S „ 1 — e M 11 229 794 a 50798 8bFut zur Ben im Teſeſaa 11 225 75 2 feb. 1990 Closssg 05. 1. 95 Grundſaͤtze rationellen Landwirthſchaft. Von Albrecht Thaer, M. D. Koͤnigl. Preuß. Staatsrathe, der Koͤnigl. Preuß. Akademie der Wiſſenſchaften zu Berlin, der Koͤnigl. Weſtphaͤl. zu Goͤttingen, des Kaiſerl. Franz. Inſtituts zu Amſier⸗ dam, des Ackerbauamts von Brittannign, der, Geſellſchaft der naturforſchenden Freunde zu Berlin und vieler okonomiſchen Societaͤten Mitgliede. Erbherrn auf Moͤgelin. Vierter Band. — n. In der Realſchulbuchhandlung. — N Seiner Majeſtaͤt dem Koͤnige Friedrich Wilhelm dem Dritten von Preußen, ſeinem allergnaͤdigſten Herrn— dem Wiederherſteller des unbeſchraͤnkten Grundeigenthums und der Freiheit ſeiner Anbauer; dadurch dem höchſten Befoͤrderer des Landbaues widmet d iit bei deſſen Vollendung im tiefſten Gefuͤhle der Ehrfurcht und der Dankbarkeit der Verfaſſer. ———* Mu dieſem Bande uͤbergebe ich alſo meinen Goͤnnern und Freunden die Vollendung dieſes Werks. Ich ſchmeichle mir den hoͤchſten Standpunkt, worauf die Landwirth⸗ ſchaft als Wiſſenſchaft jetzt ſtehet, dargeſtellt zu haben. Dieſer aber iſt bei weitem nicht der hoͤchſte, wohin ſie gelangen kann; ſie hat ſchon Fort⸗ ſchritte waͤhrend der Bearbeitung dieſes Werks gemacht. Ich werde auf dem Grunde deſſelben mit meinen geliebten und treu verbundenen Mitar⸗ beitern am Inſtitute zu Moͤgelin, Crome und Koppe, wovon ſich jener ganz dem naturwiſſenſchaftlichen Fache in Bezug auf den Ackerbau, dieſer dem praktiſch wiſſenſchaftlichen gewidmet hat, fortarbeiten. Doch fordre ich auch einen jeden Landwirth, der aus Liebe zur Sache die Feder er⸗ greift, nochmals auf, ſich mit uns zur Vervollkommnung der Wiſſen⸗ ſchaft und zur Berichtigung ihrer Darſtellung in dieſem Werke zu ver⸗ binden. Meine Annalen der Fortſchritte der Landwirthſchaft ſollen vor allem dieſer Kritik gewidmet ſeyn; ich werde jeden Beitrag dazu mit Dank erkennen, wenn er mir auch anonym— falls er ſich dann nur nicht auf ſpezielle Thatſachen, die der Buͤrgſchaft wenigſtens eines Namens bedur⸗ fen, gruͤndet— zugeſchickt wuͤrde. Mein Streben geht dahin, die Spur meines Daſeins im deutſchen Ackerbau fuͤr die Nachwelt zu hinterlaſſen, aber ſo, daß ſie leitend und nicht irre fuͤhrend ſey. Deshalb bitte ich ſo dringend, mich zu warnen, wenn ich ſelbſt irre zu gehen ſcheine, v1 V Was die Ausarbeitung dieſes Werkes betrifft, ſo erkenne ich Maͤn⸗ gel, die ich wohl vermieden haben wuͤrde, wenn nicht die mehrmalige Ver⸗ aͤnderung meiner Lage und die Ereigniſſe der Zeit zu ſehr auf mein Ge⸗ muͤth eingewirkt, und dem Geiſte die erforderliche Heiterkeit und Beſon⸗ nenheit oft geraubt haͤtten. Ich hoffe mein Verſprechen: die Lehre von der vegetabiliſchen und thieriſchen Production vollſtaͤndig und klar vorzutragen, und ſie dennoch in dieſem Bande zu konzentriren— erfuͤllt zu haben. Meine Abſicht war freilich, noch von den gewoͤhnlichſten Krankheiten jeder Art und ihrer Be⸗ handlung das Noͤthigſte zu ſagen. Da dies aber ohne eine klare Ueber⸗ ſicht der Lehre von der thieriſchen Natur nicht geſchehen konnte, ſo fand ich, daß dieſes nicht in der hier erforderlichen Kuͤrze moͤglich ſey, ohne dem groͤßten Theile meiner Leſer dunkel zu bleiben. Wenn ich aber Muße habe, ſo werde ich ein beſonderes kleines Werk uͤber die Thierarz⸗ neikunde füͤr denkende Landwirthe ſchreiben. Ich werde darin einige, auch dem Landwirthe nicht unnuͤtze Ruͤckblicke auf die mediziniſche Wiſ⸗ ſenſchaft uͤberhaupt, und auf den Zuſtand, worin ſie ſich jetzt befindet, werfen, da ich ſie ſeit 44 Jahren nie ganz aus dem Auge verlor. Doch muß ich erwarten und hoffen meine Thaͤtigkeit vorerſt mit Ge⸗ genſtäͤnden anderer Art beſchaͤftigt zu ſehen. Berlin, den 1ſten Maͤrz 1812. Inhaltsverzeichniß des vierten Bandes. Füäntes Hauptſt uck. Produktion vegetabiliſcher Subſtanzen. n Unterſchied zwiſchen Produktion und Fabrikation; worauf er beruhe. Seite 3. Vegetabiliſche Produktion. 6. Enſtehung aus Saamen. 6. Vollſtaͤndigkeit des Saamens. 6. Aufbewahrung deſſelben. 7. Wechfelung oder Erneuerung des Saamens; in wiefern ſie noͤthig. 8. Dauer des Saamens. I0. Reinheit des Saamens. II. Einquellen der Saat. 12. Einbeizungen der Saat. 12. Saatzeit. 13. Unterbringung der Saat. 15. Staͤrke der Einſaat. 16. Das Säen. 20. Saͤemaſchinen. 21. Die Getreidearten. 22. Was unter Getreide zu verſtehen ſey. 22. Charakter und Ratur der Getreidearten. 23. Beſtandtheile der Getreidearten. 24. Ihr Gewicht. 26. Ihr Ertrag. 26. Vegetation des Getreides. 28. Durchwinterung. 29. Austritt aus dem Winter. 30. Zweifelhafter Zuſtand im Fruͤhjahre. 37. Austrieb der Saat im Fruͤhjahre. 32. Schoſſen des Getreides. 33. Bluͤte des Getreides. 33. Das Lagern. 34. Krankheiten. 34. Das Verſcheinen. 35. Das Verbleichen. 35. Das Befallen. 36. vIII Inhalt. Die Ernte, 35. Vorbereitung zur Ernte. 38. Erntearbeiter. 39. Erntemethoden. 40. Das Abbringen. 40. Das Sammeln und Vinden. 41. Verfahren bei naſſer Witterung. 42. Scheuren und Feimen. 43. Das Taſſen. 44. Das Dreſchen. 44. Dreſcherlohn. 44. Dreſchmaſchinen. 45. Aufbewahrung des Korns. 46. Behandlung auf dem Boden. 47. Vertilgung der Inſekten. 47. — der Ratzen und Maͤuſe. 47. Der Weizen. 49. Arten des Weizens. 49. Ab⸗ oder Spielarten. 50. Wo Weizen den Vorzug vor dem Rocken habe. 52. Weizen in der Brache. 59. — nach anderen Vorfruͤchten. 55. Saat. 357. Zeit der Ausſaat. 57. Unterbringung. 37. Durchwinterung. 57. Vegetationsperiode. Eggen der jungen Saat. 58. Behacken. 59. Schroͤpfen. 59. Einwirkung der Witterung. 61. Reife. 67. Ertrag. 62. Werth. 62. Ausſaugende Kraft. 63. Der Sommerweizen. cg. Wohin ſein Anbau paſſe. 64. Der Spelz. 66. Das Einkorn. 67. Der Gommer. 67. Der Brand im Weizen. 68. Zwei verſchiedene Arten des Brandes. 68. Der Staubbrand. 68. Der Kornbrand. 70. Die Haupturſach im Saamen. 771. Vorkehrungen dagegen. 71. Der Rocken. 73. Abarten des Rockens. 73. Der Boden fuͤr Rocken. 74. 2 — Inhabte Vorbereitung und Vorfruͤchte. 75. Saat 7*. Vege ationsperiode. 77. Reife. 78. Ertrag und Werth. 78. Preis 70 Sommerrocken. So. Die Gerſte. so. Ar en der Gerſte. 80. Boden zur Gerſte. St. Vo bereitung und Vorfrchte. S1. Saat 8o9. Die kleine vierzeilige Gerſte. 83. Die große zweizeilige Gerſte. 84. Die Himmelsgerſte, die vierzeilige nackte Gerſte. 83. Die zwetzeilige nackte Gerſte. 87. Die ſechszei ige Gerſte, gewoͤhnliche Wintergerſte. 87. Die Reisgerſte. 88. Der Hafer. 89. Arten und Abarten. 89. Boden zum Hafer. 91. Vorbereitung. 92. Saat. 93. Vegetationsperiode. 93. Reife. 94. Ertrag und Werth. 94. Die Hirſe. 95. Boden zur Hirſe. 95. Vorhereitung. 95, Reife. 96. Die Moorhirſe. 97. Der Reis. 97. Die Drill- und Pferdehacken⸗Kultur des Getreides. Geſchichte derſelben. 98. Maſchienen 99. Erforderniſſe in Anſehung des Bodens. 99. In wiefern dieſe Kultur zu verſchiedenen Feldrotationen paſſe. 107. Portheile der Drillkultur. 102. Entfernung der Reihen 103 Anwendung bei den Huͤlſenfrüchten. 104. Deckung der Koſten durch Erſparung der Einſaat. 10. Hoherer Ertrag. 105. Sie iſt doch nicht allgemein einzufuͤhren. 106. Das Pferdehacken. 1056. Pflanzen des Getreides. 107. Die Huͤlſenfruͤchte. ro9. Kährende Beſtandtheile dieſer Fruͤchte. 109. Auch fur die Vegetabilien. 110. 6 In wiefern ſie die Kraft des Bodens minder als Getreide erſchopfen. b Vierter Theil.„ 95. IIO. — Inhabt. Die Erbſen. 1rI. Ab⸗ und Spielarten. 111. Boden. 112. Ihr Platz in den Feldrotationen. 112. Düngung. 113. Vorbereitung des Ackers. 114. Ausſaat. I15. Vegetationsperiode. 116. Ernte. 117. Ertrag. 119. Stroh. 119. Die Linſen. r20. Abarten. 120. Boden. 120. Ausſaat. T20. Eente. T21. Ertrag und Werth. 121. Die Faſeolen, Schmink⸗ oder Vitzbohnen. r21. Die Pferdebohne. 121. 5 Abarten. 121. Boden. 122. Duͤngung. 122. Ausſaat. 122. Vegetationsperiode. 123. Drill⸗ und Pferdehacken-Kultur. 123. Krankheiten. 124. Ernte. 125. Ertrag und Werth. 126. Die Wicke. 12 — . Abarten. 127. Boden. 127. Ausſaat. 129. Ernte. 128. Ertrag und Werth. r29. Gebrauch der Koͤrner. 130. Der Buchweizen, das Haidekorn. 3r. Boden. 13r.* Ausſaat. 13r. Vegetationsperiode. 132. Ernte. 732. Ertrag und Werth. 133. Als Futterkraut. 133. Syberiſcher Buchweizen. 139. Mengekorn, Gemenge. 134. Weiz⸗Rocken. 135. Gerſt⸗Hafer. 135. Wick⸗Hafer. 136. Erbs⸗Rocken. 136. Rauhzeug. 136. Inhalt. Der Hackfruchtbau 137. Nutzen des Behackens. 137. Pferdehacken oder Anhaͤufepfluͤge. 138. Leichte Pflüge mit einem Streichbrette. 139. Schaufel⸗- und Ruͤhrpfluͤge. 140. Arbeitserſparung durch dieſe Inſtrumente. 741. Wichtigkeit derſelben bei dieſem Bau. 142. Vorbereitung des Ackers. 142. Der Marqueur oder Reihenzieher. 142. Einfache Säe⸗ und Drillmaſchinen. 143. Erziehung der Pflanzen auf Saamenbeeten. 143. Ausheben der Pflanzen. 145. Das Pflanzen. 146. Setzung der Pflanzen auf aufgepflugten Stuͤcken. 147. Die Handelsgewaͤchſe. r49. Allgemeine Bemerkungen uͤber den Handelsgewaͤchsbau. 749. Die Oelgewaͤchſe. 134. Winterraps und Ruͤbſen. 155. Unterſchied zwiſchen Raps und Ruͤbſen. 155. Boden. 156. Duͤngung. 157. Beackerung. 157. Ausſaat. r58. Durchwinterung. 158. Feinde. 159. Verpflanzungsmethode. 159. Drillmethode. 160. Ernte. 161. Pbdreſchen in der Scheure. 161. auf dem Felde. 162. Ertrag. 166. Stroh. 166. Tusſaugung des Bodens. 166. Raps, als Futter⸗ und Weidekraut. 167. Rotabaga, ſtatt des Rapſes. 168. Sommerraps oder Sommerruͤbſen. 169. Der Senf. 170. 6 Der chineſiſche Helrettig. 171. Der Leinddtter. 162. Der Mohn. 172. Abarten. 172. Boden. 173. Ausſaat. 173. Vegetation. 173. Ernte. 179. Ertrag. 175. b 2 XI xIx Inhalbt. Die Geſpinnſtpflanzen. 176. Der Leinbau. 176. Vortheile und Nachtheile deſſelben. 176. Boden. 177. Sein Platz im Feldbau. 178. Saamen. 180. Abarten. 181. Das Roͤtten. 181.. Ausdauernder Lein. 182. Der Hanf. 182. Boden. 182. Beſtellung. 183. Vegetation. 183. Verſchiedene andre zum Anbau vorgeſchlagene Geſpinnſipflanzen. 184. Die ſyriſche Seidenpflanze. 184. Die Brennneſſel. 183. Die Weberkarde, Kardendiſtel. 183. Die Farbepflanzen. 186. Der Krapp, die Faͤrberroͤthe. 186. Anban nach der gewoͤhnlichen Art. 186. Verbeſſerte Methode. 187. Behandlung nach der Ernte. 188. 1 Der Waid. 189. Deſſen Anbau überhaupt. 189. Abarten. 100. Boden und Anbau. 190. Ernte und Behandlung. 190. Der Wau. 197. Der Saflor. 192. Der Hopfen. 192. Abarten. 193. Anlage des Hopfengartens. 193. Pflanzung 103. Di Hepfenſtangen. 195. Ernte. 1056. Ertrag. 197. Der Taback. 198. Anbau durch Planteurs. 198. Arten. 200. Boden. 200. Bereitung des Ackers. 201. Die Cichorie. 202. Zum Kaffe⸗Suͤrrogat 202. Als Futterkraut. 203. Inhalt. xn Der Kuͤmmel. 204. Der Fenchel. 205. Der Anis. 205. Der Furtergewaͤchsbau. 205. Die Kartoffeln. 206. Abarten. 208. Erziehung aus Saamen. 210. Boden. 210. Platz im Felde. 210. Duͤnger. 210. Setzlinge. 21I. Stärke der Einlage. 212. Pflanzungszeit. 215. Beſtellung. 215. Bearbeitung waͤhrend der Vegetation. 216. Ernte. 218. Aufbewahrung. 219. Nahrungskraft. 221. Koſtenpreis. 222. Die Runkelruͤbe. 226. Abarten. 226. Voden. 227. Saat. 228. Vegetation. 228. Aufbewahrung. 229 Ertrag. 229. 6 Andau zur Zuckerbereitung. 230. Die Ruͤbe. 231. Die Saatruͤbe. 231⸗ Albarten. 232. Brachruͤben. 232.. Stoppelruͤben. 233. Boden und Beſtellung. 233. Vegetation. 234. Ernte. 239. Gebrauch. 235. Teltower Ruͤben. 235. Aufnehmen des Saamens. 236. Die Kohlruͤben, Steckruͤben, Kohlrabi. 236, Abarten. 236. Rotabaga. 237. Boden. 237. Beſtellung 237. Durchwinterung. 238 Ertrag. 238. Nahrungskraft. 239⸗ Kohlrabi. 239. —* Xv In h a t. Der Kopfkohl oder das Kopfkraut. 240. Abarten. 290. Boden und Beſiellung. 247. Vegetationsperiode. 241. Ernte. 241. Benutzung. 241. Durchwinterung. 242. Unfaͤlle. 242. Die Moͤhren. 242. Abarten. 243. Boden und deſſen Vorbereitung. 243. Ausſaae. 244. Vegetationsperiode. 244. Unter andere Fruͤchte geſaͤet. 245. Ernte. 245. Durchwinterung. 246. Gebrauch. 246. Die Paſtinaken. 247. Der Mais, tuͤrkiſcher Weizen. 247. Ab⸗ und Spielarten. 248. Boden und Beſtellung. 249. Vegetationsperiode. 249. Ernte. 250. Das Stroh. 251. Gebrauch. 251. Nebenfruͤchte. 251. Zucker aus Mais. 252. Die Futterkraͤuter. 253. Der rothe Klee. 283. Abarten. 253. Boden. 259. Platz im Feldbau. 255. Rebenfrucht. 256. Ausſaat. 257. Vegetation. 259. Ein⸗ und zweijähriger Klee. 260. Ernten. 261. Kleehen. 262. Klapmeyerſche Methode. 263. Andre minder gebraͤuchliche Methoden. 266. Heuertrag. 266. Aufnehmen des Saamens. 267. Ausbringen des Saamens. 268. Wiederkommen des Klees auf denſelben Platz. 270. Ob Klee ausſauge oder bereichere. 270. Der weiße Klee. 271. Ausſaat. 272. Saamengewinnung. 273. Der Erdbeerklee. 273. —— ,——— Inhalt. xV Die Luzerne. 274. Ackerbereitung. 276. Ausſaat. 276. Bedeckung mit Miſt. 277. Eggen. 278. Ueberduͤngung. 278. Ernte. 279. Gebrauch. 279. Ausdauer. 279. Platz im Feldſyſteme. 279. Aufnehmen des Saamens. 280.* Aufbruch des Luzernefeldes. 280. Die Esparſette. 281. Boden. 281. Vorbereitung. 282. Ausſaat. 282. Heuertrag. 282. Verſchiedene andre ſchmetterlingsblumige Futterkraͤuter. a8a4. Die ſchwediſche Luzerne. 284. Der Hopfenklee. 289. Der Ginſter. 284. Der Spoͤrgel. 286. lrten. 286. Boden. 287. Saamen. 287. Benutzung. 288. Ertrag. 288. Heu. 289. Benutzung des Saamens. 289. Hochwachſende Graͤſer. 290. Das Raygras. 290. Das Hafergras. 291. Der Wieſenſchwingel. 291. Das Knaulgras. 292. Das Kammgras. 292. Das Thimotygras. 292. Das Honiggras. 293. Der Wieſenfuchsſchwanz. 293. Die Wieſenviehgraͤſer. 29g. Sechſtes Hauptſtuͤck. Die Vie h c t. 207. Die Rindoiehzucht. 298. Ragen. 299. Die Riederungsragen. 299. xvI Inhalt. Die Landragen. 301. Die Juͤtländiſche Race. 301. Die Bergrage. 303. 3 Die Podoliſche und Ungariſche Rage. 304. Bilbung neuer Racen. 305. Die Aufzucht des Rindviehes. 305. Der Bulle. 305. Die Kuh. 306. Alter zur Beaattung. 307. Brunſtzeit. 308. Traͤchtigkeit. 309. Geburt. 310. Auferehung der Kaͤlber. 311. Das Saugen. 3 1. Das Traͤnken. 313. Gruͤnde fuͤr das Saugen oder Tränken. 314. Hattung der Ferſen. 310. Vortheil der Autzucht. 316. Maſtkaͤlber. 317. Alters⸗Kennzeichen. 318. Die Ernährung des Rindviebes. 319. Winterfuͤtterung mit Heu und Stroh. 319. Das Häckſelſchneiden 320. Körnerfuͤtterung. 322. Biertrabern und Branntweinſpuͤlicht. 322. Oelkuchen. 323. Brachfruͤchte. 324. Bruͤhfuͤtterung. 327. Futterordnung. 328. Einſtreuung und Ausmiſtung. 329. Dauer der Winterfütterung. 330. Weide. 330. Das Tuͤdern. 332. Die Sommer⸗ Stalfuͤtterung. 336. Kleefuͤtterung und andere gruͤne Fuͤtterung. 337. Halbe Stallfuͤtterung. 339. Einholen des Futters. 339. Schneiden des Gruͤnfutters. 340. Futterordnung. 341. Bedarf an Gruͤnfutter. 341. Trockne Sommerfuͤtterung. 342. Zeit des Kleeſchnitts. 343. Vortheil der Molkerei. 344. Stärke der Fuͤtterung. 346. Alter der Kuͤhe. 346. Die Molkerei. 34b. Verpachtung der Molkerei. 396. Das Melken. 347. Friſcher Milchverkauf. 348. Das Inhalt. Das Buttern. 349. Sefaͤße. 350. Abnehmen des Rahms. 351. Butterfaß. 352. Regeln beim Buttermachen. 353. Kaͤſebereitung. 356. Hauptverſchiedenheit des Kaͤſes. 357. Gerinnungsmittel. 358. Das Kaͤlbermagen⸗Lab. 359. Bereitung beſonderer Käſearten⸗ 360. Die Maſtung des Rindviehes. Vortheil der Maſtung. 361. Beurtheilung des Maſtviehes. 363. Weidemaſtung. 365. Gruͤne Stallmaſtung. 366. Branntweinbrennerei⸗Maſtung. 367. Regeln bei der Stallmaſtung⸗ 368. Heumaſtung. 369. Kartoffelmaſtung. 369. Die Schweinezucht. 373. Wann und wo ſie vortheilhaft ſey. 373. Racen. 375. Benennung der Schweine. 376. Auswahl bei der Zuzucht. 377. Begattung. 378. Stallung. 379. Das Ferkeln der Säue. 380. Das Verſchneiden. 381. Entwoͤhnte Ferkel. 382. Sommernahrung. Weide. 383. Auf dem Stalle. 3383. Winternahrung. 389. Schweine⸗Beſtand. 384. Die Maſtung.§. Mit Futterkraͤutern. 385. n8. 55 Milchmaſt. 386. Wurzelmaſt. 386. Brauereimaſt. 386. Branntweinſpuͤlichtmaſt. 386. Staͤrke⸗Schlammaſt. 387. Getreidemaſt. 387. Allgemeine Regeln bei der Maſt. 389. Waldmaſt. 390. Die Schaafzucht. 391. Verhältniſſe der Schaafzucht zur Rindviehzucht. 391. Schaafracen. 393. Das Haidſchaaf. 399. Das Marſchſchaaf. 393. Vierter Theil. e 367. XVLI xvII Inhalt. Das deutſche Landſchaaf. 396. Die Merinos. 398. Alter zur Begattung. 407. Begattungszeit. 402. Lammzeit. 403. Alters⸗Kennzeichen. 404. Die Schaafweide. 407. Winterfuͤtterung. 413. Koͤrnerfuͤtterung. 415. Wurzelfuͤtterung. 416. Eicheln und Roßkaſtanien. 417. Salz. 417. Das Traͤnken. 417. Der Stall. 418. Die Rauffen. 419. Beſtand einer Schäferei. 420. Hammel oder Maſtſchaͤferei. 422. Wann und wo Hammelmaſtung vortheilhaft ſey. 424. Wie ſie zu betreiben. 424. Der Schäfer. 425. Die Wäſche. 427. Die Schur. 428. Die Pferde. Bedeckung der Stuten. 432. Geburt des Fuͤllens. 433. Abſetzen deſſelben. 434. Alter der Pferde. 435. Die Koͤrnerfuͤtterung. 436. Heu⸗ und Strohfuͤtterung. 439. Gruͤnfutter. 441. Weide. ₰4r. Die Wurzelfuͤtterung. 442. Kaffpferde. 443. Futterordnung. 443. Das Traͤnken. 443. Das Putzen. 443. Hufbeſchlag. 449. Stallung. 444. Arbeit. 445. 430. Rachſthrift. 446. Fuͤnftes —— — Fuͤnftes Hauptſtuͤck. Produktion vegetabiliſcher Subſtanzen. Bierter Theil. A Produktion vegetabiliſcher und thieriſcher Subſtanzen. . Lan ſetzt Produktion und Fabrikation gewoͤhnlich einander entgegen Unterſchied und glaubt, daß ſie in phyſiſcher Hinſicht nicht nur, ſondern auch in oͤkono⸗ miſcher oder gewerblicher dermaßen einander entgegenſtaͤnden, daß die Grund⸗ Fabrikation; ſate, die bei letzterer gultig ſind, bei erſterer durchaus keine Anwendung faͤn⸗ ſ 8 den, und daß folglich der Produzent ſowohl als der Staatswirth, in Anſe⸗ hung beider, ganz verſchiedene Maximen annehmen muͤſſe. Verſchieden ſind ſie allerdings und jede hat ihr Eigenthuͤmliches. Aber dies Sigenthuͤmliche iſt nicht ſo antipolariſch und nicht auf eine ſo grelle Weiſe verſchieden, wie man gewoͤhnlich angiebt. Noch weniger iſt der Un⸗ terſchied in Anſehung der entgegen geſetzten Grundſaͤtze begruͤndet, die man nur zu haͤufig zum Nachtheil der erſtern angenommen hat. Es wird daher ein Wort uber ihre Gleichheit und Verſchiedenheit hier nicht zur unrechten Zeit geſprochen ſeyn. Schon laͤnger und klarer ſind die Grundſaͤtze und Regeln ausgebildet und dargeſtellt, welche man zum gluͤcklichen Betriebe des Fabrikweſens angenom⸗ men und beobachtet hat. Sie koͤnnen Fingerzeige fuͤr das Produktions⸗Gewerbe geben, wenn man aus der Aehnlichkeit des letztern mit dem erſtern die Anwend⸗ barkeit jener Regeln auf dieſes folgert. Man hat geſagt: die Fabrikackon wandle die Materialien nur um, in eine andre Form; Produktion bringe jene hervor— wie dies in den Worten ſelbſt zu liegen ſcheink⸗ Aber Produktion iſt auch keine neue Schoͤpfung aus Nichts. Das Ma⸗ terial zur Ausbildung, zum Wachsthum und zur Vollendung der Pflanze wie A 2 4 Einleitung. des Thiers muß da ſeyn. Der Produzent wie der Fabrikant muß es auffuchen, und jener wie dieſer es mehrentheils herbeiſchaffen und oftmals kuͤnſtlich vor⸗ bereiten. Nur aus den ſchon vorhandenen Stoffen kann Produktion wie Fa⸗ brikation, indem ſie ſolche zerſetzt und zu neuen Formen ihre Pro⸗ dukte erzeugen. Dieſe Umbildung aber, ſagt man, geſchehe bei der Produktion durch die Kraft der Natur, bei der Fabrikation nur durch die Kraft und Kunſt der Menſchen. Aber auch bei der Fabrikation wirkt der Menſch nur durch den Gebrauch der Naturkraͤfte, und wuͤrde ohne ſie wenige Fabrikate hervorbrin⸗ gen. Bei einigen leitet er ſie zwar mehr und wendet ſie ganz nach ſeiner Willkuͤr an, bei andern muß er die Natur ganz nach ihren eigenen Geſetzen wirken bei allen denen, naͤmlich wo ein chemiſcher Prozeß erforderlich iſt, z. B. bei der Faͤrberei, der Wein⸗, Bier⸗, Branntwein⸗ u. ſ. f. e gung, wo er dieſe Naturwirkung nur ordnen und moderiren kann. Aber, wird man ſagen, die Natur hat doch an der Produktion einen weit größern Antheil wie an der Fabrikation? Freilich, wenn die Natur nur fuͤr beſchraͤnkte Zwecke und Beduͤrfniſſe produziren ſoll!— Auf einen menſchenleeren Boden kann die Natur ſo viel produziren, daß die Sammlung der Fruͤchte und die Erlegung des Wildes zureicht, um einzelne umherſtreifende Horden zu ernaͤhren; aber faſt nur in jenen guͤnſtigen Klimaten, wo der Menſch urſpruͤnglich heimiſch zu ſeyn ſcheint. So wie er das Paradies verließ und ſich mehr uͤber die Erde verbreitete, mußte er mit Dornen und Diſteln kaͤm⸗ pfen, und ſein Brod im Schweiße ſeines Angeſichts eſſen, d. h. Arbeit und Kunſt auf die Produktion ſeiner Beduͤrfniſſe verwenden. Aus jenen guͤnſtigen Klimaten mußte er die nahrhafteren Kornarten ſo wie ſeine Hausthiere mit⸗ nehmen, und mit Sorgfalt und Kunſt ſie an die neue Heimath gewoͤhnen, wo er ſich ſelbſt anſiedelte. Und ſo wie ſeine Beduͤrfniſſe mit ſeiner Vermeh⸗ rung und ſeiner Kultur ſtiegen, ward immer mehrere Kunſt und Arbeit nothig, ſo daß gegenwaͤrtig bei den kultivirteren Nationen der Ancheil der letzteren an der erzeugten Produktenmaſſe gegen den Antheil der Natur gewiß nicht geringer iſt, wie bei den meiſten Fabrikaten. Und ſo mit faͤllt auch jene Behauptung vom groͤßeren Antheile der Kunſt bei der Fabrikation von ſelbſt weg. Und n eitung. 5 deßhalb werden, ſo wie die Produktion im Maſſe und Werthe ſteigt, fuͤr den Produzenten dieſelben Geſetze und Regeln eintreten, die bei dem Fabrikationswe⸗ ſen beobachtet werden muͤſſen. Ich kann daher von meiner einſt dargeſtellten, aber manchen befrembenden Anſicht, wo ich den Grund und Boden als das rohe Material des Landwirths betrachtete, nicht abgehen, wenn das Ackerbau⸗ und Fabrikgewerbe mit einander verglichen werden ſollen, um ſo weniger, da mir dieſe Anſicht fruchtbar an den wichtigſten Folgerungen fuͤr den Gewerbsbetrieb und die Nationalwirthſchaft duͤnkt. Man koͤmmt dem Scheidungspunkte zwiſchen Fabrikation und Produktion näher, wenn man ihn darin ſetzt, daß jene durch Kunſt und Arbeit die Form darſtelle oder darzuſtellen ſuche, willkuͤrlich nach der Idee, die ſie davon gefaßt bat; daß dagegen die Produktion an diejenigen Formen gebunden ſey, welche die Natur einmal beſtimmt hat; daß ſie ſelbige zwar auswaͤhlen, aber nie ab⸗ ändern koͤnne. Allein auch dies iſt noch nicht beſtimmt genug, weil naͤmlich gewiſſe Fabrikationen ſich ebenfalls nach den Naturformen richten muͤſſen, wie z. B. die Salzfabrikation, und uͤberhaupt alle, wobei eine Kryſtalliſation oder chemiſcher Prozeß eintritt, und welche auch nur modiſizirt werden koͤnnen, nicht ganz von der Willkuͤr, ſondern groͤßtentheils von den Wirkungen der Natur abhangen. Am richtigſten beſtimmt man den Unterſchied in phyſiſcher Hinſicht wohl dadurch, wenn man ſagt: die Produktion bediene ſich zur Bildung ihrer Pro⸗ dukte nur des Saamens und Keimes, und ſey durchaus an die Formen gebun⸗ den, welche die Natur darin gelegt hat. Denn jedes Produkt, vegetabiliſches und thieriſches, geht allein aus dem Keime hervor, dem aber die guͤnſtige Ge⸗ legenheit zu ſeiner Entwickelung, und das Material zu ſeiner Nahrung, Wachs⸗ thum und Vollendung mehrentheils durch die Kunſt gegeben werden muß. Ganz unthaͤtig verhält ſich indeſſen auch die Kunſt bei der Bildung der im Saamenkeime liegenden Fori nicht, indem ſie dieſe durch die willkuͤrlich veran⸗ ſtaltete Begattung der Individuen von verſchiedenen Arten und Ragen abzuaͤn⸗ dern vermag; welches indeſſen mehr bei der thieriſchen als vegetabiliſchen Pro⸗ duktion in Anwendung kommt. Eutſtahung aus Saamen. Vollſtaͤndig⸗ keit des Saa⸗ meuns. 6 Vegetabiliſche Produktion. Vegetabiliſche Produktion. 5 1 Die urſpruͤngliche Entſtehung aller vollkommneren Pflanzen, welche hier nur in Betracht kommen, geſchiehet durch den Saamen, welcher durch den Zeugungsact gebildet wird. In Anſehung des phyſiſchen Theils die ſer Lehre, den ich hier ſonſt mit Ruͤckſicht auf landwirthſchaftliche Produktion ausführen wuͤrde, kann ich mich auf meines geliebten Schwiegerſohns, des Profeſſor Crome Handbuch der Raturgeſchichte fuͤr Landwirthe, ſo wie auch auf verſchie⸗ dene Fragmente meines ſeligen Freundes Einhof, welche ich im 7ten und 8ten Bande meiner Annalen des Ackerbaues habe abdrucken laſſen, beziehen; indem darin dieſe Lehre, ſo wie ſie dem denkenden Landwirthe angemeſſen iſt, ganz nach meiner Anſicht der Sache, vorgetragen worden. Ich gehe deßhalb ſogleich zum Praktiſchen uͤber. Die Produktion aus Saamen iſt nicht nur die urſpruͤngliche, ſondern auch die gewoͤhnliche, und ich werde daher im Allgemeinen nur von dieſer reden; der Produktion aus andern Keimen aber nur bei denjenigen einzelnen Pflan⸗ zen erwaͤhnen, wo ſelbige in Anwendung kommt. . Bei jedem Saamenkorne kommt es auf eine vollſtaͤndige Ausbildung, Reife und geſunde Erhaltung an. Unvollſtaͤndig ausgebildete Saamen koͤnnen zwar Keimkraft haben, es liegt in ihnen aber immer eine Anlage zur Schwaͤche und Kraͤnklichkeit der Pflanze. Zwar kann dieſe Anlage durch guͤnſtige Umſtaͤnde, durch einen vorzuͤglich fuͤr die Pflanze geeigneten Boden und Witterung uͤberwunden werden, und es koͤnnen aus einer unvollſtändigen zuſammengeſchrumpften Saat geſunde und ſtarke Fruͤchte hervorgehen; allein die Gefahr des Mißrathens bleibt immer groͤßer, und ſteht in keinem Verhaͤltniſſe mit der Erſparung, die ein Land⸗ wrirth durch ſolche machen koͤnnte. Ich erinnere dieſes um ſo mehr, da der große engliſche Naturforſcher Banks bei Gelegenheit ſeiner Bemerkungen uͤber das Befallen des Getreides die uͤbereilte Behauptung aufſtellte, daß die einge ſchrumpften Körner dieſes befallenen Jetreides zwar wenig zu anderem Vegetabiliſche Produktion. 7 Gebrauche, aber vollkommen zur Aus ſaat geſchickt ſeyn, indem ſie ihre Keim⸗ kraft nicht verloren haͤtten. Dieſe Meinung des großen Mannes, welche vielen und ſchäͤdlichen Eindruck haͤtte machen koͤnnen, iſt aber ſogleich von meh⸗ reren Landwirthen experimentaliſch widerlegt worden. Und wenn gleich einige Landwirthe kleinere und ſchwaͤchere Körner aus dem Grunde zur Einſaat em⸗ pfohlen haben, weil deren mehrere in einem beſtimmten Maaße ſich befaͤnden, ſo ſind doch alle aufmerkſamere Beobachter von den Vortheilen der moͤglichſt vollſtundigen und groͤßten Koͤrner uͤberzeugt, und man hat nicht ſelten eine vorzuͤgliche und ausgezeichnete Saat dadurch erhalten, daß man durch Aus⸗ wahl der vollkommenſten Aehren und Koͤrner ſich einen Stamm ſtarkerer Pflan⸗ zun verſchaffte, und dieſen durch ſorgfaͤltigere Behandlung erhielt. Hierauf beruhen zum Theil die Vorzuͤge, welche man an ausländiſchen Getreidearten bemerkt, ſo lange man ſie mit beſonderer Sorgfalt auch in Hinſicht der Saa— menauswahl behandelt. Die zur Saat beſtimmte Frucht muß alſo gleich an einer ſolchen Stelle gewaͤhlt werden, wo ſie die vollkommenſte Ausbildung erhal⸗ ten hat, und unter manchen Verhaͤltniſſen wird es ſich reichlich verlohnen, wenn man ſich ſeinen Saamen auf einem der Pflanzengattung vorzuͤglich an⸗ gemeſſenen Felde mit beſonderer Sorgfalt erzieht, und auch waͤhrend der Ve⸗ getationsperiode die Vertilgung des Unkrauts und die Vereinzelung der Pflan⸗ zen zugleich mit der Lockerung des Bodens durch das Behacken zu bewirken ſucht, um die Pflanzen und mithin ihren Saamen zur hoͤchſten Vollkommen⸗ heit zu bringen. Hierdurch wird man auch die vollſtaͤndigſte und gleichmaͤ⸗ ſigſte Reife des Saamens bewirken. Wenn aber eine ungleiche Reifung der Pflanzenart eigen waͤre, ſo wird eine Aus ſonderung der voͤllig reifen Aehren oder Saamenkapſeln ſich immer verlohnen. F. 3. Eben ſo wichtig aber iſt eine ſorgfaͤltige Aufbewahrung des Saamenkorns. Sorofiltize Jede Feuchtigkeit, die ihm ſowohl von Natur zu Anfange anhaͤngt oder in der Folge angeſogen wird, muß entfernt und durch duͤnne Verbreitung und oft wiederholte Umraͤhrung ſchnell zur Verdunſtung gebracht werden. Denn ſobald die Verderbniß, welche man das Dumpfig⸗ oder Mulſtrigwerden nennt, und welche ſich durch den Geruch ſehr deutlich offenbart, in der Saat ent⸗ 8 Die Saat. ſtanden iſt, wird ihr Gebrauch wenigſtens hochſt mißlich. Die Keimkraft geht nicht dabei verloren, und manchmal hat ſelbſt die junge Pflanze ein friſches Anſehn. Aber bei ihrer fernern Entwickelung in der Blütezeit aͤußert ſich Schwaͤche und Krankheit, ſo daß die Bluͤte zum Theil ohne Befruchtung ab⸗ fallt und ſich wenig oder gar keine Koͤrner erzeugen; eine Erfahrung, die ich ſehr entſchieden und mit großem Verluſte bei dumpfig gewordenem Hafer ge⸗ macht habe. Iſt auch der Erfolg bei einem geringeren Grade der Dumpfig⸗ keit nicht ſo auffallend, ſo wird er doch immer bemerklich ſeyn, und in man⸗ chen Fällen, wo man ein halbes Mißrathen der Saat andern Urſachen zu⸗ ſchrieb, lag wahrſcheinlich dieſe zum Grunde. Wechſelung Eine oͤftere Verwechſelung und Erneuerung der Saat, beſonders ver⸗ oder Erneue ſchiedener Getreidearten, iſt von manchen als eine unumgängliche Bedingung rung des Saa⸗ 5 mens; in wie vollkommner Ernten angenommen worden. Man hat die Vorzuͤge derſelben, fern ſie nd beſonders in großen Wirchſchaften, wo alles fabrikmäßig betrieben werden thig. muß, als ausgemacht anerkannt, und ihre Nothwendigkeit iſt daſelbſt zum okonomiſchen Glaubensartikel geworden. Allein meiner Ueberzeugung nach— die ſich bisher, je mehrere Data ich daruͤber ſammelte und pruͤfte, mehr ver⸗ größert als vermindert hat— ruͤhrt der Vorzug fremder Saat nur daher, daß man die ſeinige nicht ſorgfältig genug auswählte und behandelte. Dies kann zuweilen in der Lokalitat, in der Beſchaffenheit des Bodens und des Klimas liegen, die der vollkommenen Ausbildung einer Frucht nicht guͤnſtig ſind, und in einem ſolchen Falle iſt es unvermeidlich. Hefterer aber leidet es der ganze Betrieb der Wirthſchaft nicht, daß man auf die Auswahl und Be⸗ handlung der zum Saamen beſtimmten Frucht die gehoͤrige Aufmerkſamkeit wende, und insbeſondere das in dieſer Hinſicht immer nachtheilige Schwißen vermeide. Man hat in allen Gegenden gewiſſe Diſtrikte und Wirthſchaften, welche ſich durch ihre vorzuͤgliche Saat dieſer oder jener Frucht in vorzuͤgli⸗ chen Ruf geſetzt haben, und ihren ſammtlichen Gewinn zu hoͤheren Preiſen als Ausſaat verkauften. Hier wird man aber theils einen dieſer Frucht beſon⸗ ders angemeſſenen Boden, theils eine weit ſorgfaͤltigere Behandlung derſelben antreffen, und bei den Anbauern ſelbſt die Ueberzengung finden, daß ſie den Ruf n Die Saat. 9 Ruf ihrer Saat dem letztern eben ſo ſehr wie dem erſtern zu verdanken haben. Wo nun eins oder das andere fehlt, da kann allerdings eine Erneuerung der Saat auch mit beträchtlichen Koſten okonomiſch rathſam ſeyn, aber fuͤr unbe⸗ dingt nöthig halte ich ſie nicht; bin vielmehr uͤberzeugt, daß man unvollkomm⸗ nere Saat, wenn man anders fuͤr ſelbige geeigneten Boden hat, bei ſich ſelbſt zu immer höherer Vollkommenheit bringen koͤnne, ſo daß ſie dann jede fremde Saat uͤbertreffe. Diejenigen, welche die Nütlichkeir einer Saatveränderung unbedingt an⸗ nehmen, ſind darin ſtreitig, ob man ſie von einem ſchlechtern oder beſſern, ſchwächern oder ſtärkern Boden, aus einem mildern oder rauhern Klima her⸗ nehmen ſolle?— Ohne Zweifel daher, wo das Saamenkorn jeder Art am vollkommenſten und geſundeſten iſt. Nicht immer iſt dies der ſtärkere Boden, das mildere Klima; die Frucht ſteht hier oft zu dicht, iſt den Einwirkungen der Atmoſphaͤre und des Lichts zu wenig ausgeſetzt, um die vollkommenſte Aus⸗ bildung des Saamenkorns zu bewirken; das Korn wird hier oft groß, aber ſtärker an Huͤlſe wie an Mehl, welches letztere nur die Nahrung des jungen Pflänzchens ausmacht. Wenn dagegen aber der Boden ſo ſchwach iſt, daß er nicht Nahrung genug zur voͤlligen Ausbildung des Saamenkorns hergiebt, ſo wird dieſes ebenfalls zur Reproduktion vollkommener Pflanzen unfaͤhig ſeyn. So wird Weizenſaat von einem Boden, der nur erzwungen Weizen traͤgt, eine unvollkommene Saat liefern, und eine Erneuerung derſelben von eigentlichem Weizenboden her verlangen.——— Es iſt uͤbrigens gewiß, daß bei den Pflanzen wie bei den Thieren, Staͤrke und Schwaͤche, Geſundheit und Krankheit, nicht bloß auf die nächſte Genera⸗ tion, ſondern auch auf die folgenden forterbe, und nur almählig durch andere Einwirkungen umgeaͤndert werde. Mißlich bleibt eine Veraͤnderung der Saat immer, wenn man nicht mit der groͤßten Vorſicht dabei zu Werke geht. Insbeſondere hat man auf die Reinheit von Unkrautsſaamen zu ſehen, indem man ſich ſonſt ein vorher nicht gekanntes, hoͤchſt ſchädliches Unkraut, z. B. die gelbe Wucherblume(Chry- santhemum segetum) auf ſeiner Feldmark zuzieben kann. Weiß man ſeine Saat von gewiſſen Unkrauts ſaamen nicht zu reinigen, ſe kann dies eine Ver⸗ Vierter Theil. B Dauer der Saamen. 10 Die Saat. anlaſſung ſeyn, ſie von einem andren Orte herzunehmen⸗ So wechſelt man in meiner Gegend häufig die Gerſte und Hafer zwiſchen Hoͤhe und Niederung, weil die Saat des letzteren nur mit dem Ackerſenf, welcher auf der Hoͤhe nicht forkommt, die von der Höhe mit dem Ackerrettig, der in Niederung leicht un⸗ terdruͤckt wird, verunreinigt iſt. §. 5. Einige Saamen behalten, wenn ſie gut aufbewahrt werden, ihre Keim⸗ kraft ſehr lange, andre verlieren ſie ſchnell, und duͤrfen kaum uͤberjaͤhrig wer⸗ den. Bei denen, welche ſich länger erhalten, findet man indeſſen, daß nur die vollkommneren Koͤrner es thun, die unvollkommneren hingegen und kränklichen ſie fruͤher verlieren. Hierauf beruht wohl hauptſächlich der Vorzug, welche eine altere Saat bei manchen Gattungen hat, indem aus ſelbiger nur geſunde Keime hervorkommen, denen Raum und Nahrung durch Schwaͤchlinge, die doch zu keiner Vollkommenheit kommen, nicht geraubt wird, auch keine Krank⸗ heiten, wozu die Anlage im Saamenkorne liegt, z. B. der Kornbrand im Wei⸗ zen entſtehen. Man muß aber auch in dieſer Hinſicht die Natur der einzelnen Gewaͤchſe kennen. Vollkommnes Getreide kann ſich ſehr lange erhalten und man hat Beiſpiele, daß Kornvorräthe, welche in Felſenkellern ſeit undenklichen Zeiten aufbewahrt und zufaͤllig wiedergefunden wurden, zur Aus ſaat noch tuͤch⸗ tig blieben. Hierzu gehoͤrt aber vielleicht eine vollige Abſchneidung der atmo ſphaͤ⸗ riſchen Einwirkung und aller Feuchtigkeit. Auf gewöhnliche Weiſe aufbewahrt haͤlt ſich das Getreide nicht ſo lange, doch will inan fuͤnfaͤhrigen Weizen und dreijahrigen Rocken zur Saat noch tuͤchtig befunden haben. Ein und zweijaͤh⸗ riger Weizen wird in der Praxis dem friſchen faſt allgemein vorgezogen, weil er aus vorerwaͤhnter Urſach vom Brande mehrentheils frei iſt. Beim Rocken find die mehrſten Landwirthe anderer Meinung, und ziehen die friſche Saat vor, weil ſie von aͤlterer oder uͤberjäͤhriger mehr nehmen zu muͤſſen glauben, und in der That bei gleichem Maaße weniger davon hervorſticht. Da dieſes aber um ſo geſundere Pflanzen ſind, und dieſe bei der gewoͤhnlichen Saat doch immer im Uebermaaße hervorkommen, ſo iſt ein zu duͤnner Stand dennoch nicht zu beſorgen. Die Saat der Huͤlſenfruchte erhält ſich ſebr lange, und ich habe bei zehnjährigen Wicken durchaus kein Zuruckbleiben derſelben verſpuͤrt. Alle Die Saat. 11 ölichte Saamen, wenn nicht Milben hineinkommen, halten ſich lange, und man giebt z. B. dem alten Leinſaamen einen entſchiedenen Vorzug, wogegen man jedoch friſchen Hanfſaamen zu nehmen empfiehlt. Der Kleeſaamen haͤlt ſich, meiner Beobachtung nach, zwei Jahre ſehr gut, verliert im dritten und wird im vierten unbrauchbar. Spoͤrgelſaamen, der ſieben Jahr alt war, habe ich mit Erfolg geſäet. Die Eigenthuͤmlichkeit eines jeden landwirthſchaftlichen Saamens verdiente aber durch Verſuche und durch Sammlung der bisher dar⸗ uͤber gemachten Erfahrungen genauer ausgemittelt zu werden. Da faſt alle vollkommnere Koͤrner ſich wenigſtens ins zweite Jahr erhal⸗ ten, ſo iſt es ohne Zweifel entſchieden vortheilhaft, einen uͤberjährigen Saat⸗ vorrath, beſonders vom Wintergetreide zu haben, weil man dadurch zur Wahr⸗ nehmung der vortheilhafteſten Saatzeit in Stand geſetßt wird. Es verſteht ſich jedoch, daß man ſie nicht von ſolchen Jahren aufbewahren muͤſſe, wo das Getreide unvollkommen geblieben iſt. Hat man aber in ſolchen Mißwachs⸗ jahren vorjährige Saat liegen, ſo iſt der Vortheil um ſo groͤßer, und man kann ſich gegen andre gluͤcklich preiſen. F. 6. Eine vollige Reinigung der Saat von Unkrautsſaamen und auch von un⸗Reinheit des vollkommenen Koͤrnern iſt von großer Wichtigkeit. Man bewuͤrkt ſie: Sanmens. a) durch das Wurfeln, indem man nur den Vorſprung zur Saat abſon⸗ dert. Daſſelbe wird durch eine gut eingerichtete Staube oder Putzmuͤhle, welche das ſchwerere Korn von dem leichtern und Unkrautsſaamen abſondert, bewuͤrkt. b) Durch Siebe, denen man dann viele von allen Gradationen in der Weite der Loͤcher haben muß. Unkrauts ſaamen, die kleiner ſind wie die Saat, ſo wie die ſchmächtigen Koͤrner der letztern werden durch Siebe abgeſondert, welche jene durchlaſſen, aber die vollkommnere Saat zuruͤckhalten. Andre fremde Koͤrner, die groͤßer ſind wie die Saat, werden zuruͤckgehalten in Sie⸗ ben, welche die Saamenkörner durchgehen laſſen. c) Durch das Schwemmen, indem man die Saat in ein Kuͤben mit Waſſer ſchuͤttet, ſie umrührt und nun die oben ſchwimmenden fremdartigen Dinge und die leichten Koͤrner mit einem Durchſchlage abnimmt. Man kann B 2 Einquellen der Saat. Einbeizungen der Saat. 12 Die Saat. bierdurch am beſten die Knoten des Hederichs und den Saamen der Wucher⸗ blume, ſo wie mehrere andere abſcheiden. Es verſteht ſich, daß die Saat ſo wie ſie aus dem Waſſer kommt, ſogleich duͤnn ausgebreitet und abgetrock⸗ net werde. §. J. Hiermit iſt das Einquellen der Saat nicht zu verwechſeln, wo man ſie in einem feuchten Zuſtande erhaͤlt, um die Entwickelung des Keims zu befoͤrdern, und ſie hierauf ſogleich auszuſäen, damit ſie dann um ſo geſchwinder hervor⸗ komme. Dieſe Operation, welche von den Gärtnern laͤngſt angewendet worden, hat man auch den Ackerbauern empfohlen, insbeſondere wenn die Erde zur Saatzeit ſehr ausgedoͤrrt iſt. Sie iſt aber gerade in dieſem Falle hoͤchſt be⸗ denklich. Denn wenn nun eine fortdauernde Duͤrre dem hervorgelockten Keime alle Feuchtigkeit entzogen hat, ſo muß derſelbe oder das junge Pflaͤnzchen ver⸗ dorren, und es wuͤrde ungleich beſſer geweſen ſeyn, wenn der, Saamen unge⸗ keimt bis zu eintretendem Regen in der Erde geblieben waͤre. Tritt freilich Feuchtigkeit zu rechter Zeit ein, ſo kann dieſe Operation gelingen, und ſolche eingeweichte Saat einen Vorſprung vor anderer erlangen; allein der Vorcheil wiegt nie die Gefahr auf, welche damit verbunden iſt, und dieſes Mittel iſt hoͤchſtens in ſolchen Fällen anzuwenden, wo man ſich mit der Saat verſpaͤtet hatte, und keine voͤllige Ausdoͤrrung des Bodens zu beſorgen iſt. §. 8. Es ſind auch zur Befoͤrderung einer ſchnellen und kraͤftigen Keimung mehrere Einbeitzungen oder ſogenannte Beſchwaͤngerungen der Saat empfoh⸗ len worden. Von denen, welche man zur Verhütung des Brandes im Wei⸗ zen und anderer Krankheiten anwendet, an einem andern Orte. Hier reden wir nur von denen, wodurch man die Vegetationskraft aufreizen und verſtär⸗ ken will. Man gebraucht dazu 4 a) Miſtjauche oder Laugen aus Kalk, Aſche und Salz, und betrachtet ſie als wirkſame Duͤngungsmittel, die der jungen Pflanze eine vorzuͤgliche Nah⸗ rung in ihrer unmittelbaren Beruͤhrung geben, folglich einen lebhaften Trieb, wodurch ſie beſonders dem Unkraute vorkommt, bewirken, auch ihre Kraft und Geſundheit, ſo daß ſie der Einwirkung ſchädlicher Potenzen widerſtehen koͤnne, Die Saat. 13 verſtärken ſolle. Dieſe unmittelbar an den Saamen angebrachte Duͤngungs⸗ mittel ſind aber der Theorie und unbefangener Erfahrung nach hierzu unver⸗ mögend; denn die erſte Nahrung erhaͤlt das junge Pflaͤnzchen aus der Sub⸗ ſtanz ſeines Sagmenkorns, und wenn es durch ſeine Wurzeln ſeine Nahrung einzuziehen anfaͤngt, ſo haben ſich dieſe ſchon zu weit entfernt, um von dem Duͤngungsmittel, welches an der Huͤlſe des Saatkorns haftet, Nutzen zu zie⸗ hen. Sie koͤnnen alſo nicht mehr bewirken, als wenn man ſie mit dem Bo⸗ den vermiſchte, wo dann die angewandte Quantität zu unbedeutend ſeyn wuͤrde. b) Sauerſtoffhaltige und ſelbſt ſaure Mittel: vorzuͤglich iſt orygeniſirte Salzſaure, Schwefelſäure, Mennig und andere Bleioryde, Eiſenvitriol, Sal⸗ peter und Salpeterſäure, auch Arſenik dazu empfohlen worden. Man hat einige dieſer Mittel ſchon zu älteren Zeiten und vor der neueren Entdeckung, daß der Sauerſtoff und die mit Sauerſtoff uͤberſattigten und ſolchen leicht ab⸗ gebenden Materien die Keimkraft der Saamen lebhaft erweckten, empfohlen, und durch dieſe Entdeckung iſt die Aufmerkſamkeit aufs neue darauf gerichtet worden. So unſtreitig aber die Wirkſamkeit des Sauerſtoffs zur Aufreizung des Keimes iſt, ſo haben doch genau angeſtellte Verſuche gezeigt, daß dieſe Ueberreizung des Keims und des jungen Pflaͤnzchens keinesweges von guten Folgen ſey, ſondern vielmehr der heranwachſenden Pflanze Schwächlichkeit und Kraͤnklichkeit zuziehe. Eine umſichtige Theorie begruͤndet alſo die Anwendung dieſer Mittel nicht mehr, um ſo weniger, da es ſchwer ſeyn wuͤrde, das ge⸗ rechte Maaß auszumitteln, und es im Großen, ſo daß es jedes Korn treffe, anzuwenden. Man hat zwar auch den Nebenzweck dadurch erreichen wollen, Inſekten und Voͤgel abzuhalten oder zu toͤdten, aber auch dies bewirken die gewoͤhnli⸗ chen Einbeizungen nicht, und die giftigen, beſonders die arſenikaliſche, in der Stärke anzuwenden, daß dieſer Zweck erreicht wuͤrde, waͤre ſehr gefahrlich. §. 9. Jede Frucht hat eine längere oder kuͤrzere Periode, worin ſie ausgeſaͤet Saatteit. werden kann, um zu ihrer vollen Reife zu gelangen. Ihr Erfolg haͤngt ſehr oft von einem gluͤcklichen Treffen des guͤnſtigen Moments in dieſer Periode ab. 14 Die Saat. Da dies aber Bezug auf die kuͤnftige Witterung waͤhrend der Vegetationspe⸗ riode hat, ſo kann der Landwirth zuweilen, wohl mit Wahrſcheinlichkeit, aber nie mit voͤlliger Sicherheit darauf bei der Auswahl dieſes Zeitpunkts Ruͤckſicht nehmen. Er muß ſich vielmehr nach dem guͤnſtigſten Feuchtigkeits⸗ und Tem⸗ peraturzuſtande des Bodens fuͤr die ihm bekannte Natur einer jeden Fruchtart richten. Manche Saaten lieben einen trocknern und waͤrmern Zuſtand des Bodens bei ihrer erſten Entwickelung, z. B. Rocken, Gerſte, Buchweizen; andre einen feuchtern, wie Weizen und Hafer. Es iſt ſchon viel gewonnen, wenn der Zeitpunkt nur in dieſer Hinſicht getroffen wird, und man ſetzt mit Recht weit groͤßere Hoffnung auf eine Saat, welche unter ſolchen guͤnſtigen Auſpicien, als unter unguͤnſtigen in die Erde kam. Man hat bemerkt, daß ein gewiſſer Luftzuſtand der Ausſaat beſonders guͤnſtig ſey: im Fruͤhjahre, wenn ſie mit Duͤnſten angefuͤllt iſt, die beſonders des Morgens fruͤh beim Sonnen⸗ aufgange am aͤußerſten Horizonte die Erſcheinung einer wellenfoͤrmigen Bewe⸗ gung geben, ſo daß manchmal die hervorkommende Sonne, wie es das Volk nennt, zu tanzen ſcheint. Bei dieſer Erſcheinung verſpricht man ſich beſonders fuͤr die Ausſaat der großen Gerſte viel. Manche ſchreiben der Beruͤhrung der Saat vom Thau eine große Wirkung zu, und rathen zu dem Ende an, nur gegen Abend auszuſäen, und erſt am folgenden Morgen ſelbige unterzubringen, jedoch nur bei warmen Naͤchten. Sind noch Reife zu beſorgen, ſo ſoll man die Saat vor Abend bedecken. Man findet von vielen durchaus angerathen, in der fuͤr jede Frucht beſtimm⸗ ten Saatperiode den fruͤhſten Zeitpunkt wahrzunehmen und mit der Beſtellung deshalb moͤglichſt zu eilen. Eine zu allgemeine Ausdehnung dieſer Mapime iſt aber falſch und nachtheilig, wenn man dabei alle Ruͤckſicht auf den Zuſtand des Bedens und der Witterung vernachläßigt. Es iſt gewiß in jedem Falle rathſam, alle Vorbereitungen moͤglichſt ſo einzurichten, daß man den erſten guͤnſtigen Zeitpunkt ergreifen koͤnne; dieſer aber muß dennoch abgewartet werden. Der Englaͤnder ſagt gewiß ſehr richtig: Vou had better to be out of time than out of temper(ſeyd lieber außer der Zeit als außer der Temperatur). Am verderblichſten aber iſt es, wenn man, um fruͤh zu ſaͤen, die gehoͤrige Vorberei⸗ tung vernachlaͤſſigt. Die Saat. 15 Vormals ſpielte der Mond bei der Auswahl der Saatzeit eine große Rolle, und gewiſſe Saamen mußten beim zunehmenden, andere beim abnehmenden Lichte in die Erde gebracht werden. Man hatte die daruͤber angenommenen Re⸗ geln beinahe vergeſſen, wie neulich ein erfahrner und geſchickter amerikaniſcher Gaͤrtner nach ſeinen Erfahrungen die Meinungen hieruͤber wieder in Anregung brachte und mehrere Englander ihm darin beipflichteten. Ein Phyſiker will dem zu Folge die Wirkung des Mondes dadurch erklaͤren, daß den eben aufkeimenden Pflanzen die ununterbrochene Reizung des Lichtes in mondhellen Nächten nach⸗ theilig werden koͤnne, da wir wiſſen, daß allen Pflanzen in dieſem Zuſtande das Licht nicht vortheilhaft ſey. Wir warten billig aber mehrere Beſtätigungen durch genaue Beobachtungen und Verſuche ab, bevor wir uns beſondere Ruͤckſicht darauf zu nehmen entſchließen. F. 10. Jeder Saame darf nur eine ihm angemeſſene Bedeckung mit Erde haben. unterbrin⸗ Iſt dieſe fuͤr ihn nicht zu ſtark, ſo liegt er allerdings in einer groͤßeren Vertiefung beſſer, weil er daſelbſt die noͤthige Feuchtigkeit findet und auch in ſeinen jungen Wurzeltrieben nicht zu verdorren oder von Erde entbloͤßt oder durch den Froſt herausgehoben zu werden Gefahr laäuft. Aber eine zu ſtarke Bedeckung kann ſeine Keimung ganz verhindern, oder doch das Hervortreten ſeines Saamenblatts erſchweren und unterdruͤcken. Im allgemeinen kann man annehmen, daß, je groͤßer die Saamenkoͤrner ſind, ſie eine deſto ſtärkere Bedeckung ertragen; wo⸗ gegen feine Saamen nur aͤußerſt flach bedeckt werden duͤrfen. Beim Ackerbau unterſcheidet man daher drei Arten von Unterbringung der Saat, naͤmlich: 3 a) das Unterpfluͤgen, b) das Aufſäen auf die rauhe Pflugfurche und Eineggen, c) das Aufſaͤen nach der abgeeggeten Furche und nochmaliges Ueberziehen mit der Egge oder Walze nach der Ausſaat. Hierzu kann man 4) noch das Unterbringen mit dem Exſtirpator oder einer aͤhnlichen Ma⸗ ſchine zaͤhlen. — — Staͤrke der Einſaat. 16 Die Saat. Außer der Natur des Saamens, kommt es aber bei der Tiefe, worin der Saamen zu liegen kommen ſoll, oder bei der Auswahl dieſer Unterbringungsme⸗ thoden auf den Zuſtand des Bodens und der Witterung an. Bei der Duͤrre koͤnnte und muͤßte jede Saat ſtaͤrker bedeckt werden als bei der Naͤſſe. Hiernach muß man ſich allerdings richten, jedoch mit Vorſicht Extreme vermeiden, weil die Witterung ſich nach der Einſaat ſchleunig umaͤndern kann, und eine tiefer unter⸗ gebrachte Saat bei neu erfolgenden heftigen Regenguͤſſen erſtickt werden koͤnnte. Der Erſtirpator oder eine aͤhnliche Maſchine gewaͤhrt bei der Unterbringung der meiſten Saaten die groͤßte Sicherheit, indem ſie dadurch auch aufs ſchleunigſte und nach Gefallen flacher oder tiefer bewirkt werden kann. Wir werden die Na⸗ tur jeder Saat in dieſem Stuͤcke beſonders bemerken. Hier fuͤhren wir nur z⸗B. an, daß unter den gebraͤuchlichſten Saaten, Huͤlſenfruͤchte, Weizen, Gerſte und Hafer eine tiefere Unterbringung, Rocken und Buchweizen nur eine flache ertragen koͤnnen, und daß das Unterpfluͤgen der lettern, wenn nachher feuchte Witterung eintritt, immer gefaͤhrlich ſey. Einige haben, um ſicher zu gehen, die Maaßregel angenommen, die Hälfte der Saat unterzupflugen und die andere Haͤlfte auf die rauhe Furche zu ſaͤen. Bei der Winterung halte ich dies fuͤr unbedenklich und zuweilen ſelbſt vortheilhaft, wenn man die doppelte Arbeit daran wenden will. Bei der Soͤmmerung habe ich aber einen ſehr uͤblen Erfolg davon bemerkt, indem die Saat zweilaͤufig wurde und in der ganzen Vegetationsperiode zweiwuͤchſig blieb. Die Unterbringung der feinern Saamen, z. B. des Klees, erfordert am meiſten Aufmerkſamkeit, da ſie ſo leicht, ſelbſt mit der Egge, zu tief eingezogen werden koͤnnen und dennoch zu ihrer Keimung einige Umgebung mit Erde, wenn die Witterung ihnen nicht uͤberaus guͤrig iſt, erfordern; woruͤber das Weitere in der Lehre vom Anbau ſolcher Fruͤchte. 5 F. 11. Unter allen Fragen iſt die, uͤber die Staͤrke der Einſaat des Getreides, und unter welchen Umſtänden und Bedingungen eine ſtaͤrkere oder ſchwächere rathſam ſey, am ſtreitigſten. Da die Begriffe einer ſtarken und ſchwachen Einſaat nur relativ ſind, ſo muͤſſen wir zuvor den einer mittleren oder gewoͤhnlichen beſtim⸗ men; und dies iſt nicht ſchwierig, da wir in Anſehung des gewoͤhnlichen Aus ſaats⸗ Quan⸗ Quantum eine unerwartete Uebereinſtimmung bei allen Nationen und in allen Climaten ſogar antreffen. Die mittlere Ausſaat iſt, wenn wir Acker⸗und Ge⸗ rreidemaaß auf das unſeige reduciren. Zwiſchen 18 und 20 Berliner Metzen auf den Magdeburger Morgen, von allen gewoͤhnlichen Getreidearten bis auf den Hafer, der in der Regel auch allenthalben um z oder um die Hälfte ſtärker ausgeſaͤet wird. Wenn wir annehmen duͤrften, daß die Ausſaat gleichmaͤßig uͤber den Acker vertheilt wuͤrde, und daß jedes Korn eine Pflanze gäbe, ſo wuͤrde eine ſolche Aus ſaat ganz uͤbermaͤßig erſcheinen. Graf Podewills hat in ſeinen Wirthſchafts⸗ Erfahrungen berechnet, daß bei einer ſolchen Ausſaat 91 Rockenkoͤrner auf ein Quadratfuß fallen; bei Unterſuchung einer der dichteſten Stellen fand er aber nur 32 hervorſtechende Spiten. Daß auch nur dieſe bleiben koͤnnen, ſcheint mir wegen Mangel an Raum und Nahrung unmoͤglich, ſie könnten ſich wenig⸗ ſtens nicht beſtauden und mehrere Halme hervorbringen. Ich habe ſehr haͤufig bemerkt, daß bei Getreide, welches vorzuglich dicht in Aehren ſtand, ſich nur eben noch nicht lagerte, und einen Ertrag gab, der den nach der Kraft des Bodens zu erwartenden, weit uͤberwog, nicht mehr als 5 bis 6 Pflanzen auf einen Qua⸗ dratfuß ſtanden, und nach meinen Beobachtungen muß ich einen ſo geraumigen Stand der Pflanzen fuͤr eine Bedingung des möglich hoͤchſten Ertrages halten. Ein großer Theil der Pflanzen alſo wird ausgehen, wenn einige kraͤftig genug heranwachſen. Da wir aber bei der gewoͤhnlichen Beſtellungsart eine gleichmaͤßige Verthei⸗ lung nicht bewirken, und noch weniger das Gedeihen jeder Pflanze erwarten koͤn⸗ nen, ſo duͤrfen wir uns bei unſerer Ausſaat nach dieſen an ſich richtigen Erſchei⸗ nungen nicht richten. Es bleibt rathſam ſo dick auszuſäen, daß nicht leicht eine Stelle zu duͤnn befallen werde, und dann die nothwendige Verduͤnnung der Pflan⸗ zen, wo ſie zu dicht ſtehen, der Natur zu uͤberlaſſen, oder den Ueberfluß vielleicht in der Folge wegzunehmen. Da die allgemeine Erfahrung jenes Ausſaatsmaaß bei der gewoͤhnlichen Beſtellung als das ſicherſte beſtätiget hat, und die Saat⸗ erſparer, ſo lange ſie dieſe nicht abaͤnderten, im Durchſchnitt nicht gluͤcklich gewe⸗ ſen ſind, ſo hat der Landwirth Gruͤnde genug, dabei zu beharren. Vlerter Thell. C 18 Die Saqt. Wenn aber eine zweckmäßige Abänderung gemacht wird, in der Art des Saͤens ſowohl, wodurch eine gleichmaßigere Vertheilung bewirkt wird, als in der Art des Unterbringens, wodurch man jedes Korn in ſeine rechte Lage bringt und ſein Gedeihen mehr ſichert; wenn zugleich der Zuſtand des Ackers eine ſtarke Beſtaudung zuſagt; ſo kann, wie von ſelbſt einleuchtet, und wie unzaͤhlige Er⸗ fahrungen beſtätigt haben, eine ſehr große Saaterſparung von mehr als der Hälfte gemacht werden. Eine geringere Saaterſparung, ſo daß: man mehr als 14 Meten aus⸗ ſäet, findet ſtatt, ſobald man nur einer guten Vertheilung, eines ziemlich voll⸗ ſtändigen Aufgehens und einer guten Beſtaudung ſicher iſt. Iſt das Gegentheil, ſo muß man uͤber das gewoͤhnliche Maaß binausgehen. Es wird alſo das Weniger oder Mehr der Ausſaat beſtimmt: a) durch die Geſchicklichkeit des Säemanns, von welcher man eine mehr oder minder gleichmaͤßige Vertheilung der Saat uͤber alle Stellen erwarten kann. b) Durch die Guͤte der Saat, ob ſie nämlich ſo ſey, daß von den beiweiten mehrſten Koͤrnern geſunde und ausdaurende Pflanzen erwartet werden duͤrfen. o) Durch guͤnſtige oder unguͤnſtige Witterung zur Saatzeit, und den der Saat mehr oder weniger angemeſſenen Feuchtigkeitszuſtand. 5 Durch die groͤßere oder geringere Gaarheit und Klarbheit des Ackers, welche die Keimung und Anwurzelung der Pflanzen mehr oder minder beguͤnſtigt. e) Durch die Kraft des Bodens und ſeine Angemeſſenheit fuͤr die Frucht, in ſo fern dieſe nämlich die ſtarke Beſtaudung und das Aufkommen der pflanzen beguͤnſtigt. ) Durch die fruͤhe oder ſpaͤte Saatzeit, indem naͤmlich jene die Beſtaudung der Pflanzen erlaubt, bevor der Trieb zum Schoſſen, bei jeder Pflanze zu einer gewiſſen Jahrszeit, eineritt. Dieſer Umſtand iſt von ſo großer Wichtigkeit, daß man z. B. vom Stauden⸗Rocken im Julius um die Haͤlfte weniger als im Oktober einſaͤen darf. Hiernach wird ſich der verſtaͤndige Landwirth bei der Verminderung oder Vermehrung ſeiner Ausſaat richten, unbekuͤmmert um die Streitfrage, ob man ſtarken Boden— und ſchwachen Boden— oder beſüen muͤſſe. Die Saat. 19 Bei den meiſten mechaniſch⸗praktiſchen, ſonſt guten und aufmerkſamen Landwirthen, findet man mehr Neigung ihre Einſaat zu verſtaͤrken als zu vermindern. Dies ruͤhrt zum Theil vom Vorurtheile und von der Maxime, lieber zu viel als zu wenig zu thun, dann aber auch wohl daßer, daß eine dichte Saat nach dem Aufgehen und in der erſten Vegetationsperiode immer ein mehr verſprechendes Anſehen hat, als eine duͤnne. Ich habe immer gefunden, daß man ſich lebhaft daruͤber freuete, unerachtet es augenſcheinlich war, daß der groͤßte Theil der Pflanzen unterdruͤckt werden muͤſſe, wenn der kleinere Theil auſkommen ſoll. Im Kampfe mit einander, ermatten die Pflanzen ſämtlich; weswegen immer eine Periode eintritt, wo ſolche dichtſtehende Felder ein gel⸗ bes Anſehen bekommen; und iſt dann die Wicterung unguͤnſtig, ſo gehen ſie wohl ſaͤmtlich aus, und es entſtehen Fehlſtellen gerade da, wo vorher die Pflanzen am dichteſten gehaͤuft waren. Ich leugne nicht, daß die ausgehenden Pflanzen den übrigbleibenden nachmals als Duͤnger dienen koͤnnen; aber dies iſt immer ein theurer Duͤnger, und nicht ſelten geben ſie, beſonders bei den Winterſaaten auch Veranlaſſung zu einer allgemeinen Faͤulung. Als einen Hauptgrund einer ſtärkeren Ausſaat, giebt man hauptſaͤchlich die Unterdruͤckung des Unkrauts an. Ich habe aber durchaus nicht gefunden, daß man dieſen Zweck dadurch erreicht habe. Eine ſich ſtark beſtaudende den Acker dicht belegende und nachmals ſchnell empor wachſende Frucht, un⸗ terdruckt das Unkraut, aber nicht eine dicht ausgeſtreuete Saat. Iſt Boden und Wieterung dem im Acker oder in der Saat befindlichen Unkraute guͤnſtiger als der ausgeſaͤeten Frucht, ſo wird jenes ſo gut hervortreiben wie dieſe, und ſeinen Platz beſſer behaupten. Die Frucht wird gerade ihres zu dichten Standes wegen nicht ſchnell empor kommen. Ich habe hier das Oderbruch vor Augen, wo man in der Regel das doppelte der gewoͤhnlichen Ausſaat, vom Hafer oft uͤber 3 Scheffel pro Morgen auswirft; aber das Unkraut iſt ſo arg wie irgendwo, es ſtreitet immer erſt mit dem Getreide, und die das letztere mehr oder minder beguͤnſtigende Witterung entſcheidet, was die Oberhand gewinnen ſoll, wenn jenes nicht, wie von den kleineren Wirthen gewoͤhnlich ge⸗ ſchiehet, ausgezogen wird. Ich beharre bei meiner Weiſe um die Hälfte ſchwaͤcher wie meine Nachbarn zu ſäen, leide aber vom Unkraute wenigſtens C 2 Das Sien. nicht mehr wie ſie, und habe noch nicht noͤthig gebabt, um des uͤberhandneh⸗ menden Unkrauts willen einen Acker zu Graſe liegen zu laſſen. Denn die gewoͤhnliche Saat iſt uberfluſſig zureichend, den Acker ſo zu bedecken, daß auf jedem Flecke Pflanzen genug und uͤberfluͤſſig ſtehen. Nur den ein⸗ furchigen Dreiſchhafer ſaͤe ich ſtarker aus, weil nicht alle Koͤrner in eine zum Keimen guͤnſtige Lage kommen. 12. Die Handgriſſe des Saͤens ſind mannichfaltig verſchieden und laſſen ſich durch Worte ſchwerlich verſinnlichen. Im Allgemeinen ſind ſie keineswegs gleichgultig, und derjenige iſt ohne Zweifel der beſte, wo der Saͤemann beim Heraufgehen mit der rechten Hand nach der linken Seite, beim Herabgehen mit der linken Hand nach der rechten Seite, oder immer mit dem Winde wirft, und ſeinen Tritt an die Grenze des vorigen Wurfs gehoͤrig anſchließt— wenn ſie vollkommen ausgefuͤhrt wird. Es kommt aber hierbei viel auf genaue Beachtung des Windes und ſeiner Stärke an. In jedem concreten Falle kann man ſa⸗ gen, diejenige Methode ſey die beſte, worin der Saͤemann am geubteſten iſt; und es iſt ſehr bedenklich, einem Saͤemann eine andere Methode vorzuſchreiben, bevor man ſie ihn voͤllig hat erlernen und uͤben laſſen. Daß der Saͤemann der wichtigſte Handarbeiter in einer Wirthſchaft ſey, iſt ziemlich anerkannt. Indeſſen ſind manche in der Wahl deſſelben ſehr leichtſinnig, und vertrauen dieſes Geſchaͤft jedem Tageloͤhner oder Froͤhner an. Sie ſchreiben ihm dann wohl gar als Tagesarbeit ein Maaß von Getreide vor, welches er ausſaͤen ſoll. Hiermit dient er gern, denn es iſt ihm ſehr bequem eine große Menge Saat wegzuwerfen. In ſolchen Wirthſchaften er⸗ giebt ſich dann eine erſtaunliche Ausſaat im Verhältniß ihrer Ackerfläche, und es muß allerdings ſtark ausgeſaͤet werden, weil ſchlecht ausgeſaͤet wird. Wenn man etwas beſtimmen will, ſo beſtimme man doch nur die Fläche, die beſäet werden ſoll. Aber man ſuche vor allem einen guten Säemann auf, halte ihn in Ehren und uͤbereile ihn nicht. Es iſt haͤufig gefragt worden, wie viel ein Saͤemann taͤglich beſchicken köͤnne? von Muͤnchhauſen hat es im iſten Stuͤck ſeines Hausvaters nach Wuͤrfen und nach Minuten berechnet. Aber man ſey zufrieden, wenn er Die Saat. 21 täglich 18 Morgen beſäet. Dies iſt freilich das Minimum, was einer bei maͤßiger Thatigkeit leiſten kann, und ich weiß, daß raſche und geſchickte Saͤer das doppelte beſchicken koͤnnen. Allein auf die Dauer iſt das Säͤen eine angreifende Arbeit; und ein Säemann der durch gute Vertheilung mithin durch Erſparung der Saat ſo großen Vortheil bringen kann, muß bei guter Laune erhalten werden. Vernachläſſigt er ſich aber, ſo muß man ihn ab⸗ ſchaffen. Denn es iſt allerdings wichtig zu wiſſen, was man von den Saͤern erwarten kann, weil man darnach die Anſtellung mehrerer und die zum Un⸗ terbringen erforderlichen Arbeiten einrichten muß. Es iſt in groͤßeren Wirchſchaften haͤuſig der Gebrauch zwei Säer neben einander gehen zu laſſen. Sie muͤſſen ſehr gut zuſammen eingeuͤbt ſeyn, wenn dies guten Erfolg haben ſoll. Ich gebe lieber jedem ſeine beſondre Fläche. Das Ausſaͤen feinerer Saamen, die in kleiner Maſſe ſehr gleichmaͤßig ver⸗ theilt werden muͤſſen, erfordert noch groͤßere Geſchicklichkeit und Aufmerkſam⸗ keit als das Ausſäen des Getreides, und darf nur erprobten Leuten anver⸗ trauet werden. §. 13. Die Schwierigkeit in manchen Lokalitaten gute Säeleute zu erhalten, hat Siemaſchl⸗ Saͤemaſchinen beſonders wuͤnſchenswerth gemacht. Es ſind deren manche er⸗ funden und angeruͤhmt worden, ich kenne aber keine gleichverbreitende Saema⸗ ſchine nach eigner Anſicht ihrer Wirkung, ſondern nur nach Zeichnungen und Modellen, und habe keine Wirthſchaft geſehen, wo eine oder die andre einge⸗ fuͤhrt wäre. Man hat Säemaſchinen erſonnen, die bloß die Saat ausſtreuen; andre die ſie zugleich unterbringen. Erſtere koͤnnen ſehr einfach, und wie es mir ſcheint, zweckmäßig ſeyn. Letztere ſind ſehr zuſammengeſett, wandelbar und ſichern die gleichmaͤßige Vertheilung der Saat nicht genug. Ich zweifle indeſſen daß irgend eine Maſchine den Auswurf eines geſchickten Säers über⸗ treffe, gebe aber zu, daß ſie vor ungeſchickten große Vorzüge haben koͤnne. Etwas anderes ſind die Drill⸗ oder Reihen⸗Säemaſchinen · Indem ſie die Saat in Reihen legen, bahnen ſie den verſchiedenen Hack⸗Inſtrumenten den Weg. Ohne dieſe wuͤrde die Reihenſaat hoͤchſt fehlerhaft ſeyn, indem die Pflanzen nicht gleichmäßig vertheilt, ſondern in den Reihen ʒuſammengedraͤngt Was unter Getreide zu verſiehen ſey. 22 Die Saat. ſind. Nur durch die Wohlthat des Behackens und Heranbringung der Erde wird dieſer Nachtheil bei weitem uͤberwogen. Ich werde uͤber dieſe Beſtel— lungsmethode unten das Wichtigſte anfuͤhren, nachdem ich von der gewöhnli⸗ chen Beſtellungsart der Getreidearten gehandelt habe. Das Hervorkommen der Saat geſchiehet nach Beſchaffenheit ihrer Natur, dann aber auch des Bodens lund der Witterung, fruͤher oder ſpater. Alle Pflanzen treten hervor entweder mit einem zuſammengewickelten pfriemenfoͤr⸗ migen Blatte, oder mit zwei Saamenkoͤpſchen. Erſteres chun alle Gräſer und folglich die Getreidearten von denen wir nun zudoͤrderſt reden, und erſt im Allgemeinen etwas daruͤber ſagen. Im engern Sinne des Worts werden unter Getreide nur die halmtra⸗ genden oder grasartigen Fruͤchte verſtanden, die wir ihrer groͤßern und nahr⸗ baftern Saamenkoͤrner wegen bauen. Andre begreifen zwar die ſämmtlichen Fruͤchte darunter, welche der nahrhaften Koͤrner wegen hauptfächlich angebauet werden; da indeſſen jene eine ausgezeichnete Natur haben, worin ſie unterein⸗ ander mehr als mit den uͤbrigen uͤbereinſtimmen, ſo eignen wir das Wort Ge⸗ treide beſtimmter den grasartigen Kornfruͤchten an, und begreifen die ſammt⸗ lichen Kornfruͤchte beſſer unter den Namen Korn oder Koͤrner. Das Wort Korn, oder das gleichbedeutende in anderen Sprachen, wird zwar oft provinziel einer Art ausſchließlich beigelegt, naͤmlich derjenigen, welche die allgemeinſte Nahrung daſelbſt ausmacht. So heißt im nordoͤſtlichen Deutſch⸗ lande der Rocken, im ſuͤdweſtlichen und in Frankreich der Weizen, in andern Provinzen der Spelz, beſonders der enchuͤlſete, in Schottland der Hafer, in Amerika der Mais, Korn. Es iſt aber unrichtig und giebt zu Mißverſtänd⸗ niſſen Veranlaſſung, wenn man dieſes Wort, anders als in der Provinzialſprache des gemeinen Lebens, in dieſem Sinne gebraucht. Man hat dieſe Fruͤchte auch Cerealien genannt, weil ſie, nach den alten Mythen, Ceres den Menſchen kennen gelehrt oder geſchenkt hatte. Getreidearten. 23 Ob und wo ßie wild wachſen, und wo folglich ihr Vaterland ſey, iſt noch Charakter zweifelhaft. Denn, daß man ſie an einigen Orten ohne Kultur angetroffen habe, beweiſt nichts. Sie gleichen darin, und daß ſie vielleicht eben ſo ſehr arten. von ihrem natürlichen Zuſtande abgewichen ſind, den Hausthieren, die mit ihnen, dem Menſchen in alle Klimate folgten, und ſich an verſchiedene Lebens⸗ weiſe gewoͤhnten. Vor anderen Gräſern unterſcheiden ſie ſich ökonomiſch durch ihren groͤ⸗ ßeren oder mehlhaltigeren Saamen, und dieſer iſt der Grund ihres Anbaues. Denn nahrhaft und gleichartig in ſeiner Natur iſt der Saame vieler anderen Graͤſer auch, und wird wirklich zur Nahrung benutt, wie der Saame der Trespe und des Schwadens. Sie ſcheinen alle urſpruͤnglich und in wärmern Klimaten einjährig zu ſeyn, und es ſind nur einige durch die Kultur an Durchwinterung gewoͤhnt, da die Sommerzeit bei uns zu ihrer Reifung nicht zureichte. Sie haben mit den meiſten Gräſern die Neigung gemein, ſich zu beſtau⸗ den oder zu beſtocken, aus ihren untern Knoten Wurzeln, und ſodann neue Sproſſen und Halme zu treiben, beſonders wenn an dieſe Knoten friſche Erde gebracht, und ihr Schoſſen aufgehalten wird. Durch ſorgfältige Verhinderung des letztern kann man ſie ſogar mehrere Jahre erhalten und zur Bildung eines dichten Raſens noͤthigen. Durch Befoͤrderung ihres Beſtaudens und Abtrennung der Sproſſen kann man ihren Saamenertrag zu einer enormen Vermehrung bringen. So brachte der Irrlaͤnder Miller aus einem Weizenkorn— welches er im Junius ſteckte, indem er im Herbſte und im folgenden Fruͤhjahre mehreremal Ableger davon machte und verpflanzte— in einem Jahre 21,109 Aehren, und in ſelbigen 576,840 Koͤr⸗ ner hervor, und glaubt daß er dieſes noch weiter haͤtte treiben koͤnnen. Meh⸗ rere andere haben bei minderer Sorgfalt doch 40,000 Koͤrner aus einem in einer Jahresfriſt hervorgebracht, weswegen es lächerlich iſt, von einer 80 bis oofältigen Vermehrung gewiſſer Kornarten, als etwas bewundernswuͤrdigen, ohne naͤhere Angabe des Raums, des Bodens und der Kultur, reden zu hoͤren. Beſtandtheile der Getreide⸗ arten. 24 Getreidearten. Sie verbreiten einen Theil ihrer Wurzeln immer in der Oberflaͤche, uns verſchließen dieſe durch das dichte Gewebe derſelben, gehen jedoch auch beträcht⸗ lich in die Tiefe, wenn ſie Lockerheit und Nahrungsſtoff daſelbſt finden. (Vergl. uͤber den allgemeinen Charakter der Graͤſer, Crome's Handbuch der Raturgeſchichte fuͤr Landwirthe, Th. II. Bd. I. S. 150. und den beſondern der Getreidearten, daſelbſt S. 347.) . 66. Alle Getreidearten haben gleichartige naͤhere Beſtandtheile, die aber in ih⸗ rem quantitativen Verhaͤltniſſe, und gewiſſermaßen in ihrer Verbindung, bei den verſchiedenen Arten verſchieden ſind: a) Kleber oder Gluten. Er ward zuerſt im Weizen dargeſtellt und ihm allein beigemeſſen. Er iſt aber auch in den andern Getreidearten, obwohl in geringerer Menge und feſter mit dem Stärkemehle verbunden, vorhanden. Dieſe Subſtanz ſtimmt ganz mit der thieriſchen Materie uͤberein, iſt aus denſel⸗ ben Urſtoffen, wie dieſe zuſammengeſetzt, und verhaͤlt ſich in der Gaͤhrung und im Feuer eben ſo. Sie iſt daher wohl das kraͤftigſte Nahrungsmittel ſuͤr den thieriſchen Korper, und die Nahrungskraft des Getreides haͤngt, auch bei gleichem Gewichte ſeines Mehls, von der Quantität ab, worin dieſe Subſtanz in ſelbi⸗ gen befindlich iſt. Ihr Verhältniß iſt aber auch in derſelben Getreideart ſehr verſchieden. b) Staͤrkemehl. Es ſteht zwar dem Kleber in ſeiner Nahrhaftigkeit wahrſcheinlich nach, iſt jedoch ſehr naͤhrend und ſcheint die Verdaulichkeit des Klebers zu befoͤrdern. Ein Inſtinkt reize alle Thierarten zu ſeinem Genuſſe maͤchtig an, und ſie ziehen es auf die Dauer, ſo wie auch ſelbſt der Menſch, allen andern Nahrungsmitteln vor. Bloßer Kleber wird den Thieren bald widrig und macht ſie krank, wie man an den bei Stärkefabriken aufgeſtellten Maſtvieh nicht ſelten beobachtet hat. 0) Eine ſuͤße ſchleimige Materie, die nur in geringer Menge im Getreide vorhanden iſt, aber durch das Keimen oder Malzen vermehrt und aus dem Staͤrkemehl gebildet wird. Sie macht das Getreide zur weinigen und auch zur Eſſiggährung faͤbiger. Sie ſcheint in ihrer Nahrungskraft dem Starkemehle gleich zu kommen und die Verdaulichkeit des Klebers und der Stärke zu befordern. Im Getreidearten. 25 Im natuͤrlichen Zuſtande ſind dieſe drei Beſtandtheile nur miteinander ge⸗ mengt. Durch das Kochen und Brodbacken werden ſie inniger mit einander vereinigt und koͤnnen danach nicht mehr getrennt werden. Durch das Kochen entſteht eine kleiſterartige Maſſe, beim Brode aber geht eine Gaͤhrung vor, welche Kohlenſaͤure erzeugt und alles verdaulicher macht. d) Die Huͤlſen, welche aus Faſerſtoff hauptſaͤchlich beſtehen, der von der Verdauung unaufloͤslich ſcheint. Indeſſen enthalten ſie doch noch etwas auflosliche und gewiſſermaßen aromatiſche Materie, und uͤbertreffen in ihrer Nahrhaftigkeit wenigſtens das Stroh. e) Feuchtigkeit, welche auch in dem trockenſten Getreide vorhanden iſt, das Gewicht der Maſſe vermehrt, aber doch das ſpecifiſche Gewicht vermindert. Sie giebt keine Nahrung und bringt keinen Nutzen, befoͤrdert aber im groͤßern Maaße das Verderben des Getreides, weshalb es moͤglichſt trocken gehalten werden muß. Die kuͤnſtliche und ſtärkere Austrocknung, wie ſie in den noͤrd⸗ lichern Oſtſeeiſchen Gegenden vermittelſt der Darrſcheuern gebraͤuchlich iſt, be⸗ wirkt, daß ſich ſolches Getreide lange halten kann, insbeſondere wenn es in großen Haufen aufgeſchuͤttet wird, in welchen es weniger Feuchtigkeit wieder anziehen kann. Das ungedoͤrrte Getreide muß dagegen luftig und in flachen Lagern aufbewahrt und oft umgeruͤhrt werden, damit die Feuchtigkeit, welche es natürlich hat und immer wieder anzieht, verdunſten koͤnne. Es iſt nach ver⸗ ſchiedenen Bemerkungen glaublich, daß durch voͤllige Abſchneidung der atmos⸗ phaͤriſchen Luft Getreide unverderblich gemacht werden koͤnne, jedoch muß es vorher ohne Zweifel ſehr ausgetrocknet ſeyn. Dieſe Beſtandtheile ſind nicht nur in den verſchiedenen Getreidearten, ſondern auch in derſelben Art quantitativiſch verſchieden. Jahres⸗Witterung, Boden und Duͤngungsart, Reifegrad, Ernte, bewirken dieſen Unterſchied. Das auf naſſem Boden und bei naſſer Witterung gewachſene Getreide hat eine ſtrkere Huͤlfe, und dem zufolge in gleichem Volumen ein geringeres Gewicht. Aber auch die uͤbrigen Beſtandtheile koͤnnen, wie ſchon beim Kle— ber bemerkt worden, verſchieden ſeyn. Daher die Erfahrung, daß in einem Jahre das Getreide beſſer naͤhre wie im andern. Vierter Theil. D Gewicht. Ertrag. 26 Getreidearten. §. 45. Die Nahrhaftigkeit des Getreides ſtimmt zwar nicht vollig, aber doch ziemlich mit ſeinem Gewichte uͤberein und weit mehr als mit ſeinem Volu⸗ men, weswegen es viel richtiger waͤre, es nach ſeinem Gewichte als nach ſei⸗ nem Maaße zu kaufen, zu ſchaͤtzen und anzuwenden. Bei der Branntwein⸗ brennerei hat man dies endlich begriffen, und verſtändige Brenner meiſchen nur nach dem Gewichte ein. Da man gewoͤhnlich nur Maaße und keine Waagen zur Hand hat, ſo ſind die kleinen Probe⸗Waagen, die man in Verlin ſehr genau verfertigt haben kann, ſehr bequem. Das Gewicht der Getreidearten ſchwankt per Berliner Scheffel: beim Weizen zwiſchen„.. 84 und 96 Pfd. beim Rocken zwiſchen bei der zweizeiligen Gerſte zwiſchen. 65„ 84„ bei der kleinen Gerſte zwiſchen„ 55„ bei der Himmelsgerſte zwiſchen. beim Hafer zwiſchen.. 5 §. 18. Der Ertrag der Getreidearten richtet ſich bei gleich fruchtbarer Jahres⸗ witterung nach der im Boden befindlichen Kraft; und nach Verhaͤltniß ihrer Maſſe und ihrer nahrungsfaͤhigen Theile, entziehen ſie wiederum dem Boden ſeine Kraft, indem ihr Wachsthum und ihre Koͤrnervermehrung zwar nicht allein, aber doch zu einem großen, noch nicht beſtimmbaren Theile, durch die im Boden befindlichen vegetabiliſchen Nahrungsſtoffe bewirkt wird. Man hat den Koͤrnerertrag der verſchiedenen Getreidearten in ganzen Pro⸗ vinzen und Laͤndern auszumitteln geſucht, allein die Data woraus man die Durchſchnitte gezogen hat ſind pochſt truͤglich und geben folglich kein glaubwuͤr⸗ diges Reſultat, koͤnnen aber noch weniger auf einzelne Faͤlle und beſondere Kulturarten ruͤckwaͤrts wieder angewandt werden. Nach den Umſtaͤnden ſind die Erträge zuweilen in der Wirklichkeit weit unter, zuweilen weit uͤber jene Reſultate, ſelbſt im Durchſchnitt der Jahre. Getreidearten. 27 Im noͤrdlichen Deutſchlande nimmt man gewöhnlich bei der Dreifelder Wirthſchaft an: vom Weizen„7 Scheffel vom Rocken 6„ von der Gerſte 6 vom Hafer 5 mit Ruͤckſicht nämlich auf die Tracht nach der Duͤngung, worin dieſe Fruͤchte in der Regel gebauet werden. Im Durchſchnitt ganzer Länder, wo ein großer Theil des Aekers ſchlecht beſtellet wird, kann man aber ſo viel nicht annehmen, ſondern im Durchſchnitt nur 5 Scheffel per Morgen. Schwerz nimmt in Belgien nach ſeinen Noten— die aber, um ſolche Reſultate zu ziehen, nicht zureichend ſeyn moͤchten— per Magd. Morgen an: vom Weizen 11,00 Berl. Scheffel vom Rocken 12,5„„ von der Wintergerſte 17,96„ ⸗ bom ſi ⸗ Belgiſche Landwirthſchaft, Bd. I. S. 316. Er vergleicht damit die Reſultate, welche ſich aus den Fraktionen der vie⸗ len Youngſchen Annotationen auf deſſen nordlichen, öſtlichen und ſuͤdlichen Reiſen durch England ergeben, und berechnet das Medium generale des Ertrags in England— zu den damaligen Zeiten 1760 bis 1770— auf den Magde⸗ burger Morgen vom Weizen zu 9, 3 Berl. Scheffel vom Rocken zu„9,„ ⸗ von der Sommergerſte zu 12,60 vom Hafer zu„14,48„, Er beweiſet daraus den Vorzug der Belgiſchen landuͤblichen Landwirthſchaft vor der Engliſchen. Dieſen wird ihm im Concreto niemand abſprechen, ſelbſt die Englaͤnder nicht. Wenn er aber den, nur in einigen kleinen Diſtrikten Englands von Alters her gebraͤuchlichen und erſt neuerlich von den verſtaͤndigern Landwir⸗ then allgemeiner angenommenen Fruchtwechſel hier mit ins Spiel bringt, und aus jenen Datis beweiſen will, daß dieſer nicht ſo gut ſey, als ein andrer; ſo 2 N M N 3 Vegetation des Getreides. —— ₰ C. Getreidearten. iſt dies hoͤchſt inconſequent und zeigt, daß er Young nicht aufmerkſam geleſen und ſeine Tendenz nicht begriffen habe, welche gerade dahin gehet, zu zeigen, daß die gewoͤhnliche Wirthſchaft der durchreiſeten Gegenden noch ſehr unvollkom⸗ men ſey, und durch ein beſſeres Ackerſyſtem vervollkommnet werden koͤnne und muͤſſe. Häͤtte er den Durchſchnittsertrag, den Young von den verbeſſerten Wirth⸗ ſchaften angiebt,— beſonders in ſeinen ſpätern Reiſen, wo es ſchon mehrere ſolcher gab— ausgezogen, ſo wuͤrde das Reſultat ungefaͤhr geweſen ſeyn: vom Weizen 15 Schfl. per Morgen von der Gerſte 78„ gm Paer Rocken wird hier nicht gebaut. Ueber die Werthsverhaͤltniſſe der Getreidearten und ihre ausſaugende Eigen⸗ ſchaft iſt Bd. I. S. 235— 249 und Bd. II. in den vorſtehenden Bemerkungen ge⸗ redet worden. §. 19. In der Vegetationsperiode des Getreides ſind folgende Umſtaͤnde, Vor⸗ faͤlle und Vorkehrungen zu beachten und anzuwenden. Bei der Winterung haͤlt man es gut, wenn ſie nicht ſchnell hervorſticht, ſondern nach Verhaͤltniß der Temperatur lange in der Erde bleibt, weil ſich alsdann der untere Theil ihres Keims, die Wurzel, mehr entwickelt und ver⸗ ſtarkt. Ich habe bemerkt, daß die Saat bei guͤnſtiger Witterung auf tieferem Boden um drei Tage ſpäter hervorkam, als auf flachem. Wenn ungewoͤhn⸗ liche Duͤrre des Bodens Urſach iſt, daß der Saamen lange nicht zum Kei⸗ men koͤmmt, ſo kann man dies zwar nicht als vortheilhaft annehmen; es iſt jedoch auch nicht nachtheilig, als in ſofern die Vegetation dadurch zu ſehr verſpätet wird. Im Herbſte 1810 lief der zu Ende Auguſts geſaͤete Rocken erſt zu Ende des Oktobers, lag 7 bis 8 Wochen in der Erde, und viele ver⸗ zweifelten an ſeinem Aufkommen. Er lief aber nachher dicht genug und wuͤrde ein gedrungen ſtehendes Feld gegeben haben, wenn er ſich bei minderer Duͤrre des Fruͤhjahrs hätte beſtauden koͤnnen. Der Sommerung wuͤnſcht man dagegen ein ſchnelles Hervorkommen, da⸗ mit ſie vom Unkraute nicht uͤberwachſen werde. ESs iſt von guter Bedeutung, wenn die Saat Zleichzeitig und gleichartig bervorſticht. Kommt ſie allmählig und von ungleicher Stärke und Farbe her⸗ Getreidearten. 29 vor, ſo zeigt dies etwas fehlerhaftes an⸗ uebler iſt eine zweilaͤufige Saat bei der Soͤmmerung als bei der Winterung, weil A ſih im Frůbjahr eher aus⸗ gleicht, jene aber ungleich bleibt. Der austreibende Keim muß von dunkler orbe, beim Rocken rothbraun, beim Weizen braͤunlich, bei der Sommerung dunkelgruͤn, nicht gelblich ſeyn; letz⸗ teres zeigt eine kraͤnkliche Saat an, die ſich ſelten wieder erhohlt. Die dunkle Farbe der Saat muß ſich lange erhalten. Die ſich entwickelnden erſten Blätter muͤſſen kurz, maſtig, ziemlich ſtumpf an der Spitze, ſteif und elaſtiſch ſeyn, und ſich kraͤuſelnd winden⸗ Nach Entwickelung der erſten Blaͤtter bildet der Stamm uͤber der Wurzel einen Knoten; dieſer birſtet auf, und es treiben nach allen Seiten Nebenſproſſen aus. Je mehr dieſes geſchiehet um deſto ſtärkere Frucht kann man erwarten. Dieſe Sproſſen muͤſſen nicht ſchnell in die Höhe treiben, noch weniger ihre Blaͤtter ſchlaff herabhaͤngen laſſen, ſondern ſich ſteif und elaſtiſch uͤber der Erde ausbreiten, und, wie man es nennt, den Boden belegen. Ein ſchnelles und ſtar⸗ kes in die⸗Höhe⸗Treiben der Winterung mit hellgruͤner Farbe habe ich mehrere⸗ male als die Folge einer kurz vor der Saat untergebrachten, noch im Gährungs⸗ zuſtande befindlichen Duͤngung, bei feuchtem und warmen Herbſtwetter geſehen; eine Ueppigkeit, welche die nachtheiligſten Folgen hatte, und im Fruͤhjahr ein faſt gänzlich ausgewintertes Feld hinterließ. Solche Pflanzen ſcheinen mit Waſſer⸗ ſtoff unverhältuißmaͤßig gegen den Kohlenſtoff uͤberſättigt zu ſeyn. Ein ſtarkes Belegen der Saat auf jene Weiſe, vor Winter, ſcheint mir aber nie nachtheilig werden zu können, und wenn dann auch ihre Blaͤtter im Winter abfaulen, ſo bleibt doch der Stamm mit der Anlage der Nebenſproſſen geſund, und treibt im Fruͤhjahr ſchnell wieder aus. 2 2§. 20. Die Saat kommt in verſchiedenem Zuſtande in den Winter, zuweilen un Durchuint⸗ gekeimt, zuweilen eben hervorſtechend, in regulairen Wirthſchaften wohl immer'un. mehr oder minder beſtaudet. Während des eigenttichen Winterfroſtes habe ich ſie in keinem Zuſtande erfrieren ſehen. In dem heftigſten aller Blach⸗(ſchnee⸗ loſen) Froſte 1803 that es keine, die ich beobachten konnte; aber weißen Weizen hatte ich nicht Gelegenheit zu ſehen. Alle Saat hatte zwar im Frühjahr ein Austritt aus dem Winter. 30 Getreidearten. kuͤmmerliches Anſehen, die beſtaudete hatte alle ihre Blätter verloren, die an⸗ fangs weiß, nachher halb verfault auf dem Acker lagen; von den juͤngern ſahe man gar nichts. Auch dauerte es mit dem Rocken bis zu Ende Aprils, mit dem Weizen bis zu Ende Mays, ehe er friſche gruͤne Triebe zeigte. Denn der Froſt war uͤber 3 Fuß tief in die Erde gedrungen, und zog allen Waͤrmeſtoff an, den die Atmoſphaͤre abſetzte. Dann aber trieben die Pflanzen ſchnell und kraͤftig wieder aus. Nur wo der Boden Riſſe bekommen hatte, in welchen man das Bein zu brechen Gefahr lief, gab es Fehlſtellen, die ſich aber doch ziemlich wieder ausglichen; und dann war der Rocken auf Sandruͤcken weg, wo er ſich nicht vor Winter beſtaudet hatte, der ſtrenge Oſtwind mit dem Sande ſpielte, und die Wurzeln voͤllig entbloͤſite. Unter einer Schneedecke hält ſich die Saat freylich immer beſſer, beſonders wenn die Oberfläche bevor der Schnee faͤllt, etwas erſtarrt iſt. Sie waͤchſt dann darunter fort, und die kurz zuvor eingebrachte kommt darunter heraus. Der Winterfroſt mag ſo ſtrenge und ſo anhaltend ſeyn, wie er wolle, ſo leidet die bedeckte Saat nicht dabei, und die ſtrengſten Winter haben faſt immer die ſtärk⸗ ſten Winterungsernten zur Folge gehabt. Gelinde und ſehr wechſelnde Winter ſind ihr auf feuchtem Boden geſährlicher; aber dieſe Gefahr wird durch gute Abwäſſerung auch gehoben. Jeboch kann ſie es durchaus nicht ertragen, daß der Schnee zuſammen gepreßt werde, und wo auf hohem Schnee ein Fahrweg oder Fußſteig daruͤber gemacht worden, gehet ſie groͤßtentheils weg. Weit gefaͤhrlicher, und die gefährlichſte unter allen, iſt die Periode des Aufgehens des Schnees und Froſtes ſuͤr die Saat. Sie kann erſaͤuft werden, wenn der Schnee ſchnell mit Regen aufgehet, das Waſſer in Heſſeln gar keinen Abzug hat oder die Graben von gefrornem Schnee ſo voll ſind, daß man ſie nicht zum Zuge bringen kann. Hier rettet oft die groͤßte Thätigkeit des Land⸗ wirths nur, wenn er mit allen Kraͤften den Abzug herzuſtellen ſucht; zuweilen aber iſt es unmoͤglich. Auf durchlaſſendem Boden kann man zuweilen hoffen, daß das Waſſer einzieben werde, bevor die Pflanze erſtickt wird; aber nicht wenn der Froſt tief in den Untergrund eingedrungen iſt. Getreidearten. 31 Aber noch gefaͤhrlicher wird die Aufdauungsperiode der Saat, wenn es langſam und wechſelnd damit geht; beim Sonnenſchein am Tage und Froſt in der Nacht, und um ſo mehr, wenn dazwiſchen noch Schnee faͤllt, der bald von der Sonne weggeſchmolzen wird. Die oberſte aufgedauete Erdlage wird vom Waſſer uͤberfullt, welches des Froſtes wegen nicht tiefer einziehen kann; es ge⸗ friert des Nachts, hebt die Erdrinde in die Hoͤhe und mit derſelben die Pflanze. Bei Tage dauet es wieder auf, die Erde ſenkt ſich wieder, aber die leichtere Pflanze bleibt hervorſtehend. In den folgenden Naͤchten und Tagen geſchiehet das wieder und die Pflanze iſt nun mit ihren Wurzeln ganz herausgehoben, und dieſe ſind auch wohl abgeriſſen, wenn der tiefere Froſt ihre Spitzen feſt bielt. Einer ſolchen Witterung kann auch die kräftigſte Saat nicht widerſtehen, jedoch eine ſtark beſtaudete beſſer als eine ſchwache. Die Gefahr iſt um ſo groͤßer je poroͤſer der Boden iſt. Eine ſolche Thauzeit hatten wir im Marz 1804, und das war die einzige Urſach des Miswachſes und des Kornmangels in dieſem ſonſt der Vegetation guͤnſtigen Jahre. 5. 22. Man wird im Fruͤbjahre, wenn die Saat ſich nicht deutlich oder zu duͤnne Zweifelhafter zeigt, leicht zu ſehr beſorgt, daß ſie ganz oder doch zu viel ausgewintert nnn nm ein eintraͤgliches Fruchtfeld zu geben und entſchließt ſich dann uͤbereilt zum Umpfluͤgen. In keinem Jahre ſind die Landwirthe, meines Gedenkens, ſo be⸗ ſorgt und ſo unentſchloſſen geweſen, was ſie dabei thun ſollten, als 1803. Es fand ſich aber nachher, daß die meiſten, die umpfluͤgten und Gerſte einſaͤeten, es nachher bereneten, indem die ſtehend gebliebene Winterung noch immer einen ſtaͤr⸗ kern Ertrag gab, als die an ihre Stelle getretene Gerſte, von welcher man unter die⸗ ſen Umſtänden ſelten einen erheblichen Ertrag hatte; wogegen Hafer beſſer gerieth. Den Hafer hat man zuweilen uͤber ein ausgewintert ſcheinendes Weizenfeld geſaͤet und ſcharf eingeegget; den Weizen und Hafer zuſammen geerntet, eine gute Ernte im Ganzen gemacht, von jenem aber doch mehr als von dieſem gewonnen. Es ſind deshalb die Erfahrungen Mecklenburgiſcher Landwirthe, welche in dem zweiten Theile der Annalen der Mecklenburgiſchen Landwirthſchafts ⸗Geſell⸗ ſchaft aufbewahrt ſind, ſehr merkwuͤrdig. Vergl. Annalen des Ackerbaues, Bd. V. S. 191.) Austrieb der Saat im Fruͤhjahre. 32, Getreidearten. & Man hat auch daſelbſt das kraͤftige Aufeggen der Saat nach Abtrocknung des Bodens im Fruͤhjahr ſehr wirkſam befunden; unerachtet die Leute beſorgten, daß dadurch der Reſt der ſchwachen Pflanzen nun völlig zerſtort werden wuͤrde. Dies iſt ohne Zweifel die hoͤchſte Woblthat, welche man jeder Winterung an⸗ gedeihen laſſen kann. Es muß aber ſo kräftig geſcheben, daß der ganze Acker mit einer friſchen Krume bedeckt werde und alſo mit eiſernen Eggen. Es iſt in jedem Falle anwendbar, außer in dem oben erwaͤhnten, wo die Pflanzen aus der Erde herausgehoben werden, in welchem vielmehr das Walzen anzuwenden iſt. Ein trockner und milder Maͤrz— Maͤrzſtaub— iſt den Winterſaaten und der Vorbereitung zu den Sommerſaaten uͤberaus guͤnſtig. S. 23. Auch im Frähjahre muß eine gute Saat mehr in Hebenſchüe als in die Hoͤhe treiben, ſich auf dem Boden verbreiten und erſtarken. Hierzu traͤgt zwar die Natur einer geſunden ſtarken Saat, welche ſchon im Herbſt ſich zu Beſtau⸗ den angefangen hatte, vieles bei; aber die Witterung muß guͤnſtig, die Wärme im April und im Anfange des Mais ſehr gemaͤßigt ſeyn, und Regen nicht ſeh⸗ len, wenn es aufs vollkommenſte geſchehen und der Grund zu dichtem und ſtark⸗ halmigen Getreide gelegt werden ſoll. Durch die gehoͤrig und zu rechter Zeit angewandte Operation des Eggens wird es ſehr befoͤrdert, indem die friſche Krume, in welche die jungen Wurzeln einſchlagen koͤnnen und die leichte Verwundung der Pflanzen die jungen Austriebe der Nebenſproſſen hervorlocken. Treiben dage⸗ gen die Pflanzen jetzt mit einem oder wenigen Halmen ſchnell und wie man es nennt, ſpitz in die Hoͤhe, wie dies bei ſchnell eintretender hoher Temperatur und Mangel an Regen zu geſchehen pflegt, ſo wird die Saat nie dicht, und wenn nun auch in der Folge Nebenhalme, ſogenannte Maipflanzen, nachkommen, ſo werden doch dieſe, wenn ſie einmal gegen die Haupthalme zuruͤckgeblieben ſind, nie bedeutende Aehren tragen. Nicht der dichte Stand der Pflanzen, ſondern dieſes Verbreiten und gleichmäßige Aufſchießen der Sproſſen, entſcheidet uͤber die Stärke, welche das Getreide erlangen wird, und hier ändert ſich der Anſchein oft plötzlich. Ein dicht mit Pflanzen beſeßter zu Anfange des Mais hervorſchei⸗ nender Acker, geht oft, gerade des dichten Standes wegen, ſpitz in die Höhe und zeigt im Innius einen ſchwachen Beſat an Aehren, wogegen ein anderer, dem Getreidearten. 33 dem es am Pflanzenſtamme zu ſehlen ſchien, nun einen gedrängten Stand der Halme und Aehren darbietet— eine Erfahrung, welche gewiß die meiſten Land⸗ wirthe gemacht aber wenige beherzigt haben; indem die meiſten nur recht gedrängt ſtehende Pflanzen im Herbſte und im erſten Frubjahre wuͤnſchen, unbekuͤmmert, ob dieſe Pflanzen, einzeln betrachtet, die Merkmale von Kraft und Austriebs⸗ Neigung haben. Der entfernte Anblick eines Saatfeldes truͤgt daher gewaltig, nur die Uebergehung deſſelben, den Blick auf einzelne Pflanzen gerichtet, kann ein ſicheres Urtheil uber ſeine Ergiebigkeit begrüͤnden. §. 24. Je langſamer das Aufſchießen der Halme und das Hervortreiben der Aehre Schoſſen des geſchiehet, deſto beſſer iſt es. Eine darin voreilende Saat wird nie die ergiebig⸗ Getreides. ſte werden. Das Austreiben der Aehren muß dann aber gleichmaͤßig uͤber das ganze Feld geſchehen; weswegen man einen kuͤhlen und feuchten Mai wohlthaͤtig fuͤr die Saaten haͤlt. In dem Zeitpunkte, wo ſich die Aehre zeigt, hat das Getreide die Hälfte ſeiner kunftigen Hoͤhe erreicht; wenigſtens habe ich das beim Rocken immer zutreffend gefunden. Es kommt aber eben ſo ſehr auf die Stärke der Halme, beſonders an dem untern Theile, als auf die Hoͤhe an. Nur unter der Bedingung, daß die Hal⸗ me auch verhältnißmaͤßig ſtark ſind, ſteht die Länge der Aehre mit der Laͤnge des Strohes im Verhaͤltniß, ſo daß die Aehre ungefähr ſo viele Zolle als der ganze Halm Fuße hat. Duͤnne ſchmächtige Halme erreichen oſt eine beträcht⸗ liche Groͤße, tragen aber kleine Aehren. Die Knoten des Halmes muͤſſen dick und braun, die Blätter maſtig, dunkelgruͤn und ſteif ſeyn⸗ Beim ferneren Austreiben der Aehren und dem Eintritte der Bluͤthe, muß das Getreide eine ebene Flaͤche mit den Spitzen ſeiner Aehren bilden. Einzelne hervorragende und andere zuruckbleibende Aehren ſind von ſchlechter Vorbedeu⸗ tung fuͤr den Ertrag. §. 25. Die Blutezeit iſt eine abermalige kritiſche Periode fuͤr das Getreide. Bei Bläthe des anhaltender feuchter Witterung geht die Befruchtung ſchwer und unvollkommen Getreides. vor. Darum iſt trockene und warme Witterung, nur durch einzelne Gewitter⸗ regen unterbrochen, im Junius erwuͤnſcht. Vor allen hat ſie Einfluß auf den Vierter Theil. E Das Lagern. Krankheiten. 34 Getreidearten. Rocken, weswegen ich beſonders davon reden werde. Indeſſen iſt es zu bewun⸗ dern, wie ſehr kraͤftiges Getreide auch dieſer Wiederwärtigkeit gegen ſchwächeres widerſtehe. In und nach der Bluͤtezeit tritt die Gefahr des Lagerns ein. Wenn ſich Getreide ſruͤher lagert ohne von ſtuͤrmiſchen Platzregen oder Schloſſen niedergewor⸗ fen zu ſeyn, ſo ruͤhrt es von uͤbertriebener Geilheit des Bodens her, die der ver⸗ ſtändige Landwirth vermeidet. Iſt es gewaltſam niedergeſchlagen, ſo hat es vor der Bluͤte wenig zu bedeuten; es richtet ſich wieder auf, indem es ein Knie macht. F. 26. Das Lagern, welches von gewoͤhnlichem Regen erfolgt, iſt um ſo ſchlimmer je fruͤher es geſchiehet. Es iſt nicht immer der dichte Stand der Halme ſondern auch eine Schwaͤche und Kraͤnklichkeit der Pflanze daran Schuld. Denn man findet oſt ein ſchwaͤcher beſetztes Feld gelagert, wenn ein dichter beſetztes dane⸗ ben aufrecht ſtehet. Starke Duͤngung mit mangelhafter und flacher Beackerung, ſehr dichte Saat giebt am haͤufigſten Lagergetreide; wogegen ein recht gut und tief bearbeiteter Acker und mehr beſtandete, als in der Jugend gedraͤngte Pflan⸗ zen dagegen ſchuͤtzen. Hier hat der Stamm des Halmes unten mehrere Staͤrke, dort iſt er zu ſchnell in die Hoͤhe getrieben und hat ſeine Laͤnge und vielleicht die Staͤrke ſeiner Blaͤtter auf Koſten ſeiner Stärke am Stamme bekommen; alles geile Getreide zeigt ein Ueberverhaͤltniß des Waſſerſtoffs gegen den Kohlen⸗ ſtoff und folglich Schwaͤche an. Bei dem vorgeſagten iſt zwar hauptſaͤchlich Ruͤckſicht das Winterge⸗ treide genommen worden, es findet aber ebenfalls in den meiſten Punkten ſeine Anwendung auf das Sommergetreide. Das beſondere wird bei jeder Getreide⸗ art bemerkt werden. K 2 Unter den verſchiedenen Krankheiten, welche das Getreide, ſo wie manche andere Pflanzen, doch in verſchiedener Form, waͤhrend ihrer Vegetation treffen, ſind folgende die gewoͤhnlichſten und die merkwuͤrdigſten. Das Verſcheinen und Verbleichen der Saat, wo die Pflanzen vötzich eine weiße oder gelbe Farbe, wie bei ihrer voͤlligen Reifung annehmen, und bald ganz duͤrre werden. Getreidearten. 35 F. 28. Theilweiſe am Gipfel der Pflanze oder an der Aehre erfolgt dies zuweilen von ſpäten Nachtfroͤſten und Reifen. Dieſer Gefahr ſind die dem Nordwinde“ ausgeſeßten Seiten und Anhoͤhen der Felder unterworfen; noch mehr aber feuch⸗ te Gruͤnde und vor allem die mit Holz umgebenen Felder, wo geſrorne Duͤnſte ſich am ſtaͤrkſten niederſchlagen und durch ploͤtzliche Erkältung toͤdlich auf die jun⸗ gen Aehren wirken. Ein anderes Verbleichen der ganzen Pflanze oder das eigentliche Ver ſchei⸗ nen erfolgt auf duͤrrem Boden von ſtarker Hiße beim Regenmangel. Es triſt nicht immer die ſandigſten, ſondern mehr ſolche Felder, die nur ſehr flach ge⸗ pfluͤgt ſind, aber gar nicht ruhen ſondern immerfort beackert werden, und die man dabei ſtark und mehrentheils friſch, kurz vor der Beſtellung dungt; am al⸗ lermeiſten wenn es mit Pferdemiſt geſchiehet. Ich kenne Feldfluren wo es in jedem trockenen Sommer das Schickſal des Rockens iſt, welches die Ackerleute daſelbſt fuͤr unvermeidlich halten. Ruhe oder Eindreiſchen des Ackers, tieferes Pfluͤgen und Ueberſtreuen der Saat mit Duͤnger wuͤrden aber unfehlbare Mittel dagegen ſeyn. Vergl. Wilrich uͤber das Verſcheinen der Saaten Riederſaͤchſ. Annalen Jahrg. IV. St. III. S. 54. §. 29. Es giebt aber ein Verbleichen des Getreides, welches von dem Ver⸗ Das Verble⸗ ſcheinen ganz verſchieden iſt und bei uns nicht haͤufig, nur in gewiſſen Jahren und mehr auf feuchten als auf trockenen Stellen vorkommt. Die Englaͤnder nennen es che Blight, die Franzoſen la Coulure. Es iſt eine ſchnelle Läh⸗ mung ber Lebensthaͤtigkeit, ein ploͤtzliches Abſterben, ein toͤdlicher Schlagfluß der Pflanzen. So wie ich dieſe Krankheit in dem regnigen aber warmen Sommer 1802 beobachtet habe, entſtand ſie fleckweiſe an feuchteren Stellen; heute war eine Stelle von einigen Fußen bleich geworden, morgen 30 bis 40 Quadratru⸗ then umher. Die Pflanze war ganz weiß und voͤllig duͤrre, ließ ſich leicht aus der Erde ziehen mit ihren großen Wurzeln, die eben ſo weiß und duͤrre waren; aber die feinen Haarwurzeln blieben in der Erde. Es zeigte ſich in jenem Som⸗ mer das Uebel auf andern Feldmarken noch haͤufiger wie auf der meinigen, und E 2 36 Getreidearten einige ſchoben es auf ein gewiſſes Inſekt. Ich habe aber durchaus kein Inſekt oder Beſchaͤdigung an den Pflanzen gefunden, woraus ich das ſchnelle Abſterben baͤtte erklären koͤnnen. Ein elektriſcher Zuſtand der Luft oder ein ſchnelles Wech⸗ ſeln der poſitiven und negativen Elektricität zwiſchen den Luftſtroͤmen und der Erde, den manche Anzeigen verriethen, unerachtet kein ausbrechendes Gewitter Das Befallen. nahe war, ſchien mir die Urſach zu ſeyn. Dem Wetterleuchten hat man längſt eine nachtheilige Wirkung auf alle Saaten, beſonders in der Blůtezeit beigemeſſen. §. 3o. Der Honigthau, das Befallen, die Lohe, der Roſt, ſcheinen mir nahe verwandte Krankheiten oder doch wenigſtens eines Urſprungs zu ſeyn: Landwirthe verſtehen unter dem Befallen und Lohe, den Honigthau und den Roſt und auch mir ſcheint letzterer immer eine Folge des erſtern zu ſeyn. Der Honig⸗ thau iſt eine klebrige, ſuße, dem Honig ſehr aͤhnliche, und folglich auch den Bie⸗ nen ſehr angenehme Feuchtigkeit, die aus den Pflanzen ausſchwitzt. Denn daß ſie vom Himmel herabfalle, wird jetzt wohl niemand mehr glauben, da ſie ein Gewaͤchs ganz uͤberzieht und ein dicht daneben ſtehendes vollig ſrei davon iſt. Indeſſen liegt die veranlaſſende Urſach ohne Zweifel in der Atmoſphäre, und das Uebel entſteht, wenn in der Mitte des Sommers und bei dem vollſaftigen Zu⸗ ſtande der Pflanzen, in und nach der Bluͤthe, ſchneller Wechſel der Luft vor⸗ gehet, auf Waͤrme plotzlich Kaͤlte folgt, und iſt eine Erkältungskrankheit der Pflanzen. Auf einigen Pflanzen z. B. auf den Bohnen erzeugen ſich dann ſo⸗ gleich eine Menge von Inſekten, Aphiden, die wohl unbezweifelt die Folge, aber nicht die Urſach der Krankheit ſind. Bei dem Getreide bemerkt man nur ein kleines rothes Inſekt aber nicht haufig. An der ganzen Pflanze äußert ſich aber eine Entkräftung, ihre Vegetation und fernere Ausbildung ſtockt. Erfolgt bald eine guͤnſtigere Witterung und beſonders ein wohlthaͤtiger Regen, ſo erholt ſich die Pflanze manchmal wieder. Jedoch bekömmt ſie gewoͤhnlich gelbe Flecke an den Stengeln und Blaͤttern, die immer brauner werden, dann platzen und einen braunen Staub von ſich geben. Dies nennt man eigentlich den Roſt, und ich habe ihn faſt immer als Folge des Honigthaues gefunden. Die Botaniker haben ihn längſt fuͤr kleine Blattſchwämme gehalten, und der Praͤſident der engl. Aka⸗ demie der Wiſſenſchaften, Joſepb Banks, hat dieſes Uebel, welches oft, de⸗ — Getreidearten. 37 ſonders in dem Jahre 1804, ſo große Verwuͤſtungen in England anrichtetk, in Anſehung ſeiner Geſtalt neuerlich genau beſchrieben, und unter ſtarker Vergrö⸗ ßerung genau abbilden laſſen, in welcher man freilich die Form der Schwamme erkennt.(Die Abhandlung ſteht uͤberſetzt in No. 1. der Landwirthſchaftlichen Zeitung vom Jahre 1806.) Die Botaniker halten es für ein jeder Pflanzenart eigenes paraſitiſches Gewächs, Aecidium genannt. Mir iſt es bis jetzt noch wahrſcheinlicher daß es eine Hautkrankheit ſey, die bei den Pflanzen, wie bei den Thieren, ihre determinirte Form haben. Nimmt die Krankheit uͤberhand, ſo zehrt die Pflanze ab, und ſetzt keine oder ſehr zuſammengeſchrumpfte Koͤrner an. Die große Hoffnung welche man auf eine Frucht ſetzte, geht plotzlich verloren. Die Krankheit iſt in gewiſſen Klimaten und Gegenden häufiger, beſonders in ſolchen, wo es viele Nebel giebt. Gewiſſe Feldmarken, die an Mooren an⸗ grenzen, werden davon foſt alljährig heimgeſucht. Aber ſonderbar iſt es, daß der Berberitzenſtrauch dieſes Uebel, oder doch ein ſehr aͤhnliches, in ſeiner Nach⸗ barſchaſt auf einem ſehr weitem Umfange erzeugt. Die Thatſache iſt nicht zu bezweifeln, denn es ſtimmen gar zu viele Beobachtungen aus allen Zeiten und von allen Nationen darin uͤberein. Aber wie die Berberitze wirke, iſt noch nicht beſriedigend erklaͤrt. Mein ſeliger Freund Einhof hat hier viele Verſuche ange⸗ ſtellt, Getreide mit dem Aecidium zu inficiren, indem er ganz damit bedeckte Zweige der Berberitze, friſch abgeſchnitten, uͤber das Getreide ſchuͤttelte, oder ßie dazwiſchen ſteckte; aber er hat nie ſeinen Zweck erreicht. Es iſt alſo nicht die Mietheilung dieſes Staubes, ſondern das wirkliche Wachſen der Berberitze in der Nähe eines Kornfeldes, was die Krankheit hervorbringt. Auch hat man das Uebel nicht bemerkt, wenn junge Berberitzenhecken gepflanzt waren, ſondern erſt nachdem ſie heranwuchſen, und dann vermehrte es ſich in ſeinem Umfange von Jahr zu Jahren, bis man die Berberitzen ausrottete. Nun war es gleich weg. Der Mehlthau, wo die Pflanzen mit einem weißen Anfluge befallen wer⸗ den, aͤußert ſich bei dem Getreide nicht, aber deſto oͤfter bei den Huͤlſenfruͤch⸗ ten, und ſcheint eine gleiche Urſach mit dem Honigthau zu haben, wird auch im Ramen oſt damit verwechſelt. Er befaͤllt die ihm ausgeſetzten Gewaͤchſe aber nicht in ihrer Jugend, ſondern im reifern Alter, und dieſes, nicht die Jahreszeit, ſcheint die Pflanze fuͤr die Krankheit empfaͤnglich zu machen. 38 Getreidearten. 631 Ganz berichtigt ſind die Begriffe von den Krankheiten der Pflanzen noch nicht. Landwirthe hatten nicht den Sinn, Naturforſcher nicht die Gelegenheic, keiner die Muße, ſie im ganzen Umfange ihrer Erſcheinungen zu beobachten. Einer hat den anderm nachgeſprochen, haͤufig iſt aber durch Verwechſelung der Be⸗ griffe und Namen, alles auch mißverſtanden. Jetzt beſorge ich, daß man auf einen neuen Irrweg verfalle, wenn man zu viele Analogie zwiſchen den Krank⸗ Vorbereitung zur Ernte. heiten der Pflanzen und Thiere finden will. Ich enthalte mich alſo mehr dar⸗ uͤber zu ſagen. Von den Krankheiten welche gewiſſe Koͤrner befallen, werde ich an ihrem Orte reden. So uͤbergehe ich auch die Inſekten, welche oft große Verwuͤſtungen im Ge⸗ treide und anderen Saaten machten. Mein geliebter Schwiegerſohn Crome iſt jetzt beſchäftigt ſie genauer zu beſtimmen, und die Weiſe ihres Lebens zu unter⸗ ſuchen; und wir haben daruͤber im Zten Theile ſeines Handbuchs der Naturge⸗ ſchichte fur Landwirthe etwas vollſtaͤndigeres zu erwarten, als wir bisher hatten. Di §. 32. des Getreides und der Kornfruchte iſt allerdings die weſentlichſte Operation des Ackerbaues, und wir betrachten hier ſummariſch die Hauptmomente, worauf es dabei ankömmt, ohne uns auf das kleinere Detail, welches entweder jedem Leſer ſchon bekannt ſeyn wird, oder ihm doch hier nicht gelehret werden kann, ein⸗ zulaſſen. Die Hauptbedingungen eines guten Erntegeſchaͤftes ſind: daß es geſchwind gehe, daß der Ausfall der Koͤrner vermieden werde, daß die Fruͤchte in ihrem gehoͤrigen Reifegrade trocken einkommen. Dieſe Bedingungen, beſonders die erſte und die zweite ſtehen ſich in der Praxis leider oft einander entgegen. §. 33. Um allen Aufenthalt und Hinderniſſe in der Ernte zu vermeiden, muß der Landwirth alle Vorkehrungen dazu zeitig genug treffen: Ausbeſſerung und Aus⸗ luͤftung der Scheuren, Erneuerung der Unterlagen in den Taſſen, Inſtandſetzung Die Ernte. 39 alles Geſchirres, wovon mehr als die Nothdurft zu erfordern ſcheint, vorhanden ſeyn muß; Einrichtungen im innern Haushalt, damit nichts fehle, und mit Auf⸗ enthalt der Erntearbeiten herbeigeſchafft werden vorherige Beſeitigung atler anderen unauſſchieblichen Arbeiten. Die Verfertigung der Strohſeile oder anderer Baͤnde aus Schilf oder Wei⸗ den, muß vor der Ernte ſo geſchehen, daß ſie in genugſamer Menge vorhanden ſeyen; denn das Gebinde in eignes Stroh zu binden, wird kein aufmerkſamer Landwirth geſtatten. §. 34. Die Herbeiſchaffung der noͤthigen Arbeiter iſt die Hauptſorge in den meiſten Erntearbeiter. groͤßern Wirthſchaften, welche keine oder wenige Handfrohnen haben; ſie iſt um ſo größer, je weniger regulaire Arbeiter außer der Zeit gebraucht werden. In ſolchen Fällen muß man einen ſicher zureichenden Ueberſchlag machen, von der Zahl die man gebraucht und ſich dieſe auf jede Weiſe zu ſichern ſuchen. Das gewoͤhnlichſte Mittel iſt, den Arbeitern Land zu vermiethen, um es mit gewiſſen Fruͤchten, Kartoffeln, Lein, Taback u. ſ. f. zu beſtellen, unter der Bedingung, daß ſie die Landmiethe in der Ernte nach bedungenen Saͤtzen abarbeiten ſollen, widrigenfalls die Fruchte verfallen ſeyen. Es iſt, genau berechnet, mehrentheils koſtſpielig, aber oft das einzig zuverläſſige. In Anſehung des Voranſchlages der Erntearbeit hat man mancherlei allge⸗ meine Annahmen, die aber nur oͤrtlich zutreffen koͤnnen. So nimmt man an, daß auf 300 Morgen, wovon 2 mit Winterung, 4 mit Soͤmmerung beſtellt ſind, 6 Männer und 8 Weiber erforderlich find. Hierbei nimmt man als Arbeitsſätze an, daß ein Mann täglich 3 Morgen von ſtärkerem, 3 ½ Morgen von ſchwächerem Getreide und 2 Morgen Erbſen mähe. Zum Harken und Bin⸗ den werden, nachdem das Getreide ſtark oder ſchwach iſt, 3 bis 5 Weiber auf 3 Morgen erfordert Ein Geſpann von vier Pferden fährt täglich 80 Mandeln Winterung und 100 Mandeln Sömmerung ſtarken Bundes ein; bei mäßiger Entfernung des Feldes und mit Wechſelwagen. Zum Aufladen und Nachharken werden auf 2 Geſpann 1 Mann und 1 Frau erfordert. Zum Abladen und Taſ⸗ ſen 3 Maͤnner und 3 Frauen. Indeſſen leiden dieſe Sätze nach der Thätigkeit der Menſchen und ch den verſchiedenen mehr auf Sorgfalt oder mehr auf Erntemethr deh. 5 40 Die Ernte. Schnelligkeit berechneten Methoden große Abaͤnderungen, und man kann ſie in koncreten Fällen nur nach der Lokalitaͤt beſtimmen. Auch kommt es bei der Zahl der Menſchen, die man gebraucht, ſehr auf die Witterung an, ob ſie eine Be⸗ ſchleunigung der Ernte erfordert, oder ſie verzogert. §. 35. Die Methoden der Ernte ſind ferner ſehr verſchieden und dann ſchwer ab⸗ änderlich, wenn man nicht eben unter fremden, ſogenannten Schnitter⸗Jahnen die Wahl hat, ſondern die Ernte mit Einheimiſchen verrichten muß. Sie ſind kei⸗ neswegs gleichgultig, und eine hat beſonders in dieſen, andere in jenen Stuͤcken einen Vorzug. Allein die einzelnen Operationen des Abbringens, Sammlens, Harkens, Bindens, Aufſetzens, Ladens und Taſſens, greifen oſt ſo in einander, daß man alles abaͤndern muß, wenn eines abgeändert wird. Wenigſtens iſt dies wohl zu erwaͤgen, und dann: daß bei dieſem Geſchäfte keine Uebung der Arbeiter in den ihnen ungewohnten, wenn gleich wirklich leichteren Handgriſſen ſtatt finden. Ferner: daß man den Frohſinn der Menſchen, der ihnen in der Ernte die angeſtrengteſte Arbeit ertraͤglich macht, gewoͤhnlich durch jede Neuerung erſticke und ſie verdroſſen mache. Sie haben bei ihrer gewehnten Art zu verfah⸗ ren hundert kleine Spaͤße, die ſie munter erhalten und die man ihnen nimmt, wenn man etwas anderes, wobei ſie freilich in anderen Gegenden eben ſo luſtig ſind, auſdringt. Findet man es aber dennoch gerathen, etwas anderes in der Erntemethode einzuſuͤhren, ſo ſorge man wenigſtens dafuͤr, daß die Vorarbeiter Das Abtra⸗ gen. ſchon darin eingeuͤbt ſeyen, und daß insbeſondere der Arbeitsauſſeher die Sache aus dem Grunde und in Anſehung jedes kleinen Handgriffs verſtehe. Wir werden uns nicht bei der Beſchreibung der verſchiedenen Methoden und Handgriffe aufhalten, da dieſe immer nur ſehr unvollkommen gegeben und ver⸗ ſtanden werden koͤnnte; ſo leicht ſie durch eigene Anſicht begriffen und erlernt werden koͤnnen. Ich werde nur der Hauptarten erwaͤhnen. §. 36. Das Abbringen des Getreides geſchiehet mit der Sichel durch das Schnei⸗ den, und mit der Senſe durch das Maͤhen oder Hauen. Das erſtere hat den Vorzug der ſchonendern Behandlung wegen des Ausfalls— wenn es anders von geſchickten Leuten gehoͤrig verrichtet wird— das zweite den der Schnelligkeit und Arbeits⸗ Die Ernte. 41 Arbeitserſparung. Es hat wohl keinen Zieiſel, daß beſonders bei ſtarkem, halb⸗ gelagerten und verworrenen Getreide jener dieſen uͤberwiege und die Erſparung des Ausfalles die mehreren Koſten reichlich decke, wenn man Schnitter genug pat und das Abbringen ſo ſchnell als es noͤthig iſt, und als es mit der Senſe geſchehen koͤnnte, vollfuͤhren kann. Allein wo man, um des Schneidens willen, eine oder andre Getreideart uͤberreif werden laſſen muß, da geht dieſer Vortheil ganz verloren, und der Ausfall wird oft ſtärker, als beim Mähen, wenn dieſes in gerechter Zeit ſchnell vollführt wäre. Auch kommt allerdings beim Schneiden die zuruͤckbleibende hoͤhere Stoppel und der Verluſt an Stroh in Betracht; we⸗ niger jedoch auf ſtarkem und ſchwerem Boden, wo reichlich Stroh gewonnen wird, und wo die untergepflugte ſtarke Stoppel fuͤr die Lockerung des Bodens nuͤtzlich iſt. Das Mähen mit der Senſe geſchiehet auf zweierlei Art: mit der Geſtell⸗ ſenſe, womit von der rechten Seite eingehauen und das Getreide zur linken Seite in Schwaden gelegt wird, oder mit der einfachen Senſe, wo der Maͤher das Getreide zur linken Hand nimmt und ſolches beim Abhauen an das ſtehende Ge⸗ treide anlegt; wo dem Mäher dann ſogleich ein Abnehmer folgt, der es abnimmt und es in Fröſchen zur Seite legt, manchmal auch ſogleich bindet. Die zweite Methode findet nur bei ſtärkerem Getreide ſtatt, und hat den Vorzug, daß dem⸗ ſelben weit weniger Gewalt geſchiehet, beim Hauen ſowohl, als durch die Erſpa⸗ rung des Harkens, und das folgiich zum Ausfall geneigtes Korn weit weniger verliert. Die Arbeit iſt nur um ein Geringes großer, als bei der erſten Me⸗ thode, weil der Abnehmer das Harken aus den Schwaden groͤßtentheils erſpart. Man hat auch zum Abbringen des Getreides Maſchinen erfinden wollen, und auch in der That ſolche zu Stande gebracht, die es bewirkten. Es fand ſich ader, daß die Arbeit dadurch ſo wenig erleichtert, das Getreide aber ſo ſehr beſchaͤdigt wurde, daß ſie auf keine Weiſe mit Vortheil angewandt werden konnten. §. 37. Das Sammlen und Binden des Getreides geſchiehet gleich hinter der Senſe, Das Samm⸗ oder nachdem es in Schwaden oder Froͤſchen abgetrocknet iſt. Jenes findet nur und Bin⸗ bei wenig krautigem Getreide ſtart. Man laßt es dann in Haufen, auf verſchie⸗ dene Weiſe zuſammengeſeht, noch auf dem Felde ſtehen, und einige machen es ſich Vierter Thell. F 42 Die Ernte. zur Regel, wo moͤglich abzuwarten, bis es einen Regen bekommen habe. Dann duͤrfen aber nur kleine Bunde gemacht werden, weil ſtarke nicht leicht wieder austrocknen wuͤrden; dies nimmt mehrere Zeit weg, da die Anzahl der Bunde drei⸗ und vierfach groͤßer iſt, hat uͤbrigens unter dieſer Bedingung unbezweifelte Vorzuͤge, indem das auſgebundene und aufrechtſtehende Getreide von der Feuch⸗ tigkeit weniger leidet, als das liegende. Wo man es, wie um des Zehenten willen zuweilen geſchehen muß, lange ſtehen laͤßt, ſetzt man eine ſogenannte Kappe oder Haube, welche in einer ausgeſpreitzten Garbe beſtehet, uͤber jeden Haufen, welche gegen anhaltenden Regen ſichert. Bei der Methode mit den großen Garben muß man dagegen nach dem Binden mit dem Einfahren eilen, und man macht es ſich zur Regel, keinen Haufen uͤber Nacht ſtehen zu laſſen. Wenn man ſich durch Schriften vom Detail mehrerer Erntemethoden unter⸗ richten will, ſo findet man ſie am vollſtaͤndigſten zuſammengetragen in Kruͤnitz Encyklopaͤdie, Th. XI. S. 367. Auch hat Gericke das Geſchaͤft der Ernte im 3ten Bande ſeiner Anleitung zur Wirthſchaftsfuͤhrung nach der dort uͤblichen Art, nebſt allem dahin gehoͤrigen, ſehr ausfuͤhrlich behandelt. Verfahren bei Eine naſſe und zugleich warme Erntewitterung, wobei das Getreide ſo leicht Witte auswachſt, iſt das verdrießlichſte was einen Landwirth treffen kann. Um ſo mehr muß er den Kopf oben zu erhalten ſuchen, und ſich keine Anſtrengung und Ko⸗ ſten verdrießen laſſen. Wer nur Muth und Thaͤtigkeit behalt, dem gluͤckt es endlich doch, ſein Getreide ziemlich unbeſchaͤdigt unter Dach zu bringen. Ver⸗ drießliche Laune laͤhmt aber alles, und macht die Arbeiter, die ſonſt an der Ernte lebhaften Antheil nehmen, verdroſſen. Manche vorgeſchlagene Vorrichtun⸗ gen, Trockengeruͤſte, Trockenſcheuren und Garbendarren finden nur bei ſeltenen Lokalitaͤten ſtatt. Wo das Getreide in Schwaden gelegt iſt, iſt keine andere Huͤlſe als oſteres Wenden und Aufſtochern dieſer Schwaben moͤg'ich, damit ſich die Aehren nur nicht an der Erde feſt legen, ſondern immer dem Luftzuge ausge⸗ ſetzt bleiben. Jeder Augenblick, wo eine nur mäßige Abtrocknung erfolgt iſt, muß zum Binden und Einfahren mit aller Kraft ergriffen werden. Zuweilen wird eine mehrmalige Umlegung des Getreides in den Scheuren, indem man es auf die Tennen herabwirft, durchluͤften läßt und dann wieder banſet, noͤthig.„ — Die Ernte. 43 Wird das Getreide gleich gebunden, ſo darf man nur in trocknen Stunden mä⸗ hen und dann iſt die Auſſetzung in kleinen Haufen, und die Bedeckung mit einer ausgeſpreitzten Garbe allerdings das ſicherſte, indem man nun das Getreide 3 bis zu beſſerer Witterung ſtehen laſſen kann, ohne Auswachſen zu beſorgen. Ei⸗ nige ſetzen Haufen, ohne das Getreide zu binden, und legen es nur armvoll bei armvoll an einander, und ſetzen dann eine ausgeſpreitzte Garbe daruͤber. Wo man das Bedecken mit Garben wegen Ungeſchicklichkeit der Arbeiter nicht bewuͤrken zu können glaubt, da muß man ſehr ſchwache Garben von 8 bis 10 Pfund bin⸗ den, und dieſe aufrecht gegen einander ſetzen laſſen, ſo daß der Wind durchgehen kann; weil in dieſem luftigen Stande das Getreide viel Regen aushalten kann. Einiges hieruͤber Annalen des Ackerbaues. Bd. IV. S. 82. Anzeigen der Leipziger oͤkonomiſchen Societaͤt, Michaelis⸗Meſſe 1785. S. so. Untruͤgliche Weiſe bei regnigter Witterung die Feldfruͤchte in Sicherheit zu bringen. Weimar, 1801. §. 39. Bei uns wird das Getreide in der Regel in Scheuren, bis es ausgedroſchen Scheuren un worden, aufbewahrt, und man errichtet nur Noth⸗Feimen, wenn es an Scheu⸗ renraum fehlt. Von dieſen unſern NothFeimen, welche große Unbequemlichkei⸗ ten und Verluſt nach ſich ziehen, muß man die regelmaͤßig und mit großer Vor⸗ ſicht angelegten Feimen der Englander wohl unterſcheiden, welche in meiner engli⸗ ſchen Landwirthſchaft Bd. II. Th. 1. beſchrieben worden. In dieſen wird in Eng⸗ land in der Regel alles Getreide unbeſchaͤdigt und unverdorben aufbewahrt. Ihre Einfuhrung wuͤrde jedoch bei uns große Schwierigkeiten machen, und ſie findet auch nur bei Schnittergarben ſtatt. Ein, meiner Anſicht nach zweckmäßiges, zwi⸗ ſchen Scheuren und Feimen mitten innen ſtehendes Gebaͤude hat der Regierungs⸗ rath Trieſt dargeſtellt. Anleitung zu einer holzerſparenden, raumgewinnenden und wohlfeilen Kon⸗ ſtruktion dei den Scheuren. Berlin, 1808. Mit 4 Kupfertafeln. Ueber die beſte Form der Scheuren und beſonders ob die in der Mitte oder an den Seiten langlaufenden, oder aber die Quertennen den Vorzug verdienen, ſind die Meinungen getheilt. Dieſe Form der Scheuren modificirt aber ſchon den Gang des Erntegeſchaͤftes, und dieſes muß ſich, beſonders in Anſehung des Ein⸗ F 2 Das Taſſen. Das Dreſchen. Dreſcherſohn. 44 Die Ernte. fahrens, nach ſelbiger, ſo wie bei neuer Keuſtruktion die Form der Tennen nach der uͤblichen Methode, richten. Bei den Langtennen kann mit einer großen Reihe von Wagen in eine Banſe eingefahren werden; bei den Quertennen aber hoͤch⸗ ſtens nur mit drei Wagen. Der Vorzug wird alſo m. E. bloß durch den einge⸗ fuͤhrten Gebrauch entſchieden, und der Vortheil der einen oder der andern iſt wenig⸗ ſtens nicht ſo groß, daß es ſich der Muͤhe lohnte, die Einrichtung der Scheuern und den Gang des Erntegeſchaͤftes zugleich darum abzuändern. Die Langtennen findet man mehrentheils, wo eingefahren wird, nachdem alles aufgebunden worden; die Quertennen, wo ſogleich eingefahren wird, wenn ein Theil aufgebunden worden. §. 40. Bei dem Taſſen oder Banſen des Getreides kommt es vorzuͤglich darauf an, daß es dicht und vollgelegt werde, nicht bloß zur Erſparung des Raums ſondern auch zur beſſeren Konſervation des Getreides. Es iſt niches falſcher, als Getreide und Hfu mittelſt der Durchzuͤge luͤften und von den Duͤnſten befreien zu wollen; denn gerade an ſolchen Stellen ſchimmelt es, und erhaͤlt ſich dagegen um ſo beſ⸗ ſer, je dichter es liegt. §5. 41. Das Abdreſchen des Getreides wird auf mannigfaltige Weiſe bewirkt. Des Ausreitens mit Pferden, des Ausfahrens mit Wagen, die zehen bis zwanzig eckige Räder haben, oder mit Schlitten, oder mit koniſchen Dreſchwalzen erwahne ich bier nur. Eine ſehr vollſtaͤndige Beſchreibung dieſer bei uns ungebraͤuchlichen Methoden findet man in Kruͤnitz Encyclopädie Bd. IX. mit vielen Abbildungen. Aber auch bey dem gewoͤhnlichen Dreſchen mit Flegeln giebt es manche Ab⸗ aͤnderungen in der Geſtalt dieſer Flegel und in der Art ſie zu fuͤhren. Es tritt dabei daſſelbe ein, was ich bei der Ernte geſagt habe: keines hat ſo entſchiedene Vorzuͤge, daß man den Arbeitern ein anderes aufdringen muͤßte, als weſſen ſie ge⸗ wohnt ſind; zumal wenn ſie um eine Quote dreſchen. §. 42. Das Dreſchen geſchiehet a) in kleinen Wirtbſchaften durch eigenes Geſinde, beſonders des Morgens fruͤh und des Abends ſpaͤt; findet aber in groͤßeren ſelten und hoͤchſtens nur theilweiſe ſtatt. Die Ernte. 45 b) Im Tagelohn, wobei jedoch gewoͤhnlich von jeder Getreideart eine An⸗ zahl von Garben feſtgeſetzt iſt, die abgedroſchen werden muß. Es erfordert vor⸗ zuglich eine beſondere Aufſicht auf das Reinausdreſchen. c) Fuͤr die Dreſchergarbe oder eine Quote von dem abgedroſchenrn Getreide. Dies iſt in groͤßeren Wirthſchaften, wo beſtändige Lohnarbeiter gehalten werden das gewoͤhnlichſte, und ſichert dieſen in theuren Jahren allein ihr Auskommen, ohne ſchnelle Steigerung des Tagelohns. Das hoͤchſte was gegeben wird iſt der 12te Scheffel, das geringſte iſt der 18te. §. 43. Die Beachtung des reinen Ausdreſchens, deſſen Mangelhaftigkeit ſtrenge ver⸗ pönet ſeyn muß, Verhuͤtung der Schmuggeleien, Erhaltung der Ordnung, An⸗ zeichnung der angelegten Gebinde, dann die gehoͤrige Reinigung des Getreides, endlich das Aufmeſſen und Aufbringen auf den Boden, erfordern die ſtrengſte Auf⸗ ſicht des Landwirths oder des hiermit beauftragten Aufſehers. k Vergleiche Berliner Beitrage zur Landwirthſchafts-Wiſſenſchaft Bd. H. S. 192. Germershauſens Hausvater Bd. U. S. 384. .§. 44. Der Dreſchmaſchinen hat man viele erfunden und mehrere mit Rutzen aus⸗ Dreſchmaſchi⸗ gefuͤhrt. Alle älteren ſindet man am vollſtaͤndigſten beſchrieben und abgebildet in mn⸗ Kruͤnitz Encyclopädie Bd. IX. Die Peßlerſche erregte neuerlich die größte Auf⸗ merkſamkeit Vergleiche Peßlers vollſtändige Beſchreibung und Abbildung einer neuen Dreſchmaſchine. Braunſchweig 1797. ward von dem wuͤrdigen Profeſſor Karſten ausgeſuͤhrt und verbeſſert. Die Peßlerſche Dreſchmaſchine nach Theorie und Erfahrung beurtheilt von F. C. L. Karſten. Celle 1799. Man hat ſie wohl anwendbar, aber wenig genuͤgend befunden. Allein die in Schottland erfundene immer mehr verbeſſerte und verſchieden modificirte Dreſchmaſchine, welche mit cannelirten Walzen das Gerreide ergreift, das Korn durch eine umlaufende mit Schlägern beſetzte Welle, gegen einen dieſe Welle auf umfaſſenden Schirm oder Trommel auspreßt, dann das ſchwere und teichte Korn, die Spreu und das Stroh ſondert, hat allgemeinen Beiſall gefun⸗ Aufbewah⸗ rung des Korns. 46 Die Ernte. den. Man hat ſie von ſehr verſchiedener Staͤrke, und zum Triebe mit Waſſer, mit Wind, mit 6, 4 und 2 Pferden eingerichtet. Ihr Mechanismus iſt compli⸗ zirt aber dauerhaft. Deshalb iſt ſie koſtbar jedoch zu ſehr billigen Preiſen zu Friedrichswerk auf Seeland ausgeboten; nämlich die größte und complizirteſte Art zu 6 Pferden fuͤr 510 Rthlr., die kleinſte zu 2 Pferden fur 180 Rthlr. Sie driſcht ſehr rein und nach Verhältniß ihrer verſchiedenen Stärke ſehr ſchnell aus. Das einzige was man ihr vorwirft, iſt, daß ſie das Stroh zerknickt, wodurch es aber zur Fuͤtterung und Einſtreuung eher verbeſſert als verſchlechtert und nur zu anderm Gebrauch untauglich wud. Bei der Organiſation unferer Wirthſchaften, wo das Dreſchen ein nothwendiger Wintererwerb unſerer Arbeiter bleiben muß, koͤnnen Dreſchmuͤhlen freilich nur zum Abdreſchen eines Theils gebraucht, aber zur Foͤrderung der Arbeit in gewiſſen Zeiten doch hoͤchſt nutzbar werden. §. 45. Die Aufbewahrung des Korns geſchiehet bei uns auf Boͤden„ die mehrentheils uͤber Wohngebaͤude, am beſten uͤber offene Schuppen angelegt ſind. In ſehr großen Wirthſchaften hat man beſondere Magazingebaude. Ueber ibre Einrichtung ſiehe: Die beſte Art Kornmagazine und Fruchtboden anzulegen ꝛc. eine Preisſchrift (von Dillinger). Hannover 1768. Cancrin vom Bau der vortheilhafteſten den Wurmfraß nicht ansgeſetzten Fruchtmagazine. Frankfurt am Main 1702. Meinerts landwirthſchaftliche Bauwiſſenſchaft Th. I. Gilly Handbuch der Landbaukunſt Th. III. Abth. I. Herausgegeben von Friderici I8TI. S. 202. Zur langen Aufbewahrung großer Getreidevorraͤthe ſchicken ſich die in Rußland und Schweden aufgeſuͤhrten maſſiven Gebaude am beſten, in welchen die Kornbehaͤlter, wie Schornſteine, von oben bis unten hinab gehen und ganz voll geſchuͤttet, dann oben gegen den Zutritt der Luſt feſt verſchloſſen werden. Man leeret ſie unten und dann einen ſolchen Behaͤlter auf einmal aus: das Korn muß aber, wo nicht ge⸗ doͤrret, doch ſehr ausgetrocknet ſeyn, bevor es aufgeſchuͤttet wird. Entwurf eines Kornmagazins, welches gegen Ungeziefer und Feuersgefahr voͤllig geſichert iſt, von Engelmann, in den Abhandlungen der oͤkonomiſchen Geſell⸗ ſchaft zu Petersburg Bd. I. Die Ernte. 47 Norhergs Beſchreibung eines Kornmagazins, in den neuen Abhandlungen der Schwediſchen Akademie der Wiſſenſchaften Bd. X. In der Ukraine wird das Getreide noch, wie vormals in Deutſchland, haͤufig in Gruben aufbewahrt. Schrebers Sammlung von Schriften zur Kameralwiſſenſchaft Bd. X. §. 46. Das ausgedroſchene Getreide muß auf dem Boden anfangs nur ſehr duͤnne, Behandlung 6 Zoll hoch aufgeſchuttet werden, kann nachher aber bis zu 1½ Fuß hoch allmaͤhlig Bo⸗ zuſammengebracht werden. Das Umſtechen oder Umſchippen iſt um ſo haͤufiger noͤthig, je friſcher das Ge⸗ treide und je feuchter die Luft iſt: woͤchentlich zweimal, nachher einmal, und wenn es im Sommer voͤllig ausgetrocknet iſt, monatlich nur einmal. §. 47. Gegen die verſchiedenen Arten von Inſekten, welche ſehr großen Schaden auf Vertilgung Kornboͤden, wo ſie ſich einmal eingeniſtet haben, anrichten, muß man ſehr auf ſei⸗ der Inſekten⸗ ner Huth ſeyn; deshalb nie fremdes Getreide, von welchem man nicht ganz ſicher iſt, auf den eigentlichen Vorrathsboden nehmen; die Wände des Bodens k und getuͤncht erhalten, Luftzug und fleißiges Umſtechen beſorgen. Zeigen ſich die Inſekten ſo iſt ein moͤglichſt ſtarker Luftzug zuweilen binlng⸗ lich ſie zu vertreiben. Haben ſie uͤberhand genommen, ſo iſt kein anderes Mittel als das befallene Getreide baldmoͤglichſt zu verkaufen und vorerſt kein Getreide auf dieſen Boden zu bringen. Der Boden muß dann auf alle Weiſe gereinigt werden, und man kann mancherlei den Inſekten widrige und toͤdliche Dinge an⸗ bringen. Dahin gehört das Aufbringen der Tabacksblätter auf ſolchen Boden, das Waſchen mit einer Abkochung von Erlen⸗ und Nußblaͤttern oder von der gruͤnen Schaale der welſchen Nuͤſſe, das Beſtreichen aller Ritzen mit Terpentin oder Theer. Das wirkſamſte ſcheint mir aber ein ſtarkes und wiederholtes Aus⸗ räuchern mit Schwefel, welches bei gehoriger Vorſicht ohne alle Feuersgefahr geſchehen kann; wobei alle Heffnungen wohl verſchloſſen werden muͤſſen. §. 48. Ratzen und Maͤuſe richten ebenfalls große Verwuͤſtungen des Korns an Der Ratzen und verunreinigen ſolches. Katzen, Igel, Eulen, vermindern ſie, koͤnnen ſie aber und Mänſe 48 Die Ernte. oft nicht bezwingen und verunreinigen das Getreide ſelbſt. Das Giftlegen halt man mit Recht fuͤr gefaͤhrlich; es giebt aber ein Mittel es gefahrlos zu ma⸗ chen. Man muß nur erſt einen Koͤder ausfindig machen, zu welchem dieſe Thiere eine große Neigung bekommen, wenn man ihnen ſolchen an einem gewiſ⸗ ſen Orte, wohin ſie vom Kornboden ab kommen koͤnnen, täglich hinſetzt. Wenn man ſieht daß ſie mit Begierde darauf fallen und von dem Abends hingeſeßten am fol· genden Morgen nichts übrig iſt, ſo thut man dann Ratzengift, weiſſen Arſenick, dazu, und man wird in einer Nacht alle Ratzen verſchwunden ſehen. Hierbei iſt nicht die Gefahr, wie bei dem Umherlegen des Giftes. Die Thiere die hiervon eine betraͤchtliche Portion verſchlungen haben, gehen nicht aufs Korn, verkriechen ſich in Winkel oder eilen aufs Dach und ſind in kurzer Zeit tod. Auf allen Fall kann man die Getreidelager eben harken, um es ſo leichter zu entdecken, wenn ein Thier ſie verunreinigt häͤtte. Das uͤbrige Gift muß man nun ſogleich mit Vorſicht wegſchaffen; denn zu dieſem Giſt gehet gewiß keine Ratze wieder, wenn auch welche geblieben waren. Wir gehen zu den einzelnen Fruͤchten, zuerſt zu den Getreidearten uͤber. Wenn ich mich uͤber einige der vorſtehenden Materien kurz gefaßt habe, ſo geſchahe es 1) weil ſie in vielen landwirthſchaftlichen Lehrbuͤchern ſehr weitlaͤuf⸗ tig behandelt ſind; 2) weil ich ſie noch weitläuftiger haͤtte behandeln muͤſſen, wenn ich alles ſagen wollte, was daruͤber zu ſagen iſt; 3) weil ich eine ſo weit⸗ läuftige Behandlung fuͤr ſo ermuͤdend als unnuͤtz hielt, indem man gewiſſe Dinge aus 100 Quartſeiten nicht kennen lernt, die man beim erſten Anblicke voͤllig begreift. So habe ich bei der Ernte nur an gewiſſen Hauptpunkte erinnern, dei einigen andern meine Anſicht mittheilen aber keinesweges die Materie er⸗ ſchöpfen wollen. Der Der Weizen. 49 Der Weizen. §. 49. Aus dem botaniſchen Geſchlechte des Triticum kommen vier beſtimmte unverän⸗ Arten des derliche Arten als angebauete Cerealien in Betracht, naͤmlich: Weüent. Triticum hybernum und aestivum als eine Art, — spelta, Spelz, — monococcon, Einkorn, — polonicum. Die unzähligen Varietäten, die man beſonders von der erſten Art oder dem eigentlichen Weizen hat, ſind blos Ab⸗oder Spielarten die ſich veraͤndern und durch Einwirkung äußerer Umſtände in einander uͤbergehen. Dies iſt gegen die gewoͤhn⸗ liche Meinung, ſelbſt der Botaniker— die uͤberhaupt in der Unterſcheidung der Arten und Abarten(species und varietas) bei den unter der Einwirkung der Kunſt ſtehenden landwirthſchaftlichen Pflanzen noch nicht aufs Reine gekommen ſind— auch bei den Sommer⸗ und Winterweizen der Fall. Wenn gleich beide, beſonders einige Abarten, ihrer Natur nach ſehr verſchieden zu ſeyn ſcheinen, ſo kann man doch willkuhrlich den einen in den andern umwandeln. Indem man den entſchiedenſten Winterweizen ſpaͤt im Winter im Februar oder Anfangs Maͤrz ſäet, wird er mit einem Theile ſeiner Sproſſen aufſchießen und reifen Saamen in dem⸗ ſelben Jahre machen; aber freilich nur einen ſchwachen Ertrag geben. Saͤet man den hiervon genommenen Saamen im naͤchſten Fruͤhjahre, ſo wird er ſchon mehr die Natur des Sommerweizens angenommen haben, mehr in Aehren gehen und reifen und lim folgenden Jahre wird er vollkommner Sommerweizen ſeyn. Dage⸗ gen ſäe man entſchiedenen Sommerweizen zu Ende Oktobers kommt ein harter Winter ohne genugſame Schneedecke, ſo wird er freilich ſammtlich erfrieren; bei günſtiger Witterung aber ziemlich durchkommen, dann fruͤher wie der Winterweizen in Aehren gehen und reifen. Die hiervon gewonnene Saat wird den Winter ſchon Vierter Theil. G 50 Der Weizen. beſſer aushalten und mehr die Natur des Winterweizens, ſich länger an der Erde zu halten und ſich ſtärker zu beſtauden, angenommen haben, und im dorauf fol⸗ genden Jahre wird er ganz Winterweizen ſeyn und ſpäter, z. B. zu Ende des Mays geſaͤet, in demſelben Jahre uͤberall nicht in Aehren gehen. Denn der entſchiedene Winterweizen kann ſo ſruͤh geſäet werden, ohne empor zu ſchießen, was der ent⸗ ſchiedene Sommerweizen noch thut, wenn man ihn auch zu Johannis ſäete. So kann ich auch den ſogenannten Wunder? oder vielährigen Weizen(Tri- ticum compositum) nicht fur eine conſtante Art(species) erkennen, da er dieſe geilen Austriebe auf aͤrmerem Boden bald verliert und nach mehreren Reproductio⸗ nen keine Spur davon zeigt; wogegen ſeine Koͤrner wieder groͤßer werden. Was man engliſchen Weizen(die Botaniker Triticum turgidum) nennt, iſt vielleicht eine beſtehende Art. Die Aehre und die Spelzen unterſcheiden ſich durch ihren Bau und das Korn durch einen breitern Ruͤcken und nach Cromens Wahrnehmung durch die Abweſenheit des Haarbuͤſchels an dem dicken Ende, den andere Weizenkoͤrner haben. Er hat zuweilen Grannen, zuweilen keine. Ob die Engländer ihn uͤberhaupt kennen, weiß ich nicht; weil bei ihren unzähligen Abar⸗ ten eine große Verwirrung herrſcht. Aber gewiß iſt er keine ihrer gewoͤhnlichen Arten und hat alſo jenen teutſchen Namen ſehr unrichtig. Von den drei entſchiedenen Arten, Spelz, Einkorn und polniſchen Weizen werden wir unten beſonders reden. F. 67. u.f. Ab⸗oder Spielarten. Die Abarten des eigentlichen Weizens ſind unzaͤhlig, beſonders in ſolchen Gegenden, wo man auf den Weizenbau, wie in England, die hoͤchſte Aufmerk⸗ ſamkeit wendet. Ich habe bei den Englaͤndern uͤber hundert verſchiedene Weizen⸗ Namen gezahlt; man verſteht aber ſelten, von welcher ſie eigentlich reden und ei⸗ ner verſteht den andern nicht. Die von den Grannen hergenommene Unterſcheidung iſt, wie Haller ſchon bemerkt hat, ganz truͤglich, da der Weizen dieſe auf verſchiedenen Bodenarten be⸗ kommt und auf andern verliert. Auch ſehen die Englaͤnder gar nicht darauf. Der Weizen. 51 Die Farbe des Korns iſt beſtändiger und allenthalben unterſcheidet man rothen oder braunen, gelben und weißen Weizen. Die Farbe des reifen Strohes iſt nicht immer bereinſtimmend mit der Farbe des Korns und man hat dunklen Weizen mit weißlichem Stroh und umgekehrt. Der braune Weizen kommt in Gegenden, welche den ſtärkſten Weizenboden haben, hauptſächlich vor, und artet ſich, nach andern verpflanzt, nicht gut. Ob er die braune roͤthliche Farbe nur vom Boden habe und ſie auf anderen allmaͤhlig ver⸗ lieren wurde, iſt noch zweifelhaft; wenigſtens geſchiehet es nicht ſo bald. Der gewoͤhnlichſte iſt der gelbe Weizen als Winterung und auch als Soͤm⸗ merung gebauet. Seit einiger Zeit verdrängte ihn aber der weiße Weizen bei aufmerkſameren Wirthen faſt gänzlich, weil dieſer im Ertrage nicht geringer war, im Preiſe aber beträchtlich höher ſtieg, nachdem man ihn kennen gelernt hatte. Er giebt, auch weniger gebeutelt, ein weißeres Mehl; beſonders aber ward er ſeewärts mehr ge⸗ ſucht und bezahlt. Er wuͤrde vielleicht allgemein geworden ſeyn, wenn nicht der Winter 180½ gezeigt hatte, daß er weichlicher ſey. Denn bei dem anhaltenden Blachfroſte erfror er in manchen Gegenden, wo ſich der gelbe erhielt. Man hat aber zwei weiße Abarten. Bei dem einen iſt die Spelze glatt, bei dem andern mit ſeinen Harchen uͤberzogen, die den Aehren ein ſammetartiges An⸗ ſehn geben. Die Englinder beachten dieſen Unterſchied vorzuglich, und er iſt nach ihnen nicht nur ſehr conſtant, ſondern auch ökonomiſch wichtig. Sie nennen jenen eierſchääligen(eg-shell) dieſen Sammetweizen(velvit). Den glatt⸗ ſpelzigen halten ſie in feuchteren Gegenden angemeſſener, in welchen der rauhe die Feuchtigkeit zu ſehr anziehe, dem Brande unterworfen ſey, und ſchwerer trockne; den rauhen aber für höhere, trocknere Gegenden mehr geeignet, wo er die Duͤrre beſſer aushalte, nicht ſo ſchnell trockne, und ſo leicht zuſammenſchrumpfe— ſehr natuͤrlich, da dieſe Häaͤrchen einſangende Gefaͤße ſind.— Ich babe dieſen weißen rauhen Weizen vormals aus England erhalten, bin aber darum gekommen. Ich habe ihn nachmals auch in bieſigen Gegenden ange⸗ troffen, wo man die Saat aus dem Deſſauiſchen erhalten hatte, wohin er wahr⸗ G 2 Wo Weizen den Vorzug vor dem Rok⸗ ken habe. 52 Der Weizen. ſcheinlich aus England gekommen war*). Er hat keine Grannen. Wenn man einer Art den Namen des engliſchen Weizens geben will, ſo gebuhrt er dieſer eher, als dem Triticum turgidum. Der unter dem Namen Heckweizen(Hedge wheat) in England in Ruf, und dann auch zu uns gekommene Weizen iſt durchaus keine Abart, ſomern iſt nur aus einer an einem Schlagbaum(Heck) gefundenen großen Weizenpflanze erzeugt und durch ſorgfaͤltige Kultur fortgepflanzt worden, ſchlaͤgt aber bei der gewoͤhnlichen bald wieder zuruͤck. Der Winterweizen, wovon wir zuerſt und hauptſächlich reden, unter⸗ ſcheidet ſich vom Sommerweizen alſo mehr oͤkonomiſch als botaniſch. 5. 50. Da bei der Winterungsausſaat hauptſaͤchlich nur Weizen und Rocken in Be⸗ tracht kommen, ſo iſt die Hauptfrage die, auf welchen Boden der eine oder der andere zu ſaͤen ſey? Sie iſt in ſofern vollig und wohl einſtimmig entſchieden, daß der mehr thonige Boden dem Weizen, der mehr ſandige dem Rocken angemeſſe⸗ ren ſey. Man kann hiet die Grenze ungefaͤhr ſo annehmen, daß der Boden, der uͤber 55 Prozent Sand hat, nicht mehr ſo geeignet für Weizen als fuͤr Rocken ſey. Indeſſen kommt es bei ſolchem Boden auf ſeine Lage und auf andre ihn feucht erhaltende Umſtände an. Hat er eine feuchte Lage, ſo kann er bei 60 und 65 Prozent Sand noch ſichrer für Weizen wie fur Rocken ſeyn, weil jener meh⸗ rere Feuchtigkeit ertraͤgt, und dieſe durch die Lage herbeigeſuͤhrte Feuchtigkeit ihm den Mangel des Thons erſetzt; ſie dem Rocken ſchon nachtheilig wor⸗ den wuͤrde. Sebunden muß der Boden, der mit Sicherheit und Erfolg Winterweizen tragen ſoll, jedoch immer ſeyn. Ein wegen Mangel an Thon loſer Boden traͤgt auch bei zureichender Feuchtigkeit und großem Reichthum an Humus unſicher Wei⸗ zen, weil er den Wurzeln, insbeſondere im Winter, nicht Haltung genng giebt. Je mehr Thon und je weniger Sand alſo der Boden enthaͤlt, deſto mehr iſt er fuͤr den Weizen und deſto weniger fuͤr den Rocken geeignet. Hat er, bei gerin⸗ *) Ich fand ihn in dieſem Jahre 1811 in fenchtem Bruchlande ausgeſaͤet, wo er zu ein Drittel Staubbrand war. Der Weizen. 