem Mecklenburger beſon⸗ ders, und weun die Moddergruben und Auſſen⸗ ſchlage voͤllig erſchöpfet ſind, wird dieſer Mangel ihm erſt auffallend werden. Ich weiß, daß viele Landwirthe dieſe lang⸗ ſame und ſchlechte Gras⸗Erzeugung, durch Aus⸗ Aaa ſtreu⸗ „ —— N„ SS —— — ſtreuung von rothem und weiſſem Kleeſaamen in die leßte Kornſaat, verbeſſert haben; ja, daß dies don den meiſten thötigen Wirthen geſchehen ſey. Einige haben davon den auffallendſten Nut⸗ zen verſpuͤhret; ſie haben nicht nur ihren Vieh⸗ ſtapel vermehren können, ſondern auch hoͤhere Pacht vom Stuͤcke erhalten. Durch ſtärkere Duͤngung hat die ganze Wirthſchaft einen neuen Schwung bekommen. Andre haben wenig Nut⸗ zen davon verſpuͤhret, und das Geld, was ſie an Kleeſaamen verwendet hatten, bedauert. Von den letzteren Fällen weiß ich zwar keine Particu⸗ laria; indeſſen wundert es mich nicht, wenn der Klee auf manchem Boden, in die dritte und vierte Saat und obendrein ſehr geißig ausgeſaet, oft gaͤnzlich verlohren geweſen iſt. Aber bey je⸗ nem beſſeren Erfolge moͤchte ich um ſo mehr fragen: warum iſt man bey dieſem erſten Schritte ſtehen geblieben? Mag immerhin ein Theil der großen Land⸗ wirthe, in jenen Gegenden, wenn dieſe Blätter ihnen zu Händen kommen ſollten, mich fuͤr ei⸗ nen Stuben⸗Heconomen, oder gak fuͤr einen win⸗ digen Projektmacher erklaͤren— ich kann mir unmöglich die gluͤcklichen Verhaͤltniſſe der Meck⸗ lenburgiſchen und Holſteinſchen Guͤter denken, ohne mir mehrere Ideen von Wirthſchaftsſyſte⸗ men, fri hil mie — men, wodurch ſie ſo ſehr viel hoher benußt wer⸗ den koͤnnten, zu machen. Nach 20 oder 30 Jahren wird man mich und dieſe Schrift vergeſſen baben; die Sache aber anders beurtheilen. Stallſutterung— mit einem guten Feld⸗ Syſteme verbunden, gewiß der hoͤchſte Gipfel der Landwirthſchaft!— ſagt man, ſey in Mecklen⸗ burg und Holſtein nicht moͤglich. Warum nicht?— Die Güͤter ſind zu groß!— Gibt es doch anderwaͤrts manche ſehr große Guͤter, wo ſie eingeführt iſt, und ſeit 20 und mehreren Jahren beſtehet. Ich will nur des Grafen von der Schulenburg Gut zu Hehlen nennen. Und uͤberhaupt kann ich mir keinen Begriff da⸗ von machen, wie das, was bey 1500 Morgen moͤglich iſt, bey 3000 unmoglich ſeyn ſollte.— Der Boden ſoll nicht tauglich zum Kleebau ſeyn.— Nicht tauglich, wenn er in die 4te Saat geſäet wird; wohl aber, wenn er in die erſte Saat, und nicht zu oft, kommt;— da iſt er nach allem, was ich vom Mecklenburgſchen Boden welß, vor⸗ trefflich dazu.— Das Clima iſt zu rauh, der Klee moͤgte verfrieren.— Ich habe noch nie Klee er⸗ frieren geſehen!— Es fehlt an Menſchen.—— Ich ſchweige ſtill; denn auf die ſtatiſtiſchen Ver⸗ haͤltniſſe von Mecklenburg und Holſtein kann ich mich nicht einlaſſen. Aaa 2 740 Alſo die vollſtändige Stallfutterung gebe ich vorerſt auf. Aber nicht den Futterbau zur Weide, zu Neben⸗ und zur Winterſutterung. Dazu werden, unter guten Bedingungen, die mehreren Menſchen leicht herbeyzuſchaffen ſeyn, die ſie etwa erfordern koͤnnte. Die beſte Art, mich verſtaͤndlich zu machen, wird die ſeyn, daß ich ein Schema einer ſolchen Wirthſchafts-Idee darſtelle. Die nebenſtehende Tabelle Nr. 2. zeigt die Feldordnung, welche ich auf einem in 10 Schlägen Gute ein⸗ fuͤhren wuͤrde. Die Tabelle Nr. I. zeigt die alte gewoͤhnliche Feldordnung eines ſechen Guts, und wie ſie allmählig in meine neue uͤbergehet. Der Uebergang einer Wirthſchaftsart in eine andre, iſt fuͤr Viele ſchon eine abſchreckende Schwierigkeit; und daher halte ich es um ſo nothiger, zu zeigen, wie dieſes allmaͤhlig, ohne allen Nachtheil und ohne große Anſtrengung und Vorſchuͤſſe, zu be⸗ werkſtelliaen ſey. wa hen nde ich ein⸗ te Tabelle 1. Uebergang der alten roſchlaͤgigen Ordnung in die neue. ecintet Seite 740.) 1 2 3 4 5 6 3 9 10 Zähebraache Weide Weide Weide Nachſchlag Sommerkorn Winterkorn minu eonn 1798 Gerſie Zahebraache Weide Weide Weide Nachſchag Sommerkorn Winterkorn Muͤrbebraache Sommerkorn 1799 Klee Gerſte Zaͤhebraachef Weide Weide Weide Nachſchlag Sommerkorn Winterkorn Muͤrbebraache 1800 Weitzen Klee Gerſte Zaͤhebraache Weide Weide Weide Nachſchlag Sommerkorn Winterkorn 1801 Weitzen Klee Gerſte gohebraachef Weide Weide Weide enetn 1802 Weitzen Klee Gerſte Zaͤhebraache Weide Weide Weide N. B. 1803 Rocken Weitzen Klee Gerſte Zahebraache Weide Weide Rocken Hafer 3 Rocken Weitzen Klee Gerſte Winterkorn Ordnun Weide T. 1 Schlaͤge. Alte 4 Weide⸗ . Tabelle 2. Neue Feldordnung. 3 4 6 3 10 1811 een e Klee Gerſte Rocken ſ Rocken 1813 Rocken Weitzen Klee Gerſte Rocken Hafer 1814 3 Weitzen Klee Gerſe Rocken Hafer 1315 Hafer 3 6 Rocken Weitzen Klee Gerſte 3 ——— Im Jahre 1797 liegt, nach Tab. 7, noch Alles in der alten Ordnung. 1798 tritt die Veraͤnderung ein, daß in den vorigjaͤhrigen Brachſchlag, ſtatt des Win⸗ terkorns, Gerſte geſäet wird, und darunter ro⸗ ther Kleeſaamen zu 6 Pfund, unter 1 Scheffel Einſaat. Die Grunde, warum der Klee in dieſen Schlag kommen muß, finden ſich im I9ten Kapitel. Der Klee ließe ſich frehlich auch unter Winterkorn im Fruͤhjahre ausſäen, und wenn dieſes gedrillet werden koͤnnte, wuͤrde ich nichts dagegen haben. Sonſt aber gehet man mit dem Klee unter Gerſte doch ſicherer. Es folgt aber auch im 2ten Jahre darauf Weißen, welcher deſto beſſer gerathen wird, wenn vor dem Klee Gerſte genommen worden. In dieſem Jahre iſt alſo eini⸗ ger Berluſt, der doch aber nicht ſo viel, wie der gewoͤhnliche Unterſchied zwiſchen einer Winterkorn⸗ und Gerſtenerndte, betraͤgt. Denn Gerſte in der Brache gibt gar einen andern Ertrag, wie in die Rockenſtoppel geſäet. Dieſer Verluſt iſt aber durchaus der einzige, der bey der ganzen Umaͤnde⸗ rung Statt findet. 1799 trägt dieſe Koppel Klee, und dieſer Klee bringt ſofort eine Vermehrung des Vieh⸗ ſtapels und der Venutzung deſſelben, ſo wie des Duͤn⸗ Duͤngers, mit ſich. Denn die vormaligen drey Weidenſchlaͤge bleiben vorerſt noch, und der erſte Schnitt des Klees wird, theils als gruͤne Neben⸗ ſutterung, dem Viehe auf der Koppel oder im Stalle gegeben, theils fuͤr den Winter zu Heu gemacht; der zweyte Schnitt aber wird abge⸗ weidet, ſo daß das Vieh, von Johannis an, 4 Weidekoppeln erhaͤlt. 1800 wird der in die erſte Furche des um⸗ gebrochenen Kleeſtoppels geſäete Weihen auf die⸗ ſem Schlage geerndtet. Es iſt nun durch un⸗ zählige und vieljaͤhrige Erfahrung erwieſen, daß Weitzen nirgend beſſer, als in der Kleeſtoppel, gerathe, ſelbſt auf ſolchem Boden, der ſonſt nicht mit Vortheil Weißzen trägt— vorausge⸗ ſetzt, daß die Stoppel rein und dicht ſey, wie ſie es, wenn er unmittelbar nach der Brache ge⸗ hoͤrig geſaͤet wird, immer iſt. 1801. Der Duͤnger hat ſich nun, durch die hinzugekommene Kleekoppel, in der Maaße vermehrt, daß die Weitzenſtoppel geduͤngt werden kann. Iſt dies geſchehen, ſo tragt Mittelboden ohne allen Zweifel gedrillte und bepferdehackte Bohnen. Man kann auch zum Theile gedrillte Erbſen nehmen, ob ich gleich Bohnen fur ſiche⸗ rer und eintraͤglicher halte. 18502. 