53 gein Sandantheile, Kalk bis zu 15 Prozent in ſich, ſo gehoͤrt er zu dem vorzuͤg⸗ lichſten Weizenboden; er wird dadurch zerfallend, bleibt aber gebunden und wird gegen alle Entſtehung von Saͤuren, die dem Weizen beſonders nachtheilig iſt, geſchuͤtzt· Soll der Acker aber beſriedigende Weizenernten geben, ſo muß er auch Kraft oder Rahrungstheile genug fur dieſe, viele Nahrung erfordernde Pflanze haben. Der humusreiche, ſchwarzbraune Thonboden(der Klay) lohnt daher vor allen im Weizenertrage. Der von Natur minder reiche Boden muß durch Duͤngung dazu in Kraft geſetzt werden. Indeſſen trägt doch auch der arme Thonboden bei karglicher Duͤngung noch immer Weizen mit mehrerem Erfolge wie Rocken, zu⸗ mal bei einer etwas feuchten und kalten Lage; weswegen ſich Bergacker mit Wei⸗ zen beſtellt, noch immer beſſer verlohnt als mit Rocken. Der Weizen kann keine freie Saͤure im Boden ertragen, wenigſtens wo wir Bodenarten gefunden haben, auf dem Weizen durchaus nicht gerathen wollte, un⸗ geachtet ſie ſonſt nicht unpaſſend dafur ſchienen, fanden wir merkliche Saure. Solcher Boden wird aber durch Kalk, Mergel, Aſche, und durch das Brennen tragbar für Weizen gemacht, und dann zugleich fur Gerſte, Erbſen und Klee. Beim thonigen Boden iſt es unter dieſen Bedingungen daher wohl ent⸗ ſchieden, daß er mit Weizen vortheilhafter als mit Rocken benutzt werde. Aber beim Mittelboden, welcher 35 bis 65 Prozent Sand enthaͤlt und keine ſehr trockne Lage hat, können oft nur Orts⸗ und Zeitverhältniſſe die Wahl beſtimmen. In Ländern, wo der Weizen die allgemeine Nahrung ausmacht und Rocken wenig geſucht wird, bauet man in der Regel Weizen darauf. Bei uns nur, wenn beſondere Handelsconjuncturen den Preis des Weizens betrachtlich uͤber das natuͤr⸗ liche Verhaͤltniß gegen den des Rockens erheben. Denn obwohl im Durchſchnitt in Kraſt geſetzter Boden dieſer Art eine Weizenernte von hoͤherem Werthe, als die Rockenernte, tragen konnte, ſo weiß man doch, daß Weizen einen ſolchen Boden ſtärker angreife und fuͤr die folgenden Fruͤchte mehr erſchoͤpfe, uͤberdem aber in ſei⸗ nem Stroh weniger Duͤngermaterial reproduzire und folglich die Wirthſchaft im Ganzen ſchwäche, insbeſondre wenn er wiederholt gebauet wuͤrde. Vorſichtige Wirthe bleiben alſo lieber beim Rocken, ſobald ſie davon einen ſichern, und dem Maaße nach, groͤßeren Ertrag hoffen duͤrfen. Weizen in der Brache. 54 Der Weizen. §. 51. Am haͤufigſten wird der Weizen in die Brache, und zwar auf allem von Natur ſchwaͤcheren Boden, in die geduͤngte Brache geſaͤet. Nur bei natuͤrlich ſehr ſtarkem Boden thut man dies zuweilen nicht, aus Beſorgmß, daß der Wei⸗ zen ſich lagern moͤchte. Man nimmt dann am haͤufigſten erſt Rapsſaat oder eine andre Frucht heraus. Auch nach dieſer ſäet man zuweilen nicht Weizen, ſondern erſt Wintergerſte, hält nach ſelbiger wieder Brache oder bauet eine ſogenannte Brachfrucht, und läßt nun erſt Weizen folgen. Andere, mit dem Bau abwech⸗ ſelnder Fruͤchte unbekannt und angekettet an das Dreifelderſyſtem, ſäen in die ge⸗ duͤngte Brache Gerſte und danach Weizen. Hier geht dann die Gerſte haͤufig zu Lager, aber ſie vermeinen der Schaden ſey nicht ſo groß als beim Weizen. Die⸗ ſer wird nun freilich nicht zu ſtark; aber zuweilen auch wohl zu ſchwach. Die Gerſte unmittelbar vor Weizen iſt keine gute Vorfrucht, und der Boden muß Kraft im Uebermaaß haben, wenn dieſer gedeihes ſoll; auf ſchwaͤcheren Boden wird er ſchlecht. Auf Boden von mittler Kraft wird alſo in der Regel der Weizen in die geduͤngte Brache geſaͤet. Dies geſchiehet in der Koppel⸗ wie in der Dreyfelderwirthſchaſt, und zwar, ſagen jetzt die meiſten, ſey es am vortheilhafteſten, ihn in die geduͤngte Rußhe⸗ brache zu ſäen. Denn, wenn Rubhe und Duͤnger zuſammenkaͤmen, würke es am meiſten. Neu iſt die Lehre, daß eine doppelte Kraft ſtärker wie eine einfache ſey, nun wohl nicht; aber die älteren Koppelwirthe glaubten beſſer zu fahren, wenn ſie dieſe Kraͤfte auf mehrere Saaten vertheilten, und einige Ernten aus der Ruhe, einige aus dem Duͤnger nähmen. Sie hatten freilich keine ſo kraͤftige Saaten, als womit nun der eine Schlag pranget, aber auch in feuchteren Jah⸗ ren weniger Lagerkorn, und im Ganzen wenigſtens denſelben Ertrag. Auch ward auf manchen Gätern kein Weizen gebauet, wo es jetzt auf dem geduͤngten Ra⸗ ſen geſchiehet. Jede Brache wird zum Weigen viermal gepfluͤgt, wenn es zum Rocken nur dreimal geſchiehet. Denn obwohl der Weizen ein gebundeneres Land verlangt, ſo muͤſſen doch ſeine Nahrungstheile wohl aufgeſchloſſen und ſeine Kloͤße gepulvert ſeyn. ————— Der Weizen. 33 5. 92. Ferner wird der Weizen am päufigſten gebauet nach Winterruͤbſen oder Rappe. Denn obwohl es keinem Zweifel unterworſen iſt, daß dieſer viele Nahrungstheile aus dem Boden ziehet, ſo wird er doch nur in ſtarkes oder kräftig, faſt doppelt ge⸗ dungtes Land geſaet und hinterläßt dann dem Weizen noch genug. Zu dieſer Frucht war das Land fleiſſig vorbereitet, ſie beſchattete es mit ihren dichten Blättern und erhielt es muͤrbe und rein; auch iſt nach ihrer Ernte noch Zeit genug zu abermaliger Bearbeitung. Nach einigen behackten Fruchten, die beſonders ſtarken Duͤnger erhalten, oder in kräftiges Land kommen, läßt man ebenfalls Weizen folgen, z. B. nach Taback und nach Kopfkohl. Das Land iſt muͤrbe und rein genug, um ihn in die erſte Furche einzuſäen, und wenn es ſich auch etwas verſpätet, ſo lehrt die Erfahrung doch, daß er hier trefflich gerathe. Nach Kartoffeln aber ſchlägt er den meiſten Beobachtungen zufolge ſehr zuruͤck; obgleich einige behaupten, beſſeren Weizen als Rocken danach gebauet zu haben. Nach Hulſenfruchten wird der Weizen mehrentheils nicht ſo ſtark als nach der reinen Brache. Indeſſen hat man auch Beiſpiele, daß dieſer Weizen den Brach⸗ weizen übertroffen habe. Wenn nämlich die Witterung der Brachbearbeitung nicht guͤnſtig war, aber den Wachsthum der Huͤlſenfruchte im Kraute ſehr befoͤr⸗ derte, ſo war das Stoppelland zur Aufnahme des Weizens in beſſerem Stande als das Brachland. Aber immer wird ein ſchneller Umbruch der Stoppel unmittelbar nach dem Abmähen vorausgeſetzt, wenn man guten Weizen nach Huͤlſenfrucht er⸗ warten will. Einige geben der Erbſenſtoppel, andere der Bohnenſtoppel einen Vorzug ſuͤr dem Weizen. Bohnen ziehen wohl mehr Nahrung aus als Erbſen, indem ſie auch einen ſtarkeren Ertrag in der Regel geben. Fehlt es dem Boden an Kraft, ſo wird ſie mehr erſchoͤpft als es für den Weizen geſchehen ſollte; durch Erbſen nicht ſo ſehr. Iſt aber Kraft genug fur beide Ernten vorhanden, ſo ſcheint die Bohnenſtoppel eine treffliche Grundlage fuͤr den Weizen zu ſeyn. Die uralte Feldbeſtellung in der Graſſchaft Kent, jaährlich abwechſelnd mit Bohnen und Weizen, die man auch in mehreren Gegenden Britanniens nachgeahmt hat, bezeugt dies, und ich habe immer nach gedrillten Bohnen ausgezeichneten Weizen geſehen. Noch anderen Vorfruͤchten 56 Der Weizen. Endlich wird der Weizen mit dem groͤßten Erfolge in der Kleeſtoppel gebauet, und um Weizen auf Boden, der ihm eigentlich nicht angemeſſen ſondern ſchon zu loſe iſt, zu erzielen, giebt es keine ſichrere Methode, wie die, ihn auf die erſte Furche des umgebrochenen Klees zu ſàͤen. Er uͤbertrifft nicht ſelten den in reine Brache geſaͤeten und ſoll dem Brande minder unterworfen ſeyn. Hierbei iſt aber die we⸗ ſentliche Bedingung, daß der Klee ſtark und geſchloſſen ſtehe, kein Unkraut habe aufkommen laſſen, fruͤh genug zum zweitenmal geſchnitten ſey, um noch zum drit⸗ tenmal 8— 10 Zoll heranzuwachſen, und daß er dann unabgeweidet untergepfluͤgt werde. Jene Forderungen wird der Klee nur auf vorzuͤglichem Boden oder bei einer ſorgfaltigen Kultur erfullen, und deshalb wird das eine oder das andere vorausgeſetzt. Das Umbrechen muß mit Vorſicht geſchehen, in ſchmalen, gut umſchlagenden Fur⸗ chen. Am beſten geſchiehet es durch einen leichten Schnittpflug, deſſen Vorrichtung ich Bd. IMI. S. 41. und in der Beſchreibung der Ackerwerkzeuge Heft II. Taf. 8. beſchrieben habe. Eine unerläßliche Bedingung iſt es, daß dieſe Furche wenigſtens vier Wochen vor der Einſaat gegeben werde, damit der untergepflugte Klee verrotten und der Boden ſich ſacken könne. Die Saat wird dann durch ſcharfes Eggen oder beſſer mit dem Exſtirpator untergebracht. Dieſe einfurchige Beſtellung des Weizens in der Kleeſtoppel findet in der Regel nur bei einjährig benutztem Klee ſtatt. Wenn indeſſen der zweijährige dicht und geſchloſſen ſtehet und nicht beweidet, ſondern bloß geſchnitten worden, der Acker daher rein und murbe iſt, ſo kann es auch ohne Be⸗ denken bei ſelbigem geſchehen; beim Gegentheil muͤſſen drei Furchen zum Weizen gegeben werden, und es kann daher vom Klee in dieſem Jahre nur ein Schnitt ge⸗ nommen werden. Auch wird alsdann der Weizen auf ſandigerem Boden mißlich. Weizen in ſeine eigene Stoppel zu ſäen, iſt nach allgemeiner Erfahrung durch⸗ aus verwerflich und er mißräth ſo ſehr, daß man faſt nichts ſchlechteres bauen kann. Zwar bauete Tull und ſeine Nachfolger jährlich Weizen auf demſelben Acker; aber es kam bei ſeiner Bauart nur die halbe Ackerkrume zum Tragen und die andere Haͤlfte ward gebraacht. Daſſelbe iſt beinahe der Fall bei den Belgiern auf ihren hoch⸗ aufgepfluͤgten Beeten; doch kommt auch Weihen nach Weizen bei ihnen hoͤchſt ſel⸗ ten vor. Einige wollen auch bemerkt haben, daß weißer Weizen nach braunem, oder umgekehrt, beſſer gerathe, als wenn man dieſelbe Art nach einander ſae. Der Der Weizen. 5) Der Weizen nach Gerſte ſchlägt ſehr zuruͤck, und kann nur auf ſehr ſtarke Boden verzeih'ich ſeyn. Nach Hafer geräth er, verſchiedenen Beobachtungen zufolge, beſſer. In der Regel kann man es als eine hoͤchſt fehlerbafte Wirchſchaft anſe⸗ hen, wenn Weizen in die Stoppel einer anderen Halmfrucht geſaͤet wird. Weizen nach Lein geräth ärmlich; beſſer wird er nach Hanf. Wird Lein in⸗ deſſen in kräftigen Neubruch auf die erſte Furche geſäet, ſo habe ich guten Weizen danach geſehen. §. 53. Die Auswahl der Saat iſt bei keinem Getreide ſo wichtig, wie bei dem Weizen, Saut. weil in einer fehlerhaften hauptſaͤchlich der Grund des Korn⸗ oder Stein⸗Bran⸗ des, dieſer dem Weizen eigenthuͤmlichen und gefaͤhrlichen Krankheit, liegt; woruͤber wir unten ausfuͤhrlicher reden und zugleich die wegen der Saat zunehmenden Maaß⸗ regeln, in ſofern ſie nicht bereits§. 1— 11. angegeben ſind, betrachten werden. §. 54. Die Ausſaat des Weizens geſchiehet gewöhnlich nach der des Rockens; nicht Zeit der Ans⸗ weil ihm eine fruͤhere Ausſaat nachtheilig iſt— ſie kann vielmehr, wie die Erfahrung maucher Gegenden lehrt, vortheilhaſt ſchon im Auguſt geſchehen— ſondern weil er eine ſpätere beſſer ertragen kann, wie der Rocken, und man daher dieſen zuerſt beſtellt. Der Weizen erträgt es, bei einer ziemlich feuchten Witterung eingeſäet zu werden, auch beſſer, wie der Rocken. Daher waͤhlt man die trockenſte Witterung für die ſen, die feuchtere fur jenen. §. 55. Das Weizenkorn kann, ſelbſt auf thonigem Boden, eine Bedeckung von drei unterörin⸗ Zoll Erde, auf lockerem Boden von vier Zoll leiden, keimt darunter ſehr gut und Luns. treibt hervor. Deshalb iſt das flache Ueberpflügen deſſelben, wenn der Boden ge⸗ porig gelockert worden und nicht zu naß iſt, ſelbſt auf eigentlichem Weizenboden un⸗ bedenklich, auf mehr ſandigerm Boden aber Hoͤchſt rathſam, damit ſeine junge Wur⸗ zel ſeſtere Haltung bekomme und vor Ausdoͤrrung mehr geſchuͤtzt ſey. In der Klee⸗ ſtoppel kann es indeſſen nicht geſchehen. §. 56. Der Weizen ertraͤgt die Winterfeuchtigkeit beſſer wie der Rocken, und wenn Durchwinte er auch an Stellen, wo Waſſer geſtanden hat, gonz vergangen ſcheint, ſo treibt kung. Vierter Thell. H Vegetations⸗ periode. Eg⸗ gen der jun⸗ gen Saat. 58 Der Weizen. er doch oſt wieder aus. Jedoch darf man deshalb die Abwaſſerung des Ackers nicht verabſaͤumen.. Das Weizenſeld hat im Fruͤhjahr oft nach unguͤnſtigem Winter bis zu Anfang des Mays das traurigſte Anſehen, und man kann kaum eine Pflanze darauf ent⸗ decken. Darum muß man die Hoffnung bis zu Ende des Mays nicht aufgeben, und eine anhaltende warme Witterung abwarten, bevor man ſich zum Umpfluͤgen entſchließt. Man leſe hieruͤber die ſchaͤtzbaren Beobachtungen, welche im Jahre 1803 in Mecklenburg gemacht und in den Annalen der Mecklenburgiſchen Landwirthſchafts⸗Geſellſchaft Bd. II. S. 169. u. f. aufbewahrt ſind. §. 57. ſeiner Vegetationsperiode alle Aufmerkſamkeit auf ihn verwende, und ihm zu Huͤlſe komme. Er belohnt alle auf ihm gewandte Muͤhe reichlich. Wenn im Fruͤhjahr ſeine Vegetation eben beginnt, und der Boden genug⸗ ſam abgetrocknet iſt, ſo geſchieht ihm immer durch ein kraͤftiges Eggen mit eiſer⸗ nen Zinken eine große Wohlthat. Dadurch wird die Winterborke gebrochen, die Ackerkrume wieder in Verbindung mit der Atmoſphaͤre geſetzt, eine friſche geluf⸗ tete Erde an die nun austreibenden Kronwurzeln gebracht, die Pflanzen zu meh⸗ rerer Beſtaudung gereizt, und junges hervorkeimendes Unkraut zerſtört. Man muß eine gute ſonnichte Witterung dazu waͤhlen, und an einem ſchoͤnen Fruͤh⸗ lingstage dieſer Arbeit alle andren nachſetzen. Man muß dieſe Arbeit ohne alle Beſorgniß, deren man ſich zum erſtenmal kaum wird erwehren koͤnnen, vorneh⸗ men. Wenn der Acker unmittelbar nachher wie ein friſch beſtellter aueſieht, ſo daß man kaum ein gruͤnes Blatt darauf wahrnimmt, und nur bloße Erdkrume da zu ſeyn ſcheint, dann iſt es am beſten gerathen. Findet man auch abgeriſſene Weizenblaͤtter— ganze Pflanzen wird man nicht ausgeriſſen finden— ſo iſt daran nichts gelegen. Nach acht oder vierzehn Tagen, nach Beſchaffenheit der Witte⸗ rung, wird man die Pflanze neu hervortreibend, und den Acker weit dichter damit be⸗ legt finden, als einen andern der dieſe wohlthatige Operation nicht ausgeſtanden hat. In Gegenden, wo man ſie allgemein kennt, wuͤrde man jede andere Nachlaͤſſigkeit einem Wirthe eher verzeihen, als die Unterlaſſung derſelben im gerechten Zeitpunkte und bei guͤnſtiger Witterung. Man läßt dann alles liegen und ſtehen, um mit Der Weizen verdient es vor allen Getreidearten, daß man auch während Der Weizen. 59 dem ſammtlichen Geſpann auf den Weizacker zu ziehen. Auch hieruber verdie⸗ nen die Annalen der Mecklenburgiſchen Landwirthſchafts⸗Geſellſchaft am a. O. nachgeleſen zu werden. Wie viel Striche man mit der Egge zu geben habe, läßt ſich nicht beſtimmen, weil es auf die Bindigkeit des Bodens ankommt. Man egge ſo ſtark, daß der Acker allenchalben mit Krume bedeckt ſey, und daß auch die Riſſe, welche der thonichte Boden bei der Abtrocknung bekommt, ganz ver⸗ deckt ſind. Es iſt dieſes Eggen der Saat nicht bloß auf ſehr zähem Boden ſondern ohne Bedenken auf jedem, dem man Weizen anvertrauet, anwendbar; nur iſt die Staͤrke des Eggens danach verſchieden. Eine vollkommnere Operation iſt freilich das Behacken des Weizens, wo⸗ Behacken. durch alle Zwiſchenräume der Pflanze aufgelockert werden, und das dazwiſchen ſtehende Unkraut zerſtoͤrt wird. Allein ſie findet faſt nur da ſtatt, wo der Wirth ſie mit den Seinigen ſelbſt verrichtet, oder wo man geuͤbte Lohnarbeiter hat, welche ſie in Verdung unter der Bedingung, ſie vollſtändig und untadelhaft auszuführen, unternehmen. Fuͤr geuͤbte Arbeiter iſt ſie ſo ſchwierig nicht, wie ſie manchem ſcheint. Das Behacken hat Vorzuͤge vor dem Jaäten, welches jedoch an manchen Orten auf beträchtlichen Feldern vorgenommen wird. Jenes geht nicht nur geſchwinder und iſt minder muͤhſam, ſondern es wird auch die Lockerung der Oberfläͤche und die Heranziehung der Erde an die Pflanzen mehr dadurch be⸗ wuͤrkt; und zugleich koͤnnen die ſtellenweiſe zu dicht ſtehenden Pflanzen dabei verduͤnnt werden.. Von dem Pferdehacken, welches nur bei der Drillkultur ſtatt findet, und vorzugliche Wirkung auf den Weizen hat, rede ich unten. §. 59.„ n⸗ Wenn auf einem kraftvollen Acker die Weizenpſlanze, die vorbin vielleicht Schröpfen der zu ſpärlich darauf zu ſtehen ſchien, ſich nun zu beſtauden und auszubreiten an⸗ Sa fängt, und ihre maſtigen Blaätter und Nebenſchuͤſſe hervortreibt; ſo tritt die Beſorgniß eines zu geilen Wuchſes und daraus erfolgender Lagerung manch⸗ mal ein. — — — 3 H 2 bo Der Weizen. Hiergegen hat man zwei Mittel: das ſogenannte Schröpfen, und die Ab⸗ huͤtung mit Schaafen. Beim Schroͤpfen, welches geſchiehet, nachdem der Weizen mit ſeinen Blaͤt⸗ tern zuſammengewachſen iſt, und das Feld dicht bedecket, werden ihm die her⸗ vorſtehenden Blaͤtter genommen, ohne das Hrez der Pflanze zu beruͤhren. Es muß daher von vorſichtigen und im Mähen geuͤbten Leuten geſchehen, darf insbeſondere nie denen uͤberlaſſen werden, welche das Abgeſchroͤpfte, die Gruſe, fuͤr das von ihnen verpflegte Vieh erhalten, indem ſie ſonſt zu tief eingreifen, um mehr zu erhalten; wovon der Weizen dann leicht zu ſtark angegriffen wer⸗ den und ſehr zuruͤckſchlagen kann. Das Abſtutzen der Blaͤtter haͤlt den Wei⸗ zen in dieſer Periode ſehr zuruͤck, und mindert ſeinen uͤppigen Wuchs merklich. Es muß daher immer nur mit reiflicher Ueberlegung vorgenommen werden. Man muß die Kraft ſeines Bodens kennen, und auf den wahrſcheinlichen Lauf der Witterung achten, was freilich manchmal truͤgt, indem auf eine, den Wachs⸗ thum des Weizens ſehr foͤrdernde Witterung bald eine unfruchtbare folgen kann, die ihn zuruͤckhaͤlt, ſo daß man es nun bedauert, ſeinen Weizen ge⸗ ſchwaͤcht zu haben. Es gehört ein praktiſcher Blick dazu, um ſich hier nicht oͤfter zu truͤgen. Wenn ſich der Weizen mit dunkelgruͤnen Blättern verſchlin⸗ get und durchkraͤuſelt, und die Sproſſen ſehr dick ſind, ſo iſt es gerathen, ihn zu ſchropfen. Iſt das nicht, ſo geht man ſichrer ihn wachſen zu laſſen. Das Abhuͤten mit Schaafen im Fruͤhjahre— denn von der Winterbehuͤ⸗ tung iſt hier die Rede nicht— geſchiehet bis zu Ende Aprils. Man darf es es auch nur thun, wenn man ſeinem Acker große Kraft zutrauet, und die Pflanze den Boden dicht belegt hat. Dann iſt es rathſam, das Abfreſſen ſchnell, nicht allmaͤhlig, geſchehen zu laſſen, und eine große Anzahl Schaafe auf einmal auf einem Acker zu bringen, ſo daß ſie ihn rein an der Erde weg⸗ freſſen, ſie dann aber davon zu nehmen und nicht wiederhohlt aufzutreiben. Ich halte dieſe Methode fuͤr ſichrer als das Schroͤpfen, jedoch nur auf kraͤf⸗ vigem Acker. Etwas ahnliches, aber wohl zu unterſcheidendes, vom Schroͤpfen geſchie⸗ bet, wenn der Weizen ſchon zu ſchoſſen anfaͤngt— man nennt es Ausklären— um fruͤher emportreibende Rockenhalme— deren Saame unter dem Weizen Der Weizen. 61 oder im Miſte war— auch andres hervorragendes Unkraut, beſonders die blaue Kornblume zu köpfen. Dies muß ebenfalls mit hoͤchſter Vorſicht geſchehen, und der Weizen darf nicht ſtaͤrker, als an der aͤußerſten Spitze ſeiner Blaͤtter beruͤhrt werden. §. 60. Der Weizen iſt mehr wie anderes Getreide empfindlich gegen jede unguͤnſtige Einwiekuns! beſonders naßkalte Witterung. Er ändert danach gleich ſeine Farbe und macht der Witte⸗ einen Stillſtand im Wachsthum, ſcheint wirklich, wie man ſagt, zuruͤckgewach⸗ ſen. Er erholt ſich aber eben ſo ſchnell, wenn eine guͤnſtigere Witterung eintritt, und gewinnt in wenigen Tagen wieder ein geſundes Anſehen. Bis zum Schoſſen und Hervortreten der Aehre liebt der Weizen eine mit vielem Regen abwechſelnde warme Witterung, welche das Emporkommen ſeiner Nebenſproſſen befordert. Nachher, beſonders in der Bluͤtezeit, iſt ihm trocknes warmes Wetter vorzuglich guͤnſtig. Nach dem Anſatze und bei der Vollendung ſeiner Koͤrner iſt ihm aber mäßig feuchte Witterung wieder ſehr zutraͤglich, in⸗ dem er bei anhaltender Durre und trockenen Winden zu ſchnell reift und ſeine Korner nicht ſo vollſtandig werden, als wenn ſie langſamer reifen. Zu feuchte Witterung beim Anſatz der Koͤrner erzeugt dagegen den Staubbrand. §. 61. Weizen, der eine gute Handelswaare ſeyn ſoll, muß gemaͤhet werden, Reife. bevor er ſeine volle Reife erreicht hat. Er wird ſonſt hornig, oder, wie man es nennt, gläſig. Er giebt dann kein ſo weißes Mehl. Obwohl man dieſes dadurch verbeſſern kann, daß man ſolchen Weizen etwas anfeuchtet, ſo wird er doch von den Kaufern getadelt, wenigſtens wenn Ueberfluß zu Markte fommt. Ueberdem aber iſt der Weizen ſehr zum Ausfallen geneigt, und bei trockenem, windigem Wetter einem großen Verluſte unterworfen, wenn man ihn voͤllig reifen läßt. Deshalb muß auf den Zeitpunkt ſeiner Maͤhereife ge⸗ nau geachtet werden, welche eintritt, wenn die Korner zwar ihr Mehl gebil⸗ det haben und nicht mehr milchigt, aber doch noch weich ſind. Und obwohl in der Regel der Weizen erſt 14 Tage nach dem Rocken reift, ſo tritt doch nicht felten der Fall ein, daß er dieſe Maͤhereife bei duͤrrem Wetter bekommt, bevor man mit dem Rocken fertig iſt; und ſo muß man den Rocken ſtehen Ertrag⸗ Werth. 62 Der Weizen. laſſen, und den Weizen eher abbringen, weil der Verluſt bei dieſem weit groͤßer wie bei jenem iſt. Nur der zur Saat beſtimmte Weizen muß voͤllig reif und dann mit Vorſicht und behende abgebracht werden. F. 52. Wenn der Weizen den ihm angemeſſenen Boden hat und die Witterung ihm nicht unguͤnſtig iſt, ſo giebt er unter allen gewoͤhnlichen Gttreidearten die hoͤchſte Produktion, wo nicht in Maſſe— und auch hierin uͤberwiegt ihm faſt nur der Hafer— doch im Nahrungsſtoff. Man kann bis 24 Scheffel vom Morgen bei gewoͤhnlicher Kultur auf ſehr gutem Boden in gluͤcklichen Jahren gewinnen. In England hat man bei der Drillkultur oder bei ſorg⸗ faͤltigem Handhacken viel hoͤhere Angaben. In der Regel aber werden 12 Scheffel ein guter, 8 Scheffel ein geringer Ertrag genannt; das Mittlere iſt alſo 10 Scheffel auf gutem Weizenboden und uͤblich guter Beſtellung. §. 63. In ein noch vortheilhafteres Verhaͤltniß kommt er aber gegen andere Ge⸗ treidearten zu ſtehen, wenn wir auf den Werth ſeines Ertrages ſehen. Die⸗ ſer iſt keinesweges bloß conventionell, ſondern in ſeiner Natur begruͤndet. Sein Gewicht pro Scheffel ſchwankt zwiſchen 84 und 96 Pfund, wenn er anders nicht ſchlecht und unrein iſt. Ueberdem beſitzt er im gleichen Gewichte mehrere und kraͤftigere Nahrungstheile wie irgend ein anderes Korn. Er hat die der thieriſchen Materie analoge Subſtanz, den Kleber, in betraͤchtlich groͤßerer Menge und in hoͤherer Vollkommenheit in ſich als irgend ein ande⸗ res Getreide, und iſt daher zur thieriſchen Nahrung am meiſten geeignet; uͤberdem enthaͤlt er ein vorzuͤgliches Stärkemehl; aus deren inniger Verbin⸗ dung, welche beſonders beim Brodbacken bewirkt wird, eine ſo verdauliche, angenehme und wohlthaͤtige Nahrung hervorgehet, wie vielleicht keine an⸗ dere iſt. Boden und Duͤnger verändern das quantitative Verhältniß ſeiner Be⸗ ſtandtheile betraͤchelich. Der auf friſchen Schaafduͤnger und Pferdeduͤnger, beſonders auf Pferch gewachſene Weizen, hat ein ſebr großes Uebergewicht an Kleber, welches ihn zum Bierbrauen und Branntweinbrennen ſo wie zur Der Weizen. 63 Stärkebereitung faſt untauglich, dagegen zum Backen ſehr gut macht. Dos Verhältniß des Klebers ſchwankt nach Hermbſtaͤdts Unterſuchungen zwiſchen 5 und 30 Prozent. Ferner iſt ſich nicht aller Weizen in der Staͤrke der Huͤlſe gleich. Die Verſchiedenheit liegt theils in der Art des Weizens, theils im Boden und der feuchte Boden giebt groͤbere Huͤlſen. Die Staͤrke der Huͤlſe ſteht aber im umgekehrten Verhältniſſe mit dem Gewichte und mit dem Werthe. F. 64. So wie aber der Weizen mehrere Nahrungstheile erfordert und unter Ausſangende ihm guͤnſtigen Umſtanden anziehet, ſo erſchoͤpft er den Boden auch ſtaͤrker. Frakt. Wir haben bei der freilich nur hypothetiſchen, aber der Erfahrung entſpre⸗ chenden Berechnung in den Bemerkungen Bd. II. S. XVII. angenommen, daß er von 100 Theilen oder Graden der Kraft im Boden, 40 Theile an⸗ ziehe. Sehr wahrſcheinlich iſt es, daß er zur Bildung ſeines vegetabiliſch⸗anima⸗ liſchen Glutens auch mehr animaliſchen Humus oder wenigſtens mehr Stickſtoff verlange, und daß eine thieriſche Duͤngung ihm angemeſſener ſey, als eine bloß vegetabiliſche, mit welcher ſich andere Getreidearten eher begnuͤgen. Vielleicht können Kalk und Alkalien jene erſetzen. Ich ſage vielleicht; denn noch fehlt es an Verſuchen, hierüber beſtimmter zu entſcheiden und wir muſſen uns begnuͤgen, Fingerzeige zu geben, wo unſere Wiſſenſchaft der Erweiterung bedarf, ihrer aber auch fahig iſt.— Daß der Weizen den folgenden Fruͤchten mehr Nahrung entziehe als alle andere gebräuchlichen Getreidearten iſt a priori ſo wahrſchein⸗ lich als es eine alte und allgemeine Erfahrung iſt. Wir haben ſie nur in Pro⸗ portional⸗Zahlen auszuſprechen verſucht. Praktiſch leitet dies dann zu der noͤthigen Mäßigung im Weizenbau, be⸗ ſonders auf loſerem Boden, dem ſein Humus leichter wie dem thonigen voͤllig abgeſogen werden kann; ſo lange wenigſtens als die wirthſchaftlichen Verhalt⸗ niſſe keinen hinläͤnglichen Erſatz verſtatten. Der Weizenbau darf nur mit dem Futtergewinn und Düngungsſtande in gleichem Schritte vermehrt werden. Der Weizen giebt im Durchſchnitt das Doppelte ſeines Koͤrnergewichts an Stroh; auf Höheboden etwas weniger, auf Niederungsboden mehr. Die Jah⸗ Wohin ſein Ankau paſſe? 64 Der Weizen. reswitterung macht indeſſen, wie bei allen Getreidearten eine Verſchiedenheit in dieſem Verbältniſſe. Sein Stroh iſt das nahrhafteſte unter den gewohnlichen Cerealien, aber zum Einſtreuen nicht ſo brauchbar wie das Roggenſtroh. Der Sommerweizen §. 63. unterſcheidet ſich nicht durch irgend einen botaniſchen Charakter vom Winterwei⸗ zen, ſondern durch eine angenemmene aber wieder abzuändernde Natur, wonach er ſchneller in Halme treibt. Denn daß er begrannet oder bartig ſey, iſt keines⸗ weges beſtaͤndig. Auch wiſſen wir, daß der Sommerweizen in Winterweizen umgewandelt werden koͤnne, obgleich dies mit einer Abart geſchmider wie mit der andern geſchehen mag. Man hat mehrere Abarten bisber ſchon gebauet, mit und ohne Gran⸗ nen. Den begranneten oder bärtigen hat man mehrentheils beſſer befunden. Ob einige aus ſuͤdlichen Ländern kuͤrzlich wieder eingefuͤhrte Spielarten, wie die von Fiſcher zu Dunkelsbuͤhl geruͤhmten Weizenarten aus Tunis und Candia, etwas nachhaltend ausgezeichnetes haben, müſen erſt mehrere und größere Ver⸗ ſuche lehren. F. 66. Der Sommerweizen erfordert keinen ſo gebundenen Boden, als der Win⸗ terweizen, ſondern kann auf loſem nur nicht zu duͤrren Boden vortrefflich ge⸗ deihen. Aber reich muß der Boden ſeyn an altem nährenden Humus und fri⸗ ſchem Duͤnger zugleich. Er muß wohl bearbeitet, gepulvert und gereinigt ſeyn. Am ſicherſten und haͤufigſten findet der Sommerweizen nach ſolchen behackten Fruͤchten ſeinen Platz, welche ihrer ſpäten Aberntung wegen die Beſtellung des Winterweizens nicht erlauben, und uͤberhaupt fur dieſen, der Erfahrung nach, keine gute Vor⸗ frucht abgeben. Er geraͤth felbſt nach Kartoffeln beſſer wie der Winterweizen, wenn der Boden ſehr reich und nicht duͤrre iſt. Ueberhaupt nimmt er die Stelle der großen Gerſte ein. Manche haben es vortheilhaft gefunden, ihn immer ſtatt dieſer nach be⸗ hackten Fruͤchten im Syſteme des Fruchtwechſels, zu bauen, weil allervings ſein Der Weizen. 65 ſein Ertragswerth größer ſeyn kann als der der Gerſte. Allein es geſchab mit Sicherheit nur auf ſehr reichem und im kraͤftigen Duͤnger erhaltenen Boden. Denn die Konſumption der Bodenskraft iſt ohne allen Zweifel ſtar⸗ ker als durch die Gerſte. Wo ſie fehlt, geraͤth er ſchlecht, und wo ſie iſt, da nimmt er ſie vorweg; und der nach zwei Jahren darauf folgende Winter⸗ weizen, ja ſelbſt der Rocken, wird um ſo geringer, wenn anders nicht wie⸗ der dazu geduͤngt wird. Dies hat mich Erfahrung nach mehrmaligen Ver⸗ ſuchen gelehrt, auf Boden der in guter Duͤngkraft ſtand, aber freilich nicht zu den vorzuͤglich reichen Boden gehoͤrte. Ich habe 16 Scheſſel Ertrag vom Morgen gehabt und durch kein Getreide mein Land hoͤher benutzt wie durch dieſes, aber ich bin dennoch auf gewoͤhnlichem Ackerboden von ſeinem Bau zuruͤckgekommen. Dazu kommt, daß er dem Mißwachſe in unſrem Klima mehr ausgeſetzt iſt. Kalte regnichte oder duͤrre Sommer ſind ihm gleich nachtheilig. In ei⸗ nem Jahre, wo bei warmer mit vielem Regen abwechſelnder Witterung die Gerſte ungemein gerieth, war uͤber die Haͤlfte der Sommerweizen⸗Aehren vom Staubbrande ergriffen. Dieſe Krankheit ſcheint beim Sommerweizen haufiger als beim Winterweizen zu ſeyn, wogegen ich den eigentlichen Korn⸗ brand bei jenem nie bemerkt habe. Wahrſcheinlich ſind dies die Urſachen, warum ſich ſein Bau, wenigſtens im noͤrdlichen Europa, des großen Lobes unerachtet, welches ihm manche ertheilten, nicht verbreitet hat und daß er faſt nur da, wo man keinen Winterweizen bauet, zur ögnen Konſumption ausgeſaͤet wird. Seine Saatzeit fällt zwiſchen der Mitte Aprils und Mais. Ihn ſo fruͤh zu ſäen, wie man den Sommerrocken zu ſàen pflegt, hat man nicht rathſam befunden. Er reift dann oft erſt im September. Seine Koͤrner ſind kleiner und minder anſehnlich als die des Winter⸗ weizens. Er hat im Durchſchnitt ſtärkere Huͤlſen und geringeres Gewicht. In der Guͤte des Mehls giebt er diefem aber nichts nach, wenigſtens die Art nicht, die ich auf meinem Boden vormals gebauet habe. Einige glau⸗ ben, daß er ſich beim Brodbacken nicht ſo gut verhalte, ruͤhmen ihn aber zur Staͤrke. Vierter Theil.. 66 Der Spelz. Wenn Nachfrage nach Weizen iſt, nehmen ihn die Käufer oft ohne Be⸗ denken zu gleichem Preiſe; ſonſt aber finden ſie Anſtoß nicht mit Unrecht an den kleineren Koͤrnern und man muß ihn betraͤchtlich wohlfeiler verkaufen. r S §. 67. Triticum spelta auch Dinkel oder Duͤnkel genannt,(obwohl es mir ſcheint, daß man letzteren Namen an einigen Orten dem Einkorn ausſchließlich beilege) unterſcheidet ſich von dem Weizen weſentlich durch ſeine Spelzen, welche abgeſtumpft plattgedruͤckt ſind, und dem Korne ſo feſt anhangen, daß ſie nicht durch das Dreſchen davon getrennt werden koͤnnen, ſondern auf der Muͤhle abgehuͤlſet werden muͤſſen. Dieſer Umſtand iſt es ohne Zweifel allein, was den Bau dieſes nuͤtzlichen Getreides im noͤrdlichen Deutſchlande zuruͤckge⸗ halten hat, indem die Muͤller ihn nicht zu behandeln wiſſen; obwohl dieſe Ab⸗ huͤlſung auf einer Graupenmuͤhle durch Hebung der Steine leicht geſchehen kann. Man hat Winter⸗ und Sommerſpelz mit und ohne Grannen und von ver⸗ ſchiedener Farbe. §. 68. Sein Bau unterſcheidet ſich in keinem Stuͤcke vom Bau des Weizens. Er iſt nur weniger zaͤrtlich, wintert an feuchten Stellen weniger wie der Wei⸗ zen aus, beſtaudet ſich noch ſtärker, lagert ſich nicht ſo leicht und iſt dem Ausfall nicht ſo ſehr unterworfen. Allenfalls nimmt er mit ſchwaͤcherem Boden vorlieb. Dem Brande iſt er zwar auch, aber nicht ſo ſehr wie der Weizen ausgeſetzt. Enthuͤlſet iſt er dem Weizen im Gewichte und Werthe mindeſtens gleich, und einige glauben, daß man aus Weizen kein ſo gutes Mehl machen und kein ſo angenehmes Brod backen koͤnne. Man bewahrt ihn in der Huͤlſe auf, oder wenn dieſe abgemahlen iſt, ſcheidet man ſie vor dem Gebrauche doch nicht ab, weil er ſich ſo beſſer haͤlt und weder dem Wurm noch dem Dumpfigwerden ausgeſetzt iſt. Zuweilen wird er mit, zu⸗ weilen ohne Huͤlſe zu Markt gebracht; im erſteren Falle gilt er nur die Haͤlfte. Der Spelz. 67 Ausgeſaet wird er mit der Huͤlſe, aber doppelt ſo ſtark wie der Weizen. Im ſuͤdlichen Deutſchlande iſt er das gewoͤhnlichſte Getreide, und wird, enchuͤl⸗ ſet, vorzugsweiſe Korn genannt. Mit der Huͤlſe gebraucht man ihn ſehr vortheilhaft als Pferdefutter n das iſt vielleicht der einzige Gebrauch, den man, wo ihn die Muller nicht behandeln koͤnnen oder wollen, davon machen kann. Das Einkorn. F. 69. Triticum monococcon, St. Peterskorn, Emmerkorn, hat in der Aehre Aehnlichkeit mit der großen zweizeiligen Gerſte, iſt jedoch nicht mit ſo vielen Grannen verſehen wie dieſe. Den Ramen Einkorn hat es davon erhalten, daß in jedem Aehrchen nur ein Korn ſitzen ſoll; aber mehrentheils ſind doch zwei darin. Das Korn kommt dem Spelze gleich, iſt aber kleiner, ſo wie die ganze Pflanze. Man bauet es als Winter⸗ und als Sommerfrucht in Boden, den manffur Spelz zu ſchwach haͤlt, im Außenlande; am haͤufigſten findet man es im Wuͤr⸗ tenbergiſchen. F. 70. Endlich gehoͤrt die von den Botanikern Triticum polonĩcum genannte Getreideart hierher, welche ſonſt unter dem Namen Gommer, wallachiſches Korn, aſtrakaniſches Korn(man ſieht, welche Verwirrung in den Be⸗ nennungen herrſcht) Bled de Surinam, Bled de Mogados u. ſ. w. auch vor⸗ kommt. Es iſt in der Geſtalt ſeiner Aehre und ſeines Korns von andrem Wei⸗ zen ganz verſchieden; beide ſind ſehr lang und ſchmal. In Anſehung ſeines Mehls ſcheint es in der Mitte zwiſchen Weizen und Rocken zu ſtehen. Es reift ſpat, wenn er, wie bisher nur geſchehen iſt, als Sommergetreide gebauet wird, und wuͤrde in kalten Sommern wohl gar nicht zur Reife kommen. Man rühmt die daraus gemachten Graupen, welche dem Reis am nächſten kommen ſollen. Bisher iſt es kein verkäuflicher Artikel, und es iſt nicht zu erwarten, daß es bei uns in Gebrauch kommen werde. J 2 Triti cum pa- lonicum. Zwei verſchie⸗ dene Arten des Brandes. Der Staub⸗ brand. 68 Der Brand im Weizen. Der Brand im Weizen. §. 71. Bet dem Anbau des Weizens und der uͤbrigen Arten des Triticum giebt es in manchen Gegenden keine ſo ängſtigende Gefahr, wie die des Brandes, und nichts hat daher die weizenbauenden Landwirthe ſo ſehr beſchäftigt, wie die gegen dieſes Uebel zu treffenden Vorkehrungen. Es ſind deshalb unzählige Schriften in allen Sprachen uͤber dieſes Uebel geſchrieben, wodurch aber die Sache wenig Aufklaͤrung erhalten hat, indem man theils mehrere ganz verſchie⸗ dene Krankheiten verwechſelte und ſie durchaus auf eine Urſach zuruͤckfuͤhren woll⸗ te, da doch jede aus verſchiedenen ſchaͤdlichen Einwirkungen entſtehen kannz theils aber weil jeder ſeine einſeitigen Bemerkungen und Meinungen außſtellte und als die allein richtigen dem Publikum aufdringen wollte, ohne zu wiſſen, was andere uͤber dieſe Krankheiten beobachtet, verſucht und geurtheilt hatten; wodurch man denn in Erforſchung der Sache und des Weſentlichen dabei mehr zuruͤck als vorwaͤrts gekommen iſt. §. 72. Zuvoͤrderſt ſind die beiden ganz verſchiédenen Krankheiten, welche mit dem Namen des Brandes belegt werden, wohl zu unterſcheiden. Die eine Art iſt der Staubbrand, deutſch in einigen Gegenden, und auch im Engliſchen der Smitt, von den Franzoſen la Nielle genannt. Bei dieſer Krank⸗ heit iſt die Subſtanz des Korns gar nicht vorhanden, ſondern es findet ſich in den Spelzen bloß ein ſchwarzbrauner Staub. Dieſe Krankheit iſt ohne Zweifel die⸗ ſelbe, die ſich in mehreren Getreidearten beſonders in der Gerſte und bei mehreren Grasarten findet, und auch wohl unter dem Namen des Rußes oder Sods vor⸗ kommt, weil dieſer Staub mit dem feinem Ruße, den die Flamme abſetzt, viele Aehn⸗ lichkeit hat, auch fogar zur Bereitung einer feinen ſchwarzen Farbe in der Malerei gebraucht wird. Sie kommt aber im Weizen haͤufiger wie irgendwo vor, und befaͤllt zuweilen den groͤßern Theil deſſelben; ja ich habe bei Sommerweizen auf einem uͤbermäßig geil geduͤngten, ſandigen Boden ein Weizenfeld geſehen, wo ich auch nicht ein einziges ausgebildetes Korn finden konnte. Dieſe Krank⸗ heit enſtehet ſchon vor dem Austriebe der Aehre und man entdeckt ſchon eine Der Brand im Weizen⸗ 69 mehr oder minder deutliche Spur vom Schwarzwerden im Mark der Pflanze. Dennoch treibt die Aehre manchmal in ausgezeichneter Laͤnge hervor, und hat Anfangs ein geſundes Anſehn, iſt aber doch duͤnn und mager. Die Spelzen ſind gruͤner und nicht ſo länglicht, ſondern oft mehr rundlicht geſtaltet. Wenn die Aehre aͤlter wird, entdeckt man die durchſcheinende ſchwarze Farbe; doch iſt die Spelze nicht ſo duͤnn und ſpringt nicht ſo ſchnell auf, wie bei der Gerſte, bei welcher ſie gleich nach ihrem Hervortreten berſtet und den ſchwarzen Staub entlaßt. Wenn der Weizen lange ſteht, ſo platzt die Spelze zwar auch, ſo daß Regen und Wind den ſchwarzen Staub wegfuͤhren und das gute Korn dann nicht davon gefaͤrbt wird. Wird aber, wie gewoͤhnlich, der Weizen fruͤher ge⸗ maͤhet und iſt die Witterung feucht und kuͤhl, ſo bleibt der Staub darin, wird mit in die Scheure gebracht und entwickelt ſich nun erſt unter dem Dreſchflegel. Hierdurch wird das geſunde Getreide geſchwaͤrzt, indem ſich dieſer Staub be⸗ ſonders an den feinen Härchen, welche das Weizenkorn an der Spitze ſeiner Spalte hat anſetzt. Dieſe aͤußere Faͤrbung, wobei das innere Korn vollkommen geſund iſt und bleibt, nennt man dann den Nagel, den Nagelbrand, der Spitz⸗ brand, le bout, und verwechſelt dies am meiſten mit dem Stein⸗ oder Korn⸗ brande. Da dieſes bloß eine äußere Färbung am geſunden Korne iſt, ſo hat ſie auf ſeine innere Konſiſtenz und Guͤte gar keinen Einfluß, kann jedoch das Mehl allerdings etwas ſchwarz machen, wenn man das Getreide vor dem Mah⸗ len nicht davon reinigt. Dies kann aber auf verſchiedene Weiſe geſchehen: durch das Abwaſchen, welches dem Getreide durchaus nicht ſchadet, wenn es nur gleich nachher vorſichtig getrocknet wird, oder durch das Abdreſchen mit Gerſtenſpreu oder auch mit trocknem Lehm, von welchem aber das Korn durch melemaliges Durchlaufen auf der Staubemuͤhle ſorgfaͤltig wieder gereinigt werd„n. Krankheit ſelbſt hat ihren Grund durchaus nicht in der Forterbung durch Saamen, ſondern erzeugt ſich am meiſten auf feuchten und ubergeilen Boden bei feuchter warmer Witterung. Ich ſage in der Forterbung; denn daß ein unvollkommner oder dumpfig gewordener Saamen, in ſofern er ſchwaͤch⸗ liche Pflanzen erzeugt, Veranlaſſung dazu gebe, iſt allerdings nicht zu keugnen⸗ Aber eigentlich erblich iſt die Krankheit nicht, weil der kranke Saamen ganz Der Korn⸗ brand. 70 Der Brand im Weizen. zerſtoͤrt iſt, und der bloße aͤußerlich angeſetzte Staub dem geſunden Korne in dieſer Hinſicht nicht ſchadet. Es iſt daher unverſtaͤndig, wenn einige, die ein ausgezeichnetes Mittel gegen die andere Art des Brandes, den Stein⸗ oder Kornbrand, beſitzen, zum Beweiſe ſeiner Wirkſamkeit anfuͤhren, daß ſie ganz beſtaͤnbtes Getreide, nachdem ſie es mit ihrem Mittel eingebeizt, ausgeſäet haͤtten, ohne den Brand zu bekommen. Denn von ſolchem bloß beſtaͤubten Getreide wird, wenn es uͤbrigens geſund iſt, nie Kornbrand, ohne Hinzutre⸗ ten anderer Urſachen, entſtehen. Von dieſem Staubbrande iſt nicht nur die ganze Aehre, ſondern auch, meinen und anderer Beobachtungen nach, immer die ganze Pflanze ergriffen. Alle Einbeizungen koͤnnen ihn nicht verhindern, ſondern es kömmt zu ſeiner Verhuͤtung auf geſunde Saat, gute Beſtellung, Abwaͤſſerung, vielleicht auch auf die Art des Duͤngers— woruͤber ich noch genauere Beobachtungen wuͤnſchte— und Boden an, wobei jedoch die Atmoſphaäre und Witterung einen ſo großen Einfluß hat, daß die Krankheit in einem Jahre ſehr wenig, in einem andern um deſto ſtärker ſich entwickelt. Auf manchen Aeckern, die wohl Korn⸗ oder Steinbrand haben, iſt dieſe Krankheit ganz unbekannt, und andre, die ſich fuͤr jenen ganz zu ſchuͤten wiſſen, konnen doch dieſe Krankheit nicht voͤllig verhuͤten. §. 73. Der Kornbrand, Steinbrand, Kaulbrand und wegen ſeines dem Geſtanke des Knochenfraßes ähnlichen Geruchs der ſtinkende oder Krebs⸗ brand genannt, zerſtoͤrt nicht alle Konſiſtenz des Kornes und läßt ihm ſeine Form. Doch iſt die Subſtanz deſſelben betrachtlich veraͤndert und verdorben, wie die ſchwarzbraune Farbe, und der widrige Geruch und Geſchmack hinläng⸗ lich beweiſen. Einige Koͤrner ſind nur zum Theil davon angegriffen und ha⸗ ben ihre Keimkraft nicht verloren. Die Krankheit ſcheint ſich erſt bei dem Anſetzen des Korns zu aͤußern, und man entdeckt ſie erſt nach der Bluͤte. Die Aehren bekommen dann ein mißfarbiges Anſehn, werden bleich und ge⸗ tuͤpfelt. Dieſer Brand verdirbt auch. das geſunde Getreide mit, weil er ſich vor dem Mahlen nicht davon trennen laͤßt. Man kann die angegangenen Körner zwar, da ſie leichter ſind, durch ſorgfaltiges Wurfeln zum großen Theile, aber nicht voͤllig abſondern. Wenige Korner verderben zwar das Mehl nicht Der Brand im Weizen. 71 ganz, und ſind auch wohl der Geſundheit nicht ſchädlich; viele aber geben ihm einen ſo widrigen Geſchmack, daß es zu Brod und Mehlſpeiſen durchaus nicht zu gebrauchen iſt. Und ſelbſt beim Brandweinbrennen iſt es in Ruͤckſicht auf die Quantitat und Qualitaͤt deſſelben nicht gleichguͤltig. §. 74. Die urſach dieſes Brandes, wenigſtens die ſtarkſte und prädisponirende Die Hauptur⸗ liegt in dem Saamen, und iſt erblich. Denn durch vorſichtige Auswahl oder Saa⸗ Behandlung des Saamens haben ſich allein viele davon beſreiet, die vorher von dieſem Uebel auf ihren Feldern ungemein litten, und ſind damit wieder befallen worden, wenn ſie dieſe Vorſichtsmaaßregeln unterließen. §. 75. Wenn ein von dieſer Krankheit. nicht ergriffenes, voͤllig gereiftes, vor Vorkehrungen dem Schwitzen abgedroſchenes, dann ſorgfaltig und duͤnn aufgeſchuͤttetes, genug⸗ ſam geluͤftetes Saackorn genommen wird, ſo kann man ohne fernere Vorbe⸗ reitung vor dieſer Krankheit geſcchert ſeyn. Auch wird man mehrentheils ſicher gehen, wenn man gut behandeltes und aufbewahrtes uͤberjähriges Saat⸗ korn nimmt. Hat man ſich aber hierin nicht auf das vollſtändigſte ſichern koͤnnen, ſo giebt es verſchiedene Methoden, die einen mehr oder minder gluͤcklichen Er⸗ folg haben. Einige haben das bloße Schwemmen des Getreides in reinem Waſſer fuͤr zureichend gehalten, wenn ſie die oben ſchwimmenden, leichtern, kraͤnklichen Koͤrner ſorgfaͤltig abnahmen; obwohl ſie, ihrer Meinung nach, den Zweck nur durch das Waſchen zu erreichen glaubten. Wirkſamer haben andere Salzwaſſer dazu genommen, worin leichtere Koͤr⸗ ner um ſo mehr ſchwimmen, wobei doch aber dem Salze eine andre Einwir⸗ kung nicht ganz abgeſprochen werden kann. Kraͤftiger zur Verhuͤtung des Uebels hat man die Einbeizungen gefun⸗ den, wozu hauptſächlich Kalk, Aſche, Kochſalz, Glauberſalz, oder auch wohl andere Salze, beſonders Alaun, Eiſenvitriol und Arſenik genommen werden. Man bedient ſich dieſer Mittel einzeln, oder mengt mehrere auf verſchiedene Weiſe unter einander. 72 Der Brand im Weizen. Am haͤnfigſten wird der Kalk gebraucht. Man nimmt gewoͤhnlich auf 12 Scheffel Saat 1 Scheffel friſch zu Pulver geloͤſchten Kalk. Das Ge⸗ treide wird vorher mit Waſſer, auch wohl mit erwarmtem, angefeuchtet, wo⸗ zu manche aufbewahrten Urin oder Miſtſauche ſetzen; der Kalk wird daruͤber geſtreuet, und fleißig damit durchgearbeitet; es bleibt 8 bis 12 Stunden ruhig im Haufen liegen, wird dann aber auf der Tenne duͤnn verbreitet und ge⸗ trocknet, aber ja nicht feucht in Säcke gebracht. Manche ſetzen eine gleiche Quantitaͤt oder die Hälfte einer kraͤftigen kalihaltenden Aſche zu, wodurch ein ätzendes Kali bewirkt wird, und dieſe Mengung ſcheint am wirkſamſten der Theorie und Erfahrung nach zu ſeyn. Einige thun ſodann auch noch eine großere oder kleinere Quantität Kuͤchenſalz hinzu, welches wenigſtens die Wir⸗ kung hat, daß die Koͤrner beſſer ineruſtirt werden. Auch macht man aus Kalk und Aſche mit Zuſatz von Urin und nachmals von Salz eine Lauge und begießt dann damit das Getreide. Die Manipulationen ſind hierin uͤber⸗ haupt ſehr verſchieden, und wenn gleich jeder auf die ſeinige einen beſonderen Werth zu ſetzen pflegt, ſo kommen ſie wohl im Weſentlichen auf eins hinaus. Es kömmt nur darauf an, daß dieſe Einbeizungen moglichſt kraͤftig geſchehen, und daß man die Maſſe dann ſo durcharbeite, daß jedes einzelne Korn Theil daran nehme, daß man ferner die Miſchung eine Zeit lang zuſammen halte, bis eine gelinde Erwaͤrmung merklich wird, ſte dann aber ſchnell auseinander bringe und ausluͤfte. Einige ſchreiben dem Kuͤchenſalze eine vorzügliche Wirkung zu, nehmen davon eine groͤßere Menge und einen geringern Theil Kalk; aber nach den zuver⸗ läſſigſten Erfahrungen iſt Kalk und Aſche das wirkſamſte und in den meiſten Ge⸗ genden das wohlfeilſte. Vitriol⸗ und Alaunaufloſungen ſind von einigen ſehr geruͤhmt worden, in⸗ deſſen ſpricht bis jeßt die Maſſe von Erfahrungen noch nicht ſo ſtark fuͤr dieſe wie fuͤr jene Einbeitzungen. Die Einbeizung mit Arſenik iſt zu gefährlich, als daß ſie irgend einem, welcher mit den ſchrecklichen Wirkungen dieſes heftigen Giftes nicht ſehr bekannt iſt, anvertrauet werden duͤrfte. F. 76. Der Rocken. 73 5. 56. Obwohl beide Krankheiten, Staub⸗ und Kornbrand, ganz verſchieden ſind, ſo trifft man doch wohl beide vermengt auf einem Acker an. Und wenn es gleich ausgemacht ſcheint, daß die Haupturſach des Kornbrandes im Saamen liege, und die Krankheit durch die Auswahl und Behandlung deſſelben mehrentheils vorgebenget werden koͤnne, ſo muß man doch zugeben, daß ſie durch beſonders ſchaͤdliche Einwirkungen auf die Vegetation, auch bei dem geſundeſten Saamen, zuweilen entſtehen und folglich kein Mittel ſie ab ſolut verhindern koͤnne. Der Rocken. §. 77. Secale cereale. Wir haben nur eine Art, und die verſchiedenen Abarten Abarten. unterſcheiden ſich auch nicht durch irgend ein botaniſches Merkmal, ſondern nur durch eine verſchiedene Natur, die ſie durch die Kultur angenommen haben. Der Sommer- und Winterrocken geht auf eben die Weiſe, wie der Wei⸗ zen F. 49. in einander uͤber. Die Ratur des Winterrockens iſt: ſich länger an der Erde zu halten, mehrere Sproſſen auszutreiben, und ſpaͤter in Halme zu ſchießen. Wir haben eine Abart, zuerſt aus den ruſſiſchen Provinzen an der Oſt⸗ ſee erhalten, welche die Eigenſchaft des Winterrockens in vorzuͤglich hohem Grade beſitzt, und welche man deshalb Staudenrocken nennt. Alle die Ar⸗ ten, welche man mit dem Namen archangelſcher Rocken, norwegiſcher Rocken, und Johannisrocken belegt, ſind voͤllig dieſelben, und haben auch in ihrer Natur durchaus nichts ausgezeichnetes. Wenn der Staudenrocken um Johannis geſaet wird, ſo iſt er Johannisrocken ſo gut wie der, welcher unter dieſem Namen gehet. Und jener archangelſche und norwegiſche Rocken unter⸗ ſcheiden ſich eben ſo wenig. Ob der ſogenannte wallachiſche Rocken in ſeiner Natur verſchieden ſey, wage ich noch nicht zu entſcheiden. Es iſt dabei wahrſcheinlich noch eine Ver⸗ wechſelung des Namens vorgegangen, indem man vor 50 Jahren die Himmels⸗ gerſte für eine Rockenart hielt, und ſie wallachiſchen Rocken nannte, ich ſie auch K — —— — — Vierter Theil. Der Boden fuͤr Rocken. 74 Der Rocken. noch vor ſechs Jahren unter dieſem Namen zugeſchickt erhalten habe. Was jeßt unter dieſem Namen geht, hat durchaus kein beſtimmtes Unterſcheidungs⸗ zeichen. Einige Abaͤnderung ſeiner Natur zeigt jedes Getreide nach einer, mehrere Generationen hindurch fortgeſetzten Gartenkultur und ſorgfaͤltiger Saa⸗ menauswahl, auch wenn es dann ins freie Feld kommt, im Anfange noch. Aber ob ſie conſtant ſey, iſt nicht ſo ſchnell auszumitteln. Der Staudenrocken hat uͤberwiegende und unbezweifelte Vorzuͤge vor dem andren. Er iſt weit haͤrter gegen uͤble Einfluͤſſe der Witterung, beſtaudet ſich ſtaͤrker, lagert ſich auf reichem Boden nicht ſo leicht und giebt auf gutem und gut beſtellten Boden immer hoͤheren Ertrag. Nur muß er durchaus vor Ende Septembers in der Erde ſeyn. Bei ſpaͤterer Saat und auf ganz armem Bo⸗ den verliert er freilich ſeinen Vorzug. Er ſchoſſet, bluͤhet und reifet merklich ſpaͤter wie der gewoͤhnliche, und nur durch ſehr fruͤhe Saat kann man ihn gleichzeitig machen. Dieſe Abart iſt ſehr conſtant, und ich habe keine Aus⸗ artung bemerkt, wenn er auch ſo dicht bei andrem ſtand, daß er von deſſen Saamenſtaube beruͤhrt werden mußte. §. 78. Fuͤr den Rocken iſt der mit Sand in groͤßerm Verhaͤltniſſe gemengte Boden der zuträglichſte. Alſo derjenige, der nach§. 50. fuͤr den Weizen nicht mehr geeignet iſt. Auf dem ſehr ſandigen Boden, der 85 Prozent Sand und dar⸗ uͤber hat, bleibt Rocken das einzige Getreide, welches darauf gebaut werden kann, und dieſer Boden wird daher bei uns Rockenland genannt. Jedoch iſt Boden, der weniger als 85 Prozent Sand hat, auch fuͤr den Rocken beſſer. Je reicher der Boden iſt, deſto ſtärker wird freilich der Rocken. Allein er nimmt mit aͤrmerem Boden vorlieb, als der Weizen. Zum Theil haͤngt dies zwar auch von der Art des Bodens ab, indem der Sandboden den Reſt ſeines Humusgehalts leichter ausziehen läßt, wie der Thonboden. Hat ein erſchoͤpf⸗ ter Boden eine Reihe von Jahren geruhet, ſo ſammlet er wieder Kraft genug, um eine, freilich armliche, Rockenernte zu tragen. Er ertraͤgt auch einen ziemlichen Grad von Saͤure im Boden, welcher dem Weizen und der Gerſte zuwider iſt, und kann daher auf Haid⸗ und Moorboden, wenn letzterer abgewaͤſſert iſt, gebaut werden. 1 Der Rocken. 75 Deshalb iſt fuͤr ſandige und arme Gegenden der Rocken das wohlthaͤtigſte Geſchenk Gottes, ohne welches ſie vielleicht unbewohnbar ſeyn wuͤrden. §. 79. Der Rockenbau iſt in Anſehung ſeiner Vorbereitung und Vorfrucht minder Vorbereitung ſchwierig, wie der Weizenbau. Sd Por⸗ Daß die Brache in der Regel nur dreimal dazu gepfluͤgt zu werden brauche, ruͤhrt freilich nur von der Loſigkeit des Bodens her, den man fuͤr den Rocken beſtimmt. Denn der mehr gebundene verlohnt die vierte Furche immer durch reicheren Ertrag. Die Vorfruͤchte, die dem Weizen guͤnſtig ſind, ſind es auch dem Rocken, auf ſolchem Boden, wo ihr Bau ſtatt findet. Nach Kartoffeln und Lein bemerkt man, mit ſeltnen Ausnahmen, auch einen Ruͤckſchlag des Rockens Der Rocken ertraͤgt es zwar eher wie der Weizen in die Stoppel eines andern Getreides, oder gar in ſeine eigne, geſaͤet zu werden; und bekanntlich iſt eine drei⸗ oder viermaligr Rockenfaat nacheinander, in einigen Gegenden etwas gebräuchliches. Allein die Ernten ſind auch ſo duͤrftig, daß uͤber die Unzweck⸗ mäßigkeit einer ſolchen Fruchtfolge, bei allen Unbefangenen in dieſen Gegenden ſelbſt nur eine Stimme herrſcht. Sogar eine ungewoͤhnlich ſtarke und wieder⸗ holte Duͤngung kann den Ruͤckſchlag in Koͤrnern nicht verhindern, wenn ſie auch Stroh genug hervortreibt. Alle einzelne Beobachtungen, daß die zweite Ernte beſſer wie die erſte geweſen ſey, die man anfuͤhrt, um das Verfahren zu vertheidigen, beweiſen nicht das Gegentheil der allgemeinen Erfahrung und laſ⸗ ſen ſich leicht erklaͤren, wenn man ſie genauer analiſirt. Ein friſcher kurz vor der Saat untergepfluͤgter, durch Duͤrre oder durch Naͤſſe unauflöslich geworde⸗ ner Duͤnger ſchadet natuͤrlich der erſten Saat, und kommt der zweiten zu ſtatten. Entſchuldigung kann indeſſen das Verfahren verdienen auf Boden, der nichts andres als Rocken traͤgt, und wo das Stroh beinahe von groͤßerer Wichtigkeit iſt, wie das Korn. F. 80. Beim Rocken braucht man zwar in der Auswahl des Saamens nicht ſo Saat. beſorglich zu ſeyn, wie bei dem Weizen. Aber ein vollſtändiges, reifes, vor⸗ ſichtig behandeltes und reines Saatkorn wird ſich immer belohnen. K 2 76 Der Rocken. Das Rockenkorn ertraͤgt nur eine ſchwache Bedeckung mit Erde und durch eine ſtarke kann es, wenn der Boden einigermaßen gebunden iſt, am Keimen verhindert und unterdruͤckt werden. Deshalb iſt das Unterpfluͤgen, wie ich aus ſelbſt erlittenem Schaden weiß, mehrentheils bedenklich. Wenn der Boden ſehr trocken iſt, und es nach der Ausſaat bleibt, ſo kann zwar der unterge⸗ pfluͤgte Rocken einen Vorzug vor dem auf die Furche geſaeten bekommen, in⸗ dem er fruͤher und gleichzeitiger làuft. Da man aber die Witterung zu der Zeit, wo man die Saatfurche geben ſoll, nicht vorausſehen kann, ſo iſt es im⸗ mer rathſam, bloß auf das Untereggen zu denken; es ſey denn, daß man ihn, was freilich vor allem den Vorzug hat, mit einem Eyſtirpator flach unterbrin⸗ gen wolle. Als die angemeſſenſte Saatzeit fuͤr den gewöhnlichen Wintertocken, nimmt man die Mitte des Septembers bis zur Mitte des Oktobers in un⸗ ſerm Klima an. Man ſaͤet ihn aber in manchen Gegenden, beſonders um ihm den im Winter gemachten Duͤnger noch zukommen zu laſſen, bei offenen Boden, den Winter hindurch bis zu Ende Februars, und zuweilen mit gutem Erfolge. Manche unbefangene Beobachter ſagen, daß die ganz ſpäte Saat die ſicherſte ſey, dagegen nie ſo hohen Ertrag gebe, wie es die fruͤhe zuwei⸗ len thue. Die ſchlechteſte Saatzeit ſey aber von der Mitte Oktobers bis zur Mitte Novembers. Da ich zu jeder Zeit geſaͤeten Rocken auf einer ſehr zer⸗ ſtuͤckelten Feldflur lange zu beobachten Gelegenheit gebabt habe, ſo kann ich dies wenigſtens ſagen, daß ich nie eine Saat habe ausbleiben geſehen, und daß ich mich alſo uͤberzeugt habe, es ſchade auch dem in der Milch liegenden Rocken kein Froſt. Der Staudenrocken verlangt aber durchaus eine fruͤhe Saat, nnd ſie kann vielleicht nie zu fruh geſchehen. Von der Mitte des Junius an babe ich ihn geſaͤet, ohne daß er nur den geringſten Anſchein wachte, in demſelben Sommer aufſchießen zu wollen. Säaet man ihn erſt im Oktober, ſo beſtaudet er ſich ſchwach, oder ſeine Nebenſchoſſen bleiben bei dem Austreiben der Aeh⸗ ren zuruͤck, und werden ſchwach. Die gewoͤhnlichſte Ausſaat des Rockens iſt 18 bis 20 Metzen auf den Morgen. Wenn man den Staudenrocken im Auguſt oder Anfangs Septem⸗ Der Rocken. 77 bers ſäͤet und ihn gut vertheilt, ſo ſind 12 bis 14 Metzen voͤllig zureichend. Er beſtaudet ſich ſo ſtark, daß dennoch drei Theile der Pflanzen einem Theile, der den Platz behauptet, weichen muͤſſen. Im Fruͤhjahre hat dieſer Rocken oft das Anſehen, als ſtehe er zu duͤnne, und Unerfahrne werfen ſich dann vor, daß ſie doch zu duͤnne geſaͤet haben. Er wuͤrde aber eben ſo ſtehen, wenn ſie ſehr dick geſaͤet häͤtten; denn die im Herbſt ſich ſtark beſtaudenden Pflanzen muͤſſen einander verdrängen, muͤſſen den Platz haben, um ihre ſtarke Beſtau⸗ dung machen zu koͤnnen, treiben dann aber mit zehn, zwoͤlf und mehreren gleich ſtarken Halmen in die Hoͤhe, und bilden, wenn anders der Boden Kraft hat, und die Witterung einigermaßen guͤnſtig iſt, das dichteſte Aehrenfeld. Da dieſer Rocken noch ſpaͤter treibt und ſchoſſet wie der ordinaire, ſo ſtehet er oft bis zur Mitte des Mays im Anſehen gegen dieſen ſehr zuruͤck, uber⸗ trifft ihn aber im Junius deſto mehr. S. 81. Dem Rocken iſt das Aufeggen im Fruhjahre, beſonders wenn der etwas Vegetations⸗ bindende Boden eine harte Kruſte bekommen und Riſſe hat, eben ſo nuͤtzlich, wie dem Weizen; obwohl es dabei ſeltener angewandt wird. Er erträgt es ſelbſt auf ſandigem Boden mit großem Nutzen; doch ſind hier leichte holzerne Eggen zu nehmen, und es iſt erſt abzuwarten, daß er ſich nach dem Winter feſt ein⸗ gewurzelt habe. Waͤren ſeine Wurzeln, beſonders auf ſchwammigem Boden, herausgehoben durch den Winterfroſt, oder entbloͤßt durch den Wind, ſo iſt dann dagegen das Walzen zutraͤglich. Eine ſehr entſcheidende Periode iſt fur den Rocken, mebr wie fuͤr anderes Getreide die Bluͤtezeit, und man kann uͤber deſſen Ertrag nicht ſicher ſeyn, bis er dieſe gluͤcklich uͤberſtanden hat. Ein Morgenreif, der ihn in der Blute trifft, kann den Koͤrneranſatz ganz oder zum Theil zerſtöͤren. Manchmal trifft er nur die außere nach der Windſeite liegende Stelle einer Feldbreite, und manchmal verletzt er nur die eine nach dem Winde gerichtete Seite der Aehren. Die Aehre entfaͤrbt ſich, die Spitzen der Spelzen ſchrumpfen ein und ſie bleiben leer. Eben ſo nachtheilig wirkt eine, waͤhrend der Blutezeit anhaltende, regniche, fenchte und ſehr windige Witterung. Einzelne, auch oft wiederkehrende Regen⸗ ſchauer ſchaden nicht, wenn nur zwiſchendurch trockne, warme Stunden kom⸗ Reife. Ertrag. Werth⸗ 78 Der Rocken. men. Denn der Rocken verſchließt waͤhrend des Regens ſeine Spelzen, und wenn darauf warmer Sonnenſchein folgt, treten die Staubbeutel mit Macht hervor und der Saamenſtaub uͤberzieht in einer dichten Wolke das Feld. Allein bei anhaltendem feuchten Wetter verdumpfen endlich die Staubbeutel in den Spel⸗ zen und faulen; es geht keine Befruchtung vor, oder das Koͤrnchen wird von der Faͤulniß mit ergriffen. Hier erzeugt ſich wahrſcheinlich das Uebel des Mut⸗ terkorns; dieſer bekannte, auffallende, violet ſchwarze Auswuchs; welcher einzeln unbedeutend iſt, aber in großer Menge, beſonders friſch genoſſen, hoͤchſt gefaͤhrliche und toͤdtliche Krankheiten, hauptſaͤchlich die Kribbelkrankheit, bei Menſchen und Vieh hervorbringt. Indeſſen widerſteht kraftvolle Saat den Einwirkungen aͤußerer Schadlich⸗ keiten, auch in der Bluͤtezeit mehr wie ſchwache und ſchlecht beſtellte. Den mehr oder minder vollſtändigen Anſatz der Koͤrner kann man nach vol⸗ lendeter Bluͤte leicht erkennen, wenn man die Aehre gegen das Licht betrachtet, indem die befruchteten Spelzen durchſichtig erſcheinen. Da jedoch der Rocken langſam abbluͤhet, ſo muß man nicht fruͤher daruͤber urtheilen. Spaͤter fuhlt man die Fehlſtellen, wenn man eine Aehre durch die Finger zieht. S. 82. Die Reife des Rockens erkennt man aus dem Verbleichen des Strohes, indem es ſeine gelbere Farbe in eine mehr weiße umwandelt und auch zunaͤchſt an den Knöten nichts gruͤnes mehr zeigt. Die Koͤrner ſind hart, loͤſen ſich leicht und fallen aus, wenn man ſtark daran ſchlägt. Man muß aber auch bei dem Rocken die Vorſchrift des alten Cato befolgen: Oraculum esto, biduo citiu quam biduo serius metere— lieber zwei Tage zu fruh als zu ſpaͤt zu mähen. S. 83. Der Durchſchnittsertrag des Rockens iſt auf gleichem, beiden Getreidearten zuſagenden Boden im Volumen dem des Weizens wohl gleich. Indeſſen kenne ich kein Beiſpiel, daß Recken uͤber 22 Scheffel vom Morgen gegeben haͤtte; vom Weizen hat man unbezweifelt hoͤheren Ertrag, aber auf Boden, der fuͤr Rocken durchaus zu ſtark geweſen ſeyn wuͤrde. Als ein guter Ertrag ſind 12 Scheffel anzunehmen, und er faͤllt herunter bis auf3 Scheffel. Weniger iſt Mißwachs; Der Rocken. 79 und Boden, wo man dies nur als das gewoͤhnliche annehmen kann, bezahlt ſeine Beſtellungskoſten kaum und hat als Ackerboden keinen Werch. Das Gewicht eines Scheffels reinen Rockens iſt zwiſchen 76 und 86 Pfd. Naͤchſt dem Weizen enthält der Rocken unter den gewoͤhnlichen Getreide⸗ arten die groͤßte Quantität nahrhafter Subſtanzen. Er enchaͤlt eine aromatiſche Subſtanz, welche beſonders ſeinen Huͤlſen anzuhaͤngen ſcheint, weil der eigen⸗ thuͤmliche angenehme Geruch und Geſchmack des Rockenbrodes bei dem aus fei⸗ nem gebeutelten Mehle bereiteten Brode verloren geht. Man kann dieſem den Geruch, zugleich aber die ſchwarze Farbe dem Brode wiedergeben, wenn man einen heißen Aufguß der Kleye bereitet und ſich deſſen zum Einteigen bedient. Dieſe Subſtanz ſcheint die Verdaulichkeit zu befördern und hat einen beſonders erfriſchende und ſtärkende Einwirkung auf den thieriſchen Koͤrper. §. 84. Der Preis des Rockens iſt da, wo er die allgemeinſte Nahrung der Men⸗ Preis. ſchen ausmacht, beſtändiger, wie der anderer Getreidearten; ſteht wenigſtens mehr mit dem Ertrage der heurigen Ernte in Verhaͤltniß. Nachfrage vom Aus⸗ lande wirkt in unſren Gegenden nur indirect darauf ein. Auf die Dauer regulirt er bei uns den Preis aller uͤbrigen Produkte, und ſelbſt durch den Arbeitslohn den Preis der Fabrikate. Sein Abſatz iſt im Ganzen der ſicherſte, wenn man gleich nach Orts⸗ und Siſ durch andre— mehr gewin⸗ nen F. 85. auf. allem Boden, der ein Uebergewicht von Sande enthaͤlt und der Feuch⸗ tigkeit nicht zu ſehr ausgeſetzt iſt, hat man bei guter Beſtellung am wenigſten Mißwachs von ihm zu beſorgen 4— Er erſchoͤpft den Boden weniger als Veen. Wir haben in den Be⸗ merkungen, die dem zweiten Bande vorgedruckt ſind, angenommen, daß eine gehörige Ernte 30 Prozent von der im Boden befindlichen Kraft ausziehe. Durch ſein ſtarkes Stroh, welches kein anderes Getreide in ſo großem Ver⸗ haltniſſe iiefert, und welches zu allen wirthſchaftlichen Beduͤrfniſſen ſo beſon⸗ ders geeignet iſt, erſetzt er, wenn es gehoͤrig zu Miſt gemacht wird, die ausge⸗ ſogene Kraſt mehr wie anderes Getreide. t— 7 80 Der Rocken. §. 86. 1 Sommertol⸗ Der Sommertocken iſt eine bloße Abart des Winterrockens, und kann, 6 wie ich mehrmals geſehen habe, leicht in dieſen umgewandelt werden. Er iſt mehrentheils nur eine Nothhuͤlfe fuͤr die, welche ihre Winterbeſtel⸗ lung nicht vollenden und doch auf ihrem Boden kein andres Getreide wie Rocken bauen koͤnnen, und insbeſondere den im Winter gemachten Miſt gleich in Wir⸗ kung ſetzen wollen. Jedoch iſt er auch ſehr angemeſſen auf Boden, der fuͤr Gerſte und Hafer zu ſandig und zu duͤrre iſt; nach Kartoffeln, wo der Winter⸗ rocken nicht geräth, der Sommerrocken, auf dem vorbereiteten Lande moͤglichſt fruh geſäͤet, aber vorzuglich einſchlaͤgt. Er giebt ſonſt, ſehr ſeltne Fälle, und vielleicht letzteren ausgenommen, nie einen gleichen Ertrag mit dem Winterrocken und mißraͤth oft voͤllig. Seine Körner ſind klein aber feinhuͤlſig, enthalten ein ſehr gutes Mehl, und er wird deshalb zuweilen etwas theurer wie Winterrocken bezahlt. Er muß fruͤh geſäet werden, zu Ende des März— zu Anfange deſſelben ſaet man noch wohl Winterrocken— oder Anfangs Aprils. Spaͤter wird nichts daraus. Da er gewoͤhnlich in die Stoppel des Winterrockens auf friſchem Duͤn⸗ ger geſäet und der Acker nur in der kalten und naſſen Jahreszeit dazu vor⸗ bereitet wird, ſo wuchern Quecken und verſchiedene Agroſtisarten ungemein unter ſelbigem ein, und man ſindet die Aecker faſt nirgends ſo damit verun⸗ reinigt, wie da, wo er häufig in dieſer Ordnung gebauet wird. Man giebt die Neigung, ſich zu verquecken, dann unrichtig dem Boden Schuld. Die Gerſte. Arten. Es giebt deren 3 oder wenn man will 6 gegenwärtig bei uns bekannte und verbreitete Arten⸗ 2 1) Hordeum vulgare, kleine vierzeilige Gerſte, 2)— distichon, große zweizeilige Gerſte, 3)— coeleste, Himmelsgerſte, 2) Hor- Die Gerſte. 81 4) Hordeum nudum, nackte vierzeilige Gerſte, 5)— hexastichon, ſechszeilige Wintergerſte; und die min⸗ der uͤbliche 6)— zeocriton, Reisgerſte, Pfauengerſte. §. 88. Alle Gerſtenarten verlangen einen lockeren, milden aber Feuchtigkeit hal⸗Boben. tenden und dennoch der Naͤſſe nicht ausgeſetzten, vermoͤgenden Boden. Ein Boden, der go bis 69 Prozent Sand und uͤbrigens groͤßtentheils Thon ent⸗ haͤlt, wenn er bei erſterem Verhaͤltniſſe trocken, bei letzterem feucht liegt, iſt fuͤr die Gerſte am meiſten geeignet. Indeſſen gedeihet ſie auch auf mehr tho⸗ nigen Boden vortrefflich, wenn er durch einen ſtärkeren Gehalt an Humus Lockerheit genug beſitzt und ſich zum Weizenboden erſter Klaſſe qualifizirt. Hat der Lehmboden einen Antheil von Kalk und um ſo viel weniger Sand, um nur lockerer aber nicht loſe zu ſeyn, ſo wird er vorzuͤglich fuͤr die Gerſte, um ſo mehr da der Kalk alle Saͤurung verhindert, welche der Gerſte immer zuwider iſt. Auf Boden, der dagegen ein beträchtliches Uebergewicht an Sande, 70 bis 75 Prozent hat, kann Gerſte zwar, wenn er in Kraſt ſtehet, in feuch⸗ teren Sommern ſehr gut gedeihen, ſchlaͤgt aber in duͤrren ſehr zuruͤck und iſt folglich unſicher. Ein armer, zäher, naßkalter, verſauerter Boden iſt ihr durchaus nicht angemeſſen und ſie geraͤth hoͤchſt ſelten darauf. F. 89.— Die Gerſte verlangt eine ſehr aufgelockerte und gepulverte Erde. Wenn Vorbereitung. ſie, wie gewöhnlich, in die Stoppel der Winterung geſaet wird, ſo muß der Acker wenigſtens drei Furchen haben. Iſt er aber durch den Anbau der Hack⸗ fruͤchte im vorigen Jahre gelockert, ſo bedarf es nur einer Furche. Die vorhergehenden Fruͤchte muͤſſen der Gerſte noch betraͤchtliche Kraft im Acker hinterlaſſen haben, oder ſie verlangt friſchen aber ſchon zergangenen Duͤn⸗ ger. Ihrer ſchwächern Naturkraft muͤſſen die Nahrungstheile ſchon wohl vor⸗ bereitet und geloͤſet dargereicht werden. Die Gerſte iſt keinen andren beſonderen Krankheiten ausgeſetzt, als dem Staubbrande. Dieſer bringt aber ſelten einen erheblichen Verluſt, obgleich Vlerter Theil. L —— Saat. 82 Die Gerſte. er zu Anfange gefaͤhrlich ausſieht. Denn die brandigen Aehren kommen zuerſt hervor, und es ſieht aus, als ob das ganze Feld damit uͤberzogen ſeyn wuͤrde. Wenn die geſunden Aehren erſcheinen, ſo bemerkt man es kaum mehr. Ge⸗ gen dieſen Brand hilft das Einkalken nicht und iſt alſo vollig uͤberflußig. §. 9o. Alle im Fruͤhjahr ausgeſaete Gerſtenarten ertragen und lieben eine ziem⸗ lich ſtarke Bedeckung mit Erde, und koͤnnen 3 bis 4 Zoll tief untergepflugt werden; auf ſehr lockererm Boden iſt das faſt eine Bedingung ihres guten Gerathens. Man muß aber doch die Abtrocknung des Bodens abwarten und eine trockene und warme Witterung iſt ihnen bei und gleich nach der Einſaat am zutraͤglichſten. Ein recht reifes, vollſtändiges, nicht dumpfig gewordenes Saatkorn giebt geſundere Pflanzen. Auch muß es von den unter der Gerſte ſo häufig wach⸗ ſenden Unkrautsſaamen durch Sichten und durch Abſchwemmen gereinigt ſeyn. Wenn man ein ſolches Saatkorn waͤhlt und es gut verbreitet, ſo giebt eine duͤnne Ausſaat, beſonders der großen Gerſte, von 12 bis 14 Metzen ein dichteres Feld als eine ſtarke von 20 und 22 Metzen; weil dieſe Gerſte ſich ſtark beſtaudet, wenn ſie Raum hat; aber ſchwache Pflanzen macht, wenn es ihr daran fehlt. Die kleine Gerſte, die ſich weniger beſtaudet, muß dichter geſaͤet werden. Tritt nach der Einſaat ein ſtarker Regen ein, welcher den Boden zu⸗ ſchlaͤgt, ſo muß er gleich nach der Abtrocknung und vor dem Auflaufen mit der Egge wieder uͤberzogen werden, um die Kruſte zu brechen, durch welche die Spitze des Gerſtblattes nicht durchdringen kann und unter welcher man ſie oft gekruͤmmt findet. Nach dem Auflaufen iſt aber das Eggen der jungen Gerſte, welches manche auch vorgeſchlagen haben, bedenklich, weil ſie wie Glas abſpringt und darf nur mit großer Vorſicht, mit leichten hoͤlzernen Eggen, nach einem Strich, und nur gegen Abend geſchehen. Die Gerſte. 83 Die kleine vierzeilige Gerſte F. 51. haͤlt man dem ſchwaͤcheren Boden angemeſſener und nennt ſie deshalb auch zu⸗ weilen Sandgerſte. Sie kann auf lehmigem Sandboden, der reich genug iſt, gut gerathen, wenn ihr die Witterung guͤnſtig iſt, in welchem Falle aber auch die große Gerſte darauf gedeihet. Der Nahme vierzeilig iſt eigentlich unrichtig, denn ſie hat, wenn ſie voll gewachſen iſt, ſechs Zeilen. Richtiger wuͤrde man ſie vierſeitige oder eckige Gerſte nenneu, denn ihre Aehre bildet ein Viereck mit zwei breiten und zwei ſchmalern Seiten. Sie iſt, wenn ſie nicht allmaͤhlig in ihrer Reproduktion abgehaͤrtet wird (was moͤglich zu ſeyn ſcheint und wodurch eine Varietaͤt, die zwiſchen dieſer und der ſechszeiligen Gerſte in der Mitte ſtehet, wie wir unten hoͤren werden, gebildet wird), ein ſehr zartes Gewaͤchs, was von einem Nachtfroſte faſt zer⸗ ſtoͤrt wird, und von jeder unguͤnſtigen Witterung ſehr leidet. Sie erfordert aber nur eine kurze Zeit zu ihrer Vegetation, und kann, wie man ſagt, in 9 bis 10 Wochen aus dem Sacke und in den Sack kommen; weswegen man ſie oft erſt gegen die Mitte des Junius ſäet. Trifft ſie dann eine warme und gehoͤrig feuchte Witterung, ſo kann ſie beſſer werden, wie die große Gerſte, die in ihrer längern Vegetationsperiode ſeltner einer ſo durchaus guͤnſtigen Wit⸗ terung genießt. Bei dem beſten Anſcheine aber ſchlaͤgt ſie oft unerwartet zu⸗ ruͤck, wenn es ihr beim Austreiben der Aehren an Feuchtigkeit mangelt, und im Durchſchnitt kommt ſie der großen Gerſte im Ertrage nicht gleich. Sie hat in derjenigen Dreifelderwirthſchaft, wo man der Winterung nur eine ſehr unvollkommene Brache giebt und den Acker erſt im Julius vor⸗ zubereiten anfangt, den wichtigen Vorzug, daß man ſie ſpät, allenfalls bis zu Ende des Junius ſäen und alſo dem Acker in einer ſehr guͤnſtigen Jahrszeit eine halbe Brachbearbeitung— die zur Pulverung und Luͤftung des Bodens und zur Zerſtoͤrung des Unkrauts vielleicht wirkſamer iſt wie jene ſpäte Brache— geben kann. Ihre Mähereife muß wohl beobachtet werden, und man darf ſie nicht zu ihrer vollkommenen Reife, beſonders in Anſehung des Nachwuchſes kommen B2 — 84 Die Gerſte. laſſen, weil ſonſt ihre an ſehr duͤnnen Stielen haͤngende Aehren abfallen. Wenn der Haupttheil keine Milch mehr hat, aber die Koͤrner ſich noch wie Wachs kneten laſſen, die Aehren mehrentheils gelb ſind, ſo iſt es Zeit ſie zu maͤhen, und ſie muß dann in den Schwaden nachreifen. Iſt ſchon Abfall zu beſorgen, ſo muß ſie nur im Thau gemaͤhet und uͤberhaupt vorſichtig behandelt werden. Ihr Gewicht und ihr Mehlgehalt iſt betraͤchtlich geringer, wie das der großen Gerſte. Der Scheffel wiegt in der Regel 55— 64 Pfd. Doch habe ich ſie einmal zu 70 Pfd. Schwere gehabt. So iſt denn auch ihr Preis nicht nur im Verhaͤltniß ihres Gehalts geringer, ſondern wo die Brauer an große Gerſte grwoͤhnt ſind, oft noch niedriger. Sie darf nicht gemengt mit andrer Gerſte gemalzt werden, weil beide ungleich keimen, und darum nimmt ſie niemand gern, wenn man große Gerſte genug haben kann, P daß ſie dann nur als Viehfutter Abnehmer findet. Ihr ſehr weiches Stroh ſcheint, ſelbſt dem Gewichte nach, in geringe⸗ rem Verhaltniſſe, wie bei der großen Gerſte zu ſtehen. Die große, zweizeilige Gerſte 5. 92. halten die meiſten nur fuͤr einem mehr thonigen Boden geeignet. Ich habe ſie indeſſen haͤufig auf mehr ſandigem Boden, der 70 Prozent Sand hielt, und im Durchſchnitt auf dieſem Boden mit groͤßerem Erfolge, wie die kleine Gerſte gebauet; wenn ich ſie zu Ende des März oder zu Anfange Aprils, ſobald als moͤglich ſäete, und im Fruͤhjahre nicht dazu pfluͤgte, ſondern die Saat nur auf den durch Hackfruͤchte tief gelockerten und durchduͤngten Bo⸗ den mit dem Epſtirpator unterbrachte. Sie iſt mir dann nie ganz mißrathen, und das geringſte, was ich in den duͤrren Sommern 1809 und 1810, wo die Gerſte beſonders in dem Zeitpunkte des Hervortreibens ihrer Aehren ſehr an Duͤrre litt, auf ſolchem Boden erhalten habe, waren 6 Scheffel vom Morgen. Ich habe ſonſt auf gleichem aber in große Kraft geſetzten Boden in guͤnſtigen Jahren 15 Scheffel erhalten. Deshalb ziehe ich die große Gerſie der kleinen in einem der Gerſte zutraͤglichen Fruchtwechſel unbedingt vor. Die Gerſte. 55 Die große fruͤh geſäͤete Gerſte iſt hart gegen den Froſt, und wenn gleich ihre Blattſpiten gelb werden, ſo ſchadet es ihr wenig. Bei trockner Witterung bekommt ſie zumal auf ſandigern Boden, gelbe Blaͤtter, aber hierdurch wird ſie nicht zerſtoͤrt, wenn ſie nur beim Hervortreten der Aehren Feuchtigkeit hat, denn dies iſt der entſcheidende Zeitpunkt fuͤr ſie. Wird ſie aber wegen zu gro⸗ ßer Feuchtigkeit gelb, was in Sinken leicht geſchieht, ſo iſt ſie verloren. Sie hat in großen Wirthſchaften, fruͤh geſaͤet, das Unangenehme, daß ſie dann faſt gleichzeitig mit dem Rocken reift. Und obgleich die Geſahr des Abſallens bei ihr nicht ſo groß wie bei der kleinen Gerſte iſt, ſo muß man doch bei trocknem Wetter mit den Maͤhern, vom Rocken ab, zu ihr übergehen. Dies kann ein Grund ſeyn, ſie auf lehmigern Boden nicht ſo fruͤh, ſondern erſt Anfangs Mays zu ſäen, auf ſandigerm aber kleine Gerſte zu bauen. Der Scheffel wiegt, wenn ſie einigermaaßen ausgewachſen iſt, etliche und 70 Pfd. Ich habe ſie auch ſchon von 84 Pfd. gehabt. Sie pflegt dann auch in ihrem Marktpreiſe dem Rocken oft gleich zu kommen, zuweilen zu uͤberſteigen. Die Himmelsgerſte, die vierzeilige nackte Gerſte. §. 93. Die Botaniker halten ſie fuͤr eine Abart der gemeinen vierzeiligen Gerſte, und glauben, daß ſie in ſelbige zuruͤckarte. Ich bezweifle das, wenn es gleich zuweilen den Anſchein bat. Es kommen nämlich oft Koͤrner darunter, die vollig das Anſehn der kleinen Gerſte haben. Dies ſind aber unvollkom⸗ men ausgewachſene Koͤrner, die ihre Schaale nicht abwerfen, und die entwe⸗ der gar nicht auflaufen und aufkommen, oder wieder Himmelsgerſte geben. Da es indeſſen uͤberhaupt bei unſern kultivirten Pflanzen ſo zweifelhaft iſt, was Spezies und was Varietaͤt genannt werden ſolle, ſo mag auch dies un⸗ entſchieden bleiben. Sie zeichnet ſich von der kleinen Gerſte dadurch aus, daß ſie ſich weit ſtarker beſtaudet und mehrere Halme treibt, wenn ſie auch auf gleichem Bo⸗ den und gleich entfernt ſtehet. Ihr Halm wird ungleich dicker, auch als der, der großen Gerſte. Die Aehre iſt laͤnger als die der vierzeiligen, und ent⸗ haͤlt mehrere Koͤrner. Ein Hauptmerkmal aber iſt, daß ſie die Grannen oder 86 Die Gerſte. den Bart verliert wenn ſie reift, und daß ſich das Korn nun von der Blu⸗ menhuͤlſe trennt, und dann in anderer Geſtalt wie die Gerſte erſcheint. Ge⸗ woͤhnlich bekommt dieſe Gerſte auf reichem Boden ſechs vollſtändige Zeilen. Man hat daher ihr nacktes der gewoͤhnlichen Gerſte wenig aͤhnliches Korn, bald Weizen, bald Rocken, bald Gerſtweizen genannt. Man hat ihr den Namen von Davidskorn, Jeruſalemskorn, egyptiſches und wal⸗ lachiſches Korn gegeben. Caſpar Bauchin kannte dieſe Gerſte, und nannte ſie Zeopyron oder Tritico speltum. Da man ſie laͤngſt gekanut hat, ſo ſcheint es auffallend, daß ihr Bau ſich nicht fruͤher auf fruchtbarem Boden allgemein verbreitete. Jedoch laͤßt es ſich aus den Bedingungen ihres Gerathens wohl erklaͤren, daß ihr Bau nicht jedermanns Sache ſey. Sie vereinigt ſonſt alles, was ſie als Sommerge⸗ treide empfehlungswerth machen kann: Haͤrte, Sicherheit, ſtarke Beſtaudung, Steifheit des Halms, ſtarken Ertrag an mehlreichen nahrhaften Koͤrnern, und vortreffliches, dem Weizen gleichkommendes Stroh, welches ſelbſt gegen das Gewicht des Korns in viel groͤßerem Verhaͤltniſſe, wie bei der großen Gerſte, ſtehet. Des letzteren wegen haben ſie Kurzſichtige getadelt, daß ſie aus einer Maſſe Stroh weniger Korn gebe, ohne zu bedenken, daß man von einer glei⸗ chen Fläche um ein Drittel mehr Stroh als von anderer Gerſte gewinne; ein Stroh was zur Fuͤtterung vorzuͤglich ſcheint, und deſſen Spreu frei von den beſchwerlichen Grannen iſt. Sie will aber einen guten, kraftvollen und wohlbereiteten Boden haben, und ob ſie in der Stoppel eines andern Getreides geſaͤet ln eben dem Ver⸗ haͤltniſſe beſſer, als andre Gerſte gerathe, wie ſolches nach Hackfruͤchten der Fall iſt, kann ich nicht beſtimmen, da ich und meine Freunde ſie nur nach dieſen Vorfruͤchten gebauet haben. Aber auch moͤglichſt fruͤh will ſie geſaͤet ſeyn, damit ſie Zeit habe, ſich ſtark zu beſtauden, bevor die Wärme ſie in die Hoͤhe treibt. Spaͤtere Saat iſt verſchiedenen fehl geſchlagen. Ein Froſt ſcha⸗ det ihr wenn ſie jung iſt nicht merklich. Man will ſie auch als uͤberwintern⸗ des Getreide fruͤh geſaͤtt, im Sommer mehreremale gemaähet, und dann im folgenden Jahre eine betraͤchtliche Ernte davon gehabt haben. Dies iſt in⸗ deſſen noch problematiſch und verdient mehrere Verſuche. Die Gerſte. 87 Sie wiegt mehrentheils dem Rocken gleich, und uͤberwiegt ihn oft. In Anſehung ihrer Rahrungstheile fand Einhof 72 ½ in Hundert, alſo 2 ½ mehr wie im Rocken. Er bemerkt aber, daß ſie an ſuͤßſchleimiger und thieriſch⸗vegetabiliſcher Subſtanz, folglich an den nahrhaſteſten Theilen ſo viel habe, daß ſie zwiſchen dem Weizen und Rocken ſtehe. Annalen des Ak⸗ baues Bd. VIII. S. 27. Wir haben mit dem Zuſatze von etwas Weizen oder Rocken ein gar kraͤftiges Brod daraus gebacken.— Einige Verſuche damit mißgluͤckten den Brauern, das Bier ward kraͤftig, aber nicht klar. Nunmehr brauen aber andre ein vorzugliches Bier daraus. Von den Branntweinbrennern wird ſie ſehr geſucht. Ihr Werth iſt dem des Rockens wenigſtens gleich⸗ Die zweizeilige nackte Gerſte, Hordeum nudum, F. 94. gleicht der vorigen in den meiſten Stuͤcken. Sie hat laͤngere zweizeilige Aeh⸗ ren. Ihr Korn wird zwar noch groͤßer, wie das der vierzeiligen, wenn ſie in gutem Gartenboden einzeln ſtehet. Aber beim Feldbau ſchrumpft es ſehr ein. Nach allen mir bekannten komparativen Verſuchen hat ſie einen betraͤcht⸗ lich geringern Ertrag wie die Himmelsgerſte gegeben.(Von Gartenverſuchen, nach Vermehrung der angepflanzten Koͤrner berechnet, rede ich nicht.) Sie gehoͤrt alſo zu den vielen Getreidearten, deren Anbau ich nach einer Reihe von Verſuchen wieder aufgegeben habe. Die ſechszeilige Gerſte, gewoͤhnlich Wintergerſte, Hordeum hexastichon, §. 95. wird von den Botanikern als eine beſondere Spezies angenommen. Meiner⸗ Vermuthung nach iſt ſie eine Abart der vierzeiligen Gerſte, wenn ſie ſich gleich in ihrem gegenwaͤrtigen Zuſtande merklich davon unterſcheidet. Die ſogenannte vierzeilige, richtiger viereckige Gerſte hat eben ſowohl ſechs Zeilen. Es ſtehen die Koͤrner wenn ſie reifen bei jener nur mehr ab und bilden ſo ein Sechseck. 88 Die Gerſte. Ich vermuthe aber, daß das bloß die Folge der verſchiedenen Kultur ſey, und halte eine allmählige Umwandlung des Hordeum vulgare in Hordeum hexas- tichon fuͤr moͤglich. Die meichliche Ratur verliert jenes, wenn es immer fruͤ⸗ her ausgeſaͤet wird. Wahrſcheinlich laͤßt es ſich nach mehreren Generationen an die Durchwinterung gewoͤhnen, und gehet dann auch in ſeiner aͤußern Ge⸗ ſtalt in letzteres uͤber. Die ſechszeilige zur Winterausſaat gewoͤhnte Gerſte verlangt einen kräfti⸗ gen, ziemlich gebundenen Boden, der fuͤr den Weizen voͤllig geeignet iſt. Man waäͤhlt ſie in den reichen Niederungen beſonders fuͤr ſolchen Acker, auf welchem man vom Weizen Lagergetreide beſorgen muͤßte, und das iſt der Haupt⸗ grund ihres Anbaues daſelbſt. Sie lagert ſich nicht und giebt zuweilen einen enorm hohen Ertrag= 28 Scheffel per Morgen, in der Regel 22 Scheffel. Zuweilen aber wintert ſie aus und wuͤrde mißrathen, wenn man ſie ſtehen ließe. Man pflugt ſie dann aber ſogleich um, und beſtellt den Acker mit Sommer⸗ gerſte. Auf minder kraͤftigem Boden wird ihr Ban ſelten vortheilhaft ſeyn, in⸗ dem ſie daſelbſt nur die Stelle des Weizens einnehmen kann, und man doch von ihr, dem Werthe nach, keinen hoͤheren Ertrag wie von jenem erwarten koͤnnte. Sie will ſehr fruͤh, im Auguſt geſaͤet ſeyn, wenn ſie ſicher durchwintern ſoll, in die Brache oder in eine ſehr lockernde Vorfrucht; am haͤufigſten ge⸗ ſchiehet es nach Rapps. Sie reift dann fruͤh, zu Ende Junius oder Anfangs Julius, und dies gereicht ihr allerdings zur Empfehlung, indem ſie das Ernte⸗ geſchaͤft theilet und die Zeit dazu verlaͤngert; auch weil die Gerſte um dieſe Zeit oſt ſehr geſucht wird und man ſie gleich abdreſchen und zu Markt bringen kann. Unter dieſen Umſtänden hat ſie manchmal den hoͤchſten Vortheil gebracht. Nachher findet ſie aber weniger Abnehmer, da ihr Korn noch unanſehnlicher wie das der kleinern Gerſte iſt, und auch wirklich in der Regel leichter wiegt. Die Reißgerſte, Hordeum zeocriton. F. 96. Bartgerſte, Pfauengerſte, deutſcher Reis, Faͤchergerſte, ve⸗ netianiſche Gerſte, japaniſche Gerſte, iſt laͤngſt bekannt, und vormals ſchon in Deutſchland, häͤufiger wie jetzt, in Gebrauch geweſen.. Ihre Die Gerſte. 89 Ihre Aehre iſt lanzettfoͤrmig, hat zwei Reihen, die ſtarke Grannen haben und weit vom Aehrenſtengel abſtehen. Sie beſtaudet ſich ſtark, muß deshalb duͤnne geſaͤet und in allen Stuͤcken wie die große zweizeilige Gerſte behandelt werden. Einen Vorzug vor dieſer kann ich ihr nach meinen Verſuchen nicht beimeſ⸗ ſen, es ſey denn, daß ſie ſich ihres niedrigen und ſtarken Strohes wegen auf ſehr reichem Boden nicht lagere, auf welchem ich jedoch immer die Himmels⸗ gerſte vorziehen wuͤrde. Daß ihr Korn eine beſondere Aehnlichkeit mit dem Reiß habe, bemerke ich auf keine Weiſe. Der Hafer, Avena sativa. §. 97. Unter dieſem botaniſchen Namen wird ein Theil der Abarten begriffen, die Arten unt wir von dieſem Getreide haben und anbauen. Sie unterſcheiden ſich hauptſäch⸗ Bete lich in weiß und ſchwarzkoͤrnige. Zu erſteren gehoͤrt: 1) der gewoͤhnliche glatte Hafer oder Maͤrzhafer, der am häufigſten ge⸗ bauet wird, und auf dem Boden, welchen man den Hafer gewoͤhnlich einraͤumt, auch wohl der ſicherſte iſt. 2) Der ſchwere, bei uns engliſcher, von den Engländern aber polni⸗ ſcher oder ſpaniſcher genannte. Er zeichnet ſich durch einen ſtaͤrkern Halm und Blatt, durch groͤßere Rispen und ſtarkere Koͤrner aus, wenn er auf den ihm angemeſſenen Boden kommt. Auf feuchtem morigen Boden wird er zwar groß, aber ſehr grobhulſigt und nicht ſchwer. Man ſoll ihn auch als Winter⸗ hafer bauen können; ich weiß aber keine beſtimmte Erfahrung davon. 3) Der Klumphafer, welcher zuweilen, aber nicht immer, drei reife Koͤr⸗ ner in einem Balge hat, aber darum nicht einträglicher zu ſeyn ſcheint. Die Botaniker unterſcheiden ihn als eine beſondere Spezies unter dem Ramen A— trsperma. Vierter Theil. M 90 Der Hafer. 4) Der fruͤhzeitige oder Auguſthafer, welcher fruͤher gefaͤet werden kann, und fruͤher reift, und den man beſonders in kalten Berggegenden unterſcheidet, wo anderer Hafer oft kaum im September zur Reife kommt. Zu denen mit ſchwarzen Koͤrnern gehoͤren: 5) Der glatte ſchwarze Hafer, der ein ſchweres Korn hat, und oft per Scheffel 10 Pfd. mehr, wie der andre wiegt, folglich ungleich nahrhafter iſt. Er erfordert aber einen kraͤftigen Boden, und iſt beſonders fuͤr Niederungen ge⸗ eignet, wogegen er auf der Hoͤhe vom Winde gar leicht ausgeſchlagen wird. 6) Der Eichelhafer, welcher zum Theil ſchwarze, zum Theil weiße Koͤr⸗ ner hat, alſo wohl eine Ausartung oder Vermengung von ſchwarzem und wei⸗ ßen Hafer iſt. Er ſoll eine beſonders harte Schaale, aber ein mehlreiches Korn haben. Eine beſtimmt verſchiedene und deshalb auch von den Botanikern als eine beſondere Spezies angenommene Haferart iſt: 7) der orientaliſche, tuͤrkiſche, ungariſche, Fahnen⸗ oder Kamm⸗ hafer. Er hat eine mehr gedraͤngte Rispe, und die Aehrchen hängen alle nach einer Seite uͤber. Man hat ihn Anfangs als eine hoͤchſt einträgliche Art ge⸗ ruͤhmt; es hat ſich aber nachher gezeigt, daß er es auf gleichem Boden nicht mehr und nicht weniger, als der gewoͤhnliche ſey. Er reift nicht nur ſpaͤter, ſondern faͤllt auch nicht ſo leicht aus, wie anderer Hafer, und deshalb haben ihn einige Landwirthe, die eine ſtarke Haferausſaat machen, zum Theil zu bauen fortgefahren. Er hat aber dagegen das Ueble, daß er ſich ſchwerer abdreſchen läßt. Endlich hat man 8) den Rauh⸗ Sand⸗ oder Purrhafer. Ob dieſer die Avena stri- gosa der Botaniker ſey, von dem ſie ſagen, daß er bei uns wild wachſe, wage ich nicht zu entſcheiden. Es iſt aber eine allgemeine Erfahrung, daß der gewoͤhn⸗ liche Hafer ohne Erneuerung des Saamens auf ſandigem Boden, beſonders in Haidgegen den in dieſen ausarte; nicht ploͤtzlich, ſondern allmählig, Anfangs nur untermiſcht. Dagegen arte er wieder ein, wenn er auf beſſerm Boden geſaͤet werde. Verhaͤlt ſichs hiermit nun vielleicht eben ſo, wie mit der Trespe unter dem Wint ergetreide, daß ſich nämlich dieſe wilde, dem Boden mehr angeeignete Pflanze ein niſtet, und das ausgeſaͤete Korn verdraͤngt? Oder gehet wirklich eine Der Hafer. a1 Haferart in die andre uͤber, und ſind ſie folglich nur Varietaͤten?— Dieſer Rauhhaſer hat mehrere und ſtarke Grannen, die er nicht verliert, eine dicke Huͤlſe und wenig Mehl. Er wiegt nicht viel uber die Hälfte des gewöhnlichen Hafers, und hat nur ſeinen halben Werth. Dennoch findet man ihn auf ſolchem ſchlech⸗ ten Boden vortheilhaft. Wird er auf beſſern Boden geſaͤet, ſo bekommt er einen ſtarken Halm und breites Blatt, und man bauet ihn daher als Futterkraut, gruͤn zu maͤhen, an. 9) Der nackte Hafer, tartariſche Gruͤtzhafer, Avena nuda, wird bei uns nicht in Gebrauch kommen. In Schottland wird er viel zum Brod⸗ korn gebauet. Die Engländer unterſcheiden noch ungleich mehrere Haferarten, welches aber nur durch die Kultur bewirkte Spielarten ſind. §. 98. Der Hafer iſt bei uns lange als die niedrigſte Getreideart veraͤchtlich behan⸗ delt worden, und man hat ihm das ſchlechteſte Land und das magerſte Feld an⸗ gewieſen. Sein Preis ſtand in älteren Zeiten unter der Haͤlfte des Rockenprei⸗ ſes. Bei Vermehrung der Pferde, zu deren Futter er ſich am beſten ſchickt, iſt ſein Preis nun uͤber ſeinen natuͤrlichen Werth gegen anderes Getreide geſtiegen, und daher ſein Anbau vortheilhafter geworden. Indeſſen bringt man ihn ge⸗ woͤhnlich nur dahin, wo man keine Gerſte zu bauen wagt; obwohl er einen beſ⸗ ſern Platz, wohl ſo gut wie dieſe, bezahlen wuͤrde. Der Hafer wächſt zwar auf jedem Boden, der nur nicht gar zu duͤrre iſt, und er ſcheint ſo ſtarke Organen zu haben, daß er Nahrungstheile aufloͤſet und an ſich ziehet, die anderem Getreide nicht mehr fruchten. Auch der ſaure, der unauflösliche Humus wird wahrſcheinlich von ihm zerſetzt. Er waͤchſt auf kaltem, lehmigen, und auf nur nicht gar zu duͤrren Sandboden, wo nichts anderes mehr fort will. Er leidet von ungünſtiger Witterung, erhohlt ſich aber, beſſer wie die Gerſte, wenn eine guͤnſtigere eintritt. Auf Reubruch, auf Mooren kann man ihn eine Reihe von Jahren bauen, und er wird zuweilen bis ins dritte und vierte Jahr immer beſſer, wogegen eine andte Frucht ſie ſchnell erſchoͤpft, wenn kein Dünger hinzukommt; vermuthlich weil er alles, was Pflanzen Nahrung ge⸗ M 2 Boden. Vorbereitung. Der Hafer. ben kann, und was ſich ſonſt nur durch Zeit und Kultur fuͤr andre Pflanzen aufgelöſt hätte, ſich aneignet. Aber auf fruchtbarem Boden lohnt er um ſo mehr. In der Dreifelderwirthſchaft ſäet man ihn in vierter und ſechſter Tracht; uͤberhaupt wo Gerſte ſich nicht mehr nähren kann. Man wuͤrde ſich aber, vie⸗ len Erfahrungen nach, auf ſtrengem Weizenboden beſſer beim Hafer ſtehen, wenn man ihn ſtatt der Gerſte bauete. In der Mecklenburgiſchen Koppelwirthſchaft kommt er als letzte Frucht nach der Gerſte. Einen angemeſſenern Platz haben ihm die Hollſteiner angewieſen, wenn ſie ihn in die umgebrochenen Dreiſch⸗ oder Grasnarbe ſaen, und ſie haben dieſe Methode beibehalten, wenn ſie auch im folgenden Jahre eine Brachbear⸗ beitung geben. Denn in umgebrochener noch nicht zerſetzter Grasnarbe geraͤth er vorzuͤglich, beſonders wenn er moͤglichſt fruͤh geſaͤet wird. So findet er auch einen vortrefflichen Platz auf einem zweijaͤhrigen Klee⸗ felde, welches man bis zum Herbſt benutzen will, und daher zur Winterung nicht vorbereiten kann. Fruͤh genug im Herbſte umgebrochen, im Fruͤhjahr den Hafer aufgeſaͤet und untergepfluͤgt, mit der Egge leicht uͤberzogen, und dann nach dem Auflaufen noch einmal geeget, was der Hafer weit beſſer als die Gerſte vertraͤgt, wird man hier in der Regel einen höheren Werth an Hafer gewinnen, als wenn man Gerſte auch auf drei Furchen geſaͤet hätte, und oft einen hoͤheren, als wenn man das Kleefeld nach dem erſten Schnitte umgebrochen, dreimal gepflugt, und mit Winterung beſaͤet haͤtte. §. 99. Wenn der Hafer in die Stoppel eines andren Getreides gebauet wird, ſo geben ihm einige nur eine, andre zwei, und noch andre, die den Hafer mehr ſchaͤtzen, drei Furchen. Daß der dreifurchige Hafer am beſten gerathe, geſtehen zwar die meiſten ein; aber man thut es aus Mangel an Zeit oder weil man ihn der Muͤhe nicht werth haͤlt, ſelten. Auch beſorgt man, daß ſich ſeine Ausſaat dadurch zu ſehr verſpaͤten werde; was doch in einem nicht beſonders kalten Klima uͤberall nichts zu bedeuten hat. Nach der zweifurchigen Beſtellung aber kommt mehr Unkraut hervor, und in der That habe ich auf Acker, der mit vielem Saamenunkraute angefuͤllet war, nicht ſelten den Hafer nach zwei Furchen des⸗ halb ſchlechter, wie nach einer, gerathen ſehen. Iſt dagegen mehr Wurzelun⸗ Der Hafer. 93 kraut, beſonders Quecke im Acker, ſo wird eine zweifurchige Beſtellung entſchie⸗ den beſſer gedeihen, und den Acker nicht ſo davon durchdrungen hinterlaſſen, wie eine einfurchige. Daß zum Hafer geduͤngt werde, iſt ſelten uͤblich. Jedoch geſchiehet es zu⸗ weilen, wenn man nämlich darnach Winterung bauet; und dann nicht mit Unrecht. Friſcher Duͤnger bekommt ihm ſehr gut, und er hinterlaßt davon doch das meiſte. F. 100. Die Ausſaat des Hafers wird in der Regel ſtaͤrker als von anderem Getreide Saat. gemacht; theils weil der Scheffel weniger Koͤrner enthält, theils weil der Hafer ſich nicht ſtark beſtaudet, es ſey denn auf ſehr reichem Boden. Um die Halfte mehr als von anderem Getreide auszuſäen, iſt immer rathſam, und auf dem ein⸗ furchigen Dreeſch nimmt man ſicherer das Doppelte, weil nicht alle Koͤrner zum Laufen kommen. Doch treibt man hin und wieder die Haferausſaat auf frucht⸗ barem Boden ins enorme, in dem Wahne, dadurch das Unkraut zu unterdrucken. Ein vollſtaͤndiges und insbeſondere nicht dumpfig gewordenes Saatkorn iſt von großem Einfluſſe auf das Gerathen des Hafers. Dumpfig(mulſtrig) ge⸗ wordene Saat läuft zwar wie andre, giebt aber eine ſchwache, in der Bluͤte um⸗ ſallende Pflanze, wie ich in meinen wirthſchaftlichen Lehrjahren einmal zufaͤllig, aber ſehr beſtimmt, erprobt habe. Es ſcheint mir danach bei keiner Saat, naͤchſt dem Weizen, ſo gefaͤhrlich, wie beim Hafer. Die gewoͤhnliche Saatzeit des Hafers iſt der April. Auf Dreeſch ſaͤet man ihn wo moͤglich ſchon im Marz. Er kann aber auf warmem Boden bis zu An⸗ fang Junius geſäet werden, und geräth, wenn ihn die Witterung beguͤnſtigt, we⸗ gen der beſſern Vorbereitung des Ackers und des mit untergepfluͤgten Unkrauts, dann zuweilen vorzuͤglich. Er keimt nicht ſo ſchnell wie die Gerſte, und muß, um gleichmaͤßig hervor⸗ Vegetations⸗ zukommen, eine noch günſtigere Wirterung wie dieſe haben. Auch kommt es Perſode, ſehr darauf an, daß er weder zu flach, noch zu tief liege, weswegen beſonders bei ſpaͤterer Saat das Unterpflugen entſchieden ſicherer iſt. Iſt er zweiläufig, ſo iſt ſeine Reifung ungleich. Reife. Werth. 94 Der Hafer. Da der Hederich und anderes mit aufkeimende und dann zuvorkommende Unkraut ihn ſehr ſchwaͤcht, ſo ſucht man es durch das Eggen zu vertilgen Der Hafer erträgt dieſes Eggen der hervorſtechenden Saat ſehr gut, beſonders wenn er untergepfluͤgt worden und man dann die Saatfurche nur leicht uberzogen hat. Trifft man eine gluckliche Witterung, und das Unkraut in ſeinem erſten Saa⸗ menblättchen, ſo richtet man viel damit aus; wenn es aber ſein drittes Blatt be⸗ kommen, und tieferee Wurzel geſchlagen hat, ſo iſt es vergeblich, weil man nun eher den Haſer als das Unkraut, durch gewaltſames Eggen, vertilgen wuͤrde. Man hat deshalb den Verſuch gemacht, den auf die Furche geſaeten Haſer, nachdem er fingerlang hervorgewachſen, unterzupfluͤgen, damit er bald wieder ohne Unkraut aufſchlage. Mehreren iſt das gegluͤckt, und ſie haben vorzuͤglich ſtark beſtaudeten und reinen Hafer danach erhalten; mir aber iſt es zweimal miß⸗ gluͤckt, der Hafer kam nur ſpaͤrlich, und deſto mehr Unkraut wieder hervor. Ein dritter Verſuch, den ich in dieſem Fruhjahre gemacht habe, wuͤrde beſſer gerathen ſeyn, indem er gut wieder hervorkam; aber die Duͤrre verhinderte ihn, ſich ſtark zu beſtauden. §. 102. Die Reifung des Haſers iſt genau wahrzunehmen, und wenn er ungleich reift, muß man ſich nach dem erſten richten; man ſetzt ſich ſonſt der Gefahr aus, dieſen ganz zu verlieren, und wenn der unreife auch nicht vollſtaͤndig wird, ja ſogar beim Dreſchen nicht ausfällt, ſo behält man ihn doch im Stroh, wel⸗ ches nun um ſo futterreicher iſt. Auch giebt der zuerſt reifende immer das meiſte. Er muß jedoch in ſolchem Falle länger im Schwade liegen, wo er nach einigen Bemerkungen nachreifen, und ſein Gewicht vermehren ſoll; es aber auch leicht verlieren kann, wenn man zu lange mit dem Einbringen zogert. Das Haferſtroh wird von vielen fuͤr das Vieh aller Art am nahrhafteſten gehalten, vielleicht weil in der Regel die meiſten Koͤrner darin bleiben. In man⸗ chen laͤßt man ſie abſichtlich darin, und uͤberdriſcht den Hafer nur leicht. Im Miſte haͤlt man es nur dem warmen Boden zuträglich. F. 103. Da das Gewicht des Haſfers nur geringe, fuͤr den Scheffel im Durchſchnitt 50 Pfd. iſt, und er nach Einhofs, aber nur oberflaͤchlicher Unterſuchung, nicht Der Hafer. 95 mehr als 60 Prozent nahrhafter Thelle enthalt, der Scheffel folglich z0 Pſd., ſo ſtände er unter dem halben Werthe des Rockens. Ich vermuthe aber, daß Einhof, der die Unterſuchung des Hafers genauer vornehmen wollte, ſchlechten Hafer vorläufig unterſuchte, und daß der Hafer doch vollig den halben Werth des Rockens dem Maaße nach habe. Sein Marktpreis ſteht in den meiſten Gegenden hoͤher, weil er zum Pferdefutter ſehr geſucht wird; in einigen dage⸗ gen, die fur den Haſerbau mehr geeignet ſind, aber geringeren Abſatz daran haben, ſteht er unter dem halben Rockenpreiſe. Die Hirſe, Panic u m §. 104. gehoͤrt in jedem Betracht zu den eigentlichen Getreidearten. Man hat zwei beſtimmte Arten, die angebauet werden, nämlich die Ris⸗ penhirſe, Panicum miliaceum, und die Kolbenhirſe, Panicum italicum und germanicum. Beide haben mehrere Abarten, die ſich durch die Farbe ihrer Körner hauptſaͤchlich unterſcheiden. Die Rispenhirſe hat den Vorzug groͤßerer Koͤrner; die Kolben⸗ oder Aehrenhirſe aber den, daß ihr Saamen nicht ſo leicht ausfallt, gleichmäßiger reift und von den Voͤgeln nicht beraubt wird. Ihr An⸗ bau kommt uͤberein. §. 108. Sie erfordert einen warmen, muͤrben, lehmig ⸗ſandigen, aber mit humo⸗ Boden. ſen Theilen angefüllten Boden. In zweiter Tracht nach kräftiger Duͤngung ge⸗ räth ſie beſſer als nach friſcher Duͤngung mit unzergangenem Miſt. Der Acker muß fleißig und tief, wenigſtens durch dreimaliges Pfluͤgen, Vorbereitung. Eggen und Walzen vorbereitet ſeyn, damit er voͤllig gepulvert und vom Un⸗ kraute moͤglichſt rein ſeyo. Manche graben dazu, aber eine gerechte Vorberei⸗ tung mit dem Pfluge iſt eben ſo gut. Indeſſen gerath die Hirſe auch ſehr gut auf einem kräftigen Neubruch oder Dreeſch auf die erſte Furche, nachdem tuͤch⸗ tig geegget und gewalzt worden, geſaͤet, und wenn ein ſolcher Reubruch zu trocken fuͤr den Lein iſt, ſo wuͤßte ich ihn durch keine Saat vortheilhafter als durch Hirſe zu benutzen. Reife. 96 Der Hafer. Sie wird im Mai gleich nach der zuletzt gegebenen und mit der Egge eben gemachten Furche ausgeſaäet, etwa zu 3 Metzen per Morgen, und dann mit ei⸗ ner leichten Egge uͤberzogen und bei trocknem Boden gewalzt. Der Saamen muß reif und gut aufbewahrt ſeyn. F o6. Sobald ſich unter der aufgelaufenen Hirſe das Unkraut zeigt, muß ſie ge⸗ jätet werden. Dies iſt unerlaͤßlich, wann ſie gerathen ſoll, und nur auf Reu⸗ bruch, der wenig oder gar kein Unkraut hervortreibt, kann man deſſen uͤberho⸗ ben ſeyn. Deshalb iſt der Hirſebau im Großen ſelten ausfuͤhrbar, zumal in Wirthſchaften, wo faſt gleichzeitig der Lein gejätet werden muß. Selten iſt ein einmaliges Jaͤten genug, es muß, wenn der Boden krautig iſt, nach 2 oder 3 Wochen, und bevor die Hirſe aufſchießt, wiederholt werden. Wirkſamer aber und leichter, wie das eigentliche Jäten oder Ausziehen des Unkrauts, iſt das Bekratzen derſelben, welches mit dazu geeigneten Kratzmeſſern geſchiehet. Hiermit wird nicht nur das Unkraut ſondern auch jede zu dicht ſte⸗ hende Pflanze unter der Oberflaͤche weggeſchnitten und dieſe zugleich gelockert. Die Pflanzen werden in einer Entfernung von 5— 6 Zoll vereinzelt. Die Wir⸗ kung, welche dies auf das Gedeihen und den Ertrag der Hirſe hat, iſt erſtaun⸗ lich, und ſie erhebt ſich danach ſo ſchnell, daß zum zweitenmale ſelten Unkraut aufkommen kann. Geſchiehet es dennoch, ſo iſt es ſo wenig, daß es leicht auf⸗ gezogen werden kann. §. 107. Den gerechten Zeitpunkt zur Ernte zu treffen, erfordert große Aufierkſam⸗ keit, beſonders bei der Rispenhirſe. Sie reift ungleich urd fällt, wenn ſie reif iſt, leicht aus; jedoch iſt jenes viel weniger der Fall, wenn ſie auf die vorbeſchrie⸗ bene Art behandelt und vereinzelt iſt. Kleine, fleißige Hirſenbauer ſchneiden die reiſen Rispen einzeln ab, und bringen ſie in Saͤcken nach Hauſe. Da dies aber im Großen nicht geht, ſo muß man ſich nach der Reife des Haupttheils richten, ſie dann maͤhen, oder beſſer, vorſichtig mit der Sichel ſchneiden laſſen. Sie darf nicht in Schwaden liegen bleiben, weil ſie zu ſehr ausfallen wuͤrde, wenn ſie Regen bekäme und dann wieder trocken würde. Man bringt ſie gleich auf die Scheuntennen, driſcht ſie ſobald als moglich ab, und macht ſie rein. Der Saamen Die Hirſe. 97 Saamen muß dann duͤnne ausgebreitet, und taͤglich mit der Harke umgeruͤhrt wer⸗ den, bis er vollkommen trocken iſt, weil er ſich ſonſt erhitzt, und danach bitter wird. Das mehrentheils noch feuchte Stroh wird dann gebunden, und zum Trocknen an die Luft gebracht, weil es ſonſt dumpfig werden wuͤrde, und weil es als Futter ſehr ſchatzbar iſt. Wenn gleich das einzelne Abſchneiden der reifen Aehren ſuͤr den großeren Landwirth nicht anwendbar iſt, ſo verlohnt ſichs doch reichlich, wenn man ſo viel, als zur Ausſaat beſtimmt iſt, auf dieſe Weiſe einerntet. Der voͤllig reife und ge⸗ horig behandelte Saamen laͤuft gleichmaͤßiger, giebt vollkommnere Pflanzen, und ſchutzt gegen den Staubbrand, der ſonſt in der Hirſe ſehr häufig erſcheint. Man ſchlägt dieſe, an einem luftigen Orte getrocknete Saathirſe dann erſt aus, wenn man ſie ſaͤen will. Das Enthuͤlſen auf der Muͤhle oder durch Stampfen iſt bekannt. §. 108. Die Hirſe iſt anerkannt eine ſehr nahrhafte Subſtanz, die von den meiſten Menſchen gern genoſſen wird, und den Reiß erſetzen kann. Ihr Preis richtet ſich daher auch gewoͤhnlich nach dem Preiſe des Reißes, und ſie gilt die Haͤlfte des letztern. Die Hirſe kann auch als Futterkraut nuͤtzlich angebauet werden, und wird dann dicht geſaet, und wenn ſie Rispen entwickelt, gemaͤhet. 5. 159. Die ſogenannte Moorhirſe gehoͤrt in ein andres Pflanzengeſchlecht. Eine Moorhirſe. Art derſelben wird zwar bei uns in warmen Sommern, aber bisher nur in Gär⸗ ten, reif, nämlich Holcus sorghum. Andre Arten erfordern ein ungleich wär⸗ meres Klima. Es iſt nicht wahrſcheinlich, daß ſie jemals bei uns einheimiſch gemacht werden koͤnnte, und ich erwaͤhne daher dieſer ſonſt ſehr fruchtreichen Ge⸗ treideart nur. Der Reiß miet allen ſeinen Abarten puße noch weniger fuͤr unſer Klima, Neiß. und ob man gleich in den Schriſten verſchiedener landwirthſchaftlichen Societa⸗ ten Nachrichten von ſeinem angeblichen Anbau findet; ſo zweifle ich doch, daß man außer dem Treibhauſe jemals eine Pflanze im noͤrdlichen Deutſchlande zur Reiſe gebracht habe, indem viele damit im ſuͤdlichen Frankreich angeſtellte Ver⸗ ſuche mißrathen ſind. Erſt jenſeits der Alpen kann er gebauet werden. Einen Vierter Theil. N 98 Die Hirſe. Fall, wo man ſich einbildete Reiß zu bauen, kenne ich genau; es war Reiß⸗ und Himmelsgerſte. Mais. Endlich gehört der Mais, ſeiner Natur nach, in die Klaſſe dieſer Gewächſe. Da aber die Art ſeines Anbaues ſich ganz davon auszeichnet, und mit dem Bau der Hackfruͤchte uͤberein kommt, ſo werden wir ihn unter dieſe oͤkonomiſche Pflan⸗ zenklaſſe ſetzen, und von ſeinem Anbau unten handeln. Ueber die Drill- und Pferdehacken⸗Kultur des Getreides. . 110. Obgleich dieſe Kulturart auch bei andern Fruchten ihre Anwendung findet, ſo iſt doch die zu beſchreibende Methode vorzuͤglich fuͤr das Getreide geeignet, weswegen ich an dieſer Stelle davon rede. Seſchichte der⸗ Wir finden ſchon aͤltere Beiſpiele dieſer Bauart. Insbeſondere hatte ein Spanier, Joſeph Locatelli ſchon im 17ten Jahrhunderte Verſuche damit gemacht, welche ſelbſt die Aufmerkſamkeit des Kaiſers ſo auf ſich zogen, daß ſie in ſeiner Gegenwart wiederholt werden mußten. Aber noch auffallender iſt es, daß man ſie in Indoſtan und Perſien angetroffen hat, ſo daß nicht bloß das Reihenſäen mit zweckmaͤßigen Maſchinen, ſondern auch das Bearbeiten der Saat durch Pferde und Ochſen daſelbſt ausgefuͤhrt wird. In England hält man Jethro Tull fuͤr ihren Erfinder, und in Frankreich waren Duhamel, Chateauvieux und mehrere andre ihre Verbreiter in der Mitte des vorigen Jahrhunderts. Indeſſen iſt dieſe Tullſche Methode, wo ſehr breite Zwiſchenraume zwiſchen den Ge⸗ treidereihen gelaſſen, und während des Wachsthums mit dem Pfluge ſtark bear⸗ beitet wurden, faſt ganz außer Gebrauch gekommen, und hat einer andren, wo man die Saatreihen in gleichem, aber geringerem Abſtande legte, weichen muͤſſen. Von dieſer Methode werden wir hier nur reden, und ich verweiſe wegen jener auf die Abhandlungen, welche ſich im iſten und 3ten Bande meiner engliſchen Landwirthſchaft uͤber das Drillen befinden. Jene Abhandlungen wird ein jeder, der an dieſer Sache Intereſſe nimmt, vielleicht geleſen haben, und nun einige Widerſpruͤche gegen das, was ich jetzt daruber ſage, darin finden. In die ſem Falle bitte ich das, was ich jeßt ſagen werde, als meine, durch laͤngere Verſuche und Erfahrung mehr gereifte Meinung anzuſehen. §. 111. Die zum Drillen und Pferdehacken erfundenen Maſchinen ſind unzählbar in Maſchiren England. Gegenwaͤrtig vereinigen ſich dort faſt alle Stimmen fuͤr die Cook⸗ ſche. Sie iſt aber ſehr komponirt, und muß mit vieler Sorgfalt behandelt wer⸗ den. Ich habe im erſten Hefte meiner Beſchreibung der nutzbarſten Ackerwerk⸗ zeuge den Ducketſchen Drillapparat und im zten Heſte einen von mir er⸗ fundenen beſchrieben und abgebildet, und finde den letzteren bei laͤngerem Ge⸗ brauch ſo zweckmaͤßig, dauerhaft, leicht zu behandeln, und allen meinen Abſichten entſprechend, daß ich keinen andern verlange, obgleich mit ſelbigem nur Getreide Erbſen, Linſen und Wicken, aber keine feine Saamen, wie mit der Cookſchen, aus⸗ geſaet werden koͤnnen. Auch kann man mit der Maſchine die Quantität der Einſaat einer jeden Getreideart nicht willkuͤrlich veraͤndern. Sie wirft aber ſo aus, daß es auf jedem Fall zureichend iſt; und wenn ſich unter gewiſſen Umſtänden noch eine etwas größere Erſparung der Saat machen ließe, ſo wuͤrde dieſe doch un⸗ bedeutend ſeyn, und uͤbrigens keinen Vortheil mit ſich bringen. Sie ſäet vom Weizen, Rocken und Gerſte die Hälfte der gewoͤhnlichen Saat, naͤmlich 9 Ber⸗ liner Metzen auf den Morgen aus, vom Hafer aber einen Scheffel. Dieſe Ma⸗ ſchine paßt ſich auf einer jeden Art von Boden, kann ohne Umſtände und ohne daß ihr eine erhebliche Erſchuͤtterung nachtheilig werden könnte, bequem nach dem Felde hingefahren werden, und iſt keiner Verruͤckung, Zerbeechung, ſchnellen Abreibung, oder irgend einer andren Wandelbarkeit ausgeſetzt, weswegen ſie in der Hinſicht jedem Arbeiter anvertrauet werden kann. Das Geſtell derſelben dient zugleich zum Pferdehacken, wo dann nach Abhebung des Saatkaſtens ſtatt der Furchenzieher, die, nach dem jedesmaligen Zwecke verſchiedenen Hacken oder Kultivatoren eingehangen werden. Der Gebrauch dieſer Maſchinen iſt mit keiner Schwierigkeit verbunden, läßt ſich aber nur ſinnlich darſtellen, und es wuͤrde ver⸗ gebens ſeyn, ihn mit Worten beſchreiben zu wollen. §. 112. Dieſe Kultur iſt zwar auf jedem Boden, von dem gebundenſten an bis zum Erforderniſſe . S, in Anſehung loſeſten, anwendbar, wenn er die nöthige vorbereitende Beackerung erhalten hat. N 2 100 Drillkultur. Indeſſen erfordert der ſehr thonige Boden eine genaue Wahrnehmung der Zeie, wo er ſich in gerechtem Feuchtigkeitszuſtande befindet, um die verſchiedenen Ope⸗ rationen des Saͤens und des Bearbeitens vorzunehmen. Es läßt ſich daher eine ſo unguͤnſtige Witterung denken, daß dieſes nicht geſchehen koͤnne, und daß des⸗ halb ein Mißwachs der gedrillten Saat erfolge. Auf ſehr loſem fandigen Bo⸗ den kann man dagegen den auffallenden Nutzen vom Pferdehacken nicht erwar⸗ ten. Folglich iſt ein mittlerer Boden, der zwiſchen 30 bis 60 Prozent Thon hat, ohne Zweifel am meiſten dazu geeignet. Der Acker kann wohl huͤglicht, muß aber nicht gar zu uneben ſeyn, weil ſonſt die ſechs Furchenzieher und Hackeiſen dieſes Inſtruments nicht gleichmäßig eingreifen wuͤrden. Um eine vollkommene und reichlich lohnende Wirkung dieſer Operation zu haben, muß ſich der Boden in Kultur und Kraft befinden. Ein kraftloſer Acker wird die ſtarke Beſtaudung und den ſtarken Austrieb der Halme und Aehren nicht ernaͤhren koͤnnen, welche durch das Behacken ſo ſehr befordert wird. Man hat zwar bei guͤnſtiger Wicterung auch auf magerem Acker einen hoͤheren Ertrag von der gedrillten als von der Wurfſaat erhalten, aber er war doch nicht in dem Verhältniſſe betraͤchtlicher, wie auf kraftvollem Acker, und ich gebe zu, daß es in dieſem Falle den hervorgetriebenen Aehren nachmals an Nahrungsſtoff zum Anſatz der Koͤrner fehlen konne. Der Acker muß von großen mit ihrer Spitze bis zur Ackerkrume hervorra⸗ genden Steinen frei ſeyn, weil ſonſt Furchenzieher und Hackeiſen leicht dagegen brechen koͤnnen. Kleinere Steine verhindern zwar das Drillen nicht gänzlich, greifen aber die Werkzeuge ſehr an. Und uͤberhaupt iſt dieſe boͤhere Stufe des Feldbaues nicht eher zu betreten, als bis man mit ſolchen vorbereitenden Opera⸗ tionen, wie das Ausraden und Ableſen von Steinen, fertig iſt. Ferner iſt es eine zum moglichſt höchſten Erſolge dieſer Bauart unumgaͤng⸗ liche Bedingung, daß der Acker von Wurzel, oder ausdaurendem Unkraute ganz frei und vom Saamenunkraute möglichſt gereinigt ſey. Denn obgleich durch die Pferdehacken⸗Kultur vieles Unkraut zerſtort und an ſeinem Aufkommen gehindert wird, ſo iſt ſie doch nicht vermoͤgend, es ganz zu unterdrucken. Zerſtoͤren die Pferdehacken das, was in den Zwiſchenräumen ſtehet, ſo können ſie doch dem Drillkultur. 101 nicht beikommen, was in den Saatreihen aufſchießt. Das Wurzelunkraut ſteht den Furchenziehern und Hackeiſen im Wege, verurſacht daß ſie die Erde ſchlep⸗ pen, und wird wohl zum Theil aber nicht voͤllig herausgehoben. Vom Saamen⸗ Unkraut wird zwar vieles zerſtort, aber das in den Reihen ſtehende kommt um ſo ſtaͤrker auf und verbreitet wieder ſeinen Saamen in die gelockerte Erde. Da⸗ ber wird es ſelten gluͤcken, ein ſehr unreines Feld durch das Drillen rein zu ſchaffen; aber reines Feld bleibt dabei rein, wenn man die nun ſehr geringe und leicht zu controllirende Arbeit— die Reihen durchgehen und das einzelne in Bluͤte ſtehende Unkraut ausziehen zu laſſen— anwendet. Die Drillkultur macht es eher wie die gewoͤhnliche moͤglich, die Regeln des Zn wieſern Fruchtwechſels ganz außer Augen zu ſetzen, und viele Getreideernten nacheinander ſ zu nehmen, weil ſie den Boden rein und locker erhaͤlt. Ein gedrillter und gehoͤrig nen Feldrota⸗ gepferdehackter Acker zeigt ſich mehrentheils nach der erſten Furche ſo murbe und tiſnen voßß⸗ zerſallend, daß man darauf ſogleich eine neue Saat einbringen kann. Es iſt daher eine ſehr unrichtige Vorſtellung, daß die Drillkultur mit der ſogenannten Fruchtwechſelwirthſchaft in enger Verbindung ſtehe. Vielmehr macht dieſe die all⸗ gemeine Anwendung des Drillens bei allen Saaten ſchwierig, und dies iſt ein Hauptgrund, den Arthur Young und einige Engländer dagegen anfuͤhren. Wenn unter die nach Hackfruͤchten folgende Gerſte Klee geſaet werden ſoll, ſo kann es nicht eher geſchehen, als bis das Hacken vollendet iſt; man muß es nun un⸗ mittelbar nach dem letzten Hacken thun, damit der Saamen friſche Krume erhalte. Er ſaͤllt nun in die verrieften Reihen und laͤuft bei guͤnſtiger Witterung dann ſehr gut reihenweiſe auf. Eine unguͤnſtige Witterung kann ihn aber, wie mich Erfah⸗ rung gelehrt hat, auch voͤllig unterdruͤcken: einmal kam unmittelbar nach der Aus⸗ ſaat ein heftiger Schlagregen, der die angehaͤufte lockere Erde in die kleinen Fur⸗ chen zuruͤckſchwemmte, und nun den Boden ſo zuſchlug, daß der Klee nicht durch⸗ kommen konnte; ein andres mal, im Jahre 1810, verhinderte die nach der ſpaͤ⸗ ten Ausſaat eintretende anhaltende Duͤrre den Klee zu keimen oder ließ ihn ver⸗ dorren, wenn er gekeimt hatte. Man laͤuft alſo immer bei dieſer ſpäten Ausſaat, wobei man den Klee mit der Erdkrume nicht in innige Beruͤhrung bringen kann, Gefahr, daß er mißrathe, und dies iſt ein ſo großes Uebel, daß ich mir vorge⸗ Vortheile der Drillkultur. 102 DDrillkultur. nommen habe, nie Gerſte, worunter Klee geſaͤet werden ſoll, zu drillen. Die Winterung kann zwar auf die einfurchig umgebrochene Kleeſtoppel gedrillt werdes, wenn der Umbruch gehörig geſchah und ſich hinlänglich geſetzt hatte. Aber etwas ſind doch die Kleewurzeln der Maſchine im Wege, und das Drillen geht nicht ſo leicht, als im reinen Acker. Durch den Schnittpflug kann indeſſen dieſes Hin⸗ derniß gehoben werden. Uebrigens hält dieſes Wirthſchaftsſyſtem den Acker ohne⸗ hin muͤrbe und rein genug, ſo daß der Unterſchied zwiſchen gedrillten und unge⸗ drillten Ernten dabei nicht ſo groß ſeyn wird, wie bei einem ununtetbrochenen Getreidebau, wo es die Stelle der Brache und des Behackens, freilich unvoll⸗ kommen, vertritt. §. 114. Der Vortheil des eigentlichen Drillſäens beſteht nur darin, daß das Saa⸗ mönkorn gerade ſo tief gelegt werden kann, als es ſeine Natur und die Beſchaf⸗ fenheit des Bodens und der Witterung erfordert,(was durch die Stellung der Maſchine und durch mehr oder minderes Aufdrücken auf die Sterzen bewjrkt werden kann), und daß daher jedes geſunde Korn zum Keimen kommt. Dies wuͤrde aber vielleicht das Ueble der ſtärkeren Zuſammendrängung der Körner in den Reihen nicht uͤberwiegen, und ſo iſt es eigentlich das Behacken, was dem Drillen, nach den unzaͤhligen damit angeſtellten comparativen Verſuchen, einen beträͤchtlichen und unwiederſprechlichen Vorzug vor dem Breitſäen in Anſehung des Körnerertrages giebt. Jedermann kennt die große Wirkung, welche die Auf⸗ lockerung der Kruſte, womit der Erdboden immer uͤberzogen wird, auf die Ve⸗ getation aller Pflanzen hat. Man hatte dieſe Wirkung bisher aber nur beim Gartenbau beachtet, aber beim Feldbau nur ſeiten etwas vorgenommen, um ſie hervorzubringen. Insbeſondere iſt ſie groß, wenn im Frühjahr die im Winter erzeugte Borke gebrochen, zerkruͤmelt, und dadurch die Verbindung der At⸗ moephare mit der Erde wieder hergeſtellt wird. Deshalb iſt auch die Wirkung dieſer Kulturart auf das Wintergetreide um vieles groͤßer und auffallender, als auf das Sommergetreide, beſonders auf dasjenige, welches wie die vierzeilige Gerſte nur eine kurze Vegetationsperiode hat, während welcher der Boden ſich nicht ſo ſehr verſchließen kann. Die ſtaͤrkſte Wirkung bemerkt man im Durch⸗ ſchnitt beim Weizen, theils weil deſſen Vegetationsperiode die laͤngſte iſt, theils Drillkultur. weil dieſe Frucht der meiſten Nahrung bedarf, die ihr durch das Pferdehacken mehr aufgeſchloſſen wird. Ferner hängt die Wirkung von dem Anhaͤufen einer friſchen gelockerten Erde an die Pflanzenreihen, welche durch das letzte Behacken beſonders bewirkt wird, ab. Dieſes Anhaͤufeln iſt allen Pflanzen, beſonders aber denen, die wie das Getreide aus ihren unteren Gelenken neue Wurzeln austrei⸗ ben, wenn ſie mit fruchtbarer Erde umgeben werden, hoͤchſt zutraͤglich. Es muß dies aber in einem Zeitpunkte geſchehen, wo die Pflanzen am meiſten Nah⸗ rung beduͤrfen, in ihrer lebhafteſten Vegetationsperiode, wo die Halme auszuſchoſ⸗ ſen anfangen. Man hat zuweilen bemerkt, daß das fleißig gepferdehackte Getreide laͤnger an der Erde blieb, ſpäter bluͤthe und zur Reife kam, wie anderes. Beſtaͤndig iſt dieſes nicht, und ich geſtehe es, nicht bemerkt zu haben. Wenn es aber geſchieht, ſo wird es fuͤr die Ernte immer vortheilhaft ſeyn, indem ſich dann das Getreide um ſo ſtaͤrker beſtaudet, und ſpaͤter aber mit mehreren Halmen gleichzeitig auf⸗ ſchießt. Immer wird man bei gedrilltem Getreide eine groͤßere Gleichheit der Halme und Aehren wie bei ungedrilltem finden, und die kleinen zuruͤckbleibenden ſogenannten Knippaͤhren fehlen ihm faſt gaͤnzlich. Die Halme bekommen bei die⸗ ſer Bauart unten immer mehrere Staͤrke, und dieſes iſt mit die Urſach, warum gedrilltes Getreide ſich aufrecht erhaͤlt, unter Umſtaͤnden, wobei ſich anderes lagert, und dieſe Verhuͤtung des Lagerns giebt ihr allein ſchon einen betraͤchtlichen Vorzug. Wenn man das Pferdehacken fuͤr den gebundenen und feuchteren Boden vortheilhaft erkannte, ſo beſorgten dagegen einige, daß es die Ausdoͤrrung des loſeren und trockneren Bodens nur um ſo mehr befoͤrdern moͤge. Dies iſt aber bei genauerer Beobachtung ohne Grund, indem ein auf der Oberflache lockerer Boden ſich im Sommer laͤnger feucht haͤlt als ein verſchloſſener, weil jener bei Nacht atmosphäriſche Feuchtigkeit anzieht. Auch befeuchtet ein ſchwacher Regen einen gelockerten Boden durchdringender als einen geſchloſſenen, weil die Feuch⸗ tigkeit auf jenem gleich einzieht und an die Wurzeln kommt, bei dieſem aber auf der Oberflaͤche bleibt und ſchnell wieder verdunſtet. Ueber die Entfernung der Reihen von einander iſt man zwar lange unei⸗ Entfernung nig geweſen, indem einige ſie nur zu 6 Zoll, andere zu 12 Zoll haben wollten. vet Reihen. 104 Drillkultur. Man kolnmt aber jetzt ziemlich darin überein, daß 8 bis 9 Zoll die zweckmaͤ⸗ ßigſte ſur alles Getreide ſey. Bei einem engeren Zwiſchenraume laͤßt ſich die Anhaͤufung kaum bewirken, weil zu wenig Erde auſgefaßt werden kann. Eine weitere aber ſcheint unnoͤthig und läßt zu vielen leeren Raum. Wer es recht genau nehmen will, ſaͤet Sommergetreide dichter und Wintergetreide entfernter, weil dieſes ſich ſtaͤrker beſtaudet. Dazu wird aber eine Abaͤnderung der Drillma⸗ ſchine erfordert. Die meinige iſt auf 8 ½ Zoll eingerichtet, und ich verlange ſie nicht anders. 5 6. mn Naͤchſt dem Getreide werden Huͤlſenfruͤchte am meiſten gedrillt, auf welche ſenftuͤchten. es allerdings einen ſehr wohlthaͤtigen Einfluß hat. Bei den Erbſen aber habe ich große Schwierigkeiten gefunden. Wenn ich ſie wie das Getreide ſäete, ſo konnten ſie nur in ihrem ganz jungen Zuſtande geſchaufelt, aber nicht angehaͤu⸗ felt werden, weil man ſie durch letzteres mit Erde uͤberſchuͤttet haͤtte. Spaterhin fingen ſie an zu ranken, und legten ſich auf die Seite, ſo daß ihnen mit der Pferdehacke, ohne ſie zu zerreißen, nicht beizukommen war. Es iſt mir wenig⸗ ſtens bei aller Aufmerkſamkeit nicht gegluͤckt, den gerechten Zeitpunkt zu treffen. Wenn ich ſie entſernter ſäete, ſo bedeckten ſis mir den Boden nicht genug, und gaben zwar entſchieden mehrere Körner, aber weniger Stroh. Doch will ich nicht ableugnen, daß ſich dieſem auf eine oder die andeee Art zuvorkommen laſſe, und daß dann das Drillen der Erbſen ſehr vortheilhaft ſeyn koͤnne. Vorzuͤglich paßt es dagegen fuͤr die Linſen, die in derſelben Diſtanz, wie die Erbſen, die kleineren mit der Gerſtenwalze, die groͤßeren mit der Haferwalze aus⸗ geſaet werden, dann ungemein viele Schooten anſetzen, und vom Unkraute mit leichter Muͤhe voͤllig rein erhalten werden koͤnnen. §. 1 Deckung der Was man uͤber die Koſtſpieligkeit des Drillens ſagt, erſcheint dem, der es einmal kennt, voͤllig ungegruͤndet. Wenn man die vermehrten Arbeitskoſten ſammt Einſaat. Anſchaffung und Erhaltung der Maſchine auch aufs höchſte anſchlägt, ſo werden ſie doch bioß durch Erſparung der halben Einſaat uͤberfluͤſſig dedeckt. Um jene ungefähr und aufs hoͤchſte zu berechnen, nehme ich an, daß täglich nur 10 Mor⸗ gen gedrillſäet und 10 Morgen gepferdehackt werden koͤnnen. Ich ſchlage das Pferd Drillkultur. 105 Pferd ſehr hoch, täglich zu 12 gr. an, und den Tagelohn zweier damit beſchäftig⸗ ter Leute auch zu 12 gr., folglich die Tagesarbeit zu 1 rehlr. Es wird einmal gedrillet und zweimal gepferdehacket; betragt alſo auf 10 Morgen 3 rthlr. oder auf 100 Morgen 30 rthlr. Auf 100 Morgen erſpare ich, wenn ich 9 Metzen ſtatt 18 Metzen ausſàe 900 Metzen oder 56 4½ Scheffel. Den Scheffel nur rund zu urthlr. angenommen, ſo gewinne ich dabei 26 ½ rthlr. Auf 100 Morgen Winte⸗ rung brauche ich, um in 10 Tagen damit fertig zu werden, eine Maſchine— wo⸗ mit ich dann auch eben ſo viel Soͤmmerung drillen und pferdehacken koͤnnte— dieſe koſtet mit allem Apparat 150 rihlr. Ich will ſolche jährlich mit 4 Prozent verzinſen, unerachtet das Kapital ſich jährlich um 3 abtraͤgt, folglich in 6 Jahren 186 rthlr. Im ſiebenten Jahre hat ſie ſich durch den Ueberſchuß Saaterſparung be⸗ zahlt. Sie haͤlt gewiß 20 Jahre aus, beſonders wenn ſie nur zur Winterung ge⸗ braucht wird. Nach 3 bis 4 Jahren werden einige Reparaturen daran vorfallen, aber dieſe werden wenigſtens durch die Erſparung des Saͤemanns gedeckt, und ſpaͤterhin bleibt Ueberſchuß genug, um etwa die Pferdehacken neu vorſchuhen zu laſſen. Wenn man, wie einige geſagt haben, ein beſonderes Pferd darauf halten uͤßte, was außer jenen 30 Tagen ganz uberfluͤſſig wäre, ſo wuͤrde es dadurch freilich koſibar werden. Allein dieſe Suppoſition findet unter tauſend Wirthſchaf⸗ ten nicht bei einer ſtatt. §. 118. Der Vortheil der Drillkultur beſteht nun aber doch nicht, wie einige gemeint haben, in der Erſparung der Einſaat, ſondern in dem hoͤheren Ertrage, den ſie von einer gleichen Flaͤche gleichen Landes giebt. Dieſer iſt durch tauſendfältige Verſuche gegen jeden Zweifel erwieſen, und ſelbſt die entſchiedenſten Gegner der Drillkultur leugnen ihn nicht ab. Um wie viel er hoͤher ſey, laͤßt ſich im Allge⸗ meinen nicht beſtimmen, da die angeſtellten komparativen Verſuche verſchiedene Reſultate geben. Nach manchen Verſuchen hat gedrillter Weizen ₰ ſtarkeren Er⸗ trag gegeben, als breitgeſäeter— nicht nach der Ausſaat, ſondern nach der Acker⸗ flache gerechnet—; nach andern nur, und nach einigen nur vo mehr. Es kommt dabei hauptſächlich auf die Kultur an, worin der Boden ſchon ſtand. Je kraftvoller, reiner und tiefer der Boden iſt, deſto groͤßer wird der Vorzug des Drillſäens; auf armem Boden iſt er unbedeutend. Manche Drillfäer verſichern, Vierter Thek. O Höherer Er⸗ trag. Sie iſt doch nicht allge⸗ mein einzu⸗ führen. Das Pferde⸗ hacken. 106 Drillkultur. daß der Vortheil immer groͤßer geworden ſey, je laͤnger ſie die Kultur fortgeſeßt haͤtten; andre dagegen geſtehen ein, daß er geringer geworden ſey. Jene hatten, ohne Zweiſel, nach Verhaͤltniß der aus dem Boden gezogenen Ernten ihm Duͤn⸗ ger wieder gegeben; dieſe hatten dies, vielleicht aus zu großem Zutrauen auf die Wirkung des Pferdehackens, unterlaſſen. Denn daß bei der Drillwirthſchaft durch die ſtärkeren Ernten der Boden ſtaͤrker erſchoͤpft werde, iſt nicht zu bezweifeln, wenn ſich dies gleich nicht in den erſten Jahren aͤußert. Allemal erhält das gedrillte Korn eine groͤßere Vollkommenheit. Es wiegt nach den Reſultaten aller Verſuche ſchwerer als das breitwuͤrſige. Bei der zwei⸗ zeiligen Gerſte habe ich einmal einen Unterſchied von 6 Pfund per Scheffel gefun⸗ den, und beim Weizen iſt ein noch groͤßerer geweſen. Das Korn iſt groß und voll ausgewachſen, daher ſchickt es ſich zur Saat vorzuglich. Um gutes Saatgetreide zu gewinnen, kann man alſo einer jeden großeren Wirthſchaft eine Drillmaſchine empfehlen. 5 1ih⸗ Aber zur allgemeinen Drillkultur— ſey es auch nur der Winterung— kön⸗ nen wir nur in ſolchen Wirthſchaften rathen, die ſich ſchon auf einer hohen Stufe der Kultur im Ganzen befinden, und in denen der Ackerbau mit der groͤßten Aufmerk⸗ ſamkeit und Intelligenz betrieben wird. Die gedrillten Saaten beduͤrſen einer ge⸗ nauen Beachtung, um den gerechten Zeitpunkt und die angemeſſenſte Art des Pferdehackens zu treffen. Ein Verſehen kann hier ſehr nachtheilig werden. Wer daher das Drillen nicht kennt, muß im Kleinen damit anfangen, um erſt einen ſichern Takt zu bekommen; alle Anfaͤnger ſind zu furchtſam mit dem Pferdehacken, oder zu dreiſt. Auf einem armen Boden. aber das Drillen im Verhältniß der Sorgfalt, die es erfordert, nicht genug. Endlich giebt es in einer noch nicht vollig organiſirten Wirthſchaft der Gegenſtaͤnde ſo viele, welche die Aufmerkſam⸗ keit des Eigenthuͤmers oder des Aufſehers fordern, da es nicht rathſam ſcheint, dieſe durch das Drillen noch mehr zu diſtrahiren. §. 120. Das Pferdehacken der Winterung geſchiehet erſt im Fruͤhjahre; im Herbſt hat man, auch bei ſehr fruͤher Saat, keinen Nutzen davon verſpuͤret. Es iſt vorzunehmen, ſobald die Vegetation ſich zu zeigen anfaͤngt, und der Boden ziem⸗ Drillkultur. 107 lich abgetrocknet iſt. Mehrentheils iſt es rathſam, das Feld zuvor mit der eiſer⸗ nen Egge quer durch die Reihen zu durchziehen. Hierdurch wird die Winter⸗ borke des Erdreichs gebrochen, welche ſonſt von den Hackeiſen leicht uͤber die Saatreihen geſchoben wird, und dieſe verſchuͤttet. Zerfaͤllt zahe Erde dann nicht von ſelbſt, ſo laßt man bei trockner Witterung der abſchaufelnden Pferdehacke noch die Walze folgen, denn es iſt ſehr wichtig, daß dieſe obere Erde, welche nachher an die Pflanzen gebracht wird, vollig gepulvert werde. Die anhäufende Pferdehacke folgt dann, wenn die Saat ſich zu heben und zu ſchoſſen anfangt. Dieſer Zeitpunkt muß genau wahrgenommen werden. Es ſchadet zwar nicht, wenn die Halme auch ſchon ausgetrieben wären, indeſſen iſt es doch rachſam, es vollendet zu haben, bevor ſich die Aehre entwickelt. Man muß fruͤh darauf denken, um den gerechten Feuchtigkeitszuſtand des Bodens wahr⸗ zunehmen, wo er weder zu hart von Duͤrre, noch zu klebricht von Feuchtigkeit iſt. Man muß bei unguͤnſtiger Witterung die Stellen, wo man anfangen will, oft herausſuchen. Dies iſt wirklich der kritiſche Zeitpunkt fuͤr die Drillkultur; wenn man aber nur aufmerkſam und thätig iſt, ſo gebet es immer. Freilich ließe ſich eine ſo unguͤnſtige Witterung denken, daß man mit dieſem zweiten Pfer⸗ dehacken nicht zu Stande kommen koͤnnte. In dem Falle duͤrfte man auf keine ausgezeichnete Ernte rechnen; wenn indeſſen das erſte Pferdehacken gut vollfuͤhrt war, ſo wird das gedrillte Getreide noch immer das breitwuͤrfige uͤbertreffen. Der Sömmerrung wird haͤufig nur eine Pferdehacke gegeben, und zwar mit dem anhaͤufenden Eiſen, in dem Zeitpunkte, wo ſie bald ſchoſſen will. Wenn ſie aber in ihrem jungern Zuſtande ſchon geſchaufelt wird, ſo iſt ihr dies um ſo wohlthätiger, beſonders wenn vieles Unkraut in den Reihen auflaͤuft. Nur darf es doch nicht ſo fruͤh geſchehen, daß ihre Spitzen mit Erde uͤberſchuͤttet werden. Will man ſie fruh ſchaufeln, ſo duͤrfen die Eiſen durchaus nicht vonvex, ſondern muͤſſen ganz flach ſeyn, damit ſie die Erde nicht ſeicwärts ſchieben, ſondern ſie uber ſich weggleiten laſſen. 5 1 Einige haben das Stecken des Getreides mit der Hand(das Dibbeln der Pflanzen des Engländer) der Drillkultur noch vorgezogen. Die Pflanzen kommen dadurch nicht Getreides. bloß in gleich entfernten Reihen, ſondern auch in dieſen in gleicher Entfernung d 103 Drillkultur. von einander zu ſtehen, und koͤnnen nun zum Theil durch Maſchinen, zum Theil durch die Hand, von allen Seiten behackt werden. Auch iſt die Saaterſparung dabei noch groͤßer, und man kann mit ₰ der gewoͤhnlichen Einſaat ausreichen. Hierdurch wird bei theurem Getreide die Arbeit bezahlt, und dies iſt wohl die Haupturſache, warum in den theuren Jahren dieſe Methode in England ſo viele Lobredner ſand. Man gab den Weibern und Kindern der Tageloͤhner die Saat zu verdienen, die ſie durch ihre Arbeit erſparten, und rettete ſie von der Hungers⸗ noth, ohne daß es etwas koſtete. Es werden mit einem Pflocke Loͤcher auf 3 bis 4 Zoll Entfernung gebohrt, und in jedes einige Koͤrner geworfen. Oder beſſer, man bedient ſich eines Inſtru⸗ ments dazu, wie es die Gaͤrtner zum Erbſenlegen gebrauchen, und womit durch Auftreten des Fußes 12 und mehrere Loͤcher auf einmal gemacht werden. Die Pflugfurche giebt die Richtung der Reihen an, indem man auf die Mitte jeder Furche eine Reihe ſetzt. Nachher wird geegget. Es fällt von ſelbſt in die Augen, daß dieſe Mechode ſehr viele Arbeit koſte, und daß ſie daher nur unter gewiſſen Umſtaͤnden und in beſchraͤnktem Maaße an⸗ zuwenden ſeyo. Wenn einige in England dieſe fuͤr die Tageloͤhner-Familien wohl⸗ thaͤtige Methode anprieſen; ſo ſagten dagegem andre, ſie ſey ſehr mißlich, weil man die Leute bei der Arbeit nicht genau genug beachten koͤnne, und ſie dann in einem Theile der Loͤcher zu viel Koͤrner, in einem andren gar keine würfen, weil ihnen dies bequemer ſey. Nur ein kleiner Landwirth, der die Arbeit mit ſeiner Familie vollfuͤhrte, koͤnne ſicher dabei gehen. Man dachte deshalb ſogar auf Maſchinen, die dieſes einzelne Einlegen der Koͤrner bewirken ſollten; aber verſchiedene Ideen, die man daruͤber gehabt hat, ſind unausfuͤhrbar gefunden worden. Auch in Frankreich ſind viele Verſuche damit gemacht worden, die der Se⸗ nateur Graf Wangois de Neufchateau in einem Werke:„l'art de multiplier les grains. Paris 1809* ausfuͤhriich erzählt. Es iſt dabei nur von der großen Vermehrung der Einſaat, aber nicht von den Koſten und nicht von dem Flächen⸗ raume, den dieſe Saaten einnahmen, die Rede. Huͤlſenftuͤchte. 109 Die Huͤlſenfruͤchte. §. 120. Der Bau der Huͤlſen⸗oder Schootenfruͤchte— denn in der landwirthſchaſt⸗ Nährende tichen Sprache unterſcheidet man beides bisher nicht— iſt ohne Zweifel ſo alt, als der Bau des eigentlichen Getreides, weil Inſtinkt und Erfahrung die Menſchen lehrte, daß ſie nichts nahrhaſteres, der Natur des thieriſchen Koͤrpers angemeſſe⸗ neres und zugleich ergiebigeres bauen könnten, wie dieſe Fruͤchte. Die Huͤlſenfruͤchte enchalten eine große Menge von derjenigen Subſtanz, die unſer Einhof zuerſt unter dem Namen der thieriſch⸗vegetabiliſchen Sub⸗ ſtanz der Hulſenfruͤchte darſtellte. Sie iſt der thieriſchen Materie ſehr nahe ver⸗ wandt, und wenigſtens eben ſo nahrhaſt, wie der Gluten. Und da die Menge der⸗ ſelben in den Hulſenfrüchten überwiegend iſt, ſo beſigen dieſe eine groͤßere nährende Kraſt, wie die Getreidearten. Man hat es längſt nach allgemeiner auf Empfin⸗ dung beruhender Erfahrung gewußt, daß Linſen, Erbſen, Bohnen, nicht nur ſät⸗ tigender ſind, länger vorhalten und dem Koͤrper mehr Kraft geben, als alle andre vegetabiliſche Produkte. Sie erſetzen dem arbeitenden Manne das Fleiſch, welches er nicht haͤuſig genießen kann, und es iſt als ob ein beſonderer Trieb denſelben aufforderte, dem Körper durch ihren Genuß das zu erſetzen, was beſonders Rocken und Kartoffeln ihm nicht geben kann. Deshalb ſind ſie dem ſtark arbeitenden gemeinen Manne bei uns, und noch mehr dem Matroſen, ein unentbehrliches Be⸗ duͤrfniß, und er iſt nicht zufrieden, wenn er nicht woͤchentlich ein Paar Mal eine Mahlzeit daven haben kann. Was die Erfahrung alſo laͤugſt lehrte, iſt durch die chemiſche Unterſuchung nur beſtätigt worden, und beide ſtimmen vollkommen darin uberein, daß die Huͤlſenfruchte das nahrhafteſte ſind, was das Pflanzenreich in un⸗ ſerm Klima liefert. Im gleichen Verhältniſſe wurde das voͤllig ausgeſogene Stroh der Huͤlſenfruͤchte gegen das Stroh des Getreides ſtehen. Da aber das Stroh, beſonders der ran⸗ kenden Hulſenſtuͤchte, ſelten ſo ſtark wie das Getreideſtroh durch die reifenden Fruͤchte ausgeſogen wird, ſondern noch Saſt und Leben behält, wenn wir es ab⸗ ernten; ſo iſt es um ſo nahrhafter. Auch uͤberwiegt das vor Anſaß der Fruͤchte gemähete Kraut dieſer Gewachſe das Gras der Getreibearten an Nahrungskraſt. 110 Huͤlſenfruͤchte. 5. 121, Auch für die Aber nicht bloß den Thieren, ſondern auch den Gewaͤchſen ſcheint dieſe Klaſſe vegetakiten von Vegetabilien beſonders nährend zu ſeyn. Wegen der großen Menge von thie⸗ riſch vegetabiliſcher Subſtanz kommen ſie dem thieriſchen Duͤnger naͤher, ſind ſchnel⸗ ler zerſetzbar durch die Fäulniß, und gehen in die Pflanzen leichter uͤber als andre vegetabiliſche Duͤngungsmittel. Man hat ſich daher dieſer Gewächſe ſeit uralten Zei⸗ ten bis auf unſten Tag im ſuͤdlichen Europa zur Duͤngung fur andre Fruͤchte bedient. Vor allen iſt zwar die ihrer Herbigkeit wegen ſonſt unbrauchbare Feigbohne im Gebrauch geweſen, deren Kraut man nicht nur auf den Feldern gruͤn unterpfluͤgt, (vergl. Annalen der Fortſchritte des Ackerbaues I. H. 2.) ſondern deren Frucht man auch, nachdem ihre Keimkraft durch heißes Waſſer erſtickt iſt, als Duͤnger an die Oliven und andre Fruchtbaume bringt, um ſchwachen Baͤumen dadurch neue Kraft zu geben. Allein es werden auch viele andre Gewächſe dieſer Klaſſe dazu gebraucht. Außer jener beſondren Subſtanz, enthalten die Huͤlſenfruͤchte auch Stärkemehl und eine ſchleimige leicht auflösliche Subſtanz, wie die Getreidearten, die jedoch nicht ſo ſuͤß iſt. Die beſte Zubereitung der Huͤlſenfrüchte geſchiehet durch das Kochen. Ihre verſchiedenen Subſtanzen werden dadurch in eine genauere und innigere Verbin⸗ dung geſetzt und aufloslicher, leicht verdaulicher und dem Magen angenehmer ge⸗ macht. Sie gewinnen in dieſer Hinſicht eben ſo viel, wie das Getreide durch die Brodgährung und das Brodbacken gewinnt. Sie koͤnnen zwar auch durch das Brodbacken zubereitet werden, allein das Brod hat einen herben, galſtrigen Ge⸗ ſchmack. Nur als Zuſatz zum Getreidemehl werden ſie ofterer gebraucht, und das Brod dadurch, ohne ſeinen Geſchmack zu verderben, aller Erfahrung nach, nahr⸗ hafter gemacht. 5. 122. In wiefern ſie Daß Fruchte, welche ſo viele naͤhrende Theile enthalten, auch vegetabiliſche Nahrungsſtofſe aus dem Boden ziehen muͤſſen, hat keinen Zweifel. Indeſſen der als Getrei⸗ ſcheint es, als ob ſie einen gröſſern Theil ihrer Nahrung aus der Atmosphaͤre de erſchöbfen. und dem Waſſer anzoͤgen, und durch ihren Organismus zubereiteten als die Ge⸗ treidearten. Daß ſie, wie einige behauptet haben, eine eigenthuͤmliche, von den ——— ——— Erbſen. 111 Getreidep flanzen abgeſtoßene Materie aus dem Boden zoͤzen und zu ihrer Nah⸗ rung gebrauchten, laßt ſich zwar nicht annehmen, allein das quantitative Ver⸗ haͤltniß, worin ſie die Urſtoffe anziehen, iſt ohne Zweifel verſchieden. Eine ſo alte wie allgemeine Erfahrung, hat dieſe Saaten als Brachfruͤchte oder verbeſ⸗ ſernde Fruͤchte anerkennen laſſen, bei deren Abwechſelung mit dem eigentlichen Getreide der Acker laͤnger in Kraft bleibt und ſtaͤrkere Ernten giebt, als wenn man immerfort Halmgetreide bauet. Es wuͤrde uͤberfluſſig ſeyn, hieruͤber mehre⸗ res zu ſagen, als im erſten Bande bei der Lehre vom Fruchtwechſel geſagt wor⸗ den iſt, da jeder erfahrne Landwirth weiß, daß bei einem beſtaͤndigen Fruchtbau dieſer Wechſel unumgaͤnglich noͤthig ſey, und ſogar durch ſtaͤrkere Duͤngung nicht entbehrlich werde. Si bſe 5 123. iſt unter den Huͤlſenfruͤchten bei uns die gebraͤuchlichſte. Man hat von den Erbſen zwei Hauptabarten: die bei uns gewöhnliche gelbe Ab⸗ und Erbſe, und die graue oder preußiſche Erbſe, welche hauptſächlich in Pohlen und Sbielarten. Preußen gebauet wird. Von der gelben Erbſe haben wir wieder eine beſondere Spielart, welche auch trocken ihre gruͤne Farbe behält, ſich uͤbrigens aber faſt gar nicht unterſcheidet. Die Gaͤrtner haben eine große Menge von. Spielarten erzeugt, und dieſe ſind auch in den Feldbau uͤbergegangen. Insbeſondere giebt es einige Arten, die fruͤher anſetzen und reif werden und nicht ſo ſtark ins Kraut treiben, wie andre. Man hält ſie im Ertrage fuͤr ſicherer und im Korne feinhuͤlſiger und weicher; wogegen die groͤßere, ſpaͤtere Art zuweilen ſtaͤrkeren Ertrag und immer mehr Stroh giebt. Was aber in den meiſten Verhaͤltniſſen fuͤr die fruͤhere Art entſcheidet, iſt, daß ſie nicht ſo leicht vor dem Fruchtanſaße mit Mehlthau befallen wird, und daß ſie, wegen der fruͤheren Aberntung, mehrere Zeit zur Vorbereitung des Ackers zum Wintergetreide verſtattet. Die graue preußiſche, groͤßere und eckige Erbſe mit violetter Bluͤte, ſoll ei⸗ nem andren Kſima, wie einige behaupten, nicht ſo angemeſſen ſeyn und ausarten, Man bauet beſonders in den Leine⸗ und Weſergegenden eine graue Erbſe mit vio⸗ Boden. Ihr Platz in den Feldrota⸗ tionen. 112 Huͤlſenfruͤchte. tetter Bluͤte, aber faſt nur zur Viehfutterung und ihres hohen Strohes wegen, und hält ſie wegen ihres herben Geſchmacks zur menſchlichen Nahrung untaug⸗ tich. Dies iſt vermuthlich eine Abartung jener? Auch die weißbluͤhenden gelben Erbſen, bekommen zuweilen violette Bluͤten und ſchwarze Koͤrner, und einige vermeinen, daß dies die Folge einer Begattung mit den Wicken ſey. Dies kann aber nach meinen Beobachtungen der Fall nicht ſeyn, und es ſcheint mir, nur von Boden und Witterung abzuhaͤngen, da ich auch bemerkt habe, daß ſie wieder einarten, und daß violette Bluͤte nicht immer graue Koͤrner gebe. §. 124. Ein ſandiger oder kalkiger Lehmboden, weder naßkalt noch der Duͤrre zu ſehr ausgeſetzt, iſt ohne Zweifel der vorzuglichſte und ſicherſte fuͤr die Erbſen. Sie ge⸗ deihen jedoch auch auf ſtrengem Thonboden und eben ſo auf lehmigem Sandboden, wenn beiden die Witterung zuſagt und dieſer nicht zu dürre gelegen iſt. Allemal aber ſcheint ein Antheil von Kalk ihre Vegetation ſehr zu beguͤnſtigen, wenn er auch nur geringe iſt, und man hat in mehreren Gegenden die Erfahrung gemacht, daß der Erbſenbau nur auf den Aeckern gluͤcke, die einmal, ſey es auch vor lan⸗ ger Zeit, gekalket oder gemergelt worden. Dagegen ſcheinen ſie keine Saͤure im Boden zu ertragen, und vielleicht beſteht eine Hauptwirkung des Kalkes in der Vertilgung derſelben. Bei der Dreiſelderwirthſchaft werden die Erbſen in und ſtatt der Brache gebauet. Dies iſt beinahe allgemein angenommen, und geſchiehet wo der Bo⸗ den Erbſen zu tragen vermag. Im Allgemeinen kann man einen Ruͤckſchlag des Wintergetreides nach den Erbſen gegen das nach der Brache jedoch nicht ableug⸗ nen, auch nicht daß der Boden leicht danach verwildere und verkraute, beſonders wenn man mehrere Male die Brache mit Erbſen beſtellt, ſtatt ſie im Sommer zu bearbeiten. Es giebt daher noch immer ſo ſtrenge Anhänger des alten Ge⸗ brauchs, daß ſie die Erbſen nicht in das Brachfeld, ſondern in das Sommerfeld ſäen, und dann reine Brache nachher halten, um ſich ihres beſſeren Winterge⸗ treides gegen die Beſteller der Brachfruͤchte ruͤhmen zu koͤnnen. Dieſe haben ſo⸗ gar den angeblichen Getreidemangel und Theurung der verwichenen Jahre dem Erbſenbau Erbſen. 113 Erbſenbau in der Brache zugeſchrieben. Allein wenn die Erbſen nur nicht zu oſt kommen, und die Bearbeitung der Brache daruͤber nicht ganz verſäumt wird, man auch den Acker vor und nach den Erbſen gut behandelt, ſo hat es damit keine Gefahr, und der geringe Abſchlag in der Winterung wird vielfach durch den Erbſen⸗ ertrag, die mehr ausgeſogene Kraft des Bodens aber durch das Erbſenſtroh erſetzt. In der Koppelwirthſchaft haben die Erbſen lange den letzten Platz einnehmen muͤſſen, und wurden in dem ſogenannten Nach⸗ oder Abtragsſchlage gebauet, wo ſie ſchlecht gerathen. Man hat ſich aber jetzt ſchon haͤufig eines beſſern belehrt.. Vergl. das gerechte Verhaͤltniß der Viehzucht und des Ackerbaues. S. ra6. Annalen der Mecklenburgiſchen Landwirthſchaftsgeſeliſchaft. Bd. II. S. 276. Gewiß iſt es, daß Erbſen vorzuglich in der Kleeſtoppel und nach behackten Fruͤchten, nach Kartoffeln gerathen. Aber dieſe und jene ſind gute Vorfruchte fur Getreide, und deshalb nimmt man nach der Regel des Fruchtwechſels gern eine Halmfrucht dazwiſchen. Wer wird ſich aber nicht von der Befolgung jeder Regel los ſagen, wenn er in einem beſonderen Falle zureichende Gruͤnde dazu hat? Einige haben die Meinung, Erbſen geriethen zum erſtenmal nicht in einem Felde, welches noch nie Erbſen getragen habe, und ſaͤen ſie daher immer nur in das ſeit langer Zeit dazu beſtiinmte Feld. Dies iſt entſchieden ein bloßes Vorur⸗ theil, wenn nicht andre urſachen vorhanden ſind, welche die uͤbrigen Felder zum Erbſenbau untauglicher machen. Andre dagegen beſorgen, die Erbſen würden ſich austragen, wenn ſie ſelbſt oder andre Hulſenfruͤchte oft an einem Ort kämen. Dies zeigt aber die Erfah⸗ rung nicht, wenn dazwiſchen eine Duͤngung und vollſtndige Bearbeitung ge⸗ geben wird. 5. 126. Ob die Erbſen im Duͤnger oder erſt in zweiter und dritter Tracht zu bauen Duͤngung. ſeyen, daruͤber ſind die Meinungen verſchieden. Manche beſorgen bei erſterm einen zu uͤppigen Trieb des Krautes, ſo daß ſie keine Schooten anſetzen, immerfort wachſen und bluͤhen moͤchten, ohne zu reifen. Wer einen ſo kraͤſtigen Boden hat, daß die⸗ ſes im Durchſchnitt der Jahre zu beſorgen ſteht, muß ihnen allerdings keinen Duͤn⸗ ger geben. Aber dieſer Fall iſt ſo häufig nicht, und im Allgemeinen iſt eine leb⸗ haſte Vegetation der Erbſen, um des ſo ſchätzbaren Strohes und der dichten, Vierter Theil. P Vorbereitung des Ackers. 114 Huͤlſenfruͤchte. fruchtbaren Beſchattung willen, erwuͤnſcht, wenn auch der Ertrag des Korns eiwas ſchwaͤcher ſeyn ſollte. Auf gewoͤhnlichem Boden haben die geduͤngten Erbſen im Korne wie im Stroh immer den Vorzug, und hinterlaſſen dann den Boden in einem beſonders guͤnſtigen Zuſtande für die folgende Frucht; wogegen er bekanntlich unter ſchlecht ſtehenden Erbſen verwildert und krautig wird. Indeſſen iſt es ſelten rathſam, den Erbſen eine ſehr ſtarke Duͤngung zu geben. Mit jedem Jahre uͤberzeugen uns mehrere wiederholte comparative Verſuche, daß eine nach der Saat oben aufgeſtreuete Duͤngung, es ſey mit ganz friſchem ſtro⸗ bigen oder zergangenen Miſte, den Erbſen auf ſandigem Lehmboden nicht nur wohl⸗ thaͤtiger ſey als eine untergepfluͤgte, ſondern daß auch die folgende Winterfrucht beſſer darnach gerathe. Die Erfahrung lehrt uns dies ſo augenſcheinlich, daß alle ſcheinbar entgegenſtehende theoretiſche Gruͤnde dagegen verſtummen muͤſſen. Jedoch kann ich dies bisjetzt nicht auf ſtrengen Boden ausdehnen, auf welchem noch keine Verſuche meines Wiſſens daruͤber angeſtellt ſind. Der Duͤnger kann ſonſt ſehr gut mit den Erbſen zugleich untergepfluͤgt wer⸗ den, indem man dieſe auf den zerſtreueten Duͤnger ſaet. Man hat die Bemerkung gemacht, daß Schaaf⸗ und Pferdemiſt ſeinhulſigere und feinere Erbſen gaͤbe, als der Kuh⸗ und Schweinemiſt. Auch Kalk⸗ und Aſchenduͤngung ſoll dies bewirken. §. 125 Wenn man gleich anerkennt, daß die Erbſe einen ſehr gelockerten und fein gepulverten Boden liebe, ſo ſind doch manche nach ihrer Erfahrung uͤberzeugt, daß ſie auf einer Furche geſaet, beſſer als nach mehrerer Bearbeitung gerathen. Ge⸗ gen die Richtigkeit einiger Erfahrungen, die man dafür anfuͤhrt, wende ich nichts ein; allein es ſind ohne Zweiſel beſondere Umſtände da geweſen, welche keines⸗ weges eine allgemeine Regel begruͤnden. Wenn man in feuchterem Boden eine Furche vor Winter gegeben hatte, ſo zog ſich die Krume ſo voll Waſſer, daß der Boden noch zu naß war, als man die Saatfurche im Fruͤhjahre gab, wobei ſich der Boden mehr verballte, als lockerer wurde. Man wollte von der Regel einer moͤglichſt fruͤhen Erbſenausſaat nicht abweichen, und ſchmierte ſie ein, welches ihnen immer übel bekommt. Auf Boden, wo man dies nicht zu beſorgen hat, und wo Erbſen. 115 man eine hinlängliche Abtrocknung des vor Winter gepfluͤgten Ackers abwarten kann, bevor man die Saatfurche giebt, hat ſich die zweifurchige Beſtellung dage⸗ gen immer beſſer gezeigt, und wenn ſie gleich mehreres Unkraut, wie nicht zu lengnen iſt, hervorlockt, ſo werden es dennoch die Erbſen um ſo leichter uͤberwach⸗ ſen. Auf allen trockneren Boden hat das Unterpfluͤgen der Erbſen entſchiedene Vorzuge, und dies kann doch nur ſicher mit der zweiten Furche geſchehen. §. 128. Man empfiehlt allgemein eine möglichſt frühe Ausſaat der Erbſen, und es iſt Ausſaat. in der Regel das erſte Korn, was im Fruͤhjahre beſtellt wird. Der Froſt ſchadet ihnen nicht, wenn ſie auch ſchon hervorgekommen wären. Allein ich habe keines⸗ weges einen allgemein ſchlechteren Erfolg bei ſpät geſaͤeten Erbſen beobachtet; viel⸗ mehr muß ich bekennen, daß ſpät im Mai geſäete mir jedesmal beſſer gerathen ſind, wenigſtens in Anſehung des Strohes. Ich will indeſſen auch dies nicht zur Regel machen, weil es mir ganz von der Zufälligkeit der Witterung abzuhängen ſcheint. Die fruͤhen, ſagt man, entgehen der Gefahr des Mehlthaues, der ſie erſt trifft, nachdem ſie Schooten angeſetzt haben, und dann der Frucht nicht viel ſcha⸗ det, wenn er gleich dem ferneren Wuchſe des Krautes ein Ende macht. Allein ich habe gerade gefunden, daß dieſer Mehlthau die ſpaͤten, noch in voller Lebenskraft ſtehenden Erbſen nicht befiel, wie er die fruͤhen faſt toͤdtete. Schon der alte Sckardt raͤth, um mit den Erbſen ſicher zu gehen, ſie zu drei oder vier Malen alle 14 oder alle 9 Tage zu ſaͤen, wodurch man ſich gegen ein allgemeines Miß⸗ rathen ſichern wuͤrde. Dieſem ſtimme ich gern bei, mache es mir aber überhaupt zur Regel, die Erbſen nie voreilig einzuſchmieren. Die gewoͤhnliche Ausſaat der Erbſen iſt der des Getreides gleich; 1 Scheffel bis 20 Metzen per Morgen. Wenn 1 Scheffel geſäet wird, ſo hat man berech⸗ net, daß 12 Stuͤck auf 1 Qnadratfuß fallen, welches noch uͤberflſſig ſeyn wuͤrde, wenn man ſie gleichmaͤßig vertheilen koͤnnte. Wenn man ſie auf der Furche ſaͤet, ſo iſt es nicht zu verhindern, daß viele oben auf liegen bleiben, die ein Raub der Vogel werden, und dieſe oft ſo ſtark hinlocken, daß ſie nachher die Erbſen ſelbſt aus dem Boden hervorziehen. Bei dem Unterpfluͤgen wird dies mehr, wenn gleich nicht vollig vermieden, weil die Erbſen ſo leicht herausſpringen. Dies macht alſo ſchon eine Abaͤnderung in der Quantität der Ausſaat. Uebrigens bemerkt man, P 2 Vegetations⸗ periode. 116 Huͤlſenfruͤchte. daß duͤnner ſtehende Erbſen bei feuchter Witterung in der Bluͤtezeit beſſer wie dichtſtehende anſetzen; wogegen dieſe mehr Stroh geben und den Boden in einem muͤrberen Zuſtande hinterlaſſen. Es kommt alſo auf die Nebenzwecke an, die man bei dem Erbſenbau hat. Einige wollen durch eine ſehr dichte Saat das Unkraut unterdruͤcken, und ſäen derhalb bis 2 Scheffel auf den Morgen. Ich habe aber noch nicht bemerkt, daß man dieſe Abſicht dadurch erreicht habe, indem das Unkraut, beſonders der Hederich, fruͤher empor und zur Bluͤte kommt, wie die Erbſen, wenn nicht eine ſehr fruchtbare Witterung den Wachsthum der letztern beguͤnſtigt. F. 129. Einige haben gegen das Eggen der aufgelaufenen Erbſen ſehr gewarnt, an⸗ dere dagegen, beſonders Dullo in ſeinem ſchaͤtbaren Werke uͤber die kurlaͤn⸗ diſche Landwirthſchaft haben es zur Vertilgung des jungen Unkrauts ſehr empfoh⸗ len, jedoch nicht fruͤher, als bis die Erbfen ihre Blaͤtter entwickelt haben. Ich habe bei einigen damit gemachten Verſuchen in der That nicht gefunden, daß es der jungen Erbſenpflanze geſchadet hätte; aber das Unkraut hatte ſich auch ſchon zu ſtark bewurzelt, um dadurch erheblich zu leiden. Vielleicht muͤßte man, um dieſen Zweck zu ereichen, die untergepflugten Erbſen vor dem Auflaufen gar nicht eggen, ſondern damit warten, bis ſie hervorgekommen und ſich entwickelt haben, wo dann die Egge auf der rauhen Furche zur Vertilgung des jungen Unkrauts wirkſamer ſeyn koͤnnte. Ich habe aber den Verſuch bisjetzt verabſäumt. Dullo ſage in ſeiner Beſchreibung der kurlandiſchen Landwirthſchaft, daß er Erbſen acht bis zehn Tage nach der Saat, alſo wohl nachdem ſie ihren Keim ſchon hervorge⸗ trieben hatten, mit dem beſten Erfolge untergepfluͤgt habe, und daß ſolche dann ſchnell und rein vom Unkraute hervorgekommen ſeyen. In England iſt es nicht ungebraͤuchlich, ſelbſt die breitwuͤrfig geſäeten Erbſen mit der Hand zu behacken und zu vereinzeln, und fleißige kleine Wirthe jäten ſie. Beides iſt bei einer großen Erbſenausſaat fuͤr uns nicht anwendbar. Wenn der Hederich die Erbſen uͤberwaͤchſt und in voller Bluͤte ſteht, habe ich nach mehreren andern das Abmähen deſſelben verſucht, wobei die obern Spitzen der Erbſen aber doch mitgeſaßt werden muͤſſen. Auf kraͤftigem Boden, und bei guͤnſtiger Witterung ſchadete es den Erbſen nicht; im entgegengeſetzten Falle litten ſie aber merklich dadurch, und der Hederich uberwuchs ſie zum zweitenmale. Erbſen. 117 Die Witterung und insbeſondere die, welche die Erbſen in gewiſſen Perioden ihrer Entwickelung trifft, hat auf das Gedeihen und den Fruchtanſatz derſelben einen noch größern Einfluß, als auf die meiſten andern Feldfruͤchte, weswegen ſich auch der Ertrag der Erbſen kaum im allgemeinen Durchſchnitt beſtimmen laßt. Eine feuchte Bluͤtezeit ſchadet ihnen nicht, iſt ihnen vielmehr ſehr zuträglich, da der Bau ihrer Bluͤte ſie gegen alles Eindringen der Feuchtigkeit ſchuͤtzt. Bei duͤr⸗ rer Witterung vertrocknet dagegen die Bluͤte, ohne anzuſehen. Sehr uͤbel iſt es, wenn ſie in dem Zeitpunkte ihrer ſtärkſten Bluͤte— denn zu Anſange derſelben geſchieht es ſelten— mit Mehlthau befallen werden. Dann iſt zuweilen in 2. Stunden die hoffnungsvollſte Blute plötzlich zerſtoͤrt, und faͤllt ab, ohne an⸗ geſetzt zu haben. Zuweilen ſcheint auch ein beſonderer Luftzuſtand vorhanden zu ſeyn, der auf eine noch unbekannte Weiſe, wie bei dem Buchweizen und mehreren Fruͤchten das Anſetzen verhindert. Man hat auch die Felderbſen zuweilen wie die Gartenerbſen geſtiefelt, d. h. in gewiſſen Entfernungen trockne Reiſer dazwiſchen geſetzt, wodurch allerdings das Lagern derſelben verhindert und die Frucht zu groͤßerer Vollkommenheit gebracht werden muß; aber nicht nur dieſes Stiefeln, ſondern hauptſaͤchlich die Ernte muß ungemein beſchwerlich ſeyn. Auch hat man das Erbſenfeld nach der Ausſaat dick mit Stroh belegt, und die Erbſen hindurch wachſen laſſen, wodurch man das Unkraut unterdruͤckte, dem Boden die Feuchtigkeit erhielt, und das Anfaulen des Erbſenſtengels am Boden verhinderte. Es gehoͤrt nur ein großer Ueberfluß an Stroh dazu, welches freilich dem Acker als Duͤnger zu Gute kommt. §. 130. Der gerechte Zeitpunkt der Ernte iſt bei den Erbſen genau wahrzunehmen. Ernte. In der Regel muß man ſich nur nach der Reife der untern Schooten richten, und ſich um das Nachreifen der ſpätern nicht kuͤmmern; man verliert ſonſt leicht den größern und beſten Theil. Nur ſelten wird dieſe Regel eine Ausnahme leiden: wenn man naͤmlich ſehr deutlich erkennt, daß die erſten Bluͤten eines beſondern Witterungezuſtandes wegen faſt gar nicht angeſetzt hatten; dagegen die ſpäteren bei gunſtiger Witterung um ſo mehr. Allein der Fall iſt ſelten, und weit haͤufiger koͤmmt es vor, daß die Erbſen oben noch gruͤnen und blühen, wenn die untern 118 Huͤlſenfruͤchte. Schooten trocken und reif ſind. Dieſes Nachbluͤhen iſt durchaus nicht abzu⸗ warten, und es wird manchmal fortdauern, bis die unteren Schooten ſaͤmmt⸗ lich ausgefallen ſind. Es ſchadet aber auch nicht, wenn man ſich nur zum Ab⸗ maͤhen entſchließt. Man bekommt um ſo beſſeres und nahrhafteres Stroh, und die unreifen Erbſen kommen immer zu Gute. Nur macht das Trocknen allerdings etwas mehr Schwierigkeit. 5 131 Das Abmähen der Erbſen iſt um ſo muͤhſamer, je mehr ſie ſich niedergelegt haben. Mit der Hauſichel werden ſie ohne Zweifel am beſten abgebracht. Noch muͤhſamer iſt das Trocknen derſelben bei unguͤnſtiger Witterung. Wenn Regen und Sonnenſchein haͤufig abwechſelt und die Schooten dann aufſpringen, ſo koͤnnen die ſaͤmmtlichen Erbſen auf dem Acker liegen bleiben, und man faͤhrt leeres Stroh in die Scheuern; beſonders wenn man ſie in Schwaden liegen laßt, und durch haͤufiges Wenden ſie trocken zu machen ſucht. Ich habe es bei ſolcher Witterung immer am rathſamſten gefunden, ſie, nachdem ſie nur etwas abgewelkt waren, gleich in große Haufen bringen zu laſſen, die man bei fort⸗ dauerndem Regen mit dem Harkenſtiele nur aufſtockert, uͤbrigens aber ſtehen läßt, bis ſie trocken genug ſind. Zwar leidet das Stroh dabei etwas, jedoch nicht ſo ſehr, als man beſorgen moͤchte, und einen Ausfall der Koͤrner, ſo wie den Ab⸗ fall der Blätter, verhuͤtet man faſt gaͤnzlich. Bei recht guter Witterung thut man indeſſen beſſer, ſie in den Schwaden unangeruͤhrt trocknen zu laſſen, und wenn man ſie wenden will, dieſes nicht mit der Harke, ſondern mit der Hand zu thun und ſie dann im Thau zum Einfahren zuſammen zu bringen, ohne ſie zu binden. Da es nach der Aberntung der Erbſen fuͤr die folgende Snat von der groͤßten Wichtigkeit iſt, den Pflug der Senſe ſo ſchnell wie moͤglich folgen zu laſſen, ſo muß man die Haufen auf einen moͤglichſt ſchmalen Streifen zuſam⸗ menbringen, damit man, wenn ſich das Einfahren verzoͤgerte, dazwiſchen durch⸗ pfluͤgen koͤnne. So umſtändlich dieſes manchem ſcheinen mag, ſo wird es doch jeder, der die Wichtigkeit des ſchnellen Umbruchs der Erbsſtoppel aus Erfah⸗ rung kennt, gern thun. Einige binden zwar die Erbſen vor dem Einfahren. Es ſcheint mir bie⸗ ſes aber von keinem Rutzen zu ſeyn. Erbſen. 119 5. 132. Da der Ertrag der Erbſen im Korne ſo zufaͤllig iſt, ſo laͤßt ſich kaum ein Ettrag. Mittelſatz annehmen. Ich habe auf demſelben Boden 13 ½ Scheffel Erbſen in einem Jahre, und 2 ½ Scheffel in einem anderen Jahre bei gleichem Ver⸗ fahren geerntet. Zwiſchen 5 bis 6 Scheffel kann man anſchlagemäßig auf gu⸗ tem Boden nur annehmen. Der Preis der Erbſen iſt wandelbar wie ihr Ertrag. Zuweilen ſtehet er mit dem des Rockens gleich, zuweilen betraͤchtlich hoͤher. Wenn die Erbſen nicht vom Wurme angefreſſen auf den Boden kommen, ſo halten ſie ſich in Tonnen gepackt ſehr lange, und es iſt rathſam, ſie fuͤr ein ſchlechteres Erbſen⸗ jahr aufzubewahren. Vom Stroh laͤßt ſich kein gewoͤhnliches Verhältniß zum Korne anneh⸗ Stroh. men. Denn dieſes iſt zuweilen um ſo viel geringer, je groͤßer jenes iſt. Auf einen gewiſſen Strohertrag kann man aber auf gutem Boden und nach gege⸗ bener Duͤngung mit groͤßerer Sicherheit rechnen, als auf einen gewiſſen Koͤr⸗ nertrag, und da dieſes Stroh in manchen Wirthſchaften von der hoͤchſten Wich⸗ tigkeit, allemal ſehr ſchätzbar iſt, ſo richten manche ihre Hauptabſicht darauf, und ſehen dann einen ſtärkern Koͤrnerertrag als Beguͤnſtigung des Schickſals dankbar an. 12 bis 16 Centner Stroh giebt ein guter Erbsacker in der Regel per Morgen, wenn nicht ein äußerſt duͤrres Jahr den Wachsthum der Erbſen zu fruͤhzeitig ſtört. Es kann aber auch weit mehr gewonnen werden. Das Stroh haͤlt man beſonders fuͤr die Schaafe geeignet, und manche glauben, das Heu damit voͤllig erſetzen zu koͤnnen. Dies kann jedoch nur in dem Falle angenommen werden, daß der groͤßere Theil des Strohes noch gruͤn war, wie es gemaͤhet wurde. Vorzuͤge hat indeſſen auch das trockenſte Erbs⸗ ſtroh vor dem Getreideſtroh in der Nahrhaftigkeit. Es iſt allerdings auch fuͤr Rindvieh und Pferde wohlthaͤtig, nur muß es geſchnitten werden, weil die Stengel mehrentheils zu zähe zum Abbeißen ſind, und ſich zwiſchen die Zahne ſetzen. Vorzuͤglich nahrhaft iſt das Spreu und Ueberkehr. Es iſt aber rathſam, das Erbſenſtroh fruͤh zu verfuttern, und es nicht bis gegen das Fruͤhjahr aufzubewahren. ———— ——— — 120 Huͤlſenfruͤchte. Die Linſen. §. 133. Abarten. Man hat von den gewoͤhnlichen Linſen zwei Arten; eine kleine von dun⸗ Boden. Ausſaat. kelbrauner Farbe, und eine groͤßere, die mehr gelblich zu ſeyn pflegt, und die man Pfenniglinſe nennt. Die kleine hat einen mehr aromatiſchen und eigenthuͤmlichen Linſengeſchmack, und wird deshalb von einigen vorgezogen; die andere ſindet jedoch auf den Maͤrkten beſſeren Abſatz. Sie gehen in ein⸗ ander üͤber, und es entſteht eine Mittelart, welche wohl die gewoͤhnlichſte iſt. Auch hat ein mehr oder minder kraͤftiger Boden Einfluß auf die Groͤße der Linſen. Man hat neuerlich unter dem Namen: Provencerlinſe, eine andere Art empfohlen, die größer oder vielmehr dicker iſt und ganz die Farbe der Erbſen hat. Sie iſt weit eintraͤglicher im Korn und im Stroh, ſelbſt auf ſandigem Boden. Allein ſie hat den eigenthuͤmlichen Geſchmack der Linſen in ſehr geringem Grade, und kommt mehr dem der Erbſen gleich, weswegen ſie auf dem Tiſche keinen Beifall gefunden hat. Ich halte ſie, da ſie eine beträcht⸗ liche Hoͤhe erreicht, und ſaſt beſſer wie Wicken auf ſandigem Boden wächſt, zum Futterkraute mehr geeignet wie zur Koͤrnererzielung. §. 134. Die Linſe verlangt einen mehr ſandigen Boden, der aber in Kraſft ſteht. Fuͤr ganz thonigen Boden iſt ſie nicht geeigset. §. 135. S Sie wird etwas ſpäter wie die Erbſen geſäet, da ſie empfindlicher gegen den Nachtfeoſt iſt. Man kann mit 12 Meben per Morgen ausreichen, muß aber beſonders auf reine Saat ſehen und daß ſich keine Wicken darunter men⸗ welche den Linſen beim Verkaufe Tadel zuziehen wuͤrden. Da die Linſe ein ſchwaches niedriges Kraut hat, ſo wird ſie vom Unkraute um ſo mehr uͤber⸗ wachſen, uud das Jäten derſelben iſt unbedingt nöthig. Manche ſäen ſie, um gen, dieſes zu erleichtern, mit der Hand in Reihen, zwiſchen denen dann geſchau⸗ felt werden kann. Sie ſchickt ſich daher vortreflich zum Drillen und Pferdehacken mit der Maſchine; wovon in der Folge⸗ Linſen. Bohnen. 121 §. 136. Man muß den Zeitpunkt ihrer Reife genau wahrnehmen und ſie abbringen, Ernte. wenn die untern Schooten braͤunlich zu werden anfangen, wenn gleich das Kraut noch gruͤn waͤre, indem ſie ſonſt zu ſtarken Ausfall leiden, Sie werden haͤufig nicht geſchnitten, ſondern aufgezogen. §. 137. Die Linſe hat unter allen Huͤlſenfruͤchten den groͤßten Antheil von der Ertrag und vegetabiliſch⸗animaliſchen Materie, und ſie iſt auch allgemein als ſehr nahrhaft e anerkannt, und wird von Eſaus Zeiten her faſt von allen Menſchen gern ge⸗ noſſen, weswegen ihr Preis beträchtlich hoͤher wie der der Erbſen ſteht. Und da ſie nun auf gehoͤrigem Boden und bei gehoͤriger Behandlung einen Ertrag von 8 bis 10 Scheffel per Morgen giebt, ſo iſt ihr Bau vortheilhaft. Nur giebt ſie wenig Stroh; dieſes haͤlt man aber fuͤr vorzuͤglich, ſetzt es dem beſten Heu gleich, und bewahrt es hauptſaͤchlich fur junges Vieh, Laͤmmer und Kaͤlber auf. Da die Linſe vom Unkraute rein gehalten werden muß, ſo reinigt ihr Anbau den Acker. Die Faſeolen Schmink⸗ oder Vitzbohnen. 5. 138. In den Gaͤrten hat man mannigfaltige Abartungen derſelben, die groͤß⸗ tentheils gruͤn mit ihren Schooten genoſſen werden. Auf dem Felde bauet man die niedrig bleibrnden Arten derſelben. Da ſie eine gartenmaͤßige Kultur erfordern, in Reihen geſaͤet oder geſteckt und gejaͤtet werden muͤſſen, ſo iſt ihr Anbau mehr gartenmaͤßig, und er kann nur mit zweckmaͤßigen Inſtrumen⸗ ten im Großen betriehen werden. Deshalb erwaͤhnen wir ihrer hier nur, und werden auf ſelbige zuruͤckkommen, wenn wir vom Maisbau reden, mit wel⸗ chem ihr Anbau vortheilhaft verbunden werden kann. Die Pferdebohne, Bufbohne(Vicia faha). §. 139. Es werden zwar im Felde wie im Garten mancherlei Abarten der Vicia Abarten, faba unter verſchiedenen Namen gebauet, aber die kleinere, rundere, hoch⸗ Vierter Theil. Q Boden. Duͤngung. Ausſaat⸗ 122 Huͤlſenfrüchte. Shſende und ſehr viele Schooten anſeßende Art, welche man Pferdebohne nennt, iſt die gewöhnlichſte und ohne Zweifel die vortheilhafteſte. Sie iſt ver⸗ ſchieden von Farbe, zuweilen gelblicht, zuweilen ſchwarzbraun und manchmal geſcheckt. Dieſe Verſchiedenheit der Farbe iſt aber unbeſtändig und hat die uͤbrigen Eigenſchaften der Bohnen gar keinen Einfluß. F. 140. Dieſe Bohne verlangt einen gebundenen, kraͤftigen, fuͤr Weizen geeigne⸗ ten Boden; jedoch kann ſie auch auf Boden von lockerer Konſiſtenz, wenn er Feuchtigkeit genug und vielen Humus hat— der aber nicht merklich ſauer ſeyn darf, weil ſie ſodann, meiner Erfahrung nach, dem Roſte ſehr unterwor⸗ fen iſt— vortheilhaft gebauet werden. Den ſtrengen Boden lockern die Boh⸗ nen vortreflich, und durchdringen den zaͤheſten Thon mit ihren Wurzelfaſern. Deshalb haͤlt man ſie auf ſolchem Boden fuͤr eine vorzuͤgliche Vorfrucht für den Weizen. Sie erhalten das Erdreich durch ihre Wurzeln und ihre Beſchattung muͤrbe und rein. §. 141. Wenn der Boden uͤberhaupt des Duͤngers bedarf, ſo muß zu den Boh⸗ nen geduͤngt werden, und zwar kraͤftig, weil der ihnen angemeſſene Boden eine ſtarke Duͤngung auf einmal verlangt, und ſie ſolche gut ertragen. Die Bohnen durchdringen ein ſehr gebundenes Erdreich, und man kann ſie daher mit der erſten Furche und mit dem Miſte zugleich unterpfluͤgen. Man hat ſie ſelbſt auf eine zähe Grasnarbe geſaͤet und ſie mit derſelben umgewandt, wo ſie ſich zwiſchen den Streifen hindurch draͤngen. Daß ein zweimaliges Pfluͤ⸗ gen ihnen jedoch beſſer bekomme, hat keinen Zweifel, und es geſchieht haupt⸗ ſaͤchlich nur aus der Urſach ſelten, weil man glaubt, daß die Bohnen durchaus fruͤh geſaet ſeyn wollen, und der Klaiboden, wenn er im Herbſte gepfluͤgt iſt, nicht fruͤh genug abtrocknet, um eine fruͤhe Saatfurche zu geſtatten. 5 r32 Man glaubt faſt allgemein, die fruͤyſte Saat gerathe im Durchſchnitt am beſten und man hat ſie ſelbſt im Dezember bei offnem Wetter untergebracht. Ein Froſt, der ſie nach ihrem Hervorkommen treffe, mache ihre Blaͤtter zwar gelb, aber ſie trieben dennoch hervor, und man verſpuͤre keinen Nachtheil da⸗ Bohnen. 123 von. Nach meinen Erfahrungen kann ich dieſer Meinung nicht ganz beiſtim⸗ men, da mir ſpät geſaͤete Bohnen oft vorzuͤglich gerathen ſind. Ihres großen Korns wegen erfordern ſie eine ſtarke Einſaat, zwei bis drei Scheffel auf den Morgen. Auf ſtrengem und feuchten Boden, ſagen die Englaͤnder, muͤſſe man ſie duͤnner, auf loſem und trockneren Boden dichter ſäen, damit ſie auf dieſem ſich ſelbſt beſchatten koͤnnen. Sonſt ſetzen die duͤnner ſte⸗ benden weit mehr Schooten an. Sie werden allgemein nur als Zwiſchenfrucht, oder ſtatt der Brache ge⸗ bauet. Zuweilen bricht man das Grasland oder den Dreiſch damit um, und bereitet es durch ſie zum Getreidebau vor. F. 143. Man uberzieht ſie nach dem Unterpfluͤgen nur leicht mit der Egge, egget ſie aber ſcharf, wenn ſie hervorgekemmen ſind, ihre Blaͤtter entfaltet haben und das Saamenunkraut hervorkommt. Sie ertragen das kraftige Eggen mit eiſer⸗ nen Zinken ſehr gut, und ſelbſt diejenigen, deren Koͤpfe dadurch geſpalten oder abgeriſſen werben, kommen wieder hervor. Vom Unkraute muſſen ſie, ſo lange ſie jung ſind, durchaus rein gehalten werden, und wird dies nicht durch das Eggen bewirkt, ſo muß es, wenn die Bohnen gerathen ſollen, durch das Behacken geſchehen. An einigen Orten hat man die ſonderbare Prozedur, die Schaafe auf bas Bohnenfeld zu treiben, wenn ſie fingerslang ſind; ſo lange dieſe Thiere junges Unkraut finden, ſollen ſie die Bohnen nicht anruͤhren. 5. 144. Es hat ſich aber ſelbſt da, wo man vom Drillen und Pferdehacken ande⸗ rer Fruͤchte nichts weiß, die Methode, die Bohnen in Reihen zu ſäen, haͤufig verbreitet. Man ſtreuet, wenn man keine Maſchine dazu hat, die Bohnen mit der Hand ſo ſtark, daß doch zwei Scheffel auf den Morgen fallen, in die dritte oder gar vierte Pflugfurche ein, und pflugt dann, wenn ſie herausgekommen ſind, zwiſchen allen Reihen die Erde erſt von jeder Seite ab, und nach einiger Zeit wieder an. Ein räderloſer Pflug oder ein Haaken iſt hierzu am beſten ge⸗ eignet, ich habe es aber auch mit einem landuͤblichen Raͤderpfluge verrichten ſehen. Die Reihen ſind zuweilen auf drei Fuß und daruͤber von einander ent⸗ Q2 Vegetations⸗ periode. Drill⸗ und Pferdehacken⸗ Kultur Krankheiten. 124 Huͤlſenfruͤchte. fernt. In den Reihen ſtehen ſie aber ſehr dick, und draͤngen ſich einander ſo nach den Seiten hin, daß ſie die Zwiſchenraͤume mit ihren Koͤpfen ganz aus⸗ fuͤllen. Weit beſſer wird natuͤrlich dieſer Bau mit den dazu beſtimmten In⸗ ſtrumenten betrieben, wovon weiter unten die Rede ſeyn wird. Man bedarf dann per Morgen nur 20 Metzen Saat. Die gedrillten Bohnen haben einen entſchiedenen Vorzug vor den breit⸗ wuͤrfigen in ihrem Ertrage an Koͤrnern. Man kann im Durchſchnitt das Dop⸗ pelte darauf rechnen. Sie ſetzen von unten auf an, was die geſchloſſen ſtehen— den durchaus nicht thun. Man findet nicht ſelten bei gedrillten Bohnen, daß ſie 30 bis 40 Schooten haben, wogegen andre ſelten uͤber 10 tragen. Weil die untern Bluͤten ſchon anſetzen, ſo kommen ſie dem Roſte und dem Honig⸗ thau zuvor, welche bei den Bohnen oft den Anſatz der ſpätern Bluͤten ganz vernichten. Das Stroh der gedrillten Bohnen verliert aber allerdings gegen die breitwuͤrfigen; der Stengel wird unten haͤrter und holziger, und die Blätter fallen mehr ab. Allein dieſer Verluſt kommt in keinen Betracht gegen den boheren Ertrag des Korns; kann auch durch fruͤhes Abbringen ziemlich ver⸗ mieden werden.* Der Boden wird durch das Bearbeiten, ſo lange die Bohnen jung ſind, muͤrbe erhalten und gereinigt, und dann durch die herangewachſenen dicht be⸗ ſchattet, weswegen er für die folgende Frucht um ſo vollkommener vorberei⸗ tet iſt, wenn nur der Acker gleich nach der Abbringung auf irgend eine Art wieder umgebracht wird. Das bei der Drillkultur in Rucken aufgetriebene Land wird am bequemſten mit dem Eyſtirpator geebnet, und bedarf dann nur noch einer Furche zur Saat. Wenn man die Bohnen nicht in eihen ſäet, ſo werden ſie faſt haͤufi⸗ ger mit Erbſen oder Wicken gemengt als allein gebauet, weil ihr Gerathen in der That ſehr mißlich iſt. §. 145. Sie ſind dem Roſte und dem Honigthau am meiſten unterworfen. Der erſtere zeigt ſich an den Blättern anfangs mit braunen Punkten, die ſich ver⸗ breiten, ſchwarz werden, und die ſàmmtlichen Blätter, endlich die Pflanze ſelbſt Bohnen. 125 zerſtören. Der Honigthau zeigt ſich an den Spitzen, und es folgen ihm un⸗ mittelbar eine unendliche Menge von ſchwarzen Blattlaͤuſen(Aphiden), die ſich dann uͤber die ganze Pflanze verbreiten, und allen Fruchtanſatz hemmen. Man ſucht das Uebel zu mindern, wenn man den Bohnen die Koͤpfe abhauet, wozu man ſich eines Saͤbels bedient. Bei gedrillten Bohnen habe ich noch nie erheblichen Schaden vom Honigthau erfahren, denn die Pflanze war ſchon genug erſtarket, und hatte ihren Hauptanſatz gemacht, wenn das Uebel erſchien, es griff nie weit nm ſich. Wenn Bohnen zu mißrathen ſcheinen, ſo bedenkt man ſich in Gegenden, wo man den Werth ſeines Bodens kennt, keinen Augenblick, ſie abzumaͤhen, den Acker umzupfluͤgen, und die Bohnen in die Furchen zu ſtreuen, weil eine ſchlechte Bohnenernte den Abſchlag des darauf folgenden Weizens durchaus nicht erſetzen wuͤrde. Denn es iſt allgemein anerkannt, daß nur gut ſtehende Bohnen den Acker zum Weizen trefflich vorbereiten, wogegen er nach ſchlecht ſtehenden faſt immer mißraͤth. §. 146. Man bringt die Bohnen ab, wenn der Haupttheil ihrer Schooten ſchwarz Ernte. wird, und wartet nicht auf die Reifung der ſpät angeſetzten. Ja, ein erfahr⸗ ner engliſcher Landwirth empfiehlt die Bohnen zu maͤhen, ſobald ſich die Koͤr⸗ ner nur völlig gebildet häben, ſie abwelken, dann binden, und nun auf einem andern Platze aufſtellen, und nachreifen zu laſſen, damit man ſogleich zum Um⸗ bruch der Bohnenſtoppel gelangen koͤnne. Die breitwuͤrfigen werden oft mit der Senſe gemaͤht, jedoch angehauen und abgerafft. Man ſchneidet ſie aber auch mit der Sichel. Die gedrillten koͤnnen, beſonders wenn ſie hoch ange⸗ pfluͤgt ſind, nur geſchnitten werden. Mit der Senſe wuͤrde man die unten ange⸗ ſetzten Schooten zu ſehr verletzen, und ſie wuͤrden in die tiefen Furchen fallen. Ich habe es am bequemſten und ſicherſten gefunden, ſie aufziehen zu laſſen. Ob dies indeſſen auf ſehr zaͤhem Boden ſo leicht gehe, kann ich nicht entſcheiden. Die Bohnen werden dann ſogleich in kleine Garben gebunden und dieſe zu fuͤnf bis ſieben gegen einander aufgeſett. Wenn nicht ein ſehr trocknes und warmes Erntewetter einfaͤllt, ſo dauert es oft ſehr lange, bevor das Stroh voͤllig austrocknet. Einige glauben dies zu befoͤrdern, wenn ſie die Bohnen⸗ Ertrag und Werth. 126 Huͤlſenfruͤchte. buͤndel umgekehrt, mit den Koͤpfen auf die Erde ſetzen. Da man nun weiß, daß es fuͤr die folgende Frucht ſehr wichtig ſey, den Bohnenacker bald moͤg⸗ lichſt umzubrechen, ſo faͤhrt man die Bohnen zuweilen gleich ab, und ſetzt ſie an einer andern Stelle auf, wo ſie voͤllig auszutrocknen Zeit haben. 5. 147. Der Ertrag der breitwuͤrfigen Bohnen iſt noch unſichrer, wie der der Erbſen. Von gedrillten Bohnen auf angemeſſenen Boden kann man 10 bis 12 Scheffel erwarten. In Kent und andern Bohnengegenden von England nimmt man, auf unſer Maaß reduzirt, 18 bis 27 Scheffel per Morgen als den gewoͤhnlichen Ertrag gedrillter Bohnen an. Der Scheffel Bohnen wiegt uͤber 100 Pfund, gewoͤhnlich 103. Sie ent⸗ halten die ſehr nahrhaft vegetabiliſch⸗animaliſche Subſtanz, jedoch in etwas geringerem Maaße als die Erbſen, aber eben ſo viel Stärkemehl. Sie wer⸗ den an einigen Orten gekocht von Menſchen gegeſſen, auch zum Brode ge⸗ nommen, dem ſie nach einigen einen angenehmen Geſchmack geben ſollen. Hauptſaͤchlich aber werden ſie zur Futterung der Pferde gebraucht. In vielen Gegenden Deutſchlands werden die breitwuͤrfig geſaͤeten Bohnen zu dem Zwecke nicht abgedroſchen, ſondern die Garben auf der Herſellade geſchnitten, und ſo den Pferden gegeben. In England haͤlt man dieſe Bohnen für das vorzug⸗ lichſte Pferdefutter, ſowohl bei Arbeits⸗ als bei Rennpferden. Sie muͤſſen aber nicht, wie einige vermeinen, eingeweicht und aufgequollen, ſondern trocken in ihrem natuͤrlichen Zuſtande gegeben werden. Ferner gebraucht man ſie als ein vorzuͤgliches Maſtfutter fuͤr die Schweine, denen ſie aber aufgequollen oder gekocht gegeben werden. Das Stroh der Bohnen haͤlt man allgemein fuͤr ſehr nahrhaft, wenn es nicht befallen iſt. Es kommt aber ſehr darauf an, ob man die Bohnen fruͤh, wenn ihr Kraut noch gruͤn war, oder erſt ſpaͤt gemaͤhet habe, weil im letztern Falle die Blätter abfallen, und die Stengel zu holzig werden. Das von breit⸗ wuͤrfigen Bohnen ſchaͤtzt man unter dieſer Bedingung dem Heue bei Pferden und Schaafen gleich. Das Stroh der gedrillten verliert aber, wie oben geſagt, manchmal ſehr; ſo wie denn uͤberhaupt bei dieſen Gewaͤchſen Stroh und Korn oft im entgegengeſetzten Verhältniſſe ſtehet. Wicken. 127 Die Wicken, Vicia sativa. §H. 148. In dem Geſchlechte der Vicia giebt es viele Arten, welche vielleicht nuͤtzlich Abarten. ſeyn koͤnnten. Bis jetzt hat man indeſſen nur dieſe Art und die Vicia narbonensis (ſranzoſiſche Futterwicke) im Großen angebauet. Der Anbau der letztern unter⸗ ſcheidet ſich von der der erſtern nicht, und da ſie nur in dem Falle einen Vorzug vor den gewoͤhnlichen zu haben ſcheint, wo man Wicken in ſehr kraͤftigem Boden bauen will, ſo hat ſich ihr Anbau wenig verbreitet. Die Vicia serratifolia habe ich nach gemachten Verſuchen wieder aufgegeben, da ſie meinen Erwartungen nicht ent ſprach. Abarten der gewoöhnlichen Wicke giebt es aber mehrere. Wir haben eine kleinere, fruher reifende, und eine auch im Kraute groͤßere, ſpaͤt reifende Art, die durchaus fruh geſaͤet werden muß, wenn ſie zur völligen Reife kommen ſoll. Die Winterwicke der Englaͤnder iſt wahrſcheinlich dieſelbe groͤßere Art, und nur daran gewoͤhnt, den Winter auszuhalten. Nach denen damit in unſerem Klima gemachten Verſuchen, haͤlt ſie bei uns den Winter ſelten aus, und wird nicht ſowohl durch den ſtrengen Winterftoſt als durch die ſpaͤten Fruͤhjahrsfroͤſte, nachdem ſie ſchon zu vegetiren angefangen hat, zerſtoͤrt. Allein auch in England erfriert ſie nicht ſelten, und der Gewinn wäre wenigſtens nicht groß, wenn wir ſie bei uns einheimiſch machen koͤnnten, indem ſie nur um 10 Tage fruͤher wie die fruͤh geſäete Sommerwicke zu kommen pflegt. F. 149. Die Wicken verlangen einen lehmigen Boden. Wenn er uͤber 60 Prozent Voden. Sand hat und nicht ſehr feucht liegt, ſo koönnen ſie zwar in feuchten Sommern bei genugſamer Düngkraft gut gerathen, in trocknen Sommern wird aber ſelten etwas daraus. Sie verlangen gerade nicht nothwendig einen in ſtarker Duͤngkraft ſtehenden Boden, ſie werden aber um ſo beſſer, beſonders im Kraute, je reicher er an Duͤnger iſt, und deshalb duͤngt man, wo es moͤglich iſt, dazu. Man bauet ſie jetzt beinahe häufiger um des Krautes als um der Koͤrner willen, und jenes wird grun verfuttert oder zu Heu gemacht, wenn ſie in voller Ausſant. Ernte. 128 Hulſenfruͤchte. Bluͤte ſtehen und ſchon mehr oder weniger Schooten angeſetzt haben. Wir wol⸗ len hier ihren Anbau zu beiden Zwecken zugleich betrachten, damit wir uns bei dem Futterkraͤuterbau nur an ſelbige zu erinnern noͤthig haben. §. 150. Ihr Anbau unterſcheidet ſich von dem der Erbſen nicht; da der Saame kleiner iſt, ſo reichen 12 Metzen auf den Morgen zu. Die große Wicke muß An⸗ fangs Aprils, um ſicher zur Reife zu kommen, geſaͤet werden; die kleine kann bis Ausgang Mais geſäͤet, noch dazu gelangen. Die meiſten empfehlen eine fruͤhe Ausſaat auch für dieſe gewoͤhnliche Art, ich habe aber ſeit einer Reihe von Jahren immer gefunden, daß die ſpaͤtere Ausſaat gegen die Mitte und ſelbſt Ende Mais beſſer gerieth. Bei kalter Witterung ſtockt ſie im Wachsthum, und es findet ſich dann haͤufig eine Made ein, die ſich in ihre Knospen einfrißt und ſie voͤllig zerſtort, ſo daß ſie auf ſchwaͤcherem Boden gar nicht zur Bluͤte kommt. Auf ſtarkem Boden uͤberwindet ſie das Uebel manchmal, und treibt wieder aus, wenn die Zeit der Made voruͤber iſt. Die ſpaͤter hervorkommenden Wicken wurden aber von dieſer Made, deren Zeit fruͤher voruͤbergeht, gar nicht angegriffen. Will man die Wicken zur gruͤnen Füͤtterung oder zum Heu vor ihrer Rei⸗ fung benutzen, ſo kann man ſie zu jeder Jahrszeit bis Anfangs Julius ſaen. Um gruͤne Stallfütterung mit der Wicke allein zu betreiben, muß man jedesmal ei⸗ nen angemeſſenen Theil ſäen, wenn die vorige Saat gelaufen iſt. Sie wird zu dieſem Zwecke aber mehrentheils gemiſcht mit Sommerrocken, Gerſte oder Hafer und die ſpäteſte mit Buchweizen geſaet, damit das Gemenge um ſo dich⸗ ter ſtehe. Zum Heumachen iſt es aber doch gerathener, ſie allein zu ſäͤen, weil ſie ſich dann gleichmaͤßiger trocknen laͤßt. Sie wird auf gleiche Weiſe wie Klee und Luzerne zu Heu gemacht, und ich verweiſe auf die dort anzugebenden verſchiedenen Methoden. Es dauert da⸗ mit etwas länger wie mit dem Klee, aber das Hen verdirbt dennoch nicht leicht, wenn man nur irgend zweckmaßig damit verfaͤhrt. F154. Hat man ſie gruͤn oder im Heu fuͤr das Rindvieh beſtimmt, ſo werden ſie gemaͤhet, wenn ſie in voller Bluͤte ſtehen. Sind ſie aber fuͤr Pferde beſtimmt, ſo ſo läßt man ihre Schooten, nach deren Anſetzung ſie noch fortbluͤhen, mehr her⸗ anwachſen, weil man dadurch in der Maſſe und Nahrungskraft gewinnt. Man hat in der Dreifelderwirthſchaft haͤufig die Brache damit zu benutzen angefangen, wenn man ſolche fruͤh aufbrach. Insbeſondere hat man ſie gleich nach dem Hordenſchlag geſaͤet, und iſt mit ihrer Ausſaat fortgefahren, ſo wie dieſer weiter ruͤckte. Man maͤhete ſie, ſo wie ſie herangewachſen waren, und wandte dann ſogleich das Land, um an der Brachbearbeitung nichts zu verſaumen. Je fruͤher ſie gemaͤhet wird, um deſto kraͤftiger hinterlaͤßt ſie den Boden. Es iſt aber ebenfalls eine unerlaͤßliche Bedingung bei der Wicke, daß ihre Stoppel ſchnell nach der Aberntung umgepfluͤgt werde, und man bringt daher auch das Heu, um es zu trocknen, wo moͤglich auf einen andren Plaß. Werden die Wicken ſehr fruͤh, wenn ſie ihre erſten Bluͤtenknospen zeigen, abgemaͤht, ſo koͤnnen ſie zum zweitenmale austreiben und aufſchießen, wenn ſie auf einem ſehr kraftvollen Boden ſtehen; auf minder kraͤftigem Boden iſt da⸗ bei aber nur Verluſt, weil oft aus dem zweiten Schnitte gar nichts wird, oder doch beide zuſammen weniger betragen als ein vollkommener Schnitt wuͤrde ge⸗ geben haben. Es iſt ein kaͤrglicher Behelf, die wieder ausgruͤnende Wickenſtoppel mit dem Viehe abweiden zu laſſen, der Acker wird davon hart und der Verluſt iſt in der naͤchſten Ernte betrachtlich. Man hat auch wohl Wicken auf einem zur Gruͤnfuͤtterung beſtimmten Felde zum zweitenmale in einem Sommer gleich nach Abfuͤtterung der erſten geſäet. Häufiger aber ſäet man Buchweizen oder Ruͤben darnach. § 2. Der Ertrag der Wicken an Koͤrnern iſt ſehr ungleich. Man hat bis Ertrag. 24 Scheffel vom Morgen geerntet; 8 Scheffel kann man aber als einen mitt⸗ leren Ertrag annehmen. Auf hinreichend kraͤftigem Boden gaben ſie 1800 bis 2000 Pfd. Stroh einſchließlich des Kaffs per Morgen. Dieſes Stroh wird dem Erbſenſtroh all⸗ gemein in der Fuͤtterung vorgezogen. Wenn ſie gruͤn bei dem Anſetzen der Schooten gemaͤhet werden, ſo hat man 3000 Pfd. Heu zuweilen vom Morgen geerntet. Allein auf 2000 Pfd. Vierter Theil. R 130 Huͤlſenfruͤchte. kann man nur auf gutem geduͤngten Boden Anſchlag machen. Mißrathen ſie wegen Duͤrre im Frühjahre, ſo kann freilich auch der Heuertrag auf 1000 Pfd. herabfallen. Gebrauch der Körner. §. 153. Gruͤn abgemaͤhete Wicken entziehen dem Boden nach allen daruͤber an⸗ geſtellten Verſuchen nichts; vielmehr hat man die darnach geſaͤete Frucht oft beſſer als nach einer Brache gefunden, wenn man die Wickenſtoppel ſchnell umbrach. Reifende Wicken aber ſind den Erbſen darin gleich. Und das ſo haͤufig geſäete Gemenge von Wicken und Hafer erſchoͤpft, wenn es faſt zur Reiſe kommt, ſo merklich mehr, daß der folgende Rocken auf einem allmaͤh⸗ lig abgemaͤheten Wickhaferfelde deutlich zeigt, wo man die Vorfrucht zu lange ſtehen und reifen ließ. In England iſt es nichts ungewoͤhnliches, die Wicken bloß zur Verbeſſerung des Bodens zu ſaͤen. Man pfluͤgt ſie jedoch nicht ge⸗ radezu unter, ſondern treibt, wenn ſie in Bluͤte treten, Maſtvieh, beſonders Schweine hinein, die zwar das Mehrſte niedertreten, aber doch vieles freſſen, wonach man das Feld gleich umbricht, und beſonders Rappſaat danach bauet: eine Methode, die unter gewiſſen Verhaͤltniſſen nicht ſo unoͤkonomiſch iſt, als ſie einem Reiſenden von meiner Bekanntſchaft ſchien. §. 154. Wenn die Wicken reife Koͤrner tragen, ſo werden dieſe zur Fuͤtterung der Pferde und zur Maſtung der Schweine mehrentheils verwandt, auch den Schaafen gegeben; und man zieht ſolche zu dieſem Behuf den Erbſen vor. Ein Marktartikel iſt das Korn ſelten, jedoch verkauft man ſie haͤufig zur Saat. Sie laſſen ſich lange aufbewahren, und es kommt dann eine Zeit, wo man ſie mit reichlichen Zinſen verkaufen kann. In Wirthſchaften, die auf Futter⸗ bau berechnet ſind, iſt es rathſam, einen Vorrath davon auf dem Boden zu erhalten, weil ſie die ſicherſte Aushuͤlfe geben, wenn der Klee mißräth. Das Stroh der reifen Wicken iſt dem Vieh angenehmer als das Erbſen⸗ ſtroh, wird dem Heu oft gleich geſchaͤtzt, kommt aber dem grüͤnen Wicken⸗ heu bei weitem nicht gleich. Einige andre Fruͤchte aus dieſer Klaſſe werden nur ſelten und oͤrtlich ge⸗ bauet, wie die Platterbſe(Lathirus sativus) und die Kicher(Cicer arietinum). Buchweizen. Ihr Anbau unterſcheidet ſich nicht von dem der Erbſen und Wicken, und mir ſind bisher keine zureichende Gruͤnde bekannt, welche dieſelben vor dieſen em⸗ pfehlbar machten. Der Buchweizen, das Haidekorn. §. 155. Dieſe Frucht nimmt mit Bodenarten vorlieb, die fuͤr jede andre Sommer⸗Voden. frucht zu duͤrftig ſind. Sie waͤchſt auf duͤrrem Sandboden, in Jahren, wo es zu rechter Zeit an Regen nicht fehlt, und giebt dann einen ſo reichlichen Ertrag darauf, wie keine andre; hat aber der Boden eine feuchtere Lage, ſo iſt ſie um ſo ſichrer. Dann liebt ſie den Haidboden, und hat daher ihren Namen erhal⸗ ten, ſo wie auch abgetrockneten Moorboden. Sie wird auf ſolchen Neubruͤchen mit großem Vortheile gebaut, und bereitet ſie fuͤr andere Fruͤchte beſonders vor. In ſandigen Gegenden iſt ſie die einzige Zwiſchenfrucht zwiſchen den Rocken⸗ ſaaten und vertritt die Stelle aller andern Brachfruchte, wird alſo in der Rok⸗ kenſtoppel gebauet. Sichrer und beſſer gedeiht ſie aber, wenn der Acker eine Reihe von Jahren zur Weide gelegen hat, im aufgebrochenen Dreiſch an der Stelle der Brache. Kraͤftiger und ſtarker waͤchſt die Pflanze freilich auf beſſerem Boden, aber nur im Kraute, und ſetzt hier ſelten viele Korner an. Eine ſchwache Duͤngung bekommt ihr gut, eine kräftigere treibt ſie zu ſehr ins Kraut, Wenn der Acker geduͤngt werden ſoll, ſo bringt man gewöhnlich nur die Haͤlfte der Duͤngung vor ihrer Ausſaat auf, und die andere Haͤlfte nach ihrer Aberntung auf die Stoppel. Der Haidepaltenduͤnger, welcher in den Buchweizengegenden viel ge⸗ macht wird, iſt dem Buchweizen beſonders angemeſſen. Es wird auch der loſeſte Boden zweimal dazu im Fruͤhjahre gepflugt, be⸗ ſonders wohl um des Unkrauts willen. F. 156. Dieſes aus dem Oriente in den Zeiten der Kreuzzuͤge zu uns gebrachte Ausſaat. Korn hat ſeine Empfindlichkeit gegen den Froſt noch nicht abgelegt, und wird durch den geringſten Morgenreif zerſtoͤrt. Deshalb wagt man nie, es fruͤher —————————— Vegetations⸗ periode. Erute. 132 Huͤlſenfruͤchte. zu ſäen, als bis alle Gefahr der Nachtfroſte voruber zu ſeyn ſcheint. Jedoch habe ich geſehn, daß es noch um Johannis erfror. Man ſäet es alſo nie vor der Mitte des Mays, und dann bis zur Mitte des Junius. Später geſaͤet koͤnnen ihm wieder die fruhen Reife vor ſeiner Zeitigung nachtheilig werden, und uͤber⸗ haupt ſetzt er dann wenig Koͤrner an. Es wird halb ſo ſtark wie das Getreide eingeſaͤet, und eine dichtere Saat wird ihm nachtheilig. In den Buchweizen⸗ gegenden laͤßt man dieſes Korn ſprechen„gieb mir Platz, ſo komme ich.“ §. 157. Die Witterung, welche dieſes Gewaͤchs in den verſchiedenen Perioden ſei⸗ ner Vegetation trifft, hat auf ſein Gedeihen einen groͤßern Einfluß, wie auf irgend eins. Es will trockne warme Witterung, unmittelbar nach der Saat haben, und koͤmmt bei der groͤßten Duͤrre hervor; ſo wie es aber ſein drittes Blatt bekömmt, verlangt es Regen, damit es ſeine Blaͤtter entwickele, bevor die Bluͤte austreibt, welches jedoch ſehr ſchnell geſchieht. In ſeiner lange dauern⸗ den Blutezeit muß es wechſelnden Regen und Sonnenſchein haben, wenn es emporwachſen und zugleich anſetzen ſoll. Es bluͤhet taub, wenn es wetterleuch⸗ tet oder wenn elektriſche Phaͤnomene in der Luft ſich ereignen, ohne daß es zum Regen kommt. Auch ſcharfe Oſtwinde ertraͤgt ſeine Blüte nicht, ſie welkt da⸗ bei ab, ohne anzuſetzen. Nach der Bluͤte muß es wieder trockne Witterung haben, damit ſeine Koͤrner zugleich reifen, und die Ernte gut von ſtatten gehe. Das Gedeihen des Buchweizens iſt daher nicht nur in verſchiedenen Jab⸗ ren ſehr verſchieden, ſondern es kommt auch ſehr auf den Zeitpunkt an, den man zufaͤllig bei der Ausſaat getroffen hat. Acht Tage fruͤher oder ſpaͤter ge⸗ ſäet, macht oft einen gar großen Unterſchied und diejenigen, welche ſicher gehen wollen, machen daher ihre Ausſaat zu drei oder vier verſchiedenen Zeiten. Der Saamen darf nur untergeegget werden, das Unterpflügen erträgt er nicht; auch habe ich gefunden, daß ihm das Walzen nicht gut bekommt. §. 158. Die Reifung der Koͤrner iſt ſehr verſchieden, da der Buchweizen faſt immer fortbluͤht und anſetzt. Bei der Ernte muß man ſich alſo nach der Mehrheit der Koͤrner richten. Zuweilen haben die erſten Bluͤten gar keine, oder taube, mehl⸗ loſe Koͤrner angeſetzt, die ſpaͤtern dagegen beſſere. Er reift aber ſeine Koͤrner Buchweizen. 133 noch nach, ja es ſeßen ſogar ſeine Bluͤten noch an, wenn er in Schwaden liegt, beſonders wenn ihn da zuweilen ein Regen trifft, den man deshalb fuͤr gut haͤlt. §. 159. Sein Ertrag iſt, wie hieraus erhellet, hoͤchſt unſicher, und man pflegt Ertros. daher einen, vielen Zufaͤlligkeiten unterworfenen Voranſchlag, einen Buch⸗ weizenanſchlag zu nennen. Wenn er in der Stoppel gebauet wlrd, ſo rech⸗ net man ungefaͤhr: alle 7 Jahre ein gutes Jahr, 3 mittlere und 3 Mißwachs⸗ jahre. In Dreiſch geſaͤet, erwartet man jedoch alle 2 Jahre eine gute Ernte. Außerordentliche Ernten, wo man bis 20 Scheffel per Morgen gewonnen hat, kommen nur hoͤchſt ſelten vor. F. 160. Das Korn iſt in vielen Gegenden ein ſehr wichtiges Nahrungsmittel fuͤr Werth. die Menſchen, und wird auch zur Viehmaſtung und zur Pferdefuͤtterung ge⸗ braucht, wenn es wohlfeil iſt. Sein Preis faͤllt naͤmlich in guͤnſtigen Jahren ſehr tief herab, und ſteigt wieder in ſchlechten. Wer es einigermaaßen aus⸗ halten kann, bewahrt davon Vorraͤthe auf, da es ſich ſehr gut erhält. Das Stroh wird ſehr geſchaͤtzt, iſt nahrhaft und geſund fuͤr alles Vieh. Man häͤlt aber dafür, daß es vor Weihnachten am beſten zu futtern ſey. §. 161. So unentbehrlich diefe Frucht in manchen Gegenden gehalten wird, ſo iſt der Bau um des Korns willen, ſeiner Mißlichkeit wegen, anderen Gegenden doch kaum zu empfehlen. Es iſt aber ein vortreffliches Futterkraut, und in der Abſicht gebauet, auch Als Futte⸗ ſo ſicher wie irgend ein andres. Man kann es dann ſo ſpät ſäen, daß man kraut. gegen den Froſt voͤllig geſichert iſt, und wenn der Boden nur einigermaßen Feuchtigkeit hat, ſo geräth das Kraut immer gut. Es wird entweder gruͤn verfuͤttert, oder zu Heu gemacht, trocknet zwar nicht ſchnell, verdirbt aber auch nicht, wenn man es nur ruhig liegen laͤßt. Nach der Klapmeierſchen Methode behandelt, ſoll es ſehr gut werden. Wer es in dieſer Abſicht bauen will, muß dann nur ein Jahr und eine Saat wahrnehmen, wo die Koͤrner beſonders gut anſetzen, um einen Vorrath von Saamen zu gewinnen, der alsdann zu den wohlfeilſten Futterkrauts ſaamen Siberiſcher Buchweizen. 134 Huͤlſenfruͤchte. gehoͤren wird. Es kann als Futterkraut auch in die Getreideſtoppel geſiet wer⸗ den, beſonders aber nach fruͤh abgemaͤhten gruͤnen Wicken. Ein mir ſehr gut gelungenes Verfahren iſt: Buchweizen mit Stauden⸗ rocken im Julius auszuſaͤen, den Buchweizen dann gruͤn zu maͤhen und den Rocken im folgenden Jahre zu ernten. Dies koͤnnte am vortheilhafteſten in der gruͤnen Wickenſtoppel geſchehen. Auch ſaͤtt man Waſſerruͤben unter dem Buchweizen. Der Buchweizen iſt ferner ganz vorzuͤglich zu einer Schubfrucht geeignet, um Klee, beſonders Luzerne darunter zu ſaen, worauf wir wieder zuruͤckkom⸗ men werden. Der Ertrag dieſer Frucht als Futterkraut iſt nach den Umſtänden zwar ſehr verſchieden; auf gleichem Boden habe ich ihn aber ſo gehabt, daß er im Gewichte dee Wicken uͤbertraf, und ihnen in der Nahrhaftigkeit eben ſo wenig nachzugeben ſchien. F. 162. Man hat eine andre Buchweizenart unter dem Namen des Siberiſchen (polygonum tartaricum) empfohlen, welcher zwar den Vorzug hat, daß er durchwintert, und ſogar zweimal geerntet werden kann; ich habe aber ſeinen Ertrag nach mehrmaligen wiederholten Verſuchen im freien Felde ſo unbedeu⸗ tend gefunden, und beſonders im zweiten Jahre ſo ſehr mit Unkraut durch⸗ wachſen, daß ich den Lobeserhebungen, die andre von ihm machen, durchaus nicht beiſtimmen kann. Im Garten, wenn er gejaͤtet wird, macht er ſich freilich ſchoͤn. Mengekorn, Gemenge. §. 163. In manchen Gegenden herrſcht der Gebrauch, verſchiedene Getreidearten und verſchiedene Huͤlſenfruͤchte, auch Getreidearten und Huͤlſenfruͤchte unter⸗ einander zu ſaͤen, und alle praktiſche Landwirthe behaupten, davon einen groͤ⸗ ßeren Ertrag, als von einzeln geſaͤetem Getreide zu haben. Dieſe Behaup⸗ tung iſt gewiß nicht ohne Grund, und ich habe oft entſcheidende Erfahrungen daruͤber gemacht. Manchmal gerathen beide Saaten gleich gut, und man be⸗ Mengekorn. 135 koͤmmt von beiden einen mit der Einſaat in Verhaͤltniß ſtehenden Ertrag. Zuweilen geraͤrh die eine Frucht vorzuͤglich, verdraͤngt die andre faſt, und die Ernte ſteht in keinem Verhaͤltniß mit der von jeder Art gemachten Einſaat; je nachdem namlich die Witterung die eine oder die andere beguͤnſtigt. Darin liegt eben der Hauptvortheil, daß wenn die Witterung der einen Frucht nach⸗ theilig iſt, ſie der andern mehr zuſagt, und dieſe dann in dem gewonnenen Raume ſich mehr verbreitet und naͤhrt; wenn man es auch nicht zugeſtehen wollte, daß verſchiedene Gewächſe ſich auch verſchiedene Stoffe beſonders aneignen. Es verſteht ſich indeſſen, daß es Fruͤchte ſeyn muͤſſen, die faſt gleichzeitig reifen. Trifft ihre Reife nicht ganz genau zuſammen, ſo richtet man ſich bei der Ernte nach der, welche die Oberhand hat, oder nach der zuerſt reifenden, da die andre nachreift oder auch unreif zu Nutzen kommt. Verſchiedene Ge⸗ menge laſſen ſich, wenn es darauf ankommt, durch das Wurfeln und Sieben wieder trennen; mehrentheils benutzt man ſie aber in der Vermiſchung. Gewiß richtig hat man aber bemerkt, daß die Gemenge den Boden ſtaͤrker angreifen; ſie geben dagegen auch ſtaͤrkeres Stroh fuͤr den Duͤngerhaufen. Gegen das Unkraut glaubt man ſich durch Mengekorn mehr za ſchuͤtzen, was auch in einigen Fällen ſo ſeyn kann, 16 j Die gewoͤhnlichſten Gemenge ſind: Weizen und Rocken untereinander. Weiz⸗Rocken Dies Gemenge iſt unter dem Namen Meteil und Maͤslin in manchen Ge⸗ genden ſehr gebraͤuchlich, und kommt in dieſen faſt haͤufiger als bloßer Rocken vor. Es wird daraus das gewoͤhnliche Brod gebacken und als vorzuglich nahr⸗ haft und ſchmackhaft geruͤhmt. Man behauptet in den Riederlanden, daß auf Boden, der keinen Weizen mehr tragen wolle, der Weizen unter Rocken an ſich hoͤheren Ertrag gebe, als wenn er allein geſäet werde, und daß man den Rocken noch daruͤber habe. Man ſäet das Gemenge gewoͤhnlich in die Weizen⸗ ſtoppel. In andern Gegenden wird ſtatt des Weizens Spelz mit dem Rocken vermengt, die ſich leichter von einander trennen laſſen. 5. 168. Gerſte(die zweizelige) und Hafer ſud oben ſo gebräuchtich und nach met on nen Verſuchen ſehr zweckmaͤßig. Iſt der Boden angemeſſen, ſo wird die üppi⸗ Wick⸗Hafer. Erbs Rocken⸗ Rauh⸗Zeug⸗ 136 Huͤlſenfruͤchte. gere Gerſte den Hafer uͤberwiegen, wenn ſie fruchtbare Witterung bekommt; im entgegengeſetzten Falle wird der haͤrter Hafer an ihre Stelle treten und vielleicht beim Ausdruſch das Vierfache betragen. Jedesmal habe ich nach Gewicht und Werth von dem Gemenge mehr gewonnen, als von einzeln geſaͤeter Gerſte und Hafer. Doch geſtehe ich, daß ich den Verſuch nicht auf Boden gemacht habe, der vorzuͤglich fuͤr erſtern geeignet geweſen wäre. Einige miſchen auch Som⸗ merrocken auf leichtem Boden zu. §. 166 Unter den Gemengen von Getreide und Huͤlſenfruͤchten kommt am häufig⸗ ſten der Wicken⸗Hafer vor, ſowohl zum Reifen, da er denn mehrentheils, unabgedroſchen und zu Hechſel geſchnitten, zum Viehfutter dient, als zur gruͤ⸗ nen Fuͤtterung und Heu. Man erhält die Wicken durch den Hafer mehr auf⸗ recht. Auch mengt man Gerſte und Sommerrocken darunter. §. 167. Erbſen ſaͤet man nicht ſelten im geringen Maaße unter Sommergetreide, glaubt dabei am Getreide nicht zu verlieren und die Erbſen obendrein zu erhal⸗ ten. Es geſchiehet hauptſaͤchlich auf ſolchem Boden, wo man keine Erbſen zu bauen ſich getrauet; auf Sandboden unter Sommerrocken. Die einzeln dazwi⸗ ſchen ſtehenden Erbſen gedeihen ſodann, welches ſie, allein geſaet, nicht thun wuͤrden. Sie laſſen ſich durch das Wurfeln leicht abſondern. §. 168. Die Bohnen werden auf kaltgruͤndigem, lehmigen, magern Boden, beſonders auf Berglande, unter den Hafer geſaet. Ein Gemenge aus Bohnen, Wicken, Erbſen, Hafer— alle oder einige zuſammen— kommt in manchen Gegenden unter dem Namen Rauhzeug haͤufig vor, und wird in das Brachfeld auf kraͤftigem Boden geſaͤrt. Hier giebt es ein dicht verſchlungenes und ſich durch Unterſtuͤtzung der Bohnen ziemlich emporhaltendes Feld, und liefert eine groͤßere Futtermaſſe, wie irgend eine Saat. Man laͤßt das Korn ſelten vollkommen reifen, ſondern maͤhet es, wenn die Koͤrner angeſetzt haben, driſcht es gar nicht oder nur die reif gewordenen Koͤr⸗ ner ſehr leicht ab, und ſchneidet es alsdann zu Hechſel. Hiermit werden in mauchen Gegenden die Pferde ausſchließlich gefuttert. Oft verſteht man unter Boh⸗ Hackfruchtbau. 137 Bohnen nur dieſes Bohnen⸗Gemenge. Das Verhaͤltniß der Ausſaat richtet man nach Verſchiedenheit des Bodens ein, auf thonigem Boden nimmt man mehrere Bohnen, auf ſandigerem mehrere Wicken. Mit dem Buchweizen vermengt man auch Wicken, beſonders zur Gruͤn⸗ fuͤtterung. Der Hackfruchtbau. §. 169. Unter dem Namen der Hackfruͤchte, begreifen wir Gewaͤchſe, die ſowohl ihren Naturen als ihrer Benutzung nach in verſchiedene botaniſche und oͤkono⸗ miſche Klaſſen gehoͤren, in Anſehung ihres Anbaues und ihrer Behandlung aber miteinander uͤbereinſtimmen; weswegen die dabei vorfallenden Operationen und die dazu erforderlichen Inſtrumente am beſten zuvor im allgemeinen be⸗ ſchrieben werden koͤnnen, damit dann das beſondere, was jede einzelne erfor⸗ dert, um ſo verſtändlicher und ohne Wiederholung angedeutet werden moͤge. §. 170. Dieſe Pflanzen erfordern, um zur Vollendung zu kommen, einen weit Nutzen des groͤßeren Raum, wie ſie anfangs einnehmen. Sie werden deshalb in gehori⸗Behackens gem Abſtande geſaet oder gepflanzt. Die betraͤchtlichen Zwiſchenraume wuͤrden aber vom Unkraute eingenommen werden, dieſes die Pflanzen uͤberwachſen und ihnen die Nahrung rauben, wenn wir ſie nach ihrer Beſtellung der Natur al⸗ lein uͤberließen. Das Ausjaͤten wuͤrde nicht nur ſehr koſtſpielig ſeyn, ſondern auch eine andere Forderung, nämlich das Lockererhalten der Erde und ihre Vor⸗ bereitung, um den Pflanzen nachmals ſtarke Nahrung zu geben, nicht erfuͤllen. Es iſt daher, ſo lange man Gewaͤchſe dieſer Art, beſonders in den Gaͤrten bauete, das Behacken mit Handhacken oder Karſten verſchiedener Art— wobei man gewoͤhnlich die lockere Erde an die Pflanzen, ſo wie ſie groß werden, heranzieht— als ein unumgaͤngliches Erforderniß angeſehen worden, von deſ⸗ ſen richtiger und wiederholter Anwendung das Gedeihen derſelben hauptſaͤch⸗ lich abhängt. Vierter Theil. S 138 Hackfruchtöau. 5. 15 Allein dieſes Behacken erforderte zu viele Handarbeit, um den Bau ſol- pfüge. cher Fruͤchte im offnen Felde im Großen betreiben zu können. Und da man doch den Vortheil deſſelben fuͤhlte, und ſich der Kartoffelbau beſonders mehr verbreitete, ſo fing man an, den Haken oder andre landuͤbliche Pflugwerk⸗ zeuge dazu zu gebrauchen. Mehrere haben eine Abaͤnderung des Hakens ge⸗ troffen, um ihn zu dem Zwecke bequemer einzurichten. Meine Umformung des Mecklenburgiſchen Hakens, ſo wie ich ihn in meiner Ausgabe von Ber⸗ gens Viehzucht abbildete, erhielt Beifall, und verbreitete ſich unter dem Na⸗ men der Kartoffelhacke am meiſten. Ich habe ihn nachmals hauptſaͤchlich durch Weglaſſung der Scheerdeichſel und durch eine freiere Anſpannung, die das Inſtrument mehr der Gewalt des Fuͤhrers uͤberläßt, verbeſſert, und im zten Hefte meiner Beſchreibung der nutzbarſten Ackerwerkzeuge abgebildet. Seitdem habe ich es zweckmäßig gefunden, ihm ſtatt der vordern eiſernen Spiße, womit er in die Erde eingreift, ein breiteres weniger ſpitzes, Schaar zu geben, damit er mehrere Erde aus dem Grunde der Furche heraushebe, und an die Ruͤcken anhaͤufe. Wir haben dieſem Inſtrumente auch bewegliche Streichbretter gegeben, welche durch Buͤgel an ihren hintern Theilen weiter oder enger geſpannt wer— den koönnen, und die man dann am beſten von gegoſſenem Eiſen nimmt. Hier⸗ bei fand ſich zwar nichts zu erinnern, da man aber ſo allgemein mit jenem Inſtrumente zufrieden war, ſo haben wir Bedenken getragen, es complizirter zu machen, damit ſeine Verbreitung dadurch nicht erſchweret werde. Dasjenige engliſche Inſtrument, welches im zten Hefte meiner Beſchrei⸗ bung der Ackerwerkzeuge, Tafel I. und I. abgebildet und der doppelte Streich⸗ brett⸗Pflug benannt iſt, verrichtet die Arbeit des Anhaufelns freilich auf eine noch vollkommnere Weiſe, bringt hoͤhere Ruͤcken mit tieferen Furchen hervor, und ſtreift das an den Anwaͤnden haͤufig ausſchlagende Unkraut, wenn die Streichbretter mehr auseinander geſpannt werden, ſchäͤrfer ab; weswegen durch Anwendung deſſelben der Hackfruchtbau ungleich vollkommener, als ohne ſel⸗ biges betrieben werden kann. Man gebraucht es ſelten bei der erſten Anhäu⸗ fung, weil dieſe nicht ſo ſtark zu ſeyn braucht, und das Inſtrument eine An⸗ Hackfruchtbau. 539 ſpannung von zwei Pferden erfordert, wogegen jene leichte Pferdehacke auch auf ſehr ſchwerem Boden nur eines Pferdes bedarf. 5. 1 Manche Gewächſe verlangen aber eine Bearbeitung, bevor ſie angehäuft werden koͤnnen; nicht bloß zur Zerſtoͤrung des Unkrauts, ſondern um die nach⸗ per anzuhaͤufende Erde zu pulvern, zu luften, und ihre darin enthaltenen Nah⸗ rungstheile aufloͤsbar zu machen. Man pflugt zu dem Ende die Erde zuwei⸗ len mit einem leichten, räderloſen Pfluge von den Pflanzen ab, ſo daß der Pflug mit ſeiner geraden Seite moͤglichſt nahe an der Pflanzenreihe, jedoch ohne die Wurzeln erheblich zu beſchädigen, herſtreiche, und die abgeſtrichene Erde ungefaͤhr in die Mitte des Zwiſchenraums lege. Um die Pflanzen nicht zu ſehr zu entbloͤßen, pflegt man ſie zuerſt nur von einer Seite abzuſtreichen, und 3 bis 6 Tage ſpäter von der andren. Es bildet ſich dann ein Kamm von lockerer Erde in der Mitte des Zwiſchenraums. Dieſer Kamm wird, nach⸗ dem er eine Weile ſo gelegen, durch den doppelten Streichbrettspflug wieder geſpalten und an die Pflanzenreihen hinangebracht, die nun ihre Wurzeln in dieſe friſch gelockerte Erde hineinſchlagen koͤnnen. Der leichte Pflug, womit man dies am bequemſten vollfuͤhrt, iſt im erſten Hefte meiner Beſchreibung der Ackerwerkzeuge Taf. VI, VII, VIII, in allen ſeinen einzelnen Theilen ab⸗ gebildet; doch kann man ſich auch bei weiteren Entfernungen jedes räderloſen Pfluges, insbeſondere des Baileyſchen, dazu bedienen. So wirkſam dieſe Operation iſt, wenn ſie gehoͤrig gemacht wird, ſo iſt doch nicht zu leugnen, daß ſie ihre Schwierigkeiten habe: daß beſonders geſchickte Arbeiter dazu erfordert werden, und daß man ſehr genau den gerechten Zeit⸗ Leichte Pfläge mit einem Streichbrette punkt wahrnehmen muͤſſe; was bei unguͤnſtiger Witterung Schwierigkeiten hat, vorzuͤglich auf gebundenem und feuchterem Boden, und daher neben vieler Aufmerkſamkeit auch ein gewiſſes praktiſches Gefuͤhl vorausſett. Ohne dies kann dieſe Operation leicht nachtheilig werden. Auch findet ſie faſt nur ſtatt, wo die Pflanzenreihen mindeſtens auf 2½ Fuß Entfernung ſtehen. Da das Ab⸗ ſtreichen von beiden Seiten der Pflanzenreihen geſchehen muß, ſo erfordert es auch doppelt ſo viele Arbeit als das einfache Anſtreichen. Schaufel⸗ und Ruͤhrpfluͤge. 140 Hackfruchtbau. §. 173. Zwar nicht ganz ſo wirkſam, aber weit bequemer und mehrentheils zu⸗ reichend wird daher der Zweck— Vertilgung des Unkrauts und Lockerung der Erde— durch ſolche Inſtrumente erreicht, welche die Erde der Zwiſchenraàume nur flach abſchaufeln, und dabei zugleich ruͤhren und pulvern. Man hat ſolche Inſtrumente von mannigfaltiger Art. Eins der wirkſamſten und zugleich ein⸗ fachſten iſt dasjenige, welches ich nach meiner erſten roheren Konſtruktion in Bergens Anleitung zur Viehzucht, verbeſſert und vereinfacht aber im zten Heſte meiner Beſchreibung der Ackerwerkzeuge Taf. VWI. abgebildet habe. Man kann daran das Richtungsrad vorne auch weglaſſen und ihm einen Baum und Stel⸗ lungsbuͤgel geben, wie er ſich an den raͤderloſen Pfluͤgen befindet. Auf ſehr gebundenem Boden kann es rathſam ſeyn, jedem Schaare noch ein Voreiſen oder Meſſer zu geben. Wird bloß ein Abſchaufeln des Unkrauts und der oberen Erdrinde bezweckt, ſo nimmt man platte Schaare. Soll aber die Erde geruͤhrt und gepulvert wer⸗ den, ſo macht man ſie convex und ſtellet das Inſtrument tiefer. Jenes geſchie⸗ het wenn die Pflanzen noch klein ſind, um ſie nicht mit Erde zu uͤberſchütten. Ferner gebraucht man auch ein Inſtrument mit einem breiten Schaufel⸗ eiſen oder Erdhobel dazu, von der Art, wie man es gewoͤhnlich zum Ausſchau⸗ ſeln der Wege in den Gaͤrten hat. Zur Noth kann man ein ähnliches Inſtru⸗ ment auch von Menſchen ziehen laſſen. Vergl. Dickſon, Bd. I. Taf. V. Fig. 6. Endlich kann man ſich auch eines gewoͤhnlichen räderloſen Pfluges mit einem doppelt ſchneidenden Schaare ohne Streichbrett dazu bedienen. Variationen dieſer Inſtrumente finden unzaͤhlige ſtatt, denen man verſchie⸗ dene Namen gegeben hat, ohne daß ſie im weſentlichen verſchieden ſind. Sie muͤſſen ſammtlich nach der Zaͤhigkeit und Bindigkeit des Bodens verſchieden modifizirt werden, auch, wie oben geſagt, nach der ſchon erlangten Staͤrke der Pflanzen, die man damit bearbeiten will. Man kann deßhalb mehrere Arten von Eiſen in daſſelbe Geſtell einſchrauben. Da dieſes oͤftere Abaͤndern das Ge⸗ ſtell aber leicht angreift und Zeit wegnimmt, ſo halte ich es bei einem erhebli⸗ chen Hackfruchtbau fuͤr rathſamer, mehrere Inſtrumente zur Hand zu haben. Hackfruchtbau. 141 §. 174. Wie ſich die Beackerung des Bodens mit dem Pfluge gegen die mit dem Spaten verhält, ſo das Bearbeiten der Hackfruͤchte mit dieſen Inſtru⸗ menten gegen das mit der Handhacke. Es macht den Bau dieſer Fruͤchte im Großen, den meiſten Wirthſchaften allein moͤglich. Mit einem Pferde, und wenn man einen geuͤbten Fuͤhrer, und ein dazu gewiſſermaßen abgerichtetes Pferd hat mit einem Menſchen, koͤnnen ohne Anſtrengung in einem Tage 7 Morgen bearbeitet werden. Denn da auf drei Pflugfurchen nur ein Zug mit dieſer Pferdehacke erſolgt, ſo iſt der Weg, den das Pferd und der Fuͤhrer zu machen haben, nur gleich dem Pfluͤgen von 23½ Morgen, und die Anſtrengung eines Pferdes mit der kleinen Pferdehacke und mit dem Schaufelpfluge iſt kaum gleich der Anſtrengung zweier Pferde vor dem Pfluge. Man kann auch einen Eſel, wenn man dieſe Thiere halten will, dazu gebrauchen. Indeſſen werden oft nicht mehr als 5 Morgen, dieſe aber auch zum mindeſten gemacht. Weil naͤmlich die Arbeit mit einiger Vorſicht gemacht werden muß, ſo darf man die Leute, bevor ſie eingeubt ſind, nicht antreiben ſich zu ſputen. Auch kommt es, wie beim Pfluͤgen, auf längere Zuͤge oder auf haͤufigere Wendungen an. Sind Pferde und Menſchen an dieſe Arbeit noch nicht gewoͤhnt, oder ſtehen die Pflanzen nicht voͤllig in gerader Linie, ſo geht man wenigſtens ſicherer, wenn man zwei Menſchen zur Arbeit nimmt, einen der das Pferd, und einen der das Inſtrument fuͤhrt. Hat man einen verſtaͤndigen leichten Jungen, ſo iſt es am beſten, daß man ihn auf dem Pfeede reiten läßt, weil er ſo am richtigſten vor ſich ſehen, und das Pferd lenken kann. Ziehet man zum zwei⸗ tenmale in derſelben Richtung ber, ſo kann man des Pferdefuͤhrers immer entbehren, weil das Pferd von ſelbſt in der erſten Furche gehet. Vor dem großen Anhäufepfluge gehoͤren, wenn er tief eingreifen ſoll, jedoch zwei Pferde, welche durch eine breite Waage ſo weit von einander geſpannt werden muͤſ⸗ ſen, daß der Pflug in der Mictelreiße, die beiden Pferde aber in den Neben⸗ reihen gehen. Die geringſte Tagesarbeit, welche man mit dieſen Inſtrumenten macht, gleicht der von 40 Handarbeitern. Denn um ſie gleich wirkſam zu verrichten, werden wenigſtens 8 Arbeiter auf 1 Morgen erfordert. Arbeitserſpa⸗ rung durch dieſe Inſtru⸗ mente. Wichtigkeit derſelben bei dieſem Ban⸗ Vorbereitung des Ackers. Der Mar⸗ queur oder Reihenzieher. 142 Hackfruchtbau. §. 175. Es kommt bei dem Anbau dieſer Gewaͤchſe im Großen oft nicht ſo ſehr darauf an, den moͤglichſt Ertrag von einer Erdflaͤche zu gewinnen, als darauf, daß das Gewonnene die geringſten Arbeitskoſten mache. Die Landrente betraͤgt weit weniger als die Arbeit, und da ſie ſtatt der Brache gebauet werden, und die Zwecke dieſer erfuͤllen, ſo kann ihnen die Landrente kaum zur Laſt geſchrie⸗ ben werden. Wenn ich 200 Ctr. von 1 Morgen mit dem Arbeitsaufwande von 12 rthlr. und 150 Ctr. mit dem Arbeitsaufwande von 3 rthlr. gewinnen kann, ſo iſt der Vortheil oft auf Seiten des letztern, um ſo mehr, wenn es mir nicht an Acker, den ich dazu benutzen und dadurch verbeſſern kann, wohl aber an Arbeitern, um eine groͤßere Fläche mit Sorgfalt zu beſtellen, fehlet. Die entfernter ſtehenden Gewaͤchſe können wirkſamer als die dicheſtehenden bear⸗ beitet werden. §. 175. Es iſt von Wichtigkeit, daß man kurz vor dem Pflanzen oder Reihen⸗ ſàen dieſer Gewaͤchſe, das hervorkeimende Unkraut voͤllig zerſtoͤrt habe, damit keine Bearbeitung fruͤher noͤthig werde, bevor die Pflanzen etwas emporge⸗ wachſen ſind. Die gehörige Vorbereitung des Bodens mit dem Pfluge ver⸗ ſteht ſich von ſelbſt; aber nach der letzten Furche thut man wohl, den Acker gleich zu eggen, dann bei trocknem Wetter die Kloͤße mit der Walze zu pul⸗ vern, und darauf wieder recht klar zu eggen. Hierdurch befoͤrdert man die ſchnellere Keimung des Saamenunkrauts, und wenn dieſe geſchehen iſt, uͤber⸗ zieht man den Acker unmittelbar vor der Beſtellung mit dem Exſtirpator und egget ihn wieder, wodurch das abermalige Hervorkommen des Unkrauts, wo nicht vollig verhuͤtet, doch auf laͤngere Zeit zuruͤckgehalten ſeyn wird, ſo daß man ohne zu ſchaufeln oft unmittelbar zum Anhäufeln ſchreiten kann. Dieſe Arbeit verlohnt ſich vielfach durch Erſparung der folgenden. 5 1 Ein Werkzeug, welches bei dem Bau dieſer Fruͤchte hoͤchſt nutzbar wird, iſt ein Linien⸗ oder Furchenzieher, den man auch Marqueur nennt, der aber doch mehrentheils tiefer furchen muß, als andre beim Gartenbau gebraͤuchliche Inſtrumente dieſes Namens thun. Man kann die Furchenzieher von Eiſen Hackfruchtbau. 143 oder von Holz mit Eiſenblech beſchlagen, nach Fellenbergſcher Art machen. Man zieht damit bloß die Reihen in einer Richtung, oder man bezeichnet— vielleicht durch veranderte Einſebung der Eiſen in andern Diſtanzen— mit⸗ telſt eines durchkreuzenden Zuges auch die Punkte, wo jede Pflanze ſtehen ſoll. Die kleinen Furchen, welche dieſes Inſtrument zieht, bewirken theils, daß die Pflanzen in paralele Linien zu ſtehen kommen, theils haben ſie bei der Pflan⸗ zung den Vortheil, daß die Pflanzen etwas verſenkt zu ſtehen kommen, wo⸗ durch ſie mehr Schuß gegen die Duͤrre erhalten, die Feuchtigkeit mehr an⸗ ziebn, und in der Folge mehrere lockere Erde oben bekommen. Bei dem Säen ſeinerer Saamen dienen ſie aber zugleich zur Saatfurche, in welche die Koͤrner eingelegt, eingeſtreuet oder mit der Maſchine eingebracht werden. Man muß aber den Zug unmittelbar vor dem Saͤen machen, damit die Erde locker bleibe. §. 176. Bei denen in weiterer Entfernung ſtehenden Hackfruͤchten, die man aus Einfache Sie⸗ Saamen auf der Stelle, wo ſie ſtehen bleiben ſollen, erzieht, bedient man ſich mehrentheils nur einfacher oder eine Reihe ausſtreuender Saemaſchinen. Man hat ſie zwar auch mit 2 und 3 Gäaͤngen conſtruirt, aber keinen Vortheil dabei, und es dagegen unangenehm gefunden, daß man mit den Diſtanzen nach Verſchie⸗ denheit der Fruͤchte und des Bodens nicht wechſeln konnte. Ich habe zwei der zweckmäͤßigſten Maſchinen, die eine zu groͤßeren Saamen, wie Bohnen, Erb⸗ ſen, Mais u. ſ. w. im 2ten Hefte meiner Beſchreibung der Ackerwerkzeuge Taf. VI. und zu feineren Saͤmereien, wie Ruͤben, Kohl, Rapps, Senf u. ſ. w. daſelbſt Taf. VIII. abgebildet. Wenn man ſich aber des vorbeſchriebenen Fur⸗ chenziehers bedient, ſo bedarf es weder des an der Maſchine angebrachten Fur⸗ chenziehers noch des an dem Bohnendriller angebrachten Rädchens zur Bezeich⸗ nung der nächſten Furche. §. 179. Wenn die Pflanzen dieſer Gewaͤchſe auf einem Saamenbeete erzogen wer⸗ Erziehung der flahen a den, um ſie dann zu verſetzen, ſo ſtreuet man den Saamen entweder verbreitet, oder um das Unkraut beſſer vertilgen zu koͤnnen, in dichtſtehenden Reihen aus. ten⸗ 1 144 Hackfruchtbau. Wenn man den Bau einer ſolchen Frucht im Großen beſchloſſen, das er⸗ forderliche Land dazu beſtimmt und bereitet hat, iſt es hoͤchſt verdrießlich, mit Pflanzen zu kurz zu kommen. Daß man daher fuͤr guten Saamen ſorge, die⸗ ſen wo moͤglich ſelbſt erziele, oder doch direkte von bekannten Anbauern, nicht von Saamenhaͤndlern, die damit ſelbſt oft hintergangen werden, nehme, iſt ſehr wichtig. Aber auch bei dem beſten Saamen mißrathen die Saaten zuwei⸗ len, und vorzuͤglich iſt den Pflanzen aus dem Ruͤben⸗und Kohl geſchlechte der Erdfloh bei ihrem erſten Aufkeimen gefaͤhrlich, gegen welchen bei trockner Wit⸗ terung kein andres Huͤlfsmittel ſicher iſt, als vielleicht das Saamenbeet gleich mit Reiſern zu bedecken, einen Zoll dick Stroh daruͤber herzulegen und dieſes immer fencht zu erhalten, bis die Pflanzen das vierte Blatt bekommen haben, wo ſie dieſes Inſekt zwar noch angreift, aber nicht leicht voͤllig zerſtort. Daß man zum Saamenbeete gut bereiteten, weder zu ſeuchten noch zu trocknen, nicht friſch geduͤngten aber in guter Duͤngktaft ſtehenden Boden nehme, verſteht ſich von ſelbſt. Die Ausſaat mancher Pflanzen muß ſo fruͤh als moͤglich geſchehen. Ge⸗ gen ſpaͤtern Froſt ſchuͤtzt man ſie auch durch jene Bedeckung. Kalke Miſtbeete (Kouſchen) ſind zwar ſehr zweckmaͤßig, aber im Großen nicht leicht anwend⸗ bar. Die fruͤhe Ausſaat muß um ſo mehr geſchehen, wenn man eine Zerſtoͤ⸗ rung derſelben durch den Erdfloh zu beſorgen hat, damit man eine zweite und ſogar eine dritte, wozu der Saamen vorraͤthig ſeyn muß, machen könne. Im allgemeinen Durchſchnitte kann man annehmen, daß man zur Beſtel⸗ lung eines Morgens 4 Quadratruthen zum Saamenbeete nehmen muͤſſe. Sie werden zuweilen einen Ueberfluß von Pflanzen geben, wobei aber ein ſehr ge⸗ ringer Verluſt iſt, indem man das Land noch anderweitig und die uͤberfluſſigen Pflanzen ſelbſt zur gruͤnen Fuͤtterung gebrauchen kann. Wenn man die Arbeit des Jaͤtens daran wenden kann, ſo verlohnt ſie ſich durch ſtarke Pflanzen. Ich habe mich aber oft mit dem bloßen Abmähen des die Pflanzen uͤberwachſenden Unkrauts, beſonders der Melde und des Hederichs, begnuͤgt, und es zureichend gefunden. §. 180. Hackfruchtbau. 145 §. 180. Wenn die Pflanzen auf dem Saamenbeete die erforderliche Stärke und Aueheben der eine gewiſſe Haͤrte erlangt haben, ſo muß man mit ihrer Pflanzung eilen, da⸗ Pflanzen mit ſie nicht zu hochſtenglicht werden. Trifft man dann eine guͤnſtige regnichte Witterung, ſo geht das Verſetzen leicht und erfordert einen geringern Arbeits⸗ aufwand. Man muß dieſe Witterung dann mit allen Kraͤften wahrnehmen, und alles, was man von Arbeitern zuſammenbringen kann, dabei anſtellen, um die Auspflanzung moͤglichſt ſchnell zu vollfuͤhren. Auch dieſe Arbeie koſtet weniger, wenn man ſie gehoͤrig zu theilen weiß, und ſo, daß einer dem andern in die Hand arbeite; wobei dann freilich eine ausdauernde Aufſicht noͤthig iſt, die ihr aber beſſer gewidmet werden kann, als wenn die Arbeit ſich länger ver⸗ zögert. Einige Menſchen werden bei dem Aufnehmen der Pflanzen angeſtellt. Sie duͤrfen die Pflanzen, wenn der Boden einigermaßen erhaͤrtet iſt, nicht ausreißen, ſondern die Erde muß ſpatenweiſe abgeſtochen, zur Seite gelegt, und die Pflanzen dann ausgenommen werden, damit die feinen Spitzen ihrer Wurzeln moͤglichſt wenig verletzt werden. Dann wird ein Kuͤben voll eines fluͤſigen Breies bereitet, aus leicht zerfallendem merglichten Lehm, reinem Kuh⸗ miſt oder ausgegohrner Jauche mit ſo viel Waſſer, daß der Brei die hineinge⸗ haltenen Wurzeln und ihre feinen Faſern uͤberziebt und daran haͤngen bleibt. Er darf alſo weder zu ſteif noch zu fluͤſſig ſeyen. So wie eine Hand voll Pflanzen ausgenommen und ihre Blaͤtter verſtutzt ſind, taucht man die Wur⸗ zeln in dieſen Brei, und ſie werden dann, handvoll bei handvoll, in einem Korbe aufgeſtellt, worin ſie dann nach dem Pflanzenfelde hingebracht werden. Dieſes Ueberziehen der Wurzeln iſt eine ſo leichte als wohlthätige Methode, um die Pflanzen gegen die nachtheilige Einwirkung der atmosphäriſchen Luft, und gegen die Austrocknung zu ſichern, auch um den zarten Wurzelfaſern ſo⸗ gleich einige Nahrung zu reichen. So verwahrte Pflanzen koͤnnen es allen⸗ falls aushalten, einige Tage außer der Erde zu ſeyn, wenn man ſie weiter verſenden will. Doch iſt eine unmittelbare Einpflanzung allerdings beſſer. Iſt der Boden feucht und der Himmel nur truͤbe, ſo beduͤrfen ſolche Pflanzen des Angießens nicht, und bleiben dennoch ganz aufrecht, wodurch ein großer Theil der Arbeit erſpart wird. PVilerter Thell. T —— Das Pflanzem. 145 Hackfruchtbau. Nach der Entfernung des Weges und der Groͤße der Pflanzung, ſind eine oder mehrere Perſonen mit dem Hinſchaffen der Pflanzen nach dem Felde beſchaͤftigt. Sie vertheilen die Pflanzen unter den Pflanzern, oder es iſt ein beſonderer Mann dazu angeſtellt, der ſie ihnen aus dem Korbe darreicht, ſo wie ſie ſolcher beduͤrfen⸗ F 18r. Bei dem Pflanzen ſelbſt kann die Arbeit noch vertheilt werden, zwiſchen denen, welche die Löcher an den durch den Furchenzieher beſtimmten Stellen machen, und die eingeſetzte Pflanze mittelſt eines zweiten daneben gemachten Einſtichs andruͤcken, und denen, welche die Pflanzen in die Loͤcher hineinhal⸗ ten. Dieſe Leute muͤſſen aber wohl geuͤbt ſeyn, um ſich einander in die Hand zu arbeiten; widrigenfalls laͤßt man das Loͤchermachen und das Einſetzen der Pflanze lieber von denſelben Perſonen verrichten. Jede Perſon oder jedes Paar hat eine einzelne— nur bei dichten Pflanzungen eine doppelte— Reihe, und ſo arbeiten ſie, in ſchraͤger Linie einander folgend, das Feld hinunter und wieder herauf, wobei man ſie alle in gleichem Takte zu erhalten ſuchen muß. Das Loͤchermachen und Andruͤcken der Pflanze geſchieht gewoͤhnlich mit einem hoͤlzernen Stocke, der einen bequemen Handgriff hat. Beſſer indeſſen iſt es, wenn man ſich eines eiſernen Inſtruments dazu bedient. Auf der iſten Tafel des zten Hefts meiner Beſchreibung der Ackerwerkzeuge iſt ein ſolches Inſtrument abgebildet, womit das Pflanzen bei einiger Uebung vortrefflich ge⸗ ſchiehet. Der Pflanzer hackt damit in die Erde, ruͤttelt das Inſtrument et⸗ was, ſetzt die Pflanze ein, hackt dann daneben wieder ein, und druͤckt die Erde an. Sind die Leute zu dieſem Einhacken zu ungeſchickt, ſo iſt es freilich beſſer, ein ſolches Inſtrument mit einem geraden Stiele machen zu laſſen, welcher oben eine kleine Kruͤcke hat, und womit ſie bequem einſtoßen können. Die Erde wird dadurch nicht ſo ſehr verballt, als es durch einen runden hoͤl⸗ zernen Stock geſchieht⸗ Iſt der Boden trocken und die Witterung ſonnig und heiß, ſo darf das baldige Angießen der geſetzten Pflanzen nicht verſaͤumt werden, wozu man das Waſſer in Kuͤben herbeifahren muß. Bei ſolcher Witterung iſt es rathſam, nur gegen Abend zu pflanzen⸗ Hackfruchtbau. 147 Wenn die Pflanzung auch aufs gluͤcklichſte gerathen iſt, ſo werden doch immer einige Pflanzen darunter ſeyn, die nicht angehen oder zufaͤllig zerſtoͤrt werden. Sobald ſich dieſes zeigt, muß man mit dem Nachpflanzen eilig ſeyn; denn wenn man ſich verſpaͤtet, ſo holen die nachgeſetzten Pflanzen die ubrigen nicht ein, ſondern werden davon unterdruͤckt. Zuweilen iſt es jedoch noͤthig, vor dem Nachpflanzen zu ſchaufeln, weil man die nachgeſetzten Pflanztn ſonſt leicht mit Erde uͤberſchuͤtten wuͤrde. Man muß gute ſtarke Pflanzen vorraͤthig behalten, und nicht etwa zuruͤckgelaſſene Schwaͤchlinge, die um ſo weniger aufkommen. S §. 182. Mehrentheils geſchieht zwar die Pflanzung dieſer Gewächſe auf ebenem Setzung der Boden, oder auf breiteren oder ſchmäͤleren zuſammengepflügten Beeten. Man hat aber auch, um beſonders den Wurzelpflanzen eine tiefere Erdkrume gleich Stuͤcken. von Anfange an zu geben, die Methode gewählt, ſie auf Kamme oder Ruͤcken, die man vorher aufpfluͤgte, zu pflanzen, oder auch in Reihen zu ſaͤem. Dieſe Kämme werden am beſten mit dem groͤßern doppelten Streichbrettspfluge auf⸗ geworfen und damit vorzuͤglich gut gebildet. Manchmal uͤberzieht man ſie dann wieder der Laͤnge nach mit einer Walze, um ihre Spitze etwas platt zu druͤcken. Dieſe Bauart hat oft den beſten Erfolg, da die Wurzeln durchaus lockere und fruchtbare Erde bis zu einer betraͤchtlichen Tiefe treffen, und ſich deshalb ſehr verlaͤngern köͤnnern. Nur iſt die Vertilgung des Unkrauts dabei ſchwieriger, und man muß entweder die Methode des Abpfluͤgens§. 159. anwenden oder den Zeitpunkt genau wahrnehmen, wo das in der Oberfläche befindliche Unkraut groͤßtentheils ausgekeimt, aber noch nicht erſtarkt iſt, und dann mit eben dem Pfluge, womit man die Ruͤcken aufgeworfen, jedoch etwas breiter auseinander geſpannt, wieder herziehen und ſo das junge Kraut abſtreifen und mit friſcher aus dem Grunde herausgehobener Erde bedecken. Auf der Spite der Ruͤcken zwiſchen den Pflanzen wird es mit der Handhacke leicht vertilgt. Verſaͤumt man aber den gerechten Zeitpunkt, ſo wird das Ausjäten ſehr ſchwierig, indem man den Schaufelpflug nicht gut anwenden kann. Die groͤßten Ernten habe ich immer bei dieſer Methode gehabt. Sie paßt ſich aber fuͤr loſen, austrock⸗ nenden Boden nicht, ſondern am beſten fuͤr ſtrengen und feuchten⸗ 2 ———— F 148 Hackfruchtbau. 1 Auf dieſe aufgeworfenen Ruͤcken kann auch der Saamen dieſer Gewächfe . mit der Drillmaſchine geſaet werden, und der Erfolg iſt wegen der großen Tiefe der Krume erwuͤnſcht. Aber das Reinerhalten von Unkraut iſt hier noch ſchwieriger, und ich rathe nach meiner Erfahrung dieſe Methode nur auf ſol⸗ chem Acker anzuwenden, der vom Saamenunkraute ſchon ſehr gereinigt iſt. Einige haben, beſonders bei unzukeichendem Miſtvorrath, empfohlen, ſol⸗ chen konzentrirt unter die Reihen der Pflanzen zu bringen, damit dieſe um ſo mehr Nahrung daraus ziehen moͤchten. Dies wird folgendermaßen bewirkt: man ziehet mit dem doppelten Streichbrettspfluge Furchen in moͤglichſt gleicher und beſtimmter Entfernung. Dann laͤßt man einen einſpännigen Miſtkarren, deſſen Gleis ungefaͤhr ſo breit ſeyn muß, daß die Raͤder in den beiden aͤu⸗ ßeren Furchen, das Pferd aber in der Mittelfurche gehen, die Reihe entlang fahren. Ein dem Karren folgender Arbeiter ziehet hinten den Miſt ab, in kleine nicht weit entfernte Haufen, und zwei andere Arbeiter vertheilen ihn in die drei Furchen. Dieſer Miſt darf aber nicht mehr ſtrohig ſeyn. Wenn der „ Miſt auf die Weiſe eingelegt iſt, ſo ſpaltet man mit demſelben Pfluge die Stuͤcken wieder ſo tief als möglich und bedeckt den Miſt mit dieſer Erde. Man uͤberzieht dann das Feld in der Richtung der Furchen mit einer Walze, und ſäet oder pflanzt dann auf den Ruͤcken. Die Pflanzen kommen folglich gerade uͤber den Miſt zu ſtehen. Es ſcheint mir aber dieſe Methode nicht ſo vortheilhaft zu ſeyn, wie ſie von manchen ausgegeben iſt. Ich ziehe es vor, den Miſt fruͤher auf den Acker zu bringen und ihn durch mehrmaliges Pfluͤgen mit der Ackerkrume zu mengen. Dies iſt, wo nicht ſchon für die unmittelbar aufzubringende Hackfrucht, doch gewiß fuͤr die folgenden Ernten zutraͤglicher, und hierauf muß bei dem Hack⸗ fruchtbau vornehmlich Ruͤckſicht genommen werden. Die Hackfruͤchte erreichen mit ihren Wurzeln immer auch den mit der Ackerkrume gemengten Duͤnger, wenn ſie angehaͤuft werden, da ihnen die ganze Oberfläche der Erde zugepfluͤgt wird. Und wenn dieſe Operation an ſich auch nicht ſchwierig iſt, ſo iſt doch nicht zu leugnen, daß ſie mit vieler Weitlaͤuftigkeit und Aufenthalt verbun⸗ den ſey. Ich habe ſie nur einmal verſucht, und ich unterwerfe daher meine Meinung den Reſultaten, welche genauer angeſtellte Verſuche geben koͤnnten. Handelsgewaͤchſe. 149 Uebrigens verſteht es ſich, daß zu allen dieſen Fruͤchten tief gepfluͤgt wer⸗ den muͤſſe, worüber ich mich auſ S. 82— 93. des 2ten Bandes beziehe. Wir gehen zuvoͤrderſt zur Betrachtung Der Handelsgewächſe uͤber, von denen mehrere durch Anwendung der Pferdehackenkultur am vor⸗ theilhafteſten gebauet werden. F. 183. Der Anbau der Handelsgewaͤchſe giebt, wenigſtens im Einzelnen, einen ſo ungemein hohen Geldertrag, daß man ſich billig wundern muß, wie er ſich uber den Han⸗ noch nicht allgemeiner verbreitet, ſondern im Gegentheil nur auf einzelne Ge⸗ delsgewichs⸗ genden und auch hier meiſtens nur auf einzelne Artikel beſchraͤnkt habe. In manchen Laͤndern kennt man ihn wenig oder gar nicht, unerachtet man dieſer Produkte ſehr haͤufig bedarf, und ſie durch große Umwege und nachdem ſie die Hand mehrerer Kaufleute durchgegangen ſind, kaufen muß. Vermoͤge die⸗ ſes Anbaues ſcheint der Werth des Grund und Bodens oder die Landrente ſich uͤber den hoͤchſten Standpunkt, den ſie in manchen Laͤndern jemals gehabt hat, noch ebe zu muͤſſen, wenn ſie ſonſt bei ſinkenden Getreidepreiſen herunter⸗ fällt. Je wohlſeiler der Getreidepreis, um deſto vortheilhafter kann der An⸗ bau dieſer Gewäaͤchſe betrieben werden, weil mit jenem doch in der Regel der Arbeitspreis fallt. Und da der Seekrieg durch erſchwerte Ausfuhr des Getrei⸗ des, welches immer die Baſis des deutſchen Aktivhandels ausmachte, den Preis des Getreides vermindert, zugleich aber den Preis dieſer Produkte ſtei⸗ gert, ſo wird in ſolchen Zeiten ihr Anbau um ſo wichtiger. Sie ſind ohne Zweifel diejenigen Produkte, wodurch der Fleiß und die Intelligenz des Land⸗ wirths am hoͤchſten belohnt wird. Warum greifen alſo nicht alle Landwirthe in allen Laͤndern zu dieſem hohen Erwerbsmittel, zumal in Zeiten, wo man uͤber den geringen Preis der gewoͤhnlichen Produkte ſo ſehr wie in dieſen Ta⸗ gen(1809— 1811) zu klagen hat? Es ruͤhrt dies ohne Zweifel von den mancherlei Schwierigkeiten her, mit welchen dieſer Anbau verbunden iſt, die wanche zwar nicht deutlich erkennen, 150 Handelsgewaͤchſe. aber doch ahnen, und aus den Beiſpielen anderer, welche ſich mit dieſem An⸗ bau abgegeben und nur Verluſt dabei gehabt haben, abnehmen. Faſt die ſämmtlichen Gewaͤchſe dieſer Art erfordern einen von Natur ſtarken, oder durch laͤngere nachhaltige Kultur in große Kraft geſetzten Boden und einen fortdauernden Zuſchuß an Duͤnger, wozu ſie nicht ſo, wie der Korn⸗ und Fut⸗ tergewaͤchsbau, das Material zuruͤckgeben. Deshalb ſtehen dieſem Anbau ſchon die landwirthſchaftlichen Verhaͤltniſſe mancher Laͤnder durchaus entgegen, und er wird auf ſolche Diſtrikte beſchraͤnkt, welche durch die natuͤrliche Fruchtbar⸗ keit des Bodens oder durch ihre Lage, oder durch ein langjaͤhriges bereichern⸗ des Wirthſchaftsſyſtem ſich in Ueberfluß von Duͤnger und Duͤngermaterial be⸗ finden. Wo man ohne Ruͤckſicht auf dieſe Bedingungen und ihnen entgegen, gereizt durch den hohen Ertrag, den ſie verſprachen, Gewaͤchſe dieſer Art in betraͤchtlicher Menge zu bauen anfing, da geſchah es manchmal zu Anfange zwar mit auffallendem Gewinn, aber in der Folge mit gaͤnzlicher Entkraͤftung der Wirchſchaft und im ganzen mit uͤberwiegendem Verluſt. Manche gewan⸗ nen 30— 40 rthlr. reinen Ertrag per Morgen und wurden banquerot. Die erſte Bedingung, um dieſen Bau in groͤßerem Maaße zu betreiben, iſt alſo in Kraft geſetzter Boden und Ueberſchuß von dem Duͤnger, den dieſenigen Fruͤchte erforden, welche das Material zur Duͤngerreproduktion wieder geben. Ein auf ſtarken Futterbau und Schonung der im Boden befindlichen Kraft gerichtetes Wirthſchafts ſyſtem kann nur mit Sicherheit zum Handelsgewaͤchsbau hinleiten, es ſey denn, daß die Natur den Boden auf eine ſeltne Weiſe beguͤnſtigt habe. Kann man dem Acker an Duͤnger reichlich wiedergeben, was ſie ihm entziehen, ſo erhalten ihn ſonſt die meiſten dieſer Gewaͤchſe von ſelbſt, oder durch die Operationen, welche ihr Anbau erfordert, rein und milde, und bereiten ihn zum Anbau gewoͤhnlicher Fruͤchte trefflich vor. F. 184. Ferner erfordert ihr Anbau eine richtige und genaue Kenntniß ihrer Natur und aller Momente, worauf es ankommt. Wer ſich dieſe nicht zu eigen gemacht hat, uberſieht leicht einen oder den andern Punkt, der zwar unbedeutend ſcheint, aber auf das Gedeihen dieſer Fruͤchte vom groͤßten Einfluß iſt. Die meiſten duͤrfen waͤhrend ihrer Vegetationsperiode, nicht ſo wie das Getreide, ſich ſelbſt Handelsgewaͤchſe. 155 uͤberlaſſen werden, und der Landwirth darf nach vollendeter Beſtellung nicht ſagen ich habe geſäet, der liebe Gott wird wachſen laſſen! Sie erfordern vielmehr eine ununterbrochene Aufmerkſamkeit und eine haͤufige Nachhuͤlfe, wobei der Arbeits⸗ aufwand manchmal zwar unbedeutend iſt, die ihnen aber gerade in dem gerech⸗ ten Zeitpunkte gegeben werden muß, und wobei zuweilen die Verſaͤumniß eines einzigen Tages hoͤchſt nachtheilig wirken kann; beſonders wenn eine beguͤnſtigende Witterung und ſchnell voruͤbergehender Feuchtigkeitszuſtand des Vodens dazu wahrgenommen werden muß. Der Landwirth, der ſich mit dieſem Bau im Gro⸗ ßen befaßt, muß ſein ganzes Areal eben ſo ſcharf und ſo klar im Ange haben, wie der induſtrioͤſe Gärtner ſeinen kleinen Gartenraum; alle Huͤlfe. dieſen Fruͤchten zur rechten Zeit geben, und alle Schädlichkeiten moͤglichſt von ihnen abwenden. F 189. Die Hand⸗ oder Pferdearbeit in Maſſe zu berechnen, iſt nicht genug. Denn es koͤmmt auf einen ſehr kurzen Zeitpunkt an, wo ſie gegeben werden muß. So unbedeutend ſie im Ganzen ſcheint, ſo ſchwer wird ſie fuͤr den Augenblick. Sie tritt oft in dem Zeitpunkte ein, wo man alle arbeitenden Kraͤfte zur Gewinnung der gewoͤhnlichen Produkte gebraucht, und man kann ſich in die Verkegenheit ſetzen, jene oder dieſe aufopſern zu muͤſſen. Daher muß bei der Kultur eines jeden Gewaͤchſes dieſer Art wohl berechnet werden, wann dieſer Zeitpunkt ein⸗ trete, und wie er ſich mit anderen wirthſchaftlichen Arbeiten ordne und treffe. Eine ungewoͤhnliche Jahreswitterung kann dieſen Zeitpunkt verruͤcken; es pflegt indeſſen der Vegetationsprozeß der verſchiedenen Pflanzen gegen einander in einer ziemlich gleichen Folge zu bleiben, ſo daß, wenn das eine fruͤher oder ſpaͤter eine gewiſſe Entwickelung erreicht, auch das andere die ſeinige fruͤher oder ſpäter er⸗ langt. Nur muß man die Saat⸗ und Beſtellungszeit danach gehoͤrig einzurich⸗ ten wiſſen, und mit jeder Arbeit voraus ſeyn. Ein ſo fruͤher Eintritt der Ernte, z. B. wie 1811, unterbricht ſonſt die Reihefolge der wirthſchaftlichen Arbeiten hoͤchſt nacheheilig. 5. 186. Die Sache wird um ſo ſchwieriger, wenn man ſich nicht mit einem oder dem andern dieſer Gewächſe, ſondern mit mehreren zugleich beſaßt. Weiß man die Auswahl ſo zu treffen, daß die Arbeit, welche die verſchiednen angebauten 152 Handelsgewaͤchſe. Gewaͤchſe erfordern, bequem folgen und eingreifen, ſo iſt eine groͤßere Mannig⸗ faltigkeit dieſer Gewaͤchſe am vortheilhafteſten, und den Wirthſchaftsverhaͤltniſſen am angemeſſenſten. Man kann dann die Arbeiter, welche bei fortdauernder ähn⸗ licher Manipulation mehrere Gewandheit bekommen, beſtaͤndig beſchaͤftigen, und wo es immer fortdauernde Beſchaͤftigung giebt, da wird es einer Wirthſchafe an Arbeitern zu billigen Preiſen nicht leicht fehlen; wogegen es ſehr ſchwierig iſt, ſie herbeizuſchaffen, wenn man ſie auf eine kurze Zeit gebraucht; insbeſondere ſolche, denen man Verrichtungen anvertrauen kann, die eine ungewohnte Umſicht und Gewandtheit erfordern. Wer aber in dieſer Hinſicht keine richtige Auswahl zu treffen weiß, und ſich verleiten läßt, ſie gar nicht zu beachten, ſondern nur diejenigen Gewaͤchſe etwa banen wollte, die ihm bei ihrem vollkommenſten Gedeihen den hoͤchſten Vor⸗ theil verſprechen, der wuͤrde ſich um ſo leichter feſtwirthſchaften, und um allen Votheil bringen. 5. 187. Die meiſten dieſer Gewaͤchſe koͤnnen nicht ſo zum Verkauf gebracht werden, wie man ſie vom Felde bringt. Sie erfordern Aufbewahrungsraͤnme, Werkzeuge und Vorrichtungen, und manchmal ſehr große. Die Einrichtung derſelben iſt koſt⸗ ſpielig, und wenn ſie nur auf ein einzelnes Gewaͤchs berechnet ſind, ſo fallen die⸗ ſem Gewaͤchſe betraͤchtliche Zinſen zur Laſt. Ueberdem kann der Bau eines die⸗ ſer Gewaͤchſe durch merkantiliſche Konjunkturen unvortheilhaft werden, und ſo iſt das Kapital, welches man auf dieſe Einrichtungen verwandt hat, verloren. Man muß dieſe Einrichtungen alſo dergeſtalt treffen, daß ſie zu mehreren Zwecken zu⸗ gleich oder nacheinander dienen koͤnnen. Am Abſatze aller nuͤtzlichen Produkte kann es dem umſichtigen Landwirthe zwar nie fehlen; mehrere dieſer Gewaͤchſe aber koͤnnen in manchen Gegenden nicht unmittelbar an ihre Konſumenten verkauft werden, ſondern muſſen erſt durch die Hand des Kaufmanns gehen. Den Kaufleuten iſt es nicht zu verargen, daß ſie nach dem erſten Grundſatze ihres Gewerbes: den möglichſt hoͤchſten Gewinn zu machen— ſie uufs wohlfeilſte einzukaufen ſuchen, und die Verlegenheit des Landwirths, beſonders wenn er des Geldes beduͤrftig iſt, benutzen. Man muß ſich alſo, bevor man den Anbau eines Gewaͤchſes dieſer Art, beſonders in einer Handelsgewaͤchſe. 153 einer Gegend, wo es noch nicht uͤblich iſt, unternimmt, nach den merkantiliſchen Verhältniſſen erkundigen, und ſich wo moͤglich ſchon im voraus eines beſtimmten Abnehmers zu verſichern ſuchen. Hat man dazu keine Gelegenheit, ſo muß man ſich auf ſolche Gewaͤchſe beſchraͤnken— und deren giebt es immer einige— wo⸗ mit der Handel einigermaßen in der Gegend ſchon regulirt iſt. 5. 188. Der Preis dieſer Produkte bleibt immer ſchwankend, und man darf bei kei⸗ nem auf den hoͤchſten Preis rechnen, worauf es zuletzt geſtanden hat. Denn gerade ein ungewoͤhnlich hoher Preis fuͤhrt ſchnell einen ungewoͤhnlich niedrigen herbei; indem nun, angelockt durch jenen, jeder, der es vermag, ſich auf den Anbau dieſes Gewaͤchſes legt, und der Markt damit uͤberſuͤllt wird. Es iſt da⸗ her oft rathſam, alsdann den Bau eines Gewächſes einzuſchraͤnken, und den eines andern zu verſtaͤrken, wenn die Nachfrage und der Preis von jenem ſo hoch ge⸗ ſtiegen iſt, daß nun Alle hingeriſſen werden, darauf zu ſpekuliren. So muß aber auch der weiter hinaus ſehende Landwirth mit dem Bau eines Produkts, welches doch an ſich ein nothwendiges Beduͤrfniß iſt, nicht leicht ganz aufhoͤren, und die dazu einmal getroffenen Vorrichtungen aufgeben, wenn der Preis aus jener Urſache ungewoͤhnlich tief gefallen iſt. Er kann dann vielmehr erwarten, daß der Preis bald wieder ſteigen werde, indem ſich die meiſten von dieſem An⸗ bau abſchrecken laſſen. Der Preis und der Anbau des Tabaks, des Hopfens, des Krapps, des Waids, ſind deshalb ſo großen Veraͤnderungen unterworfen ge⸗ weſen: in manchen Gegenden, wo dieſer Gewaͤchsbau ganz eingefuͤhrt war, hat er bei geſunkenen Preiſen aufgehoͤrt, und man hat ihn nur dann erſt aufs neue begonnen, wenn der guͤnſtigſte Zeitpunkt, wo man den meiſten Vortheil damit haͤtte machen koͤnnen, voruͤber war. §. 189. Der groͤßere Landwirth muß unter dieſen Gewaͤchſen, beſonders unter den in ſeiner Gegend eingefuͤhrten, hauptſaͤchlich diejenigen waͤhlen, bei welchen er durch Theilung der Arbeit und durch zweckmaͤßige Inſtrumente viele Handarbeit erſparen kann. Denn da, wo es auf bloße Handarbeit ankommt, kann er ſelten Vierter Theil. U 134 Oelgewaͤchſe. Preis mit kleineren Wirthen halten, welche dieſe Kultur mit ihrer Familie emſig betreiben. Dieſe nehmen dann mit einem geringen Verdienſt vorlieb, bieten die Waare ſehr wohlfeil aus, ſo daß nur die Kaufleute, nicht die Anbauer, dabei reich werden. Daß der Handelsgewaͤchsbau im allgemeinen das hoͤchſte Ziel ſey, wonach der rationelle Landwirth zu ſtreben habe, indem er den hoͤchſten Vortheil ge⸗ waͤhrt, erkennen wir vollkommen ant er muß ſich aber mit Vorſicht langſam fortſchreitend, und nachdem er ſich von der Nachhaltigkeit ſeiner Duͤngererzeu⸗ gung verſichert hat, dazu erheben. Und ſo habe ich durch dieſe Vorerinnerun⸗ gen den verfuͤhreriſchen Anpreiſungen der einen und den ängſtlichen Bedenklich⸗ keiten der andern ihre Grenzen zu beſtimmen geſucht. Die Oelgew aͤch ſe. F. 190. Die Pflanzen, welche am haͤufigſten zur Oelproduktion angebauet werden, ſind aus dem botaniſchen Geſchlechte der Prassica. Dieſes ganze Geſchlecht hat durch die uralte Kultur ſo mannichfaltige Abweichungen von ſeinem natuͤrlichen Zuſtande erlitten und ſo unzählige Abarten und Spielarten gebildet, daß es in der That ſchwer haͤlt, die verſchiedenen und ziemlich konſtant gewordenen Arten genau zu unterſcheiden und abzuſondern, und noch ſchwerer, ihren Urſtamm und wie ſie ſich wahrſcheinlich durch Vermiſchung erzeugt haben, zu beſtimmen. Wir reden hier nur von denen Pflanzen dieſes Geſchlechts, die vor an⸗ dern um des Oels willen gebauet werden, obgleich die Saamen aller Arten und Abarten aus dieſem Geſchlechte ſehr oͤlhaltige Saamen tragen und zuweilen dazu benutzt werden. Alle Pflanzen dieſes Geſchlechts ſcheinen zweijaͤhrig zu ſeyn, ſo daß ſie nur im zweiten Jahre Bluͤtſtengel treiben und Saamen tragen bis auf eine einzige. Dies iſt nämlich der Sommerruͤbſen oder Sommerrapps(Brassica campestris), welcher nicht, wie manche glauben, eine Spielart des Winterruͤbſens oder Win⸗ terrapſes, ſondern eine ſpezifiſch verſchiedene Gattung zu feyn ſcheint. Winterrapps und Ruͤbſen. 155 Winterrapps und Rübſen. 5. 191. Zuvoͤrderſt von den Wintergewächſen dieſer Art: hiervon werden zwei weſent⸗ unterſchied lich verſchiedene Arten angebauet, die häufig im Namen und auch wohl in der Kul⸗ wiſchen . Rapps und tur verwechſelt werden, deren Unterſcheidung aber fuͤr den Landwirth von Wich⸗Rübſen. tigkeit iſt. Die eine iſt eine Brassica oleracea laciniata, eine beſondere Abart des fladdrigen Gartenkohls, und zwar deſſen, der unter dem Namen Schnittkohl von den Gaͤrtnern nicht verpflanzr, ſondern dicht geſäet und ſo abgeſchnitten wird. Sie heißt eigentlich Rapps, großer Rapps, und der deutſche Name Kohl⸗ ſaat, welcher bei uns ungebraͤuchlich geworden, iſt dagegen in die franzoͤſiſche und engliſche Sprache als die eigenthuͤmlichſte Benennung dieſer Pflanze uͤbergegan⸗ gen(Colsat, Colzat, Coleseed) Die andere Art, welche eigentlich Ruͤbſaat, Ruͤbſen, oft aber auch klei⸗ ner Winterrapps genannt wird, iſt eine Brassica napus. Sie kommt in Deutſch⸗ land haͤufiger wie jene Art vor, weil ſie ſpäter geſaͤet werden darf und mit ei⸗ nem ſchwaͤcheren Boden vorlieb nimmt, wird aber haͤufig aus Unkenntniß des eigentlichen Rappſes oder der Kohlſaat angebauet, wo dieſe vortheilhafter und ſicherer ſeyn wuͤrde. Um dem praktiſchen Landwirth den Unterſchied beider deut⸗ lich zu machen, ſetze ich die Hauptunterſcheidungszeichen hier gegeneinander uͤber. Die Rappsſaat(Brassica cam- pestris). Die Ruͤbſaat(Brassica napus). a) Sie iſt eine Kohlart und kommt in ih⸗ a) Sie iſt eine Ruͤbenart und den Ru⸗ rer ganzen Geſtalt den Kohlgewaͤch⸗ bengewaͤchſen aͤhnlicher. ſen mehr gleich. b) Der Wurzelſtamm iſt faſt cylin⸗ b) Der Wurzelſtamm iſt ſpindelför⸗ driſch. mig, ruͤbenartig, und macht, wenn die Pflanze Raum hat, zuweilen eine wirkliche Ruͤbe. 0) Die Blaͤtter ſind glatt, fleiſchig, bell⸗ 0) Die Blaͤtter ſind haarig, duͤnner, we⸗ grun, zuweilen, beſonders die unte⸗ niger gerundet an der Spitze. U 2 Boden. ren, kupferbarbig und wie mit einem weißlichen Staube bedeckt. d) Der Stengel iſt ſtäͤrker, treibt nicht unten, ſondern mehr oberwaͤrts ſeine Areſte aus, welche nicht ſo ſehr in die Hoͤhe ſtehn, ſondern ſich mehr hori⸗ zontal verbreiten. e) Die Bluͤte iſt hellergelb. het und reift ſpaͤter. k) Die Schooten und Koͤrner ſind groͤßer. g) Er muß, um ſich gehoͤrig zu be⸗ wurzeln, fruͤher geſaäet werden. h) Er iſt unter dieſer Bedingung haͤr⸗ ter und ausdauernder im Winter. Er bluͤ⸗ Oelgewaͤchſe. d) Der Stengel iſt ſchwaͤcher, treibt von unten Aeſte aus, welche im ſpitzen Winkel mit dem Stamme ſtehen. e) Die Bluͤte iſt dunkler gelb, bluhet und reift fruͤher. †) Sie ſind kleiner. g) Man kann ihn ſpaͤter ſaͤen. h) Er iſt weichlicher und wintert leich⸗ ter aus. Nicht ſelten findet man in Gegenden, wo beide Arten gebauet werden, daß die Saamen beider untereinander gemengt ſind, und daß, wie es mir geſchienen hat, ſogar eine Mittelart dadurch entſtanden ſey. Dies taugt, beſonders der un⸗ gleichen Reife wegen, auf keinem Fall, und man muß ſich nothwendig reinen Saamen von reiner Art zu verſchaffen ſuchen. In Gegenden, wo der Bau dieſer Gewaͤchſe haͤufig betrieben wird, nennt man beide auch Winterſaat, oder ſogar Saat ſchlechthin; woraus oft Miß⸗ verſtändniſſe zwiſchen einheimiſchen und fremden Landwirthen entſtanden ſind. Ge⸗ meiniglich wird jedoch Ruͤbſen unter dieſem Namen verſtanden. §. 193. Beide Arten koͤnnen vortheilhaft gebauet werden, auf jedem Boden, der fuͤr Weizen und fuͤr Gerſte geeignet iſt, am beſten jedoch auf ſolchem, der zwiſchen 50 und 60 Prozent Sand und auch etwas Kalk enthält. Eine weſentliche Bedingung aber iſt es, daß der Boden vollkommen abge⸗ wäſſert werden könne, weil Winterfeuchtigkeit dieſer Saat durchaus tödlich wird. Der Rapps hält ſich unter dieſer Bedingung auch auf dem loſeren aber reichen Niederungsboden, beſonders wenn er recht fruh geſäet wird, und ſich alſo ſtark Winterrapps und Ruͤbſen. 155 bewurzeln kann. Der Ruͤbſen will durchaus gebundenen Boden haben, indem er auf loſeren vom Froſte aus der Erde gehoben wird. §. 194. Beide, der erſte noch mehr wie der zweite, verlangen ſtarke Dungkraft im Duͤnguns. Boden, und ihr Anbau findet daher nur auf von Natur reichem oder ſehr kräf⸗ tig und doppelt geduͤngtem Acker ſtatt. Der Duͤnger muß leicht auflöslich, der Stallmiſt daher ziemlich ſtark zergangen, und mit der Erde gemengt ſeyn. Häu⸗ fig giebt man dem Acker eine Miſtduͤngung, welche man mit einer der erſten Furchen unterbringt, und ſodann vor der Saatfurche den Hordenſchlag. §. 195. Eben ſo wichtig iſt eine hoͤchſt vollſtändige Bearbeitung und Pulverung des Beackerung. Bodens. Man pfluͤgt und egget wenigſtens viermal dazu, und bedient ſich auch bei den Vorfurchen der Walze, um die Ackerkrume vollkommen zu pulvern. Der Anbau dieſes Gewaͤchſes erfordert alſo in der Regel zwei Jahre, und man muß ihm daher die Landrente fuͤr ſelbige zur Laſt ſchreiben. Es iſt zwar nichts ganz ungewoͤhnliches, daß Ruͤbſen— mit Rapps geht es gar nicht— in der Rok⸗ kenſtoppel gebauet wird, nachdem man ſie geduͤngt und in moͤglichſter Eile zwei⸗ bis dreimal gepfluͤgt hat. Allein dieſe Methode giebt mehrentheils einen ſehr ge⸗ ringen und ſelten mehr als den halben Ertrag. Dabei iſt der Acker der Ver⸗ wilderung furchterlich ausgeſetzt, und ich habe geſehen, daß vorzuͤglich guter Ak⸗ ker, wo man es bald nacheinander wiederholt hatte, ſo ſehr dadurch verdorben und erſchoͤpft wurde, daß mehrere Brachen dazu gehoͤrten, um wieder eine gehoͤ⸗ rige Weizenernte davon zu gewinnen, weswegen jeder weiter hinaus denkende Landwirth ſich vor dieſer vom Geize diktirten Methode huͤten wird. Mit beſſerem Erfolge hat man dieſe Gewaͤchſe wohl zwei Jahre nacheinan⸗ der gebaut, wenn man die Zeit zwiſchen der Ernte und der Ausſaat fleißig zur— Bearbeitung benutzte, und der Boden entweder in großer Naturkraft ſtand oder ſehr ſtark geduͤngt wurde.(Vergl. Thaers vermiſchte Schriften. Bd. I. S. 486.) Ein dicht beſtandenes Kleefeld kann indeſſen noch in dem Sommer, wo man es mit dieſer Saat beſtellen will, durch einen fruͤhen Schnitt benutzt werden, wenn man es nach demſelben noch dreimal pfluͤgt. Doch muß ein ſolches Feld durchaus rein von Quecken ſeyn. Auch kann der Acker mit gruͤn in der Bluͤte Ausſaat. 158 Oelgewaͤchſe. abgemaͤheten Wicken zuvor benutzt werden, wenn er zweimal vor den Wicken, und zweimal nachher fleißig bearbeitet wird. F 196. Der Rapps wird von der Mitte des Julius bis zur Mitte Auguſts ge⸗ woͤhnlich geſaet; doch koͤnnte es auch ſicher noch fruher geſchehen, weil er in dem Saatjahre nie in die Hoͤhe ſchießt. Den Ruͤbſen ſaͤet man von der Mitte Auguſt bis zu Anfange Septembers. So ſchnell wie moͤglich muß die Ausſaat der letzten Furche folgen. Dieſe muß alſo ſogleich glatt geegget, auch gewalzt werden, worauf man die Saat aus⸗ ſaet, dann wieder leicht egget, und bei trocknem Wetter nochmals walzet. Wenn jedoch bei oder unmittelbar nach der Ausſaat ein ſtarker Regen einfaͤllt, ſo darf man weder eggen noch walzen, da ohnehin der Saamen tief genug in die Erde geſchlagen wird. Wäre der Boden vom Regen feſtgeſchlagen, ſo wuͤrde nach der Abtrocknung, bevor der Saame gelaufen iſt, ein leichtes Eggen ſehr rath⸗ ſam ſeyn. Durchwinte⸗ vung. Auf eine gut vertheilte Saat kommt es bei dieſem Gewaͤchſe vorzuͤglich an. Wenn nur§ Pfd. Saamen auf den Morgen, aber ſo ausgeſäet werden, daß keine leeren Stellen bleiben, ſo iſt es am beſten. Denn ein zu dichter Stand der Pflanzen hält ſie im Wachsthum zuruͤck, verurſacht daß ſie ſchwächlich in den Winter kommen und vergehen; wogegen duͤnner ſtehende Pflanzen ſehr er⸗ ſtarken, und der ublen Einwirkung der Witterung widerſtehen. Und wenn auch eine ungleich ſtehende Saat ſich den Winter durch hält, ſo bleiben die dichtſte⸗ henden Pflanzen doch klein, und bringen ihren Saamen kaum zur Reife. Es iſt daher ein guter Rapps ſaat⸗Saͤer von großer Wichtigkeit, und wo man einen ſolchen kennt, wird er weit hergeholt, und fuͤr den Tag wohl mit einem Duka⸗ ten bezahlt. Ein ſchlechter Saͤer kann dagegen an dem Mißrathen dieſer Saat lediglich Schuld ſeyn. Kann man ſich auf den Säemann nicht ſicher verlaſſen, ſo iſt es doch rathſam 8 Pfd. auf einen Morgen auszuſäen. §. 197. Das Feld muß mit ſehr guten Begrabungen und da hinein leitenden Waſ⸗ ſerfurchen verſehen werden. Man muß ſie im Winter bei erfolgendem Thauwet⸗ ter vor allen offen zu erhalten ſuchen. Winterrapps und Ruͤbſen. 159 Wenn etwa unter fruh geſäetem Rapps im Nachſommer viel Unkraut, beſon⸗ ders Hederich, laͤuft, ſo iſt es rathſam, ihn in der Bluͤte abzuhauen. Werden auch die Blaͤtter des Rappſes mitgefaßt, ſo ſchadet das durchaus nicht, und man kann auf die Weiſe oft ein beträchtliches Futter im Nachſommer von einem Rappsfelde gewinnen. Bei einem gut in den Winter kommenden, weder zu vollem noch zu leerem Nappsfelde, mit ſtark ſtenglichten hochgruͤnen Pflanzen kann man ſich, falls die Abwaͤſſerung nur geboͤrig vorgerichtet iſt, zwar die groͤßte Hoffnung machen, aber dennoch ſtehet der kritiſche Zeitpunkt zu Ende des Winters noch bevor. Ein wechſelndes Aufthauen und Gefrieren holt die Pflanzen aus dem Boden heraus und toͤdtet ſie. Das Zergehen des Schnees und Eiſes vor den Sonnenſtrahlen bei Tage, und das Gefrieren bei Nacht iſt jeder Winterung gefaͤhrlich, und um ſo gefaͤhrlicher, je mehr die obere Erde mit Waſſer angefuͤllt iſt, welches ſich we⸗ gen der darunter liegenden Eisſchicht nicht niederſenken kann. Hier kann die beſte Beſtellung verunglücken. F. 198. Dit Feinde des Rappſes ſind außer dem Erdfloh auf der jungen Saat und Feinde. den Mauſen, demnaͤchſt in der Bluͤtezeit der Pfeiffer oder der Ruͤſſelkaͤfer, wel⸗ cher ſeine Eier in die Blute legt, woraus ſodann Maden entſtehen, welche die Schooten anfreſſen; und der Glanzkäfer(Nitidula aenea). Man will bemerkt haben, daß ſie ſich da vermehren, wo dieſer Anbau ſeit laͤngerer Zeit haͤuſig iſt betrieben worden. §. 199. Dies iſt die gewöhnliche Kultur des Winterrappſes und Ruͤbſens— denn Verpflan⸗ 2.„. 1 Re⸗ beide unterſcheiden ſich nur in den bemerkten Punkten.— In den Riederlan⸗ . thode. den und Rheingegenden, auch in einigen Diſtrikten Englands hat aber ſchon längſt die Verpflanzungsmethode, vorzuglich des Rappſes, ſtalt gefunden. Wo der Werth des fruchtbaren Ackers groß im Verhaͤltniſſe des Arbeitspreiſes iſt, hat man ſie wohl hauptſachlich aus der urſache faſt allgemein eingefuͤhrt, weil ein Theil des Ackers nun in dem Pflanzungsjahre vorher noch benutzt und dann in gehörigen Stand geſetzt werden kann. Wir haben zwar von dieſer Methode ſchon mehrere Beſchreibungen erhalten, unter andern von Frensdorf in Riems —— ———* —— — Drillmethode. 160 Oelgewaͤchſe. neuer Sammlung oͤkonomiſcher Schriften VIII. 23— 29; aber keine beſtimm⸗ tere als, welche uns Schwerz in ſeinem vortrefflichen Werke uͤber die Belgiſche Landwirthſchaft S. 147. u. f. giebt. Die Verpflanzung geſchiehet entweder nach dem Pfluge, oder mit dem Spa⸗ ten oder Pflanzſtocke. Da ich dieſe Methode aus eigner Erfahrung nicht kenne, ſo verweiſe ich auf jenes Werk, welches ohne Zweifel in den Haͤnden jedes Land⸗ wirths, der dieſe Methode anwenden will, ſich befinden wird. F. 200. Eine andere Methode aber, die Schwerz als einen ihm ſehr gelungenen Ver⸗ ſuch erzaͤlt, nämlich das in entfernte Reihen Saen, kenne ich nach langer Erfah⸗ rung, und ich werde wahrſcheinlich nie Rapps zum Saamen auf eine andere Weiſe bauen. Ich ziehe mit dem Marqueur Furchen auf 2 Fuß Entſernung und ſàe die Rappsſaat mit dem Ruͤbendriller ein. Es geſchiehet auf gehoͤrig vorbe⸗ reitetes Land, nachdem es kurz vor dem Furchenziehen nochmals mit dem Exſtir⸗ pator uͤberzogen und wiederum glatt geegget worden. Ich habe es aber niemals, wie Schwerz, nach einer reifen Kornfrucht gewagt, ſondern nur nach einſchnit⸗ tigem Klee oder nach grün gemaͤheten Wicken. Nach der Einſaat wird gewalzt. Wenn die Pflanzen das vierte Blatt haben, ſo wird die dreiſchaarige Pfer⸗ deſchaufel mit flachen Schaaren durch die Zwiſchenräume gezogen, und wenn die Pflanzen nach Michaelis herangewachſen ſind, werden ſie mit der Pferdehacke angehäuſt. Der Hederich in den Reihen wird, wenn er in die Bluͤte tritt, aus⸗ gerauſt; anderes Unkraut iſt ſelten da. Zweimal vor Winter anzuhäufen, habe ich nicht noͤthig gefunden; es kann aber nutzlich ſeyn. Auch war weder Verduͤn⸗ nen noch Nachpflanzen noͤthig. Der Rapps iſt durch die angehaͤufte Erde gegen die Gefahr, vom Froſte aus der Erde gehoben zu werden, und durch die Waſſerfurchen, welche der An⸗ gaͤufepflug macht, gegen alle Naͤſſe geſichert, wenn das Feld anders gehorigen Abzug hat. Ich glaube alſo, daß er auf keine Weiſe im Winter verungluk⸗ ken koͤnne. Im Fruͤhjahr, ſobald die Pflanzen zu treiben anfangen, wird er wieder angehauft. Man Winterrapps und Ruͤbſen. 161 Mat bat einen ziemlichen Spielraum fuͤr die Zeit der Ausſaat: von An⸗ ſang Juli bis zur Mitte Auguſts. Man halte den Acker fertig und nehme dann eine regnichte Zeit zur Ausſaat wahr, damit die Pflanzen um ſo ſchneller hervor⸗ kommen und gegen den Erdfloh geſichert ſeyn. Der weiten Entfernung der Saat⸗ reihen unerachtet, verbreitet ſich der Rapps ſo ſtark mit ſeinen Zweigen, daß das geld ſo dicht wie nur moͤglich geſchloſſen iſt. F. 202. Die Reifung dieſer Gewaͤchſe, welche in der Mitte des Juni zu erfolgen Ernte. pflegt, muß ſorgfaltig wahrgenommen werden. Ein ganz gleichzeitiges Reifen aller Schooten darf man nicht erwarten. Wenn daher die erſten Schooten braun und durchſichtig werden und die Koͤrner ſich ſchwarzbraun zu faͤrben anfangen, ſo muß man mit der Abbringung eilen, weil ein längeres Zögern einen ſtarken Ausfall unvermeidlich macht. Die Erntemethoden dieſes Gewächſes ſind mannichfolig. Man kann die breitwuͤrſige Saat mit der Senſe mähen, jedoch ohne Ge⸗ ſtell, und indem man anmähen, abraffen, und in Gelegen oder Froͤſchen hinter ſich liegen läßt. Das gehet ſehr gut und ohne erhebliche Erſchuͤtterung. Wo aber die Sichel gebräuchlich iſt, da ſchneidet man lieber. Bei heißer, trockner Witterung geſchiehet beides am beſten des Morgens fruͤh oder ſt beim Mond⸗ ſcheine des Nachts im Thau. §. 203. Nun giebt es zwei Hauptverſchiedenheiten: die Frucht nämlich in die Scheure Abdreſchen in zu bringen, oder ſie auf dem Felde abdreſchen zu laſſen. In erſterem Falle wird der Scheure. ſie gewöhnlich in kleine Bunde nicht uͤber 10 Pfd. ſchwer gebunden, wobei die Gelege nicht mit der Harke ſondern mit der Hand zuſammengebracht werden. Mun thut das unmittelbar nach dem Abbringen oder doch am folgenden Tage. Dieſe Garben werden nun bei trockner Witterung in groͤßere oder kleinere Hau⸗ fen zuſammengebracht; die groͤßeren ſind des Ausfalls und des Raubes der Voͤgel wegen vorzuziehen, und wenn man ſie länger auf dem Felde ſtehen laͤßt, ſo be⸗ deckt man ſie mit einer Strobhaube. Sollte anhaltendes naſſes Wetter einfallen, ſo läßt man die Haufen doch ruhig ſtehen; das Stroh kann dumpfig werden, Vierter Thell. E — Abdreſchen auf dem Felde. 162 Oelgewaͤchſe. aber die Koͤrner leiden nicht davon, wogegen das Umſeten mit großem Verluſt verbunben ſeyn wuͤrde. Nach 5 oder 6 Tagen faͤhrt man ihn gewoͤhnlich ein. Nothwendig aber muß der Erntewagen mit einem Segeltuche beſpannt, dieſes an den Leitern befeſtigt ſeyn, und wie ein Sack auf den Wagen herabhaͤngen. Iſt der Saamen zum Ausfallen geneigt, ſo legt man auch ein Segeltuch je⸗ desmal vor dem Haufen, der geladen wird, und laͤßt den Wagen von der einen Seite darauf fahren, damit man das Ausfallende ſammeln koͤnne. Das Aufla⸗ den geſchiehet mit großer Vorſicht und wenig uͤber die Leitern hinaus, weswegen man nur 2 Pferde vorſpannt, wo ſonſt 4 zum Geſpann gehoͤren. Die Frucht wird nun auf der Scheuertenne abgeladen, wenn man nicht et⸗ wa gedielte und voͤllig rein gemachte Taſſe hat. Man eilt dann gewoͤhnlich mit dem Abdreſchen, um damit vor der Korn⸗ ernte fertig zu ſeyn; auch weil der Saamen beſſer ausfallt, als wenn das Stroh ſchwitzet; endlich auch dieſes ſich dann geſunder erhaͤlt. Der Saamen wird durch Abfegen von der Ueberkehr, und durch ein großes Sieb von den groͤberen Huͤlſen gereinigt. Die feinere Spreu bleibt vorerſt dar⸗ unter, wenn man ihn auf den Boden bringt, und wird erſt, nachdem er vollig trocken iſt, durch eine Staubemuͤhle davon getrennt. Er wird nicht uͤber 4 Zoll boch aufgeſchuͤttet, und anfangs haͤufig mit dem Rechen geruͤhrt. „ 5. 204. Die andere Methode iſt da, wo der Rappsbau ſeit langer Zeit im Großen betrieben worden, weit uͤblicher. Man findet in Marshalls Beſchreibung der Landwirthſchaft, in Yorkſoire Bd. II. S. 103. ein ſehr ſchönes Gemählde von dem öffentlichen Rappsdreſchen, welches ich auf eben die Weiſe und mit eben den Gebraͤuchen, gleichſam als ein Volksfeſt, in der Preezer Probſtey bei Kiel an⸗ geſehen habe, und welches auch in den weſtlichen Niederungsgegenden an der Nordſee allgemein gebrauchlich iſt. Wenn aber ein einzelner Landwirth dieſe Me⸗ thode waͤhlet, ſo hat ohne Zweifel das Ausreiten mit Pferden Vorzuͤge, und das beſchreibt Kaͤhler in ſeinem Handbuche fuͤr Landwirthe(Berlin in der Realſchul⸗ buchh andlung 1811) aus ſeinem Tagebuche, auf einer Reiſe in Hollſtein ſo treſfend, Winterrapps und Ruͤbſen. 163 daß ich, um dieſe Methode meinen Leſern, welche dieſes Werk nicht beſiten, kennen zu lehren, nichts beſſeres⸗thun kann, als ſie daher zu entlehnen. „Gegen 9 Uhr Morgens hatte der Gutsbeſitzer Herr Niemeyer die Guͤte mit mir auf das Rapsfeld zu gehen. Ich erſtaunte uͤber die unabſehbare Flaͤche; welche damit bedeckt war. Ein großer Theil war geſchnitten und lag auf der Stoppel, ein anderer weit groͤßerer Theil aber, der mit der Senſe gemaͤhet war, befand ſich in kleinen Haufen von 6 bis 7 Fuß Hoͤhe, die man hier mit der Provinzial⸗Benennung— Diemen— belegt. Alles war in voͤlliger Thaͤtigkeit. Der Rapps wurde zuſammen gefahren, und durch Pferde gleich im Felde ausgedroſchen. Zum Zuſammenfahren bediente man ſich Schlitten mit 2 Pferden beſpannt. Auf jedem Schlitten befand ſich eine Trage mit zwei in der Mitte quer durchgehenden Hoͤlzern, woruͤßer ein Segeltuch von 32 bis 36 Fuß im Quadrat ausgeſpannt war. Drei ſolcher Schlitten fuh⸗ ren in einer Reihe; eine dieſer Reihen war bei dem auf dem Schwaden liegen⸗ den Raps beſchaͤftigt; vier Frauen verrichteten dabei das Aufladen. Vermittelſt. eines in der rechten Hand haltenden Steckens von ungefaͤhr 3 Fuß Laͤnge hoben ſie den Raps von der Stoppel auf, und indem die linke Hand auf ſelbigem das Gleichgewicht hielt, konnte alles ohne die geringſte Gewalt auf das Segel ge⸗ legt werden. Fuhr ein beladener Schlitten davon, ſo war ſchon ein leerer wie⸗ der da, und alles blieb ohne Unterbrechung im Gange. Jetzt kamen wir zu den Haufen oder Diemen. Auch hier war eine Reihe Schlitten zum Fortſchaffen aufgeſtellt. Das Aufladen ging weit ſchneller wie bei den Schwaden. Zwei Mannsperſonen ſtanden bereit, mittelſt zwei ungefaͤhr 8 bis 9 Fuß langen ganz leichten Hebebaͤnmen, die Haufen, ſo wie ſie waren, auf die Segel zu bringen. Nichts ging geſchwinder wie dies. Der eine nahm die Baͤume, ſchob ſie an der Erde uuter die Haufen, wo der andere bereit ſtand beide Enden ſofort anzufaſſen, und ſo lag der ganze Diemen auf dem Schlitten. Von hier gelangten wir zu den Dreſchtennen Es waren zwei derſelben in einiger Entfernung angebracht. Der Platz dazu war vorher von der Stoppel und den Steinen gereinigt und eben gemacht. Sie waren viereckig, jede derſel⸗ ven q8 Fuß lang, 36 Fuß breit, und mit ſtarkem Segeltuch belegt. Die Seiten deſſelben waren einige Fuß in die Hoͤhe gezogen, und an dazu eingeſchlagene Pfaͤhle befeſtiget. An einer Seite war der Eingang, und konnte daſelbſt das Segel auf 5 bis 6 Fuß niedergelaſſen werden. Bei jeder Reihe Schlitten befanden ſich zwei Mannsperſonen zum Abladen. Es ging damit ebenfalls ſehr ſchnell, denn ſo wie ein Schlitten ankam, faßte K 2 164 Oelgewaͤchſe. einer vorn, der andere hinten an die Baͤume der Trage, und ſo trugen ſie alles auf die Tenne, ſchuͤtteten es an die Lage, und legten die Trage mit dem leeren Segel wieder auf dem Schlitten. Auf dieſe Weiſe fuhr man fort, bis die Tenne ungefaͤhr 6 Fuß hoch belegt war. Jetzt wurde der Eingang niedergelaſſen, und 2 Knechte, wovon jeder 3 Pferde fuͤhrte, ritten hinein und auf den Raps. Sie fuͤhrten die Pferde 4 bis 5 Mal in der Runde umher, und zogen wieder herunter. Mehrere Maͤnner mit Gabeln traten hinzu, kehrten in der Geſchwindigkeit dieſen niedergetretenen Raps um, und ließen die Pferde wieder hinein. Nach einem abermaligen kurzen Umher⸗ fuͤhren war das Dreſchen verrichtet, und die Maͤnner, welche es gekehrt hatten, fingen nunmehr an, das Stroh von der Tenne herunter zu bringen. Es ſchien mir nicht wahrſcheinlich, daß mit ſo leichter Arbeit der Raps rein aus dem Stroh ſollte gekommen ſeyn; eine genaue Unterſuchung uͤberzeugte mich indeß davon, denn ich fand auch faſt kein Koͤrnchen mehr darin. Nachdem das Stroh alles herunter gebracht war, harkte man das Groͤbſte von den Stengeln und Huͤlſen nach der einen Ecke der Tenne. Hier war ein einige Fuß breites Brett, von ungefaͤhr 3 oder 4 Fuß Laͤnge, ſchraͤg aufgeſtellt, ſo daß das obere Ende uͤber das Laken hinausreichte. Ueber dieſes Brett wurde alles Kurze geharkt, und es fand ſich, daß alles uͤber Erwartung rein von der Tenne geſchafft worden war. So wie auf einer Tenne angelegt, gekehrt oder abgeharkt wurde, waren die Pferde auf der andern, und ſo umgekehrt, ſo daß das ganze Werk in be⸗ ſtaͤndiger Bewegung bleiben konnte. Das Kutſchgeſpann fuhr den ausgedroſchenen Raps nach dem Hofe auf die Scheundielen, und ob es gleich nahe beim Hofe war, konnte es kaum allen Raps dahin ſchaffen. Von hier begaben wir uns nach dem Hofe in die Scheune, wo beim Reine⸗ machen des Rapsſaamens gearbeitet wurde. Eine ſehr große und lange Scheune, mit zweien in der Laͤnge und einer in der Mitte befindlichen Diele, war ganz mit Raps belegt. Zehn Tageloͤhner waren allein beim Ueberwerfen beſchaͤftigt; mehrere Frauen ließen ihn vorher uͤber eine Rapsfege jaufen, um ihn von den ſchweren Huͤlſen zu reinigen, und indem eine Menge Menſchen beſchaͤftigt war, den in vielen Haufen liegenden reinen Raps nach dem Boden zu bringen, tru⸗ gen andere den ankommenden Raps vom Wagen, und ſchuͤtteten ihn in lange, nicht allzu hohe Haufen. Winterrapps und Ruͤbſen. 165 In dieſen Haufen bleibt er ungefaͤhr 24 Stunden ungeruͤhrt liegen, waͤh⸗ rend welcher Zeit er etwas warm wird, und dieſe Waͤrme dient dazu, dem Raps ein recht ſchwarzes und ſchoͤnes Anſehen zu verſchaffen. Am ſtaͤrkſten wurde ich uͤberraſcht, wie ich im Magazin eine ſo große Menge Raps liegen ſah. Es befand ſich daſelbſt noch beinahe der ganze Vorrath vom vorigen Jahr, und da jaͤhrlich uͤber 1500 Tonnen gewonnen werden, ſo konnte der Vorrath ſich wohl auf 3000 Tonnen belaufen.“ So weit aus meinem Tagebuche. Die Art dieſes Verfahrens bei der Raps⸗ ernte wird gewiß ein jeder loben. Die Arbeit geht mit einer weit groͤßeren Schnelligkeit von ſtatten, und der Werth, den eine ſolche Befoͤrderung kurz vor der Getreideernte hat, iſt von großer Bedeutung. Aber auch wieder auf der an⸗ deren Seite betrachtet, ſo geſchieht alles unter freiem Himmel, und anhaltend gutes Wetter iſt das nothwendigſte Erforderniß. Faͤllt nun ſtatt deſſen in dieſer Zeit ein Regenwetter ein, ſo moͤchte es doch wohl rathſam ſeyhn, an einzelnen guten Tagen ſo viel wie moͤglich ins Zimmer zubringen. Immer iſt es daher beſſer, wenn dem Gutachten des Wirths die Wahl uͤberlaſſen bleibt; er wird zettig genug ſolche Maaßregeln treffen, wodurch er im Stande iſt, bei guter und ſchlechter Witterung diejenige Methode zu waͤhlen, die er ſeinem Vortheil ge⸗ mäß und den Umſtaͤnden am paſſendſten findet.“ Schwerz ſchlägt Bd. IMI. S. 178. als eine neue von ihm nur geahnete, noch nicht ausgefuͤhrte Methode vor, den Rapps gleich nach dem Schneiden in Feimen zuſammen zu bringen, und ihn in ſelbigen nachreifen zu laſſen. Dieſe Methode iſt aber keinesweges neu oder noch problematiſch, ſondern von dem alten Reichard(der die Feimen noch mit Brettern belegt und mit Steinen beſchwert wiſſen will, um den Rapps um ſo mehr in Hitze zu ſetzen, was aber doch unnoͤ⸗ thig iſt) beſchrieben und wird in vielen weſtphäliſchen Wirthſchaften angewandt. Die Koͤrner leiden nicht dabei, reifen vielmehr ohne Ausfall ſehr gut nach. Nur das Stroh wird verdorben, wenn die Feime ſich erhitzt. Es werden zuerſt§ oder 6 gebundene Garben aufrecht aneinander geſetzt, und unter ſelbige vielleicht ein Bund Stroh gelegt. Dann bringt man die Gelege heran, „und legt ſie, die Schoten nach innen, die Sturzenden nach außen, ordentlich an. Man bedeckt die vollendeten Haufen nachher mit Stroh, mehr der Vögel ats der Raͤſſe wegen, und laͤßt ſie bis zum Abdreſchen, was dann gewoͤhnlich auf dem * Felde bei trockner Wieterung geſchiehet, ſtehen. — Ertrag. Das Stroh. Ausſaugung des Bodens. 166 DOelgewaͤchſe. F. 204. Völlig ſichere Fruͤchte ſind Rapps und Ruͤbſen nicht; erſterer, fruͤß geſüet, jedoch mehr wie letzterer. Gegen die Auswinterung ſichert, meinen Verſuchen nach, die Drillmethode voͤllig, und nur die Gefahr von den Inſekten bleibt. Der Ertrag beim gewoͤhnlichen Anbau ſchwankt zwiſchen§ und 12 Scheffel vom Morgen; auf kraͤſtigem Boden iſt er vom Rapſe ſtaͤrker wie vom Ruͤbſen. Bei der Drillmethode hat es Schwerz uͤber 14 Scheffel gebracht, und auch mei⸗ nen Verſuchen nach kann dieſes nichts ungewoͤhnliches ſeyn; nur in jedem Jahre darf man nicht darauf rechnen. Der Preis dieſer Saat iſt ſchwankend. Er iſt ſchon uͤber 6 rthlr. per Schfl. geſtiegen, und meines Wiſſens nie unter 2 rthlr. gefallen; 4 rthlr. kann man als den gewoͤhnlichen annehmen. Selbſt bei ge⸗ ſperrter Seehandlung iſt ſeine Konſumtion zum Hel im Einlande ſtark genug, weil es dann auch am Fiſchthran fehlt, um ihn in dieſem Preiſe zu erhalten. Rur bei einer ſehr ſtarken Ausbeute des Wallfiſch- und Heringsfanges pflegt ſein Preis betraͤchtlich herabzuſinken. Der Rapps ſteht immer in hoͤherem Preiſe wie der Ruͤbſen, indem er 10 Prozent am Oele mehr giebt. Wer dieſen Bau im Großen treibt, geht indeſſen am ſicherſten, wenn er ſelbſt eine Helmuͤhle anlegt, weil er dadurch nicht nur unabhaͤngig von den Kauf⸗ leuten und Helſchlägern wird, ſondern auch die zur Viehfuͤtterung ſo nutzbaren Helkuchen behaͤlt, die ſonſt mehrentheils von den Helſchlaͤgern zuruͤck behalten werden. Eine eigene Helpreſſe rentirt bei einem einigermaaßen erheblichen An⸗ bau ſehr hoch. 8, 205 Das Stroh dieſer Gewaͤchſe iſt freilich von keinem ſehr großen Belange; indeſſen verdient es, wenn es gut eingekommen iſt, nicht ſo verächtlich behandelt zu werden, wie es gewoͤhnlich geſchieht, da man ſich deſſelben nur durch das Ver⸗ brennen zu entledigen ſucht, und die Aſche dann freilich nutzlich ausſtreuet. Die Schaafe freſſen die Huͤlſen und Spitzen der Aeſte ſehr gern, und das uͤbrige thut im Miſte recht gute Dienſte. 5. 206. Daß dieſe Gewaͤchſe die Dungkraft des Bodens ſehr konſumiren, und auf keinen Fall der Wirthſchaft die Duͤngerkonſumtion wieder erſetzen, hat wohl kei⸗ Winterrapps und Ruͤbſen.— 15 nen Zweifel, und wird von allen unbefangenen großen Anbauern beſtimmt einge⸗ ſtanden, was auch andre zu einſeitige Vertheidiger dieſes Baues dagegen ſagen moͤgen. Sogar wenn man die Helkuchen, wie es häufig in England und in Belgien geſchieht, dem Acker unmittelbar— wozu ſich nicht leicht ein deut⸗ ſcher Landwirth entſchließen wird— als Duͤnger zuruͤck gabe, wuͤrde die ausge⸗ ſogene Kraft nicht erſetzt werden. Ein uͤbertriebener Bau hat Wirthſchaften, wel⸗ che kein fremdes Suͤrrogat ihres Duͤngers herbeiſchaffen konnten, und in ſich ſelbſt keinen Ueberfluß hatten, ſehr auffallend heruntergeſetzt, und ſie ſind genoͤthigt wor⸗ den, damit nachzulaſſen. Wenn man das Gegentheil behauptet, ſo beruft man ſich auf die vorzugliche Winterung, welche danach in der Regel gebauet wird. Zu dieſer Saat iſt aber mehrentheils doppelt ſo ſtark geduͤngt worden, man hat die Vorbrache aufs ſorgfaͤltigſte behandelt, und nach der Aberntung iſt abermals fleißig geackert worden. Als eine nuͤtzliche Zwiſchenfrucht, welche den Boden locker erhalt, und durch ihre Beſchattung bebruͤtet, ſind dieſe Gewaͤchſe allerdings zu betrachten. Kein Wunder alſo, daß die folgende Frucht immer gut geraͤth, da noch Nahrungstheile genug fuͤr ſelbige zuruͤckgeblieben und gehoͤrig aufgeſchloſ⸗ ſen ſind. Aber nach derſelben iſt eine neue Duͤngung faſt unumgaͤnglich noͤthig, wenn nicht ein Ruͤckſchlag der folgenden Fruͤchte erfolgen ſoll; es ſey denn ein von Natur uͤberreicher Boden. Es muß alſo bei dem ſtaͤrkern Anbau dieſes Ge⸗ waͤchſes, das allerdings in Betrach gezogen werden, was oben uͤber den Handels⸗ gewaͤchsbau geſagt worden iſt. §. 207. Der Rapps kann aber auch als Futterkraut ſehr nuͤtzlich gebraucht werden, Raps, als und in dieſer Qualität die Kraſt der Wirthſchaſt und des Ackers verſtaͤrken. Aber auch hierzu wird ein in Kraft befindlicher Boden erfordert, ſonſt gelangt er zu keiner betraͤchtlichen Hohe. Man kann ihn dann vom Mai an ſaäen, und je nachdem man ihn fruͤh geſaͤet hat, und die Witterung ihn beguͤnſtigt, zwei, drei bis vier einträgliche Schnitte in dem Ausſaatsjahre davon nehmen. Im folgenden Jahre wird er fruͤh heranwachſen, und das erſte gruͤne Futterungsmit⸗ tel abgeben Wenn man will, kann man ihn jedoch auch zum Saamen nun noch ſtehen loſſen, wo er dann noch einen vollen Ertrag geben kann. Sollte 168 Helgewachſe. der Rapps wegen Mangel an Kraft im Boden, in dem Ausſaatsjahre nicht ſo ze in Blaͤtter treten, daß man reichliche Einſchnitte von ihm nehmen koͤnnte, ſo kann man ihn doch als eine ſehr reichhaltige Weide benutzen, die alles Vieh mit Be⸗ gierde abfrißt, und wonach er ſchnell wieder austreibt. In England wird der Raps beinahe häuſiger als Weidekraut wie zum Saamen ausgeſaet, und man ſchaͤtzt dann dieſe Benutzung des Ackers einer kräſtigen Duͤngung gleich. Man findet Acker, die uͤberall nicht geduͤngt, aber ums vierte oder fuͤnfte Jahr ſo be⸗ handelt werden. Unter dem Rapps— man laſſe ihn reifen, oder gruͤnmaͤhen und abweiden— kommt der Klee vortrefflich auf, und er iſt durch gruͤne Benutzung zur Anlage eines mehrjährigen Futterſeldes vorzuglich geſchickt, wobei die geringen Koſten ſeiner Ausſaat auch in Betracht kommen. Ruͤbſen paßt ſich zum Gruͤnfurter nicht ſo gut, und Sommerruͤbſen, der ſchnell in die Hoͤhe ſchießt, iſt durchaus nicht dazu geeignet, obgleich ihn manche aus Mißverſtändniß gerade dazu gewaͤhlt, dann aber nur einen unbedeutenden Ertrag in einem Schnitte erhalten haben. F. 209. Rotabaga Man hat ſtatt des Rapſes mehrere mit ihm nahe verwandte Pflanzen ge⸗ . Rap⸗ hauet, und insbeſondere hat ſich der Rotabagaſaamen neuerlich als ein den Raps in der Guͤte und Einträglichkeit des Saamens noch uͤbertreffendes Ge⸗ waͤchs beruͤhmt gemacht. Dies iſt beſonders in Frankreich und von Schwerz ge⸗ ſchehen. Der Saame, welcher hierzu gebraucht worden, ſtammt ohne allen Zwei⸗ ſel von dem unter dieſem Namen bekannten Wurzelgewächſe ber. Es hat aber ſeine Natur durch den mehrmaligen dichten Stand auf dem Acker, wo es keine erhebliche Ruͤben anſetzen konnte, ſo veraͤndert, daß nun auch derſelbe Saamen, wenn die Pflanzen einzeln ſtehen, dennoch keine erhebliche Ruͤben mehr giebt. Daß dieſes Gewaͤchs einen erſtaunlich ſtarken Saamenertrag gebe, und daß die⸗ ſer Saamen ſehr ölhaltig ſey, habe ich längſt beobachtet. Nach den großen Vor⸗ theilen, die aber Schwerz und Clemens davon erfahren haben, und den Vorzuͤ⸗ gen, die ſie ihm in mehrerer Hinſicht vor dem Raps beimeſſen, werde ich mich deſſelben mit großer Zuverſicht naͤchſtens bedienen Der Sommerrapps oder Sommerruͤbſen. 169 Der Sommerrapps oder Sommerruͤbſen. 5. 209. Dieſe Namen naͤmlich ſind gleichbedeutend und dieſe Pflanze iſt ſpezifiſch vom Rapps und Ruͤbſen verſchieden, alſo nicht wie bei manchem Sommer und Wintergetreide, eine bloße durch die Kultur bewirkte Spielart. Es iſt die Bras- sica campestris der Botaniker, die auch hin und wieder wild waͤchſt. Sie iſt die einzige Pflanze dieſes Geſchlechts, welche es in der Art hat, ſehr ſchnell in die Hoͤhe und Blüten zu treiben, und darin dem Senfe und dem Ackerrettig gleichkommt. Sie iſt alſo ein Sommergewaͤchs, und kann von dem Zeitpunkte an, wo man fuͤr Nachtfroͤſte ſicher iſt, bis zu Ende des Junius geſaͤet werden, und kommt auch in letzterem Falle vollig zur Reife. 5. 215. Sie will einen kraͤftigen humusreichen und nicht zu duͤrren Boden haben, und eine reine und klare Beackerung. In der Regel bringt man ſie bei der Dreifelderwirthſchaft in das Brachfeld, und bauet dann nach der Aberntung, Win⸗ terung. Dies Gewächs ziehet zwar weniger Dungkraſt aus dem Boden wie der Winterrapps, jedoch im Verhaͤltniß der kurzen Zeit, in welcher er ſeine Vegeta⸗ tion vollendet, merklich viele, und giebt in der Regel einen bei weitem geringe⸗ ren Ertrag, als die Winter⸗Oelſaaten. 