743 1802 folgt in dieſer Koppel Rocken, beh welchem die im vorigen Jahre den behackten Huͤl⸗ ſenſruͤchten gegebene Duͤngung große Wirkung thut. In dieſem Jahre tritt bey der Toten Kop⸗ pel— denn daß die andern Koppeln der erſten nachfolgen, und der Anfang der neuen Frucht⸗ folge nun bey der Ften iſt, verſteht ſich von ſelbſt— die Veraͤnderung ein, daß ſie, ſtatt als Rachſchlag zu dienen, gebrachet wird. Es kommt auf eines Jeden Ueberlegung und auf den Duͤnger⸗Vorrath an, ob er dieſe Brache ſöm⸗ mern will. Eine Veraͤnderung iſt noͤthig, weil dieſe Koppel im folgenden Jahre, wo ſie, nach der alten Ordnung, zur Weide liegen ſollte, beſtellet wird, indem in ſelbiger eine neue Weide⸗ koppel erſcheint. Es wird naͤmlich in dieſem Jahre die erſte Koppel mit einer Miſchung von 1 Pfund rothem, 1Pfund weiſſem, und 1 Pfund gelbem Klee (Hopfen⸗Klee, medicago lupulina), wenn man dieſen aber nicht hätte, mit 2 Pfund von dem vorhergehenden und 3 Pfund engliſchem Ray⸗ Graſe, auf 1 Scheffel Einfall angeſaͤet. Dies geſchiehet entweder im Fruͤhjahre unter dem Rocken, oder unmittelbar nach deſſen Abernd⸗ tung. Im lettern Falle muß das Feld mit ſchar⸗ fen eiſernen Eggen vorher aufgeriſſen, oder, was noch 5 noch beſſer iſt, mit einem Schaufel ⸗Pfluge (Skim plough) oder Erdhobel aufgelockert und das Unkraut zerſtort werden. 1803 iſt dies dann eine reiche beſaamte Weide⸗Koppel. Auſſer derſelben bleiben noch 2 wilde Weide⸗Koppeln. Mit dem 10ten Schlage wird in dieſem Jahre eben ſo verfahren, wie mit dem erſten im vorigen. Daß der 2te Schlag nachfolge, verſteht ſich von ſelbſt. 1804. In dieſem Jahre tritt ein Ueber⸗ fluß von Weide ein; denn wir haben 3 beſaamte Weide⸗Schlaͤge, auf M. 1, M. 2 und M. Z, und einen wilden, M. 9. Es werden alſo zwey Schnitte anf der Klee⸗Koppel können zu Heu gemacht werden. Dieſer gewonnene Vorrath wird auf das Jahr 1806, wo bei vermehrtem Viehſtapel eiuiger Mangel an Futterung eintreten könnte, von großem Nußen ſeyn. Dies Jahr hat dagegen kein Haferfeld, welcher Abgang beym Bohnen⸗Felde wol zu ertragen iſt. 1805 hat 3 beſaamte Weidekoppeln, auſ⸗ ſer dem Kleefelde, welches moͤglichſt zu ſchonen iſt. 1806, das leßte Jahr dieſes Umlaufs. 1807 —— 745 1807 wird die neue Wirthſchaft vollſtaͤn⸗ dig. Schon im Jahre 1805 wird man ſich im Stande gefunden haben, einen Theil der Brache auf N. 9 ſo ſtark zu duͤngen, daß man mit de Pferdehacke cultivirte Früchte, Kartoffeln, Kohl, Moͤhren, Ruͤben u. dgl. darauf bauen konnen, um ſolche zur Herbſt⸗ und Winterfutterung zu benuhen. Im Jahre 1806 gehet man damit weiter. Hierbey haben einige der gewandteſten Arbeiter die Behandlung dieſer Fruchte gelernt, und können ſie nun den andern zeigen. Und nun, in dieſem Jahre, iſt die ganze Brache ſtark geduͤnget und beſtellet. Hier ſehe ich Manchen, der bis hierher geduldig zugehört hat, die Naſe rämpfen. Wos, ſagt Einer, meynt der Herr, daß meine Koppeln ſo groß wie ein Krautgarten ſind? Er muß wiſſen, daß ich ſo und ſo viel Laſt aus⸗ ſàe! Wer kann eine ſolche Koppel wie einen Kuͤchengarten beſtellen laſſen? Wenn mir der Koͤnig von Preuſſen ein Infanterie⸗Regiment lei⸗ hen und es mit Schaufeln und Hacken, ſtatt der. exerciren laſſen wollte, ſo ginge ſo etwas an! Ich will bey meinen angenommenen Schl⸗ gen von 90 Holſteinſchen Tonnen oder 270 Meck⸗ len⸗ —— — .. 4 —.= —— — lenburger Scheffeln, auf jeden 80 Quadrat⸗ ruthen Flaͤche gerechnet, bleiben. Eine ſolche Koppel aber wird, wenn man die erforderlichen Werkzeuge hat,— die ich Jedem fuͤr 200 Thl. verfertigen laſſen will— mit 3 Pferden und 14 Menſchen, naͤmlich 6 Maͤnnern und 8 Wei⸗ bern, welche 3 Monate— beſonders vom Mah bis gegen Ende Julius, alſo nicht in der Erndte—, uͤberhaupt etwa 80 Tage, darauf arbeiten, voll⸗ ſtaͤndig cultivirt werden koͤnnen. Ich will hoͤchſtens annehmen, daß dieſes täglich 4 Thl., alſo uber⸗ haupt 320 Thl. koſtet. Vom gewoͤhnlichen Geſpanne verlange ich fuͤr dieſe Koppel nicht mehrere Arbeit, als die reine Brache koſten wuͤrde. Fuͤr die Erndte, welche nach der Herbſtbeſtellung eintritt, will ich auch ſehr viel, 180 Thl., rechnen: ſo koſtet das Ganze§00 Thl. Und dafuͤr verſpreche ich Ihnen, mein Herr! einen unmittelbaren reinen Gewinn von ro00 Thl. davon; einen weit groͤßern aber ſuͤr die Folge; durch die reiche Duͤngung, die von nun an ſich uͤber ihre ſaͤmmt⸗ lichen Schlaͤge verbreiten wird. Aber was ſoll ich mit alle dem Kraute und Rüben machen?— wo ſoll ich es laſ⸗ ſen?— wer wird wirs abnehmen?— Dieſen Ein⸗ Einwurf erwartete ich. Verwarf boch ein Ca⸗ meraliſt die Verkoppelung aus dem Grunde, weil das viele Korn großere Scheuern erfodern würde. Aber ſeyn Sie unbeſorgt. Verfahren ſollen Sie nichts davon, und auch nichts ver⸗ kaufen, es ſey denn, daß man es ihnen vom Plaße weghole. Aber einen größeren Viehſta⸗ pel mäſſen Sie ſich anſchaffen, und, ſobald dieſe Gewächſe nur mittelmaͤßig einzuſchlagen ſcheinen, auch Maſtvieh! Ihre Schäferey, die nunmehr, ſammt ihrem Dunger, ganz den Auſſenſchlaͤgen gehoͤrt, wird Ihnen einen Theil dazu liefern. Ein großer Theil dieſer Gewaͤchſe wird auf dem Plaße ſelbſt verzehrt. Schon Anfangs Septembers fangen Sie an, einen Theil der Kartoffeln aufzupfluͤgen, und laſſen ſie acht Tage ruhig ſo liegen. Dann treiben Sie, täglich etliche Stunden, die Heerde darauf. So können Sie, bis Ende Octobers, immer fort⸗ fahren. Die letzte Nachleſe uͤberlaſſen Sie be⸗ ſonders den Schweinen. Zugleich aber wird ein anderer Theil der Kartoffeln aufgepfluͤgt, und in einen Wall, der unten etwa 12 Fuß breit iſt, und, in einer Hoͤhe von 4 Fuß, oben ſchmal zulaͤuft, aufgehäuft. Auf beiden Sei⸗ ten des Walles wird ein Graben gezogen, und die Erde einen Fuß dick uͤber die Kartoffeln ge⸗ worffen; das Kartoffelnkraut kommt dann dar⸗ 3 uber⸗ uͤber. In dieſer Lage ſchadet ihnen nicht leicht ein Froſt. Das Vieh wird nun ferner täglich auf die Koppel getrieben, und damit gefuttert. Ein anderer Theil der Kartoffeln aber, der bis zum Fruͤhjahre aufbewahret werden ſoll, wird in Gruben, die nicht tief ſeyn muͤſſen, auf⸗ bewahrt, wenn man nicht Keller unter den Viehſtaͤllen hat. Es würde mich zu weit vom Zwecke fuh⸗ ren, die Verfutterung und Aufbewahrung an⸗ derer Gewächſe hier zu beſchreiben. Es iſt ſol⸗ ches zum Theile in den Kapiteln, die von die⸗ ſen Gewaͤchſen handeln, geſchehenz theils wird. man es in den Nachtraͤgen zu denſelben ausfuͤhr⸗ lich finden. Ich wollte hier nur ungefähr bey den Kartoffeln zeigen, wie man mit ſolchen Futtergewäͤchſen im Großen umgehe; wobey man freylich nicht ſo ſorgfaͤltig verfahren, und jeden kleinen Verluſt vermeiden kann, als wenn man ſie im Garten bauet. Auf General Murrays Farm zu Beauport beträgt die Kartoffelnerndte jährlich im Durchſchnitt 28,000 Scheffel, die einzig und allein von Schaafen, neben 80 Acres Ruͤben, verzehrt werden. Sollte indeſſen dieſe vortheilhafteſte Be⸗ nußung der Brache, ihrer Weitläuftigkeit we⸗ gen, gen, zu abſchreckend ſeyn— nun, ſo be⸗ ſtelle man nur einen kleinen Theil auf dieſe Weiſe, und waͤhle fuͤr das uͤbrige eine andere Methode. Wir koͤnnen mannigfaltige Benut⸗ zungsarten von den Engländern lernen⸗ So werden in die umgebrochene Gras⸗ narbe oder Stoppel, nachdem halber Duͤnger darauf gebracht worden, im Herbſte Winter⸗ wicken geſäet. Obgleich damit in Deutſchland noch wenige Verſuche gemacht worden, ſo iſt es doch hoͤchſt wahrſcheinlich, daß ſie unſer Klima gut ertragen. Dieſe Winterwicken geben im May, zuweilen ſchon im April, eine rei⸗ che gruͤne Futterung, und können abgehütet oder abgemaͤhet, auch in der Bluͤthe zu Heu gemacht werden. Der