5. 211. Man muß nach geſchehener Vorbereitung des Ackers eine guͤnſtige feuchte Witterung zur Ausſaat wahrnehmen, damit der Saame ſchnell keime, und dem Unkraute ſowohl, wie dem Erdfloh zuvorkomme. Von einer gluͤcklichen Benutzung der Witterung haͤngt das Gedeihen vorzuͤglich ab. Dann kommt es darauf an, ob er in der Bluͤtezeit den kleinen Kaͤfern und ihren Maden, auch einer gewiſſen ſchwarzen Raupenart entgehe. Der ſpät geſäete Sommerraps reift um Michae⸗ lis— der fruͤher geſaete um ſo viel fruͤher— und es iſt in den meiſten Stuk⸗ ken daſſelbe wie bei dem Winterraps dabei zu beobachten; doch wird er wohl. ſelten auf dem Felde abgedroſchen. Vierter Theil. B 170 Oelgewaͤchſe. Sobald man bemerkt, daß er nicht gerathen werde, wird ein vorſichtiger Landwirth ſich ſogleich zum Unterpfluͤgen entſchließen, weil ſonſt der Acker durch das uͤberhand nehmende Unkraut verwildert.— Auf einen Ertrag von mehr als 5 Scheffeln darf man nicht wohl rechnen. Nur in abgelaſſenen Teichen hat er zuweilen einen hohen, dem Winterraps gleich kommenden Ertrag gegeben, und er iſt wegen ſeiner ſchnellen Vegrtation eine ſehr zweckmäßige Frucht fuͤr ſolche Fäalle. Der Saamen iſt auch von geringerem Werthe, weil er weniger Oel giebt. Er muß ſchon zur Vollkommenheit gelangt ſeyn, um aus dem Scheffel 18 bis 20 Pfd Oel zu geben. Dennoch ziehen manche den Anbau dieſes Gewächſes der Winter Oelſaat vor, weil es den Acker nur einen Sommer einnimmt. Eine ſonderbare Methode, die ſich im Paderbornſchen nicht ſelten finden ſoll, iſt die: Sommerrubſen und Winterrubſen untereinander zu ſäen, da man dann erſleren im erſten, den andren im zweiten Jahre erntet. Der Senf 5 1½ iſt neuerlich ſtatt des Sommerruͤbſens, auch um des Hels willen, anzubauen, ſehr empfohlen worden. Man hat zwei Arten, die nach der Farbe unterſchieden werden, aber ſich auch durch andere charakteriſtiſche Merkmale von einander auszeichnen. Der weiße Senf hat rauhe Schooten, an welchen ein langer Schnabel ſitzt. Die Farbe des Saamens iſt gelblich, faͤllt aber auch ins bräunliche. Was man engliſchen Senf nennt, iſt hoͤchſtens eine durch Kultur entſtandene Abart. Der ſchwarze hat eine glatte Schoote, die dicht an den Stengel getrie iſt. Dieſen bauet man bei uns mehr um des Moſtrichs willen, weil er dazu ge⸗ braͤuchlicher iſt; obgleich der weiße auch in dieſer Hinſicht den Vorzug verdient. Seine Schooten ſpringen leichter auf als die des weißen Beide geben ein zum Brennen, und wenn es ſorgfaͤltig gereinigt wird, auch zur Speiſe ſehr brauchbares Hel; vom Centner etwa 36 bis 38 Pfd. Senf. Chineſiſche Oelrettig. 171 Die reizende Schaͤrfe dieſer Saamen hat nicht im Oel, ſondern in der Huͤlſe ihren Sitz, und der ſcharfe engliſche Senf ſoll daraus verfertigt werden, nachdem man das Oel ausgepreßt hat. Der Senf nimmt, der Verſicherung nach, mit ſchlechterem Boden als der Sommerraps vorlieb, und iſt gegen Froſt minder empfindlich. Er kann daher fruher geſaͤet werden, und das muß geſchehen, weil er dem Erdfloh beſonders aus⸗ geſetzt iſt; den Kaͤfern und ihren Maden aber weniger. Er bluͤhet ſehr lange, giebt den Bienen eine vorzugliche Nahrung, und ſetzt nach und nach ſeine Schoo⸗ ten an. Man muß die Reifung der erſten, beſonders beim ſchwarzen Senf, ge⸗ nau wahrnehmen, um ihn zu ſchneiden. §. 2i3. Sein Ertrag iſt im Durchſchuitt weit ſtärker wie der des Sommerruͤbſens. Hat man Gelegenheit ihn an Moſtrichbereiter zu verkaufen, ſo erhaͤlt man ihn am theuerſten bezahlt. Aber auch zum Helſchlagen iſt er, ſeiner Ergiebigkeit we⸗ gen, vortheilhafter wie der Sommerruͤbſen, und verdiente daher vor dieſem in jeder Ruͤckſicht den Vorzug, außer vielleicht darin nicht, daß er fruͤher geſäet wer⸗ den, und man folglich mit der Vorbereitung des Ackers mehr eilen muß. Die zuruckbleibenden Helkuchen ſollen dem Vieh als eine reizende und gelind abfuͤhrende Arzenei höchſt wohlchätig ſeyn, wenn ſie zerſtoßen auf das Futter ge⸗ ſtreuet werden. Der chineſiſche Oelrettig, Raphanus chinensis oleiferus, F 21 ½ eine Abart des gemeinen Rettigs, iſt wegen ſeines leichten Anbaues, ſeiner Ein⸗ träglichkeit an Saamen und deſſen Oelhaltigkeit ſehr dringend empfohlen, aber nir⸗ gends nachhaltig aufgenommen worden. Er waͤchſt ſehr in die Höhe, und verbreitet ſich mit ſeinen ausgeſpreizten Zwei⸗ gen, erfordert deshalb Unterſtützung. Man kann ihn faſt nur auf ſchmalen abge⸗ theiten Beeten, die man mit Stangen umgiebt, aufrecht und in Ordnung erhal⸗ ten. Seine Schooten ſind der Made des Ruͤſſelkäfers ſehr ausgeſett. Sie rei⸗ fen ungleich, indem die Pflanze immer fortbluͤhet, und manchmal wird vor Win⸗ Abayten. 172 Oelgewaͤchſe. ter ſehr wenig davon reif. Wenn er, wie einige mit Erfolg verſucht haben, im Herbſte ausgeſaͤet werden kann, und den Winter aushalt, ſo wird man wahr⸗ ſcheinlich ſicherer damit gehen. Aber zum Anbau auf ganzen Feldern ſcheint er ſich doch nicht zu ſchicken. Sein Ertrag iſt ſcheinbar außerordentlich ſtark, und wenn man die einzelnen Pflanzen in Betracht zieht, ſtärker, wie von irgend einem andern Helgewaͤchſe. Er kann vielleicht das zehntauſendſte Korn geben, und iſt deshalb eine herrliche Pflanze fuͤr die, welche nach der Saatvermehrung rechnen. Aber die einzelne Pflanze breitet ſich ſo aus, daß es dennoch zu bezweifeln iſt, ob er von einer gewiſſen Flaͤche ſo viel Saamen wie andre Helgewaͤchſe gebe. Der Saamen liefert reich⸗ liches und rein ſchmeckendes Oel, wie man verſichert Funfzig vom Hundert. Der Leindotter(Myagrum sativum). Dieſe Pflanze waͤchſt auch wild, und iſt unter dem Flachſe zuweilen ein laͤſti⸗ ges Unkraut. Er hat einen 1 bis 2 Fuß hohen, eckigen, haarigen, aͤſtigen Sten⸗ gel, lanzettfoͤrmig ſitzende Blätter. Die gelben Bluͤten ſtehen in langen Trauben an der Spitze der Stengel. Die Schooten ſind aufgeblaſen, eiformig, platt, an dem obern Theile mit einer Spitze verſehen. Er nimmt mit einem ſandigen Boden vorlieb, wenn dieſer in guter Dung⸗ kraft ſtehet, und wird deshalb auf ſolchem angebauet. Er ſaugt aber dieſen Boden ſehr aus. Man ſaͤet ihn im April; zu Ende des Juli oder Anfangs Auguſt geſchiebet die Ernte. Er iſt weniger wie andre Helgewaͤchſe den Inſekten ausgeſetzt, und mißraͤth uͤberhaupt nicht leiche voͤllig. Sein Ertrag iſt aber ſelten uͤber„ Schfl. vom Morgen, und 1 Schfl. ſoll 20 bis 24 Pfd. Oel geben, welches von einem etwas bitterlichen Geſchmacke iſt, und in der Kaͤlte nicht gerinnt. Der Mohn(Papaver somniferum). §. 216. Man bauet mehrere Abarten dieſer Pflanze, welche ſich durch die Farbe der Bluͤte, des Saamens und der Konſtruktion der Kapſeln umterſcheiden. Der Mohn. 173 Die Farbe der Bluͤte iſt gleichgultig. Der Saamen iſt von ſchwarzer und weißer Farbe; einige halten den ſchwarzen, andere hingegen den weißen fuͤr einträg⸗ licher. Der weiße ſoll indeſſen annehmlicher im Geſchmacke des Saamens ſelbſt, und auch des daraus bereiteten Oeles ſeyn. Man hält den für den beſten, deſſen Köpfe, wenn ſie reifen, eine bläulichte Farbe bekommen. Wichtiger iſt die Konſtruktion der Kapſeln, indem es eine Art giebt, deren Deckel ſich, wenn er reif iſt, von ſelbſt abloͤſt, ſo daß der Saamen dann ausge⸗ ſchuttet werden kann; eine andre, wo er ſißen bleibt und der Kopf geoffnet werden muß. Die erſtere paßt ſich ſehr gut zum Anbau im kleinen, wo man die einzeln reifenden Köpfe ſorgſaltig abſchneidet und ſie in Säcken ſammelt, aber durchaus nicht zum Anbau im Großen, wo man das ganze Mohnfeld auf einmal ab⸗ ernten will. 5, Der Mohn erfordert einen reichen, humoſen und ſorgfaͤltig bearbeiteten Bo⸗ Boden. den. Bei dem Feldbau waͤhlt man daher das vorzuͤglichſte, in Dung erhaltene, reinſte und gegen Winde etwas geſchutzte Land dazu aus. Es uuß ſchon im Jahre zuvor zubereitet und gedungt ſeyn, weil der Mohn bei fruher Ausſaat am ſicherſten geräth⸗ 6. 218. Man ſäet ihn gern ſchon in Maͤrz, auch ſelbſt auf dem Schnee, wenn die⸗ Ausſaat. ſer das Land eben und gleichmäͤßig bedeckt hat, welche Ausſaat beſonders gut ge⸗ deihen ſoll. Er wird nur ſehr duͤnne ausgeſaͤet, und erfordert daher einen Saͤemann, wel⸗ cher die Behandlung eines ſo feinen Saamens gaͤrtnermaͤßig erlernt hat. Ein Pfund iſt ſchon uͤberfluͤſſig auf einem Morgen; wenn man jedoch die Pflanzen nachher verduͤnnt, ſo kann es nicht ſchaden, wenn er dichter läuft. 5. 225 Dieſes Verduͤnnen beim Jäten oder Behacken bleibt immer unumgaͤnglich Vegetation. nothig, wenn man vollkommenen Mohn haben will. Die Pflanzen duͤrfen nicht dichter als auf 6 Zoll aneinander ſtehen bleiben. Ja, wenn man einen recht kraͤf⸗ tigen und gegen den Wind geſchützten Boden hat, fo erhaͤt man ohne Zweifel den hoͤchſten Ertrag, wenn ſie auf 1 Fuß Entfernung geſetzt worden ſind⸗ Sobald 174 Oelgewaͤchſe. der Mohn zu dichte ſieht, bekommt er nur kleine winzige Koͤpfe, die ſehr wenig und auch in der Qualität ſchlechten Saamen enthalten. Durch das Behacken mit dem Karſt wird dieſes weit beſſer, als durch das Ausziehen der Pflanzen und des Unkrauts bewirkt, wenn man anders Arbeiter hat, die hierin einigerma⸗ ßen geuͤbt ſind. Denn es wird die Erde zugkeich gelockert und etwas an die aus⸗ geſonderten Pflanzen herangezogen. Das Behacken oder Jaͤten muß auch zum zweitenmale wiederholt werden, wenn es zum erſtenmale nicht wirkſam genug geſchehen iſt, oder ſich neues Unkraut wieder einfindet. Man ſaͤet den Mohn ſehr haͤufig unter Moͤhren, und da dieſe, nachdem der Mohn aufgezogen worden, noch zwei Monate zum Wachſen haben, ſo iſt es aller⸗ dings, um das Feld moͤglichſt hoch zu benutzen, ganz vortheilhaft. Aber auf die Ernte. volle Wirkung jenes Behackens, und des regulairen Ausſetens des Mohns und der Moͤhren ſelbſt muß man alsdann Verzicht leiſten, welches doch zu dem hoͤch⸗ ſten Ertrage leider ſo noͤthig iſt. F. 220. Die Zeit der Reifung im Auguſt muß wohl wahrgenommen werden, und da ſie gerade in der geſchäſtsvollen Erntezeit einfällt, fo macht dies den Anbau des Mohns in großen Wirthſchaften ſchwierig. Wenn er indeſſen nur gleichzeitig reiſt, was man durch eine fruͤhere Saat und gehoͤrige Ausſetzung mehrencheils erreicht, ſo iſt die Arbeit an ſich nicht groß. Er darf nicht uͤber die Reiſe ſtehen, weil lhm Kraähen, Sperlinge und Mäuſe— welche letztere, um zu den Koͤpfen zu gelan⸗ gen, ihn unten abfreſſen und niederwerfen— vorzuͤglich nachgehen, und er darf auch nicht unreif abgebracht werden, weil ſonſt der Saamen einen widrigen und bittern Geſchmack bekommt, und ſich das Oel nicht vollſtändig darin ausbildet. Er wird ſodann über der Erde abgeſchnitten, oder auf lockerem Boden noch leichter aufgezogen, mit Strohbändern oberwaͤrts in kleine Bunde gebunden, und bald eingefahren. Man hauet die Sturzenden ſo lang wie es angeht ab, und ſetzt die Bunde an einem luftigen Orte unter Dach, um ſie völlig abtrocknen zu laſſen. 6 5. 221, Die Mohnköpfe werden alsdann gewoͤhnlich Stuͤck vor Stuck geoffnet, und ausgeſchuttet, welches aber, wenn man nicht unvermoͤgende alte Leute und Kinder Der Mohn. 17 dazu etwa brauchen kann, in andern um dieſe Zeit einfallenden Geſchäften nach⸗ theilig ſtoͤrt. Bei dem Anbau im Großen driſcht man ihn daher haͤufiger aus, oder ſchneidet ihn auf einer Häckſellade, und reinigt ihn dann durch Wnrfeln, Schwingen, und auf einer Stäubemuͤhle. Der rein gemachte Saamen wird dann auf einem dicht gedielten Boden, oder wenn man dieſen nicht hat, auf einem Segeltuche ausgebreitet, anfangs haͤufig ge⸗ ruhrt, und erſt, nachdem er vollig abgetrocknet iſt, in Tonnen aufbewahrt. 22 Der Mohnbau kann, wenn man Abſatz dafuͤr hat, oder ihn zum Helſchla⸗ gen gehörig zu benutzen weiß, eine der einträglichſten Produktionen ſeyn. Man kann vom Morgen bei guter Kultur 9 bis 10 Schfl. gewinnen, und 1 Schfl. giebt 24 Pfd. gutes Oel. Dieſes Oel, beſonders der erſtere Theil deſſelben, welcher faſt kalt geſchlagen wird, und den man beim Schlagen zerſchnittene Aepfel zumiſcht, iſt ohne Zweiſel das reinſte und angenehmſte Speiſeoͤl unter allen. Es ſteht nur dem ſeinſten italieniſchen Olivenoͤle nach, uͤbertrifft aber das ſchlechtere, und der ſpecifiſche Geſchmack des Olivenoͤls kann ihm durch eine kleine Zumiſchung von ſeinem Provenceröle gegeben werden. Häufig aber hat man auch Gelegenheit, den Saamen zu verkauſen, und erhält gern 1 Friedrsd'or fuͤr den Scheffel. Bei die⸗ ſem hohen Ertrage iſt dennoch der Anbau bei manchen Wirthſchaftsverhaͤltniſſen Ertrag. ſo ſchwierig, daß ein groͤßerer Landwirth Bedenken tragen muß, ſich damit im Gro⸗ ßen zu befaſſen. 6. 3. Von andren Helgewaͤchſen, deren oͤlgebender Saamen nur als Nebennutzung zu betrachten iſt, wie Hanf, Lein und Taback, wird in der Folge die Rede ſeyn. Koch anderer, deren Kultur nur gartenmäßig betrieben wird, erwaͤhne ich hier nur, z. B. der Sonnenblume(Helianthus annnus). Ihr Saamen giebt aller⸗ dings ein ſehr gutes Speiſeoͤl, und der Ertrag deſſelben kann anſehniich ſeyn. Die Einerntung und Aufbewahrung der Fruchtboͤden hat aber ſo große Schwierigkeiten, daß man dieſen Anbau dem Landwirthe nicht empfehlen kann, ſondern dem Gärt⸗ ner, welcher dieſe Pflanze hier und da zweckmäßig einſchalten kann, uͤberloſſen muß. Denn ſie geräth immer beſſer, wenn ſie einzeln, als wenn ſie zuſammengedraͤngt auf einem Felde ſteht. Vortheile und Nachtheile deſſelben. 176 Geſpinnſtpflanzen. Auch die Kuͤrbiſſe ſind um des Saamens willen, der wohlſchmeckendes aber weniges Oel giebt, anzubauen empfohlen worden. Ihr Anbau uͤberhaupt wird aber der Gaͤrtnerei uͤberlaſſen. Auch erwähne ich noch des Hederichſaamens, ſowohl des Ackerrettigs als des Ackerſenfs, welche zwar kein Landwirth dazu anbauen wird, ihn aber nur zu haͤu⸗ ſig unter ſeinen Fruͤchten erntet, und den er durch ſorgfaͤltige Abſonderung zum Hele benutzen kann. Die Geſpinnſtpflanzen. F. 224. Ueber den Leinbau und die Behandlung des Flachſes haben wir in allen landwirthſchaftlichen Hand⸗ und Lehrbuͤchern nicht nur, ſondern auch in vielen beſonderen Schriften ſo aus⸗ fuͤhrliche Anweiſungen, die auch im Verhaͤltniſſe mit dem Werthe der Schriftſtel⸗ ler uͤberhaupt gruͤndlich und klar genug ſind, daß es mir uͤberfluͤſſig ſcheint, dieſe Materie nochmals ausfuͤhrlich und in allen ihren Momenten vorzutragen. Ueber⸗ dem iſt auch die Manipulation des Leinbaues und der Fiachsbereitung einem jeden praktiſchen Landwirthe genugſam bekannt, und was die letztere anbetrifft, kann ſie leichter und beſſer bei eigner Anſicht erlernt werden, als es durch woͤrtlichen Vor⸗ trag moͤglich iſt. Nach der Beſtellung gehoͤrt endlich die uͤbrige Bearbeitung fuͤr das weibliche Geſchlecht, und wird daher am beſten auch der weiblichen Aufſicht uͤbertragen, welche in der Regel an dem Gedeihen des Flachſes das hoͤchſte In⸗ tereſſe nimmt. Ich werde mich daher hier nur auf einige Hauptpunkte beſchraͤn⸗ ken, die meiner Anſicht nach theils nicht vollſtaͤndig und klar genug behandelt ſind, theils noch zweifelhaft ſcheinen. §. 22. Ueber die Vortheile und Nachtheile eines ausgedehnteren Leinbaues, ſowohl bei dem groͤßeren wie bei dem kleineren Landwirthe, ſind die Meinungen ſehr ge⸗ theilt. Wenn der eine darin mit Recht einen vorzuͤglichen Erwerbszweig findet, ſo leitet ein andrer nicht mit Unrecht das Herabſinken der Wirthſchaft daher. Daß Der Leinbau. 177 Daß der Lein beſonders die aͤltere Dungkraft aus dem Acker ſehr ausſauge, daß er eine langweilige, beſchwerliche, und in eine mit Geſchaften uberhaͤufte Zeit fallende Arbeit erfordere, uͤber welche ſo leicht etwas fuͤr das Ganze der Wirth⸗ ſchaft Wicheigeres verabſaͤumt wird, kann wohl nicht geleugnet werden. Wo alſo nach dem bisherigen Wirthſchaftsbetriebe mit der Dungkraft und nach Maaßgabe einer ſchwachen ländlichen Bevolkerung, mit der Arbeitsverwendung im Sommer ſparſam verfahren werden muß, da kann eine betraͤchtliche Ausdehnung des Leinbaues unmoͤglich zuträglich ſeyn, wogegen man auf einem in Kraft geſetzten Boden, bei einer ſtarken Duͤngerproduktion und geuugſamen, vorzuͤglich weiblichen Haͤnden damit ius Große gehen kann. Er wird dann vor andrem Handelsgewochsbau vorzuͤglich zweckmaͤßig in ſol⸗ chen Gegenden betrieben, wo Spinnen und Weben ein Haupterwerb des Landvolks im Winter iſt. Hier hat man haufig Gelegenheit, den Lein auf dem Felde ſtehend zu verkaufen, und ſo einen anſehnlichen klaren und baaren Gewinn daraus zu zie⸗ hen, ohne die Sorge fuͤr Einerntung und Bearbeitung darauf verwenden zu duͤr⸗ fen. Nicht unrichtig kann in manchen Fällen die Spekulation ſeyn, auf einem Landgute Spinnſtuben und Weberſtuhle zu errichten, um einer groͤßern Menge von Arbeitern, die man nur im Sommer zum Feldbau gebrauchen kann, im Winter bequemen Verdienſt zu geben, und ſomit ſich eine groͤßere und willigere Volks⸗ menge zu verſchaffen; wobei dann der Leinbau und die Flachsbearbeitung vermehrt werden muß, aber auch vermehrt werden kann. Triet beides nicht ein, ſo ſcheint mir der Anbau mancher andern Handelsgewaͤchspflanzen vor dem des Leins Vor⸗ theile zu haben, und dieſer daher höchſtens nur auf eignen Bedarf beſchraͤnkt wer⸗ den zu muͤſſen. . 6. 226. Der Lein liebt mehr einen lockern mit Sand gemengten, als ſtrengen, thoni⸗Boden. gen Boden. Es muß dieſem aber, was ihm an der Feuchtigkeitshaltung der Erde abgeht, durch die Lage erſetzt werden. Er muß dabei durchaus reich und kräftig von Natur oder durch alten Dungſtand ſeyn; denn dieſer kann ihm durch friſchen Duͤnger ſchwerlich erſetzt werden. Uebermäßig geil darf er jedoch auch nicht ſeyn, weil er hier fruh zu Lager gehen wuͤrde. Vor allem iſt ihm ein muͤr⸗ ber mergelichter Boden zuträglich. Vierter Theil. 3 4 Sein Platz im Feldbau. 178 Geſpinnſtpflanzen. 2 In der Dreifelderwirthſchaft hat man faſt allgemein dem Lein ſeinen Platz in und ſtatt der Brache angewieſen. Dies ſcheint mir der unangemeſſenſte den er haben kann. Es haͤlt ſchwer, beſonders bei dem Fruͤhlein, dem Acker die ange⸗ meſſene Gaare vor der Einſaat zu geben, zumal wenn der Acker durch eine Folge von mehreren Fruchten verwildert und verkrautet iſt. Beſonders aber iſt der Lein anerkannt eine nachtheilige Vorfrucht fuͤr das Wintergetreide, und jeder praktiſche Wirth rechnet ſchon auf einen merklichen Ruͤckſchlag deſſelben. Ich wuͤrde ihn bei dieſem Feldſyſteme immer lieber in das Sommerfeld nehmen, welches leichter die gehoͤrige Gaare annimmt, wenn die vorhergehende Brache gut bearbeitet war. und noch Dungkraft genug hat, falls die Brache reichlich mit Miſt befahren wurde. Dieſer Acker muͤßte gleich nach Abbringung der Winterung flach geſtoppelt oder nur gebaͤlket, und dann im Herbſte tief gepfläͤgt werden. Schiene der Acker einer Nachduͤngung beduͤrftig, ſo würde ich den friſchen Stallmiſt in der Winterzeit auf⸗ fahren und auf den Acker ſtreuen laſſen, nachdem zuvor geegget worden. Dieſer Miſt bliebe bis zu einer trocknen Zeit im Fruͤhjahre liegen, und es wuͤrde als⸗ dann das ſtrohige abgeharkt, oder was im Großen leichter iſt, mit einem pferde⸗ beſpannten Getreiderechen in Kaͤmme zuſammengezogen, und zu andern Behuf abgefahren. Hierdurch wuͤrde der Acker die dem Lein angemeſſene Geile erhalten, ohne durch den Strohmiſt bollig zu werden. Statt deſſen kann allerdings auch ein Hordenſchlag eintreten. Der Acker wird dann ſtark ausgruͤnen, aber vorzug⸗ lich muͤrbe ſeyn, und kann nun mit einer Furche zur Saat vorbereitet werden. Nach dem Lein werden im folgenden Jahren Erbſen ſehr gut gedeihen, und die Winterung nach ſelbigen wird diejenige ubertreffen, die man unmittelbar nach dem Lein baut; wenn man es nicht vorzieht, unter den Lein Klee zu ſäen, der unter keiner Frucht naͤchſt dem Buchweizen beſſer gedeiht, wie unter dem Lein. Aber der Lein geräth auch nach dem Klee vorzuglich, und zwar auf einer Furche, noch beſſer ſogar, wenn dieſer zwei Jahre gelegen hat. Man bricht die Kleeſtoppel im Herbſt oder Fruͤhjahre ſorgfaͤltig und nicht gar zu flach um, egget und walzt ſie. Vor der Leinſaat egget man den Acker ſcharf auf, oder was wirk⸗ ſamer iſt, man uͤberzieht ihn mit dem Eyſtirpator, egget dann den Lein unter, und walzt. Jene Duͤngungsart kann man, wenn man ſie dem Leine nöthig haͤlt, auch 7 — GCoinhatt. 12½ —— hier anwenden, noch wirkſamer aber wird eine ſchwache Kalk- oder Seifenſieder⸗ aſchen⸗Duͤngung, oder eine Ueberſtreuung mit Federvieh beſonders Taubenmiſt ſeyn. Nach Hulſenfruͤchten, beſonders Erbſen, ſoll dagegen, zufolge der Bemerkun⸗ gen der Belgier, der Lein ſchlecht gerathen. Nach behackten und ſtark geduͤngten Fruͤchten wird der Lein ſehr gut, auch bauet man ihn vortheilhaft nach Hanf; aber umgekehrt iſt es das Gegentheil. F§. 228. Ganz beſonders aber paßt ſich der Leinbau auf einem kraͤftigen Neubruch, oder auf Land, was ſehr lange zu Graſe gelegen hat, und ich glaube, daß man dieſes in der erſten Tracht kaum vortheilhafter benutzen koͤnne. Es muß tiefer oder flacher nach der Dicke des Raſens abgeſchalt, und dieſer gut und vollſtändig umgewandt werden, weswegen man an rauhen Stellen mit Forke und Spaten zu Huͤlfe kommen muß. Es kann ſpät im Herbſt, oder im erſten Fruͤhjahr geſche⸗ ben; man walzt oder egget ſogleich, damit das Gras nicht durchſchlage. Zur Saatzeit wird dieſer Acker ſcharf aufgeegget, der Lein geſaͤet, wieder eingeegget und gewalzt. Ich habe nie kräͤftigern, bochſtämmigern und dabei ſich aufrecht erhaltendern Lein geſehen, wie auf ſolchem Neubruch, und dazu kommt der große Vortheil, daß man ihn nicht zu jäten nothig hat. Es ſchlagen hoͤchſtens die Wurzeln einiger zähern wilden Pflanzen wieder aus, die man leicht ausſticht. Unter dem Lein wird der Raſen ſo murbe, daß man ihn nachher, wenn man will, mit einer Furche zur Winterung bereiten kann. Auf einem kräftigen Neubruch habe ich auf die Weiſe ſehr guten Weizen nach dem Lein gebaut, weil der Rocken in dem vor⸗ hergehenden Jahre bei einer gleichen Behandlung eines ähnlichen Neubruchs ſich lagerte. Ich wuͤßte keine andre Frucht, unter welcher man zähen Raſen ſo leicht gaar machte. 3 Wenn ich nicht Neubruch habe, raͤume ich bei meinem Ackerſyſteme dem Lein nur diejenigen Sinken im Winterungsfelde ein, wo ich eine Auswaͤſſerung der Winterung beſorgen muß, oder wo ſie wirklich erfolgt iſt. Sind dieſe Flecke klein, ſo wende ich die Koſten daran, ſie mit dem Spaten umgraben zu laſſen, und gebe ihnen kurz vor der Beſtellung eine ſchwache mit Kalk verſetzte Kompoſtduͤngung, mit welcher der Saamen eingeegget wird, und ſo gewinne ich meinen Flachsbedarf 3 2 180 Geſpinnſipſlanzen.— reichlich, ohne ihm nutbareren Boden zu geben, und erhalte dieſe ſonſt ſo leicht verſaͤurenden und mit Binſen und Seggen ſich uͤberziehenden Plätze in Kultur. Der Lein ertraͤgt es aber durchaus nicht, daß er ſchnell auf daſſelbe Land zu⸗ ruͤckkehre. Man hält wenigſtens eine Zwiſchenzeit von 9 Jahren noöthig, ſelbſt da, wo man ihn am haͤuſigſten und mit dem groͤßten Erfolge bauet, wie in Belgien. Saamen. Man hat es als eine unerlaßliche Bedingung zum guten Leinbau angenom⸗ men, daß man alle drei oder hoͤchſtens alle vier Jahre den Saamen erneuern, und zu dem Ende rigaiſchen Leinſaamen, welcher in Liefland, Kurland und Lit⸗ thauen erzeugt wird, nehmen muͤſſe. Die Erfahrung lehrt es allerdings, daß un⸗ ſer Saamen ſich verſchlechtere, und immer niedrigern, beſonders ſich zu fruͤh in Aeſte theilenden Flachs gebe. Man iſt daher gezwungen, dieſen theuren Saa⸗ 1 men, der die Tonne zu 2 Scheffel 18 bis 22 rehlr. koſtet, von Zeit zu Zeit anzukaufen, wogegen man den ſelbſt gewonnenen den Scheffel mit 3 oder 4 rthlr. bezahlt. Es iſt aber wahrſcheinlich nicht das Klina oder der Boden, welcher den Ruͤckſchlag unſtes Leinſaamens bewirkt, ſondern die wenige Aufmerkſamkeit, . welche wir auf die Saamenerzeugung verwenden. Wir laſſen den Saamen nicht zur Reife kommen, riffeln ihn dann gleich ab, und können dann auf keine Weiſe verhuͤten, daß er ſich etwas brenne, und ſeine gelbliche Farbe in eine braune ver⸗ wandle. In jenen oſtſeeiſchen Gegenden, wo der Saamenverkauf einen beträcht⸗ lichen Erwerbszweig ausmacht, gehet man aber weit vorſichtiger damit um. Man ſäet den zum Saamen beſtimmten Lein weit duͤnner, mehrentheils auf abgebrann⸗ ten Neubruch, laͤßt ihn voͤllig reifen, und opfert die Feinheit des Flachſes der Guͤte des Saamens auf. Dann ſchneidet man die Saamenſtengel eine Spanne lang ab, und windet ſolche mit Baſt ſchraubenförmig um eine Stange, ſtellt dieſe Stangen auf, laͤßt ihn ſo nachreifen und vollig trocknen, und driſcht ihn ſodann erſt ab. So behält der Saamen ſeine gelblichte Farbe, ſeinen Glanz und ſeinen eigenthuͤmlichen friſchen Geruch, und giebt dann kraftvollere Pflanzen. Es hat wohl keinen Zweifel, daß, wenn wir dieſes Verfahren nachahmten, wir eben ſo guten Leinſaamen erziehen, und jenes koſtbaren Ankaufs uberboben ſeyn koͤnn⸗ ten. Auch iſt es der Erfahrung nach rachſam, den Leinſaamen zwei Jahr alt werden zu laſſen; er ſoll nach einigen um deſto beſſer ſeyn, je älter er geworden iſt. Der Leinbau. 181 F. 230. Kan hat zwei Sorten von Lein: den Klang⸗ oder Springlein, der ſo Abarten⸗ genannt wird, weil ſeine reife Saamenkapſel durch die Sonnenhitze mit einem Ge⸗ räuſch aufſpringt. Er giebt feinern, weichern, aber kurzen Flachs. Dann den Droͤſch⸗ oder Schließlein, der ausgedroſchen werden muß. Der letztere wird bier nur gewoͤhnlich gebauet, weil man den erſtern nicht fuͤr vortheilhaft hält. Der Unterſchied von Fruͤhlein, Mittellein und Spätlein haͤngt aber bloß von der Saat⸗ zeit ab, und der Saamen iſt gleicher Art. Der fruͤhe und mietlere pflegt im Durchſchnitt ſicherer zu ſeyn. Indeſſen bauet man nur den ſpaͤten in manchen Ge⸗ genden und Wirthſchaften bloß aus der Urſach, weil ſeine Ernte erſt nach der Ge⸗ treideernte einfallt, und man in dieſer nicht geſtoͤrt ſeyn will. 5. 231 Die ubrige Behandlung des Leins uͤbergehe ich als bekannt, und weil ich Das Roͤtten. nur wiederholen koͤnnte, was ſchon hundertmale geſagt iſt; doch muß ich der Wi⸗ derſpruche uͤber den Vorzug der Thauroͤtte oder der Waſſerroͤtte erwaͤhnen. Die erſtere iſt ſicherer, erfordert aber eine lange Zeit, beſonders wenn ſehr trockne Witterung eintritt. In dem trockenen Nachſommer von 1810 wollte es durchaus nicht damit gehen, und man war doch genoͤthigt, die Waſſerroͤtte zu Huͤlfe zu neh⸗ men, oder den Flachs oft zu begießen. Die Waoſſerroͤtte geht ſchnell, erfordert aber eine große Aufmerkſamkeit und Sorgfalt, wenn der Flachs dabei nicht Scha⸗ den nehmen ſoll. Richt allenthalben hat man das gehoͤrige Waſſer dazu; ſie fullt die Luſt mit einem faulen Geſtanke, und das Waſſer mit fauler Materie an, welche die Fiſche toͤdtet. Man muß dieſe Vorrichtungen doch unter weibliche Direktion geben, welche nicht gern von der angenommenen Gewohnheit abgeht, und man thut daher am beſten, bei derjenigen Methode zu bleiben, welche in der Gegend eingefuͤhrt iſt. Beim Abdreſchen ſondert der Landwirth den Saamen ab in den beſten, welcher zur Einſaat aufbewahrt wird, in den mittleren, welchen man zum Hel⸗ ſchlagen gebraucht, und in den ſchlechten, der am vortheilhaſteſten zur Viehfüt⸗ terung benutzt wird. 182 Geſpinſtpflanzen. §6 23 Ausdaurender Der perennirende Lein, Linum perenne, eine ſpezifiſch verſchiedene Pflan⸗ zenart, iſt von einigen ſehr empfohlen worden, und ſcheint große Vorzuͤge zu haben, die darin beſtehen, daß er mehrere Jahre ausdauert— ich habe ihn 6 Jahre in voller Kraft erhalten— und viel hoͤhere und ſtaͤrkere Stengel hat. Allein der Baſt iſt ſchwer zu trennen und er giebt nur einen groben und brau⸗ nen Flachs, weswegen er nirgends fortdauernd Beifall gefunden hat. Der Hanf, Cannabis sativa, §. 233. gehoͤrt zu den Pflanzen, bei welchen das männliche und weibliche Geſchlecht getrennt iſt. Die maͤnnliche Pflanze wird Fimmel, Baͤſtling, Haͤnfinn(eigent⸗ lich wohl Hänfling) auch Hanfhahn genennt; die weibliche ſchlechthin Hanf, auch Hanfhenne. Eine vorzuͤgliche Abart des Hanfes iſt der elſaſſer oder ſtraßburger Hanf, der einen Stengel von 8 Fuß treibt. Er iſt wahrſcheinlich nur durch Kultur zu dieſer Hoͤhe gebracht, indem man die Pflanzen, wovon man den Saamen nehmen will, ſorgfaͤltig behandelt und geräumig erzieht. Er iſt aber bei die⸗ ſer Hoͤhe den Beſchaͤdigungen von Sturmwinden ſehr unterworfen, und es iſt alſo noch nicht entſchieden, ob er fuͤr das Klima des nordoͤſtlichen Deutſch⸗ lands vortheilhaft ſeyn werde. 5 23. Boden. Der Hanf verlangt noch mehr wie der Lein einen kraͤftigen, humusrei⸗ chen Boden, der eine feuchte Lage hat, und dabei locker iſt. Abgewäſſerte, jedoch nicht torfige Bruͤcher, abgelaſſene moddrige Teiche paſſen ſich vorzuͤglich zu ſeinem Anbau, und er giebt hier mehrentheils einen ſehr hohen Ertrag. Nur auf lockerem Niederungsboden pflegt er in den ganzen Ackerumlauf zu kommen. Auf Hoͤheboden iſt er wenigſtens ohne ſehr großen Duͤngeraufwand nicht von erheblichen Ertrage, es ſey denn, wie geſagt, an einzelnen niedrigen ſchwarzen Stellen; daher iſt ſein Anbau manchen Gegenden ganz fremd. Auf angemeſſenem Boden kann er mehrere Jahre nach einander gebaut werden. Der Hanf. 183 §. 235. Iſt der Boden nicht an ſich locker, ſo muß oft, wenigſtens vier Mal, Beſtellüng. ſchnell hintereinander und tief, dazu gepfluͤgt werden. Auf feuchtem Boden iſt ihm der hitzigere Schaaf- und Pferdemiſt am zuträglichſten. Wenn man ihn aber auf trocknerem Boden bauen wollte, wuͤrde er zergangenen Rindviehmiſt in ſtarker Maſſe verlangen. Er wird von der Mitte Aprils bis Ende Mays auf die friſche Pflug⸗ furche geſäet, zu 1 bis 1 ½ Schfl. auf den Morgen, je nachdem man ihn groͤ⸗ ber und ſtärker oder feiner haben will. Man nimmt gern eine feuchte Wit⸗ terung wahr, und egget ihn dann ein. Vom Hanf hält man den Saamen des vorigen Jahres beſſer, wie aͤltern, und wechſelt nicht damit. F. 236. Er gehet ſchnell auf, waͤchſt aͤußerſt geſchwind in die Hoͤhe, ſo daß er Vegetation bald das Land beſchattet, allem Unkraute zuvorkommt, und des Jaͤtens oder Behackens ſelten bedarf. Hierin beſteht ein großer Vortheil ſeines Anbaues gegen den Leinbau. Nur der ſogenannte Hanftoͤdter, Orobanche major und ramosa, wächſt unter ihn an einigen Orten auf, und iſt im Stande ihn voͤl⸗ lig zu zerſtören. An andern Orten findet er ſich gar nicht. In der Regel aber wird der maͤnnliche Hanf, nachdem er groͤßtentheils abgeſtäubet hat, und ſeine Spitzen gelb zu werden anfangen, ausgezogen, wel⸗ ches man Fimmeln nennt. Gewoͤhnlich tritt der Zeitpunkt dazu Ende July oder Anfangs Auguſts, alſo bei den dringendſten Erntegeſchaͤften ein, welches die Sache beſchwerlich macht, da ſie viele Zeit wegnimmt. Dieſer Hanf giebt aber, jetzt aufgezogen, das feinſte Geſpinnſt, und man unterlaßt es deshalb ungern. Auch bekommen die ſtehend bleibenden weiblichen Pflanzen mehr Raum, um zu erſtarken und mehreren Saamen auszubilden. Die uͤbrige Ernte und die Bereitung des Hanfes kommt der des Flach⸗ ſes ziemlich gleich. Doch hat man mehrere abweichende Methoden, die man in allen Anweiſungen zum Hanfbau, in landwirthſchaftlichen Handbuͤchern und beſondern Schriften daruͤber, neuerlichſt auch in Kählers ſchätzbarem Handbuche fuͤr Landwirthe(Berlin, Realſchulbuchhandlung.) findet. g 184 Geſpinnſtpflanzen. §. 237.. Der Hanfbau im Großen kann dem groͤßern Landwirthe nur empfohlen werden, wenn er beſonders dazu geeignete Grundſtuͤcke beſitzt, dabei arbeitende Haͤnde genug, oder ihn auf dem Felde zu verkaufen Gelegenheit hat. Der Hanf iſt allenthalben ein unentbehrliches Beduͤrfniß zu den Seilen und der Saamen, den er reichlich giebt, iſt ſehr oͤlreich, der Abſatz alſo immer ſicher. In Wirthſchaften, die nur zuweilen paſſenden Boden dazu haben, z. B. abgelaſſene Teiche, iſt es rathſam, ſich in einem ſolchen Jahre einen Vorrath auf mehrere anzubauen. Ich habe mir den reinen Ertrag eines Morgens Hanf, ungeachtet die Koſten hoͤher waren, wie ſie ſeyn ſollten, mehreremale auf 40 bis Ho rthlr. berechnen koͤnnen. Verſchiedene andre zum Anbau vorgeſchlagene Geſpinnſtpflanzen. §. 238. Die ſyriſche Seidenpflanze, Asclepias syriaca, ward als ein vorzugliches Gewaͤchs zur Gewinnung eines Suͤrrogats der Baum⸗ wolle in den neunziger Jahren ungemein angeruͤhmt, und dieſe Subſtanz auch wirklich in verſchiedenen Manufakturen, beſonders zu Liegnitz, gebraucht. Da man aber ſeitdem nichts weiter daruͤber erfahren hat, obwohl die Konjunkturen einem Suͤrrogate der Baumwolle ſeitdem oft beſonders guͤnſtig geweſen ſind, ſo iſt billig zu bezweifeln, daß man den erwarteten Vortheil von dieſer Pflanze erhalten habe. Ihr Anbau iſt ſonſt aͤußerſt leicht, und ſie nimmt mit dem duͤrr⸗ ſten Sandboden bei einigem Duͤnger vorlieb. Die Brennneſſel, Urtica dioica, §. 239. hat man zum Geſpinnſte ſowohl, wie zum Futterkraute anzubauen, neuerlich wieder ſehr dringend empfohlen. Man ſoll ſie theils aus Saamen erziehen, cheils durch Verpflanzung der Stoͤcke, und man ruͤhmt beſonders von ihr, daß ſie auf dem ſchlechteſten Boden, auf ſandigen Anhoͤhen, zwiſchen Steinen, und an Die Brennneſſel. 185 an andern Plaͤtzen, die ſonſt ganz unbrauchbar ſind, fortkomme. Dies iſt mir beſonders auffallend geweſen, da ich die Reſſel nirgends zu einer betraͤchtlichen Hoͤhe aufkommen ſah, als an Stellen, die ſehr reich an Humus waren. Es erklaͤrte ſich mir aber, wie ich nachmals bei einem Lobpreiſer der Reſſel fand, daß man einige Zoll hoch fruchtbare ſchwarze Erde auf die Stelle fahren ſolle, wo man die Neſſel anbauen will. Dem alſo, der ſeine fruchtbare ſchwarze Erde und die dazu erforderliche Arbeit nicht beſſer zu benutzen weiß, mag der Anbau dieſes Gewaͤchſes zum Geſpinnſt und zum Futterkraute zu empfehlen ſeyn. Auch ſind noch manche andre Gewaͤchſe, mehrere Arten der Malven, die binſenartige Pfrieme(Spartium junceum und scoparium), der Bergſchotenweiderich(Epilobium augustifolium), auch die Hopfen⸗ ſtengel u. ſ. w. zur Geſpinnſtbereitung vorgeſchlagen worden, woruͤber ich ver⸗ weiſe auf Herzers vollſtändige Geſchichte der Benutzung vieler bisher noch un⸗ benutzter deutſcher Woll⸗ und Seidengewaͤchſe, Regensburg 1794. Vorerſt werden wir uns wohl mit dem Lein⸗ und Hanfbau begnuͤgen. Die Weberkarde, Kardendiſtel, Dipsacus fullonum, §. 20. finde hier ihren Platz, weil ſie in den Tuchfabriken hoͤchſt nutzbar iſt, und von ihnen ſo geſucht wird, daß ihr Anbau dem Landwirthe unter manchen Lokalitä⸗ ten vortheilhaft ſeyn kann. Dies Gewächs waͤchſt auch in Deutſchland wild, aber das wildwachſende kann nicht zum Kratzen gebraucht werden, indem die Stacheln ſeiner Koͤpfe ge⸗ meiniglich keine hakenformige Spitze haben, welche ſie durch die Kultur annehmen. Man ſäet den Saamen im Fruͤhjahre. Im erſten Jahre ſchießen die Pflan⸗ zen nicht in die Hoͤhe. Sie werden gewoͤhnlich im Julius verſetzt, in einem Abſtande von 1½ bis 2 Fuß. Im folgenden Jahre treiben ſie 4 bis 6 Fuß hohe Stengel. Am Ende der Stengel und Zweige entſpringen die eirunden Blu⸗ menkoͤpfe, welche mit langen Stacheln beſetzt ſind, zwiſchen denen roͤthliche Blu⸗ men hervorkommen. Wenn alle Bluͤten aufgebrochen ſind, ſchneidet man die Koͤpfe ſo ab, daß noch 1 Fuß langer Stengel daran ſitzen bleibe. Sie werden Vierter Theil. Aa Anbau nach der gewöhnli⸗ chen Art. 186 Farbepflanzen. dann auf einem luftigen Boden getrocknet und in Buͤndeln, deren jedes hun⸗ dert enthaͤlt, zuſammengebunden; und ſo kann die Pflanze zwei Jahr benutzt werden. Es iſt bei dieſer Pflanze daſſelbe zu erinnern, was oben uͤber die Handelsgewaͤchſe im Allgemeinen geſagt worden. Die Farbepflanzen. §. 241. Der Krapp, die Faͤrberrothe(Rubia tinctorum). Sie iſt im ſuͤdlichen Europa zu Hauſe, aber kultivirt in unſerm Klima ausdauernd. Die Wurzeln, deren man ſich ſo haͤufig zum Färben bedient, haben die Dicke eines Gaͤnſekiels, und ſind oft 2 bis 3 Fuß lang. Sie beſtehen aus Gelenken oder Abſatzen, an denen ſie ſehr faſrig ſind, haben eine fleiſchigte, außen dunkelrothe, nach innen aber blaßrothe Subſtanz, und treiben oben viele Nebenwurzeln, die ſich wagerecht unter der Erde ſehr ausbreiten, und im Fruͤh⸗ jahr neue Schoͤßlinge hervorbringen. Das Kraut ſtirbt gegen den Winter ab. Die Stengel werden etliche Fuß hoch, tragen ovale Blätter, die ſternfoͤrmig um ſie herumſtehen. Die Bluten ſind gelb, und ſtehen in einem äſtigen Strauße. §. 242. Die Pflanze kann aus Saamen gejogen werden; es geht aber ſchneller durch die im Fruͤhjahr austreibenden Schoßlinge. Wiederholt auf letzte Art an⸗ gezogene Pflanzen ſcheinen die Neigung zu verlieren, Saamen anzuſetzen. Eine Erfriſchung aus Saamenpflanzen halten einige Krappbauer von Zeit zu Zeit fuͤr nuͤtzlich. Der Krapp erfordert einen lockeren, feuchten, im ſtarken Duͤngungsſtande ſich befindenden, und wieder friſch geduͤngten Boden. Es wird dazu gegraben oder gar rajolt, oder oft, und wenigſtens einmal, ſo tief als moͤglich, gepflügt. Die Pflanzen werden in Reihen, etwa zwei Fuß auseinander in Verband eingelegt; zwiſchen drei oder vier Reihen wird aber ein doppelt ſo großer Zwi⸗ Der Krapp. 197 ſchenraum gelaſſen. Dieſe Zwiſchenraͤume werden, nachdem die Pflanzen an⸗ gewachſen ſind, ausgeſchaufelt, und die Erde zwiſchen die Pflanzen geworſen, ſo daß nun das Feld in erhoͤhete Beete und vertiefte Steige gecheilt wird. Die Pflanzung geſchiehet gewoͤhnlich im Mai. Da die Pflanzen im er⸗ ſten Jahre ſchwach bleiben, ſo benutzen manche die Zwiſchenraͤume mit andern Gewaͤchſen. Bei eintretendem Winter bedeckt man das Beet mit Miſt. Dieſer wird aber im Fruͤhjahr wieder abgeharkt und flach in den Steig vergraben. Die Pflanzen treiben nun erſtarkt hervor, und die Beete werden durch Hacken und Jäten ein und locker erhalten. Im dritten Fruͤhjahre werden die Steige wieder ausgeſtochen, und die aus dem Miſte entſtandene fette Erde uͤber das Beet verbreitet; kurz auf eben die Weiſe, wie es bei Spargelbeeten zu ge⸗ ſchehen pflegt. Vor Winter werden dann die Wurzeln aufgenommen. Einige nehmen ſie zwar ſchon im zweiten Jahre auf. Das geht aber nur auf ungemein kräf⸗ tigem Boden an, und die Wurzeln erhalten dann doch nie die Groͤße, und auch nicht die Guͤte, welche die dreijährigen haben, weswegen ſie nicht gern Abnehmer finden. So wird, vielleicht mit einigen Abänderungen, der Anbau des Krapps gewoͤhnlich betrieben. §. 243. Ich habe aber faſt dieſelbe Methode, welche Schwerz, Belgiſche Land⸗ wirthſchaft Bd. II. S. 203., angiebt, ſchon fruͤher mehreren Krappbauern empfohlen, und ſie iſt von ihnen mit dem groͤßten Vortheile ausgefuͤhrt. Wir ſind aber, wie ich nachher geſehen habe, beide nicht die erſten Erfinder davon ſondern der Pfarrer Chriſt hat ſie ſchon in ſeinen Unterricht von der Landwirthſchaft Frankfurt am Main 1781 empfohlen.„Wenn man die Vortheile erwagt, ſagt er S. 464, welche die Tulliſche Bauart hat, ſo wird man ſogleich einſehen, daß ſie ſich zu keinem Gewaͤchs in der Welt beſſer ſchickt, als zum Krappbau.“ Das Abpfluͤgen von den Reihen, ſo wie er es nach Tulliſcher Art beſchreibt, ſcheint mir aber bedenklich. Aa 2 Verbeſſerte Methode. 158 Farbepflanzen. Meine Methode, wenn ich Krapp bauete, wuͤrde folgende ſeyn: Nach⸗ dem der Acker vollkommen rein, klar und tief vorbereitet worden, werden mit dem doppelten Streichbretts⸗Pfluge auf 3 Fuß Entfernung Furchen gezogen, und die Pflanzen auf den entſtandenen ſchmalen Beeten in der Mitte einge⸗ legt. So wie ſie herangewachſen ſind, werden die Furchen mittelſt weiterer Spannung dieſes Pfluges in ſtaͤrkerer Vertiefung weiter ausgearbeitet, und meh⸗ rere Erde an die Pflonzen gebracht, und dies wird noch einmal wiederholet. Vor Winter wird das ganze Feld— wenn es nicht von Ratur ſehr kräftiger Boden iſt— mit ſchon ziemlich zergangenem Miſt, der groͤßtentheils in die Furchen fallen wird, beſtreuet. Im folgenden Fruͤhjahre wird er durch denſel⸗ ben Pflug an und auf dem Beete geſtrichen. Nicht alle Handarbeit wird da⸗ durch erſpart, aber ſie wird ung⸗mein vermindert werden. Ein vorſichtiges Behacken und Bekratzen in den Reihen bleibt nöchig, und bei demſelben wird Erde in die Furchen gezogen; dieſe ſtreicht dann aber der Pflug wieder her⸗ auf. Sind im dritten Jahre die Furchen breit und die Beete erhoͤhet genug, ſo bedient man ſich zur Reinigung der Furchen nur des Schaufelpfluges. Daß dieſe Methode den guten Erfolg habe, den Chriſt davon ahnet, und Schwerz davon ruͤhmt, wird keiner bezweifeln, der dieſe Kulturart bei an⸗ dern Pflanzen kennt. Beſonders wird ſie dann das Ausnehmen der in einer Reihe und Direktion liegenden Wurzeln ſehr erleichtern, und das wird ohne Zweifel, nach Schwerzens Erfahrung, auch mit einem Pfluge ſehr gut geſche⸗ hen koͤnnen. „ §. 244. Behandlung Der Krapp muß dann an einem luftigen, jedoch beſchatteten Orte getrock⸗ nach der Ert. net werden, am beſten auf Horden, wie in einen Ziegelſchoppen. Die weitere Bereitung gehört nicht fuͤr den Landwirth, oder er muß zu⸗ gleich Fabrikant ſeyn. Wer fuͤr den Krapp in dieſem getrockneten Zuſtande keinen ſicheren Abnehmer weiß, darf ihn nicht bauen, wenn er keine Krapp⸗ muͤhle hat. um eine großere Krappanlage zu machen, iſt es noͤthig, ſich die Setzlinge erſt zu erziehen. Sie in der erforderlichen großen Menge von einem andern Orte herbei zu ſchaffen, wuͤrde zu ſchwer fallen⸗ Der Waid. 189 So einträglich der Krappbau ſeyn kann, wenn er einmal gehoͤrig organi⸗ firt iſt, ſo muß das, was uͤber den Handelsgewächsbau uͤberhaupt geſagt wor⸗ den iſt, hierbei vor allen erwogen werden. Er findet faſt nur bei einem Ue⸗ berfluſſe von Duͤnger ſtart. Auch paßt er in keine gewohnliche Feldrota⸗ tion, wegen ſeiner drei⸗ oder mindeſtens zweijährigen Dauer, und er muß ſo eingerichtet werden, daß alljährig ein Feld zur Ernte komme. Der Waid(Isatis tinctoria). F. 248. Der Anbau dieſer Pflanze war vormals in Deutſchlaud, beſonders in Thuͤringen, ſehr betrachtlich, und ward ſchon im 13ten Jahrhundert um Er⸗ Deſſen Anbau uͤberhaupt. furt betrieben. Er machte einen großen Handelszweig aus, und bewirkte den Wohlſtand verſchiedener Provinzen und Städte, die ſich Waid⸗Handelsſtädte nannten. In der Mitte des 16ten Jahrhunderts aber lernte man den aus Oſtindien kommenden Indigo kennen, deſſen Gebrauch ſich im 17ten Jahr⸗ hundert verbreite, und den Waid verdraͤngte. Zwar erkannte man das Uebel, und ſetzte harte Geld- und Leibesſtrafen auf den Gebrauch jener Teufelsfarbe, wie man den Indigo nannte. Allein dieſe Handelspolizei⸗Maaßregeln hatten denſelben Erfolg, wie alle ähnliche: das Uebei aͤrger zu machen. Die Manu⸗ fakturiſten und Färber behaupteten nun, daß ſie ohne Indigo gar nicht beſte⸗ hen könnten, und daß 1 Pfd. Indigo ſo viel wie 3 Ctr. Waid faͤrbe. Man ſetzte den Waid in ſo uͤblen Ruf, daß nun die Färber ihn anzuwenden ſich ſchaͤmten, und lauter Indigo zu brauchen vergaben; obwohl ſie, wie man verſichert, den Waid noch in der Stille anwandten. Der Waidbau wird ſeitdem aber nur noch höchſt einzeln betrieben. Jetzt, wo uns Beduͤrfniß aufs neue zu ihm hinleitet, fängt man wieder an, groͤßere Aufmerkſamkeit darauf zu wenden, und es iſt wahrſcheinlich, daß ſich die Kunſt, aus dieſer Pflanze einen dem indiſchen gleichkommenden Indigo zu bereiten, bewaͤhren und verbreiten werde. Dann kann dieſer Bau unter den bei den Handelsgewächſen angefuͤhrten Bedingungen allerdings wieder vor⸗ theilhaft fuͤr den Landwirth werden. — 290 Farbepflanzen. F. 246. Abarten. Wir haben zwei Abarten des Waids: den in Deutſchland gebraͤuchlichen und einen der in Languedoc erbaut wird. Der letztere ſoll betraͤchtliche Vorzuͤge vor dem erſtern haben, und doch auch in Deutſchland fortkommen. Entdeckung der in Deutſchland noch unbekannten aͤchten, zahmen Waid⸗ pflanze, nebſt Nachricht uͤber den Unterſchied dieſer und der thuͤringſchen(von Otto). Frankfurt 1794. 23. Die Stengel des Waids werden 3 bis 3 ½ Fuß hoch, ſind fingersdick, und in mehrere mit Blättern beſetzte Aeſte getheilt. Die Blätter des Stengels umfaſſen dieſen, ſind pfeilſoͤrmig, ſpitzig, ſchwach eingezackt und blau angelaufen; die Blumen ſind gelb, und bilden an der Spitze der Stengel Rispen. Boden und Er erfordert einen guten, in kraͤftigem Duͤnger ſtehenden, ſorgfaͤltig und Anbau. rein bearbeiteten Acker. Er wird entweder im Fruͤhjahre, oder was beſſer iſt, Ende Auguſts und Anfangs Septembers per Morgen etwa zu 4 bis 5 Metzen ausgeſaͤet. Die Herbſtausſaat leidet wohl zuweilen, aber ſelten, im Winter, giebt aber einen bei weitem ſtaͤrkeren Ertrag, wie die Fruͤhjahrsausſaat. Wenn die Pflanzen im Herbſie ſtark heranwachſen ſollten, ſo maͤhet man ſie ab, und be⸗ dient ſich dieſer Schroͤpfe in der Regel nur zur Viehfuͤtterung. Im Fruͤhjahr muß er durch das Hacken nicht nur vom Unkraute gereinigt, ſondern auch ſo ver⸗ einzelt werden, daß alle Fuß hoͤchſtens nur eine Pflanze ſtehen bleibe. Es wuͤrde die Arbeit ohne Zweifel ſehr erleichtern und Saamen erſparen, wenn man ihn in Reihen ſaͤete, und mit der Pferdeſchaufel bearbeitete. H. 248. Ernte und Wenn die Blaͤtter eine Spanne lang ſind, und die Bluͤten ausbrechen wol⸗ len, ſo ſtoͤßt man den Stengel uͤber der Wurzel ab, und nimmt die groößern Blaͤtter weg. Es treiben nach einigen Wochen neue Blaͤtter, welche man eben⸗ falls ſammlet. Dies wiederholt man ſo lange, als der Wachsthum der Pflan⸗ zen dauert und nimmt von dem Winterwaid zuweilen vier Ernten. Andre begnuͤgen ſich mit drei Ernten, um die Blaͤtter ſo viel groͤßer werden zu laſſen. Auf gutem Boden erntet man im Durchſchnitt 150 Centner friſche Blätter. Der Wau. 191 Die abgenommenen Pflanzentheile werden abgewaſchen und ſchnell an der Sonne getrocknet oder vielmehr nur abgewelkt. Sie kommen ſodann gleich auf die Waidmuͤhle: einen Trog, in welchem ein ſtarkes mit eiſernen oder hoͤlzernen Kuppen verſehenes Rad umlaͤuſt, und die Maſſe zerquetſcht.— Iſt dies ge⸗ ſchehen, ſo bildet man im Freien Haufen daraus, die man bedeckt, um ſie vor dem Regen zu ſchutzen. Nach 8 bis 12 Tagen oͤffnet man die Waidhaufen, zer⸗ reibt die Maſſe und miſcht das Innere mit der aͤußern enſtandenen Rinde durch⸗ einander. Darauf macht man xunde Ballen daraus, und trocknet dieſe gewoͤhn⸗ lich auf Horden, die dem Winde aber nicht der Sonne ausgeſetzt ſind, und dieſe werden dann verkauſt. Dies iſt das gewoͤhnliche Verfahren; es hat aber keinen Zweiſel, daß es ein beſſeres gebe. Das Abſchreckende beim Anbau dieſer Pflanze fuͤr den Landwirth, wird im⸗ mer das ſeyn, daß er die Fabrikation zugleich mit der Produktion uͤbernehmen muß, indem jene nur im friſchen Zuſtande der Blätter geſchehen kann, und zu einer Zeit vorgenommen werden muß, wo alle Haͤnde des Landvolks dringend beſchaͤftigt ſind. Vom Anbau des Waidkrautes, deſſen Zubereitung und Anleitung Indigo daraus zu machen. Wien 788. Schrebers hiſtoriſch-phyſiſche und okonomiſche Beſchreibung des Weides. Halle 1752. Der Wau(BReseda luteola). §. 249. Dieſe Färbepflanze hat fuͤr ihre Anbauer den großen Vorzug, daß ſie bloß getrocknet, und uͤbrigens unbereitet verkauft werden kann. Ein lehmiger Sandboden, der gut durchduͤngt, und rein und klar vorberei⸗ tet worden, iſt ihr am angemeſſenſten. Der feine Saamen wird im Auguſt duͤnn, etwa zu 8 Pfund per Morgen, ausgeſaͤet, und erträgt nur eine ſehr ſchwache Bedeckung mit Erde. Wenn im Auguſt des folgenden Jahres der Saamen reif iſt, und die Pflanze gelb zu werden anfaͤngt, ſo ziehet man ihn aus, trocknet ihn und bindet ihn in Buͤndeln, die centnerweiſe verkauft werden. Der Saamen kann auch zum Oele gebraucht werden⸗ —————— — — 192 Farbepflanzen. Dieſer Anbau iſt alſo wenig umſtaͤndlich, und da 1 Morgen 6 bis 8 Ctr. giebt, und der Centner nicht ſelten zu S rthlr. verkauft werden kann, ſehr ein⸗ traͤglich, ſobald man des Abſatzes ſicher iſt. Der Englaͤnder Marfhall raͤth aber den Verpaͤchtern, den Bau dieſes Gewaͤchſes im Pachtkontrakt zu unterſagen, weil es ſo ſtark ausziehe. er Saflor, Carthamus tinctorius, §. 250.. erfordert einen kraͤftigen, in gartenmaͤßiger Kultur ſtehenden Boden. Der Saa⸗ men wird fruͤhzeitig auf 2 Fuß Entfernung gelegt, jedoch mehrere Koͤrner an einer Stelle, wovon nur die ſtärkſte Pflanze ſtehn bleibt. Die Zwiſchenràume werden durch Bearbeitung rein gehalten, welches am beſten mit der Pferdeſchau⸗ fel geſchehen kann. Wenn im Auguſt die Bluͤten gelb und dunkler geworden ſind, werden ſie ausgezogen, wozu man ſich eines ſtumpfen Meſſers bedient, und darauf in Schoppen getrocknet. Dieſes Ausziehen der Bluͤte darf aber nur Vormittags und nicht in der heißen Mittagsſonne geſchehen, und die Ernte iſt das weitlaͤuftigſte beim ganzen Anbau. Man läßt nun die Pflanze ſtehn und voͤllig reifen, wo ſie dann ausge⸗ rauft, getrocknet und abgedroſchen wird, um den Saamen davon zu gewinnen, der gutes aber nicht vieles Oel enthaͤlt. Dallingers oͤkonomiſch-technologiſche Abhandlung uͤber den Saflor und Wau⸗ bau. Neue Auflage. 1805. Der Hopfen 6. 2511 ein faſt unentbehrlich⸗gewordenes Produkt, welches allenthalben die ſicherſte Abnahme findet, und zwar zu einem Preiſe, der ſeine Anbaukoſten, die ſich freilich hoch belaufen, im Durchſchnitt mit 100 Prozent verzinſet, verdient die Aufmerkſamkeit eines jeden Landwirths, den ſein Wirthſchaftsſyſtem in den Stand geſetzt hat, den dazu noͤthigen Duͤnger zu eruͤbrigen, und die erſte Kapitalanlage zu machen. §. 252. Der Hopfen. 193 §. 292. Wir haben mehrere Abarten vom Hopfen, den wilden, Hecken⸗Stau⸗ Abarten. den⸗ oder Weidenhopfen und den kultivirten oder zahmen Hopfen. Der erſtere iſt in jeder Hinſicht kleiner und kraftloſer, und wenn man ihn gleich durch die Kultur wahrſcheinlich veredeln koͤnnte, ſo wird doch niemand darauf verfallen, da die Setzlinge des Gartenhopfens nicht ſchwer zu erhalten ſind. Der kultivirte Hopfen unterſcheidet ſich wieder in den fruͤhen oder Auguſt⸗ hopfen und in den Spaͤthopfen. Der erſtere bekommt nicht nur groͤßere Koͤpfe, ſondern iſt auch ungleich aromatiſcher; der andere aber bekoͤmmt meh⸗ rere Koͤpfe und ſoll den Krankheiten und dem Mißrathen weniger ausgeſetzt ſeyn, wie erſterer. Im Ganzen ziehen doch alle vorſichtige Hopfenkultivatoren den erſtern vor, beſonders wenn ſie nicht zur Zeit ſeiner Reife, zu Ende Auguſts oder Anfangs Septembers, bei noch fortdauernder Kornernte, um die Arbei⸗ ter bekuͤmmert zu ſeyn brauchen. Bei minder achtſamen Kultivatoren findet man aber beide Sorten untereinander in einem Garten, welches in jeder Hin⸗ ſicht und beſonders bei der Ernte nachtheilig iſt. Man muß ſich daher huͤten, bei der Anlage nicht verſchiedene Arten untereinander zu bekommen. Der Hopfen gehoͤrt zu den Pflanzen, deren Geſchlechter auf verſchiede⸗ nen Stämmen getrennt ſind. Es ſcheint aber, als ob die Pflanzen eine Um⸗ wandlung in Anſehung ihres Geſchlechts erleiden koͤnnten. Denn da man nur die weiblichen Pflanzen benutzen kann, ſo ſetzt man nur dieſe, und ver⸗ tilgt dagegen die maͤnnlichen, indem es auf die Ausbildung des Saamens nicht ankommt. Und dennoch zeigen ſich in den Hopfenpflanzungen hin und wieder maͤnnliche— es ſey denn daß dieſe von voreilig reifenden und ausgefallenen Saamen herruͤhrten. §. 253. Man muß zum Hopfengarten oder Hopfenberge einen frei liegenden Platz Anlage des erwaͤhlen, der etwa nur gegen den Nordwind einigen Schutz hat. Hopfenan⸗ lagen, denen der freie Durchzug der Luft fehlt, ſind dem Mißwachſe am mei⸗ ſten unterworfen. Man umgiebt den Hopfengarten am beſten nur mit einem Wall und Graben, auf welchem etwa eine niedrig gehaltene Hecke ſteht. Man vermeidet Platze, wo es viel ſtaͤubt, folglich an Heerſtraßen. Vierter Theil. Bb 194 Der Hopfen. Der lehmige Sand⸗ und der ſandige Lehmboden ſind dem Hopfen am zuträglichſten, wenn ſie mit Humus ſchon bei der Anlage ziemlich ſtark be⸗ ſchwaͤngert ſind, und nachher in erforderlicher Duͤngung geſetzt und erhalten werden. In feuchtem, lettigen und ſtrengen Thonboden iſt ſein Gedeihen un⸗ ſicherer, er giebt aber dagegen um ſo hoͤheren Ertrag, wenn er darauf geraͤth. Auf einem kalkſteinigen Untergrunde, der Erdkrume genug hat, geraͤth er ſehr ſicher. Altes kräftiges Grasland, Kuͤchen⸗ oder Baum⸗Gartenland, welches in ſtarkem Duͤnger erhalten worden, paßt ſich am beſten zur Anlage eines Hopfengartens. Um das Land zum Hopfen vorzubereiten, iſt es rathſam, im Sommer vor der Anlage eine Hackfrucht darin zu bauen, wenn man es nicht etwa flei⸗ ßig ſommerpfluͤgen will. Wenn hierzu etwa mit 8 vierſpaͤnnigen Fudern ge⸗ duͤngt worden iſt, ſo bringt man nach ihrer Aberntung wenigſtens noch 10 Fu⸗ der auf den Morgen, ſtreuet dieſen, und läßt ihn oben auf liegen oder unter⸗ pfluͤgen Mit dem erſten Fruͤhjahre, ſobald nur das Land abgetrocknet iſt, wird es ſo tief wie moͤglich gepfluͤgt, oder aber gegraben. S. 254. Die Hopfenhuͤgel muͤſſen wenigſtens 4 Fuß im Quadrat ſtehen. Andre ſetzen ſie auf 6 ja 8 Fuß Entfernung. Man ſetzt daher einen Pflock an jede Stelle, wo ein ſolcher kommen ſoll, macht in einem Umkreiſe von 6 Zoll um denſelben herum, einen Ringelgraben, 4 Zoll breit und 5 Zoll tief, und ſetzt in dieſen die Senker mit uͤber ſich ſtehenden Augen zu 3 bis§ ein. Dieſe muͤſſen aber geſund und kraͤftig ſeyn. Die Furche wird mit der ausgezogenen Erde wieder ausgefuͤllt, die Stoͤcke darin feſt gedruͤckt, und ein kleiner Haufen von lockerer Erde daruͤber gemacht, ſo daß die Keime voͤllig bedeckt ſind. Nach Verlauf einiger Wochen, je nachdem die Witterung guͤnſtig iſt, treibt der junge Hopfen. Sobald ſich Unkraut zeigt, wird der ganze Garten behackt, und zwi⸗ ſchen den Pflanzen gejätet oder gekratzt. Dann werden die Hopfenſtangen ein⸗ geſteckt, nachdem mit einem Pfahleiſen vorgebohrt worden. An dieſe werden die jungen Pflanzen angebunden, und zwar nur die Hauptranken, die uͤbrigen aber weggeſchnitten, wo ſie ſich dann ferner an der Stange heraufwinden. Das Wegſchneiden der Nebenranken wird erforderlichen Falls wiederholt. Der Hopfen. 195 Wenn man nicht Senker, ſondern ganze Pflanzen aus etwa aufgenommenen alten Hopfengärten nimmt, ſo macht man die Pflanzung im Herbſt. Sie pflegt dann im naͤchſten Jahre eine erheblichere Ernte zu geben. um Johannis wird der Hopfen angehaͤuft, die Erde wird aus den Zwi⸗ ſchenräumen herangezogen, und dadurch um jede Stange ein Huͤgel gebildet, wobei man die Wurzeln des Hopfens zu beruͤhren, ſorgfaͤltig vermeiden muß. In dieſem erſten Jahre, wo der Ertrag des Hopfens nicht groß iſt, pflanzen manche andre Gewaͤchſe, Kohl oder Runkelruͤben, in den Zwiſchenräumen. Die Ernte iſt im erſten Jahre aber ſo unbedeutend, daß einige ſie gar nicht nehmen, ſondern zu mehrerer Erſtarkung der Pflanzen ihnen die Spitzen abſchneiden. Nachdem die etwanige erſte Ernte geſchehen iſt, werden die Hopfenhuͤgel geduͤngt, wozu ein Jahr ums andre etwa 5 vierſpännige Fuder Miſt auf den Morgen erforderlich ſind. Die Erde wird von den Huͤgeln etwas abgezogen und der Miſt auf ſelbige gelegt. Dieſer Miſt wird im März wieder abgezogen, in den Zwiſchenraumen flach vergraben, und die Stangen wieder eingeſteckt. Man muß die Maſſe des Duͤngers aber nach dem Beduͤrfniß des Bodens ein⸗ richten; eine uͤbermaͤßige Duͤngung kann den Pflanzen Krankheiten zuziehen. Der Ueberfluß von Keimen wird nun weggeſtochen, und giebt eine beſonders angenehme Fruͤhjahrsſpeiſe ab; man läßt dann nur 6 bis 7 Ranken aufſchießen, die an den Stangen wieder angeheftet werden, verfährt uͤbrigens in allen folgen⸗ den, wie im erſten Jahre. §. 255. Die Anſchaffung der Stangen iſt fuͤr manchen Landwirth das ſchwierigſte, Die Hovfen da ſie wenigſtens eine Laͤnge von 14 bis 18 Fuß haben muͤſſen. In den erſten Jahren kann man ſich mit kleineren Stangen bebelfen. Andere ſetzen an einen Hopfenhuͤgel zwei oder drei Stangen, und vertheilen die aufſchießenden Ran⸗ ken an ſelbige. Man hat verſchiedene Vorſchlaͤge gethan, die Hopfenſtangen, welche einen beträchtlichen Koſtenartikel bei dem Hopfenbau ausmachen, zu erſparen: ihn, wie in Italien die Weinreben, an aufgeſchnatelten lombardiſchen Pappeln hinaufran⸗ ken zu laſſen; wobei man allerdings Hopfen erbauen wird, aber wenigeren und ſchlechteren, den Krankheiten mehr ausgeſetzten, und folglich nicht wohl⸗ Bb — Ernte. 196 Der Hopfen. feileren, als mit Stangen. Eben ſo wenig wuͤrde wohl das ſtatt der— vorgeſchlagene Gatterwerk oͤkonomiſch ſeyn. F. 256. Wenn der Hopfen ſeine Reife erreicht hat, welches man an ſeiner braun⸗ lichen Farbe, ſeinem Hart- und Feſtwerden, und ſeinem lieblichen aromatiſchen Geruch abnimmt, ſo eilt man mit der Ernte, die gewoͤhnlich beim Auguſthopfen zu Anfange, bei dem ſpaͤtern zu Ende Septembers eintritt. Die Ranken wer⸗ den unten an den Stangen abgeſchnitten, und dieſe mit dem ſie umſchlingenden Hopfen herausgehoben. Der Hopfen wird nun entweder auf der Stelle ge⸗ pfluͤckt, oder unter Dach gebracht. Zu erſterem wird trocknes Wetter erfordert, und man muß, um dieſes zu benutzen, ſo viele Menſchen wie nur moͤglich, zu⸗ ſammen zu bringen ſuchen. Die Stangen werden zu zweien auf ein Geruſt ge⸗ legt, woran man ein Tuch an Haken haͤngt, damit der gepfluͤckte Hopfen darauf falle. Die Hopfenpfluͤcker, groͤßtentheils Weiber und Kinder, ſtehen um dieſes Geſtell herum, und andre Arbeiter tragen die Stangen zu, und nehmen ſie wie⸗ der ab. Wenn das Tuch voll iſt, wird der Hopfen in einen großen Sack ge⸗ ſchuͤttet und ſogleich an ſeinen Trockenplatz gebracht; denn in dem Sacke wuͤrde er ſich in kurzer Zeit ethitzen. Will man ihn im Hauſe trocknen, ſo werden die Stangen aus den Ranken herausgezogen, dieſe locker zuſammengebunden, und unter Dach gebracht, wo ſie dann auch baldmoͤglichſt gepfluͤckt werden. Die erſtere Methode iſt ohne Zweifel, wenn man Leute genug hat, die beſſere, weil der vor dem Pfluͤcken unter ½ gebrachte Hopfen leicht dumpfig wird. Der gepfluͤckte Hopfen muß nun entweder auf einem luftigen Boden duͤnn ausgeſtreuet und taͤglich einmal umgewendet werden, bis er voͤllig trocken iſt; oder aber— was ſchneller und ohne allen Verluſt, vielmehr zum Vortheil des Hopfens geſchiehet— das Trocknen deſſelben wird auf einer gut eingerichteten nicht rauchenden Darre verrichtet. Ueber die Darre wird ein Haartuch gebrei⸗ tet, worauf der Hopfen 6 bis 12 Zoll hoch, je nachdem der Hopfen feuchter oder trockner, mehr oder minder reif iſt, verbreitet wird. Die Hitze der Darre muß wohl abgemeſſen, nicht zu heftig ſeyn, und immer gleichmäßig erhalten werden. Wenn ſeine Stiele leicht brechen, und ſeine Blaͤttchen abfallen, iſt er trocken Der Hopfen. 197 genug, wozu 8 bis 10 Stunden erforderlich ſind. Einige Erfahrung und Ue⸗ bung wird zu dieſer Weiſe des Trocknens allerdings erfordert, um die Tem⸗ peratur gehoͤrig zu teffen und zu erhalten, und es muß immer ein verſtändi⸗ ger Mann dabei ſeyn. Den ſo gedorrten Hopfen bringt man dann in eine Vorrathskammer, wo man ihn 6 bis 7 Tage liegen laͤßt, bevor man ihn pack?, um ihm einige Feuchtigkeit wieder anziehen zu laſſen. Rachdem der Hopfen auf eine oder die andere Weiſe getrocknet iſt, bringt man ihn entweder zum eignen Gebrauch in den bekannten wo er eingetreten wird, oder zum Verkauf in Saͤcke. um den Hopſen in Saͤcke zu bringen, wird die Muͤndung des Sacks an einem Geſtell befeſtigt, an den beiden untern Enden wird eine Hand voll Hopfen, um den Sack nachmals beſſer handhaben zu koͤnnen, eingebunden, und der Hopfen nun nach und nach in den Sack gethan, und ſo wie er eingefullt wird, entwe⸗ der mit den Fuͤßen eingetreten, oder mit einer ſchweren Stampfe eingeſtampft. Dann wird der Sack von ſeinem Rahmen losgemacht, auch in jeder obern Ecke eine Hand voll Hopfen eingebunden, und der Sack feſt zugeſchnuͤrt. Man giebt den Saͤcken gern ein beſtimmtes Gewicht von 150 bis 200 Pfd. In dieſen Saͤcken halt ſich der Hopfen ſehr lange. Bei einer lockern Aufbewahrung des Hopfens verliert er mit ſeiner Klebrigkeit ſeine gewuͤrzhaften Theile bald. Die Guͤte des Hopfens wird aber nach dieſem klebrigen Gefuͤhle, den aro⸗ matiſchen Geruch, der mehligen Subſtanz, die daruͤber geſprenkelt iſt, und ſei⸗ ner gelben glaͤnzenden Farbe beurtheilt. Nach der Ernte muß man ſogleich fuͤr die Stangen ſorgen, daß ſie ent⸗ weder unter Dach gebracht, oder doch zu 30 bis 40 Stuͤck aneinander im Freien aufgeſtellt werden. §. 257. Der Ertrag ſo wie der Preis des Hopfens iſt ſehr unbeſtaͤndig. Die beſte Ertras. Hopfenanlage giebt in einem Jahre zuweilen kaum 1 Ctr., in andern Jahren 19 bis 18 Ctr. vom Morgen. Sein Preis faͤllt zuweilen auf 12 rthl. per Ctr. herab, und ſteigt auf 70 bis So rthlr. Den groͤßten Vortheil bringt er, wenn er von einem guten Jahre bis zu einem ſchlechten aufbewahrt werden kann, was freilich mehr Handels ſpekulation als Sache des Landwirths iſt. vnbau durch Plenreurs. 198 Der Hopfen. Eben ſo wenig laſſen ſich die Koſten berechnen, da dieſe von der Lokalieat abhangen, und folglich laͤßt ſich uͤber den reinen Ertrag und den Vortheil des Hopfenbaues im Allgemeinen nichts ſagen. Man hat gluͤckliche Faͤlle, wo der reine Ertrag eines Jahres von einem Morgen auf 2, bis 300 rthlr. berechnet werden konnte, aber auch andre, wo er die Koſten bei weitem nicht bezahlte. Denn das Gedeihen des Hopfens haͤngt vorzuͤglich von der Witterung ab, und ob ihm die Unfälle, denen er ausgeſetzt iſt, treffen oder nicht. Eine gute Anlage und Behandlung kann den Schaͤdlichkeiten einigermaßen, aber doch nur unvollſtaͤndig entgegen wirken. Ein warmer Sommer mit mildem Suͤd⸗ und Suͤd⸗Weſtwinde ohne vielen Regen iſt dem Hopfen guͤnſtig, wogegen er bei naſſer Witterung ſowohl, als wenn Oſt⸗ und Nordwinde im Sommer herrſchend ſind, nie geraͤth. Wenn heißer Sonnenſchein auf Regen oder Nebel folgt, heiße Tage mit kalten Naͤchten abwechſeln, ſo wird ihm dies auch in den letzten Sommermonaten ſehr nachtheilig. Er leidet von den kleinen Springkaͤfern im Fruͤhjahre, von mehreren Fliegenarten und Blattlaͤuſen im Sommer, beſonders aber vom Honigthau, der ſich nach kalten Naͤchten im Sommer einfindet, und dieſe Inſekten herbeizieht. Nur ein ſtarkes Gewitterſchauer kann ihn davon befreien. In der letzten Periode ſeines Wachsthums iſt er dem Schimmel und Mehlthau ausgeſetzt, vorzuͤglich an feuchten niedrigen und eingeſchloſſenen Stellen. Bei ſo mannigfaltigen Gefahren und Feinden bleibt alſo dem Schickſale das meiſte uͤberlaſſen. Der §. 258. Der allgemeine Gebrauch dieſes Krautes hat auch in allen europaͤiſchen Laͤn⸗ dern, wo es nicht aus Finanz⸗Ruͤckſichten verboten oder beſchraͤnkt wird, den Anbau deſſelben vor andern Handelsgewaͤchſen bewirkt, und ihn, je nachdem die Handels⸗Conjuncturen durch den Seekrieg veraͤndert wurden, mehr oder min⸗ der eintraͤglich gemacht. §. 259. Man hat jedoch gefunden, daß es fur groͤßere, und ſich mehr verbreitende Landwirthe rathſamer ſey, den Anbau ſelbſt kleineren emſigen Leuten zu uͤber⸗ Der Taback. 199 laſſen, als ihn durch Lohn zu betreiben. Man hat ihnen deshalb entweder den Acker vollig vorbereitet und geduͤngt zur Bepflanzung mit Taback, fuͤr einen be⸗ ſtimmten Geldpreis überlaſſen, oder aber die ſämmtliche Arbeit gegen einen Antheil am Ertrage mit ihnen bedungen. Das letztere hat am meiſten Beifall gefunden, weil nun der Eigenthüͤmer und Planteur gleiches Intereſſe an dem Ge⸗ deihen hatten. Es haben ſich daher faſt allenthalben, wo man dieſen Bau kennt, Arbeiter unter dem Namen Planteurs angeſiedelt, die ſich in den Som⸗ mermonaten faſt ausſchließlich mit dieſem Bau beſchaͤftigen. Auf ſchlechterem Boden theilt der Eigenthuͤmer mit ihnen gewoͤhnlich zu gleichen Theilen, auf vorzuglichen erhalten ſie nur 2 des Ertrags. Der Eigenthuͤmer giebt den Ak⸗ ker, den Duͤnger und die vorläufige Pflugarbeit, auch den Trockenraum her; alle Arbeit verrichtet der Planteur, erziehet auch die Pflanzen; doch giebt der Eigenthuͤmer den Miſt und das Holz zu den Saamenbeeten. Auch giebt die⸗ ſer die Pferde zum Einfahren. Die Koſten des Verfahrens und Verkaufs tragen beide gemeinſchaftlich. Es gehoͤren hierzu aber ſchon wohlhabende Ar⸗ beiter⸗Familien, welche bis zum Verkauf des Tabacks ihren Unterhalt vor⸗ ſchießen können, und die alſo auch, außer der Bezahlung ihrer Arbeit, ihren Profit dabei haben muͤſſen. Da man im Durchſchnitt annehmen kann, daß der Morgen 8 Ctr. Ta⸗ back giebt, und der Ctr.§ rthlr. gilt, der Morgen alſo zu 40 rthlr. benutzt wird, ſo hat der Eigenthuͤmer bei dem Antheil von 2 24 rthlr., und der Plan⸗ teur 16 rthlr. davon. Ein geſchickter und fleißiger Planteur beſtreitet mit ſei⸗ ner Familie im Durchſchnitt 12 Morgen, und ſo iſt ſein Verdienſt 192 rthlr. in der Zeit, wo er ſich mit dem Anbau und dem Trocknen des Tabacks be⸗ ſchaͤftigt; jedoch muß er in der geſchäftsvollſten Zeit einige Gehuͤlfen auf ſeine Koſten zunehmen. Der Taback bereitet das Land zu andern Fruͤchten trefflich vor, erſetzt die Stelle der Brache vollig, und nach allgemeinen Bemerkungen hat man keinen Ruͤckſchlag der folgenden Fruͤchte wahrgenommen, wenn man zum Taback mit 4 Fudern Miſt, ſtärker als zur Brache geduͤngt hatte. Es iſt hauptſächlich dieſer Miſt, welcher dem Taback zur Laſt geſchrieben werden muß; und darum — — 200 Arbeiten durch die Pferdehacken ſehr verwindern koͤnnte; da indeſſen manche Arten. Der Taback. iſt der Tabacksbau naturlich an denen Orten am meiſten im Gange, wo man Miſt wohlfeil kaufen kann. Ein wichtiges Erforderniß beim Anbau im Großen ſind die Trockenraume. Man nimmt alle Boͤden, Schoppen und Ställe zu Huͤlfe, und es ſchadet dem Taback nicht, wenn er uͤber dem Vieh in den Staͤllen aufgehangen wird. Es hat zwar keinen Zweifel, daß man manche beim Taback vorfallende andere Handarbeiten dabei unumgaͤnglich ſind, und mit Genauigkeit im richti⸗ gen Momente vollfuͤhrt werden muͤſſen, ſo ſcheint es fuͤr den großern Land⸗ wirth am rathſamſten, die ganze Arbeit den Planteurs zu uͤberlaſſen. Ich rede deshalb auch nicht von den kleinern Manipulationen des Ta⸗ backsbaues, die des Planteurs Sache ſind, ſondern nur von dem, was der groͤßere Landwirth dabei zu beobachten hat. §. 260. Man hat mehrere Arten von Taback zum Anbau empfohlen, indeſſen hat doch die gewoͤhnliche virginiſche Art(Nicotiana tabacum) faſt allgemein den Vorzug erhalten, und die von einigen unter dem Namen des aſiatiſchen oder tuͤrkiſchen Tabacks(Nicotiana rustica) geruͤhmte Art, hat auf die Dauer keinen Beifall gefunden. Von jener Art giebt es aber wohl verſchiedene durch die Kultur erzeugte Abarten: beſonders eine groͤßer werdende, und eine klei⸗ ner bleibende. §. 261. Der Taback will einen lockern Boden, und ein ſandiger Boden paßt ſich on ſich beſſer wie ein thoniger fuͤr ihn. Der ſandige Lehmboden iſt alſo dieſer Pflanze der zuträglichſte; jedoch gedeihet ſie auch auf humoſen milden Lehmboden. Er muß aber reich ſeyn an altem Humus und wieder durch irgend einen Duͤnger erfriſcht werden, wenn der Toback eine volle und reiche Ernte geben ſoll. Der beſte Taback waͤchs auf Neubruch, vorzuͤglich wenn der Raſen gebrannt iſt, und noch mehr, wenn darauf ſtehendes oder nach Kurländſcher Art aufgefuͤhrtes Holz zugleich darauf eingeaͤſchert iſt. Hierin liegt wohl mehr als im Klima der Vorzug des amerikaniſchen Tabacks, der ſelten im Miſte aber zehen bis zwoͤlf⸗ mal nach einander ungeduͤngt in dem kraͤftigen abgebrannten Rohdelande gebauet wird. Der Taback. 201 wird. Auch wiſſen es unſte Fabrikanten, daß die auf aͤhnlichem Boden ge⸗ wonnenen Blatter in der Milde und im Geruch einen großen Vorzug vor den auf friſchem Miſt gewachſenen haben; ſie wollen dies im Handel aber nicht zu⸗ geſtehen, um keinen hoͤheren Preis dafuͤr zu zahlen, wie ſie doch billig thun ſollten; und wie ſie auch thun werden, wenn dieſes Tabacks Vorzuͤge allge⸗ meiner anerkannt ſind. Naͤchſtdem wird der preiswuͤrdigſte Taback auf humusreichem Boden er⸗ baut, nach einer Duͤngung mit Kalk, Mergel oder Aſche, welche Duͤngung in⸗ deſſen auf magern Boden nicht die erforderliche Wirkung auf dieſe Pflanze thun wuͤrden. Gewoͤhnlich wird er durch Miſt getrieben, welcher ihm aber immer den ſcharfen Geſchmack und den fusligen Geruch giebt, welchen die Tabacks fabri⸗ kanten ihm durch mannichfaltige Beizen bisher vergeblich zu benehmen verſucht haben. Da indeſſen dieſer Taback die gewoͤhnliche Handelswaare iſt, ſo findet er auch auf den Maͤrkten Abnehmer genug. 6 Der Acker wird wie zu andern Hackfruͤchten vorbereitet, im Herbſte tief Bereitung gepflugt, der Miſt wo moͤglich vor Winter aufgefahren und ausgeſtreuet, im des Ackers. Fruͤhjahre flach untergeſtrichen, und ſodann kurz vor dem Pflanzen, damit die Krume locker bleibe, wieder tiefer gepfluͤgt. Das Gedeihen hängt vorzuglich davon ab, daß er moͤglichſt fruh, am beſten noch im Monat Mai gepflanzt werde, und daß man die erſte dazu paß⸗ liche Witterung wahrnehme. Es kommt daher auf fruͤh erſtarkte Pflanzen vorzuͤglich an, wozu dann der Acker dem Pflanzer ſchleunig in Stand geſetzt werden muß. Die uͤbrige Manipulation, die der Pflanzer beſorgt, iſt wie geſagt, nicht der Gegenſtand dieſer Anweiſung. Man findet ſie ausfuͤhrlich beſchrieben in den meiſten landwirthſchaftlichen Handbuͤchern und in folgenden Schriften: Kling, der Tabacksbau fuͤr den pfaͤlziſchen Landmann 1798. Korge, Unterricht zum Anbau des Tabacks. Breslau 1773. Rieben, Anleitung zum Tabacksbau. Dresden r789. Chriſt, Anweiſung zum eintraͤglichſten Tabacksbau. Frankfurth 1799. Praité conmnplet de la culture, fabrication et vente du tabac. Paris 1791. Pierter Theil. Ce Zum Kaffe⸗ Suͤrrogat. 202 Der Taback. §. 163. Wo der Gebrauch den Taback durch Planteurs, gegen einen gewiſſen An⸗ theil bauen zu laſſen, bekannt iſt, da werden es auch die Bedingungen ſeyn, unter welchen man dieſe Leute annimmt. Das genaueſte findet man daruͤber in des Grafen von Podewils Wirthſchaftserfahrungen Th. I. S. 75. Wo dieſe Einrichtung noch nicht uͤblich iſt, da wird man ſich zu Anfange einen min⸗ der vortheilhaftern Akkord gefallen laſſen muͤſſen; die Pflanzer werden ſich aber billiger finden laſſen, wenn ſie den Vortheil, den ſie auf einem zum Tabacks⸗ bau geeigneten und reich durchduͤngten Boden davon haben, erſt kennen lernen. Da die Verfuͤhrung des Tabacks leicht iſt, ſo muß man zum Verkauf weitere Wege ſich nicht gereuen laſſen, um ihn auf ſolche Maͤrkte zu bringen, wo er bei mehrerer Koncurrenz der Kaͤufer hoͤhere Preiſe findet. In der Re⸗ gel ſteigt der Preis des Tabacks im Fruͤhjahre und Sommer betraͤchtlich, er verliert aber auch bei der ſtärkern Austrocknung am Gewicht. §. 264. Die Struͤnke des Tabacks hat man vortheilhaft zur Pottaſchenſiederei be⸗ nutzt, indem ſie vieles Kali enthalten. Will man Winterung beſtellen, ſo muͤſ⸗ ſen ſie doch vom Felde geſchafft werden, folgt aber Soͤmmerung, ſo ſind ſie im Fruͤhjahre muͤrbe genug, um der Beackerung nicht im Wege zu ſeyn, und ge⸗ ben allerdings dem Boden einige Duͤngung zuruͤck. Einige haben es rathſam gefunden, mehrere Tabacksſtengel, als zur Ge⸗ winnung des erforderlichen Saamens nöthig ſind, ſtehen zu laſſen, und den uͤbrigen Saamen zum Oelſchlagen zu benutzen, welches er in ziemlich ſtarkem Maaße und Guͤte giebt. Sie d 26 Dieſe Wurzel iſt unter allen Kaffeſurrogaten, die man neuerlich ange⸗ ruͤhmt hat, und die freilich ſammtlich, gebrannt, einen braunen brenzlicht ſchmeckenden Abſud geben, doch immer die einzige, welche ſich nun ſeit dreißig Jahren, und ſelbſt bei wohlfeileren Kaffepreiſen als Surrogat deſſelben erhal⸗ ten hat, und womit die Fabrikanten ſowohl, die ſie im Großen bereiteten, Die Cichorie. 203 als die Anbauer derſelben in der Naͤhe ſolcher Cichorien⸗Kaffefabriken einen betraͤchtlichen Gewinnſt gemacht haben. Man hat in ſolchen Gegenden fuͤr den Morgen dazu geeigneten Landes ohne alle Vorbereitung und Duͤngung 16, 20 bis 24 rthlr. Pacht bezalt. Die Pflanze erfordert einen lockern, tiefenl, in Kraft ſtehenden, ſandigen Lehmboden und eine tiefe Beackerung deſſelben, die man da, wo es an guten tief eindringenden Pfluͤgen fehlt, gewoͤhnlich mit dem Spaten giebt. Man duͤngt wohl etwas mit zergangenem Kuhmiſt, aber nicht ſtark dazu, weil ſtar⸗ ker Duͤnger die Wurzel fasrig und auch ubel ſchmeckend macht. Der Saamen wird im Fruͤhjahr in der Regel breitwuͤrfig, wie die Möhren ausgeſäet; doch haben auch einige groͤßere Anbauer ihn mit Erfolg gedrillt, gepferdehackt und ſich dadurch das erforderliche Jäten, Bekratzen und Vereinzeln der Pflanzen erleichtert. Das Kraut kann, wie einige verſichern, ohne Nachtheil der Wurzeln zu Ende des Julius oder Anfangs Auguſts abgemähet werden, und giebt einen ſehr reichlichen Schnitt zur Viebfuͤtterung. Die mit Vorſicht aufgegrabenen oder mit der Forke ausgeſtochenen Wur⸗ zeln, werden in der Nachbarſchaft der Fabriken friſch verkauft, muͤſſen ſonſt aber zerſchnitten und getrocknet werden. Es iſt ſehr wichtig, die Wurzeln ganz rein aus dem Boden herauszuſchaf⸗ fen, weil ſie ſonſt als Unkraut darin einwuchern, ſich ſehr darin vertheilen und außerſt ſchwer zu vertilgen ſind. Aber auch außerdem hat man eine ſehr er⸗ ſchoͤpfende Eigenſchaft an dieſen Gewaͤchſen bemerkt, und es ſoll durch wieder⸗ holten Cichorienbau guter Acker ſo verſchlechtert ſeyn, daß viele Arbeit und Duͤnger erforderlich wurden, um ihn wieder in einen kraͤftigern Zuſtand zu ſetzen. F. 266. Man hat aber auch dieſes Gewaͤchs in Frankreich und nachmals auch nach Als Futter A. Youngs Empfehlung in England bloß als Futterkraut angebaut. Der 68 Hauptertrag erfolgt hier erſt im zweiten Jahre, und man will eine ſtärkere Futtermaſſe wie von irgend einem andren Gewaͤchſe davon gehabt haben. Nach meinen damit angeſtellten Verſuchen, gab es mir allerdings einen ſehr anſehn⸗ lichen Schnitt, der vom Rindvieh gern gefreſſen wurde, und vortheilhaft auf See — 204 Der Kuͤmmel. die Milch wirkte. Nachher trieb es aber, ohne neue Wurzelblätter zu machen, mit Gewalt in Bluͤteſtengel, die einen unbedeutenden Ertrag gaben und vom Viehe verweigert wurden, ſo daß ich durchaus nichts preiswuͤrdiges zu dieſem Bebuf an der Pflanze finden kann. Die Englaͤnder und beſonders A. Young haben es nachher mehr als Schaafweide benust, und es, weil eine kleine Fläche viele Hammel fett macht, ſehr vortheilhaft gefunden. Es muß alſo wohl, wenn es von den Schaafen immer niedergehalten wird, am Boden blei⸗ ben und nachhaltiger Wurzelblaͤtter austreiben, weil aufgeſchloſſene Stengel gewiß keine Rahrung fuͤr die Schaafe ſind. Man benutzt es auf dieſe Weiſe ausdauernd eine Reihe⸗von Jahren nacheinander. Wie man den Boden wie⸗ der davon reinige, weiß ich nicht anzugeben. Der meinige hat mir viele Ar⸗ beit gekoſtet, weswegen ich dieſes mehr zur Warnung als zur Empfehlung ge⸗ ſagt haben will.— Der Kuͤmmel, Carum carvi, §. 267. iſt ein zweijaͤhriges Gewaͤchs, welches in einem Jahre fruͤhzeitig geſäet wer⸗ den muß, und im folgenden erſt ſeinen Saamen bringt. Es nimmt alſo den Acker zwei Jahre ein, und da es nur auf dem kraͤftigſten Boden mit Vortheil gebaut werden kann, ſo wuͤrde die zweijährige Bodenrente ihm berechnet wer⸗ den muͤſſen, wrnn man nicht im erſten Jahre den Boden durch eine andere Frucht zum Theil zu benutzen ſucht. Wo der Kuͤmmelbau naͤmlich am vollſtändigſten, z. B. in der Gegend um Halle, brtrieben wird, erziehet man die Pflanzen auf dem Saamenbeete, und ſäet den Saamen manchmal ſchon im Herbſt, gewoͤhnlich aber fruͤhzeitig im Fruͤhjahr aus. Man bereitet den Acker, wo er wachſen ſoll, wie zu Hackfruͤchten vor, und bepflanzt ihn um Johannis, eine Reihe um die andere mit Kuͤmmel und mit Kohl, Steck⸗ oder Runkelruͤben, welche Fruͤchte dann einigemal behackt werden. Dieſe Gewaͤchſe werden im Herbſt aufgenommen, und dem Kuͤmml dann das Feld allein üͤberlaſſen. Im folgenden Fruͤhjahre wird der Kuͤmmel wieder ein⸗ oder zweimal behackt, und er reift um Johan⸗ nis, wo er geſchnitten oder aufgezogen wird. Der Fenchel. Der Anis. 205 Andre ſäen den Kummel nach guter Vorbereitung auf das Land, wo er ſehen ſoll, entweder allein oder mit Moͤhren, mit Mohn, auch mit Lein, auch wohl gar mit Sommergetreide aus, jäten und vereinzeln ihn, geben ihm im Herbſt oder im Fruͤhjahr eine Ueberduͤngung von Kompoſt⸗oder von Federvieh⸗ miſt, und ernten ihn unverpflanzt. Ich vermag nicht zu entſcheiden, welche dieſer Methoden die vortheilhaf⸗ teſte ſey, dies kann nur der, welcher ſie beide nachhaltend verſucht und berech⸗ net hat. Die Verpflanzungsmethode wird indeſſen das Land rein erhalten. Der Kuͤmmel verlangt, wenn er gerathen ſoll, einen ſtarken Weizenboden erſter Klaſſe: kraͤftigen ſchwarzen Lehm-, oder doch reichen, in Gartenkultur erhaltenen und gut gelegenen Mittelboden. Auf ſolchem Boden mißraͤth er nicht leicht, und den Winter uͤberſteht er ſicher. Seine Ernte erfordert wegen des Ausfallens alle Vorſicht, die man beim Rapps anwendet. Er wird geſchnitten oder ausgezogen, ſorgfaͤltig eingefahren oder auf dem Felde abgedroſchen. Der Preis den der Kuͤmmel faſt allgemein hat, macht ſeinen Anbau ge⸗ wiß rtheilhaft. Der Landwirth kann ſich aber mit dem kleinen Detail⸗Ver⸗ kauf nicht befaſſen, und muß daher den Hauptvortheil dem Kaufmanne uͤber⸗ tſſen. Ein ſtarker Gebrauch zur Branntweinbrennerei moͤchte eignen Anbau beſonders rathſam machen. Der Fenchel, Foeniculum vulgare, 5, 268. wird auf eben die Weiſe gebauet und behandelt, wie der Kümmel. Er iſt hauptſächlich Apothekerwaare, wird indeſſen auch von Conditorn und Likoͤr⸗ fabrikanten haͤuſig benutt. Der Anis, Pimpinelle anisum, §. 269. iſt ein einjähriges Gewächs, wird im Fruͤhjahr geſäet, und reift gegen den Herbſt. Man ſaet ihn wohl unter Moͤhren, und behandelt ihn auf gleiche Weiſe wie die ſe. — 206 Futtergewaͤchſe. 5. 270. Den Anbau anderer Gewuͤrz⸗ und Apothekerkräuter zu beſchreiben, enthalte ich mich, weil ich ihn zum Theil aus eigner Anſicht und Erfahrung nicht kenne, z. B. den in unſerm Klima wohl nicht ſtatt findenden Safranbau, den Suͤßholzbau, den Chamillen⸗ und Pfeffermuͤnzbau; theils weil die Erziehung anderer hierher gehoͤrender Gewächſe, die lange auf einer Stelle ſte⸗ hen, z. B. der Rhabarberwurzel, der Roſen, der Salwey, des La⸗ vendels u. ſ. f. mehr fuͤr den Gärtner gehoͤrt. Die Kultur ſolcher Ge⸗ wächſe im Großen auf ſehr fruchtbarem Boden, kann uͤbrigens unter guͤnſti⸗ gen Verhaͤltniſſen ſehr vortheilhaft ſeyn. Man geht aber am ſicherſten, wenn man daruͤber mit in Großhandelnden Materialiſten und Apothekern vorher Kontrakte ſchließt, nachdem man ſich durch kleinere Proben von dem glůckli⸗ chen Erfolge, und jene von der Guͤte der Waare, die man liefern kann, uͤber⸗ zeugt hat. F. 1 Wir gehen nun zum Futtergewächsbau uͤber, worunter wir zwar auch ſolche Pflanzen mit begreifen, die zur menſch⸗ lichen Nahrung dienen, hauptſaͤchlich aber doch im Großen, und auf freiem Felde fuͤr das Vieh gebauet werden. Wir reden zuerſt von denen, welche am vortheilhafteſten mittelſt der Pfer⸗ dehackenkultur angebauet werden koͤnnen, mit Bezug auf dasjenige, was oben §. 169. daruͤber geſagt iſt. Die Kartoffeln, Tartoffeln, Erdtoffeln, Erdaͤpfel, Erdbirnen, Grundbirnen. 5. 22 Dieſe jetzt ſo unentbehrlich gewordene Frucht iſt ungefähr ſeit 250 Jah⸗ ren in Europa bekannt geworden, indem ſie Joh. Hamkings im Jahre 1565 aus Santa Fe nach Europa brachte; wo ſie aber nur der Sonderbarkeit we⸗ gen in einigen Gaͤrten gebauet und genoſſen wurde. Walther Raleigh ver⸗ Die Kartoffeln. 207 breitete ihren Gebrauch aus Virginien erſt in Irland im Jahre 1623 allge⸗ meiner. Jedoch waren ſie in Italien ſchon 1588 ziemlich bekannt, und es iſt wahrſcheinlich, daß ſie von daher zuerſt nach Deutſchland kamen, weil man ſie in Italien tartoffoli nannte, und unſre gewoͤhnlichſte Benennung nur da⸗ her ſtammen kann. Gemeiner wurden ſie jedoch in Deutſchland erſt um das Jahr 1710. Von dieſer Zeit an wurden ſie als ein ziemlich gewoͤhnliches Ge⸗ waͤchs in den Kuͤchengarten angeſehen, aber mehr von den wohlhabenderen als vom gemeinen Manne gegeſſen. 1760 verbreitete ſich zu Ende des ſiebenjäh⸗ rigen Krieges ihr Gebrauch mehr, doch ſah man in den mehrſten Gegenden ih⸗ ren Anbau im freien Felde noch als etwas ſehr ſonderbares, ausſchweiffendes und ungebuͤhrendes an. Der groͤßere Anbau im Felde ward erſt in den Jahren 1771 und 1772 beliebter, wie der allgemeine Mißwachs im Getreide und die daher entſtandene Hungersnoth die Menſchen lehrte, daß man von Kartoffeln— die man bisher nur als eine Nebenſpeiſe betrachtete— allein und ſo gut wie vom Brode leben koͤnne. Dennoch blieb ihr Anbau noch auf den Bedarf fuͤr die Menſchen beſchränkt, und man fing erſt an, den etwanigen Ueberfluß und Abfall dem Viehe zu geben. Dabei lernte man allmaͤhlig, daß es auch vor⸗ theilhaft ſeyn koͤnne, ſie fuͤr das Vieh eigens zu erbauen, und es war wohl zuerſt Bergen, in ſeiner Anleitung zur Viehzucht, der ihren Anbau im Großen zu dieſem Zwecke predigte, und zur Erſparung der Handarbeit eine Art von Pferdehacke empſahl. Es ſcheint uns jetzt ſonderbar, daß die hohe Nutzbar⸗ keit dieſes Gewaͤchſes ſo lange verkannt wurde, und der groͤßere Anbau deſſelben ſich ſo lange verzoͤgerte. Ich habe mich mit dem Anbau keiner Pflanze ſo ſehr beſchäftigt, wie mit dieſer. Fruͤher noch, als ich Ackerbau zu treiben anfig, erregten die unzähli⸗ gen Varietäten, welche aus dem Saamen derſelben entſtanden, meine Aufmerk⸗ ſamkeit, und ich behandelte ſie auf die mannichfaltigſte Weiſe, damals beſon⸗ ders als Pflanzen⸗Phyſiolog, und um zu erfahren, ob der Boden oder die Be⸗ fruchtung die Abarten bewirke. Nachmals habe ich in Anſehung ihres Anbaues alle Methoden anderer, und die ich mir ſelbſt erdachte, verſucht. In Anſe⸗ hung des Ertrages waren die Reſultate der verſchiedenen Pflanzungs⸗ und Be⸗ arbeitungs⸗Methoden, wenn ſie nur nicht ganz unzweckmaͤßig angebracht oder — Abarten. 208 Futtergewaͤchſe. vernachlaſſigt wurden, wenig verſchieden. Der Ertrag hing vom Boden bei einer und derſelben Art ab. Der Arbeitsaufwand aber, und daher der reine Ertrag, war ſehr verſchieden, und ich richtete nun meine ganze Aufmerkſamkeit darauf, jenen moͤglichſt bei dem Anbau im Großen zu vermindern, ohne am rohen Ertrage erheblich zu verlieren. Denn die Landrente iſt bei dem Anbau der Kartoffeln von geringerer Bedeutung wie die Arbeitskoſten. Ich darf ſa⸗ gen, daß ich das mehr wie irgend einer erreicht, und bis jetzt faſt in jedem Jahre Fortſchritte darin gemacht habe. Daher erſuche ich die Leſer meiner Schriften, das, was ich im erſten und im dritten Bande meiner engliſchen Landwirthſchaft, in den Anmerkungen zu Bergens Viehzucht, und hin und wieder in den Annalen uͤber die Behandlung der Kartoffeln geſagt habe, als das Reſultat meiner Lehrjahre, das aber, was ich hier ſagen werde, als ein mehr PVollendetes anzunehmen., §. 272. um die unendlich mannichfaltigen Abarten dieſer Frucht unter gewiſſe Gattungen zu bringen, muͤſſen wir doch bloß auf den nutzbaren Theil derſel— ben, die Bollen, Rückſicht nehmen. Das Kraut und die Biuͤte ſcheint zwar mit der Qualität jener oft ubereinſtimmend zu ſeyn, erfordert aber noch eine genauere Beobachtung botaniſcher Landwirthe. Denn weder von bloßen Bo⸗ tanikern noch von bloßen Landwirthen duͤrfen wir ſie erwarten. In Anſehung der Farbe derl Haut ſind die Kartoffeln dunkel, faſt ins ſchwarze uͤbergehend, violetroth bis zu einer hellen blaſſen Röthe, oder bräun⸗ lich, oder gelb und gelbweißlich. ½ Die Farbe ihres Fleiſches iſt gelb, gelblich weiß, oder ganz weiß; zuwei⸗ len mit etwas roͤthlich gemiſcht. Sie kommen fruͤher oder ſpäter zur Reiſe, d. h. zu dem Zeitpunkte, wo ſie ſich von der Mutterpflanze abloͤſen und dieſe abſtirbt. Man hat ſolche, die man mehreremale in einem Sommer auf demſelben Platze bauen kann. Was aber fur uns den weſentlichſten Unterſchied macht, iſt ihre Konſiſtenz und Mehlhaltigkeit. Einige haben ein ſehr ſchwammiges Fleiſch, deſſen Zellen mit Waſſer angefuͤllt ſind, ein geringeres ſpezifiſches Gewicht und weniger Mehl und andre nahrhafte Theile in gleicher Maſſe. Einige Die Kartoffeln. 209 Einige haben einen beſonders angenehmen, andre einen unangenehmen Beiſchmack. Einige ſchmecken indeſſen, wenn ſie friſch ſind, angenehmer als wenn ſie aͤlter werden; bei andern iſt es umgekehrt. Einige kochen ſich ſehr leicht weich und zerplatzen, andre widerſtehen dem heißen Waſſer oder Dampfe laͤnger.. Einige wollen einen trockneren Boden haben, werden wenigſtens auf einem feuchten ganz waͤßrig, inwendig hohl, und enthalten Waſſer in dieſer Hoͤhlung. Andre bleiben in einem trockneren Boden ganz klein und ſind kaum des Auf⸗ nehmens werth.. e Einige verbreiten ſich an langen Strängen weit im Erdreich, andre haͤu⸗ fen ſich zuſammen und draͤngen ſich einander heraus. Einige gedeihen beſonders gut auf moorigem Boden, andre werden daſelbſt fleckig und verlangen Lehmboden. Auf dieſe und mehrere andre Eigenheiten muß man ſehen, wenn man ſich die Arten auswaͤhlt, die man bauen will. Eine fremde Art muß man auf ſei⸗ nem eignen Boden erproben, bevor man ſie im Großen einfuͤhrt. Auf den hoͤheren Ertrag der einen oder der andren Art muß man Ruͤckſicht nehmen, aber ihren Werth auf die darin enthaltenen nährenden Theile reduzi⸗ ren. Dieſe laſſen ſich aus dem Gewichte, aus der Empfindung auf der Zunge ungefahr abnehmen; genauer wenn man ſie in Scheiben zerſchnitten austrocknet und mit ihrem vorigen Gewichte vergleicht; beſtimmt aber nur, wenn man ſie chemiſch zerlegt. Eine groͤßere Maſſe mit gleichem Mehlgehalte iſt keines⸗ weges erwuͤnſcht, da ſie nur einen groͤßeren Raum zur Aufbewahrung er⸗ fordert und dem Verderben mehr ausgeſetzt iſt. Bei verkaͤuflichen Kartoffeln muß man ſich freilich nach dem Geſchmack der Kaͤufer und nach dem Markt⸗ preiſe richten. In Anſehung der Benennung, ſelbſt der gebrauchlichſten Kartoffelarten, in Deutſchland und in England herrſcht eine ſolche Verwirrung, daß ich, um nicht mißverſtanden zu werden, gar nichts daruͤber ſagen mag. Unter dem Namen engliſcher, holläͤndiſcher, rheiniſcher, hollſteinſcher, polniſcher Kartof⸗ ſeln, verſteht man hier und dort ganz verſchiedene Arten. Vierter Theil. Dd aus Saamen. 210 Futtergewaͤchſe. §. 273. Die Erziehung der Kartoffeln aus Saamen habe ich vormals häufig ver⸗ ſucht. Sie iſt intereſſant fuͤr einen Gartenliebhaber, und man kann ſich durch zufaͤllige Erzeugung einer neuen guten Art verdient machen. Aber oͤkonomiſch iſt ſie nicht, indem es, wenn man ſie nicht auf Miſtbeeten treibt, zu lange dauert, bevor die Bollen zu ihrer vollen Groͤße kommen; beſonders aber weil man faſt immer eine gemiſchte Art erhaͤlt, die man ſchwer ausſondern kann, und die, wenn ſie zuſammenbleibt, ein unangenehmes Gemenge von verſchie⸗ dener Natur abgiebt. Es iſt wichtig, daß man jede Sorte rein erhalte, weil fie ſonſt ungleich keimen und reifen. Ich rede hier nicht von der Gartenkul⸗ tur der Kartoffeln. 5. 274. Die Kartoffeln wachſen auf jedem Boden, und wenn die Witterung guͤn⸗ ſtig iſt, geben ſie ſogar auf geduͤngtem Flugſande einen ziemlichen Ertrag. Wenn ſtrenger Lehmboden gut vorbereitet und durch ſtrohigen Miſt gelockert iſt, ſo iſt ihr Gedeihen auch auf ſolchem ganz ſicher. Vor allem ſagt ihnen aber doch der ſandige Lehmboden zu. Im Neubruch und auf abgewaͤſſertem, beſonders gebrannten Moorboden, gerathen ſie auch vorzuglich und geben zuweilen einen enormen Ertrag. §. 275. Bis jetzt ſind die Kartoffeln in offenem Felde groͤßtentheils in der Brache gebauet worden, und es iſt ausgemacht, daß ſie gut bearbeitet die mehrſten Zwecke der Brache erfuͤllen. Allein die Winterung ſchlaͤgt darauf nach uͤber⸗ wiegenden Erfahrungen und mit Ausnahme weniger einzelnen Faͤlle zuruck. Da man nun die Winterung in der Brache ſo ungern aufopfert, ſo haben manche gute Dreifelder⸗-Wirthe die Kartoffeln in das zweite oder Sommer⸗ feld gebracht, vielleicht etwas dazu nachgedungt, und auf ſelbige Erbſen fol— gen laſſen, die allerdings hier ſehr gut gerathen; womit ſie dann wieder in den gewoͤhnlichen Turnus uͤbergegangen ſind. §. 276. Daß die Kartoffeln in friſchem Duͤnger ſtaͤrker werden, iſt allgemein an⸗ erkannt; indeſſen koͤnnen ſie in zweiter und dritter Tracht noch einen annehm⸗ Die Kartoffeln. 211 lichen Ertrag geben. Danach iſt dann aber der Boden auch werklich erſchoͤpft — denn daß die Kartoffeln den Boden uͤberall nicht ausſaugen, iſt mir zu behaupten nie eingefallen, vielmehr habe ich das Gegentheil geſagt(engliſche Landwirthſchaft Bd. II. S. 237.). Aber ſie ſaugen die Wirthſchaft nicht aus, ſondern bereichern ſie vielmehr betraͤchtlich an Duͤngkraft, wenn ſie verfuͤttert werden.— Auf allem ſtrengeren Boden iſt friſcher, langer, ſtrohiger Miſt, und zwar je unmittelbarer er in Beruͤhrung mit den Kartoffeln kommt, folglich kurz vor der Saatfurche aufgefahren, um ſo zuträglicher. Auf milderem Boden aber mehr zergangener Miſt oder der einige Male mit durchgepfluͤgt worden iſt. Andre kraͤftige Duͤngungsmittel, z. B. Hornſpaͤne in die Saatfurche ge⸗ ſtreuet, wollene Lappen eben ſo, Lohgaͤrberabfall u. ſ. w., bringen uͤppige Kar⸗ toffeln hervor. Huͤrdenſchlag, nachdem die Kartoffeln eingelegt ſind, wirkt maͤchtig; aber die Bollen bekommen danach einen Beiſchmack. Allein es fin⸗ det auch bei der Duͤngung der Kartoffeln ein Maxpimum ſtatt, uͤber welches hinaus ſie ungeheures Kraut treiben, welches ſich platt auf den Boden legt, und worunter ſich hoͤchſt wenige Bollen finden. §. 277. Zur Pflanzung muͤſſen moͤglichſt geſunde und kraͤftige Kartoffeln ausge⸗ Setzlinge. wählt werden; nicht ſolche, denen die Sproſſen ſchon mehrere Male abge⸗ brochen worden, weil ſie ihre kraͤftigſten Keime ſchon verloren haben; insbe⸗ ſondere aber keine im Winter ſehr erkaͤltete, wenn gleich vom Froſte nicht ge⸗ ſtörte Kartoffeln. Alle Kartoffeln aus Gruben, Feimen oder Kellern, in welche der Froſt eingedrungen iſt, und einen Theil zerſtoͤrt hat, ſind, wie mich uͤber⸗ zeugende Erfahrung gelehrt hat, hoͤchſt mißlich zu pflanzen. Sie bleiben ganz zuruͤck, oder machen ſchwache Pflanzen, und man muß daher die zum Einle⸗ gen beſtimmten Kartoffeln vor allen ſorgfaͤltig aufbewahren. Ob ich gleich weiß, daß manche von kleinen Kartoffeln ſehr guten Ertrag an großen Kartoffeln erhalten haben, ſo ziehe ich doch die mittleren und gro⸗ ßen, beſonders bei gewiſſen Arten, vor; die kleinen haben nicht die lebhafte Keimkraft und bleiben oft zuruͤck. Jene laſſen ſich indeſſen unbedenklich in zwei Stuͤcke ſchneiden. Dd 2 212 Futtergewaͤchſe. Das Einlegen der Stucke mit einzelnen Augen, ja die bloßen ausgeſto⸗ chenen Augen oder das Abgeſchaͤlte kann unter guͤnſtigen Umſtaͤnden ſtarke Pflanzen geben. Pllein auf zaherem, nicht fein gepulverten, ſo wie auf Sand⸗ boden mißräth es ſehr leicht, wenn die Witterung nach dem Einlegen und bei dem Hervorkommen der Pflanzen dem einem oder dem andern unguͤnſtig iſt. Die junge Pflanze muſi ſich mit ihren zarten Wurzeln gleich aus der Erde nähren koͤnnen, und darf durch verballete Erde nicht unterdruͤckt werden, denn ſie hat keine Rahrung aus der Mutterkartoffel, verdorret oder verkuͤmmert alſo leicht. Ich gehe daher von dieſer vormals von mir vertheidigten, im Garten ge⸗ woͤhnlich gluͤckenden, aber im Felde ſehr unſichern Pflanzungsart ab. Eben ſo verhält es ſich mit den abgepfluͤckten, eingelegten Sproſſen⸗ F. 278. Ueber die Vorzuge des dichteren und entfernteren Einlegens der Kartof⸗ feln werden die Meinungen wohl getheilt bleiben; denn es kommt dabei auf die Nebenzwecke an. Die von dem wuͤrdigen J. NR. Schwerz wiederholt an⸗ geſtellten, in der landwirthſchaftlichen Zeitung erzaͤhlten genaueren Verſuche ſcheinen, in Ruͤckſicht auf den Ertrag, fuͤr das Einlegen einer groͤßeren Kartoffel⸗ maſſe zu entſcheiden. Die praktiſchen Reſultate ſeiner Verſuche ſind folgende: 1) Die Groͤße des(reinen) Ertrages nach Abzug der Einlage ſteht bei den Kartoffeln in einem ziemlich genauen Verhaͤltniſſe mit der Groͤße der Ein⸗ ſaat. Das heißt: wer viel Saamen nimmt, wird gewoͤhnlich mehr davon ern⸗ ten, als der, welcher weniger dazu nimmt. 2) Schoͤne und groß⸗ Pflanzkartoffeln geben nicht allein ſchoͤnere und groͤßere Kartoffeln, ſondern auch eine groͤßere Quantität zuruͤck. 3) Allem Vermuthen nach kommt das öftere Ausarten der Kartoffeln von wiederholt ſchlechtem Pflanzgute her. 4) Ganz kleine Kartoffeln oder Auswurf ſind zur Fortpflanzung durchaus nicht zu empſfehlen. 5) Bei mittelmäßigen Kartoffeln gebuͤhrt den ganzen der Vorzug. Sind die Kartoffeln gar groß, ſo reicht die Hälfte zu, im Fall ſie enge genug in die Reihen gelegt werden⸗ Die Kattoffeln. 21 — 6) Es iſt nicht räthlich, die Kartoffeln in mehr als zwei Stuͤcke zu zer⸗ ſchneiden. 7) Das Einzeln, aber dichter Neben ⸗einander⸗legen der Kartoffeln iſt zweckmaͤßiger, als das Vervielfaͤltigt⸗legen, zumal da, wo alle Arbeit mit dem Pfluge vollfuhrt, und keine Handhacke gebraucht wird. 8) Das Pflanzen der Keime iſt ſehr unſicher und mißlich, daher nicht anzurathen. Landwirthſchaftliche Zeitung. 1809. S. 568. Ich unterzeichne alle dieſe Sätze als mit meinen Erfahrungen im Gro⸗ ßen uͤbereinſtimmend; was aber den erſten anbetrifft, nur ſo, wie er erkläͤrt iſt. Denn daß der Ertrag mit der Einſaat im Verhältniß ſtehe, erhellt aus den Verſuchen keinesweges. Der Verfaſſer theilt, um ein Reſultat zu ziehen, ſeine Einſaat in zwei Theile, und ſchtagt zu dem einen die Verſuche, wo die Ein ſaat uͤber 1, 284, zu dem andern die, wo ſie unter 1,284 betrug. Bei dem erſtern iſt der reine Ertrag auf jede Reihe 16,87, bei der andern 15, 41. Sie ver⸗ halten ſich alſo wie 1000 zu 917. Der Verluſt iſt alſo bei letzteren ꝛc. 8 ½ Pro⸗ zent. Das Verhaͤltniß der Einſaat iſt weit ungleicher. Nun aber ſind unter den Verſuchen, die zu dem letzten Theile gerechnet werden, mehrere, die gar nicht in Anſchlag kommen duͤrften: Keime oder Augen, ein Paar Haͤnde voll; ganz kleiner Auswurf geſtreuet, die hochſt unbedeutenden Ertrag gaben.(Land⸗ wirthſchaftliche Zeitung, Jahrgang 1809. S. 558.) Beachten wir nur die Fälle, wo gute Kartoffeln oder Kartoffelnſtuͤcke auf 1, 2, 3, 4 Dezimeter Entfernung gelegt wurden, ſo wird der unterſchied ſehr geringe, und belaͤuft ſich nur auf 2 ½ Prozent. Dieſen Unterſchied, und ſogar einen Unterſchied von 5 Prozent, will ich zugeben, wenn Kartoffeln in die Reihen auf 3 Zoll oder auf 24 Zoll Entfer⸗ nung gelegt werden, mithin die Einſaat im letztern Falle dreimal ſo ſtark als im erſtern gemacht wird. Ich gewinne bei dem entferntern Legen nur 95 Schfl⸗ wo ich bei dem dichten Legen 100 Schfl. per Morgen uͤber die Einlage ge⸗ winnen wuͤrde. Dagegen hat das entferntere Einlegen bei dem Anbau im Großen— wovon hier nur die Rede iſt— folgende Vorzuͤge. —— 214 Futtergewächſe. 1) Die Kartoffeln, und beſonders die zur Einſaat geeigneten, ſtehen im Fruͤhjahre in einem weit hoͤheren Werthe als im Herbſte bei der Ernte; ihre Erhaltung iſt mit Arbeit und Riſiko verbunden geweſen, immer iſt wohl ein Theil verdorben. Wir wollen nur ein Drittel mehr annehmen, oder daß der Scheffel im Herbſte 8 gr. im Fruͤhjahre 12 gr. werth ſey. Die Preiserhoͤhung dieſer 3 Scheffel beträgt 32 gr. Die 5 Schfl., welche ich bei der Ernte mehr gewinne, betragen 40 gr.; alſo iſt der Vortheil auf 8 gr. reduzirt. 2) Bei dem entfernteren Einlegen erſpare ich Aobeit. 3) Die Bearbeitung, wenn ſie ins Kreuz mit dem Pfluge geſchehen kann, erſpart faſt alle Handarbeit, welche um die Reihen zu reinigen, doch noͤthig iſt. 4) Dieſe Bearbeitung iſt von ungleich groͤßerer Wirkſamkeitzur Reinigung, Pulverung und Luͤftung des Erdreichs, als wenn ſie nur in einer Direktion geſchehen kann. Insbeſondere werden die Quecken, die in den angehauften Reihen ſo leicht fortranken, dadurch voͤllig zerſtort, und der Zweck der Brache vollkommen erreicht; was mir bei dem Hackfruchtbau eine der erſten Ruͤckſich⸗ ten iſt. Von der Wirkung dieſer von allen Seiten geſchehenden Arbeit auf die Kartoffeln ſelbſt, ſage ich nichts, da wir einen höheren Ertrag der einſei⸗ tig bearbeiteten einmal hypothetiſch zugeſtanden haben. 5) Das Aufnehmen der in einzelnen Haufen zuſammen gedraͤngten Kar⸗ toffeln iſt ungleich bequemer, und geht weit ſchneller, als wenn ſie fortlaufend in einer Reihe liegen. Meine Arbeiter nehmen jene lieber um den 14ten Schfl. als dieſe um den 10ten Schfl. auf; denn eine Perſon bringt bei jenen 18 Schfl. bei dieſen ſchwerlich 10 Schfl. täglich heraus, wenn ſie gleich emſig arbeitet. Dies ſchnelle Fordern iſt aber bei der Ernte von hoͤchſter Wichtigkeit. Dies ſind die Gruͤnde, warum ich die Legung der Kartoffeln in gleich⸗ ſeitigen zureichenden Entfernungen beſtimmt vorziehe. Wenn ich auch zugebe, daß ich, um eine beſtimmte Quantität Kartoffeln zu ernten, etwas mehr an Acker gebrauche, ſo iſt mir doch die Erſparung an Arbeit und die gruͤndliche Bearbeitung meines Ackers weit wichtiger. Bei denen, die mit ihrem zum Kartoffelbau zu verwendenden Acker ſparſam ſeyn muͤſſen, mag das dichtere Legen gerathener ſeyn. Die Kartoffeln. Indeſſen muͤſſen folgende Bedingungen erfuͤllt werden: 1) Man nehme zum Einlegen nur ſichere und vernuͤnftige Leute, die kei⸗ nen Platz, wo eine Kartoffel liegen ſoll, uͤberſchlagen. 2) Man nehme lauter geſunde Setzkartoffeln. 3) Man richte ſeinen Acker ſo zu, daß das Keimen keiner Kartoffel ge⸗ ſtoͤrt werde. Wer dieſe Bedingungen nicht erfuͤllen will oder kann, der lege ſie lieber dichter, oder zwei an einer Stelle, weil ſonſt, wenn viele leere Raͤume blei⸗ ben, der Ausfall betraͤchtlicher ſeyn koͤnnte. §. 279. Die Zeit des Einlegens der Kartoffeln richte ſich nach der Witterung. Plantungt⸗ Ich lege ſie nicht eher, als bis ſich der Boden erwaͤrmt hat, und habe immer S gefunden, daß die ſpäter gelegten die fruͤheren eingeholt haben. Ich habe ſie mit gutem Erfolge bis zu Anfange des Junius gelegt, indeſſen ſuche ich in der Mitte des Mais damit fertig zu ſeyn. Will man ſie ſpaͤt legen, ſo muß man ſie nur an einem waͤrmeren Orte vorher keimen laſſen. In etwas ſtren⸗ gerem Boden duͤrfen ſie durchaus nicht eingeſchmiert werden, ſondern man muß ſeine Abtrocknung abwarten. 28 Im Herbſte iſt mein Boden ſo fruͤh als moͤglich und um 2 Zoll tiefer, Beßelluns. als bisjetzt gepfluͤgt war, umgebrochen und geegget. Im Winter wird der Miſt aufgefahren und ſogleich gebreitet. Im erſten Fruͤhjahre wird er flach untergepfluͤgt; vor der Saatfurche wird geegget. Daß der Miſt mit dieſer zum Theil wieder heraufkomme, iſt mir ſehr lieb, weil er dann um ſo mehr an die Wurzeln der Kartoffeln kommt. Das Einlegen mit dem Spaten nach einer Knotenſchnur habe ich nur einmal verſucht, wie ich ſie zuerſt im Quadrat pflanzen wolte. Waͤre ich auch nicht auf eine andere Methode verfallen, ſo wuͤrde mich die Weitlauftigkeit dieſer Arbeit doch von dieſer Bauart abgeſchreckt haben. Sie werden in die Pflugfurche gelegt, und das Verfahren iſt folgendes: Mit dem oben erwaͤhnten Marqueur oder Furchenzieher werden Linien ader kleine Furchen ins Kreuz mit derjenigen Richtung, welche der Pflug Bearbeitung waͤhrend der Vegetation. 21¹6 Futtergewächſe. hnen ſoll, gezogen. Dann werden fuͤnf Perſonen in ʒitahen Wſtude in die Pfluglinie hingeſtellt, und die Diſtanzeu, die ein jeder belegen ſoll, werden ihnen bezeichnet. Ein Pflug macht die erſte Furche, die belegt wird. Dann ſchließen ſich die zwei andern Pfluͤge an, und in die Furche des dritten Pflu⸗ ges wird nun immer eingelegk. Die Einleger muͤſſen natuͤrlich von einer Seite zur andern, jeder in ſeiner angewieſenen Diſtanz, uͤbergehen. Sie legen die Kartoffeln an der Stelle, welche ihnen die Furche des Marqueurs angiebt, und dicht an dem perpendikulären Abſchnitt des Pfluges. Es iſt wichtig, daß die Kartoffel dicht an die ſer perpendikulären geraden Seite und nicht an die auſgepfluͤgte Erde gelegt werde; denn ſie bleibt hier beſſer in ihrer Lage und wird vom Fuße des Pferdes nicht getroffen. Zu der Furche, in welche eingelegt wird, muß der geſchickteſte Pflugfuͤhrer gewaͤhlt werden, damit er die gehoͤrige Tiefe, auf bindendem Boden von 3 Zoll, auf ſandigem von 4— 5 Zoll halte, und einen etwanigen Fehler, den die an⸗ dren in der Breite der Furchen gemacht hatten, verbeſſere. Dieſer Vorpfluͤ⸗ ger zieht bei einem neuen Gewende immer die erſte Furche. Es iſt rathſam, die Gewende auf beiden Seiten abzuſchkeiten, und Richtſtangen aufzuſtellen, damit Keile vermieden werden. Sind die Leute eingeuͤbt, ſo machen drei Pfluͤge und fuͤnf Einleger taͤg⸗ lich 8 Morgen, immer 6 Morgen fertig. Es muß aber einem jeden ſein Kar⸗ toffelſack zur Hand ſtehen. §. 281. Nach acht Tagen wird geegget und ſchon einiges Unkraut zerſtoͤrt. Dann lauft es in Menge auf. Man erwartet nun den Zeitpunkt, wo die Kartoffeln hervorkommen wollen, und einige Spitzen ſich zeigen. Dann uͤberzieht man das Feld flach mit dem Erſtirpator. Das kann man ohne alle Beſorglichkeit, die Kartoffeln nachtheilig zu verletzen, thun. Hierdurch wird alles Unkraut zerſtört. Man läßt das Land rauh liegen, bis alle Kartoffeln heraus ſind, und dann egget man es wieder glatt. Sie ſtehen dann ſo rein, als ob ſie ſorg⸗ faltig gejätet wären, und es bedarf des Schaufelns nicht. Wenn anfangs nicht alle Pflanzen in gerader Linie nach beiden Richtun⸗ gen ſtehen ſollten, ſo ſchadet dieſes nichts. Die erſte Bearbeitung mit der Pferde⸗ ———————— Die Kartoffeln. 217 Pferdehacke ſetzt ſie hinein. Es ſcheint ihnen gut zu bekommen, wenn ſie etwas geſchoben werden. Die erſte Bearbeitung giebt man ihnen in der Richtung des Marqueurs mit der kleinen Pferdehacke; die zweike in der Richtung des Pfluges mit der großen Pferdehacke. Und das iſt in den meiſten Faͤllen genug. Das Kraut hat nun das ganze Feld bedeckt und beſchattet. Iſt noch hin und wieder eine Un⸗ krautspflanze nahe an einer Kartoffel aufgekommen, ſo iſt es eine ganz unbedeu— tende Arbeit, ſie in der Bluͤte auszuziehen. Will man noch ein drittes Pferdehacken geben, ſo thue man es in der Rich⸗ tung des letzteren. Die aufgeworfenen Furchen zu durchbrechen wuͤrde ſchwierig ſeyn, wenn die Kartoffeln ſchon herangewachſen ſind. Und ſo iſt das Feld immer vor Eintritt der Getreideernte vollig fertig bis zu ſeiner Aberntung. Eine andere Methode, deren ich nich auf lehmigem und der Feuchtigkeit ausgeſetzten Boden noch lieber bediene, iſt folgende: Nachdem der Acker vorbereitet worden, werden mit dem Marqueur zwei ſich rechtwinklicht durchkreuzende Zuͤge gemacht, und auf jeden Durchkreuzungspunkt wird eine Kartoffel geelgt. Das Legen geht noch weit geſchwinder, und eine Perſon kann ſehr bequem 3 Morgen in einem Tage belegen. Dann zieht man zwiſchen jeder Reihe mit der kleinen Pferdehacke durch, und bewirft ſie dadurch vollkommen mit Erde. Wenn das Unkraut hervorkommt, ſo ziehet man, die Kartoffeln moͤgen gelaufen ſeyn oder nicht, mit der großen Pferd ehacke in derſelben Richtung durch, und zerſtört es damit. Nachdem die Kartoffeln etwas herange⸗ wachſen ſind, durchbricht man die aufgepflugten Rucken ins Kreuz mit der großen Pferdehacke, und giebt vielleicht zuletzt noch eine Furche in der erſten Richtung. Die Vorzuͤge, welche dieſe Methode auf lehm'gem und der Feuchtigkeit aus⸗ geſetzten Boden hat, ſind einleuchtend. Die Kartoffel iſt unten, oben und von allen Seiten mit lockerer Eide umgeben; der Miſt wird ihr näher gebracht, und ſie iſt gegen uͤbermäßige Näſſe, die der Frucht verderblich werden kann, vollkom⸗ men geſichert. Denn ſie liegt hoher als der Grund der Furche, in welcher das Waſſer abziehen kann. Der Boden, worin ſie liegt, wird durchaus von der Sonne durchwaͤrmt. Vierter Thell. Se 218 Futtergewaͤchſe. Allein die wirkſame Anwendung des Erxſtirpators fallt bei dieſer Bauart weg, und den Schauſeſpflug kann man auch nicht gebrauchen. Daher hat man etwas mehr mit dem Unkraut zu kampfen, und es kommt ſehr darauf an, daß man den Zeitpunkt zum Ueberſtreichen der Erde richtig wahrnehme. Sonſt muß man mit Handjaͤten und Hacken nachhelfen. Auf ſandigem duͤrren Boden paßt ſie nicht, weil er bei beißer Duͤrre zu ſehr austrocknen könnte. Und endlich könnte ein betraͤchtlicher Froſt, der die Kartoffeln vor dem Auenehmen uͤberſiele, vielleicht tiefer in dieſe Beete eindringen. Alſo rathe ich doch nur auf ſolchem Boden dazu, wo man Nachtheil von der Feuchtigkeit fuͤr die Kartoffeln zu be⸗ ſorgen hat. Ueber andre Methoden des Kartoffelbaues verweiſe ich auf das, was ich im erſten und dritten Bande meiner engliſchen Landwirthſchaft geſagt habe. Bei den vorerwähnten beiden Methoden bleibe ich jetzt ſtehen. Wenn das letzte Anhäufen geſchehen iſt und die Kartoffeln in die Bluͤte treten, ſo muß man ſie ruhig ſtehen laſſen. Denn mit der Bluͤte bilden ſich zugleich die jungen Bollen aus. Es war ein ſehr thoͤrichter Nath, die Bluͤten abzuſchneiden, um dadurch den Ertrag der Kartoffeln zu vermehren. Der ſcharf⸗ ſinnige Cullen in Edinburg hatte es ſchon bemerkt, daß der Vegetationsprozeß in der Bollen⸗ und Blüteentwickelung harmonire, und die bei dieſer Gelegen⸗ beit gemachten Verſuche haben ſämmtlich gezeigt, daß man dem Ertrage durch Die Ernte. Abſchneidung der Bluͤten merklich geſchadet habe. Auch hatte Cullen den Verſuch gemacht, den Kartoffeln das Kraut im⸗ mer abzuſchneiden, ſo wie es wieder austrieb; welches die Folge hatte, daß ſie durchaus keine Bollen anſetzten, ſondern lauter Wurzelfaſern trieben. Anderdons Verſuche uͤber den Nachtheil des fruͤhen Abſchneidens des Krautes, habe ich im rſten Bande der engliſchen Landwirthſchaft S. 403. angefuͤhrt. 6. 282. Die Ernte der Kartoffeln iſt das, was den mehrſten großen Landwirthen am ſchwierigſten geſchienen hat, und warum ſie ihren Anbau im Großen fuͤr be⸗ denklich hielten. Indeſſen hat ſich die Beſorglichkeit ſeit dem Jahre 1598, wo ich den Kartoffelbau im Großen zuerſt predigte, ſehr verloren, und man hat ge⸗ funden, daß es damit leichter gehe, als man ſich vorſtellen konnte. Es iſt eine Die Kartoffeln. 219 gunſtige Zeit, wo Weiber und Kinder keine andre Arbeit haben, und wo die Witterung heiter zu ſeyn pflegt. Es iſt eine Arbeit, die ſie gerne thun, und wo⸗ bei ſie der Gedanke, ihren Winterbedarf zu verdienen, aufmuntert. Mir ſcheint nichts angemeſſener zu ſeyn, als ſie um eine Quote aufnehmen zu laſſen. Nach meiner Art gelegt, thun ſie es um den zwoͤlften Scheffel gern, zuweilen um den fuͤnfzehnten, wenn meine Kartoffeln gut und andre nicht ſönderlich ſtehen. Verdienen ſie mehr als ſie gebrauchen und aufbewahren koͤnnen, ſo nimmt man ſie ihnen zu einem beſtimmten Preiſe ab. Es geht ſehr geſchwind, die Leute neh⸗ men alle ihre Kinder zu Huͤlfe; im Tagelohn iſt es dagegen eine langweilige Arbeit. Die Kartoffeln werden mit einer Winzerhacke aufgehauen, nachdem das Krant vorher abgemähet worden. Nach meiner Art gelegt, kann ein Mann bequem fuͤr zwolf Aufleſer aufhacken. So koſtet die Arbeit weniger als das Aufpfluͤgen, wel⸗ ches mancherlei Unbequemlichkeiten hat; insbeſondere weil nicht genau abgemeſſen werden kann, wie viel an jedem Tage geſammlet wird und der Nachtfroſt die be⸗ ſchdigen kann, welche liegen bleiben. Sie werden ſo vollſtandig aufgeſammlet, daß ich eine Nachleſe nie der Muͤhe werth geſunden habe; denn die Hacke foͤrdert ſie trefflich zu Tage. Es iſt eine große Verſchwendung, ſich der Saͤcke bei der Kartoffelernte zu bedienen. Sie gehen in einem Jahre darauf. Ich habe Kaſten, die ungefaͤhr 3o Scheffel halten und die auf Wagen geſetzt werden. An der Seite haben ſie einen Schieber. Wenn ſie bei dem Kartoffel⸗Magazin anlangen, wird der Schieber geöffnet, eine Rinne angehangen, und ſo laufen die Kartoffeln an den Ort ihrer Beſtimmung herab. Dieſe Kaſten ſind auch zu manchem andern Ge⸗ brauch bequem. §. 283. Wenn die Kartoffeln bei trockner Witterung aufgenommen werden, ſo kann man ſie mit Sicherheit gleich in die Keller oder gegen Froſt verwahrte Magazine brngen. Man muß dieſe aber, bis Froſt eintritt, luftig erhalten. Kommen ſie ſehr feucht ein, ſo iſt es rathſamer, ſie erſt auf eine Tenne zu bringen und ab⸗ trocknen zu laſſen. Keller oder durch doppelte Wände gegen Froſt geſicherte Behaͤlter, ſind zwar zur Aufbewahrung der Kartoffeln am bequemſten; jedoch koͤnnen ſie in Mieten Aufbewab⸗ rung. 220 Futtergewaͤchſe. unter gehöriger Bedeckung von Stroh vollkommen gegen den haͤrteſten Froſt und beſſer als in Gruben geſichert werden. Man kann dieſe Mieten zu 20 und meh⸗ reren Winspeln anlegen, am bequemſten jedoch mit Ruͤckſicht auf die Groͤße des Aufbewahrungsplotzes auf dem Hoſe, damit man eine ganze Miete, ſo wie man ſie gebraucht, auf einmal hineinbringen konne; wozu dann im Winter Tage ohne Fcoſt gewählt werden muͤſſen. Bei den Mieten, welche man, wenn ſie groͤßer ſind, am beſten länglicht und dachfoͤrmig anlegt, kommt es vorzuͤglich darauf an, daß man ſie allenthalben gleichmäßig und wenigſtens 6 Zoll dick mit Stroh belege. Beſonders muß man unten am Boden das Stroh uͤberſtehen laſſen, damit hier kein Froſt eindringe. Oben am Forſt und an den Ecken muß es wohl verbunden ſeyn. Alsdann wird das Stroh mit Eide belegt. Dieſe Erde ſchuͤtzt zwar uͤberall nicht gegen den Froſt; nur das Stroh iſt es, was die Entweichung der Waͤrme aus den Kar⸗ toffeln verhindert. Aber die Erde muß den Durchzug der Luſt durch das Stroh abhalten und deshalb muß ſie dicht ſeyn. Eine loſe abkruͤmelnde Erde taugt alſo nicht dazu, und wenn man keine andre hat, ſo muß man ſie durch irgend eine Bedeckung befeſtigen. Hierzu iſt das Kartoffelnkraut zu gebrauchen, welches man daruber herlegt und ſolches mit Schäafhurden oder auf irgend eine Art ge⸗ gen den Wind befeſtigt. Hat man lehmige Erde, ſo iſt das nicht noͤthig, und man braucht ſie nur allenthalben recht glatt und feſt zu ſchlagen, und muß von Zeit zu Zeit nachſehen, daß keine Heffnung, etwa durch Maͤuſe, entſtehe. Eine ſehr nöthige Vorſicht aber iſt es, dieſe Mieten bei fortdauerndem war⸗ men Wetter im Herbſte, nicht völlig zu ſchließen, ſondern ihnen oben, bis Froſt eintritt, etwas Luſt zu laſſen, damit die Duͤnſte herausziehen koͤnnen. Man laͤßt alſo dem Strohe oben am Forſte Luft, und ſpuͤrt oͤſterer nach, ob kein Gäh⸗ rung anzeigender Geruch entſtehe, in welchem Falle man gleich mehr Luft giebt. Erſt wenn anhaltender Froſt eintritt, macht man ſie feſt zu. In ſolchen Mieten blieben die Kartoffeln unverletzt, wie im Winter 1802 1803 der Froſt uͤber 3 Fuß in die Eide drang, und die Kartoffeln faſt in allen Gruben, die nicht von allen Seiten mit Strob verwahrt waren und in vielen Kellern erfroren. Eine Bedeckung dieſer Mieten mit Miſt iſt voll g unnoͤthig und kann leicht nachtheilig werden. — Die Kartoffeln. 221 Wenn Thauwetter eintritt, ſo iſt es immer rathſam, die Mieten oben et⸗ was zu oͤffnen, damit die Duͤnſte ausgehen koͤnnen. S. 284. Ueber die Benutzung der Kartoffeln noch etwas zu ſagen, waͤre uͤberfluͤſſig. Nahrungs⸗ Rur etwas uͤber das Werthsverhaͤltniß, worin ſie ihrer Natur und ihren naͤh⸗ renden Theilen nach gegeneinander ſtehen. Wenn wir ſie unter den Koͤrnern mit dem Rocken vergleichen, ſo enthal⸗ ten gute Kartoſſeln dem Gewichte nach 24 Prozent nahrhafter Theile, der Rok⸗ ken 70 Prozent. Wenn 1 Scheffel Rocken 82 Pfd. und 1 Scheffel Kartoffeln 100 Pfd. wiegt, ſo ſind dem Maaße nach 643 Scheffel Kartoffeln gleich 24 Schfl. Rocken(vergl. Einhof in den Annalen des Ackerbaues Bd. III. S. 357. Bd. W. S. 627.). 2 Scheffel 12 Metzen Kartoffeln waͤren alſo ungefähr einem Schef⸗ fel Rocken gleich zu ſetzen. Dies muͤſſen aber gute, dichte, mehlige, auf trock⸗ nem Boden gewachſene Kartoffeln ſeyn, wie ſie Einhof bei der genaueren Unterſu⸗ chung bearbeitete. Denn der Unterſchied iſt, wie nachmalige Unterſuchungen lehrten, nnter den Kartoffeln noch groͤßer als er ihn dort annahm, und den ſchlechteren Arten kann man nich? mehr als 20 Prozent nahrhafter Theile zu⸗ ſchreiben; ſo daß von dieſen 3 Scheffel einem Scheffel Rocken gleich zu ſetzen ſind⸗ Die Erfahrung bei der Branntweinbrennerci, wo man nicht die beſſere Art von Kartoffeln zu nehmen pflegt, ſtimmt hiermit uͤberein. Nach der Ausſage der vorzuglichſten praktiſchen Brenner, geben 33 Scheffel Kartoffeln zwar nur ſo viel Branntwein als 1 Scheffel Rocken, er iſt aber ſtarker im Gehalt. it dem Heu, bei der Viehfuͤtterung verglichen, giebt jedermann zu, daß 2 Scheffel Kartoffeln 1 Centner Heu uͤberwiegen, und daß man wenigſtens 1 Schfl. Kartoffen ½ Centner Heu gleich ſeßen koͤnne; wobei jedoch ein Theil der Fuͤt⸗ terung aus Heu oder Stroh beſtehen muß, um die Verdauung zu befoͤrdern. Bei den großen Ochſenmaſtungen, die in meiner Gegend betrieben werden, iſt man vollkommen uͤberzeugt, daß wenn ein Ochſe toglich 2 Scheffel oder 8o Pfd. Kartoffeln, und dabei gewoͤhnlich 5 Pfd. Heu erhaͤlt, er eben ſo ſtark aufſetze, als wenn er 33 Pfd. Heu bekommt, und die Viehhaͤndler geben die Ochſen lie⸗ ber in dieſe Kartoffeln als in bloße Heufütterung. A Priori konnen wir uber das Verhältniß der Kartoffeln zum Heu nicht ſo entſchieden urtheilen, wie uͤber das Koſtenpreis. 222 Futtergewaͤchſe. Verhaleniß derſelben zu dem Korn, weil ſie mit dieſem ſehr gleichartige, mit je⸗ nem ungleichartige nähere Beſtandtheile haben. Deshalb muͤſſen wir uns hier le⸗ diglich an die Erfahrung halten. In England hat man uͤber die Nutzbarkeit der Kartoffeln zur Viehmaſtung in Vergleich gegen die Ruben ſehr viel geſtritten. Als Reſultat dieſes Streites erklärt der große und erfahrne Viehwäſter Campbell ſehr beſtimmt, 1 Buſhel Kartoffeln vom Hofe abgeholt, ſey ihm, auch ohne Ruͤckſicht auf den Miſt zu nehmen, nicht feil fuͤr das Doppelte, was 1 Pfd. Rindfleiſch gelte. Ein Buſhel iſt= o, 64s Scheffel, alſo beinahe 3 Scheffel. Ein Scheffel alſo in reiner Benutzung zur Viehmaſt gleich dem Werthe von 3 Pfd. Rindfleiſch. Ueber die Benutzung der Kartoffeln beim Milchvieh, wo die Erfahrungen bieher ſehr abweichende Reſultate gaben, ſo wie von ihrer Benutzung bei den Schaaſen, werden wir in der Folge reden. 5. 285. Da die Kartoffeln im Großen ſelten Marktwaare ſind, ſo iſt es wichtig, daß man ſich ihr Werthsverhältniß und ihren Erzeugungspreis bei der eigenen Be⸗ nutzung, die man davon machen kann, richtig denke und ihn nicht mit dem Marktpreiſe verwechſele.. Nach dem Ertrage, den ich auf gut und tief kultivirtem und kraͤſtig geduͤng⸗ ten, Feuchtigkeit haltenden Mittelboden vormals gehabt hatte, glaubte ich 140 Schfl. auf den Kalenbergſchen Morgen, der etwa um 4 Quadratruthen groͤßer wie der Magdeburger iſt, im Durchſchnitt annehmen zu koͤnnen(engl. Landwirthſchaft Bd. III.). Hier aber habe ich es dahin noch nicht gebracht, und mein ſtärkſter Gewinn iſt im Jahre 1809 120 Scheffel auf dem hieſigen Morgen geweſen. In dem Mißwachsjahre 1810 nur 78 Scheffel; ſonſt zwiſchen 80 und 90 Scheffel. Ich mache deshalb jetzt meinen Anſchlag auf 80 Scheffel Ertrag nach Abzug der Einlage, wozu ich zwiſchen 5 und 6 Scheffel gebrauche. Die Arbeit beim Kartoffelbau iſt, wenn man ſehr mäßige und immer zu vollfuͤhrende Arbeitsſätze annimmt, folgendermaß en zu berechnen, auf 50 Morgen. Im Herbſt tief zu pfluͤgen à 1½ Morgen.. Leicht zu eggen, 1 Geſpann 16 Morgen.. ₰00 Fuder Miſt aufzufahren; 10 Fuder täglich per Geſpann, betraͤgt 160 Pferde, 40 Män ner. Davon 4 auf die Kartoffeln Zu laden und zu breiten p. Geſpann 1 Mann und Weib. Davon fuͤr die Kartoffeln. Den Miſt unterzupfluͤgen taͤglich 2 ½ Morgen Zu eggen à 10 Morgen p. Geſpann. (Dieſe Vorarbeit betraͤgt nach den unten angenommenen Geldſatzen 47 rthlr. 13 gr 2 Pf. p. Morgen beinahe 23 gr.) Mit dem Marqueur zweimal ins Kreuz zu uͤber⸗ ziehen, täglich 10 Morgen Einlegen mit 3 Pfluͤgen und§ Weibern, täglich Ein Zutraͤger und Aufſeher dabei.. Leicht zu eggen à 16 Morgen p. Geſpann. Mit dem Eyſtirpator zu uͤberziehen, 1 Geſpann W Zum erſten Male mit der Pferdehacke und Pfer⸗ de zu bearbeiten, taͤglich Morgen.. Zum zweiten Male mit der großen Pferdehack⸗ eden Ausziehen des etwa aufgſchlagenen Unkrauts Das Aufnehmen, wenn es im Tagelohn geſche⸗ hen ſollte, p. Morgen 1 Mann und 8 Weiber Einzufahren p. Geſpann 3 Morg. oder 12 Wſpl. Eit Die Kartoffeln. 22 3 Tagearbeiten 3 einzelner Wechſel⸗ Mäaͤnner.] Weiber. ſochſen. 12 ½———— — 13 ½ 13 ½ 133 — 40 20 20— 5— 25 4¹ ½ 5½. 12 ½— 3 ½ 10— 20— 20— 20— —— 50 400 663— 16½— — 162 E = 216 ½ 1563 266½ 480 224 Futtergewaͤchſe. Nach unſten mittlern Verhältniſſen, wenn 1 Schfl. Rocken 1rthlr. gilt, iſt anzuſchlagen der Arbeitstag eines Pferdes zu 5 gr. 5 ⸗„ Wechſelochſen„3 :. Mannes„„ ⸗ ⸗ Weibes 3 216½ Arbeitstage einzelner Pferde koſten alſo„1083½ gr. 156½ ⸗ Wechſelochſen„ 266 ½ ⸗ Maͤnner. ⸗ 480 ⸗ ⸗ Weiber. 50 Morgen koſten alſo 4058 ½ gr. betragt auf 1 Morgen 3 rthlr. 9 gr. 2 pf. Der Schfl. Kartoffeln aber wuͤrde, wenn 81 Schfl. uͤber die Einſaat gewonnen werden, 1 gr. koſten. Nach den verſchiedenen uͤblichen Verhältniſſen muß ſich aber ein jeder dieſes ſelbſt berechnen. Wie hoch iſt nun aber die Landrente und der Miſt anzuſchlagen? Wenn dem Acker eine vollſtandige Sommer⸗ oder Brachbearbeitung von Zeit zu Zeit nothwendig iſt, und wenu man ohne Kartoffeln⸗oder ähnlichen Hack⸗ ſruchtban eine reine Brachbearbeitung geben müßte; ſo iſt die Landrente den Kar⸗ toffeln gar nicht zur Laſt zu ſchreiben, ſondern ſie konnten noch auf eine Verguͤ⸗ tung Anſpruch machen, indem ſie die koſtſpielige Bearbeitung der Brache erſpa⸗ ren, oder vielmehr ſelbſt bewirken. Der Miſt oder die Dungkraft, welche die Kartoffeln auszieben, muß ihnen allerdings angerechnet werden, wenn ſie zum Verkauf kommen. Werden ſie aber in der Wirthſchaft verfuttert, ſo geht es höchſtens mit dem Miſte auf, den ſie wiedergeben. Das geringſte Reſultat, was die über Düngererzeugung ange⸗ ſtellten Verſuche geben, iſt; daß 100 Pfd. verfutterte Kartoffeln 66 Pfd. Miſt hervorbringen. 80 Schfl. Kartoffeln geben alſo 5280 Pfd. Miſt und 800 Pfd. Kartoffelſtroh geben 1840 Pfund, folglich die Kartoffeln von einem Morgen, 3 gute Juder. Wenigſtens alſo der Maſſe nach ſchon ſo viel, als ſie conſumi⸗ ren. Die Kartoffeln. 225 ren. Welche Vorzuͤge aber dieſer Miſt vor dem Miſte aus gewoͤhnlicher trock⸗ ner Fuͤtterung habe, iſt wohl allgemein anerkannt, und von Kähler(Vergl. An⸗ nalen des Ackerbaues Bd. XII. S. 228.) ſcharfſinnig beobachtet worden. In dem Falle alſo koͤnnen wir den Kartoffeln fuͤr die Duͤnger⸗Comſumtion nichts anrechnen; es wird vielmehr durch ihren Anbau die Dungmaſſe betraͤchtlich ver⸗ mehrt, und durch das thieriſche Leben, welches ſie ernähren, werden andre Mate⸗ rialien erſt zu wirkſamem Duͤnger gemacht. Man hat aber manchmal Gelegenheit, ſeinen Acker an kleine Leute zum Kar⸗ toffelbau zu vermiethen. Wenn er gehoͤrig vorbereitet und gedungt iſt, bekommt man fuͤr die zwolffüßige Ruthe 1 ½ gr., beträgt per Morgen 11 rthlr. 6 gr. Hiervon muͤſſen die Vorarbeitskoſten abgezogen werden, welche oben zu 23 gr. berechnet worden; bleiben alſo 10 rthlr. 7 gr. Wenn man alſo dieſen baaren Geldertrag den Kartoffeln bei eigenem Anbau fur Landrente und Miſt anrechnen will, ſo werden die Kartoffeln koſten 10 rthlr. 7 gr. +3 rthlr. 9 gr. 2 pf.= 13 rthlr. 16 gr. 2 pf. und 1 Scheffel Kartoffeln kommt dann auf 4r gr. zu ſtehen. Dies waͤre alſo der Koſtenpreis der Kartof⸗ feln, der wegen des gebuͤhrenden Profits auf 3 gr. zu ſetzen iſt. Und wohlfeiler ſind wohl nie Kartoffeln verkauft worden. Hierbei aber geht der Duͤnger verlo⸗ ren, und wenn ich fuͤr 80 Schfl. von 1 Morgen 16 rthlr. 16 gr. bekomme, welche nach Abzug von 3 rthlr. 9 gr. Arbeitskoſten 10 rthlr. 7 gr. reinen Ertrag geben, ſo fragt es ſich, ob ich nach meinen Wirchſchaftsverhaͤltniſſen dadurch auch hin⸗ reichenden Erſatz fuͤr den verlornen Duͤnger erhalte?— Conſumirt die Wirthſchaft aber die Kartoffeln ſelbſt, ſo kann ſie ihre Erzen⸗ gungskoſten nicht hoͤher als zu 1 gr. p. Schfl.— und um das Riſiko aufs hoͤchſte zu decken— zu 1 gr. 4 pf anſchlagen. Und ſie bezahlen ſich in der Maſung zu 6 gr., wenn das Pfd. Fleiſch 2 gr. gilt. §. 286. ueber die merkwuͤrdige aber noch wenig benutzte Abſcheidung des Kartoffel⸗ mehls durch den Froſt, wodurch das Subſtanzielle der Kartoffel ſehr lange er⸗ halten und leichter noch als Getreide verführt werden kann, vergl. Annalen des Ak⸗ kerbaues Bd. III. S. 389. und Bd. XI. S. 1. Vierter Theil. Ff —— — 3 Abarten. 226 Futtergewaͤchſe. Die Runkelruͤbe. §5. 287. Mangoldwurzel, Burgunderruͤbe, Dickruͤbe, Raunſchen, Ran⸗ gers, von den Franzoſen durch eine mißverſtandene Ueberſetzung des Worts Mangold, racine de disette, und von den Engländern daher wieder scarcity- root genannt, ſtammt mit allen ihren Varietaͤten entweder von der Beta vul- garis allein ab, oder iſt aus einer Vermiſchung derſelben mit der Beta cicla entſtanden. Denn ich halte den Unterſchied, den die Botaniker zwiſchen beiden Gattungen angeben, fuͤr zu unbedeutend, und meinen Bemerkungen nach fuͤr zu unbeſtimmt, um eine ſpezifiſche Trennung beider zu begruͤnden. Aus der dun⸗ kelrothen Gartenruͤbe und dem weißen Mangold ſind durch Vermiſchung des Saamenſtaubes, meiner Ueberzeugung nach, alle die Varietaten entſtanden, die ſich bald jener bald dieſem mehr nähern und noch immerfort Ausartungen un⸗ terworſen ſind, wo bei einzelnen Individuen der eine oder der andre urſpruͤng⸗ liche Stamm mehr hervorſticht. Es laſſen ſich daher die verſchiedenen Arten, welche man davon anbauet, wie das bei ſo vielen der kultivirten Pflanzen der Fall iſt, nicht beſtimmt charakteriſiriren, ſondern ſie gehen allmaͤhlig und ſchwan⸗ kend ineinander uͤber. Die an beiden Eytremen ſtehenden Spielarten ſind die dunkelrothe in den Kuͤchengaͤrten ſchon viel fruͤher angebaute rothe Beetwurzel und die ganz weiße Runkelruͤbe. Dazwiſchen ſtehen nun die große hochrothe, die fleiſchfarbne oder mit fleiſchfarbnen Ringen gemiſchte, die aͤußerlich rothe und inwendig ganz weiße, die gelbe, auch gelb und roth gemengte. Mit der Farbe der Wurzel ſtimmt die Farbe des Krauts mehrentheils uͤberein oder vielmehr der Blattnerven, die mehr oder minder roth oder ganz grun ſind. Aus dem Saamen, von einer Pflanze aufgenommen, erfolgen immer Verſchiedenheiten. Doch iſt die ganz rothe oder die ganz weiße und gelbe am beſtändigſten. Die bleichrothe Art wird unter gleichen Umſtaͤnden am groͤßten und giebt das ſtärkſte Produkt; deshalb wird ſie zur Viehfuͤtterung am haͤufigſten gebauet. Man unterſcheidet davon wieder zwei Abarten: eine, die mit ihrer Ruͤbe ganz in der Erde bleibt, und eine andre, die aus dem Boden herauszuwachſen die Nei⸗ Die Runkelrube. 227 gung hat. Daß dieſe Neigung zum Theil in der Art liege, glaube ich nach meinen Beobachtungen zwar; es hat aber auch der Boden gewiß einen betraͤcht⸗ lichen Einfluß darauf, indem ich einmal mit einem Freunde Saamen ctheilte, den ich als eine herauswachſende Art erhalten hatte, und meine daraus erzoge⸗ nen Pflanzen ſämmtlich in der Erde blieben, die ſeinigen aber herauswuchſen. Mein Boden war auf 10 Zoll, der ſeinige nur flach gepfluͤßgt. Ohne Zweifel wird ſich auf einem ſeichten Boden die herauswachſende Art beſſer paſſen und einträglicher ſeyn, wogegen ich auf tiefem Boden, die nicht herauswachſende, be⸗ ſonders aus der Urſache, vorziehe, weil ſie von den Herbſtſroͤſten weniger ver⸗ letzt wird. Die gelben und weißen Nunkelruͤben haben dagegen den Vorzug, daß ſie konſiſtenter und gegen den Froſt etwas haͤrter ſind, beſonders aber daß ſie nach der Verſicherung aller derer, die mit der Zuckerausſcheidung Verſuche gemacht haben, mehreren Zuckerſtoff enthalten. Zur Zucker⸗ und Syrupsfafrikation, viel⸗ leicht auch zum Branntweinbrennen, ſind ſie daher jetzt allgemeiner beliebter; zum wirchſchaftlichen Gebrauch aber wiegen ſie doch durch jene Qualitaͤten die groͤßere Maſſe nicht auf, die jene roͤthlichen Arten geben. F. 288. Die Runkelruͤbe waͤchſt zwar auf jedem mäßig feuchten, in ſtarker Duͤng⸗ Boden. kraft ſtehenden Boden, allein auf ſandigem Boden bleiöt ſie, wenn in ihrer Ve⸗ getationsperiode nicht vieler Regen fällt, klein, und auf einem lockern humoſen feucht liegenden Boden wird ſie waͤßrig, ſehr groß, aber inwendig hohl, und man kann ſie gegen ein ſchnelles Anfaulen faſt gar nicht retten. Der am meiſten fuͤr ſie geeignete Boden iſt daher ein ziemlich gebundener Lehmboden, wo ſie faſt im⸗ mer gedeiht und mehrere Konſiſtenz behaͤlt. Ich mache es mir daher zur Regel, wenn ich mit meinem Hackfruchtbau auf gebundenern Boden komme, mehr Runkelruͤben, auf ſandigerin aber mehr Rotabaga zu bauen. Sie erfordern, um zu einer betraͤchtlichen Stärke zu gelangen, einen ſtark geduͤngten Boden, gleichviel ob unmittelbar fur ſie geduͤngt ſey, oder ob die vor⸗ bergehende Frucht den Acker noch reich hinterlaſſen habe. Friſcher Duͤnger muß wenigſtens durch zweimaliges Pflügen mit der Ackerkrume gut vermengt ſeyn. Ff2 Saat. Vegetation. 228 Futtergewaͤchſe. Je tiefer der Boden, um deſto beſſer, und auf ſlachem Boden wird ſie, auf aufgepfluͤgte Beete gepſflanze oder geſaͤet, ſtaͤrkern Ertrag geben. §. 239. Der Saamen kann auf die Stelle gelegt werden, wo die Pflanze ſtehen blei⸗ ben ſoll. Man legt ein einzelnes Korn in einzelne Loͤcher oder man legt den Saamen in Rillen, wenigſtens ums doppelte dichter, als die Pflanzen ſtehen blei⸗ ben ſollen. Dieſe Methode iſt aber nur auf warmem, muͤrben und von Unkraut ziemlich reinen Boden zu empfehlen. Denn der Keim durchbricht die harte Schaale ſchwer, es dauert lange, ehe das Pflaͤnzchen mit ſeinen ſchwachen Saamenblät⸗ tern zum Vorſchein kommt, und der Acker iſt dann ſchon hoch mit Unkraut be⸗ wachſen. Oft wird auch das Keimen unterdruͤckt, wenn entweder das zu hoch liegende Korn nicht zureichende Feuchtigkeit hat, oder das zu tief liegende von der Erde eingeballt wird. Gegen das Unkraut kann man ſich allein dadurch retten, daß man die Reihen bezeichnet, worin die Koͤrner liegen, um es, noch ehe die Pflanzen ſichtbar werden, durch Schaufeln vertilgen zu können, was aber doch immer große Aufmerkſamkeit erfordert. Man hat ſie auch wohl breitwuͤrfig aus⸗ geſaͤet, und dann durch Jäten und Behacken ſo verduͤnnet, daß die Ruͤben einzeln zu ſtehen kommen; dies iſt aber unter allen die beſchwerlichſte und koſtſpieligſte Methode. Auf gewoͤhnlichem Ackerboden iſt die Verpflanzung in der Regel vorzuziehen, welche auch Zeit gewaͤhrt, den Acker mehr vorzubereiten. Weil aber durch das Verſetzen die Pflanze in ihrem Wachsthume allerdings geſtoͤrt wird, ſo iſt es von Wichtigkeit ſich fruͤhe Pflanzen zu verſchaffen, und der Saamen muß daher ſruh und in einem recht warmen Orte in lockeren Gartenboden geſaͤet werden. Man kann ihn auch im Spaͤtherbſt legen, ſo daß er bei der niedrigen Temperatur ſchlafend an der Erde liege und nur ſeine Kapſel ſich erweiche. Aber der geringe Vorſprung, den dieſe Pflanzen erhalten, erſetzt die Gefahr nicht, denen der Saa⸗ men in der Erde von Maͤuſen und Inſekten ausgeſett iſt,; weswegen man dieſe Methode ſaſt allgemein wieder aufgegeben hat. Ueber die Verpflanzung vergl.§. 180— 183. §5. 290. Dir heranwachſenden Pflanzen erfordern eine fleißige Bearbeitung, und ihr Gedeihen hängt beſonders davon ab. Es geſchiehet durch den Schanfelpflug; Die Runkelruͤbe. 229 wenn aber die Pflanzen herangewachſen ſind, iſt ihnen ein gelindes Anhaͤufen ge⸗ gen die Meinung einiger ſehr nuͤtzlich, und ſelbſt der aus der Erde hervorwach⸗„ ſenden Spielart. Sie breiten dann im Auguſt ihre großen fleiſchigen aber waͤßrigen Blaͤtter ſehr aus, und manche rechnen viel auf den Futterertrag, den dieſe Blätter ge⸗ ben. Wenn man ſie fruͤh und haͤufig abblattet, ſo uͤberwiegt nach ungefaͤhren Berechnungen der Blaͤtterertrag zuweilen den der Wurzeln, aber auch auf Koſten der letztern, und wenn man ſie geizig und fruͤh abzublatten anfaͤngt, ſo bleiben die Wurzeln ganz ſchmaͤchtig. Das Vieh frißt dieſe Blätter, hat aber keine beſon⸗ dere Neigung dazu, und ſie ſcheinen ſehr wenig nahrhaftes in einer ſehr großen Maſſe zu enthalten. Man verliert daher ohne Zweifel an den Wurzeln, was man am wahren Werthe in den Blättern gewinnt; das Abblatten iſt muͤhſam, und ich glaube, daß nur der Futtermangel um dieſe Zeit es oͤkonomiſch rechtferti⸗ gen könne. Erſt im Herbſt, wenn die Vegetation aufzuhoͤren ſcheint und man bald zum Aufnehmen der Wurzeln ſchreiten will, ſchneidet man das Kraut rein weg und verfuttert es. Das Aufnehmen dieſer Ruben iſt leicht, aber das Abputzen der Faſerwurzeln, welches doch, wenn ſie aufbewahret werden ſollen, geſchehen muß, iſt nicht ohne Beſchwerde. Ruͤben auf thonigem Boden gewachſen, haben weniger Wurzelfaſern. §. 291. Die Aufbewahrung dieſer Ruͤben, bis ſpaͤt in den Winter, iſt ſchwierig„Aufbewah⸗ weil ſie vom Froſte ſo ſehr leicht angegriffen und ſchnell zerſtört werden⸗ In waͤr⸗ S meren Kellern faulen ſie ebenfalls leicht, und man muß ſie mit Stroh oder mit Sand auſſchichten. In nicht zu großen, mit Stroh belegten Mieten gleich den Kartoffelmieten, werden ſie ſich am beſten halten. §. 292. Ihr Ertrag vom Morgen, kann, wie ich aus Erfahrung weiß, auf 300 Ctr. Ertra. gebracht werden; indeſſen iſt dies etwas außerordentliches, und man kann ſelbſt auf angemeſſenem Boden nur 180 Ctr. per Morgen annehmen. Im Magdeburgi⸗ ſchen rechnet man, daß jeder Quadratfuß 1 Pfund Ruͤben gebe. Dies betruͤge auf 1 Morgen 235 Centner. Man muß aber davon auf zufälliges Mißrathen der Ruͤben 4 abziehen. Man kann aber nur etwa 10 Prozent wirklich nahrhaf⸗ Der Anban der Runkel⸗ ruͤbe zur Zuk⸗ kerbereitung. 230 Futtergewaͤchſe. ter Theile in ihnen annehmen, und ſie werden ſich gegen das Heu etwa wie 10 zu 46, gegen die Kartoffeln wie 20 zu 46 verhalten. Jedoch ſind ſie wegen ihres vielen Zuckerſtoffs dem Vieh vorzuͤglich angenehm und gedeihlich, wirken bei den Kuͤhen beſonders auf Erzengung der Milch, der ſie einen angenehmen Geſchmack ge⸗ ben, und ſcheinen mit Kartoffein zugleich gefuttert, die Milch beſonders zu verbeſſern. Dies Gewaächs hat den Vorzug, daß es faſt von keinem Inſekte angegrif⸗ ſen wird. 6 298. Da der Anbau der Ruͤben zur Zuckerbereitung in unſren Tagen ſo viele Auf⸗ merkſamkeit erregt, ſo fuͤge ich noch S darauf beſonders Bezug habende Be⸗ merkungen hinzu: Man waͤhlt dazu vorzäglich die ganz weiße, naͤchſt dieſer die gelbe und am wenigſten die roͤthliche Art, weil jene reichhaltiger an Zuckerſtoff befunden wor⸗ den. Sie geben aber im Ganzen einen weit geringern Ertrag wie die mehr roͤth⸗ liche Art. Wenn alſo die Zuckerabſcheidung bei ihnen leichter iſt, ſo wird die rohe Produktion dagegen geringer, und der Landwirth kann ſie nicht fuͤr einen gleichen Preis bauen. Ferner iſt es der S rerzeugung nachtheilig, wenn ſie in einem ſehr reichen und mit Duͤngertheilen ſtark angefuͤllten Boden, der zur Salpeterer⸗ zeugung geneigt iſt, gebauet werden, weil ſie alsdann viel Salpeter und weniger Zuckerſtoff enthalten. Endlich will man, daß die Ruͤben gegen die Einwirkung des Lichts geſichert ſeyn ſollen: ſie muͤſſen daher mit Erde bedeckt ſeyn, und die aus dem Boden hervorwachſende Art iſt am wenigſten dazu geeignet. Sie muͤſſen mög⸗ lichſt dicht bei einander ſtehen, wodurch die Bearbeitung ſehr erſchwert wird, und der Ertrag ſich ohne Zweifel vermindert. Sie duͤrfen endlich vor dem Aufneh⸗ men nicht abgeblattet werden, ſondern man muß ihnen die Blatter zur Decke laſ⸗ ſen, welches fuͤr manche Landwirthe eine große Aufopferung zu ſeyn ſcheint. Nach den auf große Verſuche angeſtellten Berechnungen darf der Ctr. roher Ruͤben nicht uͤber 6 gr. kommen, wenn die Zuckerbereitung vortheilhaft bleiben ſoll. Zu dieſem Preiſe kann ſie der Landwirth vortheilhaſt bauen, da wo er frem⸗ den Duͤnger, ſollte er auch das Fuder mit 2 rthlr. bezahlen, ankaufen kann. Wo dieſes aber nicht ſtatt findet, wird er, die Sache im Großen zu betreiben, Be⸗ denken finden, weil die Runkelruͤbe allerdings einige Dungkraft verzehrt, und beim N Die Ruͤbe. 231 Verkauf wenig oder gar kein Duͤngermaterial wiedergiebt. Kann er den Centner Runkelruͤben zur Viehfuͤtterung nur zu 3 gr. benutzen, ſo wird er dieſe Benutung vorziehen, um ſeinen Duͤngerſtand nicht zu vermindern. Es wird daher immer viele Schwierigkeiten haben, erhebliche Zuckerfabriken mit rohem Material genug⸗ ſam und nachhaltig zu verſorgen. Es muß ſich nun die ſo lange zweifelhaft ge⸗ weſene Frage: ob die Zuckerfabrikation aus Runkelruͤben vortheilhaft ſey?— denn uͤber die Möglichkeit iſt kein Zweiſel mehr— entſcheiden, da an ſo vielen Orten Anlagen zum Betriebe im Großen gemacht werden. Die Ruͤbe(Brassica rapa). F. 294. Wir haben mannichfaltige Arten von Ruͤben, die angebauet werden, und die nach dem Boden und der Kultur, die ſie bekommen, vielleicht auch durch die Befruchtung mit einer andern Abart unendliche Spielarten machen. Dieje⸗ nigen, welche wir vorzuͤglich auf dem Acker bauen, haben wahrſcheinlich erſt durch die Kultur die Geſtalt und Groͤße ihrer Ruͤbe erhalten, die ſich nachher in Saa⸗ men fortpflanzt, aber bei minderer Kultur auch wieder zuruͤckſchläͤgt. Botaniſch ſcheinen einige von der Brassica rapa, andre von der Brassica oleracea abzuſtammen, oder vielleicht Blendlinge zu ſeyn, wozu das Geſchlet der Brassica ſehr geneigt ſcheint. Oekonomiſch unterſcheiden wir hauptſaͤchlich die Waſſer⸗ oder Saatrü⸗ ben, die auf der Stelle, wo ſie ſtehen bleiben ſollen, geſaet werden muͤſſen, und das Verpflanzen während ihrer Vegetation nicht ertrogen(wenigſtens nicht an⸗ ders, als mit einem großen Ballen Erde), und Steckruͤben, welche gewoͤhnlich verpflanzt werden, und daher wahrſcheinlich ihren Namen haben. Die Saatruͤben §. 295. ſtammen von der Brassica rapa ab, ſind viel wäſſriger wie alle Arten der Steck⸗ ruͤben, und werden deshalb auch Waſſerruͤben genannt. In ihrer Geſtalt und Farbe ſind ſie ſehr verſchieden. Einige machen eine breite, runde, mehr oder min⸗ 2 Abarten. Brachrüben. 232 Futtergewaͤchſe. der zuſammengedruckte, zwiebelfoͤrmige Bolle, die unten eine duͤnne Pfahlwurzel hat— die einige auch Tellerruͤben nennen— andre eine ſpindelfoͤrmige, die unten ſpitz zuläuft, und in die Pfahlwurzel allmaͤhlig uͤbergeht, welche Guckel⸗ ruͤben genannt werden. Beide ſind bald gelber, bald weißer, zuweilen auch oben roͤthlich oder gruͤnlich. Sie wachſen zuweilen mehr aus der Erde heraus, zuwei⸗ len vergroͤßern ſie ſich unter der Oberflaͤche. Ihre Groͤße iſt ſehr verſchieden, und ſcheint hauptſaͤchlich von der Kultur abzuhaͤngen. Aber die Dispoſition groß zu werden, erbt ſich einige Generationen hindurch im Saamen fort. Die Ruͤ⸗ ben, von welchen einige in England die Schwere von 60 bis 70 Pfd. erhalten, ſcheinen ganz dieſelben zu ſeyn, die gemeiniglich bei uns nur 4 Pfd. wiegen. Und ich habe dieſe letztere auch ſchon zu 14 Pfd. gebracht. Wenn die großen Ruͤben gleich keine beſondere Abart ſind, ſo hat man doch auf Saamen von gro⸗ ßen Ruͤben zu ſehen, wenn man ſolche bauen will. §. 296. Man hat ſchon lange bei uns in der Brache und in der Stoppel gebauete Ruͤben unterſchieden, und wußte, daß jene ungleich groͤßer wurden. Man hat aber nicht die Sorgfalt wie in England auf die Brachruͤben verwandt, wo ſie noch immer eins der Hauptfuͤtterungsmittel ausmachen, und den Angel, worauf ſich die ganze Wirthſchaft drehet. Es iſt dort noch immer die gewoͤhnlichſte Hack⸗ frucht ſtatt der Brache, und dasjenige Feldſyſtem, welches man jetzt Wechſel⸗ wirthſchaft nennt, heißt daſelbſt Ruͤben⸗(Turnips«) Wirthſchaft, auch die Norfolkſche und Suffolkſche Wirthſchaft. Was dieſen ſorgfaͤltigen Anbau anbe⸗ trifft, ſo verweiſe ich auf den 1ſten und Zten Band meiner engliſchen Landwirth⸗ ſchaft, indem ich vorausſetzen kann, daß jeder, der ihn betreiben will, das Werk beſitzt, und ich nichts weiter hinzufuͤgen kann, als daß der Erdfloh und die Rau⸗ pen mir dieſen Bau ſehr verleidet haben. In Deutſchland werden die Ruͤben zu Ende des Juni oder Anfangs Juli in die Brache geſaͤet, nachdem ſchon dreimal dazu gepfluͤgt und geduͤngt worden. Sie werden von ſolchen, die es einigermaßen zwingen koͤnnen, gejatet aber ſelten behackt und vereinzelt. Wenn ſie gerathen, geben ſie einen betraͤchtlichen Ertrag, wenn gleich nicht ſolchen, wie die behackten Ruͤben der Englaͤnder; und wenn ſie nicht gerathen, ſo achtet man den Verluſt des Saamens nicht. Da man Die Saatruͤben. 233 man aber doch die Brache, wenn man ſie uͤberhaupt nutzen will, mit anderen Ge⸗ wächſen vortheilhafter benutzen kann, ſo kommen ſie nicht haufig vor. §. 297. Mehr werden in Deutſchland die Stoppelruͤben gebauet. Allgemein iſt die⸗ Stoppelrů⸗ ſer Bau in den weſtlichen Gegenden Deutſchlands, ſeit alten Zeiten nach dem Rheine zu. Er nimmt immer ab, und verſchwindet faſt ganzlich dieſſeits der Elbe. Das Klima hat nicht Schuld, die Ernte iſt hier nicht merklich ſpäͤter wie dort, auch tritt der Winter nicht fruͤher ein. Und dennoch iſt jener Bau hoͤchſt vor⸗ theilhaft, und eine Haupiſtuͤtze der Wirthſchaften in jenen Gegenden! Warum bauet man ſie alſo bei uns nicht mehr?— Die Haupturſache iſt wohl die, daß in den hieſigen großen Wirthſchaften das Gedraͤnge der Geſchäfte in der Ernte zu ſtark iſt, um gleich nach der erſten Rockenernte an die Umbrechung der Stop⸗ pel denken zu koͤnnen, was doch eine nothwendige Bedingung dieſes Baues iſt. Fuͤr große Wirthſchaften iſt bei uns in der Regel der Werth des Bodens ge⸗ ringer, als die Koſten der Arbeit. Und da die Stoppelruͤben doch auch Bear⸗ beitung erfordern, wenn ſie gerathen ſollen, ſo bauet man beſſer Brachruͤben, die ſicherer ſind, und deren Bearbeitung in eine bequemerr Zeit fällt. Unſre kleinen Wirthſchaſten ſind dagegen bisher zu aͤrmlich, um ſich dieſe Anſtrengung zu ge⸗ ben. Und uͤberdem fehlt es an Beiſpielen dieſes fuͤr kleine Wirhſchaften mehr an⸗ gemeſſenen Baues. —— — —5 F. 298. Die Ruͤben verlangen einen lehmigen Sandboden, der aber in Kraſft ſtehet Boden und und nicht zu duͤrre liegt, jedoch auch keiner zu großen Feuchtigkeit ausgeſetzt iſt. Zu den Stoppelruͤben— denn von dieſen rede ich jetzt nur— wird der Acker, ſobald der Rocken vom Halme iſt, flach umgebrochen. Man wartet oft nicht bis er eingefahren wonden, ſondern pfluͤgt zwiſchen den Haufen durch. Es wird dann ſcharf geegget, und die ausgeeggete Stoppel zuſammen geharkt und ver⸗ prannt. Kann man irgend einen Duͤnger geben, ſo thut man es, und wenn der Rocken nicht in Duͤnger geſaͤet wäre, ſo iſt es unumgaͤnglich noͤthig. Dann wird bald darauf zum zweitenmale tiefer gepflugt, mit der Egge vorgezogen, der Saamen zu 1 bis 1 ½ Pfd. per Morgen vorſichtig ausgeſäet, wieder ſcharf ge⸗ egget und gewalzt. Zuweilen werden jedoch die Ruͤben auf die erſte Furche ge⸗ Vierter Theil. Gg Pegetation. Ernte. 234 Futtergewaͤchſe. ſäet, beſonders auf ſehr ſandigem Boden, wo ſie doch aber den beſſer vorberei⸗ teten nicht gleich kommen. Mit der Einſaat muß man eilen, damit der Boden nicht austrockne. 3 *§. 299. Wenn die Ruͤben ihr Kraut entwickelt haben und feſt genug eingewurzelt ſind, werden ſie ſcharf geegget. Man bekümmert ſich nicht darum, ob einige ſchwaͤchere Pflanzen ausgeriſſen werden; dies iſt den uͤbrigen wohlthäͤtig. Man hält das Eggen, wo man es kennt, fuͤr eine Bedingung des guten Gerathens. Fleißige kleine Wirthe laſſen das größere Unkraut ausziehen. Das Gedeihen dängt vorzüglich davon ab, ob nach der Ausſaat Regen er⸗ folgt. In einem duͤrren Nachſommer wird nichts daraus, und die jungen Pflan⸗ zen werden vom Erdfloh abgefreſſen. Der Verluſt des Saamens iſt unbedeu⸗ tend, und die Arbeit kommt einer andern Frucht zu gute. Die Raupen ſind die⸗ ſen Spätruͤben ſo gefährlich nicht, als den fruͤheren; auch kann man ſie durch Eggen und Walzen zerſtoͤren. 5 Wenn ſie zu dicht ſtehen, werden ſchon um Michaelis die kleineren aufgezo⸗ gen und vortheilhaft mit dem Kraute verfuͤttert. Die groͤßeren läßt man ſtehen bis im November, weswegen ſie auch November⸗Ruͤben genannt werden. Jetzt nimmt man ſie gewoͤhnlich auf, verfuͤttert ſo viel man bedarf mit dem Krau⸗ te; den uͤbrigen ſchneidet man dieſes ab und verwahrt ſie in Kellern oder mit Stroh belegten Feimen. Kann man mit dem Aufnehinen nicht fertig werden, ſo laͤßt man einen Theil im Lande ſtehen und zieht etwa nur die großen auf. Mehrentheils halten ſie ſich auch bei uns den Winter durch und ſind im Fruͤhjahr mit ihrem jung austreiben⸗ den Kraute ein vorzuͤgliches Fucter fuͤr Rindvieh und Schaafe. Letzteren läßt man ſie auch aus der Erde freſſen, insbeſondere wenn ſie keine erhebliche Große erreicht haben oder man mit der Arbeit nicht fertig werden kann. In Wintern aber, wo Froſt und Thauwetter haͤufig abwechſeln, werden ſie zerſtoͤrt, und deshalb ſucht man einen Theil immer zu ſichern. Ein Ertrag von 20 bis 25 Centnern iſt nichts ungewoͤhnliches, und ich habe ſie, wenn wieder dazu geduͤngt war, ſo geſehen, daß man ſie auf 40 Centner ſchätzen konnte. ———— — Die Saatruͤben. 235 §. 301. Nicht ſelten ſaͤet man, nachdem ſie aufgezogen worden, im Dezember noch Winterrocken ein, gewöhnlich aber im Fruͤhjahr Soͤmmerung, wozu der Boden gut vorbereitet iſt. Die Duͤngung, welche die immer noch zuruͤckbleibenden Ruͤben mit ihrem jungen Kraute geben, iſt vielleicht ein Erſatz fuͤr das, was die uͤbrigen ausgezogen baben, und man glaubt nicht, daß der Acker durch Ruͤben an Kraft verliere. 5. 552. Die Waſſerruͤben ſind zwar ihrer Maſſe nach keine ſehr nahrhafte, aber Gebrauch. eine ungemein angenehme und wohlthaͤtige Fuͤtterung fuͤr Rindvieh und Schaafe. Wenn ſie der Milch einen Beiſchmack gegeben haben, ſo kam es lediglich daher, daß die Ruͤben ſelbſt oder die Blaͤtter angefault waren. Sonſt hat die Butter den angenehmſten Grasgeſchmack davon. Sie ſcheinen auch mehr auf Milch⸗ als auf Fleiſchanſatz zu wirken; obgleich in England ſehr vieles Vieh damit ge⸗ maͤſtet wird. Man rechnet aber, daß ein Ochſe täglich ſeines Gewichts an Ruͤben haben muͤſſe. Bei der Fuͤtterung der Kuͤhe ſchätze ich ſie, dem Gewichte nach, dem gruͤnen Klee gleich; 100 Pfd.= 22 Pfd. Heu. Die ganz großen Ruͤben der Englaͤnder ſind in demſelben Gewichte minder nahrhaft. §. 303. Die Teltower Ruͤben ſind eine beſondere Abart dieſer Ruͤben, in Anſehung Leltewer R⸗ ihrer Natur aber und des Anbaues, der auch zuweilen in der Rockenſtoppel, ben— haufiger jedoch in der Brache geſchiehet, ihnen faſt gleich. Sie ſind ihrer Kleinheit wegen viel zu koſtbar fuͤr das Vieh, und werden als eine angenehme Speiſe ſehr geſucht und theurer bezahlt. So vortheilhaft ihr Anbau fuͤr den kleinen Hausmann iſt, der ſie mit ſeiner Familie bearbeitet, und ſie zum Verkauf ab⸗ putzt, ſo wenig wuͤrden ſie ſich dem groͤßeren Landwirthe bezahlen, und man hat keinen Vortheil dabei gefunden, auch nur den eigenen Bedarf zu bauen. Sonſt iſt es nicht richtig, daß ſie den ganz beſonderen Boden gewiſſer Feldfluren er⸗ fordern; jeder mürbe, reine und in alten Dung ſtehende lehmige Sandboden paßt dafuͤr. Sannow Verſuch einer praktiſchen Anleitung zum Teltower Ruͤbenbau. Berlin 1788. Gg 2 Aufnehmen des Saamens. Abarten. 236 Futtergewaͤchſe. §. 304. Der Saamen der Ruͤben darf nicht von den im Felde ſtehen gebliebenen, die im Fruͤhjahr bald in Bluͤte ſchießen, aufgenommen werden, wenigſtens nicht mehrere Male nacheinander. Es werden ſonſt die Ruͤben immer kleiner und end⸗ lich ganz unbedeutend, ſo däß ſie nur noch wie die zur Hehlſaat gebaueten Ruͤb⸗ ſen eine ſpindelfoͤrmige Wurzel machen. Dagegen pflanzt ſich bei dem Hinzutre⸗ ten anderer beguͤnſtigender Umſtände, die Neigung, große Ruͤben anzuſetzen, im Saamen fort, wenn man dieſen von ausgewählt großen Ruͤben erzielt, bie man vor Winter aufnimmt, in einer Grube oder Keller vor dem Froſte bewahrt und im Fruͤhjahr wieder auspflanzt. Indeſſen hat man bemerkt, daß die Ruͤben da⸗ durch auch immer weichlicher gegen den Froſt werden, und da man dies in Eng⸗ land ſcheuet, ſo nimmt man den Saamen zuweilen einmal von Ruͤben auf, die ſoter geſäet, und im Lande, nachdem ſie ſorgfaltig behacket, den Winter über ſtehen geblieben waren. §. 305. Man hat es auch verſucht, Ruͤben mit ſpaͤteren Wicken, nachdem dieſe un⸗ tergepfluͤgt und geegget waren, auszuſäen, die Wicken ſodann gruͤn abzumaͤhen, wonach die Ruben rein von Unkraut noch eine gute Ernte gegeben haben. Zu⸗ fallig mag das gut eingeſchlagen ſeyn, wenn nämlich durch einen fruͤhen Froſt die Wicken voͤllig zerſtoͤrt wurden. Sonſt beſorge ich, daß jung geſchnittene Wik⸗ ken zu ſehr wieder ausſchlagen, um den Ruͤben Platz zu machen. Beſſer wurde ſich der Buchweizen dazu paſſen. Die Kohlruͤben, Steckruͤben, Kohlrabi. F. 306. Sie ſtammen von der Brassica oleracea ab, und die Botaniker bezeich⸗ nen ſie durch den Zuſatz: Napobrassica, beſonders diejenige Art, welche ihre Rübe unter der Erde macht, und welche beim Anbau im Großen die gewoͤhnlichſte iſt. Hiervon giebt es wiederum mehrere Abarten, und es können vielleicht durch Auswahl einzelner abweichender Pflanzen zu Saamen⸗Müttern noch unendliche Varietären erzeugt werden. Sie unterſcheiden ſich in ihrer Farbe, die bei einigen ganz weiß, bei andern gelblich, aber oſt unbeſtändig iſt, ſo daß aus dem von Die Kohlruͤben. 237 weißen genommenen Saamen einige gelbe und umgekehrt entſtehen: ferner aber in ihrer Konſiſten;; indem einige feſter und derber, andre ſchwammiger und wei⸗ cher ſind. Letzteres iſt beſtandiger, und bleibt, wenn ſich auch die Farbe verän⸗ dert. Sie zeichnen ſich auch in ihrem Habitus, Kraute und Stengeln, von einander aus, ſo daß man ſie beim Anblicke unterſcheiden, den Unterſchied aber kaum verſtaͤnd⸗ lich mit Worten ausdruͤcken kann, weil es auf ein Mehr oder Weniger ankommt. F. 307. Eine beſondere Abart, deren Unterſchied ſich aber auch nur ſehen und nach⸗ her ſchmecken, nicht beſchreiben läßt, iſt die in England unter dem Namen ſchwediſcher Turnips oder Rotabaga ſo beliebt gewordene Art, welche Rotabagi. ſich jetzt auch bei uns allgemein verbreitet hat. F. 308. Dieſe Ruͤben verlangen einen mehr lehmigen, feuchthaltenden Boden, wie Voden⸗ die Waſſerruͤben; insbeſondere die ſchwereren, mehrentheils weißeren Arten. Auf ſandigem, trocknen Boden, bleiben ſie klein und uneinträglich. Die ſchwammige⸗ ren nehmen mit einem ſandigern Boden eher vorlieb; unter allen aber die Rota⸗ baga am beſten. Hierin und daß ſie auch auf ſolchem Boden eine beträchtliche Groͤße erreicht, beſteht hanptſaͤchlich der Vorzug derſelben; wozu kommt, daß ſie zuckerſtoffhaltiger und angenehmer von Geſchmack iſt. Ich halte ſie ſonſt keines⸗ weges fuͤr ſo nahrhaft, wie die derbere, mehrentheils weißere, zum Kuͤchenge⸗ brauch aber faſt zu harte Art. Auf ſtrengem Boden rathe ich vielmehr bei dieſer zu bleiben; auf loſerem aber Rotabaga zu bauen, weil ſie einen ungleich hoͤhe⸗ ren Ertrag giebt. Manche Gäaͤrtner haben behauptet, die Rotabaga ſey eins mit der ſchon ſrüher bekannten gelben Steckrube. Sie unterſcheidet ſich aber im Geſchmack ſehr beſtimmt; ökonomiſch beſonders darin, daß ſie auf ſandigerm Boden gedei⸗ bet, und doß ſie gegen den Froſt ſehr hart, die gelbe Steckruͤbe aber gerade un⸗ ter allen Arten die weichlichſte iſt. § 39. Der Bau dieſer Abarten von Ruͤben iſt nicht verſchieden. Wenn der Acker Beßelluns. nicht ſchon in ſtarker Duͤngkraft ſtehet, ſo muß dazu kräftig geduͤngt und dev⸗ Miſt wenigſtens zweimal durchgepflugt werden⸗ Durchwinte⸗ rung. Ertrag. 238 Futtergewaͤchſe. Sie werden entweder auf der Stelle geſäet, wo ſie bleiben ſollen, oder auſ dem Saamenbeete erzogen und dann verpflanzt, welches ſie ſehr gut ertragen. Ueber beide Methoden verweiſe ich auf§. 179 und 181. Im erſteren Falle geſchiehet die Ausſort von der Mitte des Mais bis zur Mitte, allenſalls bis zu Ende Juni. Sie fruͤher zu ſäen, iſt nicht rathſam, weil ſie ſonſt im Herbſt in Saamen zu ſchießen Neigung haben und danach ſo⸗ gleich ſtockig werden. Will man ſie aber verpflanzen, ſo iſt es rathſam ſie ſchon im April zu ſäen, weil ſie durch die Verſetzung ſehr zuruͤckgehalten werden. Mit beſonders gutem Erſolge werden ſie nach der§. 182. beſchriebenen Methode auf hohe Nuͤcken geſäet und gepflanzt, wobei aber die Unterdruͤckung des Unkrauts etwas muͤhſamer iſt. Sonſt werden ſie geſchaufelt, ſpaͤt wohl etwas, doch wenig ange⸗ haͤuft, weil man dadurch ſonſt ihre Blätter mit Erde uͤberſchuͤtten wuͤrde. Von der Mitte des Septembers an kann man ihnen die groͤßeren Blätter nehmen, wodurch ſie ein betrachtliches Viehfutter gewaͤhren. §. 310. Dieſe Ruͤben, und vor allen die Rotabaga, ſind die haͤrteſten gegen den Froſt, und die ſicherſte Art ſie aufzubewahren, wäre: ſie auf dem abgewaͤſſerten Acker ſtehen zu laſſen, wenn ſie nicht im freien Felde dem Angriffe der Menſchen, der zahmen und wilden Thiere, ſo ſehr ausgeſetzt waͤren, indem ſie aus der Erde bervorragen. Bei der Aufbewahrung im Hauſe oder in Feimen hat man mehr zu beſorgen, daß ſie ſich erhitzen und dann ſaulen, als daß ſie erfrieren. Der Froſt zerſtoͤrt ſie wenigſtens ſo bald nicht, ſondern ſie ſind nach dem Auſthauen noch recht gut; obwohl er ſie in dem Zuſtande mehr ergreift, als wenn ſie mit ihren Wurzeln in der Erde befeſtiget und gewiſſermaßen fortvegetirend ſtehen. In Gruben oder Kellern zuſammengepackt verfaulen ſie ſehr leicht. Was man nicht vor Meujahr verbraucht, ſchichtet man am beſten zwiſchen Stroh auf in irgend einer Scheuer oder Schoppen, und man braucht dann nicht beſorgt gegen das Eindringen des Froſtes zu ſeyn. Der Ertrag der Steckruͤben und beſonders der ſogenannten Rotabaga iſt, wenn ſie kein Unfall trifft, unter allen ähnlichen Gewächſen vielleicht der ſtaͤrkſte. Ich habe ſelbſt auf noch nicht in volle Kraft geſetzten Boden 10 Winſpel ge⸗ — Die Kohlruͤben. 239 baͤuſtes Maaß vom Morgen erhalten, alſo wenigſtens 2 000 Pfd. ohne Kraut. Ich habe aber auch mehrere Male großen Mißwachs davon gehabt, durch den Erdfloh, durch die Kohlraude und nachher durch die Rockenraupe, welche dieſem Gewaͤchſe vorzuglich nachgehet, und im Jahre 1810 durch die Duͤrre des Nach⸗ ſommere. Letztere traf alle Gewächſe dieſer Art; aber die Inſekten ſind es, welche den Bau dieſer Wurzel mißlicher machen, wie den der Kartoffeln und der Runkelruͤben. F 312. In Anſehung ihrer naͤhrenden Theile verhaͤlt ſich die Rotabaga nach den Nohrungs⸗ Einhofſchen Unterſuchungen zur Runkelrube wie 15 zu 12; und hiermit ſtimmt kuft. die Erfahrung bei der Maſtung uͤberein. Gegen die Kartoffeln verhielten ſie ſich wie 15 zu 25. Sie werden von allem Vieh ſehr gern gefreſſen, und wirken ſtark auf den Milchanſatz. Sie geben der Milch, wenn ſie nicht angefault ſind, durchaus kei⸗ nen unangenehmen Beiſchmack. Aus dieſen Gruͤnden iſt ihr Anbau ſehr zu empfehlen, jedoch ſo, daß man ſich nicht allein darauf verlaſſe, wegen der Unfälle, die ſie betreffen koͤnnen. §. 113. Ein damit nahe verwandtes, aber zum Kuͤchengebrauche mehr als zur Vieh⸗ Kehlrabi. fuͤtterung bisher benuttes Gewaͤchs, iſt der Kohlrabi, Brassica oleracea gongylodes, wovon die Gärtner mehrere Varietaten erzielen. Einige ruͤhmen den Anbau im Großen zur Viehfuͤtterung deshalb, weil das Aufnehmen und Reinigen zum Wintergebrauch ſo vorzuͤglich leicht ſey, indem dieſes Gewachs ſeine Knolle ganz uͤber der Erde anſetzt. Eine Abart davon habe ich unter dem Namen Strengkraut geſehen, welches mehr cylindriſche Knollen machte und oben zum Theil einen kleinen Kehlkopf trug, und ohne Zweifel aus einer Ver⸗ miſchung des Kopfkohls und Kohlrabis entſtanden war. In Anſehung des Anbaues iſt es von den Steckruͤben nicht verſchieden, er⸗ fordert aber einen ſtrengen und reichlich geduͤngten, beſonders gut behandelten Boden; ſo wie er zum Kohl geeignet iſt. Abarten. 240 Futtergewaͤchſe. Der Kopfkohl oder das Kopfkraut, Brassica oleracea capitata, §. 314. auch Weißkohl oder Weißkraut genannt, hat wieder mannigfaltige Unterab⸗ arten. Ich erwähne hier nicht der im Garten gebaueten monnigfaltigen Arten, die unter dem Ramen des Wirſing⸗Woͤrſchkohls, Savoyer⸗Kohls, u. ſ. f. be⸗ kannt ſind, ſondern nur des gewoͤhnlichern glatteren Kohls. Auch dieſer iſt ſei⸗ ner Farbe, ſeiner Form und Groͤße nach ſehr verſchieden. Er iſt weiß und roth oder gemengt von beiden Farben; er iſt plattgedruͤckt oder laͤuft oben ſpiß zu, weswegen man dieſen Zuckerhutskohl nennt. Man hat Kohlarten, die auf gehörigem Boden und bei ſorgfaltiger Behandlung Koͤpfe von 20 bis 30 Pfd. machen, und zuweilen ſogar, der Verſicherung nach, zu 80 Pfd. gekommen ſind. Andre Arten, und insbeſondere der ſpitze Kohl wird in der Regel nur 3 bis 4 Pfd. ſchwer, erreicht jedoch mit einzelnen Koͤpfen auch wohl 6 bis 7 Pfd. Jene gro⸗ ßen Kohlarten halten manche fuͤr etwas hoͤchſt vortheilhaftes, und begreifen kaum, warum die meiſten Kohlbauer bei dem kleinen Kohl bleiben. Wer dagegen beide aus Erfahrung kennt, und die Sache gehoͤrig uͤberlegt, wird dem kleinen Kohl entſchieden den Vorzug geben. Zu dem großen Kohl wird nicht nur ein hoͤchſt kraftvoller Boden erfordert, ſondern er kann auch nur, der ſehr große auf 4 Fuß Entfernung, der kleinere auf 3 Fuß, gepflanzt werden. Es kommen alſo 16, oder gar nur 9 Pflanzen auf eine Quadratruthe. Der kleine, beſonders ſpitze Kohl wird am beſten in Reihen von 2 Fuß Entfernung, und in dieſe von 1 ½ Fuß ge⸗ ſetzt, ſo daß 54 Pflanzen auf die Quadratruthe kommen. Er gelangt ſicherer zu ſeiner Vollkommenheit, wenn jener oft fladdrig bleibt; er wird dichter und laßt ſich beſſer aufbewahren. Da die Kohlpflanzen auch bei der beſten Behand⸗ lung, wenn ſie ſchon in vollem Wachethume ſtehen, der Zerſtoͤrung durch die Larve des Moikäfers und den Reitwurm ausgeſetzt ſind, ſo bleibt ein großer Raum unbenutzt, wenn von den großen Pflanzen eine oder die andre ausgeht, wogegen dies bei dem enger gepflanzten kleinen Kohl kaum bemerklich iſt. §. 315. Der Kopfkohl. 241 §. 318. Der Kohl erfordert einen thonigen, in kräftiger Kultur befindlichen, oder Peb aber einen ſehr humoſen feucht liegenden Acker. Der thonige Boden muß mit ſtarkem warmen Duͤnger tuchtig durchgearbeitet werden, und dann giebt man ihm vor der letzten Furche wo moͤglich noch einen Huͤrdenſchlag, oder befährt ihn mit Jauche. Aber auch der reiche humoſe Boden verlangt zum Kohl eine Duͤn⸗ gung, vielleicht mehr um aufloͤſend, als um naͤhrend zu wirken. Ueber die Er⸗ ziehung der Pflanzen und die Verpflanzung iſt das noͤthige oben beim Hackfrucht⸗ bau im Allgemeinen geſagt worden. Der Kohl kann zwar auch auf der Stelle, wo er ſtehen bleiben ſoll, geſaͤet, und der Ueberfluß von Pflanzen ausgehackt werden; dieſe Methode iſt aber wohl nur auf ſehr reinem Boden anwendbar. Man muß vorzuͤglich Sorge tragen, recht fruͤhe Pflanzen zu haben, um die Aus⸗ pflanzung noch im Mai, wenn die Witterung guͤnſtig iſt, verrichten zu koͤnnen. §. 316. Er wird geſchaufelt und dann wiederholt angehaͤuft, bis ſeine Blaͤtter das Vegetations⸗ ganze Feld bedecken. Im naͤchſten Umkreiſe der Pflanzen iſt zuweilen eine Lok⸗ kerung und Zerſtoͤrung des Unkrauts mit der Handhacke noͤthig. Wenn er ſeine Blatter von ſelbſt abzuwerfen anfaͤngt, dann, nicht fruͤher, kann man ihn ohne Nachtheil abblatten. Nach dem Abblatten iſt ihm eine neue Anhaͤufung von Erde wohlthätig. Er ſtoßt alsdann neue Blaͤtter ab. §. 317. Die Köpfe werden zu Ende Oktobers, oder auch ſpäter, ausgeſtochen oder Erute. ausgehauen. Wenn ſie jedoch bei feuchter Witterung zu platzen anfangen, muß es fruͤher geſchehen. Man läßt den Strunk mit den äußeren Blaͤttern, oder den Schlauch ſtehen, und holt ihn dann nach Beduͤrfniß zum Verfuͤttern ein. Bei großem Ueberfluß läßt man ihn auch wohl vom Vieh auf dem Felde abfreſſen. §. 318. Es iſt vielleicht kein Gewaͤchs, was auf dem dazu geeigneten Boden eine Benutun⸗ ſo große Maſſe giebt, wie dieſes. Man hat bloß an Koͤpfen uͤber§00 Ctnr. vom Morgen gewonnen; 300 Ctnr. ſind nichts ungewöhnliches. Mehrentheils wird der Kohl zum Verkauf gebauet, und dies geſchieht mit großem Vortheil von ſolchen, die Kohlland in Gegenden beſitzen, wo es nicht haͤufig vorkommt. Vierter Theil. Hb Durchwinte⸗ rung. Uufaͤlle. 242 Futtergewaͤchſe. Aber auch zur Viebfuͤtterung bloß verwandt, kann der Kohlbau auf angemeſſe⸗ nem Boden ſehr rathſam ſeyn, wenn gleich 6 Ctr. Kohl in ihrer Nahrungskraft nur 1 Ctr. Heu und 2 Ctr. Kartoffeln gleichkommen. Er maͤſtet, in reichlichem Maaße gegeben, alles Vieh vortrefflich, und iſt auch ſehr milcherzeugend. Milch und Butter bekommt davon, wenn man nur angefaulte Blaͤtter vermeidet, einen lieblichen Grasgeſchmack. Den Schaafmuͤttern hält man den Kohl nach dem Lammen beſonders nutzlich. Ein Maſtochſe verzehrt nach dem Durchſchnitt der Erfahrungen täglich 150 bis 180 Pfd., ein Maſthammel 12 Pfd. §. 319. Nur iſt ſeine Aufbewahrung im Winter ſehr ſchwierig. Denn wenn er gleich der freien Luft ausgeſetzt und ganz vom Froſte durchdrungen, nach dem Aufthauen nicht ſchnell verdirbt, ſo iſt doch ein großer Verluſt dabei, indem die äußeren Blaͤtter groͤßtentheils verfaulen. In Kellern und an waͤrmern Oertern haͤlt er ſich gar nicht, ſondern fault. Das ſicherſte bleibt immer, ihn auf ſeinem Stamme ſtehen zu laſſen, und ihn hereinzuholen, wenn man ihn braucht. Man ſucht ihn aber doch immer in den erſten Wintermonaten zu verfuͤttern. Ihn als Sauerkraut fuͤr das Vieh einzumachen, iſt eine zwar recht gute, aber ſehr weit⸗ taͤuftige Methode, die ſich im Großen nicht gut ausfuͤhren läßt. §. 320. Vielen Unfaͤllen iſt dieſe Pflanze ausgeſetzt: dem Erdfloh in der Jugend; dem Befallen mit Mehlthau, nach welchem ſich ſogleich eine beſondere Gattung von Blattläuſen einfindet; den Wuͤrmern, welche die Wurzeln angreifen, und den Raupen, die ihn ſpaͤterhin zuweilen voͤllig zerſtören. Doch befallen ihn alle dieſe Feinde im freien Felde nicht ſo arg als im Garten. Das Gedeihen hangt uͤbrigens ſehr von der Witterung ab, beſonders ob dieſe nach der Verpflanzung guͤnſtig iſt. Die Moͤhren, Mohrruͤben, Karotten, gelbe Wurzeln, gelbe Ruͤben. .. Anbau dieſes Gewächſes zur Vießfuͤtterung wird außer England und Belgien, auch in manchen Gegenden Deutſchlands haͤufig betrieben, und man er⸗ Die Moͤhren. 243 kennt ihn als ſehr vortheilhaft, in ſofern man die erforderliche Arbeit, welche bei keinem Gewächſe dieſer Art ſchwieriger iſt, daran wenden kann. §. 322. Man hat mehrere Spielarten, welche ſich durch die Große, die ſie erlangen Abarten. können, und durch ihre Farbe nur unterſcheiden. Die kleineren Arten, welche in Gaͤrten und auch auf Miſtbeeten zum fruͤhen Gebrauche beliebt ſind, muß man zu dieſem Behufe vermeiden, und ſich eine ſolche, die die Neigung ſehr groß und lang zu werden angenommen hat, verſchaffen. Man hat deren von Drangefarbe und von blaßgelber Farbe. Von letzterer habe ich die großten geſehen. §. 323. Sie verlangen einen loſeren, folglich ſandhaltigen, aber wenigſtens bis zu Voden un einem Fuß Tieſe ſehr reichen Boden. Wenn letzteres der Fall iſt, ſo koͤnnen ſie auch bei einer ganz duͤrren Lage des Ackers ziemlich gut gedeihen. Ein ſolcher Boden bedarf dann nicht vieler Bearbeitung. Es iſt genug, wenn er nur einmal, aber wenigſtens einen Fuß tief gepfluͤgt wird, was ftreilich am beſten mit einem Dappelpfluge geſchiehet. Es verſteht ſich aber, daß dieſer Acker von Quecken und andrem Wurzelunkraute rein ſeyn muͤſſe. Wäre das nicht, ſo muͤßte er zuvor mehrere Male flach gepfluͤgt werden, um das Unkraut zu vertilgen. Man bauet ſie deshalb haufig auch nach einer andren Hackfrucht, wodurch der Boden gereinigt worden. Die tiefe Pflugfurche wird im Herbſt ge⸗ geben und der Acker völlig bereitet, damit er ſich im Winter wieder ſacke und die Ausſaat ſo ſruͤh als moͤglich, und ohne Bedenken ſelbſt im Winter auf dem Schnee geſchehen koͤnne. Steht der Boden noch in ſtarker Duͤngkraft, ſo bedarf es des Duͤngers nicht; iſt er aber ſchon unvermoͤgender, ſo waͤre es ſehr unwirthſchaftlich, ihm keinen Duͤnger zu geben, weil man mit derſelben Arbeit dann nur einen weit geringeren Ertrag erzielen wuͤrde. Man muß aber entweder vollig zergangenen Duͤnger haben, oder langen ſtrohigen Duͤnger, nachdem man geſäet hat, uͤber das Land verbreiten, und ihn, wenn die Ruͤben hervorgekommen ſind, wieder — Dieſe Methode iſt manchem beſonders gut eingeſchlagen. Hb2 Aus ſaat. Vegetations⸗ veriode. 244 Futtergewaͤchſe. §. 224. Die Ausſaat ſchon hat einige Schwierigkeiten, weil der Saamen ſo ſehr zuſammenhängt. Es iſt unumgaͤnglich noͤthig, daß er zuvor ſtark abgerieben werde, was nicht anders als mit der Hand geſchehen kann; ſonſt wuͤrde er nur in Klumpen zuſammenfallen. Aber auch nachdem dies geſchehen iſt, haͤngt er noch ſehr zuſammen. Man vermengt ihn am beſten mit feinen Säͤgeſpaͤnen, reibt ihn damit durcheinander und ſaͤet ihn ſo aus. Man nimmt 3½ Pfund Saamen auf den Morgen; dies iſt wenigſtens, wenn er gut vertheilt wird, voͤllig zureichend. Zur Erleichterung der Bearbeitung iſt es allerdings ſehr vortheilhaft, ihn in Reihen zu ſäen; ich habe aber immer wegen des Zuſammenhaͤngens des Saamens Schwierigkeiten dabei gefunden; die Pflaͤnzchen ſtanden immer klump⸗ weiſe zu dicht nebeneinander, und ihre Vereinzelung war muͤhſam. Der Saamen darf nur äußerſt flach mit Erde bedeckt werden. Bei feuch⸗ ter Witterung zieht er ſich von ſelbſt genug in die Erde; bei trockner Witte⸗ rung egget man vor, ſaͤet und walzt ſodann. §. 325. Der Saamen laͤnft, beſonders wenn ihn nicht eine feuchte warme Witte⸗ rung beguͤnſtigt, ſpaͤt auf, und die Pflaͤnzchen kommen äußerſt fein hervor. Der Acker iſt alſo ſchon mit Unkraut uͤberzogen, bevor man ſie wahrnimmt. Das Jäten iſt daher unumgaͤnglich nothwendig. Einige haben es durch das Eggen mit Erfolg faſt erſpart; es muß aber wohl ein beſonders guͤnſtiger Zeitpunkt getroffen werden, um das Unkraut da⸗ durch zu zerſtoͤren, ohne den gekeimten Pflaͤnzchen zu nachtheilig zu werden. Wenn die Möhren ſich durch ihre krauſen Blaͤtter kennbar genug machen, ſo iſt es zu ihrem vollkommenen Gedeihen unumgänglich noͤthig, daß ſie bekratzt und behackt, und dabei zugleich vereinzelt werden, und dieſes Behacken muß wenigſtens zweimal wiederholt werden. Zum erſten Male läßt man die Pflan⸗ zen wohl etwas dichter ſtehen, zum zweiten Male aber ſetzt man ſie in eine Entfernung von wenigſtens 9 Zoll. Es iſt beinahe unglaublich, wie ſehr der Ertrag der Moͤhren hiervon abhängt. Ich habe den komparativen Verſuch mehrere Male gemacht, und von andren machen ſehen, daß ein Theil des Moͤh⸗ Die Moͤhren. 245 renfeldes nach gewöhnlicher Gärtnermanier behandelt, erſt gejätet und dann die Moͤhren durch Aufzieben verduͤnnt wurden, der andre Theil aber zu rechter Zeit behackt, wo dann der letztere hernach wenigſtens das Dreifache gab. Dies Behacken aber erfordert Uebung und umſicht, und macht alſo dieſen Anbau ſchwierig und koſtſpielig. Indeſſen verlohnt es ſich, da man von einem Morgen Moͤhren auf gehoͤ⸗ rigem Boden dadurch 300 Scheffel und deruͤber ernten kann. §. 326. Kann man dieſe ſorgfaͤltige Bearbeitung nicht anwenden, ſo muß man mit Unter andere einem geringeren Ertrage zufrieden ſeyn. Dann aber iſt es am rathſamſten, ðrchte gſit die Moͤhren unter eine andre Frucht zu ſaen und ſie als zweite Ernte zu neh⸗ men, wozu ſie ſich beſonders paſſen, weil ſie nur im Nachſommer ſich auszu⸗ breiten anfangen. Am haͤufigſten ſäet man ſie unter den Mohn, der ihnen fruͤh genug das Feld räumt, und demnächſt unter den fruhen Lein, der ihnen, wenn er aufgezogen iſt, das Land rein und locker hinterlaͤßt. Auch koͤnnen ſie der Verſicherung nach uͤber die Rockenſaat geſäet werden. Es iſt dann aber noͤthig, daß unmittelbar nach der Aberntung deſſelben die Stoppel aus⸗ gehackt und den Moͤhreu Raum und Lockerheit verſchafft werde; eine Arbeit, die mir in der geſchaͤftsvollen Zeit nur zu verſuchen zu ſchwierig geweſen iſt. Ohne ſolche wird man nichts davon erhalten. Es verſteht ſich, daß ſie, un⸗ ter andren Gewächſen geſäet, einen um ſo kräftigern Boden erfordern. §. 327. um Michaelis kann man ihr ſtarkes Kraut abmähen; das Vieh frißt Ernte. es aber nicht beſonders gern und zieht ſogar das Kartoffelkraut vor. Die Möhren werden am beſten mit einer Miſtforke aufgenommen. Das Kraut wird ihnen mehrentheils mit einer Scheibe abgeſchnitten; nach andren aber ſollen ſie ſich beſſer halten, wenn es herausgedrehet wird⸗ Gewiß iſt es, daß die Moͤhren an dieſer Stelle immer zuerſt anfaulen, und es iſt rathſam, dieſe Stelle erſt abtrocknen und ſich gewiſſermaßen vernarben zu laſſen, ehe man ſie in das Wintermagazin bringt. Auch iſt es rathſam, die Moͤhren erſt eine Zeit lang in kleinen Haufen auf dem Felde liegen und ſie vom Regen abſpuͤ⸗ len zu laſſen. Durchwinte⸗ rung. Gebrauch. 246 Futtergewaͤchſe. F. 328. Einen maͤßigen Froſt koͤnnen die Moͤhren wohl ertragen, aber wenn ſie ganz davon durchdrungen ſind, faulen ſie doch nach dem Aufthauen leicht. Auf der andern Seite kommen ſie bei einer hoͤheren Temperatur, wenn ſie ſtark aufgehaͤuft liegen, leicht in Gaͤhrung und gehen in Fäulniß uͤber. Ihre Aufbewahrung durch den Winter iſt demnach ſchwierig, und die ſicherſte Art iſt die, ſie mit trocknem Sande oder mit Stroh aufzuſchichten, entweder in Kellern oder auch in Feimen, die man bei dem Eintritte der ſtaͤrkern Kaͤlte mit Stroh und dann mit Erde bedeckt, wie bei den Kartoffeln; ihnen aber noch ſorgfaͤltiger bei gelinder Temperatur Luft giebt. In Erdgruben darf man nur ſehr kleine Haufen von wenigen Scheffeln zufammenbringen. §. 328. Die Moͤhren ſind ein ſehr gedeihliches Futter fuͤr alles Vieh, uͤbertreffen darin alle Ruͤbenarten, und thun es nach der Erfahrung mancher Viehmaͤſter, vorzuͤglich bei den Schweinen, den Kartoffeln, die doch weit mehr feſte Theile enthalten, noch zuvor. In vielen Gegenden haͤlt man ſie unbedingt fuͤr das vortheilhafteſte Futter, was man den Schweinen geben kann. Ein anony⸗ mer Schriftſteller hat neulich in der landwirthſchaftlichen Zeitung behauptet, daß ſie der Milcherzeugung beim Rindvieh nachtheilig waͤren. Es iſt unbe⸗ greiflich, wie ſo einſeitige unverbuͤrgte Angaben einen ſolchen Eindruck machen koͤnnen, wie dieſe zum Beiſpiel gemacht hat. Es haben ihn andre, nach ihrer Erfahrung widerlegt. Sie wirken ſehr gut auch auf die Milch! Es iſt auch bei uns laͤngſt bekannt, daß ſie von den Pferden ſehr gern gefreſſen werden, und ihnen ſehr geſund ſeyn, weswegen ſie als ein Kurmittel fuͤr erhitzte Pferde angewendet werden. Aber daß man die Pferde bei der ſchwerſten Arbeit damit ein halbes Jahr einzig und allein bei vollen Kräften erhalten könne, haben wir erſt von den Engländern, beſonders von Suffolk, erfahren, wie ich im 1ſten Bande meiner engliſchen Landwirthſchaft ausfuͤhr⸗ licher erzahlt habe. Ein Pferd muß aber täglich 70 bis 80 Pfd. neben 8 Pfd. Heu erhalten. Die Paſtinaken. Der Mais. 247 Die Paſtinaken. §. 329. Sie erfordern zu ihrem vollkommenen Gedeihen einen noch reicheren und noch etwas feuchteren Boden wie die Moͤhren. Ihr Anbau kommt dem der letzteren faſt vollig gleich; doch ſind ſie, weil die Pflanze ſchneller erſtarkt, und ſich in breitern Blättern zeigt, auch vom Unkraute nicht leicht unterdruͤckt wird, leichter zu bearbeiten, und koͤnnten auch, da ihr Saamen glatter iſt, vielleicht beſſer in Reihen geſaͤet werden. Vereinzelt muͤſſen ſie aber durchaus ſtehen, ſonſt erlangen ſie keine Stärke. Anf einem reichen humoſen Boden uͤbertrifft ihr Ertrag noch den der Moͤhren, und in der Nahrungskraft ſtehen ſie dieſen wohl gleich, uͤbertreffen ſie nach der Meinung einiger ſogar. Einen Hauptvorzug vor allen Wurzelgewaͤchſen aber haben ſie darin, daß ſie den Froſt in der Erde ohne alle Beſchädigung jedesmal aushalten, und alſo im Fruͤhjahr erſt verbraucht werden können. Sie verdienen baher, daß man ihnen eine groͤßere Aufmerkſamkeit widme, als bisher geſchehen iſt.(Vergl. Annalen des Ackerbaues Bd. UI. S. 294. Sie koͤnnen auch, wie die Moͤhren, unter andere Früchten geſaͤet werden. Ihr ſtarkes Kraut iſt dem Viehe ſehr angenehm, und nach den kleinen Verſuchen, die ich daruͤber gemacht habe, ſehr milchergiebig, ſo daß man ſie vielleicht bloß um des Krautes willen, welches immer wieder ausſchlägt, und ſich ſogar wie Unkraut leicht einwurzelt, anbauen koͤnnte. Der Mais(Zea Mais), tuͤrkſcher Weizen, Welſchkorn, Kukuruts u. ſ. f. §. 330. Er gehoͤrt ſeiner Natur nach unter die Getreidearten, in Anſehung ſei⸗ nes Anbaues aber unter die Hackfruͤchte, weswegen wir hier von ihm reden⸗ Der Mais erfordert einen warmen und kraͤftigen Boden, und zwar erſte⸗ ren um ſo mehr, je kaͤlter das Klima iſt, wo man ſeinen Anban betreiben Ab⸗ und Spielarten. 248 Futtergewaͤchſe. will. Ein ſandiger oder kalkiger, mit wenigen Thoncheilen gemiſchter Boden ſagt ihm mehr als ein gebundener Lehmboden zu, wenn er ſich in ſtarker Dung⸗ kraft befindet. Man wählt wo moͤglich einen ſuͤdlichen Abhang, und der eini⸗ gen Schutz gegen Nord⸗Weſtwind hat, dazu. Sein Anbau iſt in dem ſuͤdli⸗ cheren Klima weit ſicherer, indeſſen findet er auch in dem unſrigen ſtatt, wenn man ſeines Mißwachſes in kalten Sommern nicht achtet. Im Jahr 1805 kam die groͤßere Art bei uns gar nicht, die kleinere nur ſparlich zur Reife. Im Jahr 1810 mißrieth er wegen der Kaͤlte des Mays. §. 331. Dieſe Pflanze hat unzaͤhlige Spielarten, die aber nicht beſtaͤndig ſind und in einander uͤbergehen. Die Farbe der Koͤrner iſt beſonders hoͤchſt wechſelnd, ſcheint aber auch in oͤkonomiſcher Hinſicht ganz gleichguͤltig zu ſeyn. Wicht⸗ ger iſt der Unterſchied der Groͤße. Man bauet in den ſuͤdlichſten Regionen von Nordamerika Mais, der eine enorme Groͤße erreicht. Bei einem damit gemachten Verſuche wurden die Koͤrner auf ein Beet an der Suͤdſeite eines Hauſes gelegt, welches als Blumenbeet im kraͤftigſten Duͤngerſtande war. Er erreichte mit ſeinen Bluͤt⸗ wimpfeln die Fenſter des zweiten Stockes, wenigſtens 18 Fuß. Es war eine prächtige Pflanze; aber ungeachtet des ziemlich warmen Sommers ward kein Korn reif. Von dieſer Art kann alſo zum Anbau bei uns keine Rede ſeyn. Was wir großen Mais nennen, iſt die gewoͤhnlichſte in Europa kultivirte Art, und dieſe iſt es, welche den betraͤchtlichen Ertrag giebt, wenn ſie geraͤth. Neuerlich iſt aber auch die kleine und immer kleinere Art, welche man in Ita⸗ lien unter den Namen quarantino, cinquantino und sexantino, auch tor- queto, als zweite Frucht anbauet, bekannt geworden und angeruͤhmt, weil ſie ſpaͤt ausgeſäet in der wärmſten Jahreszeit ihre Vegetation vollendet, und alſo auch im noͤrdlichen Klima voͤllig ſicher zu ſeyn ſcheint. Allein nach allen damit angeſtellten Verſuchen iſt ihr Ertrag wiederum ſo geringe, daß ſie als einzige und Hauptfrucht ihren Anbau nicht verlohnt. Sie vermiſcht ſich aber teicht mit der groͤßern Art, und giebt dann eine Mittelgattung, welche fuͤr uns die angemeſſenſte und ſicherſte zu ſeyn ſcheint, von der man jedoch den Ertrag der großen Art nicht erwarten darf. §. 332. Der Mais. 249 §. 332. Der Mais muß einen ſorgfaͤltig und tief vorbereiteten Acker haben, deſſen Boden und Krume von Duͤnger durchdrungen iſt. Beſtellung. Er darf nicht eher geſaͤet werden, als bis man ſich mit Wahrſcheinlich⸗ keit geſichert haken kann, daß nach ſeinem Auflaufen keine Nachtfroͤſte mehr eintreten werden. Man fuͤrchtet mit Recht die gefaͤhrlichen Tage in der Mitte des Mays bei uns, und legt ihn gewoͤhnlich ſo, daß er nach ſelbigen hervor⸗ kommt. Es wollen zwar einige behaupten, daß ihm dieſe Nachtfroͤſte bei ſei⸗ nem erſten Hervorkommen nicht ſo gefahrlich ſeyn. Ich habe aber die Pflan⸗ zen, die davon betroffen worden, in der Folge immer kraͤnkelnd gefunden, wenn ſie gleich ihr Leben erhielten. Man bauet ihn gartenmäßig und mit vieler Handarbeit auf mannigfaltige Art. Ich beſchraͤnke mich aber hier auf die Pferdehackenkultur, durch welche ſein Anbau im Großen, groͤßeren Wirthſchaften nur vortheilhaft ſeyn kann. Der Saamen kann, wie die Pferdebohnen, in die Pflugfurche mit dem Bohnendriller der eine ihm angemeſſene Walze hat, gelegt werden; man muß jedoch dieſe Saatfurche dann nur ſehr flach, nicht uͤber 3 Zoll tief geben, und darf es uͤberhaupt nur auf ſandigem Boden thun. Sicherer kann man die Saatfurchen mit dem Furchenzieher 2 Zoll tief, alſo mit etwas ſtarkem Ein⸗ drucken deſſelben geben, und nach gemachter Einſaat dieſe Furchen mit einer umgekehrten Egge zuſchleppen. S. 333. Der Saamen, durch den Bohnendriller eingeſäet, kommt dichter zu lie⸗Vegetetions⸗ gen, als die Pflanzen ſtehen bleiben ſollen. beriode Sie werden alſo, wenn ſie ſaͤmmtlich herausgekommen ſind, zugleich mit dem in den Reihen hervorgekommenen Unkraut ausgehackt, ſo daß die Pflan⸗ zen des großen Mais 15 bis 18 Zoll, die des kleinen 6 bis 8 Zoll von ein⸗ ander ſtehen. Die Entfernung der Reihen iſt gewoͤhnlich 2 Fuß. Die Zwiſchenreihen werden dann geſchaufelc; darauf das erſte Mal ſchwach, das zweite Mal ſtark angehaͤuft. Wenn er bald in die Bluͤte treten will, bricht man ihm die zwiſchen den untrn Blaͤttern hervorkommenden Austriebe ab. Es bringt der Pflanze zwar Vierter Theil. Ji — Crute. 250 Futtergewaͤchſe. keinen Nachtheil, wenn ſie ſitzen bleiben, da ſie aber iſ ſind, ſo benubt man ſie gern als eine hoͤchſt kraͤftige Viehfuͤtterung. Sobald er in Bluͤte getreten iſt, laßt man ihn ungeſtoͤrt, weil ſonſt die Befruchtung der weiblichen Kolben, die nun ihre langen, Griffel austreiben, leicht geſtoͤrt werden kann. Iſt dieſe Befruchtung geſchehen, welches man aus dem Verwelken dieſer Buͤſchel erkennt(worin aber freilich einige Spaͤtlinge immer zuruͤckbleiben, und man ſich alſo nach dem groͤßten Theile richten muß), ſo ſchneidet man die männlichen Bluͤtwimpfel ſo ab, daß noch ein Blatt uber der weiblichen Kolbe am Stengel ſitßen bleibe, und bricht zugleich die kleineren, unvollkommenen Kolben aus, ſo daß eine Pflanze, deren hoͤchſtens drei behalte, weil die ubrigen doch zu keiner Vollkommenheit gelangen, und jenen nur die noͤthige Nahrung entziehen wuͤrden. Hierdurch gewinnt man eine große Maſſe eines ſo kraͤftigen Viebfutters, wie vielleicht kein anderes gruͤnes Gewaͤchs ſie giebt, und bedient ſich deſſelben neben andrem Futter nur mit Sparſamkeit. Es wuͤrde unwirth⸗ ſchaftlich ſeyn, dieſes Ausbrechen auf einmal zu thun, und das Bieh mit dieſem Futter zu uͤberhaͤufen; es ſey denn daß man ſich dieſes Abfalls, der ſehr vielen Zuckerſtoff enthaͤlt, zur Zucker- oder Syrupbereitung bedienen wolle. §. 334. Man laͤßt ſodann den Mais unbekuͤmmert reifen, bis ſeine Koͤrner hart werden. Man hat nicht zu beſorgen, daß ſie auf dem Halme uͤberreif werden und ausfallen, allein ſie ſind nun den Anfaͤllen der Kraͤhen ungemein ausgeſetzt, die ſich leicht aus der ganzen Gegend um ein Maisfeld verſammeln. Deshalb muß man mit dem Ausbrechen der Kolben, wenn dieſer Zeitpunkt da iſt, oſt eilen. Die Kolben werden nach dem Hofe gebracht, und ihnen bald moͤglichſt die Blaͤtter abge ſtreift. Die Aufbewahrung dieſer Kolben bis zu ihrer voͤlligen Ab⸗ trocknung iſt nun das ſchwierigſte bei dem Maisbau. Das gewoͤhnlichſte Ver⸗ fahren iſt, zwei der ſtaͤrkſten abgeſtreiften Blaͤtter den Kolben zu laſſen, ſie zuſammen zu knuͤpfen, und ſo auf Bindfaden zu ziehen, woran man ſie auf allen Bodenraͤumen aufhaͤngt. Andre haben mit Horden verſehene Darrſtuben, denen eine ſehr ſtarke Hitze gegeben wird, dazu eingerichtet. Die beſte und beim Anbau im Großen anwendbarſte Aufbewahrung geſchiehet aber in den ſo⸗ —————————— Der Mais. 231 genannten Koſchen, welche in Dr. Burgers trefflichem Werke uͤber den Maisbau beſchrieben und abgebildet ſind. Nachdem die Kolben voͤllig ausgetrocknet ſind, was aber außer den Darr⸗ ſtuben erſt im Januar geſchiehet, laſſen ſie ſich eben ſo leicht, wie das Ge⸗ treide abdreſchen, und nur die zur Saat ausgewählten Kolben werden, um die Koͤrner auf keine Weiſe zu beſchaͤdigen, mit der Hand abgeloͤſt. § 335. Das vorerſt auf dem Felde gelaſſene Stroh wird uͤber der Wurzel abge⸗ ſchnitten, und giebt noch ein ſehr nahrhaftes Viehfutter, wenn man es nicht anderweitig gebrauchen will. Man verſichert naͤmlich, daß daraus, ſo wie aus dem abgedroſchenen Stuhl der Kolben, noch ein Syrup vortheilhaft bereitet werden koͤnne. Andre meinen, daß es ſich am vortheilhafteſten einäſchern, und zur Pottaſchenausſcheidung gebrauchen laſſe, indem es eine vorzuͤglich große Menge Kali enthält. §. 336. Das Korn iſt eine ſehr nahrhafte Subſtanz. Es macht bei manchen Na⸗ tionen den Hauptbeſtand der menſchlichen Nahrung aus, jedoch ohne es als Brod zu bereiten. Denn Brod läßt ſich nur in Vermengung mit andrem Ge⸗ treide daraus backen. In andren Gegenden wird es nur als das kräftigſte Maſtfutter fuͤr alle Gattungen von Vieh benutzt. Beim Anbau im Kleinen kennt man ſeine Wirkſamkeit beim Federvieh faſt allenthalben. Es wird dem Viehe roh, aufgequollen, gekocht oder geſchroten gegeben. Den Schweinen giebt man haͤufig die unabgedroſchenen Kolben, und wenn der Mais ſeine voll⸗ kommene Reife nicht erlangen ſollte, ſo wird er doch auf dieſe Weiſe noch im⸗ mer vortheilhaft benutzt werden koͤnnen.. rilt§. 337. Man verbindet den Mais, des weiten Zwiſchenraums wegen, gern mit Das Stroh. Gebrauch. Nebenfruͤchte. einer andren niedrig bleibenden Frucht. Am haͤufigſten wird die Runkelruͤbe dazu gewählt, die man, nachdem er angehaͤuft worden, in die Mitte des Zwi⸗ ſchenraums pflanzt. Ich muß aber nach meinen Verſuchen ſagen, daß ich im⸗ mer nur ſchwache nicht genugſam lohnende Ruͤben dazwiſchen erhalten habe. Weit vortheilhafter habe ich die Aus ſaat der kleinen Schminkbohne oder Faſeole, C Ji2 — — Zucker aus 6 Mais. — Futtergewaͤchſe. 252 welche zugleich mit dem Mais und in derſelben Reihe geſchieht, gefunden. Dr. Burger hat den Bohnendriller ſehr zweckmaͤßig zu dieſer doppelten gleich⸗ zeitigen Aus ſaat eingerichtet, indem er den Saamenkaſten durch eine Scheide⸗ wand trennte, und der Walze auf der einen Seite Einſchnitte fuͤr den Mais, auf der andren Seite ſuͤr die Faſeolen paſſend gab, ſo daß die Maſchine wech⸗ ſelsweiſe Mais und Faſeolen auswirft, wenn dieſe Saamen in die fuͤr ſie ge⸗ hoͤrende Abtheilung des Kaſtens gegeben werden. Die genaueſte Ordnung des Ausfallens muß man nun freilich dabei nicht verlangen. Der gehoͤrige Stand laßt ſich aber durch das Behacken leicht bewirken. Ich habe mich ausfuͤhrlich uͤber den Maisbau nicht verbreiten wollen, da wir erſt neuerlich zwei voliſtandige Schriſten daruͤber erhalten haben: näm⸗ lich des Profeſſor Dr. Burger vortreffliche, vollſtandige und ſcharfſinnige Schrift:„uͤber die Kultur und Benutzung des Mais. Wien 1809* und eine„Anweiſung zum Anbau und zur Benutzung des Mais, beſonders im noͤrdlichen Deutſchlande und den preußiſchen Staaten, nach eignen Erfahrungen vom Hoſfprediger Schregel zu Schwedt“, welche ſowohl im neunten Bande der Annalen des Ackerbaues als auch beſonders(Berlin 1809) abgedruckt worden, und ich vorausſetzen kann, daß ein jeder, welcher ſich mit dem Maisbau ernſtlich beſchäftigen will, eine oder die andre dieſer Schriften leſen werde. Freilich trifft das, was bei allen Monographien faſt unvermeidlich zu ſeyn ſcheint, daß der Gegenſtand derſelben nur von der vorcheilhafteſten Seite gezeigt, die Ruͤckſeite aber ins Dunkle ge⸗ ſtellt wird, auch hier ein. §. 333. Man hat neuerdings den Mais im unreifen Zuſtande zur Zuckerbereitung wieder empfohlen, und ihn tauglicher, wie die Runkelrube, dazu erklaͤrt. Mir iſt es ſeit jeher wahrſcheinlich geweſen, daß er ſich unter allen hier anzubauen⸗ den Pflanzen am beſten dazu eigne. Indeſſen muß man die weiteren Verſuche erſt abwarten. Der daraus bereitete Syrup hat vor dem aus Runkelruben vor der Kryſtalliſation bereiteten unſtreitige Vorzuͤge. Der Mais. 2 §. 340. Der Mais wird im ſuͤdlichen Frankreich und in Italien auch als Futter⸗ gewaͤchs nicht ſelten angebauet, und gruͤn verfuͤttert oder zu Heu gemacht, in dem Zeitpunkte, wo die haarichten Griffel hervortreten. Er wird gewoͤhn⸗ lich breitwuͤrfig geſäet, aber nachdem er hervorgekommen iſt, wird er behackt und zugleich verduͤnnet, ſo daß er zu einem zweiten Behacken mit gelindem Anhaͤufeln weit genug von einander zu ſtehen komme. Doch wuͤrde man ihn zu dieſem Zwecke auch drillen koͤnnen, um die Hackarbeit leichter mit Inſtru⸗ menten zu bewirken. Er wird dann an der Erde abgeſchnitten. Das Trock⸗ nen iſt ſchwierig, aber die gruͤne Verfuͤtterung ſehr bequem. In jenem wärmeren Klima bauet man ihn zu dieſem Zwecke als zweite Frucht; im unſrigen wuͤrde er nur in einem ſo warmen Sommer und Herbſt, wie 1811, zu der gehorigen Stärke und Entwickelung gelangen, wenn man ihn in die Rockenſtoppel ſaete(jedoch moͤchte es in der Rappsſtoppel angehen, und mit dem kleinen Mais auf jeden Fall). Aber in der Brache oder im be⸗ hackten Fruchtfelde, wuͤrde er ſo gut wie irgend ein anderes zum Futter be⸗ ſtimmtes Brachgewächs paſſen, und es koͤnnte eine fruhe gruͤne Ernte noch vorher genommen werden, wenn man den Boden moͤglichſt benutzen wollte. Es iſt wahrſcheinlich, daß ſein Futterertrag in Qualitat und Quantitaͤt vielen anderen Futtergewaͤchſen, beſonders auf ſandigem aber in Kraft erhaltenen Bo⸗ den, nichts nachgeben wuͤrde. Indeſſen kenne ch keine genaue damit ange⸗ ſtellete Verſuche. 8 e Der rothe Klee(Trifolium pratense sativum), ſpaniſcher Klee, brabanter Klee, Kopfklee. Es war von den Landwirthen laͤngſt bemerkt worden, daß dieſer bei uns Aarten nur durch die Kultur fortzupflanzende Klee, ſeiner Natur und ſeinem Anſehen nach, von dem bei uns wildwachſenden Wieſenklee verſchieden ſey, obwohl beide von den Votanikern immer fuͤr eine und dieſelbe Art gehalten wurden. Boden. 254 Futterkraͤuter. Jett haben indeſſen auch dieſe den Unterſchied anerkannt, und in dem Bau ſeiner Theile ein andres Verhaͤltniß entdeckt. Vergl. Crome Handbuch der Naturgeſchichte Th. II. Bd. II. S. 567 u. 568. Es hat aber auch dieſer Saatklee verſchiedene, wenigſtens zwei beſondere Abarten. Eine bei uns noch wenig eingefuͤhrte, an andren Orten aber unter dem Namen gruͤner Klee bekannte Art, unterſcheidet ſich durch ſeinen lang⸗ ſameren, aber ſtaͤrkeren, mehr blaͤtterreichen Wuchs, und durch ein ſtaͤrkeres Verhaͤltniß ſeiner gruͤnen Theile gegen die Bluͤtkoͤpfe. Er bluͤhet ſpäter, wird hoͤher und ſtärker, ehe er ſeine Vollendung erreicht, und man kann ihn daher laͤnger ſtehen laſſen; wogegen der gewoͤhnliche ſchneller in Blute ſchießt und zum Futter fruͤher gemaͤhet werden muß, wenn er nicht bei Bildung ſeines Saamens hart werden ſoll. Ich habe jenen ſchon einmal gehabt, er iſt mir aber durch einen Zufall zerſtoͤrt worden. Jetzt habe ich ihn wieder erhalten und werde ihn genauer beobachten, da er nach der Verſicherung derer, die ihn kennen, beſonders zur gruͤnen Stalffuͤtterung ſehr nutzbar iſt, weil er ſich länger in ſeinem ſaftigen Zuſtande erhaͤlt als der gewoͤhnliche, und auch ſtaͤr⸗ ker wird. §. 342. Der Klee, ſagt man, nimmt mit jedem in Kraft ſtehenden Boden vor⸗ lieb, auch mit ſandigem. Es iſt wahr, er kann auf Boden wachſen, der 8o Prozent Sand hat, wenn dieſer ſtark durchduͤngt, tief bearbeitet und rein von perennirendem Unkraute iſt, zumal wenn er eine feuchte niedrige Lage hat, oder ein feuchter Sommer die Beſtaudung des Klees befoͤrdert. Durch ſorg⸗ faltige Kultur kann man auf ſolchem Boden Klee, und wenn die Witterung nicht unguͤnſtig iſt, ſtarken Klee erzwingen. Allein auf dem mehr thonigen und zugleich kalkhaltigen Boden, waͤchſt er weit leichter bei geringerer Kultur und iſt ſicherer auch in duͤrren Jahren. Wenigſtens braucht man daſelbſt ſein gaͤnzliches Vertrocknen bis in die Wurzel nicht zu fuͤrchten. Auf dem merg⸗ lichten und kraftreichen Boden iſt der Klee faſt heimiſch, man braucht ſeinen Saamen nur auszuſtreuen, und er uͤberwindet alle Pflanzen, die neben ihm aufkommen wollen; auf dem mehr ſandigen, ganz kalkleeren und etwas zur Saͤure geneigten Boden, muß man alle Hinderniſſe aus dem Wege raͤumen, Der rothe Klee. 255 tihn in friſcherem Duͤnger ſäen, und beſonders durch tiefe Beackerung das tiefere Eindringen ſeiner Wurzeln befoͤrdern, damit er bei Austrocknung der Oberfläche nicht vedorre. Daher iſt der Kleebau in einigen Gegenden etwas ſehr leichtes, und man kann ihn in der Feldrotation jedem beliebigen Platz geben. Man hat ſolche Flecke, aber ſie ſind in ganz Deutſchland ſelten, wo der Klee alle drei Jahre die Stelle der Brache einnehmen kann und den Acker rein und locker erhalt. In den meiſten Lokalitäten verlangt er einen ausgewählten und wohlbereite⸗ ten Platz, und dennoch verdient er es ſeiner hohen Nutzbarkeit wegen, daß man ihm ſolchen gebe. S. 344. Der Kleebau war lange bekannt und verbreitet, aber nur auf einzelne Kop⸗ Platz im Feld⸗ peln oder Gaͤrten beſchraͤnkt, wie durch Gugenmus, Schubart von Klee⸗ feld u. m. a. ſeine allgemeine Verbreitung durch das ganze Ackerfeld und ſeine Verbindung mit dem Getreide gelehrt wurde. Von dieſer Zeit an ward der Kleebau als die Hauptſtuͤtze der ganzen Wirthſchaft, als der Angel, worauf ſich dieſe bewegen muͤſſe betrachtet, und von vielen angewandt. Aber mit ver⸗ ſchiedenem Erfolge, nach jener Verſchiedenheit ihres Bodens, und vielleicht ihres Klimas! Die meiſten mußten ſich darauf beſchraͤnken, nur nach laͤngeren Zwi⸗ ſchenräumen ihre Brache einmal damit zu benutzen, andre mußten ganz davon zuruͤckgehen, oder doch der Kleeſtoppel eine Brachbearbeitung geben, bevor ſie wieder Getreide einſaͤeten, weil der Boden unter dem Klee durch Unkraut ver⸗ w lderte und ſich erhaͤrtete. Das Syſtem des Fruchtwechſels hat ihm endlich denjenigen Platz angewieſen, wo er auch auf minder guͤnſtigem Boden— falls die Witterung ihm nicht auf eine ſeltene Weiſe verderblich iſt— ſicher geräth, einen lohnenden Ertrag giebt, und den Acker fuͤr die folgenden Fruͤchte im guͤn⸗ ſtigſten Zuſtande erhaͤlt. Der Acker iſt hier durch die Bearbeitung, Reinigung und Vertiefung, welche er in dem Jahre vor der Kleeaus ſaat erhalten hatte, ſo vorbereitet, daß der Klee den Beden dicht belegen, und ſich beſtauden kann, ohne von andern Pflanzen verdraͤngt zu werden. So, aber nicht anders, iſt er vermogend, den Boden der folgenden Frucht ſo rein und ſo muͤrbe zu uͤberliefern, wie er ihn empfangen hatte. Nebenfrucht⸗ 356 Futterkraͤuter. §. 345. Der Klee wird jetzt wohl nie mehr allein geſaͤet, ſondern immer unter einer andern Frucht, weil er im Jahre ſeiner Ausſaat ſelten einen erheblichen Ertrag giebt, und weil ihm auch Anfangs der Schutz einer andern, nachher aber das Feld räumenden Pflanze ſehr wohlthätig iſt. Je fruͤher die mt ausg ſaet Frucht ausgehet oder abgemähet wird, deſto ſchneller erſtarkt freilich der Klee. Gewoͤhn⸗ lich wird er unter Getreibe ausgeſaͤet, vormals immer unter der Soͤmmerung, jetzt auch haͤufig unter der Winterung, und mehrentheils mit eben ſo gutem, zu⸗ weilen noch beſſerem Erfolge, wenn es mit der gehoͤrigen, unten naͤher zu eroͤr⸗ ternden Vorſicht geſchiehet. Die Ausſaat geſchiehet aber nie mit dem Wterge⸗ treide zugleich, ſondern ſo, daß der Flee nach dem Winter erſt keime. Zuwei⸗ len ſaͤet man ihn unter Erbſen, und es iſt wahr, daß er dann in der Erbs⸗ ſtoppel ſehr kraͤftig hervortreibt. Wenn ſich aber die Erbſen fruͤh lagern, und vann nicht ſchnell reifen, ſo kann er auch davon ganz unterdruͤckt werden; er ſtehet dann ungleich, und es giebt große Fehlſtellen. Wir haben indeſſen zwei Fruͤchte kennen gelernt, die ſo, wie den mit ihm verwandten Gewochſen, dem Klee ganz vorzuglich guͤnſtig ſind, wenn er darunter ausgeſäet wird: den Lein und den Buchweizen. Sie locken ihn hervor, und befoͤrdern ſeinen dichten, gleichmäßigen Stand weit mehr, wie das Getreide. Lein ſaͤet man nun freilich nur auf gut vorbereiteten und kraͤftigen Boden, und jätet ihn, was dem Klee mit zu Nutzen kommt. Das Ausraufen des Leins ſchadet dem Kiee nicht, wenn es mit einiger Vorſicht geſchieht. Aber unter dem Buchweizen habe ich den Klee dicht hervorkommen ſehen, auch auf Boden, der keinesweges fuͤr ihn geeignet war; und da daran ſtoßend, faſt auf beſſerem Bo⸗ den, Hafer und unter ſelbigem auch Klee geſaͤet war, ſo konnte ich mich von dem großen Unterſchiede, der auch im ganzen folgenden Jahre blieb, deutlich uberzeugen. Wem daher an einem dichten Kleefelde, beſonders auf Boden, den man fuͤr Klee nicht ganz ſicher hält, gelegen iſt, dem rarhe ich, ihn unter Buch⸗ weizen zu ſäen. Es ſcheint gleichguͤltig, ob man dieſen reifen laſſe, oder zur gruͤnen Fuͤtterung abmaͤhe. Auch unter Rapps ſcheint er gut zu gedeihen. 5. 346. Der rothe Klee. 257 §. 346. Der Klee kann vom erſten Fruͤhjahr— oder ſelbſt, wenn der Saamen Ausſat. ſchlafend bleibt, im Winter— bis zu Anfange des Auguſts geſaͤet werden. Spätere, aber im Herbſt noch laufende, Saat iſt mehrentheils verungluͤckt. Es kommt bei der Saat vornehmlich auf ein gluͤckliches Treffen der Witterung an, daß der Saame nicht nur keime, ſondern auch das junge Pflänzchen nicht wie⸗ der bis zum Abſpringen verdorre, und nicht vom Erdfloh zerſtort werde. Des⸗ halb iſt die ganz fruͤhe Ausſaat unter Winterung, auf ebnem, dem Abſpuͤlen nicht unterworfenen Boden, ſogar auf dem Schnee— mit deſſen Waſſer ſich dann der Saamen in die Erde zieht— oder unter fruͤh geſäete große Gerſte am ſicherſten, weil ihr die Winterfeuchtigkeit noch zu ſtatten kommt. Hat der Boden nur noch wenig Feuchtigkeit, die etwa zureicht, den Saamen zum Laufen zu bringen, aber bei eintretender trockner Fruhjahrswitterung ſo ſehr verdunſtet, daß die Pflanzen nicht erſtarken koͤnnen, ſo iſt es am gefaͤhrlichſten fuͤr den Klee; und ſicherer iſt es ihn auf eine ganz trockne Oberfläͤche auszuſäen, wo der Saamen ungekeimt liegt bis feuchte Witterung eintritt. Es kommt aber wie in allen Stuͤcken ſo auch bei der Ausſaat des Klees darauf an, ob ihm der Boden mehr oder weniger guͤnſtig iſt. Im erſteren Falle kann man den Saamen ausſtreuen, wann und wie man will, er waͤchſt immer. Im zweiten Falle muß man weit ſorgfaͤltiger verfahren, und darf ſich von der Meinung einiger gluͤcklichen Kleebauer, als komme es darauf gar nicht 7 an, nicht verleiten laſſen. Es kann auch ſeyn, daß eine ſehr gluͤcklich treffende Witterung einmal eine hoͤchſt leichtſinnige Ausſaat beguͤnſtigt; ſie wird aber ein andres Mal um ſo mehr beſtraft werden. Der Kleeſaamen ertraͤgt keine ſtarke Bedeckung von Erde, er will aber doch in feſte Beruhrung mit lockerer Erdkrume gebracht und erhalten ſeyn. Das Eineggen in lockere Erde bringt ihn zum Theil zu tief unter und erſtickt ihn. Aber man muß ihn unmittelbar nach dem Eggen ſäen. Wenn die Frucht, worunter er geſaͤet werden ſoll— beſonders das Wintergetreide— ſchon her⸗ angewachſen iſt, ſo muß man dennoch vor der Kleeſaat eggen, und zwar ſo, daß die Borke vollig gebrochen, auch die Riſſe, die der Boden bekommen hat, zu⸗ Vierter Theil. Kk 258 Futterkraͤuter. gemacht werden. Dann ſaͤet man unmittelbar den Kleeſeme auf, und wer dann ſicher gehen will, walzet danach. So kommt der Saamen in die Strei⸗ fen der Egge zu liegen, und wird durch die Walze mit etwas feiner Krume be⸗ deckt und angedruͤckt. Saͤet man ihn gleich, nachdem das Getreide eingeſäet worden, ſo verfaͤhrt man eben ſo; und wenn man auch ſonſt nicht walzen wollte, ſo thue man es doch um des Klees willen. Auf ſehr lockeren, ſchwam⸗ migen, humoſen Boden iſt es rathſam, den Klee auszuſaen, bevor man ganz klar egget, und ihn noch mit einzueggen. Hier kommt er dennoch durch; kann aber, oben auf liegend, bei trockner Witterung keine Haltung bekommen. Einige ſaͤen den Klee auch unter der Soͤmmerung, erſt nachdem dieſe ei⸗ nen Vorſprung gewonnen hat, damit der Klee ſie nicht uͤberwachſe. Dieſe Be⸗ ſorgniß kann aber nur eintreten, wo der Boden dem Klee außerordentlich guͤn⸗ ſtig iſt. Zwar habe ich es auch einmal auf minder guͤnſtigem, etwas tief lie⸗ genden Acker geſehen, in einem ſehr naſſen Fruͤhjahr; hier hatte aber die Gerſte von der Naͤſſe ſo gelitten, daß auch ohne Klee daraus nichts geworden waͤre. Im Allgemeinen rathe ich alſo zu der Ausſaat unmittelbar, nachdem das Som⸗ mergetreide eingebracht worden; geſchaͤhe es ſpäter, ſo muͤßte erſt wieder auf⸗ geegget werden, was bei junger Gerſte bedenklich iſt. Auf eine gleiche Vertheilung des Saamens kommt ſehr viel an, damit er nicht an einer Stelle zu dicht, an einer andern zu duͤnne ſtehe, oder gar fehle. Deshalb iſt eine Theilung des beſtimmten Saamens in zwei Theile immer rath⸗ ſam: der eine Theil wird in die Laͤnge, der andre in die Queer geſaͤet; es ſey denn daß man einen ſehr geuͤbten Kleeſäer haͤtte. Die Quantität des Saamens wird ſehr verſchieden angegeben. Einige halten 4 Pfund per Morgen voͤllig zureichend, andre rathen zu 10 bis 12 Pfund. Ich weiß, daß erſtere zureichen und ein ſehr dichtes Kleefeld geben koͤnnen, aber nur unter ſehr guͤnſtigen Umſtänden. Wenn man alle Vorbereitungen ge⸗ troffen und einen guten Säer hat, ſo rathe ich doch zu 6 Pfund, und fehlt es daran, zu 8 Pfund. Denn ſo erheblich auch bei einer ſtarken Ausſaat die Er⸗ ſparung des Saamens iſt, ſo ſtehet ſie doch in geringem Verhaͤltniſſe mit den Nachtheilen eines ungleich beſtandenen Kleefeldes. Ueber die gute h heit des Saamens weiter unten. Der rothe Klee. 259 §. 347. Wenn die Frucht, unter welcher der Klee geſäet war, abgeerntet iſt, ſo Vegetatien. zeigt ſich anfangs zuweilen wenig Klee. Daran iſt nichts gelegen; aber nach 14 Tagen muß er hervorkommen, oder doch ſobald als nur ein durchdringen⸗ der Regen eintritt. Waͤchſt der Klee in der Stoppel heran, ſo wird er manch⸗ mal noch ſtark genug, um einen Schnitt davon zu nehmen. Kann dies vor der Mitte Septembers geſchehen, ſo thut man es ohne Bedenken. Spater⸗ hin aber muß man ſchon ein plotzliches Eintreten der Kaͤlte beſorgen, bei wel⸗ cher der Klee nicht wieder austreibt, ſondern zu kahl in den Winter kommt, und ſodann vom Froſte mehr leidet. Gewoͤhnlich wird der Klee nur abgewei⸗ det, und das kann ohne Bedenken bis Ende Septembers mit Rindvieh ge⸗ ſchehen. Mit Schaafen darf der Klee wohl uͤbertrieben, aber nicht bis auf den Grund abgefreſſen werden, weil ſie ſonſt den Stamm ſelbſt ergreifen und ausfreſſen. Man iſt zum Theil zu dreiſt, zum Theil zu furchtſam damit. Der Klee kann auswintern, und zwar um ſo leichter, je weniger der Bo⸗ den von Natur oder durch ſeine Kultur dafuͤr geeignet iſt. Auf einem tief be⸗ arbeiteten Boden hielt er ſich in Jahren, wo er auf anderm ausging, z. B. im Jahre 180, wo der Blachfroſt uͤber 3 Fuß tief in den Boden drang. Im Winter auf 1811 iſt der Klee an allen trocknerern und ſandigern Stellen aus⸗ gegangen, an feuchterern hat er ſich aber erhalten; dies ſchien mehr die Folge der gewaltigen Ausdoͤrrung des Bodens im Nachſommer als des Froſtes zu ſeyn, der in dieſem Winter durchaus nicht ſtark war. Wenn man nach dem Aufge⸗ hen des Froſtes den Klee gar nicht entdeckt, ſo muß man die Hoffnung nicht aufgeben; ſiehet man aber Kleepflanzen, die auch auszugruͤnen anfangen, die man aber mit Hinterlaſſung der Wurzel leicht wegziehen kann, wenn man ſie anfaßt, ſo bleibt wenig zu hoffen ubrig. Daß ſolche Kleepflanzen wieder neue Wurzeln ſchlagen, und feſtwachſen koͤnnen, habe ich zwar deutlich be⸗ merkt; es gehoͤren aber ſehr guͤnſtige Umſtande dazu. Theils um den Klee gegen das Erfrieren zu ſichern, theils um ihm Kraft zu geben, bedeckte man ihn ſonſt vor Winter haͤufig mit langem Miſt. Jetzt thun es erfahrne Landwirthe nicht mehr, weil man nicht ſelten uͤble Folgen durch Verzärtelung des Klees und durch Herbeilockung der Maͤuſe davon ver⸗ Ein⸗und zwei⸗ jaͤhriger Klee. 260 Futterkraͤuter. ſpuͤrt hat. Ueberdem erlauben es ſelten die Wirthſchaftsverhältniſſe, noch be⸗ ſonderen Stallmiſt darauf zu verwenden. Will man den Klee noch etwas auf⸗ helfen, ſo ſtreuet man zuſammen geſchaufelten Hofmiſt im Fruͤhjahr daruͤber, oder beſprengt ihn mit Guͤlle. Vorzuͤglich bekommt ihm im Fruͤhjahr eine Duͤngung mit Torf⸗ oder Seifenſiederaſche, oder ein mit Kalk bereiteter Kom⸗ poſt. Das gewoͤhnlichſte Duͤngungsmittel iſt aber der fein gepulverte Gyps, welchen man mit großem Vortheil alsdann uͤberſtrenet, wenn der Klee zu wach⸗ ſen beginnt. Vergl. Th. II. S. 263. Eine dem Klee ſehr wohlthaͤtige und ſich reichlich belohnende Operation, iſt das Aufeggen im Fruͤhjahr, wenn der Klee eben zu wachſen anfaͤngt. Je dreiſter man damit verfaͤhrt, deſto wohlthaͤtiger wird es fuͤr den Klee ſeyn. Der richtigſte Zeitpunkt, den Klee zu maͤhen, iſt, wenn ſich das Feld von den hervorkommenden Bluͤtkoͤpfen zu roͤthen anfaͤngt. Maͤhet man ihn fruͤher, ſo erhaͤlt man zu wenig, weil der Klee in dieſem Zeitpunkte ſeinen Hauptſchuß thut, und acht Tage hier einen Unterſchied um die Hälfte im Ertrage machen koͤnnen. Maͤhet man ihn ſpaͤter, ſo erhaͤlt man noch mehr, aber er iſt hart⸗ ſtenglicht, ſeine Subſtanz enthaͤlt mehr unaufloͤslichen Faſerſtoff, und der fol⸗ gende Wuchs wird ſchwaͤcher. Nur wenn man ſich des Klees zur gruͤnen Stallfuͤtteruug bedienen will, und dieſe hauptſaͤchlich auf den Klee berechnet iſt, ſo muß man den Klee anbrechen, ſobald er mäͤhbar iſt, weil dann der jung gemaͤhete Klee wieder herangewachſen iſt, wenn man den erſten Schnitt nicht länger ſtehen laſſen darf; woruͤber bei der Lehre von der Stallfuͤtterung das Weitere. §. 348. Man beſtimmt den Klee zu ein⸗ oder zweijahrigem Gebrauche. Daß man ihn laͤnger liegen laſſe, iſt nur in dem Falle rachſam, wo man ihn zur Weide benutzen will, weil im dritten Nutzungsjahre oder im vierten nach der Aus ſaat der Klee ſich ſehr vermindert und den Graͤſern Platz macht. Ob man ihn ein oder zwei Jahre benutzen wolle, haͤngt cheils von den Wircthſchaftsverhaͤltniſ⸗ ſen, theils von den Erfahrungen ab, die man auf jedem Boden von der meh⸗ reren oder minderen Ausdauer des Klees gemacht hat. Man hat namlich die Bemerkung gemacht, daß auf gewiſſen Aeckern, wo der Klee im erſten Jahre Der rothe Klee. 261 ſehr ſchoͤn ſtehet, er im zweiten Jahre ſich auffallend vermindere; wogegen auf andern Aeckern der Klee ſich im zweiten Jahre faſt ſtärker beſtaudet, gedrun⸗ gener und gleichmaͤßiger ſtebet. Es ſcheint das letztere auf Boden mit tiefer Ackerkrume, der jedoch nicht ſehr graswuͤchſig iſt, das erſtere auf flachem, aber ſonſt zum Klee gut geeigneten Boden einzutreten. Indeſſen muͤſſen noch meh⸗ rere Erfahrungen geſammelt werden, bevor ſich etwas allgemeinguͤltiges dar⸗ uͤber feſtſeßzen laßt, indem vielleicht auch nur die Behandlung des Klees nebſt der Zufälligkeit der Witterung einen Einfluß auf ſeine laͤngere oder kuͤrzere Dauer in den Fällen haben konnte, aus welchen ich obige Bemerkung abſtra⸗ birte. Bis dahin muß man ſich von eigen gemachten Erfahrungen leiten laſ⸗ ſen, wenn man ſich zu einjährigen oder zweijährigen Kleefeldern entſchließt. §. 349. Der Klee giebt mehrentheils drei Schnitte. In der Regel iſt der erſte der ſtärkſte, der zweite ſchwaͤcher, der dritte am ſchwaͤchſten. Aber dieſe Regel leidet häufig Ausnahmen, da die Stärke jedes Wuchſes ſo ſehr von der Wit⸗ terung abhaͤngt. Wenn ein Wuchs bei durrer Witterung nur ſchwach ſtehet, ſo iſt es das fehlerhafteſte, was man thun kann, wenn man ihn in der Hoff⸗ nung, daß er nach einem Regen ſtärker heranwachſen werde, uͤber die Zeit ſte⸗ hen läßt. Man muß vielmehr eilen, ihn abzubringen, insbeſondere wenn Hoff⸗ nung zu guͤnſtiger Witterung eintritt, damit der folgende Wuchs um ſo dich⸗ ter und gleicher werde. So wie es etwas ſeltenes iſt, daß alle Schnitte ſtark und einträglich werden, ſo iſt es auch ſelten, daß ſie alle mißrathen; gewoͤhnlich erſeßt der eine, was dem andern mangelt. Ich habe mehrere Male erlebt, daß der zweite Schuitt den erſten, und einmal, daß der dritte Schnitt beide uͤbertraf. Bei dem einjährigen Kleebau, der bei der Dreifelderwirthſchaft nur ſtatt findet, pflegt man aber nur 2 Schnitte zu nehmen, und den dritten Wuchs unterzupfluͤgen, um Winterung auf die erſte Furche einzuſaͤen. Daß dieſer driete Schnitt dem Acker eine ſehr erſprießliche Duͤngung gebe, und daß das Wintergetreide, beſonders der Weizen, nach dieſer einfurchigen Beſtellung ſehr Srntek. gut gerathe, iſt allgemein anerkannt. Aber der dritte Schnitt des Klees iſt, beſonders wenn die beiden erſten jung genommen werden, oſt auch ſo betraͤcht— lich, daß er der Wirthſchaft maͤchtig anshilft, und daß man, wo noch kein Feheu. 262 Futterkraͤuter.. Ueberfluß an Futter iſt, billig Bedenken trägt, ihn aufzuopfern. Winterung nach dem dritten Schnitte zu beſtellen iſt aber nie rathſam, ſondern man muß den Acker dann zu Hafer liegen laſſen, der im Kleelande allemal vortrefflich gerath, und nach allen meinen bisherigen Erfahrungen im Werthe ſeines Er⸗ trages der Winterung gleichkommt. Bei der zweijaͤhrigen Kleenutzung nimmt man im erſten Jahre drei Schnitte, im zweiten Jahre gewoͤhnlich nur einen, und giebt dann dem Acker vom Julius an eine Brachbearbeitung. Wenn der Klee nicht dicht beſtanden und unrein geworden, iſt dieſe unumgaͤnglich noͤthig; ſtehet er aber geſchloſſen und rein, ſo kann man zwei Schnitte nehmen, den dritten unterpfluͤgen, und eben ſo verfahren, wie bei dem einjährigen Klee. Will man das aber, ſo darf man weder im erſten noch im zweiten Jahre Weidevieb auf den Acker kommen laſſen. Daß nach zweijährigem Klee der Hafer auch vorzuͤglich gera⸗ the, verſteht ſich von ſelbſt; und wenn man den Klee ganz ausnußen will, ſo rathe ich Hafer wenigſtens auf ſolchen Stellen zu nehmen, wo der Klee bis zuletzt nicht ganz dicht beſtanden bleibt; denn zur Winterung muͤſſen ſolche Stellen wenigſtens drei Furchen haben, wenn der Acker in der Folge nicht verwildern ſoll. §. 350. Der Klee wird gruͤn verfuttert, oder zu Heu gemacht. Man muß jeder⸗ zeit ſeine Abſicht dahin richten, einen Theil zu Heu zu machen, wenn man auch den Klee hauptſaͤchlich nur zur gruͤnen Stallfutterung bauet. Denn dieſe muß auch bei ſchlechtem Wuchſe reichlich da ſeyn, und folglich bei gutem im Ueberfluß. Ob es nach dem Vorſchlage Einiger rathſam ſey, allen Klee zu Heu zu machen, und auch im Sommer das Vieh trocken zu fuͤttern, werden wir bei der Lehre von der Stallfuͤtterung erwaͤgen. Man hat mehrere Methoden den Klee zu Heu zu machen, die Zufaͤllig⸗ keit der Witterung entſcheidet den Vorzug der einen vor der andern. Trifft man ein beſtaͤndiges trocknes Wetter, ſo iſt keine vortheilhafter, als den Klee mit einer Buͤgelſenſe in Schwaden legen, und ihn ſo abtrock⸗ nen zu laſſen. Iſt die obere Seite trocken, ſo ſchlägt man das Schwad mit dem Harkenſtiel herum, daß die andere Seite oben komme. Um allen Blaͤt⸗ 2xxxx Der rothe Klee. 263 terabfall zu vermeiden, bringt man ihn im Thau in große Haufen zuſammen, und faͤhrt ihn dann ein. Iſt aber die Witterung feuchter, und zu haͤufigem Regen geneigt, ſo dauert es zu lange, bevor der Klee in Schwaden liegend trocknet, und er wird zu ſehr ausgelauget, wenn er gleich nicht verdirbt. Hier wird der Klee gleich nach dem Mähen beſſer ausgebreitet(aus dem Schwad geſchlagen), damit er ſchneller abwelke, und dann in Windhaufen gebracht. Dieſe werden am beſten mit der Hand umgeſetzt, und ſo wie der Klee abtrocknet, in groͤßere Haufen zu⸗ ſammengebracht. Sind ſolche größere Haufen vom Regen ſehr durchnäſſet, ſo werden ſie bei der erſten trocknen Zeit umgeſetzt, ſo daß das obere nun unten komme. Man thut das ebenfalls mit der Hand, und ſetzt ſie moͤglichſt locker auf, damit der Wind durchziehe. Man macht die Haufen ſo ſchmal und hoch wie moͤglich, damit der Klee gegen den Regen gedeckt, dem Luftzuge aber ans⸗ geſetzt ſey. Um dieſe Haufen ſtehend zu erhalten, iſt es ſehr nutzlich, eine Boh⸗ nenſtange in die Erde zu ſtecken, und den Klee an ſelbige herum aufzuthuͤrmen. Sobald man eine anfangende Hitze oder Gährung verſpuͤrt, ſetzt man die Hau⸗ fen gleich um. Dieſe Methode erfordert bei naſſer Witterung viele Arbeit, er⸗ hält aber den Klee unverdorben. §. 351. Die dritte Methode iſt die, welche F. J. Klapmeyer„Vom Kleebau und deſſen Verbindung mit dem Getreidebau. Riga und Leipzig 1797“ zuerſt beſchrieben hat, und die daher unter dem Namen der Klapmeyerſchen ſchon ſehr bekannt iſt. Sie findet ihre Anwendung am zweckmäßigſten, wenn haͤufige Re⸗ genſchauer eintreten, aber dennoch dazwiſchen halbe trockne Tage erfolgen. Bei ganz trocknem Wetter hat entſchieden die erſte Methode, bei anhaltend feuchtem die zweite den Vorzug. Sie beſteht in folgendem: der am vorigen Tage gemaͤhete Klee wird Nach⸗ mittag um 4 Uhr erſt aus dem Schwad in kleine Haufen zuſammengeharkt, und aus dieſem dann auf Tragebahren in große Schober, die einige Fuder enthal⸗ ten, zuſammengebracht, gehoͤrig aufgeſchichtet und feſt getreten. Iſt die Nacht Klapmeyer⸗ ſche Methode. windſtill und warm, ſo wird er ſchon nach 4 oder 5 Stunden in Gaͤhrung kom⸗ men, die ſich durch einen honigähnlichen Geruch verräth. Am folgenden Mor⸗ 264 Futterkraͤuter. gen wird der Haufen inwendig ganz heiß ſeyn, und dampfen, wenn er geoffnet wird. Dann muß der Haufen ausgeſtreuet, und das Geſtreuete mit Harken oder Forken bearbeitet werden. Scheint nun die Sonne, oder iſt es etwas windig, ſo iſt das Heu Nachmittags ſchon ſo trocken, daß es ſicher eingefahren, oder— wenn dazu nicht Zeit iſt— wieder in Schober gebracht werden kann, ohne daß man eine neue Gaͤhrung zu beſorgen hat. Iſt die Nacht kalt, windig oder regnicht, ſo wird die Gaͤhrung zwar anfan⸗ gen, aber es wird längere Zeit dazu gehoͤren, bevor die Gährungshitze ſo ſtark wird, daß man ſeine Hand nicht mehr tief in den Haufen ſtecken kann; welches das Zeichen ihrer gehoͤrigen Vollendung iſt. Wehet ein ſtarker Wind, ſo kommt der Haufen wohl auf der einen Seite und in der Mitte in Gaͤhrung, aber nicht auf der Windſeite. In dem Falle muß der Haufen doch auseinander geriſſen, und derjenige Theil, der gegohren hat, welches man an der braunen Farbe deutlich genug erkennt, ausgeſtrenet und getrocknet werden; das uͤbrige der verſchiedenen Haufen aber wird wieder zuſammengebracht, und aufs neue in Gährung geſetzt. Hätte nur ein kleiner Theil in der Mitte gegohren, ſo kann der Haufen neu wieder aufgeſetzt wer⸗ den, und zwar ſo, daß das ungegohrne Gruͤne in die Mitte, das Braune aus⸗ wärts und oben komme, wo man dann die neue Gährung abwartet, und nun alles wieder ausſtreuet. Waͤre nur noch wenig gruͤnes darunter, was nicht trocknen wollte, ſo verſichert man, daß es nicht ſchade, und daß dennoch alles eingefahren werden koͤnne. Man kann es aber auch abſondern, und vorerſt zurucklaſſen. Wenn aber die Haufen in Gährung gekommen ſind, und nun auch der heftigſte Regen eintritt, ſo darf man doch nicht zoͤgern, ſie auseinander zu wer⸗ fen. Hält der Regen an, ſo muß das Heu von Zeit zu Zeit geruͤhrt und ge⸗ wendet werden. Wenn dann der Regen nur wenige Stunden nachläßt, ſo iſt es gleich trocken genug, um eingefahren zu werden, weil die Feuchtigkeit an dieſem gegohrnen Klee nicht haftet. Er ſoll auch nicht verderben, wenn er bei anhaltendem Regen mehrere Wochen liegen bleibt, wenn man es nur ab⸗ wartet, daß er gehoͤrig trocken iſt, bevor man ihn einfaͤhrt, obwohl er dann we⸗ niger nahrhaft bleibt. Der Der rothe Klee. 265 Der weſentliche Vortheil dieſer Methode beſtehet darin, daß der Klee ſehr ſchnell trorknet und daß man ihn innerhalb drei Tagen mähen und unter Dach haben kann; wogegen man ſonſt mit gutem jungen Klee ſelten unter acht Tagen fertig wird. Der durch die Gaͤhrungshitze getoͤdtete und erwärmte Klee laßt ſeine innere Feuchtigkeit fahren und braucht nur aͤußerlich abzutrocknen. Die natuͤrliche Beſchaffenheit des Klees wird durch die Gährung abgeän⸗ dert; das leidet keinen Zweiſel, und der ganz verſchiedene brenzlich ſuͤße Ge⸗ ruch, den dieſes Heu annimmt, beweiſet es genug. Aber ob er dadurch ver⸗ beſſert oder verſchlechtert werde, iſt wohl noch nicht ausgemacht. Die Ver⸗ theidiger dieſer Methode verſichern das erſte und vergleichen ſie mit dem Mal⸗ zen des Getreides und mit der Brodgaͤhrung, wodurch die Subſtanz des Korns nahrhafter und verdaulicher wird. Dieſes Kleeheu ſoll allem Vieh, wenig⸗ ſtens ſobald es ſich daran gewoͤhnt hat, vorzuͤglich ſchmackhaft ſeyn und lieber gefreſſen werden als gruͤnes Heu. Die Milch ſoll ſehr fett und die Butter trefflich davon werden. Ich vermag aus eigener Erfahrung nicht daruͤber zu entſcheiden; denn einmal, wie ich dieſe Methode verſuchen wollte, war man in meiner Abweſenheit zu furchtſam und riß die Haufen zu fruͤh auseinander. Nachher war mir die Witterung zum gruͤnen Kleeheumachen immer zu guͤn⸗ ſtig, als daß ich dieſe weit muͤhſamere Methode der einfachſten haͤtte vorzie⸗ hen ſollen. Verſuche im Kleinen ſchienen mir zu wenig entſcheidend, beſon⸗ ders in Anſehung der Wirkung, die dieſes Heu auf das Vieh thut. Nach der Verſicherung vieler unbefangenen Freunde, beſonders in Schleſien, hat dieſe Methode aber voͤllig den guten Erfolg, den man ihr zuſchreibt, und hat ſich deshalb daſelbſt ſehr verbreitet. Daß ſie mehrere Arbeit und große Auf⸗ merkſamkeit erforders, und daß man bei einer ſtarken Kleeheuernte uͤber eine betraͤchtliche Anzahl von Menſchen zu gebieten haben muͤſſe, leuchtet von ſelbſt ein. Es kommt vorzuglich darauf an, daß man bei unſicherer Witterung das Heu ſchnell unter Dach oder in Feimen bringe, in dem Augenblick wo es genugſam abgetrocknet iſt; denn beim mehrmaligen Trocken⸗ und Feuchtwer⸗ den muß es um ſo mehr verlieren, da es innerlich ganz ausgetrocknet iſt, und ſich wahrſcheinlich mehr Zuckerſtoff darin erzeugt hat. Bierter Theil. Ll 166 Futterkraͤuter. §. 352. Verſchiedne andre Methoden, Kleeheu zu machen, z. B. es uͤber Stan⸗ Rethoden. gen zu legen oder auf Horden unter Bedachung zu bringen, die man vorge⸗ ſchlagen und beſchrieben findet, ſind im Großen nicht anwendbar. Jedoch er⸗ waͤhne ich einer Methode, die aber nur bei hohem Klee und vielleicht vorzug⸗ lich bei Saamenklee ſtatt findet: man nimmt aus dem Schwad, ſo viel man unter dem linken Arme halten kann, druͤckt es zuſammen, zieht ein Paar der längſten Stengel heraus und umwindet das Band damit, ſetzt dieſe Bunde dann zu zwei und zwei gegeneinander in einer Reihe auf dem Stoppelende auf. Anhaltender Regen ſchadet ihnen, der Verſicherung nach, nicht; ſie trocknen endlich ohne Verluſt. Es geſchiehet auf dieſelbe Weiſe, wie man in Buchwei⸗ zengegenden den Buchweizen aufſetzt. Uebrigens verweiſe ich auf das, was ich im dritten Theile uͤber das Heu⸗ machen geſagt habe, beſonders in Anſehung der Aufbewahrung unter Dach oder in Feimen. 5 §. 353. Heuertrag. Junger Klee, gemaͤhet wenn er eben aufbluͤhen will, verliert voͤllig aus⸗ getrocknet ſeines Gewichts; aͤlterer Klee, der voͤllig aufgebluͤhet iſt, nur 4. Es macht aber wahrſcheinlich die feuchtere oder trocknere Witterung, worin er gewachſen iſt, einigen Unterſchied. Im Ganzen kann man annehmen, daß in ſeiner oben erwaͤhnten Maͤhereife von 100, 22 bleiben. Man berechnet den Kleeertrag gewoͤhnlich nach Heu, weil er gruͤn ſchwie⸗ riger zu waͤgen iſt. Der gewoͤhnliche Ertrag im Durchſchnitt der Jahre wird ſehr verſchieden angegeben: man nimmt von 16 Centner bis zu 50 Centner per Morgen an. Und gewiß iſt er hoͤchſt verſchieden nach dem Boden, nach der Bauart, und nach der Duͤngung. Einer meiner Freunde wog das Klee⸗ heu zweier Schnitte voͤllig ausgetrocknet, und ſchon in Bunde gebunden, von einem genau abgemeſſenen Morgen, worauf mir der Klee ſo dicht und ſtark zu ſtehen ſchien, wie ich ihn jemals geſehen hatte, und fand 37 Ctr. 30 Pfd. Der Boden war zwar nicht vorzuͤglich fuͤr Klee geeignet, ſtand aber in gro⸗ ßer Kraft, und war mit Seifenſiederaſche uͤberduͤngt. Ich habe alſo geglaubt 40 Centner als das hoͤchſte annehmen zu muͤſſen, was ein Kleefeld in zwei Der rothe Klee. 267 Schnitten geben koͤnne. Ich habe nachher zwar nur einmal Klee geſehen, der jenem gleich kam, ihn vielleicht uͤbertreffen konnte; aber der Beſchreibung nach, die mir vom Klee in den fruchtbarſten Gegenden, z. B. im Altenburgi⸗ ſchen, gemacht worden iſt, giebt es ſolchen, der ihn weit uͤbertrifft. Ich habe eine Kleepflanze von daher vor mir, die nach Verſicherung der Augenzeugen nicht ausgeſucht, ſondern als Durchſchnittspflanze aufgezogen worden, die eben aufbluͤhend 3 rheinlaͤndiſche Fuß mißt, und zwoͤlf vollkommene Stengel hat. Ihre unteren Blaͤtter ſind getrocknet, 4 Zoll breit und 2 Zoll lang. Ich gebe alſo zu, daß der Kleeertrag weit uͤber 40 Ctr. gehen koͤnne, es iſt aber etwas außerordentliches. Ich habe im erſten Theile Seite 264. auf ſandigem Lehmboden(gutem Gerſtboden) 2400 Pfd. Kleeheu als Mittelertrag angenommen, unter der Be⸗ dingung, daß der Klee einen guten und noch kraftvollen Platz in der Feldro⸗ tation bekomme. Dies ſcheint mir auf dieſem Boden der Wahrheit am naäch⸗ ſten zu kommen. §. 354. Eine Wirthſchaft die einmal in Ordnung iſt, muß ihren Kleeſaamen ſelbſt Aufnehmen gewinnen, weil der Ankauf deſſelben nicht nur koſtbar, ſondern auch mißlich iſt. Es iſt zwar gewiß richtig, daß der Saamenbau den Boden ausſauge. Nicht immer iſt dies ſehr auffallend; aber wer ſich davon uͤberzeugen will, der nehme nur den Saamen zwei Jahre an einer Stelle, und er wird es, wenn anders dieſe Stelle nicht durch Duͤnger wieder mehr beguͤnſtigt wird, lange am Zuruckſchlagen der Fruͤchte verſpuͤren. Der Nachtheil iſt aber nicht ſo groß, daß er nicht reichlich erſetzt wuͤrde. Gewoͤhnlich wird der Saamen vom zweiten Wuchſe genommen, und man ſchneidet den Klee zum erſten Male wohl etwas fruͤher, damit-er um ſo eher und ſtaͤrker wieder in Bluͤte trete. Doch muß man dies auch nicht zu fruͤh thun, weil ſonſt zuruͤckgebliebene Stengel, die eigentlich noch zum erſten Triebe gehoͤren, dem zweiten Wuchſe vorkommen, und zu fruͤh reifen. Da indeſſen ein unguͤnſtiger atmoſphaͤriſcher Zuſtand zuweilen das Taubbluͤhen des Klees veranlaſſen kann, ſo iſt es, um ſicher zu gehen, rathſam, einen Theil des Saamens ſchon vom erſten Wuchſe zu nehmen, wenn man verſpüret, daß die 2 Ausbringen des Saamens, 268 Futterkraͤuter. Bluͤten beſonders gut anſetzen. Daß der Saamen gut anſetze, nimmt man daraus ab, wenn die voͤllig aufgebluͤheten Koͤpfe haͤrtlich anzufaſſen ſind, und einen Widerſtand gegen das Zuſammendruͤcken aͤußern. Man beſtimmt zum Saamentragen eine ſolche Stelle, wo der Klee nicht ſehr dicht, aber doch gleichmaͤßig und frei von Unkraut ſtehet. Der Saamen muß ſeine Reife moͤglichſt vollſtändig erhalten. Einige Bluͤten eilen vor, und ihr Saamen faͤllt bei duͤrrer Witterung wohl ab, eher alles reif iſt, wenigſtens bei dem erſten Schnitte, wo die Hitße groß iſt; ſelte⸗ ner beim zweiten. Hieruͤber muß man nicht ſo beſorgt ſeyn, daß man ihn maͤhe, bevor der groͤßere Theil reif iſt; denn wenn man auch einen Theil ver⸗ loͤre, ſo wird man doch mehr gewinnen, als wenn man das Ganze, aber zum groͤßeren Theile unreif, erhielte. Man unterſucht die Reiſe, wenn man einen Kopf etwas angefeuchtet zwiſchen den Haͤnden, bis er trocken iſt, reibt, da denn die Koͤrner, wenn man die Spreu wegblaͤſet, in der Hand bleiben. Wenn ſie eine violette Farbe haben, ſo ſind ſie am vollkommenſten; dieſe be⸗ kommen ſie aber nicht leicht ſaͤmmtlich. Sie muͤſſen nur hart, durchaus kon⸗ ver ſeyn, und keine Gruͤbchen haben. Man maͤhet den reifen Saamenklee im Thau oder doch nicht bei heißem Sonnenſchein. Man bringt ihn dann bald in kleine Haufen, und läßt ihn darin ſtehen, bis er voͤllig trocken iſt. Er trocknet ſchneller wie junger Klee. Man ſucht heftige Erſchuͤtterung beim Aufladen zu vermeiden, und bringt ihn an einen luftigen Platz, am beſten uͤber die Tennen auf Stangen. §. 355. Man driſcht dann die Saamenkoͤpfe entweder ſogleich vom Strohe ab, beſonders wenn er recht trocken eingekommen iſt; oder man wartet damit bis zu trocknen Froſttagen im Winter. Nachdem die Huͤlſen vom Stroh abge⸗ ſondert ſind, driſcht man jene einige Male uͤber und ſiebet die ausgefallenen Koͤrner heraus. Das im Siebe Zuruͤckbleibende giebt man auf die Stänbe⸗ muͤhle, damit die leeren Huͤlſen wegfliegen, welches zur Befoͤrderung des kuͤnftigen Dreſchens ſehr wichtig iſt. Das uͤbrige bringt man auf einen luf⸗ tigen Boden und ſtreuet es aus, damit es mehr austrockne, driſcht es dann bei trockner Witterung wieder ab, und verfaͤhrt damit wie beim erſten Male. Der rothe Klee. 269 Dies kann man drei⸗ bis viermal wiederholen, ohne doch allen Saamen heraus zu bekommen. Leichter gehet es, wenn man die Köpfe in der Hitze trocknet. Gewoͤhnlich geſchiehet es in Backoͤfen, aber hier kann der Saamen ſehr leicht verbrannt werden, wenn man nicht hoͤchſt vorſichtig dabei iſt, und eine ſehr verminderte Temperatur des Ofens abwartet. Der Saamen verliert dann ſeinen Glanz und bekommt eine braune Farbe, bei welcher er immer hochſt verdaͤchtig iſt, und wofuͤr man ſich beim Ankauf huͤten muß. Sicherer iſt es in einem heizbaren Zimmer Geruͤſte von Brettern zu machen, ſie mit Tuͤchern zu belegen und den Klee darauf zu ſchuͤtten, dann ſcharf einzuheizen und ihn ſo einige Tage zu trocknen. Aber mit Vorſicht gegen Feuersgefahr! Hat man einmal ſo viel Kleeſaamen gewonnen, um damit auf ein Jahr in Vorrath zu ſeyn— welches in jeder Hinſicht ſehr vortheilhaft und voͤllig ſicher iſt, da ſich der Kleeſaamen, zumal im Stroh, vollkommen gut erhält— ſo nimmt man das Abdreſchen des vorjaͤhrigen Saamens am beſten in heißen Sommertagen vor. Die Huͤlſen werden vor der Tenne auf einem Tuche der Sonne ausgeſetzt, oft durchgeharkt und dann auf die Tenne geſchuttet und abgedroſchen. So gehet der Saamen am leichteſten aus, Auch mahlet man ihn bei großem Saamenbau auf der Muͤhle aus. Die Steine muͤſſen aber genau geſtellet werden, ſo daß der Saame nicht ſchroote. Es halt nur ſchwer die Muͤller dazu zu bewegen, wo es nicht gebraͤuchlich iſt. Man kann fuͤglich drei Centner Kleeſaamen vom Morgen gewinnen, und folglich vom Kleeſaamenverkauf einen großen Vortheil haben, zumal wenn man ihn aus einem Jahre, wo er ſehr gedieh, bis zu einem andern, wo er mißräth, und folglich theuer wird, aufſpart. Manche ſäen, um die Arbeit des Abdreſchens zu erſparen, den Klee in Huͤlſen(Bulſtern) aus. Es geht ſehr gut und der Klee keimt vielleicht et⸗ was ſpäter aber um deſto ſicherer aus. Es iſt aber nicht zu verhindern, daß der Kleeſaamen ſtellenweiſe zu dicht falle, und wenn man geſichert ſeyn will, daß allenthalben genug Saamen hinkomme, ſo muß man doppelt ſo viel aus⸗ ſtreuen laſſen, als ſonſt nöthig geweſen wäre. Die Arbeit des Abdreſchens iſt freilich weitlaͤuftig, aber doch ohne Vergleich wohlfeiler als die Ausſtreuung ſo vieles Saamens, der ſich aufbewahren oder verkaufen läßt. Wiederkom⸗ men des Klees auf denſelben Platz. Ob Klee aus⸗ ſauge oder be⸗ reichere? 270 Futterkraͤuter. Das Stroh und die Spreu des abgedroſchenen Saamens iſt zwar bei weitem nicht von dem Werthe des jungen Kleeheues, aber doch nutzbar fuͤr das Vieh zu gebrauchen. S. 36. Die Bemerkung, daß der Klee mißrathe, wenn er zu oft auf denſelben Platz komme, iſt zu allgemein, als daß man ihre Richtigkeit bezweifeln ſollte. Sagen und Vorurtheile pflanzen ſich fort, trotz aller geſunden Vernunft; aber ſie entſtehen nicht, wie dieſe, unter dem Volke mehrerer Nationen zugleich. Dagegen haben wir andre Erfahrungen, wo der Klee, wenn er alle 3 oder 4 Jahre geſaͤet ward, immer gerieth. Beachten wir jene Faͤlle genauer, ſo wird, wo man jene Bemerkung machte, immer flach gepfluͤgt.— MNorfolk, Magdeburg, Braunſchweig.— Wo aber der Klee immer gut geraͤth— in Gaͤrten, in verſchiedenen vier⸗ und fuͤnfſchläͤgigen Wechſelwirthſchaften, in Belgien(vergl. Schwerz Th. II. S. 4.)— da ward zwiſchen dem Klee ein⸗ mal ſehr tief geackert. Auch wo man ſich der Kalk⸗Mergel⸗ oder Aſchenduͤn⸗ gung bediente, da bemerkte man das Mißrathen des oft wiederkommenden Klees nicht. Der Gyps dagegen, der ſonſt ſo wohlthaͤtig auf den Klee wirkt, half hiergegen nicht. Ich fuͤhre nur Thatſachen an, ohne mich auf ihre Er⸗ klaͤrung einzulaſſen. §. 357. Ob der Klee den Acker verbeſſere oder ausſauge, insbeſondere ob er auf die naͤchſtfolgende Frucht gut oder ſchlecht wirke, iſt eine ſehr haͤufig und mit Heftigkeit verhandelte Frage. Die meiſten ſtimmen fuͤr das erſtere; indeſſen iſt es nicht zu leugnen, daß manche das Gegentheil erfahren haben. Daß er nicht eigentlich erſchoͤpfend auf den Boden wirke, iſt wohl ausgemacht; denn allemal findet man, daß die folgende Frucht in dem Verhaͤltniſſe beſſer darnach gerathe, je dichter der Klee ſtand und je reichlicher die Ernte davon war, wenn er anders nicht zum Saamentragen kam; wovon das Gegentheil eintreten muͤßte, wenn der Klee betraͤchtliche Nahrung aus dem Boden zoͤge. Aber er wirkt nachtheilig, wenn er duͤnn und ſchwach ſtehet, indem er dem Unkraute, beſon⸗ ders den Quecken und andern ſich ausbreitenden Graswurzeln Platz giebt, der Boden ſich dann erhärtet und des wohlthaͤtigen Schattens entbehrt, zumal ——————— Der weiße Klee. 271 wenn man ihn dann doch ſpaͤthin ſtehen laͤßt und ſeine Stoppel einfurchig be⸗ handelt. Wenn man daher vom Klee auch in dieſer Hinſicht eine wohlthätige Wirkung haben will, ſo muß man alles anwenden, was deſſen dichten Stand und lebhaften Wuchs befoͤrdern kann: ihn nur in einen kraftvollen, durch Brache oder behackte Fruͤchte wohl gereinigten und gelockerten Acker ſaͤen, Sorgfalt auf die Ausſaat verwenden, und ihn zu gerechter Zeit maͤhen. Dann muß man ihn, nachdem er nach dem letzten Schnitte etwas wieder herange⸗ wachſen, fruͤh genug vor der kuͤnftigen Saat umbrechen, damit ſich der Acker ſetzen und die Kleeſtoppel modern koͤnne. Sollte indeſſen der Klee wegen un⸗ guͤnſtiger Witterung dennoch ſchlecht ſtehen, und zum Theil ausgewintert ſeyn, ſo muß man ſich mit einem Schnitte begnuͤgen, und dann den Acker als Brache mit dreimaligem Pfluͤgen und Eggen behandeln. Wer dies beobachtet, wird allemal vom Klee eine wahre Vermehrung der Kraft im Boden— ohne Ruͤck⸗ ſicht auf den Reichthum, welchen er der Wirthſchaft im Ganzen giebt— un⸗ mittelbar bemerken, und nach Klee oftmals beſſeres Getreide, wie nach unge⸗ duͤngter Brache haben. Der weiße Klee(Trifolium repens). F. 358. Obwohl es mehrere weißbluͤhende Kleearten giebt, und auch ſelbſt jener rothe Klee ſeine Farbe zuweilen umwandelt, ſo wird doch unter weißem Klee faſt allenthalben jene Art ausſchließlich verſtanden. Er iſt faſt auf allen lehmi⸗ gen und feuchten Boden unſres Klimas einheimiſch, macht einen Theil des Ra⸗ ſens aus, und wenn er ſich auch bei dem erſten Anblicke in dieſem nicht zeigt, ſo entdeckt man doch bei genauerer Anſicht kleine ſchwache Pflanzen. Daher erſcheint er gleich, ſobald der Boden einen Duͤuger bekommt, der dieſer Pflan⸗ zengattung beſonders zuſagt: Kalk oder Aſche; ſo daß manche geglaubt haben, der Saamen muͤſſe in dieſen ſtecken. §. 359. Der weiße Klee wird von einigen auch zum Mähen angeſaͤet. Es wird aber ein ſehr kraftvoller Boden erfordert, wenn er die dazu gehoͤrige Höhe er⸗ Ausſaat. wenn er gut vertheilt wird. 272 Futterkraͤuter. langen ſoll. Auf ſolchem Boden kann er einen Schnitt geben, welcher der Dich⸗ tigkeit wegen einem Schnitte des rothen Klees gleichkommt, und das davon ge⸗ machte Heu uͤbertrifft, nach der Verſicherung aller derer, die es verſucht haben, das Heu des rothen Klees in ſeiner Annehmlichkeit, Nahrhaftigkeit und be⸗ ſonders im Milchertrage betraͤchtlich. Mehr als einen Schnitt giebt er aber nicht, ſondern bleibt nachher an der Erde. Weit haͤufiger aber wird er als Weideklee benutzt, und unter allen Pflan⸗ zen, die man in dieſer Abſicht anbauete, hat er den meiſten Beifall erhalten. Er ſchickt ſich dazu wegen ſeiner ſtarken Beſtaudung, und des ſchnellen Wie⸗ deraustreibens ſeiner Blaͤtter beſſer wie der rothe Klee. Auch weicht er dem Unkraute nicht ſo leicht wie dieſer, unterdruckt vielmehr daſſelbe durch ſeine fortrankende Wurzel, erfordert deshalb keinen ſo ſorgfältig gereinigten Acker und kann ſicherer nach mehreren Kornernten gebauet werden. Auch hat man bemerkt, daß ihm eine oͤftere Wiederholung ſelbſt auf flach beackertem Boden nicht ſo nachtheilig ſey wie dem rothen Klee, welches ſchon daraus erhellet, daß dieſer Klee bei uns einheimiſch und wildwachſend iſt. Dennoch haben einige erfahren, daß er auf minder angemeſſenem Boden beſſer gerathe, wenn dieſer ihn noch nie getragen hat, als wenn er ſchon ſeit längerer Zeit darauf ge⸗ pauet worden. Eine Abwechſelung des rothen Klees mit dem weißen hat man jenem nicht nachtheilig gefunden. §. 360. Man ſäet ihn unter Winter⸗ und Sommergetreide, unter erſteres jetzt lieber als unter leßteres, weil er unter jenem fruͤher aufkommt, und oft ſchon eine gute Nachweide in der Stoppel giebt. Er wird dann, ſobald der Froſt aufgegangen, uͤber die Winterungsſaat hergeſtreuet, oder aber man ſaet ihn auch vor Winter, oder ſelbſt auf dem Schnee aus, damit er ſich mit der Feuchtig⸗ keit feſt in den Boden ziehe, und dann bei der erſten wieder eintretenden Waͤrme keime. Man bedarf der Feinheit ſeiner Körner und ſeines Beſtandens wegen weit weniger Saamens, und 2 bis 2½ Pfd. ſind völlig hinreichend auf den Morgen, „ Er . Der Erdbeerklee. 273 Er iſt mehr oder minder ausdauernd, je nachdem ihm der Boden zuſagt. Oft haͤlt er ſich nur bis ins dritte Jahr nach ſeiner Ausſaat und verliert ſich im vierten. Bei einer ſcharfen Behuͤtung mit Schaafen aber kann er auch fruͤher ausgehen, weil dieſe ſeinen Stamm und ſelbſt die Wurzeln in der Erde anfreſſen und auskratzen. §. 361. um den Saamen zu gewinnen, maͤhet man ihn gewoͤhnlich ab, wobei aber immer viele Koͤpfe ſtehen bleiben. Will man von einem kleinen Flecke vielen Saamen haben, ſo iſt es rathſamer, ſeine Saamenkoͤpfe von Weibern und Kin⸗ dern abpfluͤcken oder mit der Scheere abſchneiden zu laſſen. Dieſe Arbeit bezalt ſich immer. Oder aber man ſammelt ihn in einen Beutel, woran vorn ein kammaͤhnliches Eiſen beſeſtiget iſt, mit welchem man uͤber den Klee herſtreift, die Blütköpfe abreißt, die dann in den Beutel, der oben mit einem Buͤgel ausein⸗ ander geſpannt iſt, fallen. Im uͤbrigen wird er eben ſo wie der rothe Klee behandelt. 352½ Man hat verſchiedene andere Kleearten zum Anbau empfohlen. Der Erdbeerklee, Trikolium fragiferum, kommt dem weißen Klee in ſeiner Natur und Anſeben ſehr gleich, und unter⸗ ſcheidet ſich nur durch ſeine erdbeerfoͤrmigen Saamenkoͤpfe. Er iſt ebenfalls eine einheimiſche Pflanze, und ſcheint faſt dichtere Blaͤtter wie der kriechende Klee zu bekommen. Doch kennen wir noch keine im Großen damit gemachte Verſuche. Das Trifolium Hexuosum, das alpestre und das rubens, hat man ſtatt des rothen Klees empfohlen, weil ſie beide auf ſchlechterem Boden beſſer wie der gewoͤhnliche Klee gedeihen ſollen. Sie ſind aber auch minder zutraͤglich, und haben nicht die weichen und maſtigen Blaͤtter des Wieſenklees. Das Trifolium melilothus nähert ſich in ſeinem Wuchſe, und in ſeinem Anbau mehr der Luzerne und iſt als ein Surrogat derſelben anzuſehen. Das mit blauen Blumen hat einen zu ſtarken Geruch; das gelbbluͤhende hat ihn min⸗ der, und am wenigſten das weißbluͤhende. Deshalb nimmt man das letztere am liebſten. Indeſſen giebt er doch der Milch und Butter einigen Beiſchmack, den manche aber nicht für unangenehm halten, bei dem Käſe aber ſehr ſchätzen. Vierter Thell. Mm Saamenge⸗ winnung. Futterkraͤuter. —1 + Die Luzerne(Medicago sativa). §. 363. Der große Ruf, worin ſich dieſe Pflanze bekanntlich ſeit uralten Zeiten bis auf unſern Tag, als das trefflichſte aller Futtergewächſe, ununterbrochen erhalten, auf der einen Seite, und dagegen die widerſprechenden Erfahrungen von den mit aller Sorgfalt angeſtellten und dennoch ganz verungluckten Anbauverſuchen auf der andern, haben meine Aufmerkfamkeit auf dieſe Pflanze beſonders erhalten. Ich habe nicht nur ſelbſt fortdauernd Verſuche damit angeſtellt, ſondern auch die Erfahrungen andrer einzelnen Anbauer geſammelt, verglichen und dabei auf den Grund der verſchiedenen Reſultate zu dringen geſucht. Deshalb habe ich auch meine Meinung zu verſchiedenen Zeiten abgeändert, wie aus demjenigen, was ich im erſten und wieder im dritten Bande meiner engliſchen Landwirthſchaft daruͤber geſagt habe, erhellt. Jetzt glaube ich ſie mehr beſtimmen und feſter ſtellen zu koͤnnen. §. 364. Es kommt beim Anbau dieſer Pflanze faſt mehr auf den Untergrund als auf die obere Ackerkrume an. Dieſe kann während des Wachsthums der Luzerne ver⸗ beſſert und bereichert werden. Jener wird bei der Verlängerung der Pfahlwur⸗ zeln mit jedem Jahre wichtiger. Es iſt zur Ausdauer der Luzerne unumgänglich noͤthig, daß er bis zu einer Tiefe von ₰ Fuß wenigſtens gleichartig mit der Grund⸗ erde der Krume und mit ſich ſelbſt bleibe. Wo ſich die Lage der Erdarten in ihrer Konſiſtenz und in ihren Beſtandtheilen veraͤndert, da ſtockt die Wurzel der Luzerne, die Pflanze geht aus oder hält ſich nur küͤmmerlich hin. Am wenigſten darf zäher Thon ihr in den Weg kommen, auf welchem obendrein das Waſſer ſtockt und nicht tiefer einziehen kann. Da es nun ganze Gegenden ſowohl, wie einzelne Stellen auf dem Acker giebt, wo ſich dieſe bisher in größerer Tiefe viel⸗ leicht unbeachtete Abwechſelung der Erdarten findet; ſo mißrathen daſelbſt alle Anbauverſuche mit dieſer Pflanze. Man hat es indeſſen in ſeiner Gewalt, die verſchiedenen Schichten des Untergrandes durch das Rejolen miteinander zu men⸗ gen und dadurch den Luzernebau zu erzwingen. Es muß aber bis zu einer ſehr beträchtlichen Tiefe geſchehen, und 3 Fuß als die gewoͤhnliche Grenze des Rejo⸗ lens, ſind zu einer läͤngeren Ausdauer der Luzerne noch nicht hinreichend. Ich Die Luzerne. 275 habe die Erfahrung ſelbſt oͤfterer gemacht, und von vielen vernommen, daß die Luzerne auf dieſe Weiſe bis im dritten Jahre den beſten Anſchein gab, dann aber ſtatt ſich ſtärker zu beſtauden, zu kuͤmmern anſing, unerachtet man ſie auf das ſorgfaͤltigſte behandelte. Daß der Boden, wo man Luzerne bauen will, der Näſſe zu keiner Jahres⸗ zeit ausgeſeßzt ſeyn durfe, iſt bekannt. Huellichte oder waſſergallige Stellen ruh⸗ ren von abwechſelnden Lagen, anhaltender und durchlaſſender Erden her, und ſind alſo ſchon in dieſer Hinſicht untauglich. Und wenn man auch dieſe Stellen durch gehoͤrig angelegte Abzuͤge entwäſſern könnte, wuͤrde man ſie dennoch nicht zu dieſem Anbau gebrauchen koͤnnen. Aber auch die auf der Oberflaͤche ſich herabziehende und ſich anhaͤufende oder durchſinternde Naͤſſe wird der Luzerne nachtheilig, theils durch ſich ſelbſt, theils dadurch, daß ſie den Graswuchs oder die Raſenerzeugung auf der Oberfläche zu ſehr beguͤnſtiget, die der Luzerne tod⸗ lich wird, wenn man ſie nicht uͤberwinden kann. Hier laͤßt ſich jedoch durch Begrabungen oft etwas ausrichten. Der Boden muß dann aber auch von einer mittleren Konſiſtenz ſeyn. Der zähe Thon paßt ſich durchaus nicht dazu; denn weil nur ſeine Ackerkrume durch den Duͤnger und die Bearbeitung gelockert iſt, ſo macht der harte Untergrund ſo⸗ gleich einen nachtheiligen Widerſtand. Auf tiefem ſandigen Boden kommt die Lu⸗ zerne eher fort, aber ſie bleibt ſchwach und durftig und leidet bei anhaltender Duͤrre doch ſo ſehr, daß ihre Blaͤtter abfallen. Am meiſten iſt derjenige Boden fuͤr ſie geeignet, in dem ſich gleichartig, bis zu einer betraͤchtlichen Tiefe der Sand zum abſchwemmbaren Thon verhält= 70: 30 bis= 501 5o. Noch zutraͤglicher aber wird er, wenn er ſtatt eines Theils des Sandes Kalk enthält; wäre dieſer Kalk auch nur im Untergrunde und nicht in der Ackerkrume vorhanden. Jedoch verſteht es ſich, daß er auch nicht uͤberwiegend und in beſondern Lagen angehaͤuft, ſondern gleichmäßig mit der uͤbrigen Erde gemiſcht ſeyn muͤſſe. Auf Kalkſtein, wo die Esparſette ſo vorzuglich gedeiht, waͤchſt die Luzerne nicht. FJener Boden iſt derjenige, den man gewoͤhnlich warmen Boden nennt, und den alle Beobachter, als den beſten fuͤr die Luzerne, mit dieſem Namen bezeich⸗ nen. Der Luzerne iſt aber auch eine warme Lage deſſelben gedeihlich, folglich der öſtüche und der ſuͤdliche Abhang und einiger Schutz vor dem naßkalten R Mm 2 Ackerherei⸗ tung. Ausſagt. 276 Futterkraͤuter und Weſtwinde. Sie iſt in einem warmen Klima zu Hauſe, hält daſelbſt vor allen die Duͤrre des Sommers aus, und deshalb giebt ſie auch bei uns in trocknen und warmen Sommern, wo beſonders der Klee an Duͤrre leidet, auf angemeſſe⸗ nem Boden den ſtärkſten Ertrag. Hieraus folgt, daß derjenige, welcher mit Sicherheit ein Luzernefeld anlegen will, ſeinen Boden nicht bloß auf der Oberflaͤche, ſondern bis zu einer betraͤchtlichen Liefe unterſuchen muͤſſe: eine Unterſuchung, die weit leichter und minder koſtſpie⸗ lig iſt, als aufs Gerathewohl gemachte und mehrentheils kein ſicheres Reſultat gebende Proben. An manchen Orten, wo die Unterlage des Bodens ſehr ver⸗ ſchieden und abwechſelnd iſt, bleibt ihr Anbau immer unſicher und man bekommt ſelten dicht geſchloſſene Luzernefelder. Es entſtehen immer Luͤcken, wo ſie aus⸗ gehet, wenn ſie mit ihren Wurzeln auf eine unpaſſende Erdlage ſtoͤßt. §. 368. Der zur Luzerne beſtimmte Acker muß wohl vorbereitet, ſo tief wie moͤglich gepflugt, und von allem ausdaurenden Unkraute gereinigt, Quecken und Gras⸗ wurzeln muͤſſen insbeſondere völlig getödtet ſeyn, welches durch Brachbearbeitung, oder den Bau behackter Fruͤchte, wo es noͤchig iſt, zwei Jahre nacheinander, am beſten geſchieht. Einjähriges Saamenunkraut ſchadet ſo viel nicht, da es mit der Frucht, worunter die Luzerne geſaͤet ward, oder mit der jungen Luzerne ſelbſt, abgemaͤhet wird, und dann vergeht. Nur darf es nicht zur Saamenreife kommen. Vor dieſer Bearbeitung iſt es rathſam, dem Acker eine kraͤftige Miſtduͤngung zu geben, damit man nicht nöthig habe, dieſe, ſo lange die Luzerne noch jung iſt, zu wiederholen. 5. 366. Die Luzerne wird entweder allein oder mit einer andern Frucht, zu7 bis 8 Pfd. auf den Morgen— weil ihr Saamen betraͤchtlich groͤßer wie der Kleeſaamen iſt— ausgeſaͤet. Vormals hielt man erſteres fuͤr rathſam, damit man ſie jäten, auch wohl, wo ſie zu dicht ſtand, verziehen koͤnne. Jetzt zieht man letzteres faſt allge⸗ mein vor, weil man das Jäten im Großen kaum möglich, und die Bedeckung und Schutz durch die mit ausgeſaete Frucht den jungen Luzernepflanzen zuträg⸗ lich gefunden hat. Manche ſaͤen ſie unter die Gerſte, beſonders unter die ſpäte vierzeilige, die ſie reifen laſſen. Andre wählen eine Frucht, die gruͤn abgemahet ——— Die Luzerne. 277 wird: Erbſen, Wicken und verſchiedene Gemenge. Ich aber ziehe nach mei⸗ nen Verſuchen den Lein und den Buchweizen andren dazu vor; denn ich habe gefenden, daß ſie hierunter immer am gleichmaͤßigſten und uͤppigſten ſtehe, und nachher am ſtaͤrkſten emporkomme. Der Lein muß freilich mit einiger Vorſicht und Schonung der jungen Pflanzen aufgezogen werden. Der Buch⸗ weizen kann zur Reife kommen, oder gruͤn in der Bluͤte gemaͤhet werden. Da er aber mehrentheils auf ſolchem Boden zu uͤppig ſteht, um einen be⸗ traͤchtlichen Saamenanſatz zu machen, ſo habe ich in der Regel letzteres ge⸗ wählt. Der Boden bleibt unter dieſen Gewaͤchſen voͤllig rein, ſie ſchlagen nicht wieder aus, und uͤberlaſſen den Platz der nun ſchnell heranwachſenden Lu⸗ zerne, die dann keiner weiteren Beihuͤlfe im Nachſommer und Herbſte bedarf. Einige ſäen mit der Luzerne zugleich rothen Klee aus, damit dieſer im nächſten Jahre, wo die Luzerne ihre vollige Stärke noch nicht erreicht hat, doch einen reichlichen Schnitt gewaͤhre. Mir hat aber junge Luzerne im zwei⸗ ten Jahre immer vinen Ertrag gegeben, der dem des Klees wenigſtens gleich⸗ kommt, und es ſteht doch wohl zu beſorgen, daß der ſich ſchneller beſtaudende Klee manche junge Luzernepflanze unterdruͤcke, weswegen ich dieſer Methode meinen Beifall nicht geben kann. §. 367. Manche geben der jungen Luzerne nun vor Winter eine Bedeckung von Bedeckuns langem ſtrohigem Miſte. Ich will es nicht beſtreiten, daß dieſe in einem har⸗ ten Winter, wo ſie von keiner Schneedecke geſchuͤtzt wird, nutzlich ſeyn koͤnne. In dem Winter von 1803 erſror junge Luzerne, aber ein ſolcher ſchneeloſer Winter, wo der Froſt 3 Fuß in die Erde drang, und der Boden nicht Riſſe,„ ſondern große Kluften bekam, iſt auch ſelten, und es muͤßte eine ſtarke Be⸗ deckung ſeyn, die ſie ſchuͤtzte. In dem Winter von 1812, wo es ihr eben⸗ falls bei ziemlich ſtrengem Froſte an einer Schneedecke fehlte, blieb ſie un⸗ verſehrt. Die Miſtdecke ſcheint mir aber außerdem das Nachtheilige zu haben, daß ſie die jungen Pflanzen verzärtelt, neues Unkraut in den Acker bringt, die hier nachtheilige Graserzeugung befordert, und Feldmaͤuſe herbeilockt. Ich rathe daher, die junge Luzerne im erſten Winter lieber ſich ſelbſt zu uͤberlaſſen. Eggen. Ueberduͤn⸗ gung. Ernte. 278 Futterkraͤuter. §. 368. Eine hoͤchſt wichtige und zur Erbaltung der Luzerne faſt unentbehrliche Operation iſt ein kraͤftiges Aufeggen derſelben, beſonders im Fruͤhjahre, Hel⸗ ches aber auch zwiſchen zwei Schnitten mehrere Male im Jahre wiederholt werden kann, wenn Graͤſer Wurzel dazwiſchen faſſen wollen. Im erſten Fruͤh⸗ jahre muß dieſes Eggen freilich nur mäßig geſchehen, in dem folgenden aber mit moͤglichſter Kraft, und ſo ſtark, daß der Boden ganz wie aufgeriſſener Acker ausſehe. Daher muͤſſen ſtarke und ſcharfe eiſerne Eggen dazu gebraucht werden, und wenn man keine große ſogenannte Bootegge hat, muͤſſen mit kleineren Eggen um ſo mehrere Zuͤge nach allen Richtungen gegeben werden. Die erſtarkte Luzerne beſchaͤdigt man dadurch gewiß nicht, ſie beſtaudet ſich und treibt um ſo ſtaͤrker hervor, je tiefer das Land aufgeriſſen worden. Man hat ſogar einzelne Streifen einen Fuß weit von einander mit dem Pfluge auf dem Luzernefelde aufgeriſſen und dadurch alte Luzerne wieder verjuͤngt. §. 369. Nach dieſem kräftigen Eggen wird aufgebrachter Duͤnger um ſo groͤßere Wirkung thun. Man duͤngt die Luzerne, um ſie im uͤppigſten Wuchſe zu er⸗ halten, gern alle zwei Jahre, und am beſten abwechſelnd mit Miſt und mit mineraliſchem Duͤnger. Als letzteren findet man den Aſchenabgang vorzuglich wirkſam, aber auch den Kalk in zerfallenem Zuſtande und mit etwas Raſen⸗ erde gemengt; ſo wie auch zerfallenen Mergel. Von allem thieriſchen Miſte thut eine duͤnne Ueberſtreuung mit Federvieh⸗, beſonders Taubenmiſt die groͤßte Wirkung. Auch bedient man ſich gern der ausgegohrnen Miſtjauche fuͤr das Luzernefeld. Die Beſtreuung mit Gips iſt fuͤr die Luzerne eben ſo wirkſam wie fuͤr den Klee. §. 370. Die Luzerne muß gemaͤhet werden, ehe ſich ihre Bluͤtenknospen zeigen, wenn man einen ſchnellen und ſtarken Wiederwuchs ſichern will. Gut behan⸗ delte Luzerne, kann in der Regel viermal, zuweilen auch fuͤnfmal, in einem Sommer gemaͤhet werden. Die Staͤrke jedes Schnitts nimmt faſt mit jedem Jahre zu, ſo lange die Luzerne dicht und ohne Luͤcken bleibt, wenn anders das Eggen und die Die Luzerne. 279 Duͤngung nicht verſaumt wird. Wenn auch die aͤltere Luzerne nicht ſo hoch wied wie die juͤngere, ſo gewinnt ſie dagegen an Dichtigkeit. Ihr Ertrag uͤbertrifft wohl jedes andre Futterkraut. 40 Centner Heu vom Morgen nimmt man als das gewoͤhnliche an, man behauptet aber häuſig 80 Centner vom Morgen erhalten zu haben. Die Quantität haͤngt hauptſächlich von der ge⸗ gebenen Duͤngung ab, doch hat auch die Jahreswitterung einen großen Ein⸗ fluß darauf. Je wärmer der Sommer, deſto groͤßer iſt er in der Regel. §. 371. Die Luzerne wird theils gruͤn mit allen Vieharten verfuttert, theils zu Gebrauch. Heu gemacht, welches letztere auf eben die Weiſe, wie beim Klee, geſchiehet. Grün giebt man ſie beſonders gern den Pferden, die, wenn ſie täglich einmal den dritten Theil ihrer gewoͤhnlichen Ration Hafer dabei bekommen, in Kraft mehr zu⸗als abnehmen. Bei den Kuͤhen ſcheint ſie die Milch ſtäͤrker wie der Klee zu vermehren; doch wollen einige bemerkt haben, daß die Milch duͤnner danach werde und die Butter fruͤßer einen bitterlichen Geſchmack bekomme. Ich habe es noch nicht bemerkt. §. 372. Die Luzerne kann ſehr lange ausdauern. Ich habe auf einem Garten⸗ Ausdauer. ſtuͤcke, welches ehemals Luzerne trug, nachher ein Paarmal gegraben und dar⸗ auf zu Raſen wieder niedergelegt wurde, einzelne Luzernepflanzen geſehen, die wenigſtens 30 Jahr alt ſeyn mußten. Funfzehn Jahre lang hat man ein Lu⸗ zernefeld nicht ſelten erhalten, und auf 7 bis 8 Jahre rechnet man gewoͤhnlich. Einige laſſen die Luzerne nur 4 bis 5 Jahre ſtehen, nicht ſowohl weil ſie dann ausginge und ſich vermindere, ſondern weil man das Land durch ſchnellere Wechſelung hoͤher zu benutzen glaubt. §. 373. Wenn die Luzerne in eine ordentliche Feldrotation aufgenommen werden Plat im Feld⸗ ſoll, ſo muß dieſe viele Schläge haben; theils um die Luzerne lange genug zu benutzen, theils weil man auch in Anſehung ihrer beobachtet haben will, daß ſie erſt nach 9 Jahren auf denſelben Platz wieder kommen duͤrfe. Bei weni⸗ geren Schlägen— wir wollen 7 annehmen— wird es am zweckmäßigſten ſeyn, von jedem Schlage gewiſſe Morgen zur Luzerne zu beſtimmen, jährlich Aufnehmen es Saamens. Aufbruch des Luzernefeldes. 280 Futterkraͤuter. einen Theil davon anzuſaͤen, und wenn man damit herumgekommen iſt, jähr⸗ lich einen Theil wieder aufzureißen und nun einen andren Platz auf jedem Schlage fuͤr die Luzerne zu waͤhlen. Dies wird insbeſondere da geſchehen muͤſſen, wo nicht der ganze Acker fuͤr die Luzerne tauglich iſt. In manchen Faͤllen behilft man ſich ohne Regularität mit einzelnen aus der Rotais her⸗ netmenen Stuͤcken. 5 374. Den Saamen nimmt man nicht von juͤngerer Luzerne, auch nicht von ſol⸗ cher, die man mehrere Male maͤhen will, und die noch lange ausdauern ſoll, denn die Pflanzen werden von der Saamenreifung ſehr angegriffen. Indeſſen habe ich doch geſehen, daß man es ihnen durch gute Duͤngung voͤllig erſetzen könne. In der Regel nimmt man den Saamen von dem Felde, welches nun umgebrochen werden ſoll, maͤhet einen Schnitt jung ab, und tßt dann den zweiten zur Reife kommen. Der Saamen iſt leichter abzudreſchen wie der vom n Klee, giebt aber nicht ſo reichlich, und iſt deshalb wenigſtens um ein Drittel theurer. §. 375. Der umbruch eines alten Luzernefeldes ſcheint mir nicht ohne Schwierig⸗ keit. Ich habe es dreimal tief mit ſchmalen Furchen und ſcharfen Schaaren gepflugt, und danach Hackfruͤchte gebauet, und dennoch trieben immer Luzerne⸗ pflanzen wieder aus. Es muß mit junger Luzerne anders ſeyn; denn der be⸗ ruͤhmte Pictet zu Lancy, welcher die Luzerne nur drei Jahre benutzt, faͤet, wie nach dem Klee, Weizen auf die erſte Furche. Die Fruchtbarkeit eines aufgebre henen Luzernefeldes, beſonders wenn es mehrere Male Duͤnger erhalten hat, iſt ſehr groß, und es kann nun eine Reihe von Ernten ohne neuen Duͤnger abtragen. §. 376. Ich muß noch einiger beſonderen Kulturarten der Luzerne erwaͤhnen, wo⸗ von 6 im erſten Bande meiner engliſchen Landwirthſchaft ausfüͤhrlicher geſpro⸗ chen habe. Durch die Verpflanzungsmethode, wobei die Luzerne ihre Pfahl⸗ wurzel verliert, kann man ihren Anbau auf flacherem Boden erzwingen, indem ſie alsdann nur Seitenwurzeln treibt, die aber einen beträͤchtlichen Raum haben muͤſſen: Die Luzerne. 281 muͤſſen; und dies ſcheint wohl der Hauptgrund ihrer Anwendung zn ſeyn. Ich habe ſie im Kleinen verfucht, aber das Beſchwerliche dabei gefunden, daß die ungemein erſtarkenden Pflanzen holzige Kronen bekamen, die, weil ſie mit der Senſe nicht gefaßt werden durften, immer hoöher wurden, ſo daß die Luzerne nach einigen Jahren ſchon ½ Fuß hoch uͤber der Erde abgehauen werden mußte. Die Methode iſt uͤbrigens ſehr muͤhſam, erfordert haͤuſiges Nachpflanzen und es dauert bis zum dritten Jahre, eher ſich das Kraut der Luzerne gehoͤrig ſchließt. Sie ſcheint auch in England außer Gebrauch gekommen ſeyn. Allenfalls bleibt ſie anwendbar, wo auf einem Felde, aus der§. 370. erwähnten Urſach Luͤcken entſtehen, die man bepflanzen kann. Das Drillen der Luzerne aber, zwiſchen Getreide in Reihen von acht⸗ bis zehnzölliger Diſtanz, iſt in England immer beliebter geworden, weil man die die⸗ ſer Pflanze ſo nutzliche Auflockerung der Oberflaͤche dann durch die Pferdehacken noch weit kraͤſtiger geben kann, als durch die Egge. Selbſt habe ich dieſen Ver⸗ ſuch noch nicht gemacht. §. 377.. Ein gut beſtandenes und ſich durch jaͤhrliche Anlage immer erneuerndes Lu⸗ zerneſeld, giebt einer Wirthſchaft einen hohen Schwung, und kann den Wieſen⸗ Mangel vollig und ſicher erſetzen. Keine Wieſe giebt den Ertrag an gleicher Flaͤche, wie die Luzerne, und ſelten giebt ſie ihn ſo ſicher. Die Esparſette, der Espar, St. Foin, Hedyfarum onobrychis. §. 378. Dieſes ſchaͤtzbare Futtergewächs erfordert nothwendig einen kalkhaltigen un⸗ tergrund. Wo es dieſen findet, wächſt es auch mit Huͤlfe einigen Duͤngers auf einer ganz ſchlechten flachen Ackerkrume, wogegen es ohne ſolchen durchaus nicht ſortkommt, wenn man ihm auch die beſte Ackererde giebt. Es gehet war darin auf und zeigt ſich im erſten Jahre ſehr uͤppig; aber dann vergeht 8, ſtatt ſich zu beſtauden. Rur Kalk oder Kreide muß es haben, wenn e auch Felſen wäre, in welchen es ſich mit ſeinen Wurzeln hineinbohret. Wer es anbauen Vierter Theil. Nn Boden. 282 Futterkraͤuter. Porbereitung. Ausſaat. Heuertrag. will, uͤberhebt ſich durch Unterſuchung ſeines Bodens bis zu einer Tieſe von 4 Fuß koſtſpieliger und oft vergeblicher Verſuche. §. 379. Der Acker wo Esparſette ausgeſaͤet werden ſoll, muß gereinigt ſeyn vom Unkraut, beſonders von Quecken, welche ſie nicht aufkommen laſſen. Dies kann durch eine gut bearbeitete Brache oder durch Hackfruͤchte geſchehen. Hat der Boden kuͤrzlich Duͤnger erhalten, ſo wird dies ihr Fortkommen ſehr beguͤnſtigen; indeſſen hat man ſie häuſig auf mageren Acker geſaͤtt, und dennoch in der Fol⸗ ge ein gutes Esparſettefeld erhalten. §. 38o. Sie wird in der Regel mit Gerſte oder Hafer, zuweilen indeſſen auch im Herbſte mit Winterung eutweder auf die rauhe Furche geſaͤet oder flach unter⸗ gepflugt, auf den Morgen wenigſtens 2, beſſer 3 Scheffel. Auch kann ſie ſehr vortheilhaft mit der Getreide⸗Saͤemaſchine gedrillet und dann gepferdehacket wer⸗ den, wenn dieſe Inſtrumente in einer Wirthſchaſt eingefuͤhrt ſind; wobei man 3 des Saamens erſpart. Bei groͤßeren Anlagen muß man ſich den Saamen unmittelbar aus ſolchen Gegenden zu verſchaffen ſuchen, wo der Esparſettebau im Großen eingefuͤhrt iſt, weil er bei den Saamenhaͤndlern, die ihn pfundweiſe verkaufen, viel zu theuer kommt, und obendrein haͤufig nicht reif iſt. Man muß ihn aber bei einem rechtlichen Esparſette⸗Bauer fruͤh genug beſtellen, indem man ſonſt nur ſeinen eigenen Bedarf aufnimmt, da der Saamen kein gewoͤhn⸗ licher Handelsartikel iſt, ſein Aufnehmen im gerechten Zeitpunkte der Reife auch viele Aufmerkſamkeit erfordert. §. 381. Wenn die Pflanzen ſich mit ihren Wurzeln feſtgeſetzt haben, welches zu⸗ weilen ſchon im erſten Fruͤhjahr nach der Saat, zuweilen erſt im zweiten der Full iſt, ſo muß ſie gleich der Luzerne mit ſcharfen Eggen behandelt werden. Giebt man ihr von Zeit zu Zeit Duͤnger, ſo wird dieſer ihren Wuchs üppiger und den Strag hoͤher machen. 5. 382. Weil ihr Anbau in der Regel auf entlegnern bergigen Feldern geſchieht, ſo wird ſie mehr zu Heu gemacht als gruͤn verfuͤttert. Sie giebt einen ſtarken Die Esparſette. 283 Schnitt wenn ſie in die Blute tritt; und dann zu Ende des Sommers noch ei⸗ nen zweiten ſchwaͤcheren, oder aber eine ſehr nahrhafte Weide. Mit einem Er⸗ trage von 18 bis 20 Centner Heu iſt man gewoͤhnlich zufrieden, doch kann man auf beſſerem Boden, und wenn ihr oͤfterer eine Ueberduͤngung gegeben wird, auch bis 30 Centner Heu vom Morgen gewinnen. Dies Heu iſt von vorzuͤg⸗ licher Guͤte, und uͤbertrifft nach der Verſicherung mehrerer Praktiker das Klee⸗ und Luzerneheu. Sie iſt ſehr ausdauernd, wenn ſie den angemeſſenen Boden hat, und in Anſehung des Eggens und Ueberdungens, beſonders mit Aſche oder Gyps, nicht vernachlaͤſſigt, auch nicht oͤfterer Saainen davon genommen wird. Man hat Esparſettefelder uͤber 20 Jahre im beſten Stande erhalten.- F. 383. Sie geht mit ihren Wurzeln nicht ſelten 12 Fuß tief in die Erde, ja man hat ſie bis 16 Fuß tief nachgegraben. Oben werden dieſe Wurzeln ſehr ſtark und der Aufbruch eines alten Esparſettefeldes iſt nicht ohne Schwierigkeit; in⸗ deſſen nimmt man ihn gern vor, weil ein ſolcher Acker, der vorher die Koſten ſeiner Beſtellung nicht trug, nun mehrere ausgezeichnete Ernten nacheinander ohne Duͤngung giebt. Die flache Ackerkrume, welche einen Kalkfelſen bedeckte, hat ſich nun beträchtlich vertieft, die ſtarken Wurzeln ſcheinen ihn muͤrbe und das Kalkgeſtein zerfallen gemacht zu haben. Man will nur bemerkt haben, daß Esparſette ſehr lange auf den Acker nicht wieder gedeihe, wo ſie einmal geſtan⸗ den hat. F. 384. Dieſe Pflanze, welche einen Theil ihrer Nahrung aus der Tiefe des Bo⸗ dens heraufzuholen und die Oberfläche damit zu bereichern ſcheint, iſt fur manche Gegenden ein wichtiges Geſchenk der Natur, in andren dagegen nicht anwend⸗ bar. Durch ſie kann man auf dem unfruchtbarſten Bergruͤcken einen vollkom⸗ menen Wieſenertrag ſich verſchaffen und der Thalwieſen entbehren. Man kan⸗ dieſe nun zuweilen mit Vortheil umbrechen, und ſomit gewiſſermaßen da Na⸗ turgeſetz, welches die Riederungen zum Heuertrage, die Hoͤhen zum ruchtbau beſtimmte, vortheilhaft abändern; aber man muß lernen: quid qus 4ue ferat regio, quid ferre recuset. Nn 2 284 Futterkraͤuter.. Verſchiedene andre ſchmetterlingsblumige öutterkraͤuter. §. 384. Man hat mehrere andre Pflanzen aus dem Geſchlechte der Medicago und den ihr nahe verwandten Geſchlechtern anzubauen verſucht, und Schriftſteller baben ſie geruͤhmt und empfohlen. Aber nirgends iſt der Anbau derſelben nach⸗ haltig geweſen, oder hat ſich allgemeiner verbreitet. Nicht ſowohl deshalb, weil man dieſe zum Anbau empfohlenen Gewächſe untauglich fand, als weil ſie jenen vorbeſchriebenen doch in mehreren Ruͤckſichten nachſtanden, und wo jene nicht ge⸗ riethen, auch dieſe keinen der Muͤhe lohnenden Ertrag gaben. Dahin gehort Die ſchwediſche Luzerne, Medicago falcata, die faſt allenthalben wild waͤchſt, auf ſchlechterem Boden fortkommt, auf dieſem aber auch einen unbedeutenden Ertrag giebt, und auf beſſerem Boden jener Lu⸗ zerne bei weitem nachſtehet. Ferner Der Hopfenklee, Medicago lupulina, womit es ſich eben ſo verhaͤlt, und verſchiedene Lothusarten, z. B. der sili- quosus und corniculatus. Dann mehrere Lathyrusarten, der pratensis, sativus und tuberosus. Auch der Orobus niger, lutens und sylvaticus, der Astragulus cicer und manche wildwachſende Wickenarten. Auf Wieſen ſind dies alles treffliche Kräuter, die zwiſchen der Grasnarbe aufkommen. Wenn man daher Wieſen beſaamen will, ſo iſt es allerdings rath⸗ ſam, ſich dieſe Saamen von anderen Wieſen, wo ſie haͤuſig ſtehen, zu verſchaf⸗ fen, und zu dem Ende ſolche reif werden zu laſſen. Ihr einzelner Anbau aber auf beſondern Aeckern wird ſich nach meinen Erfahrungen nie belohnen. Andre Arten hat man vorgeſchlagen, die wegen ihres ſtarken Wuchſes und Ausdaur ſich ſehr zu empfehlen ſchienen. Aber ich habe gefunden, daß das an beſſere Ftterung gewoͤhnte Vieh ſie durchaus verweigere. Dahin gehoͤrt der ſo ſehr geruͤhm Geisklee(Galega ofücinalis). Der Ginſter. 285 Man hat vor allen ein ausdauerndes Gewächs fuͤr ſandigen und mageren Boden kennen zu lernen gewuͤnſcht, was von ſelbigem nur einen maͤßigen Ertrag gebe, und den Boden zugleich verbeſſere. Es iſt dies nach der Verſicherung der Englaͤnder, Franzoſen und Belgen, der ſtachlichte europaeus). Von dieſem ſcheint wenigſtens mehrentheils die Rede zu ſeyn, wenn landwirthſchaftliche Schriftſteller vom Ginſter ſprechen. Er wächſt im nörd⸗ lichen Deutſchlande aber wild, und ich weiß noch nicht einen Verſuch, welcher bei uns damic gemacht worden waͤre. Dagegen haben wir ein ſehr aͤhn⸗ liches Gewaͤchs, was bei uns auf dem ſchlechteſten Boden uͤppig fortkommt, und auch Ginſter oder Brahm, Haſenbrahm genannt wird, das Spartium scopa- rium. Es iſt mir ſelbſt wahrſcheinlich, daß bei ausländiſchen Schriftſtellern zu⸗ weilen nicht von jenem Ulex, ſondern von dieſem Gewaͤchſe die Rede ſey. Daß das Vieh unſer Spartium, gehoͤrig zubereitet, eben ſo gern freſſe, wie jenen Ulex, habe manche erprobt. Ueber die treffliche Wirkung dieſes Anbaues auf ſandigem und Haidboden verweiſe ich auf die im dritten Bande von Schwerz Werke uͤber die belgiſche Wirchſchaft enthaltene Abhandlung von Franz de Coster und mehrere Stellen dieſes Werks, auch auf Youngs Reiſe durch Frankreich, beſonders Bd. III. S. 47. Man ſaͤet den Saamen wie den, andrer Futter⸗ kraͤuter zwiſchen Wuter 8 Sommergetreide aus, und laͤßt das Land dann oder 6 Jahre damit liegen. Man wirft⸗es abgemaͤhet dem Viehe vor, läßt beſonders die zarteren Blätter von den Schaafen abfreſſen, bedient ſich der här⸗ teren Stengel zum Duͤnger, oder aber in Gegenden, die arm an Feuermaterial ſind, getrocknet zur Feuerung. Will man aber auch die haͤrteren Stengel fuͤr das Vieh genießbar machen, ſo werden ſie mit einem Inſtrumente, gleich einer Flachsbreche gequetſcht, oder noch beſſer auf einer Gerber⸗Lohmuͤhle zu einem Brei zermalmt, und ſo dem Viehe gegeben. Man verſichert, daß es ſo eins der nahrhafteſten Futtergewaͤchſe ſey, und ſelbſt der Winterbutter den ſchoͤnſten Ge⸗ ſchmack gebe. Ich ſelbſt habe keine Verſuche damit angeſtellt, empfehle“es aber denen, welche es haͤufig wildwachſend, beſonders an den Raͤndern des Kiehnen⸗ olzes antreffen, zum Verſuche, da ſehr viele Gruͤnde auch fuͤr die Benutzung die⸗ ſe S ſprechen. 8 Ginſter, Haideginſter(Ulen Der Ginſter. Arten. 286 Futterkraͤuter. Der Spoͤrgel, Ackerſpark, Knoͤtrich, Mariengras, Spergula arvensis, §. 386. iſt von dem wildwachſenden Spoͤrgel, Spergula pentandra, in ſeiner Natur und Habitus merklich verſchieden, unerachtet ich kein charakteriſtiſches Umerſchei⸗ dungszeichen davon anzugeben weiß. Denn daß jener 10, dieſer nur§ Staub⸗ faden habe, iſt nicht beſtaͤndig, und man findet ſelbſt an derſelben Pflanze Bluͤ⸗ ten, die deren 5 und andre, die 10 haben. Der hoͤhere mehr ausgebreitete Wuchs, die ſpaͤtere Blutezeit unterſcheidet ſie faſt nur. Ob der angebauete Spoͤrgel auch zur wild vachſenden Pflanze oder zum Unkraut werden koͤnne, wie manche bei ſeinem Anbau beſorgen, iſt mir noch zweifelhaft. Ich habe Jwar oft bemerkt, daß wenn er auf einem Felde zur Saamenreife kam, auf demſel⸗ ben oder den benachbarten Feldern ſich im folgenden Jahre unter den ausgeſaͤe⸗ ten Fruͤchten viel Spoͤrgel zeigte, der von dem ausgefallenen, verweheten, im Winter ſchlafenden und im Fruhjahr erſt laufenden Saamen herruͤhrte; er ver⸗ lor ſich aber nach ein oder zwei Jahren voͤllig wieder. Denn die jungen Pflan⸗ zen können keinen Froſt ertragen, den der wildwachſende dagegen aushaͤlt. Vom angebaueten Sporgel giebt es zwei Abarten: eine die niedriger aber dichter waͤchſt; eine andre die doppelt ſo hoch wird, aber einen ſehr kräͤftigen Boden erfordert, um dicht zu werden, und, in Verhältniß ihrer Groͤße, jene im Ertrage zu uͤbertreffen. Erſtere paßt ſich auf minder kraftigem Boden, wor⸗ auf man doch nur Spoͤrgel zu bauen pflegt, und zur Weide beſſer; dieſe wenn man einmal ſtarken Boden mit Spoͤrgel zum Abmähen beſtellen will. Man kann den Saamen beider ſchon unterſcheiden; die kleinere hat einen ſchwärzeren Saamen mit weißem Ringe, die groͤßere einen bräunlichten Saamen, der, wenn man ihn genau betrachtet, dunkelbraun und gelb getupfelt iſt und mehrentheils keinen Ring hat. Ich habe durch Vermengung des Saamens eine Mittelart hervorgebracht, die beträchtlich hoͤher wie die kleine Art, aber dabei ſehr dicht wird, von der ich auf mittelmäßigem Boden einen vorzuͤglichen Ertrag erlange, und die ich zur Weide und zum Maͤhen gleich gut benutzen kann. — Der Spoͤrgel. 287 §. 337. Der Spoͤrgel wachſt beinah auf jedem Boden, auch auf ſehr ſchlechtem Boden. Sande, wenn es ihm in ſeiner Vegetationsperiode nicht an Regen fehlt. Nach Verhaͤltniß der Kraſt im Boden, iſt aber ſeine Staͤrke und Ertrag ſehr ver⸗ ſchieden. Auf kräftigem Boden wird er nur ſelten gebaut, weil er hier nicht den Ertrag giebt, den man vom Klee erwarten kann. Er ha indeſſen den großen Vorzug, daß er nur ſehr kurze Zeit den Acker einnimmt, indem er meh⸗ rentheils 8 Wochen nach der Einſaat maͤhbar iſt, wenn nicht etwa eine beſon⸗ dere Duͤrre das Keimen des Saamens aufhaͤlt. Es können alſo Fälle eintreten, wo man ihn auch auf dem beſten Boden mit Vortheil anbauen kann, und bei verungluͤcktem Klee haben ſich viele damit geholfen. §. 388. Ein großer Vortheil iſt ferner, daß er ſehr reichlich Saamen tragt, dieſer Saamen. ſehr leicht zu gewinnen und abzudreſchen, deshalb wohlfeil iſt. Wer den Saa⸗ men zu ſeinem Bedarf ſelbſt aufnimmt, kann ihn ſich ſehr woblfeil berechnen. Doch iſt bei der Berechnung nicht ganz außer Acht zu laſſen, daß der zur Reiſe gekommene Spoͤrgel, und vorzuglich wenn er aufgezogen wird, den Bo⸗ den ſehr merklich erſchöpfe, wogegen der jung gemahete oder abgeweidete dem Acker eine merkliche Kraſtvermehrung giebt. um einen Morgen zu beſäͤen, bedarf man 5 Pfund Saamen. Streuete man ihn auf einen wohlbereiteten Acker recht ſorgfältig aus, ſo koͤnnte man mit wenigerem zureichen. F. 389. Der Acker bedarf keiner großen Vorbereitung, wenn er anders nicht ſehr verqueckt iſt. Auch in dieſem Fall wuͤrde der Spoͤrgel wohl wachſen, die Quecken aber unter demſelben Ueberhand nehmen. Man kann ihn von der Mitte des Mais an bis zur Mitte des Auguſts ſäen, bei trockner Witterung am beſten auf das friſch gepfluͤgte und dann ſogleich recht klar und eben geeg⸗ gete Land. Es kommt vorzuglich darauf an, daß er eine recht feine Krume auf der Oberfläͤche habe. Deshalb iſt es am ſicherſten, das geeggete Land zu walzen, dann wieder zu eggen, darauf auszuſaͤen und dann wieder zu walzen. So laͤuft er ſchnell und gleichmaͤßig, und darauf kommt es vorzuͤglich an. Benutzung. Ertrag 288 Futterkraͤuter. Er wird in der Regel allein geſaet; doch habe ich ihn wohl mit Klee aus⸗ geſaet, deſſen hervorkommende Pflanzen unter dem ſchnell heranwachſenden Spoͤrgel einen ſehr guten Schutz und Decke finden, und nach abgemaͤhetem Spoͤrgel beſonders dicht und kraͤftig hervorkommen. Auch hat man ihn mit Buchweizen zum gruͤnen Abmaͤhen ausgeſäet. Vielleicht koͤnnte es in gewiſſen Faͤllen wirthſchaftlich ſeyn, ihn unter eben ſchoſſendes Getreide auszuſäen, um dann in der Stoppel eine reichliche Weide von ihm zu haben. In die umge⸗ brochene Stoppel eines Getreides wird er haͤufig geſaͤet, zur ſpaͤten Weide oder zum Abmaͤhen im Herbſt; denn gelinde Froͤſte ſchaden ihm im Herbſt nicht leicht. §. 