Werth dieſer Wicken wird in England ſo hoch geſchaͤtzt, daß man in ſolchen Jahren, wo die Heuerndte ſchlecht ausgefallen iſt, und man Futtermangel im Fruͤhjahre beſorgt, ſich auf dieſe ganz verläßt, weswegen denn, um die Saatzeit, der Scheffel zuweilen§ Thl. gilt, deſſen gewöhnlicher Preis etwa 1½ Thl. iſt. So wie das Wickenfutter ab⸗ geerndtet oder abgeweidet iſt, wird das Land gleich wieder umgebrochen, nochmals geduͤnget, und Buchweißen, Spoͤrgel, oder auch Winter⸗ ruͤbſaat, hineingeſäet. Alles dies nicht, um Saa⸗ — 73— Saamen zu tragen, ſondern zur gruͤnen Abfutte⸗ rung. Der Buchweitzen und Sporgel iſt nur fur dieſen Sommer, wenn nicht etwa, wie oft geſchieht, Rocken darunter geſäet wird, der dann im ſpäten Herbſte und im folgenden Früh⸗ jahre zur Weide dienet. Die Winterſaat aber iſt vornehmlich fur folgendes Fruͤhjahr, da ſie ſehr reiches Futter oder Weide gibt, ehe ſie in die Bluͤthe tritt. Dann bleibt noch Zeit ge⸗ nug zur Gerſten⸗Beſtellung. Von dieſen und mehrern Methoden wählet ein kluger Wirth diejenigen aus, welche auf ſeinem Boden die paßlichſten ſind, und welche in einem ſolchen Zeitpunkte koͤnnen ausgeführt werden, wo andere Ackergeſchaͤfte es erlauben. Es verſteht ſich von ſelbſt, daß mehr Geſpann beh dem neuen Haushalte erfordert wird; aber es iſt auch ein Kornſchlag mehr, und alle ſind von ungleich groͤßerem Ertrage. Es kann auch ein Theil des Brachſchlages ſehr fuͤglich mit gedrilleten und fleißig bepferde⸗ hackten Bohnen beſtellet werden. Aber nur unter der Bedingung, daß ſie dem Milch⸗ oder Maſi⸗ viehe zu gute kommen. Denn die Venußung der Brache muß lediglich fuͤr dieſes ſeyn, wenn das Ganze der Wirthſchaft nicht leiden ſoll. Bo S. 751 Wo der Boden ſchicklich zum Luͤcernebau iſt, wie ich dies an den meiſten Orten in Meck⸗ lenburg vermuthe, da wuͤrde ich vielleicht eine Koppel auf 10 Jahre zur Luͤcerne beſtimmen;z die übrigen 9 in folgendem Wechſel roulliren laſſen. 1. Brachfruͤchte zur Viehfutterung, 2. Gerſte, 3. Klee und Raygras, 4. Weide, 5. Weißen, 6. Behackte Bohnen, 7. Rocken, s. Erbſen und Wicken, 9. Hafer. N. 1. wird ſtark geduͤnget, ſo auch M. 6.— N. 3Z. wird vor Winter etwas uͤberduͤnget. N. 8. erhaͤlt halben Duͤnger. Ich enthalte mich, mehrere Schlageinthei⸗ lungen und die fuͤr ſie paßlichſten Feldſyſteme durchzugehen. Ein Jeder wird dies nach den Grundſaͤtzen, die das 10te Kapitel enthält, leicht aus fuͤhren koͤnnen. Auch ſtelle ich keine Berechnung vom Er⸗ trage der alten und neuen Wirthſchaftsart gegen ein⸗ 752 einander auf. Der Unterſchied wuͤrde einen ſol⸗ chen Contraſt machen, daß er denen, die noch keine vollkommene Cultur geſehen haben, chimä⸗ riſch ſcheinen moͤgte. Wer aber aus Erfahrung weiß, was ſtarke Duͤngung, mit einem ge⸗ hoͤrigen Fruchtwechſel verbunden, vermag; wer den Unterſchied zwiſchen wildem Graſe, auf aus⸗ geſogenem Lande, und Futterkräutern, auf reinem kräftigem Boden angeſaet, kennt, der— rechne, wenn er rechnen kann! Ich weiß, daß Manche, die noch feſt an der Nothwendigkeit der Ruhe und Brache hangen, eine Verwilderung des Landes von dieſer Fruchtfolge beſorgen werden. Und freylich kann ſie nichts, wie die Erfahrung, vom Ge⸗ gentheile uberzeugen. Kein Brachpfluͤgen kann das Land reiner erhalten, wie eine gehoͤrig ge⸗ brauchte Pferdehacke, der dann noch in ben Reihen mit der Handhacke nachgeholfen wird, es thut. Eben weil zu dieſen behackten Fruͤchten ſtark geduͤnget worden iſt, ſo keimen die Saa⸗ men und Wurzeln der Unkrauter geil hervor, find dann aber um ſo leichter zu todten. Die Futterkraut⸗Sämereien, welche gleich im ſol⸗ genden Jahre ausgeſäet werden, verhindern die Erzeugung des nenen Unkrauts; ſie ſelbſt aber wer- 753 werden, da ſie eigentlich nicht einheimiſch ſind, durch den Pflug leicht zerſtort. Der Duͤnger, welcher auf die kuͤnſtlichen Weidekoppeln fällt, wird in demſelben oder doch im ſolgendem Jahre untergepfluͤget, und kann alſo nicht ſo ſehr verwittern, als wenn er mehrere Jahre der Sonne, den Winden und Inſecten ausgeſeßt lieget. Doch Theorie genug!— Wer Augen hat zu ſehen, der ſehe! Ich koͤnnte hier noch der Auſſenſchläge und ihrer nun leicht zu erreichenden beſſern Cultur er⸗ wähnen. Fuͤr ſie bleibt jetzt die Schäferey und der Huͤrdenſchlag allein. Zur Beyhuͤlfe koͤnnen ſie den größten Theil des Wieſenheues erhalten. Da ich aber in dem Anhange zum 11ten Kapitel die Methode, wie man ſterilen und abgelegenen Boden, durch kuͤnſtlich erbauetes Schaafſutter, in Cultur bringet, erzaͤhlen werde, ſo verweiſe ich meine Leſer dahin. Ich komme nunmehr auf die Stallfut⸗ terungs⸗Wirthſchaft, dieſen Triumph der Deutſchen!— In der That gebaͤhrt ihnen die Bbb Ehre * 475 Ehre der Erfindung und Ausfuͤhrung allein, wenn ich die Brabander mit zu dieſer Nation rechne. Wenigſtens drey Stuͤck Vieh eben ſo ſtark und eben ſo kraͤftig von derſelben Ackerflaͤche zu futtern, worauf nur ein Stück hinreichende Weide hat, und von jedem dieſer Stuͤcke ungleich mehreren Duͤnger zu erhalten, wie von einem Stuͤcke Wei⸗ devieh— iſt das große Problem, welches dieſe Wirthſchaft voͤllig befriedigend aufloͤſet. Welche, große, welche unermeßliche Folgen dieſes auf die Landescultur haben muͤſſe, kann jeder uͤberdenken. Sehr unrichtig ſchreiben manche Schriftſtel⸗ ler die Ehre dieſer Wirthſchaft den Engländern zu. Bis auf die allerneueſten Zeiten hatten ſie auch nicht eine Idee von der Moͤglichkeit der Sachez welches beh ihnen um ſo eher zu erklaͤren iſt, da ſie im allgemeinen auch im Winter das Vieh nicht im Stalle haben. So ſtark ſie auch ſeit langer Zeit den Futtergewächsbau treiben, ſo iſt es doch bey ihnen nur zum Abweiden und zur Winterfut⸗ terung beſtimmt. Die deutſchen Schriftſteller haben nun we⸗ nigſtens einen dreißigjaͤhrigen Krieg uber die Nuͤß⸗ lichkeit und die Unmoͤglichkeit dieſer Wirthſchaft gefuͤhret. Wenn ein Theil derſelben die allgemeine Ein⸗ — St 755 Einführung dieſer Wirthſchaft— aber auf eine Art, wobey ſie wenigſtens ſehr mißlich, wo nicht unmöglich iſt— prediget; ſo beweiſt ein ande⸗ rer*), daß die Sache gar nicht aus fuͤhrbar und ein leeres Hirngeſpinſt muͤſſiger Köpfe ſy; wah⸗ rend ſie in der Pfalz, in den Rheingegenden, im Weſtphäliſchen und in Niederſachſen immer mehr in großen Wirthſchaften getrieben wird, und ſich verbreitet. Ich will hier nur einige der Wirthſchaften nennen, die ich geſehen habe und kenne, und wo man ſie ſeit vielen Jahren treibt, ohne auſſeror⸗ dentliche Schwierigkeiten dabey zu finden. Dies ſind die Wirthſchaften des Hrn. Grafen v. d. Schulenburg zu Heh⸗ len, woſelbſt die Stallfutterung noch von dem verdienſtvollen Vergen eingerichtet worden. Ihro Durchl. der Fürſtin von Lippe⸗Buͤcke⸗ burg vor Buͤckeburg. Bbb 2 Hr. *) Herr Matheſius, über die Theorie der Landwirth⸗ ſchaft. Herr von Wolf, uͤber Anwendbarkeit der Koppel⸗ Hr. v. Buͤlow zu Eſſenrode. Hr. Hofrath v. Hinuͤber zu Marienwer⸗ der bey Hannover. Hr. v. Mandelsloh zu Ribbesbüttel. Hr. v. Boͤtticher zu Amptleben⸗ Meine eigene Wirthſchaft iſt zu klein, um ſie mit zu nennenz aber ich wuͤrde keine Schwierigkeit finden, 200 Kuͤhe eben ſo zu behandeln, wie ich 18 behandle. Der ſcheinbarſte Einwurf gegen die Stall⸗ futterung, wird aus den vermeinten übelen Folgen, die eine beſtänbige Aufſtellung auf die Geſundheit des Viehes haben müſſe, hergenom⸗ men. Er kann aber nur auf diejenigen Ein⸗ druck machen, denen es an Gelegenheit oder am Willen fehlt, ſich durch Beobachtung und Erkun⸗ digungen vom Gegentheil zu uͤberzeugen. Bey jeder Stallfutterungswirthſchaft wird man ſich uͤber⸗ zeugen, daß weniger Vieh ſterbe, oder ausgemer⸗ zet werden müſſe, als bey der Weide. Einige haben es als ein Uebel bey der Stallfutterung angegeben, daß die Kähe nicht ordentlich be⸗ gangen würden. Dies kann nur bey einem Man⸗ gel an Aufmerkſamkeit der Fall ſeyn. Ich habe ihn ſeit 12 Jahren, da ich Stallfutterung treibe, nicht it eit 6 kt⸗ S8. 