390. Der Spoͤrgel wird zum Gruͤnfutter oder zum Heumachen gemaͤhet, wenn er in voller Bluͤte ſtehet. Seine unteren Bluͤten brechen indeſſen manchmal ſehr fruͤh auf, und er faͤngt dann erſt an, recht ſtark zu wachſen. Man richtet ſich alſo nicht nach jenen erſten voreilenden Blüten, wenn man nur einen Schnitt davon nehmen will. Maͤhet man ihn ſehr jung, ſo ſchlaͤgt er wieder aus, und man kann einen zweiten Schnitt davon nehmen, der oft ſtärker, wie der erſte iſt. Indeſſen verlohnt ſich dann der erſte Schnitt kaum der Muͤhe, und es wird mehrentheils rathſamer ſeyn ihn zum erſten Male abweiden zu laſſen, wel⸗ ches aber ſchnell und durch eine beträchtliche Kopfzahl aufgetriebenen Viehes ge⸗ ſchehen muß. Dann ſchadet ihm dieſes Abweiden durchaus nicht, ſondern er kommt um ſo dichter und ſtärker wieder hervor. §. 391. Der Ertrag des Spörgels iſt ſehr verſchieden; wie ſich verſteht, nach der Kraft des Bodens, aber auch nach der Witterung; denn er verlangt Waͤrme und oͤftere Regenſchauer, ſteht bei unguͤnſtiger Witterung ſtill, erhebt ſich dann aber ſchnell bei einer guͤnſtigeren. Man kann ihn in Anſehung der Quantität etwa zur Haͤlfte eines Kleeſchnitts auf demſelben Boden annehmen. Er faͤllt im Volum ſehr zuſammen, wenn er liegt, hat dann aber eine betraͤchtliche Schwere, und in gleichem Gewichte iſt er bei weitem nahrhaſter wie jedes an⸗ dere Futterkraut, wovon ſich jeder, der ihn anbauet, leicht uͤberzeugt. Die Milchvermehrung und die Zunahme des Viehes iſt bei der Fütterung mit Spoͤr⸗ gel, —————— Der Spoͤrgel. 289 gel, gruͤn oder getrocknet, angenſcheinlich. Auch giebt er faſt unter allen Fut⸗ tergewächſen die ſchmackhafteſte Milch und Butter. §. 392. Er iſt leicht zu Heu zu machen, wenn er, nachdem er etwas abgewelkt iſt, in kleine Haufen zuſammengebracht wird. Bei guter Witterung trocknet er darin ven ſelbſt, bei naſſer muß man die Haufen zuweilen auſſtochern oder um⸗ wenden. Er kann lange dem Regen ausgeſetzt liegen, ohne zu verderben oder kraftlos zu werden Je juͤnger er gemähet war, deſto kräftiger iſt freilich das Heu, aber auch ſogar ſein Stroh, was nemlich Saamen gereift hatte, ſcheint mir noch nahrhafter, wie jedes andere Heu zu ſeyn. Es iſt bei dem Abmaͤhen noch gruͤn; denn uͤberreif darf man den Saamen nicht werden laſſen, weil er ſonſt ausfaͤllt. 8§. 393. Der Saamen iſt, wenn man ihn in groͤßerer Quantitat, als zur Ausſaat Benußnng des benutzt werden kann, gewonnen hat, ſehr brauchbar. Man kann Oel daraus Saamens. preſſen, aber er giebt nicht ſo viel, daß dies vortheilhaft wäre, und benutzt ihn lieber zur Viehfuͤtterung, wo er ſich als eine ſehr nahrungsreiche Fuͤtterung be⸗ währt hat. Er wird zu dem Ende mit heißem Waſſer angebruͤht, damit er ſeine Keimkraft verliere, aufquelle und verdaulich werde. Ohne das geht er un⸗ zerſtoͤrt und keimfaͤhig durch die Leiber der Thiere durch. So zubereitet wird er dann dem Viehe, entweder im Getränke oder auf das Haͤckſel geſchuͤttet, gege⸗ ben. Bei den Kuͤhen iſt die Vermehrung des Milchertrages danach augenſchein⸗ lich, und Milch end Butter ſollen nicht den uͤblen Geſchmack, wie nach andren ölhaltigen Fuͤtterungen, bekommen. In Belgien iſt dieſe Benußung, wie uns Schwerz erzählt, allgemein. Ueber die vorzuͤgliche Anwendbarkeit Gewächſes zur grünen Duͤngung vergl. Bd. II. S. 228. §. 394. Verſchiedene andre Futterkraͤuter, wie die Pimpinelle, die Cichorie, und mancherlei Graͤſer paſſen ſich mehr zur Beſaamung des zur Weide nieber⸗ gelegten Ackers, wovon Bd. II. F. 365. geredet worden. Vierter Theil. Do Raygras. 290 Hochwachſende Graͤſer. §. 395 Es giebt aber noch einige hochwachſende Graͤſer welche zum Abmaͤhen auf dem Acker gebauet werden können. Man kann ſie Maͤhe⸗ oder Halmgraͤſer nennen, zum Unterſchiede von den Weide⸗ oder Blattgräſern, indem jene ſtärkere Halme, und an ſelbigen ſtärkere Blätter, dieſe aber nur ſchwache und blattloſe Halme haben, dagegen aber ſtaͤrkere Wur⸗ zelblätter austreiben, und um ſo ſtärkere, je oͤfterer ſie abgebiſſen und niederge⸗ halten werden. §. 396. Unter allen angebauten Graͤſern hat ſich das Raygras(Lolium perenne) der Englaͤnder am meiſten beruͤhmt gemacht, und auch in ſeinem Ruſe erbalten⸗ Es vereinigt beide Eigenſchaſten, kann gemaͤhet werden, giebt aber abgeweidet einen dichten, ſtark austreibenden Raſen. Es gedeihet auf lehmig⸗ſandigem Bo⸗ den, wenn er nur nicht gar zu trocken liegt, und auf zähem Thonboden. Es giebt jährlich nur einen Wuchs für die Senſe, und ein ſehr gutes kraͤftiges Heu, wenn man es vor aufbrechender Bluͤte maͤhet; älter wird es hartſtengelig. Die Engländer ſäen es am haͤuſigſten unter den rothen Klee, und verſäumen dies nie, wenn ſie den Klee mehrere Jahre benutzen wollen, weil es um ſo ſtärker hervor⸗ kommt, je mehr der Klee ſich verliert. Der Hauptvorzug dieſes Graſes iſt, die leichte und ſtarke Gewinnung ſeines Saamens. Man läßt den zum Saamen be⸗ ſtimmten Theil reif werden, maͤhet ihn, behandelt das Gras ganz als Getreide, und driſcht es ſo ab. Man kann vom Morgen 20 Scheffel gewinnen, und ſäet 1bis 1 4 Scheffel auf den Morgen aus. Das Abgedroſchene iſt nur wie Stroh zu betrachten, aber die Pflanze treibt im Herbſte wieder aus, und die Er⸗ ſchoͤpfung durch Saamentragen kann durch Duͤnger erſetzt werden. In England hat man mit unzahligen Graͤſern die mannichfaltigſten Verſuche gemacht; iſt aber auf Ackerlande bei dieſem Graſe geblieben, oder auf ſolches wieder zuruͤck⸗ gekommen. —— —— Das Hafergras Der Wieſenſchwingel. 291 Das afergras, Avena elatior, Frommental, §. 397. der Franzoſen, auch franzoſiſches Raygras genannt, iſt zuerſt in Frankreich Hafergras. mit jenem von den Englaͤndern ſo geruͤhmten Graſe verwechſelt, und mit dem Namen Raygras belegt worden. Es iſt aber davon ganz verſchieden, bekommt ungleich hoͤhere und blattreichere Halme, bildet aber keinen dichten Raſen. Es wächſt wie das vorige Gras faſt auf jedem Boden, vorausgeſetzt, daß er ſich in kraftigem Zuſtande befinde, und giebt wohl ſchon im erſten Schnitt eine ſtärkere Heumaſſe wie jenes, und dann noch einen zweiten, aber ſchwaͤcheren Schnitt. Es hält ſich bis zum vierten oder fünften Jahre, beſonders wenn man ihm Duͤnger giebt. Sein Anbau iſt aber ungleich ſchwieriger und koſtſpieliger, weil der Saa⸗ men, ſeiner ungleichen Reifung wegen, ſchwerer aufzunehmen iſt. Er faͤngt von der Spitze der Rispe an zu reifen, und faͤllt, wenn er reif iſt, ſogleich ab, ſo daß man von demſelben Halme nicht alle, oder nicht voöllig reife Koͤrner bekom⸗ men kann. Noch weniger reift der Saamen gleichzeitig an allen Halmen, und ſie muͤſſen einzeln herausgeſucht und abgeſchnitten, dann auf einem luftigen Bo⸗ den getrocknet werden. Dieſe Schwierigkeit des Saamenaufnehmens ſteht dem vermehrten Anbau dieſes Graſes beſonders im Wege. Der Saamen, welchen man von den Saamenhaͤndlern erhaͤlc, iſt oft nicht zu ein Viertel reif, und wenn man auch mehrere Scheffel auf den Morgen mit aller Vorſicht ausſaet, betommt man doch kein dichtes Feld. Man muß ſich insbeſondere huͤten, das knollige Hafergras(Avena bul- bosa) nicht mit jenem zu verwechſeln, oder Saamen von letzterem zu bekom⸗ men, da es jenem im Anſehn ſehr gleich iſt: denn es iſt ein boͤſes, ſchwer zu vertilgendes, und durch ſeine Knollen ſich immer fortpflanzendes Unkraut. —½ Der Wieſenſchwingel, Festuca elatior, §. 398. kommt in ſeinen wirthſchaftlichen Eigenſchaften dem vorigen ziemlich gleich, er⸗Weeſenſchwin⸗ fordert aber ſchon einen feuchteren Boden, und auf ſolchem giebt es wohl einen gel. ſtarkeren Eitrag wie das Hafergras. Oo 2 Knanlgras. Kammgras. Thimoty⸗ gras. 292 Hochwachſende Graͤſer. Der Saamen iſt nicht ſo leicht abfallend, wie der des Hafergraſes, aber er muß doch ebenfalls mit Vorſicht und einzeln aufgenommen werden. Das Knaulgras/ rauhe Hundsgras, Dactylis glomerata, §. 399. wird eben ſo wie das Hafergras angebauet und benutzt. Man thut am beſten, es ſehr jung zu mahen, wenn es eben anfaͤngt ſeine Halme auszutreiben. Denn nur in dieſem Zuſtande iſt es dem Viehe angemeſſen; ſobald es Rispen be⸗ kommt, wird es hartſtengelig; und uͤberdem kann man dann bald einen zwei⸗ ten Schnitt davon nehmen, der ſonſt beinahe wegfällt. Der Saamen ſitzt feſter, und laͤßt ſich durch Abmaͤhen einernten. Man fin⸗ det ihn gewoͤhnlich unter dem von den Saamenhändlern gekauften Hafergraſe, und aus ſolchem Saamen kommt oft mehr Knaulgras als Hafergras zum Vorſchein. Das Kammgras, Cynosurus cristatus, §. 400. ähnelt dem vorhergehenden in ſeinen Qualitaten, wird aber noch leichter hart. Beide Arten gedeihen auch auf trocknem aber kraͤftigen Boden. Das Wieſenlieſchgras, Thimotygras, Phleum pratense, 01 erfordert einen feuchtliegenden, aber lockeren Boden. Jung gemähet iſt es weich und dem Viehe angenehm; kommt es bis zur Aehre, ſo iſt es ſchon hart, und ſein Heu faſt nur fuͤr die Pferde nutzbar. Es giebt da es ſpaͤter treibt, nur einen Schnitt. Es giebt vielen Saamen, der nicht leicht ausfaͤllt, und alſo gemaͤhet und ab⸗ gedroſchen werden kann. Dieſer Saamen iſt ſehr fein, und man bedarf nur eini⸗ ger Pfunde auf einem Morgen. Deshalb hat ſich wahrſcheinlich der Anbau dieſes Graſes mehr wie andrer verbreitet.. Wir haben den Saamen zuerſt aus England bekommen, und die Englaͤnder aus Amerika; und dennoch waͤchſt dieſelbe Spezies bei uns wild. Aber das urſpruͤnglich amerikaniſche ſcheint mir denoch eine beſondere Abart zu ſeyn. Denn ich habe nach⸗ mals nie wieder ſo dichtes und ſtarkes Thimotygras geſehen, als von Saamen, den Das Honiggras. Der Wieſenfuchsſchwanz. 295 man vor 30 Jahren aus England hatte kommen laſſen; und die Englaͤnder nah⸗ men ihn damals aus Amerika. Das Honiggras, Wollgras, Holcus lanatus, F. 402. iſt von manchen landwirthſchaftlichen Schriftſtellern vorzuͤglich geruͤhmt worden; Honiggrat. ſcheint mir aber eins der ſchlechteſten und dem Vieh am wenigſten angenehmen Gräſer zu ſeyn. Mon muß es wenigſtens ſehr jung mahen. Es giebt nur ei⸗ nen Schnitt, treibt aber gegen den Herbſt ſtark und horſtig aus, ſo daß es dann eine ziemliche Weibe, ſelbſt auf ſandigem und hohem Boden giebt, wo es aber von dem Vieh nur in Ermangelung einer beſſeren Weide gefreſſen wird. Ueberdem erfriert dieſes Gras im Winter leicht, wenn es einzeln und nicht im Wieſenraſen ſteht. Der Saamen kann abgemähet und abgedroſchen werden. Er iſt aber ſehr ſchwer aus den Huͤlſen zu kriegen, und wird mehrentheils mit den Huͤlſen aus⸗ geſäet. Beim Handel kommt es ſehr darauf an, ob der Saamen ausgerieben oder noch in den Huͤlſen ſey. Im letzteren Falle muß man einige Scheffel auf den Morgen ſäen, im erſteren reicht 1 Pfund zu, wenn er reif iſt und ſorgfältig vertheilt wird. Der Wieſenfuchsſchwanz, Aopecurus pratensis, §. 4o3. iſt auf einem reichen und maͤßig ſeuchten Boden, ſeine Grunderde ſey thonig Wieſenfuchs⸗ oder ſandig, vielleicht das vorzüglichſte Gras, was in unſerm Klima angebauet ſchwant. werden kann. Es hat ſehr maſtige und ſtarke Blätter, ſowohl aus der Wurzel als am Halme, belegt den Boden dicht, kommt ſehr fruh hervor und waͤchſt fehr ſchnell wieder, ſo daß man füglich drei Schnitte davon nehmen kann. Jung bei dem Hervorkommen ſeiner Aehren gemaͤhet, iſt es dem Viehe ſehr an⸗ genehm. Auf magerem oder trocknem Boden paßt es aber durchaus nicht. Der Saamen muß durch Abſtreifen der Aehre aufgenommen werden. Wenn er reif iſt und man mit der Hand uber die Aehre herſtreift, ſo behält man ihn darin. Man muß ihn dann ſogleich duͤnn auf einem luftigen Boden ausbrei⸗ ten, weil er ſich ſonſt ſehr leicht brennt und die Keimfähigkeit verliert. ———— 294 Hochwachſende Graͤſer. Die Wieſenviehgraͤſer, §. 404. das glatte, Poa pratensis, und das rauhe, Poa trivialis, ſo wie verſchiedene andre Poaarten, geben das allervorzuͤglichſte Heu, und Wieſen, deren Beſtand ſie hauptſaͤchlich ausmachen, ſind vor allen ſchätzbar. Allein zum beſonderen An⸗ bau paſſen ſie ſich nicht, wegen der Schwierigkeit, den Saamen aufzunehmen und ihn von dem wollichten Weſen, was ihn kluͤmprig zuſammenhaͤlt und ſeine gleichmaͤßige Ausſaat unmoͤglich macht, zu trennen. Auch erfordern ſie einen ei⸗ gentlichen reichen Wieſenboden, um gut zu gedeihen. §. 405. Der Anbau der Maͤhe⸗ oder Halmgraͤſer kann wohl unter einzelnen Umſtanden zweckmaͤßig ſeyn, z. B. wo man ein mehrere Jahre ausdauerndes Futterfeld haben will, der Boden aber zur Luzerne nicht tauglich und beſonders zu feucht iſt. Es wird ſich ihr Anbau aber nie ſehr verbreiten, theils der Schwierigkeit wegen in Anſehung des Saamens, theils weil der Klee einträg⸗ licher iſt, und zu einer ſchnellen Wechſelung mit Fruchtbau beſſer paßt, und den Acker dazu mehr vorbereitet. Auf dem lockern ſchwarzen Riederungsboden, wo der Klee oft mißlich iſt, iſt dieſer Grasbau beſonders angemeſſen. Solcher Bo⸗ den iſt aber mehrentheils von ſelbſt ſo graswuͤchſig, und der Saamen der ihm angemeſſenen Graͤſer ſo ſehr darin verbreitet, daß es einer kuͤnſtlichen Ausſaat kaum bedarf. Das Aufnehmen des Saamens oder der zu hohe Ankaufspreis deſſelben, und dann die Schwierigkeit eines guten gleichmaßigen Ausſaͤens dieſes leich⸗ ten Saamens, verhindern vornehmlich die mehrere Verbreitung des Maͤhegräſerbaues. F. 406. Von der Benutzung der Wicken, des Ruͤbſens und Rappſes, des Buch⸗ weizens, des Mais, und mancherlei Gemenge zur gruͤnen Fuͤtterung und zum Heu. iſt ſchon an ihrem Orte geredet. — Sechstes Hauptſtuͤck. ——. 2 Die Viehzucht. We verſtehen unter Viehzucht nicht bloß die Auferziehung des Viehes, ſon⸗ dern im Allgemeinen die Haltung deſſelben, wenn ſie auch mit keiner Aufzucht verbunden waͤre. Ueber die Nothwendigkeit der Verbindung der Viehzucht mit dem Acker⸗ bau und das Verhaͤltniß beider zu einander, iſt im erſten Bande geredet. Es giebt nur ſeltene Ausnahmen, wo dieſe Verbindung minder nothwendig wird, wo man naͤmlich zureichenden Miſt erkaufen kann, oder wo man fremdes Vieh auf den Hof nimmt, entweder gegen beſtimmtes Koſtgeld, oder wo man eine gewiſſe Quantitaͤt gewonnenen Futters an Viehhaͤlter verkauft, unter der Be⸗ dingung, daß ſie es von einer ihnen beliebigen Kopfzahl Vieh auf dem Hofe unter ihrer Aufſicht verzehren laſſen. Die letzte Einrichtung hat fuͤr den Acker⸗ bauer große Bequemlichkeit, und findet in manchen Gegenden Englands ſtatt, wo das aus Schottland kommende Vieh auf den Pachthofen gemaͤſtet wird; ſo wie auch in der Schweiz, wo das Milchvieh im Winter von den Alpenwei⸗ den herabkommt, und in den niedrigern Gegenden durchgewintert wird. Dieſe Einrichtung iſt ſelten in andren Gegenden nachzuahmen. Die oft verhandelte Frage: ob bei dem Ackerbau oder bei der Viehzucht mehr Vortheil ſey, und ob man dieſe oder jene deshalb mehr betreiben muͤſſe, kann im Allgemeinen nicht beantwortet werden. Der baare Vortheil aus der Viehzucht iſt groͤßer oder geringer, je nachdem bei kultivirten Nationen der Wohiſtand im Steigen oder Fallen iſt, weil die Konſumtion thieriſcher Pro⸗ dukte mit der Zunahme deſſelben gleich ſtärker wird. Jedoch kann auch eine ſtärkere Exportation eines thieriſchen Produkts, die von der anerkannten Guͤte der Waare herruͤhrt, den Preis erhoͤhen, wie das z. B. in Hollſtein mit der Vierter Theil. Pp 298 Die Viehzucht. Butter, in der Schweiz mit dem Kaͤſe der Fall iſt. Manchmal giebt ein Theil des Viehes, der an andren Orten nur als Abfall betrachtet wird, einen ſo großen Vortheil, daß gerade darum die uͤbrigen Theile in einem deſto gerin⸗ geren Preiſe ſtehen, wie das z. B⸗ jetzt bei uns mit den Schaafen der Fall zu ſeyn ſcheint, welche wegen des hoͤhern Preiſes der Wolle ſo vermehrt wor⸗ den ſind, daß der Markt mit dem Fleiſche der Merzſchaafe überföllt iſt; wo⸗ gegen in England die Schaafe hauptſächlich nur des Fleiſches wegen gehal— ten werden. Unter unſcen Verhältniſſen giebt die Viehzucht ſelbſt ur ſelten einen emi⸗ nenten Gewinn, wenn wir Fuͤtterung und Weide nach dem Verkaufspreiſe be⸗ rechnen. Wir ſind aber auch in der Regel zufrieden, wenn uns dieſe nur durch unſre Viehzucht gehoͤrig bezahlt werden, und unſer Stroh durch den Miſt der Thiere zu wirkſamen Duͤnger gemacht wird. Hierdurch bezahlt ſich ein ſtärkerer mit Sorgfalt und ſelbſt mit mehrerem Aufwande verpflegter Viehſtand immer gut genug, und im Allgemeinen macht man faſt ohne Ausnahme die Bemerkung, daß Wirthſchaften mit einem ſtarken und wohlernahrten Viehſtande einen hoͤhe⸗ ren Totalertrag gewahren, als ſolche, wo man das Vieh nur nothduͤrftig haͤlt und ernaͤhrt. Der größere Vortheil der einen oder der andern Viehart haͤngt theils von Ort⸗ und Zeitverhaltniſſen ab, theils aber auch von der Induſtrie und Intelli⸗ genz, womit man eine jede behandelt. Im Allgemeinen kann man bei uns ge⸗ genwaͤrtig annehmen, daß das Rindvieh nur auf Niederungsweiden und bei der Stalfutterung groͤßeren Vortheil bringe, das Schaafvieh aber auf allen hoͤhe⸗ ren und trockneren— natuͤrlichen und kuͤnſtlichen— Weiden. — Die Rindviehzucht. F. Es iſt zwar noch nicht ausgemacht, ob unſer Hausochſe mit dem wilden Auerochſen und dem Buͤffelochſen eines Urſprungs ſey. Da ſie ſich nicht nur mit einander begatten, ſondern auch ihre Abkommenſchaft fruchtbar bleibt, ſo läßt ſichs jedoch mit Wahrſcheinlichkeit annehmen, daß unſer Hausvieh von Die Rindviehzucht. 99 jenen in der Wildheit lebenden Thierarten abſtamme, und nur durch Pflegung und Wartung des Menſchen dieſe veraͤnderte Geſtalt angenommen habe. Unter unſerm Rindvieh bemerken wir aber wieder eine große und mannig⸗ Ragen. faltige Verſchiedenheit der Racen, die ſich in ihnen vererben. Dieſe Abaͤnde⸗ rungen koͤnnen durch Klima und Lebensart, jedoch nur ſehr allmählich, entſtan⸗ den ſeyn; da wir nicht bemerken, daß beide einen ſchnellen weſentlichen Ein⸗ fluß auf die Abaͤnderung der Race, wenn ſie voͤllig rein erhalten wird, haben. Mehr hat wahrſcheinlich die Auswahl der Individuen, die man zur Fortpflan⸗ zung gebrauchte, zur Hervorbringung einer ausgezeichneten und konſtanten Race beigetragen, und nachmals hat wieder die Durchkreuzung beſondere Ragen gebildet. In Deutſchland(worunter ich die ſämmtlichen Reiche und Provinzen ver⸗ ſtehe, wo die deutſche Sprache in ihren verſchiedenen Dialekten vorwaltend iſt) ſind die Ragen beſonders neuerlich ſo mannigfaltig und oft ſo planlos unterein⸗ ander gemengt worden, daß ſie ſich nicht genau beſtimmen und abſondern laſſen. Jedoch kann man folgende 3 Arten unterſcheiden: a) die Niederungs⸗ oder Marſchrage, b) die gewoͤhnliche Hoͤhelandsrage, c) die Bergrage. Aber auch dieſe ziemlich weit von einander ſtehende Ragen ſind häuſig mit einander vermengt worden. §. 4. Die Marſchrace, welche ſich durch ihre feinere Haut und Haar, ihren Die Riede⸗ großen koͤrperlichen Umfang, ſtärkere Knochen und kurzeres Gehoͤrn auszeichnet, kömmt in verſchiedenen Gegenden unter verſchiedenen Namen vor; auch zeich⸗ net ſich ein Schlag derſelben von dem andren wieder durch beſondere Eigenhei⸗ ten aus, vorzuͤglich in den Gegenden, wo man beſondere Aufmerkſamkeit auf ihre Anzucht und die Auswahl der Individuen gewandt hat. Sie ſtammt wahrſcheinlich aus den zuerſt kultivirten Gegenden des Niederrheins, der Elbe, der Weſer, und des Geſtades der Nordſee her. Die Flamlaͤnder, welche als ein friedliches und induſtriöſes Volk ſich ſchnell vermehrten, und ſich in andren Niederungen, zu deren Kultur man ſie gern aufnahm, niederließen, haben wahr⸗ Pp 2 300 Die Rindviehzucht. ſcheinlich dieſe Art mit ſich dahin gefuͤhrt, und ſie entweder rein erhalten, oder etwas von dem Blute des einlaͤndiſchen Viehes eingemiſcht. Die Riederlän⸗ diſche Rage iſt bei uns unter dem Namen der Friſiſchen bekannt; auch nennt man ſie hier haͤufig die Oldenburger oder Bremer, weil ſie von dortigen Viehhändlern uns zugefuͤhrt, und zum Theil auch in dieſen Gegenden erzogen wird. Etwas unterſcheidet ſich davon die Rage, welche man in den fetten Niederungen von Holſtein und Schleswig antrifft. Und noch mehr diejenige, welche ſich in der Danziger und Tilſitter Riederung gebildet hat; doch kommen ſie einander ſehr nahe. In England iſt dieſe Art unter dem Namen der kurzhoͤrnigen oder olderneß Art bekannt, und man glaubt auch dort allgemein, daß ſie aus den Niederlanden eingefuͤhrt ſey. Ich glaube gegen die gewoͤhnliche Meinung hierher auch die große Schweizer Rage, wovon wir in dem zweiten Hefte von„Deutſchlands Rindviehracen“ durch Herrn Witte ſo treffliche Abbildungen erhalten haben, nämlich die Frei⸗ burger, und ſelbſt die kleinere Simmenthaler rechnen zu muͤſſen; denn ſie gehoͤrt gewiß nicht zu den urſgruͤnglichen Bergragen, ungeachtet ſie auf den niederen und reichen Weiden der Alpen gedeihet, ſich aber auch ſehr gut auf dem Stalle fuͤttern laßt. Dieſe Rage iſt wieder in einige der fruchtbarſten Gegenden des ſuͤdlichen Deutſchlands und Frankens, beſonders ins An ſpachi⸗ ſche verpflanzt worden. Dieſe ſaͤmmtlichen Arten werden als Milchvieh deshakb geſchaͤtzt, weil ſie bei zureichender Nahrung die groͤßte Quantität von Milch geben. Sie ſind aber weichlich, und erfordern nicht nur ein ſehr ſtarkes, ſondern auch ein aus⸗ gewähltes Futter, indem ſie bei ſchlechterem ſogleich zuruͤckſchlagen, abfallen und beinahe allen Ertrag verſagen. Eine Durchkreuzung dieſer ſtarken Viehrage mit andern, fällt nicht immer gluͤcklich aus, beſonders in den erſten Generationen. Es kann aber, wenn die Fortpflanzung mit Ueberlegung geſchiehet, und nicht gar zu heterogene Thiere zuſammengebracht werden, ſich ein Schlag daraus bilden, der unter be⸗ ſonderen Lokalitäten einen großen Vorzug vor der urſpruͤnglichen Rage beſitt, und ihre guten Eigenſchaften ohne ihre Uebel an ſich trägt. Ein ſolcher Schlag muß dann ſorgfaͤltig in ſich ſelbſt ferner veredelt werden. Die Rindviehzucht. 301 Zum Zugvieh ſcheint dieſe Race nicht geeignet; denn obwohl ſie eine große Kraft und Stärke erhaͤlt, ſo iſt ſie doch nicht hart und ausdauernd ge⸗ nug dazu; auch zu koſtbar in ihrer Unterhaltung. Nur mittelſt der Durch⸗ kreuzung kann man von ihr ſtarkes und zugleich hartes Zugvieh erhalten, wenn man einmal den rechten Punkt getroffen hat. Durch Maſtung kann ſie zu einem großen Gewicht und Fettigkeit gebracht werden; ſie erfordert aber dazu ein ſehr ſtarkes und nahrhaftes Futter, und es gehoͤrt erſtaunlich viel dazu, um ein einmal abgemagertes Thier dieſer Art zur Feiſtigkeit zu bringen. §. 5. Die gewöhnlichen Landragen auf ebnem und huͤglichten Boden ſind Die kand⸗ ſehr verſchieden. Unſte teutſche, urſpruͤnglich rothbraune, ſtark gehoͤrnte Art iſt, nach Verſchiedenheit ihrer Behandlung, mehr oder minder groß und kraͤf⸗ tig geblieben. Am vorzuͤglichſten und reinſten ſoll man ſie im Voigtlande noch finden. Mehrentheils aber iſt ſie wegen ihrer beſchränkten Weide und kaͤrglichen Behandlung ſehr heruntergekommen. Durch eine beſſere Nahrung, Behand⸗ lung und Auswahl der Individuen zur Aufzucht, kann ſie in ſich ſelbſt wieder veredelt werden. Sie giebt nie ſo viele Milch wie jene Riederungskacen, aber im Durch⸗ ſchnitt eine fettere und im Verhaͤltniß zu ihrer Fuͤtterung und Weide oft einen nicht geringeren reinen Ertrag. Zum Zugvieh iſt ſie aber ihrer Härte wegen ſehr geeignet. Weil man auf die Zucht der Ochſen, von dieſer Rage, in manchen Gegenden beſondere Auf⸗ merkſamkeit wendet, ſo werden große und ſtarke Thiere davon erzogen, die man mit dem mehrentheils winzigen und verkroͤppelten Kühen kaum eines Urſprungs zu ſeyn, glauben ſollte. In anderen Gegenden zeichnet ſich die einheimiſche Landrage ſehr von an⸗ Si Jütlaͤn⸗ deren aus. Eine fuͤr das nordliche Deutſchland intereſſante Art iſt das Juͤt⸗ ländiſche Vieh, als Milchvieh ſowohl, wie als Maſtvieb. Es hat ein be⸗ ſonderes mauſe oder rehfarbenes Haar, oft mit weiß geſcheckt; doch findet man es auch ſchwarz und grau, aber nur ſelten rothbraun, und wo ich letztere Farbe 302 Die Rindbiehzucht. angetroffen habe, ſchien mir auch die Geſtalt eine andere Abſtammung zu ver⸗ rathen. Es iſt feinknochig, kurzbeinig, lang⸗ und tiefleibig, in den Vorder⸗ theilen nach Verhältniß ſchwaͤcher, in den Hintertheilen breiter und ſtärker, hat eine beſondere Phyſiognomie, feine Kinnladen, ein ſpiß zulaufendes Maul, duͤnneren Kopf und Hals, ein weiblicheres Anſehn, welches ſich zuweilen ſo⸗ gar beim maͤnnlichen Geſchlechte aͤußert, und ſich auf ſelbiges vielleicht noch mehr fortpflanzen wuͤrde, wenn man nicht in der Regel Individuen von an⸗ derer Geſtalt, mit den groͤbſten Knochen und dickſtem Kopfe, zu Springochſen auswählte. Es iſt munter und ſehr hart, es haͤlt ſich auch auf ſchlechter und knapper Weide beſſer in Milch und bei Fleiſche als anderes Landvieh. Als Maſtvieh wird es vorzuͤglich geſchätzt, wegen der Feinheit und Saß⸗ tigkeit ſeiner Fleiſchfaſern und wegen des geringeren Gewichts der Knochen und des Abfalls gegen die nutzbaren Theile. Auch ſetzt es leicht Fleiſch und Fett auf, lehteres nicht ſo ſehr auf den aͤußeren Theilen, als zwiſchen dem Fleiſche und den Muskelfaſern, wo alſo Fleiſch und Fett ſo angenehm durchwachſen ſind. Wo man dieſes Fleiſch kennt, wird ein gleiches Gewicht ſehr gern theurer be⸗ zahlt. Bei guter Fuͤtterung werden die Kuͤhe, welche zu Anfange der Milchzeit ſehr mager ſcheinen, fetter, ſo wie ſie an der Milch abnehmen, und ſind dann zu Ende der Milchzeit ſchlachtbar. So wie wir es gewoͤhnlich erhalten, iſt es kleiner, wie der ninetſchug unſres deutſchen Landviehes, wegen der kärglichen Pflege, die ſolches Vieh ge⸗ wöhnlich in ſeinem Vaterlande erhält, und der fruͤhen Begattung. Wenn eine daher gebrachte Ferſe nicht ſchon traͤchtig war, und dann in gute Fuͤtterung kam, ſo habe ich ſie eine betraͤchtliche Laͤnge aber nie eine ausgezeichnete Hoͤhe erreichen ſehen. Ihre bei reicher Fuͤtterung auferzogene Descendenz kann aber ſehr ſtark werden, und eine Kuh dieſer Art, welche gleich nach dem Abmelken geſchlachtet wurde, gab 550 Pfund Schlächtergewicht. Auch in ihrem Vater⸗ lande giebt es Thiere dieſer Rage von vorzuͤglicher Laͤnge(hoch wird es nie) und erſtaunlicher Milchergiebigkeit, die aber nicht Handelswaare ſind. Viel⸗ leicht verdient keine Rage unter den gewoͤhnlichen Verhältniſſen unſre Sorg⸗ falt in der Veredlung ſo ſehr, wie dieſe. —— — Die Rindviehzucht. 303 §. 6. Unter den Bergragen iſt die Schweizer⸗Rlpen⸗ oder Haslirage Die Vergrase. merkwuͤrdig, wovon uns ebenfalls Herr Witte in ſeinem Werke:„Deutſchlands Rindviehragen 3tes Heft“ eine ſehr ſchöne Abbildung gegeben hat. Sie iſt nur in den Hochgebirgsgegenden heimiſch, jedoch auch nach anderen Orten und ſelbſt nach Niederſachſen, zuerſt in die Harzgegenden, hin verpflanzt worden(doch mag ich noch nicht entſcheiden, ob dies nicht die grobere Schwitzer Art war, wovon wir die Abbildung in dem Witteſchen Werke erſt erhalten werden). Sie iſt klein, aber fein und ſchoͤn gebauet, ihre Hoͤrner haben ſeitwaͤrts ſtehend eine einfache Biegung, und laufen nach der Spitze ganz duͤnn zu. Der Kopf iſt ſchmal, das Maul aber nach Verhaͤltniß breit, aus den Ohren ragen ſtarke Haarbuͤſchel hervor, der Hals iſt kurz, die Beine, beſonders die Vorderarme, ſind kurz und ſehr duͤnn, aber mit ſtarken Sehnen und Muskeln verſehen, der Huf klein und zierlich gebaut, der Schwanz lang, faſt bis auf die Fuße rei⸗ chend, aber dünn und unten mit einem ſtarken Haarbuͤſchel verſehen. Verhalt⸗ nißmaͤßig iſt dieſe Nage lang geſtreckt. Die Farbe iſt ſchoͤn ſchwarzbraun, und ſchwaͤrzer nach den unteren Theilen des Koͤrpers zu, mit einem rehfarbenen mehr oder weniger in weiß ſpielenden Streifen längſt dem Halſe und Ruͤcken bis zur Mitte des Schwanzes. Von derſelben Farbe ſind Ohren, Maul und Beine, auch umgiebt gewohnlich ein rehfarbner Ring das Auge, ſo wie auch das Euter der Kuͤhe ähnlich gefaͤrbt und mit Haaren beſetzt iſt. Zuweilen iſt das Thier auch mit weiß gefleckt. Zum Fettwerden iſt das Vieh nicht geneigt, vielleicht als Folge ſeiner muntern und gewiſſermaßen beſchwerlichen Lebensart auf den Alpen. Auf dem Stalle habe ich die Descendenz dieſes Viehes geſehen, welche ziemlich feiſt war. Es giebt nach Verhaͤltniß ſeiner Weide und ſeiner Groͤße ſehr gute und fette Milch; doch iſt auch auf den Alpen ſelbſt eine betraͤchtliche Verſchieden⸗ heit unter den Individuen. Bei uns habe ich die Abkoͤmmlinge dieſes Viehes in Anſehung ihrer Milchergiebigkeit zuweilen ſehr ruͤhmen, zuweilen tadeln ge⸗ boͤrt. Ich habe es hier aber immer groͤßer geſehen, wie es Herr Witte auf den Alpen beſchreibt. Podoliſche und Ungari⸗ ſche Rage. 304 Die Rindviehzucht. Das Tyroler Vieh koͤmmt dieſem in der Geſtalt einigermaßen nahe, iſt aber wohl im Durchſchnitt groͤßer und von rothbrauner Farbe. Man ruͤhmt ſeine Milchergiebigkeit ſehr und es iſt deshalb häufig ins ebene Land verſetzt worden, wo ſich ſelbſt die Original⸗Tyroler bei der Stallfuͤtterung recht gut halten ſollen. Ungeachtet der durch den Transport erhoͤhten Koſtbarkeit hat man es doch neuerlich ſelbſt bis in dieſe Gegenden verpflanzt. Das Steyerſche Vieh, wenigſtens was ich unter dieſem Namen kenne, kommt jener Hasli⸗Rage in ſeiner Geſtalt und Farbe ziemlich gleich, iſt jedoch größer. Die Farbe war heller, und dann war der Ruͤckgrad ungewoͤhnlich ſtark eingebogen bei den Kuͤhen und Springochſen, die ſonſt maleriſch ſchön waren. Ich beſcheide mich, daß andre die Eigenthuͤmlichkeit dieſer Racen richtiger beſtim⸗ men werden, wie ich es kann, da ich nur wenige einzelne geſehen habe. Noch kommt bei uns das Podoliſche Vieh, uͤber deſſen eigentliches Va⸗ terland und Aufzucht ich noch keine beſtimmte Nachricht habe erhalten koͤnnen, aber nur als verſchnittene Ochſen, haͤufig vor. Es iſt faſt ſaämmtlich von einer ausgezeichneten greiſen Farbe, ſelten ſchwarz oder weißgeſcheckt. Es iſt hoch⸗ beinig, und nicht beſonders lang geſtreckt, aber von betraͤchtlicher Breite, beſon⸗ ders hinten im Kreuz. Als Milchvieh ſoll es gar nicht brauchbar ſeyn, weil die Kuͤhe ſich nicht ausmelken laſſen. Die Ochſen aber ſind zur Maſtung vor⸗ zuglich geſchickt. Es muß, wenn es uns gegen den Herbſt zugefuͤhrt wed, auf den fetten Weiden der Ukraine ſchon ſehr ſtark aufgeſetzt haben, da der weiten Reiſe ungeachtet ein Theil gleich ſchlachtbar iſt. Ein andrer Theil iſt abge⸗ magert, ſetzt dann aber, wenn er im Stalle angebunden wird, bei Kartoffeln und Heu ſehr ſchnell auf, und kann dann in zehn oder zwoͤlf Wochen zu preis⸗ wuͤrdigem Schlachtvieh vollendet, und zu einer Schwere von 800 Pfund ge⸗ bracht werden. Des Ungariſche Vieh ſoll dieſem in der Farbe gleich, aber länger geſtreckt und kurzbeiniger ſeyn. Das Podoliſche Vieh kann zur Arbeit gebraucht werden, und iſt zum Theil ſehr ſanftmuͤthig. Doch giebt es einige Ochſen darunter, die ſehr boͤs und unbändig ſind. Man hat ſie aber nicht ſehr ausdauernd gefunden. Das Ungariſche Vieh ſoll zur Arbeit beſſer und kraͤftiger ſeyn. -§. 8. Die Rindviehzucht. 305 F. 8. Es erzeugen ſich beim Rindvieh, entweder durch die Auswahl der Indivi⸗ Sni duen aus derſelben Rage oder aber mittelſt der Durchkreuzung verſchiedener Ra⸗ gen, Familien von mehr oder minder gewuͤnſchten Eigenſchaften, die man in ſich ſelbſt fortzupflanzen ſuchen muß, wenn ſie dem Zwecke einmal entſprechen. Dieſe, kann man dann, wenn ihre Eigenſchaften konſtant geworden ſind, als eine neue Rage betrachten. Man muß jedoch bei dieſer Durchkreuzung mit Vorſicht und Aufmerkſamkeit verfahren. Da wir das meiſte Rindvieh der Molkerei wegen aufziehen, ſo iſt eine ſehr milchreiche Familie am erwuͤnſchteſten, und man muß ſich beſtreben, einen feſiſtehenden Stamm daraus zu bilden, indem man immer die vorzuglichſten Individuen zu Stamm⸗Eltern auswaͤhlt, und davon die Kuh⸗ und Bullenkaͤlber aufzieht. Bei letzteren laſſen ſich die meiſten zu ſehr verlei⸗ ten, nur auf eine conventionelle Schönheit der Form zu ſehen, die oft gar nicht einmal zweckmaͤßig iſt. Das Begatten in der naͤchſten Verwandtſchaft, wenn dieſe tadellos und unſern Zwecken entſprechend iſt, muß zu Anfange beſonders beobachtet werden, wenn man eine konſtante Art bilden will. Ich bilde mir eine Rage, die aus der Frieſiſchen⸗ Schweizer⸗ und Juͤtlaͤnder Art zuſammen geſetzt iſt. Die Aufzucht des Rindviehes 5 9. erfordert demnach eine vorſichtige Auswahl des Zuchtochſen.(auch Bulle, Bolle, Der Bule. Bruͤllochs, Stammochs, Faſelochs, Reitochs, Springochs, Stier genannt. Manchmal verſteht man jedoch unter Stier und Ochs ſchlechtweg das verſchnit⸗ tene Thier.) Von einem Bullen fordert man in Anſehung der Geſtalt, daß er einen kurzen dicken Kopf, breite krauſe Stirn, ſchwarze muntre Augen, kurze dunkle Hoͤrner, lange wohlbehangene Ohren, große Naſenlocher, ſchwarzes Maul, ſtarken fleiſchigen Hals, breite vor den Vorderbeinen hervorragende Bruſt, ge⸗ ſtreckten Leib, kurze ſaͤulenfoͤrmige Beine, langen wohl bewachſenen Schwanz, einen muntren dreiſten Gang habe. Ein ſtarkes Vordertheil faͤllt manchem ſehr in die Augen. Ich liebe ein in Verhaͤltniß des Vordertheils ſtärkeres Hinter⸗ Vierter Theil. Da Die Kuh. 306 Aufzucht des Rindviehes. theil, theils damit ſich der Stammochſe heben und halten koͤnne, ohne die Kuh, die er beſpringt, zu druͤcken; theils weil mir die Staͤrke des Kreuzes der ſtär⸗ keren Milchabſonderung guͤnſtig ſcheint. Auch ziehe ich bei den Bullen einen längeren und feineren Kopf und einen duͤnneren Hals vor. Vor allem aber ſehe ich darauf, daß er von einer ausgezeichnet milchreichen Kuh gefallen ſey⸗ Manche ſuchen durch ſehr reichliche Nahrung beſonders große Stamm⸗ ochſen aufzuziehen. Mir werden die Stammochſen leicht zu groß, und ſo, daß man ſie in ihren kraftvollſten Jahren wieder abſchaffen muß, weil ſie den Kuͤhen zu ſchwer ſind. Man gebraucht ſie zuweilen ſchon zum Springen ehe ſie das zweite Jahr vollendet haben, wodurch man ſie wieder kleiner erhalt, aber auch dermaßen in ihrer Konſtitution ſchwaͤcht, daß ſie unvermoͤgend im ſechſten Jahre werden, wo ſie eigentlich erſt in voller Kraft ſeyn ſollten. . Die Zuchtkuh heißt im erſten Jahre Zuchtkalb, Ferſenkalb, Duͤſenkalb, im zweiten und dritten Jahre Ferſe, Starke, Quee, Kalbe. Als Eigenſchaften und Zeichen einer guten Zuchtkuh, von welcher man ferner Milchvieh anziehen will, laͤßt ſich folgendes annehmen: die Geſtalt und das Gerippe ſey nicht maleriſch ſchoͤn, letzteres vom Ruͤckgrade gleich abfallend und ſich mehr nach unten erweiternd, ſo daß ein ſtarker tief herabhaͤngender Bauch entſteht. Der Durchſchnitt ihres Leibes nähere ſich weniger einem Kugel⸗ als einem Ey⸗Durchſchnitte. Das Kreuz ſey dennoch moͤglichſt breit, und in Verhaͤltniß deſſelben der Vordertheil ſchwaͤcher. Das Knochengebaͤude und beſonders die Beine, ſo wie der Kopf, ſeyen duͤnn, ſo wie auch der Hals. Die Phyſiognomie ſey weiblich, ſanft, jedoch munter. Das Thier ſey gutmuͤ⸗ thig, fromm, aber dreiſt. Das Euter hänge hinterwaͤrts zwiſchen den Beinen herab, ſey groß, nicht fleiſchig, ſondern duͤnne, weich und zeige dicke Milch⸗ adern. Starke Gruben unter dem Bauch, daß man den Daum ganz hinein⸗ legen kann, halten viele fur ein ſicheres Zeichen einer guten Milchkuh; doch habe ich ſolches mehr als alle uͤbrige truͤglich gefunden. Auch haͤlt man einen langen, duͤnnen, bis an die Erde reichenden Schwanz fuͤr ein gutes Zeichen. Vor allem aber ſey ſie von einer milchreichen, geſunden und gutartigen Mut⸗ ter gefallen. Hinterbeine, die kuhheſſig ſtehen, habe ich bei manchen ſehr guten Aufzucht des Rindviehes. 30) Milchkuͤhen gefunden, ungeachtet man ſie in Hinſicht der Schoͤnheit nicht liebt. Einige halten darauf, daß die hintere Kante des hinteren Schenkels einen rechten Winkel mit dem am Schwanze hervorragenden Huͤftknochen(Kerb⸗ knochen) mache. Uebrigens aber ſoll der hintere Oberſchenkel nicht dick ſeyn. F. 11. Wer großes Vieh erziehen will, der wäͤhle große und ausgewachſene Muͤt⸗ ter; denn die Groͤße und Ausdehnung des Koͤrpers erbt entſchieden mehr von der Mutter als vom Vater. Ich bin daher voͤllig der Meinung der Schwei⸗ zer, die den Springochſen klein zu erhalten ſuchen, ſo daß er oft das kleinſte Thier in der ganzen Heerde iſt. §. 12. Ein Springochſe wuͤrde 70 bis 80 Kuͤhen genuͤgen koͤnnen, wenn die Brunſtzeit der letztern das ganze Jahr hindurch in ziemlich gleichen Zwiſchen⸗ zeiten vertheilt waͤre. Da dies aber nicht iſt, ſo duͤrfen nur 25, 30 bis 40 Kuͤhe auf einem Springochſen gerechnet werden, je nachdem die Brunſt derſelben mehr in dieſelbe oder in verſchiedene Zeiten faͤllt. Ueberdem kann ein Springochſe leicht mit einer Krankheit befallen werden, die ihn zum Sprin⸗ gen unfaͤhig macht, und man dadurch in große Verlegenheiten kommen. Des⸗ halb pflegt man ſchon bei einem Viehſtapel von 40 Stuͤcken gern zwei Spring⸗ ochſen zu haben, einen jungen im dritten und einen aͤlteren im fuͤnften oder ſechsten Jahre; auch aus der Urſache, damit man die ſchwaͤchern, juͤngeren Kühe von erſterem beſpringen laſſen koͤnne, wenn letzterer ihnen ſchon zu ſchwer iſt. Wenn man großes, und immer groͤßeres Vieh erziehen will, ſo iſt es aller⸗ Kiter zur Ve⸗ dings Regel, eine Ferſe beinahe 3 Jahr alt werden zu laſſen, bevor ſie beſprun⸗ Lattuns. gen wird, und immer iſt dies noͤthig, wenn das junge Vieh eine ſpaͤrliche und ſchlechte Fuͤtterung und Weide erhaͤlt, falls man anders ein immer groͤßeres Zu⸗ ruͤckſchlagen der Gattung verhindern will. Wird aber das junge Vieh, von der Geburt an, reichlich genaͤhrt und gut verpflegt, ſo kann man es ohne Be⸗ denken zulaſſen, wenn es bald 2 Jahre alt wird, und ich halte es rathſam, die⸗ ſes auf jeden Fall zu thun, wo ſich die Brunſt lebhaft und wiederholt außert; weil ſonſt die Thiere entweder abmagern und dennoch nicht fortwachſen, oder HDq 2 Brunſtzeit. 308 Aufzucht des Rindbiehes. aber bei fortgeſeßter guter Futterung fett werden, und ſodann gar nicht empfan⸗ gen koͤnnen. In Gegenden, wo man die Viehzucht ſonſt ſehr aufmerkſam be⸗ treibt, in den Holſteiniſchen und Bremiſchen Marſchen, uͤberlaßt man die Sache ganz der Natur, indem alles Vieh auf den Weiden ſich zuſammentrifft. Hier iſt der Fall nicht ſelten, daß eine Ferſe mit dem zweiten Jahre ein Kalb bringt, ohne daß ian deshalb eine Verkroͤppelung derſelben beſorgt, nur braucht man die Vorſicht, eine ſolche voreilige Ferſe zum erſten Male nicht lange zu melken. Ich habe ſogar einmal den Fall gehabt, daß ein 18 Monat altes Thier ein Kalb bekam, von einem andren nicht älteren Bullenkalbe: es iſt klein geblieben, aber dennoch eine gute Milchkuh geworden. F. 14. Die Brunſt des Rindvi⸗ges tritt zu jeder Jahreszeit ein, und dieſer Ein⸗ tritt richtet ſich nach dem Kalben. Bei reichlich genaͤhrtem Vieh tritt der Be⸗ gattungstrieb zuweilen ſchon am zwanßigſten Tage ein. Man läßt dieſen aber gewoͤhnlich uͤbergehen, theils um die Kuh nicht zu ſehr anzugreifen, cheils weil man ihre Kalbezeit ungern vorruͤcken will. Zeigt ſich der Begattungstrieb zum zweiten Male, gegen den vierzigſten oder ſechzigſten Tag nach dem Kalben, ſo muß man ihn wahrnehmen, weil er ſonſt vielleicht ganz ausbleiben koͤnnte. Es iſt beſonders bei dem auf dem Stalle gehaltenen Vieh von Wichtigkeit, die Zei⸗ chen der Brunſt zu beachten. Sie ſind: Unruhe, Wildheit in den Augen und dem Geſichte, ungewoͤhnliches Schreien und Bruͤllen, aufgedunſene, ſchleimige Geburtstheile, Reiten auf andren Kuͤhen, Entziehen oder Anhalten der Milch. Auf letzteres Zeichen muͤſſen die Mägde bei Kuͤhen, die nicht vom Stalle kom⸗ men, aufmerkſam achten. Wenn der Begattungstrieb ſich nicht einfindet, ſo iſt i eine Schwaͤche des Thiers, oder bei ſehr reicher Nahrung eine zu große Fettigkeit Schuld. Im erſteren Falle muß man die Nahrung verſtarken, und dadurch wirken wohl ſolche ſpezifiſch angeruͤhmte Mittel, wie geroͤſteter Hafer mit Salz, Linſen, geſtoßene Hanfkoͤrner u. ſ. f. Auch ſoll man ihnen warme Milch von einer Kuh zu trinken geben, die eben gerindert hat. Scheint aber eine uͤbergroße Feiſtigkeit Schuld zu ſeyn, ſo muß man der Kuh mehrere Bewegung verſchaffen. Einige haben Kuͤhen dadurch zur Drächtigkeit verholfen, daß ſie ſolche vor den Pfing ſpannten⸗ — Aufzucht des Rindviehes. 309 Wenn man den Eintritt der Brunſtzeit gleich von Anfange an beachtet, ſo iſt der guͤnſtigſte Zeitpunkt zum Empfangen etwa 12 bis 24 Stunden nach⸗ her. Werden dieſe Stunden verſpätet, ſo ſchlagt die Befruchtung leicht fehl. Als Zeichen der Trächtigkeit kann man annehmen, wenn ſich nach voll⸗ fuͤhrter Begattung der Trieb nach 3 Wochen nicht wieder einſtellt. Doch iſt es kein gewiſſes Zeichen daß die Kuh nicht empfangen habe, wenn ſie nach 3 Wochen noch einmal bruͤnſtig wird. Das Dickwerden des Bauchs iſt ſehr truglich. Nach 20 Wochen wird es aber merklich und man kann dann das Kalb oft auf der rechten Seite der Kuh fuͤhlen, was ſich nachher wieder verliert. Die Trachtigkeit dauert in der Regel 285 Tage oder 40 Wochen 5 Tage. Starke und geſunde Kuͤhe gehen aber oft 8 Tage länger, Erſtlinge dagegen um ſo viel kuͤrzer. Bei hochtragenden Kuͤhen muß man, beſonders wenn ſie im Stall gehal⸗ Trächtigkeit. ten und nur zur Traͤnke gelaſſen werden, Achtſamkeit darauf verwenden, daß ſie von andren nicht geſtoßen, oder beim Aus⸗ und Eintreiben in den Stall nicht gedraͤngt werden. Das Verwerfen oder zu fruͤhzeitige Kalben ſchreibt man mancherlei Ur⸗ ſachen zu. Jedes ſchlechte dumpfig gewordene Futter kann es ohne Zweifel bewirken. Ob aber gewiſſe Fuͤtterungsmittel, z. B. Buchweizenſtroh, gefrorne Kohlblätter, Sellerieblätter es verurſachen koͤnnen, ſcheint mir noch nicht erwie⸗ ſen, ſondern dieſe Meinungen nur auf einſeitige Beobachtungen gegruͤndet zu ſeyn. Das Unrichtiggehen iſt bei Thieren wie bei Menſchen wohl zuweilen epidemiſch, und muß dann ſeine Urſache in einer beſondern Beſchaffenheit der Atmoſphäre haben, indem es zuweilen ungewoͤhnlich haͤufig in einer Gegend vorkommt, wo man keine andere allgemein wirkende Urſach auffinden kann. Es iſt nichts falſcher, als die Meinung derer, welche beſonders bei Kuͤ⸗ hen, die einmal ſchwer gekalbt haben, das Kalben dadurch erleichtern wollen, daß ſie die Kuh in den letzten Wochen hungern laſſen, damit ihr Kalb min⸗ der ſtark werde. Richt die weichen fleiſchigen Theile, ſondern die Breite des Knochengebaͤudes können die Geburt erſchweren, und dieſes iſt ſchon fruͤher ausgebildet. Durch knappes Futter ſetzt man aber die Lebenskraft der Kuh Geburt. 310 Aufzucht des Rindviehes. herunter, die ſie bei dem Kalben ſo nothwendig braucht, und vermindert dann die Milcherzeugung. Es iſt vielmehr ſehr rathſam, der Kuh gegen ihre Ent⸗ bindungszeit kraͤftige und leicht verdauliche Nahrungsmittel in kleinem Volu⸗ men zu reichen, z. B. Schroottrank, Helkuchentrank, Rockenſauerteig in Waſ⸗ ſer aufgeloͤſt; einige ruͤhmen beſonders gekochte Linſen. Dergleichen Getraͤnke ſind hauptſachlich zur Befoͤrderung einer ſtarken Milchabſonderung durch Auf⸗ reizung der Milchgefaͤße jetzt und in den erſten Tagen nach der Geburt ſehr nuͤtzlich, und weil man ihnen dabei weniger hartes und aufblaͤhendes Furter geben darf. §. 16. Die Zeichen der herannahenden Geburt ſind folgende: der Euter ſtrotzt und enthaͤlt Milch, die Geburtstheile ſchwellen an, es entſtehen oben zu bei⸗ den Seiten des Schwanzes zwei Gruͤbchen, die immer tiefer werden, und beim Beruͤhren ſehr nachgeben, die Kuh wird unruhig, legt ſich bald nieder, ſtebt bald wieder auf, ſieht ſich oͤfters nach dem Hinterleibe um, und blokt dazwiſchen. Man giebt ihr nun ſtärkere Streu, damit das Kalb nicht beſchädigt werde, und behaͤlt ſie einigermaßen im Auge; uͤberläßt es uͤbrigens ganz der Natur. Manche Kuͤhe bringen das Kalb im Liegen, manche im Stehen zur Welt. Die Vorderfuͤße, auf welchen der Kopf liegt, kommen zuerſt zum Vor⸗ ſchein, und der ganze Koͤrper folgt, durch die Weben der Mutter fortgedruͤckt, bald nach; doch iſt es nicht, wie bei vielen andren Thieren, der Kopf, ſon⸗ dern hauptſaͤchlich die Bruſt, welche am ſchwerſten hervordringt. Die Nabel⸗ ſchnur reißt von ſelbſt ab; wo nicht, kann man ſie einen guten Zoll vom Bauch abbinden, und dann einen Zoll tiefer abſchneiden. Man legt das Kalb, wenn es an der Mutter ſaugen ſoll, der Kuh ſo vor, daß ſie es belecken kann; ſoll aber das Kalb aufgetränkt werden, ſo wird es gleich weggetragen, und an ſeinen Ort gelegt. Die Nachgeburt und der haͤutige mit Waſſer gefuͤllte Beutel, in welchem das Kalb im Leibe lag, geht mehrentheils von ſelbſt ab, und man hat dabei nichts anderes zu thun, als der Kuh eine kraͤftige Nahrung, Schroottrank und dergl. zu geben. — Aufzucht des Rindviehes. 311 Es treten allerdings zuweilen Faͤlle von ſchweren Geburten ein, die von einer fehlerhaften Lage des Kalbes herruͤhren, und wobei man durch wohl⸗ uͤberlegte, geſchickte Huͤlfe vieles ausrichten kann. Es koͤmmt aber alles dar⸗ auf an, daß man ſich von der natuͤrlichen Lage des Kalbes, und von der Art der Abweichung einen klaren Begriff mache, da man ſie dann durch die Hand, womit man in die Mutter ſanft hineinfaͤhrt, leicht entdecken und mehrentheils heben kann. Der Widerſtand entſteht am häufigſten aus einer widernatuͤrli⸗ chen Lage eines Vorderbeins, oder aus einer ſchiefen Lage des Kopfes, indem nicht die Schnauze, ſondern das Ohr oder die Stirn vorliegt. Mit Gewalt iſt aber hierbei ſo wenig, als beim Durchgange der Bruſt etwas auszurichten, und alles gewaltſame Ziehen kann toͤdtlich werden, in Faͤllen, wo die Natur gebolfen haben wuͤrde, wenn man ihr Zeit gelaſſen hätte. Es darf nur eine verſtäͤndige Huͤlfe geleiſtet werden; jede unverſtändige iſt hoͤchſt nachtheilig, und iſt nur zu oft, wie ich ſelbſt erfahren habe, toͤdtlich geworden. Da aber der Unterricht in der Entbindungskunſt hier nicht ſeinen Platz finden kann, ſo uͤbergehe ich denſelben mit dem Rathe, daß ein jeder, auf ſein Vieh etwas haltende Landwirth, jede Gelegenheit wahrnehmen moͤge, um ſich daruͤber un⸗ terrichten zu laſſen, da die Huͤlfe von geſchickten Thieraͤrzten auf dem platten Lande ſelten zu erlangen iſt; daß man aber bis dahin lieber alles der Natur und dem Zufall uͤberlaſſe, weil man ſonſt die Kuh und das Kalb bäußger umbringen als retten wird. S 17 Es giebt nun zwei Methoden das Kalb in der fruͤheſten Periode ſeines Le⸗ Auferziehuns bens zu naͤhren und aufzuziehen. a) Das Saugenlaſſen. b) Das Tranken. Beim Saugenlaſſen gewoͤhnt man gleich nach der Geburt Mutter und Kalb Das Seugen. zuſammen, indem man jene dieſes ablecken laͤßt. Man bringt es dann, ſo bald es ſtehen kann, an den Euter der Mutter, und es faͤngt ſogleich an zu ſaugen. Die erſte Milch hat eine purgirende Eigenſchaft; aber weit entfernt daß dieſes ſchaden ſollte, iſt es vielmehr wohlthätig; indem es die Reizbarkeit 312 Aufzucht des Rindbiehes. der Gedaͤrme erweckt, und den mit zur Welt gebrachten zaͤhen Unrath aus den Gedärmen abfuͤhrt, der durch ſein längeres Verweilen nachtheilig werden kanu. Nun giebt es wieder zwei Wege: entweder das Kalb bei der Mutter liegen zu laſſen, oder es ihr jedesmal, wenn ſeine Saugezeit da iſt, zuzufuͤhren. Das erſtere iſt am bequemſten, hat aber das Ueble, daß das Kalb faſt beſtaͤndig am Euter ſpielt, die Mutter entweder zu viel reizt und angreift, ſich ſelbſt dabei uͤbernimmt, oder aber nicht genug ausſauget, und Milchſtockungen entſtehen laßt, und daneben die Gefahr, daß es ſehr leicht von der Mutter oder auch von einer neben ſtehenden Kuh erdruͤckt wird. Die andere Methode: das Kalb zu beſtimmten Zeiten, zuerſt taglich 4 bis§ Mal, hernach 3 Mal, zur Mutter zu bringen, um es ſaugen zu laſſen, dabei jedesmal darauf zu achten, ob es auch rein ausſauge, oder wenn dieſes nicht geſchiehet, die Mutter nachzumelken, iſt beſchwerlicher, erfordert große Aufmerkſamkeit, daß kein Kalb, wenn viele da ſind, vergeſſen werde, iſt aber ſicherer und der Geſundheit des Kalbes, ſo wie der nachmaligen Milchergiebigkeit der Mutter, angemeſſener. Nach 3 Wochen reicht oft die Milch nicht zu, das Kalb vollkommen zu ernahren. Man giebt ihm alſo einen Trank von Helkuchen, grobem Mehl, Kleyen oder Schroot, zerriebene Kartoffelu mit laulichem Waſſer, oder einen Abſud von Heu mit etwas Milch, wovon man das Kalb in der Zwiſchen⸗ zeit, zwiſchen dem Saugen, ſo viel ſaufen laͤßt, als es will, und das Uebrige der Mutter reicht. Auf dieſe Weiſe gewöhnt man das Kalb allmaͤhlig zu ſol⸗ chem Trank, läßt es dann nur 2 Mal ſaugen, und melkt die Kuh einmal, um ſie daran zu gewoͤhnen. Auch faͤngt man an, dem Kalbe etwas recht gutes, ſeines Heu vorzulegen, welches es bald wird freſſen lernen. Man laͤßt auf die Weiſe Kälber, die man recht gut aufziehen will, 5 bis 6 Wochen ſaugen. Wenn man das Kalb nun ganz abſetzen(ſpahnen) will, ſo entfernt man es ſo weit als moͤglich von der Mutter, damit beide durch ihr gegenſeitiges Schreien, womit ſie ihre Sehnſucht nach einander zu erkennen geben, nicht beunruhigt werden, und ſich einander baldmoͤglichſt vergeſſen moͤgen. Man muß durch nahrhafte Fuͤtterung verhuͤten, daß das Kalb an Fleiſch und Kraͤf⸗ ten, die Mutter an Milch nicht zu ſehr abnehmen, welches immer aus Gram etwas erfolgt. Indem man bei der Kuh die Milchabſonderung dadurch befor⸗ dert, —— Aufzucht des Rindviehes. 313 dert, bewirkt man, daß ſie ſich gern melken laſſe, und die Milch iche 4 aus Ei⸗ genſinn zuruͤckhalte. 8. 18. Soll das Kalb aber aufgetraͤnkt werden, ſo muß man es die Mutter gar Das Tränken. nicht beruͤhren laſſen, ſondern ſogleich davon nehmen, und ich kann nicht der Meinung derer beiſtimmen, die das Kalb in den erſten 3 bis 5 Tagen ſaugen laſſen, dann aber traͤnken. Das Kalb lernt eben ſo leicht ſaufen als ſaugen. Wenn ihm nur bei den erſten Malen der mit Milch benetzte Finger ins Maul geſteckt, und dann das Maul in das Milchgefaͤß gebracht wird, ſo ſaͤuft es friſch weg; und ich weiß noch keinen Fall, wo dies Schwierigkeiten gemacht haͤtte⸗ Es wird ihm aller⸗ dings die erſte Milch von der Mutter, ſo wie ſie von ihr kommt, allenfalls mit etwas warmem Waſſer verduͤnnt, gegeben; und man bleibt in den erſten acht Tagen gern bei der Milch der Mutter. In der Folge giebt man die Milch, wie ſie eben vorkommt; entweder noch warm aus dem Euter, oder mit etwas kochendem Waſſer wieder erwaͤrmt. Es muß bei dieſer Traͤnkung zwar mit einiger Vorſicht verfahren werden, jedoch iſt alle Pedanterie unnoͤthig. Nur das Maaß muß beachtet werden, damit ſich die Kaͤlber weder uͤber⸗ nehmen, noch Mangel an Nahrung leiden. Die Kaͤlber von verſchiedenem Alter muͤſſen daher in beſondere Abſchläge gebracht, und ihnen die Milch zugemeſſen werden. In der erſten Woche haben ſie an 4 Pfund Milch taͤglich genug; in der zweiten Woche erhalten ſie 8 Pfund, in der dritten 12 Pfund taͤglich— jedoch allmählig ſteigend— und dies wird ihnen in 3 Portionen gegeben. In der vierten Woche giebt man ihnen nicht mehr, aber ſchon einen Nebentrank, wie den Saugkalbern. In der fuͤnften Woche bekommen ſie abgerahmte ſuͤße Milch, und fangen nun an etwas Heu, zugleich aber Kartoffeln, Runkelruͤben u. dergl. zu freſſen; jedoch nur in kleinen Portionen, die ihnen fein geſchnitten in den Krippen gegeben werden. In der ſechsten Woche erhalten ſie mehr da⸗ von, und in der ſiebenten Woche koͤnnen ſie ſich ohne Milch und ohne Trank behelfen, jedoch wird ihnen, wenn es paßt, noch abgerahmte Milch ſuͤß und ſauer gegeben. Von nun an bekommen ſie bei mir daſſelbe Futter was die Kuͤhe erhalten, ſo lange die Winterfuͤtterung dauert, gewoͤhnlich rohe Kartoffeln und Vierter Theil. Rr Grunde fuͤr das Saugen oder Traͤnken.. 314 Aufzucht des Rindviehes. Heu, hernach Gruͤnfutter jeder Art. Wenn ſie zehn bis zwölf Wochen alt ſind, kommen ſie auf die Weidekoppel, wo aber die Ochſenkaͤlber getrennt wer⸗ den, die mehrentheils auf dem Stalle bleiben. Ich weiß, daß manche gegen das Gruͤnfutter und die Weide ſind, dicke Leiber und Verdauungsſchwaͤchung davon beſorgen, und daher den Kaͤlbern, bis ſie 9 Monate alt ſind, nur feines Heu und Kornfutter geben. Ich habe aber von der gruͤnen Nahrung nie den geringſten Nachtheil beobachtet, ſondern meine Kaͤlber ſind ſaͤmmtlich geſund geblieben. Indeſſen iſt gegen jene Methode der trocknen Fuͤtterung, wenn man ausgelegenes Heu hat, auch nichts zu erinnern. Kornfutter gebe ich den Kaͤlbern nicht anders, als wenn es einen ſehr ge⸗ ringen Preis, z. B. im Fruͤhjahr 1811 hat. F. 19. Die Gruͤnde welche man fuͤr das Saugen und gegen das Traͤnken der Kaͤl⸗ ber anfuͤhrt, ſcheinen mir nicht guͤltig. Man ſagt: a) das Saugen ſey der Natur gemaͤß, das Traͤnken unnatuͤrlich. Aber unſre Kuͤhe ſind nicht im natuͤrlichen Zuſtande, und der Zweck, den wir mit ihnen haben, iſt nicht der natuͤrliche. Die Natur gab den Kuͤhen die Milch bloß um das Kalb damit zu ernähren; wir wollen dieſem die Milch ndr die kuͤrzeſte Zeit laſſen, und ſie anderweitig benutzen. b) Man kann die Kuh nicht ſo rein ausmilchen, als das Kalb ſie aus faugt. Eine gute Melkerin holt den letzten Tropfen Milch reiner aus dem Euter und aus allen vier Spaͤhnen deſſelben, als das Kalb es gewoͤhnlich thut. Die⸗ ſes ſaugt entweder nur wenn es durſtig iſt, und holt die Milch nicht rein her⸗ aus, oder es geht ſpielend dabei, und nimmt von Zeit zu Zeit nur einige Schlucke, wobei die dickere Milch haͤufig zuruͤckbleibt. Es gewoͤhnt ſich oft nur an einigen Spaͤhnen, an denen auf einer Seite, zu ſaugen, und die an⸗ dern Spaͤhne trocknen. o) Das Auftraͤnken ſey in großen Wirchſchaften ſehr mißlich, weil nicht die gehoͤrige Vorſicht dabei angewandt werden koͤnne; nur in kleinen moͤge es angehen. Iſt gegen die Erfahrung. Wenn die Kälber nach ihrem verſchiedenen Alter in verſchiedenen Abtheilungen gehalten und getraͤnkt werden, kann die Aufzucht des Rindviehes. 315 größte Ordnung dabei beobachtet werden, und wenn dagegen die Kälber der Mutter jedesmal zugefuͤhrt werden muͤſſen, kann eher eins vergeſſen werden. Auch nimmt das Zufuͤhren mehrere Zeit, wie das Traͤnken, weg. Will man Kälber auch dann noch ſaugen laſſen, wenn die Kuͤhe ſchon auf die Weide gehen, ſo muͤſſen die Muͤtter auf dem Stalle gehalten, und beſonders gefut⸗ tert werden. Ferner aber: Beim Traͤnken bleiben die Kaͤlber ruhig in ihrem abgeſon⸗ derten Stalle, werden durch das Hin⸗ und Herfuͤhren nicht beunruhigt oder beſchädigt. Die in immer gleichen Portionen den Kaͤlbern nach ihrem Alter zugetheilte Milch gedeihet ihnen beſſer, als wenn ſie bald viel, bald wenig ab⸗ ſaugen. Sie koͤnnen ſich nicht uͤberſaugen, und die Erfahrung lehrt, daß bei gehoͤrig getrankten Kaͤlbern weit ſeltner der daber ruͤhrende Durchfall enſtehe, als bei Saugekälbern. Man kann die Milch nach der Staͤrke und dem Ap⸗ petite eines jeden Kalbes abmeſſen, da bei dem Saugen ein Kalb die Milch ſeiner Mutter entweder nicht bezwingen kann, oder nicht genug daran hat. Der Hauptgrund fuͤr das Traͤuken iſt: daß ſich die Kaͤlber leichter und nur allmaͤhlig von der Milch entwoͤhnen, und allmaͤhlig zu ſchlechterer Milch und zu anderer Nahrung uͤbergehen. Daber erfolgt bei den Traͤnkkaͤlbern nicht das betraͤchtliche Abfallen, was man allgemein bei den abgeſetzten Saugekälbern verſpuͤrt. Der Gram der Kuh und des Kalbes, welcher ſich durch das heftige Bloͤken und Schreien offenbart, wird gänzlich vermieden. Die Kuh iſt an ihre Beſtimmung, ausgemolken zu werden, gewoͤhnt, und dies gab ihr vom Anfange an eine angenehme Empfindung, weswegen ſie gern ihre Milch der Melkerin hingiebt. Endlich wird, da man fruͤher zu abgerahmter Milch uͤber⸗ gehen kann, in den meiſten Fällen dabei erſpart. Der einzige Fall wo das Saugen vielleicht rathſamer ſeyn kann, iſt bei Erſtlingen, bei denen die Milchgefaͤße dadurch beſſer geoͤffnet werden moͤgen. . 20 Bei dem Traͤnken iſt noch folgendes zu beobachten: Rur in den erſten Tagen giebt man jedem Kalbe die Milch ſeiner Mutter, nachher braucht man nur zu beachten, daß ſie die jungen Kälber von friſchmilchenden Kuͤhen erhalten; ſind ſie 3 Wochen alt, ſo kann man jede geſunde Milch ohne Unterſchied geben. R* Haltung der Ferſen. Vortheil der Bufzucht. 316 Aufzucht des Rindviehes. In den erſten acht Tagen giebt man die Milch gern in ihrer natuͤrlichen Temperatur, und wenn ſie erkaltet iſt, ſtellt man dieſe durch etwas zugegebe⸗ nes heißes Waſſer wieder her. Nachher kann ſie kuͤhler und endlich kalt gege⸗ ben werden. Auf die Entſtehung des Durchfalls muß bei Sauge- und Tränkkaͤlbern genau geachtet werden, damit man ihn gleich im Anfange hebe. Das beſte Mittel iſt nach meiner Erfahrung ein Auszug von Rhabarber mit gutem Brannt⸗ wein gemacht. Auf 2 Loth Rhabarber wird 4 Pfund Branntwein gegoben und 24 Stunden in eine gelinde Waͤrme geſtellt, auch oͤfter umgeſchuttelt. Dann wird die klare Tinktur abgegoſſen, und davon dem kranken Kalbe taͤglich zwei⸗ mal ein Eßloffel gegeben. Rach einigen Gaben hoͤrt das Uebel mehrentheils auf; thut es das nicht, ſo ſetze man dann noch jedem Loͤffell voll§ Tropfen Opiumtinktur zu. Man ſey dabei im Traͤnken vorſichtiger, und reize das Kalb wider ſeinen Willen nicht dazu an, bis es wieder Appetit bekömmt. Einige ruͤhmen einen Trank von gelinde geroͤſteten(wie Kaffe gebrannten) Linſen oder Eicheln.. K 21. Wenn das Kalb im erſten Jahre reichlich genaͤhret worden, ſokan nman ihm im zweiten Jahre eine weit ſparſamere Fuͤtterung und kargere Weide geben; jedoch ſo, daß es bei Fleiſch und Kraͤften bleibe. Auch im dritten Jahre kann es im Winter mit gutem Strohhäckſel, dem etwas Heu zugemiſcht worden, erhalten werden. Nachdem die Ferſe jedoch rrächtig geworden iſt, muß man ihr beſſeres Futter reichen, und damit ſteigen, ſo wie ſie zunimmt. 6. 22. Manche haben das Aufziehen nicht fuͤr vortheilhaft gehalten, und die Ko⸗ ſten einer ſelbſt aufgezogenen Kuh ſo hoch berechnet, daß man gutes Vieh viel wohlfeiler dafuͤr kaufen koͤnnte. Manche Wirthſchaften ſind ſo eingerichtet, daß die Aufzucht gar nicht dabei ſtatt findet, wo z. B. die Kuͤherei kopfweiſe ver⸗ pachtet iſt. Außerdem aber ſcheint mir die Sicherheit und die Gleichartigkeit des Viehſchlages, den man durch eigne Aufzucht erhalten kann, ſo große Vor⸗ zuge zu haben, daß ich es auch dann empfehlen wuͤrde, wenn es beſtimmt koſt⸗ Aufzucht des Rindhiehes. 51 barer waͤre. Dies ſcheint es mir aber in gewoöhnlichen Faͤllen, wo man die Milch nicht friſch zu hohen Preiſen abſetzen kann, in der That nicht zu ſeyn. Wenn man weiß, was eine Kuh an jährlicher Nutzung einbringt, ſo läßt ſich die Rechnung auf folgende Weiſe machen: Das junge Thier koſtet in den beiden erſten Jahren hoͤchſtens die Haͤlfte der Fuͤtterung einer Kuh, und im drirten Jahre, um reichlich zu rechnen, ſo viel wie eine Kuh, alſo uͤberhaupt den jährigen Ertrag zweier Kuͤhe. Unter dieſen Preis wird man doch ſelten eine tadelloſe junge Kuh kaufen koͤnnen. Die Vorzuge eines an eine beſtimmte Behandlung und Weide gewoͤhnten Thiers ſind anerkannt und dann beſonders wichtig, wenn die Weide fehlerhaft iſt. §. 23. Kälber, die man nicht aufziehen will, ſucht man ſobald als moͤglich iſt, Maßkälber. los zu werden, um die Milch benutzen zu koͤnnen. Die Maſtung der Kälber kann nur unter gewiſſen Verhaͤltniſſen vortheil⸗ haft ſeyn, wo naͤmlich gute Kaͤlber fuͤr betraͤchtliche Staͤdte aufgeſucht und gut bezahlt werden, man jedoch von der Nachbarſchaft dieſer Staͤdte durch die Mol⸗ kerei keine beſondere Nutzung haben kann. Die Maſtung der Kälber geſchiehet a) mit bloßer Milch. Dies giebt immer das beſte und weißeſte Fleiſch, und iſt fuͤr den Landwirth als ſolchen am anwendbarſten. Bei dieſen Kaͤl⸗ bern hat das Saugen weniger gegen ſich, indem das Kalb verkauft wird, ſo wie man es abſetzt. Wird aber dieſe Kälbermaſtung im Großen betrieben, ſo muͤſſen die Kaͤlber den Muͤttern oder Ammen zu beſtimmten Zeiten zugefuͤhrt werden. Man muß einen Theil der Kuͤhe daran gewöhnen, daß ſie andre Kaͤlber annehmen, und man findet ſolche, die dies ohne Bedenken thun. Dieſe kann man ihre ganze Milchzeit hindurch zu Ammen gebrauchen, und durch ſtarke Fuͤrterung zu einem reichlichen Milchabſaß bringen. Sie werden dadurch aber zu Melkkuͤhen zuweilen ganz untauglich. Bei aͤlteren Maſtkaͤlbern von 3 bis 12 Wochen reicht nämlich die Muttermilch haͤufig nicht hin, um ſie zu der voͤlligen Feiſtigkeit zu bringen, und dies muß durch die Ammen erſetzt werden. b) mit anderer Fuͤtterung, die— als Zugabe zur Milch, nachher allein gereicht wird. 318 Aufzucht des Rindviehes. Hier werden allerlei Traͤnke, aus Leinſaamen, Leinoͤlkuchen, Hafergruͤße, gekochten Kartoffeln und Ruͤben, Eiern, auch aus alt gewordenem Weißbrod, welches den Baͤckern liegen geblieben iſt, und von ihnen wohlfeil verkauft wird, bereitet, und den Kälbern mit oder ohne Milch gegeben. Es giebt in manchen 1 Gegenden auf dem platten Lande, und ſogar in Städten ſelbſt, Leute, die mit dieſer Kaͤlbermaſtung ein Gewerbe treiben, und die ganz jungen Kaͤlber dazu aufkaufen. Fuͤr den Landwirth kann eine ſolche Maſtung der Kaͤlber nur ein Nebenzweig ſeyn. AlterKenn⸗ Die Alter-Kennzeichen aus den Zaͤhnen ſind bei dem Rindvieh nicht ſo be⸗ ſtimmt, wie bei den Pferden und Schaafen. Mehrencheils verliert das Kalb von den 8 Schneidezaͤhnen des Unterkiefers, die es ſogleich mit auf die Welt bringt, oder die doch bald nachher ausbrechen, zwiſchen den zwolften und acht⸗ zehnten Monat die beiden mittleren, welche dann durch breitere ſogleich erſetzt werden. Nach dem zweiten Jahre wechſeln die beiden zunaͤchſt ſtehenden, und ſofort alle Jahr einmal. Bei guter Nahrung pflegt die Wechſelung aber fruͤ⸗. her, ſonſt ſpaͤter zu erfolgen, und uͤberhaupt haͤlt die Natur darin beim Rind⸗ vieh minder regulaͤre Perioden; weswegen dieſes Zeichen im juͤngern Alter hoͤchſt truͤglich bleibt. Haͤufiger nimmt man das Alter an den Ringen der Hoͤrner wahr, aber zuverlaſſig iſt auch dieſes Zeichen nicht. Bei den Ochſen ſetzt ſich der untere Ring zunaͤchſt an der Wurzel der Hoͤrner im Hten Jahre an; bei den Kuͤhen aber, wenn ſie zum erſten Male gekalbt haben, und dann entſteht jährlich ein neuer wulſtfoͤrmiger Ring, der den vorhergehenden fortdraͤngt(aber nie ver⸗ liert das junge Thier ſeine Hoͤrner und bekommt neue, wie in einem neueren Handbuche der Viehzucht geſagt iſt). Bei den Kuͤhen will man bemerkt haben, daß ſich kein deutlicher Ring anſetze, wenn ſie ein Jahr nicht trächtig geworden ſind, daß aber der Zwiſchenraum zwiſchen den Ringen alsdann groͤßer ſey. Wenn ſie verworfen haben, ſoll ſich der Ring minder deutlich ausbilden. Es hat mir wirklich geſchienen, als ob dies in manchen Faͤllen richtig, aber doch nicht allgemein ſey. Gewiß iſt es, daß ein reguläͤrer Anſatz der Ringe ein Merkmal eines immer geſund geweſenen Thieres ſey, und daß die Ringe bei —— m Ernaͤhrung des Rindviehes. 319 einem kraͤnklich geweſenen Thiere von ungleichem Abſtande und Staͤrke ſind. Bei alteren Thieren werden die Ringe aber undeutlich, und bleiben kaum mehr zählbar. Die Hoͤrner, welche ſonſt an der Wurzel am ſtärkſten waren, und oberwaͤrts immer duͤnner wurden, werden vom gten ober 10ten Jahre an unten duͤnner, als ſie weiter aufwaͤrts ſind. Andere Zeichen eines hoͤheren Alters ſind, die eingefallenen Augengruben, der eingeſunkene After, breitere Klauen, weiße Haare um die Augen; doch koͤnnen lettere auch eine Eigenthuͤmlichkeit eines Thieres ſeyn. Die Ernaͤhrung des Rindviehes. §. 126. Sie theilt ſich in die Winter⸗ und Sommerfuͤtterung. Wir reden zuvoͤr⸗Winterfutte⸗ it derſt von erſterer. Sie wird gewoͤhnlich mit gedoͤrrtem Futter, Heu und Stroh, betrieben. Das Verhaͤltniß, worin beides gegeben wird, iſt ſehr verſchieden, und richtet ſich nach den Verhaͤltniſſen und dem Vermoͤgen der Wirthſchaften. Zuweilen wird das Rindvieh mit bloßem Stroh den Winter uͤber erhalten; aber wenn es nur reines Stroh bekommt, ſo verſagt es nicht nur alle Nutzung, ſondern fallt auch an Fleiſch und Kraͤften auf das außerſte ab. In den Faͤllen, wo man dies vom Strohfutter nicht bemerkt haben will, war entweder unter demſelben viel anderes Kraut, oder noch viele Koͤrner in den Aehren, und es iſt bekannt, daß man in einigen Wirthſchaften deshalb abſichelich beſonders den Hafer nicht rein ausdreſche. Mehrentheils werden auch Kuͤhen, die an Heu gaͤnzlich Mangel leiden muͤſſen, allerlei Abfälle außer dem Spreu und Ueberkehr aus den Scheu⸗ ren, und dann gegen die Kalbezeit, Mehl⸗ oder Schroottrank, Helkuchentrank und dergl., gegeben, um ihnen etwas aufzuhelfen. Nur das Stroh von Blattfruͤchten, Erbſen, Wicken, Bohnen, Linſen und Buchweizen hat mehrere Nahrungstheile in ſich, um ſo mehrere, je gruͤner es noch war, wie man es maͤhete. Auch iſt das Hirſeſtroh und das Maisſtroh, wenn man es gehoͤrig behandelte, reichhaltiger an Nahrung. Unter dem gewoͤhnlichen Getreideſtroh iſt das Weizenſtroh ohne Zweifel das beſte zur Fuͤtterung. Dann folgt Hafer- und Gerſtſtroh, welches auch in s Harſ. Das Haͤckſel⸗ ſchneiden. 320 Ernaͤhrung des Ri doiehes. der Regel krautreicher zu ſeyn pflegt; und am wenigſten Nahrung u aus⸗ gewachſenes Rockenſtroh. Gewoͤhnlich wird jedoch das Stroh mit Heu vermiſcht gegeben. Häufig nimmt man es ſchon als eine gute Fuͤtterung an, wenn auf den Kopf den Winter hindurch 1000 Pfd. Heu gegeben werden, wo auf den Tag beinahe 6 Pfd. kommen, welches man dann aber nicht gleichmaͤßig den ganzen Win⸗ ter vertheilt, ſondern davon bis zur Kalbezeit mehreres aufſpart. Wenn taͤg⸗ lich 8 bis 10 Pfd. gegeben werden, ſo ſieht man dies ſchon als eine reichliche Fuͤtterung an. Es iſt aber gewiß, daß eine Kuh von mittler Groͤße, falls ſie kein andres nahrhaftes Futter erhaͤlt, täͤglich 12 Pfund haben muͤſſe, um ſich in voller Kraft zu erhalten, und 20 Pfund, wenn ſie reichlich Milch dabei geben ſoll. Eine große Kuh erfordert 20 Pfd., und wenn ſie in Milch ſtehet, und ſtark darin erhalten werden ſoll, bis 30 Pfd. Heu taͤglich. Wenn das Heu nur kärglich gegeben werden kann, ſo wird es mit Stroh zuſammen zu Häͤckſel geſchnitten. 6. Das Häckſelſchneiden haͤlt man faſt allgemein bei der Winterfuͤtterung fuͤr unentbehrlich. Man giebt den Haͤckſel ſcheffelweiſe, und ein Scheffel Hackſel, ſo wie er grob fuͤr das Rindvieh geſchnitten worden, wiegt im Durchſchnitt vom Sommer⸗ und Winterſtroh 9 Pfd. Man rechnet auf eine gewoͤhnliche Landkuh 4 bis 1 Scheffel täglich. Die Arbeit des Haͤckſelſchneidens iſt betraͤchtlich. Man rechnet, daß ein Mann auf den gewoͤhnlichen jedoch groͤßeren Laden, taͤglich 36 Scheffel lan⸗ ges Haͤckſel ſchneide. Man hat aber manche Erſindungen von Haͤckſelmaſchi⸗ nen, wodurch ein Mann das doppelte und dreifache ohne ſtaͤrkere Anſtrengung beſchaffen kann. Ihr Mechanismus iſt ſo eingerichtet, daß das Vorſchieben des Strohs durch Walzen bewirkt wird, die es vor jedem Schnitte zu einer beſtimmten Laͤnge vor das Meſſer bringen. Die Schneidemeſſer ſind von der gewohnlichen Form, jedoch groͤßer, und da der Schneider ſeine ganze Zeit und Kraft auf das Heben und Niederdruͤcken des Meſſers verwenden kann, ſo iſt er vermoͤgend in gleicher Zeit die doppelte Zahl von Schnitten und dieſe mit groͤßerer Kraft zu thun, weswegen bei dem breiteren und hoͤheren Kaſten auch jeder —— Ernaͤhrung des Rindviehes. 321 jeder Schnitt wohl um ₰ mehr Haͤckſel giebt. Oder aber die Meſſer ſind in einem Schwungrade befeſtigt, und dieſes Rad braucht nur im umſchwunge er⸗ balten zu werden, um dieſe Arbeit zu verrichten. In dieſem Schwungrade ſind eins, zwei oder drei Meſſer angebracht. Eine aus England erhaltene Maſchine mit drei Meſſern, die ſonſt ſehr gut konſtruirt war, konnte wegen der ſtarken Friktion von einem Menſchen nicht im Umſchwunge erhalten werden, und wenn die Meſſer etwas ſtumpf geworden waren, reichten zwei Menſchen auf die Dauer nicht zu. Die mit einem Meſſer iſt allgemein beſſer befunden, und eine ſolche iſt von unſerm wuͤrdigen Karſten in Roſtock nach Leſter in den Annalen des Ackerbaues zter Bd. S. 5o7. mit den Verbeſſerungen des erſtern beſchrieben und abgebildet, und wird in Roſtock von Herrn Haak, jetzt auch in Berlin vom Mechanikus Schulz fuͤr zo rehl. ſehr gut verfertigt. In großen Wirth⸗ ſchaften hat man auch groͤßere Haͤckſelmaſchinen, die mit Zugvieh oder ſelbſt vom Wind und Waſſer in Bewegung geſetzt werden, und ſehr große Quanti⸗ täten Häckſel in kurzer Zeit liefern. Man hat aber bei allen dieſen Maſchinen, beſonders bei den komplizirteren, die Schwierigkeit gefunden, daß ſich ſo leicht etwas daran veruͤckt oder bricht, und daß es dann auf dem platten Lande an einem hinreichend geſchickten Mann fehle, um dies zu verbeſſern. Daher weiß ich viele Faͤlle, wo man durch die Häckſelmaſchine in große Verlegenheit gekommen iſt, wenn man die gewoͤhnlichen Schneideladen hatte eingehen laſ⸗ ſen, und wo man ſeitdem einen ſolchen Widerwillen gegen dieſe Maſchinen bekommen hat, daß ſie vollig unbenutzt auf dem Boden ſtehen. Man muß aber hoffen, daß ſich ſo viele mechaniſche Kenntniſſe, die zur Anfertigung und Aus⸗ beſſerung einer ſolchen Maſchine noͤthig ſind, bald allgemein verbreiten werden. Bei einer kaͤrglichen Fuͤtterung, und wo man durch die Vermengung des Strohes mit andrem Futter dem Vieh moͤglichſt viel von jenem hinunter zu bringen ſuchen muß, um die wenigen darin befindlichen nahrhaften Theile zu benutzen, und das Gefuͤhl des Hungers abzuſtumpfen, iſt das Häckſelſchneiden freilich unentbehrlich; allein bei einer reichlichen Futterung iſt es meiner Ueber⸗ zeugung nach ganz uberfluͤſſig. Denn die Nahrungstheile werden doch auf keine Weiſe dadurch vermehrt. Vielmehr ſucht das Vieh ſie aus dem ungeſchnitte⸗ nen Strohe beſſer ſelbſt heraus. Das einzuſtreuende Stroh wird ihm deshalb Vierter Thell. Ss Körnerfutte⸗ rung. Biertraͤbern und Brannt⸗ weſuſpuͤlicht. 322 Ernaͤhrung des Rindviehes. immer erſt vorgelegt. Gutes Heu aber frißt es ſehr gern ungeſchnitten rein weg. Iſt das Vieh nicht hungrig, ſo ſucht es auch aus dem Häckſel nur das beſſere heraus, beſchnaubt das uͤbrige, und man hat nur die Muͤhe, das mit Koſtenaufwand geſchnittene Stroh aus den Krippen in den Miſt zu bringen. Die Körnerfuͤtterung als Erſatz und Zugabe des Heues kann im Großen nur vortheilhaft ſeyn, wenn die Milch in hohem Preiſe oder das Korn in ſehr geringem ſteht. Allerdings vermehren etliche Pfund Getreide täglich zugegeben die Milch beträchtlich, und wenn man nichts anders zu fuͤttern hat, ſo kann es ſicher wirthſchaftlich ſeyn, es daran zu wenden; aber es bleibt doch in der Regel das theuerſte Futter unter allen. Auch iſt die Milch und Butter, wenn ſie aus Getreide hauptſächlich erzeugt wird, ſchlecht, mehr kaͤſigt als ſett, und hat keinen angenehmen Geſchmack. Die Koͤrner gehen häufig unverdaut ab, wenn man ſie im rohen Zuſtande giebt. Gewoͤhnlich werden ſie daher geſchrooten; aber dabei iſt großer Verluſt, wenn man nicht eigenen Muͤhlenbetrieb und keine Handſchrootmuͤhle hat. Man kann deſſen aber entuͤbriget ſeyn, wenn man die Koͤrner vorher quellet, wozu einige heißes, andre kaltes Waſſer mehr empfehlen; oder aber wenn man ſie malzet. Durch letzteres werden die Koͤrner vermittelſt der Entwickelung des Zuckerſtoffs ſehr verbeſſert, und erzeugen beſſere Milch. Hafer iſt den Milch⸗ kuͤhen am angemeſſenſten, und beſonders ruͤhmt man ein Gemenge von Haſer und Wicken, wenn es geſchrooten worden. Gerſte giebt vor allem eine weiße kaſige Milch, und ſchnell bitter werdende Butter. Am häuſigſten kommt der Abfall des Getreides, die Kleien, das grobe und das Steinmehl, der Muͤhlenſchlamm, der Graupen⸗ und Grützabfall in Gebrauch. Alle dieſe Mehl⸗ und Schrootarten werden entweder mit Haͤckſelfutter ver⸗ mengt, oder beſſer ſie werden unter das Getränk geruͤhrt, wodurch das Vieh im Winter zu mehrerem Saufen angereizt wird. §. 28. Hierher gehoͤrt auch der Sey oder die Träbern der Bierbrauerei. Sie haben eine ſehr gute Wirkung auf die Milch, und kleine Kuͤherechalter finden den Ankauf derſelben von den Brauern ſehr vortheilhaft. Da man ſie im Som⸗ Ernaͤhrung des Rindviehes. 323 mer ſehr wohlfeil haben kann, wenn ſtaͤdtiſche Brauer nicht ſelbſt Vieh hal⸗ ten, ſo ſucht man ſie in ausgemauerten Gruben, die, wenn ſie vollgefullt, mit einem Deckel geſchloſſen werden, uͤber welchen man noch Erde wirft, bis zum Winter zu conſerviren. Ferner der Branntweinſpuͤlicht, der wenn man friſchen Abſatz fuͤr die Molkerei hat, vielleicht nicht vortheilhafter als fuͤr die Kuͤhe benutzt werden kann. Er wird uͤber das Häckſel gegoſſen, in dazu eingerichteten Staͤllen durch Roͤhren gleich in die Krippen geleitet, oder aber als Getrank mit Waſſer ver⸗ miſcht gegeben. Je fruͤher er gebraucht wird, deſto beſſer iſt es; hat er die mindeſte Säurung angenommen, ſo wirkt er nachtheilig auf die Milch: deshalb iſt es am beſten, ihn ſo wie er warm aus der Blaſe kommt, mit Waſſer abzukuͤhlen. Dieſe Fuͤtterung muß indeſſen nur als Nebenfuͤtterung betrachtet und ſehr maͤ⸗ ßig gegeben werden, wenn ſie keinen nachtheiligen Einfluß auf die Geſund⸗ heit der Kuͤhe, wie man ihn bei Uebertreibung derſelben haͤufig bemerkt, ha⸗ ben ſoll; man vertheilt die Portion fuͤr einen Maſtochſen wenigſtens auf vier Kuͤhe. Auch giebt der Branntweinſpuͤlicht ſchlechte Butter. Ein ſehr aufmerkſamer Landwirth klagte daß ſeine Kaͤlber hartſchlägig wuͤr⸗ den und dann ſtuͤrben. Es iſt ihm, wie mir, ſehr wahrſcheinlich, daß dies von dem Branntweinſpuͤlicht, den die Mutter erhalten, herruͤhrt. §. 29. Endlich werden den Kuͤhen Helkuchen, die beſten von Leinſaamen, mit Helkuchen. vorzuͤglichem Effekt gegeben. Man benutzt ſie am beſten im Getränk, worin ſie aber völlig aufgeloͤſt ſeyn můſſen. Die beſte Vorrichtung dazu iſt folgende: man macht eine vertikale Abſcheerung des Kuͤbens mit Brettern, die viele kleine Bohrloͤcher haben, und zwar ſo, daß der kleinere Raum 3 des Ganzen beträgt. In dieſen giebt man den Helkuchen und das Waſſer, und ruͤhrt es oft um. Aus dem anderen ſchoͤpft man das Getränk, welches keine unaufge⸗ löſte Stuͤcke, ſondern nur aufgeloͤſte Theile enthalten kann. Allmaͤhlig loͤſen ſich die Helkuchen durch immer zugegebenes Waſſer voͤllig auf, und man thut dann von Zeit zu Zeit friſche hinzu. Sie machen das Getraͤnk dem Vieh ſehr angenehm und wirken augenſcheinlich auf die Vermehrung der Milch⸗ Ss 2 Prachfruͤchte. 324 Ernaͤhrung des Rindviehes. Auch ſchlechter Leinſaamen, gequetſcht und mit Waſſer abgekocht, giebt ein hoͤchſt nahrhaftes Getränk fuͤr die Milchkuͤhe. Eben ſo wird der Spergel⸗ ſaamen gebraucht, jedoch nur mit heißem Waſſer angebruͤhet, ohne ihn zu kochen, und als eins der nahrhafteſten und milchergiebigſten Fuͤtterungen geruͤhmt. §. 30. Die vortheilhafteſte Fuͤtterung des Rindviehes und beſonders den Kuͤhe, und einen vollſtändigen Erſatz eines Theils des Heues geben im Winter die Wurzelgewaͤchſe ab: nämlich Kartoffeln, Runkeln, Kohl⸗ und Steckruͤben, Ro⸗ tabaga, Waſſerruͤben, Moͤhren und Paſtinaken. Man muß aber nicht nach ihren oft zufaͤllig hohen Marktpreis, ſondern nach ihren vollſtaͤndigen Produk⸗ tionskoſten rechnen. Denn man kann ſie ſelten in großer Menge zu Markt bringen, und wenn einmal ein hoher Preis dies rathſam machen ſollte, und man ſie gegen das Fruͤhjahr zum Theil entbehren koͤnnte, ſo muß man dies als einen zufaͤlligen Gewinn brtrachten. Ich habe im erſten Bande§. 275. uͤber die Nahrhaftigkeit dieſer Ge⸗ waͤchſe und das Verhaͤltniß derſelben zum Heu geſprochen, und im 276ſten§. von ihrem Durchſchnittsertrage auf gut kultivirtem Boden; und ausfuͤhrlicher habe ich daruͤber in dieſem Bande bei der Lehre vom Anbau eines jeden ge⸗ handelt. Daß das Verhaͤltniß ihrer Nahrhaftigkeit dort ſo genau als es uns bis jetzt moͤglich iſt, getroffen worden, davon haben mich auch noch ſpaͤtere Beobachtungen uͤberzeugt. Es bleibt mir nur uͤbrig von ihrer Anwendung hier zu reden. Dieſe Gewaͤchſe werden roh oder gekocht gegeben. Das Kochen, vorzuͤglich der Kartoffeln, geſchiehet wo es angewandt wird, im Großen jetzt allgemein in Dampfen, weil dadurch nicht allein Feuerung er⸗ ſpart, ſondern auch der gehoͤrige Grad der Gacrheit beſſer erreicht wird. Der beſſere Apparat dazu iſt jetzt allg⸗mein bekannt, nachdem er durch die Brannt⸗ weinbrennerei aus Kartoffeln faſt an allen Orten eingerichtet worden. Er be⸗ ſteht aus einer gewoͤhnlichen Branntweinsblaſe, die aber, wie uͤberhaupt die neueren Blaſen keinen Helm, ſondern einen weiten retortenfoͤrmigen Hals hat, aus welchem die Dampfe durch ein Rohr in das Kartoffelgefaß ubergehen. Dieſes iſt ein Faß, welches aufrecht ſtehet, und worin unten ein zweiter durch⸗ Ernaͤhrung des Rindviehes. 325 löcherter Boden beſeſtigt iſt, damit ſich das wieder tropfbar gewordene Waſſer da hinein ziehen könne. In dieſes Gefäß wird die Dampfroͤhre hinein gelei⸗ tet, der Deckel deſſelben, und eine gewoͤhnlich an der Seite deſſelben befind⸗ liche kleine Thuͤr gut verſchloſſen, und nun das Waſſer in der Blaſe zum Sieden gebracht, wo dann die Kartoffeln in kuͤrzerer Zeit, als beim Kochen im Waſſer, ihre Garheit erreichen. Ob und in wiefern jene Wurzelgewaͤchſe und beſonders die Kartoffeln durch das Kochen fuͤr das Rindvieh verbeſſert werden, iſt noch durch keine lange genug fortgeſetzte komparative Verſuche vollkommen entſchieben; kleinere Verſuche haben indeſſen gezeigt, daß der Unterſchied nicht betraͤchtlich ſey, und daß ſich die Kochung folglich in Anſehung ihres Aufwandes nicht hinreichend verlohne, ſo ſehr ſonſt Theorie und Analogie dafuͤr zu ſprechen ſchienen. Offen⸗ bar findet man, daß das Rindvieh die rohen Gewaͤchſe eben ſo gern und auf die Dauer lieber als die gekochten freſſe. Nur wenn ſie in einem ſehr gro⸗ ßen Maaße, welches nur beim Maſtvieh ſtatt findet, gegeben werden ſollen, ſo kann das Kochen die laxirende Eigenſchaft, welche die Kartoffeln, in ſehr großem Maaße gegeben, allerdings aͤußern, dadurch vermindert werden, und dies iſt wohl die Urſach, warum einige große Viehhalter, beſonders unter den Engländern, die gekochten Kartoffeln mehr fuͤr das Maſtvieh, die rohen fuͤr das Milchvieh ruͤhmen. Von der Bruͤhfuͤtterung und der Anwendung dieſer Gewaͤchſe dabei, weiter unten. Dieſe Gewächſe muͤſſen zerkleinert werden. Es geſchiehet im Kleinen mittelſt des Stampfeiſens, im Großen durch die Schneidemaſchinen, wovon man mehrere Erfindungen hat. Die bekannteſte iſt die, wo eine mit drei oder vier Meſſern verſehene ſtarke, und zur Verhuͤtung des Werfens aus triangu⸗ lairen Stuͤcken zuſammengeſetzte Scheibe vor einen Kaſten umlauft, in wel⸗ chen die Wurzeln gethan werden, und welche ſie ſo wie ſie worfallen zerſchneidet. Der maͤchtige Schwung, worin ſich die Scheibe ſetzt, erleichtert die Arbeit ſo ſehr, daß ſie von einer ſchwachen Perſon verrichtet werden kann. Die Meſ⸗ ſer ſind gerade und ſchneiden in Scheiben, oder ſie ſind welligt gebogen an ihrer Schneide, und zerſchneiden in laͤnglichte Streifen. Auch hat man letzte⸗ res durch andre quer ſtehende ſcharfe Eiſen bewirkt. Meines Ermeſſens iſt 3¹6 Ernaͤhrung des Rindviehes. aber das Schneiden in Scheiben voͤllig zureichend und wirklich beſſer, da kleinere Stuͤcke ſehr leicht breiig und ſchwarz werden, und wenn ſie laͤnger liegen, in eine Art von Gaährung kommen koͤnnen. Das Vieh frißt ſie auf⸗ fallend lieber, wenn ſie nur groͤblich zerkleinert ſind, und die Zerkleinerung kann uͤberhaupt nur den Zweck haben, daß das Vieh ſich nicht damit ver⸗ ſchlucke. Ueberdem werden die gekruͤmmten Meſſer ſchnell ſtumpf, und ſind ſchwieriger zu ſchärfen. Noch weniger kann ich den Vortheil derjenigen Maſchinen anerkennen, wel⸗ che dieſe Gewächſe gekocht oder ungekocht zu einem Brei machen. Sie ſind nur bei der Branntweinbrennerei und anderen Fabrikationen aus dieſen Gewäch⸗ ſen anwendbar. Man hat wohl bei dieſen feiner zerkleinernden Maſchinen den Zweck ge⸗ habt, die Wurzelgewächſe genauer mit dem Haͤckſel vermengen zu koͤnnen, um dadurch das Vieh zum Mitfreſſen des letztern zu noͤtbigen. Hiervon aber bin ich, durch Erfahrung belehrt, voͤllig abgeſtanden, weil ich geſehen habe, daß gut gefuttertes, und folglich etwas lecker gewordenes Vieh immer die Wurzel⸗ ſtuͤckchen aus dem Häckſel herausſuchte, dieſen beſchnob, und dann nicht wei⸗ ter fraß. Ich laſſe alſo die Wurzeln immer fuͤr ſich geben, und finde, daß das Vieh, wenn ihm bald nachher etwas langes Stroh vorgelegt wird, ſol⸗ ches weit lieber und mehr davon frißt, als man ihm durch Häckſel hinunter zwingen wollte. Eine Mengung von mehreren dieſer Wurzelgewaͤchſe oder ein wechſeln⸗ des Fuͤttern derſelben ſcheint mir ſehr zweckmaäßig. Die mehr Zuckerſtoff hal⸗ tigen Ruͤbenarten verbeſſern ohne Zweifel die mehr mehlhaltigen Kartoffeln, die Milch bleibt ſuͤßer und wohlſchmeckender, und das Vieh liebt dieſe Ab⸗ wechſelung. Aber die Konſervation der Ruͤben bis zum Nachwinter und Fruh⸗ jahre iſt weit ſchwieriger, wie die der Kartoffeln, und dies iſt ein uͤberwiegen⸗ der Grund, jene fruͤher zu verfuͤttern, und dieſe größtentheils bis zuletzt auf⸗ zubewahren. So nahrhaft und gedeihlich dieſe Gewachſe ſind, ſo darf man ſie doch nicht auf die Dauer zur einzigen Fuͤtterung der Milchkuͤhe machen. Sie muͤſſen dabei eine verhältnißmäßige Quantität trocknen Futters haben. Man ——— —— Ernaͤhrung des Rindviehes. 8 kann allerdings mit einer Zugabe von bloßem Stroh ausreichen, welches ſie begierig dabei freſſen; aber ein Theil Heu gedeiht den Kuͤhen doch beſſer, und giebt die ſtarkſte Milch. Bei der Kartoffelfuͤtterung haben andere und ich ge⸗ funden, daß es am vortheilhafteſten ſey, die Hälfte der Fuͤtterung aus Heu, die andre Haͤlfte aus Wurzelwerk nach Verhaͤltniß ihrer Nahrungstheile beſte⸗ hen zu laſſen. Wenn z. B. die Kuh eine Fuͤtterung von 20 Pfund Heu täg⸗ lich haben ſollte, falls ihr bloß dieſes gegeben wuͤrde, ſo erhält ſie dann nur 10 Pfd. Heu, und ſtatt der andern 10 Pfd., 20 Pfd. Kartoffeln, oder 46 Pfd. Runkeln, 35 Pfd. Rotabaga, 52 Pfd. Waſſerruͤben. Vornehmlich iſt jedoch bei den erſteren die Nebenfuͤtterung des Heues in Hinſicht auf die Milch rath⸗ ſam, weil dieſe bei bloßen Kartoffeln und Stroh, weiße, kaͤſigte und leicht bit⸗ ter werdende Butter, wie bei aller Mehlfuͤtterung, giebt. Ueber das Maaß der Kartoffelnfuͤtterung vergl. die trefflichen v. Jenaiſchen Verſuche in den neuen Annalen Zter Bd. ſtes St. S. 102. Wenn von einem Futtermittel zum andern uͤbergegangen wird, ſo habe ich es immer wichtig gefunden, daß dieſes nicht ploͤtzlich geſchehe. Wenn z. B. eine Zeitlang bloß Runkeln gefuͤttert wurden, und dieſe zu Ende gehen, man dann mit Kartoffeln anfangen will, ſo iſt es zur Erhaltung eines gleichen Milch⸗ ſtandes rathſam, acht Tage lang Runkeln mit Kartoffeln gemengt, und allmaͤh⸗ lig von letzteren immer mehr zu geben. Denn obgleich das Vieh eine Abwech⸗ ſelung liebt, ſo gewoͤhnt es ſich dennoch an eine Fuͤtterung ſo ſehr, daß es bei einer ploͤtzlichen Abbrechung nicht ſo gern daran geht; was man durch einen Abſchlag in der Milch ſogleich verſpuͤrt. F. 31. Das Bruͤhen der Fuͤtterung hat man nach Erfahrung und nach Theorie Bruͤhfuͤtte⸗ als eine die Nahrungstheile mehr aufſchließende Methode allgemein angeruͤhmt,'unb⸗ und ſie iſt in manchen Gegenden, wo man in kleinen Wirthſchaften auf das Milchvieh große Aufmerkſamkeit richtet, allgemein gebraͤuchlich. Man gießt entweder reines oder mit einem nahrhaften Zuſatze geſchwängertes Waſſer kochend uͤber das zu Haͤckſel und Stroh geſchnittene Heu, ruͤhrt es durch und giebt es dem Vieh, wenn es ziemlich erkaltet iſt. Mit dem Waſſer koͤnnen alsdann Wurzelgewaͤchſe, oder andre oben erwaͤhnte mehlige Nahrungsmittel Futter⸗Ord⸗ nung. 328 Ernaͤhrung des Rindviehes. gekocht, und ſo genauer mit dem Häckſel vermengt werden. Ich habe dieſe Bruͤhfuͤtterung zwei Winter hindurch mit 12 bis 14 Milchkuͤhen verſucht, und zwar mit dem Zuſatze von Wurzelgewächſen und Kohl, die mit dem Waſſer gekocht wurden, und habe in dieſen Wintern in der That einen Milchertrag gehabt, der groͤßer war, als ich ihn ſonſt haͤtte erwarten koͤnnen. Es ward das Futter täglich zweimal in zwei Braubottichen bereitet, des Morgens zu der Mittag⸗ und Abendfuͤtterung, gegen Abend zu der Morgenfuͤtterung, weil es ſonſt nicht genugſam erkaltete. Ich habe aber nicht verhindern können, ungeachtet die Gefaͤße oft mit Lauge ausgeſcheuert wurden, daß mit der mä⸗ ßigen Erkaltung zugleich eine Säurung eintrat, die in geringem Grade nicht nachtheilig war, im ſtärkern aber, bei hoͤherer Temperatur, das Futter dem nicht ſehr hungrigen Vieh widrig machte. Ueberdem aber verſpuͤrte ich, daß mein Vieh im folgenden Sommer ſchwachlich wurde, und daß ſeine Verdauungskraͤfte gelitten hatten, und ich verlor bei der gruͤnen Sommerfuͤtterung gewiß mehr an Milch als ich im Winter gewonnen hatte. Ich gab ſie alſo nach dieſen Verſuchen wieder auf, da ſie uberdem ſehr viele Arbeit erforderte, und ich glaube, daß ſie kaum in großen Wirthſchaften durchgeſetzt werden koͤnne, ſon⸗ dern ſich nur fuͤr kleine Wirthſchaften von 3 bis 4 Milchkuͤhen, und wo das Waſſer in den Stubenoͤfen erhitzt werden kann, paſſe; und bautſichlch fur ſolche Kuͤhe, die man abmelken und dann abſchaffen will. Die obenerwaͤhnte Mengung des Häckſels mit warmem Vranehpl⸗ licht kann als eine Art der Bruͤhfuͤtterung angeſehen werden. §. 32. Die Michkühe! im Winter zu ſtarkem Saufen anzureizen, iſt ſehr wich⸗ tig. Sie ſaufen das ſehr kalte Waſſer nur, wenn ſtarker Durſt ſie treibt; das lau gemachte weit lieber. Man kann ſie aber auch dazu vermoͤgen, wenn man dem Getranke nur ein weniges von mehligen Subſtanzen beimiſcht, und vor⸗ zuglich paſſen ſich dazu die Helkuchen, wovon oben geſprochen worden. Das Tränken muß nicht unmittelbar nach dem Futter, in in den Zwiſchen⸗ zeiten geſchehen. Es koͤmmt bei dem Futtern und Zrinken 64. eine genaue Haltung der Zeir⸗ woran das Vieh gewoͤhnt iſt, an, und daß es zu jeder Zeit die Art von Fut⸗ Ernaͤhrung des Rindbiehes. 329 Fuͤtterung bekolnme, die es nach der Gewohnheit erwartet. Man kann dies beim Anfange der Winterfuͤtterung ziemlich willkuͤrlich einrichten, muß dann aber bei der Ordnung bleiben. Meine Winterfuͤtterung iſt mehrentheils folgendermaaßen eingerichtet geweſen: Morgens fruh erhalten die Kuͤhe Stroh⸗ und Heuhaͤckſel, ſie werden zwiſchen 8 und 9 Uhr getränkt, um 11 Uhr bekommen ſie Wurzelge⸗ waͤchſe ohne Zuſat, danach aber wird ihnen langes Stroh vorgelegt; um 3 Uhr werden ſie wieder getränkt und erhalten darnach etwas langes Heu; Abends bekom⸗ men ſie erſt Haͤckſelfutter wie des Morgens, jedoch weniger, und wenn ſie ſelbi⸗ ges verzehrt haben, wieder Wurzelgewächſe. Dann wird ihnen auf die Nacht Stroh vorgelegt, wovon ſie freſſen, was ſie wollen, und das uͤbrige wird ihnen am andern Morgen eingeſtreuet. Salz habe ich meinem Rindvieh hier nicht gegeben, weil es ſo cheuer iſt, daß es den Vortheil, den es allerdings haben kann, durch ſeinen Preis uͤberwiegt. Vormals gab ich es haͤufig, und bemerkte offenbar, daß es die Milchabſonde⸗ rung befoͤrdere. Wenn man jedoch zu weit damit ging, ſo ſchien das Vieh da⸗ nach abzumagern, und die Butter leichter bitter zu werden. 683 Eine gute Einſtreuung iſt nach der gewoͤhnlichen Einrichtung unſerer Staͤlle Einſtreuuns ſuͤr das Vieh hoͤchſt wohlthaͤtig. Die Staͤrke derſelben muß ſich nach der Stärke; der Fuͤtterung, beſonders der ſaftigen, richten. Bei dem ſchlecht und nur mit kener Fuͤtterung genährten Vieh reichen 3 Pfd. Stroh taͤglich hin; bei reichlich genaͤhrtem koͤnnen 10 Pfd. den Miſt und Urin kaum uͤberwaͤltigen. Kann man in einem ſtroharmen Jahr, wie das gegenwaͤrtige 184 ½, bei einer ſtarken Wur⸗ zelfuͤtterung, um noch zur Sommerſtallfuͤtterung genug uͤbrig zu behalten, nicht ſo ſtark einſtreuen laſſen, ſo muß man taͤglich ausmiſten, damit das Vieh reiner und trockner erhalten werde; falls man nicht zu andern Streu⸗Suͤrrogaten ſeine Zuflucht nehmen kann. Ein trocknes, wenn gleich nicht ſo weiches Lager iſt fuͤr die Geſundheit des Viehes unumgänglich noͤthig. Maonche haben das Striegeln der Kuͤhe empfohlen. Beim Maſtvieh iſt es von augenſcheinlicher Wirkung; aber bei den Kuͤhen habe ich keinen ſo auffallen⸗ den Vortheil, daß er die Arbeit verlohnte, davon geſehen. Nur der Euter muß ihnen rein erhalten und wo noͤthig beim Melken zuvor abgewaſchen werden. Vierter Thell. Tt Dauer der Wrinterfuͤtte⸗ rung. Weide. 330 Ernaͤhrung des Rindviehes. Bei reichlicher Einſtreuung und magerer Fuͤtterung kann der Miſt lange un⸗ ter dem Viehe liegen bleiben. Im umgekehrten Falle muß wenigſtens woͤchent⸗ lich zweimal ausgemiſtet, oder der Miſt doch zuruͤckgebracht werden. Der Miſt wird am bequemſten ausgeſchleift, mit einem Schlitten, der von beiden Seiten angeſpannt werden kann, damit man nicht umzuwenden, ſondern das Pferd nur umzuhaͤngen brauche. §. 34. Auf die Winterfutterung muͤſſen ſieben Monate gerechnet werden. Gewoͤhn⸗ lich dauert die Weide bis zur Mitte Oktobers, und iſt in der Mitte des Mays wieder da. Von der gruͤnen Stallfutterung unten. Jedoch thut man wohl ſeinen Zuſchnitt mit der Winterfuͤtterung auf einen halben Monat laͤnger zu machen, da ſich bei einem unguͤnſtigen Fruͤhjahre Weide und Gruͤnfutter um ſo viel verſpäten kann. Man ſucht deshalb beſonders Heu uͤber zu ſparen, weil dieſes noch im Sommer benutzt, oder bis zukuͤnftigen Winter aufbewahrt werden kann. Ein Heu⸗ und Strohvorrath von einem Jahre zum andern giebt der Wirthſchaft eine große Sicherheit. §. 35. Von den verſchiedenen Arten der Weide und dem Flaͤchenbedarf fur ein Stuͤck Vieh iſt im Zten Bd.§. 361 bis 381. geredet worden. Eine Weide, wovon 5 Morgen auf eine Kuh von einer der Weide ange⸗ meſſenen Große, nicht zureichen, kann kaum mehr als Kuhweide betrachtet, und als ſolche vortheilhaft benußt werden. Denn wenn die Kuh ihre Rahrung auf einem zu großen Umfange ſuchen muß, ſo wird ſie nicht gedeihen, und zu unerhebliche Nutzung bringen. Auf ſo magere Weide gehoͤren nur Schaafe. Die Erfahrung lehrt, daß es Weiden gebe, die vorzuglich milchergiebig ſind, worauf ſich aber das Vieh nicht fett frißt, und andre, wo das Vieh ſchneller auf⸗ ſetzt, die Kuhe aber wenig Milch geben. Es iſt meines Wiſſens noch nicht aus⸗ gemittelt, was der Grund dieſes Unterſchiedes ſey. Man hat ihn aber in meh⸗ reren Niederungsgegenden ſo deutlich bemerkt, daß jedermann ſeine Fett⸗ und ſeine Kuhweiden unterſcheidet, und ſie mit der einen oder andern Art von Vieh beſetzt. Daß gedeihliche Kuhweiden keine Saure haben muͤſſen, iſt allgemein bekannt. Wo man merkliche Saure im Boden findet, da verlieren Kuhe die Milch, doch Ernaͤhrung des Rindviehes. 331 N können Ochſen ſich gut darauf halten. Ob hieran ein Uebergang der Säure des Bodens in die ſonſt geſunden Gras⸗ und Krautarten, oder die auf ſolchen Weiden wachſenden beſonderen Kraͤuter Schuld ſeyen, getraue ich mich ebenfalls nicht zu entſcheiden. Das Equisetum arvense und palustre, das Colchicum, mehrere Ranunkelarten und andere Sumpfpflanzen haben gewiß eine nachtheilige Wirkung auf das Rindvieh, und beſonders auf deſſen Milcherzeugung; aber es läßt ſie auch ſtehen, wenn es nicht durch uͤbermaͤßigen Hunger getrieben wird. Hoͤheweiden haben, wenn ſie reichlich genug ſind, eine Kuh auf drei oder we⸗ nigeren Morgen voͤllig zu ſaͤttigen, in der Milchergiebigkeit Vorzuge vor den Nie⸗ derungsweiden, wobei ſich jedoch verſteht, daß die Race ihnen angemeſſen ſeyn muͤſſe; denn eine große Marſchkuh wird nicht leicht auf drei Morgen Hoͤhewei⸗ den genug haben. Entfernte Weiden verlieren ſehr durch das Hin⸗ und Hertreiben des Viehes, wobei es, wie man ſagt, die Milch vergehet. Je ruhiger das Vieh auf ſeiner Weide bleibt und ſich ſelbſt uͤberlaſſen wird, um deſto großer wird die Benutzung derſelben ſeyn. Deshalb haben die Ackerweiden der Koppelwirthſchaft auch von dieſer Seite ſo große Vorzuͤge, weil hier das Vieh ganz ruhig auf den wirklich befriedigten Koppeln ohne Hund und Hirten, bleibt, auch Tag und Nacht dar⸗ auf gelaſſen wird. In Hinſicht des letztern ſind zwar die Meinungen getheilt, indem einige das naͤchtliche Eintreiben des Viehes nicht nur ſeiner Geſundheit zuträglicher, ſondern auch der Stallmiſt⸗Gewinnung wegen fuͤr wirthſchaftlicher halten. Die Mehrheit der Koppelwirthe aber, und beſonders alle Molkerei⸗Päͤchter ſind entſchieden dafuͤr, daß die Kuͤhe in den wärmeren Sommermonaten des Nachts auf der Weide blei⸗ ben muͤſſen, weil ſie behaupten, daß die Milch ſich ſonſt betraͤchtlich vermindere. Was einige von der Schaͤdlichkeit des Nebels und Thaus, und von dem Nach⸗ theile des davon noch triefenden Graſes angeben, iſt zuverläſſig ohne Grund auf geſunden Hoͤhen. Nur an ſumpfigen Stellen, Bruͤchern und Mooren kann der aufſteigende Nebel nachtheilig wuͤrken. In den kalten Rächten des Fruͤhjahrs und Herbſtes aber iſt das nächtliche Eintreiben des Viehes doch immer zu em⸗ pfehlen, und wenn man ihnen des Morgens vor dem Austreiben etwas trockenes Sn2 Das Tuͤdern. 332 Ernaͤhrung des Rindviehes. Futter, ſollte es auch nur gutes Stroh ſeyn, geben kann, ſo wird es ſehr da⸗ bei gewinnen. Auf andren Weideabtriften kann das näͤchtliche Außenbleiben des Viehes nur ſelten rathſam ſeyn, auch weil hier der Duͤnger verloren geht, der bei den Kop⸗ pelweiden dem Acker doch einigermaaßen zu Theil wird; zumal wenn auf dem zunaͤchſt umzubrechenden Schlage das Vieh des Nachts naͤher zuſammen gebal⸗ ten wird, und dieſen Platz alſo gewiſſermaaßen bepfercht. Bei dem Vieh, was vor den Hirten geht, iſt die Art, wie er es behandelt, keinesweges gleichgultig. Er muß es ſo viel moͤglich, ſich ſelbſt uͤberlaſſen, oder es doch nur ſanſt leiten und treiben, durchaus nicht mit dem Hunde hetzen. Wenn es weidend fortgeht, ſo muß er es ſo einrichten, daß es immer mit dem Winde gehe, und nicht ihm entgegen. Am wenigſten muß es geſtoͤrt wirden, wenn es ſich zum Wiederkaͤuen lagert, wobei ihm die vollkommenſte Ruhe noͤthig iſt. Die Frage, ob eine Kuh gleicher Art mehr Milch bei der Weide oder bei der Stallfuͤterung gebe, mag wohl zum Vortheil der erſtern entſchieden werden, wenn man vorausſetzt, daß ſie bei beiden gleiche und vollkommene Sättigung er⸗ halte, und auch uͤbrigens gleich gut behandelt werde. Denn ich weiß kein Beiſpiel, daß der Milchertrag eines ganzen Viehſtapels im Durchſchnitt bei der vollkommen⸗ ſten Stallfutterung ſo hoch betrieben worden, wie bei der vollkommenſten Weide. Aber letztere iſt nur hoͤchſt ſelten in der Wirklichkeit vorhanden. *§. 36. Ein Mittelweg zwiſchen der Weide und Stallfutterung iſt das ſogenannke Tuͤdern oder Toͤddern; wo man nämlich das Vieh an den Hoͤrnern mit einem Stricke befeſtigt, der am Halſe einen zweckmäßig eingerichteten hoͤlzernen Wirbel hat, und am andern Ende an einen in die Erde geſchlagenen Pfiock geknuͤpft wird, wo ſich manchmal noch ein andrer Wirbel befindet. Bei einzelnen Stuk⸗ ten iſt dieſe Methode ziemlich allgemein bekannt; aber daß ſie im Großen mit Viehheerden von mehr als 100 Stucken betrieben werde, findet man bis jetzt, ſo viel ich weiß, nur in Dännemark; weswegen ich die mir davon gemachte Be⸗ ſchreibung hier mittheile. Es iſt bei der Anwendung im Großen nothwendig, daß die Heerde ſo kon⸗ zentrirt wie moglich zuſammen gehabten werde, damit kein Theil der Flaͤche unbe⸗ Ernaͤhrung des Rindviehes. 333 nutzt bleibe, die Milchmaͤgde nicht zu weit zum Milchwagen zu tragen haben, der in der Mitte der ganzen Heerde geſtellt wird, und damit auch der Miſt der Kuͤhe ſich gleichmäßig verbreite. Man theilt die Kuͤhe gewoöhnlich in Abtheilun⸗ gen von 20 Stuͤck, weil dies die Anzahl iſt, die eine Magd melken muß. Eine ſolche Abtheilung wird, wenn man auf einem friſchen Schlage das Tüdern anfaͤngt, in einer Reihe mit dem Ruͤcken gegen die Grenze des Schla⸗ ges gewendet, getuͤdert. Die Entfernung zwiſchen jeder Kuh richtet ſich nach der Länge der Tuͤderſtricke, und dieſe wieder nach der Guͤte der Weide. Auf Thorſeng, wo man auf zweijahrigem Kleelande tuͤdert, ſind die Stricke zehn rheinländiſche Fuß lang. Die Tuͤderpfähle werden ſo eingeſchlagen, daß die Kuͤhe zwar nahe, jedoch nicht voͤllig zu einander kommen koͤnnen, damit kein unerreich⸗ ter Streifen ſtehen bleibe. Iſt die erſte Abtheilung getuͤdert, dann wird die an⸗ dre in einer Entfernung von 60 bis 80 Fuß, je nachdem die Weide ferter oder magrer iſt, getuͤdert, und mit der dritten, vierten und fuͤnften Abtheilung wird dann eben ſo verfahren. Auf den Zwiſchenraͤumen zwiſchen jeder Abtheilung wird nun fortgetudert, d. h. die Pfloͤcke werden vorwaͤrts geſchlagen, wenn die Laͤnge des Tuͤderſtricks abgefreſſen iſt, bis die erſte Abtheilung dahin kommt, wo die zweite anfangen hat, und die zweite dahin, wo die dritte u. ſ. f. war. Folgende Zeichnung verſinn⸗ licht die Sache. 11 oooodoooooooo0o000606 oooooooooo0000000000 oooooooooooo0000o0000 oo o00000000000000000 o000o0o00000o000000000 334 Ernaͤhrung des Rindviehes. Der von 4 Strichen eingeſchloſſene Raum ſey ein Weidenſchlag, und die punktirten Linien die Abtheilungen von 20 Stuͤck Kuͤhen. In den Zwiſchenrau⸗ men zwiſchen jede werden die Kuͤhe vorwaͤrts getuͤdert, bis ſie jede ihren Raum abgefreſſen haben. Iſt dies geſchehen, ſo wird die ganze Heerde vorwärts ge⸗ bracht, und kommen nun auf eben die Weiſe in die Reihen von o 0 o 0 0 0 zu ſtehen. Wenn man an das Ende des Schlages gekommen iſt, ſo gehet man wieder in derſelben Ordnung herunter, wie die Reihen von kleinen Strichen zei⸗ gen und tüͤdert auf dieſe Weiſe den ganzen Schlag ab. Da die ganze Heerde nicht nur oft umgeſtellt, ſondern auch zur Traͤnke gefuͤhrt werden muß, ſo iſt es ſehr wichtig, daß ein Menſch 20 und mehrere Kuͤhe auf einmal fuͤhren koͤnne. Zu dem Ende muͤſſen die Kuͤbe zuſammeng koppelt werden, und dies geſchiehet auf folgende Weiſe. Der Hirte faͤngt am rechten Fluͤgel der einzelnen Abtheilungen an, legt den Tuͤderſtrick der erſten Kuh ſo zuſammen, daß er ihn an die Hoͤrner der zweiten Kuh haͤngen kann. Der Tuͤderſtrick der zweiten Kuh wird ebenfalls zuſammengelegt, und an die Hoͤrner der dritten gehaͤngt, und ſo fährt man fort, etwa 20 Kuͤhe in einer Reihe an einander zu koppeln. Der Hirte geht am linken Fluͤgel und fuͤhrt die Kuͤhe zum Traͤnken, welches ohne ſie loszubinden geſchieht. Iſt er wieder zuruͤckgekommen, ſo ſchlaͤgt er den erſten Tuͤderpfahl derjenigen Kuh, die er am linken Fluͤgel fuhrte, in die Erde, nimmt den an ihren Hoͤrnern haͤngenden Tuͤderſtrick der zweiten Kuh ab, und macht auch dieſen feſt, und verfaͤhrt nun eben ſo mit der dritten, vierten u. ſ f. Das Zuſammenkoppeln wird immer am rechten, das Tuͤdern am linken Fluͤgel angefangen. Wo man die Traͤnken, wie auf dieſen Koppeln gewöhnlich zu ſeyn pflegt, in der Naͤhe hat, begnuͤgt man ſich, nur eine Reihe auf einmal hinzuführen. Sollte die Traͤnke aber weit entfernt ſeyn, oder man die Heerde auf einen an⸗ dren, etwas entfernten Schlag fuͤhren wollen, ſo werden mehrere Reihen an einander gekoppelt, welches ſehr leicht iſt, wenn man den Tuͤderſtrick der linken Kuh der zweiten Reihe, an die Hoͤrner der linken Kuh der erſten Reihe haͤngt u. ſ. w. Wenn man ſie dann aber waͤſſern will, muß jede Abtheilung wieder von einander geloͤſt werden. Ernaͤhrung des Rindviehes. 335 Es kommt bei dieſem Zuſammenkoppeln und Wiedervoneinanderloͤſen zum Theil auf die Gewohnheit der Kuͤhe, mehr aber noch auf die Geſchicklichkeit des Hirten an. Zuweilen muß bei 20 Kuͤhen ein Menſch ſeyn, zuweilen beſorgt ei⸗ ner ohne Beſchwerde 50 Stuͤck. Das Vieh gewoͤhnt ſich ſo leicht hieran, daß es ſich nachher faſt von ſelbſt in Reihe und Glieder ſtellt; wodurch die Wartung und Beſorgung gegen die Stallfuͤtterung betraͤchtlich vermindert wird. Uebrigens kommt dieſe Methode dar'n der Stallfuͤtterung gleich, daß ſehr wenig Furter vertreten wird, und daß es in dem vortheilhafteſten Entwickelungsſtande gegeben werden und dann wieder wachſen kann; weswegen nicht mehr Futterland als bei der Stallfuͤtterung per Kopf erfordert wird. Ein komparativer Verſuch, der uͤber das Tuͤdern und die Stallfuͤtterung auf Thorſeng angeſtellt wurde, gab folgendes Reſultat: 4 Kuͤhe 12 Tage geſtallfuttert 4 Kuͤhe 12 Tage getuͤdert gaben gebrauchten Land erhielten gaben gebrauchten Land 111o Pf. Milch 2172 Quad. Ellen 6144 Pf. Klee 950½ Pf. Milch 1842 Quad. Ellen kommen taͤglich auf 1 Kuh 23 ½ Pf. Milch 474½ Quad. Ellen 125 Pf. Klee 19 ½ Pf. Milch 383 Quad. Ellen. Es waren alſo 330 Quadratellen Land mehr im Stall verfuͤttert, als ab⸗ getuͤdert. Die Stallfutterung gab dagegen 1593 Pfund Milch mehr. Zu ein Pfund Milch wurden bei der Stallfuͤtterung 12 Quadratellen, beym Tudern 144 ½½ Kleeland erfordert. Alſo wuͤrden die 330 Quadratellen Land, welche beym Tuͤdern in derſelben SZeit und von denſelben Kuͤhen uͤbrig blieben, zufolge des obigen Reſultats, wenn ſie abgetuͤdert waren, 170 ½ Pfund Milch gebracht haben, welches mit den von den vier Tuͤderkuͤhen erhaltenen 9502 Pfund zuſammengerechnet 1120½ Pfund Milch, alfo vollkommen ſo viel— eigentlich 10½ mehr— gegeben hat, als die auf dem Stalle gefuͤtterten von der gegebenen Kleeflaͤche brachten. Von einer und derſelben, mit maͤhbarem Klee bewachſenen Landflaͤche erhaͤlt man nach dieſem Verſuche alſo gleich viel Milch, und ernährt davon ungefaͤhr gleich viel Vieh, man mag tuͤdern oder ſtallfuttern; ſolglich iſt kein Vortheil auf der einen oder der andern Seite. Die Sommer⸗ Stoüfuͤtte⸗ rung. 330 Ernãhrung des Rindoiehes. Nur wird durch die Stallfaͤtterung wohl 3 Duͤnger mehr gewonnen, da von dem durch das Tuͤdern auf dem Lande gelaſſenen Duͤnger wahrſcheinlich nur 4 zu gute kommt. Dagegen macht die Stallfuͤtterung durch das Maͤhen und Anfah⸗ ren des Klees mehrere Koſten. Es kann wohl nicht rathſam ſeyn, denſelben Platz zweimal abtuͤdern zu laf ſſen, weil der gruͤne Klee, des Miſtens wegen, dem Vieh unangenehm ſeyn wurde. Man macht alſo den folgenden Wuchs lieber zu Heu. §. 37. ueber die Vortheile und Verhaͤltniſſe der Stallfutterung, in Hinſicht des Ganzen der Wirthſchaft, iſt Bd. 1.§. 374— 394. geredet, und uͤber den An⸗ bau und die fernere Behandlung der Futtergewachſe im 4ten Bd.§. 271. un f. Es bleibt hier nur uͤbrig, uͤber das Verfahren bei der Futterung ſelbſt und über die Wartung zu reden. Ein zur Sommerfütterung bequem eingerichteter Stoll erleichtert die Sache ſehr, und diejenige Einrichtung, welche ich in Bergens Anleitung zur Viehzucht empfohlen habe, ſcheint mir noch immer die zweckmaͤßigſte zu ſeyn; indem das gruͤne Futter dabei ſehr verbreitet liegt, und dem Vieh auf die bequemſte Weiſe in kleinen Portionen herabgeworfen werden kann. Einige haben die grune Semmerfutterung dem Viehe im Freien zu geben angemeſſener gehalten, und deshalb einen Hof eingezaͤunt, der rings umher mit Krippen und Raufen verſehen war, in welchem das Vieh frei herumging. Sie meinten die freie Luft und Bewegung wuͤrde dem Vieh zuträglicher ſeyn, als das beſtändige Stehen im Stalle. Die Erfahrung aber hat dieſe Methode nicht bewährt, keine Vorctheile, aber manche Nachtheile gezeigt. Letztere beſtanden hauptſäͤchlich darin, daß das Vieh ſich zu heftig zum Futter draͤngte, ſich ſtieß und daß die ſchwächeren und furcheſameren Thiere von den andern ganz abge⸗ ſtoßen wurden. Auch verlor der Miſt. Daß die Stallluft und das beſtaͤndige Stillſtehen der Geſundheit des Viehes nachtheilig ſeyn moͤchte, konnte man der Theorie nach mit Recht beſorgen. Die Erfahrung aber hat es nun genugſam gelehrt, daß dies keinesweges der Fall ſey, ſondern daß das Vieh bei einer ge⸗ hörigen Behandlung beſtaͤndig geſund und ſehr milchreich bleibe und ein hohes Alter etreich, ſelbſt in einigen Faͤllen, wo es durchaus nicht aus dem Stalle kam. Ernaͤhrung des Rindviehes. 337 kam. Jedoch hat es keinen Zweiſel, daß es ihm beſſer ſey, wenn es täglich zweimal zum Ausmiſten, Tränken, und wo moͤglich zum Schwemmen ausge⸗ laſſen wird. Die Viebſtaͤnde muͤſſen uͤbrigens ſo angelegt werden, daß ſie nach Ver⸗ haͤltniß der Groͤße einen geraͤumigen Stand haben, und dieſer wo moͤglich eine hinlängliche Tiefe, damit der Miſt unter dem Vieh weggenommen, und hinter ſolches an die Wand angehaͤuft werden koͤnne, und daß dennoch ein freier Gang hinter dem Viehe bleibe. Er muß gleich hinter dem Viehe mit einem Abzugskanale verſehen ſeyn, damit die große Menge von Jauche, die bei der reichlichen gruͤnen Fuͤtterung ſich erzeugt, von ſelbſt abfließe oder ausgeſpuͤhlt und ausgefegt werden koͤnne. Je nachdem man ſtärker oder ſchwaͤcher einſtreuet, wird ſich die Menge des flͤſſigen Miſtes vermindern oder vermehren; doch wird man ſelten im Stande ſeyn, ſo ſtark einzuſtreuen, daß das Stroh ſie ſammtlich aufnehme. Hierzu wuͤrden taͤglich 15 und mehr Pfund Stroh auf den Kopf erforderlich ſeyn. Daß man bei gut eingerichteten, gediehlten, mit hinlaͤnglichen Abzuͤgen verſehenen, und durch Fegen tein gehaltenen Staͤnden, auch ohne alles Stren beſtehen konne, lehrt das Beiſpiel der Niederlaͤnder, Rheinlaͤnder und Schwei⸗ zer, und ſelbſt verſchiedener Kolonien bei uns, die aus jenen Gegenden hierher verpflanzt ſind. Das Vieh wird dabei am allerreinlichſten erhalten, wo aber kein Strohmangel iſt, wird das Einſtreuen, der Miſtgewinnung wegen, doch immer den Vorzug verdienen. Der Stall muß hinlaͤnglich mit Fenſter⸗ oder Ladenoffnungen verſehen ſeyn, die zur Einlaſſung des Lichts und der Luft geoͤffnet oder geſchloſſen werden. 5. 38 Man haͤlt den Klee mehrentheils fuͤr das einzige Sommerfuͤtterungsmit⸗ tel. Dies iſt er aber keinesweges, und darf es nicht ſeyn, wenn man naͤm⸗ lich die Stallfuͤtterung nicht auf wenige Monate beſchraͤnken, ſonders beſtaͤn⸗ dig durchfuͤhren will. Es iſt Sommerſtallfuͤtterung betrieben worden, ehe man den Klee einmal kannte. Daß er indeſſen in der Jahreszeit, wo man ihn haben kann, das beſte und wohlfeilſte Futterkraut ſey, hat keinen Zweifel. Er koͤmmt nur ſpäter, als man mit der gruͤnen Fütterung anfangen ſoll, fehlt Vierter Theil. Uu Kleefuͤtterung und andre gruͤne Fütte⸗ rug⸗ 338 Ernährung des Rindviehes. dann zwiſchen dem erſten und zweiten Schnitte, und auch wieder zu Ende des Sommers. Deshalb muß man bei einer wohlgeordneten Stallfuͤtterung auf andre grune Fuͤtterungen, die dem Klee zuvorkommen und dazwiſchen ein⸗ Zum erſten gruͤnen Futter paßt ſich nichts beſſer als Winterraps und Ruͤbſen, welcher zu dem Ende im vorigen Jahre ausgeſaͤet worden. Dann folgt der ebenfalls dazu ausgeſäete Rocken; beides auf einem Theile desjenigen 5 des, was Wurzelgewächſe oder etwa ſpaͤte Wicken tragen ſoll; weswegen es nach der gruͤnen Aberntung fogleich umgebrochen wird. Die Beſtellung derſel⸗ ben koſtet nichts weiter als den Samen und die Ausſaat. Auf ſtarken Weizen⸗ feldern kommt die Weizenſchroͤpfe zu Huͤlfe. Dann iſt die Luzerne maͤhbar, die immer eine vorzuͤgliche Stuͤtze der Stallfuͤtterung iſt. Nun faͤngt der Klee an ſich zu roͤthen, und hat den Zeitpunkt erreicht, wo er am vortheilhafteſten ge⸗ futtert werden kann. Wenn ſein erſter Wuchs zu hart zu werden anfaͤngt, ſo treten die Wicken und das Wickengemenge ein, welche nur durch ein groͤßeres Luzernefeld bei der Sommerſtallfuͤtterung entbehrlich gemacht werden koͤnnen. Auch kann ſchon Spoͤrgel vorhanden ſeyn. Dann iſt der Klee zum zweiten Schnitte herangewachſen, und wenn dieſer vielleicht nicht ergiebig genug ware, oder man ihn zum fruͤheren Umbrechen zu Heu mähen wollte, ſo muß ein ſpä⸗ ter geſäetes Wickengemenge, Buchweizen, fruͤh geſäͤeter Winterraps, Spoͤrgel, und der dritte Schnitt der Luzerne eintreten. Mit einem etwanigen dritten Schnitte vom Klee, vierten Schnitte von der Luzerne und vorgenceanten einjäh⸗ rigen ſpäter geſaͤeten Futtergewaͤchſen reicht man bis zu Ende Septembers aus, da dann das Vieh von den Blättern des Kohls, der Runkeln, der Ruͤben, und auch wohl vom Kraute der Kartoffeln reichliche Nahrung bis gegen Ende Oktobers hat, und vielleicht nur einer geringen Zufutterung von Heu und Auf die Weiſe kann man die gruͤne Stallfuͤtterung volle 6 Monate betrei⸗ ben, und folglich eben ſo lange, oder länger, wie mit der Weide ausreichen. Indeſſen findet man es oft rathſam, das Vieh einey Theil des Tages ausgehen zu laſſen, ſobald eine nahrhafte Stoppel auf den Getreidefeldern, beſonders denen, worunter Klee geſaet war, oder auf einem zweimal gemaͤhten Kleefelde, Fel⸗ Ernaͤhrung des Rindviehes. 339 welches uberliegen ſoll, vorhanden, und fuͤr das andere Vieh uͤberfluͤſſig iſt. Man giebt dabei dann nur einige ſchwache Futter auf dem Stalle, und treibt dann das, was man halbe Stallfuͤtterung nennt. §. 39. Die halbe Stallfuͤtterung, wobei das Vieh einen Theil des Toges Halbe Stal⸗ zugleich weidet, iſt bei manchen ſehr beliebt, und gewiſſen Wirthſchaftsverhaͤlt⸗ fütterun. niſſen vorzuglich angemeſſen; z. B. wenn ein Weideanger vorhanden iſt, der wegen Gefahr der Ueberſchwemmung, oder aus anderen Urſachen nicht anders, aßs zur Weide benußt werden kann, aber doch nicht zureicht, den gehoͤrigen Viebſtand kräftig zu erhalten. Aus der Urſache findet man die halbe Stall⸗ fuͤtterung haͤufig und hoͤchſt zweckmaͤßig in den Gegenden an der Elbe, Weſer und andern Stroͤmen, wo ſie nicht eingedeicht ſind, oder wo hinter dem Deiche fruchtbares, aber der ueberſchwemmung ausgeſetztes Außenland liegt. Durch dieſe Wechſelung wird allerdings der Appetit des Viehes gereizt, es frißt mehr, und giebt mehrere Milch, vorausgeſetzt, daß die Weide gut ſey; denn bei einer ſchlechten kann es die durch die Stallfuͤtterung erzeugte Milch nur vergehen, und man ſchadet ſich oft weſentlich, wenn man das Vieh bloß aus⸗ treibt, um eine ſchlechte Weide doch zu benutzen. §. 40, Nur bei ganz kleinen Wirthſchaften ſollte das Einholen des gruͤnen Futters Einholen des durch Mägde in Tragekoͤrben nur geſchehen; indeſſen findet man zuweilen, daß vutters. die Magde es bei 20 und 30 Stuͤcken thun muͤſſen. Ich halte dies auf allen Fall für unwirthſchaftlich⸗ Zuweilen läßt man es von den Ackerpferden einholen. Wenn ſie des Mor⸗ gens ausgehen, ſo bringen ſie den Futterwagen nach dem Felde hin, und wenn ſie Mittags und Abends zu Hauſe kommen, ſo holen ſie den beladenen Futter⸗ wagen ab. Dies aber ſcheint mir viele Zeit zu verſplittern, und Unordnung zu veranlaſſen. Die Kuͤhe können wechſelsweiſe das Futter ſelbſt einholen, und man kann wenigſtens einen Theil derſelben ſehr leicht daran gewoͤhnen. Weit entfernt, aß dieſe kleine Bewegung ihnen und ihrer Milchergiebigkeit nachtheilig ſeyn ſollte, hat man immer gefunden, daß es ihnen trefflich bekomme. Oder aber Uu 2 340 Ernaͤhrung des Rindviehes. man nehme ein oder zwei Ochſen, die man zum Herbſte feit haben will, dazu. Sie werden ſtark dabei freſſen, wenn ſie nach dem Futterfelde hin, und ven da nach dem Stalle wieder zuruͤckkommen, aber die Maſtung wird das Futter bezahlen. Die dazu taͤglich gebrauchten Ochſen gewaͤhren den Vortheil, daß ſie der Sache bald ſo gewohnt werden, um allein mit dem Futterwagen nach dem Felde hin und wieder zuruͤckgehen zu koͤnnen. Wenn die Arbeit des Futtermaͤhens und Einholens in eine gute Ordnung gebracht worden, ſo macht ſie bei einem Viehſtande von ungefaͤhr 40 Stuͤcken nicht mehrere Menſchen als die Weide noͤthig. Denn das Maͤhen und Ein⸗ holen des Futters kann ein Mann, der ſonſt den Kuͤhen auf der Weide ſol⸗ gen muͤßte, ſehr gut verrichten. Die Milchmaͤgde helfen beim Vorlegen des Futters, und dieſe ſehr kleine Arbeit wird durch die Erſparung des Weges nach der Weidekoppel und des muͤhſameren Melkens ſehr reichlich erſetzt. Die Ausräumung des Miſtes wird man ſehr gern auf Rechnung der Duͤngerpro⸗ duktion ſetzen. 6 Manche halten das Schneiden des Klees fuͤr unumgaͤnglich noͤthig, wodurch die Arbeit betraͤchtlich vermehrt wird. Meines Ermeſſens iſt dieſes aber, auße in den erſten acht Tagen, wo das Vieh von der duͤrren Fuͤtterung zur gruͤnen uͤbergehet und dieſe nur ſparſam aber kraͤftig iſt, ganz uͤberfluͤſſig. Man will damit Futter erſparen; thut man das aber, ſo geſchieht es auf Koſten des Milch⸗ ertrages. Man glaubt dadurch zu verhindern, daß das Vieh das lange gruͤne Futter nicht herumſchleudere, wie es gewoͤhnlich in der Fliegenzeit geſchiehet; aber das wenige, was ſo verworfen wird, iſt wirklich unbedeutend, und wird nach meiner Beobachtung uͤberwogen durch das, was als Haͤckſel umkommt, und von dem Viehe in den Krippen zuruͤckgelaſſen wird. Das zu Haͤckſel ge⸗ ſchnittene Futter erhitzt ſich ſehr ſchnell, und wird dadurch gaͤnzlich verderben. Das vom langen Klee beſorgte Aufblaͤhen hat nicht die geringſte Geſahr, wenn das Vieh ordentlich gefuͤttert wird, und man es nicht bald hungern laͤßt, bald ihm uͤberfluͤſſig vorwirft. Seit 26 Jahren, daß ich Stallfuͤtterung betreibe, iſt mir noch nicht ein einziges Mal ein Stuͤck Vieh bei der Kleefuͤtterung aufgeblaͤhet. Wahr iſt es, daß der lange Klee zuweilen das Vieh zu ſehr zum Ernaͤhrung des Rindviehes. 341 Purgiren bringe, und daß man dies verhuͤte, wenn man ihn mit Stroh ſchnei— den läͤßt. Aber man kann dies eben ſowohl verhuͤten und mindern, wenn man dem Viehe langes Stroh vorgiebt; es frißt ſelbiges mit Begierde, wenn durch die ſaftige gruͤne Fuͤtterung ihm die Gedaͤrme erſchlafft ſind. Sehr gu iſt es in ſolchen Faͤllen, auch Morgens ein Heufutter zu geben. §. 42 Bei der gůtterung ſelbſt iſt es von Wichtigkeit, daß das Vieh Futkeroid nicht zu ſchnell hintereinander freſſe, was es immer thun wuͤrde, wenn man ihm ſeine Mahlzeit auf einmal gaͤbe. Jede Mahlzeit, deren in der Regel taglich drei gegeben werden, muß man daher wieder wenigſtens in drei Theile theilen und alle Stunde eine geben. Z. B. Morgens um§, um 6 und um 7 Uhr, Mittags um 12, um 1 und um AUhr, Abends um 7, um 8 und um 9 Uhr. §. 43. Das Traͤnken des Viehes muß in den Zwiſchenzeiten, und nicht unmit⸗ telbar nach dem Fuͤttern geſchehen. Vormittags gegen 11 Uhr, Nachmittags gegen 6 Uhr. Gutes Teichwaſſer iſt dem Viehe mehrentheils angenehmer, wie Fluß⸗ und Brunnenwaſſer. Wo es einigermaßen zu bewerkſtelligen iſt, da mache man Anſtalt zu ei⸗ ner Schwemme, um das Vieh taͤglich zweimal durchzutreiben. Es iſt nichts was das Pieh im Sommer ſo erfriſcht, ſo geſund erhaͤlt und ſo reinlich. §. 44. Es muß ſo viel Klee und anderes gruͤnes Futter angebauet werden, daß man in jeder Periode ſicher genug ſey und Ueberfluß habe, damit es auch Bedarf beim Mißwachſe des einen oder des andern nicht fehle. Sobald man bemerkt, Snſur daß Ueberſchuß da ſey, und beſorgen muß, daß es zu hart ſe werde, muß man es zu Heu mähen laſſen und zu einer anderen Futterung uͤbergehen. Wie viel an Fl cheninhalt auf einen Kopf von jedem Sze kraut komme und gerechnet werden muͤſſe, laͤßt ſich auch nicht ungefaͤhr beſtimmen; da der Ertrag eines Feldes ſo verſchieden ſeyn, und in einem Jahre leicht das dop⸗ pelte von der Landflaͤche erfordert werden kann, die im andern zureichte. Auf gu⸗ tem Gerſtboden wird man mit einem Morgen Futterkräuter auf den Kopf im Durch⸗ ſchnitt ausreichen, und ich weiß Faͤlle, wo man mit 100 zwoͤlffuͤßige Quadrat⸗ Trockene Sommerfuͤt⸗ terung. 341 Ernoͤhrung des Rindoiehes. ruthen auskam. Aber es iſt doch immer rathſam, daß man auf gutem, fur utterkräuter geeignetem Boden zu 1 ½ Morgen ſeinen Anſchlag mache, und auf mißlicherm zu2 Morgen. Nur ſelten wird man dann zwar alles gebran⸗ chen, aber dabei iſt kein Verluſt. Und iſt man einmal ſo weit gekommen, daß man einen Heuvorrath zum kuͤnftigen Sommer uͤbergeſpaart hat, wohin man bei guten Kleejahren leicht gelangen kann, ſo braucht man weniger auf den Kopf zu berechnen, und kann ſeinen Viehſtand um ſo mehr vergroͤßern, denn jener Vorrath hilft immer aus. Und dem Vieh iſt es ſehr angenehm und wohlthätig, trockenes Futter mie gruͤnem abwechſelnd zu erhalten. F. 4b Es haben einige die Sommer⸗Stalfuͤtterung ganz mit trockenem Futter, groͤßtentheils Kleehen, betrieben, und dieſe Methode ſehr empfohlen. Es haͤlt aber erſtlich ſehr ſchwer, ſich in einen ſolchen Vorrath von Heu zu ſetzen, der ſo lange reicht, bis man das neue Heu wieder fuͤttern kann— was durch⸗ aus nicht geſchehen darf, bevor es voͤllig ausgeſchwitzet hat.— Ferner iſt das Heumachen doch wohl koſtſpieliger und mit mehrerem Riſiko verbunden, als die gruͤne Abfuͤtterung. Auch ſcheint es mir in Anſehung der Aufbewah⸗ rungsorte, da naͤmlich das ältere Heu zuerſt gefuͤttert werden muß, große Schwierigkeiten zu haben. Und endlich iſt es ſehr wahrſcheinlich, daß ſich eim Heumachen nicht bloß die wäſſcigen, ſondern zugleich auch andere wohl⸗ thaͤtige Theile mit verfluͤchtigen, und manche Stoffe eine andere Verbindung eingehen. Genaue komparative Verſuche, ſo wie ſie ſeyn ſollten, haben wir auch hieruͤber nicht, aber doch manche Bemerkungen, die es ſehr glaublich machen, daß dieſelbe Maſſe gruͤn verfuͤttert, beſonders dem Milchviehe ge⸗ deihlicher ſey, als wenn ſie gedoͤrrt worden. Die im gruͤnen Pflanzenſafte enthaltene Nahrung wird nach aller Wahrſcheinlichkeit beſſer in's Blut über⸗ gehen und ſich mit den Säften vermiſchen, als wenn ſie erſt durch fremdes Waſſer wieder aufgelößt werden muß. Auf keinen Fall wird die Milch und Butter von trockener Fuͤtterung den angenehmen Geſchmack, wie von gruͤner erhalten. Auch iſt es bemerklich genug, daß alles Vieh das gruͤne Futter dem gedorreten vorziehe, ob es gleich letzteres zur Abwechſelung gern frißt. Die Stallfutterung der Ochſen mit Heu mag aber wohl ihre Vorzuͤge haben. Ernaͤhrung des Rindviehes. 343 Man hat zur Empfehlung der trockenen St Beſorglichkei⸗ ten mancher Art gegen die gruͤne Fütterung angefuͤhrt, die ganz unbegruͤndet ſind. So warnt man gegen das des naſſen und vornaͤmlich des bethauten Futters. Dies iſt aber, meiner Erfahrung gach, voͤllig unſchädlich wenn man es nur nicht zuſammen ehänſt, und durch ſeine eigene Scht niederdruͤckend ſo lange liegen läßt, daß es ſich zu erhiben anfängt. Der Futter⸗Vorrathsplatz muß entweder ſo geraͤumig ſeyn, daß es duͤnn ausge⸗ breitet werden koͤnne, oder man muß es nur bei Quantitaͤten, die auf eine Mahlzeit zureichen, einhohlen. Bei feuchtem Wetter ſchadet es durchaus nichts, wenn es auch einige Tage in Schwaden auf dem Felde liegt. §. 46. Jungen, vor der Bluͤthe gemaͤhten Klee habe ich nie gefährlich gefun⸗ Zeit des Kle⸗ den, wenn er maͤßig gegeben wird. Wenn man ihn aber dem, nach gruͤnem Futter anfangs ſo begierigen Viehe im Uebermaaß vorwirft, oder es etwa zu dem Futtervorrathe kommen und eilig davon freſſen laͤßt, ſo kann es ſich al⸗ lerdings eine Unverdaulichkeit mit ihren Folgen, der 2 Wirthſchaftlich iſt es aber freilich nicht, den Klee, bevor er Bluͤtheknospen ausgetrieben hat, zu maͤhen, weil er in den acht Tagen, wo er dies thut, in⸗ Maſſe mehr zunimmt, als in den vorherigen fuͤnf Woch Kleeflaͤche ſechs Wochen hindurch alle 14 Tage einmal mähet, und jedesmal 30 Pfund jungen Klee, in Summa go Pfunt ſelben Fläche 600 Pfund, wenn man ihn nach Wenn man eine maͤhet, wie ein daruͤber angeſtellter Verſuch entſcheident Dies iſt eine der Haupturſachen, warum eine 7 Abmaͤhen einen ſo viel hoͤheren Ertrag, als durch die Pflahzen nicht zu ihrer Entwickelung kommen laͤßt — der Stallfuͤtterung oder bei der ohne che ſie ihrer Nahrung gebrau Milch ge be, wird ſich nim⸗ im Allgemeinen uſe i. Dieſelbe Kuh, welche auf einer guten gewoͤhnlichen Weide 10 Milch taͤglich giebt, kann bei der Stallfuͤtterung, wenn ſie ſpaͤrlich iſt, vielleicht nur 6— bei einer reichlichen aber 14 Quart Milch geben. Wenn man indeſſen die uͤppigſte und — 6 Vortheil der Molkerei. 344 Ernaͤhrung des Rindviehes. reichlichſte Weide, ſo daß ſie von dein darauf gehenden Viehe nicht bezwun⸗ gen werden kann, vorausſetzt, ſo glaube ich, daß der Milchertrag einer Kuh dabei groͤßer ſeyn kann, als bei der allerſtäͤrkſten grunen Stallfuͤtterung, die man geben kann. Wir haben glaubhafte Verſicherungen, daß einzelne Kuͤhe auf den vorzuͤglichſten und milchreichſten Marſchweiden 90 bis 100 Pfund Mitch in ihrer beſten Milchzeit gegeben haben. Bei der Stallfuͤtterung weiß ich kein beſtimmtes Beiſpiel, wo eine Kuh uͤber ſechzig Pfund in einem Tage ge⸗ geben haͤtte. 5. 47. Bei der Verſchiedenheit der Ragen und der Individuen, bei der ſo un⸗ gleichen Ernaͤhrungs⸗ und Verpflegungsart, bei der verſchiedenen Behandlung und Benutzung des Molkereiweſens, und dem ungleichen Preiſe dieſer Pra⸗ dukte, läßt ſich durchaus nichts Allgemeines uͤber den Ertrag und noch weni⸗ ger uͤber die Geldbenutzung einer Milchkuh ſagen. Wir haben evidente Bei⸗ ſpiele, daß eine Kuh unter einem ſehr induſtrioͤſen Betriebe jaͤhrlich auf 200 Rthlr. und mehr in der Naͤhe volkreicher Stadte benutzt worden ſey, und andere, wo vielleicht der ganze Molkenertrag einer Kuh nicht 5 Rthlr. beträgt. Es giebt allerdings Falle, wo die Nutzung einer Kuh den Werth, ſelbſt des angekauften Futters betrachtlich uͤberwiegt, aber dies wuͤrde unter den gewoͤhnlichen ländlichen Verhaͤltniſſen ein ſeltner Fall ſeyn. Die Rech⸗ nung kömmt jedoch anders zu ſtehen, wenn man das Futter nicht zu ſeinem Markt⸗, ſondern zu ſeinem Produktionspreiſe berechnet, was in den meiſten Verhaͤltniſſen geſchehen muß, da man den Marktpreis unmoͤglich benutzen kann. Die Verhaͤltniſſe ſind aber hier ſo mannigfaltig, daß außer dem, was in Ruͤckſicht dieſer Verhaͤltniſſe bereits an einem andern Orte geſagt worden, niches hinzugefuͤgt werden kann. Der Brutto⸗Ertrag einer Kuh, d. h. ohne Abzug des Futters, der Weide und der Wartung, jedoch auch ohne Anrech⸗ nung des Duͤngers, ſchwankt, wenn wir die ganz kargliche und die ſehr reich⸗ liche Verpflegung ausnebmen, zwiſchen 10 und 30 Rthlr. Der mittlere Er⸗ trag einer Kuh wird bei gut eingerichteten Wirthſchaften im Durchſchnitt ihrer Milchzeit von 40 Wochen oder 280 Tagen zu 4 Quart taglich angenommen werden Ernaͤhrung des Rindbiehes. 343 werden können,= 1120 Quart. 12 Berliner Quart geben im Durchſchnitt 1 Pfund Butter; eine Kuh alſo 93½ Pfund jaͤhrlich. Das Pfund Butter à 6 Gr... 23 Rthlr. 8 Gr. Käſe und Molkenwerk 12 Quart zu 2 Gr. Sechnen l Gr. 8 Pf. —= 31 Rchlr. 2 Gr. 8 Pf. 7 Rthlr. 8 Gr. 8 Pf. werden etwa auf die ſaͤmmtlichen Wartungs⸗ und Molkereikoſten abzurechnen ſeyn, welche ein Viehpaͤchter, falls man die Mol⸗ kerei verpachtet, uͤbernimmt. 24 Rthlr. wuͤrde alſo der hoͤchſte Pachtpreis ſeyn, welchen ein Paͤchter fuͤr Kuͤhe von dieſem Molkenertrage geben koͤnnte, wobei er dann aber keinen Vortheil haͤtte. Deshalb ward er auch nur in den Jah⸗ ren, wo die Butterpreiſe betraͤchtlich hoͤher geſtiegen waren, nur hin und wie⸗ der gegeben. In Wirthſchaften jedoch, welche ſich durch ihre Kuhhaltung und Weide auszeichnen, kann der Brutto⸗Ertrag einer Kuh, ſelbſt nach Abzug der Wartungs⸗ und aller Nebenkoſten, wohl auf 35 Rthlr. bei oben angenomme⸗ nem Butterpreiſe getrieben werden. Man hat geſagt, daß eine beſſere Haltung der Kuͤhe wohl einen hoͤheren Ertrag gebe, aber die hoͤheren Koſten wuͤrden dadurch nicht bezahlet; es ſey z. B. nicht rathſam, Heu fuͤr die Kuͤhe anzukaufen. Es kommt aber auf die Lokalitat an, und der Marktpreis des Heues iſt um vieles hoͤher, als wofuͤr ich Heu oder ein Surrogat deſſelben in der Regel ſelbſt erzengen kann. Wenn mir ein Scheffel Kartoffeln, aufs hoͤchſte berechnet, 2 Gr. zu produziren ko⸗ ſtet, und 4 Scheffel, einer Kuh taͤglich gegeben, mir nur den Werth der Milch täglich um 1 Gr. vermehrt, ſo gewinne ich durch dieſe Benutzung auf den Scheffel 2 Groſchen. Dasjenige, was zur Erhaltung des Lebens einer Kuh noͤthig iſt, muß auf jedem Fall, ohne daß es weiteren Nutzen bringt, gegeben werden, das Uebrige macht erſt Milch⸗oder Fleiſch⸗Abſatz; daher kommt eigent⸗ lich das uͤber die Nothdurft gegebene erſt zu Nutzen, und daraus folgt, daß die Benutzung des Futters um ſo groͤßer wird, je hoͤher man damit ſteigt, je⸗ doch nur bis auf den Punkt, wo die Verdauungskraͤfte zureichen, das Futter in Saft und Blut zu verwandeln. Es folgt ferner daraus, daß es nie rath⸗ ſam ſeyn konne, mit dem Futter, welches zwei Kuͤhe vollkommen bezwingen Vierter 2hell, Er 5 346 Ernaͤhrung des Nindviehes. und verdauen können, drei Kuͤhe zu ernähren; welches doch noch gewoͤhnlich geſchiehet und immer geſchehen wird, ſo lange ſich die Meiſten von der Nutzungs⸗ berechnung des Viehſtapels nach der Kopſzahl nicht losmachen. §. 48. Staͤrke der Das Maaß der hoͤchſten und vortheilhafteſten Fuͤtterung einer Milchkuh laßt ſich ebenfalls nicht allgemein, ſondern nur nach der Rae, nach der Indi⸗ vidualität und nach dem Alter beſtimmen. Fuͤr eine ausgewachſene Kuh mitt⸗ lerer Art ſcheinen 18 Pfund Heu, wovon die Häaͤlfte vortheilhaft durch ſaf⸗ tige Wurzelgewaͤchſe erſetzt werden kann, oder 80 Pfund gruͤner Klee das an⸗ gemeſſenſte zu ſeyn. Große Kuͤhe koͤnnen aber mit Vortheil 25 bis 30 Pfund trocken und 112 bis 140 Pfund gruͤn erhalten. Daneben wird ihnen noch Stroh, ſo viel ſie freſſen wollen, gegeben. §. 49 · Altet der In dem Alter von 6 bis 7 Jahren ſind die Kuͤhe am ſtärkſten in der Füt Miich, und ſie koͤnnen bis zum 12ten Jahre, wenn fie erſt mit 3 Jahren ge⸗ kalbet haben, darin erhalten werden. Eine Kuh, die fehlerfrei iſt, mit dem 1oten Jahre, wie einige thun, abzuſchaffen, halte ich nicht fuͤr wirthſchaftlich. F. Ho. Die Mo kmrei iſt die haͤufigſte Benutzung des Rindviehes bei uns, und Maſtung wird gewoͤhn⸗ lich nur als eine Nebennutzung angeſehen. Wir werden erſt von jener und dann von dieſer reden. Die Molkerei wird benutzt durch friſchen Milchverkauf, durch Butter⸗ und durch Kaͤſemachen. §. 51. Verpachtuns Um der Aufſiche uͤber die Molkerei und ſelbſt der auf den Kuhſtall uͤber⸗ der Molkerl. haben zu ſeyn, und einen ſicheren baaren, wenn gleich geringeren Ertrag da⸗ von zu haben, hat die Verpachtung der Molkerei in manchen Gegenden bei faſt auf allen Gutern, in den Marken auf ſehr vielen, Viehpaͤchter, die man Hollaͤnder, und deshalb die Molkerei Hollanderei nannte. Die Verpachtung größeren Landwirthen allgemeinen Beifall erhalten. In Mecklenburg waren Die Molkerei. 347 geſchahe gewoͤhnlich nach Koͤpfen, und deshalb ſuchte man nur die Zahl zu ver⸗ mehren, wenn auch die Weide und Fuͤtterung deſto kaͤrglicher wurde, und dies iſt vielleicht ein Hauptgrund des ſchlechten Viehſtandes, den man hier antrifft. Es verlohr ſich das Intereſſe fuͤr das Milchvieh beim Landwirthe, und nur das Auge des Herrn macht das Vieh fett. Es entſtand ein doppel⸗ tes aber getheiltes Intereſſe auf dem Wirthſchaftshofe ſelbſt unter zwei Wirth⸗ ſchaftszweigen, dem Fruchtbau und der Viehzucht, die nur Hand in Hand ge⸗ hend fortſchreiten koͤnnen. War der Viehſtapel nicht ſehr groß, von hundert und mehreren Stuͤcken, ſo nahmen die Emolumente, die man dem Viehpaͤch⸗ ter anderweitig bewilligen mußte, einen großen Theil der Kuhpacht weg, wenn man ſie genau berechnete. Um der Aufſicht nicht uͤber den Kuhſtall ſelbſt, ſondern nur uͤber die Behandlung des Molkenweſens, welches nur von ſorgſamen weiblichen Haͤnden betrieben werden kann, uͤberhoben zu ſeyn, iſt es weit rathſamer, die Milch, ſo wie ſie von der Kuh kommt, einem Molkenabnehmer zumeſſen und zu ei⸗ nem billigen feſtgeſetzten Preiſe verkaufen zu laſſen. Hierbei ſind beide Theile geſichert, und beide behalten ein gemeinſchaftliches Intereſſe an Milchvieh und deſſem Ertrage. Unendliche Streitigkeiten fallen weg, und einer ſucht den an⸗ dern nicht zu vervortheilen, wenn es bei der Verpachtung nach Koͤpfen faſt immer der Fall in Anſehung des Futters zu ſeyn pflegt. Auf keinem Fall glaube ich, daß eine andere, als die letzte Verpachtungs⸗ art, mit einer wohlgeordneten Wirthſchaft beſtehen kann. §. 52. Das reine und verſtaͤndige Ausmelken der Kuͤhe muß genau beachtet werden, weil von der Vernachlaͤſſigung deſſelben der ſchlechte Ertrag der Molkereien haͤu⸗ fig abhaͤngt. Es iſt dabei eine ſtrenge weibliche Aufſicht und Belehrung der Milchmaͤgde in den Handgriffen noͤthig. Die Aufſeherinn muß, ſobald ſie an dem reinen Ausmelken Zweifel hat, ſelbſt nachmelken. Es iſt nicht die im Euter fuͤr das Mal zuruͤckgebliebene Milch, welche dieſe Muͤhe erfordert, ſondern der Nach⸗ theil der verminderten Milchabſonderung, welche dadurch entſtehet, und das Ueberhandnehmen der Nachläſſigkeit, wenn es nicht auf der Stelle geahndet wird. Fr2 Das Melken. Friſcher Milchverkanf. 