757 g nicht ein einzigesmahl gehabt. Vielmehr habe ich es in meiner Gewalt, das Kalben der Kuͤhe grade auf den Zeitpunkt zu beſtimmen, wo ich ſie in friſcher Milch haben will; welches mir, da alle Milch ſriſch verkauft wird, nicht gleich⸗ guͤltig iſt. Es verſteht ſich von ſelbſt, daß die Kuͤhe täglich einige Stunden auf einen freyen Plat und zur Traͤnke kommen. Das Weſentliche der Stallfutterung iſt uͤbrigens die Zufuͤhrung des ſämmtlichen gruͤnen Futters, ohne Weidegang. Ob es dem Viehe auf dem Stalle oder auf dem Hofe gereichet werde, iſt gleichgultig, und ich be⸗ greife dieſe Methode mit unter dem Nahmen von Stallfutterung. Ich wuͤrde dieſe unter gewiſſen Verhaͤltniſſen ſelbſt vorziehen, doch nicht grade aus Beſorgniß fur die Geſundheit des Viehes. Die Koſten und Weitlaͤuftigkeiten, womit die erſte Einrichtung der Sommerfutterungswirth⸗ ſchaft verbunden iſt, machen einen weit erheblichern Einwurf und zuweilen ein wuͤrkliches Hinderniß aus. Der gehoͤrig eingerichteten Staͤlle nicht zu gedenken, gehoͤren allerdings mehrere Menſchen und Spannwerk dazu. Weil aber dieſe Koſten ſich reichlich verzinſen und nach etlichen Jahren erſeßt werden, ſo kann es, als allgemein guͤltiger Ein⸗ wurf, nicht angeſehn werden., Eine Eine große Schwierigkeit liegt in der Wiber⸗ ſpenſtigkeit und den Vorurtheilen des Geſindes, und beſonders der bisherigen Viehwaͤrter und Hir⸗ ten. Wenn dieſe Leute nicht eine Ausnahme von der Regel machen, und ſich nicht die Ueberzeu⸗ gung ihres Herren zu ihrer eigenen dienen laſſen, ſo muͤſſen ſie ſämmtlich abgeſchaffet, ja wo mog⸗ lich, ganz aus der Haushaltung und dem Orte entfernet werden. Die Aufſicht muß man einem ſolchen Menſchen geben, der die Sache ſchon ken⸗ net, und von ihrer Ruͤtzlichkeit uͤberzeuget iſt. Ohne eine gute Caſſe und recht feſten Willen zu haben, fange man alſo die Sache nie an. Als Beweis der Unmoͤglichkeit der Stallfutterung wird oft angefuͤhret, daß ſie irgend einer ein oder zwey Jahre getrieben habe, ſie aber wieder, nach⸗ dem er anſehnlichen Schaden erlitten, habe ange⸗ ben muͤſſen. Ich bin uͤberzeugt, daß dies im Groſ⸗ ſen in den beyden erſten Jahren faſt immer der Fall ſeyn werde, wenn nicht ganz beſonders gun⸗ ſtige Umſtaͤnde eintreten, und die Sache nicht ſchon lange vorbereitet worden. Aber mit welcher Wirthſchaftsveränderung iſt in den erſten Jahren nicht Verluſt in der Einnahme⸗ und Ausgabe⸗ Bilanz verbunden? Selbſt beym Anfange der Mecklenburger und Holſteinſchen Wirthſchaft geſte⸗ hen ihre eifrigſten Vertheidiger dies ein. Wer Stall⸗ S—— ——.— — „———— Stallfutterungswirthſchaft nicht 6 oder7 Jahre getrieben hat, deſſen Stimme, deſſen Beyſpiel kann nicht gelten. Allein ich gebe zu, daß ſie allerdings an manchen Orten und bey gewiſſen Einrichtungen nicht hat beſtehen, ohne Beyhuͤlfe und andere Aufopferungen nicht hat durchgeſetzt werden kon⸗ nen. Die Wirthſchaft des Miniſters von Herz⸗ berg zu Britz mag allerdings ein Fall dieſer Art ſeyn. Die Urſache hievon wollen wir jeßt ge⸗ nauer unterſuchen. Schubart von Kleefeld, der eifrige, und in manchem Betrachte ſehr verdiente deut⸗ ſche Apoſtel des Kleebaues und der Stallfutte⸗ rung, wollte dieſes Syſtem nur der gewoͤhn⸗ lichen Dreyfelder⸗Wirthſchaft anpaſſen, und den Klee in und ſtatt der Brache bauen. Das Gerathen des Klees iſt aber nach dieſer Weiſe auf ſolchem Boden, der ihm nicht vorzuͤglich gunſtig iſt, ſchon zum erſtenmale mißlich; we⸗ nigſtens ſieht er ſelten ganz rein. Man benußt ihn nach dieſem Syſteme bekanntlich nur ein Jahr, bricht ihn im Herbſte um, und ſaͤet in die erſte Furche Wintergetraide. Hierauf folgt Sommerkorn, und damit ſollte, nach Schubarts erſtem Plane, wieder Klee ausge⸗ ſäet „ — * B ſäet werden. Indeſſen fand Schubart nebſt an⸗ dern bald, daß es mit dem Klee alle 3 Jahre nicht gehe. Sie nahmen alſo in das öte Feld Huͤlſenfruͤchte, und ließen den Klee nur alle 6 Jahre wiederkommen. Aber auch hierbey verwilderte das Feld ſo, daß die Kornfruͤchte hoͤchſt unrein ſtanden, um die Hälfte zurick⸗ ſchlugen, und der Kleee ſelbſt mißrieth. Dies warf die ganze Wirthſchaft um, und der Vieh⸗ ſtapel gerieth in die aͤußerſte Noth. Man mußte den Acker durch Sommer-Brachen wieder reini⸗ gen, das Kleefeld auf die Hälfte reduciren, das Vieh wieder auf die gemeine Weide treiben. So kam die Klee⸗ und Stallfutterungs⸗Wirth⸗ ſchaft an manchen Orten in uͤbeln Ruf, und ihre Geaner beſtrebten ſich, dieſen mit Poſau⸗ nenton allenthalben zu verbreiten. Allein die Schuld liegt hier nicht an der Stallfutterung, ſondern an der unſeeligen Drey⸗ felder⸗Wirthſchaft. Die Vierfelder⸗Wirthſchaft, welche man neuerlich im Brandenburgiſchen ſo angeprieſen hat, taugt, ſo wie man ſie dort will, noch weniger in jeder Ruͤckſicht, beſon⸗ ders aber fuͤr den Kleebau. Man will nämlich drey Kornerndten nehmen, und dann Klee. Kaum ein Marſchboden iſt im Stande, dies zu er⸗ tragen, wenigſtens wuͤrde er dabeh verwildern. Rur Nur folgende Vierfelder-Wirthſchaft kann ſich halten: 1. Brache, oder bearbeitete Brach⸗ fruchte, 2. Sommerkorn, 3. Klee, 4. Winterkorn. Doch erfordert ſie einen guten, dem Klee guͤnſtigen Boden, wenn er einen mehrmahligen Umlauf dieſer Art ertragen ſoll. Das Gerathen des Winterkorns in der Kleeſtoppel hängt ganz davon ab, ob der Klee rein und dicht ſtand, welches ſelten der Fall ſeyn wird, wenn er nicht mit der erſten Frucht nach der Brache aus⸗ geſäet worden. In allen Wiſſenſchaften haben die ſchwan⸗ kenden Begriffe, die man mit den Woͤrtern verbindet, manche unnuͤtze Streitigkeiten ver⸗ anlaßt. Aber vielleicht iſt es nirgends aͤrger damit, wie in der Landwirthſchaft, vermuth⸗ lich, weil es ſo vielen Schriftſtellern uͤber dieſe Kunſt an einer geſunden Logik fehlt. Man nennt Verkoppelung eine Vertheilung einer ge⸗ meinſchaftlichen Feld⸗ und Weide⸗Flur, wo⸗ durch einem Jeden ſeine Aecker neben einander, in 762— in einer oder mehrern Flagen, als voͤlliges Ei⸗ genthum, zugetheilet werden. Manche aber verbinden den Rebenbegriff von Einfuͤhrung Hol⸗ ſteinſcher oder Mecklenburger Koppel⸗Wirthſchaft damit. Daher glauben ſie, Verkoppelung ſtehe dem Kleebaue und der Stallfutterung, und folglich einer angeſtrengteren Landescultur und der Bevoͤlkerung, entgegen. Dies iſt aber ſo wenig der Fall, daß dieſe, meiner Ueberzeu⸗ gung nach, ohne Verkoppelung nie im Großen und mit Sicherheit beſtehen können. Alle gegruͤn⸗ dete Einwuͤrfe der Gegner treffen auch nur die Dreyfelder⸗Wirthſchaft, nie die Stallfutterung ſelbſt. Die Stallfutterungs⸗Wirthſchaft fordert im Durchſchnitte, ſo wie die Wechſelwirthſchaft, daß die Haͤlfte des Ackers fuͤr das Vieh beſtimmt ſey, wenn die andere Hälfte Fraͤchte zum Ver⸗ kaufe und fuͤr die Menſchen liefert. Wenigſtens geht man auf Mittelboden ohne dieſe Verhältniſſe im Anfange nicht ſicher. Auf reichem Marſch⸗ boden, wo man weniger Duͤnger braucht, kann 4, auf tiefem mergelartigen Boden 3 oder 2 hin⸗ reichend ſeyn. Sobald aber der Boden nicht von dieſen vorzuglichen Arten iſt, und nur durch Duͤngung zu reichen Erndten getrieben werden kann, ſo beſtimme man die Hälfte zum Futter⸗ baue, — 7e3— baue, um erſt das Land, mittelſt des großern Viehſtapels, in volle Kraft zu ſetzen. Hat man einen noch ſchlechtern, ſogenannten hungri⸗ gen Boden, der noch ſtaͤrkere Duͤngung verlan⸗ get, ſo ſetze man 3 oder 4 zum Futter⸗Anbau vorerſt aus. Jenen vierfeldrigen Umlauf, I. bearbeitete Brachſruͤchte, 2. Gerſte, 3. Klee, 4. Winterkorn, habe ich auf meinem leimig⸗ ſandigen Acker nun ſchon ſo lange getrieben, daß im kunftigen Jahre zum drittenmahle Klee auf einem Schlag kommt. Der Ertrag der uͤbrigen Fruͤchte verbeſſert ſich jhrlich, und ich baue nun größtentheils Wei⸗ zen in dem„ten Felde, der ſonſt hier nie wuchs. Der kuͤnftige Sommer 1798 wird es entſchei⸗ den, ob der Klee gegen andere Felder, worauf er zum erſten⸗ oder zweytenmahle ſtehet, nicht zuruͤckſchlage, wie dies Manche, wenn er ſo oft wiederkommt, wollen erfahren haben. Im Herbſte hatte er indeſſen das vortreflichſte Anſe⸗ hen.— Wenn und wo das Gerathen des Klees, bey einem vierjährigen Umlaufe, ſicher iſt, da giebt es kein zweckmäſſigeres Feld⸗ Syſtem — 1 Syſtem fuͤr die Stallfutterung, wie dieſes. Es ſeßt ſchon einen ſolchen Boden voraus, bey wel⸗ chem die Benußung der ganzen Brache zu Fut⸗ tergewaͤchfen, Kartoffeln, Ruͤben, Moöhren, Kohl, uͤberfluͤſſig ſeyn wuͤrde; weswegen man ſie zum Theile mit gedrilleten und behackten Vohnen am fuͤglichſten beſiellen kann. Haäͤtte man bey dieſem vierſchlägigen Felde kein Nebenfeld, ſo wird es allemahl rathſam ſeyn, in der Brache ſo viel Wicken zu bauen, daß man damit, zwi⸗ ſchen den zweh Kleeſchnitten, 14 Tage lang gruͤn futtern könne; weil ſonſt der erſte Schnitt zu hart⸗ſtenglicht wird, ehe der zweyte genugſam herangewachſen iſt. Hat man ein Luͤcerne⸗Feld, ſo iſt dieſes nicht nothig. Dieſe Bemerkung ma⸗ che ich hier ein⸗ fuͤr allemahl. Auf den Fall, daß der Klee ausgewintert wäre— ein Fall, der mir noch nie vorgekommen iſt—, nimmt man am ſicherſten zu Wicken ſeine Zuflucht, und fängt an, ſobald man es im Fruhjahre bemer⸗ ket, von 14 zu 14 Tagen einen Theil des Kleefeldes damit zu beſäen. Auf loſem Boden vertritt Spoͤrgel ihre Stelle. Auf ſchlechterem, loſerem Voden, wo 2 des Feldes zum Futterbau nothig oder rathſam ſind, habe ich eine von folgenden Ordnungen gewählt: I. be⸗ 7 behackte Futtergewächſe, 2. Sommerkorn, 3. Klee, 4. Winterkorn, 5. Spoͤrgel, nach und nach geſäetz oder r. behackte Futtergewächſe! 2. Sommerkorn, 3. Klee, 1ſtes Jahr, 4. Klee, 2tes Jahr, 5. Winterkorn. Auf ſehr ſandigem Boden habe ich 1. behackte Futtergewaͤchſe, 2. Rocken, 3. Buchweißen, 4. Rocken, 5. Spoͤrgel. Bey letzterem Fruchtwechſel gibt mir Land, was vor 12 Jahren bloßer Flugſand war, das 1ate bis 14te Korn vom Rocken. Es iſt ſeit⸗ dem, Jahr aus, Jahr ein, beackert wor⸗ den. Ein Beweis, wie unnoͤthig Ruhe ſelbſt ſolchem loſen Boden iſt, wenn nur nicht zu oft Ernd⸗ n 766— Erndten von halmtragendem Getralde havon gꝛ⸗ nommen werden. Wenn man 4 des Feldes zum Futterbau zu beſtimmen Urſach hat, ſo empfehle ich folgende Fruchtfolge: r. behackte Brachfruchte, 2. Sommmerkorn, 3. Klee, 1ſtes Jahr, 4. Klee, 2tes Jahr, 5. Winterkorn, 6. Erbſen, Wicken, Spoͤrgel, 7. Sommer⸗ oder Winterkorn. Der Schlag 6 wird, nach Beſchaffenheit der Zuträglichkeit der uͤbrigen Futterfelder, zum Theile reif eingeerndtet oder abgefuttert. Wenn der zweyjaͤhrige Klee rein ſtehet, wie er bei dieſer Fruchtfolge mehrentheils thun wird, ſo kann man ihn mit zwey Schnitten benußen, und dann, dem Befinden nach, mit einer oder mit zwey Furchen, wovon die eine ganz flach, die andere tief gegeben wird, zum Winterkorne bereiten. Sobald er ſich aber unrein zeigt, wird er nach dem erſten Schnitte gleich umge⸗ brochen, und dreymal gepfluͤget. In England ſuͤet man, wenn der Klee zwey Jahre benußet wer⸗ —— E——— — e—— S—.—— — — werden ſoll, einen oder den andern Grasſaamen zugleich mit ihm aus, damit leßteres den im zweyten Jahre leicht zuruͤckbleibenden Klee anſeße. Wenn man dieſen Schlag bey einer halben Stall⸗ futterung— wovon hernach ein mehreres— zur Weide benutzen will, ſo iſt das engliſche Raygras hierzu am beſten. Man hat mir die Einwendung gemacht, daß es dieſer Wirthſchaft an Stroh fehlen werde, in⸗ dem die Stallfutterung viel Einſtreuung gebrau⸗ chet. Dies iſt aber in der That nicht der Fall. Der Stroh⸗Ertrag iſt bey dieſer Fruchtfolge und Düngung ſehr groß; und zur Futterung wird wenig Stroh verwandt— denn des armſee⸗ ligen Behelfs, den Klee mit Stroh zu Hecker⸗ ling zu ſchneiden, bedarf es hier nicht—. Die Einſtreuung kann hinreichend beſtritten wer⸗ den, wenn gleich nicht ſo uͤberfluͤſſig, als in ſolchen Wirthſchaften, wo man nur Stroh in Verweſung zu bringen ſucht, um mit dem ma⸗ gern Duͤnger einigermaßen zu reichen. Ich will hier uͤbrigens nicht die Stallfut⸗ terung beſchreiben, noch die dabey zu beobach⸗ tenden Regeln angeben. Man hat daruͤber viele und ſehr gute Vorſchriften; und einige Bemer⸗ kungen wird der Rachtrag zum 22ſten Kapitel ent⸗ enthalten. Da indeſſen die vollkommene Stall⸗ futterung Manchem zu ſchwierig ſcheint, und ſolches unter manchen Verhaͤltniſſen auch wirklich iſt: ſo werde ich mich etwas laͤnger bey der ſo⸗ genannten halben Stallfutterung, oder vielmehr bey der Verbindung einer kuͤnſtlichen Futterung mit der Weide, aufhalten. Die halbe Stallfutterung— im eigentli⸗ chen Verſtande— erſpart vor der ganzen an Arbeit und Wartung wenig; ſie erfordert aber mehr Land, und benußt den Miſt des Viehes ſchlechter. Ich ſpreche hier von keinen Wirth⸗ ſchaften, die im Milbeſitz einer gemeinen Weide ſind, ſondern von ſolchen, die alle ihre Grund⸗ ſtuͤcke ausſchließlich benutzen koͤnnen, und aufs beſte benutzen wollen, und die alſo die Futterung, welche auf der Wiide wächſt oder wachſen wuͤrde, auch auf dem Stalle oder Hofe geben konnten. Hier wuͤrde ich, wenn ganze Stallfutterung zu weitlauftig iſt, das Veeh auf der Weidekoppel ſelbſt futtern. — *„ Ich nehme bey einer ſolchen Wirthſchaft 6 Schläge anz nämlich 1. be⸗ 1. behackte Brachfruͤchte, 2. Gerſte mit untergeſäetem Klee und Ray⸗ gras oder anderm Grasſaamen. 