348 Die Molkerei. Das Melken muß wechſelsweiſe aus allen vier Straͤngen geſchehen, wenn auch ein Strang keine Milch mehr geben ſollte. Iſt der Euter unrein geworden, ſo muß er vor dem jedesmaligen Melken ab⸗ gewaſchen werden, weil die geringſte in die Milch kommende Unreinigkeit einen Beiſchmack giebt und die Molkerei außer Credit ſetzen kann. Beſonders iſt dieß bei der gruͤnen Stallfuͤtterung zu beachten. Man hat Kuͤben mit einem Deckel ver⸗ ſehen, worin ſich Waſſer und ein Schwamm oder Lappen befindet, und welche die Maͤgde ſtatt des Schemels gebrauchen und mit ſich forttragen, damit es ihnen, wo noͤthig, nie an Waſſer zum Abwaſchen fehle. Wenn die Mägde klagen, daß eine Kuh nicht mehr ſo viele Milch gebe, daß es ſich des Melkens verlohne, ſo unterſuche man, ob dieſe Milch bei maͤßiger Er⸗ waͤrmung ſchon gerinne. Thut ſie das nicht, ſo muß man ſie zu melken fortfah⸗ ren, damit ſie ſich nicht an zu langes Trockenſtehen gewoͤhne. Vier Wochen vor dem Kalben iſt es jedoch jederzeit rathſam, mit dem Melken aufzuhoͤren, wenn die Kuh auch noch ein Quart Milch gäbe; ſie wird ſonſt zu ſehr angegriffen. Einige haben behauptet, man wuͤrde um ſo viel mehr Milch erhalten, je oͤf⸗ terer man melkte. Aber genau angeſtellte Verſuche haben das nicht beſtätigt, in⸗ dem ſich bei den meiſten ergeben hat, daß man eben ſo viele Milch erhalte, wenn man täglich zwei Mal, als wenn man drei oder vier Mal melkt. Andere haben zwar etwas mehr Milch erhalten, aber aus dieſer Milch nicht mehrere Butter. Nur in der Zeit, wo die Milchabſonderung am ſtaͤrkſten iſt und ſo, daß ſie der Eu⸗ ter nicht ſcheint faſſen zu koͤnnen, ſie vielleicht von ſelbſt ausſpritzet, muß drei Mal gemolken werden. Die jedesmal zuerſt kommende Milch iſt minder fett als die zuleßt kommende. Daß dieſes aber ſo ſehr verſchieden ſey, wie es einige angeben, davon habe ich mich nicht uͤberzeugen koͤnnen. Wo zum Theil Milch verkauft, zum Theil Butter gemacht wird, ſondert man zuweilen beide Theile und buttert nur aus letzterem. H. 53. Wenn Milch friſch verkauft werden ſoll, ſo kommt es darauf an, ſie in der niedrigſten Temperatur uͤber den Gefrierpunkt zu erhalten. Wird ftiſche Milch in einer Entfernung von eine bis zwei Meilen zur Stadt gebracht, ſo iſt es gewoͤhn⸗ lich die Abend⸗Milch, die man gleich nach dem Melken in kaltes Waſſer, manch⸗ Die Molkerei, 349 mal bei Eis ſetzt, und waͤhrend der Nacht transportirt, ſo daß ſie fruͤhmorgens in der Stadt ankommt. Näher bei der Stadt wird die fruͤh gemolkene Morgen⸗ milch noch hinzu gethan. Man hält dieß fur die vortheilhafteſte Molkerei⸗Benutzung. Auch iſt ſie es in der Regel, aber nicht ganz unbedingt. Sie erfordert Koſten, Weitlauftigkei⸗ ten und eine Aufſicht, die nicht jedes Landwirths Sache iſt. Am angemeſſenſten iſt es ohne Zweifel fuͤr dieſen, wenn er die Milch, ſo wie ſie von der Kuh kommt, an einem Milchhoͤker verkauft, der ſie abholet, dem er dann aber einen hinläng⸗ lich lohnenden Profit laſſen muß. Wo friſche Milch nach der Stadt verkauft wer⸗ den kann, da findet auch mehrentheils ein Abſatz von friſcher Tiſchbutter ſtatt, die ſo gut bezahlt wird, daß wenig Verluſt gegen den Milchverkauf dabei iſt. Auf dem Lande iſt friſcher Milchverkauf unbedeutend und nur die abgerahmte, ſaure und Buttermilch kann manchmal mit Vortheil verkauft werden. §. 54. ſes Geſchaͤft in allen Stuͤcken genau kennen und beachten. Ein gutes Molkenzimmer iſt eine weſentliche Bedingung. Geuöhnich nimmt man dazu ein Souterrain, weil ſich hier die erforderliche Temperatur beſſer erhalten laßt. Der Boden wird mit Steinplatten ausgeſetzt und ihm ein ſolcher Abhang nach einer Seite gegeben, daß das Waſſer, womit er immer nachgeſpuͤhlt und rein erhalten werden muß, in einem Reſervoir zuſammenfließe und ausge⸗ ſchoͤpft werden koͤnne. Der Molkenkeller muß gegeneinander uͤberſtehende Fenſter haben, damit die Luft durchaus erneuet werden und nirgends ſtocken koͤnne. Man legt dieſe Oefnungen gern ſo an, daß der Durchzug nicht bloß oberwaͤrts, ſondern auch nahe am Boden weggehe. Jedoch muͤſſen die niebrigen Hefnungen geſchloſ⸗ ſen werden koͤnnen, wenn etwa ein zu ſtarker Wind die auf dem Boden ſtehende Milch in Bewegung ſetzt. Er muß geraͤumig genug ſeyn, damit die Milchgefaͤße nebeneinander und nicht uͤbereinander— welches man wenigſtens in den ſorgfaͤl⸗ tigen Hollſteiniſchen Molkereien fuͤr nachtheilig haͤlt— geſetzt werden koͤnnen. Am beſten ſetzt man die Milchgefäße unmittelbar auf den Boden, weil hier die Temperatur am gleichmaͤßigſten erhalten werden kann. Eine gehoͤrige Temperatur iſt von großer Wichtigkeit zum vollkommenſten Um eine tadelloſe friſche oder ausdauernde Butter zu machen, muß man die⸗ Das Buttern. Gefäͤße. 350 Die Molkerei. Ausſahnen der Milch. Iſt die Temperatur zu hoch, ſo gerinnt die Milch, ehe ſich die Sahne zur Oberflaͤche herauf begeben hat, und dieſe wird darin verſchloſ⸗ ſen. In einer ſehr niedrigen Temperatur geht das Abſetzen der Sahne aber zu langſam vor ſich. Die beſte Temperatur iſt wohl zwiſchen 12 und 155, erſtere muß man im Sommer, letztere im Winter zu erhalten ſuchen. Die hoͤchſte Reinlichkeit der Gefaͤße und Geräthe nicht nur, ſondern auch der Luft iſt nothwendig, um eine rein ſchmeckende Butter zu erhalten. Es giebt keine Fluͤſſigkeit, welche darin delikater iſt wie die Milch; jede fremdartige Materie, jede Ausduͤnſtung kann ihr einen uͤblen Geruch und Beigeſchmack oder ſonſtige uͤble Qualitaten mittheilen. Das Langwerden der Milch hängt oftmals allein von einer dunſtig geworde⸗ nen Luft ab, obwohl es auch ſeinen Grund in der Kränklichkeit eines Thiers, die ſich der ganzen Milchmaſſe mittheilt, haben kann. Das Blauwerden der Milch oder das Entſtehen violetter Flecke hat in den bei weitem meiſten Faͤllen allein ſeinen Grund in einer verdorbenen Luft. Es iſt wahrſcheinlich eine Art von Schimmel, welcher ſich auf den Rahm, ſobald er an die Oberflaͤche kommt, abſetzt. Durch ſtarke Ausluftung nach vorhergegangener Raucherung mit Schwefel oder oxygeni⸗ ſirter Salzſaure des Kellers und der Gefäße iſt das Uebel nach vielen mir bekann⸗ ten Erfahrungen gehoben worden. Die Milch wird nach dem Ausmelken ſogleich 6 ein Seihetuch in die Aus⸗ rahmungsgefaße gegeben. Dieſes muß nicht von Wolle oder Leinen, ſondern von Haaren ſeyn und aufs ſorgfaͤltigſte rein erhalten werden. §. 55. Die Gefaͤße, worin die Milch zum Abrahmen gethan wird, ſind von Me⸗ tall, von Thon oder von Holz. Die metallenen, beſonders von Zinn, ſind nach mehreren Erfahrungen zum Ausrahmen der Milch die beſten, aber ſie ſind in grö⸗ ßeren Wirthſchaften zu koſtſpielig bei der Anſchaffung. Die thoͤnernen und por⸗ zellanenen laſſen ſich leichter rein erhalten wie die hoͤlzernen, aber ſie ſind zu ſehr zerbrechlich. Man hat ſie wohl mit Holz eingefaßt, um ſie dadurch haltbarer zu machen. Sie muſſen eine dauerhafte Glaſur, weil ſich ſonſt die geſäuerte Milch doch in den Thon ziehet, duͤrfen aber keine Bleiglaſur haben, weil ſauer werdende Milch doch etwas Blei, wenn gleich nur höchſt wenig auflöſen kann(ſo groß wie Die Molkerei. 351 ſie einige gemacht haben, iſt die Gefahr nach Weſtrumbs Verſuchen nicht). Glä⸗ ſerne und porzellanene Gefaͤße ſind zu koſtbar und nur zur Zierde. Die hoͤlzernen Gefaͤße ſind in groͤßeren Molkereien die gewoͤhnlichſten, und wenn ſie nur gehoͤ⸗ rig rein gehalten und ausgeluftet werden, auch wirklich tadellos. Man muß haupt⸗ ſaͤchlich verhindern, daß ſich ihnen kein ſaurer Gaͤhrungsſtoff mittheile, und deshalb muͤſſen ſie von Zeit zu Zeit mit Aſchenlauge ausge ſpuͤhlt, nach dem jedesmahligen Gebrauche aber ſogleich mit Waſſer und einer Buͤrſte ausgerieben werden. Ge⸗ woͤhnlich ſind ſie vom Boͤttcher verfertigt. Man hat aber auch Molden von leich⸗ tem Holze aus einem Stuͤcke gemacht, die jedoch unten abgeplattet ſind, damit ſie feſt ſtehen. Dieſe verdienen allerdings den Vorzug, theils weil ſie keine Fugen haben und alſo leichter rein zu erhalten ſind, theils weil ſie die groͤßte Oberflaͤche der Milch der Atmoſphare ausſetzen. Auf allen Fall muͤſſen die Milchgefaͤße zum vollſtaͤndigen Abrahmen moͤglichſt flach ſeyn, damit ſich die Sahne ſchnell an die Oberflaͤche begeben koͤnne. Tiefe und enge Toͤpfe ſind entſchieden nachtheilig und fehlerhaft. §. 56. Ueber die Zeit, in welcher die Sahne abgenommen werden ſoll, ſind die Mei⸗ Abnehmen nungen verſchieden. Einige laſſen die Milch erſt voͤllig gerinnen und ſauer wer⸗ den, weil ſie dann mehreren Rahmen zu erhalten glauben. Im Hollſteiniſchen aber, wo man die Kunſt des Buttermachens ohne Zweifel am meiſten ausſtudirt hat, iſt man entgegengeſetzter Meinung, und ſucht den Rahm zu erhalten, bevor die geringſte Saͤurung entſteht. Man giebt es als ein Zeichen an, daß der Rahm reif ſey, wenn man mit dem Meſſer hineinſticht und keine Milch hervorkommt. Es hat keinen Zweifel, daß man der letzteren Methode den Vorzug geben muͤſſe; denn es iſt ausgemacht, daß die Saͤurung nichts zur Abſonderung des Rahms beitrage, daß vielmehr nach derſelben keine Abſonderung mehr erfolge, und daß die Butter nicht nur friſch einen angenehmeren Geſchmack behalte, ſon⸗ dern auch auf die Dauer beſſer und von Bitterkeit befreiet bleibe, wenn ſie von ſuͤ⸗ ßem Rahme gemacht wird. Bei der geringſten Saͤurung ſcheint der Rahm kaͤſigte Theile anzuziehen; die abzunehmende Haut wird deshalb dicker und ſo glaubt man irrig, mehr wirklichen Rahm zu erhalten. Es kommt hier ſehr viel auf das rich⸗ tige Treffen des Zeitpunktes an, wo ſich der Rahm ſaͤmmtlich abgeſetzt hat und Butterfaß. 352 Die Molkerei. doch noch keine Spur von Saͤurung entſtanden iſt. Dieſer iſt nun nach der Tem⸗ peratur und der Beſchaffenheit der Atmoſphäre ſehr verſchieden. Bei einer Tem⸗ peratut von 1od koͤnnen 36 Stunden darauf hingehen, bei einer hoͤheren Tempera⸗ tur iſt er in 16 Stunden da, ja bei Gewitterluft kann er nach 12 und 10 Stunden eintreten. In den Hollſteiniſchen Molkereien wachen ſleißige Meyerinnen in ſol⸗ chen Zeiten des Nachts bei der Milch, um ſogleich die Magde mittelſt einer dazu beſtimmten Glocke herbeilauten zu koͤnnen, wenn dieſer Zeitpunkt eintritt, den ſie aus oben angefuͤhrten Zeichen hauptſaͤchlich abnehmen. Das Abrahmen geſchieht mit ſchaufelfoͤrmig geſtalteten hoͤlzernen Loffeln. Wenn der Rahm bald nach dem Abnehmen gebuttert werden kann, ſo iſt dieß am beſten, und in vollkommenen Molkereien wird nur der Rahm eines Tages zu⸗ ſammengemiſcht. In kleineren Molkereien, wo man nur um den anderen oder dritten Tag buttert, muß er in Steintoͤpfen möglichſt kuͤhl aufbewahrt werden⸗ 5. 56. Die Abſcheidung der Butter aus dem abgenommenen Rahme geſchiebt be⸗ kanntlich durch eine mechaniſche Bewegung, die auf verſchiedene Weiſe hervorge⸗ bracht wird. Man hat ſtehende Buttergefaͤße und tonnenförmige. Die letzteren haben entweder eine feſtſtehende Achſe, woran hoͤlzerne Fluͤgel befeſtigt ſind, um welche herum die in Schwung geſetzte Tonne umläuft, oder die Tonne liegt feſt und die mit Fluͤgeln beſetzte Achſe wird durch eine Kurbel umgedreht. Man hat die Tonnen mehr geruͤhmt, als ſie es verdienen, und um dies beurtheilen zu koͤn⸗ nen, auch uͤberhaupt um einzuſehen, was man bei dem Buttermachen zu beobach⸗ ten habe, iſt es noͤthig zu wiſſen, wie ſich die Butter bilde und abſcheide. Die Butter bildet ſich wirklich erſt: der fettige Theil der Milch iſt noch keine Butter und erhaͤlt erſt die butterartige Veſchaffenheit durch die Einwirkung der Luft auf die Sahne, oder durch die Einſaugung des Sauerſtoffgaſes. Deshalb muß zu dem Gefaͤße, in welchem die Bewegung des Rahms geſchieht, die Luft moglichſt freien Zutritt haben und oft erneuert werden. Es iſt durch direkte Ver⸗ ſuche erwieſen, daß der Sauerſtoff dabei das vorzuglich wirkſame Princip ſey, indem man gefunden hat, daß die Butter um ſo ſchneller erſcheine, je mehr die Luft mit dieſem Gaſe uberladen war, und daß dagegen beim b deſſelben, keine Butter zum Vorſchein kam. Daßer Die Molkerei. 353 Daher haben die ſtehenden Gefaͤße ſchon in dieſer Ruͤckſicht einen Vor⸗ zug vor den Tonnen, weil dieſe geſchloſſen werden muͤſſen, und der Sauer⸗ ſtoff der mit eingeſchloſſenen Luft leicht konſumirt wird; wogegen die ſtehenden Gefäße genug Luftzutritt behalten, und die Luft ſelbſt durch das Aufziehen und Niederſtoßen immer erneuert wird. Aber auch in anderer Ruͤckſicht ſind die Gefäße mit einem Stößel vor⸗ zuziehen; die durch die Luft zu Butter erhaͤrteten Hehleheile ſchwimmen noch in kleinen Partikeln in der Fluͤſſigkeit, und muͤſſen durch die Bewegung der⸗ ſelben einander genaͤhert werden, damit ſie ſich zu groͤßeren Klumpen zuſam⸗ menfuͤgen koöͤnnen. In den Drehtonnen iſt dieſe Bewegung nicht ſtark genug, indem dabei die ganze Fluͤſſigkeit zwar in einen Schwung kommt, aber nicht in ſich ſelbſt genug geruͤttelt wird. Bei den ſtehenden Butterfäſſern verur— ſacht aber der Stoß eine beſtändige Verſchiebung der Milchtheile, und da⸗ durch ein Beruͤhren der Buttertheile. Ueberdem haben die ſtehenden Faͤſſer vor den Drehtonnen noch den Vortheil, daß ſie leichter gereinigt werden koͤnnen. Da aber das Stoßen mit der Hand eine ſchwere Arbeit iſt, und bei einer großen Maſſe kaum ausgefuͤhrt werden kann, ſo hat man mannigfaltige Maſchinerien erfunden, wodurch das Auf⸗ und Riedergehen des Stoͤßels, der an den Armen einer ſich bewegenden Welle beweglich angebracht iſt, auf eine leichtere Weiſe bewirkt wird. Mehrencheils wird zugleich in zwei Faͤſſern ge⸗ buttert, ſo daß, wenn der Stoͤßel in dem einen niedergeht, er ſich in dem andern erhebt. Die Bewegung der Welle wird ihr entweder durch einen ſchweren Schwengel, der von zwei Perſonen hin und her geworfen wird, und einmal in Schwung geſetzt ſich ſehr leicht darin erhaͤlt, oder aber durch ein Schwungrad gegeben. In ganz großen Molkereien wird die Maſchine durch Pferde oder Ochſen in Bewegung geſetzt. Dieſe Einrichtung hat uͤberdieß den Vorzug, daß die Stoͤße taktmäßig erfolgen, wobei ſich die Butter beſſer ſormirt, als wenn die Bewegung bald geſchwind bald langſam geſchieht. §. 58. Auch beim Buttermachen iſt ein angemeſſener Waͤrmegrad etwas Weſent⸗ liches. Iſt der Rahm zu kalt, ſo ſind die Butterpartikeln zu hart und nicht klebrig genug, um ſich aneinander zu legen; iſt er im Gegentheil zu warm, Vierter Theil. Yy ——— — 354 Die Molkerei. ſo wird die Butter zu weich, die entſtehenden Klunpen zertheilen ſich bei der beftigen Bewegung wieder und gehen mit der Milch zuſammen. Fehlerhafte Temperatur iſt die haͤufigſte Urſach, wenn die Butter nicht werden will. Iſt der Rahm zu kalt, ſo muß das Butterfaß mit warmem Waſſer erwaͤrmt, auch etwas warmes Waſſer hinzugethan werden; iſt er zu warm, ſo muß man ihn in kaltem Waſſer, und wenn man es hat, durch Eis abkuͤhlen. Indeſſen giebt es auch andre urſachen, welche das Buttern ſehr erſchwe⸗ ren. Die Milch von hochtraͤchtigen Kuͤhen buttert ſich ſchwer. Durch etwas Zuſatz von Salz kann man zuweilen helſen, und es ſchadet wohl nicht, daß die Buttermilch dadurch etwas geſalzen werde. Ein Stuͤckchen Alaun, wel⸗ ches man in das Seihetuch thut, ſoll auch helfen. Man hat ein Pulver ge⸗ ruͤhmt aus dem getrockneten Kraute von Sauerampfer, weißen Andorn, Schaaf⸗ garbe, Brennneſſel, von jedem drei Haͤnde voll und 1 Pfund Schwefelblumen, wovon man auf das Stuͤck Vieh täglich dreimal eine Hand voll in 1 Pfund Biereſſig geben ſoll. Der Schwefel und der Biereſſig machen hier wohl nur die wirkſamen Theile aus. Wenn Zucker, Aſche oder Seife in den Rahm kommen, ſo verhindern ſie das Buttern. Der Poͤbel ſchiebt es auf Hexe⸗ rei und braucht dagegen, ſo wie gegen andre Milchfehler, aberglaͤubiſche Alfanzereien. Soll die Butter gefärbt werden, ſo giebt man die färbende Subſtanz mit ins Butterfaß. Gemeiniglich faͤrbt man bei uns mit Moͤhrenſaft, in Holland mit den Ringelblumen(Flores cabendulae), die man friſch abpfluͤckt, in einen ſteinernen Topf thut, zuſammenpreßt, feſt vermacht und im Keller aufbewahrt. Dunkler färbt man mit Orlean, den man, einer Erbſe groß, Abends vor dem Buttern in 30 Pfund Rahm thut. Nach der Abſonderung der Butter muß ſie ſogleich von den molkigten Theilen befreiet werden, indem dieſe ſchnell in eine Gaͤhrung kommen, die Butter anſtecken und ihr einen uͤblen Geſchmack mittheilen. In Hollſtein waͤſcht man die Butter nicht, ſondern knetet ſie mit großer Sorgfalt aus, und hält das Waſchen fur nachtheilig. Ich ziehe aber das Waſchen doch vor, wenn man es nur nachher genugſam wieder ausarbeitet; denn Feuchtig⸗ keit muß freilich nicht in der Butter bleiben. Diejenige, welche auf jeden Die Molkerei. 355 Fall zuruͤckbleibt, wird von dem Kochſalze eingezogen, wo ſie dann nicht mehr gaͤhren und Gährung befördern kann. Aus dieſer Urſache iſt wahrſcheinlich das Salzen zur längeren Erhaltung der Butter ſo nothwendig. Je minder die Butter gereinigt iſt, deſto mehe Salz bedarf ſie. Man uimmt 1 Pfund Salz auf§, 10 oder 20 Pfund Butter. Die Haupturſach, daß die Butter mit der Zeit einen uͤblen Geruch und Geſchmack bekommt, liegt ohne Zweifel in den Kaͤſetheilen, die in jeder But⸗ ter mehr oder minder zuruͤckbleiben und in einer Art von Fäulniß kommen. Je weniger darin ſind, deſto beſſer haͤlt ſie ſich. Um ſchlecht gereinigte But⸗ ter laͤnger zu konſerviren, ſchmilzt man ſie an manchen Orten, wo durch die käſig⸗ ten Theile ſich abſondern; indeſſen behaͤlt ſolche Schmalzbutter nie den lieb⸗ lichen Geſchmack der gewoͤhnlichen Butter, und wird nur in der Kuͤche an den Speiſen gebraucht. Beim Einſchlagen der Butter in Tonnen oder Toͤpfe muß man ſo viel moͤglich dahin rrachten, daß die Butter feſt zu liegen komme, und daß keine Zwiſchenràume in der Maſſe bleiben. An ſolchen Fehlſtellen geht die Butter beſonders leicht an, und von hier aus verbreitet ſich das Uebel durch die ganze Maſſe. In den großen Hollaͤndereien haͤlt man es fuͤr wichtig, daß ein gan⸗ zes Faß von einem Buttertage gefuͤllt werde, und daß nicht die von zwei oder mehreren in ein Faß zuſammen komme. §. 59. Die abgerahmte Milch wird auf mannigfaltige Weiſe benutzt: nebſt der Buttermilch zur Speiſe, zum Brod, oder es wird magerer Kaͤſe daraus ge⸗ macht, oder zum Schweinefutter, wozu auch auf jeden Fall die Molken ge⸗ braucht werden; worauf wir weiter unten zuruͤckkommen werden. Manchmal wird auch aus der ganzen unabgerahmten Milch gebuttert, und einige wollen dies vortheilhaft gefunden haben, beſonders wenn man nur die zweite Haͤlfte der Milch, die, wie oben geſagt, fetter iſt, dazu nehme. Solche Butter ſoll ſich aber nicht lange halten, und iſt, wegen ſtärkerer Vermengung mit kaͤſigten Theilen, minder fett. Yy 2 356 Kaͤſebereitung. Kaſebereitung⸗ §. 60. Die Bereitung preiswuͤrdiger Kaͤſearten erfordert mehrere Weitlaͤuftigkei⸗ ten und groͤßere Aufmerkſamkeit, als die Bereitung der Butter. Sie iſt aber in ſehr vielen Faͤllen ungleich vortheilhafter, und die Molkerei kann dadurch nicht ſelten bis zu einem doppelten Geldertrag bei uns gebracht werden, weil wir den guten Käſe bisher nur aus entfernten Gegenden und durch mehrere Haͤnde bekamen, und ihn daher um vieles theurer, als ſeine Produktionskoſten betrugen, bezahlen mußten. Es muß jedoch dabei erwogen und in Anſchlag gebracht werden, daß guter milder Kaͤſe 1 bis 12 Jahr liegen und aufbewahrt werden muͤſſe, bevor er eine annehmliche Handelswaare wird, und daß alſo in dieſem Vorrathe ein Kapital ſtecke, was, ſo wie der Aufbewahrungsraum, ver⸗ zinſet werden muß; ein Kapital, welches vielleicht wenige Wirthſchaften aus ſich ſelbſt eruͤbrigen koͤnnen. Die Kaͤſebereitungs⸗Methoden ſind unzaͤhlig verſchieden und hieraus entſteht groͤßtentheils die Verſchiedenheit der Käſe ſelbſt in Ruͤckſicht ihres Geſchmacks, ihres Geruchs, ihrer Conſiſtenz und Farbe. Daß die Weide des Viehes, deſſen Lebensart, das Clima bei einer voͤllig gleichen Behandlung den Kaͤſe verſchieden modifiziren koͤnne, ſo daß ein feiner Geſchmack einen Unterſchied an dem hier oder dort auf gleiche Weiſe bereiteten Käſe wahrnehmen koͤnne, hat wohl ſeine Richtig⸗ keit, da es ſelbſt in Gegenden, wo vieler Käſe gemacht wird, von einem benach⸗ barten Orte zum anderen als wahr angenommen wird und ſelbſt ein benachbarter Ort dem anderen eine Vorzuͤglichkeit ſeines Kaͤſes in diefer oder jener Ruͤckſicht zu⸗ geſteht, wenn er den ſeinigen wieder in anderer Ruͤckſicht ruͤhmt. Man ſchiebt die⸗ ſen Unterſchied dann faſt einſtimmig auf die Verſchiedenheit der Weide und gewiſſer darauf wachſenden Krauter. Indeſſen iſt es auch gewiß, daß die geringſte Abãän⸗ derung in der Bereitungsart, die hoͤchſt unbedeutend ſcheint, eine den Kennern bemerkbare Verſchiedenheit hervorbringt und daß die Wirthſchafterinnen an Or⸗ ten, deren Kaͤſe einen großen Ruf erlangt hat, gewiſſe Handgriffe ſehr geheim halten und ſie anderen nicht aufrichtig mittheilen. Dann iſt dieſe Verſchiedenheit oft nur ſehr feinen Zungen bemerkbar. — Kaͤſebereitung. 357 Wenn dieſe einmal an gewiſſe Käſearten gewoͤhnt ſind und durchaus verlan⸗ gen, daß nachgeahmter Kaͤſe vollkommen den Geſchmack und andere Eigenſchaften des Hriginalkaͤſes haben ſollen, ſo wird man ſie freilich ſchwer befriedigen koͤnnen. Dies iſt aber mehr eine auf Eigenſinn, als auf wirkliche Annehmlichkeit des Ge⸗ ſchmacks begruͤndete Forderung. Es laͤßt ſich wohl denken, daß wir Kaͤſe machen koͤnnen, der den beſten Cheſter Kaͤſe ln jeder Annehmlichkeit uͤbertrifft, wenn es gleich nicht völlig derſelbe wäre. Und geben wir dem Kaͤſe nur die Lieblichkeit, die man nach Verhaltniß ſeines Preiſes davon fordert, ſo wird es ihm am Abſatz nicht fehlen. Jedoch muß man beſonders im Anfange einer in Ruf gekommenen Kaͤſeart nicht nur in Anſehung des Geſchmacks, ſondern auch ſin Anſehung der Form und des Anſehns ſo nahe als moͤglich zu kommen ſuchen. 6. 61. Die unendliche Mannigfaltigkeit der Kaͤſe loͤſt ſich in folgende Eigenſchaften Hanptver⸗ und Naturen des Kaͤſes auf. 1) In Anſehung der Fettigkeit des Kaͤſes unterſcheidet man a. uͤberfetten Kaͤſe, wozu gewoͤhnlich die friſche Morgenmilch genommen und mit dem Rahm der letzten Abendmilch vermiſcht wird. b. fetten Kaͤſe, wozu bloß die Milch ſo wie ſie von der Kuh kommt ge⸗ braucht wird. c. magern Kaͤſe, wozu man nur die abgerahmte Milch nimmt. Es giebt hier indeſſen Gradationen von mehrerer oder minderer Fettigkeit, in⸗ dem man zu der erſtern Art mehr oder minder von dem Rahme zuſetzt und bei der letzten Art den Rahm voͤllig oder nur zum Theil ausſcheiden laͤßt und abnimmt. 2) Unterſcheiden ſie ſich in Suͤßmilchs⸗ und Sauermilchs⸗Kaͤſe, je nachdem man die Milch und den Rahm ganz friſch käſet oder beiden erſt einen groͤßeren oder geringeren Grad von Saͤurung erreichen laͤßt. 3) In gepreßten und ungepreßten Kaͤſe. Nur durch das Preſſen kann der Kaͤſe voͤllig von den Molkentheilen befreiet werden. Die Molkentheile aber ſind es, welche den Kaͤſe, wenn ſie in Gaͤhrung kommen, eine Schaͤrfe mittheilen und eine Neigung ſeine Conſiſtenz zu veraͤndern, und befonders'in feuchter Luft zu einer zaͤhen Feuchtigkeit zu zerfließen. Je ſorgfaͤltiger alſo durch mehrmahliges Umarbeiten der Kaͤſematerie zund wiederholtes anhaltendes Preſſen die Molken⸗ 358 Kaͤſebereitung. theile herausgeſchafft werden, um deſto milder und dauerhafter wird der Käſe. und die Mildheit des Gloſter⸗und Cheſter⸗Kaſes hangt hauptſaͤchlich von der wiederhol⸗ ten ſorgfäͤltigen Umarbeitung und Auspreſſung dieſes Kaͤſes ab. Der ſo behan⸗ delte Kaͤſe bekommt aber eine lederartige Zaͤhigkeit, wenn dieſe nicht durch viele Fettheile gemindert wird. Der unausgepreßte Kaͤſe muß entweder ziemlich friſch genoſſen werden, oder man läßt ihn zu einem gewiſſen Grad der fauligten Gaͤhrung kommen, arbeitet ihn dann um, preßt ihn aus, verſetzt ihn mit Rahm oder Butter und verhindert dann den Fortgang der fauligten Gaͤhrung, indem man ihn mit ſtark gehopftem Bier oder Wein in Tuͤchern einſchlägt, Hopfen oder andere aromatiſche Kraͤuter dazwiſchen legt und ſodann wieder trocknet. Auf die Weiſe erhalt man den bei manchem ſo ſehr beliebten ſcharfen und den Ma⸗ gen reizenden Kaͤſe. 4) unterſcheidet ſich der Kaͤſe nach der Art der Gerinnung und des Ge⸗ rinnungsmittels, welches man zuſetzt. Man laͤßt die Milch entweder erhitzt, oder in ihrer natuͤrlichen Tempe⸗ ratur von 26 Grad Kaͤlte, oder aber ſtärker abgekuͤhlt gerinnen.. Je waͤrmer die Milch, deſto eher gerinnt ſie von einer gleichen Quanti⸗ tät und Stärke des Gerinnungsmittels. Iſt die Milch aber zu heiß, und das Gerinnen tritt zu ſchnell ein, ſo wird der Kaͤſe zàhe. Je kuͤhler ſie iſt deſto zarter und feiner wird die Kaͤſemaſſe. Der Kaͤſe von langſam geronne⸗ ner Milch wird aber ſpater verkaͤuflich, wie der von ſchnell geronnener. §. 62. Die Gerinnung wird bewirkt durch bloße Erhitzung der Milch, wenn ſich in der Milch ſchon einige Saurung erzeugt hat. Dies findet aber nur bei dem ſau⸗ ren Milchskaſe ſtatt. Dann bringen alle Saͤuren bekanntlich eine ſchnelle Gerinnung der Milch hervor. Man bedient ſich zuweilen dazu der minerali⸗ ſchen Saͤuren, beſonders der Salzſaͤure, auch des Eſſigs und verſchiedener Vegetabilien, die entweder eine Saͤure oder den Gerbeſtoff in ſich enthalten: der Tamarinden, ſaurer Fruͤchte, der Eichen⸗, Weiden⸗ und Erlenrinde u. ſ. w. Das Galium verum iſt ſeit langer Zeit als ein vorzuͤgliches Gerinnungsmit⸗ Kaͤſebereitung. 359 tel angeruͤhmt worden und hat auch daher den Namen Labkraut erhalten. Man hat aber neuerlich dieſe Eigenſchaft in Zweifel gezogen. Am meiſten aber bedient man ſich des Magens ſaugender Kaͤlber,*b ſeines reinen Inhalts, und zwar des letztern der vier Magen. . 58. Die Bereitung und Conſetvation dieſes Kaͤlbermagens iſt nun ſehr verſchie⸗ Das Kaͤlber⸗ den und manche behaupten, daß, ſelbſt wenn die Behandlung ſich ſehr nahe magen⸗Lab. kommt, jede Verſchiedenheit doch einen großen Einfluß auf die Beſchaffenheit des Kaͤſes habe. In Ruf gekommene Kaͤſemacherinnen machen deshalb zuweilen ein Geheimniß aus ihrer Magenlab⸗Bereitung. Aus den beruͤhmteſten Kaͤſeprovinzen Englands, in Gloſter und Cheſterſhire hat uns Marſhall in ſeinen Beſchreibungen der Wirthſchaften von Gloceſter und der mittelländiſchen Grafſchaften die mannig⸗ faltigen Labproceduren erzählt, die er bei ſeinem in dieſer Abſicht verlaͤngerten Auf⸗ enthalt daſelbſt ausgekundſchaftet hatte, und dieſer Theil ſeiner Schriften verdiente auch in dieſer Hinſicht eine Ueberſetzung. Ich glaube indeſſen nicht, daß kleine Verſchiedenheiten einen ſo großen Einfluß auf die Beſchaffenheit des Kaͤſes haben koͤnnen, und Marſhall ſcheint am Ende ſelbſt auf dieſe Meinung zuruͤckzukommen. Eine der gebrauchlichſten Bereitungsarten iſt folgende: Man ſchneidet den Magen des mit Milch getraͤnkten Kalbes auf, und nimmt das Geronnene her⸗ aus. Letzteres wird von Unreinigkeiten, beſonders Haaren, gereinigt, und mit kaltem Waſſer gewaſchen, damit es voͤllig weiß werde. Darauf trocknet man es mit einem reinen Tuche ab, beſtreuet es, und reibt es mit Salz tuͤchtig ein. Nun wird auch der Magen in kaltem Waſſer gereinigt und mit Salz gerieben, und dann das Geronnene wieder hineingethan. Das Ganze giebt man in einen Topf und beſtreuet es mit Salz. Man thut ſo viel Magen zuſammen, als man etwa innerhalb vier Wochen erhalten kann. So muͤſſen die Magen ein Jahr in den Gefaͤßen liegen, und will man ſie nun gebrauchen, ſo oͤffnet man einen davon, ſchuttet das Geronnene heraus, und zerreibt es recht genau. Alsdann ſchlägt man drei friſche Eidotter hinein, und gießt dann ein kleines Glas gute Sahne hinzu. Nachdem alles wohl durcheinander geruͤhrt iſt, ſetzen die Meiſten ein we⸗ nig Gewuͤrz, Muskatennuß, Muskatenbluͤthe, eine Gewuͤrznelke, und etwas Sa⸗ fran, zu Pulver gerieben, dazu. Man thut dann die Maſſe wieder in den Ma⸗ 3 60 Kaͤſebereitung. genſack, und hängt ihn an einem reinlichen Orte auf. Man macht alsdann eine ſtarke Sohle von Waſſer und Salz, kocht ſie, laßt ſie ſtehen, bis ſie ſich abge⸗ kühlt hat, und gießt unter 4 Pfund 1 Loth Lab aus dem Magen, thut auch vier bis fuͤnf Wallnußblätter hinzu, und läßt dies vierzehn Tage ſtehn. Oder es wird ein junger Kaͤlbermagen und die darin befindlichen geronne⸗ nen Milchkloͤße gut ausgewaſchen, darauf der Magen gut eingeſalzen, und bleibt ſo drei Tage lang im Salze liegen. Alsdann ſiedet man fuͤnf bis ſechs Eier, bis ſie hart ſind, hackt ſie klein, und mengt ſie mit den Milchkloͤßen unter einan⸗ der, fuͤllt es wieder zuſammen in den geſalzenen Magen, hängt dieſen drei Wo⸗ chen in den Rauch, und hernach an die freie Luft. Zum Gebrauche ſchneidet man ein wenig davon ab, miſcht es mit etwas Milch, und gießt dieſes unter die andere Milch. Oder man nimmt drei bis vier Kaͤlbermagen und die Milchkloͤße heraus, und knetet ſie nach dem Waſchen mit einer Hand voll Gerſtenmehl, eben ſo viel ſriſchem Brod und Salz zuſammen. Die Maßen ſelbſt werden nicht einge ſalzen, ſondern nur klein gehackt, jene Maſſe damit gemengt, das Ganze in einen ſteinernen Topf gethan, oben und unten geſalzen, und an einem kuͤhlen Otte aufbewahrt. §. 6. Bereitung be⸗ Ueber die Bereitung der mannigfaltigen Kaͤſearten findet man Rachricht: vom Schweizer⸗Kaͤſe im dritten Hefte von Witte Deutſchlands Rindviehragen arten. vom Cheſter-Kaͤſe in Hermbſtaͤdts Archiv der Argrikultur-Chemie; vom Limbürger⸗Kaͤſe, Annalen des Ackerbaues Bd. Xl. S. 652.; von mancherlei Kaͤſearten in Kruͤnitz Encyklopädie Bd. XXMV.; Voß Anweiſung Rahm- und Fettkäſe, welche dem beſten Engliſchen und hollaͤn⸗ diſchen gleich kommen, zu bereiten. Altona 1807. Vollſtändige und deutliche Anweiſung zur Bereitung des beruͤhmten engliſchen Cheſter⸗Kaͤſes. Pirna 1803. Twamley Anweiſung engliſche Kaͤſe zu machen, aus dem engliſchen uͤberſetzt, mit Anmerkungen. Frankfurth a. M. 1787. Eigene Erfahrung habe ich über das Kaſemachen nicht, aber die uͤberzeugend⸗ ſten Beweiſe, daß man die beruͤhmteſten Kaͤſe auch bei uns, und zwar aus der Milch der auf dem Stalle gefuͤtterten Kuͤhe im Sommer und Winter ſo nach⸗ ahmen koͤnne, daß ſie hoͤchſtens nur die Zunge eines genauen Kenners zu unter⸗ ſcheiden Kaͤſebereitung. 361 ſcheiden vermoͤge. Und wenn man auch einen Kaͤſe hervorbraͤchte, der von dem bisher uͤblichen etwas verſchieden wäre, ſo koͤnnte er darum vielleicht nicht ſchlech⸗ ter, ſondern eben ſowohl beſſer ſeyn, wie derjenige, den man nachahmen will. Nur muß man nicht erwarten, Rahm⸗ oder Fettkaͤſe von abgerahmter Milch, mil⸗ den Kaͤſe ohne die ſorgfaͤltigſte Auspreſſung der Molken, muͤrben Kaͤſe ohne ge⸗ naue Wahrnehmung der Temperatur, und uͤberhaupt guten Kaͤſe nicht ohne Beob⸗ achtung der allerhoͤchſten Reinlichkeit zu Stande zu bringen. Man darf ſich durch einen mißrathenen Verſuch nicht abſchrecken laſſen, und muß bei allem Dauerkaͤſe das Alter, wo ſie eßbar werden, abwarten, und bis dahin alle der verſchiedenen Käſearten angemeſſenen Conſervationsmittel, wozu ein luftiger Käſekeller gehoͤrt, anwenden. Da das Ganze unter die weibliche Aufſicht gehoͤrt, ſo muß die Auf⸗ ſeherin ſich faſt leidenſchaftlich dafuͤr intereſſiren, und ohne dieſe Bedingung wird es ſelten gerathen. Die Maſtung des Rindviehes. 65. Es iſt eine in kornbauenden Gegenden ſehr eingewurzelte Meinung, daß die Vortheil der Rindviehmaſtung außer großen Branntweinbrennereien beſtimmt unvortheilhaft ſey. Maſtung. Aber dieſe Meinung iſt haͤufig ungegruͤndet. Ort⸗ und Zeitverhaͤltniſſe koͤnnen ſie mehr oder minder vortheilhaft gegen andre Viehhaltung machen. Man legt die Berechnungen, woraus man ihre Unvortheilhaftigkeit beweiſen will, unrichtig an, indem man die Fuͤtterungsmittel dem Maſtvieh nach dem Markt⸗ preiſe berechnet, da ſie doch bloß nach den Produktionskoſten berechnet werden ſoll⸗ ten. Daß Viehhaltung nothwendig ſey, um Kornbau zu betreiben, iſt allgemein anerkannt, und die Einwirkung der erſten auf den letzten an mehreren Orten die⸗ ſes Werks ins Licht geſetzt. Unter den meiſten Verhaͤltniſſen muß auch Rindvieh gehalten werden. Es kann alſo nur die Frage entſtehen: welche Viehart iſt vor⸗ theilhafter gegen eine andre Viehart? Und dann insbeſondere bei dem Rindvieh: iſt es vortheilhafter, das fuͤr dieſes beſtimmte Futter und Weide mit Milchkuͤhen oder mit Maſtochſen zu conſumiren und zu benutzen? Dieſe Frage loͤſt ſich dann in die beiden folgenden auf: Vierter Theil. 3 3 362 Maſtung des Rindviehes. a) In welchem Verhaͤltniſſe ſteht das Futter, was eine Milchkuh durch das ganze Jahr verzehrt, gegen dasjenige, was ein Maſtochſe in ſeiner Maſtungszeit erfordert? b) Welchen Ertrag giebt im Durchſchnitt ein Maſtochſe in der Maſtungszeit, und welchen Ertrag eine Milchkuh durch das ganze Jahr? Ueber den Futterbedarf einer Milchkuh und deſſen Verſchiedenheit iſt oben ge⸗ ſprochen worden. Die beſonderen Verhaͤltniſſe werden ſich in jedem concreten Falle nachweiſen. Der Bedarf eines Maſtochſen iſt eben ſo ſehr verſchieden nach der verſchiedenen Staͤrke des Thiers und nach der Fleiſch⸗ und Fetterzeugung, die mau bewirken will. Es iſt aber beinahe noch leichter, fuͤr jeden einzelnen Fall hier einen Mormalſatz zu beſtimmen, wie dort. Wo man uͤber die Maſtung einige Erfah⸗ rung hat, beſtimmt man die taͤglichen Portionen ziemlich genau, und weiß, was man an Maſtfutter woͤchentlich und durch die ganze Maſtungszeit fur einen Ochſen gewiſſer Rage gebraucht. Haufig iſt deshalb in ſolchen Gegenden ein gewiſſes woͤchentli⸗ ches Futtergeld, welches der Fleiſcher oder Viehhaͤndler fuͤr einen Ochſen bezahlt, feſtgeſetzt, welches jedoch nach Ort⸗ und Zeitumſtänden etwas mehr oder weniger beträgt. Hiernach kann man alſo leicht einen Ueberſchlag machen, und ſich jene Frage beantworten, und da wird ſich nicht ſelten ſinden, daß das Futter mit den Maſtochſen in der That hoͤher als mit Milchkuhen benutzt werde, zumal wenn man die kurze Dauer der Verpflegung in der Maſtzeit gegen die durch das ganze Jahr laufende Verpflegung einer Kuh und Beſorgung der Molkerei in Anſchlag bringt; wozu dann noch kommt, daß jene bei der Wintermaſtung nur im Win⸗ ter eintrifft, wo man Menſchen genug hat; die Wartung der Kuhe auch im Som⸗ mer fortgeht, wo es an Arbeitern fehlt. Auch iſt in manchen Faͤllen Ruͤckſicht darauf zu nehmen, daß das angelegte Kapital bei der Maſtung in 4 bis 5 Mo⸗ naten zuruͤckkehre, das in den Kuͤhen ſteckende aber beſtändig darin bleibe. Man wird im allgemeinen Durchſchnitt etwa annehmen koͤnnen, daß ein Maſtochſe in ſeiner Maſtzeit ſo viel an Futter conſumire, als eine Kuh im gan⸗ zen Jahre. Der Dunger alſo, welcher mit einem Moſtochſen in der Maſtzei gemacht wird, iſt auch dem gleich, den eine Kuh im ganzen Jahre giebt, und hat vielleicht Vorzuͤge. Er wird ebenfalls zu einer ſehr bequemen Zeit gemacht, und ausgefahren werden koͤnnen. Maſtung des Rindviehes. 363 d 5 Wenn man es aber auch nicht gerathen findet, das Maſtungsgeſchäft zur Baſis der ganzen Viehhaltung zu machen, ſo wird es doch als ein Nebenzweig ſich ſehr empfehlen. Hat man den Maſtungsbetrieb einmal kennen gelerne und organiſirt, ſo wird man immer weit leichter ſeinen Maſtviehſtand nach der jaͤhr⸗ lich vetſchiedenen Futtermenge einrichten koͤnnen, als es mit anderem Nutzvieh ge⸗ ſcheben kann. Den beſtandigen Viehſtapel ſollte man nie großer machen, als ſo, daß man voͤllig geſichert ſeyn koͤnne, auch in ſchlechteren Jahren auszureichen, und fuͤr den Ueberfluß, den gute Jahre geben, Maſtvieh, was immer zu haben iſt, ankaufen, wenn nicht ohnehin eine hinlaͤngliche Kopfzahl von auszumerzendem Vieh vorhanden iſt, welches ſich in der Regel durch eigene Maſtung beſſer, als durch Verkauf bezahlt. F. 66. Wer aber Viehmaſtung im Großen betreiben will, muß, um dieſes mit gro⸗ ßerem Vortheil zu thun, durchaus Erfahrung in der Beurtheilung des Viehes und beim Handel beſitzen, oder aber einen verſtändigen und ſichern Mann dabei zu Rathe ziehn. Es gehoͤrt zu der Auswahl des Viehes und ſeiner Schaähzung ein gewiſſes Augenmaaß, noch mehr aber ein gewiſſes Gefuͤhl in der Hand, was ſich nicht gut anders, als durch laͤngere Uebung erwerben läßt. Es wuͤrde alſo ver⸗ geblich ſeyn, ſolches beſchreiben zu wollen; nur durch eigene Anſicht und eigenes Anfuͤhlen läßt es ſich, wenn man Gelegenheit hat mehrere Thiere zu vergleichen, erlernen. Eine große Huͤlfe und Sicherheit in der Beurtheilung des Viehes, ſowohl beim Ankauf als beim Verkauf und waͤhrend der ganzen Maſtungszeit, giebt eine Waage, worauf man das Thier lebendig wägt. Eine ſolche Waage iſt keinesweges koſtſpielig oder ſehr zuſammengeſetzt. Man hängt mittelſt einer Kette an einen ganz kurzen Arm des Waagebalkens einen aus Brettern zuſam⸗ mengefuͤgten Kaſten, von der Breite und Laͤnge, daß ein Thier darin ſtehen kann, an. Er hat eine Thuͤre, wo das zu wägende Stück Vieh hineingelaſſen wird, indem man es durch eine, vor der anderen Seite des Kaſtens ſtehende Raufe mit Heu hineinlockt. Der Kaſten ruht dann auf der Erde unbeweglich. Die andere Seite des Waagebalkene, die nur von Holz ſehn kann, iſt um das zehn⸗ ſache der andern Seite verlaͤngert, und am Ende derſelben eine Schaale ange⸗ bracht, worauf das Gewicht gelegt wird. Das Gleichgewicht muß vermoͤge der 33 2 Beuttheilung des Maſtvie⸗ hes. 364 Maſtung des Rindviehes. Schwere dieſer Schaale ſo getroffen ſeyn, daß die geringſte Vermehrung deſſelben den Kaſten, wenn er leer iſt, hebt. Bei der zehnfachen Verlaͤngerung dieſes Bal⸗ kens wirkt jedes Gewicht zehnfach. Der Zehntheil eines Pfundes hebt ein Pfund, oder ein Pfund hebt zehn Pfund. Das Gewicht des eingelaſſenen Stuͤck Viehes iſt erreicht, ſobald ſich der Kaſten im mindeſten zu bewegen anfaͤngt. Denn ihn hoͤher zu heben, wuͤrde das Vieh ſcheu machen. Eine ſolche Waage kann in einem Stalle angebracht werden, wenn man die Angeln, auf welchem der Waagebalken ruht, zwiſchen zwei Balken hängt; oder auf dem Hoſe, wo aber ein beſonderes Geſtell dazu errichtet werden muß. Eine ſolche Waage iſt uͤberdieß zum Abwaͤ⸗ gen des Futters hoͤchſt nuͤtzlich. Einige haben das Gewicht eines Thiers durch die von gewiſſen Theilen genom⸗ menen Dimenſionen nach verſchiedenen arithmetiſchen Formeln finden wollen. Wenn dies uͤberhaupt mit einiger Sicherheit geſchehen kann, ſo findet es doch nur bei einer beſtimmten Viehrage ſtatt, und es muͤßte fuͤr jede Viehrage eine beſondere Formel empiriſch ausgemittelt werden. Hiervon hat man ſich in England ſchon uͤberzeugt. So wie die Sache jetzt ſtehet, wuͤrde es ſehr gewagt ſeyn, ſich darauf zu verlaſſen. Aus dem lebenden Gewichte des Viehes laͤßt ſich aber nach den Erfahrungen der Englaͤnder das Fleiſchergewicht mit ziemlicher Beſtimmtheit auffinden. Unter Fleiſchergewicht verſteht man das, was der Ochſe wiegt, wenn er in der Winde haͤngt, nachdem der Kopf, Vorderarme, Eingeweide und das Talg ihm genom⸗ men worden; das Gewicht, was er, wie man es nennt, haakenrein am Fleiſche giebt. Man muß dabei aber doch den verſchiedenen Zuſtand des Ochſen erwa⸗ gen. Bei einem Ochſen, der nicht ganz abgemagert iſt, aber doch noch kein Fett aufgeſetzt hat, giebt Procter Anderdon folgende Formel: Nimm die Haͤlfte des lebenden Gewichts, und ſetze dazu 4 des Ganzen, dividire es dann mit 2, und das Facit giebt das Fleiſchergewicht. Z. B. Ein Ochſe wiegt lebendig 700 Pfd. die Haͤlfte 8 7*„*— 400 6 — 75 Pfd. dividirt mit 2„= 375 Pfd. Maſtung ves Rindviehes. 36 Hier geben 20 Pfd. 104. Bei etwas fettern Ochſen hat man aber mehrentheils gefunden, daß 20 Pfd. 11 Pfd. geben, und bei ganz voll ausgemaͤſteten Ochſen 12 bis 12 ½ Pfd.; denn ſo wie der Ochſe fetter wird, vergroͤßert ſich das Verhält⸗ niß der Fleiſchtheile gegen die ſogenannten Abfallstheile. Endlich muß man bei der Maſtung mit der groͤßten Sorgfalt Futterordnung, Reinlichkeit u. ſ. f. beobachten, wovon ich bei jeder Maſtungsart beſonders reden werde. Hier warne ich nur, ſich nicht mit einer erheblichen Maſtung abzugeben, wenn man nicht ſelbſt ſein Auge darauf richten kann, oder einen hoͤchſt zuverlaͤſſi⸗ gen und fuͤr die Sache paſſionirten Viehwaͤrter hat. F. 69. Die Sommermaſtung unterſcheidet ſich in Weide und gruͤne Stallfuͤtterung. Die Weidemaſtung findet nur auf ſehr reichen Weiden ſtatt, die man des⸗ Weldema⸗ halb Fettweiden zu nennen pflegt. In Anſehung der Fettweiden iſt es beſon⸗ ders unter den Englaͤndern ſtreitig geweſen, ob es rathſamer ſey, das Vieh das ganze Weiderevier, was man fuͤr den Stapel beſtimmt, frei uͤberlaufen zu laſſen, oder aber ob man das Weideland in mehrere kleine Koppeln trennen, in jede nur einige Stuͤcke einlaſſen, mit dieſen Koppeln auch wechſeln, und dem Graſe eine Zwiſchenzeit zum Heranwachſen geben ſolle Vergl. Annalen des Ackerb. V. 112. Die meiſten Stimmen und die ſtaͤrkſten Gruͤnde ſind fur das letztere. In den Mar⸗ ſchen der Niederelbe findet man mehrentheils den Gebrauch, das Grasland einmal zu weiden, und einmal mähen zu laſſen. Eine Koppel oder durch Graͤben abge⸗ ſondertes Stuͤck wird dem Maſtvieh im Fruͤhjahr eingegeben, von einem andern nimmt man erſt eine Heuernte. Dann kommt das Vieh von jener auf dieſe, und jene wird nun geſchont und gemaͤht. Zuweilen wird aber auch ein Stuͤck allein zur Weide beſtimmt, und das Vieh erhaͤlt dann noch das andere Stuͤck hinzu, wenn eine Heuernte davon genommen worden, um die Abnahme des Graswuch⸗ ſes im Nachſommer zu erſetzen. In dieſen Marſchgegenden rechnet man auf einen großen Marſchochſen, wel⸗ cher bis 1000 Pfund Fleiſchergewicht bekommt, einen dortigen Marſchmorgen von 450 ſechzehnfuͤßigen Quadratruthen, welcher 3 ½ hieſige Morgen enthaͤlt. Von den kleineren Juͤtiſchen Ochſen koͤnnen aber 1 ½ auf jener Fläche gemäſtet werden. Man nimmt gewoͤhnlich an, daß ein großer Ochſe ſeine Weide mit 8 Friedrichsdor, Gruͤne Stall⸗ maſtung. 366 Maſtung des Rindviehes. ein kleiner Ochſe mit 6 Friedrichsdor bezahle, und haͤlt daher letzere mehrentheils fuͤr vortheilhafter. Nicht ſelten findet man zwiſchen dem Rindvieh ein oder ande⸗ res Pferd und auch einige Marſchſchaafe, wovon dieſe das feinere Gras, jene das groͤbere und was auf den Geilſtellen wächſt, abfreſſen ſollen, und haͤlt dies fuͤr wirthſchaftlich. Auf ſolchen Weiden nehmen gewöhnlich die Diſteln ſehr ſchnell uͤberhand, und ſind nicht nur fuͤr das Vieh, ſelbſt in älterem Zuſtande ungenießbar, ſondern ver⸗ hindern auch das Abfreſſen des dazwiſchen aufwachſenden Graſes. Jeder aufmerk⸗ ſame Wirth hauet alſo mit der Senſe dieſe Diſteln weg, und ſie werden, wenn ſie welk und halb trocken geworden ſind, von dem Viehe gern gefreſſen. Eine Entfernung alles deſſen, was das Weidevieh beunruhigen kann, iſt von großer Wichtigkeit. Man leidet daher ungern den Zutritt eines Menſchen auf die⸗ ſen Koppeln, mit großer Sorgfalt ſucht man aber alle Hunde zu entſernen. Wenn keine Baͤume auf den Koppeln ſtehen, ſo richtet man Pfaͤhle auf, die an den Kanten eingekerbt ſind, damit ſich das Vieh daran reiben koͤnne. Fuͤr bequeme und geſunde Tränken muß geſorgt ſeyn. Zuweilen iſt man jedoch genoͤthigt, dem Viehe geſchoͤpftes Waſſer nur in Troͤgen zu geben. §. 68. Bei dem Maſtvieh kann auch das Tuͤdern ſtatt finden, und zwar auf angebauten Futterfeldern; ſo wie es oben bei den Kuͤhen beſchrieben worden. §. 69. Die gruͤne Stallfutterung des Maſtviehes wird nicht haͤufig betrieben. Ich kenne jedoch verſchiedene Beiſpiele, wo es mit gutem Erfolge geſchah. Die Och⸗ ſen koͤnnen bei gruͤnem Klee ſehr fett werden, wenn er ihnen in reichlichem Maaße gegeben wird. Ein Ochſe frißt aber 200 bis 250 Pfd. gruͤnen Klee taͤglich, wobei er gutes Stroh, was er zwiſchen durch gerne frißt, haben muß. Kann man ihm einen Theil ſeiner Nahrung in Heu oder trocknem Klee geben, ſo wird ihm die gruͤne Fuͤtterung ohne Zweifel noch gedeihlicher, und der gar zu duͤnne Durchlauf dadurch gemindert. Mit beſonders guter Wirkung hat man ihm, vorzuͤglich gegen Ende der Maſtzeit, einen Trank von Leinkuchen oder etwas Schrot daneben gegeben. Dieſe Sommer⸗Stallmaſtung kann indeſſen nur in wenigen Faͤllen wirthſchaft⸗ lich ſeyn, weil zu der Zeit, wo ſie vollendet iſt, mehrentheils auch eine ſtarke Konkur⸗ Maßtung des Rindviehes. 367 renz des Weidebiehes eintritt. Mit mehrerem Vortheil wird man den Klee, welchen man fuͤr Maſtvieh beſtimmt hat, zu Heu machen, und zur Wintermaſtung benutzen. §. J0. Eine beſondere im Winter und Sommer ſtatt findende Stallmaſtung iſt die Branntwein⸗ mit Branntweinsſchlamm. In Gegenden, wo die Fleiſch Konſumtion geringe iſt, iſt ſie faſt die einzige. Sie macht den Betrieb der Branntweinbrennerei haupt⸗ ſaͤchlich mehr zu einem laͤndlichen als ſtaͤdtiſchen Gewerbe, weil der Städter dieſe Maſtung wegen des Strohes nie ſo veetheilhaft betreiben, auch den Miſt nicht ſo nutzen kann, wie der Landwirth. Wenn dieſer auf dies Geſchäft die Induſtrie zu verwenden anfaͤngt, die jener darauf verwandte, und die Staatsregierung jedes Gewerbe da betreiben laͤßt, wo es am vortheilhafteſten betrieben werden kann, ſo werden deshalb ſtadtiſche Brennereien gegen laͤndliche nicht beſtehen können. Man nimmt im Durchſchnitt an, daß ein Ochſe an dem Schlamm von 10 Metzen abgezogenem Getreide, neben zu Haͤckſel geſchnittenem, mit etwas Heu gemengtem Stroh, taͤglich ſein zureichendes Maſtfutter habe. Wenn der Brenn⸗ ſatz täglich 6 Scheffel iſt, ſo koͤnnen demnach 9 ½ und wohl 10 Ochſen aufge⸗ ſtallet werden. Wenn dieſe nach 20 Wochen mit 20 Rthl. Gewinn per Kopf, uͤberhaupt mit 200 Rthl. Vortheil verkauft werden, und in der Zeit abgezogen ſind 840 Schfl., ſo wird der Branntweinstrank von 1 Schfl. zu§ Gr. 8 Pf. benutzt. Stroh und Heu kann der Landwirth fuͤglich auf den Miſt rechnen; der Staͤdter aber nicht. Oft iſt indeſſen der Gewinn hoͤher als 30 Rchl. geweſen, und es wird nicht ſelten fuͤr einen Ochſen wochentlich 1 Rchl. 8 Gr. bis 12 Gr. Futtergeld bezahlt. Gewoͤhnlich wird den Ochſen der Spuͤlicht auf dem Haͤckſel gegeben, und ſte erhalten alſo eine Bruͤhfütterung. Man behauptet, daß ſie um ſo beſſer auf⸗ ſetzten, je waͤrmer ſie dieſes Futter erhielten. Solche Maſtochſen ſind daher in* einem beſtändigen Schweiße und muͤſſen fuͤr Erkaͤltung durch Zugwind ſehr in Acht genommen werden. Lange wuͤrde das Vieh hiebei nicht geſund bleiben koͤn⸗ nen; aber waͤhrend der Maſtzeit halten ſie es aus. Je mehr man aber die Alkohol⸗Erzeugung durch vollſtaͤndige Weingährung erzwingt, deſto unkraͤſtiger wird der Spuͤlicht, und die Maſtung geht daher in ſchlecht betriebenen Branntweinbrennereien oft um ſo beſſer. Ungeachtet die Bra⸗ Regeln bei der Stallmaſtung⸗ 368 Maſtung des Rinbe hes. branter den Vortheil der auf holländiſche Methode betriebenen Branntweinbren⸗ nereien anerkennen, ſo bleiben ſie doch bei ihrer alten, an ſich ſehr fehlerhaften Art, um ihres Viehes willen. In den Rheingegenden findet man die Kornbren⸗ nerei der hohen Beſteurung und der Konkurrenz des Weinträbern⸗Branntweins wegen nicht mehr vortheilhaft; aber man ſetzt ſie fort, weil ſie durch den Miſt eine Stuͤtze des Ackerbaues iſt. Der Spuͤlicht anderer Fruͤchte ſoll in Verhaͤltniß ſtehen mit dem Brannt⸗ wein, den ſie geben. Wenn z. B. 33 Shfl. Kartoffeln ſo viel Branntwein ge⸗ ben, wie 1 Schfl. Rocken, ſo habe auch ihr Spuͤlicht ſo viele Nahrungskraft. Andre aber wollen ihn ſchwaͤcher befunden haben. §. 71. Bei der Branntwein⸗Maſtung, ſo wie bei jeder Stanmaſung„muß man den Stall ſo einzurichten ſuchen, daß eine gleichmaͤßige Waͤrme und im Winter eine ziemlich hohe Temperatur darin erhalten werde. Das Licht kann und muß man abſchneiden; denn ſo wichtig es fuͤr die Erhaltung der Geſandheit des blei⸗ benden Stallviehes iſt, ſo befoͤrdert die Finſterniß doch den gewiſſermaßen kraͤnk⸗ lichen Zuſtand der Feiſtigkeit, theils phyſiſch, theils ch die groͤßere Ruhe und Schlaͤfrigkeit, welche ſie dem Viehe giebt. Ein reinlicher Stand und viele Einſtreuung hat eine ſehr wohlthaͤtige Wir⸗ kung. Das Vieh liegt dabei gern, und ſteht nur zum Freſſen auf. Das Rein⸗ halten der Haut, das Striegeln und Kardätſchen befoͤrdert die Maſtung augen⸗ ſcheinlich, und das Vieh giebt die angenehme Empfindung, die ein ſolches verur⸗ ſacht, deutlich zu erkennen. Die alten Haare loͤſen ſich, ſo wie ſich das Fett abzuſeßen anfängt, und es kommen neue. In dieſem Zeitpunkte muß das Strie⸗ geln insbeſondere nicht verabſaumt werden, und die Arbeit, die es erfordert, wird ſich ſehr reichlich bezahlen. Wenn die Wirkung deſſelben beim Melkvieh noch zweifelhaft iſt, ſo iſt ſie dagegen durch allgemeine Erfahrung beim Maſtvieh ent⸗ ſchieden. Man bedient ſich dazu eines zackig gemachten Holzes mit einem beque⸗ men Handgriffe. Die Zeit der Fuͤtterung und die Staͤrke der Portionen muß genau beobach⸗ tet werden. Das Vieh bekommt eine ſehr beſtimmke Kenntniß der Zeit, wie man dies ſelbſt bei aͤlterem Zugvieh beobachten kann, welches ſo wie ſeine Feierſtunde „ ein⸗ Maſtung des Rindviehes. 369 eintritt, ſich gegen das Arbeiten ſträubt, und nach dem Hofe oder nach der Wei⸗ dekoppel verlangt. Das Stallvieh wird unruhig, wenn ſeine Fuͤtterungsſtunde nicht puͤnktlich beobachtet wird, haͤlt ſich aber bis dahin ganz ruhig. Auch kennt es ſeine ihm zugetheilte Portion und begiebt ſich, wenn es ſolche erhalten und gefreſſen hat, zur Ruhe, bleibt aber unruhig, wenn ſie nicht vollſtandig geweſen iſt. Dieſe Ruhe und Befriedigung aber, dieſe gluͤckliche Sorgloſigkeit oder das Zutrauen, daß es zu rechter Zeit und in gerechtem Maaße das Seinige erhalten werde, beſoͤrdert ſeine Zunahme ſo ſehr, daß ein ungleich ſtaͤrkeres, aber unor⸗ dentlich gegebenes Futter den Mangel der Ordnung nicht erſetzen kann. Die Futterzeiten und Portionen können mannigfaltig eingerichtet werden, aber ſo wie ſie beſtimmt ſind, muͤſſen ſie immerfort gehalten werden. 6. 72. Die Wintermaſtung wird in heureichen Gegenden zuweilen allein mit Heu Heumaſtung. betrieben. Ein Ochſe, der zu 700 bis 750 Pfund getrieben wird, und taͤglich 40 Pfd. gutes Heu bekommt, nimmt taͤglich 2 Pfd. oder woͤchentlich 14 Pfd. zu. Wenn der Werth eines Pfundes fetten Fleiſches 2 Gr. iſt, ſo vermehrt er ſeinen Werth woͤchentlich um 1 Rthlr. 4 Gr. Folglich wird 1 Centner Heu (110 Pfd.) mit 11 Gr. bezahlt, wenn wir den Miſt fuͤr Stroh und Wartung rechnen. In allen Fällen, wo dieſer Preis des Heues dem Landwirche genuͤgend ſeyn kann, iſt alſo die Heumaſtung nicht ſo unwirthſchaftlich, wie ſie es man⸗ chem ſcheint. §. 73. Wenn ein Ochſe aber ſtatt 30 Pfd. Heu täglich 60 Pfd. Kartoffeln, und Kartoffelma⸗ daneben noch 10 Pfd. Heu bekommt, oder wochentlich 420 Pfd. Kartoffeln und ſun. 70 Pfd. Heu, ſo wird er ſich nach den vielen in unſrer Gegend gemachten Beob⸗ achtungen beſſer dabei ſtehen, und beträchelich ſtaͤrker aufſetzen. Er wird dabei jedoch etwas mehr Stroh freſſen, und in dieſer Hinſicht wollen wir den Maſtge⸗ gewinn als gleich annehmen. Der Werth von 70 Pfd. Heu woͤchentlich betraͤgt 7 Gr.; die 425 Pfd. Kartoffeln, die er woͤchentlich bekommt, werden alſo bezahlt mit 21 Gr. und ſonach wird ein Schfl. Kartoffeln oder 100 Pfd. benutt zu 5 Gr. Die Kartoffeln, welche den Ochſen bier gegeben werden, ſind nur ſchlech⸗ ter, waͤßriger Art, und ſie bezahlen ſich foiglich ganz befriedigend. Vierter Theil. Aaa 370 Maſtung des Rindviehes. Wenn die Maſtzeit 16 Wochen dauert, ſo gewinnt ein Ochſe 22. Pfund Fleiſch und Fett, und vermehrt ſeinen Werth um 18 Rthl. 16 Gr. Er verzehrt, wenn er bloß mit Heu gemaͤſtet wird, 40 Ctnr. 80 Pfd., wenn er mit Kartoffeln gemaͤſtet wird, 10 Ctr. 20 Pfd. Heu und 67 Schfl. 20 Pfd. Kartoffeln. Dauert die Maſtzeit 20 Wochen, ſo muß der Ochſe 280 Pfd. Fleiſch und 23 Rthlr. 8 Gr. an Werthe gewinnen. Er verzehrt dann bei bloßer Heufütterung 5o Ctnr. 100 Pfd. Heu, oder 12 Ctnr. 80 Pfd. Heu und 34 Schfl. Kartoffeln. Ich erwaͤhne der andren ſaftigen Fuͤtterungsmittel, des Kohls, der Ruͤben, der Runkeln und Möhren, hier nicht. So haͤufig dieſe Maſtungemittel bei den Engländern vorkommen, ſo ſelten werden ſie bei uns als alleiniges Maſtfutter angewandt. Von der Maſtung mit Runkelruben finden wir bei den Engländern nichts, und ſo nutzbar ſie den Milchkuͤhen ſind, ſo zweifle ich doch daran, daß ein Stuͤck Maſtvieh ſie anhaltend in dem Maaße vertragen werde, worin ſie als alleiniges Maſtfutter gegeben werden muͤßten, da ich in dieſem Herbſte bemerkt habe, daß Kuͤhe, denen ſie als alleiniges Futter, jedoch neben Stroh reichlich gegeben wurden, eine Unverdaulichkeit davon und Widerwillen dagegen bekamen. Die große Menge von Zuckerſtoff, welche ſie enthalten, ſcheint dem thieriſchen Koͤrper nur in einem gewiſſen Maaße zuträglich zu ſeyn. Als Nebenfutter bei den mehlichten Kartoffeln werden ſie aber ſehr wohlthätig ſeyn. Bei den andern Früͤchten wird uͤbrigens das Verhältniß ſtatt finden, was ich von ihnen Bd⸗ I. S. 263. angegeben habe. Die Kartoffeln werden hier durchaus roh, geſtampft oder auf der Schneide⸗ maſchine in Scheiben geſchnitten, gefuͤttert. Ich kenne nach eigener Anſicht keine Rindviehmaſtung, wo man ſie gekocht oder im Dampfe gar gemacht haͤtte, un⸗ geachtet die Einrichtungen zu letzterem in ſehr vielen Branntweinbrennereien auch zur Schweinemaſtung vorhanden ſind.. In wiefern alſo die Kochung vortheilhafter ſey, vermag ich nicht zu entſcheiden. Wenn neben den Kartoffeln 10 Pfd. Heu täglich gefüttert werden, und dem Viehe gutes Stroh vorgeworfen, oder beides mit einander zu Häckſel geſchnitten wird, ſo habe ich nicht einen nachtheiligen Durchlauf bei der Fuͤtterung roher Kartoffeln bemerkt. Wenn man ſie aber mit bloßen Kartoffeln fuͤttern wollte, und gar kein Heu hätte, ſo beſorge ich, daß er entſtehen könnte, und in dem Fall wurde die Abkochung vorzuziehen ſeyn⸗ —— Maſtung des Rindviehes. 371 F. 74. Die Maſtung mit Getreide oder andern mehlichten. Saamen, z. B. den hoͤchſt wirkſamen Leinſaamen, kann unter unſern Verhältniſſen wohl nur in ſelte⸗ nen Faͤllen wirthſchaftlich ſeyn. Als eine Zugabe aber und zur letzten Vollen⸗ dung eines ſchweren Thieres kann es ſtatt finden. Die Zugabe von einer Metze Gerſtenſchroot beſchleunigt allerdings die Maſtung ſehr, und kann rathſam ſeyn, wenn es darauf ankommt, die Maſtung ſchnell zu vollenden. Mit allen andern Fuͤtterungsmitteln, beſonders mit den ſaftigen, darf man nicht gleich mit den vol⸗ len Rationen aufangen, die man hernach zu geben gedenkt, um ſo weniger, je ma⸗ gerer das Vieh bei der Auſſtallung iſt. Man muß es erſt allmaͤhlig dazu gewoͤh⸗ nen, um ihm keine Unverdaulichkeit zuzuziehen. Alle erfahrene engliſche Viehmaͤſter ſagen aber, es ſey rathſam, gleich mit den ſtärkſten Fuͤtterungen anzufangen, um, wie ſie ſich ausdruͤcken, die Abſonderungsgefaͤße zu erweitern, eigentlich wohl um ſie zu reizen, und in mehrere Thaͤtigkeit zu verſetzen. Dies wird beſonders durch meh⸗ lichte aber zugleich leicht verdauliche Fuͤtterungsmittel bewirkt, und ein ſolcher Trank wird daher in den erſten 8 bis 14 Tagen, wo man von den andern Fuͤtterungs⸗ mitteln weniger giebt, ſehr wirkſam ſeyn. Ferner: wenn das Vieh einen gewiſſen Feiſtigkeitsgrad erreicht hat, ſo läßt ſeine Freßluſt nach, und es verzehrt die vori⸗ gen Portionen nicht mehr, und bleibt dann ungefähr in demſelben Zuſtande. Will man es nun noch hoͤher treiben, ſo muß man zu einer ſtaͤrkern Fuͤtterung, die mehrere Rahrungstheile in geringerer Maſſe enthaͤlt, uͤbergehen, und hier bezahlen ſich Koͤrner, wo recht fettes Fleiſch geſucht wird, zuweilen gut. Die Helkuchen, beſonders von Leinſaamen, ſind auch bei dem Maſtvieh vor⸗ theilhaft zu verwenden, entweder geſtampft uͤber das Futter geſtreuet, oder im Trank⸗ anfgeloͤſt. §. 75. Wenn bei der Maſtung ein einzelnes Thier gegen die uͤbrigen merklich zu⸗ ruckbleibt, ſo wird es nie rathſam ſeyn, ſeine Maſtung zu forciren. Man kann ſreilich ſeinen Zweck wohl zuweilen erreichen, wenn mon ihm mit ſtärkerem und leicht verdaulichem Futter aufhilft. Es wird dieſes aber ſelten bezahlen, und es iſt am rathſainſten, ſich davon baldmoͤglichſt zu jedem Preiſe los zu machen. 3 Aaa 2 — . 372 S Maſtung des Rindviehes. Am beſten maͤſtet ſich Rindvieh immer im ſiebenten oder achten Jahre. Juͤn⸗ geres Vieh, was ſich noch nicht ganz ausgelegt hat, kann zwar ſehr feiſt werden, und dann vorzuͤglich ſaſtiges und feinfaſriges Fleiſch geben, allein es erfordert im⸗ mer mehreres Futter und laͤngere Zeit. Altes Vieh ſetzt nicht ſo ſchneil auf, wenn es indeſſen noch ein die Fuͤtterung bezwingendes Gebiß hat, ſo kann es in Hinſicht des wohlſeileren Einkaufspreiſes doch manchmal ſehr vortheilhaft ſeyn und ſehr gut werden. Manche, auch unter den Engländern, wellen bemerkt haben, daß das Vieh um ſo beſſer werde, je ſtärker es zuletzt gearbeitet habe und je mehr es ab⸗ getrieben ſey, wo man es dann freilich bei dem Einkaufe nur nach dieſem Verhält⸗ niſſe bezahlen muß. Dies abgearbeitete, im Fleiſche ganz abgefallene Vieh ſoll, wenn es nun auf ſtarke Fuͤtterung kommt, wie ſie ſagen, ganz neues Fleiſch und dieſes feinfaſriger und ſaftiger anſetzen, wenn es gleich ſchon ziemlich alt war. Nur muſſe ſeine Maſtung vollig vollendet werden. Ein verſchnittener Bulle iſt nicht eher zu maſten, als nachdem er vor dem Pfluge oder durch andere Arbeit ſein Bullenfleiſch vollig verlohren hat. Er muß daher erſt zwei Jahre tuͤchtig gearbeitet haben. Dann wird er voͤllig ſo gut, und ſein Fleiſch eben ſo ſchmackhaft, wie das eines fruͤh verſchnittenen Ochſen. Verſchnittene Kuͤhe kommen bei uns nur ſelten vor. Die ſind aber, nach⸗ dem ſie auch gleich den Ochſen gearbeitet haben, vorzuglich maſtfaͤhig und geben das delikateſte Fleiſch unter allen Vieharten. Das Verſchneiden der Kuͤhe in der Jugend hält man, wo es erfahrne Operateurs giebt, faſt fuͤr eben ſo ge⸗ fahrlos, als das Verſchneiden der jungen Ochſen. Ja, man hat Beiſpiele, daß es bei dreijahrigen Kuͤhen noch mit ſehr gluͤcklichem Erfolge unternommen wor⸗ den. Unter den aus dem Oldenburgiſchen hierher gebrachten Ferſen findet ſich zuweilen eine, die verſchnitten iſt. §. 56. Bei einer regulären Maſtung iſt es immer am rathſamſten, ſich bei dem Verkauf an einen erfahrnen und rechtſichen Viehhändler zu halten, und demſel⸗ ben ſeinen billigen Profit dabei zu goͤnnen. Wenn er die Maſtung, die in einer Wirthſchaft betrieben wird, einmal kennt, und ſich das Fleiſch bei den Flei⸗ ſchern und ihren Kunden empfiehlt, ſo wird auch er das Vieh nicht gern fab⸗ ren laſſen. Und koͤnnte man auch zuweilen, wenn man es ſelbſt auf den Markt Maſtung des Rindviehes. 373 braͤchte, etwas mehr erhalten, ſo wuͤrde man ſich doch zu einer anderen Zeit in Verlegenheit geſetzt finden Da ſolche Handelsleute den Viehhandel am beſten kennen, und die Zeit und Verhaͤltniſſe, wo Vieh von verſchiedenen Graden der Feiſtigkeit hier oder da am meiſten geſucht wird, ſo kann der Landwirth in man⸗ chen Fallen ſeine Maſtung danach einrichten, und das Vieh fräͤher oder ſpäter auf⸗ ſtallen, ſchneller oder langſamer die Maſtung bis auf den beliebten Grad vollfuͤhren. §. 77. Ein außerordentlicher und kuͤnſtlich erzwungener Grad der Maſtung, wo⸗ bei das Vieh eine Schwere erreicht, die um groͤßer iſt, als die gewoͤhnliche, kann nur unter ſeltenen Faͤllen, und wo man auf die Sonderbarkeit einen Preis ſetzt, vortheilhaft ſeyn. Jedes Pfund Fleiſch, was uͤber das natuͤrliche Gewicht angeſetzt wird, koſtet vielleicht z mehr als jedes Pfund des gewohnlichen Maſt⸗ fleiſches, und muͤßte alſo auch danach bezahlt werden, worauf man aber in der Regel, und ohne daß mit Fleiſch ein gewiſſer Lupus getrieben werde, nicht rechnen darf. Ueber die Qualitäten und die Aufzucht der Zugoch ſen iſt im 1ſten Vande S. 120 u. f., ſo wie uͤber ihre Unterhaltung S. 124 u. f. das Beſondere geſagt worden. Es iſt nicht unwahrſcheinlich, daß ſich der Gebrauch der Kuͤhe zum Ackerbau mehr bewaͤhren und verbreiten werde, wodurch die Haltung derſelben um vieles vor⸗ theilhafter werden koͤnnte. Vergl. neue Annalen Bd. III. St. 1. S. I81 u. f. Die Schweinezucht. §. 78. Die Haltung der Schweine iſt in jeder groͤßeren oder kleineren Wirth⸗ ſchaft ein faſt norhwendiges Erforderniß, indem die mancherlei Abfaͤlle, welche außer der Molkerei auch aus der Kuͤche und dem Garten erfolgen, kaum an⸗ ders benutzt werden koͤnnen. Hiervon aber iſt die Schweinezucht zu unter⸗Wann und wo ſcheiden. Von dieſer kann man nicht im Allgemeinen beſtimmen, ob ſie vor⸗ theilhaft ſey oder nicht, ſondern muß die Verhaͤltniſſe genau erwaͤgen, unter welchen ſie es ſeyn und nicht ſeyn koͤnne. Die Aufzucht wird ſich bei genauer Berechnung ſelten vortheilhaft zeigen, wo man die Winterfuͤtterung durch gute Koͤrner bewirken muß, oder auch wo 374 Die Schweinezucht. es im Sommer an einer, den Schweinen angemeſſenen und zureichenden Weide auch an anderen gruͤnem Nebenfutter fehlt. Ferner wird ſie da minder rath⸗ ſam ſeyn, wo aus anderen weniger kultivirten Gegenden viele Schweine her⸗ beigetrieben werden und man Gelegenheit hat, ſolche ſehr wohlfeil zu kaufen⸗ Eben ſo wenig in der Naͤhe großer Staͤdte, wo man nicht nur friſche Milch und ſelbſt Molkerei⸗Abfaͤlle, ſondern auch Kartoffeln und andere Brachfruͤchte unmit⸗ telbar vortheilhafter zu Gelde machen kann. Vortheilhaft wird dagegen die Schweinezucht, wo ein ſtarker Kartoffeln⸗ und Ruͤbenbau zur Viebfuͤtterung betrieben wird, oder viel Unkrautgeſaͤme und leichte Koͤrner unter dem Getreide ſind, und wo es fuͤr den Sommer bruchige und feuchte Weiden, welche fuͤr die Schaafe nicht benutzt werden koͤnnen, giebt. Ferner wo betraͤchtliche Molkereien, die ihre Abfälle auf keine andere Weiſe vortheilhafter benutzen koͤnnen, dann auch anſehnliche Brau⸗ und Branntweinbrennereien vor⸗ handen ſind; beſonders wenn keine ſehr wohlfeile Verkaufsſchweine aus anderen Gegenden herbeigetrieben werden und alſo die erzogenen Schweine, mager oder fett, gut abſetzbar ſind, oder auch Gelegenheit zum Handel mit eingeſalzenem Fleiſche, mit Speck und Schinken nach fernen Gegenden ſich findet. Es giebt aber vielleicht keinen Zweig der Viehzucht, deſſen Vortheil von einem Jahre zum andern, zumal in gewiſſen Gegenden, ſo veraͤnderlich iſt wie dieſer. Der Preis der Schweine fällt da innerhalb zwei Jahren oft um die Halfte herab und ſteigt auf das Doppelte; welches darin ſeinen Grund hat, daß dieſer Viehſtapel ſo ſchnell vermehrt und wieder vermindert werden kann. Wenn die Schweinezucht ſich der guten Preiſe wegen vermehrt hat und die Kornpreiſe dage⸗ gen etwas ſteigen, ſo wird der Markt damit uͤberfullt, weil ſich jeder von ſeinem Ueberftuſſe loszumachen ſucht. Man berechnet ſich, daß beſonders das Korn⸗ futter durch den Verkaufspreis der Schweine kaum bezahlt werde, und ſucht alle junge Schweine ſchnell zu verkaufen. Nach einem Jahre hat ſich der Schweine⸗ ſtand in allen Wirthſchaften der Gegend betraͤchtlich vermindert und der Preis ſteigt auf den Maͤrkten. Jedermann will nun fuͤr ſeinen Hausbedarf Schweine haben, und uͤberbietet den andern, und ſo wird der Preis im zweiten Jahre nachher oft ins enorme getriebeu. Ich erinnere mich, daß Faſelſchweine, die man zwei Jahre fruͤher kaum fuͤr 3 Rehl. verkaufen konnte, nun 10 bis 12 Rthl. galten, ohne daß 2 Die Schweinezucht. 375 ſie dem Erzieher betraͤchtlich mehr gekoſtet hatten. Hier iſt einer der Faͤlle, wo ein Landwirth, der ſich durch das Steigen und Fallen der Preiſe gleich allarmiren läßt und der allgemeinen Meinung folgt, ohne den Grund derſelben gehoͤrig zu pruͤ⸗ fen, immer falſche Maaßregeln waͤhlen und ſeine Schweinezucht vermindern wird, ſtatt ſie zu vermehren, indem er, wenn die meiſten ſie vermindern, davon nach zwei Jahren den groͤßten Vortheil haben koͤnnte. Wenn dagegen die meiſten, angelockt durch den hohen Preis, den ſie, aller Erfahrung entgegen, nun fuͤr be⸗ ſtaͤndig halten, ihre Schweinezucht vermehren, ſo hat der weiter in die Zukunft ſehende Landwirth einen Grund ſie zu vermindern, ohne ſie jedoch ganz auſzugeben⸗ §. 79. Die im nordlichen Deutſchlande bekannteſten Schweineragen, die man aber Ragem. ebenfalls haͤufig und mannigfaltig durchkreuzt findet, ſind folgende: a) Die Moldauiſchen, Wallachiſchen, Bosniſchen Schweine zeichnen ſich durch ihre Größe aus, ſind ſchwarzgrau von Farbe und haben ſehr große Ohren⸗ b) Die Polniſchen, eigentlich wohl Podoliſchen Schweine, ſind ebenfalls ſehr groß, aber gelblich von Farbe und haben einen breiten braunen Streifen auf den Ruͤckgrad herunter. Beide Ragen geben vorzuͤglich ſtarke Maſtſchweine, erfordern aber auch in dem Verhältniſſe Futter und ſind nicht ſehr fruchtbar, indem ſie mehrenctheils nur 3 bis 5 Ferkeln werfen. c) Bairiſche Schweine, die mehrentheils rothbraun gefleckt ſind. Man ruͤhmt ſie wegen ihres feinen Knochenbaues und ihrer vorzuͤglichen Maſtfähigkeit, wirft ihnen aber vor, daß ihr Fleiſch zu weichlich ſey. d) Die Weſtphäliſchen Schweine von betraͤchtlicher Groͤße und die ſich da⸗ bei ſtark vermehren, 10 bis 12 Ferkel werfen. e) Sogenannte engliſche Schweine. Ob ſie aus England, wo man aller⸗ dings auch auf die Schweinezucht eine große Aufmerkſamkeit gewandt und man⸗ cherlei Ragen hai, herſtammen, weiß ich nicht. Sie werden noch laͤnger und tiefleibiger als die weſtphaͤliſchen, erfordern aber ſehr nahrhafte Weide und Fuͤtterung. Man haͤlt eine Durchkreuzung der beiden leßten Arten fuͤr ſehr vortheilhaft. 376 Die Schweinezucht. †) Das gemeine deutſche Schwein, welches provinziell allerdings wieder ver⸗ ſchieden und von mancherlei Farben, weiß, grau, ſchwarz und gefleckt iſt. Es erlangt nicht die Groͤße jener Schweinearten, kann aber mit geringerer Fuͤtterung erhalten und auch leichter gemaͤſtet werden. Man wuͤrde es wohl in ſich ſelbſt durch beſſere Haltung und ſpaͤtere Begattung veredeln koͤnnen; wer aber Schweine⸗ zucht mit mehrerer Kraft betreiben will, ſucht ſich in der Regel eine andere Rage zu verſchaffen, um damit wenigſtens die einheimiſche zu durchkreuzen. g) Neuerlich iſt das ſchwarze, feinhaarige afrikaniſche Schwein aus Spa⸗ nien zugleich mit einer Heerde Merinos, durch den Freyherrn v. Vincke, bei uns einge fuͤhrt und auf den Friedländiſchen Guͤtern fortgepflanzt worden. Es erlangt eine geringere Größe, paßt ſich zum eigentlichen Maſt⸗oder Speckſchweine nicht, waͤchſt aber ſchnell aus und halt ſich bei ſchwächerer Nahrung in ſehr gutem Stande und iſt daher zum Fleiſch⸗ und Schinkenſchwein vorzuglich geeignet. Eine damit durchkreuzte große Rage hat ſich bisher in jeder Hinſicht ſehr vortheilhaft gezeigt. n) Das Chineſiſche Schwein, welches in England ſehr beliebt und ſchon vor laͤngerer Zeit zu uns gefuhrt worden iſt. Es zeichnet ſich durch ſeinen ſehr geſenk⸗ ten Ruͤckgrad und faſt bis zur Erde herabhaͤngenden Bauch, durch ſeine ruhige Natur, und daß es wenig wuͤhlet, aus; erlangt keine beſondere Groͤße, waͤchſt aber ebenfalls ſchneil aus und wird als Fleiſch⸗Schwein von den Engländern, auch wegen der Guͤte ſeines Fleiſches ſehr geſchätzt. F. 8o. Sens Die verſchiedenen Benennungen der Schweine ſind folgende: S Das maͤnnliche Schwein hat viele Provinzialnamen. Man nennt es Baͤr, Beier, Hackſch, Hauer, Keiler, Kempe; doch iſt der allgemeinſte und gewohnlichſte Name Eber. Das weibliche Schwein heißt Zuchtſchwein oder Sau. Ein Saugferkel heißt auch Spanferkel. Ferkel nennt man das junge Schwein, bis es 18 Wochen alt iſt. Dann heißt es bis es ein Jahr alt iſt, klein Faſelſchwein, und dann bis zum zweiten Jahre groß Fa ſelſchwein. Das maͤnnliche verſchnittene Schwein heißt bis zum zweiten Jahre Borch, das weibliche Sauſchwein⸗ Das Die Schweinezucht. 377 Das zur Maſt beſtimmte heißt Leibſchwein, und wenn es wirklich auf die Maſt geſetzt wird, Maſtſchwein. ½ S. 81. Bei der Zuzucht kommt es auf eine gute Auswahl der Race und der Indivi⸗ Auswahl bei duen eben ſo ſehr, wie bei anderen Vieharten, an. Bei den Sauen muß man 2 Satut. vor allen dahin trachten, ſolche zu erhalten, die viele Ferkel werfen, und ſie dann bei guter Fütterung auch aufzuſäugen vermoͤgen. Man hat ſolche Saͤue, die in der Regel 10, 12 ja 15 Ferkel werfen; 8 bis 9 Ferkel iſt aber das gewoͤhnliche, und die, welche weniger bringen, ſind tadelhaft. Wahrſchinlich hangt aber dieſe Fruchtbarkeit auch zum Theil vom Eber ab, und man muß daher auch bei dieſem darauf ſehen, daß er von einer fruchtbaren Familie ſey. Da in den meiſten Fällen ſolche Faſelſchweine, die ſich zu Speckſchweinen ſchicken, geſucht werden, ſo muß man mehrentheils eine Rage zu erhalten ſuchen, die ſich dazu paßt, die recht lang, tiefleibig und kurzbeinig iſt. Große herab⸗ haͤngende Ohren ſind gewoͤhnlich damit verbunden, und ziehen die Kaͤufer an. Will man indeſſen, wie bei großen Molkereien und Brauereien oft rathſam ſeyn kann, Schweine zu jeder Jahreszeit unmittelbar an die Schlaͤchter verkaufen, ſo muß man mehrere Ruͤckſicht auf Schnellwuͤchſigkeit und ſtarken Fleiſchanſaß nehmen, ſo daß ſie noch unter einem Jahre voͤllig ausgewachſen und ſchlachtbar. ſind. Hierzu iſt vor allen die afrikaniſche und chineſiſche Race geeignet; doch trifft man unter unſern gewoͤhnlichen Schweinen auch zuweilen einen Schlag, welcher ſich hierzu beſſer als zum Speck⸗ und Flomenanſas paßt. Der Eber muß alſo beſonders von einer Rage, die vorgedachten Zwecken entſpricht, gewaͤhlt werden. Er muß geſund ſeyn und keine Fehler an ſich ha⸗ ben, die forterben könnten. Er muß abgeſperrt werden, bis er ein Jahr alt und genugſam ausgewachſen iſt, er faͤngt ſonſt ſchon ſehr fruͤh zu reiten an. In der Regel laßt man ihn nicht uber drei Jahr alt werden, bevor man ihn verſchnei⸗ det, weil ſonſt ſein Fleiſch unbrauchbar wird. Wäre er indeſſen von einer vor⸗ zuglichen Rage, die man noch nicht erſetzen koͤnnte, ſo kann es rath ſam ſeyn, ſein Fleiſch aufzuopfern und ihn einige Jahre laͤnger zu brauchen. Auf freier Weide und Umgang mit den Schweinen wurde ein Eber wohl fur 3o bis 40 Saͤue hinreichend ſeyn; da er aber in der Regel abgeſperrt und nur zu Vierter Theil. Bbb Beßattung. 378 Die Schweinezucht. beſtimmten Zeiten zugelaſſen wird, damit die Ferkel zu einer Zeit fallen, ſo haͤlt man auf 10 bis 12 Saͤue einen Eber. Da die Eber, wenn ſie ausgewachſen ſind, oft wild und unbändig werden, Thiere auch wohl Menſchen anfallen, ſo iſt es rathſam, ihnen die Hauer oder untern Eckzähne auszuſchlagen. Die Sau muß von einer zweckmäßigen Rage und Koͤrperbau, geſund und frei von Fehlern und Untugenden ſeyn. Sie muß wenigſtens 12 Spaͤhne oder Zitzen haben, indem man bemcekt, daß ſich jedes Ferkel zu einer Zitze halt und daher eins verhungert, wenn es an einer fehlt. Eine gute Sau muß viele Ferkel, und zwar gleichartige, nicht einige ſtarke und einige ſchwache, bringen. Sie muß die Ferkel ſorgſam und gut halten, ſie nicht todt druͤcken, beſonders aber nicht die Nachgeburt, und was dann leicht folgt, nicht die Ferkel freſſen. Hat eine Sau dieſe uͤble Gewohnheiten, oder auch eine ſchwere Geburt, todte Ferkel, ſo muß man ſie ſogleich ſchneiden laſſen, und deshalb mehrere junge Saͤue aufziehen, da⸗ mit man nur die fehlerloſen behalten koͤnne. Auch muß man von fehlerhaften Säuen keine Zuchtſaͤue oder Eber wieder aufziehen. F. 82. Die Sauen ſind faſt immer bruͤnſtig, bis ſie empfangen haben; ſie wer⸗ den es ſchon, wenn ſie 4 bis 5 Monat alt ſind, aber man läͤßt ſie doch in der Re⸗ gel nicht unter einem Jahre, wenn man aber eine vorzuͤglich große Rage aus einer kleineren erziehen will, erſt wenn ſie bald zweijaͤhrig ſind, belegen. Man laͤßt die Sauen jährlich zweimal oder nur einmal ferkeln. Bei reich⸗ licher Fuͤtterung konnen ſie in 13 Monaten dreimal Ferkel bringen, welches je⸗ doch ſelten rathſam ſeyn moͤgte. Will man, wie bei groͤßeren Schweinezuchten mit hinreichendem Futter gewoͤhnlich geſchieht, zweimal Ferkel haben, ſo laͤßt man die Eber gewöhnlich Anfangs Oktobers und Ausgangs März zu den Säuen. Da eine Sau 4 Monat bis 18 Wochen leinige wollen Beiſpiele von 20, ſogar 21 Wochen, auch bemerkt haben, daß altere Saͤue laͤnger wie junge gehen) geht, ſo bringt ſie im Auguſt und März ihre Ferkel. Soll ſie aber nur ein⸗ mal belegt werden, ſo wird ſie im Dezember zugelaſſen, damit ſie ihre Jungen im April bringe, und dieſe auf der Weide aufgezogen werden koͤnnen. Die wer⸗ ſchiedenen Abſichten und Wirthſchaftsverhältniſſe müſſen es entſcheiden, welche Einrichtung man bierin treffen wolle. Die Auguſtferkel, ſo wie auch die fruͤh⸗ Die Schweinezucht. 379 kommenden Märzferkel erfordern gute Winternahrung, und wenn man mit der Schweinezucht nur die Weide benutzen will, um die kleinen Schweine im Herbſt zu verkaufen, ſo kann das einmalige Ferkeln im April zweckmaͤßig ſeyn. Eine ſchlechte Einrichtung und Kälte der Staͤlle, wo die Ferkel zu Grunde gehen, kann ebenfalls nur einen Wurf geſtatten. Bei einer gut regulirten Schweine⸗ zucht aber und hinreichendem Futterbau fuͤr den Winter wird der doppelte Wurf immer einen groͤßeren Vortheil bringen. §. 83. Eine gut eingerichtete Stallung iſt bei der Schweinezucht vielleicht wichti⸗ ger, wie bei jedem anderen Thiere. Das Gedeihen haͤngt vornehmlich davon ab, und ohne ſolche iſt alles andere oft vergeblich. Die Schweine muͤſſen ih⸗ rem Alter, Zuſtande und Geſchlechte nach abgeſondert werden koͤnnen; es muß daher ein beſonderer Raum oder Stall vorhanden ſeyn a. fuͤr die abgeſetzten Ferkel, b. fuͤr die kleinen Faſelſchweine, weil ſie ſonſt von den groͤßeren beſchaͤ⸗ digt und verdraͤngt werden, c. füͤr die großen Faſelſchweine, in niche ſowohl die kaſtrirten Schweine beiderlei Geſchlechts, als auch die aufzuziehenden Mutterſchweine und die Zucht⸗ ſaͤue, wenn ihre Ferkel abgeſetzt ſind, kommen. d. Saukoten oder kleine Staͤlle fuͤr jede Zuchtſau und ihre Sauferkel, e. Maſtſtalle, f. fuͤr die Eber. Es kommt bei der Anlage dieſer Staͤlle oder des Schweinehauſes darauf an, daß die Schweine warm, jedoch luftig und rein erhalten werden koͤnnen. Denn ob das Schwein ſich gleich zur Abkuͤhlung oft in den Koth waͤlzt, ſo iſt ihm doch Reinlichkeit im Stalle vor allem noͤthig. Ferner muß das Schweinehaus alle Be⸗ quemlichkeiten zur Winterfutterung enthalten, und wenn die Futterung hauptſaͤch⸗ lich aus den Molkereien, Brau⸗oder Brennereien erfolgt, mit dieſen in Verbin⸗ Stallukg. dung ſtehen. Das Schweinehaus muß ſonnig liegen und wo moͤglich mit einem Hofe umgeben ſeyn, in welchem die Schweine, auch in verſchiedenen Abtheilun⸗ gen, herausgelaſſen werden koͤnnen. Endlich muß fuͤr eine gute Aufbewahrung Bbb 2 der Saͤue. 380 Die Schweinezucht. des Miſtes und Auffangung der Jauche geſorgt ſeyn, damit nichts von deſſen dun⸗ genden Stoffen verloren gehe. Die Einrichtung des Schweinhauſes gehört ubrigens zu der ländlichen Bau⸗ kunſt und dieſe iſt mit Ruͤckſicht auf die wirthſchaftlichen Zwecke vorzuͤglich vorge⸗ tragen in. Gilly Anweiſung zur landwirthſchaftlichen Baukunſt, herausgegeben von Friederici. Bd. 1. Abth. 2. S. 12. u. f. §. 84. Die Sau muß waͤhrend der Trächtigkeit gut gefuͤttert werden, jedoch nicht uͤbermaͤßig und gleich einem Maſtſchweine, weil ſie ſonſt leicht zu fruͤh wirft. Beſonders muß man ſie kurz vor dem Werfen nicht hungrig werden laſſen, weil ſie der Hunger verleiten koͤnnte, die Nachgeburt und Ferkel zu freſſen. Es iſt ſehr gut, den Tag der Begehung zu wiſſen, um die Zeit des Ferkelns beſtimmen und die noͤthigen Vorkehrungen treffen zu koͤnnen. Eine genauere Aufſicht iſt dann von Wichtigkeit, und wenn es des Nachts geſchieht, muß billig der Schweinehirte oder die Magd dabei wachen. Es iſt immer am beſten, jeder Sau ihre eigene Kote zu geben; hoͤchſtens darf man nur zwei, die aneinander gewoͤhnt ſind, zuſammenbringen, weil ſonſt Ferkel erdruͤckt werden wuͤrden.* Der Sau muß eine gute Streu, jedoch keine zu ſtarke, gegeben werden, weil ſich ſonſt die Ferkel darunter verkriechen und ohne Verſchulden der Sau erdruͤckt werden koͤnnen. Bis der Wurf vollfuͤhrt und auch die Nachgeburt abgegangen, iſt es rathſam, die Ferkel abzunehmen und zu ſammeln, damit ſie dabei nicht erdruͤckt werden, wenn ſie unter die Mutter kriechen. Eine Viertelſtunde nach der Geburt, oder noch während der Nachgeburt ſucht der Schweinehirte durch ſanftes Krabbeln am Bauch und an den Ziten das Thier zum Niederlegen zu bringen, und legt dann die Ferkel an. Man hat bemerkt, daß jedes Ferkel faſt immer ſeine eigene Zitze habe und nicht leicht an eine andere gehe. Ferner, daß die vorderen Zitzen mehr Milch ge⸗ ben, als die hinteren, weil die an jenen Saugenden immer groͤßer werden. Man legt des halb die kleinſten Ferkel an die vorderen, damit ſie die andern einhohlen und gleichartig werden⸗ „ Die Schweinczucht. 381 Wenn mehrere Saͤue zugleich ferkeln, und eine zu wenig Ferkel bringt, ſo kann man ihr von andern, die zuviel haben, einige beilegen. Dies muß aber ſogleich geſchehen, ehe ſie aufſteht, damit ſie es nicht merkt. Manchmal kommen mehr Ferkel, als Zitzen da ſind; kann man es dann nicht ſo machen, ſo muͤſſen die kleinſten gleich als Spanferkel geſchlachtet werden— fuͤr Liebhaber. Gewöhnlich werfen Erſtlingsſäue wenigere Ferkel. Wirft eine ſolche aber viele, ſo iſt ſie beſonders ſchätzbar. Eine ältere Sau, die weniger als 8 bringt, iſt nicht viel werth. Säue, die einen außerordentlich tiefen, faſt ſchleppenden Bauch haben, ſollen, gegen den Anſchein, weniger Ferkel bringen. Nach dem Ferkeln erhaͤlt die Sau gleich Gerſtenſchroottrank, und dann, ſo lange ſie ſaugt, gutes Futter, um viele Milch zu bekommen, ſaure Milch mit Gerſtenſchrvot, Kleie, Hehlkuchen, gut durchgeruͤhrt mit Waſſer; keine unge⸗ wohnte Nahrung, die leicht ihr und den Ferkeln Durchfall zuziehen koͤnnte; im⸗ mer gute und trockene, oft gewechſelte Streu, jevoch nicht zu viel, damit ſich die Ferkel nicht darunter verkriechen. F. 85. Die Ferkel werden haͤufig mit 2 ½— 3 Wochen verſchnitten. Sie bleiben aber alsdann ſchwaͤchlicher und unanſehnlicher, hochbeiniger, als wenn ſie erſt nach 6 Monaten geſchnitten werden. Aber die Operation iſt fruh minder gefaͤhr⸗ und bei dem ſpäten Schneiden muͤſſen die maͤnnlichen und weiblichen im Stalle und auf der Weide getrennt werden, bis es geſchehen iſt. Beim Verſchneiden fallen haͤufig verdrießliche Fehler vor, gegen die man auf ſeiner Hut ſeyn muß, zumal wo es privilegirte Schweinſchneider giebt. Die Caſtration bei maͤnnlichen und bei weiblichen Thieren geſchiehet manchmal unvoll⸗ kommen, wodurch ſie zwar zur Fortpflanzung unfaͤhig werden, aber dennoch geil bleiben, und nicht nur ſich ſelbſt, ſondern auch die ganze Heerde, wie man ſagt, abreiten. „ Wenn Schweine verſchnitten werden ſollen, ſo ſie 24 Stunden vor⸗ her nur ſehr mäßiges und nicht aufblaͤhendes Futter haben. Man muß dann die zu Sauſchweinen zu behaltenden ſorgfaͤltig auswaͤhlen. Nach dem Verſchneiden laͤßt man ſie in Ruhe liegen, giebt ihnen nur duͤn⸗ nen Trank von Leimkuchen und ſaurer Milch, bis ſie wieder geſund ſind. N Verſchneiden. Entwoͤhnte Ferkel. 00 O0 10 Die Schweinezucht. §. 86. Das Entwoͤhnen der Ferkel iſt nicht ſchwer, da ſie ſchon nach 14 Tagen mit zufreſſen anfangen. Man giebt den Ferkeln entweder eigene, niedrig ſte⸗ hende und weniger tiefe Troͤge, oder man läßt ſie auch mit den Alten aus ei⸗ nem Troge freſſen. Es iſt beſonders gut, wenn jede Saukote einen Ausgang auf den Schweine⸗ hof hat, ſo daß man alte und junge bequem ausgehen laſſen, und ihnen auch fei⸗ ſches Waſſer auf dem Hofe geben kann. Wenn ſie vier Wochen geſogen haben, laͤßt man wechſelsweiſe die San ohne die Ferkel, und wieder die Ferkel ohne die Sau, letztere jedoch nur bei gutem Wet⸗ ter heraus; wobei ſie ſich dann von ſelbſt entwoͤhnen. Der Sau giebt man ma⸗ geres Futter, damit ihr die Milch vergehe, und ſie die Ferkel abſtoße. Zuletzt pflegt man den Ferkeln einige Futter Gerſtenkoͤrner zu geben, damit ſie ſich an hartes Futter gewoͤhnen, und ſich, wie man ſagt, die Zähne feſtbeißen. Anfangs werden entwoͤhnte Ferkel täglich fuͤnf Mal gefuͤttert, bis ſie ſechs Wochen alt ſind, dann vier Mal, bis ſie neun Wochen alt, und hernach täglich drei Mal, wie die uͤbrigen Schweine. Man gewoͤhnt ſie leicht, kaltes Futter zu freſſen, was uͤberhaupt bei der Schweinezucht am ſicherſten ſcheint, da heißes Futter ſo leicht ſchaͤdlich werden kann. Wenn ſie nicht rein ausfreſſen, muß das zuruͤckgebliebene herausgenommen und der Trog gereinigt werden, man muß ihnen friſches Futter, aber dann freilich weniger geben. Saure Milch iſt ohne Zweifel die beſte und geſundeſte Nahrung. Kann der Käſe nicht hoch benutzt werden, ſo wird ihre Verwendung zum Schweinefutter oft das Vortheilhafteſte ſeyn. Ein achtzehn woͤchentliches Schwein mit ſaurer Milch hinlaͤnglich gefuttert, iſt groͤßer als ein Jährling. Uebrigens muͤſſen die Ferkel, wenn ſie neun Wochen alt ſind, an alle Nah⸗ rung der Alten gewoͤhnt werden; jedoch muß man ſie mit ihnen nicht länger in einem Stalle laſſen. Auch muͤſſen ſie unter ſich nach dem Geſchlechte abgeſondert werden, wenn ſie nicht ſaugend verſchnitten ſind, bis lester es geſchehen iſt. Iſt Ge⸗ legenheit dazu vorhanden, ſo muß man auch ſchwächere Ferkel abſondern, weil dieſe von den andern abgebiſſen nur halb ſatt werden, und immer ſchwach bleiben. Die Schweinezucht. 383 §. 85. Im Sommer ſinden die Schweine ihe Nahrung entweder auf der Weide Sommernah⸗ oder im Stalle. In guten Gegenden wird die Weide mit Schweinen wohl ſelten vortheilhaft benutzt. Wo es aber ſauergraſige Niederungen, bruchige und moraſtige Stellen, kuhle, buſchige Plaͤße, viele Waſſerpfuͤhle giebt; wo viele Schnecken, Maden und Wuͤrmer ſich im Boden befinden, auch Wurzeln, die ihnen angenehm ſind, iſt ſolche Weide nicht beſſer zu benutzen. Es kommt dabei viel auf einen guten Hirten an, der einen paſſenden Platz fuͤr jede Tageszeit und Witterung waͤhlt. Mittags muß man ihnen bei heißer Witterung Schutz gegen die Sonne verſchaf⸗ ſen, und ſie zu Haus treiben, wenn ſie ſolchen auf dem Felde nicht finden. Auch die erſte Stoppelweide wird durch die Schweine, der ausgefallenen Koͤrner wegen, ohne Zweifel am beſten benutzt. Außer dieſen, dem Graſe und Kraͤutern, wuͤh⸗ len ſie dann auch nachtheilige Wurzeln, die mit dem Pfluge kaum zerſtoͤrbar ſind, aus dem Voden heraus, z. B. das Sium falcaria, welches durch Schweine faſt allein vertilgt werden kann. Auch von Inſekten, Wuͤrmern und Maͤuſen reinigen ſie den Acker. Wo der Wurzelbau betrieben wird, finden ſie nachher auf dem abgeernteten Kartoffel⸗ und Ruͤbenacker reichliche Nahrung, und man kann das bei dem Aufſammeln Zuruͤckgebliebene nicht vortheiſhafter benutzen. In der kargeren Weidezeit erfordern ſie jedoch immer einiges Nebenfutter Abends und Morgens auf dem Stalle. Die Sommer⸗Sallfuͤtterung findet ſtatt bei großeren Molkereien, Auf dem wo ihnen entweder die ſaure Milch gegeben wird, oder nur die Waddig mit Kuͤ⸗ Stale⸗ chen⸗ und Gartenabfall, Klaie, Spreu und dergleichen gemiſcht, und etwas ge⸗ ſauert. Beſonders aber kann ſie betrieben werden bei Klee⸗Wirthſchaften, wo man ihnen entweder den langen Klee vorwirft, oder ihn zu Häckſel ſchneidet, mit Waddig und Milch vermengt, und etwas ſäuern läßt, was unter allen das treff⸗ lichſte Futter giebt. Sie muͤſſen dabei aber auf einen geraͤumigen Hof kommen koͤnnen, und daſelbſt friſches Waſſer finden, oder dem Waſſer zum Trinken und zum Schwemmen hingetrieben werden. Winternah⸗ rung⸗ Schweine⸗Be⸗ ſtand. 384 Die Schweinezucht. §. 88. Die Winterfuͤtterung kann vortheilhaft ſeyn, entweder bei erheblichen Brau⸗ und Branntweinbrennereien und Molkereien, oder bei einem ſtarken Brach⸗ fruchtbau. Bei groͤßeren Molkereien pflegt es am meiſten im Vorwinter an Fut⸗ ter zu fehlen. Es wird ihnen daher ſaure Milch mit Waſſer verduͤnnt aufgeho⸗ ben, und außerdem ſucht man ſich mit Kuͤchenabfall, Klaien, Muͤhlenſtaub, Hin⸗ terkorn und Unkrautsſaamen von Getreide, welche aber entweder geſchroten oder. heiß angebrüͤht werden müſſen, zu helfen⸗ Wenn die Kuͤhe zu kalben anfangen, zu einer Zeit, wo ohnehin ſelten Kaͤſe gemacht wird, ſo iſt dann Milchuͤberfluß vorhanden. Ferner bei dem Brachfruchtbau, wo es an Futter nie fehlen kann, wobei man jedoch zugleich alle oben erwähnte Abſälle mit benutzt. Muß man den Schweinen gute Koͤrner geben, ſo kommen ſie in der Regel zu hoch zu ſtehen. Auf der andern Seite aber muͤſſen ſie durchaus gut genährt ſeyn, wenn Vortheil herauskommen ſoll. Durch gutes Futter kann ein einjähri⸗ ges Schwein zu demſelben Werth gebracht werden, den ein zweijähriges hat, und es ſrägt ſich, ob es nicht vortheilhafter ſey, das Futter, was man ſonſt in zwei Jahren giebt, in einem zu geben? F. 89. Bei der ganzen Einrichtung der Schweinezucht und Maſtung muß der Land⸗ wirth ausmitteln, welche Art von Schweinen er in ſeiner Gegend am vortheil⸗ hafteſten abſetzen konne, und wie ſtark die Abnahme ſey, die er fuͤr jede Art wahrſcheinlich finden werde. Man kann verkaufen a) abgewoͤhnte Ferkel in Gegenden, wo es viele kleine Bauern und Gärtner giebt, die eine Kuh halten und einige Schweine auf die Weide treiben duͤrfen; b) Halbwäͤchslinge oder klein Faſelſchweine nach der Ernte an ſolche Leute, die ſich ein Paar Hausſchweine mäſten, und eine Mittelgattung vorziehen, weil ſie wohlfeiler iſt; o) ganz ausgewachſene Schweine an Brauer und Branntweinbrenner in den Staͤdten, auch an andre Haushaltungen, die vielen Abfall haben oder fuͤr die Schweine zuſammenholen; überhaupt an alle, die keine Schweinezuzucht, aber Maſtfutter haben; d) halbfette Fleiſchſchweine zu jeder Zeit an die Fleiſcher; e) voll Die Schweinezucht. 385 e) volle Maſt⸗ und Speckſchweine gegen Weihnachten an Stadt⸗ und Land⸗ haushaltungen. Man geht immer am ſicherſten, wenn man bei der Errichtung der Schwei⸗ nezucht etwas beſtimmtes feſtſetzt, welche von obigen fuͤnf Schweinearten, und— wie viel von jeder man verkaufen und halten will. Dieſe muß man dann zu dem Preiſe, den ſie gelten, losſchlagen, und wer unzufrieden mit dem oft herab⸗ ſinkenden Preiſe einer Art, z. B. der jungen Schweine, ſie gegen ſeine Einrich⸗ tung zuruckbehalten wollte, wuͤrde ſich mehrentheils in Verlegenheit mit Futter geſetzt finden, und ſie nachmals mit noch groͤßerem Schaden verkaufen muͤſſen; da in ſolchen Fällen mehrere ihre Schweine zuruckhalten, und ſie doch endlich zu Markte bringen. Es faͤllt zwar ſehr auf, wenn man im vorigen Jahre für ein ent voͤhntes Ferkel 3 Rtbl. erhalten hatte, und nun 8 Gr. dafuͤr geboten werden, wie ich dies mehrmals erlebt habe; aber man ſchlage denunch zu, wenn die Ein⸗ richtung einmal ſo getroffen iſt. In der Regel, wenn man keine Ferkel verkauft, richtet man es ſo ein, daß man die FruͤhjahrsFerkel zur Zucht und im folgenden Herbſt aufzuſetzenden Schwei⸗ nen behaͤlt; die Auguſt⸗Ferkel aber bis ſie ein Jahr alt ſind, und ſie dann als Maſtſchweine verkauft. §. 90. Zur Maſtung können nur ausgewachſene Schweine mit dem großten Vor⸗ Die Maſtung theil aufgeſtallt werden. Bei ſehr guten Ragen und kraftiger Fuͤtterung kann ein einjahriges Schwein in dieſem Zuſtande ſeyn. Gewoͤhnlich aber kann man die zweijaͤhrigen, zuweilen gar nur die dreijaͤhrigen, als ſolche annehmen. Die Maſtung wird bei uns ſelten, in England aber häufig mit Futterkraͤu⸗ mit Futte⸗ tern, Klee, Luzerne, Wicken, Buchweizen, Spergel im Sommer betrieben, theils ktüuten. indem man die Schweine in ſolchen Futterkoppeln wechſelnd eintreibt; theils auf dem Stalle oder in einer feſtſtehenden Horde. Dieſe Futterkräͤuter, ſo wie Kohl und Abfaͤlle unter einander, werden auch geſchnitten in eingemauerte große Be⸗ hälter, geſalzen, eingeſtampft und darin eingeſaͤuert, wovon die Schweine im Herbſte gefuͤttert, ſehr fett werden, Vierter Theil. Cce Milchmaß. Wurzelmaſt. Brauereimaſt. Branutwein⸗ ſpülichtmaſt. 386 Die Schweinezucht. §. 91.. Bei greßen Molkereien findet die Milchmaſt ſtatt, oft ohne Zuzucht. Man giebt theils die ſaure Milch, theils die Waddig, und manche ſind entſchieden der Meinung, daß jene vortheilhaſter auch zur Maſtung als zum Kaͤſemachen benut werde. Es iſt gewiß, daß Schweine dabei ſchnell zu einem großen Gewicht kom⸗ men können, wenn man zuletzt noch etwas Gerſtenſchrot, um die mit Waſſer ver⸗ duͤnnte Milch zu verdicken, hinzuthut. Das Fleiſch ſolcher Schweine iſt von vor⸗ zuglicher Guͤte. Man macht es ſich aber zur Regel, ein mit Milch angemäſte⸗ tes Schwein auch völlig damit auszumäſten, weil es bei jedem andren Futter danach abfallen wuͤrde. Schrot kann ihm nur als Zuſatz gegeben werden. §. 92. Ein ſtarker Wurzel⸗ oder Hackfruchtbau kenn oft ſehr vorcheilhalt durch Schweinemaſtung benutzt werden. Am häuſigſten werden jetzt die Kortoffeln dazu gebraucht, die aber den Maſtſchweinen gekocht, und zwar am beſten im Dampfe, und dann zerkleinert, mit Waſſer angeruͤhrt, gegeben werden muͤſſen. So gern ſie rohe Kartoffeln eine Zeitlang und mäßig ſreſſen, ſo werden ſie ihnen doch bei der Maſtung bald zuwider. Zur Vollendung der Maſt ruͤhrt man ihnen zuletzt etwas Koͤrnerſchrot unter den Kartoffelnbrei. Noch vortheilhafter zur Maſtung halten manche die Moͤhren, welche die Schweine auch ungekocht vorzüglich lieben, und ſich immer ſehr dabei aufnehmen. Sie ſollen ein ausgezeichnet feſies und derbes Fleiſch danach erhalten. §. 93. Die Biertraͤbern muͤſſen ſehr reichlich gefuͤttert werden, wenn Schweine vollkommen fett dabei werden ſollen. Anfaͤnglich ſetzen ſie ſehr gutes Fleiſch, aber zu ſtarkem Speck bringt man es nicht damit; weshalb ſie zuletzt mit kraͤſtigerm Futter vermiſcht werden muͤſſen. Wenn kein Nachbier ven den Träbern(Seyhe) gezogen worden, ſind ſie nahrhafter. Sie muͤſſen unter Waſſer aufoewahrt wer⸗ den, weil ſie ſich ſonſt brennen. §. 94. Der Branntweinſpuͤlicht iſt ein weit kräſtigeres Maſiſutter als die Bier⸗ träbern. Auf 8 Nordhaͤuſer Scheſfel, circa 6 Berliner, täglicher Brennſatz, kön⸗ nen nach Neuenhahn 50 Schweine gehalten werden; indeſſen fuͤgt er hinzu, n —— Die Schweinezucht. 387 es ſey beſſer, zu wenig als zu vieles Vieh aufzuſtallen, und wenn man das Fut⸗ ter nicht konſumiren koͤnne, ſo ſey der Schaden bei weitem nicht ſo groß, ale wenn es fehle. Anſangs muß der Spuͤlicht den Schweinen verduͤnnt gegeben werden, weil ſie ihn ſonſt nicht freſſen wollen, und wirklich taumlicht danach werden,“ hernach wird immer mehr Spuͤlicht zugeſetzt, bis ſie ſich an das Futter gewoͤhnen. Der Spuͤlicht, ſagt Neuenhahn, koͤnne auch den Schweinen nicht zu friſch und warm gegeben werden, ſie verbrennten ſich nicht; kalter und alter Spuͤlicht ſey ihnen mehr ſchädlich als nuͤtzlich. Von andern erfahrnen Branntweinbrennern, die viele Schweine maͤſten, iſt mir indeſſen im Gegentheile verſichert, es erfor⸗ dere viele Aufmerkſamkeit und einen zuverläſſigen Menſchen, damit die Schweine den Spuͤlicht nicht zu warm bekaͤmen, weil ihnen dieſes ſehr ſchaͤdlich ſey, und ſie auffallend zuruͤckſetze. Der Spuͤlicht muß ihnen dann bald dick, bald duͤnn gegeben werden, um ſie bei der Freßlun zu erhalten. §. 05. Der Abfall der Staͤrke⸗Fabriken, der Schlamm mit den Traͤbern des Stärke⸗ Weizens uͤbertreffen die Biertraͤbern und Branntweinſpuͤlicht bei weitem. Sie nn mäſten ſchneller, machen feſtes Fleiſch, derben Speck und viele Flomen. Die Schweine freſſen ihn anfaͤnglich mit ſehr großer Begierde, weswegen ſie ſich leicht uͤberſreſſen und dann nicht mehr daran wollen. Man muß es daher ſehr behut⸗ ſam fuͤttern, und die Troͤge muͤſſen beſonders rein erhalten werden. Kann man dabei mit einem andren Futter auch abwechſeln, ſo geht es mit der Maſt um ſo ſichrer. Oſt wird der Starkeſchlamm in groͤßeren Quantitäten gewonnen, als er in kurzer Zeit verfuͤttert werden kann; dann iſt er ſchwer aufzubewahren, weil er wegen ſeiner animaliſchen Beſtandtheile ſchnell in Faulniß geht. Das einzige Mit⸗ tel ſoll ſeyn, ihn abzudampfen und dann in Kuchen zu backen. §. 96. Die Gekteidemaſt iſt wohl nur in ſeltneren Faͤllen wirklich vortheilhaft. Setreidemat Indeſſen wird ſie haͤufig angewandt, und zwar auf mancherlei Weiſe. Ein gu⸗ tes Schwein ſetzt nach den Beobachtungen der Engländer von 1 Buſhel, halb Gerſte halb Erbſen, 9 bis 10 Pfund Fleiſch auf; von einem Berliner Scheſſel alſo 14 bis 15 Pfund; wonach man ſich berechnen kann, in wiefern dieſe Koͤrner⸗ maſt wirthſchaftlich ſeyo. Man giebt ihnen das Getreide Ccc 2 388 Die Schweinezucht. a) roh und trocken. Die Schweine beißen und zermalmen es recht gut, ſie müſſen aber ſehr vieles Waſſer dabei haben; Schweinen, die ſich zufaͤllig uͤberfref. ſen hatten, iſt der Magen davon geplatzt, weswegen man vorſichtig bei der Fut⸗ terung ſeyn muß; b) gequelltes Getreide wird nicht leicht ſchäͤdlich, man bemerkt aber häufig, daß die Schweine nicht viel davon freſſen wollen. Kann man es, nachdem es bis zum Keimen gekommen iſt, wieder trocknen, oder es zu Malz machen, ſo iſt es um ſo beſſer. Man läßt es auch ſaͤuern, wodurch es den Schweinen ange⸗ nehmer und gedeihlicher wird; o) gekochtes Getreide bis zum Zerplaten ſoll vorzuͤglich gut mäſten, und man erſpart dadurch gegen das Schrot, wo das Feuermaterial wohlfeil iſt, die Mahlmetze; 4) geſchrotenes Getreide iſt aber unter allen wohl das ſicherſte und vollkom⸗ menſte. Die Schweine werden es ſelten uͤberdrüſſig, wenn es ihnen gut bereitet wird. Es muß aber eine Zeitlang vorher eingeweicht, dann mit mehrerem Waſ⸗ ſer verduͤnnt und ſorgfaltig durchgearbeitet werten, ſo daß durchaus keine Kluͤmpe darin bleiben, welche den Thieren ſehr leicht Unverdaulichkeit und Krankheit zu⸗ ziehen können; es darf nicht mit ſiedendem, ſondern nur mit lanem und kalten Waſſer angebruͤht werden. Bei der Schrotfuͤtterung giebt man Abends gern ein wenig harte Körner, welche die Freßluſt erhalten ſollen. Unter dem eigentlichen Getreide iſt nach der Erfahrung der Mehrſten, die Gerſte das zuträglichſte; andre ziehen den Hafer vor. Huͤlſenfruͤchte aber, Erb⸗ ſen, Wicken, Bohnen, ſind ungleich kräftiger. Nur muß man, im Fall die Maſt mit letztern betrieben werden foll, den Schweinen vorher kein reines Gerſtenſchrot geben, weil ſie ſonſt jene liegen laſſen. Will man dieſe ſchweren Koͤrner in der Folge ganz fuͤttern, ſo muß man ſie vom Anfange an mit Gerſtenſchrot vermi⸗ ſchen. Sind die Schweine aber noch nicht mit Gerſte verwoͤhnt, ſo freſſen ſie dieſe Hulſenfruchte recht gern; hart, gequellt, gekocht und in Schrot. Nach den Erfahrungen der Engländer ſollen aber, beſonders die Erbſen, ungleich kräftiger maͤſten, und den Schweinen angenehmer ſeyn, wenn ſie etwas geſaͤuert ſind. Ueberhaupt wird die Sauerteigsmaſt als die wohlfeilſte und ſchnellſte, wenn man Getreide geben will, geruͤhmt. Das Schrot oder grobe Mehl wird mit war⸗ Die Schweinezucht. 389 mem Woſſer in einem Zober zum Teig angeruhrt, dann Sauerteig hinzugethan, etwas warm erhalten, wo es dann in zwölf Stunden ſauer iſt. Von dieſem Sauerteig wird eine Portion mit Waſſer zu einem dicken Tranke angeruͤhrt und ſo gegeben. Geht der Sauerteig zu Ende, ſo wird zu dem Reſte wieder friſches Schrotmehl mit Waſſer hinzugethan und angeruͤhrt. Dieſer Sauerteigstrank iſt den Schweinen ungemein angenehm, geſund und kuͤhlend. Allein gegeben ſoll er ſie aber nur ſtark aufſchlemmen, vieles, aber lockeres, leichtes Fleiſch, wenig Speck und Flomen geben. Man muͤſſe daher taͤglich einmal ſchweres Korn, vorzuͤglich Erbſen dabei geben. ₰ Auch wollen es einige vortheilhaft gefunden haben, die Schweine mit Brod zu mäſten. Das Brod wird von grobem Gerſten- oder Roggenmehle gebacken, dann in Stuͤcke geſchnitten und im Oſen gedoͤrrt, hernach im Waſſer geweicht, und als dickes Getraͤnk gegeben. Wenn es noch ſtatt des Waſſers in ſaure Milch oder Molken geweicht wird, ſo ſoll es jede andere Maſt an Kraft und Geſchwindigkeit der Wirkung uͤbertreffen; wie mir ein ſehr glaubwuͤrdiger, erfahr⸗ ner Landwirth verſichert hat. Alle andre Getreidearten ſcheint mir der Mais als Maſtfutter zu uͤbertref⸗ ſen. Er giebt beſonders feſtes Fleiſch, derben Speck, und wird von den Schwei⸗ nen vorzuͤglich geliebt. Bei uns brarcht man ihn gewoͤhnlich nur als ein vollen⸗ dendes Maſtfutter, indem man auf jedes Schwein Abends und Morgens eine oder zwei Hände voll Maiskoͤrner giebt, wodurch die Maſt augenſcheinlich erhoͤht wird. Man kann auch den Schweinen die ganzen Kolben vorwerfen, da ſie dann die Koͤrner ſelbſt ausloͤſen. Dies geſchieht beſonders in Ungarn, wo eine große Menge Moldauiſcher Schweine damit zur hoͤchſten Maſt getrieben, und nach Wien ge⸗ bracht wird. §. 97. Noch ſind bei der Schweinemaſt folgende Regeln zu beobachten: Alge meine Schweine uͤberfreſſen ſich leichter wie jedes andre Thier, und dieſes ſetzt ſie bei der ungemein zuruͤck. Es iſt daher, wenn eins ſeyn ſoll, immer beſſer, ihnen etwas zu wenig als zu viel zu geben Haben ſie ſich uͤberfeſſen, ſo muß man ihnen in 24 Stunden gar kein Futter, und dann 6 Stunden vor dem neuen Futter etliche Haͤnde voll harte Koͤrner mit etwas Salz geben. 390 Die Schweinezucht. Im Anfange der Maſt freſſen ſie viel, wenn ſie fett ſind, wenig. Es iſt daher die Regel, das ſtärkſte und konzentrirteſte Futter bis zuletzt aufzuſparen. Indeſſen ſind einige, beſonders die Engländer dafuͤr, ihnen gleich zu Anfange recht kraͤftiges Futter zu geben, um ihre Lebensthatigkeit aufzureizen, dann all⸗ Waldmaſt. maͤhlig leichteres, aber mehreres, und zuletzt wieder das ſchwerſte. Sehr nutzlich hat man es allgemein gefunden, den Schweinen von Zeit zu Zeit ein Loth gepulvertes Spießglanz, etweder auf das Futter, oder mit ſaurer Milch zu geben. Es erhaͤlt nicht nur Freßluſt, befoͤrdert die Verdauung, ſon⸗ dern ſchutzt ſie auch fuͤr Finnen. Man kann es alle 8, oder alle 14 Tage ge⸗ ben, und beſonders dann, wenn die Schweine nicht recht freßluſtig und munter zu ſeyn ſcheinen. Der Stallraum kann ziemlich enge ſeyn, ſie werden vertraͤglicher darin und liegen ruhiger. Iſt aber ein ſchwaches, krankes Schwein darunter, was von den andern gebiſſen wird, ſo muß man es ſchnell wegnehmen; denn ſonſt machen es die andern todt. Hungern die Schweine, ſo beißen ſie ſich leicht; bei zureichen⸗ dem Futter aber ſind ſie verträglich. Rathſam iſt es indeſſen, die Troge durch ein vorgeſchlagenes, eingeſchnittenes Brett ſo abzutheilen, daß jedes Schwein ſei⸗ nen Kopf nur eben durchſtecken kann. Genaue Beobachtung der Futterzeit iſt auch bei den Sien ſehr nöthig. Die möglichſte Erhaltung der Reinlichkeit, und ein trocknes Lager iſt ſehr wichtig. Das Schwemmen der Schweine woͤchentlich ein paar Mal befördert die Maſtung ſehr, und macht die Schweine ruhig. §. 98. Endlich erwaͤhne ich noch der Waldmaſt. Sie macht nie im hoͤchſten Grade ſett; aber die Eichelmaſt giebt ein ſehr feſtes Fleiſch und Speck, die Buchmaſt hingegen giebt loſes Fleiſch und Speck, welches, wenn es warm wird, auslaͤuft. Die Schweine muͤſſen Tag und Nacht im Walde bleiben und Schoppen darin haben. Werden ſie Abends eingetrieben, oder konnen frei nach Hauſe lau⸗ ſen, ſo erhitzen ſie ſich, und laufen ſo viel wieder ab, als ſie anſetzen. Die Wald⸗ maſt iſt freilich unter allen die wohlfeilſte, aber nicht alle Jahre iſt ſie genugſam vorhanden. Wenn ſie ſich nicht ſchnell darin bis zu einem gewiſſen Grade fett Die Schaafzucht. 391 ſreſſen, ſo haben ſie oft wegen des Mangels an Waͤrme und an Ruhe, wenitz Rutzen davon. Den Weidrſchweinen iſt die Holzweide immer fehr vortheilhaft, wenn auch die Waldfruͤchte nicht gerathen, indem die Wurzeln, Maden und Wuͤrmer ihnen immer ſehr gedeihlich ſind. Durchaus muͤſſen ſie aber Waſſer dabei genugſam haben. Die Schaafzucht. §. 99. Man hat die Schaaſzucht in Verhaͤltniß der uͤbrigen Viehzucht zuweilen zu Verhältniße fehr herabgeſetzt, zuweilen zu ſehr erhoben. Die Lokalitäten abgerechnet, die alle⸗ mal uͤber den hoͤhern Vortheil der einen oder der andern in konkreten Fällen ent⸗ Rindvieb⸗ ſcheiden muͤſſen, haben die Zeiten und die ſich damit verändernden merkantiliſchen icht. Konjunkturen einen großen Einfluß auf den mehreren oder minderen Vortheil der einen oder der andern Art gehabt. Es iſt aber auch nicht zu verkennen, daß die Aufmerkſamkeit und die Anſtrengung, welche man vorzugsweiſe auf dieſes oder jenes Vieh wandte, einen großen Einfluß auf deſſen hoͤheren oder geringeren Er⸗ trag haben mußten. Es iſt wohl allgemein anerkannt, daß nur ſorgfältig auf⸗ gezogenes, gut gepſtegtes und reichlich ernaͤhrtes Vieh jeder Art den dafuͤr mit ueberiegung gemachten Aufwand reichlicher bezahlen werde, als das ſchlecht ge⸗ haltene Vieh den kärgiichen, den man darauf zu verwenden ſich dennoch gezwun⸗ gen fühlt. Nur der Ueberſchuß uͤher die hochſte Nothdurft bringt Vortheil; was nur eben das Leben des Thiers hinzuhalten vermag, iſt in gewiſſer Hinſicht ganz v⸗rloren. Darum konnten die vormals faſt immer kaͤrglich genaͤhrten Schäfereien keinen Ertrag geben, ſondern es war, nach der Ueberzeugung der mehrſten Land⸗ wirthe, in manchen Gegenden, wenn Futter und Weide auch nur auf das ge⸗ ringſte angerechnet wurden, bei den Schaͤfereien ein eminenter Verluſt, und nut der Unentbehrlichkeit des Pſerchs hatten ſie ihre Beibehaltung zu verdanken. Wie man indeſſen durch den Vortheil veredelter Schafereien aufmerkſam gemacht, in— denſelben Gegenden und Wirthſchaften eine beſſere Verpflegung und mehrere Sorgfalt auf die Schöfereien überhaupt zu verwenden anfing, zeigte ſich ſchon, ohne Mitwirkung der Veredlung ſelbſt, ein hoͤherer reiner Ertrag, und da nun 392 Die Schaofzucht. die Veredlung hinzukam, ſo ward die Nutzung der Schaafe ſo groß, daß man ſie weit uͤber die des Rindviehs und der Molkerei zu erheben anfing, und letztere dagegen in Schatten ſtellte. Leider gab es nur wenige Wirthſchaften, die beide Vieharten ſorgfaͤltig und reichlich genug zu verpflegen und zu ernaͤhren im Stande waren, und ſo mußte dann mehrentheils das eine in der Verſorgung zuruͤckſtehen, wenn das andre einmal den Vorzug erhielt. Hierdurch ſank jenes dann natuͤr⸗ lich um ſo tiefer herab, Die merkantiliſchen Honjunkturen, abhaͤngig von den politiſchen, haben nun ſeit geraumer Zeit durch die hohen Wollpreiſe die Schäfereien uͤberhaupt begun⸗ ſtigt, und ſo ſteht das Schaaf anjetzt faſt durch ganz Europa, bei den Landwir⸗ then in höherer Achtung wie das Rindvieh, und wenn dieſe gleich nur durch das Merinoſchaaf erregt worden, ſo fällt ſie dennoch zugleich auf das Landſchaaf zu⸗ ruͤck, und hebt ſolches mit empor. Man hat faſt allgemein den Satz angenommen, daß die gwihrüng von 10 Schaafen auf der Weide und im Stalle, der Ernährung einer Kuh gleich ſey. Dieſes Verhaͤltniß begruͤndete ſich zuerſt auf denjenigen Schlag von Schaa⸗ fen und von Kuͤhen, den man im noͤrdlichen Deutſchlande hieit, und der jeder in ſeiner Art ſich in einem gleich duͤrftigen Zuſtande befand. Das Verhaltniß ſcheint aber auch zu bleiben, wenn jede Viehhaltung ſich im gleichen Grade verbeſſert. So wie vervollkommnete Kuͤhe doppelte Weide und Fuͤtterung erfordern, ſo erfor⸗ dern ſie auch vervollkommnete Schaafe. Sollte der Nahrungsaufwand bei den Schaafen vielleicht auch nicht in demſelben Grade, wie bei den Kuͤhen, mit der Veredlung ſteigen, ſo werden doch die Nebenkoſten und das groͤßere Riſiko jenes Verhaͤltniß der ſämmtlichen Ausgabe, d. h. Weide und Fuͤtterung mitgerechnet, mehrentheils herſtellen. Wenn daher in ſolchen Lokalitäten, wo beide Vieharten gleich gut gehalten werden koͤnnen, die Frage entſteht, welche Art der Landwirth auf Koſten oder zum Vortheil der andren vermindern ſolle— ſo wird ſie ſich hauptfaͤchlich duech die Beantwortung einer andren Frage entſcheiden laſſen- bringen 10 Schaaſe oder eine Kuh mehreren Vortheil? Und dieſe Frage läßt ſich durchaus nicht im All⸗ gemeinen, aber bei einer auch nur oberflaͤchlichen Buchfuhrung ſehr leicht in ein⸗ zelnen Fällen beantworten. Außer andern Verhältniſſen ſprechen hierbei nun, wie ſchon ——— Die Schaaßzucht. 293 ſchon oben erwaͤhnt, die Zeitumſtände mit, und man muß ſich allerdings danach richten, jedoch nicht dermaßen, daß man ſich außer Stand ſetzte, mit einer Abän⸗ derung der Zeitumſtaͤnde auch ſein Viehverhältniß wieder abaͤndern zu können. So wie ſeit zehn Jahren das Verhältniß des Fleiſch- und Butterpreiſes gegen den Wollpreis geſtanden hat— obgleich beide ſehr hoch waren— iſt der Vortheil der Schäferei auf Weiden, die fuͤr beide Thierarten gleich paſſend wa⸗ ren, entſchieden groͤßer geweſen, als der der Molkerei. Bei der Stallfuͤtterung der Kuͤhe iſt dies aber nicht der Fall, weil Stallfutterung an Weideraum ſo viel erſpart, daß dadurch die Gleichheit des reinen Ertrages vom Grund und Bo⸗ den wenigſtens wieder hergeſtellt wird. Wenn aber die Stallffuͤtterung, die weit leichter bei dem Rindvieh als bei den Schaafen anzuwenden iſt, das Re⸗ ſultat auch zum Vortheil des erſteren lenken ſollte, ſo wird ſie unter unſeren Verhältniſſen doch nur ſelten zur Verminderung der Schaͤferei leiten, ſon⸗ dern im Gegentheil zu ihrer Vermehrung fuͤhren; indem ſie ſo vielen Weide⸗ raum erſpart, der dann bloß mit letzteren benutzt werden kann. §. 100. Die mannigfaltigen und ſehr ausgezeichneten Ragen der Schaafe, die wir Schaarfagen. in den verſchiedenen Welttheilen antreffen, ſind ein intereſſanter Gegenſtand fuͤr die Naturgeſchichte, gehoͤren aber nicht fuͤr die Landwirthſchaftslehre. Auch rede ich nicht von denen Ragen, welche wir in verſchiedenen entfernteren und von uns getrennten Europaͤiſchen Laͤndern antreffen. Ueber die mannigfaltigen Ragen, die allein Brittannien aufſtellt, habe ich in meiner engliſchen Landwirth⸗ ſchaft geredet; auch kaun man daruͤber nachſehen: Culley, uͤber die Auswahl und Veredlung der vorzuglichſten Hausthiere, aus dem Engl. von Daum, mit Kupfern von Witte. Berlin, 1809. Ich beſchranke mich auf diejenigen, welche wir auf deutſchem Boden an⸗ treffen, ſie moͤgen auf demſelben urſpruͤnglich in uralten Zeiten, oder in neue⸗ ren eingefuͤhrt ſeyn. Es ſind vier Hauptarten, a) die Haidſchaafe; b) die Marſch- oder Niederungsſchaafe; c) die gewoͤhnlichen Landſchaafe; d) die Merinoſchaafe. Vierter Theil.. Dod Das Haid⸗ ſchaaf. 394 Die Schaafzucht. 5. 101. Das Haidſchaaf, Haidſchnucke, iſt eine kleine Art, die ſich faſt nur in den Haidgegenden des Luͤneburgiſchen und Bremiſchen befindet, außer ſol⸗ chen Gegenden nicht vortheilhaft ſeyn kann, und ſich auch ſonſt nirgends hal⸗ ten wuͤrde, indem ſie faſt nur von Haidekraut lebt, auf einer kraͤftigern Weide ſich ſchnell fett, aber dann auch bald krank frißt. Dieſe Schaafe haben ſämmt⸗ lich Hoͤrner, ſind nie ganz weiß, ſondern grau, braun oder ſchwarz. Ihre Wolle iſt mehrentheils haarigt, grob und ſcharf; doch giebt es einige, die feinere Wolle haben, und ſolche, die unter der längeren, groberen Wolle, kurze feine Wolle tragen, welche aber nur muͤhſam abzuſondern iſt. Sie werden gewoͤhnlich zwei⸗ mal geſchoren, das erſte Mal gegen Johannis, wo ein Widder wohl 2 bis 3 Pfund, ein Hammel 2 bis 2 ½ Pfund, und ein Schaaf 1 bis 1½ Pfd. giebt; zum zweiten Male gegen Michaelis, wo man ſie aber abſichtlich nicht tief ſchiert, und kaum ein Drittel ſo viel, als zum erſten Male erhält. Die Wolle wird zu groben Huͤten, und zwar hauptſaͤchlich die kurze, gebraucht; ſonſt macht man grobe Zeuge, insbeſondere ein aus Hanf und Wolle zuſammen gewebtes, daraus; doch wird ſie auch auswaͤrts manchmal ſehr geſucht und zur W ſenkleidung und zu Tucheggen verarbeitet. Dieſe Schaafe gewähren eine ſehr geringe Nutung, aber ſie koſten auch in dieſen Gegenden faſt gar nichts, denn ſie leben Winter und Sommer bloß von Haidekraut. Sie kratzen es unter dem Schnee heraus, und wenn er gar zu hoch liegt, ſo macht man ihnen Bahn mit einem Schneepfluge, wodurch ſie Zugang zur Haide bekommen. Auch giebt man ihnen trocknes Haidekraut im Stalle oder Schoppen, wo es ihnen, gewoͤhnlich mit etwas Pferdemiſt ermengt, eingeſtreuet wird. Etwas Buchweizenſtroh bekommen ſie faſt nur als Leckerbiſſen. Zur Lammzeit geben ihnen indeſſen einige auch ein wenig Buchweizenkorn, und den Lämmern wohl etwas Heu. So hart dieſe Schaafe ſonſt ſind, ſo ertragen ſie es doch nicht, des Nachts in Huͤrden zu liegen⸗ Ihr Gewicht bleibt ſehr geringe; es iſt ſchon ein guter Hammel, der zu 3o Pfd. Schlaͤchtergewicht kommt. Ihr Fleiſch iſt gemäſter aber ſehr feinfaſrig, ſaftig und ſchmackhaft⸗ Die Schaafzucht. 395 Man hat ſie mit andern gewoͤhnlichen Landſchaafen durchkreuzt, und dann einen Mittelſchlag herausgebracht, den man halbedel nennt, der aber gar nichts taugt, eine beſſere Fuͤtterung und Weide erfordert, wenn er nicht ganz verkroͤppeln ſoll, und wenig mehr eintraͤgt, als dieſe reine Haidſchnucke. §. 102. Das Marſch⸗ oder Riederungsſchaaf, auch Frieſiſches Schaaf Dat Manſa⸗ genannt, hat mehrere Abarten, die jedoch von demſelben Hauptſtamme herzu⸗ ſaaf. kommen ſcheinen, und nür durch die Haltung und durch die Auswahl der In⸗ dividuen abgeändert zuſeyn ſcheinen. Die in den fetteſten Gegenden ſind ſehr groß und breit, und koͤnnen bis zu einem Schlaͤchtergewichte von 120 Pfd., einzlne noch ungleich hoͤher, getrieben werden. Sie tragen eine ſtarke Wolle, die mehr oder minder fein und weich, aber nie kraus, ſondern ſchlicht und ſogenannte Kämmwolle iſt. Sie koͤnnen im Durchſchnitt auf recht fetten Weiden 10 Pfd. Wolle geben, die kleineren geben jedoch nur 6 bis 7 Pfd. Dieſe Wolle iſt zu gewiſſen Zeugen ſehr ſchatzbar, und vorzuͤglich zu geſtrickten und gewebten Struͤm⸗ pfen, weil ſie ſich durch die Feuchtigkeit nicht zuſammenzieht oder einkruͤmmpt; aber zu Tuͤchern iſt ſie nicht brauchbar. Sie bringen in der Regel zwei oft auch drei Laͤmmer, man hat ſogar Beiſpiele von mehreren. Die kleinere, feinknochige Abart dieſer Schaafe wird ſchnell fett, und auf guten Weiden ſchon im zweiten Jahre ſchlachtbar. Sie geben viele Milch, und man melkt ſie haͤufig. Ich habe ſolche Schaafe, nicht von der groͤßten Art, geſehen, die täglich ein Quart Milch gaben, und welche fuͤr die Liebhaber der Schaafmilch von vorzuͤglicher Guͤte war. Dieſe Schaafe ſcheinen daher vortheilhaft zu ſeyn, aber ſie ſind es richtig erwogen nicht; denn ſie erfordern nach Verhaͤltniß ihres Ertrages eine ſehr reiche Weide und Fuͤtterung. Sie werden deshalb auch faſt nur bei einzelnen Stuͤcken in ſolchen Gegenden gehalten, wo man ihnen eine Weide geben kann, die auf andere Weiſe nicht wohl zu benutzen iſt. In den eingedeichten Niede⸗ rungen gehen ſie an und hinter dem Deiche. Wenn man ſie fett machen will, ſo läßt man ſie entweder zwiſchen andrem Vieh auf den Fettweiden gehen, oder giebt ihnen Graskoppeln ein, die anderes Vieh nicht tragen wuͤrden, die man ſonſt als Wieſe benutzt, aber nun ein Jahr ſchonen und durch den Pferch be⸗ Ddd2 — —. Das deutſche Landſchaaf. 396 Die Schaaßzucht. duͤngen will. Sie freſſen hier ſelbſt das alte ſchilfige Gras weg, und eine ſolche Wieſe verbeſſert ſich danach merklich. Dies Schaaf frißt ſich nicht leicht faul, hier aber will man es ohnehin bald ſchlachten. Bei einer reichlichen Stallſutterung mit Klee kann man dieſes Schaaf allenthalben halten, aber bei vielen damit gemachten Verſuchen, die ich kenne, fand man doch ihre Ernöhrung zu koſtſpielig fur ihren Ertrag. Rur eine ver⸗ kleinerte Abart mit ungleich feineren Knochen hat man doch in Höbegegenden, aber nur auf ſehr reichen Weiden, nutzbar gefunden. Es kann auch ſeyn, daß dieſe Abart mittelſt der Durchkrenzung entſtanden war. Man trifft jene faſt in allen Niederungsgegenden an, und einige glauben, daß ſie von den gewoöhnli⸗ chen Landſchaafen abſtammen, aber durch die reichliche Weide allmählig ſo ge⸗ artet ſey; was mir aber auf keine Weiſe glaublich ſcheint. Ich glaube viel⸗ mehr, daß ſie ſaͤmmllich aus den Rhein⸗ und Eib⸗NRiederungen dahin ver⸗ pflanzt worden. 6. 103. Das dentſche Landſchaaf hat zwar auch manche Verſchiedenheiten, ſcheint aber doch von einem Urſtamme entſprungen zu ſeyn. Nur die Ungleich⸗ heit der Sorgfalt, welche man bei der Aufzucht und bei der Hallung darauf verwandt hat, haben die Verſchiedenbeiten, die man daran bemerkt, hervorge⸗ bracht, die nun zwar forterben, aber bei einer veraͤnderten Pflege auch wieder einarteten. In allen deutſchen Gegenden, wo man ſchon ſeit aͤlteren Zeiten her mehrere Achtſamkeit auf die Schaafe wandte, die Schaafe auch eine beſſere Weide, beſonders an Bergen hatten, findet man eine beſſere Landrage, auch in Hinſicht der Wolle, als da, wo ſie kuͤmmerlich, und nur als Nothbehelf gehalten wurden. Eine beſondere Abart nennt man in Niederſachſen die Flandriſche oder Rheiniſche Art. Sie iſt aber nur da vorzuglich geblieben, wo man ſie beſ⸗ ſer verpflegte; wo das nicht geſchah, ſcheint ſie mir nicht verſchieden von un⸗ ſrer Pommerſchen und Preußiſchen Art zu ſeyn. Es wäre der Muͤhe werth, den Gradationen in der Feinheit und Guͤte der Wolle in den deutſchen Pro⸗ vinzen nachzuſpuͤren. Wir haben uns aber ſeit jeher am wenigſten um das bekuͤmmert, was uns nahe lag, und jetzt, nach Einfuͤhrung der Merinos, achtet Die Schaafzucht. 397 man die deutſchen Landragen einer genaueren Unterſuchung kaum werth. Es koͤnnte indeſſen wohl der Fall eintreten, daß die Einſuͤhrung einer deutſchen vorzuͤglichen Landrage und ihre Veredlung in ſich ſelbſt der Muͤhe lohnte, und daß ſie durch das Gewicht ihrer Wolle, und durch ihre größere Härte dann vielleicht durch ihre mehrere Maſtfaͤhigkeit den höheren Werth der Merino⸗ wolle erſetzte. Die Feinheit, Elaſticitaͤt und Staͤrke der Landwolle iſt in der That ſehr verſchieden. Es giedt eine Art von Landſchaafen, aus deren Wolle ſchon recht gute Mitteltuͤcher bereitet werden, und die vorzuglich dauerhaft ſind. Es giebt andre, die ſo ſtichelhaarig iſt, daß ſie nur zu ganz groben Zeugen gebraucht wer⸗ den kann. Auch in Anſehung der Dichtheit und Quantität der Wolle ſind unſre Schaafe ſehr verſchieden, und es iſt faſt immer mit einer groͤßern Feinheit und Elaſticität auch mehrere Dichtigkeit des Fließes verbunden. Es iſt nicht zu leugnen, daß unſte Landſchaafe mit ſchlechterer Weide und JFuͤtterung vorlieb nehmen als die ſpaniſchen, und daß ſie zugleich härter und wenigeren Krankheiten unterworſen ſind. Wo daher die ganze Wirchſchafts⸗ einrichtung die beſſere Weide und Fuͤtterung nicht geſtattet, welche die Meri⸗ nos wenigſtens zu einem befriedigenden Wollertrage erfordern, da kann man die Beibehaltung der Landſchaaſe nicht ſo unbedingt tadeln. Wenn freilich die Frage entſteht, warum manche Wirthſchaft nicht ſo eingerichtet werde, daß ſie Merinoſchaafe ſtatt der Landſchaafe vortheilhaft halten koͤnne, ſo än⸗ dert ſich die Anſicht der Sache, und hiervon iſt jetzt nicht die Rede. Nur wo eine Abaͤnderung der Wirthſchaftsverhaͤltniſſe und Verbeſſerung der Weiden nicht ausgefuͤhrt wird und werden kann, ſcheint es mir, daß auch manche Wirth⸗ ſchaft keinen Vortheil von der Einfuͤhrung der Merinos gegen die einer guten Landrage haben werde, zumal wenn durch die allgemeine Verbreitung der Me⸗ rinos der Preis der guten groͤberen Wolle in Verhaͤltniß der feinen ſteigen ſollte. Ich weiß, daß verſchiedene aufmerkſame Landwirthe in mehreren Gegen⸗ den ſchon ſeit längerer Zeit Verſuche mit der Veredlung einlaͤndiſcher Schaafe in ſich ſelbſt gemacht haben; wahrſcheinlich ſind ſie aber nun auch zu der Me⸗ rinokreuzung uͤbergegangen. Zum Schlachtvieh ſchicken ſich die Landſchaafe, und beſonders gewiſſe Arten derſelben, ohne allen Zweifel beſſer als die reinen Meri⸗ Die Merinos. 398 Die Schaafzucht. nos, die nie zu einer ſolchen Stärke und Feiſtigkeit zu bringen ſind, auch kein ſo faftiges Fleiſch haben. §. 104. Die Merinorace, welche wir nun ſchon als eine in Deutſchland einhei⸗ miſch gewordene betrachten konnen, ungeachtet ſie freilich in ihrer vollen Rein⸗ heit noch nicht haͤuſig iſt, darf ich bei allen Leſern dieſes Werks wie hinlaͤnglich bekannt anſehen. Ich habe im Jahre 1811 ein Handbuch fuͤr die fein⸗ wollige Schaafzucht auf Befehl des Koͤnigl. Miniſteriums des Innern herausgegeben(welches auch in den Annalen der Fortſchritte der Landwirth⸗ ſchaft Bd. I. S. 1. abgedruckt iſt), worin ich das wichtigſte uͤber dieſen Ge⸗ genſtand geſagt zu haben glaube. Wenn man hiermit das Teſſierſche von Herrn Witte unter ſolgendem Titel uͤberſetzte Werk:„uͤber die Schaafzucht, insbeſondere uͤber die Nage der Merinos, mit 6 Kupfertafeln, Berlin 1811, verbindet, und dann die aus dem Franzoͤſiſchen uͤberſetzte Schrift:„Erfahrun⸗ gen und Beobachtungen uͤber die ſpaniſchen Merinoſchaafe, die Feinheit der Wolle und das Kreuzen derſelben mit gemeineren Racen, von Carl Piectet in Genf, mit 3 Kupfertafeln, Wien 1808,* endlich„Poiferé de Céré Abhand⸗ lung in Annalen des Ackerbaues Bd. X. S. 641., ſo wird man den voll⸗ ſtändigſten Unterricht uͤber dieſe veredelte Schaafzucht erhalten⸗ Daher werde ich mich, um mich ſelbſt und andre nicht ausſchreiben zu muͤſſen, hier nur auf einige Bemerkungen beſchraͤnken. Der verehrungswuͤrdige Pictet hat vor allen die Nothwendigkeit reiner Stammſchäfereien, in welchen ſich auch von muͤtterlicher Seite kein anderes Blut eingemiſcht habe, zur Erzeugung der Widder am deutlichſten ins Licht geſtellt, ſelbſt in dem Falle, daß man nicht auf Einfuͤhrung der völlig reinen Merinorage ſelbſt hinarbeiten, ſondern nur Veredlung bewirken wolle. Dieſe geht mit ſolchen Boͤcken nicht nur ſchneller vorwaͤrts, ſondern ſie muß auch, um ſich auf dem Punkte, wohin ſie einmal gediehen iſt, zu erhalten, wenigſtens von Zeit zu Zeit, Widder ganz reiner Abſtammung anwenden. Ob und wann ein veredelter, aber muͤtterlicher Seits von unſren Landſchaafen erzeugter Stamm die Beſtändigkeit erhalte, daß kein Zuruͤckſchlagen ohne neue Durchkreuzungen Statt finde, iſt bis jetzt noch zweifelhaft. Einige Englaͤnder, insbeſondere Dr. Die Schaafzucht. 399 Parry, glauben, daß ſie mittelſt der Durchkreuzung ihrer Ryelands⸗ und Southdowns⸗Schaafe einen Schlag hervorgebracht haben, welcher den achcen Merinos in der Feinheit der Wolle nicht nur gleich komme, ſondern in Anſe⸗ bung des Körperbaues, der Haͤrte und der Guͤte des Fleiſches ſie zu ihrem Zwecke noch weit uͤbertreffe, und halten dieſen Schlag ſchon fuͤr ſo konſtant, daß ſie ihn nur in ſich ſelbſt zu veredeln ſuchen, ohne neue Merinowidder zu⸗ zulaſſen. Sie ſagen, daß ſo, wie die edelſte Rage ihrer Pferde, zuerſt mittelſt der Durchkreuzung mit arabiſchen Hengſten gebildet ſey, nun aber Vollkom⸗ menheiten erreicht habe, welche ihnen dieſe Rage weit ſchaͤtzbarer, als die ara⸗ biſche ſelbſt mache, ſo werde dies auch mit dieſer Schaaſrage der Fall ſeyn. Die von ihnen angefuͤhrten Thatſachen ſcheinen in der That dieſe Meinung zu begruͤnden; man muß aber dabei wohl erwaͤgen, daß ihre Ryelands⸗Schaafe ſchon von großer Feinheit waren, und daß der Preis ihrer Wolle in England nur um ein Drittel niedriger, als der Preis der feinſten ſpaniſchen Wolle ſtand, ſo daß man ſchon lange dieſe Ryelands von gleicher Abſtammung mit den ſpaniſchen Merinos hielt, einige ſogar behaupteten, die Merinos ſeyen Abkoͤmm⸗ linge von jenen, und nach Spanien hin verpflanzt worden. Wenn daher die Engländer jenen Zweck auch ſo fruͤh erreicht hätten, ſo duͤrfen wir dies doch mit unſern eingebornen Schaafen nicht erwarten. Die Merinos in Spanien ſind ſich einander keinesweges gleich, und man unterſcheidet ſie in zwei Hauptelaſſen, die Leoneſiſchen und Sorianiſchen. Jene Klaſſe iſt wieder in den verſchiedenen großen Heerden verſchieden, und wenn gleich eine jede ſich einiger Vorzuge ruͤhmt, ſo geſteht man ſie doch andern wieder in beſonderer Ruͤckſicht zu. Dieſe feineren Abartungen bemerkt man auch in deutſchen reinen Merinoheerden, und ſie ſind theils durch den Urſtamm, den man aus Spanien erhielt, theils durch die Auswahl der Individuen, vor⸗ nämlich der Widder, entſtanden. Die Feinheit der Wolle, und ihre uͤbrigen Qualitäten können bei dieſen Abarten gleich ſeyn, in Anſehung der Quantiat der Wolle aber, die ſie bei gleicher Haltung geben, in Anſehung der Größe, der Haͤrte und Ausdauer, der Angemeſſenheit fuͤr dieſe oder jene Weide be⸗ merkt man ſchon eine merkliche Verſchiedenheit darunter. Es lößt ſich jedoch bis jetzt daruͤber noch nichts mit Zuverläſſigkeit beſtimmen, da die Bemerkungen 400 Die Schaafzucht. zu einſeitig ſind. Vermuthlich werden dieſe Abarten, da ein jeder bei der Aus⸗ wahl der Boͤcke ſein eigenes Ideal immer mehr zu erreichen ſtrebt, mit der Zeit immer konſtanter und charakteriſtiſch verſchiedener werden. Die Abarten werden ſich bei uns wahrſcheinlich weit auffallender als in Spanien ſelbſt bilden, da man die individuelle Begattung beſtimmter leitet, als es dort, wo ſie auf den Weiden und auf der Reiſe vorgehet, geſchehen kann. Die Englaͤnder haben aber gezeigt, welche Gewalt man durch eine ſolche Auswahl der Individuen uͤber die Form und Natur aller Thierarten, beſonders uͤber die der Schaafe, habe. Backewell, ſagt Lord Sommerwille, ſchien das Model eines Schaaſes, wie er es ſich dachte, ſchnitzen und es dann lebendig machen zu koͤnnen. So arbeiten einige unſerer vorzuglichſten Schasfzuͤchter auf die Größe dee Körpers hin, weil bei dem groͤßeren Umfange deſſelben auch der Wollertreg ſtär⸗ ker ſey. Andere halten eine kleinere Natur vortheilhafter, welche durch Dichtig⸗ keit der Wolle den groͤßeren Umſang erſetze; und wenn ſie auch in der Quantität der Wolle jenen nachſtehe, doch leichter zu nahren ſey und deshalb in größerer Zahl gehalten werden koͤnne. Einige wollen niedrigere Beine, andere boͤhere, und ſie ſind nicht ſo gleichgultig, wie es manchem ſcheinen moͤgte. Bei niedrigern Bei⸗ nen hält ſich das Schaaf ruhiger, und ſie haben Vorzuͤge auf nahen und kon⸗ zentrirten Weiden. Hohe Beine aber erleichtern ihnen weite Wege nach den Wei⸗ den und aus dieſen in den Huͤrdenſchlag und den Stall. Man hat eine Arct, die ſich durch einen dreifachen Wollkragen um den Hals auszeichnet, und auch eine ſtarke Wamme und behangene Bruſt zu haben pflegt, die einige vorzuͤglich ſchätzen, andere aber nicht ſehr wuͤnſchen, weil die ſich hier erzeugende Wolle nur zur dritten Gattung gehoͤre. Bei einigen gehet der Wollwuchs herab bis auf die Klauen der Hinter- auch wohl der Vorderbeine, bei andern nur bis auf die Knie. Manche ſehen dieß als eine vorzugliche Eigenſchaft an, weil es eine Neigung zum ſtarken Wollwuchſe verrathe; andere tadeln es wegen der Schlechtheit dieſer Ab⸗ fallwolle. Aber alle Schaafzuchter ſind einverſtanden, daß dieſe Eigenheiten ſich ver⸗ erben. Genauere Beobachtungen muͤſſen noch ergeben, welchen Bezug ſie auf die Quantität und Qualität der Wolle haben. Die Bildung und Conſtitution des Koͤr⸗ vers zum Fleiſch⸗ und Fettanſat iſt bei der reinen Merino⸗Rage von uns wenig beruck⸗ Die Schaafzucht. 401 beruͤckſichtiger worden, weil von dieſer wenig Bocklämmer gehammelc und nur aus⸗ gediente Schaafe geſchlachtet werden. Qualität und Quantität der Wolle bleibt zwar immer die Hauptruckſicht, es frägt ſich nur, in wiefern jene Eigenſchaften damit in einem oder anderen Verhaͤltniſſe ſtehen. Man wird freilich auch leicht darauf verfallen, dieſe oder jene Form conventionell ſchon zu finden, ohne daß man ihr eine beſondere Nutzbarkeit beimeſſen konnte. Aber dieß iſt dann Sache der Mode, die ſchnell wechſelt. Eine Eigenheit des Merinoſchaafs iſt es, daß es ſich ſpäter ausbildet, meh⸗ rentheils ſpaͤter mit den Zaͤhnen wechſelt, den Begattungstrieb ſpäter äußert und vollig auswächſt. Indeſſen kann durch kraͤftige Naßrung eine früͤhere Ausbildung bewirkt werden. Dagegen wird bieſes Schaaf auch älter und länger ausdauernd. Man hat Schaafe, die bis ins 15e Jahr ihre ſammclichen Zaͤhne erhalten und ge⸗ ſunde Lämmer gebracht haben. Dieß iſt indeſſen etwas ungewöhnliches, bis ins 1ote Jahr kann aber das reine Merinoſchaaf ſehr gut erhalten werden. Auch durch ihr Temperament zeichnen ſich die Merinos aus, ſie ſind traͤge und ſchon als Lämmer weniger munter. Sie ſollen dummer ſeyn, und das ſchließt man haupt⸗ ſaͤchlich daraus, daß ſich die Muͤtter von fremden Lammern ihre Milch abſaugen laſſen, wogegen ein Landſchaaf nicht leicht ein anderes als ſein eigenes Lamm zu⸗ laßt. Dieſer Umſtand iſt allerdings nicht gleichgultig, weil die ſtärkeren und mun⸗ teren Lämmer den uͤbrigen leicht die Nahrung rauben. Es kommt daher bei die⸗ ſer Rage viel darauf an, gleichzeitige und gleich ſtarke Lämmer zu haben. Uebrigens muß ich auf mein oben erwaͤhntes, erſt kuͤrzlich herausgegebenes Handbuch fuͤr die feinwollige Schaafzucht verweiſen. §. 156. Einige glauben, daß die Schaaſe ſchon im 2ten Jahre ihres Lebens, oder WMeer zur Be⸗ wenn ſie 1 ½ Jahr vollendet haben, ohne Nachtheil beſprungen werden dürfen; Settung. andere wollen dieſes erſt im Zten Jahre zugeſtehen, insbeſondere bei den ſich ſpaͤ⸗ ter entwickelnden Merinos. Die Mehrhett ſtimmt fuͤr erſteres, und es iſt gewiß, vaß gut genährte Schaafe mit 2 Jahren ein gutes Lamm bringen und geſund dabei bleiben. In Spanien ſelbſt geſchiehet es in der Regel. Wer bey uns einen edlen Stamm ſchnell vermehren oder in der Veredlung ſchnell fortſchreiten will, für den iſt es gewiß rathſam. Auf der anderen Seite iſt es aber nicht zu leugnen, daß Viorter Thell. Gee Begattungs⸗ zeit. 402 Die Schaafzucht. Schaaſe, die bis in ihr 3tes Jahr gelte bleiben, mehr auswachſen und eine ſtärkere Conſtitution erhalten, wahrſcheinlich auch länger ausdauern. Wer daher einen gro⸗ ßen und ſtarken Sclag hervorbringen will, der thut beſſer, ſie bis zum Zten Jahre von den Widdern abzuhalten. Widder werden in der Regel nicht von dem 3ten Jahre zugelaſſen. F. 106. Es iſt bei jeder Schaafzucht ſehr erwuͤnſcht, wenn die Lammer gleichzeitig und wenigſtens in einem Zeitraume von 4 Wochen fallen, bei den Merinos aber eine unumgängliche Bedingung. Deshalb hauprſachlich muß die Zahl der Wid⸗ der in einer Heerde nicht zu klein ſeyn, und man wird den Zweck am ſicherſten erreichen, wenn man auf zwanzig Schaafen einen Widder haͤlt. Die Begattungszeit wird nach der Zeit, wo man die Lämmer zu haben wunſcht, eingerichtet, da die Trächtigkeit einige Tage uͤber 21 Wochen dauert. Der Begattungstrieb pflegt ſich im ſiebenten Monde nach dem Lammen zuerſt zu äußern. Einige neuere Beobachter, beſonders Pictet, rathen dieſe erſte Brunſt gleich wahrzunehmen, weil man dann nicht nur am ſicherſten auf das Empſan⸗ gen rechnen koͤnne, ſondern auch ſtärkere Lammer von dieſer erſten Brunſi er⸗ halten werde. Andere ſind entgegengeſetzter Meinung, und halten es fuͤr rath⸗ ſamer, die zweite Brunſt, welche ſich 3 Wochen nachher einſtellt, erſt zu be⸗ nutzen, damit die Mutter um ſo langere Zeit haben, ſich vom Saugen zu erholen. Durch jenes wuͤrde man überhaupt die Lammzeit jährlich um einen Monat vorruͤcken, uberdem aber wuͤrden ſich beſonders die Widder in der heißen Jahreszeit dabei zu ſehr erhitzen. Die fruͤhe Lammzeit hat in Ruͤckſicht der ſtärkeren Lämmer, beſonders aber wenn man den Stamm ſchnell vermehren und die Jährlinge zu Ende des zwei⸗ ten Sommers begehen laſſen will, unbezweifelte Vorzuge. Aber die nothwen⸗ dige Bedingung iſt dabei reichliches und gutes Winterfutter, um die Muͤtter, bis ſie zureichende Weide haben, in voller Milch erhalten, dann auch den Läm⸗ mern ſelbſt das ihrer Groͤße angemeſſene Nebenfutter geben zu koͤnnen. Der be⸗ forgliche Mangel dieſer Winterfuͤtterung iſt wohl die Haupturſache, warum die mei⸗ ſten die ſpäter? Lammzeit im Mäͤrz noch vorziehen; denn die Beſorgniß, daß die ———— Die Schaafzucht. 40 3 Winterkalte den Lämmern ſchaden koͤnne, iſt durch Erfahrung ziemlich beſeitigt. Manche gute Schaafzuchter haben die Lammzeit ſchon bis in den Dezember vorgeruckt. F o. Die Boͤcke, welche bis vor der Springzeit von den Muͤttern durchaus ab⸗ geſondert und unter dem Hammelhaufen gehalten werden muͤſſen, läßt man nun, nachdem ſie ſchon vorher kraͤftig gefuͤttert worden, unter die Heerde. Wenn man nicht eine Auswahl in der Begattung der Individuen zu machen hat, ſo ſcheint kein Grund vorhanden zu ſeyn, ſie bei Tage abzuſondern und nur des Nachts beizulaſſen. Will man indeſſen gewiſſe Schaafe nur von gewiſſen Widdern be⸗ ſpringen laſſen, ſo iſt das Verfahren zu beobachten, was ich in dem Handbuche für veredelte Schaafzucht S. 47. u. f. angegeben habe. Wenn die Springzeit, welche etwa 4 Wochen dauert, voruͤber iſt, ſo ſondert man die Widder am beſten wieder ab. §. 108. Zu Anfange der Trächtigkeit wird ſich das Schaaf mit einer etwas ſpaͤrliche⸗ Lammteit. ren Weide oder Fuͤtterung begnuͤgen; ſo wie aber die Traͤchtigkeit zunimmt, muß es reichlicher genaͤhret werden. Je hoͤher die Traͤchtigkeit ſteigt, deſto ſanfter muͤſſen die Schaafe behandelt, durchaus nicht vom Hunde gehetzt und mit Vor⸗ ſicht aus und in den Stall gelaſſen werden, damit ſie ſich in der Thuͤr nicht drän⸗ gen und preſſen. 3 In der Lammzeit erfordern die Schaafe die hoͤchſte Aufmerkſamkeit. Die Zeichen des herannahenden Lammens ſind das Aufſchwellen der Geburtstheile, der Ausfluß einer ſchleimigen Feuchtigkeit, Anſchwellung des Euters und Milch⸗ erzeugung. Das Lammen wird in der Regel dem Schaafe nicht ſchwer, aber es geht oft langſam damit, und man muß nur der Ratur durch unzeitige Huͤlfe nicht voreilen wollen. Die Huͤlfe kann nur Statt finden, wenn eine falſche Lage des ganzen Lammes oder eines Theils in der Mutter entſtanden iſt, welches im Ganzen bei gut gehaltenen Schaafen ſelten vorkommt. Um dieſe Huͤlfe aber an⸗ zubringen, iſt eine vollſtändige Kenntniß von der natuͤrlichen und abweichenden Lage des Lammes und von der Art, wie man die letztere in erſtere verwandelu könne, durchaus nöthig, und ohne ſelbige wird man durch jede Huͤlfe öfterer ſchaden als nutzen. Eee 2 Alker⸗Kenn⸗ zeichen, 404 Die Schaafzucht. Es macht nach der Geburt oft die meiſte Muͤhe, die Muͤtter zum Anneh⸗ men des Lammes zu bringen, jedoch wohl nur bei ſchlecht genährten Schaafen. Bei reichlich genährten kommt es ſelten vor, da der Ueberfluß der Milch die Muͤtter ſelbſt anreizt, das Lamm beizulaſſen. Sonſt iſt die Abſonderung der Mutter mit ihrem Lamme in einem beſonderen Verſchlage, das Anbringen des Lammes, indem man die Mutter an den Füßen hält, nöthig. §. 109. Eine reichliche Fuͤtterung der ſaͤugenden Muͤtter ſichert nur das Gedeihen der Lämmer. Vom uͤbertriebenen will man jedoch auch Nachtheile bemerkt ha⸗ ben; wahrſcheinlich jedoch nur bei vorhin ſchlecht gehaltenen. Nach drei oder vier Wochen kann man den Laͤmmern ſchon einiges Neben⸗ futter, einen Mehl⸗ oder Oelkuchentrank, und dann etwas zartes Heu geben⸗ Man ſondert ihren Futterplatz ab durch Horden, welche nur die Lämmer, nicht die Mätter durchlaſſen, oder giebt ihnen das Futter, wenn die Muͤtter ausge⸗ laſſen ſind. Die Lämmer muͤſſen 18 bis 20 Wochen ſaugen. Die um des Mel⸗ kens der Schaafe willen fruͤher entwöhnten bleiben ihr ganzes Leben hindurch ſchlecht. Das Entwoͤhnen aber muß allmaͤhlig geſchehen, indem man ihnen immer mehreres Futter oder gute Weide giebt, ſie von den Muͤttern immer län⸗ ger enſernt und nur ſelten zuſammenbringt. Sobald ſie aber voͤllig abgeſetzt ſind, muß man ſie moͤglichſt weit von den Muͤttern entfernen, damit ſie ſich durch gegenſeitiges Bloͤken nicht beunruhigen. Es gehen oft vier Wochen darauf bin, ehe ſie einander und die Lammer das Saugen vergeſſen, und man hat Beiſpiele, daß ein Lamm nach vier Wochen den Euter der Mutter noch wie⸗ der aufgeſogen habe Die Bocklammer werden in der Regel, wenn ſie drei bis vier Wochen ale ſind, verſchnitten, weil dieſe Operation um ſo keichter abgehr, je juͤnger ſie ſind. Den weiblichen Lämmern werden, wenn ſie ſechs Wochen alt ſind, dee Schwänze 3 bis 4 Zoll von der Wurzel abgeſchnitten, damit ſie ſich nicht beſchmutzen. §. 