3. Kilee zum Abfuttern, 4. Klee⸗ und Gras⸗Legde zur Weide, 5. Weißen, 6. Hafer. Im Fruͤhjahre wird das Vieh auf die Weidekoppel N. 4. gebracht, wo es, wegen des im May vorzuͤglich ſtark treibenden nahrhaften Raygraſes, reiche Weide hat. So wie die Weide nachläßt, iſt der Klee auf N. 3 herangewach⸗ ſen, der dann angefahren, und dem Viehe in ſolchen Korbkrippen, wie im 22ſten Kapi⸗ tel beſchrieben ſind, oder auf leichten Hillen ge⸗ geben wird. Auf dieſem Futterungs⸗ und Milch⸗ platße wird Stroh angefahren, worauf ſich das Vieh, welches Tag und Nacht auf dieſer Weidekoppel bleibt, lagern und vorzuͤglich mi⸗ ſten wird. Wenn man will, kann man es ſelbſt an eingeſchlagene Pfoſten, welche durch die Hillen verbunden ſind, anbinben, und von dem Miſte hinter dem Viehſtande einen Wall auſwerfen, wodurch das Vieh m hr Schutz ge⸗ gen rauhe Winde bekommt. Wenn der Klee zweymal abgefuttert iſt, ſo werden von der er⸗ ſten Koppel Ruͤben, KFartoffeln, Kohl, das Cce Krant 1 1 Kraut der Moͤhren, fuͤr das Vieh auf die Wei⸗ dekoppel angefahren. Gegen die Zeit, daß dieſe beſtellet werden ſoll, welches allemahl mit einer Furche geſchehen kann, wird das Vieh auf die Klee⸗Koppel gebracht, wo es nun vorerſt an dem herangewachſenen Klee reiche Nahrung fin⸗ det, hernach aber mit den Brachfruͤchten unter⸗ ſtuͤtzet wird. Es verſteht ſich, daß der Futterungs⸗ und Lagerplah nicht mit Weißen beſtellet werden duͤrfe, ſondern zu Rapſaat, Toback u. dgl. beſtimmt werde. Dieſe Methode wuͤrde ich, bey einer, fuͤr ganze Stallfutterung vielleicht zu großen, Wirth⸗ ſchaft, lieber als halbe Stallfutterung waͤh⸗ len. Ihre Bequemlichkeit faͤllt von ſelbſt in die Augen, um ſo mehr, wenn die Klee⸗ und die Weidekoppel dicht neben einander liegen. Sie paßt noch beſſer zu der oben angegebenen zehn⸗ ſchlagigen Wirthſchaft, und vertraͤgt ſich uͤber⸗ haupt mit jeder Schlag⸗Ordnung. Der auf der Weidekoppel verſtreuete Miſt kommt ihr mehr zu gut, da er in demſelben Jahre noch untergepfluͤget wird. Der angehaͤufte Strohmiſt von der Lager⸗ ſtelle wird auf die kuͤnftigjährige Brachfrucht⸗Kop⸗ pel abgefahren. Ob Ob dieſe meine idealiſche Wirthſchaftsart irgendwo in Deutſchland ſchon ausgefuͤhret wor⸗ den, wuͤnſchte ich ſehr, zu wiſſen, und man wuͤrde mich, wenn dies ſeyn ſollte, mit einer Nach⸗ richt ſehr verpflichten. Die Nieberländiſche oder Braban⸗ ter Wirthſchaft hat, beſonders ſeit dem letz⸗ ten traurigen Kriege, die Aufmerkſamkeit der Deutſchen erreget. Mancher Kriegsmann hat da⸗ ſelbſt eine Cultur des Erdbodens geſehen, wovon er ſich vorher keinen Begriff machen konnte. Sie iſt in der That in manchem Betrachte muſterhaft. Aber die Beſchreibungen mancher, mit dem hoͤ⸗ heren Ackerbaue ganz unbekannter Leute, fallen in das abentheuerliche ²). Es verlohnt ſich daher Ccc 2 wol *) Die ganze Wirthſchaftsart der Niederlaͤnder iſt uralt, und ſtammt noch aus den goldenen Zei⸗ ten dieſer Gegend, unter Philipp dem Gu⸗ ten und Carl dem Ften her. Seit der Zeit wol der Muͤhe, zu erfahren, wie ſolche Angen, die ſchon an eine vollkommene Cultur gewöhnt 4 ſind, ſie anſehenz; und ich will daher einen Aus⸗ u zug aus verſchiedenen Nochrichten, die in den n Annals of Agricultute*) davon enthalten ſind, geben. Die vollſtändigſte iſt von dem b Profeſſor des Ackerbanes auf der Univerſieät Pa⸗ d lermo, Herrn Pavlo Balſamo, der in land⸗ 9 wirthſchaftlicher Hinſicht einen großen Theil von 3 Europa bereiſete, und ſich beſonders lange in Eng⸗ r land aufgehalten hatte. Zeit ſind ſie uicht vorwaͤrts gekommen, ſondern haben ſich genau an den alten Leiſten gehalten. 1 Ein Gluͤck fuͤr ſie, daß dieſer damals ſo meiſter⸗ haft geſchnitzt war. Nicht einen Gedanken an Fortſchreitung bemerkt man bey ihnen. So denkt . z. B. niemand auf eine Veredelung der Viehracen, die bei ihnen nichts weniger als vollkommen ſind; auf eine Verbeſſerung des Ackerviehes, das noch eine ſehr fehlerhafte Struktur hat. In England ſicht man dagegen ein beſtaͤndiges Fortſchreiten, und ein Beſtreben, zur moͤglichſten Vollkommen⸗ heit zu gelangen. *) Vol I. p. 221. Vol. XlV. p. 323. Vol. M. p. 463. 773 Die Niederländiſche Gegend— Brabant, Tourneſis, Flandern und Hainault— iſt flach, und gibt wenig Anſichten fuͤr den Mahler, deſto mehr fuͤr den Landwirth und Patrioten, ſagt Balſamo. Faſt nirgends ſiehet man einen un⸗ benußten Fleck Landes. Die Felder ſind entwe⸗ der mit Graben, woran ſchwelgeriſch wachſende Bäaͤnme ſtehen, oder mit Graben und Hecken zugleich umgeben und abgetheilet, und mit voͤllig reinen Saaten bekleidet. Sie werden von ſchön angelegten gepflaſterten Straßen und Kanalen durchſchnitten, wodurch das Verkehr auf alle Weiſe erleichtert wird. Der Boden iſt mehrentheils ein reicher, tiefer Leim, mehr locker als feſt, weswegen im allge⸗ meinen der Rocken beſſer wie der Weihen darauf geraͤth. In Hainault gibt es indeſſen auch ſtarken Klayboden. Im Franzöſiſchen Flandern findet ſich viel Kreide und Mergel, beſonders einige Mei⸗ len von Lille, nach der Seite von St. Amand. Nach Bruͤgges zu iſt das Land ſandig, aber doch in ſehr hoher Cultur. Das meiſte Land iſt pachtweiſe ausgegeben. Die Pachtzeit iſt mehrentheils auf 9 oder 18 Jahre beſtimmt. Der Pachter kann jedoch alle 3 Jahre den Contract aufrufen; nicht ſo der Ver⸗ — Verpächter. Der gewohnliche Pachtzins iſt§0 Florins von 1 Bundes— ungefähr 4 ½ Calen⸗ bergiſche Morgen— gut gelegenen Landes. Nahe bey großen Stäͤdten iſt er hoͤher, an abgelegenen Orten geringer. Es gibt auch Landwirthe, die Eigenthuͤ⸗ mer ſind; aber nur kleine. Leute der Art, wie die Gentlemen Farmers in England, findet man faſt gar nicht. Man hält es noch unter der Wuͤrde eines reichen Mannes, Landwirthſchaft zu treiben. Auf 30 Bundes Land werden etwa 25 Kuͤhe, dann aber keine Schaafe; ſonſt 10 Kuͤhe und 150 Schaafe gehalten. Sechs Pferde haͤlt man fuͤr zureichend auf ſolchem Hofe. Ein gewöhnlicher Tageloͤhner erhaͤlt taͤglich 6 Mgr. im Winter, nebſt Duͤnnbier und zweymahl Suppe. Im Sommer 7 Mgr. und Eſſen. Ein Knecht erhaͤlt Zo bis 36 Thlr. Lohn. Eine Magd 18 Thlr. und etwas Leinen. Ein Bunder Korn zu maͤhen, koſtet 2 Thl. Kleine Leute, die in den Nlederlanden am haͤufigſten ſind, halten keine ordentliche Frucht⸗ folge. Sie ſind mehr wie Gaͤrtner zu betrach⸗ ten, 775 ten, die bald dies, bald das ſäen, je nachdem ſie Vortheil davon zu haben glauben. Auf groͤſſeren Hoͤfen hat Balſamo folgende Fruchtfolgen ge⸗ ſunden. Auf ſandigem Boden bey Brügges Hafer, Rapſaat, Auf ſtarkem Klayboden Brachfruͤchte, T. 2. 3 4. 5. 6. Rocken, und Ruͤben in deſſen Stoppel, Kartoffeln, oder Lein mit dazwiſchen geſäeten Moͤhren, Hafer, mit Klee und Grasſaamen, vier bis fuͤnf Jahre Gras. Wintergerſte, Bohnen, Weitzen, Bohnen, Weitzen. Auf gutem Leimboden r. Winterkorn, und in die Stoppel Ruͤben, 2. 3* 4. Lein, und dazwiſchen Möhren, Sommerkorn, Klee auf ein Jahr. Auch Auch iſt folgender Fruchtwechſel daſelbſt ſehr häufig: 1. Kohl, Ruͤben, gepflanzte Rapſaat. 2. Weißen oder Wimergerſte. 3. Rocken, oder Mangkorn aus Rocken und Weitzen(bié melé). 4. Klee. 5. Hafer. 6. Bohnen. 7. Weißen. 3. Rapſaat, gepflanzt. 9. Weißen. Die Hauptzuͤge der dortigen Wirthſchaft ſind folgende: 1) keine unbeſtellte Brache, 2) nie zwey Saaten von derſelben Frucht, auch ſel⸗ ten zwey erſchoͤpfende Saaten nach einander. 3) So oft, wie möglich, zwey Erndten in einem Jahre. Wo Balſamo nach Brachen fragte, er⸗ hielt er die Antwort: dazu ſey ihr Land zu theuer; man koͤnne nur Brache halten, wo es wohlfeil iſt. Wenn man aber nicht brachen kann, wo Land theuer iſt, ſagt er, ſo beweiſt dies, daß es nie vortheilhaft ſey. Denn alles, was vortheilhaft iſt, wird auf theurem Lande vorzuͤglich angewandt. Zur Zur Rapſaat und zu Ruͤben bearbeiten ſie indeſſen ihr Land fleißig vor. Sie brechen es im April mit einer flachen Furche um. Etliche Wochen nachher pfluͤgen ſie tief, und fahren den Miſt auf, der mit der dritten Furche bedeckt wird. So laſſen ſie das Land 3 bis 4 Wochen liegen; dann oͤffnen ſie die Furchen,— wovon gleich ein mehreres— und laſſen es ſo bis zur Saatzeit liegen, wo ſie es dann, nachdem es geegget und gewalzet worden, in zehnfuͤßigen Beeten beſaͤen. Ihre Pflge haben nicht die beſte Struk⸗ tur. Sie ſind zu ſchwer und zu kloßzig; Schaar und Streichbrett haben nicht die gehoͤrigen Ver⸗ haͤltniſſe. Aber doch iſt die Arbeit gut, welche ſie damit verrichten; welches daher blos der Ge⸗ ſchicklichkeit ihrer Pflugmaͤnner beyzumeſſen iſt. Aber ber eigenthümlichſte und merkwuͤrdigſte Umſtand bey ihrem Ackerbau iſt das, was ſie rouchotter nennen. Da ihre Beete, wie ge⸗ ſagt, ungefähr 10 Fuß breit ſind, ſo laſſen ſie alle 10 Fuß einen guten fußbreiten Strich ungepfluget ſtehen. Vierzehn Tage vor der Saatzeit, wird dieſer 1 Fuß tief mit dem Spa⸗ den ausgegraben, und die Erde uͤber die Beete vertheilet. Es Es hat dieſes freylich an vielen Orten den Hauptnutzen, den zu feuchten Boden auszutrocknen, und das uberfluͤſſige Waſſer, durch dieſe kleinen Graben, in großere und in die Canäle abzulei⸗ ten. Es geſchiehet aber ebenfalls an vielen hoch⸗ liegenden Orten, wo gar kein uͤberfluͤſſiges Waſſer iſt, und man ſeßt auch da auf dieſe Verrichtung einen großen Werth. Man muß naͤmlich bemer⸗ ken, daß dieſer Strich alle Jahre weiter fort⸗ ruͤcket, und daß alſo innerhalb 10 Jahren der ganze Acker auf dieſe Weiſe bearbeitet, oder ge⸗ wiſſermaaßen reyolet wird. Sie ſagen allgemein, daß man ohne dieſe Arbeit um 43 geringer erndte. Der Mittelertrag, worauf man Rechnung macht, iſt vom Calenbergiſchen Morgen— 120 Quadratruthen— Weiten und Rocken 24 Himten Wintergerſte 36„ Sommergerſte 35„ Hafer— 32 Bohnen— 26„ Wenn das Winterkorn zu rechter Zeit ge⸗ ſäet wird, ſo ſäen ſie nicht völlig 12 Himten auf 1 Calenb. Morgen. Später aber ſäͤen ſie 2 Himten aus. Sie halten ſehr viel auf fruͤ⸗ 6 hes Säͤen. S — 779 Wintergerſte wird zu Braunbier, Sommer⸗ gerſte zu Weißbier am beſten gehalten. Erſtere iſt eine eintraͤgliche, aber ſehr ausſaugende Frucht. Daher kommt ſie nur auf ſtarken Boden, der da⸗ zu iſt geduͤnget worden. Hafer ſäet man gewoͤhnlich nach Klee, und man glaubt, daß er nirgends beſſer gerathe. Bohnen werden fuͤr die beſte Vorbereitung zum Winterkorn gehalten, und ſehr häufig in den Niederlanden gebauet. Sie werden zwar breitwuͤrfig ausg ſaͤet, aber ſo rein gehalten, und ſtehen ſo ordentlich, daß man glauben ſollte, ſie waͤren gedrillet. Der Klee ſtehet in Brabant auſſerordentlich gut. Was wir Brabanter Klee nennen, heißt dort Trefle d'Angleterre. Ruͤben werden ſowohl als Brachfrucht, wie in der Stoppel gebauet. Zu erſtern wird geduͤn⸗ get, zu letztern nicht. Sie werden zwar mit Hak⸗ ken und Kratzmeſſern bearbeitet, um ſie von Un⸗ kraut zu reinigen, aber nicht, um ſie in gehöͤrige Entfernung zu ſetßen. In Franzoͤſiſch⸗Flandern fand Balſamo ſogar Weiber und Kinder, die ſie mit der Hand jäteten. Wenn der Erdfloh darauf kommt und ſie zerſtoͤrt, ſo wird allemahl aufs neue gepfluͤget, ehe man friſchen Saamen dar⸗ dauauf ſäet. Sonſt, ſagen ſie, würde die zweyte Saat ebenfalls abgefreſſen werden. Kartoffeln werden häufig nach dem Pfluge gebauet und in die andre Furche gelegt. Sie werden auch mit dem Pfluge bearbeitet. Man braucht ſie zur Futterung. Ein Bunder Kartof⸗ feln wird auf 300 Fl. geſchäßet. Möhren werden in Flandern viel gebauet, entweder fuͤr ſich, oder haͤufiger unter Lein. Wenn der Lein aufgezogen iſt, ſo werden die Möhren behacket, oder gejaͤtet; und dies wird, wenn es noͤthig ſcheint, nochmals wiederholet. Sie wer⸗ den ebenfalls zum Futter der Kuͤhe, Pferde und Schweine gebraucht. Luͤcerne wird auch an verſchiedenen Orten gebauet, größtentheils unter Hafer geſaͤet und Klee damit vermiſchet, um von dieſem im erſten Jahre eine Erndte zu haben. Der Flachsbau iſt in Flandern zu einer außerordentlichen Hoͤhe geſtiegen. Das, was ſie Lin ramé nennen, giebt, wenn es geraͤth, wohl den hoͤchſten Ertrag, den man vom Acker haben kann. Er ſoll zuweilen den Werth des Grund⸗ ſtuͤcks uͤberſteigen. Balſamo ſagt, er moͤge man⸗ manches nicht wiebererzäͤhlen, was er von ſolchen Erndten gehoͤrt habe. Dies aber wiſſe er, daß I bey ſeiner Anweſenheit zu Tournay 4 Bunder Lin ramé fuͤr 40 Louisd'or— vermuthlich Carolinen— verkauft ſey.*) Die *) Wenn es gleich nicht hieher gehoͤrt, ſo glaube ich doch meinen Leſern eine Gefaͤlligkeit zu erzei⸗ gen, wenn ich dieſe Methode hier beſchreibe. Das Land wird vor Winter gepfluͤget und ſtark geduͤnget. Im Anfange des Maͤrz wird es nochmahls tief gepfluͤget oder gegraben. Einige Tage vor der Saat beſtreuen ſie das Land mit Tanben⸗ und Huͤhnermiſt. Dann bringen ſie den Saamen mit der Egge unter, und walzen. Sobald der Flachs 4 bis 5 Zoll hoch iſt, jaͤ⸗ ten ſie ihn mit der allergroͤßten Sorgfalt, da⸗ mit kein Keim von Unkraut bleibe. Alsdann bauen ſie gleich die Bedeckung daruͤber, auf folgende Art:— Sie ſtecken ſtarke hoͤlzerne Gabeln an beyden Seiten des Feldes herunter, ohngefaͤhr 6 Zoll hoch. Darauf legen ſie ſtarke Stangen, die uͤber das Beet heruͤberreichen, paralel neben einander. Ueber dieſe Stangen legen ſie, ins Kreuz, buͤnnere Stangen, ſo daß ein Gitter mit lauter Routen daraus gebildet wird. Hier kommen die jungen Pflanzen her⸗ durch, Die beſten niederlaͤndiſchen Pferde findet man in der Gegend zwiſchen Newport und Luys. Es iſt ein großer, ſehr ſtarker Schlag von Pferden. Aber ſie ſind ſchlecht gebauet. Sie haben lan⸗ ges Haar, ſtark bewachſene Beine, die ſie hoch aufheben, wenn ſie gehen. Sie werden haupt⸗ ſächlich mit unausgedroſchenen Bohnen gefuttert. Doch erhalten ſie auch an manchen Orten viel Moͤhren. Sie werden faſt ganz im Stalle auf⸗ gezogen, und in großer Menge; denn ſie ver⸗ kaufen viele, vormahls nach Frankreich, die leßte Zeit(1792) an die kaiſerliche Artillerie. Kuͤhe durch, ſo wie ſie großer werden. Unterhalb werden die Wurzeln in beſtändiger Waͤrme und Feuchtigkeit erhalten, gegen zu ansduͤrrende Hitze und Wind geſchuͤtzet. Die Halme aber werden aufrecht erhalten, ſo daß der Wind und Regen ſie nicht niederdruͤcken kann. Der ſtarke Duͤnger treibt ſie zu einer gewaltigen Laͤnge in die Hoͤhe. Koſtbar iſt aher auch dieſe Methode, die Arbeit ungerechnet, zumal wo das Holz theuer iſt, welches einen großen Theil ſeines Werths verlohren hat, wenn es hierzu gedie⸗ net. Dennoch verſicherten die Leute, es ſey die vortheilhafteſte Cultur unter allen. Kuͤhe werden ſehr viel gehalten, und noch mehr verkauft; denn nicht leicht wird ein Kuh⸗ kalb geſchlachtet. Manche halten auf jeden Bun⸗ der Ackerland eine Kuh. Hieruͤber erſtaunen die Englaͤnder, da die Brabanter faſt gar keine Wieſen und Weideland haben. Die vollkomme⸗ ne Stallfutterung und der große Futtergewaͤchs⸗ bau— nicht allein der Klee— macht dies möglich. Diejenigen Engländer, welche ſonſt die Wirthſchaftsart genau beobachtet und beur⸗ theilt haben, bemerken dies zwar, gehen doch aber uͤber dies, was gerade für ſie das wichtig⸗ ſte ſeyn ſollte, ſehr oberflaͤchlich weg, und Kei⸗ ner gibt eine ordentliche Beſchreibung der Stall⸗ futterurg. Ein Beweis, wie leicht man das, was einem ganz fremd und unbekannt iſt, und was eben deswegen die groͤßte Auſmerkſamkeit verdiente, uͤberſiehet, und wie noͤthig es ſey, baß man eine Sache, die man beobachten will, vorher kenne. Die Menge des Duͤngers bewun⸗ derten die Engländer ſehr, glauben aber, daß man