110. Das Alter der Schaafe wird hauptfächlich aus den he⸗ akann und danach benennt man ſie auch gewöhnlich. Die Schaafzucht. 40) Das Schaaf hat nämlich auſſer den Backenzaͤhnen acht Schneidezaͤhne im untern Kiefer, im obern keine. Dieſe bringt es in der Regel mit zur Welt; ſie ſind ſpitziger wie diejenigen, die an ihre Stelle treten. Wenn es 1 bis 1 ½ Jahr alt iſt, ſo wechſelt es mit den beiden mittleren Sähnen, und man erkennt die neuen Zaͤhne, welche Schaufelzaͤhne heißen, an ihrer groͤßern Breite. Sie heißen alsdann Zweizaͤhnige, Zweiſchaufler und Jaͤhrlinge im eigentlichen Verſtande. Doch giebt man ihnen den letzten Na⸗ men auch ſobald ſie eingewintert ſind, und bevor ſie gewechſelt haben. In dem Alter von 2 bis 2 ½ Jahr wechſeln die beiden nebenſtehenden. Sie heißen alsdann Vierzaͤhnige oder Vierſchaufler. Wenn ſie 3 bis 3 ½ Jahr alt ſind, faͤllt das dritte Paar der Spitzaͤhne aus, und es tritt an deſſen Steile wieder ein Paar Schaufelzähne, ſo daß von jenen noch an jeder Seite einer ſtehen bleibt. Sie heißen dann Sechs⸗ zähner, Sechs ſchaufler. In dem folgenden Jahre werden dann auch die beiden letztern gewechſelt, und nun heißt das Schaaf vollzähnig, und hat damit ſeine volle Ausbildung erreicht. Im ſechſten Jahre fangen die Zaͤhne an, ſich abzureiben, und das mitt⸗ lere Paar wird zuerſt ſtumpf und kuͤrzer. Die Zaͤhne ſehen zwar laͤnger aus, weil ſich das Zahnfleiſch zuruͤckzieht; aber bei genauerer Unterſuchung entdeckt man doch, daß ſie oben abgerieben find. Sobald dieſe Zaͤhne ganz ſtumpf und morſch werden, abbroͤckeln, ſo iſt das nutzbare Alter der Thiere voruͤber, und ſie muſſen ausgemerzt werden. Will man ſie, in der Hoffnung noch Lämmer davon zu erhalten, kaͤnger conſerviren, ſo muß man ſie beſonders mit weichem Futter verpflegen, womit man ſie zuweilen bis zu einem hohen Alter frucht⸗ bar erhält. Die Zähne ſtehen dann auch nicht mehr dicht geſchloſſen, ſondern haben Luͤcken; die Oberlippe wird breiter, und haͤngt uͤber die Unterlippe heruͤber. Man muß ſich jene Alterbezeichnung nach den Zähnen wohl merken, wenn man mit einem Schaͤfer ſpricht, und z. B. vierzähnig nicht mit vierjährig verwechſeln. Sonſt wird das junge Schaaf bis zur erſten Einwinterung Lamm ge⸗ nannt, das männliche Bocklamm, Störlamm, Widderlamm, das ver⸗ 4 6 6 11 406 Die Schaafzucht. ſchnittene Hammel oder F das weibliche Mutter⸗, Zibben., Zickeln⸗, Kilberlamm. Von der erſten bis zur zweiten Einwinterung heißen ſie Jaͤhrlinge. Von der zweiten bis zur dritten Einwinterung Erſtlinge, weil ſie dann in der Regel das erſte Lamm gehabt haben; auch Zeitſchaaf. Von der dritten bis zur vierten Einwinterung: Uebererſtlinge. Von der vierten bis zur fuͤnften Einwinterung iſt mir kein anderer Name als Sechszähner bekannt. Von der fuͤnften bis zur ſechſten Einwinterung: vollſaͤtzige Schaafe. Dann nennt man ſie Ueberſtaͤnder, alte Schaafe. Ein jedes Schaaf heißt in der Schaferſprache auch ein Noß oder ein Ding. Die im Herbſte von der Begattung ausgeſchoſſenen und zur Zuzucht un⸗ tauglich erklaͤrten heißen Braackvieh; die im Fruͤhjahre ausgeſetzten heißen Merzvieh. Wenn dieſe ausgeſchoſſenen in einen beſondern Haufen zuſam⸗ mengebracht werden, ſo heißt dieſer der Stechhaufen, der Schnoͤdchen⸗ haufen, und wenn ſie fett gemacht werden ſollen, der Fetthaufen. Ein Falſches oder Anbruͤchiges heißt ein Thier, was nicht recht ge⸗ ſund ſcheint, beſonders wenn ſich Bleichſucht aͤußert. Die Fuͤtterung der Schaafe muß ſo eingerichtet werden, daß ſie in ihrer Nahrungskraft ſich durchs ganze Jahr mehrentheils gleich bleibe. Nur wird ſie bei den Muͤttern in der letzten Periode der Trächtigkeit und waͤhrend des Saͤu⸗ gens ſo lange, als die Laͤmmer noch kein beſonderes Futter erhalten, etwas verſtaͤrkt. Nichts iſt dem Zuchtviehe nachtheiliger, als wenn es zuweilen uͤppig und überfläſſig genaͤhrt wird, und dann wieder Hunger leiden muß. In dem Falle erzeugt jede zu nahrhafte Fuͤtterung Krankheiten, und weil man dies er⸗ fahren hat, ſo warnet man unter allen Umſtaͤnden gegen gewiſſe kraͤftige Fuͤt⸗ terungsmittel und Weidekraͤuter, die aber nur den ausgehungerten und ſich des⸗ halb darin uͤberfreſſenden Schaafen nachtheilig ſind. Eine reichliche Fuͤtterung der Zuchtſchaafe wird ſich vielleicht immer durch den Ertrag der Heerde, aber doch bei grobwolligen Schaafen nie ſo hoch, wie bei feinwolligen, bezahlen. Die Schaafzucht. 407 Das Verhaͤltniß, worin die Maſſe der Winterfuͤtterung gegen die Som⸗ mernahrung der Schaafe ſtehet, iſt nach der waͤrmeren und kaͤlteren Natur und Lage der Weide und nach der Jahreswitterung verſchieden. Man rechnet in unſerm Klima gewoͤhnlich fuͤr den Sommer, und 1 fuͤr den Winter, und beſtimmt danach den Winterfuͤtterungsbedarf mehrentheils auf 150 Tage. Wenn man einige Erſparung des Futters durch die Winterweide, beſonders durch die Saatbehuͤtung, macht, ſo kommt man in der Regel damit aus. Weil aber bei uns die Fruͤhjahrswitterung ſo ſehr unſicher iſt, und man dann mit den Muͤttern und Laͤmmern in die groͤßte Verlegenheit gerathen kann, ſo ſollte man wenigſtens auf 170 Tage rechnen. Der Ueberſchuß iſt nie verloren, wenn eine ſpätere oder fruͤhere Weide deſſen Erſparung erlaubt. s Man kann die Weide der Schaafe in wilde und in angebaute oder Die Schaaf⸗ kuͤnſtliche unterſcheiden. S Unter jener verſtehen wir die, welche von Natur, oder doch ohne beſondere auf die Schaafe gerichtete Abſicht, vorhanden iſt; unter dieſer aber diejenige, welche man kuͤnſtlich und abſichtlich für die Schaafe zugerichtet, oder in Stand geſetzt hat. Zu erſterer gehoͤrt: a) die wilde Angerweide, mehrentheils an trockenen, hohen und bergi⸗ gen Stellen; b) die Holzweide; c) die Brach⸗ und Stoppelweide; d) die Vor⸗ und Nachhut auf den Wieſen; e) die Behutung der Winterſaat. a) Die Angerweide, welche wegen des vermehrten Aufbruchs immer ſelte⸗ ner geworden iſt, wird den Schaafen in der Regel nur an den dürrſten und magerſten Stellen eingeräumt, da die kräftigeren Plätze dem Rindvieh, welches ſich auf jenen nicht naͤhren kann, vorbehalten bleiben. Man geſtattet den Schaa⸗ fen hier höchſtens die Vor⸗ und Nachweide. Wenn erſtere fruh genug aus⸗ geubt, und die Schaafe dann ſo zeitig davon genommen werden, daß vier Wochen hingehen, bevor das Rindvieh darauf kommt, ſo leidet dieſes nicht darunter, 408 Die Schaafzucht. vielmehr iſt es gut, wenn die Schaafe die fruh hervortreibenden Kräuter nieber⸗ halten. Ihr Pferch erſetzt es reichlich wieder, was ſie davon nehmen, und der dem Rindviehe widrige Geruch deſſelben verliert ſich in dieſer Zeit. Wenn auch dieſe Weide etwas niedrig und feucht waͤre, ſo ſchadet ſie den Schaafen doch im erſten Fruͤhjahr nicht, wenn nur kein ſtauendes Waſſer darauf ſtehet, und ſie nicht zu lange darauf gehalten werden. 6 Die hohe trockene Weide aber, beſonders an Bergen, die ihrer Steil⸗ heit oder ihrer ſeichten auf Felſen ruhenden Ackerkrume wegen nicht beackert werden koͤnnen, und dem Rindviehe zu wenig Nahrung geben wuͤrden, pflegt ausſchließlich den Schaafen gewidmet zu ſeyn. Dieſe Weide iſt ihnen auch am zuträglichſten, und der Grund und Boden kann oft nicht vortheilhafter als mit Schaafen benutßt werden. Es kommen indeſſen auch auf ſolchem ho⸗ hen Boden oft moraſtige Stelles, Quellgruͤnde und Pfuͤtzen vor, oder ziehen ſich in den Schluchten zwiſchen Huͤgeln und Bergen durch, die den Schaa⸗ fen hoͤchſt gefaͤhrlich ſind. Alle ſolche Stellen, wo Sumpfpflanzen vegetiren, muͤſſen ſorgfaltig mit den Schaafen vermieden werden, ſelbſt wenn ſie durch Verdunſtung im heißeſten Sommer trocken geworden ſind. Sie werden dann gerade am gefaͤhrlichſten, wenn ſie mit getrocknetem Schlamm uberzogen wa⸗ ren und der moraſtige Boden mephitiſche Gaſe ausdunſtet, welche eine die gebenskraft niederdruͤckende Eigenſchaft haben, und dadurch bei allen Thie⸗ ren Krankheiten, bei den Menſchen Fieber erregen, bei den Schaafen aber oft augenblicklich die ſchwer zu beſiegende Anlage zu der ſogenannten Faul⸗ krankheit erzeugen, oder ſchnell toͤdtlich werden. Die feuchtere Jahreszeit iſt es nicht, welche dieſe Gefahr am meiſten mit ſich fuͤhrt, weil die Schaafe dann auf trockenem Grunde zureichende Nahrung finden, und ſolche Stel⸗ len von ſelbſt vermeiden. Wenn aber die Graſung auf jenen verdorret, ſo treibt ſie der Hunger hierher, und die Schaͤfer ſind aus Beſorglichkeit, daß ſie ſonſt ganz verhungern moͤchten, nur zu geneigt, ihnen darin nachzu⸗ geben. Die Merinos ſind aber unlaͤugbar jener Krankheit weit mehr unter⸗ worſen, als die Landſchaafe, und es iſt daher eine unerläßliche Bedingung zur Erhaltung einer edlen Schaͤferei, daß man die feuchten Stellen durch Graben⸗ und Waſſerfurchen auf ſolchen Weiden abwäſſere, oder doch 8 ˙ Die Schaafzucht. 409 Waſſer in dem Standpunkte erhalte, wo es nicht uͤber ſeine Graͤnzen kriet und die umliegende Gegend verſchlammt. b) Die Holzweide iſt nach der Beſchaffenheit des Bodens, des Holzes und des dichteren oder raumeren Standes deſſelben ſehr verſchieden. Ein ſehr raͤumiges Laubholz kommt den Angerweiden faſt gleich. Je mehr es aber be⸗ ſtanden iſt, deſto ſchlechter wird die Weide. Wird das Gras durch den dich⸗ ten Stand der Baͤume auch nicht unterdruͤckt, aber doch ganz beſchattet, ſo iſt es auf fruchtbarem Boden oft anſehnlich, aber von geringer Nahrhaftig⸗ keit und gedeihet dem Viehe wenig. Auch kommen im Holze die moraſtigen Stellen am haͤufigſten vor. Unter Nadelholz, die Lerchen ausgenommen, waͤchſt weniges und nur hartes duͤrres Gras, ſo daß die Schaafe wenig Nahrung davon haben. Indeſſen haͤlt man eine ſolche Abtrift fuͤr geſund, und glaubt, daß ſie dem Nachtheil der Weide an feuchten Stellen entgegen wirke. Im⸗ mer iſt die geſchloſſene Holzweide der Wolle hoͤchſt nachtheilig, und wird da⸗ her von den Beſitern feinwolliger Schäfereien ſchon aus dieſer Urſach vermieden. 0) Die Brachweide giebt in gewoͤhnlichen Wirthſchaften den Schaa⸗ ſen die Hauptnahrung, und mit Abſchaffung der Brache ſinkt die Benutzung der Schaͤferei in ſelbigen. Deshalb ſind faſt alle Schaͤfer und Liebhaber der Schaafe gegen die Wirthſchaft ohne Brache, und beſonders gegen die allge⸗ meine Einfuͤhrung derſelben auch auf den Bauerfeldern. Man hat es alſo auch in den meiſten Gegenden, wo die Schäferei ein Hauptzweig der Wirch⸗ ſchaft iſt, zur Regel und zur Pflicht gemacht, die Brache ſo lange als moͤg⸗ lich unaufgebrochen liegen zu laſſen, und dadurch den wahren Zweck der Brache vollig vereitelt. Dieſe Brachweide unterſcheidet ſich in die, welche vor dem erſten Um⸗ bruch auf dem Dreeſch Staat findet, und in die, welche das auf der Brach⸗ und Wendefurche auskeimende Unkraut und die Grasſpitzen geben. Erſtere iſt bei weitem die ergiebigſte, letztere zwar den Schaafen angenehm und ge⸗ deihlich, aber wenig nachhalteud, da die feinen Sproſſen bald ausgebiſſen ſind. Einige glauben, ſie koͤnne leicht nachtheilig werden, beſonders bei feuch⸗ ter Witterung; doch ſcheint ſie mir gefahrlos zu ſeyn, wenn man nur nicht eine ſtark ausgegruͤnte Brache von hungrigen Schaafen zu plötzlich auf ein⸗ Vierter Theil. Fff —————————— . 410 Die Schaaßzucht. mal abfreſſen läßt, in welchem Falle ſie ſich leicht, beſonders bei feuchter Wit⸗ terung uͤbernehmen koͤnnen. So lange die Brache unaufgebrochen liegt, haben die Schaafe mehren⸗ theils reichlich zu leben. Dann aber geht in dieſen Wirthſchaften ihre Hun⸗ gerzeit an. Die Angerweiden ſind nun mehrentheils duͤrre, weil die meiſten Graͤſer nach der Mitte des Sommers, zu wachſen aufhoͤren. Die Holzweide muß nun der Nothbehelf ſeyn, und man ſpart die beſſeren Stellen gewoͤhn⸗ lich für dieſe Zeit auf; die Schaafe erhalten aber wenig Kraſt davon, und es iſt erwuͤnſcht, daß wan ihnen dann die Laͤmmer nehmen koͤnne, fuͤr die man nun aber irgendwo eine gute Weide ausgeſetzt haben muß. Nach der Ernte tritt die Stoppelweide ein, die, je nachdem ſie mehr oder minder krautig und mit abgefallenen Aehren beſtreuet iſt, ſtärkere oder ſchwaͤchere Nahrung giebt. a) Die Weide auf abgewäſſerten ſuͤßen Wieſen iſt fuͤr die ſaugenden Schaafe im Fruͤhjahr die wohlthätigſte Nahrung, die man ihnen geben kann. Insbeſondere ſind es die mit Quellwaſſer berieſelten Wieſen, nachdem man ſie gehoͤrig trocken gelegt hat, vorzuͤglich, weil ſie früͤher begruͤnen und oft ſchon zu Ende des Maͤrz ihr Gras hervortreiben. Die Beweidung ſolcher Wieſen, bei warmer Witterung bis zur Mitte Aprils, bei kalter bis zu An⸗ fange des Mays, iſt den Schaafen ſo wenig als den Wieſen nachtheilig, ungeachtet manche fuͤr beide einen großen Nachtheil davon beſorgt haben. Sum⸗ pfige und ſaure Wieſen können ihnen aber allerdings auch im Fruͤhjahre ſchad⸗ lich werden. Im Herbſt aber iſt es ſelten rathſam und oft geföhrlich, Schaafe auf Wieſen zu laſſen, wogegen dieſe Weide dem Rindvieh ſehr gedeihlich iſt. e) Die Behuͤtung einer gut beſtockten Winterung unter den bekannten Bedingungen— daß es nur bei trocknem Wetter, im Winter nur auf dem Blachfroſte, und im Fruͤhjahr nur auf uͤppiger Saat und auf Boden, dem man Kraft zutrauen kann, geſchehe— iſt gewiß ſolcher Saat unſchaͤdlich. Bei einer guten Schaafwirthſchaft darf man aber auf dieſe Winterhutung we⸗ nig rechnen; denn ſie kann fehlen, und man darf ſie immer nur mit großer Maäͤßigung gebrauchen, um die Schaafe nicht zu ſehr daran zu gewoͤhnen, weil ſie ſonſt das trockene Futter verſchmähen und hungern, wenn man ih⸗ Die Schaafweide. 411 nen die Saatweide nicht mehr geben kann. Manchen armſeeligen Schäͤfe⸗ reien iſt das zwar ganz gelegen; man freuet ſich, daß die Schaafe ſich vor⸗ ber auf einige Tage ſatt gefreſſen haben, und daß man nun ſein Futter ſpa⸗ ren koͤnne. Allein ein ſolches periodiſches Hungern hat, wie oben geſagt, einen ſehr nachtheiligen Einfluß auf die Wolle, beſonders der Merinos, und noch einen groͤßern auf die Milch und das Gedeihen der Lämmer. Auch kann die ſchnelle Abwechſelung des Futters der Geſundheit ſehr nachtheilig werden. Man muß ſie daher des Morgens immer erſt gut freſſen laſſen— nicht wie manche thun, mit bloßem Stroh abſpeiſen— und ihnen dann erſt jene Weide ſehr maͤßig als Leckerbiſſen zugeſtehen. Nur wenn man im Fruͤhjahre uͤppige Saaten hat, denen dieſes Schroͤpfen nichts ſchadet, und man vorausſieht, daß ſie damit groͤßtentheils hingehalten werden koͤnnen, bis andere Weide da iſt, ſo kann man weiter damit gehen. Es iſt hierbei beſonders noͤthig, den Schäfer unter Aufſicht zu halten, und ihm daruͤber eine genaue Inſtruktion zu geben, da dieſe Leute ſonſt gar gern damit zu weit gehen. Bei Wirchſchaften, welche ſich dieſer mannigfaltigen Weiden nach Zeit und Umſtaͤnden wechſelnd bedienen muͤſſen, iſt eine genaue Kenntniß derſel⸗ ben und ein darauf begruͤndeter Plan, wie ſie nach Jahreszeit und Witte⸗ rung behuͤtet werden ſollen, etwas ſehr weſentliches, wenn man ſich nicht vom Schäfer abhängig machen will. Unter ſolchen Umſtänden duͤnken ſich die Schäfer viel auf ihre Lokalkenntniß, indem ſie wiſſen, daß andere, welche dieſe nicht beſitzen, großen Schaden anrichten koͤnnen. Und merken ſie, daß der Herr dieſes auch anerkenne, ſo muß alles nach ihrem Willen gehen. Es iſt alſo, wenn man Abaͤnderungen in der Schaͤferei und uͤberhaupt in dem Ganzen der Wirthſchaftsverhältniſſe machen und ſich vom Schaͤfer un⸗ abhaͤngig erhalten will, durchaus nöthig, daß man alle Weiden und Abtrif⸗ ten, beſonders auch die auf fremdem Boden, worauf man berechtigt iſt, zu allen Jahreszeiten und bei verſchiedener Witterung, beſonders in Anſehung ibrer Näſſe und ungeſunden Stellen beobachte; wobei man dann zugleich auf die Kraft ihres Graswuchſes, anf die Art der Graͤſer, und endlich auf ihre Lage in Hinſicht der Entfernung vom Hofe, vom Huͤrdenlager, von der Traͤnke, Fff2 412 Die Schaafweide. Ruͤckſicht nehmen muß. Es iſt rathſam, ſich dieſes alles auf der Stelle an⸗ zuzeichnen, und in das Lagerbuch, mit Hinweiſung auf die Charte, einzutragen. Die Gerechtſame auf fremden Feldern und Hutungen, ihre Graͤnzen und Zeiten muß man ſich insbeſondere merken. Dann wird man ſeinen Plan uͤber die Benutzung der Weide bei moͤg⸗ lichſter Sicherheit der Schaͤfereien machen, und bei ungewoͤhnlicher Witterung nach den Umſtänden abaͤndern koͤnnen; aber nicht weiter abhängig von der Will⸗ kuͤhr des Schaͤfers ſeyn. Es muß die vorzuͤglichſte Weide beſonders fur die Lämmer, die naͤchſtbeſte fur die Zuchtſchaafe, die ſchlechteſte fuͤr das Geltevieh beſtimmt werden. Unter ſolchen Umſtanden hat eine mannigfaltig verſchiedene Weide, und folglich ein weit ausgedehntes Revier ſeine unverkennbaren Vorzuͤge. Hier koͤnnen die Heerden von grasreichen, niedrigen Stellen auf trockene, magere Anhoͤhen, ſelbſt in Kiehnenboͤlzer getrieben werden, um die nachtheiligen Ein⸗ wirkung jener wieder auszuloͤſchen. Die Schäfer, welche auf ein weites Wei⸗ derevier beſtehen, haben in ſofern Recht, als dieſes hier in die ſer, dort in jener Hinſicht fehlerhaft iſt. 5 113 Die kuͤnſtliche oder kultivirte Weide findet aber auf den in der Kop⸗ pelwirthſchaft dazu ausgeſetzten Schlägen Statt, und darauf kann nur eine Schäferei mit dem ſicherſten und gluͤcklichſten Erfolge hetrieben werden. Wenn ſie mit den gedeihlichſten und vorzuglichſten Weidegräſern und Kleearten beſaa⸗ met, alle untauglichere Pflanzen durch die Beackerung davon vertilgt, und zu⸗ gleich gehoͤrig abgewäſſert ſind, ſo geben ſie den Schaafen eine bei jeder Jah⸗ reszeit und Witterung geſunde Weide, die ſie mit Ruhe und ohne weites Trei⸗ ben genießen. Ueber die verſchiedene Kraft ſolcher Weiden iſt Bd. II.§. 364. und uͤber ihre Kultur§. 365. geredet worden. Nach der S. 274. daſelbſt ge⸗ gebenen Beſtimmung der zu einer Kubweide erforderlichen Fläche kann die Zahl der darauf zu haltenden Schaafe beſtimmt werden, indem man 10 Schaafe fuͤr eine Kuh annimmt und ſicher annehmen kann, wenn ſie zugleich die Venutzung der Stoppel und des geſelgten Ackers haben. Da indeſſen die Ergiebigkeit der Weide nicht alle Jahre gleich iſt, ſo geht man immer ſicherer, wenn man Die Schaafzucht. 3 eine etwas groͤßere Fläͤche ausſetzt, und einen Theil auf den Nothfall ſchonet, und ihn, wenn er zur Weide uͤberflüſſig iſt, abmähet. Es iſt mir ein Beiſpiel bekannt, wo 7 Schaafe auf einen Morgen den ganzen Sommer Lirtit zurei⸗ chende Weide gefunden haben. Die Sommer⸗Stallfuͤtterung der Schaafe iſt Iſübchar, wie einige un⸗ zubezweifelnde Erfahrungen entſchieden erweiſen. Sie iſt aber mit Schwie⸗ rigkeiten verbunden, die vorerſt nur wenigen uͤberwindlich ſcheinen duͤrften, und kaum zu wagen, bevor man nicht einen halbjaͤhrigen Hen⸗ und Strohbedarf von einen Jahre zum andern vorraͤthig hat. Eine andere Methode, ihnen ein Feld mit Klee, Wicken u. dgl. als Ne⸗ benfutter bei mangelnder Weide zu geben, iſt die, daß man Horden davor ſtellt, die den Schaafen das Durchſtecken des Kopfes ſo weit als moͤglich geſtatten, und die Horden dann weiter fortſchlagt, wenn ſie den zunächſt ſtehenden Klee abgefreſſen haben. F. 14. Die Winterfuͤtterung der Schaafe beſteht in der Regel aus Heu und Stroh. Winterfutte⸗ Stroh hat ſehr wenige nahrhafte Theile, und zwar um ſo weniger, je reiner es vom Unkraute iſt, je reiſer es ward, und je ſorgfaͤltiger die Korner ausge⸗ droſchen worden. Es iſt bei weitem zu hoch angenommen, wenn man ſolches reines Stroh in ſeiner Nahrhaſtigkeit der Hälfte des Heues gleich ſchätzt, und dies wird ſich nur in dem Falle, wo noch viele Koͤrner darin geblieben waren, beſtatigen. Indeſſen fuͤllt es den Magen, und mindert das Gefuͤhl des Hun⸗ gers, wenn nichts nahrhafteres gegeben werden kann, und man trifft wohl Schaͤfereien, die vom Herbſte an, bis zu der mehrencheils ſpat hinausgeſeßten Lammzeit, ſich mit bloßem Stroh, neben der dem Zufalle unterworfenen Win⸗ terweide begnuͤgen müͤſſen. Solche Schaafe kommen aber in einem hoͤchſt ent⸗ kräfteten Zuſtande aus dem Winter, und geben einen ſehr geringen groben Woll⸗ ertrag, denn feinwollige wuͤrden es gar nicht aushalten. Nahrhafter iſt das Stroh der Huͤlſenfruͤchte, auch des Buchweizens, beſonders wenn ſie gemaͤhet wurden, wie ein Theil ihrer Blaͤtter noch gruͤn war. Dieſes Stroh kann da⸗ her futterarme Wirthſchaften mit ihren Schaͤfereien noch durchhelfen, und wird oft den Schaafen als ein Leckerbiſſen angerechnet, und bis gegen die Lammzeit 414 Die Schaafzucht. geſpart, wogegen es in reichen Wirthſchaften nur zu Anfange des Winters ſtatt des Heues gegeben wird.“ Mehrentheils erhalten jedoch die Schaafe Heu, und man ſucht ihnen, wo die Wahl ſtatt findet, das nahrhafteſte, moͤglichſt gruͤn erhaltene, trocken eingebrachte, und gegen Dunſt und Schimmel bewahrte Heu aus. Das Heu der angeſaͤeten Futterkrauter uͤbertrifft auch in Ruͤckſſcht auf die Schaafe das mehrſte Wieſenheu. Die Quantitaͤt des Heues aber, welche gegeben wird, iſt ſehr verſchieden. In ſchlechten Schaͤfereien halt man es fur viel, wenn auf 10o Schaafe 3o bis 40 Centner Heu zur Durchwinterung gegeben wird. In veredelten Schaͤfereien iſt es aber doch wohl als das Minirmum angenommen, daß 75 Centner Heu zur Durchfuͤtterung von 100 Schaafen gegeben werden, da dann bei 150 Ta⸗ gen, in welchen die Schaafe ihre Nahrung faſt allein auf dem Stalle erhal⸗ ten muͤſſen, auf das Schaaf täglich etwas uͤber ½ Pfund kommt, oder auf 100 Schaafe 55 Pfund. Eine ſtärkere Fuͤtterung iſt aber, wenn die Wolle eine hoͤhere Feinheit und höheren Preis erreicht hat, nach allen Erfahrungen ſehr vortheilhaft, wenn auch der Preis des Heues zu 12 Gr. per Ctnr. gerechnet wird. Einen merk⸗ wurdigen komparativen Verſuch findet man im 2ten Bande der neuen Anna⸗ len der Landwirthſchaft, Seite 123., wo 17 4 Ctnr. gutes Heu als Zulage §1 Schaafen gegeben, dieſe 75 Pfund feine Wolle mehr gaben, als andere 91 gleicher Art, welche dieſe Zugabe nicht erhielten. Da der Stein dieſer Wolle zu 20 Rthl. 6 Gr. verkauft ward, ſo trugen dieſe 17 ½ Ctnr. 70 Rthl. 10 Gr. ein, und ſie hatten, der Ctnr. à 12 Gr., gekoſtet 8 Rthl. 21 Gr. Es verdient vorzuͤglich durch genauere Verſuche ausgemittelt zu werden, wie hoch man mit der Fuͤtterung der Schaafe vortheilhaft ſteigen koͤnne; und ob es auch hier ein Marimum gebe, wo die ſtärkere Fuͤtterung aufhoͤrt vortheilhafter zu ſeyn, und es alſo rathſam wird, ſie unter einer groͤßeren Zahl zu vertheilen. Einige eminente Schaafzuͤchter nehmen die Freßluſt der Schaafe, die jedoch bei beſtaͤndiger Befriedigung ſo groß nicht ſey, als es bei ausgehnngerten Schaafen ſcheint, zur einzigen Grenze an. Andere glauben, daß man ſich beſſer ſtehe, wenn man auf daſſelbe Futter mehrere Schaafe halte, was dann Die Schaafzucht. 415 aber ſehr leicht wieder in ein Hungerſyſtem ausarten kann. Man muß dabei aber nicht allein auf die Wolle, ſondern auch auf die Starke und ſchnelleren Zuwachs des Zuchtviehes, und den Fleiſch⸗ und Fettanſatze des Gelteviehes Ruͤckſicht nehmen. Wenn bei feinwolligen Schaafen von gewoͤhnlicher Große, die kein an⸗ deres Nebenfutter erhielten, durch die Bank 2 Centner per Kopf gegeben wor⸗ den, ſo iſt man uͤberzeugt, dadurch den hoͤchſten Vortheil erreicht zu haben. Andre aber finden dieſe Fuͤtterung zu ſtark, und glauben, daß ſie vortheilhaf⸗ ter benutzt werden wuͤrde, wenn man ſie auf eine groͤßere Anzahl vertheilte, indem 1½ Ctnr. auf das Stuͤck ſchon an Ueberfluß grenze. Es muß hierbei auch in Anſchlag gebracht werden, daß bei einer ſtarkeren Heufutterung weni⸗ ger Stroh noͤthig ſey, und wenn es an dieſen Artikeln mehr wie an Heu fehlt, ſo kann die ſtärkere Heufuͤtterung in der Ruͤckſicht auch ganz wirthſchaftlich ſeyn. An trocknem Futter gebuͤhrt— darin iſt man ziemlich einſtimmig— einem Schaafe taͤglich 3 Pfd.; bei wenigerem leiden ſie Hunger, und das kann nie anders als nachtheilig ſeyn. 3½ Pfd. trockenes Futter verzehrt aber ein Schaaf mit Appetit. Je groͤßer nun in dieſer Quantität das Verhaͤltniß des nahrhaf⸗ ten Heues gegen das duͤrre Stroh ſich befindet, um ſo beſſec werden die Schaafe genaͤhrt ſeyn. In den Voranſchlägen wird man haͤufig finden, daß die Fuͤtterung der Schaafe weit geringer angeſetzt ſey, als ſie wirklich gegeben wird, welches man oft erſt nach genauerer Erkundigung erfaährt. Denn wo der Schaͤfer ſeinen Antheil am Ertrage der Schaͤferei hat, da wird nur jenes Quantum frei zu⸗ geſtanden, die Zugabe aber wird beſonders berechnet, und dazu muß er ſeinen Antheil bezahlen, wozu ſich jeder verſtändige Schäfer ſehr gern verſteht. F. 115. Wo nicht genugſames Heu vorhanden iſt, da hat man gewoͤhnlich ſeine Körnerfuͤtte⸗ Zuflucht zur Koͤrnerfuͤtterung genommen. Man waͤhlt am häufigſten den Hafer. rung. Es iſt aber auch Rocken und Gerſte im gehoͤrigen Verhaͤltniſſe ihnen nicht min⸗ der gedeihlich. Wo Erbſen, Wicken und Bohnen, oder auch Buchweizen viel gebauet werden, zieht man dieſe haͤufig vor. Eine vorzuͤgliche Beihie giebt der Oelkuchentrank, beſonders den ſaugenden Muͤttern und Lämmern, ſo wie — *. Wurzelfuͤtte⸗ rung. 416 Die Schaafzucht. auch der Branntweinsſpuͤlicht, der aber doch mit Vorſicht und ehe er ſauer wird, gegeben werden muß, indem manche bei einiger Saͤuerung deſſelben, einen ſehr nachtheiligen Einfluß auf die Milch verſpürt haben. Das Getreide wird den Schaafen in unausgedroſchenen oder halb ausge⸗ droſchenen Garben zuweilen gegeben, wobei ſich aber das Maaß nicht wohl be⸗ ſtimmen laͤßt. Haͤufiger werden ihnen die Koͤrner roh, aber mit Spreu vermengt und etwas angefeuchtet gegeben. Auch läßt man ſie, beſonders die Koͤrner der Huͤlſenfruͤchte, wohl etwas aufquellen. Andre fuͤttern ſie dagegen lieber als Schroot auf Häckſel geſtreuet, oder den Trank damit angeruͤhrt. Spreu und Ueberkehr wird uͤberdem oft den Schaafen zu Theil. Stehen die Koͤrner ziemlich hoch im Preiſe, ſo wird jedoch die Koͤrner⸗ fuͤtterung eine der koſtbarſten ſeyn. Man wendet ſie daher auch in der Regel nur in der Lammzeit an, und wenn man aus Noth dazu gezwungen wird, oder aber um anbruͤchige Schaafe nach der Meinung einiger damit zu heilen. §. 116. Wirthſchaftlicher iſt es ohne Zweifel, ſtatt ſich auf jene Koͤrnerhuͤlfezu verlaſſen, und auch um einen Theil, fuͤglich die Haͤlfte des Heues damit zu erſetzen, Wurzelgewaͤchſe verſchiedener Art fuͤr die Schaafe anzubauen. Es iſt durch unzahlige Verſuche erwieſen, daß alle gewoͤhnlichen Wurzelgewaͤchſe den Schaafen ganz vorzuͤglich gedeihlich, und dieſe Fuͤtterung, insbeſondere waͤhrend der Milchzeit, jeder trocknen Fuͤtterung vorzuziehen ſey. Sie ſind durchaus der Geſundheit der Schaafe unnachtheilig und leichter verdaulich, wie ſchon der natuͤrliche Trieb der Schaafe zu dieſen Gewächſen, beſonders zu den Kartof⸗ feln, wenn ſie ſolche einmal kennen, beweiſen kann. Wenn ſie zum Erſatz des Heues gegeben werden, ſo muß es in Verhaͤltniß ihrer Nahrungskraft geſche⸗ hen, woruͤber an andern Orten geredet worden. Daß man auch das Heu vol⸗ lig dadurch erſetzen koͤnne, lehren mehrere ſchon gemachte Erfahrungen, doch darf es ihnen dabei an Stroh nie mangeln, und eine mit Heu wechſelnde Fuͤtterung iſt allemal zutraͤglicher⸗ Schaafe, die 1½ Pfd. Heu und 1 Pfd. Kartoffeln erhielten, oder 1 Pfd. Heu und 2 Pfd. Kartoffeln und genug Stroh dabei, befanden ſich in einem vorzuglich genährten, wollreichen und milchrei⸗ chen Zuſtande. Durch Die Schaaßzucht. 4¹7 Durch gutes Erbſen⸗, Wicken⸗ und Linſenſtroh kann das Heu bei einer ſolchen Wurzelfuͤtterung beſonders erſetzt werden. . 5. 117. Eicheln und Roßkaſtanien geben den Schaafen ein nahrhaſtes Futter, Eichels uu ches beſonders bei anbruͤchigen Schaafen empfohlen wird. Man giebt ſier oh, iet. oder nachdem ſie einige Tage in Waſſer ausgelaugt, und dann im Backofen ge⸗ doͤrrt worden, wo ſich ihre Schaale abloͤſt, und ihr herber Geſchmack Slis taͤglich zu 1 Pfund. In einigen Gegenden rechnet man viel auf die ritb ſueu, die aus Zweigen von Ruͤſtern, Linden, Pappeln, Ahorn, Eſchen und Erlen beſteht, und in der Ordnung, wie ſie hier genannt worden, vorzuͤglicher ſeyn ſoll. Dieſe Zweige werden im Julius am Stamme weggenommen, in Buͤndeln zuſam⸗ mengebunden, dann getrocknet und in den Taß oder auf den Boden gebracht, um ſie den Schaafen, beſonders als Rebenfutter, in der Lammzeit zu geben. Man theilt, wo dieſe Futterung regelmaͤßig betrieben wird, die dazu beſtimm⸗ ten Baͤume in drei Schläge, und entlaubt alljaͤhrig einen. Der Reiſig wird, wenn er abgefreſſen iſt, verbrannt. §. 118. Salz iſt den Schaafen allerdings zuweilen zutraͤglich, man muß es aber Sal als Arzenei, und nicht als regulaͤres Futter betrachten. Der Inſtinkt zum Salzlecken aͤußert ſich bei den Schaafen, wenn ſir deſſen beduͤrfen. Man giebt ihnen alſo Gelegenheit, dieſen zu befriedigen, ohne es ihnen auf das Futter zu ſtreuen, indem man entweder ein Stuͤck Steinſalz im Stalle aufhaͤngt, oder aus aufgeloͤſtem Salze und Mehl Kuchen macht, ſolche baͤckt, und ebenfalls aufhaͤngt oder in die Krippen legt. Auch macht man eine ſogenannte Salz⸗ lecke aus aufgeloͤſtem Salze mit bittern und aromatiſchen Kräutern, Wermuth, Bitterklee, Gentian, Karnobenedikten, Camillen, Reinfarm, Raute, Meliſſe, Tymian und Meyran in einem hoͤlzernen Napfe. Man kann mit 1 Pfund auf das Stuͤck zich ausreichen. §. 119. Das Tranken iſt den Schaafen ſo noͤthig wie das Freſſen, und ihr Trieb Träsken dazu muß oft genug beſriedigt werden. Nur wenn man ſie nach der alten feß⸗ Vierter Theil. Ggg 418 Die Schaafzucht. lerhaſten Gewohnheit hat durſten laſſen, koͤnnen ſie ſich im Saufen üͤberneß⸗ men, insbeſondere wenn ſie uber ſumpfiges Waſſer herfallen. Bei ſaftiger Fut⸗ terung ſaufen ſie naturlich weniger, bei trockner mebr. Im Winter freſſen ſie gern Schnee, der ihnen gut bekommt. F. 120. Enge, finſtre und dumpfige Ställe, die man den Schaafen aus Beſorg⸗ niß gegen Erkaͤltung nur zu lange gegeben hat, ſind das nachtheiligſte fuͤr ihre Geſundheit. Das Schaaf iſt von Natur fuͤr die Einwirkung der Kälte geſchuͤßt, und liebt vor allen uͤbrigen Hausthieren feiſche Luft und Licht. Rur wenn das Schaaf durch eine dumpfige Warmbaltung entkraͤftet und in Schweiß geſetzt iſt, tann ihm eine plötzliche Erkältung ſchaͤdlich werden. Jeder Verſtändige iſt jetzt uberzeugt, daß luftige, geraumige und helle Ställe ein weſentliches Erforderniß ſey, und daß man die Kaͤlte derſelben auf keine Weiſe zu beſorgen habe. Die Temperatur kann betrachtlich unter dem Gefrierpunkt ſeyn, ohne daß es gehoͤrig wohl genaͤhrten Schaafen im geringſten ſchade. Es ſind daher auch nach dem Beifpiele der Engländer in Frankreich ſo wie in Deutſchland mit der Durchwinterung der Schaafe im Freien Verſuche gemacht, und es har ſich beſondzrs der Herr von Trembicki zu Lomna bei War⸗ ſchau dadurch verdient gemacht. Annalen des Ackerb. 1805. I. 721. Ein ähn⸗ licher Verſuch findet ſich in den Annalen des Ackerb. Band XI. S. 452. So unzweifelhaft indeſſen die Moͤglichkeit der Durchwinterung im Freien iſt, ſo hat doch ein guter luftiger Schaafſtall wohl Vorzuge, die der Herzog von Holſtein⸗ Beck Durchl. im IXten Bande der Annalen, S. 83., entwickelt. Sie geben mehrere Sicherheit den neugebornen Lämmern, beſonders wenn ſie in der kälte⸗ ſten Jahreszeit fallen, verhuͤten die Beregnung, Beſchneiung und das ſchnelle Gefrieren des ſaftigen Futters, erfordern bei naſſem Wetter eine mindere Ein⸗ ſtreuung, und erhalten mehr die Kraft des Miſtes. Das Haupterforderniß eines Schaafſtalls iſt, daß er geräumig genug ſey, Durchzuͤge habe, die die Luft erneuere, ohne doch gerade die Schaafe zu treffen, und daß vor demſelben ein geräumiger Platz oder Schaafhof ſich befinde, worauf die Schaafe der freien Luft genießen konnen, ſo oft und ſo viel ſie wollen. Man hat zum Theil ſehr luxurioͤſe Schaafſtälle mit vielen und großen Fenſtern erbauet, Die Schaaßzucht. 419 gegen welche freilich nichts zu erinnern iſt, aber man kann auch die Schaafe in ſchlechteren, nach alter Weiſe eingerichteten Staͤllen, geſund erhalten, wenn man dieſen nur die bis dahin fehlenden Luftzuͤge giebt, die Thuͤren offen hält, und die Schaafe frei aus⸗ und eingehen laͤßt. In großen Schäfereien iſt es ſehr bequem, beſondere Stalle oder Abtheilungen der Staͤlle mit eigenen Thuͤren fuͤr jede Art der Schaafe zu haben. Auch uͤber die Einrichtung der Schaaſſtälle enthält Gillys Anweiſung zur landwirthſchaftl. Baukunſt von Friederici das Voll⸗ ſtändigſte in landwirthſchaftlicher Hinſicht. F 121. Unter den mannigfaltigen Einrichtungen der Rauffen ſcheint mir folgende Rauffen. am zweckmäßigſten zu ſeyn: auf drei untergeſetzte Boͤcke ruhet ein Brett von etwa 16 Zoll Breite, welches mit einer 2 Zoll hohen Leiſte eingefaßt iſt. Die⸗ ſes Brett dienet zum Auffangen des auffallenden Heuſaamens und um kurzes Futter und Wurzelwerk darauf zu geben. Auf dieſes Brett werden doppelte mit einander verbundene Rauffen geſetzt. Dieſe ſtehen unten ungefähr 12 Zoll, oben nur 10 Zoll auseinander, neigen ſich alſo ſchräg nach innen, und nicht wie man ſie vormals gewöhnlich hatte, nach außen. Dadurch wird verhuͤtet, daß den Schaafen bei dem Herausziehen des Futters nichts in den Pelz falle, auch daß die Schaafe einander nicht uͤber den Kopf wegfreſſen, und ſich dadurch noch ſtaärker verunreinigen. Bei dieſer Struktur werden die Schaafe auch nicht leicht auf die Rauffen ſpringen, wie ſie ſonſt ſo gerne thun. Dieſe doppelte Rauffe wird nun entweder mittelſt zweier daran befeſtigten und uͤber an Balken angebrachte Winden laufende Stricke in die Hoͤhe gewunden, oder aber ſie wird an Pfoſten, die zu beiden Seiten ſtehen, mittelſt durchgeſteckter Pfloͤcke aufge⸗ bangen, um ſie von dem unteren Vrette, wenn man kurzes Futter darauf geben will, zu erheben. F. 122. Ueber die Vortheile und Nachtheile des nachtlichen Hordenſchlages, in Hin⸗ ſicht auf Duͤngung, iſt an andern Orten geredet. Wenn er ohne allen Nachtheil ſuͤr die Schaafe ſeyn ſoll, ſo muß er nur in der waͤrmern Jahreszeit und bei guter Witterung Statt finden, auch muͤſſen die Schaafe darin nicht zu ſehr beenge ſeyn, ſondern einen Raum von 10 Quadratfuß haben. Ein eintretendes Ge⸗ Gag2 . 33 1 Beſtand einer Schaͤferei. 420 Die Schaafzucht. witterſchauer ſucht man ihnen freilich lieber zu erſparen, und bringt ſie, wenn man dieſes befuͤrchtet, in den Stall. Doch ſchadet ihnen ein ſtarker, ploͤtzlicher Regenguß bei weitem nicht ſo, wie eine anhaltende naßkalte Witterung. Auf feuchtem Boden wird man die Schaafe nie hordenz je trockner und ſandiger er iſt, um ſo weniger wird es ihnen nachthrilis ſeyn. 123. Eine vollſtaͤndige Schaͤferei beſtehet: 1) aus dem Mutterhaufen; 2) aus dem Hammelhaufen, wobei gewoͤhnlich die Boͤcke ſind; 3) aus dem Jaͤhrlingshaufen; 4) aus dem Lämmerhaufen, der aber nur im Sommer abgeſondert zu ſeyn pflegt, indem bei der Einwinterung die Lämmer vom vorigen Winter zu den Jaͤhrlingen kommen; 5) aus dem echanſ wenn man ſich mit Maſtung oder Fettweiben der⸗ ſelben befaßt. 1) Im Mutterhaufen werden die Schaafe nach dem Alter unterſchieden, und ſo in das Regiſter eingetragen. Es giebt folglich darin: a) alte oder überſaͤtzige Schaafe; b) Vollſaͤtzige oder Achtſchauflerz o) Sechsſchaufler; d) Vierſchaufler oder Zeitſchaafe; Bei der Einwinterung werden ſie nun ſchon in die Klaſſe geſtellt, in welche ſie genau genommen, ihrem Alter und Zahnen nach, erſt im kuͤnftigen Sommer kommen ſollen. Die Lämmer nämlich, welche im Winter 1809 zur Welt kamen, ſind ſchon als Jährlinge im Herbſte eingezählt, und als ſolche durch den Win⸗ ter von 18% gebracht worden. In den Winter von 1812 werden ſie nun— wenigſtens geſchieht dies in der Regel— als ſolche, die bedecke werden ſollen, oder als Vierſchaufler eingebracht, obwohl ſie wirklich erſt mit zwei Zähnen ge⸗ wechſelt haben. Und ſo verhält es ſich dann auch mit den ubrigen Klaſſen⸗ Ueberdem aber werden bei einer Veredlung der Schaͤferei die Mutter nach ihren verſchiedenen Generationen, die durch ihre Zeichen erkannt werden, unterſchie⸗ Die Schaafzucht. 421 den und in das Regiſter eingetragen: die voͤllig edlen, die zter, ater, Zter, 2ter und iſter Generation. Man zeichnet alſo z. B. an: Uevderſaͤtzige Schaafe 0 Vollſaͤtzige Schaafe Eitmn noſl zur nth aipe pun F e 6n 5ür Gthko ter ⸗ zter 10%1 pPr. 2ter ⸗ ⸗ ſter Auf eben dieſe Weiſe die Sechs⸗ und Vierzähner. Die Abzaͤhlung und Muſterung der wird in der Regel jaͤhrlich drei Mal vorgenommen: 1) bei der Einwinterung, wobei das Brackbieh ausgeſchloſſen wird; 2) im Fruͤhjahr, wenn die Winterfuͤtterung groͤßtentheils aufhoͤrt, wobei das nach der Schur auszuſchießende Märzvieh beſtimmt wirdʒ 3) bei der Schur. Es wird alſo auch das Regiſter drei Mal angefertigt, oder die Stuͤckzahl jedes Haufens und jeder Klaſſe angezeigt. Einige halten monatlich eine ſolche Ueberſicht. Dies iſt jedoch nicht noͤthig, wenn nur monatlich oder wochent⸗ lich jede bei der Schaͤferei vorgefallene Veraͤnderung, jeder Abagng oder Zu⸗ wachs, notirt wird. Der Winterbeſtand einer Schäferei wird fuͤr den permanenten angenom⸗ men. Im Sommer hat ſich durch die Lämmer die Zahl immer vermehrt; ſie kommt dann aber durch den Abgang und die Ausmerzung des Viehes bei der Einwinterung zu ihrem beſtimmten Beſtande zuruͤck. Bei einer Schaͤ⸗ ferei von 1000 Stuͤck uͤber Winter muß wenigſtens auf 1300 Stück Weide vorhanden ſeyn. Hammel⸗oder Maſiſchaͤferei. — 422 Die Schaafzucht. §. 124. Die Hammel⸗ oder Fettſchäferei wird bei uns mehrentheils nur als ein nothwendiger Nebenzweig der Schaafzucht betrachtet. Es wird zwar hin und wieder Hammelſchaͤferei allein fuͤr ſich betrieben, indem man die Hammel und Marzſchaafe von den Schaafzuchtern kauft und ſie dann uͤber Sommer oder über Winter ſett macht. Aber Schaafzucht in vorzuglicher Hinſicht auf Maſtung, wie bei den Engländern, findet ſelten Statt. Wolle iſt die Hauptruͤckſicht, nächſtdem die Zuzucht, und Maſtung wird faſt nur von uns aus Noth betrieben. Die Ver⸗ mehrung der Schaafe, des erſteren Zweckes wegen, iſt ſo ſtark, daß der Fleiſch⸗ markt mit Maͤrzvieh uͤberfullt wird, und da dieſes Schaaffleiſch von ſchlechter Qualitat zu ſeyn pflegt, ſo hat ſich der Geſchmack daran ſehr verloren, und der nie⸗ drige Preis des ſchlechten Schaaffleiſches hält auch den Preis des guten, zumal bei den bisher uͤblichen Polizeitaren, herunter. Es wuͤrde daber bei uns nur in ſehr ſeltenen Faͤllen rathſam ſeyn koͤnnen, auf die Erziehung vorzuglich maſt⸗ fäͤhiger Schaafe und ihre Maſtung die Sorgſalt, gewiſſermaaßen auf Koſten der Wolle, gleich dem Engländer zu verwenden. Es findet nämlich ein ſehr großer Unterſchied unter der Maſlfahigkeit und der Guͤte des Fleiſches bei verſchiedenen Schaafarten Statt. In England hat man Schaafragen, die im zweiten Jahre ihres Alters ihr Lamm, auch wohl zwei bringen, es dann aufſäugen und nun entweder ſchon im Herbſte ſett ſind, oder im Winter, ohne ſie begehen zu laſſen, fett gemacht werden. Solche Schaaf⸗ arten hält man am vortheilhafteſten, indem ſie ihre Fuͤtterung und Weide durch ihr Fleiſch am ſtärkſien bezahlen, wobei die Wolle nur als ein Nebengewinn be⸗ trachtet wird. Doch haben nicht alle engliſche Schaafragen dieſe Eigenheit, und es giebt andere, die erſt im dritten oder vierten Jahre mit Vortheil gemaͤſtet weiden. So iſt dann auch in der Güte des Fleiſches ein großer Unterſchied. Gutes Schaaffleiſch muß nicht loſe oder ſchwammigt, aber weich, feinfaſrig und ſaftreich ſeyn. Eine mäßige, in den Zwiſchenraumen der Faſern abgeſetzte Fet⸗ tigkeit wird ſehr geſchatzt, das ſtarke Fert aber, welches ſich auswaͤrts ſpeckar⸗ tig, bis zu 4 und 5 Zoll dick, auf den Rippen anſetzt, hält man nur fuͤr die zrmere Klaſſe, welche damit ihre vegetabiliſchen Speiſen bereitet, angemeſſen. Die Schaafzucht. 423 Die Maſtfäbigkeit und Gute des Fleiſches betrachten viele Englander als eine der Feinheit der Wolle widerſtrebende Eigenſchaft. Indeſſen ſind doch nicht alle dieſer Meinung, und einige glauben, daß ſich Guͤte des Fleiſches und der Wolle vereinigen laſſe. Dies iſt bei ihnen ziemlich ausgemacht, daß die reine Merinorage in jener Hinſicht ſehr fehlerhaft ſey, bei gleicher Fuͤtterung weniger Fleiſch und ſchlechteres gebe als jede andere Art, und die Meinung der meiſten iſt, daß der hohere Werth der Wolle dieſen Verluſt nach den dortigen Verhält⸗ niſſen nicht aufwiege. Deshalb ſind viele der Einfuͤhrung der Merinos zwar nicht entgegen, wollen aber vermittelſt der Durchkreuzung und Auswahl der In⸗ dividuen eine neue konſtante Race bilden, die beide Qualitäten vereinige. Bei uns iſt nun die Fleiſcherzeugung eine ſekundaire Abſicht, und wir ha⸗ ben uͤberhaupt keine Schaafrage, die dazu auszeichnend geeignet wäre. Indeſſen muͤſſen wir doch auch anerkennen, daß die reinen Merinoſchaafe im Fleiſchan⸗ ſatze bei gleicher Rahrung und ſelbſt auch in der Guͤte des Fleiſches der groͤße⸗ ren Art unſerer Landſchaafe nachſtehen. Jene Hammel bleiben augenſcheinlich gegen dieſe zuruͤck, und wenn man einen Fleiſcher die Auswahl unter einem ge⸗ mengten Hammelhaufen läßt, ſo wird er immer die Merinos zuruͤckſtoßen, es ſey denn, daß man ſie ihm in einem beträchtlichen Wollſtande, den er zu ſchaͤtzen weiß, verkaufe. Bei den großen Vorzuͤgen, die das Merinoſchaaf in Hinſicht des Woll⸗ werthes hat, wird dies nicht leicht jemanden von Einfuͤhrung der edlen Schaaf⸗ zucht bei uns abſchrecken, bevor nicht etwa durch ganz veränderte Conjunkturen gutes Hammelfleiſch einen höheren Preis gegen die feine Wolle erhält. Wenn man indeſſen, beſonderer Wirchſchaftsverhaͤltniſſe wegen, auf Hammelmaſtung ſo wie auch auf Melkerei der Schaafe Ruͤckſicht zu nehmen ſich bewogen fin⸗ det, ſo koͤnnte eine gute in ſich ſelbſt veredelte Rage von Landſchaafen doch al⸗ lerdings zweckmäßig ſeyn. Und wenn man nur Hammelſchaͤferei und Maſtung betreiben und die Hammel dazu ankaufen will, ſo wird man ohne allen Zweifel beim Ankauf der Landſchaaſe beſſer fahren, zunal wenn man ſchnell mäſten will, und auf die wöhrend der Maſtzeit ſich erzeugende Wolle wenig Rückſiche neh⸗ men kann. 42 ½ Die Schaafucht. Die Hammelſchaͤferei kann unter ſolchen Lokalitäten noch iminet vorcheil⸗ *ßaft ſeyn, wo man eine ſehr nahrhafte, aber nicht ganz geſunde und leicht 6 liſch machende Weide hat, wo auf feuchterem, reichem Boden die Stoppel d Getreidefelder und der Wieſen einen kräftigen Nachwuchs gewährt, und wo min ugleich viele Gelegenheit hat, das Vieh mager wohlfeil anzukaufen und ge⸗ mäſtet gut und ſicher wieder abzuſetzen. Die Wintermaſtung der Hammel kann bei einem ſtarken Brachgewaͤchsbau vortheilhaft ſeyn, und der Abſaß der Win⸗ terhammel, die im Maimonat vollendet ſind, fehlt ſelten in großen und wohl⸗ habenden Staͤdten, wo um dieſe Jahrebzeit gutes Hammelfleiſch noch am meiſten geſ chaͤht wird. Wie ſie zu be⸗ treiben. Bei der Hamnielmaſtung iſt eine ſchnelle Vollendung und ein oͤfterer Um⸗ ſas das vortheilhafteſte. Hammel ein Zanzes Johr uͤber gehalten, werden ihre Fuͤtterung oder Weide ſelten bezahlen: hat man alſo Fettweiden, ſo muß man ſie ihnen reichlich geben, ſie nicht ſtark beſetzen, einen Theil ſchonen, um die Hammel darauf zu bringen, wenn die Weide auf dem erſteren abnimmt; da dann ein Geltehanfen die Nachweide verzehren kann. Reicht die Weide nicht vollkom ren, ſo muß man ihnen Stallfutter dabei geben, um ſie in acht, höchſtens zehn zu vollenden. Bei der Wintermaſt muß man von dem Augenblicke an, 3 3 wo die eigeneliche Maſt beginnen ſoll, ſo viel Futter geben, wie ſie nur verzehren 3 wollen, und man wird erſtaunen, wie viel ein ſolcher Hammel in der Mitte der Maſtzeit verzehren kann. Hierbei aber wird ſich das Futter beſſer bezahlt ma⸗ 3 chen, als wenn man damit ſpart und die Hammel dann in ſechzehn Wochen nicht zu der Feiſtigkeit bringt, wozu man ſie in acht Wochen haͤtte bringen 6 koͤnnen. Zwolf Landhammel, die ich einmal zum Verſuch und zu eigenem Ge⸗ 36 brauch aufſtallte, erhielten taglich einen Scheffel Kartoffeln und dabei 4 Centner Heu, kamen aber in ſechs bis acht Wochen zu einem ſolchen Anſat und zu einer ſolchen Gute des Fleiſches, daß alle, welche bei mir dieſes Fleiſch aßen, nie 3 angenehmeres und ſaftigeres Fleiſch genoſſen zu haben verſicherten, und nunmehr begriffen, wie die Engländer einen ſo hohen Werth anf Schaaffleiſch ſetzen koͤnnten. 1 Hammel, —— Die Schaafzucht. 42²5 Hammel, die zu eigener Maſtung aufgezogen werden ſollen, muͤſſen als Laͤmmer und Jährlinge ſo gehalten werden, daß ſie ihre volle Größe und Staͤrke erreichen. Die beſſere Gattung unſerer Landſchaafe kann bei reichlicher Nahrung zu einer ſonſt ungewoͤhnlichen Starke und Schwere gebracht werden, wie die manchmal einzeln gehaltenen ſogenannten Stallhammel beweiſen. Rach dem er⸗ ſten Jahre koͤnnen ſie dann bis zur Maſtzeit ſpaͤrlicher gehalten werden. Kauft man Hammel zu bloßen Fettſchäfereien, ſo haͤngt der vortheilhafte Erfolg haupt⸗ ſächlich von der Auswahl und dem Preiſe des mageren Viehes ab. Im Durch⸗ ſchnitt wird man ſich aber bei den ſtaͤrkſten, die man erhalten kann, am beſten ſtehen, wenn ſie auch theurer bezahlt werden. F. 2. Bei groͤßeren Schäfereien iſt ein Schaafmeiſter nothig, welcher die Auf⸗ Die Schäſer ſicht uber das Ganze führt, den man mehrentheils einen Antheil an dem Er⸗ trage zugeſteht und für alles verantwortlich macht. Unter ihm ſtehen die Meiſter oder Schaafknechte, welche die Mutterſchaafe beſorgen, der Hammelknecht, der Jährlingsknecht und der Laͤmmerknecht oder Junge. Das Schäſerhandwerk iſt gewiſſermaaßen nicht nur zunftmaͤßig, ſondern auch haͤufig erblich. Es entſteht bei den Sohnen der Schäfor eine beſondete Liebe fur die Schaafe von Kindheit auf; ſie ſchärfen ihr Auge und gewoͤhnen ſich fruh korperlich an die Lebensart eines Schäfers, mehrentheils ſo ſehr, daß ſie zu je⸗ dem anderen Geſchäfte untauglich werden. Ein guter Schäfer dieſer Art hat al⸗ lerdings Vorzuge vor andern, die ſich erſt ſpaͤter der Schaafzucht widmen und ihren Blick bei der Beobachtung der Schaafe erſt uͤben müſſen. Es iſt nur ſchlimm, daß ſich unter ihnen Vorurtheile und Aberglauben eben ſo ſehr ver⸗ erben, und daß ſie eingeprägren Meinungen, ſelbſt bei ſinnlicher Ueberzeugung vom Gegentheile, nicht entſagen koͤnnen. Auch herrſcht ein gewiſſer Zunftgeiſt unter ihnen, der ſie oftmals zum Nachtheil und zum Betruge ihrer Lohnherrn vereinigt. Ein Mann, welcher die guten Eigenſchaften eines ſogenannten gelern⸗ ten oder zunftmaßigen Schaͤfers beſiht, ſich aber von den Vorurtheilen und die⸗ ſem unrechtlichen Zunftgeiſte frei gemacht hat, iſt daher ſehr ſchätzbar, insbe⸗ ſondere wenn ein Landwuth nicht ſelbſt die genaueſte Aufſicht uͤber die Schaͤfe⸗ rei fuhren und ſeinen Schäfer in allen und jeden Stucken anleiten kann. Vierter Thetl. Hbb 426 3 Die Schaafzucht. Es giebt Gegenden, wo die zunftmäßigen Schäſer ſo ſehr verdorben ſind, daß kaum ein anderes Mittel bleibt, als junge gut geartete Burſchen entweder ſelbſt zu Schaͤfern anzuziehen, oder ſie in einer muſterhaft betriebenen Schäfe⸗ rei in einer anderen Gegend anlernen zu laſſen. Es waͤre daher ſehr zu wuͤn⸗ ſchen, daß die Schäferſchulen, welche man ſchon oft empfohlen und beabſichtigt hat, wirklich mehr ausgefuhrt und zweckmäßig eingerichtet wuͤrden. Da die Schaͤfer ſchon ſeit alten Zeiten das Zutrauen des Volks, auch bei Krankheiten anderer Thiere und ſogar der Menſchen beſitzen, mancherlei abergläubiſche Mit⸗ tel ausgeben und ſelbſt Operationen verrichten, ſo koͤnnte man dieſes einmal entſt andene Zutrauen benutzen, wenn man den Schäfern zugleich einen verſtan⸗ digen empiriſchen Unterricht in der Thierarzneykunde uͤberhaupt dabei ercheilte; wo ſie dann das Metier eines Thierarztes, welches allein ſeinen Mann nur in wenigen Gegenden naͤhren wird, fuglich daneben betreiben koͤnnten. Den Nachtheil der alten Einrichtung, dem Schaafmeiſter ſowohl als den Knechten eigenes Vieh nach einem gewiſſen Verhaͤltniſſe in der Heerde zu geſtat⸗ ten, hat man wohl allgemein anerkannt. Es war natuͤrlich, daß das Vieh. des Schaͤfers immer das beſte und ſeine Lämmer die vorzuͤglichſten waren, und daß das Vieh uie ihm, ſondern immer dem Herrn ſtarb, auch alle Controlle unmoͤglich wurde. Dieſe Eineichtung war aber ſchwer abzuſchaffen, weil alle gelernten Schaͤfer auf ihre Beibehaltung beſtanden, und man nicht leicht unter andern Bedingungen einen erfahrnen Schaͤfer erhielt. Sie ward deshalb in den Preußiſchen und mehreren andern Staaten geſetzlich verboten und der Schaaf⸗ herr zu ei ner nahmhaften Strafe condemnirt, der eine ſolche Einrichtung ferner machte und fortſetzte. Hiernach mußten ſich alſo die Schaͤfer zu einer anderen Ein⸗ richtung be quemen. 6* Man beſtimmte ihnen nun einen gewiſſen Antheil, den ſie an dem ganzen Ertrage der Heerde haben ſollten, und nach dieſem Antheile mußten ſie ſich in die Schaͤfere i einkaufen, ohne jedoch beſtimmtes eigenes Vieh zu haben. Sie muß⸗ ten dann aber auch zu dieſem Theil alle Nebenkoſten mittragen, und man ſetzte nur eine gewiſſe Quantität Heu ſeſt, welches die Schäferei unentgeldlich erhalten ſollte. W as daruͤber gefüttert auch an Koͤrnern, Salz u. ſ. w. gegeben und an ubrigen Ko ſten aufgewandt wurde, mußten ſie zu ihren Theilen tragen. Dieſe Die Schaaßzucht. 142 Einkaufveinrichtung vereinigt das Intereſſe des Herrn und des Schaͤfers, knüpft ſie mehr aneinander und verhindert oder erſchwert doch die Schmuggeleien. In⸗ deſſen hat ſie doch bei dem Antritte und Abzuge des Schaͤfers einige Schwierig⸗ keiten, beſouders wenn eine Schaͤferei in der Groͤße und Veredlung fortſchreitet, indem nun eine jedesmalige Taxirung noͤthig wird, und der abgehende Schaͤfer von dei vermehrten Werthe ſeine Quote rechtlich fordern kann, indem er zu den Koſten mit beitrug. Andere geben dem Schäfer eine gewiſſe, dann aber geringere Quote von dem Ertrage, ohne Einkaufsgeld und zuweilen auch ohne Beitrag zu den au⸗ ßerordeutlichen Koſten zu verlangen. S Wer eine ſehr genaue Aufſicht uͤber ſeine Schäferei fuͤhren und gewiſſer⸗ maaßen ſelbſt die Stelle des Schaafmeiſters vertreten will, oder auch einen be⸗ ſonderen geſchickten Wirchſchaftsoffizianten dazu anſetzt, kann ſich mit Lohnknech⸗ ten behelfen, die geſpeiſet werden oder Deputat erhalten. Um ihnen ein Inte⸗ reſſe fuͤr die Außzucht beſonders zu geben, iſt es rathſam, ihnen ein Gewiſſes fuͤr jedes zur Einwinterung gekommene Lamm zu geben. Daß der Schaͤſer ſeinen Hund gut dreſſirt und in ſeiner Sewalt habe, iſt ſehr wichtig, indem ein Hund, der die Heerde unzeitig beunruhigt, ſie ganz herun⸗ terbringen kann. F. 128 Die Pelzwaͤſche oder das Waſchen der Wolle auf dem Leibe der Thiere iſt Die Wäſche immer etwas ſehr unvollkommenes. Man hat ſie eigentlich wohl nur eingefuͤhrt, um den groͤberen Schmutz herauszubringen, der aber bei gut gehaltenen und feinwolligen Schaͤfereien uͤberall nicht darin ſeyn darf. Die Wolle wird durch dieſe Waͤſche mehr oder minder gereinigt. Dieß erhöhet oder vermindert natur⸗ lich bei dem erfahrnen Wollkenner ihren Werth, aber die reinere Waͤſche ver⸗ ringert auch wieder das Gewicht und der Verluſt an dieſem uͤberwiegt vielleicht nicht ſelten den hoͤheren Preis, den man für jeden Stein Wolle erhaͤlt. Der Hauptnachtheil der Peizwaͤſche iſt aber der, daß ſie bei uͤbler Witterung, wo ſie jedoch zuweilen der Wyllmaͤrkte wegen vorgenommen werden muß, der Geſund⸗ beit der Schaafe nachtheilig wird, und daß eine unterdruͤckte Ausduͤnſtung die naturliche, ſelbſt innere, Fertigkeit der Wolle zuruͤcktreibt, wenn jene vor der Hbb 428 Die Schaaſzucht. Schur nicht völlig wieder hergeſtellt werden kann. Der Gebrauch iſt aber ein⸗ mal in Deutſchland ſo eingefuhrt und beim Wollhandel ſo beſtimmt angenom⸗ men, daß er fuͤr den Einzelnen ſchwer abzuaͤndern ſeyn duͤrſte. Ungewaſchen kauft man unſre Wolle nicht, und zur reinen Wollwaͤſche haben wir nicht die An⸗ ſtalten. Auch pflegen die Kaufer wenn man es verſucht, nicht ſo viel mehr zu geben, als der ſtärkere Gewichtsverluſt dabei betragt, indem ſie ſich die reine Waͤſche mit der Ausſortirung der Wolle lieber ſelbſt vorbehalten wollen. In Zeiten, we die Wolle ſehr geſucht wird, muͤßten ſich beſonders die Beſitzer vorzuglicher Schä⸗ fereien vereinigen, ihre Wolle entweder ganz ungewaſchen oder nach der Schur rein gewaſchen, wozu die jetzt genugſam bekannten Anſtalten in jeder ſchaafreichen Ge⸗ gend gemeinſchaftlich eingerichtet werden koͤnnten, zu verkaufen. Bei einer voll⸗ kommnern Waͤſche der geſchornen Wolle hat man gefunden, daß ſie 54 Prozent verliere, wenn vorher nicht auf dem Pelze gewaſchen worden. Bei der Pelzwäſche verliert die Wolle wahrſcheinlich 25 Prozent gegen die ganz ungewaſchene. Der Erfolg der Peizwäſche haͤngt theils ven der Methode, die verſchieden iſt, und der Sorgfalt beim Waſchen, theils von der Beſchaffenheit des Waſſers ab. Hartes Waſſer wird dem fettigen Schmutze nichts anhaben, ein weiches, und noch mehr ein ſeiſenartiges wird die Wolle ungleich reiner und weißer machen, ſo wie es vorzuglich der oͤfterer von mir erwähnte Pfuhl zu Mögelin bewirkt. Annalen des Ackerbaues Bd. X. S. 390. um die Nachtheile der Pelzwäſche in Ruͤckſicht der unterdruͤckten Anedünfung zu vermindern, iſt es von großer Wichtigkeit fuͤr die Geſundheit der Schaaſe ſo⸗ wohl als fuͤr die Guͤte der Wolle, daß man die Ausduͤnſtung durch wärmeres Hal⸗ ten und nahrhaftes Futter vor der Schur wieder herzuſtellen ſuche, und wo mog⸗ lich eine Zwiſchenzeit wenigſtens von 8 Tagen halte, wobei man denn freilich eine neue Beſchmutzung ſorgfaͤltig verhuͤten muß. §. 129. Die Schur. utter die Vortheile der zweimaligen oder einmaligen Schur ſind die Mei⸗ nungen ſehr verſchieden. Bei Merinoſchäfereien und ſelbſt bei veredelten hat man die zweimalige Schur wohl allgemein aufgegeben; indeſſen haben doch neuer⸗ lich einige, die ihren Schäͤfereien vorzugliches und ſehr reiches Futter gaben, ſich wieder dazu entſchloſſen, weil nämlich die Wolle zu lang ward, und die Schaafe Die Schaafzucht. 429 bei dem ſchnellen Wiederwuchs der Wolle von der doppelten Schur weniger Un⸗ gemach zu empfinden ſchienen, als von der ſehr langen Wolle. Bei gut genaͤhr⸗ ten Landſchaafen hat man durch zweimalige Schur einen etwas groͤßeren Wollge⸗ winn erhalten, den einige zu 1% andre nur zu v ½ des Ganzen angeben. Daß der Preis der zweiſchuͤrigen Wolle dagegen geringer ſey, geſteht man in einigen Ge⸗ genden zu, in andern aber nicht, und dies hängt wohl von den Fabrikaten ab, wo⸗ zu die Wolle hauptſaͤchlich verwandt wird. Hutmacher nehmen die kurze Wolle lieber. Schaafe, die an zweimaliger Schur gewoͤhnt ſind, verlieren häufig im erſten Fruͤhjahre ihre Wolle, wenn man ſie im Herbſte ſtehen ließ, und ſie muß abge⸗ rupft werden. Noch mehr erfolgt dies wenn ſie im Holze und zwiſchen Geſtraͤu⸗ chen gehuͤtet werden. Die zu fruͤhe und zu ſpäte Jahreszeit, wo die Schur dann geſchehen muß, macht aber gewiß einen nachtheiligen Eindruck auf die Geſundheit des von ſeinem Pelze entbloͤßten Schaafs, dem nur durch eine kraͤftigere Nahrung entgegen gewirkt werden kann. Daß die Schur der Schaaſe gruͤndlich und vorſichtig geſchehe, damit nicht ſtreifenweiſe Wolle ſtehen bleibe, hat auf den Wollertrag merklichen Einfluß⸗ Gut angewieſene und geuͤbte Scheerer muß man daher zu erhalten ſuchen, und ſie unter genauer Auſſicht haben, welche der Schaſer, wenn er ſeinen Theil vom Ertrage der Wolle erhält, gern fuͤhren wird. Es iſt deshalb auch die Art und Schaͤrfe der Scheeren nicht gleichguͤltig. In der Schicklerſchen Fabrik vor Neuſtadt⸗Eberswalde werden jetzt vorzuͤglich gute Schaafwoll⸗Scheeren verfertigt. Das Scheeren wird mehrentheils ſtuͤckweiſe zu 4 bis 6 Pf. bezahlt. Wenn man durch etwas hoͤheren Lohn ein beſſeres Scheeren erreichen kann, ſo erhoͤhet man ihn gern. Das Scheeren im Frohndienſt pflegt naruͤrlich ſelten gut zu geſchehen. Wenn die Heerde, Schaafe von verſchiedener Feinheit enthalt, ſo ſondert man ſie wohl immer ab. Aber auch die Boͤcke, Hammel, Muͤtter und Jöhrlinge werden beſonders geſchoren, und die Wolle jeder Art wird beſonders verpack⸗⸗ Die Sortirung der nach den Koͤrpertheilen verſchiedenen Wolle iſt bei uns wenig gebräuchlich. Man pflegt die ganzen Pelze, ungefahr ſo viele als auf einen Stein gehen, uͤber einander, und die kurze, jedoch reine Wolle hinein zu — 430 Die Schaafzucht. legen und zuſammen zu ſchlagen. Jedes Bund wird mit duͤnnem Bindfaden zu⸗ ſammen geſchnuͤrt, oder es wird die Wolle ungebunden in die Säcke geſtopft. Bei edlen Schaͤfereien achtet man auf das Wollgewicht jedes Thiers, um darnach ſeinen Werth zu beſtimmen, und es vor andern zur Zuzucht auszuwäh⸗ len, da es wahrſcheinlich iſt, daß auch die Reichhaltigkeit an Wolle ſich verer⸗ ben werde. In ſofern das ſtärkere Gewicht von der Dichtigkeit der Wolle her⸗ ruͤhrt, trifft dieſes auch zu; die längere dagegen hängt von der Fuͤtterung und Geſundheit ab, und daher auch das Gewicht. Die Merinowolle wiegt ihrem Volumen nach ſhweier wie die Landwolle. Wenn aber ein Landſchaaf im Gewichte weniger wie ein Merinoſchaaf giebt, ſo ruͤhrt dies ohne Zweifel von ſeiner ſchlechteren Haltung her. Wuͤrden ſie gleich gehalten, ſo ſcheinen gute Landſchaafe immer mehrere Wolle zu tragen. In on der beſonderen Behandlung und Beurtheilung der Merinos und ihrer Wolle, muß ich auf oben erwaͤhnte Schriften verweiſen. DiePſr de 5. Die Lehre von der Pferdezucht iſt von⸗ ſo vielen erfahrnen und einſi chtsvol⸗ len Maͤnnern, welche ſich ganz dieſem Fache gewidmet hatten, bearbeitet worden. Indeſſen ſehlt es uns noch an einer gruͤndlichen und wiſſenſchaftlichen Darſtel⸗ lung dieſer Lehre, welche eine klare Ueberſicht derſelben geben und das Wahre, das Naturgemäße von dem, was ſich auf Vorurtheil— welches ſich auch hier zu tief eingewurzelt und verbreitet hat— begruͤndet, ſonderte. Ich darf mir nicht anmaßen, eine ſolche Ueberſicht zu unternehmen, und es wuͤrde am wenig⸗ ſten hier der Ort ſeyn, eine ſo ausführliche Abhandlung daruber zu ſiefern, als erforderlich wäre. Ich beſchraͤnke mich vielmehr bloß auf das, was dem Acker⸗ bauer als ſolchem von der Anzucht und Haltung der Pferde zu wiſſen noͤthig iſt. Das vorzuͤglichſte Werk welches wir bisjetzt haben, iſt ohne Zweifel Naumann uͤber die vorzuglichſten Theile der Pferdewiſſenſchaft. 3 Theile. Verlin 1800— 1802. Desholb kann ich mich auch hier nicht auf Darſtellung der mancherlei Ragen, die aus verſchiedenen Ländern abſtammen, aber auch durch Auswahl der Indivi⸗ duen und mittelſt der Durchkreuzung entſtanden ſind, einlaſſen. Die Pferde. 431 Dem Ackerbauer iſt ein gedrungenes, kurz geripptes(kurz gepacktes), in Bruſt und Kreuze breites, rundes, muskulöſes, ſtark ſehniges, aber nicht wie einige ver⸗ meinen, dickknochiges Pferd, am angemeſſenſten. Es muß nicht bitzig, aber mun⸗ ter und beſonders ausdauernd und hart ſeyn, ſo daß es auch bei ungewoͤhnlichen Strapatzen, und wenn es einmal nicht gehorig gepflegt werden kann, und ſchlech⸗ teres Futter erhält, dennoch aushalte, und wenigſtens nicht ſchnell verkümmere und kränklich werde. Beſonders muß es einen harten Huf haben. Nach Ver⸗ hältniß der Laſten, die es ziehen, des Bodens, den es bearbeiten ſoll, muß es von verſchiedener Stärke ſeyn. Dieſe richtet ſich zwar nicht immer nach der Groͤße des Thiers, und es giebt kleinere Pferde, welche ungleich groͤßere im entgegenge⸗ ſetzten Zuge zuruͤckgezogen haben; ein großes Pferd legt ſich aber doch, wie man ſagt, beſſer ins Zeug, und hat, wenn es fehlerfrei iſt, im Durchſchnitt mehrere Kraft, und macht ſtärkere Schritte. Nur erfordert der groͤßere Koͤrper immer eine ſtaͤrkere Nahrung, und in der Hinſicht beſonders konnen Pferde, die ihrer Natur nach, aber nicht aus Verkröppelung kleiner ſind, Vorzuͤge haben, wo ſie in der Regel nicht zur Ueberwindung ungewoͤhnlicher Laſten gebraucht werden. Ein fuͤr den Ackerbau recht angemeſſener Schlag von Pſerden iſt ſchwieri⸗ ger aufzufinden, als Pferde von edlerer Rage, weil man allenthalben nur auf dieſe, nicht auf jene Aufmerkſamkeit verwandt hat. Der gute dauerhafte Acker⸗ ſchlag iſt bei denen, welche Pferdezucht eifrig betrieben, mehrentheils ſehr un⸗ zweckmäßig zu dieſem Gebrauche mit andrem Blute vermiſcht worden, und bei den Landgeſtuten, welche viele Regenten hoͤchſt wohlthaͤtig fur ihre Unterthanen einrichteten, hat man mehrentheils auch nur die Anzucht eines beſſeren Reitſchla⸗ ges beruͤckſichtigt, uͤberhaupt aber in den meiſten Fällen bei der Auswahl der Be⸗ ſchaͤler zu wenig auf die eigentliche Beſchaffenheit des in jedem Diſtrikte ſchon vorhandenen Schlages, auf die dort ubliche Behandlung der Pferde und die Ra⸗ tur der Weiden Ruͤckſicht genommen. Der vorzuglich derbe Schlag der urſpruͤnglichen Mecklenburgiſchen Pferde findet ſich nur noch auf einigen Guͤtern und in einigen Bauerwirthſchaften in Mecklenburg, und auch vielleicht in Pommern. Zuweilen trifft man ihn im er⸗ ſteren Lande wirklich veredelt, ohne zu unſtrem Gebrauche verſchlechtert zu ſeyn. Die Hollſteinſchen Pſerde, die haͤufig unter dem Namen der Mecklenburger gehen, —. Bedeckunz der Stuten. 43¹ Die Pferde. haben ſelten die Qualitäten, die der Ackerbaner wuͤnſcht; sber ein Schlag Din ſcher Pferde, die unter dem Namen der Waſſerdänen bekannt ſind, übertrifft in Kraft und Ausdauer vielleieht jeden andren. Die Litthauer Pferde ſind zwar nach Verhaͤltniß ihrer Groͤße kraͤftig und hart, aber ſo wie man ſie gewoͤhnlich erhaͤlt, doch zu klein. Ueber den konſtanten Schlag der Ackerpferde in andern deutſchen Ländern vermag ich nicht zu urtheilen⸗ §. 131. In wiefern die Aufzucht der Pferde dein Landwirthe uͤberhaupt anzurathen ſey, daruͤber habe ich nach den Verhaͤltniſſen der Wirthſchaft im erſten Bande F. 167. geſprochen. Wenn man einen recht tuͤchtigen Schlag einmal erhalten hat, mit einem dazu paſſenden Hengſte, welcher mit den Stuten, die er beſpringt, ſehr ruhig gehen wird, und dann die Arbeitsſtuten zur rechten Zeit beiegen läßt, ſo bin ich aus den dort angeführten Gruͤnden uͤberzeugt, daß man bei eigner Aufzucht der Fullen auf einer dazu paſſenden Weidekoppel, in einigen Faͤllen ſo⸗ gar auf dem Stalle Vortheil haben werde, wenn man die Vorzuͤge eines gleich⸗ artigen und voͤllig gekannten Schlages mit berechnet. Von dieſer Pferdezucht allein, nicht von der Einrichtung einer Stuterei, wird hier die Rede ſeyn. Wir wollen die Stute und den Hengſt nur als Arbeitspferde halten, und die Aufzucht der Fuͤllen als einen Nebenzweck betrachten. §. 132. Eine Stute kann belegt werden, wenn ſie volle 3 Jahr alt iſt, ſo daß ſie mit dem ten Jahre ihr Fuͤllen bekomme. Man wird dies aber bei einem Ar⸗ beitspferde beſſer bis zum Ften und 6ten Jahre aufſchieben, um es nicht auf eine doppelte Weiſe fruͤh anzugreifen. Stuten können ſehr wohl alljaͤhrig ihr Fuͤllen bringen, doch iſt es bei Arbeitspferden mehrentheils rathſam, ſie nur ein ums andre Jahr beiegen zu laſſen. Man läßt ſie ſo früh im Jabre wie mög⸗ lich belegen, und ſucht dies im Februar zu bewirken, damit ſie ihr Füllen brin⸗ gen, zu einer Zeit, wo man die Mutter in der Arbeit entbehren und ſchonen kann. Sie muß alsdann aber im Stalle beſonders gut gefuͤttert werden. Der Gebrauch, die Fuͤllen erſt im Mai kommen zu laſſen, damit man die Stute ſo⸗ gleich in volles Gras ſchicken koͤnne, paßt bei Ackerſtuten nicht. Der Die Pferde. 433 Der Zeitpunkt, wo die Roſſigkeit auf den hochſten Grad geſtiegen iſt, muß auf eben die Weiſe, wie es bei den Kuͤhen geſagt worden, genau beobachtet wer⸗ den, was freilich nicht anders geſchehen kann, als wenn man den Hengſt zur Stelle hat. Jedoch dauert der Empfänglichkeitszuſtand länger wie bei den Kuͤ⸗ hen. Die Brunſt aͤußert ſich mehrentheils wieder ſchon am u1ten Tage nach dem Fuͤllen, und ſie iſt diesmal zum Empfange beſonders guͤnſtig, weswegen eine Stute, obgleich ſie beinahe ein Jahr trächtig geht, doch jährlich um dieſelbe Zeit ihr Füllen bringen kann. Es iſt eine ſehr falſche Maaßregel eine Stute an demſelben Tage zweimal beſpringen zu laſſen, und uͤberhaupt in derſelben Roſſigkeitsperiode, wenn anders der Sprung gehörig vollfuhrt iſt. Das Hauptkennzeichen, daß eine Stute empfangen habe, iſt das Ausſchla⸗ gen des Hengſtes, wenn ſich auch einige Zeichen der Roſſigkeit àußern. Man bemerkt mehrentheils bei einer trächtig gewordenen Stute eine gewiſſe Traͤgheit, ofteres Stallen oder einen Reiz dazu. Nach einem halben Monat bemerkt man gewoͤhnlich ein Anſchwellen des Euters und der Adern, welche an den Zitzen lie⸗ gen. Dies dauert aber nur acht Tage, und verzieht ſich dann wieder. Nach ſechs Monaten nimmt der Hinterleib etwas zu, ſo daß er zunächſt an den Hinterbei⸗ nen einen eben ſo großen Umfang bekommt, als unmittelbar hinter den Vorder⸗ beinen; doch zeigt ſich dies nicht immer. Im achten Monat kann man zuwei⸗ len bei dem Tränken ein Schlagen des Fuͤllens verſpuͤren, wenn man die Hand an die Flanke legt. Eine traͤchtige Stute kann zu jeder gewoͤhnlichen Arbeit gebraucht werden, nur muß man ſie füͤr ſtarke Erhitzung huͤten, und ihr kein ſchlechtes Futter ge⸗ hen. Vom zehnten Monat an wird es indeſſen rathſam ſie mehr zu ſchonen, beſondes Stoͤße vermeiden, und heftiges Anſpringen und Anziehen. Auch gebe man ihr mehe konzentrirt nahrhaftes und weniger aufblähendes Futter, und fange zu Ende dieſes Monats an, ihr Schrottrank zur Befoͤrderung der Milch zu reichen. §. 133. Wenn ſich dann Milch im Euter zeigt, und zu beiden Seiten des Schwei⸗ Geburt des fes Vertiefungen entſtehen, ſo iſt dies ein Zeichen, daß die Geburt ſich nähere; Fülens. und die Geburtsſtunde ſelbſt zeigt ſich durch die Unruhe der Stute. Man bringt Vierter Theil. Jii — . 434 Die Pferde. ſie gern in einen beſonderen Stall, macht ihr eine weiche Streu, und ſucht ſie zum Niederlegen jedoch ohne Gewalt zu bewegen. Von aller Beihuͤlſe bei der Geburt muß ſich derjenige enthalten, der nicht gruͤndliche Kenntniß davon hat, und am wenigſten gewaltſame Mittel, z. B. das Zuhalten der Naſe bei dem Geburtsdrange vermeiden. Iſt der Kopf des Fuͤllens hervorgekommen, ſo kann man allenfalls durch langſames Wrackeln von oben nach unten, aber durchaus ohne zu reißen, das Hervorkommen der uͤbrigen Theile erleichtern. Wenn die Nabelſchnur nicht von ſelbſt reißt, ſo unterbindet man ſie 2 Zoll weit vom Leibe des Fuͤllens, und ſchneidet ſie dann eben ſo weit unterhalb des Bandes ab. Um die Nachgeburt bekuͤmmere man ſich nicht, wenn es auch ziem⸗ üch lange mit ihrem Abgange dauert. Man beſtreuet das Fuͤllen gewöhnlich mit etwas Salz, um die Stute deſto eher zum Ablecken de ſſelben zu bewegen⸗ Der Stute wird nun gleich ein lauwarmer Klaitrank aber in kleinen und öſteren Portionen gegeben. Waͤhrend der Saugezeit muß der Stute mit beſonders gem Futter und mit einem gut eingerührten Rockenſchrottrank aufgeholfen werden. Nach 14 Tagen kann man ſie wieder zu mäßiger Arbeit, jedoch nur den halben Tag gebrauchen. Fuͤr Erhitzung muß man ſie huͤten, und wenn dieſe dennoch irgend vorgeſallen, muß ſie erſt ausgemelkt werden, ehe man das Füllen zulaßt. Auch darf man das hungrig gewordene Fuͤllen, wenn die Mutter zu Hauſe kommt, nicht zu viel auf einmal ſaugen laſſen, ſondern muß es oͤſterer abnehmen. Dem Fuͤllen legt man dann bald etwas recht gutes Heu vor, und laͤßt es auch vom Tranke der Mutter ſaufen. Nach 8 bis 10 Wochen kann man das Fuͤllen ſchon bei der Pflugarbeit und auf kurzen guten Wegen mitlaufen laſſen. Nach 12 Wochen ſetzt man das Fuͤllen ab, um ſo mehr, da einige bemerkt ha⸗ ben wollen, daß längeres Saugen zwar groͤßere und fettere aber weichlichere Pferde mache. §. 134. Nach dem Abſetzen entzieht man der Mutter das nahrhaſtere Futter und melkt ſie zu Anfange aus. Scheint der Euter hart oder ſchmerzhaft zu werden, ſo legt man einen heißen Stein in ein Geſaͤß, und melkt darauf, damit der Dampf Die Pferde. 435 an das Euter ſchlage. Man wäſcht und baͤhet in dein Falle auch den Euter mit lauwarmen Seifenwaſſer, und wenn er ſich merklich verhärtet, reibt man ihn mie braun gebrarener Butter oder mit fluͤchtiger Kampferſalbe von der Apotheke ein. Die Fullen werden dann mehrentheils auf einer Weidekoppel, wo ſie reichliche Nahrung haben, erzogen, und dies iſt ohne Zweifel das bequemſte und beſte. Wo hierzu aber nicht Gelegenheit iſt, können auch Fuͤllen, auf dem Stalle erzo⸗ gen, recht gut werden. Die Stallfullen werden, wenn ſie entwohnt ſind, angebunden mit einem Half⸗ ter, der einen breiten Naſenriem hat. Man muß ſie jedoch alltäglich einmal her⸗ auslaſſen, und wenn es auch nur auf den Wirthſchaftshof wäre; damit muß man aber fruh anfangen, um dos Füllen daran zu gewoͤhnen, ehe es zu munter wird; weil es ſich ſonſt an Allerlei beſchädigen köͤnnte. Man muß es moglichſt zahm zu machen ſuchen, indem man es aus der Hand füttert. Im erſten Jahre iſt es gleich ſehr nützlich, das Füllen von Zeit zu Zeit zu ſtriegeln und zu buͤrſten. Man muß es fruͤh gewoͤhnen ſeine Fuͤße zu heben und ſich daran klopfen zu laſſen, und im zweiten Jahre muß ihm der Huf ausgewürkt werden. Man giebt dann dem Fuͤl⸗ ien gleich etwas Hafer und mäßiges Heu; doch werden Fullen bei grůnem Kle und Wickenfutter im Sommer recht gut. §. 135. Das Pferd hat 12 Schneidezhne, 6 oben und 6 unten, 4 Eck⸗ Hunds⸗ Alter der oder Hakentähne, und 24 Backenzähne. Die Schneidezaͤhne wechſeln und an ſelbigen erkennt man vor allem das Alter. So lange das junge Thier ſeine erſten Zähne noch ſaͤmmtlich bat, a 2 bis 2 ½ Jahr lang heißt es Fuͤllen. Im dritten Jahre fallen die vorderen beiden Zähne, zuerſt mehrentheils in der unteren Kinnlade, aus, und die Luͤcke wird nun durch zwei neue ausgefullt. Dieſe unterſcheiden ſich Anfangs durch eine ſchmutzig gelbe Farbe, haben oben eine Höhlung von ſchwarzer Farbe, die Bohne e Jetzt heißt das Thier ein junges Pferd. Inm vierten Jahre wechſeln die beiden zunachſt ſehenden auf eben die Weiſe. Die erſten Wechſelzähne haben ſich mehr ausgefullt, ſind weißer, die braune Bohne iſt blaſſer geworden, Jii 2 436 Die Pferde. Im funſten Jahre wechſeln die äußerſten auf eben die Weiſe, und von dem Zeitpunkte an heißt das Thier ein Pferd, ein friſches Pferd. Die drei Paar Schneidezaͤhne verlieren in der Ordnung, wie ſie entſtanden ſind, ihre Zeichnung wieder. Im ſiebenten Jahre verliert ſich die Bohne bei den mittelſten, im achten Jahre bei den nächſtſtehenden, und im neunten Jahre ſind auch die äußerſten nicht mehr gezeichnet. So verhaͤlt ſichs gewoͤhnlich, indeſſen finden Ausnahmen, beſonders bei gewiſſen Racen Statt. Einige, und zwar die beſſern Pferde, wechſeln ſpäter, und dann verliert ſich auch erſt ſpäter jene Zeichnung der Zähne. Dieſe Pferde ſind dann aber immer dauerhafter und erreichen ein hoͤheres Alter, weswegen ein Pferd, welches ſeine Zeichnung länger behält, hoͤchſt ſchätzbar iſt. Roßtaͤuſcher ſuchen aber dieſe Zeichen durch Ausmeißeln und Brennen bei älteren Pferden nachzuahmen, und manchmal thuen ſie es mit ſo vieler Geſchick⸗ lichkeit, daß ein aufmerkſames Kennerauge dazu gehoͤrt, um es zu entdecken. Selten koͤnnen ſie jedoch die Ordnung in der Ausfuͤllung und Verbleichung der Bohne richtig nachahmen. Der Huf iſt bei dem Fuͤllen und jungen Pferde im⸗ mer länger als er breit iſt, wird nach und nach breiter als er lang iſt. Doch ſnden hierbei auch Kunſteleien Statt, die beim erſten Anblicke trugen koͤnnen. Nach dem zehnten Jahre bemerkt man, daß ſich der erſte Schwanzwirbel vom letzten Ruͤckenwirbel abſondert, und dies nimmt dann mit dem Alter der Pferde zu, ſo daß der Zwiſchenraum immer weiter wird. Das Zahnfleiſch zieht ſich bei hoͤherem Alter mehr zuruͤck, und die Zähne erſcheinen laͤnger, bekommen zugleich eine kalkweißere Farbe. Die Augengruben werden tiefer, die Haare um die Augen faͤrben ſich weiß, der After ſenkt ſich mehr in den Leib, die Lip⸗ pen ſchließen nicht mehr. Wenn dieſe Zeichen ſich einſtellen, iſt es ein altes Pferd, und der Werth eines Pferdes in Hinſicht ſeiner zu erwartenden Ausdauer richtet ſich mehr nach dem Grade dieſer Zeichen, als nach den eigentlichen Jah. ren, indem manche Pferde ſchon im vierzehnten Jahre faſt unbrauchbar werden, andere dagegen bis zum zwanzigſten und ein und zwanzigſten(ja man hat Bei⸗ ſpiele von noch älteren, und ich habe ein Pferd gekannt, was im vier und zwan⸗ zigſten Jahre noch zur reitenden Poſt gebraucht wurde) aushalten.. Die Pferde. 437 F. 136. Die gewoͤhnlichſte und Hauptfuͤtterung beſteht in Körnern, und man haͤlt Die Körner⸗ gewohnlich den Haſer für das angemeſſenſte. Wenn indeſſen anderes Getreide fütteruns. in Verhaͤltniß ſeiner Rahrhaftigkeit mit mehrerem und feinem Haͤckſel, wel⸗ cher die Stelle der Hülſen beim Hafer vertritt, gefuͤttert wird, ſo haben auf⸗ merkſame Beobachter nicht den geringſten Unterſchied dabei bemerkt. Am haͤu⸗ figſten braucht man den Rocken als Surrogat des Hafers. Die ungeſchrotene Gerſte wird von einigen getadelt, weil ſie groͤßtentheils unverdauet wieder ab⸗ gehen ſoll, wird jedoch von andern ſehr geruͤhmt. Weizen kommt als Pferde⸗ futter nur ſelten vor, und einige haben ihn, wo er im Nothfalle gefuͤttert wurde, hoͤchſt ſchaͤdlich befunden, was mir aber bei genauerer Nachfrage nur daher zu ruͤhren ſchien, daß er nicht gehoͤrig mit Haͤckſel angemengt war, ohne welchen er freilich den Magen ſehr leicht wird verkleiſtern können. Ich habe ihn ein⸗ mal, wie er gegen andres Getreide im geringen Preiſe ſtand, mit dem beſten Erfolge, aber mit vielem Haͤckſel gemengt, gefuͤttert. Die Rationen eines Pferdes werden gewoͤhnlich nach Hafer, als dem ge⸗ woͤhnlichſten Futter beſtimmt. Aber kein Getreide iſt ſo ungleich in ſeinen Nah⸗ rungstheilen, wie der Hafer in e'nem gewiſſen Maaße. Es haben daher mehrere ſehr richtig den Grundſatz angenommen, nach dem Gewichte und nicht nach dem Maaße zu fuͤttern, oder dieſes doch nach jenem zu modificiren. Es kommt zuweilen Hafer vor, wovon der Scheffel nicht uͤber 36 Pfd. wiegt, und andrer, der 54 Pfd. ſchwer iſt. In dem Falle erſetzt aber jener leichtere Hafer den ſchwerern nicht, wenn man die Fuͤtterung auch nach dem Gewichte einrichtet, 9 Metzen von dem leichten nicht 6 Metzen von dem ſchweren, weil man bei gleichem Gewichte unter jenem mehr Huͤlſen und weniger Mehl hat, wie unter dieſem. Es ſind wahrſcheinlich 10 Metzen von dem Zö6pfuͤndigen Hafer noͤthig, um 6 Metzen von dem Hapfuͤndigen zu erſetzen. Wenn man 48pfuͤndigen Hafer, was ſchon ein ſehr guter Hafer iſt, annimmt, ſo rechnet man bei uns auf ein Ackerpferd mittlerer Groͤße bei gewoͤhnlicher Arbeit täglich 3 Metzen oder 9 Pfd. Hafer, wenn es dabei 8 Pfd. Heu bekoͤmmt, und hierbei koͤnnen Pferde dieſes Schlages im Durchſchnitt gut beſtehen, muͤſſen jedoch bei ungewoͤhnlichen Ar⸗ beiten eine Zugabe erhalten. Kleineren Pſerden, die nicht angeſtrengt werden, 4 11 1 51 1 3 3 435 Die Pferde. giebt man außer der ſtarken Arbeitszeit auch nur 2 Metzen, und haͤufig dies auch nur von leichterem Hafer. Dem groͤßeren Schlage Pferde in Sachſen, Weſtpfahlen, Bayern, Heſtreich werden wenigſtens 4 Metzen oft 5 Mesen im Durchſchnitt gegeben, und die Pferde der Frachtfahrer erhalten nicht ſelten 8 Metzen, zumal wenn ſie wenig Heu und auch keinen Häckſel bekommen. Der Unterſchied von 3 Metzen und 5 Metzen, jene bei kleineren, dieſe bei großen Pferden findet haufig Statt, ohne daß man in der Beleibtheit, Stärke und Vollfuhrung der gewoͤhnlichen Arbeiten einen betraͤchtlichen Unterſchied wahr⸗ nehme; woraus der Vorzug des kleineren Schlages hervorgeht, falls man nicht beſtändig große Laſten zu ziehen hat; welche, wenn ſie einmal vorkommen, doch durch die Anſpannung mehrerer gezwungen werden koͤnnen. Das haͤufigſte Subſtitut des Hafers, der Rocken, wird, zum halben Maaßie oder richtiger, zum halben Gewichte gegeben, daſſelbe leiſten. Einige neh⸗ men das Verhaͤltniß des Rockens zum Hafer bei der Pferdefuͤtterung nur wie 7112 an, geſtehen dann aber, daß ſich ihre Pferde bei jenem beſſer, wie bei die ſem ſtaͤnden. Die Körner der Huͤlſenfruͤchte, Erbſen, Wicken und die der allgemeinen Meinung vorzuͤglich für Pferde geeigneten Bohnen ſchaͤtzt man in der Fuͤtterung zwar nur dem Rocken gleich. Sie ſind aber beſtimmt ſtarker, wie aus dem, was F. 125. uͤber ihre Rahrungstheile geſagt worden, erhellet, und wie dieje⸗ nigen, welche dieſe Fuͤtterung kennen, beſtätigen. Sie dienen in manchen Ge⸗ genden faſt zur einzigen Fuͤtterung der Pferde, und es iſt insbeſondere unrichtig, was einige behaupten, daß Pferde dahei den freien Athem verloͤren; die Eng⸗ länder geben ſie ohne Bedenken den Wettrennern. Das Vorurtheil für den Hafer und gegen jedes andre Korn, ſetzt ſich hauptſächlich dadurch feſt, daß man ein jedes Uebei, welches aus ganz andren Urſachen herruͤhrt, wenn es bei einer ſolchen, in einer Gegend ungewoͤhnten Fuͤtterung entſteht, lediglich auf dieſe ſchiebt, und Jahre lang davon erzahlt, da man doch deſſen Grund, wenn Hafer gefüttert worden, anderswo wuͤrde geſucht und gefunden haben. Indeſ⸗ ſen iſt das richtig, daß ſtärkeres Futter mit mehrerer Vorſicht gegeben werden muͤſſe, weil bei ſeiner Rahrhaftigkeit die Thiere ſich da in leichter uͤberfreſſen können. So entſteht z. B. leicht Gefahr daraus, wenn bei angeſtrengter Ernte⸗ Die Pferde. 439 arbeit die Knechte Gelegenheit finden, friſche Rockengarben an die Seite zu ſchaffen, und ſie den Pferden im Uebermaaße zu geben; ein Verfahren, dem manche Wirthe ſogar als obſervanzmaͤßig durch die Finger ſehen. Auch erfor⸗ dert die Fütterung der ſchwereren Koͤrner durchaus die Zumengung eines fein⸗ geſchnittenen Häckſels, die bei dem Hafer allenfalls entbehrlich, wenn gleich im⸗ mer zuträglich iſt. Damit die Pferde den Haͤckſel unter den ſchwereren Koͤr⸗ nern nicht wegblaſen koͤnnen, ſo feuchtet man das Futter gern dabei an, und die ſes feuchte Futter, wenn es gleich mit Vorſicht gegeben, wohl unſchaͤdlich wäre, wird doch leicht nachtheilig, wenn erhitzte Pferde begierig daruͤber her⸗ fallen, was insbeſondere manchmal geſchieht, wenn ſie ihr Futter nicht ausge⸗ freſſen haben, und nun den Reſt beim zu⸗Hauſe⸗kommen noch in der Krippe finden. Angefeuchtetes Futter darf aber aus mehreren Urſachen nie in den Krippen bleiben. Jedes Korn muß ſich ausgelegen haben, trocken und nicht dumpfig gewor⸗ den ſeyn. Von dumpfig gewordenen Hafer entſtanden in gewiſſen Jahren toͤd⸗ e Seuchen unter den Pferden. Ausgewachſenes Korn, wenn es nur voͤllig trocken geworden, ehe es eingeſcheuert ward, und daher keinen dumpfigen Ge⸗ ruch hat, iſt den Pferden nicht ſchädlich. Gemalztes Getreide, insbeſondere Gerſte dem Futter zu ₰ zugemengt, hat man beſonders wohlthätig befunden. Einige haben ein grobes Schroten des Getreides fuͤr die Pferde ſehr wirth⸗ ſchaftlich gefunden, weil häufig ganze Koͤrner unverdaut abgehen. Wenn man ſelbſt eine Mühle hat, ſo mag es dies allerdings ſeyn, das Schrot muß aber um ſo mehr mit vielem Häͤckſel gefüttert werden. Das Schwingen und Ausſtäuben der Koͤrner darf nie verſaͤumt werden, wenn man ſie nicht, wie am ſicherſten iſt, kurz vor dem Ausmeſſen noch ein⸗ mal uber die Staͤubemuͤhle hat gehen laſſen. §. 137. Der größte Theil der Pferde erhaͤlt Heu neben dem Kornfutter, und einige Hen⸗ unt Pferde werden mit bloßem Heu ernährt. Wo man das Heu von mageren, trocknen oder auch von ſauren Wieſen, und zugleich anderes von ſetten, kräftigen Wieſen haben kann, da entſteht die Frage, welches man ſuͤr die Pferde waͤhlen ſolle, und die Meinungen ſind dar⸗ 440 Die Pferde. uͤber uneins. Es kömmt wohl darauf an, ob die Pferde das Heu nur als Ne⸗ benfutter bei mehreren Koͤrnern, oder als Hauptfutter bei wenigen erhalten. In erſterem Falle wird man ihnen das magere und haͤrtere Heu am wirthſchaftlich⸗ ſten geben, in letzterem Falle wird ihnen aber das nahrhafte, fette Heu allerdings zutraͤglicher ſeyn. Man kann durch Heu die Koͤrnerfuͤtterung allerdings erſetzen, aber uͤber das Verhaͤltniß, worin es geſchehen muß, und uͤber die Wirthſchaſtlichkeit ſind die Meinungen getheilt, und es laͤßt ſich daruͤber im Allgemeinen auch nichts beſtimmen. Mehrentheils nimmt man an, daß 8 Pfd. Heu eine Metze Hafer erſetzen, und daß ſie ſich alſo dem Gewichte nach verhalten, wie 8: 3. Das ſehr nahrhafte, von Niederungswieſen gewonnene, ſo wie auch das junge Klee⸗, Luzerne⸗ und Esparſette⸗Heu iſt ohne Zweifel kraͤſtiger, und verhält ſich wohl wie 71 3; das magere grobſtengliche aber muß wohl wie 9: 3 angenommen wer⸗ den. Ueberhaupt aber bemerkt man, wenn das Koͤrnerfutter durch mehreres Heu erſetzt wird, daß die Pferde ſich im Fleiſche mehr aufnehmen, auch bei langſamer Arbeit ausdauernd ſind, Lauſen und ſtarke Anſtrengung aber nicht aushalten. Wird aber die Heuration vermindert und mehreres Korn gegeben, ſo erfolgt das Gegentheil, die Pferde werden magerer, aber kraͤftiger und muntrer; wobei ſie jedoch mehreres Stroh erhalten muͤſſen. Nach den Wirth⸗ ſchafts⸗ und Preisverhaltniſſen wird ſich das vortheilhafte des einen oder des andern ergeben. Einige halten den Grummet oder das zweite Heu den Pferden durchaus ſuͤr nachtheilig. Er iſt es aber nicht, wenn er trocken, gruͤn, beſonders auf hohen und ſelbſt auch auf ſauren Wieſen gewonnen worden. Der Grummet von fet⸗ ten Wieſen mag wohl den Pferden nicht ſo angemeſſen wie dem Rindvieh ſeyn. Manche erfahrne Wirthe geben indeſſen die Regel an, den Grummet erſt im Februar und März zu fuͤttern. Je langer ſich das Heu ausgelegen hat, deſto beſſer bekommt es den Pfer⸗ den, und uͤberjähriges Heu, wenn es nur nicht dumpfig geworden, iſt ihnen das zuträglichſte. Die gruͤne Farbe, den eigenthuͤmlichen Heugeruch muß man bei dem Pferdehen durch fleißiges Bearbeiten und moͤglichſt ſchnelles Trocknen vor⸗ zuglich zu erhalten ſuchen; braunes Heu bekommt ihnen nicht. Außer Die Pferde. 441 Außer dem Haͤckſel wird den Pferden auch langes Stroh, beſonders die Wirrbunde gegeben, und auf die Rauffen gelegt. Das Weizenſtroh iſt gegen die gemeine Meinung das zuträglichſte, und kann am beſten den Abgang des Heues erſetzen, auch freſſen es die Pferde am liebſten. Das Stroh der Wicken, Linſen und Bohnen iſt naturlich noch kraͤftiger, beſonders wenn es noch viele grůͤne Blaͤc⸗ ter hat. Gegen das Erbſenſtroh haben einige Bedenken, weil es leicht Koliken bei den Pferden erregen ſoll; was aber vielleicht nur auf Vorurtheil beruht. §. 138. Ob die gruͤne Stallfuͤtterung der Pferde mit Klee und andern Futterkräu⸗ Gruͤnfutte. tern rathſam ſey, daruͤber ſind nicht alle Meinungen eins. Ich bin uͤberzeugt, daß ſich die Pferde dabei recht geſund, und bei vollen Kraͤften erhalten, wenn man es gehoͤrig damit treibt. In wiefern es wirthſchaftlich ſey, kommt auf die Menge dieſes Futters an, und auf den Preis, worin die Körner ſtehen. Bei hohen Kornpreiſen habe ich ſie mit großem Vortheile manche Jahre betrieben, Zunahme der Pferde an Fleiſch, und keine Abnahme an Kraͤften gefunden, un⸗ geachtet ſie in der Arbeit keinesweges geſchont wurden; auch waren ſie danach im Winter vorzuͤglich geſund. Der Uebergang von der trockenen zur gruͤnen Fuͤt⸗ terung muß aber allmaͤhlig gemacht werden. Anfangs wird der Klee mit Stroh zu Hackſel geſchnitten, zuerſt täglich nur eine Portion, dann zwei Portionen ſtatt des Hafers gegeben, und dann wird ihnen der Klee, wenn er völlig aufgebluht iſt, lang und beinahe ſo viel wie ſie freſſen wollen vorgelegt, die Koͤrner aber werden ihnen ganz entzogen. Koͤrner zwiſchen dem gruͤnen Futter zu geben, iſt ſehr unwirthſchaftlich, weil ſie dabei unverdaut abgehen. Will man Koͤrnerfut⸗ terung mit Gruͤnfuͤtterung verbinden, ſo gebe man erſtere des Morgens, laſſe dann aber Voemittag nichts Gruͤnes ſreſſen, und gebe nun weiter kein Korn. Grůge Luzerne, und noch mehr gruͤne Wicken, die ſchon Schoten anzuſetzen anfangen, uͤbertreffen den Klee bei den Pferden. So wie man allmaͤhlig mit der gruͤnen Fuͤtterung angefangen hat, ſo gehe man auch allmählig zur trocknen wieder uͤber. — S. 139. Manche Pferde werden den Sommer uͤber auf der— zuweilen unter Weide. anderem Vieh, zuweilen auf beſonderen Koppeln, behalten. enn ſie dabei ſehr geſchont werden, oder voͤllige Ruhe haben, ſo bekommt ihnen dieſe Verſezung in Vierter Theil. Kkk Die Wurzel⸗ fuͤtterung. 442 Die Pferde. ihren natuͤrlichen Zuſtand ſehr gut. Da es aber nur ſeltene Faͤlle ſind, wo das Ruhenlaſſen der Pferde wirthſchaftlich ſeyn kann, ſo wird es auch die Weide nur ſeyn. Allemal erfordert ein Pferd, wenn es ſich gut dabei halten ſoll, eine ſtarke Weide, und vertritt ſehr viel, weswegen man in der Regel zwei Kuhweiden anf eine Pferdeweide rechnet. Von der Weide der Pferde in Bruͤchern und auf Gemeinweide kann hier nicht die Rede ſeyn. Man wird ſie, zumal wenn ſie abgelegen ſind, ſelten mit Arbeits⸗ pferden, mehr aber mit Zuchtſtuten und jungen Pferden vortheilhaft benutzen koͤnnen. F. 140. Die Wurzelfutterung der Ackerpferde vom Herbſt bis zum jungen Gruͤnfut⸗ ter, ohne alle Koͤrner, doch mit vielem Heu und Stroh, iſt ohne allen Zweiſel ausfuͤhrbar, und die Pferde können dabei in voller Kraſt und Geſundheit blei⸗ ben. Nur kann man damit keine weite Reiſen, die zum Verfahren der Produkte im Winter häufig vorfallen, machen. Das angemeſſenſte und wohlchaͤtigſte Futter fuͤr ſie ſind die Moͤhren, die ihnen gewaſchen und grob geſtampft oder geſchnitten taͤglich zu 12 Metzen neben 8 Pfd. Heu und hinlänglichem Stroh gegeben werden muͤſſen, wenn ſie ſtarke Arbeit thun ſollen. Dieſe Fuͤtterung iſt in einigen Gegenden Englands allgemein und ſehr beliebt, und man weiß auch bei uns wie gern die Pferde Moͤhren freſ⸗ ſen, wenn ſie ſolche einmal kennen, und wie gut ſie ihnen bekommen. Mit den Kartoffeln ſind diejenigen, die bei uns den Verſuch damit gemacht haben, zum Theil ſehr zufrieden; andre haben ihre Pferde nicht daran gewoͤhnen können, oder gefunden, daß ſie an Kraſt dabei zu ſehr abnehmen. Ob in letzte⸗ rem Falle gehörig damit verfahren worden, kann ich nicht entſcheiden. Selbſt gabe ich den Verſuch nicht nachhaltig damit gemacht, weil die Sache nicht in meine Wirthſchaftsverhältniſſe paßte. Sie muͤſſen mit Sorgfalt vorher abgewa⸗ ſchen, dann groblich zerſtoßen werden. Man lehrt ſie den Pferden erſt ſpielend kennen, indem man ſie aus der Hand freſſen läßt, hernach giebt man einige Stuͤcke aufs Futter, und immer mehr. Soll ein Pferd ſie ohne alle Koͤrner haben, ſo muß es täglich Scheffel erhalten. Vielleicht aber iſt es rathſamer, ihm nur die Holfte der Koͤrner zu entziehen, und ſtatt 1½ Metze Hafer 4 Metzen Kartoffeln zu geben. Heu und Stroh muß es wie gewoͤhnlich daneben haben⸗ Die Pferde. 443 Einige haben ſie in Dampf gekocht, und in einer großen engliſchen Fabrikwirth⸗ ſchaft werden 80 Pferde ſo ernaͤhrt. Wo dies aber hier verſucht worden, da haben die Pferde ſie ſo gar nicht freſſen wollen. Auch Steckruͤben und Rotabaga hat man den Pſerden gegeben, und ſie haben ſolche eben ſo gern wie Moͤhren gefreſſen. Desgleichen Paſtinaken. Nur muß man ihnen dies alles kennen lehren, wie man es mit dem Brodte thut. §.1144. Einige Pferde werden bloß mit Spreu oder Kaff und mit Stroh geſchnittenem Kaffpferde. Heu unterhalten. Wenn ſie aber ſtärker arbeiten ſollen, dann bekommen ſie doch Koͤr⸗ ner daneben. Wo man die Pferde im Winter nur ſeiten gebraucht, da mag das gehen. Zuchtſtuten in Stuͤtereien, die nicht arbeiten, werden haͤufig ſo erhalten. S n42. Jede Fuͤtterung muß den Pferden in kleinen Portionen gegeben, und nicht Futterord⸗ auf einmal eingeſchuͤttet werden. In der Regel muß ein Pferd drei Stunden zum Freſſen haben; die Knechte muͤſſen alſo, beſonders des Morgens, drei Stunden 1 vor dem Arbeitsanfange aufſtehen und das erſte Futter geben. Die Fuͤtterungs⸗ ſtunden muͤſſen genau gehalten werden. §. 143. Das Traͤnken der Pferde muß mit beſonderer Vorſicht und nur wenn ſie voͤllig Das Trinken. abgekuͤhlt ſind, im Stalle geſchehn. Unterweges kaun man wohl Waſſer geben, aber ſehr maͤßig, und muß ſie gleich darauf wieder in Bewegung ſetzen. Auch iſt es bedenklich, ſie unmittelbar nach einem Kornfutter ſaufen zu laſſen; man muß ihnen zuvor Heu geben. Einige halten hartes Waſſer den Pferden geſunder; die Pferde lieben aber weiches Waſſer mehr und ſaufen eher aus ſtehenden Pfuhlen als aus friſchen Quellen. Deshalb laſſen andre auch hartes Brunnenwaſſer erſt eine Zeit lang in einem beſonderen Gefaͤße an der Luft ſtehen, bevor ſie es den Pferden geben. F. 144. Die Reinhaltung der Pferde iſt beſonders wichtig, indem ſich ſonſt eine Borke Das Putzen. auf der Haut vom Schweiße und Staube erzeugt, die durch Unterdruͤckung der Ausdünſtung, Ausſchlag und andere Krankheiten erregt. Die ſorgfaͤltige Behand⸗ lung mit Striegeln, Buͤrſten, Klopfen und Waſchen, die man den Luruspferden jedesmal, wenn ſie aus und in den Stall kommen, giebt, iſt freilich bei Ackerpfer⸗ F* 1 Hufbeſchlag. Stallung. „ * 444 Die Pferde. den nicht anzubringen. Indeſſen muß darauf gehalten werden, daß die Knechte ſie jedesmal des Morgens ſtriegeln, und Abends, wenn ihnen die Fuß⸗ und Knie⸗ gelenke ſchmutzig geworden ſind,* ſche auswaſchen. Ein glänzendes glattes Haar, welches träge Knechte bloß durch Waſchen geben können, verbirgt manchmal vielen Schmutz der auf der Haut ſittz: wenn man aber mit den Fingern ſcharf gegen das Haar ſtreicht, entdeckt er ſich. Da ein vollkommnes Putzen der Ackerpferde tãg· lich nicht wohl zu erreichen ſteht, ſo muß man darauf halten, daß es doch wö⸗ chentlich einmal recht gruͤndlich geſchehe, und zwar am Sonntagmorgen. Das Schwemmen iſt bei den Pferden allerdings ſehr nuͤtzlich, aber nicht, wenn ſie Abends erhitzt und ermuͤdet von der Arbeit zuruͤckkommen, ſondern des Morgens. §. 145. Der Hufbeſchlag an den Vorderfuͤßen kann nur in ſandigen Gegenden und bei einem beſonders harten Hufe, der eine ſehr gute und forterbend⸗ Eigenſchaft gewiſſer Pferde iſt, entbehrt werden. Den Beſchlag der Hinterfuͤße erſpart man ſich oft, wo es nicht ſteinige Wege giebt. Der Hufbeſchlag iſt auf dem Lande, wo man unter den Schmieden keine Wahl hat, oft ein ſehr verdrießliches Ding. Ein Landwirth muß daher die Gelegenheit wahrnehmen, den Hufbeſchlag ſelbſt prakriſch kennen zu lernen, damit er den Schmidt controlliren und zurecht weiſen konne. Das Hufeiſen muß ganz genau dem Hufe anpaſſend gemacht, und dann mit einge⸗ ſenkten Nageln gut befeſtigt werden, nachdem der Huf gehörig ausgewirkt worden. Vor allem muß man auf das Vernageln aufmerkſam ſeyn, welches, wenn das Pſerd bei dem Auftreten oder beim Aufſchlagen auf einen Nogel zuckt, zu beſorgen iſt, und ſogleich genauer erforſcht werden muß. Junge Pferde muß man fruͤh daran gewoͤhnen, ſich den Fuß willig behandeln und klopfen zu laſſen, doch werden ſie nicht eher beſchlagen, als bis ſie ordenrlich gebraucht werden. Durchbrochene oder beſchaͤdigte Eiſen darf man nie ſiten laſſen, auch muͤſſen ſie abgenommen werden, ſobald das Horn das Eiſen uͤberwaͤchſt, und koͤnnen wieder aufgeſchlagen werden, wenn ſie noch ſtark genug ſind, weswegen in der Rögel die Pferde alle 4 bis 5 Wo⸗ chen zum Schmidt gebracht werden müſſen. §. 146. Wenn es gleich keiner ſo geräumigen, hohen und he Un Ställe fuͤr Arb pferde, welche faſt den ganzen Tag draußen ſind, bedarf, wie ſür andre Pferd 6 di 7 Die Pferde. 445 den groͤßten Theil ihrer Zeit ruhen; ſo muß der Stall do 6 ſo angelegt ſeyn, daß er im Winter ziemlich warm, und im Sommer kuͤhl gehalten werden koͤnne. Die Luft muß ſich durch Durchzuge erneuern laſſen, beſonders a ab⸗ er muß der Boden ſo an⸗ gelegt ſeyn, daß keine Jauche ſtocke oder faule. Die Staͤnde müſſen geräumig B genng ſeyn, um die Pferde vom Niederlegen zu entwoͤhnen, welches ihnen bei dem wenigen Schlafe, den ſie haben, immer ſehr zutraglich iſt, ungeachtet man Pferde findet, die ſich nie niederlegen, eine Gewohnheit, die ſie beſonders bei zu engen Staͤnden annehmen. Ueber die Anlage der Pferdeſtälle verweiſe ich auf das mehr erwaͤhnte Gilly⸗Friedericiſche Werk. §. 147. Das junge Pferd muß allmaͤhlig zur Arbeit gewoͤhnt und das geſchiehet Arbeit. 6 9¹9 5 gewoh wohl am ſicherſten vor dem Pfluge auf leichterem Boden. Die jungen Pferde muß man Anfangs nur einem ſehr verſtandigen Menſchen anvertrauen, und ſie nicht aus den Augen laſſen. Wenn das geſchieht, kann man ſchon ein 22jaͤhriges Pferd mä⸗ ßig zu gebrauchen anfangen, jedoch ohne eine volle Tagesarbeit davon zu verlan⸗ gen, wozu es erſt mit 4 Jahren tüͤchtig iſt. Man muß es allmaͤhlig zu längerer Arbeit und zur Ziehung ſtärkerer Laſten gewoͤhnen, wodurch man die Kraͤfte ſehr vermehrt, und dem Pferde keinen Schaden zufugt, wenn es nur allmählig und im laugſamen Schritte geſchieht. Selten wird ein Pferd durch ſtarke aber langſame Arbeit, mebrentheils durch Jagen erhitzt und verdorben. Die Arbeitsſtunden müſſen regulär gehalten werden. 10 Stunden gewohnli⸗ cher Ackerarbeit täglich, durch das Mittagsfutter in zwei Perioben getheilt, kann ein Pferd ohne Nachtheil aushalten; weitet aber muß man es ohne Nocth nicht treiben. Wenn in den kuͤrzeſten Tagen jene Periode zu kurz werden wuͤrde, ſo laͤßt man die Pferde am beſten 6 bis 7 Stunden in eins fort arbeiten, zumal da dies auch in Hinſicht der Reiſen im Winter oft noͤthig wird. So wie man bei ſchwererer Arbeit den Pferden etwas an ihren Rationen zu⸗ legt, ſo kann man ihnen auch, wenn ſie viel ruhen, etwas, beſonders in der Kör⸗ nerfuͤtterung abziehen. Jedoch muß dies nie uͤber den dritten Theil der gewohnten Fuͤtterung betragen. Das das Pferd ein ſo koſtbares und ſo leicht Schaden nehmendes Thier iſt, ſo muß man keinem Pferdeknechte ein Geſpann anvertrauen, von dem man 2 446 Die Pferde. nicht ſicher iſt, daß er ſie mit Vorſicht behandle. Einen ſolchen, wenn man ihn aus Noth behalten muß, darf man nie aus den Augen laſſen, und ihn ne nicht ohne Aufſicht auf Reiſen ſchicken. Die Geſchirre der Pferde, daß ſie genau paſſend ſeyen, daß jede Beſchädigung ſogleich ausgebeſſert werde, daß ſie, ſo oft es noͤthig, eingeſchmiert und rein erhal⸗ ten werden, muß ſich der Wirtbſchaftsauſſeher angelegen ſeyn laſſen, weil es von den Knechten mehrentheils vernachlaͤßigt wird. Ich rathe nicht, beſonders wo man mit Knechten oft wechſelt, ein andres als das landuͤbliche Geſchirr wenn man gleich uberzeugt iſt, daß ein andres zweckmaͤßiger ſey. Ungeachtet das Langgeſpann mit vier Pferden Vorzuͤge hat vor dem Geſpann in einer Reihe, ſo ſind bei jenem doch Knechte noͤthig, die das Reiten und Fahren ver⸗ ſtehen, und ihr Sattelpferd vorzuglich lieben und ſchonen, weil dieſes ſonſt zu ſehr angegriffen wird, und bald ruinirt iſt. Mit dem Sattelpferde zu wechſeln, hat ſeine Schwierigkeit. E⸗ ſind in dieſem Werke manche Druck⸗ und Schreibfehler ſtehen geblieben, in Anſehung der Rechtſchreibung und der Interpunktionen. Da ſie aber den Sinn nicht enſtellen, ſo kömmt mir ihre Korrektur zu pedanriſch vor, als daß ich ſie mietheilen ſollte. Aber auch in den Zahlen finden ſich häufig Irrungen. Ich habe ſie genau nachſehen und verbeſſern laſſen, und hätte eine ziemlich lange Liſte davon herzuſetzen. Wo die Fehler indeſſen auf das Reſultat gar keinen Ein⸗ fluß haben, oder dieſer doch bei hypotbetiſchen Rechnungen ganz unbedeutend iſt, in der Wirklichkeit eine unbemerkliche Difſerenz geben wurden; wo endlich die Zahlen nur zur Ausfuͤllung und Verſinnlichung des Schema hingeſetzt ſind, da ſcheint mir es ebenfalls uͤberfluͤſſig. Folgende Abaͤnderungen im erſten Bande bitte ich aber zu bemerken: S. 126 wird richtiger ſo ſtehen, unter b) —jz————— Nachſchrift. 200 Tage Heu à 18 Pfund= 323 Centher à 3 t= 9 3f. —„ Hafer à 3 Pfund= 12 ½ Scheffel à 5 ††= 62 ½ Weide. 5 5 ½„„ 5 6 6„— 54 ⸗ 2062 4 unter c) 200 Tage Heu à 10 Pfund= 18 Centner= 54 4 —„ Kartoffeln à 22 Pfd.= Schfl. à 1 ††t= ℳ Weide„„****.**„.*** 54* 2 6 und nach eben den Saͤtzen unter d). Den innern Kraft⸗ oder Fuͤtterungswerth kann man ungefaͤhr ſo annehmen, daß ſich gleichen 110Pfd. Heu 48 Pfd oder 1 Schfl Hafer 200 Pfd. oder 2 Schfl. Kartoffeln. Der Produktionspreis aber, auf welchem der Landwirth bei eigenem Verbrauch Ruͤckſicht nehmen muß, ſteht, wie an andern Orten gezeigt worden iſt, oft ganz verſchieden, und davon iſt wieder der Marktpreis in den meiſten Fäͤllen verſchie⸗ den. Zuweilen gilt ein Scheffel Hafer mehr, zuweilen weniger als ein Centner Heu; gelten ſie gleich, ſo wird es doch in Hinſicht des Miſtes fuͤr den Landwirth immer vortheilhafter ſeyn, ſein Heu als ſeinen Hafer zu verfuͤttern. Aus dieſer Verſchie⸗ denheit des innern Werthes gegen den Produktions⸗ und Marktpreis, geht aber der Vortheil, das eine oder das andre zu verfuͤttern, hervor. Und zum Theil auch der Vortheil, das eine oder das andre Vieh mehr zu halten, je nachdem es namlich mit dieſem oder jenem Futter beſſer ernaͤhrt werden kann. S. 131. Nach dem Durchſchnitt der oben berechtigten vier Fuͤtterungsarten koſtet ein reichlich genährter Ochſe Hirtenlohn(ein Hirte à 40 Schfl. auf 30 Stuͤck.) 1 eieee v v N Zwei Ochſen im Wechſel koſten alſo 555 448 Nachſchrift. Und ſo koſtet bei 250 Arbeitstagen die tägliche Arbeit von 2 Ochſen im Wech⸗ ſel 2,2 †p. Die Arbeit eines Pferdes aber koſtet 2,58. Die Tagearbeit der Wech⸗ ſelochſen aber weniger o,38. Lokalitäten koͤnnen dieſen Unterſchied leicht abändern, ihn groͤßer oder geringer machen. Man muß wohl bemerken, daß hier ſtärker als gewöhnlich genaͤhrte Ochſen, aber auch mehrere Arbeitstage, als gewoͤhnlich bei uns angenommen werden. 6 S. 132. Bei 10zolligen Streifen macht ein Zugthier auf der gegebenen Flaͤche richtiger berechnet 6½ Meilen ohne die Umwendungen. S. 236 Zeile z. v. u. ſtatt 714½ ſ. 7 ½. „„ letzte Zeile ſtatt 30 ½ ſ 302½. S. 242. u. f. In den Berechnungen uͤber die ausgezogene und hinzukom⸗ mende Kraft haben ſich auch verſchiedene Irrungen eingeſchlichen. Ich ſchwankte noch in den anzunehmenden Poſitionen. Nochher habe ich mich ausfuhrlicher dar⸗ uber erklaͤrt in den Bemerkungen vor dem zweiten Bande. Ich war z. B. zwei⸗ . ſelhaft ob ich den Kartoffeln die Ausſaugung nach Verhaͤltniß ihres Ertrages an⸗ rechnen ſollte, oder nicht. Ich habe mich nachher ugt, daß ihr höherer Er⸗ trag keine ſtärkere Ausſaugung bewirke, weil man na Einfluß auf die folgenden Fruͤchte verſpuͤrt, als nach einer ſchlechten Ernte; viel⸗ mehr das Gegentheil⸗ S. 271. Hier iſt ein Verſehen, wahrſcheinlich bei der Abſchrift vorgegangen. Ich hatte naͤmlich große und kleine Gerſte unterſchieden, und die erſte, deren Gewicht ich im vollkommnen Zuſtande zu 72 Pſund per Scheffel annehme, iſt wegge⸗ laſſen. Die hier ſtehende Berechnung paßt nur auf kleine Gerſte, die in der Re⸗ gel nur 60 Pfund per Scheffel wiegt, und mit ihrem Stroh ungefähr in gleichem Verhältniſſe wie 60: 100 ſtehet. Man muß alſo das Stroh der großen Gerſte ſo berechnen, daß man das Gewicht eines Scheffels im vollkommnern Zuſtande zu 72 Pſd. per Scheffel, im unvollkommeren zu 68 Pfd. annimmt. S. 272. letzte Zeile ſtatt 5561 ſ. 5661. Die Tabellen im zweiten Bande S. 12 his 30. enthalten manche Irrungen, welche durch eine Abänderung derſelben während des Drucks entſtanden waren, ſo daß eine bloße Korrektur nicht Statt finden kann. Da dieſe Tabellen indeſſen die Aufmerkſamkeit ſehr vieler Leſer vorzuglich erregt haben, indem ſie den Erfolg der ver⸗ ——* — „ — Nachſchrift. 449 verſchiedenen Wirthſchaftsarten auf einem und demſelben Areale darſtellen; ſo ſcheint mir ein neuer berichtigter Abdruck derſelben noͤthig. Einige Saͤtze in demſelben ſind ganz abgeandert, indem, beſonders bei dem Vortrage uͤber dieſe Tabellen zu Moͤgelin, durch meinen verehrten Freund Herrn Koppe, und der bei dieſer Gele⸗ genheit wiederholten Berechnung der Mitglieder des Inſtituts im Winter 184 ½ einige Verhältniſſe genauer entwickelt wurden. Ich biete daher dieſe Tabellen, ſo wie ſie hier folgen, als die richtigern anzuſehen, und jene im zweiten Bande in der Folge außer Acht zu laſſen. Dennoch wird es meinen Leſern angenehm und nuͤtz⸗ lich ſeyn, wenn ich ihnen einige Gruͤnde dieſer Abaänderungen angebe. No. 1. Der Unterſchied, den es macht, wenn dieſe Wirthſchaft nur Pferde und keine Ochſen haͤlt, iſt doch betraͤchtlich. Da aber ungeachtet des Mangels an Weide und Fuͤtterung keine abſolute Unmoͤglichkeit da iſt, Ochſen zu halten, ſo iſt es, um die Wirthſchaftskoſten hierin gleich zu ſtellen, richtiger, wenn hier weniger Pferde, dagegen aber Ochſen berechnet werden. Die Kuͤhe muß⸗ ten deshalb von 20 auf 12 Stuͤck reduzirt werden, dagegen ſind aber, um die Sommerweide moͤglichſt zu benutzen, 90 Stuͤck Schaafe mehr angenommen. Fuͤr dieſe wird nun freilich das Winterfutter geringer, iſt aber noch ſo, daß bei dem hier vorhandenen Ueberfluſſe von Stroh 790 Landſchaafe gut erhalten werden koͤnnen. Die Weide auf der Brache, welche in den vorigen Tabellen gar nicht gerechnet war, iſt hier nach Band I. F. 289. mit 100 Morgen Au⸗ ßenweide gleich geſetzt worden. Die Zahl des maͤnnlichen Geſindes iſt wegen der Verminderung der Pferde um eins vermindert, dagegen der maͤnnliche Ta⸗ gelohn um 38 Scheffel Rocken hoͤher angeſetzt, weil das Pfluͤgen mit den Ochſen ſo viel Tagelohn mehr koſtet. Die Druck⸗ und Berechnungsfehler in dieſer Tabelle ſind, ſo wie in allen folgenden berichtigt. No. 2. Auch hier ſind aus denſelben Gruͤnden Ochſen mit Verminde⸗ rung der Pferde angenommen. Der Tagelohn iſt nach einer genaueren Be⸗ rechnung hier ſo viel pößer angeſetzt, als die Aberntung der Erbſen und des Kleefeldes dieſen Aufivand gegen No. 1. vermehrt, wozu noch die ſtarkere Miſt⸗ ausfuhr dieſer Wirthſchaft kommt. No. Z. hat folgende Berichtigungen erhalten: Es war auf der alten Ta⸗ belle die Ochſenweide den Kuͤhen zum reinen Ertrage, und die Koſten jener Vierter Theil. Lll 450 Jachſchrift. wohl etwas zu niedrig angeſett. Die Brachweide iſt hier, des fruͤhen Auf⸗ bruchs wegen, zu unbedeutend, um berechnet werden zu koͤnnen, zumal da Wirth⸗ ſchaften dieſer Art in der Regel keine Schaafe halten. Die Tagearbeit war zu geringe angeſetzt, ſie hat zwar 120 Morgen Ge⸗ treide weniger abzuernten, aber 171 Morgen Klee zu Heu zu machen, auch hat ſie ungefahr 4 mehr Miſt auszufahren. So wie der Tagelohn hier ſteht, iſt es ſpeziell berechnet.„ No. 4. Dieſe Wirthſchaft kann mit demſelben Arbeitsvieh ausreichen wie No. z. No. 4. hat zwar 240 Morgen Brache zu bearbeiten, No. Z. nur 171 ½, jene alſo 68 ½ Morgen mehr. Dagegen hat No. 4. nur 240 Morgen Sommerung, No. 3. aber 347, jene alſo 102½ Morgen weniger, wodurch die Arbeit ungefaͤhr gleich bleibt. Um vollige Gleichheit zu erhalten, iſt die Brachweide auf dem einem Brach⸗ ſchlage, gleich der Weide bei der Dreifelderwirthſchaft, berechnet, nämlich 120 Morgen= 24 Morgen Dreeſchweide. Wenn es gleich in der Mecklen⸗ burgiſchen Koppelwirthſchaft nicht gebräuchlich iſt, die Muͤrbebrache zur Weide im erſten Theile des Sommers liegen zu laſſen, ſo koͤnnten die Brachen doch durch die Haltung von Schaafen— öbwohl ſie dieſen Wirthſchaften obſervanz⸗ maͤßig nicht berechnet ſind— ſo viel genutzt werden. Endlich iſt der Tagelohn nach einer genaueren Berechnung erhoͤhet worden⸗ No.§. Es war unrichtig hier einen Knecht mehr anzuſetzen. Die Tage⸗ lohn⸗Arbeiten aber muͤſſen hier mehr koſten, als bei No. 4. weil mehrere Och⸗ ſen zu halten ſind, und mehreres Getreide ausgeſaet wird. No. 6. Es war in der alten Tabelle fuͤr die Pferde Weide angenom⸗ men, nach der bei dieſer Wirthſchaft ziemlich gebräuchlichen Einrichtung, die uͤbrigen Koſten der Pferde dagegen niedriger angeſetzt. Um darin mehrere Gleichheit zu erhalten, iſt ihre Erhaltung mit den andern Wirthſchaften gleich gemacht. Die Pflugarbeit iſt hier geringer, und darum der Tagelohn, der frei⸗ lich durch die mehreren Miſtarbeiten und durch die doppelte Aberntung des Klee⸗ ſchlages ſich wieder vermehrt, um ein Weniges geringer angeſetzt worden. No. 7. Wegen der ſtärkeren Miſtausfuhr, dem Kartoffeln- und Heuein⸗ fahren ſind hier noch 2 Pferde mehr als in der alten Tabelle angeſetzt. Auch Nachſchrift. 451 ſind die Koſten der Pferde und Ochſen nun eben ſo hoch angeſetßt worden, als in den andern Wirchſchaften; denn außer No. 1. konnten alle die andern Wirthſchaften, den Vortheil, der durch eine gruͤne Fuͤtterung der Pferde er⸗ wächſt, ſich allenfalls auch verſchaffen. Durch die Verfuͤtterung des Klees mit Pferden ward der Vortheil derſelben dieſer Wirthſchaft hoͤher berechnet, als dem vorherigen, und dies darf in Hinſicht auf die Vergleichung nicht geſchehen. Der Tagelohn war nach einer genaueren Berechnung, beſonders in Hinſicht der ſtarken Duͤngerausfuhr, zu geringe berechnet, oder es iſt vielmehr darin, wie an mehreren Stellen dieſer Tabelle, ein Zahlenirrchum vorgegangen. Nach genauer Nachrechnung muß es ſo ſtehen wie hier. No. 8. Es iſt in der neuen Tabelle mehr Zugvieh angenommen, weil nach genauerer Berechnung die vielen Miſt⸗Ernte⸗ und Getreidefuhren dieſes erfordern. Auch iſt der Arbeieslohn betraͤchtlich hoͤher angeſeßt. Es war aber in der alten Tabelle ein Rechnungsfehler von 500 Scheffeln eingeſchlichen, und deshalb ergiebt ſich nach der genaueſten Nachrechnung in der neuen Tabelle dennoch ein hoͤherer Ertrag. No. 9g. Hier ſind ebenfalls 2 Pferde mehr angenommen, und ein hoͤhe⸗ res Tagelohn; auch verſchiedene Rechnungsfehler verbeſſert. Das Stroh, welches in den ſaͤmmtlichen Tabellen bei der Gerſte nur zu 100 Pſund per Scheffel angenommen war, iſt hier zur Uebereinſtummung mit dem Bd. I. S. 271. angenommenen, aber wie oben erinnert, nur fuͤr die kleine Gerſte paſſenden, Prinzipien zu 113 Pfund per Scheffel berechnet wor⸗ den; von einem Scheffel Rocken 215 Pfund, und von einem Scheffel Hafer 86 Pfund. Die Miſterzeugung aus dem Stroh, Heu und Kartoffeln haͤtte ich nach neueren Beobachtungen wenigſtens um„½ wieder hoͤher annehmen ſollen. Ich habe aber darin keine Abänderung machen wollen, ſo offenbar es iſt, daß den Kartoffeln dabei unrecht geſchieht. ———— —. a. b. d. e. ₰ g. h. k. Morgen⸗ Ertrag; Total⸗ Reiner Stroh⸗ Ert Ertrac ertrag. ſund Futter; om W ur th ſch ft 8 0 rt zahl or. 3 3 auf Heu pe und gen. Schlages. Abzug reduzirt. MWor der Fud Rotation. Einſaat. 20 Ceh Morgen. Schfl. Scheffel. Scheffel. Centner. Centner. Fude No. 1. Einfache reine Dreifelderwirthſchaft. 1) Brache, geduͤngt. 111 ½—————— 6, 50 Rocken 111½ 1½ 7 777½ 632 ½ 1670—— 3) Gerſte 1. 111½ 1½ 7 777 652 ½ 878— 4) Bach 111—————— S Roen 111 ½ 1½ 42 500 375 1075—— 6 Baſ 111 ½ 1½ 5 555 402 ½ 477—— 7) Brache mit halben Hortn 1114—————— 5) Rocken 1113 1 5 5555 430 1193—— Gerſ 1114 1½ 4 4443 319 501—— Wieſen 150———— 1500— Außenweide. 300—————— Werth der Weide auf 3333 M. Brache= 100 M Außenweide. — ten b, pe nd Wo 6 Fi 20( 5 Fo iroh 38 heu 0 1 Vieh, nach Kopfzahl. Futter auf den Kopf und fuͤr jebe Art im Ganzen. m. n. Ertrag 5 —.— des Viehes 0 Koſten der Wirthſchaft erthe eines Scheffels Rocken. nach dem Pp. Reiner Ertrag nach Abzug der Koſten, nach Scheffel ⸗— des . nach Getreides Stroh. Heu. Weide. dem Werth redunirt eines Schef auf Scheffel fels Rocken. Rocken. Stuͤck. Centner. Centner Morgen. Scheffel. Scheffel. Pferde.(50)(30) 8 400 240 Ochſen.(33) 040)(42) 16 608 640 Fn Kuͤhe.(330(27)(30 12 456 300 36 1II Schaafe. 132) 250 750 4125 620 292 447 Bleibt uͤbrig. 205 ————— 65* — 4896 Rocken. Schfl.[ Scheffel. 8 Pferde à 54 Schfl. 432 16 Ochſen à 7 Schfl. 12 5 männliche Geſinde à 50 Schfl. 2350 Schaͤfer 70 2 weibliche Geſinde Deeſcherlohn Maͤnnliches Tagelohn Weibliches„. 93 — v. a. b. c. d. e. k. g. h. Moiin Einſaatſ Ertrag S S Stroh Miſt Miſt i zahl. Pe rtrag Ertrag ertrag. und Futterr aus kommt W irt h ſch aft sart Mor Mor⸗ des nach 5 3 auf Heu Stroh, per und gen.ſ gen. Schlages Abzug ſreduzirt. Heu und Morgen, der Futter. Fuder Rotation. Einſaat. 23 20 Cntnr Morgen.[Schfl. Schfl.ſ Scheffel. Scſc Eentner. Tentner. Fentner. Fuder. No. a. Felderwirthſchaft mit Erbſen und Klee, und Stallfuͤtterung. Aus Stroh 19496 Aus Heu 8040 1) Erbſen, geduͤngt. 111½ 1 ½ 5 5555 4305 2220—— 56 2) Rocken 1112 1 ½ 6 666½ 5415 1431——— 3) Gerſte 111 ½ 1 6 666½ 5418 752——— 4) Brache, geduͤngt und Horden„„+—————— 64 55 gocken„ 11I3 1 ½ 8 8885 7633 1909——— 6) Gerſte II11 ½ 1 ½ 8 888 ½ 7635 1003——— 7) Klee———— 2220—— 3) Rocken„ 11I3 1½ 7 777½ 6523 1670——— 9) Haſr 11I13 13 3 888 ½ 735 763—— Wieſen 150————— 1800— 100½ Morgen Brachwei⸗ de= 33 Morgen Außen⸗ weide. nae 11 Kihe 455 — m. n. 5 o. P. Vieh, Futter auf den Kopf und fuͤr † Ertrag. Koſten der Wirthſchaft Reiner t nach Kopfzahl. jede Art im Ganzen.—— nach dem Werthe Ertrag ——— des Piehes des eines Scheffels Rocken. nach Abzug 3 nach Getreides der Koſten, u Stroh. Heu. Weide. dem Werth reduzirt nach Schoffel eines Schef⸗ſauf Scheffel Rocken. thr fels Rocken. Rocken. Stäck. Centner. Centner. Morgen. Scheffel. Scheffel. Schfl. Scheffel. Pferde.(50)(30) 10 Pferde à 54 Schfl. 540 6 500 300 16Zugochſen à7 Schfl.] 112 Zugochſen.(50)(650 6 maͤnnliche Geſinde 16 800 1040 à 50 Schfl. 300 Kuͤhe auf demStall.](30) 685) g weibliche Geſinde 36 1800 1980 495 36 Schſ 160 Schaafe.(26) cW% S 80 800 5600 700 333 508 Dreſcherlohn.. 281 Bleibt Maͤnnliches Tagelohn 247 brig. Weibliches Lohn. 133 † 28852½ 1048 6— 5 ————— ————— — a. b.. d. e. 2 g. h.. P. Einſaatſ Ertrag Reiner Stroh⸗ Heu Miſt Miſt oß; zahl. per per Ertrag Ertrag ſertrag. ſund Futter, aus komint und gen gen Schlages. Abiug reduzirt. und Morgen, der Futter. Fuder Rotation. Einſaat. à 20 Centn Worgen. Schfl Schfl. Scheffel Scheffel. Centner.] Centner. Centner. Fader No. 3. Mecklenburgiſche Koppelwirthſchaft in ſie⸗ ben Schlägen. Aus Stroh 11922 Aus Heu 8388 1) Brache, gedüngt„ 171½— S—— 6,9 2MRocke I71½ 1 8 57 126 3132— 3) Gerſte 1717 13 8 ½ 1457 1264 1696——— 4) Häſet 1713 13 8 1371 1142 1183 5) Klee, ein Schnitt.—— 114 Ctn.——— 2394—— dann zu 3 5143—— ₰—. 8 b u. 7) Weide 3 Außenweide„ 100= 60 Dreeſchweide.— S E— —— 1450.———— 5961 4194 20310— luch Kop pferd 8 Zugochſ 457 1. m. n. o. P. 4 Vieh, Futter auf den Kopf und fur Ertrag Koſten der Wirthſchaft, Reiner nach Kopfzahl. jede Art im Ganzen ⸗—— nach dem Werthe Ertrag ⸗—— des Viehes, des eines Scheffels Rocken. nach Abzug nach Geleides der Koſten, Stroh. Heu. Weide ſdem Werth redunrt nach Scheffel eines Schef ſauf Scheffel Rocken. fels Rocken Rocken. Sac— Ent Encnet orhen ScheſeScfe Sch Schefc Pferde.(50)(30) 8 Pferde à 354 Schfl. 432 8 400 240 16 Ochſen à7 Schfl. 112 Zugochſen.(33)(40) 5 maͤnnliche Geſinde (4 16 608 640 64 à 50 Schfl. 250 Kühe. 65) 463) 65 6 weibliche Geſinde 2670½ 122 4636 3299 396 1417 ½ à 40 Schfl.. 240 Dreſcherlohn.. 202 Maͤnnliches Lohn. 200 Weibliches„„ 94 Bleibt Bileibt uͤbrig. uͤbrig. 317 20 . 5,0———— ₰————— 1264 —————— 571 ₰————— . —————— F —— F* 2 C — 6 147 2783 1530 4 Vierter Thetl. 458 a. p. d. e. h. . Morgen[Einſaat Ertrag Ben Stroh⸗— Miſt Miſt Vleh, Wi zahl. per ſ per Ertrag ſ Ertrag ſ ertrag. ſund Futter aus kommt Koy Wirthſchaftart Mor, Mor⸗ des nach ſauf Heu Stroh, ſ per v und gen. gen. Schlages.] Abzug reduzirt. Heu und Morgen, der Futter.*Fuder Rotation. Cinſaat. à 3 20 Centn. Rorgen. Schfl.ſ Schfl. Scheffel. Scheffel. Eentner. Eentner Fentner. Fuder. No. 4. Mecklenburgiſche Fn Koppelwirthſchaft in 10 Schlägen mit 2 3i Brachen. Aus Stroh Kihe 1248 w Aus Heu 6960 1) Ruhebrache, ſchwach geduͤngt„ 120—————— ₰ 2) Rocke 120* 58 260 8a5 2064* 3) Haſer„ 120 1½ 10 1260 1035 1032——— 4) Muͤrbe Brache, geduͤngt 120.—— 5) Rrem 120 1 8 960 825 2064— 3 7) Maͤheklee, 1 Schnitt 120— 14 Ctn.]— 6— 1680— 5 dann Weide zu 4 1. 360— 2 8) 0) 10) Weide 2 Wieſen 150———— 1800—— Außenweide. 100= 60 Dresſchweide— 4 120 Morgen Brachweide= 24 Dreeſchweide 1450— 6244 3180 19448 2 459 1. n. o. p. Nſt irthſe Reine Vieh utter auf ben Kopf und fuͤr Ertrag. Koſten der Wirthſchaft Reiner nſ nuc Kezſehl. ied Artim Gauzen. ge nuch deſn Wete Sea We——————— des Viehes des eines Scheffels Rocken. nach Abiug ren nach Getreides der Koſten, 3, Stroh. Heu. Weide. ſdem Werth reduzirt nach Scheffel ogentn eines Schef ſauf Scheffel Rocken. fels Rocken.] Rocken. St Snnt EntnetergonSchefſe. Scefel Sa Scel Pferde. 650)(30) 8 Pferde à54 Schfl. 43² 8 400 240 I6 Ochſen à 7 Schfl. 112 maͤnnliches Geſinde Zugochſen.(38)0(40)(40 3 ſ 3 6 weibliche Geſinde 240 25453 Kühe. 60) 6250 040 Dreſcherlohn.. 2022 104 5200 2600 420 r280 Maͤnnliches Lohn. 194 Weibliches„ 90 Bleibt uͤbrig. 3—— E ————— 517 ½ 3 S 5 S————— 618½ — 5* ———— 280 2786 ½ 1520 ½ E, 4066 ½ Mmm 2 b. 6 d. F. g. h. i. k 1 2 V S Ertag Tehal⸗ Reine Stroh⸗ Heu Yiſt S 9 1 und gen. gen. ſSchlages.] Abzug reduzirt.] Htu und Mo gen, Rotation Enſe Pbee * inſaat. 3 ꝛo Cnn. 3 Morgen. Schfl. Schfl. Scheffel. Scheffel. Centner. Centner. Centner. F — 2—— No. 5. Mecklenburgiſche en Wirthſchaft in zwoͤlff 3 Schlägen mit zwei 2 Brachen. Aus Stroh Hi 12004 Aus Heu 6400 1) Brache, halb geduͤngt! 100—————— 1 3,2§ 2) Rocke„ 10 1 ½ 750 6371 i612———½- 3 Serſt 100 1 ½ 7½ 750 637½ 847———† 4 Haſtt 100 14 6 600 462 ½ 516————½. §) Brache, geduͤngt. 100——————— 6 4. 6) Rocken 100 1½ 8 800 6874 1720——— Gepſt 100 1½ 6 700 587 ½ 791——— S iſ 100 1½ 6 600 462 ½ 516——— 9) Maͤheklee, 1 Schnitt, 4 dann 2 Weide.. 100— ſraEtn.]—— 1400 S 10) 11) 12) Weide. 300———————— Weſ 50———— 1800—— ½ Außenweide 100= 60 Dreeſchweide.————— 100 Morgen Brachweide güo — 461 ena.nag P m. n. B Vieh, Futter auf den Kopf und fuͤr Ertrag Koſten der Wirthſchaft Reiner nach Kopfzahl. jede Art im Ganzen. ⸗— nach dem Werthe Ertrag ——— des Viehes des eines Scheffels Rocken. nach Abzug nach Getreides dyr Koſten, Stroh Heu. Weide dem Werth reduzirt nach Scheffel eines Schef⸗ſauf Scheffel † Rocken. ſels Rocken. Rocken. Stück. S Centner.] Morgen. Scheffel. Scheffel. Schfl. Scheffel. Pferde. 60) 630) 8 Pferde à 54 Schfl. 432 8 400 240 20 Ochſen à 7 Schfl. 140 Zugochſen. c33) 130) 665 5 männliches Geſinde 20 760 800 80 à 50 Schfl.. 250 5 weibliches Geſinde 140 Schſ.. 200 292 B 4830 2160 333 1039½ Dreſcherlohn.. 202 Maͤnnliches Lohn. 227 Weibliches Lohn„ 95 — —— 462 — F a. b. 6 4. e. E g. h.. 8 Morgen⸗ Einſaatſ Ertrag Reiner Stroh⸗ Heu und] Miſt Miſt ni h 3 zahl. per per rtrag Ertrag ſ ertrag. Futter aus kommt Wirthſchaftsart 2 und gen. gen. Schlages.] Abzug reduzirt. Heu undſ Morgen, der Futter. Fuder Rotation. Einſaat. 2 ꝛ0 Centn. Morgen. Schfl. Schfl. Scheffel Scheffel. Centner.ſ Centner.ſ Centner. Fuder. 12 y No. 6. Koppelwirthſchaft nach neueſter Hollſtei⸗ niſcher Art zu zehn 3ug . 1 Schlaͤgen, Aus Stroh 6 12928 Aus Heu 9300 1) Dreeſchhafer 120 1440 1260 1238— S* 2) Brache, geduͤngt. 120 ⁰—————— 8— 3) Rocken„ 72 1 170 1200 10635 2580———— 3 4) Gerſtt 120 1200 1065 1356—— 5) Rocken 120 1½ 5 600 465 1290— 3— 6) Wäheklee„120— ſ20 Ctn.]——— 2400—— 7) 8) 9) 10) Weide. 480——————— Wieſen, geduͤngt„ 150— ſ15 Ctn——— 2250— 1— Außenweide 100= 60 M. Dreeſchweide.—— S—— 1450—— 6464 4650 22228—— k. Miſt kommt per Mutgen, Fuh à o Cntn. ——— Fuder. Ae . m. n. o. p. ieh, Futter auf den Kopf und fuͤr Ertrag Koſten der Wirthſchaft Reiner nach Se jede Art im Ganzen. ⸗— nach dem Werthe ⸗— des Viehes des eines Scheffels Rocken⸗ nach Abzug nach Getreides der Stroh. Heu. Weide. dem Werth; reduzirt Sef eines Schef auf Scheffel ocken. fels Rocken. Rocken. Stäc. Centner. Centner. Morgen. Sch ffel. Scheffel. Schfl. Scheffel. Pferde. G0)(30) 8 Pferde à 54 Schfl. 432 8 3 0 16 Ochſen à7 Schſt. 172 Zugochſen.(33)(40)(4) 5 maͤnnliches Geſinde 16 608 640 64 5e Schfl. 56 Kůhe. 433)(30)(3,30 7 weibliches Geſinde 3025 125 54374 3750 475 1651½ à 40 Schfl.. 250 Dreſcherlohn.. 213½ Maͤnnliches Lohn. 198 Weibliches Lohn„ 464 — *. — ⸗ 2 a. 5 c. d. e. g. h. 1. k. Einſaat Ertrag! Total⸗ Reiner Stroh⸗ eu Miſt Miſt zahl. per per ertrag Ertrag ertrag. ſund Futter aus Wirthſchaftsart Mor Mor⸗ des nach auf Heu Stroh, und gen. gen. Schlages Abzug reduzirt Heu un? Morgen, der Futter. oder Rotation. Einſaat. 5 10 Cenin Morgen. Schfl. Schfl. Scheffel. Scheffel. Ceutner.] Centner. Centner. Fuder No. 7. Achtſchlaͤgige Wirthſchaft nach der Regel des Fruchtwech ſels mit Weide. Aus Stroh 19, 790 Aus Heu. 10, 800 Aus Kar⸗ toffeln. booo 1) Dreeſchhafer„„ 150 1 1800 1575 1543——— 2) Fartoffeln„ 150 7 187 13050 12000 750 6000— 9 3) Gerſte 150 15 10 1500 1331½ 16935 1— 4) Erbſen„ 150 900 731 3000 6 3,1 §) Rocken„ 150 1½ 9 1350 II81 2902——— 16) Maͤheklee„ 150— 24 Ctn.]——— 3600—— 7) 8) Weide— 300— Wieſen 150— f12 Ctn.——— 1800—— Außenweide„ 100 6o M. Dreeſchweide.————— —— 9895 11400 30,500— nuch Hhe, hoben ode Na Miſt kommt per Morgen, Foder à 10 Cimn Fuder 3₰ 46) . m. n. o. p· Vieh, Futter auf den Kopf und fuͤr Ertrag Koſten der Wirthſchaſt Reiner nach Kopfzahl. jede Art im Ganzen. ⸗— nach dem Werthe Ertrag ⸗—— des Biehes des eines Scheffels Rocken. nach Abzug nach Getreides der Koſien, Stroh. Heu. Weide. dem Wertheſ reduzirt jnach Scheffel eines Schef⸗ſauf Scheffel Rocken. fels Rocken. Rocken. Stück. Centner. Eentner. Morgen. Scheffel. Scheffel. Schfl. Scheffel. Pferde.(30)(30) 12 Pferde à 54 Schfl.] 648 12 600 360 16 Ochſen à 7 Schfl. 112 Zugochſen auf dem 6 maͤnnliches Geſinde Stalle.(350)(67) à 50 Schfl.„ 300 16 800 1I weibliches Geſinde Kaͤhe, mit Jurter à 40 Schfl.. 440 4323½ ſneben Weide(384) 64520 Dreſcherlohn.. 269 0 037 ½ Männliches Lohn. 257 oder Kähe.(46) 30) 6) Weibliches Lohn. 124 4500 3600 360 Kartoffeln-Arbeit Maſtochſen.(23)(40) 1 Morgen à 1½ 158 3634 6326 Scheſfe 262 ———— 787½ —— 998 ½ ——— 731 ———— 118I — 5—— N ——— 3037½ 3698 825 67352 Vierter Theil, a. b. c. d. e.. g. h. i. k. Morgen⸗ Einſaat Ertrag Totat⸗ Reiner Stroh⸗ Heu Niſt Miſt R;1f. zahl. er per Ertrag ſ Ertrag ſ ertrag. ſund Futter aus kommt Wirt h ſch a ft sart Mor⸗ Mor⸗ des nach auf Heuſ Stroh, per und gen. ſgen. Schlages. Abzug reduzirt. Heu und Morgen, der Futter.; Fuder Rotation. Einſaat. 20 Centn Morgen. Schfl. Schfl. Scheffel. Scheffel. Centner. Centner. Centner. Fuder No. g. Achtſchlaͤgige Wirthſchaft nach der Regel des Fruchtwech⸗ ſels mit Stallfütterung des Rindviehes. Aus Strshj⸗ 27434 Aus Heu 17700 Aus Kar⸗ toffeln. 6000 1) Kartoffeln„. 150 7 87 13050 12000 750 6oc0 9 2) Gerſtt„ 150 1½ 12 1800 1631 4 2034 3 Klee 150— ſa4 Ctn.——— 3600—=— Hafe 150 1½ 14 2100 18932 1806——— 5) Erbſen„ 150 1½ b 900 731 ½ 3000—— 4 6) Rocken 150 1½ 10 1500 1331 3225 7) Wicken„ 150 2 20 Ctn.——— 3000—— 8 Rote 150 1350 11874] 2902—— 3 Wieſen, geduͤngt. 150— ſ15 Ctn.——— 2250 1 Außenweide. 100———————— hach K 1 Sioppel i 3 46/ * l m. o. p. Vieh, Futter auf den Kopf und fuͤr Ertrag Koſten der Wirthſchaft Reiner nach Kopfzahl. jede Art im Ganzen—— nach dem Werthe Ertrag —— des Viehes des eines Scheffels Rocken. nach Abzug en, k nach Getreides der Koſten, 6 Stroh. Heu. Weide ſdem Werth reduzirt nach Scheffel eines Schef⸗ſauf Sweffel Rocken. fels Rocken. Rocken. Centner. Centuer. Morgen.] Scheffel. Scheffel. Schfl Scheffel. 6 2 12 Pferde à 54 Schfl.] 648 0 3 24 Zugochſen à7 Schfl. 168 zugochſen auf dem. hog[Eoß Stalle.(50)(65) Smännlicheß Eaſind 24 1200 1560 à 30 Schſt. Kühe allein 0) 4555 12 weibliches Geſinde 235 9420 12923— 3231½ Schfl. ⸗ 480 oder Kähe. dꝛ05 c550 Dreſcherlohn.. 354 120 4600 6600 Männliches Lohn. 315 Weibli . L Arb t 5 158 o 6320. e 2 3 1 Morgen à 1 ½ u. Hammel auf der. 5 Stoppel u. Weide. c8) Scheffel. 262 300 2377— 100 100 2——— 2 3————— 1223½ ₰— 8 946½ ——-——— 731 6— 1331 ½ ———— 1181 ½ 5 5— — 1 — ——— 544 2803 8745½ — Nnn 2 —— — ——— 1 33 5 ————— 468 a. b. c. d. e.. g. h. i. k. Morgen⸗ Einſaatſ Ertrag Iea Zane Srob⸗ Miſt n 5 ahl. er er Ertrag rtrag rtrag, ſund Futter aus ommt Wirthſchaftsart Pr⸗ Ror des nach auf Heu Stroh, per und gen. j gen. Schlages.] Abzug reduzirt. Heu und ſ Morgen, der Futter. Fuder Rotation. Einſaat.* 205 Centn. Rorgen. Schfl.ſ Schfl. Scheffel. Scheffel.j Centner. Centner. Centner. Fuder. No. g. Zehnſchlaͤgige Wirthſchaft nach der Regel des Fruchtwech Aus Stroh ſels mit Stallfuͤtterung 21946 des Rindviehes und ku den Schaafweide. 15060 Aus Kar⸗ toffeln. 4785 1) Dreeſchhafer.. 120 14 14 1680 15c0 1444——— 2) Brache mit Horden be⸗ legt, vor oder nach ſel⸗ bigen Wicken zu Hen 120 4 ſ20 Ctn.]——— 2400— 4 3) Rocken„ 120 1½ 10 1200 1065 2580——— Erbſe 120 1½ 6 720 585 2400—— 6 5) Rocken„ 120 1 ½ 9 r080 945 2322——— 6) Kartoffeln 120 7 87 104 10 9570 600 4785— 10 7 Serſi 120 1 ½ 12 1440 1305 1627——— 8) Meheflee 120— 24 Ctn.——— 2880—— 9) 10) Kleeweide fuͤr dieſ. Schasft„ 240———————— Außenweide. 100= 60 M. Dreeſchweide.—— 8. Wieſen, geduͤngt. 1560 1—— 2250— 1 —— ſ10973 12315 ſ41791— — . Mit fommt per Mugen, Fuher à ꝛ0 Centn. Fuder. 469 . n. Vieh, Futter auf den Kopf und fuͤr Ertrag nach Kopfzahl. jede Art im Ganzen.— 1 des Getreides reduzirt auf Scheffel Rocken. Stuͤck. Scheffel. Pfeide. 12 Zugochſen auf dem Stalle. 16 Kuͤhe auf dem Stalle. 121 Schaafe. 1200 2 750 o. p. Koſten der Wirthſchaft Reiner nach dem Werthe Ertrag eines Scheffels Rocken. nach Abzug der Koſten, nach Scheffel Rocken. Schfl. Scheffel. 2 Pferde à 54 Schfl.] 648 16 Ochſen à7 Schfl. 112 b maͤnnliches Geſinde à 50 Schfl. 300 7 weibliches Geſinde à 40 Schfl.. 280 Dem Schaͤfer außer ſeiner ſchon abge⸗ rechneten Quote 80 5138 ½ Dreſcherlohn. 307 Maͤnnliches Lohn. 255 Weibliches Lohn. 122 Kartoffeln⸗Arbeit per Morgen 12 Schfl. ——— — =— Die Verhaͤltniſſe dieſer Wirthſchaften kommen alſo folgendermaßen zü ſtehen: Stroh⸗ Futter⸗ Mocht Koſten Ertrag Ertrag Reiner gewinn. gewinn Duͤnger. der aus aus Ertraz. No nach Heu. Wirthſchaft dem Vieh. dem Korn. Ennt— onct Eenn— Sſ 1 5794 1800 15188 1431 558 2387 1514 2 9748 4020 27536 1853 1003 3735 2585 — 5961 4194 20310 1530 1417 2783 2670 4 6244 3480 19448 1520 1280 2786 2545 5 6002 3200 18404 1546 1039 2706 2199 6 6464 4650 22228 1582 1651 2958 3028 7 9895 11400 36, 590 2412 3037 3693 4323 8 13717 14850 31134 2803 3331 5414 594 9 10973 126¹5 41791 2314 3178 4323 5188 —,— Im Verlage der Realſchulbuchhandlung zu Berlin ſind folgende Werke um beigeſetzte Preiſe zu erhalten: A, F. S Vorleſungen über Experimentalphyſik. 4 Theile, mit Holzſchnitten, gr. S. 3 Rchr Batley, J., der beſtmöglichſte Pflug. Auf Erfahrung und mathematiſche Grundſatze ge⸗ ſtut. A. d. Engl. mit Zuſatzen und Kupf. Gr. Bell, V., Verſuche über den Ackerbau; nebſt einem Vorſchlage die hohere Kultur der Felder zu befordern. A. d. Engl. mit erläut. Anmerk. von A. Thaer. gr. S8. 2 Rthlr. Bergen, J. C., Anleitung zur Viehzucht, oder vielmehr zum Futtergewaͤchsbau und zur Stollfätterung des Rindoiehes. Mit Anmerkungen, Berichtigungen und Zuſätzen von Albr. Thaer. Mit 3 Kupfert. gr. 8. 2 Rthlr. 12 Gr. Chaptal, J. A., die Cvemie in ihrer Anwendung auf Kuͤnſte und Gewerbe dargeſtellt. A. d. Franz. mit Anmerkungen und Zuſätzen von D. S. F. Hermbſtädt. Zwei Baͤnde mit 12 Kupfertafeln. gr. s. 5 Rthlr. Dickſon, R. W., praktiſche Ackerbaukunde oder vollſtändiges Syſtem der verbeſſerten neuen Landwirthſchaft; nebſt der Lehre von den Anpflanzungen und von der Behandlung des Viehapels. A. d. Engl. mir Anmerk. und Zufätzen von Albr. Thäer. Zwei Baͤnde, mit 7 Kupf. gr. g. 7 Rthir. 8 Gr. Einhof, H., Grundriß der Chemie fuͤr Landwirthe. Aus ſeinen hinterlaſſenen Dictaten herausgegeben von Albr. Thaer. Erſter Theil. 37. S8. 1 Rihlr. Eſſen, A. v., der Uebergang aus gewohnlichen Dreifelderwirthſchaften in eine nach Thaer⸗ ſchen Grundſätzen geordnete Fruchtwechſelwirthſchaft. g. 1 Rthlr. 8 Gr. Gericke, C. F. G., pratſche Anleitung zur Fuͤhrung der Wirthſchaftsgeſchaͤfte fur ange⸗ hende Landwirthe. Mit einer Vorrede von Albr. Thaer. Drei Theile in 4 Baͤnden, mit vielen Kupfern. gr. g. 11 Rchlr. 20 Gr. Deſſelben Werke 2ter Theil in? Baͤnden, unter dem beſondern Titel: Anleitung zum Erdrinden oder Erdflächenbau. Zwei Vaͤnde, mit Kupf. gr. S. 6 Rthlr. Fuͤr die Beſitzer der erſten uflage des groͤßern Werks befonders beſtimmt. Gilly, D., praktiſche Anleitung zur Anwenduug des Nivellirens oder Waſſerwaͤgens in den bei der Landescutur vortommenden gewöhnlichſten Faͤllen. Zweite Aufl. mit 4 illumin. Kupfern. gr. 4. 1 Rthlr. Hayne, D. F. 6., getrene Parstellung und Beschreibung der in der Oekonomie und Lechrologie gebräuchlichen Gewächse. Erstes Heft fit 6 um. Kupfert. gr. 4. 1Rthl 12 Gr. Aaf engl. Vel. Pap. 1 Bthlr. gr Gr. Hermbſtädt, D. S. F, aligemeine Grundſätze der Bleſchkunſt, oder theoretiſche und prak⸗ tiſche Anleitung zum Bleichen des Flachſes, der Baumwolle, Wolle und Seide, ſo wie der daraus g ſponenen Garue, und gewebten oder gewirkten Zeuge; nach den neuſten Erfahrungen. Mit 11 Kupfertafeln. gr. 8. 2Rthlr. 4 Gr. Deſſen Aneftung zur Keuntuiß der Natur, Fabrikation und Anwendung des Eſſigs. Fuͤr Fabrikanten und fü Haushaltungen, die ihren Bedarf ſelbſt verfertiaen. gr. 8. 1 Rthlr. Deſſen Archto der Aa iculeurchemie für denkende Landwirthe, vder Sammlung der wichtigſten Enrdeckungen, Erfahrungen und Beobachtungen in der Phyſik und Chemie, fuͤr rationelle Landwirthe, Güterbeſitzer und Freunde der dkonom. Gewerbe. Fuͤnf Baͤnde, mit Kupf. gr. S. 10 Rihl 16 Gr. Deſſen Grund atz der experimentellen Kameralchemie, fuͤr Kameraliſten, Agronomen, Forſt⸗ maͤnner und Technologen. gr. 8. 3 Rthlr. Juſti, H. G. v., dkonomiſche Schriften äber die wichtigſten Gegenſtaͤnde der Stadt⸗ und Laudwirthſchaft. Zwei Baͤnde, 2te Aufl. 1 Rthlr. 20 Gr. Kahler, H., Handbuch fuͤr den Landmann; oder uͤber Mergelfahren, Bewaͤſſerung der Wieſen, Rape⸗, Tobacks⸗ und Hanfbau, Kartoffelbranntweinbrennerei, Wechſelwirth⸗ ſchaft c.; mit einer Vorrede von Albr. Thaer. Mit 2 Kupf. gr. 8. I Rthlr. 18 Gr. Krug, L., Ideen zu einer ſtaatswirthſchaftlichen Statiſtik. 4. 1 Rchl. 12 Gr. Deſſen Abriß der Staatsbkonomie oder Staarswirthſchaftslehre. S8. 1 Rihlr 4 Gr. Deſſen Geſchichte der ſtaatswirthſchaftlichen Geſetzgebung im Preuß. Staate; von den alteſten Zeiten bis zum Ausbruch des Krieges. Erſter Thei. gr. 8. 3 Rrhlr. Lauderdale(Graf von) uber Nationalwohlſtand. Nach dem Engl.(vom Geh. Staats⸗ rath v. Schdn). gr. 8. 10 Gr. 17 Marſhall, W., über Landeigenthum, deſſen Erwerbung und Verbeſſerung. Aus dem Engl. uͤberſetzt, mit einer Vorrede und Anmerkungen begleitet von Heinrich Burggrafen zu Dohna Wundlaken. Erſte Abtheilung. gr. 8. 1 Rchlr. 4 Gr.. Zwei Preisſchriften, von der Anwendbarkeit, dein Nutzen oder der Schaͤdlichkeit der Koppel⸗ wirthſchaft in der Mark Brandenburg. gr. S8. I8 Gr. Sander, J. C. H., vermiſchte Beitraͤge zur praktiſchen und gerichtlichen Thierheilkunde, fur Aerzte, Juriſten, Oekonomen. gr. 8. 2 Rthlr. 8 Gr. Schlaberg, F. A., praktiſche Arzeneimittellehre zum Gebrauch fuͤr Thierärzte und Land⸗ wirthe. Mit einer Vorrede von C. F. G. Gericke. gr. 8. 2 Rthlr. 8. Gr. Schregel, Anweiſung zum Anbau und Benutzung des Mais oder Tuͤrkiſchen Weizens, beſonders im nordlichen Deutſchlande und in den Preuß. Staaten, nach eignen Erfahrun⸗ gen. Mit einigen Anmerkungen und einer Vorrede von Albr. Thaer. 8. 7 Gr. Sick, F., Unterricht für den Lanbwirth zur Abwendung und Heilung der in Kriegszeiten vor⸗ kommenden Viehkrankheiten. Auch in Friedenszeiten nuͤtzlich. gr. s. 10 Gr. Thaer, Albr., Annalen des Ackerbaues, 6 Jahrgaͤnge nebſt Regiſter. Mit Kupfern. 1805— 10. Ladenpreis 40 Rthlr. 12 Gr. S Deſſen Annalen der Fortſchritte der Landwirthſchaft in Theorie und Praxis. Zwei Jahrgaͤnge, 1811 und 12. Mit Kupfern. S8. 13 Rchir.§ Gr. Um den Liebhabern den Ankauf dieſes Werks zu erleichtern, das gewiſſermaßen ols ein Repertorium desjenigen, was in letzter Zeit zur Vervollkommnung der Landwirthſchaft geſchehen, zu betrachten iſt, ſoll eine Anzahl Erempl. von allen acht Jahrgangen bis zur känf⸗ rigen Oſtermeſſe 1313 um den mäßigen Preis von 6 Friedrichsd'or oder 35 Rihlr. Preuß. Cou⸗ rant bei baarer und frankirter Einſendung des Geldes erlaſſen werden; ſpäterhin tritt der volle Ladenpreis wieder ein. Das im vorigen Jahre erſchienene Sachregiſter erleichtert den zweck⸗ mäßigen Gebrauch des Werks beſonders. ha Aus dieſen Annalen ſind folgende Abhandlungen einzeln abgedruckt und beſonders zu aben: A. Thaers Handbuch fur die feinwollige Schaafzucht. Auf Befehl des Königl. Miniſteriums des Innern verfaßt. gr. 8. 18 Gr. Deſſen Methode der landwirthſchaftlichen Vuchhaltung, durch das zu Mogelin ein⸗ gefuͤhrte Schema erläutert. S8. 16 Gr. Derſelbe, uͤber die Werthſchaͤtzung des Bodens. Ein Verſuch an die Stelle der ſchwankenden Wirthſchaftsanſchläge beſtimmte Grundanſchläge zu ſetzen. Erſter Theil: Die Schaͤtzung des Ackerlandes. 8. 20 Gr. Wer von obigen Werken fuͤr die Summe von Zehn Thalern kauft, und dieſe baar und unfrankirt einſendet, dem ſollen die Bucher innerhalb der Preuß, Staaten, oder wenn der Beſteller ein Auslaͤnder iſt bis zur Graͤnze frei geliefert werden. Belaͤuft die Beſtellung ſich auf zwauzig oder mehrere Thaler, ſo kann von dem Betrage 20 Prozent abgezogen, ſo daß z. B. fuͤr 20 Rthlr. nur 16 Rthlr. bezahlt werden. Die frankirte Buͤcher Annglen kein fällt aber ſodann weg; ſo wie auch bei dem heruntergeſetzten Preiſe von Thaers weiterer Vortheil ſtatt findet, S ——— Farbkarte 413