den Dunger nicht gut behandle. Und dennoch holen die Flamlaͤnder noch allen Abtritts⸗ duͤnger und allen Abfall aus den Staädten, und die Torfaſche in großer Menge aus Holland. Es wird auch vieles Vieh auf dem Stalle gemäſtet. Morgens und Abends erhaͤlt es Hehl⸗ kuchen kuchen mit einem Lrant bon gemalzten Vohnen und Rocken; des Mittags gekochte Vohnen mit geſchnittenem Stroh. PDes Nachts etwas Heu und Stroh. Sie haben eine große, aber ſchlecht propor⸗ tlonirte Art von Schaafen. Sie geben, ſagt Balſamo, den Schaafen weder Turnips noch Kohl im Winter, ſondern mur Stroh, Heu und Bohnen. Leßtere ſind faſt das einzige, was ſie ihnen geben, wenn ſie fett werden ſol⸗ len. Wie ich den Flamläͤndern ſagte, fährt er fort, daß man in England die Schaafe mit Turnips, Kohl und Kartoffeln futtere und mäſte, ſahen ſie mich groß an. Es muͤſſe ſehr luſtig ſehn, mehnt er, wenn man einen Englaͤndiſchen und einen Flamlaͤndiſchen Pachter uͤber die Schaffutterung in ein Geſpräch braͤchte. Der erſte wuͤrde nicht begreifen, wie es moͤglich ſey, Schaafe ohne Turnips zu halten. Und der an⸗ dre wuͤrde lachen, daß man ſich auf etwas an⸗ deres als Bohnen verlaſſe. Ich mogte, mit Hrn. Balſamo's Erlaubniß, noch wohl einen deutſch⸗ ſchen Schaafmeiſter in die Geſellſchaft bringen; der wuͤrde ſie ohne Umſtaͤnde beyde fur toll er⸗ klären, und keiner wurde ſich von dem andern belehren laſſen. Du Du aber, geneigter Leſer! der du mir bis hierher folgteſt, biſt einer von denen, die die Vor⸗ ſehung in den Stand geſeßt hat, uͤber die Vor⸗ urtheile wegzuſehen, welche oft benachbarte Nationen von einander trennen. Pruͤfe alles, was du ſieheſt und hoͤreſt, und das Gute, was fuͤr deine Verhaäͤltniſſe paßt, ahme nach. Richt blos um Deines Vortheils willen— denn den brauchſt Du hoffentlich nicht aͤngſtlich zu ſuchen— ſondern um Deine Nachbaren zu belehren. Bringſt Du es nur dahin, daß in Deinem Umkreiſe die Saat Ein Korn mehr gebe, wie vorhin, ſo biſt Du ewig der Wohlthaͤter unzähliger Menſchen; wenn auch Dein Verdienſt verkannt und von manchen verlacht wuͤrde. Mich aber behalte in gutem Andenken; und wenn Du mich belehren und zurechtweiſen willſt, ſo glaube, daß ich es mit dem waͤrmſten Danke erkennen werde! Ddd Engli⸗ Engliſches Geld. —————— In England wird gewöhnlich nach Sterling ge⸗ rechnet. 1 Pfund Sterling hat 20 Schilling (Jʒ der Schilling hat 12 Pence(d). Eine Muͤnze, die gerade ein Pfund Sterl. machte, hat man nicht; ſondern Guineen, die 21 Schill., und Kronen, die 5 Schill. gelten. Da aus England nie mit wirkücher Muͤnze, ſondern nur mit Banknoten und Wechſeln gehandelt wird, ſo läßt ſich das Verhältniß des engliſchen Geldes zum deutſchen nicht beſtimmt angeben, in⸗ dem der Werth der engliſchen Papiere bald hoͤher, bald niedriger ſteht. Im Durchſchnitte koͤnnen wir aber 1 Pfund Sterling zu 6 Thlr., gegen Piſtolen zu 5 Thlr., annehmen. Daher iſt 1 Schilling 40 Mgr. 63 Pf. in Piſtolen. — Engliſches Gewicht. Das Handels⸗ oder Avoirduͤpois⸗Gewicht wird folgendermaßen eingetheilt: 1 Ton, oder Fuber, hat 20 Centner(Cwt)⸗ Centner hat 112 Pfund. Pfund hat 16 Unzen. Unze hat 16 Drachmen oder Quentchen, und iſt 437 ½ Troy⸗Grans ſchwer. Unter 1 Stone verſteht man bald 8, bald 14 Pfund. 354 Pfund engliſch. Han⸗ delsgewicht ſind gleich: 327 Pfund Berliner Gewiche 830— Braunſchw.— 829— Colner— 776— Daͤniſchem— 830— Dresdner— 780— Emdener— goo— Hamburger— 796— Hannov.— 302— Luͤbecker— 730— Nuͤrnberger— 792— Pariſer— 768— Roſtocker— 302— Stralſunder— 690— Wiener— 1 Centner oder 110 Pfund Hannoͤveriſches Gewicht hat 113 Pfund Engliſches Gewicht. Ddd2 Eng⸗ ———— ——„ — — Engliſches Getraide⸗Maaß. 1 Laſt hat 2 Weys oder Tons. 1 Ton hat 8 Quarter. 1 Ouarter hat 2 Coombs, 4 Strikes, 8 Bufhel. 1 Bufhel hat 4 Pecks, 3 Gallons, 16 Potles, 32 Quarts, 64 Pints. Der gewoͤhnliche Engliſche Buſhel hält, vermoͤge einer Parlamentsacte von 1712, 2178 engliſche oder 180 1 franzöſiſche Cubic⸗Zoll. Der Wincheſter Buſhel, wonach zuweilen gerechnet wird, haͤlt 2150708 engliſche oder 1778 franzöſiſche Cubic⸗Zoll. Mathematiſch⸗genau läßt ſich das Verhaͤltniß des engliſchen Getralde⸗Maaßes gegen die deut⸗ ſchen nicht beſtimmen, da der cubiſche Inhalt der leßztern verſchieden angegeben wird. So hält z. V. der Verliner Scheffel, nach Kruſens Comptoriſten, 2604, nach dem unter lichten⸗ bergs Aufſicht herauskommenden Goͤtting⸗ ſchen Taſchencalender a571, und nach den bconomiſchen Heften à741% franz. Cubiczoll. Da Kruſens Comptoriſt aber, bey verſchiede⸗ nen Angaben, immer das Mittel zu halten ſcheint, und man ſich daher in allen großen Geſchäͤften gern nach ihm richtet, ſo nohme ich nach ihm folgendes Verhältniß an. 88 ½ — 789— s8 Buſhel ſind gleich 6120 Scheffeln in Berlin 101 Himten in Braunſchweig 4570 Scheffeln in Breslau 88 ½ Himten in Caſſel 191 Malter in Coln 22450 Tonnen in Copenhagen 65 Scheffeln in Danzig 30 Scheffeln in Dresden 5670 Scheffeln in Erfurt 29730 Maltern in Frankfurt am Mayn 120 Himten in Hamburg 252 Tonnen Koͤnigl. Maaß in Holſtein 62 neuen Scheffeln in Königsb. 94Schffln. Rockenm. inLuͤbeck 3240 Maltern in Maynz 74* Scheffeln in Mecklenburg 3160 Schaf in Muͤnchen 4070 Scheffeln in Naumburg 7 32 Scheffeln in Nordhauſen 94 Simmern in Nuͤrnberg 1 Laſt in Oſtfrießland 2040 Septiers in Paris 331 Strich in Prag 24 ½ Tonnen in Riga 8910 Scheffeln in Roſtock 6146 Scheffeln in Stettin 351 Scheffeln in Weimar 45 ½ Metzen in Wien 20 Scheffeln in Wirtemberg. 8 Braunſchweiger Himten machen 7 engliſche Buſhel ungefähr. Eng⸗ —,— 4 15 ₰ * X. * — — 3 + „ ½ — 2790— Engliſche Laͤngen⸗ und Flaͤchen⸗Maaße. 1geſetzmäßige engliſche Meile hat 8 Furlongs, und beträgt deutſche Meile. 1 Furlong hat 40 Poles. 1 Pole, Perch oder Rod, hat 5 ½ Vards oder 16 ½ engl. Fuß. 1 Fathom hat 2 Vards. 1 Vard 3 Fuß. 1 Fuß wird in 12 Zoll, und der Zoll in 10 linien getheilt. Der geſetzmäßige engliſche Fuß hat 1 35 12 franz⸗ Linten, der gemeine Fuß aber gerade 135, wel⸗ ches auf 84 4 Fuß 1 Fuß Unterſchied macht. 16 gemeine engl. Fuß ſind gleich 13 franzöſiſchen. 34——— 33 rheinlaͤndiſchen 21——— 22 hannoveriſchen. 1 Quadrat⸗Pole, Perch oder Rod, hat 30 4 Qua⸗ drat⸗YMards oder 272½ Quadratfuß. §0 engl. Quadrat⸗Rods ſind gleich 89 rheinl. QRuthen; 73——— 33 Calenberger— 1 engl. Acre enthält 160 Qu. Poles, 43,600 engliſche und 38,284 franz. Qu. Fuß. 6412 Acres machen 1 engl. Qu. Meile. 312 — 797 5 312 engl. 22220 Gr. Berl. Morgen 4 s3)1fr. Q. Fuß Acres ſind 493*0 Kl. Berl. Morgen 24197 gleich 48 4Calenberger Morgen?246 3 48 040 Erfurter Morgen à 24857 246½ Franz. Arpents 4 48400 74010 rheinlaͤnd. Morg. à 16131 2282 SächſiſchenAeckernà 52249 457½ Saͤchſiſchen Scheffeln Saat oder Morgen 4 26124 ö36 00 Schleſ. D. Ruthen? 1762 21340 Wiener Jochen oder Tagwerken„ aà36009— 186 Calenberger Qu. Ruthen machen ungefaͤhr 1engl. Acre. .§9 Calenberger Morgen ſind gleich 38 Acres. 85 Calenberger Qu. Ruthen machen 7 3 engliſche Qu. Rods. 57 Calenberger Qu. Fuß ſind gl. 49 engliſchen. 55 Calenb. Qu. Ruthen ſind gl. 68 rheinlaͤnd. 33 Calenb. Morgen machen 25 ſaͤchſiſche Aecker. Eine genauere Vergleichung des Engliſchen Geldes, der Maaſſen und Gewichte gegen die be⸗ kannteſten deutſchen, wird in der nächſten Fortſetzung dieſes Werks geliefert werden⸗ —— 3 —————— ———— * — e1 oende